Decision ID: 465755ac-6a30-5dc4-990f-13707e4b3b0e
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
B._ ist seit Juni 2013 Eigentümerin der in der Erhaltungszone liegenden Parzelle Saanen Gbbl. Nr. 1_ und der daran , in der Landwirtschaftszone liegenden Parzelle Nr. 2_. Bei einer Baukontrolle stellte die Einwohnergemeinde (EG) Saanen am 1. September 2014 fest, dass auf der Parzelle Nr. 2_ ohne  Gartengestaltungsarbeiten im Gang waren, und verfügte  einen Baustopp. Nachdem B._ gewisse Veränderungen  gemacht hatte, entspann sich ein längeres Hin und Her zwischen der Gemeinde und A._, dem Eigentümer der ebenfalls an das Grundstück Nr. 2_ angrenzenden Parzelle Gbbl. Nr. 3_, zur Frage, ob ein vollständiger Rückbau erfolgt sei oder nicht. Mit  vom 9. August 2016 forderte die Gemeinde B._ unter Androhung der Ersatzvornahme schliesslich auf, die  Nr. 2_ in den ursprünglichen Zustand zurückzubauen oder ein Baugesuch für eine Notzufahrt einzureichen. Diese Verfügung blieb . Von der Möglichkeit, ein nachträgliches Baugesuch , machte B._ keinen Gebrauch. Während A._ daran festhielt, dass der ursprüngliche Zustand in der Folge nicht  wiederhergestellt worden sei, stellte die EG Saanen mit Verfügung vom 2. November 2017 fest, die Wiederherstellung sei fristgerecht  worden, und schloss das Verfahren.
B.
Dagegen reichte A._ am 8. Dezember 2017 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Diese wies die Beschwerde mit Entscheid vom 7. Juni 2018 ab.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.07.2019, Nr. 100.2018.212U, Seite 3
C.
Am 9. Juli 2018 hat A._ beim Verwaltungsgericht Beschwerde erhoben mit den folgenden Rechtsbegehren:
«1. Der Entscheid der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des  Bern vom 7. Juni 2018 sei aufzuheben und die  Saanen anzuweisen, die baugesetzwidrig auf Grundstück Saanen Gbbl.-Nr. 2_ verlegten Rasensteine,  und Formsteine durch einen Dritten auf Kosten der Beschwerdegegnerin entfernen und den ursprünglichen Zustand des Grundstücks (Kulturland) wiederherstellen zu lassen.
2. Eventualiter sei der Entscheid der Bau-, Verkehrs- und  des Kantons Bern vom 7. Juni 2018 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Einwohnergemeinde Saanen .
- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -»
Die Beschwerdegegnerin 1 und die BVE beantragen mit  vom 3. August 2018 bzw. Vernehmlassung vom 12. Juli 2018 die Abweisung der Beschwerde. Die EG Saanen hat sich nicht vernehmen lassen.

Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 49 Abs. 2 des Baugesetzes vom 9. Juni 1985 [BauG; BSG 721.0]). Der Beschwerdeführer ist Eigentümer der Parzelle Nr. 3_, die direkt an das streitbetroffene Grundstück angrenzt. Als Nachbar und Anzeiger war er im Baupolizeiverfahren Partei (vgl. Art. 46 Abs. 2 Bst. a BauG) und hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen. Er ist durch den angefochtenen Entscheid besonders  und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG; vgl. BVE 12.12.1990, in BVR 1991 S. 293
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.07.2019, Nr. 100.2018.212U, Seite 4
E. 1). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist .
1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).
2.
2.1 Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines  Vorhabens Vorschriften missachtet, so setzt die  der jeweiligen Grundeigentümerin oder dem jeweiligen  eine angemessene Frist zur Wiederherstellung des  Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme (Art. 46 Abs. 1 und 2 BauG). Rechtskräftig verfügte Massnahmen, die der oder die Pflichtige innerhalb der angesetzten Frist nicht oder nicht  ausführt, lässt die Baupolizeibehörde auf Kosten der Pflichtigen durch Dritte vornehmen (Art. 47 Abs. 1 BauG). Die Ersatzvornahme setzt die Vollstreckbarkeit der Wiederherstellungsverfügung voraus, deren  durch die verpflichtete Person, die Eignung der Verfügung zur ersatzweisen Vollstreckung und die vorherige Androhung der  (VGE 2017/175 vom 23.2.2018 E. 2.2, 2015/7 vom 14.8.2015 E. 2.1; Zaugg/Ludwig, Kommentar zum bernischen BauG, Band I, 4. Aufl. 2013, Art. 47 N. 3).
2.2 Am 9. August 2016 hat die EG Saanen unter Androhung der  die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands auf der  Nr. 2_ angeordnet. Diese Verfügung ist unangefochten geblieben und damit grundsätzlich vollstreckbar. Es ist unbestritten, dass die Beschwerdegegnerin 1 gewisse Rückbauarbeiten ausführen liess, dass sich auf der fraglichen Parzelle aber nach wie vor befestigte Flächen für einen Sitzplatz (Betonverbundsteine), für Autoabstellplätze (Rasengittersteine) und für die Zufahrt zum Wohnhaus auf Parzelle Nr. 1_ (Kunststoff-Rasengitter) befinden. Die Parteien sind sich uneinig, ob die Parzelle – wie von der Gemeinde angeordnet – «in den
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ursprünglichen Zustand» zurückversetzt wurde oder ob die Gemeinde weitergehende Massnahmen mittels Ersatzvornahme durchsetzen muss. Die BVE ist zum Schluss gekommen, die Wiederherstellungsverfügung vom 9. August 2016 könne nicht vollstreckt werden, weil ihr Gegenstand und Umfang nicht genügend bestimmt seien. Die Gemeinde habe zwar angeordnet, die Beschwerdegegnerin 1 müsse die Parzelle in den ursprünglichen Zustand zurückbauen; sie habe diesen Zustand aber nicht näher umschrieben. Insbesondere habe sie sich nicht dazu geäussert, ob der Sitzplatz und die Rasengittersteine noch entfernt werden müssten. Die Anordnung genüge nicht gegenüber einer Person wie der Beschwerdegegnerin 1, welche die streitbetroffenen Anlagen  nicht selber erstellt, sondern das Grundstück mit den bereits vor vielen Jahren erstellten Anlagen erworben habe. Die  sei folglich keine taugliche Grundlage, um gestützt  eine Ersatzvornahme durchzuführen. Die Beschwerde sei deshalb  (angefochtener Entscheid E. 2d f.).
3.
3.1 Eine Wiederherstellungsverfügung muss die genaue Bezeichnung der Massnahmen enthalten, welche die Pflichtigen zur Herbeiführung des rechtmässigen Zustands zu treffen haben (BVR 2004 S. 498 E. 6; VGE 2016/74 vom 26.10.2016 E. 6.2, 23134 vom 25.6.2008 E. 5.2; BGer 1A.301/2000 vom 28.5.2001, in ZBl 2002 S. 354 nicht publ. E. 6d; Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 13 Bst. a). Allgemein gilt, dass eine  soweit konkretisiert sein muss, dass sie unmittelbar durchgesetzt werden kann. Das heisst das Verfügungsdispositiv muss so formuliert sein, dass für die Verfügungsadressatinnen und -adressaten sowie die  Behörde gleichermassen klar und unmissverständlich ist, was zwischen ihnen genau gilt. Bleiben Zweifel über die Tragweite der im  getroffenen Regelung, muss deren massgebender Gehalt durch Auslegung ermittelt werden. Dabei ist insbesondere auf die Begründung der Verfügung zurückzugreifen. Zudem ist miteinzubeziehen, welches  der gesetzlichen Regelung entspricht, da die Verwaltung an die Gesetzgebung gebunden und nicht zu vermuten ist, sie habe eine vom Ge-
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setz abweichende Lösung treffen wollen. Gestützt auf den  ist weiter zu berücksichtigen, wie die Adressatinnen und  die Verfügung in guten Treuen verstehen durften und mussten.  auf das richtige Verständnis können sich aus den Verfahrensakten ergeben (BGE 131 II 13 E. 2.3; BGer 2C_950/2012 vom 8.8.2013, in ZBl 2014 S. 679 E. 4.2; BVR 2016 S. 237 E. 4.1; VGE 2018/94 vom 13.9.2018 E. 2.2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 49 N. 4, Art. 52 N. 12 mit weiteren Hinweisen).
3.2 Aus den Akten ergibt sich folgender Sachverhalt:
3.2.1 Aufgrund eines Hinweises führte die Gemeinde am 1. September 2014 eine Baukontrolle durch und stellte dabei fest, dass auf der in der Landwirtschaftszone liegenden Parzelle Nr. 2_ nicht bewilligte Gartengestaltungsarbeiten in Ausführung waren; gleichentags verfügte sie den Baustopp (Verfügung vom 1.9.2014 inkl. Fotos, act. 3B pag. 3 ff.). In der Folge teilte die Gemeinde mit, dass keine Baubewilligung vorliege und eine solche voraussichtlich auch nicht erteilt werden könne. Ausserdem müssten gemäss Auskunft des Amtes für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern (AGR) die Rasengittersteine entfernt werden (Schreiben vom 10.9.2014, act. 3B pag. 10). Von der eingeräumten Möglichkeit, vor Erlass einer Verfügung Stellung zu nehmen, machte die  1 keinen Gebrauch. Mitte Oktober 2014 ging bei der Gemeinde eine weitere Baupolizeianzeige ein (Schreiben vom 17.10.2014, act. 3B pag. 14). Zudem teilte der Beschwerdeführer der Gemeinde mit, die  sei zwar eingestellt und die bereits verursachten Veränderungen seien zurückgebaut worden, auf der Parzelle befänden sich aber nach wie vor befestigte Flächen für einen Sitzplatz und einen Autoabstellplatz. Diese seien nicht bewilligt, zonenfremd und daher ebenfalls zurückzubauen (Schreiben vom 23.10.2014 und 20.11.2014, act. 3B pag. 18 und 21). Die Gemeinde bot der Beschwerdegegnerin 1 daraufhin erneut Gelegenheit, eine schriftliche Stellungnahme oder ein Baugesuch einzureichen oder den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen (Schreiben vom 21.11.2014, act. 3B pag. 22). Die Beschwerdegegnerin 1 hielt fest, sie habe die  Gartengestaltung in der Zwischenzeit zurückbauen lassen und die Angelegenheit deshalb als erledigt erachtet. Soweit der Beschwerdeführer
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darüber hinaus den Rückbau von Veränderungen verlange, die vor rund 20 Jahren durch die frühere Eigentümerschaft mit Zustimmung der  und Nachbarn vorgenommen worden seien, verletze dies die . Der frühere Zustand sei ihr zudem «völlig unbekannt». Da die Parzelle für die Landwirtschaft nicht mehr benötigt werde, sei sie wie die angrenzenden Grundstücke in die Erhaltungszone umzuzonen (Schreiben vom 26.11.2014, act. 3B pag. 23). Später ergänzte sie, die  seien bereits vor 31 Jahren vorgenommen worden (Schreiben vom 12.12.2014, act. 3B pag. 24).
3.2.2 Nach wiederholtem Nachhaken des Beschwerdeführers (Schreiben vom 21.1.2015, 15.7.2015 und 7.10.2015, act. 3B pag. 28, 31 und 34) stellte die Gemeinde fest, dass der hintere Teil der Parzelle nach wie vor nicht begrünt worden sei und forderte die Beschwerdegegnerin 1 auf, bis zum 30. Mai 2016 die ganze Fläche zu begrünen (Schreiben vom 23.10.2015, act. 3B pag. 37). Die Beschwerdegegnerin 1 teilte mit, sie habe, «wo früher grün gewesen sei begrünt, wo früher nichts gewesen sei, werde auch nicht begrünt» (Telefonnotiz vom 4.11.2015, act. 3B pag. 38). Auf erneute Nachfrage des Beschwerdeführers (Schreiben vom 6.6.2016, act. 3B pag. 41) antwortete die Gemeinde, gestützt auf eine Begehung der Baupolizei erachte sie den natürlichen Zustand als wiederhergestellt (Schreiben vom 23.6.2016, act. 3B pag. 45).
3.2.3 Der Beschwerdeführer verlangte hierauf abermals die Beseitigung der befestigten Flächen sowie den Erlass einer  (Schreiben vom 29.6.2016, act. 3B pag. 46), worauf die Gemeinde am 9. August 2016 schliesslich Folgendes verfügte (act. 3B pag. 49):
«1. Die Grundeigentümerin wird aufgefordert, die Parzelle GBB Nr. 2_ in den ursprünglichen Zustand zurückzubauen.
2. Für die Wiederherstellungsarbeiten wird der Grundeigentümerin ein Termin bis spätestens am 30.11.2016 eingeräumt.
3. Der Abschluss der Wiederherstellungsarbeiten ist der  Saanen zur Kontrolle zu melden.
4. Falls die Grundeigentümerin die Parzelle GBB Nr. 2_ nicht in den ursprünglichen Zustand zurückbauen will, wird sie , bis zum 15.09.2016 wie oben erwähnt ein Baugesuch für eine Zufahrt als Notzufahrt für Rettung und Feuerwehr einzureichen.
5. [Kosten]
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6. [Strafandrohung im Widerhandlungsfall]
7. Kommt die Grundeigentümerin dieser Verfügung innert der  Frist nicht vollständig und vorschriftsgemäss nach, wird die Gemeinde ohne weitere Verfügungen zur Ersatzvornahme schreiten, d.h. auf ihre Kosten die Wiederherstellungsarbeiten selber ausführen oder durch Dritte ausführen lassen (Art. 47 BauG).