Decision ID: 98855b51-cf9e-491a-a4ee-fae2eae84b83
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
Nötigung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich,
10. Abteilung - Einzelgericht, vom 21. September 2017 (GG170167)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 28. August 2017
(D1 Urk. 24) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 41 S. 19 f.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 10.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
4. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr Strafuntersuchung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt.
6. (Mitteilung)
7. (Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 42 S. 2; Urk. 61 S. 2)
1. Der Beschuldigte sei der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, von Schuld
und Strafe freizusprechen; dies unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten des Staates.
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2. Dem Beschuldigten sei eine angemessene Genugtuungssumme zuzuspre-
chen.
3. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen der Vorinstanz seien neu dem Aus-
gang dieses Verfahrens entsprechend, also zu Lasten des Staates zu ver-
legen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 47 S. 1; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die Erwägungen der Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 41 S. 3).
1.2. Gegen das vorstehend wiedergegebene, mündlich eröffnete Urteil des Be-
zirksgerichts Zürich, 4. Abteilung - Einzelgericht, vom 21. September 2017 (Prot. I
S. 13 f.) liess der Beschuldigte am 22. September 2017 fristgerecht Berufung an-
melden (Urk. 36) und liess nach Zustellung des begründeten Urteils am
14. Dezember 2017 (Urk. 40/2) – ebenfalls fristgerecht – am 22. Dezember 2017
(Datum Poststempel) dem Obergericht die Berufungserklärung einreichen
(Urk. 42). Mit Präsidialverfügung vom 9. Januar 2018 wurde die Berufungser-
klärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der Staatsanwaltschaft
sowie der Privatklägerschaft zugestellt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu
erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig
wurde dem Beschuldigten Frist angesetzt, um zu seinen finanziellen Verhält-
nissen verschiedene Auskünfte zu erteilen und zu belegen (Urk. 45). Am
22. Januar 2018 teilte die Staatsanwaltschaft mit, auf eine Anschlussberufung zu
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verzichten und die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils zu beantragen
(Urk. 47). Mit Eingabe vom 29. Januar 2018 stellte Rechtsanwalt Dr. iur. X._
den Antrag, er sei als amtliche Verteidigung des Beschuldigten einzusetzen
(Urk. 48), welcher mit Präsidialverfügung vom 26. Februar 2018 abgewiesen wur-
de (Urk. 52). Fristgerecht reichte der Beschuldigte sodann das ausgefüllte Daten-
erfassungsblatt sowie weitere Unterlagen betreffend seine finanziellen Verhältnis-
se ein (Urk. 50/1-10).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 19. März 2018 wurde dem Beschuldigten Frist
angesetzt, um schriftlich die Berufungsanträge zu stellen und zu begründen sowie
letztmals Beweisanträge zu stellen. Gleichzeitig wurde die schriftliche Durchfüh-
rung des Berufungsverfahrens verfügt (Urk. 56). Mit Eingabe vom 11. April 2018
präzisierte die Verteidigung die Berufungsanträge und begründete diese entspre-
chend (Urk. 61). Mit Präsidialverfügung vom 16. April 2018 wurde die Berufungs-
begründung des Beschuldigten der Staatsanwaltschaft und dem Privatkläger zu-
gestellt und gleichzeitig Frist angesetzt, um schriftlich die Berufungsantwort einzu-
reichen. Sodann wurde die Berufungserklärung der Vorinstanz zur freigestellten
Vernehmlassung zugestellt (Urk. 63). Die Vorinstanz verzichtete in der Folge auf
eine Vernehmlassung (Urk. 65). Auch die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine
Berufungsantwort und erneuerte ihren Bestätigungsantrag (Urk. 66). Mit un-
datierter Eingabe (Datum Poststempel: 3. Mai 2018) nahm die Privatklägerschaft
Stellung zur Eingabe vom 11. April 2018 (Urk. 68). Mit Präsidialverfügung vom
11. Mai 2018 wurde dem Beschuldigten Frist zur freigestellten Vernehmlassung
zur Berufungsantwort der Privatklägerschaft angesetzt (Urk. 70). Mit Eingabe vom
24. Mai 2018 liess sich die Verteidigung des Beschuldigten vernehmen (Urk. 72).
Mit Eingabe vom 25. Mai 2018 korrigierte die Verteidigung ihre Eingabe vom
24. Mai 2018 geringfügig (Urk. 74 - 76). Mit Präsidialverfügung vom 28. Mai 2018
wurde der Staatsanwaltschaft sowie der Privatklägerschaft Frist zur freigestellten
Vernehmlassung zur Eingabe der Verteidigung des Beschuldigten vom 24. Mai
2018 respektive 25. Mai 2018 angesetzt (Urk. 78). Während die Staatsanwalt-
schaft explizit auf eine Stellungnahme verzichtete (Urk. 80), ging innert Frist keine
Eingabe der Privatklägerschaft ein. Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
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2. Umfang der Berufung
Das Urteil der Vorinstanz wird durch den Beschuldigten vollumfänglich angefoch-
ten (Urk. 61). Damit kann festgehalten werden, dass das vorinstanzliche Urteil in
keinem Punkt in Rechtskraft erwachsen ist. Mithin steht der angefochtene Ent-
scheid im Rahmen des Berufungsverfahrens unter Vorbehalt des Verschlechte-
rungsverbotes (Art. 391 Abs. 2 StPO) gesamthaft zur Disposition.
3. Formelles
3.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet.
3.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249
E. 1.3.1 mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren
Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
II. Sachverhalt
1. Ausgangslage
1.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten im für die rechtliche Wür-
digung massgeblichen Teil des Anklagesachverhaltes vor, er habe vom Privat-
kläger B._, dessen Fahrzeug von der C._ AG abgeschleppt worden war,
verlangt, den Abschlepp-Rapport ("Rechnung/Quittung") zu unterschreiben, bevor
er sein Auto zurückerhalte. Da der Privatkläger mit der Unterschrift auch die Geld-
forderung von zunächst Fr. 790.– anerkannt hätte, mit dieser aber nicht einver-
standen gewesen sei, habe er die Unterschrift verweigert, worauf ihm der Be-
schuldigte das Auto nicht herausgegeben habe (D1 Urk. 24 S. 2).
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1.2. Wie auch schon vor der Vorinstanz hat der Beschuldigte den ihm vor-
geworfenen Sachverhalt grundsätzlich anerkannt mit der Ausnahme, dass er
vom Privatkläger verlangt habe, dass dieser den Abschlepp-Rapport ("Rechnung/
Quittung") zu unterschreiben habe, damit er sein Auto herausbekomme (D4 Urk. 3
S. 2 f. F/A 21 ff.; D4 Urk. 4 S. 2 F/A 5; D4 Urk. 6 S. 1 f. F/A 2 ff.; D4 Urk. 9 S. 1 f.
F/A 1 f.; Prot. I S. 7 f.).
2. Grundsätze der Sachverhaltserstellung
Was die Vorinstanz zu den massgebenden Grundsätzen der Sachverhalts-
erstellung und den Beweiswürdigungsregeln (dabei insbesondere zur Aussage-
würdigung) ausführt, ist nicht zu beanstanden (Urk. 41 S. 4 ff.). Die Vorinstanz hat
die Ergebnisse und den Inhalt der massgeblichen Beweismittel umfassend und
richtig wiedergegeben, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen
werden kann (Urk. 41 S. 6 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3. Würdigung der Beweismittel
Die Vorinstanz erachtete den zur Anklage gebrachten Sachverhalt gestützt auf die
massgeblichen Beweismittel als erstellt (Urk. 41 S. 9). Es kann vorweggenommen
werden, dass den von der Vorinstanz aus dem Beweismaterial gezogenen
Schlüssen zu folgen ist. Ausführlich, sehr sorgfältig und zutreffend hat die Vor-
instanz insbesondere die einzelnen Aussagen des Beschuldigten, des Privat-
klägers und der Zeugin gewürdigt. Die nachstehenden Erwägungen werden dies
nur noch verdeutlichen und teilweise ergänzen:
3.1. Was die Verteidigung aus ihren Ausführungen in der Berufungsbegründung
"ad I. Privatkläger Einvernahme durch die Polizei (act. D4/2)" für sich ableiten will,
ist nicht ersichtlich. Insbesondere ist mit der Vorinstanz das erneute Vorbringen
der Verteidigung, es handle sich beim Dokument "Rechnung/Quittung"
(D4 Urk. 4/10) nicht um eine Schuldanerkennung, sondern um eine Empfangs-
bestätigung (Urk. 61 S. 2 ff.), zu verwerfen. Auf dem fraglichen Dokument hat es
Platz für Personalien, die Angaben betreffend das abgeschleppte Auto und die
ausgeführten Arbeiten sowie den Aufwand in Franken. Weiter unten links und
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rechts befinden sich Unterschriftenblöcke für den Fall, dass der Betrag bezahlt
wurde (ergo: "Quittung") oder die Bestätigung, dass der Rapport wahrheitsge-
mäss ausgefüllt sowie gelesen und akzeptiert wird (ergo: "Rechnung" respektive
Schuldanerkennung). Es geht offensichtlich nicht darum, dass mit diesem Doku-
ment der Erhalt des Fahrzeuges bestätigt werden soll. Wäre dies tatsächlich
der Zweck des Dokumentes, so wäre doch zu erwarten, dass entsprechend ein
Unterschriftenblock mit beispielsweise den Worten "Fahrzeug erhalten" oder "Der
Unterzeichnende bestätigt das obengenannte Fahrzeug erhalten zu haben", vor-
handen wäre. Dass es sich bei diesem Dokument um eine Empfangsbestätigung
handelt, mit welcher der Erhalt des Fahrzeuges durch den Privatkläger hätte be-
stätigt werden sollen, ist als blosse Schutzbehauptung zu qualifizieren.
3.2. Die Verteidigung bringt sodann vor, der Privatkläger sei von Anfang auf
Konfrontation aus gewesen. Dieser habe dem Beschuldigten weder die Persona-
lien mitteilen noch einen Ausweis zeigen wollen. Nachdem der Beschuldigte diese
Angaben gehabt habe, habe er nur noch als Empfangsbestätigung für das her-
auszugebende Automobil eine Unterschrift des Privatklägers gewollt. Nachdem
der Privatkläger dann die Bemerkung "Forderung nicht anerkannt" geschrieben
habe, habe der Beschuldigte in absolut nachvollziehbarer Weise gewollt, dass
diese Bemerkung auch noch vom Privatkläger unterschriftlich bestätigt werde.
Dabei gehe es nicht um die Schuldanerkennung an sich sondern darum, dass das
Ganze sachverhaltlich bestätigt werde; dass auch Dritten klar sei, dass es der
Privatkläger gewesen sei, welcher die Bemerkungen auf das Dokument geschrie-
ben habe (Urk. 61 S. 2).
Wie die Vorinstanz hierzu zu Recht festgehalten hat (Urk. 41 S. 9), verkennt
die Verteidigung bei dieser Argumentation, dass der Beschuldigte respektive die
C._ AG nichts aus den handschriftlichen Anmerkungen in einem allfälligen
Rechtsstreit mit dem Privatkläger für sich ableiten könnte. Es würde auch schlicht
keinen Sinn machen, wenn der Privatkläger das Dokument vorbehaltlos unter-
schrieben hätte, und der Beschuldigte nachträglich noch ergänzen würde "Forde-
rung wird nicht anerkannt". Dies würde seinen Interessen bzw. den Interessen der
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C._ AG diametral entgegenlaufen. Vielmehr wäre klar, dass diese Ergänzung
nur vom allfälligen Schuldner – dem Privatkläger – angebracht worden wäre.
3.3. Im Zusammenhang mit der Einvernahme von D._ lässt der Beschul-
digte geltend machen, die Zeugin führe lediglich aus, dass der Beschuldigte eine
Unterschrift auf dem Rapport habe haben wollen, damit er das Auto herausgeben
könne; eine Unterschrift gewissermassen als Empfangsbestätigung für das Auto.
Die Unsicherheit bezüglich ihrer Aussagen werte die Vorinstanz als Indiz für die
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Diese Würdigung sei fehl am Platz. Gerade dar-
aus müsse der Beweis wegen Unsicherheit der Zeugin als nicht erbracht angese-
hen werden. Es sei nicht erwiesen, was der Beschuldigte mit der Unterschrift des
Privatklägers habe bezwecken wollen. Das Gericht müsse wohl oder übel nach
dem Grundsatz in dubio pro reo entscheiden und dürfe den Beschuldigten nicht
als der Nötigung schuldig verurteilen. Darüber, ob der Privatkläger nicht habe un-
terschreiben wollen, habe die Zeugin nichts aussagen können. Schliesslich habe
sie es auch dem Privatkläger überlassen, ob er unterzeichnen wolle oder nicht
(Urk. 61 S. 4 f.).
Zu den Aussagen von D._ ist zu sagen, dass sich diese eben gerade in den
entscheidenden Passagen als zuverlässig erweisen. So sagte sie sicher und be-
stimmt aus, der Privatkläger habe ihr gegenüber gesagt, ihm werde sein Auto
nicht herausgegeben. Und auch der Beschuldigte habe ihr gesagt, ohne Unter-
schrift auf dem Rapport könne er das Auto nicht herausgeben (D4 Urk. 7 S. 3
F/A 9). Einzig bei der Frage, ob der Privatkläger schon etwas von Hand in den
Rapport geschrieben habe, bevor sie gekommen sei, erklärte sie, unsicher zu
sein (D4 Urk. 7 S. 3 F/A 13). Dies relativiert ihre übrigen Aussagen aber in keiner
Weise. Vielmehr lässt der Umstand, dass sie diese Unsicherheit klar deklarierte,
mit der Vorinstanz (Urk. 41 S. 7) ihre Aussagen umso glaubhafter erscheinen.
Den Rapport wird sie bei ihrem Eintreffen wohl nicht sofort eingehend studiert ha-
ben, so dass sie mit Sicherheit hätte sagen können, was schon dort gestanden
hatte und was erst nachher auf den Rapport geschrieben wurde. Es kommt noch
hinzu, dass ihre Zeugeneinvernahme erst rund 3 1⁄2 Monate nach dem Vorfall
stattfand. Wenn sie nun bei dieser Frage ein zurückhaltendes Aussageverhalten
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an den Tag legte, so spricht dies gerade dafür, dass sie darauf bedacht war, kor-
rekt auszusagen.
Darauf angesprochen, weshalb D._ im Polizeirapport (fälschlicherweise)
schreiben sollte, dass er gesagt hätte, der Privatkläger bekomme sein Auto nur
gegen Unterschrift auf der "Rechnung/Quittung" heraus, antwortete der Beschul-
digte, das wisse er nicht. Sie sei anders gewesen als die anderen, sie sei vor-
eingenommen gewesen (D4 Urk. 6 S. 2 F/A 6). Für diese Behauptung des Be-
schuldigten fehlen jegliche Anhaltspunkte. D._ war bis zum Vorfall weder mit
dem Privatkläger noch mit dem Beschuldigten persönlich bekannt (D4 Urk. 7 S. 2
F/A 6 f.). Auch sonst sind keine Gründe ersichtlich, weshalb die Polizeibeamtin
D._ den Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte, hat sie doch keinerlei per-
sönliche Interessen. Auf ihre Aussagen kann deshalb – entgegen der Ansicht der
Verteidigung – ohne Weiteres abgestellt werden.
Dass der Beschuldigte das Fahrzeug nur gegen Unterschrift herausgegeben hat,
ergibt sich sodann aus dem Umstand, dass die Polizei nicht nur einmal, sondern
sogar zweimal angerufen werden musste, und später noch die Polizeibeamtin
D._ zum E._ in ... [Ort] ausrücken musste. Diese führte gegenüber der
Staatsanwaltschaft aus, sie sei aufgeboten worden, weil "[...] zwei Personen sich
nicht einig seien, weil ein abgeschlepptes Auto nicht herausgegeben werde" (D4
Urk. 7 S. 2 F/A 9). Auch ihre Aussagen unterstreichen die vom Privatkläger ge-
machten Angaben. Erst nach dem Eintreffen der Polizeibeamtin D._ konnte
der Privatkläger sein Fahrzeug übernehmen. Was der Beschuldigte anschlies-
send als Erklärung für den längeren Disput mit dem Privatkläger anführt ("Wir ha-
ben eine Stunde lang diskutiert, weil er so provokativ war. Er hat ja die ganze Zeit
ausgerufen und mich beleidigt" [Prot. I S. 10]), vermag nicht zu überzeugen. Viel-
mehr ist anzunehmen, dass sie derart miteinander diskutiert haben, weil der Pri-
vatkläger auf der Herausgabe des Fahrzeugs beharrte, der Beschuldigte ihm dies
aber bis zur Leistung von dessen Unterschrift auf dem für die Schuldanerkennung
massgeblichen Teil des Formulars verweigerte.
Damit ist der für die rechtliche Würdigung massgebliche Teil des Anklagesach-
verhalts (Abs. 1) rechtsgenügend erstellt.
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III. Rechtliche Würdigung
Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung kann vollumfänglich auf die Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 41 S. 10 ff.). Wer die Herausgabe eines
nicht ihm gehörenden Fahrzeuges von der Unterschrift des Berechtigten auf einer
Schuldanerkennung, auf welche er keinen Anspruch hat, abhängig macht, begeht
eine Nötigung.
IV. Sanktion
1. Strafrahmen und allgemeine Prinzipien der Strafzumessung
Die Vorinstanz hat den konkret anwendbaren Strafrahmen korrekt bemessen und
die theoretischen Grundsätze der Strafzumessung angeführt, worauf zur Vermei-
dung von Wiederholungen zu verweisen ist (Urk. 41 S. 14 ff.). Mit der Vorinstanz
sind auch keine Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe ersichtlich. Auszu-
gehen ist deshalb nachfolgend von einem Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren oder einer Geldstrafe von einem bis 360 Tagessätzen.
2. Konkrete Strafzumessung
2.1. Tatkomponente
2.1.1. Die Vorinstanz führte zur Tatschwere aus, in objektiver Hinsicht falle ins
Gewicht, dass der gesamte Deliktsvorfall sich nur während einer relativ kurzen
Dauer von etwa einer Stunde ereignet habe. Die Verweigerung der Herausgabe
des Fahrzeugs stelle zwar einen ernsten aber keinen allzu übermässigen Nachteil
für den Privatkläger dar. Aus der einmaligen Tatbegehung resultierten dem Pri-
vatkläger denn auch keine schwerwiegenden Folgen. Die Androhung erfolge des
Weiteren lediglich verbal. Bei der subjektiven Tatschwere falle ins Gewicht, dass
der Beschuldigte direktvorsätzlich gehandelt habe. Sein Handeln sei jedoch nicht
finanziell motiviert gewesen. Von einer Unterschrift bzw. einer Schuldanerken-
nung hätte einzig die Arbeitgeberin des Beschuldigten profitiert. Es sei jedoch zu
erwähnen, dass der Beschuldigte jederzeit die völlige Entscheidungsfreiheit über
die Tat besessen habe und es ihm zumutbar gewesen sei, dem Privatkläger un-
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verzüglich dessen Fahrzeug herauszugeben. Insgesamt wiege vorliegend das
Tatverschulden sehr leicht. Unter Berücksichtigung der objektiven und subjektiven
Tatkomponenten scheine eine hypothetische Einsatzstrafe von 60 Tagessätzen
als angemessen.
2.1.2. Den vorinstanzlichen Erwägungen ist grundsätzlich zuzustimmen. Im Ver-
gleich zu allen denkbaren Nötigungen erscheint die Nötigung zum Nachteil von
B._ als sehr leicht, zumal nicht viel geringfügigere Nötigungshandlungen
denkbar sind. Der Beschuldigte legte kein nennenswertes – weder ein besonders
raffiniertes noch plumpes – Tatvorgehen an den Tag. Zum Ausmass der Verlet-
zung des geschützten Rechtsgutes ist zu sagen, dass die Nötigungshandlung an
sich, nämlich die Zurückbehaltung des Fahrzeuges, nicht sonderlich schwer war,
dies aber auch keinesfalls mehr Bagatellcharakter hat. Weitere Folgen hatte die
Tat für den Privatkläger keine. Der Beschuldigte hat die Tat mit direktem Vorsatz
begangen, führte dieser doch selber aus, ihm sei bewusst, dass er das Fahrzeug
auch ohne Unterschrift herausgeben müsse. Die Konsequenz seines Verhaltens
schien ihm egal zu sein, musste er doch damit rechnen, dass der Privatkläger die
Polizei herbeirufen werde. Dies zeugt doch von einer gewissen Dreistigkeit und
kriminellen Energie. Die Beweggründe des Beschuldigten sind offensichtlich im
Erhalt einer Schuldanerkennung zur direkten zivilrechtlichen Durchsetzung der
Forderung begründet. Ein direkter finanzieller Vorteil für den Beschuldigten ist
aber nicht ersichtlich. Er handelte ohne erkennbaren Eigennutz. Gleichzeitig sind
aber auch keine altruistischen oder anderweitig nachvollziehbaren Beweggründe
erkennbar.
2.1.3. Wenn die Vorinstanz für die gesamte Tatschwere eine Einsatzstrafe von
60 Tagessätzen festsetzt, erscheint dies als dem Verschulden angemessen.
2.2. Täterkomponente
2.2.1. Zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ist bekannt, dass er
am tt. März 1967 geboren wurde. Der Beschuldigte ist ledig, lebt alleine und hat
zwei Kinder im Alter von 18 Jahren und 16 Jahren. Er arbeitet als stellvertretender
Geschäftsführer für die C._ AG und verdient damit gemäss eigenen Angaben
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Fr. 3'500.– brutto pro Monat. Er hat weiter gemäss eigenen Angaben Fr. 50'000.–
Schulden. Er unterstützt seine Kinder mit Fr. 1'500.– pro Monat (Prot. I S. 6; D4
Urk. 9 S. 2 f.). Aus seinen persönlichen Verhältnissen ergeben sich keine straf-
zumessungsrelevanten Kriterien. Mit der Vorinstanz wirkt sich die Vorstrafenlosig-
keit des Beschuldigten strafzumessungsneutral aus (BGE 136 IV 1 E. 2.6.4).
2.2.2. Bei der Strafzumessung ist auch das Nachtatverhalten eines Täters mit zu
berücksichtigen. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren
(wie zum Beispiel Reue, Einsicht und Strafempfindlichkeit, Art. 47 N 22;
BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47 N 109). Ein Geständnis, das
kooperative Verhalten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die
Einsicht und Reue wirken strafmindernd (BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER,
Art. 47 N 130 f.). Das Bundesgericht hielt in seinen Entscheiden BGE 118 IV 349
und 121 IV 202 dafür, ein positives Nachtatverhalten könne zu einer Strafredukti-
on im Bereich von einem Fünftel bis zu einem Drittel führen (vgl. auch BSK
StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47 N 131).
2.2.3. Der Beschuldigte zeigte sich bezüglich des ihm vorgeworfenen Verhaltens
überwiegend geständig, bestreitet jedoch den Sachverhalt im zentralen Punkt der
Nötigungshandlung. Er zeigte sich zudem weder reuig noch ist bei ihm eine Ein-
sicht ins Unrecht der Tat vorhanden. Wenn die Vorinstanz dem Beschuldigten un-
ter dem Aspekt des Nachtatverhaltens keine Strafreduktion zugesteht, so kann ihr
darin gefolgt werden, zumal der Beschuldigte durch sein Verhalten die Strafunter-
suchung nicht erleichtert hat.
2.2.4. Es bleibt deshalb letztlich bei der festgelegten Einsatzstrafe von
60 Tagessätzen Geldstrafe.
2.3. Höhe Tagessatz
Die Vorinstanz setzte unter Berücksichtigung der damaligen finanziellen Verhält-
nisse des Beschuldigten den Tagessatz auf Fr. 10.–. Unter Hinweis auf Art. 391
Abs. 2 StPO hat es bei dieser Höhe zu bleiben.
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Fazit: Der Beschuldigte ist in Würdigung aller Strafzumessungsgründe mit einer
Geldstrafe in der Höhe von 60 Tagessätzen à Fr. 10.– zu bestrafen.
V. Vollzug
Nur schon aus prozessualen Gründen (Art. 391 Abs. 2 StPO) ist der bedingte
Aufschub der Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren zu be-
stätigen.
VI. Kosten
1. Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens
1.1. Die Vorinstanz auferlegte dem Beschuldigten die Kosten des Vorver-
fahrens sowie die Entscheidgebühr in der Höhe von insgesamt Fr. 3'000.–
(Urk. 41 S. 19).
1.2. Ausgangsgemäss – es bleibt hinsichtlich der gesamten Anklage bei einer
Verurteilung des Beschuldigten – ist das vorinstanzliche Kostendispositiv zu be-
stätigen (Dispositivziffer 4 und 5; Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Kosten des Berufungsverfahrens
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzu-
setzen.
2.2. Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ih-
res Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei im
Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz bzw. Berufungsgericht gestellten
Anträge gutgeheissen wurden (BSK StPO-DOMEISEN, Art. 428 N 6).
2.3. Der appelierende Beschuldigte strebte mit seiner Berufung einen voll-
umfänglichen Freispruch an (Urk. 42 S. 2; Urk. 61 S. 2). Die Staatsanwaltschaft
beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 47). Nachdem der
Beschuldigte heute im Berufungsverfahren – in Bestätigung des Schuldspruchs
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durch die Vorinstanz – wegen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB schuldig ge-
sprochen wird sowie die Strafhöhe bestätigt wird, unterliegt dieser vollumfänglich.
Die Kosten des Berufungsverfahrens sind deshalb dem Beschuldigten aufzuer-
legen.