Decision ID: a8e41689-a61e-4001-8e42-9a302448fc65
Year: 2001
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. A, Architekt in Zürich, realisierte als Generalunternehmer die Überbauung "P" an der Q-strasse in W mit 18 Einfamilienhäusern und einer Unterniveaugarage. Die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (nachfolgend Gebäudeversicherung), welche die 19 Liegenschaften zwischen 19. August und 6. Oktober 1999 einzeln schätzte, kam auf eine Versicherungssumme von total Fr. 10'584'000.-. Darauf gestützt stellte die Finanzverwaltung der Gemeinde W A am 28. Februar 2000 die Abrechnung über die Anschlussgebühren für Wasser und Kanalisation zu, womit sie nach Abzug bereits geleisteter Depositen von Fr. 244'800.- die Zahlung des Restbetrags von Fr. 97'878.25 verlangte.
Mit Schreiben vom 5. März 2000 wandte sich A an die Gebäudeversicherung und beanstandete, dass die gesamte Schätzungssumme (Versicherungssumme) von Fr. 10'584'000.- um ca. Fr. 2'700'000.- über den effektiven Baukosten liege. Er verlangte eine Neubewertung der zu hoch eingeschätzten, von ihm erstellten Gebäude und die Anpassung der Schätzungen an die effektiven Erstellungskosten. In der Antwort der Gebäudeversicherung vom 15. März 2000 wurde A beschieden, er sei nicht legitimiert, die rechtskräftigen Schätzungen verändern zu lassen. Ausserdem müssten die Gebäude für die Erstellung als Einzelobjekte versichert werden, was zu höheren Werten führe.
II. A liess am 27. März 2000 an die Rekurskommission der Gebäudeversicherung (nachfolgend Rekurskommission) gelangen und beantragen, die angefochtenen Schätzungsergebnisse der einzeln aufgeführten 19 Liegenschaften seien um je 25,6 % herabzusetzen, was einen Betrag von rund Fr. 7'873'724.- ergebe (Total der Baukosten ohne Land und Nebenkosten). Mit Beschluss vom 30. Juni 2000 trat die Rekurskommission auf den Rekurs nicht ein und auferlegte die Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 4'560.- dem Rekurrenten.
III. Am 5. Februar 2001 liess A Beschwerde an das Verwaltungsgericht erheben mit folgenden Anträgen:
"1. Es sei der Beschluss der Rekurskommission der Gebäudeversicherung vom 30. Juni 2000 aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur materiellen Behandlung zurückzuweisen. Eventuell sei der Beschluss der Rekurskommission der Gebäudeversicherung vom 30. Juni 2000 aufzuheben und die angefochtenen Schätzungsergebnisse je um 25,6% herabzusetzen. Subeventuell seien die Kosten des Verfahrens vor der Rekurskommission der Gebäudeversicherung (Dispositiv Ziff. II des Beschlusses vom 30. Juni 2000) auf Fr. 560.-- herabzusetzen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Rekursgegners/Beschwerdegegners sowohl für das Rekursverfahren als auch für das Beschwerdeverfahren."
Die Rekurskommission beantragte in der Vernehmlassung vom 21. Februar 2001 Abweisung der Beschwerde. Mit Beschwerdeantwort vom 2. März 2001 beantragte die Gebäudeversicherung ebenfalls die Abweisung der Beschwerde, "unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers".

Die Kammer erwägt:
1. Vorliegend wirkte die Rekurskommission als Vorinstanz. Die sachliche und funktionelle Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus der spezialgesetzlichen Regelung in § 78 des Gesetzes über die Gebäudeversicherung vom 2. März 1975 (in der am 1. Januar 2000 in Kraft getretenen Fassung vom 7. Februar 1999 [GebäudeversG]; Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 41 N. 34), wonach Entscheide der Rekurskommission der Beschwerde an das Verwaltungsgericht unterliegen. Ist das Verwaltungsgericht in
der Hauptsache zuständig, kann ihm auch die Gebührenauflage zur Überprüfung unterbreitet werden, wobei der Umfang der Überprüfung ein beschränkter ist, weil den Behörden bei der Gebührenfestsetzung ein weites Ermessen zukommt (Kölz/Bosshart/Röhl, § 13 N. 37). Die Zuständigkeit des Kollegialgerichtes ergibt sich aus dem Streitwert, der Fr. 20'000.- weit übersteigt (§ 38 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 [VRG]).
Kraft § 48 Abs. 1 VRG ist der Beschwerdeführer legitimiert, mit Beschwerde gegen den angefochtenen Entscheid der Rekurskommission geltend zu machen, diese sei zu Unrecht auf seinen Rekurs nicht eingetreten (Kölz/Bosshart/Röhl, § 48 N. 2). Auf die Beschwerde gegen den Nichteintretensbeschluss ist deshalb einzutreten. Nur wenn die Rekurskommission zu Unrecht auf den Rekurs nicht eingetreten und die Beschwerde insoweit gutzuheissen wäre, stellte sich die weitere Frage, ob das Verwaltungsgericht direkt über den unter Ziff. 1 Abs. 2 als Eventualantrag gestellten materiellen Antrag zu befinden hätte oder ob die Sache – wie es dem Beschwerdeantrag Ziff. 1 Abs. 1 und der Regel entspricht – zum materiellen Entscheid an die Rekurskommission zurückzuweisen wäre (vgl. Kölz/ Bosshart/Röhl, § 63 N. 11, § 64 N. 2). Hingegen ist ohne weiteres auch über die unter Ziff. 1 Abs. 3 als Subeventualantrag bezeichnete Frage der Rekurskostenauflage zu befinden.
2. Der angefochtene Nichteintretensbeschluss der Rekurskommission wird einerseits damit begründet, dass die Rekursgegnerin entgegen der Behauptung des Rekurrenten nicht verpflichtet gewesen sei, diesem die Schätzungsanzeigen vom Herbst 1999 zu eröffnen, und ihr damit kein Verfahrensmangel unterlaufen sei. Die Schätzungen seien rechtskräftig geworden, da sie seitens der Eigentümer der in Frage stehenden Liegenschaften nicht angefochten worden seien. Der Rekurs sei am 27. März 2000 und damit verspätet eingereicht worden, weshalb darauf nicht einzutreten sei (E. 2 und 3). Selbst wenn der Rekurs rechtzeitig eingereicht worden wäre, sei darauf mangels Legitimation des Rekurrenten nicht einzutreten (E. 4).