Decision ID: a5734ab3-60e2-5cb0-aa63-cb1751b6459e
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Barbara Wyler, Zürcherstrasse 191, Postfach
1011, 8501 Frauenfeld,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A
A.b A._, erlitt am 27. Mai 2007 als Fahrzeuglenker eine Frontalkollision. Der
behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für Innere Medizin FMH, berichtete im
Arztzeugnis vom 17. Juli 2007 über folgende Befunde: HWS-Distorsion, Kontusion des
Thorax, Abriss palmare Platte Dig.IV linke Hand, Schock und Albträume. Seit dem
27. Mai 2007 bis auf weiteres bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 6.2). Im
Auftrag der Suva wurde der Versicherte am 4. Dezember 2007 von Dr. med. C._,
Facharzt für Neurologie FMH, untersucht. Im Bericht vom 7. Dezember 2007
diagnostizierte dieser einen Status nach Autounfall am 27. Mai 2007 mit: HWS-
Distorsionstrauma sowie Thoraxprellverletzung und Abriss der palmaren Platte Dig.IV
linke Hand; aktuell chronifiziertem musculo ligamentärem Schmerzsyndrom im
Schulternackenbereich ohne fokal neurologische Defizite; einem Verdacht auf
depressive Entwicklung mit im Verlauf multiplen somatischen Beschwerden. Zumindest
für leichte körperliche Tätigkeiten bestehe mindestens eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
(act. G 6.2). Der Versicherte befand sich vom 5. bis 26. März 2008 zur Rehabilitation in
der Klinik Valens. Die dort behandelnden Ärzte diagnostizierten ein chronisches
zervikozephales Syndrom sowie eine posttraumatische Belastungsstörung mit/bei
depressiver Symptomatik. Sie hielten den Versicherten für eine wechselbelastende
mittelschwere Arbeit ganztags arbeitsfähig (Austrittsbericht vom 26. März 2008, act.
G 6.1.27-6 ff.; vgl. auch Bericht der Klinik Valens an die IV-Stelle vom 7. Mai 2008, act.
G 6.1.27).
A.c Am 1. April 2008 meldete sich der Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen an
(act. G 6.1.7). Im Auftrag der Krankentaggeldversicherung wurde der Versicherte am
23. April 2008 von Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
begutachtet. Dieser kam zum Schluss, dass psychiatrisch keine Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne. Um dem Versicherten
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gleichwohl die Gelegenheit zu geben, sich entsprechend anzupassen und mit der
Stellensuche zu beginnen, könne die Arbeitsfähigkeit ab 1. Juni mit 50% und ab dem
1. Juli 2008 mit 100% angegeben werden (Gutachten vom 23. Mai 2008, act. G 6.2).
A.d Am 11. Juli 2008 kam der RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, gestützt auf den Bericht der Klinik Valens vom 26. März 2008
sowie auf das Gutachten von Dr. D._ vom 23. Mai 2008 zum Schluss, dass der
Versicherte für leidensangepasste Tätigkeiten über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
verfüge (act. G 6.1.29).
A.e Dr. B._ berichtete am 1. August 2008, dass der Gesundheitszustand des
Versicherten stationär sei. Er könne dessen Situation mit Blick auf die
Restarbeitsfähigkeit nicht korrekt einschätzen (act. G 6.1.30).
A.f Mit Vorbescheid vom 30. September 2008 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, einen Anspruch auf berufliche Massnahmen zu verneinen (act. G 6.1.33).
A.g Am 3. November 2008 teilte die IV-Stelle vorbescheidsweise mit, dass das
Rentenbegehren abgewiesen werde (act. G 6.1.37). Dagegen erhob der Versicherte am
1. Dezember 2008 Einwand und beantragte die Ausrichtung von Rentenleistungen (act.
G 6.1.41). Mit der Einwandeingabe reichte er u.a. einen Bericht des behandelnden
Dr. med. F._, Facharzt für Neurologie FMH, vom 31. Oktober 2008 (act.
G 6.1.41-11 ff.), sowie von Dr. med. G._, Facharzt für Otorhinolaryngologie, Hals-
und Gesichtschirurgie FMH, vom 28. Oktober 2008 ein. Dr. G._ diagnostizierte einen
Status nach cervico-cephalem Akzelerations-/Dezelerationstrauma; ein
posttraumatisches cervico-encephales Syndrom mit peripher-zentraler vestibulärer
Funktionsstörung linksbetont und hochgradiger Hyperreaktivität des vestibulo-oculären
Reflexes; eine visuo-oculomotorische Funktionsstörung mit visuo-vestibulärer
Integrationsstörung und cervico-proprio-nociceptiver Funktionsstörung bei Verdacht
auf multisegmentale Läsionen der cervicalen Bewegungssegmente (act.
G 6.1.41-15 ff.).
A.h Der RAD-Arzt Dr. med. H._, Facharzt für Prävention und Gesundheitswesen,
würdigte die einwandweise eingereichten medizinischen Berichte dahingehend, dass
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diese höchstens eine qualitative, aber keine quantitative Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit zu begründen vermöchten (RAD-Stellungnahme vom 27. Januar 2009,
act. G 6.1.46).
A.i Am 24. April 2009 reichte der Versicherte einen "abschliessenden neurologischen
Bericht" von Dr. F._ vom 22. April 2009 ein. Darin kam dieser zum Schluss, dass
sowohl der neurologische Befund, die gemachten Zusatzuntersuchungen als auch der
neurootologische Bericht von Dr. G._ die vom Versicherten geklagten Beschwerden
belegen. Diese seien unfallbedingt und schränkten die Arbeitsfähigkeit ein. Ein 30%iger
Arbeitsversuch "wäre zu diskutieren" (act. G 6.1.50-7 ff.). Dr. H._ hielt hierzu fest,
dass keine neuen Gesichtspunkte bestünden, die eine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit hätten (RAD-Stellungnahme vom 4. Mai 2009, act. G 6.1.51).
A.j Der Versicherte reichte am 26. Mai 2009 eine weitere Stellungnahme von
Dr. F._ vom 12. Mai 2009 (act. G 6.1.53-8 ff.) und am 17. Juni 2009 eine
Stellungnahme von Dr. G._ vom 11. Juni 2009 (act. G 6.1.54-6 ff.) ein. Diese würdigte
Dr. H._ in der RAD-Stellungnahme vom 21. Juli 2009. Er hielt daran fest, dass sich
daraus keine neuen medizinischen Fakten ergäben, die eine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit hätten (act. G 6.1.58).
A.k Am 14. September 2009 verfügte die IV-Stelle, dass das Rentenleistungsbegehren
abgewiesen werde. Sie ermittelte einen Invaliditätsgrad von 8% (act. G 6.1.61).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 14. September 2009 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 19. Oktober 2009. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung. Die Sache sei an die Vorinstanz
zurückzuweisen und es seien zusätzliche medizinische Abklärungen durchzuführen.
Sollte die Sache nicht an die Vorinstanz zurückgewiesen werden, sei ihm eine ganze
Rente ab 27. Mai 2008 auszurichten. Der Beschwerdeführer bestreitet, dass er für eine
leidensangepasste mittelschwere Tätigkeit über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit verfüge.
Ferner verweist er auf die Berichte und Stellungnahmen der Dres. F._ und G._ und
auf eine Schlafanalyse vom 8. Juli 2008 (act. G 1).
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 1. Dezember
2009 die Beschwerdeabweisung. Sie vertritt unter Hinweis auf die Einschätzung der
Dres. C._ und D._ sowie der Klinik Valens im Wesentlichen den Standpunkt, dass
für leidensangepasste Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Die vom
Beschwerdeführer eingereichten Beurteilungen der behandelnden Ärzte vermöchten
diese Sichtweise nicht in Frage zu stellen (act. G 6).
B.c Mit Präsidialentscheid vom 3. Dezember 2009 wird dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen (act. G 8).
B.d In der Replik vom 1. Februar 2010 hält der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
unverändert fest. Ergänzend reicht er einen Bericht von Dr. F._ vom 1. Oktober 2009
sowie einen "Situationsbericht" eines Brockenhauses vom 22. Januar 2010, wo der
Beschwerdeführer im Rahmen eines 30%igen Pensums als Montagemitarbeiter tätig
ist, ein (act. G 11).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 13).
B.f Im die unfallversicherungsrechtlichen Leistungsansprüche des
Beschwerdeführers betreffenden Entscheid vom 12. Juli 2010, UV 2009/64, verneinte
das Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen einen Rentenanspruch, da bei dem
als mittelschwer zu qualifizierenden Unfallereignis kein Adäquanzkriterium erfüllt sei.

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers umstritten.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
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materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 14.
September 2009 ergangen (act. G 6.1.61), wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der
vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar
2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine
Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend
den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007
auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen
Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil
des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben, soweit
nicht ausdrücklich auf die altrechtlichen Bestimmungen verwiesen wird.
1.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40%
auf eine Viertelsrente.
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1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsun-fähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
2.
Der Beschwerdeführer leidet gemäss diesbezüglich unbestrittener medizinischer
Aktenlage an den Folgen einer HWS-Verletzung ohne organisch nachweisbare
Funktionsausfälle (Austrittsbericht der Klinik Valens vom 26. März 2008, act.
G 6.1.27-6; Bericht Dr. C._ vom 7. Dezember 2007, act. G 6.2; Bericht Dr. F._ vom
31. Oktober 2008, act. G 6.1.41-24; Bericht Dr. G._ vom 28. Oktober 2008, act.
G 6.1.41-21; vgl. auch Urteil des Versicherungsgerichts vom 12. Juli 2010, UV 2009/64,
E. 3.2.1 ff.).
2.1 Somatoforme Schmerzstörungen und ähnliche aetiologisch-pathogenetisch
unerklärliche syndromale Leidenszustände vermögen in der Regel keine lang dauernde,
zu einer Invalidität im Sinn von Art. 4 Abs. 1 IVG führende Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit zu bewirken (BGE 136 V 281 E. 3.2). Die - nur in Ausnahmefällen
anzunehmende - Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung und eines
Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzt das Vorliegen einer mitwirkenden,
psychisch ausgewiesenen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität,
Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein anderer qualifizierter, mit
gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien wie chronische körperliche
Begleiterkrankungen und mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder
progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission, ein ausgewiesener sozialer
Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr
angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber
entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn) oder schliesslich
unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter
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Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und
gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und
Eigenanstrengung der versicherten Person voraus (BGE 130 V 354 f. E. 2.2.3). Je mehr
dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde
darstellen, desto eher sind die Voraussetzungen für eine zumutbare
Willensanstrengung zu verneinen (BGE 131 V 50 f. E. 1.2). Diese Grundsätze gelten
sinngemäss auch für die Beurteilung der invalidisierenden Wirkung einer spezifischen
Verletzung der Halswirbelsäule (HWS) ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle
(BGE 136 V 283 E. 3.2.3; vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juli 2011,
9C_412/2011, E. 4.1).
2.2 In diesem Zusammenhang stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt,
dass eine Komorbidität vorliege. Ferner unternehme er wirklich alles, um die
Schmerzen zu überwinden, was ihm aber nur zu 30% und nur im geschützten Rahmen
gelinge (act. G 11, S. 6).
2.3 Entgegen der nicht näher begründeten Auffassung des Beschwerdeführers
besteht weder eine psychische noch eine erhebliche körperliche Komorbidität. Sofern
die medizinischen Fachpersonen von einer depressiven Problematik sprachen, setzten
sie diese in Kontext zur HWS-Verletzung (Bericht Dr. B._ vom 1. August 2008, act.
G 6.1.30; Bericht Dr. C._ vom 7. Dezember 2007, act. G 6.2; Bericht der Klinik Valens
vom 7. Mai 2008, act. G 6.1.27; vgl. auch Gutachten Dr. D._, der die dysthym-
dysphorisch gefärbte Verbitterung in Zusammenhang mit dem Verkehrsunfall stellt, act.
G 6.2, S. 19 ff.). Es besteht damit keine eigenständige psychische Komorbidität. Des
Weiteren ist auch keine relevante körperliche Komorbidität ausgewiesen. So stellte
Dr. F._ einzig die Diagnose Status nach selbstverschuldeter Frontalkollision mit
Traumafolgen (Zwischenbericht vom 31. Oktober 2008, act. G 6.1.41-11). Dem
entsprechen auch die übrigen ärztlichen Einschätzungen (vgl. etwa Bericht Dr. B._
vom 1. August 2008, act. G 6.1.30; Bericht Dr. G._ vom 28. Oktober 2008 act.
G 6.1.41-21). Die geltend gemachten Leiden wie etwa Schwindel, Kopf- und HWS-
Schmerzen sind damit Ausfluss des syndromalen Beschwerdebilds (vgl. kreisärztlicher
Bericht vom 26. Oktober 2007, act. G 6.2; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom
14. Juli 2011, 9C_412/2011, E. 2 und E. 4.2, sowie vom 14. Juni 2011, 8C_80/2011,
E. 6.3.3.1 und E. 6.3.4, worin Kopf- und Nackenschmerzen bzw. Schulter- und
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Nackenschmerzen bei vergleichbarem Hauptleiden nicht als erhebliche körperliche
Komorbidität anerkannt wurden).
2.4 Unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter
Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und
gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und
Eigenanstrengung sind vorliegend nicht gegeben. Zu den beschränkten
Behandlungsbemühungen und der nicht ausgeprägten Eigenanstrengung des
Beschwerdeführers kann auf die Feststellungen des Versicherungsgerichts im
Entscheid vom 12. Juli 2010, UV 2009/64, E. 5.3.2 und 5.3.5 verwiesen werden (zur
fraglichen Medikamenteneinnahme vgl. die Ausführungen von Dr. D._ im Gutachten
vom 23. Mai 2008, act. G 6.2, S. 11). Ferner sind die therapeutischen Massnahmen
nicht ausgeschöpft (vgl. hierzu Bericht Dr. G._ vom 28. Oktober 2008, act.
G 6.1.41-23, und vom 12. Juni 2009, act. G 6.1.54-15).
2.5 Ein primärer Krankheitsgewinn sowie ein sozialer Rückzug in allen Belangen des
Lebens ergeben sich nicht aus den Akten und werden vom Beschwerdeführer auch
nicht geltend gemacht.
2.6 Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung der Kriterien ergibt sich im Sinn der
genannten bundesgerichtlichen Rechtsprechung keine rentenrelevante
Arbeitsunfähigkeit bzw. eine grundsätzlich zumutbare Überwindbarkeit der geklagten
Leiden. Vor diesem Hintergrund vermag die Bescheinigung einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten durch die Klinik Valens (Bericht vom
7. Mai 2008, act. G 6.1.27-4) sowie durch Dr. D._ (Gutachten vom 23. Mai 2008, act.
G 6.2) zu überzeugen, zumal deren Einschätzungen auf umfassenden eigenen
Untersuchungen beruhen und schlüssig sind. Ein rentenbegründender Invaliditätsgrad
ist daher mit der Beschwerdegegnerin zu verneinen. Die anderslautenden Berichte der
Dres. F._ und G._ vermögen diese Sichtweise nicht in Zweifel zu ziehen. Sie setzen
sich mit den genannten medizinischen Einschätzungen nicht auseinander. Damit geht
einher, dass auch der Beschwerdeführer keine konkreten Mängel an den
Einschätzungen der Klinik Valens und von Dr. D._ benennt. Was die Berichte von
Dr. G._ anbelangt, so enthalten diese keine konkreten Aussagen zur Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers, sondern äussern sich grösstenteils lediglich zur hier nicht
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interessierenden Frage der Unfallkausalität (act. G 6.1.41-15 ff. und G 6.1.54-6 ff.). Die
Auffassung von Dr. F._, dass der Beschwerdeführer nur noch im geschützten
Rahmen und nur in einem 30%igen Pensum leistungsfähig sei (act. G 6.1.41-14), ist mit
Blick auf die von ihm erhobenen Befunde (act. G 6.1.41-12, act. G 6.1.50-8 f.) nicht
plausibel. Es erscheint vielmehr, dass sich Dr. F._ bei der Bemessung der
Restarbeitsfähigkeit hauptsächlich auf die Schmerzschilderungen des
Beschwerdeführers stützte. Im Übrigen wich er von der ursprünglich vorgenommenen
Leistungseinschätzung später selbst ab und bescheinigte immerhin eine 40%ige
"Erwerbsfähigkeit" (Stellungnahme vom 12. Mai 2009, act. G 6.1.53-10). Ergänzend
kann auf die nachvollziehbaren Aussagen des RAD verwiesen werden (act. G 6.1.29,
G 6.1.46 und G 6.1.58). Ein weiterer Abklärungsbedarf ist zu verneinen.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
3.2 Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Prozessführung am
3. Dezember 2009 bewilligt (act. G 8). Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse dem
Beschwerdeführer es gestatten, kann er jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten,
der Auslagen für die Vertretung und der vom Staat entschädigten Parteikosten
verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 aZPO/SG [in der bis 31. Dezember 2010 gültigen
Fassung] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG i.V.m. Art. 404 Abs. 1 ZPO/CH).
3.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Zu-folge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu
befreien.
3.4 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
bis
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Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis
Fr. 12'000.--. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte am 1. Februar 2010
eine Honorarnote im Umfang von Fr. 4'994.45 (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) ein (act. G 11.3). Allerdings enthält die Honorarnote Aufwendungen,
die nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem vorliegenden
Beschwerdeverfahren stehen (Schreiben an und verschiedene Telefonate mit
Sozialdienst). Ferner ist zu berücksichtigen, dass das vorliegende Verfahren für eine mit
dem Sozialversicherungsrecht vertraute Rechtsanwältin keine besonderen rechtlichen
Schwierigkeiten bot, die Rechtsvertreterin bereits umfassende Aktenkenntnis im
Rahmen des von ihr geführten Einsprache- und Beschwerdeverfahrens betreffend
unfallversicherungsrechtliche Leistungen erworben hatte und aus der
Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2009 keine neuen, eine vertiefte
Auseinandersetzung verlangenden Gesichtspunkte hervorgehen. Damit ist
insbesondere der für die Erarbeitung der Replik geltend gemachte Aufwand zu kürzen.
Insgesamt rechtfertigt es sich, den vertretbaren Aufwand auf Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen, was der für
durchschnittliche IV-Fälle praxisgemäss gewährten Parteientschädigung entspricht
(vgl. etwa Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 3. März 2011,
IV 2009/102, E. 3.3). Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit entschädigt der Staat die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2'800.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP