Decision ID: 66234d98-b995-5411-b658-e38958eb95c3
Year: 2008
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Der Gesuchsteller stellte am 1. Januar 2006 in der Schweiz ein . Dieses begründete er hauptsächlich mit behördlichen  im Zusammenhang mit seinem Bruder B._, welcher Mitglied der islamistischen Bewegung „Ennahda“ gewesen und (...) aus dem Gefängnis entlassen worden sei.
Mit Verfügung vom 30. Januar 2006 lehnte das Bundesamt das  unter Verneinung der Flüchtlingseigenschaft ab, verfügte die Wegweisung des Gesuchstellers aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Den ablehnenden Asylentscheid begründete das  mit der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen im Sinne von Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) und folglich der Nichterfüllung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG. Den Vollzug der Wegweisung erachtete es als zulässig, zumutbar und .
Eine bei der damals zuständigen Schweizerischen  (ARK) eingereichte Beschwerde vom 23. Februar 2006 wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 30. Juni 2008 vollumfänglich ab. Das Gericht bestätigte in umfassenden Erwägungen die  erkannte Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen, insbesondere die Zweifel an der vorgebrachten und bislang unbelegten Identität  an der angeblichen Verwandtschaft zum Bruder B._ und zu einem weiteren, (...) Bruder; ergänzend erkannte es die flüchtlingsrechtliche Unbeachtlichkeit der Asylvorbringen mangels zureichender Intensität der geltend gemachten Benachteiligungen. Im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen des Wegweisungsvollzuges hielt die ARK insbesondere fest, dass dem Gesuchsteller im Falle einer Rückkehr keine völkerrechtswidrige Behandlung drohe.
Ein Gesuch vom 23. Juli 2008 um Verlängerung der Ausreisefrist  vom BFM mit Schreiben vom 25. Juli 2008 abschlägig beantwortet.
B. Mit Eingabe vom 15. September 2008 reichte der Gesuchsteller beim BFM ein „Wiedererwägungsgesuch“ ein, mit welchem er die Vorinstanz um wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 30. Januar 2006, Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und eventualiter um Ge-
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währung der vorläufigen Aufnahme ersuchte. Der Gesuchsteller bekräftigt darin im Wesentlichen die bisherigen Asyl- und  und macht neue Beweismittel in Form verschiedener  und Todesscheine von Angehörigen geltend, welche er  mühsam durch einen Freund und nach Zahlung von Schmiergeldern beim Zivilstandsamt habe erhältlich machen können; aus diesen gingen seine Identität und die Verwandtschaft zum Bruder B._ nunmehr erwiesenermassen hervor. Im Übrigen macht der Gesuchsteller darauf aufmerksam, dass er die geltend gemachten  und Befürchtungen, selbst wenn sie je nicht  Intensität aufwiesen, auf die Dauer doch als belastend und unerträglich empfunden habe. Aufgrund dessen habe er nun Anspruch auf Wiederaufnahme des ordentlichen Verfahrens und auf  der Flüchtlingseigenschaft, Gewährung des Asyls oder  der vorläufigen Aufnahme, zumal auch eine schwerwiegende  Notlage vorliege.
C. Mit Verfügung vom 25. September 2008 lehnte das BFM das „“ unter Kostenfolge ab. Dabei erklärte es seine  vom 30. Januar 2006 als rechtskräftig und vollstreckbar und sprach einer allfälligen Beschwerde die Zuerkennung aufschiebender Wirkung ab.
Den ablehnenden Wiedererwägungsentscheid begründete die  damit, dass die wiedererwägungsweise geltend gemachten  und Beweismittel unter Bezugnahme auf die Erkenntnisse des BFM und des Bundesverwaltungsgerichts im Rahmen des ordentlichen Asylverfahrens weder neu noch wesentlich seien. Auch habe der  nicht rechtsgenüglich dartun können, weshalb er diese neuen Beweismittel nicht bereits im ordentlichen Verfahren hätte  machen können. In jenem Verfahren hätten BFM und  die angebliche Verfolgungs- und Gefährdungssituation des Beschwerdeführers bereits gewürdigt. Die Vorbringen des  im Wiedererwägungsgesuch hätte dieser statt in einem  rechtskonformerweise in einem  geltend machen müssen. Die Rechtskraft der Verfügung vom 30. Januar 2006 bleibe daher bestehen und das  müsse entsprechend abgewiesen werden. Hinsichtlich der Frage des allfälligen Vorliegens einer schwerwiegenden persönlichen Notla-
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ge verweist das BFM in Anrufung von Art. 14 AsylG auf die  der kantonalen Behörden.
D. Mit Eingabe vom 24. Oktober 2008 an das Bundesverwaltungsgericht erhob der Gesuchsteller unter Beantragung der unentgeltlichen Rechtspflege „Verwaltungsbeschwerde“ gegen die Verfügung vom 25. September 2008.
In der Begründung wiederholt der Gesuchsteller den bisher geltend gemachten Sachverhalt und die Ausführungen gemäss „“ vom 15. September 2008. Bezug nehmend auf den  der Verfügung vom 25. September 2008 hält der Gesuchsteller an der Neuheit der eingereichten Beweismittel fest und bekräftigt, dass diese erst zwischenzeitlich mühsam durch einen Freund und nach Zahlung von Schmiergeldern beim Zivilstandsamt hätten erhältlich  werde können. Er (Gesuchsteller) habe die Dokumente erst im Sommer 2008 erhalten und somit nicht bereits im ordentlichen  einreichen können. Ferner macht er auf die kritische  in seiner Heimat aufmerksam und verweist hierzu auf zwei Berichte von Amnesty International.
E. Mit Zwischenverfügung vom 30. Oktober 2008 bestätigte das  den Eingang der Eingabe vom 24. Oktober 2008. Die zuständige Instruktionsrichterin hielt gleichzeitig fest, dass kein Anlass zur Anordnung irgendwelcher vollzugshemmender  Massnahmen bestehe.
F. Mit Urteil vom 1. Dezember 2008 hob das Bundesverwaltungsgericht die Verfügung des BFM vom 25. September 2008 vollumfänglich und ersatzlos auf. Ferner qualifizierte das Bundesverwaltungsgericht das „Wiedererwägungsgesuch“ vom 15. September 2008 als Gesuch um Revision des Urteils vom 30. Juni 2008 des , zu dessen Behandlung (unter der Verfahrensnummer E-6815/2008) es sich selber zuständig erklärte. Das  hielt im Übrigen fest, dass die vermeintliche Beschwerde vom 24. Oktober 2008, soweit sie revisionsrechtlich bedeutsamen  habe, als Ergänzung zum Revisionsgesuch vom 15. September 2008 im Revisionsverfahren zu berücksichtigen sein werde.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 In Anbetracht der oben dargelegten Prozessgeschichte und des erwähnten Inhalts des Urteils vom 1. Dezember 2008 hat sich das Bundesverwaltungsgericht somit vorliegend mit einem  vom 15. September 2008 (mit Ergänzung vom 24. Oktober 2008) zu befassen, welches sich gegen das Urteil des  vom 30. Juni 2008 richtet.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen des BFM. Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1 S. 242).
1.3 Gemäss Art. 45 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) gelten für die Revision von Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts die Art. 121-128 des  vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) sinngemäss. Nach Art. 47 VGG findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des  Art. 67 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) Anwendung.
1.4 Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision wird die  und Massgeblichkeit eines rechtskräftigen  angefochten im Hinblick darauf, dass die Rechtskraft beseitigt wird und über die Sache neu entschieden werden kann (vgl. PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI, Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, S. 269).
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus den in Art. 121-123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG).
Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann die Revision insbesondere verlangt werden, wenn die Partei nachträglich erhebliche Tatsachen erfährt oder entscheidende Beweismittel auffindet, die sie im früheren
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Verfahren nicht beibringen konnte, unter Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die erst nach dem Entscheid entstanden sind.
Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revision nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren  geltend machen können (sinngemäss Art. 46 VGG).
2.
2.1 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene  anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von Art. 124 BGG darzutun. Die relative Einreichungsfrist  laut dieser Bestimmung für den Revisionsgrund des Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG 90 Tage seit der Entdeckung, frühestens jedoch nach der Eröffnung des angefochtenen Entscheides (Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG).
2.2 Der Gesuchsteller macht ausdrücklich neue Tatsachen und  und somit implizit den Revisionsgrund des Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG geltend. Die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens ist zudem offensichtlich. Auf das im Übrigen form- und fristgerecht  Revisionsgesuch ist deshalb – trotz seiner unkorrekten  („Wiedererwägungsgesuch“) und der Anrufung einer  Behörde (BFM) – einzutreten.
3.
3.1 Aus der massgeblichen Bestimmung von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG geht hervor, dass die Neuheit von Tatsachen oder Beweismitteln dann gegeben ist, wenn sie die Sachverhaltsbasis bis zum Zeitpunkt des angefochtenen Beschwerdeentscheides beschlagen und bis zu diesem Zeitpunkt entstanden sind. Sämtliche vorliegend geltend  Beweismittel beschlagen unzweifelhaft diese vormalige , zumal mit ihnen eine verwandtschaftliche Zuordnung bewiesen werden soll, die im ordentlichen Asylverfahren Gegenstand von Glaubhaftigkeitszweifeln mit direkter Auswirkung auf die  der Flüchtlingseigenschaft bildete. Hingegen schliesst die  Bestimmung (in fine) solche Beweismittel von der  Zugänglichkeit aus, die erst nach dem Entscheid  sind. Die vorgelegten Beweismittel datieren einenteils vom Juni 2007 und andernteils vom August 2008. Letztere sind somit nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 30. Juni 2008 entstanden
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und bleiben unbeachtlich. Erstere sind zwar aufgrund ihrer Datierung prima vista im revisionsrechtlichen Sinne als neu zu bezeichnen. In Berücksichtigung der wiederholten Behauptung des Gesuchstellers, wonach sämtliche Beweismittel zwischenzeitlich durch Bestechung des Zivilstandsamtes ausgestellt worden seien, müssten selbst die vermeintlicherweise vom Juni 2007 datierenden Dokumente als revisionsrechtlich unzugänglich bezeichnet werden, und zwar ungeachtet des Umstandes, dass diese Dokumente gleichzeitig als folglich unecht zu qualifizieren wären. Eine abschliessende Erörterung dieser Frage kann angesichts der nachfolgenden Erwägungen unterbleiben.
3.2 Selbst unter hypothetischer Annahme ihrer Neuheit und  Zugänglichkeit wird vom Gesuchsteller nicht zureichend dargelegt, aus welchen Gründen die Beweismittel bei Anwendung der zumutbaren Sorgfalt und in Beachtung der dem Gesuchsteller  Mitwirkungspflicht nach Art. 8 AsylG nicht bereits im  ordentlichen Rekursverfahren hätten geltend oder erhältlich gemacht werden können (vgl. Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG). Es kann diesbezüglich zur Vermeidung von Wiederholungen auf den Inhalt des angefochtenen Urteils selber (vgl. dort E. 5.2) verwiesen werden, wo dem Gesuchsteller in mehrfacher Hinsicht eine Missachtung der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht hinsichtlich der  (insbesondere betreffend seine Identität und angeblichen ) zur Last gelegt wird.
3.3 Schliesslich ist – wiederum unbesehen des bisher Erwogenen – festzustellen, dass sämtliche Beweismittel offensichtlich weder  noch erheblich im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG sind: Im angefochtenen Urteil (vgl. dort S. 11 mittlerer Abschnitt) wurde ausdrücklich erwogen, dass die Frage der verwandtschaftlichen  letztlich offen bleiben könne, da die Asylvorbringen auch sonst nicht glaubhaft und zudem auch nicht asylrelevant seien. Die  vorgelegten Beweismittel hätten somit selbst dann nicht zu einem anderen Ergebnis des Beschwerdeverfahrens geführt, wenn sie dem Bundesverwaltungsgericht im Zeitpunkt der Urteilsfällung vom 30. Juni 2008 bekannt gewesen wären beziehungsweise vorgelegen hätten.
3.4 Sämtliche übrigen Ausführungen in der Revisionseingabe und - stellen eine blosse Kritik am revisionsweise angefochtenen
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Urteil und an der dadurch geschützten Verfügung des BFM dar. Im Rahmen des vorliegenden Revisionsverfahrens besteht daher kein Raum für ihre Würdigung (vgl. BEERLI-BONORAND, a.a.O., S. 131; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 29 E. 5 S. 247). Der Gesuchasteller ist ferner darauf aufmerksam zu machen, dass die Revision nicht aus einem Grund verlangt werden kann, der schon im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte geltend gemacht werden können (vgl. Art. 46 VGG); ein Revisionsgesuch (oder andere ausserordentliche Rechtsmittel und Rechtsbehelfe) darf auch nicht dazu dienen, bisherige rechtskräftige Entscheidungen zu untergraben oder prozessuale Versäumnisse nachzuholen, ohne die von Gesetz und Praxis gestellten Anforderungen zu beachten.
4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine revisionsrechtlich  Gründe rechtsgenüglich dargetan sind. Es erübrigt sich, auf den Inhalt des Revisionsgesuchs sowie die eingereichten Beweismittel näher einzugehen. Das Gesuch ist demzufolge abzuweisen.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1'200.-- dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). In Anbetracht des Erwogenen musste das  bereits zum vornherein als aussichtslos erscheinen. Somit ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. Art. 65 VwVG) abzuweisen, da es an einer materiellen gesetzlichen Voraussetzung zur Gewährung derselben fehlt.
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