Decision ID: 1e75b346-9441-4c82-93e1-2d1e5bf0d33a
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1976, verfügt über keine Berufsausbildung
(
Urk.
10/4/5)
.
Er übte diverse
Hilfstätigkeiten aus
, dazwischen
bezog
er
verschiedentlich Arbeits
losenentschädigung (
vgl.
Urk.
10/7
,
10/41/13
,
10/41/26
, 10/41/34
und 10/41/44
).
Seine bisher letzte Anstellung als Hauswart trat er im
Oktober 2016
an
(
Urk.
10/
4/
6
)
. Im Januar 2017 rutschte
er
bei der Arbeit
auf
einer
Treppe
aus u
nd erlitt
dabei eine Kniedistorsion
(Urk.
10/9/85
).
Aufgrund
persistierende
r
Kniebe
schwerden
wurde
am 1
6.
Juni 2017 eine diagnostische und therapeutische Knie
arthroskopie
durchgeführt
(
Urk.
10/9/
48 f.).
Später
wurde
n
aufgrund
der Angabe
lumbale
r
Beschwerden und eine
s
Kopfdruck
s
weitere bildgebende
Abklärungen
durchgeführt
(
Urk.
10/24 und 10/32).
Im
März 2019 nahm
er
eine psychiatrische Behandlung
auf
(
Urk.
10/31/1)
.
M
it Formular vom 1
7.
September 2018
meldete
s
ich der Versicherte
wegen Knie
beschwerden zum Leistungsbezug bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
an (
Urk.
10/4). Diese
teilte
ihm am 1
2.
Oktober 2018
schriftlich mit, dass derzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
10/13).
E
ine Untersuchung
durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
im Mai 2019
wurde
vom
Facharzt für Chirurgie,
Dr.
med.
Y._
,
abgebrochen
, nachdem ihm der Versicherte
einen Bericht
des ihn behandelnden
Dr.
med.
Z._
vorgelegt hatte, worin ihm aus psychiatrischer Sicht eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (vgl.
Urk.
10/42/5 oben).
Die
IV-Stelle
gab deshalb
ein internis
tisches, orthopädisches, neurologisches und psychiatrisches Gutachten in Auftrag,
das am 2
3.
Oktober 2019 von der
A._
erstellt wurde (
Urk.
10/41).
Mit Vorbescheid vom 2
6.
November 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Verneinung e
ines Anspruchs auf Leistungen der Invalidenversicherung
man
gels Erfüllung des Wartejahres in Aussicht (
Urk.
10/43). Dagegen liess der Ver
sicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Baur, Einwand erheben (
Urk.
10/44; Begründung
Urk.
10/49). Zudem trat er am 1
4.
Januar 2020 für eine stationäre Be
handlung in die Rheumaklinik am Universitätsspital
B._
ein (
Urk.
10/47)
.
Am
7.
Februar 2020 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt (
Urk.
2).
Ferner wies sie mit Verfügung vom 1
3. Februar 2020 das Gesuch
des Versicherten um Be
stellung einer unentgeltlichen Rechtsvertreterin im Verwaltungsverfahren in der Person von Rechtsanwältin Baur ab (
Urk.
10/55).
2.
Gegen
die Verfügung vom 7. Februar 2020
erhob der Versicherte mit Eingabe vom
9.
März 2020 Beschwerde (Urk. 1
; Beilagen
Urk.
3/
3
-15
). Darin beantragte er,
es
sei ihm eine ganze Rente zuzusprechen; alles unter Kosten- und Ent
schä
digungsfolgen zulasten der IV-Stelle. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Bestellung einer unent
geltlichen Rechtsvertreterin in der Person von Rechtsanwältin Baur (
Urk.
1 S. 2).
Mit Eingabe
n
vom 1
0.
März 2020 (
Urk.
5)
und
4.
Mai 2020
(
Urk.
11)
machte er ergänzende
Angaben
zu seinem prozessualen Gesuch und belegte dieses mit weiteren Unterlagen (
Urk.
6/1-6
und 12/1-2
)
. Die IV-Stelle schloss in der Be
schwerdeantwort vom 1
5.
April 2020 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9). Die Beschwerdeantwort wurde dem Versicherten mit Verfügung vom 1
3.
Mai 2020 zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
14). Mit Eingabe vom
6.
November 2020 (Urk. 15) reichte er neue medizinische Unterlagen (
Urk.
16) ein. Die IV-Stelle ver
zichtete auf eine Stellungnahme dazu (
Urk.
19), was dem Versicherten mit Ver
fügung vom
9.
Dezember 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
20)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbs
einkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
über
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog
sinngemäss
, der Beschwerdeführer sei in seiner bisherigen Tätigkeit seit Januar 2017
zu 30
%
eingeschränkt. Er habe somit das Wartejahr nicht bestanden. Die abweichenden Einschätzungen des gleichen Sach
verhalts durch die Behandlungspersonen wie auch das MRI des Schädels ver
möchten daran nichts zu ändern. Die zufällig gefundenen Veränderungen der Nebenhöhlen se
ien nicht geeignet, einen eigen
ständigen Gesundheitsschaden zu
begründen. Die geringe soziale Interaktion und fehlende Berufsausbildung
würde
n
als invaliditätsfremde Faktoren keinen Leistungsanspruch auslösen (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt indessen dafür,
gestützt auf den
Bericht
d
es behan
d
elnden
Psychiaters
,
de
n
Austrittsbericht des Universitätsspitals
B._
zur stationären Schmerzbehandlung und d
as neurologische Teilgutachten
bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit.
Die depressive Episode sei mittelgradig.
Es sei
zu
dem
unwahrscheinlich, dass
die Arbeitsfähigkeit durch d
ie Kopfschmerzen
nicht beeinträchtigt werde,
wobei nicht auszuschliessen sei, dass Ursache derselben die
Retentionszysten im Bereich des Sinus
maxillaris
seien
.
Problematisch seien
sein
organisches Krankheitsverständnis
wie auch
die Wechselwirkung
von somati
schen
Einschränkungen und somatoformer Schmerzstörung
, welche die soma
tische Selbst
limi
tation erkläre.
Die
Schmerzexazerbationen
hätten denn auch zu einer Erhöhung des Blutdrucks geführt.
Aus orthopädischer Sicht sei er
zudem
auf eine sitzende Tätigkeit mit der Möglichkeit zu regelmässigen Positionswechs
eln ange
wiesen. Ohne beruflich
e
Massnahmen könne er auf dem Arbeitsmarkt keinen Fuss mehr fassen. Das psychiatrisch
e
Teilgutachten sei verharmlosend
. D
ie diskrepante
Einschätzu
ng
der
Arbeitsfähigkeit
werde im Gutachten nicht erklärt
(
Urk.
1 S. 5-7
).
Im Übrigen
liege keine
vollständige
Indikatorenprüfung
vor
; bereits die
erfolgte geringfügige
Prüfung zeige aber, dass er
– vorab aus psychiatrischer Sicht – voll
arbeitsunfähig sei
. Andernfalls sei ihm aufgrund des eingeschränkten Belastungsprofils ein leidensbedingter Abzug von 25
%
zu gewähren
(
Urk.
1 S.
8).
3.
3.1
Vom Beschwerdeführer in erster Linie bestritten wird somit eine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen wie auch in einer sei
n
en Leide
n
angepassten Tätigkeit.
Versiche
rungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes
wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beur
teilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
3.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
3.3
Ergänzend ist in
Bezug auf Berichte von behandelnden Arztpersonen auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patien
ten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen
längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkennt
nisse
zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen
Fachperson
einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Ein
schätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblie
ben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin stützt sich auf das Gutachten der
A._
vom 2
3.
Oktober 2019
(
Urk.
10/41)
.
Darin wurde dem
Beschwerdeführer aus interdis
ziplinärer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 70 % in der zuletzt ausgeübten Tätig
keit als Hauswart
wie auch in
angepassten Tätigkeit
en
attestiert
(vgl.
Urk.
10/41/8).
Als empfehlenswert
beurteilten
die Gutachter
leichte bis mittel
schwere Arbeiten
respektive
eine Tätigkeit im Sitzen mit der Möglichkeit zu regelmässigen Positionswechseln
. Als günstig bezeichneten sie
dabei
eine be
grenzte Arbeitsverdichtung, ein
en
klar umschriebene
n
Verantwortungsbereich, keine emotional sehr fordernden
Kommunikationsaufgaben, die Möglichkeit zu Pausen während der Arbeitszeit, wenig zeitliche
n
Druck sowie ein geduldiges, wertschätzendes Umfeld.
Zu
vermeiden gelte
es
das Heb
en/Tragen von Gewichten über 15
kg, Arbeitszwangshaltungen mit einer übermässigen Belastung der Brust- und Lendenwirbelsäule sowie in der tiefen Hocke oder im Knien, häufiges Bücken unter Tischkantenniveau, das regelmässige Überwinden von Niveauunterschieden (z.B. Treppensteigen), regelmässige höhenexponierte Arbeiten (z.B. auf Leitern und Gerüsten) und Nach
t
arbeit. Stehende und gehende Tä
tigkeiten sollten auf 90 Minuten
am Stück reduziert sein mit der anschliessenden Möglichkeit, in eine sitzende Arbeitsposition zu wechseln
(vgl.
Urk.
10/41/7).
Im Vordergrund stünden die psychiatrischen Diagnosen und Beschwerden. Diese hätten aufgrund der Ausprägung der Symptomatik generell eine Minderung der Leistungsfähigkeit zur Folge. Die Einschränkungen aufgrund der postoperativen und degenerativen
V
eränderungen
am Bewegungsapparat führten nur zu einer qualitativen Einschränkung im zuletzt ausgeübten Beruf
(zum Stellenprofil:
Urk.
10/41/26)
, in einer adaptierten Tätigkeit könne keine Minderung der Leis
tungs
fähigkeit objektiviert werden. Es sei daher nicht von einer relevanten Wechselwirkung zwischen den fächerübergreifenden Erkrankungen auszugehen. Auffallend sei
en
aus polydisziplinärer Sicht die deutlich ausgeprägte Symptom
ausweitung und Selbstlimitation bei der aktuellen Begutachtung (vgl.
Urk.
10/41/5
und 10/41/7 oben). Sowohl aus orthopädischer als auch psychiatrisch
er
Sicht würden die angegebenen Therapiemassnahmen unzureichend wahrgenommen. Eine Optimierung sei zu empfehle
n
, wobei auf eine Steigerung der Leistungs
fähigkeit gehofft werden dürfe (vgl. Urk. 10/41/8).
4
.2
Aus dem orthopädischen Teilgutachten geht im Wesentlichen hervor,
bei der Untersuchung
würden
sich eine erheblich ausgeprägte Selbstlimitation und rele
vante Symptomausweitu
n
g bzw.
-
v
erdeutlichung
zeigen
. Die Einschätzung sei deshalb erschwert und basiere auf
den objektivierbaren Befunden
(
Urk.
10/41/19)
.
Anhand der nachgewiesenen Abnützung (Knorpelschäden) am Knie beidseits nach
arthroskopischen
und offenen Eingriffen könne schlüssig von einer vermin
derten Belastbarkeit bei spezifischen Beanspruchungen (z.B. Treppensteigen, Arbeitshaltung in der Hocke
oder
im Knien) ausgegangen werden. In der aktuellen nativ
-
radiologischen Abklärung
und
der im Vorfeld erfolgten MRT
s
hätten sich
neben den postoperativen Veränderungen vor allem eine Schädigung des Knorpels
zwischen der Kniescheibe und der Obe
rschenkelgleitrolle (
Femoropate
llar
ar
throse
), aber auch gering im Knie- Hauptgelenk (zwischen Oberschenkel und Schienbein) gezeigt. Das angegebene Ausmass der Beschwerden bzw. die inkon
stant dargestellten Einschränkungen bei der Beweglichkeit und Mobilität könnte
n
aber weder ausrei
c
hend objektiviert noch nachvollzogen werden. Bei der spezi
fischen Gangprüfung werde ein starkes Hinken mit Entlastung des linken Beines demonstriert, aber zumindest zeitweilig zeige sich innerhalb des Instituts ein unauffälliges Gangbild. Bei der klinischen Begutachtung könnten keine objek
tiven Anzeichen einer Reizung bzw. Entzündung (Gelenkerguss, Schwellung etc.) festgestellt werden und auch die fehlende
Muskelverschmächtigung
am linken Bein spreche gegen die
vom Beschwerdeführer
demonstrierte Entlastung
(
Urk.
10/41/19 f.)
.
Zusätzlich
gebe
dieser
chronische Schmerzen
im Bereich der Lendenwirbelsäule mit teilweise Ausstrahlung über die gesamte Wirbelsäule an. In der durchge
führten bildgebenden Abklärung zeige sich ein Bandscheibenvorfall L4/5 mit möglicher Bedrängung der Nervenwurzel L5 beidseits,
welcher
im Vergleich zur Voruntersuchung im Jahr 2014 weitgehend unverändert sei. In der klinischen Untersuchung hätten sich keine Anzeichen einer lokalen
muskulären Verspan
nung gezeigt
und es bestünden keine Hinweise auf eine periphere
radikuläre
Symptomatik oder neurologische, objektivierbare Ausfälle (
ferner
Urk.
10/41/16: diffuse Hypästhesie der gesamten Beine, die keinem
Dermatom
zuzuordnen
sind
). Die generelle Schwäche bei der Kraftprüfung sei der Selbstlimitation zuzu
schrei
ben
(
Urk.
10/41/20)
.
In Ruhe (z.B. in sitzender Position während der Anamnese über ca. 40 bis 50 Minuten) könnten keine objektivierbaren Anzeichen von Schmerzen festgestellt werden. Der Beschwerdeführer gebe
ferner
an, Schmerzmittel der
WHO Stufe 1 in ausgebauter Dosierung
zu sich zu nehmen. Bei der Bestimmung des Medika
men
tenspiegels für Paracetamol und Ibuprofen hätten die Werte jedoch unter dem messbaren Bereich gelegen. Eine leidensadaptierte Tätigkeit sei aus orthopädi
scher Sicht somit uneingeschränkt möglich (vgl.
Urk.
10/41/20).
Als Hauswart bestehe seit Januar 2017
noch
eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
. Die Einschränkung
gründe in der
verminderte
n
Belastbarkeit der Knie bzw. der Lendenwirbelsäule bei spezifischen Arbeitshaltungen bzw. einer übermässigen
Beanspruchu
n
g
. In Hinsicht auf die Anwesenheitszeit bestehe von orthopädischer Seite her keine Einschränkung (
Urk.
10/41/22).
Die operativen Eingriffe am Kniegelenk beidseits seien aufgrund degenerativer Schäden durchgeführt worden. Derzeit bestehe keine Indikation für weitere Operationen. Diesbezüglich und auch in Hinsicht auf die Degeneration an
der Len
denwirbelsäule (Bandschei
benvorfall L4/5 mit leichter Aktivierung)
sei eine
konser
vative Therapie
mit
Gewichtsreduktion und Verbesserung des körperlichen Trainingszustandes zu empfehlen (
Urk.
10/41/21).
Von passiven und
interventio
nellen
Therapiemassnahmen sei Abstand zu nehmen (
Urk.
10/41/23).
4.3
Zu denselben Schlussfolgerungen gelangte der begutachtende Neurologe
, indem er auf entsprechende
Verhaltensbeobachtungen hin
wies
(vgl.
Urk.
10/41/31 oben) und
ebenso
erörterte,
dass für die Knie- und Rückenbeschwerden keine plausible Erk
lärung bestehe
.
Er fügte an,
dass sich i
m MRI des
Neurokraniums
vom 10.
April 2019 keine Hinweise für einen symptomatischen Kopfschmerz fänden. Formal seien die Kriterien für eine episodische Migräne ohne
Aura
erfüllt. Auf
grund der Entwicklung der Kopfschmerzen,
bestehend seit November 2018
,
im Rahmen der chronischen
Rücken- und Knie
beschwerden
denke man
aber
eher an
eine Symptomausweitung
als an eine
primä
re Kopfschmerzerkrankung.
Differen
tialdiagnostisch sei ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz
zu diskutieren
, wofür die geschilderte Symptomatik jedoch nicht typisch sei (vgl.
Urk.
10/41/30
;
ferner
Medikamentenspiegel
,
Urk.
10/41/53
, und angegebene Einnahme von Schmerzmitteln,
Urk.
10/41/43
).
Der Neurologe
ergänzte
, die konservative Therapie der Rückenschmerzen erschei
ne plausibel und ausreichend, wenngleich offensichtlich die ambulante physika
lische Therapie nur ungenügend durchgeführt worden sei. Der Einsatz von
Ami
triptylin
im Kontext der depressiven Verstimmung und der chronischen Schmer
z
problematik sei sinnvoll (vgl. allerdings
Medikamentenspiegel,
Urk.
10/41/53).
Eine stationäre oder spezialisierte Schmerzbehandlung wäre sinnvoll (
Urk.
10
/41/30).
Aus neurologischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
D
er
,
soweit bei Schmerzüberlagerung beurteilbar
,
unauffällige
neurologische Untersuchungsbefund sei als Ressource anzusehen
.
Erschwert we
r
de
die Wi
e
dereingliederung durch die zweifelhafte Motivation,
die chronische
Schme
rzproblematik,
die
geringen sozialen Interaktionen, die fehlende Berufsaus
bildung und die berei
ts länger bestehende Invalidität (
Urk.
10/41/31).
4.
4
In der psychiatrischen Exploration gab der Beschwerdeführer
mitunter
an, oft
Suizidgedanken zu haben. Im Sitzen könne er seine Beine ab der Hüfte nicht mehr spüren. Er würde aber gerne etwas machen, seine Hände seien noch gut. Er könne nicht sagen, weshalb er zum Psychiater gegangen sei. Der Hausarzt habe
d
ies
gewollt. Er se
i vor ca. einem halben Jahr erstmals
dort gewesen und gehe nun alle zwei Wochen
zum Psychiater
. Sein Zustand habe sich dadurch ganz wenig gebessert. Er könne nun vier bis sechs, statt
nur
zwei bis drei Stunden schlafen. Er wache aufgrund der Schmerzen immer wieder auf. Wenn er am Abend viel gemacht habe, schlafe er weniger. Wenn er wenig gemacht habe, schlafe er sieben Stunden. Wofür er lebe, könne er nicht sagen
. Er mache nichts
.
Zu seinen
Brüdern
habe er ein gutes Verhältnis
.
Dasjenige
zu seiner Frau und seinen Kindern
habe sich sehr verschlechtert
. Er würde zuh
ause nichts bringen
; s
ie könnten sich nicht mehr so viel leisten wie früher. Freunde seien selten geworden. Gelegentlich hole ihn der Bruder ab, der einen Garten
habe, in d
em er Tauben und Kanarie
nvögel halte. Dort habe es
eine Couch, wo er sich ausruhen könn
e. An guten Tagen fahre er
mit öffentlichen Verkehrsmitteln
, sonst sei er auf fremde Hilfe angewiesen
.
Manchmal fühle er sich einsam.
Schulden habe er bei
Verwandte
n
.
Er stehe
ohne Wecker
zwi
schen 6 und 8 Uhr auf, mache sich
Kaffee und schaue in der Stube fern. Am Mittag
bereite er sich das von d
er Ehefrau vorgekochte
E
ssen zu
. Bei gutem Wetter
liege
er
im Liegestuhl im
Garten
. Am Mittag lege er
sich auch einmal eine halbe Stunde hin.
Seine Frau und
d
er jüng
ere
Sohn würden den
Abwasch mache
n
und
die
Einkäufe erledigen. D
as Abendessen mache die Frau. Er könne einzig den Aschenbecher draussen leeren.
Putzen, wie er dies früher getan habe, könne er nicht mehr. Sein Hobby sei früher der Sport gewesen: Fuss
ball, Skifahren und Schwimmen. Heute halte er sich noch im Nichtschwimmer
becken auf. Er könne nicht mit dem Auto in die Ferien, sondern sei im Sommer für eine Woche nach Mazedonien geflogen (vgl.
Urk.
10/41/35
und 10/41/38 f.
)
.
Die begutachtende Psych
iaterin
führte aus
, Konzentration und Aufmerksamkeit
seien unauffällig.
Die
Psychomotorik
sei unruhig, der Antrieb gesteigert
.
Eine Störung der mnestischen Funktionen liege nicht vor.
Die Stimmungslage sei de
pressiv, jedoch in beide
n
Skalenbereichen
durchaus
auslenkbar
. Das formale Denke
n
sei eingeengt auf die schwierige psychosoziale Situation und die Schmerzproblematik (
Urk.
10/41
/36
)
.
In
der aktuellen Untersuchung seien die Kriterien für eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) erfüllt. Die vor
herrschenden Beschwerden seien ein andauernder sch
werer
und quälender Schmerz,
der durch einen physiologischen Prozess oder durch eine körperliche Störung nicht vollständig erklärt werde könne.
Dieser
trete in Verbindung mit emotionalen Konflikten un
d psychosozialen Problemen auf, die
schwerwiegend genug
seien
, um als entscheidende ursächliche Einflüsse zu gelten. Das Charak
teristikum sei die wiederholte Darbietung körperlicher Symptome in Verbindung mit hartnäckige
n
Forderungen
n
ach medizinischen Untersuchungen trotz wieder
holter negativer Ergebnisse und Versicherung der Ärzte, dass die Symptome nicht körperlich begründbar seien. Wenn somatische Störungen vorhanden seien, erklärte
n
diese nicht die Art und das Ausmass der Symptome, das Leiden und die innerliche Beteiligung
(dazu auch
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
Internatio
nale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 1
0.
Aufl. 2015, S.
233
)
.
Davon abzugrenzen sei
eine
relevante depressive
Symptomatik.
Aktuell seien höchstens die Kriterien für eine leichte depressive Episode erfüllt. Die Symptome würde
n
sich teilweise über
schneiden. Der Beschwerdeführer leide an einer leichten depressive
n Verstim
mung mit pessimistischer
Zukunftsperspektive
und
Schlafstörungen. Er habe ein rein organisches Krankheitsverständnis und weise eine
Somatisierungsneigung
mit der Tendenz zur
Verkörperlichung
seelischer und psychischer Probleme auf.
Lebensgeschichtlich
fände
n
sich
k
onstant leistungsorientierte Züge bzw. eine Selbstdefinition durch bzw. über Leistung, diagnostisch als akzentuierte Persön
lichkeitszüge (ICD-10: Z73.1) ein
zuordnen
. Anhaltspunkte für gravierende dys
funktionale Verhaltensweisen
oder -
muster, bedingt durch
spezifische oder kom
bi
nierte
Persönlichkeitsstörungen
, seien a
n
hand der beruflichen und sozialen
Biografie mit langjähriger Beziehung und Arbeitsfähigkeit
aber
klar nicht gegeben
(vgl.
Urk.
10/41/37 f.).
Die
Gutachterin
hob hervor
, e
s entstehe
der Eindruck,
dass der Beschwerdeführer
seine körperlichen Beschwerden «präsentieren müsse». So gehe er extrem langsam ins Untersuchungszimmer. Stöhne immer wieder laut auf, sitze sehr unruhig auf dem Stuhl, stehe dann auf und bitte, sich hinlegen zu dürfe
n
. Gutachterlich imponiere diese Symptompräsentation als bewusstseinsnahe
Verdeutlich
ung
im Rahmen der somatoformen Schmerzstörung. Zudem ergäbe
n
sich anhand der aktuell nicht na
chweisbaren Medikamentenspiegel
Limitationen in der Therapie
treue bzw. Compliance
(
vgl.
Urk.
10/41/39
; insbesondere
regelmässige Einnahme von
Amitriptylin
,
Nortriptylin
oder
Lorazepam
nicht nachweisbar
).
Daraus schlussfolgerte die Gutachterin, m
edizinisch-theoretisch liege in der Tätigkeit als Hauswart ab Januar 2019 eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
vor, davor von 100
%
. Gleiches gelte für eine adaptierte Tätigkeit (vgl.
Urk.
10/41/40). Die Gewährleistung der Medikamenteneinnahme könnte sicher zur Verbesserung beitragen. Es seien noch nicht alle Behandlungsversuche ausgenützt. Eine teilsta
tio
näre bzw. stationäre Behandlung könnte wichtige Erkenntnisse zum Gesamt
bild
beitragen (vgl. 10/41/41).
4
.
5
Im der allgemein-internistischen Begutachtung machte der Beschwerdeführer ebenfalls Angaben zum sozialen Umfeld und zum Tagesablauf. Er erläuterte, sich mit seiner Ehefrau wegen finanzieller Probleme zu streite
n
. Er glaube, diese h
abe zusätzlich ein Verhältnis. De
r ältere Sohn sei bereits ausgezogen. Soziale Kon
takte wären noch gute vorhanden, in den letzten Monaten bestehe allerdings eher eine Rückzugstendenz (
Urk.
10/41/44). Beim Tagesablauf ergänzte er, oft mit dem Handy zu spiele
n
und öfters auch Verwandte zu besuchen, vor allem den Onkel. Er füttere dort die Tauben und gebe sich mit den Vögeln ab. Er fahre regelmässig Auto, aber nur Strecken von 6 bis 7 km. Meistens im Zusammenhang mit Arzt
besuchen. Reise
n
würde aufgrund der finanziellen Situation seit dem Jahr 2017 keine mehr unternommen (
Urk.
10/41/45).
Der begutachtende Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Endokrinologie konnte auf seinem Fachgebiet keine Einschränkungen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit feststellen (
Urk.
10/41/47). Die Blutdruckwerte hätten si
ch
stabi
lisiert und lägen noch leicht über dem Zielbereich. Meist bestünden erhöhte Blut
druckwerte im Rahmen der
Schmerzexazerbation
. Relevante
Entgleisungen seien nicht dokumentiert. Weiter habe die Immobilität nach dem Unfall zu einer Ge
wichtszunahme geführt. Es bestehe eine Adipositas Grad I. Das Reflux-Sy
n
drom sei sicher auf die Stress
s
it
ua
tion im Rahmen
d
er
Schmerzexazerbation
und des
chronischen NSAR-Abusus zurückzuführen. Im Alltag bestünden keine klini
schen
Beeinträchtigungen. Die milde Leukozytose sei mit dem chronischen, lang
jäh
rigen Nikotinabusus gut erklärbar.
Eine milde Erhöhung der Leberfunktions
para
meter
(GGT führend)
sei sicherlich mit dem chronischen Schmerzmittel
abusus, vor allem
Dafalgan
, zu erkläre
n
, zumal die Alkoholanamnese auch völlig unauf
fällig sei.
Mit eine
m
HbA1c von 6.8
%
sei zudem erstmals ein Diabetes mellitus Typ II zu diagnostizieren (
Urk.
10/41/46 f.).
5.
5.1
Das Gutachten der
A._
beruht im Sinne der vom Bundesgericht postu
lierten beweisrechtlichen Anforderungen auf allseitigen
Untersuchungen. Neben den klinischen Untersuchen in sämtlichen Fachrichtungen wurden als Zusatz
diagnostik aktuelle Röntgenbilder von den Knien und der Lendenwirbelsäule angefertigt sowie diverse Laborwerte erhoben (vgl.
Urk.
10/41/2, 10/41/57-60). Die von den Gutachtern festgehaltenen somatischen Befunde und Laborwerte wurden vom Beschwerdeführer nicht bestritten und überdies im nachgereichten Austrittsbericht zu seinem stationären Aufenthalt im Januar 2020 in der R
heu
maklinik am
B._
bestätigt (
Urk.
3/5 S. 1).
Die ein Dreivierteljahr nach Verfü
gungserlass wiederholten bildgebenden Abklärungen (
Urk.
16) finden indessen keine Berücksichtigung, da z
eitlich
e
Grenze der richterlichen Überprüfungs
be
fugnis der Sachverhalt
bildet
, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Ver
fügung verwirklich hat (
etwa
Urteil des Bundesgerichts 8C_71/2016 vom
1.
Juli 2016 E. 2.2.1 und 6.3).
Aktenanamens
tisch
erstmals erwähnt wurde im nachgereichten
Austrittsbericht
des
B._
vom 2
1.
Januar 2020
eine aktive Hepatitis B mit Erstdiagnose im November 2018 und der Empfehlung zu einem
hepatologischen
Work-
up
(vgl.
Urk.
3/5 S. 1 f.). Die genannten Leberfunktionsparamete
r (GGT 182 U/l, GPT 51 U/1
, Urk. 3/5 S. 2
) wurden allerdings schon in der Begutachtung mit ver
gleich
baren Ergebnissen untersucht (
γ
-GT 168 U/l, GPT 71 U/l; vgl.
Urk.
10/41/57). Im allgemein-internistischen Teilgutachten wurden diese explizit als milde erhöht und letztlich ohne Einfluss auf die Arbeitsf
ähigkeit beurteilt (vgl. E. 4.5). Die
Werte
betreffend den
Stoffwechsel
waren
im Normbereich
(vgl.
Urk.
10/41/57). Es ist anzunehmen, der Beschwerdeführer hätte die Beschwerdegegnerin bei
laufendem Verfahren informiert, wären im Rahmen dieser Diagnose vor oder nach
der Begutachtung relevante Beeinträchtigungen festgestellt und medizi
nische
Massnahmen ergriffen worden. Indessen deutet auch
im
Austrittsbericht
des
B._
ni
chts darauf hin, dass die aktive Hepatitis B vorab kausal für die gemäss
An
gaben des Beschwerdeführers unmittelbar nach dem Unfall aufgetretenen und seither anhaltenden Kni
e- und Rückenschmerzen (etwa
Urk.
10/27/1)
sein könnte.
5.2
Die Gutachter setzten sich des Weiteren eingehend mit den geklagten Beschwer
den (zur Beschwerdeklage:
Urk.
10/41/11 unten
, 10/41/24 f. und 10/41/33
) aus
einander. Ihre Überlegungen begründeten sie nachvollziehbar und ihre Schluss
folgerungen leuchten ein. So wurde in den Teilgutachten der Fachrichtungen Orthopädie (vgl. E. 4.2) und Neurologie (vgl. E. 4.3) ausführlich erläutert, dass sich das Ausmass der geklagten Knie- und Rückenbeschwerden wie auch das Bestehen von Kopfschmerzen anhand der klinischen und bildgebenden Befunde nicht hinreichend objektivieren lassen. Damit im Einklang stehen die Berichte der behandelnden Fachärztin für Rheumatologie und Innere Medizin,
Dr.
med. C._
(vgl.
Urk.
10/9/21), sowie der Abteilung Kniechirurgie der Uni
versitätsklinik
D._
(vgl.
Urk.
10/9/51, 10/9/74, 10/21/8 und 10/21/10 oben). Es bestanden somit keine zu diskutierenden abweichenden
fachärztlichen
Beur
teilungen. Die Gutachter erklärten die Diskrepanz zwischen ihren Befunden und der Beschwerdeklage mit einer Symptomausweitung, die sie anhand der klini
schen Befunde (keine Entzündungszeichen, keine
Muskelverschmächtigung
) und des beobachteten Verhaltens (unbeobachtet unauffälliger Gang, problemloses Sitzen während der gesamte Anamnese) schlüssig begründeten. Letztlich wurden Einschränkungen festgestellt und
ein Belastungsprofil definiert,
die
der Aktenbe
urteilung des RAD-Arztes
Dr.
med.
Y._
vom 2
4.
Januar
2019
(vgl.
Urk.
10/42/4)
und Stellungnahme des beratenden Arztes der Basler Versiche
rungen (vgl.
Urk.
10/
9
/16) entsprechen
. Ergänzend kann auf die teils diffe
ren
zierten ärztlichen Zeugnisse
der Universitätsklinik
D._
v
erwiesen we
rden
, worin körperlich nicht belastende bzw. angepasste Tätigkeiten explizit ausge
nom
men wurden
(vgl.
Urk.
10/9/4-7
, 10/9/11, 10/9/42
).
Im letzten Bericht vom 1
1.
Dezember 2018 fügt
e
ein Assistenzarzt an, dass aufgrund der stark schmerzhaften Situation, die nicht gut mit den kli
nischen Befunden und der MRI-Diag
nostik korreliere, keine sinnvollen Aussagen zur Arbeitsfähigkeit gemacht werden könnten
,
und em
p
fahl eine spezielle berufsmedizinische Abklärung (vgl.
Urk.
10/21/10).
Aus dem Austrittsbericht zum stationären Aufenthalt vom Januar 2020 ergibt sich diesbezüglich nichts Neues. Neben den bekannten Bildbefunden wurden wiederum diffuse klinische Befunde und ein verlangsamtes Gangbild beschrieben.
Eine teilweise mitbedingte L5-Radikulopa
th
ie wurde nicht gänzlich ausge
schlos
sen
,
aber
nicht etwa als überwiegend wahrscheinlich erachtet. Eine Plausibili
tätsprüfung erfolgte zumindest insoweit, als dem Beschwerdeführer – obschon der geplante zweiwöchige Aufenthalt aufgrund der Schmerzlimitationen bzw.
seines Krankheitsverständnisses auf acht Tage verkürzt wurde – nur eine Arbeitsunfähigkeit für stehende und gehende Tätigkeiten attestiert wurde; die Arbeitsfähigkeit in einer sitzenden Tätigkeit müsse durch
ein/
ein
en
Arbeitsassess
ment
/-versuch geklärt
werden (vgl.
Urk.
3/5 S. 2 f.).
Ein eigentlicher Widerspruch zur medizinisch-theoretischen
Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit
durch die
Gut
achter besteht
somit
nicht. Damit muss es sein Bewenden haben, zumal angesichts der Gründe, welche zur vorzeitigen Beendigung der stationären Behandlung führten, und der im Gutachten aufgezeigten Inkonsistenzen von einem Arbeits
versuch keine verwertbaren zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten sind.
Keinen Eingang in den Austrittsbericht fanden
die
Kopfbeschwerden. Der ambu
lant behandelnde Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
Z._
, berichtete am 1
4.
Mai 2019
zwar
über einen
ausgeprägten Kopfdruck
und wies auf den Befund des Schädel-MRI hin, zog daraus jedoch keine
medizinischen Schlüsse
.
Der begutachte
nde Neurologe verneint
e
explizit
, dass sich dem MRI des
Neurokraniums
etwas Relevantes entnehme lasse (vgl. E. 4.3). Wie die Beschwer
degegne
rin zutreffend erörterte, galt es mit der MRI-Untersuchung
eine mögliche organische Ursache für die seit einiger Zeit bestehende geringe Belastbarkeit (depressiv, ängstlich, weinerlich) und einen explizit nur «sehr leichten Kopfdruck» abzuklären (vgl.
Urk.
10/48).
Die Vermutung des Beschwerdeführers
, dass die im MRI des Schädels
nebenbefundlich
festgestellten Retentionszysten Ursache
für die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende
Kopfbeschwerden sein könnten
(vgl.
Urk.
1 S. 6), findet in den Akten somit keinerlei Stütze.
5.3
Hinsichtlich der psychischen Beschwerden liegt
ein Bericht
von
Dr.
Z._
vom 1
4.
Mai 2019 vor,
worin
de
r
Psychostatu
s bei Behandlu
ngsbeginn am 12.
März
2019
festgehalten
wurde
. Gemäss Bericht
bestand die Behandlung aus stützenden Gesprächen, Psychoedukation und Psychopharm
akotherapie mit
Saroten
.
Dr.
Z._
diagnostizierte eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) und attestierte
infolgedessen
eine volle Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
3/4).
Inzwischen bestehen
begründete Zweifel an einer re
gelmässigen Einnahme von Medikamenten (allgemein und konkret mit Blick auf das verordnete Psychopharmakon)
sowie an der Zuverlässigkeit der
subjektiven Beschwerdeklage
. Die unkritische Würdigung der Angaben des Beschwerdeführers durch
Dr.
Z._
bei Behandlungsbeginn vermag daher keine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit zu begründen.
Ferner
fällt auf, dass der Beschwerdeführer
im vorliegenden Verfahren
keinen Verlaufsbericht oder weitere
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen
v
on Dr.
Z._
vorlegte.
Im stattdessen eingereichten, zeitnah
zum Erlass der angefochtenen Verfügung
verfassten
Austrittsbericht der R
heumaklinik des
B._
vom 2
1.
Januar 2020
finden sich
die Diagnosen
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psy
chischen Faktoren sowie mittelgradige depressive Episode.
Im Bericht wurde ferner
auf die Umstellung von
Saroten
auf
Duloxetin
/
Doxepin
(noch
aufzu
do
sieren
) hingewiesen.
Aus
dem Austrittsbericht
ergeben sich
insgesamt (unter Ein
bezug der Ausführungen zu den somatischen Beschwerden) k
eine wichtigen
medizinischen
Aspekte,
die
in der Begutachtung übersehen
worden wären
, und
es fehlt
an
eine
r
Auseinandersetzung mit
den
selbst festgestellten
Diskrepanzen zwischen den
objektivierbare
n
Befunden und der
Beschwerdeklage.
Indessen
wurde d
ie Arbeitsfähigkeit in einer sitzenden Tätigkeit
offen gelassen
(vgl.
Urk
.
3/5).
Anlass zur Bescheinigung einer
augenscheinlichen
höhergradigen
Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht bestand
folglich
auch nach mehr
tä
giger stationärer Behandlung
nicht.
D
ass
die
Herleitung der Diagnosen
respektive
de
r
psychopathologische Befund
nicht in den Bericht aufgenommen
wurden
, erweist sich insoweit als irrelevant
.
Einzig
die begutachtende Psychiaterin der
A._
diagnostizierte
somit
eine somatoforme Schmerzstörung (vgl. E. 4.
4
).
Bei
einer anhaltenden Schmerz
störung (ICD-10: F45.4)
steht ein
andauernder, schwerer und quälender Schmerz im Vordergrund
. Dies im Unterschied zu
r
chronische
n
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41)
gemäss Austrittsbericht
, welche lediglich
ein
en
über sechs Monate bestehende
n
Schmerz in mehreren ana
tomischen Regionen
beschreibt, der durch
eine Wechselwirkung von somatischen und psychischen Faktoren unterhalten
wird
.
Der letztgenannten Diagnose fehlt damit
ein Bezug zum Schweregrad der Erkrankung.
Sie
setzt
nur, aber
immerhin voraus, dass der Schmerz
«
in klinisch bedeutsamer Weise Leiden und Beein
trächtigungen in sozialen, beruflichen und anderen wichtigen Funktions
be
rei
chen
»
hervorru
ft (vgl. BGE 143 V 418 E. 5.1). Die
Gutachterin
relativiert
den Schweregrad der Schmerzstörung
in der Folge allerdings gleich
selbst.
So
kam sie zum Schluss, dass
die Symptomausweitung als «bewusstseinsnahe
»
Verdeutli
chung» im Rahmen der somatoformen Schmerzstörung
imponiere.
Als schlüssig erweist sich angesichts des
anlässlich der Begutachtung
erhobenen psycho
pa
thologischen Befundes die Qualifikation der depressiven Episode als höchstens leicht
(vgl. E. 4.
4
).
Für die Qualifikation als mittelgradige depressive Episode müss
t
en mindestens zwei der drei typischen Symptome einer Depression gegeben sein: depressive Stimmung (1), Verlust von Interesse oder Freude (2) und An
triebsmangel sowie erhöhte Ermüdbarkeit (3). Zusätzlich müss
t
en drei oder besser vier der weiteren Symptome vorhanden sein: verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldge
fühle und Gefühl von Wertlosigkeit, negative und pessimistische
Zukunftsper
spektiven, Suizidgedanken/-handlungen/erfolgte Selbstverletzung, Schlafstörun
gen
und verminderter Appetit. Einige der Symptome müss
t
en in ihrem Schwere
grad besonders ausgeprägt sein oder aber es
müsste
durchgehend ein besonders
breites Spektrum von Symptomen vorhanden
sein
(vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.]
,
a.a.O.
, S.
169-173
).
Weder das eine noch das andere trifft v
o
rliegend zu. Ergän
zend ist auf die Ausführungen zum strukturier
t
e
n
Beweisverfahren hinzu
weisen.
5.4
Es bleibt mit Blick auf die Argumentation des Beschwerdeführers anzumerken, dass im allgemein internistischen Teilgutachten zwar notiert wurde: «Meist erhöhte Blutdruckwerte im Rahmen der Exazerbation der Schmerzsituation»
.
Be
legt ist diese anamnestische Angabe jedoch nicht. Bei der Hypertonie handelt es sich häufig um eine primäre Erkrankung, wobei der Beschwerdeführer adipös ist (BMI von 32.2 kg/m2, vgl.
Urk.
10/41/47) und in den
Vorakten
(einzig) Stero
idinfiltrationen als Ursache
des Bluthochdrucks
diskutiert werden (vgl.
Urk.
10/11/3 f
.
). Wie der Gutachter ausführte, bestehen zudem – trotz fraglicher Compliance (vgl.
Urk.
10/41/59: Laborwert von
Amlodipin
) – keine Hinweise auf Entgleisung
en
.
Sein
Bluthochdruck
ist
entgegen der Auffassung des Beschwer
deführers
somit kein aussagekräftiger Gradmesser für
ein somatisches oder psy
chosomatisches
Schmerzgeschehen
.
5.5
Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltende somatoforme Schmerz
störung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden (BGE 140 V 8 E.
2.2.1.3) oder depressive Störungen
(
BGE 143 V 409, 143 V 418), sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits - erlauben, das tat
sächlich erreichbare Leistungsvermögen ei
nzuschätzen (BGE 141 V 281 E.
2,
E.
3.4-3.6 und 4.1
: statt vieler Urteil des Bundesgerichts 8C_890/2017 vom 1
5.
Mai 2018 E. 2.2
).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditäts
grades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegen
der Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E
. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen eines strukturierten Be
weisverfahrens zu beachtenden Standardindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie «funktioneller Schwere
grad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1; Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome [E. 4.3.1.1]; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz [E. 4.3.1.2]; Komorbiditäten [E. 4.3.1.3]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psy
chi
sche Funktionen [E. 4.3.2]) und «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleich
mässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbe
reichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewie
sener Leidensdruck (E. 4.4.2).
Der Vollständigkeit halber sei angefügt, dass auch Kopfschmerzen,
wie eine
Migräne
oder ein Clusterkopfschmerz mit gewissen klinischen Anzeichen
,
man
gels hinreichend objektivierbarer Befunde jeweils
einer Plausibilitätsprüfung bedürfen (v
gl.
BGE 140 V 290 E. 3
;
Urteil des Bundesgerichts 8C_350/2017 vom 30. November 2017 E. 5.4
).
5
.6
Für die
vorliegende
Indikatorenprüfung
gilt es zu beachten, dass nach
der Recht
sprechung auch eine stark ausgeprägte und verfestigte subjektive Krankheits
überzeugung mit entsprechendem dysfunktionalem Verhalten, Selbstlimitieru
ng, sekundärem Krankheitsgewinn
und
Dekonditionierung
keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG und
Art.
7
Abs.
2 ATSG dar
stellt
. Ein Rentenanspruch fällt sodann ausser Betracht, soweit eine attestierte Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht oder direkte Folge psychosozialer und soziokultureller Belastungsfaktoren ist
(Urteil des Bundesgerichts
9C_473/2019 vom
2
5.
Februar 2020 E. 4.2.2 mit diversen Hinweisen).
N
ach Auffassung aller
Fachärzte ist
von körperlich imponierenden psychischen Beschwerden und einer depressiven Symptomatik auszugehen
(vgl. E. 5.3)
.
Ange
sichts
des gutachterlich erhobenen psychopathologischen Befundes, der im Gut
achten aufgezeigten bewusstseinsnahen Inkonsistenzen,
der
diagnostischen Ein
ordnung des Schmerzgeschehens durch die Behandlungspersonen und
der Arbeits
fähigkeitseinschätzung im Austrittsbericht der Rheumaklinik des
B._
lässt sich jedoch keine erhebliche Ausprägung der
diagnoserelevante
n
Befunde aus
machen.
Aussagen zum Eingliederungserfolg sind mangels entsprechender Mass
nahmen nicht möglich
.
Grund zur Annahme einer Behandlungsresistenz im Rahmen einer lege
artis
durchgeführten Behandlung besteht nicht, zumal eine solche bisher nicht erfolgte
und
der Beschwerdeführer
selbst über eine Besserung
des Schlafs berichtet
e
(vgl. E. 4.
4
).
Der
äusserst
kurze stationäre Aufenthalt, den der Beschwerdeführer erst unter dem Eindruck des negativen Vorbescheids antrat, vermag hieran nichts zu ändern, zumal
er
da
von mitunter aufgrund p
ersönliche
r
Überzeugungen, die aus Sicht der Invalidenversicherung unbeachtlich sind,
nicht profitieren konnte (vgl.
Urk.
3/5 S. 2). Neben der Somatisierungsstörung und
den depressiven Symptomen
bestehen als Komorbiditäten
bildgebend nachgewiesene
degenerative Veränderungen an den Knien und der Lendenwirbelsäule. Allerdings sprachen erstere nicht auf die Infiltrationen an und letztere sind seit dem Jahr 2014
kaum verändert
. Deren ressourcenhemmende Wirkung ist deshalb frag
würdig. Im Gutachten wurden
ferner
akzentuierte Pers
önlichkeitszüge diagnos
tiziert; eine
ressoursenhemmende
Wirkung derselben ist dem Gutachten nicht zu entnehmen.
Strukturelle Defizite im Sinne einer eigentlichen Persönlichkeits
problematik respektive einer erheblichen Störung komplexer Ich-Funktionen sind
aber
weder im Gutachten noch
in
den übrigen medizinischen Unterlagen ein Thema. Der Beschwerdeführer wir
d zudem trotz der angegebenen Un
stimmig
keiten infolge
eingeschränkter finanzieller Verhältnisse
von seinem familiären Umfeld unterstützt. Insbesondere kocht die Ehefrau für ihn das
Essen vor und er besucht regelmässig
Verwand
te.
Freunde werden zumindest mit
«
selten
»
ange
geben.
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Gesichtspunkt der «Konsistenz» (BGE 141 V 281 E. 4.4).
Die wesentlichen Angaben wurden insoweit auch von der begutachtenden Psychiaterin erhoben.
Eine gleichmässige Ein
schränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen
kann vorliegend für die gutachterlich festgestellte Arbeitsunfähigkeit von 30
%
bejaht werden,
obschon ein Teil der Einschränkungen – etwa im Sport – klar auf die somatischen Beschwerden zurückzuführen ist. Der Beschwerdeführer v
erfügt gemäss eigenen Angaben gegenüber den Gutachtern
(vgl. E. 4.4 und 4.5)
über einen soweit strukturieren Tagesablauf
, steht
früh
auf, nimmt selbständig
die Mahlzeiten zu sich, spielt am Handy, setzt sich in den Garten
, geht offenbar ins Schwimm- oder Freibad
und besucht Verwandte
, vorab den Onkel und interessiert sich dabei für dessen Vögel
.
Im Standortgespräch vom 11.
Oktober 2018
räumte er zudem ein, ab und zu
etwas Kleines
einzukaufen und
10 bis 20 km
mit einem Auto
mit Automatikgetriebe
zu fahren
. Im Übrigen kam er damals bereits ohne Stöcke zum Gespräch, auch wenn er deswegen Schmerzen beklagte, und bestä
tigt
e
das Vorhandensein privater Schulden
(
Urk.
10/10/3
f.
).
Diese sind allerdings noch weitaus höher als angegeben und häuften sich nicht erst seit dem Unfall an (vgl.
Urk.
3/15).
Das dürfte die
Motivation zur Wiederaufnahme einer Arbeit
invaliditätsfremd
mindern
, da Einkünfte der Schuldentilgung und nicht der Verbesserung der eigenen Situation
dienen würden
.
Besonders aufschlussreich ist
vorliegend
jedoch
der behandlungsanamnestisch ausgewiesene Leidensdruck, nachdem sich beim Beschwerdeführer keine regel
mässige Einnahme irgendeines
verordneten
Medikaments nachweisen liess und bis zum Vorbescheid nie ein stationärer Aufenthalt erwogen wurde.
Dies ist mit den vom Beschwerdeführer geklagten
massivsten Schmerzen
schlicht nicht zu vereinbaren.
Die fehlende Compliance wurde dementsprechend in allen Teilen des Gutachtens eingehend erörtert (vgl. E. 4).
5
.7
Vorliegend lässt sich anhand der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 – und damit aus der Optik des Rechtsanwenders, der die ärztlichen Einschätzungen
und Schlussfolgerungen auf ihre sozialversicherungsrechtliche Relevanz und Trag
weite hin zu prüfen hat –
bloss
eine
leichte Einschränkung der Arbeits
fähigkeit
bestätigen.
Die
fachärztlich einmalig
von
Dr.
Z._
im Bericht vom 1
4.
Mai
2019
attestierte volle Arbeitsunfähigkeit
infolge psychischer Beschwerden
über
zeugt nicht.
Der Beschwerdeführer führt zwar kein besonders aktives Privatleben, verfügt aber dennoch über einen geregelten Alltag mit ausreichend sozialen Aktivitäten ausserhalb der eigenen vier Wände. Die fehlende
Compliance bei den
medizinischen Massahmen
steht zudem im
Widerspruch zu den von ihm geklagten massivsten Schmerzen, welche ihn subjektiv an der Wiederaufnahme
jeglicher Arbeitstätigkeit
hindern.
5.8
Demnach
kann
vollumfänglich auf die interdisziplinäre Beurteilung der Arbeits
fähigkeit im
Gutachten der
A._
abgestellt werden.
Das gutacht
er
lich definierte Belastungsprofil lässt sich
dabei
g
ut mit den
zu Beginn noch diffe
renzierteren
Angaben des Beschwerdeführers
vereinbaren
,
der am 13.
Juni 2017
angegeben
hatte, er habe
v
or allem beim Treppenhochgehen und
-
runtergehen Schmerzen von medial nach lateral ziehend unter der Kniescheibe. Diese seien auch durch Druck auslösbar. An Analgetika nehme er
Dafalgan
, dieses helfe ihm jeweils fü
r wenige Stunden. Wenn er viel g
ehe tagsüber, wach
e
er nachts auf
grund der Knieschmerzen auf (vgl.
Urk.
10/9/50).
Dies lässt vor allem auf belas
tungsabhängige Schmerzen schliessen, welchen mit einer sitzenden Tätigkeit und der Möglichkeit zu Positionswechseln durchaus Rechnung getragen wird.
Im Übrigen postulierte
auch
Dr.
med.
E._
,
Facharzt für Allgemeine und Innere Medizin sowie Hausarzt des Beschwerdeführers, in seinem am 1
8.
Oktober 2018 bei der Beschwerdegegnerin eingegangen Bericht eine Arbeitsfähigkeit von
zumindest
ca. 50
%
in eine
r leichten, sitzenden Tätigkeit (
Urk.
10/15/3).
Erst i
m
Bericht vom
6.
März 2019 sprach er
sich
infolge eines
komplexen Schmerzsyn
droms für eine volle Arbeitsunfähigkeit aus und leitete eine psychiatrische Be
gleitung in die Wege (
Urk.
9/27/1).
Zum einen ergeben sich aus
seinen Berichten
also
keine Anhaltspunkte für
eine relevante psychische Beeinträchtigung vor dem
Frühjahr
201
9.
Zum anderen
beruhte
die Beschränkung auf ein
Teilzeitpensum
auf
der Annahme
, es sei eine erhebliche
Dauermedikation
mit
Schmerzmitteln
notwendig
,
welche sich in der Begutachtung
so
nicht bestätigen liess.
Abgesehen
davon verfügt der Hausarzt weder über vertiefte orthopädische
-
neurologische Fach
kenntnisse
, noch zeigte er medizinische Aspekte auf, die von den begutach
tenden und behandelnden Fachärzten übersehen wurden
. Ebenso wenig s
etzte er sich kritisch mit den
vorhanden
Inkonsistenzen auseinander, so dass seine – immer auch mit Ermessen verbundene – Folgenabschätzung letzten Endes keine Zweifel am Gutachten zu wecken vermag
.
6.
6.1
Das
Valideneinkommen
ist, wenn der Versicherte als Gesunder nicht mehr an der bisherigen Arbeitsstelle tätig wäre, praxisgemäss mittels statis
tischer Werte zu bestimmen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_314/2019 vom 10. September 2019 E. 6.1 und 8C_551/2017 vom 2. August 2018 E. 5
).
Der Beschwerdeführer gab an, dass kurz nach Erhalt der Kündigung der Konkurs über seine letzte Arbeitgeberin eröffnet worden sei (vgl.
Urk.
10/102). Somit sind beide Ver
gleichseinkommen anhand
des
standardisierten monatlichen Einkommens für männliche Hilfskräfte
gemäss
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) 2016, TOTAL in der Tabelle TA1_tirage_skill_level, Kompetenzniveau 1 festzulegen. Die Prüfung einer
Ein
kommensparallelisierung
(vgl. IK-Einkommen,
Urk.
10/7) erübrigt sich somit.
6.2
Bezüglich des verlangten leidensbedingten Abzugs kann vorab auf das Urteil des Bundesgerichts
8C_219/2019
vom 30.
September 2019
E
.
5.2 verwiesen werden. Danach bietet der ausgeglichene Arbeitsmarkt
im Kompetenzniveau 1
ein hin
reichendes Spektrum
an körperlich
leichten Tätigkeiten, die vorwiegend im Sitzen auszuführen
sind
, kein Heben und Tragen von Lasten über 5 kg, keine Zwangs
positionen der Hüftgelenke wie Abhocken oder Kauern, kein A
bsolvieren längerer Gehstrecken und
kein Überwinden von Höhendifferenzen wie Treppen, Leitern oder Gerüste
erfordern
.
Das gutachterlich definierte Belastungsprofil des Be
schwerdeführers ist ähnlich und rechtfertigt somit keinen nennenswerten leide
n
s
bedingte
n
Abzug.
Nebst den klassischen Bürotätigkeiten
fallen
gemäss Bundes
gericht
zahlreiche weitere Tätigkeiten in Betracht, die im Sitzen zu verrichten und
bei denen keine schweren Lasten zu heben
sind. Ferner zu denken ist
auch an Überwachungsfunktionen. Im Übrigen rechtfertigt
gemäss Bundesgericht
auch die lange Abwesenheit bei Hilfstätigkeiten im untersten Kompetenzniveau recht
sprechungsgemäss ke
ine
n Abzug.
Nicht abzugsrelevant sind ferner mangelnde Sprachkenntnisse oder ungenügende Ausbildung, da diesen Aspekten mit der Wahl des Kompetenzniveaus 1 bereits Rechnung getragen wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 7.7).
Eine psychisch bedingt verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen kann nach der Gerichtspraxis in der Regel
ebenso wenig a
ls eigenständige
r Abzugsgrund anerkannt werden
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_266/2017 vom 2
9.
Mai 2018 E. 3.4.2).
Es kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer
verhältnismässig
jung ist und sich in der Ver
gangenheit wiederholt flexibel zeigte, was den Wechsel des Tätigkeitsgebiets und des Arbeitgebers anbelangt.
7
.
Zusammenfassend
ist
das
Ausmass der geklagten Beschwerden weder
anhand der Befunde n
och im Rahme
n eines
strukturierte
n
Beweisverfahren
s
hinreichend ob
jektivierbar.
Aufgrund der
bewusstseinsnahen
Inkonsistenzen
sind von weite
ren Abklärungen, wie etwa einem Arbeitsversuch,
zudem
keine relevanten neuen Erkenntnisse zu erwarten
.
Die
gutachterliche
medizinisch-the
oretische
E
inschät
zung der Arbeitsfähigkeit
ist
unter diesen Gesichtspunkten
nicht zu beanstanden
.
Ein leidensbedingter Abzug rechtfertigt sich nicht. Sechs
Monate nach
verspäteter
Geltendmachung des Leistungsanspruchs im September 2018 (Wartezeit nach
Art.
29
Abs.
1 IVG
) bestand somit
kein Invaliditätsgrad von mindestens 40
%
, der Anspruch auf eine
Viertelsrente
geben würde
.
Die Beschwerde ist daher abzu
weisen.
8
.
8.1
Der Bes
chwerdeführer substantiierte (
Urk.
1 S. 9 ff.,
Urk.
5,
Urk.
11) und belegte (
Urk.
3/8-15,
Urk.
6/1-6 und
Urk.
12/1-2) die finanziellen Verhältnisse sowie den Bedarf für sich, seine Ehefrau und den im gemeinsam
en
Haushalt lebenden Sohn. Es ist von Mittelosigkeit auszugehen. Sein
Begehren kann trotz Abweisung der Beschwerde nicht als von Prozessbeginn an als klar aussichtslos bezeichnet werden.
Eine
Rechtsschutzversicherung
besteht gemäss eigenen Angaben nicht
(vgl.
Urk.
11 S. 3
)
. Der medizinische Sachverhalt erweist sich
für eine Person mit wenig
Bildung und
eing
e
schränkten
Deutschkenntnissen
, bei teilweise objekti
vier
baren Befunden und
gemäss behandelnden Fachärzten schwierig zu beur
tei
lender Arbeitsfähigkeit
,
als hinreichend
komplex
, um eine unentgeltliche Rechts
vertretung zu rechtfertigen
. Damit sind die Voraussetzungen gemäss
§
16
Abs.
1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt und dem
Beschwerdeführer ist entsprechend seinem Gesuch
vom
9.
März 2020
(
Urk.
1
S. 2
) Rechtsanwältin
Baur
als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren zu bestellen.
8.2
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1‘000.-- festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Diese sind auf
Fr.
7
00.-- festzusetzen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen
, zufolge Gewährung der unent
gelt
lichen Rechtspflege jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen
.
8.3
Rechtsanwältin Baur machte mit
Kostennote vom
6.
Mai
2020 einen Aufwand von
13.75
Stunden à
Fr.
220.
--
zzgl. Barauslagen von
Fr.
105.40
und 7.7
% MWST geltend, insgesamt einen Betrag von
Fr.
3'371.45
(vgl.
Urk.
13
).
Als zu hoch erweist sich dabei der für die Begründung des prozessualen Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege angefallene Aufwand. Ausführungen hierzu finden sich bereits in der Beschwerde (
Urk.
1 S. 9 ff.). Es folgten noch zwei weitere Ein
gaben und mehrere Kontakte mit dem Beschwerdeführer (vgl.
Urk.
13) bei
über
schaubaren
Verhä
lt
nissen.
Die nachgereichten bildgebenden Abklärungen (
Urk.
16)
sind für das vorliegende Verfahren zudem nicht relevant.
Der Aufwand, der nach dem Versand der Beschwerde anfiel, ist
daher
um 1.5 Stunden zu kürzen
und der unentgeltlichen Rechtsvertret
erin
des unterliegenden Beschwerdeführers
eine Entschädigung von Fr. 3’016
.
--
(inkl. Barauslagen und MWST) aus
der Gerichts
kasse zuzusprechen.
8.4
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung
der Gerichts- und Anwaltskosten
verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.
Das Gericht
beschliesst:
In Bewilligung des Gesuchs vom
9.
März 2020
wird
dem Beschwerdeführer
die unent
geltliche Prozessführung bewilligt und ih
m
in der Person von
Rechtsanwältin Stéphanie Baur, Dübendorf
, ein
e
unentgeltliche Rechtsvertreter
in
bestellt;
und
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse
genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Stéphanie Baur, Dübendorf,
wird mit
Fr.
3’016
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichts
kasse entschädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Stéphanie Baur
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.