Decision ID: b630ba43-6dd5-5657-a6b7-77801cbcb4b0
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 4. April 2018 bei der Gemeinde Lauperswil ein
Baugesuch ein für die Erweiterung einer bestehenden Mobilfunkantenne auf Parzelle
Lauperswil Grundbuchblatt Nr. E._. Die Parzelle liegt in der Landwirtschaftszone.
Gegen das Bauvorhaben erhob der Beschwerdeführer Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 22. März 2019 erteilte das Regierungsstatthalteramt Emmental
die Baubewilligung und eröffnete gleichzeitig die Ausnahmebewilligung für das Bauen
ausserhalb der Bauzone des Amtes für Gemeinden und Raumordnung (AGR) von
8. August 2018.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 26. April 2019 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt, dem Baugesuch
für die Erweiterung einer bestehenden Mobilfunkantenne sei der Bauabschlag zu erteilen.
Im Falle einer Beschwerdeabweisung sei vom Lastenausgleichsbegehren und der
Rechtsverwahrung Protokoll zu nehmen.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das AGR beantragt in seiner
Stellungnahme vom 7. Mai 2019 die Abweisung der Beschwerde. Die Gemeinde
Lauperswil hält in ihrer Stellungnahme vom 13. Mai 2019 an ihrem Amtsbericht vom 4. Juni
2018 und an ihrer Stellungnahme vom 15. Juni 2018 fest. In diesen Eingaben aus dem
vorinstanzlichen Verfahren stimmte die Gemeinde dem Bauvorhaben zu, verlangte jedoch
die Prüfung der Einsprachepunkte. Das Regierungsstatthalteramt Emmental beantragt in
seiner Stellungnahme vom 22. Mai 2019 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
eingetreten werde.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2019/72 3

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Der Entscheid des Regierungsstatthalteramts Emmental ist ein Gesamtentscheid im
Sinne von Art. 9 Abs. 1 KoG2, die Verfügung des AGR eine weitere Verfügung im Sinne
von Art. 9 Abs. 2 Bst. b KoG. Beide sind gestützt auf Art. 11 Abs. 1 KoG in Verbindung mit
Art. 5 Abs. 1 KoG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde nach Art. 40 Abs. 1
BauG3 bei der BVE anfechtbar. Diese ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer, dessen Einsprache abgewiesen
wurde, ist als (Gesamt-)Eigentümer und Bewohner der Nachbarparzelle Lauperswil
Grundbuchblatt Nr. F._ durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid formell und
materiell beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Ausnahmebewilligung
a) Der Beschwerdeführer bestreitet sowohl die Standortgebundenheit im Sinne von
Art. 24 Bst. a RPG4 als auch das Nichtvorliegen überwiegender öffentlicher oder privater
Interessen im Sinne von Art. 24 Bst. b RPG. An die Erfüllung der Voraussetzungen einer
Ausnahmebewilligung sei ein strenger Massstab anzulegen, damit die Ausnahme nicht zur
Normalität werde. Im vorliegenden Fall seien, soweit aus den Akten ersichtlich, für die
geplante Erweiterung der bestehenden Mobilfunkantenne keine Standorte in der Bauzone
evaluiert worden. Auch habe keine umfassende Interessenabwägung stattgefunden.
Alleine aus dem Umstand, dass am vorgesehenen Standort bereits eine Antennenanlage
bestehe, könne nicht geschlossen werden, dass der bestehende Standort unter Beachtung
aller massgebenden Interessen viel geeigneter wäre als ein Standort innerhalb der
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700)
RA Nr. 110/2019/72 4
Bauzone. Das Argument, dass trotz Verweigerung der Baubewilligung nicht mit einem
zeitnahen Rückbau der Antenne gerechnet werden könne, weshalb für die Nichtbauzone
nichts gewonnen würde, sei vorliegend nicht zu hören. Zum einen sei es nicht
auszuschliessen, dass bei einer Verweigerung der Baubewilligung für die Aufrüstung innert
absehbarer Zeit ein Rückbau der Antenne vorgenommen werde, weil die beiden Betreiber
auf die lediglich 800 m entfernte ebenfalls 5G-fähige Antenne ausweichen würden.
Deshalb könne durch einen Bauabschlag sehr wohl etwas für die Nichtbauzone gewonnen
werden. Es sei zu bezweifeln, dass in dieser Gegend zwei derart nahe beieinanderliegende
5G-fähige Antennen nötig und damit standortgebunden seien. Zum andern könnte dieses
Argument gemäss Beschwerdeführer ansonsten stets ins Feld geführt werden, wenn es
um die Erweiterung eines bereits in der Landwirtschaftszone erstellten Werks gehe.
Für die Standortgebundenheit seien lediglich objektive Gründe von Relevanz. Das
wirtschaftliche Interesse der Betreiber von Mobilfunkanlagen, die Anlagen ausserhalb der
Bauzone billiger erstellen zu können, sei daher nicht relevant. Ebenso wenig seien die mit
dem Bau einer Mobilfunkantenne in der Bauzone verbundenen Schwierigkeiten zu
berücksichtigen. Ziel des Ausbaus sei die Einführung von 5G für Bewohner in der
Bauzone. Somit handle es sich nicht um einen technisch notwendigen Ausbau, sondern
um eine Angebotserweiterung. Diese diene nicht überwiegend der Landwirtschafts-,
sondern der Bauzone. Es sei nicht auszuschliessen, dass eine zusätzliche Antenne
innerhalb des Baugebiets von Zollbrück die nötige Verbreitung des Empfangs ebenfalls
sicherstellen könne. Selbst wenn vorwiegend das Nichtbaugebiet versorgt werden solle, sei
nicht erstellt, dass dies nicht mit einem oder mehreren Standorten innerhalb der Bauzone
erreicht werden könnte. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung dürfe eine
Mobilfunkantenne auch dann in der Bauzone erstellt werden, wenn mit ihr ein erheblich
grösseres Gebiet in der Nichtbauzone versorgt werde. Zudem verbiete das Bauverbot
ausserhalb der Bauzone eine Bereitstellung von Bauten und Anlagen auf Vorrat und die
Beschwerdegegnerin habe nicht nachgewiesen, dass sie an einer Aufrüstung ein aktuelles
Interesse habe. Letztlich fehle es hier somit an der Standortgebundenheit in der
Landwirtschaftszone.
Selbst wenn die Standortgebundenheit zu bejahen wäre, stelle sich die Frage, ob nicht
überwiegende öffentliche oder private Interessen einer Ausnahmebewilligung
entgegenstünden. Der geplante Ausbau der Antenne trete visuell und betreffend
Strahlungsemissionen erheblich störend in Erscheinung.
RA Nr. 110/2019/72 5
b) Die Beschwerdegegnerin hat ihr Ausnahmegesuch für das Bauen ausserhalb der
Bauzone vom 24. April 2018 für die Erweiterung der bestehenden Mobilfunkantenne damit
begründet, dass der Ausbau standortgebunden sei und sinnvollerweise auf dem
bestehenden Standort ausgeführt werde.5 In der Standortbegründung für den Umbau vom
19. Juni 2018 führt die Beschwerdegegnerin weiter aus, die bestehende Anlage sei aus
topographischen und funknetztechnischen Gründen am aktuellen Standort erstellt worden,
bilde einen integralen Bestandteil ihres Mobilfunknetzes und sei auf die Nachbarstandorte
abgestimmt. Der Standort versorge einerseits Gebiete innerhalb der Bauzone der
Gemeinden Lauperswil und Rüderswil, grösstenteils aber Gebiete ausserhalb der Bauzone
und sei auch für die optimale Versorgung der Kantonsstrasse sowie der BLS-Bahnstrecke
konfiguriert. Ein äquivalenter Ersatz des bestehenden Standorts durch einen oder mehrere
Standorte innerhalb der Bauzone sei vorliegend nicht möglich, zumal der Mast auch einer
weiteren Mobilfunkanbieterin diene und ein neuer Standort auch deren Bedürfnisse
abdecken müsste. Um die Umweltbelastung tief zu halten, müssten Mobilfunkstandorte
zwingend möglichst nahe bei den versorgten Gebieten betrieben werden. Mit dem Umbau
des bestehenden Standortes sei sowohl die gute qualitative Versorgung des versorgten
Gebiets als auch die Beseitigung der Kapazitätsengpässe langfristig möglich. Dabei bleibe
das Erscheinungsbild der Anlage durch den Umbau unverändert respektive resultiere
daraus keine wesentliche zusätzliche Beeinträchtigung der Umgebung. Die Anlage werde
sich auch nach dem Umbau gut in die Umgebung einordnen und halte alle
vorgeschriebenen Grenzwerte ein.6
In ihrer Stellungnahme vom 9. Juli 2018 hat die Beschwerdegegnerin zudem
Abdeckungskarten eingereicht, aus denen die Abdeckung mit ausgewählten
Frequenzbändern ersichtlich ist. Zusätzlich führt sie aus, aus den Bauzonen könnten die
Abdeckungsziele in der Landwirtschaftszone nicht erreicht werden, so dass nicht nur die
Anlage als solche, sondern auch die Antennen der Beschwerdegegnerin in der
bestehenden Form weiter genutzt werden müssten, sollte der Umbau nicht möglich sein.
Zusätzlich müssten dann Lösungen gesucht werden, um die angestrebte Verbesserung der
Versorgung durch zusätzliche Anlagen in der Bauzone zu erzielen. Es gebe deshalb keine
Standorte innerhalb der Bauzone, die es ermöglichen würden, mit einer oder mehreren
5 Vorakten pag. 6 6 Vorakten pag. 53 bis 59
RA Nr. 110/2019/72 6
Anlagen auch die Verbindungswege von Bahn und Strasse abzudecken.7 In ihrer
Stellungnahme vom 29. Oktober 2018 betont die Beschwerdegegnerin, aus
funktechnischen Gründen gebe es keinen Standort innerhalb der Bauzone, die die
Abdeckung der Landwirtschaftszone und der Verkehrsachsen sicherstellen könne. Die
Verweigerung der beantragten Ausnahmebewilligung hätte daher zur Folge, dass die
bestehende Anlage unverändert in Betrieb bleiben würde, die Verkehrsachsen und die
Landwirtschaftszonen weiterhin schlecht versorgt wären und künftige Technologien nicht
genutzt werden könnten und darüber hinaus für die Abdeckung der Bauzonen zusätzliche
Analgen in der Bauzone gebaut werden müssten.8
In ihrer Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2019 betont die Beschwerdegegnerin, die
bestehende Anlage sei leicht erhöht und daher bestens geeignet, um die zu versorgenden
Gebiete von einem einzigen Standort aus abzudecken. Dabei gehe es nicht nur um die
Abdeckung als solche, sondern auch um die Qualität der Abdeckung und die Kapazität, die
zur Verfügung gestellt werden könne. Aufgrund der Distanzen könnten diese Kriterien auch
mit mehreren Standorten innerhalb der Bauzone nicht erfüllt werden. Nötig wären
mindestens drei Anlagen, wovon zwei in Bauzonen liegen könnten, eine jedoch zwingend
ausserhalb der Bauzone liegen müsste. Schliesslich gibt die Beschwerdegegnerin zu
bedenken, dass die Mobilfunknetze aktuell ausgebaut würden, wofür intensiv nach neuen
Standorten gesucht werde. Aus diesem Grund sei mittel- und langfristig ohnehin nicht
damit zu rechnen, dass eine der beiden Anbieterinnen auf den bestehenden Standort
verzichten werde.
c) Das AGR hat die Erteilung der Ausnahmebewilligung nach Art. 24 RPG in seiner
Verfügung vom 8. August 2018 damit begründet, dass es sich um ein Bauvorhaben handle,
das aus objektiven Gründen an den vorgesehenen Standort gebunden sei. Dem Vorhaben
stünden zudem keine überwiegenden Interessen entgegen. Es handle sich um einen
technisch notwendigen Ausbau einer bestehenden Anlage in der Landwirtschaftszone. Die
Erweiterung erfolge am bestehenden Mast, der auch von einer weiteren
Mobilfunkanbieterin genutzt werde. Mit einem alternativen Standort würde für die
Nichtbauzone bei dieser Ausgangslage nichts gewonnen. Der bestehende Standort
präsentiere sich als derart vorteilhaft, dass er anderen Standorten vorzuziehen sei.
7 Vorakten pag. 62 bis 74 8 Vorakten pag. 90 bis 92
RA Nr. 110/2019/72 7
Soweit sich der Beschwerdeführer gegen die Begründung der Ausnahmebewilligung des
AGR vom 27. April 2018 wendet, so kann darauf nicht eingetreten werden. Diese erste
Bewilligung des AGR, die dieses im vorinstanzlichen Verfahren in Unkenntnis der
Einsprache erteilt hat, wurde durch seine zweite Bewilligung vom 8. August 2018 ersetzt
und hat daher keinen Bestand mehr.
d) Anlagen dürfen nur mit behördlicher Bewilligung errichtet oder geändert werden
(Art. 22 Abs. 1 RPG). Voraussetzung einer Bewilligung ist unter anderem, dass die
Anlagen dem Zweck der Nutzungszone entsprechen (Art. 22 Abs. 2 Bst. a RPG). Das
Bauvorhaben sieht den Ersatz von vier bestehenden Mobilfunkantennen durch vier neue
Module vor. Dabei wird gemäss Fachbericht Berner Wirtschaft (beco; heute Amt für
Wirtschaft, AWI), Immissionsschutz, vom 29. Mai 2018 die Sendeleistung erhöht. Somit
handelt es sich um eine baubewilligungspflichtige Änderung einer Anlage. Der Standort der
Mobilfunkantennen liegt in der Landwirtschaftszone. Die Anlage ist daher nicht
zonenkonform und erfüllt damit die Bewilligungsvoraussetzungen gemäss Art. 22 RPG
nicht. Sie darf daher nur bewilligt werden, wenn sie die Voraussetzungen für Ausnahmen
nach Art. 24 ff. RPG erfüllt. Dies ist unbestritten.
Ebenso unbestritten ist, dass aufgrund der mit dem Ersatz der bestehenden Anlage
verbundenen erheblichen Änderungen an der Anlage keine Ausnahmebewilligung gemäss
Art. 24c RPG für bestehende zonenwidrige Anlagen ausserhalb der Bauzonen erteilt
werden kann. Somit bedarf die projektierte Mobilfunkanlage einer neuen Bewilligung
gemäss Art. 24 RPG.9
e) Abweichend von Art. 22 Abs. 2 Bst. a RPG können Bewilligungen erteilt werden,
Anlagen zu errichten oder ihren Zweck zu ändern, wenn der Zweck der Anlagen einen
Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert und keine überwiegenden Interessen
entgegenstehen (Art. 24 RPG). Voraussetzung ist somit zunächst, dass der Zweck der
Anlage einen Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert. Das gilt nicht nur für die
erstmalige Bewilligung einer Anlage ausserhalb der Bauzone, sondern grundsätzlich auch
für jede Änderung oder Erweiterung einer bestehenden, zonenfremden Anlage.10 Dabei
genügt jedoch eine relative Standortgebundenheit: Es ist nicht erforderlich, dass überhaupt
kein anderer Standort in Betracht fällt; es müssen jedoch besonders wichtige und objektive
9 Vgl. BGE 133 II 409 E. 3 10 BGE 133 II 409 E. 4.1
RA Nr. 110/2019/72 8
Gründe vorliegen, die den vorgesehenen Standort gegenüber anderen Standorten
innerhalb der Bauzone als viel vorteilhafter erscheinen lassen.11
f) Das Bundesgericht hat zur Standortgebundenheit von Mobilfunkanlagen Folgendes
ausgeführt: "Mobilfunkantennen können nach der Rechtsprechung ausnahmsweise auf
einen Standort ausserhalb der Bauzonen angewiesen sein, wenn eine Deckungs- oder
Kapazitätslücke aus funktechnischen Gründen mit einem oder mehreren Standorten
innerhalb der Bauzonen nicht in genügender Weise beseitigt werden kann bzw. es bei
einem Standort innerhalb der Bauzonen zu einer nicht vertretbaren Störung der in anderen
Funkzellen des Netzes verwendeten Frequenzen kommen würde. Nicht ausreichend sind
dagegen wirtschaftliche Vorteile des gewählten Standorts (z.B. geringere
Landerwerbskosten; vor-aussichtlich geringere Zahl von Einsprachen) oder zivilrechtliche
Gründe für die Standortwahl, wie z.B. die Weigerung von Eigentümern, einer
Mobilfunkantenne auf ihren Grundstücken innerhalb der Bauzonen zuzustimmen (...).
