Decision ID: 59ad9f45-23b0-49ed-b2c8-3e99a035dea4
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Anfechtung Grundstückauktion
Berufung gegen einen Beschluss des Zivilgerichtes des Bezirksgerichtes
Uster vom 14. September 2015; Proz. CG150005
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Rechtsbegehren:
1. Es sei in der freiwilligen öffentlichen Versteigerung der Liegenschaft E._-strasse, Parzellen 1 und 2 des Grundbuchs G._, vom 5. Mai 2011 im Restaurant F._ in G._, Auktionator Dr. A._,
- der Zuschlag an den Beklagten Dr. A._ aufzuheben und - der Steigerungskaufvertrag zwischen B._ (senior) und H._
einerseits und Dr. A._ als ungültig zu erklären.
2. Das Grundbuchamt G._ sei anzuweisen, die Liegenschaft E._-
strasse, Parzellen 1 und 2 des Grundbuchs G._ wieder auf den Namen der Beklagten 2 und 3 als Eigentümer einzutragen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beklagten (act. 5/2
S. 2).
Beschluss des Bezirksgerichtes Uster vom 14. September 2015 (act. 4 = act. 6 = act. 45:
1. Der Nichteintretensantrag des Beklagten 1 wird abgewiesen und die Klage-
bewilligung des Friedensrichteramtes Uster vom 25. November 2014 als gül-
tig angesehen.
2. Dem Kläger 2 wird eine Frist von 21 Tagen ab Zustellung dieses Entscheids
angesetzt, um für die Parteientschädigung des Beklagten 1 eine Sicherheit
von Fr. 14'000.– zu leisten.
Wird Sicherheit in Geld geleistet, hat die Zahlung auf das Konto der Bezirks-
gerichtskasse Uster (Postkonto 80-4944-0, lautend auf Bezirksgerichtskanz-
lei, 8610 Uster, Zahlungszweck: "Geschäfts-Nr.: CG150005-I", IBAN: CH60
0900 0000 8000 4944 0) zu erfolgen.
Sofern für die Einzahlung der Sicherheit nicht der beiliegende Einzahlungs-
schein verwendet wird, ist als Zahlungszweck zwingend die "Geschäfts-Nr.:
CG150005-I" anzugeben.
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Wird die Sicherheit durch Garantie einer in der Schweiz niedergelassenen
Bank oder eines zum Geschäftsbetrieb in der Schweiz zugelassenen Versi-
cherungsunternehmens geleistet, so ist diese unter Angabe der "Geschäfts-
Nr.: CG150005-I" innert der angesetzten Frist im Original dem Gericht einzu-
reichen.
(3.-5. Mitteilung / Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
der Beklagten und Berufungskläger (act. 2, sinngemäss):
1. Die Dispositiv-Ziffer 1 des Beschlusses des Bezirksgerichts Uster vom
14. September 2015 sei aufzuheben.
b) Auf die Klage sei nicht einzutreten.
c) Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen samt Mehrwertsteuerzusatz
zulasten der Kläger.
d) Es sei auf solidarische Haftung der Gesuchsteller für die Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen samt Mehrwertsteuerzusatz zu erkennen.
der Kläger und Berufungsbeklagten:
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Erwägungen:
I.
1. Die Kläger und Berufungsbeklagten (nachfolgend Kläger) und der Beklagte
und Berufungskläger 1 (nachfolgend Beklagter 1) sind Brüder und die (einzigen)
Kinder des Ehepaares B._ und H._, der vorinstanzlichen Beklagten 2
und 3. Der Beklagte 1 hatte am 5. Mai 2011 auf dem Wege einer freiwilligen öf-
fentlichen Versteigerung sich den Zuschlag der elterlichen Liegenschaft als Aukti-
onator selbst erteilt. Mit der vor Bezirksgericht Uster anhängig gemachten Klage
fechten die Kläger die Versteigerung aus diversen Gründen als rechts- und sit-
tenwidrig an und verlangen die Ungültigerklärung des Zuschlages.
