Decision ID: 09c1879e-0000-58f4-b59d-740d8b60b422
Year: 2007
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch im Wesentlichen mit dem vom Beschwerdeführer vorgebrachten Sachverhalt und strich hervor, aufgrund der  der Taliban gegenüber den Frauen allgemein habe sie keine Rechte gehabt und auch die Zukunft ihrer Töchter sei damit ungewiss gewesen.
B. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer einen Dienstausweis zu den Akten.
C. Das BFM stellte mit Verfügung vom 15. April 2003 fest, die Beschwerdeführer  die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte ihre Asylgesuche ab.  verfügte es die Wegweisung der Beschwerdeführer aus der Schweiz und  den Wegweisungsvollzug an.
D. Mit Beschwerde vom 15. Mai 2003 an die Schweizerische Asylrekurskommission
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(ARK) beantragten die Beschwerdeführer durch ihre Rechtsvertretung die  der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter seien in Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit der Wegweisung die Ziffern 4 und 5 der Verfügung  und die Vorinstanz anzuweisen, die Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht wurde die unentgeltliche Rechtspflege, insbesondere der Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, und die Beiordnung der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführer als amtliche Rechtsvertreterin beantragt.
E. Mit Zwischenverfügung der ARK vom 22. Mai 2003 wurden die Gesuche um  der unentgeltlichen Rechtspflege und unentgeltlichen Verbeiständung gutgeheissen und den Beschwerdeführern ihre Rechtsvertreterin als amtliche  beigeordnet.
F. Im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens zog die Vorinstanz mit Verfügung vom 20. August 2003 ihren Entscheid vom 15. April 2003 teilweise in  und nahm die Beschwerdeführer aufgrund der Unzumtbarkeit des  vorläufig in der Schweiz auf.
G. Die Beschwerdeführer wurden mit Schreiben der ARK vom 10. September 2003 angefragt, ob sie bei dieser Sachlage an der Beschwerde festhalten oder ob sie diese zurückziehen wollen, wobei die Beschwerdeführer auf die Einschätzung der geringen Erfolgsaussichten der Beschwerde im Asylpunkt hingewiesen wurden. Mit Schreiben vom 11. September 2003 hielten die Beschwerdeführer an der  im Asylpunkt fest und bekräftigten diesen Standpunkt mit Schreiben vom 11. Juli 2005.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen  nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das  (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten . Dazu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31); das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in  Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des  vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernimmt, sofern es zuständig ist, am 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der ehemaligen ARK hängigen Rechtsmittel. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).
1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder  Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die  gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2. Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht; die Beschwerdeführer sind
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legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 und 50 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer  sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen  psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder  glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr  mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder  auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz führte in ihrem Entscheid im Wesentlichen aus, die  hätten ausschliesslich Gründe geltend gemacht, welche in direktem  mit der Herrschaft der Taliban in Afghanistan stünden. Die Furcht vor  asylrechtlich relevanten Verfolgung durch die Taliban sei zum heutigen  nicht mehr begründet, zumal die Taliban ihre Macht durch die militärische  der USA und ihrer Verbündeten verloren hätten. Für die Bestimmung der Flüchtlingseigenschaft sei der Zeitpunkt des Asylentscheides massgebend.
4.2 In der Beschwerde wurde bezüglich der Frage der Asylrelevanz im Wesentlichen vorgebracht, als _ sei der Beschwerdeführer _ öffentlich bekannt gewesen. In dieser Funktion unter der kommunistischen Regierung sei er  auch Mitglied der kommunistischen Partei gewesen. Solche Personen seien nach ihrer Rückkehr besonders in Gefahr, Opfer von Gewalttaten zu werden und eine Schutzbereitschaft der amtierenden Regierung sei wohl . Der Beschwerdeführer müsse somit auch aktuell konkret damit rechnen,  seiner früheren Tätigkeit nach seiner Rückkehr politisch verfolgt und  zu werden und keinen staatlichen Schutz zu erhalten. Der  erfülle somit im Sinne objektiver Nachfluchtgründe die Flüchtlingseigenschaft. Eine innerstaatliche Fluchtalternative bestehe nicht.
5.
5.1 Für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides massgebend. Dabei ist einerseits die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise aktuell vorhandenen Furcht zu stellen und anderseits zu prüfen, ob die Furcht vor einer absehbaren Verfolgung (noch) begründet ist. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zugunsten und zulasten des Beschwerdeführers zu berücksichtigen (vgl. die wei-
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terhin geltende Praxis der ehemaligen ARK in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission / EMARK 2000 Nr. 2 E. 8b und 1994 Nr. 24 E. 8a). Massgebend für den Asylentscheid ist demnach die Situation im  Zeitpunkt. Dazu ist festzustellen, dass eine aufgrund der früheren  des Beschwerdeführers allenfalls durch die Taliban befürchtete  im heutigen Zeitpunkt nicht mehr als begründet erscheint (vgl. EMARK 2006 Nr. 9, 2003 Nr. 30 und 2003 Nr. 10). Im Zusammenhang mit der allgemeinen Lage in Afghanistan ist auf das in EMARK 2003 Nr. 10 publizierte Urteil zu verweisen, in welchem festgehalten wird, dass die Taliban ihre quasi-staatliche Herrschaft nach der internationalen militärischen Intervention vom Oktober 2001 verloren haben und erlittener oder befürchteter Verfolgung durch die Taliban daher grundsätzlich keine asylrechtliche Relevanz mehr zukommt. Somit erscheint die vom  geltend gemachte Furcht vor Verfolgung durch die Taliban aufgrund der veränderten Lage nicht mehr gegeben, sodass die Flüchtlinseigenschaft im  Zeitpunkt diesbezüglich in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zu verneinen ist.
5.2 Zu prüfen ist zudem, ob dem Beschwerdeführer aufgrund seiner früheren Tätigkeit in Afghanistan trotzdem noch asylrechtlich relevante Verfolgung durch andere  drohen könnte. Für ehemalige Kommunisten kann bei einer Rückkehr in ihre Heimatregion eine Gefahr bestehen, wenn sie aufgrund ihrer Stellung im  Regime besonders exponiert waren (insbesondere ehemals  Funktionäre wie Minister, Direktoren und Generäle) und für Folterungen  schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht . Racheakte gegen solche Personen können sich auch auf Familienmitglieder erstrecken. Immerhin ist auch festzuhalten, dass es einzelne dieser hochrangigen Kommunisten geschafft haben, einen Posten in der gegenwärtigen Regierung zu erhalten, weil sie in der Vergangenheit Verbindungen zu Mujaheddin aufgebaut  oder durch die Zugehörigkeit zu einem einflussreichen Clan von diesen  werden (vgl. EMARK 2004 Nr. 24).
Neben den oben genannten hochrangigen Mitgliedern des ehemaligen  Regimes können auch weniger hochgestellte Funktionäre einer gewissen Gefahr ausgesetzt sein. Dies insbesondere dann, wenn sie nicht zu einer ehemals einflussreichen Clique gehört haben und daher keinerlei Schutz geniessen.
Der Beschwerdeführer macht glaubhaft geltend, als _ tätig gewesen zu sein. Bis ins Jahr 1996 war er als _ in Kabul und Umgebung tätig. Somit konnte der Beschwerdeführer seine Stelle als _ nach dem Sturz des  Regimes durch die Mujaheddin im Jahr 1991 beibehalten. Dies wäre undenkbar gewesen, wenn seitens der neuen Machthaber ernstliche Bedenken  seine Person bestanden hätten. Es ist auch nicht davon auszugehen - und seinen Ausführungen sind auch keine entsprechenden Hinweise zu entnehmen -, dass er an _ Vorkehren beteiligt war, die allenfalls mit  verbunden waren, oder dass er eine Position bekleidet hätte, aufgrund derer er mit ausreichender Wahrscheinlichkeit verdächtigt würde, Folterungen  schwere Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben. Somit dürfte er von Opfern des ehemaligen kommunistischen Regimes auch nicht mit diesem identifiziert werden. Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer heute in Afghanistan eine asylrechtlich relevante
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Gefährdung drohen könnte. Den Akten kann zudem nicht entnommen werden, dass er sich durch politische Aktivitäten zuungunsten seiner heutigen Situation persönlich exponiert hätte; demzufolge weist er kein Persönlichkeitsprofil auf, welches auf eine mögliche Gefährdung durch staatliche Behörden in Afghanistan hindeuten würde (vgl. dazu auch EMARK 2003 Nr. 10 E. 8c S. 64).
Die Beschwerdeführer gehören der in Kabul vorherrschenden ethnischen Gruppe der Tadschiken an. Die Sicherheitskräfte und zuständigen Behörden insbesondere in Kabul sind bestrebt, die Sicherheit ihrer Bevölkerung zu gewährleisten.  erscheint die geltend gemachte Furcht des Beschwerdeführers vor privaten Racheakten des damals _ nicht als objektiv begründet.
Nach dem Gesagten ist die Furcht des Beschwerdeführers vor zukünftiger  in Afghanistan nicht als begründet zu qualifizieren.
5.3 Aufgrund dieser Ausführungen erübrigt es sich, auf die weiteren Vorbringen und Beweismittel der Beschwerdeführer einzugehen. Zusammenfassend folgt, dass die Beschwerdeführer keine Gründe nach Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft  konnten. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch der Beschwerdeführer deshalb zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an;  ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Ist der Vollzug der Wegweisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht , so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer [ANAG, SR 142.20]).
6.2 Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine fremdenpolizeiliche  noch haben sie Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21).
6.3 Die Vorinstanz ordnete mit Verfügung vom 20. August 2003 die vorläufige  der Beschwerdeführer an. Somit erübrigen sich weitere Ausführungen  der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Die angeordnete vorläufige Aufnahme erwächst mit vorliegendem Urteil in Rechtskraft.
7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung  nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig festgstellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Das Bundesamt hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführer verneint, das Asylgesuch  und die Wegweisung verfügt. Bezüglich dieser Punkte ist die vorinstanzliche Verfügung zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen. Soweit die Frage des Wegweisungsvollzugs betreffend ist die Beschwerde als gegenstandslos geworden abzuschreiben (Art. 58 VwVG).
8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die reduzierten Kosten den Beschwer-
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deführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Jedoch besteht aufgrund der Akten keine Veranlassung, auf die Gutheissung des Gesuches um unentgeltliche  zurückzukommen, sodass keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
9. Gestützt auf Art. 64 Abs. 1 und Art. 65 Abs. 2 VwVG ist den Beschwerdeführern eine Parteientschädigung und der amtlich bestellten Anwältin ein Honorar zu , die die Vertretungskosten abzugelten haben. Die Vertretungskosten sind unter Berücksichtigung der als angemessen zu bezeichnenden Kostennote der Rechtsvertretung vom 15. Mai 2003 sowie deren weiterer Korrespondenz auf  Fr. 800.-- (inklusive Auslagen) festzusetzen.
In Anwendung von Art. 15 i.V.m. Art. 5 des Reglements über die Kosten und  vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 11. Dezember 2006 (VGKE, SR 173.320.2) hat das BFM den Beschwerdeführern eine  zu entrichten, soweit das Beschwerdeverfahren, wie vom BFM bewirkt,  geworden ist. Das BFM ist demnach anzuweisen, den  eine Parteientschädigung im Betrage von Fr. 400.-- (die Hälfte der  Vertretungskosten und Auslagen) auszurichten.
Soweit die Beschwerdeführer im Verfahren unterlegen sind, ist der amtlich  Anwältin vom Bundesverwaltungsgericht ein Anwaltshonorar auszurichten, das auf die Hälfte der gesamten Vertretungskosten und Auslagen, somit auf Fr. 400.--, festzulegen ist.
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