Decision ID: cb33b9f5-c1cf-4509-b4f5-b4beae45ce72
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Josef Jacober, Oberer Graben 44, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
K._ meldete sich am 22. Februar 2006 zum Leistungsbezug bei der IV an (IV-act. 1).
Dr. med. A._, Facharzt für allgemeine Medizin FMH, diagnostizierte im Bericht vom 8.
Mai 2006 persistierende Kopfschmerzen bei Status nach Kopfprellung am 19.
November 2004, eine "posttraumatische Belastungsstörung möglich nach Autounfall
19.11.04" sowie leichte bis schwere Minderleistung in allen kognitiven Bereichen. Die
Arbeitsfähigkeit sei nicht beurteilbar. Er halte eine medizinische Abklärung für angezeigt
(IV-act. 14-1/15). Nach Durchführung von weiteren Abklärungen stellte die IV-Stelle des
Kantons St. Gallen dem Rechtsvertreter der Versicherten mit Vorbescheid vom 22.
August 2007 in Aussicht, dass die Versicherte keinen Anspruch auf eine Rente habe.
Die Abklärungen hätten ergeben, dass ihr aus medizinischer Sicht eine leichte bis
mittelschwere Arbeit zu 100% zumutbar sei (IV-act. 41). Nachdem der Rechtsvertreter
der Versicherten hiergegen Einwand erhoben hatte (IV-act. 45, 49), verfügte die IV-
Stelle am 20. Dezember 2007 im Sinn des Vorbescheids (IV-act. 52).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt lic. iur. J. Jacober, St. Gallen, für die
Versicherte mit Eingabe vom 29. Januar 2008 Beschwerde mit den Anträgen, die
Verfügung sei aufzuheben, es sei ein psychiatrisches Obergutachten einzuholen, und
es sei über das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin nach Vorliegen der
Ergebnisse der medizinischen Abklärungen bzw. des Gutachtens neu zu entscheiden.
Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Zur
Begründung führte der Rechtsvertreter unter anderem aus, der psychiatrische
Gutachter der MEDAS habe sich auf ein 1 1⁄4-stündiges Gespräch mit Hilfe einer
Dolmetscherin gestützt. Berücksichtige man den Zeitaufwand für die Übersetzung,
resultiere ein "Netto-Explorationsgespräch" von 30 bis 40 Minuten. Diese Zeit reiche
bei weitem nicht aus, um eine seriöse psychiatrische Begutachtung vorzunehmen. Bei
der Durchsicht des Konsiliargutachtens falle auch auf, dass fast alle Angaben aus den
Akten "abgeschrieben" worden seien. Trotzdem gelange der Gutachter zum Ergebnis,
es bestehe eine somatoforme Schmerzstörung, jedoch keine Arbeitsunfähigkeit. Dies,
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obwohl im neuropsychologischen Bericht der Rheinburg-Klinik Walzenhausen
festgehalten sei, es bestünden leichte bis schwere Minderleistungen in allen kognitiven
Bereichen. Die Beschwerdeführerin sei im Haushalt um 30% eingeschränkt. Sie sei zur
Linderung ihrer ständigen Kopf- und Nackenschmerzen permanent auf Medikamente
angewiesen. Die Schlussfolgerungen der MEDAS-Gutachter seien weder begründet
noch nachvollziehbar. Es sei zumindest ein psychiatrisches Obergutachten einzuholen,
das diesen Namen auch verdiene. Die Beschwerdeführerin habe das Pech gehabt,
dass sie von der MEDAS St. Gallen begutachtet worden sei. Ihr Ehemann, der beim
gleichen Verkehrsunfall ebenfalls verletzt worden sei, sei im Auftrag der Suva vom
Universitätsspital Basel begutachtet worden. Das in diesem Zusammenhang erstellte
Gutachten vom 13. September 2006, welches auch der Beschwerdegegnerin zugestellt
worden sei, sei vergleichsweise beizuziehen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 12. März 2008 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung legte sie unter anderem dar, das
MEDAS-Gutachten erfülle die von der Rechtsprechung aufgestellten Anforderungen.
Darauf könne abgestellt werden. Die Argumente gegen die psychiatrische Beurteilung
seien nicht stichhaltig. Dem Einwand, dass die Beurteilung schon allein deswegen nicht
aussagekräftig sein solle, weil lediglich ein kurzes Gespräch stattgefunden habe, könne
nicht gefolgt werden. Das würde bedeuten, dass grundsätzlich von dieser Stelle
erstellte psychiatrische Gutachten unzulänglich wären. Im Übrigen gründe ein Arzt/
Psychiater seine Beurteilung nicht allein auf das Gespräch, sondern auch auf die
Vorgeschichte und Beobachtung einer zu begutachtenden Person. Es gehe nicht an,
die Arbeitsfähigkeit allein gestützt auf neuropsychologische Untersuchungen zu
schätzen, weil es ausschliesslich Sache des Mediziners sei, die Arbeitsfähigkeit
festzulegen. Zwar sei der neuropsychologische Bericht der Rheinburg-Klinik von einem
Arzt gegengezeichnet worden. Die Untersuchungen habe jedoch eine Psychologin
durchgeführt; sie habe auch die Schlussfolgerungen verfasst. In Bezug auf
neuropsychologische Untersuchungen gelte im Weiteren generell, dass diese für die
Objektivierung von geklagten Beschwerden von allen gängigen
Untersuchungsdisziplinen am wenigsten geeignet seien. Neuropsychologische
Untersuchungen könnten nur insofern bedeutsam sein, als sich ihre Aussagen
schlüssig zu den anderen Abklärungsergebnissen einfügen würden.
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B.c Am 18. März 2008 bewilligte die Abteilungspräsidentin die unentgeltliche
Prozessführung für das vorliegende Verfahren.
B.d Mit Replik vom 30. April 2008 hielt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin an
seinen Anträgen und Ausführungen fest. Am 22. Mai 2008 bestätigte auch die
Beschwerdegegnerin ihren Antrag.

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung vom 20. Dezember 2007 eingetretenen Sachverhalt
abzustellen ist (BGE 121 V 366 E. 1b), sind die bis zum 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen materiellen Bestimmungen anzuwenden.
1.2 Streitig ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine IV-Rente hat. Nach der
vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007 in Kraft stehenden Fassung von Art. 28
Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht Anspruch
auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf
eine Viertelsrente. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird nach Art. 16 ATSG
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Die Invalidität der Beschwerdeführerin ist unbestrittenermassen
nach dieser allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu bemessen. Grundlage
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der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist nach
der höchstrichterlichen Rechtsprechung entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 Erw.
3a mit Hinweis; RKUV 2000, 214).
2.
2.1 Dr. med. B._, Spezialärztin für Neurologie FMH, berichtete am 23. Mai 2005, bei
der Beschwerdeführerin sei es nicht zu einer unfallbedingten cerebralen Schädigung
gekommen. Auch liessen sich keine Anhaltspunkte für eine vestibuläre/cerebrale
Funktionsstörung als Korrelat für die Schwindel fassen. Ein Cervikalsyndrom lasse sich
jetzt nicht mehr nachweisen (IV-act. 14-12/15). Dr. med. C._, Psychiatrie/
Psychotherapie, verneinte im Bericht vom 4. November 2005 eine Psychopathologie
(IV-act. 14-10/15). Im Bericht der Rheinburg Klinik vom 20. Dezember 2005 wurden
aufgrund einer neuropsychologischen testdiagnostischen Überprüfung leichte bis
schwere Minderleistungen in allen kognitiven Bereichen festgestellt. Ausprägung und
Charakteristika der Beeinträchtigungen seien weder durch die eingeschränkten
Deutschkenntnisse, das Bildungsniveau noch durch eine unfallbedingte hirnorganische
Schädigung zu erklären. Als mögliche Einflussfaktoren könnten sowohl die
chronifizierte Schmerzsymptomatik als auch medikamenteninduzierte
Beeinträchtigungen berücksichtigt werden. Im Gespräch hätten sich Hinweise auf eine
psychosoziale Belastungssituation ergeben (IV-act. 14-6/15f). Eine Abklärung am
Wohnort ergab gemäss Bericht vom 12. Februar 2007, dass die Beschwerdeführerin
ohne Gesundheitsschaden einer 100%igen ausserhäuslichen Tätigkeit nachgehen
würde. Sie habe im Jahr 2003 über die Arbeitslosenkasse eine Vollzeitstelle gesucht
und sei vollumfänglich vermittlungsfähig gewesen. Im Haushalt bestehe eine
Einschränkung von 30% (IV-act. 26).
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2.2 Im Gutachten der MEDAS vom 31. Mai 2007 wurde als Hauptdiagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches cerviko-cephales Syndrom mit
vegetativen Begleitbeschwerden bei Status nach Seitwärtskollision am 19. November
2004 und Status nach HWS-Distorsion 1997 aufgeführt. Als Nebendiagnosen ohne
wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wurden eine Adipositas sowie
Nikotinabusus bestätigt. Die Gutachter kamen unter anderem zum Schluss, bildgebend
stelle sich die Halswirbelsäule normal dar; dies auch im Vergleich zu einem Bild von
1997, welches wegen eines Auffahrunfalls angefertigt worden sei. Festzustellen seien
einige Zeichen für nichtorganisches Krankheitsverhalten, so nebst der diffusen
Symptombeschreibung die hohe Schmerzbewertung, das nicht plausible Ausmass der
demonstrierten Behinderung im Vergleich zu den klinischen und bildgebenden
Befunden sowie die tiefe Bewertung der eigenen Leistungsfähigkeit. Das mit Hilfe einer
Albanisch-Dolmetscherin durchgeführte psychiatrische Consiliargutachten komme zur
Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung ohne wesentliche
Komorbidität. Auch wenn eine Arbeitsunfähigkeit verneint werde, werde die Prognose
als ungünstig angesehen. Aufgrund der objektiven klinischen und bildgebenden
Befunde bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten ohne besondere Zwangshaltungen oder Stressbelastungen.
Besondere therapeutische Vorschläge könnten weder rheumatologischer- noch
psychiatrischerseits gemacht werden. Zu betonen seien die erheblichen sozialen
Probleme. Die Arbeitsprognose müsse eher als schlecht bezeichnet werden, wobei
viele soziale, IV-rechtlich fremde Faktoren eine Hauptrolle spielen würden:
Emigrationsproblematik, bescheidene Deutschkenntnisse, nur sehr kurzzeitige
Erwerbstätigkeit von einem halben Jahr während des 13jährigen Aufenthalts in der
Schweiz, starke Selbstlimitierung, familiäre Situation (drei Kinder, Mann reduziert
arbeitstätig und offenbar ebenfalls eine Rente anstrebend), subjektive
Krankheitsüberzeugungen (IV-act. 34).
3.
3.1 Wie jede andere psychische Beeinträchtigung begründet nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichts auch eine diagnostizierte anhaltende somatoforme
Schmerzstörung für sich allein noch keine Invalidität. Es besteht die Vermutung, dass
die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren
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Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die
Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in
den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht
über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein
solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener
Kriterien. Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen
Konstellation, liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor (statt
vieler BGE 131 V 49 E. 1.2). Der an der MEDAS-Begutachtung beteiligte Psychiater Dr.
med. D._, legte in seinem Bericht vom 23. Mai 2007 dar, für seine Beurteilung stütze
er sich auf ein 1 1⁄4-stündiges Explorationsgespräch mit Hilfe einer Dolmetscherin. Zur
Zeit seiner Untersuchung hätten bereits ausführliche anamnestische Erhebungen in
schriftlicher Form vorgelegen, so dass er sich diesbezüglich auf psychiatrisch
Relevantes beschränke. Im Gespräch habe er eine wenig kooperative, zum Teil leicht
dysphorisch gereizte Beschwerdeführerin erlebt, die teilweise nicht bereit gewesen sei,
detaillierte Fragen (zum Tagesablauf oder zur Schmerzproblematik) zu beantworten.
Ansonsten habe sie unauffällig und ausführlich berichtet, so dass sich keine
wesentlichen Hinweise auf Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisstörungen hätten
eruieren lassen. Die vom Hausarzt vermutete mögliche posttraumatische
Belastungsstörung habe im Explorationsgespräch nicht objektiviert werden können.
Gemäss ICD-10 erfordere diese Diagnose ein traumatisierendes Ereignis von
aussergewöhnlicher Schwere, das bei fast jeder Person eine tiefe Verzweiflung
hervorrufen würde. Soweit er dies beurteilen könne und die Beschwerdeführerin den
Unfall schildere, sei es für ihn fraglich, ob der Unfall wirklich die Schwere erreiche, um
eine posttraumatische Belastungsstörung auszulösen. Zudem bestünden heute keine
unausweichlichen Erinnerungen oder Wiederinszenierungen der Ereignisse im
Gedächtnis, Tagträume oder Albträume. Auch würden sich kein emotionaler Rückzug
oder Gefühlsabstumpfung feststellen lassen. Zudem zeige die Beschwerdeführerin
keine Vermeidungshaltung von Reizen (Auto), welche eine Erinnerung an das Trauma
hervorrufen könnten. Rückwirkend gehe er aufgrund der Aktenlage davon aus, dass
wahrscheinlich eine Anpassungsstörung vorgelegen habe, die aber in der Zwischenzeit
vollständig remittiert sei. Ausser einer leicht dysphorisch-gereizten Grundstimmung
sowie einer geschilderten Angst um die Kinder lägen keine Hinweise auf eine affektive
Störung vor. Die bestehende Symptomatik habe aus psychiatrischer Sicht nicht die
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Schwere erreicht, welche für die Diagnose einer depressiven Störung ausreiche. Die
Beschwerdeführerin fühle sich subjektiv zu 100% arbeitsunfähig. Diese
Arbeitsunfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht auf IV-fremde Faktoren zurückzuführen.
Es bestehe keine IV-relevante Erkrankung, welche die Arbeitsfähigkeit einschränke.
Bezüglich der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung bestehe keine
Komorbidität. Auch seien die IV-relevanten Kriterien nicht erfüllt. Berufliche
Massnahmen seien nicht durchführbar; medizinische Massnahmen seien
wünschenswert (IV-act. 36).
Unter Umständen sprechen chronische körperliche Begleiterkrankungen und
mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik
ohne längerfristige Remission, ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen
des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung
(primärer Krankheitsgewinn ["Flucht in die Krankheit"]) oder schliesslich
unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter ambulanter
und/oder stationärer Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedlichem
therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei
vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versicherten Person für die
ausnahmsweise Unüberwindlichkeit der somatoformen Schmerzstörung (BGE 130 V
352 E. 2.2.3). Die MEDAS-Gutachter gingen vom Nichtvorliegen solcher Gegebenheiten
aus. Es lassen sich den Akten keine Anhaltspunkte entnehmen, aufgrund welcher sich
ein gegenteiliger Schluss aufdrängen würde. Insbesondere im psychiatrischen
Teilgutachten wurden die tatsächlichen Gegebenheiten gestützt auf eine Befragung der
Beschwerdeführerin sowie die Akten einlässlich und überzeugend dargelegt. Die Dauer
der psychiatrischen Begutachtung, die an sich ein relevantes Kriterium für die
Überzeugungskraft des Gutachtens darstellt (vgl. Urteil I 1094/06 des Bundesgerichts
vom 14. November 2007 E. 3.1.1), vermag im konkreten Fall das
Begutachtungsergebnis nicht in Frage zu stellen. Es ist nicht ersichtlich, dass das
psychiatrische Teilgutachten inhaltlich unvollständig wäre.
3.2 Wie das Bundesgericht wiederholt festgehalten hat, lassen sich psychosoziale und
soziokulturelle Faktoren oft nicht klar vom medizinisch objektivierbaren Leiden trennen.
Trotzdem können solche äusseren Umstände nicht als gesundheitliche
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Beeinträchtigungen im Sinn des Gesetzes verstanden werden, weil der gesetzliche
Invaliditätsbegriff selber klar zwischen der versicherten Person als Trägerin des
(invalidisierenden) Gesundheitsschadens und der durch ihn verursachten
Erwerbsunfähigkeit unterscheidet. Infolgedessen können psychische Störungen, die
durch soziale Umstände verursacht werden und bei Wegfall der Belastungsfaktoren
wieder verschwinden, nicht zur Invalidenrente berechtigen. Je stärker psychosoziale
oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das
Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine davon zu
unterscheidende fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert
vorhanden sein (BGE 127 V 294 neues Fenster, E. 5a). Nur wenn und soweit
psychosoziale und soziokulturelle Faktoren einen derart verselbständigten
Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder seine - unabhängig von den
invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Folgen verschlimmern, können sie sich
mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Entscheid 9C_578/2007 vom 13. Februar
2008, E. 2.2 in fine mit Hinweisen). In diesem Sinne werden Wechselwirkungen
zwischen sich körperlich und psychisch manifestierenden Störungen und der sozialen
Umwelt berücksichtigt, wenn auch bedeutend weniger stark als nach dem bio-psycho-
sozialen Krankheitsmodell (SVR 2008 IV Nr. 6 S. 15 E. 5.4; Entscheid 9C_830/2007
vom 29. Juli 2008, E. 4.2).
Die von Seiten der Rheinburg-Klinik festgestellten kognitiven Einschränkungen liessen
sich laut Bericht vom 20. Dezember 2005 weder durch das Bildungsniveau bzw. die
Deutschkenntnisse noch durch eine (nicht gegebene) hirnorganische Schädigung
erklären. Als mögliche Einflussfaktoren nannten die Ärzte die Schmerzproblematik, den
Medikamentengebrauch sowie die schon damals thematisierte psychosoziale
Belastungssituation (vgl. IV-act. 14-6/15f). Letztere bestätigte sich anlässlich der
MEDAS-Begut-achtung mit aller Deutlichkeit (IV-act. 34). Nebst bescheidenen
Deutschkenntnissen kommen weitere IV-fremde Gegebenheiten (unter anderem starke
Selbstlimitierung, subjektive Krankheitsüberzeugung; IV-act. 34 S. 10) hinzu, welche
das Zustandekommen der neuropsychologischen Testergebnisse erheblich beeinflusst
haben dürften. Dabei ist zu beachten, dass gemäss der einschlägigen Literatur (B.P.
Radanov, Über den Stellenwert der neuropsychologischen Diagnostik bei Patienten
nach Halswirbelsäulen-Distorsion, SZS 1996, 471ff, 473) unter anderem auch Sedativa
oder Schmerzmittel durch eine Beeinträchtigung der Wachheit zu einer Störung der
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Aufmerksamkeit und zur Beeinträchtigung anderer kognitiver Funktionen führen
können. Auch die Motivation anlässlich der Untersuchung kann eine Rolle spielen. Bei
verminderter Motivation keine volle Testleistung zu entfalten, ist dabei gemäss
Radanov nicht unbedingt als Versuch, etwas zu "gewinnen", zu missverstehen. Gerade
die motivationalen Aspekte bei der Erfassung von kognitiven Leistungen seien
testmässig besonders schwierig zu evaluieren (Radanov, a.a.O., S. 473). Die
Neuropsychologie vermag es dementsprechend nicht, selbständig die Beurteilung
einer Genese abschliessend vorzunehmen. Neuropsychologische Untersuchungen
können lediglich insofern bedeutsam sein, als der diesbezügliche Befund sich schlüssig
in die anderen interdisziplinären Abklärungsergebnisse einfügt (vgl. BGE 119 V 341 E.
2b/bb; Entscheid des st. gallischen Versicherungsgerichts vom 29. März 2001 [IV
1998/305] S. 12). Soweit die Rheinburg-Klinik neben dem Medikamentengebrauch die
Schmerzproblematik als Ursache der kognitiven Einschränkungen ortete (IV-14-7/15),
ist darauf hinzuweisen, dass die MEDAS-Gutachter hinsichtlich der somatoformen
Schmerzstörung eine wesentliche Komorbidität verneinten. Bei dieser Aktenlage sind
die in der Rheinburg Klinik festgestellten kognitiven Einschränkungen im Wesentlichen
als Resultat IV-fremder Gegebenheiten (IV-act. 34 S. 10) zu sehen, welche die
behandelnden Ärzte aufgrund ihres Therapieauftrags nicht unberücksichtigt lassen
durften, von den MEDAS-Gutachtern jedoch zu abstrahieren waren. Konkrete
Anhaltspunkte, aufgrund derer die MEDAS-Begutachtung in Frage zu stellen wäre,
können mit Blick auf die dargelegten Umstände nicht als belegt gelten. Die
Beschwerdeführerin macht im Weiteren nicht geltend, dass sich ihr
Gesundheitszustand seit der MEDAS-Begutachtung verschlechtert habe;
diesbezügliche Anhaltspunkte sind auch aus den Akten nicht ersichtlich.
Was den beantragten Beizug eines medizinischen Gutachtens betreffend den beim
gleichen Unfall wie die Beschwerdeführerin verletzten Ehemann angeht (act. G 1 S. 8),
ist festzuhalten, dass hier einzig der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in
Frage steht. Aus dem Resultat einer Begutachtung des Ehemannes liesse sich für die
Beschwerdeführerin zum vornherein nichts ableiten.
4.
4.1 Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als korrekt, weshalb die
Beschwerde abzuweisen ist.
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4.2 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung am 18. März 2008 bewilligt. Wenn die wirtschaftlichen
Verhältnisse der Beschwerdeführerin es gestatten, kann sie jedoch zur Nachzahlung
der Gerichtskosten, der Auslagen für die Vertretung und der vom Staat entschädigten
Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/
SG).
4.3 Der unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von
Fr. 600.-- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung
zu befreien. Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten,
für die Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Die
Parteientschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g Satz 2 ATSG). Unter Berücksichtigung dieser
Kriterien erweist sich eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) als angemessen. Diese Entschädigung ist bei der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung um einen Fünftel herabzusetzen (Art. 31 Abs. 3 des st.
gallischen Anwaltsgesetzes). Die Entschädigung beträgt somit Fr. 2'800.-- (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG