Decision ID: 2916b2fd-5de0-45b8-835a-ec53e1508f0d
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Mitarbeiter Produktion bei der C._ AG
(ein Unternehmen des D._ Konzerns; nachfolgend: Arbeitgeberin), angestellt und
dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen
von Unfällen versichert, als er am ._ 2018 in einen Autounfall verwickelt wurde (vgl.
Bagatellunfall-Meldung vom 9. Juli 2018 und Schadenmeldung UVG vom 12. Juli 2018;
Suva-act. 1 f.). Laut Polizeirapport vom 24. Juni 2018 prallte ein PKW-Lenker mit
seinem Fahrzeug gegen die linke Seite des PKW's des Versicherten. Dieser prallte in
der Folge mit dem Heck seines PKW's in die linke Seite eines parkierten Fahrzeugs
(Suva-act. 17-3 Mitte). Die Erstbehandlung fand am Unfalltag in der Zentralen
Notfallaufnahme (nachfolgend: ZNA) des Kantonsspitals St. Gallen (nachfolgend:
KSSG) statt, wo als Diagnose eine seitliche Streifkollision als PKW-Fahrer mit leichter
Prellung Gesicht links (Seitenairbag) erhoben und unter anderem eine fehlende
Klopfschmerzhaftigkeit der Wirbelsäule ("WS kein KS") festgestellt wurde. Eine
Arbeitsunfähigkeit wurde dem Versicherten nicht attestiert (Suva-act. 37), er war jedoch
zu diesem Zeitpunkt aufgrund eines Fersensporns ohnehin arbeitsunfähig geschrieben
(Suva-act. 95-3). Am 21. Juni 2018 wurde dem Versicherten von seiner Hausarztpraxis,
der E._, rückwirkend ab dem Unfalltag eine vollständige Arbeitsunfähigkeit wegen
Unfalls attestiert (Suva-act. 8-3) und bei der Diagnose kranio-zervikales
Beschleunigungstrauma und ISG-Blockade rechts Physiotherapie verordnet (Suva-act.
A.a.
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33). Die Suva kam für die Folgen des Unfalls vom 14. Juni 2018 auf (vgl. Suva-act. 3 ff.,
18 f. sowie 29).
Am 15. August 2018 wurde im Röntgeninstitut F._, G._ Centers, (nachfolgend:
F._ Center), ein MRT der Lendenwirbelsäule (nachfolgend: LWS) des Versicherten
erstellt wegen Lumbalgie mit in beide Oberschenkel ausstrahlenden Schmerzen. Der
Befund lautete: Osteochondrose L5/S1 mit verschmälerter Bandscheibe und
breitbasiger subligamentärer Hernierung der Bandscheibe unter linksseitiger
Bevorzugung mit linksbetonter, aber bilateraler foraminaler Einengung auf dieser Höhe
mit Nervenwurzelirritation L5 links mehr als rechts. Spondylarthrosen begleitend auf
diesem Niveau. Spondylarthrosen L4/5 bei dehydrierter Bandscheibe auf dieser Höhe.
Auf Höhe L3/4 eine rechts extraforaminale Hernierung der Bandscheibe mit
Nervenwurzelverlagerung L3 rechts im foraminalen/extraforaminalen Bereich. Mässige
Spondylarthrosen auch auf diesem Niveau. Streckhaltung der lumbalen Wirbelsäule
und des thorakalen Übergangs (Suva-act. 36).
A.b.
Dr. med. H._, Facharzt für Allgemeinmedizin von der E._, vermerkte am 17.
August 2018 zwei Bandscheibenvorfälle nach Unfall. Der Versicherte werde zur
Injektionsbehandlung im F._ Center angemeldet (Suva-act. 38). Am 22. August 2018
wurde eine periradikuläre Infiltrationstherapie auf Höhe L3/4 rechts im F._ Center
durchgeführt (Suva-act. 91).
A.c.
Am 29. August 2018 fand bei der Arbeitgeberin eine Besprechung zwischen dem
Versicherten, einem Aussendienstmitarbeiter der Suva und dem Vorgesetzten des
Versicherten statt (Suva-act. 39 ff.).
A.d.
Am 4. September 2018 nahm Kreisarzt med. pract. I._, Facharzt für Chirurgie,
auf Ersuchen der Suva eine aktenbasierte Einschätzung vor. Er notierte, dass der
Versicherte an einer krankheitsbedingten Diskushernie leide. Das Unfallereignis habe zu
einer vorübergehenden, nicht richtungsgebenden Verschlimmerung des
unfallunabhängigen Vorschadens der Diskushernie L5/S1 geführt. Bis zu sechs Monate
nach dem Unfall seien die Beschwerden noch als unfallkausal zu beurteilen, der Status
quo ante/sine sei noch nicht erreicht. Zur Besserung habe sich eine gezielte
A.e.
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Physiotherapie mit aktiver, wirbelsäulenstabilisierender Therapie, Rückenschule und
Instruktion zur Selbsthilfe bewährt (Suva-act. 43).
Am 12. September 2018 stellte Dr. med. J._, Fachärztin für Allgemeinmedizin in
der E._, dem Versicherten eine zweite Verordnung für Physiotherapie aus. Als
Diagnose gab sie ins rechte Bein ausstrahlende Lendenschmerzen bei
Bandscheibenvorfall an (Suva-act. 52). In einem ärztlichen Zwischenbericht vom
10. Oktober 2018 diagnostizierte Dr. J._ einen Status nach Distorsion der
Halswirbelsäule (nachfolgend: HWS) sowie eine Osteochondrose L5/S1 mit vermutet
unfallinduziertem Bandscheibenvorfall mit Nervenwurzelirritation S1 links. Weiter
beschrieb sie, dass die Nackenbeschwerden regredient und die Lumbalgien teilweise
regredient seien. Die Behandlung bestehe in Analgesie, Schonung und Physiotherapie.
Seit dem 15. September 2018 arbeite der Versicherte mit 50%igem Pensum (Suva-act.
50; vgl. auch Suva-act. 56).
A.f.
Am 15. Oktober 2018 berichtete med. pract. K._, Facharzt für Allgemeine Innere
Medizin, beim Versicherten persistiere seit dem Autounfall vom 14. Juni 2018 ein
lumboradikuläres Schmerzsyndrom mit zumeist belastungs- und
bewegungsabhängigen Rückenschmerzen und Ausstrahlung v.a. in das rechte Bein;
korrelierend dazu liege ein bildmorphologischer Nachweis einer Nervenwurzelaffektion
L3 rechts und ein Bandscheibenvorfall L3/L4 vor. Anamnestisch seien die
Beschwerden mit Ausstrahlung vor allem in das rechte Bein bereits am Abend nach
dem Unfallereignis aufgetreten. Der Versicherte habe angegeben, bislang nie an
derartigen Beschwerden gelitten zu haben. Dazumal habe der Versicherte sich wegen
eines anamnestisch symptomatischen Fersensporns rechts zu 100 % im Krankenstand
befunden und habe sich, nachdem sich zwar die Fussbeschwerden gebessert, die
Schmerzen im Rücken und im rechten Bein jedoch persistiert hätten, bei seiner
Hausärztin vorgestellt (Suva-act. 95-2 f.). In einem ärztlichen Zwischenbericht vom 30.
November 2018 diagnostizierte med. pract. K._ ein lumboradikuläres
Schmerzsyndrom mit der Differentialdiagnose posttraumatische Nervenwurzelaffektion
L3 rechts. Der Versicherte leide immer noch intermittierend unter einer
Schmerzausstrahlung ins rechte Bein. Seit dem 13. Oktober 2018 arbeite er [der
Versicherte] zu 100 %. Er beanspruche weiterhin Physiotherapie und nehme bei Bedarf
A.g.
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Analgesie (Suva-act. 55-3; für den nächsten ärztlichen Zwischenbericht vom 15. März
2019 vgl. Suva-act. 61).
Am 25. April 2019 berichtete die den Versicherten behandelnde Physiotherapeutin
von der Physiotherapie L._ nach längerem Stehen würden beim Versicherten
Schmerzen in der lumbalen Region und im Gesäss auftreten. Seit Therapiebeginn sei
ein Fortschritt zu verzeichnen, die Schmerzen würden zurückgehen. Der Versicherte
mache gut mit, sei motiviert, die Probleme anzugehen, und absolviere sein
Heimprogramm (Suva-act. 64).
A.h.
Kreisarzt med. pract. I._ nahm am 26. April 2019 eine neuerliche
Aktenbeurteilung vor. Er stellte fest, dass vom Status quo sine auszugehen sei, da seit
dem 15. Oktober 2018 eine dauerhafte volle Arbeitsfähigkeit ausgewiesen sei. Damit
könne die unfallkausale Behandlung abgeschlossen werden (Suva-act. 65).
A.i.
Gestützt auf diese Beurteilung von med. pract. I._ teilte die Suva dem
Versicherten am 29./30. April 2019 mit, dass sie den Fall per 12. Mai 2019 abschliessen
werde. Die bisherigen Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilkosten) würden auf
diesen Zeitpunkt eingestellt (Suva-act. 66 ff. und 70 ff.).
A.j.
Am 30. August 2019 informierte der Rechtsvertreter des Versicherten,
Rechtsanwalt Dr. iur. R. Pedergnana, St. Gallen, die Suva darüber, dass der
Versicherte wieder 100 % arbeitsunfähig sei wegen des Unfalls. Er bitte deshalb
darum, die Leistungseinstellung zurückzunehmen oder eine Verfügung zu erlassen
(Suva-act. 78). Für die neuerliche Arbeitsunfähigkeit ab 28. Juni 2019 richtete die
Visana als zuständige Krankentaggeldversicherung Taggelder aus (vgl. Fremdakten der
IV [nachfolgend: fremd-act.] 87-1).
A.k.
Am 27. September 2019 wurde im F._ Center ein weiteres MRT der LWS des
Versicherten erstellt. Der zuständige Radiologe beurteilte die Befundkonstellation als im
Wesentlichen unverändert im Vergleich zum MRT vom 15. August 2018. Es liege eine
foraminale Irritation der Nervenwurzel L5 beidseits sowie L3 rechts vor (Suva-act. 92).
A.l.
Im Oktober 2019 meldete der Versicherte sich bei der Eidgenössischen
Invalidenversicherung (IV) für berufliche Massnahmen und Rentenleistungen an (IV-act.
A.m.
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1). Dabei erklärte er unter anderem, dass er noch bis zum 30. November 2019 bei der
Arbeitgeberin angestellt sei (IV-act. 1-6; vgl. auch IV-act. 13-2). Und auch, dass sich
sein Arzt nicht sicher sei, ob der Bandscheibenvorfall vom Unfall komme oder
krankheitsbedingt sei (IV-act. 1-7).
Am 26. November 2019 wurde der Versicherte in der Klinik für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats des KSSG (nachfolgend: Klinik)
untersucht. Die zuständigen Ärzte diagnostizierten ein chronisches
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts nach Autounfall vom Juni 2018 (DD:
radikuläres Schmerzsyndrom L5 rechts) und stellten eine diagnostisch-therapeutische
Infiltration der Facettengelenke L5/S1 beidseits sowie PRT (periradikuläre Infiltration) L5
rechts in Aussicht. Bei Beschwerdepersistenz trotz dieser Infiltrationen sei eine
multimodale Schmerztherapie anzudenken. Bezüglich geklagter Fussschmerzen links
wurde der Besuch in der Fusssprechstunde empfohlen (Suva-act. 95-4 f.). Die
beidseitige Infiltration fand am 17. Januar 2020 statt (Suva-act. 89-3 f.).
A.n.
Am 21. Februar 2020 berichteten die zuständigen Ärzte der Klinik über eine
Untersuchung vom 18. Februar 2020 und hielten fest, der Versicherte habe nur eine
geringgradige Besserung der Schmerzsymptomatik durch die Infiltrationen erfahren.
Ursprünglich hätten sich die Schmerzen lumbal mit Ausstrahlung in den rechten dorso-
lateralen Oberschenkel befunden, mittlerweile seien diese in den linken dorsalen
Oberschenkel gewandert. Klinisch stehe weiterhin der lumbale Rückenschmerz bei
Degeneration des Segmentes L5/S1 im Vordergrund. Weil durch die Infiltrationen nur
ein wenig zufriedenstellendes Ergebnis habe erzielt werden können, seien sie
hinsichtlich eines operativen Vorgehens im Sinne einer TLIF (Operationstechnik, bei der
die Wirbelsäule versteift wird, vgl. https://www.leading-medicine-guide.de/behandlung/
tlif-verfahren-wirbelsaeulenversteifung) L5/S1 sehr zurückhaltend. Bevor an ein solches
gedacht werde, sollte eine vollständige Ausschöpfung der konservativen
Therapiemassnahmen erfolgen. Da physiotherapeutische Massnahmen wenig Erfolg
gebracht hätten, werde dem Versicherten zu einer chiropraktischen Beübung geraten.
Zusätzlich werde um hausärztlichen Ausbau der oralen Analgesie gebeten. Seitens der
Klinik seien vorerst keine weiteren Kontrollen vorgesehen (Suva-act. 95-6 f.). In einer E-
Mail vom 9. März 2020 erklärte die Klinik gegenüber der IV-Stelle, dass keine
Konsultation in der Fusssprechstunde stattgefunden habe (vgl. IV-act. 38-1).
A.o.
https://publikationen.sg.ch/%20https:/www.leading-medicine-guide.de/arztsuche?q=TLIF)
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Am 11. März 2020 fand im Auftrag der Visana eine Untersuchung des Versicherten
durch Dr. med. M._, Spezialarzt Orthopädie FMH, statt (vgl. fremd-act. 96). In seiner
gleichentags verfassten Beurteilung nannte Dr. M._ als Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit eine Lumbofemoralgie beidseits bei Diskushernie L3/4 mit
Tangierung der Nervenwurzel L3 rechts, eine Osteochondrose und eine
Diskusprotrusion L5/S1 mit Irritation der Nervenwurzel L5 beidseits (fremd-act. 96-3).
Sodann kam er zum Schluss, dass in der angestammten Tätigkeit eine 60%ige
Arbeitsunfähigkeit bestehe. Eine optimal leidensangepasste Tätigkeit könne dem
Versicherten ab dem Tag der Begutachtung bei voller Stundenpräsenz zu 100 %
zugemutet werden (fremd-act. 96-4).
A.p.
Med. pract. K._, nunmehr für die E._ tätig, erklärte am 27. April 2020, der
Eingliederung des Versicherten in eine beschwerdeadaptierte Arbeit stehe nichts
entgegen (IV-act. 46-6). Mit ärztlichem Verlaufsbericht vom 20. Mai 2020 erläuterte er
sodann, beim Versicherten sei es zur Ausbildung eines chronischen
lumbospondylogenen Schmerzsyndroms mit anhaltender schmerzbedingter, ab dem 1.
April 2020 attestierter Teilarbeitsunfähigkeit gekommen. Fakt sei, dass der Autounfall
vom 14. Juni 2018 zweifellos und unabhängig von einer vorbestehenden und
bildmorphologisch erstmalig nachgewiesenen degenerativen Erkrankung der LWS eine
teilweise Ursache der bestehenden Gesundheitsproblematik im Rücken sei. Falls
klinisch überhaupt ein Vorzustand mit Rückenbeschwerden vorhanden gewesen sei -
was in den letzten zwölf Jahren nicht der Fall gewesen sei - so habe der schwere
Autounfall doch den Katalysator gebildet, um eine richtungsgebende Verschlimmerung
mit bis dato anhaltenden Beschwerden hervorzurufen (Suva-act. 85-4 f.).
A.q.
Mit Mitteilung vom 15. Juni 2020 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
Arbeitsvermittlung in Koordination mit dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV) zu (IV-act. 58; für den Eingliederungsplan Arbeitsvermittlung vgl. IV-act. 55 und
für das Assessment- und Verlaufsprotokoll IV-act. 62).
A.r.
Am 26. November 2020 berichtete die den Versicherten seit 13. Mai 2020
behandelnde Chiropraktorin von der N._ GmbH der Versicherte beklage, seit dem
Unfall vom Sommer 2018 an lumbal rechtsbetontem Schmerz mit Ausstrahlung zum
lateralen Oberschenkel rechts zu leiden. Die Beschwerden seien im Januar 2020 ohne
A.s.
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erkennbaren Auslöser exazerbiert und würden inzwischen auch links lumbal mit
Ausstrahlung zum lateralen Oberschenkel wahrgenommen (Suva-act. 90-1). Aufgrund
der klinischen sowie radiologischen Untersuchungsbefunde sehe sie die breitbasige
Diskushernie L5/S1 mit Kompression L5 beidseits als hauptursächlich für die
Beschwerden des Versicherten. Sie sehe eine grundsätzliche Tendenz zur Besserung
sowie eine Verbesserung der "Range of Motion", der Behandlungsfortschritt gestalte
sich jedoch aufgrund fehlender Compliance des Versicherten sehr schleppend. Sie
könnte sich einen Erfolg mittels manueller Therapie vorstellen, regelmässigere sowie
zuverlässigere Konsultationen wären dafür aber grundlegend. Eine weitere Möglichkeit
wäre ein TLIF L5/S1 wie von der Klinik vorgeschlagen. Der Leidensdruck des
Versicherten sei jedoch auch laut eigener Aussage nicht ausreichend (Suva-act. 90-2).
Am 16. Dezember 2020 legte die Suva den Schadenfall ihrem Kreisarzt Dr. med.
O._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, vor, der gleichentags in einer
Kurzbeurteilung notierte, dass der Versicherte als Folge des Unfallereignisses vom 14.
Juni 2018 eine Prellung der linken Gesichtshälfte erlitten habe. Eine Beteiligung der
Wirbelsäule und insbesondere neurologische Ausfallerscheinungen hätten per
Erstbehandlungsbefund im Notfallzentrum des KSSG ausgeschlossen werden können.
Es sei an diesem Tag eine Verletzung der LWS dezidiert ausgeschlossen, die
paravertebrale Muskulatur und die Dornfortsätze seien als nicht auffällig oder
druckdolent und ohne äussere Verletzungszeichen beschrieben worden. Die zwei
Monate später gemeldeten Beschwerden der LWS stünden ausschliesslich mit der
verschleissbedingten Erkrankung der LWS in Zusammenhang und hätten mit dem
Unfallereignis nichts zu tun, da noch nicht einmal ein zeitlicher Zusammenhang
bestehe und eine Brückensymptomatik bei negativem Anfangsbefund nicht durch
ärztliche Befunde dokumentiert sei. Med. pract. I._ habe eine vorübergehende
Aktivierung eines unfallabhängigen Vorzustandes anerkannt, weil im
Physiotherapierezept vom 21. Juni 2018 von einer ISG-Blockade die Rede sei. Die
zeitliche Aktivierung für einen Zeitraum von sechs Monaten sei insbesondere unter
Berücksichtigung der Erstbehandlungsbefunde als maximaler Zeitraum anzusehen. Die
lumbalen Bandscheibenvorfälle seien sicher nicht unfallbedingt, da weder das
Unfallereignis von der Gewalteinwirkung her ausgereicht habe noch eine neurologische
Symptomatik innerhalb von 72 Stunden festgestellt worden sei. Es wäre noch gut, den
A.t.
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B.
Vorzustand des Versicherten beim Hausarzt durch Anforderung der Krankenakte
abzuklären. Es würde ihn nicht verwundern, wenn bereits eine lange Vorgeschichte
bezüglich der LWS bestehe (Suva-act. 93-2). Am 17. Dezember 2020 ersuchte die
Suva die E._ um Dokumentation des Vorzustandes des Rückens des Versicherten
(Suva-act. 94).
Nach Eingang diverser ärztlicher Berichte (vgl. Suva-act. 95) legte die Suva den
Schadenfall am 30. Dezember 2020 erneut Kreisarzt Dr. O._ vor. Dieser erklärte am
3. Januar 2021, dass die sich im Bereich der LWS darstellenden Veränderungen im
Sinne von verschiedenen Bandscheibenvorfällen und Facettenarthrosen nicht unfall-,
sondern verschleissbedingter Natur seien, gebe sicherlich keine Diskussion. Es gehe
ausschliesslich um die Frage, für welchen Zeitraum die Beschwerden der LWS in
Zusammenhang mit dem Unfallereignis vorübergehend aktiviert worden seien. Med.
pract. I._ und er hätten basierend auf den Angaben des Reintegrationsleitfadens
Unfall des SVV, persönlichen medizinischen Erfahrungen und der gängigen
Rechtsprechung einen Zeitraum von sechs Monaten als ausgewiesen angesehen. Dies
bestätige er nochmals. Die ab Januar 2019 beklagten Beschwerden stünden mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht in Zusammenhang mit dem Unfallereignis,
sondern seien ausschliesslich der vorbestehenden Verschleisserkrankung der LWS
geschuldet (Suva-act. 96).
A.u.
Gestützt auf diese Beurteilung von Dr. O._ verneinte die Suva mit Verfügung
vom 4. Januar 2021 ihre Leistungspflicht für Heilkosten und Taggelder ab dem 12. Mai
2019 (Suva-act. 97).
A.v.
Gegen diese Verfügung wandte sich Rechtsanwalt Pedergnana mit Einsprache
vom 6. Januar 2021 und ersuchte für den Versicherten um Weiterausrichtung des
Unfalltaggeldes im Rahmen der festgestellten Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 103).
B.a.
Ebenfalls am 6. Januar 2021 verneinte die IV-Stelle einen weiteren Anspruch des
Versicherten auf berufliche Massnahmen (IV-act. 65; für den Schlussbericht des IV-
Eingliederungsverantwortlichen vgl. IV-act. 63).
B.b.
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C.
Am 1. Februar 2021 ersuchte die Suva Kreisarzt Dr. O._ um eine ausführliche
Beurteilung (Suva-act. 105). Diese datiert vom 8. Februar 2021 und lautet dahingehend,
es sei überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen, dass es durch das
Unfallereignis vom 14. Juni 2018 ausschliesslich zu einer leichten Prellung im
linksseitigen Gesichtsbereich durch den Seitenairbag und zu einer leichten Distorsion
der HWS und der LWS durch den linksseitigen Aufprall eines PKW's gekommen sei.
Bildgebend objektiviert sei es durch das Unfallereignis zu keiner richtungsgebenden
unfallbedingten strukturellen Verletzung in der entsprechenden Körperregion
gekommen (Suva-act. 106).
B.c.
Mit Vorbescheid vom 14. April 2021 verneinte die IV bei einem Invaliditätsgrad von
0 % einen Rentenanspruch des Versicherten (IV-act. 68).
B.d.
Mit Entscheid vom 5. Mai 2021 wies die Suva die Einsprache des Versicherten ab
(Suva-act. 111).
B.e.
Mit Verfügung vom 31. Mai 2021 bestätigte die IV ihren rentenablehnenden
Vorbescheid (IV-act. 112).
B.f.
Gegen den Einspracheentscheid vom 5. Mai 2021 richtet sich die Beschwerde
vom 7. Juni 2021, mit welcher Rechtsanwalt Pedergnana für den Versicherten
(nachfolgend: Beschwerdeführer) beantragt, es sei der Einspracheentscheid vom 5.
Mai 2021 aufzuheben, es seien Taggelder bis zum Abschluss der Heilung weiter
auszurichten, es sei eventualiter ein gerichtliches Gutachten in Auftrag zu geben, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin). Es werde davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer
Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung habe (act. G1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 24. Juni 2021 ersucht die Beschwerdegegnerin um
Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des Einspracheentscheids vom 5. Mai
2021 (act. G5).
C.b.
Am 28. Juni 2021 gewährte die verfahrensleitende Richterin dem
Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege (act. G6).
C.c.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre
Taggeldleistungen für das Unfallereignis vom 14. Juni 2018 zu Recht per 12. Mai 2019
eingestellt hat bzw. ob spätestens per 29. Juni 2019 keine Unfallrestfolgen mehr
vorgelegen haben (vgl. nachfolgend E. 3).
2.
Mit Replik vom 28. Oktober 2021 und Duplik vom 19. November 2021 halten die
Parteien an den Anträgen gemäss Beschwerde resp. Beschwerdeantwort fest (act. G12
und G14).
C.d.
Mit Entscheid vom 25. Februar 2022 wies das Versicherungsgericht eine
Beschwerde des Versicherten gegen die rentenablehnende Verfügung der IV vom 2.
Juli 2021 ab (vgl. Verfahren IV 2021/130).
C.e.
Mit Schreiben vom 10. März 2022 unterrichtete das Gericht die Parteien über den
Beizug der Akten der IV-Stelle und gewährte ihnen Frist bis zum 30. März 2022 zur
Einsicht in diese Akten und zur allfälligen Stellungnahme (act. G16). Die Suva nahm
Einsicht in die Akten und verzichtete am 23. März 2022 auf die Erstattung einer
Stellungnahme (act. G17 ff.). Der Beschwerdeführer liess am 30. März 2022 vorbringen,
der Zustand, wie ihn Dr. M._ beschrieben habe, sei nicht mehr aktuell. Es sei deshalb
eine aktuelle medizinische Einschätzung einzuholen, welche auch über den Verlauf
Auskunft gebe. Es werde eine Begutachtung bei der Schulthess-Klinik Zürich beantragt
(act. G20).
