Decision ID: a38266a6-1782-43ca-8427-f90f62c99ea1
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1994 geborene
X._
absolvierte vom
23. August 2010 bis 22.
August 2013
eine Berufsl
ehre
als Pharmaassistentin. Vom 29. Oktober 2013 bis zum 24.
Januar 2014
besuchte
sie eine Handelsschule.
Im April 2014 trat sie ein
e
Stelle als
Pharmaassistentin mit einem 60%-Pensum an. Ab dem 16.
Juni 2014
war s
i
e
zu 100
% arbeitsunfähig und
das Arbeitsverhältnis wurde
noch
während
der Probezeit
gekündigt
.
Am 27.
November 2014
(Eingangsdatum)
meldete sie sich unter Hinweis auf Depressionen, Panikattacken, Schlafstörungen, Wahnvorstellungen, Gefühlsverlust, Schwindel und Kopfschmerzen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stel
le, zum Leistungsbezug an (Urk.
7/11). Die IV-Stelle tätigte medizinische und e
rwerbliche Abklärungen.
Ab
dem 1.
Februar 2015 arbeitet
e
die Versicherte als Laborant
in in einem 30%-Pensum (Urk.
7/30).
Daneben war sie
in einem Pensum von ungefähr 10
% im
Promoting
für eine Zigarettenfirma tätig.
Am 3.
März 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk
.
7/24). Die IV-Stelle beauftragte in der Folge
Dr.
med.
Y._
, Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
,
mit der psychiatrischen Begutachtung. Das Gutachten wurde a
m 25. Juni 2016 erstattet (Urk.
7/41).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
verneinte die
IV-Stelle mit Verfügung vom 9.
November 2018 einen Rentenanspruch
der Versicherten (Urk.
7/73).
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 7.
Dezember 2018 Beschwerde (Urk.
7/79). Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens beantragte die IV-Stelle die
teilweise Gutheissung der Beschwerde im Sinne der
Rückweisung
der Sache
zu weiteren Abklärungen (Urk.
7/80)
, womit sich die Versicherte einverstanden erklärte. Mit Urteil des Sozialversicherungsger
ichts des Kantons Zürich vom 6.
März 2019 wurde die Beschwerde in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurück
gewiesen wurde, damit diese nach erfolgte
n Abklärungen neu verfüge (Urk.
7/82).
1.2
Die IV-Stelle klärte die medizinischen Verhältnisse ab
und ordnete am 18.
November 2019 eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung
(Innere Medizin/Psychiatrie/Neuropsychologie/Neurologie)
an (Urk.
7/97). Die Ver
sicherte beantragte, es sei auf eine polydisziplinäre Begutachtung zu verzichten und eine monodisziplinäre Begutachtung (P
sychiatrie) durchzuführen (Urk.
7/99).
Nach Einholung einer Stellungnahme ihres
Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD)
hielt die IV-Stell
e mit Zwischenverfügung vom 26.
Februar 2020 an der poly
disziplinären Begutachtung fest
(Dispositiv-Ziff. 1), ordnete die Begutachtung durch die
Z._
an (
Dispositiv-Ziff. 2) und gab die Namen der Sach
verständigen bekannt (Dispositiv-Ziff. 3;
Urk.
7/115 = Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die
Versicherte mit Eingabe vom 26.
März 2020 Beschwerde und beantragte,
die angefochten
e
Zwischenverfügung sei aufzuheben und es sei eine mono-, eventualiter
bidisziplinäre
Begutachtung anzuordnen. Die Angelegenheit sei zur Durchführung eines Einigungsverfahrens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sollte an einer polydisziplinären Begutachtung festgehalten werden, sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, unter Berücksichtigung des Zufallsprinzips und unter Ausschluss der
Z._
und der
A._
eine Gut
achterstelle zu bestimmen (Urk. 1 S.
2).
Die Beschwerde
führerin reichte unter anderem eine Kopie des an die Leiterinnen und Leiter der polydisziplinären Gutachterstellen gerichtete
n
S
chreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV)
betreffend Informationen
zu
SuisseMED@P
vom 26. November 2019
zu den Akten
(Urk. 3/5)
.
Mit Beschwerdeantwort vom 24.
April 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde (Urk.
6), was der Beschwer
deführerin mit Verfügung vom 6.
Mai 2020 zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9).
Mit Verfügung vom 27. August 2020 wurde das BSV ersucht, zum Hintergrund und zur Umsetzung der Vorgabe gemäss Ziff. 3 des Informationsschreibens zu
SuisseMED@P
vom 26. November 2019 Stellung zu nehmen (Urk. 10). Die Stellungnahme des BSV wurde am 7. Oktober 2020 erstattet (Urk. 12). Mit Verfügung vom 12. Oktober 2020 wurde sie den Parteien zur Stellungnahme zugestellt (Urk. 14). Mit Eingabe vom 28. Oktober 2020 verzichtete die
Beschwerdegegnerin
auf eine Stellungnahme. Die
Beschwerdeführerin
reichte mit Eingabe vom 27. November 2020 ihre Stellungnahme ein (Urk. 18).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand bildet die Verfügung vom
26.
Februar 2020
, mit welcher die Beschwerdegegnerin an der polydisziplinären Begutachtung der Beschwerde
führerin in den Fachrichtungen
Innere Medizin, Psychiatrie, Neuropsychologie und Neurologie
festgehalten hat (Urk. 2). Hierbei handelt es sich um eine Zwischenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemein
en Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
), welche bei
Bejahung eines nicht
wiedergutzumachenden
Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
1.2
Das Bundesgericht hat mit BGE 137 V 210 bei der Anordnung eines Gutachtens die Anfechtbarkeitsvoraussetzung eines nicht
wieder gutzumachenden
Nachteils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren bejaht, zumal die nicht sachge
rechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsäch
lichen Nachteil bewirke (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7 mit Hinweisen). Somit ist auf die vorliegende Beschwerde einzutreten.
2.
2.1
Wird eine Begutachtung veranlasst und mittels Verfügung angeordnet, so kann die versicherte Person mit Beschwerde an das kantonale Versicherungsgericht materielle Einwendungen gegen eine Begutachtung an sich (etwa mit dem Ein
wand, es handle sich um eine unnötige
second
opinion
)
, gegen Art und Umfang der Begutachtung (beispielsweise betreffend die Auswahl der medizinischen Dis
ziplinen) oder gegen bezeichnete Sachverständige (etwa betreffend deren Fach
kompetenz) erheben. Weiter können formelle
Ausstandsgründe
gegen Gutachter
personen geltend gemacht werden (vgl. BGE 138 V 271 E. 1.1).
2.2
Gemäss dem in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz sind die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen. Im Rahmen der Ver
fahrensleitung kommt dem Versicherungsträger nach der Rechtsprechung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmäs
sigkeit von medizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumin
dest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden
werden kann
(vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar, 4
. Auflage 20
20
, Art. 43 N 20
mit Hinweisen
).
2.3
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine umfassende administrative Erstbegutachtung regelmässig polydisziplinär anzulegen. Eine polydisziplinäre Expertise ist auch dann einzuholen, wenn der Gesundheitsschaden zwar bloss auf eine oder zwei medizinische Disziplinen fokussiert erscheint, die Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik aber noch nicht vollends gesichert ist. Von einer polydisziplinären Begutachtung kann abgesehen und eine mono- oder
bidiszip
linäre
Begutachtung durchgeführt werden, sofern die medizinische Situation offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fachgebiete beschlägt, keine weiteren interdisziplinären Bezüge (z.B. internistischer Art) notwendig sind und kein besonderer arbeitsmedizinischer bzw. eingliederungsbezogener Klärungsbedarf besteht, was vor allem bei Verlaufsbegutachtungen zutreffen dürfte (vgl. BGE 139 V 349 E. 3.2).
2.4
Seitens der IV-Stelle obliegt es grundsätzlich dem RAD, eine umfassende Einord
nung vorzunehmen, welche Fachdisziplinen an einer erforderlichen Begutach
tung zu beteiligen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2018 vom 24. Feb
ruar 2019 E. 6.1 mit weiteren Hinweisen). Den Gutachtern muss es jedoch frei
stehen, die von der IV-Stelle bzw. dem RAD (oder im Beschwerdefall durch ein Gericht) bezeichneten Disziplinen gegenüber der Auftraggeberin zur Diskussion zu stellen, wenn ihnen die Vorgaben nicht einsichtig sind (vgl. BGE 139 V 349 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_474/2013 vom 20. Februar 2014 E. 5.2.1).
2.5
Polydisziplinäre Gutachten, das heisst solche, an denen drei oder mehr Fach
disziplinen beteiligt sind, haben bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eine Vereinbarung getroffen hat (Art. 72
bis
Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]). Gemeint sind die Medizinischen Abklärungsstellen (MEDAS) im Sinne von Art. 59 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG). Die Vergabe der Auf
träge erfolgt nach dem Zufallsprinzip (Art. 72
bis
Abs. 2 IVV).
Das Verfahren für die Auftragsvergabe von polydisziplinären Gutachten durch die IV-Stellen ist im Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI, Stand 1. Januar 2018
) detailliert geregelt (
Rz
2077 ff.).
Der gesamte Verlauf der Gut
achtenseinholung wird über die vom BSV eingerichtete webbasierte Vergabe
plattform
SuisseMED@P
gesteuert und kontrolliert (
vgl.
BGE 139 V 349 E. 2.2).
3.
3.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
die Ergebnisse des psychi
atrischen Vorgutachtens vom 25.
Juni 2016, das bereits auch nicht
psychiatrische somatische Aspekte thematisiert habe (Neurasthenie, Verdacht auf Narkolepsie), sei als ungenügend beurteilt worden. Abgesehen von einer komplexen psychischen Problematik (affektive Angststörung) mit
nosogenetisch
bisher nicht klar zugeordneten somatischen Beschwerden (Sensibilitätsstörungen, Differentialdiagnose dissoziative Störung) bestünden ein neurokognitives Syndrom (Konzentration, Aufmerksamkeit) unklarer Genese sowie mit der Ein
nahme von
Symbicort
(ohne dass eine internistische Diagnose und Verordnung dokumentiert sei),
Modafinil
und Melatonin ein
mehrfacettäres
somatisches Therapieregime, dessen somatische Indiktion bei beschriebener Tagesmüdigkeit und geäussertem, aber bisher nicht bestätigtem Verdacht auf Narkolepsie zu klären sei. An der neurologischen Klinik des Universitätsspitals
B._
sei ätiologisch die geschilderte Tagesmüdigkeit und –
schläfrigkeit
explizit
offen geblieben
. Daher sei an der polydisziplinären Begutachtung festzuhalten
. Eine polydisziplinäre medizinische Begutachtung werde immer unabhä
ngig über die Plattform
SwissMED@P
zugeteilt. Dieses Vorgehen sei auch im vorliegenden Fall angewandt worden. Die Zuteilung sei somit nach dem Z
ufallsprinzip erfolgt.
3.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber im Wesentlichen geltend,
eine p
o
lydisziplinäre Begutachtung sei nicht notwendig
und
vermöge dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit nicht standzuhalten.
Den Akten sei zu entnehmen, dass sie bis anhin ausschliesslich in psychiatrischer Behandlung gewesen sei. Das Medikament
Symbicort
nehme sie
aufgrund eines Belastungsasthmas seit Kind
heit ein. Dadurch sei sie weder während der Schulzeit noch während der Aus
bildung in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt gewesen
. Eine internistische Untersuchung sei weder geeignet noch erforderlich, um die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen.
Weder die Beschwerdegegnerin noch der RAD vermöchten Argumente vorzubringen, weshalb eine neuropsychologische Untersuchung angezeigt sei. Der RAD begründe den umfassenden Abklärungsbedarf insbesondere in neurologischer Hinsicht vorwiegend mit der Einnahme von
Modafinil
und Melatonin, ohne zu berücksichtigen, dass diese Medikamente vom behandelnde
n
Psychiater verschrieben worden seien.
Dieser habe im Bericht vom 17.
Dezember 2019 ausgeführt, die Medikamente seien nicht aufgrund eines neurologischen Leidens eingesetzt worden, sondern um der ausgeprägten psychiatrisch bedingten Tagesschläfrigkeit entgegenzuwirken. Der Verdacht auf eine Narkolepsie habe
sich anlässlich der Untersuchung an der Klinik für Neurologie des Universitäts
spitals
B._
nicht bestätigt.
Eine Neurasthenie sei eine im Diagnosekatalog ICD-10 unter F48 erfasste psychiatrische Diagnose, für die kein organisches Korrelat nachgewiesen werden könne.
Das gleiche gelte für die dissoziativen Störungen von Sensibilität und Empfindung. Diese seien gemäss ICD-10 unter der Kategorie F44.6 einzuordnen und als psychische Erkrankungen zu qualifizieren. Hinweise auf eine neurologische Störung gebe es keine. Für den Fall, dass
dennoch an einer polydisziplinären Begutachtung festgehalten werden sollte, sei darauf hinzu
weisen, dass das Zufallsprinzip unterlaufen werde, wenn mehr als ein Gutachter für mehrere Gutachterstellen tätig sei.
Aus den
Website
s
der Gutachterstellen
Z._
und
A._
gehe hervor, dass sämtliche Gutachter für beide Stellen tätig seien. Damit stehe fest, dass alle im vorliegenden Fall aus
gewählten Gutachter für mehr als eine MEDAS-Stelle tätig seien. Damit
sei
das Zufallsprinzip
nicht gewährleistet
. Die
A._
könne
deshalb
nicht als Gu
tachterstelle akzeptiert werden
(Urk. 1 S. 4
ff.)
.
4.
4.1
Im ps
ychiatrischen Gutachten vom 25.
Juni 2016 wurden die folgenden Diagnosen gestellt
(Urk. 7/41 S.
11)
:
-
Chronische Depression zurzeit mittleren Schweregrades F32.11
-
Neurasthenisches Erschöpfungssyndrom F48.0
-
Panikstörung F41.0
-
Verdacht auf Narkolepsie
Der Gutachter
Dr.
Y._
führte aus, bei der Beschwerdeführerin seien mehrere familiäre emotionale und generelle psychische Belastungen festzuhalten.
