Decision ID: ed374843-50d8-5f4b-bb35-1ce7582dc07d
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde am 30. Juni 2011 zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet (IV-act.
1). Am 19. Dezember 2011 (IV-act. 9) übernahm die IV-Stelle die Kosten der
Behandlung der Geburtsgebrechen Nr. 495 (schwerer neonataler Infekt) und Nr. 498
(schwere neonatale metabolische Störung). Dr. med. D._ berichtete am 11. Juni 2012
(IV-act. 16), die Versicherte weise einen deutlichen Entwicklungsrückstand auf. Eine
klare Ursache dafür habe bis anhin noch nicht gefunden werden können. Die IV-Stelle
erteilte am 31. Juli 2012 (IV-act. 22) eine Kostengutsprache für das Geburtsgebrechen
Nr. 395 (angeborene cerebrale Störungen). Dr. med. E._, Oberarzt am Ostschweizer
Kinderspital, berichtete der IV-Stelle am 25. Juni 2013 (IV-act. 42), die Versicherte leide
an einem allgemeinen Entwicklungsrückstand mit/bei Tonusstörung der Muskulatur,
teils hypo-, teils hyperton, V. a. eine verzögerte visuelle Reifung, Kopfzwangshaltung
mit Kinnhebung (DD: doppelte Heberparese, Ptose), Esothropie mit V.a. eine
Bevorzugung des linken Auges, mässiger Kolpozephalie sowie leicht hypoplatischem
Marklager supratentoriell, St. n. Claviculafraktur links und skoliotischer Fehlhaltung, am
ehesten im Zusammenhang mit dem Entwicklungsrückstand und der Hypotonie. Als
neues Geburtsgebrechen gab er die Nr. 381 (Missbildungen des Zentralnervensystems
und seiner Häute) an. Er führte dazu aus, ein craniales MRI vom 27. Mai 2013 habe
eine unspezifische leichte Kolpozephalie und ein leicht hypoplastisches Marklager
supratentoriell gezeigt. Das kraniozerebrale Kernspintomogramm bei klinisch bekannter
Mikrozephalie sei ansonsten altersentsprechend gewesen. Dr. med. F._ vom RAD
notierte dazu am 4. September 2013 (IV-act. 45), die beschriebenen leichten
Auffälligkeiten im MRI und bei der klinischen Untersuchung begründeten aus
versicherungsmedizinischer Sicht kein Geburtsgebrechen Nr. 381. Die unspezifische
leichte Kolpozephalie (leichte Ausziehung der Hinterhörner der Seitenventrikel) mit
leicht hypoplastischem Marklager supratentoriell bei ansonsten altersentsprechend
normaler Kernspintomographie sei keine Missbildung des zentralen Nervensystems im
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Sinne der GgV. Mit einem Vorbescheid vom 18. September 2013 kündigte die IV-Stelle
den Eltern der Versicherten die Abweisung des Gesuchs um eine Kostengutsprache für
das Geburtsgebrechen Nr. 381 an (IV-act. 49).
A.b Die Eltern der Versicherten wandten am 26. September 2013 ein (IV-act. 53),
Dr. E._ habe angegeben, es liege eindeutig ein Geburtsgebrechen Nr. 381 vor. Sie
ersuchten die IV-Stelle, sich für Fragen an Dr. E._ zu wenden. Die IV-Stelle hielt in
einer Aktennotiz vom 3. Oktober 2013 fest (IV-act. 55), die Eltern der Versicherten
hätten keine neuen Arztberichte oder Fakten beigebracht, weshalb verfügt werden
könne. Die Physiotherapeutin G._ erklärte am 1. Oktober 2013, eine
Kostenübernahme durch die Invalidenversicherung sei sinnvoll (IV-act. 56). Dr. E._
teilte der IV-Stelle am 11. Oktober 2013 mit (IV-act. 59), bei der Versicherten bestehe
eine Kolpozephalie, die im Rahmen einer Corpus callosum-Agnesie (Balkenagnesie),
also im Sinne einer Missbildung des zentralen Nervensystems und damit als
Hirnanlagestörung zu werten sei. Diese Form der Missbildung/Hirnanlagestörung sei
zwar im Rahmen des Geburtsgebrechens Nr. 381 nicht explizit erwähnt, erfülle aber die
Kriterien dieses Geburtsgebrechens. Am 19. November 2013 berichtete Dr. E._ im
Zusammenhang mit der Prüfung eines Gesuchs um eine Hilflosenentschädigung für die
Versicherte (IV-act. 70), diese leide an einer mässigen Kolpozephalie sowie an einem
leicht hypoplastischen Marklager supratentoriell und an einem allgemeinen
Entwicklungsrückstand. Die Hilfsbedürftigkeit der Versicherten gehe weit über das
altersübliche Mass hinaus. Prof. Dr. med. H._ vom RAD notierte am 17. Dezember
2013 (IV-act. 73), die Kolpozephalie werde als ein Befund bezeichnet, der bei normalen
Kindern vorkomme, der aber auch gehäuft mit Problemen der geistigen und
motorischen Entwicklung assoziiert sei. Deshalb seien weitere Abklärungen nötig. Dr.
E._ stellte am 14. Januar 2014 die MRI-Bilder sowie die entsprechende radiologische
Beurteilung zu (IV-act. 80-1). Am 22. April 2014 berichtete er (IV-act. 94), die
Versicherte zeige im Verlauf zunehmend mehr Symptome einer hypoton-ataktischen
Cerebralparese (GgV Ziffer 390) ohne Hinweis auf eine Spastizität. Er legte seinen
Bericht an Dr. D._ vom 7. März 2014 bei (IV-act. 94-7). Gemäss diesem Bericht
bestand ein allgemeiner Entwicklungsrückstand mit/bei mässiger Kolpozephalie und
leicht hypoplastischem Marklager supratentoriell, Tonusveränderungen der Muskulatur
(teils hypo-, teils hyperton), ein V. a. eine verzögerte visuelle Reifung, eine
Kopfzwangshaltung mit Kinnhebung (DD: doppelte Heberparese, Ptose), eine
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Esotrophie mit V. a. eine Bevorzugung des linken Auges, ein St. n. Claviculafraktur
links, eine skoliotische Fehlhaltung (am ehesten im Zusammenhang mit dem
Entwicklungsrückstand und der Hypotonie), ein V. a. eine Autostimulation bzw. auf
Gratifikationsphänomene und aktuell ein V. a. ein Rubinstein-Taybi-Syndrom. Dr. D._
hatte dazu ausgeführt, bei der Versicherten bestehe ein ätiologisch bislang unklares
Retardierungssyndrom. Da die typischen Anomalien eines Rubinstein-Taybi-Syndroms
vorlägen, sei eine entsprechende Abklärung sinnvoll. Prof. Dr. H._ vom RAD hielt am
11. Juli 2014 fest (IV-act. 99), aufgrund der zusätzlichen Unterlagen und der
Besprechung mit der internen Radiologin und dem Kinderradiologen des Ostschweizer
Kinderspitals sei der radiologische Befund zu gering, um das Geburtsgebrechen Nr.
381 zusprechen zu können. Das leicht hypoplastische Marklager supratentoriell könne
noch im Rahmen der altersbedingten Abweichungen gesehen werden. Damit stehe
fest, dass das Geburtsgebrechen Nr. 381 nicht zugesprochen werden könne. Sollten
sich im weiteren Verlauf als Folge einer Entwicklungsstörung des Gehirns zusätzliche
Befunde ergeben, könne immer noch auf das Geburtsgebrechen Nr. 381
zurückgekommen werden. Die Versicherte sei inzwischen für das Geburtsgebrechen
Nr. 390 angemeldet. Allenfalls könne das Geburtsgebrechen Nr. 467 betroffen sein,
wenn sich das Rubinstein-Taybi-Syndrom bestätigen sollte. Mit einer Verfügung vom
24. Juli 2014 wies die IV-Stelle das Gesuch um die Anerkennung des
Geburtsgeberechens Nr. 381 ab (IV-act. 102).
B.
B.a Die Eltern der Versicherten erhoben am 14. August 2014 Beschwerde gegen diese
Verfügung (act. G 1). Sie beantragten sinngemäss die Anerkennung des
Geburtsgebrechens Nr. 381. Zur Begründung machten sie geltend, es liege ein
Geburtsgebrechen vor. Allerdings bestehe noch keine ausreichende Diagnose. Der
aktuell stabile Zustand der Beschwerdeführerin sei nur durch die durchgeführten
Therapien möglich geworden. Die Weiterführung dieser Therapien sei unerlässlich.
Ohne eine Kostengutsprache sei aber keine Therapie möglich.
B.b Am 12./22. August 2014 protokollierte Prof. Dr. H._ eine telephonische
Besprechung mit Dr. E._ vom Ostschweizer Kinderspital (IV-act. 112). Er hielt fest,
die Diagnose einer hypoton-ataktischen CP (Geburtsgebrechen Nr. 390) sei sehr
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fraglich und sehe nach einer Ersatzdiagnose für das abgewiesene Geburtsgebrechen
Nr. 381 aus. Es habe ja der Verdacht auf eine Veränderung im Kleinhirn bestanden, die
aber im MRI nicht habe nachgewiesen werden können. Eine kleinhirnbedingte Ataxie
hätte eine solche Veränderung nachweisen können. Eine solche zeige sich aber
meistens im zweiten Lebensjahr mit Laufbeginn. In allen bisherigen Berichten mit
neurologischer Untersuchung seien aber nie solche Befunde erhoben worden. Die
beschriebene Ataxie basiere auf einem breitbeinigen Gang (der üblicherweise auch bei
einem allgemeinen Entwicklungsrückstand oder bei einer Hypotonie sichtbar sei) mit
gleichzeitigem unsicher ataktischem Greifen. Klassische Zeichen der Ataxie im Liegen
und gezielte Untersuchungen seien nicht beschrieben worden. Deshalb seien die
beobachteten Veränderungen eher dem allgemeinen Entwicklungsrückstand und dem
Rubinstein-Taybi-Syndrom zuzuordnen, was Dr. E._ nicht habe ablehnen können. Die
Diagnose eines Rubinstein-Taybi-Syndroms habe nach wie vor molekulargenetisch
noch nicht bestätigt werden können. Die zuständige Sachbearbeiterin der
Beschwerdegegnerin notierte am 2. Oktober 2014 (IV-act. 125), die Liste der
Diagnosen, die als Geburtsgebrechen Nr. 381 anerkannt werden könnten, sei
abschliessend. Die bei der Beschwerdeführerin gestellte Diagnose fehle in dieser Liste.
Deshalb sei die Abweisung des Gesuchs, das Geburtsgebrechen Nr. 381
anzuerkennen, korrekt gewesen.
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. Oktober 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie berief sich ebenfalls darauf, dass die Liste der Diagnosen in
der Ziffer. 381 der Liste im Anhang zur GgV abschliessend sei und dass die bei der
Beschwerdeführerin gestellte Diagnose dort nicht aufgeführt sei. Im Übrigen verwies
sie auf die Ausführungen von Prof. Dr. H._ vom 11. Juli 2014.

Erwägungen
1.
Gemäss Art. 13 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr einen
Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen notwendigen medizinischen
Massnahmen. Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter
Geburt bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG). Der Bundesrat hat die Gebrechen bezeichnet,
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für die medizinische Massnahmen gewährt werden. Die entsprechende Liste bildet
Gegenstand einer besonderen Verordnung (Art. 13 Abs. 2 IVG, Art. 3 IVV), nämlich der
Verordnung über die Geburtsgebrechen (GgV). Gemäss Art. 1 Abs. 2 Satz 1 GgV sind
die anspruchsbegründenden Gebrechen im Anhang zu dieser Verfügung aufgelistet.
Die Ziffer 381 dieser Liste lautet: Missbildungen des Zentralnervensystems und seiner
Häute (Encephalocele, Arachnoidalzyste, Myelomeningocele, Hydromyelie,
Meningocele, Diastematomyelie und Tethered Cord). Die bei der Beschwerdeführerin
im MRI vom 27. Mai 2013 festgestellte Kolpozephalie mit einem leicht hypoplastischen
Marklager supratentoriell erfüllt die allgemeine Definition, sie wird aber in der Liste der
Diagnosen in der Ziffer 381 nicht aufgeführt. Die Beschwerdegegnerin hat einen
Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin gestützt auf die Ziffer 381 mit der
Begründung verneint, die in dieser Ziffer enthaltene Liste von Diagnosen sei
abschliessend. Sie hat also die Auffassung vertreten, dass der Verordnungsgeber alle
in der Ziffer 381 nicht aufgelisteten Arten von Missbildungen des Zentralnervensystems
und seiner Häute habe ausschliessen wollen. Die Liste der Geburtsgebrechen im
Anhang zur GgV ist eine abschliessende Aufzählung. Daraus kann aber nicht der
Schluss gezogen werden, dass alle Ziffern in dieser Liste, die selbst wieder mehrere
Krankheiten/Diagnosen aufzählen, so interpretiert werden müssten, dass diese
Aufzählungen ebenfalls abschliessend seien. Ob eine solche Aufzählung abschliessend
ist oder nicht, muss durch eine Interpretation der jeweiligen Ziffer der Liste im Anhang
zur GgV ermittelt werden. Dabei erweist sich neben dem Wortlaut die systematische
Auslegungsmethode, genauer die jeweils verwendete Gesetzgebungsmethode, als
ausschlaggebend. Dazu sind verschiedene, in Bezug auf die verwendete
Gesetzgebungsmethode typische Ziffern der Liste im Anhang zur GgV zu vergleichen.
Analysiert man beispielsweise die Ziffer 396, so stellt man fest, dass vier Krankheiten/
Diagnosen (Sympathogoniom, Sympathicoblastom, Ganglioneuroblastom,
Ganglioneurom) aufgelistet und mit „und“ verbunden sind. Diese Diagnosen weisen
zwar medizinisch betrachtet Gemeinsamkeiten auf. Gesetzgebungstechnisch könnten
sie aber auch je eine selbständige Ziffer in der Liste im Anhang zur GgV bilden. Sie sind
nur zur Vereinfachung in einer Ziffer zusammengefasst worden. Daraus und aus der
Verwendung von „und“ folgt für die Interpretation, dass es sich um eine
abschliessende Aufzählung handeln muss, denn andernfalls wäre die Liste der
Geburtsgebrechen im Anhang zur GgV nicht mehr abschliessend. Anders zu
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interpretieren ist beispielsweise die Ziffer 348 der Liste im Anhang zur GgV. Auch diese
Ziffer enthält eine Aufzählung von Krankheiten/Diagnosen, aber sowohl der Aufbau der
Regelung als auch die Verwendung des einleitenden „wie“ und die Aufzählung in
Klammern lassen nur die Interpretation zu, dass es sich um eine nicht abschliessende
Aufzählung handelt. Die Krankheiten/Diagnosen Diverticulum vesicae und Megacystis
congenita erschöpfen also, anders als die vier in der Ziffer 396 aufgelisteten
Krankheiten/ Diagnosen, das Geburtsgebrechen der angeborenen Missbildungen der
Blase nicht. Das in der Ziffer 348 geregelte Geburtsgebrechen ist also so weit gefasst,
dass es neben dem Diverticulum vesicae und der Megacystis congenita auch noch
andere Krankheiten/Diagnosen beinhaltet. Hier besteht die Gesetzgebungstechnik also
darin, das Geburtsgebrechen durch einen medizinischen Oberbegriff zu umschreiben
und es den Rechtsanwendern zu überlassen, die darunter zu subsumierenden
Krankheiten/Diagnosen definitiv zu bestimmen. Entweder dienen die beiden
aufgezählten Krankheiten/Diagnosen dazu, den medizinischen Oberbegriff näher zu
bestimmen, oder sie sind so weit am Rand dieses Oberbegriffs angesiedelt, dass der
Verordnungsgeber sie explizit aufgeführt hat, um sicherzustellen, dass sie als
anspruchsbegründende Ausprägungen des Geburtsgebrechens anerkannt werden. Die
in der Ziffer 348 verwendete Gesetzgebungstechnik zusammen mit dem Wortlaut
(„wie“ und Aufzählung in Klammern) belegt also, dass es sich um eine nicht
abschliessende Aufzählung von Krankheiten/Diagnosen handeln muss. Bei der
Interpretation der im vorliegenden Fall relevanten Ziffer 381 der Liste im Anhang zur
GgV besteht das Problem, dass zwar ebenfalls ein medizinischer Oberbegriff
(Missbildungen des Zentralnervensystems und seiner Häute) mit einer in Klammern
gesetzten Aufzählungen von Krankheiten/Diagnosen (Encephalocele, Arachnoidalzyste,
Myelomeningocele, Hydromyelie, Meningocele, Diastematomyelie und Tethered Cord)
verbunden ist, dass diese Aufzählung aber nicht mit einem – klärenden – „wie“
eingeleitet wird. Die Beschwerdegegnerin hat das Fehlen des „wie“ so interpretiert,
dass es sich um eine abschliessende Aufzählung handeln müsse. Sie hat aber nicht zu
erklären vermocht, warum der Verordnungsgeber dazu nicht – in Analogie etwa zu der
in der Ziffer 396 verwendeten Methode – die Technik der direkten Aufzählung aller
sieben Krankheiten/Diagnosen gewählt hat, denn jede dieser Krankheiten/Diagnosen
könnte ja als selbständiges Geburtsgebrechen geregelt werden. Wenn tatsächlich eine
abschliessende Aufzählung beabsichtigt gewesen wäre, so wäre es überflüssig
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gewesen, diesen sieben Krankheiten/Diagnosen einen medizinischen Oberbegriff
voranzustellen und sie dann noch in Klammern zu setzen. Die Rechtsanwender hätten
diesen medizinischen Oberbegriff nämlich gar nicht benötigt, weil die bei
Missbildungen des Zentralnervensystems und seiner Häute anspruchsbegründenden
sieben Krankheiten/Diagnosen auch ohne diesen Oberbegriff klar bestimmt gewesen
wären. Dem Verordnungsgeber kann nicht unterstellt werden, dass er für die Ziffer 381
der Liste im Anhang zur GgV eine untaugliche Gesetzgebungstechnik gewählt habe.
Deshalb kann die Ziffer 381 trotz des Fehlens eines einleitenden „wie“ nur eine nicht
abschliessende Aufzählung enthalten. Somit muss es den Rechtsanwendern möglich
sein, auch bei anderen, nicht explizit aufgelisteten Formen einer Missbildung des
Zentralnervensystems und seiner Häute einen Anspruch auf eine Heilbehandlung zu
bejahen. Entgegen der entsprechenden Behauptung der Beschwerdegegnerin steht
diesem Interpretationsergebnis keine anderslautende Praxis des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen entgegen. Dieses hat in seinem Entscheid vom 14. Dezember
2011 (IV 2009/468, E. 3.4) die Aufzählung in der Ziffer 381 nämlich nicht als
abschliessend bezeichnet. Zu dieser Frage hat es sich gar nicht äussern müssen, weil
es sich darauf hat beschränken können, eine Verfügung aus dem Jahr 2009, mit der
Leistungen bei einer nicht aufgelisteten Missbildung des Zentralnervensystems und
seiner Häute zugesprochen worden waren, als jedenfalls nicht i.S. von Art. 53 Abs. 2
ATSG zweifellos unrichtig zu qualifizieren. Es hat dies damit begründet, dass die
einschlägige Randziffer des Kreisschreibens über die medizinischen Massnahmen
(KSME) in der 2009 geltenden Version die Aufzählung der sieben Krankheiten/
Diagnosen noch mit einem „wie“ eingeleitet habe. Zusammenfassend ist festzuhalten,
dass die Ziffer 381 der Liste im Anhang zur GgV eine nicht abschliessende Liste von
Missbildungen des Zentralnervensystems und seiner Häute enthält. Demnach kann die
angeborene Krankheit, an der die Beschwerdeführerin leidet, grundsätzlich unter die
Ziffer 381 der Liste im Anhang zur GgV subsumiert werden.
2.
2.1 Da die Kolpocephalie mit leicht hypoplastischem Marklager supratentoriell
grundsätzlich ein Geburtsgebrechen gemäss der Ziffer 381 der Liste im Anhang zur
GgV ist, bleibt zu prüfen, ob diese Krankheit der Beschwerdeführerin kausal ist für die
(unbestrittene) Behandlungsbedürftigkeit. Dr. E._ vom Ostschweizer Kinderspital hat
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diesen Kausalzusammenhang in seinen Berichten (vgl. IV-act., 42, 59, 70, 94) immer
bejaht. Er hat aber nie eine überzeugende medizinische Begründung geliefert. Prof. Dr.
H._ hat auf diesen Umstand hingewiesen (vgl. IV-act. 73). Im Verlauf der Behandlung
ist der Verdacht aufgetaucht, dass der Entwicklungsrückstand bzw. die
Behandlungsbedürftigkeit auf ein Taybi Rubinstein-Syndrom zurückzuführen sein
könnte (vgl. IV-act. 99, 112). Bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung hat die
Ursache der Behandlungsbedürftigkeit aber nicht geklärt werden können. Das
bedeutet, dass die Frage, ob die Kolpocephalie diese Ursache sei, weder positiv noch
negativ hat beantwortet werden können. Die angefochtene Abweisungsverfügung
beruht somit auf einem in Verletzung der Untersuchungspflicht unzureichend geklärten
Sachverhalt, weshalb sie sich als rechtswidrig erweist.
2.2 Dass die Beschwerdegegnerin ohne ausreichende Kenntnis des massgebenden
medizinischen Sachverhalts verfügt hat, dürfte auf die Bemerkung von Prof. Dr. H._
zurückzuführen sein, dass man ja auf das Geburtsgebrechen Nr. 381 zurückkommen
könne, falls sich im weiteren Verlauf als Folge einer Entwicklungsstörung des Gehirns
zusätzliche Befunde ergeben sollten (vgl. IV-act. 99). Daraus hat die
Beschwerdegegnerin wohl abgeleitet, dass die Beschwerdeführerin neu angemeldet
werden könne, wenn die gesundheitliche Entwicklung und/oder die weiterlaufenden
medizinischen Abklärungen ergeben sollten, dass doch die Kolpocephalie die Ursache
der Behandlungsbedürftigkeit sei. Eine solche Neuanmeldung wäre aber, anders als
etwa eine Neuanmeldung zum Bezug einer Invalidenrente nach einer
vorausgegangenen Abweisung eines Rentengesuches, keine Anmeldung gemäss Art.
29 Abs. 1 ATSG, sondern ein Gesuch um die Korrektur der früheren Abweisung
gestützt auf Art. 53 Abs. 1 (sog. prozessuale Revision) oder Art. 53 Abs. 2
(Wiedererwägung) ATSG. Die Sachverhaltsentwicklung beträfe nämlich nicht das
versicherte Gut, bei der Invalidenrente also die Erwerbsfähigkeit und bei den
medizinischen Massnahmen nach Art. 13 IVG die Behandlungsbedürftigkeit eines
Geburtsgebrechens, sondern nur die Beweislage. Diese Entwicklung würde nicht die
Art und die Schwere der Kolpocephalie bzw. der Symptome verändern. Die
Veränderung hätte nur zur Folge, dass es nun erstmals möglich würde, die
Kolpocephalie als Ursache der Behandlungsbedürftigkeit nachzuweisen. Damit erwiese
sich die frühere (hier die strittige) Abweisung des Begehrens um die Übernahme der
Kosten der Behandlung der Folgen der Kolpocephalie als rechtswidrig. Erst die
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Korrektur dieser Abweisung liesse eine Leistungszusprache zu. Eine solche Korrektur
würde aber daran scheitern, dass die Beschwerdegegnerin bewusst die Möglichkeit in
Kauf genommen hätte, auf der Grundlage eines nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellten Sachverhalts und damit rechtswidrig zu
entscheiden. Eine Revision gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG würde daran scheitern, dass
der nachträglich schliesslich doch noch mit dem erforderlichen Beweisgrad ermittelte
effektive Sachverhalt nicht qualifiziert neu wäre, und eine Wiedererwägung gemäss Art.
53 Abs. 2 ATSG wäre ausgeschlossen, weil die Abweisung nicht zweifellos unrichtig
gewesen wäre, da sie doch im Wissen um einen noch nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit feststehenden Sachverhalt ergangen wäre. Das bedeutet, dass sich
die hier strittige Abweisung des Leistungsbegehrens nicht damit hat rechtfertigen
lassen, die Beschwerdeführerin könne neu angemeldet werden, worauf es zu einer
umfassenden Neuprüfung kommen müsse. Die korrekte Vorgehensweise der
Beschwerdegegnerin hätte darin bestanden, das Verwaltungsverfahren so lange
weiterzuführen, bis die Frage, ob die Kolpocephalie die Ursache der
Behandlungsbedürftigkeit sei, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit hätte beantwortet werden können.
3.
Somit ist die angefochtene Abweisungsverfügung aufzuheben und die Sache ist zur
weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Bei diesem Ausgang
des Beschwerdeverfahrens ist im Hinblick auf die Verfahrenskosten praxisgemäss von
einem vollumfänglichen Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen. Die
Beschwerdegegnerin hat somit für die Gerichtskosten aufzukommen. Diese sind
rechtsprechungsgemäss auf Fr. 600.-- festzusetzen. Der Beschwerdeführerin wird der
von ihr geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückerstattet.