Decision ID: 28314163-781c-5b59-b38f-541e12f15283
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war aufgrund ihrer unselbstständigen Erwerbstätigkeit für die B._ AG mit
Sitz in C._ (seit 4. Juni 2015 [Datum Tagebucheintrag] neu unter der D._ AG mit
neuem Sitz in E._; siehe SHAB Nr. XXX vom _ Juni 2015, Publ. XXXXXX) bei der
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Allianz) gegen die Folgen
von Unfällen und Berufskrankheiten versichert, als sie am 5. November 2014 beim
Überqueren eines Fussgängerstreifens von einem Auto angefahren wurde
(Unfallmeldung vom 10. November 2014, UV-act. A01; siehe zum Unfallhergang auch
das Protokoll der Polizei Basel-Landschaft vom 28. Januar 2015, UV-act. A38, sowie
den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft zulasten der
Fahrzeuglenkerin vom 21. Januar 2016, act. G 1.5). Die erstbehandelnden Ärzte der
Abteilung Traumatologie am Universitätsspital Basel, wo die Versicherte vom 5. bis
18. November 2015 hospitalisiert war, stellten im Austrittsbericht vom 17. November
2014 folgende Diagnosen: 1. ein leichtes Schädelhirntrauma; 2. eine
Acetabulumfraktur, eine untere Schambeinastfraktur und eine Massa lateralis Fraktur
rechts; 3. eine tiefe Rissquetschwunde am rechten Oberschenkel; 4. multiple
Rissquetschwunden im Gesichtsbereich; 5. eine Fraktur der ersten Rippe rechts dorsal;
6. diverse Zahnfrakturen; 7. eine Hypokaliämie (ED am 10. November 2014) und 8. eine
A.a.
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transfusionsbedürftige Anämie (UV-act. M10). Die Allianz erbrachte Heilbehandlungs-
und Taggeldleistungen.
Der Hospitalisation im Universitätsspital folgten weitere stationäre Behandlungen
(Klinik Physikalische Medizin & Rehabilitation am Spital F._, vom 18. November bis
29. Dezember 2014 [Austrittsbericht vom 15. Januar 2015, UV-act. M18]; Abteilung
Psychosomatische Medizin an der Klinik G._ vom 29. Dezember 2014 bis 21. Februar
2015 [Austrittsbericht vom 26. Februar 2015, UV-act. M21]). Die ambulant behandelnde
Dr. med. H._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, ersuchte im Schreiben
vom 1. April 2015 um eine Kostengutsprache für einen vier bis sechswöchigen
Aufenthalt in der Tagesklinik der Klinik I._. Die Versicherte leide an einer
posttraumatischen Belastungsstörung mit Übererregung, Vermeidung, Angst und
Depression (ICD-10: F43.1) nach Verkehrsunfall mit Polytrauma am 5. November 2014
(UV-act. M25). Am 27. Mai 2015 erfolgte eine psychiatrische Abklärung durch Dr. med.
J._, Oberarzt an der Klinik I._. Dieser diagnostizierte eine mittelgradige depressive
Episode (ICD-10: F32.1) sowie einen Verdacht auf eine nicht näher bezeichnete
organische psychische Störung aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des
Gehirns oder einer körperlichen Krankheit (ICD-10: F06.9). Eine tagesklinische
Behandlung erscheine grundsätzlich indiziert (Abklärungsbericht vom 28. Mai 2015,
UV-act. M33). Diese wurde am 8. Juli 2015 begonnen (ärztlicher Bericht von Dr. J._
vom 15. Juli 2015, UV-act. M36). Aufgrund zunehmender depressiver Symptomatik und
einer Verstauchung des rechten Fusses (act. M36, S. 3) erfolgte vom 24. Juli bis
25. August 2015 eine stationäre Behandlung in der Klinik I._ (Austrittsbericht vom
16. Oktober 2015, UV-act. M51). Dr. med. K._, Arzt an der Abteilung Orthopädie/
Traumatologie am Universitätsspital Basel, berichtete am 14. Oktober 2015, er sehe
keine chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten. Von Seiten der Becken- und
Rückenverletzung bestünden keine medizinischen Gründe, dass eine sitzende oder
stehende Arbeit nicht wieder aufgenommen werden könne. Die Versicherte sei aktuell
in psychiatrischer Behandlung. Sie habe aber nicht den Eindruck, dass sie davon
profitiere (UV-act. M54).
A.b.
In der Stellungnahme zuhanden der Allianz vom 22. Februar 2016 führte Dr. H._
aus, die Versicherte leide an einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode
(ICD-10: F32.1/F32.2), Zustand nach akuter Belastungsreaktion mit Angst und
A.c.
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Depression (ICD-10: F43.0); einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10:
F43.0); einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10: F45.41) und einem Status nach Verkehrsunfall am 5. November 2014. Zudem
bestehe der Verdacht auf eine nicht näher bezeichnete organische psychische Störung
aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperlichen
Krankheit (ICD-10: F06.9). Die depressive Symptomatik sei einer medikamentösen
Behandlung bisher nicht zugänglich gewesen. Die Versicherte sei weiterhin zu 100%
arbeitsunfähig (UV-act. M57).
Im Auftrag der Allianz erstattete das ZMB Zentrum für Medizinische Begutachtung,
Basel, am 19. Mai 2016 ein polydisziplinäres (internistisches, orthopädisches,
neurologisches, neuropsychologisches und psychiatrisches) Gutachten, dem
ambulante Untersuchungen vom 7. bis 10. März 2016 zugrunde lagen. Die Gutachter
diagnostizierten u.a.: einen Status nach Polytrauma am 5. November 2014; ein
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom; einen Status nach OSG-Distorsion rechts im
Juli 2015; eine mittelgradig bis schwer rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige bis schwergradige Episode (ICD-10: F32.1-2); eine Anpassungsstörung
mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (ICD-10: F43.23); eine
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), noch subsyndromal ausgeprägt;
einen Status nach langjährigen Eheproblemen (ICD-10: Z63.0) mit
überkompensatorischen Versuchen der Versicherten, die Ehe auszuhalten; eine
atypische familiäre Situation (ICD-10: Z60.1) und einen Status nach Schwierigkeiten in
der Beziehung zum Vater (ICD-10: Z61.8). Es sei davon auszugehen, dass die
Versicherte anlässlich des Unfalls vom 5. November 2014 keine klinisch relevante, über
eine milde traumatische Hirnschädigung hinausgehende Verletzung des Cerebrums
erlitten habe. Eine nicht näher bezeichnete organische psychische Störung aufgrund
einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns liege nicht vor. Die aktuell noch
manifesten kognitiven Beeinträchtigungen seien als Folge von Interferenzfaktoren, in
erster Linie psychischer Art, zu werten. Die am Schädel und am Bewegungsapparat
erlittenen Verletzungen müssten von somatischer Seite als abgeheilt betrachtet
werden. Es würden die im Vordergrund stehenden nicht-somatischen Faktoren
persistieren, die bereits anlässlich der Ersthospitalisation aufgefallen seien. Aus
somatischer Sicht sei die Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Advisorin als
A.d.
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voll arbeitsfähig zu beurteilen. Eine Behandlung von Unfallfolgen sei nicht mehr
notwendig. Es sei davon auszugehen, dass (aus somatischer Sicht) der unfallbedingte
Endzustand Ende Oktober 2015 erreicht worden sei. Die psychischen
Gesundheitsschädigungen seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Folge des
Unfalls vom 5. November 2014. Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte aktuell in
jeder Tätigkeit voll arbeitsunfähig. Der psychische Endzustand sei noch nicht erreicht
(UV-act. M59, S. 63 ff.). Dr. med. L._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
die von der Allianz mit einer Würdigung der Akten und einer Evaluation des
psychiatrischen Teils des ZMB-Gutachtens beauftragt worden war, vertrat in der
Aktenbeurteilung vom 20. Juni 2016 die Auffassung, die gutachterliche Einschätzung
sei schlüssig (UV-act. M63).
Vom 7. bis 23. September 2016 nahm die Versicherte eine teilstationäre
Behandlung in den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel in Anspruch (zur
Indikationsstellung siehe das Gesuch um Kostenübernahme vom 25. August 2016, UV-
act. M65). Die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen diagnostizierten
Anpassungsstörungen / Angst und depressive Reaktion, gemischt (ICD-10: F43.22),
einen Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) und andere
spezifische Persönlichkeitsstörungen / narzisstische Persönlichkeitsstörung (ICD-10:
F60.80). Nach dem vereinbarten zweiwöchigen Probesetting sei die teilstationäre
Behandlung auf Wunsch der Versicherten am 23. September 2016 beendet worden
(UV-act. M68). Dr. H._ berichtete im Schreiben vom 7. August 2017, die Versicherte
habe sich «überwiegend aus Pflichtgefühl» für diese Massnahme entschieden und
habe im Setting der verhaltenstherapeutisch ausgerichteten Abteilung überfordert
gewirkt, weshalb die teilstationäre Behandlung beendet worden sei (UV-act. M74).
A.e.
Am 20. September 2016 verfügte die Allianz die Abweisung des Gesuchs um eine
Integritätsentschädigung, da aus somatischer Sicht nicht von einer bleibenden
Schädigung der körperlichen Integrität ausgegangen werden könne. Sie halte
ausserdem fest, dass der medizinische Endzustand der somatischen Unfallfolgen
bereits «Ende November 2014» erreicht worden sei und diesbezüglich wieder eine volle
Arbeitsfähigkeit bestehe. Die psychischen Unfallfolgen seien noch nicht abgeheilt und
sie komme daher für die entsprechenden Heilbehandlungskosten und Taggelder
weiterhin auf (UV-act. A86.1). Dagegen erhob die Versicherte am 19. Oktober 2016
A.f.
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B.
C.
Einsprache. Darin rügte sie im Wesentlichen die Differenzierung zwischen
«somatischem Endzustand» und medizinischem Endzustand bei psychischen
Unfallfolgen (UV-act. A87). Mit Verfügung vom 17. März 2017 widerrief die Allianz die
Verfügung vom 20. September 2016 und ordnete per 31. Oktober 2015 die Einstellung
der bisher erbrachten Leistungen (Heilbehandlung und Taggelder) an und wies das
Gesuch um eine Invalidenrente sowie eine Integritätsentschädigung ab, da ab
31. Oktober 2015 weder eine natürliche noch adäquate Kausalität zwischen dem
Unfallereignis und den noch geltend gemachten psychischen Gesundheitsschäden
bestehe (UV-act. A91).
Gegen die Verfügung vom 17. März 2017 erhob die Versicherte am 5. April 2017
Einsprache mit dem Antrag, es seien ihr die gesetzlichen Leistungen über den
31. Oktober 2015 hinaus zu erbringen (UV-act. A95).
B.a.
Die Allianz wies die Einsprache vollumfänglich ab. Der medizinische Endzustand
sei am 31. Oktober 2015 erreicht worden. Die auf diesen Zeitpunkt vorzunehmende
Adäquanzprüfung ergebe, dass die noch geltend gemachten psychischen
Beschwerden nicht mehr auf den Unfall vom 5. November 2014 zurückzuführen seien.
Aufgrund der unfallkausalen somatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen bestehe
weder ein Anspruch auf eine Invalidenrente noch eine Integritätsentschädigung
(Einspracheentscheid vom 9. Januar 2018, UV-act. 98).
B.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 9. Januar 2018 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 9. Februar 2018. Die Beschwerdeführerin beantragte darin dessen
Aufhebung und die Verpflichtung der Beschwerdegegnerin, über den 31. Oktober 2015
hinaus die gesetzlichen Leistungen auszurichten; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Die Beschwerdeführerin brachte zur Begründung im
Wesentlichen vor, dass die Kriterien zur Bejahung der Adäquanz zwischen dem
Unfallereignis und den psychischen Gesundheitsschäden im Sinn der «Psychopraxis»
erfüllt seien. Das Ereignis vom 5. November 2014 sei als ein schwerer, zumindest als
ein mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den schweren Unfällen zu qualifizieren.
C.a.
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Insgesamt seien vier Kriterien erfüllt. Das Kriterium der «besonders dramatischen
Begleitumstände und der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls» sei als «besonders
ausgeprägt erfüllt» zu betrachten (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 21. Juni 2018
die Abweisung der Beschwerde. Das Unfallereignis sei als mittelschwer im mittleren
Bereich zu qualifizieren. Es sei keines der für die Bejahung der Adäquanz
massgebenden Kriterien in ausgeprägter Weise erfüllt. Erfüllt, jedoch in nicht
ausgeprägter Weise, sei einzig das Kriterium der besonders dramatischen
Begleitumstände bzw. der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls (act. G 9).
C.b.
In der Replik vom 27. August 2018 hielt die Beschwerdeführerin unverändert an
den Beschwerdeanträgen fest (act. G 11).
C.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete stillschweigend auf eine Duplik (act. G 13).C.d.
Am 8. November 2019 teilte die Beschwerdeführerin dem Versicherungsgericht
mit, die IV-Stelle des Kantons Basel-Landschaft habe ihr gestützt auf das
polydisziplinäre Administrativgutachten der asim Begutachtung, Universitätsspital
Basel, vom 6. Juni 2019 eine ganze Rente zugesprochen (act. G 14). Im
polydisziplinären (internistischen, psychiatrischen, orthopädischen und
neuropsychologischen) asim-Gutachten stellten die Experten folgende Diagnosen,
denen sie eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimassen: 1. eine schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2); eine
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1); 3. DD generalisierte
Angststörung (ICD-10: F41.1); 4. eine Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit
selbstunsicheren und leistungsbetonten Anteilen (ICD-10: Z73); 5. eine mittelschwere
bis schwere neuropsychologische Störung bei den Diagnosen 1-4 und 6. ein
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10: M47.86) bei degenerativen LWS-
Veränderungen mit Osteochondrose Th12/L1 und Retrolisthese L4/5. Die volle
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin werde schon rein durch die «psychiatrische
Symptomatik» hinreichend begründet. Der orthopädische asim-Gutachter bescheinigte
der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit im
Büro (act. G 14.1).
C.e.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf Leistungen aus der Unfallversicherung über den 31. Oktober
2015 (Heilbehandlung, Taggeld, Rente und Integritätsentschädigung) hinaus.
2.
Hierzu führte die Beschwerdegegnerin am 2. Dezember 2019 aus, die asim-
Gutachter seien ebenfalls zum Ergebnis gelangt, dass die somatischen Beschwerden
ausgeheilt seien. Die Beschwerdeführerin erhalte wegen ihrer psychischen
Beschwerden eine IV-Rente. Diese psychischen Beschwerden seien nicht adäquat
kausal auf den Unfall zurückzuführen (act. G 16).
C.f.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über
die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben,
und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden, nachdem Versicherungsleistungen für
ein Ereignis vom 5. November 2014 strittig sind, die bis 31. Dezember 2016 gültigen
Bestimmungen Anwendung.
1.1.
Die Unfallkausalität bildet Anspruchsvoraussetzung für sämtliche
Versicherungsleistungen der Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 UVG). Eine
Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (vgl. dazu BGE 129 V 181 f. E. 3.1 f.). Für die Beantwortung der
Frage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin
ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten oder Expertinnen
angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber
eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten
Regeln zu beurteilen ist (vgl. Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung
[UVG], 4. Aufl. 2012, S. 55 und 58).
1.2.
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Zunächst zu beurteilen ist die von der Beschwerdegegnerin per 31. Oktober 2015
angeordnete Einstellung der Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen. Dabei gilt es zu
berücksichtigen, dass spätestens im Zeitpunkt vom 31. Oktober 2015 keine
unfallbedingten somatischen Gesundheitsschäden mehr bestanden, welche die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beeinträchtigten (siehe UV-act. M59, S. 75).
Der nicht näher begründete, von Dr. H._ geäusserte Verdacht auf eine organische
psychische Störung aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns
(Bericht vom 1. Februar 2018, act. G 1.8, S. 1 unten) wurde weder von den ZMB- noch
den asim-Gutachtern bestätigt (UV-act. 59, S. 71; act. G 14.1, S. 6). Vielmehr führten
diese die kognitiven Defizite nicht auf eine körperliche, sondern auf eine psychische
Ursache zurück (UV-act. M59, S. 68 f., und act. G 14.1, S. 6). Im ZMB-Gutachten
wurde nachvollziehbar festgehalten, dass die somatischen Unfallschäden per Ende
Oktober 2015 ausgeheilt gewesen seien (UV-act. M59, S. 71 und S. 75). Die Parteien
sind sich denn auch zurecht darin einig (act. G 1, Rz 21), dass sich die Rechtmässigkeit
der Einstellung der vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) sowie
die Abweisung des Gesuchs um Leistungen für Dauerschäden (Invalidenrente und
Integritätsentschädigung) nach der sogenannten «Psychopraxis» des Bundesgerichts
bestimmt (BGE 115 V 133; siehe hierzu nachstehende E. 2.1 ff.). Diesbezüglich ist der
Vollständigkeit halber zu ergänzen, dass die Beschwerdeführerin nach eigenen
Angaben bereits vor dem Unfall aufgrund der psychosozialen Belastungssituation
(Eheproblematik mit Scheidung und Kontaktverlust zum Sohn) an Symptomen einer
psychischen Krankheit litt. So gab sie an, bereits früher «häufiger Selbstmordgedanken
gehabt» zu haben (UV-act. M53, S. 2 unten). Während der Ehe sei es ihr «immer
schlechter gegangen, sie habe kaum noch essen können, keinen Appetit mehr gehabt
und 10kg abgenommen [...]». Seit der endgültigen Scheidung herrsche ein
«Rosenkrieg». «Erleichterung habe sie seither keine gefunden, vielmehr kaum
geschlafen, [...]» (siehe hierzu sowie zur früheren Überängstlichkeit bei der Betreuung
des Sohns im [Klein-]Kindsalter UV-act. M53, S. 3 f.). Ob und wie dieser Vorzustand bei
der Beurteilung der natürlichen Kausalität zu würdigen ist, kann vorliegend
offenbleiben, da es - wie sich zeigen wird - ohnehin an einem adäquaten
Kausalzusammenhang zwischen den geltend gemachten psychischen Beschwerden
und dem Unfallereignis vom 5. November 2014 fehlt (siehe nachstehende E. 4.7).
Der Anspruch auf Heilbehandlung (Art. 10 UVG) und Taggeld (Art. 16 UVG) endet
spätestens zum Zeitpunkt, in dem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine
namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet
werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG; vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 8. Dezember
2017, 8C_254/2017, E. 4.3, und vom 18. September 2012, 8C_425/2012, E. 4.2). Bei
2.1.
