Decision ID: 7c4362c0-9d4d-5c18-95e0-812868d8160d
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am Samstag, 16. Juli 2011, stellte die Kantonspolizei St. Gallen in R um 20.33 Uhr
mittels Radarmessung fest, dass X als Lenker des Personenwagens mit dem amtlichen
Kennzeichen SG 000 auf der R-Strasse auf der Höhe W in Fahrtrichtung E die
allgemeine Höchstgeschwindigkeit ausserorts von 80 km/h um 31 km/h überschritt. Mit
Strafbefehl des Untersuchungsamts U vom 28. September 2011 wurde er wegen
grober Verkehrsregelverletzung und mehrfacher Drohung zu einer Freiheitsstrafe von
sechs Monaten, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von vier Jahren, verurteilt. Für
die Dauer der Probezeit wurde ihm eine Bewährungshilfe zugewiesen. Zudem wurde er
angewiesen, eine ambulante Massnahme zur Schuldensanierung und Beratung bis zur
Beendigung der Probezeit oder bis zum Wegfall der psychischen Indikation
durchzuführen. Der Strafbefehl wurde unangefochten rechtskräftig.
B.- Im Zusammenhang mit der Geschwindigkeitsüberschreitung vom 16. Juli 2011
entzog das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen X am
20. Dezember 2011 den Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung für die
Dauer von zwölf Monaten. Dabei berücksichtigte sie, dass ihm der Führerausweis für
die Kategorien C und C1 am 26. Oktober 2006 auf unbestimmte Zeit entzogen worden
war, weil er die Ergebnisse der erforderlichen regelmässigen ärztlichen Kontrolle nicht
eingereicht hatte und im Rahmen dieses Sicherungsentzugs am 12. Juni 2007 eine
dreimonatige Sperrfrist wegen Fahrens trotz Entzugs verfügt worden war. Nach Ablauf
dieser Sperrfrist wurde ihm der Führerausweis für die Kategorien C und C1 am
1. August 2007 wiedererteilt.
C.- Gegen die Verfügung vom 20. Dezember 2011 erhob X mit Eingabe vom 4. Januar
2012 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die Widerhandlung
vom 16. Juli 2011 sei als mittelschwer zu qualifizieren und der Führerausweis für
maximal drei Monate zu entziehen. Mit Vernehmlassung vom 8. Februar 2012
beantragte die Vorinstanz die Abweisung des Rekurses. Auf die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 4. Januar 2012 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind
(vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
3.- Im Rekurs ist angesichts des unangefochten rechtskräftig gewordenen Strafbefehls
des Untersuchungsamtes U vom 28. September 2011 zu Recht unbestritten, dass der
Rekurrent als Lenker des Personenwagens mit dem amtlichen Kennzeichen SG 000 am
16. Juli 2011 bei W die allgemeine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um 31 km/h
überschritten und damit Art. 32 Abs. 2 SVG, wonach der Bundesrat die
Geschwindigkeit der Motorfahrzeuge auf allen Strassen beschränkt, in Verbindung mit
Art. 4a Abs. 1 lit. b der Verkehrsregelverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV), wonach
die allgemeine Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge unter günstigen Strassen-,
Verkehrs- und Sichtverhältnissen ausserhalb von Ortschaften, ausgenommen
Autobahnen, 80 km/h beträgt, verletzt hat.
bis
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4.- Im Rekurs wird geltend gemacht, die Geschwindigkeitsüberschreitung vom 16. Juli
2011 sei als mittelschwere und nicht – wie die Vorinstanz dies getan habe – als
schwere Widerhandlung zu qualifizieren. Nach der Rechtsprechung begeht ungeachtet
der konkreten Umstände objektiv eine grobe Verkehrsregelverletzung, wer die
zulässige Höchstgeschwindigkeit auf Strassen ausserorts um 30 km/h oder mehr
überschreitet (BGE 124 II 259 E. 2c; 121 IV 230 E. 2c; vgl. Urteil 1C_526/2009 vom
25. März 2010 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen). Der groben Verkehrsregelverletzung im
Sinn von Art. 90 Ziff. 2 SVG entspricht im Recht der Administrativmassnahmen die
schwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6A.64/2006 vom 20. März 2007 E. 2 mit Hinweis auf BGE 132 II 238
E. 3.1 und 3.2). Liegt die Geschwindigkeitsüberschreitung nur wenig unter dem von der
Rechtsprechung angenommenen Grenzwert, bei welchem regelmässig eine ernstliche
Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer gegeben ist, muss der Strafrichter auf die
konkreten Umstände abstellen, um zu entscheiden, ob sich der Betroffene einer
einfachen oder groben Verkehrsregelverletzung strafbar gemacht hat (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_283/2011 vom 3. November 2011 E. 1.3 mit Hinweisen auf die
Urteile 6B_772/2010 vom 9. Dezember 2010 E. 2.5 und 6B_622/2009 vom 23. Oktober
2009 E. 3.5). Auch wenn die Grenze zur groben Verkehrsregelverletzung überschritten
ist, rechtfertigt es sich, die konkreten Verhältnisse zu berücksichtigen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6B_283/2011 vom 3. November 2011 E. 1.4 bei einer Überschreitung
der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ausserorts um 31 km/h).
In der Regel bringt die Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80
km/h ausserorts um 30 km/h ohne Weiteres, d.h. unabhängig von weiteren, die
Gefährlichkeit dieses Verhaltens erhöhenden Umständen, eine erhöhte abstrakte
Gefährdung mit sich. Bei einer derartigen Geschwindigkeit besteht insbesondere ein
erhebliches Risiko, dass der Lenker bei einem überraschenden Verhalten anderer
Verkehrsteilnehmer oder bei Hindernissen nicht mehr sachgerecht reagieren kann und
es deshalb zu einem Unfall kommt, bei dem Fahrzeuge auf die Gegenfahrbahn geraten.
Ebenso kann bei einem solchen Tempo bereits eine vorübergehende
Unaufmerksamkeit für eine Kollision auch mit entgegenkommenden Fahrzeugen
genügen. Das Risiko einer Frontalkollision mit schweren Folgen ist dabei auf einer nicht
richtungsgetrennten Strasse wesentlich grösser als auf richtungsgetrennten
Autobahnen (vgl. Urteil 1C_263/2011 vom 22. August 2011 E. 2.5 mit Hinweis auf BGE
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122 IV 173 E. 2d). Die konkreten Umstände rechtfertigen keine abweichende
Beurteilung der vom Rekurrenten am 16. Juli 2011 begangenen Überschreitung der
allgemeinen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ausserorts um 31 km/h: Im
Messbereich verläuft die Ausserortsstrecke zwar zunächst in gerader Richtung,
beschreibt allerdings anschliessend eine Linkskurve, auf welche der Blick durch einen
Wald beeinträchtigt wird. Zudem münden verschiedene landwirtschaftliche
Bewirtschaftungswege in die Strasse. Der Rekurrent hat die
Geschwindigkeitsüberschreitung an einem Samstagabend um 21.33 Uhr begangen. Im
Hochsommer ist um diese Zeit durchaus auch mit schwächeren Verkehrsteilnehmern
wie Radfahrern zu rechnen. Ebensowenig ist das Auftreten landwirtschaftlichen
Verkehrs ausgeschlossen. Die Sonne war um diese Zeit bereits untergegangen, so
dass auch die Lichtverhältnisse nicht mehr optimal waren.
In subjektiver Hinsicht ist ein schweres Verschulden nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
gegeben, wenn der Lenker mindestens grobfahrlässig handelt (vgl. BGE 126 II 206
E. 1a). Nach der Rechtsprechung ist die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit bei
Vorliegen eines objektiv schweren Falls in der Regel mindestens grobfahrlässig, es sei
denn, es bestehe eine Ausnahmesituation (vgl. Urteil 1C_263/2011 vom 22. August
2011 E. 2.6 mit Hinweisen auf BGE 123 II 37 E. 1f und Urteil 1C_222/2008 vom
18. November 2008 E. 2.3). Anhaltspunkte, welche die
Geschwindigkeitsüberschreitung des Rekurrenten subjektiv in einem milderen Licht
erscheinen lassen, sind nicht ersichtlich und werden auch nicht geltend gemacht.
Dementsprechend hat die Vorinstanz die vom Rekurrenten am 16. Juli 2011 begangene
Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h ausserorts um 31
km/h zu Recht als schwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
qualifiziert.
5.- Nach einer schweren Widerhandlung wird der Führerausweis gemäss Art. 16c
Abs. 2 lit. a SVG für mindestens drei Monate entzogen. Die Mindestentzugsdauer
beträgt sechs Monate, wenn der Ausweis in den vorangegangenen fünf Jahren einmal
wegen einer mittelschweren Widerhandlung entzogen war (lit. b). Sie beträgt zwölf
Monate, wenn er in den vorangegangenen fünf Jahren einmal wegen einer schweren
oder zweimal wegen mittelschweren Widerhandlungen entzogen war (lit. c; vgl. dazu
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nachfolgend E. 5a). Im Übrigen sind bei der Festsetzung der Dauer des Entzugs die
Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen; die Mindestentzugsdauer darf
jedoch nicht unterschritten werden (vgl. dazu nachfolgend E. 5b).
a) aa) Gemäss Auszug aus dem Administrativmassnahmenregister (abgekürzt: ADMAS)
war dem Rekurrenten der Führerausweis wegen zwei
Geschwindigkeitsüberschreitungen im Jahr 2002 für die Dauer eines Monats entzogen.
Dieser Entzug liegt mehr als fünf Jahre vor der Widerhandlung vom 16. Juli 2011
zurück und löst dementsprechend die Mindestentzugsdauern von Art. 16c Abs. 2 lit. b
und c SVG nicht aus.
bb) Mit Verfügung vom 26. Oktober 2006 wurde dem Rekurrenten der Führerausweis
für die Kategorien C und C1 auf unbestimmte Zeit entzogen, weil er der für diese
Kategorien bestehenden Pflicht zur vertrauensärztlichen Kontrolluntersuchung nicht
nachgekommen war (vgl. Art. 27 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 der Verordnung über die Zulassung
von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr; SR 741.51, abgekürzt: VZV).
Dieser Entzug erging nicht aufgrund einer Widerhandlung im Sinn der Art. 16 Abs. 2
SVG und kann deshalb ebenfalls nicht zu einer erhöhten Mindestentzugsdauer im Sinn
von Art. 16c Abs. 2 lit. b und c SVG führen.
cc) Am 30. April 2007 wurde festgestellt, dass der Rekurrent trotz des für die
Kategorien C und C1 bestehenden Sicherungsentzugs mehrfach Fahrzeuge dieser
Kategorien lenkte. Deshalb verfügte die zuständige Behörde gestützt auf Art. 16c
Abs. 4 in Verbindung mit Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG, wonach eine schwere
Widerhandlung begeht, wer trotz Ausweisentzug ein Motorfahrzeug führt, und Art. 16c
Abs. 2 lit. a SVG eine dreimonatige Sperrfrist, die am 1. August 2007 ablief. Diese
wegen einer schweren Widerhandlung angeordnete Sperrfrist entspricht einem Entzug
wegen einer schweren Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 2 lit. b SVG. Nachdem
der Rekurrent die vertrauensärztliche Untersuchung nachgeholt und der
Administrativbehörde das entsprechende Zeugnis vorgelegen hatte, hätte der
Sicherungsentzug am 12. Juni 2007 aufgehoben und ein Warnungsentzug für die Dauer
von drei Monaten verfügt werden können. Dies hätte zur Folge gehabt, dass der Entzug
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– entsprechend Art. 33 Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Personen und
Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV) – für sämtliche
Fahrzeugkategorien und nicht bloss für die Kategorien C und C1 gewirkt hätte. Die
Administrativbehörde hat indessen auf die Anordnung eines an den Sicherungsentzug
anschliessenden Warnungsentzugs verzichtet und den Sicherungsentzug für die Dauer
einer dreimonatigen Sperrfrist weiterlaufen lassen, mit der Folge, dass der Rekurrent
lediglich für die Fahrzeuge der Kategorien C und C1 nicht fahrberechtigt war.
Da der Gesetzgeber das Fahren trotz Entzugs des Führerausweises in Art.16c Abs. 1
lit. f SVG ausdrücklich als schwere Widerhandlung behandelt, ist die Voraussetzung für
die Anwendung der zwölfmonatigen Mindestentzugsdauer gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. c
SVG dem Wortlaut nach erfüllt. Nach der Rechtsprechung darf die Auslegung vom
klaren Wortlaut eines Rechtssatzes nur dann abweichen, wenn triftige Gründe dafür
bestehen, dass er nicht den wahren Sinn der Bestimmung wiedergibt (vgl. BGE 131 II
217 E. 2.3 mit Hinweisen auf BGE 111 Ia 292 E. 3b und 131 II 13 E. 7.1). Vorab enthält
das Gesetz selbst keine Hinweise dafür, dass die zahlreichen Gründe, die als
mittelschwere oder schwere Widerhandlung zu einem Führerausweisentzug führen,
ohne dass die Verkehrssicherheit tangiert war – Fahren, ohne den Führerausweis für
die entsprechende Kategorie zu besitzen (Art. 16b Abs. 1 lit. c SVG), Entwendung eines
Motorfahrzeugs zum Gebrauch (Art. 16b Abs. 1 lit. d SVG), Verweigerung oder
Vereitelung einer Blutprobe oder anderer Anordnungen zur Abklärung der Fahrfähigkeit
(Art. 16c Abs. 1 lit. d SVG), Führerflucht nach Verletzung oder Tötung eines Menschen
(Art. 16c Abs. 1 lit. e SVG), Fahren trotz Entzugs des Führerausweises (Art. 16c Abs. 1
lit. f SVG) – bei der Beachtung der Mindestentzugsdauern und damit auch in der
Rückfallkaskade anders zu behandeln sind, als die verkehrssicherheitsrelevanten
Widerhandlungen. Auch wenn in der bundesrätlichen Botschaft im allgemeinen Teil
zunächst auf die Absicht hingewiesen wird, Fahrzeugführer, die innert bestimmter
Fristen wiederholt verkehrsgefährdende Widerhandlungen begehen, härter anzufassen
(vgl. BBl 1999 S. 4464 und S. 4473 ff.), wird in den Erläuterungen zum
vorgeschlagenen Art. 16c die Anwendung des Rückfallsystems nicht auf schwere
Widerhandlungen beschränkt, die nicht verkehrsgefährdend wirken. Insbesondere
bestehen keine Hinweise dafür, dass nicht verkehrsgefährdende Vortaten in der
Kaskadenordnung nicht oder anders zu berücksichtigen wären. Dies gilt im Übrigen
auch für die Erläuterungen zu den Art. 16a und Art. 16b, bei denen sich dieselbe Frage
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ebenfalls gestellt hätte. Auch in den parlamentarischen Beratungen zu diesen
Bestimmungen wurde nicht die Auffassung vertreten, im Kaskadensystem sei zwischen
verkehrsgefährdenden und anderen Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften zu unterscheiden. Die fehlende Differenzierung, die
gesetzestechnisch einfach zu realisieren gewesen wäre, widerspricht schliesslich auch
nicht dem Grundgedanken der Verschärfung der Sanktionen, die zu einer verbesserten
Disziplin im Strassenverkehr führen sollen.
Schliesslich fragt sich, ob die Beschränkung der Sperrfrist auf den Führerausweis für
die Kategorien C und C1 die Anwendung der zwölfmonatigen Mindestentzugsdauer
gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG für sämtliche Kategorien ausschliesst. Der Wortlaut
der Rückfallbestimmungen differenziert nicht danach, auf welche Kategorie sich der
frühere Ausweisentzug bezogen hat. Selbst wenn sich die rückfallbedingte
Mindestentzugsdauer zunächst auf den Führerausweis für die Kategorien C und C1
beschränken sollte, wirkt der Entzug des Führerausweises für eine Kategorie oder
Unterkategorie gemäss Art. 33 Abs. 1 VZV für alle Kategorien, alle Unterkategorien und
die Spezialkategorie F. Die Regel findet gemäss Art. 33 Abs. 3 VZV lediglich dann keine
Anwendung, wenn ein Entzug aus medizinischen Gründen verfügt wird. In Härtefällen
können gemäss Art. 33 Abs. 5 VZV unterschiedliche Entzugsdauern für die
verschiedenen Fahrzeugkategorien verfügt werden, wobei auch in diesen Fällen die
gesetzlichen Mindestentzugsdauern eingehalten werden müssen. Weitere
Differenzierungen sehen weder Gesetz noch Verordnung vor.
dd) Im Rekurs wird geltend gemacht, die Massnahme – in Form der dreimonatigen
Sperrfrist im Rahmen des Sicherungsentzugs – wegen Fahrens trotz Entzugs sei zu
Unrecht erfolgt. Vorab ist dem entgegenzuhalten, dass die Verfügung vom 12. Juni
2007 unangefochten rechtskräftig geworden und nicht Gegenstand dieses Verfahrens
ist. Im Übrigen könnte unter Berücksichtigung sämtlicher konkreten Umstände nicht
davon ausgegangen werden, dass es sich beim Führen von Motorfahrzeugen der
Kategorien C/C1 durch den Rekurrenten trotz Entzugs des Führerausweises für diese
Kategorien um einen besonders leichten Fall im Sinn der Rechtsprechung der
Verwaltungsrekurskommission handelte. Nach dieser Rechtsprechung kann beim
Führen eines Motorfahrzeuges trotz Ausweisentzugs die gesetzliche
Mindestentzugsdauer auch nach neuem Recht unterschritten werden, wenn ein
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besonders leichter Fall (geringes Verschulden) vorliegt (VRKE IV-2006/174 vom 19.
April 2007, publiziert auf www.gerichte.sg.ch).
Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass der Rekurrent unbewusst gegen den am
26. Oktober 2006 auf unbestimmte Zeit angeordneten Entzug des Führerausweises der
Kategorien C und C1 verstossen hat. Er war am 3. April und 6. Juni 2006 von der
Vorinstanz unter Androhung des Führerausweisentzugs schriftlich gemahnt worden,
das erforderliche vertrauensärztliche Zeugnis einzureichen. Die schliesslich am 26.
Oktober 2006 ergangene Entzugsverfügung wurde dem Rekurrenten mit
eingeschriebener Post zugestellt. Da eine zweite Zustellung mit normaler Post nicht
erforderlich wurde, ist davon auszugehen, dass die Verfügung in seinen Machtbereich
gelangte. Aus den Akten wird auch nicht ersichtlich, dass der Rekurrent der
Aufforderung, den Führerausweis der Vorinstanz einzureichen, damit ein neuer
Führerausweis für die übrigen Kategorien ausgestellt werden konnte, nicht
nachgekommen wäre. Dass er im Besitz eines Ausweispapiers blieb, d.h. das
Dokument nicht physisch entzogen war, hängt damit zusammen, dass es sich um
einen Teilentzug handelte und er insbesondere für die Kategorie B fahrberechtigt blieb.
Er kann deshalb nicht mit Erfolg vorbringen, der Führerausweis für die Kategorien C
und C1 sei ihm nie entzogen gewesen.
Die Behauptung des Rekurrenten, er habe das vertrauensärztliche Zeugnis bereits vor
dem 30. April 2007 eingereicht und von der Vorinstanz im November 2006 telefonisch
die Bewilligung erhalten, auch Fahrzeuge der Kategorien C und C1 führen zu dürfen, ist
nicht belegt. Weder sind in den vorinstanzlichen Akten vor November 2006 datierte
vertrauensärztliche Zeugnisse enthalten noch reicht der Rekurrent Beweismittel, wie
insbesondere eine entsprechende Erklärung des Vertrauensarztes, welcher die
fragliche Untersuchung durchgeführt haben soll, ein. Solche Beweismittel werden nicht
einmal bezeichnet. Die Aufhebung eines Sicherungsentzugs stellt im Übrigen eine
Verfügung dar, welche von der Vorinstanz regelmässig schriftlich erlassen wird. Gegen
eine im Rahmen von Art. 25 Abs. 2 VRP zulässige Ausnahme einer schriftlichen
Verfügung spricht der Umstand, dass eine Aktennotiz über ein solches im November
2006 geführtes Telefongespräch fehlt und in diesem Zeitpunkt auch keine Aufhebung
der Massnahme im ADMAS eingetragen wurde. Zudem ist erst die vertrauensärztliche
Untersuchung vom 8. Mai 2007 aktenkundig. Deshalb erscheint die Behauptung des
http://www.gerichte.sg.ch
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Rekurrenten, die Wiedererteilung des Führerausweises der Kategorie C und C1 sei ihm
im November 2006 telefonisch mitgeteilt worden, unglaubwürdig. Es ist davon
auszugehen, dass er sich bewusst über den Entzug des Führerausweises für die
Kategorien C und C1 hinweggesetzt hat.
ee) Dementsprechend ist die Vorinstanz bei der Bemessung der Entzugsdauer zu
Recht von der Mindestentzugsdauer von zwölf Monaten gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. c
SVG ausgegangen.
b) Die Vorinstanz hat die gesetzliche Mindestentzugsdauer gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. c
SVG verfügt. Diese Mindestentzugsdauer kann gemäss Art. 16 Abs. 3 Satz 2 SVG nicht
unterschritten werden. Dies gilt nach dem für das Gericht gemäss Art. 190 BV
massgebenden Willen des Gesetzgebers selbst für Berufschauffeure (vgl. BGE 132 II
234 E. 2 mit Hinweisen auf die parlamentarischen Beratungen).
6.- Zusammenfassend ergibt sich damit, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.