Decision ID: f8e2a49b-d46d-4ca8-a12d-3e50c12ba426
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1971,
ausgebildete Floristin, ledig und Mutter von drei Kindern mit Jahrgang 1997, 1999 und 2002, ist seit November 1997 Hausfrau (
Urk.
7/5).
Am
23. Juli 2008
meldete sie sich
unter Hinweis auf
eine psychische Erkrankung und
soziale Phobie (seit längerem verstärkte Probleme, seit Januar 2006 krank geschrieben)
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (Beruflich
e Integration, Rente) an (Urk. 7
/5).
Die IV-Stelle nahm medizinische und berufliche
Abklärungen vor (
Urk. 7/11,
Urk.
7/18
)
und veranlasste eine psy
chiatrisch
e
Abklärung
bei
Dr.
med. Dipl.-Psych.
Y._
,
Facharzt für
Psy
chiatrie und Psychotherapie
(
Urk.
7
/
21
).
Am
31
.
März
2010
erfolgte eine
Haus
halt
abklärung
(Urk. 7/23).
Mit Verfügung vom
14
.
Oktober
2010
sprach die IV
Stelle der Versicherten mit Wirkung ab
1.
Juli 2007 eine
Dreiviertelsrente
zu. Dabei ging sie von einer vollumfänglichen Einschränkung im mit 50
%
gewichteten Erwerbsbereich und einer 25
%
im Haushaltbereich aus und errechnete einen Invaliditätsgrad von 63
%
(
Urk.
7/32 und
Urk.
7/39)
.
In der Folge
lud die
IV-Stelle
die Versicherte zur Informationsveranstaltung (Pilotpro
jekt persönliche Begleitung)
ein
(
Urk.
7/40-41).
Anlässlich des im Jahr 2013 eingeleiteten amtlichen Revisionsverfahrens (vgl.
Urk.
7/45) holte die IV-Stelle weitere medizinische Berichte ein (
Urk.
7/49) und ordnete einen Untersuch der Versicherten
beim
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) an (
Urk.
7/50). Der entsprechende (psychiatrische)
Untersuchungsbericht wurde am 1
6.
Juni 2014 (
Urk.
7/51) erstattet. Am 1
2
.
September 2014 wurde
erneut eine Haushalt
abklärung durchgeführt
(Urk. 7/
54
)
.
Mit Vorbescheid vom 2
5.
September 2014 (
Urk.
7/58) stellte die IV-Stelle
die
Einstellung der Invalidenrente
in Aussicht. Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 27. Oktober 2014 (Urk. 7/64)
und 1.
Dezember 2014 (
Urk.
7/68) Einwand unter Beilage eines medizinischen Berichts (Urk. 7/67). Am
19. Januar
2015 (Urk. 2) verfügte die IV-Stelle – unter Hinweis auf einen Invaliditätsgrad von
30
%
(Einschränkung von 40.73
%
im mit 70
%
gewichteten
Erwerbsbe
reich
, Einschränkung von 3.8
%
im mit 30
%
gewichteten Haushaltbereich)
–
die Aufhebung der Rente auf Ende des
der
Zustellung der Verfügung fol
genden Monats
.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 19.
Februar 2015 Beschwerde mit dem
An
tr
ag
,
es
sei ihr weiterhin die bisherige
Dreiviertelsrente
auszurichten
(Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle schloss in ihrer
Beschwerdeantwort vom 31
.
März 2015
(Urk. 6
) auf Abweisung der Beschwerde
.
Mit Replik vom 27. April 2015 erneu
erte die Beschwer
deführerin ihr Rechtsbegehren unter Beilage von
weiteren
Unterlagen (Urk. 9 und Urk. 10/1-3 [
Privatg
utachten und Rechnungen von Dr. med.
Z._
,
Fachärztin Psychiatrie/Psychotherapie FMH
])
und ersuchte zudem um Erstattung der Auslagen für das Gutachten
. Mit Schreiben vom
1
9.
Mai
2015
reichte
die
Beschwerdegegnerin
ihre
Duplik (Urk.
13
)
unter Beilage der Stellungnahme
ihres
RAD
-Arztes
(Urk.
14) ein
, was der Be
schwer
deführerin am
2
1.
Mai
2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1
ATSG
). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen
werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.
3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.4
1.4.1
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist entscheidend, ob der Be
richt für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfol
gerungen begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.4.2
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ist mit jenem externer medizinischer Sachver
ständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen
an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid hielt die Beschwerdegegnerin
fest,
die
Abklärungen
hätten
ergeben, dass
sich der
Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
ver
bessert habe und sie
ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen ein
er Tätigkeit im Rahmen eines 70
%
-
Pensums nachgehen würde. Die restlichen 30
% ent
f
ie
len in den Aufgabenbereich. Aufgrund der medizinischen Beurteilung
sei
ihr eine der Behinderung angepasste Tätigkeit wie
beispielsweise
interne Hauspost, Sortierarbeite
n oder Qualitätskontrolle zu 50
% zumutbar.
Aus den beiden Bereichen erge
be sich
ein
Invaliditätsgrad
von unter 40 %, weshalb k
ein Ren
tenanspruch mehr bestehe
(Urk. 2).
Duplicando
stützte sie sich auf den Stand
punkt,
das
Parteigutachten
vom 2
0.
Januar 2015 (Urk. 10/1)
vermöge
die Au
f
fassungen und
Schlussfolgerungen des psychiatri
schen Untersuchungsberi
ch
ts des RAD
-Arztes
vom 1
6.
Juni 2014 nicht zu erschüttern. Die Kosten für das
Pri
vatgutachten
seien
daher
von der Beschwerdeführerin selbst zu übernehmen (
Urk.
13).
2.2
Dagegen brachte die
Beschwerdeführer
in im Wesentlichen vor (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin
stütze sich einzig auf den gutachterlichen Bericht vo
m RAD
Arzt
vom
1
6.
Juni
201
4.
Dieser
begründ
e
die von ihm e
rhobene Arbeitsfä
higkeit von 50
% damit, dass
sie (
Beschwerdeführerin
)
täglich lange Velo
fahrten unternehme. Er verkenn
e
dabei vollkommen, dass es sich diesbezüglich um eine reine Zwangshandlung
handle
.
Überdies begründe er
seine Auffassung
auch
damit,
dass
sie
den Haushalt zu führen
vermöge
. Auch dies
treffe
nicht zu. Vielmehr
sei sie
darin überfordert. Zufolge ihrer Angstzustände
sei
sie zum Beispiel nicht in der Lage, Einkäufe zu tätigen.
A
uch mit der Kindererziehung
sei sie
völlig überfordert,
müsse
ihre Psychotherapeutin bei geringsten Proble
men telefonisch konsultieren, oft einmal täglich. Wegen ihrer Angststörung
sei
sie zum Beispiel auch nicht fähig, an Elte
rnabenden etc. teilzunehmen.
Von einer Arbeitsfähigkeit bezüglich einer ausserhäuslichen Tätigkeit in der freien Wirtschaft
könne
aufgrund des RAD-Arzt-Bericht
s keine Rede sein. Seine Ein
schätzung
trage
der schwersten Persönlichkeitsstörung verbunden mit einem
hohen Medikamentenbedarf
und der bereits in der häuslichen Situation völligen Überforderung keinerlei Rechnung. Im konkreten Fall hätte sich unter allen Gesichtspunkten die Einholung einer Fremdanamnese aufgedrängt, wie zum B
eispiel die Befragung der Gross
mutter der Ki
nder oder der Psychotherapeutin
, welche sie wöchentlich ein- bis zweimal konsultier
e
(S.
5)
.
Replicando
machte
sie im Weiteren geltend (Urk. 9), aus dem
ins Recht geleg
ten
Gutachten
von
Dr.
Z._
gehe hervor, dass
die von i
hr festgehaltene psy
chische depressive Diagnose Krankheitswert im Sinne der Rechtsprechung habe. Die psychiatrische Diagnose der Persönlichkeitsstörung sei nicht überwind
bar. Gemäss der Gutachterin Dr.
Z._
sei sie in der freien Wirtschaft sicher nicht arbeitsfähig und insbesondere im ersten Arbeitsmarkt auch nicht
vermit
telbar
(S. 3). Abschliessend hielt sie fest, gemäss herrschender Praxis des Bun
desgerichts seien der Partei im Gerichtsverfahren die Kosten eines von ihr ein
gereichten Gutachtens dann zu ersetzen, wenn sich der Rechtsmittelentscheid darauf abstütze. Sie sei vorliegend zur Wahrung ihrer Rechte gezwungen gewesen, eine Parteiexpertise in Auftrag zu geben. Praxisgemäss seien ihr die Auslagen in Höhe der eingereichten Kostennoten zu ersetzen (S. 4).
2
.3
Strittig und zu prüfen ist, ob
die
revisionsweise Aufhebung der bisher ausgerichte
ten
Dreiviertelsrente
zu Recht erfolgte
.
Dabei ist zu prüfen, ob im Zeitraum vom
14
.
Oktober
2010, als der
Beschwer
deführer
in
– nach fundierter Prüfung des medizinischen Sachverhalts (vgl.
nach
fol
gend E. 3.1) mittels Begutachtung
– eine
auf einem Inva
li
di
tätsgrad von
63
% basierende
Dreiviertelsr
ente
zugesprochen worden war (
Urk.
7/
39
), bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
19.
Januar 2015
(Aufhebung der Rente; Urk. 2) eine für den Rentenanspruch wesentliche
Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen ein
getreten ist (vgl. zum zeitlichen Referenzpunkt E.
1.
3
am Ende).
Mithin
ist
zu prüfen, ob sich der Gesund
heitszustand de
r Beschwerde
führer
in
entscheidend geän
dert bezieh
ungsweise verbessert hat
.
3.
3.1
Der
Zusprache
einer
Dreiviertelsre
nte
aufgrund eines Invaliditätsgrades von
63
%
(Verfügung
vom
14
.
Oktober
2010;
Urk.
7/39
)
lag
en
folgende medizi
nische Akten
zugrunde
:
3.1.1
Hausarzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, nannte in seinem Bericht vom 1
4.
Januar 2009 (
Urk.
7/18/11-13) folgende Dia
gnosen (S.
1):
Rezidivierende depressive Episoden
bei
posttraumatischer
Belastungsstö
rung
mit Angstzuständen
Suchtmittelabhängigkeit
Status nach
Poly
toxikomanie
Dr.
A._
gab an, bei der Beschwerdeführerin zeige sich eine belastende
Vorg
eschichte mit mehreren interfamiliären
(richtig wohl: intrafamiliär)
Über
griff
situationen
. Auch in der späteren Paarbeziehung habe es wiederholte
Gewalterfahrungen
und Übergriffe durch den Lebenspartner gegeben. Sie habe allgemeine Angstzustände und
es bestehe
eine allgemeine Unsicherheit. Der Gesundheits
zustand sei besserungsfähig (S.
1 f.).
In der angestammten Tätigkeit als Floristin bescheinigte er eine 100%ige Arbeitsunfähigk
eit seit Januar 200
6.
Im Haushalt attestierte er eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 1). In einer neuen Tätigkeit (Floristin) sei die Beschwer
deführerin ab 2013 oder 2014 50
% bis 100
% arbeitsfähig (S. 2).
3.1.2
Dr.
Y._
nannte in seinem Gutachten vom 3
1.
Dezember 2009 (
Urk.
7/21) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9):
Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren und ängstlich-vermeidenden sowie
dependenten
Anteilen (ICD-10 F61.0)
Rezidivierend depressive Störung, zum Untersuchungszeitpunkt mittelgra
dig ausgeprägt mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
Gemischte Angststörung mit sozial/-agoraphobischen und paroxysmalen Ängsten (ICD-10 F41.3)
Als ohne Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit nannte er nachfolgende Diagno
sen:
Vor allem posttraumatische Belastungsstörung - zum
Untersuchungs
zeit
punkt
subsyndromal
ausgeprägt
Methadonsubstituierte Heroinabhängigkeit
Er gab an, p
sychometrisch
habe
sich auf den beiden Fremdbeurteilungsskalen (Hamilton, MADRS) ein mittelgradig depressives Syndrom ab
gebildet
.
Es bestehe
eine ausgeprägte Angstsymptomatik. Die Diagnose einer
Persönlich
keitsstörung
ergebe
sich aus einer deutlichen Unausgeglichenheit in
der Ein
stellung
und im Verhalten in mehreren Funktionsbereic
hen wie Affektivität (Stimmungss
chwankungen), Antrieb, Impulskontrolle, Wahrnehmen und Den
ken sowie in den Beziehungen zu anderen (
dependente
Beziehungsgestaltung). Das auffällige Verhaltensmuster
sei
andauernd und gleichförmig und nicht auf Episoden psychischer Krankheiten begr
enzt; es
sei
tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend
.
Es wirk
e
sich bei
der Beschwerdeführerin
sowohl in beruflicher als auch im privaten Alltag
aus,
wie beispielsweise
in der Bezie
hungsgestaltung
. Die Störung
habe
in der Kind
heit/Jugend mit Manifestation auf Dauer im Erwachsenenalter
begonnen
. So
seien bereits Prüfungsängste,
(12
-
jährig) ein De
personalisationserleben, depres
si
ve Verstimmungen, Essstörungen und
ein Suizidversuc
h aufgetreten. Die Stö
rung führe
zu
einem
deutliche
n
Leidensdruck und
sei
mit einer deutlichen Ein
schränkung der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit verbunden
. Dies zeige
sich
am Verlauf der beruflichen Entwicklung
und
der
letzten Jahre. Die selbstunsicheren und ängstlich (vermeidenden) und
dependenten
Persönlich
keitszüge
zeig
t
en sich in der Überzeugung
–
im Vergleich zu anderen
–
unbe
holfen zu sein, einer ausgeprägten Kritikangst (z
um Beispiel
durch Vorgesetzte), Insuffizienzerleben und Unsicherheit im persönlichen Kontakt. Die Entstehung der Persönlichkeitsstörung
sei
vor dem Hintergrund länger dauernder Konflikte in der Kernfamilie zu sehen. Die Kindheit
sei
überschattet
worden
durch den sexuellen Missbrauch
durch den
Vater. Ein
hinreichendes Selbstbewusstsein
und eine entsprechende Lösungskompetenz in Konfliktsitu
ati
onen
habe
sie
letz
tend
lich nicht erlernen können. Dies schränke
sie in ihrer psychosozialen Leistungsfähigkeit hinsichtlich eigener Zukunftsplanung, in berufliche
r Hinsicht und im Beziehungsver
halten (Tendenz zu
dependenter
Beziehungsgestaltung) deutlich
ein
. Vor diesem Hintergrund
sei
der Drogenmissbrauch als ein sekun
däres Geschehen, gewissermassen als untauglicher Problemlösungsversuch zu beurt
eilen. Die Suchtproblematik habe
sich dann im weiteren Verlauf entkoppelt und verselbständigt
(S. 11).
Aktuell sei
k
eine verwertbare Arbeitsleistun
g
unter den Bedingungen der freien Wirtschaft zu erwarten.
Im Haush
a
lt besteh
e
eine volle Arbeitsfähigkeit (S
.
12).
L
ängerfristig
sei
eine verwertbare Arbeitsfähigkeit unter den Bedingungen der freien Wirtschaft in einer ruhigen, stressarmen, gut strukturierten, nicht mono
tonen Arbeit mit einem eher kleinem Mitarbeiterstab und unterstützender Arbeitsatmosphäre von 50
%
gegeben
(S. 13)
.
Die Störung habe Krankheitswert. Invaliditätsfremde Faktoren (
Dekonditionierung
, alleinerziehende Mutter dreier Kinder, sekundärer Krankheitsgewinn) seien dabei berücksichtigt worden und von invaliditätsbedingten Befunden abgegrenzt und nicht in die Beurteilung der medizinisch-theoretischen Zumutbarkeit einer Tätigkeit miteingeflossen (S. 13).
3.2
In Bezug auf das aktuelle Revisionsverfahren
sind folgende medizinische Akten zu berücksichtigen:
3.2.1
Hausarzt
Dr.
A._
gab in seinem Verlaufsbericht vom 2
4.
Dezember 2013 (
Urk.
7/49) folgende Diagnosen an (S. 1):
Polytoxicomanie
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Selbstverletzung (Schneiden, bestehend seit März 2013)
Er hielt fest, dass der Drogenkonsum
zwar
abgenommen habe, in
Belastungspha
sen
jedoch immer wieder vorkomme, so dass ein Abbau der Methadon- und Benzodiazepin
-
Substitutionsbehandlung aktuell noch nicht möglich sei.
Die Beschwerdeführerin komme regelmässig in die Psychotherapie und hausärztliche Sprechstunde.
Sie mache gute Fortschritte bei der
Verarbei
tung der traumatischen kindlichen Ereign
isse
. Die Belastungsfähigkeit s
e
i aber weiterhin sehr gering und sie brauche wiederholt Unterstützung in der Betreu
ung ihrer Kinder. Insgesamt sei der Verlauf etwas stabiler als in den letzten Jahren
,
aber weiterhin ungewiss.
3.2.2
RAD-Arzt med.
pract
.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seinem Untersuchungsbericht vom 1
6.
Juni 2014 (
Urk.
7/51) fest,
die Beschwerdeführerin sei
voll orie
ntiert und bereitwillig im Kontakt
(
mit
häufi
ge
m
Blickkontakt
)
.
Es bestehe ein
flüssiger und zusammenhängender
Gedan
kengang. Sie sei
bei der Darstellung beschämender Details
zurückhaltend
. Es bestehe
kein An
halt für Sinnestäuschungen und Ich-S
törungen
sowie
inhaltli
che Denkstörungen. Affektiv
habe sie
anfangs ängstlich
gewirkt, sei dann aber freier geworden.
Sie habe
mehrmals
geweint, habe jedoch eine
e
rstaunlich geringe Opferhaltung
.
Es bestünden
Kontrollzwänge an Gasherd und Haustür.
Die
Ängste
seien überwindbar
(S. 4).
Med.
pract
.
B._
gab weiter an,
i
m Licht
e
der detaillierten Biografie
sei
von einem primären Drogengeschehen auszuge
h
en. Zusätzlich, und erst auf Nach
frage,
habe
die Beschwerdeführerin
bei der heutigen Untersuchung weitere beschämende Gesundheitsschäden an
gegeben (zum Beispiel
die täglichen langen WC-Aufenthalte
)
. Die Diagnosen
von
Dr.
Y._
-
Persönlichkeitsstö
rung
und Angststörung - könn
t
en im Wesentlichen bestätigt werden. E
ine depressive Symptomatik zeige
sich nun
kaum noch:
Die Beschwerdeführerin
könne
ihren Haushalt führen, täglich lange Velo fahren und
sei
neuerdings wieder bef
reundet.
Auch der Hausarzt
Dr.
A._
sehe keine Depression.
Weitere Änderungen ergä
ben sich bei den Diagnosen ohne Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit. Eine posttraumatische Belastungsstörung
lasse
sich nicht feststellen. Zusätzlich
liege
eine
Benzodi
azepinabhängigkeit
vor
(S. 5).
Ihr
Gesundheitszustand ha
be
sich seit dem Gutachten
von
Dr.
Y._
im Jahr
2009 insofern gebessert, als die depressiven Symptome offensichtlich nachge
lassen
hätten
. Diese Verbesserungen
würden
wohl auch mit der Ausweisung des gewalttätigen Mannes zusammen
hängen. Diese
Belastungen best
ünd
en daher nicht mehr. Die 0%
ige
Arbeitsfähigkeit laut
dem
Gutachten
von
Dr.
Y._
bestehe mindestens seit der Untersuchung nicht mehr. Aus psychiatrischer Sicht
sei
die Arbeitsfähigkeit durch die tiefgreifende Persönlichkeitsstörung erheblich eingeschränkt. Die wiederholten Missbräuche und gewalttätigen Übergriffe durch mehrere Vertrauenspersonen
hätten bei der Beschwerdeführerin
zu einem ängstlichen und schützenden Rückzug in ein nahes und bekanntes Umfeld
geführt
, bestehend aus der Therapeutin und den Kindern
(S. 5 f.)
. Eine Tätigkeit als Floristin würde aber einen häufigen und eingehenden Kundenkontakt erfor
dern, der ihr nur sehr beschränkt und mit grosser Anstrengung möglich wäre. Ähnlich wie schon
Dr.
Y._
im Jahr
2009
eingeschätzt habe
, benötig
e
sie einen ruhigen, stressarmen, gut strukturierten nicht monotonen Arbeitsplatz mit einem eher kleinen Mitarbeiterstab. Bei höheren Belastungen wäre mangels weiterer Ressourcen mit einem Aufflackern des (primären) Drogengeschehens zu rechnen. Eine volle Arbeitsfähigkeit im Haushalt
sei
in diesem Fall nicht mit einer vollen Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt gleichzusetzen, da
sie
auf
grund der biografisch geschilderten Missbräuche und Übergriffe besser belastbar
sei
im vertrauten nahen Umfeld als in einer fremden, potentiell gefährlichen Umgebung, die von ihr eine ungleich höhere Anstrengung erforder
e
. Unabhän
gig von der Kinderbetreuung wäre
die Beschwerdeführerin
seit dem
Untersu
chungszeitpunkt
aus psychiatrischer Sicht
ungefähr
zu 50
%
arbeitsfähig (S. 6).
3.2.3
Hausarzt Dr.
A._
und die Psychologin (HAP)
C._
nannte
n
in
ihrem an die Rechtsvertreterin adressierten
Verlaufsb
ericht vom 25. Oktober 2014 (Urk. 7/67) folgende Diagnosen (S. 1):
Posttraumatische Belastungsstörung mit Angstzuständen und Zwangs
handlungen sowie Selbstverletzung (ICD-10 F43.1)
Kombinierte Pe
r
sönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0)
Suchtmittelabhängigkeit (Me
thadon, Benzodiazepine; Heroin; ICD-10 F11.22; ICD-10 F19.1)
Depression remittiert
(ICD-10 F33.4)
Zum Verlauf
äusserte
n sie
sich wie folgt:
Seit 2013 besteh
e
eine relative psychi
sche Stabilität, so dass die Sitzungsfrequenz
habe
gesenkt werden
können
.
Die Beschwerdeführerin
habe sich
adäquat um ihre drei Kinder, den Haushalt und die nötigen ausserhäuslichen Termine kümmern
können
. Relativ einfache Belastungssituationen, wie
zum Beispiel
Schu
l
- oder Zahnarzttermine, die lau
fende
Invalidenrenten
-Überprüfung mit Terminen in Zürich, aber auch Kon
flikte in der Familie oder knappe Finanzen stell
t
en oft alles in Frage und
seien mit Spannungs- und Angstzuständen (inklusive
Gedanken an Zusatzkonsum, mit partieller Ausführung), Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken
verbunden. Das bedinge immer wieder Notfalltermine (teilweise per Telefon). Im Laufe der Therapie sei klar geworden, dass mehrfacher sexueller Missbrauch in der Kind
heit die PTBS-Problematik aus der Gewalterfahrung in der Partnerschaft vertieft habe.
Der Missbrauch
müsse
als wesentliche Ursache für die Depression im Jugendalter (ab 12
Jahre
n
) und den Beginn der Drogensucht (ab 21
Jahre
n
)
angesehen werden.
Der Hausarzt
und die Psychologin hielten
weiter fest, die Beschwerdeführerin
bewältige ihre häuslichen Aufgaben im Gegensatz zum Zeitpunkt des
Thera
piebeginns
erfreulich gut. Daneben bestünden weiterhin Zwangshandlungen (Stuhlgang, Kontrollmechanismen), rasche Ermüdbarkeit und wiederkehrende Ängste. Dies präge ihren Tages
ab
lauf und schränke sie in ausserhäuslichen Aktivitäten erheblich ein. Bei Bewegungen ausserhalb der täglichen Routine brauc
he
sie auch innerhalb
ihres Wohnortes
mei
stens Begleitung (Elternabende und
Ä
hnliches). A
usserhalb
sei ein
selbständiges Reisen unmöglich.
D
iesbezüg
lich
gebe
es
seit 2007
Fortschritte
, sie
seien
jedoch lang
sam und bei erhöhtem Druck stehe
das labile Gleichgewicht in Gefahr. Infolge der frühen Traumati
sierung und der unsicheren Persönlichkeit
seien
die Ressourcen beschränkt
(S. 1)
.
Die Beschwerdeführerin habe
ihren Beruf trotz Stressfaktoren gerne ausgeübt und
könne
sich vorstellen, wieder darin zu arbeiten. Allerdings
sei
schon während der Lehre der Umgang mit Kunden schwierig
gewesen. Eine Arbeit
im Hintergrund
sei sicher besser
. Ein Arbeitsversuch in einer Gärtnerei für Men
schen mit Beeinträchtigung
habe im Jahr
2011 abgebrochen werden
müssen
, weil Fragen der Mitarbeitenden und des Chefs
die Beschwerdeführerin
in Bedrängnis
gebracht
und Angstzustände
ausgelöst
(Soziophobie)
hätten.
Ent
sprechend
bestehe
zum
heutigen Zeitpunkt eine 100%ige
Einschränkung an einem Arbeitsplatz als Floristin
. Generell sei
eine Arbeit ausser Haus durch die rasch entstehenden Angstzustände zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich. Es
sei
ganz im Gegenteil mit negativen Rückwirkungen auf die Bewältigung der häus
lichen Arbeiten und der Erziehung zu rechnen. Nicht zu vergessen
sei
, dass die drei Kinder alle in der Pubertät
stünden
- Konfliktpotenzial
sei
vorhanden - und den Weg in die Selbständigkeit und ins Beruf
s
leben erst noch finden müss
t
en. Sie
seien
ihrerseits auf die Mitwirkung ihres Beistandes angewiesen. Eine Ver
besserung der sozialen Kompetenzen und eine Verminderung der Angstzustände wäre
n
Vorbedingung für einen weiteren Arbeitsversuch. Zum aktuellen Zeit
punkt
seien
die Vorau
ssetzungen dafür nicht gegeben
(S. 2).
3.2.4
Dr.
Z._
nannte in ihrem psychiatrischen
Privatg
utachten
vom 2
0.
Januar 2015 (
Urk.
10/1)
folgende Diagnosen (S. 8):
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) im Rahmen einer ängstlich-selbstunsichere
n
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.62)
Abhängige Persönlichkeitsstörung mit der Unfähigkeit, sich adäquat durchsetzen und wehren
zu können
(ICD-10
F60.7)
Zwangsstörung mit vor allem Zwangsritualen (ICD-10 F42)
Störung des Ich-Erlebens, differenzialdiagnostisch im Rahmen der
Persön
lichkeitsstörung
oder im Rahmen einer psychotischen Erkrankung (ICD-10 F20)
Die Gutachterin schilderte,
die Beschwerdeführerin
habe
ausgeprägte Ängste, Zwänge,
eine
Depressivität mit Todeswünschen sowie ein gestörtes Ich-Erleben. Die Denk-, Fühl- und Handlungsmuster
seien
im Sinne einer
ängstlich-selbst
unsicheren
und abhängigen Persönlichkeitsstörung festgefahren und deutlich pathologisch. Die
Beschwerdeführerin könne
ihre Muster nicht ändern und sich deshalb nicht an die Anforderungen
des Alltags anpassen. Es bestehe
ein
e extrem hohe innere Anspannung. F
eststellbar
seien
weiterhin realitätsferne Wahrnehmungen, eine Menschenscheu, ein Misstrauen und die feste Überzeu
gung, sie
(Beschwerdeführerin)
könnte jederzeit von unbekannten Mensch
en geschädigt werden. Es bestehe
ein deutliches Zwangshandeln, welches pro Tag vier bis fünf Stunden Zeit in Anspruch
nehme
. Die
Beschwerdeführerin könne
ihren Haushalt und die Selbstpflege nur entlang starker Rituale erledigen.
Sie
schäm
e
sich enorm, dass sie so
sei
und es ni
cht besser auf die Reihe bekomme
. Sie
teile dies
d
enn auch sehr ungern
mit
und nur, wenn sie bei
m Gegenüber Verständnis wahrnehme
. In der Psychometrie
– so die Gutachterin weiter –
werde
eine Depressivität mit Todeswünschen, sowie eine ausgeprägte Angst bestätigt. Das Verhalten in Beziehungen
sei
stark gestört und die Denkmuster
seien
pathologisch und irrational. Die Funktionsfähigkeit im Alltag
sei
durch die psychiatrische Erkrankung stark eing
eschränkt
(S. 8)
.
Die charakteristischen und dauerhaften inneren Erfahrungs- und Verhaltensmuster der
Beschwerdeführerin würden
insgesamt deutlich von kulturell erwarteten und akzeptierten Normen ab
weichen
. Diese Abweichung
betreffe
die Kognitionen, Affektivität,
Impuls
kontrolle
und Beziehungsgestaltung. Die Abweichung
sei
so ausgeprägt, dass daraus resultierende Verhaltensweisen in fast allen persönlichen und sozialen Situationen unflexibel, unangepasst
und unzweckmässig
seien
. Dies
treffe
anamnestisch gesehen auch in Arbeitssituationen zu (nicht mit Kunden reden können, wie versteinert sein, sich zurückziehen anstatt Kunden zu bedienen)
.
Es bestehe überdies
ein persönlicher Leidensdruck, die
Beschwerdeführerin wünsche
sich
,
lieber
t
o
t
zu sein.
Es bestehe eine n
achweisbare schwerwiegende psychiatrische Störung ab dem 12.
Lebensjahr. Die Abweichung
könne
nicht durch das Vorliegen einer anderen psychiatrischen Störung erklärt werden, vor allem nicht durch eine Depression. Die Einschränkungen
bestünden gleichför
mig auch in Phasen, in denen
kaum depressive Symptome nachgewiesen
werden könn
t
en. Die Ab
hängigkeit, der
Drogenkonsum, die Ä
ngste,
die para
normalen Wahrnehmungen, die Tendenz zur Dissoziation und
Selbstverletzun
gen
könn
t
en im Rahmen der Persönlichkeitsstörung gesehen werden. Alleine die Zwangsrituale müss
t
en laut ICD
-
10 als eigenständige Diagnose aufgeführt wer
den. Die beobachteten
psychoseähnlichen
Symp
tome wie formale
Denkstörun
gen
(
Gedankenausbreiten, Gedankenentzug, Bezugsideen)
seien
im Rahmen einer schweren Persönlichkeitsstörung einzuordnen. Übergänge in eine
floride
Psychose könn
ten jederzeit vorkommen
. Alle sechs
Kriterien für eine ängstlich vermeidende Störung
und
vier der sechs
Kriterien einer abhängigen
Persönlich
keitsstörung
seien
erfüllt. In den allgemeinen Kriterien einer
Persönlichkeits
störung
sei
per Definition enthalten, dass die Symptome schwerwiegend, dauer
haft und einschränkend sein müss
t
en.
Die Beschwerdeführerin weise
eine verfestigte Störung auf, es
sei
nicht von einer blo
ssen Unreife auszuge
h
en
(S. 9).
Weiter hielt
Dr.
Z._
fest, die Beschwerdeführerin sei
in ihrer Arbeitsfähig
keit klar eingeschränkt und im Moment in der freien Wirtschaft sicher nicht arbeitsfähig. Mit dem ritu
alisierten Tagesablauf und den Ängsten bleibe
eigent
lich keine Zeit, irgendeine Tätigkeit ausser Haus auszuführen. Die Verhaltens
muster
seien
inadäquat und die
Beschwerdeführerin sei
bisher unfähig
gewesen, normale Beziehungen (inklusive
Arbeitsbeziehungen) aufzubauen
.
Im Moment
sei sie
im ersten Arbeitsmarkt nicht vermittelbar.
Die Beschwerdeführerin sei
in allen Lebensbereichen eingeschränkt und ihre Verhaltensmuster
seien
festge
fahren und inadäquat
,
was vor allem an einem Arbeitsplatz stark beeinträchti
gend sein
könne
(S. 10).
3.2.5
In seiner Stellungnahme vom 1
3
.
Mai 2015 (
Urk.
14) hielt der RAD-Arzt med.
pract
.
B._
fest,
im Verlaufsbericht vom 2
5.
Oktober 2014
(E.
3.2.3
hievor
) würden
erfreuliche Verbesserungen des Gesundheitszustandes geschildert. Daher erstaun
e
die
attestierte
unveränderte Arbeitsunfähigkeit.
Die
geschilderten Symptome stimm
t
en weitgehend mit den Angaben und Beobachtungen während
seiner
RAD-Untersuchung
vom
1
6.
Juni 20
14 überein. Die diagnosti
sche Klassifizierung erfolg
e zwar
etwas unterschiedlich. Aus
versicherungspsy
chiatrischer
Sicht
werde
auf eine genau
e Einhaltung der
ICD
Klassifi
kationsvorschriften
geachtet.
D
ie ICD-Diagnose F43.1 PTBS
kö
nne nicht
gestellt werden
, da die Kriterien nicht erfüllt seien (S. 2 f.)
.
Auch
liege gemäss dem
Gutachten
von
Dr.
Y._
nur eine „
subsyndromale
" Ausprägung
vor. Diese Klassifikation ändere
aber nichts an den Folgen für
die Persönlich
keits
entwicklung
.
D
er Verlaufsbericht
weise zusammenfassend
auf erfreuliche Verbesserungen und
i
nvaliditätsfremde Faktoren hin
. Neue medizinische Tatsa
chen w
ü
rden nicht vorgetragen. Aus
versicherungs
psychiatrischer
Sicht
könne
der Einschätzung
einer
0
%igen
Arbeitsfähigkeit nicht
gefolgt werden
.
Das Gutachten
von
Dr.
Z._
– so med.
pract
.
B._
weiter –
weis
e auf Seite 2 zu Recht auf s
einen Fehler hin: Es lieg
e
tatsächlich eine sekundäre Dro
gensucht vor. In der Anamnese und den subjektiv angegebenen Beschwerden
falle
eine Defizit-Orientierung auf. Unter den erhobenen Befunden Punkt
3
seien
nicht nur objektive Beobachtungen zu finden, sondern auch umfangreiche subjektive Angaben der
Beschwerdeführerin
. Der Abschnitt „Emotionalität" besteh
e
fast nur aus subjektiver Anamnese, die Abschnitte „Denken und Wahn, Zwänge, Rea
litätsbezug,
Vermeidungen
" bestünde
n teilweise aus subjektiven Angaben. Die postulierten „deutlichen dissoziativen Zustände mit gestörter Wahrnehmung des Hörens und des Sehens"
seien
nicht tatsächlich beobachtet
worden
. Unter 3.1 „Persönlichkeit"
gebe die Gutachterin an: "
Andere Menschen machen ihr grundsätzlich Angst und die Patientin setzt sich dieser Angst nicht aus oder verhält sich äusserst unterwürfig." Auch hier folg
e
die Gutachterin den subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin
ohne zu berücksichtigen, dass
diese
durchaus fähig
gewesen sei
, sich trotz ihrer extremen
Angst einfach zusammenzureissen und zum Gutachtenstermin zu kommen, wo es ihr im Gespräch dann besser
gegangen sei. Die Gutachterin folge
in diesem wichtigen Punkt der Angst nicht den eigenen Beobachtungen,
sondern den subjektiven Darstellungen der
Beschwerdeführerin. Auch der Abschnitt
3.1 „Funktionsfä
higkeit im Alltag" besteh
e
nicht aus objektiven Beobachtungen, sondern weit
gehend aus
der
Anamnese. Anstatt
beispielsweise
objektiv festzustellen, dass
die Beschwerdeführerin
fähig
gewesen sei
, dreimal zum Untersuchungstermin zu kommen und nachzufragen, wie sie diese reale ausserhäusliche Aktivität bewäl
tigt
habe, übernehme
die Gutachterin die subjektiven Angaben der
Beschwer
deführerin
. Obwohl die Gutachterin durch die RAD-Untersuchung (Biografie) von der Existenz eines Freundes wissen müsste, frag
e
sie nicht nac
h derartigen realen Beziehungen
(S.
2)
.
Unter Punkt 4.3
empfehle sie
eine tagesklinische Behandlung. Leider
erörtere sie
nicht, dass eine Persönlichkeitsstörung einer recht langfristigen Therapie
bedürfe
, so dass dieser Vorschlag für eine Mutter von drei pubertierenden Kindern wenig hilfreich
sei
. Unter Punkt 5
sehe
die Gutachterin keinerlei Arbeitsfähigkeit als Hilfsarbeiterin. Die Gutachterin
nehme beispielsweise nicht zur Kenntnis, dass die Beschwerdeführerin ih
re Angst
habe
überwinden, sich „zusammenreissen"
könne
n
und dreimal zur Untersuchung
gekommen sei
.
Sie frage
nicht nach
ÖV
.
Die Beschwerdeführerin könne
selb
ständig - mit Schwierigkeiten
- ihre Einkäufe erledigen
und
regelmässig eine Stunde am Greifensee
Velofahren
.
D
ie Gutachterin
habe
das positive
Funktions
niveau
kaum erfragt und kaum
gewürdigt. Fernerhin differenziere sie
nicht von den offensichtlichen psychosozialen Belastungen dieser Mutter von drei puber
tierenden Kindern. Die Gutachterin
habe
diese
(gravierenden)
Faktoren
gekannt
und bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit nicht medizinisch-theoretisch abstrahiert
(S. 3)
.
4.
4.
1
Zum Untersuchungsbericht des RAD-Arztes med.
pract
.
B._
ist festzuhal
ten, dass diese
r
nicht differenz
iert ist und nur rudimentär Bezug auf alte Berichte
(
Vorakten
)
nimmt. Ausserdem nannte er selber
kaum eigene
(objektive)
Befunde
und ging ohne nähere Begründung
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus.
Zwar ist
den
medizinischen Berichten
zu entnehmen, dass es der Beschwerde
führerin im Hinblick auf die depressive Symptomatik besser geht – insbesondere seit de
r Ausweisung des Ex-Ehemannes.
Auch die Beschwerdeführerin äusserte sich
dahingehend
-
wie aus dem Haushaltsbericht vom 1
6.
September 2014
ersichtlich ist
-
dass sie sich besser f
ühle (vgl. Urk.
7/54 S.
3
)
.
Dennoch
ist
aus
den medizinischen Berichten
von
Dr.
A._
, der Psychologin
C._
sowie der Psychiaterin Dr.
Z._
ersichtlich, dass bei der Beschwerdeführerin
(nach wie vor)
unter anderem Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken bestehen und eine ausserhäusliche Aktivität durch ihre Zwangshandlungen
sowie
wieder
kehrende Ängste erheblich eingeschränkt ist
(E. 3.2.3-4
hievor
).
Selbst med.
pract
.
B._
hielt fest, dass die Beschwerdeführerin während der Untersuchung mehrmals geweint habe (vgl.
Urk.
7/51 S. 4), was ein Ausdruck einer gewissen depressiven Symptomatik bilde und in den entsprechenden Formenkreis fallen könnte.
Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin täglich mit dem Fahrrad unterwegs ist
und den Haushalt zu führen vermag
, bedeutet
– entgegen der Ansicht von med.
pract
.
B._
– n
icht, dass sie deshalb
auch
in der Lage ist,
ausserhäuslich
zu arbeiten
.
Die Abklärungen von med.
pract
.
B._
sind
ins
gesamt
zu
wenig
detailliert und
aussagekräftig
. A
n ihrer
Zu
verlässigkeit und Schlüssigkeit
bestehen
Zweifel, weshalb nicht darauf
abge
stellt werden kann
(
vgl. E. 1.4.2
hievor
).
Demg
egenüber
ist das Gutachten von
Dr.
Z._
grundsätzlich
differenziert
. So zeigt
die Expertin
insbesondere
auf
, weshalb aufgrund des ritualisierten Tagesablaufs (vier bis fünf Stunden Zwangshandlungen) und den Ängsten
im jetzigen Zeitpunkt
eine Tätigkeit ausser Haus nicht möglich ist (E. 3.2.4
hievor
)
.
Zudem
geht
sie
auf
die
Beschwerden der Beschwerdeführerin
ein
(vgl.
Urk.
10/1 S.
4
)
.
Dennoch mangelt es auch in ihrem Gutachten an einer Auseinander
setzung mit der
gesundheitlichen
Verb
esserung
der Beschwerdeführerin im Hin
blick auf die
depressive Symptomatik
, weshalb
das Gutachten
keine ab
schliessen
den Schlussfolgerungen über den tat
sächlichen Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin und die damit verbundene Arbeitsfähigkeit zu
lässt
.
Tatsächlich stützte sie sich weitgehend auf die subjektiven Schilderungen der Beschwerdeführerin ab
und
legte nicht schlüssig dar, weshalb trotz massiver Ent
lastung (durch die Ausweisung des Exmannes) weiterhin gar keine Erwerbstä
tigkeit möglich sein soll. Ebenso wenig sind dem Privatgutachten Angaben
z
u den im Haushalt gegebenen Einschränkungen zu entnehmen, welche ärztliche Einschätzung bei psychischen Beschwerden
rechtsprechungs
gemäss
unabding
bar ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_817/2013 vom 2
8.
Mai 2014 E. 5.1).
Bei dieser Ausgan
glage sind weitere medizinische
Abklärungen
(aktueller Gesund
heitszustand
aus psychiatrischer Sicht
)
unumgänglich
.
4
.
2
Damit fehlt es vorliegend an verlässlichen medizinischen Grundlagen zur Beur
tei
lung der gesundheitlichen Situation und der Arbeitsfähigkeit de
r
Beschwerde
führerin
und
somit
an der Grundlage für einen Entscheid.
Die angefochtene Verfügung
vom
19
. Januar 201
5
(Urk
. 2) ist folglich aufzuhe
ben und die Sache zur
versicherungsexternen Begutachtung
und zu erneutem Entscheid
über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
an die Bes
chwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
5.2
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Vorliegend erscheint eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 2‘500.--
(inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) als
angemessen.
6
.
6
.1
Die
Beschwerdeführer
in
beantragte die Übernahme der Kosten
des von ihr ver
an
lassten Privatgutachtens
von
der Psychiaterin
Dr.
Z._
(Urk.
9 S. 2
; vgl
.
Urk.
10/1-3
; vgl. auch E. 3.2.4
hievor
).
Nach ständiger Rechtsprechung werden die notwendigen Expertenkosten als Bestandteil des Parteientschädigungsanspruches betrachtet. Voraussetzung ist stets, dass die Privatbegutachtung notwendig
war
und einen unerlässlichen
Bestandteil der materiellen Beurteilung bildete (Urteil des Bundesgerichts 9C_178/2010 vom 14. April 2010 E. 2 mit Hinweis auf BGE 115 V 62).
6
.2
Die Beschwerdeführerin reichte zwei Belege (Rechnungen Gutachten
in der Höhe von gesamthaft Fr. 3‘200.--
) ins Recht (vgl.
Urk.
10/2-3).
Da das psych
i
atrische
Gutachten von Dr.
Z._
(Urk. 10/1) grundsätzlich ausschlaggebend für den vorliegenden Entscheid
war
,
sind die entsprechenden Kosten von der Beschwerdegegnerin zu ersetzen.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen und der
Beschwerdegegne
rin
au
fzuerlegen.