Decision ID: 2c5ce1da-a4ca-5b98-8d65-06412e34def3
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Mit Verfügungen vom 31. März und 30. April 1999 sprach die IV-Stelle
des Kantons Schaffhausen (nachfolgend: IV-Stelle Schaffhausen) dem
am (...) 1961 geborenen A._ (nachfolgend: Versicherter) mit Wir-
kung ab 1. Dezember 1997 bis 31. Mai 1998 eine ganze Rente und ab
1. Juni 1998 eine halbe Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
(IV) zu, jeweils nebst einer Zusatzrente für die Ehegattin und Kinderrente
(IV-act. 73, 74). Die IV-Stelle Schaffhausen ging davon aus, dass der Ver-
sicherte hauptsächlich an einem chronischen Lumbovertebralsyndrom bei
massiven degenerativen Veränderungen und Muskelverkürzungen litt (IV-
act. 71 S. 3). Sie nahm an, dass der Versicherte in seinem bisherigen Be-
ruf als Maurer nicht mehr arbeiten könne, ihm aber leichte manuelle Tä-
tigkeiten ganztags zu 50% zumutbar seien (IV-act. 71, 72). Die IV-Stelle
Schaffhausen stützte sich dabei insbesondere auf das Gutachten des
Kantonsspitals B._ (Rheumaklinik) vom 21. August 1997 (IV-
act. 25), die Angaben von Dr. med. C._ vom 16. März, 4. und
17. April 1998 (IV-act. 61, 62, 63) sowie den Schlussbericht der Abklä-
rungs- und Ausbildungsstätte D._ vom 19. Oktober 1998 (IV-
act. 64). Der Einkommensvergleich ergab beim Versicherten einen Invali-
ditätsgrad von 100% ab 9. Dezember 1997 und einen solchen von 64%
ab 1. Juni 1998 (IV-act. 72). Nachdem der Versicherte seine Rückkehr
nach Italien angezeigt hatte (IV-act. 82), übermittelte die IV-Stelle Schaff-
hausen die Akten am 3. März 2000 zuständigkeitshalber an die Schwei-
zerische Ausgleichskasse (SAK; IV-act. 85), welche die entsprechenden
IV-Leistungen ab 1. April 2000 ausrichtete (IV-act. 86).
A.b Im März 2001 überprüfte die IV-Stelle für Versicherte im Ausland
(nachfolgend: IVSTA) von Amtes wegen den Invaliditätsgrad des Versi-
cherten (IV-act. 89). Gestützt auf die eingereichten Arztzeugnisse (IV-
act. 91-94) und den eingeholten Arztbericht E 213 (IV-act. 95) machte die
IVSTA dem Versicherten am 28. September 2001 die Mitteilung, dass sie
in Bezug auf den Invaliditätsgrad keine Änderung festgestellt habe und
deshalb weiterhin ein Anspruch auf die halbe Invalidenrente bestehe (IV-
act. 97).
A.c Der Versicherte stellte am 1. Oktober 2002 ein Revisionsgesuch. Die
IVSTA antwortete am 15. November 2002 (IV-act. 102), dass dieses nicht
geprüft werden könne, nachdem aus den vorgelegten medizinischen Un-
terlagen (IV-act. 99, 100) keine relevante Änderung des Invaliditätsgrades
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resultiere. Die IVSTA stützte sich auf den Bericht ihres IV-Stellenarztes
(IV-act. 101). Daraufhin wiederholte der Versicherte mit Schreiben vom
10. Dezember 2002 (IV-act. 105), dass sich sein Gesundheitszustand
verschlechtert habe, und er reichte weitere medizinische Dokumente ein
(IV-act. 103, 104). Die IVSTA holte in der Folge wiederum eine Stellung-
nahme ihres IV-Stellenarztes ein (IV-act. 106) und kam mit Verfügung
vom 17. Januar 2003 zum Schluss, dass die nachgereichten Unterlagen
die bisherige Beurteilung nicht zu ändern vermöchten (IV-act. 107). Ge-
gen diese Verfügung erhob der Versicherte mit Schreiben vom 4. Februar
2003 Einsprache (IV-act. 108). Er machte geltend, dass sich sein Ge-
sundheitszustand weiter verschlimmert habe und verwies auf den beige-
legten Arztbericht (IV-act. 109). Die IVSTA wies die Einsprache am
4. März 2003 gestützt auf die Meinung ihres ärztlichen Dienstes (IV-
act. 113) mangels revisionsbegründender Änderungen ab (IV-act. 114).
B.
B.a Am 14. November 2003 stellte der Versicherte ein erneutes Revisi-
onsgesuch. Er machte geltend, dass sich seine gesundheitliche Situation
in massgeblicher Weise verschlechtert habe und von einem Invaliditäts-
grad von 90% auszugehen sei (IV-act. 115). Dem Gesuch lagen diverse
Arztberichte bei (IV-act. 104, 116, 117). Mit Verfügung vom 24. Juni 2004
(IV-act. 126) teilte die IVSTA dem Versicherten – gestützt auf die Stel-
lungnahme des IV-Stellenarztes (IV-act. 122) – mit, dass die vorgelegten
medizinischen Dokumente zu keiner Veränderung des bestehenden Inva-
liditätsgrades von 64% führe, dem Versicherten ab 1. Januar 2004 aber
eine 3/4-Rente zustehe. Diese Änderung sei einzig auf das Inkrafttreten
der 4. IV-Revision zurückzuführen. Die vom Versicherten gegen diese
Verfügung am 29. Juli 2004 erhobene Einsprache (IV-act. 127) wurde von
der IVSTA mit Entscheid vom 9. November 2004 (IV-act. 129) abgewie-
sen mit der Begründung, dass nicht von einer Verschlechterung des Ge-
sundheitszustandes und einer entsprechenden Erhöhung der Arbeitsun-
fähigkeit und des Invaliditätsgrades auszugehen sei.
B.b Der Versicherte reichte gegen diesen Einspracheentscheid mit Ein-
gabe vom 14. Dezember 2004 Beschwerde bei der Eidgenössischen Re-
kurskommission der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
für die im Ausland wohnenden Personen (nachfolgend: Rekurskommissi-
on) ein und ersuchte um Gewährung einer ganzen Rente. Mit Entscheid
vom 20. Juni 2005 (IV-act. 137) hiess die Rekurskommission die Be-
schwerde in dem Sinne teilweise gut, dass der angefochtene Entscheid
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aufgehoben und die Sache an die IVSTA zurückgewiesen wurde zur wei-
teren Abklärung der medizinischen Situation des Versicherten seit Einrei-
chung des Revisionsbegehrens und zu neuem Entscheid. Die Rekurs-
kommission hielt in ihrem Entscheid (E. 7) fest, dass alle im vorliegenden
Fall erforderlichen Untersuchungen vorzunehmen seien und ein detaillier-
tes medizinisches Gutachten zum allgemeinen Zustand des Versicherten
zu erstellen sei.
B.c In der Folge erteilte die IVSTA dem italienischen Versicherungsträger
(Istituto Nazionale della Previdenza Sociale [INPS]) in E._ am
24. Januar 2006 den Auftrag, eine neue medizinische Untersuchung des
Versicherten zu veranlassen. Sie verlangte einen medizinischen Bericht
zu seinem aktuellen Zustand (mit Angaben hinsichtlich Therapie und Me-
dikamentation) sowie hämatologische, kardiologische, neurologische und
orthopädische Untersuchungen (IV-act. 144). Daraufhin wurden zahlrei-
che medizinische Abklärungen durchgeführt und die entsprechenden Do-
kumente der IVSTA eingereicht (IV-act. 159-171), welche diese ihrem
medizinischen Dienst unterbreitete (IV-act. 173). In seinem Bericht vom
1. April 2007 (IV-act. 175) stellte der IV-Stellenarzt die folgenden Diagno-
sen: "sindrome dolorosa spondilogena lombosacrale cronica nota sin dal
1987" (chronisches Lumbovertebralsyndrom, bekannt seit 1987), "iper-
tensione arteriosa essenziale grado 1" (essentielle arterielle Hypertonie,
Grad 1), "epatopatia steatosica" (Fettleber), "obesità: BMI 35" (Adipositas:
BMI 35). Der IV-Stellenarzt kam in seiner Beurteilung zum Schluss, dass
die umfassende Prüfung des Falls die Stabilität des Gesundheitszustan-
des des Versicherten bestätige. Dieser leide heute an bereits bekannten
Krankheiten, welche sich in den vergangenen 10 Jahren nicht in einem
Mass verändert hätten, das zu einer Änderung der verbleibenden Restar-
beitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit führen würde. Der IV-
Stellenarzt beurteilte den Versicherten in seiner bisherigen Tätigkeit als
Maurer zu 100% arbeitsunfähig seit dem 9. Dezember 1996 und in einer
Verweisungstätigkeit zu 50% arbeitsunfähig seit dem 1. März 1998. Ge-
stützt auf diese Stellungnahme ihres medizinischen Dienstes teilte die
IVSTA dem Versicherten mit Vorbescheid vom 4. April 2007 (IV-act. 176)
mit, dass er in einer Verweisungstätigkeit mehr als 30% des Validenein-
kommens erzielen könnte, weshalb sein Anspruch auf eine 3/4-Rente
bestätigt werde. Mit Schreiben vom 10. Mai 2007 (IV-act. 177) erhob der
Versicherte dagegen den Einwand, sein Gesundheitszustand habe sich in
relevanter Weise verschlechtert, weshalb er 100% invalid sei und An-
spruch auf eine ganze Rente habe. Das von ihm eingereichte ärztliche
Dokument (IV-act. 179) wurde dem IV-Stellenarzt vorgelegt, welcher in
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seiner Stellungnahme vom 22. Juli 2007 (IV-act. 181) allerdings an seiner
bisherigen Einschätzung festhielt, da kein neues, objektives und über-
zeugendes Element vorgebracht worden sei. Im Entscheid vom 27. Juli
2007 (IV-act. 183) bestätigte die IVSTA in der Folge den Anspruch des
Versicherten auf eine 3/4-Rente.
B.d Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte am 8. September
2007 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht (Verfahren C-
6025/2007) mit dem Antrag, es sei ihm gestützt auf die vorgelegten medi-
zinischen Unterlagen eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Er machte
geltend, er sei in seiner bisherigen Tätigkeit als Maurer zu 100% und in
einer Verweisungstätigkeit zu 90% arbeitsunfähig, was eine Einkom-
menseinbusse von 90% bis 95% zur Folge habe (act. 1). Der Versicherte
reichte dem Gericht im Laufe des Verfahrens weitere ärztliche Dokumen-
te und medizinische Untersuchungsergebnisse ein. Zu diesen Unterlagen
nahm der IV-Stellenarzt in seinem Bericht vom 16. März 2008 Stellung
(IV-act. 185). Neben den bisher von ihm erwähnten Diagnosen (chroni-
sches Lumbovertebralsyndrom, essentielle arterielle Hypertonie, Fettle-
ber, Adipositas) diagnostizierte er nun auch eine mittelschwere endoreak-
tive depressive Störung ("disturbo depressivo endoreattivo medio-grave")
sowie eine bilaterale Coxarthrose ("coxartrosi bilaterale"). Er führte aus,
gestützt auf eine psychiatrische Beurteilung ergebe sich als neuer Aspekt
einzig die reaktive depressive Störung als chronische Krankheit, die den
Versicherten vermutlich schon einige Zeit begleite, die Einschätzung von
dessen verbleibender Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätig-
keit aber nur wenig beeinflusse. Der IV-Stellenarzt bestätigte folglich sei-
ne bisherige Einschätzung und die IVSTA beantragte die Beibehaltung
der 3/4-Rente sowie Abweisung der Beschwerde.
B.e Mit rechtskräftigem Urteil C-6025/2007 vom 18. Februar 2009 hiess
das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde des Versicherten in dem
Sinne teilweise gut, dass der angefochtene Entscheid vom 27. Juli 2007
aufgehoben und die Sache zu weiteren Abklärungen sowie neuem Ent-
scheid im Sinne der Erwägungen an die IVSTA zurückgewiesen wurde.
Das Bundesverwaltungsgericht hielt in seinem Urteil fest, dass der Versi-
cherte eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes angesichts
der eingereichten medizinischen Unterlagen plausibel dargelegt habe
(E. 8.4). Es erachtete die vorinstanzlichen Sachverhaltsabklärungen hin-
sichtlich des psychiatrischen, orthopädischen und kardiologischen Profils
des Versicherten als ungenügend (E. 8.5). Entsprechend konnte es die
dem angefochtenen Entscheid zu Grunde gelegte Arbeitsfähigkeit von
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50% in einer Verweisungstätigkeit nicht bestätigen (E. 9). Das Bundes-
verwaltungsgericht wies die IVSTA deshalb an, den Sachverhalt zu ver-
vollständigen in Bezug auf den Gesundheitszustand des Versicherten
sowie hinsichtlich dessen Arbeitsfähigkeit für den Zeitraum ab 31. März
1999 bis zum Erlass der neuen Verfügung und sodann einen neuen Ent-
scheid zu fällen. Dabei hatte die IVSTA laut Urteil ein psychiatrisches, or-
thopädisches und kardiologisches Gutachten sowie alles weiter Erforder-
liche zu veranlassen (E. 10).
C.
C.a Mit Schreiben vom 2. Juni 2009 (IV-act. 194) erteilte die IVSTA dem
Servizio Accertamento Medico (SAM) in Bellinzona den Auftrag für eine
medizinische Begutachtung des Versicherten. Das vom SAM in der Folge
erstelle pluridisziplinäre Gutachten datiert vom 26. November 2009 (IV-
act. 236). Es basiert insbesondere auf psychiatrischen (IV-act. 229),
rheumatologischen (IV-act. 230) und kardiologischen (IV-act. 233) Unter-
suchungen und stellt dem Versicherten die folgenden Diagnosen mit
Auswirkungen auf dessen Arbeitsfähigkeit aus (S. 13): chronische Cervi-
co-Thorakolumbalgie ("cervicotoracolombalgia nell'ambito di una sindro-
me dolorosa cronica"), soziale Phobien verschiedener Art ("fobie sociali di
vario tipo"), Tendenz zur Vermeidung und Abhängigkeit ("tendenza all'evi-
tamento ed alla dipendenza") sowie Anhedonismus ("anedonismo"). Das
Gutachten kommt zum Schluss, dass die medizinisch-theoretische Ar-
beitsfähigkeit des Versicherten in seinem bisherigen Beruf als Maurer ak-
tuell 30% betrage, und zwar aufgrund seiner rheumatologischen Leiden
(S. 16). Im Hinblick auf die psychiatrischen Leiden sei der Versicherte für
jegliche Tätigkeit zu 20% arbeitsunfähig (S. 17). Aus kardiologischer Sicht
bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 17). Insgesamt sei
der Versicherte daher in einer leidensangepassten Tätigkeit seit Oktober
2007 zu 80% arbeitsfähig, verteilt auf einen ganzen Tag. Zuvor habe ab
dem Jahr 1997 eine Arbeitsfähigkeit von 100% bestanden. Berufliche
Massnahmen werden keine vorgeschlagen (S. 18).
C.b Der IV-Stellenarzt übernahm in seinem Bericht vom 5. Januar 2010
(IV-act. 239) die im SAM-Gutachten gestellten Diagnosen und erachtete
den Versicherten im bisherigen Beruf als Maurer zu 70% arbeitsunfähig
ab 31. März 1999 und in einer Verweisungstätigkeit zu 0% arbeitsunfähig
ab dem 31. März 1999 bzw. zu 20% arbeitsfähig ab 8. Oktober 2007. Der
von der IVSTA gestützt auf diese Einschränkungen in der Folge durchge-
führte Einkommensvergleich ergab eine Einkommenseinbusse von
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32.28% ab 31. März 1999 und eine solche von 46% ab 8. Oktober 2007
(IV-act. 244).
D.
D.a Mit Vorbescheid vom 6. Juli 2010 (IV-act. 249) teilte die IVSTA dem
Versicherten mit, dass die rentenzusprechende Verfügung vom 31. März
1999, welche von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50% ausgegan-
gen sei, offensichtlich falsch sei und daher in Wiedererwägung gezogen
werden müsse. Ab 8. November 1996 sei der Versicherte in einer Verwei-
sungstätigkeit nämlich zu 100% arbeitsfähig gewesen und erst ab
8. Oktober 2007 habe sich dessen Arbeitsfähigkeit aufgrund psychischer
Beeinträchtigungen um 20% reduziert, woraus eine Einkommenseinbus-
se von 46% resultiere. Mit Wirkung ab dem letztgenannten Zeitpunkt be-
stehe daher ein Anspruch auf eine 1/4-Rente.
D.b Der Versicherte erhob gegen diesen Vorbescheid mit Schreiben vom
5. August 2010 (IV-act. 251) Einwände. Er machte geltend, dass bei ihm
bereits im Jahre 1997 rheumatologische Krankheiten diagnostiziert wor-
den seien. In den folgenden Jahren habe sich sein Zustand weiter ver-
schlechtert, es seien ihm weitere Diagnosen gestellt worden und es sei
eine Chronifizierung eingetreten. Inzwischen sei er vollständig arbeitsun-
fähig bezüglich jeglicher Tätigkeiten, was einem Invaliditätsgrad von
100% entspreche. Der Versicherte beantragte daher eine entsprechende
Korrektur des Vorbescheids. Mit Schreiben vom 18. August 2010 (IV-
act. 252) erhob Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Tanner im Auftrag des Versi-
cherten weitere Einwände gegen den Vorbescheid (IV-act. 251). Seitens
des Versicherten wurden zwei neue Arztzeugnisse eingereicht (IV-
act. 250, 254), welche die IVSTA ihrem ärztlichen Dienst unterbreitete.
Der IV-Stellenarzt kam in seiner Stellungnahme vom 16. Oktober 2010
(IV-act. 255) aber zum Schluss, dass die vorgelegten Dokumente keine
andere Beurteilung der medizinischen Situation erlauben würden.
D.c Mit Verfügung vom 3. Dezember 2010 (IV-act. 258) entschied die
IVSTA in Bestätigung ihres Vorbescheids, die bis anhin ausgerichtete 3/4-
Rente mit Wirkung ab 1. Februar 2010 durch eine 1/4-Rente zu ersetzen,
was einen monatlichen Betrag von Fr. 553.- für den Versicherten und ei-
nen solchen von Fr. 221.- pro Kind ergebe. Gleichzeitig wurde einer ge-
gen diese Verfügung gerichteten Beschwerde die aufschiebende Wirkung
entzogen. Die IVSTA führte in ihrer Verfügung aus, dass die vom Versi-
cherten im Einspracheverfahren vorgebrachten Einwände und eingereich-
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ten Dokumente – entsprechend der Stellungnahme ihres ärztlichen
Dienstes (IV-act. 225) – keine neuen Elemente enthielten und nichts an
der Richtigkeit des Vorbescheids zu ändern vermöchten.
E.
Gegen diese Verfügung liess A._ (nachfolgend: Beschwerdefüh-
rer) durch Rechtsanwalt lic. iur. Martin Keiser mit Eingabe vom 6. Januar
2011 (act. 1) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht (Eingang:
7. Januar 2011) erheben und folgende Anträge stellen: 1. Es sei in Aufhe-
bung der angefochtenen Verfügung dem Beschwerdeführer weiterhin ei-
ne 3/4-Rente auszurichten; eventuell sei die bisherige Rente auf eine
ganze Rente zu erhöhen. 2. Es sei der Beschwerde die aufschiebende
Wirkung zuzuerkennen. 3. Es seien die Verfahrenskosten der IVSTA auf-
zuerlegen und es sei diese zu verpflichten, den Beschwerdeführer in Hö-
he seiner Anwaltskosten prozessual zu entschädigen. Zudem wurden die
Verfahrensanträge gestellt, das Beschwerdeverfahren sei in deutscher
Sprache durchzuführen und dem Beschwerdeführer seien die vollständi-
gen Verfahrensakten zuzustellen unter Ansetzung einer Frist zur ergän-
zenden Begründung. Es wurde ausgeführt, dass als zeitlich relevanter
Prüfungszeitpunkt die Erhöhung der Rente auf eine 3/4-Rente am 24. Ju-
ni 2004 zu erachten sei. Der Antrag auf Erteilung der aufschiebenden
Wirkung wurde damit begründet, dass eine Verbesserung des Gesund-
heitszustandes des Beschwerdeführers kaum vorstellbar sei, nachdem
ihm bereits mit Verfügung vom 30. April 1999 wegen lumbosacralen Prob-
lemen eine halbe Rente zugesprochen worden sei und zwischenzeitlich
noch andere gesundheitliche Beschwerden hinzugetreten seien. Im Übri-
gen stelle die laufende Invalidenrente für die Familie des Beschwerdefüh-
rers die einzige Einkommensquelle dar.
F.
Am 12. Januar 2011 (act. 2) verfügte das Bundesverwaltungsgericht unter
anderem, dass das Beschwerdeverfahren in deutscher Sprache geführt
wird.
G.
Die IVSTA (nachfolgend: Vorinstanz) nahm am 18. Januar 2011 fristge-
mäss Stellung zum Antrag des Beschwerdeführers auf Wiederherstellung
der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde. Sie beantragte mit Hinweis
auf ihre vorrangigen Interessen die Abweisung des Antrags.
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H.
Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 27. Januar
2011 (act. 4) wurde das Gesuch des Beschwerdeführers um Wiederher-
stellung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen, weil die finanziellen
Nachteile, welche dem Beschwerdeführer durch den Entzug der auf-
schiebenden Wirkung entstünden, geringer wögen als das öffentliche In-
teresse an der Vermeidung möglicherweise nicht mehr einbringlicher
Rückforderungen. Weiter wurden dem Rechtsvertreters des Beschwerde-
führers mit der gleichen Zwischenverfügung die gesamten Vorakten zu-
gestellt und antragsgemäss die Gelegenheit eingeräumt, eine ergänzen-
de Beschwerdebegründung einzureichen.
I.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte mit Eingabe vom
11. Februar 2011 (act. 6) die ergänzende Beschwerdebegründung ein. Er
hielt darin an den bisher gestellten Anträgen fest mit der Präzisierung,
dass die Rente weiterhin als 3/4-Rente auszurichten sei. Weiter wurde
zusammengefasst vorgebracht, dass die Rentenzusprache am 31. März
1999 in Kenntnis und Würdigung aller Umstände und gemäss der dama-
ligen (grosszügigeren) Praxis erfolgt sei und diese Beurteilung wiederholt
– vom ärztlichen Dienst der IV – bestätigt worden sei. Unter dem Titel der
Wiedererwägung bestehe daher für die angefochtene Rentenreduktion
keine Rechtsgrundlage. Vielmehr liege eine neue Beurteilung eines un-
verändert gebliebenen Sachverhalts vor. Eventualiter seien schliesslich
zugunsten des Beschwerdeführers verjährungsrechtliche Punkte zu be-
achten.
J.
Den mit Zwischenverfügung vom 27. Januar 2011 (act. 4) erhobenen
Kostenvorschuss von Fr. 500.- leistete der Beschwerdeführer am 11. Feb-
ruar 2011 (act. 7).
K.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 22. Februar 2011
(act. 9) die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung der ange-
fochtenen Verfügung. Sie führte zum einen aus, dass die Möglichkeit zur
Wiedererwägung jederzeit bestehe und nicht verjähren könne. Zum ande-
ren machte sie im Wesentlichen geltend, dass die Rentenzusprache
durch die IV-Stelle Schaffhausen auf dem Schlussbericht einer berufli-
chen Abklärung (Bericht D._) beruhe, welcher nicht – wie von der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung gefordert – auf medizinische Fest-
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stellungen zur Arbeitsfähigkeit abstelle. Laut Vorinstanz hätte vielmehr
von der Abklärung in F._ ausgegangen werden müssen.
L.
In der Replik vom 10. März 2011 (act. 11) hielt der Beschwerdeführer
durch seinen Rechtsvertreter an den beschwerdeweise gestellten Anträ-
gen und Ausführungen fest. Es wurde die Ansicht erneuert, dass für die
Wiedererwägungsmöglichkeit eine 10-jährige Verjährungsfrist gelten
müsse. Zudem wurde festgehalten, dass die Rentenzusprache in Kennt-
nis aller medizinischen Eckdaten sowie entsprechend der damaligen Pra-
xis festgelegt und bei wiederholten Revisionen bestätigt worden sei.
M.
Die Vorinstanz hielt in ihrer Duplik vom 16. März 2011 (act. 13) an den in
der Vernehmlassung getroffenen Feststellungen und gestellten Anträgen
fest.
N.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte mit Schreiben vom
17. August 2011 (act. 15), 13. November 2012 (act. 19) und 21. Novem-
ber 2012 (act. 22) aktuelle Arztberichte und medizinische Unterlagen ein
(act. 15/1, 19/1-8, 22/1).
O.
Die Vorinstanz nahm zu den von Seiten des Beschwerdeführers nachge-
reichten Dokumenten mit Eingabe vom 18. Dezember 2012 Stellung
(act. 24). Sie wies darauf hin, dass einzig auf den bis zum 3. Dezember
2010 eingetretenen Sachverhalt abzustellen sei und sich für diesen Zeit-
raum aus den nachträglich eingereichten Unterlagen keine neuen Ge-
sichtspunkte ergeben würden. Die Vorinstanz hielt daher an ihren bisheri-
gen Feststellungen und dem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest.
P.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterla-
gen wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen ein-
gegangen.
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Seite 11

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69
Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invaliden-
versicherung (IVG, SR 831.20) sowie Art. 5 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)
beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden von Personen im
Ausland gegen Verfügungen der IVSTA.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). In-
des findet das VwVG aufgrund von Art. 3 Bst. d bis
VwVG keine Anwen-
dung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bundesgesetz vom
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) anwendbar ist.
1.3 Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist eine Verfü-
gung der IVSTA. Der Beschwerdeführer ist als Adressat durch die ange-
fochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de-
ren Aufhebung oder Änderung (Art. 59 ATSG). Die Beschwerde wurde
frist- und formgerecht eingereicht (Art. 60 Abs. 1 i.V.m. Art. 38 Abs. 4
ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auch der Kostenvorschuss wurde innert
Frist geleistet (Art. 63 Abs. 4 VwVG). Damit ist auf die Beschwerde einzu-
treten.
2.
Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdeverfah-
rens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes sowie Unange-
messenheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).
3.
Streitig und zu beurteilen ist vorliegend die wiedererwägungsweise (evtl.
revisionsweise) Herabsetzung der Invalidenrente.
3.1 Der Beschwerdeführer ist italienischer Staatsangehöriger und wohnt
in Italien, weshalb vorliegend das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Euro-
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päischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die
Freizügigkeit (FZA, SR 0.142.112.681), insbesondere dessen Anhang II
betreffend Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit in der bis
Ende März 2012 gültigen Fassung (vgl. BGE 138 V 533 E. 2.2), anzu-
wenden ist (Art. 80a IVG). Nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung (EWG)
Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 (AS 2004 121, in Kraft gestan-
den bis Ende März 2012) zur Anwendung der Systeme der sozialen Si-
cherheit auf Arbeitnehmer und Selbstständige sowie deren Familienan-
gehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern, haben die
in den persönlichen Anwendungsbereich der Verordnung fallenden, in ei-
nem Mitgliedstaat wohnenden Personen aufgrund der Rechtsvorschriften
eines Mitgliedstaats grundsätzlich die gleichen Rechte und Pflichten wie
die Staatsangehörigen dieses Staates.
Soweit das FZA bzw. die auf dieser Grundlage anwendbaren gemein-
schaftsrechtlichen Rechtsakte keine abweichenden Bestimmungen vor-
sehen, richtet sich die Ausgestaltung des Verfahrens – unter Vorbehalt
der beiden Grundsätze der Gleichwertigkeit sowie der Effektivität – sowie
die Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen einer schweizerischen Invali-
denrente grundsätzlich nach der innerstaatlichen Rechtsordnung
(BGE 130 V 253 E. 2.4). Entsprechend bestimmt sich vorliegend der An-
spruch des Beschwerdeführers auf eine Rente der Invalidenversicherung
ausschliesslich nach dem innerstaatlichen schweizerischen Recht, insbe-
sondere nach dem IVG sowie der Verordnung vom 17. Januar 1961 über
die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201), dem ATSG sowie der Ver-
ordnung vom 11. September 2002 über den Allgemeinen Teil des Sozial-
versicherungsrechts (ATSV, SR 830.11).
3.2 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 3. Dezember 2010) eingetretenen Sachver-
halt ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Weiter sind in zeitlicher Hinsicht – vor-
behältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – grundsätzlich
diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des rechtlich
zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung ha-
ben (Urteil des Bundesgerichts 8C_419/2009 vom 3. November 2009
E. 3.1; BGE 132 V 215 E. 3.1.1).
3.3 Das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene erste Massnahmenpaket
der 6. IV-Revision (für das IVG: Fassung vom 18. März 2011 [AS 2011
5659]) findet vorliegend noch keine Anwendung, da die angefochtene
C-91/2011
Seite 13
Rentenkürzung vor diesem Zeitpunkt verfügt wurde. Nachfolgend wird –
soweit nicht anders vermerkt – das IVG, die IVV und das ATSG in der seit
1. Januar 2008 (5. IV-Revision, AS 2007 5129 und AS 2007 5155) gülti-
gen Fassung zitiert. Die 5. IV-Revision brachte für die Invaliditätsbemes-
sung keine substanziellen Änderungen gegenüber der bis zum
31. Dezember 2007 gültig gewesenen Rechtslage, so dass die zur alt-
rechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend
ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_373/2008 vom 28. August 2008
E. 2.1). Zwecks Prüfung der Wiedererwägung wird vorliegend zudem auf
die im Zeitpunkt der rechtskräftigen Rentenzusprechung (März 1999) gül-
tig gewesene Fassung des IVG (AS 1987 447) hingewiesen.
4.
Im Folgenden sind die für die Beurteilung der Streitsache massgebenden
Bestimmungen des Invalidenversicherungsrechts und die von der Recht-
sprechung dazu entwickelten Grundsätze darzulegen.
4.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invali-
dität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der kör-
perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs-
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über-
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Un-
fähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu
leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem an-
deren Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
4.2 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
(in der ab 2008 gültigen Fassung) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern können (Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen
C-91/2011
Seite 14
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG)
gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
Seit Inkrafttreten der 4. IV-Revision am 1. Januar 2004 (AS 2003 3837)
besteht bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf ei-
ne Viertelsrente, bei mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei mindes-
tens 60% auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70% auf eine
ganze Rente (Art. 28 Abs. 1 IVG in der Fassung ab 2004 bzw. Art. 28
Abs. 2 IVG in der Fassung ab 2008). Zuvor bestand bei einem Invalidi-
tätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei min-
destens 50% auf eine halbe Rente und bei mindestens 66 2/3 % auf eine
ganze Rente (Art. 28 Abs. 1 IVG in der von 1988 bis Ende 2003 gültig
gewesenen Fassung).
Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50%, so werden die entsprechen-
den Renten nur an Versicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren
gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben (Art. 29
Abs. 4 IVG), soweit nicht völkerrechtliche Bestimmungen eine abwei-
chende Regelung vorsehen, was für Staaten der EU der Fall ist (BGE 130
V 253 E. 2.3).
4.3 Die IV-Stelle prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen
von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Art. 43
Abs. 1 ATSG, Art. 57 Abs. 3 IVG, Art. 69 Abs. 2 IVV). Zur Beurteilung der
medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs stehen den IV-
Stellen seit der 4. IV-Revision regionale ärztliche Dienste (RAD) zur Ver-
fügung (Art. 59 Abs. 2 bis
Satz 1 IVG). Die RAD setzen die für die Invali-
denversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungs-
fähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tä-
tigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen
Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2 bis
Satz 2 und 3
IVG). Die IV-Stellen sind befugt, berufliche Abklärungsstellen (BEFAS) für
die Prüfung der Leistungsvoraussetzungen beizuziehen (Art. 59 Abs. 3
IVG, Art. 69 Abs. 2 IVV).
4.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) somit auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu
stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund-
heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
C-91/2011
Seite 15
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person ar-
beitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93
E. 4; 125 V 256 E. 4).
4.4.1 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel
zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfah-
ren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versi-
cherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h.
ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu
würdigen. Dies bedeutet für das Gericht, dass es alle Beweismittel, unab-
hängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu ent-
scheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurtei-
lung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei
einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht
erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Grün-
de anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizini-
sche These abstellt.
4.4.2 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend,
ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un-
tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me-
dizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Ex-
pertin oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V
351 E. 3a). Auch auf Stellungnahmen eines RAD kann nur abgestellt
werden, sofern sie diesen beweisrechtlichen Anforderungen genügen.
Zudem müssen die Ärztinnen und Ärzte des RAD über die im Einzelfall
erforderlichen persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügen (Ur-
teile des Bundesgerichts 9C_736/2009 vom 26. Januar 2010 E. 2.1;
9C_323/2009 vom 14. Juli 2009 E. 4.3.1 mit weiteren Hinweisen). Nicht
zwingend erforderlich ist, dass die versicherte Person persönlich unter-
sucht wird. Das Fehlen eigener Untersuchungen vermag daher einen
RAD-Bericht für sich alleine nicht in Frage zu stellen. Dies gilt insbeson-
dere dann, wenn es im Wesentlichen um die Beurteilung der erwerblichen
Folgen eines bereits feststehenden medizinischen Sachverhaltes geht,
folglich die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den
Hintergrund rückt. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit grund-
sätzlich weder die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung der
C-91/2011
Seite 16
eingereichten oder in Auftrag gegebenen medizinischen Beurteilung als
Bericht, Gutachten oder Stellungnahme (vgl. zum Ganzen die Urteile des
Bundesgerichts 9C_58/2011 vom 25. März 2011 E. 3.3; BGE 125 V 351
E. 3.a und E. 3b/ee, je mit Hinweisen).
4.4.3 Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Dieser Grad übersteigt einerseits die
Annahme einer blossen Möglichkeit bzw. einer Hypothese und liegt ande-
rerseits unter demjenigen der strikten Annahme der zu beweisenden Tat-
sache. Die Wahrscheinlichkeit ist insoweit überwiegend, als der begrün-
deten Überzeugung keine konkreten Einwände entgegenstehen (UELI
KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Art. 43 Rz. 30; THO-
MAS LOCHER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, Bern 2003, § 68,
Rz. 43 ff.).
4.5 Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 IVG kann
die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einsprache-
entscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und
wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Unter diesen Vor-
aussetzungen kann die Verwaltung eine Rentenverfügung auch dann ab-
ändern, wenn die Revisionsvoraussetzungen des Art. 17 Abs. 1 ATSG
nicht erfüllt sind (vgl. E. 4.6).
4.5.1 Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der
Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung – unter Ein-
schluss unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhal-
tes (Urteil des Bundesgerichts 9C_215/2007 vom 2. Juli 2007 E. 3.1; vgl.
auch BGE 117 V 8 E. 2c; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsge-
richts I 545/02 vom 17. August 2005 E. 1.2). Ein Verwaltungsakt ist zwei-
fellos unrichtig, wenn kein vernünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit mög-
lich ist. Es ist nur ein einziger Schluss – derjenige der Unrichtigkeit der
Verfügung – möglich. Bei Renten der Invalidenversicherung im Besonde-
ren ist zu beachten, dass die Invaliditätsbemessung mit Einschätzung von
Gesundheitszustand und Arbeitsunfähigkeit verschiedene Ermessenszü-
ge aufweisende Elemente und Schritte umfasst und regelmässig komplex
ist. Es bedarf für die Annahme einer zweifellosen Unrichtigkeit einer quali-
fiziert rechtsfehlerhaften Ermessensbetätigung. Scheint die Einschätzung
vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt
der rechtskräftigen Rentenzusprechung darbot, als vertretbar, scheidet
die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (ULRICH MEYER, Rechtspre-
chung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
C-91/2011
Seite 17
über die Invalidenversicherung [IVG], 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2010,
390; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_215/2007 vom 2. Juli 2007
E. 3.2 mit Hinweisen). Ansonsten würde die Wiedererwägung zum In-
strument einer voraussetzungslosen Neuprüfung, was sich nicht mit dem
Wesen der Rechtsbeständigkeit formell zugesprochener Dauerleistungen
vertrüge (Urteil des Bundesgerichts 9C_418/2010 vom 29. August 2011
E. 3.2 mit Hinweisen).
4.5.2 Lässt sich der Nachweis einer zweifellosen Unrichtigkeit nicht
erbringen, sind die Folgen der Beweislosigkeit nach der allgemeinen Be-
weislastregel von der Verwaltung zu tragen (vgl. BGE 117 V 261 E. 3b;
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-8089/2010 vom 29. Januar 2013
E. 4.3.3).
4.6 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf
Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder auf-
gehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
4.6.1 Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den
tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und
damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente
bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes oder der
erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheits-
zustandes revidierbar (BGE 134 V 131 E. 3 mit Hinweisen). Dagegen ist
die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unverändert ge-
bliebenen Sachverhaltes, namentlich des Gesundheitsschadens oder
auch der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit, unerheblich (BGE
112 V 371 E. 2b mit Hinweisen; Sozialversicherung Rechtsprechung
[SVR] 2006 IV Nr. 45 E. 2; 2004 IV Nr. 5 E. 3.3, 3.4; 1996 IV Nr. 70 E. 3a;
UELI KIESER, ATSG-Kommentar, a.a.O., Art. 17 Rz. 16 ff.). Auch eine neue
Verwaltungs- oder Gerichtspraxis rechtfertigt grundsätzlich keine Revision
des laufenden Rentenanspruchs zum Nachteil der versicherten Person
(BGE 135 V 201 E. 6.1.1 mit Hinweisen, u.a. auf BGE 115 V 308
E. 4a/dd).
4.6.2 Ob eine unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten erhebliche Än-
derung eingetreten ist, beurteilt sich durch den Vergleich des Sachverhal-
tes, wie er im Zeitpunkt der letzten, der versicherten Person eröffneten
rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Ren-
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi-
C-91/2011
Seite 18
gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunk-
ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesund-
heitszustandes) beruht, mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisions-
verfügung; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung
und prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4).
4.6.3 Die substituierte Begründung der Revision bei einer vorgängigen
Wiedererwägung erfolgt – gleich wie im umgekehrten Fall jene der Wie-
dererwägung – im Rahmen der Anwendung des Gesetzes von Amtes
wegen und ist deshalb zulässig (Urteil des Bundesgerichts 9C_566/2008
vom 6. Oktober 2008 E. 2.3; BGE 125 V 368 E. 3b).
4.6.4 Bei einer in Aussicht genommenen Einstellung bzw. Herabsetzung
einer bisher ausgerichteten Leistung trägt diejenige Partei die Beweislast,
welche daraus Rechte ableiten will. Dies ist in der Regel der Versiche-
rungsträger (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, a.a.O., Art. 43 Rz. 40 mit
Hinweis auf Kranken- und Unfallversicherung: Rechtsprechung und Ver-
waltungspraxis [RKUV] 1994 U 206 S. 329, 1992 U 142 S. 76; vgl. auch
BGE 121 V 208 E. 6a). Ergibt die Beweiswürdigung, dass eine rentenauf-
hebende Tatsachenänderung nicht (mit überwiegender Wahrscheinlich-
keit) bewiesen ist, trägt daher der Versicherungsträger die Folgen der
Beweislosigkeit (URS MÜLLER, Das Verwaltungsverfahren in der Invali-
denversicherung, Bern 2010, § 25, Rz. 1538).
5.
Mit rechtskräftiger Verfügung vom 31. März 1999 sprach die IV-Stelle
Schaffhausen dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. April 1999 bei ei-
nem Invaliditätsgrad von 64% eine halbe Invalidenrente zu (IV-act. 73).
Nachfolgend ist zu prüfen, ob diese Verfügung zweifellos unrichtig ist und
von der Vorinstanz daher zu Recht in Wiedererwägung gezogen wird.
5.1 Die Vorinstanz rügt, dass die rentenzusprechende Verfügung vom
31. März 1999 auf einer Abklärung in der BEFAS D._ (von August
bis Oktober 1998) bzw. dem entsprechenden Schlussbericht beruhe, wo-
nach in Verweisungstätigkeiten eine Leistungsfähigkeit des Beschwerde-
führers von 50% bestehe, die auch auf nicht gesundheitsbedingte Ein-
schränkungen zurückzuführen sei. Laut Vorinstanz hätte jedoch auf die
Abklärung in F._ (von August bis Oktober 1997) abgestellt werden
müssen, wo eine volle Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in lei-
densangepassten leichten Arbeiten bei einer Tendenz zur Selbstlimitie-
rung medizinisch festgestellt worden sei. Die Vorinstanz erachtet deshalb
C-91/2011
Seite 19
die von der IV-Stelle Schaffhausen festgestellte Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers von 50% in angepassten leichten Verweisungstätig-
keiten als zweifellos unrichtig (act. 9).
5.2 Den Vorakten ist zu entnehmen, dass die IV-Stelle Schaffhausen ihre
Verfügung vom 31. März 1999 insbesondere auf das Gutachten des Kan-
tonsspitals B._ (Rheumaklinik) vom 21. August 1997 (IV-act. 25),
die Angaben von Dr. med. C._ vom 16. März, 4. und 17. April
1998 (IV-act. 61, 62, 63) sowie den Schlussbericht der Abklärungs- und
Ausbildungsstätte D._ vom 19. Oktober 1998 (IV-act. 64) stützte.
Diese medizinischen und beruflichen Grundlagen sind im Feststellungs-
blatt der IV-Stelle Schaffhausen vom 5. Januar 1999 (IV-act. 71) enthal-
ten. Der massgebende Inhalt der genannten Unterlagen, welche sich bei
den Vorakten befinden, wurde im Feststellungsblatt zwecks Darstellung
des Verlaufs und Begründung des Rentenantrags richtig zusammenge-
fasst.
5.2.1 Die IV-Stelle Schaffhausen erwähnte im besagten Feststellungsblatt
zum einen den Bericht des Kantonsspitals B._ (Rheumaklinik)
vom 21. August 1997. Darin wurden die folgenden rheumatologischen Di-
agnosen gestellt: "lumbovertebrales und sakrales Schmerzsyndrom bei
leichtgradiger Wirbelsäulenfehlhaltung/Fehlform (radiologisch leichte
rechtskonvexe BWS- und leichte linkskonvexe LWS-Skoliose, vermehrte
BWS-Kyphosierung und vermehrte LWS-Lordosierung), diskreten dege-
nerativen Veränderungen, radiologisch Scheuermannäquivalenten im
Segment Th 12 und L1". Im bisherigen Tätigkeitsbereich als Maurer wur-
de der Beschwerdeführer zu 100% arbeitsunfähig betrachtet. Weiter wur-
de im Bericht bemerkt, dass durch ein gezieltes, arbeitsbezogenes Trai-
ning eine Steigerung der aktuellen Arbeitsfähigkeit erwartet werde. Tätig-
keiten, bei welchen kein repetitives Heben von Lasten über 20 kg not-
wendig seien sowie Tätigkeiten, welche einen regelmässigen Körperposi-
tionswechsel erlauben würden, sollten gemäss Bericht darnach möglich
sein (IV-act. 25 S. 7).
5.2.2 Weiter bezog sich die IV-Stelle Schaffhausen im erwähnten Fest-
stellungsblatt auf drei aktenkundige Schreiben von Dr. med. C._,
Ärztin für Allgemeinmedizin FMH, in G._: Als Hausärztin des Be-
schwerdeführers hielt sie im ärztlichen Zeugnis vom 16. März 1998 (IV-
act. 61) fest, dass dieser seit Dezember 1996 wegen eines Rückenlei-
dens nur noch für leichte körperliche Arbeiten arbeitsfähig sei. Neu sei
Anfang 1998 eine Herzkrankheit aufgetreten, deren Art kardiologisch
C-91/2011
Seite 20
noch abgeklärt werden müsse. Aufgrund dieser zusätzlichen Krankheit
sei der Beschwerdeführer aktuell zu 100% arbeitsunfähig. Im Schreiben
vom 4. April 1998 (IV-act. 62) teilte Dr. med. C._ der IV-Stelle
Schaffhausen sodann erneut mit, dass der Beschwerdeführer als Maurer
zu 100% arbeitsunfähig sei und er sich eine Teilzeitstelle mit körperlich
leichter Arbeit suchen müsse. Dessen Arbeitsfähigkeit schätzte sie – we-
gen chronischem Lumbovertebralsyndrom und rezidivierenden Tachycar-
dien bei WPW-Syndrom und depressiver Entwicklung – derzeit auf 30-
50% und erwähnte, dass nach dem Überwinden von Anpassungsproble-
men auf eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit gehofft werden könne. Im
Arztbericht vom 17. April 1998 (IV-act. 63) stellte Dr. med. C._
dem Beschwerdeführer folgende Diagnosen: Chronisches Lumbover-
tebralsyndrom (wichtigstes Leiden), Osteochondrose L4/5, WPW-
Syndrom mit paroxysmalen Tachycardien. Sie beurteilte die Arbeitsunfä-
higkeit des Beschwerdeführers in der bisherigen Tätigkeit als Maurer fol-
gendermassen: 100% vom 9. Dezember 1996 bis 28. Februar 1998, 50%
ab 1. März 1998 bis unbestimmt, wobei sie von leichter Arbeit (halbtags)
ausging. Die Arbeitsbedingungen beschrieb sie wie folgt: kein Heben von
Gewichten über 10-15 kg, abwechselnd sitzend und gehend. Dr. med.
C._ äusserte wiederum die Hoffnung, dass der Beschwerdeführer
nach einer Anpassungszeit fähig sein werde, eine leichte Arbeit auch
ganztags auszuführen.
5.2.3 Schliesslich wies die IV-Stelle Schaffhausen im Feststellungsblatt
vom 5. Januar 1999 auf die berufliche Abklärung des Beschwerdeführers
in der BEFAS D._ hin, welche vom 24. August 1998 bis zum vor-
zeitigen Abbruch am 2. Oktober 1998 gedauert hatte. In ihrem Schlussbe-
richt vom 19. Oktober 1998 (IV-act. 64) hielt die BEFAS D._ fest,
dass das Arbeitsverhalten des Beschwerdeführers grundsätzlich gut sei
und er sich – soweit gesundheitlich möglich – Mühe gegeben habe. Aller-
dings würden seine intellektuellen und schulischen Voraussetzungen den
Anforderungen für eine einjährige Umschulung nicht entsprechen. Zudem
bestehe keine Chance auf eine erfolgreiche Wiedereingliederung, solan-
ge der Beschwerdeführer während der eigentlichen Arbeitszeit auf Liege-
pausen angewiesen sei. Aufgrund seiner Rückenbeschwerden beanspru-
che er täglich in mehreren Intervallen durchschnittlich 2 1/2 Stunden Lie-
gezeit. Diese Einschränkungen seien in einem Arbeitstraining nicht ver-
besserbar. Berufliche Massnahmen wurden daher keine empfohlen. Die
BEFAS D._ erachtete den Beschwerdeführer folglich für leichte
einfache, manuelle Tätigkeiten in wechselnder Position ganztags 50%
C-91/2011
Seite 21
leistungsfähig und empfahl die Prüfung der Rentenfrage aus medizini-
scher Sicht.
5.3 Es ist somit aktenkundig, dass die IV-Stelle Schaffhausen ihre renten-
zusprechende Verfügung vom 31. März 1999 – entgegen der Ansicht der
Vorinstanz – nicht nur auf den Schlussbericht der BEFAS D._
stützte, sondern dass sie sich auch auf die oben erwähnten medizini-
schen Unterlagen von Dr. med. C._ bezog. Darin wurde dem Be-
schwerdeführer ab 1. März 1998 eine Arbeitsunfähigkeit von 50% für
leichte Arbeiten attestiert (IV-act. 63). Als Fachärztin in Allgemeiner Inne-
rer Medizin (vgl. www.medregom.admin.ch) konnte Dr. med. C._
diese Einschätzung vornehmen, zumal ihr sämtliche (auch spezialärztli-
chen) Vorakten zur Verfügung standen (IV-act. 60) und sie weitere Abklä-
rungen bei einem Kardiologen durchführen liess (IV-act. 61). Der Verfü-
gung vom 31. März 1999 lag damit sehr wohl eine ärztliche Einschätzung
der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu Grunde. Die von
Dr. med. C._ vorgenommene Einschätzung wurde zudem durch
die berufliche Abklärung in der BEFAS D._ bestätigt. Dort wurde
dem Beschwerdeführer ebenfalls eine Leistungsfähigkeit von 50% (ganz-
tags) zugesprochen, nachdem eine durchschnittliche tägliche Liege- und
Ruhezeit von 31% ermittelt worden war. Entgegen der Ansicht der Vorin-
stanz (act. 9 S. 2) können auch die zusätzlich festgestellte unterdurch-
schnittliche Aufnahme-, Lern- und Konzentrationsfähigkeit auf gesund-
heitliche Ursachen (wie chronische Schmerzen, Herzprobleme, depressi-
ve Entwicklung) zurückzuführen sein. Dass sich die IV-Stelle Schaffhau-
sen bei der rentenzusprechenden Verfügung auch auf den BEFAS-
Bericht stützte, ist nicht zu beanstanden. Der Beizug von beruflichen Ab-
klärungsstellen ist gesetzlich vorgesehen (vgl. E. 4.3 vorne) und deren
Abklärungsergebnisse können gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung durchaus bedeutsam sein bei der Einschätzung der funktionellen
Leistungsfähigkeit, zumal der Beschwerdeführer bei der Abklärung – laut
Bericht (IV-act. 64) – eine kooperative Haltung einnahm (Urteil des Bun-
desgerichts 9C_332/2009 vom 28. Mai 2009 E. 3.4). Dass die von
Dr. med. C._ und der BEFAS D._ gleichermassen getrof-
fene Einschätzung von derjenigen der Rehaklinik F._ abwich, ist
nachvollziehbar. In ihrem Austrittsbericht vom 6. November 1997 ging die
Rehaklinik F._ von einem Lumbovertebralsyndrom sowie einer
Coccygodynie aus (IV-act. 147.10 S. 1). Gemäss Dr. med. C._ trat
beim Beschwerdeführer zusätzlich zu diesen Leiden ab Anfang 1998 aber
auch eine Herzkrankheit (WPW-Syndrom mit paroxysmalen Tachycar-
dien) auf und wurde eine depressive Entwicklung festgestellt. Die Re-
C-91/2011
Seite 22
haklinik F._ hielt in ihrem Bericht im Übrigen einzig fest, dass ab
2. Oktober 1997 eine Arbeitsfähigkeit im Rahmen des Zumutbaren gege-
ben sei. Die schwere Arbeit als Maurer erachtete sie als nicht mehr zu-
mutbar. Zumutbar waren gemäss ihrer Beurteilung indessen leichte bis
mittelschwere Arbeiten ganztags im Rahmen der genannten Fähigkeiten
und Defizite. Als berufliche IV-Anschlussmassnahme wurde zudem eine
dreimonatige Abklärung in D._ vereinbart (IV-act. 147.10 S. 3).
Diese Abklärung führte zu den oben dargelegten plausiblen Ergebnissen
(vgl. E. 5.2.3), welche sich mit den medizinischen Unterlagen von
Dr. med. C._ deckten (vgl. E. 5.2.2).
5.4 Zusammenfassend kann die ursprüngliche, rentenzusprechende Ver-
fügung der IV-Stelle Schaffhausen vom 31. März 1999 damit nicht als
zweifellos unrichtig im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG gelten. Dieser Ver-
waltungsakt stützte sich auf aktuelle ärztliche und berufliche Beurteilun-
gen, die nachvollziehbar sind. Von einer qualifiziert rechtsfehlerhaften
Ermessenbetätigung kann keine Rede sein. Zudem wurde die Verfügung
anlässlich von Revisionen in den Jahren 2001 und 2003 rechtskräftig
bestätigt, welche ihrerseits auf der Meinung des vorinstanzlichen ärztli-
chen Dienstes beruhten (vgl. IV-act. 101, 106, 113). Auch im Jahre 2007
sprach sich der IV-Stellenarzt gestützt auf zahlreiche medizinische Abklä-
rungen in Italien nochmals ausdrücklich für eine Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers in einer Verweisungstätigkeit zu 50% aus (IV-
act. 175) und er bekräftigte seine Einschätzung in der Folge mehrmals
(IV-act. 181 und 185). Erst nach Vorliegen des im Jahre 2009 eingeholten
SAM-Gutachtens änderte der IV-Stellenarzt seine Meinung. Dieses im
Revisionsverfahren eingeholte Gutachten kann aber nicht herangezogen
werden, um die ursprüngliche Verfügung aus dem Jahre 1999 als unver-
tretbar erscheinen zu lassen. Die zweifellose Unrichtigkeit einer Renten-
verfügung ist aufgrund der damaligen Aktenlage zu beurteilen. Vor dem
Hintergrund der Sach- und auch Rechtslage, wie sie sich im März 1999
darbot, erscheint die von der IV-Stelle Schaffhausen vorgenommene Be-
urteilung der (Rest-)Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aber als ver-
tretbar, weshalb die von der Vorinstanz angenommene zweifellose Un-
richtigkeit der Verfügung vom 31. März 1999 nicht bestätigt werden kann.
Es besteht in keinerlei Hinsicht Anlass, diese Verfügung in Wiedererwä-
gung zu ziehen.
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6.
Die angefochtene Verfügung kann schliesslich auch nicht mit der substitu-
ierten Begründung der Rentenrevision bestätigt werde. Aus dem SAM-
Gutachten vom 26. November 2009 (IV-act. 236) ergibt sich in Bezug auf
die erwerblichen Auswirkungen der rheumatologischen Leiden des Be-
schwerdeführers zweifellos eine Neubeurteilung: Er wird in seinem bishe-
rigen Beruf als Maurer nicht mehr zu 100%, sondern zu 30% arbeitsunfä-
hig erklärt. Und in einer Verweisungstätigkeit wird er anstelle von 50% zu
100% arbeitsfähig erachtet, und zwar seit dem Jahr 1997. In psychiatri-
scher Hinsicht geht das SAM-Gutachten seit Oktober 2007 indessen für
jegliche Tätigkeit von einer Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers von
20% aus, was als eine gesundheitliche Verschlechterung anzusehen ist.
Die Vorinstanz macht denn auch weder eine Verbesserung des Gesund-
heitszustandes des Beschwerdeführers geltend noch spricht sie sich für
eine Veränderung anderer tatsächlicher Verhältnisse aus, welche geeig-
net wären, den Invaliditätsgrad von 64% und damit den Anspruch auf eine
3/4-Rente herabzusetzen. Der Beschwerdeführer selber erklärt sich in-
zwischen mit der Weiterausrichtung einer 3/4-Rente als einverstanden.
7.
Damit steht fest, dass die angefochtene Verfügung vom 3. Dezember
2010 nicht rechtmässig und daher in Gutheissung der Beschwerde vom
6. Januar 2011 aufzuheben ist. Dem Beschwerdeführer ist folglich über
den 1. Februar 2010 hinaus eine 3/4-Rente zuzusprechen.
8.
Schliesslich ist über die Verfahrenskosten sowie eine allfällige Parteient-
schädigung zu befinden.
8.1 Angesichts des Obsiegens des Beschwerdeführers sind keine Verfah-
renskosten zu erheben (vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Der vom Be-
schwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von Fr. 500.- ist ihm nach
Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten.
8.2 Dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht eine von der Vor-
instanz zu entrichtende Parteientschädigung zu (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG
i.V.m. Art. 7 Abs. 1 und Art. 12 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173. 320. 2]), die mangels einer Kostennote aufgrund
der Akten zu bestimmen ist (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE). Das dem Be-
schwerdeführer zu entschädigende Honorar bestimmt sich nach dem
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notwendigen Zeitaufwand seines anwaltlichen Vertreters (vgl. Art. 10
Abs. 1 und 2 VGKE). Unter Berücksichtigung des gebotenen und akten-
kundigen Aufwands erachtet das Bundesverwaltungsgericht eine Partei-
entschädigung von Fr. 2'500.- für angemessen (inklusive Auslagen;
Mehrwertsteuer ist nicht geschuldet, vgl. Art. 1 Abs. 2 Bst. a des Bundes-
gesetzes vom 12. Juni 2009 über die Mehrwertsteuer [MWSTG, SR
641.20] i.V.m. Art. 8 Abs. 1 MWSTG und Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE). Ver-
mögenswerte Interessen sind nicht zu berücksichtigen (Art. 10 Abs. 3
VGKE i.V.m. Art. 61 Bst. g ATSG in analogiam).