Decision ID: 33e80d99-75cb-4d5f-9d1f-04b3c134e2a1
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Hilflosenentschädigung
Sachverhalt:
A.
A.a Der Altersrentner S._, Jahrgang 1930, liess sich durch seinen Sohn B._ am
4. Juni 2007 zum Bezug einer Hilflosenentschädigung der AHV anmelden. Der
Versicherte benötige regelmässig in erheblicher Weise Hilfe beim An- und Auskleiden,
beim Aufstehen, Absitzen, Abliegen, bei der Körperpflege sowie teilweise beim
Verrichten der Notdurft und bei der Fortbewegung. Er müsse auch ständig überwacht
werden (AHV-act. 32). Aufgrund einer telefonischen Abklärung der Hilflosigkeit am
24. Oktober 2007 verneinte die Abklärungsperson einen Bedarf des Versicherten an
regelmässiger erheblicher Hilfe beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen. Er benötige
gelegentlich wegen Schwindelgefühlen Hilfe. Auch beim Essen sei keine Hilfe
erforderlich. Am 26. Oktober 2007 fügte der Sohn des Versicherten im
Abklärungsbericht einige Ergänzungen an und unterzeichnete ihn (AHV-act. 40).
A.b Mit Verfügung vom 22. November 2007 sprach die Ausgleichskasse dem
Versicherten eine Hilflosenentschädigung der AHV für Hilflosigkeit mittleren Grades ab
1. Juni 2006 zu. Der Versicherte sei mindestens seit dem Jahr 2002 bei vier der sechs
massgebenden Lebensverrichtungen auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe
angewiesen (AHV-act. 43 f.). Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt lic. iur. Daniel
Ehrenzeller in Vertretung des Versicherten am 17. Dezember 2007 Einsprache und
beantragte die Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung schweren Grades sowie die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (AHV-act. 48). Mit
Einspracheentscheid vom 4. März 2008 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) in Vertretung der
Ausgleichskasse die Einsprache ab und bewilligte die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung. Aufgrund der glaubhaften Schilderungen des Sohns des
Versicherten sei der Bedarf an einer dauernden persönlichen Überwachung zu bejahen.
Aus den Angaben des Sohns sei zu schliessen, dass der Versicherte in der Regel noch
selbstständig absitzen und aufstehen könne, dass ihm diese Verrichtungen aber
beträchtliche Mühe bereiten und eine erhebliche Konzentration erfordern würden. Eine
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blosse Erschwerung oder Verlangsamung bei der Vornahme von Lebensverrichtungen
begründe jedoch noch keine Hilflosigkeit. Was die gelegentlichen Schwindelgefühle
betreffe, so fehle es am Erfordernis der Regelmässigkeit. Weiter sei der Versicherte in
der Lage, seine Mahlzeiten selbstständig einzunehmen. Der geltend gemachten
Erstickungsgefahr werde durch die Annahme einer dauernden persönlichen
Überwachungsbedürftigkeit Rechnung getragen. Der Versicherte sei beim Essen nicht
als hilflos anzusehen (act. G 1.1).
B.
B.a In der gegen diesen Einspracheentscheid gerichteten Beschwerde vom 17. April
2008 beantragt der Rechtsvertreter des Versicherten die Aufhebung des Entscheids
und die Zusprache einer Hilflosenentschädigung für Hilflosigkeit schweren Grades ab
Juni 2006, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zudem ersucht er um die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inkl. Rechtsverbeiständung. Der
Beschwerdeführer sei in allen Lebensverrichtungen massgeblich hilfsbedürftig, was
sein Hausarzt am 14. Juni 2007 bestätigt habe. Am 29. Juni 2007 habe er ihn als
schwergradigen Pflegefall bezeichnet. Die Beschwerdegegnerin habe ein
Telefongespräch mit dem Sohn des Beschwerdeführers geführt – es sei nicht klar, mit
welchem, da drei Söhne in Frage kämen. Schon durch das Erfordernis der dauernden
persönlichen Überwachung sei erstellt, dass bei allen Veränderungen in der
Körperstellung des Beschwerdeführers jemand zugegen sein müsse. Der
Beschwerdeführer versuche, selbstständig aufzustehen und abzusitzen; dies sei
lediglich als Versuch zu werten, die Hilfsbedürftigkeit bei der Vornahme dieser
Verrichtungen etwas abzuschwächen. Der Grundzustand sei aber klar die
Hilfsbedürftigkeit auch in diesen Belangen. Die selbstständigen Aktivitäten könnten nur
dann verantwortungsvoll versucht werden, wenn jemand daneben stehe und den
Beschwerdeführer aufhalten würde, wenn die eigenen Versuche misslängen. Bereits im
Austrittsbericht der Klinik Walenstadtberg anfangs 2007 sei festgehalten worden, dass
sich die Spitex dreimal am Tag um den Beschwerdeführer kümmern müsse und er nur
ein Minimum der Zeit alleine verbringen sollte. Dieser Bericht werde, sofern er sich
nicht bei den Akten befinde, noch nachgeliefert. Bezüglich der Position des Essens sei
das Hantieren mit dem Messer möglich, die Einnahme des Essens selber eher weniger.
Es müsse dem Beschwerdeführer immer wieder geholfen werden, die Nahrung richtig
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zu zerkleinern und nicht zu grosse Brocken einzunehmen. Die Erstickungsgefahr sei zu
gross, sodass man es darauf gar nicht ankommen lassen dürfe. Würde sich der
Beschwerdeführer ins Pflegeheim begeben, was ohne die Betreuung durch seinen
Sohn rund um die Uhr absolut notwendig wäre, so hätte die Beschwerdegegnerin
erheblich mehr beizutragen als die Erhöhung der Hilflosenentschädigung. Nach Ansicht
des Rechtsvertreters ist eine Abklärung zuhause durchzuführen. Allenfalls könne sich
die Beschwerdegegnerin mit schriftlichen Auskünften zufriedengeben, müsste sich
dann aber auch darauf abstützen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Schreiben vom 28. April 2008 die

Abweisung der Beschwerde und verweist zur Begründung auf die Erwägungen im
Einspracheentscheid (act. G 3).
B.c Auf Anfrage des Gerichts, ob der Beschwerdeführer über eine
Rechtsschutzversicherung verfüge, teilte dessen Rechtsvertreter mit Schreiben vom
5. Mai 2008 mit, eine solche existiere. Sie habe die Leistungen aber am 18. Dezember
2007 rundweg abgelehnt, weil bereits ein Anwalt eingeschaltet worden sei. Auch wenn
man über dieses Vorgehen und die Begründung der Rechtsschutzversicherung streiten
könnte, seien solche Auseinandersetzungen aufreibend und in der Regel würden die
Versicherungen auf dem unhaltbaren Standpunkt beharren. Eine Deckung durch eine
Rechtsschutzversicherung bestehe also nicht (act. G 5).
B.d Mit Eingabe vom 9. Juni 2008 lässt sich der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers erneut vernehmen. Die Akten würden eine bereits seit vielen Jahren
anhaltende Hilfsbedürftigkeit zeigen. Aus den Angaben in der Anmeldung sei
ersichtlich, dass der Beschwerdeführer bis etwa zur Anmeldung selber in
verschiedenen Bereichen eine etwas grössere Selbstständigkeit gehabt habe, diese
dann aber abgenommen habe. Zu beachten sei insbesondere die fortschreitende
Demenz, die ja ebenso das Ihre zur Unselbstständigkeit in allen Belangen beitrage. Zur
Frage des Essens führt der Rechtsvertreter an, auch wenn der Beschwerdeführer seine
Mahlzeiten zum Teil selbstständig verkleinern könne, müsse er nicht nur überwacht
werden, sondern es müsse auch aktiv Einfluss genommen werden, etwa zur Grösse
der einzunehmenden Portionen. Der Feststellung in der telefonischen Abklärung, dass
der Beschwerdeführer problemlos eine Stunde alleine zuhause sein könne, stehe
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entgegen, dass er die Gefahren nicht mehr realisiere und gerade mit Kochherd, offenen
Türen etc. grösste Mühe habe oder Erstickungsanfälle erleide. Die Monate nach dem
Austritt aus der Klinik Walenstadtberg zusammen mit der schwer pflegebedürftigen
Ehefrau hätten den Zustand des Beschwerdeführers sicher nicht verbessert, und der
Tod der Ehefrau Ende Oktober 2007 habe nochmals zu einer markanten
Verschlechterung der Situation geführt (act. G 9).
Erwägungen:
1.
1.1 Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung haben Bezüger von Altersrenten oder
Ergänzungsleistungen, die in schwerem oder mittlerem Grad hilflos sind (vgl.
Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
[AHVG; SR 831.10]). Als hilflos gilt nach Art. 9 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) eine Person, die
wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen
dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf. Für die
Bemessung der Hilflosigkeit sind nach Art. 43 Abs. 5 AHVG die Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sinngemäss
anwendbar, nach Art. 66 Abs. 1 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVV; SR 831.101) Art. 37 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a und b
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201).
1.2 Die Hilflosigkeit gilt als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist,
d.h. in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die
Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies dauernd der Pflege oder der persönlichen
Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 1 IVV). Nach der Praxis sind sechs alltägliche
Lebensverrichtungen massgebend, nämlich Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen,
Absitzen, Abliegen; Essen; Körperpflege; Verrichtung der Notdurft; Fortbewegung,
Kontaktaufnahme (BGE 121 V 90 Erw. 3a). Hilflos in einer dieser Lebensverrichtungen
ist eine versicherte Person bereits dann, wenn sie für eine Teilfunktion regelmässig in
erheblicher Weise auf Dritthilfe angewiesen ist (Rz. 8011 des vom Bundesamt für
Sozialversicherung erlassenen Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der
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Invalidenversicherung = KSIH). Eine mittelschwere Hilflosigkeit liegt vor, wenn die
versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten (d.h. in vier der
sechs, vgl. Rz. 8009 KSIH, Entscheid I 866/05 des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 29. August 2006) alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (Art. 37 Abs. 2 lit. a
IVV), wenn sie in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden
persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 2 lit. b IVV), oder wenn sie in
mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise
auf Dritthilfe und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist
(Art. 37 Abs. 2 lit. c IVV). Die lebenspraktische Begleitung ist bei
Hilflosenentschädigung der AHV jedoch gemäss Art. 43 Abs. 5 AHVG i.V.m.
Art. 66 Abs. 1 AHVV ausgeschlossen.
1.3 Die Hilfe ist regelmässig, wenn sie die versicherte Person täglich benötigt oder
eventuell täglich nötig hat. Dies ist z.B. auch gegeben bei Anfällen, die zuweilen nur alle
zwei bis drei Tage, jedoch unvermittelt und oft auch täglich oder täglich mehrmals
erfolgen (ZAK 1986 S. 484; Rz. 8025 KSIH). Erheblich ist die Hilfe gemäss Rz. 8026
KSIH, wenn die versicherte Person mindestens eine Teilfunktion einer einzelnen
Lebensverrichtung nicht mehr, nur mit unzumutbarem Aufwand oder nur auf unübliche
Art und Weise (ZAK 1981 S. 387) selbst ausüben kann oder wegen ihres psychischen
Zustandes ohne besondere Aufforderung nicht vornehmen würde.
2.
2.1 Vorweg ist festzuhalten, dass der Sohn B._ die Pflege des Vaters übernommen
hat und diesen in Sachen Hilflosenentschädigung vertrat, bis ein Rechtsanwalt
beigezogen wurde (AHV-act. 34; 46). Entgegen der Ansicht des Rechtsanwalts wurde
im Bericht über die telefonische Abklärung der Hilflosigkeit in Ergänzung zur
Anmeldung festgehalten, dass das Gespräch mit B._ geführt worden war (AHV-
act. 40-1 oben).
2.2 Gemäss Angaben des Hausarztes Dr. med. A._ vom 14. Juni 2007 leidet der
Beschwerdeführer unter chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), einem
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Apnoe-Syndrom, Polyneuropathie und einer Kreislaufstörung. Er werde zuhause
gepflegt. Eine allgemeine Altershinfälligkeit stehe im Vordergrund (AHV-act. 37). Am
29. Juni 2007 berichtete Dr. A._ zudem von Demenz und Depression und
bezeichnete den Beschwerdeführer als schwergradigen Pflegefall (AHV-act. 50-2).
Nicht bestritten ist, dass der Beschwerdeführer in den Lebensverrichtungen des An-
und Auskleidens, der Körperpflege, des Verrichtens der Notdurft und der
Fortbewegung zumindest in Teilfunktionen regelmässig und in erheblicher Weise auf
die Hilfe Dritter angewiesen ist (AHV-act. 32-3; 40-1 f.). Die Beschwerdegegnerin
anerkennt zudem, dass er der dauernden persönlichen Überwachung bedarf, zumal er
wegen Erstickungsanfällen und allgemeiner Verletzungsgefahr (Sturzgefahr) nicht allein
gelassen werden könne.
2.3 Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer in den Lebensverrichtungen des
Essens und des Aufstehens, Absitzens und Abliegens hilflos ist. Ist die Hilflosigkeit
auch nur in einem dieser beiden Bereiche zu verneinen, so ist ein Anspruch auf
Hilflosenentschädigung schweren Grades ausgeschlossen.
2.3.1 In der Anmeldung vom 4. Juni 2007 gab der Sohn des Beschwerdeführers
an, sein Vater sei im Bereich des Essens nicht eingeschränkt. Er verneinte neben den
Fragen, ob die Nahrung ans Bett gebracht, zerkleinert oder zum Mund geführt werden
müsse, auch die Frage, ob der Versicherte nur spezielle Nahrung zu sich nehmen
könne, ergänzte dort jedoch, der Beschwerdeführer benötige Diäten (act. G 32-3). In
einem Schreiben vom 4. Mai 2007 hatte der Sohn des Beschwerdeführers ausgeführt,
dass die Pflege des Vaters vielleicht mit Hilfe der Spitex möglich wäre, wenn nur der
Vater im Haushalt wäre und sein Zustand stabil bliebe. Die Spitex müsste ihm das
Frühstück und das Mittagessen liefern und seine Nahrungsaufnahme, die Einnahme
der Medikamente nach dem Essen und die Inhalationstherapie überwachen (AHV-
act. 33-2). Im Rahmen der telefonischen Abklärung vom 24. Oktober 2007 hatte die
Abklärungsperson festgehalten, der Beschwerdeführer zerkleinere die Mahlzeiten
selbstständig mit dem Messer und nehme diese auch selber ein. Meist kleckere er sich
voll und es entstehe eine Unordnung, jedoch werde ihm beim Zerkleinern oder
Einnehmen der Mahlzeiten nicht geholfen. Das Trinken aus einem Glas gelinge dem
Versicherten problemlos. Der Sohn des Beschwerdeführers ergänzte am 26. Oktober
2007 handschriftlich, der Beschwerdeführer drohe beim Essen manchmal zu ersticken,
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da er sich verschlucke und sich selbst nicht zu helfen wisse (AHV-act. 40). Der
Rechtsvertreter betonte, dem Beschwerdeführer müsse immer wieder geholfen
werden, die Nahrungsmittel richtig zu zerkleinern und nicht zu grosse Brocken
einzunehmen. Auch auf die Grösse der einzunehmenden Portionen müsse Einfluss
genommen werden.
2.3.2 Diese Darstellungen vermögen keine erhebliche Hilfsbedürftigkeit im
Bereich des Essens zu belegen. Wie der Sohn des Beschwerdeführers ursprünglich
glaubhaft darstellte, scheint der Beschwerdeführer weitgehend selbstständig die
Nahrung zerkleinern und essen zu können. Doch selbst wenn der Beschwerdeführer für
die Zerkleinerung harter Speisen Hilfe benötigen würde, ist nicht davon auszugehen,
dass die Hilfe regelmässig notwendig wäre, denn es wäre dem Beschwerdeführer
zumutbar, nicht täglich hartes oder zähes Fleisch, Hartwurst, fest gebackenes Brot etc.
zu essen. Es ist auch nicht anzunehmen, dass die für den betagten Beschwerdeführer
zubereiteten Mahlzeiten regelmässig solche Speisen enthalten. Zudem könnte er
ohnehin auch verlangen, dass allfällige härtere Speisen mundgerecht zubereitet
würden. Ein Bedarf an regelmässiger erheblicher Hilfe beim Essen ist demnach nicht
überwiegend wahrscheinlich. Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend darstellt, wird
einem allfälligen Sich-Verschlucken (auch durch allfällige zu grosse eingenommene
"Bissen") und der damit verbundenen Erstickungsgefahr durch die grundsätzlich
notwendige Überwachung Rechnung getragen; erhebliche Hilfe beim Essen benötigt
der Beschwerdeführer deswegen nicht.
2.3.3 Bei diesem Ergebnis kann nicht von einer schweren Hilflosigkeit im Sinne
des Gesetzes ausgegangen werden. Die eingehende Prüfung, ob der
Beschwerdeführer in der Lebensverrichtung des Aufstehens, Absitzens und Abliegens
der Hilfe bedarf, kann damit unterbleiben. Nach Lage der Akten ist immerhin
festzuhalten, dass der Beschwerdeführer wohl auch in diesem Bereich nicht als hilflos
betrachtet werden kann. Im Rahmen der telefonischen Abklärung wurde festgehalten,
dass es dem Beschwerdeführer meistens gelinge, langsam, aber selbstständig vom
Bett oder einem Stuhl aufzustehen bzw. sich hinzusetzen oder -legen. Gelegentlich
benötige er wegen der Schwindelgefühle Unterstützung. Der Sohn des
Beschwerdeführers ergänzte handschriftlich, sein Vater rufe um Hilfe, wenn er nicht
aufstehen könne. Beim Absitzen müsse man ihn beobachten und platzieren, da er zu
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stürzen drohe, falls man nicht aufpasse (AHV-act. 40). Dass der Beschwerdeführer
grundsätzlich der Überwachung bedarf und jemand zur Stelle sein muss, wenn er um
Hilfe ruft, anerkennt auch die Beschwerdegegnerin. Ihr ist jedoch zuzustimmen, dass
dies nicht ausreicht, um mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass er
beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen regelmässig und in erheblichem Ausmass auf
die Hilfe Dritter angewiesen ist.
2.4 Damit ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu
Recht als mittelgradig hilflos eingestuft hat. Der sorgfältig begründete
Einspracheentscheid ist nicht zu beanstanden. Von einer Abklärung vor Ort, wie sie der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt, sind keine neuen Erkenntnisse zu
erwarten, weshalb darauf verzichtet werden kann (antizipierte Beweiswürdigung; vgl.
BGE 122 V 157, Erw. 1d). Auf den Bericht über die telefonische Abklärung in
Verbindung mit der vom Sohn des Beschwerdeführers ausgefüllten Anmeldung kann
abgestellt werden, zumal die Angaben in den beiden Unterlagen nicht wesentlich
voneinander abweichen und der Sohn des Beschwerdeführers den erstgenannten
Bericht zudem – nach Anbringen einiger Ergänzungen – unterzeichnete.
3.
3.1 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragte die Zusprache der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Auf Anfrage hin teilte er mit, die
Rechtsschutzversicherung des Beschwerdeführers habe die Kostengutsprache
verweigert. In einem Schreiben vom 18. Dezember 2007 hatte die Versicherung geltend
gemacht, dass sie grundsätzlich selbst die notwendigen Schritte zur Regelung von
Schadenfällen unternehme. Dies sei in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen
festgehalten. Der Versicherte müsse der Versicherung sofort jeden Schadenfall, der
Anlass zu einer Intervention der Gesellschaft geben könnte, durch Mitteilung aller
notwendigen Einzelheiten anmelden. Ohne die vorherige Zustimmung der Versicherung
dürfe der Versicherte kein Mandat erteilen. Durch die direkte Anwaltsmandatierung
habe der Versicherte der Versicherung die Möglichkeit verwehrt, die Sach- und
Rechtslage zu prüfen sowie allfällige eigene Schritte einzuleiten (act. G 5.1).
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3.2 Ist das befürchtete Ereignis eingetreten, so muss der Versicherte, sobald er
davon und von seinem Anspruch aus der Versicherung Kenntnis erlangt, den
Versicherer benachrichtigen. Der Vertrag kann verfügen, dass die Anzeige schriftlich
erstattet werden muss (Art. 38 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Versicherungsvertrag [VVG; SR 221.229.1]). Hat der Versicherte die Anzeigepflicht
schuldhafterweise verletzt, so ist der Versicherer gemäss Art. 38 Abs. 2 VVG befugt,
die Entschädigung um den Betrag zu kürzen, um den sie sich bei rechtzeitiger Anzeige
gemindert haben würde. Bei Anzeigepflichtverletzungen kann zwar eine
Leistungsverweigerung vertraglich vereinbart werden, regelmässig wird jedoch in den
AVB nur eine Leistungskürzung angedroht (Duri Poltera, Der
Rechtsschutzversicherungsvertrag und das Verfahren bei Meinungsverschiedenheiten
in der Schadenabwicklung, St. Gallen 1999, S. 54, 61). Der Beizug eines Rechtsanwalts
steht also unter dem Zustimmungsvorbehalt der Versicherung (m.w.H. Poltera, a.a.O,
S. 60). Von den 117'000 Rechtsfällen, die im Jahr 2006 den Rechtsschutzversicherern
angemeldet wurden, wickelten die Mitarbeiter der Versicherer rund zwei Drittel ab
(Daniel Bandle, Das ambivalente Verhältnis zwischen Anwälten und
Rechtsschutzversicherern, in: HAVE Nr. 1/2008, S. 2). Gemäss Art. 167 Abs. 1 der
Verordnung über die Beaufsichtigung von privaten Versicherungsunternehmen (AVO;
SR 961.001) muss der Rechtsschutzversicherungsvertrag der versicherten Person die
freie Wahl einer rechtlichen Vertretung einräumen, falls im Hinblick auf ein Gerichts-
oder Verwaltungsverfahren ein Rechtsvertreter eingesetzt werden muss (lit. a) sowie bei
Interessenkollisionen (lit. b). Die Versicherung hat jedoch ein Vetorecht gegen den vom
Versicherten ausgewählten Anwalt. Übt sie dieses aus, so darf der Versicherte drei
andere Anwälte vorschlagen, von denen die Versicherung einen akzeptieren muss
(Art. 167 Abs. 2 AVO; Bandle, a.a.O., S. 5). Die Ablehnung eines Anwalts muss die
Rechtsschutzversicherung nicht begründen (Bandle, a.a.O., S. 5 Fn. 36).
3.3 Im vorliegenden Fall ist der Beschwerdeführer seiner Anzeigepflicht gegenüber
der Rechtsschutzversicherung offenbar nicht rechtzeitig nachgekommen, sondern hat
vielmehr selbstständig einen Anwalt mandatiert. Die Versicherung hat die Deckung der
Anwaltskosten im Einspracheverfahren daraufhin abgelehnt (vgl. act. G 5.1). Angesichts
des vorhandenen eigenen Rechtsdienstes drängte sich für die Versicherung der Beizug
eines Anwalts in jenem Verfahrensstadium wohl nicht auf. Für das
Beschwerdeverfahren ergibt sich aufgrund des Anwaltsmonopols jedoch eine andere
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Situation. Hier wäre die Rechtsschutzversicherung grundsätzlich verpflichtet gewesen,
dem Beschwerdeführer einen Anwalt zu finanzieren. Nach Lage der Akten hat die
Versicherung ihre Leistungen nur für das Einspracheverfahren abgelehnt. Der
Beschwerdeführer bzw. sein Rechtsvertreter machen nicht geltend, für das vorliegende
Beschwerdeverfahren bei der Versicherung ein neues Gesuch gestellt zu haben. Dass
ein solches Gesuch von Vornherein ohne Chancen gewesen wäre, ist nicht glaubhaft.
Vor diesem Hintergrund ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung
abzuweisen, zumal nicht dargetan wurde, weshalb die Rechtsschutzversicherung für
das Beschwerdeverfahren (zumindest bei rechtzeitiger Gesuchstellung) nicht bezahlen
sollte.
4.
4.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im für das
vorliegende Verfahren massgebenden Zeitraum (bis zum Erlass des
Einspracheentscheids) eine Hilflosigkeit mittleren Grades aufwies. Der angefochtene
Entscheid ist nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.3 Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ist abzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG