Decision ID: 4215904e-4668-5faa-b87b-c0c7421a91e7
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Januar 2013 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe in seinem Herkunftsland acht
Jahre lang die Grundschule besucht; eine berufliche Ausbildung habe er nicht
absolviert. Eine ehemalige Arbeitgeberin teilte im Februar 2013 mit (IV-act. 5), sie habe
den Versicherten ab August 2007 als Mitarbeiter im Bereich Unterhaltsreinigung
beschäftigt. Infolge einer Umstrukturierung habe sie das Arbeitsverhältnis per Ende
Juni 2009 aufgelöst. Der Internist Dr. med. B._ hatte bereits im Dezember 2003
berichtet (IV-act. 10–8), der Versicherte leide an einem cervico-brachialen
Schmerzsyndrom bei einer paramedialen Discushernie C5/6 links. Im März 2003 sei
eine fraktionierte peridurale Infiltration durchgeführt worden. Diese habe aber nicht zu
einer Verbesserung der Schmerzsymptomatik geführt. Seit Ende Oktober 2003 sei
trotzdem wieder von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen. In einem
Austrittsbericht vom 8. März 2013 betreffend eine tagesklinische Behandlung des
Versicherten in der Zeit vom 3. Dezember 2012 bis zum 8. März 2013 gab die
Tagesklinik des Psychiatrischen Zentrums C._ an (IV-act. 17 f.), der Versicherte leide
an einer Anpassungsstörung mit einer längeren depressiven Reaktion und an einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Im Rahmen der Behandlung habe sich
immer deutlicher ein bereits länger bestehender Paarkonflikt herauskristallisiert, der ein
zentrales Thema in der Therapie geworden sei. Das Thema „Schmerz“ sei darunter
zunehmend in den Hintergrund getreten. In der Behandlung sei die auch von der
Ehefrau beschriebene Merkfähigkeitsstörung des Versicherten spürbar gewesen.
Allerdings sei teilweise eine selektive Vergesslichkeit wahrgenommen worden. Die
Internistin Dr. med. D._ berichtete im Oktober 2013 (IV-act. 24), der Versicherte leide
an chronifizierten, vermutlich nozizeptiv-neuropathisch gemischten Schmerzen mit
somatischen und psychischen Anteilen. Die Beschwerden führten zu Konzentrations-,
Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen. Zur Arbeitsfähigkeit müsse sich ein sozial-
A.a.
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medizinischer Gutachter äussern. Das Ambulatorium des Psychiatrischen Zentrums
C._ teilte im Oktober 2013 mit (IV-act. 26), der Versicherte habe nach dem Abschluss
der tagesklinischen Behandlung am 13. März 2013 nur zwei Termine wahrgenommen,
weshalb man die ambulante Behandlung am 15. Oktober 2013 abgeschlossen habe.
Im Juni 2014 berichtete das Psychiatrische Zentrum E._ (IV-act. 33), der Versicherte
habe sich vom 25. November 2013 bis zum 5. Februar 2014 in einer stationären
Behandlung befunden. Er leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer
gegenwärtig schweren Episode ohne psychotische Symptome, an einer Panikstörung
sowie an einem Bandscheibenschaden. Im Verlauf der Behandlung habe sich der
Zustand des Versicherten merklich verbessert. Vom 23. Februar 2014 bis zum 23. April
2014 befand sich der Versicherte nochmals in einer stationären psychiatrischen
Behandlung. Das Psychiatrische Zentrum E._ hielt im Juli 2014 fest (IV-act. 41), der
Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Episode, an einer Panikstörung
mit einer episodisch paroxysmalen Angst sowie an einer Bandscheibenstörung. Nach
dem Austritt habe er sich in eine tagesklinische Behandlung in die Tagesklinik des
Psychiatrischen Zentrums C._ begeben. Diese berichtete im Juli 2014 (IV-act. 45),
der Versicherte habe sich vom 6. Mai 2014 bis zum 27. Juni 2014 in einer
tagesklinischen Behandlung befunden. Er leide an einer mittelgradigen depressiven
Episode auf dem Boden einer narzisstischen Persönlichkeitsänderung, an einer
Panikstörung sowie an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Die
tagesklinische Behandlung habe zu keiner wesentlichen Veränderung des
Gesundheitszustandes geführt. Im Oktober 2014 befand sich der Versicherte nochmals
für eine Woche in einer stationären psychiatrischen Behandlung (IV-act. 52).
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das Begutachtungszentrum Basel-Landschaft
(BEGAZ) am 4. Mai 2017 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 92). Die internistisch-
rheumatologische Sachverständige führte aus, aus internistischer Sicht leide der
Versicherte an einer Adipositas, möglicherweise an einer chronischen obstruktiven
Lungenerkrankung, an einem Nikotinabusus, an einer Lebersteatose, an zwei
Leberzysten, an einer leichten Splenomegalie, an einem Status nach einer
wahrscheinlichen präputialen Mykose sowie – gemäss den Akten – an einem Status
nach einer Eradikationsbehandlung bei einer Heliobacter pylori Superinfektion der
Magenschleimhaut. Zudem bestehe der dringende Verdacht auf eine arterielle
A.b.
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Hypertonie. Keine dieser Diagnosen schränke die Arbeitsfähigkeit des Versicherten ein.
Aus rheumatologischer Sicht leide der Versicherte an einem chronischen
Cervicobrachialsyndrom links sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an
einem Status nach einer Lumboischialgie links. Der objektive klinische Befund sei
weitgehend unauffällig gewesen. Auch beim An- und Auskleiden sowie beim
Gestikulieren seien keine Einschränkungen zu beobachten gewesen. Aufgefallen seien
nur eine leichtgradig eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule sowie –
rheumatologisch nicht erklärbar – ein Kraftdefizit im linken Arm und eine
Sensibilitätsverminderung im linken Arm, im linken Oberschenkel und in der linken
Gesichtshälfte. Der neurologische Sachverständige hielt fest, der Versicherte leide an
einem Cervicalsyndrom mit einer linksseitigen Cervicobrachialgie und einer klinisch
leichten Schwäche der linken Muskeln Extensor digitorum communis, Flexor digitorum
superficialis und profundus sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an
einem Sulcus ulnaris-Reizsyndrom links und Kopfschmerzen vom Spannungstyp.
Klinisch hätten kaum Befunde objektiviert werden können. Einfache und mittelschwere
körperliche Tätigkeiten seien dem Versicherten ganztags zumutbar. Es bestehe aber
ein leicht erhöhter Pausenbedarf, weshalb der Arbeitsfähigkeitsgrad auf 90 Prozent
festzusetzen sei. Der psychiatrische Sachverständige führte aus, der Versicherte habe
in der Untersuchung nicht sehr glaubhaft gewirkt. Er habe sich teilweise widersprochen
und sich dann jeweils korrigiert, wenn er auf einen Widerspruch aufmerksam gemacht
worden sei. Zum Beispiel habe er angegeben, dass er das Antidepressivum
regelmässig einnehme. Auf Nachfrage hin habe er diese Angabe nochmals bestätigt.
Erst nachdem er auf die damit nicht zu vereinbarenden Resultate der
Laboruntersuchung aufmerksam gemacht worden sei, habe er sich korrigiert. Die
behandelnde Psychiaterin habe telefonisch angegeben, dass man nicht von einer
Behandlung sprechen könne. Der Versicherte erscheine nur sehr selten zu
Konsultationen. Anamnestisch sei die Vorgeschichte des Versicherten aus der Sicht
des Sachverständigen auffällig; sie weise wenig Konstanz auf. Das könnte auf eine
gewisse Akzentuierung von Persönlichkeitszügen hinweisen. Aufgrund der Vorakten
und der Angaben des Versicherten erscheine es als nachvollziehbar, dass der
Versicherte rezidivierend an Panikattacken leide. Ein Vermeidungsverhalten bestehe
jedoch nicht. Das Vorliegen einer affektiven respektive depressiven Störung erscheine
als unwahrscheinlich. In der Untersuchung seien keine entsprechenden Symptome
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aufgefallen. In den Akten sei die Entwicklung der dort erwähnten depressiven Störung
nie nachvollziehbar aufgezeigt oder besprochen worden. Zusammenfassend seien eine
Panikstörung und – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – eine rezidivierende,
aktuell remittierte depressive Störung zu diagnostizieren. Zudem bestehe der Verdacht
auf narzisstische Persönlichkeitszüge. Für eine adaptierte Tätigkeit sei eine
Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent zu attestieren. Die entsprechende Einschränkung von
20 Prozent begründe sich mit der jeweiligen vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit des
Versicherten während einer Panikattacke. Der neuropsychologische Sachverständige
hielt fest, der Versicherte habe in der Untersuchung ein auffälliges allgemeines
Verhalten gezeigt. Er habe leidend, unwillig und widerstrebend gewirkt; bei der
Bearbeitung der Testaufgaben habe er wenig Interesse, ein geringes Engagement und
teilweise ein inadäquates, oppositives Verhalten gezeigt. Die Testleistungen seien
praktisch durchwegs gering gewesen. Allerdings sei die Validität der Befunde aus
neuropsychologischer Sicht ungenügend. Aus polydisziplinärer Sicht sei für die Zeit ab
Dezember 2012 eine Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent für ideal leidensadaptierte
Tätigkeiten zu attestieren. Am 16. Mai 2017 notierte Dr. med. F._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD), dass auf das überzeugend begründete Gutachten
abzustellen sei (IV-act. 94).
Mit einem Vorbescheid vom 30. Mai 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 99). Am 10. Juli 2017 liess der Versicherte
einwenden (IV-act. 103), die Akten seien unvollständig. Insbesondere fehle ein Bericht
der Klinik G._ vom 12. August 2015, der eine entscheidende Bedeutung habe. Auch
die Sachverständigen des BEGAZ hätten offensichtlich keine Kenntnis von diesem
Bericht gehabt. Die Begutachtung sei mangelhaft durchgeführt worden. Bei der
Berechnung des Invalideneinkommens müsse ein maximaler „Leidens- und
Teilzeitabzug“ von 25 Prozent berücksichtigt werden. Zusammenfassend müssten
weitere medizinische Abklärungen getätigt werden. Der Versicherte habe einen
Anspruch auf mindestens eine Dreiviertelsrente. Mit einer Verfügung vom 23. August
2017 wies die IV-Stelle das im Rahmen der Eingabe vom 10. Juli 2017 gestellte Gesuch
um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren ab (IV-act.
105). Am 29. September 2017 notierte die RAD-Ärztin Dr. med. H._ (IV-act. 107), der
A.c.
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B.
Bericht der Klinik G._ vom 12. August 2015 ändere nichts an der Sachlage, da er nur
auf den Erkenntnissen aus einem Vorgespräch beruhe und da die Sachverständigen
des BEGAZ den Gesundheitszustand des Versicherten umfassend abgeklärt hätten.
Mit einer Verfügung vom 29. September 2017 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren
des Versicherten ab (IV-act. 108).
Am 31. Oktober 2017 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 29. September 2017 erheben (act. G 1).
Seine Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Zusprache einer ganzen oder eventualiter einer Dreiviertels-, einer halben oder einer
Viertelsrente, die Ergänzung des psychiatrischen und rheumatologischen Teils des
BEGAZ-Gutachtens oder eventualiter die Durchführung einer neuen Begutachtung
sowie subeventualiter die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die IV-
Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin). Zusätzlich beantragte sie für das
„vorinstanzliche Einspracheverfahren“ und für das Beschwerdeverfahren die
unentgeltliche Rechtspflege. Zur Begründung führte sie aus, der Bericht der Klinik
G._ vom 12. August 2015 erkläre die von den Sachverständigen des BEGAZ
behaupteten Ungereimtheiten und Unstimmigkeiten. Dieser Bericht hätte den
Sachverständigen deshalb unbedingt zur Verfügung gestellt werden müssen. Bei der
Berechnung des Invalideneinkommens müsse ein maximaler „Leidens- und
Teilzeitabzug“ von 25 Prozent berücksichtigt werden. Bezüglich des Begehrens um die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das „vorinstanzliche Einspracheverfahren“ sei
darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin das Begehren zu Unrecht
abgewiesen habe. Der Beschwerdeführer habe nur aus Kostengründen auf eine
Anfechtung der entsprechenden Verfügung verzichtet. Da die Beschwerdegegnerin die
angefochtene IV-Verfügung lediglich einen Monat später erlassen habe, hätte sie mit
dem Entscheid bezüglich der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung aus
prozessökonomischer Sicht zuwarten müssen.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 1. Dezember 2017 die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (act. G 3). Zur Begründung führte sie an, die
Verfügung betreffend die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
B.b.
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Erwägungen
1.
Verwaltungsverfahren sei unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen, weshalb
auf die dagegen gerichtete Beschwerde nicht einzutreten sei. Das Gutachten des
BEGAZ sei in jeder Hinsicht überzeugend. Der Bericht der Klinik G._ wecke keinen
Zweifel daran. Der Beschwerdeführer sei dort nur oberflächlich untersucht worden.
Zudem sei damals kein Dolmetscher anwesend gewesen, weshalb die Verständigung
erschwert gewesen sei. Selbst unter Berücksichtigung eines „Leidensabzuges“ von
zehn Prozent resultiere nur ein Invaliditätsgrad von 24 Prozent. Die angefochtene
Verfügung betreffend das Rentenbegehren des Beschwerdeführers erweise sich damit
als rechtmässig.
Am 13. Dezember 2017 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren bewilligt (act. G 4).
B.c.
In seiner Replik vom 28. Februar 2018 zog der Beschwerdeführer seinen Antrag
um die Zusprache einer unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das „vorinstanzliche
Einspracheverfahren“ zurück; an den übrigen Begehren hielt er fest (act. G 8).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9 f.).B.e.
Am 12. September 2019 reichte der Beschwerdeführer einen Austrittsbericht der
psychiatrischen Klinik I._ vom 14. Juni 2019 ein (act. G 11.1.1), laut dem er sich vom
20. April 2019 bis zum 31. Mai 2019 in einer stationären psychiatrischen Behandlung
befunden hatte. Die Ärzte hatten eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit histrionen
und narzisstischen Zügen sowie eine rezidivierende depressive Störung mit einer
gegenwärtig mittelgradigen Episode, einen cervicalen Bandscheibenschaden, eine
benigne essentielle Hypertonie und eine Panikstörung diagnostiziert.
B.f.
Die Beschwerdegegnerin liess sich dazu nicht vernehmen (vgl. act. G 12).B.g.
Der Beschwerdeführer hat bei genauer Betrachtung zwei Beschwerden erhoben,
nämlich eine sich gegen die Verfügung vom 29. September 2017 richtende
Beschwerde betreffend einen allfälligen Rentenanspruch und eine sich gegen die
Verfügung vom 23. August 2017 richtende Beschwerde betreffend die unentgeltliche
1.1.
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2.
Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren. Aus verfahrensökonomischen
Gründen rechtfertigt es sich, diese beiden (gemeinsam in einer Eingabe erhobenen)
Beschwerden gemeinsam zu behandeln, aber das bedeutet nicht, dass die beiden
Streitgegenstände miteinander „verschmelzen“ würden. Sie bleiben unabhängig, was
bedeutet, dass es dem Beschwerdeführer frei steht, dieses Urteil beispielsweise nur
betreffend die Rentenfrage mit einer Beschwerde beim Bundesgericht anzufechten.
Der Beschwerdeführer hat seine (verspätet) gegen die Verfügung vom 23. August
2017 erhobene Beschwerde betreffend die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für
das Verwaltungsverfahren am 28. Februar 2018 vorbehaltlos zurückgezogen. Das
entsprechende Beschwerdeverfahren ist deshalb als gegenstandslos abzuschreiben.
Diesbezüglich sind keine Gerichtskosten zu erheben; es besteht auch kein Anspruch
auf eine Parteientschädigung.
1.2.
Gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern kann, die während eines Jahres ohne einen wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die
nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, einen Anspruch
auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität wird laut
dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und
nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem
Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre.
2.1.
Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens und
damit auch für die Berechnung des Invaliditätsgrades spielt die medizinisch-
theoretische Arbeitsfähigkeitsschätzung eine entscheidende Rolle. Somit ist zu prüfen,
ob auf das polydisziplinäre Gutachten des BEGAZ abgestellt werden kann. Die
Sachverständigen haben den Beschwerdeführer umfassend – nämlich allgemein-
internistisch, rheumatologisch, neurologisch, psychiatrisch und neuropsychologisch –
persönlich untersucht. Für ihre Untersuchungen haben sie einen Dolmetscher
beigezogen, sodass keine Verständigungsschwierigkeiten bestanden haben. In ihren
Teilgutachten haben die Sachverständigen einerseits die Angaben des
Beschwerdeführers und andererseits die von ihnen erhobenen objektiven klinischen
2.2.
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Befunde ausführlich wiedergegeben. Sie haben sich auch eingehend mit den
relevanten Vorakten auseinandergesetzt. Allerdings hat ihnen offensichtlich der Bericht
der Klinik G._ vom 12. August 2015 betreffend ein Vorgespräch vom 10. August 2015
nicht vorgelegen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kann diesem
Bericht jedoch keine entscheidende Bedeutung zugemessen werden. Dem Bericht
lässt sich nämlich entnehmen, dass das gegenseitige Verständnis aufgrund der
beschränkten Deutschkenntnisse erschwert gewesen ist. Zudem hat der
Beschwerdeführer kaum zugehört; die Fragen haben ihn nur begrenzt erreicht. Die
Affektivität hat nicht recht beurteilt werden können, weil der Beschwerdeführer trotz
mehrfacher Nachfragen keine klare Antwort gegeben hat. Die Ärzte der Klinik G._
haben deshalb nach dem Vorgespräch vom 10. August 2015 kaum objektive Angaben
zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers machen können, worauf sie in ihrem
Bericht deutlich hingewiesen haben. Vor diesem Hintergrund besteht kein Grund zur
Annahme, dass die Sachverständigen des BEGAZ zu anderen Schlussfolgerungen
gelangt wären, wenn sie Kenntnis vom Bericht der Klinik G._ vom 12. August 2015
gehabt hätten. Sowohl bezüglich der Angaben des Beschwerdeführers als auch
hinsichtlich seines Verhaltens besteht nämlich eine weitgehende Übereinstimmung
zwischen den Ausführungen im Bericht der Klinik G._ und jenen im Gutachten des
BEGAZ. Da die Sachverständigen des BEGAZ – anders als die Ärzte der Klinik G._ –
einen Dolmetscher beigezogen haben, haben sie allerdings nicht mit
Verständigungsschwierigkeiten zu kämpfen gehabt, weshalb es ihnen möglich
gewesen ist, die Angaben und das Verhalten des Beschwerdeführers umfassend
objektiv zu würdigen. Zusammenfassend haben die Sachverständigen des BEGAZ
über eine umfassende Kenntnis des für sie massgebenden medizinischen
Sachverhaltes verfügt. Gestützt darauf haben sie überzeugend begründete
Schlussfolgerungen hinsichtlich der Diagnosen und der Arbeitsfähigkeitsschätzung
gezogen. Nur bezüglich der Diagnosestellung und der Arbeitsfähigkeitsschätzung im
psychiatrischen Teilgutachten bestehen gewisse Zweifel, denn angesichts der vom
psychiatrischen Sachverständigen geschilderten Unsicherheiten bezüglich der
Zuverlässigkeit und der Konsistenz der Angaben und des Verhaltens des
Beschwerdeführers ist aus der Sicht eines medizinischen Laien nicht ganz
nachvollziehbar, weshalb der psychiatrische Sachverständige dann doch eine relevante
Gesundheitsbeeinträchtigung diagnostiziert und eine Arbeitsunfähigkeit selbst für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert hat. Zudem hat der psychiatrische
Sachverständige den von ihm attestierten Arbeitsunfähigkeitsgrad von 20 Prozent nicht
begründet. Er hat nicht dargelegt, weshalb die Panikattacken eine durchschnittliche
Beeinträchtigung von genau 20 Prozent ausmachen sollen. Namentlich fehlen Angaben
zur Häufigkeit und zur Dauer der Panikattacken. Mit anderen Worten steht nicht mit
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dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, wie hoch
der Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers aus psychiatrischer Sicht gewesen
ist. Zur vollständigen Erfüllung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) wären
diesbezüglich noch weitere Abklärungen erforderlich gewesen. Allerdings bewegt sich
diese Sachverhaltsunsicherheit in einem sehr engen Rahmen, denn in den Akten findet
sich kein Hinweis auf eine Häufigkeit oder Dauer von (angeblichen) Panikattacken, die
es rechtfertigen würde, von einer durchschnittlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
von mehr als 20 Prozent auszugehen. Folglich steht immerhin mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer
für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten mindestens zu 80 Prozent arbeitsfähig ist,
sodass sich lediglich noch die Frage stellt, wo sich der genaue Arbeitsfähigkeitsgrad
innerhalb des Bereichs zwischen 80 Prozent und 100 Prozent bewegt. Das gilt nicht
nur für den Zeitpunkt, in dem der Beschwerdeführer vom BEGAZ untersucht worden
ist, sondern gemäss den Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen auch
retrospektiv für den gesamten massgebenden Zeitraum seit Dezember 2012. Der
Sachverständige hat nämlich überzeugend dargelegt, dass sich in den Akten der
behandelnden Fachärzte keine Angaben finden liessen, die das Attest einer
(vorübergehenden) höheren Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen könnten, und dass die
behandelnden Fachärzte nie überzeugend aufgezeigt hätten, weshalb sie von einer
relevanten affektiven Störung ausgegangen seien. Sie hätten unkritisch auf die
subjektiven Angaben des Beschwerdeführers abgestellt, was angesichts des
aggravierenden Verhaltens, das der Beschwerdeführer sowohl bei der Begutachtung
als auch – gemäss den Angaben in den Vorakten – bei früheren Untersuchungen und
Behandlungen gezeigt habe, aus fachärztlicher Sicht nicht zulässig gewesen sei und
folglich nicht überzeuge. Gestützt auf diese überzeugenden Ausführungen des
psychiatrischen Sachverständigen ist für den gesamten massgebenden Zeitraum von
einer Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von mindestens 80 Prozent auszugehen.
Sollte sich bei diesem Mindestarbeitsfähigkeitsgrad von 80 Prozent ein Invaliditätsgrad
von weniger als 40 Prozent ergeben, könnte auf weitere Abklärungen verzichtet
werden, weil diese zum Vorneherein zu keinem anderen Ergebnis, nämlich zur
Abweisung des Rentenbegehrens, führen könnten.
Der Beschwerdeführer ist vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung als
Hilfsarbeiter tätig und folglich in der Lage gewesen, einen dem statistischen
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne entsprechenden Lohn zu erzielen. Trotz seiner
Gesundheitsbeeinträchtigung kann er nach wie vor (leidensadaptierte) Hilfsarbeiten
verrichten, weshalb der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens dem Valideneinkommen entspricht. Der Betrag kann bei der
2.3.
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3.
Die Beschwerde gegen die Verfügung vom 29. September 2017 ist deshalb
abzuweisen. Die Gerichtskosten von 600 Franken wären an sich dem unterliegenden
Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung ist er von der Pflicht zur Bezahlung der Gerichtskosten befreit. Da ihm
Berechnung des Invaliditätsgrades folglich mathematisch keine Rolle spielen, weshalb
der Invaliditätsgrad anhand eines sogenannten Prozentvergleichs ermittelt werden
kann. Er entspricht dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen allfälligen
zusätzlichen Lohnabzug. Bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von maximal 20 Prozent
könnte nur unter Berücksichtigung des maximalen zusätzlichen Abzuges von 25
Prozent ganz knapp ein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren: 100 Prozent –
75 Prozent × 80 Prozent = 40 Prozent. Die Berücksichtigung des maximalen Abzuges
kommt aus den folgenden Gründen nicht in Frage: Mit dem zusätzlichen Lohnabzug
soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass es einer an einer
Gesundheitsbeeinträchtigung leidenden versicherten Person aus betriebswirtschaftlich-
ökonomischer Sicht unter Umständen nicht möglich sein wird, mit ihrer Arbeitsleistung
denselben ökonomischen Mehrwert wie eine gesunde, im selben Pensum tätige Person
zu generieren. Entsprechende Umstände liegen hier zwar möglicherweise vor, aber sie
fallen nicht allzu stark ins Gewicht. Die Arbeitsleistung des Beschwerdeführers wird
wohl gewissen Schwankungen unterliegen, da es infolge von Panikattacken zu
kurzfristigen Ausfällen kommen dürfte. Der Beschwerdeführer wird seine
Arbeitsleistung also möglicherweise nicht konstant zuverlässig erbringen können.
Zudem wird ein potentieller Arbeitgeber das Risiko von vermehrten Ausfällen aufgrund
der Panikattacken mit einer vorübergehenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit
einkalkulieren müssen. Vor diesem Hintergrund erscheint es zwar also ausgeschlossen,
dass der Beschwerdeführer einen ökonomischen Mehrwert generieren könnte, der
jenen von 50 Prozent aller im selben Beruf (mit einem Pensum von 80–100 Prozent)
tätigen Arbeitnehmer übersteigen würde, aber der ökonomische Mehrwert der
Arbeitsleistung des Beschwerdeführers wird nicht sehr viel unter dem statistischen
Zentralwert liegen, weshalb lediglich ein zusätzlicher Lohnabzug von maximal zehn
Prozent berücksichtigt werden kann (vgl. dazu etwa den Entscheid IV 2017/208 vom
13. Dezember 2019, E. 3.2, oder den Entscheid IV 2017/13 vom 12. April 2019, E. 3.3).
Selbst bei der Berücksichtigung eines maximalen Arbeitsunfähigkeitsgrades von 20
Prozent für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten würde damit lediglich ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 28 Prozent (= 100% – 90% × 80%)
resultieren, weshalb sich die angefochtene Verfügung im Ergebnis als rechtmässig
erweist.
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auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt worden ist, hat der Staat der
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers eine Entschädigung auszurichten, die 80
Prozent des erforderlichen Vertretungsaufwandes abdecken muss (vgl. Art. 31 Abs. 3
AnwG). Der Aktenumfang ist als unterdurchschnittlich zu qualifizieren, weshalb von
einem unterdurchschnittlichen Aufwand für das Aktenstudium auszugehen ist. Der
erforderliche Vertretungsaufwand ist deshalb insgesamt leicht unterdurchschnittlich
gewesen, weshalb die Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung auf
80 Prozent von 3’000 Franken, also auf 2’400 Franken festzusetzen ist. Sollten es seine
wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird der Beschwerdeführer zur
Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Entschädigung für die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP
i.V.m. Art. 123 ZPO).