Decision ID: 0a949c71-9e28-473c-b66b-8b0396fd8e01
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht in Strafsachen, vom 28. April 2014 (GC140010)
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Strafbefehl:
Der Strafbefehl des Stadtrichteramts Winterthur vom 2. Oktober 2013 ist diesem
Urteil beigeheftet (Urk. 2/11).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der Verletzung der Verkehrsregeln im
Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 36 Abs. 4 SVG und Art.
15 Abs. 3 VRV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 300.–.
3. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'200.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 355.– Kosten Strafbefehl
Fr. 450.– nachträgl. Kosten und Auslagen Einspracheverfahren
Fr. 2'005.–
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
5. Die Kosten inklusive diejenigen des Strafbefehls von Fr. 355.– und die nach-
träglichen Kosten und Auslagen des Einspracheverfahrens von Fr. 450.–
werden dem Beschuldigten auferlegt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 25 S. 1)
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1. In Aufhebung von Dispositiv Ziffern 1-5 des Urteils der Vorinstanz
sei der Beschuldigte bzw. Berufungskläger vom Vorwurf der einfa-
chen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1
SVG in Verbindung mit Art. 36 Abs. 4 SVG und Art. 15 Abs. 3 VRV
freizusprechen;
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse.
b) Des Stadtrichteramtes Winterthur
(Urk. 31/1)
Die Berufung sei unter Kostenfolgen zulasten des Berufungsklägers abzu-
weisen.
_

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Mit Urteil vom 28. April 2014 sprach das Bezirksgericht Winterthur,  [nachfolgend: Vorinstanz], den Beschuldigten wegen Verletzung der Ver-
kehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 36 Abs. 4 SVG und Art.
15 Abs. 3 VRV schuldig und bestrafte ihn mit einer Busse von Fr. 300.– (Urk. 14
S. 22). Der Beschuldigte erhob noch vor Schranken Berufung gegen das Urteil
(Prot. I S. 20).
2. Die Berufungserklärung ging mit Eingabe vom 11. August 2014 fristgerecht am
hiesigen Gericht ein (Urk. 16). Mit Verfügung der hiesigen Kammer vom 22. Au-
gust 2014 wurde die Berufungserklärung dem Stadtrichteramt zugestellt und Frist
angesetzt, um Anschlussberufung oder begründet ein Nichteintreten auf die Beru-
fung zu beantragen (Urk. 18). Das Stadtrichteramt liess mit Schreiben vom
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8. September 2014 Verzicht auf Anschlussberufung mitteilen (Urk. 22). Mit Be-
schluss der hiesigen Kammer vom 18. September 2014 wurde das schriftliche
Verfahren angeordnet und Frist zur Erstattung der Berufungsbegründung ange-
setzt (Urk. 23). Die Berufungsbegründung erging mit Datum vom 15. Oktober
2014 und die Berufungsantwort des Stadtrichteramtes nach entsprechender
Fristansetzung und erstreckter Frist am 14. November 2014 (Urk. 25 und 30). Die
Vorinstanz teilte Verzicht auf eine Vernehmlassung mit (Urk. 29). Die Berufungs-
antwort und Beilagen dazu wurden dem Beschuldigten übermittelt, welcher am
10. Dezember 2014 die Replik einreichte (Urk. 34). Das Stadtrichteramt liess sich
nach Fristansetzung zur freigestellten Stellungnahme (Urk. 36) nicht mehr verlau-
ten. Das Verfahren ist demnach spruchreif.
II. Prozessuales
1. Bildeten ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen
Hauptverfahrens, so kann mit der Berufung nur geltend gemacht werden, das Ur-
teil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des Sachverhalts sei offensichtlich
unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung. Neue Behauptungen und Be-
weise können nicht vorgebracht werden (Art. 398 Abs. 4 StPO). Mit der Berufung
bei Übertretungen können Fehler bei der Anwendung des anwendbaren materiel-
len oder formellen Rechts geltend gemacht werden, insbesondere des Strafge-
setzbuches und der Strafprozessordnung. Gerügt werden können sodann die
Überschreitung und der Missbrauch des Ermessens sowie Rechtsverweigerung
und Rechtsverzögerung, nicht aber blosse Unangemessenheit (Schmid, Hand-
buch StPO, 2. Aufl., N 1538). Soweit die Beweiswürdigung bzw. die Feststellung
des Sachverhalts gerügt wird, beschränkt sich die Überprüfung auf offensichtliche
Unrichtigkeit, also auf Willkür (Hug in: Donatsch, Hansjakob, Lieber [Hrsg.],
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage 2014, Art. 398
N 23). Gerügt werden können damit nur klare Fehler bei der Sachverhaltsermitt-
lung, wobei zunächst an Versehen und Irrtümer, ferner an Diskrepanzen zwischen
der sich aus den Akten sowie der Hauptverhandlung ergebenden Beweislage und
den Feststellungen im Urteil zu denken ist. In Betracht fallen sodann Fälle, in de-
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nen die gerügte Sachverhaltsfeststellung auf einer Verletzung von Bundesrecht,
vorab der StPO selbst beruht. Zu denken ist weiter an Fälle, in denen die an sich
zur Verfügung stehenden Beweismittel offensichtlich ungenügend ausgeschöpft
wurden, also der Sachverhalt unvollständig festgestellt und damit der Grundsatz
der Wahrheitsforschung von Amtes wegen missachtet wurde (Schmid, a.a.O., N
1538).
2. Die Beschuldigte verlangt mit der Berufung einen vollumfänglichen Freispruch
und ficht das gesamte vorinstanzliche Urteil an (Urk. 16 S. 1), weshalb keine Teil-
rechtskraft eingetreten ist.
III. Sachverhalt
1. Die Vorinstanz erachtete es als erstellt, dass es der Beschuldigte unterlassen
habe, nach dem etwas länger dauernden Blick nach rechts und vor dem Losrollen
auf die Euelstrasse zu prüfen, ob die Strasse links von ihm und vor ihm frei sei,
ansonsten der Beschuldigte den Personenwagen [nachfolgend: PW] von B._
bemerkt hätte. Dazu stellte die Vorinstanz hauptsächlich auf die Aussagen des
Beschuldigten selber ab (Urk.14 S. 12f.). Weiter sah es die Vorinstanz als erstellt
an, dass sich der PW von B._ im Kollisionszeitpunkt bereits mehr oder weni-
ger parallel bzw. längs entlang zur Fahrbahn bzw. zum Strassenverlauf auf der
Euelstrasse befunden habe und er das Rückwärtsmanöver ganz oder zumindest
grösstenteils beendet gehabt habe (Urk. 14 S. 15). Demgegenüber hätten sich im
Kollisionszeitpunkt die Hinterräder des vorwärts fahrenden bzw. leicht nach links
abdrehenden PW des Beschuldigten noch auf dem Trottoir befunden (Urk. 14 S.
15). Zur Bestimmung der genannten Positionen und Bewegungen der beiden PW
stellte die Vorinstanz auf die Fotodokumentation (Urk. 2/1) bzw. das Schadensbild
an den beiden Fahrzeugen sowie auf die Aussagen des Beschuldigten ab.
2. Zur Rüge der Verteidigung der offensichtlich unrichtigen Sachverhaltserstellung ist festzuhalten, dass eine solche nur vorliegt, wenn der Entscheid offensichtlich
unhaltbar ist oder mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht.
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Dass eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wä-
re, genügt nicht (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.4. mit Hinweisen). Das Berufungsgericht
hat keine erneute Beweiswürdigung vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts,
6B_696/2011, E. 4.1, vom 6. März 2012). Die Vorinstanz ging zu Recht davon
aus, dass der Beschuldigte, nachdem er wegen den Buben mit dem Trottinett et-
was länger nach rechts geblickt hatte und bevor er mit seinem Fahrzeug vom
Trottoir auf die Euelstrasse rollte, nicht noch einmal nach links und auch nicht
nach vorne schaute. Dazu stellte die Vorinstanz korrekt auf die Aussagen des Be-
schuldigten selber ab. Vor Vorinstanz gab der Beschuldigte diesbezüglich zu Pro-
tokoll, dass er mit dem Anfahren und Vorwärtsschauen plötzlich ein weisses Auto
vor sich gesehen habe (Prot. I S. 12). Auf die Frage, ob er vor dem Losrollen noch
einmal nach links geschaut habe, antwortete der Beschuldigte zwar nicht mit ja
oder nein, sondern führte aus, "Von dort kam ja nichts" (Urk. 2/13 S. 2) bzw. "Dort
war es ja übersichtlich und man sah weit" (Prot. I S. 16).
Zur Bestimmung der Position der beiden beteiligten PW im Kollisionszeitpunkt
kann - wie dies bereits die Vorinstanz getan hat - auf die Fotodokumentation (Urk.
2/1, Fotos Seite 3) abgestellt werden. Die Aufnahmen zeigen die beiden Fahrzeu-
ge in der Unfallendlage, mit der Ausnahme, dass das Fahrzeug des Beschuldig-
ten leicht zurückgesetzt worden war, damit B._ aussteigen konnte. Dies wird
vom Beschuldigten anerkannt (Prot. I S. 13f.). Die Aufnahme auf Seite 3 unten
zeigt, dass der PW von B._ sich zirka in der Mitte der Fahrbahn, fast parallel
zur Strasse und mit Fahrtrichtung nach vorne, befand. Weiter ist auf der Aufnah-
me Seite 3 oben erkennbar, dass die Vorderräder des PW von B._ nach
rechts eingeschlagen waren. Der PW des Beschuldigten befand sich im Kollisi-
onszeitpunkt in Fahrtrichtung gesehen auf der linken Fahrbahnhälfte, leicht nach
links abgedreht. Die Vorderräder befanden sich zirka in der Mitte der Fahrbahn
und die Hinterräder noch auf dem Trottoir. Von diesen Positionen der beiden
Fahrzeuge im Kollisionszeitpunkt ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz aus-
zugehen.
Auch dass die Vorinstanz davon ausging, B._ habe im Kollisionszeitpunkt
das Rückwärtsmanöver ganz oder zumindest grösstenteils beendet gehabt, ist
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nicht zu beanstanden. Entgegen der Verteidigung sprechen auch die nach rechts
eingeschlagenen Vorderräder des PW von B._ nicht dagegen. Die Räder
können auch erst beim Einlegen des Vorwärtsganges und dem nach vorwärts An-
fahren parallel zur Fahrbahn gedreht werden. Davon konnte die Vorinstanz will-
kürfrei ausgehen. Dass die Räder im Stillstand gedreht werden, ist als unüblich
anzusehen. Auch das Schadensbild an beiden Fahrzeugen ist mit dieser Sach-
verhaltsfeststellung vereinbar. Warum, wie von der Verteidigung vorgebracht, das
Fahrzeug des Beschuldigten, welches nach der Garagenausfahrt unbestrittener-
massen leicht nach links abdrehte, die ganze rechte Seite bis zur Beifahrertüre
beschädigt haben sollte, wenn der PW B._ im Kollisionszeitpunkt stillgestan-
den wäre, ist nicht nachvollziehbar. Aufgrund des leichten nach links Abdrehens
prallte der Beschuldigte mit der rechten vorderen "Ecke" der Stossstange in das
beinahe parallel zur Fahrbahn stehende Fahrzeug von B._. Dies unabhängig
davon, ob das Fahrzeug von B._ in Bewegung war oder nicht. Das Scha-
densbild mit einer grösseren Einbuchtung in der linken hinteren Türe und einer
weiteren, etwas kleineren in der Fahrertüre auf Höhe des Türgriffes kann entwe-
der dadurch entstanden sein, dass sich das Fahrzeug des Beschuldigten noch in
Bewegung befand, als dieses leicht nach links abgedreht in das Fahrzeug prallte
oder dadurch, dass das Fahrzeug von B._ sich noch kurze Zeit rückwärts
bewegte, als die Kollision erfolgte. Dass die Vorinstanz davon ausging, B._
habe sein Rückwärtsmanöver ganz oder zumindest grösstenteils beendet gehabt,
ist somit weder offensichtlich unhaltbar noch steht dies mit der tatsächlichen Situ-
ation, vorliegend dem Schadensbild, in klarem Widerspruch. Im Weiteren kann es,
wie nachfolgend unter dem Titel rechtliche Würdigung zu zeigen sein wird, offen
bleiben, ob der PW von B._ im Kollisionszeitpunkt gänzlich still stand oder
noch in Rückwärtsbewegung war.
3. Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass sich die Rüge der Verteidigung der offensichtlich unrichtigen Sachverhaltsfeststellung als unbegründet erweist,
und es ist von dem von der Vorinstanz festgestellten Sachverhalt auszugehen.
IV. Rechtliche Würdigung
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1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten als Verletzung der
Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 36 Abs. 4
SVG und Art. 15 Abs. 3 VRV und sprach ihn entsprechend schuldig (Urk. 14 S.
19). B._ sei mit seinem Fahrzeug aufgrund der mehr oder weniger parallel
zur Fahrbahn verlaufenden Position, unabhängig davon, ob das Fahrzeug still ge-
standen oder noch rückwärts gefahren sei, Bestandteil des auf der Euelstrasse
verkehrenden Verkehrs gewesen. Das Fahrzeug des Beschuldigten, welches sich
im Kollisionszeitpunkt mit den Hinterrädern noch auf dem Trottoir befunden habe,
sei demgegenüber nicht Bestandteil des Fliessverkehrs auf der Euelstrasse ge-
wesen. Somit habe der Beschuldigte dem sich auf der Euelstrasse befindenden
B._ in Missachtung von Art. 15 Abs. 3 VRV den Vortritt nicht gewährt und
damit den objektiven Tatbestand von Art. 36 Abs. 4 SVG und Art. 15 Abs. 3 VRV
erfüllt.
2. Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass der Beschuldigte gegenüber B._
zur Vortrittsgewährung verpflichtet war. Gemäss Art. 15 Abs. 3 VRV muss, wer
aus Fabrik-, Hof- oder Garagenausfahrten, aus Feldwegen, Radwegen, Parkplät-
zen, Tankstellen und dergleichen oder über ein Trottoir auf eine Haupt- oder Ne-
benstrasse fährt, den Benützern dieser Strasse den Vortritt lassen. Weiter statu-
iert Art. 17 Abs. 1 VRV, dass sich der Fahrzeugführer vor dem Wegfahren zu ver-
gewissern hat, dass er keine Kinder oder andere Strassenbenützer gefährdet.
Sowohl der Beschuldigte als auch B._ fuhren ursprünglich aus einer Gara-
genausfahrt bzw. einem Parkplatz im Sinne von Art. 15 Abs. 3 VRV und wären
somit beide grundsätzlich vortrittsbelastet gewesen. B._ fuhr zudem rück-
wärts aus dem Parkplatz auf die Euelstrasse, was ihn grundsätzlich gemäss Art.
36 Abs. 4 SVG ebenfalls zur Vortrittsgewährung gegenüber andern Strassenbe-
nützern verpflichtete.
Der Verteidiger stellt sich auf den Standpunkt, dass B._ als Rückwärtsfah-
render gegenüber dem Beschuldigten vortrittsbelastet gewesen sei. Dabei stützt
er sich auf den BGE 117 IV 503, mit welchem unter anderem festgestellt wurde,
dass der rückwärts aus einem Parkplatz fahrende Kollisionsbeteiligte gegenüber
dem vorwärts aus einer Ausfahrt einer Tiefgarage fahrenden Beschwerdeführer
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keinen Vortritt hat. Dem Bundesgericht vorliegenden Sachverhalt ist zu entneh-
men, dass sich der Beschwerdeführer bereits "im Rechtsbogen zum Gemeinde-
haus" befunden habe, sich dieser also bereits zu einem Teil auf der Strasse be-
fand, als der Rückwärtsfahrende in sein Fahrzeug prallte. Im vorliegend zu beur-
teilenden Fall stellt sich der Sachverhalt jedoch insofern umgekehrt dar, als sich
der rückwärtsfahrende B._ bereits auf der Fahrbahn befand und sein Rück-
wärtsmanöver zu einem grossen Teil bereits beendet gehabt hatte, als der Be-
schuldigte in dessen Fahrzeug stiess. Somit ist der Sachverhalt des zitierten Bun-
desgerichtsentscheides mit dem vorliegenden nicht vergleichbar.
B._ ist aufgrund seiner Position auf der Euelstrasse und dem zuvor erfolgten
Ausparkmanöver als Strassenbenützer im Sinne von Art. 15 Abs. 3 und Art. 17
Abs. 1 VRV anzusehen, welcher gegenüber dem Beschuldigten, der vom Trottoir
aus auf die Euelstrasse fuhr und sich noch nicht auf der Euelstrasse befand, vor-
trittsberechtigt war. Der Beschuldigte unterliess es, vor dem Anfahren noch ein-
mal mit einem Blick nach links und nach vorne zu prüfen, ob die Fahrbahn für ihn
frei war. Da sich der Beschuldigte vorlehnen musste, um prüfen zu können, ob
von rechts kein Fahrzeug nahte und dabei etwas länger nach rechts schaute, dies
somit einen längeren Augenblick in Anspruch nahm, hätte er sich vor dem Anfah-
ren noch einmal mit einem entsprechenden Blick nach links und nach vorne ver-
gewissern müssen, ob er freie Fahrt hatte. Aufgrund seines etwas längeren Kon-
trollblickes nach rechts musste er damit rechnen, dass sich die Situation auf der
Euelstrasse links und vor ihm inzwischen verändert hatte.
3. Indem der Beschuldigte die Vortrittsregel gemäss Art. 36 Abs. 4 SVG in Ver-
bindung mit Art. 15 Abs. 3 und Art. 17 Abs. 1 VRV missachtete, beging er eine
Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG. Wie die
Vorinstanz zutreffend ausführte, ist dies auch bei fahrlässiger Tatbegehung straf-
bar (Art. 100 Abs. 1 SVG). Im Weiteren ist dazu auf die zutreffenden Ausführun-
gen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 14 S. 18f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4. Der Beschuldigte ist somit der fahrlässigen Verletzung von Verkehrsregeln im
Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 36 Abs. 4 SVG und Art. 15
Abs. 3 sowie Art. 17 Abs. 1 VRV schuldig zu sprechen.
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V. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz legte den abstrakten Strafrahmen korrekt auf Busse bis zu Fr. 10'000.– fest und gab die Grundsätze der Strafzumessung wieder. Auf diese
Ausführungen ist vorweg zu verweisen (Urk. 14 S. 19f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Betreffend die objektive Tatschwere hielt die Vorinstanz zutreffend fest, dass im
Zeitpunkt des Vorfalls ein geringes Verkehrsaufkommen und schönes Wetter
herrschte. Bei der Örtlichkeit handelt es sich grundsätzlich um eine gut über-
schaubare Stelle. Zu Gunsten des Beschuldigten ist jedoch zu berücksichtigen,
dass dessen Sicht aufgrund der Jungen mit den Trottinetts etwas eingeschränkt
war und er sich deshalb auch etwas mehr Zeit nahm, um die Sicht nach rechts zu
prüfen. Am Fahrzeug von B._ entstand ein nicht unwesentlicher Sachscha-
den. Bei der subjektiven Tatschwere ist die bloss fahrlässige Tatbegehung zu be-
rücksichtigen, welche sich verschuldensmindernd auswirkt. Die Qualifizierung des
Tatverschuldens durch die Vorinstanz als insgesamt leicht ist nicht zu beanstan-
den.
3. Für die persönlichen Verhältnisse ist auf die Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen, ebenso dazu, dass der Beschuldigte keine Vorstrafen aufweist (Urk.
14 S. 21; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die persönlichen Verhältnisse und die Vorstrafen-
losigkeit sind als strafzumessungsneutral zu qualifizieren. Weitere Strafzumes-
sungsgründe liegen nicht vor.
4. Insgesamt erweist sich die von der Vorinstanz ausgesprochene Busse von Fr. 300.– als angemessen, ebenso die festgelegte Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Ta-
gen. Die Busse ist zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB).
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv Ziffer 4 und 5 zu be-
stätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
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Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt,
weshalb ihm die Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen sind.