Decision ID: 979ea5e4-d23f-5f5e-a945-f730b7af62d5
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, sri-lankische Staatsangehörige tamilischer Ethnie
mit letztem Wohnsitz in B._, verliess ihren Heimatstaat eigenen An-
gaben zufolge am (...) September 2018 auf dem Luftweg in Richtung
C._. Von dort aus gelangte sie über Italien am 18. September 2018
in die Schweiz, wo sie am 20. September 2018 um Asyl nachsuchte.
B.
B.a Im Rahmen der Befragung zur Person (BzP) wurde die Beschwerde-
führerin am 3. Oktober 2018 summarisch befragt. Am 21. Dezember 2018
wurde sie eingehend zu ihren Asylgründen angehört. Dabei machte sie im
Wesentlichen Folgendes geltend:
B.b Von 1990 bis 2006 habe sie in D._ gelebt, ehe sie gemeinsam
mit ihren Eltern und ihren älteren Schwestern nach E._ im Distrikt
F._ gezogen sei. Im Jahr 2000 habe sie in D._ ihren späte-
ren Verlobten kennengelernt, welcher Mitglied der LTTE (Liberation Tigers
of Tamil Eelam) gewesen sei. Im Jahr 2006 sei er nach Indien geflohen und
sie hätten bis zu seiner Rückkehr nach Sri Lanka im Jahr 2016 telefonisch
Kontakt gehalten. Nach seiner Rückkehr habe ihr Verlobter im Haus ihrer
Familie gelebt, ehe er Sri Lanka im Dezember 2016 respektive Mai 2017
erneut in Richtung Indien verlassen habe. Seit seiner zweiten Ausreise hät-
ten sie keinen Kontakt mehr zueinander.
Nach einem Nachbarschaftsstreit aufgrund einer durch ihren Vater erbau-
ten Grenzmauer, sei sie am 9. Juni 2018 von drei Vertretern des CID (Cri-
minal Investigation Department) in Zivil von zuhause für eine Befragung
mitgenommen worden. Die Nachbarn hätten gute Beziehungen zum Militär
gepflegt, weshalb der Besuch der CID-Vertreter vermutungsweise auf die
Nachbarn zurückzuführen sei. Sie sei drei Tage lang in einem düsteren
Raum im Militärcamp G._ festgehalten worden. Während ihrer
Festhaltung sei sie mit einem Gewehr bedroht und mit einer Holzlatte sowie
mit Händen und Füssen geschlagen worden. Dabei sei insbesondere ihr
rechtes Ohr derart verletzt worden, dass sie auf diesem bis heute nicht gut
hören könne. Drei Tage lang sei sie ohne Unterlass zum Aufenthaltsort ih-
res Verlobten sowie zum Grund für ihren Umzug aus D._ nach
E._ befragt worden. Ausserdem habe man sie beschuldigt, eben-
falls LTTE-Anhängerin zu sein. Im Zuge dieser Befragung habe sie erfah-
ren, dass ihr Verlobter entgegen ihrem eigenen Kenntnisstand nicht ledig-
lich Mitglied der LTTE gewesen sei, sondern er bei der Marine der LTTE
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eine wichtige Position eingenommen habe. Schliesslich habe man sie –
nach einer Geldzahlung ihres Vaters – vor dem Haus ihrer Nachbarn frei-
gelassen und ihr mit erneuter Festnahme zu weiteren Befragungen ge-
droht. Zwei Tage nach ihrer Freilassung habe ihr Vater sie nach H._
gebracht und einen Schlepper für ihre Ausreise organisiert. Bis zu ihrer
Ausreise am (...) September 2018 sei sie zwischen H._ und Co-
lombo gependelt.
B.c Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin
unter anderem eine Kopie ihrer Identitätskarte sowie ein Foto mit ihrem
Verlobten und ein Foto ihres Verlobten bei den LTTE zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 14. Mai 2020 – eröffnet am 19. Mai 2020 – verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte ihr
Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Vollzug an.
D.
D.a Die Beschwerdeführerin liess mit Eingabe an das Bundesverwaltungs-
gericht vom 18. Juni 2020 Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfü-
gung erheben. Darin beantragte sie die Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung und die Asylgewährung unter Zuerkennung ihrer Flüchtlingseigen-
schaft; eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz; sube-
ventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme infolge Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte
sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Beiord-
nung ihres Rechtsvertreters als amtlicher Rechtsbeistand. Zudem ersuchte
sie um ergänzende Akteneinsicht und Gelegenheit zur Beschwerdeergän-
zung.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 2. Juli 2020 stellte die zuständige Instruktions-
richterin fest, dass die (unvertretene) Beschwerdeführerin mit Eingabe vom
25. Mai 2020 die Vorinstanz um Akteneinsicht ersucht habe und diesem
Gesuch am 27. Mai 2020 durch die Vorinstanz entsprochen worden sei.
Demnach habe die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Mandatierung
ihres Rechtsvertreters am 16. Juni 2020 über sämtliche zu editierenden
Akten verfügt. Aus der Behandlung des Akteneinsichtsgesuchs gehe je-
doch nicht hervor, ob die Vorinstanz der Beschwerdeführerin auch – wie
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von ihr beantragt – Kopien der von ihr im Asylverfahren eingereichten Be-
weismittel ausgehändigt habe. Der Beschwerdeführerin wurden durch das
Gericht Kopien der entsprechenden Beweismittel übermittelt, unter Ver-
weis auf Art. 32 VwVG. Gleichzeitig wurde die Beschwerdeführerin aufge-
fordert, ihre prozessuale Bedürftigkeit zu belegen.
F.
Mit Eingabe vom 1. September 2020 belegte die Beschwerdeführerin in-
nert erstreckter Frist ihre prozessuale Bedürftigkeit. Ferner ergänzte sie
ihre Rechtsmitteleingabe unter den Gesichtspunkten von Art. 32 VwVG.
Insbesondere reichte sie einen Arztbericht vom 8. Juli 2020 betreffend ihre
Hörfähigkeit, Auszüge aus dem Familienregister (in Kopie), eine Vorladung
für den 25. November 2019 im Original sowie eine Kopie eines Haftbefehls
vom 2. Januar 2020 zu den Akten.
G.
Die Instruktionsrichterin hiess mit Zwischenverfügung vom 4. September
2020 die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Rechts-
verbeiständung gut und setzte den Rechtsvertreter der Beschwerdeführe-
rin als deren amtlichen Rechtsbeistand ein. Ferner wurde die Vorinstanz
zur Vernehmlassung eingeladen.
H.
Die Vorinstanz liess sich am 1. Oktober 2020 zur Beschwerde vernehmen
und hielt dabei vollumfänglich an den Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung fest.
I.
Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin am 5. Oktober 2020
zusammen mit einer Einladung zur Replik übermittelt.
J.
Die Beschwerdeführerin replizierte mit Eingabe vom 19. November 2020
innert erstreckter Frist und hielt an ihren Rechtsbegehren fest.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
1.4 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-
chen mit der mangelnden Asylrelevanz der Vorbringen der Beschwerde-
führerin, sie sei vom CID festgehalten und befragt worden. Mit Ausnahme
der in diesem Zusammenhang geltend gemachten Schläge – die im Rah-
men der Glaubhaftigkeit zu beurteilen seien – handle es sich bei Ermittlun-
gen der sri-lankischen Behörden mit Bezug zu den LTTE jeweils um Mas-
snahmen zu rechtsstaatlich legitimen Zwecken. Überdies sei die Be-
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schwerdeführerin nach einer Geldzahlung ihres Vaters freigelassen wor-
den und es sei seither weder mit den Behörden noch mit den Nachbarn,
die sie angeblich denunziert hätten, zu weiteren Kontakten respektive
Problemen gekommen. Insofern sei nicht von einer asylrelevanten Verfol-
gung ausreichender Intensität im Sinn von Art. 3 AsylG auszugehen. Im
Übrigen qualifizierte das SEM die Vorbringen der Beschwerdeführerin als
unglaubhaft. So sei deren Aufenthalt in Sri Lanka zum Zeitpunkt der an-
geblichen Verfolgung in Frage zu stellen. Einen mit einem Visumsantrag in
Neu-Delhi in Zusammenhang stehenden Aufenthalt in Indien im August
2017 habe sie zunächst verschwiegen und abgestritten. Erst als sie mit der
Übereinstimmung der Fingerabdrücke konfrontiert worden sei, habe sie
eingeräumt, sich zwecks Visumsantrag eine Woche in Indien aufgehalten
zu haben, da es in Colombo keine spanische Vertretung gebe – was jedoch
nicht den Tatsachen entspreche. Es sei ausserdem nicht glaubhaft, dass
sie wenige Monate nach der Flucht ihres Verlobten nach Indien gereist sei,
um Ferien in Spanien zu organisieren. Es sei vielmehr davon auszugehen,
dass sie im Jahr 2017 bereits in Indien gelebt und sich 2018 nicht mehr in
Sri Lanka befunden habe. Dieser Verdacht werde auch durch ihre unstim-
migen und vagen Angaben zu ihrem Aufenthaltsort zwischen ihrer Freilas-
sung im Juni 2018 und ihrer Ausreise drei Monate später untermauert. Fer-
ner sei weder die Schilderung ihrer Verhaftung und ihres dreitägigen
Haftaufenthalts noch die ihrer Freilassung substanziiert und detailliert aus-
gefallen. Es entstehe nicht der Eindruck, sie berichte von eigenen Erleb-
nissen. Insbesondere sei ihr angeblich während der Haft erlittener Hör-
schaden bis zum Entscheiddatum nicht medizinisch bestätigt worden, so-
dass weder die Verletzung noch die Art ihrer Entstehung belegt seien.
3.2 Die Beschwerdeführerin führte zur Begründung ihres Rechtsmittels im
Wesentlichen zunächst aus, die Vorinstanz habe den rechtserheblichen
Sachverhalt unvollständig festgestellt, indem sie die während der Inhaftie-
rung vom CID gegen sie angewendete Gewalt bei der Sachverhaltsfest-
stellung unberücksichtigt gelassen habe. Soweit die Vorinstanz verschie-
dene ihrer Ausführungen betreffend die Beziehung zu einem LTTE-Mitglied
als unglaubhaft abgetan habe, stelle sie den Sachverhalt unrichtig fest, da
ihre Schilderung sich als konsistent und detailliert erweisen würden. Ferner
bezeichne die Vorinstanz ihre Ausführungen betreffend ihren Aufenthaltsort
zwischen Juni und September 2018 zu Unrecht als vage und unstimmig.
In den erwähnten drei Monaten habe sie sich zwischen Colombo und
H._ bewegt, da der Aufenthalt in H._ sicherer gewesen sei,
sie sich jedoch zur Organisation ihrer Ausreise mehrmals mit ihrem Schlep-
per in Colombo habe treffen müssen. Soweit die Vorinstanz mutmasse, sie
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hätte sich zum Zeitpunkt der geltend gemachten Festnahme in Indien auf-
gehalten, verkenne sie, dass sri-lankischen Staatsangehörigen in Indien
lediglich ein zweimonatiger Aufenthalt bewilligt werde. Folglich hätte sie
sich während über einem Jahr illegal aufgehalten. Auch betreffend die wi-
dersprüchlichen Angaben zum Ausreisezeitpunkt ihres Verlobten habe sie
ihm Rahmen der Anhörung schlüssig darlegen können, dass er zur Regen-
zeit und dementsprechend im Dezember geflüchtet sei. Ebenfalls zu Un-
recht habe die Vorinstanz ihre Schilderungen zur Verhaftung und Fest-
nahme als undetailliert bezeichnet. Sie sei mit verbundenen Augen entführt
und danach drei Tage lang gefesselt in einem dunklen Raum verhört wor-
den, weshalb nicht ersichtlich sei, welche zusätzlichen Angaben sie hätte
machen können. Erschwerend kämen die Faktoren der Scham und Ver-
drängung hinzu. Insgesamt habe sie die Vorverfolgung von asylrelevanter
Intensität glaubhaft machen können. Zudem seien ihr bei ihrer Freilassung
weitere Nachteile angedroht worden.
3.3 In ihrer Eingabe vom 1. September 2020 führte die Beschwerdeführe-
rin zur Ergänzung ihrer Beschwerde zunächst an, die geltend gemachten
Verletzungen ihres rechten Ohrs infolge der Gewaltanwendung während
der Befragung durch das CID liessen sich anhand des beigelegten Arztbe-
richts vom 8. Juli 2020 belegen. Sodann habe sie weitere Dokumente (ins-
besondere Auszüge aus dem Familienregister) erhältlich machen können,
die ihren Wohnsitz an den genannten Adressen in I._ und
E._ belegen würden, womit der vorinstanzlichen Vermutung, sie
habe bereits im Jahr 2017 in Indien gelebt, die Grundlage entzogen sei.
Zudem habe ihre Familie in Sri Lanka eine Vorladung für sie als beschul-
digte Person für den 25. November 2019 sowie einen Haftbefehl gegen sie
vom 2. Januar 2020 erhalten und ihr diese Unterlagen am 18. August 2020
zugestellt. Aus diesen Dokumente gehe hervor, dass sie in Sri Lanka wei-
terhin gesucht werde und ihr bei einer allfälligen Rückkehr schwerwie-
gende Konsequenzen drohen würden.
3.4 Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung fest, der Arztbericht, der die
teilweise beeinträchtigte Hörfähigkeit feststelle, enthalte keine Angabe zu
deren Ursache und zum Entstehungszeitraum. Insofern sei nicht belegt,
dass die Beeinträchtigungen tatsächlich wie dargelegt von einem Verhör
herrührten. Vielmehr dränge sich die Frage auf, weshalb die Beschwerde-
führerin nicht unmittelbar nach den angeblichen Schlägen einen Arzt auf-
gesucht habe. Die eingereichten Auszüge aus dem Familienregister könn-
ten zwar allenfalls belegen, dass die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt
der angeblichen Festnahme in Sri Lanka registriert gewesen sei. Sie seien
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aber nicht geeignet, ihre tatsächliche Anwesenheit im fraglichen Zeitpunkt
zu belegen. Abklärungen bei der Schweizer Botschaft in Sri Lanka hätten
ergeben, dass weder die Verfahrensnummer der gerichtlichen Vorladung
und des Haftbefehls noch die ausstellende Behörde tatsächlich existieren
würden. Bei der gerichtlichen Vorladung und dem Haftbefehl handle es sich
somit eindeutig um gefälschte Dokumente.
3.5 In ihrer Replik führte die Beschwerdeführerin aus, die Erwartungen der
Vorinstanz an die Beweiserbringung, wonach ihr Gehörsverlust im Zusam-
menhang mit den geltend gemachten Asylgründen stehe, sei nicht nach-
vollziehbar. Der ärztlich festgestellte teilweise Hörverlust bezeuge jeden-
falls, dass ihre Aussagen den Tatsachen entsprächen. Einen Beweis für
ihre tatsächliche Anwesenheit in Sri Lanka im fraglichen Zeitpunkt könne
sie nicht erbringen, es gebe jedoch keine Veranlassung, ihre Anwesenheit
dort anzuzweifeln. Die vorinstanzlichen Ausführungen hierzu seien ledig-
lich hypothetischer Natur und würden sich demnach als untauglicher Ver-
such erweisen, ihre Flüchtlingseigenschaft zu bestreiten. Im Übrigen be-
rufe die Vorinstanz sich betreffend Vorladung und Haftbefehl auf einen an-
geblichen Bericht der Schweizer Botschaft. Sofern dieser nicht offengelegt
werde, könnten die vorinstanzlichen Ausführungen hierzu selbstredend
nicht berücksichtigt werden.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG); den frau-
enspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen.
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 9
4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
Zunächst ist festzustellen, dass eine Verletzung von Verfahrensrechten
durch die Vorinstanz nicht ersichtlich ist. Die in der Beschwerde erhobenen
formellen Rügen (Beschwerde S. 8 ff.) betreffen die materielle Würdigung
der Vorbringen, die Gegenstand der nachfolgenden Erwägungen bildet.
Ebenso wenig sind die in der Beschwerde (Beschwerde S. 15 f.) gerügte
Verletzung des Willkürverbots, des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes und
ein Ermessensmissbrauch feststellbar. Eine Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz zur Neubeurteilung rechtfertigt sich nicht. Das entspre-
chende Rechtsbegehren ist abzuweisen.
6.
6.1 Nach Prüfung sämtlicher Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht
zum Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen der Beschwerdeführerin
zu Recht als unglaubhaft qualifiziert hat. Angesichts der nachfolgenden Er-
wägungen kann die Frage der Asylrelevanz der Vorbringen – in Abwei-
chung von der angefochtenen Verfügung, an deren Begründung das Ge-
richt nicht gebunden ist (Art. 62 Abs. 4 VwVG) – letztlich offen bleiben.
6.2 Die Beschwerdeführerin gab an der BzP zu Protokoll, ihr Verlobter
habe Sri Lanka im Mai 2017 verlassen (act. A7/12 1.14). Demgegenüber
führte sie anlässlich der Anhörung aus, er sei bereits im Dezember 2016
ausgereist (act. A14/14 F48). Im Rahmen des erstinstanzlichen Asylverfah-
rens reichte die Beschwerdeführerin ausserdem ein Foto von sich und ih-
rem Verlobten ein und gab zunächst an, es sei 2015 aufgenommen worden
(act. A14/14 F11). Später darauf angesprochen, dass ihr Verlobter sich zwi-
schen 2006 und 2016 ihren Aussagen zufolge nicht in Sri Lanka aufgehal-
ten habe, gab sie an, das Foto stamme aus dem Jahr 2016 (act. A14/14
F95). Diese Widersprüche wecken erste Zweifel an der Glaubhaftigkeit die-
ses Vorbringens. Soweit die Beschwerdeführerin in ihrem Rechtsmittel
ausführte, sie habe anlässlich der Anhörung schlüssig darlegen können,
die Ausreise ihres Verlobten sei in der Regenzeit – und somit im Dezember
– erfolgt, vermag sie damit nicht zu überzeugen (Beschwerde S. 11). Tat-
sächlich gab sie bei der Anhörung zu Protokoll, ihr Verlobter sei während
der Regenzeit mit einem Boot nach Indien gereist, weshalb ihre innere
Stimme ihr sage, er sei eventuell verstorben, sie hoffe jedoch, dass er noch
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Seite 10
lebe (act. A14/14 F96). Diese Aussage und die von ihr geäusserte Besorg-
nis steht aber ihrem Vorbringen auf Beschwerdeebene entgegen, indem
sie auf Beschwerdeebene ausführte, im August 2017 gemeinsam mit ihrem
Verlobten in Neu-Delhi bei der spanischen Vertretung um ein Visum nach-
gesucht zu haben (vgl. Beschwerde S. 5). Dies widerspricht im Übrigen
auch klar ihrer Aussage, wonach sie seit 2016 keinen Kontakt mehr mit
ihrem Verlobten gehabt habe (act. A14/14 F15). Somit gelang es der Be-
schwerdeführerin nicht, die Widersprüche hinsichtlich des Ausreisezeit-
punkts ihres Verlobten aufzulösen. Abschliessend ist diesbezüglich festzu-
halten, dass auch die protokollierten Herausforderungen in der Verständi-
gung zwischen der Beschwerdeführerin und der Übersetzerin während der
Anhörung diese Einschätzung nicht in einem anderen Licht erscheinen las-
sen (act. A14/14 F18). Insbesondere kennzeichnen sich die entsprechen-
den Ausführungen der Beschwerdeführerin durch die Erwähnung von Jah-
reszahlen, anhand derer sie sich zeitlich einordnen lassen. Insofern kann
die Problematik der schwierigen zeitlichen Einordnung infolge unklarer Ab-
grenzung zwischen Gegenwarts- und Vergangenheitsform im Sprachge-
brauch der Beschwerdeführerin zu keiner anderen Einschätzung der ge-
nannten Widersprüche führen.
6.3 Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, sie sei von den Nach-
barn aufgrund eines Nachbarschaftsstreits bei den Sicherheitsbehörden
denunziert worden, wirkt dieses Vorbringen konstruiert. Aus den Schilde-
rungen der Beschwerdeführerin wird nicht nachvollziehbar, weshalb die
Nachbarn im Juni 2018 infolge eines Nachbarschaftsstreits die Behörden
über die vormalige Anwesenheit ihres Verlobten im Jahr 2016 hätten in
Kenntnis setzen sollen. Ferner gab die Beschwerdeführerin an, bis zur Be-
fragung keine Kenntnis über die genaue Tätigkeit ihres Verlobten bei den
LTTE gehabt und erst durch das CID von dessen Position bei der LTTE-
Marine erfahren zu haben. In diesem Zusammenhang ist wenig überzeu-
gend, dass die Nachbarn die Behörden über ein Jahr nach der Abreise des
Verlobten über dessen vormalige Anwesenheit im Haus der Familie der
Beschwerdeführerin informiert haben sollen. Vielmehr wäre anzunehmen,
dass die mit dem Militär angeblich gut vernetzten Nachbarn bereits früher
Meldung an die Behörden gemacht hätten, insbesondere sofern sie über
Informationen zur ehemaligen Stellung des Verlobten innerhalb der LTTE
verfügt hätten.
6.4 Der Vorinstanz ist darin zuzustimmen, dass die Ausführungen der Be-
schwerdeführerin zu ihrer Verhaftung und dreitägigen Inhaftierung unsub-
stanziiert und detailarm ausgefallen sind (vgl. act. A14/14 F58, F62 ff.,
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Seite 11
F83 f.). Anhand der Schilderungen der Beschwerdeführerin entsteht nicht
der Eindruck, als ob sie die geltend gemachte intensive Verhörsituation,
während der sie drei Tage lang befragt, wachgehalten und geschlagen wor-
den sein soll, tatsächlich selbst erlebt hat. Es wäre zu erwarten gewesen,
dass die Beschwerdeführerin detailliertere Aussagen zu einer dreitägigen
Festhaltung machen könnte, auch wenn sie sich dabei lediglich in einem
dunklen Raum aufgehalten haben soll (vgl. Beschwerde S. 12). Insbeson-
dere lassen ihre Schilderungen eine persönliche Färbung und Realkenn-
zeichen vermissen. Ebenso wenig erlebnisgeprägt sind ihre Ausführungen
zur anschliessenden Freilassung, beschränken sich diese doch im We-
sentlichen auf die Ausführung, dass sie zu einem Auto gebracht und vor
dem Haus ihrer Nachbarn freigelassen worden sei (act. A14/14 F83 f.). Ins-
gesamt entsteht somit nicht der Eindruck, dass sich die von der Beschwer-
deführerin geltend gemachte Festnahme und Befragung tatsächlich zuge-
tragen hat. Diesbezüglich ist auch anzumerken, dass aus der vorinstanzli-
chen Begründung der Verfügung hinlänglich hervorgeht, dass die Vo-
rinstanz die geltend gemachten Schläge während der Inhaftierung nicht als
glaubhaft erachtet. Insofern kann von einer unvollständigen Sachverhalts-
feststellung keine Rede sein und für die beantragte Rückweisung der Sa-
che an die Vorinstanz besteht keine Veranlassung (vgl. auch E. 5). Die Be-
schwerdeführerin konnte sodann anlässlich der Anhörung auch keine An-
gaben dazu machen, ob der ihrer Behelligung angeblich zugrundeliegende
Konflikt mit den Nachbarn weiterhin bestehe, und führte diesbezüglich aus,
sie habe ihre Familie nicht danach gefragt (act. A14/14 F92), was nicht
plausibel erscheint.
6.5 Bezüglich der im Beschwerdeverfahren eingereichten Unterlagen und
Dokumente hält das Bundesverwaltungsgericht folgendes fest:
6.5.1 Vor dem Hintergrund der festgestellten Unglaubhaftigkeit der geltend
gemachten Festnahme und Inhaftierung ist auch der eingereichte Arztbe-
richt vom 8. Juli 2020 nicht geeignet, eine Gewaltanwendung im Rahmen
der behördlichen Befragung zu belegen. Allein aus der Beeinträchtigung
der Hörfähigkeit kann nicht auf die Richtigkeit der behaupteten Umstände
geschlossen werden. Insbesondere auch unter Berücksichtigung der Aus-
sage der Beschwerdeführerin, die Beeinträchtigung ihres rechten Ohrs sei
das Schlimmste, was sie während der Inhaftierung erlebt habe, erstaunt
es, dass sie sich in der Folge rund drei Monate lang nicht in ärztlichen Be-
handlung begeben hat (act. A14/14 F80). Wenig überzeugend ist in diesem
Zusammenhang auch die Aussage, sie habe nach einem ersten Spitalbe-
such keinen weiteren Termin vereinbart, da ihre Familie bereits einen
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Seite 12
Schlepper organisiert habe (act. A14/14 F82). Immerhin gab sie an, sich
vor ihrer Ausreise noch rund drei Monate in H._ und Colombo auf-
gehalten zu haben, womit anzunehmen wäre, dass sich ihr ausreichend
Gelegenheit zu weiteren medizinischen Abklärungen geboten hat.
6.5.2 Die eingereichten Familienregisterauszüge datieren von 1997 und
belegen lediglich den Aufenthalt der Familie der Beschwerdeführerin in
K._ in dieser Zeit. Insofern sind die Dokumente nicht geeignet, die
Anwesenheit der Beschwerdeführerin in Sri Lanka im Juni 2018 zu bele-
gen.
6.5.3 Die Dokumente, bei denen es sich um eine gerichtliche Vorladung
und einen Haftbefehl handeln soll, sind ebenfalls nicht geeignet, zu einer
anderen Einschätzung zu führen. Zunächst geht aus der Beschwerdeer-
gänzung nicht hervor, weshalb die Beschwerdeführerin die Dokumente
erstmals auf Beschwerdeebene im August 2020 erwähnt, nachdem der
Haftbefehl am 2. Januar 2020 ergangen und die gerichtliche Vorladung be-
reits für den 25. November 2019 ausgestellt worden sein soll. Nach Kennt-
nisstand des Gerichts existiert in I._ zudem kein High Court. Wei-
tere Zweifel an der Authentizität der eingereichten Dokumente ergeben
sich zudem aus den Schreibfehlern sowohl auf den Dokumenten (mit Atroni
Genaral ist vermutungsweise Attorney General und mit Vanta Lisam wohl
Vandalism gemeint) als auch dem verwendeten Stempel (Corut anstelle
von Court). Die von der Vorinstanz auf Vernehmlassungsebene getroffene
Einschätzung ist mithin zu bestätigen. In diesem Zusammenhang ist im
Übrigen festzustellen, dass die Vorinstanz die Gründe, weshalb sie im Rah-
men der Beweiswürdigung zum Ergebnis gelangt ist, dass es sich bei den
eingereichten Dokumenten um Fälschungen handelt, nachvollziehbar dar-
gelegt hat. Auf Beschwerdeebene wird dem nichts Konkretes entgegenge-
halten (Beschwerdeergänzung vom 19. November 2020 S. 2), weshalb in
Übereinstimmung mit der Vorinstanz davon auszugehen ist, die eingereich-
ten gerichtlichen Dokumente seien nicht authentisch und es handle sich
um Fälschungen. Die im Original eingereichte Vorladung ist daher einzu-
ziehen. Abschliessend erstaunt es, dass auf beiden Dokumenten die Ad-
resse der Beschwerdeführerin in K._ aufgeführt ist, obwohl sie an-
gab, dort seit 2006 nicht mehr gelebt zu haben und zuletzt in E._
offiziell registriert gewesen zu sein (act. A7/12 2.02). Angesichts der bis
anhin festgestellten Unglaubhaftigkeitsmerkmale kann somit auch die
Frage nach dem genauen Verbleib der Beschwerdeführerin ab August
2017 letztlich offenbleiben. Dennoch sei der Vollständigkeit halber anzu-
merken, dass die Ausführungen der Beschwerdeführerin hinsichtlich ihres
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Seite 13
Aufenthaltsortes zwischen Juni und September 2018 – wie von der Vo-
rinstanz festgestellt – in sich nicht schlüssig erscheinen (act. A7/12 7.01;
act. A14/14 A27 f.). Unzutreffend ist allein die Feststellung der Vorinstanz,
die Beschwerdeführerin hätte sich auch in Sri Lanka zwecks Visumserhalts
an eine spanische Vertretung wenden können (vgl. Verfügung S. 4). Infor-
mationen des spanischen Aussenministeriums zufolge befindet sich in Co-
lombo lediglich eine Honorarvertretung und sri-lankische Staatsangehörige
sind in Visumsfragen an die spanische Vertretung in Neu-Delhi verwiesen
(Spanische Vertretung in Indien: < http://www.exteriores.gob.es/Embaja-
das/NUEVADELHI/en/ServiciosConsulares/Pages/Visa-Applications.aspx
> , abgerufen am 2. Februar 2021). Die Richtigstellung der vorinstanzlichen
Verfügung in diesem Punkt führt vorliegend allerdings nicht zu einer ande-
ren Einschätzung.
7.
Das SEM hat insgesamt zutreffend festgestellt, dass es der Beschwerde-
führerin nicht gelungen ist, glaubhaft darzulegen, dass sie im Zeitpunkt ih-
rer Ausreise im September 2018 in asylbeachtlicher Weise gefährdet war.
Die Ausführungen im Beschwerdeverfahren sind nicht geeignet, die vor-
instanzlichen Erwägungen in einem anderen Lichte erscheinen zu lassen.
Insbesondere erübrigt sich anhand der festgestellten Unglaubhaftigkeit der
Vorbringen deren Prüfung auf die Asylrelevanz hin.
8.
8.1 Zutreffend verneinte das SEM in seiner Verfügung sodann auch das
Vorliegen von Risikofaktoren, welche zum heutigen Zeitpunkt zur Bejahung
einer begründeten Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Falle der Rückkehr
führen könnten (vgl. hierzu Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5.5
[als Referenzurteil publiziert]). Die Beschwerdeführerin weist in ihrer Per-
son keine Faktoren im Sinne eines besonderen Profils auf, die im Falle
einer Wiedereinreise ein behördliches Interesse vermuten liessen. Ange-
sichts der festgestellten Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen der Be-
schwerdeführerin ist nicht davon auszugehen, dass sie aufgrund bekannt-
schaftlicher Verbindungen – namentlich durch den Verlobten – asylrele-
vante Verfolgung zu befürchten hätte. Allein aus der tamilischen Ethnie und
der mittlerweile zweieinhalbjährigen Landesabwesenheit kann die Be-
schwerdeführerin keine Gefährdung ableiten. Es ist somit nicht anzuneh-
men, dass ihr persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen.
http://www.exteriores.gob.es/Embajadas/NUEVADELHI/en/ServiciosConsulares/Pages/Visa-Applications.aspx http://www.exteriores.gob.es/Embajadas/NUEVADELHI/en/ServiciosConsulares/Pages/Visa-Applications.aspx
E-3160/2020
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8.2 An dieser Einschätzung vermag auch die aktuelle – zwar als volatil zu
bezeichnende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist sich der Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet
die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Ent-
scheidfindung. Weder aus dem Machtwechsel im Jahr 2019 noch aus dem
Vorfall betreffend eine Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Sri
Lanka vermag die Beschwerdeführerin etwas zu ihren Gunsten abzuleiten.
Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, wonach speziell die Be-
schwerdeführerin einer erhöhten Gefahr ausgesetzt sein könnte. Ebenso
gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären.
9.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund
des Dargelegten die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und das SEM ihr
Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat.
10.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
E-3160/2020
Seite 15
11.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
11.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
11.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der
Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in
den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-
sig.
11.2.3 Weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin noch aus den
Akten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr («real risk») nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhalts-
punkte dafür, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten
E-3160/2020
Seite 16
hätte, die über einen sogenannten «Background Check» (Befragung und
Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, o-
der dass sie persönlich gefährdet wäre.
11.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich
die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter
Weise auf die Beschwerdeführerin auswirken dürften. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen.
11.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
11.3
11.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
11.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, diese Einschätzung
gilt auch unter Berücksichtigung der dortigen aktuellen Ereignisse und Ent-
wicklungen. Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen
Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekom-
men, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz zumutbar ist, wenn
das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Exis-
tenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie
Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht
werden kann (vgl. Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2).
11.3.3 In Bezug auf das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien kann
mit Verweis auf die Akten festgehalten werden, dass es sich bei der Be-
schwerdeführerin – mit Ausnahme der einseitig beeinträchtigten Hörfähig-
keit – um eine gesunde Frau mit einem tragfähigen familiären und sozialen
Beziehungsnetz im Heimatstaat handelt. Ihre Familie führt einen Landwirt-
schaftsbetrieb, indem sie eigenen Angaben gemäss vor ihrer Ausreise
nebst einer ehrenamtlichen Tätigkeit als Kindergärtnerin ebenfalls mitge-
holfen hat (A7/12 1.17.04, 2.02). Ausserdem wird die Beschwerdeführerin
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in der Schweiz von ihrer hier wohnhaften (...) und deren (...) unterstützt
und es ist anzunehmen, dass sie sich auch bei einer allfälligen Rückkehr
auf die finanzielle Unterstützung ihrer Verwandten verlassen kann (A14/14
F8). Im Lichte ihrer Schulbildung, der mehrjährigen Berufserfahrung sowie
der familiären Unterstützung ist davon auszugehen, dass es der Beschwer-
deführerin durchaus möglich ist, sich wieder eine Existenz im Heimatstaat
aufzubauen. Zutreffend hat die Vorinstanz sodann darauf verwiesen, dass
trotz der jüngsten politischen Geschehnisse keine gänzlich unsichere, von
bewaffneten Konflikten oder anderen unberechenbaren Unruhen domi-
nierte Lage im Heimatstaat herrscht, aufgrund derer Rückkehrer unabhän-
gig ihres individuellen Hintergrunds konkret gefährdet sind. An dieser Ein-
schätzung vermag auch der Machtwechsel mit der erfolgten Präsident-
schaftswahl vom 16. November 2019 nichts zu ändern.
11.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
11.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
11.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
13.
13.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Instrukti-
onsverfügung vom 4. September 2020 ihr Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen
wurde und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich ihre finanzielle
Lage seither entscheidrelevant verändert hätte, ist von der Auflage von
Verfahrenskosten abzusehen.
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13.2 Mit der Instruktionsverfügung vom 4. September 2020 wurde auch
das Gesuch der Beschwerdeführerin um amtliche Verbeiständung gutge-
heissen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG) und ihr Rechtsvertreter als amtlicher
Rechtsbeistand eingesetzt. Demnach ist diesem ein Honorar für die not-
wendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Der
Rechtsbeistand reichte mit der Beschwerde vom 18. Juni 2020 eine Hono-
rarnote zu den Akten, in welcher er einen Vertretungsaufwand von 12,2
Stunden auflistet, was in zeitlicher Hinsicht (einschliesslich Beschwerdeer-
gänzung und Replik) angemessen erscheint. Der veranschlagte Stunden-
ansatz von Fr. 250.– ist indes in Übereinstimmung mit dem in der Zwi-
schenverfügung vom 4. September 2020 angekündigten Höchstansatz
entsprechend auf Fr. 220.– zu kürzen. Gestützt auf Art. 14 Abs. 2 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2), in Anwendung der
massgebenden Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 ff VGKE)
und unter Anwendung des angekündigten Stundenansatzes von höchstens
Fr. 220.– ist das vom Gericht auszurichtende Honorar demnach auf insge-
samt Fr. 2'927.50 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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