Decision ID: 5797f197-9d79-5346-8201-7ca85f03d94f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Z._
, geboren 1980, war von 2008 bis 2012 bei ver
schiedenen Arbeitgebern in unterschiedlichen Funktionen, von Juni 2012 bis April 2013 bei der
A._
AG, von Mai bis Dezember 2012 bei der
B._ AG
und von Januar bis September 2014 bei der
Y._
AG
als
Executive
Assistant
tätig, wobei der letzte Arbeitstag am
9. April 2014
war (Urk.
7/1; Urk. 7/10; Urk. 7/11
). Unter Hinweis auf
starke tägliche Schmerzen sowie auf physische und psychische B
e
schwerden meldete sie sich am
14. Januar 2015
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/1
= Urk. 3/9
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva)
bei (Urk.
7/6
) und holte bei
der
Begutachtungsstelle C._
ein
bi
disziplinäres
Gutachten
in den Disziplinen Psychiatrie und Rheumatologie
ein, das am
21. Juni 2016 erstattet wurde (Urk. 7/34
).
Gestützt auf die Stellungnahme
des Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 23
.
Dezember 2016 (Urk. 7/76 S. 10
) holte die IV
-Stelle ein weiteres
psychiatrisches Gutachten bei
Dr. med
.
D._
ein, welches am 30. August 2017 erstattet wurde (Urk. 7/48).
1.2
Am 18. Januar 2018 verfügte die IV-Stelle
die
Kostengutsprache für ein Belast
barkeitstraining (Urk.
7/53
= Urk. 3/19
), welches hernach vom 12. Februar bis 13. Mai 2018 bei der
E._
AG durchgeführt wurde. Am 8. Mai 2018 verfügte sie die Kostengutsprache für ein Aufbautraining (Urk. 7/65), welches vom 14. Mai bis am 11. November 2018 durch dieselbe Stelle durchgeführ
t wurde
(Urk. 7/70 Ziff. 9). Mit Verfügung vom 14. November 2018 brach die IV-Stelle die Integra
tionsmassnahmen aufgrund der gesundheitlichen Situation ab (Urk. 7/71
= Urk. 3/20
).
1.3
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk.
7/78
; Urk.
7/79; Urk. 7/81; Urk. 7/83
) sprach die IV-Stelle der Versicherten
mit Verfügung vom 13. Novem
ber 2019
b
ei einem Invaliditätsgrad von 50
%
eine halbe Rente ab Juli 2015 und bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente ab Februar 2019
zu (Urk.
7/88-91
= Urk. 2).
2.
Die
Personalvorsorgestiftung
X._
erhob am
6. Januar 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
13. November 2019
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und
die Angelegenheit sei zur neuen Prüfung der Leistungspflicht an die IV-Stelle zurückzuweisen
(Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
14. Februar 2020
(Urk.
6
)
unter Verzicht auf eine Stellungnahme zur Beschwerde deren
Abweisung.
Mit Verfügung vom 18. Februar 2020 (Urk. 8) wurde die Versicherte zum Prozess beigeladen und
ihr
Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt, worauf diese stillschweigend verzichtete.
Am 12. August 2020 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk. 6
).
Mit Eingabe vom 24. August 2020 er
suchte die Beschwerdeführerin um die Möglichkeit, eine zusätzliche Stellung
nahme und weitere Unterlagen einzureichen, wofür ihr am 27. August 2020 eine nicht erstreckbare Frist bis zum 30. September 2020 eingeräumt wurde (Urk. 12). Die Beschwerdeführerin liess sich innert der angesetzten Frist nicht mehr ver
nehmen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestim
mung
en (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV)
) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse ein
getreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revi
sions
grund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl.
BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rerseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus,
dass die
Versicherte
in ihrer Tätigkeit als Executive
Assistant
zu 50
%
ein
geschränkt sei, was einen Invaliditätsgrad von 50
%
begründe.
Aufgrund der Ver
schlechterung der gesundheitlichen Situation sei ihr ab November 2018 keine Tätigkeit mehr zumutbar, was einen Invaliditätsgrad von 100
%
begründe (
Be
grün
dungsteil
S. 1 Mitte).
Es sei eine eingehende medizinische Untersuchung durchgeführt worden. Der Schweregrad sei ausgewiesen. Eine reine Optimierung der Behandlung begründe keine Abweisung (
Begründungsteil
S. 2 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), entgegen der Beschwerdegegnerin habe die Versicherte bis heute noch nicht jede
Therapie ausprobiert. Vielmehr weigere sie sich trotz massiven geklagten Be
schwer
den und Einschränkungen, eine stationäre Behandlung durchzuführen,
mache geltend,
dass dies wegen der Aufgaben in der Familie beziehungsweise wegen der Kinder nicht möglich sei. Entweder sei die Versicherte also sehr ein
geschränkt und entsprechend ihrer Familie im Alltag auch keine grosse Hilfe
, oder sie sei nicht so eingeschränkt, wie sie angebe, und dann liege sehr wahrscheinlich auch keine volle Invalidität vor (Ziff. C).
Bedauerlicherweise habe die Beschwerdegegnerin seit November 2018 keinen Arztbericht mehr eingeholt und könne deshalb auch nicht wissen, wie es der Ver
sicherten gehe oder ob sie noch in Behandlung stehe. Nachdem die Beschwer
degegnerin die Versicherte anfänglich gleich zwei Mal extern habe begutachten
lassen, sei nicht nachvollziehbar, warum die Zusprache einer Invalidenrente be
ziehungsweise eine Erhöhung der Invalidenrente ab Februar 2019 jetzt einfach ohne medizinische Beurteilung erfolgt
s
e
i
. Soweit ein früheres Gutachten mit Ablauf der Zeit und zufolge veränderter Verhältnisse an Aktualität eingebüsst habe, seien nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung neue Abklärungen unab
ding
bar. Würde die Beschwerdegegnerin somit davon ausgehen, dass die beiden Gutachten noch hinreichend aktuell seien, so dürfte höchstens eine halbe Rente gewährt werden. Für die Zusprache einer (ganzen) Invalidenrente müsse unbe
dingt eine passende medizinische Beurteilung mit einem strukturierten Beweis
verfahren vorgenommen werden (Ziff. C).
2.
3
Unbestritten ist vorliegend die
Beschwerdelegitimation
(Art. 59 ATSG)
der Be
schwerdeführerin als Vorsorgeeinrichtung,
welche
sich aus der Bindungswirkung des vorliegend zu fällenden Entscheids ergibt
,
nachdem ihr die angefochtene Ver
fügung vom 13. November 2019 (Urk. 2) eröffnet worden ist (vgl. BGE 132 V 1 E. 3.2 und BGE 143 V 434 E. 2.2).
2.4
Strittig und zu prüfen ist vorliegend der Rentenanspruch der Versicherten
und
die Frage, ob der medizinische Sachverhalt durch die Beschwerdegegnerin genü
gend abgeklärt wurde.
3.
