Decision ID: e9044091-5233-4db9-8455-18e0020eb2cc
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. Aus der Steuererklärung 2015 von A (nachfolgend der Pflichtige) ergab sich
bei einem Reineinkommen von rund Fr. 97'000.- eine Vermögenszunahme gegenüber
dem Vorjahr von rund Fr. 108'000.-. Der Pflichtige erklärte dies damit, dass er 2015
"Game-Nuggets" der Lopoca Gaming Limited, Malta, im Gegenwert von rund
Fr. 266'000.- verkauft habe. Ab dem Jahr 2011 habe er einen Bestand an "Nuggets"
aufgebaut, der gemäss Steuererklärung 2014 per 31. Dezember 2014 einen Gegen-
wert von Fr. 177'955.- gehabt habe. Per 31. Dezember 2015 deklarierte der Pflichtige
noch einen Bestand von umgerechnet Fr. 1'383.-. Der beim Verkauf dieser "Nuggets"
erzielte Gewinn sei als privater Kapitalgewinn steuerfrei.
Im Rahmen des Auflageverfahrens betreffend die Steuerperiode 2015 reichte
der Pflichtige Listen sämtlicher getätigten Käufe und Verkäufe von "Nuggets" ein. Dar-
aus errechnete die Steuerkommissärin Verkaufserlöse von total EUR 251'770.- und
bezahlte Kaufpreise von total EUR 7'425.-. Die Differenz von EUR 244'345.- rechnete
sie zum Jahresmittelkurs von 1.06811464 in Fr. 260'989.- um. Dieser Betrag wurde
beim steuerpflichtigen Einkommen aufgerechnet. Ferner korrigierte sie den angegebe-
nen Vermögensteuerwert für die im Jahr 2015 erworbenen Motorfahrzeuge (deklarier-
ter Kaufpreis: Fr. 66'000.-) von Fr. 12'000.- auf Fr. 30'000.-. Dies ergab für die Veranla-
gung/Einschätzung vom 14. November 2017 folgende Steuerfaktoren:
Fr.
Direkte Bundesteuer
Steuerbares Einkommen 358'000.-
Staats- und Gemeindesteuern
Steuerbares Einkommen 357'900.-
Steuerbares Vermögen 365'000.-.
B. Dagegen erhob der Pflichtige am 7. Dezember 2017 Einsprache. Sinnge-
mäss beantragte er eine Festsetzung des steuerbaren Einkommens gemäss der
Steuererklärung, d.h. ohne die vorgenannte Aufrechnung. Eventualiter machte er gel-
tend, der Wertzuwachs im Bemessungsjahr habe nicht Fr. 260'989.-, sondern lediglich
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Fr. 88'091.- betragen, da Fr. 177'955.- bereits per 31. Dezember 2014 als Vermögen
deklariert gewesen seien.
Mit Einspracheentscheiden vom 12. Dezember 2017 wies die Vorinstanz die
Einsprachen ab. Sie hielt daran fest, dass aufgrund der Generalklausel von Art. 16
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990
(DBG) bzw. § 16 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) alle wiederkeh-
renden und einmaligen Einkünfte der Einkommenssteuer unterliegen. Dazu gehörten
auch Gewinne aus Glücksspielen (mit Ausnahme von Gewinnen bei schweizerischen
Spielbanken). Dem Pflichtigen sei der Nachweis, dass der erzielte Vermögenszuwachs
nicht der Einkommenssteuer unterliege, misslungen.
C. Dagegen liess der Pflichtige am 15. Januar 2018 Beschwerde bzw. Rekurs
erheben und – unter Kosten- und Entschädigungsfolge – beantragen, die Steuerfakto-
ren wie folgt festzusetzen:
Fr.
Direkte Bundesteuer
Steuerbares Einkommen 100'800.-
Staats- und Gemeindesteuern
Steuerbares Einkommen 100'000.-
Steuerbares Vermögen 347'000.-.
Darin wurde gegenüber der Steuererklärung eine Aufrechnung beim Einkom-
men im Betrag von Fr. 3'029.- vorgenommen, da der Pflichtige Provisionszahlungen
der Lopoca Gaming Ltd. für die Anwerbung neuer Interessenten im Betrag von
EUR 2'798.47 erzielt habe. Die Gewinne aus dem Verkauf der "Nuggets" stellten je-
doch Kapitalgewinn dar, der im privaten Bereich steuerfrei sei. Die "Nuggets" seien
diesbezüglich mit Kryptowährungen vergleichbar. Beim steuerbaren Vermögen wurde
die vorgenommene Aufrechnung bezüglich der Bewertung der Motorfahrzeuge implizit
bestritten und am Wert gemäss Steuererklärung festgehalten. Eine Begründung für
dieses Festhalten wurde jedoch nicht gegeben.
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Das kantonale Steueramt beantragte am 7. Februar 2018 Abweisung der
Rechtsmittel. Dem schloss sich die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) in der
Vernehmlassung vom 9. Mai 2018 an. Sie verwies auf den Katalog der steuerfreien
Einkünfte in Art. 24 DBG sowie auf die Steuerfreiheit für Kapitalgewinne aus der Ver-
äusserung von beweglichem Privatvermögen. Den "Nuggets" komme kein Vermö-
genswert zu, weshalb aus deren Veräusserung kein steuerfreier Kapitalgewinn erzielt
werden könne.
Nach Zustellung dieser Stellungnahmen ersuchte der Pflichtige um Frister-
streckung für die Einreichung einer Replik. Er stellte die Einreichung eines Gutachtens
zur rechtlichen Beurteilung des "Lopoca Nugget Game" in Österreich sowie eines wei-
teren Privat-Gutachtens zur Rechtslage in der Schweiz in Aussicht. Diese gingen am
6. Juli 2018 bzw. zusammen mit der Replik am 29. August 2018 ein. Das kantonale
Steueramt verzichtete auf eine Duplik. Von Seiten des Pflichtigen wurden am 25. Sep-
tember 2018 weitere Dokumente nachgereicht.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, soweit rechtserheblich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. a) Gemäss Art. 16 Abs. 1 und 3 DBG bzw. § 16 Abs. 1 und 3 StG unterlie-
gen der Einkommenssteuer alle wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte mit Aus-
nahme der Kapitalgewinne aus der Veräusserung von Privatvermögen. Der Gesetzge-
ber hat damit an dem bereits in Art. 21 Abs. 1 des Bundesratsbeschlusses vom
9. Dezember 1940 über die Erhebung einer direkten Bundessteuer (BdBSt) enthalte-
nen Grundsatz der Gesamtreineinkommensbesteuerung festgehalten. Steuerfrei sind
nach Art. 16 Abs. 3 DBG bzw. § 16 Abs. 3 StG die Kapitalgewinne aus der Veräusse-
rung von Privatvermögen. Damit bestätigt das Gesetz ausdrücklich, was schon unter
dem Bundesratsbeschluss über die Erhebung einer direkten Bundessteuer Gültigkeit
hatte. Art. 18 Abs. 1 DBG bzw. § 18 Abs. 1 StG bestimmt, dass alle Einkünfte aus
einem Handels-, Industrie-, Gewerbe-, Land- und Forstwirtschaftsbetrieb, aus einem
freien Beruf sowie jeder anderen selbstständigen Erwerbstätigkeit steuerbar sind. Zu
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den Einkünften aus selbstständiger Erwerbstätigkeit gehören nach Art. 18 Abs. 2 DBG
bzw. § 18 Abs. 2 StG auch alle Kapitalgewinne aus Veräusserung, Verwertung oder
buchmässiger Aufwertung von Geschäftsvermögen.
Steuerfrei sind im Weiteren die bei Glücksspielen in inländischen Spielbanken
erzielten Gewinne sowie Lotteriegewinne bis zu einem Betrag von Fr. 1'000.-
(Art. 24 lit. i und j DBG [in der bis zum 31. Dezember 2018 geltenden Fassung] bzw.
§ 24 lit. j und k StG).
b) Die Lopoca Gaming Ltd. in Malta bietet gegen Geld Internet-Spiele (u.a.
Poker) und -Wetten an. Zudem hat sie eine eigene "Währung" geschaffen, mit der die
Spiel- und Wetteinsätze bezahlt und die Gewinne ausbezahlt werden. Die Einheiten
dieser "Währung" werden "Nuggets" genannt. Der Erwerb von "Game-Nuggets" ist
Voraussetzung, um an Internet-Glücksspielen bei der Lopoca Gaming Ltd. teilnehmen
zu können.
c) Der Pflichtige hat mit "Game-Nuggets" der Lopoca Gaming Ltd. gehandelt.
Er hat diese – nach eigenen Angaben – nicht für die Teilnahme an Internet-Spielen
eingesetzt, sondern lediglich versucht, aus den "Kurs-"Schwankungen durch geschick-
te Wahl des Kaufs- bzw. Verkaufszeitpunkts einen Gewinn zu erzielen.
d) Die "Game-Nuggets" bestehen nur "virtuell", also nicht – wie etwa "Chips",
mit denen in Spielbanken Einsätze und Auszahlungen erfolgen – als physisch nach-
weisbare Sachwerte. Eine gegenständliche Existenz ist jedoch nicht Voraussetzung
dafür, dass ihnen ein steuerlich relevanter Vermögenswert zukommt. Auch gewöhnli-
che Kontoguthaben sind physisch nicht nachweisbar. Dass der Wert der "Game-
Nuggets" Schwankungen unterworfen ist, bedeutet ebenfalls nicht, dass ihnen deshalb
kein Wert zukommt. Die "Nuggets" können – abgesehen von gewissen zeitlichen Ein-
schränkungen, die hier nicht relevant sind – jederzeit gegen eine "offizielle" Währung
(Euro) getauscht werden. Sie unterscheiden sich daher bezüglich der Werthaltigkeit
nicht von fremden, "offiziellen" Währungen, Krypto-Währungen oder anderen privaten
Zahlungsmitteln wie z.B. Guthaben bei der WIR Bank Genossenschaft. Wohl mag der
Markt für einen Tausch in "offizielle" Währungen klein sein, jedoch hängt auch die
Werthaltigkeit von Fremdwährungen davon ab, ob ein Verkaufswilliger einen Gegen-
part findet, der die entsprechende Währung kaufen will (und umgekehrt). Den "Game-
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Nuggets" der Lopoca Gaming Ltd. kommt daher – entgegen den Ausführungen der
ESTV – durchaus ein Vermögenswert zu.
e) Der Pflichtige hat deshalb in seinen Steuererklärungen 2014 und 2015 zu
Recht einen solchen Vermögenssteuerwert deklariert. Die dabei vorgenommene Be-
wertung und Umrechnung in Schweizer Franken wird nicht beanstandet. Sie ist auf-
grund der vorliegenden Akten auch plausibel, weshalb sie zu bestätigen ist.
2. a) Gemäss Art. 24 lit. i DBG (in der bis zum 31. Dezember 2018 geltenden
Fassung) sind Gewinne steuerfrei, die "bei Glücksspielen in Spielbanken im Sinne des
Spielbankengesetzes vom 18. Dezember 1998" erzielt wurden. Die gleiche Bestim-
mung enthält § 24 lit. j StG.
b) Es ist zu Recht unstreitig, dass es sich bei der Lopoca Gaming Ltd. nicht
um eine Spielbank im Sinne des schweizerischen Spielbankengesetzes handelt. Fer-
ner macht der Pflichtige geltend, dass er mit den "Nuggets" lediglich Handel getrieben,
jedoch keine Spielgewinne erzielt habe. Diese Ausführungen sind nicht bestritten, und
aus den Akten ergeben sich keine gegenteiligen Anhaltspunkte. Die genannten
Bestimmungen sind daher vorliegend nicht relevant.
c) Mit den vorstehenden Ausführungen noch nicht beantwortet ist die Frage,
wie mit den Wertschwankungen der "Game-Nuggets" steuerlich umzugehen ist. Nach
dem Gesagten handelt es sich bei den erzielten Gewinnen nicht um solche aus
Glücksspiel, sondern der Handel mit "Game-Nuggets" ist nicht anders zu beurteilen als
der Kauf und Verkauf von Fremd- oder Kryptowährungen. Gewinne aus diesem Handel
sind daher steuerfrei, sofern sie im Rahmen privater Vermögensverwaltung und nicht
im Rahmen einer selbstständigen Erwerbstätigkeit erzielt werden (Art. 16 Abs. 3 DBG;
§ 16 Abs. 3 StG). Zu prüfen ist, ob dies vorliegend der Fall ist.
3. a) Unter den Begriff der selbstständigen Erwerbstätigkeit fällt allgemein jede
Tätigkeit, bei der ein Unternehmer auf eigenes Risiko, unter Einsatz von Arbeit und
Kapital, in einer frei gewählten Organisation und mit der Absicht der Gewinnerzielung
am Wirtschaftsverkehr teilnimmt. Eine solche Tätigkeit kann haupt- oder nebenberuf-
lich sowie dauernd oder temporär ausgeübt werden. Ob eine selbstständige Erwerbstä-
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tigkeit vorliegt, ist stets nach den gesamten Umständen des Einzelfalls zu beurteilen.
Als Indizien hierfür gelten im Zusammenhang mit dem Wertschriftenhandel die syste-
matische oder planmässige Art und Weise des Vorgehens, die Häufigkeit der Transak-
tionen, die kurze Besitzdauer, der enge Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit
der steuerpflichtigen Person, der Einsatz spezieller Fachkenntnisse oder erheblicher
fremder Mittel zur Finanzierung der Geschäfte sowie die Verwendung der erzielten
Gewinne bzw. deren Wiederanlage in gleichartige Vermögensgegenstände. Jedes die-
ser Indizien kann zusammen mit andern, unter Umständen jedoch auch für sich allein
zur Annahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit ausreichen. Dass einzelne typi-
sche Elemente einer selbstständigen Erwerbstätigkeit im Einzelfall nicht erfüllt sind,
kann durch andere Elemente kompensiert werden, die besonders ausgeprägt vorlie-
gen. Entscheidend ist, dass die Tätigkeit in ihrem gesamten Erscheinungsbild auf Er-
werb ausgerichtet ist (BGE 125 II 113 E. 5e; BGr, 1. Dezember 2015, 2C_375/2015 mit
Hinweisen auf die jüngere Rechtsprechung).
Im Hinblick auf diese Indizien hat das Bundesgericht für die Frage, ob ge-
werbsmässiger Wertschriftenhandel vorliege, erwogen, es seien insbesondere die
Höhe des Transaktionsvolumens (d.h. der Summe aller Kaufpreise und Verkaufserlö-
se) sowie der Einsatz erheblicher fremder Mittel zur Finanzierung der Geschäfte als
massgebliche Kriterien zu berücksichtigen. Demgegenüber hätten die Indizien des sys-
tematischen und planmässigen Vorgehens sowie des Einsatzes spezieller Fachkennt-
nis nur noch untergeordnete Bedeutung, etwa im Sinne von "Ausschlusskriterien" (BGr,
23. Oktober 2009, 2C_868/2008, E. 2.7).
b) Für den Bereich der direkten Bundessteuer hat die ESTV am 27. Juli 2012
das Kreisschreiben Nr. 36 zum gewerbsmässigen Wertschriftenhandel erlassen (nach-
folgend KS Nr. 36). Darin konkretisiert die ESTV die obenstehend genannten Abgren-
zungselemente zwischen privater Vermögensverwaltung einerseits und dem gewerbs-
mässigen Wertschriftenhandel andererseits. Demgemäss gehen die Steuerbehörden
im Sinn einer "safe haven rule" in jedem Fall von einer privaten Vermögensverwaltung
aus, wenn die nachfolgenden fünf Kriterien kumulativ erfüllt sind:
 Die Haltedauer der veräusserten Wertschriften beträgt mindestens sechs
Monate.
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 Das Transaktionsvolumen (entspricht der Summe aller Kaufpreise und Ver-
kaufserlöse) pro Kalenderjahr beträgt gesamthaft nicht mehr als das Fünffache
des Wertschriften- und Guthabenbestands zu Beginn der Steuerperiode.
 Das Erzielen von Kapitalgewinnen aus Wertschriftengeschäften bildet keine
Notwendigkeit, um fehlende oder wegfallende Einkünfte zur Lebenshaltung zu
ersetzen. Das ist regelmässig dann der Fall, wenn die realisierten Kapitalge-
winne weniger als 50% des Reineinkommens in der Steuerperiode betragen.
 Die Anlagen sind nicht fremdfinanziert oder die steuerbaren Vermögenserträge
aus den Wertschriften (wie z.B. Zinsen, Dividenden, usw.) sind grösser als die
anteiligen Schuldzinsen.
 Der Kauf und Verkauf von Derivaten (insbesondere Optionen) beschränkt sich
auf die Absicherung von eigenen Wertschriftenpositionen.
Sind diese Kriterien nicht kumulativ erfüllt, kann gewerbsmässiger Wertschrif-
tenhandel nicht ausgeschlossen werden. Die entsprechende Beurteilung erfolgt dann
auf Grund sämtlicher Umstände des konkreten Einzelfalls.
c) Beim Kreisschreiben der ESTV handelt es sich um eine generell-abstrakte
Dienstanweisung und mithin um eine Verwaltungsverordnung. Solche richten sich for-
mell nur an die Verwaltungsbehörden. Behörden und ihr Personal sind insoweit durch
die Verwaltungsverordnungen gebunden, als die verwaltungsinternen Vorschriften kei-
nen offensichtlich verfassungs- oder gesetzwidrigen Inhalt aufweisen. Aufgrund der
blossen Behördenverbindlichkeit stehen Rechtsunterworfene und Gerichte regelmässig
ausserhalb des Adressatenkreises. Ihnen gegenüber stellen sich reine Verwaltungs-
verordnungen als zwar standardisierte (generell-abstrakte) jedoch rechtsunverbindliche
Ansichtsäusserungen der Verwaltungsbehörde über die Auslegung und Anwendung
der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen dar. Dennoch weicht das Steuerrekurs-
gericht von einer rechtmässigen Verwaltungsverordnung nicht ohne triftigen Grund ab,
sofern die generell-abstrakte Ansichtsäusserung eine dem individuell-konkreten Fall
angepasste und gerecht werdende Auslegung der gesetzlichen Bestimmungen zulässt
und überdies eine überzeugende Konkretisierung der gesetzlichen Vorgaben enthält.
Obschon das Kreisschreiben nur für die direkte Bundessteuer Vorschriften aufstellt, ist
es mit Blick auf die vertikale Steuerharmonisierung auch für die Staats- und Gemein-
desteuern mit zu berücksichtigen.
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d) Überprüft man den vorliegenden Sachverhalt im Hinblick auf die vorstehend
genannten Ausschlusskriterien, so ist Folgendes festzustellen:
aa) Haltedauer:
Das Erfordernis der Haltedauer bezieht sich (wie das Kreisschreiben über-
haupt) ausdrücklich auf Wertschriften. Ein Kontokorrent mit einer Fremd- oder (Quasi-)
Währung kommt einem "Handel" mit nur einem "Produkt" gleich. Das Erfordernis der
Haltedauer macht in diesem Fall für sich allein wenig Sinn; die Abgrenzung erfolgt bes-
ser über das Kriterium der Transaktions-Häufigkeit (siehe nachfolgend). Zwar mag ein
eigentlicher Devisenhandel als "gewerbsmässig" gelten (vgl. BGr, 9. November 1990,
StR 1991, 313 ff.), vorliegend hat der Pflichtige jedoch weder mit grossen, seine finan-
ziellen Möglichkeiten weit übersteigenden Beträgen spekuliert noch die für den Devi-
senhandel typischen (und zur Risikoabsicherung notwendigen) Termingeschäfte abge-
schlossen. Vielmehr hat er lediglich eigenes Vermögen angelegt.
Da sich die jeweils neu gekauften "Game-Nuggets" laufend mit den bereits
vorhandenen vermischt haben, kann das Schicksal der einzelnen Kauftranchen nicht
mehr nachvollzogen werden. Schaut man die Haltedauer dennoch genauer an, so ist
festzustellen, dass der Pflichtige bereits 2011 mit dem Erwerb von "Game-Nuggets"
begonnen hat und sein Bestand aufgrund seiner Steuererklärung 2014 per Jahresan-
fang 2015 umgerechnet rund Fr. 177'955.- ausmachte Gemäss seinen Angaben soll
diese Summe einem Bestand von 108'769 Stück entsprochen haben. Da der Endbe-
stand per 31. Dezember 2015 nachweislich noch 591 Stück betrug, ist praktisch der
gesamte Bestand im Jahr 2015 verkauft worden. Nachdem nur geringfügig noch Käufe
getätigt wurden, müssen die in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 verkauften "Nug-
gets" mehr als sechs Monate auf dem "Konto" des Pflichtigen "gelegen" haben. Für –
grob geschätzt – etwas mehr als die Hälfte der 2015 erfolgten Verkäufe ist die Halte-
dauer von mindestens sechs Monaten also erfüllt.
In der zweiten Hälfte des Jahres 2014 hat der Pflichtige – unter Berücksichti-
gung des Splits von rund 1:20 am ... 2014 – lediglich 1'874 "Nuggets" gekauft. Somit
muss der weit überwiegende Teil der im ersten Halbjahr 2015 verkauften "Nuggets" vor
dem ... Juli 2014 erworben worden sein. Auch diesbezüglich ist die halbjährige Halte-
dauer also erwiesen.
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Nicht erfüllt ist die Haltedauer lediglich für einen geringen Teil der in der zwei-
ten Hälfte 2015 gekauften "Nuggets": In der zweiten Hälfte des Jahres 2015 hat der
Pflichtige rund 1'000 "Nuggets" erworben. Da der Endbestand nur 591 Stück betrug,
müssen rund 410 "Nuggets" nach einer Haltedauer von weniger als sechs Monaten
verkauft worden sein. Dies entspricht bei einem gewichteten durchschnittlichen Ver-
kaufserlös von EUR 2.28 einem Transaktionsvolumen von knapp EUR 1'000.-. Ange-
sichts des gesamten Volumens der Verkäufe von über EUR 240'000.- kommt diesen
jedoch kaum Gewicht zu.
bb) Transaktionsvolumen:
Der Pflichtige hat 2015 für rund Fr. 8'000.- "Game Nuggets" gekauft und
für rund Fr. 266'000.- solche verkauft. Sein Anfangsbestand belief sich auf rund
Fr. 178'000.-. Das Transaktionsvolumen übersteigt damit das Fünffache des Anfangs-
bestandes nicht.
cc) Lebenshaltungskosten:
Der Pflichtige deklariert im Steuerjahr 2015 ein Erwerbseinkommen von brutto
rund Fr. 117'000.-. Nach Abzug der Berufsauslagen verbleibt ein Netto-Einkommen
von rund Fr. 105'000.-. Hinzu kommen rund Fr. 3'000.-, die er als "Partnerprovisionen"
von Seiten der Lopoca Gaming Ltd. erhalten hat. Die Gewinne aus dem "Game-
Nugget"-Handel übersteigen damit zwar 50% des Netto-Erwerbseinkommens, jedoch
war der alleinstehende und als C arbeitende Pflichtige für seine Lebenshaltung nicht
auf diese Gewinne angewiesen.
dd) Fremdfinanzierung:
Der Pflichtige deklariert keine Schulden. Der Erwerb der "Game-Nuggets"
erfolgte daher vollumfänglich mit eigenen Mitteln.
ee) Derivate:
Bei den "Game-Nuggets" handelt es sich nicht um Derivate, die der Absiche-
rung eines Wertschriftenbestandes dienen könnten.
ff) Damit sind die Kriterien, nach denen eine selbstständige Erwerbstätigkeit
ausgeschlossen werden kann, im grossen Ganzen erfüllt.
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e) Was schliesslich das Kriterium der Häufigkeit der Transaktionen anbetrifft,
so ist Folgendes festzustellen: Der Pflichtige hat im Jahr 2015 an 49 Daten insgesamt
2'817 "Nuggets" gekauft. Die Verkäufe der über 100'000 "Nuggets" erfolgten an insge-
samt 12 Daten. Dabei ist anzunehmen, dass für die am gleichen Tag ausgeführten
Transaktionen die Aufträge nur einmal erteilt und entsprechend limitiert wurden. Mög-
lich wäre sogar, dass für Kaufs- oder Verkaufsaufträge, die innert 72 Stunden abgewi-
ckelt wurden, nur ein Auftrag erteilt worden war, da Aufträge für maximal 72 Stunden
gültig blieben. Die Anzahl Kauf- bzw. Verkaufsaufträge würde sich dadurch nochmals
geringfügig reduzieren.
Im Durchschnitt ergibt sich also etwas mehr als ein Auftrag pro Woche. Dies
erscheint zwar – auch im Vergleich mit der Verwaltung eines konventionellen Wert-
schriftendepots – für das in Frage stehende Investitionsvolumen an der oberen Grenze
einer Intensität, die eine private Vermögensverwaltung erfordert, überschreitet diese
jedoch nicht.
Ob der Pflichtige zwischen den Handelsaufträgen den "Kurs" weiter beobach-
tete, ist nicht bekannt. Jedoch würde diese laufenden Überwachung auch bei einem
Wertschriftendepot nicht in Erscheinung treten und daher dort ebenfalls nicht berück-
sichtigt.
4. Zusammengefasst ergibt sich, dass dem Pflichtigen der Nachweis einer
privaten Vermögensverwaltung und damit der Steuerfreiheit der daraus entstehenden
Kapitalgewinne gelingt. Unter diesen Umständen ist auf die Gewinnberechnung in den
angefochtenen Entscheiden nicht weiter einzugehen. Selbstverständlich wäre als Ge-
winn nur derjenige Betrag anzusehen, um den der Erlös das eingesetzte Kapital sowie
allfällige mit den Transaktionen zusammenhängende Kosten übersteigt.
Die Beschwerde und der Rekurs sind demnach in Bezug auf das steuerbare
Einkommen gutzuheissen. Dieses ist gemäss den Anträgen des Pflichtigen, d.h. unter
Einbezug der von ihm nachdeklarierten "Partner-Provisionen", auf Fr. 100'800.- (direkte
Bundessteuer) bzw. Fr. 100'000.- (Staats- und Gemeindesteuern) festzusetzen. Für die
beantragte Korrektur beim steuerbaren Vermögen findet sich in den Eingaben des
Pflichtigen keine Begründung. Diese kann daher nicht gewährt werden. Überdies er-
scheint der für 2015 angenommene Wert von Fr. 30'000.- bei einem deklarierten Kauf-
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preis der Motorfahrzeuge von Fr. 66'000.- sicherlich nicht als übersetzt. Das steuerbare
Vermögen ist deshalb weiterhin gemäss Einspracheentscheid auf Fr. 365'000.- festzu-
setzen und der Rekurs diesbezüglich abzuweisen.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der vollständig unter-
liegenden Beschwerdegegnerin bzw. dem nahezu vollständig unterliegenden Rekurs-
gegner aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG bzw. § 151 Abs. 1 StG). Die Beschwerde-
gegnerin/der Rekursgegner hat dem Pflichtigen sodann eine Parteientschädigung in
angemessener Höhe zu entrichten (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 bzw. § 152
i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959).