Decision ID: aff76954-c72d-59cc-a7ea-b1f001e58350
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ ist seit 1. April 1989 im eigenen Einzelunternehmen als selbständig
erwerbender Versicherungsmakler tätig. Zu seinen Aufgaben zählen insbesondere die
Brokertätigkeit und das Erstellen von Gesamtversicherungskonzepten für KMUs (IV-
act. 93).
A.b Vom 12. Februar bis 8. April 2014 liess sich der Versicherte in der Reha Klinik
B._ stationär behandeln. Im Austrittsbericht vom 28. April 2014 wird festgehalten,
dass der Versicherte unter anderem an einer mittelgradigen depressiven Episode bei
psychophysischem Erschöpfungszustand leide. Ab 15. April 2014 sei ein schrittweiser
Wiedereinstieg mit 50% Pensum möglich (IV-act. 39).
A.c Am 16. Mai 2014 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf psychische
Beeinträchtigungen (Depression, Burnout) zum Bezug von IV-Leistungen an. Die
gesundheitlichen Beeinträchtigungen seien seit 10. Dezember 2013 ärztlich bestätigt
(IV-act. 1).
A.d Der Versicherte befand sich vom 23. Juli bis 5. September 2014 in der Klinik C._
in stationärer suchttherapeutischer Behandlung. Die Ärzte stellten unter anderem die
Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode, sowie ein Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent in
beschützender Umgebung (IV-act. 52).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.e Der behandelnde Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (FMH), Dr. med.
D._, diagnostizierte am 6. Dezember 2014 beim Versicherten eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, und eine Alkoholabhängigkeit,
gegenwärtig abstinent. Die psychiatrische Erkrankung bestehe seit ca. 2007. In der
bisherigen Tätigkeit als Versicherungsmakler sei der Versicherte zu etwa 50%
arbeitsfähig (IV-act. 42).
A.f Im zuhanden des Lebensversicherers erstellten psychiatrischen Gutachten vom 12.
Mai 2015 stellte Dr. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (FMH), unter
anderem die Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
(ICD-10: F 43.21), gegenwärtig depressive Symptomatik in leichtem Ausmass. Der
Versicherte sei in der bisherigen Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig. Für ideal adaptierte
Tätigkeiten, z.B. für eine ausschliessliche Bürotätigkeit, wäre er zu 100% arbeitsfähig
(Fremdakten, act. 2).
A.g Am 5. Mai und 8. Oktober 2015 attestierte Dr. D._ dem Versicherten einen
stationären Gesundheitszustand (IV-act. 53 und 59).
A.h Vom 1. Juni bis 30. Juni 2015 liess sich der Versicherte in der Privatklinik F._
behandeln. Auch hier wurde unter anderem eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode, diagnostiziert (IV-act. 67).
A.i Am 29. Februar 2016 führte die IV-Stelle im Betrieb des Versicherten eine Abklärung
durch. Die IV-Stelle ermittelte gestützt auf den Betätigungsvergleich einen
Invaliditätsgrad von 50% und gestützt auf den Einkommensvergleich von 20%. Sie
erachtete Letzteren als massgeblich (IV-act. 93).
A.j Mit Vorbescheid vom 23. Mai 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 20% in Aussicht (IV-
act. 96). Am 7. Juli 2016 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid (IV-act.
97)
B.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.a Gegen diese Verfügung erhebt der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter am
25. August 2016 Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen. Er
beantragt, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin,
die Aufhebung der Verfügung vom 7. Juli 2016 und die Zusprache einer mindestens
halben Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Mai 2013. Eventualiter sei die Sache an die
Beschwerdegegnerin zur Neubeurteilung seines Anspruchs auf eine Invalidenrente
gemäss dem ausserordentlichen Bemessungsverfahren zurückzuweisen. Es wird
geltend gemacht, dass der Beschwerdeführer bereits seit der Operation des
Speiseröhrenkrebses im Januar 2008 in seiner Leistungsfähigkeit beeinträchtigt
gewesen sei. Der Beratungs- und Provisionsertrag sowie das Einkommen habe sich
trotz der Einstellung eines Mitarbeiters seitdem reduziert. Er erhalte aus seiner
Vermittlungstätigkeit weiterhin Courtagen von Versicherern, weshalb er immer noch
Umsätze generiere, auch wenn seine Leistungsfähigkeit gesundheitlich beeinträchtigt
sei. Der Versicherungsmaklermarkt sei durch konjunkturelle Schwankungen geprägt.
Eine verlässliche Ausscheidung der invaliditätsfremden Einkommensanteile sei daher
nicht möglich, weshalb der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers gestützt auf einen
ausserordentlichen Betätigungsvergleich zu bestimmen sei. Für den Fall, dass die
Bemessung des Invaliditätsgrades des Beschwerdeführers wider Erwarten anhand
eines Einkommensvergleichs vorzunehmen sei, sei zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin beim hypothetischen Valideneinkommen auf das
durchschnittliche Jahreseinkommen in den Jahren 2010 bis 2012 abgestellt habe,
obwohl der Beschwerdeführer in diesem Zeitraum bereits gesundheitlich eingeschränkt
gewesen sei. Bei der Bemessung des Valideneinkommens sei auf den
Durchschnittsverdienst der Jahre 2003 bis 2007 abzustellen. Des Weiteren moniert der
Beschwerdeführer, dass sich die Beschwerdegegnerin bei der Beurteilung des
Anspruchs auf eine Invalidenrente auf eine ungenügende Grundlage stütze. Die
Beschwerdegegnerin habe es unterlassen, eigene Abklärungen hinsichtlich seiner
Gesundheitsbeeinträchtigung anzustellen und stelle auf ein von seiner privaten
Lebensversicherung, der G._, in Auftrag gegebenes Fremdgutachten ab. Das
Gutachten sei im vorliegenden IV-Verfahren nicht verwertbar, da bei dessen Erstellung
sein rechtliches Gehör nicht gewahrt worden sei. Das Gutachten weise ausserdem
Schwachstellen auf, was auch der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) in seiner
Stellungnahme vom 4. August 2015 bestätigt habe (act. G 1).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 20. Oktober 2016 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie bringt vor, dass es bei Selbständigerwerbenden
nichts Aussergewöhnliches sei, dass gewisse Bestandteile des Erwerbseinkommens
unabhängig von aktuell verrichteten Tätigkeiten anfallen würden. Weil der
Beschwerdeführer seine selbständige Erwerbstätigkeit seit 1989 ausübe, sei dieser
Effekt seit längerem in seinen Erwerbseinkommen enthalten, so dass allein der
Umstand nicht gegen einen Einkommensvergleich spreche, zumal die geltend
gemachten Courtagen unstrittig zum Einkommen gehören würden. Die
Abklärungsperson habe in ihrer Stellungnahme vom 10. Oktober 2016 zu Recht
festgehalten, dass die Betriebsverhältnisse des Beschwerdeführers überschaubar
seien und das Betriebseinkommen seit dem Ausscheiden des einzigen Mitarbeiters per
Ende 2015 sogar ausschliesslich durch ihn generiert werde. Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers sei es nicht möglich, seinen Invaliditätsgrad gestützt auf einen
Betätigungsvergleich zu bestimmen. Die Auswirkungen der kognitiven
Einschränkungen des Beschwerdeführers auf seinen Betrieb aufgrund seiner
Depression bzw. Anpassungsstörung könnten mittels einer betrieblichen Abklärung
nicht zuverlässig erfasst werden. Die Beschwerdegegnerin habe deshalb den
Invaliditätsgrad zu Recht gestützt auf den Einkommensvergleich bestimmt. Des
Weiteren hält die Beschwerdegegnerin fest, dass nicht durch echtzeitliche
medizinische Berichte belegt sei, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Operation
des Speiseröhrenkrebses im Januar 2008 in seiner Leistungsfähigkeit über eine längere
Zeitperiode beeinträchtigt gewesen sei (act. G 4).
B.c Am 2. November 2016 reicht der Rechtsvertreter die Replik ein (act. G 6). Die
Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act. G 8).
B.d Mit Schreiben vom 14. März 2017 reicht der Rechtsvertreter zwei medizinische
Berichte vom 10. November 2016 und vom 12. Januar 2017 nach. Für den Fall, dass
das Versicherungsgericht wider Erwarten bei der Berechnung des IV-Grades für das
Valideneinkommen nicht auf das Einkommen vor Ende 2007 abstellen sollte, werde ein
Gerichtsgutachten zu den gesundheitlichen Einschränkungen seit Ende 2007 und
deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bzw. das Einkommen beantragt (act. G 9).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.e Das Versicherungsgericht leitet am 16. März 2017 die Eingabe des
Rechtsvertreters samt Beilagen (Arztbericht der neuropsychologischen Untersuchung
vom 10. November 2016 und der Abschlussbericht der Klinik H._ vom 12. Januar
2017) zur Kenntnisnahme an die Beschwerdegegnerin (act. G 10).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG
besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%
invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf
eine Viertelsrente.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und
das Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.
In einem ersten Schritt ist die Frage zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt
rechtsgenüglich abgeklärt worden ist und die Arbeitsfähigkeit in angestammter sowie
adaptierter Tätigkeit bestimmt werden kann.
2.1 Der Beschwerdeführer beanstandet in formeller Hinsicht, die Beschwerdegegnerin
hätte unter Umgehung der in Art. 44 ATSG garantierten Verfahrensrechte auf das vom
Lebensversicherer eingeholte psychiatrische Gutachten abgestellt. Der Grundsatz der
freien Beweiswürdigung verlangt eine umfassende, inhaltsbezogene, verantwortliche
und der behördlichen Begründungspflicht genügende Prüfung aller Beweismittel
unabhängig von ihrer Herkunft und ohne Bindung an förmliche Beweisregeln.
Praxisgemäss spricht auch ein im Auftrag eines Lebensversicherers erstelltes
Gutachten nicht gegen dessen Beweiswert im Verfahren betreffend Prüfung eines
Rentenanspruchs nach IVG. Der Beschwerdeführer hatte im Vorbescheidverfahren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gelegenheit, stichhaltige Einwendungen gegen das fragliche Gutachten zu erheben.
Soweit er eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend macht, legt
er nicht dar, worin diese bestehen soll. Weder formulierte er in Bezug auf das
beanstandete Gutachten konkrete Ergänzungsfragen, welche dem Experten hätten
gestellt werden müssen, noch bringt er im Einzelnen personenbezogene Einwände
gegen den Gutachter vor. Es finden sich mithin keine Gründe, welche gegen die
Beweistauglichkeit dieses Fremdgutachtens sprechen. Den vom Lebensversicherer
nicht im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten kommt der Beweiswert
versicherungsinterner ärztlicher Feststellungen zu (Urteil des Bundesgerichts vom 1.
Juli 2016, 8C_71/2016, E.5.3; unter anderem mit Hinweis auf Urteil 8C_486/2015 vom
30. November 2015 E. 4.1.3).
2.2
2.2.1 In der Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen vom 16. Mai 2014 gab der
Beschwerdeführer an, dass er an Depression (Burnout) leide. Die gesundheitliche
Beeinträchtigung sei ärztlich seit 10. Dezember 2013 bestätigt (IV-act. 1). Der Hausarzt
Dr. med. I._, FA innere Medizin, attestierte dem Beschwerdeführer aufgrund seiner
Untersuchung am 7. Januar 2014 eine Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 50% vom 10.
Dezember 2013 bis 4. Februar 2014 bzw. bis und mit 11. Februar 2014
(Arbeitsunfähigkeitszeugnis, IV-act. 2). Im ärztlichen Zeugnis für die Zürich Schweiz,
Leistungen Personenversicherungen, vom 9. Januar 2014 führte Dr. I._ unter der
Diagnose eine reaktive Depression an (IV-act. 17). Vom 12. Februar bis 8. April 2014
hielt sich der Beschwerdeführer stationär in der Reha Klinik B._ auf. Die
behandelnden Ärzte diagnostizierten beim Beschwerdeführer unter anderem eine
mittelgradige depressive Episode (F32.1) bei psychophysischem Erschöpfungszustand
(Z73.0). Der Beschwerdeführer sei wegen Krankheit vom 12. Februar bis 13. April 2014
zu 100% arbeitsunfähig. Ein schrittweiser Wiedereinstieg mit 50% Pensum sei ab dem
14. April 2014 möglich (IV-act. 2, 3 und 17). Im Arztbericht vom 25. Juni 2014 hält Dr.
D._ fest, dass der Beschwerdeführer erstmalig bei ihm im November 2011 wegen
Depression behandelt worden sei. Der Beschwerdeführer neige zum Dissimulieren
seiner depressiven Symptomatik. Als Diagnose gab Dr. D._ an, dass der
Beschwerdeführer an rezidivierender Depression, gegenwärtig mittelgradige Episode
(F33.11), sowie psychophysischem Erschöpfungszustand (Z73.0) leide (IV-act. 23). Die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ärzte der Klinik C._, in welcher sich der Beschwerdeführer während sechs Wochen
(23. Juli bis 5. September 2014) in stationärer suchttherapeutischer Behandlung
befand, stellten ebenfalls die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode, sowie ein Alkoholabhängigkeitssyndrom,
gegenwärtig abstinent (IV-act. 52). Auch Dr. I._ notierte im Arztbericht vom 6.
November 2014, dass beim Beschwerdeführer eine mittelgradige Depression bei
psychopsychologischer (gemeint wohl: psychophysischer) Erschöpfung vorliege (IV-
act. 39). Dr. D._ vermerkte am 6. Dezember 2014 im Arztbericht eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, und eine Alkoholabhängigkeit,
gegenwärtig abstinent. Zudem hielt Dr. D._ fest, dass die psychiatrische Erkrankung
seit ca. 2007 bestehe (IV-act. 42). Am 5. Mai und 8. Oktober 2015 attestierte Dr. D._
dem Beschwerdeführer einen stationären Gesundheitszustand (IV-act. 53 und 59). Am
1. Juni 2015 begab sich der Beschwerdeführer in eine vierwöchige stationäre
Behandlung in die Klink F._. Auch hier stellten die behandelnden Ärzte die Diagnose
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (vgl.
Schlussbericht vom 17. September 2014, IV-act. 67). Während des Klinikaufenthaltes
war er zu 100% arbeitsunfähig, vom 1. Juli bis 15. Juli 2015 zu 75% (IV-act. 60).
2.2.2 Dr. E._ stellte im psychiatrischen Gutachten vom 12. Mai 2015 unter anderem
die Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F
43.21), gegenwärtig depressive Symptomatik in leichtem Ausmass. Die
therapeutischen Massnahmen hätten eine weitere Verschlechterung des psychischen
Zustandes verhindern können und hätten anlässlich der Exploration vom 28. April 2015
sogar zu einer Linderung der depressiven Symptome geführt. Der Beschwerdeführer
habe anlässlich der Exploration leichte depressive Symptome mit leichten bis
mittelschweren Einschränkungen der psychokognitiven Funktionen, insbesondere der
allgemeinen psychischen Ausdauer bzw. der Durchhaltefähigkeit sowie eingeschränkte
geistige Flexibilität aufgewiesen (act. G 4.2/2). In der bisherigen Tätigkeit sei er zu 50%
arbeitsfähig seit dem 10. Dezember 2013. Während der stationären Behandlungen sei
er intermittierend zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Für ideal adaptierte Tätigkeiten,
z.B. für eine ausschliessliche Büroarbeit, wäre der Beschwerdeführer zu 100%
arbeitsfähig, für Tätigkeiten im Aussendienst zu 50%. Gegenwärtig seien Tätigkeiten
mit sehr hohen Anforderungen an die psychische Belastbarkeit und geistige Flexibilität
(Aussendienst-Tätigkeit) sowie Nachtarbeit nicht zu empfehlen (act. G4.2-9f.).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2.3 Sowohl der behandelnde Arzt Dr. D._ als auch die Ärzte der Klinik C._, der
Reha Klinik B._ und der Privatklinik F._ stellten die gleichen Diagnosen, welche
sich auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirken, nämlich eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10:
F33.11), sowie eine Alkoholabhängigkeit, gegenwärtig abstinent (ICD-10: F10.20).
Lediglich Dr. E._ stellte am 28. April 2015 die Diagnose einer Anpassungsstörung mit
längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F 43.21), gegenwärtig depressive Symptomatik
in leichtem Ausmass. Die RAD-Ärztin legt in ihrer Stellungnahme vom 4. August 2015
dar, dass sich im psychiatrischen Fremdgutachten der G._ Schwachstellen finden
würden. Eine Ungenauigkeit bestehe darin, dass die von Dr. E._ per Testung
erhobene, mittelgradig beeinträchtigende Angststörung in der Diagnosediskussion
nicht erwähnt werde. Ein weiterer Angriffspunkt finde sich in der nicht als
abschliessend zu übernehmenden Diagnose von Dr. E._, es handle sich um eine
leichtere und prognostisch günstigere "Anpassungsstörung". Nach nun zweijähriger
depressiver Symptomatik zeige sich dies nicht bestätigt (IV-act. 63). Unabhängig von
der Diagnosestellung wurde dem Beschwerdeführer jedoch für die bisherige Tätigkeit
übereinstimmend eine Arbeitsfähigkeit von 50%, bestehend seit dem 10. Dezember
2013, attestiert, jeweils unterbrochen durch eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
während der stationären Aufenthalte (vgl. act. G4.2.2-10, Ziff. 8.6).
2.2.4 Während der Gutachter Dr. E._ noch eine weitere Besserung des
Gesundheitszustandes für möglich hielt und somit von einer vollen Wiederherstellung
der Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit ab dem 1. Juli 2015 ausging (act.
G4.2.2-10, Ziff. 8.1), zeigt der folgende Verlauf, dass keine langanhaltende Besserung
eintrat bzw. dass es bei einer ungefähr 50%-igen Arbeitsfähigkeit für die angestammte
sowie adaptierte Tätigkeiten des Beschwerdeführers bleibt. So wurde der
Beschwerdeführer vom 1. bis 30. Juni 2015 stationär in der Klinik F._ behandelt
(Austrittsbericht vom 15. Juli 2015, act. 67) und Dr. D._ hielt im Verlaufsbericht vom
8. Oktober 2015 eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes im Lauf des Mai
2015 fest und attestierte nach der Entlassung aus der Klinik eine Arbeitsunfähigkeit von
70% bis Ende September 2015 und anschliessend wieder eine solche von 50% (IV-act.
69). Der RAD hielt die Angaben des Behandlers für plausibel und attestierte dem
Beschwerdeführer für die langjährig angestammte Tätigkeit durchschnittlich eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund des generell reduzierten Antriebes,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verlangsamung, kognitiver Einschränkungen sowie daraus resultierend eines
erschwerten Kundenkontakts. Die nahezu lebenslange, routinierte Tätigkeit als
selbständiger Versicherungsmakler müsse als weitgehend adaptiert gelten. Einzig die
nötige Kundenakquisition sei bei depressiver Störung, auch wenn durchführbar, so
doch sicher weniger erfolgreich aufgrund fehlender Überzeugungskraft. In diesem
Teilbereich der gegenwärtigen Tätigkeit bestehe demnach eine höhere Einschränkung
als 50%. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit müsse angenommen werden, dass in
einer anderen, neuen Tätigkeit im Angestelltenverhältnis ohne Kundenakquisition auch
keine höhere Arbeitsfähigkeit als 50% zu erwarten wäre, wegen der beschriebenen, auf
niedrigem Niveau schwankenden Belastungsfähigkeit, die bei Selbständigkeit je nach
Tagesverfassung ideal verwertet werden könne. Es müsste, bei der bekannten
Vorgeschichte, sogar mit erneuter völliger Dekompensation gerechnet werden, sollte
der Beschwerdeführer auf seine bisherige Tätigkeit verzichten müssen, da das
Selbstbild, die Identifikation als Selbständigerwerbender und damit das
Selbstwertgefühl wegbrechen würden (nachdem schon die anderen Selbstwert
stützenden Parameter verloren gegangen seien: Gesundheit, Erfolg, Beziehung zu
Ehefrau und Kindern; RAD-Stellungnahme vom 15. Oktober 2015, IV-act. 70). Der RAD
und somit die Beschwerdegegnerin haben damit keineswegs die optimistischere
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ für massgebend erachtet, sondern die
nachfolgende Entwicklung des Gesundheitszustandes berücksichtigt und die
Arbeitsfähigkeit zudem in Einklang mit den Angaben von Dr. D._ festgelegt. Somit ist
die Würdigung des Gutachtens E._ korrekt erfolgt und nicht zu beanstanden. Es ist
somit von einer seit dem 10. Dezember 2013 bestehenden 50%igen Arbeitsunfähigkeit
für die angestammte sowie für adaptierte Tätigkeiten auszugehen. Während den
stationären Behandlungen, die alle nicht länger als wenige Wochen dauerten, war die
Arbeitsfähigkeit jeweils vollständig aufgehoben.
2.2.5 Mit Schreiben vom 14. März 2017 reichte der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter weitere medizinische Unterlagen vom 10. November 2016 und vom 12.
Januar 2017 ein. Der Rechtsvertreter führte aus, dass sich der Beschwerdeführer
aufgrund von zwei Unfallereignissen im Verkehr zur Abklärung ins Spital J._ begeben
habe. Anlässlich dieser Abklärungen habe festgestellt werden können, dass er seit
2008 an einer leichten bis mittelschweren kognitiven Störung mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit leide. In der Beurteilung im Abschlussbericht der Klinik H._ seien
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
anticholinerge Nebenwirkungen der Medikation beschrieben worden (act. G 9). Am 31.
Oktober 2016 liess sich der Beschwerdeführer neuropsychologisch untersuchen.
K._, M. Sc. Neuropsychologe und die Leitende Ärztin der Neurologie, PD Dr.med.
L._, kamen zum Schluss, dass aus neuropsychologischer Sicht die
testpsychologischen Befunde in Kombination mit dem klinischen Eindruck und den
anamnestischen Angaben - mit erhaltener Selbständigkeit im Alltag - einer leichten
neurokognitiven Störung (DSM-5: Mild Neurocognitive Disorder) entsprechen würden.
Zur Erweiterung der Diagnostik wurde am 6. Dezember 2016 beim Psychiater Dr. med.
M._ eine Untersuchung durchgeführt. Er diagnostizierte beim Beschwerdeführer eine
leichte bis mittelgradige neuropsychologische Störung sowie eine depressive Störung,
gegenwärtig eine leichte bis mittelschwere depressive Symptomatik. Aufgrund der
mittelgradigen neuropsychologischen Störung bestehe aus neuropsychiatrischer Sicht
eine Arbeitsunfähigkeit von 50% (act. G 9.1 und 9.2).
2.3 Diesen weiteren Unterlagen ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer die
Alkoholabstinenz offenbar für rund ein Jahr im 2014/2015 eingehalten hat und seit Mai
2016 unter Antabus wieder eine Abstinenz einhält. Weiter attestieren die Behandler aus
psychiatrischer/neuropsychologischer Sicht ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 50%,
was mit der zuvor dargelegten Arbeitsunfähigkeit korreliert, zumal diese durch
dieselben Beeinträchtigungen hervorgerufen wird. Der Beschwerdeführer macht
gestützt auf diese medizinischen Akten geltend, dass seine (neurologischen)
Einschränkungen bereits seit dem 2008 bestünden und bereits damals Auswirkungen
auf seine Arbeitsfähigkeit bzw. sein Einkommen gehabt hätten. Dabei ist jedoch zu
beachten, dass die neuropsychologische/neuropsychiatrische Untersuchung vom 31.
Oktober sowie vom 6. Dezember 2016 keine Schlüsse auf den Gesundheitszustand im
Jahr 2008 zulassen. In beiden Berichten wird wiedergegeben, dass der
Beschwerdeführer über eine subjektive Kognitionsstörung seit 2008 berichte (act. G.
9.1-1 und G.9.2-2). Dabei handelt es sich um eigenanamnestische Angaben. Wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht festhält, fehlt es an echtzeitlichen medizinischen
Unterlagen, die eine Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
seit 2008 bis 2013 erlauben würden. Demnach ist auch von weiteren Abklärungen für
diesen Zeitraum kein Aufschluss zu erwarten. Wie bereits vorab (E.2.2.5) festgestellt, ist
von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit in angestammter sowie adaptierter Tätigkeit
auszugehen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
3.1 Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung folgt aus der
sozialversicherungsrechtlichen Schadenminderungspflicht, dass es einer versicherten
Person grundsätzlich - ohne Gewährung einer Anpassungsfrist - zumutbar ist, eine
unselbstständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen, sofern damit eine wesentlich bessere
Verwertung der Restarbeitsfähigkeit erreicht werden kann; das heisst, sie hat sich im
Rahmen der Invaliditätsbemessung jene Einkünfte anrechnen zu lassen, die sie bei
Aufnahme einer leidensangepassten unselbstständigen Erwerbstätigkeit in zumutbarer
Weise verdienen könnte. Bei der Frage der Zumutbarkeit einer Aufgabe der
selbständigen Erwerbstätigkeit sind praxisgemäss die gesamten subjektiven und
objektiven Gegebenheiten des Einzelfalls zu berücksichtigen. Im Vordergrund stehen
bei den subjektiven Umständen die verbliebene Leistungsfähigkeit sowie die weiteren
persönlichen Verhältnisse, wie das Alter, die berufliche Stellung und die Verwurzelung
am Wohnort. Bei den objektiven Umständen sind insbesondere der ausgeglichene
Arbeitsmarkt und die noch zu erwartende Aktivitätsdauer massgeblich (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. November 2015, 8C_492/2015, E. 2.2 mit weiteren
Hinweisen). Bei den Anforderungen, welche unter dem Titel der Schadenminderung an
die versicherte Person gestellt werden, darf sich die Verwaltung nicht einseitig vom
öffentlichen Interesse an einer sparsamen und wirtschaftlichen Versicherungspraxis
leiten lassen, sondern sie hat auch die grundrechtlich geschützten
Betätigungsmöglichkeiten der leistungsansprechenden Person in ihrer
Lebensgestaltung angemessen zu berücksichtigen. Welchem Interesse der Vorrang
zukommt, kann nicht generell entschieden werden. Als Richtschnur gilt, dass die
Anforderungen an die Schadenminderungspflicht zulässigerweise dort strenger sind,
wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversicherung in Frage steht. Dies trifft
insbesondere zu, wenn der Verzicht auf schadenmindernde Vorkehren
Rentenleistungen auslösen würde (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Juli 2009,
8C_459/2009, E. 4.3.1).
3.2 Der Beschwerdeführer arbeitet als selbständig erwerbender Versicherungsmakler.
Er erklärte bereits zu Beginn telefonisch gegenüber der Beschwerdegegnerin, dass er
weiterhin als selbständiger Versicherungsmakler tätig bleiben wolle und keine
beruflichen Massnahmen wünsche (IV-act. 8-3). Dementsprechend teilte die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin am 23. Mai 2014 mit, dass keine beruflichen Massnahmen
angezeigt seien und das entsprechende Verfahren abgeschlossen werde (IV-act. 11).
3.3 Mit der RAD-Ärztin ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mit seinen
gesundheitlichen Einschränkungen und den daraus resultierenden Adaptionskriterien
bezüglich zumutbarer Tätigkeit seine restliche Arbeitsfähigkeit tatsächlich in seinem
angestammten Tätigkeitsgebiet am besten verwerten kann und dieses entsprechend
damit auch als ideal adaptiert anzusehen ist. Es ist zudem nicht davon auszugehen,
dass er als Angestellter bei einer Leistung von 50% ein höheres Einkommen würde
erzielen können. Als unselbständiger Versicherungsmakler hätte der Beschwerdeführer
im Jahr 2012 (letztes Jahr vor Beginn der ärztlich bescheinigten gesundheitlichen
Beeinträchtigungen) bei voller Arbeitsfähigkeit ein Jahreseinkommen von 12 x Fr.
13'256.-- = Fr. 159'072.-- erzielen können (vgl. PH. MÜHLHÄUSER, Lohnbuch 2012,
Hrsg.: Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich, S. 380 [mit Finanz- und
Versicherungsdienstleistungen verbundene Tätigkeiten], Führungskräfte, 50-65 Jahre).
Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung beliefe sich das Einkommen für
das Jahr 2014 auf Fr. 161'398.-- (Bundesamt für Statistik [BFS], Lohnentwicklung,
Tabelle T39, Indices Männer 2012: 2188; 2014: 2220) bzw. bei einer Arbeitsfähigkeit
von 50% auf Fr. 80'699.--. Selbst wenn der Beschwerdeführer im Jahr 2012 eine nicht
besonders qualifizierte kaufmännische Tätigkeit mit einem Rendement von 100% hätte
ausführen können, hätte sich das entsprechende Einkommen als unselbständig
Erwerbender auf lediglich Fr. 86'515.-- belaufen (PH. MÜHLHÄUSER, a.a.O., S. 370,
Stufe C, 55 - 59 Jahre, 13 x Fr. 6'655.--) bzw. bei Berücksichtigung einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit hätte es Fr. 43'258.-- betragen und wäre unter dem tatsächlichen
Jahreseinkommen 2014/2015 aus selbständiger Tätigkeit gelegen. Die Erfolgsrechnung
ergab nämlich für das Jahr 2014 einen Gewinn von Fr. 80'650.-- und für das Jahr 2015
von Fr. 79'771.-- (IV-act. 92). Zum Durchschnitt der beiden Jahreseinkommen von Fr.
80'650.-- und Fr. 79'771.-- sind die AHV-Beiträge von 9,7% hinzuzurechnen, womit der
Beschwerdeführer als selbständig Erwerbstätiger in den Jahren 2014 und 2015
durchschnittlich ein Einkommen von 87'991.-- erzielte.
3.4 Solange sich das Einkommen des Beschwerdeführers aus seiner selbständigen
Tätigkeit nicht erheblich verringert, ist er nicht gehalten, diese aufgrund seiner
Schadenminderungspflicht aufzugeben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. April
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2013, 8C_873/2012, E.5, wonach ein Stellenwechsel nicht verlangt werden kann, wenn
das mögliche Einkommen aus einer Verweisungstätigkeit deutlich unter dem mit der
Restarbeitsfähigkeit im angestammten Beruf erzielbaren Einkommen liegt). Einer
solchen Entwicklung wäre im Rahmen einer erwerblichen Revision Rechnung zu
tragen. Sodann würde gemäss der Einschätzung der RAD-Psychiaterin ein
erzwungener Wechsel mit einer massgeblichen gesundheitlichen Verschlechterung
einhergehen. Zudem war der Beschwerdeführer praktisch sein ganzes Berufsleben lang
als selbständiger Versicherungsmakler tätig, und dies sehr erfolgreich. Selbst in
Anbetracht der verbleibenden Aktivitätsdauer im Zeitpunkt der letzten RAD-
Stellungnahme vom Oktober 2015 von immerhin etwas mehr als 7 1⁄2 Jahren ist dem
Beschwerdeführer der Wechsel in ein Angestelltenverhältnis nicht mehr zumutbar.
Demnach ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer weiterhin als
selbständiger Versicherungsmakler tätig sein wird.
4.
In einem nächsten Schritt ist zu beurteilen, welche Bemessungsmethode für die
Ermittlung des massgebenden IV-Grades vorliegend zur Anwendung gelangt und der
IV-Grad dementsprechend zu ermitteln.
4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, der Invaliditätsgrad sei nach der Methode
des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens zu ermitteln. Zum einen sei eine
verlässliche Ausscheidung der Einkommensanteile nicht möglich und zum anderen
würden die Geschäftsergebnisse erheblichen Schwankungen unterliegen. Für den Fall,
dass der Invaliditätsgrad mittels Einkommensvergleichs ermittelt werde, sei zu
beachten, dass die gesundheitlichen Probleme Ende 2007 bereits eingetreten seien
und das nachfolgende Einkommen bereits aus gesundheitlichen Gründen reduziert
gewesen sei. Gemäss dem Durchschnittsverdienst der Jahre 2003 bis 2007 von Fr.
171'020.-- entspreche die Einkommenseinbusse gegenüber den Durchschnittszahlen
der Jahre 2014 und 2015 von Fr. 87'991.-- in etwa 50%, was mit der Einschränkung
gemäss Betätigungsvergleich übereinstimme.
4.2 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad in der Regel aufgrund eines
Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zum Erwerbseinkommen gesetzt, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen
ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im
Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und sind die so gewonnenen
Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Lassen sich die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an
die spezifische Methode für Nichterwerbstätige ein Betätigungsvergleich anzustellen
und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der
verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen
(ausserordentliches Bemessungsverfahren; BGE 128 V 29 E. 1 mit Hinweisen sowie E.
2). Die Rechtsprechung sieht somit für selbständig wie für unselbständig Erwerbende
für die Invaliditätsbemessung primär einen Einkommens- oder Prozentvergleich vor,
und erst wenn diese Bemessungsmethoden nicht möglich sind, gelangt das
ausserordentliche Bemessungsverfahren zur Anwendung. Die Bemessung der
Invalidität von Personen, die eine Erwerbstätigkeit ausüben, hat also wenn immer
möglich durch die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs zu erfolgen (Urteil
des Bundesgerichts vom 7. Juli 2016, 9C_812/2015, E. 4). Wo jedoch eine zuverlässige
Ermittlung der beiden Vergleichseinkommen direkt nicht möglich ist - eventuell
aufgrund der wirtschaftlichen Lage -, wird der Invaliditätsgrad nach dem
ausserordentlichen Bemessungsverfahren ermittelt (BGE 128 V 29; I 230/04; AHI-Praxis
1998 S. 119 und 251).
4.3 Die Beschwerdegegnerin ermittelte 2016 den Invaliditätsgrad mittels
Einkommensvergleichs nach Art. 16 ATSG, wobei sie die Einkünfte sämtlicher
geschäftlicher Tätigkeiten des Beschwerdeführers in den Jahren 2010 bis 2012 als
Valideneinkommen Fr. 110'000.-- bzw. in den Jahren 2014 und 2015 ein
Invalideneinkommen von Fr. 87'991.-berücksichtigte. Der Beschwerdeführer habe vor
der gesundheitlichen Beeinträchtigung in den Jahren 2010 bis 2012 ein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
durchschnittliches Jahreseinkommen von Fr. 110'000.-- erzielen können. In den Jahren
2014 und 2015 sei es ihm mit Einschränkungen möglich gewesen, ein
Jahreseinkommen von Fr. 87'991.-- zu erzielen. Die Erwerbseinbusse betrage somit Fr.
22'009.--. Die Beschwerdegegnerin errechnete daraus einen Invaliditätsgrad von 20%
(vgl. Verfügung vom 7. Juli 2016, IV-act. 97).
4.4 Gemäss IK-Auszug präsentieren sich die AHV-pflichtigen Einkommen wie folgt: zu
Beginn der selbständigen Erwerbstätigkeit waren die Einkommen niedrig und wuchsen
seit Mitte der neunziger Jahre über Fr. 60'000.-- auf Fr. 90'000.-- an. Im Jahr 2000
stieg das Einkommen auf Fr. 143'200.--, 2001 sogar auf Fr. 241'300.--. Anschliessend
schwankte es von 2002 bis 2007 um Fr. 160'000.-- bis Fr. 180'000.-- und sank im Jahr
2008 auf Fr. 115'300.--. Bis zum Jahr 2012 lag es durchschnittlich etwas über Fr.
100'000.-- (IV-act. 18). Für das Jahr 2013 betrug das AHV-pflichtige Einkommen
gemäss Buchhaltungsunterlagen noch Fr. 74'600.-- (reines Betriebseinkommen Fr.
67'438.--). Für die Jahre 2014 und 2015 erwartete der Beschwerdeführer einen
weiteren Rückgang, wobei die reinen Betriebseinkommen gemäss
Buchhaltungsunterlagen für das Jahr 2014 Fr. 80'650.-- sowie 2015 Fr. 79'771.--
betrugen (IV-act. 93-5 und 92).
4.5 Nicht geklärt ist, wie es sich mit der Arbeitsunfähigkeit seit 2007 verhielt und ob
diese bereits Auswirkungen auf das erwirtschaftete Einkommen hatte bzw. inwieweit
der Einkommensrückgang in den Jahren 2008 und 2009 auf
invalidenversicherungsrechtlich relevante Faktoren zurückzuführen ist. Nachdem der
Beschwerdeführer im Betrieb mit der Hilfe seiner Ehefrau und der Anstellung eines
Mitarbeiters Umstellungen vorgenommen hat, sich in der Versicherungsbranche
allgemein Veränderungen ergeben haben, er angab, früher jeweils 150% gearbeitet zu
haben, anschliessend die Eheprobleme, der Umzug des Geschäfts dazu kamen und
sich das Alkoholproblem verschärft hatte und nicht zuletzt die Einnahmen
branchenspezifisch teilweise mit einer Verzögerung und teilweise nachträglich während
einiger Zeit generiert werden konnten, lässt sich das hypothetische Valideneinkommen
weder berechnen, hochrechnen noch aufgrund von Durchschnittswerten vernünftig
schätzen (vgl. dazu Entscheid des Versicherungsgerichts vom 2. März 2018, IV 2016/4,
E. 2.2, mit Verweis auf RALPH JÖHL, Die Invaliditätsbemessung bei selbständig
Erwerbstätigen in der IV, in: JaSo 2014, S. 159 ff.). Überdies bildet auch das erzielte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Invalideneinkommen nicht direkt die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers ab.
Zum einen erzielt er nach wie vor aus früheren Geschäften Einnahmen, lässt sich
teilweise unterstützen und sind massgebliche konjunkturelle Schwankungen ebenso
wenig auszuschliessen. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer die Aufträge früher
regelmässig über bestehende Beziehungen generieren konnte und in dieser Hinsicht
keinen Aufwand betreiben musste. Es kann daher nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer ohne
Eintritt des invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschadens weiterhin
Einkommen in der Höhe von Fr. 170'000.-- bis über Fr. 200'000.-- erzielt hätte. Das
Valideneinkommen lässt sich somit nicht nach dem tatsächlichen
Vorinvaliditätseinkommen bemessen (vgl. U. MEYER/M. REICHMUTH, Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl., Zürich
2014, Art. 28a, Rz 51, mit Verweisen auf die Rechtsprechung). Auf das tatsächliche
Invalideneinkommen der Jahre 2014/2015 kann nicht abgestellt werden, nachdem die
erforderliche Stabilität fehlt (BGE 129 V 472, E. 4.2.1, mit weiteren Verweisen; Urteil
vom 25. November 2016, 9C_532/2016, E. 4.1.1). Unter Berücksichtigung der
Einkommenszahlen, der Organisation des Betriebes, der Natur des Betriebes, der
Entwicklung des Gesundheitszustandes und der zugrundezulegenden Arbeitsfähigkeit
für angestammte sowie adaptierte Tätigkeiten greift der von der Beschwerdegegnerin
vorgenommene Einkommensvergleich, der das Valideneinkommen ausschliesslich
nach den Einkommen der Jahre 2010 bis 2012 bemisst, in mehrfacher Hinsicht zu kurz
und ist der Invaliditätsgrad folglich mit einem Betätigungsvergleich zu bestimmen.
4.6 Der Beschwerdeführer ist gemäss den medizinischen Akten aufgrund seines
generell reduzierten Antriebs, der Verlangsamung, seiner kognitiven Einschränkung
sowie aufgrund des erschwerten Kundenkontaktes in seiner Arbeitsfähigkeit zu 50%
eingeschränkt (IV-act. 70; vgl. E. 2 hiervor). Die Beschwerdegegnerin führte am 29.
Februar 2016 im Betrieb des Beschwerdeführers eine Abklärung durch. Die IV-
Abklärungsperson hielt im Abklärungsbericht für Selbständigerwerbende vom 24. März
2016 fest, dass der Beschwerdeführer vor Eintritt der Einschränkung 45 bis 50 Stunden
pro Woche in seinem Betrieb arbeitete. Zudem beschäftigte er bis Dezember 2015
einen Mitarbeiter, der vier Tage (32 Stunden pro Woche) im Back-Office tätig war. Die
Ehefrau habe den Beschwerdeführer bis 2013 im Betrieb unterstützt. Sie sei für das
Archiv zuständig (sortieren, ordnen etc.) und in einem Pensum von 40% angestellt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gewesen. Nach Eintritt der Einschränkung und dem Ausscheiden der beiden
Mitarbeitenden habe der Beschwerdeführer administrative Unterstützung bei der N._
GmbH eingekauft, wofür 10% der Courtage in Abzug gehen würden (IV-act. 93). Weiter
führt die IV-Abklärungsperson aus, dass der Beschwerdeführer mehr oder weniger eine
volle Präsenz habe, bei reduzierter Leistung. Diese beschränke sich auf die Betreuung
und Pflege der bestehenden Kundschaft. Die Akquisition von Neukunden sei nicht
mehr vorhanden, weil die Empfehlungen und Vermittlungen durch die Treuhandbüros
ausbleiben würden. Dies hänge offensichtlich mit seinen Ausfällen und Abwesenheiten
während der letzten Jahre zusammen. Der Beschwerdeführer gab an, dass die
Umsätze 2014 und 2015 die bestehenden und laufenden Mandate reflektieren würden.
Die Abgänge seien nicht mehr mit Neumandaten kompensiert worden. Dies müsste
sich in Zukunft wieder ändern. Er rechne für das 2015 nochmals mit ca. Fr. 30'000.--
weniger Umsatz als 2014. Aktuell habe er keine Lohnkosten, doch würden 10% der
Courtagen an den Auftragnehmer N._ gehen. Unbestritten sei auch der
Versicherungsmarkt härter und umkämpfter geworden, mit finanziellen Konsequenzen
an der Front (IV-act. 93-5). Weiter gab er anlässlich der Abklärung vor Ort an, er sei
verlangsamt in der Arbeit, es fehle nach wie vor an Energie, an Antrieb und an
Konzentrationsfähigkeit. Seine Tätigkeit beschränke sich momentan auf das Verwalten
der Mandate. Der jeweils grosse Aufwand mit Neukunden, d.h. diverse Offerten
einholen, Berechnungen und Bedürfnisse abklären, sei aktuell nicht gegeben. Er
verrichte nun auch Arbeiten, welche vorgängig durch die Angestellten erledigt worden
seien. Einen Teil davon habe er an die N._ delegiert. Der Tätigkeitsbereich des
Aussendienstes beinhalte die Pflege der Kundschaft, Besprechungen, Evaluationen der
Bedürfnisse und Risiken, welche versicherungsmässig abzudecken seien (IV-act. 93).
Im Abklärungsbericht wurde der Anteil Betriebsführung, Administration, Post, Büro auf
der Grundlage der getätigten Abklärungen auf 30% veranschlagt und die
Einschränkung in Kenntnis der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung auf 20%
festgelegt und im Anteil Aussendienst von 70% eine Einschränkung von 55-60%
ermittelt. Somit ergab sich für die Betriebsführung eine anteilige Arbeitsfähigkeit von
24%, während für den Aussendienst eine anteilige Arbeitsfähigkeit von 30% verblieb.
Gesamthaft wurde eine Arbeitsfähigkeit von 54% ermittelt und eine Einschränkung von
"ca. 50%" angegeben (IV-act. 93-6).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.7 Mit einem Betätigungsvergleich wird die mutmassliche invaliditätsbedingte
Erwerbseinbusse in der vorliegenden Konstellation am besten abgebildet. In
Anbetracht der medizinischen Sachlage sowie der Ergebnisse der Abklärungen sowie
der Tatsache, dass der Beschwerdeführer insbesondere bei der Akquise sowie den
Kundenkontakten - welche für einen Versicherungsmakler von grosser Bedeutung sind
- stark eingeschränkt ist, ist es sachgerecht, von einer gesamthaften Einschränkung
von 50% auszugehen. Da der Beschwerdeführer ausserdem nach wie vor in derselben
Branche tätig ist und die verschiedenen Tätigkeiten Betriebsführung, Administration,
Post- und Bürotätigkeit sowie Aussendienst allesamt die Tätigkeit des
Versicherungsmaklers bilden und sich in seinem Lohn niederschlagen, ist es vorliegend
zudem angezeigt, einen reinen Betätigungsvergleich (also ohne anschliessenden
Einkommensvergleich für die einzelnen Aufgaben bzw. erwerbliche Gewichtung) bzw.
einen Prozentvergleich vorzunehmen. Somit entspricht die ermittelte Einschränkung
dem IV-Grad. Dieses Ergebnis des Betätigungsvergleichs entspricht im Übrigen auch
jenem eines Einkommensvergleichs: Da auf das tatsächliche Validen- und
Invalideneinkommen nicht abgestellt werden kann (vgl. E. 5.7), wären bei einem
Einkommensvergleich sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen aufgrund
des Tabellenlohns als Versicherungsmakler zu bemessen (Urteil vom 4. Februar 2015,
9C_888/2014, E. 2). Aufgrund der medizintheoretischen Arbeitsunfähigkeit von 50%
resultierte ein mit dem Ergebnis des Betätigungsvergleichs übereinstimmender
Invaliditätsgrad in dieser Höhe.
4.8 Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ist seit dem 10. Dezember 2013 im
Umfang von mindestens 50% eingeschränkt und das Wartejahr folglich am 10.
Dezember 2014 abgelaufen. Die IV-Anmeldung erfolgte am 16. Mai 2014. Der
Beschwerdeführer hat in Anwendung von Art. 28 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 29 Abs. 1 IVG
ab dem 1. Dezember 2014 Anspruch auf eine halbe Rente der IV.
5.
5.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 7. Juli 2016
aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Dezember 2014 eine halbe
Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der vom Beschwerdeführer geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). In der vorliegenden
Streitsache erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.