Decision ID: 77974f35-a365-4a75-9c78-c7ebc97cef83
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y., geboren am 30. Dezember 1970, italienischer Staatsangehöriger, ist in der
Schweiz geboren. Im Alter von sechs Jahren zog er mit der Mutter und den beiden
Geschwistern nach Italien, wo er die ersten drei Primarschulklassen besuchte. Mitte
August 1979 kehrte er mit der Mutter und den Geschwistern in die Schweiz zurück.
X.Y. ist im Besitz der Niederlassungsbewilligung EU/EFTA. Er hält sich zur Zeit in der
Strafanstalt Saxerriet auf. Vollzugsende ist am 11. Februar 2016, die bedingte
Entlassung ist frühestens am 23. Juli 2014 möglich (vgl. Vollzugsauftrag, act. 12 der
Vorinstanz).
B./ X.Y. gab während seines Aufenthalts in der Schweiz immer wieder zu Klagen
Anlass. Zunächst wurde er wie folgt verurteilt:
- Strafbefehl der Bezirksanwaltschaft Horgen vom 5. September 1995 wegen grober
Verletzung der Verkehrsregeln (Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
von 80 bzw. 120 km/h um 55 bzw. 40 km/h auf Autobahn; begangen am 24.6.1994) zu
einer Busse von Fr. 2'000.-- (act. 26-28 des Migrationsamtes).
- Strafbescheid des Bezirksamtes See vom 17. Juni 1996 wegen mehrfacher
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Ankauf, Verkauf, Tausch und
Konsum von Kokain, Heroin und Haschisch; begangen im Zeitraum August bis
Dezember 1995) und Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug des Führerausweises
(begangen am 30.4.1996) zu zwei Monaten Gefängnis und einer Busse von
Fr. 500.--. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde unter Ansetzung einer Probezeit von
zwei Jahren bedingt aufgeschoben (act. 98-102 des Migrationsamtes).
Aufgrund des Strafbescheids des Bezirksamtes See wurde X.Y., damals wohnhaft in
R., von der Fremdenpolizei des Kantons Zürich am 19. August 1996 verwarnt. Es
wurden ihm schwerwiegende fremdenpolizeiliche Massnahmen in Aussicht gestellt für
den Fall, dass er erneut gerichtlich bestraft werden oder sein Verhalten zu anderen
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berechtigten Klagen Anlass geben sollte (act. 19 des Migrationsamtes). Gleichwohl
kam es zu weiteren Verurteilungen:
- Strafbefehl der Bezirksanwaltschaft Meilen vom 20. Februar 1997 wegen Führens
eines Motorfahrzeugs trotz Entzug des Führerausweises und Verletzung der
Verkehrsregeln (Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h um
21 km/h auf Hauptstrasse; begangen am 12.1.1997) zu 14 Tagen Haft sowie zu einer
Busse von Fr. 500.--. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde unter Ansetzung einer
Probezeit von einem Jahr bedingt aufgeschoben (act. 29-31 des Migrationsamtes).
- Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 24. Oktober 2005 wegen
Vergehens gegen das frühere Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (Erleichtern des rechtswidrigen Aufenthalts; begangen ab März 2004) zu 30
Tagen Gefängnis. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde unter Ansetzung einer
Probezeit von zwei Jahren bedingt aufgeschoben (act. 104-106 des Migrationsamtes).
- Urteil des Kreisgerichtes Gaster/See vom 5. Oktober 2006 wegen Raubes sowie
Hausfriedensbruchs (Raubüberfall auf Denner Filiale unter Verwendung einer
Bombenattrappe; begangen am 14.11.2005) zu zwölf Monaten Gefängnis (abzüglich
zwei Tage Untersuchungshaft). Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde unter Ansetzung
einer Probezeit von drei Jahren bedingt aufgeschoben. X.Y. wurde die Weisung erteilt,
die begonnene (Drogen-)Therapie fortzusetzen, solange es die ärztliche Leitung für
erforderlich hält (act. 111-116 und 146-152 des Migrationsamtes).
Am 20. April 2007 hielt das Ausländeramt (heute: Migrationsamt) X.Y., damals wohnhaft
in Rapperswil, im Sinn einer Verwarnung dazu an, sich künftig in jeder Beziehung
klaglos zu verhalten, da er ansonsten damit rechnen müsse, dass gegen ihn
weitergehende fremdenpolizeiliche Massnahmen wie die Androhung der Ausweisung
oder die Ausweisung selbst verfügt werden könnten (act. 155-156 des
Migrationsamtes). Gleichwohl kam es zu weiteren Verurteilungen:
- Bussenverfügung des Untersuchungsamtes Uznach vom 10. November 2010 wegen
mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug des Führerausweises
(begangen am 18.10.2010 und seit 1997) zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
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je Fr. 100.-- sowie zu einer Busse von Fr. 1'500.--. Die Geldstrafe wurde unter
Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren bedingt aufgeschoben (act. 167-168 des
Migrationsamtes).
- Bussenverfügung des Untersuchungsamtes Uznach vom 18. November 2010 wegen
Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahren
(unentschuldigtes Nichtbeachten von Vorladungen betreffend Pfändungsvollzug;
begangen am 30.8. und 6.9.2010) zu einer Busse von Fr. 150.-- (act. 169-170 des
Migrationsamtes).
- Urteil des Kreisgerichtes See-Gaster vom 14. März 2012 wegen mehrfachen
Verbrechens gegen das BetmG (gewerbsmässiger Handel [Kauf und Verkauf] von
mindestens 5 kg grösstenteils von ihm gestrecktes Heroin/Heroingemisch; begangen
im Zeitraum November 2010 bis 16.6.2011) und mehrfacher Übertretung des BetmG
(Eigenkonsum von Heroin und Kokain; begangen am 16.6.2010 bis 16.6.2011),
Vergehens gegen das Waffengesetz (SR 514.54; abgekürzt WG; unerlaubter Besitz
einer Faustfeuerwaffe) sowie mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug
des Führerausweises (begangen ab Herbst 2010 bis 16.6.2011) zu viereinhalb Jahren
Freiheitsstrafe (abzüglich 83 Tage Untersuchungshaft) sowie zu einer Busse von
Fr. 2'000.--. Zusätzlich wurde eine vollzugsbegleitende ambulante Behandlung
angeordnet. Die mit Strafbescheid vom 10. November 2010 bedingt ausgesprochene
Geldstrafe von 30 Tagessätzen wurde widerrufen (act. 235-240 und 253-258 des
Migrationsamtes).
C./ Am 28. Juni 2012 widerrief das Migrationsamt die Niederlassungsbewilligung von
X.Y. und ordnete an, er habe die Schweiz nach Entlassung aus dem Strafvollzug zu
verlassen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, auf Grund der
zahlreichen strafrechtlichen Verurteilungen und seiner Schulden (Stand 4. April 2012:
16 offene Verlustscheine im Gesamtbetrag von Fr. 92'442.85 und eine offene
Betreibung über Fr. 1'220.--), habe X.Y. die Widerrufsgründe nach Art. 63 Abs. 1 lit. a
und b des Ausländergesetzes (SR 142.20, abgekürzt AuG) gesetzt. Sodann überwiege
das öffentliche Interesse an der Wegweisung aus der Schweiz gegenüber seinem
privaten Interesse, weiterhin hier bleiben zu können.
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D./ Am 9. Juli 2012 erhob X.Y. gegen die Verfügung des Migrationsamtes vom 28. Juni
2012 Rekurs beim Sicherheits- und Justizdepartement. Er beantragte, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und vom Widerruf der
Niederlassungsbewilligung sei abzusehen. Gleichzeitig ersuchte er um unentgeltliche
Rechtspflege. Am 7. Mai 2013 wies das Sicherheits- und Justizdepartement den
Rekurs ab, verzichtete gestützt auf Art. 97 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt VRP) auf die Erhebung der
Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- und schrieb das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege zufolge Gegenstandslosigkeit ab.
E./ Mit undatierter Beschwerde (Poststempel: 28. Mai 2013) erhob X.Y. gegen den
Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements vom 7. Mai 2013 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht. Er beantragte, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu
gewähren und der Widerruf der Niederlassungsbewilligung sei aufzuheben. Sodann
stellte er das Gesuch, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
Innert der X.Y. gesetzten Frist wurde ein Therapiebericht von Dr. med. U.T.,
Psychiatrische Klinik Wil, Forensik, vom 7. Juni 2013 (kurz: Therapiebericht) zu den
Akten gegeben. Am 24. Juni 2013 verzichtete das Sicherheits- und Justizdepartement
auf eine Stellungnahme und beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen:
1.1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art.59bis Abs. 1
VRP). Sodann ist X.Y. zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
1.2. X.Y. geht offenbar von der Annahme aus, der angefochtene Rekursentscheid sei
vom Migrationsamt und nicht vom Vorsteher des Sicherheits- und Justizdepartements
gefällt worden. Dementsprechend ist in seiner Eingabe an das Verwaltungsgericht vom
Entscheid des Migrationsamtes vom 7. Mai 2013 bzw. vom Schreiben des
Migrationsamtes vom 7. Mai 2013 die Rede. Daraus ergibt sich aber sinngemäss, dass
X.Y. die Aufhebung des Rekursentscheids des Sicherheits- und Justizdepartements
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vom 7. Mai 2013 beantragt. Somit erfüllt die Beschwerdeeingabe die gesetzlichen
Anforderungen in zeitlicher, sachlicher und inhaltlicher Hinsicht (Art.64 in Verbindung
mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
1.3. Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Die Beschwerde hat aufschiebende Wirkung, wenn die Vorinstanz nicht aus
wichtigen Gründen die Vollstreckbarkeit anordnet (Art.64 in Verbindung mit Art. 51 Abs.
1 VRP). Das Gesuch, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen,
erweist sich somit als gegenstandslos.
3. Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz in mehrfacher Hinsicht zu Unrecht vor, sie
habe massgebliche Rechtsgrundlagen nicht angewendet. So wäre die Vorinstanz
seiner Meinung nach von Amtes wegen verpflichtet gewesen, den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung unter dem Gesichtspunkt von Art. 55 Abs. 1 des
Verwaltungsverfahrensgesetzes (SR 172.021) zu prüfen, wonach die Beschwerde
aufschiebende Wirkung hat (vgl. dazu aber Ziff. 2 hiervor). Sodann hält der
Beschwerdeführer dafür, im Rekursverfahren hätte abgeklärt werden müssen, ob die
Widerrufsverfügung Vorgaben der UN-Kinderrechtekonvention (SR 0.107) verletze.
Nachdem der Beschwerdeführer kinderlos und über 40 Jahre alt ist, bestand für die
Vorinstanz diesbezüglich aber offensichtlich kein Anlass. Entgegen der Annahme des
Beschwerdeführers hat die Vorinstanz sodann eine Interessenabwägung im Sinn von
Art. 96 AuG vorgenommen, und sie hat geprüft, ob er mit Erfolg Ansprüche aus Art. 8
Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK) geltend machen könne (E. 4 des
angefochtenen Entscheids).
4. Für ausländische Personen gilt das AuG, soweit keine anderen Bestimmungen des
Bundesrechts oder von der Schweiz abgeschlossene völkerrechtliche Verträge zur
Anwendung gelangen. Für Angehörige der EU- und EFTA-Staaten und ihre
Familienmitglieder kommt es subsidiär zur Anwendung, soweit nicht das Abkommen
zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen
Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR
0.142.112.681, abgekürzt FZA) bzw. die entsprechenden Assoziierungsabkommen mit
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den EFTA-Staaten abweichende Bestimmungen enthalten oder wenn es günstigere
Bestimmungen vorsieht (Art. 2 AuG; Spescha/Thur/Zünd/Bolzli, Migrationsrecht, 3.
Auflage, Zürich 2012, Rz. 2 zu Art. 2 AuG).
4.1. Auf den Beschwerdeführer, der italienischer Staatsangehöriger ist, ist das FZA
anwendbar. Die Niederlassungsbewilligung EU/EFTA wird dabei nach Massgabe des
nationalen Rechts erlassen und entzogen (vgl. Art. 2 Abs. 2 AuG, Art. 5 und Art. 23
Abs. 2 der Verordnung über die schrittweise Einführung des freien Personenverkehrs
[SR 142.203]).
4.2. Die Niederlassungsbewilligung kann unter anderem widerrufen werden, wenn der
Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe, d.h. zu einer solchen von mehr als
einem Jahr, verurteilt worden ist, wobei mehrere unterjährige Strafen nicht kumuliert
werden (Art.63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 lit. b AuG; BGE 137 II 299 E. 2). Dabei spielt es
keine Rolle, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen wurde
(BGer 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Ein Widerrufsgrund ist sodann
gegeben, wenn der Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung verstossen hat oder diese gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG).
Eine Person verstösst in der Regel dann in schwerwiegender Weise gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung, wenn durch ihre Handlungen besonders
hochwertige Rechtsgüter wie namentlich die körperliche, psychische und sexuelle
Integrität eines Menschen verletzt oder gefährdet werden. Vergleichsweise weniger
gravierende Pflichtverletzungen können beispielsweise dann als schwerwiegend
bezeichnet werden, wenn sich eine ausländische Person von strafrechtlichen
Massnahmen nicht beeindrucken lässt und damit zeigt, dass sie auch künftig weder
gewillt noch fähig ist, sich an die Rechtsordnung zu halten (BGE 137 II 304 E. 3.3 mit
Hinweis auf BBl 2002 3709 zu Art. 62 AuG).
Diese Widerrufsgründe gelten auch für Niederlassungsbewilligungen ausländischer
Personen, die sich wie der Beschwerdeführer seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen
und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten (Art. 63 Abs. 2 AuG). Die
Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich seit langem hier aufhält, soll aber
nur mit Zurückhaltung widerrufen werden. Bei wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit
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ist dies jedoch selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn der Ausländer hier geboren ist
und sein ganzes bisheriges Leben im Land verbracht hat (BGE 139 I 19 E. 2.2.1).
4.3. Am 14. März 2012 wurde der Beschwerdeführer vom Kreisgericht See-Gaster der
mehrfachen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz (SR 812.121, abgekürzt
BetmG), der mehrfachen Übertretung des BetmG, des Vergehens gegen das
Waffengesetz sowie des mehrfachen Fahrens trotz Entzug des Führerausweises
schuldig gesprochen und zu einer Freiheitstrafe von 4 1⁄2 Jahren und einer Busse von
Fr. 2'000.-- verurteilt (act. 235-240 des Migrationsamtes). Somit ist erwiesen, dass der
Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 lit. b AuG erfüllt ist. In Betracht
fällt weiter, dass der Beschwerdeführer in den Jahren 1995 bis 1997 bzw. 2005 bis
2012 5 Mal verurteilt werden musste (bedingte Freiheitsstrafen: 14 Tage Haft, 30 Tage
Gefängnis, zwölf Monate Gefängnis, Geldstrafe, verschiedene Bussen). Weil weder die
Verurteilungen, die Probezeiten und die kurze Untersuchungshaft im Jahr 2006 noch
die ausländerrechtlichen Verwarnungen in den Jahren 1996 und 2007 den
Beschwerdeführer davon abgehalten haben, weitere und auch schwerere Straftaten zu
begehen, durfte die Vorinstanz davon ausgehen, auch der Widerrufsgrund nach Art. 63
Abs. 1 lit. b AuG sei erfüllt. Neben wiederholten Fahrens trotz Führerausweisentzugs,
zum Teil massiven Geschwindigkeitsüberschreitungen und Betäubungsmitteldelikten
fällt insbesondere der Raubüberfall auf eine Denner-Filiale unter Verwendung einer
Bombenattrappe ins Gewicht.
4.4. Zu prüfen ist, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung verhältnismässig ist
(Art. 96 Abs. 1 AuG, Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung [SR 101, abgekürzt BV]). Nach
der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) und
Art. 8 EMRK sind im Rahmen der Beurteilung der Zulässigkeit aufenthaltsbeendender
Massnahmen bei Ausländern der zweiten Generation die gleichen Elemente
ausschlaggebend wie nach der bundesgerichtlichen Praxis, nämlich: Art und Schwere
der vom Betroffenen begangenen Straftaten, wobei besonders ins Gewicht fällt, ob er
diese als Jugendlicher oder als Erwachsener begangen hat und es sich dabei um
Gewaltdelikte handelt oder nicht; Dauer des Aufenthalts im Land; seit der Tatbegehung
verstrichene Zeit und das Verhalten des Betroffenen während dieser; die sozialen,
kulturellen und familiären Bindungen zum Aufenthaltsstaat und zum Herkunftsland; sein
gesundheitlicher Zustand sowie die mit der aufenthaltsbeendenden Massnahme
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verbundene Dauer der Fernhaltung. Nach der Praxis des EGMR überwiegt bei
Betäubungsmitteldelikten (ohne Konsum) regelmässig das öffentliche Interesse an der
Beendigung des Aufenthalts, falls keine besonderen persönlichen oder familiären
Bindungen im Aufenthaltsstaat bestehen; ist die betroffene Person ledig und kinderlos,
setzt sich tendenziell das öffentliche Fernhalteinteresse durch, sofern das Strafmass
drei Jahre Freiheitsstrafe erreicht oder weitere erhebliche Delikte hinzukommen. Im
Urteil Balogun gegen Vereinigtes Königreich vom 10. April 2012 (Nr. 60286/09)
verneinte der EGMR eine Verletzung von Art. 8 EMRK bei der Ausweisung eines mit
drei Jahren eingereisten Nigerianers, der wegen Drogenhandels im Erwachsenenalter
zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden war (vgl. dazu BGE 139 I 20 E. 2.2.2,
BGE 139 I 34 E. 2.3.3).
Bei schweren Straftaten, wozu namentlich Drogendelikte aus finanziellen Motiven
gehören, muss zum Schutz der Öffentlichkeit ausländerrechtlich selbst ein geringes
Restrisiko weiterer Beeinträchtigungen der dadurch gefährdeten Rechtsgüter
(Gesundheit, Leib und Leben usw.) nicht in Kauf genommen werden. Das
Bundesgericht stuft diesbezüglich das öffentliche Interesse an der Wegweisung des
Täters hoch ein. Sowohl Drogenhandel als auch Raub sind in Art. 121 Abs. 3-6 BV
genannte Anlasstaten, die nach dem Verfassungsgeber dazu führen sollen, dass der
Täter aus der Schweiz ausgewiesen und mit einem Einreiseverbot belegt wird. Auch
wenn Art. 121 Abs. 3-6 BV nicht unmittelbar anwendbar sind, ist den darin enthaltenen
verfassungsrechtlichen Wertentscheidungen Rechnung zu tragen, soweit dies zu
keinem Widerspruch zu übergeordnetem Recht führt (BGE 139 I 34 E. 2.3.2 mit
Hinweisen).
Unter dem Gesichtspunkt des FZA ist zu berücksichtigen, dass eine strafrechtliche
Verurteilung nur insoweit als Anlass für einen Bewilligungswiderruf herangezogen
werden darf, als die ihr zugrundeliegenden Umstände ein persönliches Verhalten
erkennen lassen, das eine gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung darstellt.
Art. 5 Anhang I FZA steht aufenthaltsbeendenden Massnahmen - anders als das
Landesrecht - entgegen, die aus generalpräventiven Gründen allein verfügt werden
(BGer 2C_221/2012 vom 19. Juni 2012 E. 3.3.2). Damit kommt es wesentlich auf das
Rückfallrisiko an. Verlangt wird eine nach Art und Ausmass der möglichen
Rechtsgüterverletzung zu differenzierende, hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass der
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Ausländer auch künftig die öffentliche Sicherheit und Ordnung stören wird. Je schwerer
die möglichen Rechtsgüterverletzungen wiegen, desto niedriger sind die
Anforderungen, welche an die hinzunehmende Rückfallgefahr zu stellen sind (BGer
2C_839/2011 vom 28. Februar 2012 E. 2.3). Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers haben die zuständigen Behörden in diesem Zusammenhang aber
nicht nach einer bestimmten wissenschaftlichen Methode vorzugehen. Der Vorwurf, sie
wären gehalten gewesen, die "gedankliche Operation" nach dem kategorialen
Syllogismus zu vollziehen, erweist sich somit als unbegründet.
4.4.1. Für die Vorinstanz war zunächst die Verurteilung des Beschwerdeführers vom
5. Oktober 2006 wegen Raubes und Hausfriedensbruchs von besonderer Bedeutung
(act. 111-116 des Migrationsamtes). Nach diesem Urteil des Kreisgerichts See-Gaster
wiegt sein Verschulden angesichts der von ihm verwendeten Bombenattrappe relativ
schwer. Straferhöhend wirkte sich das als "unverfroren" bezeichnete Vorgehen des
Beschwerdeführers aus. Das Gericht hielt fest, wer eine Bombenattrappe bastle, um
damit einen Raubüberfall zu begehen, lege eine erhebliche kriminelle Energie an den
Tag. Strafmildernd wurde die suchtbedingte finanzielle Notlage des Beschwerdeführers
berücksichtigt und strafmindernd die gezeigte Reue und Einsicht in die Tat. Für die
Verurteilung vom 14. März 2012 zu 4 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe u.a. wegen mehrfachen
Verbrechens gegen das BetmG liegt zufolge Durchführung des verkürzten Verfahrens
keine Urteilsbegründung des Kreisgerichts See-Gaster vor. Gemäss Anklageschrift
vom 9. Dezember 2011 (act. 253-258 des Migrationsamtes) handelt es sich beim
Beschwerdeführer aber um einen gewerbsmässigen regional bis überregional tätigen
Heroinhändler der mittleren bis oberen Kategorie, der zwar selber Drogen konsumiert,
aber erhebliche Mengen an Betäubungsmitteln vertreibt und neben der Finanzierung
seines Lebensunterhalts einen Gewinn von rund Fr. 25'000.-- erwirtschaftet hat.
Konkret hat er im Zeitraum ab November 2010 bis zur Verhaftung Mitte Juni 2011 rund
5.25 kg Heroin/Heroingemisch in Portionen von 150 g bis 500 g an verschiedenen
Orten (Rapperswil, Rotterdam, Frankreich, Westschweiz) von international tätigen
Händlern erworben und rund 5 kg von ihm gestrecktes Heroingemisch im Raum
Rapperswil/Jona gewinnbringend an verschiedene Läufer und an Drogenkonsumenten
verkauft. Sodann hat der Beschwerdeführer die bei ihm sichergestellten 2.2 kg Heroin/
Heroingemisch auf Kommission bezogen und bei sich gelagert sowie 0.9 kg Heroin/
Heroingemisch und eine unbekannte Menge Kokain selber konsumiert.
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Gestützt darauf durfte die Vorinstanz folgern, das Verschulden des Beschwerdeführers
wiege trotz Drogenabhängigkeit schwer. Obschon er wegen Raubes und
Hausfriedensbruchs im Jahr 2006 zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt worden war,
hat er in der Folge mit Drogenhandel nicht nur seinen Lebensunterhalt finanziert,
sondern darüber hinaus einen Gewinn erzielt. Insbesondere aber hat der
Beschwerdeführer mit der umgesetzten Drogenmenge die Gesundheit einer Vielzahl
von Personen gefährdet. In Betracht fällt weiter, dass er nicht aus eigenem Antrieb zu
delinquieren aufgehört hat, sondern nur, weil er im Juni 2011 verhaftet wurde und sich
seither in Haft befindet (act. 258 des Migrationsamtes). Die Verurteilung zu zwölf
Monaten Gefängnis im Jahr 2006 hat den Beschwerdeführer demnach unbeeindruckt
gelassen und nicht davon abgehalten, mit deliktischer Tätigkeit fortzufahren und sich
noch schwerere Straftaten zuschulden kommen zu lassen. Zu berücksichtigen ist
zudem, dass es bereits in den Jahren 1995 bis 1997 zu Delinquenz und zu einer
ausländerrechtlichen Verwarnung gekommen war und dass weitere Verurteilungen und
eine weitere ausländerrechtliche Verwarnung folgten. Hinzu kommt, dass der
Vorinstanz ein Gutachten von Dr. med. F.I., Facharzt für Psychotherapie und
Psychiatrie FMH (kurz: Gutachten), vorlag, das am 8. August 2011 zuhanden der
Staatsanwaltschaft erstellt worden war (act. 15a der Vorinstanz). Danach besteht die
Gefahr, dass der Beschwerdeführer erneut Straftaten begeht.
4.4.2. Der Beschwerdeführer hält dafür, bezüglich seines künftigen Verhaltens könne
ihm entgegen der Auffassung der Vorinstanz eine gute Prognose gestellt werden, weil
sein bisheriges Verhalten in der Schweiz in strafrechtlicher Hinsicht nicht zu schweren
Klagen Anlass gegeben habe. Er begründet dies damit, er habe keine
schwerwiegenden Straftaten gegen Leib und Leben begangen, sondern nur
Vermögensdelikte, und die Vorinstanz verkenne, dass es sich zu einem grossen Teil um
Delikte aus den 90-er Jahren handle, die längst verjährt und überdies nur mit Bussen
bzw. Geldstrafen geahndet worden seien.
Wie ausgeführt, ist der Beschwerdeführer seit Jahren immer wieder straffällig
geworden. Auch hat er sich des mehrfachen Verbrechens gegen das BetmG und des
Raubs schuldig gemacht. Dabei handelt es sich nicht um Bagatelldelikte, sondern um
schwere Straftaten, die nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung regelmässig ein
wesentliches öffentliches Interesse an der Beendigung der Anwesenheit des
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Ausländers in der Schweiz begründen. Auch handelt es sich um Anlasstaten im Sinn
von Art. 121 Abs. 3-6 BV (vgl. Ziff. 4.4 hiervor). Daran ändert entgegen der Auffassung
des Beschwerdeführers nichts, dass das strafrechtliche Sanktionssystem verschiedene
Strafrahmen kennt. Auch setzt der bedingte Strafvollzug, der dem Beschwerdeführer
im übrigen nicht gewährt worden ist, nach den Bestimmungen des neuen allgemeinen
Teils des Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt StGB) keine günstige Prognose
voraus, sondern lässt das Fehlen einer ungünstigen Prognose genügen (Art. 42 Abs. 1
StGB, in Vollzug seit 1. Januar 2007, AS 2006 3539). Damit bildet im weiten Bereich
prognostischer Unsicherheit der Strafaufschub die Regel (VerwGE B 2012/259 vom 3.
Dezember 2013 E. 4.6, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). In Betracht fällt weiter,
dass das Verwertungsverbot nach Art. 369 Abs. 7 StGB nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung insofern zu relativieren ist, als es den Migrationsbehörden nicht
verwehrt ist, strafrechtlich relevante Daten, die sich in ihren Akten befinden, namentlich
solche, die Anlass zu einer ausländerrechtlichen Verwarnung gaben, nach deren
Löschung im Strafregister in die Beurteilung des Verhaltens des Ausländers während
seiner gesamten Anwesenheit in der Schweiz einzubeziehen (BGer 2C_711/2011 vom
27. März 2012 E. 5.2 mit Hinweis auf BGer 2C_477/2008 vom 24. Februar 2009
E. 3.2.2). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist somit nicht zu
beanstanden, dass die Vorinstanz auch Verfehlungen, die er sich in den 1990-er Jahren
hat zu Schulden kommen lassen, in die Beurteilung einbezogen hat.
4.4.3. Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz weiter vor, sie hätte im
Zusammenhang mit der Beurteilung seines künftigen Verhaltens zu seinen Gunsten in
Betracht ziehen müssen, dass er die Gefängnisstrafe im offenen Vollzug verbüsse und
regelmässig Hafturlaub erhalte. Auch wäre sie gehalten gewesen, sein Verhalten
während des Strafvollzugs positiv zu würdigen bzw. sie hätte mit dem Entscheid
betreffend den Entzug der Niederlassungsbewilligung zuwarten müssen, bis feststehe,
wie er sich nach der bedingten Entlassung in Freiheit verhalte. Es sei ihm eine günstige
Prognose zu stellen, weil er mit dem "Rechtsbruch" abgeschlossen habe und gewillt
sei, sich künftig sozialadäquat zu verhalten, was auch dadurch zum Ausdruck komme,
dass er erwiesenermassen therapeutische Fortschritte mache. Der Beschwerdeführer
beruft sich in diesem Zusammenhang auf ein Urteil des Bundesgerichts vom 16. März
2001 (BGer 2A.468/2000), mit welchem der angefochtene Entscheid des
Verwaltungsgerichts des Kantons Bern betreffend Ausweisung aufgehoben und die
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Sache zur Androhung der Ausweisung an die Fremdenpolizei des Kantons Bern
zurückgewiesen worden ist.
4.4.3.1. In ausländerrechtlicher Hinsicht kommt für die Legalprognose ein strengerer
Beurteilungsspielraum zum Tragen als im strafrechtlichen Sanktionenrecht. Während
sich das Strafrecht auf die Resozialisierungschancen des Straftäters fokussiert, steht
für die Ausländerbehörden das Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im
Vordergrund. Mit strafrechtlichen Vollzugsmassnahmen wird die Wiedereingliederung
des Verurteilten in die Gesellschaft angestrebt, und nicht, ob der bedingt Entlassene
rückfällig werde (VerwGE B 2012/127 vom 12. März 2013 E. 4.3, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch). Die Ausländerbehörden haben deshalb eine umfassende
Abwägung aller öffentlichen und privaten Interessen vorzunehmen (VerwGE B
2012/259 vom 3. Dezember 2013 E. 4.6. mit Hinweis auf BGer 2C_218/2011 vom
4. Januar 2012 E. 3.3.1, BGer 2C_1026/2011 vom 23. Juli 2012 E. 4.2 und BGE 120 1b
129 E. 5b). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers bestehen keine
rechtlichen Vorgaben, wann frühestens über den Aufenthalt eines über längere Zeit
inhaftierten EU-Bürgers entschieden werden kann. Der richtige Zeitpunkt variiert den
Umständen des Einzelfalls entsprechend, wobei auf eine vernünftige zeitliche Distanz
zur Entlassung zu achten ist. Grundsätzlich sollte die Zeitspanne zwischen Regelung
des künftigen Aufenthalts und Entlassung aus dem Vollzug die voraussichtliche Dauer
eines Rechtsmittelverfahrens nicht übertreffen (BGE 131 II 329 ff.). Demzufolge waren
weder das Migrationsamt noch die Vorinstanz gehalten, mit dem Entscheid über die
Wegweisung des Beschwerdeführers zuzuwarten, bis er (bedingt) aus dem Strafvollzug
entlassen und überdies eine gewisse Zeit in Freiheit verbracht hat.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kommt einem Wohlverhalten in
Unfreiheit, während der strafrechtlichen Probezeit oder unter dem Druck eines
hängigen Bewilligungsverfahrens im Zusammenhang mit der Frage, ob eine
Wegweisung gerechtfertigt sei, nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sodann
nur untergeordnete Bedeutung zu (VerwGE B 2013/47 vom 21. August 2013 E. 4.3 mit
Hinweis auf Zünd/Hugi Yar, Aufenthaltsbeendende Massnahmen im schweizerischen
Ausländerrecht, insbesondere unter dem Aspekt des Privat- und Familienlebens,
EuGRZ 2013/13, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Auch genügt der Umstand allein,
dass jemand im Strafvollzug zu keinen Klagen Anlass gibt, nicht, um eine
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Rückfallgefahr auszuschliessen. Eine andere Wertung würde aus Sicht des
Bundesgerichts bedeuten, dass eine Wegweisung umso weniger in Frage käme, je
höher das Strafmass ausfällt (VerwGE B 2012/141 vom 24. Januar 2013 E. 2.3 mit
Hinweis auf BGer 2A.688/2005 vom 4. April 2006 E. 3.1.3 mit Hinweisen, BGer
2C_194/2008 vom 18. April 2008 E. 5.3 und BGE 114 Ib 4 E. 3b, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch). Angesichts der vergleichsweise engmaschigen Betreuung und
intensiven Kontrolle in einer Strafanstalt wird dort ein tadelloses Verhalten nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung allgemein erwartet, und dies lässt keine
zuverlässigen Rückschlüsse auf das künftige Verhalten in Freiheit zu (VerwGE B
2013/47 vom 21. August 2013 E. 4.3 mit Hinweis auf BGer 2C_262/2010 vom
9.November 2010 E. 3.3.2 mit Hinweis auf BGE 114 Ib 1 E. 3b f., abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch). Auch aus dem Umstand, dass ein Straftäter bedingt aus dem
Strafvollzug entlassen wird, kann nicht geschlossen werden, es gehe keine Gefahr
mehr von ihm aus, zumal die bedingte Entlassung die Regel und die Verweigerung der
bedingten Entlassung die Ausnahme ist (VerwGE B 2012/141 vom 24. Januar 2013
E. 2.3 mit Hinweis auf BGE 130 II 188 E. 4.3.3 mit Hinweisen, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch). Weiter ist der Umstand, dass eine Strafe im offenen Vollzug
verbüsst wird, nicht geeignet, Rückschlüsse auf das Rückfallrisiko eines Straftäters
zuzulassen. Somit hätte weder ein kurz vor Austritt aus dem Strafvollzug erstellter
Führungsbericht, der dem Beschwerdeführer Wohlverhalten in Unfreiheit attestiert,
noch eine bedingte Entlassung zur Folge, dass ihm bezüglich seines künftigen
Verhaltens in Freiheit eine gute Prognose gestellt werden könnte.
4.4.3.2. Zutreffend ist, dass das Bundesgericht am 16. März 2001 ein Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Bern im Wesentlichen mit der Begründung
aufgehoben hat, die Therapie (kontrollierte Heroinabgabe, maximal dreimal täglich),
welcher sich der Beschwerdeführer seit gut zwei Jahren unterziehe, verlaufe
weitgehend erfolgreich, er verfüge über eine eigene Wohnung und eine Arbeitsstelle
(geschützter Arbeitsplatz) und beginne, sich zunehmend in die Gesellschaft zu
integrieren. Der Beschwerdeführer war in den Jahren 1985 bis 1999 insgesamt 10 Mal
zu Gefängnisstrafen von insgesamt knapp 8 1⁄2 Jahren Dauer verurteilt worden
(Konsum, Kauf, Vermittlung und Verkauf von Drogen, Diebstahl, Hehlerei), wobei die
ausgesprochenen Freiheitsstrafen zwischen 20 Tagen und 25 Monaten lagen.
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Vorab ergibt sich, dass das besagte Urteil lange vor Vollzugsbeginn des AuG unter der
Herrschaft des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(ANAG) und zudem zu einem Zeitpunkt erging, als das StGB noch nicht revidiert
worden war. In Betracht fällt weiter, dass das Bundesgericht erwogen hat, der
Beschwerdeführer habe die schwersten Straftaten in den Jahren 1986 bis 1988
begangen, weshalb nicht von einer sich verschlechternden Situation mit immer
schwereren Straftaten auszugehen sei. Dies trifft auf den Beschwerdeführer
offensichtlich nicht zu. Die vielen Verurteilungen, so insbesondere auch diejenige vom
5. Oktober 2006 zu zwölf Monaten Gefängnis, haben ihn nicht davon abgehalten, noch
schwerer wiegende Straftaten zu begehen, was am 14. März 2012 zu einer Verurteilung
zu 4 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe und zu einer Busse von Fr. 2'000.-- geführt hat. Ein
Unterschied besteht auch insofern, als es dem Beschwerdeführer, dessen künftiges
Verhalten das Bundesgericht im Jahr 2001 einzuschätzen hatte, zum Zeitpunkt, als das
Urteil gefällt wurde, bereits seit über zwei Jahren mit ärztlich kontrollierter
Drogenverschreibung gelungen war, sich in Freiheit aus der Spirale von Sucht und
Delinquenz zu befreien. Demgegenüber wird der heute rund 44 Jahre alte und seit
Jahren suchtkranke Beschwerdeführer seit März 2012 im Rahmen des Strafvollzugs
therapiert, weshalb nicht davon ausgegangen werden kann, das Rückfallrisiko sei
gebannt, wenn er sich nicht mehr in der geschützten Umgebung der Strafanstalt
Saxerriet aufhalten werde. Daran ändert nichts, dass im Therapiebericht festgehalten
wird, nach anfänglich gravierenden Schwierigkeiten des Beschwerdeführers, sich im
offenen Vollzugsrahmen psychisch stabil und drogenabstinent zu halten, habe er sich
in den letzten sieben Monaten stabilisiert und positiv entwickelt. Zu keiner anderen
Einschätzung führt der Umstand, dass der Beschwerdeführer gemäss Therapiebericht
angibt, dass er eingesehen habe, dass Drogen sowie der Handel mit Drogen sein
Leben zerstört hätten und dass er sich künftig davon distanzieren möchte. Die
Tatsache, dass es ihm im Strafvollzug mit der Zeit gelungen ist, keine Drogen mehr zu
konsumieren, mag in den Augen des Beschwerdeführers zwar einen Fortschritt
darstellen. Mit Blick auf sein gravierendes Fehlverhalten vermag dies aber nichts an der
negativen Prognose für sein Wohlverhalten in Freiheit zu ändern. Massgeblich fällt ins
Gewicht, dass er bereits im Jahr 1996, somit mit rund 26 Jahren, zu zwei Monaten
Gefängnis und einer Busse verurteilt werden musste, weil er u.a. gegen das BetmG
verstossen hatte. Am 5. Oktober 2006 gewährte das Kreisgericht Gaster-See dem
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Beschwerdeführer den bedingten Strafvollzug mit der Begründung, aufgrund der
derzeitigen Drogenabstinenz könne ihm eine gute Prognose gestellt werden und
aufgrund der begonnenen Therapie sei zu erwarten, dass er sich in Zukunft stabilisieren
werde. Weil er noch einer gewissen Stütze bedürfe und nicht ausgeschlossen werden
könne, dass es bei einem vorzeitigen Abbruch der begonnenen Therapie zu einem
Rückfall kommen könnte, werde ihm die Weisung erteilt, die Therapie fortzusetzen,
solange es die ärztliche Leitung für erforderlich halte. Der Beschwerdeführer war aber
offensichtlich nicht in der Lage, sein Leben entsprechend der Prognose des Gerichts
zu gestalten. Gemäss eigenen Angaben (vgl. Gutachten, act. 15a der Vorinstanz) hatte
er seit vier Jahren wieder Heroin konsumiert, wobei der Konsum zuletzt bei rund 2.5
Gramm je Tag lag. Sodann benötigte er seit Herbst 2010 rund 0.5 Gramm Kokain je
Tag. Der Gutachter attestierte dem Beschwerdeführer deshalb ein
Abhängigkeitssyndrom von Heroin und Kokain und schätzte die Wahrscheinlichkeit
weiterer Verstösse gegen das BetmG und entsprechender Beschaffungskriminalität als
gross ein.
4.4.4. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass das strafrechtliche Verhalten des
Beschwerdeführers insbesondere auch im Bereich des Drogenhandels und der
Beschaffungskriminalität sein Ansehen in ausländerrechtlicher Hinsicht in
aussergewöhnlich hohem Mass belastet. Die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 4
1⁄2 Jahren vorab wegen Betäubungsmitteldelikten lässt auf eine ausgeprägte
Geringschätzung und Gleichgültigkeit gegenüber der schweizerischen Rechtsordnung
schliessen (vgl. BGer 2C_295/2009 vom 25. September 2009 E. 5.3, wo eine
Freiheitsstrafe von 27 Monaten zur Diskussion stand). Somit hat die Vorinstanz zu
Recht angenommen, es bestehe eine erhebliche Rückfallgefahr und damit ein
erhebliches öffentliches Interesse, den Beschwerdeführer aus der Schweiz
wegzuweisen.
4.4.5. Der Beschwerdeführer hält weiter dafür, sein privates Interesse am Verbleib in
der Schweiz überwiege das öffentliche Interesse an seiner Fernhaltung. Er begründet
dies damit, er sei hier geboren und aufgewachsen, seine Familienangehörigen würden
hier leben und er habe keinerlei Kontakte mehr zu Italien. Sodann sei er hier beruflich
integriert und habe Schulden abgebaut.
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Das Gericht verkennt nicht, dass der Widerruf der Niederlassungsbewilligung den
Beschwerdeführer hart trifft, zumal er sein bisheriges Leben grossmehrheitlich hier
verbracht hat. Er ist hier geboren und - abgesehen von einem dreijährigen Aufenthalt in
G., Italien, während der Primarschulzeit - auch hier aufgewachsen. Der
Beschwerdeführer ist in Rapperswil zur Schule gegangen und hat eine Lehre absolviert
(act. 144 des Migrationsamtes). Später hat er oft die Arbeitsstelle gewechselt (act. 15a
der Vorinstanz). Aktenkundig ist, dass der Beschwerdeführer bis zu Beginn des Jahres
2006 bei Q. in Pfäffikon gearbeitet hat, wo ihm aufgrund von Differenzen gekündigt
worden ist (act. 134 und 149 des Migrationsamtes). Gemäss Gutachten (act. 15a der
Vorinstanz) war der Beschwerdeführer seit Januar 2011 arbeitslos und seine sozialen
Kontakte beschränkten sich damals weitgehend auf Bekanntschaften aus dem
Drogenmilieu. Somit durfte die Vorinstanz davon ausgehen, er sei vor seiner
Inhaftierung hier weder sozial noch beruflich integriert gewesen. Sodann bestehen
keine Anhaltspunkte, wonach sich der Beschwerdeführer in der Zwischenzeit ein
Beziehungsnetz ausserhalb der Drogenszene aufgebaut haben könnte und seine
Chancen auf dem Arbeitsmarkt erscheinen nicht zuletzt aufgrund des lange dauernden
Strafvollzugs ungewiss. Dementsprechend hält der Beschwerdeführer in der
Rekursschrift vom 9. Juli 2012 fest, seine berufliche Zukunft liege gänzlich im
Ungewissen (act. 1 der Vorinstanz). Zutreffend ist, dass sich die finanzielle Situation
des Beschwerdeführers im Verlauf des Verfahrens betreffend Widerruf der
Niederlassungsbewilligung zu seinen Gunsten verbessert hat. Während am 4. April
2012 beim Betreibungsamt Rapperswil-Jona offene Verlustscheine im Betrag von
Fr. 92'442.85 verzeichnet waren, waren es am 16. Mai 2013 noch Verlustscheine im
Betrag von Fr. 44'344.50 (siehe Beilage zur Beschwerdeschrift). Abgesehen davon,
dass offen ist, wie es zu diesem Schuldenabbau gekommen ist, ist der
Beschwerdeführer aber nach wie vor hochverschuldet. In Betracht fällt weiter, dass der
rund 44 Jahre alte Beschwerdeführer unverheiratet und kinderlos ist. Auch behauptet
er nicht, er sei auf Betreuung durch in Jona lebende Familienangehörige - Eltern und
Schwester mit Kindern - angewiesen, macht aber geltend, insbesondere die Schwester
mit ihren Kindern sei ihm Stütze und Motivation in seinem Bestreben, in Zukunft ein
deliktfreies Leben zu führen. Er benötige ein präsentes, ihm vertrautes Umfeld (act. 1
der Vorinstanz). Zutreffend ist, dass Art. 8 Ziff. 1 EMRK neben der eigentlichen
Kernfamilie - Ehegatten mit minderjährigen Kindern - auch andere familiäre Verhältnisse
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erfassen kann, sofern eine genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung
besteht (BGE 135 I 148 E. 3.1). Aktenkundig ist, dass der Beschwerdeführer im
Regionalgefängnis Altstätten von seiner Schwester A.B., ihren Kindern, seinem Bruder
C., der allerdings auch in die polizeilichen Ermittlungen betreffend qualifizierten Handel
mit Heroin einbezogen worden war (act. 204-230 des Migrationsamtes) und einem
Kollegen besucht worden ist (Vollzugsplan vom 10. Februar 2012, Beilage zur
Beschwerdeschrift). Auch ist ihm am 14. Dezember 2012 trotz Disziplinierungen und
der weiterhin bestehenden Suchtproblematik ein zwölfstündiger Tagesurlaub zum
Besuch seiner Familie in Rapperswil gewährt worden, und es wurden ihm bei
Wohlverhalten weitere Vollzugsöffnungen in Aussicht gestellt (act. 13a der Vorinstanz).
Weiter haben A.B. und ihre Tochter D. im Mai 2012 darum ersucht, dem
Beschwerdeführer, der seit der Scheidung von A.B. bei ihnen gewohnt habe, eine
weitere Chance zu geben. Er habe sich immer um die Kinder von A.B. gekümmert und
sei in Haus und Garten, aber auch mit Ratschlägen eine grosse Hilfe gewesen. Somit
ist davon auszugehen, dass zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Schwester
mit ihren Kindern zwar eine Beziehung von einiger Intensität besteht, von einem
eigentlichen Familienleben bzw. von besonders intensiven familiären Banden ist aber
nicht auszugehen, zumal der Beschwerdeführer seit seiner Verhaftung im Juni 2011
nicht mehr in Freiheit gelebt hat. Hinzu kommt, dass die Kontakte zu seiner Schwester
und ihren Kindern den Beschwerdeführer während Jahren nicht davon abgehalten
haben, sich immer wieder und in immer schwerwiegenderer Weise strafbar zu machen
und gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu verstossen. Das Gericht verkennt
nicht, dass es dem Beschwerdeführer schwer fallen dürfte, nach der Entlassung aus
dem Strafvollzug auf das ihm vertraute familiäre Umfeld in Jona verzichten zu müssen.
Abgesehen davon, dass er dies selber zu verantworten hat, haben die
Familienangehörigen aber die Möglichkeit, ihre Beziehung mittels telefonischen,
elektronischen und brieflichen Kontakten sowie mit gegenseitigen Besuchen
aufrechterhalten. Persönliche Besuche sind entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers auch in der Schweiz möglich, weil mit Inkrafttreten des AuG per
1. Januar 2008 das Instrument der Ausweisung mit Ausnahme der sogenannten
politischen Ausweisung gemäss Art. 68 AuG abgeschafft wurde. Anders als die
altrechtliche Ausweisung stellt ein Bewilligungswiderruf keine Fernhaltemassnahme
mehr dar. Vielmehr müsste ein allfälliges Einreiseverbot zusätzlich vom zuständigen
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Bundesamt verfügt werden (Art. 67 AuG) und wäre überdies befristet (VerwGE B
2012/140 vom 8. November 2013 E. 4.6.6. mit Hinweis auf BGer 2C_650/2010 vom 10.
Februar 2011 E. 4.2, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). In Betracht fällt weiter, dass
der Beschwerdeführer italienisch spricht, auch wenn es sich um einen Dialekt aus
seiner süditalienischen Heimat handelt, und dass er im Ferienhaus, das sich in
Süditalien befindet, jeweils Ferien verbracht hat (act. 1 der Vorinstanz). Unbestritten
geblieben ist sodann, dass dort eine Tante lebt, bei der der Beschwerdeführer als Kind
eine schöne Zeit verbracht hat. Dem Beschwerdeführer, der alleinstehend ist, über eine
Berufsausbildung verfügt und der einen ferienbedingten Bezug zu Italien hat, ist es
deshalb zumutbar, in sein Herkunftsland zurückzukehren, sich dort ein Beziehungsnetz
aufzubauen und sich mit den Gepflogenheiten, die dort herrschen, besser vertraut zu
machen, zumal die Lebensumstände in Italien mit denjenigen in der Schweiz
vergleichbar sind (BGer 2C_718/2013 vom 27.Februar 2014 E. 3.4.3 und 3.4.4, BGer
2C_41/2011 vom 30. Juni 2011 E. 3.3).
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist. Der
angefochtene Entscheid erweist sich als recht- und verhältnismässig. Das öffentliche
Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung überwiegt das private Interesse
des Beschwerdeführers, hier weiterhin ein Bleiberecht zu haben. Sein Verhalten
offenbart über Jahre hinweg eine bedenkliche Gleichgültigkeit gegenüber der
schweizerischen Rechtsordnung. Sodann ist es nicht gerechtfertigt, den
Beschwerdeführer im Sinn einer milderen Massnahme lediglich ein weiteres Mal zu
verwarnen, zumal die Verwarnungen vom 19. August 1996 und insbesondere auch
diejenige vom 20. April 2007 keine Wirkung gezeigt haben.
5.1. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr
von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 7, Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Auf die Erhebung der Kosten wird gestützt auf Art. 97 VRP verzichtet. Das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird damit gegenstandslos.
5.2. (...).