Decision ID: cf38a324-95e7-5e57-8902-8ef9259b55e1
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Bewährungshilfe des Kantons St. Gallen, Oberer Graben 22,
9001 St. Gallen,
gegen
UNIA Arbeitslosenkasse, Sektion St. Gallen, Teufenerstrasse 8, Postfach 2163,
9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Arbeitgeberkündigung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 23. April 2012 beim Regionalen Arbeitsvermittlungsamt
(RAV) zur Arbeitsvermittlung und zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung bei der
Unia Arbeitslosenkasse (nachfolgend: Unia) an (act. G 4.1.1 und G 4.1.2). In der
Arbeitgeberbescheinigung vom 30. April 2012 gab ihre Arbeitgeberin, die B._ GmbH,
(nachfolgend: Arbeitgeberin), an, der Versicherten am 30. März 2012 per 30. April 2012
gekündigt zu haben. Am 10. April 2012 sei jedoch eine fristlose Kündigung erfolgt (act.
G 4.2.1).
A.b Mit Schreiben vom 11. Juni 2012 ersuchte die Unia die Arbeitgeberin um weitere
Auskünfte hinsichtlich der erfolgten Kündigung (act. G 4.3.1). Diese reichte am 12. Juni
2012 verschiedene Unterlagen ein. Daraus ging hervor, dass sie der Versicherten am
20. Dezember 2011 eine schriftliche Verwarnung hatte zukommen lassen, wonach ihre
wiederholten Verzögerungen Probleme für die Organisation verursachen würden. In
Zukunft würden solche nicht mehr akzeptiert werden. Zudem hatte die Arbeitgeberin
der Versicherten mit eingeschriebenem Brief vom 10. April 2012 mitgeteilt, dass ihr
Verhalten, ab 10. April 2012 ohne Rechtfertigung nicht mehr am Arbeitsplatz
erschienen zu sein, als fristlose Kündigung ihrerseits erachtet worden sei (act. G 11.3f.).
Mit Einschreiben vom 20. April 2012 wiederholte die Arbeitgeberin, das Verhalten der
Versicherten als fristlose Kündigung zu betrachten (act. G 4.3.3).
A.c Mit Schreiben vom 14. Juni 2012 forderte die Unia die Versicherte auf, zur
fristlosen Kündigung durch die Arbeitgeberin Stellung zu nehmen (act. G 4.4.1). Dem
kam die Versicherte im Schreiben vom 20. Juni 2012 nach. Sie gab an, am 6. April
2012 versucht zu haben, ihre Arbeitgeberin auf dem Mobiltelefon zu erreichen. Da ihr
Vater todkrank gewesen sei, habe sie um die Erlaubnis eines zweiwöchigen Urlaubs
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bitten wollen. Ihre Arbeitgeberin habe dem Urlaub für eine Woche telefonisch
zugestimmt. Da ihre Mutter und deren Freund nichts davon gewusst hätten, hätten
auch sie die Arbeitgeberin angerufen und nachgefragt, worauf sie dieselbe Antwort
erhalten hätten. Am 7. April 2012 sei sie schliesslich nach Thailand geflogen. Am 10.
April 2012 habe ihr die Arbeitgeberin per SMS die Stelle als Serviceangestellte
gekündigt. Auf Grund ihrer Abwesenheit sei sie nicht in der Lage gewesen, den
eingeschriebenen Kündigungsbrief zu unterschreiben (wohl: entgegen zu nehmen). Aus
familiären Gründen sei sie gezwungen gewesen, ihren Auslandaufenthalt um eine
Woche zu verlängern. Am 23. April 2012 sei sie in der Schweiz angekommen und habe
sich gleich um den Kündigungsbrief gekümmert. Sie sei gerichtlich nicht gegen die
fristlose Kündigung vorgegangen (act. G 4.4.2).
A.d Die Unia verfügte am 21. Juni 2012 die Einstellung in der Anspruchsberechtigung
der Versicherten ab 10. April 2012 für 35 Tage. Auf Grund der Aktenlage müsse eine
selbstverschuldete Arbeitslosigkeit im schweren Bereich bejaht werden. Da die Ver
sicherte nicht gegen die Kündigung vorgegangen sei, müsse davon ausgegangen
werden, dass sie die Kündigungsbegründung des Arbeitgebers und damit die fristlose
Kündigung ihrerseits akzeptiere (act. G 4.5.1).
B.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch die Bewährungshilfe St. Gallen, am
6. Juli 2012 Einsprache mit dem Antrag auf Aufhebung und Ausrichtung der Taggelder
ab Anspruchsberechtigung (act. G 4.6.1). Diese Einsprache wies die Unia mit
Einspracheentscheid vom 24. Juli 2012 ab. In der Begründung hielt sie fest, dass
betreffend die Kündigung auf Grund der vertraglichen Änderung in einen Arbeitsvertrag
auf Stundenlohnbasis keine Sanktion vorgenommen worden sei. Am 20. April 2012 sei
die Einsprecherin von der Arbeitgeberin darüber informiert worden, dass das
Nichterscheinen am Arbeitsplatz ab 10. April 2012 als fristlose Kündigung ihrerseits
erachtet worden sei. Da sie keine rechtlichen Schritte gegen diese Kündigung
unternommen habe, müsse davon ausgegangen werden, dass sie den Sachverhalt
dieses Schreibens akzeptiert habe und somit die Kündigung nicht von der
Arbeitgeberin aus erfolgt sei, sondern es sich um eine fristlose Kündigung ihrerseits
gehandelt habe. In der Einsprache werde weiter festgehalten, dass sie seit April 2012
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schwanger sei und deshalb ein Kündigungsschutz bestehe. Auf Grund der
Selbstkündigung bestehe jedoch kein Kündigungsschutz bei Schwangerschaft (act. G
4.7.1).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 14. August
2012. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin beantragte darin die Aufhebung
des angefochtenen Einspracheentscheids vom 24. Juli 2012 und der Kassenverfügung
vom 21. Juni 2012, sowie die Aufhebung der 35 Einstelltage und die Auszahlung des
Taggelds ab Anspruchsberechtigung. Zur Begründung machte sie geltend, die
Beschwerdeführerin sei am 30. März 2012 bei der Bewährungshilfe zur Beratung
gekommen, da sie von der Arbeitgeberin ein Schreiben erhalten habe, welches sie
gleichentags noch unterzeichnen sollte. Gemäss diesem werde ihr die Arbeitgeberin
kündigen, falls sie mit dem neuen Arbeitsvertrag im Stundenlohn nicht einverstanden
sei. Dieser neue Arbeitsvertrag sei jedoch für die Beschwerdeführerin nicht zumutbar
gewesen, da sie mit dem Einkommen aus dem Stundenlohnvertrag ihren finanziellen
Verpflichtungen nicht hätte nachkommen können. Auf Grund der sehr unregelmässigen
Arbeitszeiten hätte sie auch keine zweite Arbeitsstelle annehmen können, um so das
Existenzminimum zu erreichen. Somit könne nicht von einer selbstverschuldeten
Arbeitslosigkeit gesprochen werden, da die Auflösung des Arbeitsvertrags durch die
Arbeitgeberin erfolgt sei. Schliesslich habe die Beschwerdeführerin Anfang April 2012
von der schweren Erkrankung ihres in Thailand lebenden Vaters erfahren. Um ihn
besuchen zu können, habe sie ihre Arbeitgeberin um zwei Wochen Ferien gebeten.
Diese habe mündlich eine Woche bewilligt, worauf sie am 7. April 2012 nach Thailand
gereist sei. Ihre Mutter habe nicht gewusst, ob die Arbeitgeberin informiert gewesen sei
und habe sie daher durch ihren Partner telefonisch informieren lassen. Am 10. April
2012 habe die Beschwerdeführerin von ihrer Arbeitgeberin eine SMS erhalten, worin
jene ihr mitgeteilt habe, dass sie nicht zur Arbeit erschienen sei und sie ihr deshalb
fristlos kündige. Dies habe sie ihr mit Schreiben vom 20. April 2012 auch noch
schriftlich mitgeteilt mit Bezug auf ihre schriftliche Verwarnung vom 20. Dezember
2011. Da sich der Gesundheitszustand ihres Vaters verschlechtert habe, habe sie den
Rückflug verschoben. Am 17. April 2012 sei ihr Vater verstorben, weshalb sie (erst)
nach der Beerdigung wieder in die Schweiz zurückgekehrt sei. Infolge der Kündigung
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habe sie sich am 23. April 2012 beim RAV angemeldet. Aus diesen Gründen habe die
Beschwerdeführerin die Arbeitslosigkeit nicht selber verschuldet. Die von der
Arbeitgeberin vorgebrachten Gründe rechtfertigten eine fristlose Kündigung oder
Freistellung nicht. Auch die Behauptung, dass ihr Verhalten als fristlose Kündigung
betrachtet werde, sei nicht haltbar. Vielmehr stelle sich die Frage, ob die fristlose
Kündigung missbräuchlich gewesen und ob der Lohn von April 2012 korrekt
abgerechnet worden sei. Seit April 2012 sei die Beschwerdeführerin zudem schwanger.
Ab der Schwangerschaft bestehe ein Kündigungsschutz, der gegebenenfalls mit einem
Arztzeugnis bestätigt werden müsse. Die Beschwerdeführerin habe jedoch nicht
wissen können, dass sie rechtlich gegen die Arbeitgeberin hätte vorgehen müssen und
die Beschwerdegegnerin habe sie hierin auch nicht rechtlich beraten. Die Kündigung
sei nicht von ihr ausgegangen, sondern die Arbeitgeberin habe die Situation
ausgenutzt, um ihr fristlos zu kündigen. Selbst wenn jedoch davon ausgegangen
würde, dass die fristlose Kündigung von ihr ausgegangen sei, seien 35 Einstelltage
unverhältnismässig hoch. Würde von einer fristlosen Kündigung vom 10. April 2012
ausgegangen, seien es maximal 15 Arbeitstage, die sie nicht erfüllt hätte (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 25. September 2012 beantragte die
Beschwerdegegnerin unter Verweis auf den Einspracheentscheid vom 24. Juli 2012 die
Beschwerdeabweisung (act. G 4).
C.c Die Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet (act. G 6).
C.d Mit E-Mail vom 1. März 2013 ersuchte das Versicherungsgericht das RAV und die
Beschwerdegegnerin um Aktenedition (act. G 7, G 10). Dem Begehren kam das RAV
gleichentags (act. G 8, G 9) und die Beschwerdegegnerin mit E-Mail vom 8. März 2013
(act. G 11) nach. Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine weitere Stellungnahme
(act. G 12).

Erwägungen:
1.
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Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin zu Recht in der
Anspruchsberechtigung eingestellt worden ist. Vorweg ist festzuhalten, dass die
Einstellung nur für Tage gilt, für die die arbeitslose Person die Voraussetzungen der
Anspruchsberechtigung erfüllt (Art. 30 Abs. 3 Satz 1 des Bundesgesetzes über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung [AVIG; SR
837.0]). Vorliegend kündigte die Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin bereits am
30. März 2012 ordentlich per 30. April 2012 (act. G 4.6.2), da jene sich nicht damit
einverstanden erklärt hatte, einen neuen Arbeitsvertrag auf Stundenlohnbasis zu
akzeptieren. Die Beschwerdegegnerin sah in der Nichtannahme des neuen
Arbeitsvertrags keinen Einstellungsgrund, offenbar weil die Beschwerdeführerin mit
dem Einkommen aus dem neuen Arbeitsverhältnis glaubhaft ihren finanziellen
Verpflichtungen nicht mehr hätte nachkommen können. Somit wäre das
Arbeitsverhältnis auch ohne die fristlose Auflösung spätestens am 30. April 2012
beendet gewesen. Die vorzeitige Auflösung führte daher aus Sicht der
Arbeitslosenversicherung zu einem Schaden in Höhe von maximal sechs Taggeldern
(Arbeitstage vom Zeitpunkt der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung am 23.
April 2012 bis zum ordentlichen Arbeitsvertragsende am 30. April 2012), weshalb sich
eine Einstellung von mehr als sechs Tagen von vornherein nicht halten lässt.
2.
2.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist die versicherte Person in der
Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos
ist. Selbstverschuldet ist die Arbeitslosigkeit namentlich dann, wenn die versicherte
Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung arbeitsvertraglicher
Pflichten, dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat
(Art. 44 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung
und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Zu den arbeitsvertraglichen
Verpflichtungen eines Arbeitnehmers gehört es, die allgemeinen Anordnungen des
Arbeitgebers und die ihm erteilten besonderen Weisungen nach Treu und Glauben zu
befolgen (Art. 321d Abs. 2 des Schweizerischen Obligationenrechts [OR; SR 220]).
Nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV gilt die Arbeitslosigkeit ebenfalls als selbstverschuldet,
wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne
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dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der
Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte.
2.2 Am 17. Oktober 1991 ist für die Schweiz das Übereinkommen Nr. 168 der
Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung und den
Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend: Übereinkommen; SR
0.822.726.8) in Kraft getreten. Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens können
Leistungen verweigert, entzogen, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden, wenn die
zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vorsätzlich zu ihrer
Entlassung beigetragen hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und
klar ist, ist sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht damit allfällig widersprechendem
Landesrecht vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung setzt somit voraus, dass die versicherte Person vorsätzlich zu
ihrer Entlassung beigetragen hat (Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 26.
April 2006, C 6/06, E. 1.1 und C 11/06, E. 1, je mit Hinweisen auf BGE 124 V 236 E.
3b). Im Sozialversicherungsrecht handelt vorsätzlich, wer eine Tat mit Wissen und
Willen begeht, oder mindestens im Sinn des Eventualvorsatzes in Kauf nimmt
(Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998,
S. 52). Eine zumindest eventualvorsätzliche Herbeiführung der Arbeitslosigkeit liegt
beispielsweise dann vor, wenn die versicherte Person auf Grund einer Verwarnung
weiss, dass ein bestimmtes Verhalten vom Arbeitgeber nicht - oder nicht mehr -
toleriert und zu einer Kündigung führen wird, sie aber dennoch die ihr nach den
persönlichen Umständen und Verhältnissen zumutbare Anstrengung zu einer Änderung
des beanstandeten Verhaltens nicht aufbringt (vgl. BVR 1999 S. 379 E. 5c). Hat eine
versicherte Person nur grob fahrlässig zur Kündigung durch den Arbeitgeber
beigetragen, ist eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 20 lit. b des
Übereinkommens nicht zulässig.
2.3 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach hat die
Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser
Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in der
Mitwirkungspflicht der Parteien (BGE 115 V 133 mit Hinweisen).
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2.4 Beim Einstellungsgrund nach Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV genügt der im Sozialver
sicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht,
sondern das der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten muss klar feststehen
(vgl. Thomas Nussbaumer; Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Rz 829 mit Hinweisen).
Bei Differenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vermögen blosse
Behauptungen des Arbeitgebers den Nachweis für ein schuldhaftes Verhalten der
versicherten Person nicht zu erbringen, wenn sie von dieser bestritten werden und
nicht durch andere Beweise oder Indizien bestätigt erscheinen (BGE 112 V 245 E. 1 mit
Hinweisen; ARV 1993/94 NR. 26 S. 183 f. E. 2a; Nussbaumer, a.a.O., Rz 831 mit
Hinweisen).
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin verfügte die Einstellung gestützt auf Art. 44 Abs. 1 lit. b
AVIV i.V.m. Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG, weil sie davon ausging, dass die Beschwerde
führerin selber gekündigt hatte. Dagegen machte die Beschwerdeführerin geltend, die
Arbeitgeberin habe ihr am 10. April 2012 eine SMS mit der fristlosen Kündigung nach
Thailand geschickt. Mit eingeschriebenem Brief vom 20. April 2012 sei ihr von der
Arbeitgeberin nochmals eine fristlose Kündigung wegen Nichterscheinens am
Arbeitsplatz zugestellt worden.
3.2 Den Akten ist zu entnehmen, dass die Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin mit
eingeschriebenem, nicht abgeholtem Brief vom 10. April 2012 folgendes mitteilte:
"heute 10. April 2012 sind Sie ohne ersichtlichen Grund nicht am Arbeitsplatz
erschienen. Wie bereits in der letzten Verwarnung darauf hingewiesen, erachten wir
dieses Verhalten als fristlose Kündigung ihrerseits" (act. G 11.3, 11.4). Im Einschreiben
vom 20. April 2012 (mit dem Vermerk: 2. Sendung) schrieb die Arbeitgeberin: "Sie sind
am 10. April 2012 ohne Rechtfertigung am Arbeitsplatz nicht erschienen. Wir haben
versucht, Sie telefonisch zu kontaktieren und wir haben keine Antwort erhalten. Wie
bereits in der letzten Verwarnung darauf hingewiesen, erachten wir dieses Verhalten als
fristlose Kündigung ihrerseits..." (act. G 4.3.3). Daraus geht hervor, dass nicht die
Beschwerdeführerin, sondern die Arbeitgeberin die fristlose Kündigung aussprach (vgl.
ähnlicher Fall in: Streiff/vonKaenel/Rudolph, Arbeitsvertrag, 7. Aufl. Zürich 2012, N18
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zu Art. 337, S. 1129, BGE 4C.155/2005). Davon gingen die Vertragsparteien auch aus.
So hielt die Arbeitgeberin in der Arbeitgeberbescheinigung fest, dass sie ordentlich per
30. April und fristlos am 10. April 2012 gekündigt habe. Auch die Beschwerdeführerin
fasste das Verhalten und die Schreiben der Arbeitgeberin als Kündigung auf. So
erklärte sie auf dem Antragsformular, dass die Arbeitgeberin per SMS fristlos gekündigt
habe (act. G 4.1.2 und 4.2.1). Die fehlende Reaktion auf das SMS ändert an der von der
Arbeitgeberin ausgesprochen Kündigung nichts. Damit fällt eine Sanktionierung nach
Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV i.V.m. Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ausser Betracht.
4.
4.1 Somit ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin durch ein ihr vorwerfbares
Verhalten und/oder eine ihr vorzuwerfende Arbeitseinstellung vorsätzlich zu ihrer
Entlassung beigetragen hat bzw. eine solche Entlassung zumindest in Kauf genommen
hat, was eine Sanktionierung nach Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV i.V.m. Art. 30 Abs. 1 lit. a
AVIG zur Folge hätte.
4.2 Die Arbeitgeberin gab in der Arbeitgeberbescheinigung vom 30. April 2012 an, die
Beschwerdeführerin habe am 3. April 2012 ihren letzten Arbeitstag geleistet. Vom 4. bis
9. April 2012 habe sie Ferien gehabt (act. G 4.2.1). Hinsichtlich der Gründe, welche zur
Kündigung geführt hatten, verwies sie auf die beigelegten Kopien der
Kündigungsschreiben (act. G 4.3.3). Daraus wird ersichtlich, dass die
Beschwerdeführerin am 20. Dezember 2011 schriftlich verwarnt worden war, weil es zu
"wiederholten Verzögerungen" gekommen sei, welche der Organisation Probleme und
finanziellen Schaden verursachen würden. Die Arbeitgeberin hatte ihr mitgeteilt, dass
Verzögerungen in Zukunft nicht mehr toleriert würden, ansonsten sie gezwungen sein
würde, ernsthafte Massnahmen anzuwenden (act. G 4.3.4). Der Brief vom 10. April
2012 erging als Reaktion darauf, dass die Beschwerdeführerin gleichentags "ohne
ersichtlichen Grund" nicht am Arbeitsplatz erschienen sei. Wie bereits in der letzten
Verwarnung darauf hingewiesen worden sei, werde dieses Verhalten als fristlose
Kündigung ihrerseits betrachtet (act. G 11.3). Da dieses Schreiben nicht innerhalb der
Zustellfrist abgeholt worden war (act. G 11.4), stellte die Arbeitgeberin der
Beschwerdeführerin mit "2. Sendung" vom 20. April 2012 erneut ein Schreiben zu: Sie
sei am 10. April 2012 ohne Rechtfertigung nicht am Arbeitsplatz erschienen. Die
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Arbeitgeberin habe versucht, sie telefonisch zu kontaktieren und habe keine Antwort
erhalten. Wie bereits in der letzten Verwarnung darauf hingewiesen worden sei, werde
dieses Verhalten als fristlose Kündigung ihrerseits betrachtet. Sie werde gebeten, den
Master Schlüssel des Restaurants und Neumarkts innert dreier Tage zurückzugeben
(act. G 4.3.3). Demgegenüber hatte die Beschwerdeführerin bereits im Antragsformular
für Arbeitslosenentschädigung vom 23. April 2012 angegeben, sie habe dem
Geschäftsführer am Telefon gesagt, dass ihr Vater todkrank sei. Dieser sei
einverstanden gewesen, dass sie für eine Woche nach Thailand gehe, doch nach zwei
Tagen habe sie die fristlose Kündigung per SMS erhalten (act. G 4.1.2). Daran hielt die
Beschwerdeführerin auch in ihrer Stellungnahme vom 20. Juni 2012 fest. Sie habe am
6. April 2012 versucht, ihre Arbeitgeberin auf dem Mobiltelefon zu erreichen. Da ihr
Vater todkrank gewesen sei, habe sie um die Erlaubnis eines zweiwöchigen Urlaubs
bitten wollen. Die Arbeitgeberin habe per Telefon für eine Woche zugestimmt. Da ihre
Mutter und deren Freund nichts davon gewusst hätten, hätten sie noch einmal
angerufen und nachgefragt, worauf sie dieselbe Antwort erhalten hätten. Am 7. April sei
sie nach Thailand geflogen, am Dienstag, den 10. April 2012, habe ihre Arbeitgeberin
ihr die Stelle als Serviceangestellte gekündigt. Auf Grund ihrer Abwesenheit sei sie
nicht in der Lage gewesen, den eingeschriebenen Kündigungsbrief
entgegenzunehmen. Aus familiären Gründen sei sie sodann gezwungen gewesen, ihren
Auslandaufenthalt um eine Woche zu verlängern. Am 23. April sei sie in der Schweiz
angekommen, wo sie sich gleich um den Kündigungsbrief gekümmert habe (act.
G 4.4.2). Auch in der Einsprache vom 6. Juli 2012 (act. G 4.6.1) und der Beschwerde
vom 14. August 2012 (act. G 1) hielt die Beschwerdeführerin an dieser
Sachverhaltsdarstellung fest. Insbesondere machte sie wiederum geltend, die
Arbeitgeberin um zwei Wochen Ferien gebeten zu haben, mündlich allerdings nur eine
Woche zugesagt erhalten zu haben. Da sich der Gesundheitszustand ihres Vaters
verschlechtert habe, habe sie den Rückflug verschoben. Nachdem der Vater am 17.
April 2012 verstorben und darauf beerdigt worden sei, was durch die Sterbeurkunde
bestätigt wird (act. G 4.6.3), sei sie wieder in die Schweiz zurückgekehrt.
4.3 Die Beschwerdegegnerin klärte die Widersprüche zwischen den Ausführungen der
Arbeitgeberin und jenen der Beschwerdeführerin nicht weiter ab. Insbesondere bleibt
unklar, wann der Urlaub der Beschwerdeführerin tatsächlich begonnen bzw. bis wann
die zugestandene Ferienwoche gedauert hatte. Dies zu klären, befand die
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Beschwerdegegnerin offensichtlich nicht für nötig, ansonsten sie den als Zeugen
bereits im Schreiben der Beschwerdeführerin vom 20. Juni 2012 erwähnten Freund der
Mutter bezüglich seines Gesprächs mit der Arbeitgeberin wie auch die Arbeitgeberin
selber darüber hätte befragen können. Eine Rückfrage zum jetzigen Zeitpunkt würde
auf Grund des langen Zeitablaufs jedoch keine beweiskräftigen Feststellungen mehr
erlauben, weshalb darauf verzichtet wird. Gestützt auf die gesamte Aktenlage und die
grundsätzlich glaubhaften und widerspruchsfreien Aussagen der Beschwerdeführerin
ist jedoch nicht belegt, dass sie ohne Erlaubnis der Arbeitgeberin eine Ferienwoche in
Anspruch genommen hat. Über die Verlängerung ihres Urlaubs entschied sie
offensichtlich erst nach der erfolgten fristlosen Arbeitgeberkündigung, weshalb diese
unerheblich ist. Weiter ist aber zu berücksichtigen, dass sie sich auf Grund der
schweren Erkrankung ihres Vaters bzw. seines Todes und der erheblichen Distanz zur
Schweiz in einer schwierigen Ausnahmesituation befunden haben dürfte. Somit kann
die Frage, ob zwischen ihr und ihrer Arbeitgeberin hinsichtlich des vereinbarten
Ferienbeginns allenfalls Missverständnisse eingetreten waren, offen bleiben.
Festzuhalten ist, dass ein Vorsatz bzw. ein Eventualvorsatz klar bewiesen sein muss,
damit eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit gegeben ist. Dieser Beweis fehlt im
vorliegenden Fall. Vielmehr legen obige Erwägungen im Gegenteil den Schluss nahe,
dass die Beschwerdeführerin ihre fristlose Kündigung weder vorsätzlich noch
eventualvorsätzlich herbei geführt hat. Somit ist sie zu Unrecht in ihrer
Anspruchsberechtigung eingestellt worden.
5.
Auf Grund des Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und der
Einspracheentscheid vom 24. Juli 2012 ist aufzuheben. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht