Decision ID: 842c1344-7a93-50eb-8bc7-feb57f0f905b
Year: 2004
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X.Y. war der Führerausweis wegen Überschreitens der signalisierten
Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um 20 km/h, begangen am 24. Juli 2000,
sowie wegen Überholens an unübersichtlicher Stelle und Überschreitens der
signalisierten Höchstgeschwindigkeit auf einer Autostrasse von 80 km/h um 25 km/h,
begangen am 28. Januar 2002, vom 9. Juli bis 8. August 2002 für die Dauer eines
Monats entzogen. Zudem wurde er zum Besuch des Verkehrsunterrichts verpflichtet. In
der Eidgenössischen Administrativmassnahmen-Kontrolle sind weitere Massnahmen
wegen Geschwindigkeitsdelikten (Verwarnung 1996, Entzüge für einen Monat 1987 und
1999, zwei Monate 1992, vier Monate 1987/88) sowie wegen eines anderen Fahrfehlers
(Entzug für einen Monat 1986) und wegen Unaufmerksamkeit (Entzug für drei Monate
1989) verzeichnet.
B.- Am Freitag, 7. März 2003, um 16.50 Uhr, stellte die Kantonspolizei C. mittels dem
Nachfahrmessgerät "Sat-Speed" fest, dass X.Y. den Personenwagen "BMW 750i" in B.
auf der Autobahn A3 bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h mit
einer rechtlich relevanten Geschwindigkeit von 164 km/h von Sargans in Richtung
Zürich lenkte.
Mit Strafverfügung vom 9. April 2003 des Kantonsgerichtspräsidiums C. wurde X.Y.
wegen Überschreitens der signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h um
netto 30 km/h mit Fr. 360.-- gebüsst. Sie war unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
Mit Verfügung vom 3. Juli 2003 entzog das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des
Kantons St. Gallen, Abteilung Personenzulassung, X.Y. den Führerausweis wegen
Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwindigkeit und wegen seines getrübten
automobilistischen Leumunds in Anwendung von Art. 16 Abs. 3 lit. e und Art. 17 Abs. 1
lit. c SVG für die Dauer von sechs Monaten.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X.Y. durch seine Vertreterin mit Eingabe vom 18. Juli
2003 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter Kosten- und
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Entschädigungsfolge sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und der
Führerausweis für höchstens zwei Monate zu entziehen.
Mit Vernehmlassung vom 12. September 2003 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung des Rekurses.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit
notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 18. Juli 2003 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 24 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG; Art. 41 lit. e,
45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG kann der Führerausweis entzogen werden, wenn der
Führer Verkehrsregeln verletzt und dadurch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet oder
belästigt hat. In leichten Fällen kann eine Verwarnung ausgesprochen werden. Gemäss
Art. 16 Abs. 3 lit. e SVG muss der Führerausweis entzogen werden, wenn der Führer
nicht bestrebt oder nicht fähig ist, ohne Gefährdung oder Belästigung anderer zu
fahren.
3.- Im Rekurs ist angesichts der rechtskräftigen strafrechtlichen Verurteilung zu Recht
unbestritten, dass der Rekurrent am 7. März 2003, um 16.50 Uhr, auf der A3 in B.
Fahrtrichtung Zürich die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h um 30 km/h
überschritten und damit Art. 27 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 32 Abs. 2 SVG und Art. 4a
Abs. 2 lit. d der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV) verletzt hat. Im
Rekurs ist zudem unbestritten, dass diese Verkehrsregelverletzung für sich betrachtet
nach gefestigter bundesgerichtlicher Rechtsprechung als leichter Fall im Sinn von Art.
16 Abs. 2 Satz 2 SVG einzustufen ist (vgl. BGE 123 II 106 E. 2c). Ebenso wird im
Rekurs im Ergebnis anerkannt, dass wegen des getrübten automobilistischen
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Leumunds des Rekurrenten nicht mehr eine Verwarnung in Frage kommt (vgl. Art. 31
Abs. 2 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum
Strassenverkehr, SR 741.51, abgekürzt: VZV), sondern zumindest ein fakultativer
Entzug des Führerausweises im Sinn von Art. 16 Abs. 2 Satz 1 SVG anzuordnen ist.
Umstritten ist allein, ob die erneute Verkehrsregelverletzung angesichts des
automobilistischen Vorlebens des Rekurrenten zur Anwendung von Art. 16 Abs. 3 lit. e
SVG und damit zu einem obligatorischen Entzug des Führerausweises führt.
a) Im Rekurs wird vorgebracht, Art. 16 Abs. 3 lit. e SVG beziehe sich auf Personen, die
mutwillig immer und immer wieder gegen die Verkehrsvorschriften verstossen und
andere belästigen oder gefährden. Damit sich der fragliche Sachverhalt in die Liste der
Tatbestände gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG einreihen könne, müssten äusserst
schwerwiegende und folgenreiche Ereignisse zur Diskussion stehen. Beim
Fahrzeugführer müssten auch charakterliche Mängel vorliegen, da die Bestimmung
auch "negative Bestrebungen" oder "mangelnde Fähigkeiten" des Fehlbaren
voraussetze. All dies sei beim Rekurrenten, bei dem es sich um einen 66-jährigen, sehr
gut beleumdeten, respektierten selbständig Erwerbenden handle, nicht gegeben. Er
habe mit Ausnahme gewisser Übertretungen von Strassenverkehrsregeln noch nie zu
Klagen Anlass gegeben. In den letzten zehn Jahren handle es sich nur gerade um total
drei Vorfälle. Weiter zurück liegende Ereignisse seien nicht mehr zu berücksichtigen.
Bei den meisten Vorfällen sei es um Geschwindigkeitsüberschreitungen gegangen,
welche nach der Erinnerung des Rekurrenten blosse Übertretungen gewesen seien.
Wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen sei er 1996 bloss verwarnt und ihm 1999
der Führerausweis für einen Monat entzogen worden. Drei Jahre später sei ihm der
Führerausweis dann nochmals, ebenfalls wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung
sowie wegen Überholens an einer unübersichtlichen Stelle, für einen Monat entzogen
worden. Der Rekurrent habe noch nie einen Menschen konkret gefährdet, belästigt,
verletzt oder gar getötet. Er habe auch keinen Schaden an Sachen verursacht. Der
Rekurrent habe einen untadeligen Charakter. Er wisse, dass
Geschwindigkeitsüberschreitungen nicht unterbewertet werden dürften. Er bedaure
sehr, dass er deswegen erneut belangt werden müsse. Aus geschäftlichen Gründen
brauche er sein Auto täglich und fahre monatlich zwischen 5'000 und 8'000 km. Er
benutze sein Fahrzeug im Vergleich zum Durchschnittslenker sehr viel häufiger. Wer
täglich lange Strecken zurücklege, laufe natürlich auch häufiger Gefahr, eine
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Verkehrsübertretung zu begehen. Dies sei hinsichtlich der Beurteilung, ob hier ein Fall
von Art. 16 Abs.3 lit. e SVG vorliege, von erheblicher Bedeutung. Unter diesen
Umständen sei es willkürlich anzunehmen, der Rekurrent sei nicht bestrebt oder nicht
fähig, ohne Gefährdung oder Belästigung anderer zu fahren.
Dem hält die Vorinstanz entgegen, mit Art. 16 Abs. 3 lit. e SVG wollten Lenker erreicht
werden, die immer wieder verkehrsgefährdende Verkehrsregelverletzungen begingen
und sich durch die bisher getroffenen Massnahmen nicht beeindruckt zeigten. Als
Voraussetzung für deren Anwendung habe der aktuelle Fall eine schuldhafte
Verkehrsregelverletzung mit Verkehrsgefährdung zu beinhalten. Das automobilistische
Vorleben sei durch eine Mehrzahl von verkehrsgefährdenden
Verkehrsregelverletzungen in relativ kurzer Zeit gekennzeichnet, die Eignung als Lenker
werde aber grundsätzlich bejaht. Wer sich - aus Leichtsinn, aus Egoismus oder aus
ähnlichen Motiven, unbekümmert um bisherige Massnahmen - immer wieder über die
Verkehrsordnung hinwegsetze und dadurch den Verkehr gefährde, habe einen
obligatorischen Entzug des Führerausweises zu gewärtigen. Die
Geschwindigkeitsübertretungen würden sich wie ein roter Faden durch den
automobilistischen Leumund des Rekurrenten ziehen. Weder der letzte Entzug des
Führerausweises noch der Besuch des Verkehrsunterrichts hätten ihn dazu veranlasst,
den Verkehrsvorschriften nachzukommen. Ein gewichtiges Indiz für den Willensmangel
böten die Aussagen des Rekurrenten anlässlich der letzten beiden polizeilichen
Einvernahmen. Der letzte Führerausweisentzug habe bis 8. August 2002 gedauert und
die heute zu beurteilende Verkehrsregelverletzung sei am 7. März 2003 begangen
worden. Es sei zu hoffen, dass ein längerer Entzug endlich den gewünschten Erfolg
zeitige, ansonsten eine verkehrspsychologische Eignungsuntersuchung unumgänglich
erscheine.
b) Gemäss Art. 16 Abs. 3 lit. e SVG muss der Führerausweis entzogen werden, wenn
der Führer nicht bestrebt oder nicht fähig ist, ohne Gefährdung oder Belästigung
anderer zu fahren. Nach heute herrschendem Verständnis führt der Tatbestand der
Unfähigkeit, ohne Gefährdung anderer zu fahren, zu einem Sicherungsentzug; ist der
Führer hingegen nicht bestrebt, ohne Gefährdung anderer zu fahren, droht ihm ein
obligatorischer Warnungsentzug. Mit letzterem Entzugsgrund wollen Fahrzeugführer
erreicht werden, die immer wieder verkehrsgefährdende Verkehrsregelverletzungen
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begehen, die sich durch die (bisher getroffenen) Massnahmen nicht beeindruckt
zeigen. Als Voraussetzungen für die Anwendung von Art. 16 Abs. 3 lit. e SVG im
genannten Sinn erscheinen damit der aktuelle Fall einer schuldhaften
Verkehrsregelverletzung mit Verkehrsgefährdung (vgl. dazu nachfolgend E. 3b/bb), das
automobilistische Vorleben mit einer Mehrzahl von verkehrsgefährdenden
Verkehrsregelverletzungen innerhalb relativ kurzer Zeit (vgl. dazu nachfolgend E. 3b/cc)
und eine bejahte Eignung (vgl. dazu nachfolgend E. 3b/aa; vgl. R. Schaffhauser,
Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III: Die
Administrativmassnahmen, Bern 1995, S. 259).
aa) Angesichts der teilweisen Geringfügigkeit der registrierten
Verkehrsregelverletzungen, die zeitlich zudem erheblich auseinander liegen (24. Juli
2000 Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um
20 km/h, 28. Januar 2002 Überschreiten der signalisierten Höchstgeschwindigkeit von
80 km/h auf einer Autostrasse um 25 km/h sowie Überholen an unübersichtlicher
Stelle, 7. März 2003 Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf
Autobahnen von 120 km/h um 30 km/h), zweifelte die Vorinstanz zu Recht nicht an der
Fahreignung des Rekurrenten (vgl. Expertengruppe Verkehrssicherheit,
Verdachtsgründe fehlender Fahreignung, Massnahmen, Wiederherstellung der
Fahreignung, Leitfaden für die Administrativ-, Justiz- und Polizeibehörden vom 26. April
2000, insbesondere Ziff. 6.2).
bb) Da Art. 16 Abs. 3 lit. e SVG einerseits eine verkehrsgefährdende
Verkehrsregelverletzung voraussetzt und anderseits im Verhältnis zu Art. 16 Abs. 3 lit. a
SVG nicht als Sondernorm zu verstehen ist, bleibt ihr Anwendungsbereich auf
Verkehrsregelverletzungen beschränkt, die für sich genommen zu einer Massnahme
gestützt auf Art. 16 Abs. 2 SVG führen können (vgl. dazu VRKE IV vom 4. Dezember
2002 in Sachen A.K., S. 7, publiziert in GVP 2002 Nr. 8). Da der Rekurrent mit der
Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit eine verkehrsgefährdende
Verkehrsregelverletzung beging, die für sich genommen unbestrittenermassen zu einer
Verwarnung gestützt auf Art. 16 Abs. 2 SVG führen würde, bleibt im vorliegenden Fall
grundsätzlich Raum für die Anwendung von Art. 16 Abs. 3 lit. e SVG. Gerade in dieser
Situation kommt dem Entzugsgrund von Art. 16 Abs. 3 lit. e SVG eigenständige
Bedeutung zu. Das automobilistische Vorleben - das in allen anderen Fällen nur bei der
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Festsetzung der Entzugsdauer Berücksichtigung findet - wird hier Tatbestandselement.
Ein Delikt, das an sich unter Art. 16 Abs. 2 SVG abzuhandeln wäre, fällt nach Einbezug
des automobilistischen Vorlebens unter die Sondervorschrift von Art. 16 Abs. 3 lit. e
SVG. Gegenüber Art. 16 Abs. 2 SVG hat Art. 16 Abs. 3 lit. e SVG damit den Charakter
einer qualifizierten Sondernorm (vgl. Schaffhauser, a.a.O., S. 260).
cc) Abgesehen von der bejahten Eignung und der Anlasstat sind die Voraussetzungen
für die Anwendung von Art. 16 Abs. 3 lit. e SVG in hohem Mass unbestimmt (vgl. B.
Knapp, Le permis de conduire des véhicules automobiles, in: Mélanges Assista, Genf
1989, S. 278). Die Anwendung der Bestimmung führt zu einer erheblichen Verschärfung
der Massnahme, insbesondere wenn sie die Mindestentzugsdauer von Art. 17 Abs. 1
lit. c SVG nach sich zieht. Es darf daher aufgrund einer einzelnen
Verkehrsregelverletzung nicht leichthin angenommen werden, der Führer sei nicht
bestrebt, ohne Gefährdung oder Belästigung anderer zu fahren. Diese Annahme
rechtfertigt sich nur, wenn ein Verstoss sich in eine Anhäufung bereits begangener
Widerhandlungen einreiht und wenn er, zusammen mit diesen, die Nachlässigkeit des
Betroffenen unterstreicht (vgl. M. Perrin, Délivrance et retrait du permis de conduire,
Freiburg 1982, S. 172/173; nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts vom 11.
März 1986 in Sachen S.M.).
Allein aufgrund eines Verstosses, der nach Ablauf von weniger als zwei Jahren seit
einem früheren Ausweisentzug begangen wird, darf nicht angenommen werden, der
Betroffene sei nicht bestrebt, ohne Gefährdung anderer zu fahren. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung darf Art. 17 Abs. 1 lit. c SVG nicht angewendet
werden bzw. eine Mindestentzugsdauer von sechs Monaten nicht angeordnet werden,
wenn die innert zwei Jahren seit Ablauf eines früheren Entzugs begangene
Widerhandlung nur zu einem fakultativen Entzug gestützt auf Art. 16 Abs. 2 SVG führt.
Es geht nicht an, im Fall des Fehlens einer schweren Verkehrsgefährdung bei einer
innerhalb von zwei Jahren seit Ablauf eines früheren Entzugs begangenen
Verkehrsregelverletzung stets einen obligatorischen Entzugsgrund zu konstruieren,
indem bei einer erneuten Verkehrsregelverletzung angenommen wird, der Lenker sei
nicht bestrebt, ohne Gefährdung oder Belästigung anderer zu fahren (vgl. VRKE IV vom
27. Februar 1990 in Sachen M.H., S. 5/6).
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Im vorliegenden Fall trifft zwar zu, dass der Rekurrent in der Eidgenössischen
Administrativmassnahmen-Kontrolle mit zahlreichen Einträgen verzeichnet ist. Für
sämtliche Massnahmen waren verkehrsgefährdende Verkehrsregelverletzungen des
Rekurrenten Anlass. Allerdings fällt auch auf, dass in den zehn Jahren vor der neuesten
Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit lediglich eine Verwarnung (1996)
sowie zwei einmonatige Führerausweisentzüge (1999 und 2002) verzeichnet sind. Den
weiteren Massnahmen liegen mit einer Ausnahme (1992) in den Achtzigerjahren
begangene Verkehrsregelverletzungen zugrunde. Angesichts dieser teilweise sehr
grossen zeitlichen Abstände reiht sich der neueste Verstoss nicht in eine Anhäufung
verkehrsgefährdender Verkehrsregelverletzungen ein. Zwar kommt darin eine
Nachlässigkeit des Rekurrenten insbesondere gegenüber den Vorschriften betreffend
Höchstgeschwindigkeiten zum Ausdruck. Hingegen erscheint sie nicht genereller,
sondern punktueller Natur. Die jeweiligen Massnahmen haben deshalb eine - wenn
auch zeitlich beschränkte - Wirkung gezeigt.
dd) Zusammenfassend ergibt sich damit, dass im Fall des Rekurrenten die Anwendung
von Art. 16 Abs. 3 lit. e SVG nicht angezeigt ist. Hingegen steht fest, dass eine
Verwarnung wegen der neuerlichen Geschwindigkeitsüberschreitung nicht mehr in
Frage kommt und dem Rekurrenten der Führerausweis gestützt auf Art. 16 Abs. 2 SVG
zu entziehen ist.
4.- Steht die Anordnung eines Ausweisentzugs fest, so ist dessen Dauer nach den
Umständen festzusetzen (Art. 17 Abs. 1 Ingress SVG). Zu berücksichtigen sind dabei
vor allem die Schwere des Verschuldens und der Leumund als Motorfahrzeugführer
sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen (Art. 33 Abs. 2 VZV).
a) Aus der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, welche eine Überschreitung der
zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen von 120 km/h um 30 km/h für sich
betrachtet grundsätzlich als leichten Fall, der unter anderem ein lediglich leichtes
Verschulden des Lenkers voraussetzt (vgl. BGE 125 II 561), behandelt, ist zu
schliessen, dass den Rekurrenten der Vorwurf eines leichten Verschuldens trifft. Da es
sich unter Berücksichtigung der Angaben in der Verzeigung (vgl. act. 7/21) um einen
Standardfall handelt, besteht kein Anlass, vorliegend von dieser Beurteilung
abzuweichen.
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b) Der Rekurrent besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit 1956. Er ist in der
Eidgenössischen Administrativmassnahmen-Kontrolle wegen Geschwindigkeitsdelikten
mit fünf Entzügen des Führerausweises (2002 1 Monat, 1999 1 Monat, 1992 2 Monate,
1987/88 4 Monate, 1987 1 Monat) und einer Verwarnung (1996) sowie wegen
Unaufmerksamkeit (1989/90 3 Monate) und eines anderen Fahrfehlers mit einem
weiteren Entzug (1986 1 Monat) verzeichnet. Zudem war er im Jahr 2002 zum Besuch
des Verkehrsunterrichts verpflichtet worden. Diesem massiv und einschlägig getrübten
automobilistischen Leumund des Rekurrenten ist mit einer erheblichen Verlängerung
der Entzugsdauer Rechnung zu tragen.
c) Der Rekurrent ist in L. selbständig. Er macht geltend, täglich momentan acht bis
zehn Baustellen in der Schweiz mit Schwerpunkt im Kanton Zürich zu betreuen und
dabei auch Baumaterialien mitzuführen. Auch um Kunden zu akquirieren, müsse er
Besuche mit dem Auto unternehmen. Er lege beruflich monatlich 5'000 bis 8'000 km
zurück. Dies alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu tun, sei unmöglich. Da er keine
Angestellten habe, könne er die Betreuung der Baustellen nicht delegieren. Er verfüge
auch nicht über einen Chauffeur. Der Entzug des Führerausweises für mehrere Monate
würde zu einer Art Berufsverbot führen. Er müsse sogar damit rechnen, sein Geschäft
definitiv schliessen zu müssen.
Die berufliche Notwendigkeit, ein Fahrzeug zu führen, wird nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung grundsätzlich nur angenommen, wenn die Ausübung des Berufs
durch den Führerausweisentzug materiell verboten wird, wie dies z.B. bei einem
Berufs-chauffeur der Fall ist, der für die Fahrdienste entschädigt wird. Ebenso ist die
berufliche Notwendigkeit zu bejahen, wenn die Unmöglichkeit, ein Fahrzeug zu führen,
einen solchen Einkommensverlust oder so beachtliche Kosten verursachen würde,
dass diese Massnahme offensichtlich als unverhältnismässig erscheint (Pra 1990 Nr.
150). Ein Fahrzeuglenker kann aber auch erhöht sanktionsempfindlich sein, ohne dass
geradezu eine berufliche Notwendigkeit vorliegt. Der Grundsatz der
Verhältnismässigkeit erfordert vielmehr eine differenzierte Betrachtungsweise, denn
berufsmässig auf den Einsatz eines Motorfahrzeugs angewiesene Fahrzeugführer
werden wegen der grösseren Massnahmeempfindlichkeit in der Regel schon durch
eine kürzere Entzugsdauer wirksam von weiteren Widerhandlungen abgehalten. Einem
solchen Lenker braucht der Führerausweis daher weniger lang entzogen zu werden als
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einem, der sein Fahrzeug beruflich nicht benötigt, selbst wenn beide Fahrzeuglenker
das gleiche Verschulden trifft. Die Reduktion der Massnahmedauer bemisst sich
danach, in welchem Mass der Lenker infolge beruflicher Notwendigkeit stärker als der
normale Fahrer von der Massnahme betroffen ist (BGE 123 II 572 E. 2c mit Hinweisen).
Mit dem Entzug des Führerausweises wird dem Rekurrenten, der selbständi tätig ist,
die Berufsausübung nicht verboten, jedoch unbestrittenermassen erschwert. Wie den
Akten zu entnehmen ist, besteht die Möglichkeit, einen Fahrer zu organisieren (vgl. act.
7/16 und act. 9). Von seinen früheren Mitarbeitern hat er sich heute offenbar getrennt
(vgl. act. 7/12). Im Winter ist es nicht generell ausgeschlossen und dem Rekurrenten
zuzumuten, einen Teil der nötigen Fahrten, wie beispielsweise jene in die
Physiotherapie, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Taxis zurückzulegen. Zudem ist
ihm gemäss der angefochtenen Verfügung das Führen von Motorfahrzeugen einzelner
Spezialkategorien gestattet. Soweit die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel und von
Taxis im Einzelfall ausgeschlossen ist, erlauben sie es dem Rekurrenten, kürzere und
mittlere Distanzen individuell zurückzulegen. Die Sanktionsempfindlichkeit des
Rekurrenten erscheint deshalb als leicht bis mittelgradig erhöht. Sie ist bei der
Bemessung der Entzugsdauer verkürzend zu berücksichtigen.
d) Angesichts des leichten Verschuldens, des massiv und einschlägig getrübten
automobilistischen Leumunds und der leicht bis mittelgradig erhöhten
Sanktionsempfindlichkeit erweist sich eine Entzugsdauer von zwei Monaten als
angemessen.
5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs - beantragt wird eine Entzugsdauer
von höchstens zwei Monaten - teilweise gutzuheissen und die angefochtene Verfügung
mit Ausnahme des Kostenspruches aufzuheben ist. Der Führerausweis ist dem
Rekurrenten für die Dauer von zwei Monaten zu entziehen.
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten zu einem Fünftel
dem Rekurrenten aufzuerlegen; vier Fünftel der Kosten trägt der Staat (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist angemessen (vgl. Ziff. 362
Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist zu
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verrechnen. Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem Rekurrenten Fr. 800.--
zurückzuerstatten.
Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Im vorliegenden Fall war angesichts des sehr vage
umschriebenen Anwendungsbereichs der von der Vorinstanz angewendeten
Entzugstatbestands und der dazu nur spärlich ergangenen Rechtsprechung der
Verzicht auf den Beizug der Rechtsvertreterin im Rekursverfahren nicht zumutbar. Eine
Kostennote ist nicht eingereicht worden. Angesichts der nicht sehr umfangreichen
Akten und des eher geringen Aufwands für die Rekurseingabe erscheint eine
Entschädigung von Fr. 1'000.-- zuzüglich Mehrwertsteuer als angemessen (Art. 19, 22
Abs. 1 lit. b und 28 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS
963.75). Die ausseramtliche Entschädigung wird den am Verfahren Beteiligten nach
Obsiegen und Unterliegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Angesichts des
Verfahrensausgangs sind dem Rekurrenten die ausseramtlichen Kosten zu drei
Fünfteln, d.h. mit Fr. 600.-- (inklusive Barauslagen) zuzüglich Mehrwertsteuer auf
diesem Betrag, zu entschädigen (Art. 98ter VRP). Kostenpflichtig ist der Staat.