Decision ID: c53112c1-5db9-574e-b208-723e23cc8bff
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 1. September 2014 bei der Gemeinde Oberbipp
ein Baugesuch ein für den Neubau eines Biodiesel-Tanks auf Parzelle Oberbipp
Grundbuchblatt Nr. C._. Die Parzelle liegt in der Arbeitszone 2. Gegen das
Bauvorhaben erhob der Beschwerdeführer Einsprache. Mit Entscheid vom 17. Dezember
2014 erteilte die Gemeinde Oberbipp die Baubewilligung.
2
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 14. Januar 2015 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt, der
geplante Biodiesel-Tank sei in grüner statt der bewilligten silbergrauen Farbe zu streichen.
Die Sache sei der Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) zur
Beurteilung vorzulegen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die
Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Die Beschwerdegegnerin und die
Gemeinde Oberbipp beantragen die Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 12.
März 2015 entzog das Rechtsamt auf Antrag der Beschwerdegegnerin der Beschwerde die
aufschiebende Wirkung. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich,
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer, dessen Einsprache abgewiesen wurde, ist
durch den vor-instanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
3
2. Farbgebung der Lagertanks
a) Der geplante Biodiesel-Tank der Beschwerdegegnerin soll im Tanklager Oberbipp
liegen. Das Tanklager umfasst insgesamt dreizehn grosse, zylindrische Lagertanks für
Heizöl, Diesel und ähnliche Stoffe. Es ist Teil einer Industriezone am nordöstlichen
Siedlungsrand der Gemeinde Oberbipp. Die bestehenden Tanks sind grossteils mit grüner
Farbe gestrichen und über 20 m hoch. Der auf der Bauparzelle bereits bestehende Tank ist
grün gestrichen, der Tank auf der östlich an das Grundstück anschliessenden Parzelle
Nr. D._ dagegen in Silbergrau. Für die beiden Tanks auf den nächsten beiden
Parzellen Nr. E._ und F._ wurde die Farbgebung in Silbergrau bewilligt,
aber vom Beschwerdeführer ebenfalls angefochten. Der geplante Tank soll südlich des
bereits auf der Parzelle bestehenden Tanks erstellt werden und 11.55 m lang, 2.50 m hoch
und 2.50 m breit werden.
Der Beschwerdeführer rügt, das Tanklager präge aufgrund seiner Grösse und Lage das
Landschaftsbild. Die grüne Farbgebung des Tanks füge sich besser in die Landschaft ein.
Die Sache sei der OLK zur Beurteilung vorzulegen.
b) Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und Bemalungen dürfen Landschaften,
Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 1 BauG). Diese Vorschrift stellt
die „ästhetische Generalklausel“ im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots dar.
Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden
Überbauung schafft, der erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften
erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften
müssen, um selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die
Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders
formulieren.3
Das Baureglement der Gemeinde Oberbipp enthält insbesondere folgende Bestimmungen
zur Gestaltung von Bauten und Anlagen: "(...) Bauvorhaben dürfen das Landschafts-, Orts-
und Strassenbild durch Lage und Gestaltung nicht beeinträchtigen und es muss eine gute
3 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen
4
Gesamtwirkung entstehen (Art. 10 Abs. 1 GBR4)." Diese Bestimmungen gehen weiter als
Art. 9 Abs. 1 BauG, ihnen kommt daher selbständige Bedeutung zu.
Der Begriff „gute Gesamtwirkung“ stellt einen unbestimmten kommunalen Gesetzesbegriff
dar, bei dessen Auslegung die kommunalen Behörden einen gewissen
Beurteilungsspielraum haben. Jedoch dürfen auch an das Erfordernis der guten
Gesamtwirkung nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt werden. Die gute
Gesamtwirkung ist weder an geringen noch an besonders hohen architektonischen
Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass
das Mittelmass der Umgebung nicht gestört werden darf und sich eine neue Baute oder
Anlage an den qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren
hat.5
c) Das Tanklager liegt in einer Industriezone. Die architektonischen und städtebaulichen
Qualitäten von Industriezonen sind typischerweise vernachlässigbar. Dies trifft auch im
vorliegenden Fall zu. Die Gebäude, die südlich und westlich an das Tanklager
anschliessen, weisen unterschiedliche Grautöne auf, ein Gebäude hat eine rote Fassade.
Die silbergraue Farbgebung des Tanks nimmt die in der unmittelbaren Umgebung
vorherrschenden Farbtöne auf und führt insoweit zu einer guten Einordnung des
Bauvorhabens in die Umgebung.
Das Tanklager ist im Süden und im Westen von andern Gewerbe- und Industriebauten
umgeben. Lediglich von Südosten her betrachtet tritt es vor den dahinter liegenden,
bewaldeten Hügeln in Erscheinung. Es handelt sich aber weder um eine besonders
schutzwürdige Landschaft, noch um ein Landschaftsschutzgebiet. Es bestehen daher
keine gesteigerten ästhetischen Ansprüche für die Einordnung von Bauten in die
Landschaft. Die silbergrauen Tanks passen sich farblich an die anschliessenden Industrie-
und Gewerbebauten an und führen so zu einem einheitlicheren Gesamtbild. Zudem ist
davon auszugehen, dass die grüne Farbgebung zwar während der Vegetationsperiode, die
silbergraue Farbe dagegen im Winterhalbjahr unauffälliger wirkt.
4 Baureglement der Gemeinde Oberbipp vom Juni 2013 5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1
5
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass der geplante Tank wesentlich kleiner und
insbesondere niedriger ist als die bestehenden Tanks. Das Grundstück ist in jede Richtung
von andern Bauten umgeben. Aufgrund der Lage des Grundstücks am Übergang des
Tanklagers zur restlichen Industriezone und der geringen Höhe des geplanten Tanks wird
dieser von praktisch keinem Standort ausserhalb der Industriezone direkt sichtbar sein. Er
wird insbesondere nicht direkt vor dem Hintergrund der nördlich gelegenen Hügel sichtbar
sein. Die Farbgebung des Tanks hat daher keinerlei Einfluss auf die weitere Umgebung. Es
ist kein Grund ersichtlich, weshalb von der Beschwerdegegnerin verlangt werden sollte,
den Tank in grüner Farbe zu streichen. Die Rüge des Beschwerdeführers ist unbegründet.
d) Die Baubewilligungsbehörde konsultiert die zuständigen kantonalen Fachstellen,
wenn gegen ein Vorhaben Bedenken oder Einwände betreffend die Beeinträchtigung des
Ortsbildes oder der Landschaft bestehen und diese Bedenken nicht offensichtlich
unbegründet sind (Art. 22 Abs. 1 Bst. a BewD6).
Der geplante Tank wird aufgrund seiner geringen Höhe und seiner Lage inmitten anderer
Bauten von kaum einem Standpunkt ausserhalb der Industriezone einsehbar sein. Er wird
insbesondere nicht direkt vor dem Hintergrund der umgebenden Landschaft sichtbar sein.
Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Bedenken betreffend die Einordnung des Tanks
in die umgebende Landschaft sind daher offensichtlich unbegründet. Die Gemeinde hatte
keinen Anlass, die OLK beizuziehen. Die Rüge des Beschwerdeführers ist unbegründet.
Insgesamt ist der Beschwerdeführer mit keiner seiner Rügen durchgedrungen. Die
Beschwerde wird daher abgewiesen.
3. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die Verfahrenskosten im
Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 2 VRPG in
Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV7). Dabei ist zu berücksichtigen, dass die vorliegend zu
6 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 7 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
6
beurteilende Beschwerde in grossen Teilen identisch ist mit der gleichzeitig eingereichten
Beschwerde betreffend die beiden Tanks auf den Parzellen Nr. E._ und
F._ (RA Nr. 110/2015/12). Ihre Beurteilung hat aus diesem Grund zu
unterdurchschnittlichem Aufwand geführt. Die Pauschalgebühr wird daher auf Fr. 500.00
festgesetzt. Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).