Decision ID: 8c4088e4-8ac8-5d3c-b3cd-86f3a9bcdd42
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1971, war seit März 2014 als Raumpflegerin bei der
Y._
in
Z._
angestellt (
Urk.
5/19/1-2
Ziff.
1, 2
.1
und 2.7).
Die Versicherte meldete sich am
1
4.
Januar 2016 unter Hinweis auf eine psychische Beeinträchtigung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
5/2
Ziff.
6.1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische
(
Urk.
5/1,
Urk.
5/14,
Urk.
5/21,
Urk.
5/27)
und erwerb
liche
(
Urk.
5/9),
Urk.
5/19) Abklärungen und
zog Akten des Krankentag
geldver
sicherers (
Urk.
5/16,
Urk.
5/28) zum Verfahren
bei.
Am 2
6.
Oktober 2016 sprach d
ie IV-Stelle der Versicherten
als Frühinterventionsmassnahme eine Kostenbe
tei
ligung
für die
dem Arbeitgeber
im Rahmen einer
strukturgebende
n
Beschäftigung
entstandenen Mehrkosten
zu
(
Urk.
5/32). Die Massnahme wurde am 1
6.
Februar 2017
beendet
(
Urk.
5/36).
Die IV-Stelle holte in der Folge weitere Arztberichte (
Urk.
5/45,
Urk.
5/48,
Urk.
5/52,
Urk.
5/64,
Urk.
5/66
,
Urk.
5/117-119
)
ein und
gab
ein polydisziplinäres Gutachten
beim
A._
in Auftrag, das am
3.
Januar 2019
(
Urk.
5/89)
erstattet wurde.
Am
3.
November 2020 (
Urk.
5/121) erliess
die IV-Stelle den
Vorbescheid, wogegen die Versicherte
Einwän
de (
Urk.
5/124,
Urk.
5/126) vorbrachte.
Mit Verfügung vom
2.
Februar 2021 (
Urk.
5/129 =
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle einen
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Die Versicherte erhob am
3.
März 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2.
Februar 2021 (
Urk.
2)
und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente zuzusprechen. Eventuell sei die Sache für ergänzende Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1
S. 1
Ziff.
1-3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
April 2021 (
Urk.
4) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführer
in
am
6.
Mai 2021 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
6).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hielt im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest, bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit seien psychosoziale Belastungsfaktoren
, wie der Tod eines Familienangehörigen,
au
szuklammern
(S. 1 unten).
Gemäss dem psy
chiatrischen Teilgutachten des
A._
liege keine rezidivierende depressive Stö
rung,
sondern eine depressive Ep
isode vor. Die
Diagnose bedeute aus Sicht der Invali
den
versicherung keine langandauernde und invalidisierende Krankheit.
Sie
unter
scheide sich von einer
langandauernden Depression
dadurch
, dass bei einer adä
quaten und konsequenten Behandlung von einer zukünftigen Überwindbarkeit ausgegangen werd
en könne. Gemäss dem Bericht der behandelnden Psychiaterin
vom 1
2.
Oktober 2020 erfolge die Behandlung lediglich alle ein bis zwei Monate (S. 2 oben). Die somatischen Einschränkungen hätten keine dauerhafte Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit zur Folge (S. 2 Mitte).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor, gemäss dem Gutachten des
A._
sei sie nur noch zu 50
%
arbeitsfähig.
Zudem habe sich ihre schwere
Lungenkrankheit weiter
verschlechtert. Die psychische Gesundheit sei anhaltend beeinträchtigt.
Die de
pressive Episode dauere nun schon fünf Jahre an, womit leider von einer lang
anhaltenden
,
gefestigten Erkrankung auszugehen sei (
Urk.
1 S. 1). Nach weiteren Abklärungen von Seiten der Beschwerdegegnerin seien ihr in nicht nachvoll
zieh
barer Weise Ressourcen zugeschrieben worden. Diese sollten ihr die Verarbeitung der Krisensituation ermöglichen und zu einer vollen Arbeitsfähigkeit führen, was nicht der Fall sei (S. 2).
2.3
Die
Beschwerdegegnerin führte in der Vernehmlassung ergänzend aus,
sie sei
in Abweichung zu der im Gutachten des
A._
attestierten Arbeitsunfähigkeit zum Schluss gekommen, dass kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege. Der in der Beschwerde erwähnte Bericht
über eine
Verschlechterung der Lungen
krank
heit sei ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vorgelegt worden. Seit der letzten Stellungnahme des RAD habe sich der Gesundheitszustand aus soma
tischer Sicht nicht beziehungsweise nur phasenweise im Rahmen von Exazer
bationen verschlechtert (
Urk.
4 S. 1).
2.4
Streitig und zu prüfen ist, ob ein Rentenanspruch besteht.
3.
3.1
Die Beschwerdefüh
rerin ist seit dem 2
3.
Juni 2015
bei
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
in
ambulanter
psychiatrischer
Behandlung (
Urk.
5/14
Ziff.
1.2). Die Psychiaterin nannte im Bericht vom 2
8.
Septem
ber 2015 (
Urk.
5/1/15)
als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
eine
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2,
Ziff.
1).
Weiter gab sie an
, vom
2
2.
Juni bis 2
4.
Oktober 2015 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden (
Ziff.
2). Infolge des Todes des Sohnes der Beschwerdeführerin bestehe eine schwere Depression (
Ziff.
3).
3.2
Dr.
B._
nannte im Bericht vom 1
7.
März 2016 (
Urk.
5/14) als Diagnose
eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
chotische Symptome (ICD-10 F33.2, S. 1
Ziff.
1.1
)
.
Dr.
B._
führte zur Anamnese aus, die Beschwerdeführerin sei als Reini
gungskraft tätig. Seit dem Tod
des
Sohnes sei eine schwere Depression ausge
brochen
(S. 1
Ziff.
1.4). Für die Tätigkeit im Reinigungsdienst bestehe seit dem 2
2.
Juni 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Es bestünden ei
ne schwere De
pression, eine Anä
mie, gynäkologische Beschwerden und Rückenschmerzen. Die Patientin habe einen Arbeitsversuch mit einem Pensum von 20
%
begonnen. Eine weitere Steigerung der Arbeitsfähigkeit werde folg
en
(S. 2 f.
Ziff.
1.6 und 1.7).
3.3
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, stellte im Bericht vom 1
0.
Juli 2016 (
Urk.
5/21/6-9) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
Depression seit dem Tod eines Sohnes am 2
2.
Juni 2015
-
Atemnot, in Abklärung im Kantonsspital
D._
, offenbar Asthma
-
c
hronische Kopfschmerzen, in Abklärung
-
Zervikovertebralsyndrom
-
Lumbovertebralsyndrom
Dr.
C._
nannte zudem als
Diagnose
ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
ein
en
Eisenmangel wegen Hyper- und
Polymenor
r
hoe
(S. 1
Ziff.
1.1).
Die Psychiaterin habe die Beschwerdeführe
r
in
seit dem 2
2.
Juni 2015 zu 100
% krankgeschrieben.
Diese
leide an chronischen Kopfschmerzen und Nacken- und Kreuzschmerzen r
echtsbetont und
habe Atemnot
(S. 2
Ziff.
1.4 oben).
B
ezüglich der Arbeitsfähigkeit
könne er
keine valide Aussage machen. Die Arbeitsun
fähig
keit sei offenbar durch das psychische Z
ustandsbild gegeben (S. 2
Ziff.
1.4 unten).
3.4
Die Ärzte des
Kantonsspitals D._
stellten im Bericht vom 2
5.
August 2016 (
Urk.
5/27/1-2) fol
gende Diagnosen (S. 1):
-
Asthma bronchiale, Erstdiagnose 3
0.
Juni 2016
-
mittelschwere obstruktive Ventilationsstörung mit vollständiger Rever
sibilität nach
Bronchodilatation
-
persistierender Zigarettenkonsum
-
Depression
-
dyspeptische Beschwerden
3.5
Dr.
B._
bestätigte im Bericht vom 2
7.
März 2017 (
Urk.
5/45) die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung
(S. 1
Ziff.
1.1).
Sie führte
aus,
seit dem Bericht vom März 2016
sei keine
Besserung des psychischen Zustandsbildes
ein
ge
treten
. Die
depressive Symptomatik stehe nach wie vor im Vordergrund. Es be
stünden eine Antriebslosigkeit,
Kraftlosigkeit,
Müdigkeit, Erschöpfung, Ver
zweif
lung, Misstrauen und Angstzustände. Die Patientin habe sich bis jetzt nicht mit
dem Tod des Sohnes abfinden können. Sie weine viel, wirke sehr traurig und werde
auch körperlich immer kränker. Seit Herbst 2016 sei sie wegen Atembe
schwerden bei einem Asthma bronchiale in ärztlicher Behandlung. Die Beschwer
deführerin nehme diesbezüglich regelmässig Medikamente ein. In der Leistung fühle sie sich
recht
eingeschränkt. Die Patientin sei bis heute zu 100
%
arbeits
unfähig. Mehrere
Arbeitsversuche und eine Integrationsmassnahme
der Invali
den
versicherung
sei
en gescheitert (S. 2
Ziff.
1.4 oben).
Sie
wirke affektiv traurig, bedrückt, verzweifelt und misstrauisch. Anhaltspunkte für einen Wahn, Sinnes
täuschungen oder eine Ich-Störung bestünden nicht. Psychomotorisch sei
sie an
gespannt (S. 2
Ziff.
1.4
Mitte).
Dr.
B._
attestierte weiterhin eine Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
(S. 3
Ziff.
1.6)
3.6
Dr.
C._
stellte im Bericht vom
8.
Mai 2017 (
Urk.
5/48/6-9) folgende Dia
gnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
Depression seit dem Tod des Sohnes
, psychiatrische Therapie zirka 2x pro Woche
-
Asthma bronchiale und COPD
-
mittelschwere obstruktive Ventilationsstörung mit vollständiger Rever
sibilität nach
Bronchodilatation
-
persistierender Zigarettenkonsum
-
Zervikovertebralsyndrom
, rechts stärker als links
-
MRI der Halswirbelsäule (HWS) vom
3.
März 2017: Diskushernien und degenerative Veränderungen HWK 4/5 und 5/6, mittelgradige
disko
ossäre
foraminale
Stenosen beider Seg
mente
-
chronische Kopfschmerzen
-
MRI Schädel vom
3.
März 2017: unspezifische
supratentorielle
G
liose
herdchen
, sonst normal
-
Lumbovertebralsyndrom
, rechts stärker als links
Dr.
C._
führte weiter aus,
es bestehe unverändert
eine Depr
ession. Zudem bestünden täglich
Kopf- und Nackenschmerzen. Eine Lungenkrankheit sei im
K
antonsspital
D._
abgeklärt worden.
Es handle sich offenbar um
ein mittelschweres Asthma und ein COPD. Die pulmonale Medikation sei komplett umgestellt worden (S. 2
Ziff.
1.4 oben).
Die Beschwerdeführerin habe zeitweise noch zu 20
%
arbeiten können. Dies gehe seiner Meinung nach wegen der zervikalen Diskushernien und der kombinierten Lungenkrankheit nicht mehr. Er habe die Patientin deshalb
auch
aus körperlichen Gründen für die Tätigkeit als Raumpflegerin zu 100
%
arbeitsunfähig geschrie
ben. Die Patientin könne zum Beispiel nicht mehr auf Leitern steigen oder auf
grund der Atemnot
einen
Staubsauger ein Stockwerk hochtragen. Er denke, dass
die Patientin nicht mehr als Raumpflegerin arbeiten könne (S. 2
Ziff.
1.4 Mitte). Er erachte die Patientin derzeit für sämtliche Tätigkeit
en
für nicht arbeitsfähi
g. Dies wegen
eines
Zittern
s
aufgrund der Nebenwirkungen eines
M
edikaments
und wegen
Atemnot, Nackenschmerzen,
einer
Kraftlosigkeit und einer Depression. Ob in Zukunft eine der Behinderung angepasste Tätigkeit möglich sein werde, bleibe abzuwarten. Er empfehle eine Ressourcenabklärung und eine B
erufsberatung. Aufgrund der Lungenkrankheit, der Depression und der Nackenschmerzen bei zervikalen
Diskushernien
sei die Prognose eher schlecht (S. 2
Ziff.
1.4 unten).
Dr.
C._
attestierte für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Raumpflegerin seit dem 1
6.
Januar 2017 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 3
Ziff.
1.6).
3.7
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Pneu
mologie, und
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Pneumologie,
Leitender Arzt, Pneumologie,
K
antonsspital
D._
,
äusserten sich im Be
richt vom
1.
Juni 2017 (
Urk.
5/52) zur ambulanten Behandlung der Beschwerde
führerin im
K
antonsspital
D._
seit dem 1
6.
April 2016 und einer stationären Behandlung vom 1
8.
bis 2
7.
Mai 2017 (S. 2
Ziff.
1.2 und 1.3).
Dr.
E._
und
Dr.
F._
nannten als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
Asthma bronchiale, Erstdiagnose 3
0.
Juni 2016
, mit
-
s
chwer einstellbarer
mittelschwerer
bis schwerer obstruktiver Ventila
tionsstörung bei medikamentös ausgebauter Therapie
-
Status nach Nikotinabusus
-
computertomographisch leichtes
zentroazinäres
Lungenemphysem api
kal betont beidseits
-
mehrere bis 5 mm messende Lungenknötchen beidseits
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine schwere Soorstomatitis (S. 2
Ziff.
1.1). Zur Anamnese wurde ausgeführt, seit über einem Jahr bestehe eine
progrediente
Anstrengungsdyspnoe mit einem auch morgendli
chen
Thoraxoppressionsgefühl
und einem
Thoraxdruck
(S. 2
Ziff.
1.4).
Es finde eine ausgebaute Asthmatherapie statt mit
Vannair
, intermittierend systemische
n
Steroide
n
und zusätzlich
Nucala
(S. 2
Ziff.
1.4).
Die Ärzte attestierten für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Raumpflegerin seit dem
7.
April 2016 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 2
Ziff.
1.6).
3.8
Dr.
B._
attestierte im Verlaufsbericht vom
6.
April 2018 (
Urk.
5
/64/1-4) für die bisherige und eine angepasste Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 20
%
beziehungsweise eine
Arbeitsunfähigkeit von 80
%
(S. 1 f.
Ziff.
2.1).
3.9
Dr.
C._
nannte
im Verlaufsbericht vom 1
4.
Mai 2018 (
Urk.
5/66/1-5)
neu
als
Verdachtsdiagnose
neuropathische Schmerzen beider Beine
. Zudem stellte er neu die Diagnose
schweres
eosinophiles
Asthma bronchiale und COPD
(S. 1
Ziff.
1.1).
Er gab zur Anamnese an, die Beschwerden seien unverändert. Es be
stünden eine Atemnot bei
einem
Asthma, Kopf- und Nackenschmerzen und zu
dem
ein
Schwindel. Seit dem letzten Beric
ht sei es mehrmals zu
Infekt
exazer
bationen
des Asthmas gekommen. Intermittierend sei Predni
s
on gegeben worden (S. 2
Ziff.
1.4). Die Patientin arbeite aktuell zu 20
%
als Raumpflegerin. Sie könne sich die Zeit je nach
den
Beschwerden selbst einteilen. Eine Erhöhung des Arbeits
pensums sei wegen der anhaltenden Symptomatik nicht möglich.
Es handle sich
um Atemnot,
einen
Schwindel, Nacken- und Kopfschmerzen und eine Depression (S. 2
Ziff.
1.4).
Dr.
C._
attestierte für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit seit dem
1.
November 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
(S. 2
Ziff.
1.6).
3.10
Dr.
F._
,
K
antonsspital
D._
,
gab im Schreiben vom 2
4.
Oktober 2018 (
Urk.
5/86) an, am 2
9.
August 2018 sei es nach
der
Untersuchung
im
A._
zu einer schwersten
hos
pitalisationsbedürftigen
Asthma-Exazerbation gekommen. Beim Eintritt in die Klinik habe das Bild einer schweren Exazerbation bestande
n mit stark obstruk
tivem Auskultations
befund und einer Sättigung
von
91
%
.
Nach der
Therapie mit unter anderem systemischen Steroiden sei es zu einer lan
gsamen Verbesserung des Befundes
gekommen und zur Entlassung
der Beschwerdeführerin
aus der Klinik
am
4.
September 201
8.
Aufgrund einer
Therapie mit
Nucala
bestehe wieder eine ordentliche stabile Situation.
Insgesamt zeige die Exazerbation aber den eindrücklichen Schweregrad des Asthmas im Sinne eines «
Brittle
»-Asthma.
3.11
3.11.1
Die Gutachter des
A._
erstatteten am
3.
Januar 2019 (
Urk.
5/89) im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein polydisziplinäres Gutachten. Es beruht auf den fach
ärzt
lichen Untersuchungen vom 2
8.
August bis 2
7.
September 2018 und ist
unter
zeichnet
von
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
med.
pract
.
H._
, Fachärztin
für Chirurgie,
Dr.
med.
I._
, Fach
ärztin
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates,
Dr.
med
.
J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
und für Neuro
logie
,
Dr.
K._
, Dipl. Psychologin, und PD
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Neurologie (
Urk.
8/89/10
).
Med.
pract
.
H._
und
Dr.
G._
führten im internistischen Teilgutachten (
Urk.
5/89/21-39) aus,
die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass
sie
eine
De
pression habe und psychische Probleme bestünden. Daneben leide sie an
einem
Asthma und
an
Nacken- und Schulterschmerzen, welche teilweise in den Hinter
kopf ausstrahlten (S. 2
Ziff.
3.1). Die Beschwerdeführerin habe nach der Grund
schule keine Ausbildung
absolvier
t. Nach der Einreise in die Schweiz 2013 habe
sie im März 2014 eine Arbeitsstelle als Raumpflegerin gefunden (S. 2 f.
Ziff.
3.
2.2). Nachgefragt, ob sie sich vorstellen könne
,
80
%
zu arbeiten, habe sie angegeben, sie suche eine Arbeitsstelle
mit einem Pensum von
20
%
und nicht
mit
80
%
. Aktuell
arbeite sie mit einem Pensum von
20
%
(S. 3
Ziff.
3.2.3 Mitte).
Ihre gesundheitlichen Probleme hätten begonnen, als ihr Sohn im Juni 2015 ums Leben gekommen sei. Sie habe starke psychische Probleme und eine Depression bekomm
en
. Damals sei es ihr schlechter gegangen als jetzt (S. 6 oben).
Bezüglich der Fussschmerzen habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass auch diese besser geworden seien (S. 6
Mitte). Nach dem
pneumologischen
Konsilium vom 2
3.
Oktober 2018
bestünden
ein chronisches Asthma bronchiale bei einer aktuell obstruktiven Vent
ilationsstörung leichten Grades,
ein leichtes
zentroazinäres
Lungenemphysem
und eine
Vocal
Cord
Dysfunction
mit Panikattacken mehrmals täglich
(
S.
13 oben).
Hinweise auf ein schwer einstellbares Asthma bronchiale
bestünden
nicht (S. 13 unten).
Die Gutachter nannten als internistische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 14
Ziff.
6.1.1):
chronisches Asthma bronchiale (Erstdiagnose 3
0.
Juni 2016)
-
aktuell obstruktive Ventilationsstörung leichten Grades
-
aktuell klinisch kontrolliert
Zudem stellten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 15
Ziff.
6.1.2):
-
Adipositas Grad I
-
arterielle Hypertonie
-
Hypercholesterinämie
-
computertomographisch
(1
6.
November 2016) leichtes
z
entroazinäres
Lungenemphysem
-
Vocal
Cord
Dysfunction
, VCD
-
mehrmals täglich Panikattacken
Es bestünden S
ymptome
eines
Asthma
bronchiale. Die klinische Untersuchung habe
jedoch
bis auf das Giemen bei der Auskul
t
ation altersentsprechend normale Befunde ergeben, ohne Hinweise auf eine Links- oder Rechtsherzinsuffizienz.
Das EKG zeige einen unauffälligen Erregungsablauf. Als Hauptursache der Atemnot sei
ein
e
Vocal
Cord
Dysfunction
in Zusammenhang mit P
anikattacken
festgestellt
worden, die
aus psychiatrischer Sicht beurteilt und behandelt werden
müssten
. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der stabilen pulmonalen Situation nicht eingeschränkt
(S. 15
Ziff.
7.1).
Bezüglich der Asthmaerkrankung sei eine leitliniengerechte Therapie eingeleitet worden. In den
Arztb
erichten sei mehrfach erwähnt worden, dass die Compliance bei der Inhalation beziehungsweise
der
Anwendung derselben nicht korrekt sei
.
Weiter
falle auf, dass sich die
objektivierbare
Symptomatik des Asthma bron
chi
a
le während einer
Hospitalisation
im
Kantonsspital D._
und ein
e
s anschliessenden Reha-Aufent
haltes deutlich gebessert habe
(S. 16
Ziff.
7.2 oben). Das Asthma selber sei stabil und wirke sich nur insofern aus, als die Beschwerdeführerin für schwere Tätig
keiten eingeschränkt sei (S. 16
Ziff.
7.2 Mitte).
Aus chirurgisch-internistsicher Sicht sei die Beschwerdeführerin in der ange
stammten Tätigkeit im Reinigungsdienst seit jeher während acht Stunden pro Tag
zu 100
%
arbeitsfähig. Lediglich für die Zeiträume der Exazerbationen
des Asthma
bronchiale und während der
Hospitalisationen
sei vorübergehend von einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
auszugehen.
In einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit sei
die Beschwerdeführerin
ebenfalls zu 100
%
arbeitsfähig (S.
17
Ziff.
8.1 und 8.2).
3.11.2
Dr.
I._
nannte
im orthopädischen Teilgutachten (
Urk.
5/89/40-54)
als Dia
gnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 11
Ziff.
6.1.2):
-
Zervikal- und Lumbal
syndrom ohne
radikuläre
Reizung
-
Arthralgie rechtes Sprunggelenk ohne behinderungsrelevantes Korrelat
-
Senk-Spreizfuss beidseits
Eine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte
die Gutachterin
nicht (S. 11
Ziff.
6.1.1).
Aus
orthopädischer Sicht bestehe in der bisherigen Tätig
keit für ein Pensum von 100
%
eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 0
%
. Eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit habe
im relevanten Zeitraum
nicht bestanden.
Dem
Alter und Kenntnisstand
der Beschwerdeführerin
entsprechend seien ihr sämtliche Tätigkeiten
mit einem Pensum von 100
%
möglich (S.
13
Ziff.
8.1 und 8.1).
3.11.3
PD
Dr.
L._
nannte
im neurologischen Teilgutachten
(
Urk.
5/89/55-66)
als
Diagnose
mit
Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit
chronische Kopfschmerzen vom S
pannungstyp. Als Differentialdiagnose nannte
er
einen
Analgetika-indu
zierter Kopfschmerz (S. 8
Ziff.
6).
Gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin sei das
Arbeitstempo
aufgrund der chronischen Kopfschmerzen um zirka einen Viertel bis einen Drittel verlangsamt. Diese Einschätzung sei durchaus nachvollziehbar. Es sei aber unmöglich abzu
grenzen, welcher Anteil der Verlangsamung
durch die Depression erklärt werden könne (S. 10
Ziff.
7.2). Die Angaben der Beschwerdeführerin stünden in Einklang mit den Akten. Es finde sich jedoch ein deutlicher Wiederspruch zwischen der Intensität der Kopfschmerzen, die bei der Untersuchung mit 8/10 auf der
Ana
logs
kala angegeben worden
sei,
und dem während der Anamnese und der Unter
suchung gänzlich fehlenden Eindruck
einer
Schmerzgeplagtheit
. Sämtliche Bewe
gungen seien ohne eine sichtliche Zunahme allfälliger Schmerzen durchgeführt worden (S. 10
Ziff.
7.5). Die Kopfschmerzen bedingten
für die Arbeiten als Reini
gungskraft
eine Reduktion der Leistungsfähigkeit um zirka 25-30
%
. Eine ab
schliessende Beurteilung sei aber nicht sinnvoll, da das therapeutische Potential nicht ausgeschöpft sei. Schwere körperliche Arbeiten würden bereits vermieden. Eine weitere Anpassung der Tätigkeit sei nicht erfolgsversprechend (S. 10 f.
Ziff.
8.1 und 8.2).
3.11.4
Dr.
J._
führte im psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
5/89/78-107) aus,
die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie psychische Probleme habe in Form von Angst und Panik (S. 2
Ziff.
3.2.1 Mitte). Die Panik äussere
sich
durch
eine
Angst und
durch
Zittern.
Die
Beschwerden würden anfallsartig auftreten
und dauerten 30 Minuten oder länger
(S. 2
f.
Ziff.
3.2.1).
Die Beschwerdeführer
in
habe ausreichend soziale Kontakte. Ein sozialer Rückzug sei nicht
zu eruieren
(S. 10 oben). Die psychiatrische Therapie habe sie im Juni 2015 kurz nach dem Tod des Sohnes begonnen. Sie habe die Psychiaterin über längere Zeit zweimal pro Woche aufgesucht. Jetzt erfolge die Therapie noch einmal im Monat. Die Psychiaterin habe die Medikation alle vier bis fünf Monate verändert (S. 10 f.).
Einen statio
nären Aufenthalt habe die Beschwerdeführerin vor allem wegen ihrer schlechten Deutschkenntnisse nicht gewollt (S. 11 oben).
Es seien Angstattacken vorhanden, die allerdings in letzter Zeit selten und wahr
scheinlich nicht im Vollbild
ausgeprägt auftreten
würden. Diese entsprächen am ehesten Panikattacken, auch Hyperventilationsanfä
lle seien möglich (S. 15 oben).
Die affektive Stimmungslage sei als überwiegend mittelgradig
depressiv
zu be
urteilen. Es bestehe eine Stimmungslabilität
. Das Selbstwertgefühl sei nicht rele
vant beeinträchtigt
(S. 15 unten).
3.11.5
Dr.
J._
nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig, teilremittiert (ICD-10 F32.1) bei Pro
blemen mit Bezug auf den engeren
Familienkreis (ICD-10 Z63, Tod eines Familienangehörigen, S. 21
Ziff.
6.1.1).
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
die Gutachterin
(S. 21 f.
Ziff.
6.1.2):
-
Verdacht auf chronische Schmerzstörung mit psychischen und somati
schen
Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifi
zierten Krankheiten (Asthma bronchiale, ICD-10 F54)
Es seien keine persönlichen Ressourcen vorhanden, ausser familiäre Beziehungen und die Beziehung zu einer Freundin.
Als sehr positiv sei zu bewerten
, dass es
zu der
erlebten deutlichen Verbesserung gekommen sei, was
zu
einem grossen Teil
auf der psychiatrischen Therapie in der Muttersprache der Explorandin beruhe (S.
22
Ziff.
6.2 oben).
Im Vordergrund des Leidens stehe ein
teilremittiertes de
pressives Syndrom mit Ängsten
. Als Ursache sei aufgrund der Aktenlage eine de
pressive Episode plausibel
(S. 22
Ziff.
6.2 unten).
Die Diagnose einer anhalten
den somatoformen Schmerzstörung sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerecht
fertigt (
S. 24 Mitte).
Im Alltag bestehe eine knapp mittelgradige funktionelle Einschrän
kung mit einer deutlichen Tendenz zur Besserung. Der Wiedereinstieg in die Arbeitstätigkeit werde von der Explorandin als positiv erlebt. Der Therapieverlauf
sei grundlegend als positiv einzuschätzen. Massnahmen zu einer intensiveren psy
chiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung würden von der Beschwerde
füh
rerin aber abgelehnt, insbesondere ein stationärer Aufenthalt. Ein solcher sei aufgrund der Sprachbarriere wahrscheinlich als schwierig anzusehen. Grundle
gend sei, das Arbeitspensum zu erhöhen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe höch
stens eine Einschränkung von 50
% (S. 25 unten).
Es bestehe ein teilremittiertes depressives Syndrom mit maladaptivem Krank
hei
ts
verhalten
, einer Selbstlimitierung
d.h.
einer Selbstabwertung
,
mit den ent
spre
che
nden affektiven Einschränkungen,
einer verminderten
Lebensfreude, redu
zier
ten Vitalgefühlen und leichten Konzentrations- und Aufmerksamkeits
stö
run
gen. Letzte
re
würden sich in der Beziehungsgestaltung und den sozialen Interak
tionen, wie
einem
sozialem Rückzug, verminderter Spontanaktivität, Gruppenfähigkeit usw.
,
auswirken
,
und schränkten die Alltagsfunktionalität relevant ein (S. 26 f.
Ziff.
7.2). Die Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht aktuell somatisch stärker eingeschränkt als psychiatrisch. Dies sei Ausdruck einer deutlichen
Ver
b
esserung. Die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode sei trotzdem immer noch gerechtfertigt (S. 27
Ziff.
7.3).
In der bisherigen Tätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit zu 50
%
eingeschränkt,
was
ein Pensum von vier Stunden täglich ohne Leistungseinschränkung
beinhalte
. Nach
dem Tod des ältesten Sohnes habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
be
standen.
Wann die Beschwerdeführerin tatsächlich
wieder
zu 20
%
arbeitsfähig gewesen sei, lasse sich retrospektiv anhand der Akten nicht beurteilen (S. 28
Ziff.
8.1). Für andere Tätigkeiten bestehe ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(S. 29
Ziff.
8.2). Es werde empfohlen, die ambulante psychiatrische Therapie weiterzuführen (S. 29
Ziff.
8.3).
3.11.
6
Die Gutachter des
A._
stellten in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung (
Urk.
5/89/
1-
10) folgende relevante Diagnosen (S
.
5 f.):
-
chronisches Asthma bronchiale (Erstdiagnose 3
0.
Juni 2016)
-
aktuell obstruktive Ventilationsstörung leichten Grades
-
aktuell klinisch kontrolliert
-
computertomographisch leichtes
zentroazinäres
Lungenemphysem
-
Vocal
Cord
Dysfunction
, VCD
-
mehrmals täglich Panikattacken
-
Zervikal- und Lumbalsyndrom ohne
radikuläre
Reizung
-
Arthralgie rechtes Sprunggelenk ohne behinderungsrelevantes Korrelat
-
Senk-Spreizfuss beidseits
-
c
hronische Ko
pfschmerzen vom Spannungstyp, Differentialdiagnose Anal
getika-induzierter Kopfschmerz
-
depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig, teilremittiert (ICD-10 F32.1)
-
Belastungsfaktoren: Probleme mit Bezug auf den engeren Familienkreis (ICD-10 Z63, Tod eines Familienangehörigen)
-
chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifi
zierten Krankheiten (Asthma bronchiale, ICD-10 F54)
Aus internistisch-
pneumologischer
Sicht sei die Beschwerdeführerin durch das stabile chronische Asthma insofern eingeschränkt, als schwere Tätigkeiten nicht mehr möglich seien
. Aus neurologischer Sicht sei das Arbeitstempo
wegen
der chronischen Kopfschmerzen um zirka einen Viertel bis einen Drittel verlangsamt
(S. 6
Ziff.
4.3 Mitte).
Aufgrund ihrer wenigen Ressourcen sei es für die Beschwer
deführerin besonders schwierig, den Verlust des Sohnes angemessen zu verarbei
ten. Die Entwicklung einer depressiven Episode sei daher insofern durchaus nach
vollziehbar und plausibel, zum Beispiel im Rahmen einer prolongierten Trau
er
reaktion (S. 7
Ziff.
4.5). Trotz starker Beschwerden könne
sie
ihren Haushalt weitgehend allein verrichten (S. 7
Ziff.
4.6).
Die Beschwerdeführerin sei in der angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft seit der Begutachtung zu 50
%
arbeitsfähig. Nach dem Tod des ältesten Sohnes habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden
.
Nach den Akten könne retro
spektiv nicht festgestellt werden, zu welchem Zeitpunkt eine Arbeitsaufnahme wieder möglich gewesen wäre.
In einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit sei
die Beschwerdeführerin seit der Begutachtung
ebenfalls
zu 50
% arbeitsfähig (S. 8
Ziff.
4.7 und 4.8).
3.12
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
RAD,
führte in der Stellungnahme vom
1
1.
Januar 2019 (
Urk.
5/120 S. 8 f.)
aus, das Gut
achten
des
A._
sei schlüssig
und d
ie
Schlussfolgerungen
der Gutachter
, ins
besondere zur Arbeitsfähigkeit, seien nachvollziehbar (S. 8 unten). Gemäss
deren Einschätzung
bestehe in der angestammten und in einer angepassten Tätigke
it eine Arbeitsfähigkeit von 50
%.
Der genaue zeitliche Verlauf der Arbeitsfähigkeit sei von den Gutachtern nicht angegeben worden.
Nach
dem Ereignis vom Juni 2015 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Nach einem zeitlichen Abstand von einigen Monaten könne gegen Ende 2015 medizinisch-theoretisch von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
ausgegangen werden (S. 9 oben).
3.13
Dr.
F._
gab im Verlaufsbericht vom 2
0.
August 2020 (
Urk.
5/117) an, der Ge
sundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich verschlechtert (S. 1
Ziff.
1.1). Er stellte unt
er anderem die Diagnose
schweres
eosinophiles
Asthma bronchiale bei einer vor der Medikation mit
Nucala
unkontrollierten Situation mit
repetitiven
Exazerbationen.
Mit der Medikation
sei es
im
September
2018
zu einer Exa
zerbation gekommen mit akuter respiratorischer Globalinsuffizienz.
Im
Juni, Juli 2019,
im
Mai sowie im Juli 2020
sei es zu vier weiteren
Exazerbationen ge
kommen
(S. 1
Ziff.
1.2).
Dr.
F._
attestierte ein
e Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Er gab an, die Patientin arbeite aufgrund der medizinischen Gründe nicht (S. 2
Ziff.
2.1). Unter der
Therapie mit
Nucala
sei es zur Stabilisierung der Gesamtsituati
on gekommen. Seit Juni 2019 seien aber
i
nsgesamt vier steroidbedürftige
Exazerbationen
aufgetrete
n (S. 3
Ziff.
3.1).
3.14
Dr.
B._
führte im Verlaufsbericht vom 1
2.
Oktober 2020 (
Urk.
5/119) die im Gutachten des
A._
gestellten Diagnosen auf (S. 1
Ziff.
1.2). Sie führte aus, eine grosse Veränderung des Zustandsbildes
habe sich nicht
ergeben. Die
Be
schwerdeführerin könne
als Reinigungsmitarbeiterin beim bisherigen Arbeitgeber bis jetzt nicht mehr als 20
% arbeiten. Eine Steigerung der Leistungsfähigkeit sei nicht erreicht worden (S. 1
Ziff.
1.3).
Dr.
B._
attestierte eine Arbeits
un
fähigkeit von 80
%
(S. 2
Ziff.
2.2). Die ambulante Behandlung erfolge
alle ein bis zwei Monate
(S. 2
Ziff.
3.1).
3.15
Dipl.-
Med.
N._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin
und für Prävention und Gesundheitswesen
, RAD,
führte in der Stellungnahme vom 2
3.
September 2020 (
Urk.
5/120 S. 13 ff.) aus,
aus internistischer Sicht
bestehe keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagno
sen ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden unter ande
rem ein chronisches Asthma bronchiale, unter
Nucala
weitgehend kontrollie
rt
bei einer obstruktiven Ventilationsstörung leichten Grades, ein leichtes
zentroazi
näres
Lungenemphysem
, Fussschmerzen unklarer Ätiologie bei einem Verdacht auf neuropathische S
chmerzen
, chronische Kopfschmerzen
sowie ein HWS- und ein
LWS-Syndrom
(S. 13 f.).
Bezüglich der
bisherige
n
Tätigkeit als Raumpflegerin komme es bei schwerer körperlicher Belastung zu Atemnot. Zudem würden wiederholt Kopf- und Nackenschmerzen auftreten und es bestehe eine Verlan
g
samung. Schwere körperliche Tätigkeiten seien der Beschwerdeführerin daher nicht möglich. Leichte wechselbelastende Tätigkeiten könnten dagegen ohne Ein
schränkungen verrichtet werden. Aus allgemeinmedizinisch-internistischer Sicht bestehe in der bisherigen Tätigkeit als Raumpflegerin eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
. I
n einer angepassten Tätigkeit bestehe ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
(S. 14 oben).
Im internistischen Teilgutachten des
A._
sei für die Tätigkeit als Raumpflegerin keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit festgestellt worden. Die behandelnden Ärzte seien der Auffassung, dass die Beschwerdeführerin der Tätigkeit
lediglich zu 20
% nachgehen könne. Die gesundheitliche Situation habe sich durch die Gabe eines
Antiasthmatikums
verbessert und stabilisie
rt. Die Höhe
der von den behandelnden Ärzten attestierten Arbeitsunfähigkeit erstaune daher. Aus versicherungsmedizinischer Sicht lasse sich für eine angepasste Tätigkeit in Anlehnung an das
Medas
-Gutachten keine Arbeitsunfähigkeit feststellen. Seit der letzten Stellungnahme des RAD habe sich der Gesundheitszustand aus soma
tischer Sicht nicht beziehungsweise nur phasenweise im Rahmen von Exazer
bationen verschlechtert (S. 14 unten).
3.16
RAD-Arzt
Dr.
M._
gab in einer weiteren Stellungnahme vom
1
9.
Oktober 2020 (
Urk.
5/120 S.
15
f.) an, gemäss dem Bericht von
Dr.
B._
vom 1
2.
Oktober 2020 finde
die Psychot
herapie alle ein bis zwei Monate statt. Es könne daher nicht von einer leitliniengerechten oder wirksamen Behandlung ausgegangen werden.
Im Weiteren werde
auf das Gutachten des
A._
und die Stellungnahme vom Januar 2019
verwiesen.
4.
4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
a
us (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
li
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
4.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
4.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.
5.1
Die Gutachter des
A._
stellten
im Wesentlichen
folgende
Diagnosen
(
vgl.
E.
3.11.6):
-
chronisches Asthma bronchiale
-
leichtes
zentroazinäres
Lungenemphysem
-
Vocal
Cord
Dysfunction
-
Zervikal- und Lumbalsyndrom ohne
radikuläre
Reizung
-
chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp
-
depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig, teilremittiert
-
chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren
-
psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifi
zierten Krankheiten (Asthma bronchiale)
Die Gutachter
kamen zur Einschätzung, dass
nach dem Ereignis vom Juni 2015
für jede Tätigkeit
zunächst eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden habe
.
Aktuell bestehe
in der angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft und in einer an
gepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (E. 3.11.6).
Dr.
M._
schloss sich der Beurteilung
durch die Gutachter des
A._
an und attestierte
aus psychiatrischer Sicht
ebenfalls eine
Arbeits
un
fähigkeit von 50
%
(E. 3.12
und 3.16 hiervor)
.
RAD-Ärztin Dipl.-
Med.
N._
attestierte aus internistischer Sicht für
die angestammte und eine angepasste Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit
von 100 % (E. 3.15).
Die Beschwerdegegnerin wich
indes
aufgrund einer
interne
n
P
rü
fung
durch die Sachbearbeitung
vom 1
5.
M
ärz 2019
(
«
Prüfung
der Diagnosen
durch den Rechtsanwender
»
)
v
on der Beurteilung
im Gutachten des
A._
ab und stellte darauf ab, dass in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit eine Arbeits
fähigkeit von 100
%
bestehe (
Urk.
5/120
S. 9-11, insbesondere
S. 11 oben).
Von Seiten der behandelnden Ärzte nannte
Dr.
F._
als Diagnose ein schweres
eosinophiles
Asthma bronchiale m
it wiederholten Exazerbationen. I
m Verlaufs
bericht vom 2
0.
August 2020
attestierte
er
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(E.
3.13)
.
Dr.
B._
nannte als Diagnose eine rezidivierende depressive Stö
rung.
Zuletzt attestierte sie in den
Verlaufsberichten vom
6.
April 2018 und vom 1
2.
Oktober 2020
eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
(E.
3.2,
3.5, 3.8
und 3.14).
5.2
Bezüglich der
Diagnose einer
depressiven Störung sollen die Kategorien leichte, mittelgradige und schwere depressive Episode nur für eine einzelne depressive Episode verwendet werden. Weitere depressive Episoden sind einer der Unter
for
men der rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33) zuzuordnen (ICD-10,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, 1
0.
Aufl., S
.
171 oben).
Gutachterin
Dr.
J._
diagnostizierte
im psychiatrischen Teilgutachten
des
A._
von Januar 2019
lediglich
eine depressive Episode
(E. 3.11.5)
, was die Sach
bearbeitung der Beschwerdegegnerin zur Schlussfolgerung
führte
,
es sei «von einer Überwindbarkeit» auszugehen (
Urk.
5/120 S. 11 oben)
. Dies obschon
die behandelnde Psychiaterin
ab dem Jahr 2015
wiederholt eine rezidivierende de
pressive Störung
bei einer
zunächst
schweren depressiven
Episode
diagnostiziert hatte
(vgl. E
. 3.1,
3.2
und
3.5
,
Urk.
5/64/1
Ziff.
1.1
)
, was für eine rezidivierende depressive Störung sprechen würde.
Dr.
J._
ging
in ihrer Beurteilung
nicht
auf die Berichte von
Dr.
B._
ein und legte nicht dar,
weshalb die Kriterien einer rezidivierenden depressiven Störung nicht erfüllt
sein sollten
(E. 3.11.4 und 3.11.5)
.
Eine Diskussion
zur
abweichenden Beurteilung
durch die behandelnde
Psychiaterin
hätte jedoch erfolgen müssen
.
Gegen
das Vorliegen einer
depressive
n
Episode
spricht
weiter
,
dass
die
A._
-Gut
achter für die Zeit nach dem Tod des Sohnes der Beschwerdeführerin
zunächst
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert
en
.
Damit räumten sie ein
, dass
be
reits im Jahr 2015
eine relevante die Arbeitsfähigkeit einschränkende psychia
tri
sche Störung vorgelegen haben muss,
wobei jedoch unklar blieb, aufgrund wel
cher konkreten Diagnose anfänglich eine 100%ige und später
allenfalls
80%ige Arbeitsunfähigkeit bestand (
Urk.
5/89 S. 8
Ziff.
4.7-4.8, S. 105 f.
Ziff.
8.1-8.
2.
Schliesslich ergibt sich nicht
,
wie die Diagnose
einer depressiven Episode, gegen
wärtig mittelgradig, teilremittiert, zu verstehen ist.
So ist fraglich, ob die depres
sive Episode überhaupt oder
nur die
mittelgradige Ausprägung der Depression als teilremittiert
im Sinne einer leichten Ausprägung
zu
interpretieren
ist
oder ob es sich bei der mittelgradigen Ausprägung um den remittierten Zustand handelt
.
Die Beschwerdegegnerin hat es unterlassen
,
die offenen Fragen mittels Rückfragen bei den Gutachtern
zu klären.
5.3
Des Weiteren kann der
internen Prüfung durch
die Sachbearbeitung der
Be
schwerdegegnerin vom 1
5.
März 2019 (
Urk.
5/120 S. 9 ff.) nicht gefolgt werden. Die Beschwerdegegnerin ging insbesondere aufgrund der Diagnose
einer depres
siven Episode, teilweise remittiert,
für eine leichte bis mittelschwere
Tätigkeit
zufolge Überwindbarkeit
von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 100
%
aus. Sie gab dazu an,
es solle
eine stationäre Behandlung der Kopfschmerzen mit psy
chiatrischer Betreuung in der Muttersprache
der Beschwerdeführerin
mit an
schlies
sender engmaschiger Weiterbetreuung erfolgen (
Urk.
5/120 S. 11 oben). Wie
vorstehend
d
argelegt,
kann
zum einen
nicht unbesehen auf die Diagnose einer depressiven Episode abgestellt werden
, womit die Schlussfolgerung der Be
schwerdegegnerin bereits in Frage gestellt ist
.
Zum anderen
kann der Beschwer
degegnerin
insofern
nicht gefolgt werden,
als
sie einen Leistungsanspruch unter Hinweis auf die Behandelbarkeit
und Überwindbarkeit
einer Depression verneinte. Nach der mit BGE 143 V 409 E. 4.5.2 geänderten Rechtsprechung des Bundes
gerichts kann ein Leistungsanspruch nicht länger unter Berufung auf die gute Behandelbarkeit
oder Überwindbarkeit
einer Depression abgelehnt werden. Statt
dessen ist notwendigerweise ein
strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen (vgl. E. 5.3).
5.4
Zur Stellungnahme von Dipl.-Med.
N._
vom 2
3.
September 2020 ist zu sagen
, dass die RAD-Ärztin
zwar
angab
,
dass
die
Bes
chwerdeführerin
in der ange
stammten Tätigkeit
gesundheitsbedingt keine schweren
körperlichen
Arbeiten
mehr
verrichten könne
. In der Folge attestierte sie für die Tätigkeit als Raum
pflegerin
- welche auch schwere Tätigkeiten beinhalten dürfte -
gleichwohl
eine Arbeitsunfähi
gkeit von 0
%
(E. 3.15 hiervor)
.
Das
im internistisc
hen Teilgutachten
des
A._
festgestellte
Asthma bronchiale bei einer
obstruktive
n
Ventilations
störung leichten Grades (E
. 3.11.1) steht sodann die Einschätzung durch
Dr.
F._
entgegen, der
ein schweres
eosinophiles
Asthma bronchiale bei einer mittel
schweren bis schweren obstruktiven Ventilationsstörung diagnostizierte
(vorste
hend E. 3.7
und 3.13
).
Der Schweregrad
des Asth
m
a
bronchiale bleibt damit unklar.
Dr.
F._
war
sodann
nicht bekannt, dass die Gutachter des
A._
ein
Vocal
Cord
Dysfunction
bei
Panikattacken diagnostiziert
hatten.
5.5
Auf das internistische und
das psychiatrische Teilgutachten des
A._
und die Gesamtbeurteilung
der Gutachter kann aufgrund
der
zahlreichen
offenen Fragen
n
icht abgestellt werden.
Auf die Beurteilung durch die behandelnden Ärzte kann ebenfalls nicht abgestellt werden.
Gegen die Beurteilung durch
Dr.
B._
spricht, dass sie die im
A._
Gutachten gestellten Diagnosen im Verlaufsbericht vom 1
2.
Oktober 2020 offenbar übernommen hat
,
ohne sich weiter mit den Dia
gno
sen
der
A._
-Gutachter
auseinanderzusetzen
(E. 3.14)
.
Weiter
ist
auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, wonach Berichte der behandelnden Ärzte auf
grund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauens
stellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 313 E. 3b/cc). Dies gilt für einen allgemein prak
tizierenden Hausarzt wie auch für einen be
handelnden Spezialarzt (Urteil des Bundesgerichts I 803/05 vom 6. April 2005 E. 5.5).
5.
6
Zusammenfassend erfüllt das polydisziplinäre Gutachten des
A._
vom
3.
Januar
2019 die Anforderungen an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens nicht
(vgl. E. 4.1)
. Da auch nicht
allein
auf die Beurteilung durch die behan
deln
den Ärzte abgestellt werden kann, ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zu
rück
zuweisen, damit sie erneut eine internistische und psychiatrische Begutach
tung der Beschwerdeführerin
unter Beachtung des strukturierten Beweisverfah
rens
veranlasse
. Anschliessend hat
sie
über einen Rentenanspruch erneut zu ver
fügen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf
Fr.
700.-- festzulegen. Ausgangsgemäss sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.