Decision ID: d06e56fd-2243-434a-93c9-bb5fe68ab383
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1993,
wurde von seinen Eltern im
Oktober
1997
wegen Verhaltensauffälligkeiten und einer Sprachentwicklungsstörung
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung für Minderjährige angemeldet (
Urk.
7/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
sprach dem
Versicherten in den folgenden Jahren pädagogisch-therapeutische Mass
nahmen, Sonderschulungsmassnahmen sowie medizinische Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens Nr. 404
gemäss
GgV
-Anhang
zu (Urk.
7/7;
Urk.
7/12;
Urk.
7/17;
Urk.
7/21). Nachdem seitens des Kinder- und
Jugendpsy
chiatrischen
Dienstes des Kantons Zürich mit Arztbericht vom 17.
November 2008
(
Urk.
7/29) die Diagnose eines atypischen Autismus‘ im Sinne von
Art.
401
GgV
-Anhang gestellt worden war, gewährte die IV-Stelle ausserdem mit Verfügung vom
8.
Januar 2009 Kostengutsprache für entsprechende medi
zinische Massnahmen (
Urk.
7/32).
2.
Im Mai 2008 absolvierte der Versicherte erfolgreich die Aufnahmeprüfungen für das Mathematisch-Naturwissenschaftliche Gymnasium an der
Z._
. Nachdem er in der Folge nach Eintritt in das Gymnasium die Probezeit nicht bestand, empfahl
der Schulpsychologische Dienst
A._
in seinem Bericht vom
9.
März 2009 die Zuteilung des Versicherten in das
Internat
B._
(
Urk.
7/43).
Der Versicherte trat dort per 1
5.
März 2009 ein.
Die Mutter des Versicherten meldete diesen daraufhin im Mai 2009 ein weiteres Mal bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an und stellte ein Gesuch um Übernahme der aus dem Internatsaufenthalt ent
stehenden Mehrkosten
(
Urk.
7/44).
Am
1.
Juli
2009 fand bei der IV-Stelle ein Eingliederungsgespräch statt. Dabei erklärte die Mutter des
Versicherten, dass es diesem im
B._
nicht mehr gefalle und er nicht mehr dorthin zurückkehren wolle. Sie habe sich deshalb auf die Suche nach einer neuen Lösung gemacht und eine solche mit dem
C._
gefunden (
Urk.
7/53). Nach Abschluss einer Zielvereinbarung (
Urk.
7/55) teilte die IV-Stelle mit Schreiben vom 2
2.
Juli 2009 mit, sie übernehme die Mehrkosten für die gymnasiale Matur im Rahmen der erstmaligen beruflichen
Ausbildung am
C._
für die Zeit vom 1
5.
August 2009 bis 3
0.
Juni 2013 (
Urk.
7/52).
Am
8.
März 2011 ereignete sich
am
C._
eine Auseinandersetzung zwischen dem Versicherten und einem Klassenkameraden
.
Die Schulleitung verfügte folglich die Wegweisung des Versicherten vom
C._
(
Urk
.
7/88;
Urk.
7/100)
.
Nach dem Vorfall vom
8.
März 2011 befand sich der Versicherte vom 1
0.
bis 1
5.
März 2011 in stationärer Behandlung bei der
D._
(vgl. den Austrittsbericht vom 1
7.
Mai 2011;
Urk.
7/108).
Per
9.
Mai 2011 trat der
Versicherte
dann in ein neues Gymnasium, in das
E._
ein; die IV-Stelle verfügte auf entsprechendes Gesuch hin wiede
rum die Übernahme der Mehrkosten für
diese Schule
(
Urk.
7/107).
Der Versi
cherte brachte dort das laufende Schuljahr zu Ende, da er sich jedoch nicht wohl fühlte, weigerte er
sich
, nach den Sommerferien nach
E._
zurückzu
kehren. Alsdann erfolgte
wiederum ein
Wechsel
des Gymnasiums,
an das
F._
. Die IV-Stelle
traf eine neue Zielvereinbarung mit dem Versicherten (
Urk.
7/121) und
verfügte am 1
5.
August 2011 versuchsweise Kostengutsprache bis 1
4.
Februar 2012, unter gleichzeitigem Hinweis darauf, dass bei gutem Verlauf die behinderungsbedingten Mehrkosten bis zu
r
gymna
sialen Matur geprüft w
ürden
(
Urk.
7/120).
In der Folge bestand der Versicherte die Probezeit
der Stufe Tertia
nicht, da er jedoch während des Semesters Fort
schritte erzielt
hatte
, verlängerte die Schule die Probezeit um ein weiteres Semester; die IV-Stelle erklärte mit Schreiben vom
7.
März 2012
,
sie übernehme die behinderungsbedingten Mehrkosten vom 1
5.
Februar bis 14.
August 2012 (
Urk.
7/135). Das zweite Semester
der Stufe Tertia
bestand der Versicherte dann mit Erfolg, woraufhin er definitiv ins Gymnasium aufgenommen wurde.
Die IV
Stelle teilte dem Versicherten m
it Schreiben vom 1
7.
August 2012
mit, sie über
nehme die Mehrkosten der erstmaligen Ausbildung in Form einer Vor
bereitung auf die Matura
am
F._
ab
1.
August 2012 bis 3
1.
Juli 2014 (
Urk.
7/147).
In einer Mitteilung vom 5.
November 2012, welche jene vom 1
7.
August 2012 ersetzte, erklärte sich die IV
Stelle zur Übernahme weiterer Mehrkosten bereit (
Urk.
7/155).
Ergänzend sprach sie dem Versicherten ausser
dem am
4.
April 2013 zwei Stunden Coaching pro Woche durch die
Autismus
klinik
zu (
Urk.
7/170).
Nachdem der Versicherte in die Stufe Sekunda überge
treten war, wies er am Ende des ersten Semester
s
ein ungenügendes Zeugnis aus (vgl. den Zwischenbericht der Schulleitung vom 2
6.
Februar 2013;
Urk.
7/166). Ebenso fiel auch das Zeugnis des zweiten Semesters ungenügend aus. Die Schulleitung hielt daraufhin in ihrem Zwischenbericht vom 2
5.
Juni 2013 fest, juristisch gesehen hätte der Versicherte die Möglichkeit
, die Sekunda zu wieder
holen. Aber angesichts der Schwere der Probleme, die sich im Unterricht immer wieder gezeigt hätten, und angesichts der suizidalen Einengung in
Drucksitu
ationen
, wie sie in einer gymnasialen Ausbildung unweigerlich immer wieder vorkämen, wär
e
dies ein unsicheres, vielleicht sogar riskantes Unterfangen. Der Sinn und die Chance einer solchen Repetition müsste sehr genau abgeklärt und evaluiert werden
(
Urk.
7/171).
In der Folge
wechselte der Versicherte per August 2013 an die Maturitätsschule von
G._
. Seine Mutter
stellte bei der
IV-Stelle wiederum
Antrag auf
Finanzierung der entsprechenden
behinderungs
bedingten
Mehrkosten. Letztere lehnte dies ab, mit der Begründung, dass
der Versicherte bereits einmal ein Jahr repetiert habe (
Urk.
7/178). Mit Schreiben vom 29.
August 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten den Abbruch der beruflichen Massnahmen per 3
1.
Juli 2013 bzw. den Widerruf der Mitteilungen
vom 5.
November 2012 und vom
4.
April 2013 mit (
Urk.
7/182). Der Versicherte liess am
9.
September 2013 durch
Y._
von der Fortuna-Rechts
schutz-Versicherungs-Gesellschaft AG um Erlass einer formellen Verfügung ersuchen (
Urk.
7/184). Daraufhin stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vor
bescheid vom
1.
Oktober 2013 die Abweisung des Gesuchs um Weiterführung von beruflichen Eingliederungs
massnahmen in Aussicht (
Urk.
7/187). Der Versi
cherte erhob dagegen am
9.
Oktober/2
9.
No
vember 2013 Einwand (
Urk.
7/188;
Urk.
7/192). Die IV-Stelle verfügte schliess
lich am 19.
Dezember 2013 gemäss Vorbescheid und wies das Gesuch um Weiter
führung von beruflichen Ein
gliederungsmassnahmen im Sinne einer gymna
sialen Ausbildung und höheren Ausbildung an einer Fachhochschule oder Universität ab (
Urk.
2).
3.
Hiergegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 3
1.
Januar 2014 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, es sei die Verfügung vom 1
9.
Dezember 2013 aufzu
heben; es sei dem Beschwerdeführer das Gesuch um Weiterführung beruflicher Massnahmen (Kostengutsprache zur gymnasialen Vorbereitung auf die gymna
siale Matura an der
G._
für vier Semester) gutzuheissen; eventualiter sei eine psychologisch/psychiatrische (testpsychologische Leistungsdiagnostik) Begutachtung durch das angerufene Gericht zur Klärung der Frage der Eignung des Beschwerdeführers für eine gymnasiale Matur zu verlangen;
subeventualiter
sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Vornahme weiterer medizinischer und beruflicher Abklärungen (testpsychologische Begutachtung, Abklärungen bei
G._
, Berufsberatung und Evaluation einer neuen erstmaligen Berufsausbildung, eventuell
Berufsmatura
) zurückzuweisen. Es sei ein weiterer Schrif
t
enwechsel zu gewähren; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulas
ten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1). In ihrer Vernehmlassung vom
6.
März 2014 stellte die Beschwerdegegnerin Antrag auf Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer am 1
3.
März 2014 angezeigt wurde (
Urk.
8).
4.
Auf die einzelnen Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einge
gangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalide oder von einer Invalidität (
Art.
8
des Bundesgesetzes über den Allge
mei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
) bedrohte Versicherte haben gemäss
Art.
8
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (
Abs.
1).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen in (
Abs.
3):
medizinischen Massnahmen (
lit
. a);
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliede
rung (
lit
.
a
bis
);
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Aus
bil
dung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe,
lit
. b);
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.2
Nach
Art.
16
Abs.
1 IVG haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten der versicherten Person entspricht. Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt gemäss
Art.
5
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
jede Berufslehre oder
Anlehre
sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonder
schule, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule und die berufliche Vor
bereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werk
stätte.
1.3
In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen
Eingliede
rungs
zweck
angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren (BGE 110 V 99). Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Ein
zelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 124 V 108 E. 2a mit Hinweisen; AHI 2003 S. 213 E. 2.3, 2002 S. 106 E. 2a). Eine Eingliederungsmassnahme hat neben den in
Art.
8
Abs.
1 IVG ausdrücklich genannten Erfordernissen der Geeignetheit und Notwendigkeit auch demjenigen der Angemessenheit (Ver
hältnismässigkeit im engeren Sinne) als drittem Teilgehalt des
Verhältnismäs
sigkeitsgrundsatzes
zu genügen. Sie muss demnach unter Berücksichtigung der gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Einzelfalles in einem
angemessenen Verhältnis zum angestrebten Eingliederungsziel stehen. Dabei lassen sich vier Teilaspekte unterscheiden, nämlich die sachliche, die zeitliche, die finanzielle und die persönliche Angemessenheit. Danach muss die Mass
nahme prognostisch ein bestimmtes Mass an Eingliederungswirksamkeit auf
weisen; sodann muss gewährleistet sein, dass der angestrebte
Eingliederungs
erfolg
voraussichtlich von einer gewissen Dauer ist; des Weiteren muss der zu erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der konkre
ten Eingliederungsmassnahme stehen; schliesslich muss die konkrete Mass
nahme dem Betroffenen auch zumutbar sein (BGE 132 V 215 ff. E. 3.2.2 und 4.3.1, 130 V 488 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_812/2007 vom 6. Oktober 2008 E. 2.3; Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungsrecht,
Diss
. Bern 1985, S. 77 ff., insbes. S. 83 ff.; Jürg
Maeschi
, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung [MVG] vom 1
9.
Juni 1992, Bern 2000, N 18 f. zu Art.
33).
Wird eine zwar grundsätz
lich geeignete, zur Eingliederung aber nicht unerlässliche Ausbildung gewählt, hat die versicherte Person für die dabei entstehenden Mehrkosten selber aufzu
kommen. Auch wenn die subjektiven Neigungen, Fähigkeiten und Begabungen der versicherten Person bei der primär nach objektiven Gesichtspunkten zu beurteilenden Frage, ob eine notwendige und geeignete Eingliederungsmass
nahme beruflicher Art gegeben ist,
mitzuberücksichtigen
sind, ist in erster Linie ausschlaggebend, welche erwerblichen Möglichkeiten ihr aufgrund einer bestimmten beruflichen Eingliederungsmassnahme konkret offen stehen (erwähn
tes Urteil I 256/02, E.
3.2.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Streitig ist,
ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Kostenübernahme in Bezug auf die Fortführung der
Ausbildung zur Erlangung der
eidgenössischen Matura
am
G._
hat.
2.2
Die Beschwerdegegnerin verneint diesen Anspruch im Wesentlichen mit der Begründung, trotz erheblichen Unterstützungsbemühungen seitens der IV sei es bisher nicht gelungen, die vorgesehene Ausbildung mittels Maturität abzu
schliessen. Bei dieser Ausgangslage sei auch wenig wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer jemals in der Lage sein werde, ein von ihm angestrebtes Stu
dium an einer Fachhochschule zu absolvieren. Noch weiter entfernt sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein allfälliger Studienabschluss vom Versicherten in der freien Marktwirtschaft jemals erwerblich verwertet werden könne.
2.3
Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend,
im Rahmen der erstmali
gen Ausbildung
am
G._
habe
er die
Möglichkeit, sich unter intensiver
Betreuung der Lehrerschaft und unter engmaschiger Überwachung und Förde
rung seiner Mutter in der heimischen Umgebung auf die Matura vorzubereiten. Die Schulung an der
G._
sei deshalb angemessen und geeignet, ihn künftig erfolgreich ins Berufsleben zum Erwerb eines existenzsichernden Einkommens einzugliedern.
3.
3.1
Vorliegend wechselte der Beschwerdeführer
im Sommer 2013
vom
F._
, an das
G._
, wo er
die Gelegenheit hat
, die Matura in vier Semestern zu
erlangen
. In Bezug
auf die Frage, ob der Beschwer
deführer
gegenüber der IV
Anspruch auf Übernahme der Kosten für die Fort
führung der
gymnasialen Ausbildung
hat, ist zunächst auf den Begriff bzw. den Sinn und Zweck der Matura einzugehen. Diese vermittelt
noch
keine eigentliche Berufsausbildung, sondern das Ziel ist, dass die
Schülerinnen und Schüler zu jener persönlichen Reife
gelangen, die Voraussetzung für ein
Hochschulstudium ist
(vgl. dazu
Art.
5
Abs.
1 der
Verordnung
des Bundesrates/Reglement der EDK
über
die Anerkennung von gymnasialen
Maturitätsausweisen
[
MAR
]
vom 1
6.
Januar/1
5.
Februar 1995
). Eine Berufsausbildung wird mit anderen Worten erst mit einem Hochschulabschluss erlangt.
Zur Beurteilung der
Eingliede
rungswirksamkeit
der vom Beschwerdeführer
anbegehrten
beruflichen Mass
nahme ist
vorliegend
damit nicht nur entscheidend, inwieweit
dieser
in der Lage erscheint, die Matura als solche
zu bestehen
. Es ist vielmehr auch im Sinne einer Prognose danach zu fragen, ob er über die Fähigkeiten verfügt, ein Hoch
schulstudium erfolgreich zu absolvieren
und die dadurch erlangte Ausbildung in der Folge auf dem Arbeitsmarkt zu verwerten.
3.2
Vor Inangriffnahme der Vorbereitung für
die
gymnasiale
Matur am
G._
war der Beschwerdeführer zuletzt
seit Sommer 2011
im
F._
untergebracht gewesen.
Im ersten Semester bestand der Versicherte die Probezeit der Stufe Tertia nicht
.
D
a er jedoch im Verlauf desselben
Fort
schritte erzielte, verlängerte die Schule die Prob
ezeit um ein weiteres Semester.
Das zweite Semester der Stufe Tertia bestand der Versicherte dann mit Erfolg, woraufhin er definitiv ins Gymnasium aufgenommen wurde.
Nachdem er in
die Stufe Sekunda übergetreten war, wies er indes sowohl am Ende des ersten wie auch am Ende des zweiten Semesters ein ungenügendes Zeugnis aus. In ihrem Bericht vom 2
6.
Juni 2013 nahm die Schulleitung ausführlich zur
schulischen
Situation des Beschwerdeführers Stellung.
Dabei hielt sie fest,
dass bereits am Ende der Stufe Tertia nur mit grossem Entgegenkommen von Seiten der Schule ein genügendes Zeugnis resultiert habe. Im abgelaufenen Sekundajahr sei nun trotz intensiver
Bemühungen von allen Seiten das Ziel eines genügenden Zeug
nisses unerreichbar geblieben. Der Beschwerdeführer vermöge
vielen zentralen Anliegen und Zielsetzungen einer gymnasialen Ausbildung nicht gerecht zu werden. Er könne sich auf Fremdes, d.h. auf einen ihm nicht bekannten Stoff, eine ihm fremde Struktur, nicht spontan einlassen. Er sei äusserst langsam, ver
harre oder entschwinde immer wieder in eigene Gedankenwelten, die mit dem zu behandelnden Thema oft nichts zu tun hätten.
Auf
der
anderen Seiten zeige der Beschwerdeführer aber immer wieder sein grosses Begabungspotenzial. Etwa wenn er eigene Fragenstellungen angehen oder Aufgaben erledigen könne, bei denen für ihn alles passe. Hier lasse er hin und wieder seine Intelligenz auf
blitzen und zeige geradezu brillante, geniale Leistungen
. Auch könne von gewissen Fortschritten in den vergangenen zwei Jahren berichtet werden, etwa was Präsenzverhalten und Arbeitshaltung
angelange
. Indes, die
Leistungsan
sprüche
und die Komplexität würden im Verlauf der Gymnasialzeit immer mehr zunehmen, sodass die Fortschritte damit nicht Schritt zu halten vermöchten und die Schere zwischen individuellen Möglichkeiten und schulischen Forderungen
immer mehr auseinander gehe
(
Urk.
7/175)
.
Vorliegend vermag der Bericht des
F._
in
differenzierter Weise aufzuzeigen, dass die Eignung des Beschwerdeführers für die Absolvierung der gymnasialen Matura grundsätzlich fraglich ist
. Die mehrfachen Wechsel des Gymnasiums, die bisherigen schuli
schen Schwierigkeiten trotz zahlreicher Nachteilsausgleichsmassnahmen (wie etwa Nachhilfeunterricht), wie eben auch der Umstand, dass die Anforderungen gegen Ende der Gymnasialzeit noch höher werden, lassen
in der Tat
als zweifel
haft erscheinen, dass der Beschwerdeführer in der Lage sein wird, eine solche Schule erfolgreich
abzuschliessen
.
Dies muss jedenfalls für ein „gewöhnliches“ Gymnasium gelten. In Bezug
auf das
G._
ist indes zu beachten, dass dort für den Beschwerdeführer offenbar eine besonders intensive Betreuung gewährleistet ist. In diesem Sinne ist dem betreffenden Schreiben der Schullei
tung des
F._
auch zu entnehmen,
wenn der Beschwerdeführer die Matura bestehen soll,
müsse
er
eine noch engere Betreuung, im Sinne eines persönlichen
Coaches
, der seine Arbeits- und Lernschritte mitverfolgen würde, bekommen. Es bräuchte womöglich sogar einen geschützten Rahmen, eine Institution, die sich auf seine Langsamkeit, auf seine immer wieder auftauchen
den Lähmungen und Paralysen, auch auf seine ganz eigene (und beeindruckend reiche) Gedankenwelt besser einlassen könne, als dies für ein „normales
“
Gym
nasium möglich sei. Der Ausbildungsgang müsste weitgehend individuell gestaltet sein
.
Als Beispiel für einen solchen Studiengang wird in dem Bericht ausdrücklich die
G._
genannt (Urk.
7/175/3-4).
Ein
Wechsel an die
G._
wird sodann auch
von
H._
,
Coach für Menschen mit Autismus
, welcher den
Beschwerdeführer
während dessen Zeit
am
F._
begleitete
, unterstützt, wie sich aus dem Bericht vom 1
2.
Juli 2013 ergibt (
Urk.
7/191/10).
Des Weiteren wird auch vom behandelnde
n
Psychiater des Beschwerdeführers,
Dr.
med. univ.
I._
, FMH Psychiatrie und Psychothera
pie,
in dessen Bericht vom 28.
Oktober 2013
auf Vorteile
hingewiesen, welche sich aus dem neuen Gymnasium ergäben, insbesondere auf das gute Verständ
nis von
Autismusstörungen
in der Lehrerschaft; daneben sei auch die Aus
wahlmöglichkeit hinsichtlich der einzelnen Fächer optimal (
Urk.
7/191/3).
Im Übrigen wird sowohl von
Herrn
H._
als auch
Dr.
I._
in Bezug den Beschwerdeführer
die Auffassung vertreten, dass eine
r
schulisch-akademische
n
Bildung gegenüber einer Ausbildung im Rahmen einer Berufslehre de
r
Vorzug zu geben sei.
Schliesslich
ist
zu beachten
, dass dem Beschwerdeführer von der Schullei
tung des
G._
im Rahmen einer ersten Standortbestimmung vom 1
8.
Oktober 2013 ein sehr guter Start attestiert wurde (
Urk.
9/191/9).
Die Beschwerdegegnerin
macht diesbezüglich geltend
, dass
der
Beschwerdeführer bisher
ausschliesslich bereits Gelernte
s
habe repetieren können
.
Inwieweit dies zutrifft, erscheint unklar
. Wurde zuvor von Seiten
des
F._
und
der beiden Betreuungspersonen die Vorzüge der
G._
für den Beschwerde
führer betont,
bestehen grundsätzlich
konkrete
Anhaltspunkte, dass
das Resultat der Standortbestimmung auf den guten Rahmen bzw. die gute
Betreuungs
situation
an dieser Schule
zurückzuführen ist. Von
Dr.
I._
wurde
indes im Bericht vom 2
8.
Oktober 2013 auch darauf hingewiesen, dass sich Schwierig
keiten erst im Verlauf zeigen könnten, wie es bei den vorangehenden Schulungs
v
ersuchen schon der Fall gewesen sei.
Für die prognostische Ein
schätzung der Wirksamkeit der neuen Schul-Settings sei ein Semester Zeit zu gewähren (
Urk.
7/191/3).
3.3
Gemäss vorstehenden Erwägungen
erscheint zum ak
tuellen Zeitpunkt nicht
ausgeschlossen, dass der Beschwerdeführer im Rahmen eines
engen
Betreuungs-Settings in der Lage sein wird,
die gymnasiale Vorbereitung zur Matura
am
G._
erfolgreich zu absolvieren.
Selbst wenn dies der Fall sein sollte, ist damit aber noch nichts über die Eingliederungswirksamkeit
der Matura
ausgesagt.
Entscheidend ist wie erwähnt, ob der Beschwerdeführer über die Fähigkeiten verfügt, ein Hochschulstudium erfolgreich zu absolvieren und die dadurch erlangte Ausbildung in der Folge auf dem Arbeitsmarkt zu verwer
ten. Diese Prognose ist schwierig zu stellen. Die Schulleitung des
F._
führte
in ihrem Bericht vom 2
6.
Juli 2013 aus, aus heutiger Sicht scheine schwer denkbar, dass sich der Beschwerdeführer in einem kommunika
tiv und strukturell so komplexen Arbeitsalltag, wie er an einer Universität oder einer Fachhochschule anzutreffen sei, selbständig werde bewegen können. Von einer Studierfähigkeit, die ihm mit dem Aushändigen einer
Maturiät
von Rech
tes wegen zugebilligt
werden sollte, sei der Beschwerdeführer weit entfernt. Denn ein Studium erfordere sowohl eine hohe Anpassungsfähigkeit (Aufnahme neuer Stoffe während Vorlesungen) wie auch höchste Selbständigkeit und Selbstorganisation (etwa beim Konzipieren und Schreiben von Arbeiten
). Und zu beidem sei der Beschwerdeführer, aus heutiger Sicht beurteilt, nicht wirklich fähig (
Urk.
7/175/3). Diese Bedenken erscheinen grundsätzlich nachvollziehbar. Von
Dr
.
I._
war in seinem Bericht zuhanden der
J._
vom 2
6.
September 2012
(Urk. 7/191/6-8)
indes auch plausibel darauf hingewiesen worden, dass die Matura dem Beschwerdeführer die Chance eröffnen würde, ein seiner Behinderung angemessenes spezialisiertes Fachstudium in Angriff zu nehmen.
Dr.
I._
wies
auch darauf hin (
Urk.
7/191), dass von ASS betroffene Personen sich tendenziell eher langsam bis sehr langsam entwickeln würden. Es ist daher durchaus denkbar, dass der Beschwerdeführer bis zum Abschluss des Gymnasiums weitere Fortschritte in seiner Entwicklung erzielt, welche seine Studierfähigkeit
positiv beeinflussen. Ferner ist auch darauf hinzuweisen, dass nach Ansicht von
Dr.
I._
der Beschwerdeführer im hochunstrukturierten sozialen Umfeld einer Berufsschule aller Voraussicht nach nicht bestehen kann und weit hinter seiner intellektuel
len Leistungsfähigkeit zurückbleiben würde. Eine
eingliederungswirksame Alternative besteht nach Lage der Akten daher nicht. Jedoch konnte
Dr.
I._
auch keine
Prognose darüber abgeben, ob der Beschwerdeführer fähig und in der Lage sein wird, an einer Universität oder Fachhochschule zu studieren und erfolgreich abzuschliessen.
Letztlich erscheint
daher
die Frage der
Eingliede
rungswirksamkeit
der gymnasialen Vorbereitung zur Matura
weiter
abklärungs
bedürftig
. In Betracht fällt diesbezüglich die
Durchführung der
vom Beschwer
deführer beantragte
n
(testpsychologische
n
) Leistungsdiagnostik. Eine solche wurde auch schon
von
Dr.
I._
in dessen
Bericht vom 2
8.
Oktober 2013 im Zusammenhang mit der Eignung des Beschwerdeführers für die gymnasiale Matur diskutiert
(
Urk.
7/191)
.
Die
psychologisch/psychiatrische Abklärung
soll einerseits über
Le
tzteres Aufschluss geben und andererseits
aber
auch über die Aussichten des Beschwerdeführers,
erfolgreich ein
Studium zu absolvieren und die betreffende Berufsausbildung anschliessend auf dem Arbeitsmarkt zu ver
werten.
3.4
Zusammenfassend lässt sich die Frage der Eingliederungswirksamkeit der gymna
sialen Vorbereitung zur Matura
am
G._
aktuell
nicht
hinrei
chend
beurteilen
. Die angefochtene Verfügung ist damit aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärungen im Sinne der vorstehenden Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
4.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kosten
pflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festgelegt. Die Gerichtskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
4.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat
die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
In der vorliegenden Angelegenheit erscheint eine Prozessentschädigung von Fr. 1‘700.-- (inkl.
MWSt
und Barauslagen) als ange
messen.