Decision ID: 1d5662a2-ae5f-501d-b63f-b9b761aef4d8
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin betreibt in Oberwangen ein Belagswerk. Das Werk mit
zugehörigem Betriebsareal befindet sich im Perimeter des Werkstandorts 1 der UeO
RA Nr. 120/2018/2 2
"Abbauschwerpunkt Wangental"1 auf der Parzelle Köniz Gbbl. Nr. F._ und
teilweise auf den Parzellen Nr. G._ und Nr. H._. Das Belagswerk wurde
2009 erneuert und erweitert. Die Anlage kann für die Belagsproduktion gewisse Anteile von
Recyclingmaterial (sog. Ausbauasphalt) verwenden. Die Anlage wurde einer
Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) unterzogen und von der Gemeinde Köniz mit
Gesamtentscheid vom 25. Oktober 2007 mit zahlreichen Auflagen bewilligt.2 Die
Beschwerdegegnerin reichte bei der BVE gegen zehn Auflagen Beschwerde ein. Mit
Entscheid vom 5. Mai 2008 hiess die BVE die Beschwerde insoweit gut, als sie drei
Auflagen anpasste und zwei Auflagen aufhob.3 Im Übrigen wies sie die Beschwerde ab.
Dieser Entscheid ist in Rechtskraft erwachsen.
2. Nachdem sich die Beschwerdeführenden im Jahr 2009 über Lärm beklagten, stellt
sich heraus, dass auf dem Betriebsareal der Beschwerdegegnerin mithilfe eines mobilen
Brechers alter Strassenbelag zerkleinert und anschliessend im Belagswerk als
Recyclingmaterial für die Belagsproduktion wiederverwendet wurde. Diese Zerkleinerungs-
oder Aufbereitungstätigkeit mit dem mobilen Brecher war in der Bewilligung vom
25. Oktober 2007 nicht miteingeschlossen.
Im März 2012 reichte die I AG._, die neben der Beschwerdegegnerin auf dem
Werkstandort 1 ein Kies- und Betonwerk betreibt, bei der Gemeinde Köniz ein Baugesuch
ein für die Verlängerung und Erhöhung der bestehenden Lärm- und Sichtschutzwand am
südlichen Rand des Betriebsareals der Beschwerdegegnerin (Parzellen Köniz
Grundbuchblatt Nr. G._ und Nr. H._).4 Die Gemeinde Köniz erteilte dafür
mit Entscheid vom 4. April 2013 die Baubewilligung. Die von den Beschwerdeführenden
dagegen erhobene Beschwerde wies die BVE mit Entscheid vom 16. August 2013 ab (RA
Nr. 110/2013/290). Die Lärm- und Sichtschutzwand, die den Schutz der Nachbarschaft vor
Lärm-, Staub- und Geruchsimmissionen bezweckt, wurde anfangs 2014 realisiert.
1 Überbauungsordnung mit Zonenplanänderung Abbauschwerpunkt Wangental vom 21. Mai 2000 (UeO „Abbauschwerpunkt Wangental“); vgl. Baugesuchsdossier Nr. 15'487; Einhausung Belagswerk, Überdecken der Depotplätze, Erneuerung von Anlageteilen, Dossier D: Überbauungsordnung 2 Vgl. pag. 313 im Baugesuchsdossier Nr. 15'487; Einhausung Belagswerk, Überdecken der Depotplätze, Erneuerung von Anlageteilen, Ordner A: Akten 3 Vgl. Beschwerdeverfahren RA Nr. 110/2007/177 4 Vgl. Baugesuchsdossier Nr. 17'267; Verlängerung und Erhöhung der Lärm- und Sichtschutzwand
RA Nr. 120/2018/2 3
Ferner reichte die Beschwerdegegnerin im November 2012 ein nachträgliches Baugesuch
für die mobile Aufbereitung von bituminösem und mineralischem Recyclingmaterial für die
Mischgutproduktion, d.h. für die mobile Brecheranlage, ein. Mit Gesamtentscheid vom
19. August 2013 erteilte die Gemeinde Köniz für die mobile Brecheranlage unter Auflagen
die Bewilligung.5 Die dagegen erhobene Beschwerde der Beschwerdeführenden hiess die
BVE mit Entscheid vom 2. Mai 2014 gut. Sie hob den Gesamtbauentscheid vom
19. August 2013 auf und wies das Baugesuch vom November 2012 zur Weiterbehandlung
und zu neuem Entscheid an die Gemeinde Köniz zurück.6 Die BVE erwog unter anderem,
der Brecher unterstehe der UVP-Pflicht und es müsse eine Gesamtbeurteilung der Anlage,
d.h. dem gesamten Belagswerk, vorgenommen werden.
Gegen das erneut publizierte Vorhaben mit Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) vom 2. Juli
2014 erhoben unter anderem die Beschwerdeführenden Einsprache. Im Rahmen von
Vergleichsverhandlungen kam zwischen den Beschwerdeführenden und der
Beschwerdegegnerin eine Einigung zustande. In der Vereinbarung verpflichtete sich die
Beschwerdegegnerin unter anderem dazu, bis spätestens 1. Dezember 2015 ein
Baugesuch einzureichen für eine unterirdische, stationäre Brecheranlage sowie für eine
Teilüberdachung des Zwischenlagers für Ausbauasphalt.7 Zudem verpflichtete sich die
Beschwerdegegnerin, das Vorhaben nach erteilter Baubewilligung zu realisieren. Weiter
akzeptierte die Beschwerdegegnerin gewisse Einschränkungen beim Betrieb der mobilen
Brecheranlage. Im Gegenzug verpflichteten sich die Beschwerdeführenden, die hängige
Einsprache im Baugesuchsverfahren Nr. 17'466 gegen den mobilen Brecher und den UVB
zurückzuziehen sowie gegen das zukünftige Baugesuch für die unterirdische
Brecheranlage und die Teilüberdachung keine Einsprache zu erheben. Weiter kamen die
Parteien überein, dass die Beschwerdeführenden das Belagswerk und dessen Betrieb
nach den noch ausstehenden Bewilligungen für die mobile und stationäre Brecheranlage
akzeptieren und dagegen keine weiteren behördlichen Massnahmen oder Verfahren
einleiten.
5 Vgl. Baugesuchsdossier Nr. 17'466 der Gemeinde Köniz; mobile Aufbereitung (Brecher) von bituminösen und mineralischen Recycling-Materialien für die Mischgutproduktion 6 Vgl. Beschwerdeentscheid der BVE vom 2. Mai 2014 im Verfahren RA Nr. 110/2013/370 7 Vgl. pag. 46 der Vorakten der Gemeinde Köniz (blauer Ordner)
RA Nr. 120/2018/2 4
3. Mit Gesamtentscheid vom 10. August 2015 erteilte die Gemeinde Köniz für die
mobile Brecheranlage eine befristete Bewilligung.8 Gleichzeitig wurde die
Beschwerdegegnerin gestützt auf die abgeschlossene Vereinbarung mittels Auflage
verpflichtet, bis spätestens 1. Dezember 2015 ein Baugesuch für eine unterirdische,
stationäre Brecheranlage einzureichen und diese innerhalb einer bestimmten Frist zu
realisieren.
Am 1. Dezember 2015 reichte die Beschwerdegegnerin bei der Gemeinde Köniz für eine
unterirdische Brecheranlage ein Baugesuch ein. Im Rahmen dieses
Baubewilligungsverfahrens wurde wiederum eine UVP durchgeführt. Mit Gesamtentscheid
vom 14. September 2016 bewilligte die Gemeinde das Vorhaben.9 Dieser Entscheid ist
unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
4. Mit Schreiben vom 16. Juni 2017 reichten die Beschwerdeführenden bei der
Gemeinde Köniz gegen die Beschwerdegegnerin eine baupolizeiliche Anzeige ein. Sie
rügten, die Parzellen Nr. F._ und Nr. H._ würden nicht den rechtskräftigen
Bewilligungen entsprechend genutzt. Zudem beschwerten sie sich über störende Lärm-
und Geruchsimmissionen, die vom Betrieb der Beschwerdegegnerin ausgingen. Sie
forderten die Anordnung folgender baupolizeilicher Massnahmen: "a) ein vorläufiges (teilweises) Benützungsverbot für das Belagswerk der Angezeigten zu erlassen
(Art. 46 Abs. 1 BauG); der Angezeigten sei jede nicht gesetzes- und bewilligungskonforme
Nutzung per sofort zu untersagen, namentlich sei der Angezeigten zu untersagen:
- Fehlchargen und Produktionsüberschüsse im Freien zu lagern, solange sie nicht vollständig
abgekühlt sind;
- Zwischen 19.00 und 7.00 Uhr sowie über die Mittagszeit Silos mit den Förderanlagen der
Transportfahrzeuge zu befüllen oder mit dem Pneulader angeliefertes Recyclingmaterial auf
die Halde zu stossen.
b) der Angezeigten Frist zur (Wieder-)herstellung des rechtmässigen Zustandes anzusetzen
(Art. 46 Abs. 2 BauG).
c) geeignete Emissionsbegrenzungen zur Verhinderung störender Lärm- und
Geruchsimmissionen anzuordnen.
8 Vgl. Baugesuchsdossier Nr. 1766 der Gemeinde Köniz; Umweltverträglichkeitsbericht / -prüfung (UVB / UVP) zu Baugesuch 17'466 mobile Aufbereitung (Brecher) von bituminösen und mineralischen Recycling-Materialien für die Mischgutproduktion 9 Vgl. Baugesuchsdossier Nr. 18'253; Unterflur-Aufbereitung (Brecher) von bituminösen und mineralischen Recycling-Materialien für die Mischgutproduktion
RA Nr. 120/2018/2 5
(...)."
5. Mit Verfügung vom 7. Dezember 2017 ordnete die Gemeinde Köniz an,
Produktionsüberschüsse dürften nur noch in der vorgesehenen Nische abgelagert werden
und diese seien zwingend mit einer Blache abzudecken. Im Übrigen gab sie der Anzeige
keine weitere Folge.
6. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 8. Januar 2018
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
stellen folgende Rechtsbegehren: "1. Die Verfügung der Einwohnergemeinde Köniz, Bauinspektorat, vom 7. Dezember 2017
sei insoweit aufzuheben, als auf die Ergreifung von baupolizeilichen Massnahmen gegen
die Beschwerdegegnerin verzichtet wurde. Die Sache sei an die Einwohnergemeinde
Köniz, Bauinspektorat, zurückzuweisen, damit diese nach Vornahme der erforderlichen
Abklärungen und vollständiger Gewährung des rechtlichen Gehörs im Sinne der
Erwägungen neu verfüge. Eventualiter seien durch die Bau-, Verkehrs- und
Energiedirektion des Kantons Bern selber die erforderlichen Massnahmen zur
(Wieder)Herstellung des rechtmässigen Zustands und zur Verhinderung störender Lärm-
und Geruchsimmissionen zu treffen.
(...)."
7. Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 16. Februar
2018 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne und die
Bestätigung der angefochtenen baupolizeilichen Verfügung. Die Gemeinde Köniz teilt in
ihrer Stellungnahme vom 24. Januar 2018 mit, sie verzichte darauf, Anträge zu stellen und
sich zur Beschwerde zu äussern.
8. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet10, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten sowie die Akten der vorangegangen
Baubewilligungs- (Nrn. 15'487, 17'267, 17'466 und 18'253) und Beschwerdeverfahren (RA
Nrn. 110/2007/177, 110/2013/290 und 110/2013/370) ein. Zudem führte es im Beisein der
Parteien und einer Vertretung des Amtes für Berner Wirtschaft (beco) einen Augenschein
10 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 120/2018/2 6
mit Instruktionsverhandlung durch. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll
des Augenscheins zu äussern und Schlussbemerkungen einzureichen. Auf die
Rechtsschriften, die vorhandenen Akten sowie auf das Ergebnis des Augenscheins wird,
soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen und Streitgegenstand
a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG11 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die Beschwerdeführenden sind als Anzeiger durch die angefochtene Verfügung beschwert
und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
b) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung vom 7. Dezember 2017 der Vorinstanz. Diese
ist, bestimmt durch die baupolizeiliche Anzeige der Beschwerdeführenden vom 16. Juni
2017, auf folgende Themen beschränkt: Laute Klopfgeräusche während der Nachtruhe,
tieffrequente Maschinengeräusche, Störungen durch Geruch und Gestank sowie die
Nichteinhaltung der Auflagen in Ziff. 4.8.16 (Lagerung Fehlchargen und
Produktionsüberschüsse) und Ziff. 4.8.29 (Befüllen von Silos mit Förderanlagen) des
Gesamtentscheids vom 2007 der Gemeinde Köniz bzw. des Beschwerdeentscheids der
BVE vom 5. Mai 2008. Zudem verlangten die Beschwerdeführenden Massnahmen zur
Emissionsreduktion. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des Verfahrens
nicht erweitern, sondern nur einschränken.12
11 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 12 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8
RA Nr. 120/2018/2 7
2. Ausgangslage
a) Der Betrieb der Belagsaufbereitungsanlage am heutigen Standort wurde 1970, also
15 Jahre vor Inkrafttreten des Umweltschutzgesetzes, aufgenommen.13 Im November 2001
genehmigte das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) die UeO
"Abbauschwerpunkt Wangental". Das Belagswerk der Beschwerdegegnerin wurde in diese
UeO einbezogen. Grund dafür war unter anderem, dass auf diese Weise ausserhalb eines
Sanierungsverfahrens nach USG14 Auflagen formuliert werden konnten.15 Art. 37 UeV16
sieht vor, dass das Belagswerk innert drei Jahren nach Inkraftsetzung der UeO eingehaust
werden muss. Damit sollte die lärmmässige Sanierung der Anlage erfolgen.17 Die UeO
"Abbauschwerpunkt Wangental" wurde auf den 1. Oktober 2004 in Kraft gesetzt.
b) Die Beschwerdegegnerin beschloss in der Folge, nicht nur das Belagswerk
einzuhausen und einzelne Anlage- und Maschinenteile zu erneuern, sondern gleichzeitig
das Mischwerk zu erweitern, zu erneuern und es auf den neusten Stand der Technik zu
bringen. Dafür reichte sie im April 2005 ein Baugesuch ein. Nebst den baulichen und
technischen Massnahmen umfasste das Gesuch unter anderem auch die Erhöhung der
jährlichen Belagsproduktion von 60'000 Tonnen auf 100'000 Tonnen. Zudem beantragte
die Beschwerdegegnerin Betriebszeiten von 5.00 Uhr bis 20.00 Uhr sowie nach Bedarf
Arbeitszeiten in der Nacht.18 Auf dieser Grundlage wurde das Projekt einer
Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen. Der Betrieb gilt bezüglich der Vorschriften der
Lärmschutz-Verordnung als altrechtliche Anlage. Bei Änderungen solcher Anlagen kommt
Art. 8 LSV19 (Emissionsbegrenzung bei geänderten ortsfesten Anlagen) zur Anwendung.
Danach müssen Lärmemissionen der neuen oder geänderten Anlageteile nach den
Anordnungen der Vollzugsbehörde so weit begrenzt werden, als dies technisch und
betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (Art. 8 Abs. 1 LSV). In der
Gesamtbeurteilung der Umweltverträglichkeit vom 2. April 2007 kam das Amt für
13 Vgl. pag. 275 im Baugesuchsdossier Nr. 15'487, Einhausung Belagswerk, Überdecken der Depotplätze, Erneuerung von Anlageteilen, Ordner A: Akten 14 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 15 Genehmigungsverfügung des AGR S. 15 16 Überbauungsvorschriften zur UeO „Abbauschwerpunkt Wangental“ (UeV) 17 Genehmigungsverfügung des AGR S. 21 18 Vgl. pag. 13 im Baugesuchsdossier Nr. 15'487, Einhausung Belagswerk, Überdecken der Depotplätze, Erneuerung von Anlageteilen, Ordner A: Akten 19 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrats vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41)
RA Nr. 120/2018/2 8
Umweltkoordination und Energie (AUE) zum Ergebnis, dass das Projekt mit den
vorgesehenen Schutzmassnahmen und unter Berücksichtigung der Auflagen in allen
umweltrelevanten Bereichen der Umweltschutzgesetzgebung entspreche und daher
umweltverträglich sei.20 Gestützt darauf erteilte die Gemeinde Köniz für den
Produktionsbetrieb mit den beantragten Betriebszeiten (5.00 Uhr bis 20.00 Uhr sowie nach
Bedarf Arbeitszeiten in der Nacht) mit Entscheid vom 25. Oktober 2007, unter zahlreichen
Auflagen zur vorsorglichen Begrenzung der Emissionen in den Bereichen Luft, Geruch und
Lärm, die Baubewilligung. In den Bereichen Luft und Geruch enthielt das Projekt unter
anderem folgende Massnahmen zur Vermeidung von Emissionen: neue Brenner-
Technologie, Anfahren der Anlage mit Heizöl extraleicht, Installation einer Gaspendelung
beim Bitumen- und Öltank. Auch im Bereich Lärm sah das Projekt diverse Massnahmen
vor, um die Immissionssituation zu verbessern, namentlich die Schalldämmung des
Kamins, die Einhausung der Produktionsanlage, die Überdachung der vorgelagerten
Mineralstoffdepots und die Erstellung eines rund 4 m hohen Lärmschutzdamms. Aufgrund
von Unsicherheiten bei der Lärmprognose wurde angeordnet, dass nach Inbetriebnahme
der Anlage an zwei Immissionsorten (Liegenschaft der Beschwerdeführenden und
Kehrübelistasse 11) Messungen bei repräsentativen Betriebszuständen durchgeführt
werden müssen. Die Baubewilligung vom 25. Oktober 2007 ist, nachdem die BVE drei
Auflagen anpasste und zwei Auflagen aufhob, rechtskräftig geworden. Lärmmessungen
Ende 2010 ergaben, dass der Produktionsbetrieb ohne Brecher und Bagger die
massgebenden Immissionsgrenzwerte einhält.
c) Überdies wurde anfangs 2014 auf dem rund 4 m hohen Lärmschutzdamm zusätzlich
eine 6 m hohe Lärmschutzwand gegen das Dorf Oberwangen errichtet. Eine erneute
Lärmmessung im 2014 in der Nacht bei laufendem Produktionsbetrieb ergab, dass bei der
Liegenschaft der Beschwerdeführenden der Immissionsgrenzwert in der Nacht eingehalten
ist. Im Zusammenhang mit den Baubewilligungsverfahren für den Aufbereitungsbetrieb
(mobile und stationäre Brecheranlage) wurden in zwei weiteren
Umweltverträglichkeitsprüfungen die Gesamtimmissionen des Belagswerks und des
Aufbereitungsbetriebs beurteilt und vom AUE als umweltverträglich bestätigt. Der
Aufbereitungsbetrieb von Recyclingmaterial erfolgt neu mit einer unterirdischen
Brecheranlage. Darüber hinaus wurde die östliche Ecke des Zwischenlagers für
Ausbauasphalt mit einem ca. 250 m2 grossen Metalldach überdacht. Das vermindert die
20 Vgl. pag. 301 ff. im Baugesuchsdossier Nr. 15'487, Einhausung Belagswerk, Überdecken der Depotplätze, Erneuerung von Anlageteilen, Ordner A: Akten
RA Nr. 120/2018/2 9
Ausbreitung von gas- und partikelförmigen Schadstoffen und schirmt Lärmemissionen des
Betriebsareals gegen das Dorf ab.
d) Die Beschwerdeführenden verlangen nachträglich Massnahmen zur
Emissionsbegrenzung, besonders während der Nachtzeit und über den Mittag. Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die Prüfung der nachträglichen Anordnung von
Massnahmen zur Emissionsbegrenzung nur in denjenigen Fällen angezeigt, wo die
Immissionen bei Erteilen einer Bewilligung nicht oder nicht vollständig vorausgesehen
wurden oder wo eine zuverlässige Prognose schwierig ist.21 Eine derartige Konstellation
liegt hier nicht vor: Das Belagswerk wird grundsätzlich bau- und umweltrechtskonform
betrieben. Der Betrieb des Belagswerks während der Nachtzeit und über Mittag ist durch
die Baubewilligung vom 25. Oktober 2007 bzw. 5. Mai 2008 gedeckt. Anhaltspunkte, dass
das Belagswerk anderweitig in Abweichung der rechtskräftigen Baubewilligungen genutzt
und betreiben wird, bestehen nicht. Auch hält der Betrieb die massgebenden
Immissionsgrenzwerte ein. Dabei ist zu beachten, dass für die Lärmbeurteilung ein
Mittelungswert relevant ist, wobei sowohl die Lärmspitzen als auch die durchschnittliche
Dauer des Lärms berücksichtigt werden. Unregelmässige oder nur selten auftretende
Lärmereignisse fallen aufgrund der zeitlichen Verdünnung, die sich aus der Formel zur
Berechnung der Teilbeurteilungspegel ergibt, weniger stark ins Gewicht (vgl. Anhang 6 Ziff.
31 Abs. 2 LSV).
e) Nach dem Gesagten ist fraglich, ob hier aufgrund der umfassenden Abklärungen und
Kontrollen überhaupt Spielraum besteht, nachträglich weitere Massnahmen zur
Emissionsbegrenzung zu prüfen. Diese Frage kann aber offengelassen werden, da weitere
Massnahmen zur Emissionsbegrenzung in den Bereichen Luft, Geruch und Lärm ohnehin
unverhältnismässig wären, wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen (vgl. Erwägungen
7 u. 9).
3. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden rügen die Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches
Gehör in zweifacher Hinsicht. Einerseits bringen sie vor, die Vorinstanz habe ihnen die
21 BGer 1C_177/2011 vom 9. Februar 2012 E. 4.2 in URP 2012 315
RA Nr. 120/2018/2 10
Äusserungsmöglichkeit abgeschnitten. Andererseits kritisieren sie, die angefochtene
Verfügung sei unzureichend begründet.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG22 ist formeller Natur. Er
gibt den Parteien das Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen,
Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an
der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum
Beweisergebnis zu äussern. Er umfasst insbesondere auch das Recht der Parteien, von
jedem eingereichten Aktenstück Kenntnis zu nehmen und sich dazu äussern zu können,
und zwar unabhängig davon, ob dieses Aktenstück neue Tatsachen oder Argumente
enthält.23
Weiter muss eine Verfügung die Tatsachen, Rechtssätze und Gründe enthalten, auf die sie
sich stützt (Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG). Die Begründung muss so abgefasst sein, dass die
Betroffenen den Entscheid sachgerecht anfechten können. Deshalb muss die Behörde
mindestens kurz die Überlegungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf
die sie ihren Entscheid stützt. Sie muss sich dabei nicht ausdrücklich mit jeder Behauptung
zum Sachverhalt und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen. Vielmehr kann sie
sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken.24 Ein Anspruch
auf eine ausführliche schriftliche Begründung besteht nicht.25 Umfang und Dichte der
Begründung können nicht abstrakt definiert, sondern müssen im Einzelfall festgelegt
werden, wobei der Verfügungsgegenstand, die Verfahrensumstände sowie die Interessen
der Betroffenen zu berücksichtigen sind.26 Je komplexer oder umstrittener ein Sachverhalt
ist, je stärker ein Verwaltungsakt in die individuellen Rechte eingreift und je grösser der
Entscheidungsspielraum der Behörde ist, desto ausführlicher und differenzierter muss auch
die Begründung ausfallen.27
c) Soweit die Beschwerdeführenden rügen, die Vorinstanz sei ihrer Begründungspflicht
nicht hinreichend nachgekommen, vermögen sie mit ihrer Kritik nicht durchzudringen. Die
22 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 23 BGE 133 I 100, Regeste und E. 4.3 ff. 24 BGE 134 I 83 E. 4.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 6 ff. 25 BGE 112 Ia 107 E. 2b; BGE 123 I 31 E. 2c; BGE 126 I 97 E. 2b 26 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 6 f. mit weiteren Hinweisen 27 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 8
RA Nr. 120/2018/2 11
Vorinstanz setzte sich in den Ziff. 10, 18, 20 und 21 der angefochtenen
Baupolizeiverfügung eingehend mit den Lärm- und Geruchsrügen der
Beschwerdeführenden auseinander. Ebenso nahm die Vorinstanz in den Ziff. 10 und 13
ihrer Verfügung zu den gerügten Auflageverstössen detailliert Stellung. Dabei legte sie dar,
weshalb im Zusammenhang mit der Auflage 4.8.16 (Lagerung von Fehlchargen und
Produktionsüberschüssen) aus dem Entscheid der BVE vom 5. Mai 2008 eine Massnahme
erforderlich ist und weshalb sich hinsichtlich der Auflage 4.8.29 (Befüllen von Silos mit
Förderanlagen) zusätzliche baupolizeiliche Massnahmen erübrigen. Inwieweit die
Beschwerdeführenden bei dieser Sachlage die umstrittene Baupolizeiverfügung nicht
sachgerecht anfechten konnten, ist nicht ersichtlich. Vielmehr zeigt die Beschwerde, dass
eine sachgemässe Überprüfung und Anfechtung der strittigen Baupolizeiverfügung möglich
war. Die angefochtene baupolizeiliche Verfügung vom 7. Dezember 2017 entspricht somit
der gesetzlichen Begründungspflicht. Ob die Beurteilung der Rügen durch die Vorinstanz
inhaltlich korrekt ist und diese den Sachverhalt genügend abklärte, ist im Rahmen der
einzelnen Rügepunkte näher zu klären.
