Decision ID: 38486208-5d52-4ef8-9e89-a97fbaba753d
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 16. Oktober 2018 bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, IV Stelle, zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an. Sie gab an, an Brustkrebs zu leiden. Bis Ende
März 1997 sei sie zu 100 % im Verkauf tätig gewesen, seither sei sie Hausfrau (IV-
act. 8).
A.a.
Gemäss den von der IV-Stelle eingeholten Arztberichten war bei der Versicherten
im Mai 2018 ein invasiv lobuläres Mammakarzinom rechts diagnostiziert worden,
welches am 20. Juni 2018 operiert worden war. Im Anschluss wurde eine adjuvante
Chemotherapie/Radiotherapie durchgeführt (IV-act. 19). Vom 24. Oktober 2018 bis
4. Dezember 2018 war sie in stationärer Behandlung in der Psychiatrie B._. Im
Austrittbericht vom 10. Dezember 2018 wurde eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (F 33.2), diagnostiziert
und ihr zum Zeitpunkt des Austritts eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert (IV-
act. 22). Mit Arztbericht vom 27. März 2019 stellte der behandelnde Psychiater Dr.
med. C._ u.a. ebenfalls eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere
Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F 33.2), und eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 % fest (IV-act. 39).
A.b.
Im Verlaufsbericht vom 1. Juli 2019 schätzte Dr. C._ die Arbeitsunfähigkeit
weiterhin auf 100 % (IV-act. 60). Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) hielt in seiner
Stellungnahme vom 16. Juli 2019 fest, dass gegenwärtig und mittelfristig keine
Arbeitsfähigkeit und kein Eingliederungspotential bestehe (IV-act. 61). Daher wies die
A.c.
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- invasives, multizentrisches Karzinom der rechten Brust (ICD 10: C50.9)
- tumor- und behandlungsassoziierte Fatigue (ICD 10: R53.0)
- generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1)
- rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode ohne
psychotische Symptome (ICD 10: F33.0)
- chronisch rezidivierende Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den rechten Arm bei
degenerativen Veränderungen an der Halswirbelsäule (Osteochondrosen p.m. C5/C6
und C6/C7) ohne gegenwärtige Hinweise für akute neurologische Ausfälle der oberen
Extremität beidseits
- belastungsabhängige und in Ruhe auftretende Schmerzen an der rechten Schulter
- Karpaltunnelsyndrom rechts (ICD 10: G56)
IV-Stelle mit Mitteilung vom 29. Juli 2019 den Anspruch auf berufliche Massnahmen ab
(IV-act. 64).
Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt vom
3. Oktober 2019 erklärte die Versicherte, dass sie ohne gesundheitliche Einschränkung
in einem Pensum von 70 % erwerbstätig wäre (IV-act. 71).
A.d.
Mit Verlaufsbericht vom 11. November 2019 gab Dr. C._ an, dass sich das
depressive Zustandsbild erfreulich gebessert habe und keine Arbeitsunfähigkeit mehr
abgeleitet werden könne (IV-act. 76).
A.e.
Die Versicherte begab sich ab 2. September 2019 bei Dr. med. D._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, in Behandlung. Dieser diagnostizierte eine An
passungsstörung nach Krebserkrankung mit Beeinträchtigung durch Angst, Sorgen
und Deprimiertheit (F 43.23). Die Versicherte sei sowohl in der Erwerbstätigkeit als auch
im Haushalt zu 50 % arbeitsfähig (Arztbericht vom 23. November 2019; IV-act. 80).
A.f.
Am 17. und 18. Juni 2020 wurde die Versicherte in der Medexperts AG St. Gallen
polydisziplinär untersucht. Im Gutachten vom 11. August 2020 wurden folgende
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt:
A.g.
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- chronisch rezidivierende Kreuzschmerzen (ICD 10: M54.5).
Aus interdisziplinärer Sicht sei die Versicherte in der angestammten Tätigkeit als
Konfektionsschneiderin nicht arbeitsfähig. In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 70 %, wobei leichte, wechselbelastende Arbeiten mit der
Möglichkeit zu vermehrten Ruhepausen zu empfehlen seien. Im Haushaltsbereich
bestehe eine maximale Einschränkung von 30 %, für eine differenzierte Beurteilung
bedürfe es jedoch einer Haushaltsabklärung vor Ort (IV-act. 96).
A.h. Auf der Grundlage einer Arbeitsfähigkeit von 70 % in leidensangepasster Tätigkeit
ermittelte die IV-Stelle bei einer angenommenen Erwerbstätigkeit von 70 % einen
Teilinvaliditätsgrad von 21 % und im Aufgabenbereich einen solchen von 3 % und
stellte mit Vorbescheid vom 24. August 2020 die Abweisung des Rentenbegehrens in
Aussicht (IV-act. 101).
A.i. Am 20. Oktober 2020 erhob die Versicherte per E-Mail Einwand (IV-act. 110),
welcher durch die damalige Vertreterin am 26. Oktober 2020 ergänzt wurde (IV-
act. 111). Zudem hatte der behandelnde Psychiater Dr. med. E._ am 19. Oktober
2020 ein Schreiben eingereicht, worin er auf eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands hingewiesen hatte (IV-act. 109).
A.j. Mit Verfügung vom 24. November 2020 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab.
Aufgrund des Einwands wurde die Versicherte als 100 % erwerbstätig qualifiziert und
ein Invaliditätsgrad von 30 % ermittelt (IV-act. 113).
B.
B.a. Gegen diese Verfügung erhebt A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin), vertreten
durch Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein, am 11. Januar 2021 Beschwerde. Sie
beantragt, ihr sei ab 1. Mai 2019 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter
sei ihr vom 1. Mai 2019 bis 29. Februar 2020 eine ganze und ab 1. März 2020 eine
halbe Invalidenrente auszurichten. Subeventualiter sei ihr vom 1. Mai 2019 bis
29. Februar 2020 eine ganze und ab 1. März 2020 eine Viertelsrente auszurichten.
Subsubeventualiter sei die Angelegenheit zur Durchführung weiterer Abklärungen
sowie von Eingliederungsmassnahmen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
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Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich der Mehrwertsteuer) zulasten der
IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Zur Begründung führt sie aus, dass von
Mai 2018 (Zeitpunkt der Diagnose des Karzinoms) bis November 2019 eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten bestanden habe. Somit habe
sie vom 1. Mai 2019 bis 29. Februar 2020 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
Auch ab März 2020 habe sie weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente, da das
Zumutbarkeitsprofil der leidensangepassten Tätigkeit gemäss dem Gutachten derart
einschränkend sei, dass sich eine entsprechende Arbeitsstelle wohl nur noch auf dem
zweiten, geschützten Arbeitsmarkt finden lasse. Entsprechend sei die
Beschwerdegegnerin als Eingliederungsversicherung in die Pflicht zu nehmen, weshalb
sie bei Annahme einer rentenausschliessenden oder wenigstens rentenreduzierenden
Restarbeitsfähigkeit vor einem Rentenbescheid zunächst Eingliederungsmassnahmen
durchzuführen habe. Sofern wider Erwarten davon ausgegangen würde, dass das
zumutbare Arbeitsprofil gemäss Gutachten auf dem ersten Arbeitsmarkt noch
verwertbar sei, habe sie ab dem 1. März 2020 jedenfalls Anspruch auf eine
Viertelsrente, da vom Invalideneinkommen ein Leidensabzug von 15 % vorzunehmen
sei und somit ein Invaliditätsgrad von rund 40 % resultiere. Angesichts der im
Gutachten beschriebenen Einschränkungen sei davon auszugehen, dass ohne eine
erhebliche Lohnreduktion im Vergleich zum statistischen Durchschnittslohn ihre
Arbeitskraft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nachgefragt würde.
Überdies könne dem Bericht von Dr. E._ entnommen werden, dass sich die
depressive Problematik bereits wieder erheblich verschlechtert habe und nun wieder
im mittelgradigen Bereich liege. Dass dieser eine weitere Einschränkung von 50 % bei
optimaler Anpassung angebe, erscheine daher nachvollziehbar. Davon sei auch für die
Invaliditätsbemessung ab März 2020 auszugehen. Die Einschätzung der Gutachter
erweise sich bereits als überholt. Soweit man sich auf den ersten Arbeitsmarkt beziehe,
führe dies zum Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (act. G 1).
B.b. Mit Beschwerdeantwort vom 5. März 2021 beantragt die Beschwerdegegnerin, die
Beschwerde sei teilweise gutzuheissen. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen
vor, dass sich aus den Akten sowohl in angestammter als auch in angepasster
Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit Juni 2018 ergebe, wobei es im Verlauf
des Jahres 2019 zu einer sukzessiven Besserung gekommen und ab November 2019
gemäss Gutachten von 70 % Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit
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auszugehen sei. Soweit die Beschwerdeführerin eine ganze Rente ab 1. Juni 2019 bis
29. Februar 2020 beantrage, sei die Beschwerde damit gutzuheissen. Aus dem Bericht
von Dr. E._ vom 19. Oktober 2020 seien keinerlei objektive Befunde ersichtlich,
woraus eine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit der Begutachtung
abgeleitet werden könne. Das vorliegende Gutachten entspreche den Anforderungen
der Rechtsprechung. Des Weiteren sei anzufügen, dass behandelnde Ärzte
erfahrungsgemäss im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in
Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen würden, womit
weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % in angepasster Tätigkeit auszugehen sei.
Angesichts des aufgeführten Belastbarkeitsprofils sei nicht nachvollziehbar, weshalb
der Beschwerdeführerin Tätigkeiten wie etwa leichtere Maschinenbedienungs-,
Kontroll-, Sortier- und Prüfarbeiten nicht zumutbar sein sollten. Es treffe nicht zu, dass
es für sie auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt keine Arbeitsstellen mehr gebe. Die
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sei somit zu bejahen. In Bezug auf den Abzug
vom Tabellenlohn würden die Einschränkungen im Zumutbarkeitsprofil der
Beschwerdeführerin bereits bei der qualitativen Arbeitsfähigkeitseinschätzung der
Gutachtenden berücksichtigt. Der von der Beschwerdeführerin geltend gemachte
vermehrte Pausenbedarf stelle bereits den Grund für die Einschränkung der
Leistungsfähigkeit auf 70 % dar und sei daher nicht zusätzlich durch einen Abzug zu
berücksichtigen. Betreffend den Antrag um berufliche Massnahmen sei festzuhalten,
dass dieser nicht Gegenstand des Verfahrens gebildet habe. Sollte die
Beschwerdeführerin Eingliederungsmassnahmen wünschen, wäre dies mit einem
entsprechenden Gesuch direkt bei der IV-Stelle zu beantragen (act. G 4).
B.c. Mit Replik vom 21. April 2021 verweist die Beschwerdeführerin ergänzend auf eine
Studie des Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS), welche statistisch
nachweise, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen zwischen 10 und 15 %
Prozent weniger verdienen würden als gesunde Personen in der gleichen Tätigkeit.
Demzufolge rechtfertige es sich umso mehr, den bereits geltend gemachten Abzug
vom Tabellenlohn um fünfzehn Prozent zu berücksichtigen (act. G 6).
B.d. Mit Schreiben vom 14. Mai 2021 verzichtet die Beschwerdegegnerin auf eine
Duplik (act. G 8).
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Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen
1.
Ansprüche auf berufliche Massnahmen oder andere Eingliederungsmassnahmen bilden
nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung vom 24. November 2020. Darin wurde
einzig über das Rentengesuch entschieden (IV-act. 113). Mangels Zusprache einer
Rente bildete die Frage betreffend berufliche Massnahmen oder andere
Eingliederungsmassnahmen auch nicht im Rahmen des Grundsatzes "Eingliederung
vor Rente" (Art. 28 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[IVG; SR 831.20]) notwendigerweise Gegenstand der Rentenverfügung. Auf den
(Subsubeventual-) Antrag Ziff. 5 der Beschwerde betreffend
Eingliederungsmassnahmen (act. G 1, S. 2) ist daher nicht einzutreten (siehe etwa den
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 29. November 2019, IV 2017/417, E. 1,
abrufbar unter www.sg.ch Recht/Gerichte Gerichtsurteile/Rechtsprechung
Versicherungsgericht), worauf die Beschwerdegegnerin zutreffend hinweist. Sofern die
Beschwerdeführerin Eingliederungsmassnahmen wünscht, ist es ihr unbenommen, ein
entsprechendes Gesuch bei der Beschwerdegegnerin einzureichen (siehe auch act. G
4, III. Ziff. 6).
2.
Am 1. Januar 2022 sind mit der Revision zur Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung verschiedene Änderungen des IVG und der dazugehörigen
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. In
zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der
Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben. Da vorliegend
ein vor dem 1. Januar 2022 beginnender Rentenanspruch im Streit liegt, finden die
neuen Bestimmungen auf das hier zu beurteilende Rentengesuch keine Anwendung
(siehe auch Kreisschreiben des Bundesamts für Sozialversicherungen über Invalidität
und Rente in der Invalidenversicherung, gültig ab 1. Januar 2022, Rz 9100 f.). Im
vorliegenden Fall sind demnach die bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen
materiellen Bestimmungen massgebend. Sie werden deshalb in dieser Fassung zitiert.
2.1.
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Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a); während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % im Sinne von Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) invalid sind (lit. c).
2.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.3.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich
des Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind
(BGE 125 V 351 E. 3a).
2.5.
Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16
ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Dieser legt fest, dass für die Bestimmung des
2.6.
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3.
Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (Invalideneinkommen) in Beziehung gesetzt wird zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b und BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
2.7.
Die Beschwerdegegnerin stellt für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf das
Gutachten der Medexperts AG ab. Dabei wurde der Beschwerdeführerin für eine
leidensangepasste Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70 % attestiert. Grundsätzlich
unbestritten ist, dass das Gutachten den Anforderungen der Rechtsprechung
entspricht. Auch gegen die gutachterlich geschätzte Höhe der Arbeitsfähigkeit bringt
die Beschwerdeführerin nichts Konkretes vor. Sie macht einzig geltend, dass sich ihr
Gesundheitszustand nach Erlass des Vorbescheids vom 24. August 2020 bzw. im
Oktober 2020 wieder verschlechtert haben soll. Dazu verweist sie auf ein Schreiben
des behandelnden Psychiaters Dr. E._ vom 19. Oktober 2020, welches sie im
Rahmen des Einwandverfahrens beibrachte. Dieser führte darin aus, dass er
grundsätzlich einverstanden sei mit dem Gutachten, soweit er dies als Psychiater
beurteilen könne. Er könne nur den Schluss, den die Beschwerdegegnerin daraus
gezogen habe, nicht verstehen. Allein schon aus psychiatrischer Sicht bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 30 %. Hinzu kämen noch der onkologische Befund eines
chronischen Fatiguesyndroms, die körperlichen Beschwerden und die sozialen
Belastungen. Es sei eine Einzelfallbeurteilung vorzunehmen und dabei komme man auf
mindestens eine 50 %ige Rentenbedürftigkeit der Beschwerdeführerin. Die ganzen
Beeinträchtigungen müssten addiert werden. Zudem habe sich die Depression wieder
deutlich verschlechtert. Die Beschwerdeführerin mache sich grosse Sorgen um die
Zukunft der Kinder. Sie schweife in typisch depressive Gedankengänge ab und frage
sich, wie sie ihr Leben finanzieren solle, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen nicht
so viel arbeiten könne (IV-act. 109).
3.1.
Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
3.2.
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Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4; Urteile des
Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3 und vom 15. Juli 2020,
8C_335/2020, E. 4.1). Ebenfalls ist bei der Würdigung der medizinischen Aktenlage der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten ihrer
Patienten aussagen. Dies gilt für Hausärzte und Hausärztinnen wie auch für
spezialärztliche behandelnde Medizinalpersonen (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Mai
2021, 8C_164/2021, E. 3.2.1). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der
therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzten und Ärztinnen einerseits und Begutachtungsauftrag
der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten und Expertinnen anderseits lässt es
nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum
Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte und Ärztinnen
zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Anders verhält es sich nur, wenn
objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, die im Rahmen der
Begutachtung unerkannt geblieben und geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu
führen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 17. Februar 2021, 8C_783/2020, E. 5.2
und vom 15. Oktober 2020, 8C_370/2020., E. 7.2). Ferner kann eine psychiatrische
Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet einer
psychiatrischen Fachperson – sei sie nun in therapeutischer oder in begutachtender
Funktion – daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen
verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu
respektieren sind, sofern die Beurteilung des Experten oder der Expertin die
Beweisanforderungen erfüllt (BGE 145 V 361 E. 4.1.2).
Dem Schreiben von Dr. E._ kann weder ein Befund noch eine Diagnose oder
eine Schätzung der Arbeitsfähigkeit entnommen werden. Vielmehr lässt der Behandler
sowohl das subjektive Empfinden der Beschwerdeführerin als auch ihre sozialen
Belastungen in seine Beurteilung einfliessen, wie es auch zu seiner Aufgabe als
Behandler gehört. Grundsätzlich bemängelt er das Gutachten aber nicht, sondern
kritisiert lediglich die seines Erachtens nicht korrekte rentenabweisende Entscheidung
der Beschwerdegegnerin. Vielmehr erachtet er eine 50 %ige Berentung der
Beschwerdeführerin als angemessen. In Bezug auf den Gesundheitsschaden der
Beschwerdeführerin ergeben sich somit aber keine wesentlichen Aspekte wie eine
neue Diagnose oder objektivierbare Befunde hinsichtlich einer allfälligen
Verschlechterung, welche von den Gutachtenden nicht berücksichtigt worden wären.
Des Weiteren können die Arbeitsfähigkeiten aus den einzelnen gutachterlichen
3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/18
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4.
Teildisziplinen entgegen der Ansicht des Behandlers nicht addiert werden. In die
interdisziplinäre Schätzung der Arbeitsfähigkeit sind alle Teildisziplinen eingeflossen. In
Bezug auf die Arbeitsfähigkeit besteht aus orthopädischer (IV-act. 96-55),
onkologischer (IV-act. 96-30) und psychiatrischer Sicht (IV-act. 96-42) ein vermehrter
Pausenbedarf. Mit einer den Adaptionskriterien angepassten Arbeit und den zusätzlich
berücksichtigten Pausen kann sämtlichen gutachterlichen Anforderungen Rechnung
getragen werden. Entsprechend der interdisziplinären Einschätzung wirken sich die
Teileinschränkungen auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit folglich nicht additiv aus
(vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 2. Dezember 2021, 8C_632/2021, E.
5.5). Dementsprechend ist das Gutachten beweiskräftig und es kann darauf abgestellt
werden.
Festzulegen bleibt der Beginn des Wartejahrs im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
und der Verlauf der Arbeitsunfähigkeit. Während die Beschwerdeführerin den Beginn
des Wartejahrs mit der Diagnosestellung des Karzinoms im Mai 2018 gleichsetzt (act.
G 1, E. II.3), stellt die Beschwerdegegnerin auf den Behandlungsbeginn des Karzinoms
im Juni 2018 ab (act. G 4, E. III.2).
4.1.
Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn eine durch den Gesundheitsschaden bedingte
Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder im bisherigen
anerkannten Aufgabenbereich besteht (Art. 6 ATSG). Diese ist auf der Basis
medizinischer Stellungnahmen zu beurteilen aus welchen hervorgehen sollte, ab wann
und inwieweit die versicherte Person in ihrer Arbeitsfähigkeit (definiert als funktionelles
Leistungsvermögen) eingeschränkt war (vgl. BGE 130 V 97 E. 3.3). Für die Eröffnung
der Wartezeit ist vorausgesetzt, dass die Einschränkung dauernd und erheblich ist,
wobei die Erheblichkeitsschwelle bereits bei 20 % Arbeitsunfähigkeit erreicht wird
(Urteil des Bundesgerichts vom 21. Februar 2019, 8C_718/2018, E. 2.2 mit Verweis auf
AHI 2/1998 S. 124, E. 3c). Ab Juni 2018 anerkennt die Beschwerdegegnerin eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 %, weshalb lediglich strittig ist, ob bereits im Mai 2018 eine
die Erheblichkeitsschwelle von 20 % übersteigende Arbeitsunfähigkeit vorlag.
4.2.
Aus den Akten ergibt sich, dass das Karzinom im Mai 2018 diagnostiziert wurde.
Am 31. Mai 2018 wurde eine Core needle Biopsie durchgeführt (IV-act. 19). Ein MRI
wurde am 7. Juni 2018 vorgenommen und am 13. Juni 2018 folgte ein CT des Thorax
sowie des Abdomens. Am 20. Juni 2018 wurden eine onkoplastische Segmentsektion
Mamma rechts, Schnellschnitt, Sentinellymphonodektomie rechts, Schnellschnitt,
Axilladissektion Level I-II und Angleichung Mamma links durchgeführt (IV-act. 36-11).
4.3.
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Damit ist erstellt, dass das Karzinom im Mai 2018 diagnostiziert wurde, während
weitere Abklärungen sowie die Operation im Juni 2018 erfolgten. Dass bereits vor der
Biopsie eine medizinische Behandlung erfolgte, lässt sich hingegen aus den Akten
nicht herleiten. Für die Annahme, dass das Karzinom unabhängig von der Behandlung
zu einer relevanten funktionellen Leistungseinschränkung im Aufgabenbereich führte,
fehlen Belege; die Beschwerdeführerin selbst gab im Gegenteil auf der Anmeldung an,
die gesundheitliche Beeinträchtigung bestehe seit "ED 06/18" (IV-act. 8-6). Es ist
demnach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin ab Juni 2018 arbeitsunfähig im Sinne von Art. 6 ATSG war. Die
Beschwerdegegnerin hat den Beginn des Wartejahrs deshalb zu Recht auf den 1. Juni
2018 festgelegt, womit unter Berücksichtigung von Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG frühestens
ab dem 1. Juni 2019 Anspruch auf eine Rente besteht.
Gemäss dem Gutachten und der übereinstimmenden Ansicht sowohl der
Beschwerdeführerin als auch der Beschwerdegegnerin bestand spätestens zum
Zeitpunkt der stationären psychiatrischen Behandlung ab Ende Oktober 2018 auch in
angepasster Tätigkeit eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. Austrittsbericht der
Psychiatrie B._ vom 10. Dezember 2018, Aufenthalt vom 24. Oktober bis 4.
Dezember 2018, IV-act. 22-3; Gutachten, IV-act. 96-9 und 96-42). Diese
Arbeitsunfähigkeit wurde von Dr. C._ im Arztbericht vom 27. März 2018 wie auch
vom RAD in seiner Stellungnahme vom 2. April 2019 bestätigt (IV-act. 39 und 48).
Ebenfalls unbestritten ist, dass sich die depressive Symptomatik und damit
einhergehend die Arbeitsfähigkeit ab November 2019 verbesserte (siehe auch
Gutachten, IV-act. 96-9 und 96-42 und Arztbericht von Dr. C._ vom 11. November
2019: rezidivierende depressive Störung gegenwärtig remittiert, woraus sich keine
Arbeitsunfähigkeit mehr ableiten lässt, IV-act. 76). Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ist eine
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung der Leistung von dem
Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie
voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen,
nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und
voraussichtlich weiterhin andauern wird. Die Verbesserung der Erwerbsfähigkeit der
Beschwerdeführerin ist deshalb erst drei Monate nach dem November 2019, mithin ab
1. März 2020, zu berücksichtigen. Somit ist bei der Beschwerdeführerin für den
Zeitraum vom 1. Juni 2019 bis zum 29. Februar 2020 eine Arbeitsunfähigkeit von
100 % zu berücksichtigen. Danach ist – wie bereits in E. 3.2 ausgeführt – von der
gutachterlich festgesetzten Arbeitsfähigkeit von 70 % in einer adaptierten Tätigkeit
auszugehen.
4.4.
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5.
Umstritten ist des Weiteren, ob die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit
überhaupt auf dem ersten Arbeitsmarkt verwerten kann.
Die Möglichkeit einer versicherten Person, das verbliebene Leistungsvermögen auf
dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt von den konkreten
Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend sind rechtsprechungsgemäss die Art und
Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare
Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch die
Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung,
beruflicher Werdegang oder die Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem
angestammten Bereich. Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es sich um eine
theoretische Grösse, so dass nicht leichthin angenommen werden kann, die
verbliebene Leistungsfähigkeit sei unverwertbar. Er umfasst auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit
einem sozialen Entgegenkommen des Arbeitgebers rechnen können. Unverwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit ist insbesondere dann anzunehmen, wenn die zumutbare
Tätigkeit in nur so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene
Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher zum Vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil
des Bundesgerichts vom 2. Dezember 2020, 8C_416/2020, E. 4 mit Hinweisen). Fehlt
es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige
Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet
(BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweis). Das Bundesgericht bezeichnet die Hürden für die
Annahme der Unverwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit als hoch (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 11. September 2020, 9C_766/2019, E. 4.1, 4.4). Massgebend
für die Beurteilung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist der Zeitpunkt des
Feststehens der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)erwerbstätigkeit. Dieser ist
gegeben, sobald die medizinischen Unterlagen eine zuverlässige
Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 138 V 457 E. 3.3 f.).
5.1.
Das zumutbare Arbeitsprofil der Beschwerdeführerin wird im Gutachten der
Medexperts AG folgendermassen beschrieben: eine Tätigkeit mit flexibler
Pausengestaltung, einfachen repetitiven Aufgaben, ohne häufige Ortswechsel, in der
die Beschwerdeführerin auf weniger Kontakt mit anderen Personen angewiesen ist,
jedoch auch in entsprechendem Masse supervidiert wird und einen festen
5.2.
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6.
Zu prüfen bleibt die Berechnung des IV-Grades.
Ansprechpartner hinsichtlich aufkommender Fragen, Entscheidungen oder Probleme
hat. Folgende Tätigkeiten sollten zusätzlich vermieden werden: Heben/Tragen von
Gewichten über 10 kg. (Heben/Tragen sollte grundsätzlich nur fallweise gefordert sein
mit anschliessender ausreichender Ruhezeit), Arbeitszwangshaltungen mit vermehrter
Belastung der Hals- und Lendenwirbelsäule (z.B. repetitive Rotationsbewegungen des
Kopfes [>40°] bei fixiertem Oberkörper oder fixierter Blickrichtung in deutlicher
Abweichung zur Körperachse; repetitive Rotationsbewegungen >30° des Oberkörpers
bei fixiertem Stand der Beine oder vorgebeugte Arbeitszwangshaltungen ohne die
Möglichkeit sich abzustützen), Arbeiten, welche mit Bücken unter Tischkantenniveau
verbunden sind und Überkopfarbeiten. Empfohlen werden leichte wechselbelastende
Arbeiten mit der Möglichkeit zu vermehrten Ruhepausen (IV-act. 96-9).
Die Beschwerdeführerin absolvierte eine Lehre zur Konfektionsschneiderin. Im
Anschluss war sie bis März 1997 in einem 100 %-Pensum im Verkauf tätig (IV-act. 8-5
f.). Seither war sie Hausfrau und ging keiner Erwerbstätigkeit nach (IV-act. 8-6). Auf
dem Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit vom 3. Oktober
2019 gab die Beschwerdeführerin an, dass sie sämtliche im Haushalt anfallenden
Arbeiten selbständig erledigen könne. Vor diesem Hintergrund ist – wie von der
Beschwerdegegnerin ausgeführt – nicht einzusehen, dass der Beschwerdeführerin
aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen keine leichten Maschinenbedienungs-,
Kontroll-, Sortier- und Prüfarbeiten zumutbar sein sollen. Die genannten Tätigkeiten
tragen zusätzlich zu den körperlichen auch den psychischen Einschränkungen der
Beschwerdeführerin Rechnung. Sie sind einfache repetitive Arbeiten, bedingen keine
häufigen Ortswechsel und wenig Kontakt mit anderen Personen. Einzig die alle zwei
Stunden notwendigen Pausen könnten sich einschränkend auswirken, sofern die
Beschwerdeführerin automatisierte Abläufe ausführen müsste, die nicht pausiert
werden könnten. Dennoch kann nicht davon ausgegangen werden, dass auf dem
hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt keine geeigneten Stellen im Bereich
Produktion oder Lagerbewirtschaftung existieren. Die Restarbeitsfähigkeit von 70 % ist
daher verwertbar.
5.3.
Die Beschwerdeführerin wurde als Vollerwerbstätige eingestuft, was von den
Parteien auch nicht mehr bestritten wird (vgl. Vorbescheid und Einwand, IV-act. 101
und 111). Ebenfalls unstreitig ist die Höhe des Valideneinkommens, bei welchem sich
die Beschwerdegegnerin aufgrund der langjährigen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und
6.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/18
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unter Berücksichtigung der damals erzielten Einkommen (vgl. IK-Auszug, IV-act. 13) zu
Recht auf den Tabellenlohn (Schweizerische Lohnstrukturerhebung [LSE] des
Bundesamtes für Statistik, Kompetenzniveau 1, Frauen) stützt. Mangels Arbeitstätigkeit
der Beschwerdeführerin ist beim Invalideneinkommen ebenfalls der Tabellenlohn
massgebend, womit ein sogenannter Prozentvergleich vorgenommen werden kann
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Mai 2019, 9C_851/2018, E. 5.1). Die
Beschwerdeführerin verlangt allerdings die Vornahme eines Leidensabzugs vom
Invalideneinkommen von 15 %. Zugleich verweist sie auf ein Rechtsgutachten von
Thomas Gächter, Philipp Egli, Michael E. Meier und Martina Filippo (Fakten oder
Fiktion? Die Frage des fairen Zugangs zu Invalidenleistungen, abrufbar unter
www.wesym.ch) und führt aus, es könne nicht auf den Tabellenlohn abgestellt werden,
da statistisch gesehen gesundheitlich beeinträchtigte Personen zwischen 10 bis 15 %
weniger verdienen würden als gesunde Personen in der gleichen Tätigkeit. Deshalb
rechtfertige sich ein Abzug vom Tabellenlohn umso mehr.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Verwendung der LSE im
Rahmen der Invaliditätsbemessung rechtens (BGE 142 V 178 E. 2.5.7; bestätigt unter
Berücksichtigung des vorgenannten Gutachtens in Urteil des Bundesgerichts vom
9. März 2022, 8C_256/2021, E. 9.2, zur Publikation vorgesehen). Selbst wenn die
Beschwerdeführerin aufgrund ihres medizinischen Zumutbarkeitsprofils nicht mehr alle
Tätigkeiten innerhalb eines Kompetenzniveaus ausüben kann und die Möglichkeit
besteht, dass sie den Zentralwert nicht erreicht, führt dies nicht zu einem grundsätzlich
vorzunehmenden Tabellenlohnabzug. Die Anwendung statistischer Werte erfolgt stets
abstrakt und unter Ausblendung der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 29. Mai 2018, 9C_266/2017, E. 3.4.3 mit Hinweisen).
Immerhin steht als Korrekturinstrument bei der Verwendung der Tabellenlöhne ein
Abzug von ebendiesem zur Verfügung.
6.2.
Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25 % gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Praxisgemäss ist nicht für jedes zur Anwendung
gelangende Merkmal ein separater Abzug zu quantifizieren. Stattdessen sind die
potenziell lohnrelevanten Merkmale im Einzelnen konkret zu würdigen und danach
gesamthaft zu schätzen (Urteil des Bundesgerichts vom 10. August 2021,
8C_115/2021, E. 4.3). Die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne
6.3.
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herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen -
auch von invaliditätsfremden Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (namentlich
leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie
und Beschäftigungsgrad; BGE 126 V 75 E. 5a). Die Rechtsprechung gewährt
insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte
Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/bb). Sind hingegen leichte bis
mittelschwere Arbeiten zumutbar, ist allein deswegen auch bei eingeschränkter
Leistungsfähigkeit noch kein Abzug gerechtfertigt, weil der Tabellenlohn
Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten
umfasst (Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 2017, 8C_805/2016, E. 3.4.2 mit
Hinweis). Bestehen über das ärztlich beschriebene Beschäftigungspensum hinaus
zusätzliche Einschränkungen, wie beispielsweise ein vermindertes Rendement pro
Zeiteinheit wegen verlangsamter Arbeitsweise oder ein Bedarf nach ausserordentlichen
Pausen oder ist die funktionelle Einschränkung ihrer besonderen Natur nach nicht ohne
weiteres mit den Anforderungen vereinbar, wie sie sich aus den gewöhnlichen
betrieblichen Abläufen ergeben, kann dies bei der Bemessung des leidensbedingten
Abzugs vom statistischen Tabellenlohn berücksichtigt werden (Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Januar 2018, 8C_552/2017, E. 5.3.1). Fraglich ist, ob nebst
der verminderten Leistungsfähigkeit und der Tatsache, dass der Beschwerdeführerin
nur noch körperlich leichte Tätigkeiten zumutbar sind, weitere Faktoren vorliegen, die
zu einem lohnrelevanten Nachteil führen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Oktober
2019, 9C_447/2019, E. 4.3.2, wo diese verneint wurden).
Zwar weist die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hin, dass der Tabellenlohn
Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten
umfasst. Indes sind im vorliegenden Fall die Voraussetzungen für einen Abzug insofern
erfüllt, als die Beschwerdeführerin einerseits nur noch leichte Tätigkeiten ausführen
kann und zusätzlich selbst bei diesen insbesondere durch die Vorgabe,
Arbeitszwangshaltungen mit vermehrter Belastung der Hals- und Lendenwirbelsäule
(repetitive Rotationsbewegungen des Kopfs, genauer IV-act. 96-9) zu vermeiden,
eingeschränkt und ihr erwerbliches Leistungsvermögen entsprechend beschränkt ist
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 16. März 2018, 9C_830/2017, E. 5, und vom 6.
Juli 2018, 9C_302/2017, E. 3.1). Die psychischen Einschränkungen wie der vermehrte
Pausenbedarf begründen – wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführt – bereits
die Reduktion der Leistungsfähigkeit an sich und können damit nicht nochmals für
einen Tabellenlohnabzug berücksichtigt werden. Allerdings könnte sich das im
onkologischen Teilgutachten umschriebene Adaptionskriterium der Möglichkeit, alle
6.4.
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7.
zwei Stunden Pausen einzulegen, bei automatisierten Abläufen einschränkend
auswirken (vgl. vorstehend E. 5.5). Bei Gesamtbetrachtung ist davon auszugehen, dass
sich die Beschwerdeführerin angesichts der genannten Einschränkungen mit einem
gegenüber voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmerinnen
geringeren Lohn zu begnügen haben wird. Dies rechtfertigt aber höchstens einen
Abzug von 10 %, was auch dem von der Beschwerdeführerin angeführten
Rechtsgutachten sowie den Schlussfolgerungen des in dieselbe Richtung
argumentierenden Aufsatzes von Gabriela Riemer-Kafka/Urban Schwegler (Der Weg zu
einem invaliditätskonformeren Tabellenlohn, in: SZS 6/2021, S. 65 ff.) entsprechen
würde. Hingegen bleibt es selbst bei Berücksichtigung eines Abzugs vom
Invalideneinkommen von 10 % bei der Abweisung des Rentenbegehrens nach 1. März
2020.
Zusammengefasst hat die Beschwerdeführerin entsprechend dem Antrag der
Beschwerdegegnerin im Zeitraum der 100%igen Arbeitsunfähigkeit vom 1. Juni 2019
bis zur eingetretenen Verbesserung im November 2019 und somit unter
Berücksichtigung von Art. 88a Abs. 1 IVV bis 29. Februar 2020 Anspruch auf eine
ganze Rente. Ab 1. März 2020 ist unter Berücksichtigung der gutachterlich attestierten
70%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit bei Vornahme eines
Prozentvergleichs kein Rentenanspruch mehr ausgewiesen.
6.5.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 24. November 2020 in
teilweiser Gutheissung aufzuheben und der Beschwerdeführerin befristet für die Dauer
vom 1. Juni 2019 bis 29. Februar 2020 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur
Festsetzung und Ausrichtung der Leistung im Sinn der Erwägungen ist die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist.
7.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Gemessen an den
gestellten Anträgen hat die Beschwerdeführerin nur in untergeordnetem Ausmass
obsiegt. Ihr sind daher ermessensweise zwei Drittel der Kosten, d.h. Fr. 400.--,
aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr im Umfang von
Fr. 400.-- daran anzurechnen und im Umfang von Fr. 200.-- zurückzuerstatten. Den
Restbetrag von Fr. 200.-- hat die Beschwerdegegnerin zu bezahlen.
7.2.
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