Decision ID: 58ca0e82-850f-45a2-9038-20f3c96e33d8
Year: 2011
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (nachfolgend „ESTV“) führt gegen B. und dessen Ehefrau C. eine besondere Untersuchung gemäss Art. 190 ff. des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte  (DBG; SR 642.11) wegen des Verdachts der schweren . Im Rahmen dieser Untersuchung erliess die ESTV am 31. August 2010 eine Verfügung, mit welcher sie insgesamt vier, auf die A. AG, deren Aktienkapital zu 100 % im Eigentum der Beschuldigten stehen soll, eingetragene Liegenschaften beschlagnahmte (BV.2010.57, act. 1.1).
B. Mit Entscheid BV.2010.57 vom 10. Dezember 2010 hiess die I.  des Bundesstrafgerichts eine von der A. AG gegen diese  erhobene Beschwerde gut. Mit Urteil 1B_418/2010 vom 1. April 2011 hiess das Bundesgericht die von der ESTV gegen den  der I. Beschwerdekammer erhobene Beschwerde gut, hob den  Entscheid auf und wies das Verfahren zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück (act. 1).
C. Hierauf lud die I. Beschwerdekammer vorab die A. AG ein, sich in Ergän-
zung zu ihren bisherigen Eingaben zum weiteren Verlauf des Verfahrens zu äussern (act. 2). In ihrer Eingabe vom 30. Mai 2011 beantragt die A. AG, die durch die ESTV verfügte Beschlagnahme bzw. verhängte  betreffend ihre Liegenschaften Z.-Gbbl. Nrn. 1, 2, 3 und Y.-Gbbl. Nr. 4 sei umgehend und vollständig aufzuheben und die zuständigen Grundbuchämter entsprechend anzuweisen, unter Kosten- und  zu Lasten der ESTV (act. 4). Die ESTV schliesst  in ihrer Stellungnahme vom 10. Juni 2011 auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde (act. 6). Sowohl die A. AG als auch die ESTV liessen sich mit je einer weiteren Eingabe unaufgefordert vernehmen (act. 10 und 12). Die abschliessende Stellungnahme der ESTV wurde der A. AG am 19. Juli 2011 zur Kenntnis gebracht (act. 13).
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Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 191 Abs. 1 DBG richtet sich das Verfahren wegen des  schwerer Steuerwiderhandlungen gegenüber dem Täter, dem  und dem Anstifter nach den Artikeln 19 – 50 VStrR.
2. 2.1 Art. 46 Abs. 1 lit. b VStrR ermächtigt die Beschwerdegegnerin als zuständi-
ge Untersuchungsbehörde im Rahmen der besonderen Fiskaluntersuchung bei schweren Steuerwiderhandlungen zur prozessualen Beschlagnahme von Gegenständen und anderen Vermögenswerten, die voraussichtlich der Einziehung unterliegen (vgl. in diesem Sinne BGE 137 IV 145 E. 6.4 S. 151 f.). Der Einziehung gemäss Art. 70 Abs. 1 StGB unterliegen u. a.  wirtschaftlichen Vorteile, die sich rechnerisch ermitteln lassen und die  oder indirekt durch die strafbare Handlung erlangt worden sind. Bei der Steuerhinterziehung besteht der sich aus dem Delikt ergebende  im Gegenwert der hinterzogenen Steuern (Urteile des  1S.8/2006 vom 12. Dezember 2006, E. 5.3; 1S.9/2005 vom 6.  2005, E. 7.1; 1S.5/2005 vom 26. September 2005, E. 7.4; jeweils mit Hinweis auf BGE 120 IV 365 E. 1d).
2.2 Die Beschlagnahme muss wie jedes Zwangsmittel verhältnismässig sein
(Art. 36 Abs. 3 BV; vgl. auch Art. 45 Abs. 1 VStrR). Allgemein wird unter diesem Gesichtspunkt verlangt, dass die gewählte Massnahme zur  des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und  ist. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in einem  Verhältnis zu den eingesetzten Mitteln stehen. Aus dem Prinzip der Verhältnismässigkeit ergibt sich u. a. auch das verwaltungsrechtliche , wonach sich Massnahmen grundsätzlich gegen den  Verursacher eines rechtswidrigen Zustandes zu richten haben (, Strafprozessuale Beschlagnahme, Zürich/Basel/Genf 2011, S. 27 m.w.H.). Eine Vermögenseinziehungsbeschlagnahme ist grundsätzlich  geeignet, eine eventuelle Vermögenseinziehung zu sichern. Allerdings erscheint sie nicht erforderlich, wenn die allfälligen Einziehungsansprüche des Staates auf andere Weise gesichert werden können. Im Rahmen der Verhältnismässigkeit im engeren Sinn ist der Umfang der Beschlagnahme zu begrenzen (vgl. HEIMGARTNER, a.a.O., S. 171).
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3. 3.1 Die Beschwerdegegnerin hegt gegenüber B. den Verdacht, dieser habe
hinsichtlich der Steuerperioden 2000 bis 2005 Steuern im grossen Umfang hinterzogen. Für die Steuerperioden 2000 bis 2004 habe er keine  eingereicht, weshalb er nach Ermessen veranlagt worden sei. Für die Steuerperiode 2005 sei überhaupt keine Veranlagung erfolgt, da B. in keinem Steuerregister der Schweiz eingetragen gewesen sei.  sei auf Grund der Akten jedoch zu schliessen, dass er auch im Steuerjahr 2005 Wohnsitz in der Schweiz gehabt habe und demnach hier steuerpflichtig gewesen wäre. Weiter seien die Ermessensveranlagungen für die Steuerperioden 2000 bis 2004 auf Grund des aktuellen  offensichtlich zu tief ausgefallen. B. habe nicht verhindert, dass diese aller Wahrscheinlichkeit nach zu tiefen Veranlagungen in Rechtskraft erwachsen seien. Dessen Vorgehen falle unter den Tatbestand der  Steuerhinterziehung gemäss Art. 175 Abs. 1 DBG (vgl. zu diesen Vorwürfen BV.2010.57, act. 2, S. 2 f., Ziff. 1). Anhand der aktuellsten  der Beschwerdegegnerin beläuft sich die sich hieraus  Nachsteuerforderung mutmasslich auf Fr. 2,321 Mio. (act. 6.1). Die Beschwerdeführerin wurde im März 2005 mit einem Aktienkapital von Fr. 1 Mio. gegründet. Davon habe B. anlässlich der Gründung Fr. 980'000.-- liberiert. Zudem habe er der Beschwerdeführerin in grossem Umfang Aktionärsdarlehen gewährt. Es sei davon auszugehen, dass B. für die Liberierung der Aktien und die Gewährung des Darlehens Mittel  habe, welche er durch die mutmassliche Steuerhinterziehung  habe. Die Beteiligungsrechte und die Guthaben von B. unterlägen daher voraussichtlich der Einziehung (vgl. hierzu BV.2010.57, act. 2, S. 3, Ziff. 3.1 und 3.2).
Die Beschwerdeführerin erhebt diesbezüglich im Rahmen ihrer  Eingaben eine Reihe von Einwendungen, deren Stichhaltigkeit  genauerer Betrachtung zu unterziehen ist.
3.2 Vorab bringt sie sinngemäss vor, Zwangsmassnahmen könnten sich ge-
mäss Art. 191 DBG nur gegen den Täter, gegen dessen Gehilfen oder  den Anstifter richten, weshalb es für die vorliegende, gegen sie  Zwangsmassnahme an einer gesetzlichen Grundlage fehle (siehe  act. 4, S. 3, Art. 1 und 2 sowie BV.2010.57, act. 1, S. 4 f., Art. 3). Hierbei übersieht sie, dass Art. 191 Abs. 1 DBG nur die für das Verfahren der  Untersuchungsmassnahmen der Beschwerdegegnerin  Verfahrensbestimmungen festlegt, jedoch keinen Ausschluss von Zwangsmassnahmen gegenüber Dritten vorsieht. Eine Vermögenseinzie-
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hung kann grundsätzlich bei jeder Person vorgenommen werden, bei  sich der fragliche Wert befindet; die strafprozessuale Stellung der  Person ist irrelevant (SCHMID, Kommentar Einziehung –  Verbrechen – Geldwäscherei, Band I, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2007, Art. 70–72 StGB N. 20). Entsprechend ist auch die zur Sicherung  Vermögenseinziehung verfügte Beschlagnahme gegenüber Dritten . Der entsprechende Grundsatz ergibt sich auch aus Art. 70 Abs. 2 StGB, welcher bestimmt, unter welchen Voraussetzungen Vermögenswerte Dritter nicht eingezogen werden können. Ein grundsätzlicher Ausschluss einer solchen Einziehung bzw. einer diese sichernden Beschlagnahme  nicht.
3.3 Die Beschwerdeführerin selbst beruft sich im Übrigen auch auf Art. 70
Abs. 2 StGB und bringt vor, die verfügte Beschlagnahme ihres  Geschäftsvermögens stelle eine unverhältnismässige Härte dar (BV.2010.57, S. 5 f., Art. 4). Wie die Beschwerdegegnerin ausführt, ist vorliegend davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in finanzieller Hinsicht weitgehend durch ihren Hauptaktionär B. alimentiert worden ist. Dieser habe die ihm hierfür zur Verfügung stehenden Mittel  mittels der ihm vorgeworfenen Steuerhinterziehungsdelikte erlangt. Die ordentliche Verwaltung der Liegenschaften durch die  wird von der verfügten Beschlagnahme nicht beeinträchtigt. Dasselbe gilt für die primär durch Mieteinnahmen erzielte Liquidität der . Von einer unverhältnismässigen, zwangsläufig in einen Konkurs mündenden Härte kann demnach nicht gesprochen werden.
3.4 Die von der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Höhe der gegenüber B.
bestehenden mutmasslichen Nachsteuerforderung angeführten Einwände, wonach bei deren Bemessung das Steuerjahr 2005 nicht zu  sei (act. 10, Ziff. 1) und beim eruierten Vermögenszuwachs nur die  nicht jedoch die Passiven mitberücksichtigt worden seien (act. 4, S. 4 f., Art. 4; act. 10 Ziff. 3), wurden vom Beschuldigten bereits im ihn  und die Beschlagnahme seiner Bankguthaben betreffenden  erhoben und von der I. Beschwerdekammer verworfen (vgl. hierzu den Beschluss des Bundesstrafgerichts BV.2011.12 vom 8. November 2011, E. 3.2 und 3.3). Eine Änderung der diesbezüglichen Beurteilung vermögen auch die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht herbeizuführen.
3.5 Schliesslich bringt die Beschwerdeführerin vor, die Beschwerdegegnerin
habe vor allem mit der Beschlagnahme diverser, B. zustehender  aus Aktionärsdarlehen gegenüber verschiedenen, von diesem selbst
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beherrschten Gesellschaften Vermögenswerte in einem die mutmassliche Nachsteuerforderung um ein Vielfaches übersteigenden Betrag blockiert (siehe u. a. act. 4, S. 4, Art. 3 sowie act. 10, Ziff. 2). Das ergebe sich schon nur aus dem Umstand, dass die Beschwerdegegnerin zwischenzeitlich , gegenüber B. selber verfügte Beschlagnahmen aufgehoben habe. Die Beschwerdeführerin rügt zudem in sinngemässer Weise, die  der ihr als nicht beschuldigte Person gegenüber verfügten Beschlagnahme verletze das Störerprinzip (vgl. zum Ganzen act. 10, Ziff. 2).
Zur Sicherung der mutmasslichen Nachsteuerforderung in der Höhe von Fr. 2,321 Mio. sind derzeit folgende Vermögenswerte beschlagnahmt: Bankguthaben und Wertschriften von B. im Umfang von Fr. 550'000.--, Guthaben von B. bei der Beschwerdeführerin und anderen Gesellschaften in unbekannter Höhe, wobei zur Sicherung dieser  u. a. verschiedene im Eigentum der Beschwerdeführerin und zwei anderer Gesellschaften stehende Grundstücke beschlagnahmt wurden (mit einem Aktivenüberschuss von Fr. 1,679 Mio.), sowie Guthaben von B. bei der D. AG in der Höhe von Fr. 92'200.-- (vgl. zum Ganzen act. 6, Ziff. 3.2.1). Die beschlagnahmten Vermögenswerte – soweit betragsmässig bestimmbar – belaufen sich somit auf Fr. 2,321 Mio. und entsprechen  der zu sichernden, mutmasslichen Nachsteuerforderung. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit ist damit gewahrt. Hinsichtlich der  von Aktionärsguthaben in unbekannter Höhe bestehen nebst der Unsicherheit bezüglich deren Umfangs auch Unsicherheiten hinsichtlich der Eignung der Einziehungsbeschlagnahme. Tatsächlich könnte die  bei Aufhebung der vorliegend angefochtenen  ihrer Grundstücke diese veräussern und mit den dadurch erlangten flüssigen Mitteln, die ebenfalls beschlagnahmte Forderung von Aktionär B. ohne Weiteres durch Tilgung zum Erlöschen bringen. Da es sich bei B. als Gläubiger der Darlehensforderung um den die Gesellschaft als Schuldnerin beherrschenden Hauptaktionär und um ein mit Einzelunterschrift  Mitglied des Verwaltungsrates handelt, erscheint die vorliegend  Beschlagnahme von Grundstücken zur Sicherung des  besser geeignet und damit auch als verhältnismässig. Offenbar bestehen auch auf Seiten der Beschwerdegegnerin Zweifel an der Eignung der Beschlagnahme von Aktionärsguthaben (vgl. z. B. act. 6, Ziff. 3.3). Nachdem die Beschlagnahme dieser Aktionärsguthaben vorliegend aber nicht angefochten wurde, erübrigen sich weitergehende Ausführungen an dieser Stelle.
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4. Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet,  sie abzuweisen ist.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die Ge-
richtskosten zu tragen (Art. 66 Abs. 1 BGG analog; vgl. hierzu den  des Bundesstrafgerichts BV.2011.2 vom 16. März 2011, E. 2,  den Entscheid des Bundesstrafgerichts BV.2010.77 vom 12.  2011). Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 1'500.-- festgesetzt (Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]), unter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in derselben Höhe.
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