Decision ID: 79242a90-1f25-598c-ba97-cd295e4f5b77
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ bezieht wegen einer chronifizierten schweren Depression (siehe IV-act. 8-1
und 15-1) seit dem 1. März 2002 eine ganze IV-Rente (IV-act. 17 f.).
A.b Am 24. Juli 2013 reichte der Versicherte einen ausgefüllten Revisionsfragebogen
ein (IV-act. 38). Er gab an, dass sein Gesundheitszustand gleich geblieben sei. Dr. med.
B._, Spezialarzt für Neurologie, berichtete am 17. August 2013 über einen insgesamt
stationären Gesundheitszustand (IV-act. 45). Dem Versicherten seien weiterhin keine
Tätigkeiten zumutbar.
A.c Eine IV-Sachbearbeiterin hielt am 24. Oktober 2013 fest (IV-act. 52), dass der
Versicherte anlässlich der Observation seiner Ehefrau einen uneingeschränkten
Eindruck hinterlassen habe. Der Observant sei mündlich beauftragt worden, die
Beweise auf Videomaterial festzuhalten. Ein Überwachungsauftrag werde nachgereicht.
Am 21. November 2013 erteilte die IV-Stelle der C._ AG einen schriftlichen
Überwachungsauftrag (IV-act. 61).
A.d Am 25. und 27. November 2013 wurde der Versicherte polydisziplinär (allgemein-
internistisch, psychiatrisch und orthopädisch) von der Medas Ostschweiz begutachtet
(Gutachten vom 16. Januar 2014, IV-act. 69). Der psychiatrische Gutachter, Dr. med.
D._, kam zum Schluss, dass der Versicherte aus psychiatrischer Sicht seit der
Rentenzusprache im Jahr 2002 wegen einer schweren depressiven Störung, einer
posttraumatischen Belastungsstörung und einer andauernden Persönlichkeitsänderung
nach Extrembelastung in jeglicher Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei.
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A.e Am 3. Februar 2014 ging der Überwachungsbericht der C._ AG vom 28. Januar
2014 bei der IV-Stelle ein (IV-act. 70). Dem Überwachungsbericht war zu entnehmen,
dass der Versicherte im Zeitraum 24. Oktober bis 16. Dezember 2013 dabei
beobachtet worden war, wie er ein Auto gelenkt hat, zusammen mit seiner Ehefrau und
dem Enkelkind spazieren gegangen ist, sich mit seiner Ehefrau um sein Enkelkind
gekümmert hat und mit der Familie einen Einkaufsladen besucht hat.
A.f Am 27. Februar 2014 notierte Dr. med. E._, Mitarbeiterin der IV-Stelle (IV-act. 73),
dass das Medas-Gutachten formell korrekt, inhaltlich schlüssig und nachvollziehbar
sei, weshalb von medizinischer Seite her darauf abgestellt werden könne. Am
28. Februar 2014 nahm Dr. E._ Stellung zum Observationsmaterial (IV-act. 74). Sie
erklärte, das Observationsmaterial lasse vermuten, dass das Ausmass der depressiven
Störung und die daraus resultierenden Einschränkungen weniger ausgeprägt seien als
vom Versicherten präsentiert. Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse liessen sich die
psychiatrische Beurteilung im Medas-Gutachten und ihre eigene medizinische
Stellungnahme vom 27. Februar 2014 nicht mehr aufrechterhalten. Aufgrund der
Observation ergäben sich zudem gewisse Hinweise auf eine absichtliche Täuschung
und Aggravation. Aus medizinischer Sicht sei eine erneute psychiatrische Beurteilung
unter Berücksichtigung des Observationsmaterials notwendig.
A.g Am 21. März 2014 informierte die IV-Stelle den Versicherten über die Observation
(IV-act. 75). Gleichzeitig teilte sie ihm mit, dass sie zur Klärung der Leistungsansprüche
eine schriftliche Rückfrage an den psychiatrischen Gutachter der Medas als notwendig
erachte und präsentierte ihm die Rückfragen (IV-act. 76). Am 23. April 2014 nahm der
Rechtsvertreter des Versicherten Stellung zum Fragenkatalog und bat um eine
Überarbeitung desselben (IV-act. 87). Am 12. Mai 2014 wurde dem Versicherten ein
angepasster Fragenkatalog eröffnet (IV-act. 89). Gegen diese Verfügung liess der
Versicherte am 12. Juni 2014 Beschwerde erheben (IV-act. 92-2 ff.). Obschon die IV-
Stelle am 24. Juni 2014 über die Beschwerdeerhebung orientiert worden war (IV-act.
