Decision ID: 3926947c-c385-4025-95fd-fe27fd83a19f
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964,
ist Vater von zwei volljährigen Kindern (
Urk.
7/3
Ziff.
3.1).
Zuletzt war er v
on Januar 2002 bis Ende November 2013 als ICT-
Supporter
bei der
Y._, Z._
,
angestellt (
Urk.
7/12/1-2
Ziff.
2.1 und 2.7). Unter Hinweis auf starke Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten meldete er sich am
9.
August 2013 bei der
Invalidenvers
icherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/3
Ziff.
6.2). Die Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizi
nische (
Urk.
7/13,
Urk.
7/14/5
) und erwerbliche (
Urk.
7/15) Abklärungen und erliess am 2
2.
Januar 2014 den Vorbescheid (
Urk.
7/21).
Nach weiteren medizinischen Abklärungen (
Urk.
7/22,
Urk.
7/28-29,
Urk.
7/31,
Urk.
7/39,
Urk.
7/61)
erteilte die IV-Stelle
Kostengutsprache für
zwei
Belastbar
keitstraining
s
(
Urk.
7/52,
Urk.
7/69). Am 3
0.
Juni 2016 (
Urk.
7/78) erteilte sie
für die Zeit vom 1
8.
Juni bis 1
7.
Dezember 2016
Kostengutsprache für ein Aufbau
training.
Die IV-Stelle holte sodann ein psychiatrisches Gutachten ein, das am 2
3.
August 2017 (
Urk.
7/110) erstattet wurde. Am
6.
März 2018 (
Urk.
7/114) erliess
sie
einen neuen Vorbescheid.
Der
Versicherte brachte dagegen Einwände (
Urk.
7/124 S. 1 f.
) vor.
Mit Verfügung vom
2.
Juli 2018 (
Urk.
7/144 =
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle einen
Leistungsanspruch.
2.
Der Versicherte erhob am 2
9.
August 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom
2.
Juli 2018 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm seit der IV-Anmeldung respektive sechs Monate danach bis zur Begutachtung eine ganze Rente zu gewähren. Eventuell sei ihm seit der psychiatrischen Begutachtung eine halbe Rente zu gewähren (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2 oben).
Er beantragte weiter eine öffentliche Verhandlung, «wenn das Gericht die Aussagen [...] verifizieren will
»
mit Befragung der Ehefrau und Schwiegereltern (Urk. 1 S. 2 Ziff. 3). Schliesslich beantragte er das Einholen eines Gerichtsgutachtens (Urk. 1 S. 6 Ziff. 4
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
3.
Oktober 2018 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
9.
Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
r
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer rügte eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und der Begründungspflicht
durch die Beschwerdegegnerin.
Er bracht vor, im
Einwand vom 2
3.
März 2018
seien verschiedene Fragen bezüglich Ferienaufe
nthalte in Deut
schland und eines
erhöhten Aktivitätsniveaus gestellt worden. Er habe der
Beschwerdegegnerin vorgeworfen, sie operiere mit Annahmen und Behaup
tunge
n, die nicht bewiesen seien
. Anstatt darauf zu antworten, habe sich die
Beschwer
degegnerin auf das
eingeholte
psychiatrische Gutachten berufen
(
Urk.
1 S.
2
Ziff.
3).
2.2
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Pa
rteien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Darstellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der recht
lichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Gemäss
Art.
52
Abs.
2 Satz 2 ATSG werden
Einspracheentscheide
begründet. Die Begründung eines Entschei
des muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls an
fechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechts
mittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem r
echtlichen Ein
wand auseinan
der
setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E.
5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann ge
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt wer
den, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entscheiden
den Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann es jedoch nicht der Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass Versicherungsträger sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass solche Verfahrens
mängel in einem vom durch den Verwaltungsakt Betroffenen allfällig angeho
be
nen Gerichts
verfahren behoben würden. Der Umstand, dass eine solche Heilungs
möglichkeit besteht, rechtfertigt es demnach nicht, auf die Anhörung des Betroffenen vor Erlass eines Entscheides zu verzichten. Denn die nachträgliche Gewährung des rechtlichen Gehörs bildet häufig nur einen unvollkommenen Ersatz für eine unterlassene vorgängige Anhörung. Abgesehen davon, dass ihr dadurch eine Instanz verloren gehen kann, wird der betroffenen Person zuge
mutet, zur Verwirklichung ihrer Mitwirkungsrechte ein Rechtsmittel zu ergreifen.
2.3
Der Beschwerdeführer bestritt im Einwan
d vom 2
3.
März 2018, dass er oft ferienhalber nach Deutschland fahre. Es handle sich nicht um Ferien, sondern um Besuche
bei den
Schwiegereltern. Die Beschwerdegegnerin operiere mit Behaup
tungen bezüglich seines Aktivitätsniveaus, die sie beweisen solle (
Urk.
7/124
S. 1 f.).
Die Beschwerdegegnerin
hielt in ihrer Verfügung fest, sie stelle auf das Gutachten und die Ressourcenprüfung ab. Die Angaben betreffend die Ressourcen basierten auf Aussagen des Beschwerdeführers gegenüber dem Gutachter. Es handle sich um Aussagen der ersten Stunde. Zudem sei die Compliance nicht ideal. Insgesamt bestehe kein Anspruch auf eine Rente (Urk. 2 S. 2). Damit ist die Beschwer
de
gegnerin ihrer Begründungspflicht in ausreichender Weise nachgekommen.
D
ass
sie
sich
mit den Einwänden des Beschwerdeführers
bezüglich
erfolgter A
ufent
halte in Deutschland nicht
im Detail
auseinandergesetzt hat, schadet nicht
. Für den Beschwerdeführer liess sich jedenfalls erkennen, dass
und aus welchen Gründen
die Beschwerdegegnerin an ihrer
Einschätzung im
Vorbescheid vom
6.
März 2018 festhalten wollte.
Damit war ihm eine sachgerechte Anfechtung der Verfügung vom
2.
