Decision ID: 547b08d2-2894-56a4-a1a2-dcceb33b476e
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Der Abwasserverband Walensee schrieb am 23. März 2019 die Baumeisterarbeiten
für den Anschluss ARA Glarnerland im offenen Verfahren aus. Für die geforderten
Nachweise sowie die Eignungs- und Zuschlagskriterien wurde auf die Unterlagen
verwiesen (ABl 2019 S. 909 f.). Gemäss Ausschreibungsunterlagen setzte die Eignung
unter anderem voraus, dass die Bewerberinnen für den Bauführer mindestens fünf
Jahre Berufserfahrung in gleichwertiger Anstellung und die Ausführung zweier
vergleichbarer Objekte (Art des Bauwerks und Bausumme mindestens CHF 500'000)
mit abgeschlossener Schlussabnahme nach 1. Juni 2014 als Bauführer oder
Projektleiter nachwiesen. Als Zuschlagskriterien wurden "Preis" (70 Prozent), "Auftrags-
und Risikoanalyse" (20 Prozent) sowie "Bauprogramm/Termine und
Installationsplan" (10 Prozent) bekanntgegeben. Zu den Kriterien "Auftrags- und
Risikoanalyse" und "Bauproramm/Termine und Installationsplan" wurden zudem
inhaltliche Vorgaben gemacht (vgl. Ziff. 5.2 und 5.3 der objektgebundenen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bestimmungen; act. 9/5, Seiten 12 und 13), die als je gleichrangige Unterkriterien auch
zur Bewertung der Angebote herangezogen wurden (act. 2, Beilage 5).
Innert der bis 8. Mai 2019 offenen Frist reichten vier Anbieterinnen je ein Angebot ein.
Gestützt auf den Beschluss seiner Delegiertenversammlung vom 14. Mai 2019 vergab
der Abwasserverband Walensee den Auftrag mit Verfügung vom 22. Mai 2019 an die
E. Kamm AG, deren Angebot zum Preis von CHF 916'843.40 (inklusive Mehrwertsteuer)
4.5 von maximal 5 gewichteten Punkten (Preis 5 von 5, Auftrags- und Risikoanalyse 3.7
von 5, Bauprogramm 2.8 von 5) erzielt hatte (act. 6/7 Seite 5, act. 6/4 und 6/3).
B. Die Marty Bauleistungen AG (Beschwerdeführerin), deren Angebot zum Preis von
CHF 961'154 (inklusive Mehrwertsteuer) mit 4.2 (Preis 4.6, Auftrags- und Risikoanalyse
3.5, Bauprogramm 3.2) gewichteten Punkten den zweiten Rang erreichte (act. 6/4 und
6/3), erhob gegen die ihr am 23. Mai 2019 zugestellte Verfügung des
Abwasserverbands Walensee (Vorinstanz) mit Eingabe vom 29. Mai 2019 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit den Rechtsbegehren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der Vergabeentscheid aufzuheben und ihr der Zuschlag zu
erteilen, eventualiter der Fall zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Dem Gesuch der Beschwerdeführerin, es sei der Beschwerde die aufschiebende
Wirkung zu gewähren, entsprach der zuständige Abteilungspräsident des
Verwaltungsgerichts mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2019, ohne die
Erfolgsaussichten der Beschwerde näher zu prüfen, da sich die Vorinstanz nicht
ausdrücklich gegen die Erteilung der aufschiebenden Wirkung zur Wehr gesetzt hatte.
Bereits im Zwischenverfahren zum Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der
aufschiebenden Wirkung nahm die Vorinstanz mit Eingabe vom 11. Juni 2019 Stellung
zur Beschwerde, ohne indessen einen ausdrücklichen Antrag zu stellen. Mit
ergänzender Eingabe vom 20. Juni 2019 beantragte sie die Ablehnung der
Beschwerde. Die E. Kamm AG, Bauunternehmung, Mühlehorn (Beschwerdegegnerin),
verzichtete zunächst stillschweigend auf eine Stellungnahme. Mit Eingabe vom
5. August 2019 äusserte sich die Beschwerdeführerin zur vorinstanzlichen
Vernehmlassung. In der Folge nahm die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom
26. August 2019 Stellung zu den Vorbringen der Beschwerdeführerin und beantragte
ihrerseits die Abweisung der Beschwerde.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist eine Zuschlagsverfügung des Abwasserverbandes Walensee
mit einer Vergabesumme ohne Mehrwertsteuer von rund CHF 900'000. Dass für die
Realisierung des Bauprojektes noch weitere Bauaufträge vergeben werden und der
Schwellenwert im Staatsvertragsbereich von 8 beziehungsweise 8,7 Millionen Franken
(vgl. Anhang 1 zur Interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche
Beschaffungswesen; sGS 841.32, IVöB) erreicht oder überschritten würde, wird nicht
geltend gemacht und ist auch nicht ersichtlich. Im Abwasserverband Walensee haben
sich die Gemeinden Quarten und Glarus Nord in der Rechtsform eines
Zweckverbandes als öffentlich-rechtliche Körperschaft mit eigener
Rechtspersönlichkeit im Sinn von Art. 140 Abs. 1 des Gemeindegesetzes (sGS 151.2)
zusammengeschlossen (Art. 3 Abs. 1 Satz 1 der Interkantonalen Vereinbarung über den
Abwasserverband Mühlehorn-Obstalden-Murg, sGS 752.523; Art. 1 der
Zweckverbandsvereinbarung Abwasserverband Walensee, www.lexfind.ch). Der
Verband bezweckt die Sammlung und Reinigung des im Einzugsgebiet des Verbandes
anfallenden Abwassers (vgl. Art. 1 Abs. 1 der Interkantonalen Vereinbarung; Art. 3 Satz
1 der Zweckverbandsvereinbarung). Er erfüllt damit eine den Gemeinden übertragene
öffentlich-rechtliche Aufgabe (vgl. Art. 10 des Bundesgesetzes über den Schutz der
Gewässer; Gewässerschutzgesetz, SR 814.20, GSchG; Art. 7 des Vollzugsgesetzes zur
eidgenössischen Gewässerschutzgesetzgebung, sGS 752.2, GSchVG). Die
ausgeschriebenen Arbeiten stehen zudem offenkundig nicht im Zusammenhang mit
kommerziellen oder industriellen Tätigkeiten. Der Abwasserverband untersteht damit
den interkantonalen Regeln zum öffentlichen Beschaffungsrecht (vgl. Art. 8 Abs. 1
Ingress und lit. a IVöB). Der Zweckverband hat seinen Sitz in der Politischen Gemeinde
Quarten im Kanton St. Gallen (vgl. Art. 3 Abs. 2 Satz 2 der Interkantonalen
Vereinbarung; Art. 2 der Zweckverbandsvereinbarung). Das st. gallische
Verwaltungsgericht ist dementsprechend zur Beurteilung der Beschwerde anhand des
im Kanton St. Gallen massgebenden Vergaberechts in der Sache zuständig (Art. 5
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abs. 2 des Einführungsgesetzes zur Gesetzgebung über das öffentliche
Beschaffungswesen; sGS 841.1, EGöB).
Die Beschwerdeführerin, die geltend macht, die Vorinstanz hätte die
Beschwerdegegnerin mangels Eignung vom Verfahren ausschliessen und zudem ihr
eigenes Angebot, das mit einem Rückstand von 0.3 von 5 gewichteten Punkten den
zweiten Rang erreichte, besser bewerten müssen, hat reelle Chancen auf einen
Zuschlag und ist dementsprechend zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS
951.1, VRP). Die Beschwerde gegen die am 22. Mai 2019 versandte
Zuschlagsverfügung wurde mit Eingabe des Rechtsvertreters vom 29. Mai 2019
rechtzeitig erhoben und erfüllt die Anforderungen in formeller und inhaltlicher Hinsicht
(Art. 15 Abs. 3 IVöB). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin macht zum einen geltend, die Beschwerdegegnerin hätte
mangels Erfüllens der Eignungskriterien vom Vergabeverfahren ausgeschlossen
werden müssen (dazu nachfolgend Erwägung 3). Sodann beanstandet sie die
Bewertung ihres Angebots im Vergleich zu jenem der Beschwerdegegnerin (dazu
nachfolgend Erwägung 4).
3. Gemäss Ausschreibungsunterlagen war von den Anbieterinnen nachzuweisen, dass
der eingesetzte Bauführer mindestens fünf Jahre Berufserfahrung (in gleichwertiger
Anstellung) vorweisen kann und zwei vergleichbare Objekte (Art des Bauwerks und
Bausumme von mindestens CHF 500'000) mit abgeschlossener Schlussabnahme nach
1. Juni 2014 als Bauführer oder Projektleiter ausgeführt hat. Die Beschwerdegegnerin
hat Roman Marty (geb. 1972) als Bauführer bezeichnet und angegeben, er verfüge über
25 Jahre (seit 1994) Berufserfahrung "in der jetzigen Position". Sie hat unter anderem
als ihm zuzurechnendes Referenzobjekt den Neubau von drei Mehrfamilienhäusern in
Wetzikon angegeben (act. 6.1 Register 3, Seite 4, Persönliche Referenz 2). Die
Beschwerdeführerin bezweifelt die ausreichende Qualifikation des von der
Beschwerdegegnerin bezeichneten Bauführers und Projektleiters (dazu nachfolgend
Erwägung 3.2) und die Zurechenbarkeit des Referenzobjektes des Neubaus von
Mehrfamilienhäusern (dazu nachfolgend Erwägung 3.3).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.1. Anbieterinnen, welche die geforderten Eignungskriterien nicht erfüllen, werden vom
Verfahren ausgeschlossen (vgl. Art. 27 Ingress und lit. a der Vergaberichtlinie des
Interkantonalen Organs für das öffentliche Beschaffungswesen zur IVöB, Art. 12 Abs. 1
Ingress und lit. a VöB). Im Bereich des öffentlichen Beschaffungswesens hat die
Gerichtsbehörde die Aufgabe, die korrekte Rechtsanwendung durch die
Vergabebehörde grundsätzlich frei zu prüfen (vgl. Art. 16 Abs. 1 und 2 IVöB). Wenn
indessen das materielle Recht dieser Letzteren einen weiten Ermessensspielraum
einräumt, was insbesondere in der Phase der Würdigung und des Vergleichs der
Angebote der Fall ist, muss der Richter darauf achten, sich nicht ungerechtfertigt in die
Entscheidungsfreiheit der mit dem Zuschlag beauftragten Behörde einzumischen. Die
Gerichtsbehörde kann somit nur bei Missbrauch oder Überschreitung der
Entscheidungsbefugnis der Vergabebehörde eingreifen, was in der Praxis einer auf die
Willkür beschränkten Kontrolle gleichkommen kann (vgl. BGer 2D_35/2017 vom 5. April
2018 = Pra 2018 Nr. 130 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 141 II 353 E. 3 = Pra 2016 Nr. 31).
Die Vergabestelle verfügt insbesondere auch bei der Formulierung und Anwendung der
Eignungskriterien über einen grossen Ermessens- oder Beurteilungsspielraum, den die
Beschwerdeinstanzen – im Rahmen der Sachverhalts- und Rechtskontrolle (Art. 16
Abs. 1 und 2 IVöB) – nicht unter dem Titel der Auslegung überspielen dürfen (vgl. BGE
141 II 14 E. 7.1 mit Hinweisen, 2C_111/2018 vom 2. Juli 2019 E. 3.3.2).
3.2.
3.2.1. Die Beschwerdeführerin macht geltend, Roman Marty sei ihres Wissens noch
nicht seit fünf Jahren bei der Beschwerdegegnerin tätig. Zuvor habe er ein eigenes
Unternehmen, die "Marty Abbruch AG", geführt und sei hauptsächlich als
Subunternehmer im Bereich Abbruch für andere Bauunternehmungen tätig gewesen.
Es fehle ihm an Erfahrung im Ortbetonbau. Nach ihrem Wissen verfüge er entgegen der
Bezeichnung als "dipl. Bauführer" auf der Website der Beschwerdegegnerin nicht über
ein solches Diplom. Bei der Beschwerdegegnerin sei er – ihres Wissens – primär
zuständig für die eigene Deponie, für Aushube, Spezialtiefbau, Leitungsbauten und
Rückbauten. Er erfülle das Eignungskriterium offensichtlich nicht, auch wenn er seit
einem oder zwei Jahren ähnliche Objekte wie das ausgeschriebene ausführe. Erbringe
die Beschwerdegegnerin nicht den positiven Nachweis für die zwingend zu erfüllende
Eignung, sei sie auszuschliessen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung vom 11. Juni 2019 an, Kriterium sei
mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in gleichwertiger Anstellung und nicht in der Art
des ausgeschriebenen Bauwerks, und verweist auf die Angabe der
Beschwerdegegnerin im Angebot.
Die Beschwerdeführerin weist in ihrer Stellungnahme vom 5. August 2019 darauf hin,
die Vorinstanz bestreite nicht, dass Roman Marty noch nicht fünf Jahre bei der
Beschwerdegegnerin angestellt sei und er nicht über das – für die Eignung zwar nicht
erforderliche, aber auf der Website der Beschwerdegegnerin angeführte – Diplom als
Bauführer verfüge. Korrektheit und Ehrlichkeit seien unverzichtbare Eignungskriterien
und ebenso wichtig wie fehlende Betreibungen oder fehlende Steuerausstände.
Die Beschwerdegegnerin hat am 26. August 2019 Stellung genommen und führt an,
beim ausgeschriebenen Objekt handle es sich hauptsächlich um Abbrucharbeiten mit
Bohren und Trennen sowie um Sicherungs-, Unterfangungs-, Kanalisations- und
kleinere Stahlbetonarbeiten mit Belags- und Tiefbauarbeiten. Solche Arbeiten gehörten
zum Aufgabengebiet von Roman Marty, der seit 17. Januar 2015 bei der
Beschwerdegegnerin als Bauführer und Abteilungsleiter Tiefbau angestellt sei. Bei
seiner früheren 25-jährigen Tätigkeit in einer Tiefbau- und Abbruchunternehmung, die
er während 18 Jahren selbständig geführt habe, habe er die nötigen Erfahrungen bei
verschiedenen komplexen Objekten sammeln können. Die Referenzpersonen seien
mehr als ausreichend. Beim Schreiben der Beschwerdeführerin handle es sich aus ihrer
Sicht um eine persönliche Angelegenheit der Familie Marty.
3.2.2. Zum – schwerwiegenden – Vorwurf der Beschwerdeführerin, der von der
Beschwerdegegnerin eingesetzte Bauführer verfüge entgegen den Angaben auf der
Website des Unternehmens nicht über ein Diplom, ist anzuführen, dass für die Erfüllung
der Eignungsvoraussetzungen ein solches Diplom nicht erforderlich ist und im Angebot
der Beschwerdegegnerin auch nicht die Rede davon ist, Roman Marty verfüge über ein
solches Diplom. Insoweit kann – unabhängig davon, ob er über das Diplom verfügt
oder nicht – der Beschwerdegegnerin nicht vorgeworfen werden, sie habe im Angebot
unwahre Angaben gemacht und sei deshalb wegen falscher Auskünfte gegenüber dem
Auftraggeber gestützt auf Art. 12 Abs. 1 Ingress und lit. b VöB vom Vergabeverfahren
auszuschliessen. Ebenso wenig wurde – entsprechend Art. 12 Abs. 1 Ingress und lit. i
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
VöB – in einem gerichtlichen Verfahren festgestellt, der von der Beschwerdegegnerin
bezeichnete Bauführer habe sich beruflich fehlverhalten.
Die fünfjährige Berufserfahrung des Bauführers muss sich – worauf die Vorinstanz mit
Blick auf die Formulierung in den Ausschreibungsunterlagen zu Recht hinweist – nicht
aus einer Anstellung der betreffenden Person in derselben Funktion seit fünf Jahren bei
der Anbieterin ergeben. Abgesehen davon ist der von der Beschwerdegegnerin
bezeichnete Bauführer bei ihr seit 17. Januar 2015 und damit mittlerweile nahezu seit
fünf Jahren in dieser Funktion tätig. Von einer mehr als fünfjährigen Berufserfahrung
geht auch die Beschwerdeführerin aus, wenn sie auf die – langjährige – Tätigkeit in der
eigenen Unternehmung insbesondere im Bereich von Abbrucharbeiten verweist. Der
aktuelle konkrete Stand der Erfahrung mit Blick auf die ausgeschriebenen Arbeiten ist
im Übrigen insbesondere mit den zwei vor nicht mehr als fünf Jahren abgeschlossenen
Referenzobjekten nachzuweisen.
3.2.3. Auch die Vorbringen der Beschwerdeführerin sind insgesamt nicht geeignet,
Zweifel daran zu wecken, dass die Vorinstanz im Rahmen ihres weiten
Beurteilungsspielraums zu Recht davon ausgegangen ist, der von der
Beschwerdegegnerin bezeichnete Bauführer verfüge über eine fünfjährige Erfahrung als
Bauführer insbesondere bei Abbrucharbeiten, wie sie vor allem Gegenstand der
vorliegenden Ausschreibung bilden.
3.3.
3.3.1. Die Beschwerdeführerin geht sodann davon aus, ein Mehrfamilienhaus stelle bei
weitem nicht die gleich hohen technischen Anforderungen wie ein ARA-Bau oder -
Umbau oder ein technisch hochstehender Laborbau.
Die Vorinstanz führt dazu in der Vernehmlassung vom 11. Juni 2019 aus, sie beurteile
die von der Beschwerdeführerin angegebenen Referenzen hinsichtlich des
Auftragsvolumens und der Komplexität der Arbeiten als vergleichbar. Die
Umbauarbeiten seien technisch nicht anspruchsvoll, weil es sich um einfache Arbeiten
in stillgelegten Anlagenteilen handle und die Komplexität, welche Bauarbeiten bei in
Betrieb stehenden Anlageteilen einer ARA mit sich brächten, kaum zum Tragen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
komme. Die technische Ausstattung sei einfach und ohne bautechnische
Besonderheiten ausführbar. Sollte das Eignungskriterium entsprechend der
Beschwerdeführerin ausgelegt werden, würde ihre eigene Referenz des Laborbaus
ebenfalls nicht mit dem Umbau einer ARA vergleichbar sein. Ein Neubau reiche nicht
an die Komplexität des Umbaus einer ARA unter laufendem Betrieb heran.
Die Beschwerdeführerin hält dem in ihrer Stellungnahme vom 5. August 2019
entgegen, aus der Ausschreibung ergebe sich, dass der Bauunternehmer hohe
Eignungskriterien zu erfüllen habe. Wenn die Vorinstanz nun schreibe, es handle sich
um etwas "technisch nicht Anspruchsvolles", sei das ein offensichtlicher Widerspruch.
Abwasserprobleme seien in aller Regel technisch anspruchsvoll. Es gehe um eine
logistische Herausforderung bei der Zufahrt (Gefahr in der Nähe der SBB Schienen),
Unterführung, Gefahr beim Rad- und Fussweg, Arbeiten während laufendem Betrieb,
Nähe Walensee, angrenzender Bach. Sie – die Beschwerdeführerin – habe in der ARA
Buchs zwei Faultürme inklusive Trichter, den Voreindicker und den kompletten
Annexbau erstellt.
Die Beschwerdegegnerin bringt in ihrer Stellungnahme vom 26. August 2019 vor, beim
umstrittenen Referenzobjekt habe es zwei Werkverträge gegeben. Der erste
Werkvertrag habe sämtliche Abbrucharbeiten sowie Erschliessungen, Unterfangungen,
Stützmauerarbeiten und Kanalisationserschliessungen beinhaltet und sei unter der
Leitung des genannten Bauführers erfüllt worden. Der zweite Werkvertrag habe den
Neubau der Mehrfamilienhäuser beinhaltet und sei unter der Führung einer anderen
Person erfüllt worden. Weder dieser Werkvertrag noch der dafür verantwortliche
Bauführer seien als Referenz in ihrem Angebot angeführt worden.
3.3.2. Weil anhand der Referenzobjekte die Eignung zu beurteilen ist, hatte die
Vorinstanz nicht darüber zu befinden, in welchem Ausmass sich die von den
Anbieterinnen angegebenen Referenzobjekte mit den ausgeschriebenen Arbeiten
decken, sondern einzig, ob die ausgeführten Arbeiten ihrer Beurteilung nach
hinsichtlich der Art mit den ausgeschriebenen Arbeiten ausreichend vergleichbar sind.
Die Vorinstanz ist mit sachlich nachvollziehbaren Überlegungen zum Schluss
gekommen, dass auch die unter der Leitung des von der Beschwerdegegnerin
bezeichneten Bauführers im Zusammenhang mit dem Referenzobjekt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mehrfamilienhäuser Wetzikon erbrachten Arbeiten ihre Anforderungen an die
Vergleichbarkeit mit dem ausgeschriebenen Projekt erfüllen. Die Vorinstanz geht auch
nicht davon aus, sie könne unter Berücksichtigung der Ausführungen der
Beschwerdeführerin nicht mehr an der Vergleichbarkeit der vom Bauführer der
Beschwerdegegnerin geleiteten Arbeiten beim zweiten Referenzobjekt festhalten. Wenn
die Beschwerdeführerin auf die logistische Herausforderung bei der Realisierung der
ausgeschriebenen Arbeiten hinweist, kann ergänzend angeführt werden, dass die
Arbeiten beim "MFH Wetzikon" gemäss der Beschreibung des Referenzobjektes durch
die Beschwerdegegnerin unter beengten Verhältnissen (Bahnhofstrasse) erbracht
werden mussten. Insoweit ergibt sich ein weiteres Element der Vergleichbarkeit.
Aus den von der Beschwerdegegnerin eingereichten Akten (act. 16/2) ergibt sich, dass
sich die bauleitende Tätigkeit des von ihr bezeichneten Bauführers beim
Referenzobjekt Mehrfamilienhäuser Wetzikon nicht auf den – unbestrittenermassen von
einer anderen Person geleiteten – Hochbau, sondern auf den Abbruch bezogen hat.
Das stimmt überein mit der Kurzbeschreibung der Arbeiten im Angebot der
Beschwerdegegnerin: "Abbruch Hochhaus, Asbestsanierung, Innenaus- und Abbrüche
im UG (blieb bestehen), Betontrenntechnik, beengte Verhältnisse
(Bahnhofstrasse)" (act. 6.1, Register 3, Seite 4, Persönliche Referenz 2). Die
Beschwerdegegnerin bestätigt und ergänzt die Art der Arbeiten auch in ihrer
Stellungnahme vom 26. August 2018 mit der Umschreibung: "sämtliche
Abbrucharbeiten sowie Erschliessungen, Unterfangungen, Stützmauerarbeiten und
Kanalisationserschliessungen". Auch in dieser Hinsicht hat die Beschwerdegegnerin
weder unwahre Angaben gemacht noch ist die Vorinstanz bei der Beurteilung der
Eignung des Bauführers von unzutreffenden Angaben ausgegangen.
3.3.3. Die Beschwerde erweist sich damit auch hinsichtlich des Vorbringens, die
Vorinstanz sei in rechtswidriger Weise davon ausgegangen, die Referenzobjekte der
Beschwerdegegnerin seien mit den ausgeschriebenen Arbeiten in einem für den
Nachweis der Eignung ausreichenden Mass vergleichbar, als unbegründet.
3.4. Wenn die Vorinstanz davon ausgegangen ist, der von der Beschwerdegegnerin
bezeichnete Bauführer verfüge über eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung in der
Position als Bauführer und auch das Referenzobjekt MFH Wetzikon sei ihm
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zuzurechnen, hat sie sich im Rahmen des ihr zustehenden Ermessens bewegt. Die
Vorbringen der Beschwerdeführerin, die sie weitgehend unter den Vorbehalt "nach
ihrem Wissen" gestellt hat, lassen die Beurteilung durch die Vorinstanz jedenfalls nicht
als rechtswidrig erscheinen.
4. Die Beschwerdeführerin beanstandet die Bewertung der Angebote nach
verschiedenen Zuschlags- und Unterkriterien. Die Vorinstanz hat das mit zwanzig
Prozent gewichtete Zuschlagskriterium "Auftrags- & Risikoanalyse" in die sechs
gleichgewichteten Unterkriterien "Stellungnahme zum Projekt", "Problemanalyse",
"Installation, Geräteeinsatz, Verkehrskonzept Baustellenverkehr", "Umweltaspekte",
"Qualitätssicherungsmassnahmen" und "Bemerkungen zu den Submissionsunterlagen"
aufgeteilt (dazu nachfolgend Erwägung 4.2). Das mit zehn Prozent gewichtete
Zuschlagskriterium "Bauprogramm/Termine und Installationsplan" wurde in die zehn
gleichgewichteten Unterkriterien "Bauablauf", "Bauvorgang", "Meilensteine",
"Abhängigkeiten Tiefbau & Fremdfirmen" und "Begründung bei Abweichungen" –
zusammengefasst zu "Bauprogramm/Termine" – sowie "Installationskonzept",
"Container/Infrastruktur", "Lagerplätze", "Zufahrten" und "Baupisten" –
zusammengefasst zu "Installationsplan" – aufgeteilt (dazu nachfolgend Erwägung 4.3).
Bei allfälligen Zweifeln bezüglich technischer Fragen beantragt die Beschwerdeführerin
die Einholung einer Expertise (dazu nachfolgend Erwägung 4.4). Vorab ist eine
Bemerkung zur grundsätzlich vergaberechtskonformen Bewertungsmethode der
Vorinstanz angebracht (dazu nachfolgend Erwägung 4.1).
4.1. Die Vorinstanz hat der Bewertung der Angebote nach den Zuschlagskriterien
"Auftrags- und Risikoanalyse" und "Bauprogramm/Termine und Installationsplan" die
Benotung der in den Ausschreibungsunterlagen bekanntgegebenen Unterkriterien
zugrunde gelegt. Angewendet wurde eine Notenskala von 1 bis 5 mit den folgenden
Umschreibungen: 5 ausgezeichnet, innovativ, hebt sich durch Besonderheiten ab; 4
gut, besser als Durchschnitt/Erwartung; 3 (Basis) erfüllt, den Erwartungen
entsprechend; 2 ansatzweise, einzelne Punkte fehlen oder unklar; 1 unklar, nicht der
Aufgabe entsprechend.
Die Vorinstanz hat die Skala weitgehend ausgeschöpft und Noten zwischen 1 und 4
vergeben. Indem die Vergabebehörde bei der Benotung von der Basisnote 3 ausgeht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und anschliessend ihre Begründung auf die Aspekte des Angebots beschränkt, die
dazu geführt haben, dass sie ein Angebot als über- beziehungsweise
unterdurchschnittlich beurteilt und entsprechend abweichend von der Basisnote
bewertet hat, trägt sie – soweit die Begründung sachlich nachvollziehbar ist – den
vergaberechtlichen Grundsätzen der Gleichbehandlung der Anbieterinnen und der
Transparenz des Verfahrens Rechnung und bewegt sich innerhalb des ihr zustehenden
erheblichen Ermessensspielraums.
Sodann hat die Vorinstanz zur Ermittlung der Punktzahl für die einzelnen
Zuschlagskriterien den Durchschnitt aus den ganzen Noten der einzelnen
gleichgewichteten Unterkriterien bei der Ermittlung der Gesamtpunktzahl –
vergaberechtlich korrekt (vgl. VerwGE B 2017/84 vom 14. Dezember 2017 E. 2.3,
www.gerichte.sg.ch) – nicht gerundet. Sie hat für die Gesamtpunktzahl beim
"Bauprogramm/Termine" als Teilaspekt des Zuschlagskriteriums "Bauprogramm/
Termine und Installationsplan" bei der Beschwerdeführerin die Durchschnittsnote 2.8
(14 : 5) und bei der Beschwerdegegnerin die Durchschnittsnote 2.4 (12 : 5)
berücksichtigt (vgl. act. 2, Beilage 5, Seite 5). Gleiches gilt auch für die weiteren, in
Unterkriterien aufgegliederten Zuschlagskriterien. Die in der Bewertungsmatrix bei den
Zuschlagskriterien angegebenen ganzen Noten – in kleinerer Schrift ist daneben der auf
eine Stelle nach dem Komma gerundete Durchschnittswert angegeben (vgl. act. 6/5) –
wurden bei der Gesamtbewertung nicht berücksichtigt.
4.2. Die Beschwerdeführerin beanstandet die Bewertung ihres Angebots nach dem
Zuschlagskriterium "Auftrags- und Risikoanalyse" hinsichtlich der Unterkriterien
"Problemanalyse" (dazu nachfolgend Erwägung 4.2.1), "Installation, Geräteeinsatz,
Verkehrskonzept Baustellenverkehr" (dazu nachfolgend Erwägung 4.2.2),
"Umweltaspekte" (dazu nachfolgend Erwägung 4.2.3) und
"Qualitätssicherungsmassnahmen" (dazu nachfolgend Erwägung 4.2.4).
4.2.1. In der Stellungnahme vom 5. August 2019 führt die Beschwerdeführerin aus,
während sie zur "Problemanalyse" auf 1,5 A4-Seiten zahlreiche Punkte beschrieben
habe, habe die Beschwerdegegnerin dazu vier Zeilen geschrieben und die
Hauptprobleme nicht aufgezeigt. Eine gleiche Bewertung sei offensichtlich nicht
angebracht.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Das Unterkriterium "Problemanalyse" wurde bei beiden Angeboten mit der Note 4
bewertet. Insoweit wurden beide als über den Erwartungen liegend, keines aber als
ausgezeichnet, sich durch Besonderheiten abhebend beurteilt. Begründet wurde die
Note 4 bei der Beschwerdeführerin wie folgt: "Zufahrt wegen SBB eingeschränkt inkl.
Massnahmen, Radweg als Gefahr wegen Unfällen, Schulung Personal wegen ARA
Betrieb, Geräteeinsatz angepasst wegen SBB, sehr klar beschrieben" und bei der
Beschwerdegegnerin wie folgt: "kurze Analyse (keine unlösbaren Probleme),
Koordination mit Umbau, UN & ARA, Massnahme frühzeitig planen". Auch aus dieser
vorinstanzlichen Begründung wird – worauf die Beschwerdeführerin an sich zu Recht
hinweist – ersichtlich, dass ihre Problemanalyse im Vergleich zu jener der
Beschwerdegegnerin umfassender ist. Ob sie sich aber in einem Ausmass abhebt, die
eine Bewertung mit der Maximalnote 5 verlangt, liegt im Ermessen der Vorinstanz, die
sich ihrerseits auf die Beurteilung eines Ingenieurbüros gestützt hat.
4.2.2. Zum Unterkriterium "Installation, Geräteeinsatz und Verkehrskonzept" bringt die
Beschwerdeführerin vor, sie habe – anders als die Beschwerdegegnerin – erkannt,
dass der Materialumschlag im Baustellenbereich nicht möglich sei und dazu
geschrieben, sie organisiere den nötigen Zwischenlagerplatz vor der Unterführung. –
Die Vorinstanz hat beide Angebote bei diesem Unterkriterium mit der Note 4 bewertet.
Zum Angebot der Beschwerdeführerin hat sie zur Begründung ausgeführt: "genügend
Geräte, Probleme erkannt & eingeflossen, auf Anwohner eingehen", zum Angebot der
Beschwerdegegnerin hat sie angemerkt: "Plan abgegeben, grobe Angabe Geräte, Park
deckt alles ab, Zufahrt öffentliches Strassennetz, Unterführung SBB erschwert
Zugang". In der Vernehmlassung vom 11. Juni 2019 ergänzt sie diesbezüglich, die
Beschwerdegegnerin habe ebenfalls einen Installationsplan eingereicht und die
Beschwerdeführerin habe die vorgegebenen Flächen nicht beachtet. – Die
Beschwerdeführerin hält dem in ihrer Stellungnahme vom 5. August 2019 entgegen,
gemäss Beschwerdegegnerin solle der Materialumschlag im Baustellenbereich
erfolgen. Sie – die Beschwerdeführerin – habe erkannt, dass dies nicht möglich sei und
habe dazu geschrieben, sie organisiere den nötigen Zwischenlagerplatz vor der
Unterführung. Die Behauptung der Vorinstanz, sie habe in ihrem Installationsplan die
vorgegebenen Flächen nicht beachtet, sei nicht nachvollziehbar. Die Vorinstanz habe
dieses Argument überhaupt nicht substantiiert.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Vorinstanz hat beide Angebote als über ihren Erwartungen liegend bewertet. Für
die Baustelleneinrichtung hat die Beschwerdeführerin mit rund CHF 229'000 (act. 6.2,
Register 2, Devis Seiten 4-7) rund CHF 100'000 mehr kalkuliert als die
Beschwerdegegnerin mit rund CHF 122'000 (act. 6.1, Register 2, Devis Seiten 4-7). Aus
deren Höhe kann geschlossen werden, dass die Differenz nicht lediglich auf
unterschiedliche Kostenansätze für die einzelnen Teilleistungen zurückzuführen ist,
sondern dass die Beschwerdeführerin – wie sie geltend macht – die Kosten erhöhende
erschwerende Umstände ausgemacht hat. In der schematischen Darstellung der
Installationen der Beschwerdeführerin (act. 6.2, Register 6) sind allerdings ebenso wie
im Plan der Beschwerdegegnerin zur Baustelleninstallationen und zu den
Baustellenzufahrten (act. 6.1, Register 6) Mannschafts- und Materialcontainer und
insbesondere ein Lagerplatz zwischen See und Eisenbahnlinie eingezeichnet.
Allerdings hat die Beschwerdeführerin in ihrer Auftrags- und Risikoanalyse im
Zusammenhang mit der Zufahrt auf die Mehraufwendungen hingewiesen, die sich aus
der wegen der SBB-Unterführung sehr eingeschränkten Zufahrt ergeben, und
Massnahmen vorgesehen (vgl. act. 6.2, Register 5, Ziffer 5.2 Problemanalyse). Dass die
Zufahrt zur Baustelle durch eine Unterführung der SBB-Bahnlinie erschwert wird, hat
indessen auch die Beschwerdegegnerin erkannt (vgl. act. 6.2, Register 5, Ziffer 3.3
Verkehrskonzept Baustellenverkehr). In den Ausschreibungsunterlagen hat die
Vorinstanz in den Plänen zum Installationsplatz die von ihr dafür vorgesehene Fläche
östlich des Betriebsgeländes eingezeichnet (vgl. act. 9/14). Die Beschwerdegegnerin
hat diese Vorgabe übernommen. Die Beschwerdeführerin sieht ihn demgegenüber
weiter westlich zwischen den Anlagen vor. Eine ausdrückliche Begründung für diese
Abweichung lässt sich weder dem Plan noch der Auftrags- und Risikoanalyse
entnehmen.
Unter diesen Umständen und insbesondere mit Blick auf die Begründungen der
Vorinstanz zur Bewertung der Angebote nach dem Unterkriterium "Installation,
Geräteinstallation und Verkehrskonzept" erscheint die gleiche, über der Basisnote 3
liegende Bewertung der beiden Angebote sachlich nachvollziehbar. Damit hat die
Vorinstanz ihr Ermessen jedenfalls nicht rechtsfehlerhaft ausgeübt.
4.2.3. Die Beschwerdeführerin macht bei der Bewertung nach dem Unterkriterium
"Umweltaspekte" geltend, sie habe Anspruch auf gleiche Bewertung wie die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin. Sie betreibe in ihrem Werkhof lauter Solaranlagen. – Bei den
"Umweltaspekten" hat die Vorinstanz das Angebot der Beschwerdegegnerin mit dem
Hinweis "Schwerpunkt auf Transportdistanzen" mit der Note 4, jenes der
Beschwerdeführerin mit der Begründung "allgemeine Massnahmen für positive
Umweltaspekte" mit der Note 3 bewertet. Ergänzend führt sie in der Vernehmlassung
vom 11. Juni 2019 aus, die geographische Nähe zum Bauobjekt ermögliche der
Beschwerdegegnerin sehr kurze Transportdistanzen, was sich in diversen
Umweltaspekten positiv auswirke. Dies sei vorliegend stärker gewichtet worden. – Die
Beschwerdeführerin ergänzt in der Stellungnahme vom 5. August 2019, sie habe diese
im Detail analysiert, während die Beschwerdegegnerin einzig auf "einheimische
Transporteure" verwiesen habe. Kriterien wie Ortsansässigkeit oder Steuerdomizil, die
direkt oder indirekt einheimische Anbieter bevorzugten, seien unzulässig.
Das Unterkriterium "Umweltaspekte" war gemäss Ausschreibungsunterlagen Teil des
Zuschlagskriteriums "Auftrags- und Risikoanalyse". Es nannte als Teilelemente
"Transportdistanzen, Umweltverträglichkeit der Bau-/Produktions- und
Betriebsprozesse etc." (act. 9/5, Seite 13). Der Aspekt der Transportdistanz wurde in
den Ausschreibungsunterlagen ausdrücklich genannt und von den Anbieterinnen nicht
beanstandet. Die Berücksichtigung bei der Bewertung trägt damit dem Grundsatz der
Stabilität der Ausschreibung Rechnung. Abgesehen davon erscheint es nicht
unzulässig, sondern allenfalls sachlich sogar geboten, die Differenz zu fahrender
Kilometer in einem gewissen Mass zu berücksichtigen, wenn sich die Länge der
Fahrstrecke von der Niederlassung des Anbieters bis zum Ort, an dem die
Dienstleistung erbracht wird, über eine längere Zeitspanne in einer Vielzahl von Fahrten
auswirkt (vgl. BGer 2P.342/1999 vom 31. Mai 2000 E. 5a, 2P.111/2003 vom 21. Januar
2004 E. 2.2.3). Konkret hat die "Transportdistanz" zu einer Erhöhung der Note um 1 bei
einem von sechs gleichgewichteten Unterkriterien des mit zwanzig Prozent
gewichteten Zuschlagskriteriums "Auftrags- und Risikoanalyse" geführt. Dem
Unterkriterium kommt damit ein Gewicht von 3,33 Prozent zu. Wenn die Kürze der
Transportwege zu einer besseren Bewertung um eine Note – bei einem Maximum von
fünf – geführt hat, hat sie sich somit in der Gesamtbewertung noch mit 0,67 Prozent
niedergeschlagen. Diese Gewichtung eines in der Ausschreibung bekanntgegebenen
und von den Anbieterinnen akzeptierten ökologischen Aspektes erscheint nicht
vergaberechtswidrig.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Das Unterkriterium "Umweltaspekte" bezog sich in erster Linie auf die
umweltbezogenen Aspekte der Ausführung des konkreten Projekts. Ob die
Anbieterinnen unter diesen Umständen davon ausgehen mussten, dass auch
entsprechende allgemeine Bemühungen des Unternehmens von Bedeutung sein
würden, ist fraglich. Die Beschwerdegegnerin und auch die beiden weiteren
Anbieterinnen haben dies jedenfalls nicht getan. Wenn die Vorinstanz den von der
Beschwerdeführerin genannten unternehmensbedingten Massnahmen für eine positive
Umweltbilanz keine eine Abweichung von der Basisnote rechtfertigende Bedeutung
beimass, hat sie das Unterkriterium in einer die Transparenz des Vergabeverfahrens
sicherstellenden Art und Weise berücksichtigt (vgl. Art. 1 Abs. 3 Ingress und lit. c IVöB).
4.2.4. Zum Unterkriterium "Qualitätssicherungsmassnahmen" bringt die
Beschwerdeführerin vor, die Beschwerdegegnerin hätte eine geringere Punktzahl
verdient, weil sie im Gegensatz zur Beschwerdeführerin, welche derzeit im Prozess zur
ISO-Zertifizierung 9001, 14001 und 45001 stehe, noch keinen solchen Prozess
eingeleitet habe. – Die Vorinstanz hat beide Angebote beim Unterkriterium
"Qualitätssicherungsmassnahmen" mit der Note 3 bewertet. Bei der
Beschwerdeführerin hat sie die Bemerkung "Zertifizierung läuft, eigenes QM bis dann
inkl. Beispielen", bei der Beschwerdegegnerin die Bemerkung "gemäss Kontroll- &
Prüfplan" angebracht. In der Vernehmlassung vom 11. Juni 2019 führt sie ergänzend
an, weil beide Anbieterinnen über keine abgeschlossene Zertifizierung verfügten, sei
eine gleichwertige Bewertung vorgenommen worden. Die drei aufgeführten
Massnahmen in der Auftragsanalyse der Beschwerdeführerin basierten auf der QS der
Projekt- und Bauleitung des planenden Ingenieurs und berechtigten nicht zu einer
bevorzugten Punktevergabe. – Die Beschwerdegegnerin führt in ihrer Stellungnahme
vom 26. August 2019 aus, sie sei bis Januar 2016 ISO-zertifiziert gewesen. Strukturen
und Abläufe seien seither weiterhin angewendet und "in allen Objekten" erfolgreich
eingesetzt worden.
Wenn die Vorinstanz eine abgelaufene und eine noch nicht erworbene ISO-
Zertifizierung einander gleichgestellt hat, hat sie ihrer Bewertung der Angebote nach
dem Unterkriterium der "Qualitätssicherungsmassnahmen" eine sachlich
nachvollziehbare Überlegung zugrunde gelegt. Sie hat die übrigen aus den Auftrags-
und Risikoanalysen der beiden Anbieterinnen ersichtlichen Massnahmen als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gleichwertig beurteilt und mit der Note 3, das heisst als den Erwartungen entsprechend
bewertet. Diese Bewertung beruht auf der Beurteilung durch ein unabhängiges
Ingenieurbüro. Anhaltspunkte, dass sie keine stichhaltige Grundlage in den beiden
Auftrags- und Risikoanalysen finden, und nicht innerhalb des erheblichen
Ermessensspielraums der Vergabebehörde bei der Bewertung der Angebote liegt, sind
nicht ersichtlich.
4.3. Die Beschwerdeführerin rügt die Bewertung der Angebote beim
Zuschlagskriterium "Bauprogramm/Termine und Installationsplan" beim Teilaspekt
"Bauprogramm/Termine" hinsichtlich der Unterkriterien "Bauvorgang", "Meilensteine"
und "Abhängigkeiten Tiefbau und Fremdfirmen" (dazu nachfolgend Erwägung 4.3.1)
und hinsichtlich der Unterkriterien zum Teilaspekt "Installationsplan" (dazu nachfolgend
Erwägung 4.3.2).
4.3.1. Die Beschwerdeführerin beanstandet, dass das Angebot der
Beschwerdegegnerin – wie ihr eigenes auch – beim Unterkriterium "Bauvorgang" mit
der Note 2 bewertet wurde. Im Gegensatz zu ihr habe die Beschwerdegegnerin kein
Bauprogramm abgegeben. – Die Vorinstanz führt in der Vernehmlassung vom 11. Juni
2019 dazu aus, die Beschwerdegegnerin habe das abgegebene Bauprogramm
bestätigt und somit sei die Punktevergabe "Erwartung erfüllt" mit 2 Punkten
gerechtfertigt. – Die Beschwerdeführerin hält in ihrer Stellungnahme vom 5. August
2019 dagegen, sie habe zum "Bauvorgang" ein detailliertes Programm eingereicht und
die "Meilensteine" im Detail aufgelistet. Die Beschwerdegegnerin habe sich nicht
veranlasst gesehen, dies zu tun. Die gleiche Bewertung sei doch offensichtlich falsch.
Die "Abhängigkeiten Tiefbau & Fremdfirmen" habe sie detailliert, die
Beschwerdegegnerin nicht im Ansatz dargelegt.
Die Vorinstanz hat den Aspekt "Bauprogramm/Termine" in die Unterkriterien
"Bauablauf", "Bauvorgang", "Meilensteine", "Abhängigkeiten Tiefbau & Fremdfirmen"
und "Begründung bei Abweichungen" gegliedert. Sie hat das Angebot der
Beschwerdeführerin hinsichtlich des Unterkriteriums "Bauablauf" als über den
Erwartungen liegend mit der Note 4 ("eigenes TP, entspricht 1:1 TP HBT"), jenes der
Beschwerdegegnerin lediglich mit der Basisnote 3 ("TP entspricht Annahmen aus
Kalkulation") bewertet wurde. Beim Unterkriterium "Bauvorgang" wurden beide
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Angebote mit der Note 2 ("keine explizite Darlegung") bewertet. Dem von der
Beschwerdeführerin eingereichten eigenen Terminplan hat die Vorinstanz beim
Unterkriterium "Bauablauf" – der vom "Bauvorgang" zu unterscheiden ist – mit einer
besseren Benotung Rechnung getragen. Explizite Darlegungen zum "Bauvorgang"
fehlten in allen Angeboten. Sie wurden denn auch bei diesem Unterkriterium
durchgehend mit der Note 2 bewertet. Bei der Beschwerdeführerin richten sich die
"Meilensteine" nach deren eigenem, bei der Beschwerdegegnerin nach dem von der
Vorinstanz übernommenen Bauprogramm (vgl. Angebote, je Register 4). In beiden
Fällen stehen sie aber gleichermassen datumsmässig fest. Die gleiche Bewertung nach
diesem Unterkriterium ist deshalb ohne weiteres nachvollziehbar.
Auch beim Unterkriterium "Abhängigkeiten Tiefbau & Fremdfirmen" wurde das Angebot
der Beschwerdeführerin um eine Note besser beurteilt als jenes der
Beschwerdegegnerin, nämlich mit der Note 2 ("das meiste in House") gegenüber 1
("keine Angaben"). Damit hat sie den Umstand, dass die Beschwerdegegnerin keine
Angaben zu den "Abhängigkeiten Tiefbau & Fremdfirmen" machte, Rechnung getragen.
Insgesamt hat auch die Vorinstanz Qualitätsunterschiede zwischen den beiden
Angeboten beim Teilaspekt "Bauprogramm/Termine" erkannt und das Angebot der
Beschwerdeführerin diesbezüglich mit der Durchschnittsnote 2.8, jenes der
Beschwerdegegnerin mit 2.4 bewertet. Damit hat sie im Rahmen ihres Ermessens den
Qualitätsunterschieden Rechnung getragen.
4.3.2. Im Zusammenhang mit dem Teilaspekt "Installationsplan" macht die
Beschwerdeführerin geltend, sie habe einen eigenen Installationsplan abgegeben und
dafür mehr als einen einzigen Mehrpunkt verdient. Das gelte auch für die Unterkriterien
"Installationskonzept", "Container/Infrastruktur", "Lagerplätze" und "Zufahrten". – Die
Vorinstanz bringt in ihrer Vernehmlassung zum Installationsplan vor, auch die
Beschwerdegegnerin habe einen solchen Plan abgegeben. Die Beschwerdeführerin
habe die vorgegebenen Flächen nicht beachtet.
Die Vorinstanz hat das Angebot der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Unterkriterien
"Installationskonzept" ("Installationsplan mit eigenem Konzept, zwischen Becken"),
"Lagerplätze" ("innerhalb Areal, Zwischenlagerplatz vor der Unterführung") und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
"Zufahrten" ("in Problemanalyse klar ersichtlich, Massnahmen an Fahrzeugen") als über
den Erwartungen liegend mit der Note 4 bewertet. Bei den Unterkriterien
"Lagerplätze" ("Materialumschlag im jeweiligen Baustellenbereich") und
"Zufahrten" ("keine Anmerkungen, Maschinenpark deckt alle Eventualitäten ab") hat
das Angebot der Beschwerdegegnerin jeweils lediglich die Basisnote 3 erzielt. Beim
Teilaspekt "Installationsplan", der in die Unterkriterien "Installationskonzept",
"Container/Infrastruktur", "Lagerplätze", "Zufahrten" und "Baupisten" zerfällt, hat die
Vorinstanz das Angebot der Beschwerdeführerin insgesamt mit einer
Durchschnittsnote von 3.6, jenes der Beschwerdegegnerin mit einer Durchschnittsnote
von 3.2 bewertet. Damit hat sich in der Bewertung des Angebots der
Beschwerdeführerin nicht zuletzt auch die detailliertere Auftragsanalyse in den
Unterkriterien "Lagerplätze" und "Zufahrten" zu Gunsten der Beschwerdeführerin
ausgewirkt. Unter Berücksichtigung der sachlich nachvollziehbaren Begründungen für
die unterschiedlichen Bewertungen der beiden Angebote ist davon auszugehen, dass
die Vorinstanz, welche dafür ein Ingenieurbüro beigezogen hat, sich innerhalb ihres
erheblichen Ermessensspielraums bewegt hat.
4.4. Die Beschwerdeführerin führt schliesslich in ihrer Stellungnahme vom 5. August
2019 in allgemeiner Weise aus, es falle jedem Baufachmann sofort auf, dass die
Auftrags- und Risikoanalyse, das Bauprogramm, die Termine und der Installationsplan
der beiden Firmen in Bezug auf die Qualität enorm voneinander abweichen. Sie habe
qualitativ anspruchsvolle Unterlagen erstellt. Jene der Beschwerdegegnerin würden
demgegenüber einer kritischen Beurteilung nicht im Ansatz genügen. Für den Fall, dass
Zweifel bezüglich technischer Fragen bestehen sollten, beantragt sie deshalb die
Einholung einer Expertise.
Die Vorinstanz hat – was vergaberechtlich zulässig und insbesondere auch bei der
Beschaffung von Bauleistungen mangels genügenden internen Know-hows nicht
unüblich ist (vgl. Präsidialverfügung B 2018/98 vom 19. April 2018 E. 3.3 mit Hinweis
auf Galli/Moser/Lang/Steiner, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts,
3. Aufl. 2013, Rz. 1044; www.gerichte.sg.ch) – ein Ingenieurbüro mit der Ausarbeitung
der Ausschreibungsunterlagen und der Auswertung der Angebote betraut.
Anhaltspunkte dafür, dass dieses Unternehmen bei der Bewertung der Angebote nicht
unabhängig und nach objektiven Gesichtspunkten vorgegangen ist, sind nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ersichtlich. Bei der Beurteilung der einzelnen Rügen der Beschwerdeführerin hat sich
vielmehr gezeigt, dass die Bewertungen anhand der Vergabeakten und der
Begründungen insgesamt sachlich nachvollziehbar sind. Unter diesen Umständen
erübrigt sich entgegen dem Antrag der Beschwerdeführerin die Einholung einer
Expertise.
4.5. Zusammenfassend erweisen sich die Rügen, welche die Beschwerdeführerin
gegen die Bewertung der Angebote nach den Zuschlagskriterien "Auftrags- und
Risikoanalyse" und "Bauprogramm/Terminplan & Installationsplan" erhebt, als
unbegründet. Die Vorinstanz hat sich bei der Bewertung der Angebote innerhalb des ihr
zustehenden erheblichen Ermessensspielraums bewegt und den in Art. 11 Ingress und
lit. a IVöB verankerten Grundsatz der Gleichbehandlung der Anbieterinnen und Anbieter
nicht verletzt.
5. Bei diesem Verfahrensausgang – dem Gesuch der Beschwerdeführerin um
aufschiebende Wirkung wurde mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2019 mangels
ausdrücklichen Widerspruchs der Vorinstanz ohne nähere Prüfung der
Erfolgsaussichten entsprochen, die Beschwerde ist jedoch abzuweisen – sind die
amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 6'000 – darin eingeschlossen die
Kosten der Zwischenverfügung vom 12. Juni 2019 – erscheint angemessen (Art. 7
Ziff. 211 und 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 914.12). Sie ist mit dem von der
Beschwerdeführerin geleisteten Kostenvorschuss in der gleichen Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind mangels Anspruchs der Vorinstanz – die im Übrigen auch
keinen entsprechenden Antrag gestellt hat – und mangels Antrags der
Beschwerdegegnerin – die im Übrigen auch nicht berufsmässig vertreten war – nicht zu
entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und 98 VRP).