Decision ID: 37ef8a39-e972-42c4-8778-1d9b2b08e0ee
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
S._, geb. 2011, besuchte im Schuljahr 2020/21 die vierte Primarklasse in X._. Mit
Schreiben vom 20. April 2021 beantragten seine Eltern A._ und B._ beim Schulrat
X._ die Übernahme der Kosten für die Beschulung in der Privatschule Y._
(nachstehend: Privatschule). Zur Begründung legten sie unter anderem dar, S._ habe
aufgrund unzureichenden Eingehens der Schule auf seine individuelle Situation und
Besonderheiten erhebliche psychosomatische Probleme entwickelt. Er zeige
selbstgefährdende Tendenzen, welche er mehrfach in suizidalen Gedanken geäussert
habe. In den vergangenen sechs Jahren hätten wiederholt Gespräche mit den
Lehrpersonen, der Schulleitung und dem Schulrat stattgefunden. Leider habe bis jetzt
keine zufriedenstellende Lösung gefunden werden können. Die heilpädagogische
Förderung und der Besuch des Ateliers hätten nur kurzzeitig geholfen. Der Schule liege
A.a.
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ein Gutachten vor, welches dem Jungen eine Hochsensibilität, eine Hochbegabung
und eine Filterstörung attestiere. Zudem habe S._ einen erhöhten Bewegungsdrang,
um seine Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung aufrecht zu erhalten. Hinzu
komme eine Lese- und Rechtschreibschwäche, die er zwar aufgrund seiner
Hochbegabung teilweise kompensieren könne, die ihn aber trotzdem im Lerntempo
behindere. Beim Verbleib in der öffentlichen Schule würden S._, auch wegen der
anhaltenden Mobbing-Situation, weitere Lern-, Leistungs- und Verhaltensstörungen
prognostiziert, welche sich in unangebrachtem Verhalten entladen würden. Bei ihm
liege eine Erkrankung vor, die eine Privatbeschulung für Hochbegabte erfordere.
Sämtliche niederschwelligen Massnahmen seien bereits ausgeschöpft. Trotz aller
Besonderheiten sei S._ aber kein Sonderschüler. Sie als Eltern seien dem ärztlichen
Rat gefolgt und hätten sich nach Privatschulen in der Umgebung umgesehen. Y._ sei
eine staatlich anerkannte Schule, die S._s schulischen Bedürfnissen Rechnung trage,
eine optimale Entwicklung ermöglichen könne und eine weitere Beschulung im
Oberstufensegment biete (act. G 14/4a).
Mit Verfügung vom 20. Mai 2021 wies der Schulrat X._ das Gesuch betreffend
Übernahme der Kosten für die Beschulung in der Privatschule ab. Zur Begründung hielt
er fest, weder die Abklärungen des schulpsychologischen Dienstes (SPD) noch jene
der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) Graubünden, welche S._ am 2. März 2021
neuropsychologisch untersucht habe, hätten eine Beschulung an einer Privatschule als
notwendig erachtet. Der Meinung, dass S._ zusätzliche Unterstützung benötige,
stimme der Schulrat zu. Jedoch stehe an der Schule X._ (nachstehend: Schule) ein auf
seine Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot an Massnahmen zur Verfügung. Die
Schule sei bereit, unterstützende Massnahmen im Rahmen des Auftrags der
Volksschule anzubieten. Die Massnahmen für S._ an der Schule seien nicht
vollumfänglich ausgeschöpft. Mit ihrer Schulplatzreservation an der Privatschule
würden die Eltern auf das unterstützende Angebot der Schule verzichten. Mit der
fachlichen Unterstützung des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes St. Gallen
(KJPD) könne S._ geholfen und auf seinen Förderbedarf eingegangen werden (act. G
14/4a B). Am 25. Mai 2021 trat S._ indes in die Privatschule über. Den gegen die
Verfügung vom 20. Mai 2021 durch Rechtsanwalt lic. iur. Urs Bertschinger, Buchs, für
die Eltern von S._ am 2. Juni 2021 erhobenen und mit Eingabe vom 28. Juni 2021
ergänzten Rekurs (act. G 14/1 und 14/4) wies das Bildungsdepartement (BD) des
Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 12. April 2022 kostenfällig ab (act. G 2).
A.b.
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B.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Als gesetzliche Vertreter
Gegen diesen Rekursentscheid erhob Rechtsanwalt Bertschinger für A._ und B._ mit
Eingabe vom 25. April 2022 Beschwerde (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom
9. Juni 2022 (act. G 10) stellte er die Rechtsbegehren, der Entscheid vom 12. April
2022 sei aufzuheben (Ziffer 1). Die Beschwerdegegnerin (politische Gemeinde X._) sei
zu verpflichten, die Kosten für das Schulgeld samt Transportkosten der Privatschule
Y._, eventuell einer anderen Privatschule, zu übernehmen (Ziffer 2). Eventuell sei der
Entscheid aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen (Ziffer 3). Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerdegegnerin für beide Instanzen (Ziffer 4).
B.a.
In der Vernehmlassung vom 20. Juni 2022 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde, unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführer. Zur Begründung
verwies sie auf den Entscheid vom 12. April 2022 und verzichtete auf weitere
Ausführungen (act. G 13). Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Vernehmlassung
vom 4. Juli 2022 Abweisung der Beschwerde, unter Kostenfolge zulasten der
Beschwerdeführer. Zur Begründung verwies sie auf ihre Stellungnahmen im
Rekursverfahren sowie den Entscheid vom 12. April 2022 und äusserte sich ergänzend
zu den Vorbringen in der Beschwerde (act. G 16).
B.b.
Mit Eingabe (Replik) vom 24. August 2022 bestätigten die Beschwerdeführer ihren
Standpunkt (act. G 18). Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 12. September
2022 ausdrücklich (act. G 21), die Beschwerdegegnerin stillschweigend, auf eine
weitere Stellungnahme.
B.c.
Auf die Vorbringen in den Eingaben des vorliegenden Verfahrens wird, soweit für den
Entscheid erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.d.
bis
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(vgl. Art. 304 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, ZGB) sind die
Eltern von S._ zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP; BGer 2C_433/2011 vom 1. Juni 2012 E. 1.2; VerwGE B 2014/247
vom 30. Juni 2015 E. 1.2 und B 2014/113 vom 27. November 2015 E. 1). Die
Beschwerdeeingabe vom 25. April 2022 erfolgte rechtzeitig und erfüllt in Verbindung
mit der Beschwerdeergänzung vom 9. Juni 2022 (act. G 10) formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
Die Art. 19 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101,
BV) und Art. 2 lit. m der Verfassung des Kantons St. Gallen (sGS 111.1, KV)
gewährleisten den Anspruch auf ausreichenden und unentgeltlichen
Grundschulunterricht. „Schulpflichtige“ und Träger des Rechtsanspruchs sind Kinder
und Jugendliche vom Kindergarten, soweit dieser obligatorisch ist, bis und mit der
Sekundarstufe I (vgl. BGE 140 I 153 E. 2.3.1 mit Hinweisen). Für das Schulwesen sind
die Kantone zuständig (Art. 3 und Art. 62 Abs. 1 BV). Sie müssen in organisatorischer,
fachlicher und finanzieller Hinsicht für einen ausreichenden Grundschulunterricht
sorgen, der allen Kindern offensteht (Art. 62 Abs. 2 Satz 1 BV). Dieser muss
angemessen und geeignet sein; er soll genügen, um die Schüler sachgerecht auf ein
selbstverantwortliches Leben vorzubereiten. Der verfassungsrechtliche Anspruch
umfasst nur ein angemessenes bzw. ausreichendes Bildungsangebot an öffentlichen
Schulen. Ein darüberhinausgehendes Mass an individueller Betreuung kann mit
Rücksicht auf das staatliche Leistungsvermögen nicht eingefordert werden. Der
verfassungsmässige Anspruch auf unentgeltlichen Grundschulunterricht gebietet nicht
die optimale bzw. geeignetste Schulung eines Kindes (vgl. BGE 141 I 9 E. 3.2 f. mit
Hinweisen). Der Grundschulunterricht ist obligatorisch und untersteht staatlicher
Leitung oder Aufsicht. An öffentlichen Schulen ist er unentgeltlich (Art. 62 Abs. 2 Satz 2
und 2 BV).
2.1.
Art. 3 Ingress und lit. a KV gewährleistet das Recht, Privatschulen zu gründen, zu
führen und zu besuchen. Der Besuch einer Privatschule beruht auf einem
privatrechtlichen Schulvertrag zwischen den Eltern und der Privatschule. Der
Entschluss der Eltern, ihr Kind an Stelle der öffentlichen Volksschule eine anerkannte
Privatschule besuchen zu lassen, ist grundsätzlich unteilbar: Mit der Privatschule wird
deren ganzes Angebot gewählt und auf das gesamte Angebot der öffentlichen
2.2.
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Volksschule verzichtet. Die Schulgemeinde bleibt indessen jederzeit bereit bzw.
verpflichtet, ein aus der Privatschule zurückkehrendes Kind wieder in den
unentgeltlichen öffentlichen Unterricht aufzunehmen. Auf Privatschulen findet der
Grundsatz der Unentgeltlichkeit keine Anwendung. Aus Art. 19 und Art. 62 Abs. 2
Satz 3 BV ergibt sich zudem kein Anspruch auf staatliche (Mit-)Finanzierung des
privaten Grundschulunterrichts, jedenfalls so lange nicht, als an öffentlichen Schulen
ein ausreichender Unterricht angeboten wird. Ferner kann ein Anspruch auf fallweise
Übernahme des Schulgeldes durch den Staat bejaht werden, wenn dem betreffenden
Schulkind aufgrund schwerwiegender individueller Probleme der ausreichende
Grundschulunterricht an keiner öffentlichen Schule gewährt werden kann, so dass als
ultima ratio nur der Besuch einer spezialisierten privaten Bildungseinrichtung den
grundrechtlichen Anspruch von Art. 19 BV einlösen kann (vgl. VerwGE B 2021/32 vom
9. September 2021 E. 2.2, B 2017/59 vom 23. März 2018 E. 6.2, B 2014/132 vom
19. Juli 2016 E. 3.2, jeweils mit weiteren Hinweisen). Laut Art. 51 des
Volksschulgesetzes (sGS 213.1, VSG) hat das im Kanton St. Gallen wohnhafte Kind
das Recht, jene öffentliche Schule zu besuchen, die seinen Fähigkeiten entspricht und
deren Anforderungen es erfüllt. Die Schülerin oder der Schüler hat dazu die öffentliche
Schule am Ort zu besuchen, wo sie oder er sich aufhält (Art. 52 VSG). Wenn es
besondere Gründe rechtfertigen, kann aber ein auswärtiger Schulbesuch gestattet oder
angeordnet werden (Art. 53 Abs. 1 VSG; vgl. VerwGE B 2017/59 vom 23. März 2018
E. 6.3, B 2014/132 vom 19. Juli 2016 E. 3.3, jeweils mit weiteren Hinweisen).
In schulischen Angelegenheiten sind die Eltern im Interesse ihres Kindes verpflichtet,
mit den zuständigen Behörden zu kooperieren. Diese Kooperationspflicht ergibt sich
nicht nur aus dem Zivilrecht (Art. 302 Abs. 3 ZGB), sondern auch aus dem Gebot von
Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 BV), dem im schulischen Kontext im Interesse des
Kindswohls besondere Bedeutung zukommt. Die Kooperationspflicht besteht auch
dort, wo ein Kind schulische Schwierigkeiten hat, sei dies aufgrund von
leistungsmässiger Über- oder Unterforderung, sei dies aufgrund von Konflikten mit
anderen Schülern oder der Lehrperson. Schulbehörden und Eltern haben in einer
solchen Situation in gegenseitiger Absprache eine auf die Bedürfnisse des Kindes
zugeschnittene Lösung des Problems zu finden, wobei von Seiten der öffentlichen
Schule keine optimale, sondern "nur" eine ausreichende Beschulung sicherzustellen
ist. Bereits hieraus ergibt sich, dass eine Gemeinde verfassungsrechtlich nicht zur
rückwirkenden Übernahme des Schulgelds für den Besuch einer auswärtigen Schule
verpflichtet werden kann, wenn Eltern ohne hinreichenden Grund ihr Kind aufgrund von
Problemen in der Schule am Wohnort aus eigenem Entschluss eine Privatschule oder
2.3.
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Gemäss Art. 12 VRP ermittelt die Behörde oder das von ihr beauftragte
Verwaltungsorgan den Sachverhalt und erhebt die Beweise von Amtes wegen durch
Befragen von Beteiligten, Auskunftspersonen und Zeugen, durch Beizug von
Urkunden, Amtsberichten und Sachverständigen, durch Augenschein sowie auf andere
geeignete Weise. Sind zur Wahrung des öffentlichen Interesses keine besonderen
Erhebungen nötig, so sind nur die von den Beteiligten angebotenen und die leicht
zugänglichen Beweise über erhebliche Tatsachen aufzunehmen (Art. 12 Abs. 1 und 2
VRP). Dieser Grundsatz gilt (mit Einschränkungen hinsichtlich Behauptungs- und
Beweisführungslast) auch im Rechtsmittelverfahren. Der Untersuchungsgrundsatz wird
durch die Mitwirkungspflicht der Parteien relativiert (vgl. B. Märkli, in: Rizvi/Schindler/
die öffentliche Schule einer anderen Gemeinde besuchen lassen. Wohl steht es im
Belieben der Eltern, diese Entscheidung im Einverständnis mit den Trägern der neuen
Schule zu treffen; die aus Art. 19 BV fliessende Pflicht der Wohngemeinde zur
Kostenübernahme fällt in einer solchen Konstellation jedoch zumindest mit Blick auf die
bis zum Gesuch um Kostentragung angefallenen Schulgelder dahin, weil den
zuständigen Schulbehörden der Wohnortgemeinde die Gelegenheit genommen wird, in
Kooperation mit den Eltern eine für alle Beteiligten tragbare Lösung zu finden. Nur wo
eine solche Lösung offensichtlich nicht möglich ist und den Eltern ein weiteres
Zuwarten aufgrund der akuten Gefährdung des Wohls ihres Kindes und einer länger
anhaltenden pflichtwidrigen Untätigkeit der Schulbehörden nicht weiter zugemutet
werden kann, wäre die Befugnis zu einem eigenmächtigen Schulwechsel
ausnahmsweise zu bejahen und würde die Kostentragungspflicht auch rückwirkend
greifen. Eine solche Notstandssituation darf jedoch nur mit grösster Zurückhaltung und
bei Vorliegen einer schweren Pflichtverletzung der Schule angenommen werden. Dies
umso mehr, als die Eltern auch ein ordentliches Gesuch um Schulumteilung und
Kostenübernahme stellen und den allenfalls negativen Entscheid der zuständigen
Behörde auf dem Rechtsmittelweg anfechten können. In einem solchen Verfahren
bleibt es ihnen unbenommen, im Sinne einer vorsorglichen Massnahme auch die
provisorische Beschulung ihres Kindes in einer anderen Schule zu beantragen. Damit
ist ihren Interessen im Regelfall hinreichend Rechnung getragen. Eine zurückhaltende
Anwendung des "Notstandsrechts" auf eigenmächtigen Schulwechsel dient auch dem
Zweck, die Schaffung vollendeter Tatsachen durch eine dafür nicht zuständige
Privatperson zu verhindern; im Regelfall soll vielmehr aufgrund eines Beweisverfahrens
durch staatliche Behörden geklärt werden, ob die Voraussetzungen für einen
Schulwechsel gegeben sind (VerwGE B 2021/32 a.a.O. E. 2.3 m.H.; BGer 2C_561/2018
vom 20. Februar 2019 E. 3.3 f.).
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Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar Zürich/
St. Gallen 2020, N 14-16 zu Art. 12-13 VRP). Diese Pflicht ist insofern gerechtfertigt, als
die Beteiligten den Sachverhalt nicht nur besser kennen, sondern oft auch ein eigenes
Interesse daran haben, ihre Darstellung des Sachverhalts beweismässig zu
untermauern. Sie führt dazu, dass die Verfahrensbeteiligten vor allem dort, wo sie eine
Bewilligung oder eine staatliche Leistung beanspruchen, das tatsächliche Fundament
ihres Begehrens weitgehend selbst behaupten und die Beweise dafür anbieten
müssen. Kann von den Privaten nach den Umständen eine Handlung oder eine
Äusserung erwartet werden und bleibt eine solche aus, so haben die Behörden nicht
nach Tatsachen zu forschen, die nicht aktenkundig sind. Eine Mitwirkungspflicht
besteht insbesondere für die Beschaffung von Unterlagen, welche nur die Parteien
liefern können, und für die Abklärung von Tatsachen, welche eine Partei besser kennt
als die Behörde (BGE 130 II 499, 464 und 128 II 139, 142 f.). Wenn nach Abschluss des
Beweisverfahrens und der Beweiswürdigung keine Überzeugung der Erstinstanz über
die relevanten Tatsachen zustande kommt, hat im Fall, in welchem - wie vorliegend -
eine Verfügung mit begünstigendem Charakter zur Diskussion steht, der zu
Begünstigende die Beweislast für die Voraussetzungen der Begünstigung bzw. die
Folgen einer allfälligen Beweislosigkeit zu tragen (vgl. VerwGE B 2021/32 a.a.O. E. 2.3
m.H.).
3.
3.1.
Eine im Juni 2020 durchgeführte Abklärung ergab bei S._ gemäss Mail des SPD-
Psychologen vom 1. Juli 2020, dass die Testergebnisse eine gute Begabung und
überdurchschnittliche Leistungen im Bereich "Fluides Schlussfolgern" gezeigt, jedoch
nicht im Bereich einer intellektuellen Hochbegabung gelegen hätten. Eine Anmeldung
für den Ateliertag sei somit nicht möglich. Denkbar sei, dass S._ nicht sein wahres
Potential habe zeigen können an diesem Tag. Eine Nachkontrolle zu einem späteren
Zeitpunkt sei auf Wunsch möglich. Beim Lesen und Schreiben zeige S._ dagegen
Schwächen. Die Diskrepanz zu seinem intellektuellen Potential sei erheblich und
hindere ihn im Schulalltag oft daran, sein Wissen in Leistung umzusetzen, weil er in
Zeitnot komme oder zu viele Fehler mache. Er brauche da Unterstützung, damit er sich
mehr auf den Inhalt (statt auf die Schreibfehler) konzentrieren könne. Eventuell sei die
Wiederaufnahme des Förderunterrichts später nötig. Wichtig sei, seine Entwicklung gut
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zu beobachten. Im Mail vom 27. November 2020 hielt der SPD-Psychologe unter
anderem fest, seine Testung schliesse eine Hochbegabung nicht ganz aus, obwohl er
eine solche im Juni nicht habe nachweisen können. Die für S._ inzwischen
organisierte erneute Testung (IQ>130) mit einem alternativen Testverfahren scheine ihm
seriös zu sein (act. G 14/9a/2). Letztere war im September 2020 durch eine privat
konsultierte Psychologin (Praxen Q._, Dresden) erfolgt und hatte einen IQ von 133
ergeben (vgl. act. G 14/4a/5). Im November/Dezember 2020 wurde S._ in der Praxis
für Kinder- und Jugendmedizin abgeklärt. Der Bericht vom 15. Dezember 2020 schlug
pädagogische Massnahmen mit Nachteilsausgleich hinsichtlich LRS (Lese- und
Rechtschreibschwäche) und Förderung im Bereich des logischen Denkens, eine
Ergotherapie sowie eine neuropsychologische Abklärung vor (act. G 14/4a/3). Am
11. Januar 2021 stellte der SPD-Psychologe den Antrag, S._ ab Februar 2021 am
Ateliertag teilnehmen zu lassen. Er wies auf das Ergebnis der erneuten IQ-Testung vom
September 2020 hin und gab der Hoffnung Ausdruck, dass S._ durch den Besuch des
Ateliertags mehr Freude an der Schule finden könne und dadurch seine Lernmotivation
wieder gestärkt werde (act. G 14/9a/3). Gestützt auf eine neuropsychologische
Untersuchung hielt die Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) Graubünden im Bericht
23. März 2021 unter anderem fest, aufgrund der Hinweise für eine
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sei ein Neurofeedback-Training
zu versuchen. S._ habe Anrecht auf einen Nachteilsausgleich. Sodann wurde eine
Psychotherapie und Ergotherapie empfohlen (act. G 14/4a/9). Am 25. März 2021
bescheinigte Dr. med. E._, Facharzt FMH für Kinder- und Jugendmedizin, eine
Schuldispens von S._ vom 14. März bis 2. April 2021 wegen psychosomatischen
Beschwerden und suizidalen Gedanken (act. G 11/15).
Die Berichte von Praxen Q._ vom 27. Februar und 21. Juni 2021 bestätigten eine
Hochbegabung von S._ und stellten unter anderem fest, dass auf seine
Besonderheiten im Lernverhalten im Rahmen der Regelbeschulung nicht ausreichend
habe eingegangen werden können. Zudem hätten sich soziale und seelische
Verhaltensweisen als Kompensationsstrategien manifestiert, die ihm das Lernen aktuell
weiter erschweren und einen besonderen Zugang notwendig machen würden. Der
Lösungsansatz eines Wechsels in eine andere Klasse oder in ein anderes Gebäude
stelle eine Problemverschiebung, keine effektive Lösung dar. Mit der Herausnahme aus
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dem Schulalltag habe eine langsame Regulation seines Verhaltens stattgefunden. S._
habe insgesamt beruhigter und entspannter gewirkt und positive Gedanken zu
erkennen gegeben. Die Berufskollegin (KJP Graubünden) habe aufgelistet, wie S._ im
Lernen Unterstützung gegeben werden müsse. Diese Massnahmen liessen sich
wesentlich besser im Y._ mit dem dortigen pädagogischen Grundkonzept und den
entsprechenden Rahmenbedingungen (kleine Gruppen, freies Bewegen, individuellere
Stützung beim Lernen) umsetzen. Unbedachte Äusserungen seitens der Lehrer wie: "...
wenn du hochbegabt bist, dann ..." hätten bei S._ die Lernblockade verstärkt und ihn
verletzt. Auch habe es Ankündigungen gegeben, ihm das "Atelier wegzunehmen", wo
er sich anerkannt gefühlt habe (act. G 14/4a/7 und 8). Im Bericht des KJPD vom
27. Mai 2021 wurde unter anderem festgehalten, die Beschwerdeführer könnten auf
Grund der zunehmenden Symptomatik von S._ dessen Schulbesuch nicht mehr
unterstützen, und die Situation müsse auch aus kinder- und jugendpsychiatrischer
Sicht für S._ als nicht mehr zumutbar angesehen werden. S._ habe vom KJPD aus
gesundheitlichen Gründen weiter vom Schulbesuch in der bisherigen Schulsituation
dispensiert werden müssen. Eine mögliche Selbstgefährdung sei bei weiterem
Schulbesuch nicht auszuschliessen gewesen. Längerfristig müsse, falls die Situation
nicht gelöst werden könne, von einer Entwicklungsgefährdung ausgegangen werden.
Bei S._ liege ein sehr komplexes Begabungs- und Störungsbild mit kognitiver
Hochbegabung und ungleichmässigem Begabungsbild einerseits sowie recht
beeinträchtigenden Teilleistungsproblemen anderseits vor. Die sorgfältige
Untersuchung durch das KJP Graubünden habe hinsichtlich
Aufmerksamkeitsfunktionen eine leichte bis mittelschwere Beeinträchtigung sowie
weitere neuropsychologische Auffälligkeiten ergeben. Insgesamt zeigten die
Untersuchungsbefunde und Empfehlungen die Komplexität, aufgrund welcher die
geeignete Beschulung von den Zuständigen entschieden werden müsse (act. G 14/4a/
6).
3.2.
Die Vorinstanz hielt im angefochtenen Entscheid unter anderem fest, gemäss Akten sei
S._ ab dem 22. März 2021 fortlaufend wegen psychischen Problemen
krankgeschrieben gewesen. Am 9. April 2021 habe ein Rundtischgespräch zwischen
den Beschwerdeführern und der Schulleitung, dem zuständigen Schulrat, dem
Schulpsychologen, dem Schulsozialarbeiter, der Klassenlehrerin, der Psychologin des
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KJP Graubünden sowie dem Psychologenteam Praxen Q._ (online zugeschaltet)
stattgefunden. Anlässlich dieses Gesprächs hätten die Beschwerdeführer ihren
Beschluss zur privaten Beschulung S._s mitgeteilt. Am 26./27. April 2021 habe S._
im Y._ geschnuppert. Am 27. April 2021 hätten die Beschwerdeführer ihr
Kostenübernahmegesuch für die Privatbeschulung gestellt. Am 15. Mai 2021 habe die
Beschwerdeführerin die Schule X._ über die aktuelle Entwicklung, den
Schnupperbesuch im Y._ und den geplanten Schulbesuch im Y._ ab dem 25. Mai
2021 informiert. Am 1. Juni 2021 hätten die Beschwerdeführer der Schulleitung X._
mitgeteilt, dass S._ seit 25. Mai 2021 in der Privatschule beschult werde. Zwar sei es
verständlich, wenn die Beschwerdeführer ihr Handeln damit zu rechtfertigen versuchen
würden, dass S._s Schwierigkeiten in der öffentlichen Schule schon lange angedauert
hätten, die Schule nicht in der Lage gewesen sei, S._ eine zufriedenstellende Lösung
anzubieten und seine Unterbringung in der Privatschule aufgrund der Komplexität
seiner Probleme dringlich bzw. ein Zuwarten wegen Gefährdung des Kindeswohls nicht
mehr möglich gewesen sei. Die Schulleitung X._ habe den Beschwerdeführern jedoch
am 16. März 2021 nach Kenntnisnahme von S._s psychischem Zustand umgehend
ein Gespräch angeboten. Dieses Angebot habe die Beschwerdeführerin
ausgeschlagen. Auch auf das nach nochmaliger Kontaktaufnahme durch die
Schulleitung vorgetragene Angebot eines Klassenwechsels (in ein anderes Schulhaus)
sei die Beschwerdeführerin nicht eingegangen. Stattdessen hätten die
Beschwerdeführer den KJPD konsultiert und in eigener Regie eine Privatschule
aufgesucht, ohne vorgängig zu versuchen, mit der Schule nach anderen Lösungen zu
suchen. Ihr Vorgehen erweise sich zum einen als eigenmächtig und verletze die
Kooperationspflicht. Zum anderen vermöchten die Beschwerdeführer nicht darzutun,
dass sie aufgrund einer anhaltenden pflichtwidrigen Untätigkeit der Schule X._ keine
andere Wahl als die Unterbringung in einer Privatschule gehabt hätten. Insbesondere
hätten sie es als nicht notwendig gehalten, einer vom SPD bereits im Juni 2020
vorgeschlagenen umfangreichen schulpsychologischen Abklärung S._s zuzustimmen;
stattdessen hätten sie ihn sowohl vom SPD als auch von privaten Gutachtern testen
lassen. Es sei bis anhin unterlassen worden, S._ mit der Fragestellung der geeigneten
Beschulung dem gemäss Art. 36 des Volksschulgesetzes (sGS 213.1; VSG) dafür
zuständigen SPD vorzustellen. Es liege an der Schule X._, unter Einbindung des SPD
abzuklären, welche Beschulung unter welchen Bedingungen für S._ die Richtige sein
bis
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werde. Die Schule X._ habe daher die Übernahme der Kosten für die Privatbeschulung
von S._ zu Recht abgelehnt (act. G 2 S. 18 f.).
4.
4.1.
Streitig ist, ob bei S._ im Zeitpunkt Schulwechsels (25. November 2021) oder zuvor
von einer akuten Gefährdung des Kindeswohls aufgrund der schulischen
Gegebenheiten (Mobbing; unzureichende Möglichkeit, auf die Besonderheiten von
S._s Lernverhalten im Rahmen der Regelbeschulung einzugehen) sowie von einer
gleichzeitig grob pflichtwidrigen Untätigkeit des Beschwerdegegners und/oder
(unabhängig vom Vorliegen einer Pflichtwidrigkeit) von einer Unzumutbarkeit des
weiteren Verbleibs in der Schule auszugehen war, welche den durch die
Beschwerdeführer veranlassten Schulwechsel als unabdingbar erscheinen lassen.
Die Beschwerdeführer legen dar, S._ könne aufgrund schwerwiegender individueller
Probleme kein ausreichender Grundschulunterricht gewährt werden. Gemäss Bericht
des KJPD vom 27. Mai 2021 (act. G 14/4a/6) könne der öffentliche Schulbesuch von
S._ nicht mehr als zumutbar erachtet werden. Beim KJPD handle es sich um eine
offizielle Gutachterstelle. Auch gemäss Bericht Praxen Q._ vom 27. Februar 2021 (act.
G 14/4a/7) sei der Besuch der öffentlichen Schule für ihn nicht mehr zumutbar. Der
KJPD Graubünden (act. G 14/4a/9) habe eine Reihe von Massnahmen vorgeschlagen,
welche kaum an der öffentlichen Schule umgesetzt werden könnten. Die
Beschwerdegegnerin habe nicht aufgezeigt, welche Möglichkeiten an der Volksschule
bisher gefruchtet hätten und welche Massnahmen noch in Frage kommen würden. Aus
dem Mail des SPD-Psychologen vom 1. Juli 2020 gehe nicht hervor, dass weitere
Abklärungen seitens des SPD geplant gewesen seien. S._ sei von den Mitschülern
gehänselt und gemobbt worden. Unter diesem sozialen Druck habe er suizidale
Absichten geäussert und Aggressionen gezeigt. Der Schulsozialarbeiter habe S._
lediglich zweimal gesehen. Es sei deshalb fragwürdig, ob er sich ein eingehendes Bild
über das Wohlergehen von S._ habe machen können. S._ hätte das Atelier gerne
weiter besucht. Es sei jedoch zu einem Vorfall gekommen, weshalb er dann das Atelier
nicht mehr habe besuchen wollen. Ein Standortgespräch sei seitens der Schule einfach
nicht durchgeführt worden. Die Probleme von S._ an der öffentlichen Schule seien
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sehr vielschichtig (Verweis auf die ausführliche Beschreibung des bisherigen Ablaufs;
act. G 14/9a/6 Beilage). S._ habe sich seitens der Lehrer nicht wahr- und
ernstgenommen gefühlt. Sein Potential habe er nicht zu entfalten vermocht. Aufgrund
der Reizüberflutung gerate er in Stress. Unter anderem sei die Hochbegabung auch ein
Grund für das Mobbing gewesen. Die Hochbegabung sei an der öffentlichen Schule
ungenügend gefördert worden (act. G 14/4a/5). Die Beschwerdegegnerin sei nicht in
der Lage gewesen, auf die Bedürfnisse und vielschichtigen Probleme von S._
einzugehen. Sie habe nicht aufgezeigt, welche internen Möglichkeiten bestanden
hätten, die Schulsituation zu verändern. Nebst dem Klassenwechsel, dem Besuch des
Ateliers und der heilpädagogischen Förderung seien keine weiteren Möglichkeiten
aufgezeigt worden. S._ habe eine Psychotherapie und Ergotherapie besucht.
Sämtliche Abklärungen seien von den Beschwerdeführern und nicht von der
Beschwerdegegnerin initiiert worden. Unzutreffend sei, dass die Beschwerdeführer
eine schulpsychologische Abklärung abgelehnt hätten. Die heilpädagogische
Förderung sei eingestellt worden, weil die Heilpädagogin diese nicht mehr für
notwendig erachtet habe. Einzig der Schul- und Klassenwechsel sei abgelehnt worden,
weil sich dadurch nichts an der Mobbingsituation geändert hätte. Dies sei in Absprache
mit den Therapeuten der Praxen Q._ erfolgt. Sämtliche bisherigen Massnahmen
hätten zu keinem Erfolg geführt. Es sei deshalb nicht ersichtlich, weshalb noch weiter
hätte zugewartet werden sollen. Das Kindswohl sei offensichtlich gefährdet gewesen.
Die Beschwerdegegnerin sei untätig geblieben. Sie sei schon seit mehreren Jahren
nicht in der Lage gewesen, für S._ eine zufriedenstellende Lösung anzubieten. Die
Beschwerdeführer seien aufgrund des psychisch unstabilen Zustandes von S._
gezwungen gewesen, unverzüglich zu handeln. Sie hätten keine andere Wahl gehabt,
als S._ in einer Privatschule zu platzieren, die seinen Bedürfnissen gerecht werde. Der
Leidensdruck sei einfach zu gross gewesen. Seit S._ die Privatschule besuche, gehe
es ihm auch wesentlich besser. Die Beschwerdeführer hätten in keiner Weise ihre
Kooperationspflicht verletzt. Vielmehr seien sie seit dem Kindergarten in ständigem
Dialog mit der Beschwerdegegnerin gestanden. Y._ habe Kleinklassen, durch die eine
komplette Individualisierung möglich sei. Er biete therapeutische Unterstützung und
heilpädagogische Förderung direkt vor Ort. Die Finanzierung der Privatbeschulung sei
aufgrund der schwerwiegenden Probleme und der Hochbegabung von S._ angezeigt
(act. G 10). - Mithin rügen die Beschwerdeführer unrichtige/unvollständige
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Sachverhaltsfeststellungen sowie Fehler bei der Beweiswürdigung im vorinstanzlichen
Entscheid, auf die nachstehend einzugehen ist.
4.2.
4.2.1.
Die Beschwerdeführer halten fest, dass ihnen die Mails des SPD-Psychologen vom
1. Juli und 27. November 2020 aufgrund der Verwendung einer falschen Mailadresse
nicht zugegangen seien (act. G 10 S. 8) und dass bei rechtzeitiger Zustellung vieles
hätte erspart werden können (act. G 18 S. 2). Eine Gehörsverletzung ergab sich hieraus
insofern nicht, als im Rahmen des Kostenübernahmegesuchs vom 20. April 2021
Anspruch auf Akteneinsicht bestand. Inwiefern bei unverzüglicher Zustellung der Mails
vieles hätte erspart werden können, wird von den Beschwerdeführern nicht näher
ausgeführt und ist auch nicht aus den Akten eruierbar. Zu ihrer Feststellung, aus dem
Mail des SPD-Psychologen vom 1. Juli 2020 gehe die Planung weiterer Abklärungen
seitens des SPD nicht hervor (act. G 10 S. 6), ist anzumerken, dass der SPD-
Psychologe damals die eventuelle Wiederaufnahme des Förderunterrichts in Betracht
zog und ihm explizit die Beobachtung der weiteren Entwicklung wichtig erschien. Im
darauffolgenden Mail vom 27. November 2020 anerkannte er die Seriosität der
erneuten - von seiner eigenen früheren Testung im Ergebnis abweichenden - IQ-
Testung (act. G 14/4a/2) und stellte am 11. Januar 2021 den Antrag, S._ ab Februar
2021 am (wöchentlichen) Ateliertag teilnehmen zu lassen, wobei er zur Begründung auf
das Ergebnis der erneuten IQ-Testung (kognitive Hochbegabung) verwies (act. G
14/9a/3). Im KJP-Bericht vom 23. März 2021 wurden sodann umfassende medizinische
Massnahmen (Neurofeedback-Training, Psychotherapie, Ergotherapie) vorgeschlagen
(act. 14/4a/9). Zum Vorbringen der Beschwerdeführer, die vom KJP Graubünden (act.
G 14/4a/9) empfohlenen Massnahmen könnten kaum an der öffentlichen Schule
umgesetzt werden (act. G 10 S. 6), ist festzuhalten, dass es dabei vorab um
medizinische Massnahmen geht, welche sich unabhängig von der Schulform - und
damit auch im Rahmen einer öffentlichen Schule - durchführen lassen. Dies gilt auch
für die im Bericht der Praxis für Kinder- und Jugendmedizin vom 15. Dezember 2020
vorgeschlagenen Massnahmen (act. G 14/4a/3). Die beantragte Einholung von
Berichten betreffend die durchgeführte Psychotherapie und Ergotherapie (act. G 10 S.
8) vermöchte diesbezüglich aller Voraussicht nach nichts anderes zu belegen, weshalb
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darauf zu verzichten ist. Zur Feststellung von Praxen Q._, wonach die Massnahmen
sich wesentlich besser unter den Rahmenbedingungen des Y._s (Privatschule)
umsetzen lassen würden (act. G 14/4a/8 Beilage), ist anzumerken, dass wie dargelegt
kein verfassungsrechtlicher Anspruch auf der jeweiligen Situation des Kindes optimal
angepasste individuelle Betreuung im Rahmen der Beschulung besteht (vgl.
vorstehende E. 2.1). Unüberlegte Äusserungen seitens der Lehrpersonen gegenüber
S._ ("... wenn du hochbegabt bist, dann ...", "Atelier wegnehmen"; act. G 14/4a/8
Beilage) lassen sich zwar im Nachhinein nicht ungeschehen machen; sie bewirken
indes für sich allein noch keine Unzumutbarkeit des Verbleibs an der öffentlichen
Schule.
4.2.2.
Im Schreiben vom 21. November 2020 hatte die Beschwerdeführerin der
Klassenlehrerin unter anderem mitgeteilt, S._ sei stolz, endlich ins Atelier gehen zu
können. Ihm stehe die diagnostizierte Filterstörung und die Lese-
Rechtschreibschwäche im Weg, so dass er nicht in allen Bereichen die gleich hohen
Leistungen erbringen könne. Er habe zwar Einzelförderung erhalten, um das
Lesetempo zu steigern und das Schriftbild zu verbessern, was aber nur durch ihr
Drängen möglich geworden sei. Ihr Vertrauen in das (öffentliche) Schulsystem
schwinde immer mehr. Sie fühle sich seitens der Schule allein gelassen (act. G 19).
Gemäss Darlegungen der Beschwerdeführer spitzte sich die Situation für S._ ab
Dezember 2020 zu, was letztlich zur Herausnahme aus der Schule geführt habe. Am
15. März 2021 habe S._ gedroht, sich zu erhängen. In dieser Situation hätten sie
sofort handeln müssen. Die Schule (Beschwerdegegnerin) sei nicht in der Lage
gewesen auf die Bedürfnisse von S._ einzugehen (act. G 18). In diesem
Zusammenhang ist aber nicht ohne weiteres erkennbar, inwiefern die von Dr. E._
bescheinigte Ursache für einen Schuldispens ab 17. März 2021 (act. G 11/15) lediglich
im Rahmen einer Privatbeschulung hätte angegangen werden können, wie die
Beschwerdeführer geltend machen. Nach unbestritten gebliebener Feststellung der
Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit der am 16. März 2021 erfolgten
krankheitsbedingten Abmeldung nahmen die Beschwerdeführer das diesbezügliche
Gesprächsangebot der Schule nicht an (act. G 14/9a/1 S. 2 unten). In der Folge teilten
sie anlässlich des Rundtischgesprächs vom 9. April 2021 ihren Entschluss betreffend
Privatbeschulung von S._ mit (act. G 14/9a/5). Im Rahmen dieses Gesprächs hatte der
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Schulsozialarbeiter unter anderem dargelegt, dass bis anhin drei Gespräche mit S._
stattgefunden hätten. Die Probleme innerhalb des Klassengefüges hätten in den
Gesprächen mit S._ keine grosse Rolle gespielt. In der Klasse habe es zwar
ungünstige Konstellationen gegeben. Mitglieder seien indes immer in bewältigbarem
Rahmen aneinandergeraten (kurze Zänkereien, Rangeleien). S._ habe sich von diesen
Geschehnissen nicht tangiert gesehen. Er habe zwar irgendwie auch dabei sein wollen,
sich jedoch auch genervt geäussert über dieses "kindliche Getue". Von (spezifisch
gegen ihn gerichtetem) Mobbing könne aufgrund der ihm (dem Schulsozialarbeiter)
vorliegenden Informationen nicht gesprochen werden. Der Wunsch vieler Eltern nach
einer Spezialschule mit enger Betreuung sei verständlich; die Realität sehe jedoch in
der Regel anders aus (act. G 14/9a/5 S. 2).
Eine Mobbing-Situation wird auch in keinem der bei den Akten liegenden weiteren
Berichte (vorstehende E. 3.1) explizit bestätigt bzw. näher umschrieben; dies
insbesondere nicht in dem von den Beschwerdeführern in diesem Zusammenhang
angeführten Bericht der Praxis für Kinder- und Jugendmedizin vom 15. Dezember 2020
(act. G 10 S. 7 f. m.H. auf act. G 14/4a/3). Eine konkrete Schilderung eines gegen S._
gerichteten Mobbings findet sich auch nicht in der Beschreibung der Y._-Beschulung
(act. G 14/9a/6 Beilage I) oder der Darlegung des bisherigen Ablaufs durch die
Beschwerdeführer (act. G 14/9a/6 Beilage II). Dort wird lediglich festgehalten, dass S._
sich "der Mobbing-Situation im Schulareal und auf dem Heimweg" über die externe
Beschulung (im Y._) entziehen könne (act. G 14/9a/6 Beilage I S. 4 unten). Sodann
wird bestätigt, dass S._ seit den Weihnachtsferien (2020) vermehrt geäussert habe,
dass er sich in der Schule langweile, er sich an langsameren Klassenkameraden nerve
und er sich in seinem eigenen Lernfortschritt behindert fühle (act. G 14/9a/6 Beilage II
S. 5).
4.2.3.
Angesichts der geschilderten Gegebenheiten kann der Beschwerdegegnerin nicht zu
Recht Untätigkeit mit Bezug auf S._s Situation (vgl. act. G 18 S. 2) vorgeworfen
werden. Gemäss unbestritten gebliebener Feststellung im Protokoll zum
Rundtischgespräch vom 9. April 2021 wurde S._ mit fördernden Massnahmen im
Bereich der Legasthenie, dem Ateliertag (ab Februar 2021) und im Rahmen von
Gesprächen mit dem Schulsozialarbeiter unterstützt. Auf ein Angebot für einen
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Klassen-, Lehrpersonen- und Schulhauswechsel (18. März 2021) und besondere
Massnahmen an Prüfungen (Time-timer, Kopfhörer, Nischenplatz mit Stellwänden)
gingen die Beschwerdeführer nicht ein (vgl. act. G 14/9a/5 S. 2 unten). Der Umstand,
dass sich bei S._ nach Eintritt in die Privatschule eine ins Positive veränderte
Entwicklung zeigte (act. G 14/9a/7), erlaubt für sich allein noch nicht den Schluss auf
grob pflichtwidrige Fehlleistungen der öffentlichen Schule im Vorfeld des
Schulwechsels oder auf eine Unzumutbarkeit des weiteren Verbleibs an der
öffentlichen Schule. Wenn im Bericht des KJPD vom 27. Mai 2021 die schulische
Situation von S._ als nicht mehr zumutbar erachtet wurde und eine Dispensation aus
gesundheitlichen Gründen erfolgte (act. G 14/4a/6), so ist festzuhalten, dass der
Bericht zwar die Notwendigkeit einer Anpassung der Schulsituation von S._ klar
bestätigte, diese Feststellung jedoch nicht ausschliesslich auf den Rahmen einer
Privatbeschulung bezog. Insbesondere wurde darin der Wechsel an eine Privatschule
nicht als einzig mögliche und sofort durchzuführende Option bestätigt. Vielmehr
vermerkte der Bericht als Schlussfolgerung explizit die Notwendigkeit der Abklärung
der geeigneten Beschulung (vgl. act. G 14/4a/6 S. 4). Die Notwendigkeit eines
sofortigen und dringenden Wechsels an eine Privatschule lässt sich auch keinem der
bei den Akten liegenden weiteren Berichte entnehmen. Eine Individualisierung der
Beschulung, wie sie die Privatschule Y._ nach Darlegungen der Beschwerdeführer zu
leisten vermag (vgl. act. 14/9a/6 Beilage), kann und muss die öffentliche Schule im
Rahmen ihres verfassungsrechtlichen Auftrags nicht anbieten (vgl. vorstehende E. 2.1).
Indes können auch im Rahmen der öffentlichen Schule notwendige medizinische und
pädagogische Massnahmen durchgeführt werden. Mit ihrem Vorgehen, S._ von der
Schule der Beschwerdegegnerin abzumelden und bei der Privatschule anzumelden
(Eintritt am 25. Mai 2021), ohne den weiteren Verlauf abzuwarten und dadurch -
gestützt auf den Bericht des KJPD vom 27. Mai 2021 - eine Abklärung der geeigneten
Beschulung durch das SPD (vgl. Art. 36 Abs. 2 VSG) zu ermöglichen, beendeten die
Beschwerdeführer den von ihnen und von Seiten der Schulbehörden eingeschlagenen
Weg der Lösungsfindung von sich aus.
Insgesamt lässt sich aus den geschilderten Umständen daher nicht ableiten, dass der
weitere Schulbesuch für S._ zum vornherein unzumutbar gewesen wäre und dass
mildere Massnahmen als der Schulwechsel - d.h. insbesondere solche, die sich
bis
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aufgrund der Abklärung durch das SPD unter Umständen ergeben hätten - keine
Abhilfe hätten schaffen können. Ein eindeutiger Kausalzusammenhang von S._s
gesundheitlichen und schulischen Problemen einerseits und einer Mobbing-Situation
anderseits erscheint nicht ausgewiesen, zumal wie dargelegt (vorstehende E. 4.2.2.)
eine entscheidrelevante Mobbing-Situation nicht als dargetan gelten kann. Dem
Beschwerdegegner bzw. den Schulbehörden standen aufgrund des sofortigen
Schulwechsel-Entscheids der Beschwerdeführer keine Möglichkeit offen, die Situation
im erwähnten Sinn (insbesondere mit Abklärung der geeigneten Beschulung)
anzugehen. Art. 19 BV vermittelt in einem solchen Fall keinen Anspruch auf Übernahme
der mit dem Besuch der auswärtigen Schule verbundenen Kosten (vgl. vorstehende E.
2.3 erster Absatz mit Hinweisen). Die Bestätigung der Ablehnung der
Kostenübernahme für die Privatbeschulung lässt sich aufgrund der dargelegten
Verhältnisse nicht beanstanden.
5.
5.1.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten von den
Beschwerdeführern zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 1‘500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Diese ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
5.2.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zuzusprechen (vgl. Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).
Der Vorinstanz steht kein Kostenersatz zu (vgl. VerwGE B 2017/59 vom 23. März 2018
E. 7 m.H.). Die Beschwerdegegnerin war im vorliegenden Verfahren weder
berufsmässig vertreten noch belegt und begründet sie zu entschädigende Auslagen.
Soweit ihr Rechtsbegehren - „unter Kostenfolge“ - einen Antrag auf ausseramtliche
Entschädigung mitenthalten sollte, kann ihr deshalb weder eine Partei- noch eine
Umtriebsentschädigung zugesprochen werden (vgl. 98 VRP in Verbindung mit Art. 95
Abs. 3 des Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung, SR 272; vgl.
VerwGE B 2017/59 a.a.O. E. 7 m.H.). Damit kann auch offenbleiben, ob der
bis
ter
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Beschwerdegegnerin überhaupt ein Anspruch auf Entschädigung ausseramtlicher
Kosten zustehen würde.