Decision ID: 78a19ba5-24f2-45fa-aba6-622688684dd8
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1954,
be
suchte
in
Z._
die Primarschule
während fünf Jahren
und e
rlernte keinen Beruf (Urk. 10/1/
4).
Im Jahr
1980 reiste e
r in die Schweiz ein
und liess hier nieder
(
Urk.
10/1/
3). Vo
n
Februar 1981 bis Feb
ruar 2000 stand er als
Stanzer
in einem Arbeitsverhältnis, wo
bei er bereits ein Jahr früher, nach einer Herzoperation, tatsächlich nicht m
ehr erwerbstätig war (Urk. 10/5/
1).
Von
November 19
96 bis Juli 1999 erzielte er zu
dem einen Neben
verdienst a
ls
Zeitungsver
träg
er
(Urk. 10/6/
1). Am 3. Februar 2000 meldete er sich bei der Invalidenversicherung zum Bezug einer Rente an (Urk. 10/1).
In der Folge klärte die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
die medizinischen und die erwerblichen Verhältnisse ab und kam zum Schluss, beim Versicherten liege seit
dem
25. Februar 2000 ein Invaliditätsgrad von 100 % vor (Urk. 10/16). Sie sprach ihm infolgedessen mit Verfügungen vom 29. Januar 2001 rückwirkend ab 1. Februar 2000 eine ganze Rente samt Zusatzrente für die Ehefrau und Kinderrenten für die drei Kinder zu (Urk. 10/18 und
Urk.
10/19). Ein erstes Rentenrevisionsverfahren sah die IV-Stelle für den 31. Dezem
ber 2003 vor (Urk. 10/16/
1). Dieses
leitete s
ie im März 2004 ein (Urk. 10/20/
1). Nach neuerlichen erwerblichen und medizinischen Abklärungen (Urk. 10/21-29) bestätigte sie mit Mitteilung vom 31. August 2004 den
Invali
ditätsgrad
von 100 % und damit auch die ganze Rente (Urk. 10/31).
1.2
Ein nächstes Revisionsverfahren sollte per 31. August 2008 eingeleitet
werden (Urk. 10/30 und 10/33) und wurde im September 2008 eröffnet (Urk. 10/36).
Im Rahmen dieses zweiten Rentenrevisionsverfahrens zog die IV-Stelle einen aktu
ellen Auszug
aus dem individuellen Konto des Versicherten (IK-Auszug)
sowie einen Bericht des Hausarztes Dr. med.
A._
,
Fach
arzt für
A
llge
meine Medizin, vom 23. Oktob
er 2008
einschliesslich der
von ihm eingeholten konsiliarischen
Beurteilungen
bei
(Urk. 10/37, 10/38/1-22).
In der Folge
hob
sie
die Rente
mit Verfügung vom 27. Mai 2009 (Urk. 10/52) bei einem
Invaliditäts
grad
von nur noch 17 %
per
En
de des der Zustellung der Verfü
gung folgenden Monats wiedererwägungsweise auf. Eine von
lic
.
iur
.
Y._
,
e
idg
.
dipl.
Sozialversicherungsexpertin,
namens des Versicherten (Urk.
10/54) dagegen
erhobene Beschwerde (
Urk.
10/56/
3 ff.) hiess das Sozial
versicherungsgericht
des Kantons Zürich
in dem Sinne gut, als
es
die Sache zur ergänzenden Abklärung a
n die Beschwerdegegnerin zurück
wies
,
verbunden mit der Feststellung, bezogen auf den Zeitpunkt der Zusprechung der Rente sei ein Wiedererwägungsgrund grundsätzlich gegeben, hingegen seien weitere Ab
klärungen nötig im Zusammenhang mit der Frage, ob und gegebenenfalls in
welchem Umfang sich nach der Zusprechung der Rente im Januar 2001 bezie
hungsweise bei der wiedererwägungsweisen Aufhebung im Mai 2009 der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verändert habe, was mittels einer polydisziplinären Begutachtung abzuklären sei (Urteil IV.2009.00630 vom 30. März 2011, insb.
Erw
. 3;
Urk.
10/67).
1.3
In der Folge liess die IV-Stelle den Versicherten durch das
B._
internistisch, kardiologisch, psychiatrisch und neurolo
gisch begutachten (
p
olydisziplinäres Gutachten vom 29. November 2011,
Urk.
10/76), welches ihm eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für sämtliche körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten, ohne Notwendigkeit des Ausübens von Tätigkeiten über Kopf
niveau, attestierte (
Urk.
10/76/
30 Ziff. 6.2 am Ende). Nach erfolgtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/88 ff.) bestätigte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 16. August 2012
die mit Verfügung vom 27. Mai 2009 (Urk. 10/52) per Ende Juni 2009 verfügte Aufhebung der Rente des Versicherten mit der Begründung, sein Invaliditätsgrad betrage nur noch 30
%
(
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte, weiterhin vertreten durch
Y._
(Urk. 4), am 17. September 2012 Beschwerde erheben und fol
gende Anträge stellen
(Urk.
1 S. 2)
:
„1.
Es sei die Verfügung vom 16. August 2012 aufzuheben und dem Beschwer
deführer ab 1. Juli 2009 weiterhin eine ganze Rente zuzusprechen.
2.
Eventualiter sei die Verfügung vom 16. August 2012 aufzuheben und dem Beschwerdeführer ab 1. Juli 2009 mindestens eine
Viertelsrente
zuzuspre
chen.
3.
Subeventualiter
sei die Verfügung vom 16. August 2012 aufzuheben und dem Beschwerdeführer rückwirkend ab
dem
1. Juli 2009 die Invalidenrente im gleichen Umfange nachzuzahlen sowie eine
Wiedere
ingliederung gut
zuheissen.
4.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Gegenpartei.“
Der Beschwerde legte der
Versicherte
einen Bericht von
Dr.
med.
C._
,
Facharzt
für Kardiologie, bei
(Urk.
3).
Sodann liess
er mit Eingabe vom 24.
September 2012 (
Urk.
6) einen Bericht de
s
D._
vom 11. September 2012 (
Urk.
7) einreichen,
welcher
der Beschwerdegegnerin
her
nach
zur Stellungnahme zugestellt wurde (
Urk.
8). Mit
Beschwerdeantwort
vom 17. Oktober 2012 schloss die IV-Stelle auf Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
9), was dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 23. Oktober 2012 mitgeteilt wurde
(Urk.
11).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Grad der Invalidität eines Rentenbezügers oder einer Renten
-
bezü
gerin
in einer für den Anspruch erheblichen Weise, so ist die Rente laut Art. 17
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
für die Zukunft entsprechend zu erhöhen, herabzu
setzen oder aufzuheben. Der Revisionsordnung gemäss Art. 17 ATSG geht je
doch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist
(BGE 110 V 176 E. 2a; Art. 53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine Rentenverfügung auch dann abändern, wenn die Revisions
voraussetzungen des Art. 17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind.
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2
Bundesgesetz
über die Invali
denversicherung; IVG
).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 2
56
E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem
sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1
; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung gestützt auf das
B._
-
Gutachten vom 29. November 2011 auf den Standpunkt,
dem Beschwerdeführer sei eine körperlich leichte bis mittelschwere Erwerbstätigkeit ohne Tätigkeiten über Kopfniveau vollumfänglich zumutbar. Sie ermittelte einen Invaliditätsgrad von 30
%
, weshalb sie die wiedererwägungsweise
Ren
tenaufhebung
per Juli 2009 bestätigte
(Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer wandte hiergegen in erster Linie ein, dass keine verwert
bare Restarbeitsfähigkeit ausgewiesen sei.
Er bemängelte das
B._
-
Gutachten und hielt dafür, stattdessen auf die Resultate des
Arbeitsassessments
des
D._
abzustellen sowie
beim Einkommensvergleich
einen
Lei
densabzug
von 15
%
vorzunehmen, was zu
einem
Anspruch auf eine ganze Rente führe
. Selbst bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit resultiere unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 15
%
noch ein An
spruch auf eine
Viertelsrente
.
Subeventualiter
seien dem
58-jährigen
Beschwer
deführer Eingliederungsmassnahmen zuzusprechen und es sei ihm die ganze Rente weiterhin auszubezahlen, bis das theoretische Leistungspotential ausge
schöpft werden könne
(Urk.
1 S. 7 ff.).
3.
3.1
M
it
Urteil
IV.2009.00630
des hiesigen Gerichts
vom 30. März 2011 (
Urk.
10/67) wurde festgehalten, dass die IV-Stelle zu Recht
wiedererwägungsweise
auf die ursprüngliche rentenzusprechen
de Verfügung zurückgekommen
sei
(Urk. 10/
67/14 E. 3.2.3).
Hingegen hielt das Gericht
die Frage, ob zum Zeitpunkt der Rentenaufhebung dennoch Anspruch auf eine Rente bestand
, für nicht ge
nügend abgeklärt
. Bei der Prüfung dieser Frage
sei
auf den
zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes
vom 27. Mai 2009
gegebenen Sachverhalt abzustellen
(Urk. 10/
67/15 E. 3.3.1).
Die damals vorhandenen Arztberichte lies
sen keine zuverlässigen Schlüsse zu bezüglich Diagnosen, Arbeitsfähigkeit und angepasstem Tätigkeitsprofil. Angesichts dieser Unklarheiten sowie der multip
len, möglicherweise in erheblichem Mass psychisch bedingten Beschwerden
,
sei
eine polydisziplinäre medizinische Begutachtung erforderlich
(Urk. 10/
67/
19-20
E. 3.3.4).
3.2
In Umsetzung d
ies
es Urteils liess die Beschwerdegegnerin
den Versicherten
durch das
B._
internistisch, kardiologisch, neurologisch und psychiatrisch ab
klären.
Die
B._
-
Gutachter
stellte
n
in
ihr
em Gutachten vom 29. November 2011
fol
gende Diagnosen (
Urk.
10/76/
28):
A.
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
Koronare 2-Gefässerkrankung mit erhaltener LV-Pumpfunktion
2.
Status nach
Aortendissektion
Typ A im Februar 1999 bei zystischer Medianekrose und
bicuspider
Aortenklappe
B.
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10:
F41.2)
2.
Chronische Beinschmerzen nicht neurologischer Ursache
3.
Leichtes
Restless
-
L
egs
-Syndrom mit periodischen Beinbewegungen im Schlaf (ICD-10: G25.8)
4.
Leichtes
Zervikalsyndrom
(ICD-10: M47.82)
5.
Innere Hämorr
h
oiden Grad II (ICD-10: I84.2)
6.
Anamnestisch
gastroösophageale
Refluxkrankheit
(ICD-10: K21.9)
7.
Status nach Ellbogenfraktur rechts 1968 mit seither leichtem
Funkti
onsdefizit
8.
Status nach Botox-Injektion bei
hypertonem
analem Sphinkter 2002 und späteren Ballondilatationen
.
Die begutachtenden Ärzte führten in ihrer Gesamtbeurteilung aus, d
er
Beschwer
deführer
verfüge über keine Berufsausbildung und habe in der Schweiz stets als
Stanzer
gearbeitet, sodass diese Tätigkeit als die angestammte angese
hen werden könne. Wegen der mangelnden Tätigkeitsbeschreibung für die zu
letzt ausgeübte Tätigkeit beschränke sich
ihr
e Beurteilung auf die Beschreibung des zumutbaren Tätigkeitsprofils
(Urk. 10/
76/29)
.
Aus kardiologischer Sicht
bestünden
beim
Beschwerdeführer
einerseits eine koro
nare Zweigefässerkrankung
mit erhaltener Pumpfunktion sowie ein Status nach
Aortendissektion
Typ A im Februar 1999 bei zystischer Medianekrose und
bicuspider
Aortenklappe, welche im Februar 1999 mittels Composite Graft ersetzt worden sei. In den seither seriell durchgeführten
CT-Thoraxuntersuchun
gen
habe
sich jeweils eine stationäre Ausdehnung der
Dissektion
gezeigt
. Bei klinisch fehlenden Hinweisen
auf
eine Dysfunktion der
Aortenklappenprothese
,
bei
erhaltener linksventrikulärer Funktion in der Echokardiographie und
bei
fehlenden
ischämieverdächtigen
Veränderungen anlässlich der
Fahrradergono
metrie
sei der Beschwerdeführer für körperlich leichte und mittelschwer belas
tende Tätigkeiten als voll arbeitsfähig anzusehen. Die
T
horaxschmerzen
, über welche der Beschwerdeführer geklagt habe,
seien als atypisch anzusehen. Einzig körperlich belastende Tätigkeiten seien
ihm
bei Status nach
Aortendissektion
bleibend nicht mehr zumutbar
(Urk. 7/
76/29)
.
Aus internistischer Sicht wirkten sich die bestehenden inneren Hämorrhoiden Grad II sowie der anamnestische Verdacht auf eine
gastroösophageale
Refluxkrankheit
nicht auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers
aus
(Urk. 7/
76/29).
Aus neurologischer Sicht könnten die Beinschmerzen
, über welche der Beschwer
deführer berichtet habe,
nicht erklärt werden
,
und
auch
die Untersu
chung des Bewegungsapparates habe keinen Nachweis eines organischen Kor
relats für die seit 12 Jahren konstant verspürten Beinschmerzen erbracht. Das leichte
Restless
-
L
egs
-Syndrom mit periodischen Bewegungen im Schlaf sowie das leichte
Zervikalsyndrom
führten gemäss aktueller neurologischer Beurtei
lung nicht zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, welche nicht über Kopfniveau ausgeführt werden sollten
(Urk. 7/
76/29)
.
Die vom Hausarzt
Dr.
A._
am 23. Oktober 2008 pos
tulier
te Diagnose
einer
Polymyalgia
rheumatica
habe nicht bestätigt werden können und das unklare neurologische Zustandsbild mit
Restless
-
L
egs
-Symp
tomatik und
periodic
limb
movement
Syndrom führten nicht zu einer Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
(Urk. 10/
76/30)
.
Auch aus psychiatrischer Sicht könne keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeit
sfähigkeit gestellt werden.
Angst und depressive Störung gemischt wirk
ten sich nicht einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit aus. Der
Beschwerdeführer
sei nicht suizidal und es bestünden
weder Hinweise auf
unbewusste Konflikte
im Sinne eines primären Krankheitsgewinns
noch
auf eine deutlich auffällige Persönlichkeit. Zudem hätten sich während der Anamneseerhebung keinerlei Konzentrationsstörungen nach
weisen lassen. Daher könne dem Beschwerde
führer
aus psychiatrischer Sich
t
trotz der geklagten Beschwerden
zugemutet werden, einer seinen
körperlichen Einschränkungen angepassten Tätigkeit ganztags und ohne
Leistungs
einschränkung
nachzugehen
(Urk. 7/
76/29-30).
In der interdi
sziplinären Konsensbesprechung gelangten
die beteiligten Gutach
ter zum Schluss, dass
dem
Beschwerdeführer
sämtliche körperlich leichten
bis mittelschweren Tätigkeiten
ohne Notwendigkeit des Ausübens
von Tätigkeiten über Kopfniveau
voll
umfänglich
zugemutet werden könnten.
Eine solche Arbeitsfähigkeit habe
bereits
zum
Zeitpunkt
des Erlasses
der V
erfügung vom
27. Mai 2009 (Urk.
10/52)
bestanden.
Dabei sei die Situation kard
iologisch und neurologisch vor zehn
Jahren nicht anders gewesen. Dem
Beschwerdeführer
se
i es s
owohl aus somatischer wie auch aus psychiatrischer Sicht zuzumuten, die notwendige Willensanstrengung aufzubringen, um in einer körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit in die Realität umzuset
zen. Körperlich schwere Tätigkeiten seien
ihm
hingegen aufgrund
d
es Status nach
Aortendissektion
und bei vorliegender koronarer Herzkrankheit bleibend nicht mehr zumutbar. Von medizinischen Massnahmen könne eine Erhaltung der aktuell attestierten Arbeitsfähigkeit erwartet werden. Hingegen seien beruf
liche Massnahmen angesichts der fixierten Krankheits- und
Invaliditätsüberzeu
gung
des
Beschwerdeführers
nicht si
nnvoll durchführbar (Urk.
10/76/
30
-31).
3.3
Am 9. Februar 2010
berichtete
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Kardiologie
, über die anlässlich seiner Untersuchung vom 15. bis am 18. Januar 2010 erho
benen Befunde. Er gab an, der Beschwerdeführer habe sich gut von der Opera
tion nach einer akuten
Aortendissektion
Typ A im Jahr 1999 erholt. Die kardi
ologischen Befunde seien seither weitgehend stabil geblieben mit knapp nor
maler systolischer Globalfunktion und stabiler Ausdehnung der
Dissektions
membran
bis in den distalen Aortenbogen
(Urk.
3 S. 1)
.
Aktuell klage der Beschwerdeführer über eine rasche Müdigkeit und
Beinschwä
che
und Herzklopfen beim
Treppaufgehen
. Zudem habe er immer wieder
in Ruhe
Episoden mit starken
Thoraxschmerzen
mit Ausstrahlung in den linken Arm, begleitet von Angst und Schwitzen, welche circa nach 15 Minuten spon
tan abklingen würden. Vor einigen Jahren habe er angeblich eine einmalige Synkope erlitten beim Velofahren. Daneben bestünden eine depressive Ent
wicklung mit Panikattacken sowie ein schweres
Restless
-
Legs
-Syndrom
(Urk.
3 S. 1)
.
Der kardiopulmonale Kurzstatus sei unauffällig, das Ruhe-EKG normal und Zei
chen für Herzinsuffizienz fehlten.
Der Test auf dem Fahrradergometer habe bei 130 Watt (72
%
des Solls) wegen Beinschwäche und Beinschmerzen abgebro
chen werden müssen. Subjektiv habe der Beschwerdeführer einen minimalen präkordialen Druck angegeben. Zusammenfassend bestehe
kardialerseits
eine stabile Situation mit knapp normaler systolischer Globalfunktion und leicht bis mittelschwer eingeschränkter Leistungskapazität,
vor allem
infolge
Trainings
mangels
und
Dekonditionierung
. Die
aortale
Klappenprothese funktioniere ein
wandfrei und es bestünden keine sicheren Hinweise auf eine
belastungsindu
zierte
Ischämie oder
auf
relevante Rhythmusstörungen. Die Ursache der zeitwei
ligen, meist in Ruhe auftretenden
Thoraxschmerzen
könne nicht sicher geklärt werden, möglicherweise handle es sich um
Thoraxwandschmerzen
oder
Reflux
beschwerden
mit massiver funktioneller Überlagerung mit Angst und
Panikre
aktion
. Aus rein kardiologischer Sicht sei eine Leistungsfähigkeit für eine kör
perlich leichte Arbeit formal gegeben, die Arbeit im angestammten Beruf könne jedoch nicht mehr ausgeführt werden
(Urk.
3 S. 1-2).
3.4
Dem Bericht des
D._
,
Medizinbereich Herz, Gefäss und Thorax, vom 11. September 2012 ist zu entnehmen, dass die Gefässsituation im Vergleich zur Voruntersuchung vom 2
2.
September 2010 stationär sei und auch das Ausmass der
Dissektionsmembran
im Aortenbogen unverändert sei. Leichte körperliche Arbeiten (bis zehn Kilogramm) könne der Beschwerdeführer aus herzchirurgischer Sicht durchführen
(Urk.
7 S. 2).
4.
4.1
Das
B._
-
Gutachten beruht auf
fachärztlichen Untersuchungen internistischer, neurologischer, psychiatrischer und kardiologischer Art, die in einer internen Konsensbesprechung ausgewertet wurden (
Urk.
10/76/28 ff.
).
Zudem wurden die
Vorakten
(Urk. 10/
76/4-14) und
die geklagten Beschwerden
(Urk. 10/
76/15, 10/76/17-18
, 10/76/21-22
, 10/76/24-25
)
berücksichtigt und
es wurde zu abwei
chenden ärztlichen Einschätzungen Stellung genommen
(Urk. 10/
76/20-21
, 10/76/24
, 10/76/27, 10/76/30
)
.
Im internistischen Teilgutachten wurden weitgehend normale Befunde erhoben, abgesehen von einer eingeschränkten Beweglichkeit des rechten Ellbogens, wel
che den Nackengriff verunmöglichte
(Urk. 10/
76/16-17).
Dass
sich die beste
henden inneren Hämorrhoiden Grad II sowie der anamnestische Verdacht auf eine
gastroösophageale
Refluxkrankheit
nicht auf die Arbeitsfähigkeit des Ver
si
cherten aus
wirkten
(Urk. 7/
76/29)
, ist
nachvollziehbar
.
Gemäss dem psychiatrischen Teilgutachten bestehen beim Beschwerdeführer depressive Verstimmungen, Ängste und Schlafstörungen wegen Beinschmerzen, aber auch wegen Gedankenkreisen.
E
ntsprechend
wurde die Diagnose „
Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10: F41.2)
“ gestellt
. Dass wegen nicht genügend ausgeprägter affektiver Symptomatik weder eine eigenständige de
pressive Episode noch eine spezifische Angststörung diagnostiziert wurde, ist anhand der erhobenen Befunde bei Fehlen von K
onzentrationsstörungen,
Appe
tit
verminderung
und Suizidalität nachvollziehbar
(Urk. 10/
76/17-19). Dass
in einer seinen körperlichen Beschwerden angepassten Tätigkeit
von
eine
r
voll
umfängliche
n
Arbeitsfähigkeit
ausgegangen
wird, überzeugt angesichts der vorhandenen Aktivitäten sowie mangels schwerer psychischer Störung
(Urk. 10/
76/20).
Der neurologische Teilgutachter fand an den unteren Extremitäten einen weitge
hend unauffälligen neurologischen Status vor, ohne Hinweise auf eine Polyneuropathie oder auf eine
radikuläre
Symptomatik.
Bei nur geringer Ein
schränkung der Tage
sbefindlichkeit aufgrund von Mü
digkeit oder Schläfrigkeit beurteilte er das leichte
Restless
-
Legs
-Syndrom sowie die Insomnie als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, was
nachvollzogen werden kann
. Da die chro
nischen rechtsbetonten Nackenschmerzen nur
leichtgradig
sind und keine Zwangs- oder Schonhaltung erkennbar war, überzeugt es, dass der Beschwer
deführer für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, welche nicht über Kopfniveau ausgeführt werden müssen, als vollumfänglich arbeitsfähig erachtet wurde
(Urk. 10/
76/23-
24
).
Die kardiologische Untersuch
ung förderte eine koronare 2-Gefässerkrankung, jedoch mit erhaltener LV-Pumpfunktion, sowie den Status nach einer
Aorten
dissektion
Typ A im Februar 1999 zu Tage. Dass der Beschwerdeführer bei die
sen Krankheiten sowie bei eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit für körperlich schwer belastende Tätigkeiten nicht mehr einsetzbar ist, ist plausibel
(Urk. 10/
76/26-
27
).
4.2
Aus Sicht des Beschwerdeführers leidet das Gutachten des
B._
an diversen Män
geln. Dadurch, dass keine rheumatologische Begutachtung stattgefunden habe, habe die Beschwerdegegnerin gegen die richterliche Anordnung im Urteil vom 30. März 2011 verstossen
,
sowie das rechtliche Gehör beziehungsweise die Mitwirkung an der Beweiserhebung durch den Beschwerdeführer sowie den Untersuchungsgrundsatz verletzt
(Urk.
1 S. 8).
Das Urteil vom 30. März 2011 hielt eine polydisziplinäre Begutachtung für erfor
derlich. Aus dem Kontext ergibt sich zudem die Notwendigkeit
insbeson
dere
einer psychiatrischen Untersuchung. Ansonsten wurde offen gelassen, in welchen Fachrichtungen der Beschwerdeführer zu begutachten sei
(Urk. 10/
67/19-20).
Für die
Auswahl der Fachdisziplinen
bei
polydisziplinären Gutachten hält An
hang V
zum
Kreisschreiben über das Verfahren
in der Invalidenversicherung
(KSVI;
Handbuch, Nr. 6 f.) fest, dass die Gutachterstelle abschliessend darüber entscheidet, welche Fachdisziplinen
neben den von der IV-Stelle gewünschten
im
Einzelfall zu begutachten sind.
Die beauftragten Sachverständigen sind letztverantwortlich einerseits für die fachliche Güte und die Vollständigkeit der interdisziplinär erstellten Entscheidungsgrundlage, anderseits aber auch für eine wirtschaftliche Abklärung. Mit dieser Gutachterpflicht nicht vereinbar wäre es, wenn den Sachverständigen eine
Disziplinenwahl
aufgezwungen würde, die sie auch nach pflichtgemässer Würdigung der für den Auftrag ausschlaggebenden Überlegungen für (versicherungs-)medizi
nisch nicht vertretbar hielten (
BGE 139 V 349
E. 3.3
).
Soweit ersichtlich, wurden die zu untersuchenden Fachdisziplinen durch das
B._
festgelegt (vgl.
Urk.
10/70 und
Urk.
10/74).
Dass die Gutachter den Beschwerdeführer nicht rheumatologisch begutachteten, bedeutet demnach, dass sie dies für entbehrlich hielten.
Dies ist
auch
nachvollziehbar, denn
der Beschwerdeführer
wurde
bereits rheuma
tologisch untersucht.
Der entsprechende Bericht
des
D._
,
Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin,
über das
Arbeits
assessment
vom
28. August 2009
(Urk. 10/
61/10-
15)
sowie die Röntgenbilder von
Halswirbelsäule
und Becken
stand
en
den
B._
-
Gutachtern zur Verfügung
(Urk. 10/
76/4
,
10/76/10-11),
sodass sie ihre Beurteilung gestützt darauf
vor
nehmen konnten.
Die Zuweisung zur rheumatologischen Beurteilung
durch das
D._
erfolgte wegen diffuser belastungsabhängiger Bein- und Schulterschmerzen. Bei den diffusen
anterioren
belastungsverstärkten Beinschmerzen wurde angenommen, sie stünden im Zusammenhang mit dem
Restless
-
Legs
-Syndrom. Allenfalls würden sie durch eine muskuläre
Dekondit
i
onierung
verstärkt
.
Bezüglich der Beschwerden im Schultergürtel-
und
Nacken
bereich
konnte
n
sowohl
eine
Rotatorenmanschettenläsion
als auch eine
Polymyalgia
rheumatica
ausgeschlossen werden.
Es wurde angegeben, d
ie Beschwerden
könnten im Rahmen einer
Dekonditionierung
sowie leichter dege
nerativer Veränderungen erklärt werden
oder auch im Rahmen von
Panikatta
cken
auftreten
. Hinweise für ein entzündlich-rheumatisches Leiden fehlten ebenso wie ein organisches Korrelat für die im Bereich des Trochanters rechts verspürten Beschwerden
(Urk. 10/
61/12).
Gestützt auf die
Resultate des
funktio
nellen Leistungstest
s
wäre
gemäss den Ärzten des
D._
von einer ganztä
g
igen Arbeitsfähigkeit in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit mit gewissen Einschränkungen auszugehen, jedoch sei diese wegen der multip
len komplexen Beschwerden nicht realisierbar. Die exakte Arbeitsfähigkeit sei insbesondere mittels
einer neurologischen und einer psychiatrischen Beurtei
lung
zu eruieren
(Urk. 10/
61/13
).
Zusammengefasst förderte die
seinerzeitige
rheumatologische Untersuchung keine gravierenden Befunde zu Tage
. Beim
Restless
-
L
egs
-Syndrom handelt es sich u
m eine neurologische Erkrankung (
http://www.schlafmedizin.insel.ch/de/-schlafwachkrankheiten/insomnien/restless-leg-syndrom
;
be
sucht am 19. März 2014
). Das von der Rheumaklinik durchgeführte
Arbeitsas
sessment
ergab
überdies
lediglich in qualitativer Hinsicht
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Unter diesen Umständen ist der Verzicht auf eine
zusätzliche
rheumatologische Begutachtung nicht zu beanstanden.
4.3
Weiter bemängelte der Beschwerdeführer
am
B._
-
Gutachten, dass die Dauer der Untersuchung nicht angegeben worden sei, dass das komplexe Beschwerdebild nicht in einer einmaligen Untersuchung erfasst werden könne
,
und dass die Teilgutachten als Referenz zum Gesamtgutachten fehlen würden, was das Gut
achten insgesamt weder schlüssig noch begründet erscheinen lasse
(Urk.
1 S.
7).
Da es für den Aussagegehalt eines medizinischen Gutachtens praxisgemäss nicht auf die Dauer der Untersuchung ankommt (vgl. etwa Urteil des Bundesge
richts 8C_639/2011 vom 5. Januar 2012, E. 4.3.1), ist das Vorbringen des Be
schwerdefü
hrers, eine Zeitangabe fehle,
vor dem Hintergrund der vollständigen und schlüssigen gutachterlichen Beurteilung, die
hier gegeben ist,
unbehelflich
.
Das
B._
-
Gutachten enthält zu sämtlichen fachärztlichen Untersuchungen detail
lierte Informationen
(
vgl.
Urk. 10/
76/15-28) und das Gutachten wurde von allen
mitwirkenden
Ärzten
unterzeichnet
(Urk. 10/
76/31)
, welche damit ihre Verantwortlichkeit für die Begutachtung und die daraus gewonnenen Ergeb
nisse bezeugten
. Separate Teilgutachten erübrigen sich bei dieser Ausgangslage
, bei welcher die Teilgutachten ins Hauptgutachten integriert wurden
.
Dafür, dass das Beschwerdebild nicht vollständig erfasst worden wäre, bestehen keine konkreten Anhaltspunkte.
4.4
Der Beschwerdeführer postuliert
, es sei auf den Bericht des
D._
,
Rheumatologie, über das
Arbeitsassessment
vom August 2009, abzu
stellen, bei welchem er über eine längere Zeit beobachtet und abgeklärt worden sei
(Urk.
1 S. 8).
Hierzu führte med.
pract
.
E._
,
Fachärztin für Innere Medizin und Ärztin des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
,
in ihrer Stellungnahme vom 5. Juni 2012
aus,
das
B._
habe
die Einschätzung
der 50%igen Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit zu Recht nicht übernommen, da zur Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit fachfremde Faktoren miteinbezogen worden seien. Aus rein rheumatolo
gischer Sicht sei derzeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
attestiert
worden. Die 50%ige Einschränkung habe sich aus der subjektiven Einschätzung des Beschwerdeführers sowie
aus
obgenannter
Berücksichtigung fachfremder Diagnosen ergeben
(Urk. 10/
93/3).
Dies ist zutreffend. Allein auf
grund der Testresultate der funktionellen Leistungstests wurde der Beschwerde
führer in einer angepassten Tätigkeit als ganztags arbeitsfähig erachtet
(Urk. 10/
61/13). Dies trotz der nur mässigen Leistungsbereitschaft bei den Tests, welche auf psychische Defizite zurückgeführt wurde
(Urk. 10/
61/11).
Die
Einschrän
kung des Tätigkeitsprofils erfolgte aufgrund der Panikstörung, welche bei der psychiatrischen Untersuchung durch das
B._
jedoch
nicht bestätigt werden konnte
(Urk. 10/
76/20), sowie aufgrund der
Abducenparese
, über welche der Beschwerdeführer beim
B._
gar nicht mehr berichtete
(Urk. 10/
76/15). Dem
entsprechend ist nicht von diesem, sondern vom durch die
B._
-
Gutachter for
mulierten Tätigkeitsprofil auszugehen.
4.5
Insgesamt erweist sich d
as Gutachten des
B._
somit
als überzeugend und wird durch
den Bericht des
D._
über das
Arbeitsassessment
nicht in Frage gestellt. Es genügt damit den für ein derartiges Beweismittel geltenden Anforderungen, weshalb darauf abgestellt werden kann. Dementspre
chend
bestand
ab dem
Zeitpunkt der
Verfügung vom 27. Mai 2009
eine
100%ige Arbeitsfähigkeit
in einer l
eichten bis mittelschweren
Tätigkeit
ohne Notwendigkeit des Ausübens von Arbeiten über Kopfniveau
(Urk. 10/
76/30).
Mit diesem Tätigkeitsprofil steht
dem Beschwerdeführer noch ein breites Spe
kt
rum an Hilfstätigkeiten offen
. Hilfstätigkeiten erfordern denn auch weder eine Ausbildung noch fundierte Deutschkenntnisse.
