Decision ID: 9618ce8b-5141-5cc1-b307-9e95c0d09ddd
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein syrischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie,
verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge (...) in Richtung Tür-
kei. Er hielt sich mehrere Jahre in B._ auf, reiste schliesslich weiter
und suchte am 14. September 2015 in der Schweiz um Asyl nach. Nach
einer Schnellregistrierung wurde er mit Verfügung vom 16. September
2015 dem Kanton C._ zugewiesen. Am 30. Mai 2016 wurde ein
Kantonswechselgesuch in den Kanton D._ bewilligt.
B.
B.a Das SEM hörte den Beschwerdeführer am 30. April 2018 einlässlich
zu seinen Asylgründen an. Dabei führte er aus, er sei in der Stadt
E._ aufgewachsen und habe seit dem Jahr 2005 mit seiner Familie
in F._ gelebt. Dort sei er verschiedenen Arbeiten nachgegangen,
bevor er sich – nachdem er 18 Jahre alt geworden sei – beim Rekrutie-
rungsbüro gemeldet habe, um seine Militärdienstpflicht hinter sich zu brin-
gen. Nach der Aushebung sei er eingerückt und habe seinen Dienst am
(...) in F._ angetreten. Er habe eine Grund- und eine Spezialausbil-
dung absolvieren müssen und sei dann einem Regiment in G._ zu-
geteilt worden. Ab diesem Zeitpunkt sei er als Sanitäter eingesetzt worden.
Nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien hätten sie ihn nach
H._ geschickt, wo es seine Aufgabe gewesen sei, Verletzte zu
transportieren. Dabei sei er oft in gefährliche Situationen geraten, da unter
anderem mehrmals auf das Ambulanzfahrzeug geschossen worden sei.
Die übliche Dauer des Militärdienstes sei abgelaufen, ohne dass er entlas-
sen worden wäre. Schliesslich seien immer mehr Personen jenen Bataillo-
nen zugeteilt worden, die an Gefechten teilgenommen hätten. Am (...)
habe ihn der Arzt, mit dem er jeweils unterwegs gewesen sei, beiseite ge-
nommen und ihn darüber informiert, dass er ebenfalls einem dieser Batail-
lone zugeteilt werden solle. Somit hätte er künftig entweder Leute töten
müssen oder wäre selbst getötet worden. Er habe sich deshalb entschie-
den, zu desertieren. Ein Freund von ihm habe in F._ Teile für die
Mechaniker abholen müssen und ihm erlaubt, in seinem Fahrzeug mitzu-
fahren und so das Militärgelände zu verlassen. Irgendwo draussen im
Brachland habe er zivile Kleidung angezogen und sein Freund habe einen
vorbeifahrenden Bus angehalten. Er sei eingestiegen, habe für die Fahrt
bezahlt und sei auf diesem Weg nach F._ gelangt. Unterwegs habe
er mit dem Handy seinen Vater informiert, der ihn am Busbahnhof abgeholt
habe. Der Vater habe die Ausweisdokumente seines Bruders mitgebracht,
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der damals studiert habe und ihm ähnlich sehe. Kurz nachdem er zu Hause
angekommen sei, hätten ihn verschiedene Offiziere angerufen und wissen
wollen, wo er sei. Er habe allen gesagt, er wolle lediglich etwas Zeit mit
seiner Familie verbringen – nachdem ihm monatelang der beantragte Ur-
laub verweigert worden sei – und werde dann in den Dienst zurückkehren.
Ihm sei aber klar gewesen, dass er Syrien verlassen werde. Am folgenden
Tag sei er zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester nach
E._ gereist, wobei er an den Kontrollposten jeweils die Identitäts-
karte seines Bruders vorgewiesen habe. In E._ habe er einen
Freund angetroffen, der ebenfalls aus dem Militärdienst desertiert sei und
habe ausreisen wollen. Zusammen hätten sie mithilfe eines Schleppers bei
I._ die Grenze zur Türkei überquert. Danach sei er zu seiner Tante
nach B._ gegangen. Weil das Leben in der Türkei als Syrer schwie-
rig gewesen sei und es keine Sicherheit gegeben habe, habe er sich
schliesslich für die Weiterreise entschieden. Seine Ehefrau – die er in der
Türkei kennengelernt und geheiratet habe – sei später zusammen mit der
gemeinsamen Tochter ebenfalls in die Schweiz gereist.
B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine militärische Iden-
titätskarte im Original und Kopien einer Karte aus der Türkei sowie seiner
Heiratsbescheinigung ein.
C.
Mit Verfügung vom 26. Juli 2019 – eröffnet am 6. August 2019 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte sein Asylgesuch ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Gleichzeitig
ordnete es wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs eine vorläu-
fige Aufnahme an.
D.
Mit Eingabe vom 4. September 2019 erhob der Beschwerdeführer – han-
delnd durch seinen Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde gegen diesen Entscheid und beantragte, es sei ihm vollumfäng-
lich Einsicht in die vom SEM genannten "Quellen" zu gewähren, eventua-
liter sei ihm das rechtliche Gehör zu diesen Quellen zu gewähren, und im
Anschluss eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeer-
gänzung anzusetzen. Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Sache sei zur vollständigen und richtigen Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen.
Eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu
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gewähren; eventualiter sei er als Flüchtling anzuerkennen. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses und Befreiung von der Bezahlung der Verfahrenskosten,
eventualiter sei ihm eine angemessene Frist zur Einreichung einer Sozial-
hilfebestätigung beziehungsweise zur Bezahlung eines Gerichtskostenvor-
schusses anzusetzen.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 10. September 2019 forderte der Instruktions-
richter den Beschwerdeführer auf, entweder eine Fürsorgebestätigung
nachzureichen oder einen Kostenvorschuss zu leisten.
F.
Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe vom 24. September 2019 fristge-
reicht eine Fürsorgebestätigung des (...) vom 18. September 2019 zu den
Akten reichen.
G.
Der Instruktionsrichter hiess mit Verfügung vom 27. September 2019 das
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und lud
die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.
H.
Mit Schreiben vom 16. Oktober 2019 liess sich das SEM innert erstreckter
Frist zur Beschwerde vom 4. September 2019 vernehmen. Es nahm dabei
insbesondere zur in der Beschwerdeschrift geäusserten Kritik Stellung, wo-
nach die angefochtene Verfügung von einer "Quellenanalyse" spreche, je-
doch lediglich eine einzige Quelle benenne, die zudem veraltet sei. Hierzu
führte das SEM aus, es stütze sich bei der Beurteilung der Lage in Syrien
und bezüglich der Frage, inwiefern Wehrdienstverweigerern oder Deser-
teuren eine regierungsfeindliche Haltung unterstellt werde, auf eine breite
Quellenlage ab. Es treffe zu, dass das sorgfältige Studium vielfältiger und
sich in ihrer Aktualität ständig ändernder Quellen im angefochtenen Ent-
scheid nicht ausreichend zum Tragen komme. Tatsächlich seien verschie-
dene Publikationen von europäischen Migrationsbehörden, dem UNHCR
und anderen Organisationen beigezogen und diverse Medienberichte so-
wie die Gesetzesdatenbank des syrischen Parlaments konsultiert worden.
Basierend auf dieser breit angelegten Quellenanalyse sei das SEM zum
Schluss gekommen, dass im gegenwärtigen Zeitpunkt keine ausreichen-
den Anhaltspunkte dafür bestünden, dass jedem Wehrdienstverweigerer
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oder Deserteur eine politisch motivierte Bestrafung drohe. Dies entspreche
auch der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts.
I.
Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
5. November 2019 eine Replik ein, unter Beilage eines Kartenausschnitts
betreffend einer türkisch-russischen Vereinbarung hinsichtlich Nordsyrien.
Er führte aus, dass das SEM in seiner Vernehmlassung zahlreiche Quel-
lenangaben nachschiebe, wobei die zitierten Berichte alle weit vor Erlass
der angefochtenen Verfügung ergangen seien. Damit werde sowohl der
Anspruch auf rechtliches Gehör – insbesondere die Begründungspflicht –
als auch die Abklärungspflicht schwerwiegend verletzt. Es sei willkürlich,
die angefochtene Verfügung weitgehend unbegründet zu erlassen und
dann auf Beschwerdeebene zahlreiche angebliche Quellen nachzuliefern.
Weiter müssten die jüngsten Entwicklungen in Syrien berücksichtigt wer-
den, darunter die Invasion der Türkei in Nordsyrien (Rojava). Trotz Ver-
handlungen zwischen der Türkei und den USA sowie Russland über eine
Waffenruhe und der Einrichtung einer "Sicherheitszone" im türkisch-syri-
schen Grenzgebiet komme es nach wie vor zu Gefechten. Zudem häuften
sich die Berichte von Angriffen durch – von der Türkei unterstützte – islamis-
tische Milizen. Die Situation sei derzeit sehr volatil und es sei nicht möglich,
eine abschliessende Beurteilung vorzunehmen. Als Kurde im Militärdienst
wäre der Beschwerdeführer zum heutigen Zeitpunkt gezwungen, sich an
der Wiederbesetzung von Rojava zu beteiligen, und die entsprechende
Weigerung durch seine Desertion würde als staatsfeindlich und landesver-
räterisch betrachtet und ihn dem Vorwurf aussetzen, die territoriale Einheit
Syriens nicht zu unterstützen.
J.
Mit Schreiben vom 18. November 2019 liess der Beschwerdeführer aus-
drücklich beantragen, dass die Akten dem SEM zur erneuten Vernehmlas-
sung zuzustellen seien mit Verweis auf das Verfahren D-2850/2019
(N [...]). Die Person in jenem Dossier sei vom SEM ursprünglich ebenfalls
wegen Unzulässigkeit im Zusammenhang mit dem Militärdienst vorläufig
aufgenommen worden. Im Rahmen der Vernehmlassung habe das SEM
die angefochtene Verfügung aufgehoben und der betreffenden Person Asyl
gewährt. Dies zeige, dass sich die Praxis des SEM zur Feststellung der
Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs aufgrund der Militärdienstpflicht
schlicht nicht aufrechterhalten lasse. Es dränge sich aus verfahrensökono-
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mischen Gründen auf, dem SEM auch im vorliegenden Fall die Gelegen-
heit zu geben, dem Beschwerdeführer wiedererwägungsweise Asyl zu ge-
währen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestim-
mungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist folglich
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Mit Eingabe vom 18. November 2019 wurde beantragt, das SEM sei unter
Verweis auf das Verfahren D-2850/2019 (N [...]) zu einer erneuten Ver-
nehmlassung aufzufordern. Es ist jedoch nicht ersichtlich und wird nicht
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näher spezifiziert, inwiefern die Ausgangslage in jenem Fall mit der vorlie-
genden Konstellation vergleichbar sei. Vielmehr wird lediglich darauf ver-
wiesen, der Betroffene sei ebenfalls aufgrund der Militärdienstpflicht ur-
sprünglich wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig auf-
genommen worden, während ihm später Asyl gewährt worden sei. Die
Asylrelevanz der geltend gemachten Fluchtgründe ist aber in jedem Ein-
zelfall zu beurteilen. Der vorliegende Fall wurde der Vorinstanz zur Ver-
nehmlassung zugestellt und erweist sich – wie in den nachfolgenden Er-
wägungen aufgezeigt wird – als spruchreif. Der Antrag, das SEM sei zu
einer zweiten Vernehmlassung einzuladen, ist daher abzuweisen.
4.
In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die
vorab zu prüfen sind, da sie unter Umständen geeignet sein könnten, eine
Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
4.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, der in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift.
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass ei-
nes solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise bei-
zubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträ-
gen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entwe-
der mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch
auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1;
BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristgerechten
Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit-
frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab-
gefasst sein, dass die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls
sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegun-
gen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie
ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit
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allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Sodann bildet die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungs-
pflicht einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten-
widriger Sachverhalt zugrunde gelegt oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid wesentli-
chen Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl.
2013, Rz. 1043).
4.2
4.2.1 In der Beschwerdeschrift wird insbesondere geltend gemacht, dass
das SEM seiner Abklärungs- und Begründungspflicht nicht nachgekommen
sei. Es habe in den letzten Monaten eine ausgesprochen widersprüchliche
und willkürliche Praxis betreffend Militärdienstverweigerung und Desertion
in Syrien begonnen. In mehreren Fällen, darunter auch dem vorliegenden,
habe es mit einem "Baustein" die fehlende Asylrelevanz der Desertion,
gleichzeitig aber auch die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs fest-
gestellt. Dabei komme die Vorinstanz einerseits zum Schluss, dass dem
Beschwerdeführer in Syrien zwar Strafmassnahmen drohten, die gegen
Art. 3 EMRK verstiessen. Anderseits würden diese aber keine asylrele-
vante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen. Diese Abgrenzung
erweise sich als willkürlich, weshalb der angefochtene Entscheid zwingend
aufgehoben werden müsse. Die Verfügung sei in diesem zentralen Punkt
nicht nachvollziehbar begründet und erschöpfe sich in einem pauschalen
Textbaustein. Zudem habe das SEM die Abklärungspflicht schwerwiegend
verletzt, indem es im erwähnten Baustein auf eine "Quellenanalyse" ver-
weise, die ergebe, dass die syrischen Behörden nicht allen Wehrdienstver-
weigerern und Deserteuren eine regierungsfeindliche Haltung unterstell-
ten. Es zitiere dabei lediglich einen einzigen Link, der auf ein beinahe zwei
Jahre altes Dokument verweise. Zudem bestätige die zitierte Quelle kei-
neswegs die Behauptung des SEM.
4.2.2 Das SEM legte in der Begründung seiner Verfügung dar, weshalb es
die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Desertion als nicht asylrele-
vant einstufte. Dabei stützte es sich unter anderem auf die Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts und führte aus, dass eine Desertion für
sich alleine nicht ausreiche, um zu einer Anerkennung als Flüchtling zu
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führen. Zwar trifft es zu, dass in der angefochtenen Verfügung von einer
Quellenanalyse die Rede ist, wobei lediglich eine einzige Quelle zitiert
wurde. In seiner Vernehmlassung verwies das SEM jedoch auf zahlreiche
weitere Quellen und der Beschwerdeführer erhielt die Möglichkeit, sich im
Rahmen der Replik dazu zu äussern. Der Entscheid des SEM erweist sich
zudem keineswegs als weitgehend unbegründet. Vielmehr setzte sich die
Vorinstanz mit den wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers aus-
einander und die Begründung, weshalb diese nicht asylrelevant seien, er-
schöpft sich nicht lediglich in einem kurzen Textbaustein (vgl. A16, Ziff. II).
Es war ihm denn auch ohne weiteres möglich, die Verfügung des SEM
sachgerecht anzufechten. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs respek-
tive der Begründungspflicht in diesem Zusammenhang liegt nicht vor.
4.2.3 Sodann merkte der Beschwerdeführer zu der von ihm kritisierten
"Quellenanalyse" an, dass sich das SEM in mehreren vergleichbaren Fäl-
len auf das Dokument "Note Syria, Military Service – Draft Evasion, Deser-
tion and Amnesties" berufen habe. Dabei handle es sich um die Aufzeich-
nung eines Interviews mit einem gewissen Kheder Khaddour, "Scholar" an
einem Institut im Libanon. Es sei davon auszugehen, dass diese Notiz eine
wesentliche Entscheidgrundlage des SEM dargestellt haben müsse. Im
Rahmen der Replik wurde moniert, dass sich die Vorinstanz auf Vernehm-
lassungsstufe weiterhin nicht mit der erwähnten Notiz auseinandergesetzt
habe. Die Beschwerdeschrift nehme ausführlich Bezug darauf, was das
SEM offenbar übersehen oder bewusst ignoriert habe.
Tatsächlich beruft sich die Vorinstanz weder in der angefochtenen Verfü-
gung noch in der Vernehmlassung auf diese Notiz. Sie zitiert jedoch ver-
schiedene andere Quellen, die sich zur Lage in Syrien äussern. Aus den
Akten geht nicht hervor, weshalb sich der angefochtene Entscheid – wie
vom Beschwerdeführer vermutet – auf diese Notiz stützen soll. Entspre-
chend ist auch nicht ersichtlich, weshalb sich das SEM mit diesem Doku-
ment sowie mit der ausführlichen Kritik daran auf Beschwerdeebene hätte
auseinandersetzen sollen.
4.2.4 Der Beschwerdeführer machte weiter geltend, das SEM wende im
vorliegenden Fall willkürlich eine unzureichend begründete neue Praxis im
Zusammenhang mit der Militärdienstpflicht in Syrien an. Diesbezüglich ist
festzuhalten, dass die Ablehnung des Asylgesuchs – wie sich aus den un-
tenstehenden Erwägungen ergibt (vgl. E. 7) – im Einklang mit der Recht-
sprechung des Bundesverwaltungsgerichts steht. Es stellt offensichtlich
keine Verletzung der Begründungspflicht dar, wenn eine Behörde in ihrem
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Entscheid darauf verzichtet, ihre Praxis in anderen, im zu beurteilenden
Fall als nicht gegeben erachteten Fallkonstellationen zu diskutieren. Der
Umstand, dass der Beschwerdeführer die Lage in Syrien sowie die Trag-
weite einer Desertion von der staatlichen syrischen Armee im Hinblick auf
die Asylrelevanz anders einschätzt als die Vorinstanz, stellt keine Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs dar. Vielmehr betrifft dies die rechtliche Wür-
digung des Sachverhalts, auf die im Rahmen der materiellen Prüfung ein-
zugehen ist.
4.3 Des Weiteren brachte der Beschwerdeführer vor, das SEM habe seine
Abklärungspflicht auch dadurch verletzt, dass es keine Erstbefragung durch-
geführt habe. Die Anhörung, die erst zwei Jahre nach Einreichung des
Asylgesuchs stattgefunden habe, sei für ihn die erste und einzige Gelegen-
heit gewesen, seine Asylgründe darzulegen. Zwar trifft es zu, dass vorlie-
gend keine Befragung zur Person (BzP) durchgeführt wurde, wodurch der
Beschwerdeführer erstmals bei der Anhörung die Möglichkeit erhielt, seine
Asylgründe zu schildern. Durch dieses Vorgehen entstand ihm aber kei-
nerlei Nachteil. Er konnte anlässlich der Anhörung seine Erlebnisse aus-
führlich darlegen und das SEM stufte seine Vorbringen als glaubhaft ein.
Der Sachverhalt ist daher als erstellt zu erachten und es ist nicht ersichtlich,
inwiefern die fehlende BzP eine Verletzung der Abklärungspflicht darstel-
len könnte.
4.4 In der Beschwerdeschrift wurde auch bemängelt, dass die Anhörung
von 9:30 bis 17 Uhr und damit viel zu lang gedauert habe. Es ist jedoch zu
berücksichtigen, dass mehrere Pausen integriert wurden. Zudem lassen
sich dem Anhörungsprotokoll keine Hinweise auf kognitive Beeinträchti-
gungen des Beschwerdeführers entnehmen. Die eher lange Dauer er-
scheint daher zumutbar und ist nicht zu beanstanden.
4.5 Sodann habe sich das SEM mit zentralen Vorbringen und Beweismit-
teln nicht auseinandergesetzt. Der Beschwerdeführer habe seinen Militär-
ausweis eingereicht. Dies belege, dass er sich bei der Flucht noch im
Dienst befunden habe, da er den Ausweis bei einer regulären Entlassung
hätte abgeben müssen. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Vorinstanz
in der angefochtenen Verfügung erwähnte, dass der Militärausweis zu den
Akten gereicht wurde. Nachdem das SEM vorliegend nicht bezweifelte,
dass sich der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise im Militärdienst befun-
den hat und desertiert ist, erübrigte sich eine weitere Auseinandersetzung
mit diesem Beweismittel.
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4.6 Nach dem Gesagten erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-
det. Das SEM hat den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches
Gehör nicht verletzt und den Sachverhalt richtig und vollständig festgestellt.
Es besteht keine Veranlassung, die Verfügung aus formellen Gründen auf-
zuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entspre-
chende Begehren ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder
Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht
haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl.
Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings-
eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach
Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss-
bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden
Personen, die subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft
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machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu
BVGE 2009/28 E. 7.1 m.w.H.).
6.
6.1 Das SEM begründete die Ablehnung des Asylgesuchs im Wesentlichen
damit, dass eine Desertion per se die Flüchtlingseigenschaft nicht zu be-
gründen vermöge. Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung liege eine
asylrelevante Verfolgung nur dann vor, wenn eine Person aufgrund ihrer
oppositionellen Haltung konkreten staatlichen Verfolgungsmassnahmen
ausgesetzt sei, die gezielt und aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG ge-
nannten Gründe auf sie ausgerichtet seien. Der Beschwerdeführer habe an-
gegeben, er sei aufgrund seiner Desertion aus dem Militärdienst in Syrien
an Leib und Leben bedroht. Eine Quellenanalyse ergebe jedoch, dass im
syrischen Kontext zum heutigen Zeitpunkt nicht allen desertierten Militär-
dienstangehörigen eine regierungsfeindliche Haltung unterstellt werde. Es
sei aber davon auszugehen, dass die syrischen Behörden bei Vorliegen
von spezifischen politischen Faktoren eine Desertion als Stellungnahme
für die Opposition einstufen und entsprechend bestrafen würden. Vorlie-
gend ergebe eine Prüfung der Akten sowie der Aussagen des Beschwer-
deführers, dass er keinem solchen Risikoprofil entspreche. Er habe sich
freiwillig im Alter von 18 Jahren beim Rekrutierungsbüro gemeldet und
seine Angaben liessen nicht darauf schliessen, dass er der Wehrpflicht je-
mals besonders kritisch gegenübergestanden respektive diese aufgrund
seiner persönlichen Überzeugungen abgelehnt hätte. Auch seine kurdi-
sche Ethnie führe nicht dazu, dass er allein deswegen mit asylrechtlich re-
levanten Massnahmen zu rechnen hätte. Da im Fall des Beschwerdefüh-
rers keine einzelfallspezifischen Risikofaktoren vorlägen, die ein politi-
sches Profil begründen könnten, würden allfällige Strafmassnahmen in-
folge seiner Desertion keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstel-
len. Demzufolge erfülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht und sein Asyl-
gesuch sei abzulehnen. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass
ihm in Syrien Strafmassnahmen drohten, die gegen Art. 3 EMRK versties-
sen. Aus den Akten und den Schilderungen des Beschwerdeführers ergebe
sich eine konkrete Gefahr, dass er im Falle einer Rückkehr in den Heimat-
staat einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich daher als unzulässig.
6.2 In der Beschwerdeschrift wurde – für den Fall, dass die angefochtene
Verfügung nicht aufgehoben werden sollte – geltend gemacht, es stehe
vorliegend fest, dass der Beschwerdeführer Militärdienst geleistet habe
und desertiert sei. Er gelte folglich aufgrund dieser Desertion in Verbindung
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mit seinem Profil als Regimefeind und Landesverräter. Bei einer Rückkehr
nach Syrien würde er gezielt asylrelevant verfolgt, weshalb er als Flüchtling
anzuerkennen sei. Es sei darauf hinzuweisen, dass das SEM davon aus-
gehe, dass ihm in Syrien eine unmenschliche Behandlung und Folter im
Sinne von Art. 3 EMRK drohe. Es stelle sich lediglich noch die Frage, ob
die unbestrittenermassen drohende Folter und Misshandlung aus asylrele-
vanten Motiven erfolge. Dies sei offensichtlich zu bejahen und entspreche
der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts gemäss BVGE
2015/3. Der Beschwerdeführer würde aufgrund der blossen Tatsache, in
der gegebenen Bürgerkriegssituation als Staatsfeind und als potenzieller
gegnerischer Kombattant aufgefasst zu werden, gezielt asylrelevant ver-
folgt. Es sei offensichtlich, dass seine Desertion als regimefeindliches und
oppositionelles Verhalten betrachtet werde. Das syrische Regime gehe
nach wie vor mit extremer Härte gegen Militärdienstverweigerer und De-
serteure vor und beschuldige sie, Staatsfeinde und Terroristen zu sein.
Dies werde sich auch nicht ändern, da die Armee angesichts des anhalten-
den Konflikts auf jeden einzelnen wehrfähigen Mann angewiesen sei. Die
Behauptung, eine Misshandlung des Beschwerdeführers in Syrien erfolge
nicht aus asylrelevanten Gründen, sei nicht nur absurd, sondern ignoriere
auch das willkürliche Vorgehen des syrischen Regimes.
Beim Beschwerdeführer würden – zusätzlich zu seinem asylrelevanten Profil
als Deserteur – weitere Gefährdungselemente vorliegen. Er sei Kurde und
werde daher von den syrischen Behörden beschuldigt, aus politisch-ethni-
schen Gründen nicht Militärdienst leisten zu wollen. Insbesondere würde
ihm heute bei einer Rückkehr vorgeworfen, er wolle nicht in den Dienst
einrücken, um bei der zu befürchtenden Schlussoffensive der syrischen
Armee gegen die kurdischen Gebiete (Rojava) nicht gegen das eigene Volk
kämpfen zu müssen. Auch darin sei ein asylrelevantes Verfolgungsmotiv
zu sehen. Die tatsächlichen politischen Überzeugungen des Beschwerde-
führers würden keine Rolle spielen, wenn ihm aufgrund der Desertion und
seiner Flucht ins Ausland eine entsprechende Gesinnung unterstellt werde.
Da er unmittelbar vor der Umteilung in eine kämpfende Einheit desertiert
sei, werde er offensichtlich auch verdächtigt, ein Spion oder zum Feind
übergelaufen zu sein. Seine Desertion habe im Jahr (...) und damit zu einer
für das syrische Regime sehr kritischen Zeit stattgefunden, weshalb er
zweifellos als Terrorist gelte. Auch seine Herkunft aus E._ und da-
mit dem heutigen Rojava lasse ihn in den Augen des Regimes erst recht
als Staatsfeind erscheinen. Zudem seien sämtliche seiner Familienange-
hörigen aus Syrien geflüchtet und lebten mehrheitlich in der Türkei und
Westeuropa, weshalb sie als regimekritisch gelten würde.
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Sollte dem Beschwerdeführer kein Asyl gewährt werden, sei festzuhalten,
dass er illegal aus Syrien ausgereist sei. Da er über ein spezifisches Profil
verfüge, sei ihm – gemäss der Praxis des SEM – die Flüchtlingseigenschaft
zuzuerkennen.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht kam in seinem Grundsatzentscheid
BVGE 2015/13 zum Schluss, eine Wehrdienstverweigerung oder Deser-
tion vermöge die Flüchtlingseigenschaft nicht per se zu begründen. Dies
sei nur dann der Fall, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3
Abs. 1 AsylG verbunden sei, mithin die betroffene Person aus den in dieser
Norm genannten Gründen wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder De-
sertion eine Behandlung zu gewärtigen habe, die ernsthaften Nachteilen
gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkomme (vgl. E. 5.9). In Bezug auf die
spezifische Situation in Syrien erwog das Gericht, die genannten Voraus-
setzungen seien bei einem syrischen Refraktär erfüllt, welcher der kurdi-
schen Ethnie angehöre, einer oppositionell aktiven Familie entstamme und
bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatlichen syrischen
Sicherheitskräfte auf sich gezogen habe (BVGE 2015/3 E. 6.7.3). Das
Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Praxis davon aus, dass bei
Wehrdienstverweigerung und Desertion im syrischen Kontext nur dann
eine asylrelevante Strafe zu befürchten ist, wenn zusätzliche exponierende
Faktoren gegeben sind. Hingegen droht Wehrdienstverweigerern und De-
serteuren, die nicht zusätzlich politisch exponiert sind, nicht mit genügen-
der Wahrscheinlichkeit eine Strafe, welche die Schwelle der Asylrelevanz
erreichen würde (vgl. statt vieler Urteile des BVGer D-3914/2018 vom
19. August 2019 E. 4.2.4; E-234/2019 vom 25. November 2019 E. 7.3.1;
E-4648/2019 vom 2. Dezember 2019 S. 9; E-194/2020 vom 4. Februar
2020 E. 8.2).
7.2 An dieser Rechtsprechung ist nach wie vor festzuhalten, unbeachtlich
der vorinstanzlichen Erwägungen, wonach nicht auszuschliessen sei, dass
dem Beschwerdeführer in Syrien Strafmassnahmen drohten, die gegen
Art. 3 EMRK verstossen würden (vgl. Urteil des BVGer D-2391/2019 vom
9. März 2020 E. 7.2). Auf die diesbezüglichen Ausführungen in der Be-
schwerde wird deshalb nicht näher eingegangen.
7.3 Im vorliegenden Fall liegt keine Konstellation vor, die mit jener im Urteil
BVGE 2015/3 vergleichbar wäre. Die Vorinstanz legte in der angefochtenen
Verfügung zutreffend dar, dass beim Beschwerdeführer keine einzelfallspe-
zifischen Risikofaktoren vorlägen, die ein politisches Profil seiner Person zu
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begründen vermöchten. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann auf die
entsprechenden Erwägungen in der Verfügung vom 26. Juli 2019 verwiesen
werden (vgl. A16, S. 4 f.). Der Beschwerdeführer ist zwar kurdischer Ethnie,
machte jedoch nicht geltend, aus einer oppositionell aktiven Familie zu stam-
men oder selbst regimekritisch politisch tätig gewesen zu sein. Vielmehr leis-
tete er bis zu seiner Desertion rund zwei Jahre ordentlich Militärdienst und
kam nie mit den Sicherheitskräften in Konflikt. Er brachte auch nicht vor, in
einem anderen Zusammenhang Probleme mit den staatlichen syrischen
Behörden gehabt zu haben. Der blosse Umstand, dass seine Angehörigen
Syrien zwischenzeitlich ebenfalls verlassen haben, reicht nicht aus, um die
Familie als regimekritisch erscheinen zu lassen. Insgesamt ist daher nicht
davon auszugehen, dass er von den syrischen Behörden wegen seiner
Desertion im Jahr (...) im Falle einer Rückkehr eine politisch motivierte Be-
strafung und Behandlung zu gewärtigen hätte, die einer flüchtlingsrechtlich
relevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommen würde.
7.4 Im Weiteren ist festzuhalten, dass die illegale Ausreise aus Syrien so-
wie die Asylgesuchstellung in der Schweiz für sich genommen keine flücht-
lingsrechtliche Relevanz entfalten, sofern keine Verfolgungssituation im
Sinne von Art. 3 AsylG und keine besondere individuelle Vorbelastung vor-
liegen (vgl. zur diesbezüglichen Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
etwa die Urteile D-3967/2017 vom 24. Januar 2018 E. 7.6; E-376/2018 vom
8. Februar 2018 E. 7.2; E-194/2020 vom 4. Februar 2020 E. 8.6). Dies ist
im Fall des Beschwerdeführers zu verneinen, da aufgrund der Aktenlage –
wie vorstehend ausgeführt – nicht davon auszugehen ist, dass er vor sei-
ner Ausreise aus Syrien als regimefeindliche Person ins Blickfeld der syri-
schen Behörden geraten ist.
7.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl-
und Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlings-
rechtlich relevante Verfolgung beziehungsweise eine entsprechende Ver-
folgungsfurcht zu begründen. Unter Berücksichtigung der gesamten Um-
stände kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass der Be-
schwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaub-
haft machen konnte. Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht die Flüchtlings-
eigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
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Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung
beziehungsweise für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme – Unzuläs-
sigkeit, Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit (Art. 83 Abs. 1–4 AIG
[SR 142.20]) sind alternativer Natur (vgl. Urteil des BVGer D-3839/2013
vom 28. Oktober 2015 E. 8.4.1). Nachdem die Vorinstanz den Beschwer-
deführer mit Verfügung vom 26. Juli 2019 wegen Unzulässigkeit des Weg-
weisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen hat, erübrigen
sich praxisgemäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit
und Möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
und vollständig feststellt (Art.106 Abs.1 AsylG). Die Beschwerde ist daher
abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf die Erhebung
von Kosten ist indessen angesichts der mit Verfügung vom 27. September
2019 gewährten unentgeltlichen Prozessführung zu verzichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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