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nicht objektivierbaren Beschwerdebildern, deren adäquate Unfallkausalität sich nach
der sogenannten «Psychopraxis» bestimmt (BGE 115 V 133), stellen die nach
Abschluss der Behandlung von somatischen Unfallfolgen noch
behandlungsbedürftigen psychischen Leiden nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts keinen Grund für einen Aufschub der Einstellung der Heilbehandlungs-
und Taggeldleistungen dar, da die psychischen Beeinträchtigungen für die Beurteilung
der Adäquanz bei der Psychopraxis unberücksichtigt zu bleiben haben (Urteil des
Bundesgerichts vom 29. April 2016, 8C_892/2015, E. 4.1 mit Hinweisen). Sollte die
Prüfung der Kriterien nach BGE 115 V 133 im Zeitpunkt des medizinischen
Endzustands der unfallbedingten somatischen Gesundheitsschäden jedoch zu einer
Bejahung der Adäquanz natürlicher unfallkausaler psychischer Leiden führen, hat der
Unfallversicherer in Nachachtung des in Art. 19 Abs. 1 UVG enthaltenen Grundsatzes
«medizinische Eingliederung vor Rente» (siehe hierzu Philipp Geertsen, in: Kommentar
zum Schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung [UVG], 2018, FN 18 zu Art. 19) bis zum Erreichen des Endzustands
des unfallbedingten psychischen Schadens Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen
zu erbringen. Ist dieser Endzustand erreicht, so ist bezüglich der adäquaten Kausalität
eines allfälligen psychischen Dauerschadens (Erwerbsunfähigkeit und
Integritätsschaden) eine neuerliche Adäquanzprüfung vorzunehmen (in diesem Sinn
auch André Nabold, in: Kommentar zum Schweizerischen Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung [UVG], FN 128 zu Art. 6).
Ausgangspunkt der Adäquanzbeurteilung nach BGE 115 V 133 bildet das objektiv
erfassbare Unfallereignis. Abhängig von der Unfallschwere sind je nachdem weitere
Kriterien in die Beurteilung einzubeziehen. Massgebend für die Beurteilung der
Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei
entwickelnden, auf die versicherte Person wirkenden Kräften (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Mai 2014, 8C_899/2013, E. 5.1). Während der adäquate
Kausalzusammenhang bei schweren Unfällen in der Regel ohne Weiteres bejaht und
bei banalen sowie leichten Unfällen verneint werden kann, lässt sich die Frage der
Adäquanz bei Unfällen im mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein
schlüssig beantworten. Es sind weitere objektiv erfassbare Umstände, die unmittelbar
mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folge davon
erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Bei mittelschweren Unfällen sind
im Anwendungsbereich von BGE 115 V 133 die folgenden sieben Adäquanzkriterien zu
beachten: Besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit
des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere
ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
2.2.
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3.
Zwischen den Parteien ist zunächst die Unfallschwere umstritten. Während die
Beschwerdegegnerin das Ereignis vom 5. November 2014 als mittelschweren Unfall im
engeren Sinn qualifiziert (act. G 9, Rz 5.1 ff.), macht die Beschwerdeführerin
mindestens einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den schweren Unfällen
geltend (act. G 1, Rz 22 ff.).
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger
Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch (nicht
jedoch der psychisch) bedingten Arbeitsunfähigkeit. Die Adäquanzkriterien nach BGE
115 V 133 werden nur aufgrund der organischen Unfallfolgen, unter Ausschluss
psychischer Aspekte oder als körperlich imponierender, organisch jedoch nicht
hinreichend erklärbarer Beschwerden geprüft. Je nachdem, wo im mittleren Bereich
der Unfall einzuordnen ist und unabhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in
besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten
Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden. In
welcher Anzahl und welcher Ausprägung die Kriterien erfüllt sein müssen, um die
Adäquanz zu bejahen, hängt vom Schweregrad des (mittelschweren) Unfallereignisses
ab. Im ganzen mittelschweren Bereich kann schon eines der zusätzlich zu beachtenden
Kriterien genügen, um den Kausalzusammenhang als adäquat zu beurteilen, wenn es
besonders ausgeprägt erfüllt ist. Wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den
schweren Fällen im mittleren Bereich zu zählen ist oder sogar als Grenzfall zu einem
schweren Unfall zu qualifizieren ist, reicht je nach den konkreten Umständen das
Erfülltsein eines einzigen Kriteriums, um den adäquaten Kausalzusammenhang zu
bejahen. Bei mittelschweren Unfällen im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen
müssen ansonsten mindestens vier der massgeblichen Kriterien und bei
mittelschweren Unfällen im engeren Sinn drei Kriterien erfüllt sein (siehe zum Ganzen
BSK UVG- Irene Hofer, N 89 ff. zu Art. 6 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Der Unfall vom 5. November 2014 ereignete sich um 19:05 Uhr bei Regen und
Dunkelheit (siehe den Strafbefehl vom 21. Januar 2015, act. G 1.5). Bei diesen
schlechten Witterungsverhältnissen und aufgrund der dadurch eingeschränkten
Sichtverhältnisse besteht gerichtsnotorisch eine erhöhte Gefahr für Fussgänger beim
Überqueren von Fussgängerstreifen. Des Weiteren lässt sich dem Strafbefehl
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin - kurz nach dem Betreten des
Fussgängerstreifens (siehe hierzu die Skizze im Polizeirapport vom 28. Januar 2015,
3.1.
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UV-act. A38, S. 4) - frontal vom Personenwagen erfasst und durch die Wucht der
Kollision auf den Boden geschleudert wurde. Bei der Kollision hatte das Fahrzeug eine
(ungebremste) Geschwindigkeit zwischen 40 und 50 km/h (act. G 1.5). Dieses kam kurz
nach dem Fussgängerstreifen zum Stillstand (UV-act. A38, S. 6 und S. 8). Entgegen der
Einschätzung der Beschwerdeführerin lässt sich aus den konkreten Verhältnissen nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit herleiten, dass sie «10 Meter durch die Luft
geflogen» sei (UV-act. M53, S. 2). Ergänzend kann auf die diesbezüglich schlüssigen
Ausführungen der Beschwerdegegnerin verwiesen werden, wonach nicht von einem
solchen Unfallhergang ausgegangen werden kann (act. G 9, Rz 5.6). Auf die von der
Beschwerdeführerin beantragten Zeugeneinvernahmen (act. G 11, Rz 2) kann unter
diesen Umständen verzichtet werden. Ausserdem ist nicht erkennbar, inwiefern diesen
bezüglich der Einschätzung von Distanzen eine besondere Qualifikation zukommt,
zumal entsprechende Aussagen nicht polizeilich festgehalten wurden, obschon die
beiden Zeugen zum Unfallhergang Stellung nahmen (UV-act. A38, S. 8 f.). Des
Weiteren ist angesichts der konkreten Witterungsverhältnisse sowie des raschen
Ablaufs des Unfallereignisses fraglich, ob die Zeugen überhaupt aussagekräftige
Aussagen zur Distanz, über welche die Beschwerdeführerin weggeschleudert wurde,
machen können. Dies gilt umso mehr, als sich das Unfallereignis wohl im Wesentlichen
im Rücken des Zeugen M._ abspielte, der vor der Beschwerdeführerin auf dem
Fussgängerstreifen ging und gerade erst das Trottoir erreichte (UV-act. A38, S. 8). Der
zweite Zeuge, N._, war der Fahrzeuglenker hinter der Unfallverursacherin (UV-
act. A38, S. 8 f.) und vermochte dadurch das Unfallereignis nicht von der Seite zu
beurteilen, was aber für eine aussagekräftige Einschätzung der Distanz erforderlich
wäre (vgl. zur Würdigung von Zeugenaussagen betreffend Distanzen das Urteil des
Bundesgerichts vom 11. August 2016, 8C_236/2016, E. 6.1.2).
Die Beschwerdeführerin verletzte sich vor allem im Kopfbereich, am Brustkorb
(Fraktur erste Rippe dorsal), im Hüftbereich und am rechten Oberschenkel (UV-
act. M10, S. 1 f.). Lebensgefährliche Verletzungen zog sich die Beschwerdeführerin
nicht zu (UV-act. A 38, S. 11). Bei der notfallmässigen Erstbehandlung war die
Beschwerdeführerin ansprechbar und konnte ihre Schmerzen nennen. Es wurde ein
Glasgow Coma Scale von 15 ermittelt (UV-act. M10, S. 2 oben), womit keine
Bewusstseinsstörung festgestellt wurde (siehe Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch,
267. Auflage, Berlin 2017, S. 674). Die neurologische Überwachung bezüglich des
Schädelhirntraumas gestaltete sich unauffällig (UV-act. M10, S. 10 Mitte). Entgegen der
von der Beschwerdeführerin später wiederholt gegenüber behandelnden und
begutachtenden medizinischen Fachpersonen gemachten Behauptung ergeben sich
3.2.
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4.
Da es sich um einen mittelschweren Unfall im engeren Sinn handelt, muss für eine
Bejahung der Adäquanz ein Kriterium besonders ausgeprägt sein oder es müssen drei
Kriterien (in nicht ausgeprägtem Ausmass) erfüllt sein (siehe vorstehende E. 2.2). Wie
es sich damit verhält, ist nachfolgend zu prüfen.
aus den Akten keine Hinweise, dass sie nach dem Unfall mehrere Tage im Koma
gelegen sei (siehe etwa UV-act. M53, S. 2, oder M 59, S. 43 unten).
Die vorliegend zu beurteilende Kollision eines Autos mit einer Fussgängerin lässt
sich mit dem vom Bundesgericht im Urteil vom 11. August 2016, 8C_236/2016,
gewürdigten Sachverhalt vergleichen. Bei diesem wurde die Versicherte beim
Überqueren einer Strasse im Bereich eines Fussgängerstreifens von einem mit einer
Geschwindigkeit von ca. 40 km/h herannahenden Autos erfasst, wobei sie auf die
Motorhaube geschleudert wurde, den Kopf an der Windschutzscheibe anschlug und
anschliessend auf die Fahrbahn zurückgeworfen wurde. Die Versicherte erlitt ein
leichtes Schädel-Hirntrauma (mit Kalottenfraktur parieto-temporal rechts mit ca. 4 mm
grosser epiduraler Frakturblutung, Commotio cerebri sowie mit nicht dislozierter
Jochbogenfraktur rechts) und Brüche am rechten Oberarmknochen, der rechten Elle
sowie am rechten Wadenbein. Das Bundesgericht gelangte zur Auffassung, dass es
sich hierbei um einen als mittelschwer im engeren Sinn einzustufenden Unfall und nicht
um einen solchen im Grenzbereich zu den schweren Unfällen liegenden handelt
(erwähntes Urteil des Bundesgerichts vom 11. August 2016, 8C_236/2016, E. 6.1.2).
Nichts Anderes gilt für den vorliegenden Fall. Ergänzend kann auf die überzeugenden
Ausführungen der Beschwerdegegnerin und die von ihr angeführte Rechtsprechung
verwiesen werden (act. G 9, Rz 5.5 ff.).
3.3.
Bezüglich des Kriteriums der «besonders dramatischen Begleitumstände» oder der
«besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls» gilt es zu beachten, dass die
Beschwerdeführerin sich nur noch daran erinnern kann, ein «riesiges Monster» und
viele Lichter gesehen und den Gedanken gehabt zu haben «jetzt ist es aus» (UV-
act. M53). Gegenüber dem psychiatrischen ZMB-Gutachter äusserte sie, sie erinnere
sich nicht mehr an den Unfall (UV-act. M59, S. 43 unten). Im mit dem vorliegenden
Unfall vergleichbaren Ereignis nahm das Bundesgericht die getrübte Erinnerung an den
Unfall zum Anlass, das Kriterium gänzlich zu verneinen (Urteil des Bundesgerichts vom
11. August 2016, 8C_236/2016, E. 6.2.1.2 mit Hinweis auf das Urteil vom 24. Mai 2013,
8C_15/2013, E. 7.3.2). Vor diesem Hintergrund ist das Kriterium - wenn überhaupt -
höchstens in nicht ausgeprägter Weise zu bejahen.
4.1.
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Das Kriterium der «Schwere oder der besonderen Art der erlittenen Verletzungen»
ist nicht erfüllt. Besondere Umstände, die das Beschwerdebild beeinflussten, liegen
nicht vor. Sämtliche somatischen Unfallfolgen heilten komplikationslos ab (UV-
act. M59, S. 75; siehe Urteil des Bundesgerichts vom 11. August 2016, 8C_236/2016,
E. 6.2.2). Bezüglich der Narben im Gesicht ist für die Beurteilung des Kriteriums nicht
auf die Empfindung der Beschwerdeführerin abzustellen. Massgebend ist eine
objektive Sichtweise. Bereits am 18. November 2014 zeigten sich reizlose
Wundverhältnisse (UV-act. M10, S. 3; zu den reizlosen Narben im Gesicht siehe auch
act. M21, S. 2 Mitte). Anlässlich der Behandlung in der Klinik G._ vom 29. Dezember
2014 bis 21. Februar 2015 äusserte die Beschwerdeführerin, sie sei eher eitel und die
gut verheilten Narben würden sie dennoch stören (UV-act. M21, S. 1 unten). Im Bericht
der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel gab die medizinische Fachperson an,
für die Kürze der Zeit würde die Beschwerdeführerin wieder erstaunlich gut aussehen
(UV-act. M53, S. 1 unten). Im psychiatrischen Teil des asim-Gutachtens vom 6. Juni
2019 hielt der Gutachter fest, «durch eine Brille fallen Narben im Bereich des rechten
Auges nur wenig auf. Entstellt wirkt sie keinesfalls» (act. G 14.1, S. 6 unten des
psychiatrischen Teilgutachtens). Im Übrigen brachte die Beschwerdeführerin vor, die
Narben im Gesicht könne sie mit Schminke zu überdecken versuchen (act. G 1, Rz 35).
Die im Gesicht erlittenen Verletzungen sind demnach gut, wenn auch nicht spurlos
verheilt. Jedenfalls liegen keine Verletzungsfolgen vor, welche das Kriterium als erfüllt
erscheinen lassen. Die unmittelbar nach der ersten Behandlung erfolgte Fotografie des
Gesichts vermag daran nichts zu ändern (act. G 1, Rz 35, und act. G 1.7), da diese eine
für den weiteren Heilungsprozess nicht aussagekräftige Momentaufnahme bildet. Das
von der Beschwerdeführerin angerufene Urteil des Bundesgerichts vom 17. Oktober
2014, 8C_308/2014, E. 4.3, ist für den vorliegend zu beurteilenden Fall nicht
einschlägig. Die Beschwerdeführerin erlitt weder mehrere Frakturen im Gesicht noch
musste sie wegen der Kopfverletzungen mehrere Tage in ein künstliches Koma versetzt
werden. Vielmehr war die Beschwerdeführerin nach dem Unfallereignis bei
ungestörtem Bewusstsein (siehe vorstehende E. 3.2).
4.2.
Das Kriterium der «ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung der
somatischen Unfallfolgen» ist ebenfalls nicht erfüllt. Wie die Beschwerdegegnerin im
Einklang mit der Aktenlage zutreffend ausführt (act. G 9, Rz 7.3), beschränkte sich die
Behandlung bereits wenige Wochen nach dem Unfall auf die Psyche. Spätestens Ende
Oktober 2015 und damit knapp ein Jahr nach dem Ereignis vom 5. November 2014
waren sämtliche somatischen Unfallfolgen ausgeheilt (UV-act. M59, S. 75). So wies
auch Dr. K._ im Bericht vom 14. Oktober 2015 darauf hin, dass psychische
Beschwerden im Vordergrund stehen und keine chirurgischen
4.3.
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Behandlungsmöglichkeiten mehr bestünden (UV-act. M54; auf S. 1 unten enthält der
Bericht zudem den Hinweis, dass es auch keine neurologischen
Behandlungsmöglichkeiten mehr gebe). Bereits im Austrittsbericht der Klinik G._ vom
26. Februar 2015 wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin ab 8. Januar 2015
ohne Gehhilfen habe laufen können. In der Physiotherapie und Bewegungstherapie
habe sie ein fast normales Gangbild zurückerlangt. Auch die Schmerzen seien im
Verlauf deutlich in den Hintergrund getreten (UV-act. M21, S. 3). Die
Beschwerdeführerin legt auch weder konkret dar (act. G 1, Rz 39) noch ist ersichtlich,
dass die somatische Therapie von besonders belastender Intensität gewesen sei. Zu
ergänzen bleibt, dass die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben vom 25. Februar
2015 nach dem Unfall sehr viel trainiert habe, um möglichst schnell wieder gesund und
fit zu werden. Dabei habe sie von ärztlicher Seite viel Bewunderung und Anerkennung
erhalten, da die meisten über ihre Fortschritte erstaunt gewesen seien (UV-act. M53,
S. 2 Mitte).
Eine ärztliche Fehlbehandlung der somatischen Unfallfolgen ist nicht erkennbar.
Die Beschwerdeführerin bringt vor, es seien wesentliche Behandlungen wegen unklarer
Kostenträgerschaft unterblieben (act. G 1, Rz 40 f.). Sie unterlässt es allerdings konkret
darzulegen, welche somatischen Behandlungen sie bis zum somatischen
Behandlungsabschluss per Ende Oktober 2015 nicht habe in Anspruch nehmen
können und in welchem Umfang sich diese Unterlassung schädigend ausgewirkt hätte.
Aus dem von ihr in diesem Zusammenhang einzig ins Feld geführten Bericht der nicht
über eine somatische Fachqualifikation verfügenden Dr. H._ lässt sich nichts zu ihren
Gunsten bzw. auf eine somatisch unterbliebene Behandlung herleiten, deren
Unterlassung einer Fehlbehandlung gleichkäme. Soweit Dr. H._ überhaupt Bezug zu
allfälligen somatischen Schäden nimmt, beschränkt sie sich auf einen mit den
gutachterlichen Einschätzungen (siehe hierzu vorstehende E. 2) nicht zu
vereinbarenden Verdacht einer organischen psychischen Störung (act. G 1.8). Im
Übrigen vertraten die ZMB-Gutachter den Standpunkt, dass keine Anhaltspunkte auf
irgendwelche Behandlungsfehler bestünden (UV-act. M59, S. 77). Hingegen wurde auf
«deutlich maladaptive Copingstrategien» der Beschwerdeführerin hingewiesen (UV-
act. M59, S. 82 unten).
4.4.
Die Beschwerdeführerin sieht das Kriterium des schwierigen Heilverlaufs und der
erheblichen Komplikationen mit der Begründung als erfüllt an, dass wesentliche
Behandlungen mangels Kostenträgerschaft nicht hätten vorgenommen werden können.
Das zur ärztlichen Fehlbehandlung Gesagte gelte auch unter diesem Kriterium (act.
G 1, Rz 42). Wie sich aus vorstehender Erwägung 4.4 ergibt, bestehen keine
4.5.
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5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung.