Decision ID: a36bf6f0-d384-433f-93ce-33bf06818f07
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1970 geborene
X._
absolvierte von 1988 bis 1992 eine Lehre als Druckerin und von Oktober 2008 bis Februa
r 2009 eine Ausbildung als Pfle
gehelferin SRK (Urk. 8
/6 Ziff. 5.3). Am 31. Oktober 2018 meldete sie sich
bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug
von Leistungen der Invalidenver
sicherung an (Urk. 8
/6).
Mit Verfügung
vom 18. Sep
tember 2020 (Urk. 8
/
90
) erfolgte eine Kostengutsprache für eine Potenzial
abklärung vom 19. Oktober bis 18. November 2020. Mit Verfügung
vom 30. Sep
tember 2020 (Urk. 8/94
) legte die IV-Stelle die Höhe des Taggeldes ausgehen
d von einem massgebenden Jahresein
kommen von Fr. 75'288.-- auf Fr. 165.60 fest.
Die dagegen
am 16. Oktober 2020 (Urk. 8/
108
/4-39
)
erhobene Beschwerde
mit dem Antrag, es sei ein höheres Taggeld auszurichten, wurde vom hiesigen Sozialversicherungsgericht
mit
Urteil IV.2020.00721 vom 27. September 2021
(Urk. 15)
in dem Sinne teilweise gutgeheissen
,
als
für die Zeit ab 19. Oktober 2020
die Höhe des
Taggeld
es
auf
Fr
. 178.--
festgelegt
wurde (Urk. 15
S. 10)
.
Die dage
gen
gerichtete
Beschwerde
wies das Bundesgericht mit Urteil 9C_622/2021 vom 7. Februar 2022 ab (Urk
. 16
).
2
.
Zwischenzeitlich
legte die IV-Stelle mit einer weiteren
Verfügung
vom 19.
Februar 2021 (Urk. 2)
das
Taggeld
für Zeit vom 1. März bis 31. August 2021
(Vorpraktikum im Rahmen einer Umschulung zur
Arbeitsagogin
, Urk. 8/144)
basierend auf einem Jahreseinkommen von Fr. 67'630.-- mit einem
Ansatz
von Fr. 148.80 fest
. Dagegen reichte
X._
am
25.
Februar 2021
Beschwerde
ein und stellte
folgende
A
nträge (Urk. 1 S. 1 f.)
:
1.
Es sei die IV-Verfügung vom 19. Februar 2021 aufzuheben und es sei das für die IV-Taggeldberechnung
massgebende
AHV-pflichtig
e
Jahres
einkommen vor Eintritt
des Gesundheitsschadens auf Fr.
88'596.65 festzusetzen, eventualiter auf Fr. 86'196.-
-
,
sub
even
tualiter
aufgrund der Akten und in Anwendung von Art. 23 Abs.
1 und 3 IVG zu ermitteln und festzusetzen.
2.
Eventualiter sei das für die IV-Taggeldberechnung massgebende AHV
pflichtige Jahreseinkommen vor Eintritt des Gesundheits
schadens in Anwendung von Art. 21 Abs. 3 IVV zu bestimmen.
3.
Es seien die Fr. 1'131.40 Überstundenzuschlag und die Fr. 720.-
-
Feiertags- und
Zügeltag
s
entschädigung
in die Berechnung des mass
gebenden Jahreseinkommens miteinzubeziehen. Eventualiter sei dies
bezüglich ein Nachklagevorbehalt einzuräumen.
4.
In Gutheissung von Antrag
1
bzw. 2 seien die Differenzbeträge zu den IV-Taggeldern mit 5 % Verzugszins ab jeweiligem Anfall zu verzinsen.
5.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerde
gegnerin.
Die IV-Stelle
beantragte
in ihrer Beschwerdeantwort vom 25. Mai 2021 (Urk. 6)
Absc
hreibung des Verfahrens,
eventualiter Abweisung
der Beschwerde. Am 9.
Juli 2017 (Urk. 11) reichte die Beschwerdeführerin eine zusätzliche Stellung
nahme ein. Die Beschwerdegegnerin erklärte am 26. August 2021 Verzicht auf D
uplik, was der Beschwerdeführerin am 27. August 2021 zu
r
Kenntnis gebracht wurde (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Versicherte haben gemäss Art. 22
Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invaliden
versicherung (IVG)
während der Durchführung von Ein
gliederungsmassnahmen nach Art. 8 Abs.
3 Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie an wenigstens drei auf
einander folgenden Tagen wegen der Massnahmen verhindert sind, einer Arbeit nachzugehen, oder in ihrer gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50 % arbeitsu
n
fähig (Art. 6 des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversiche
rungsrechts, ATSG) sind
.
Die Grundentschädigung beträgt 80 Prozent des letzten ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten Erwerbseinkommens, jedoch nicht mehr als 80 Prozent des Höchstbetrages des Taggeldes nach Artikel 24 Absatz 1 (Art. 23 Abs. 1 Satz 1 IVG). Unter dem letzten ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten Erwerbs
einkommen ist dasjenige Einkommen zu verstehen, welches die versicherte Person ohne Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit erzielt hat. Dabei ist unerheblich, ob dieses Erwerbseinkommen durch eine den Fähigkeiten und der Ausbildung der versicherten Person entsprechende Tätigkeit erzielt wurde (Kreisschreiben über die Taggelder der Invalidenversiche
rung [KSTI]
Rz
3009). Grundlage für die Ermittlung des Erwerbseinkommens nach Art. 23 Abs. 1 IVG bildet das durchschnittliche Einkommen, von dem Beiträge nach dem Bundesgesetz über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG) erhoben werden (massgebendes Einkommen, Art. 23 Abs. 3 IVG).
2
.
Mit
Urteil
9C_622/2021 vom 7. Februar 2022
(Urk. 16)
wies das Bundesgericht
die Beschwerde
gegen das Urteil des hiesigen Gerichts
IV.2020.00721
vom 27.
September 2021
(Urk. 15)
ab, womit
dieses die Höhe des Taggeldes auf Fr.
178.
- festgelegt hat
te
.
Unter
E. 3
erwog das
hiesige
Gericht
(Urk. 15 S. 5 f.)
:
«3.1
G
emäss den eingereichten Lohnabrechnungen vom Juni
2017 bis März 2018
erzielte die Beschwerdeführerin in den genannten Monaten brutto insgesamt Fr. 71'830.90 (inkl. Ferien- und Nachtzuschlag). In dieser Zeit erhielt sie durchschnittlich 21.2 Nachtzuschläge (212 / 10 = 21.2), was zugleich auch ihren Arbeitstagen entspricht. Aufgerechnet auf die im Monatsdurchschnitt üblichen Arbeitstage (52 x 5 / 12) von 21.7 (vgl.
Art.
40a der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung, AVIV) ergibt dies für zehn Monate ein totales Einkommen von Fr. 73'525.-- (Fr. 71'830.90 / 21.2 x 21.7). Auf das ganze Jahr aufgerechnet ergibt sich ein jährliches Einkommen von Fr.
88'230.--. Da Ferien im Verlauf des betreffenden Dienstjahres zu beziehen sind (vgl. Art. 329c Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obliga
tionen
recht, OR]), sind diese im Umfang des Lohnzuschlags von 8.64 % (Urk. 3/22) in Abzug zu bringen, womit ein massgebendes Jahresein
kommen von Fr. 81'213.20 resul
tiert (Fr. 88'230.-- / 1.0864).
3.2
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, das massgebende Jahreseinkommen sei anhand der letzten drei Monate zu berechnen, kann ihr nicht gefolgt werden. Aufgrund ihrer unregelmässigen Einsätze, ihres unregelmässigen Einkommens und der unregelmässig bezogenen bzw. nicht bezogenen Ferien hat die Berechnung des massgebenden Ein
kommens anhand von Art. 21
bis
Abs. 3
lit
. c IVV zu erfolgen. Der versi
cherte Verdienst kann nicht davon abhängig sein, ob die Beschwerde
führerin ihre Ferien in der Bemessungsperiode per Zufall bezogen hat oder nicht. Würde man nämlich nur die letzten drei Monate berücksichtigen, müsste auch der April 2018 mitberücksichtigt werden, in welchem die Beschwerdeführerin insgesamt nur 112.5 Stund
en gearbeitet hat
, was einem deutlichen tieferen Pensum im Vergleich zu den übrigen Monaten entspricht. Aus diesem Grund rechtfertigt sich die Berechnung anhand der Lohnabrechnungen von Juni 2017 bis März 2018, wobei jedoch die Ferien im Umfang des Lohn
zuschlags von 8.64 %
in Abzug zu bringen sind. Ferienbezug ist nicht freiwillig, sondern eine Arbeitnehmerpflicht.
3.3
Dies ergibt einen Taggeld-Anspruch in der Höh
e von Fr. 178.-- (Fr.
81'230.30
/ 365 x 0.8. [...
].»
Im Urteilsdispositiv erkannte das Gericht
(Urk. 15 S. 10)
:
«
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Ve
rfügung der Sozialversicherungs
anstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, vom 30.
Se
p
tember 2020 dahingehend abgeän
dert, als festgestellt wird, dass für die Zeit ab dem 19. Oktober 2020 Anspruch auf ein Taggeld von Fr.
178.-- besteht
[
...
].
»
3.
3.1
Die
Beschwerdegegnerin legte in der angefochtenen Verfügung
vom 19. Februar 2021 (Urk. 2)
das Taggeld
für Zeit vom 1. März bis 31. August 2021 basierend auf einem Jahreseinkommen von Fr. 67'630.
-- fest
. In ihrer Beschwerdeantwort vom 25. Mai 2021 (Urk. 6) erklärte sie, anlässlich der Instruktionsverhandlung sei am
16. Februar 2021 ein Vergleich über ein
massgebendes Einkommen von Fr.
80'000.-
- geschlossen worden.
Damit sei
en
die Verfügungen vom 25.
November 2020 und 19. Februar 2021 ersetzt worden. Sollte dieser Vergleich weiterhin Bestand haben, sei
das massgebende
Einkommen von Fr. 80'000.-- gemäss dem Vergleich zu berücksichtigen.
Sollte der Vergleich zurückgezogen worden sein, sei das massgebende Einkommen
auf
Fr. 67'630.60
festzul
e
gen
und auf das Verfahren IV.2020.00721 zu verweisen, welches den gleichen Anfech
tungsgegenstand betreffe.
3.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber im Wesentlichen auf den Standpunkt
(Urk. 1 S. 3 f.)
,
a
m
16. Februar 2021 habe eine Instruktions
verhand
lung stattgefunden, in welcher ein massgebendes Jahreseinkommen von pauschal Fr. 80'000.--
mit einem Vergleich
mit Widerrufsrecht von 14 Tagen
von beiden Parteien unterzeichnet worden sei. Drei Tage später habe die Beschwerde
gegnerin mit Verfügung vom 19. Februar 2021 ein massgebendes Jahresein
kommen von Fr. 67'630.60 festgelegt und dieses Verfahren sei beim Gericht unter der Prozess
nummer IV.2020.00721 hängig
(S. 4)
.
Die Krankentaggeld
v
er
sicherung habe
aber ein Einkommen von Fr. 86'196.-
-
ermittelt
und dieses sei als AHV-pflichtige
s
Einkommen vor Eintritt des Gesundheitsschadens mass
geblich
und der Taggeld
anspruch
betrage damit F
r.
188.90
(S.
6).
4.
Streitgenstand im vorliegenden Verfahren bildet einzig die Höhe des Taggeld
an
spruchs
,
worüber im Urteil
IV.2020.00721 vom 27. September 2021
(vgl. E. 2)
basierend auf ein
e
m jährlichen Einkommen von
Fr. 81'230.30
und einem
Tag
geldansatz
von
Fr. 178.--
abschliessend entschieden wurde.
D
ie Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. Februar 2021
(Urk. 2
)
,
mit welcher für die Zeit vom 1. März
bis
31. August 2021 ein Taggeld von Fr. 148.80 zuge
sprochen wurde, ist
damit
dahingehend gutzuheissen, dass der
Taggeldansatz auf Fr. 178.-- fest
zusetzen ist.
5.
Die Beschwerdeführerin beantragt
,
die Differenz
zu den
ausgerichteten IV
Tag
geldern sei mit
5 % Verzugszins ab
jeweiligem Anfall zu verzinsen (vgl. Urk. 1 S.
2).
Die Beschwerdegegnerin hat hierüber nicht entschieden, weshalb es an einem Anfechtungsobjekt mangelt. Zur Vermeidung eines weiteren Verfahrens und der klaren Rechtslage ist das Verfahren jedoch auf diese Frage auszudehnen.
Gemäss Art. 26 Abs. 2 ATSG
werden
,
s
ofern die versicherte Person ihrer Mit
wirk
ungspflicht vollumfänglich nach
gekommen ist, die Sozialversicherungen für ihre Leistungen nach Ablauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung verzugs
zinspflichtig.
Aufgrund der angefochtenen
V
erfügung
stehen
Taggeldleistungen
für die Zeit vom 1. März bis 31. August 2021, welche nach dem hiervor Gesagten mit einem zu niedrigen Taggeldansatz (Fr. 148.80 anstatt
Fr. 178.--
) ausgerichtet wurden
,
zur Diskussion.
Die Leistungen wären damit frühestens ab März 2023 verzugs
zinspflichtig
, weshalb eine Verzugszinspflicht ausser Frage steht.
6.
6.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind vorliegend auf Fr.
2
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzu
erle
gen.
6.2
Die Beschwerdeführerin ist nicht anwaltlich vertreten
.
Anhaltspunkte, die
auf Aufwendungen hindeuten, die das
übliche Ausmass
welche für eine
Erledigung persönlicher
Angelegenheiten
notwendig ist, überschreitet, ergeben sich keine.
A
us dem Verfahren
sind damit
keine Kosten
ersichtlich
,
welche
eine Entschädi
gung rechtfertigten
könnten (vgl. BGE 137 V 57 E. 2.2). Dem Antrag auf eine Parteientschädigung ist damit nicht stattzugeben.