Decision ID: 59071912-d4a3-5d79-836d-7c965bd94a2f
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war vom 1. Januar 2001 bis zum 30. September 2003 als Berufs-
beziehungsweise Zeitmilitär angestellt (MV-act. 18) und damit bei der
Militärversicherung versichert (MV-act. 19), als er am 14. April 2003 einen
Verkehrsunfall erlitt. Laut dem Rapport der Kantonspolizei St. Gallen vom 15. April
2003 (MV-act. 32 ff.) fuhr er mit seinem Personenwagen auf einen anderen, in einen
Parkplatz einbiegenden Personenwagen auf, weil er infolge eines dritten Fahrzeuges
kurz abgelenkt gewesen war und das Abbiegemanöver des vor ihm fahrenden
Fahrzeugs zu spät bemerkt hatte. Seinen Angaben zufolge hatte seine Geschwindigkeit
bei der Einleitung der Vollbremsung etwa 60–65 km/h betragen. Die Bremsspuren
wiesen eine Länge von neun beziehungsweise knapp elf Metern bis zum
„Kollisionsknick“ und von etwa je zweieinhalb Metern ab dem „Kollisionsknick“ auf. Die
Front des Fahrzeugs des Versicherten kollidierte mit der Seite des andern am Unfall
beteiligten Fahrzeugs, das dadurch um knapp einen Viertelkreis im Uhrzeigersinn um
die eigene Achse gedreht wurde. Beide Fahrzeuglenker gaben Kopf- und
Nackenschmerzen zu Protokoll. Der Versicherte begab sich noch gleichentags in die
Notfallaufnahme des Kantonsspitals Chur. Die Ärzte berichteten (MV-act. 31), er habe
über Schmerzen über der hinteren Halswirbelsäule und über der unteren
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Brustwirbelsäule geklagt. Ein Röntgenbild habe eine Dornfortsatzfraktur im zwölften
Brustwirbelkörper gezeigt. Man habe ihm einen weichen Halskragen und Analgetika
abgegeben. Der Allgemeinmediziner Dr. med. B._ berichtete am 27. Mai 2003 (MV-
act. 22), der Versicherte sei als Autofahrer mit einem parkierten Auto kollidiert (Δv ≈
40km/h). Der Versicherte habe den Kopf am Lenkrad angeschlagen. Es sei weder zu
einer Bewusstlosigkeit noch zu einer Amnesie gekommen. Etwa zehn Minuten nach der
Kollision seien Bewegungseinschränkungen und Schmerzen im Bereich der Hals- und
der Brustwirbelsäule aufgetreten. Anlässlich der Erstkonsultation am 17. April 2003
habe er, Dr. B._, eine Druckdolenz im Bereich der unteren Halswirbelsäule und im
Bereich der unteren Brustwirbelsäule, paravertebrale Verspannungen der
Halswirbelsäule, einen Kinn-Sternum-Abstand von 0/25 cm, eine praktisch unauffällige
Seitwärtsneigung und Rotation der Halswirbelsäule und einen neurologisch
unauffälligen Befund erhoben. Es handle sich um ein Distorsionstrauma der
Halswirbelsäule und um eine Dornfortsatzfraktur im zwölften Brustwirbelkörper. Er
habe dem Versicherten Mydocalm und Irfen verschrieben und eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 Prozent für den Zeitraum vom 17. April 2003 bis zum 2. Mai 2003 und von 60
Prozent für den Zeitraum vom 3. Mai 2003 bis zum 16. Mai 2003 attestiert. Er rechne
mit einem Behandlungsabschluss am 9. Mai 2003. Der Versicherte, der ab dem 19. Mai
2003 wieder voll arbeitsfähig gewesen war (vgl. MV-act. 26), meldete den Unfall am 26.
Mai 2003 mittels des dafür vorgesehenen Formulars (MV-act. 23). Am 30. Juni 2003
anerkannte die Militärversicherung ihre Leistungspflicht für die Folgen des Unfalls (MV-
act. 24). Das Kantonsspital Chur berichtete am 26. August 2003 über eine weitgehende
Konsolidation der Dornfortsatzfraktur (MV-act. 44). Am 1. Oktober 2003 trat der
Versicherte die Ausbildung zum Berufsoffizier an (MV-act. 49).
A.b Am 7. Januar 2004 berichtete Dr. B._ (MV-act. 49a), der Versicherte habe sich
wahrscheinlich eine Inguinalhernie zugezogen. Dieser Verdacht bestätigte sich in einer
weiteren Untersuchung, weshalb eine Operation geplant wurde (MV-act. 49b). Diese
wurde am 19. Januar 2004 durchgeführt (MV-act. 53). Nach einem komplikationslosen
postoperativen Verlauf wurde der Versicherte am zweiten Tag nach der Operation bei
subjektiver Beschwerdefreiheit aus der stationären Behandlung entlassen (MV-act. 54).
Die Militärversicherung anerkannte ihre Leistungspflicht (MV-act. 57) und richtete dem
Versicherten für die Zeit bis und mit dem 1. Februar 2004 ein Taggeld aus (MV-act. 60).
Am 29. April 2004 berichtete der Radiologe Dr. med. C._ über eine cranio-cerebrale
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Kernspintomographieuntersuchung (MV-act. 63). Der Versicherte sei mit Hinweis auf
den Auffahrunfall im April 2003, auf gelegentliche Konzentrationsstörungen und
partielle Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses seit dem Sommer 2003, auf eine
vermehrte Schlafbedürftigkeit, auf eine Verlangsamung und auf Gangstörungen seit
etwa zwei Wochen, auf eine klinisch-neurologisch ungerichtete Falltendenz sowie auf
Anhaltspunkte für eine Major Depression zur Untersuchung angemeldet worden. Mit
dieser sollte eine intracranielle Raumforderung ausgeschlossen und die Frage nach
einem epileptischen Fokus beantwortet werden. Der Befund sei altersentsprechend
normal gewesen. Insbesondere habe keine intracranielle Raumforderung nachgewiesen
werden können. Am 28. Mai 2004 berichtete Dr. B._ (MV-act. 64), der Versicherte
leide an einer Erschöpfungsdepression mit einer Somatisierung. Seit April 2004 träten
Erschöpfungszustände, Schweissausbrüche und Schwächeanfälle auf. Bis auf weiteres
sei der Versicherte vollständig arbeitsunfähig. Die Prognose sei aber gut. Die
Militärversicherung anerkannte auch für die Folgen der Erschöpfungsdepression ihre
Leistungspflicht (MV-act. 65). Im Juni 2004 berichtete Dr. B._, der Versicherte leide
seit der Hernienoperation im Januar 2004 an einem intermittierenden Ziehen in der
rechten Inguina und im rechten Skrotum, das in Ruhe und bei Bewegung ein lästiges
Ausmass angenommen habe (MV-act. 70). Gleichentags überwies er den Versicherten
für eine konsiliarische Beurteilung mit dem Hinweis auf eine chronifizierte thoraco-
lumbale muskuläre Dysbalance an den Rheumatologen Dr. med. D._ (MV-act. 71).
Am 8. Juli 2004 berichtete Dr. med. E._ (MV-act. 71a), die Beschwerden in der
Inguinalregion würden wohl durch das eingesetzte teilresorbierende Netz ausgelöst.
Allerdings hätten die Beschwerden nicht objektiviert werden können. Die Entfernung
des Netzes sei kompliziert und gefährlich, weshalb ein entsprechender Eingriff nicht
ohne weiteres empfohlen werden könne. Am 23. Juli 2004 bestätigte Dr. med. F._,
der um eine Zweitmeinung gebeten worden war, die Beurteilung von Dr. E._ (MV-act.
72). Eine Computertomographie der Lendenwirbelsäule zeigte am 9. August 2004 eine
reguläre Struktur des Processus spinalis im zwölften Brustwirbelkörper, einen Morbus
Scheuermann in allen abgebildeten Segmenten, eine degenerativ bedingte geringe
Anterolisthesis im Segment L5/S1 bei einer Osteochondrose und einer breitbasigen
kleinen Discushernie mit einer Kompromittierung der Nervenwurzeln sowie eine
diskrete Osteochondrose im Segment L4/5 mit einer minimen Bandscheibenprotrusion
(MV-act. 73). Am 18. August 2004 berichtete Dr. D._ (MV-act. 74), die vom
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Versicherten angegebenen Schmerzen könnten nicht auf die Dornfortsatzfraktur
zurückgeführt werden. Überhaupt habe eine Diskrepanz zwischen den als sehr stark
angegebenen subjektiven Beschwerden und den relativ geringen objektiven Befunden
bestanden. Es sei der Eindruck entstanden, dass andere psychosoziale Ursachen eine
wesentliche Rolle spielten („Überforderung am Arbeitsplatz? Beziehungsprobleme?
Zukunftsängste?“). Aus rheumatologischer Sicht sei der Versicherte mindestens
teilweise arbeitsfähig. Am 24. August 2004 teilte Dr. B._ mit, dass sich die
Erschöpfungsdepression mittlerweile zurückgebildet habe; die Somatisierungsstörung
sei aber geblieben (MV-act. 75). Bereits am 17. Mai 2004 hatte der Versicherte das
Studium an der Militärakademie abgebrochen (nicht nummeriertes MV-act. zwischen
MV-act. 75 und 76). Am 25. November 2004 wurde die Tauglichkeit des Versicherten
als Berufsoffizier verneint; dieser wurde bis zum 31. Oktober 2005 auch vom
Milizdienst suspendiert (MV-act. 78).
A.c Vom 12. Dezember 2004 bis zum 15. Januar 2005 wurde der Versicherte stationär
in der Rehabilitationsklinik G._ behandelt (MV-act. 92). Im Austrittsbericht vom 18.
Januar 2005 wurden als Diagnosen ein persistierendes thoraco-lumbales
Schmerzsyndrom mit einer muskulären Dysbalance und Einschränkungen beim
Aufrichten der Wirbelsäule sowie persistierende Schmerzen im Inguinalbereich
angeführt. Die Ärzte hielten fest, klinisch habe sich das Bild eines dorso-lumbalen
Schmerzsyndroms bei einer muskulären Dysbalance und Dekonditionierung gezeigt. In
einem psychiatrischen Konsilium sei weder eine depressive noch eine
Persönlichkeitsstörung festgestellt worden. Am 30. Mai 2005 berichtete Dr. B._ (MV-
act. 114), der Versicherte sei nochmals von Dr. F._ untersucht worden. Dieser habe
eine neuralgiforme Problematik des genitalen Astes des Nervus genito-femoralis
festgestellt (vgl. MV-act. 143 f.). Man prüfe nun die Möglichkeit einer Kryoablation jenes
Nervs. Abgesehen davon gehe es dem Versicherten deutlich besser als noch im März
2005. Am 12. Oktober 2005 teilte Dr. B._ mit (MV-act. 151), der Eingriff (Kryoablation)
sei mittlerweile erfolgt. Das Resultat sei positiv. Eventuell werde ein zweiter Eingriff zur
Beseitigung der Residualbeschwerden durchgeführt. Am 12. Dezember 2005 führte der
Versicherte in einem persönlichen Gespräch mit einem Case Manager der
Militärversicherung aus (MV-act. 162), der zweite Eingriff sei am 9. November 2005
erfolgt. Nun sei aber auch links eine Leistenhernie festgestellt worden, die im Januar
2006 operiert werden müsse. Im Kopf fühle er sich gut. Die Wirbelsäule sei „viel
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besser“. Betreffend seine berufliche Zukunft sei er zuversichtlich. Eine zumindest
teilweise Arbeitsfähigkeit erscheine nun als realistisch. Er sei bereits aktiv auf
Stellensuche. Vom 27. Februar 2006 bis zum 29. März 2006 wurde der Versicherte
stationär in der Rehaklinik Bellikon behandelt (MV-act. 184). Deren Ärzte führten im
Austrittsbericht aus, dem Versicherten könnten schwere Tätigkeiten ganztags
zugemutet werden. Die psychosomatische Exploration habe keine psychische Störung
von Krankheitswert ergeben. Obschon angesichts der erfreulichen Entwicklung des
Gesundheitszustandes die Möglichkeit bestanden hätte, den Versicherten doch wieder
als tauglich als Berufsoffizier zu qualifizieren (vgl. MV-act. 195), wurde das
Arbeitsverhältnis zwischen dem Heer und dem Versicherten mit einer Vereinbarung per
Ende September 2006 aufgelöst (MV-act. 197 ff.). Am 2. Oktober 2006 wurde die
Leistenhernie links operativ behoben (MV-act. 215). Am 11. Oktober 2006 erhielt der
Versicherte eine Absage auf eine Bewerbung bei der Stadtpolizei H._ (MV-act. 222).
Am 19. Oktober 2006 teilte der Versicherte dem Case Manager der Militärversicherung
mit (MV-act. 223), er sei enttäuscht über die Absage, sehe nun aber ein, dass er stärker
mit dem von der Militärversicherung finanzierten privaten Stellenvermittlungsbüro
zusammenarbeiten müsse. Bezüglich der linken Leiste sei er beschwerdefrei. Die
bereits operierte rechte Leiste mache wieder Probleme; die Nerven bereiteten wieder
Schmerzen. Aktuell werde die Entfernung der Nervenbahnen geprüft. Die
Verantwortlichen für die vom Versicherten begonnene Ausbildung zum Berufsoffizier
hielten in einem persönlichen Gespräch mit dem Case Manager der Militärversicherung
am 28. November 2006 fest (MV-act. 250), der Ausbildungsabbruch sei möglicherweise
zum Teil auf die damaligen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, hauptsächlich aber
auf eine Überforderung des Versicherten respektive auf fehlende fachliche
Qualifikationen zurückzuführen. Dieser habe bislang nie den Versuch eines
Wiedereinstieges unternommen, obwohl ihm mehrfach Hand dafür geboten worden
sei. Mit einer Verfügung vom 28. März 2007 sprach die Invalidenversicherung dem
Versicherten für die Zeit vom 1. Januar 2005 bis zum 31. März 2006 eine ganze Rente
zu (MV-act. 261).
A.d Bereits am 8. Februar 2007 war eine Anstellungsverfügung des Amtes I._
ergangen, mit der der Versicherte per 1. März 2007 als Zivilschutzinstruktor angestellt
worden war (MV-act. 262). Im März 2008 teilte der Versicherte mit (MV-act. 277), dass
die Situation hinsichtlich des geschädigten Nervs nach wie vor unbefriedigend sei,
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weshalb die entsprechende Behandlung andauere. Auch der Rücken schmerze wieder
vermehrt. Er werde aber durchhalten und weiter arbeiten respektive die Ausbildung
zum Zivilschutzinstruktor wie geplant abschliessen. Am 21. April 2008 meldete der
Kursarzt (MV-act. 290), der Versicherte habe am 18. April 2008 nach einer
Vollbremsung mit dem Auto (in einer Zone mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit
von 30 km/h) ein Brennen und Ziehen im Nacken sowie ein Kribbeln im Arm verspürt.
Er werde nun von einem Chiropraktor behandelt, sei aber weiterhin tauglich für den
laufenden Kurs. Am 19. Mai 2008 teilte der Versicherte mit, dass die Halswirbelsäule
wieder in Ordnung sei, aber die Behandlung in der Leistengegend fortdauere (MV-act.
291). Am 5. Januar 2009 meldete der Versicherte einen Unfall während eines
Wiederholungskurses (MV-act. 295). Er sei auf sein rechtes Knie gestürzt und habe sich
einen Meniskusschaden zugezogen. Am 15. Januar 2009 werde er in die Klinik J._
eintreten, um sich einer Operation am Knie zu unterziehen. Die Militärversicherung
anerkannte am 14. Januar 2009 ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit der
Meniskusschädigung. Am 29. Januar 2009 berichtete die Klinik J._ (MV-act. 306), der
postoperative Verlauf sei gut. Der Versicherte dürfe das Knie wieder voll belasten. Ab
dem 1. Februar 2009 sei er wieder uneingeschränkt arbeitsfähig. Am 18. Februar 2009
meldete dann der Versicherte aber (MV-act. 311), er habe den am 2. Februar 2009
begonnenen Kurs am 11. Februar 2009 wegen Schmerzen in der rechten Leiste
abbrechen müssen. Wahrscheinlich habe die Schonhaltung nach der
Meniskusverletzung die Schmerzen begünstigt. Die Knieproblematik sei allerdings
behoben. Er werde den abgebrochenen Kurs im Februar 2010 wiederholen müssen. Im
März 2009 meldete der Hausarzt med. pract. K._ den Versicherten für eine stationäre
Rehabilitation bei der Klinik Valens an (MV-act. 315). Er führte aus, dieser leide an
einem „recht chronischen und sehr komplexen“ lumbo-radiculären Schmerzsyndrom.
Die Schmerzen hätten nach der Meniskusoperation massiv zugenommen. Vom 23.
März 2009 bis zum 1. Mai 2009 wurde der Versicherte stationär in der Klinik Valens
behandelt (MV-act. 333). Im Austrittsbericht vom 18. Mai 2009 führten die Ärzte aus,
dieser leide an einem Panvertebralsyndrom mit einer cervico-cephalen und einer
lumbo-spondylogenen Betonung, an einem chronischen inguino-skrotalen,
rechtsbetonten Schmerzsyndrom sowie an einer Periarthropathia genu rechts.
Während des Aufenthaltes habe er angegeben, die Schmerzen in der Leiste limitierten
ihn und strahlten zunehmend in die gesamte rechte Körperseite aus. Aufgrund eines
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rezidivierenden subjektiven Instabilitätsgefühls in der Halswirbelsäule seien
Funktionsaufnahmen und ein MRI angefertigt worden, die einen im Wesentlichen
unauffälligen Befund ergeben hätten. Wegen Gleichgewichtsstörungen und wegen
einer angegebenen Hyposensibilität der gesamten rechten Körperseite sei der
Versicherte neurologisch untersucht worden. Die Störungen hätten keiner
neurologischen Pathologie zugeordnet werden können. In den neuropsychologischen
Tests habe sich ein insgesamt leicht beeinträchtigtes kognitives Leistungsprofil gezeigt.
In der psychosomatischen Mitbeurteilung habe keine psychische Erkrankung im
engeren Sinne festgestellt werden können. Für die Dauer der stationären Behandlung
und bis zum 18. Mai 2009 sei der Versicherte vollständig arbeitsunfähig. Danach sei ein
therapeutischer Arbeitsversuch mit einer Leistung von 25 Prozent zumutbar. Am 30.
September 2009 berichtete die Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen über
eine neuropsychologische Untersuchung (MV-act. 365). Die berichtende Psychologin
gab an, der Versicherte habe während mehr als zweieinhalb Stunden kooperativ
mitgearbeitet. Das Arbeitstempo sei mittel bis langsam, die Aufmerksamkeit tief und
schwankend gewesen. Das Vorgehen sei im allgemeinen sehr kompliziert gewesen.
Emotional und persönlich habe der Versicherte verlangsamt, kompliziert und
weitschweifig imponiert. In der Testung habe er gequält gewirkt, habe geseufzt,
gestöhnt und seinen Kopf in die Hände gestützt. Aus neuropsychologischer Sicht
hätten sich leichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörungen mit vor allem
mittelschweren Störungen der Daueraufmerksamkeit gezeigt. Ausser einer
Verlangsamung hätten aber keine schwerwiegenden kognitiven Störungen erhoben
werden können. Ein Vergleich mit den Ergebnissen der neuropsychologischen
Untersuchung durch die Klinik Valens sei nicht möglich, da der Versicherte den
entsprechenden Bericht trotz seines Versprechens nicht eingereicht und sich auch
geweigert habe, eine Erklärung zu unterzeichnen, mit der die Klinik für Neurologie des
Kantonsspitals St. Gallen den Bericht selbst hätte einholen können. Im Oktober 2009
berichtete der Rheumatologe Dr. med. L._, er habe die Ursache der
Leistenschmerzen feststellen können: Die Irritationen würden durch die Klammern im
Bereich der Musculi pectineus und adductor longus verursacht (MV-act. 351). Am 3.
Dezember 2009 berichtete Dr. F._ (MV-act. 356), der Versicherte wolle die
Tackerspiralen entfernen lassen. Er habe angegeben, unter Physiotherapie, Massage
und Chiropraktik habe er „seinen Rücken jetzt voll im Griff“. Am 18. Dezember 2009
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entfernte Dr. F._ laparoskopisch zwei Tackerspiralen (MV-act. 359). Am 7. Januar
2010 teilte der Versicherte mit (MV-act. 364), mit der Klammerentfernung habe sich
sein Zustand wesentlich verbessert. Er arbeite im Moment wieder zu 50–70 Prozent
und versuche, seine Leistung zu steigern. Am 24. Februar 2010 berichtete Dr. F._
über ein höchst erfreuliches Resultat nach einem langjährigen Leidensweg (MV-act.
375). Am 5. August 2010 teilte der Versicherte mit, dass er die Ausbildung zum
Zivilschutzinstruktor Ende Juni 2010 erfolgreich abgeschlossen habe (MV-act. 383). Bei
einer Besprechung am 2. September 2010 gab der Versicherte an (MV-act. 385), dass
er sich gut fühle und seit Januar 2010 mehr oder weniger voll arbeite. Zu Beginn habe
er noch kämpfen müssen, um die Leistung zu erbringen. In der Zwischenzeit laufe es
deutlich besser. Die Arbeitgeberin berichtete am 2. September 2010, sie sei mit dem
Verlauf zufrieden (MV-act. 386).
A.e Am 14. Januar 2011 informierte der Versicherte den Case Manager der
Militärversicherung darüber (MV-act. 389), dass er zurzeit arbeitsunfähig sei und auf ein
Aufgebot der Klinik M._ für eine stationäre Behandlung warte. Seit mehr als sieben
Jahren habe er starke Schmerzen. Sein Körper sei immer schwächer geworden und
verfüge nun über keine Reserven mehr. Er sei komplett erschöpft von den jahrelangen
und nach wie vor starken Schmerzen in der Leiste, im Kopf, im Nacken und im Rücken.
Für ihn sei klar, dass die ganze Situation die Folge des Autounfalls und der
misslungenen Leistenoperation sei. Er habe in den letzten Jahren mit allen Mitteln
versucht zu arbeiten. Nun habe sein Körper die Notbremse gezogen. Bereits am 7.
Januar 2011 hatte der Hausarzt K._ der Klinik M._ berichtet (MV-act. 390), der
Versicherte leide unter einer „massiven Burnout-Problematik“. Aktuell liege ein
chronisches „massivstes“ Hyperventilationssyndrom vor. Auch wenn der Versicherte
seine Beschwerden als rein somatischer Art qualifiziere, könne aus ärztlicher Sicht nur
von einer psychosomatischen Behandlung ein Erfolg erwartet werden. Am 9. Februar
2011 teilte die Case Managerin des Kantons St. Gallen jenem der Militärversicherung
mit (MV-act. 396), der Kanton sei an einer weiteren Beschäftigung des Versicherten
nicht mehr interessiert. Es werde auf jeden Fall zu einer Auflösung des Vertrages
kommen. Die Gründe seien unter anderem im persönlichen Verhalten, in
Kommunikationsdefiziten, in einer mangelnden Transparenz und Konsistenz zwischen
der Arbeitsunfähigkeit und den medizinischen Befunden sowie in einer
Interessenabwägung zwischen dem Aufwand und dem Ertrag einer weiteren
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Beschäftigung zu finden. Am 4. April 2011 berichtete Dr. med. N._, Vertrauensarzt
der Versicherungskasse für das Staatspersonal (MV-act. 402), der Versicherte leide an
einem chronischen Schmerzsyndrom mit einer möglichen schweren depressiven
Komponente. Das aktuell auslösende Ereignis sei eine traumatische Teilruptur des
Musculus gastrocnemius im November 2010. Eine stationäre Behandlung in der Klinik
M._ sei am 2. April 2011 vom Versicherten mit der Begründung abgebrochen
worden, diese habe keinen Erfolg gezeitigt. Am 15. April 2011 berichtete die Klinik
M._ (MV-act. 409), die am 17. März 2011 begonnene stationäre Behandlung sei am
2. April 2011 vorzeitig beendet worden. Der Versicherte leide an einer chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, an akzentuierten
Persönlichkeitszügen mit narzisstischen und perfektionistischen Anteilen, an einem
Status nach einem Distorsionstrauma der Halswirbelsäule, an einem Status nach einer
Herniotomie beidseits sowie an einer Discopathie L4/5 und L5/S1. In der
Psychotherapie habe er sich kaum auf eine Problemeruierung eingelassen, habe sich
völlig auf die somatischen Symptome fixiert gezeigt. Er sei überzeugt gewesen, bereits
gut funktionierende, eigene Bewältigungsstrategien zu besitzen. Es sei deutlich
geworden, dass er sich sein Leben und sein Umfeld bereits völlig im Schmerz und um
diesen herum aufgebaut habe. Aufgrund seiner ablehnenden Haltung sei kein Zugang
zur Psychotherapie möglich gewesen. In der Therapie habe er nur Möglichkeiten auf
somatischer Ebene akzeptiert. Den Aufenthalt habe er unvorhergesehen vorzeitig
abgebrochen. Eine psychotherapeutische Betreuung sei an sich indiziert, doch der
Versicherte sei dazu nicht bereit. Am 17. Juni 2011 liess der nun anwaltlich vertretene
Versicherte auf eine weitere Verschlechterung seines Gesundheitszustandes hinweisen
(MV-act. 412). Am 24. Juni 2011 berichtete Dr. L._, nach mehreren Untersuchungen
und Behandlungsversuchen durch ihn und Dr. F._ sei letzterer der Auffassung, dass
eine weitere operative Intervention nicht angezeigt sei (MV-act. 413).
A.f Am 4. Juli 2011 beauftragte die Militärversicherung die Rehaklinik Bellikon mit einer
multidisziplinären Abklärung und arbeitsorientierten Rehabilitation (MV-act. 414). Am
25. Juli 2011 berichtete die Rehaklinik Bellikon, der Versicherte habe sich nicht in der
Lage gesehen, sich auf ein trainingsorientiertes, multimodales und psychologisch
begleitetes Rehabilitationsprogramm einzulassen, weshalb er noch am Eintrittstag
wieder entlassen worden sei (MV-act. 416). Am 8. August 2011 beauftragte die
Militärversicherung die Rehaklinik Bellikon mit einer polydisziplinären Begutachtung
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(MV-act. 417). Am 19. Dezember 2012 erstattete die Rehaklinik Bellikon das Gutachten
(MV-act. 451). Die Sachverständige für physikalische Medizin und Rehabilitation hielt
fest (MV-act. 450), sie habe eine Reizsymptomatik rechts inguinal nicht ausschliessen
können. Eine solche könnte eine gewisse Schmerzsymptomatik, jedoch nicht die vom
Versicherten angegebenen Beschwerden in deren Ausmass und auch nicht die
angegebene eingeschränkte Partizipation erklären. Bezüglich des rechten Knies und
der rechten Wade sei der objektivierbare Befund weitgehend unauffällig. Insgesamt sei
das Ausmass der Symptomatik nicht durch die dokumentierbaren strukturellen
Läsionen erklärbar. Medizinisch-theoretisch seien dem Versicherten maximal
mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten ohne längeres Sitzen oder Kauern am
Stück ganztags zumutbar. Die neurologische Sachverständige führte aus (MV-act.
447), die vom Versicherten angegebene Kopfschmerzsymptomatik sei als
Spannungskopfschmerz mit migräniformen Exacerbationen zu klassifizieren, der
zumindest teilweise durch den überhöhten Analgetikakonsum mitbedingt sein könne.
Ein Absetzen der Analgetika sei medizinisch indiziert und zumutbar. Für die
Kopfschmerzsymptomatik finde sich kein objektivierbares organisches Korrelat. Die
Voraussetzungen für die Diagnose einer milden traumatischen Hirnverletzung beim
Unfall vom 14. April 2003 seien nicht erfüllt. Die Schmerzen in der rechten Leiste seien
am ehesten als eine sogenannte Spermatikus-Neuralgie zu qualifizieren. Das Ausmass
der Beschwerden erscheine als fraglich, da der Versicherte zumindest phasenweise –
teilweise über zwei Jahre am Stück – voll funktionstüchtig gewesen sei und eine gute
körperliche Leistungsfähigkeit aufgewiesen habe. Die geltend gemachte halbseitige
Sensibilitätsstörung lasse sich nicht objektivieren. Die Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (vgl. MV-act. 450a) hatte nur teilweise durchgeführt werden können
und keine verwertbaren Ergebnisse geliefert. Die Sachverständigen wiesen darauf hin,
dass der Versicherte ein sehr eindrückliches und als invalidisierend empfundenes
Schmerzsyndrom präsentiert habe, weshalb die Mehrheit der Tests gar nicht habe
durchgeführt werden können oder frühzeitig abgebrochen worden sei. In der Testung
habe der Versicherte eine erhebliche Symptomausweitung gezeigt. Der
neuropsychologische Sachverständige führte aus (MV-act. 448), der Versicherte habe
überwiegend unterdurchschnittliche bis weit unterdurchschnittliche Ergebnisse in den
Tests erzielt. Die während der Untersuchung präsentierten Schmerzen hätten
theatralisch, plakativ und histrionisch angemutet. Die kognitiven Testergebnisse
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entsprächen den Leistungen von Patienten mit schweren traumatischen
Hirnverletzungen oder einer Demenz. Angesichts der unauffälligen bildgebenden
Befunde seien diese Resultate nicht plausibel. Auch die vom Versicherten beklagte
Schmerzbelastung vermöge das Ausmass der Defizite nicht zu erklären. Ein
Symptomvalidierungstest habe Anzeichen für eine mögliche Aggravation ergeben. Das
im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung ermittelte kognitive Testprofil
besitze daher praktisch keine Aussagekraft. Der psychiatrische Sachverständige hielt
fest (MV-act. 449), diagnostisch liege eine ausgeprägte multiple Symptomatik aus dem
Spektrum der Somatisierung vor, die mit einer Verdeutlichungstendenz mit Anteilen von
Aggravation und abnormem, sehr demonstrativem Krankheitsverhalten (kombiniert mit
einer vegetativen Stigmatisierung mit Schwitzen und körperlich-somatisierter
Angstkomponente) einher gehe. Die Erschöpfungssymptomatik müsse alternativ
entweder als ein (atypisches) depressives Äquivalent oder als eine somatoforme,
nämlich als eine sogenannt neurastheniforme Beschwerdesymptomatik im Rahmen
des somatoformen Beschwerdeprofils verstanden werden. Es liege zumindest eine
deutliche ich-strukturelle Auffälligkeit (akzentuierte Persönlichkeitszüge), jedoch eher
keine klassisch ausgeprägte eigentliche Persönlichkeitsstörung vor. Längerfristig sei es
dem Versicherten zumutbar, diesen Zustand zu überwinden, da dieser durchaus noch
über Ressourcen und über einen entsprechenden Leistungswillen verfüge. Dazu
benötige er aber eine spezifische therapeutische Hilfe und genügend Zeit.
Entsprechende Therapien scheiterten leider nicht selten. Mittelfristig sei seine
Arbeitsfähigkeit um 50 Prozent eingeschränkt.
A.g Mit einem Vorbescheid vom 14. Februar 2013 teilte die Militärversicherung dem
Versicherten mit (MV-act. 452), dass sie die Ablehnung einer Haftung für die
Spannungskopfschmerzen, für die unspezifische neuropsychologische Störung und für
die undifferenzierte Somatisierungsstörung vorsehe. Zur Begründung führte sie aus, in
Anbetracht der Natur und des Ausmasses der von der Rehaklinik Bellikon
beschriebenen Befunde könne die am 7. Januar 2011 vom Hausarzt K._ gemeldete
Burnout-Problematik respektive die von der Rehaklinik Bellikon beschriebene
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht in einem überwiegend wahrscheinlichen
Zusammenhang mit Einwirkungen während der militärversicherten Dienstzeit stehen.
Beim Versicherten sei es nämlich erst ab Ende des Jahres 2010 und seither progressiv
zunehmend zu einem drastischen Funktionsabfall gekommen, nachdem dieser als
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Zivilschutzinstruktor ab Februar 2010 praktisch voll arbeitsfähig gewesen sei. Eine
Kausalkette zwischen den militärversicherten Ereignissen und den aktuellen
Schadensbildern existiere nach Massgabe des erforderlichen Beweisgrades nicht. Ein
Verlauf wie vorliegend widerspreche der allgemeinen medizinischen und
psychiatrischen Erfahrung. Dagegen liess der Versicherte am 28. März 2013 einwenden
(MV-act. 454), die Frage nach dem Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs
im Sinne einer conditio sine qua non könne nicht von der Verwaltung, sondern nur von
den medizinischen Sachverständigen beantwortet werden. Die Sachverständigen der
Rehaklinik Bellikon hätten einen solchen Kausalzusammenhang bejaht. Der Versicherte
habe folglich einen Anspruch auf ein Taggeld, das ausgehend von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit berechnet werden müsse. Dieses sei bis zum Vorliegen des
Gutachtens der Rehaklinik Bellikon beziehungsweise bis zum 31. Dezember 2012
geschuldet. Für die Zeit ab dem 1. Januar 2013 habe der Versicherte einen Anspruch
auf eine ausgehend von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent berechnete
Invalidenrente. Am 18. April 2013 notierte der Kreisarzt Dr. med. O._ (MV-act. 455),
aus medizinischer Sicht könne ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen der
Somatisierungsstörung und dem Distorsionstrauma der Halswirbelsäule nicht
abgesprochen werden. Die Frage, ob auch ein adäquater Kausalzusammenhang
vorliege, müsse vom Rechtsanwender beantwortet werden. Dasselbe gelte auch für die
Frage nach der Überwindbarkeit der als ein pathogenetisch-ätiologisch unklares
syndromales Beschwerdebild ohne eine nachweisbare organische Genese zu
qualifizierenden Somatisierungsstörung. Ein natürlich kausaler Zusammenhang
zwischen der Inguinalhernienoperation und der Somatisierungsstörung sei nicht
überwiegend wahrscheinlich. Mit einer Verfügung vom 1. Mai 2013 lehnte die
Militärversicherung ihre Haftung für die Folgen der Spannungskopfschmerzen, für die
unspezifische neuropsychologische Störung und für die undifferenzierte
Somatisierungsstörung ab (MV-act. 456). Zur Begründung führte sie aus, gestützt auf
die Stellungnahme des Kreisarztes Dr. O._ müsse zwar ein natürlicher
Kausalzusammenhang bejaht werden. Es fehle aber an einem adäquaten
Kausalzusammenhang im Sinne der Rechtsprechung (BGE 115 V 133 [sog. Psycho-
Praxis] und BGE 117 V 359 [sog. Schleudertrauma-Praxis]). Nachdem der Kreisarzt Dr.
O._ am 14. Mai 2013 notiert hatte, die bislang durchgeführte Physiotherapie sei aus
somatischer Sicht nicht mehr indiziert (MV-act. 457), teilte die Militärversicherung dem
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Versicherten noch gleichentags mit, dass sie die Kosten der Physiotherapie nur noch
bis zum 15. Juni 2013 vergüten werde (MV-act. 458).
A.h Am 3. Juni 2013 liess der Versicherte eine Einsprache gegen die Verfügung vom 1.
Mai 2013 erheben (MV-act. 460). Sein Rechtsvertreter beantragte die Zusprache eines
Taggeldes bis zum 31. Dezember 2012 und einer Rente ab dem 1. Januar 2013. Zur
Begründung führte er aus, die in der Verfügung enthaltene Adäquanzprüfung sei nur
sehr summarisch vorgenommen und praktisch überhaupt nicht begründet worden, was
rechtsstaatlich nicht unbedenklich sei. Bei einer gewissenhaften Prüfung zeige sich,
dass der adäquate Kausalzusammenhang unter Berücksichtigung der vom
Bundesgericht definierten Kriterien erfüllt sei. Die Kollision vom 14. April 2003 sei so
heftig gewesen, dass das andere Fahrzeug um die eigene Achse gedreht worden sei.
Der Versicherte habe mit seinem Kopf das Lenkrad komplett eingeschlagen. Die
Fraktur an der Wirbelsäule sei als eine besondere Verletzung zu qualifizieren. Das
Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung sei besonders
stark erfüllt. Der Versicherte leide an Dauerbeschwerden. Im Zusammenhang mit der
Operation der Leistenhernie rechts sei es zu einer ärztlichen Fehlbehandlung
gekommen. Der Versicherte habe alle nur erdenklichen Mühen zur Überwindung seiner
Arbeitsunfähigkeit unternommen. Der Heilverlauf müsse als schwierig und durch
erhebliche Komplikationen beeinflusst bezeichnet werden. Am 4. Juni 2013 ersuchte
der Versicherte bezugnehmend auf das Schreiben vom 14. Mai 2013 betreffend die
Physiotherapie um den Erlass einer einsprachefähigen Verfügung (MV-act. 461).
Diesem Begehren entsprach die Militärversicherung am 13. Juni 2013 (MV-act. 464).
Am 31. Juli 2013 liess der Versicherte auch eine Einsprache gegen die Verfügung vom
13. Juni 2013 erheben (MV-act. 465). Sein Rechtsvertreter beantragte die Vergütung
der Heilbehandlungskosten über den 15. Juni 2013 hinaus. Zur Begründung führte er
aus, die Haftung der Militärversicherung für die Folgen des Verkehrsunfalls vom 14.
April 2003 und der Leistenhernie sei anerkannt, weshalb diese die Kosten für die
entsprechenden Heilbehandlungen übernehmen müsse. Der Kreisarzt Dr. O._
notierte am 7. August 2013 (elektronische Notiz zu MV-act. 465), für die lumbo-
radiculären Schmerzen habe die Militärversicherung keine Haftung anerkannt. Im
Gutachten der Rehaklinik Bellikon würden keine schwer wiegenden pathologischen
Befunde („Befund nicht gleich Diagnose“) genannt, die eine Physiotherapie
rechtfertigen könnten. Mit einer Verfügung vom 16. Oktober 2013 wies die IV-Stelle des
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Kantons St. Gallen ein Rentenbegehren des Versicherten mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab (MV-act. 470). Am 13. Juli 2015 liess der
Versicherte die Militärversicherung um den umgehenden Erlass eines
Einspracheentscheides ersuchen, wobei er die Erhebung einer
Rechtsverzögerungsbeschwerde androhen liess (MV-act. 471). Mit einem Entscheid
vom 1. Oktober 2015 wies die Militärversicherung die beiden Einsprachen vom 3. Juni
2013 und vom 31. Juli 2013 ab (MV-act. 473). Zur Begründung führte sie aus, zwischen
den von der Rehaklinik Bellikon festgestellten Beschwerden und dem Unfall vom 14.
April 2003 und der Leistenhernie bestehe kein adäquater Kausalzusammenhang. Die
entsprechenden Kriterien seien nicht erfüllt. Für die lumbo-radiculären Beschwerden
treffe die Militärversicherung keine Leistungspflicht.
B.
B.a Dagegen liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) am 4.
November 2015 eine Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte
die Aufhebung des Einspracheentscheides, die Ausrichtung eines Taggeldes
ausgehend von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 Prozent bis zum 31. Dezember 2012,
die Ausrichtung einer Invalidenrente ab dem 1. Januar 2013 und die Vergütung der
Kosten für die physikalischen und chiropraktischen Heilbehandlungen sowie für weitere
ausgewiesene Heilbehandlungskosten über den 15. Juni 2013 hinaus. Zur Begründung
führte er aus, die Militärversicherung (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) sei auf
der Anerkennung des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen den
Gesundheitsbeeinträchtigungen des Beschwerdeführers und dem Unfall vom 14. April
2003 zu behaften. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin bestehe auch ein
adäquater Kausalzusammenhang, weshalb diese eine entsprechende Leistungspflicht
treffe. Zu berücksichtigen sei auch, dass das Bundesgericht mittlerweile seine
Rechtsprechung zur „Überwindbarkeitsvermutung“ aufgegeben habe. Die
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin müsse deshalb neu mittels der im BGE 141 V
281 definierten Indikatoren geprüft werden. Der Beschwerde lagen mehrere
medizinische Berichte bei. Am 26. Juni 2014 hatte der Psychotherapeut Dr. phil. P._
berichtet (act. G 1.4), der Beschwerdeführer leide an einer chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie an einer
Persönlichkeitsänderung bei einem chronischen Schmerzsyndrom. Die Schmerzklinik
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Q._ hatte am 7. Oktober 2014 berichtet (act. G 1.5), der Versicherte leide an einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, an
Schlafstörungen und an Konzentrationsstörungen. Im Verlauf der Behandlung, die vom
22. September 2014 bis zum 4. Oktober 2014 gedauert habe, sei keine befriedigende
beziehungsweise anhaltende Besserung erreicht worden. Der Chiropraktor Dr. R._
hatte am 28. Oktober 2013 berichtet (act. G 1.6), der Beschwerdeführer leide an einer
posttraumatischen, musculo-skelettalen Desorganisation. Dieser Zustand sei massiv
verschlimmert worden, weil der Beschwerdeführer von Seiten der Beschwerdegegnerin
und von Seiten der Rehakliniken nicht als ein Individuum mit Schmerzen
wahrgenommen und zudem ärztlich unethisch behandelt worden sei.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 18. Januar 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie aus, der Beschwerdeführer
verkenne, dass anhand der im BGE 141 V 281 definierten Indikatoren die Frage nach
der invalidisierenden Wirkung einer Gesundheitsbeeinträchtigung zu beantworten sei,
was aber irrelevant sei, solange die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang
zwischen der Gesundheitsbeeinträchtigung und dem versicherten Ereignis nicht
beantwortet sei. Die vom Bundesgericht im BGE 134 V 109 neu definierten Kriterien für
die Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs seien nicht erfüllt. Das gegnerische
Fahrzeug habe sich beim Unfall vom 14. April 2003 nicht komplett um die eigene Achse
gedreht. Die Behauptung eines Kopfanpralls sei aktenwidrig. In keinem Aktenstück
werde auf eine entsprechende Kontusionsmarke hingewiesen. Die unkomplizierte
Fraktur des Dornfortsatzes des zwölften Brustwirbels könne nicht als eine besonders
schwere Verletzung qualifiziert werden. Im Zusammenhang mit den Folgen des
Verkehrsunfalls sei es weder zu einer ärztlichen Fehlbehandlung noch zu einem
schwierigen Heilverlauf oder erheblichen Komplikationen gekommen. Die Adäquanz
zwischen den Gesundheitsbeeinträchtigungen und der Leistenhernie rechts sei von
vornherein abzusprechen. Hinsichtlich der Heilbehandlungskosten fehle es an einem
objektivierbaren Befund, der entsprechende medizinische Massnahmen rechtfertigen
würde.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 22. Februar 2016 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 7). Die Beschwerdegegnerin hielt am 24. März 2016 ebenfalls an ihrem Antrag
fest (act. G 9).
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B.d Auf eine Nachfrage des Versicherungsgerichtes hin (vgl. act. G 11) teilte das Amt
für Militär und Zivilschutz des Kantons St. Gallen am 18. Mai 2017 mit (act. G 12), der
Beschwerdeführer habe nach dem 19. März 2010 an keinem Kurs des Bundesamtes
für Bevölkerungsschutz mehr teilgenommen (vgl. act. G 12.1). Das Arbeitsverhältnis sei
per 31. Dezember 2011 aufgelöst worden.

Erwägungen
1.
Mit dem angefochtenen Einspracheentscheid hat die Beschwerdegegnerin zwei
Einspracheverfahren abgeschlossen, nämlich jenes betreffend die Verfügung vom 1.
Mai 2013 (Ablehnung der Haftung für die damals bestehende
Gesundheitsbeeinträchtigung des Beschwerdeführers) und jenes betreffend die
Verfügung vom 13. Juni 2013 (Verweigerung von Kostenvergütungen für eine
Heilbehandlung). Die Frage, ob es zulässig beziehungsweise sinnvoll gewesen war, die
Leistungsverweigerung mit zwei separaten Verfügungen zu eröffnen, kann offen
bleiben, da die beiden Einspracheverfahren vereint worden sind und da vorliegend
unstrittig über die Rechtmässigkeit des gesamten Einspracheentscheides zu befinden
ist.
2.
2.1 Laut dem Art. 5 MVG haftet die Militärversicherung für jede
Gesundheitsbeeinträchtigung, die während des Dienstes in Erscheinung tritt und
gemeldet oder sonstwie festgestellt wird, ausser sie kann den Beweis erbringen, dass
die Gesundheitsbeeinträchtigung sicher vordienstlich ist oder sicher nicht während des
Dienstes verursacht werden konnte und dass sich die Gesundheitsbeeinträchtigung
sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in ihrem Ablauf beschleunigt
hat. Wird eine Gesundheitsbeeinträchtigung dagegen erst nach dem Dienst festgestellt
und bei der Militärversicherung angemeldet oder werden Spätfolgen oder Rückfälle
geltend gemacht, so haftet die Militärversicherung gemäss dem Art. 6 MVG nur, wenn
die Gesundheitsbeeinträchtigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit während des
Dienstes verursacht oder verschlimmert worden ist oder wenn es sich mit
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überwiegender Wahrscheinlichkeit um Spätfolgen oder Rückfälle einer versicherten
Gesundheitsbeeinträchtigung handelt. Als Dienst im Sinne der Art. 5 f. MVG gelten
unter anderem der obligatorische oder freiwillige Militär- oder Zivilschutzdienst (Art. 1a
Abs. 1 lit. a MVG), wozu die Erfüllung der Wehrpflicht im Sinne des Militärgesetzes (Art.
1 Abs. 1 MVV) und damit auch die Dienstleistung als Zeitmilitär (Art. 47 Abs. 3 MG)
sowie die Ausbildung zum Berufsoffizier (Art. 2 Abs. 1 lit. b MVV) zählen. Instruktoren
des Zivilschutzes sind dagegen nur versichert, wenn sie im Bundesdienst stehen (vgl.
Art. 1a Abs. 1 lit. b Ziff. 7 MVG und Art. 2 Abs. 2 MVV). Da der Beschwerdeführer vom
1. Januar 2001 bis zum 30. September 2003 als Zeitmilitär Dienst geleistet und vom 1.
Oktober 2003 bis zum Abbruch am 17. Mai 2004 eine Ausbildung zum Berufsoffizier
absolviert hat und da das entsprechende Arbeitsverhältnis per 30. September 2006
aufgelöst worden ist (vgl. MV-act. 198 und 250), gilt der Zeitraum vom 1. Januar 2001
bis zum 30. September 2006 vorliegend als Dienstzeit im Sinne der Art. 5 f. MVG.
Während der Ausbildung zum Zivilschutzinstruktor haben nur die unter der
Federführung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz in Schwarzenburg
absolvierten Kurstage als Dienstzeit im Sinne der Art. 5 f. MVG gegolten, die
mehrheitlich auf die Zeit vom 16. März 2007 bis zum 21. September 2007 und auf
mehrere Tage in den Monaten September und Oktober 2008, Februar 2009 sowie
Februar und März 2010 entfallen sind (vgl. act. G 12.1).
2.2 Am 14. April 2003 und damit während der Dienstzeit ist es zu einem Verkehrsunfall
mit einem Distorsionstrauma der Halswirbelsäule und einer Dornfortsatzfraktur im
zwölften Brustwirbelkörper gekommen, für den die Beschwerdegegnerin zu Recht
gestützt auf den Art. 5 MVG eine Haftung anerkannt hat. Nun ist die Dornfortsatzfraktur
entgegen den Behauptungen des Beschwerdeführers aber rasch und folgenlos
abgeheilt. Schon im August 2003 hat das Kantonsspital Chur über eine bildgebend
nachgewiesene weitgehende Konsolidierung der komplikationslosen Fraktur berichtet.
Im August 2004 hat Dr. D._ – gestützt auf weitere bildgebende Untersuchungen –
festgehalten, die vom Beschwerdeführer angegebenen Beschwerden könnten nicht auf
die Fraktur zurückgeführt werden. Die Sachverständigen der Rehaklinik Bellikon haben
schliesslich einen diesbezüglich weitestgehend unauffälligen Befund erhoben. Auch die
Folgen des Distorsionstraumas der Halswirbelsäule sind rasch vollständig abgeheilt.
Der Beschwerdeführer hat nie ein „typisches, buntes“ Beschwerdebild geschildert. In
den Akten finden sich keinerlei Hinweise auf eine – auch nur milde – traumatische
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Hirnverletzung. Der Beschwerdeführer hat das Bewusstsein nicht verloren, hat keine
Amnesie, hat keine Kontusionsmarken am Kopf aufgewiesen, hat sich nicht übergeben
müssen und hat auch ansonsten keine Anzeichen für eine gravierende
Halswirbelsäulen- oder Kopfverletzung gezeigt. Sämtliche bildgebenden
Untersuchungen haben einen unauffälligen Befund hinsichtlich des Kopfes und des
Gehirns gezeigt. Zudem hatte der Beschwerdeführer vor dem Unfall aus einer
Geschwindigkeit von 60–65 km/h zunächst über eine Strecke von mindestens zehn
Metern (die Verzögerung dürfte schon eingesetzt haben, bevor die Räder blockiert und
entsprechende Spuren auf dem Asphalt hinterlassen haben) abgebremst, bevor er mit
dem anderen Fahrzeug kollidiert ist. Angesichts der optimalen Strassen- und
Witterungsverhältnisse und einer entsprechend anzunehmenden maximalen
Verzögerung erscheint sogar die Angabe von Dr. B._, der Aufprall sei mit einer
Geschwindigkeit von bloss noch 40 km/h erfolgt, als eher zu hoch gegriffen, jedenfalls
aber nicht als bewiesen. Entsprechend hat sich das andere Fahrzeug dann auch nicht
komplett um die eigene Achse gedreht, wie der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers irrtümlicherweise anzunehmen scheint. Das Heck des andern
Fahrzeugs hat sich vielmehr lediglich um etwa zwei Meter seitlich verschoben. Nach
rund einem Monat ist der Beschwerdeführer soweit beschwerdefrei gewesen, dass er
uneingeschränkt diensttauglich gewesen ist. Erst rund ein Jahr später ist es infolge der
Erschöpfungsdepression wieder zu einer erheblichen Arbeitsunfähigkeit gekommen,
ohne dass dabei aber Beschwerden in der Halswirbelsäule eine Rolle gespielt hätten.
Bis zum Erlass der Verfügung vom 3. Juni 2013 sind keine Beschwerden dokumentiert,
die als eine Folgeerscheinung des rasch abgeheilten Distorsionstraumas der
Halswirbelsäule zu interpretieren wären. Die durch den Verkehrsunfall vom 14. April
2003 verursachten Gesundheitsbeeinträchtigungen sind also mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit noch während der Dauer des Versicherungsverhältnisses folgenlos
abgeheilt, ohne dass es im weiteren Verlauf bis zum Erlass der Verfügung vom 3. Juni
2013 wieder zu einem Rückfall gekommen wäre respektive Spätfolgen aufgetreten
wären. Gegenteiliges ist jedenfalls nicht bewiesen.
2.3 Auch die Leistenhernie ist während der Dienstzeit aufgetreten, nämlich im Januar
2004. Die Beschwerdegegnerin hat diesbezüglich ebenfalls zu Recht gestützt auf den
Art. 5 MVG eine Haftung anerkannt. Anders als die durch den Verkehrsunfall vom 14.
April 2003 verursachten Gesundheitsbeeinträchtigungen ist die Leistenhernie nach der
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Operation nicht folgenlos abgeheilt. Auch wenn die Akten die Behauptung des
Beschwerdeführers, es sei schon wenige Tage nach der Operation zu ersten
Beschwerden gekommen, nicht zu belegen vermögen, ist angesichts der im weiteren
Verlauf gewonnenen Erkenntnisse doch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass es bei der Operation im Januar 2004 zu einer Nervenschädigung
gekommen sein muss, die zunächst jahrelang unentdeckt geblieben ist und deren
Ursache erst lange nach der Entdeckung der Nervenschädigung selbst hat festgestellt
werden können. Bis die Tackerspiralen haben entfernt werden können, hatte sich eine
Neuralgie verselbständigt. Trotz vorübergehenden Phasen von weitgehender
Beschwerdefreiheit nach dem Beginn der Kryoablationen und nach der Entfernung der
Tackerspiralen belegt der gesamte Verlauf doch, dass die im Januar 2004 eingetretene
Gesundheitsbeeinträchtigung nie ganz hat behoben werden können. Unabhängig
davon, ob man annimmt, die Beschwerdegegnerin treffe nach wie vor (gewissermassen
ununterbrochen) gestützt auf den Art. 5 MVG eine Leistungspflicht, oder ob man davon
ausgeht, der Grundfall sei zwar abgeheilt, es sei dann aber zu einem Rückfall
gekommen, der überwiegend wahrscheinlich in einem kausalen Zusammenhang mit
dem Grundfall steht und daher gemäss dem Art. 6 MVG eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin begründet, hat die Beschwerdegegnerin für die Folgen der
Spermatikus-Neuralgie die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
2.4 Während der versicherten Dienstzeit ist es zu einem dritten versicherten Ereignis
gekommen. Im April 2004 hat der Beschwerdeführer eine Erschöpfungsdepression mit
einer Somatisierungsstörung erlitten, für deren Folgen die Beschwerdegegnerin – zu
Recht – eine Leistungspflicht gestützt auf den Art. 5 MVG anerkannt hat (MV-act. 65).
Der psychiatrische Sachverständige der Rehaklinik Bellikon hat anschaulich aufgezeigt,
dass der Beschwerdeführer eine Vulnerabilität für die Entwicklung einer
Somatisierungsstörung aufgewiesen hat, die im Zusammenhang mit einer
Überforderungssituation aktiviert worden ist. Die Aktenlage bestätigt die Auffassung
des psychiatrischen Sachverständigen, dass die Erschöpfungsdepression und die
Somatisierungsstörung eine an sich missglückte, aber psychisch entlastende
Konfliktbewältigung („Flucht in die Krankheit“; „primärer Krankheitsgewinn“) ermöglicht
haben, indem sie es dem Beschwerdeführer erlaubt haben, die Überforderung im Zuge
der Ausbildung zum Berufsoffizier zu verdrängen respektive einen Abbruch der
Ausbildung mit einer (pseudo-) somatischen Begründung zu rechtfertigen. Den Akten
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lässt sich nämlich entnehmen, dass der Beschwerdeführer schon vor dem Beginn des
Studiums von seinen Vorgesetzten wiederholt in verschiedener Hinsicht kritisiert
worden war und dass diese seinen Wunsch, sich zum Berufsoffizier ausbilden zu
lassen, entsprechend nur bedingt unterstützt hatten (vgl. MV-act. 250). Um die
Zulassung zur Ausbildung an der Militärakademie zu erhalten, hatte der
Beschwerdeführer nebst seinem Dienst als Zeitmilitär eine schulische Ausbildung
absolvieren müssen, womit er die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit erreicht haben
dürfte. Jene Ausbildung würde heute die Zulassung zur Militärakademie nicht mehr
ermöglichen, was bedeutet, dass der Beschwerdeführer von Beginn weg eher
unterdurchschnittliche Voraussetzungen für das Studium mitgebracht hat. Seine
Leistungen im Studium sind dann auch tatsächlich unterdurchschnittlich gewesen,
sodass er sich nach einem halben Jahr bereits im Hintertreffen befunden hat (vgl. MV-
act. 250). Zu Beginn des Jahres 2004 hat er dann als S._ einen Wiederholungskurs
absolvieren müssen, womit eine hohe Verantwortung einher gegangen ist und was zu
einer Vergrösserung seines Rückstandes im Studium geführt hat. Die unmittelbar nach
dem Ende des Wiederholungskurses respektive unmittelbar vor der Weiterführung des
Studiums eingetretene Erschöpfungsdepression dürfte es dem überdurchschnittlich
leistungswilligen und zum Perfektionismus neigenden Beschwerdeführer erlaubt haben,
sich seiner Überforderung durch das Studium nicht stellen zu müssen. Diese vom
psychiatrischen Sachverständigen der Rehaklinik Bellikon geäusserte und überzeugend
begründete Schlussfolgerung stimmt mit dem Umstand überein, dass der
Beschwerdeführer in der Folge jeden Hinweis auf Kritik von Vorgesetzten, auf eine
Überforderung durch das Studium oder auf berufliche, durch seine Persönlichkeit
bedingte Misserfolge weit von sich gewiesen hat, obwohl das alles durch die Akten
belegt ist. Dieses Muster hat sich im Zusammenhang mit den
Bewerbungsbemühungen fortgesetzt. Der Beschwerdeführer hat die Empfehlungen
des professionellen Berufsberaters nicht befolgt und hat die Ablehnung seiner
Bewerbung bei der Stadtpolizei H._ nicht nachvollziehen können, obwohl sich der
Grund dafür aus den Akten ergibt. Er vertritt heute noch die Ansicht, er habe ganz allein
die Möglichkeit zur Ausbildung zum Zivilschutzinstruktor gefunden und realisiert (vgl.
MV-act. 449), während sich den Akten entnehmen lässt, dass diese Gelegenheit
mehrheitlich den intensiven Bemühungen der Beschwerdegegnerin respektive des
Case Managers und des Berufsberaters zu verdanken gewesen ist. Der
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Beschwerdeführer hat das Ausbildungs- und Arbeitsverhältnis betreffend seine
Tätigkeit als Zivilschutzinstruktor stets als unbelastet beschrieben, während sich den
Angaben seiner Vorgesetzten und der Case Managerin des Kantons St. Gallen
entnehmen lässt, dass er wiederholt kritisiert worden war und dass der Kanton letztlich
angesichts persönlicher und leistungsmässiger Defizite des Beschwerdeführers nicht
mehr daran interessiert gewesen ist, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen. Das alles
belegt die Schlussfolgerung des psychiatrischen Sachverständigen der Rehaklinik
Bellikon, der Beschwerdeführer weise ich-strukturelle Auffälligkeiten der Persönlichkeit
im Sinne einer Alexithymie und damit eine Vulnerabilität für eine Somatisierungsstörung
auf. Das im April 2004 beschriebene Syndrom weist auffällige Ähnlichkeiten mit dem
Beschwerdebild, das sich im Frühjahr 2009 gezeigt hat, als der Beschwerdeführer in
der Klinik Valens behandelt worden ist, und mit dem von den Sachverständigen der
Rehaklinik Bellikon beschriebenen Beschwerdebild auf. Der psychiatrische
Sachverständige der Rehaklinik Bellikon hat überzeugend begründet dargelegt, dass
die neue berufliche Perspektive als Zivilschutzinstruktor es dem Beschwerdeführer
ermöglicht hat, erfolgreich gegen die Somatisierungsstörung anzugehen, respektive
dass sie als ein stabilisierender Faktor zu einer längeren Periode von weitgehender
Beschwerdefreiheit geführt hat. Insofern könnte die Auffassung vertreten werden, dass
die Erschöpfungsdepression und die Somatisierungsstörung spätestens am Ende des
Jahres 2004 geheilt gewesen sind, da die Rehaklinik G._ zu Beginn des Jahres 2005
keine Hinweise auf eine Somatisierungs- oder auf eine depressive Störung mehr
gefunden hat. Wohl vor dem Hintergrund von ersten schwerwiegenderen Problemen in
der Ausbildung zum und Tätigkeit als Zivilschutzinstruktor ist es dann aber im Frühjahr
2009 zu einem ersten und zu Beginn des Jahres 2011 zu einem zweiten „Rückfall“ mit
je praktisch identischen Symptomen gekommen. Für diese beiden „Rückfälle“ müsste
geprüft werden, ob sie einen überwiegend wahrscheinlichen kausalen Zusammenhang
zum Grundfall vom April 2004 aufweisen und ob die Beschwerdegegnerin
entsprechend gestützt auf den Art. 6 MVG eine Leistungspflicht trifft. Es könnte aber
auch die Auffassung vertreten werden, der Beschwerdeführer habe die im April 2004
erstmals aktivierte Somatisierungsstörung nur zeitweise unterdrücken können, womit
sich der Grundfall und damit auch die Haftung der Beschwerdegegnerin gestützt auf
den Art. 5 MVG bis zum Erlass der Verfügung vom 1. Mai 2013 erstreckt hätten. Gegen
diese Auffassung spricht aber, dass der psychiatrische Sachverständige der Rehaklinik
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Bellikon die Somatisierungsstörung angesichts des starken Leistungswillens des
Beschwerdeführers und der diesem verbliebenen Ressourcen selbst nach dem zweiten
„Rückfall“ im Jahr 2011 noch als überwindbar qualifiziert hat. Das bedeutet nämlich,
dass der Beschwerdeführer sowohl zum Jahreswechsel 2004/2005 hin als auch nach
dem ersten „Rückfall“ im Frühjahr 2009 in der Lage gewesen ist, die
Somatisierungsstörung erfolgreich zu überwinden, sodass es diesbezüglich beide Male
zu einer vollständigen Heilung gekommen ist. Für diese Sichtweise spricht auch der
Umstand, dass die (mehrheitlich) beschwerdefreien Zeiträume jeweils relativ lange
angedauert haben, nämlich einmal gut vier Jahre (2005–2009) und einmal rund zwei
Jahre (2009–2011). Überwiegend wahrscheinlich ist die gestützt auf den Art. 5 MVG
eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin begründende versicherte
Gesundheitsschädigung vom April 2004 also spätestens gegen Ende des Jahres 2004
dahingefallen. Weder die Gesundheitsbeeinträchtigung vom Frühjahr 2009 noch jene
ab Beginn des Jahres 2011 haben folglich gestützt auf den Art. 5 MVG eine
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin begründen können.
2.5 Damit bleibt zu prüfen, ob es sich bei den beiden erwähnten Beeinträchtigungen
um leistungsbegründende Rückfälle im Sinne des Art. 6 MVG gehandelt hat. Der
Umstand, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner auffälligen
Persönlichkeitsstruktur eine Vulnerabilität für die Entwicklung einer
Somatisierungsstörung aufweist, scheint auf den ersten Blick für einen
Kausalzusammenhang zwischen den drei Aktivierungen dieser Vulnerabilität in den
Jahren 2004, 2009 und 2011 zu sprechen. Diese Vulnerabilität hat aber schon
vordienstlich bestanden; sie hat sich überwiegend wahrscheinlich bereits in der Jugend
entwickelt, wie der psychiatrische Sachverständige der Rehaklinik Bellikon
überzeugend dargelegt hat und was von den zusätzlichen späteren Angaben des
Beschwerdeführers bezüglich der Schwierigkeiten in der Kindheit und Jugend
(Krankheit und Unfall des Vaters, Scheidung der Ehe der Eltern) zusätzlich bestätigt
worden ist. Für sich allein hat diese Vulnerabilität die Gesundheit des
Beschwerdeführers nicht beeinträchtigt. Er hat eine Berufslehre abschliessen, als
Berufsmann tätig sein, eine militärische Karriere absolvieren und sogar ein Studium an
der Militärakademie beginnen können, ohne durch seine Vulnerabilität respektive durch
seine ich-strukturellen Auffälligkeiten der Persönlichkeit beeinträchtigt gewesen zu
sein. Bei der ersten Erschöpfungsdepression im April 2004 hat es sich um ein
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eigenständiges, durch eine akute Überforderungssituation im Rahmen des Studiums
verursachtes Ereignis gehandelt, das den Beschwerdeführer in seiner Gesundheit
beeinträchtigt hat. Die Gesundheitsbeeinträchtigung ist gegen Ende des Jahres 2004
komplett abgeklungen. Danach hat der Beschwerdeführer wiederum eine neue
berufliche Karriere verfolgen können, ohne dass er durch seine Vulnerabilität
beeinträchtigt gewesen wäre. Aus den Akten geht nicht ausreichend klar hervor, was
die zweite Aktivierung im Frühjahr 2009 ausgelöst hat. Die Schädigung des rechten
Knies im November 2008 kann diese für sich allein nicht erklären. Jedenfalls hat es sich
dabei aber wieder um ein eigenständiges Ereignis gehandelt. Ein kausaler
Zusammenhang mit dem Ereignis im April 2004 ist nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit bewiesen. Mit anderen Worten
haben die beiden Gesundheitsbeeinträchtigungen im April 2004 und im Frühjahr 2009
zwar dieselben Auswirkungen gezeitigt und wohl auf demselben Mechanismus
(aktivierte Vulnerabilität) beruht, aber das Ereignis vom April 2004 ist nicht die kausale
Ursache für das Ereignis im Frühjahr 2009 gewesen. Ein solcher kausaler
Zusammenhang könnte nur angenommen werden, wenn es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen wäre, die Folgen des Ereignisses vom April 2004 zu überwinden. Eine
solche Annahme stünde aber im Widerspruch zur überzeugend begründeten
Schlussfolgerung des psychiatrischen Sachverständigen der Rehaklinik Bellikon und
kann deshalb nicht überwiegend wahrscheinlich zutreffend sein. Beim Ereignis vom
Frühjahr 2009 kann es sich also nicht um einen Rückfall zum Ereignis vom April 2004
im Sinne des Art. 6 MVG gehandelt haben. Dasselbe muss auch für die
Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu Beginn des Jahres 2011 – als drittes
eigenständiges Ereignis – gelten. Auch diese weist zwar Ähnlichkeiten zur
Erschöpfungsdepression und zur Somatisierungsstörung im April 2004 auf und scheint
durch einen ähnlichen Wirkungsmechanismus ausgelöst worden zu sein. Es kann sich
dabei aber nicht um einen kausal durch das „Grundereignis“ im April 2004 ausgelösten
Rückfall im Sinne des Art. 6 MVG handeln. Der Beschwerdeführer hat zwar geltend
gemacht, er habe seinem Körper über Jahre alles respektive zu viel abverlangt und sei
deshalb zu Beginn des Jahres 2011 dekompensiert, aber der psychiatrische
Sachverständige der Rehaklinik Bellikon hat überzeugend dargelegt, dass ein solcher
Zusammenhang jeder medizinischen Erfahrung widerspreche und daher nicht
überwiegend wahrscheinlich sein könne. Darauf ist abzustellen. Das bedeutet, dass es
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/26
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sich bei der Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu Beginn des Jahres 2011
nicht um einen Rückfall zur Erschöpfungsdepression und zur Somatisierungsstörung
im April 2004, sondern um ein neues, nachdienstliches Ereignis gehandelt hat, das
mangels der Erfüllung der Voraussetzungen des Art. 6 MVG keine Leistungspflicht der
Militärversicherung begründen kann. Die Frage, ob die Beschwerdegegnerin überhaupt
Leistungen im Zusammenhang mit dem zweiten Ereignis im Frühjahr 2009, für das
grundsätzlich dasselbe gelten muss, hätte erbringen dürfen, gehört nicht zum
Gegenstand dieses Verfahrens und kann daher unbeantwortet bleiben.
2.6 Im Ergebnis erweist sich die Ablehnung der Haftung für die undifferenzierte
Somatisierungsstörung, für die unspezifische neuropsychologische Funktionsstörung
und für die migräniformen Kopfschmerzen gemäss der Verfügung vom 3. Juni 2013 als
rechtmässig. Diesbezüglich ist die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 1.
Oktober 2015 folglich abzuweisen.
3.
Laut dem Art. 16 Abs. 1 MVG hat der Versicherte einen Anspruch auf eine
zweckmässige und wirtschaftliche Heilbehandlung, die geeignet ist, seinen Zustand
oder seine Erwerbsfähigkeit zu verbessern oder vor einer weiteren Beeinträchtigung zu
bewahren. Als zweckmässig gilt eine Heilbehandlung, wenn sie aufgrund der konkreten
Umstände des Einzelfalles geeignet und notwendig ist, um das gesetzliche Ziel in
einem vernünftigen Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen zu erreichen (Art. 9a Abs. 2
MVV). Gemäss dem überzeugenden Gutachten der Rehaklinik Bellikon hat der
Beschwerdeführer – abgesehen von der therapeutisch wohl nicht mehr beeinflussbaren
Neuralgie – an keiner objektivierbaren Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten, die mittels
der bis Mitte Juni 2013 durchgeführten Physiotherapie noch hätte beeinflusst werden
können. Jene Therapie hat also nicht geeignet sein können, seinen Zustand oder seine
Erwerbsfähigkeit zu verbessern. Damit hat sie auch nicht zweckmässig sein können.
Die Beschwerdegegnerin hat eine entsprechende Leistungspflicht folglich zu Recht
verneint, weshalb sich die Verfügung vom 13. Juni 2013 als rechtmässig erweist. Auch
diesbezüglich ist die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 1. Oktober
2015 folglich abzuweisen.
4.
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Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Der unterliegende
Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung