Decision ID: 134436a0-2278-4332-bdcc-abca25d93ad7
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972,
hat
im Juli 2012 seine
Ausbildung zum Maurer
abgeschlossen
, die er 1991 abgebrochen hatte
(
Urk.
6/7/2,
6/27 f.).
D
ie anschliessende Festanstellung bei der
Y._
AG,
wurde
per Ende September 2012
gekündigt
(
Urk.
6/15). Unter Hinweis auf eine narzisstische Persönlichkeitsstörung meldete sich der Versicherte am 1
2.
März 2013
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/3). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte nebst aktuellen Auszügen aus dem individue
llen Konto (IK-Auszug,
Urk.
6/2,
6/9) diverse Arztberichte (
Urk.
6/7, 6/12/, 6/15 ff., 6/23 und 6/32) ein.
Mit Schreiben vom 1
0.
März 2014 auferlegte sie dem Versicherten eine Schadenminderungspflicht in Form einer sechsmonatigen Abstinenz von Suchtmittelsubstanzen (
Urk.
6/34). Nach Ein
gang weiterer ärztlicher Unterlagen (
Urk.
6/40, 6/44, 6/56
und 6/59)
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit Schreiben vom 2
4.
Februar 2016 den Abschluss der beruflichen Massnahmen mit, da er auf die Unterstützung durch die Einglie
derungsberatung verzichtet habe (
Urk.
6/69).
Seit März 2016 abs
olviert der Versicherte in der Z._
eine Ausbildung zum Pflegefachmann HF (
Höhere Fachschule;
Urk.
6/82). Am 2
4.
August 2016 ersuchte er die IV-Stelle darum, rückwirkend ab Beginn der Ausbildung den Anspruch auf eine Umschulung zu prüfen (
Urk.
6/83). Mit Schreiben vom 2
2.
November 2016 teilte ihm die IV-Stelle mit, dass kein solcher Anspruch bestehe (
Urk.
6/84), worauf der Versicherte eine beschwerdefähige Verfügung verlangte (
Urk.
6/87). Mit Vorbescheid vom 2
8.
Februar 2017 wurde ihm die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht gestellt (
Urk.
6/91), wogegen er am 1
3.
April 2017 Einwand erhob (
Urk.
6/103). Am 3
0.
Juni 2017 verfügte die IV-Stelle indes im angekündigten Sinne (
Urk.
6/105 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
6.
August 2017 Beschwerde (
Urk.
1) mit dem sinngemässen Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und
es
sei ihm Kostengutsprache für
die beantragte
Umschulung zu erteilen.
Mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
September 2017 (
Urk.
4) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der
Beschwerde
, worüber der Versicherte mit Verfügung vom 2
2.
September 2017 (
Urk.
7) in Kenntnis gesetzt wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Art.
13 und 21
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliede
rung ins Erwerbsleben oder in den Aufg
abenbereich (Abs.
2). Nach Massgabe von Art
.
16 Abs
.
2
lit
.
c
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu er
halten oder zu verbessern (Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Mas
snahmen (
lit
. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
.
d).
1.3
Gemäss
Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (
Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (
Abs.
2). Als Umschu
lung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung (
IVV
)
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen versicherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmög
lichkeit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der „annähernden Gleich
wertigkeit" nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebe
nen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliede
rung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 488 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b mit Hinweisen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E. 3).
Für die Beurteilung der Gleichwertigkeit im Sinne der erwähnten Recht
sprechung ist zwar in erster Linie auf die miteinander zu vergleichenden Erwerbsmöglichkeiten im ursprünglichen und im neuen Beruf oder in einer der versicherten Person zumutbaren Tätigkeit abzustellen. Zwar geht es nicht an, den Anspruch auf Umschulungsmassnahmen – gleichsam im Sinne einer Momentaufnahme – ausschliesslich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeit
punkt begrenzten Einkommensvergleichs, ohne Rücksicht auf den qualitativen Ausbildungsstand einerseits und die damit zusammenhängende künftige Ent
wicklung der erwerblichen Möglichkeiten anderseits, abhängen zu lassen. Viel
mehr ist im Rahmen der vorzunehmenden Prognose (BGE 110 V 99 E. 2) unter Berücksichtigung der gesamten Umstände nicht nur der Gesichtspunkt der Ver
dienstmöglichkeit, sondern der für die künftige Einkommensentwicklung eben
falls bedeutsame qualitative Stellenwert der beiden zu vergleichenden Berufe mit zu berücksichtigen. Die annähernde Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglich
keit in der alten und neuen Tätigkeit dürfte auf weite Sicht nur dann zu ver
wirklichen sein, wenn auch die beiden Ausbildungen einen einigermassen ver
gleichbaren Wert aufweisen (BGE 124 V 108 E. 3b; AHI 1997 S. 86 E. 2b; Urtei
le des Bundesgerichts I 826/05 vom 28. Februar 2006 E. 4.1 in
fine
und
I 783/03 vom 18. August 2004 E. 5.2 mit Hinweisen; Meyer-Blaser, Zum Verhält
nismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungsrecht,
Diss
. Bern 1985, S. 186).
Massnahmen im Sinne von
Art.
17 IVG setzen subjektive und objektive Einglie
derungsfähigkeit voraus (AHI 1997 S. 82 E. 2b/
aa
; ZAK 1991 S. 179 unten f.
E. 3). Nicht unter Umschulung fallen Massnahmen der sozialberuflichen Reha
bili
tation (wie Gewöhnung an den Arbeitsprozess, Aufbau der Arbeitsmoti
vation, Stabilisierung der Persönlichkeit, Einüben der sozialen Grundelemente) mit dem primären Ziel, die Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person zu erreichen oder
wieder herzustellen
(ZAK 1992 S. 367 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts I 527/00 vom 30. April 2001).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 3
0.
Juni 2017 (
Urk.
2) stellte sich die IV-Stelle im Wesentlichen auf den Standpunkt, aus augenärztlicher Sicht sei die angestammte Tätigkeit als Maurer nicht ideal, weshalb allenfalls ein Umschu
lungsanspruch bestehe. Aufgrund der weiteren gesundheitlichen Beeinträchti
gungen sei die begonnene Ausbildung zum Pflegefachmann
jedoch
als eine nicht geeignete angepasste Tätigkeit zu erachten. So könne der Beruf als Pflege
fachmann sehr anstrengend und belastend sein
, weshalb diese Tätigkeit bei eigenen psychiatrischen Diagnosen nicht optimal angepasst sei. Im Weiteren sei der Umgang mit Medikamenten bei einer Suchterkrankung aus medizinischer Sicht nicht zu unterstützen. Folglich bestehe gemäss Ziffer 4025 des Kreis
schreibens über die Eingliederungsmassnahmen (KSBE) auch keine Austausch
befugnis. Vor diesem Hintergrund seien d
ie Umschulung
skosten
nicht von der Invalidenversicherung
zu übernehmen.
2.2
Dem hielt der Versicherte in seiner Beschwerdeschrift vom 1
6.
August 2017 (
Urk.
1) entgegen, er habe im Rahmen des der Ausbildung zum Pflegefachmann vorangegangenen Eignungsverfahrens bei der zuständigen Prüfstelle alle
Infor
mationen betreffend seine
Vergangenheit offengelegt.
Bei seinem Vorhaben sei er ausserdem unter anderem vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV), der Sozialbehörde, seinem behandelnden Psychiater und seinem Haus
arzt unterstützt worden. All diese Fachleute würden ihn als fähig erachten, die Ausbildung zum Pflegefachmann zu absolvieren, was er nun auch seit einein
halb Jahren
erfolgreich
tue. Im Weiteren gebe er seit drei Jahren alle sechs Monate eine Haarprobe ab
, wobei die Untersuchungen auf Suchtmittelkonsum
alle negativ
ausgefallen
seien
.
Den Entscheid der IV-Stelle empfinde er als Ein
griff in die verfassungsrechtlich garantierte Berufswahlfreiheit.
3.
3.1
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers lässt sich anhand der Aktenlage im Wesentlichen wie folgt darstellen:
Dem Bericht der Psychiatrischen
Klinik
A._
vom 2
2.
März 2013 sind folgende Diagnosen zu entnehmen (
Urk.
6/7/3):
-
Narzisstische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8),
-
Sekundäre Störung durch multiplen Substanzgebrauch, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F19.20).
Der Versicherte habe bereits in der Lehre
zum Maurer
Kontakt mit Drogen gehabt und diese genutzt, um sich emotional zu regulieren. Nach dem Lehrab
bruch 1991 sei der Konsum angestiegen. Von 1993 bis 1996 habe der Beschwerdeführer in Portugal eine Langzeittherapie in Anspruch genommen. 1998 sei es aufgrund von Drogenhandel und -k
onsum
zunehmend zu Konflik
ten mit dem Gesetz gekommen. Im Jahr 2000 sei er gemeinsam mit den Eltern nach Spanien gezogen und habe mit dem Vater während vier Jahren ein Bauge
schäft geführt. Mit der Zeit habe sich der Versicherte von seinem Vater bevor
mundet gefühlt und dieses Problem wiederum mit Drogenkonsum
gelöst. Es sei zu Konflikten und zum Austritt aus dem Unternehmen gekommen. In den Folgejahren hätten sich Zeiten des Drogenkonsums mit solchen abgewechselt, in denen der Beschwerdeführer gearbeitet habe. Von 2009 bis 2011 habe er sich wiederum einer Langzeitsuchttherapie unterzogen. Bei zweieinhalbjähriger Abstinenz habe er
daraufhin
seine Maurerlehre abschliessen können. Im Som
mer 2012
sei es erneut
zu einem Rückfall
gekommen, und der Versicherte habe sich von September bis November 2012 in der Psychiatrischen Klinik
B._
in stationäre
Behandlung
begeben.
Aktuell befinde er sich voraussichtlich bis zum 2
1.
Mai 2013 in der Psychiatrischen Klinik
A._
in stationärer Psychotherapie.
Es zeige sich, dass der Beschwerdeführer abstinent leben könne, solange er einen äusseren Halt habe. Dies könne eine Klinik, eine gute Arbeits
stelle, eine Beziehung oder regelmässige sportliche Betätigung sein.
Sobald es aber bei fehlender stationärer Behandlung in einem dieser Bereich
e
Probleme gebe, komme es zu einer zunehmenden Destabilisierung, bis es schliesslich zum Rückfall komme. Die beiden psychiatrischen Diagnosen würden zusammen
hängen und die Arbeitsunfähigkeit bedingen. Durch die narzisstische Persön
lichkeitsstörung könne der Versicherte mit schwierigen Gefühlen in zwischen
menschlichen Konfliktsituationen schlecht umgehen. Es würden aggressive Impulsdurchbrüche drohen, die er fürchte. Diese Gefühle müsse er jeweils durch den Konsum von Drogen abwehren (zum Ganzen
Urk.
6/7/2 f.
; vgl. auch
Urk.
6/12
und 6/16
).
Dem Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik
A._
vom 3
0.
Mai 2013 ist ergänzend zu entnehmen, dass
der Versicherte abgesehen von leichten Symptomen eines grippalen Infekts über keine somatischen Beschwerden geklagt habe. In psychischer Hinsicht sei er wach, bewusstseinsklar und allseits orientiert gewesen.
Auffälligkeiten in Bezug auf die Konzentration und die Aufmerksamkeit hätten nicht bestanden. Formale oder inhaltliche Denkstörun
gen hätten sich ebenfalls nicht eruieren lassen. Die Grundstimmung sei mög
licherweise infolge eines am Vorabend erlebten Paarkonflikts leicht gedrückt
erschienen
.
Vor dem Hintergrund des schützenden Rahmens der Klinik hätten sich keine Selbststeuerungsprobleme gezeigt
.
Auffälligkeiten betreffend die Selbstwahrnehmung, die Selbstreflexion und die Objektwahrnehmung hätten sich nicht ergeben. Eine akute Suizida
lität habe
ebenfalls nicht
bestanden
(
Urk.
6
/23/
8
f.).
3.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Ophthalmologie, hielt in seinem Bericht vom 1
1.
Juni 2013 fest, dass der Versicherte über keine
Stereopsis
verfüge und diese auch nicht mehr erlangen werde. Nach seinen Angaben sei dies im Bau
gewerbe aber unerlässlich, da er - abgeseh
en von der Selbstgefährdung bei
Gerüstarbeiten - sonst Fehler mache. Eine Umschulung auf eine Tätigkeit, bei der kein Stereosehen erforderlich sei, wäre daher sicherlich sinnvoll. Im Übrigen sei der
Visus
nicht eingeschränkt; es bestehe ein alternierendes Schielen (
Urk.
6/17).
3.3
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, informierte in ihrem Bericht vom 2
6.
Juli 2013 darüber, dass der Beschwerde
führer seit dem 2
8.
Mai 2013 bei ihr in ambulanter Behandlung sei. Im Rahmen einer psycho
emotionalen
Belastungssituation
sei es zu einer psychischen Dekompensation mit unklarem Drogenkonsum gekommen. Zum Entzug sei der Versicherte in die
E._
eingewiesen worden, mit nachfolgender Wiederaufnahme in die stationäre Psychotherapie in der Psy
chiatrischen Klinik
A._
. Längerfristig sei von einer mindestens 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, wobei diesbezüglich eine Arbeitsabklä
rung wünschenswert wäre (
Urk.
6/23/5 f.).
3.4
Aus dem Bericht der Psychiatrischen Klinik
A._
vom 2
8.
November 2013 geht hervor, dass sich der Beschwerdeführer vom
8.
August bis
4.
Oktober 2013 in stationärer Behandlung befunden habe. Es habe
sich das Muster wie
derholt, das
er zeitlebens kenne. Im institutionellen Umfeld funktioniere er gut und werde geschätzt als charmanter, angepasster und freundlicher Patient. Sobald jedoch der institutionelle Rahmen wegfalle, komme es trotz vorhandener Tagesstruktur bei zwischenmenschlichen Konflikten bald zu einem Rückfall in die Heroinabhängigkeit. Bei Austritt aus der Klinik sei der Versicherte zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Es sei in der Folge rasch zu einem Heroinrückfa
ll
gekommen, wodurch die Arbeitsunfähigkeit fortgedauert habe (
Urk.
6/32/2 ff.).
3.5
Vom 3
0.
Januar bis 1
1.
Februar 2014 war der Beschwerdeführer in der
E._
und anschliessend bis zum 2
7.
Februar 2014 in der Suchtbehandlung
F._
hospitalisiert (
Urk.
6/40 und 6/44). Ab die
sem Datum bis zum 2
8.
Mai 2014 sowie vom 1
0.
September bis 1
0.
Dezember 2014 befand er sich wiederum in
der
E._
in sta
tionärer Therapie.
Ab dem
6.
März 2014 seien sämtliche Drogenschnelltests negativ ausgefallen. Der Versicherte habe vorübergehend in eine Tagesstruktur im Sinne einer niederschwelligen aktivierenden Therapie eingebunden werden können. Er habe eine Verbesserung der Strategien zur Aufrechterhaltung der Abstinenz sowie zum Umgang mit Spannung erreicht, was langfristig zur Ver
besserung der Arbeitsfähigkeit beitrage. Es bestehe jedoch weiterhin eine starke Rückfallgefahr (
Urk.
6/56).
3.6
Med.
pract
.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem Bericht vom 2
7.
Februar 2017 aus, dass sich der Beschwerdeführer seit Februar 2014 deutlich intensiver mit eigenen Persönlichkeitsanteilen, der eigenen Geschichte und zukünftigen Perspektiven beschäftige. Es sei ihm nach einem Konsumrückfall gelungen, den folgenden Selbstwerteinbruch zu hinter
fragen und einen Kontrollverlust zu vermeiden. Die bereits im stationären Rah
men beobachtete Zunahme der Selbstreflexion, Introspektion und Selbstkon
trolle habe sich im ambulanten Setting bestätigt. Dem Versicherten sei es immer besser gelungen, seine Gefühle, Impulse und Handlungsautomatismen wahrzu
nehmen und kritisch zu hinterfragen. Der weitere Behandlungsverlauf habe sich zufriedenstellend und erfolgreich gestaltet. Es hätten regelmässig alle zwei Wochen Konsultationen stattgefunden. Unter Fortsetzung der stabilen Substitu
tion mit Methadon, einer selbst organisierten Tagesstruktur und einer stabilen Partnerschaft habe auf den Konsum von Opioiden sowie Kokain verzichtet wer
den können, wobei die Abstinenz durch regelmässige Urinkontrollen bestätigt worden sei. Nach zweijähriger kontrollierter Abstinenz sei dem Beschwerdefüh
rer
durch das Institut für Rechtsmedizin auch der Führerschein wieder erteilt worden.
Im Weiteren sei es ihm gelungen, eine Ausbildung zu beginnen. Die in seiner eigenen Entwicklung gewonnenen Erfahrungen und das hohe Mass an Reflexionsfähigkeit würden den Versicherten für einen therapeutischen oder pflegerischen Beruf als wertvoll erscheinen lassen.
Für die Ausbildung könne nach nunmehr einem Jahr aufgrund der gezeigten Motivation, der Leistungs
fähigkeit, dem bisher erkennbaren Durchhaltevermögen sowie der vom Ausbil
dungsbetrieb gemeldeten Zuverlässigkeit eine gute Prognose gestellt werden (zum Ganzen
Urk.
6/92).
4.
4.1
Strittig ist, o
b der Beschwerdeführer Anspruch
auf die von ihm im März 2016 in der
Z._
begonnene
Umschulung
zum Pflegefachmann HF hat (vgl. E. 2.1 f.).
4.2
4.2.1
Der Versicherte hat im Juli 2012 seine Lehre zum Maurer (Hochbau) abgeschlos
sen (
Urk.
6/28).
Dr.
C._
stellte in seinem Bericht vom 1
1.
Juni 2013 aller
dings fest, dass der Beschwerdeführer über keine
Stereopsis
verfügt und diese auch zukünftig nicht erlangen wird. Insbesondere unter Hinweis auf die Selbst
gefährdung bei Gerüstarbeiten erachtete er eine Umschulung für sinnvoll (E. 3.2).
In diesem Sinne äusserte sich auch
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, vom Regionalen Ärzt
lichen Dienst (RAD) mit Stellungnahme vom
5.
Januar 2017 (
Urk.
5 S. 8).
Die
Beschwerdegegnerin bestreitet
angesichts dieser
nachvollziehbaren
medizi
nischen
Einschätzung
en
grundsätzlich
nicht
, dass
dem Beschwerdeführer
die Ausübung der angestammten Tätigkeit
nicht mehr zumutbar ist
(vgl.
Urk.
2 S. 1
,
Urk.
5 S. 9
)
.
Hiervon ist im Folgenden auszugehen.
4.2.2
Der Anspruch auf Umschulung im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 IVG setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsscha
dens in der bisher ausgeübten Tätigkeit und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung
offen stehenden
zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder länger dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet (Urteil des Bundesgerichts 9C_511/2015 vom 1
5.
Oktober 2015 E. 3).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 2
0.
September 2017 (
Urk.
4) stellte die Beschwerdegegnerin
ohne nähere Begründung
in Frage,
ob
eine solche Erwerbs
einbusse vorliegt
.
Einerseits ist in dieser Hinsicht darauf hinzuweisen, dass es sich bei der
Erheblichkeitsschwelle
von 20
%
um einen blossen Richtwert han
delt (vgl. E. 1.3). Andererseits
ist
im konkreten Fall
ausschlaggebend, dass es sich bei den für den Versicherten ohne Umschulung zumutbaren angepassten Tätigkeiten mangels anderweitiger Ausbildung um unqualifizierte Hilfsarbeiten handelt, die im Vergleich zur erlernten Tätigkeit als Maurer qualitativ nicht als "annähernd gleichwertig" bezeichnet werden können. Eine annähernde Gleich
wertigkeit im Sinne einer Momentaufnahme einzig unter dem Aspekt der Ver
dienstmöglichkeit genügt nicht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_994/2009 vom 2
2.
März 2010 E. 4, 9C_704/2010 vom 3
1.
Januar 2011 E. 3.1 und 8C_559/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 3).
Selbst wenn ein aktueller Einkom
mensvergleich somit eine Verdiensteinbusse von deutlich weniger als 20
%
ergäbe
, stünde dies dem Umschulungsanspruch des Versicherten nicht entgegen.
Im Übrigen stellt
e
die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht in Abrede, dass die vom Versicherten zwischenzeitlich begonnene Ausbildung zum Pflegefachmann HF im Vergleich zu seiner absolvierten Maurerlehre mit Blick auf die Ver
dienstmöglichkeiten als annähern
d gleichwertig einzustufen ist (vgl. in diesem Zusammenhang die vom Bundesamt für Statistik herausgegebene Schweize
rische Lohnstrukturerhebung [LSE] 2014 [TA
1_tirage_skill_level
, Männer, Kom
petenzniveau 2; Baugewerbe:
Fr.
5'885.--, Gesundheits- und Sozialwesen:
Fr.
5'552.--]
sowie
https://pflege-berufe.ch/lohn-pflegefachfrau
, besucht am 3
0.
Januar 2018
).
4.2.3
Hauptsächlich
bestreitet die Beschwerdegegnerin jedoch, dass
die Tätigkeit als Pflegefachmann HF für den Versicherten aufgrund der diagnostizierten psychi
schen Erkrankungen geeignet ist. Zum einen könne dieser Beruf sehr anstren
gend und belastend sein. Zum anderen sei der Umgang mit Medikamenten bei Vorliegen einer Suchterkrankung aus medizinischer Sicht nicht zu unterstützen (
Urk.
2).
Angesichts der langjährigen Krankheitsgeschichte des Beschwerdeführers mit
zahlreichen
Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken (vgl. E. 3.1 ff.)
sind gewis
se Zweifel
an der Eignung der nun von ihm begonnenen Ausbildung zum Pfle
gefachmann HF auf den ersten Blick nicht von der Hand zu weisen. Die Beschwerdegegnerin liess
bei ihrer Beurteilung jedoch die Entwicklung
der kon
kreten Umstände seit Frühjahr 2014 weitgehend
ausser Acht
. So bringt der Beschwerdeführer berechtigterweise vor
(
Urk.
1)
, dass er der ihm mit Schreiben vom 1
0.
März 2014 (
Urk.
6/34) auferlegten Mitwirkungspflicht in Form einer Suchtmittelabstinenz nachgekommen sei.
Der behandelnde Psychiater med.
pract
.
G._
bestätigte dies in seinem Bericht vom 2
7.
Februar 2017
(
Urk.
6/92)
, wobei er darauf hinwies, dass regelmässige Urinkontrollen durchge
führt worden seien
,
und der Beschwerdeführer
aufgrund der ausgewiesenen Abstinenz
mittlerweile auch seinen Führerausweis
zurück
erhalten habe.
Soweit die IV-Stelle
den Umgang mit Medikamenten als bedenklich einstuft, ist anzu
merken, dass der Versicherte
in der Vergangenheit soweit ersichtlich
nicht von diesen abhängig war, sondern auf Nikotin, Alkohol, Cannabis,
Kokain,
Heroin
und Halluzinogene
zurückgegriffen hat (vgl.
Urk.
6/16/3 f., 6/23/6).
Dem Bericht
von med.
pract
.
G._
sind des Weiteren Fortschritte bei der Behandlung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung zu entnehmen. Im ambu
lanten Setting sei es dem Versicherten immer besser gelungen, seine Gefühle, Impulse und Handlungsautomatismen wahrzunehmen und kritisch zu hinter
fragen. Es habe eine Steigerung der Selbstreflexion, der Introspektion und der Selbstkontrolle festgestellt werden können (vgl. E. 3.6).
Die positive Entwick
lung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers widerspiegelt sich denn auch in erwerblicher Hinsicht.
So wurde dessen intellektuelle, praktische und persönliche Eignung für die Tätigkeit als Pflegefachmann im Rahmen einer Eig
nungsabklärung von Experten des
ZAG
abgeklärt
und bejaht
(vgl. hierzu https://www.puls-berufe.ch/Pflegeberufe/Eignungsabklaerung-Pflege-HF,
zuletzt
besucht am 3
0.
Januar 2018).
Zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung hatte der Versicherte ausserdem bereits
mehr als ein Drittel der dreijährigen Ausbildung (vgl.
Urk.
6/82/1) absolviert.
Vor diesem Hintergrund ist
in Bezug auf die vom Beschwerdeführer angestrebte Tätigkeit als Pflegefachmann HF mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer objektiven Einglied
erungsfähigkeit auszugehen.
Ein entsprechender Ein
gliederungswille ist augenscheinlich ebenfalls vorhanden, wobei dies seitens der IV-Stelle auch nicht bestritten wird.
4.3
Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass sämtliche Voraus
setzungen des Anspruchs auf Umschulung im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 IVG erfüllt sind
. Diese erweist sich infolge der bestehenden Invalidität als notwen
dig, und voraussichtlich kann dadurch die Erwerbsfähigkeit des Bes
chwerdefüh
rers erhalten werden.
D
ie angefochtene Verfügung vom 3
0.
Juni 2017 (
Urk.
2)
ist dem
nach
in Guthei
ssung der Beschwerde aufzuheben und der Anspruch auf Umschulung wie beantragt zu bejahen.
5.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.