3.1
Gemäss Schadenmeldung UVG vom 8. April 2014 (Urk. 7/6/132
= Urk. 3/4
) habe
die
Versicherte
am 28. März 2014, als sie ihre vierjährige Tochter zur Toilette
habe
bringen woll
e
n
, bei deren Betreten eine Stufe übersehen und sei mit dem Kopf und Rücken auf einen Handtuchspender an der Wand gestürzt. Da sie ihre Tochter auf dem Arm gehalten und diese vor dem Aufprall habe schützen wollen, habe sie sich nicht abstützen können und sei mit voller Gewichtsbelastung gefallen (Ziff. 6).
3.2
Die Ärzte des
Instituts F._
führten im Bericht zur Magnetresonanztomographie (MRI) der Halswirbelsäule (HWS) vom 10. April
2014
(Urk. 7/6/122 = Urk. 7/6/74
= Urk. 7/17/15
= Urk. 3/6
)
aus,
es lägen ein Reiz
ödem in den
Pedikeln
links des zweiten und dritten Halswirbelkörpers (HWK 2/3) und diskrete degenerative Veränderungen der HWS mit leichten Osteochondrosen ohne Nachweis einer spinalen oder foraminalen Enge vor.
3.3
Die
Chiropraktorin
Dr.
G._
nannte im Bericht vom 21.
Oktober
2014 (Urk. 7/6/30) folgende Diagnosen:
-
akutes thorakales und
cervikozephales
Syndrom
-
Status nach HWS-Distorsion vom 28. März 2014
Subjektiv bestünden starke Schmerzen im Nacken und Kopf, gelegentlich auch im gesamten Schultergürtel, eine fehlende Belastbarkeit und grosse Müdigkeit. Es bestehe kein eindeutiges Korrelat zwischen den objektiven und subjektiven Befunden. Es dominiere eine ausgebreitete
Schmerzchronifizierung
.
3.4
Dr. med.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im Bericht vom 12. April 2015 (Urk. 7/17/
6-9) folgende Diagnosen (S. 1):
-
mittel- bis schwergradige depressive Episode (ICD-10 F32.1/F32.3) mit somatischem Syndrom
-
Panikstörung
(
F41
)
mit Übergang in generalisierte Angststörung
(
F41.1
)
-
unspezifische Essstörung bei Status nach Bulimie in der Jugend (Körper
bildstörung)
-
Status nach Unfall mit Distorsion der HWS und Prellung des Kopfes im April 2014 mit phasenweise starken Nacken- und Kopfschmerzen, Schmerzverarbeitungsstörung
Die ambulante Behandlung finde seit dem 30. Augus
t
2014 statt (vgl.
Urk. 7/17/1-5
Ziff. 1.2).
Seit dem Unfall leide die Patientin unter Panikanfällen, scheine aber schon vor dem Unfall sehr ängstlich gewesen zu sein, vor allem was die Gesundheit ihrer Kinder betreffe. Es bestehe eine auffällige Persönlichkeit. Vor allem sei der Selbstwert sehr stark an hohe Leistungen gebunden. Sie selber empfinde sich jetzt als völlig wertlos und habe ausgeprägte Schuldgefühle, da sie nicht 100
%
arbeite. Diese Persönlichkeitszüge erfüllten die Diagnosekriterien einer Persönlichkeitsstörung nicht. Dennoch lägen sie vor allem der Angststörung und auch der depressiven Störung zugrunde, verstärkten diese und führten zu einem prolong
ierten Verlauf (S. 3 unten). Die Patientin
habe sehr hohe Ansprüche an sich selber mit der Tendenz, sich dadurch völlig zu überfordern und zu blockie
ren. Im Moment sei sicher klar, dass sie nicht mehr zu 100
%
arbeitsfähig sei. In einer angepassten Tätigkeit (kurze Leistungsphasen abgewechselt mit der Mög
lich
keit, sich hinzulegen und auszuruhen) sei sie sicher zu 30 bis 50
%
arbeits
fähig. Eine Leistungsabklärung sei vorzuziehen, es sei niederschwellig zu be
ginn
en
, so dass die Patientin ein Pen
sum erfüllen könne, ohne zu scheitern, denn auf Rückschläge könne sie mit einer totalen Blockade reagieren (S. 4 Mitte).
3.5
Im Bericht vom 19. Juli 2015 (Urk. 7/19/5-7) nannte Dr.
H._
folgen
de Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Episode (F33) mit momentan leichten depres
siven Symptomen
-
generalisierte Angststörung F41.1 mit zeitweise Panikanfällen
-
somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
-
Verdacht auf das Vorliegen einer ängstlich-selbstunsicheren Persönlich
keitsstörung F60.6, mit
regredientem
Verhalten und Rückfall in kindliche Abhängigkeit
Die Patientin komme zuverlässig in die wöchentlich vereinbarten Sitzungen.
Es entstehe langsam das Bild einer Frau, welche seit dem frühen Erwachsenenalter
unter massiven Ängsten und Selbstunsicherheit gelitten habe. Durch ihren Ehr
geiz
habe sie sich selber ständig überfordert. Die chronifizierten Schmerzen seit dem Unfall hätten eine deutliche Funktionalität. Sie schützten die Patientin vor Über
forderung und gäben ihr die dringend benötigte Zuwendung der Schwieger
eltern, welche sie zuvor niemals gehabt habe. Es bestehe nun doch auch der Ver
dacht
auf das Vorliegen einer ängstlich-selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung, welche sie zuvor mit ihrem
Ehrgeiz habe phasenweise kompensieren können (S. 2 f.)
. Die Patientin entwickle sich hin zu einer immer grösseren Abhängigkeit (S. 3 Mitte). Im Moment betrage die Arbeitsunfähigkeit 100
%
(S. 3 unten)
3.6
Im Bericht vom 7. November 2015 (Urk. 7/20/6-8) führte Dr.
H._
aus, in der psychischen Verfassung gebe es ein ständiges Auf und Ab, auch die Leis
tungsfähigkeit sei entweder 150
%
oder 0
%
. Es sei keine Konstanz ersichtlich. Auch in der Rückschau habe die Patientin, sicher seit sie vor zirka acht Jahren in die Schweiz gekommen sei, keine konstante Leistungsfähigkeit über längere Zeit aufweisen können (S. 2 Mitte
).
Im Moment sei sie im freien Arbeitsmarkt sicher zu 100
%
arbeitsunfähig. Auch im Haushalt und bei der Kindererziehung sei sie sicher zu 50-70
%
eingeschränkt. Auch in diesen Bereichen schwanke die Leis
tungsfähigkeit sehr stark (S. 2 unten).
3.7
Am 21. Juni 2016 erstatteten Dr. med.
I._
, Fachärztin für Psy
chiatrie und Psychotherapie, und Dr. med.
J._
, Fach
arzt für Allgemeine Innere Medizin und Facharzt für Rheumatologie,
Begut
ach
tung
sstelle
C._
, ihr
bidisziplinäres
Gutachten (Urk. 7/34
= Urk. 3/15
).
Im psychiatrischen Teilgutachten (
Urk. 7/34/19-31) wurden folgende Diagnosen genannt (S. 9 Ziff. 5):
-
rezidivierende depressive Störung
-
aktuell leichte depressive Episode (F32.0)
-
generalisierte Angststörung (F41.1) mit kombinierter Panikstörung (F41.3)
-
chronische Schmerzstörung
-
mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.4)
-
ängstlich-selbstunsichere Persönlichkeitsstörung
-
mit emotional instabilen Anteilen (F60.6)
Spontan äussere die Explorandin Ängste, dass die Schmerzen bleiben würden, dass sie unheilbar krank sei. Teilweise lägen
katastrophisierende
Gedanken vor. Zum Teil entstehe der Eindruck, dass sie ihre Beschwerden andererseits
dissimu
lativ
schildere und ihre psychische Problematik nicht wahrhaben wolle. Gleich
zeitig zu den
dissimulativen
Tendenzen bestehe eine Grundüberzeugung von Wertlosigkeit, mit Angst vor Menschen, Schuld und herabgesetztem Selbst
wert
gefühl mit dem Zwang, hohe Leistungen bringen zu müssen. Sie wirke emotional instabil, was sich auch anhand der emotionalen Schwankungen während der
Exploration zeige, wo sie abwechselnd
geweint
und unvermittelt
ge
lach
t hab
e (S. 8
Ziff. 4.1).
Andererseits bestehe e
in grosses Ressourcenpotential
(S. 10 Ziff. 6.3).
Die Explorandin sei hinsichtlich ihrer Angaben widersprüchlich mit der Tendenz
zur Dissimulation, zudem bestünde
n widersprüchliche biograf
ische Angaben (S. 11
Ziff. 6.5).
Zuletzt habe die Explorandin in einem Pensum von 100
%
eine Tätigkeit als Exe
cutive
Assistant
bei mehreren Firmen ausgeübt mit hohen Anforderungen hin
sichtlich des Managements und Verwaltung von Agenden, Organisation von Reisen et
cetera
. Aktuell sei sie in einer angepassten Tätigkeit ohne solche zeit
lichen Anforderungen und Betreuung von komplexen Aufgaben zu 50
%
arbeits
fähig. Langfristig sei unter günstigem Verlauf eine Arbeitsfähigkeit von 80
% in einem angepassten Umfeld erreichbar (S. 11 f. Ziff. 6.7).
3.8
Im rheumatologischen Teilgutachten (Urk. 7/34/32-42) wurden folgende Diag
no
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt (S. 9)
-
chronisches
zervikospondylogenes
bis
zervikobrachiales
Schmerzsyndrom beidseitig (ICD-10 M53.1 respektive M53.0) bei/mit
-
Erstmanifestation nach Sturz mit Schädelkontusion / HWS-Distorsion im März 2014
-
myofaszialer Triggerpunkt-Symptomatik
periscapulär
-
Wirbelsäulen-Fehlhaltung/Haltungsinsuffizienz
-
klinisch geringem organischem Korrelat
-
Verdacht auf Symptomausweitung bei psychosozialer Konfliktsituation (Details vgl. psychiatrischer Gutachtensteil)
Rein seitens des Bewegungsapparates sollten alle Tätigkeiten im administrativen Umfeld
mit Möglichkeit zu regelmässigen Wechselpositionen ohne schwerere Hebe- und Tragbelastungen und ohne
Haltungsmonotonien
,
nicht
längerdauernd rein sitzend,
vornübergeneigt
stehend oder mit repetitiven Rumpfrotationen oder HWS-belastenden Stereotypien sowie ohne längerdauernden Einsatz der oberen Extremitäten achsenfern oder im Überkopfbereich in einem nahezu vollen Pen
sum bewältigt werden können. In einer gemäss diesem Belastungsprofil adap
tierten
Tätigkeit sei die Versicherte aus rein rheumatologischer Sicht zu 100
%
arbeitsfähig (S. 10 Ziff. 6.1-2).
3.9
Als Schluss
f
olgerung gemäss
bidisziplinärer
Konsensbesprechung (Urk. 7/34/
4-7) ergebe sich aktuell
für eine Tätigkeit als Executive
Assistant
eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 50
%
, soweit dabei Tätigkeiten unter hohem Zeitdruck und mit der Betreuung von komplexen Aufgaben vermieden werden könnten und
das
Belastungsprofils gemäss
rheumatologischem
T
eilgutachten (vorstehend E. 3.8
)
beachtet werde
. L
ängerfristig
sei die Arbeitsfähigkeit
unter günstigem V
erlauf auf 80
%
steigerbar.
Aus Sicht des Bewegungsapparats gälten diese Angaben zur Arbeitsfähigkeit unverändert seit Juli 2014, aus psychiatrischer Sicht sei aufgrund der teils widersprüchlichen Angaben in der Anamnese der Explorandin und der zur Verfügung stehenden Dokumentation nicht konklusiv möglich, so dass die aktuellen Angaben zur Arbeitsfähigkeit mit Sicherheit ab dem Gutachtens
zeit
punkt gälten (S. 5 Mitte). Es empfehle sich die Fortsetzung der im Jahr 2014 etab
lierten hochfrequenten psychiatrischen Behandlung mit medikamentöser antide
pres
siver Unterstützung (S. 5 unten).
3.10
In ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 10. November 2018 (Urk. 7/37) beant
wortete Dr.
I._
die von der Beschwerdegegnerin aufgeworfenen Zu
satz
fragen (vgl. Urk. 7/35). Dabei führte sie aus, es handle sich bei der chroni
schen Schmerzstörung um ein eigenständiges Leiden. Eine genaue Abgrenzung zwischen der Depression und dem Schmerzgeschehen sei schwierig quantifizier
bar
(S. 1 Mitte).
Zur Persönlichkeitsstörung sei zu ergänzen, dass die Explorandin sei
t
der Jugend affektiv schwankend gewesen sei, wiederholt den Beruf gewech
selt, ein unstetes Beziehungsmuster aufgewiesen und unter einem gestörten Ess
verhalten gelitten habe, gleichzeitig habe sie wiederholt zu einer Überforderung sowohl im beruflichen als auch privaten Kontext tendiert (S. 1 unten). Zur Konkretisierung der Angststörung
und
der Panikattacken sei zu ergänzen, dass die Explorandin immer wieder in panikartige Zustände gerate, weil sie etwa das Gefühl habe, erneut eine Anstellung suchen zu müssen, oder bei der Pflege der
Kinder, Haushaltsarbeiten und Terminwahrnehmung. Im Übrigen bestünden di
ffuse Ängste hinsichtlich der Zukunftsgestaltung, Alltagsbewältigung und Be
zie
hungsgestaltung zu ihrem Partner (S. 2 oben).
3.11
Dr. med.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
RAD
, führte in seiner Stellungnahme vom 23. Dezember 2016 (Urk. 7/76 S. 10) aus, es werde im Gutachten und in der ergänzenden
Stellungnahme (vorstehend E. 3.7-10
) nicht genügend zwischen den Schmerzanteilen einer somatoformen Störung und einer
eigenständigen de
pressiven Störung differenziert.
Es sei unklar, woraus die Diag
nose einer rezidivierende
n
depressiven Störung abgeleitet werde
. Nicht nachvoll
ziehbar sei zudem, dass die psychiatrische Begutachtung per Dolmetscherin in englischer Sprache durchgeführt worden sei, obwohl die Versicherte Portugie
sisch als ihre Muttersprache angebe. Es sei anzunehmen, dass die vorliegend be
sonders wichtige biografische Anamnese dadurch ins Hintertreffen geraten sei.
Es könne nicht empfohlen werden, auf das psychiatrische
C._
-
Teilgutachten ab
zustellen.
3.12
Am 30. August 2017 erstattete Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
sein psychiatrisches Gutachten (Urk. 7/48
= Urk. 3/18
). Er nannte folgende Diagnosen (S. 21):
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit somatischen und psychi
schen Faktoren (F45.4)
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und ängst
lich-selbstunsicheren Anteilen (F61.0)
-
generalisierte Angststörung mit kombinierter Panikstörung (F41.1, F41.3)
-
anhaltend depressives Zustandsbild, aktuell leichtgradige Ausprägung (F33.0)
Zum psychopathologischen Untersuchungsbefund hielt er fest (S. 15 f. Ziff. 4), die Auffassungs- und Konzentrationsfähigkeit sei ausreichend gewesen, subjektiv
habe
d
ie
Versicherte
jedoch massive kognitive Defizite im Alltag und diesbe
züg
lich eine grosse Verunsicherung hinsichtlich der eigenen Leistungsfähigkeit
be
schrieben
. Im Untersuchungsgespräch habe sich mit fortgesetzter Untersuchungs
dauer und unter forcierter Befragung
im Rahmen der zunehmenden affektiven Instabilität ein kognitiver Leistungsabfall unter Dauerbelastung gezeigt. Der An
trieb sei eher herabgesetzt, psychomotorisch
sei
sie sehr kontrolliert, innere Un
ruhe vermittelnd, etwas verlangsamt. In der Stimmungslage sei sie zunächst sehr um ein positiv-optimistisches Auftreten bemüht und dabei über weite Strecken kontrollierend-
fassadär
im Verhalten und in der Kommunikation gewesen, wobei die affektive Modulierbarkeit gegeben sein. Mit zunehmender Untersuchungs
dauer habe hinter diesem Deckaffekt eine depressive Grundauslenkung imponiert mit ausgeprägter emotionaler Instabilität, verminderter Belastbarkeit und Stress
resistenz. Die Explorandin habe immer wieder emotionale Einbrüche gezeigt, wenn es um den Vergleich zwischen vor und nach dem Unfall 2014 gegangen se
i
. Diesbezüglich zeige sie ein massives Belastungserleben und könne diese Ein
brüche zunehmend
nicht
kontrollieren, in diesem Zusammenhang würden auch wiederkehrend ohne erkennbaren Auslöser auftretende Panikattacken mit Druck
gefühl und Atemnot berichtet. Ich-strukturell zeige sich eine hohe Vulnerabilität und Fragmentierung, die Explorandin vermittle eine ausgeprägte Identitäts
prob
lematik, zeige sich über
weite Strecken sehr reizempfindlich und durchlässig sowie hochvulnerabel im Identitätserleben.
Die
Persönlichkeitsstruktur (
S. 16 f.) mit emotional instabilen, ängstlich-unsiche
ren Zügen vermittle ein massive Identitäts- und Persönlichkeitsproblematik. Die Versicherte sei durchgängig sehr bemüht, ein positives Bild von sich als leistungs
starke
r
, extrem belastbare
r
Person vor dem Unfall darzustellen und beschreibe ihre Familie, die Vorgeschichte, die aktuelle Situation und die Beziehung zu ihren
Verwandten extrem beschönigend. Hinsichtlich der biografischen Angaben h
andle es sich nicht um ein Verständigungsproblem, sondern sie habe im Rahmen ihrer Pathologie ausgeprägte Abwehrmechanismen aufgebaut, wolle nichts von sich preisgeben und dissimuliere im Kampf um die Wiedererlangung des eigenen ursprünglichen Selbstbildes ständig. Diesbezüglich erlebe sie die aktuell empfun
dene Leistungsinsuffizienz massiv konflikthaft gegenüber ihrem überhöhten Per
sönlichkeitsbild vor dem Unfallereignis, welches sie fest als real integriert habe. In diesem Zusammenhang idealisiere sie auch ihre Mutter als grosses Vorbild und verneine
entgegen den Angaben in den Akten
psychische Vorerkrankungen
so
wohl
bei
dieser als auch bei sich selber.
Es fänden sich deutlich
e
Hinweise für eine erhebliche richtungsgebende Mitausge
s
taltung des Schmerzsyndroms im Rahmen der innerpsychischen Konfliktdynamik aufgrund des verloren erlebten idealisierten Selbstbildes sowie dafür, dass die dargestellte Psychodynamik und Persönlichkeitspathologie in grossen Teilen bewusstseinsfern abliefen.
Es müsse mindestens ein massiv
vorlabilisiertes
innerpsychisch-persönlich
keits
strukturelles Gleichgewicht im Rahmen einer mindestens mit erhöhter Wahr
schein
lichkeit anzunehmenden persönlichkeitsstrukturellen Akzentuierung ange
nommen
werden, die
durch das somatisch wenig schwerwiegende Unfallereignis 2014 dekompensiert und mass
iv richtungsgebend entsprechend
dem aktuellen Ausprägungsgrad
der
Persönlichkeit verstärkt worden sei. Dabei sei die Explo
randin zunehmend nicht
mehr
in der Lage gewesen, die primär ängstlich-unsi
cheren Persönlichkeitsanteile durch überkompensierende Leis
tungsbereitschaft auszugleichen
(S. 22
).
Gesamthaft ergäben sich keine Widersprüche zur Beurteilung der ambulanten Psychiaterin und der Vorgutachterin Dr.
I._
(S. 22 unten).
Unter Abwägung der Psychopathologie und der resultierenden funktionellen Ein
schränkungen gegenüber den bestehenden Ressourcen, theoretischen Leistungs
re
serven und mit zu berücksichtigenden angedeuteten Inkonsistenzen
bestehe eine
mindestens mittelgradige Leistungsbeeinträchtigung entsprechend einer ab
leit
baren Arbeitsunfähigkeit von 50
%
, wobei die Explorandin für die diesbe
zügliche
Umsetzung auf einen stufenweise integrierenden begleiteten Wiederein
gliede
rung
sprozess angewiesen sei. Im Tätigkeitsprofil erscheine entsprechend dem intellektuellen Ausgangsniveau und den berichteten Vortätigkeiten einfache Büro
arbeiten ohne Zeitdruck und in einem ruhigen wohlwollenden Arbeitsumfeld ideal. Die aktuelle Leistungsbeschränkung sei mindestens seit Behandlungsbeginn bei Dr.
H._
im Jahr
2014 anzunehmen. Zeitweise könnten formal auch zeitlich begrenzte höhergradige Limitierungen bis hin zu einer Arbeits
unfähigkeit von 100
%
im Rahmen
dekompensierender
Krisen vorgelegen haben, im Längsverlauf sei aber von einem theoretisch noch erkennbaren wahr
schein
lichen Leistungspotenzial für eine Arbeitsfähigkeit von zumindest 50
%
unter den ausgeführten begleiteten angepassten Rahmenbedingungen auszugehen (S. 23 f
.).
Die Versicherte sei auf eine langfristig ausgerichtete ambulante psychothe
ra
peu
tisch-psychopharmakologische Behandlung nach Massgabe der ambulanten Be
handler angewiesen. Die diesbezüglichen Anforderungen seien im Rahmen der aktuellen Therapie vollumfänglich erfüllt.
Unter fortgesetztem Therapieprozess und der Voraussetzung, dass es gelinge, die Explorandin zeitnah in einen beruf
lichen Reintegrationsprozess hinein zu begleiten, könne medizinisch-theoretisch im Verlauf noch mit erhöhter Wahrscheinlichkeit eine weitere gesundheitliche Stabilisierung und Erhöhung der Leistungsfähigkeit hinsichtlich einer noch mög
lichen Arbeitsfähigkeit von 70-80
%
bezogen auf ein angepasstes Tätigkeitsprofil möglich sein (S. 24 unten).
3.13
Die Integrationsmanagerin der
E._
AG erstattete
am
3
.
Mai
2018
ihren Zwi
schenbericht über das Belastbarkeits
training vom 12. Februar bis
3. Mai
2018 (Urk. 7/64). Das Zwischenziel
einer
schrittweise
n
Steigerung von 2 auf 4 stabil erbrachte Stunden pro Tag ohne unbegründete Fehlzeiten
sei
erreicht worde
n (S. 1 f. Ziff. 4). Zwar habe d
ie
Versicherte
bereits nach wenigen Wochen über Erschöpfungssymptome, starke Müdigkeit und Schmerzen in der Schulter und im Nacken geklagt. Sie könne aber aktuell die vierstündige Präsenzzeit an fünf Tagen stabil wahrnehmen (S. 2 Ziff. 5). Im Anschluss an das Belastbarkeitstraining werde ein Aufbautraining empfohlen mit dem Ziel, die Präsenz und Leistungs
fähigkeit weiter zu steigern (S. 2 Ziff. 6).
3.14
Am 10. August 2018 erst
attete
die
Integrationsmanagerin der
E._
AG
ihren Zwischenbericht über das Aufbautraining vom 14. Mai bis zum 10. Augu
st 2018 (Urk. 7/69). Sie führte
aus, die Ziele hätten teilweise erreicht werden können. Eine Stundensteigerung auf 5 Stunden mit zusätzlicher einstündiger Mittagspause habe zwar termingerecht realisiert werden können, habe jedoch aufgrund der
erhöhten Erschöpfungserscheinungen wieder rückgängig gemacht werden müssen
. Aktuell
nehme die Versicherte eine vierstündige Trainingszeit mit zusätzlicher Mittagspause stabil wahr. Die Leistungsfähigkeit werde zurzeit auf 30
%
ge
schätzt (S. 2 Ziff. 5). Über den Berichtsraum habe sie von Bauchschmerzen, Migräne, Druck in der Brust und starkem Herzklopfen berichtet. Nach dem Training habe sie aufgrund der starken Müdigkeit jeweils eine lange Erho
lungs
zeit und viel Schlaf benötigt. Sie sei als äusserst leistungsorientierte, engagierte und präzis arbeitende Person erlebt worden, habe eigene Ideen eingebracht, sich motiviert und hilfsbereit gezeigt und auch gerne fordernde Zusatzaufgaben über
nommen (S. 2 Ziff. 6). Es werde empfohlen, das Aufbautraining fortzuführen, wo
bei aktuell jedoch die Präsenz und die Arbeitsfähigkeit zu stabilisieren seien und erst in einem zweiten Schritt die Präsenzzeit zu steigern sei (S. 3 Ziff.
7
).
3.15
Am 12. November 2018 erstattet
e
die
Integrationsmanagerin
ihren Abschluss
bericht über die am Vortag beendeten Eingliederungsmassnahmen (Urk. 7/70).
Dabei hielt
sie fest, dass eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt nicht möglich sei, was an folgenden Faktoren liege: Schlechte körperliche und psychische Ge
sundheitssituation, Erschöpfungssymptome, geringe Belastbarkeit, fehlende Kon
stan
z der Präsenzwahrnehmung (S. 1 Ziff. 4
).
Um eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt erreichen zu können, sei eine gesundheitliche Stabilisierung durch therapeutische Massnahmen notwendig (S. 2 unten Ziff. 4).
Im zweiten Teil des Aufbautrainings habe die Präsenzzeit aufgrund körperlicher Symptome nicht mehr stabil erbracht werden können. Es sei
zu 21 Krankheitstagen gekommen
. Die geplante Stundensteigerung habe aufgrund dessen nicht realisiert werden können
(S. 3 Ziff. 5).
Konkret habe die Versicherte weiterhin eine ausgeprägte Müdigkeit belastet. Ende September
201
8
habe sie sich aufgrund von Schüttel
frost und Schwindel vom Training abmelden müssen.
Zwar habe
sie Anfang Oktober
201
8
wieder am Training teilnehmen, ihren geplanten Arbeiten jedoch nicht nachgehen können. Es habe ihr an Energie und Konzentrationsfähigkeit gefehlt, so dass nur kreative Arbeiten möglich gewesen seien. Danach seien bis
Anfang November
201
8
weitere krankheitsbedingte Absenzen gefolgt (S. 4 Ziff. 8).
Aufgrund der vielen Krankheitstage und der grossen psychischen und physischen Belastung und Erschöpfung könne im Anschluss an das Aufbautraining keine weiterführende Massnahme empfohlen werden. Gesundheitliche Massnahmen stün
den aktuell im Vordergrund (S. 4 Ziff. 9
).
Entsprechend brach die Beschwerdegegnerin die Integrationsmassnahmen mit Verfügung vom 14. November 2018 ab (Urk. 7/71 = Urk. 3/20).
3.16
Dr.
H._
(vorstehend E. 3.
4-
6) führte im Bericht vom 26. November 2018 (Urk. 7/73/4-6
= Urk. 3/21
) aus, bei der Patientin hätten sich nach der Nachricht,
dass die Integration abgebrochen werden müsse, vor allem die de
pressiven Symptome verstärkt. Es bestehe ein tiefes Gefühl, sich selber verloren zu haben, nicht mehr zu wissen, wer sie sei, und den Bezug zur Umwelt verloren zu haben. Sie fühle sich wie in einem Traum, ziehe sich ins Bett zurück und wolle mit niemandem etwas zu tun haben. Sie berichte explizit darüber, dass ihr die Struktur fehle und sie keinen Lebenssinn mehr sehe. Es seien Suizidgedanken vorhanden. Die Konzentration und Merkfähigkeit seien deutlich beeinträchtigt, im Alltag mache sie Fehler, so verlege sie etwa Dinge, welche sie nicht mehr finde (Ziff. 1.3). Im Moment sei die Patientin in keinem Rahmen fähig zu arbeiten, sie brauche weitere psychiatrisch-therapeutische Massnahmen (Ziff. 2.1). Auch im Bereich Haushalt und Kinderbetreuung sei sie nicht mehr in der Lage, ihre Auf
gaben zu bewältigen. Zum Glück seien im Moment ihre Eltern aus Brasilien hier und könnten viele Dinge übernehmen. Der ältere Sohn sei soweit selbständig, dass er auch für die kleine Schwester sorgen könne (Ziff. 2.2).
Die Prognose sei eher ungünstig. In Krisensituationen wie jetzt zeige sich, dass die Patientin psychisch sehr instabil sei.
Bezüglich
der
Arbeit
sfähigkeit
sei die Prognose momentan schlecht. Die Patientin sei sehr labil, könne teilweise über eine kurze Zeit gute Leistungen erbringen, verfalle dann aber wieder in Phasen mit starken psychischen Symptomen, welche die Funktionsfähigkeit stark beein
trächtigten. Die Krankheit verlaufe phasenweise (Ziff. 3.3). Die ambulante Thera
pie werde nun intensiviert und es sei eine teilstationäre Behandlung vorgesehen. Danach könne eine Arbeit im geschützten Rahmen oder eine Freiwilligenarbeit versucht werden (Ziff. 4.1). Die Belastbarkeit für Wiedereingliederungsmass
nah
men sei nicht gegeben (Ziff. 4.2). Die Patientin wäre hoch motiviert gewesen, die Integration trotz allem weiterzuführen. Für sie sei es ein extrem harter Schlag gewesen, dass sie die geforderten Leistungen nicht habe erbringen können (Ziff. 4.3).
3.17
Dipl. med.
L._
, Facharzt für Neurologie und Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom
17. Janu
ar 2019 (Urk. 7/76 S. 14) aus, es könne weiter
hin
auf das Gutachten von
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.12
) abgestellt werden. Die Versicherte habe bis zu einem Pensum von 4 Stunden sehr gute Leistungen gezeigt, sei pünktlich gewesen und habe regelmässig an den Massnahmen teilgenommen. Bei Steigerung der Präsenzzeit sei es zur erneuten psychischen Dekompensation gekommen. Die Behandlungsmassnahmen seien nicht ausgeschöpft. Trotz allem sei nicht mit einer schnellen Rückkehr in eine Erwerbstätigkeit zu rechnen. Die medizinischen Massnahmen seien zu intensivieren, so
sei
eine mehrwöchige stationäre psycho
so
matische Behandlung oder die vorgeschlagene Tagesklinik zu empfehlen. Gegenwärtig bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
, ab November 2018 sei
eine Verschlechterung eingetreten. Eine erneute medizinische Beurteilung sollte in 2 Jahren erfolgen.
4.
4.1
Das psychiatrische Gutachten von Dr. med.
D._
vom 30. August 2017 erfüllt die Voraussetzungen an einen beweiskräftigen ärztlichen Bericht (vorstehend E. 1.
6
). Seine
Beurteilung umfasste
sodann
das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Be
lastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde. Der psychiatrische Gutachter ist bei der Beantwortung der Frage, wie er das Leis
tungsvermögen einschätzte, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, er hat aus
schliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesund
heitli
chen Beeinträchtigung sind, und seine versicherungsmedizinische Zumut
bar
keits
beur
tei
lung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsan
wen
dung zu prüfende Frage, ob er sich an die massgebenden normativen Rah
men
bedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der ein
schlägigen Indi
katoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist zu bejahen. Die funk
tio
nel
len Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heitlichen Anspruchs
grund
lage lassen sich anhand der Standardindika
toren schlüssig und wider
spruchs
frei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, weshalb
grund
sätzlich
auf das Gutachten abzustellen ist.
Diese Auffassung vertrat
auch RAD-Arzt
Dr.
L._
(vorstehend E. 3.17
) und mit ihm die Beschwerdegegnerin (vorstehend E. 2.1).
Es ergeben sich sodann keine wesentlichen Widersprüche zwischen dem Gutachten von Dr.
D._
und dem Vorgutachten von Dr.
I._
(vorstehend E.
3.7
)
sowie
den Berichten der
behandelnden Psychiaterin Dr.
H._
(vorstehend E.
3.4-6
), was Dr.
D._
explizit festhielt.
4.2
Auch von Seiten der Beschwerdeführerin werden die im August 2017 getroffenen Feststellungen de
s Gutachters nicht angezweifelt.
Vielmehr stösst sie sich daran,
dass die angefochtene Verfügung vom November 2019 eine vollständige Invalidi
tät der Versicherten ab November 2018 annahm, ohne eine neue medizinische Beurteilung vorgenommen zu haben (vorstehend E. 2.2).
Dem ist zu entgegnen, dass die Beschwerdegegnerin im Januar 2019 durchaus eine
medizinische
Beurteilung durch den RAD-Arzt Dr.
L._
vor
nehmen liess (vorstehend E. 3.17
). Dieser kam zum Schluss, dass nach der Verschlechterung des Gesundheitszustands und der Dekompensation im November 2018 nicht mit einer schnellen Rückkehr ins Erwerbsleben zu rechnen sei. Entsprechend empfahl er eine erneute medizinische Beurteilung erst in zwei Jahren. Es sind keine Anhaltspunkte für Zweifel an dieser fachärztlichen
Empfehlung
ersichtlich, nachdem die
Versicherte bereits seit April 2014 keiner Erwerbstätigkeit mehr nach
ging und die
im Februar 2018 gestarteten Eingliederungsmassnahmen trotz hoher Motivation seitens der Versicherten im November 2018 abgebrochen werden musste
n
(vorstehend E. 3.15
). Die
se
Dekompensation
ist durch die
sorg
fältigen
Berichte der Eingliederung
sinstitution (vorstehend E. 3.13-15
) und
der behandelnden
Psychiaterin (vorstehend E. 3.16
) dokumentiert und ist stimmig mit
der von dieser
bereits im April 2015 getroffenen Annahme, ein Scheitern in der Leistungsabklärung könne zu einer totalen Blockade führen
(vorstehend E. 3.4
). Die Dekompensation ist mit Blick auf das vom Gutachter detailliert
und diffe
renziert
gezeichnete Krankheitsbild
, etwa auf die symptomverstärkende Konflikt
haftigkeit des idealisierten Selbstbildes mit den bestehenden Leistungseinschrän
kungen im Rahmen der ängstlich-unsicheren Persönlich
keitsstörung, gut nach
vollziehbar.
4.3
Die Berichte der
E._
AG über das über einen Zeitraum von 9 Monaten absolvierte und schliesslich abge
b
rochene Belastungs- und Aufbautraining liefert einerseits ein eindrückliches Zeugnis für die hohe Motivation der Versicherten, sich trotz aller Widrigkeiten in die Arbeitswelt zurück kämpfen zu wollen
,
und andererseits dafür, wie gross diese Widrigkeiten effektiv sind. Die Leistungsspitze erreichte die Versicherte nach dem ersten Teil des Aufbautrainings im August 2018, als sie
eine vierstündige Trainingszeit mit zusätzlicher Mittagspause stabil wahrn
ehmen konnte (vorstehend E. 3.14
). Die Leistungsfähigkeit wurde dabei auf 30
%
geschätzt, wobei unklar ist, ob damit eine Arbeitsfähigkeit von 30
%
gemeint war oder ob diese aufgrund der bloss halbtätigen Präsenzzeit im Ergebnis gar nur 15
%
betrug. Nicht unberücksichtigt bleiben darf jedenfalls, dass auch diese Leistungsspitze nur unter diversen psychosomatischen Symptomen und einer starken Müdigkeit erreicht werden konnte, so dass die Versicherte jeweils nach dem Training eine lange Erholungszeit und viel Schlaf benötigte.
Hinweise für Aggravation oder Selbstlimitierung
bestehen keine, im Gegenteil wu
rd
en
sowohl vom Gutachter Dr.
D._
als auch von der Vorgutachterin Dr.
I._
(vorstehend E.
3.7
) ein dissimulierendes, beschönigendes Ver
halten der Versicherten festgestellt.
Der Gutachter hatte die Arbeitsfähigkeit medizinisch-theoretisch auf 50
%
einge
schätzt und festgehalten, die Versicherte sei für die diesbezügliche Umsetzung auf einen stufenweise integrierenden begleiteten Wiedereingliederungsprozess angewiesen. Dieser
Wiedereingliederungprozess
wurde im Februar 2018 von allen Seiten äusserst seriös angegangen und führte zu einer maximalen zwischen
zeit
lichen Arbeitsfähigkeit von 30
%
, bevor es schliesslich
im Herbst 2018 zur gesundheitlichen Verschlechterung und
im November 2018 zur Dekompensation
mit dem damit einhergehenden vollständigen Verlust der Arbeitsfähigkeit kam. Angesichts der multiplen psychischen Beschwerden
der Versicherten und den abge
brochenen
Wiedereingliederungsbemühungen ist
schlicht nicht
vorstellbar, dass sie in den 12 Monaten bis zum Verfügungserlass im November 2019 eine Arbeitsfähigkeit von mehr als 30
%
erlangen konnte.
Dies ist augenscheinlich und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt
.
Zu diesem Zeitpunkt trat eine erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse ein, womit der zur Renten
abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist (vgl. vorstehend E. 1.3).
Die Beschwerdeführerin beruft sich auf
das Urteil
des Bundesgerichts vom 7. März 2018, wonach neue Abklärungen unabdingbar seien, s
oweit ein früheres Gut
ach
ten mit Ablauf der Zeit und zufolge veränderter Verhältni
sse an Aktualität ein
gebüsst habe (E. 3.2.3). Sie verkennt dabei, dass
sich die Verhältnisse zwar ver
schlechtert,
das Gutachten von Dr.
D._
aber
nicht im eigentlichen Sinne an Aktualität eingebüsst hat: Die
relativ
komplexe psychiatrische
Grundp
roblematik
im Zusammenspiel mehrerer psychischer Störungen besteht weiterhin
, es kam im
Herbst
2018 lediglich zu einer weiteren Dekompensation. Der Gutachter hatte
bereits 2017
festgehalten, dass
seit 2014 im Verlauf zeitlich begrenzte höher
gradige Limitierungen bis hin zu einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
im Rahmen
dekompensierender
Krisen vorgelegen hätten
(vorstehend
E. 3.12
). Das Wiederer
langen einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
hatte er zudem an eine erfolgreiche Wiedereingliederung geknüpft. Die Realität sah wie gesagt aber so aus, dass die Wiedereingliederung zumindest vorläufig noch nicht zu einem solchen Rende
ment, sondern zu einer maximalen Arbeitsfähigkeit von 30
%
führen konnte. Dies steht – wie oben ausgeführt – fest. Es ist daher nicht ersichtlich, inwiefern, nach
dem innert relativ kurzer Zeit bereits zwei
überzeugende
psychiatrische Gutach
ten mit praktisch deckungsgleichen
Beurteilungen
ergangen sind, die von der Beschwerdeführerin beantragte erneute psychiatrische Begutachtung neue, für
die Beur
teilung des vorliegenden Falles entscheidende Erkenntnisse liefern könnten
. Auf weitere Abklärungen ist daher im Sinne der antizipierten Beweiswürdigung zu verzichten (BGE 122 V 157 E. 1d).
4.4
Dr.
D._
hielt nicht explizit fest, dass der Versicherten die bisherige Tätigkeit als Executive
Assistant
nicht mehr zumutbar sei. Implizit tat er dies jedoch, indem er ein Tätigkeitsprofil als ideal erachtete, das einfache Bürotätigkeiten ohne Zeitdruck in einem ruhigen wohlwollenden Arbeitsumfeld umfasse. Auch be
treffend die retrospektive Arbeitsfähigkeit von 50
%
seit April 2014 hielt er fest, dieses Leistungspotenzial habe unter den angepassten
Rahmenbedingungen ge
golten.
Schliesslich koppelte er auch die allfällige spätere Steigerung der Arbeits
fähigkeit auf 70 bis 80
%
an ein angepasstes Tätigkeitsprofil. Die Äusserungen des Gutachters
können somit auch mit Blick auf die bestehenden
funktionellen
Einschränkungen nicht anders verstanden werden, als dass in der bisherigen Tätigkeit als Executive
Assistant
keine zumutbare Arbeitsfähigkeit mehr besteht.
Auch im Vorgutachten – welches ersichtlicher Weise sowie nach Einschätzung
von Dr.
D._
nicht im Widerspruch zu seiner Beurteilung steht – hatte Dr.
I._
ausgeführt, die bisherige Tätigkeit sei mit hohen Anforderungen hinsichtlich des Managements und der Verwaltung von Agenden, Organisation von Reisen et
cetera
verbunden gewesen. Die Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestehe in einer angepassten Tätigkeit ohne solche zeitlichen Anforderungen und Be
treuung von kompl
exen Aufgaben (vorstehend E. 3.7
). Auch diese Einschätzung impliziert eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen anspruchsvollen Tätigkeit als Executive
Assistant
.
Indem die
C._
-Gutachter in der
bidisziplinären
Beurteilung (vorstehend E. 3.9
) dann festhielten, für die zuletzt ausgeübte Tätig
keit als Executive
Assistant
bestehe eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 50
%
, soweit die erwähnten hohen Anforderungen wegfielen, steht dies im Widerspruch zum psychiatrischen Teilgutachten und ist nicht nachvollziehbar, da die Arbeit als Executive
Assistant
diese
hohen
Anforderungen definitionsgemäss beinhaltet
, erst recht, wenn damit ein so hohes Einkommen verbunden sein soll, wie die Versicherte in den Jahren vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens erzielte
(vgl.
dazu nachstehend E. 5.7
).
4.5
Nach dem Gesagten ist erstellt, dass die Versicherte
seit Beginn der ambulanten psychiatrischen Behandlung im August
2014 in ihrer bisherigen Tätigkeit
zu 100
%
arbeitsunfähig ist. In einer
angepasste
n
Tätigkeit
, welche
einfache
Büroar
beiten ohne Zeitdruck
in einem ruhigen wohlwollenden Arbeitsumfeld
umfasst, war sie von
August
2014 bis Oktober 2018 zu 50
%
und ist sie
gestützt auf die Beurteilung durch
Dr.
L._
(vgl. vorstehend E.
3.17)
seit November 2018
infolge
einer
erheblichen
Verschlechterung ihres Gesundheitszustands
zu
10
0
%
arbeits
un
fähig
.
5.
5.1
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen dieser Ein
schrän
kungen aufgrund des Einkommensvergleichs vorzunehmen.
5.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
ver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er
werbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
ge
passten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
5.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
be
nen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Der Griff zur
Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermitt
lung des Invalideneinkommens auf
grund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5.5
Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grund
sätzlich auf die Gegeben
heiten im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V 222). Ein Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches. Die
IV-Anmeldung ging am 16. Januar 2015 bei der Beschwerdegegnerin ein (Urk.
7/1 sowie Aktenver
zeichnis zu
Urk.
7). Ein allfälliger Rentenanspruch bestünde somit frühestens ab dem 1. Juli 201
5.
5.6
Voll erwerbstätig war die
Versicherte
zuletzt im Jahr 201
4.
Bei einem verein
bar
ten Bruttojahreseinkommen von Fr. 95'000.-- war sie
von Februar
bis Septem
ber 2014
angestellt (Urk. 7/11 Ziff. 2.10
).
Im Jahr 2012 hatte sie
ein Brutto
jahres
einkommen von Fr.
71'101.—und im Jahr 2013 ein solches von
88'001.
-- erzielt (Urk. 7/10).
Der letzte Arbeitstag im Jahr 2014 war bereits am 9. April. Per Ende September 2014 wurde das Arbeitsverhältnis seitens der Arbeitgeberin
Y._
AG gekündigt (Urk. 7/11 Ziff. 2.1-3).
Auch die beiden vorhergehenden Anstellungen als Executive
Assistant
bei der
A._
AG und der
B._
AG
hatte die Versicherte lediglich 10 beziehungsweise 7 Monate inne. Eine Konstanz lag in beruflicher Hinsicht also nicht vor, was auch die behandelnde Psychiaterin
im November 2015
feststellte (
vorstehend E. 3.6
).
Überwiegend wahrscheinlich ist daher, dass die Versicherte auch im Gesundheits
fall ihre Stelle bei der
Y._
AG
am 1. Juli 2015 nicht mehr innegehabt hätte, womit eine Ausnahme von der Anknüpfung an
den
zuletzt erzielte
n
Ver
dienst gerechtfertigt ist (vorstehend E. 5.3).
Es erscheint
denn auch nicht als sach
gerecht, an diesem
gegenüber den Vorjahren markant höheren
Einkommen anzu
knüpfen, nachdem die Versicherte die betreffende Stelle
effektiv
nur rund zwei Monate ausführen konnte.
Angemessener Weise ist der Berechnung des
Valideneinkommens
der Durch
schnitt der in den Jahren 2012-2014 erzielten Bruttojahreseinkommen zugrunde zu legen, welcher Fr. 84'701.- beträgt
.
Unter Berücksichtigung der allgemeinen Lohnentwicklung im Jahr 2015 in der Höhe von 0.4 % (Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Real
löhne, 1910-
2017, T 39) resultiert ein Valideneinkommen von rund Fr.
8
5’
039.-- (Fr. 84
’
701
.--
x 1.004
).
5.7
In den Folgejahren war die
Versicherte
nicht mehr erwerbstätig
, weshalb die Ermittlung des Invalideneinkommens nicht konkret erfolgen kann, sondern ge
stützt auf die statistischen Tabellenlöhne vorzunehmen ist.
Anges
ichts der Zumutbarkeit einer 50
%igen behinderungsangepassten Tätig
keit steht der
Versicherten
auch bei Beachtung dessen, dass diese
einfache Büroar
beiten ohne Zeitdruck in einem ruhigen wohlwollenden Arbeitsumfeld umfassen sollte,
eine
gewisse
Palette von
so gearteten Bürot
ätigkeiten offen.
Aufgrund der aber doch relativ
spezifischen Umschreibung
der angepassten Tätigkeit als Büro
arbeit und der entsprechend einschlägigen Berufserfahrung der Versicherten recht
fertigt es sich,
auf den Durch
schnittslohn
aus der Berufshauptgruppe Ziff. 4 (
Bürokräfte und verwandte Berufe
)
in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten
und öffentlichen
Sektors abzu
stellen (LSE 2014,
Tabellengruppe
T17
, F
rauen, 30-49 Jahre
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_926/2015 vom 11. April 2016 E. 3.3
)
.
Das im Jahr 2014 von
allen 30 bis 49 Jahre alten, als Bürokräfte oder in verwandten Berufen tätigen
Frauen erzielte
Einkommen betrug pro Monat Fr. 5‘848
.--, mit
hin
Fr. 70‘176.-- im Jahr (Fr. 5‘848
.-- x 12). Der durch
schnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2014 von 41.7 Stunden
(Bun
desamt für
Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, T.
03.02.03.01.04
.01)
angepasst, ergibt dies den Betra
g von rund Fr. 73‘158.-- (Fr. 70‘176
.-- : 40 x 41.7). Unter Berücksichtigung der allgemeinen Lohnent
wicklung im Jahr 2015 in der Höhe von 0.4 % resultiert ein
Jahreseinkommen von Fr. 73'451.-- (Fr. 73‘158.-- x 1.004).
5.8
Das hypothetische Invalideneinkommen beträgt somit bei einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50
%
Fr. 36’726.
--. Der Vergleich
mit dem Validenein
kom
men
von Fr. 85‘039.-- ergibt eine Einkommensbusse von Fr. 48‘313.-- und einen Invaliditätsgrad von
57
%
, was einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente begründet.
Nachdem eine Verschlechterung des Gesundheitszustands im November 2018 eintrat, ist die Rente
nach
drei Monate
n
und somit per 1. Februar 2019 anzu
passen (Art. 88a Abs. 1 IVV; vgl. vorstehend E. 1.3).
Bei einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit besteht ab diesem Zeitpunkt Anspruch auf eine ganze Rente.
5.9
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.