Decision ID: 092dd27f-1f82-5ae6-8faf-b5127be15e06
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Poststrasse 6, Postfach 239,
9443 Widnau,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.a Die Versicherte A._ meldete sich am 21. August 2008 bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1-1 ff.). Die gelernte Hotelkauffrau bildete sich in
den Jahren 1998 bis 2000 zur diplomierten Fusspflegerin, Masseurin und Kosmetikerin
aus (IV-act. 1-6, 2-1 ff.). Danach war sie als Fusspflegerin/Masseurin/ Kosmetikerin
selbstständigerwerbend. Seit März 2006 sei sie krank (IV-act. 1-5).
A.b Im Bericht vom 29. Oktober 2008 nannte der Hausarzt der Versicherten, med.
pract. B._, Allgemeinmedizin FMH, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit: Systemische Sklerose (CREST-Syndrom) mit Organbeteiligung
Oesophagus und partieller Insuffizienz des lateralen M. deltoideus bei Muskelruptur
rechts; Status nach Implantation einer inversen Schulterarthroplastik rechts Typ Lyma
09.02.2007 bei irreparabler Rotatorenmanschettenmassenruptur Schulter rechts mit
exzentrischer Omarthrose; Läsion des Nervus medianus am Oberarm rechts infolge
Status nach Implantation einer inversen Schulterarthroplastik. Die Versicherte sei seit
21. März 2006 sowohl in ihrer bisherigen als auch in anderen Tätigkeiten zu 100%
arbeitsunfähig (IV-act. 14-1 ff.). Dem Bericht legte er diverse spezialärztliche Berichte
des Kantonsspitals St. Gallen, der Schulthess Klinik Zürich sowie einen Bericht von Dr.
med. C._, Fachärztin FMH für Neurologie, bei (IV-act. 14-7 ff.). Im Rahmen des EU-
Verfahrens reichte der Hausarzt der IV-Stelle am 14. Januar 2009 das Formular E 213
CH, Ausführlicher ärztlicher Bericht, ein (IV-act. 27-1 ff.).
A.c Mit Stellungnahme vom 20. Februar 2009 hielt Dr. med. D._, Arzt des
Regionalärztlichen Dienstes der IV-Stelle (RAD), im Wesentlichen fest, die vom Haus
arzt attestierte 100%-ige Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit als Kosmetikerin/Fuss
pflegerin/Masseurin sei nachvollziehbar. Eine adaptierte Tätigkeit halte er im Rahmen
von etwa 70% ganztags, mit der Möglichkeit zu vermehrten und betriebsunüblichen
Pausen, für zumutbar. Aus medizinsicher Sicht sei zu berücksichtigen, dass dabei
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keine Arbeiten über der Horizontalebene, keine repetitiven Bewegungen im rechten
Schultergelenk, keine Arbeiten in der Kälte, kein Heben und Tragen von Lasten über 5
kg rechts sowie keine feinmotorischen Tätigkeiten rechts vorkommen sollten. In
Anbetracht der Qualifikation der Versicherten als Selbstständigerwerbende, sei eine
Abklärung vor Ort durchzuführen (IV-act. 29-2 f.).
A.d Im Abklärungsbericht für Selbstständigerwerbende vom Juli 2009 hielt die Ab
klärungsperson im Wesentlichen fest, die Tätigkeiten als Kosmetikerin/Fusspflegerin/
Masseurin könne die Versicherte nicht mehr ausüben. Wahrscheinlich sei nun wegen
Überlastung auch die linke Schulter erheblich beeinträchtigt. Diesbezüglich stünden
weitere Abklärungen an. Der allgemeine Zustand habe sich gemäss Angaben der
Versicherten dermassen verschlechtert, dass sie keine relevante Arbeitsfähigkeit für
irgendeine Tätigkeit sehe (IV-act. 34-1 ff.).
