Decision ID: 5b53abaf-a9d2-47d9-9b33-f98dde49e3c0
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
D
ie 1983 geborene
X._
war in einem per 3
0.
November 2014 ge
kündigten Arbeitsverhältnis als
Payroll
Consultant
bei der Y._
AG angestellt und seit dem 1
0.
Februar
2014 krankgeschrieben, als sie sich
am
1
0.
Ok
to
ber
2014 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stel
le,
zum Leistungsbezug an
meldete
(
Urk.
8/1
,
Urk.
8/2/9
,
Urk.
8/11
)
.
Die IV
Ste
lle liess einen Auszug aus dem I
ndividuellen Konto erstellen (
Urk.
8/8), führte mit der Versicherten ein St
andortgespräch durch (
Urk.
8/9),
holte einen Arbeit
geber
bericht (
Urk.
8/11) sowie
je
einen Arztbericht von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Med
i
zin,
(
Urk.
8
/16)
und
von
Dr.
med. A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, (
Urk.
8
/19)
ein
und zog
Akten der Krankentaggeldversicherung der Versicherten bei (Urk.
8/24).
V
on
März bis Juli
2015
war die Versicherte
in stationärer und von Juli bis September 2015 in teilstationärer Behan
dlung in der Klinik B._ (B._
;
Urk.
8/36/3). Am 2
5.
November 2015 teilte die IV
Stelle der Versicherten mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungs
mass
nahmen möglich seien (
Urk.
8/35).
Die
IV-Stelle
holte
einen Bericht der B._
ein
(
Urk.
8
/36)
und
führte
mit
der Versicherten
ein Beratungsgespräch
betreffend Ab
klärung berufli
che Situation durch (Urk.
8/38,
Urk.
8/52). Nach Einholung eines
weiteren Berichts der B._
(Urk.
8/
49
) erteilte
die IV-Stelle
am 1
4.
Septem
ber 2016 Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraini
n
g bei der
C._
GmbH für die Zeit vom
7.
November
2016 bis
6.
Februar
2017 (
Urk.
8/55) und sprach der Versicherten für die Dauer der Massnahme ein Taggeld zu (
Urk.
8/
56,
Urk.
8/
59). Mit Mitteilung vom 17.
Februar
2017 verlängerte
die IV-Stelle
die Kosten
gutsprache für das Belastbarkeit
s
training bis
am
6.
Mai 2017 (
Urk.
8/64) und richtete weiter ein Taggeld aus (
Urk.
8/65-66
). Am
5.
Mai 2017 teilte die IV
Stelle mit, dass sie die Kosten für ein vom
7.
Mai bis
6.
November
2017 dauerndes Aufbautraining bei der
C._
GmbH
übernehme (
Urk.
8/72)
,
und sprach der Versicherten ein Taggeld zu (
Urk.
8/73,
Urk.
8/77). Mit Mitteilung vom 9.
November 2017 verlängerte die IV-Stelle die Kostengutsprache bis
am
6.
Janu
a
r 2018 (
Urk.
8/96) und richtete weiter ein Tagge
ld aus (
Urk.
8/97, Urk.
8/100).
Ab dem
8.
Januar 2018 bezog die Versicherte Taggelder der
Ar
beits
losenversicherung (Urk.
8/149/1).
Die
IV-Stelle holte Berichte der B._
(
Urk.
8/102) und
von
Dr.
med. D._
, Facharzt FMH für Psychia
trie und Psy
cho
therapie,
(Urk.
8/104)
welcher die
Versicherte bereits in der B._
betre
ut
hatte
, ein. Mit Mitteilung vom 6.
März
2018 hielt
die IV-Stelle
fest, dass die Versicherte eine Umschulung zur Aktivierungsfachfra
u HF machen möchte. Hierzu müss
e sie das Zulassungsverfahren des Zentrum
s E._
bestehe
n
. Um die Versicherte bei diesem Pro
zess zu unter
stützen, übernehme
sie
ein Job
Coaching, welches von einem ihrer Mitar
beiter
vom
16.
Januar bis 1
5.
April
2018
durchgeführt werde
. B
is
zum Be
ginn der Ausbildung
beziehungswei
s
e
des Praktikums sei die Versicherte beim
Regionalen Arbeitsvermittlungszentraum (
RAV
)
angemeldet (
Urk.
8/112). Mit Mitteilung vom 2
2.
Mai 2018 verlängerte die IV-Stelle die Kostengutsprache für das Job Coaching bis am 1
5.
Oktober 2018 (
Urk.
8/114). Mit Schreiben vom 26.
Februar
2019 teilte das E._
der Versicherten mit, dass sie alle Schritte des Eignungsve
r
fahrens für die Ausbildung zur Aktivierungsfachfrau HF er
folgreich absolviert habe (Urk.
8/125).
Die IV-Stelle erteil
t
e daraufhin m
it Mitteilung vom 2
7.
März
2020 (
Urk.
8/141)
Kostengutsprache
für eine Umschulung
zur Aktivie
rungsfachfrau HF
beim E._
vom
1
4.
September
2020 bis 15.
Sep
tember
202
3.
Sie sprach der V
ersicherten zudem für die Dauer
der Massnahme ein Taggeld z
u (Urk.
8/142,
Urk.
8/145).
Mit Eingabe vom 1
4.
April
2020 ersuchte die Versicherte
die IV-Stelle
um Aus
richtung eines Wartetaggeldes im Sinne von
Art.
18
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
, spätestens ab Sommer 2017, abzüglich der Tage an welchen ein Taggeld bezogen w
orden sei
(
Urk.
8/147).
Mit
Vorbescheid vom 1
9.
Juni 2020 stellte die IV-Stelle in Aussicht, einen Anspruch
der Versicherten
auf ein Wartezeittaggeld zu verneinen (
Urk.
8/151). Nachdem die Versicherte da
gegen am 2
1.
Juli 2020 Einwand erhoben hatte (
Urk.
8/156)
,
verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom 1
9.
Januar 2021 wie vorbeschieden einen Anspruch der Versicherten auf ein Wartezeittaggeld (
Urk.
2).
2.
Mit Eingabe vom 1
2.
Februar 2021 (
Urk.
1) liess
X._
Beschwerde erheben und beantragen, in Aufhebung der Verfügung vom 1
9.
Januar
2021 sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen in Form von Wartetaggeldern (
Art.
18
Abs.
2 IVV) sp
ätestens ab Sommer
2017 bis 14.
Sep
tember 2020 auszurichten unter Berücksichtigung von zeitlich kongruent bezogenen Sozialversicherungsleistungen, eventualiter sei die Beschwerdegegne
rin zu verpflichten,
ihr
die gesetzlichen Leistungen in Form von Wartetaggeldern (
Art.
18
Abs.
2 IVV) ab 1
9.
Januar 2019 (Ende
Be
zug von Taggeldern der Arbeits
l
osenversicherung
) bis 1
4.
September 2020 auszurichten. Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
März 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
1.
März 2021 angezeigt wurde (
Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der
nachfolgenden Erwägungen eingeg
a
n
gen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die versicherte Person, die zu mindestens 50 % arbeitsunfähig ist und auf den Beginn einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder einer Umschulung warten muss, hat gemäss
Art.
22
Abs.
6
des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche
rung (IVG)
in Verbindung mit
Art.
18 IVV während der Wartezeit Anspruch auf ein Taggeld (
Abs.
1). Der Anspruch entsteht im Zeitpunkt, in welchem die IV
Stelle feststellt, dass eine erstmalige berufliche Ausbildung oder eine Umschu
lung angezeigt ist (
Abs.
2). Rentenbezüger, die sich einer Eingliederungs
mass
nahme unterziehen, haben keinen Anspruch auf ein Taggeld für die Warte
zeit (
Abs.
3). Soweit Versicherte einen Anspruch auf ein Taggeld der Arbeits
losen
versicherung haben, besteht kein Anspruch auf das Taggeld der Invaliden
ver
sicherung (
Abs.
4)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erklärte zur Begründung ihres Entscheides im Wesentli
che
n (
Urk.
2
)
, die Beschwerdeführerin
habe vom
7.
November
2016 bis am
6.
Januar 2018 ein IV-Taggeld bezogen. Danach sei sie in angepasster Tätigkeit voll arbeitsfähig gewesen
und habe
vom
8.
Januar 2018 bis am 1
8.
Januar 2019 Taggelder der
Arbeitslosenversicherung
bezogen. Für diese Zeitspanne besteh
e
kein Anspruch auf Taggelder der
Invalidenversicherung
. Dass die
Beschwerde
führerin
erst per September 2020 mit ihrer Umschulung
habe beginnen können
, liege
zwar
nicht
an
ihrer eigenen Person. IV-Taggelder
stellten jedoch
primär einen Erwerbsersatz dar und seien als absolut subsidiäre Leistung
zu betrachten
respektive auszurichten.
Die Beschwerdeführerin, welche
der
Schadenminde
rungs
pflicht (Selbsteingliederungspflicht)
unterliege, strebe eine Ausbildung und anschliessende Berufstätigkeit an, bei der nebst dem körperlich aktiven Teil, Lesen und Schreiben gefordert würden. Es handle sich bei der Umschulung also keines
wegs um eine Tätigkeit ohne wiederkehrende Lese- und Schreibaufträge.
Es wäre
der Beschwerdeführerin
daher
zumutbar
gewesen,
ab Ende Aufbau- und Arbeits
training (
6.
Januar
2018) bis Beginn Umschulung (1
4.
September
2020)
eine
r
(befristete
n
), einfache
n
Tätigkeit
mit zeitweiligen Lese- und Schreibaufträgen
nach
zugehen
.
Dafür, dass die Umstände für eine Stellensuche aufgrund der Corona-Pandemie nicht optimal gewesen seien, habe die Invalide
nversicherung nicht ein
zustehen, gehe
die Invalidenversicherung doch von einem ausgegli
che
nen Ar
beitsmarkt aus.
2.2
Die Beschwerdeführerin liess dagegen im Wesentlichen einwenden (
Urk.
1), der Zeitpunkt, in welche
m
die Beschwerdegegnerin erkannt habe, dass eine Umschu
lung notwendig sei,
sei
spätestens
auf Sommer 2017 festzulegen. Damals habe
die neu zuständige Berufsberaterin der Beschwerdegegnerin geraten, die ins Auge gefasste Coach-Ausbildung zugunsten der Umschulung auf den Beruf der Akti
vi
e
rungsfachfrau HF oder der Tanz
- und Bewegungstherapeutin zu
verwerfen
. Sollte der Zeitpunkt der in
Art.
18
Abs.
2 IV
V
genannten Voraussetzung nicht auf Sommer
2017 angesetzt werden, so sei dieser mit Stichtag
5.
Januar
2018 festzulegen. An diesem Tag seien von der Berufsberaterin
der Beschwerdegegne
rin
die Abklärungsergebnisse ausführlich besprochen und auf der Basis des aktu
ellen Arztberichts von
Dr.
D._
und des positiven Verlauf
s
des Arbeits
trainings die «deutliche Eignung der Versicherten für eine künftige berufliche Tätigkeit als Aktivierungsfachfrau»
festgehalten worden
. Unter Berücksic
htigung der ausgerichteten IV-Taggelder stünden ihr Wartetaggelder vom
8.
b
is 1
5.
Janu
ar 2018 so
wie vom 1
8.
Januar 2019 bis 14.
September
2020
zu
.
Die Beschwerdegegnerin verkenn
e
, dass es ihr eben gerade nicht zumutbar gewe
sen sei, nach Ende des Aufbau- und Arbeitstrainings einer (befristeten) Tätigkeit nachzugehe
n
und das Gesetz zudem auch keine diesbezüglichen Anforderungen stelle. Der Anspruch auf IV-Wartetaggelder sei an die
in
Art.
18
Abs.
1 und 2
IVV
formulierten Voraussetzungen gebunden und nicht
wie von der Beschwerdegeg
nerin geltend gemacht
an zusätzliche wie Schadenminderungspflicht,
Selbstein
gliederungspflicht etc
. Die Beschwerdegegnerin übersehe zudem, dass sie sich im Rahmen ihrer verbliebenen Möglichkeiten
sehr wohl um Arbeit bemüht habe. W
ie sonst liesse sich erklären, dass sie vom
8.
Januar 2018 bis
am
1
8.
Januar 2019 Arbeitslosenentschädigung erhalten habe
, müssten doch arbeitslose Personen
zehn bis zwölf
Arbeitssuchnachweise pro Monat erbringen, damit sie Arbeitslo
senentschädigungszahlungen erhielten. Schon diese zwölf Monate vergeblicher Arbeitssuche (in allen Stellenbereichen) seien für sie erfolglos verlaufen. Auch danach habe sie Arbeit gesucht, jedoch nur im Rahmen der Aushilfe-Anstellun
gen im F._ und dem G._
gefunden und aus
geübt. Mit der Anerkennung des Umschulungsbedarfs und
-
anspruchs sei es nicht vereinbar, von ihr zu verlangen, dass ihr «eine (befristete), einfache Tätig
keit, mit zeitweiligen Lese- und Schreibaufträgen bis zu Beginn des Studiums
zumutbar
gewesen
»
sei.
Die Beschwerdegegnerin
lasse zudem ausser Acht,
dass
Dr.
D._
bekräftigt habe, dass eine Arbeitstätigkeit im kaufmännischen Bereich unzumutbar sei
.
Auch wenn sie im Rahmen der Umschulung und vor allen danach im neuen Beruf zeitweilige Lese- und Schreibaufträge auszuführen habe, so stünden diese im Zusammenha
n
g
mit de
r
ihren Neigungen und Tal
enten entsprechenden
Berufstätigkeit und seien daher auch «leichter» auf sich zu neh
men
,
als wenn sie solche in einem anderen Zusammenhang vornehmen «müsse».
Die Beschwerdegegnerin überschätze zudem die
Beanspruchung bezüglich Schreib
- und Lesefähigkeit in der Tätigkeit als
Aktivierungsfachfrau.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin absolvierte vom
7.
November 2016 bis
am
6.
Mai 2017 ein
Belastbarkeitst
raining bei der
C._
GmbH und bezog dabei ein Tag
geld der Invalidenversicherung (
Urk.
8/55,
Urk.
8/59,
Urk.
8/64,
Urk.
8/65-66).
Unmittelbar anschliessen
d
absolvierte sie v
om
7.
Mai bis
am
6.
Januar 2018
ein Aufbautraining
bei der
C._
GmbH
(
Urk.
8/72
,
Urk.
8/96
)
und bezog
bis am
7.
Januar 2018, das heisst bis und mit dem Sonntag nach Ablauf der Mass
nahme,
Taggelder der Invalidenversicherung
(
Urk.
8/7
2
,
Urk.
8/77
,
Urk.
8/9
6
,
Urk.
8/100
, vgl. Kreisschreiben über die Taggelder der Invalidenversicherung,
KSTI,
Rz
. 1020
).
V
om
8.
Januar 2018 bis
am
1
8.
Januar 2019
bezog
die Beschwer
deführerin
Taggelder der Arbeitslosenversicherung (
Urk.
8/149/1).
Sie
bezog so
mit vom
7.
November 2016 bis am 1
8.
Januar 2019 ununterbrochen Taggelder der Invalidenversicherung oder der Arbeitslosenversicherung,
weshalb
– nach
dem die Beschwerdegegnerin unbestritten im Jahr 2016 noch nicht festgestellt hatte,
dass eine Umschulung angezeigt ist (
vgl.
Art.
18
Abs.
2
IVV) -
frühestens ab
dem
1
9.
Januar 2019 Anspruch au
f ein Wartezeitta
g
geld besteht.
3.2
Gestützt auf die Akten ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Januar 2019 zu min
destens 50
%
arbeitsunfähig war (vgl. 8/51,
Urk.
8/90,
Urk.
8/103;
Urk.
8/102,
Urk.
8/104,
Urk.
8/155), was von der Beschwerdegegnerin denn auch nicht in
frage gestellt wird (vgl.
Urk.
2,
Urk.
7).
Am 1
9.
Januar 2019 hatte die Beschwer
degegnerin
zudem
bereits festgestellt, dass
eine Umschulung angezeigt ist (
vgl. BGE 129 V 460 E. 4.4;
Urk.
8/118/5;
Urk.
8/112,
Urk.
8/113,
Urk.
8/114,
Urk.
8/118/2).
Dass die Umschulung erst im September 2020 in Angriff genom
men werden konnte, hat die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen nicht zu verantworten
(vgl.
Urk.
8/125,
Urk.
8/129)
.
Die Beschwerdegegnerin erfüllt somit grundsätzlich die Anspruchsvoraussetzungen gemäss
Art.
18 IVV auf ein Warte
zeittaggeld.
3.3
3.3.1
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin aufgrund Verletzung der Schade
n
minderungspflicht keinen Anspruch auf ein Wartezeittaggeld hat
.
Bei der Scha
denminderungspflicht der versicherten Person han
delt es sich um einen allgemei
nen Grundsatz des Sozialver
si
cherungsrechts (BGE 123 V 230 E. 3c, 117 V 275 E. 2b, 400, je mit Hinweisen; Riemer-Kafka, Die Pflicht zur Selbstverantwortung, Freiburg 1999, S. 57, 551 und 572;
Landolt
, Das Zumutbarkeitsprinzip im schwei
zerischen Sozialversicherungsrecht,
Diss
. Zürich 1995, S. 61).
Das
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
enthält keine allgemeine Regelung der Schadenminderungspflicht
(vgl.
K
ieser
, ATSG-Kom
men
tar, 4
. Aufl. 20
20
,
Vorbemerkungen N 90).
Mit
Art.
21
Abs.
4 ATSG ent
hält
es zwar
eine Norm, welche die Schadenminderungspflicht betrifft. Diese Norm bezieht sich jedoch lediglich auf die Behandlung und
die
Einglied
erung ins Er
werbs
leben und kommt daher vorliegend nicht zur Anwendung. Auch das IVG und die IVV enthalten betreffend Wartezeittaggeld keine spezifische
Schaden
minderungspflicht-
Regelung.
Dies gilt insbesondere mit Blick auf
Art.
7 IVG, wel
che Bestimmung die Schadenminderungspflicht für die IV spezifiziert.
In
Art.
21
septies
IVV
ist jedoch geregelt, dass wenn eine versicherte Person während der E
ingl
i
e
derung eine Erwerbstätigkeit ausübt, das Taggeld soweit gekürzt wird, als es das für die Bemessung des Taggelds massgebende Einkommen übersteigt (
Abs.
1). Dabei ist das Einkommen zu berücksichtigen, d
as die versicherte Person mit der während der Eingliederung a
usgeübten Tätigkeit erzielt hat (
Abs.
2). In
Rz
. 3075
KSTI
hat das Bundesamt für Sozialversicherungen festgehalten, dass wenn die versicherte Person die vom Arzt für die Zeit der Eingliederung als zumutbar erklärte Teilerwerbstätigkeit nicht ausübt, für die Kürzung der Lohn mass
gebend ist, den sie erzielen könnte, wobei keine Kürzung erfolgt, wenn die zumutbare Erwerbstätigkeit unter 25% liegt. Das damalige Eidgenössische V
e
r
siche
rungsgericht
(EVG)
hat – zuletzt – mit Urteil I 137/05 vom 2
6.
Oktober 2005 zum damals anwendbaren
Art.
21
Abs.
4
IVV, welcher grundsätzlich mit dem vorlie
gend anwendbaren
Art.
21
septies
Abs.
2 IVV übereinstimmt, erklärt, dass es rech
tens sei, nicht nur das tatsächlich erzielte, sondern auch das aus invali
ditätsfrem
den Gründen nicht erwirtschaftete Einkommen für die Kürzung heran
zuziehen (E. 2.2
des
genannten
Urteils
). Die
Anrechnung von hypothetischen Er
werbs
einkom
men
ist gemäss dem damaligen EVG
allerdings nur zulässig, wenn und soweit eine Verletzung der generell in der Sozialversicherung gelt
enden Schadenminde
rungspflicht
vorliegt. Dabei sind alle objektiven und subjektiven Umstände mit
einzubeziehen, welche die Realisierung eines Einkommens verhin
dern oder er
schweren. Die Anrechenbarkeit bestimmt sich unter dem Gesichts
punkt der Zu
mutbarkeit aufgrund der konkreten Gegebenheiten, beispielsweise der Lage am Arbeitsmarkt. Erzielt die versicherte Person aus Gründen, welche nicht von ihr zu vertreten sind, während der Wartezeit kein Einkommen, so ist von der Aufrech
nung des hypothetischen Verdienstes abzusehen
(E. 2.2
des zitieren Urteils des EVG
)
.
3.3.2
Wie sich aus den
Erwägungen des damaligen EVG ergibt, ist
im
Unterschied
zum
bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu bestimmenden Invalidenein
kommen
das
hypothetische Erwerbseinkommen
betreffend Taggeldkürzung
unter
Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Umstände, auch in
arbeitsmarktlicher
Hinsicht, festzulegen.
Aus den Akten ergibt sich, dass die Be
schwerdef
ührerin in der Zeit vom
8.
Janua
r 2018 bis 1
8.
Januar 2019 260 Tag
gelder der Arbeitslosenversicherung
bezog
(
Urk.
8/149/1). Das heisst, sie bezog
ihre Taggelder ohne dass sie zwischenzei
tlich einer relevanten Zwischen
verdienst erzielt
hätte (vgl. auch
Urk.
8/149/4)
. Es gelang ihr während der Dauer der kon
trollierten Arbeitslosigkeit somit nicht, ein Erwerbseinkommen zu erzielen,
ob
wohl sie aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht verpflichtet war, hinrei
chende Arbeitsbemühungen zu tätigen
(vgl.
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung
und die Insolvenzentschädi
gung,
AVIG)
.
Nach dem Ende der kontrollieren Arbeitslosigkeit erzielte die Be
schwerdeführerin
von Juli bis Dezember 2019
ein Einkommen als Tanzlehrerin von
rund
Fr.
3'
3
00.-- (
Urk.
8/149/3) und von Januar
2020
bis Beginn der Um
schulung im September 2020
ein Einkommen
in
etwa demselben Umfang (
Urk.
8/166).
Anhaltspunkte, dass es
ihr
darüber hinaus auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt möglich gewesen wäre,
anders als während der kontrollierten Ar
beitslosigkeit
ein Einkommen zu erzielen, liegen nicht vor.
Vielmehr gilt
es zu beachten, dass sich die Arbeitsmarktlage ab März 2020 aufgrund der Corona-Pandemie verschlechtert
e, was die tatsächliche Verwert
barkeit der verbliebenen Restarbeitsfähigkeit zusätzlich erschwerte
(vgl.
beispielsweise: Medienmitteilung des Staatssekretariats für Wirtschaft, SECO, vom
8.
Januar 2021:
https://www.ad
min.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-81887.html
)
.
3.4
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdeführerin ab
dem
1
9.
Januar 2019 bis zum Antritt ihrer Umschulung
am 1
4.
September 2020 (
Urk.
8/141)
, das heisst bis am 1
3.
September 2020
Anspruch auf ein W
a
rtez
eittag
g
eld. Die Beschwerde
ist in dem Sinne teilweise gut
zuheissen.
4.
4.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist abweichend von
Art.
61
lit
. a ATSG das Be
schwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt. Vorliegend sind sie auf
Fr.
500.-- anzusetzen. Nachdem die Beschwerdeführerin lediglich im Eventual
standpunkt obsiegt, mit welchem
sie
statt
wie im Hauptstandpunkt
für rund 40
Monate
lediglich
für rund 20 Mo
nate ein Wartetaggeld beantragt
, rechtfertigt es sich, die Kosten den Parteien je zur Hälfte (je Fr. 250.--) aufzuerlegen (vgl. Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_568/2010 vom 3.
Dezember 2010 E. 4.2).
4.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Ist das Quantitative einer Leistung strittig, rechtfertigt ein Überklagen nach der in Rentenangelegenheiten ergangenen Rechtsprechung eine Reduktion der Par
teientschädigung nur, wenn das
ziffernmässig
bestimmte Rechtsbegehren den Prozessaufwand beeinflusst hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_568/2010 vom 3. Dezember
2010 E. 4.1). Die Beschwerdeführerin obsiegt hinsichtlich des grund
sätzlichen Anspruchs auf ein Wartezeittaggeld
,
unterliegt jedoch
hinsichtlich
des Beginns des Anspruchs
.
Da ein
wesentlicher Teil
der Beschwerdeschrift
den grund
sätzlichen Anspruch auf ein
Wartezeittag
g
el
d betrifft (
Urk.
1),
ist die unter Berücksichtigung der Kriterien
gemäss
§ 34 Abs. 3
GSVGer
auf Fr.
1'6
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bemessende Prozessentschädigung um
einen
Viertel auf Fr.
1‘
2
00.-- zu kürzen.