Decision ID: a69efb30-a6c9-487d-bde6-0fe68f404550
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich mit am 6. Juli 2009 unterzeichnetem und am 20. Juli 2009 bei
der IV-Stelle eingegangenem Antragsformular für Hilfsmittel bei der schweizerischen
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). Nachdem sie am 24. Juli
2009 von der IV-Stelle dazu eingeladen worden war (IV-act. 5), meldete sie sich am 2.
September 2009 mit entsprechendem Formular zum Rentenbezug an (IV-act. 7).
A.b Gemäss Bericht des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG), Departement Innere
Medizin, Rheumatologie und Rehabilitation (im Folgenden: Rheumatologie KSSG) vom
8. Juli 2008 waren unter anderem im November 2006 ein Morbus Wegener
(Erstdiagnose 11/06), eine ängstlich-depressive Reaktion sowie multiple
Knocheninfarkte Tibia und Femur links und Femur rechts (Erstdiagnose März 2007)
diagnostiziert worden (IV-act. 26-8 f.). Die Klinik für Orthopädische Chirurgie hatte am
26. Mai 2009 (IV-act. 26-3 f.) und am 8. Juli 2009 (IV-act. 26-1 f.) über einen Status
nach Kniegelenksarthroskopie mit partieller Innenmeniskusresektion und retrograder
Anbohrung Osteonekrose medialer Femurkondylus am 22. April 2009 berichtet.
A.c RAD-Arzt Dr.med. B._, Facharzt Innere Medizin, untersuchte die Versicherte am
2. Dezember 2009. In seinem Bericht vom 11. Dezember 2009 hielt er fest,
medizintheoretisch wäre eine intellektuell nicht anspruchsvolle Produktionsarbeit in
ausschliesslich sitzender Position mit Möglichkeit zu Positionswechseln
(Wechselbelastung) ohne wiederholte Gehstrecken von über 10 bis 20 m zumutbar.
Schliesslich müssten ihr im Rahmen einer ganztägigen Tätigkeit längere Pausen
gewährt werden (IV-act. 28).
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A.d Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 12. Januar 2010 mit, aufgrund ihres
Gesundheitszustandes seien keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich. Es
werde der Anspruch auf eine Rente geprüft (IV-act. 32).
A.e Vom 27. Dezember 2010 bis 15. Januar 2011 wurde die Versicherte stationär in
der Klinik Valens behandelt. Gemäss Austrittsbericht vom 11. Februar 2011 erfolgte die
Zuweisung zur muskuloskelettalen Rehabilitation aufgrund zunehmender Dyspnoe mit
Husten und Dekonditionierung sowie generalisierter Schmerzen. Unter anderem
wurden bei den Diagnosen das Anbringen einer Schlittenprothese am linken Knie im
März 2010 sowie die Diagnose eines seit August 2010 bestehenden chronischen
trockenen Reizhustens vermerkt. Aufgrund der im Verlauf beobachteten sehr geringen
Belastbarkeit (auch Haushaltstätigkeiten könnten höchstens während 15 Minuten
durchgeführt werden) sei derzeit keine verwertbare berufliche Leistungsfähigkeit
gegeben (IV-act. 120-1 ff.).
A.f Die behandelnde Ärztin der Rheumatologie des KSSG berichtete im Arztbericht
vom 23. September 2011 (Posteingang bei der IV-Stelle) über einen stabilen Verlauf.
Leichte körperliche Arbeiten seien während etwa einer bis zwei Stunden täglich
zumutbar. Dabei bestehe eine Leistungsfähigkeit von 50 % wegen
Bewegungseinschränkung, Dyspnoe, Kraftlosigkeit und Antriebsmangel (IV-act. 64-1
ff.). Die Hausärztin der Versicherten, Dr. med. C._, FMH Anästhesiologie, hielt im
Verlaufsbericht vom 19. Dezember 2011 fest, der Gesundheitszustand sei stationär.
Prognostisch sei die Krankheit nicht heilbar, und es sei mit regelmässigen Schüben zu
rechnen, die immer wieder eine zusätzliche Verschlechterung bedeuteten (IV-act. 135).
A.g Im Auftrag der IV-Stelle führte die Berufliche Abklärungsstelle Appisberg,
Männedorf, vom 20. Februar bis 2. März 2012 BEFAS-Abklärung der Versicherten
durch. Gemäss Schlussbericht vom 30. März 2012 (IV-act. 95) wurde die Abklärung
wegen nicht nachvollziehbarer Absenzen, völlig passivem Verhalten und
ausgesprochenem Schon- und Vermeidverhalten vorzeitig abgebrochen (IV-act. 95-7).
A.h Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 26. April 2012 mit, die
Eingliederungsberatung sei abgeschlossen. Es bestehe kein Anspruch auf berufliche
Massnahmen (IV-act. 99).
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A.i Die behandelnde Rheumatologin am KSSG bezeichnete im am 27. November 2012
bei der IV-Stelle eingegangenen Verlaufsbericht den Gesundheitszustand als stationär.
Die bisherige Tätigkeit sei der Versicherten nicht zumutbar wegen einer schmerzhaften
Bewegungseinschränkung des linken Kniegelenks, wegen eines chronischen
Schmerzsyndroms sowie einer chronischen pulmonalen Symptomatik. Leichte
körperliche Arbeiten seien während einer bis zwei Stunden täglich zumutbar. Dabei
bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit aufgrund schmerzhafter
Bewegungseinschränkung, Antriebslosigkeit, Kraftlosigkeit und Dyspnoe (IV-act. 118-1
ff.).
A.j Die Versicherte wurde am 10. Dezember 2012 am Schmerzzentrum des KSSG
konsiliarisch abgeklärt. Dabei wurden unter anderem ein chronifiziertes pankorporelles
Schmerzsyndrom, Gebershagen Stadium III bei Grunderkrankung Morbus Wegener,
der Verdacht auf eine schwere depressive Störung (PHQ-D), mittlerer Schweregrad,
sowie Granulomatose mit Polyangiitis (Morbus Wegener) erhoben. Es zeige sich (seit
einem Konsilium im Jahre 2007) eine eindrückliche Veränderung mit Resignation und
Hypoaktivität; eine aktive Auseinandersetzung mit der Krankheit lasse sich aktuell nicht
mehr vermerken. Hinzu kämen fehlende Alltagsstruktur, Schlafstörungen und fehlende
Ressourcen (Bericht Schmerzzentrum KSSG vom 19. Dezember 2012, IV-act. 145).
A.k Die Rheumatologie des KSSG beantwortete eine Anfrage der IV-Stelle nach der
Einschränkung des Funktionsniveaus vom 17. Juni 2013 (IV-act. 159) am 27. Juni 2013,
der Gesundheitszustand habe sich seit dem 11. Dezember 2009 nicht verändert.
Weiterhin leide die Versicherte unter einem sekundär bedingten, chronischen
Schmerzsyndrom. Die primär verursachende Erkrankung, namentlich Granulomatose
mit Polyangiitis (ehemals Morbus Wegener), zeige sich seit Jahren in Remission. Die
Einschränkungen des Funktionsniveaus bestünden unverändert fort (IV-act. 165).
A.l Die Versicherte wurde am 19. und 22. Mai 2014 an der Ärztlichen Begutachtungs-
Institut GmbH (ABI) Basel polydisziplinär (allgemeininternistisch, psychiatrisch,
rheumatologisch, neurologisch, HNO-ärztlich, neuropsychologisch) begutachtet
(Gutachten vom 7. Juli 2014, IV-act. 194-2 ff.). Die Gutachter erhoben als Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine pantonale Schalleitungsschwerhörigkeit rechts
(ICD-10: H90.1) sowie einen Tinnitus beidseits (ICD-10: H93.1). Es bestünden allerdings
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nur qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit, so dass Tätigkeiten, welche eine
normale auditive Kapazität oder ein intaktes Richtungshören voraussetzten, für die
Versicherte nicht geeignet seien. Des weiteren sollten Tätigkeiten unter erhöhtem
Störlärm gemieden werden. Weder aus neurologischer, neuropsychologischer,
rheumatologischer, psychiatrischer noch aus allgemeininternistischer Sicht fänden sich
weitere Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die Granulomatose mit
Polyangiitis zeige sich seit Jahren in Remission und beeinflusse die Arbeitsfähigkeit aus
gutachterlicher Sicht nicht. Die Schmerzverarbeitungsstörung bei chronischem
multilokulärem Schmerzsyndrom habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Der
Versicherten könne aus psychiatrischer Sicht zugemutet werden, ganztags einer
geeigneten Tätigkeit nachzugehen. Insgesamt bestehe somit aus polydisziplinärer Sicht
eine uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
als Reinigungsmitarbeiterin und in jeder anderen, vergleichbaren Erwerbstätigkeit. Im
Haushalt bestehe ebenfalls keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 194-29).
A.m Nach ergänzenden Abklärungen bei Dr. C._, wonach die Versicherte früher bei
Dr. E._ in Behandlung gewesen sei und sie nicht herausfinden könne, ab wann und
weshalb die Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei (IV-act. 200-1; IV-act. 198), und bei
der ABI (IV-act. 200-2; IV-act. 199) nahm der RAD am 11. September 2014 Stellung,
auf das ABI-Gutachten könne vollumfänglich abgestellt werden (IV-act. 200-3).
A.n Mit Vorbescheid vom 30. Oktober 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 205). Die Versicherte erhob
hiergegen am 1. Dezember 2014 Einwand (IV-act. 206). Sie machte im Wesentlichen
geltend, das ABI-Gutachten sei nicht beweistauglich, weil die Berichte, welche sich ab
August 2006 zur attestierten Arbeitsunfähigkeit äusserten, nicht beigezogen worden
seien. Weiter reichte sie Berichte der Rheumatologie des KSSG vom 25. November
2013 (IV-act. 206-5 f.), vom 9. Januar 2014 (IV-act. 206-8 ff.) und vom 24. März 2014
(IV-act. 206-11 f.) und einen Bericht von Dr. C._ vom 4. September 2014 (IV-act.
206-14) ins Recht, wonach sie an chronischen Erschöpfungszuständen und
Infektionserkrankungen leide, die auf die starke medikamentöse Behandlung
zurückzuführen seien, welche zwar die Remission der primär verursachenden
Erkrankung bewirkten, jedoch zu einer Arbeitsunfähigkeit zu 100 % führten (IV-act.
206-3 f.). Der RAD nahm am 29. Dezember 2014 Stellung, der Einwand bringe auch
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unter Berücksichtigung der vorgelegten neuen Berichte keine wesentlichen neuen
medizinischen Erkenntnisse. Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne daher weiter
vollumfänglich auf das ABI- Gutachten abgestellt werden (IV-act. 209-2).
A.o Mit Verfügung vom 30. Dezember 2014 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
ab. Zum Einwand nahm sie Stellung, die IV-Anmeldung sei am 4. September 2009
eingereicht worden. Der Anspruch auf Leistungen hätte somit frühestens ab März 2010
bestanden. Eine Abklärung für rückwirkende Ansprüche bei fehlendem
Leistungsanspruch sei nicht notwendig. Mit den eingereichten zusätzlichen
medizinischen Berichten seien keine wesentlichen neuen medizinischen Erkenntnisse
eingebracht worden. Auf das Gutachten könne vollumfänglich abgestellt werden.
Danach bestehe eine uneingeschränkte Leistungsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin und in jeder anderen vergleichbaren
Erwerbstätigkeit. Lediglich Tätigkeiten, die eine normale auditive Kapazität oder ein
intaktes Richtungshören voraussetzten, und Tätigkeiten unter erhöhtem Störlärm seien
nicht geeignet (IV-act. 211).
B.
B.a Die Versicherte erhebt am 30. Januar 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom
30. Dezember 2014. Sie beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr

gemäss den nachfolgenden Erwägungen eine Invalidenrente der IV auszurichten und
berufliche Massnahmen zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zu weiterer Abklärung
und Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie sei seit August
2006 arbeitsunfähig. Im November 2006 sei am KSSG Morbus Wegener diagnostiziert
worden. Seither sei sie im Wesentlichen am KSSG in Behandlung; daneben attestiere
ihr Hausarzt die jeweilige Arbeitsunfähigkeit von 100 % nach Rücksprache bzw. in
enger Zusammenarbeit mit dem KSSG. Trotzdem nehme die Beschwerdegegnerin an,
dass im iv-relevanten Zeitraum (ab März 2010) eine uneingeschränkte Arbeits- und
Leistungs-fähigkeit bestehe. Im ABI-Gutachten werde als frühestes Aktenstück der
Arztbericht der Rheumatologie KSSG vom 8. Juli 2008 erwähnt und es seien keine
früheren Akten beigezogen worden. Das ABI-Gutachten sei u.a. mangelhaft, weil es
nicht sämtliche Vorakten berücksichtige. Eine isolierte Betrachtungsweise der
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Gutachter lediglich mit Blick auf die Zeit nach der Anmeldung sei nicht ausreichend,
unabhängig davon, für welche Zeit überhaupt ein Leistungsanspruch bestehen könne.
Es seien daher bei Dr. E._, ihrem früheren Hausarzt, sämtliche Arztberichte
einzuholen. Sodann sei das ABI-Gutachten nicht beweistauglich, weil es sich nicht zu
anders lautenden früheren Arztberichten und Einschätzungen anderer Ärzte äussere.
Ausserdem bestätigten die ABI-Gutachter die Diagnosen der Rheumatologie des
KSSG, akzeptierten jedoch die von diesen Ärzten angenommene Arbeitsunfähigkeit
nicht, ohne ihre abweichende Einschätzung zu begründen. Das ABI-Gutachten
berücksichtige sodann die im Zeitpunkt der Begutachtung bereits existenten Berichte
der Rheumatologie des KSSG vom 25. November 2013, vom 09. Januar 2014 und vom
24. März 2014 nicht. Diese bestätigten einen unveränderten Gesundheitszustand, was
bedeute, dass sie weiterhin wie schon im Jahre 2006 zu 100 % arbeitsunfähig sei.
Zudem berichteten sie über einen Rückfall. Dr. C._ habe im Bericht vom 4.
September 2014 festgehalten, dass die Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig sei (IV-act.
206-3 f.). Dazu habe sich die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 30. Dezember
2014 nicht geäussert. Gestützt auf die Berichte der behandelnden Ärzte bestehe
weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und daher ein Anspruch auf eine ganze
Rente. Selbst wenn heute kein Anspruch auf eine Rente bestehen würde, müsste ein
Anspruch auf eine befristete Rente geprüft werden. Bei einer allenfalls angenommenen
Restarbeitsfähigkeit wäre ausserdem ein Leidensabzug vorzunehmen und betrüge der
Invaliditätsgrad ohne weiteres mindestens 20 %, weshalb auch der Anspruch auf
berufliche Massnahmen zu prüfen wäre (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 4. Mai 2015 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Die Begutachtung basiere auf umfassenden Kenntnissen
des Sachverhalts. Anamnese sowie Befunde seien erhoben worden. Auch die
Beschwerdebeschreibung der Beschwerdeführerin sowie sämtliche IV-Akten hätten in
das Gutachten Eingang gefunden. Auf das Gutachten könne damit ohne weiteres
abgestellt werden. Grundsätzlich entstehe der Rentenanspruch mit Eintritt des
Versicherungsfalles nach Ablauf der einjährigen Wartezeit, jedoch frühestens sechs
Monate nach Einreichung der Anmeldung. Dies habe zur Folge, dass die IV-Stelle den
Gesundheitszustand nicht weiter rückliegend abzuklären habe. Somit sei dargetan,
dass den ABI-Gutachtern alle notwendigen Akten und Informationen zu Verfügung
gestanden hätten. Die von der Beschwerdeführerin zitierten Ärzte stünden als
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behandelnde Ärzte in einem auftragsrechtlichen Vertrauensverhältnis und seien somit
als eindeutig weniger unabhängig als ein ABI-Gutachter anzusehen. Weiter attestiere
Dr. C._ der Beschwerdeführerin eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit unabhängig davon,
dass sich ihr Gesundheitszustand mit Bezug auf den Morbus Wegener durchaus
verbessert habe. Das Gutachten sei schlüssig und nachvollziehbar. Es sei daher zu
Recht als Grundlage für die angefochtene Verfügung verwendet und auf weitere
Abklärungen verzichtet worden. Die Beschwerdeführerin könne jegliche leichte bis
mittelschwere Hilfsarbeit ausführen und somit ohne weiteres gleich viel verdienen wie
in ihrer früheren Tätigkeit. Die Berücksichtigung eines Leidensabzug ergäbe sogar im
Höchstmass lediglich einen Invaliditätsgrad von 25 %. Ein Anspruch auf eine befristete
Rente habe zu keiner Zeit bestanden. Bereits im April 2010 habe der RAD eine 100
%ige Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten bestätigt. Die ABI-Gutachter
hätten lediglich für die Operationen im April 2009 und im März 2010 befristete
Arbeitsunfähigkeiten angegeben und in den vorliegenden Akten keine Hinweise für eine
länger dauernde Arbeitsunfähigkeit in der Vergangenheit finden können (act. G 4).
B.c In ihrer Replik vom 8. Juli 2015 macht die Beschwerdeführerin im Wesentlichen
geltend, das ABI-Gutachten erfülle die nach der Änderung der Rechtsprechung zu den
somatoformen Schmerzstörungen entwickelten Anforderungen an ein Gutachten nicht.
Die Anwendung der Rechtsprechung, wonach Berichte von behandelnden Ärzten mit
Vorbehalt zu würdigen seien, sei nur dann angebracht, wenn der behandelnde Arzt im
Zweifel zu Gunsten des Patienten berichte. Solche Zweifel seien vorliegend aber nicht
angebracht, zumal die behandelnden Spezialärzte an einem Kantonsspital - anders als
häufig Hausärzte - nicht in einem besonderen Vertrauensverhältnis zum
Beschwerdeführer stünden. Die Arbeitsunfähigkeit betrage gestützt auf die Berichte der
behandelnden Ärzte weiterhin 100 %, weshalb ein Anspruch auf eine ganze Rente
bestehe (act. G 8).
B.d Mit Duplik vom 9. September 2015 bringt die Beschwerdegegnerin vor, auch nach
der Änderung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung habe das ABI-Gutachten vom
7. Oktober 2014 (richtig: 7. Juli 2014) grundsätzlich nach wie vor Beweiswert. Die
Gutachter hätten nicht dargetan, dass die Schmerzverarbeitungsstörung eine
Arbeitsunfähigkeit bewirken würde, die lediglich aus rechtlicher Sicht - also in
Anwendung der nun nicht mehr gültigen Überwindbarkeitsrechtsprechung - als
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überwindbar gelten würde. Im Gegenteil hätten die Gutachter ausgeführt, dass der
Beschwerdeführerin die Willensanstrengung aus rein psychiatrischer - also rein
medizinischer - Sicht zumutbar sei (act. G 10).
Erwägungen
1.
Zu beurteilen sind die Prüfung des Anspruchs auf Eingliederungsmassnahmen der
Beschwerdeführerin sowie ihr Rentenanspruch. Vorab umstritten und zu prüfen ist, ob
auf das ABI-Gutachten vom 7. Juli 2014 abgestellt werden kann.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR
831.20) haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, Anspruch auf eine Rente (lit. a),
wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine
Dreiviertelsrente und ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze
Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.2 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
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Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; Urteil vom 1. Dezember
2015, 8C_586/2015, E. 2).
2.4 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne
einer Richtlinie ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
2.5 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
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die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit
eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht
hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V
195 E. 2, je mit Hinweisen).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es hätten den Gutachtern der ABI
wesentliche medizinische Berichte der Zeit bis zum 8. Juli 2008 sowie die von ihr
eingereichten Berichte der Rheumatologie des KSSG vom 25. November 2013 (IV-act.
206-5 f.) und vom 9. Januar 2014 (IV-act. 206-8 ff.) sowie von Dr. C._ vom 4.
September 2014 (IV-act. 206-14) nicht vorgelegen. Auf das Gutachten könne daher
nicht abgestellt werden.
3.2 Aus dem Bericht der Rheumatologie des KSSG vom 8. Juli 2008 geht hervor, dass
bei der Beschwerdeführerin im November 2006 Morbus Wegener diagnostiziert worden
war, nachdem sie an einer Sattelnase, Gewichtsverlust, an chronischer Mastoiditis
beidseits und Sinusitis, an pulmonalen Infiltraten, an einer Facialis-Parese links und an
Myalgien gelitten hatte. Die seit November 2006 mit Methotrexat therapierte
Beschwerdeführerin hatte sich nach der vorangegangenen Konsultation vom 17. Juni
2008 erneut wegen einem Rezidiv von rechtsseitigen Knieschmerzen vorgestellt (IV-act.
26-8 f.). In einem eine Konsultation vom 24. Januar 2008 betreffenden Bericht der
Klinik für Neurologie des KSSG vom 13. August 2008 war vermerkt worden, dass seit
eineinhalb Jahren intermittierende, bandförmige, diffus ausstrahlende Schmerzen vom
Knie in beide Füsse bestünden. Klinisch und elektrophysiologisch fänden sich keine
Hinweise auf eine Polyneuropathie. Die Ätiologie der angegebenen Beschwerden sei
(neurologisch) nicht einzuordnen, denkbar sei ein Zusammenhang zur
rheumatologischen Erkrankung (IV-act. 26-5 f.). Im weiteren Verlauf wurden am linken
Knie eine Kniegelenksarthroskopie mit partieller Innenmeniskusresektion und eine
retrograde Anbohrung eines Osteonekroseareals am medialen Femurkondylus
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durchgeführt (Berichte der Klinik für Orthopädische Chirurgie, KSSG, vom 26. Mai
2009, IV-act. 26-3 f., und vom 8. Juli 2009, IV-act. 26-1 f.; Gesprächsprotokoll RAD
vom 9. November 2009, IV-act. 21). Am 18. März 2010 wurde das linke Knie mit einer
Prothese versorgt (Berichte der Klinik für Orthopädische Chirurgie KSSG vom 8. März
2011, IV-act. 127-3 f., und vom 2. September 2011, IV-act. 127-1 f.). Die
Rheumatologie des KSSG berichtete in der Folge jeweils, es bestehe seit Jahren bzw.
seit 11. Dezember 2009 keine Aktivität der Grunderkrankung bzw. ein stabiler
Krankheitsverlauf (Berichte vom 7. Juni 2011, IV-act. 64-9 f., vom 12. September 2011,
IV-act. 130-12 f., vom 23. September 2011 [Posteingang], IV-act. 64-1 ff., vom 22.
November 2011, IV-act. 130-10 f., vom 11. Mai 2012, IV-act. 130-7 f., vom 11. Juni
2012, IV-act. 130-4 f., vom 15. Oktober 2012, IV-act. 118-4 f., vom 26. April 2013, IV-
act. 151, vom 27. Juni 2013, IV-act. 165, vom 25. November 2013, IV-act. 206-5 f. und
vom 24. März 2014, IV-act. 206-11 ff.). Bezüglich der Schmerzsymptomatik wurden
einerseits weiterhin schmerzhafte Bewegungseinschränkungen der Kniegelenke
festgehalten (Berichte Rheumatologie KSSG vom 23. September 2011, IV-act. 64-1,
vom 11. Juni 2012, IV-act. 130-4 und vom 10. November 2012, IV-act. 118-1 ff.).
Daneben wurde ab November 2011 von einem, weitere Körperteile bzw. den ganzen
Körper betreffenden, therapierefraktärem, sekundär bedingten chronischen
Schmerzsyndrom berichtet (Berichte Rheumatologie KSSG vom 22. November 2011,
IV-act. 130-10 f., vom 10. November 2012, IV-act. 118-1 ff., vom 26. April 2013, IV-act.
151, vom 27. Juni 2013, IV-act. 165, vom 25. November 2013, IV-act. 206-5 f. und vom
24. März 2014, IV-act. 206-11 ff.; Schlussbericht BEFAS vom 30. März 2012, IV-act.
95-7; Bericht Schmerzzentrum KSSG vom 19. Dezember 2012, IV-act. 145). Der
Austrittsbericht der Klinik Valens vom 11. Februar 2011 dokumentiert einen
chronischen trockenen Reizhusten seit August 2010 (IV-act. 120), und Berichte der
Rheumatologie KSSG vom 23. September 2011 (IV-act. 64-1 ff.) und vom 10.
November 2012 (IV-act. 118-1 ff.) erwähnen eine Dyspnoe.
3.3 Da vorliegend ein Rentenanspruch aufgrund der Anmeldung vom 6. Juli 2009
frühestens ab Januar 2010 besteht (Art. 29 Abs. 1 IVG), sind vorherige Berichte nur
relevant, soweit sie Informationen enthalten, die für die Beurteilung des
Gesundheitszustandes ab diesem Zeitpunkt bzw. ein Jahr zurück (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit.
b IVG) massgeblich sind. Vorliegend geht aus den Berichten der Rheumatologie KSSG
vom 8. Juli 2008 (IV-act. 26-8 f.) und vom 13. August 2008 (IV-act. 26-5 f.) hervor,
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aufgrund welcher Symptome die Diagnose des Morbus Wegener gestellt worden war,
und dass die Beschwerdeführerin etwa seit deren Ausbruch unter ausstrahlenden
Knieschmerzen litt. Diese Situation war nach den Knieoperationen ohnehin neu zu
beurteilen. In späteren Berichten ist zudem nicht mehr in erster Linie von
Knieproblemen, sondern von einer Ganzkörperschmerzsymptomatik und von einem
chronischen Lumbovertebralsyndrom die Rede (Berichte der Rheumatologie KSSG
vom 15. Oktober 2012, IV-act. 118-4 f., vom 26. April 2013, IV-act. 151, vom 27. Juni
2013, IV-act. 165 und vom 25. November 2013, IV-act. 206-5 f.; Berichte des
Schmerzzentrums des KSSG vom 19. Dezember 2012, IV-act. 145 und der Klinik für
Allgemeine Innere Medizin des KSSG vom 9. Januar 2014, IV-act. 206-8 f.). Die
Schmerzen wurden durch den rheumatologischen Gutachter erhoben, untersucht und
gewürdigt. Bezüglich des Morbus Wegener wird von einem seit Dezember 2009
stabilen bzw. regredienten Verlauf berichtet. Auch die Atembeschwerden wurden
abgeklärt und die entsprechenden Berichte (Dr. F._ vom 16. April 2011, IV-act. 62-1
ff., und vom 19. März 2013, IV-act. 141) haben in die Begutachtung Eingang gefunden.
Die von der Beschwerdeführerin eingereichten Berichte der Rheumatologie des KSSG
vom 25. November 2013 (IV-act. 206-5 f.) und vom 9. Januar 2014 (IV-act. 206-8 ff.)
sowie von Dr. C._ vom 4. September 2014 (IV-act. 206-14) halten wie die den
Gutachtern vorgelegenen Berichte im Wesentlichen fest, es bestehe ein stabiler
Gesundheitszustand. Die Stellungnahme des RAD vom 29. Dezember 2014, wonach
diese Berichte keine wesentlichen neuen medizinischen Erkenntnisse enthielten (IV-act.
209-2), ist somit nachvollziehbar. Zusammenfassend ist daher davon auszugehen,
dass die vorhandenen medizinischen Akten den medizinischen Sachverhalt für die
Begutachtung ausreichend wiedergeben, auch wenn nicht alle je erstellten Berichte
vorhanden waren. Hätten den Gutachtern wesentliche Informationen gefehlt, hätten sie
darauf hingewiesen bzw. vorhandene Berichte nachträglich eingeholt (vgl. IV-act.
194-5). Mithin fehlen Anhaltspunkte dafür, dass das Gutachten auf einer relevant
unvollständigen medizinischen Aktengrundlage beruhe.
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin beklagte im Rahmen der Begutachtung in erster Linie
ständig andauernde, am ganzen Körper gleich stark ausgeprägte, diffuse Schmerzen,
ohne ein spezielles, spezifisch schmerzhaftes Areal anzugeben (IV-act. 194-9, 11, 14,
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16, 21, 24). Durch diese Schmerzen leide sie an Schlafstörungen und sei in ihrer
Leistungsfähigkeit massiv eingeschränkt. Sie könne nicht arbeiten und im Haushalt nur
wenig anspruchsvolle bzw. keine regelmässigen Arbeiten ausführen (IV-act. 194-10, 14,
16). Der rheumatologische Gutachter, Dr.med. G._, stellte eine ausgeprägte
Druckdolenz am ganzen Körper und eine ausgeprägte Schmerzartikulation bei der
Weichteilpalpation fest; deren spezifische anatomische Zuordnung sei nicht möglich.
Vier von fünf Waddell-Zeichen seien ausgeprägt positiv (IV-act. 194-15). Vielfältige
Bewegungstests am Achsenskelett, aber auch an den oberen und unteren Extremitäten
zeigten eine ausgedehnte aktive Gegeninnervation, ein ausgeprägtes Schmerzgebaren
und Schmerzartikulieren, was somatisch nicht zu erklären sei. Im klinisch-
rheumatologischen Status fänden sich keine Hinweise für entzündliche Veränderungen.
Insgesamt sei daher das chronische multilokuläre Schmerzsyndrom somatisch
orientiert bisher nicht zu beeinflussende Schmerzsyndrom nicht zu erklären. Es bestehe
ein chronisches multilokuläres Schmerzsyndrom mit massiv ausgeprägter subjektiver
Krankheits- und Behinderungsüberzeugung und massiver Selbstlimitierung. Die
Diagnose der Rheumatologie des KSSG könne bestätigt werden. Die Einschätzung,
dass die frühere Tätigkeit als Teilzeitreinigungsangestellte nicht mehr zumutbar sei, sei
aus aktueller Sicht nicht nachvollziehbar, insbesondere da die Rheumatologen (des
KSSG) selber seit mehreren Jahren einen sehr stabilen Verlauf der entzündlichen
Grunderkrankung postuliert hätten (IV-act. 194-17). Der neurologische Gutachter,
Dr.med. H._, führte aus, es seien das sehr langsame Ausführen der Bewegungen bei
der Prüfung zum Beispiel der Feinmotorik oder Diadochokinese sowie das Nachlassen
bzw. die sakkadierte Innervation bei der Kraftprüfung aufgefallen, so dass eine
zuverlässige Testung nicht möglich gewesen sei. Diese Befunde seien als funktionell,
das heisst als nicht organisch erklärbar, zu beurteilen. Zusammengefasst ergäben sich
derzeit weder klinisch noch in der zerebralen Bildgebung vom 4. April 2013
Anhaltspunkte für eine neurologische Mitbeteiligung von Seiten der Granulomatose. Für
das deskriptiv vorliegende "Ganzkörperschmerzsyndrom" ergebe sich aus
neurologischer Sicht keine Erklärung. Es sei von einer sekundären
Schmerzfehlverarbeitung auszugehen (IV-act. 194-20 f.). Im Rahmen der
neuropsychologischen Testungen war die Beschwerdeführerin nach Hinweisen auf weit
unterdurchschnittliche Leistungen oder Fehler mehrfach in der Lage, sofort ein
richtiges bzw. besseres Testergebnis zu erbringen (vgl. dazu IV-act. 194-22 f.). Der
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neuropsychologische Gutachter, lic. phil. I._, kam zum Schluss, ein valides
neuropsychologisches Testprofil habe nicht erstellt werden können, weshalb zur Frage
der Arbeitsfähigkeit nicht Stellung genommen werden könne. Reproduzierbare
Befunde, die eine Einschränkung begründen könnten, lägen nicht vor (IV-act. 194-24).
Der psychiatrische Gutachter, Dr.med. J._, legte dar, die Stimmung sei ausgeglichen
und die affektive Modulation etwas eingeschränkt gewesen. Aufmerksamkeit,
Auffassung und Gedächtnis seien nicht beeinträchtigt gewesen. Das Ausmass der
Beschwerden und die Überzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, liessen sich durch
die somatischen Befunde nicht hinreichend objektivieren, so dass eine psychische
Überlagerung angenommen werden müsse. Diagnostisch handle es sich um eine
Schmerzverarbeitungsstörung. Depressive Symptome seien für die Diagnose einer
depressiven Störung zuwenig ausgeprägt; auch eine Angststörung könne nicht
diagnostiziert werden. Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
könne nicht gestellt werden, da deutlich schwere psychosoziale oder emotionale
Belastungsfaktoren, die als hauptsächliche ursächliche Einflüsse der Schmerzen gelten
könnten, fehlten. Ein deutliches aufmerksamkeitssuchendes Verhalten bestehe nicht,
die Diagnose einer Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen
(Rentenneurose) könne nicht gestellt werden. Die Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin, nicht mehr arbeitsfähig zu sein, könne durch die psychiatrischen
Befunde nicht objektiviert werden. Sie habe sich im Untersuchungsgespräch gut
konzentrieren können, die Anamneseerhebung sei gut möglich gewesen und die
Beschwerdeführerin habe auch Lebensdaten angeben können. Sie habe vielleicht nicht
viele, aber dennoch normale Kontakte in ihrem Umfeld angegeben. Sie sei bislang nicht
in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung und erhalte eine
psychopharmakologische Medikation. Aus psychiatrischer Sicht könne nicht begründet
werden, warum der Beschwerdeführerin eine einfache, körperlich angepasste und ihren
Fähigkeiten entsprechende Arbeit nicht mehr zugemutet werden könnte (IV-act. 194-11
f.). Der otorhinolaryngologische Gutachter, Dr.med. K._, stellte eine pantonale
Schalleitungsschwerhörigkeit rechts und einen Tinnitus beidseits fest. Diese Diagnosen
würden die die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin qualitativ einschränken.
Gesamtbeurteilend hielten die Gutachter fest, nebst der qualitativen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aus otorhinolaryngologischer Sicht fänden sich weder aus
neurologischer, neuropsychologischer, rheumatologischer noch aus
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allgemeininternistischer Sicht weitere Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Die Granulomatose mit Polyangiitis zeige sich seit Jahren in Remission und beeinflusse
die Arbeitsfähigkeit aus gutachterlicher Sicht nicht (IV-act. 194-29).
4.2 Das Gutachten erscheint bezüglich Befunderhebung und Diagnoseherleitung
schlüssig und nachvollziehbar. Die von der Beschwerdeführerin geschilderten
Beschwerden sind danach nur insoweit erklärbar, als die anfänglich geltend gemachten
und operativ behandelten Schmerzen in den unteren Extremitäten offenbar durch die
Behandlung der Grunderkrankung eingetretenen Knocheninfarkte verursacht wurden
(vgl. Bericht RAD-Abklärung vom 11. Dezember 2009, IV-act. 28, wonach die
Beschwerdeführerin "im Gefolge der durch den Morbus Wegener bedingten multiplen
Knocheninfarkte" ein verlangsamtes Gangbild mit schmerzbedingtem Schonhinken
zeige; Schlussbericht BEFAS-Abklärung vom 30. März 2012, IV-act. 95-5, wonach die
Knocheninfarkte steroidinduziert seien). Hingegen finden die Gutachter keine Erklärung
für die Ausdehnung der Schmerzen auf den ganzen Körper. Auch in den Berichten der
Rheumatologie des KSSG wird neben der Diagnose des nicht mehr aktiven Morbus
Wegener diejenige eines sekundär bedingten chronischen Schmerzsyndroms
aufgeführt (vgl. insbesondere Bericht vom 27. Juni 2013, IV-act. 165). Dazu
veranlassten die behandelnden Rheumatologen weitere Abklärungen am
Schmerzzentrum des KSSG (Bericht vom 19. Dezember 2012, IV-act. 145) und
insbesondere durch das Fachgebiet der Neurologie (Austrittsbericht Rheumatologie
KSSG, IV-act. 170-2 ff.). Letztere führten zum mit der Beurteilung des neurologischen
Gutachters übereinstimmenden Ergebnis, dass keine neurologische Mitbeteiligung im
Rahmen des Morbus Wegener vorliege (vgl. IV-act. 194-20). Die von der
Beschwerdeführerin subjektiv empfundene vollständige Arbeitsunfähigkeit beruht damit
massgeblich auf der von den Gutachtern diagnostizierten
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54) bei chronischem multilokulärem
Schmerzsyndrom (ICD-10: R52.9), welche die mittelbar durch die Granulomatose
verursachten Schmerzen mittlerweile überlagert. Es liegen damit grösstenteils
organisch nicht erklärbare Beschwerden vor.
4.3 Subjektive (Schmerz-)Angaben der versicherten Person genügen in Anbetracht der
sich naturgemäss ergebenden Beweisschwierigkeiten für die Begründung einer
(teilweisen) Arbeitsunfähigkeit alleine nicht. Voraussetzung einer invalidisierenden
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Gesundheitseinschränkung ist zunächst, dass diese Folge einer
Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist
(BGE 130 V 396; BGE 141 V 285 E. 2.1). Eine gesundheitsbedingte Beeinträchtigung
der Erwerbsfähigkeit muss in jedem Einzelfall ausgewiesen und in ihrem Ausmass
bestimmt sein (BGE 127 V 298 E. 4c, mit weiteren Hinweisen). Den unklaren
Beschwerden (wie etwa der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung) ist eigen,
dass mittels klinischer Untersuchungen weder Pathologie noch Ätiologie (vollständig)
nachweis- oder erklärbar sind. Wie das Bundesgericht in Änderung der
Rechtsprechung entschieden hat, ist in solchen Fällen anhand eines strukturierten
Beweisverfahrens ergebnisoffen zu prüfen, wieweit aus objektivierter
Betrachtungsweise ein invalidisierender Gesundheitsschaden nachgewiesen ist (BGE
141 V 281). Massgebende Indikatoren bilden der Schweregrad einer
Gesundheitsschädigung (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome,
diagnose-inhärenter Mindestschweregrad, Behandlungserfolg oder -resistenz,
Teilnahme an beruflichen Eingliederungs- und Integrationsmassnahmen, psychische
und körperliche Begleiterkrankungen, Anzahl der nicht ausreichend organisch erklärten
Körperbeschwerden; zit. Urteil E. 4.3.1), die Persönlichkeit (Persönlichkeitsdiagnostik,
persönliche Ressourcen, Persönlichkeitsentwicklung und -struktur; zit. Urteil E. 4.1.3,
4.3.2), der soziale Kontext (zit. Urteil E. 4.3.3) sowie die Konsistenz (Gleichmässigkeit
der Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen,
sozialer Rückzug, soziale Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung,
Inanspruchnahme therapeutischer Optionen als Hinweis auf den tatsächlichen
Leidendruck; zit. Urteil E. 4.4).
4.4 Vorliegend konnten die Gutachter keine Befunde erheben, welche die
Arbeitsfähigkeit quantitativ einschränken würden. Auch im Schlussbericht der BEFAS
Appisberg vom 30. März 2012 wird festgehalten, die berufliche Abklärung habe wegen
nicht nachvollziehbaren Absenzen, völlig passivem Verhalten und ausgesprochenem
Schon- und Vermeidungsverhalten vorzeitig abgebrochen werden müssen bzw. sei
nicht möglich gewesen (IV-act. 95-7). Auch hier konnte das Ausmass der
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollzogen werden. Die
Beschwerdeführerin ist in der Lage, zeitweise leichtere Hausarbeiten zu verrichten und
Kontakte zu pflegen, was den angegebenen, jegliche Arbeit verunmöglichenden
Beschwerden nicht entspricht. Auch waren keine Beeinträchtigungen der
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Aufmerksamkeit, der Auffassung und des Gedächtnisses feststellbar (IV-act. 194-11)
und die Beschwerdeführerin war in der neuropsychologischen Testung zu unauffälligen
Leistungen in der Lage. Die Schlussfolgerung des psychiatrischen Gutachters, dass
eine körperlich angepasste Arbeit möglich sei, erscheint somit nachvollziehbar und hält
auch vor der neuen Schmerzrechtsprechung Stand, gemäss welcher einer dem
Schweregrad der Einschränkungen entsprechenden Diagnose und der Konsistenz
massgebliches Gewicht zukommen. Es ist davon auszugehen, dass die behandelnden
Rheumatologen in ihrer nicht näher begründeten Schätzung der Arbeitsfähigkeit
Faktoren mitberücksichtigt haben, welche gemäss der dargelegten Rechtsprechung
invalidenversicherungsrechtlich nicht berücksichtigt werden können. Zusätzliche
Abklärungen sind bei der vorhandenen Aktenlage und einem beweiskräftigen
Gutachten nicht erforderlich. Mangels eines in seiner Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit objektivierbaren Gesundheitsschadens besteht keine Invalidität und
somit kein Anspruch auf eine Rente oder berufliche Massnahmen.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die Gerichtskosten
sind vollumfänglich der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen unter
Anrechnung des von ihr bezahlten Kostenvorschusses von Fr. 600.--.