Es bestehe eine familiäre Belastung mit mehreren Fällen von Depressionen in der väterlichen Familie, aber auch in der mütterlichen. In der Primarschule sei die Beschwerdeführerin verhaltensauffällig gewesen, vor allem im Sinne einer aggressiven Impulsivität, sodass es zu Elterngesprächen gekommen sei. Heute noch sei klinisch eine ausgeprägte Gereiztheit sichtbar, die mitunter impulsiv nach aussen dringe. In der Sekundarschule sei die Beschwerdeführerin vom Lehrer geplagt worden und habe bereits Depressionen gehabt
(und sich geritzt). Sie sei oft beim Schulpsychologen gewesen. Zur Verbesserung der Situation habe sie das Schulhaus gewechselt. Die genannten Verhaltensauffälligkeiten könnten dem depressiven «
disruptive
mood
dysregulation
disorder
» in DSM-5 entsprechen und depressive
Prodrome
sein. In der anschliessenden Berufslehre zur Pharma
assistentin, als die Beschwerdeführerin 17 Jahre alt
gewesen sei
, habe gleichzeitig
mit dem Reitunfall und
mit
der durch diesen
bedingte
n
dreimonatige
n
Arbeits
unfähigkeit eine bis heute dauernde und sich stetig verschlechternde chronische depressive Entwicklung begonnen. Dies entspreche der psychiatrischen Regel, dass chronische De
pressionen meistens vor dem 21.
Lebensjahr anfingen. Sie seien wie bei der Beschwerdeführerin auf der emotionalen Ebene durch eine Dysphorie, eine depressive aggressive Gereiztheit, gekennzeichnet. Bei der Beschwerdeführerin bestehe zudem eine chronische Erschöpfung,
die über die
jenige einer depressiven Apathie und atypischen Depression hinausgehe. Ohne eigentliche depressive Verstimmungen sei die Beschwerdeführerin ständig müde, schlafe übermässig viel und sei nach Anstren
g
ungen, zum Beispiel einer grösseren Arbeitsleistung, im Übermass erschöpft und ermüdet. Dies sei auch klinisch sehr deutlich sichtbar. Das psychopathologische Erscheinungsbild ent
spreche demjenigen eines
neurasthenische
n
Erschöpfungssyndroms. Dieses könne regelmässig rezidivierenden oder langwierigen Infektionskrankheiten folgen.
Typisch dafür sei das
Pfeiffersche
Drüsenfieber, welches bei der Beschwerde
führerin einen sehr protrahierten Verlauf genommen habe. Eine weitere Ursache könnte eine
Narkolepsie
sein, für welche es bei der Beschwerdeführerin viele Hin
weise gebe:
Hypersomnie
, Schlafanfälle tagsüber, ständige Schläfrigkeit,
kataplektische Muskelschwäche
, hypnagoge Halluzinationen
(auch Gedächt
nishalluzinationen
), wirre Angstträume, Schlafwandeln. Er empfehle deshalb eine neurologische Abklärung auf Narkolepsie.
Im Laufe der Lehre als Pharma
assistentin habe sich die Atmosphäre im Lehrbetrieb zunehmend wegen der
Absenzen nach dem Reitunfall und als Folge von Asthma und rezidivierenden Bronchitiden
verschlechtert. Die Beschwerdeführerin sei in einen depressiven Zustand gekommen und habe mit siebzehn Jahren eine psychiatrische Behand
lung aufgesucht, welche sie bis heut
e
mit Wechseln, aber ununterbrochen fort
gesetzt habe. Subjektiv habe allerdings nur die antidepressive Medikation im Vordergrund gestanden, für Psychotherapie sei die Beschwerdeführerin wenig zugänglich gewesen. Allerdings sei Letztere bei chronischen Depressionen eher erfolgsversprechend als Erstere. Nach dem Lehrabschluss hab
e
sich der Zustand
verschlechtert
und es sei eine Panikstörung hinzugetreten. Die Beschwerde
führerin habe intensive Angstträume gehabt, sei in einem Stresszustand erwacht und sei auch tagsüber in Panikzustände geraten.
In der Folge seien Panikattacken auch in Platzangstsituationen wie im eigenen Zimmer und im Zug aufgetreten, sodass sie in der panikbedingten Vermeidungshaltung kaum mehr ausser Haus gegangen sei. Die Panikstörung habe sich weiter verschlimmert, habe aber seit Jahresfrist im Zug der höher dosierten Psychopharmakotherapie wieder ab
genommen. Die Panikattacken seien auf typische Weise neben der psycho
vegetativen Stresssymptomatik und Todesangst mit Atemnot und Hyper
ventilation sowie von paranoiden Erscheinungen, Halluzinationen und Muskellähmungen begleitet gewesen. Diese Erscheinungen seien symptomatische
dissoziative Störungen
zufolge des panikbedingten Stresses und müssten nicht als separate dissoziative Störungen diagnostiziert werden. Eine Disposition zu solchen dissoziativen Störungen zeige sich mit dem Schlafwandeln und den hypnagogen Sinnestäuschungen.
In der Zeit nach dem Lehrabschluss sei die Arbeitsfähigkeit vor allem wegen der depressiven Störung wahrscheinlich schon relevant beeinträchtigt gewesen. Sie habe zwar während dreier Monate eine ganz
tägige Handelsschule absolviert, habe aber vorher und nachher «Pausen zum Regenerieren» eingelegt. Im April 2014 habe sie eine Stelle als
Pharmassistentin
mit einem 60
%
-Pensum angetreten, sei aber in einem depressiven Stresszustand mit
dysphorischer
Gereiztheit, Antriebsmangel und Leistungsunfähigkeit gestanden, sodass sie von p
sychiatrischer Seite ab dem 16. Juni 2014 zu 100
% arbeitsunfähig geschrieben worden sei.
Der depressive Zustand habe heute etwa einen mittleren Schweregrad, wenn man die Einschränkungen durch das Erschöpfungssyndrom miteinbeziehe. Im Vordergrund stünden eine rasche Erschöpfbarkeit, ein übermässiges Erholungsbedürfnis und eine ständige Müdig
keit. Die Beschwerdeführerin sei ständig innerlich gespannt und leicht reizbar. Sie schlafe auch tagsüber sehr viel. Die depressive Symptomatik von Sinn
losigkeit, Empfindungslosigkeit, Lethargie, Weinen, welche vor zwei Jahren den maximalen Schweregrad erlangt habe, habe sich inzwischen vermindert, bestehe aber weiterhin relevant. Die Beschwerdeführerin mach
e
im Haushalt der Eltern mit, pflege ihr Pferd und einige Kontakte, ihre Interessen und Aktivitäten seien aber weiterhin reduziert. Hinzu komme
die Angstsymptomatik, welche sich inzwischen gebessert habe, aber weiterhin den Grad einer Panikstörung mit intensiven Angstträumen und Panikzuständen mit paranoiden und anderen dissoziativen Erscheinungen besitze. Diese ebenfalls relevante Angststörung bedeute in erster Linie, dass die Beschwerdeführerin generell psychisch vermindert belastbar sei und dass somit bei einem vermehrten zum Beispiel beruflichen Stress rasch eine psychopathologische Exazerbation drohe. Dies habe sich anlässli
ch der Untersuchung deutlich
gezeigt. Die Beschwerdeführerin wirke unsicher, ängstlich, sehr gespannt und gereizt. Sie mache schon von der äusseren Erscheinung her einen depressiven, dunklen, melancholischen und
dysphorischen
Eindruck und wirke deprimiert und ohne Selbstvertrauen. Obwohl sie sich unter Kontrolle zu halten versuche, sei sie im Gespräch wiederholt überlastet und gerate in eine aggressive Impulsivität. Sie werde in einem pathologischen Mass erschöpft und gereizt. In Anbetracht dessen schätze er die heutige Arbeitsfähigkeit generell auf h
öchstens 50
% ein
.
Die Gründe für die Arbeitsunfähigkeit seien chronische
psychische Störungen mit Krankheitswert, nämlich eine (atypische) depressive Störung mit zeitweise einem schweren und heute einem mittelschweren Krank
heitsgrad, ein neurasthenisches Erschöpfungssyndrom, und eine Panikstörung. Die Komorbidität dieser Störungen bedinge eine allgemein verminderte psychische Belastbarkeit. Die Leistungsfähigkeit werde eingeschränkt durch einen Antriebsmangel, eine pathologische Erschöpfbarkeit und einen permanenten psychischen Stresszustand. Prognostisch sei voraussichtlich während mindestens eines Jahres keine substanzielle Besserung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten. Langfristig könne sich der psychische Zustand bei einem stabilen Verlauf bessern, je nach dem weiteren Lebenslauf könnten aber auch erneute Exazerbationen ein
treten. Therapeutisch würde neben der medikamentösen
Behandlung
vor allem eine regelmässige Psychotherapie im Vordergrund stehen
(Urk. 7/41 S. 11
ff)
.
4.2
Im
Bericht der Klinik für Neurologie des Unive
rsitätsspitals
B._
vom 22.
November 2016
(Urk. 7/55)
wurden die folgenden Diagnosen genannt:
Exzessive Tagesschläfrigkeit mit Einschlafattacken EM ~ 2014
-
DD: Narkolepsie mit Katapl
e
xie
-
Muskeltonusverlust
bei Lachen und starken Emotionen
-
ohne Medikament fragmentierter Schlaf trotz Schläfrigkeit
-
DD: extremer
Abendtyp
-
deutliche Einschlafschwierigkeit bei zu frühem ins Bett gehen
-
morgendliche Schlaftrunkenheit (6-7 Wecker), häufiges Verschlafen
-
diagnostisch (unter unveränderter Medikation):
-
Aktigraphie
: leicht verzögerter Ruhe-Aktivitätsrhythmus bei eher
Langschläfertyp
, welcher durch soziale Verpflichtungen (Arbeit) an St
a
bilität verl
i
ert. Zudem deutliche Schlafrestriktion in der Nach
t
vor dem Arbeitstag
-
Polysomnographie
vom 24.10.2016: Eine schlafassoziierte Atem
störung und periodische Beinbewegungen als Ursache der Schläfrigkeit wurden ausgeschlossen. Es la
ssen sich keine typischen Narkol
epsie-Marker finden. Hohe Schlafeffizienz
-
Multipler Schlaflatenz-Test vom 25.10.2016: mässig erhöhte Einschlaf
neigung. Es lassen sich keine SOREM nachweisen (ev. pharmakologisch bedingt)
-
ESS: 13/24 FSS: 6.2/7
-
Orexin
-Bestimmung: aktuell nicht erfolgt
Psychiatrische Vorerkrankungen:
-
Depression, Angststörungen, Panikattacken,
Borderline
Asthma
bronhiale
EM 1998
-
Heuschnupfen
Schweinegrippe Impfung 2010
-
da Risikogruppe bei Asthma
EBV 03/2014
-
für 6 Monate sehr starke Müdigkeit
Es wurde ausgeführt, zusammenfassend zeige sich in der
Aktigraphie
ein leicht verzögerter Ruhe-Aktivitätsrhythmus bei eher
Langschläfertyp
, welcher durch soziale Verpflichtungen (Arbeit) an Stabilität verliere und mit deutlicher Schlaf
restriktion in der Nacht vor dem Arbeitstag einhergehe. Die Befunde der
Polysomnographie
seien als unspezifisch
zu werten, eine schlafassoziierte Atem
störung und periodische Beinbewegungen als Ursache der Schläfrigkeit seien aus
geschlossen worden. Es hätten sich keine typischen Narkolepsie-Marker nachweisen lassen. Der MSLT (multipler Schlaflatenztest) erfasse eine mässig erhöhte Einschlafneigung. Es fänden sich keine SOREM (
Sleep
-
Onset
-REM). Somit hätten sich in den weiterführenden schlafmedizinischen Abklärungen keine eindeutigen Hinweise auf das Vorliegen einer Narkolepsie ergeben, jedoch müsse hier einschränkend die Möglichkeit einer SOREM-Unterdrückung unter der bestehenden antidepressiven Therapie und einer somit
nicht ausreichend aussagekräftigen Diagnostik
erwähnt werden
. Um die aktuelle Diagnostik zu stärken, wäre weiterhin eine Lumbalpunktion mit Bestimmung von
Orexin
im Liquor empfohlen, da bei dieser Untersuchung die medikamentöse Therapie keine Rolle spiele. Dies sei jedoch von der Beschwerdeführerin zuletzt nicht gewünscht worden. Bei anamnestischen Hinweisen auf eine Narkolepsie sei daher im Rahmen der aktuellen Konsultation ergänzend noch eine HLA-Typisierung DQB 1*06:02 erfolgt. Im Falle eines negativen Befundes wäre auch im Rahmen einer Lumbalpunktion kein erniedrigtes
Orexin
im Liquor zu erwarten. In der Zusammenschau
bleibe
die von der Beschwerdeführerin geschilderte
Tages
müdigkeit und –
schläfrigkeit
aktuell ätiologisch offen,
auch angesichts der limitierten Aussagekraft der schlafmedizinischen Untersuchung und angesichts der a
ntidepressiven Medikation (Urk.
7/55).
4.3
Der behandelnde Psychiater
Dr.
C._
n
annte in seinem Bericht vom 26.
August 2019 zuhanden der IV-Stelle die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störu
ng z.Z. mittelgradige Episode F
33.21 mit somatischem Syndrom, dissoziative Störung von Sensibilität und Em
p
findung F44.6, Angst und depressive Störung gemischt F41.2, seit 201
1.
Die medizinische Symptomatik sei unverändert. Die Beschwerdeführerin sei depressiv. Es bestehe eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit, eine Störung der Konzentration und Aufmerksamkeit sowie dissozia
tive Empfindu
ng
sstörungen (Urk.
7/91)
.
4.4
RAD-Arzt
Dr.
med. univ.
D._
, Facharzt Neurologie, hielt
in seiner Stellungnahme vom 14.
November 2019 fest,
es bestehe eine komplexe Psycho
pathologie mit Depression, Angststörung und dissoziativer Störung. Für die Medikation mit
Modasomil
bei seitens der Neurologie
B._
bereits nicht bestätigter Narkolepsie sei die medizinische Indikation unklar. Zur erforderlichen medizinischen Standortbestimmung werde ein interdisziplinäres Gutachten empfohlen (Innere Medizin, Psychiatrie, Neuropsychologie, Neurologie
; Urk. 8 S.
4
).
In seiner Stel
lungnahme vom 4.
Dezember 2019 führte
Dr.
D._
aus,
die Ergebnisse des psychi
atrischen Vorgutachtens vom 25.
Juni 2016, das bereits auch nichtpsychiatrische somatische Aspekte thematisiert habe (Neurasthenie, V.a. Narkolepsie), sei als ungenügend beurteilt worden. Abgesehen von einer komplexen psychischen Problematik (affektive und Angststörung) mit
nosogenetisch
bisher nicht klar zugeordneten somatischen Beschwerden (Sensibilitätsstörungen, DD dissoziative Störung) bestünden ein neurokognitives Syndrom (Konzentration, Aufmerksamkeit) unklarer Genese sowie mit der Ein
nahme von
Symbicort
(wegen Asthma, internistische Diagnose und Verordnung nicht dokumentiert),
Modafinil
und Melatonin ein
mehrfacettäres
somatisches Therapieregime, dessen somatische Indikation bei beschriebener Tagesmüdigkeit und geäussertem, aber bisher nicht bestätigtem Verdacht auf Narkolepsie zu klären sei. An der Neurologie
B._
sei ätiologisch die geschilderte Tagesmüdigkeit und –
schläfrigkeit
explizit
offengeblieben
. Daher werde ein interdiszipli
näres Gutachten empfohlen (Urk. 8 S.
5).
4.5
Der behandelnde Psychiater
Dr.
C._
hi
elt in seinem Schreiben vom 17.
Dezember 2019 an die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin fest, die Beschwerde
führerin sei wegen ihrer Schlafstörungen und der ausgeprägten T
a
gesmüdigkeit neurologisch abgeklärt worden. Eine Narkolepsie liege nicht vor, weshalb das Medikament
Modafinil
auch nicht gegen dies
e
Form der Epilepsie e
ingesetzt werde, sondern sozusa
gen «off
label
» gegen die eben beschriebene Müdigkeit. Ebenso werde Melatonin, das körpereigene Schlafhormon zum Schlafen ein
gesetzt, da es die Schlafarchitektur nicht verändere und somit zu einem gesünderen Schlaf, vo
r allem qualitativ, führe (Urk.
7/104).
5.
5.1
Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob eine polydisziplinäre Begutachtung unter Miteinbezug der Fachdisziplinen Neurologie, Neuropsychologie und Allgemeine Innere Medizin notwendig ist oder ob eine monodisziplinäre Abklärung im Fach
bereich Psychiatrie genügt. Unbestritten ist, dass ein Gutachten einzuholen ist.
5.2
Aus den Akten geht hervor, dass im Rahmen der
psychiatrischen
Begutachtung vom 25
.
Juni 2016 die Diagnosen einer chronischen Depression mittleren Schweregrades, ein neurasthenisches Erschöpfungssyndrom, eine Panikstörung sowie ein Verdacht auf Narkolepsie gestellt wurden und somit psychische Beschwerden im Vordergrund standen. In Bezug auf das
neurasthenische
Erschöpfungssyndrom
hielt der Gutachter fest, dass
d
iesem
regelmässig rezidivie
rende oder langwierige
Infektionskrankheiten
folgen
könne. Typisch dafür sei das
Pfeiffersche
Drüsenfieber, welches bei der Beschwerdeführerin einen sehr protrahierten Verlauf genommen
habe. Eine weitere Ursache könn
e eine
Narkolepsie
sein, für welche es bei der Beschwerdeführerin viele Hinweise gebe
(
Hypersomnie
, Schlafanfälle tagsüber, ständige Schläfrigkeit,
kataplektische Muskelschwäche
, hypnagoge Halluzinationen, wirre Angstträume, Schlaf
wandeln).
In der Folge wurde die Beschwerdeführerin an der Klinik für Neurologie des Universitätsspitals
B._
neurologisch abgeklärt. Dem Bericht vom 22. November 2016 ist zu entnehmen, dass die Ursachen der geschilderten Beschwerden angesichts der
nicht ausreichend aussagekräftigen Diagnostik
infolge
der
bestehenden antidepressiven Therapie sowie
angesichts der limitierten Aussagekraft der schlafmedizinischen Untersuchung
offenblieben
. Es trifft zwar zu, dass aufgrund der aktuellen Aktenlage eine Narkolepsie wohl eher zu verneinen
, jedoch nicht auszuschliessen
ist,
zudem
bleibt die
Ätiologie des Krank
heitsbildes
ungeklärt
(vgl. E 4.2)
.
Ausserdem ist unklar
, inwiefern sich die Symptomatik auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt
. Dokumentiert sind
des Weiteren
Konzentrationsstörungen und dissoziative Empfindungsstörungen
. Ob diese den
psychischen
Störungen zugeordnet werden können, kann aufgrund der Akten nicht abschliessend beurteilt werden. Insofern kann nicht von einer vollends gesicherten Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik die Rede sein, die offen
kundig ausschliesslich das Fachgebiet der Psychiatrie beschlägt. Es bestehen durchaus Anhaltspunkte, dass neben der psychischen auch eine neurologische und eine neuropsychologische Problematik vorliegen könnte.
5.3
D
es W
eiteren
ist darauf hinzuweisen, dass, wenn ein polydisziplinäres Gutachten angezeigt ist, die Allgemeine Innere Medizin immer vertreten ist (vgl.
Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung [
KSVI
, Stand
1.
Januar 2018]
Rz
2077
).
Im Übrigen ergeben sich aus den Akten auch Hinweise
auf Krankheiten des
allgemeinen
internistischen Fachgebietes wie beispielsweise Asthma und rezidivierende
Bronchitiden
, welche -
e
ntgegen den
Ausführungen
der Beschwerdeführerin
(Urk.
1 S.
5
)
-
in der Vergangenheit auch zu Arbeits
unfähigkeiten geführt
haben
(vgl.
vorne E. 4.1
).
Darüber hinaus ist auch eine durchgemachte Infektionskrankheit (
Pfeiffersches
Drüsenfieber) aktenkundig, welche Ursache des neurasthenischen
Erschöpfungssyndrom
s
sein könnte.
Dies
bezüglich liegen
jedoch
keine ärztlichen Berichte
vor, weshalb der Gesundheits
zustand auch in dieser Hinsicht
ungeklärt ist
.
5.4
Nach dem Gesagten erweist sich d
ie angeordnete polydis
ziplinäre Begutachtung in den Fachgebieten Innere Medizin, Psychiatrie, Neuropsychologie und Neurologie für die Sachverhaltsabklärung als erforderlich
und damit als rechtens
. Konkrete Gründe, weshalb der Beschwerdeführerin die Teilnahme an dieser Begutachtung unzumutbar
sein soll
, wurden nicht substantiiert geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich.
6.
6.1
Zu prüfen ist
des Weiteren
, ob die Auswahl der Gutachterstelle rechtmässig erfolgt ist.
6.2
Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des Zufallsprinzips
und
macht geltend
, dass mehrere Gutachter sowohl für
Z._
als auch für die
A
._
tätig seien (Urk. 1 S.
9 f.
).
6.3
Wie
das
BSV in seiner Stellungnahme vom 7. Oktober 2020 ausführt, wird b
ei der
Zulosung
von polydisziplinären Gutachterstellten über die Plattform
SuisseMED@P
nur die Gutachterstel
le
zugeteilt
. Nur dies
e
verfügt über eine Vereinbarung mit dem
BSV
und fällt in den Anw
endungsbereich von Art.
72
bis
IVV
. Welche Gutachterinnen und Gutachter eine Gutachterstelle einsetzt, steht ihr grundsätzlich frei, sofern diese die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen
(vgl. Urk.
12 S. 2).
Da
im vorliegenden Fall
die Auftragsvergabe an die
Z._
korrekt über die
SuisseMED@P
erfolgt ist, kann der Beschwerdegegnerin
insofern
k
eine Verletzung des Zufallsprin
zips vorgeworfen werden.
6.4
Der Beschwerdeführerin ist aber insoweit beizupflichten, dass durch den Um
stand, dass eine medizinische Fachperson bei verschiedenen Gutachterstellen gleichzeitig tätig ist, die Zufälligkeit der Gutachterstellenauswahl via
SuisseMED@P-Plattform
unterlaufen werden kann.
Das Bundesgericht hat in seinem Urteil 8C_47/2016 vom 15. März 2016
offengelassen
, ob und bei welcher
Häufung einer Gutachtertätigkeit derselben Ärztin oder desselben Arztes für mehrere Abklärungsstellen das Zufallsprinzip als nicht mehr gewahrt zu gelten hat.
Das BSV hat mit
seinem Informationsschreiben zu
SuisseMED@P
vom 26. November 2019 die Gutachterstellen angewiesen, die Gutachterteams so zusammenzusetzen, dass sich eine Überschneidung der Gutachterinnen und Gut
achter zwischen zwei Gutachterteams auf höchstens eine einzelne Person beschränkt (vgl. Urk. 3/5).
Aus dem
SuisseMED@P-Reporting
2019 (abrufbar unter www.bsv.admin.ch) ergibt sich, dass einer der im vorliegenden Fall von der
Z._
ein
gesetzten Gutachter (
Dr.
med.
E._
, Facharzt
für
Allgemeine Innere Medizin) sowohl für die
Z._
als auch für die
A
._
tätig ist (Urk. 13/3 und Urk. 13/5; vgl. auch Urk. 12 S. 4).
Konsultiert man die Websites dieser beiden Gutachterstellen
, ist neben
Dr.
E._
aktuell
(seit 2020)
auch
Dr.
med.
F._
, Facharzt
für
Neuro
logie, für beide Gutachterstellen tätig. Für die im Streit liegende Begutachtung, welche
im Jahr 2020 hätte stattfinden sollen bzw.
(voraussichtlich im Jahr 2021)
noch stattfinden wird
,
sind
somit die Vorgaben des BSV gemäss Informations
schreiben vom 26. November 2019
(Ziff. 3)
nicht eingehalten. Die IV-Stelle hat daher die Gutachterstelle anzuweisen, einen der beiden Gutachter, welche
aktuell
für beide Gutachterstellen tätig sind, auszuwechseln
und die Vorgaben des BSV zur Zusammensetzung der Gutachterteams zu beachten
.
Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
7.
7.1
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versiche
rungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenlos (Art. 61
lit
. a ATSG in Verbin
dung mit Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
7.2
Dem Verfahrensausgang entsprechend hat
die
anwaltlich vertretene
Beschwerde
führerin
Anspruch auf eine
reduzierte Prozessentschädigung
(Art.
61
lit
. g ATSG und
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
). Da sie
grösstenteils unterliegt
bzw.
lediglich in einem Nebenpunkt obsiegt
,
erscheint eine E
ntschädigung
von Fr. 400.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
angemessen
.