Decision ID: 0db15531-31fa-4b1a-a0ab-cce18f095d93
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend vorsorgliche Massnahme
Berufung gegen Verfügung und Urteil des Einzelgerichtes Audienz des  Zürich vom 2. April 2016 (ET160010)
- 2 -
Rechtsbegehren (sinngemäss): (act. 1a)
1. Die Gesuchsgegnerin sei zu verpflichten, den Gesuchsteller bis zur Bestätigung seines Ausschlusses zur Generalversammlung vom 12. Mai 2016 zuzulassen.
2. Eventualiter sei der Gesuchsgegnerin die Durchführung der ordentlichen Generalversammlung vom 12. Mai 2016 bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils in dieser Sache zu .
(Prozessualer Antrag): Der Gesuchsteller sei von einer Sicherheitsleistung für vorsorgliche Massnahmen zu befreien.
Urteil und Verfügung des Bezirksgerichtes Zürich: (act. 12 = act. 15)
(Verfügung)
1. Das Gesuch des Gesuchstellers um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege wird abgewiesen.
2. [Rechtsmittelbelehrung]
(Urteil):
1. Das Gesuch wird abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr von Fr. 300.– wird dem Gesuchsteller auferlegt.
3. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchsgegnerin eine Parteient-
schädigung von Fr. 500.– zu bezahlen.
4. [Mitteilung]
5. [Rechtsmittelbelehrung]
- 3 -
Berufungsanträge: (act. 16)
1. Soweit in dieser Beschwerde nicht rechtzeitig vor der Generalver- sammlung vom 12. Mai 2016 ein Urteil ergehen kann, sei die  mit superprovisorischer Massnahme zu verpflichten, den Beschwerdeführer zur Generalversammlung zuzulassen, bis  über seinen Ausschluss entschieden hat.
2. Das Urteil sei aufzuheben und die begehrte Massnahme zu ge- währen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.
3. Dem Kläger/Beschwerdeführer sei für diese Beschwerde die un- entgeltliche Rechtspflege zu gewähren.

Erwägungen:
1.
Der Gesuchsteller und Berufungskläger (im Folgenden: Gesuchsteller) ist Mitglied
der B._ (Gesuchsgegnerin und Berufungsbeklagte, im Folgenden: Gesuchs-
gegnerin) und hat von der Gesuchsgegnerin eine Wohnung gemietet. Am 26. Au-
gust 2015 teilte die Gesuchsgegnerin dem Gesuchsteller mit, dass dieser ihres
Erachtens die genossenschaftsrechtlichen Pflichten verletze. Die Gesuchsgegne-
rin drohte dem Gesuchsteller an, dieser werde ohne weitere Korrespondenz aus
der Genossenschaft ausgeschlossen und das Mietverhältnis werde gestützt auf
Art. 257f Abs. 3 OR ausserordentlich gekündigt, wenn der Gesuchsteller seine
Pflichten erneut nicht erfülle (act. 8/1). Mit Schreiben vom 1. März 2016 teilte die
Gesuchsgegnerin dem Gesuchsteller mit, dass der Vorstand der Genossenschaft
am 29. Februar 2016 beschlossen habe, den Gesuchsteller per sofort aus der
Genossenschaft auszuschliessen. Begründet wurde dies im Wesentlichen damit,
das Verhalten des Gesuchstellers sei unverbesserlich und nicht länger zumutbar.
Der Gesuchsteller wurde darauf hingewiesen, dass er den Ausschlussentscheid
innert 30 Tagen mit Berufung an die Generalversammlung anfechten könne. Ge-
mäss Art. 11 Abs. 3 der Genossenschafts-Statuten habe eine allfällige Berufung
keine aufschiebende Wirkung (act. 8/2). Am 11. April 2016 bestätigte die Ge-
- 4 -
suchsgegnerin dem Gesuchsteller den Eingang der Anfechtung des Genossen-
schaftsausschlusses. Sie teilte ihm mit, dass die Berufung an der Generalver-
sammlung vom 12. Mai 2016 behandelt werde. Der Gesuchsteller könne an der
mündlichen Verhandlung seinen Standpunkt vertreten (act. 2/3).
Mit Eingabe vom 21. April 2016 reichte der Gesuchsteller beim Friedensrichteramt
Zürich 11 ein Schlichtungsgesuch ein und stellte das Rechtsbegehren, es sei
festzustellen, dass die sofortige Wirkung des Ausschlusses eines Genossen-
schafters durch den Vorstand rechtswidrig sei, eventualiter sei festzustellen, dass
der Ausschluss eines Genossenschafters durch den Vorstand durch Rekurs an
die Generalversammlung suspendiert sei (act. 2/4). Am gleichen Tag reichte der
Gesuchsteller ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das Schlichtungs-
verfahren ein (act. 2/1).
Ebenfalls am 21. April 2016 reichte der Gesuchsteller bei der Vorinstanz ein Mas-
snahmebegehren ein und stellte das eingangs erwähnte Rechtsbegehren. Zudem
stellte er wiederum ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
für das Schlichtungsverfahren (act. 1a). Die Vorinstanz wies im Entscheid vom 2.
Mai 2016 darauf hin, dass sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege für das Schlichtungsverfahren gerichtsintern an das in der Hauptsa-
che zuständige Einzelgericht weitergeleitet habe. Das Gesuch um Befreiung von
einer Sicherheitsleistung werde als Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege entgegen genommen. Das Massnahmebegehren und das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wurden abgewiesen. Der Ent-
scheid vom 2. Mai 2016 wurde dem Gesuchsteller am 4. Mai 2016 zugestellt (act.
13a). Mit Schriftsatz vom 6. Mai 2016 erhob dieser fristgerecht Berufung und stell-
te die erwähnten Anträge (act. 16). Nach Eingang der vorinstanzlichen Akten
wurde der Antrag um Erlass superprovisorischer Massnahmen (Berufungsantrag
Ziffer 1) mit Verfügung vom 10. Mai 2016 abgewiesen (act. 20). Das Verfahren ist
spruchreif.
- 5 -
2.
Das vorliegend zu beurteilende Massnahmebegehren betrifft die Teilnahme des
Gesuchstellers an der Generalversammlung der Genossenschaft vom 12. Mai
2016. Dieser Termin ist mittlerweile verstrichen. Das Verfahren hinsichtlich der
Abweisung des Massnahmegesuches ist gegenstandslos geworden und abzu-
schreiben.
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die Berufung, hätte sie
noch rechtzeitig vor der Generalversammlung behandelt werden können, abzu-
weisen gewesen wäre. Die Statuten der Gesuchsgegnerin sehen vor, dass ein
Mitglied durch den Vorstand ausgeschlossen werden kann. Eine Berufung gegen
diesen Entscheid an die Generalversammlung hat keine aufschiebende Wirkung
(Art. 11 Abs. 1 und 3 der Statuten, act. 8/4). Die Vorinstanz hielt diese Bestim-
mung unter Hinweis auf (BSK OR II-SCHWARTZ, Art. 846 N 19; CHK - M. COUR-
VOISIER, OR 846 N 9) für zulässig. Was der Gesuchsgegner dagegen vorbringt, ist
nicht stichhaltig. Wenn er darauf hinweist, dass es dem ausgeschlossenen Miet-
glied möglich sein müsse, "sowohl irrtümliche Annahmen, Aufbauschung von Ba-
gatellen, sachliche Verleumdung, persönliche Intrigen, Befangenheit der zur Ent-
scheidung Berufenen geltend zu machen" (act. 16 S. 3), so argumentiert er damit
nicht gegen die statutarische Möglichkeit, einer Anfechtung des Ausschlusses die
aufschiebende Wirkung abzuerkennen, sondern unterstreicht seinen Anspruch
auf Anhörung durch die Generalversammlung. Dieser wäre verletzt, wenn die Ge-
neralversammlung entscheiden würde, ohne dem Gesuchsteller Gelegenheit ge-
geben zu haben, sich zum Ausschluss zu äussern. Dass dies zu befürchten wäre,
behauptet der Gesuchsteller nicht und es gehen auch aus den Akten keine Hin-
weise dafür hervor. Im Gegenteil: Im Schreiben vom 11. April 2016 wurde dem
Gesuchsteller mitgeteilt, dass er an der Generalversammlung vom 12. Mai 2016
die Gelegenheit habe, sich mündlich zu äussern. Es wurde vorgesehen, dass sich
zuerst der Gesuchsteller und danach der Vorstand der Genossenschaft äussern
können. Danach sollte eine Replik und Duplik folgen (act. 2/3). Zu Recht ist die
Vorinstanz zum Schluss gekommen, der Gesuchsteller habe nicht glaubhaft ge-
macht, dass ein ihm zustehender Anspruch verletzt ist oder eine Verletzung zu
- 6 -
befürchten ist. Das Massnahmebegehren konnte deshalb ohne Prüfung der Fra-
ge, ob ein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil drohe, abgewiesen werden
(Art. 261 Abs. 1 ZPO).
3.
3.1. Der Beschwerdeführer hat die vorinstanzliche Verfügung, mit der das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abgewiesen wurde, nicht
angefochten. Da der Beschwerdeführer unterlag und dieser Entscheid nicht zu
beanstanden ist, ist die Berufung, soweit sie sich gegen den vorinstanzlichen Kos-
tenentscheid bezieht, abzuweisen.
3.2. Aus den vorstehenden Ausführungen (Erwägungen Ziffer 2) erhellt, dass die
Gewinnaussichten des Gesuchstellers beträchtlich geringer waren als die Ver-
lustgefahren. Sowohl das Massnahmegesuch als auch die Berufung gegen den
angefochtenen Entscheid waren von Anfang an aussichtslos, weshalb die Vo-
raussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt
sind (Art. 117 lit. b ZPO, BGE 138 III 217). Das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege für das zweitinstanzliche Verfahren ist abzuweisen.
Das Berufungsverfahren ist wegen Gegenstandslosigkeit abzuschreiben. Die Pro-
zesskosten sind deshalb nach Ermessen zu verteilen (Art. 107 Abs. 1 lit. e ZPO).
Da der Gesuchsteller mutmasslich unterlegen wäre, sind ihm die Prozesskosten
aufzuerlegen. Parteientschädigungen sind nicht zuzusprechen, dem Gesuchstel-
ler nicht wegen mutmasslichen Unterliegens, der Gesuchsgegnerin nicht mangels
erheblichen Aufwandes im Berufungsverfahren.