Damit kommen auch die von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung genannten Tätigkeiten
(Urk.
2 S.
2
) in Frage.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer beanstandete den von der Beschwerdegegnerin durchge
führten Einkommensvergleich (Urk.
10/80
) insofern, als kein Leidensabzug vor
genommen wurde. Er postuliert
einen Leidensabzug von mindestens 15
%
(Urk. 1 S. 9).
5.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durch
-
schnitts
werten
ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen
und insgesamt auf höchstens 25
% des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75).
5.3
Der
1954 geborene
Beschwerdeführer
war im Zeitpunkt des Verfügungserlasses 58 Jahre alt. Zu beachten ist zudem die lange Betriebszugehörigkeit. Der Beschwerdeführer arbeitete von 1981 bis 2000 für denselben Arbeitgeber (vgl.
Urk.
10/5/1). Dies sind Faktoren, die sich bei der Verwertung der Restarbeits
-
fähigkeit lohnmindernd auswirken können. Nicht ins Gewicht fällt vorliegend die geringe schulische respektive berufliche Ausbildung des Beschwerdeführers. Sowohl bei der angestammte
n
Tätigkeit als auch bei den nunmehr in Frage kommenden gelten diesbezüglich dieselben Voraussetzungen. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer für eine Verweistätigkeit voll einsetzbar ist. Den ein
gangs genannten Umständen ist nach dem Gesagten durch einen zusätzlichen Abzug von 10 % vom Invalideneinkommen Rechnung zu tragen.
Dadurch ver
ringert sich das Invalideneinkommen auf Fr. 55‘822.-- (0,9 x Fr. 62‘024.--). Bei einer invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse von Fr. 32‘470.-- (Fr. 88‘292 minus
Fr. 55‘822.--) ergibt sich ein Invaliditätsgrad von aufgerundet 37 %, welcher
keinen
Anspruch auf eine Invalidenrente
zu begründen vermag
.
Vorliegend unberücksichtigt geblieben ist, ob der Beschwerdeführer gegebenen
falls auch nach Eintritt des Gesundheitsschadens einer Nebenerwerbstätigkeit, analog der in den Jahren 1996 bis 1999 ausgeübten (vgl.
Urk.
10/6), nachge
gangen wäre, was bejahendenfalls bei der Bemessung des Invalideneinkommens berücksichtigt werden müsste und dieses entsprechend erhöhen würde. Dem
Valideneinkommen
hat die Beschwerdegegnerin das Zusatzeinkommen zu Grunde gelegt (vgl.
Urk.
10/80/1). Da der errechnete Invaliditätsgrad auch bei der vorliegenden Berechnung weniger als 40 % beträgt und demnach kein An
spruch auf eine Rente besteht, kann der betreffende Aspekt offen bleiben.
6.
6.1
Weiter führt der Beschwerdeführer an,
sein medizinisch-theoretisches
Leistungs
potential
könne er wegen seines komplexen Beschwerdebildes nicht mittels Eigenanstrengung ausschöpfen. Sein effektives funktionelles Leistungs
vermögen sei mittels eines Arbeitstrainings abzuklären. Zudem habe er An
spruch auf Umschulung. Dieser Anspruch sei zu Unrecht nicht geprüft worden
(Urk.
1 S. 10).
Das Bundesgericht geht in ständiger Rechtsprechung vom Regelfall aus, dass eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung verwertbar ist (Ulrich Meyer, Rechtsprechung zum IVG, 2. Auflage, Zürich 2010, S. 383). Praktisch bedeutet dies, dass aus ei
ner medizinisch attestierten Verbesserung der Arbeitsfähigkeit unmittelbar auf eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit geschlossen und damit ein entsprechen
der Einkommensvergleich (mit dem Ergebnis eines tieferen Invaliditätsgrades) vorgenommen werden kann.
Der Beschwerdeführer hält gestützt auf das Urteil des Bundesgerichts 9C_720/2007
vom 28. April 2008
dafür, die Invalidenrente sei ihm vorderhand weiterhin auszurichten, bis mit Hilfe medizinischer rehabilitativer oder beruf
lich-erwerblicher Massnahmen das theoretische Leistungspotential ausgeschöpft werden könne
(Urk.
1 S. 10).
Im angeführten Entscheid
erwog
das Bundesge
richt, dass bei der Frage nach der Möglichkeit der Selbsteingliederung die be
sonderen Umstände und die psychischen Auswirkungen von langjähriger
Chro
nifizierung
und Arbeitsabstinenz ausser Betracht gelassen worden waren. In jenem Fall zeichneten sich diese dadurch aus, dass die
Versicherte
aus gesund
heitlichen Gründen zeitlebens nie voll arbeitsfähig gewesen war, seit 1996 überhaupt nicht mehr gearbeitet und während 15 Jahren ei
ne Invalidenrente bezogen hatte. Hinzu kam, dass die
Versicherte
über ein sehr
schwaches
Leis
tungsprofil
verfügte, auf keine nennenswerten beruflichen Erfahrungen aus der Zeit vor Invaliditätseintritt zurückgreifen konnte und bereits
bei einem Arbeits
versuch im Umfang von 30 Prozent umgehend an die Grenzen ihrer Belastbar
keit gestossen war (Urteil des Bundesgerichts 9C_720/2007 vom 28. April 2008, E. 4.2).
6.2
Der Beschwerdeführer verfügt zwar über keine Berufsausbildung, aber über eine jahrzehntelange Berufserfahrung, nachdem er bereits nach fünf Jahren
Primar
schule
begann, Hilfsarbeiten auszuüben
(Urk. 10/
76/15). Dabei arbeitete er während einiger Jahre sogar mehr als 100
%
(Urk. 10/
5/2,
Urk.
10/6/2).
Auch vom möglichen Tätigkeitsprofil her ist der Beschwerdeführer nicht stark einge
schränkt, sondern sämtliche
l
eichten bis mittelschweren Hilfst
ätigkeit
en ohne Notwendigkeit des Ausübens von Arbeiten über Kopfniveau
sind ihm
zuzumuten
(Urk. 10/
76/30).
Was die wirtschaftliche Verwertbarkeit der medizinisch-theoretischen Rest
-
arbeits
kraft
angeht, ist zu beachten, dass der theoretische und abstrakte Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes einerseits ein bestimmtes Gleichge
wicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen umschliesst und anderseits einen Arbeitsmarkt bezeichnet, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen als auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 27
3
E. 4b; ZAK 1991 S. 321 E. 3b und 1985 S. 462 E. 4b; vgl. auch BGE 134 V 64 E. 4.2.1 und 130 V 34
3
E. 3.2). An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaus
-
sichten sind folglich praxisgemäss nicht übermässige Anforderungen zu stellen; diese hat vielmehr nur so
weit zu gehen, als im Einzelfall eine zuverlässige Ermitt
lung des Invaliditätsgrades gewährleistet ist, da für die Invaliditäts
-
bemessung nicht darauf abzustellen ist, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nützen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998 S. 290 f. E. 3b; vgl. Urteile des damaligen EVG
I 273/04 vom 29. März 2005, I 591/02 vom 5. Mai 2004, I 285/99 vom
13. März 2000 und U 176/98 vom 17. April 2000).
Unter diesen Gesichtspunkten und in Anbetracht der
Ausführungen im
B._
-
Gutachten, wonach es dem Beschwerdeführer
zumutbar ist, seine Arbeitskraft trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung in einer angepassten Tätigkeit vollumfänglich auszuschöpfen (Urk. 10/76/29 f.)
,
kann nicht gesagt werden, es falle beim gegebenen medizinisch-theoretischen Zumutbarkeitsprofil auf dem
als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt keinerlei Anstellung mehr in Betracht, sondern es ist vielmehr der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass die Verwertbarkeit des noch vorhandenen Restleistungsvermögens grund
sätzlich gewährleistet ist. Zwar hatte der ab 1.
Februar 2000 erfolgte
Rentenbe
zug
bis zur rentenaufhebenden Verfügung vom 27. Mai 2009
schon gut
neun
Jahre gedauert
und der Beschwerdeführer war damals 55 Jahre alt
, doch zieht
sein
konkretes
funktionelle
s
und graduelle
s
Leistungsvermögen keinen zusätzli
chen Eingliederungsbedarf nach sich, sondern die gegenüber der Eingliederung vorrangige Selbsteingliederung
führt
grundsätzlich direkt zu einer renten
aus
schliessenden
arbeitsmarktlichen
Verwertbarkeit des noch vorhandenen funkti
onellen Leistungsvermögens.
Auch angesichts der noch vorhandenen Aktivitä
ten, welche die Pflege sozialer Kontakte, Reisen ins Heimatland,
Haushaltsar
beiten
sowie andere Beschäftigungen zuhause beinhalten
(Urk. 10/
76/15,
Urk.
10/76/17)
,
steht einer Selbsteingliederung aus objektiver Sicht nichts ent
gegen, zumal aufgrund der subjektiven Krankheitsüberzeugung des Beschwer
deführers aus medizinischer Sicht Massnahmen beruflicher Art im vornherein ihren Zweck voraussichtlich nicht erfüllen könnten (vgl.
Urk.
10/76/31).
Die vom Beschwerdeführer angeführte
(Urk.
1 S. 1
0)
Einschätzung
des Kardiolo
gen,
angesichts der
erheblichen Depression mit Panik und Angst
-
störung sowie ungeklärten Episoden mit
Thoraxschmerzen
sei auch in angepasster Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben
(Urk.
3 S. 2), beruht auf fach
fremden Diagnosen, welche bei der fachärztlichen Begutachtung durch das
B._
nicht bestätigt werden konnten.
Festzuhalten ist ferner, dass auch die im Zusammenhang mit Frage der zumutba
ren Selbsteingliederung beantragte Weiterausrichtung der Rente ab 1. Juli 2009 (Urk. 1 S. 2) auch nicht unter dem Aspekt der aufschiebenden Wir
kung einer Beschwerde in Betracht fällt. Richtig ist, dass die
Beschwerdegegne
rin
dem Beschwerdeführer dies mit dem ersten Vorbescheid vom 27. März 2012 (Urk. 10/83) zunächst in Aussicht gestellt, davon aber mit dem zweiten Vorbe
scheid vom 19. April 2012 (Urk. 10/89) und mit der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) mit zutreffender Begründung abgesehen hatte.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.
7
.
Der Beschwerdeführer machte eine
Verschlechterung
seines
Gesundheitszu
stands und
sein
er Arbeitsfähigkeit nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 16. August 2012 geltend
(Urk.
13-15).
Dass er dies revisionsweise bei de
r Beschwerdegegnerin vorbrachte
ist korrekt, denn die angefochtene Verfügung bildet die
zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 132 V 215 E. 3.1.1 mit Hinweisen).
8
.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten dem Beschwer
deführer aufzuerlegen.