Decision ID: 03d4952c-8ac1-477e-b74a-b255d4b7d88a
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 06.06.2016 Art. 28a IVG. Art. 43 Abs. 1 ATSG. Untersuchungspflicht. Massgebende Methode zur Berechnung des Invaliditätsgrades. Für die Bemessung der Invalidität muss insbesondere der medizinische Sachverhalt umfassend abgeklärt sein. Dafür muss mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen, an welchen Gesundheitsbeeinträchtigungen die versicherte Person leidet, wie diese deren Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen und welche Ressourcen der versicherten Person verbleiben, um trotz der Gesundheitsbeeinträchtigungen einer Arbeit nachzugehen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. Juni 2016, IV 2014/112)
Besetzung
Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug (Vorsitz), Versicherungsrichter Ralph Jöhl,
Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Tobias Bolt
Geschäftsnr.
IV 2014/112
Parteien
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Ronald Pedergnana,
Rorschacher Strasse 21, Postfach 27, 9004 St. Gallen,
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gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
Gegenstand
Rente
Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im August 2012 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe nur vier Jahre lang die
Primarschule besucht. Danach habe sie weder eine weitere schulische noch eine
berufliche Ausbildung absolviert. Sie sei seit ihrer Heirat im Jahr 1973 ausschliesslich
als Hausfrau tätig gewesen. Das individuelle Beitragskonto der AHV wies keine
Einträge für die Versicherte aus (IV-act. 7). Am 22. August 2012 teilte die IV-Stelle der
Versicherten deshalb mit, dass sie keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen habe
(IV-act. 13). Im Oktober 2012 ging der IV-Stelle ein Arztbericht des Hausarztes der
Versicherten, Dr. med. B._, zu (IV-act. 15). Er berichtete, diese leide an einer
chronischen Lumbago sowie an einer Spondylolisthesis L4/5 Grad I mit einer
Spondylolyse. Sie sei vollständig arbeitsunfähig. Bislang sei sie konservativ behandelt
worden; im Oktober 2012 werde nun aber eine Operation durchgeführt. Die frühere
Hausärztin der Versicherten, Dr. med. C._, hatte bereits im August 2011 und im
Februar 2012 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit „für jegliche Arbeit“ attestiert, wobei
sie darauf hingewiesen hatte, dass die Versicherte Hausfrau sei (IV-act. 3). Bei einer
MRI-Untersuchung im März 2011 waren eine linkskonvexe Lumbalskoliose, eine
fixierte, leichtgradige Anterolisthesis L3/4, eine Anterolisthesis Grad II L4/5 mit einer
Instabilität in den Funktionsaufnahmen sowie eine hochgradige Osteochondrose
respektive Discopathie L4/5 festgestellt worden (IV-act. 4). Im Januar 2013 berichtete
der Neurochirurg Dr. med. D._, der die Versicherte am 8. Oktober 2012 operiert hatte
(IV-act. 19), er habe dieser dorsolaterale transpediculäre Spondylodesen L4/5
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eingesetzt. Momentan sei die Versicherte vollständig arbeitsunfähig und regelmässig
auf Dritthilfe angewiesen. Eine medizinische Beurteilung sei frühestens vier Monate
nach der Operation sinnvoll. Am 31. Januar 2013 notierte Dr. med. E._ vom IV-
internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 20), scheinbar sei bei der
Versicherten eine versteifende Operation im Bereich der Lendenwirbelsäule
durchgeführt worden, obwohl diese weder an dauerhaften Schmerzen noch an
neurologischen Ausfallserscheinungen gelitten habe. Die Angaben des Hausarztes
seien widersprüchlich, der behandelnde Neurochirurg habe eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit und einen Bedarf an Dritthilfe attestiert. Zur Vervollständigung der
Akten müssten die im Zusammenhang mit der Operation stehenden Berichte eingeholt
werden. Ausserdem empfehle sich, den Neurochirurgen anzufragen, ob die
Leistungsfähigkeit der Versicherten als Hausfrau vor dem operativen Eingriff
eingeschränkt gewesen sei und falls ja, bei welchen Tätigkeiten und in welchem
Ausmass dies der Fall gewesen sei. Zudem sei nachzufragen, welche konservativen
Behandlungsmassnahmen durchgeführt worden seien, wie deren Erfolg gewesen sei
und wie der postoperative Verlauf beurteilt werde. Auf die entsprechenden Fragen der
IV-Stelle (vgl. IV-act. 21) antwortete der behandelnde Neurochirurg am 28. März 2013
(IV-act. 26), die Versicherte sei hinsichtlich sämtlicher Tätigkeiten eingeschränkt
gewesen, bei denen sie sich habe bücken oder bei denen sie habe Lasten heben
müssen, also bei Reinigungsarbeiten, beim Staubsaugen, beim Wäsche waschen und
ähnlichem. Rückwirkend sei das Ausmass der Einschränkung schwierig einzuschätzen.
Er würde die Einschränkung auf 50 Prozent für mittelschwere Arbeit schätzen. Vor der
Operation seien eine Physiotherapie durchgeführt und Medikamente eingenommen
worden. Der postoperative Verlauf sei verzögert; der Erfolg der operativen Massnahme
könne noch nicht beurteilt werden. Es bleibe abzuwarten, wie das eingebaute Metall
vom Körper befestigt werde. Seiner Antwort legte der Neurochirurg diverse Berichte,
unter anderem auch den Operationsbericht, bei. Der RAD-Arzt notierte am 12. April
2013 (IV-act. 27), die Angaben des Neurochirurgen seien inkonsistent. In einem Bericht
an die Hausärztin habe er nur eine Einschränkung in der Lebensqualität erwähnt und
festgehalten, sie sei keinen erheblichen körperlichen Belastungen ausgesetzt.
Gegenüber der IV-Stelle habe er eine Einschränkung von 50 Prozent für mittelschwere
Tätigkeiten attestiert.
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A.b Am 4. Juli 2013 führte eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle eine Abklärung im
Haushalt der Versicherten durch (IV-act. 31). Sie berichtete, bei der Abklärung seien
nebst der Versicherten auch deren Ehemann, deren Schwiegertochter, deren Sohn und
deren Tochter anwesend gewesen. Die Schwiegertochter habe übersetzt. Die
Versicherte habe angegeben, sie habe nach wie vor Schmerzen im operierten
Lendenwirbelsäulenbereich. Rückblickend hätte sie sich lieber nicht operieren lassen.
Anfänglich habe sich ihr Zustand zwar eher gebessert, dann seien aber Schlafprobleme
aufgetreten. Insgesamt sei der Zustand in etwa gleich schlecht wie vor der Operation.
Ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung würde sie im Umfang von 50 Prozent einer
ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen, da ihr Ehemann im März 2009 einen
Unfall erlitten habe, da sie seither vom Sozialamt abhängig seien und da das Sozialamt
sie zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit angehalten habe. Die Sozialhilfeleistungen
beliefen sich auf rund 2’250 Franken pro Monat. Die Sachbearbeiterin notierte,
ausgehend von den Angaben der Versicherten betrage die Einschränkung bezüglich
der Haushaltsführung im Bereich Ernährung zehn Prozent, im Bereich Wohnungspflege
20 Prozent, im Bereich Besorgungen zehn Prozent und im Bereich Wäsche ebenfalls
zehn Prozent. In den übrigen Bereichen bestehe keine nennenswerte Einschränkung.
Die Tochter und die Schwiegertochter hätten angegeben, sie würden regelmässig im
Haushalt der Versicherten mithelfen. Die Frage, ob dies möglicherweise kulturell
bedingt sei, sei bejaht worden. Allerdings könnten die Versicherte und ihr Ehemann,
der gemäss einem Entscheid des Versicherungsgerichtes zu 70 Prozent arbeitsfähig
sei, den kleinen Zweipersonenhaushalt auch alleine besorgen. Unter Berücksichtigung
der Schadenminderungspflicht des Ehemannes resultiere im Aufgabenbereich keine
relevante Einschränkung. Die Versicherte sei als zu je 50 Prozent im Aufgaben- und im
Erwerbsbereich tätig zu qualifizieren. Der Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich müsse
vom RAD festgelegt werden. Der RAD-Arzt hielt am 8. August 2013 fest, für
wechselbelastende Tätigkeiten mit überwiegendem Sitzen, ohne häufiges Bücken und
Strecken, ohne Zwangshaltungen der Wirbelsäule und ohne Heben und Tragen von
Lasten über 2,5 Kilogramm sei die Versicherte halbtags arbeitsfähig (IV-act. 32).
A.c Mit einem Vorbescheid vom 13. November 2013 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit (IV-act. 36), dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe.
Die Einschränkungen im Aufgaben- und im Erwerbsbereich betrügen je null Prozent,
weshalb auch gesamthaft ein Invaliditätsgrad von null Prozent resultiere. Dagegen
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wandte die Versicherte am 12. Dezember 2013 ein (IV-act. 37), sie müsse als
Vollerwerbstätige betrachtet werden, da sie ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung voll
arbeitsfähig wäre und da sie sich aus freien Stücken als Hausfrau betätigt habe. Zudem
sei sie gemäss den übereinstimmenden Beurteilungen der behandelnden Ärzte
vollständig arbeitsunfähig. Sie stehe seit kurzem in psychiatrischer Behandlung. Ohne
die regelmässige Einnahme von Medikamenten könnte sie aufgrund von Panikattacken
nicht einschlafen. Da auch ihr Ehemann arbeitsunfähig sei, habe die Familie sich mit
einem harten sozialen Abstieg konfrontiert gesehen. Ihrer Eingabe legte die Versicherte
je einen medizinischen Bericht des Hausarztes und des Neurochirurgen bei (IV-act. 37).
Mit einer Verfügung vom 21. Januar 2014 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab
(IV-act. 38). Bezugnehmend auf die Einwände der Versicherten führte sie aus, in
medizinischer Hinsicht seien keine neuen Tatsachen geltend gemacht worden.
B.
B.a Am 21. Februar 2014 liess die nun anwaltlich vertretene Versicherte (nachfolgend:
die Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 21. Januar 2014
erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und die
Zusprache einer halben, eventualiter einer ganzen Rente. Zur Begründung führte er aus
(act. G 5), die Beschwerdeführerin sei zeit ihres Lebens als Hausfrau tätig gewesen und
könne deshalb nicht als zu 50 Prozent ausserhäuslich erwerbstätig qualifiziert werden.
Gemäss den Berichten der behandelnden Ärzte, deren Beurteilung sich auch der RAD-
Arzt angeschlossen habe, sei die Beschwerdeführerin im Aufgabenbereich zu 50
Prozent eingeschränkt. Sie habe folglich einen Anspruch auf eine halbe Rente.
Allenfalls sei die Sache zu einer erneuten Abklärung der Einschränkungen im Haushalt
an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Der Ehemann
könne im Übrigen nicht zu 70 Prozent arbeitsfähig sein, denn er erhalte seit April 2010
eine Viertelsrente. Der Beschwerde lag ein Arztbericht eines Psychologen vom 10.
Februar 2014 bei (act. G 1.3). Dieser hatte ausgeführt, die Beschwerdeführerin sei am
27. November 2013 zur Behandlung überwiesen worden, nachdem der Hausarzt eine
zunehmende depressive Verstimmung festgestellt habe. Anamnestisch habe sich zu
Beginn der Behandlung das Bild einer schweren ängstlich betonten Depression
gezeigt. Über die weitere Entwicklung der Erkrankung und der Beschwerden könne
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noch nicht viel ausgesagt werden, da die Behandlung gerade erst begonnen worden
sei.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. April 2014 die Abweisung der
Beschwerde und eventualiter die Durchführung einer orthopädischen Begutachtung
(act. G 7). Zur Begründung führte sie aus, das Rückenleiden der Beschwerdeführerin
schränke deren Arbeitsfähigkeit höchstens in qualitativer Hinsicht ein, weil weder
neurologische Ausfälle noch eine ausgeprägte Fehlstatik vorlägen. Aus den Akten sei
kein Grund dafür ersichtlich, dass der Beschwerdeführerin eine rückenadaptierte
Tätigkeit nicht mehr vollumfänglich zumutbar sein sollte. Angesichts der diskreten
Befunde sei die Beantwortung der so genannten Statusfrage nicht notwendig.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 28. April 2014 an ihren Anträgen festhalten (act.
G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 11).

Erwägungen
1.
1.1 Unabhängig davon, nach welcher der im Art. 28a IVG genannten drei Methoden
der Invaliditätsgrad errechnet wird, muss für die Berechnung mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein, an welchen
Gesundheitsbeeinträchtigungen die Beschwerdeführerin leidet, wie und in welchem
Ausmass diese ihre Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen und welche Tätigkeiten der
Beschwerdeführerin trotz ihrer Gesundheitsbeeinträchtigungen noch möglich und
zumutbar sind. Das geltende Recht kann nur auf einen ausreichend abgeklärten
Sachverhalt angewendet werden, denn solange der massgebende Sachverhalt nicht
umfassend erstellt ist, kann der Rechtsanwendungsvorgang nicht komplett
durchgeführt werden (vgl. hierzu Tobias Bolt, Unzulässiger Feststellungsentscheid bei
der Ermittlung des Invaliditätsgrades?, in: SZS 58/2014, S. 164 ff.). Entsprechend
gebietet auch der Untersuchungsgrundsatz des Art. 43 Abs. 1 ATSG eine umfassende
Sachverhaltsabklärung.
1.2 Die Beschwerdegegnerin hat sich vorliegend damit begnügt, Berichte der
behandelnden Ärzte einzuholen. Dabei hat sie sich aber nicht an sämtliche
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behandelnde Ärzte gewandt. Obwohl die Beschwerdeführerin bereits in ihrer
Stellungnahme zum Vorbescheid vom 13. November 2014 darauf hingewiesen hatte,
dass sie sich zwischenzeitlich auch in einer psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung befinde, hat die Beschwerdegegnerin nämlich vom behandelnden
Psychologen keinen Bericht eingeholt. Auf die eingeholten Berichte des Hausarztes,
der früheren Hausärztin und des behandelnden Neurochirurgen hat die
Beschwerdegegnerin letztlich allerdings gar nicht abgestellt, da ein RAD-Arzt diese als
nicht aussagekräftig respektive als widersprüchlich qualifiziert hatte. In medizinischer
Hinsicht hat sich die Aktenlage also wie folgt präsentiert: Bei den Akten lagen die
Berichte des Hausarztes, der früheren Hausärztin und des behandelnden
Neurochirurgen. Diese Berichte haben gemäss der – insofern überzeugenden –
Aktenbeurteilung des RAD-Arztes die Beantwortung der Frage nach der
Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht erlaubt. Da der RAD-Arzt die
Beschwerdeführerin nicht persönlich untersucht hat und da die Beschwerdegegnerin
keine weiteren medizinischen Abklärungen getätigt hat, ist also kein medizinischer
Bericht bei den Akten gelegen, der die Beantwortung der Frage nach der
Arbeitsfähigkeit erlaubt hätte. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD-Arztes hat nur
seiner – für den Einzelfall nicht massgebenden – allgemeinen Erfahrung als Mediziner
entspringen können. Diese allgemeine Erfahrung kann selbstverständlich nicht geeignet
sein, die Arbeitsfähigkeit im konkreten Fall mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Folglich ist die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD-Arztes als unbegründet zu bezeichnen. Die
Beschwerdegegnerin hat mit ihrem (allerdings unbegründet gebliebenen)
Eventualantrag in ihrer Beschwerdeantwort selbst eingeräumt, dass der Sachverhalt
auch ihres Erachtens ungenügend abgeklärt worden ist, denn sie hat eventualiter die
Durchführung einer orthopädischen Begutachtung beantragt. Jedenfalls steht fest,
dass die angefochtene Verfügung auf einem ungenügend abgeklärten Sachverhalt
beruht, dass sie also in Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
ergangen ist und dass sie folglich als rechtswidrig aufzuheben ist. Selbstverständlich
kann es nicht die Sache des Versicherungsgerichtes sein, die ureigenste Aufgabe der
Beschwerdegegnerin – die Sachverhaltsabklärung – für diese zu übernehmen
respektive deren Versäumnisse nachzuholen. Die Sache ist deshalb zur Fortsetzung
des Verwaltungsverfahrens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese
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beziehungsweise deren RAD wird zu entscheiden haben, mit welchen
Abklärungsmassnahmen der massgebende medizinische Sachverhalt zu erstellen sein
wird.
2.
Für die Berechnung des Invaliditätsgrades nach der Durchführung der weiteren
Abklärungen wird die Beschwerdegegnerin den Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. dem Art. 16
ATSG anzuwenden haben. Sie wird also von einer vollen Erwerbstätigkeit der
Beschwerdeführerin im so genannten hypothetischen Gesundheitsfall ausgehen
müssen. Zwar ist die Beschwerdeführerin bislang nie erwerbstätig gewesen. Dazu hat
vor dem Unfall ihres Ehemannes allerdings auch keine Notwendigkeit bestanden, denn
bis zu diesem Zeitpunkt hatte dieser allein für die finanziellen Bedürfnisse der Familie
aufkommen können. Dem Bericht der Beschwerdegegnerin betreffend die Abklärung
vom 4. Juli 2013 lässt sich entnehmen, dass die Familie der Beschwerdeführerin
mittlerweile sozialhilfeabhängig ist. Die Sozialhilfeleistungen haben sich auf über 2’250
Franken pro Monat belaufen. Die Beschwerdeführerin hat in ihrer Stellungnahme zum
Vorbescheid vom 13. November 2013 festgehalten, dass sie in dieser Situation bei
voller Gesundheit nicht weiter als Hausfrau tätig geblieben wäre, sondern die Rolle des
Versorgers der Familie nach dem Unfall ihres Ehemannes übernommen hätte. Dafür
hätte ein Pensum von 50 Prozent jedenfalls nicht ausgereicht. Gerade in der
Grossregion Ostschweiz hätte die Beschwerdeführerin angesichts ihrer schlechten
Qualifikationen (selbst im Vergleich zu anderen Hilfsarbeiterinnen) wohl kaum eine
Arbeitsstelle gefunden, bei der sie bei vollzeitiger Beschäftigung mindestens 5’000
Franken pro Monat verdient hätte. So viel hätte sie aber verdienen müssen, um ihre
Familie mit einem halben Pensum aus der Sozialhilfeabhängigkeit heraus zu lösen.
Weitaus plausibler ist, dass die Beschwerdeführerin mit einem Vollpensum gerade
genug verdient hätte, damit die Familie nicht mehr von der Sozialhilfe abhängig
gewesen wäre und sich einen leicht höheren Lebensstandard hätte leisten können.
Zusammenfassend kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Beschwerdeführerin
voll erwerbstätig gewesen wäre, wenn sie nicht an einer Gesundheitsbeeinträchtigung
gelitten hätte. Die Berechnung des Invaliditätsgrades wird folglich anhand eines reinen
Einkommensvergleichs zu erfolgen haben.
3.
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Die Aufhebung einer Verfügung verbunden mit der Rückweisung der Sache an die
Verwaltung gilt hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen
rechtsprechungsgemäss als vollständiges Obsiegen der Beschwerde führenden Partei.
Folglich hat die Beschwerdegegnerin die angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten zu bezahlen.
Der Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken
zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine
Parteientschädigung auszurichten. Angesichts der dürftigen Aktenlage ist von einem
unterdurchschnittlichen Vertretungsaufwand auszugehen, weshalb die
Parteientschädigung auf 2’500 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.