Decision ID: 8830ceec-9e76-42d4-be7e-1c60d81eb94a
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
hat sich ergeben:
I. A. Am 22. April 2010 verfügte das Verkehrsstrafamt B, A werde mit einer Busse von Fr. 40.- bestraft, weil er am 21. Januar 2010 die Höchstgeschwindigkeit überschritten habe. Für den Fall der Nichtzahlung drohte das Amt eine eintägige Ersatzfreiheitsstrafe an. Am 25. November 2010 verfügte der Polizeirichter der Stadt B den Vollzug der eintägigen Ersatzfreiheitsstrafe.
B. Am 9. August 2010 bestrafte das Stadtrichteramt C A mit einer Busse von Fr. 70.-, weil er am 3. Mai 2010 die zulässige Parkzeit überschritten hatte. Für den Fall der Nichtzahlung drohte ihm das Stadtrichteramt eine eintägige Ersatzfreiheitsstrafe an. Nachdem er die Busse trotz ordnungsgemässer Mahnung nicht bezahlt und von der Möglichkeit, die Busse durch gemeinnützige Arbeit abzuverdienen, keinen Gebrauch gemacht hatte, verfügte das Stadtrichteramt am 11. November 2010 den Vollzug der eintägigen Ersatzfreiheitsstrafe.
C. Den in den folgenden Monaten erlassenen Strafantrittsverfügungen leistete A keine Folge, weshalb das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich einen Verhaftsbefehl auslöste. Da A mangels festen Wohnsitzes nicht verhaftet werden konnte, schrieb ihn die Polizei im automatisierten Fahndungssystem (Ripol) zur Verhaftung aus.
D. Am 16. Februar 2012 um 16.20 Uhr wurde A auf der Poststelle D verhaftet. Sein Verhalten während der Verhaftung führte dazu, dass er wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte der Staatsanwaltschaft E zugeführt und im provisorischen Polizeigefängnis untergebracht wurde. Am 17. Februar 2012 verfügte das Vollzugszentrum F, dass A – zusätzlich zur eintägigen Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse von Fr. 70.- – einen Tag Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse von Fr. 40.- zu verbüssen habe, weshalb das Ende der aktuellen Gesamtstrafe auf den 18. Februar 2012 falle. Am 17. Februar 2012 wurde A aus dem Polizeigefängnis entlassen und zwecks Bussenvollzugs dem Vollzugszentrum F zugeführt, wo er um ca. 20 Uhr eintraf. Noch am gleichen Tag revozierte das Vollzugszentrum den Vollzug der die Busse von Fr. 70.- betreffenden Ersatzfreiheitsstrafe, nachdem das Stadtrichteramt C mitgeteilt hatte, dass A am 11. Februar 2012 Aufsichtsbeschwerde erhoben hatte. Am 18. Februar 2012 um ca. 20 Uhr wurde A aus dem Vollzugszentrum F entlassen.
E. Am 27. Februar 2012 reichte A bei der Direktion der Justiz und des Inneren des Kantons Zürich ein Schreiben betreffend Rechtsverweigerung ein. Darin machte er unter anderem geltend, der Freiheitsentzug vom 16.–18. Februar 2012 sei unrechtmässig erfolgt und müsse gerichtlich beurteilt werden.
F. Nachdem das Statthalteramt der Aufsichtsbeschwerde von A vom 11. Februar 2012 am 22. Februar 2012 keine Folge gegeben hatte, kam das Amt für Justizvollzug zum Schluss, die am 17. Februar 2012 revozierte Ersatzfreiheitsstrafe sei nun zu vollziehen. Am 2. Oktober 2012 teilte das Amt A mit, dass die eintägige Ersatzfreiheitsstrafe zu vollziehen sei, da er die Busse von Fr. 70.- noch nicht bezahlt habe; in rund vier Wochen werde ihm der Strafantrittsbefehl zugestellt.
G. Gegen das Schreiben des Amts für Justizvollzug vom 2. Oktober 2012 wandte sich A am 26. Oktober 2012 mit Briefen an das Vollzugszentrum F sowie – zuhanden von G – an die Justizdirektion. Letzteres Schreiben überwies der Generalsekretär der Justizdirektion am 1. November 2012 mit dem Vermerk "zur Erledigung" an die Staatskanzlei des Kantons Zürich.
H. Am 5. November 2012 wandte sich A an die Staatskanzlei und machte Rechtsverweigerung geltend: Es sei kein Rekursverfahren eröffnet worden, obwohl er am 27. Februar 2012 bei Regierungsrat H beanstandet habe, dass ihm vom 16.–18. Februar 2012 zu Unrecht die Freiheit entzogen worden sei.
I. Ebenfalls am 5. November 2012 lud das Amt für Justizvollzug A – wie am 2. Oktober 2012 angedroht – per 23. Januar 2013 um 9.30 Uhr zum Vollzug der eintägigen Ersatzfreiheitsstrafe im Vollzugszentrum F vor.
J. Mit Schreiben vom 20. Dezember 2012 nahm die Staatskanzlei zu diversen Schreiben von A Stellung, unter anderem auch zu jenen vom 26. Oktober 2012 und vom 5. November 2012. Die Staatskanzlei gelangte zum Schluss, dass die Eingaben von A keine Rügen enthielten, die in ihren Zuständigkeitsbereich fielen.
K. Da A die am 5. November 2012 angeordnete Ersatzfreiheitsstrafe am 23. Januar 2013 nicht antrat, wurde er am 22. Februar 2012 zur Verhaftung ausgeschrieben und am 21. März 2013 im Ripol eingetragen. Am 8. August 2013 wurde der Ripol-Eintrag wegen Verjährung der Strafe wieder ausgetragen.
II.
A. Am 30. Januar 2013 gelangte A mit "Rekurs" gegen das Schreiben der Staatskanzlei vom 20. Dezember 2012 an das Verwaltungsgericht. Das Gericht setzte ihm daraufhin Frist an, um eine verbesserte Beschwerdeschrift einzureichen. A reichte am 17. März 2012, am 20. März 2012 und am 28. April 2012 weitere Eingaben ein. Darin machte er geltend, ihm sei vom 16.–18. Februar 2012 zu Unrecht – ohne gerichtliche Bussenumwandlung und ohne Berücksichtigung seiner Verrechnungseinrede – die Freiheit entzogen worden. Ferner hätte er am 2. Oktober bzw. 5. November 2012 nicht erneut (trotz bereits vollzogener Ersatzfreiheitsstrafe) zum Strafvollzug vorgeladen werden dürfen. Sodann hätten sich die Behörden angesichts seiner zahlreichen Eingaben nicht weigern dürfen, ein formelles Verfahren zu eröffnen und dieses mit einem anfechtbaren Entscheid abzuschliessen. Ausserdem sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und es sei eine öffentliche Gerichtsverhandlung durchzuführen. Schliesslich müssten der verfahrensleitende Verwaltungsrichter sowie die stellvertretende verfahrensleitende Verwaltungsrichterin in den Ausstand treten.
B. Am 31. Juli 2013 ordnete das Verwaltungsgericht einen Schriftenwechsel an und verfügte gleichzeitig, auf die Ausstandsbegehren von A werde nicht eingetreten. Am 1. September 2013 erhob A beim Bundesgericht Beschwerde gegen die verwaltungsgerichtliche Nichteintretensverfügung. Darauf trat das Bundesgericht mit Urteil 1C_703/2013 vom 11. Oktober 2013 nicht ein.
C. Zu den Eingaben von A äusserten sich die Justizdirektion am 30. August 2013 und die Staatskanzlei am 3. September 2013. Dazu nahm A am 23. September 2013 Stellung. Am 19. Oktober 2013 reichte er beim Verwaltungsgericht eine weitere Eingabe ein und nahm am 14. November 2013 Einsicht in die Verfahrensakten. Am 9. Dezember 2013 reichte er beim Verwaltungsgericht abermals eine Stellungnahme ein.

Die Kammer erwägt:
Die Kammer erwägt:
1. 1.1 Der Beschwerdeführer macht unter anderem geltend, der Justizdirektion sei Rechtsverweigerung vorzuwerfen, weil sie seine Eingaben vom 27. Februar 2012 und vom 26. Oktober 2012 nicht als Rekurse gegen Anordnungen des Justizvollzugsamts behandelt habe. Das Schreiben des Beschwerdeführers an das Verwaltungsgericht vom 30. Januar 2013 ist deshalb als gegen die Justizdirektion gerichtete Rechtsverweigerungsbeschwerde entgegenzunehmen, zu deren Beurteilung das Verwaltungsgericht gemäss § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19 Abs. 1 lit. b des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) zuständig ist. Von der Rechtzeitigkeit der grundsätzlich nicht fristgebundenen Rechtsverweigerungsbeschwerde (vgl. Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 22 N. 26) ist auszugehen. Die an die Staatskanzlei gerichtete Eingabe des Beschwerdeführers vom 5. November 2012 ist ebenfalls als rechtzeitig erhobene, gegen die Justizdirektion gerichtete Rechtsverweigerungsbeschwerde entgegenzunehmen, die in den Zuständigkeitsbereich des Verwaltungsgerichts fällt. Kein zulässiges Anfechtungsobjekt im Sinn von § 41 Abs. 1 VRG stellt hingegen das Schreiben der Staatskanzlei vom 20. Dezember 2012 dar: Es ist nicht ersichtlich, inwiefern es sich bei diesem Schreiben um einen Rekursentscheid betreffend eine Anordnung im Sinn von § 19 Abs. 1 lit. a VRG handeln könnte, und zur Beurteilung eines Rechtsverweigerungsrekurses gegen die Justizdirektion ist wie gesagt nicht die Staatskanzlei, sondern das Verwaltungsgericht zuständig. Soweit man der Staatskanzlei (erstinstanzliche) Rechtsverweigerung vorwerfen wollte, weil sie weder eine anfechtbare Verfügung erliess noch die den Beschwerdeführer betreffenden Akten an die zuständige Instanz weiterleitete, wäre nicht beim Verwaltungsgericht, sondern beim Regierungsrat Beschwerde zu erheben (vgl. § 19b Abs. 2 lit. a VRG). Nach dem Gesagten ist das Rubrum des vorliegenden Urteils dahingehend zu ändern, dass nicht der Regierungsrat, sondern die Justizdirektion als Beschwerdegegnerin aufzunehmen ist, während die Staatskanzlei als Mitbeteiligte zu erachten und der Regierungsrat aus dem Rubrum zu entfernen ist.
1.2 Der Rechtsverweigerungsbeschwerde liegt eine Streitigkeit betreffend den Justizvollzug zugrunde, über die im Regelfall einzelrichterlich zu befinden ist (§ 38b Abs. 1 lit. d Ziff. 2 VRG). Die Ausführungen zum aktuellen Rechtsschutzinteresse (E. 1.3) sind indessen von grundsätzlicher Bedeutung, weshalb die Kammer – unter Einbezug von Verwaltungsrichter Rudolf Bodmer und Verwaltungsrichterin Bea Rotach (vgl. Sachverhalt II.A und II.B) – zu entscheiden hat (§ 38b Abs. 2 VRG).
1.3 Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer an der Prüfung seiner Rechtsverweigerungsrügen noch ein aktuelles Rechtsschutzinteresse hat, nachdem er die Ersatzfreiheitsstrafe vom 16.–18. Februar 2012 bereits verbüsst hat und die am 5. November 2012 angeordnete Ersatzfreiheitsstrafe infolge Verjährung nicht mehr vollzogen werden kann.