Decision ID: 346d4830-56c9-4e74-a48f-ba51263aef19
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1985, meldete sich am 2. Februar 2004
unter Hinweis auf
psychische Störungen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, IV-Stelle Graubünden,
sprach ihr mit Verfügung vom 28. Januar 2005 (Urk. 8/40) bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente ab 1. Juli 2003 zu.
Am
1. März 2007
teilte die IV-Stelle
Graubünden
der Versicherten mit, der Ren
tenanspruch sei unverändert (Urk.
8/49
).
1.2
Die Versicherte meldete sich am 14. November 2007 erneut bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an und ersuchte um Gewährung von beruflichen Massnahmen (Urk. 8/52).
Mit Verfügung vom 25. Mai 2009 (Urk. 8/80) sprach die IV-Stelle Graubünden der Versicherten eine auf einem Invaliditätsgrad von 100 % basierende, ganze ausserordent
liche Rente ab 1. Juni 2009 zu.
Zudem
übernahm
sie
die Kosten für die erstmalige berufliche Ausbildung
der Versicher
ten
als Köchin
vom 1. August 2010 bis zum 31. Juli 2013
(
Urk. 8/87
)
.
Nach
dem die Versicherte
die Ausbildung
erfolgreich abgeschlossen
und eine 100%-Anstel
lung im erlernten Beruf gefunden hatte, schloss die IV-Stelle Graubünden die
berufliche
n
Massnahmen mit Mitteilung vom 26. November 201
3 (Urk. 8/110) ab und verneinte mit Verfügung vom 12. Februar 2014 (Urk. 8/117) einen Renten
anspruch nach Abschluss der erstmaligen beruflichen Ausbildung.
1.
3
Am 5. Oktober 2017 meldete sich die Versicherte
unter Hinweis auf
eine Dick
darmentfernung
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/123).
Die
nun zuständige
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 8/150; Urk. 8/160; Urk. 8/199; Urk. 8/204
; Urk. 8/208
) und übernahm die Kosten für die Weiterbildung in Fussreflexzonen
massage vom 17. Januar 2018 bis zum 16. Januar 2019 (Urk. 8/139). Am 26. Juni 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, die Unterstützung beim Arbeits
platzerhalt werde abgeschlossen (Urk. 8/192).
Nach ergangenem Vorbescheid (Urk.
8/
212
) verneinte
die IV-Stelle
mit Verfü
gung vom 8. März 2019 (Urk. 8/214 = Urk. 2) einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am
5. April 2019
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
8. März 2019
(Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
eine Rente
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 50.7 %
zuzusprechen, eventuell sei
die Sache zur Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 1 S.
2
Ziff. 1-3
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
22. Mai 2019
(Urk.
6
)
die teilweise Gutheissung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung der Sache zu weiteren Abklärungen. Damit erklärte sich die
Beschwerdeführerin
mit Eingabe vom 7. Juni 2019 (Urk. 11) einverstanden, worüber die
Beschwerde
gegnerin
am 11. Juni 2019 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
1
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in Verbindung mit
Art.
43
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) prüft der Versicherungsträger die Begehren der versicherten Person, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Soweit ärztliche oder fachliche Unter
suchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versi
cherte Person diesen zu unterziehen (
Art.
43
Abs.
2 ATSG).
In Ergänzung und Präzisierung zu
Art.
43
Abs.
1 ATSG hält
Art.
69
Abs.
2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) fest, dass die IV-Stelle, wenn die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt sind, die erforderlichen Unterlagen, insbesondere über den Gesundheitszustand, die Tätigkeit, die Arbeits- und Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person sowie die Zweckmässigkeit bestimmter Eingliederungsmassnahmen beschaffen und zu diesem Zwecke Berichte und Auskünfte verlangen, Gutachten einholen, Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen sowie Spezialisten der öffentlichen oder privaten Invalidenhilfe beiziehen kann.
1.2
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren
verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
wies das Leistungsbegehren in der angefochtenen Ver
fügung (Urk. 2) gestützt auf ihre medizinischen Abklärungen ab und hielt fest,
dass die
Beschwerdeführerin
ihre Tätigkeit als Köchin infolge ihrer gesundheitli
chen Beeinträchtigung nicht ausführen könne. Aufgrund der androhenden Redu
ktion des Arbeitspensums
s
ei
ihr die Weiterbildung zur Fussreflexzonenmas
seurin zugesprochen
worden
, anschliessend sei sie bei der Arbeitsplatzerhaltung unterstützt worden. Nach weiteren gesundheitlichen Problemen habe die
Beschwerdeführerin
die Kündigung erhalten.
Im Oktober 2018
habe die
Beschwerdeführerin
mitgeteilt
, dass sie bereits wieder eine Anstellung in einer Wäscherei gefunden habe. Diese angepasste Tätigkeit ermögliche es ihr
, ein Ein
kommen zu verdienen
, mit dem kein Anspruch auf eine Invalidenrente entstehe (S. 1).
Mit Beschwerdeantwort (Urk. 6) beantragte die
Beschwerdegegnerin
demgegen
über gestützt auf die Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 20. Mai 2019 (Urk. 7) die teilweise Gutheissung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung zu weiteren Abklärungen, namentlich zu einer RAD-Untersuchung. Die RAD-Ärztin
dipl.-med.
Y._
, Fachärztin für All
gemeine Innere Medizin und für Prävention und Gesundheitswesen, hielt in der genannten Stellungnahme
(Urk. 7)
fest, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht
die Angaben des Hausarztes
Dr.
med.
Z._
, wonach er von einer dauern
den 60%igen Arbeitsfähigkeit ausgehe, nachvollziehbar sei. Es könne in der angestammten Tätigkeit als Köchin von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auf Dauer ausgegangen werden, während angepasst eine Arbeitsfähigkeit von 60 % auch l
angfristig plausibel erscheine.
Um den Gesundheitszustand der
Beschwer
deführerin
abschliessend zu beurteilen, sei eine RAD-Untersuchung bei ihr erfor
derlich.
2.2
Die
Beschwerdeführerin
erklärte sich mit Eingabe vom 7. Juni 2019 (Urk. 11) mit der Rückweisung zu weiteren Abklärungen einverstanden.
2.3
Nachdem in Bezug auf die Rückweisung zu weiteren Abklärungen übereinsti
m
mende Anträge vorliegen (Urk. 6 und Urk. 11
) und diese mit der Akten- und Rechtslage in Einklang stehen, ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefoch
tene Verfügung vom 8. März 2019
(Urk.
2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese die notwendi
gen Abklärungen vornehme und hernach über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge.
3.
3.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streitwert festzule
gen (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
200.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
3.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Da der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt
Dr.
Marco Kamber
,
vor Fällung des Endentscheids ke
ine Kostennote eingereicht hat
, ist die Entschä
digung nach
§
7
Abs.
2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschä
digungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) nach Ermessen fest
zusetzen. Vorliegend erscheint beim praxi
sgemässen Stundenansatz von Fr.
220.-- eine Prozessentschädigung
in der Höhe von Fr.
2‘
4
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.