Decision ID: 117a9432-a183-4b66-90d2-9ca3e122e502
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.- X, geb. 1969, wohnt in A und ist alleinstehend. Im Jahr 2018 hatte sie Einkünfte aus
unselbständiger Erwerbstätigkeit von Fr. 18'847.–. Zudem bezog sie eine
Erwerbsausfallentschädigung in der Höhe von Fr. 19'871.–. Im Jahr 2019 bezog sie IV-
Taggelder von insgesamt Fr. 15'313.– sowie eine Erwerbsausfallentschädigung von
Fr. 23'291.–. Sie wurde am 25. September 2019 für die Kantons- und Gemeindesteuern
2018 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 33'500.– ohne steuerbares Vermögen
sowie für die direkte Bundessteuer 2018 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr.
35'000.– veranlagt. Am 28. November 2019 stellte sie ein Gesuch um Erlass der
Kantons- und Gemeindesteuern 2018 von Fr. 2'906.50 und der direkten Bundessteuer
2018 von Fr. 161.35. Das Kantonale Steueramt wies das Erlassgesuch am 16. Januar
2020 ab mit der Begründung, X verfüge über eine monatliche freie Quote von Fr. 287.–.
Bei dieser freien Quote sei es objektiv möglich und zumutbar, die offenen Steuern in
absehbarer Zeit zu bezahlen.
B.- Am 1. April 2020 wurde X für die Kantons- und Gemeindesteuern 2019 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 31'400.– ohne steuerbares Vermögen sowie für die
direkte Bundessteuer 2019 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 33'600.–
veranlagt. Sie stellte am 14. Mai 2020 ein Gesuch um Erlass der Kantons- und
Gemeindesteuern 2018 von Fr. 2'906.50 und der direkten Bundessteuer 2018 von
Fr. 161.35 sowie der Kantons- und Gemeindesteuern 2019 von Fr. 2'933.55 und der
direkten Bundessteuer 2019 von Fr. 149.20. Mit Entscheid vom 11. September 2020
wies das Kantonale Steueramt das Erlassgesuch ab. X verfüge über eine freie Quote
von Fr. 380.– pro Monat, weshalb es ihr objektiv möglich und zumutbar sei, die offenen
Steuern in absehbarer Zeit zu bezahlen.
C.- Mit Eingabe von 17. September 2020 liess X gegen den Entscheid des Kantonalen
Steueramts vom 11. September 2020 Rekurs und Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) erheben mit dem Antrag,
das Erlassgesuch sei zu genehmigen. Mit Vernehmlassung vom 15. Oktober 2020
beantragte das Kantonale Steueramt die Abweisung des Rekurses und der
Beschwerde. Dazu äusserte sich die Vertreterin von X mit Eingabe vom 26. Oktober
2020. Am 25. Januar 2021 teilte sie zudem mit, dass sich die finanzielle Situation von X
weiter verschlechtert habe. Mit Schreiben vom 4. März 2021 wurde sie vom
Verfahrensleiter aufgefordert, die veränderte finanzielle Situation mit entsprechenden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Unterlagen zu belegen. Dieser Aufforderung kam sie mit Eingabe vom 8. März 2021
nach. Dazu nahm das Kantonale Steueramt am 14. April 2021 Stellung. Mit Schreiben
vom 3. Juni 2021 forderte der Verfahrensleiter die Vertreterin von X auf, mitzuteilen, ob
dem im Jahr 2019 zugelegten Motorfahrzeug Kompetenzcharakter zukomme. Die
Vertreterin machte mit Eingabe vom 5. Juni 2021 Ausführungen zum Motorfahrzeug.
Auf die Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis
zur Erhebung der Rechtsmittel ist gegeben. Die Eingabe vom 17. September 2020 ist
rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 und Art. 224 Abs. 4 des Steuergesetzes,
sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 167 und 167g Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und Art.
48 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs und die Beschwerde ist einzutreten.
2.- Streitig ist, ob die Vorinstanz das Gesuch um Steuererlass zu Recht abwies.
a) Gemäss Art. 224 Abs. 1 StG kann Steuerpflichtigen, die in Not geraten sind oder für
welche die Bezahlung der Steuern, der Zinsen, der Bussen oder der Kosten eine
grosse Härte bedeutet, der geschuldete Betrag gestundet oder ganz oder teilweise
erlassen werden. Anlass zum Steuererlass gibt vor allem die Rücksicht auf die Person
der Schuldner. Diese sollen aus humanitären, sozialpolitischen oder
volkswirtschaftlichen Gründen nicht in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet werden.
Dem Wesen nach handelt es sich beim Steuererlass um den nachträglichen Verzicht
des Gemeinwesens auf einen ihm zustehenden steuerrechtlichen Anspruch. Aus
Gründen der rechtsgleichen Behandlung der Steuerpflichtigen muss der Steuererlass
eine Ausnahme bleiben, welche nur unter bestimmten Voraussetzungen gewährt wird
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-3663/2007 vom 11. Juni 2009 E. 2.2, publ. in:
StR 2009 S. 672 ff.).
Während im Kanton St. Gallen keine näheren Vollzugsvorschriften auf Gesetzes- oder
Verordnungsstufe existieren, wird die Behandlung der Erlassgesuche auf Bundesebene
in Art. 167 und 167a bis 167g DBG sowie in der Steuererlassverordnung (SR 642.121)
geregelt. Ziel und Zweck des Erlassverfahrens ist gemäss Art. 167 Abs. 2 DBG, zur
dauerhaften Sanierung der wirtschaftlichen Lage der steuerpflichtigen Person
beizutragen. Der Erlass hat der steuerpflichtigen Person und nicht ihren Gläubigern
zugute zu kommen. Er kommt nur in Frage, wenn neben dem Gemeinwesen auch die
übrigen Gläubiger ein Opfer erbringen. Es müssen sämtliche gleichrangigen Gläubiger
ebenfalls auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, Art. 167 N 2a f. und 29; vgl. VerwGE B 2011/203 vom
20. März 2012 E. 4.2.1. f., im Internet abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte und
dort unter Rechtsprechung). Eine Notlage einer natürlichen Person im Sonn von Art.
167 Abs. 1 DBG liegt gemäss Art. 1 Abs. 1 der Steuererlassverordnung vor, wenn die
finanziellen Mittel der Person zur Bestreitung des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums nicht ausreichen (lit. a) oder der ganze geschuldete Betrag in einem
Missverhältnis zur finanziellen Leistungsfähigkeit der Person steht (lit. b). Eine
Einschränkung der Lebenshaltungskosten gilt nach Art. 2 Abs. 3 der
Steuererlassverordnung als zumutbar, wenn diese das betreibungsrechtliche
Existenzminimum übersteigen (Art. 93 des Bundesgesetzes über die Schuldbetreibung
und Konkurs, SR 281.1, abgekürzt: SchKG). Diese für die direkte Bundessteuer
massgebenden Grundsätze werden nach Art. 224 Abs. 1 StG sachgemäss auch bei
den Kantons- und Gemeindesteuern angewendet.
b) Die ausstehenden Steuern für die Jahre 2018 und 2019 betragen insgesamt Fr.
6'150.60. Zu prüfen ist, ob die Rekurrentin und Beschwerdeführerin diese Steuerschuld
bei Einschränkung ihrer Lebenshaltungskosten auf das Existenzminimum in absehbarer
Zeit aus eigenen Mitteln tilgen kann. Am 16. Januar 2020 wies die Vorinstanz bereits
ein Gesuch um Erlass der Steuern für das Jahr 2018 ab. Damals kam sie zum Schluss,
die Rekurrentin und Beschwerdeführerin verfüge über eine freie Quote von Fr. 287.–.
Bei den damals ausstehenden Steuern für das Jahr 2018 von insgesamt Fr. 3'067.85
hätte es rund zehn Monate gedauert, bis die Steuerschuld beglichen gewesen wäre. Da
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
es nach der Verweigerung des Erlasses der Steuern für das Jahr 2018 zu weiteren
finanziellen Veränderungen bei der Rekurrentin und Beschwerdeführerin kam, ist es
gerechtfertigt, einen Erlass der Steuern auch für das Jahr 2018 nochmals zu prüfen.
Dies tat auch die Vorinstanz, ansonsten hätte sie auf das erneute Gesuch um Erlass
der Steuern für das Jahr 2018 nicht eintreten dürfen. Widersprüchlich erscheint
deshalb, wenn die Vorinstanz in der Stellungnahme vom 14. April 2021 ausführt, über
das Steuerjahr 2018 sei ein ablehnender Erlassentscheid gefällt worden, welcher
rechtskräftig sei.
aa) Die Vorinstanz kam im angefochtenen Entscheid zum Schluss, der Rekurrentin und
Beschwerdeführerin stehe ein Betrag von Fr. 380.– zur Begleichung der Steuern für die
Jahre 2018 und 2019 zur Verfügung. Bei dieser freien Quote sei es objektiv möglich
und zumutbar, die offenen Steuern in absehbarer Zeit zu bezahlen. Die Rekurrentin und
Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, dass bei der Berechnung des
Existenzminimums durch die Vorinstanz die Krankheitskosten zu tief und das
Einkommen zu hoch angesetzt worden seien. Die freie Quote betrage lediglich Fr.
129.–. Seit Mai 2020 bezahle sie monatlich Fr. 200.– gemäss vorläufiger
Steuerrechnung für das Jahr 2020. Ab Januar 2021 komme die Rate für die vorläufige
Steuerrechnung 2021 dazu. Zudem zahle sie monatlich Fr. 320.– an die Krankenkasse
wegen Zahlungsrückständen. Diese Ausgaben würden die freie Quote erheblich
übersteigen. In der Vernehmlassung vom 15. Oktober 2020 hielt die Vorinstanz dafür,
dass auch unter Berücksichtigung von höheren Krankheitskosten die freie Quote noch
Fr. 329.– betrage und damit die Bezahlung der Steuerausstände in absehbarer Zeit
möglich und zumutbar sei. Am 25. Januar 2021 teilte die Rekurrentin und
Beschwerdeführerin mit, dass die Auszahlung des Krankentaggeldes im November
2020 geendet habe und sie nun Arbeitslosengeld beziehe. Das durchschnittliche
Einkommen betrage Fr. 2'800.–. Die Krankenkassenprämie sei 2021 auf Fr. 433.25
gestiegen.
bb) Das Existenzminimum berücksichtigt einen monatlichen Grundbetrag, die
Wohnkosten, Sozialbeiträge, unumgängliche Berufsauslagen, Unterhaltsbeiträge,
Ausbildungskosten und weitere Zuschläge für verschiedene Aufwendungen
(Kreisschreiben über die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums
[Notbedarf] nach Art. 93 SchKG des Kantonsgerichts St. Gallen, im Internet abrufbar
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort unter Existenzminimum). Für alleinstehende
Personen beträgt der monatliche Grundbetrag Fr. 1'230.– (Ziff. 3.2.1 des
Kreisschreibens). Hinzu kommen bei der Rekurrentin und Beschwerdeführerin die
Wohnkosten von Fr. 1'000.– und die Prämie für die Krankenkasse von Fr. 395.– (2020)
bzw. Fr. 401.– (2021). Zu berücksichtigen ist nur die Grundversicherung und nicht auch
die Zusatzversicherung (BGE 134 III 323 E. 3). Die monatlichen Krankheitskosten sind
mit durchschnittlich Fr. 109.– zu veranschlagen (selbstgetragene Krankheitskosten von
Fr. 1'034 im Zeitraum von Januar bis Mitte Oktober 2020, act. 9/1-2). Zudem sind die
laufenden Steuern (Fr. 200.–) anzurechnen, soweit sie tatsächlich bezahlt werden. Bei
der Berechnung des Lebensbedarfs für die Prüfung des Steuererlasses sind
grundsätzlich sachgemäss dieselben Grundsätze anzuwenden, wie sie bei der
unentgeltlichen Rechtspflege gelten (vgl. Entscheid der VRK [VRKE] I/2-2019/16, 17
vom 22. August 2019 E. 2c/cc, im Internet abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte
und dort unter Rechtsprechung). Bei der Berechnung der Bedürftigkeit im Verfahren
der unentgeltlichen Rechtspflege können Abzahlungsraten von privat- oder öffentlich-
rechtlichen Schulden berücksichtigt werden, wenn sie regelmässig bezahlt und für die
Anschaffung von Kompetenzgütern verwendet wurden (BSK ZPO-Rüegg/Rüegg, 3.
Aufl. 2017, Art. 117 N 14). Die monatliche Tilgung von Krankenkassenrückständen bis
Ende April 2021 in der Höhe von Fr. 320.– sowie die Tilgung der Steuerausstände 2020
von monatlich Fr. 100.– ab 2021 sind deshalb im monatlichen Notbedarf zu
berücksichtigen. Da es sich bei der Forderung der Krankenkasse nicht um eine
gleichrangige, sondern gemäss Art. 219 Abs. 4 SchKG um eine privilegierte Forderung
handelt, setzt die Gewährung eines Steuererlasses nicht den gleichzeitigen (teilweisen)
Forderungsverzicht der Krankenkasse voraus. Die Abbezahlung von Rückständen bei
der Krankenkasse führt deshalb nicht – wie es die Vorinstanz in der Vernehmlassung
vom 15. Oktober 2020 ausführte – ohne Weiteres zur Ablehnung des Erlassgesuchs
aufgrund einer Bevorzugung einzelner Gläubiger. Der Fiskus wird nicht schlechter
gestellt, da er als Gläubiger hinter den privilegierten Gläubigern zurückzustehen hat.
Zudem werden gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 der Steuererlassverordnung
insbesondere hohe Kosten infolge Krankheit, Unfall oder Pflege, die nicht von Dritten
getragen werden, als Ursache für eine Notlage einer natürlichen Person, anerkannt. Der
monatliche Notbedarf der Rekurrentin und Beschwerdeführerin beträgt damit bis Ende
2020 Fr. 3'254.– , ab Januar 2021 Fr. 3'360.– und ab Mai 2021 Fr. 3'040.–.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Diesem Notbedarf stehen im Zeitraum bis Ende November 2020 monatliche Einkünfte
von durchschnittlich rund Fr. 3'200.– (IV-Taggelder, Krankentaggelder, Lohn) und ab
November 2020 von durchschnittlich rund Fr. 2'920.– (Arbeitslosentaggelder, Lohn)
gegenüber. Daraus wird ersichtlich, dass die Rekurrentin und Beschwerdeführerin die
Steuerschulden von Fr. 6'150.60 nicht aus ihren Einkünften begleichen kann. Da nicht
nur die wirtschaftliche Lage im Zeitpunkt der Behandlung des Gesuchs zu
berücksichtigen ist, sondern auch der zukünftigen Entwicklung Rechnung zu tragen ist,
sind die zwischenzeitlich eingetreten finanziellen Veränderungen – entgegen der
Ansicht der Vorinstanz in der Stellungnahme vom 14. April 2021 – zu berücksichtigen
(vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 167 N 22a). Vermögenswerte, auf
welche die Rekurrentin und Beschwerdeführerin greifen könnte, hat sie keine. Die
Frage, ob dem Fahrzeug Kompetenzcharakter zukommt, kann offen gelassen werden.
Selbst wenn vom Bedarf der Rekurrentin und Beschwerdeführerin die (minimalen)
Fixkosten eines Fahrzeugs von rund Fr. 1'500.– pro Jahr (vgl. VRKE I/2-2012/44 vom
26. August 2013 E. 2d und VRKE I/2-2017/92 vom 20. Februar 2018 E. 3c, beide nicht
publiziert) in Abzug gebracht würden, ergäbe sich kein Überschuss, mit welchem es ihr
möglich wäre, die Steuerschulden von Fr. 6'150.60 zu begleichen. Damit sind die
Voraussetzungen für einen Erlass gegeben.
cc) Wie oben ausgeführt soll der Erlass von Steuern im Sinne der Rechtsgleichheit und
in Anwendung einer einheitlichen Praxis eine Ausnahme darstellen, weshalb er
grundsätzlich nur zu gewähren ist, wenn bei gebotener und zumutbarer Einschränkung
der Lebenshaltungskosten Zahlungserleichterungen und Stundung nicht ausreichen
und keine Erlassausschlussgründe vorliegen. Der Steuererlass soll zur dauerhaften
Sanierung der wirtschaftlichen Lage der steuerpflichtigen Person beitragen (Art. 167
Abs. 2 DBG). Der finanzielle Engpass der Rekurrentin und Beschwerdeführerin war im
Wesentlichen eine Folge von gesundheitlichen Problemen und dem Verlust der
Arbeitsstelle. Mit einem Erlass der noch ausstehenden Steuern der Jahre 2018 und
2019 kann massgebend zu einer Sanierung ihrer wirtschaftlichen Lage beigetragen
werden. Damit hat sie die Möglichkeit, künftig die Steuern wieder vollumfänglich zu
begleichen. Somit bezweckt der Erlass die dauerhafte Besserung der wirtschaftlichen
Lage der Rekurrentin und Beschwerdeführerin und erscheint daher gerechtfertigt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
c) Der Rekurs und die Beschwerde sind somit gutzuheissen und der Erlassentscheid
des kantonalen Steueramts vom 11. September 2020 ist aufzuheben. Der Rekurrentin
und Beschwerdeführerin sind die Kantons- und Gemeindesteuern 2018 von Fr.
2'906.50 und die direkte Bundessteuer 2018 von Fr. 161.35 sowie die Kantons- und
Gemeindesteuern 2019 von Fr. 2'933.55 und die direkte Bundessteuer 2019 von Fr.
149.20 zu erlassen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten zulasten des
Staates (Art. 95 Abs. 1 VRP, Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 500.–
ist angemessen (Art. 144 Abs. 1 DBG i.V.m. Art. 7 Ziff. 122 Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12).
Entscheid auf dem Zirkulationsweg Art. 58 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs.3 VRP und
Art. 8bis Abs. 1 lit. b des Reglements über den Geschäftsgang der
Verwaltungsrekurskommission, sGS 941.223):
1.
Der Rekurs wird gutgeheissen.
2.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.
3.
Die Verfügung des Kantonalen Steueramts vom 11. September 2020 wird aufgehoben
und der Rekurrentin die ausstehenden Kantons- und Gemeindesteuern 2018
(Fr. 2'906.50) und 2019 (Fr. 2'933.55) erlassen.
4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Verfügung des Kantonalen Steueramts vom 11. September 2020 wird aufgehoben
und der Beschwerdeführerin die ausstehende direkte Bundessteuer 2018 (Fr. 161.35)
und 2019 (Fr. 149.20) erlassen.
5.
Die Verfahrenskosten von Fr. 500.– trägt der Staat.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Verwaltungsrekurskommission, 15. Juni 2021 Art. 224 Abs. 1 StG (sGS 811.1) und Art. 167 ff. DBG (SR 642.11). Erlass. Der finanzielle Engpass der Rekurrentin und Beschwerdeführerin war im Wesentlichen eine Folge von gesundheitlichen Problemen und dem Verlust der Arbeitsstelle. Mit einem Erlass der noch ausstehenden Steuern kann massgebend zu einer Sanierung ihrer wirtschaftlichen Lage beigetragen werden. Somit bezweckt der Erlass die dauerhafte Besserung der wirtschaftlichen Lage der Rekurrentin und Beschwerdeführerin und erscheint daher gerechtfertigt. (Verwaltungsrekurskommission, Abteilung I/2, 15. Juni 2021, I/2-2020/59, 60).
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
2021-09-23T06:11:41+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen