Decision ID: 2592eefa-6a41-472e-a7b8-5ac4d2e53e7f
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 8. Mai 2012 zum Bezug von Leistungen der
Eidgenössischen Invalidenversicherung an (berufliche Integration, Rente [act.
G 4.2/81]). In der Folge sprach die IV-Stelle St. Gallen der Versicherten berufliche
Massnahmen zu (berufliche Abklärung/Vorbereitung [25. Februar 2013 bis 31. Juli
2013], erstmalige berufliche Ausbildung zur B._ [1. August 2013 bis 31. Juli 2016])
und richtete ihr im Zeitraum vom 25. Februar 2013 bis zum 31. Juli 2016 ein Taggeld
der Invalidenversicherung aus ("kleines Taggeld" [act. G 4.1/19, 45, 79, 88, 91, 99, 103,
119 und 121]).
A.a.
Nach Abschluss der beruflichen Massnahmen stellte die IV-Stelle St. Gallen der
Versicherten mit Vorbescheid vom 28. September 2017 die Ausrichtung einer
Viertelsrente ab dem 1. August 2016 in Aussicht (act. G 4.2/78). Nachdem die
Versicherte dagegen Einwand erhoben hatte, hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom 21.
A.b.
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November 2017 daran fest (vgl. act. G 4.2/61.4; vgl. auch act. G 4, Sachverhalt, Ziff. II.
3). Am 30. November 2017 teilte die IV-Stelle der Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen ihren Rentenbeschluss mit. Dabei hielt sie fest, der Invaliditätsgrad von 45 %
bestehe seit 1. April 2013; der Rentenanspruch bestehe infolge Durchführung von
beruflichen Massnahmen mit Taggeldanspruch jedoch erst ab dem 1. August 2016
(act. G 4.2/73). Die Ausgleichskasse ging in der Folge vom Eintritt des
Versicherungsereignisses am 1. April 2013 aus und berechnete die Rente
dementsprechend (massgebende Beitragsjahre 2009 bis 2012 [zuzügl. Jugendjahre];
Rentenskala 44; durchschnittliches Jahreseinkommen am Anspruchsbeginn
Fr. 11'280.--; monatliche Rente ab August 2016 Fr. 392.-- [inkl. Zuschlag für
Frühinvalidität; act. G 4.2/71]).
Mit Verfügung vom 8. Februar 2018 richtete die Ausgleichskasse der Versicherten
gestützt auf die genannten Grundlagen rückwirkend ab 1. August 2016 eine
Viertelsrente von monatlich Fr. 392.-- aus (act. G 4.2/60). Nachdem die Versicherte
dagegen Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen erhoben hatte
(IV 2018/96), widerrief die IV-Stelle St. Gallen die Verfügung vom 8. Februar 2018 und
kündigte weitere Abklärungen an (act. G 4.2/58).
A.c.
Mit erneutem Vorbescheid vom 10. Mai 2019 stellte die IV-Stelle St. Gallen der
Versicherten nunmehr eine Dreiviertelsrente in Aussicht und teilte der Ausgleichskasse
am 28. Juni 2019 einen Invaliditätsgrad von 60 % ab 1. August 2016 mit (act. G 4.2/49
und 54). Die Ausgleichskasse nahm daraufhin eine neue Rentenberechnung vor, wobei
sie zunächst lediglich die Rente an den neuen Invaliditätsgrad anpasste (act.
G 4.2/45.3). Mit Verfügung vom 22. August 2019 richtete sie dementsprechend der
Versicherten rückwirkend ab 1. August 2016 eine monatliche Dreiviertelsrente von
Fr. 1'176.--, ab 1. Januar 2019 eine solche von Fr. 1'185.-- aus (act. G 4.2/37). Diese
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.d.
Bei einem internen Controlling vom 25. September 2019 stellte die
Ausgleichskasse fest, dass als Eintritt der Invalidität irrtümlich der 1. April 2013
angenommen worden, tatsächlich aber vom Eintritt der Invalidität per 1. August 2016
auszugehen sei. Ausserdem sei die Verrechnung der Rückforderung der
Arbeitslosenversicherung nicht geprüft worden (act. G 4.2/36). In der Folge berechnete
A.e.
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B.
die Ausgleichskasse das Rentenbetreffnis neu und berücksichtigte nunmehr die
massgebenden Beitragsjahre 2009 bis 2015 (zuzügl. Jugendjahre), womit sich ein
höheres durchschnittliches Jahreseinkommen von Fr. 21'150.-- (Tabellenwert) ergab.
Da der Eintritt der Invalidität nunmehr erst nach Vollendung des 25. Altersjahrs der
Versicherten zu liegen kam, entfiel der Zuschlag für die Frühinvalidität (act. G 4.2/33).
Mit Verfügung vom 16. September 2020 teilte die Ausgleichskasse der
Versicherten mit, dass der monatliche Rentenanspruch ab 1. August 2016 Fr. 996.--,
ab 1. Januar 2019 Fr. 1'005.-- betrage. Daraus ergebe sich für den Zeitraum vom
1. August 2016 bis 30. September 2020 ein Rentenbetreffnis (Nachzahlung) von
Fr. 49'989.-- zuzüglich Verzugszins von Fr. 413.--. Gleichzeitig nahm die
Ausgleichskasse eine Verrechnung der Auszahlung mit einer Rückforderung der
kantonalen Arbeitslosenkasse in Höhe von Fr. 12'748.80 vor (act. G 4.2/12 und 23.1).
Mit einer weiteren Verfügung vom 16. September 2020 forderte sie für den Zeitraum
vom 1. August 2016 bis zum 30. September 2019 die bisher ausgerichteten
Rentenbetreffnisse von Fr. 60'334.-- zurück (inkl. Verzugszins von Fr. 1'345.--). Zudem
nahm sie eine interne Verrechnung mit Ergänzungsleistungen in Höhe von Fr. 4'678.--
vor, sodass eine "effektive" Rückforderung von Fr. 18'002.80 resultierte (act. G 4.2/16).
A.f.
Mit Beschwerde vom 15. Oktober 2020 beantragt die Beschwerdeführerin die
Aufhebung der Verfügungen vom 16. September 2020 betreffend Neuberechnung der
Rentenleistungen der IV sowie der damit einhergehenden Rückforderung im Betrag von
Fr. 60'334.--. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Rente auf Grund des Zeitpunkts
des Eintritts des Versicherungsfalls neu zu berechnen sei. Sowohl im Vorbescheid vom
10. Mai 2019 als auch in der Verfügung vom 22. August 2019 werde aufgeführt, dass
sie rückwirkend ab dem 1. August 2016 Anspruch auf eine monatliche IV-Rente habe.
Auch im Entscheid des Versicherungsgerichts vom 6. September 2019 werde in
Erwägung 1.1 festgehalten, dass sie seit 1. August 2016 Arbeitslosentaggelder
bezogen habe. Es sei daher nicht nachvollziehbar, dass, obwohl der Ausgleichskasse
auf Grund eines Fehlers der Beschwerdegegnerin ein falsches Eintrittsdatum des
Versicherungsfalls mitgeteilt worden sein soll, die neue Rente wiederum ab dem
1. August 2016 berechnet und verfügt werde. Zudem stelle sich die Frage, weshalb sie
B.a.
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für einen Fehler der Beschwerdegegnerin haften solle. Die Beschwerdeführerin habe
die ihr zugesprochene IV-Rente in gutem Glauben empfangen. Auch sei es ihr zu
keinem Zeitpunkt möglich gewesen, einen Fehler in der Berechnung zu erkennen, noch
habe sie die Auskunfts- und Meldepflicht verletzt. Dies stelle einen weiteren Grund dar,
die angefochtene Verfügung aufzuheben. Schliesslich liege Willkür vor, wenn der
angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar sei, mit der tatsächlichen Situation in
klarem Widerspruch stehe, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz
krass verletze oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderlaufe
(act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 7. Januar 2021 beantragt die Verwaltung die
Abweisung der Beschwerde. Anhand des Beschlusses der Beschwerdegegnerin vom
30. November 2017 habe die Ausgleichskasse im Rentenberechnungsblatt vom
15. Januar 2018 den Eintritt des Versicherungsfalls auf den 1. April 2013 festgelegt. Auf
Grund dessen habe sie für die Ermittlung des massgebenden durchschnittlichen
Jahreseinkommens den Zeitraum vom 1. Januar 2009 bis zum 31. Dezember 2013
(richtig: 2012) berücksichtigt und habe die Rente zudem auf den Mindestbetrag für
Frühinvalide erhöht. Als Anspruchsbeginn sei bereits damals der 1. August 2016
festgelegt worden, wie dies die Beschwerdegegnerin am 21. November 2017 verfügt
habe. Nach dem mit Verfügung vom 1. Juni 2018 erfolgten Widerruf habe die
Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente ab dem 1. August 2016
verfügt und dies der Ausgleichskasse mit Beschluss vom 28. Juni 2018 mitgeteilt.
Gemäss Rentenberechnungsblatt habe die Ausgleichskasse weiterhin das per 31.
Dezember 2013 (richtig: 2012) ermittelte durchschnittliche Jahreseinkommen sowie
den erhöhten Mindestbetrag für Frühinvalide berücksichtigt. Der Rentenanspruch
entstehe solange nicht, als die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG
beanspruchen könne. Demzufolge sei der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin,
die bis am 31. Juli 2016 Taggelder der IV erhalten habe, am 1. August 2016
entstanden. Dieses Datum stelle den Eintritt des Versicherungsfalls dar, womit für die
Ermittlung des massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommens der Zeitraum
vom 1. Januar 2009 bis zum 31. Dezember 2015 relevant sei. Entsprechend sei die
Verfügung betreffend Rentenleistung der IV vom 22. August 2019 auf Grund eines
fehlerhaft ermittelten massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommens zweifellos
B.b.
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unrichtig und ihre Berichtigung sei auf Grund der noch bevorstehenden Rentendauer
von erheblicher Bedeutung. Damit habe die Beschwerdegegnerin
wiedererwägungsweise auf die Verfügung vom 22. August 2019 zurückkommen dürfen.
Unrechtmässig bezogene Leistungen seien unabhängig von einer allfälligen
Meldepflichtverletzung zurückzuerstatten. Daran ändere auch ein der Verwaltung
zuzurechnender Fehler nichts. Der Rückforderungsanspruch erlösche mit dem Ablauf
eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten habe,
spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen
Leistung. Bei der Berechnung der Dreiviertelsrente (vom 3. Juli 2019) sei die
Ausgleichskasse fälschlicherweise davon ausgegangen, dass die Grundlagen der
Rentenberechnung, insbesondere der Zeitpunkt des Versicherungseintritts,
gleichgeblieben seien und sie habe lediglich die bereits berechnete Rente von einer
Viertels- auf eine Dreiviertelsrente erhöht. Auf diese erstmalige falsche Handlung der
Ausgleichskasse könne gemäss Rechtsprechung für den Beginn der einjährigen
Verwirkungsfrist nicht abgestellt werden. Erst anhand des internen und nachgelagerten
Controllings vom 25. September 2019 habe bemerkt werden können, dass der
Zeitpunkt des Eintritts des Versicherungsfalls fraglich und zu prüfen sei. Die
Abklärungen mit der Beschwerdegegnerin hätten dann ergeben, dass der Eintritt des
Versicherungsfalls korrekterweise auf den 1. August 2016 festzulegen und damit eine
falsche Rentenberechnung vorgenommen worden sei. Ausgehend davon sei die
relative einjährige Verwirkungsfrist mit der Rückforderungsverfügung vom
16. September 2020 gewahrt. Mit der (Nachzahlungs-)Verfügung vom 16. September
2020 sei auch eine externe Verrechnung mit der Rückforderung der Arbeitslosenkasse
in der Höhe von Fr. 12'748.80 vorgenommen worden. Einzelgesetzlich sei geregelt,
dass Rückforderungen von Taggeldern der Arbeitslosenversicherung mit fälligen
Leistungen der IV verrechnet werden könnten. In der Folge richte sich der noch offene
Rückerstattungsanspruch der Arbeitslosenkasse gegen die nachzahlungspflichtige
Beschwerdegegnerin und nicht gegen die Beschwerdeführerin. Die
Beschwerdegegnerin habe die an die Beschwerdeführerin auszurichtende Nachzahlung
entsprechend um den noch offenen Rückforderungsbetrag zu kürzen. Die Verrechnung
sei im Rahmen der Verfügung vom 22. August 2019 fälschlicherweise nicht mehr
überprüft und entsprechend auch nicht vorgenommen worden. Die Verfügung vom
22. August 2020 erweise sich damit auch in Bezug auf die zur Verrechnung gebrachte
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Rückerstattungsforderung der Arbeitslosenkasse als zweifellos unrichtig und die
Berichtigung als von erheblicher Bedeutung. Nachdem auch dieser Umstand erst
anlässlich des internen Controllings (ELAR-Notiz vom 25. September 2019) habe
festgestellt werden können, sei die angefochtene Verfügung vom 16. September 2020
auch diesbezüglich rechtzeitig ergangen. Die Prüfung des in der Beschwerde
sinngemäss gestellten Eventualbegehrens um Erlass der Rückforderung werde nach
rechtskräftigem Abschluss des vorliegenden Beschwerdeverfahrens in einem zweiten
Schritt durch die Beschwerdegegnerin vorgenommen (act. G 4).
Mit Replik vom 31. März 2021 macht die Beschwerdeführerin geltend, bei der
Mitteilung des Beschlusses vom 30. November 2017 und bei der Rentenberechnung
vom 15. Januar 2018, wie auch bei der Mitteilung des Beschlusses über den Anspruch
auf eine Dreiviertelsrente vom 28. Juni 2019, handle es sich um internen
Schriftenwechsel zwischen der Beschwerdegegnerin und der Ausgleichskasse.
Demzufolge mache die Beschwerdeführerin zu Recht geltend, dass es nicht
nachvollziehbar sei, weshalb die Rente neu berechnet werden müsse. Zudem werde
wiederholt darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin die ihr zugesprochenen
IV-Renten in gutem Glauben empfangen habe und es ihr nicht möglich gewesen sei,
den Fehler in der Berechnung zu erkennen. Dies führe wiederum dazu, dass auch keine
Melde- oder Auskunftspflicht verletzt worden sei. Die Beschwerdegegnerin gehe selber
davon aus, dass die Verfügung betreffend Rentenleistung der IV vom 22. August 2019
auf Grund eines fehlerhaft ermittelten massgebenden durchschnittlichen
Jahreseinkommens zweifellos unrichtig sei. Dabei handle es sich um Kommunikations-
und Informationsversäumnisse zwischen der Ausgleichskasse und der
Beschwerdegegnerin. Wie die Beschwerdegegnerin in einem Mail vom 28. September
2020 an die Beschwerdeführerin ausführe, sei es unterlassen worden, der kantonalen
Arbeitslosenkasse einen Verrechnungsantrag zu senden (vgl. act. G 4.2/10). Daraus
folgend hätte die Beschwerdegegnerin bereits anlässlich des 2. IV-Beschlusses vom
28. Juni 2019 den 1. IV-Beschluss 30. November 2017 kontrollieren können und
müssen und der kantonalen Ausgleichskasse (richtig wohl: Arbeitslosenkasse) erneut
einen Verrechnungsantrag senden müssen. Dies sei jedoch nach Angaben der
Ausgleichskasse versäumt worden, was dazu geführt habe, dass die Ausgleichskasse
weiterhin das per 31. Dezember 2013 (richtig: 2012) ermittelte durchschnittliche
B.c.
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Erwägungen
1.
Verfügungen der kantonalen IV-Stellen sind direkt vor dem Versicherungsgericht am
Ort der IV-Stelle anfechtbar (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [SR 831.20; abgekürzt: IVG]). Nachdem auch die einmal
begründete Zuständigkeit der IV-Stelle im Verlauf des Verfahrens grundsätzlich
erhalten bleibt (Art. 55 IVG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 3 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [SR 831.201; abgekürzt: IVV]), ist die Zuständigkeit des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen zur Beurteilung der vorliegenden
Streitsache gegeben, auch wenn die Beschwerdeführerin seit 1. September 2020 im
Kanton C._ wohnt (act. G 4.2/28 [und die angefochtenen Verfügungen den Zeitraum
bis 30. September 2020 umfassen]). Nachdem auch die übrigen
Jahreseinkommen sowie den erhöhten Mindestbetrag für Frühinvalide berücksichtigt
habe. Bereits zu diesem Zeitpunkt, und nicht erst anlässlich der internen Kontrolle vom
25. September 2019, hätte festgestellt werden können, dass der Eintritt des
Versicherungsfalls nicht der 1. April 2013, sondern der 1. August 2016 gewesen und
die Rente somit falsch berechnet worden sei. Die relative Frist laufe ab Kenntnisnahme
des Rückforderungsanspruchs durch den Versicherungsträger. Dabei sei
rechtsprechungsgemäss keine tatsächliche Kenntnisnahme verlangt. Es genüge, dass
der Versicherungsträger bei Beachtung der zumutbaren Aufmerksamkeit hätte
erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Rückerstattung beständen. Die
relative einjährige Verwirkungsfrist beginne demnach mit dem 2. IV-Beschluss vom
28. Juni 2019 und sei am 28. Juni 2020 abgelaufen. Die Verfügungen vom
16. September 2020 seien vollumfänglich aufzuheben. Zu erwähnen sei das Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Mai 2020 (9C_625/2019), wo es die IV-Stelle ebenfalls aus
Unachtsamkeit unterlassen habe, die Ausgleichskasse bezüglich einer Rente zu
informieren. Auch wäre die Ausgleichskasse ansonsten rechtzeitig auf die fehlerhafte
Invalidenrente aufmerksam geworden. Dieser Entscheid sei zu begrüssen, da der
Koordinationsbedarf zwischen IV-Stelle und Ausgleichskasse nicht zu Lasten der
versicherten Person gehen dürfe (act. G 11).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 3).B.d.
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Anspruchsvoraussetzungen, namentlich die Rechtzeitigkeit der Beschwerde, erfüllt
sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
Der in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101; abgekürzt: BV) statuierte Anspruch auf rechtliches Gehör
beinhaltet unter anderem die Teilgehalte des Anspruchs auf Äusserung der betroffenen
Person im Verfahren und auf Begründung der Verfügung durch die Behörde. In Bezug
auf die vorgängige Anhörung ist im IV-Verfahren das Vorbescheidsverfahren
vorgesehen (Art. 42 und 49 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [SR 830.1; abgekürzt: ATSG] in Verbindung mit Art. 57a
IVG). Gemäss Art. 57a Abs. 1 IVG teilt die IV-Stelle der versicherten Person den
vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren mittels Vorbescheid mit (Satz
1). Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 42
ATSG (Satz 2). Gegenstand des Vorbescheids sind nach Art. 73 Abs. 1 IVV (in der bis
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung) Fragen, die in den Aufgabenbereich
gemäss Art. 57 Abs. 1 lit. c-f IVG der IV-Stellen fallen. Während die Aufgaben der IV-
Stellen in Art. 57 IVG geregelt sind, darunter insbesondere die Bemessung der
Invalidität und der Erlass der Verfügungen über Leistungen der Invalidenversicherung
(Art. 57 Abs. 1 lit. f und g IVG, in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen
Fassung), obliegen Berechnung und Auszahlung der Renten den Ausgleichskassen
(Art. 60 Abs. 1 lit. b und c IVG, in der bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen
Fassung).
2.1.
bis
In BGE 134 V 97 hat das Bundesgericht entschieden, dass die Pflicht zum Erlass
eines Vorbescheids ausschliesslich die Aufgaben der IV-Stelle, nicht aber diejenigen
der Ausgleichskassen betrifft (BGE 134 V 102 ff., E. 2.3 ff.). Dies bedeutet aber nicht,
dass im Zuständigkeitsbereich der Ausgleichskassen auf die Gewährung des
rechtlichen Gehörs verzichtet werden könnte; vielmehr ist dafür eine angemessene
Form zu suchen (BGE 134 V 107 f., E. 2.8 f.). Das Recht, angehört zu werden, ist
formeller Natur. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt ungeachtet der
Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der
angefochtenen Verfügung. Rechtsprechungsgemäss kann allerdings dann auf eine
Rückweisung zur Heilung der Gehörsverletzung verzichtet werden, wenn dies zu einem
formalistischen Leerlauf und zu einer unnötigen Verzögerung des Verfahrens führt.
Sodann lässt die sozialversicherungsrechtliche Rechtsprechung eine Heilung einer
nicht besonders schwer wiegenden Gehörsverletzung dort zu, wo die betroffene
Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/19
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3.
den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann; wobei allerdings auch in
diesen Fällen die Heilung der Gehörsverletzung die Ausnahme bleiben soll (Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 13 ff. zu Art. 42, mit Hinweisen).
Nachdem es vorliegend um Aspekte der Rentenberechnung und einer damit
zusammenhängenden Rückforderung geht, die in den Aufgabenbereich der
Ausgleichskasse fallen, war die Durchführung eines Vorbescheidsverfahren in Bezug
auf die Verrechnung nicht notwendig. Nach dem vorstehend Gesagten wäre der
Beschwerdeführerin jedoch anderweitig Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben
gewesen, was nicht der Fall war. Diese rügt zwar nicht explizit eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör oder der Begründungspflicht. Sie macht aber
beschwerdeweise geltend, die neue Rentenberechnung und die daraus resultierende
Rückforderung seien nicht nachvollziehbar. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hat denn auch erst aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin
in deren Beschwerdeantwort erfahren, dass es um den geänderten Eintrittszeitpunkt
des Versicherungsfalls geht und auf Grund dessen der Zuschlag gemäss Art. 37 Abs. 2
IVG wegfällt (vgl. nachfolgende Erwägung 4.1). Die Beschwerdeführerin hat keine
Aufhebung der Verfügung aus formellen Gründen sowie die Durchführung eines
korrekten Verfahrens verlangt. Somit ist davon auszugehen, dass sie die materielle
Beurteilung der Streitsache durch das Gericht wünscht. Zudem konnte sie sich
zumindest im vorliegenden Beschwerdeverfahren - mithin vor einer Instanz mit
umfassender Kognition - ausführlich zu den Gründen der Wiedererwägung der
Rentenberechnung und der Rückforderung äussern. Auf eine Aufhebung der
angefochtenen Verfügung aus formellen Gründen ist deshalb zu verzichten und es
rechtfertigt sich, die nicht allzu schwer wiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs
und der Begründungspflicht als geheilt zu betrachten. Dies wird sodann bei den
Kostenfolgen zu berücksichtigen sein (vgl. nachstehende Erwägung 5.2).
2.3.
Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin ab 1. August 2016
Anspruch auf eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung hat. Umstritten sind
dagegen die Rentenberechnung sowie die Frage der Verwirkung der aus der
Neuberechnung vom 14. Juli 2020 resultierenden Rückforderung.
3.1.
Für die Rentenberechnung werden Beitragsjahre, Erwerbseinkommen sowie Er
ziehungs- oder Betreuungsgutschriften der rentenberechtigten Person zwischen dem
1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres und dem 31. Dezember vor Eintritt des
Versicherungsfalles (hier: Invalidität) berücksichtigt. Der Bundesrat regelt die
3.2.
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Anrechnung der Beitragsmonate im Jahr der Entstehung des Rentenanspruchs, der
Beitragszeiten vor dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres sowie der
Zusatzjahre (Art. 29 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung [SR 831.10; abgekürzt: AHVG]). Die Beitragsdauer ist
vollständig, wenn eine Person gleich viele Beitragsjahre aufweist wie ihr Jahrgang (Art.
29 Abs. 1 AHVG). Die Rente wird nach Massgabe des durchschnittlichen
Jahreseinkommens berechnet. Dieses setzt sich zusammen aus den
Erwerbseinkommen, den Erziehungsgutschriften sowie den Betreuungsgutschriften
(Art. 29 AHVG). Das Einkommen wird mit dem Aufwertungsfaktor multipliziert und
durch die Anzahl der Beitragsjahre geteilt (Art. 30 AHVG). Bei erwerbstätigen Personen
werden nur die Einkommen berücksichtigt, auf denen Beiträge bezahlt wurden (Art.
29 Abs. 1 AHVG). Die Invalidenrenten werden nach den gleichen Grundsätzen
wie die AHV-Renten berechnet (Art. 36 Abs. 2 IVG und Art. 32 IVV). Dabei gilt die
Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die
jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG). Der
Versicherungsfall Invalidität kann nicht eintreten, solange sich die versicherte Person
Eingliederungsmassnahmen unterzieht bzw. ein Taggeld nach Art. 22 IVG
beanspruchen kann (Art. 28 Abs. 1 lit. a und Art. 29 Abs. 2 IVG; BGE 137 V 417, AHI
2001 S. 152 ff.; vgl. auch das Kreisschreiben des Bundesamtes für
Sozialversicherungen über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung
[KSIH] Rz 1031 [gültig gewesen bis 31. Dezember 2021]; seit 1. Januar 2022 in
Kreisschreiben über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR] Rz 1205).
Hat eine versicherte Person mit vollständiger Beitragsdauer bei Eintritt der Invalidität
das 25. Altersjahr noch nicht zurückgelegt, so betragen ihre Invalidenrente und allfällige
Zusatzrenten mindestens 133 1/3 Prozent der Mindestansätze der zutreffenden
Vollrenten (Art. 37 Abs. 2 IVG).
bis
ter
quater
quinquies
3.3.
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind grundsätzlich zurückzuerstatten (vgl.
Art. 25 Abs. 1 ATSG]). Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines
Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat,
spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen
Leistung (Abs. 2 [in der bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen, vorliegend noch
anwendbaren Fassung]). In der Rechtsprechung wird für die Kenntnisnahme der
Zeitpunkt als ausreichend bezeichnet, an welchem der Versicherungsträger bei
Beachtung der zumutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die
Voraussetzungen für eine Rückerstattung bestehen (BGE 119 V 431, E. 3a; Ueli Kieser,
3.3.1.
http://www.koordination.ch/de/online-handbuch/atsg/rueckerstattung/#c22769 http://www.koordination.ch/de/online-handbuch/atsg/rueckerstattung/#c22769
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a.a.O., N 81 zu Art. 25). Die Fristen des Art. 25 Abs. 2 ATSG sind gewahrt, wenn vor
deren Ablauf eine Rückerstattungsverfügung ergeht und der rückerstattungspflichtigen
Person zugestellt wird (BGE 119 V 431, E. 3c). Wer Leistungen in gutem Glauben
empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Art.
25 Abs. 1 Satz 2 ATSG).
Beruht die unrechtmässige Leistungsausrichtung auf einem Fehler der
Verwaltung, wird die einjährige relative Verwirkungsfrist gemäss Art. 25 Abs. 2 erster
Satz ATSG nicht durch das erstmalige unrichtige Handeln der Amtsstelle ausgelöst.
Vielmehr ist auf jenen Tag abzustellen, an dem das Durchführungsorgan später -
beispielsweise anlässlich einer Rechnungskontrolle oder auf Grund eines zusätzlichen
Indizes - unter Anwendung der ihm zumutbaren Aufmerksamkeit seinen Fehler hätte
erkennen müssen (Urteil des Bundesgerichts vom 4. März 2021, 8C_648/2020, E. 3.2,
mit Hinweisen auf BGE 146 V 217 E. 2.2 S. 220; 139 V 570 E. 3.1 S. 572; 124 V 380 E.
1 S. 382 f.; 122 V 270 E. 5b/aa S. 275; Kieser, a.a.O., N 85 zu Art. 25 ATSG; Johanna
Dormann, in: Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, 2020,
N 53 zu Art. 25 ATSG; Sylvie Pétremand, in: Commentaire romand, Loi sur la partie
générale des assurances sociales, 2018, N 93 zu Art. 25 ATSG). Massgebend ist somit
nicht der ursprüngliche Irrtum, sondern erst ein zweiter Anlass (nämlich die zumutbare
Kenntnis über den ursprünglichen Irrtum). Selbst wenn somit der Versicherungsträger
zum Zeitpunkt der erstmaligen Leistungszusprache genügend Hinweise auf die
Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs gehabt hätte, beginnt die relative
Verwirkungsfrist zur Rückforderung trotzdem erst ab dem Zeitpunkt, in welchem der
Versicherungsträger bei einer Kontrolle zumutbarerweise den Fehler hätte entdecken
können (Urteil des Bundesgerichts vom 4. März 2021, 8C_648/2020, E. 3.2, mit
Hinweisen auf Urteil vom 13. August 2018, 8C_90/2018, E. 4.5; Kieser, a.a.O., N 86 zu
Art. 25 ATSG).
3.3.2.
Eine Rückforderung ist grundsätzlich nur zulässig, wenn die Voraussetzungen der
Wiedererwägung oder der prozessualen Revision erfüllt sind (Art. 53 Abs. 1 und 2
ATSG). In der Invalidenversicherung im Speziellen ist eine rückwirkende Korrektur einer
Leistungszusprache nur möglich, wenn bei IV-rechtlichen (im Gegensatz zu
berechnungsmässigen) Gesichtspunkten eine schuldhafte Meldepflichtverletzung der
versicherten Person vorliegt. Denn Art. 85 Abs. 2 IVV bestimmt, dass eine Änderung
der Leistungszusprache von dem der neuen Verfügung folgenden Monat an
vorzunehmen ist und gemäss Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV erfolgt die Herabsetzung oder
Aufhebung der Rente grundsätzlich frühestens vom ersten Tag des zweiten der
Zustellung der Verfügung folgenden Monats an. Sie erfolgt nur dann rückwirkend ab
3.4.
bis
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4.
Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu
Unrecht erwirkt hat oder der ihm nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht
nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die
unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war
(Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV; vgl. zum Ganzen Kieser, a.a.O., Art. 25 N 14 und N 30).bis
Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin im Zeitraum vom 25. Feb
ruar 2013 bis zum 31. Juli 2013 zunächst eine berufliche Abklärung/Vorbereitungszeit
und anschliessend vom 1. August 2013 bis zum 31. Juli 2016 ihre erstmalige
Ausbildung zur B._ absolviert und in dieser Zeit ein Taggeld der
Invalidenversicherung bezogen hat ("kleines Taggeld" [act. G 4.1/91, 103 und 121]).
Der Versicherungsfall "Rente" trat somit nach Abschluss der beruflichen Massnahmen
am 1. August 2016 ein. Nachdem die Beschwerdeführerin am 18. Juli 2008 das
20. Altersjahr zurückgelegt hatte, stellen die Jahre 2009 bis 2015 den gemäss Art. 29
Abs. 1 AHVG massgebenden Bemessungszeitraum dar, wovon auch die
Ausgleichskasse in ihrer neuen Rentenberechnung vom 14. Juli 2020 korrekterweise
ausging. Dabei konnten Beitragslücken in den Jahren 2009 und 2012 mit Einkommen
und Beitragszeiten aus den Jugendjahren 2006 bis 2008 aufgefüllt werden, sodass die
Beschwerdeführerin über eine vollständige Beitragsdauer verfügt (Rentenskala 44). In
den Ausbildungsjahren 2013 bis 2015 wurden sodann die Taggeldleistungen als
Einkommen mitberücksichtigt, sodass für den fraglichen Zeitraum ein
Gesamteinkommen von Fr. 144'969.-- resultierte. Geteilt durch die sieben
vollständigen Beitragsjahre ergab sich ein durchschnittliches Einkommen von
Fr. 20'710.-- bzw. aufgerundet auf den nächsten Tabellenwert von Fr. 21'150.-- (act.
G 4.2/33.3 f.). Diese Berechnung wird von der Beschwerdeführerin denn auch zu Recht
nicht beanstandet. Beim genannten Tabellenwert (ab 2019: Fr. 21'330.--) ergibt sich
alsdann ein monatliches Rentenbetreffnis von Fr. 996.-- (ab 1. August 2016) bzw. von
Fr. 1'005.-- (ab 1. Januar 2019), wie die Ausgleichskasse ebenfalls korrekt ermittelte
(vgl. Rententabellen des Bundesamtes für Sozialversicherungen, gültig ab 1. Januar
2015 bzw. ab 1. Januar 2019). Da der Versicherungsfall nunmehr erst nach Vollendung
des 25. Altersjahrs der Beschwerdeführerin am 18. Juli 2013 eintrat, entfällt der
Mindestbetrag von 133 1/3 Prozent für die Rente gemäss Art. 37 Abs. 2 IVG
(Frühinvalidität). Dieser Umstand führt trotz höherem durchschnittlichen
Jahreseinkommen zu einer geringeren Rente. Die materielle Überprüfung der
Rentenberechnung ergibt somit, dass diese im Rentenberechnungsblatt vom 14. Juli
2020 und damit in der angefochtenen Verfügung vom 16. September 2020 korrekt
4.1.
bis
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vorgenommen wurde. Daraus resultiert für den gesamten Zeitraum vom 1. August 2016
bis zum 30. September 2020 eine Rückforderung der Beschwerdegegnerin von
Fr. 9'000.-- (50 Monate à Fr. 180.--) zuzüglich die Differenz beim Verzugszins von
Fr. 932.--, total somit Fr. 9'932.--. Gemäss eigener Darstellung der
Beschwerdegegnerin besteht sodann eine interne Verrechnungsmöglichkeit mit fälligen
Ergänzungsleistungen im Umfang von Fr. 4'678.-- (act. G 4.2/16.1), sodass ein
rückerstattungspflichtiger Betrag aus zu Unrecht bezogenen Leistungen der
Invalidenversicherung von Fr. 5'254.-- verbleibt (vgl. zur Rückforderung der
Arbeitslosenversicherung von Fr. 12'748.80 nachstehende Erwägungen 3.2.2 f.).
Nachdem die Beschwerdegegnerin die Rente der Beschwerdeführerin mit
Verfügung vom 22. August 2019 rechtskräftig festgelegt hatte, bedurfte es für deren
Abänderung bzw. den Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 16.
September 2016 eines Rückkommenstitels gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG. Demgemäss
kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn
ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Gemäss der in vorstehender
Erwägung 4.1 vorgenommenen materiellen Prüfung der Rentenberechnung erweist sich
die angefochtene Verfügung vom 16. September 2020 als korrekt. Im Gegensatz dazu
basierte die ursprüngliche Rentenberechnung auf einem falsch festgelegten Eintritt des
Schadenfalls. Einerseits löste der falsch bestimmte Eintritt des Versicherungsfalls am 1.
April 2013 vor Zurücklegung des 25. Altersjahres den Rentenzuschlag gemäss Art. 37
Abs. 2 IVG von 133 1/3 Prozent aus. Andererseits wurde ein zu kurzer
Bemessungszeitraum (2009 bis 2012) mit damit einhergehender anderer Berechnung
des massgebenden durchschnittlichen Einkommens berücksichtigt. Insgesamt basierte
die Verfügung auf unzutreffenden Feststellungen und legte insbesondere auf Grund der
Berücksichtigung des Zuschlags einen zu hohen Rentenanspruch fest (vgl. auch
Stellungnahme des Fachbereichs vom 3. Dezember 2020, act. G 4.2/1). Angesichts der
Rentenhöhe sowie der noch bevorstehenden Rentendauer war die Korrektur zudem
von erheblicher Bedeutung. Die Beschwerdegegnerin war somit berechtigt, die
Verfügung vom 22. August 2019 in Wiedererwägung zu ziehen und das
Rentenbetreffnis neu festzulegen (Art. 53 Abs. 2 ATSG).
4.2.
4.3.
In der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 16. September 2020 (Neube
rechnung des Rentenanspruchs) wurde auch ein Rückforderungsanspruch der Arbeits
losenversicherung im Umfang von Fr. 12'748.80 berücksichtigt, indem dieser mit der
4.3.1.
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Nachzahlung (bzw. mit dem neu berechneten Rentenbetreffnis) verrechnet wurde (act.
G 4.2/12.2). Diese Rückforderung der Arbeitslosenversicherung geht zurück auf eine
Verfügung der Arbeitslosenkasse des Kantons St. Gallen vom 10. September 2020.
Demnach ging diese davon aus, dass sie auf Grund der Rentenzusprache der
Invalidenversicherung insgesamt Fr. 20'982.75 zu viel an Taggeldern ausgerichtet hat,
wovon Fr. 19'130.55 mit Leistungen der Invalidenversicherung zu verrechnen seien,
wovon wiederum ein Betrag von Fr. 6'381.75 bereits zuvor verrechnet worden sei
(welche Rückforderung bzw. Verrechnung vom hiesigen Gericht bereits als rechtmässig
beurteilt wurde [Entscheid vom 6. September 2019 [AVI 2018/22]; act. G 4.2/5.9 ff.]).
Der Restbetrag von Fr. 1'852.20 werde mit einem allfälligen Leistungsanspruch
gegenüber der beruflichen Vorsorge verrechnet oder ansonsten direkt bei der
Beschwerdeführerin geltend gemacht (act. G 4.2/23.4 ff.). Nachdem gegen diese
Verfügung keine Beschwerde beim hiesigen Versicherungsgericht erhoben wurde, ist -
nachdem wohl nicht vom unwahrscheinlichen Fall auszugehen ist, dass ein
anderslautender Einspracheentscheid existiert, die Arbeitslosenkasse aber trotzdem
die Verfügung vollstreckt, was denn von der Beschwerdeführerin auch gar nicht
behauptet wird - von der Rechtskraft dieser Verfügung auszugehen. Auch im
vorliegenden Verfahren werden keinerlei Einwände gegen die Höhe der Rückforderung
oder gegen die Verrechnung erhoben. Im Übrigen ist angesichts der Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin für den gleichen Zeitraum, für welchen die
Arbeitslosenversicherung Leistungen ausgerichtet hatte (1. August 2016 bis 31.
Dezember 2017 [vgl. Entscheid vom 6. September 2019 [AVI 2018/22] Erw. 1.1),
nachträglich eine Rente der Invalidenversicherung erhält, ohne Weiteres von einem
entsprechenden Rückforderungsanspruch der Arbeitslosenversicherung auszugehen.
Dieser beschränkt sich in betraglicher Hinsicht - in Abweichung von Art. 25 Abs. 1
ATSG - auf die Höhe der von der Invalidenversicherung für den gleichen Zeitraum
erbrachten Leistungen (Art. 95 Abs. 1 letzter Satz des Bundesgesetzes über die
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung [SR 837.0; abgekürzt: AVIG]),
sodass der Beschwerdeführerin diesbezüglich kein Nachteil erwächst.
bis
Einzelgesetzlich ist geregelt, dass Rückforderungen von Taggeldern der Arbeits
losenversicherung mit fälligen Leistungen der Invalidenversicherung verrechnet werden
können (Art. 50 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 20 Abs. 2 lit. c AHVG, Art. 94 Abs. 1
AVIG). Trotz dieser einzelgesetzlichen Kann-Vorschrift ist davon auszugehen, dass ein
verfügungsweise festgestellter Rückforderungsanspruch grundsätzlich gegenüber dem
nachzahlungspflichtigen Versicherungsträger geltend zu machen ist (so explizit Art. 2
Abs. 3 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [SR
4.3.2.
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830.11; abgekürzt: ATSV], wonach sich der Anspruch des Versicherers auf
Rückerstattung im Umfang, in welchem die unrechtmässig gewährten Leistungen
gemäss der Regelung der einzelnen Sozialversicherungen mit Nachzahlungen anderer
Sozialversicherungen verrechnet werden können, gegen den nachzahlungspflichtigen
Versicherer richtet; vgl. auch Kieser, a.a.O., N 58 zu Art. 25, wonach es sich bei der
Verrechnung nicht bloss um ein Recht, sondern um eine Verpflichtung des
rückfordernden Versicherungsträgers handle, weshalb er gehalten sei, sich die zur
Verrechnung erforderliche Kenntnis zu verschaffen und die Verrechnung geltend zu
machen; vgl. auch Art. 94 Abs. 2 AVIG, wonach eine andere Sozialversicherung ihre
Leistung im Umfang der Verrechnung nicht mehr befreiend an die versicherte Person
ausrichten kann, wenn ihr die Arbeitslosenkasse die Verrechnung angezeigt hat).
Nachdem in der ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung vom 22. August
2019 die gebotene Verrechnung der Rückforderung der Arbeitslosenversicherung mit
der (damaligen) Nachzahlung zu Unrecht unterblieben ist, erweist sie sich auch in
diesem Punkt als zweifellos unrichtig. Die erforderliche Bedeutung ist beim fraglichen
Betrag ebenfalls ohne Weiteres gegeben. Die Beschwerdegegnerin durfte somit auch
betreffend die Verrechnung von Fr. 12'748.80 wiedererwägungsweise auf die
Verfügung vom 22. August 2019 zurückkommen (und damit im Ergebnis die
Rückforderung der Arbeitslosenversicherung vor ihrer eigenen, aus der jetzigen
Fehlerbehebung entstehenden, Rückforderung befriedigen). Die gesamte
Rückforderung (von nunmehr IV-Leistungen) beträgt demnach Fr. 18'002.80
(Fr. 5'254.-- + Fr. 12'748.80).
Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, die Rückforderung sei verwirkt, da
die Beschwerdegegnerin bereits bei Erhalt des 2. IV-Beschlusses vom 28. Juni 2020
den ersten IV-Beschluss vom 30. November 2017 hätte kontrollieren können und
müssen. Die Beschwerdegegnerin führe in ihrem Schreiben vom 28. September 2020
an die Beschwerdeführerin selber aus, dass sie es versäumt habe, auf den 1. IV-
Beschluss zu schauen (vgl. act. G 4.2/10). Tatsächlich war - entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin - bereits die erste Rentenberechnung falsch, beruhte doch auch
diese Berechnung auf der unrichtigen Annahme eines Eintritts des Versicherungsfalls
am 1. April 2013 (Berechnungsblatt vom 15. Januar 2018 [act. G 4.2/71.3 f.]) und
enthielt der Beschluss vom 30. November 2017 bereits damals den Hinweis an die
Ausgleichskasse, dass der Anspruchsbeginn wegen beruflicher Massnahmen erst auf
den 1. August 2016 zu legen sei (act. G 4.2/73.1). Es stellt sich somit die Frage, ob die
Ausgleichskasse den Fehler bei Erhalt des IV-Beschlusses vom 28. Juni 2019 bei
genügender Sorgfalt hätte entdecken können und müssen. Zwar räumt diese selber
ein, bei Erhalt des 2. IV-Beschlusses vom 28. Juni 2019 nicht auf den 1. Beschluss
4.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/19
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geschaut zu haben und damit implizit, dass sie den Fehler sonst bemerkt haben
könnte. Andererseits erscheint plausibel, dass bei einer Anpassung des
Invaliditätsgrads auf "60 % ab 01.08.2016 (bisher 45 % seit 01.08.2016)" kein
unmittelbarer Anlass bestand, die Berechnungsgrundlagen in Frage zu stellen, zumal
eine rückwirkende Anhebung des Invaliditätsgrads für den gleichen Zeitraum
normalerweise keine Neuberechnung des massgebenden durchschnittlichen
Jahreseinkommens zur Folge hat (vgl. act. G 4.2/49.1). Nachdem somit zumindest
nicht von einer eindeutigen und schwerwiegenden Verletzung der zumutbaren Sorgfalt
durch die Ausgleichskasse anlässlich der Rentenanpassung auf eine Dreiviertelsrente
auszugehen ist, gebührt hier der Durchsetzung des objektiven Rechts der Vorrang. Der
Ausgleichskasse ist demnach zuzubilligen, dass sie den Fehler bei der
Rentenfestsetzung vom 3. Juli 2019 (act. G 4.2/45) noch nicht bemerken musste, auch
wenn dies vielleicht bei sehr sorgfältiger Vorgehensweise möglich gewesen wäre. Die
Ausgleichskasse bemerkte den Fehler kurz darauf anlässlich eines internen
Fachcontrollings (vgl. ELAR-Notiz vom 25. September 2019 [act. G 4.2/36]). Zwar
erfolgte das Fachcontrolling gemäss der genannten Notiz offenbar bereits im August
2019. Die Auswertung der entsprechenden Erkenntnisse durch die zuständige Stelle
der Ausgleichskasse erfolgte demgegenüber nachgelagert am 25. September 2019. Da
der Ausgleichskasse eine angemessene Bearbeitungszeit zuzubilligen ist, ist auf dieses
Datum als Ausgangspunkt für den Fristenlauf abzustellen. Die einjährige relative
Verwirkungsfrist endet mithin am 25. September 2020. Demgemäss erfolgte die
Rückforderungsverfügung vom 16. September 2020 rechtzeitig innert der einjährigen
relativen Verwirkungsfrist. Die zurückgeforderten Rentenbetreffnisse wurden
(frühestens) mit Verfügung vom 22. August 2019 ausgezahlt (bzw. die Differenz nach
gezahlt), sodass auch die absolute fünfjährige Frist seit Ausrichtung der einzelnen
Leistung eingehalten ist (vgl. Kieser, a.a.O., N 92 zu Art. 25).
Die Beschwerdeführerin macht schliesslich geltend, dass ihr kein Verschulden an
der falschen Rentenberechnung angelastet, insbesondere, dass ihr keine
Meldepflichtverletzung vorgeworfen werden könne. Dies trifft zwar zu. Soweit sie damit
implizieren will, dass eine rückwirkende Anpassung der Invalidenrente im Sinn von
Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV (e contrario) ausgeschlossen sei, kann ihr jedoch nicht gefolgt
werden, ist doch vorliegend kein IV-spezifischer Umstand zu beurteilen. Vielmehr geht
es im Wesentlichen um die Rentenberechnung, die nach AHV-rechtlichen
Gesichtspunkten erfolgt, sowie um die Frage der Verwirkung, die ebenfalls keinen IV-
spezifischen Umstand darstellt (vgl. vorstehende Erwägungen 3.2 und 3.4).
Unabhängig von einem Verschulden der Beschwerdeführerin wird damit lediglich der
rechtmässige Zustand wiederhergestellt. Die Prüfung des mit der Beschwerde vom
4.5.
bis
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