Unter besonderen qualifizierten Umständen kann sich allerdings ein Standort ausserhalb
der Bauzonen unter Beachtung aller massgebenden Interessen als derart vorteilhaft
erweisen, dass er ausnahmsweise in weiteren als den vorne genannten Fällen als
standortgebunden im Sinne von Art. 24 lit. a RPG anerkannt werden kann. Im Unterschied
zu anderen Bauten und Anlagen (wie Strassen, Parkplätzen, Deponien,
Materialgewinnungsanlagen, Sportanlagen usw.) können Mobilfunkantennen ausserhalb
der Bauzonen angebracht werden, ohne dafür zwingend neues unüberbautes
Nichtbauzonenland in Anspruch zu nehmen. Dies ist der Fall, soweit sie auf bestehende
Bauten und Anlagen, wie hier dem bestehenden Antennenmast, montiert werden. Diesem
Umstand ist bei der im Rahmen der Standortevaluation vorzunehmenden
Interessenabwägung, in welche namentlich Standorte innerhalb aber auch solche
ausserhalb der Bauzonen einzubeziehen sind, Rechnung zu tragen. Bei den Standorten
ausserhalb der Bauzonen können nach dem Gesagten somit nicht mehr nur solche
ausgewählt werden, die für eine angemessene Abdeckung für die Mobiltelefonie aus
technischen Gründen unentbehrlich sind. Vielmehr können sich bei der genannten
Abwägung auch Standorte ausserhalb der Bauzonen gegenüber solchen innerhalb der
Bauzonen als wesentlich geeigneter erweisen, soweit sie auf bestehenden Bauten und
Anlagen angebracht werden können. Eine entsprechende, auf die speziellen Verhältnisse
11 BGE 136 II 214 E. 2.1 mit Hinweisen
RA Nr. 110/2019/72 9
der Mobilfunktechnik zugeschnittene Bejahung der Standortgebundenheit ist jedoch an die
folgenden, streng zu beachtenden Bedingungen zu knüpfen:
Grundvoraussetzung einer solchen erweiterten, ausnahmsweisen Bejahung der
Standortgebundenheit ist, dass die Mobilfunkanlage ausserhalb der Bauzonen keine
erhebliche Zweckentfremdung von Nichtbauzonenland bewirkt und nicht störend in
Erscheinung tritt. Ein positiver Ausgang der genannten Interessenabwägung reduziert sich
somit wie erwähnt grundsätzlich auf Örtlichkeiten, an welchen sich bereits zonenkonforme
oder zonenwidrige Bauten und Anlagen befinden. Auch wenn sich ein bereits baulich
genutzter Standort im Rahmen der Standortabklärung als klarerweise besser geeignet
erweist als ein Standort innerhalb der Bauzonen, so darf eine Ausnahmebewilligung für
eine Mobilfunkantenne nur erteilt werden, wenn als zusätzliche Voraussetzung
gewährleistet ist, dass dem Vorhaben keine überwiegenden Interessen entgegenstehen
(...)."12
g) Im vorliegenden Fall ergibt sich aus den Stellungnahmen und Abdeckungskarten der
Beschwerdegegnerin, dass ihre Mobilfunkanlage sowohl Gebiete in der Bau- als auch in
der Landwirtschaftszone inklusive Bahnstrecke und Kantonsstrasse versorgen. Dabei
macht die Beschwerdegegnerin geltend, sie sei auf einen Standort ausserhalb der
Bauzone angewiesen, weil eine Deckungs- und Kapazitätslücke aus funktechnischen
Gründen mit einem oder mehreren Standorten innerhalb der Bauzonen nicht in
genügender Weise beseitigt werden könne. Ob dies zutrifft ist fraglich, hat es doch im
Gebiet zwischen Emmenmatt und Zollbrück diverse Bauzonen. Die nächste Bauzone im
Bereich D._ liegt weniger als 300 m vom Baugesuchsstandort entfernt. Aufgrund
der leicht erhöhten Lage des jetzigen Standorts im Vergleich mit den Bauzonen ist jedoch
nachvollziehbar, dass die Aufrüstung am jetzigen Standort nicht durch einen einzigen
Standort in der Bauzone ersetzt werden könnte.
Ob die Beschwerdegegnerin tatsächlich auf einen Standort ausserhalb der Bauzone
angewiesen ist, braucht aber ohnehin nicht geprüft zu werden. Als standortgebunden im
Sinne von Art. 24 Bst. a RPG anerkannt werden kann die erweiterte Mobilfunkantenne
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch dann, wenn sich der Standort
ausserhalb der Bauzonen im Vergleich zu einem Standort innerhalb der Bauzonen
12 BGE 133 II 409 E. 4.2
RA Nr. 110/2019/72 10
aufgrund einer Gesamtsicht unter Beachtung aller massgebenden Interessen als viel
vorteilhafter erweist.
h) Mit den vier geplanten Antennenmodulen sollen die heute vorhandenen vier
Antennenpanels der Beschwerdegegnerin auf dem bestehenden Antennenmast ersetzt
werden. Dieser freistehende Mast wird neben der Beschwerdegegnerin auch von einer
weiteren Mobilfunkanbieterin genutzt. Eigentümerin der Anlage ist diese andere
Mobilfunkanbieterin, die Beschwerdegegnerin ist lediglich Mitbenutzerin. Mit dieser
Konzentration zweier Mitbewerber auf einen Mast wird die Vorgabe des Bundesamts für
Raumentwicklung (ARE), wonach bei der Erstellung mehrerer eigenständiger Netze wenn
möglich die Antennenstandorte zusammengelegt werden sollen, Rechnung getragen.13
Zudem kann von diesem Standort, der in Bezug auf das zu versorgende Gebiet leicht
erhöht liegt, ein grosses Gebiet mit nur einer Anlage erschlossen werden. Damit erübrigt
sich das Erstellen einer Mehrzahl von kleineren und nahe bei einander liegenden Anlagen.
Durch den Austausch der vier alten Panels durch vier neue Antennenmodule am
bestehenden Sendemast wird weder zusätzliches Nichtbauzonenland in Anspruch
genommen noch findet eine zusätzliche Zweckentfremdung von Nichtbauzonenland statt.
Unter diesen Umständen wäre mit einer Verweigerung der Ausnahmebewilligung aus
raumplanerischer Sicht nichts gewonnen. Im Gegenteil: Der bestehende Antennenmast
würde von der zweiten Mobilfunkanbieterin im bisherigen Umfang weiter genutzt.
Zusätzlich kämen mehrere weitere, im Baugebiet liegende Anlagen der
Beschwerdegegnerin hinzu, sofern die Beschwerdegegnerin den aktuellen Standort ganz
aufgeben würde. Dies scheint aber unrealistisch. Vielmehr ist davon auszugehen, dass
auch die Beschwerdegegnerin den bestehenden Standort im bisherigen Umfang weiter
nutzen würde und die angestrebte Aufrüstung mit einer oder mehreren zusätzlichen
Antennen in der Bauzone realisieren würde.
Bei der vom Beschwerdeführer genannten 800 m entfernten Mobilfunkantenne handelt es
sich gemäss Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 27. Mai 2019 um eine Anlage
von einer dritten Mobilfunkanbieterin. Ein Ausweichen auf diese fremde Anlage ist für die
beiden Benutzer der hier umstrittenen Anlage somit schon alleine deshalb nicht einfach so
möglich. Daran ändert auch die vom Beschwerdeführer angesprochene Aufrüstung auf 5G
13 Merksätzen zur Problematik von Mobilfunkanlagen und Raumplanung, BRP/ARE Juni 1998 / Juli 2000 / Dezember 2004
RA Nr. 110/2019/72 11
nichts, im Gegenteil: Bekanntlich soll 5G dereinst auch mit höheren Frequenzen betrieben
werden, die eine kürzere Reichweite haben. Somit ist absehbar, dass im Zusammenhang
mit der Aufrüstung auf 5G ein dichteres Antennennetz mit zusätzlichen Standorten benötigt
wird, was einen Rückbau der hier umstrittenen Anlage unwahrscheinlich erscheinen lässt.
Konkrete Alternativstandorte in den Bauzonen müssen bei dieser Ausgangslage keine
geprüft werden. Der bereits bestehende Standort präsentiert sich unter Beachtung aller
mass-gebenden Interessen als derart vorteilhaft, dass er einer oder mehreren zusätzlichen
Antennen in der Bauzone vorzuziehen ist. Mit einem oder mehreren neuen
Antennenstandorten in der Bauzone würden solche Zonen zusätzlich belastet, ohne dass
damit für die Nichtbauzone etwas gewonnen werden könnte.
i) Zwar kann gemäss dem vom Beschwerdeführer zitierten Bundesgerichtsentscheid
1C.200/2012 vom 17. Dezember 2012 allein aus dem Umstand, dass am vorgesehenen
Standort bereits eine Antennenanlage der Beschwerdegegnerin besteht, nicht geschlossen
werden, dass der bestehende Standort unter Beachtung aller massgebenden Interessen
viel geeigneter wäre. Allerdings ist der vorliegende Fall nicht mit dem Bundesgerichtsfall
vergleichbar. Im Gegensatz zum vorliegenden Fall wurde der bestehende
Antennenstandort im Bundesgerichtsfall nicht zusätzlich von einer weiteren
Mobilfunkanbieterin genutzt. Nur unter diesen Umständen erschien es nicht
ausgeschlossen, dass der bisherige Standort ausserhalb der Bauzonen ganz aufgegeben
werden könnte, sofern die Standortevaluation ergäbe, dass eine neue Mobilfunkantenne
innerhalb der Bauzonen zu errichten sei. Im vorliegenden Fall steht demgegenüber eine
Aufgabe des Standorts ausserhalb der Bauzone nicht zur Diskussion. Zum einen wird der
Standort auch von einer weiteren Mobilfunkanbieterin für deren Antennen genutzt. Das
Bundesgericht hat denn auch in früheren, ähnlich gelagerten Fällen anerkannt, dass eine
Konzentration von Antennenanlagen unter bestimmten Umständen sinnvoller sein kann,
als zusätzlich zu einer bestehenden Anlage den Bau neuer Basisstationen, innerhalb oder
ausserhalb der Bauzone, zu verlangen.14 Zum andern sind die Mobilfunkanbieterinnen im
Zusammenhang mit der neusten Mobilfunktechnologie 5G zurzeit daran, ihre Netze
auszubauen, wobei sie auch auf neue Standorte angewiesen sind. Dass bestehende
Standorte unter diesen Umständen aufgegeben werden, scheint unwahrscheinlich, was
sich auch den Stellungnahmen der Beschwerdegegnerin entnehmen lässt.
14 BGE 133 II 409 E. 4.3.; Urteil 1A.274/2006 vom 6. August 2007 E. 4.4
RA Nr. 110/2019/72 12
k) Somit erfordert der Zweck der Anlage einen Standort ausserhalb der Bauzonen, d.h.
die strittige Erweiterung der bestehenden Mobilfunkantenne ist (relativ) standortgebunden.
Als weitere Voraussetzung darf die Mobilfunkanlage nicht störend in Erscheinung treten
bzw. dürfen dem Vorhaben keine überwiegenden Interessen entgegenstehen. In diesem
Zusammenhang macht der Beschwerdeführer geltend, der geplante Ausbau der Antenne
trete visuell und betreffend Strahlungsemissionen erheblich störend in Erscheinung. Visuell
aufgrund der Stellung am Waldrand, emissionsmässig aufgrund der Erhöhung der
Sendeleistung und Aufrüstung auf die 5G-Technologie. Über die Schädlichkeit von
Mobilfunkstrahlung bestünden keine gesicherten Erkenntnisse, bezüglich 5G lägen noch
überhaupt keine Erkenntnisse vor. Dementsprechend hätten einige Westschweizerkantone
ein 5G-Moratorium verabschiedet.
An der Grundkonstruktion des Antennenmasts wird durch das Bauvorhaben nichts
verändert, insbesondere bleibt seine Höhe gleich. Die Ausladung der Antennen vergrössert
sich mit den neuen Modulen im Vergleich zu den alten Modulen zwar etwas und hat neu
einen Durchmesser von rund 2 m anstelle der bisherigen knapp 1.5 m. Im Wesentlichen
bleibt das Erscheinungsbild der Anlage jedoch unverändert. Durch den Austausch der vier
alten Panels durch vier neue Antennenmodule an der bestehenden Mastkonstruktion wird
das Orts- und Landschaftsbild somit nicht zusätzlich belastet. Dies umso mehr als die
Anlage aufgrund ihrer Stellung unmittelbar vor einem ansteigenden Wald und in der Nähe
eines Strommasts ohnehin nicht auffällig in Erscheinung tritt.
Was die Emission nichtionisierender Strahlung betrifft, so nimmt diese zwar durch die
Erhöhung der Sendeleistung zu. Gemäss Standortdatenblatt vom 23. Januar 2018 sind
jedoch die entsprechenden Grenzwerte der NISV15 eingehalten, was die kantonale
Fachstelle in ihrem Fachbericht Immissionsschutz vom 29. Mai 2018 bestätigt hat und auch
vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird. Mehr als die Einhaltung dieser Grenzwerte
kann nicht verlangt werden.16 Dies gilt auch im Hinblick auf 5G, denn die NISV
unterscheidet nicht zwischen den verschiedenen Mobilfunktechnologien. Daran vermag
auch ein 5G-Moratiorium verschiedener Westschweizerkantone nichts zu ändern.
15 Verordnung des Bundesrats vom 23. Dezember 1999 über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV; SR 814.710) 16 Vgl. BGer 1C_323/2017 vom 15. Januar 2018, E. 2.5 mit weiteren Hinweisen
RA Nr. 110/2019/72 13
Dem Vorhaben stehen somit auch keine überwiegenden Interessen entgegen. Daher
wurde zu Recht eine Ausnahmebewilligung für Anlagen ausserhalb der Bauzone gemäss
Art. 24 RPG erteilt. Die Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet. Sie wird
abgewiesen und die angefochtene Bau- und Ausnahmebewilligung werden bestätigt.
3. Lastenausgleich und Rechtsverwahrung
a) In Ziff. 4.4 des angefochtenen Gesamtentscheids wird die Baupolizeibehörde der
Gemeinde Lauperswil unter der Überschrift "Lastenausgleich" angewiesen, dem
Beschwerdeführer den Baubeginn unter Hinweis auf die dreimonatige Klagefrist gemäss
Art. 31 BauG mitzuteilen. Auf den Antrag des Beschwerdeführers, im Falle einer
Beschwerdeabweisung sei vom Lastenausgleichsbegehren Protokoll zu nehmen, kann
daher mangels Beschwer nicht eingetreten werden.
b) Zudem beantragt der Beschwerdeführer, im Falle einer Beschwerdeabweisung sei
von der Rechtsverwahrung Protokoll zu nehmen. Zur Begründung führt er aus, die
Aufrüstung der bestehenden Antenne mit der neusten Technologie und einer erheblich
grösseren Leistungsfähigkeit führe zu einem Wertverlust seiner Liegenschaft. Daher
behalte er sich das Geltendmachen von zivilrechtlichen Abwehransprüchen gegen die
geplante Erweiterung vor. Der gleiche Antrag und die gleiche Begründung finden sich
bereits in der Einsprache vom 28. Mai 2018.
Die Rechtsverwahrung bezweckt die Orientierung der Gesuchstellenden und der Behörden
über Privatrechte, welche durch das Bauvorhaben berührt werden, und über
Entschädigungsansprüche, die daraus abgeleitet werden könnten (Art. 32 Abs. 1 BewD17).
Auf die Rechtsverwahrung ist im Dispositiv des Bauentscheids hinzuweisen (Art. 36 Abs. 3
Bst. f BewD). Im angefochtenen Gesamtentscheid wird die Rechtsverwahrung nicht
erwähnt. Sein Dispositiv ist daher diesbezüglich zu ergänzen.
17 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
RA Nr. 110/2019/72 14
4. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Die
Ergänzung des angefochtenen Entscheids um den Hinweis auf die Rechtsverwahrung ist
von so untergeordneter Bedeutung, dass dies im Kostenpunkt nicht zu berücksichtigen ist.
Dies umso mehr, als es sich beim Hinweis auf die Rechtsverwahrung um eine Formalität
handelt: Auch ohne ausdrückliche Erwähnung im Dispositiv waren die Baugesuchstellerin
und die Behörden über die in der Einsprache vom 28. Mai 2018 geltend gemachten
Privatrechte und Entschädigungsansprüche orientiert. Der Beschwerdeführer hat somit die
gesamten Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG18).
Die Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für
Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis
Fr. 4'000.-- erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV19). In Anwendung dieser
Bestimmungen wird die Pauschale auf Fr. 1'600.-- festgelegt.
b) Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf Parteikostenersatz
(Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die obsiegende Beschwerdegegnerin war nicht anwaltlich
vertreten, weshalb ihr keine Parteikosten im Sinne des Gesetzes entstanden sind (Art. 104
Abs. 1 VRPG). Folglich sind keine Parteikosten zu sprechen.