Juli 2018 möglich.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2)
weiter
fest,
die
beruflichen Massnahmen
seien abgebrochen worden, da sich der Beschwer
de
führer in stationärer Behandlung befunden habe.
Nach dem eingeholten psy
chia
trischen Gutachten sei die
aktu
elle Therapie nicht ausreichend.
Eine genügen
de medikamentöse Behandlung könne die gesundheitliche Situation verbessern (S. 2 oben).
Gemäss der durchgeführten Ressourcenprüfung
sei es dem Beschwerde
führer trotz seiner Beschwerden zumutbar, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Zum aktuellen Zeitpunkt liege keine invalidisierende gesundheitliche Einschrän
kung vor (S. 2 Mitte).
3.2
Der Beschwerdeführer brachte vor, das Rechtsbegehren werde rein formell in die Zeit vor und nach der
psychiatrischen
Begutachtung aufgespalt
en. Vor der Begut
achtung seien zahlreiche Klinikaufenthalte erfolgt und er sei
von den
Ärzten der Kliniken
zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben worden. In dieser Zeit habe er keine Arbeitsstelle annehmen können, zumal er bei der letzten Tätigkeit
aus medizinischen Gründen
ausgeschieden sei (
Urk.
1 S. 3
Ziff.
5). Ab dem Zeitpunkt der Begutachtung werde mindestens
die
Zusprache
einer halben Rente be
antragt, da selbst der Gutachter
wesentliche Einschränkungen festgehalten habe (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
6).
Trotz der Eingliederungsversuche sei es nicht gelungen, ihn ange
messen einzugliedern. Dies sei geschehen, weil er tatsächlich Mühe habe, sich an gewisse Abläufe anzupassen (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
III.1).
3.3
Streitig und zu prüfen ist, ob
im Verlauf seit
dem
Jahr 2013 ein
Rentenanspruch besteht. Zunächst ist zu prüfen, ob auf die vorliegenden
Akten abgestellt werden kann.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer war vom 2
5.
Februar bis 3
0.
März 2013 in der
A._
hospitalisiert (
Urk.
7/16/7).
Dr.
med. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Leitender Arzt, und
Dr.
med. C._
, Fach
arzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Chefarzt,
A._
, stellten im Austrittsbericht vom
9.
April 2013 (
Urk.
7/16/7-14) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Anpassungsstörung mit depressiv-ängstlicher Komponente bei beruflicher Belastungssituation
(ICD-10 F43.2/F41.
2
)
-
chronische Spannungskopfschmerzen bei Schmerzverarbeitungsstörung
(ICD-10 F45.4)
-
Ver
dacht auf somatoforme autonome Funktionsstörung
(ICD-10 F45.3)
-
Status nach medikamentöser Intoxikation
Dr.
B._
und
Dr.
C._
gaben zur Arbeitsfähigkeit an, bis zum 1
2.
April
2013 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden.
Danach solle die Arbeits
fähigkeit durch die ambulant behandelnden Ärzte beurteil werden.
Es werde eine schrittweise berufliche Wiedereingliederung zunächst mit einem Pen
sum von 50 % empfohlen (S. 4 unten).
4.2
Dr.
med. D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie und für Pharmazeutische Medizin, führte in einem psychiatrischen Konsilium vom
1
0.
Dezember 2013 (
Urk.
7/18/2-6) zuhanden des Krankentaggeldversicherers au
s, der Beschwerdeführer sei seit dem 2
5.
Februar 2013 und weiterhin
krankheits
bedingt als zu 100
%
arbeitsunfähig
geschrieben
worden.
Vorausgegangen sei eine
psychophysische Erschöpfung (S. 1).
Dr.
D._
führte zur Anamnese aus, der Beschwerdeführer sei seit 2001
(richtig: 2002)
als IT-
Supporter
angestellt gewesen. Anfang 2013 sei er von seinem bishe
rigen Arbeitsplatz
an einen anderen Ort
versetzt worden. Im Februar 2013 sei er im Geschäft «zusammengeklappt»
. Er sei dann in der
A._
sta
tio
när behandelt worden. Schliesslich sei ihm
die
Arbeitsstelle gekündigt worden
(S.
2 unten). Der
Beschwerdeführer habe angegeben, dass er schon früher Kopf
schmerzen gehabt habe. Seit 2012 seien
sie
verstärkt
aufgetreten.
Eine ärztliche Behandlung habe keine
B
esserung gebracht.
Die Kopfschmerzen seien permanent und manchmal sehr stark
vorhanden
(S. 3 Mitte). Zusammengefasst sei der Be
fund mit einer längeren depressiven Reaktion vereinbar. Die Symptomatik sei inzwischen weitgehend rückläufig. Aktuell seien überwiegend nur noch krank
heits
unspezifische Beschwerden vorhanden und der Beschwerdeführer orientiere sich gedanklich teilweise wieder nach vorne.
E
motional und psychophysisch
wirke er
deutlich gefestigter, wenngleich er nach wie vor erheblich gekränkt sei (S. 4 oben). Diagnostisch liege nach der Vorgesch
ichte, der Schilderung des Be
schwerdeführers,
dem bisherigen Krankheitsverlauf und dem aktuellen Befund eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
(ICD-10 F43
.21)
vor. Mittlerweile sei d
as Krankheitsbild überwiegend am
Zurückgehen. Die Erkran
kung sei in erster Linie als psychische Reaktion auf eine für den Beschwerdeführer belastende Situation, vor allem in beruflicher Hinsicht, aufzufassen, zuletzt verstärkt durch die Kündigung des langjährigen Arbeitsverhältnisses (S. 4 Mitte).
Dr.
D._
ging
von einer Teilarbeitsunfähigkeit von 50
%
aus. Ab Beginn des
folgenden
Jahres
bestehe wieder eine volle Arbeitsfähigkeit
(S. 4 unten).
4.3
Vom
6.
Dezember 2013 bis 1
5.
Januar 2014
erfolgte ein erster
Klinikaufenthalt
im
E._
(
Urk.
7/22 S. 1).
Die Ärzte des
E._
nannten im Austrittsbericht vom 1
5.
Januar 2014 (
Urk.
7/22/1-4) als Hauptdiagose eine schwere depressive Episode ohne psy
chotische Symptome
(ICD-10 F32.2
).
Als Nebendiagnosen nannten sie psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: schädlicher Gebrauch, psychische
und
Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika: Abhängigkeitssyndrom
so
wie
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und chronische Spannungs
kopfschmerzen (S. 1).
Zur
aktuellen
Anamnese wurde ausgeführt, der
Beschwerdeführer habe bereits am Morgen der Einweisung
in die Klinik
Valium
,
Bier
und 3/4 einer Whisky-Flasche
an Alkohol
konsumiert
(S. 1 unten). Nach einer Anpassungsstörung mit einer depressiven Störung
aufgrund eines
Arbeitskonflikt
es mit
Überlastung am Arbeitsplatz
sei es
im
Januar/Februar 2013 zu einem
ersten Suizidversuch ge
kommen
(S. 2 oben).
4.4
Nach
weitern zwei
K
linikaufenthalte
n
i
m
E._
und einer
teil
stationäre
n
Behandlung in der
F._
(
Urk.
7/29 S. 3 unten), befand sich der
Beschwerdefüherer
v
om 1
1.
April bis 3
1.
Juli 2014 im
G._
,
H._
,
in stationärer Behandlung (
Urk.
7/29 S. 1).
Die Fachleute
der
H._
stellte
n
im Austrittsbericht vom
1.
September
2014 (
Urk.
7/29/1-6)
neu die
psychiatrische Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(ICD-10 F33.1)
.
Als somatische
Diag
nosen
nannte
n
sie
unter anderem
eine
atherosklerotische
Herzkrank
h
eit, eine essentielle
Hypertonie, ohne Angabe einer
hyper
tensiven
Krise und
Spannungs
kopfschmerzen
(S. 1).
Weiter wurde ausgeführt
,
es seien zwei Suizidversuche bekannt, einmal mit Tab
letten und einmal mit Tabletten und Alkohol
. Der letzte Versuch vom 2
0.
März 2014 habe zu einer
Hospitalisation
im
E._
per
f
ürsorgerische Unterbringung geführt
. Der Beschwerdeführer sei mit einer klinisch relevanten
schwer ausgeprägten depressiven Symptomatik
in die
H._
eingetreten
(S. 3 unten
).
Im Bericht vom
8.
Juli 2014 attestierten die Fachleute der
H._
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
vo
m 1
1.
April 2014 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Urk.
7/28
Ziff.
1.6).
4.5
Der Beschwerdeführer
ist
seit dem
5.
August 2014
im I._
in
ambulanter
Behandlung (
Urk.
7/31/1
Ziff.
1.2).
J._
,
M.Sc
. Psychologin,
Dr.
phil. K._
, Klinischer Psychologe und Supervisor,
und med.
pract
. L._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
I._
,
nannten
im Bericht vom 1
6.
Oktober 2014 (
Urk.
7/31/6-8)
als psychiatrische Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige de
pressive Episode (ICD-10 F33.1), und gaben
an, im Falle eines positiven Verlaufs und nach einer erneuten Evaluierung der Situation könne ab Dezember 2014 mit einem langsamen
beruflichen
Wiedereinstieg
mit einem Pensum von 30
% ge
rechnet werden, welches
gradual entsprechend dem Zustand des Patienten erhöht werden
könne
(S. 3
Ziff.
1.7 unten
, vgl. auch Urk. 7/38)
).
4.6
Die Beschwerdegegnerin veranlasste eine Untersuchung des Beschwerde
führers durch med.
pract
. M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionalärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, die am 1
7.
März 2015
stattfand
(
Urk.
7/39
S. 1 oben). Der RAD-Arzt
gab
im Bericht vom 1
8.
März 2015
(
Urk.
7/39)
zur aktuellen Lebenssituation
an
,
der Beschwerdeführer
lebe mit seiner Frau und den beiden Kindern zusammen. F
rüher hätten häufige Kontakte mit Kollegen bestanden. Seit zwei Jahren lebe er sehr zurückgezogen in der Familie (S. 1
Ziff.
2 unten). Früher sei er se
hr unternehmungslustig gewesen, n
un wolle er niemanden
mehr
sehen. Es falle ihm auch schwer, sich auf diffizile Arbeiten zu konzentrieren
. Er werde dann ungeduldig und breche die Arbeit ab
(S. 1 f.
Ziff.
3). Nach seiner Erkrankung sei mit direkten Vorgesetzten ein stufenweiser Wiedereinstieg besprochen worden
. Dann sei ihm von einem höhergestellten
Vorgesetzten
dennoch
gekündigt worden. Die unerwartete Kündigung habe ihn sehr getroffen
. Nach einem Suizidversuch mit Tabletten und Alkohol sei er im
E._
hospitalisiert worden
und es seien weitere stationäre und ambulante Therapien erfolgt
(S. 2 oben).
Med.
pract
.
M._
nannte als psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig
(ICD-10 F33.1)
. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er Adipositas
. Von somatischer Seite bestehe ein Zustand nach einem Herzinfarkt und
der Implantation eines Stent
2001 (S. 5
Ziff.
9). In der Übersicht
habe sich zu Beginn
eine Anpassungsstörung
gezeigt
, die sich leider zu einer mittelgradigen Depression ausgewachsen habe. Der frühere Verdacht auf einen anhaltenden Alkoholabusus habe sich nicht bestätigt (S. 6
Ziff.
10). Der Beschwerdeführer habe als gründliche und zwanghafte Persönlichkeit elf Jahre kontinuierlich als IT-Mitarbeiter gearbeitet.
Betriebliche Umstrukturierungen hätten ihn im Februar 2013 überfordert und er sei
mehrfach suizidal
dekompensiert
. Nach zahlreichen
Hospitalisationen
in mehreren Kliniken habe er sich auf einem niedrigen Niveau stabilisieren können
(S. 6
Ziff.
11 oben). Bezüglich der bisherigen Tätigkeit als ICT-
Supporter
bestehe eine Einschränkung im Durchhaltevermögen, der Konzen
tration und der Umstellungsfähigkeit. Zudem bestehe ein geringer Antrieb (S. 6
Ziff.
11 Mitte).
Aus versicherungspsychiatrischer Sicht
seien
Integrationsmassnahmen
zu emp
fehlen
. Prognostisch erscheine die Lage optimistisch, so dass innerhalb von sechs
Monaten mit einer Arbeitsfähigkeit von
mindestens
50
%
gerechnet werden könne
(S. 6
Ziff.
11 unten).
4.7
Frau
J._
,
Dr.
K._
und med.
pract
.
L._
,
I._
, nannten im Bericht vom 1
4.
Dezember 2015 (
Urk.
7/61/6-8) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gra
dige depressive Episode
(ICD-10 F33.1)
, eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung
(F60.5)
und eine psychische und Verhaltensstörung durch Sedativa und Hypno
tika (
F13.2;
S. 1
Ziff.
1.1). Weiter wurde ausgeführt, im Laufe der Therapie habe sich immer
mehr eine dem Burnout zugrunde
liegende zwanghafte Persönlich
keitsstörung gezeigt
. Der Patient zeige eine hohe Ri
gidität, Perfektionismus, ständiges Streben nach Kontrolle, Gefühle von Zweifel sowie eine ängstliche Vorsicht (S. 2 oben).
Er
sei praktisch nicht belastbar. Jede Umstellung und jede neue Aufgabe erlebe er als Überforderung. Dadurch bestünden massive Ein
schrän
kungen in der Leistungsfähigkeit. Er sei dadurch zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 3
Ziff.
1.7).
4.8
Vom 2
6.
Juli bis
3.
August 2016
erfolgte
im Rahmen einer Fürsorgerischen Unter
bringung
eine
Hospitalisation
im
N._
,
O._
nach erneutem Suizidversuch
(
ipw
,
Urk.
7/98 S. 1).
4.9
Die Fachleute
des
I._
nannten im Bericht vom
6.
Oktober 2016 (
Urk.
7/94) als psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere depressive Epi
sode
(ICD-10 F33.1/F33.2)
,
und eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung
(F60.5)
. Als Differentialdiagnose nannten sie ein
Asperger
-Syndrom
(F84.5)
.
Als Diag
nosen ohne Auswirkung
nannten
sie
Adipositas, einen Status nach Suizid
ver
suchen und einen Status nach einem Myokardinfarkt
im Jahr
2000 (S. 2
Ziff.
1.1 und 1.2).
Die Fachleute des
I._
führten weiter aus
, der Beschwerdeführer fühle sich im Kontakt mit anderen
Personen
schnell überfordert und erlebe eine Reiz
überflutung. In einem Screening-
Testverfahren se
i der Verdacht auf ein
Asperger
-
Syndrom gestützt worden
. Eine
ausführliche diagnostische Abklärung bei einem Spezialisten sei indiziert
(S. 3
Ziff.
1.4 oben). Der Patient sei auch für angepasste Tätigkeiten
weiterhin
zu 100
% arbeitsunfähig (S. 3
Ziff.
1.4 unten).
4.10
Dip
l
.-Med. P._
, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte in einer Stellungnahme vom 3
1.
Januar
2017 (
Urk.
7/113 S. 7 f.) aus, zum Bericht von med.
pract
.
M._
sei zu ergänzen
, dass
es zirka seit 2008 zu psychischen Dekompensationen gekommen sei
.
Der Be
schwerdeführer habe
zudem
mehrere Suizidversuche unternommen
. Die beruf
li
chen Integrationsmassnahmen hätten wegen Überforderung und eine
r
Ver
schlech
terung des psychischen Befindens abgebrochen werden müssen.
Bei der Diagnose einer zwanghaften
Persönlichkeitsstörung
handle es sich um eine
S
törung, die
durch Gefühle von Zweifel
n
, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen, Halsstarrigkeit, Vorsicht und Starrheit gekennzeichnet
sei
(S. 7 Mitte).
In Bezug auf die bisherige Tätigkeit als ICT-
Supporter
sei
der Beschwerdeführer
im Durchhaltevermögen, in der Konzentration
und
bezüglich
der Umstellungs
fähigkeit eingeschränkt. Zudem bestünden ein geringer Antrieb und eine stark eingeschränkte Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. In der bisherigen Tätigkeit bestehe seit Februar 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Möglich seien regelmässige Tätigkeiten ohne Zeitdruck in einem geschützten Rahmen. In einer solchen angepassten Tätigkeit bestehe eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von
zirka
vier Stunden pro Tag. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers könne sich verbessern bei Weiterführung einer regelmässigen intensiven Psychotherapie und der Aufnahme einer Beschäftigung in einem geschützten Rahmen für vier Stun
den pro Tag. Alternativ
komme
eine Behandlung in einer Tagesklinik während sechs Monaten
in Frage
(S. 7 f.).
Die bisherigen umfangreichen Behandlungen hätten nicht zu einer nachhaltigen Stabilisierung geführt. Die Integration sei wegen Überforderung und einer psychischen Verschlechterung gescheitert (S. 8
Mitte
).
4.11
Q._
, Psychologin,
Dr.
K._
und med.
pract
.
L._
,
I._
, stellten
in einem weiteren Bericht vom
5.
April 2017
(
Urk.
7/104/6-9)
in Bezug auf die bisherige Tätigkeit des Beschwerdeführers
fest
, der Patient sei praktisch nicht belastbar. Er habe berichtet, dass er sehr müde sei und es ihm schwerfalle, mit dem Hund aus dem Haus zu gehen. Er ziehe sich weitestgehend aus seinem sozialen Umfeld zurück
und sei sehr lärm- und lichtempfindlich. Auf Gespräch
e
könne er sich nicht konzentrieren. Er könne
auch
nichts lesen und verstehe den Inhalt nicht
. Der Patient sei dadurch auch für angepasste Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsunfähig
(
S. 3 f.
Ziff.
1.7).
4.12
PD
Dr.
med. R._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
H._
, berichtete am 1
3.
April 2017 (
Urk.
7/102) über die
ambulante
Behandlung des Beschwerdeführers in der
H._
seit dem 1
4.
Februar 2017 (S. 2
Ziff.
1.2).
PD
Dr.
R._
nannte als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine gemischte Zwangsstörung (
ICD-10 F.42.2;
Beginn der Symptome bereits in der Kindheit und Adoleszenz, Exazerbation vor einigen Jahren nach
einem
Arbeits
platzverlust) und eine rezidivierende depressive Störung, aktuell schwere Episode (
F33.2;
S. 2
Ziff.
1.1).
Als Einschränkungen bestünden eine körperliche Erschöp
fung, psychische Ängste und Zwangssymptome, soziale Ängste und ein Antriebs
mangel.
Die
bisherige Tätigkeit
könne dem Beschwerdeführer nicht mehr zuge
mutet werden
(S. 4
Ziff.
1.7). Es sei nicht absehbar, inwieweit die Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt werden könne. Eine Verbesserung der Symptomatik sei jedoch möglich (S. 5 oben).
Aufgrund der aktuellen Symptomatik und der anamnes
ti
schen Angaben sei von einer bereits seit längerem bestehenden Arbeitsun
fähig
keit auszugehen (S. 1
lit
. a).
4.13
4.13
.1
Dr.
med. S._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 2
3.
August 2017 (
Urk.
7/110) im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein psy
chia
trisches Gutachten.
Die
Untersuchung
des Beschwerdeführers
erfolgte
am 1
6.
August 2017 (S. 2
lit
. a).
Dr.
S._
führte aus, der Beschwerdeführer habe die in den Akten geschilderte Vorgeschichte bestätigt.
An die Kindheit in der Türkei habe er positive Erinne
rungen. Als 8-J
ähriger
sei er
in die Schweiz eingereist, wobei anfangs erhebliche Sprachprobleme bestanden hätten. Zuletzt sei er
während
12 Jahre
n
als Infor
matiker angestellt gewesen.
Die Arbeit sei für ihn angenehm gewesen
und er habe ein eigenes Büro gehabt.
Er sei dann in ein Grossraumbüro versetzt worden, wo strenge Arbeit
sbedingungen
geherrscht
hätten. I
nsbesondere habe er sich am Tele
fon mit verärgerten Kunden auseinandersetzen müssen. Zudem habe ein hoher
Arbeitsdruck
bestanden (S. 5
lit
. d Mitte). Im Februar 2013 sei er
dekom
pensiert
und habe nicht mehr arbeiten können (S. 5
lit
. d unten). A
nlässlich
einer stationären Behandlung in der
H._
von April bis Ende Juli 2014 sei inte
nsiv mit ihm gearbeitet worden. Dabei sei auch
sein
damalige
s
Alkoholproblem behandelt worden (S. 5 f.).
Der Beschwerdeführer sei seit jeher präzise bis pedantisch und sehr genau. Dies seien guten Voraussetzungen für den IT-Bereich. Er erinnere sich aber nicht, dass er unerwünschte Gedanken oder unangenehme Gefühle mit Hilfe von Zwängen abgewehrt hätte. So habe er sich nie vermehrt die Hände gewaschen (S. 6 oben).
Die medikamentöse Behandlung habe dazu geführt, dass sich die Depression verbessert habe und es nur selten zu Rückfällen gekommen sei
. Die Therapie
im
I._
finde alle zwei bis drei Wochen statt
(S. 6 Mitte).
Der Beschwerdeführer
gehe regelmässig mit seinem Hund spazieren.
Zu Hause beteilige er sich
bei den Arbeiten im Hau
shalt, soweit dies notwendig sei. V
on den Mitmenschen
hab er sich
etwas zurückgezogen,
er
kenne aber noch einige Leute.
Weiter
fahre
er
regelmässig Auto. Die Einkäufe erledige er zusammen mit seiner Ehefrau und manchmal auch selbständig. Er reise öfters nach Deutschland, wo Familien
an
gehörige der Ehefrau lebten. Letztmals sei er
im Frühjahr 2017 für zwei Wochen dort gewesen. Es habe ihm gefallen.
Die von der Invalidenversicherung organisierte berufliche Eingliederung habe leider nicht funktioniert (S. 7 oben). Der Arbeitsplatz
bei
der
Eingliede
rung
s
massnahme
sei lärmig gewesen. Nach zwei bis drei Wochen sei ihm alles zu viel
geworden und er sei davongelaufen
. Bei einem weiteren Eingliederungsversuch seien die Bedingungen erneut ungünstig gewesen. Wiederum hätten ihm der Lärm und die vielen Leute zugesetzt
.
Der Beschwerdeführer
sei unsicher geword
en,
habe gezittert und
habe
die Eingliederungsstätte verlassen müssen
.
Er
glaube, dass er in einer ruhigen Umgebung arbeiten könne
(S. 7 Mitte).
Der Beschwerdeführer habe
das Untersuchungsgespräch
aufmerksam und mit ausreichender Konzentration verfolgt. Das Kurzzeit- und das Langzeitgedächtnis seien nicht eingeschränkt
gewesen
(S. 8
lit
. f
oben
). Die Stimmungslage sei bedrückt, jedoch nicht
erheblich
. Der Antrieb sei normal und die Psychomotorik lebhaft
(S. 8
lit
. f unten).
Der Medikamentenspiegel von
Lamotrigin
und
Quetiapin
habe
weit unter dem Referenzbereich
gelegen
. Der CDT-Wert
habe
sich im Normbereich
befunden
(S. 9 oben).
4.13
.2
Dr.
