Decision ID: cb35b04c-764e-4d92-83dd-1260645cf663
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1984 geborene
X._
, welche über keinen Berufsabschluss verfügt (
Urk.
8/13/5), meldete sich am 2
9.
Januar 2019 (Eingangsdatum,
Urk.
8/13) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Die IV-Stelle tätigte darauf
hin
medizinisch-erwerbliche Abklärungen, wobei sie der Versicherten am
2.
Juli 2019 mitteilte, infolge ihres Gesundheitszustandes seien zurzeit keine Eingliede
rungsmassnahmen möglich (
Urk.
8/23). Sodann
verneinte
sie -
nach
durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 3
1.
März 2020,
Urk.
8/30) - einen
Leistungsanspruch
mit Verfügung vom
2.
Juni 2020 (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
9.
Juni 2020 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung vom
2.
Juni 2020 sei aufzuheben und es
sei ihr
eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Eventualiter seien ihr Gesund
heitszustand und
ihre
Arbeitsfähigkeit durch ein unabhängiges
medizinisch
es, ins
b
esondere psychiatrisches und neurologisches Gutachten abklären zu lassen. Ferner sei ihr die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Rechts
vertretung
zu bewilligen (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
August 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei zum Zweck der erweiter
ten Abklärung an sie zurückzuweisen (
Urk.
7). Infolge
dieses beschwerdegegne
rischen Antrages
wurde die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
1.
August 2020 aufgefordert, zur Beschwerdeantwort, insbesondere zur beantragten Rück
weisung Stellung zu nehmen (
Urk.
9).
Mit Eingabe vom 2
6.
August 2020 (
Urk.
11) hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest, worüber die Beschwerde
gegnerin mit
Verfügung vom 3
1.
August 2020 in Kenntnis gesetzt
wurde
(
Urk.
13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E.
4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsl
eistung zu erbringen (BGE 145 V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte
sich
in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe
sich
durch die
stationäre
Behandlung
soweit verbessert, dass ihr wieder eine Erwerbstätigkeit
zumutbar
sei
.
Durch eine weitere Behandlung sei eine volle Arbeitsfähigkeit zu erwarten.
Ein
Leistungsan
spruch sei damit nicht ausgewiesen
(
Urk.
2).
Demge
genüber gelangte sie, g
estützt auf
die im Beschwerdeverfahren aufgelegten Berichte
,
zum Schluss, diese
würden eine seit dem Klinikaustritt
(im August 2019)
bis zum Verfügungszeitpunkt
(im Juni 2020)
eingetretene
Verschlechterung des Gesundheitszustandes nahelegen
, weshalb
die
Sache
zwecks weiterer Abklärun
gen an sie zurückzuweisen
sei
(
Urk.
7).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt,
sie sei seit Oktober 2018 krankheitsbedingt erwerbsunfähig,
womit sie
Anspruch auf eine Invalidenrente
habe
. Zu ihrem
Gesundheitszustand
sei festzuhalten, dass sich dieser
trotz ihres
Aufenthalt
es
in der Klinik
Y._
nicht nachhaltig und dauerhaft
verbessert habe
. Vielmehr
sei es
danach
rasch wieder
zu einer
Verschlechterung
gekommen
.
Sofern man zum Schluss gelangen würde
, ein Rentenanspruch
gehe
auch
nicht aus den im
Beschwerdeverfahren aufgelegten Berichte
n
hervor
,
sei
ein unabhän
giges medizinisches
, insbesondere psychiatrisches und neurologisches
Gutachten in Auftrag zu geben (
Urk.
1, 11).
3.
3.1
Zwischen dem 1
5.
Juli und dem 2
2.
August 2019 befand sich die Beschwerdefüh
rerin in der Klinik
Y._
in stationärer Behandlung. I
m
Austrittsbericht vom 1
8.
September 2019
nannten
die medizinischen Fachleute
folgende
Diagnosen
(
Urk.
8/26/4)
:
-
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
St.
n. schädlichem Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.1)
-
Dringender V.a. Epilepsie unklarer Ätiologie mit/bei
-
wiederholte
n
tonisch-kl
i
nischen Anfällen bis 13.03.2019 mit Urinver
lust
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyn
drom
-
Adipositas
-
Vitamin D-Insuffizienz
Die medizinischen Fachleute
hielten fest, die Beschwerdeführer
in
sei im Zu
s
tand einer mittelgradig ausgeprägten depressiven Symptomatik in die Klinik eingetre
ten. Vor dem Hintergrund der im Oktober 2018 diagnostizierten Epilepsie habe sie sich zunehmend zurückgezogen, Angst gehabt, das Haus alleine zu verlassen. Zudem habe sie sich niedergeschlagen und im Antrieb gehemmt gefühlt. Dies habe eine im Alltag stark eingeschränkte
Funktionalität
zur Folge gehabt, worunter auch
ihr
Selbstwertgefühl gelitten habe. Ferner leide
sie auch
an wiederkehrenden Panikattacken, welche aufgrund der Angst eines (erneuten) epi
lep
tischen Anfalls auftreten würden.
Im
Verlauf des Klinikaufenthalts
habe
eine
erfreuliche
Stabilisierung des psychophysischen Zustandsbildes erzielt werden können. Symptomatisch
hätten
sich
dabei
eine deutliche Verbesserung der depressiven Stimmungslage, eine geringer ausgeprägte Ängstlichkeit und ein verbessertes Vitalgefühl gezeigt.
I
m Austrittsb
ericht
wurde
ferner
ausgeführt
, die beim Klinikeintritt
festgestellten
Insuffizienzgefühle
seien
nicht mehr
vorhanden
.
Die medizinischen Fachleute wiesen
sodann
darauf hin, dass
die innere Anspa
n
nung der Beschwerdeführerin deutlich ab- und
ihr
Antr
i
e
b deutlich zugenommen
habe
. Zudem habe sich ihr Schlafverhalten - selbst bei Reduktion der Medikation
- gebessert. Auch bestehe kein sozialer Rückzug mehr. Indes seien Zukunfts- und Existenzängste nach wie vor vorhanden, wobei die Beschwerdeführerin deutlich zuversichtlicher geworden sei, diese Herausforderung
en
zu meistern
. Angaben zur Arbeitsfähigkeit machte
n
die medizinischen Fachleute ausser dem Hinweis, die Beschwerdeführerin sei während ihre
m
Klinikaufenthalt zu 100
%
arbeitsun
fähig gewesen, keine
(
Urk.
8/26/5
-6
).
3.2
Die Hausärztin der Beschwerdef
ührerin,
Dr.
med.
Z._
, Fa
chärztin für Allgemeine Innere Medizin
, nannte im Bericht vom 2
1.
Juni 2020 folgende Diagnosen:
Somatische Diagnosen:
-
Steatosis
hepatis
-
Rez
. Grandmalanfälle
-
letztmals 1/20, unter Therapie
-
Nierensteine links
-
St.
n.
Lithotrypsie
6/20
-
DD: iatrogen unter
Topamax
Psychische Diagnosen:
-
Vd
. a. ausgeprägte Persönlichkeitsstörung (am ehesten vom ängstlich-ver
meidenden/
dependenten
Typ, bisher nie psychiatrisch diagnostiziert)
-
ausgeprägte Angststörung
Dr.
Z._
berichtet
e
,
die Beschwerdeführerin
sei
- um den Alltag zu meistern - auf die Spitex angewiesen.
Zudem bedürfe sie
in der Erziehung ihres Sohnes fachlicher
Unterstützung.
Auch sei sie
nicht imstande, die Notwendigkeit und Tragweite einer Behandlungsbedürftigkeit zu erkennen
.
W
as ihre epileptischen Anfälle anbelange,
fehle es ihr an der Fähigkeit, die Notwendigkeit einer konti
nuierlichen Medikamenteneinnahme und eines (gesunden) Lebenswandels zu erkennen. Ferner weise die Beschwerdeführerin eine ausgeprägte Angst vor not
wendigen medizinischen Kontrollen und Interventionen auf. Die Arztbesuche
müssten
des
halb jeweils durch die Spitex koordiniert werden
.
Aufgrund
dessen dränge sich
ihr
die Verdachtsdiagnose
einer Persönlichkeitsstörung auf, welche
sich massgeblich
auf die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
auswirke
. Demgegenüber erachte sie die im Rahmen des Klinikaufenthalts in
Y._
diagnos
tizierte mittelgradige (depressive) Episode als deutlich weniger ausgeprägt. Zur Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
Z._
fest, sie erachte die Beschwerdeführerin vorder
hand zu 100
%
arbeitsunfähig. Mittel- bis langfristig könne
ihr
ein Arbeitspen
sum von maximal 30 bis 40
%
zugemutet werden, wobei als Tätigkeit nur ein «
Hilfsjob
» infrage komme, bei dem kein grosser Leistungsdruck herrsche und klare Arbeitsprozesse bestünden (
Urk.
3/3).
3.3
Die Behandler,
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Kind
er- und Jugendpsy
chiatrie und -
psychotherapie, und
lic
. phil.
B._
,
Fachpsychologe für Psychotherapie FSP,
nannten im Bericht vom 2
2.
Juni 2020 folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1)
-
Generalisierte Angststörung (F41.1)
-
Epilepsie unklarer Ätiologie
-
Wiederholte tonisch-klonische Anfälle mit Urinverlust
-
Thrombopenie
unklarer Ätiologie
Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
hielten fest
, der Gesundheitszustand der Beschwer
deführerin habe sich nach
d
e
m
Klinikaustritt
in
Y._
rasch verschlechtert.
So hät
ten ihre
Ängste
zugenommen
und sich stabilisiert,
seien
die epileptischen Anfälle in regelmässigen Abständen aufgetreten
und habe sich
die depressive Befindlich
keit
chronifiziert
und zum Teil verschlechtert. Ferner seien chronische Nieren
schmer
zen aufgetreten. Zudem habe die
Coronapandemie
bei der Beschwerdefüh
rerin
zusätzliche Ängste aktiviert und
ihre
psychische Befindlichkeit destabili
siert.
Zum Befund notierten
Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
, die Beschwerdefüh
rerin sei wach, bewusstseinsklar und sicher orientiert. Zudem sei
sie
im Kontakt freundlich und kooperativ vertrauensvoll, formal gedanklich unauffällig, jedoch etwas weitschweifig und umständlich. Indes hätten sich Hinweise auf eine Kon
zentra
tionsstörung, eine Vergesslichkeit und für ein leichtes Misstrauen gegen
über Fremden ergeben. Demgegenüber seien keine Hinweise
, welche
auf psycho
tisches Erleben im Sinne von Wahn, Halluzinationen oder Ichstörungen
hinge
deutet hätten,
festzustellen gewesen. Affektiv habe die Beschwerdeführerin bedrückt gewirkt. Sie leide unter deutlichen Zukunfts- und Existenzängsten. Zudem
leide sie an
Panikattacken, welche von vegetativen Symptomen begleitet würden. Ferner
weise
sie
eine phobische
Angst
auf
, dass man ihr das Kind wegnehme. Affektiv berichte
sie
von einer Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit und leide unter Minderwertigkeitsgefühlen sowie an einem Gedankenkreisen.
Auch
habe
sie
wenig Antrieb, sei schnell ermüdet
und
fühle sich oft lust- und moti
vationslos.
Gesamthaft betrachtet erachte
sich
die Beschwerdeführerin
als
wenig belastbar und leistungsfähig. Zudem berichte sie von Schlafstörungen. Von suizidalen Gedanken und Handlungsabsichten
habe sie sich demgegenüber
dis
tanzieren
können
. Zur Arbeitsfähigkeit notierten
Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
, die Beschwerdeführerin sei seit Behandlungsbeginn
(Oktober 2018)
und bis auf Weiteres 100 % arbeitsunfähig
(
Urk.
3/6).
4.
Mit
Bezug auf
die im Beschwerdeverfahren aufgelegten
Bericht
e
von
Dr.
Z._
(E.
3.2)
und
von
Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
(E. 3.3)
ist vorweg
festzuhalten, dass diese zwar nach dem Verfügungsdatum datieren
,
sich
der darin beschriebene Sachverhalt
im Wesentlichen
jedoch
auf einen
davorliegenden
Zeitraum
bezieht
.
Da sie geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen, sind diese Berichte
im
vorliegenden Verfahren zu berücksichtigen
(BGE 99 V 98 E.
4)
.
Zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und seine Auswirkung auf deren Leistungsfähigkeit ist festzuhalten, dass sich dieser aufgrund der aktuellen Aktenlage nicht abschlies
send beurteilen lässt.
Zwar stellte die Beschwerdegeg
nerin gestützt auf den Bericht der Klinik
Y._
das Vorliegen einer relevanten psychiat
rischen Pathologie nachvollziehbar in Frage, hatte sich doch der psycho
phy
sische Zustand der Beschwerdeführerin deutlich stabilisiert und konnte die Medi
kation reduziert werden (E. 3.1). Ob, wie die Beschwerdegegnerin
vorerst
annahm (
Urk.
8/29/4), die depressive Episode vollständig remittiert ist, es mithin an einem dauerhaften Gesundheitsschaden mangelt, erscheint indes mit Blick auf die im Beschwerdeverfahren eingereichten Berichte fraglich. So berichteten die Behand
ler von einer raschen Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwer
deführerin nach dem Klinikaustritt. Insbesondere hätten die Ängste zugenommen, habe sich die depressive Befindlichkeit
chronifiziert
sowie teilweise verschlechtert und seien die epileptischen Anfälle regelmässig aufgetreten. Infolgedessen bestehe bis auf Weiteres eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (E. 3.3).
Die Beschwerdegegnerin
hielt denn auch gestützt auf diese neu eingereichten Unter
lagen fest, letztere legten eine erneute Verschlechterung des Gesundheitszustan
des der Besch
w
erdeführerin nahe (
Urk.
7).
Entgegen der
Auffassung
der Beschwerdeführerin stellen
die
im Beschwerdever
fahren aufgelegten Berichte
(
Urk.
3/3-6)
jedoch
keine beweiskräftige medizini
sche Entscheidungsgrundlage dar
, um über den Gesundheitszustand und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit abschliessend befinden
zu können
.
Sofern nämlich, wie im Bericht von
Dr.
A._
und
lic
. phil.
B._
(
E. 3.3
)
erwähnt
, von einem psychischen Gesundheits
schaden auszugehen wäre
, fehlte es an s
chlüssi
gen ärztlichen Ausführungen, die eine zuverlässige Beurteilung
des tatsächlichen Leistungsvermögens mittels strukturierten Beweisverfahrens
erlaubten (E. 1.4).
Sodann wurde
von ihnen
- angesichts des aktenkundigen Unterstützungsbedarfs der Beschwerdeführerin in der Erziehung
ihres
Sohnes
sowie weiterer Hinweise auf belastende Lebensumstände
(vgl.
Urk.
3/6, 3/3, 8/26/4-9) -
nicht
abgeklärt, ob
psychosoziale Belastungsfaktoren
im Vordergrund stehen und das Beschwer
debild mitbestimmen,
hätten
solche
doch
im invalidenversicherungsrechtlichen Kontext grundsätzlich
unberücksichtigt zu bleiben
(
BGE 127 V 294
).
Alsdann setzt
e
sich
ihr
Bericht auch nicht mit der Frage auseinander, ob
angesichts des
aktenkundigen
Alkoholkonsums (Berichte vom
9.
Juni 2020 [
Urk.
3/5], vom 1
8.
September 2019 [
Urk.
8/26/4], vom 1
9.
Juni 2019 [
Urk.
8/27/3], vom
9.
April
2019 [
Urk.
8/27/2], vom 1
5.
März 2019 [8/19/8], vom
9.
Januar
2019 [
Urk.
8/19/11] und vom
9.
November 2018 [
Urk.
8/19
/10])
und gegebenenfalls inwieweit ein fachärztlich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom vorliegt, welches sich auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkt (zur Recht
sprechung bei Suchterkrankung vgl. BGE 145 V 215).
Zum
von der Beschwerdeführerin ebenfalls angeführten
Bericht von
Dr.
Z._
und der darin von ihr
als Fachärzti
n für Allgemeine Innere Medizin
fachfremd
geäusserten
– und damit bereits aus diesem Grund nicht beweisgeeigneten -
Verdachtsdiagnose einer
Persönlichkeitsstörung
(E. 3.2)
ist festzuhalten, dass es sich dabei um ein beweismässig nicht gesichertes Leiden handelt und dieses somit keine
rechtsgenügliche
Grundlage bilden kann, um eine mögliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nachzuweisen (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2019 vom 1
1.
November 2019 E. 3.3.2)
. Nachdem
Dr.
Z._
diese Verdachtsdiagnose als «in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit führend» bezeichnet
hat
te
und
somit
davon auszugehen ist, dass ihre Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit zu einem wesentlichen Teil auf dieser Verdachtsdiagnose basiert
e
,
kommt diesem Bericht nicht die Beweiskraft zu, um eine abschliessende Beurteilung zur Arbeitsfähigkeit
vornehmen zu können
.
Zudem erachtete
auch
Dr.
Z._
eine sorgfältige psychi
atrische Beurteilung
als
erforderlich (
Urk.
3/3).
Schliesslich vermag
die
Beschwerdeführerin
auch nicht mit den Berichten
von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Urologie, vom 1
4.
Mai 2020 (
Urk.
3/4) und des Stadtspitals
D._
vom
9.
Juni 2020 (
Urk.
3/5)
einen dauerhaften Gesund
heitsschaden zu belegen; vielmehr wurde damit die operative Sanierung eines Nierensteinleidens dokumentiert, während Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit fehlen.
5.
Nach dem Gesagten ist es
- wie
die
Beschwerdegegnerin richtig
erkannt
hat
-
bei der aktuellen medizinischen Aktenlage nicht mög
lich, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit die funktionelle Leistungsfä
higkeit der Beschwerdeführerin
abschliessend
zu beurteilen. Die Be
schwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Durchführung einer
psychiatrischen
und
- angesichts der aktenkundigen Epilepsie-Problematik -
neurologischen
Abklärung
und zu
m
neuem Entscheid an die Be
schwerdegegnerin
zurückzuweisen ist.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen; nach ständiger Recht
spre
chung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Ab
klärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1) als ge
genstandslos.
6.2
Dem Verfahrensausgang entsprechend ist die Beschwerdegegnerin zu verpflich
ten, eine Prozessentschädigung zu bezahlen. Das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
(
Urk.
1) erweist sich
damit
ebenfalls als gegenstandslos.
Rechtsa
nwa
lt
Dr.
Peter Stadler
machte mit
seiner
Honorarnote vom
2
6.
August 2020
(
Urk.
12
) einen Aufwand von
15.25
Stunden und
Spesen
von Fr.
100.65
mithin einen Gesamtaufwand von
Fr.
3'721.74
geltend.
Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (§ 34 Abs. 3
des
Gesetz
es
über das Soz
ialversicherungsgericht [
GSVGer
]
) ist eine Entschädigung in dieser Höhe nicht ange
messen. Insgesamt ist ein Gesamtarbeitsaufwand von
neun
Stunden für Besprechungen mit
der Klientin
, dem Ausarbeiten der Beschwerde
schrift sowie weiteren Arbeiten im Zusammenhang mit dem Beschwer
de
verfahren anzurechnen, was unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Ansatzes
von Fr. 220.-- sowie einem Anteil für Barauslagen und Mehrwertsteuer eine Ent
schä
digung von rund Fr.
2‘2
00
.-- ergibt.
In dieser Höhe ist Rechtsanwalt
Dr.
Peter Stadler
von der Beschwerdegegnerin
zu entschädigen.