C.f.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen, Nichtberufs
unfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG).
2.1.
Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die
Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für Gesundheitsschäden,
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/27
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die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (vgl. André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in Marc Hürzeler/Ueli Kieser
[Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Alexandra Rumo-
Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. 2012, S.
53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht regelmässig auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (KOSS UVG-
Nabold, N 53 zu Art. 6; Irene Hofer, N 66 zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne
Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019
[nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 88). Die Adäquanz
spielt im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen indessen praktisch
keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt
(BGE 134 V 111 f. E. 2).
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (BGE
125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 I 183 f. E. 3.2).
Dieser schliesst eine Beweislast im Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus.
Die Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der
Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte (BGE 129 V 177 E. 3.1, 117 V 360 E. 4a, je mit Hinweisen; Urteile
des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2, und 20. August 2009,
8C_363/2009, E. 1; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 27.
April 2005, U 6/05; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2014, § 70 N 58 f.; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4,
54 f.).
2.3.
Hat der Unfallversicherer seine Leistungspflicht für einen Gesundheitsschaden
einmal anerkannt, so entfällt seine Leistungspflicht erst dann, wenn der Unfall nicht
(mehr) die natürliche oder adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn
also letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Besteht
im Bereich eines vom Unfall betroffenen Körperteils ein krankhafter oder degenerativer
Vorzustand, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn entweder der
Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo
ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf
2.4.
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eines krankhaften oder degenerativen Vorzustands auch ohne Unfall früher oder später
eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (KOSS UVG-Nabold, N 54 zu Art. 6; BSK
UVG-Hofer, N 71 zu Art. 6; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juni 2007, U 290/06, E.
3.3. mit Hinweis). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein (zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008,
8C_101/2008, E. 2.2 mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O, S. 54; KOSS UVG-
Nabold, N 54 zu Art. 6). Da es sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt,
liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender
natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person,
sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen, 1994
Nr. U 206 S. 328; siehe ebenso BGE 117 V 261 E. 3b). Dieser muss jedoch nicht den
Beweis für unfallfremde Ursachen erbringen. Ebenso wenig geht es darum, vom
Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden
mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei (Urteil des
Bundesgerichts vom 29. April 2008, 8C_465/2007, E. 3.1 mit Hinweisen). Welche
Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ist unerheblich. Entscheidend ist
allein, ob die unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale
Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind. Dieser Beweis kann durchaus unter
Bezugnahme auf statistische Grundlagen und medizinische Erfahrungswerte geführt
werden (BGE 126 V 189 E. 4c; Urteil des EVG vom 18. September 2002, U 60/02, E.
2.2). Dies hat insbesondere für den Nachweis des Status quo sine zu gelten, bei dem
es sich um einen hypothetischen Zustand handelt, der sich häufig nur mit
Erfahrungswerten bestimmen lässt (Urteil des EVG vom 18. September 2002, U 60/02,
E. 2.2).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Bezüglich Beweiswert eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
2.5.
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3.
Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungspflicht für das Unfallereignis vom 14. Juni
2018 grundsätzlich anerkannt (vgl. Suva-act. 3 ff., 18 f. und 29). Sie stellt sich jedoch
auf den Standpunkt, dass der Zustand, wie er sich auch ohne den Unfall vom 14. Juni
2018 eingestellt hätte (Status quo sine), spätestens Ende 2018 erreicht gewesen und
die Taggeldeinstellung per 12. Mai 2019 folglich zu Recht erfolgt sei (Suva-act. 97 und
111). Sie stützt sich bei dieser Beurteilung insbesondere auf die Beurteilung von
Kreisarzt Dr. O._ vom 8. Februar 2021 (Suva-act. 106). Demgegenüber ist der
Beschwerdeführer der Ansicht, dass auch die über den 12. Mai 2019 hinaus
andauernden Beschwerden noch immer unfallkausal seien und dafür ein Taggeld
geschuldet sei (vgl. act. G1 Rz. 16 f.). Vor dem Hintergrund, dass der
Beschwerdeführer zum Taggeldeinstellungszeitpunkt seit sechs Monaten mit vollem
Pensum seiner Arbeit nachging (vgl. Suva-act. 55 und 61), eine Arbeitsunfähigkeit aber
zwingende Voraussetzung für einen Anspruch auf Taggeldleistungen bildet (vgl.
vorstehend E. 2.1 und Art. 10 UVG) und erst am 28. Juni 2019 eine neuerliche
Arbeitsunfähigkeit eintrat (vgl. fremd-act. 87) ist zu prüfen, ob der Wegfall der
Unfallkausalität per 28. Juni 2019 gestützt auf die medizinische Aktenlage mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist.
4.
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E.
3a mit Hinweisen). Hinsichtlich Berichten und Gutachten versicherungsinterner
Fachpersonen bzw. beratender Ärzte und Ärztinnen von Versicherungen gilt der
Grundsatz, dass ein Anstellungs- bzw. Vertragsverhältnis dieser Personen zum
Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit
schliessen lässt (BGE 125 V 353 E. 3b/ee). Erachtet das Sozialversicherungsgericht die
rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer
Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen - insbesondere
ohne Anordnung eines externen Gerichtsgutachtens - abschliessen. In solchen Fällen
sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch
nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen versicherungsinterner Fachpersonen bzw. beratender Ärzte und
Ärztinnen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 mit
Hinweis; bestätigt in Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012,
E. 5.3; BGE 122 V 162 f. E. 1d).
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Insoweit der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers von einer Voreingenommenheit
von Kreisarzt Dr. O._ ausgeht (act. G1 Rz. 16), sei bereits an dieser Stelle darauf
hingewiesen, dass - wie vorstehend in E. 2.5 ausgeführt - der Grundsatz gilt, dass Dr.
O._s Anstellungsverhältnis zur Beschwerdegegnerin allein nicht schon auf seine
Befangenheit schliessen lässt. Für eine Voreingenommenheit oder Befangenheit
müssten sich aus dessen ärztlicher Beurteilung objektive Anhaltspunkte ergeben.
Soweit Rechtsanwalt Pedergnana die Voreingenommenheit darin bestätigt sieht, dass
Dr. O._ in seiner ersten Beurteilung vom 16. Dezember 2020 (Suva-act. 93) von
fehlenden ärztlichen Befunden für eine Brückensymptomatik ausging, so ist
anzumerken, dass Dr. O._ hieran in seiner ausführlichen Beurteilung vom 8. Februar
2021 angesichts der Ausführungen von med. pract. K._ vom 15. Oktober 2018
(Suva-act. 95-2) nicht festgehalten hat (Suva-act. 106-5 oben) und diese ursprüngliche
Annahme folglich keinen entscheidenden Einfluss auf seine Beurteilung gehabt hat.
Insgesamt sind keine objektiven Anhaltspunkte für eine Voreingenommenheit von Dr.
O._ ersichtlich und vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wird nicht dargetan,
inwiefern die Beurteilungen von Dr. O._ nicht neutral und sachlich gewesen sein
sollten. Folglich besteht keine Grundlage dafür, von einer Befangenheit des Kreisarztes
auszugehen, und es hat eine materielle Beurteilung seiner Einschätzung zu erfolgen
(vgl. nachfolgend E. 7).
5.
Angesichts der in der Physiotherapieverordnung vom 21. Juni 2018 von Dr. med. P._,
Fachärztin für Innere Medizin, E._, erwähnten Diagnose eines kraniozervikalen
Beschleunigungstraumas (Suva-act. 33) ist vorab zu prüfen, ob der Beschwerdeführer
beim Unfall vom 14. Juni 2018 ein Schleudertrauma oder eine schleudertraumaähnliche
Verletzung erlitten hat (vgl. dazu Urteil des EVG vom 17. August 2004, U 243/03; BGE
117 V 369 E. 7b; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2; RKUV 2000 Nr. U 395 S. 316 E. 3). Ist
ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung diagnostiziert und liegt ein für
diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie
diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen,
Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression,
Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen
dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in der Regel
anzunehmen (vgl. BGE 134 V 116 f. E. 6.2, 119 V 337 f. E. 1, 117 V 360 f. E. 4b). Dieses
Beschwerdebild muss nicht in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb von 24 bis
höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten. Es genügt, wenn sich in diesem
Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS und bei einem
Schädelhirntrauma zusätzlich Kopfschmerzen manifestieren (Urteile des
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Bundesgerichts vom 5. Januar 2009, 8C_413/2008, E. 5.2 mit zahlreichen Hinweisen,
und 15. März 2007, U 258/06, E. 4.3; RKUV 2000 Nr. 359 S. 29 E. 5e). Der im
Polizeirapport vom 24. Juni 2018 beschriebene Unfallmechanismus (vgl. Suva-act. 17)
könnte theoretisch zu einem Schleudertrauma oder zu einer schleudertraumaähnlichen
Verletzung geführt haben. Dafür typische Beschwerden wurden vom Beschwerdeführer
jedoch nie geklagt, zumindest sind in keinem Arztbericht solche erwähnt (vgl.
vorstehenden Sachverhalt). Insbesondere auch dem Bericht der ZNA vom 14. Juni
2018 sind weder solche Diagnosen noch entsprechende Befunde zu entnehmen. Der
Beschwerdeführer erreichte denn auf der Glasgow-Koma-Skala (GCS) auch 15 Punkte,
was dem besten Wert entspricht und auf keine auffällige Beeinträchtigung des
Bewusstseins hindeutet (Suva-act. 37). Die beim Beschwerdeführer durchgeführten
Behandlungen und die aktenkundigen Untersuchungsergebnisse enthalten keine
Hinweise, welche ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma oder die einzig in der
Physiotherapieverordnung vom 21. Juni 2018 erwähnte Diagnose eines
kraniozervikalen Beschleunigungstraumas fundieren würden. Auch würde eine leichte
Hirnerschütterung von Vorherein für eine analoge Anwendung der vorstehend
erwähnten Schleudertrauma-Praxis nicht ausreichen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 14. August 2014, 8C_358/2014, E. 2.4.1, vgl. auch Urteile des EVG vom 6. Mai
2003, U 6/03, und 13. Juni 2005, U 276/04, E. 2.2.1). Im Leistungseinstellungszeitpunkt
waren darüber hinaus die Nackenbeschwerden bereits seit längerem nicht mehr
geklagt worden - bereits im August 2018 wurden diese vom Beschwerdeführer
gegenüber der Suva nicht mehr erwähnt und im Bericht der E._ vom 10. Oktober
2018 wurden sie als regredient beschrieben (Suva-act. 40 und 50). Die
Diagnosestellung in der Physiotherapieverordnung vom 21. Juni 2018 gründet
wahrscheinlich insbesondere auf dem vom Beschwerdeführer geschilderten
Unfallhergang. Mangels entsprechender Klagen ist nach dem Gesagten ein
Schleudertrauma oder eine schleudertraumaähnliche Verletzung mit dem typischen,
gehäuften Beschwerdebild nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Das Einholen eines biomechanischen Gutachtens
(vgl. act. G12 Rz. 16) fällt nach dem Gesagten ohnehin ausser Betracht (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 20. August 2008, 8C_33/2008, E. 7.1, und vom 17. Oktober 2008,
8C_124/2008, E. 6.3).
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6.
Zu prüfen bleiben die vom Beschwerdeführer über den 28. Juni 2019 hinaus beklagten
Beschwerden im Bereich der LWS.
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen werden grundsätzlich eine
unfallkausale strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als
objektivierbares Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar
und von der Person des oder der Untersuchenden und den Angaben des Patienten
oder der Patientin unabhängig sind. Folglich kann von objektiv ausgewiesenen
organisch-strukturellen Unfallfolgen dann gesprochen werden, wenn die erhobenen
Befunde mit - wissenschaftlich anerkannten - apparativen/bildgebenden Abklärungen
(wie Röntgen, MRI, CT, Arthroskopie) bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 232 E. 5.1 mit
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2 mit
Hinweisen).
6.1.
Ein massgebender Ausgangspunkt für die Beurteilung traumatischer Folgeschäden
bzw. der Ursächlichkeit einer Gesundheitsschädigung bildet der gesundheitliche
Zustand einer versicherten Person vor dem Unfall. Ist es durch letzteren zu keinen
neuen strukturellen Schäden gekommen, trifft er aber auf einen vorgeschädigten
Körper, kommt eine unfallkausale Gesundheitsschädigung höchstens als
vorübergehende oder richtungsgebende Verschlimmerung eines Vorzustandes in
Betracht. Eine richtungsgebende Verschlimmerung liegt nach der Rechtsprechung vor,
wenn medizinischerseits feststeht, dass weder der Status quo ante noch der Status
quo sine je wieder erreicht werden können (KOSS UVG-Nabold, N 54 zu Art. 6; BSK
UVG-Hofer, N 71 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O, S. 54 mit Hinweis; Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2015, 8C_484/2014, E. 2.1). Von einer vorübergehenden
unfallbedingten Verschlimmerung eines Vorzustandes wird dann gesprochen, wenn
Unfallfolgen bzw. deren Anteil an einer Gesundheitsschädigung im Rahmen des
posttraumatischen Verlaufs nie konkret beschrieben bzw. radiologisch als strukturelle
Verletzung der Gelenke oder Knochen sichtbar gemacht werden können. In solchen
Fällen wird bei einem geeigneten bzw. adäquaten Ereignis in einer ersten Phase davon
ausgegangen, dass dieses eine schädigende Wirkung auf den Körper habe. Die
aufgetretenen bzw. ausgelösten Beeinträchtigungen werden, obwohl sie
möglicherweise weiterbestehen, nach einer gewissen Zeit gestützt auf medizinische
Erfahrung aber nicht mehr dem Unfall angelastet. Die Unfallversicherung übernimmt in
diesen Fällen nur den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, d.h. sie
hat bis zum Erreichen des Status quo sine oder ante Leistungen für das unmittelbar im
6.2.
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7.
Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Als Beispiel
dafür gelten insbesondere auch Kontusions- und Distorsionsfolgen (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 26. Februar 2013, 8C_423/2012, E. 5.3, 9. Januar 2012,
8C_601/2011, E. 3.2, und 24. Juni 2008, 8C_326/2008, E. 3.2 und 4; vgl. auch KOSS
UVG-Nabold, N 57 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 72 zu Art. 6; Rumo-Jungo, a.a.O., S.
55 f.). Bei Kontusionen und Distorsionen handelt es sich um Weichteilverletzungen, die
insbesondere anhand klinischer Befunde - wie Hämatome, Schwellungen,
Schürfungen, Prellmarken, Druckdolenzen, Bewegungseinschränkungen,
Muskelverhärtungen - objektiviert werden (vgl. dazu Debrunner, Orthopädie,
Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. 2002, S. 412, 1097; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl.
2003, S. 357, 441; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 420). Die
Unfallversicherung übernimmt die Leistungen bis zur Heilung der spezifischen
Kontusions- und/oder Distorsionsfolgen und/oder - wie oben erwähnt - für den durch
ein Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub.
Als unfallkausaler struktureller Gesundheitsschaden, der für die auch nach dem 28.
Juni 2019 geklagten und zu einer Arbeitsunfähigkeit führenden Beschwerden
ursächlich ist, stehen die in den MRT-Untersuchungen vom 15. August 2018 und 27.
September 2019 zur Darstellung gelangten Bandscheibenhernien mit
Nervenwurzelkompressionen sowie die Osteochondrose und die Spondylarthrosen
(hierzu nachfolgend E. 7.3.3) zur Diskussion (vgl. Suva-act. 36 und 92). Angesichts des
Umstandes, dass zwei Radiologen im Abstand von einem guten Jahr dieselbe
Befundkonstellation angetroffen und beschrieben haben und diese für die
behandelnden Ärzte mit den klinischen Befunden vereinbar war (zumindest geht nichts
Gegenteiliges aus den aktenkundigen Arztberichten und dem Bericht der
behandelnden Chiropraktikerin in Suva-act. 90 hervor), kann das Gericht die
Befürchtung des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers hinsichtlich der
Fehleranfälligkeit von bildgebenden Untersuchungen (act. G1 Rz. 13 bis 15) zumindest
in Bezug auf den konkreten Fall nicht teilen und es besteht keine Veranlassung, nicht
von der vorliegenden Befundkonstellation auszugehen. Im Folgenden gilt es zu prüfen,
ob diese Befunde degenerativ - wie von der Beschwerdegegnerin insbesondere
gestützt auf die Beurteilung von Kreisarzt Dr. O._ vom 8. Februar 2021 (Suva-
act. 106) angenommen - oder traumatisch - wie vom Beschwerdeführer befunden (act.
G1) - bedingt sind (hierzu nachfolgend E. 7.2 und 7.3).
7.1.
Im Bereich des Unfallversicherungsrechts entspricht es einer medizinischen
Erfahrungstatsache, dass praktisch alle Diskushernien degenerativ entstehen. Ein
7.2.
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Unfall im Rechtssinne (Art. 4 ATSG) kann nur ausnahmsweise als eigentliche Ursache
in Betracht fallen. Eine gesunde Bandscheibe ist - wie auch Kreisarzt Dr. O._ in
seiner Beurteilung vom 8. Februar 2021 (Suva-act. 106) unter Hinweis auf die
medizinische Literatur darlegt - derart widerstandsfähig, dass unter Gewalteinwirkung
eher die Wirbelknochen brechen, als dass die Bandscheibe verletzt würde. Im
medizinischen Versuch konnte die isolierte Verletzung einer Bandscheibe durch einen
Unfall lediglich bei rein axialer Belastung der Wirbelsäule, nicht aber bei Rotations-,
Hyperextensions- oder Hyperflexionsbewegungen herbeigeführt werden (Urteil des
EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, E. 3.1, mit Hinweis auf Günter G. Mollowitz
[Hrsg.], Der Unfallmann, 1993, S. 164 ff.; vgl. auch Debrunner, a.a.O., S. 878 ff.;
Pschyrembel, a.a.O., S. 210; Roche Lexikon, a.a.O., S 182; Leitlinie der Orthopädie,
Hrsg. von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und
dem Berufsverband der Ärzte für Orthopädie, 2. erweiterte Aufl. 2002, S. 5).
Voraussetzung für die Annahme einer traumatischen Diskushernie ist somit, dass der
Unfall hinsichtlich seines Mechanismus geeignet war, eine Schädigung der
Bandscheibe herbeizuführen, und insbesondere auch von besonderer Schwere war.
Die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) müssen zudem
unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit auftreten (RKUV 2000 Nr. U 379 S.
193, E. 2a mit Hinweisen; Urteil des EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, E. 3; Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55 f.). Das Gleiche gilt grundsätzlich für eine richtungsgebende
Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustandes, wenn und soweit also durch den
Unfall eine Diskushernie früher bzw. beschleunigt zur Entwicklung gebracht wurde.
Eine solche ist ausserdem grundsätzlich nur dann bewiesen, wenn die Radioskopie ein
plötzliches Zusammensinken der Wirbel nach einem Trauma aufzeigt. Eine allfällige
richtungsgebende Verschlimmerung muss radiologisch ausgewiesen sein und sich von
der altersüblichen Progression abheben (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 f. E. 3a mit
Hinweisen; Urteil des EVG vom 25. November 2004, U 107/04, E.4.1; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 55 f.).
Im vorliegenden Fall können die in E. 7.2 dargelegten Voraussetzungen für eine
unfallbedingte Diskushernie bzw. richtungsgebende Verschlimmerung einer
vorbestehenden Diskushernie nicht als erfüllt betrachtet werden.
7.3.
Die zwei seitlichen Kollisionen vom 14. Juni 2018 lassen zunächst nicht den
vorausgesetzten axialen Unfallmechanismus erkennen. Überhaupt ist eine besonders
schwere Krafteinwirkung auf die Wirbelsäule, die geeignet gewesen wäre, eine
Diskushernie zu verursachen, im vorliegenden Fall nicht nachvollziehbar. Die LWS des
Beschwerdeführers war durch den Autositz gut gestützt und das Hochrutschen des
7.3.1.
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Körpers an der Rückenlehne wird grundsätzlich durch den Dreipunktgurt gebremst.
Eine Verletzung wäre höchstens bei einem Bruch der Rückenlehne, also bei einem sehr
massiven Auffahrunfall, denkbar gewesen (vgl. dazu Hans U. Debrunner/Erich W.
Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden in der schweizerischen sozialen
Unfallversicherung, 1990, S. 54). In der von Kreisarzt Dr. O._ angeführten
medizinischen Literatur wird ausserdem einleuchtend festgehalten, dass eine
traumatische Schädigung der Bandscheibe komplexe Verletzungsmuster hinterlasse
und vor dem Auftreten eines traumatisch bedingten Bandscheibenvorfalls Frakturen
der Wirbelkörper zu erkennen seien (Suva-act. 106-6 f.). Dr. O._ ergänzt ausserdem,
es erscheine nicht vorstellbar, dass eine Gewalteinwirkung zu einer isolierten
Verletzung einer Bandscheibe oder Instabilität eines Bandscheibensegments führen
könne, ohne "Kollateralschäden" zu hinterlassen. Unfallbedingte Bandscheibenvorfälle
oder instabile Bandscheibensegmente müssten in den kernspintomographischen
Dokumenten immer Zeichen einer frischen Verletzung, wie eine Blutergussbildung
infolge von Gewebezerreissungen oder Flüssigkeitskollektionen im Bandhalteapparat
und in der angrenzenden Muskulatur des betroffenen Bandscheibensegments,
aufweisen. Residuen derartiger Veränderungen der umgebenden Haltestrukturen seien
- wie Dr. O._ festhält - auf den bildgebenden Dokumenten der Kernspintomographie
der LWS vom August 2018 nicht zu erkennen (Suva-act. 106-7).
Die Voraussetzung einer unmittelbar auftretenden Arbeitsunfähigkeit ist sodann
allenfalls erfüllt. Der Beschwerdeführer wurde zwar nicht unmittelbar im Anschluss an
den Unfall arbeitsunfähig geschrieben, da er jedoch zum Unfallzeitpunkt bereits
krankheitsbedingt arbeitsunfähig geschrieben war, ist dies nicht aussagekräftig.
Vielmehr ist aufgrund der am 21. Juni 2018 durch die E._ rückwirkend ab dem
Unfalltag bescheinigten "unfallbedingten" Arbeitsunfähigkeit davon auszugehen, dass
die Ärzte des Beschwerdeführers von einer unmittelbar aufgetretenen
Arbeitsunfähigkeit ausgingen (vgl. Sachverhalt A.a). Nicht erfüllt ist hingegen die
Voraussetzung einer unverzüglich nach dem Unfall aufgetretenen
Diskusherniensymptomatik. Die Beschwerden des Beschwerdeführers haben sich im
direkten Anschluss an den Unfall auf Schmerzen der linken Gesichtshälfte beschränkt.
Die behandelnden Ärzte diagnostizierten im Notfallbericht vom 14. Juni 2018 aufgrund
der erhobenen Befunde ausschliesslich eine leichte Prellung Gesicht links und
verzichteten auf eine bildgebende Diagnostik der Wirbelsäule (Suva-act. 37-1). Laut
den von med. pract. K._ wiedergegebenen Angaben des Beschwerdeführers traten
später an diesem Tag die Beschwerden in der LWS mit Ausstrahlung vor allem in das
rechte Bein auf (Suva-act. 95-2). Eine Diagnose oder Befunde mit Hinweis auf die
7.3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/27
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spezifischen Symptome einer Diskushernie bzw. auf neurologische
Ausfallerscheinungen im Rahmen eines radikulären Syndroms wurden jedoch initial am
Unfalltag nicht gestellt bzw. erhoben. Kreisarzt Dr. O._ hielt in Übereinstimmung mit
den medizinischen Akten in seiner Beurteilung vom 8. Februar 2021 fest, dass weder
im Erstbehandlungsbericht noch in verschiedenen Arztberichten der Folgezeit sich
eindeutige Hinweise für neurologische Ausfallerscheinungen im Sinne von
Sensibilitätsstörungen oder motorischen Schwächen im Bereich der oberen oder
unteren Extremitäten fänden (Suva-act. 106-5). Auch die von Dr. P._ in der
Physiotherapieverordnung vom 21. Juni 2018 erwähnte Diagnose einer ISG-Blockade
rechts (Suva-act. 33), welche im Übrigen aus keinem anderen ärztlichen Bericht
hervorgeht, vermag keine unverzügliche radikuläre Beschwerdesymptomatik
nachzuweisen, zumal sie einerseits nicht im direkten Anschluss an den Unfall erhoben
wurde und andererseits nicht durch entsprechende Befunde begründet wurde.
Hinzuweisen ist schliesslich auf die Gesamtsituation der LWS des
Beschwerdeführers. Laut den Untersuchungsberichten über die MRI-Untersuchungen
vom 15. August 2018 und 27. September 2019 fanden die Radiologen multisegmentale
Veränderungen der Bandscheiben und der Facettengelenke (Suva-act. 36 und 92).
Dieses Untersuchungsergebnis zeigt das Bild von gleichartigen Degenerationen in
verschiedenen Wirbelsäulensegmenten und damit auch von einer umfassenden
degenerativen Situation. Die Herauslösung eines Bandscheibenvorfalls als
unabhängigen, traumatischen Gesundheitsschaden würde ohne konkreten Grund kein
nachvollziehbares Ergebnis darstellen. Eine Facettengelenks- bzw. Spondylarthrose
(vgl. vorstehend E. 7.1) kann definitionsgemäss keine primäre Unfallverletzung, sondern
einzig eine degenerative Erkrankung sein. Sie kann zwar als unfallkausaler
Gesundheitsschaden sekundär, d.h. als Spätfolge einer primären Verletzung auftreten,
entsteht aber in der Regel im Rahmen des normalen Alterungsprozesses oder durch
Überbeanspruchung (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 579 ff., 700 f. und 735;
Pschyrembel, a.a.O., S. 152 f.; Roche Lexikon, a.a.O., S. 134 f.). Der Umstand, dass
der Beschwerdeführer im Bereich der LWS in verschiedenen Segmenten
Gesundheitsschäden aufweist, stützt wie gesagt das Bild einer umfassenden
degenerativen und nicht traumatisch bedingten Situation. Hinzu kommt, dass die
Facettengelenks- bzw. Spondylarthrosen am 15. August 2018, und damit bereits zwei
Monate nach dem Unfall, festgestellt wurden, womit insbesondere auch der zeitliche
Aspekt gegen traumatische Verletzungsfolgen spricht.
7.3.3.
Der Umstand, dass der Beschwerdeführer vor dem Unfall hinsichtlich seiner LWS
beschwerdefrei gewesen sei, beruht auf dem für den Nachweis einer unfallkausalen
7.3.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/27
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Schädigung nicht massgebenden Grundsatz "post hoc ergo propter hoc". Die rein
zeitliche Abfolge beinhaltet keine Aussage zur Kausalität, denn der zeitliche Aspekt
besitzt keine wissenschaftlich genügende Erklärungskraft. Andernfalls würde man sich
mit dem blossen Anschein des Beweises bzw. mit der blossen Möglichkeit begnügen
und davon ausgehen, dass eine gesundheitliche Schädigung schon dann durch den
Unfall verursacht sei, wenn sie nach diesem auftrat (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4.
Aufl. 2020, N 69 zu Art. 4 ATSG; Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. 1989, S. 460 N 1205; SVR 2009 UV Nr. 13
[8C_590/2007], S. 52 E. 7.2.4 mit weiteren Hinweisen; BGE 119 V 340 E. 2b/bb). Eine
Beschwerdefreiheit vor dem Unfallereignis schliesst eine Vorerkrankung nicht aus, da
eine auf die Wirbelsäule wirkende Kraft ohne Weiteres auch eine bisher stumme,
vorbestehende Wirbelsäulenerkrankung symptomatisch machen kann, wobei es sich
aber meistens nur um eine vorübergehende Verschlimmerung handelt (Debrunner/
Ramseier, a.a.O., S. 5). Lediglich am Rande sei angemerkt, dass der Beschwerdeführer
sich mit 45 Jahren (zum Unfallzeitpunkt) in der am meisten von degenerativen
Diskushernien betroffenen Altersgruppe befand (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 880).
In Abweichung von Dr. O._s Einschätzung stellte med. pract. K._ in seinem
Bericht vom 15. Oktober 2018 anhand der Anamnese, der klinischen Untersuchung
und der ihm vorliegenden Unterlagen fest, dass es durch das Unfallereignis vom 14.
Juni 2018 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Nervenwurzelreizung L3
rechts gekommen sei, wobei unklar bleibe und völlig irrelevant erscheine, ob der
Bandscheibenvorfall L3/L4 im Sinne einer degenerativen Veränderung vorbestehend
gewesen oder durch den Unfall hervorgerufen worden sei. Schlussendlich bestehe ein
klarer zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den erstmalig in
dieser Form neu aufgetretenen Beschwerden (Suva-act. 95-2). Und am 20. Mai 2020
betonte med. pract. K._, dass der Autounfall vom 14. Juni 2018 eine teilweise
Ursache der aktuell bestehenden Gesundheitsproblematik im Rücken sei. Falls klinisch
überhaupt ein Vorzustand mit Rückenbeschwerden vorhanden gewesen sei - was in
den letzten zwölf Jahren nicht der Fall gewesen sei - so sei der schwere Autounfall
doch der Katalysator gewesen, um eine richtungsgebende Verschlimmerung mit aktuell
anhaltenden Beschwerden hervorzurufen (Suva-act. 85-5). Die Begründung von med.
pract. K._ fusst jedoch auf dem vorstehend in E. 7.3.4 erläuterten Grundsatz "post
hoc ergo propter hoc". Ausserdem werden Nervenwurzelkompressionen in der Regel
durch Bandscheibenhernien im Rahmen der fortschreitenden
Bandscheibendegenerationen verursacht (vgl. Debrunner, a.a.O., S. 879). Darin, dass
der Unfall einen "Katalysator" für die Beschwerden bildete, stimmt Kreisarzt Dr. O._
7.3.5.
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sodann mit med. pract. K._ überein, indem er davon ausgeht, dass es durch den
Unfall zu einer Aktivierung (eines unfallunabhängig vorbestehenden
Verschleisszustandes) gekommen sei (Suva-act. 106-8 oben). Unfallfolgen werden von
der Beschwerdegegnerin gestützt auf diese Einschätzung Dr. O._s denn auch
unbestrittenermassen anerkannt, jedoch eben zutreffenderweise nur im Rahmen einer
vorübergehenden Verschlimmerung (vgl. dazu nachfolgende E. 8). Insgesamt vermag
die Einschätzung von med. pract. K._ keine auch nur leichten Zweifel an Dr. O._s
Beurteilung zu erwecken.
Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, dass ein multidisziplinäres
Schmerzgutachten vonnöten wäre, welches auch die Psychiatrie mitumfasse, weil
psychiatrische Befunde Einfluss auf Schmerzen hätten (act. G1 Rz 18). Gegen einen
psychiatrischen Abklärungsbedarf spricht, dass der Beschwerdeführer - jedenfalls bis
zum für die gerichtliche Beurteilung massgebenden Zeitpunkt des
Einspracheentscheids (siehe hierzu das Urteil des Bundesgerichts vom 19. Mai 2011,
8C_1011/2010, E. 4) - keiner fachpsychiatrischen Behandlung bedurfte. Es sind den
medizinischen Akten keinerlei Hinweise auf psychiatrische Befunde zu entnehmen. Die
von den Orthopäden des KSSG anlässlich der Untersuchung vom 26. November 2019
angedachte multimodale Schmerztherapie (vgl. Suva-act. 95-5 unter Procedere) ist
aktenkundig nicht in Anspruch genommen worden. Ein krankheitswertiges
psychiatrisches Leiden macht der Beschwerdeführer nicht geltend. Er lässt in der
Beschwerde anmerken, dass eine Mischung aus Physiotherapie, Eigenanstrengung,
Fitnesstraining und Ernährungsumstellung dazu geführt habe, dass er die Schmerzen
besser im Griff habe (act. G1 Rz. 19). Auch aus dieser Aufzählung geht keine
Hilfestellung aus psychiatrischer Fachrichtung hervor. Vor diesem Hintergrund ist es
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin keinen fachpsychiatrischen
Abklärungsbedarf sah. Auch kann offenbleiben, ob ein allfälliges psychisches Leiden
überhaupt in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit einem bei
der Suva versicherten Ereignis stehen würde.
7.4.
Nach dem Gesagten steht gestützt auf die nachvollziehbare und umfassende
Beurteilung von Dr. O._ vom 8. Februar 2021 mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer durch den Unfall
vom 14. Juni 2018 weder eine klar ausgewiesene neue bleibende
Gesundheitsschädigung noch eine richtungsgebende Verschlimmerung des
degenerativen Vorzustandes erlitten hat. Vor diesem Hintergrund ist keine
orthopädische Begutachtung vonnöten (vgl. Vorbringen in act. G20 sowie vorstehend
E. 2.5).
7.5.
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8.
Wie bereits erwähnt (vgl. E. 6.2), kann ein Vorzustand durch einen Unfall ausgelöst
oder vorübergehend verschlimmert werden. So geht auch Kreisarzt Dr. O._ in seiner
Beurteilung vom 8. Februar 2021 davon aus, dass der Beschwerdeführer beim
Autounfall vom 14. Juni 2018 eine leichte Distorsion der HWS und der LWS erlitten hat
und es zu einer Aktivierung eines unfallunabhängig vorbestehenden
Verschleisszustandes in diesen Bereichen gekommen sei (Suva-act. 106-8).
Nachfolgend ist mithin zu prüfen, ob der durch den Unfall vom 14. Juni 2018
ausgelöste Beschwerdeschub im Sinne einer vorübergehenden Aktivierung am 28. Juni
2019 weiter andauerte oder ob sich der Status quo sine eingestellt hat und eine
Leistungspflicht des Unfallversicherers zu verneinen ist.
8.1.
Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass im Allgemeinen
Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen der Wirbelsäule ohne strukturelle Läsionen
in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr, abheilen
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 16. Dezember 2020, 8C_552/2020, E. 3.2, 3.
September 2020, 8C_319/2020, 8C_346/2020, E. 6.6, und 26. August 2019,
8C_408/2019, E. 3.3; vgl. dazu auch BSK UVG-Hofer, N 72 zu Art. 6; KOSS UVG-
Nabold, N 57 zu Art. 6). Insofern geht eine vorübergehende Verschlimmerung eines
Vorzustands im Bereich der Wirbelsäule im Regelfall mit einer stetigen Besserung des
unfallkausalen Beschwerdeanteils einher. Eine Ausnahme von der Regel ist
grundsätzlich nicht ausgeschlossen, doch muss sie sich eben als solche präsentieren,
was es nachfolgend zu prüfen gilt.
8.2.
Die von Dr. O._ festgelegte sechsmonatige resp. vom Bundesgericht
veranschlagte Heilungsdauer von sechs Monaten bis zu einem Jahr überzeugt jedoch
gerade auch mit Blick auf den vorliegenden zeitlichen Ablauf. Am 21. Juni 2018 stellte
die Hausarztpraxis dem Beschwerdeführer rückwirkend ab dem Unfalldatum bis zum 1.
Juli 2018 eine unfallbedingte 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus (Suva-act. 8-3) und
verordnete ihm Physiotherapie für neun Behandlungen (Suva-act. 33). Am 2. Juli 2018
nahm der Beschwerdeführer mit einem 50%igem Pensum seine körperlich schwere
Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter (vgl. zu seiner Tätigkeit Suva-act. 42-4) wieder auf
(Suva-act. 8-2). Dieser Arbeitsversuch scheiterte jedoch (vgl. Suva-act. 14 f.) und der
Beschwerdeführer wurde bis 5. August 2018 erneut 100 % arbeitsunfähig geschrieben
(Suva-act. 16). Am 6. August 2018 versuchte er erneut, 100 % zu arbeiten, was jedoch
wieder scheiterte (Suva-act. 30 f.). Dementsprechend wurde ihm ab 9. August 2018
erneut eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Suva-act. 21). Per 3. September 2018
arbeitete der Beschwerdeführer zu 75 % (Suva-act. 46-1), am 13. und 14. September
8.3.
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2018 war er zu 100 % arbeitsunfähig (Suva-act. 48-2) und ab 15. September bis 12.
Oktober 2018 erneut zu 50 % (Suva-act. 48-3 f.). Die E._ berichtete am 10. Oktober
2018, die Behandlung bestehe aus Analgesie, Schonung und Physiotherapie (Suva-act.
50). Ab dem 15. Oktober 2018 wurde keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert (vgl.
Suva-act. 51). Die zweite Verordnung für neun Physiotherapiebehandlungen war am
12. September 2018 ausgestellt worden (Suva-act. 52). Am 30. November 2018
erklärte med. pract. K._, seit 13. Oktober 2018 liege keine Arbeitsunfähigkeit mehr
vor. Die Behandlung bestehe weiterhin in Physiotherapie und Bedarfsanalgesie (Suva-
act. 55-3). Selbiges referierte er am 15. März 2019 (Suva-act. 61-3 f.). Die den
Beschwerdeführer behandelnde Physiotherapeutin berichtete am 25. April 2019, nach
längerem Stehen würden Schmerzen in der lumbalen Region und im Gesäss auftreten.
Seit Therapiebeginn seien Fortschritte erzielt worden, die Schmerzen würden
zurückgehen (Suva-act. 64). Ab 28. Juni 2019 war der Beschwerdeführer erneut
arbeitsunfähig (vgl. fremd-act. 87). Am 26. November 2019 besuchte er die
orthopädische Sprechstunde in der Klinik, wo bei der Diagnose chronisches
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom eine Infiltration geplant (Suva-act. 95-4 f.) und
in der Folge am 17. Januar 2020 vorgenommen wurde (Suva-act. 89). Mit ärztlichem
Verlaufsbericht vom 20. Mai 2020 erklärte med. pract. K._, der Beschwerdeführer sei
im November 2018 (wohl: Oktober) hoch motiviert gewesen, wieder zu arbeiten. Leider
sei es aufgrund der anhaltenden belastungs- und bewegungsabhängigen
Rückenschmerzen unmöglich gewesen, seine körperlich betonte Arbeit weiterzuführen.
Im Verlauf sei er entlassen worden. Der Schmerzzustand im Rücken habe seit dem
Autounfall vom 14. Juni 2018 durch die bislang durchgeführten konservativen
Therapiemassnahmen nicht wesentlich verbessert werden können. Laut der Klinik
stehe klinisch die Degeneration im Segment L5/S1 (Osteochondrose, Spondylose und
Diskushernie mit Kompression L5 beidseits) im Vordergrund (Suva-act. 85-4 f.; für den
Bericht der Klinik vom 21. Februar 2020 vgl. Suva-act. 95-6 f.).
Aufgrund des Gesagten ist insgesamt ab Oktober 2018 - zumindest in Bezug auf
die unfallbedingte Aktivierung bei leichter Distorsion - von einer eingetretenen
Verbesserung auszugehen. Beim Beschwerdeführer hatte wie vorstehend in E. 8.3
ausgeführt trotz dessen rückenbelastender Berufstätigkeit als Produktionsmitarbeiter
ab Oktober 2018 bis 29. Juni 2019 keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestanden. Auch
wenn seine primäre Motivation durchaus in der Aufrechterhaltung der Arbeitsstelle
gelegen haben kann - wie dies sein Rechtsvertreter (vgl. act. G1 Rz. 11) und med.
pract. K._ (vgl. Suva-act. 85-4) geltend machen -, war es ihm augenscheinlich trotz
allfälliger Beschwerden möglich, seiner Arbeit nachzugehen. Der dargelegte
Sachverhalt deutet auf den typischen degressiven Verlauf hin, wie er in der Regel nach
8.4.
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9.
einer traumatischen Schmerzverursachung durch eine leichte Distorsion zu erwarten
ist. Auch fügt er sich in den für Diskushernien charakteristischen Umstand ein, in
unfallunabhängigen Beschwerdeschüben aufzutreten (vgl. dazu Debrunner/Ramseier,
a.a.O., S. 55). Gerade, dass es Ende Juni 2019 und dann offenbar wiederum im Januar
2020 (vgl. Suva-act. 90-1) zu einer Exazerbation gekommen ist, ist für eine
traumatische Genese untypisch und kann nicht mehr mit dem Unfall vom 14. Juni 2018
erklärt werden (vgl. dazu Debrunner/Ramseier, a.a.O., S. 55). Insgesamt finden sich
nach dem Gesagten keine Hinweise, welche auf einen Ausnahmefall mit längerer
Heilungsdauer hinweisen würden.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ausgehend von einer leichten
Distorsionsverletzung im Bereich der LWS sowie angesichts des aktenkundigen
zeitlichen Ablaufs davon auszugehen ist, dass der Heilungsprozess des durch den
Unfall vom 14. Juni 2018 aktivierten und infolgedessen Beschwerden verursachenden
degenerativen Vorzustandes erwartungsgemäss verlaufen ist und sich der
diesbezügliche Status quo sine spätestens ein Jahr nach dem Unfall und damit im Juni
2019 eingestellt hat. Das Dahinfallen der Teilkausalität zwischen dem Unfall vom 14.
Juni 2018 und der ab 29. Juni 2019 wieder attestierten Arbeitsunfähigkeit ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan. Eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin wegen Arbeitsunfähigkeiten über diesen Zeitpunkt hinaus lässt
sich nicht begründen. Die Verneinung eines Taggeldanspruchs ab 28. Juni 2019
erweist sich damit als gerechtfertigt.
8.5.
Im Sinne der Erwägungen ist der angefochtene Einspracheentscheid nicht zu
beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.
9.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. f ATSG).9.2. bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis
Fr. 15'000.--. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint angesichts
des durchschnittlichen Aufwands eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 4'000.--
als angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes; sGS 963.70). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter des
9.3.
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