S._
nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig knapp mittelgradige Episode
(ICD-10 F33.1)
. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
er
akzentuierte Persönlichkeitszüge (
Z73.1;
pedantisch, gewissenhaft, lärmemp
findlich) und eine lange Phase der Arbeitsunfähigkeit sowie einen Status nach Arbeitsplatzproblemen (
Z56;
S. 9
lit
. g).
Nachdem der Beschwerdeführer in ein Grossraumbüro versetzt worden sei und er subjektiv ungeeignete Arbeiten habe ausführen müssen, sei er
dekompensiert
und habe
in der Folge
an einer Anpassungsstörung gelitten (S. 9 f.
lit
. h).
Bis
heute
bereite
es ihm
Mühe, sich unter vielen Leuten aufzuhalten, vor allem wenn Lärm und Stress herrschten. Dies habe sich bei den beruflichen Eingliederungs
mass
nahmen gezeigt. Die zuvor diagnostizierte Anpassungsstörung habe sich zurück
gebildet und mit der Zeit habe sich eine depressive Episode beziehungsweise eine rezidivierende depressive Störung entwickelt. Derzeit liege eine knapp mittel
gra
dige depressive Episode vor.
Die Voraussetzungen gemäss ICD-10 seien erfüllt.
Der Beschwerdeführer sei nicht suizidal. Die Stimmungslage sei nicht ständig gedrückt
und
er
schlafe relativ gut und habe einen
guten Appetit.
Es bestünden jedoch
noch
gewisse Konzentrationsschwierigkeiten und
der Beschwerdeführer
sei teilweise
in seinem Selbstwertgefühl eingeschränkt (S. 10 oben).
Die ambulante Behandlung finde alle zwei bis drei Wochen statt, was genüge.
Der Beschwerdeführer nehme d
ie abgegebenen Medikamente in genügendem Masse ein. Eine optimale medikamentöse Compliance sei zumutbar und zielfüh
rend, da
das Medikament
Lamotrigin
unter anderem bei bipolaren affektiven Störungen eingesetzt werde. Dies könne eine Verbesserung der psychischen Störung herbeiführen (S. 10 Mitte).
Unter anderem als Folge der Aufgabe der Arbeitstätigkeit sei die Lebensgestaltung des Beschwerdeführers in Schwierigkeiten geraten. Es werde darauf hingewiesen, dass
er
regelmässig Auto fahre. Weiter sei er fähig, oft Ferien in Deutschland zu verbringen, wo Familienangehörige der Ehefrau
eine Wohnung zur Verfügung
stellten
. Die erheblichen Lebensaktivitäten wiesen darauf hin, dass die depressive Episode höchstens in mittelgradigem Ausmass vorliegen könne.
2015
sei eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung diagnostiziert worden. Später solle eine Zwangs
störung bestanden habe. Die Kriterien für eine Zwangsstörung nach
ICD-10 seien jedoch nicht erfüllt. Der Beschwerdeführer leide nicht an Zwangs
gedanken und müsse keine unangenehmen und lästigen Gefühle durch Rituale abwehren (S. 10 unten). Es lägen lediglich akzentuierte Persönlichkeitszüge vor. Der Beschwerdeführer sei pedantisch und gewissenhaft
, was er
aber
seit jeher sei
. Abschliessend sei darauf hinzuweisen, dass eine Persönlichkeitsstörung nicht erst im Erwachsenenalter diagnostiziert werden könne
(S. 10 f.).
Dass akzentuierte Persönlichkeitszüge bestünden,
müsse bei einer Arbeitstätigkeit berücksichtigt werden.
So habe sich mehrmals gezeigt, dass der Beschwerdeführer bei ungüns
tigen Arbeitsbedingungen in einem Grossraumbüro oder bei Stress, Druck oder Lärm negativ reagiere. Eine an die Persönlichkeitsstruktur angepasste Arbeit sei ihm dagegen zumutbar.
Die von dritter Seite erwogene Diagnose eines
Asperger
-Syndrom
s
könne bei
der
Begutachtung nicht festgestellt werden (S. 11 oben). Als ungünstige krankheitsfremde Faktoren
nannte der Gutachter
eine lange Phase der Arbeitsuntätigkeit und eine mässige Motivation zur Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit. Der Besch
werdeführer sei frustriert, da
er mehrmals versagt habe (S. 11 Mitte).
Gemäss Mini-ICF könne sich der Beschwerdeführer an Regeln und Routine anpassen und er könne Aufgaben strukturieren. Er sei aber zu wenig flexibel und habe Mühe, sich umzustellen. Die Entscheidungsfähigkeit sei sodann leicht ein
geschränkt und er sei unfähig durchzuhalten, wenn er
unter
ungünstigen Be
dingungen arbeiten müsse. Die Kontaktfähigkeit zu Dritten sei seit jeher etwas eingeschränkt und er
sei
reduziert gruppenfähig. Insbesondere habe er Mühe, in einer hektischen Umgebung zu arbeiten und er sei lärmempfindlich
. Der Be
schwerdeführer sei jedoch fähig, mit dem Zug zu reisen und Auto zu fahren
(S.
11 unten).
In den vorliegenden Berichten sei
eine nachvollziehbare rezidivierende depressive Störung diagnostiziert worden mit
unter anderem mittelgradige
n
depressive
n
Episode
n
. Ab 2016 habe das Ausmass der Depressivität zugenommen und es soll
e
zu
schwergradigen
depressiven Episoden gekommen sein. Tatsächlich dürfte der Beschwerdeführer jedoch nur kurze Zeit schwer depressiv gewesen sei. Die heutigen Angaben sprächen dafür, dass es in der Regel zu mittelgradigen de
pressiven Episoden gekommen
sei
. Die medikamentöse Complia
n
ce sei unge
nü
gend (S. 12 Mitte).
4.1
3
.3
Dr.
S._
gab auf die Fragen der Beschwerdegegnerin nach der Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde an, ab April 2014 hätten öfters mittelgradige objektive Befunde vorgelegen (S. 12
Ziff.
I.1).
Bezüglich der Abgrenzung der Funktionseinschränkungen von den Folgen nicht versicherter Faktoren antwor
tete der Gutachter, i
n der Freizeit und im Rahmen von Beziehungen fänden sich nur mässige Funktionseinschränkungen (S. 13
Ziff.
I.3). Eine Diskrepanz bestehe nicht. Der Beschwerdeführer habe die Beschwerden nachvollziehbar geschildert (
S. 13
Ziff.
I.4).
Die Persönlichkeitsentwicklung sei ungestört verlaufen. Der Wechsel
in die Schweiz habe ihm zu schaffen gemacht. Eine Persönlich
keits
störung habe sich aber nicht entwickelt (S. 13
Ziff.
I.7).
Der Gutachter
gab auf Fragen zum sozialen Kontext an,
es
bestünden
vor allem
familiäre Netze. Der Beschwerdeführer sei
nicht
sozial
vereinsamt (S. 14
Ziff.
II.1). Die ambulante psychiatrische Therapie sehe er als Stütze. Er pflege soziale Be
ziehungen, habe aber Mühe bei Stresssituationen. So sei er reduziert team- und
konfliktfähig.
Unter günstigen Umständen störten diese Persönlichkeits
eigen
art
en jedoch nicht in relevantem Ausmass (S. 14 f.
Ziff.
II.5).
Die Behandlung
beim Psychiater des Beschwerdeführers
erfolge alle zwei bis drei Wochen, was genüge. Die medikamentöse Compliance habe sich am 1
6.
August 2017 jedoch als ungenügend erwiesen, was auf eine mässige Kooperation
hin
weise
(S. 15
Ziff.
IV.2).
Die
Eingliederung sei nur teilweise und in mässigem Ausmass durch das de
pres
sive Störungsbild eingeschränkt. Es sei auf den Einfluss der krankheitsfremden Faktoren hinzuweisen (S. 16
Ziff.
IV.5). Angesichts des Fehlens einer schweren
psychiatrischen Störung seien Eingliederungsmassnahmen zumutbar (S.
16
Ziff.
IV.7
). Der Beschwerdeführer zeige ein eher reduziertes Aktivitätsniveau. Es seien aber noch genügend Aktivitäten vorhanden (S. 16
Ziff.
V.3). Die thera
peu
tischen Optionen nehme er nicht genügend wahr (S. 17
Ziff.
V.4).
Hinsichtlich der zuletzt ausgeübten Arbeit sei der Beschwerdeführer seit Sommer 2014 zirka zu 50
%
eingeschränkt, wobei es sich um einen Durchschnittswert handle. Derzeit liege eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
vor (S. 17
Ziff.
VI.1).
Als angepasste Tätigkeit sei
eine übersichtliche Arbeit, ohne grossen Stress und in einer ruhigen Umgebung
möglich
. Weiter solle es sich eher um eine eigenständige Arbeit handeln
. Eine solche Tätigkeit könne der Beschwerdeführer zu 75
%
ausüben (S. 17
Ziff.
VI.2).
4.14
Dipl.-Med.
P._
führte in
d
er Stellungnahme vom 1
9.
September 2017 zum Gutachten von
Dr.
S._
aus, dem Gutachter sei es zwar gelungen, die mittel
gradige depressive Symptomatik einzugrenzen. Die übrige Diskussion im Gutach
ten sei aber mangelhaft. Das Gutachten und die Einschätzung durch den Gut
ach
ter
seien nur bedingt nachvollziehbar. Die Aussagen zur Diagnose einer Persön
lichkeitsstörung
seien medizinisch nicht korrekt.
So könne e
ine Persönlich
keits
störung unter bestimmten günstigen Bedingungen jahrelang nicht entdeckt werden.
In diesem Fall komme es erst bei plötzlichen Veränderungen der per
sönlichen Umwelt zu einer Dekompensation. Also könne die Diagnose auch noch spät im Erwachsenenalter gestellt werden. Allerdings müssten Bezüge bis in die Jugend nachvollzogen werden können (
Urk.
7/113 S. 11 Mitte).
Die gegenwärtige Behandlung sei nicht ausreichend beziehungsweise sei der Beschwerdeführer nicht therapieadhärent. Eine angemessene Selbsteingliederung sei nicht erfolgt. Aus Sicht des RAD sollten entweder die in der Stellungnahme vom
3
1.
Januar 2017 erwähnten Schritte umgesetz
t werden oder es sollten erneut
Eingliederungsbemühungen erfolgen (S.
11
unten).
4.15
Die Beschwerdegegnerin führte am
2.
Februar 2018 eine Ressourcenprüfung dur
ch (
Urk.
7/113 S. 11 ff.). Am 2
0.
Februar 2018 erfolgte im Beisein des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin eine
«
Ressourcensprechstunde
»
(
Urk.
7/113 S. 13 f.).
5.
5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Mass
gabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren
einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben
, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E.
2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E.
4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig
und
widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
5.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
rele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
6.
6.1
Der Beschwerdeführer
war
seit April 2013
zunächst
bei med.
pract
. T._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
in ambulanter
therapeutischer
Behandlung (
Urk.
7/13
Ziff.
1.2).
RAD-Arzt m
ed.
pract
.
M._
diagnostizierte im Bericht vom 1
8.
März 2015 eine rezidivierende depressive Störung
, gegenwärtig mittelgradig
(vorstehend E. 4.6).
Von
den Fachleuten
des
I._
wurde
n
zudem
eine zwanghafte
Persönlichkeitsstörung
und
als Differentialdiagnose ein
Asper
ger
-Syndrom
diagnostiziert
(E. 4.7
und 4.9
),
von PD Dr.
R._
eine gemischte Zwangsstörung und eine schwere Episode einer rezidivierenden depressiven Störung (vorstehend E. 4.12).
Aktenkundig sind
sodann
mehrere
Suizidversuche des Beschwerdeführers
und
wiederholte
Klinikaufenthalte seit Beginn der Erkran
kung im Febr
uar 2013 (vgl. vorstehend E. 4.1, 4.3-4.4, 4.8
).
Dr.
S._
nannte im Gutachten vom 2
3.
August 2017 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig knapp mittelgradige Episode. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbei
tsfähigkeit
nannte
er
akzentuierte Persönlichkeitszüge und eine lange Phase der Arbeit
suntätigkeit (vorstehend E. 4.13
.2).
6.2
Dipl.-Med.
P._
wies in der Stellungnahme vom 1
9.
September 2017
unter anderem
darauf hin, dass entgegen der Aussage
des psychiatrischen Gutachters eine Persönlichkeitsstörung auch erst im Erwachsenenalter diagnostiziert werden könne. Dies,
sofern
sich
B
ezüge der Störung bis in die Ju
gend
zurückverfolgen liessen
(vorstehend E. 4.14
).
Die Beschwerdegegnerin
erachtete
dahingegen
die
gutachterliche
Diagnosestellung
von Dr.
S._
in der Ressourcenprüfung vom 2
0.
Februar 2018 als korrekt (
Urk.
7/113 S. 13 Mitte).
Dabei
handelt
es sich
jedoch
nicht um
eine medizinische Einschätzung, womit die Kritikpunkte des RAD
nicht ohne
W
eiteres entkräftet werden
.
Der
psychiatrische
Gutachter gab
sodann
an,
dass der Beschwerdeführer die ihm abgegebenen Medikamente in genügendem Masse einnehme (
Urk.
7/110 S. 10 Mitte). An einer anderen Stelle des Gutachters
bezeichnete er
die medikamentöse Compliance
dagegen als ungenügend
(E. 4.1
3.2 hiervor).
Somit liegen
wider
sprüchliche Angaben
betreffend die medikamentöse
Behandlung vor
.
In d
iesem Zusammenhang erstaunt
sodann
, dass der Gutachter die Behandlung im
I._
mit einem Rhythmus von zwei bis drei Wo
chen als ausreichend bezeichnete
(E.
4.13.2)
.
Gemäss
Dipl.-Med.
P._
erweist sich
die Therapiefrequenz als unge
nügend (vorstehend E. 4.14).
Weiter ist darauf hinzuweisen, dass sich der Gutachter mit den
von Seiten der beh
andelnden
Ärzte und
Therapeuten
gestellten Diagnosen
einer Zwangsstörung
,
einer Persönlichkeitsstörung und eines
Asper
ger
-Syndroms
nur
ungenügend aus
einandergesetzt
hat
.
So gab er
beispielsweise
lediglich an, dass ein
Asperger
-Syn
drom anlässlich der Begutachtung nicht
festgestellt worden sei
. A
us
dem Gut
ach
ten ergibt sich a
ber
nicht, dass der Gutachter entsprechende Tests zur
Validierung
eines
Asperger
-Syndroms durchgeführt hätte. Weiter erwog er, dass der Be
schwer
deführer mutmasslich nur kurze Zeit schwer depressiv gewesen sei, ohne seine Einschätzung näher zu begründen
(vorstehend E. 4.13.2).
Der Gutachter beantwortete die Fragen der Beschwerdegegnerin im Anhang des Gutachtens knapp und ungenügend (E. 4.13.3).
Das Gutachten vermag aus dies
en Gründen nicht zu überzeugen und erfüllt die Kriterien der Rechtsprechung an den Beweis
wert eines medizinischen Gutachtens (vorstehend E. 5.1) nicht.
Der RAD der Beschwerdegegnerin bezeichnete das Gutachten von
Dr.
S._
explizit als nicht überzeugend und mangelhaft. In dem die Beschwerdegegnerin
trotz
dieser
Einschätzung
im Rahmen
der Ressourcenprüfung vom 2
0.
Februar 2018
dennoch auf
das Gutachten von
Dr.
S._
abstellen wollte,
kann ihr nicht gefolgt werden
.
Stattdessen
wäre sie gehalten gewesen, den Sachverhalt weiter abzuklären. Namentlich drängen sich Abklärungen zu den von den behan
deln
den Ärzten ge
stellten
psychiatrischen
Diagnosen
einer Persönlichkeits
stö
rung
beziehungsweise
eines
Asperger
-Syndroms
sowie einer Zwangsstörung
auf.
Im psy
chia
trischen Gutachten von
Dr.
S._
fehlen zudem verlässliche Aus
sagen
zum gesundheitlichen Verlauf seit 2013
mit
den ausgewiesenen
zahlreichen Klinik
auf
enthalten
und der unter anderem von Dr.
M._
attestierten Arbeitsun
fähig
keit (vgl. vorstehend E. 4.6)
. So ist nicht auszuschliessen, dass seit 2013 mindes
tens
vorübergehend ein Rentenanspruch bestand.
Nach
dem psychiatrischen Gut
ach
ten bleibt
zudem unklar, ob es sich bei den Besuchen des Beschwerdeführers in Deutschland um Ferien handelt. Im Rahmen einer erneuten psychiatrischen Be
gut
achtung
kann
explizit nach allfälligen Ressourcen des Beschwerdeführers gefragt werden.
6.3
Der medizinische Sachverhalt erweist sich
demzufolge
als ungenügend abgeklärt. Die Sache ist
daher
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
, damit diese erneut eine psychiatrische Begutachtung veranlasse
. In diesem Sinne ist die Be
schwerde gutzuheissen.
6.4
Da
das Gericht den medizinischen Sachverhalt als ungenügend abgeklärt erachtet und die Sache zur ergänzenden Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurück
zuweisen ist
, erübrigt sich die Durchführung
der beantragten
öffentlichen Ver
handlung
inklusive der Befragung von Zeugen
(vgl.
Urk.
1 S. 3 oben
; BGE
122 V
47 E. 3b/ff.
).
Ebenso ist kein Gerichtsgutachten einzuholen (vgl. Urk. 1 S. 6 Ziff. 4
).
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf
Fr.
800
.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer ist bei einem
praxisgemässen
Stun
den
ansatz von
Fr.
220.-- (inklusive Mehrwertsteuer) mit
Fr.
2'050.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.