Decision ID: 1c496ec5-c84e-4a62-96b5-e69cc45e6a2c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962
,
war von März 2012 bis Ende Juni 2018 bei der
Y._
AG als Lastwagenchauffeur (Fahrer für Muldenkipper und Schlepper) in einem 100%-Pensum angestellt (
Urk.
8/20,
Urk.
8/29/30,
Urk.
8/47 S. 4). Bei einem Verkehrsunfall am 2
9.
März 2017 zog sich der Versicherte Prel
lun
gen am ganzen Körper zu (vgl. Schaden
meldung vom
7.
April 2017, Urk.
8/15/3) und war infolgedessen vollständig arbeitsunfähig (vgl.
Urk.
8/15/4,
Urk.
8/15/50).
Am 1
8.
Juli 2017 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf körperliche Schmerzen seit dem Unfall zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
8/13). Die IV-Stelle nahm Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht vor. Sie zog wiederholt die Akten der Unfallversicherung (
Urk.
8/15,
Urk.
8/27,
Urk.
8/29,
Urk.
8/37,
Urk.
8/38 und
Urk.
8/46) bei, holte einen Auszug aus dem Individuellen Konto des
Versicherten (IK-Auszug, Urk.
8/19) ein, und nahm die Berichte der behand
elnden Ärzte zu den Akten (Urk.
8/21,
Urk.
8/28 und
Urk.
8/32). Von keiner anhaltenden Arbeitsunfähigkeit ausgehend
verneinte die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbeschei
dverfahren
(Vorbescheid vom 12.
Juni 2018 [
Urk.
8/48]
, Einwand vom 1
4.
August 2018 [Urk.
8/53]) mit Verfügung vom
6.
September 2018 einen Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung (
Urk.
8/
59). Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 2
9.
Mai 2019 in dem Sinne gut, als es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache zur medizinischen Abklärung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit in der ange
stam
mten wie in einer zumutbaren anderen Tätig
keit an die IV-Stelle zurückwies (Prozess Nr.
IV.2018.00829
; Urk.
8/72).
Die IV-Stelle holte aktuelle Berichte der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
8/77, Urk. 8/80) und
erliess in der Folge am 2
8.
November 2019 einen neuen Vor
be
scheid, in dem sie die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht stellte
(Urk.
8/83). Dagegen erhob der Versicherte a
m 1
4.
Januar 2020 Einwand (Urk.
8/87), welchen die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
4.
Januar 2020
abwies (
Urk.
8/92 =
Urk.
2).
2.
Mit Eingabe vom 2
4.
Februar 2020 erhob der Versicherte gegen die Verfügung vom 2
4.
Januar 2020 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Ver
fügung aufzuheben und es sei ein medizinisches Gutachten in Auftrag zu geben und alsdann neu über den Renten- und Ei
ngliederungsanspruch zu entschei
den. Eventualiter sei ihm eine ganze Rente bis Ende September 2018 zuzusprechen.
In
prozessualer Hinsicht beantragte er, es sei ihm die unentgeltliche
Prozessführung
sowie die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
zu gewähren (
Urk.
1). Die prozes
suale Bedürftigkeit substantiierte er mit Eingaben vom
4.
Mai
2020 (
Urk.
10,
Urk.
11 und
Urk.
12/1-6).
Die Beschwerdegegnerin
beantragte
mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
April 2020 (
Urk.
7)
die
teilweise Gutheissung der Beschwerde
in dem
Sinne
, dass dem Beschwer
de
führer ab März 2018 bis 3
0.
November 2018 eine ganze und ab
1.
Dezember 2018 bis Ende März 2019 eine
Dreiviertelsrente
auszurichten sei
. Mit
Verfügung vom
1
2.
Mai 2020
wurde dem Beschwerdeführer
die Beschwerde
antwort zuge
stellt und gleichzeitig ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet. Ferner wurde ihm die unentgeltliche Prozessführung sowie die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
gewährt (
Urk.
1
3
). Am 1
7.
Juni 2020 reichte der Beschwerde
führer eine Replik ein, wobei er in Bezug auf den Eingliederungs
anspruch an dem bereits gestellten Rechtsbegehren fest
hielt. Mit dem von der Beschwerdegegnerin vorgelegten neu
en Einkommensvergleich (
Urk.
9/2) und dem daraus resultierenden neuen Renten
an
spruch sei er einverstanden (
Urk.
16).
Die Beschwerdegegnerin
reichte am 29.
Juli 2020 ihre Duplik ein, wobei sie auf ihre Ausführungen in der Beschwerde
antwort vom 2
9.
April 2020 verwies (
Urk.
18), was dem Beschwerdeführer
am 31.
Juli 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
19).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingere
ichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Gemäss Art. 88a Abs. 1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgaben
bereich zu betätigen, oder eine Verminderung der Hilflosigkeit, des invaliditäts
bedingten Betreuungsaufwandes oder Hilfebedarfs für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie
ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unter
brechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird.
Art. 88a Abs. 1 IVV ist bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Rente analog anzuwenden (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_626/2017 vom 9. Mai 2018 E. 3.2). Das Bundesgericht wendet in solchen Fällen in der Regel den zweiten Satz dieser Bestimmung an und gewährt oder bestätigt eine höhere Rente drei Monate über die Veränderung des Gesundheits
zustandes hinaus (Urteil des Bundesgerichts 8C_670/2011 vom 10. Februar 2012 E. 5.1 mit Hinweisen; vgl. statt vieler auch Urteil des Bundesgerichts 8C_626/2017 vom 9. Mai 2018 E. 4).
1.4
I
nvalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.5
Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 % arbeits
unfähig (Art. 6 ATSG) sind, haben Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (Integrationsmassnahmen), sofern dadurch die Voraussetzungen für die Durchführung von Massnahmen beruflicher Art geschaffen werden können (Art. 14a Abs. 1 IVG). Als Integrations
massnahmen gelten gemäss Abs. 2 gezielte, auf die berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation (
lit
. a) und Beschäftigungsmassnahmen (
lit
. b). Es geht darum, bei denjenigen Versicherten, die aktuell nicht eingliederungsfähig sind oder deren Eingliederungsfähigkeit verloren zu gehen droht, die Eingliederungsfähigkeit herzustellen oder zu erhalten. Ist aber jemand in einer anderen zumutbaren Tätigkeit arbeitsfähig, so ist er (in dieser anderen Tätigkeit) bereits eingliederungsfähig; er braucht keine Integrationsmassnahmen mehr, um die Eingliederungsfähigkeit herzustellen. Es
gibt keinen Grund, Massnahmen zur Ermöglichung einer beruflichen Eingliederung durchzuführen, wenn auch ohne solche Massnahmen eine berufliche Eingliederung bereits umgesetzt werden kann (BGE 137 V 1 E. 7.2.3 mit Hinweisen).
1.6
Arbeitsunfähige (
Art.
6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben gemäss
Art.
18
Abs.
1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (
lit
. a) und auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (
lit
. b). Die IV-Stelle veranlasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (
Abs.
2).
2.
2.1
In d
er angefochtenen Verfügung vom 2
4.
Januar
2020
(
Urk.
2) hielt die Beschwer
degegnerin fest,
seit dem Unfall im März 2017 sei dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als Lastwagenchauffeur nur noch eingeschränkt zumutbar. Eine angepasste Arbeit sei ihm jedoch seit
4.
Juni 2018 in einem 100%-Pensum möglich. Für die Stellensuche werde er an das Regionale Arbeitsvermittlungs
zen
trum
(RAV)
verwiesen
.
2.2
Demgegenüber
machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom
2
4.
Febru
ar 2020
(
Urk.
1) zusammengefasst geltend,
die medizinische Aktenlage zeige, dass
ihm
frühestens ab Januar 2019 eine 100%ige Arbeits
fähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit zuzumuten sei.
Ferner sei im Rahmen des Einkommens
-
ver
gleichs beim Invalideneinkommen ein Leidensabzug
von 25
%
zu berück
sichti
gen.
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 2
9.
April 2020 (Urk. 7) konstatierte die Beschwer
degegnerin, eine erneute Beurteilung der medizinischen Aktenlage durch den RAD
habe ergeben, dass dem Beschwerdeführer bis zum 3
0.
August
2018 auch eine angepasste Tätigkeit nicht zumutbar gewesen sei. Ab
dem 3
1.
August 2018 sei ihm eine angepasste Tätigkeit im Rahmen von 20
%
und ab November 2018 im Rahmen von 40
%
zumutbar. Ab
1.
Januar 2019 sei wiederum eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgewiesen. Entsprechend habe der Beschwerdeführer nach Ablauf der einjährigen Wartezeit (März 2018) bis 30. November 2018 Anspruch auf eine ganze und ab
1.
Dezember
2018 auf eine
Dreiviertelsrente
, welche bis Ende März 2019 befristet sei.
Ein Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen bestünde nicht, sei der Beschwerdeführer doch nicht gesundheitlich bedingt in der Stellensuche eingeschränkt.
2.4
Im Rahmen der Replik vom 1
7.
Juni 2020 (
Urk.
16) äusserte der Beschwerde
führer,
mit dem von der Beschwerdegegnerin am 2
9.
April 2020 vorgelegten neuen Einkommensvergleich und dem daraus resultierenden neuen Rentenanspruch sei er einverstanden. Betreffend den Eingliederungsanspruch führte der Be
schwer
de
führer aus, er wisse nicht, welche Arbeitsgelegenheiten auf sein An
forderungsprofil passen könnten. Deshalb sei er auf das Fachwissen eines Ein
gliederungsberaters angewiesen.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom 2
4.
Januar
2020 (
Urk.
2) im Wesentlichen auf die Stellungnahme von
Dr.
med.
Z._
, Orthopädische Chirurgie und Arzt des Regionalen Ärztlichen Diens
tes (RAD), vom 2
2.
November 2019 (
vgl. Feststellungsblatt,
Urk.
8
/82 S. 5) sowie die seit September 2018 eingeholten Berichte
der behandelnden Ärzte (Urk. 8
/7
7, Urk. 8
/80) ab.
3.2
Am
1.
Juni 2018 wurde der Beschwerdeführer im Stadtspital
A._
rheuma
to
logisch untersucht (vgl.
Urk.
8
/77/9). D
ie
Ärzte
berichteten,
der Be
schwer
de
führer
habe
über persistierende belastungsabhängige Beschwerden im Bereich des rechten Kniegelenks sowie ein Instabilitätsgefühl
geklagt
. Die untersuchenden Ärzte konstatierten, klinisch zeige sich der Knieuntersuch bis auf eine Hypästhesie
latero
- und
infrapatellär
auf der rechten Seite unauffällig. Die Kraft des Gross
zehenhebers und Fusssenkers sei rechts schmerzbedingt vermin
dert, bei negativem
Laseguetest
, sodass nicht von einem
lumboradi
ku
lären
Schmerz
syndrom auszugehen sei. Sie empfahlen die Kräftigung der knie
sta
bi
li
sierenden Muskulatur sowie die Sensibilitätsförderung des
Nervus
saphenus
durch Physio
therapie. Ferner wurde eine elektrophysiologische Untersuchung empfohlen. Bis
Ende Juni 2018 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
3.3
In der Folge begab sich der Beschwerdeführer am 1
5.
November 2018 zu
Dr.
med.
B._
, Oberärztin Abteilung für Neurologie im Stadtspital
A._
. Sie
äusserte in ihrem Arztberich
t vom 1
9.
November 2018 (
Urk.
8
/80/13ff.), es wür
den sich keine Hinweise für eine neurogene Ursache der Knieinsta
bi
li
tät rechts ergeben. Zwar zeige sich eine fragliche Parese sowohl distal wie auch für die Knieextension rechts, diese könne jedoch auch mechanisch bedingt sein. Die
elektrophysiologischen Untersuchungen würden keine Hinweise auf eine Nerven
läsion als Ursache dieser Beschwerden ergeben. Das Taubheitsgefühl, welches der Beschwerdeführer unterhalb der Patella rechts angegeben habe, könne durch eine im Rahmen der Operation bedingte Verletzung eines sensiblen Hautastes bedingt sein. Hierfür spreche, dass es sich um eine sehr fokale Läsion handle. Das Ver
sor
gungs
gebiet entspreche nicht sicher dem
Ramus
infrapatellaris
des
Nervus
saphe
nus
, es könne sich auch um einen sensiblen
Hautast
aus dem
Nervus
cutaneus
surae
lateralis
handeln. Diesbezüglich sei eine elektrophysiologische Evaluation nicht möglich. Abgesehen von dieser möglichen Irritation eines sen
siblen Haut
astes würden sich aber elektrophysiologisch keine Hinweise für eine relevante Nervenschädigung ergeben, sodass davon auszugehen sei, dass die In
sta
bilität mechanisch bedingt sei.
Dr.
B._
hielt folgende Diagnosen fest:
-
Instabilität im Kniegelenk rechts
-
Differenzialdiagnose: mechanisch bedingt
-
Status nach Arthroskopie mit
Teilmenis
k
ektomie
am
1.
November 2017 bei traumatischer Kniegelenksverletzung
-
Taubheitsgefühl
infrapatellär
lateral Knie rechts
-
Differenzialdiagnose: Verletzung sensibler Nervenendast
3.4
Im Rahmen einer Verlaufskontrolle am
6.
Februar 2019 (vgl. Arztberic
ht vom 21. Fe
bruar 2019,
Urk.
8
/77/7) hielten die Rheumatologen des Stadtspital
s
A._
fest, in der klinischen Untersuchung zeige sich ein reizloses Kniegelenk rechts ohne Ver
dacht auf eine Kniebinnenläsion, mit persistierender Hyposensibilität am latera
len
Patel
la
unterpol
. Ab ca. 30° Flexion habe der Beschwerdeführer über ein
Giving
-Way-Gefühl, teilweise begleitet mit stechenden Schmerzen, berichtet. Bild
gebend würden zwei Knie-MRI-Untersuchungen bestehen. Diejenige vom Mai
2017 habe eine
Patellaunterpolquerfraktur
und vor allem
medialseitige
Patho
lo
gien mit
Femoropatellargelenksarthrose
und Riss des
Hinterhorns
am medialen
Mensikus
gezeigt. Eine Verlaufsuntersuchung im Oktober 2017 habe eine kompli
ka
tionslose Abheilung der
Patellafraktur
gezeigt. MRI-graphisch würden sich so
mit keine Korrelate für die persistierenden Beschwerden nachweisen lassen. Ge
mäss neurologischer Beurteilung
sei
von einer post
traumatischen Schädigung eines
Nervus
cutaneus
surea
lateralis
-Astes aus
zugehen
. Dies würde zu den
Propriozeptionsstörungen
und gegeben
en
falls auch neuro
pathisch
en Schmerzen passen, welche dann konsekutiv zu der vorhandenen Instabilitäts
sym
pto
matik führen würden. Eine durchgeführte Physio
therapie habe keine sig
ni
fikante Ver
besserung gezeigt. Ebenso wenig hätte eine systematische Analgesie zu einer Bes
se
rung geführt. Trotzdem empfahlen die Ärzte das Weiter
führen der physio
thera
peutischen Massnahmen mit gezieltem Fokus auf ein kniestabi
lisie
ren
des Muskel
training und Verbesserung der
Propriozep
tion
. Bezüg
lich der Ar
beits
fähigkeit verwiesen die Ärzte auf die Einschätzung von
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Chirurgie
,
der dem
Beschwerdeführer in seinem Arzt
bericht vom 1
0.
Oktober
2019 (
Urk.
8
/80/2-5)
bis Ende August 2018
eine voll
stän
dige Arbeitsunfähigkeit,
bis Ende Oktober 2018
eine 80%ige Arbeits
un
fähig
keit und
bis Ende Dezember 2019 (recte: 2018)
eine 60%ige Arbeitsun
fähig
keit
attes
tier
te
. Ab
1.
Januar 2019 sei dem Beschwerdeführer eine leidensangepasste Tätig
keit voll
zeitlich zumutbar.
Die Rheumatologen führten an,
unter Beachtung folgen
der Restriktionen - keine Ar
beiten in gleichbleibender Haltung über längere Zeit, kein Treppen-, Gerüst- oder Leitersteigen, keine Arbeiten auf unebener Fläche, nur leichte körperliche Tätigkeiten, kein ganztägiges Stehen oder Gehen - be
stünde eine vollständige
Ar
beits
fähigkeit (vgl. auch Arztb
erichte vom 1
9.
Juni 2019 [Urk.
8
/80/9] und
18. Sep
tember 2019 [
Urk.
8
/80/7]).
3.5
Im Rahmen einer Aktenbeurteilung äusserte RAD-Arzt
Dr.
med.
Z._
, Orthopädische Chirurgie, in seiner Stellungnahme vom 2
2.
November 2019 (
vgl. Feststellungsblatt, Urk. 8
/82 S. 5), die Kniegelenksbeschwerden auf der rechten Seite seien nur bis zum
4.
Juni 2018 als unfallbedingt anzusehen. Da
nach würden vorwiegend degenerative Kniegelenksveränderungen die Belast
barkeit des rechten Kniegelenks einschränken. Die von den Behandlern attestierte dauer
hafte Teilleistungseinschränkung in der angestammten Tätigkeit als Last
wa
gen
chauffeur sei nachvollziehbar, müsse der Beschwerdeführer in dieser Tätig
keit doch auch nicht optimal knieangepasste Arbeiten verrichten. In einer knieangepassten Tätigkeit sei er hingegen unter Einhaltung der Schon
kriterien seit 4. Juni 2018 (sechs Monate nach Kniearthroskopie) voll arbeitsfähig.
3.6
Im Zuge des Beschwerdeverfahrens präzisierte RAD
-Arzt
Dr.
Z._
in seiner Stellungnahme vom 2
7.
April 2020 (
Urk.
9/1), in der angestammten Tätigkeit als Lastwagenchauffeur sei der Beschwerdeführer seit März 2017 dauerhaft voll
ständig arbeitsunfähig. Unter Berücksichtigung des Belastungsprofils sei er in einer leidensangepassten Tätigkeit am 3
1.
August 2018 zu 20
%
, ab
1.
November
2018 zu 40
%
und ab
1.
Januar 2019 zu 100
%
arbeitsfähig.
4.
In Bezug auf
den
von der Beschwerdegegnerin gestellten
Antrag auf
befristete
Rentenzusprache
bis Ende März 2019 bringt der Beschwerdeführer keine substanziel
len Einwendungen vor (vgl. E. 2.3-2.4 hier
vor).
Dieser Antrag steht mit der Rechts- und Aktenlage im Einklang. So erachtete
RAD-Arzt
Dr.
Z._
die Einschätzung der Arbeits
fähigkeit von
Dr.
C._
(vgl. E.
3.4 in
fine
)
als plausibel und stellte in seiner Stellungnahme vom 2
7.
April
2020 darauf ab (vgl. E. 3.6).
Der
mit der Beschwerdeantwort vom 2
9.
April 2020 (Urk. 7) eingereichte Ein
kommensvergleich (
Urk.
9/2) wurde
vom Beschwerdeführer eben
falls
nicht beanstandet, und der von der Beschwerdegegnerin für die mass
gebliche Periode errechnete Invalidi
täts
grad erscheint
rechtens
. Es ist darauf abzu
stellen. Ausgehend von einem Invaliditätsgrad in der Höhe von 100 % bis Ende August 2018 hat der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung von
Art.
88a Abs.
1 IVV nach Ablauf des Wartejahres ab März 2018 bis Ende November 2018 Anspruch auf eine ganze Rente der In
va
li
den
versicherung. Bei einem Invaliditäts
grad von 64
%
hat er ab Dezember 2018 bis Ende März 2019 Anspruch auf eine
Drei
vier
tels
rente
(vgl.
E. 1.2).
Diesbezüglich ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
5
.
Schliesslich
beantragte
der Beschwerdeführer Eingliederungsmassnahmen, insbeson
dere Arbeits
ver
mittlung
(
Urk.
16 S. 3).
5.1
Nach einhelliger Einschätzung der medizinischen Fachpersonen ist der Beschwerde
führer unter Berücksichtigung des Belastungsprofils ab Januar 2019 zu 100 % arbeitsfähig (vgl. E. 3.4, E. 3.6).
5.2
Der Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung im Sinne von
Art.
14a
Abs.
1 IVG setzt eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit nicht nur im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich (
Art.
6 erster Satz ATSG), sondern auch in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich (zweiter Satz) voraus (BGE 137 V 1 E. 7). Bei einer Arbeitsfähigkeit ab 50
%
gilt die (objektive) Eingliederungsfähigkeit als erreicht und es sind direkt Massnahmen beruflicher Art vorzusehen (vgl. E.
1.5
; vgl. Kreisschreiben des Bundes
amtes für Sozialversicherungen [BSV] über die Integrationsmassnahmen [KSIM], gültig ab
1.
Januar 2012, Stand
1.
Januar 201
9
,
Rz
1025.1).
Angesichts dessen, dass eine Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von mehr als 50 % besteht, bedarf es vorliegend keiner Integrationsmassnahmen, um die Ein
gliederungs
fähigkeit des Beschwerdeführers herzustellen.
5
.3
Anspruch auf Arbeitsvermittlung im Sinne von aktiver Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes haben gemäss
Art.
18
Abs.
1
lit
. a IVG arbeitsunfähige Versicherte, welche eingliederungsfähig sind (vgl. E.
1.6
).
Der Anspruch auf Arbeitsvermittlung bedarf weder der Invalidität noch eines Mindestinvaliditätsgrades. Daher genügt der Eintritt einer (teilweisen) Arbeits
unfähigkeit, welche quantitativ, qualitativ und zeitlich so beschaffen sein muss, dass sie den Versicherten bei der Arbeitssuche erheblich behindert. Für das Vorliegen eines Arbeitsvermittlungsanspruchs müssen die Teilgehalte der Verhältnis
mässigkeit (
Art.
8
Abs.
1
lit
. a IVG), insbesondere die Notwendigkeit und Geeig
net
heit, erfüllt sein. Vorausgesetzt ist sodann die Eingliederungs
fähigkeit des Versicherten, das heisst seine objektive Möglichkeit und subjektive Bereit
schaft, von einem durchschnittlichen Arbeitgeber angestellt zu werden. Ist
die Arbeits
fähigkeit einzig insoweit eingeschränkt, als dem Versicherten leichte Tätigkeiten voll zumutbar sind, bedarf es zur Begründung des Anspruchs auf Arbeits
ver
mittlung zusätzlich einer spezifischen Einschränkung gesundheitlicher Art (Urteil des Bundesgerichts 9C_594/2016 vom 1
8.
November
2016 E. 3.2).
Der Beschwerdeführer ist in seiner Arbeitsfähigkeit insofern eingeschränkt, als dass ihm die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar ist (vgl. E. 3.6
vorstehend).
Die
dem
Beschwerdeführer noch zumutbaren
körperlich leichten
Tätig
keiten sind auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
jedoch
in genügender Zahl ge
geben. Gründe, die
dafür sprechen
würden, dass
er
durch
seine
gesundheitlichen Probleme
, insbesondere das Instabilitäts- und Taubheitsgefühl im rechten Knie,
bei der Stellensuche eingeschränkt sein könnte, sind ebenfalls nicht er
sichtlich und wurden von ärztlicher Seite auch nicht dargetan (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_416/2009 vom
1.
März 2010 E. 5.2).
Ein
Anspruch auf Ar
beits
ver
mittlung ist deshalb zu verneinen.
Daran ändert auch nichts, dass die Stellen
inserate in der Regel keine Beschreibung der Arbeitsplatzergonomie beinhalten
.
Das umschriebene Belastungsprofil
(vgl. E. 3.4 in
fine
)
ist nicht derart einge
schränkt,
dass
auf dem Arbeitsmarkt nur Stellen vorhanden wären, welche theo
re
tischer Natur sind
und sich nicht erahnen
liesse
, inwieweit eine uneingeschränk
te Gehfähigkeit erforderlich wäre
.
Im Übrigen wurde der Beschwerde
führer im
Rahmen eines Bewerbungscoachings
November 2018 bereits
auf mögliche Tätigkeitsbereiche im Lager, in der Produktion oder als Kurier hingewiesen
(vgl.
Urk.
8
/
66).
Schliesslich
ist vorliegend
auch d
er für einen Anspruch auf Umschulung im Sinne von
Art.
17 IVG vorausgesetzte Mindestinvaliditätsgrad von etwa 20
%
nicht erreicht.
5
.4
Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen demnach zu Recht verneint.
6.
Nach diesen Erwägungen ist die Beschwerde insoweit teilweise gutzuheissen, als der Beschwerdeführer ab
1.
März 2018 bis 3
0.
November 2018 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung
und vom
1.
Dezember 2018 bis 3
1.
März
2019
Anspruch
auf eine
Dreiviertelsrente
hat. Die Verfügung vom 2
4.
Januar 2020 ist inso
weit aufzuheben, als sie einen Rentenanspruch
gänzlich
verneint.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 6
00.-- anzusetzen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
je zur Hälfte (je Fr. 300.--) dem
Beschwerdeführer
und der Beschwerdegegnerin
aufzu
erlegen, zufolge
Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung
sind die Gerichtskosten des Beschwerdeführers
jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
(E.
7.3)
.
7.2
Rechtsanwalt
MLaw
Markus
Loher
reichte dem Gericht am 1
3.
August
2020 eine Honorarnote in der Höhe von
Fr.
3'194.80 (inkl. Mehrwertsteuer und Baraus
lagen) ein (
Urk.
20), was angemessen scheint
.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die Hälfte des Honorars (Fr. 1'597.40) dem unentgeltlichen Rechtsvertreter als Prozess
kostenent
schä
di
gung auszubezahlen. Für den Rest (Fr. 1'597.40) ist Rechtsanwalt
MLaw
Markus
Loher
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
7.3
Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur Nach
zahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).