d) Die Beschwerdeführenden bringen vor, es sei ihnen die Beilage 1, d.h. das
Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 2. Oktober 2017, vor Erlass der angefochtenen
Verfügung vom 7. Dezember 2017 nicht ausgehändigt worden. Aus den Akten geht hervor,
dass die Vorinstanz den Beschwerdeführenden die Beilage 1 oder die Stellungnahme der
Beschwerdegegnerin vom 2. Oktober 2017 erst mit der Baupolizeiverfügung vom
7. Dezember 2017 zustellte. Die Beschwerdeführenden konnten sich demzufolge vor
Erlass der Baupolizeiverfügung nicht zum fraglichen Schreiben äussern. Mit diesem
Vorgehen verletzte die Vorinstanz das rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden.28
e) Nach der Praxis des Bundesgerichts kann eine Gehörsverletzung im
Rechtsmittelverfahren jedoch "geheilt" werden, sofern die obere Instanz dieselbe
Überprüfungsbefugnis hat wie die verfügende Behörde, den Beschwerdeführenden daraus
kein Nachteil erwächst und es sich nicht um eine besonders schwere Verletzung der
Parteirechte handelt.29 Gemäss Art. 40 Abs. 3 BauG kommt der BVE als
Beschwerdeinstanz die volle Überprüfungsbefugnis zu. Vorliegend ist nicht ersichtlich,
dass den Beschwerdeführenden durch die Heilung der Gehörsverletzung ein Nachteil
28 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 38-39 N. 9b 29 BGE 126 I 68 E. 2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 4 und 16
RA Nr. 120/2018/2 12
erwachsen würde. Sie haben das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 2. Oktober
2017 als Beilage 1 zusammen mit der angefochtenen Verfügung vom 7. Dezember 2017
erhalten und konnten ihre Beschwerde vom 8. Januar 2018 in Kenntnis dieses Schreibens
verfassen. Die Beschwerdeführenden konnten damit ihre Rechte im Beschwerdeverfahren
vollumfänglich wahrnehmen. Die Gehörsverletzung wurde somit geheilt. Überdies kommt
dem Schreiben vom 2. Oktober 2017, das in erster Linie den Tonfall der Eingaben der
Beschwerdeführenden thematisierte, keine entscheidrelevante Bedeutung zu. Die
Vorinstanz erwähnte dieses nur im Zusammenhang der Prozessgeschichte. Der Mangel
wiegt somit nicht schwer und hatte auch materiell keinen Einfluss auf den Entscheid. Die
Gehörsverletzung verursachte auch keinen prozessualen Mehraufwand, der ohne
Gehörsverletzung unterblieben wäre. Aufgrund der untergeordneten Bedeutung rechtfertigt
es sich nicht, den Gehörsmangel bzw. dessen Heilung bei der Kostenverlegung zu
berücksichtigen (vgl. Erwägung 13). Es besteht somit kein Anlass, die angefochtene
Baupolizeiverfügung aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen.
4. Laute Klopfgeräusche
a) Die BVE führte am 3. Mai 2018 einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung
durch. Es stellte sich heraus, dass die umstrittenen Klopfgeräusche während der
Sanierung der Pisten des Flughafens Bern-Belp aufgetreten waren. In dieser Phase, die
nach Angaben der Beschwerdegegnerin von April 2017 während vier bis fünf Wochen
dauerte, gab es im Belagswerk Nachtarbeit, wobei nicht jede Nacht gearbeitet wurde.30
b) Am Augenschein erklärte der Beschwerdeführer 1, die Klopfgeräusche seien nach
der Sanierung der Flugpiste nicht mehr aufgetreten.31 Die Sache hat sich damit erledigt.
Ein widerrechtlicher Zustand infolge lauter Klopfgeräusche besteht somit nicht. Auf die
Rüge der Beschwerdeführenden, die Vorinstanz habe hinsichtlich der Klopfgeräusche den
Untersuchungsgrundsatz verletzt, d.h. den Sachverhalt ungenügend abgeklärt und die
aktuellen Beanstandungen nicht ernsthaft geprüft, braucht unter diesen Umständen nicht
weiter eingegangen zu werden.
30 Vgl. Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 S. 7 oben, Votum Herr I._ 31 Vgl. Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018, S. 13 Mitte, Votum Herr A._
RA Nr. 120/2018/2 13
c) Überdies wäre die Rüge ohnehin unbegründet: Die Beschwerdeführenden rügten in
der baupolizeilichen Anzeige vom 16. Juni 2017, die lauten Klopfgeräusche entstünden
beim Abladen des angelieferten Strassenbelags durch das Aufschlagen der Klappe hinten
an den Lastwagenmulden. Auf diese Sachverhaltsdarstellung, die im Baupolizeiverfahren
von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten wurde, durfte die Vorinstanz abstellen. Auch
durfte die Vorinstanz das Klopfgeräusch mit dem Lärm beim Kieskippen, das im
Lärmgutachten vom 27. November 2014 beschrieben wurde, gleichsetzen. Denn es ist
nachvollziehbar, dass beim Abladevorgang von Kies und beim Abladen von Strassenbelag
vergleichbare Geräusche entstehen. Dass die Vorinstanz bei der Beurteilung der gerügten
Klopfgeräusche die Ergebnisse der Lärmmessung beim Kieskippen heranzog, ist
demzufolge nicht zu beanstanden. Die Lärmmessungen während der Nachtproduktion
ergaben einen Beurteilungspegel von 46 dB(A) bis 50 dB(A) ohne Lärmverdünnung. Es
handelt sich somit um eine sehr kritische Beurteilung zugunsten der
Beschwerdeführenden. Bei dieser Sachlage durfte die Gemeinde davon ausgehen, dass
der massgebende Immissionsgrenzwert für die ES II von 50 dB(A) eingehalten ist. Auf
weitere Abklärungen, namentlich die Vornahme von weiteren Lärmmessungen, durfte die
Vorinstanz verzichten.
d) Das Schütten von Kies mit dem Rückschlagen der Klappe hinten an den
Lastwagenmulden bewirkte bei der Liegenschaft der Beschwerdeführenden zwar eine
Pegelerhöhung. Die Pegel lagen jedoch nur ca. 2 bis 4 dB(A) über dem Grundgeräusch
von 51 dB(A) des Bachs.32 Analog zum Kieskippen durfte die Gemeinde im Rahmen einer
antizipierten Beweiswürdigung auch beim Abladen des angelieferten Strassenbelags von
kurzzeitigen Lärmspitzen von ca. 2 bis 4 dB(A) über dem Grundpegel von 51 dB(A)
ausgehen. Die Vorinstanz folgerte aus der Rechtsprechung des Bundesgerichts zu
Fluglärm und Kirchenglocken, dass kurzzeitige Pegelspitzen von 53 bis 55 dB(A) keine
erheblich störenden Lärmimmissionen im Sinn der Lärmschutzverordnung verursachen.33
Das ist rechtlich haltbar. So liegt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts die
kritische Aufwachschwelle bei 60 dB(A) am Ohr der schlafenden Person. Die Lärmspitzen
der Klopfgeräusche von 53 bis 55 dB(A) liegen deutlich unterhalb dieser Weckschwelle.
Dass die Vorinstanz die Klopfgeräusche mit einer Pegelerhöhung von lediglich 2 bis 4
dB(A) als gering einstuft, ist nachvollziehbar. Denn im Vergleich dazu erhöhte sich der
Lärmpegel bei der Liegenschaft der Beschwerdeführenden bei einer Autodurchfahrt um 6
32 Vgl. pag. 49 ff. der Vorakten (blauer Ordner) der Gemeinde Köniz 33 Vgl. Bger 1C_297/2009 vom 18. Januar 2010 und 1A. 159/2005 vom 20. Februar 2006
RA Nr. 120/2018/2 14
bis 10 dB(A) und bei Vogelgezwitscher um 8 dB(A). Unter diesen Umständen war die
Vorinstanz nicht gehalten, weitere Sachverhaltsabklärungen durchzuführen. Eine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör liegt nicht vor.
e) Die Beschwerdeführenden sprechen in den Schlussbemerkungen erstmals von an-
und abschwellenden Klopfgeräuschen, die während des Produktionsvorgangs vorkommen.
Am Augenschein bemerkte der Beschwerdeführer 1 ausserdem, seit einer Woche
bestünde ein neues auf- und abschwellendes Geräusch. Er wisse nicht, ob dies von den
Bauarbeiten für die unterirdische Brechergrube oder von der Belagsproduktionsanlage
stamme. Die Beschwerdeführenden rügen diese Geräusche erstmals im
Beschwerdeverfahren vor der BVE. Es ist fraglich, ob auf diese neuen Vorbringen
überhaupt eingetreten werden kann, da hier der Streitgegenstand durch die angefochtene
Verfügung begrenzt ist (vgl. Erwägung 1a). Die Frage kann aber offengelassen werden, da
diese Vorbringen ohnehin unbegründet sind. Zur Begründung wird auf die Erwägung 2d
sowie die nachfolgenden Erwägungen verwiesen.
5. Tieffrequente Maschinengeräusche
a) Die Beschwerdeführenden kritisieren weiter, die Vorinstanz habe eine erhebliche
Störung durch die festgestellten tieffrequenten Maschinengeräusche grundlagenlos
verworfen. Sie stütze sich auf ein Lärmgutachten aus dem Jahr 2014, das aufzeigen solle,
dass der Immissionsgrenzwert für die ES II in der Nacht eingehalten sei. Die Vorinstanz
unterstelle ohne beweismässige Unterlegung, dass es sich bei den im Jahre 2014
gemessenen Geräuschen um die gleichen Geräusche handle, wie sie es nunmehr
beklagen. Weiter kritisieren die Beschwerdeführenden das Lärmgutachten aus dem Jahr
2014 inhaltlich, besonders die Messweise und den Messort. Schliesslich monieren sie, es
sei fraglich, ob die Lärmsituation mit der Wand gemäss der Baubewilligung vom 4. April
2013 mit derart schallabsorbierenden Materialien ausgekleidet worden sei, wie dies in der
Baubewilligung verlangt worden sei. Von einer Lärmschutzwand könne nicht ernsthaft die
Rede sein.
b) Die Behörden stellen den Sachverhalt nach Art. 18 Abs. 1 VRPG von Amtes wegen
fest (Untersuchungsgrundsatz). Sie bestimmen Art und Umfang der Ermittlungen, ohne an
die Beweisanträge der Parteien gebunden zu sein (Art. 18 Abs. 2 VRPG). Erscheint die
RA Nr. 120/2018/2 15
Sachlage hinreichend abgeklärt und versprechen zusätzliche Erhebungen keine
wesentlichen neuen Erkenntnisse, so brauchen keine weiteren Untersuchungen angestellt
zu werden, selbst wenn nicht alle denkbaren Möglichkeiten der Beweisführung
ausgeschöpft worden sind. Zur Beurteilung, ob der Sachverhalt genügend abgeklärt ist,
müssen die Behörden das Beweisergebnis vorläufig bewerten (sog. vorweggenommene
bzw. antizipierte Beweiswürdigung). Sie verfügen dabei über einen grossen
Ermessensspielraum. Die Pflicht zur Durchführung von (weiteren) Beweismassnahmen
besteht nur, wenn sich die Verhältnisse anders nicht schlüssig klären lassen. Aufwändige
Beweismassnahmen setzen ein entsprechend bedeutendes Beweisinteresse voraus.
Ergibt eine antizipierte Beweiswürdigung, dass ein Beweis nicht dazu geeignet ist, das
Beweisergebnis zu verändern oder den zu treffenden Entscheid zu beeinflussen, so kann
auch unter dem Aspekt des rechtlichen Gehörs von der Beweisabnahme abgesehen
werden.34
c) Die erneuerte und erweiterte Belagsaufbereitungsanlage nahm den Betrieb 2009 auf.
Die einzelnen lärmrelevanten Aggregate der Mischanlage, namentlich die Doseure, der
Antrieb der Trockentrommel, das Brennergebläse, die Rauchgasventilatoren (Gehäuse)
inkl. E-Motor, der Rauchgasventilator (Kamin), der Heisselevator, der Mischturm inkl.
Siebanlage, das Mischgutverladesilo mit Kübelbeschickung, die Druckluftanlage, die
Förderbänder, die Bindemittelpumpen sowie die Förderschnecken (Antrieb), sind
bekannt.35 Die Beschwerdeführenden beklagten sich bereits im Jahr 2014 über
tieffrequente Maschinengeräusche der Produktionsanlage während der Nachtzeit. In der
Folge führte die Z._ AG im Auftrag der Vorinstanz in der Zeit vom 17. Juli 2014 bis
22. Juli 2014 während der Nacht Lärmmessungen bei laufendem Betrieb der
Produktionsanlage durch. Im Gutachten vom 27. November 2014 kam die Z._ AG
zum Schluss, dass selbst bei einer für den Betrieb lärmtechnisch unvorteilhaften
Lärmermittlung, d.h. bei einer minimalen Berücksichtigung des Bachs, ohne
Zeitverdünnung für den Nachtbetrieb und mit einer Pegelkorrektur für K1 von +5 dB(A), der
massgebende und gesetzlich vorgesehene Immissionsgrenzwert von 50 dB(A) in der
Nacht eingehalten ist.
34 BVR 2011 S. 97 E. 4.2.1 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 I 140 E. 5.3, 131 I 153 E. 3 [Pra 95/2006 Nr. 27]; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 18 N. 9 f. 35 Vgl. Baugesuchsdossier Nr. 15'487, Einhausung Belagswerk, Überdecken der Depotplätze, Erneuerung von Anlageteilen, Dossier UVB und Richtlinien, UVB vom 31. Oktober 2006 Beilagenteil, Beilage 6.2.4.-1, Blatt 2
RA Nr. 120/2018/2 16
d) An der Belagsaufbereitungsanlage der Beschwerdegegnerin hat sich seit der
Inbetriebnahme im Jahr 2009 nichts verändert. Am Augenschein erklärte der Vertreter der
Beschwerdegegnerin ausserdem, die Produktion laufe immer gleich ab, wobei nicht immer
alle Produktionsprozesse, d.h. Aggregate, gleichzeitig laufen würden.36 Die Kritik der
Beschwerdeführenden, die Vorinstanz unterstelle ohne beweismässige Unterlegung, dass
es sich bei den im Jahre 2014 gemessenen Geräuschen um die gleichen Geräusche
handle, wie sie beklage, verfängt somit nicht. Die Beschwerdeführenden führten selber
aus, dass das tieffrequente Maschinengeräusch der Anlage bereits im Jahr 2014
aufgetreten sei. Auch ist aktenkundig, dass im Zeitpunkt der Lärmmessungen im Jahr 2014
die Produktionsanlage in Betrieb war.37 Im Rahmen der Lärmmessung wurden somit alle
lärmrelevanten Aggregate der Mischanlage berücksichtigt. Da sich seit den
Lärmmessungen weder an der Anlage noch am Produktionsprozess etwas veränderte,
durfte sich die Vorinstanz für die Beurteilung des gerügten Maschinengeräusches in der
baupolizeilichen Anzeige auf das Ergebnis des Gutachten vom 27. November 2014
abstützen. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör kann der Vorinstanz unter
diesen Umständen nicht vorgeworfen werden. Die Beschwerde ist in diesem Punkt
unbegründet. Es ist nicht nötig, die Sache der Vorinstanz zurückzuweisen.
e) Die Z._ AG kam im Gutachten vom 27. November 2014 aufgrund der
Lärmmessungen zum Schluss, dass die Lärmimmissionen aus dem Belagswerk objektiv
als nicht schädlich und störend einzustufen sind. Diese Beurteilung kritisieren die
Beschwerdeführenden erneut, besonders die Messweise und den Messort auf dem Balkon
unter dem Vordach. Mit Schreiben vom 3. März 2015 nahm die Z._ AG zu dieser
Kritik der Beschwerdeführenden eingehend Stellung.38 Sie führte aus, mithilfe einer
Differenzmessung sei eine mögliche Abschirmung durch das Vordach explizit nicht
berücksichtigt worden. Die Beschwerdeführenden bringen nichts Konkretes vor, das
Zweifel an diesen Ausführungen erwecken würde. Dass die Vorinstanz zur Beurteilung des
gerügten tieffrequente Geräuschs auf das Lärmgutachten vom 27. November 2014
zurückgriff, ist somit nicht zu beanstanden. Die Vorinstanz war unter diesen Umständen
auch nicht verpflichtet, ein neues Beweis- und Ermittlungsverfahren durchzuführen.
Vielmehr durfte sie aus den bestehenden und plausiblen Lärmmessungen schliessen, dass
der Betrieb der Belagsaufbereitungsanlage den Immissionsgrenzwert für die ES II von 50
36 Vgl. Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 S. 13 Mitte, Votum Herr I._ 37 Vgl. Ziff. 3 des Lärmgutachtens vom 27. November 2014, pag. 54 der Vorakten der Gemeinde Köniz 38 Vgl. pag. 20 f. in der Dokumentenzusammenstellung der Fachstelle Umweltschutz Köniz (gelbe Mappe)
RA Nr. 120/2018/2 17
dB(A) in der Nacht einhält. Auch in diesem Punkt erweist sich die Beschwerde als
unbegründet.
f) Streitig ist weiter die Wirksamkeit der Lärmschutzwand gemäss der Baubewilligung
vom 4. April 2013. Es handelt sich um eine Wand mit horizontal montierten Profilblechen,
die an der Seite zum Betriebsareal mit Haircotherm (300g/m2) beschichtet ist.39 Nach dem
Produktebeschrieb der Herstellerin kann die Haircotherm Beschichtung, je nach Schicht-
dicke, eine Schallabsorption von 5 bis 30 Prozent bewirken.40 Der pauschale Einwand der
Beschwerdeführenden, die Innenseite der Lärmschutzwand sei nicht mit einem
schallabsorbierenden Material ausgekleidet, wie das in der Baubewilligung vom 4. April
2013 verlangt worden sei, geht somit von vornherein fehl. Am Augenschein führte die
Vertreterin des beco aus, es handle sich um eine gute Lärmschutzwand. Diese sei
fugendicht montiert und könne grundsätzlich eine Lärmreduktion von 20 dB bewirken.41
Diese Einschätzung ist plausibel. Bereits eine Blechfassade von 1 mm Dicke weist ein
bewertetes Schalldämmass (R'w) von 25 dB auf, wie aus den Akten folgt.42 Für die
Wirksamkeit einer Lärmschutzwand ist ausserdem entscheidend, dass sie schalldicht
montiert ist. Dies ist hier der Fall und wird von den Beschwerdeführenden zu Recht auch
nicht bestritten. Die fragliche Lärmschutzwand wurde am 20. März 2015 zudem durch die
Z._ AG schalltechnisch begutachtet.43 Diese bescheinigte der Wand aufgrund der
Höhe eine sehr gute Abschirmwirkung gegenüber den angrenzenden Wohnbauten im
nordöstlichen und südöstlichen Bereich des Betriebsareals. Aus dem Bericht der
Z._ AG geht ausserdem hervor, dass die Beschichtung der Profilbleche mit
Haircotherm das Schalldämmverhalten der Wand (Reduktion des Schalldurchgangs)
zusätzlich erhöht und zudem eine Schallabsorption bewirkt. Dass mit der
Innenbeschichtung der Wand eine Schallabsorption erreicht werden kann, führten überdies
auch die Vertreterin des beco und der Vertreter der Vorinstanz am Augenschein
übereinstimmend aus.44 Hinzu kommt, dass beim Betrieb mit der unterirdischen
39 Vgl. pag. 128 des Baugesuchsdossiers Nr. 17'267 (Verlängerung und Erhöhung der Lärm- und Sichtschutzwand); vgl. Protokoll vom 17. April 2015 der Z._ AG, pag. 35 in der Dokumentenzusammenstellung der Fachstelle Umweltschutz Köniz (gelbe Mappe) 40 Vgl. pag. 129 des Baugesuchsdossiers Nr. 17'267 (Verlängerung und Erhöhung der Lärm- und Sichtschutzwand) 41 Vgl. Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 S. 11 oben, Votum Frau J._ 42 Vgl. auch Baugesuchsdossier Nr. 15'487, Einhausung Belagswerk, Überdecken der Depotplätze, Erneuerung von Anlageteilen, Dossier UVB und Richtlinien, UVB vom 31. Oktober 2006 Textteil S. 44 43 Vgl. pag. 35 f. in der Dokumentenzusammenstellung der Fachstelle Umweltschutz Köniz (gelbe Mappe) 44 Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 S. 11, Votum Herr K._ und Votum Frau J._
RA Nr. 120/2018/2 18
Brecheranlage das angelieferte Recyclingmaterial kontinuierlich gebrochen werden kann.
So entstehen weniger hohe Recyclingasphalthaufen. Die Gefahr, dass der Schall des
Raupenbaggers ohne Abschirmung über die Oberkante der Lärmschutzwand hinaus
gelangt, wenn dieser auf dem Haufen Material abbaut, kann so vermieden werden. Die
gegenteiligen Befürchtungen der Beschwerdeführenden sind unbegründet. Auch bestehen
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden keine Anhaltspunkte, die an der
Wirksamkeit der Lärmschutzwand Zweifel erwecken könnten. Die übereinstimmenden
fachtechnischen Einschätzungen der Vorinstanz, des beco und der Z._ AG sind
nachvollziehbar. Auch in diesem Punkt ist die Beschwerde unbegründet. Es ist nicht nötig,
die Sache der Vorinstanz zurückzuweisen.
6. Befüllen der Silos
a) Strittig ist weiter, ob die Auflage in Ziff. 4.8.29 der Baubewilligung der Gemeinde vom
5. Oktober 2007 eingehalten wird. Diese lautet wie folgt: "Zwischen 19:00 und 07:00 sowie über die Mittagszeit von 12:00 bis 13:00 dürfen mit den
Förderanlagen der Transportfahrzeuge keine Silos befüllt werden."
b) In der baupolizeilichen Anzeige vom 16. Juni 2017 rügten die Beschwerdeführenden,
mit Blick auf den Zweck der Auflage sei einerlei, ob mit dem Pneulader Silos aufgefüllt
würden oder ob angeliefertes Recyclingmaterial mit dem gleichen Gerät weiter auf die
Halde gestossen werde. Trotz der verfügten Auflage habe die Beschwerdegegnerin wieder
damit begonnen, während der Mittagszeit und zwischen 19.00 und 07.00 Uhr Silos zu
Befüllen bzw. Recyclingmaterial auf die Halde zu stossen. Sie fordern von der Vorinstanz
ein konsequentes Einschreiten gegen die widerrechtlichen pneupatischen (richtig:
pneumatischen) Arbeiten.
c) In der angefochtenen Baupolizeiverfügung vom 7. Dezember 2017 führte die Vor-
instanz aus, gemäss der Erwägung 12 des Beschwerdeentscheids der BVE vom 5. Mai
2008 beziehe sich die fragliche Auflage einzig auf das Befüllen der Silos mit Förderanlagen
der Lastwagen. Der anderweitige Einsatz von Radladern und anderen
Transportfahrzeugen verletze die Auflage nicht. Die Vorinstanz sah daher davon ab,
baupolizeiliche Massnahmen zu verfügen.
RA Nr. 120/2018/2 19
d) Die Beschwerdeführenden halten in der Beschwerde an ihrem Standpunkt, wonach
es einerlei sei, ob mit dem Pneulader Silos aufgefüllt werden oder ob angeliefertes
Recyclingmaterial mit dem gleichen Gerät wieder auf die Halde gestossen werde, fest. Sie
machen zudem geltend, selbst wenn die Tätigkeiten mit dem Pneulader in der Auflage Ziff.
4.8.29 nicht mitumfasst wären, müssten die Emissionen weiter begrenzt werden, was die
Vorinstanz nicht geprüft habe. In ihren Schlussbemerkungen führen die
Beschwerdeführenden aus, es sei nach wie vor ungeklärt, was mit "Förderanlagen der
Transportfahrzeuge" gemeint sei. Die Auflage werde unterschiedlich interpretiert.
e) Die Beschwerdegegnerin ist der Meinung, die Vorinstanz habe richtigerweise
erwogen, dass sich die fragliche Auflage einzig auf das Befüllen der Silos mit
Förderanlagen der Lastwagen beziehe und nicht auf andere Tätigkeiten. Es bestünde auch
kein Grund, weitergehende Beschränkungen zu verfügen.
f) Die Bedeutung des Wortlauts der Auflage war bereits im Beschwerdeverfahren der
BVE RA Nr. 110/2007/177 ein Thema. Aus dem Beschwerdeentscheid der BVE vom 5. Mai
2008 geht hervor, dass bloss das Befüllen von Silos mit Förderanlagen der Lastwagen in
den Ruhezeiten verboten ist. Das folgt auch aus der Beschwerdeantwort der Gemeinde
Köniz vom 28. Dezember 2007. Unter "Förderanlagen der Transportfahrzeuge" verstand
die Vorinstanz das Befüllen von Silos mit Fahrzeugen, die mit einer pneumatischen
Förderungsanlage ausgerüstet sind. Solche Förderanlagen, bei denen die Entladung der
Transportfahrzeuge pneumatisch erfolgt, d.h. mit Luftdruck, stufte die Vorinstanz als eine
lärmintensive Arbeit ein, die nicht in ruhigen Zeiten ausgeführt werden soll.45
Demgegenüber wollte die Vorinstanz das Einfüllen und Mischen von Zuschlagsstoffen und
das Betreiben der Radlager sowie anderer interner Transportfahrzeuge während der
ganzen Betriebszeit nicht verhindern. Die Auffassung der Vorinstanz in der angefochtenen
Baupolizeiverfügung, wonach die strittige Auflage nicht verletzt ist, wenn während den
Ruhezeiten mit dem Pneulader Recyclingmaterial auf die Halde gestossen wird, ist somit
nicht zu beanstanden.
g) Die Beschwerdeführenden argumentieren, nach dem Zweck der Auflage sei es
einerlei, ob mit dem Pneulader Silos aufgefüllt werden oder ob angeliefertes
Recyclingmaterial mit dem gleichen Gerät wieder auf die Halde gestossen wird. Dieser
Argumentation kann nicht gefolgt werden. Ein Pneulader ist eine Baumaschine mit einer
45 Vgl. Beschwerdeantwort vom 28. Dezember 2007 S. 5, Ziff. 10 im Beschwerdeverfahren RA Nr. 110/2007/177
RA Nr. 120/2018/2 20
Ladeschaufel. Er lässt sich nicht mit einem Transportfahrzeug mit pneumatischen
Einrichtungen, d.h. mit bordeigenen Kompressoren, wie beispielsweise einem
Silofahrzeug, vergleichen. Auch Lastwagen mit einer Brücke oder Raupenbagger mit Arm
sind keine Fahrzeuge, die pneumatisch entladen werden. Ebenso nicht gefolgt werden
kann der Auffassung der Beschwerdeführenden, mit "Silos" seien die Materiallager hinter
der Wand entlang der Stahlengasse gemeint. Es handelt sich dabei um offene Depots und
nicht um Silos, die pneumatisch befüllt werden. Mit dem Begriff "Förderanlagen der
Transportfahrzeuge" sind Silofahrzeuge gemeint, mit denen z.B. Füller (engl. Filler)
angeliefert wird. Dies ist ein sehr feines Material (Gesteinsmehl), das für die Herstellung
des Strassenbelags benötigt wird und im sog. Füllersilo gelagert wird, wie der Augenschein
zeigte.46 Bei der Entladung wird das Gesteinsmehl von den Silofahrzeugen mit Luftdruck,
also pneumatisch, in das Füllersilo eingeblasen.47 Gemäss den Angaben der
Beschwerdegegnerin kann es bei Grossaufträgen vorkommen, dass das Silo einmal täglich
aufgefüllt wird. Es komme aber auch vor, dass zwei Monate keine Befüllung stattfinde.48
Am Augenschein führte die Vertreterin des beco zudem aus, dass die Entladung der
Silofahrzeuge wegen der Tonhaltigkeit störend wirken könne.49 Diese fachliche
Einschätzung der kantonalen Lärmfachstelle deckt sich mit jener der Vorinstanz. Dass der
Lärm der Silofahrzeuge wegen der Tonhaltigkeit störend wirken kann, folgt im Übrigen
auch aus dem UVB vom 31. Oktober 2006.50 Danach wurde in der Lärmprognose für die
Entladung der Silofahrzeuge mit pneumatischen Einrichtungen ein Tonhaltigkeits-Zuschlag
von 4 dB(A), d.h. deutlich hörbarer Tongehalt, berücksichtigt. Demgegenüber wurde der
Tongehalt des Lärms eines Pneuladers als schwach hörbar eingestuft.51 Dazu kommt, dass
diese Silos vor und während der Produktionszeit nicht kontinuierlich befüllt werden
müssen, weil es sich um einen allgemeinen Vorrat handelt. Es ist daher betrieblich und
auch technisch ohne grossen Aufwand möglich, die Silos ausserhalb der Zeit zwischen
19:00 und 07:00 und über den Mittag zu befüllen. Demzufolge hat die Vorinstanz in der
46 Vgl. Foto Nr. 19 zum Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018; vgl. auch Baugesuchsdossier Nr. 15'487, Einhausung Belagswerk, Überdecken der Depotplätze, Erneuerung von Anlageteilen, Dossier UVB und Richtlinien, Beilagenteil, Beilage 4.1.-1 47 Vgl. Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 S. 16 unten, Votum Herr I._ 48 Vgl. Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 S. 16 unten, Votum Herr I._ 49 Vgl. Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 S. 17 oben, Votum Frau J._ 50 Vgl. Baugesuchsdossier Nr. 15'487, Einhausung Belagswerk, Überdecken der Depotplätze, Erneuerung von Anlageteilen, Dossier UVB und Richtlinien, UVB vom 31. Oktober 2006, Beilageteil, Beilage 6.2.4.-1, Blatt 3, Ziff. 2.3 51 Vgl. Beilage 4 im ergänzten UVB vom 20. November 2015 der X._ AG ganz hinten im Baugesuchsdossier Nr. 18'253 (Unterflur-Aufbereitung (Brecher) von bituminösen und mineralischen  für die Mischgutproduktion)
RA Nr. 120/2018/2 21
angefochtenen Baupolizeiverfügung vom 7. Dezember 2017 zu Recht erwogen, dass sich
die fragliche Auflage einzig auf das Befüllen der Silos mit pneumatischen Förderanlagen
bezieht. Eine Auslegung nach Sinn und Zweck führt ebenfalls zum Ergebnis, dass mit dem
Einsatz von Radladern und anderen Transportfahrzeugen ohne pneumatische
Förderanlagen während der Ruhezeit die Auflage in Ziff. 4.8.29 nicht verletzt ist. Dass sich
die Beschwerdeführenden ihres Wissens bisher über den Lärm, der beim Befüllen der
Fillersilos entsteht, nicht beklagten, weist darauf hin, dass sich die Beschwerdegegnerin an
diese Auflage hält. Ein formell rechtswidriger Zustand besteht entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführenden nicht. Die Beschwerde erweist sich auch in diesem Punkt als
unbegründet.
RA Nr. 120/2018/2 22
7. Weitergehende Reduktion der Lärm- und Staubemissionen
a) Mit Blick auf die Lärmimmissionen steht als Zwischenergebnis fest, dass kein formell
rechtswidriger Zustand besteht, der die Anordnung von baupolizeilichen Massnahmen
rechtfertigen würde. Weder bestehen Hinweise darauf, dass die massgebenden
Immissionsgrenzwerte für die ES II von 60 dB(A) am Tag und von 50 dB(A) in der Nacht
überschritten sind, noch liegt ein Verstoss gegen die Auflage in Ziff. 4.8.29 (Befüllen der
Silos) vor. Lärmmessungen in der Nacht zeigten vielmehr, dass während des laufenden
Betriebs die Lärmimmissionen aus dem Belagswerk objektiv als nicht schädlich und
störend einzustufen sind.52 Zudem ist der Betrieb des Belagswerks während der Nachtzeit
und über den Mittag durch die Baubewilligung vom 25. Oktober 2007 gedeckt (vgl.
Erwägung 2d).
b) Umstritten ist, ob die Vorinstanz weitergehende emissionsbeschränkende
Massnahmen im Sinne der Vorsorge hätte anordnen müssen, unter anderem ein Verbot,
wonach zwischen 19.00 und 07.00 Uhr angeliefertes Recyclingmaterial nicht mit dem
Pneulader auf die Halde gestossen werden darf. Darunter verstehen die
Beschwerdeführenden auch Tätigkeiten mit Maschinen, wie das Entladen und Befüllen der
Materiallager mit Zuschlagsstoffen wie Sand, Kies oder Splitt entlang der Stahlengasse.
c) In der angefochtenen Verfügung vom 7. Dezember 2017 führte die Vorinstanz zwar
nur allgemein aus, dass sich baupolizeiliche Massnahmen, die über die in Ziff. 4.8.29
verfüge Auflage hinaus gingen, erübrigen. Damit ging die Vorinstanz implizit davon aus,
dass weitergehende emissionsbeschränkende Massnahmen unverhältnismässig wären.
Das ist mit Blick auf den aktuellen Kenntnistand über das Belagswerk, seiner
Vorgeschichte, den zahlreichen Abklärungen, Untersuchungen, Lärmmessungen, diversen
Bauverfahren sowie aufsichts- und strafrechtlichen Verfahren, woran auch die
Beschwerdeführenden beteiligt waren, nicht zu beanstanden. Von einer Verletzung des
Gehörsanspruchs kann unter diesen Umständen nicht gesprochen werden.
d) Nach Art. 37 Abs. 2 UeV ist die Belagsproduktion auf 100'000 Tonnen pro Jahr,
gemessen im gleitenden fünfjährigen Durchschnitt, limitiert. Am Augenschein führte der
Vertreter der Beschwerdegegnerin aus, bei der Belagsproduktion handle es sich um eine
52 Vgl. Schreiben vom 3. März 2015 der Z._ AG, pag. 21 in der Dokumentenzusammenstellung der Fachstelle Umweltschutz Köniz (gelbe Mappe)
RA Nr. 120/2018/2 23
sog. Just-in-time-Produktion.53 Die Wahl, wann produziert werde, stünde nicht im Belieben
des Belagswerks, sondern hänge von den Kundenbestellungen ab. Das Belagsmischgut
könne dabei nur für kurze Zeit zwischengelagert werden. Grundsätzlich werde es frisch
aufbereitet und gleich ausgeliefert. Es könne zwar im Mischgutsilo zwischengelagert
werden, dies aber nur einige Stunden. Wie lange eine Lagerung möglich sei, hänge von
der Art des Belags ab. Im Allgemeinen aber bloss eine bis zwei Stunden. Nach der
Produktion werde der Belag mit Lastwagen zur Baustelle transportiert. Zudem sei die
Belagsproduktion grundsätzlich witterungsabhängig und ein saisonales Geschäft.54
e) Vorliegend befinden sich die Materialdepots sowie das angelieferte Recyclingmaterial
hinter Lärmschutzwänden. Diese sind auf der östlichen Seite der Stahlengasse
überdacht.55 Ausgenommen davon ist ein Teil des Materialdepots im Bereich der
Verladestation, wo eine Blocksteinmauer steht.56 Anfangs 2014 wurde auf dem
bestehenden ca. 4 m hohen Erdwall hinter dem Lagerplatz für Ausbauasphalt eine rund
6 m hohe Lärmschutzwand gegen das Dorf Oberwangen errichtet. Die Wirksamkeit dieser
Lärmschutzwand ist belegt (vgl. Erwägung 5). Weiter wurde die östliche Ecke des
Zwischenlagers für den Ausbauasphalt mit einem ca. 250 m2 grossen Metalldach
überdacht.57 Das Dach reicht ca. 16 m in das Betriebsareal hinein. Die Massnahme
vermindert die Ausbreitung von gas- und partikelförmigen Schadstoffen und schirmt
Lärmemissionen vom Betriebsareal ab. Die Liegenschaft der Beschwerdeführenden liegt
ca. 10 m tiefer als der Fuss des Lärmschutzwalls. Der Lärm des Betriebsareals, wozu auch
das Verschieben des Recyclingmaterials gehört, wird somit gegenüber der Liegenschaft
der Beschwerdegegnerin gut abgeschirmt. Mit der Baubewilligung vom 10. August 2015
wurde zudem die Anzahl Brechtage pro Jahr und die Betriebszeiten beim Einsatz des
mobilen Brechers begrenzt. Dies führte zu einer weiteren Verminderung der
Lärmimmissionen vom Brecherbetrieb. Und schliesslich erfolgt die Aufbereitung des
Recyclingmaterials zukünftig nur noch unterirdisch. Ausserhalb des Beurteilungszeitraums
Tag, d.h. von 19.00 Uhr bis 07.00 Uhr, findet keine Aufbereitung statt.58
53 Vgl. Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 S. 4 in der Mitte, Votum Herr I._ 54 Vgl. Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 S. 6 in der Mitte, Votum Herr I._ 55 Vgl. Foto Nr. 7 und 8 zum Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 56 Vgl. Foto Nr. 20 zum Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 57 Vgl. Foto Nr. 6 zum Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 58 Vgl. S. 27 im ergänzten UVB vom 20. November 2015 der Y._ AG ganz hinten im Baugesuchsdossier Nr. 18'253 (Unterflur-Aufbereitung (Brecher) von bituminösen und mineralischen  für die Mischgutproduktion ganz)
RA Nr. 120/2018/2 24
f) Zwar sind Pneulader unbestritten relevante Lärmquellen; diese verursachen auf dem
Betriebsareal der Beschwerdegegnerin Lärmemissionen. Hinweise, dass die
massgebenden Immissionsgrenzwerte für die ES II nachts von 50 dB(A) und tags von
60 dB(A) überschritten sind, liegen wie ausgeführt nicht vor. Die Anlage wird vielmehr
umweltschutzkonform betrieben, wie die Kontrollen und Umweltverträglichkeitsprüfungen
zeigten. Daran vermögen auch die in der Eingabe vom 12. Juli 2018 gerügten Tätigkeiten
in den Ruhezeiten nichts zu verändern. Dennoch steht als emissionsbeschränkende
Massnahme etwa eine zeitliche Beschränkung von Tätigkeiten mit dem Pneulader während
der Nacht- und Mittagszeit zur Diskussion. Pneulader werden einerseits bei der
Belagsproduktion und andererseits beim Aufbereitungsbetrieb des Recyclingmaterials
eingesetzt. Wie ausgeführt, findet ausserhalb der akustischen Tageszeit (07.00 bis 19.00
Uhr) keine Aufbereitung mit den dazu benötigten Maschinen und Geräten wie Pneulader,
Brecher und Raupenbagger statt. Pneulader kommen während der Nacht- und Mittagszeit
aber zum Einsatz, wenn diese für die Belagsproduktion eingesetzt werden. Ihre Funktion
ist, während den Produktionszeiten die Doseure ohne Förderbandbeschickung, z.B. der
Doseur für Asphaltgranulat, zu befüllen.59 Andererseits wird mit Pneuladern vor und
während der Produktionszeit laufend der Nachschub für die Depots mit Zuschlagsstoffen
(Sand, Splitt, Kies) sichergestellt. Würden diese Tätigkeiten mit dem Pneulader
eingeschränkt, würde die Mischgutproduktion während dieser Zeit faktisch verunmöglicht.
Es ist technisch und betrieblich nicht möglich, den Strassenbelag zu einem beliebigen
Zeitpunkt, beispielsweise nur während der Tageszeit oder ausserhalb der Mittagszeit, zu
produzieren: Die Produktion des Strassenbelags erfolgt kurzfristig auf Kundenbestellungen
hin (sog. Just-in-time-Produktion) und ist grundsätzlich witterungsabhängig. Auch ist die
Belagsproduktion saisonal bedingt und die Lagerfähigkeit des Strassenbelags ist sowohl
zeitlich wie auch umfangmässig beschränkt. Eine generelle Beschränkung der Tätigkeiten
mit Pneuladern und anderen Maschinen während der akustischen Nachtzeit und über
Mittag, die für die Belagsproduktion erforderlich sind, würde den Betrieb des Belagswerks
stark einschränken und wäre gemessen an der bestehenden Immissionssituation und den
bereits realisierten Lärmschutzmassnahmen unverhältnismässig.
g) Umstritten zwischen den Parteien ist ausserdem, ob die Blocksteinmauer im Bereich
der Verladestation einen ausreichenden Lärmschutz bietet. Die Beschwerdeführenden
argumentieren in den Schlussbemerkungen, der Lärm und Staub könne von den Quadern
59 Vgl. Fotos Nr. 9 und 10 zum Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018
RA Nr. 120/2018/2 25
nur beschränkt aufgefangen werden. Eine Lärmschutzwand sei zwingend nötig, um sie vor
der lärmigen und staubigen Bearbeitung der Depots im fraglichen Bereich zu schützen. Die
Beschwerdeführenden vermögen mit diesem Einwand nichts zu ihren Gunsten abzuleiten.
Am Augenschein erklärt die Vertreterin des beco, der Lärm werde dort durch die
Verschiebung des Materials mit dem Pneulader durch Kratzen mit der Schaufel am Boden
verursacht. Der Lärm gehe gegen den Boden. Die mit Betonquadern realisierte Mauer
biete somit eine gute Lärmschutzmassnahme. Der Schall, der über die Lärmschutzwand
hinausgehe, werde gegen den gegenüberliegenden Hang abgestrahlt. Die Beschaffenheit
des Hangs wirke schallvernichtend, weshalb es kaum zu Schallreflexionen komme. Eine
12 m hohe Lärmschutzwand erachte sie als unverhältnismässig.60 Die Ausführungen der
Vertreterin des beco überzeugen. Der gegenüberliegende Hang wirkt stark
schallabsorbierend. Mit einer 12 m hohen Wand würde sich die Lärmsituation verglichen
mit dem heutigen Zustand somit kaum verbessern. Die Einschätzung der kantonalen
Fachstelle, wonach eine 12 m hohe Wand aus Gründen des Lärmschutzes
unverhältnismässig wäre, ist sachlich vertretbar und rechtlich nicht zu beanstanden.
h) Gleiches gilt mit Blick auf die Staubentstehung: Messungen in den Jahren 2007,
2009/2010 und 2011 ergaben, dass der Immissionsgrenzwert von 20 mg/m3 für den
gesamten Staubniederschlag bei der Liegenschaft der Beschwerdeführenden klar
eingehalten war.61 Die Beschwerdeführenden beklagten sich bisher vor allem über
Staubentwicklungen im Zusammenhang mit dem Einsatz des mobilen Brechers, wie die
Beilage 3 in ihrer Beschwerde zeigt. Neu setzt die Beschwerdegegnerin eine unterirdische
Brecheranlage ein. Die staubige Luft wird beim Sieb sowie beim Elevatorkopf abgesaugt
und danach in einem Staubfilter gereinigt. Zudem werden die Verkehrsflächen des
Betriebsareals bei staubträchtigen Verhältnissen mit einer Schlauchanlage berieselt und
nach Bedarf mit einer Kehrmaschine gereinigt. In den Schlussbemerkungen rügen die
Beschwerdeführenden erstmals, der Staub könne von der Betonmauer nur beschränkt
aufgehalten werden. Dazu ist Folgendes zu sagen: Mineralischer Staub ist
verhältnismässig schwer und lagert sich innerhalb von einigen Dutzend Metern wieder ab.
Das folgt aus dem UVB.62 Der Standort des fraglichen Depots, wo die Betonmauer steht,
60 Vgl. Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 S. 18 f., Votum Frau J._ 61 Vgl. Anhang 1 Ziff. 41 der LRV; vgl. auch pag. 52 in der Dokumentenzusammenstellung der Fachstelle Umweltschutz Köniz (gelbe Mappe) 62 Vgl. S. 24 im UVB vom 20. November 2015 der X._ AG ganz hinten im Baugesuchsdossier Nr. 18'253 (Unterflur-Aufbereitung (Brecher) von bituminösen und mineralischen Recycling-Materialien für die Mischgutproduktion ganz)
RA Nr. 120/2018/2 26
befindet sich über 100 m von der Liegenschaft der Beschwerdeführenden entfernt. Es ist
zwar nicht auszuschliessen, dass beim Abkippen des Materials an diesem Standort
Staubemissionen entstehen. Der Staub würde sich aber zum grössten Teil auf der rund
50 m langen Strecke bis zum Rand des Werks ablagern und nicht bis zu den
Beschwerdeführenden gelangen. Mit einer höheren Wand oder einer Überdachung liessen
sich somit weder die Lärm- noch Staubemissionen zweckmässig reduzieren. Am
Augenschein hielt der Vertreter der Beschwerdegegnerin fest, jährlich betrage die
Produktionsmenge ungefähr 100'000 Tonnen. Es bestehen weder Anzeichen noch rügen
die Beschwerdeführenden, die Beschwerdegegnerin produziere pro Jahr (gemessen im
gleitenden fünfjährigen Durschnitt) mehr als 100'000 Tonnen Belag. Noch weitergehende
Massnahmen als die getroffenen, die einen zusätzlichen Lärm- oder Staubschutz bewirken
würden, können unter Berücksichtigung des Verhältnismässigkeitsprinzips gestützt auf das
Vorsorgeprinzip nicht verlangt werden. Der Eventualantrag der Beschwerdeführenden,
wonach durch die BVE die erforderlichen Massnahmen zur Verhinderung störender
Lärmimmissionen zu treffen sind, ist abzuweisen.
i) Unbegründet ist schliesslich das Argument, das im Bereich der Blocksteinmauer
gelagerte Rohmaterial sei nicht vollständig überdeckt, was der Baubewilligung
widerspreche. Danach seien alle Depotplätze zu überdecken. Vorliegend enthält weder der
Gesamtentscheid vom 25. Oktober 2007 eine derartige Verpflichtung noch geht solches
aus den bewilligten Projektplänen zum Gesamtbauentscheid vom 25. Oktober 2007 hervor.
Die Rüge erweist sich als unbegründet.
8. Lagerung von Fehlchargen und Produktionsüberschüssen / Nicht Einhalten der
Auflage Ziff. 4.8.16
a) Hinsichtlich der Lagerung von Fehlchargen und Produktionsüberschüssen ordnete
die Vorinstanz in der Randziffer 22 der angefochtenen Verfügung vom 7. Dezember 2017
Folgendes an: "Rückschubbeläge und Produktionsüberschüsse dürfen nur noch in der vorgesehenen Nische
abgelagert werden und sind zwingend mit einer Blache abzudecken (Gemäss BVE Entscheid vom
5. Mai 2008, Ziffer 4.8.16)."
b) Die Beschwerdeführenden rügen, in der baupolizeilichen Anzeige hätten sie
einlässlich dargelegt, dass die Beschwerdegegnerin die Auflage aus dem rechtskräftigen
RA Nr. 120/2018/2 27
Entscheid der BVE vom 5. Mai 2008, wonach nur vollständig ausgekühlte Fehlchargen und
Produktionsüberschüsse im Freien gelagert werden dürften, bis heute nicht umsetze. Die
Beschwerdegegnerin habe im vorinstanzlichen Verfahren die Missachtung dieser Auflage
wider besseres Wissen bestritten. Zudem sei die Nische – entgegen den Ausführungen der
Vorinstanz – als im Freien liegend zu betrachten, da diese einseitig offen sei. Die
Deponierung von noch nicht ausgekühltem Material in der fraglichen Nische erweise sich
von vornherein als formell rechtswidrig. Und selbst wenn die Nische als mit der Auflage
kompatibel angesehen würde, sei es mit der Bestätigung der Auflage im baupolizeilichen
Verfahren nicht getan. Es sei unverzichtbar, die Missachtung der Auflage unter
Strafandrohung zustellen. Auch dies habe die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung
unterlassen.
c) Die Beschwerdegegnerin vertritt die Meinung, die Gemeinde habe richtig erwogen,
dass die Lagerung in der Nische nicht unter den Begriff "im Freien" falle. Die Materialien
seien in der Nische abgeschirmt. In den früheren Verfahren sei denn auch nie verlangt
worden, dass die Fehlchargen und die Produktionsüberschüsse nur in einem ganz
geschlossenen Raum gelagert werden dürften. Dazu komme, dass die Vorinstanz in der
Baupolizeiverfügung vom 7. Dezember 2017 verfügt habe, dass Fehlchargen und
Produktionsüberschüsse mit einer Blache abgedeckt werden müssten, obwohl dies
Mehraufwand mit sich bringe. Auch müsse die neu verfügte Nebenbestimmung in der
angefochtenen Verfügung nicht mit einer Strafandrohung verbunden werden.
d) Zum Vorgang der Lagerung von Fehlchargen und Produktionsüberschüssen hat sich
die BVE am Augenschein ein Bild vor Ort gemacht. Der Sachverhalt stellte sich wie folgt
dar: Zu Fehlchargen kommt es besonders im Zusammenhang mit grossen Baustellen. Für
diese kann nach den Angaben der Beschwerdegegnerin die Belagsmenge nicht immer
genau ausgeliefert werden. In diesem Fall werden die warmen Fehlchargen mit Lastwagen
zurück zum Belagswerk transportiert.63 Diese waren, wie die Fotos vom Augenschein
zeigten, in einer speziellen Nische zwischengelagert.64 Nach der Auskühlung werden die
Fehlchargen zum Lagerplatz für den Ausbauasphalt gebracht, der am unteren Ende
(talabwärts) des Betriebsareals vom Belagswerk liegt. Die Nische, in der die warmen
Fehlchargen zwischengelagert werden, ist auf drei Seiten geschlossen und überdacht. Im
Zeitpunkt des Augenscheins befand sich in der Nische warmer Belag, der mit einer Blache
63 Vgl. Augenschein der BVE vom 3. Mai 2018 64 Vgl. Fotos Nr. 12 u. 13 der Fotodokumentation vom Augenschein der BVE vom 3. Mai 2018
RA Nr. 120/2018/2 28
abgedeckt war. Der Geruch von Asphalt war wahrnehmbar, aber nicht intensiv. Als das
Material abgedeckt wurde, war der Asphaltgeruch stärker wahrnehmbar.65
e) Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass Fehlchargen und
Produktionsüberschüsse in heissem Zustand eine Geruchsquelle darstellen können. Deren
Lagerung in heissem Zustand ist deshalb gestützt auf die Auflage in Ziff. 4.8.16 des
Bauentscheids der Gemeinde vom 25. Oktober 2007 bzw. dem Beschwerdeentscheid der
BVE vom 5. Mai 200866 im Freien nicht erlaubt. Strittig ist, was unter dem Begriff "im
Freien" zu verstehen ist. Aus der Anordnung in der Randziffer 22 der angefochtenen
Verfügung vom 7. Dezember 2017 folgt, dass die Gemeinde die Auflage aus dem
Entscheid der BVE vom 5. Mai 2008 als erfüllt erachtet, wenn die Rückschubbeläge und
Produktionsüberschüsse in der dafür vorgesehenen Nische gelagert und zwingend mit
einer Blache abgedeckt werden.
f) Der Begriff "im Freien" ist zwar nicht ganz präzis. Nach dem allgemeinen
Sprachgebrauch wird darunter jedoch ein Terrain ohne bauliche Einrichtungen verstanden,
das vor äusseren Einwirkungen, namentlich der Witterung, ungeschützt ist. Aus den Fotos
vom Augenschein geht hervor, dass die Nische über drei Seitenwände verfügt und
überdacht ist. Der Auffassung der Beschwerdeführenden, wonach die Nische als "im
Freien" liegend zu betrachten ist, verfängt somit bereits nach dem Wortlaut der Auflage
nicht. Denn durch die drei Seitenwände und die Überdachung besteht ein Raum, der von
Witterungseinflüssen abgeschirmt ist und somit nicht im Freien liegt. Vorliegend bezweckt
die Auflage die vorsorgliche Beschränkung von Geruchsemissionen. In Verbindung mit der
Pflicht, dass heisse Rückschubbeläge abgedeckt werden müssen, erfüllt die Nische diesen
Zweck. Zwar ist hier eine Seite, wie die Beschwerdeführenden zutreffend ausführen, offen
und die Rückwand nicht vollständig fugendicht abgeschlossen, wie das Foto vom
Augenschein zeigt.67 Die emissionsbeschränkende Wirkung der Nische geht dadurch aber
nicht verloren. Die drei Seitenwände und die Überdachung bewirken, dass die Gerüche
primär auf der von der Beschwerdeführenden abgewandten Seite in die Luft entweichen.
Zudem können mit dem Abdecken des heissen Belages die Asphaltgerüche unmittelbar an
der Quelle deutlich reduziert werden. Das konnte am Augenschein festgestellt werden. Der
Umstand, dass die Rückwand der Nische nicht vollständig fugendicht abgeschlossen ist,
65 Vgl. Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 S. 10 unten, Votum Herr I._ 66 Vgl. Entscheid der BVE vom 5. Mai 2008 im Verfahren RA Nr. 110/2007/177 67 Vgl. Fotos Nr. 12 u. 13 der Fotodokumentation vom Augenschein der BVE vom 3. Mai 2018
RA Nr. 120/2018/2 29
kann mithilfe des Abdeckens des Materials entschärft werden. Unter diesen Umständen ist
die Rechtsauffassung der Vorinstanz, wonach mit der Randziffer 22 in der angefochtenen
Verfügung der Auflage aus dem Entscheid der BVE vom 5. Mai 2008 eingehalten ist,
sachlich vertretbar und rechtlich haltbar. Die angefochtene Verfügung zeigt auch, dass die
Vorinstanz die frühere Notlösung, wo die Rückschubbeläge im Freien abgedeckt werden
müssten, rückgängig machte.
g) Am Augenschein befand sich in der Nische warmer Belag, der mit einer Blache
abgedeckt war. Nach dem Gesagten ist damit die fragliche Auflage eingehalten. Ein formell
rechtswidriger Zustand besteht nicht. Der Frage, ob die Fehlchargen im Freien, welche auf
den Fotos der Beschwerdeführenden ersichtlich sind, auflagekonform sind, braucht im
Beschwerdeverfahren nicht näher nachgegangen zu werden.
h) Die Beschwerdegegnerin erklärte am Augenschein zudem, sie habe mit mehreren
Rundschreiben ihre Kunden informiert, dass heisser Belag nicht im Freien, sondern in der
dafür vorgesehenen Nische abgeladen werden müsse. Neukunden würden bei der
Bestellung telefonisch darauf aufmerksam gemacht.68 Am Augenschein war neben der
Nische zudem ein Schild sichtbar. Darauf war in deutscher und französischer Sprache
geschrieben, dass heisser Belag nur in der dafür vorgesehenen Nische abgeladen werden
darf und unverzüglich mit einer zur Verfügung stehenden Blache abgedeckt werden
muss.69 Damit hat die Beschwerdegegnerin die nach Umständen gebotenen betrieblichen
Massnahmen ausgeschöpft, um Auflageverstösse zu verhindern. Weitere betriebliche
Massnahmen sind nicht ersichtlich und werden auch von den Beschwerdeführenden nicht
verlangt.
i) Unbegründet ist schliesslich der Einwand, die Vorinstanz hätte die
Nebenbestimmung in der angefochtenen Verfügung mit einer Strafandrohung verbinden
müssen. Das Baurecht kennt besondere Straftatbestände (Art. 50 BauG). Die Missachtung
einer Auflage steht bereits unter Strafandrohung und gilt von Gesetzes wegen.
68 Vgl. Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 S. 14 unten, Votum Herr I._ 69 Vgl. Fotos Nr. 14 der Fotodokumentation vom Augenschein der BVE vom 3. Mai 2018
RA Nr. 120/2018/2 30
9. Geruch und Gestank
a) Die Beschwerdeführenden bemängeln, als besonders störend würden sich die
Geruchsbelästigungen erweisen. Diese gingen weit über das hinaus, was mit dem Wohnen
in der Nachbarschaft zu vereinbaren sei. Obwohl die Vorinstanz ausdrücklich anerkenne,
dass Bitumen sehr geruchsintensiv sei und schon sehr kleine Mengen wahrgenommen
werden können, lasse die Vorinstanz die Rüge unberührt. Ohne beweismässige
Unterlegung habe sie auf Erfahrungswerte verwiesen und sei zum Schluss gelangt, dass
die Gerüche aufgrund der jeweils kurzen Dauer und eher geringen Stärke nicht als
erheblich störend bezeichnet werden könnten. Auch sei die Behauptung der Vorinstanz,
wonach die Beschwerdegegnerin mit der neuen Anlage alle technischen und betrieblichen
Möglichkeiten zur Vermeidung von Gerüchen in der Umgebung ausgeschöpfte habe, nicht
nachvollziehbar. Der Geruch sei dann wahrnehmbar, wenn nicht vollständig abgekühlte
Fehlchargen oder Produktionsüberschüsse im Freien gelagert werden, wenn das Tor zur
Verladestation offen bleibe oder wenn anderweitig Bitumengeruch aus der Anlage
entweiche. Fakt sei, wie die Fotoaufnahmen belegen, dass bei der Einfahrt in den
Verladetunnel Gasstoffe austreten könnten.
b) Im Zusammenhang mit der Geruchsproblematik hat die Vorinstanz reagiert und
angeordnet, dass Rückschubbeläge und Produktionsüberschüsse nur noch in der
vorgesehenen Nische abgelagert werden dürfen und zwingend mit einer Blache
abzudecken sind (vgl. Erwägung 8). Ausserdem wurden im Jahr 2010 in drei Kampagnen
Geruchskontrollen durchgeführt. Die festgestellten Gerüche wurden als nicht erheblich
störend eingestuft. Zudem schloss die Vorinstanz aus den Rückmeldungen der
Bevölkerung und auf Nachfrage beim Ortsverein hin, dass weitere Geruchskontrollen nicht
angezeigt sind. Bei dieser Sachlage durfte die Vorinstanz nach wie vor davon ausgehen,
dass die durch die Beschwerdeführenden gerügten Gerüche nicht als erheblich und
störend zu bezeichnen sind. Sie war unter diesen Umständen nicht verpflichtet, weitere
Abklärungen vorzunehmen. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör liegt
nicht vor.
c) Am Augenschein zeigte sich, dass weder im Freien Rückschubbeläge gelagert
wurden noch die Tore zum Verladetunnel offen standen.70 Die Rückschubbeläge waren in
70 Vgl. Fotos Nr. 13 und 18 der Fotodokumentation vom Augenschein der BVE vom 3. Mai 2018
RA Nr. 120/2018/2 31
der speziell geschaffenen Nische abgelagert und mit einer Blache abgedeckt. Ausserdem
zeigte sich, dass die Rolltorautomatik des Verladetunnels funktionierte. Auch entwichen
beim Verladevorgang des Belags keine Dämpfe und es war auch kein Bitumengeruch
feststellbar.71 Der Vertreter der Beschwerdegegnerin erklärte zudem, dass es im
Spätsommer einen Tordefekt gegeben habe und die Reparatur einige Tage in Anspruch
genommen habe. Das deckt sich mit der Beobachtung des Beschwerdeführers 1, wonach
das Tor mehrere Male offen gestanden habe, obwohl ein Lastwagen im Verladetunnel
beladen worden sei. Tordefekte stellen jedoch die Ausnahme dar. Dazu kommt, dass im
Fall eines Defekts die Beschwerdegegnerin gemäss der Auflage in Ziff. 4.8.31 des
Gesamtentscheids vom 25. Oktober 2007 der Gemeinde verpflichtet ist, den Mangel
unverzüglich instand zu stellen. Mit den sehr strengen und zahlreichen Auflagen zur
Luftreinhaltung im Gesamtentscheid vom 25. Oktober 2007 (vgl. Ziff. 4.8.1 bis Ziff. 4.8) hat
die Beschwerdegegnerin alle technischen und betrieblichen Möglichkeiten ausgeschöpft,
um störende Gerüche in der Umgebung zu vermeiden. Kontrollen sowie die
Umweltverträglichkeitsprüfungen zeigten, dass die Anlage umweltschutzkonform betrieben
wird (vgl. Erwägung 2). Mehr kann gestützt auf das Vorsorgeprinzip nicht verlangt werden.
Auch in diesem Punkt ist die Beschwerde unbegründet und der Eventualantrag ist
abzuweisen.
10. Oberirdische Brecherarbeiten
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Beschwerdegegnerin hätte gemäss Ziff. 5 der
gemeinsamen Vereinbarung vom 16./23. Juni 2015 die unterirdische Brecheranlage
spätestens im Winter 2017/2018 realisieren und im Frühjahr 2018 in Betrieb nehmen
müssen. Daraus folgern sie, sämtliche oberirdische Brecherarbeiten würden widerrechtlich
erfolgen.
b) Soweit die Beschwerdeführenden geltend machen, es bestehe ein baupolizeiwidriger
Zustand, weil sich die Beschwerdegegnerin nicht an die privatrechtliche Vereinbarung
halte, kann auf ihre Rüge nicht eingetreten werden. Es handelt sich dabei um eine
zivilrechtliche Frage. Für deren Durchsetzung sind die Betroffenen auf den zivilrechtlichen
Weg zu verweisen.
71 Vgl. Augenscheinprotokoll der BVE vom 3. Mai 2018 S. 17, verbal
RA Nr. 120/2018/2 32
c) Falls die Beschwerdeführenden einen Verstoss gegen die Auflage in Ziffer 3.5 der
Baubewilligung vom 10. August 2015 (mobile Brecheranlage) rügen wollen, könnte auf ihre
Rüge ebenfalls nicht eingetreten werden. Die Auflage lautet soweit hier von Interesse wie
folgt: "Die Firma Hans Weibel AG hat bis spätestens 1. Dezember 2015 ein Baugesuch für eine
unterirdische, stationäre Brecheranlage einzureichen. Sie verpflichtet sich, diese Anlage im auf die
Rechtskraft der Baubewilligung für die stationäre Anlage folgenden Winter zu realisieren und
anschliessend in Betrieb zu nehmen. Wird die Baubewilligung erst nach dem 30. Juni erteilt, so
verschiebt sich der Realisierungszeitpunkt um ein Jahr. (...)"
Diese Rüge würde über den Streitgegenstand hinausgehen. Anfechtungsobjekt und
Streitgegenstand ist die angefochtene Baupolizeiverfügung vom 7. Dezember 2017 der
Vorinstanz, die das Nichteinhalten von Auflagen (Ziff. 4.8.29 u. Ziff. 4.8.16 der
Baubewilligung vom 25. Oktober 2007 bzw. dem Beschwerdeentscheid der BVE vom
5. Mai 2008), laute Klopfgeräusche, tieffrequente Maschinengeräusche sowie Störungen
durch Geruch und Gestank zum Gegenstand hatte (vgl. Erwägung 1a). Es wäre nicht
Sache der BVE, als Rechtsmittelinstanz eine neue baupolizeiliche Rüge erstmals zu prüfen
(Art. 45 und 46 BauG). Diese müsste bei der dafür zuständigen Behörde der Gemeinde
Köniz eingereicht werden.
11. Zusätzliche Abklärungen
a) Die Beschwerdeführenden machen in den Schlussbemerkungen geltend, aufgrund
ihrer Bestreitungen seien weitergehende Abklärungen unverzichtbar. Sie beantragen
einerseits eine unangekündigte Kontrolle. Andererseits verlangen sie, die
Beschwerdegegnerin sei aufzufordern, ihre Produktionsprozesse nachvollziehbar zu
dokumentieren. Anhand dieser Dokumentation könnten die störenden Lärmquellen eruiert,
die erforderlichen Massnahmen festgelegt und durchgesetzt werden.
b) In Bezug auf die Sachverhaltsfeststellung hat die Vorinstanz das rechtliche Gehör der
Beschwerdeführenden nicht verletzt. Sie durfte sich auf die bisherigen Grundlagen stützen.
Auch sind die Einschätzungen der Vorinstanz, die umstrittene Anlage halte die
massgebenden Immissionswerte ein und weitergehende Massnahmen seien mit
RA Nr. 120/2018/2 33
Ausnahme der Abdeckung der Rückschubbeläge in der dafür vorgesehenen Nische, nicht
zu beanstanden.
Die BVE hat sich in Anwesenheit des beco am Augenschein einen eigenen Eindruck über
die Betriebsabläufe der Belagsproduktion gemacht. Widerrechtliche Zustände bestanden
nicht. Auch konnten weder störende noch lästige Lärm-, Geruchs- oder Staubimmissionen
bei der Liegenschaft der Beschwerdeführenden festgestellt werden. Der relevante
Sachverhalt ergibt sich somit hinreichend aus den Akten. Bei dieser Sachlage sind
weitergehende Sachverhaltsabklärungen, wie eine unangekündigte Kontrolle, nicht
notwendig, zumal die BVE nicht Baupolizeibehörde, sondern Rechtsmittelinstanz ist. Auch
wären davon keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zu erwarten. Der Beweisantrag auf
Durchführung einer unangekündigten Kontrolle wird abgewiesen. Ein solches Begehren
wäre überdies ohnehin an die Gemeindebaupolizeibehörde bzw. den Regierungsstatthalter
als untere Aufsichtsbehörde zu richten.
c) Gleiches gilt in Bezug auf den Antrag, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten,
die Produktionsprozesse nachvollziehbar zu dokumentieren. Auch in diesem Punkt ist der
Sachverhalt klar. Die einzelnen Produktionsprozesse und die damit verbundenen
Lärmemissionen der Aggregate der Mischanlage wurden im UVB vom 31. Oktober 2006
detailliert dargestellt. Nach Inbetriebnahme der Anlage 2009 wurden Lärmmessungen
durchgeführt. Diese ergaben, dass die massgebenden Grenzwerte eingehalten sind. Die
Beschwerdeführenden führen nicht näher aus und es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern
eine Dokumentation der verschiedenen Produktionsprozesse durch die
Beschwerdegegnerin zur Verdeutlichung der Lärmverhältnisse beitragen soll. Der
diesbezügliche Beweisantrag, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die
Produktionsprozesse nachvollziehbar zu dokumentieren, wird abgewiesen. Davon sind
ohnehin keine wesentlich neuen Erkenntnisse zu erwarten. Aus den Erwägungen folgt
zudem, dass die Bestreitungen der Beschwerdeführenden nicht stichhaltig sind. Weitere
Sachverhaltsabklärungen im Beschwerdeverfahren erübrigen sich damit.
12. Befangenheit
a) Die Beschwerdeführenden kritisieren schliesslich, der Vorinstanz fehle es bei der
Beurteilung des Betriebs des Belagswerks an jeglicher kritischen Betrachtung. Ihre
RA Nr. 120/2018/2 34
Erwägungen und die Stellungahmen der kommunalen Fachstelle Umweltschutz seien
zumindest teilweise so formuliert, als wären die Gemeindebehörden der verlängerte Arm
der Beschwerdegegnerin. Damit machen die Beschwerdeführenden sinngemäss geltend,
die Gemeinde bzw. die Fachstelle Umweltschutz sei befangen.
b) Art. 9 VRPG regelt, wann eine Person wegen Befangenheit in den Ausstand treten
muss. Ausstandgründe müssen nach der Rechtsprechung sofort, d.h. ab Kenntnis der
Befangenheit, gerügt werden.72 Bereits in der Stellungnahme vom 31. Oktober 2017
kritisierten die Beschwerdeführenden, der Gemeindebehörde und besonders der
Fachstelle Umweltschutz fehle es an jeglicher kritischen Betrachtung. Damit hatten die
Beschwerdeführenden von der angeblichen Befangenheit der Vorinstanz bereits im
vorinstanzlichen Verfahren Kenntnis. Ihre Rüge im Beschwerdeverfahren ist somit
verspätet; darauf kann nicht eingetreten werden. Ausstands- und Ablehnungsgründe
können zudem bloss gegen einzelne Mitglieder einer Behörde und gegen Personen, die
eine Verfügung oder einen Entscheid zu treffen haben, gerichtet werden, nicht aber gegen
eine Behörde als solche.73 Das Gleiche ergibt sich aus Art. 47 GG74, der die
Ausstandspflicht für die Mitglieder und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommunaler
Behörden umschreibt. Die Gemeinde als solche oder eine Amtsstelle können somit von
vornherein nicht Gegenstand eines Ablehnungsbegehrens sein. Auch aus diesem Grund
könnte nach der Praxis der BVE auf die Rüge der Befangenheit nicht eingetreten werden.
c) Selbst wenn auf die Rügen der Befangenheit eingetreten werden könnte, wäre sie
unbegründet. Damit ein Anschein von Befangenheit im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. f VRPG
zu bejahen ist, müssen Tatsachen vorliegen, die ein gewisses Gewicht haben. Bei der
Beurteilung, ob der Ablehnungsgrund der Befangenheit gegeben ist, ist nicht auf das
blosse subjektive Empfinden der Ablehnenden abzustellen. Es müssen Umstände
vorliegen, die nach objektiven Gesichtspunkten geeignet sind, den Anschein der
Befangenheit zu erwecken. Dass hier solche Umstände vorliegenden ist nicht ersichtlich
und werden von den Beschwerdeführenden zu Recht auch nicht geltend gemacht. Auch in
diesem Punkt wäre die Beschwerde unbegründet.
72 BVR 2005 S. 561 E. 4.1; BGE 141 III 210 E. 5.2, 136 I 207 E. 3.4 73 BVR 2002 S. 426 E. 1b/bb; VGE 2012/283 vom 15.5.2013, E. 1.2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 9 N. 7 74 Gemeindegesetz vom 16. März 1998 (GG; BSG 170.11)
RA Nr. 120/2018/2 35
13. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen
können zusätzliche Gebühren erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in
einer Verwaltungsjustizsache wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.00 bis Fr. 4’000.00 je
Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV75). In Anwendung dieser
Bestimmung wird die Pauschale auf Fr. 2'000.00 festgelegt. Für den Augenschein mit
Instruktionsverhandlung vom 3. Mai 2018 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV eine
zusätzliche Gebühr von Fr. 500.00 erhoben. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens
betragen somit Fr. 2'500.00.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens gelten die Beschwerdeführenden als unterliegend. Sie
haben die Verfahrenskosten von Fr. 2'500.00 zu tragen. Aufgrund der untergeordneten
Bedeutung rechtfertigt es sich nicht, den Gehörsmangel bzw. dessen Heilung bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen (vgl. Erwägung 3).
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Beschwerdeführenden gelten hier als
unterliegend. Aufgrund der untergeordneten Bedeutung rechtfertigt es sich nicht, den
Gehörsmangel bzw. dessen Heilung bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen (vgl.
Erwägung 3).
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdegegnerin
beläuft sich auf Fr. 9'109.70 (Honorar: Fr. 8'844.40, Auslagen: Fr. 265.30). Nach Art. 11
75 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 120/2018/2 36
Abs. 1 PKV76 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren
Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der
Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung
der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG77). Im
vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand eher als überdurchschnittlich einzustufen.
Die Bedeutung der Streitsache, die umstrittenen Rechtsfragen und die Schwierigkeit des
Prozesses sind insgesamt als durchschnittlich zu werten. Unter diesen Umständen
erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 7'265.30 (Honorar Fr. 7'000.00, Auslagen
Fr. 265.30) als angemessen. Die Beschwerdeführenden haben der Beschwerdegegnerin
die Parteikosten in der Höhe von Fr. 7'265.30 zu ersetzen. Die Beschwerdegegnerin ist
mehrwertsteuerpflichtig.78 In diesen Fällen wird nach ständiger Rechtsprechung des
Verwaltungsgerichts bei der Festlegung des Parteikostenersatzes die Mehrwertsteuer nicht
berücksichtigt.79