Decision ID: 670e48e8-10f6-5094-889c-aa922ec13570
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat gemäss eigenen Anga-
ben am 5. Januar 2016. Am 20. Dezember 2016 reiste sie im Rahmen des
«Relocation»-Programms legal in die Schweiz ein und suchte gleichentags
um Asyl nach. Am 5. Januar 2017 fand die Befragung zur Person (BzP)
statt.
A.a Dabei gab die Beschwerdeführerin an, sie stamme aus C._,
Zoba D._, Sub Zoba E._. Dort lebten ihre Mutter und ihre
(...) Geschwister. Ihr Vater sei in F._. Von der (...) bis zur (...)
Klasse habe sie die Schule in C._ besucht. Danach sei sie in
G._ zur Schule gegangen. Gegen Ende der (...) Klasse habe sie
die Schule abgebrochen und sei ausgereist.
Zu ihren Asylgründen führte die Beschwerdeführerin aus, nachdem ihr Va-
ter im Jahr 2012 desertiert und nach F._ gereist sei, sei ihre Mutter
oft von den Behörden nach dessen Verbleib befragt worden. Die Soldaten
hätten ihre Mutter belästigt und ihr gedroht, sie mitzunehmen. Da sie – die
Beschwerdeführerin – auf ihre Geschwister habe aufpassen müssen, habe
sie sich nicht mehr auf die Schule konzentrieren können, weshalb sie aus-
gereist sei. Sie habe keine Probleme mit den Behörden oder Dritten gehabt
und sei auch nicht von Soldaten belästigt worden.
A.b Die erste Anhörung am 22. August 2019 wurde durch den Befrager
abgebrochen, da die Beschwerdeführerin eine geschlechtsspezifische Ver-
folgung geltend machte. Am 16. Oktober 2019 wurde die Beschwerdefüh-
rerin in einem Frauenteam einlässlich zu ihren Asylgründen angehört.
Dabei gab die Beschwerdeführerin an, von der (...) bis zur (...) Klasse sei
sie in C._ zur Schule gegangen. Danach sei sie mit ihrer Mutter und
ihren vier Geschwistern nach G._ gezogen, wo sie die (...) Klasse
besucht habe.
Zu ihren Asylgründen führte die Beschwerdeführerin aus, nach der Deser-
tation ihres Vaters im Jahr 2012 sei ihre Mutter von Soldaten belästigt wor-
den. Sie sei gezwungen worden, für die Soldaten in der Kaserne von
H._ zu kochen. Sie – die Beschwerdeführerin – habe nebst dem
Besuch der Schule auf ihre jüngeren Geschwister aufpassen müssen. Da
ihre Mutter (...)probleme bekommen habe, sei sie – die Beschwerdeführe-
rin – ab (...) 2015 jeweils nachmittags mit in die Kaserne gegangen, um
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ihrer Mutter zu helfen. Ende (...) 2015 sei sie dort von einem Soldaten ver-
gewaltigt worden. Dieser habe ihr gedroht, er werde sie umbringen respek-
tive ihre Mutter erschiessen, falls sie es jemanden erzähle. Nach diesem
Vorfall sei sie nicht mehr zur Kaserne gegangen. Von (...) bis (...) 2015 sei
ihre Mutter hospitalisiert gewesen. Sie – die Beschwerdeführerin – habe
während dieser Zeit auf ihre jüngeren Geschwister aufpassen müssen. Sie
sei permanent gestresst gewesen, weshalb sie die Schule abgebrochen
habe. Da sie nie im Besitz eines Schülerausweises gewesen sei, habe sie
befürchtet, in den Militärdienst eingezogen zu werden. Während den Raz-
zien habe sie sich jeweils versteckt. Im (...) 2015 sei sie zu einer Freundin
gezogen. Anfangs (...) 2016 sei sie schliesslich ausgereist.
Im Mai 2019 habe sie hier in der Schweiz I._ (N [...]) religiös gehei-
ratet.
Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin ein Schulzeugnis und ei-
nen Taufschein in Kopie ein.
B.
Am (...) kam der Sohn der Beschwerdeführerin auf die Welt.
C.
Mit Verfügung vom 19. Februar 2020 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte das Asylgesuch ab und
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den zuständigen Kanton be-
auftragte sie mit dem Vollzug der Wegweisung.
D.
Mit Eingabe vom 19. März 2020 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung der Vor-
instanz sei aufzuheben, es sei ihr die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen
und Asyl zu gewähren. Eventualiter sei festzustellen, dass der Wegwei-
sungsvollzug nicht zulässig und nicht zumutbar sei. Subeventualiter sei die
Angelegenheit zur vollständigen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Prozessual sie ihr die unentgeltliche Prozessführung, in-
klusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, und die amt-
liche Verbeiständung zu gewähren.
E.
Am 26. März 2020 bestätigte das Gericht den Eingang der Beschwerde.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden. Das Gericht wird nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 In der Rechtsmitteleingabe rügt die Beschwerdeführerin zunächst eine
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Anlässlich der BzP habe sie
gesagt, dass sie (...) habe. Spätestens an der zweiten Anhörung hätte die
Befragerin merken müssen, wie schlecht es ihr gehe. Sie sei damals hoch-
schwanger und müde gewesen. Anstatt Rücksicht zu nehmen, habe die
Befragerin ihr Vorwürfe gemacht. Sie benötige professionelle Hilfe, um das
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Geschehene zu verarbeiten. Es seien weitere Abklärungen zu ihrem phy-
sischen und psychischen Gesundheitszustand nötig und es sei ihr Zeit zu
geben, eine Behandlung zu machen.
5.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen
des Verwaltungs- respektive Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m.
Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige
und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sor-
gen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die
rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber
Beweis zu führen. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn
nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt
wurden, unrichtig, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger
Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa, weil die Rechtserheblichkeit einer
Tatsache zu Unrecht verneint wird, so dass diese nicht zum Gegenstand
eines Beweisverfahrens gemacht wird, oder weil Beweise falsch gewürdigt
worden sind. Der Untersuchungsgrundsatz gilt nicht uneingeschränkt, er
findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8
AsylG; Art. 13 VwVG, vgl. zum Ganzen BVGE 2012/21 E. 5.1 m.w.H.).
5.3 Zunächst ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der
BzP darauf aufmerksam gemacht wurde, dass sie sich wegen ihren (...)
medizinisch untersuchen lassen könne (vgl. SEM-Akten A4/13 Ziff. 8.02).
Sodann wurde sie anlässlich der Anhörungen jeweils zu Beginn gefragt,
wie es ihr gehe. Sie antwortete beide Male mit «gut» (vgl. SEM-Akten
A14/12 F8 und A19/14 F2 und F15). Auch die zur Durchführung eines kor-
rekten Verfahrens anwesende Hilfswerksvertretung hat keine gesundheit-
lichen Probleme festgehalten. Weiter liegt es im Rahmen der Mitwirkungs-
pflicht gemäss Art. 8 AsylG an der Beschwerdeführerin, die Vorinstanz über
ihren Gesundheitszustand zu informieren und allfällige Arztberichte zu den
Akten zu geben. Vorliegend reichte die Beschwerdeführerin während des
vorinstanzlichen Verfahrens keine entsprechenden Berichte ein. Da sich
weder den Aussagen der Beschwerdeführerin noch den Akten Hinweise
auf gesundheitliche Probleme entnehmen liessen, war die Vorinstanz nicht
gehalten, weitere medizinische Abklärungen zu tätigen. Soweit die Be-
schwerdeführerin vorbringt, es sei ihr Zeit zu geben, eine Behandlung zu
machen, ist festzustellen, dass sie seit der Einreichung ihres Asylgesuches
im Dezember 2016 genügend Zeit dafür gehabt hätte. Dass ihr ausser für
die Schwangerschaftskontrolle kein Arzttermin gegeben worden sei, ist
eine durch nichts belegte Behauptung der Beschwerdeführerin.
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Dem Protokoll der zweiten Anhörung, namentlich auch dem zitieren Satz
lassen sich keine Hinweise entnehmen, wonach die Befragerin der Be-
schwerdeführerin Vorwürfe gemacht hat, nicht neutral und wenig einfühl-
sam war. Zudem sind im Protokoll der zweiten Anhörung auch keine ver-
wirrenden Fragestellungen zu entnehmen. Zu beiden Vorhaltungen hat
denn auch die zur Durchführung eines korrekten Verfahrens anwesende
Hilfswerksvertretung keine entsprechenden Beobachtungen festgestellt
und zu Handen der Akten festgehalten. Ferner lassen sich den Protokollen
keine Anhaltspunkte entnehmen, wonach die Beschwerdeführerin auf-
grund der Schwangerschaft nicht in der Lage gewesen sein sollte, der An-
hörung zu folgen und dabei über selbst Erlebtes zu berichten. Auch solches
hätte die Hilfswerksvertretung wohl festgehalten. Eine Verletzung des Un-
tersuchungsgrundsatzes ist demnach zu verneinen. Die Rüge erweist sich
als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus for-
mellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der
diesbezügliche Antrag ist abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.3 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-
nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich
nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht
widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen
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oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind substan-
ziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderungen
stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer Anhö-
rung, zwischen Befragungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine
Widersprüche aufweisen. Kleine, marginale Widersprüche sowie solche,
die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, können zwar in die Ge-
samtbetrachtung einfliessen, sollten jedoch nicht die alleinige Begründung
für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die
gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe-
sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt
oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus-
wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwir-
kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der
gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die
Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht.
Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5
E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; Entscheidungen und Mitteilungen
der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005
Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.; ANNE KNEER und LINUS SONDEREGGER, Glaubhaf-
tigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick über die Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts, Asyl 2/2015 S. 5).
6.4 Aussagewidersprüche zwischen den Protokollen der summarischen
Befragung und der Anhörung dürfen für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit
herangezogen werden, wenn klare Angaben bei der Befragung zur Person
in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von späteren Aussagen in
der Anhörung zu den Asylgründen diametral abweichen, oder wenn be-
stimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asyl-
gründe genannt werden, nicht bereits in der Empfangsstelle zumindest an-
satzweise erwähnt werden (vgl. EMARK 1993 Nr. 3).
7.
7.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen der Beschwerdeführerin würden den Anforderungen an das
Glaubhaftmachen nach Art. 7 AsylG nicht standhalten.
Anlässlich der BzP habe die Beschwerdeführerin die Vergewaltigung durch
einen Soldaten nicht erwähnt. Sie habe explizit verneint, von Soldaten je-
mals belästigt worden zu sein. Ihre Erklärung, sie habe nicht gewusst, dass
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sie alles erzählen müsse, überzeuge nicht, zumal sie auf ihre Mitwirkungs-
pflicht und die Wichtigkeit vollständiger Aussagen hingewiesen worden sei.
Ihre weitere Begründung, sie habe nicht daran erinnert und nicht erzählen
wollen, sei bedingt nachvollziehbar. Dennoch wäre ihr zuzumuten gewe-
sen, zumindest einen Hinweis zu geben, ohne näher darauf einzugehen.
Ihre Aussagen würden zudem zahlreiche Widersprüche enthalten. In der
BzP habe sie ausgeführt, bis am Tag vor ihrer Ausreise zur Schule gegan-
gen zu sein. Sie sei jeweils von C._ nach G._ gependelt.
Anlässlich der Anhörungen habe sie dagegen angegeben, die Schule we-
gen des Stresses beendet zu haben, nachdem sie im (...) 2015 vergewal-
tigt worden sei. Weiter habe sie ausgeführt, sie sei mit ihrer Familie wegen
der Schule nach G._ gezogen. Auf Vorhalt habe sie zu diesen Wi-
dersprüchen keine Erklärung geben können.
Ferner seien die Aussagen der Beschwerdeführerin zur Vergewaltigung
substanzlos ausgefallen. Sowohl in der freien Erzählung, als auch auf Auf-
forderung hin, sei ihre Beschreibung des Vorfalls kurz und undifferenziert
ausgefallen. Details, Gefühle oder sonstige persönliche Elemente würden
gänzlich fehlen. Auch die Beschreibung der Kaserne und der weiteren Er-
eignisse nach der Vergewaltigung seien knapp und vage ausgefallen.
Bezüglich der geltend gemachten Razzien habe die Beschwerdeführerin in
der BzP zu Protokoll gegeben, dass man nicht in Ruhe gelassen werde,
wenn man die Schule nicht mehr besuche. Razzien habe sie keine erwähnt
und verneint, dass der Militärdienst für sie ein Thema gewesen sei oder sie
mit den Behörden Probleme gehabt habe. Wie bereits dargelegt, habe sie
widersprüchliche Aussagen zur Dauer des Schulbesuchs gemacht. Auch
die angeblichen Razzien habe sie nicht substanziiert schildern und nicht
erklären können, wieso sie zur Arbeit in die Kaserne habe gehen können,
während sie gleichzeitig gesucht worden sei. Selbst bei unterstellter Glaub-
haftigkeit wäre das Vorbringen ohnehin nicht asylrelevant, da sie keinen
Behördenkontakt im Sinne eines spezifisch auf ihre Person bezogenen
Rekrutierungsversuch geltend gemacht habe. Die Schilderungen zur ille-
galen Ausreise seien ebenfalls unglaubhaft. Selbst bei unterstellter Glaub-
haftigkeit wäre die illegale Ausreise ebenso nicht asylrelevant, da die Be-
schwerdeführerin keine zusätzlichen Faktoren vor der Ausreise habe
glaubhaft machen können.
7.2 In der Rechtsmitteleingabe hält die Beschwerdeführerin an der Glaub-
haftigkeit ihrer Aussagen fest und führt aus, sie sei während der BzP
schlicht nicht in der Lage gewesen, über die Vergewaltigung zu sprechen.
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Es sei bekannt und wissenschaftlich erwiesen, dass schwer traumatisierte
Menschen in den meisten Fällen nicht spontan, vollständig und ohne Wi-
dersprüche über ihre Erlebnisse sprechen könnten. Anlässlich der BzP
seien mehrere Männer anwesend gewesen, weshalb es für sie einfacher
gewesen sei, «Nein» zu sagen anstatt über schlimme Sachen zu sprechen.
Es sei ihr unangenehm gewesen, dass ihr so viele Fragen gestellt worden
seien. Zum Schulbesuch sei festzuhalten, dass sie Erinnerungslücken und
grosse Mühe habe, zeitliche Einordnungen zu machen. Dies habe sie in
ihrer Heimat nie machen müssen.
8.
8.1 Der Beschwerdeführerin ist insoweit beizupflichten, dass einer betroffe-
nen Person sowohl die Andeutung von sexuellen Übergriffen als auch das
ausführliche Berichten darüber schwer fallen dürfte. Indes ist nicht nach-
vollziehbar, weshalb sie anlässlich der BzP auf konkrete Nachfrage den-
noch jegliche Probleme mit Soldaten ausdrücklich verneinte und nicht zu-
mindest solche andeutete (vgl. SEM-Akten A4/13 Ziff. 7.01). Ferner hat die
Vorinstanz die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht einzig aufgrund
des nachgeschobenen Charakters der geltend gemachten Vergewaltigung
angezweifelt. Als weiteren Grund für die Unglaubhaftigkeit der vorgebrach-
ten Vergewaltigung erachtete sie die in diesem Zusammenhang substanz-
losen, undifferenzierten sowie ohne Realkennzeichen versehenen Aussa-
gen der Beschwerdeführerin. Sie beschränkte sich bei der Schilderung der
Vergewaltigung auf allgemeine, unsubstanziierte Angaben und zeigte kei-
nerlei Emotionen oder persönliche Betroffenheit (vgl. SEM-Akten A19/14
F56 ff.). Ferner führte sie aus, sie sei ausgereist, weil sie aufgrund der Hos-
pitalisierung ihrer Mutter zu ihren jüngeren Geschwistern habe schauen
müssen, was ihr nebst der Schule zu stressig gewesen sei (vgl. SEM-Akten
A19/14 F10 und F71).
Sodann wird nicht in Abrede gestellt, dass möglicherweise eine Traumati-
sierung das Aussageverhalten von Menschen beeinflussen und bisweilen
dazu führen kann, dass ein Sachverhalt nicht vollumfänglich strukturiert
und kohärent dargestellt wird. Indessen ist auch in diesen Fällen davon
auszugehen, dass die Aussagen in den Kernpunkten ohne krasse Wider-
sprüche und weitgehend übereinstimmend ausfallen, zumal es dabei ein-
zig darum geht, über selbst Erlebtes zu berichten. Überdies wurde bereits
vorstehend dargelegt, dass die Beschwerdeführerin sehr wohl imstande
war, den Anhörungen zu folgen. Ihre allfälligen psychischen Leiden und die
Schwangerschaft beziehungsweise die bevorstehende Geburt des ersten
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Kindes vermögen die unglaubhaften Elemente zu ihren Fluchtgründen
nicht ausreichend zu erklären.
8.2 Mit der Vorinstanz ist weiter festzuhalten, dass sich die Beschwerde-
führerin unvereinbar zu ihren Wohnorten und zur Dauer des Schulbesuchs
geäussert hat. Mit den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe gelingt es
ihr nicht, die im Einzelnen aufgezeigten Widersprüche aufzulösen. Auch
wenn Zeitangaben und Daten in Eritrea nicht den gleichen Stellenwert wie
in der Schweiz haben mögen, kann von der Beschwerdeführerin erwartet
werden, dass sie weiss, ob sie am Tag vor ihrer Ausreise noch zur Schule
gegangen ist oder ob sie diese bereits vier Monate vor ihrer Ausreise ab-
gebrochen hat. Soweit sie vorbringt, sie sei nicht zum Profil ihres Vaters
befragt worden, ist festzustellen, dass ihr zahlreiche Fragen zu ihrem Vater
gestellt wurden. Ihre diesbezüglichen Antworten blieben jedoch vage und
sie gab zu Protokoll, sie wisse nur, dass er (...) gewesen sei (vgl. SEM-
Akten A4/13 Ziff. 7.01 und A14/12 F43 ff.). Bezüglich der geltend gemach-
ten Razzien kann sodann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden.
8.3 Aufgrund des vorstehend Ausgeführten ergibt sich, dass die Beschwer-
deführerin ihre Asylgründe, namentlich die geltend gemachte Vergewalti-
gung nicht glaubhaft machen konnte. An dieser Feststellung vermag auch
das mit der Beschwerde eingereichte Arztzeugnis nichts zu ändern. Es be-
steht daher keine Veranlassung, die Vorbringen unter dem Aspekt der frau-
enspezifischen Verfolgung zu prüfen.
8.4 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass es der Beschwerde-
führerin nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Eritrea be-
stehende oder ihr drohende asylrelevante Gefährdung nachzuweisen oder
glaubhaft zu machen.
9.
9.1 Bezüglich der illegalen Ausreise ist festzuhalten, dass das Bundesver-
waltungsgericht im Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenz-
urteil publiziert) zum Schluss gelangte, dass im Kontext von Eritrea die il-
legale Ausreise allein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht
mehr ausreiche. Vielmehr bedürfe es hierzu zusätzlicher Anknüpfungs-
punkte, welche die asylsuchende Person in den Augen der eritreischen Be-
hörden als missliebige Person erscheinen lasse und dadurch zu einer
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen könnten (vgl.
a.a.O. E. 5.1).
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Seite 11
9.2 Aufgrund dieser Praxisänderung kann auf weitere Ausführungen zur
Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin hinsichtlich der il-
legalen Ausreise verzichtet werden. Die Beschwerdeführerin weist neben
der illegalen Ausreise keine relevanten zusätzlichen Anknüpfungspunkte
für eine Schärfung ihres Profils auf. Eine Furcht vor einer zukünftigen
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung wegen illegaler Ausreise erweist
sich somit als unbegründet.
9.3 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführerin zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
10.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
11.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG;
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vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
11.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwer-
deführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung
nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG veran-
kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine
Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin nach Eritrea ist
demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
11.4
11.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Koordinationsentscheid
BVGE 2018 VI/4 mit der Frage befasst, ob der Vollzug der Wegweisung
auch angesichts einer drohenden Einziehung in den eritreischen National-
dienst als zulässig (Art. 83 Abs. 3 AIG) und zumutbar (Art. 83 Abs. 4 AIG)
qualifiziert werden könne. Beides hat das Gericht mit den folgenden Erwä-
gungen bejaht:
11.4.2 Die Verpflichtung eritreischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger,
Nationaldienst zu leisten, kann nach Auffassung des Gerichts nicht als Aus-
übung quasi-eigentumsrechtlicher Befugnisse gegenüber der betreffenden
Person durch den eritreischen Staat bezeichnet werden. Zudem kann,
auch wenn der Nationaldienst formal nicht befristet ist und sich teilweise
über Jahre erstreckt, nicht von jenem dauerhaften Zustand ausgegangen
werden, der für die Annahme von Leibeigenschaft vorausgesetzt wäre.
Beim eritreischen Nationaldienst handelt es sich demnach weder um Skla-
verei noch um Leibeigenschaft im Sinn von Art. 4 Abs. 1 EMRK (vgl. BVGE
2018 VI/4 E. 6.1 insbes. 6.1.4).
11.4.3 In seiner heutigen Ausgestaltung (namentlich angesichts seiner
Zweckentfremdung als Mittel zur Arbeitskraftbeschaffung für das gesamte
Wirtschaftssystem und der unabsehbaren Dauer) kann der eritreische Na-
tionaldienst nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts zwar nicht
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als "übliche Bürgerpflicht" im Sinn von Art. 4 Abs. 3 Bst. d EMRK verstan-
den werden. Die Bedingungen im Nationaldienst sind folglich grundsätzlich
als Zwangsarbeit im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren. Für die
Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs reicht diese Ein-
schätzung jedoch nicht aus. Vielmehr wäre hierfür erforderlich, dass durch
die Einziehung das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung von Art. 4
Abs. 2 EMRK bestünde, der eritreische Nationaldienst mithin diese Bestim-
mung ihres essenziellen Inhalts berauben würde. Eine solche Situation
liegt indessen – auch unter Berücksichtigung der Dienstdauer, der niedri-
gen Besoldung und der Berichte über Misshandlungen und Übergriffe wäh-
rend der Dienstzeit – nach Auffassung des Gerichts nicht vor (vgl. a.a.O.
E. 6.1 insbes. 6.1.5).
11.4.4 In der Folge befasste sich das Bundesverwaltungsgericht in seinem
Koordinationsentscheid mit der Frage, ob bei einer Rückkehr nach Eritrea
aufgrund der Verhältnisse im Nationaldienst oder im Zusammenhang mit
einer allfälligen Inhaftierung – beispielsweise aufgrund einer illegalen Aus-
reise – eine Verletzung des konventionsrechtlichen Verbots von Folter oder
unmenschlicher Behandlung (Art. 3 EMRK) drohen könnte. Auch in diesem
Zusammenhang ging das Gericht davon aus, dass in Eritrea Misshandlun-
gen und sexuelle Übergriffe während der Dienstzeit oder im Fall einer In-
haftierung nicht derart flächendeckend sind, dass jede nach Eritrea zurück-
kehrende dienstpflichtige Person dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre,
selbst solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher auch insoweit kein
ernsthaftes Risiko von Folter oder einer unmenschlichen Behandlung (vgl.
a.a.O. E. 6.1 insbes. 6.1.6 und E. 6.1.8).
11.4.5 Abschliessend stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, dass die
drohende Einziehung in den eritreischen Nationaldienst mangels einer hin-
reichend konkreten Gefährdung auch nicht generell zur Feststellung der
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG führt
(vgl. a.a.O. E. 6.2). In diesem Zusammenhang ist noch darauf hinzuweisen,
dass die Beschwerdeführerin als Mutter eines Kindes bei einer Rückkehr
kaum ein Einzug in den Nationaldienst droht.
11.4.6 Nach dem vorstehend Ausgeführten stehen einerseits das Verbot
der Sklaverei und der Leibeigenschaft (Art. 4 Abs. 1 EMRK) dem Vollzug
der Wegweisung der Beschwerdeführerin auch bei einer anstehenden Ein-
ziehung in den Nationaldienst nicht entgegen. Andererseits ist aufgrund der
verfügbaren Quellen auch nicht davon auszugehen, es bestehe generell
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das ernsthafte Risiko einer krassen Verletzung des Verbots der Zwangs-
und Pflichtarbeit während des Nationaldiensts (Art. 4 Abs. 2 EMRK).
11.5 Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte für die Annahme,
die Beschwerdeführerin müsste bei einer Rückkehr in den Heimatstaat dort
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK
verbotene Strafe oder Behandlung befürchten. Auch die problematische
allgemeine Menschenrechtssituation in Eritrea lässt den Wegweisungsvoll-
zug zum heutigen Zeitpunkt praxisgemäss nicht als unzulässig erscheinen.
11.6 Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin erweist sich da-
mit – sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun-
gen – als zulässig.
11.7 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
11.7.1 Gemäss Rechtsprechung kann in Eritrea nicht von einem Krieg,
Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt beziehungsweise ei-
ner generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen
werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen in einigen Be-
reichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie vor schwie-
rig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssituation, der Zu-
gang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. Der Krieg ist
seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse Konflikte sind
nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch die umfang-
reichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil der Bevöl-
kerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage des Landes
muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenzbedrohung aus-
gegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Anders als noch
unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende individuelle Fakto-
ren jedoch nicht mehr zwingende Voraussetzung für die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer D-2311/2016 vom
17. August 2017 E. 16 f.).
11.7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im bereits zitierten Grund-
satzurteil E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 auch mit der Frage befasst, ob
der Vollzug der Wegweisung im Falle einer drohenden Einziehung in den
eritreischen Nationaldienst als zumutbar zu qualifizieren ist. Es stellte fest,
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dass der drohende Einzug in den eritreischen Nationaldienst mangels einer
hinreichend konkreten Gefährdung nicht generell zur Feststellung der Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG führt
(vgl. a.a.O. E. 6.2).
11.7.3 Die heute (...)-jährige Beschwerdeführerin hat sich in der Schweiz
mit einem Landsmann religiös verheiratet, und das Paar hat ein gemeinsa-
mes Kind. Das Asylgesuch des Partners der Beschwerdeführerin und Kin-
desvaters wurde von der Vorinstanz mit Verfügung vom 22. Dezember
2017 rechtskräftig abgewiesen sowie die Wegweisung und den Vollzug der
Wegweisung verfügt, mithin kann er nach Eritrea zurückkehren. Die Be-
schwerdeführerin ist daher nicht gehalten, alleine nach Eritrea zurückzu-
kehren, sondern kann dies als Familie tun. Mit der Vorinstanz sodann fest-
zustellen, dass sie mit ihrer Mutter, ihren (...) Geschwistern und zahlrei-
chen weiteren Verwandten über ein breites Beziehungsnetz in ihrem Hei-
matstaat verfügt. Aus welchen Gründen sie nicht bei ihrer Familie zumin-
dest vorübergehend Unterkunft finden kann, substanziiert sie in der
Rechtsmitteleingabe nicht ansatzweise. Zudem hat ihr in F._ leben-
der Vater die Familie gemäss ihren eigenen Aussagen finanziell unterstützt.
Entgegen der von der Beschwerdeführerin vertretenen Ansicht ist daher
davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr auf die Unterstützung ihrer
Familie bei ihrer sozialen und wirtschaftlichen Wiedereingliederung zählen
kann. Sofern sie mit ihrem Partner zurückkehrt, kann dieser und dessen
soziales Umfeld sie ebenfalls unterstützen. Im Übrigen stehen allfällige an-
fängliche wirtschaftliche Reintegrationsschwierigkeiten dem Vollzug nicht
entgegen, da blosse soziale oder wirtschaftliche Schwierigkeiten, von de-
nen die ansässige Bevölkerung betroffen ist (z.B. Mangel an Arbeitsplät-
zen), keine existenzbedrohende Situation zu begründen vermögen (vgl.
BVGE 2010/41 E. 8.3.6).
11.7.4 Weiter stehen auch keine medizinischen Gründe einem Vollzug der
Wegweisung entgegen. Gemäss dem eingereichten Zeugnis des Hausarz-
tes vom 16. März 2020 war die Beschwerdeführerin bisher nicht in ärztli-
cher Behandlung und empfahl er ihr eine Aufarbeitung ihrer Probleme, um
die mit grösster Wahrscheinlichkeit bestehende (...) zu behandeln. Dass
sich die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich in fachärztliche Behandlung
begeben hätte, ist den Akten nicht zu entnehmen. Es ist demnach davon
auszugehen, dass sie nicht auf eine solche angewiesen ist. Schliesslich ist
der Vollzug der Wegweisung auch unter Berücksichtigung des Kindeswoh-
les zumutbar. Das Kind der Beschwerdeführerin ist (...) Monate alt und
demnach noch ganz von seiner Mutter und dem Vater abhängig.
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11.7.5 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass der Voll-
zug der Wegweisung zumutbar ist.
11.8 Die zwangsweise Rückführung abgewiesener Asylsuchender nach
Eritrea ist zurzeit generell nicht möglich. Die Möglichkeit der freiwilligen
Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit
des Wegweisungsvollzugs entgegen. Es obliegt daher der Beschwerdefüh-
rerin, bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rück-
kehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist des-
halb auch als möglich zu bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
11.9 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
13.
13.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und amtlichen Verbeiständung. Aufgrund der vorste-
henden Erwägungen ergibt sich, dass ihre Begehren als aussichtlos zu be-
zeichnen sind, weshalb den Gesuchen nicht stattzugeben ist.
13.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwede-
führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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