Decision ID: 49033b2c-fe1e-5512-b96f-d7ee8a09c696
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Entscheid Verwaltungsgericht, 23.01.2015 Steuererlass (Kantons- und Gemeindesteuern), Art. 224 Abs. 1 StG (sGS 811.1).Ein Steuererlass setzt voraus, dass der Steuerpflichtige in Not geraten ist oder die Bezahlung der Steuern eine grosse Härte bedeuten würde. Ziel und Zweck des Erlasses ist die langfristige und dauernde Sanierung der wirtschaftlichen Lage des Pflichtigen. Die Beschwerdeführer leben spätestens seit dem Jahr 2004 in gleich bleibenden, prekären wirtschaftlichen Verhältnissen. Mit einer Ausnahme haben sie in den letzten zehn Jahren keine laufenden Steuern bezahlt. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern sie seit der Veranlagungsperiode in Not geraten sind bzw. sich die Notlage weiter akzentuiert hat. Aussicht auf die mit einem Steuererlass bezweckte längerfristige Sanierung und wirtschaftliche Erholung besteht nicht. Im übrigen bestehen Privatschulden, die konkret einem Steuererlass ohnehin entgegenstehen (Verwaltungsgericht, B 2013/192).Entscheid vom 23. Januar 2015BesetzungPräsident Eugster; Verwaltungsrichter Linder, Heer, Rufener, Bietenharder; Gerichtsschreiber WehrleVerfahrensbeteiligteA.Y. und B.Y., Beschwerdeführer,gegenVerwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen, Unterstrasse 28, 9001 St. Gallen,Vorinstanz,undKantonales Steueramt, Davidstrasse 41, 9001 St. Gallen,Beschwerdegegner,GegenstandErlass (Staats- und Gemeindesteuern 2009)Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die Eheleute A.Y. und B.Y. wurden für die Kantons- und Gemeindesteuern
2009 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 38'100.--, bestehend aus
Rentenleistungen der IV und der Pensionskasse an die Ehefrau, und ohne steuerbares
Vermögen veranlagt. Das für die Bemessung der direkten Bundessteuer massgebende
Einkommen wurde auf Fr. 36'500.-- festgelegt (vi-act. 6/II-a). Am 21. Dezember 2010
stellten die beiden ein Gesuch um Erlass der ausstehenden Kantons- und
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Gemeindesteuern 2009 von Fr. 2'158.80 bzw. der direkten Bundessteuer 2009 von
Fr. 97.80 (vi-act. 6/I-r). Das Kantonale Steueramt wies das Gesuch mit separaten
Verfügungen vom 31. Januar 2011 ab (vi-act. 6/I-q). Zur Begründung verwies es auf
bestehende Verpflichtungen gegenüber Drittgläubigern. Gegen den Entscheid
betreffend Erlass Kantons- und Gemeindesteuern 2009 erhob der Ehemann Rekurs,
den die Verwaltungsrekurskommission mit Entscheid vom 8. März 2012 teilweise
guthiess. Es wies die Streitsache zur weiteren Abklärung der Einkommens- und
Schuldensituation an das Kantonale Steueramt zurück (vgl. vi-act. 6/I-p).
Dieses unternahm in der Folge Anstrengungen, die finanzielle Situation von A.Y. und
B.Y. sowie der (damals noch) im gemeinsamen Haushalt wohnenden Kinder C.Y.
(1984) und D.Y. (1989) weiter abzuklären. Am 27. Juni 2012 wies es das Erlassgesuch
erneut ab (vi-act. 2). Es hielt fest, nach Gegenüberstellung von Ausgaben (Fr. 3'360.60)
und Einkommen (Fr. 3'651.00) verbleibe ein monatlicher Einkommensüberschuss von
Fr. 290.40, wodurch die Tilgung der Steuerschuld von Fr. 2'158.80 innert acht bis neun
Monaten möglich werde und zumutbar sei. Einen Überschuss errechnete das
Kantonale Steueramt insbesondere, weil es dem Sohn C.Y. aufgrund seines
Einkommens (das in den Jahren 2009 und 2010 um einiges höher war als die Einkünfte
seiner Eltern) in der Bedarfsberechnung einen Viertel der elterlichen Mietkosten
überband. Die Tochter D.Y., welche durch Stipendien unterstützt wurde, beteiligte es
pro Monat rechnerisch mit Fr. 160.-- an den Kosten der Wohnung. Im übrigen verwies
das Kantonale Steueramt auf die Schuldensituation des Ehepaars Y. Am 6. Januar
2011 habe dieses noch Privatschulden von ca. Fr. 12'000.-- deklariert (vgl. vi-act. 6/I-t).
Für die Angabe der Gesuchsteller, wonach die Schulden mittlerweile erlassen worden
seien, fehle jeder Hinweis. Bei diesen Schulden sei die Gewährung eines
Steuererlasses von vornherein ausgeschlossen.
B. Gegen die Verfügung des Kantonalen Steueramts rekurrierten A.Y. und B.Y.
erneut an die Verwaltungsrekurskommission (vi-act. 1). Dabei ersuchten sie um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (ebd.). Über dieses Gesuch entschied
der Präsident der Verwaltungsrekurskommission am 4. Dezember 2012 abschlägig mit
der Begründung, beim anzunehmenden monatlichen Überschuss und der
Überschuldung der Rekurrenten erweise sich das Rechtsmittel als aussichtslos (vi-
act. 14). Eine gegen diesen Zwischenentscheid gerichtete Beschwerde hiess der
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Präsident des Verwaltungsgerichts am 15. Februar 2013 gut (Entscheid B 2012/278),
worauf die Verwaltungsrekurskommission das Verfahren unentgeltlich fortführte und
den Rekurs am 26. August 2013 mit Entscheid in der Hauptsache abwies.
C. Dagegen erhoben A.Y. und B.Y. (Beschwerdeführer) mit Eingabe vom
17. September 2013 Beschwerde beim Verwaltungsgericht (act. 1). Sie beantragten
sinngemäss, den angefochtenen Entscheid aufzuheben. Weiter stellten sie ein
Begehren um unentgeltliche Prozessführung. Am 20. September 2013 reichte der Sohn
der Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein (act. 3).
Die Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) liess sich am 26. September 2013 zur
Beschwerde vernehmen und beantragte deren Abweisung (act. 6). Den gleichen Antrag
stellte auch das Kantonale Steueramt (Beschwerdegegner), ohne sich jedoch materiell
zur Beschwerde zu äussern (act. 9).
Mit Replik vom 23. Oktober 2013 bestätigten die Beschwerdeführer ihren Standpunkt
(act. 11). Am 29. November 2013 wurden sie vom Verwaltungsgericht über den Beizug
der Steuererklärungen 2010-2012 orientiert (act. 13).
Auf die Darlegungen der Verfahrensbeteiligten in ihren Eingaben, den angefochtenen
Entscheid und die Akten wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 224
Abs. 4 des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführer sind zur Ergreifung
des Rechtsmittels legitimiert (Art. 161 StG i.V.m. Art. 64 und 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerde wurde rechtzeitig erhoben (Art. 196 Abs. 1 StG) und entspricht in formaler
und inhaltlicher Hinsicht grundsätzlich den Anforderungen (Art. 161 StG i.V.m. Art. 64
und Art. 48 Abs. 1 VRP). Allerdings setzten sich die Beschwerdeführer in ihren
Eingaben mit der Erwägung 3 des angefochtenen Entscheids (Kosten der
Vollständigkeitserklärung einer Bank bzw. deren Tragung durch die Beschwerdeführer)
in keiner Weise auseinander. Mangels hinreichender Begründung kann auf die
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Beschwerde insoweit nicht eingetreten werden. Im übrigen ist auf die Beschwerde
einzutreten.
2. Gemäss Art. 224 Abs. 1 StG bedingt der Erlass der Staats- und
Gemeindesteuern, dass der Steuerpflichtige in Not geraten ist oder die Bezahlung der
Steuern für ihn eine grosse Härte bedeuten würde. Eine inhaltlich im Wesentlichen
übereinstimmende Regelung findet sich in Art. 167 Abs. 1 des Gesetzes über die
direkte Bundessteuer (SR 642.11, DBG).
2.1. Ob eine «Notlage» vorliegt, ist anhand der gesamten wirtschaftlichen
Verhältnisse der steuerpflichtigen Person zu beurteilen. Massgebend sind die
Verhältnisse im Zeitpunkt des Erlassentscheids, wobei jedoch auch die Entwicklung
seit der Veranlagung sowie die Zukunftsaussichten zu berücksichtigen sind (vgl. SGE
2010 Nr. 8). Der Erlass schafft eine Möglichkeit, einer wesentlichen Verschlechterung
der wirtschaftlichen Verhältnisse der steuerpflichtigen Person seit der Steuerperiode,
auf die sich das Erlassbegehren bezieht, in besonders schweren Fällen Rechnung zu
tragen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. Aufl.,
Zürich 2013, N 4 zu § 183). Zwischen finanzieller Leistungsfähigkeit und geschuldetem
Steuerbetrag muss ein Missverhältnis bestehen. Ein solches wird angenommen, wenn
die Steuerschuld trotz Einschränkung der Lebenshaltungskosten auf das
Existenzminimum in absehbarer Zeit nicht vollumfänglich beglichen werden kann. Bei
Einkommens- und Vermögenslosigkeit oder wenn die öffentliche Hand für die
Lebenshaltungskosten der steuerpflichtigen Person aufkommen muss, befindet sich
diese regelmässig in einer Notlage. Massgebend ist das betreibungsrechtliche
Existenzminimum nach Art. 93 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und
Konkurs (SR 281.1, SchKG). Unter der Voraussetzung der «grossen Härte» werden
neben der wirtschaftlichen Notlage besondere Lebenssituationen verstanden, etwa der
Unterhalt einer Familie, dauernde Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unglücksfälle usw. (zum
Ganzen vgl. (Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl., St. Gallen
2014, VII. N 148 ff. mit Hinweisen; SGE 2011 Nrn. 20 und 25; VerwGE B 2013/189 vom
19. August 2014 E. 2, www.gerichte.sg.ch). Objektiv wird vorausgesetzt, dass die
Veranlagung abgeschlossen ist und eine rechtskräftig festgesetzte Steuer vorliegt, die
noch nicht bezahlt ist (VerwGE B 2011/202 vom 20. März 2012 E. 4.1,
www.gerichte.sg.ch). Ziel und Zweck des Erlassverfahrens ist eine langfristige und
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dauernde Sanierung der wirtschaftlichen Lage der steuerpflichtigen Person. Der Erlass
soll dabei dem Gesuchsteller selbst und nicht seinen Gläubigern zu Gute kommen. Er
kommt nur in Frage, wenn neben dem Gemeinwesen auch die übrigen Gläubiger ein
Opfer erbringen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 3 zu § 183).
2.2. Während im Kanton St. Gallen keine näheren Vollzugsvorschriften auf
Gesetzes- und Verordnungsstufe existieren, wird die Behandlung der Erlassgesuche
auf Bundesebene in der Verordnung des Eidgenössischen Finanzdepartements über
die Behandlung von Erlassgesuchen für die direkte Bundessteuer (SR 642.121,
Steuererlassverordnung) geregelt. Diese findet für die Kantons- und Gemeindesteuern
sachgemäss Anwendung (Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., VII. N 146 und 148).
Erläuterungen zur Rechtslage und der geübten Praxis sind dem St. Galler Steuerbuch
zu entnehmen (StB 224 Nr. 1).
3. Zu prüfen ist konkret, ob die Steuerschuld von Fr. 2'158.80 den
Beschwerdeführern zu erlassen ist. Die Vorinstanz hat dies zum einen mit Blick auf
Privatschulden von ca. Fr. 12'000.-- verneint. Zum andern hielt sie fest, allein mit den
jährlichen Aufwendungen für den erstmals am 19. September 2012 deklarierten
Personenwagen lasse sich die Steuerschuld ohne weiteres begleichen, weshalb sich
eine Berechnung der das Existenzminimum überschiessenden Quote erübrige.
3.1. Zunächst ist auf die Schuldensituation der Beschwerdeführer näher
einzugehen. Diese gaben am 18. Januar 2010 im Erlassverfahren gegenüber dem
Steueramt Gossau an, es bestünden Privatschulden von ca. Fr. 12'000.--. Sie hätten
dieses Geld von Familienangehörigen erhalten, die über ihre finanzielle Situation
informiert seien und wüssten, dass sie im Moment nicht in der Lage seien, die
Schulden zurückzubezahlen (vi-act. 6/l-u). Ein Jahr später, Anfang Januar 2011,
machten sie die Schulden erneut in unveränderter Höhe geltend (vi-act. 6/I-t). Mit
Schreiben vom 26. April 2012 bzw. 11. Mai 2012 brachten sie alsdann vor, die
finanzielle Unterstützung der Geschwister R.W. und S.W. aus der Türkei sei ihnen
«mündlich erlassen resp. geschenkt worden» (vi-act. 6/I-k und I-n). Unterdessen hatte
der Beschwerdegegner bereits nachgehakt (Schreiben vom 30. April 2012, vi-act. 6/I-
m), worauf die Beschwerdeführer in ihrer Eingabe vom 23. Mai 2012 ausführten, die
Geschwister der Ehefrau hätten ihnen einen Ferienaufenthalt in der Türkei finanziert.
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Die Gelder seien in bar geflossen, weshalb keine Belege vorhanden seien. Mit der
Unterstützung seien keine Rechnungen oder Forderungen in der Schweiz beglichen
worden, welche vorgelegt werden könnten (vi-act. 6/I-h). Aus einer Telefonnotiz des
Beschwerdegegners vom 15. Juni 2012 geht ferner die Mitteilung der
Beschwerdeführer hervor, auch über den Erlass der Forderung gebe es keine
Schriftstücke, weshalb sie auch hierzu nichts vorlegen könnten (vi-act. 6/I-c).
3.1.1. Die Vorinstanz hielt die Umstände dieser Transaktionen bzw. des plötzlichen
Erlasses der Schuld für diffus (vgl. E. 2.b und c des angefochtenen Entscheids). Die
heutigen Beschwerdeführer hätten den Nachweis für die behauptete Schenkung von
Seiten R.W. und S.W. nicht erbracht, obwohl es zumutbar gewesen wäre, zumindest
eine schriftliche Bestätigung der vormaligen Gläubiger einzureichen. Fest stehe
lediglich, dass die Beschwerdeführer das Darlehen in der Höhe von rund Fr. 12'000.--
mit Schreiben vom 18. Januar 2010 und 6. Januar 2011 ausdrücklich deklariert und am
26. April bzw. 11. Mai 2012 mitgeteilt hätten, die Schuld sei ihnen im Sinne einer
Schenkung erlassen worden.
Die Angaben über den Geldfluss seien widersprüchlich. Zuerst hätten die
Beschwerdeführer angegeben, das Geld von Familienangehörigen «erhalten» zu haben
- im Brief vom 11. Mai 2012 sei es ebenso als «familieninterne Barunterstützung»
bezeichnet worden -, nunmehr werde aber vorgebracht, die Geschwister aus der Türkei
hätten damals einen Ferienaufenthalt finanziert und vollständig beglichen (vgl. Eingabe
vom 23. Mai 2012). Dies schliesse eine Barunterstützung aus. Es falle auf, dass die
Darstellung nach dem ersten Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (8. März
2012) geändert worden sei. Die Pflichtigen hätten nach diesem Entscheid annehmen
müssen, dass die Deklaration von Schulden die Chancen auf einen Steuererlass
mindere. Zunächst hätten sie in der Folge vorgebracht, die Schuld sei ihnen von den
Geschwistern erlassen worden (26. April 2012). Nach einer weiteren Beweisauflage
hätten sie geltend gemacht, die Leistung der Geschwister habe aus der Finanzierung
eines Ferienaufenthalts bestanden. Aufgrund des Rückweisungsentscheids und der
Beweisauflagen des Beschwerdegegners hätten die damaligen Rekurrenten ihre
Darstellungen geändert und jeweils versucht plausibel zu machen, weshalb sie keine
Unterlagen einreichen würden. Angesichts dieser Umstände müsse davon
ausgegangen werden, dass die Schuld weiterhin bestehe und die Pflichtigen
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überschuldet seien. Die Schenkung sei weder plausibel dargestellt noch hinreichend
glaubhaft gemacht worden.
3.1.2. Diese Folgerung ist nicht zu beanstanden. Zwar begründeten die
Beschwerdeführer den fehlenden Nachweis in der Beschwerdeschrift damit, der
Beschwerdegegner habe ihnen mitgeteilt, dass ihm eine blosse schriftliche Bestätigung
der Rückzahlung nicht genüge. Deshalb sei auch der Vorinstanz keine solche
Bestätigung beigebracht worden, was jedoch im verwaltungsgerichtlichen Verfahren
demnächst noch erfolgen werde (act. 1).
Die von den Beschwerdeführern behauptete Mitteilung des Beschwerdegegners ist
nicht aktenkundig. Aus dem erstinstanzlichen Entscheid geht im Gegenteil hervor, dass
der Schulderlass nicht anerkannt wurde, weil jeglicher Beleg fehlte. Aus den
vorinstanzlichen Akten lässt sich ebenfalls nichts entnehmen, was die Umstände dieser
Transaktion erhellen würde. Auch im verwaltungsgerichtlichen Verfahren wurde trotz
anderslautender Ankündigung der Beschwerdeführer keine Bestätigung über die
Modalitäten des Darlehens bzw. dessen Erlass eingereicht. Zudem fällt auf, dass in der
Beschwerde auf einmal wieder von «Rückzahlung» der Schuld die Rede ist, während
die Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren behaupteten, diese sei erlassen
bzw. geschenkt worden. Die Beschwerdeführer haben keine zuverlässigen
Informationen über Bestand bzw. Erlass der Schuld geliefert und damit ihre
Mitwirkungspflicht verletzt. Entgegen ihren Beteuerungen ist weiterhin vom Bestand
der Schuld im Umfang von ca. Fr. 12'000.-- auszugehen. Bezeichnenderweise haben
sie auch in keiner der dem Gericht vorliegenden Steuererklärungen (2009 - 2012) eine
entsprechende Schenkung deklariert.
3.1.3. Nach der Darstellung im Rekursverfahren haben sich die Beschwerdeführer
verschuldet, um einen Ferienaufenthalt in der Türkei zu finanzieren. Zwar kann eine
starke Verschuldung als Ursache einer Notlage anerkannt werden und damit Grund
zum Erlass von Steuerschulden bieten. Diesfalls muss die Verschuldung Folge von
ausserordentlichen Aufwendungen sein, die in den persönlichen Verhältnissen
begründet sind und für die die steuerpflichtige Person nicht einzustehen hat (vgl. Art.
10 Abs. 1 b der Steuererlassverordnung). Sind die Gründe für die Verschuldung
anderswo zu verorten, etwa als Folge eines überhöhten Lebensstandards, kann der
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Fiskus nicht zugunsten anderer Gläubiger auf seine gesetzlichen Ansprüche verzichten
(vgl. Art. 10 Abs. 2 der Steuererlassverordnung).
Wer seinen Ferienaufenthalt durch Kredit finanziert, pflegt einen überhöhten
Lebensstandard. Mangels Nachweis der behaupteten Schenkung geht das
Verwaltungsgericht davon aus, dass die Beschwerdeführer noch immer im erwähnten
Umfang verschuldet sind. Die Ursachen ihrer Überschuldung werden nicht als Notlage
anerkannt, was den Erlass der hier fraglichen Steuerforderung ausschliesst. Wäre die
Schuld in der Zwischenzeit durch die Beschwerdeführer durch Zahlung getilgt worden,
hätten sie ihre privaten Gläubiger einseitig bevorzugt. Auch dies würde einen
Steuererlass ausschliessen.
3.2. Die zweite Rüge der Beschwerdeführer betrifft die Tatsachenfeststellung der
Vorinstanz, wonach sie Eigentümer eines Personenwagens (VW Golf, Jahrgang 2001)
seien. Die Vorinstanz hielt fest, mit den überflüssigen Aufwendungen für das Fahrzeug
könnten die Beschwerdeführer die hier streitige Steuerschuld innert nützlicher Frist
begleichen (vgl. E. 2.d des angefochtenen Entscheids).
Die Beschwerdeführer bringen vor, das Fahrzeug gehöre nicht ihnen, sondern ihrem
Sohn C.Y. Er benötige es für seine Fahrt zur Arbeit. Bis zu einem Verkehrsunfall im Juli
2009 sei das Fahrzeug auf dessen Namen gelöst gewesen. Seither seien sie zwar
Halter und Versicherungsnehmer, Eigentümer sei aber nach wie vor ihr Sohn (act. 1,
S. 2). C.Y. bestätigte diese Angaben und führte aus, er trage sämtliche Auslagen im
Zusammenhang mit dem Fahrzeug (act. 3 und 11).
Für die Darstellung der Beschwerdeführer spricht, dass C.Y. (und nicht seine Eltern)
das fragliche Fahrzeug in den Jahren 2010 und 2011 als sein Vermögen deklarierte (vi-
act. 6/VII-b, S. 6 und I-n/6, S. 4), und zwar mit einem Wert von Fr. 3'200.-- (2010) bzw.
Fr. 1'600.-- (2011). Sie liessen jedoch unerklärt, weshalb sie den Personenwagen im
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege, das sie der Vorinstanz einreichten, als
Gegenstand ihres Vermögens auswiesen (vi-act. 12). Da die Gewährung eines
Steuererlasses bereits aus anderen Gründen ausscheidet, muss dieser Frage hier nicht
weiter nachgegangen werden.
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3.3. Der Steuererlass soll zu einer langfristigen und dauernden Sanierung der
wirtschaftlichen Lage des Gesuchstellers beitragen (vgl. E. 2 hiervor mit Hinweis). Die
damit einhergehende Ausnahme vom Grundsatz der rechtsgleichen Behandlung
sämtlicher Steuerpflichtigen ist nicht blosse Uneigennützigkeit der Steuerbehörden,
sondern mit dem Ziel verbunden, dass sich die Pflichtigen wirtschaftlich erholen und
künftig wieder Steuereinnahmen generiert werden können. Die Notlage, in die der
Steuerpflichtige geraten ist, muss zudem seit der Veranlagungsperiode, auf die sich
das Erlassgesuch bezieht, entstanden sein. Das Erlassverfahren hat nicht den Zweck,
rechtskräftige Veranlagungen im Nachhinein zu überprüfen und zu berichtigen. Werden
im Erlassgesuch wirtschaftliche Umstände geltend gemacht, die schon im Zeitpunkt
der Veranlagung bestanden und die, wie hier, zu einem der bescheidenen
Leistungsfähigkeit angemessenen und geringen Steuerbetrag geführt haben, ist
besondere Zurückhaltung zu üben.
In den Jahren 2002 bis 2012 haben die Beschwerdeführer nach der unbestrittenen
Darstellung des Beschwerdegegners mit Ausnahme der Steuerperiode 2006 (Zahlung
von Fr. 1'101.30 vom 1. September 2008 an das Betreibungsamt St. Gallen) keine
laufenden Steuern bezahlt (vi-act. 3, S. 2; zur Vorgeschichte vgl. auch Dossier vi-act. 6/
III-a). Der Bezug wurde offenbar mit dieser einen Ausnahme ausgesetzt und die
Forderungen wurden administrativ abgeschrieben (vgl. vi-act. 6/III-a.). Gemessen an
den veranlagten Steuern leben die Beschwerdeführer spätestens seit 2004 in
gleichbleibend prekären wirtschaftlichen Verhältnissen (vgl. vi-act. 6/VIII-b). Aussicht
auf die mit einem Steuererlass bezweckte längerfristige Sanierung und wirtschaftliche
Erholung besteht demnach kaum. Im übrigen wurde von den Beschwerdeführern nicht
dargetan, ihre wirtschaftliche Situation habe sich seit der fraglichen
Veranlagungsperiode 2009 weiter verschlechtert. Auch aufgrund der Akten ist nicht
ersichtlich, inwiefern sich ihre finanzielle Lage bis zum Zeitpunkt des Erlassgesuchs
weiter zugespitzt haben soll. Auch bei geringer finanzieller Leistungsfähigkeit müssen
unter dem Jahr der geringen Steuerbelastung angepasste Rückstellungen für die
Steuern gebildet werden. Dass das Einkommen ausschliesslich für die Lebenshaltung
aufgewendet worden ist, kann nicht zu einem Steuererlass führen. Die Beschwerde ist
auch aus diesen Gründen abzuweisen.
4.
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4.1. Bei diesem Verfahrensausgang werden die Beschwerdeführer kostenpflichtig
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Für den vorliegenden Entscheid erscheint eine Gebühr von
Fr. 1'000.-- angemessen (Art. 7 Abs. 1 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12).
4.2. Die Beschwerdeführer ersuchten um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege (act. 1). Gemäss Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 117 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung (SR 272, ZPO) wird diese gewährt, wenn der
Gesuchsteller nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und das von ihm angestrebte
Verfahren nicht aussichtslos erscheint. Als bedürftig gilt, wer die Kosten eines
Prozesses nicht aufzubringen vermag, ohne die Mittel anzugreifen, derer er zur
Deckung des notwendigen Lebensunterhalts für sich und seine Familie bedarf. Die
prozessuale Bedürftigkeit beurteilt sich nach der gesamten finanziellen Situation des
Rechtsuchenden im Zeitpunkt des Entscheids. Nebst den Einkünften ist auch die
Vermögenssituation einzubeziehen (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen - dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl.,
St. Gallen 2003, Rz. 853). Aussichtslos sind nach der Rechtsprechung solche
Begehren, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die
Verlustgefahren. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich die
Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig
geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die selber über die nötigen
Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde;
eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen
würde, nicht deshalb anstrengen, weil er sie nichts kostet (statt vieler: BGE 129 I 129
E. 2.2 ff.).
Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid mit eingehender und zutreffender
Begründung dargelegt, weshalb nach wie vor von einer Überschuldung der
Beschwerdeführer auszugehen ist. Die Beschwerdeführer mussten daraus schliessen,
dass die Beschwerde abgewiesen würde, sollten sie die Umstände der Verschuldung
bzw. des Erlasses der Schulden nicht durch das Einreichen von neuen Beweisen
erhellen. Dies haben sie jedoch unterlassen, womit sich ihre Rechtsmitteleingabe in
blossen Behauptungen erschöpfte und die Beschwerde als von Anfang an aussichtslos
bezeichnet werden muss. Die Beschwerdeführer haben - im Gegensatz zu ihrem
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vorherigen Rekurs - damit keinen Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege im
Beschwerdeverfahren.