90), stellte sie der Medas am 27. Juni 2014 die in der angefochtenen Verfügung
eröffneten Rückfragen zur Beantwortung zu (IV-act. 91). Der psychiatrische Gutachter
Dr. med. D._ nahm am 18. Juli 2014 Stellung zum Observationsmaterial (IV-act. 94).
Er erklärte, dass sich aus dem Observationsmaterial keine neuen Aspekte ergäben,
wonach an der Beurteilung des polydisziplinären Gutachtens zu zweifeln wäre. Mit
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Entscheid vom 20. Oktober 2014 schrieb der verfahrensleitende Abteilungspräsident
das Beschwerdeverfahren betreffend den Fragenkatalog infolge Gegenstandslosigkeit
ab (IV-act. 98).
A.h Am 30. März 2015 notierte RAD-Arzt Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, dass die Stellungnahme zum Observationsbericht von Dr. D._ in
krassem Gegensatz zu dem von Dr. E._ stehe (IV-act. 102). Er kam zum Schluss,
dass die Videosequenzen in keiner Weise eine sehr schwere und alle Lebensbereiche
umfassende Depression und Persönlichkeitsveränderung nach andauernder
Extrembelastung erkennen liessen. Es bestehe der hochgradige Verdacht auf eine sehr
bewusstseinsnah gesteuerte und eine schwere psychische Symptomatologie
präsentierende Verhaltensweise. Die unterschiedlichen Zustandsbilder seien mit einer
schweren Depression und Persönlichkeitsänderung nicht vereinbar. Es sei von einem
Täuschungsverhalten auszugehen. Auf die Beurteilung der Medas könne nicht
abgestellt werden. Eine weitere Begutachtung sei erforderlich.
A.i Am 20. April 2015 wurde dem Versicherten mitgeteilt, dass zur Klärung der
Leistungsansprüche eine erneute psychiatrische Begutachtung notwendig sei. Dr. med.
G._ werde mit der Untersuchung und Erstellung des Gutachtens beauftragt. Der
Fragenkatalog lag der Mitteilung bei (IV-act. 105). Am 1. Mai 2015 ersuchte der
Rechtsvertreter des Versicherten die IV-Stelle, von der neuerlichen psychiatrischen
Begutachtung abzusehen (IV-act. 108). Mit Verfügung vom 11. August 2015 erklärte die
IV-Stelle, dass sie an der Abklärung durch Dr. med. G._ festhalte (IV-act. 109). Gegen
diese Verfügung liess der Versicherte am 11. September 2015 Beschwerde erheben
(IV-act. 110).
A.j Am 28. September 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie
beabsichtige, die Rente mit sofortiger Wirkung vorsorglich einzustellen. Zur
Begründung erklärte sie, dass die gesamten Umstände einerseits ernsthafte Zweifel an
der Rechtmässigkeit des Rentenbezugs aufkommen und andererseits auf eine gezielte
Verschleppung des Abklärungsverfahrens schliessen liessen. Eine weitere Ausrichtung
der Rentenleistungen sei nicht mehr zu verantworten. Die IV-Stelle räumte dem
Versicherten die Möglichkeit ein, sich bis am 13. Oktober 2015 zur vorsorglichen
Renteneinstellung zu äussern (IV-act. 111). Der Rechtsvertreter des Versicherten nahm
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am 12. Oktober 2015 Stellung zur angekündigten vorsorglichen Renteneinstellung (IV-
act. 119). Er machte geltend, dass die Frage der Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit
des Medas-Gutachtens aufgrund der Beschwerde gegen die erneute psychiatrische
Begutachtung bereits gerichtshängig sei; wegen des Devolutiveffekts der
Beschwerdeerhebung habe die IV-Stelle ihre funktionelle Zuständigkeit verloren, die
Rente vorsorglich einzustellen. In materieller Hinsicht führte der Rechtsvertreter an,
dass die vorliegenden medizinischen Berichte keinen Zweifel an der Rechtsmässigkeit
des Rentenbezugs liessen. Der Versicherte habe das Recht, die Notwendigkeit einer
erneuten Begutachtung gerichtlich überprüfen zu lassen. Eine vorsorgliche
Renteneinstellung entgegen sämtlicher ärztlicher Berichte wäre nicht nur absolut
unhaltbar, sondern ein übler Versuch, seinen Klienten über den Entzug seiner
Existenzgrundlage in die Knie zu zwingen. Auf eine Einstellung der Rente sei deshalb
bis zum Vorliegen des versicherungsgerichtlichen Entscheides zu verzichten.
A.k Am 13. Oktober 2015 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt die sofortige
vorsorgliche Renteneinstellung (IV-act. 118). Zudem entzog sie einer allfälligen
Beschwerde gegen diese Verfügung die aufschiebende Wirkung. Zur Stellungnahme
des Rechtsvertreters erwiderte sie, es sei nicht zutreffend, dass sie aufgrund des
Devolutiveffekts keine vorsorgliche Massnahme mehr anordnen könne, da sich der
Beschwerdegegenstand darauf beschränke, ob eine weitere Begutachtung
vorzunehmen sei. Die Abklärungshoheit in der Sache selbst sei bei der IV-Stelle
geblieben. Die vorsorgliche Massnahme schliesse das Revisionsverfahren nicht ab. Die
Massnahme setze daher auch nicht voraus, dass der Sachverhalt abschliessend
geklärt sei. Entscheidend sei, dass konkrete Anhaltspunkte dafür vorlägen, dass die
bisherigen Beurteilungen durch eine bewusste Aggravation beeinflusst worden sein
könnten. Da unter den gegebenen Umständen das Verwaltungsverfahren auf
absehbare Zeit hin nicht fortgesetzt werden könne, seien die IV-Leistungen angesichts
der bestehenden Zweifel an der Rechtmässigkeit nicht weiter auszurichten.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
19. Oktober 2015 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die
Feststellung der Nichtigkeit der Verfügung; eventualiter sei die Verfügung aufzuheben.
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Im Sinne einer vorsorglichen Massnahme sei der Beschwerde unverzüglich die
aufschiebende Wirkung zu erteilen. Zur Begründung der Nichtigkeit der Verfügung
machte er geltend, dass der materielle IV-Anspruch sehr wohl bereits Gegenstand
eines gerichtlichen Verfahrens sei. Der angefochtenen Verfügung fehle es an einem
„Hauptverfahren“, während dem die vorsorgliche Massnahme greifen solle, da nie eine
Rentenaufhebung seitens der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) verfügt
worden sei. Falls die Beschwerdegegnerin die vorsorgliche Renteneinstellung im
Zusammenhang mit dem hängigen Gerichtsverfahren betreffend die Durchführung
einer erneuten psychiatrischen Begutachtung sehe, weil jenes zur Verlängerung des
Verfahrens führe, hätte die vorsorgliche Massnahme bei dem mit dem Hauptverfahren
befassten Gericht beantragt werden müssen. Der Devolutiveffekt habe zur Folge, dass
die Beschwerdegegnerin ihre funktionelle Zuständigkeit für vorsorgliche Massnahmen
verloren habe und kein Entscheid mehr hätte erlassen dürfen. Bezüglich der
Wiedererteilung der aufschiebenden Wirkung führte der Rechtsvertreter aus, dass
einem ordentlichen Rechtsmittel grundsätzlich aufschiebende Wirkung zukomme. Die
Beschwerdegegnerin habe die vorsorgliche Renteneinstellung und den gleichzeitigen
Entzug der aufschiebenden Wirkung mit dem Verdacht auf eine bewusstseinsnah
gesteuerte Verhaltensweise bzw. auf ein Täuschungsverhalten des Beschwerdeführers
sowie einer gezielten Verschleppung des Abklärungsverfahrens begründet. Das
Observationsmaterial sei vom psychiatrischen Medas-Gutachter sorgfältig geprüft und
in rentenbestätigendem Sinne gewürdigt worden. Es könne nicht angehen, das
Ergebnis des gerichtlichen Verfahrens betreffend eine erneute gerichtliche
Begutachtung gestützt auf eine gänzlich bestrittene Einschätzung des RAD
vorwegzunehmen und gestützt darauf eine vorsorgliche Renteneinstellung zu verfügen.
Die vorliegenden medizinischen Berichte liessen bis zum heutigen Zeitpunkt keinerlei
Zweifel an der Rechtmässigkeit des Rentenbezugs zu. Eine vorsorgliche
Renteneinstellung entgegen sämtlicher ärztlicher Berichte und Gutachten sei unhaltbar.
Dies gelte noch vielmehr für den Entzug der aufschiebenden Wirkung im
Beschwerdeverfahren. Das Interesse des Beschwerdeführers an einem fairen Verfahren
und an der Weiterausrichtung der IV-Rente während der Dauer des
Beschwerdeverfahrens betreffend die erneute medizinische Abklärung überwiege das
Interesse der Beschwerdegegnerin, eine allfällige Rückerstattungsforderung zu
vermeiden, zumal aufgrund der medizinischen Berichte im IV-Dossier mit an Sicherheit
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grenzender Wahrscheinlichkeit von einer Weiterausrichtung der IV-Rente auszugehen
sei.
B.b Am 30. Oktober 2015 informierte das Sozialamt H._ die IV-Stelle darüber, dass
der Beschwerdeführer sozialhilferechtliche Unterstützung beantragt habe (IV-act. 126).
B.c Am 12. November 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde (act. G 1). Zur Begründung verwies sie auf die angefochtene Verfügung.
Ergänzend brachte sie vor, dass wegen der Beschwerdeerhebung gegen die erneute
Begutachtung nicht absehbar sei, wann das Revisionsverfahren fortgesetzt werden
könne. Gleichzeitig bestünden konkrete Anhaltspunkte dafür, dass heute die
Voraussetzungen für einen Rentenanspruch nicht mehr erfüllt seien. Es gebe deutliche
Anzeichen für ein manipulatives Verhalten des Beschwerdeführers. Zeichne sich ab,
dass ein Versicherter eine Begutachtung verzögere oder verweigere und dadurch
allenfalls weiterhin zu Unrecht in den Genuss von Rentenleistungen komme, sei es
nicht zu beanstanden, wenn die Verwaltung eine vorsorgliche Renteneinstellung prüfe
und gegebenenfalls anordne. Im vorliegenden Fall sei davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer weiterhin alles daran setzen werde, weitere Massnahmen zur
Sachverhaltsabklärung in unzulässiger Weise zu beeinflussen, sie zu behindern oder
ganz zu verhindern. Unter diesen Umständen sei es nicht zu rechtfertigen, ihm die
Rente weiterhin auszurichten. Grundsätzlich umfasse eine vorsorgliche
Leistungseinstellung zwangsläufig auch die Anordnung des Entzugs der
aufschiebenden Wirkung. Aus diesem Grund wäre der entsprechende Passus im
Verfügungsdispositiv an sich gar nicht nötig gewesen. Die Frage der aufschiebenden
Wirkung sei im Gerichtsverfahren daher nicht gesondert zu prüfen.
B.d Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers machte in seiner Replik vom 14.
Dezember 2015 ergänzend geltend, dass sich die vorsorgliche Renteneinstellung auf
keinerlei medizinische Fachberichte abzustützen vermöge. Der Beschwerdeführer teile
die Auffassung der Beschwerdegegnerin bezüglich der aufschiebenden Wirkung einer
Beschwerde gegen eine vorsorgliche Leistungseinstellung. Die Ausführungen zur
Wiedererteilung der aufschiebenden Wirkung seien nur vorsichtshalber erfolgt, weil die
Beschwerdegegnerin diese mit der angefochtenen Verfügung explizit entzogen habe.
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Der Rechtsvertreter ersuchte zudem um die Zusprechung einer Parteientschädigung
von Fr. 3‘000.-- zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer (act. G 6).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 8).

Erwägungen
1.
1.1 Gemäss Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) kann gegen Verfügungen, gegen welche
eine Einsprache ausgeschlossen ist, Beschwerde erhoben werden. Gemeint sind damit
verfahrens- und prozessleitende Verfügungen (Art. 52 Abs. 1 ATSG). Zwar werden für
die Anfechtbarkeit solcher Zwischenverfügungen in Art. 56 Abs. 1 ATSG keine
Voraussetzungen genannt. Gemäss der höchstrichterlichen Rechtsprechung ist eine
Beschwerde gegen Zwischenverfügungen jedoch auch im
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren nur zulässig, wenn sie einen nicht wieder
gutzumachenden Nachteil bewirken können (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 22. November 2006, H 111/06 E. 3.4 mit Hinweisen). Somit
ist zunächst zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer durch die vorsorgliche
Renteneinstellung ein nicht wieder gutzumachender Nachteil widerfährt.
1.2 Für die Annahme eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils genügt ein
tatsächliches, insbesondere wirtschaftliches Interesse (BGE 127 II 136 E. 2a; Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 26. Mai 2006, U 303/05 E. 1.1). Aus den
Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer aufgrund der vorsorglichen
Renteneinstellung Sozialhilfe hat beantragen müssen (IV-act. 126). Durch die
Renteneinstellung ist ihm somit ein wirtschaftlicher und persönlicher Nachteil
entstanden. Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
1.3 Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildet die Frage, ob die
Beschwerdegegnerin die Rentenleistungen zu Recht vorsorglich eingestellt hat.
1.4 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Beschwerdegegnerin in
analoger Anwendung von Art. 56 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren
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(VwVG, SR 172.021) grundsätzlich berechtigt, vorsorgliche Massnahmen wie eine
vorsorgliche Renteneinstellung anzuordnen (Urteil des Bundesgerichts vom 12. April
2010, 9C_45/2010 E. 2 mit Hinweisen). Die vorliegend zu beurteilende vorsorgliche
Renteneinstellung ist im Rahmen eines Revisionsverfahrens ergangen. Entgegen der
Behauptung des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers ist die Zuständigkeit zum
Entscheid über die vorsorgliche Renteneinstellung durch die Anfechtung der Verfügung
über eine erneute Begutachtung nicht an das Gericht übergegangen. Denn mit der
Rechtshängigkeit wird der Verwaltung lediglich die Herrschaft über den
Streitgegenstand, d.h. vorliegend der Entscheid über eine erneute Begutachtung,
entzogen (vgl. BGE 130 V 138 E. 4.2). Der Beschwerdegegnerin ist somit die Befugnis
zur Anordnung der vorsorglichen Renteneinstellung durch den Devolutiveffekt der
Beschwerde betreffend die erneute Begutachtung nicht entzogen worden. Die
angefochtene Verfügung ist folglich nicht nichtig.
1.5 Der Entscheid über die Anordnung vorsorglicher Massnahmen setzt Dringlichkeit
voraus, d.h. es muss sich als notwendig erweisen, die fraglichen Vorkehren sofort zu
treffen. Sodann muss der Verzicht auf Massnahmen für den Betroffenen einen Nachteil
bewirken, der nicht leicht wieder gutzumachen ist, wofür ein tatsächliches,
insbesondere wirtschaftliches Interesse genügt. Erforderlich ist schliesslich, dass die
Abwägung der verschiedenen Interessen den Ausschlag für den einstweiligen
Rechtsschutz gibt und dieser verhältnismässig erscheint. Der durch die Endverfügung
zu regelnde Zustand soll weder präjudiziert noch verunmöglicht werden. Vorsorgliche
Massnahmen beruhen auf einer bloss summarischen Prüfung der Sach- und
Rechtslage. Die Hauptsachenprognose kann dabei berücksichtigt werden, wenn sie
eindeutig ist. Bei tatsächlichen oder rechtlichen Unklarheiten drängt sich hingegen
Zurückhaltung auf, weil in diesem Fall die erforderlichen Entscheidgrundlagen im
Hauptverfahren erst noch beschafft werden müssen (BGE 130 II 149 E. 2.2).
1.6 Sollte sich im Rahmen des laufenden Revisionsverfahrens ergeben, dass der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat, könnte dies − ohne
die Anordnung einer vorsorglichen Renteneinstellung − dazu führen, dass die
Beschwerdegegnerin die geleisteten Rentenzahlungen zurückfordern müsste. Dabei
würde die reelle Gefahr bestehen, dass die Rückforderung uneinbringlich ist. Der
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Verzicht auf die vorsorgliche Renteneinstellung könnte sich folglich in finanzieller
Hinsicht für die Beschwerdegegnerin nachteilig auswirken.
1.7 Somit bleibt anhand der im Recht liegenden Akten summarisch zu prüfen, wie
gross die Gefahr ist, dass der Rentenanspruch im Rahmen des Revisionsverfahrens
tatsächlich verneint resp. herabgesetzt wird. Der Beschwerdeführer bezieht wegen
einer schweren Depression seit dem Jahr 2002 eine ganze IV-Rente. Im Rahmen des
nunmehr dritten Revisionsverfahrens, welches im Frühjahr/Sommer 2013 eingeleitet
worden ist, hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer erstmals
(polydisziplinär) begutachten lassen. Der psychiatrische Gutachter Dr. D._ ist im
Gutachten vom 16. Januar 2014 zum Schluss gekommen, dass aus psychiatrischer
Sicht kein Zweifel daran bestehe, dass der Beschwerdeführer in jeglicher Tätigkeit zu
100 % arbeitsunfähig sei. An dieser Einschätzung hat er auch nach der Sichtung des
Observationsmaterials festgehalten. Dieser Beurteilung stehen die Stellungnahmen von
Dr. E._, einer Mitarbeiterin der Beschwerdegegnerin, vom 27. Februar 2014, und von
RAD-Arzt Dr. F._ vom 30. März 2015 diametral entgegen. Dr. E._ hat die
Vermutung geäussert, dass das Ausmass der depressiven Störung und die daraus
resultierenden Einschränkungen weniger ausgeprägt seien als vom Beschwerdeführer
präsentiert. RAD-Psychiater Dr. F._ ist noch weiter gegangen und hat erklärt, dass
die vom Beschwerdeführer gezeigten, unterschiedlichen Zustandsbilder mit einer
schweren Depression und Persönlichkeitsänderung nicht vereinbar seien. Es liegen
somit unterschiedliche fachärztliche Einschätzungen zum gleichen medizinischen
Sachverhalt im Recht. Das Gericht selber setzt sich aus medizinischen Laien
zusammen und kann daher nicht selber beurteilen, ob die Observationsergebnisse
etwas an der Beurteilung von Dr. D._ ändern, zumal das Vorliegen einer psychischen
Gesundheitsbeeinträchtigung strittig ist, die auf innerseelischen Vorgängen gründet.
Aufgrund der sich völlig widersprechenden medizinischen Interpretationen der
Observationsergebnisse werden weitere Sachverhaltsabklärungen notwendig sein, um
klären zu können, ob der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf eine IV-Rente hat.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass insbesondere wegen der Stellungnahme des
unabhängigen psychiatrischen Gutachters Dr. D._ vom 18. Juli 2014, gemäss
welcher die Observationsergebnisse an der im Gutachten festgelegten, psychisch
bedingten 100 %igen Arbeitsunfähigkeit in allen Tätigkeiten nichts zu ändern
vermögen, eine vorsorgliche Renteneinstellung nicht gerechtfertigt gewesen ist.
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1.8 Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen und die Anordnung der vorsorglichen
Renteneinstellung aufzuheben. Ein Entscheid über die aufschiebende Wirkung der
Beschwerde erübrigt sich mit diesem Urteil.
2.
2.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.
2.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter hat für das vorliegende Verfahren sowie für das gleichzeitig hängige
Verfahren IV 2015/286 betreffend eine erneute Begutachtung eine Parteientschädigung
von insgesamt Fr. 3‘000.-- zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer verlangt. Im
Gegensatz zum vorliegenden Verfahren ist der Beschwerdeführer im Verfahren IV
2015/286 betreffend die Anordnung einer weiteren Begutachtung unterlegen und hat
deshalb keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Dem Rechtsvertreter ist der
Aufwand für das Aktenstudium folglich nicht bereits durch eine im Verfahren IV
2015/286 zugesprochene Parteientschädigung entschädigt worden. In einem Fall mit
mittlerem Aufwand und Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine
Pauschalentschädigung von Fr. 3'500.-- ausgerichtet. Der Anfechtungsgegenstand ist
vorliegend eine Zwischenverfügung gewesen, weshalb der Aufwand nicht gleich gross
gewesen ist wie in einem Standardfall, in dem der Rentenanspruch selber strittig ist.
Zudem umfasst die vom Rechtsvertreter geforderte Parteientschädigung von Fr.
3‘000.-- auch den Aufwand, den er für die Beschwerdebegründung und Replik im
bis
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Verfahren IV 2015/286 gehabt hat. Daher erscheint im vorliegenden Fall eine reduzierte
pauschale Parteientschädigung von Fr. 2‘500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.