2. Am 25. November 2014 fand die Schlichtungsverhandlung vor dem Frie-
densrichteramt Uster statt (act. 5/1). Am 3. März 2015 ging die Klageschrift unter
Beilage der Klagebewilligung bei der Vorinstanz ein (act. 5/2). Mit Beschluss
vom 4. März 2015 setzte die Vorinstanz den Klägern Frist an, um die Originalkla-
gebewilligung nachzureichen und um einen Kostenvorschuss von Fr. 9'000.--
zu leisten (act. 5/6). Die Kläger kamen diesen Aufforderungen innert Frist nach
(act. 5/12 und act. 5/15). Mit Verfügung vom 31. März 2015 wurde den Beklagten
Frist zur Klageantwort angesetzt (act. 5/18). Innerhalb dieser Frist verlangte der
Beklagte 1 vom Kläger 1 die Leistung einer Sicherheit für die Parteientschädigung
und ersuchte bis Eingang der Sicherheitsleistung um Abnahme der Frist zur Kla-
geantwort. Der Kläger 1 leistete am 26. Juni 2015 eine Sicherheit für die Partei-
entschädigung des Beklagten 1 im Betrag von Fr. 14'000.-- (act. 5/35), worauf
dem Beklagten 1 mit Verfügung vom 29. Juni 2015 neu Frist zur Erstattung der
Klageantwort hinsichtlich des Klägers 1 angesetzt wurde (act. 5/36). Mit Eingabe
vom 8. Juli 2015 verlangte der Beklagte 1 auch vom Kläger 2 die Leistung einer
Sicherheit für die Parteientschädigung und ersuchte bis Eingang der Sicherheits-
leistung auch um Abnahme dieser Frist zur Klageantwort (act. 5/38), was ihm mit
Verfügung vom 13. Juli 2015 gewährt wurde (act. 5/39). Am 24. August 2015
reichte der Beklagte 1 die Klageantwort hinsichtlich des Klägers 1 ein (act. 5/41).
Er beantragte in erster Linie, auf die Klage sei mangels gültiger Klagebewilligung
nicht einzutreten. Es sei unbestritten, dass der klägerische Rechtsvertreter eine
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Viertelstunde zu spät an die Schlichtungsverhandlung erschienen sei. Es sei von
Säumnis im Sinne von Art. 206 Abs. 1 i.V.m. Art. 147-149 ZPO auszugehen,
weshalb das Verfahren vom Friedensrichter abzuschreiben gewesen wäre.
3.1. Mit Beschluss vom 14. September 2015 referierte das Bezirksgericht sorg-
fältig unter Bezugnahme auf die Literatur und das dem jeweiligen (Friedens-)Rich-
ter zustehende Ermessen, dass kein Säumnis der klagenden Partei im Sinne des
Gesetzes vorlag (act. 4 S. 3 -7). Entsprechend wies es in Dispositiv-Ziffer 1 des
genannten Beschlusses die Einrede der fehlenden Prozessvoraussetzung der
gültigen Klagebewilligung und damit den Nichteintretensantrag des Beklagten 1
ab (act. 4 S. 9 Dispositivziffer 1). Der Entscheid des Bezirksgerichts ging den Be-
klagten am 24. September 2015 zu (act. 46). Mit Eingabe vom 26. Oktober 2015,
zur Post gegeben am selben Tag, erhoben die Beklagten gegen Dispositiv-Ziffer 1
des Beschlusses vom 14. September 2015 Berufung (act. 2). Die Akten des Be-
zirksgerichts wurden beigezogen. Weitere prozessleitende Anordnungen wurden
nicht getroffen. Der Berufungsprozess ist spruchreif.
3.2. Aufgrund des Amtsberichtes von Bezirksarzt Dr. med. I._ ist davon
auszugehen, dass die vor Vorinstanz als Beklagte 3 aufgetretene H._
nicht mehr imstande ist, eine Vertretung zu bestellen (act. 5/48). Entsprechend
hat das Bezirksgericht die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Uster auch
ersucht, die Notwendigkeit von (Schutz-)Massnahmen zu prüfen (act. 5/53). Die
Beklagte 3 ist demzufolge auch nicht mehr urteilsfähig in Bezug auf die Frage, ob
sie gegen den Beschluss der Vorinstanz vom 14. September 2015 ein Rechts-
mittel ergreifen will. Eine entsprechende Vollmacht zur Ergreifung eines Rechts-
mittels kann sie daher weder dem Beklagten 2 noch einem Rechtsanwalt erteilen
(siehe act. 3). Art. 374 ZGB (gesetzliches Vertretungsrecht des Ehepartners)
kommt nicht zur Anwendung, weil die Vollmachterteilung an den Beklagten 2 bzw.
an den Rechtsvertreter für die vorliegende Angelegenheit (Prozess über die
Entäusserung ihrer Liegenschaft) nicht von den dort umschriebenen Rechtshand-
lungen umfasst ist. Es ist der KESB überlassen, ob sie qua Bestellung eines Ver-
tretungsbeistandes (gestützt auf Art. 394 ZGB) im Namen der Beklagten 3 die
Prozessvoraussetzung der gültigen Klagebewilligung in Frage stellen will oder
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nicht; eine Klageantwort der Beklagten 3 ist denn auch noch ausstehend. Eine
notwendige Streitgenossenschaft auf beklagtischer Seite liegt nicht vor, die es
gebieten würde zuzuwarten, bis die KESB entschieden hat, wer im vorliegenden
Berufungsverfahren für die Beklagte 3 handeln kann. Rechtsmittelkläger im vor-
liegenden Berufungsverfahren sind daher der Beklagte 1 und der Beklagte 2. Der
Beklagte und Berufungskläger 2 (nachfolgend auch Beklagter 2) identifizierte sich
im Berufungsverfahren mit dem vom Beklagten 1 vor Vorinstanz gestellten Nicht-
eintretensantrag.
3.3. Ist wie hier das ordentliche Verfahren anwendbar, können prozessleitende
Entscheide innert zehn Tagen mit Beschwerde, Zwischenentscheide innert dreis-
sig Tagen mit Berufung angefochten werden. Ein Zwischenentscheid kann gefällt
werden, wenn durch abweichende Beurteilung durch die obere Instanz sofort ein
Endentscheid herbeigeführt und so ein bedeutender Aufwand gespart werden
kann (Art. 237 ZPO). Hier geht es um die Einrede des angeblich nicht ordnungs-
gemäss durchgeführten Schlichtungsverfahrens (Art. 60 ZPO i.V.m. Art. 59 ZPO).
Wird die Einrede vom Bezirksgericht geschützt, ist das Verfahren durch Nichtein-
treten, also einen Endentscheid, zu erledigen. Das Bezirksgericht hat daher
zutreffend einen Zwischenentscheid gefällt, der mit Berufung anfechtbar war
(Art. 308 Abs. 1 lit. a ZPO, so lautete auch die Rechtsmittelbelehrung). Die
formellen Anforderungen an die Berufung (Antrag, Begründung) sind erfüllt.
II.
1. Im vorliegenden Berufungsverfahren dreht sich der Streit um die Gültig-
keit der Klagebewilligung. Es ist zu prüfen und zu entscheiden, ob das Bezirksge-
richt zu Recht infolge gültiger Klagebewilligung auf die Klage eingetreten ist bzw.
ob sich die Kläger auf die Klagebewilligung des Friedensrichteramtes Uster vom
25. November 2014 stützen können, obwohl ihr Rechtsvertreter eine Viertelstunde
zu spät zur Sühnverhandlung erschienen war (act. 5/1).
2. Das Bezirksgericht Uster wies den Nichteintretensantrag des Beklagten 1 zu
Recht ab. Das Bezirksgericht hielt zusammenfassend fest, dass den von ihm refe-
rierten Kommentaren zuzustimmen sei, wonach eine geringe Verspätung zu ei-
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nem Termin nicht bereits als Säumnis zu werten sei. Das Bezirksgericht wies da-
rauf hin, dass es im Ermessen des Gerichts liege, welche zeitliche Verspätung
noch kein Säumnis bedeute (act. 4 S. 6 oben). An diesem Schluss vermögen für
den vorliegenden Fall auch die von den Berufungsklägern erhobenen Einwände
nichts zu ändern (act. 2 S. 2). Eine Partei ist säumig, wenn sie eine Prozesshand-
lung nicht fristgerecht vornimmt oder zu einem Termin nicht erscheint (Art. 147
Abs. 1 ZPO). Art. 206 statuiert für das Schlichtungsverfahren, dass bei Säumnis
der klagenden Partei das Schlichtungsgesuch als zurückgezogen gilt und das
Verfahren als gegenstandslos abgeschrieben wird. Es trifft zu, dass die eidgenös-
sische ZPO keine Respektstunde nach der Art von § 197 GVG ZH vorsieht. In der
von den Berufungsklägern zitierten Botschaft zur ZPO, S. 7309, wird festgehalten,
dass die Säumnisfolge grundsätzlich sofort eintritt. Mit dem Hinweis, dass die
Säumnisfolge grundsätzlich sofort eintritt, lässt aber auch die Botschaft offen, ob
nicht doch eine (kleine) Wartezeit zu beachten ist. In der Tat kann pünktliches Er-
scheinen einer Partei durch Zufälligkeiten verzögert werden (vgl. Hauser/Schweri,
Kommentar zum zürcherischen Gerichtsverfassungsgesetz, S. 708, N 1 zu § 197
GVG). Die von den Berufungsklägern angeführte Kommentarstelle (BK-Alvarez/
Peter, ZPO 206 N 5) wiederholt den Text der Botschaft. Es findet sich auch dort
keine argumentative Auseinandersetzung, weshalb in jedem Fall wegen einer
viertelstündigen Verspätung eines klägerischen Rechtsvertreters die Wirkungen
des Schlichtungsgesuches, nämlich insbesondere die Begründung der Rechts-
hängigkeit (Art. 62 ZPO) und die Fixierung des Forums (Art. 64 Abs. 1 lit. b ZPO),
sofort und ohne Weiteres (vorbehältlich der Bewilligung eines Wiederherstel-
lungsgesuches) dahinfallen sollte, und die klagende Person darauf verwiesen ist,
ein neues gleich lautendes Schlichtungsbegehren zu stellen. Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass mit dem Bezirksgericht nicht in die pflichtgemässe Aus-
übung des Ermessens eines Friedensrichters einzugreifen ist, wenn er eine vier-
telstündige Verspätung zu einer Schlichtungsverhandlung noch nicht als Säumnis
im Sinne des Gesetzes würdigt und nach erfolglos durchgeführtem Schlichtungs-
verfahren die Klagebewilligung ausstellt (Art. 209 Abs. 1 lit. b ZPO). Die Berufung
ist abzuweisen.
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III.
Dem Ausgang des Berufungsverfahrens entsprechend werden die Beklagten 1
und 2 kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die zweitin-
stanzliche Entscheidgebühr ist aufgrund des Streitwertes von (einstweilen)
Fr. 100'000.-- zu bemessen und den Beklagten 1 und 2 je zur Hälfte aufzuerle-
gen, unter solidarischer Haftung für den gesamten Betrag (§ 12 Abs. 1 und 2
i.V.m. § 2 Abs. 1, § 4 Abs. 1 und 2 und § 9 Abs. 2 GebV OG). Eine Parteient-
schädigung ist nach keiner Seite zuzusprechen, den Beklagten und Berufungs-
klägern nicht infolge Unterliegens und den Klägern und Berufungsbeklagten nicht
mangels erheblicher Aufwendungen.