A.e Im Verlaufsbericht vom 2. September 2009 ergänzte der Hausarzt die bereits be
kannten Diagnosen mit einem Subacromialen Impingementsyndrom Schulter links bei
MR-tomographisch transmoraler intervallnaher Supraspinatus-Partialruptur mit wahr
scheinlich auch instabiler Biceps longus-Sehne Schulter links. Aufgrund der
vermehrten Mehrbelastung der linken Hand sei nun im Rahmen des CREST-Syndroms
neu eine Periarthopathia Humeroskapularis links aufgetreten. Die Versicherte könne
auch mit der linken Hand nur noch eingeschränkt Arbeiten ausführen, insbesondere
über 90 Grad sei es ihr beidseits nicht mehr möglich, irgendetwas zu greifen. Von
Seiten der Schulthess Klinik könne aktuell therapeutisch keine Alternative angeboten
werden. Er gehe davon aus, dass aufgrund der eingeschränkten Schulterbeweglichkeit
mit dauernden Schmerzen beidseits auch eine leichte Arbeit mit Wechselbelastung
absolut aussichtslos sei. Aufgrund der rheumatologischen Grunderkrankung und der
aktuellen Beschwerden sei sicherlich eine Begutachtung notwendig (IV-act. 35-1 ff.).
Mit Stellungnahme des RAD vom 14. September 2009 relativierte RAD-Arzt Dr. D._
aufgrund der neu dazugekommenen Schulterbeschwerden links seine ursprüngliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung und empfahl angesichts der Komplexität der
Krankheitsbilder eine rheumatologische Begutachtung (IV-act. 36-2).
A.f Am 9. Dezember 2009 wurde die Versicherte von Dr. med. E._, Rheumatologie
FMH, internistisch-rheumatologisch begutachtet (IV-act. 41-1 ff.). Im Gutachten vom
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15. Januar 2010 nannte Dr. E._ folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit:
CREST-Syndrom (ED 2006, Erstsymptome in den 90-er Jahren)
· ANA 1:10'240, anti Zentrometer-AK 8.6 MOC (< 1,0), anti-SCL70 negativ
· Raynaud-Syndrom
· Calcinosis
o Status nach Exzision von Calcinoseherden Fingerkuppen Dig I links und Dig IV rechts
· Sklerodactylie
· Schwere oesophageale Refluxerkrankung
o Schwere Refluxoesophagitis, Erosion/Ulcus im Bereich der Z-Linie (ED 12/08)
o Axiale Hiatushernie
o Amotiler Oesophagus
o Status nach Soor-Oesophagitis (12/08)
· Teleangiektasien im Bereich der oberen Thoraxapertur und im Gesicht
· Erschwerte Mundöffnung (maximaler Interdentalabstand 3,1 cm)
Chronisches Schmerzsyndrom und Beweglichkeitseinschränkung Schulter rechts
· Implantation einer inversen Schulterarthroplastik rechts Typ Lima 09.02.07 wegen
irreparabler Rotatorenmanschettenmassenruptur (Supra- und Infraspinatus) und
exzentrischer Omarthrose
Partielle Insuffizienz und Artrophie des M. deltoideus rechts bei Ruptur der Pars
lateralis des M. deltoideus rechts
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Proximale Medianusläsion rechts DD iatrogen bei Implantation der inversen
Schulterarthroplastik rechts 02/07
Anamnestisch Periarthropathia humerosculparis tendinotica vom Supraspinatustyp
links mit subakromialem Impingement
· Intervallnahe, praktisch transmurale Ruptur der Supraspinatussehne mit geringer
Sehnenretraktion (MRI 02.07.09)
· Subakrominale Steroidinfiltration links 08/09
Die von der Beschwerdeführerin glaubhaft geschilderten Beschwerden hätten mit den
klinischen, radiologischen und immunologischen Befunden korreliert. Es hätten sich
weder Hinweise für eine Schmerzausweitung noch eine Schmerzverdeutlichungs
tendenz gezeigt (IV-act. 41-13). Dr. E._ kam zusammenfassend zum Schluss, dass in
der zuletzt ausgeführten Tätigkeit als Kosmetikerin/Fusspflegerin/Masseurin aus
somatischer Sicht eine dauerhafte volle Arbeitsunfähigkeit seit März 2006 bestehe. In
einer körperlich leichten Tätigkeit, sei die Versicherte spätestens seit Februar 2007 im
Rahmen von 40 bis höchstens 50% arbeitsfähig (IV-act. 41-13 f.).
A.g Mit Stellungnahme vom 21. Januar 2010 hielt RAD-Arzt Dr. D._ im Wesentlichen
fest, es könne gestützt auf das Gutachten von Dr. E._ von einer 40 bis 50%-igen
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ausgegangen werden. Betreffend
den Verlauf der Arbeitsfähigkeit führte er aus, es sei Anfang Februar 2007 eine
Schulterendoprothese implantiert worden, wobei sich im postoperativen Verlauf eine
Medianusläsion mit protrahiertem Verlauf manifestiert habe. Gemäss Angaben des
Hausarztes könne ab Oktober 2008 von einem stationären Gesundheitszustand aus
gegangen werden. Die Arbeitsfähigkeit von 40 - 50 % in einer adaptierten Tätigkeit
könne etwa ab diesem Zeitpunkt als gegeben angesehen werden (IV-act. 42-1 f.).
B.
B.a Mit Vorbescheid vom 8. März 2010 stellte die IV-Stelle die Zusprache einer
ganzen Rente ab 1. März 2007 bzw. einer halben Rente ab 1. Oktober 2008 in Aussicht
(IV-act. 46).
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B.b Nach erstreckter Frist liess die Versicherte am 7. Mai 2010, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. A. Fiechter, gegen den Vorbescheid Einwand erheben (IV-act.
54-1 ff.). Dem Einwand war u.a. zu entnehmen, dass die Versicherte nun auch unter
psychischen Beschwerden litt, welche vom Hausarzt medikamentös behandelt wurden
(IV-act. 54-7 f.). In der Folge holte die IV-Stelle beim Hausarzt einen Verlaufsbericht ein
(IV-act. 66). Daraus war ersichtlich, dass die Versicherte bei Dr. med. G. F._ psychi
atrisch behandelt wurde (IV-act. 66-2). Mit Bericht vom 29. September 2010 nannte
Dr. med. F._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, folgende psychi
atrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Schwere depressive
Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3). Die Versicherte sei seit
Aufnahme der Behandlung am 3. September 2010 sowohl in der bisherigen als auch in
einer adaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 67-1 ff.).
B.c Am 14. Oktober 2010 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter der Versicherten mit,
dass aufgrund der schweren Depression ab September 2010 eine 100%-ige Arbeits
unfähigkeit bestehe. Ab 1. Dezember 2010 werde daher die halbe Rente auf eine ganze
Rente erhöht (IV-act. 72). Am 10. November 2010 informierte die IV-Stelle den Rechts
vertreter bezugnehmend auf den Vorbescheid vom 8. März 2010 bzw. das Schreiben
vom 14. Oktober 2010, dass der Rentenbeginn falsch festgesetzt worden sei. Aufgrund
der verspäteten IV-Anmeldung (28. August 2008) könnten die Leistungen nur für die der
Anmeldung vorangehenden 12 Monate gewährt werden. Der Rentenanspruch bestehe
somit erst ab 1. August 2007 (IV-act. 78).
B.d Mit drei Verfügungen vom 3. Dezember 2010 sprach die IV-Stelle der
Versicherten eine ganze Rente ab 1. August 2007 (act. G 1.1.1.3, im Verfügungsteil 2
wurde wohl fälschlicherweise der Rentenbeginn 1. März 2007 genannt) bzw. eine halbe
Rente ab 1. Oktober 2008 (act. G 1.1.1.1) und wieder eine ganze Rente ab 1. Dezember
2010 zu (act. G 1.1.1.2).
C.
C.a Gegen diese Verfügung (vgl. nachfolgende E. 3.1 betreffend der Behandlung der
drei Verfügungen vom 3. Dezember 2010 als eine Rentenverfügung) richtet sich die
Beschwerde der Versicherten vom 25. Januar 2011. Die Verfügung vom 3. Dezember
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2010 sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin
dahingehend abzuändern, dass der Beschwerdeführerin ab 1. Oktober 2008 eine
ganze IV-Rente zuzusprechen sei. Im Übrigen solle es bei der Verfügung bleiben.
Eventualiter sei die Streitsache zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen mit der Weisung, vorgängig ein neutrales medizinisches
rheumatologisches sowie dermatologisches Obergutachten einzuholen. Sodann sei der
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zulasten des Staates zu
gewähren. Die Beschwerdeführerin begründet ihre Beschwerde im Wesentlichen damit,
dass sie entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin auch im Zeitraum ab
Oktober 2008 zu 100% arbeitsunfähig gewesen sei. Sodann sei die von Dr. E._ im
Gutachten beschriebene adaptierte Tätigkeit im spezifischen Fall undenkbar. Mithin
existiere eine solche Arbeit nicht (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 24. März 2011 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdegegnerin macht im Wesentlichen
geltend, es könne auf die im Gutachten von Dr. E._ festgestellte Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit in einem zeitlichen Rahmen von 40 bis höchstens 50%
abgestellt werden. Gemäss Angaben des Hausarztes der Beschwerdeführerin sei ab
Oktober 2008 von einem stationären Gesundheitszustand auszugehen, sodass die
Arbeitsfähigkeit von 40 bis 50% ab diesem Zeitpunkt bestehe. Davor sei der
Gesundheitszustand aufgrund der Implantation der Schulterendoprothese im Februar
2007 und postoperativer Medianusläsion mit protrahiertem Verlauf instabil gewesen,
weshalb der Beschwerdeführerin bis September 2008 eine ganze Rente zugesprochen
worden sei (act. G 6).
C.c Mit Replik vom 14. April 2011 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest.
Ergänzend führt sie im Wesentlichen aus, die Annahme der Beschwerdegegnerin, dass
der Gesundheitszustand im August 2008 stationär gewesen sei, treffe nicht zu. Sodann
wird das Gutachten von Dr. E._ bemängelt. Es basiere nicht auf einer umfassenden
Untersuchung und sei somit nicht aussagekräftig (act. G 8).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet sinngemäss auf eine Duplik (act. G 9).
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C.e Am 15. April 2011 bewilligte die Abteilungspräsidentin des Versicherungsgerichts
die unentgeltliche Rechtspflege in Form der Befreiung von den Gerichtskosten und der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwalt lic. iur. A. Fiechter (act.
G 10).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 traten die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft. In materiell-
rechtlicher Hinsicht gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene
Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids
bzw. im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen
führende Sachverhalt verwirklichte (vgl. BGE 127 V 467 Erw. 1, 126 V 136 Erw. 4b, je
mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 3. Dezember 2010 ergangen, wobei
ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmun
gen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen,
dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig
verfügt wurde, ist für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden
Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision
abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts [bis
31. Dezember 2006 Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG] vom 7. Juni 2006 [I
428/04] Erw. 1). Diese übergangsrechtliche Lage zeitigt insoweit keine materiell-
rechtlichen Folgen, als die 5. IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung
der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig
gewesenen Rechtslage brachte (bezüglich Rentenbeginn vgl. nachfolgend Erw. 5).
Nachfolgend werden die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und
IVG wiedergegeben.
2.
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2.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die voraus
sichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40%
auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Be
schwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls
auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der
Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in
welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen
festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuver
lässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Be
weiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
3.
3.1 Zwischen den Parteien ist umstritten, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht von
einer Arbeitsfähigkeit von 40 - 50% in einer adaptierten Tätigkeit ab Oktober 2008 aus
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gegangen ist. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
ausdrücklich lediglich die Verfügung vom 3. Dezember 2010 betreffend den Zeitraum
ab 1. Oktober 2008 (bis 30. November 2010), nicht aber diejenigen betreffend die
Zeiträume vom 1. August 2007 bis 30. September 2008 bzw. ab 1. Dezember 2010
angefochten hat. Dies ändert aber nichts daran, dass vorliegend sämtliche
"Verfügungen" vom 3. Dezember 2010 gerichtlich zu überprüfen sind. Denn bei der
rückwirkenden abgestuften Rentenzusprache, welche vergangenheitsbezogen
Anpassungen an veränderte Verhältnisse vornimmt, ist es nicht zulässig, den
Rentenanspruch für bestimmte Perioden je getrennt zu verfügen. Die einzelnen
"Verfügungen" vom 3. Dezember 2010 bilden deshalb nur Teile ein und derselben
Rentenverfügung. Keiner der einzelnen Verfügungsteile ist für sich allein
rechtskraftfähig, nur zusammen bilden sie die Rentenverfügung.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden somit sämt
liche Teile der Verfügung vom 3. Dezember 2010 (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 22. April 2008, IV 2007/10, E. 1 m. H. auf BGE 131 V
164 ff. E. 2.3).
3.2 Vorab ist festzuhalten, dass die 100%-ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt aus
geübten Tätigkeit als Fusspflegerin/Masseurin/Kosmetikerin aufgrund der
medizinischen Aktenlage nicht anzuzweifeln ist. Bereits im Vorfeld der Implantation der
inversen Schulterprothese hielt Dr. med. G._, Assistenzärztin, Schulthess Klinik, im
Bericht vom 2. November 2006 fest, die Beschwerdeführerin könne der Tätigkeit als
selbstständige Masseurin postoperativ nicht mehr nachgehen. Zudem könne
möglicherweise auch ein Zurückkehren in den Beruf als Fusspflegerin und
Kosmetikerin verunmöglicht werden (IV-act. 14-19). Sodann kamen Gutachter Dr. E._
(IV-act. 41-13) und Hausarzt der Beschwerdeführerin (vgl. u.a. IV-act. 35-1 ff.)
übereinstimmend zum Schluss, dass in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Fusspflegerin/Masseurin/Kosmetikerin keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe, was
angesichts der degenerativen Beschwerden am Bewegungsapparat plausibel und
nachvollziehbar erscheint.
3.3 Des Weiteren ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin im
Zeitraum vor und nach der Implantation der inversen Schulterprothese am 9. Februar
2007 von einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten ausgegangen
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ist. Die offensichtlich bereits länger bestehenden Schulterbeschwerden rechts konnten
gemäss Bericht der Schulthess Klinik (Gelenkzentrum) vom 9. September 2006 auf eine
Cuff-Arthropathie rechts bei ausgedehnter Rotatorenmanschettenruptur mit
beginnender Dezentrierung zurückgeführt werden (IV-act. 14-11). Sodann wurde
gemäss Bericht der Schulthessklinik (Neurologie) vom 10. Oktober 2006 eine Ruptur
des M. deltoideus nachgewiesen (IV-act. 14-13 f.). Im Operationsbericht der Schulthess
Klinik (Obere Extremitäten) vom 9. Februar 2007 wurden als Operationsindikation
massiv invalidisierende Schulterschmerzen rechts bei ausserdem irreparabler
Rotatorenmanschettenmassenruptur und exzentrischer Omarthrose genannt (IV-act.
14-23). Offenbar traten nach der Operation Dysästhesien sowie ein permanentes
Taubheitsgefühl in den ersten drei radialen Fingern rechts auf (IV-act. 14-25), welche
gemäss neurologischem Bericht von Dr. C._ vom 19. September 2007 im
Zusammenhang mit einer Läsion des N. medianus im rechten Oberarm standen (IV-act.
14-29). Dass unter diesen Umständen zumindest vorübergehend eine 100%
Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten bestanden hat, erscheint plausibel, wovon
gemäss Stellungnahme vom 21. Januar 2010 offenbar auch RAD-Arzt Dr. D._
ausging. Fraglich ist indessen, ob mit Dr. D._ von einem stabilen bzw. stationären
Zustand ab Oktober 2008 ausgegangen werden kann, und ob ab diesem Zeitpunkt
eine Arbeitsfähigkeit von 40 - 50% in einer adaptierten Tätigkeit gemäss Gutachten von
Dr. E._ bestanden hat. Bei genauerer Betrachtung des Sachverhalts kann diese
Frage jedoch offen gelassen werden, was nachfolgend gezeigt wird.
4.
4.1 Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbare Ein
kommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die
Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine
übermässigen Anforderungen zu stellen sind (im Einzelnen dazu SVR 2008 IV Nr. 62 S.
203, 9C_830/2007 E. 5.1). Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invalidi
tätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen
mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die
einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Ver
wertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Fehlt
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es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Er
werbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet
(Urteil I 831/05 vom 21. August 2006 E. 4.1.1 mit Hinweisen). Der Einfluss des Lebens
alters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen
Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend
können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der
absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang
auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung,
beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem
angestammten Bereich sein (Urteile 9C_153/2011 vom 22. März 2012 E.
3.1; 9C_918/2008 vom 28. Mai 2009 E. 4.2.2 mit Hinweisen).
4.2 Für den Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der (Rest-)
Arbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, ist auf das Feststehen der
medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit abzustellen. Die medizinische
Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit steht fest, sobald die medizinischen Unter
lagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 138
V 457 E. 3.3 f.).
4.3 Die medizinische Zumutbarkeit einer (allfälligen) Teilerwerbstätigkeit stand vor
liegend mit dem Gutachten von Dr. E._ vom 9. Dezember 2009 fest. Im konkreten
Fall ist demnach für die Rentenberechtigung die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
am 9. Dezember 2009 entscheidend. Die am 19. März 1947 geborene Beschwerde
führerin war zu jenem Zeitpunkt rund 62 3⁄4 alt. Im Gutachten vom 9. Dezember 2009
beschrieb Dr. E._ allfällige adaptierte Tätigkeiten, in welchen aus seiner Sicht eine
40 - 50 % Arbeitsfähigkeit bestehen soll, wie folgt: Körperlich leichte Tätigkeiten ohne
Arbeiten mit der rechten oberen Extremitäten über der Horizontalebene, ohne Heben/
Tragen von Lasten über 5 kg, ohne kraftanfordernde oder feinmotorische Arbeiten
mit der oberen Extremität, ohne Arbeiten in Kälte/Nässe, des Weiteren ohne Arbeiten
mit flektiertem Oberkörper (IV-act. 41-14). RAD-Arzt Dr. D._ erwähnte im seiner
Stellungnahme vom 20. Februar 2009 zudem, dass die Beschwerdeführerin keine re
petitiven Tätigkeiten rechts ausführen sollte (IV-act. 29-2). Nebst dem fortgeschrittenen
Alter bzw. der geringen verbleibenden Aktivitätsdauer bis zum Erreichen des orden
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tlichen AHV-Rentenalters von lediglich etwas mehr als einem Jahr ist somit zu berück
sichtigen, dass die Beschwerdeführerin eine allfällig verbleibende Restarbeitsfähigkeit
nur noch mit zahlreichen, gesundheitlich bedingten Einschränkungen verwerten könnte.
Ferner wäre, wenn überhaupt, höchstens noch eine stark reduzierte Erwerbsfähigkeit
möglich. Zur Frage, inwiefern unter diesen Umständen eine adaptierte Tätigkeit auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt beruflich umgesetzt werden könnte, äusserte sich
weder der Gutachter noch die IV-Stelle. Die Verwertbarkeit einer allfälligen
Restarbeitsfähigkeit beispielsweise in einer leichten Produktionstätigkeit oder
Büroarbeit oder im ursprünglich erlernten Beruf als Hotelfachangestellte, erscheint
bereits aufgrund der vorgenannten Einschränkungen ausgeschlossen. Sodann ist eine
Beschäftigung in einer reinen Überwachungstätigkeit mangels entsprechender
Erfahrung sowie der überaus kurzen verbleibenden Aktivitätsdauer bis zum Erreichen
des AHV-Alters unwahrscheinlich. Stellt man diese persönlichen und beruflichen
Gegebenheiten den objektiven Anforderungen eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes
gegenüber, kommt man selbst bei Annahme einer verbleibenden 40 - 50%-igen
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit zum Schluss, dass die
Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keinen Arbeitgeber mehr
findet, der sie für eine geeignete Tätigkeit einstellen würde, zumal behindertengerechte
Arbeitsplätze von Behinderten in jungem und mittlerem Alter ebenfalls stark
nachgefragt werden (vgl. auch Urteil I 617/02 vom 10 März 2002,
E. 3.3). Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die der Beschwerdeführerin
möglicherweise verbleibende Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird und ihr deren allfällige
Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zugemutet
werden könnte. Ist aber ihre allfällige Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich nicht mehr
verwertbar, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor und sie hat Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente.
4.4 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin entgegen der Auf
fassung der Beschwerdegegnerin während der gesamten Dauer seit Anspruchsbeginn
Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
5.
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5.1 Zu prüfen bleibt der Anspruchsbeginn der Rentenleistung. In der angefochtenen
Verfügung wird als Anspruchsbeginn sowohl August 2007 (act. G 1.1.1.3) als auch
1. März 2007 genannt (vgl. Verfügungsteil 2). Im Beschwerdeverfahren ist die Be
schwerdegegnerin (act. G 6, Ziff. 4.3) und wohl auch die Beschwerdeführerin vom
Rentenbeginn ab 1. März 2007 ausgegangen.
5.2 Die Regelung der Entstehung des Rentenanspruchs und des Rentenbeginns
haben im Rahmen der 5. IV-Revision eine Änderung erfahren:
5.2.1 Bis 31. Dezember 2007 galt Folgendes: Der Rentenanspruch nach aArt. 28
IVG entsteht frühestens in dem Zeitpunkt, in dem der Versicherte u.a. während eines
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war. Die Rente wird vom Beginn des Monats an
ausgerichtet, in dem der Anspruch entsteht, jedoch frühestens von jenem Monat an,
der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (aArt. 29 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 Satz 1
IVG). Meldet sich ein Versicherter mehr als zwölf Monate nach Entstehen des
Anspruchs an, so werden die Leistungen in Abweichung von Art. 24 Absatz 1 ATSG
lediglich für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate ausgerichtet (aArt. 48
Abs. 2 Satz 1 IVG).
5.2.2 Seit 1. Januar 2008 gilt demgegenüber: Anspruch auf eine Rente haben
Versicherte, die u.a. während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
(Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von
sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Absatz 1
ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt.
Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch
entsteht (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG).
5.2.3 Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat als
weisungsberechtigte Aufsichtsbehörde gestützt auf Art. 64 und Art. 64a Abs. 1 lit. b
IVG im Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007 Weisungen zur 5. IV-Revision
und zum Intertemporalrecht erlassen. Danach ist grundsätzlich dasjenige Recht
anwendbar, welches bei Eintritt des Versicherungsfalles in Geltung stand. Zufällige
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externe Faktoren, wie der Zeitpunkt der Anmeldung, des Verfügungserlasses oder der
Behandlung sind grundsätzlich nicht massgebend. Ist der Versicherungsfall vor dem 1.
Januar 2008 eingetreten, so gilt demnach altes Recht und die versicherte Person kann
sich noch innerhalb eines Jahres seit Eintritt des Versicherungsfalles ohne Einbusse an
Rentenleistungen bei der IV anmelden (vgl. aArt. 48 Abs. 2). Tritt der Versicherungsfall
hingegen ab 1. Januar 2008 oder später ein, so ist das neue Recht anwendbar. In
diesem Fall entsteht der Rentenanspruch grundsätzlich erst sechs Monate nach
Anmeldung bei der IV (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG [in der seit 1. Januar 2008 anwendbaren
Fassung]). Ausgenommen davon sind jedoch jene Fälle, in denen das Wartejahr noch
vor dem 1. Januar 2008 zu laufen begann und im Jahr 2008 erfüllt wurde. Diesfalls ist
die Rente abweichend von Art. 29 Abs. 1 IVG in der seit 1. Januar 2008 geltenden
Fassung ab Ablauf des Wartejahres auszurichten, wenn die Anmeldung spätestens am
31. Dezember 2008 eingereicht wird.
5.2.4 Mit BGE 138 V 475 kam das Bundesgericht zum Schluss, das
Rundschreiben Nr. 253 vom 7. Dezember 2007 sei, soweit es eine anspruchswahrende
Anmeldefrist bis Ende 2008 vorsehe, gesetzeswidrig. Die Anmeldefrist könne
anspruchswahrend maximal bis Ende Juni 2008 erstreckt werden (BGE 138 V 475 E.
3.4). Das Bundesgericht begründet seinen Entscheid im Wesentlichen damit, dass bei
einem Eintritt der gesundheitlich bedingten Arbeitsfähigkeit in den ersten fünf Monaten
2008 nach dem in solchen Fällen anwendbaren Art. 29 Abs. 1 IVG den betreffenden
Versicherten nicht die Zeit verbleibe, sich bis Ende Jahr bei der Invalidenversicherung
anzumelden, um sofort nach Ablauf der einjährigen Wartezeit in den Genuss von
Rentenleistungen zu kommen. Trete die Arbeitsunfähigkeit etwa im Februar 2008 ein
und melde sich die versicherte Person erst im Dezember 2008 an, könne der
Rentenanspruch frühestens im Juni 2009, d.h. vier Monate nach Ablauf der Warteizeit
entstehen. Dies bedeute eine Schlechterstellung gegenüber den vom Rundschreiben
Nr. 253 vom 7. Dezember 2007 erfassten Versicherten, bei denen eine Anmeldung bis
spätestens am 31. Dezember 2008 ausreiche (E. 3.3.2).
5.3 Die Beschwerdeführerin hat sich am 21. August 2008 zum Leistungsbezug ange
meldet. Ein Rentenanspruch nach dem seit dem 1. Januar 2008 gültigen Art. 29 Abs. 1
IVG könnte deshalb frühestens ab Februar 2009 bestehen. Intertemporalrechtlich
entscheidet jedoch nicht der Zeitpunkt der Anmeldung, sondern der Zeitpunkt des Ein
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tritts des Versicherungsfalls darüber, ob auf die aktuelle Regelung abzustellen ist oder
ob die alte, grundsätzlich ausser Kraft gesetzte Regelung weiter anwendbar bleibt (vgl.
das vom BSV herausgegebene IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007). Es
ist aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit seit dem
17. März 2006 zu mindestens 40 % arbeitsunfähig war. Der Rentenanspruch der Be
schwerdeführerin entstand somit nach Ablauf des Wartejahres per März 2007, womit
auch gleichzeitig der Versicherungsfall eintrat (vgl. SVR 2007 IV Nr. 7 E. 1.1). Betreffend
Rentenbeginn und Nachzahlung von Leistungen ist daher das alte Recht anwendbar.
Gemäss vor der 5. IV-Revision geltendem aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG entstand der
Rentenanspruch in zeitlicher Hinsicht unabhängig vom Anmeldungsdatum nach Ablauf
der einjährigen Wartefrist. Meldete sich eine versicherte Person mehr als zwölf Monate
nach Entstehen des Anspruchs an, so wurden die Leistungen lediglich für die zwölf der
Anmeldung vorangehenden Monate ausgerichtet (aArt. 48 Abs. 2 IVG). Somit hat die
Beschwerdeführerin ab 1. August 2007 Anspruch auf Auszahlung der
Rentenleistungen.
5.4 Wie sich gezeigt hat, handelt es sich vorliegend nicht um einen Anwendungsfall
der Ausnahme gemäss Rundschreiben 253 vom 7. Dezember 2007 (Beginn des
Wartejahrs noch vor dem 1. Januar 2008 und Erfüllung des Wartejahrs im Jahr 2008).
Mithin ist der Versicherungsfall nicht nach dem 1. Januar 2008 sondern noch davor,
und somit unter Geltung des alten Rechts eingetreten. Die in Erwägung 5.2.4 erwähnte
Praxisänderung gemäss BGE 138 V 475 hat auf den vorliegenden Fall somit keine
Auswirkung. Abgesehen davon stellt sich die Frage, ob eine Praxisänderung betreffend
die Ausnahme gemäss Rundschreiben 253 vom 7. Dezember 2007 geboten ist.
Zweifelsohne ist das Rundschreiben 253 vom 7. Dezember 2007 für das
Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Andererseits ist zu beachten, dass die
Ausnahme gemäss Rundschreiben 253 vom 7. Dezember 2007 bereits rund fünf Jahre
angewandt wurde und die Gründe für eine Praxisänderung umso gewichtiger sein
müssen, je länger die als falsch oder nicht mehr zeitgemäss erkannte
Rechtsanwendung praktiziert wurde. Ob der Umstand, dass bei Eintritt der
gesundheitlich bedingten Arbeitsfähigkeit in den ersten fünf Monaten 2008 unter
Geltung von Art. 29 Abs. 1 IVG nicht die Zeit verbleibt sich bis Ende 2008 bei der
Invalidenversicherung anzumelden, um sofort nach Ablauf der einjährigen Wartezeit in
den Genuss von Rentenleistungen zu kommen, ein gewichtiger Grund für eine
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Praxisänderung darstellt, erscheint indessen fraglich. Hinzu kommt, dass für die
Ausnahme gemäss Rundschreiben 253 vom 7. Dezember 2007 ein sachlicher Grund
besteht: Es soll den Versicherten, deren Arbeitsunfähigkeit noch unter Geltung des
alten Rechts eingetreten ist und das Wartejahr unmittelbar nach Inkrafttreten des neuen
Rechts erfüllt wird, eine Übergangszeit gewährt werden. Hinsichtlich der Rechts
sicherheit erscheint diese Übergangszeit durchaus sinnvoll. Sodann liegt bei Ver
sicherten deren Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2008 eingetreten ist und die Wartezeit somit
frühestens im Jahr 2009 erfüllt werden konnte nach der hier vertretenen Auffassung
kein mit der Ausnahme nach dem Rundschreiben 253 vom 7. Dezember 2007
vergleichbarer Sachverhalt vor. Tritt die Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2008 ein, besteht
nämlich von vornherein kein Anknüpfungspunkt an das alte Recht. Es erscheint daher
auch nicht nachvollziehbar, weshalb die Ausnahme gemäss Rundschreiben 253 vom 7.
Dezember 2007 an einen ungleichen Sachverhalt angepasst werden sollte, zumal die
Anwendung des Gleichbehandlungsgebots nach Art 8 Abs. 1 BV gleichliegende
Sachverhalte voraussetzt.
6.
6.1 Die Beschwerde ist somit unter Aufhebung der Verfügung vom 3. Dezember 2010
dahingehend gutzuheissen, als der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. August 2007
eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen ist.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die Be
schwerdegegnerin die gesamte Gerichtsgebühr zu bezahlen.
6.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei ins
besondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen ist
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der Be
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deutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine Parteient
schädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP