Decision ID: 52e7a35f-9d71-4bd8-98c2-f8ca4d853ba1
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juli 2017 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Sie hatte von August 2013 bis August 2016 eine
Lehre als Malerin absolviert (IV-act. 2-15 ff.). Danach war sie von August bis Dezember
2016 temporär in diesem Beruf tätig gewesen. Ab Mitte November 2016 war sie als
arbeitslos gemeldet gewesen (vgl. IV-act. 2-11 ff., 7 f.; 30 ff.). Am 30. Januar 2017 hatte
sie als Fussgängerin bei einem Verkehrsunfall erhebliche Verletzungen erlitten (vgl. IV-
act. 2-13, 11 f., Fremd-act. 1, 5). Aufgrund einer teilweise schon vor diesem Unfall
bestehenden komplexen Knieschädigung waren zudem mehrere Operationen erfolgt
(vgl. IV-act. 2-14, 14, 27, Fremd-act. 5, 32 f., 48).
A.a.
Prof. Dr. med. B._, Klinik C._, führte am 7. März 2018 aus, bei der
Versicherten seien grossflächige Kniegelenksschäden vorhanden, die eine langfristige
kniebelastende Tätigkeit, wie sie der Malerberuf mit sich bringe, nicht zuliessen und zu
einer frühen Invalidisierung führen würden. Insofern sei eine strenge medizinische
Indikation für eine adäquate Umschulung in eine wenig kniebelastende Tätigkeit
gegeben (IV-act. 27-1, vgl. auch Bericht vom 11. Dezember 2017; Fremd-act. 71). Der
RAD-Arzt Dr. med. D._ notierte am 5. August 2018, der Versicherten sei der
Malerberuf nach diversen Eingriffen am linken Kniegelenk auf die Dauer nicht mehr
zumutbar (IV-act. 28). Am 21. Juni 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
sie ihr eine Berufsberatung und eine Abklärung der beruflichen
Eingliederungsmöglichkeiten gewähre (IV-act. 36). Am 26. September 2018 erteilte die
A.b.
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IV-Stelle eine Kostengutsprache für eine berufliche Abklärung in der Rehaklinik Bellikon
vom 9. Oktober bis 6. November 2018 (IV-act. 42). Am 5. November 2018 wurde die
Abklärung bis zum 6. Januar 2019 verlängert (IV-act. 48). Für die Dauer der
Massnahme sprach die IV-Stelle der Versicherten gestützt auf ein massgebendes
Jahreseinkommen von Fr. 33'480.-- ein Taggeld von Fr. 58.90 zu (Verfügung vom 4.
Oktober 2018; IV-act. 43, vgl. auch IV-act. 49).
Am 30. Januar 2019 notierte der Berufsberater, dass die berufliche Abklärung
abgeschlossen und die Berufsrichtung Fachfrau Betreuung festgelegt worden sei (IV-
act. 59). Daraufhin erteilte die IV-Stelle am 5. Februar 2019 eine Kostengutsprache für
die Lehrvorbereitung in der Rehaklinik Bellikon vom 7. Januar bis 6. Februar 2019 (IV-
act. 61, 63). Am 11. März 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, sie übernehme
die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung im Sinne einer
Lehrvorbereitung vom 1. Februar bis 31. Juli 2019 sowie ein Job Coaching. Das
Praktikum finde im Altersheim E._ statt (IV-act. 65). Mit Verfügung vom 13. März
2019 sprach sie der Versicherten für die Dauer der Eingliederungsmassnahme vom 1.
Februar bis 31. Juli 2019 gestützt auf ein massgebendes Einkommen von Fr. 33'480.--
ein Taggeld von Fr. 73.60 zu (IV-act. 68).
A.c.
Dagegen liess die Versicherte am 10. April 2019 vorbringen, das Taggeld sei
falsch berechnet worden. Es sei auf das Einkommen abzustellen, welches sie
unmittelbar vor der Eingliederung erzielt hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
Massgeblich sei also der durchschnittliche Lohn gemäss dem Gesamtarbeitsvertrag
(GAV) für das Maler- und Gipsergewerbe ab dem 3. Dienstjahr (IV-act. 69). Die IV-Stelle
hielt in einem Schreiben vom 23. April 2019 an ihrem Entscheid fest. Sie führte aus,
massgebend sei das letzte ohne gesundheitliche Einschränkung erzielte
Erwerbseinkommen (IV-act. 70).
A.d.
Am 29. April 2019 liess die Versicherte gegen die Verfügung vom 13. März 2019
Beschwerde erheben. Sie liess beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und das
Taggeld sei neu zu berechnen und ab 1. Februar 2019 auszurichten (IV-act. 73). Der
"Fachbereich" der IV-Stelle notierte am 27. Mai 2019, es sei auf das letzte ohne den
Gesundheitsschaden erzielte Erwerbseinkommen abzustellen. Die Versicherte habe vor
ihrer Arbeitslosigkeit in den Monaten September bis November 2016 ein Einkommen
A.e.
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B.
von Fr. 13'147.50 erzielt. Aufgerechnet ergebe sich ein massgebender Jahreslohn von
Fr. 52'590.-- und damit ein Taggeld von Fr. 116.-- (IV-act. 81). Dementsprechend
widerrief die IV-Stelle am 27. Juni 2019 ihre Verfügung vom 13. März 2019 (IV-act. 90),
worauf das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen das Verfahren abschrieb
(Verfügung vom 25. Juli 2019; IV-act. 104).
Am 27. Juni 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, sie übernehme die
Kosten einer Vorbereitungsmassnahme im Hinblick auf die Umschulung zur Fachfrau
Betreuung EFZ beim Altersheim E._ vom 1. Februar bis 31. Juli 2019 sowie ein Job
Coaching (IV-act. 91). Mit einem Vorbescheid vom 27. Juni 2019 stellte die IV-Stelle der
Versicherten ab 1. Februar 2019 basierend auf einem massgebenden
Jahreseinkommen von Fr. 52'590.-- ein Taggeld von Fr. 116.-- in Aussicht (vgl.
Ausgleichskasse-act. 37, Dossier B). Mit einer Mitteilung vom 23. Juli 2019 übernahm
die IV-Stelle zudem die Kosten für die Umschulung zur Fachfrau Betreuung EFZ bei der
F._ vom 12. August 2019 bis 11. August 2022 und sie sprach für vorerst drei Monate
weiterhin ein Job Coaching zu (IV-act. 102). Am 29. Juli 2019 liess die Versicherte
gegen den Vorbescheid vom 27. Juni 2019 einen Einwand erheben und die Höhe des
Taggeldes beanstanden (IV-act. 105). Die IV-Stelle hielt in einem Schreiben vom 6.
August 2019 an ihrem Entscheid fest (IV-act. 109).
A.f.
Mit Verfügungen vom 10. September 2019 sprach die IV-Stelle der Versicherten
für die Eingliederungsmassnahmen basierend auf einem massgebenden
Jahreseinkommen von Fr. 52'590.-- Taggelder zu. Vom 1. Februar 2019 bis 11. August
2020 belief sich dieses Taggeld auf Fr. 116.00, vom 12. August 2020 bis 11. August
2021 unter Berücksichtigung einer Überversicherung (Einkommen) auf Fr. 110.70 und
ab 12. August 2021 auf Fr. 99.20 (IV-act. 116 f.).
A.g.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) liess am 27. September 2019
gegen die Verfügungen vom 10. September 2019 Beschwerde erheben und die
Aufhebung dieser Verfügungen, die Neuberechnung des Taggeldes und die
Ausrichtung des neu berechneten Taggelds ab dem 1. Februar 2019 beantragen. Sie
liess vorbringen, es sei auf das Einkommen abzustellen, dass sie als Malerin verdienen
würde, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Gemäss dem GAV für das Maler- und
B.a.
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Erwägungen
1.
Mit den angefochtenen Verfügungen vom 10. September 2019 hat die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin für die Dauer der beruflichen
Eingliederungsmassnahmen (1. Februar 2019 bis 11. August 2022) ein Taggeld von Fr.
Gipsergewerbe Deutschschweiz und Tessin bzw. dem vom zuständigen Verband zur
Verfügung gestellten Lohnrechner hätte sie im 3. Berufsjahr einen Jahreslohn von
mindestens Fr. 61'560.-- erzielt. Ab August 2019 sei entsprechend dem 4. Berufsjahr
als Malerin von einem Jahreslohn von Fr. 62'520.--, ab August 2020 (5. Berufsjahr) von
Fr. 63'360.-- und ab August 2021 (6. Berufsjahr) von Fr. 64'320.-- auszugehen. Bis
August 2019 habe sie daher Anspruch auf ein Taggeld von mindestens Fr. 134.90, ab
August 2019 von Fr. 137.05, ab August 2020 von Fr. 138.90 und ab August 2021 von
Fr. 141.-- (act. G1).
Am 19. Dezember 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Sie brachte vor, das massgebende Jahreseinkommen sei basierend auf
dem während den drei Monaten September bis November 2016 als temporär
beschäftigte Malerin erzielten Verdienst zu ermitteln. Bei einem Jahreseinkommen von
Fr. 52'590.-- bestehe ein Anspruch auf ein Taggeld von Fr. 116.-- (act. G6).
B.b.
Am 7. Januar 2020 liess die Beschwerdeführerin an den in der Beschwerde
gestellten Anträgen und Ausführungen festhalten. Eventualiter liess sie geltend
machen, selbst wenn der Lohn bei der temporären Anstellung massgeblich sein sollte,
liege dieser höher als von der Beschwerdegegnerin angenommen. Bei einem
Stundenlohn von Fr. 29.-- und einer Arbeitszeit von 42 Stunden pro Woche hätte sich
2016 ein Jahreslohn von Fr. 58'464.-- ergeben. Sie habe sich zur Vermittlung einer
100%-Stelle angemeldet und sei ohne ihr Verschulden teilweise nur stark reduziert
eingesetzt worden. Ausserdem sei davon auszugehen, dass sie in der Zwischenzeit
eine Festanstellung angenommen hätte und entsprechend dem GAV entschädigt
würde (act. G8).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (vgl. act. G
10).
B.d.
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116.-- zugesprochen. Strittig und zu prüfen ist die Höhe des Taggeldanspruches. Nicht
Streitgegenstand ist der bereits rechtskräftig verfügte Taggeldanspruch im Zeitraum
vom 9. Oktober 2018 bis zum 4. Januar 2019 (IV-act. 43, 48).
Versicherte haben während der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen
Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen
wegen der Massnahmen verhindert sind, einer Arbeit nachzugehen, oder wenn sie in
ihrer gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50% arbeitsunfähig sind (Art. 22 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Die
Grundentschädigung beträgt 80% des letzten ohne gesundheitliche Einschränkung
erzielten Erwerbseinkommens (Art. 23 Abs. 1 Satz 1 IVG). Hat die versicherte Person
vor mehr als zwei Jahren zum letzten Mal eine Erwerbstätigkeit ohne gesundheitliche
Einschränkung ausgeübt, so ist auf das Erwerbseinkommen abzustellen, das sie durch
die gleiche Tätigkeit unmittelbar vor der Eingliederung erzielt hätte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Art. 21 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung
[IVV; SR 831.201]). Weiter wird für die Bemessung des massgebenden Einkommens
zwischen Versicherten mit regelmässigem und solchen mit unregelmässigem
Einkommen unterschieden (vgl. Art. 21 f. IVV). Hat die versicherte Person kein
regelmässiges Einkommen gehabt, wird für die Ermittlung des massgebenden
Einkommens auf das während der letzten drei Monate ohne gesundheitliche
Einschränkung erzielte und auf den Tag umgerechnete Erwerbseinkommen abgestellt
(Art. 21 Abs. 1 IVV).
1.1.
bis
ter
Bei der Umschulung zur Fachfrau Betreuung EFZ vom 12. August 2019 bis
voraussichtlich 11. August 2022 sowie die im Hinblick darauf vom 1. Februar bis 31.
Juli 2019 durchgeführten Vorbereitungsmassnahme (Praktikum) handelt es sich um
berufliche Eingliederungsmassnahmen, die aufgrund ihrer Dauer zu einem
Taggeldanspruch geführt haben (vgl. Art. 17 IVV). Die Beschwerdegegnerin hat
demnach den grundsätzlichen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Taggelder für die
Zeit der Durchführung der beruflichen Massnahmen zu Recht bejaht (IV-act. 116 f.).
Das Bestehen des Taggeldanspruchs ist an sich denn auch nicht umstritten. Bevor die
Höhe des Taggeldes bestimmt werden kann, ist darauf hinzuweisen, dass einem IV-
Taggeld genau wie beispielsweise einer IV-Rente ein spezifisches
Versicherungsverhältnis zugrunde liegt, welchem eine eigene Definition des
versicherten Gutes innewohnt. Im Falle des IV-Taggeldes ist das versicherte Gut
gemäss Art. 23 Abs. 1 IVG nicht etwa wie bei der Invalidenrente (Art. 28 IVG) die
Erwerbsfähigkeit der versicherten Person, sondern das (fiktive) Erwerbseinkommen,
welches die versicherte Person ohne die gesundheitliche Einschränkung (bzw. ohne die
1.2.
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2.
Verhinderung durch die berufliche Eingliederungsmassnahme) erzielen würde. Der
versicherungsspezifische Schaden ist dabei der aus der beruflichen Abklärung selbst
oder der aus der Arbeitsunfähigkeit während dieser Abklärung resultierende
Einkommensverlust in Bezug auf die letzte ohne gesundheitliche Einschränkung
ausgeübte Tätigkeit, also die angestammte Tätigkeit der Person. Erst wenn dieser
Schaden eintritt, ist die vorgesehene Versicherungsleistung - nämlich das IV-Taggeld -
geschuldet (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Juli
2019, IV 2018/179, E. 2.2).
Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin mit einer Verfügung vom 4.
Oktober 2018 für die Dauer der beruflichen Abklärung in der Rehaklinik Bellikon vom 9.
Oktober bis 6. November 2018 ein Taggeld von Fr. 58.90, basierend auf einem
massgebenden Jahreseinkommen von Fr. 33'480.--, zugesprochen (IV-act. 43). Am 6.
November 2018 hat die Beschwerdegegnerin mitgeteilt, die Eingliederungsmassnahme
werde bis zum 4. Januar 2019 verlängert. Der Taggeldansatz bleibe unverändert (IV-
act. 49, gemäss Mitteilung vom 5. November 2018 dauerte die Verlängerung bis 6.
Januar 2019; vgl. IV-act. 48). Die Verfügung vom 4. Oktober 2018 ist unangefochten in
Rechtskraft erwachsen. Mit der genannten Verfügung sowie dem formlosen Schreiben
vom 6. November 2018 hat die Beschwerdegegnerin über den Taggeldanspruch für
den beschränkten Zeitraum vom 9. Oktober 2018 bis 4. Januar 2019 entschieden. Am
10. September 2019 hat die Beschwerdegegnerin dann über den Taggeldanspruch ab
Februar 2019 verfügt (vgl. IV-act. 116 f.). Sie hat dabei das massgebende Einkommen
und die Höhe des Taggeldes ohne jede Bindung an ihren früheren rechtskräftigen
Entscheid neu ermitteln müssen, weil es sich aufgrund der zeitlichen Beschränkung der
am 4. Oktober 2018 verfügten Taggeldzusprache bis zum 4. bzw. 6. Januar 2019 um
eine Neufestsetzung des Taggeldes ab 1. Februar 2019 gehandelt hat.
2.1.
Die Beschwerdeführerin hat im August 2016 ihre Lehre als Malerin abgeschlossen
(IV-act. 2-15 ff.). Von August bis Dezember 2016 hat sie sich durch die G._ AG
temporär als Malerin vermitteln lassen (vgl. IV-act. 31-10 ff.). Ab 16. November 2016 ist
sie als arbeitslos gemeldet gewesen (IV-act. 30). Nach ihrem Unfall vom 30. Januar
2017 ist sie bis zur Umschulung zur Fachfrau Betreuung EFZ bzw. dem
vorhergehenden Praktikum ab 1. Februar 2019 keiner Erwerbstätigkeit mehr
nachgegangen (vgl. IV-act. 7). Die Beschwerdeführerin hat damit letztmals im
Dezember 2016 ohne gesundheitliche Einschränkung eine Erwerbstätigkeit ausgeübt.
Bis zum Beginn des vorliegend strittigen Taggeldanspruchs (1. Februar 2019) sind
mehr als zwei Jahre vergangen. Folglich ist entgegen der Ansicht der
2.2.
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3.
Im Sinne eines obiter dictum ist festzuhalten, dass die Berechnung der Taggeldhöhe in
den angefochtenen Verfügungen selbst dann falsch wäre, wenn das massgebende
Einkommen - entsprechend dem Standpunkt der Beschwerdegegnerin – in Anwendung
des Art. 21 Abs. 1 IVV zu ermitteln wäre. Die Beschwerdegegnerin hat gestützt auf
die Lohnabrechnungen bzw. die Angaben der G._ AG für die Monate September bis
November 2016 ein Einkommen von insgesamt Fr. 13'147.50 berechnet. Daraus hat
sich ein Jahreslohn von Fr. 52'590.-- (Fr. 13'147.50 x 4) ergeben (IV-act. 31-10 ff., 32,
Beschwerdegegnerin (vgl. act. G6) bei der Bemessung des Taggelds auf das (fiktive)
Erwerbseinkommen abzustellen, das die Beschwerdeführerin durch die Tätigkeit als
Malerin unmittelbar vor der Eingliederung im Februar 2019 erzielt hätte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Art. 21 Abs. 3 IVV, vgl. Rz 3044 des Kreisschreibens über die
Taggelder der Invalidenversicherung [KSTI, gültig ab 1. Januar 2018]). Die
Beschwerdeführerin hat in ihrer Beschwerde geltend gemacht, der GAV für das Maler-
und Gipsergewerbe Deutschschweiz und Tessin sei massgebend. Der Verband stelle
einen Lohnrechner zur Verfügung; auf den dort angegebenen mittleren Lohn sei
abzustellen (act. G1). Dieser Lohnrechner berücksichtigt jedoch nur die Berufsgruppe,
das Alter, den Ausbildungsstand, das Dienstalter und den Einsatzkanton des
Arbeitnehmers. Das Resultat bezieht sich auf die Branche der Malerei und Gipserei (vgl.
act. G1.5). Der so ermittelte mittlere Lohn entspricht nicht dem (fiktiven) Einkommen,
welches eine Malerin mit dem beruflichen Können, der beruflichen Erfahrung und den
weiteren persönlichen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin erzielen könnte, sondern
dem Einkommen eines (in welcher Form auch immer) durchschnittlichen Malers oder
Gipsers mit dem formalen Ausbildungsstand der Beschwerdeführerin sowie mit deren
Alter und Dienstalter. Der Lohnrechner ist damit nicht geeignet, genau das (fiktive)
Einkommen zu ermitteln, das die Beschwerdeführerin in der Zeit ab dem 1. Februar
2019 erzielt hätte, wenn sie gesund gewesen wäre. Dieses ganz konkrete
Erwerbseinkommen lässt sich anhand der dem Versicherungsgericht zur Verfügung
stehenden Informationen nicht mit der nötigen Plausibilität bestimmen. Das bedeutet,
dass der Sachverhalt ungenügend abgeklärt worden ist. Die Sache ist deshalb an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird ihre Berufsberatung (oder eine
unabhängige berufsberaterische Fachperson) damit betrauen, das (fiktive) Einkommen
der Beschwerdeführerin als Malerin unter Berücksichtigung des (teilweise fiktiven)
beruflichen Könnens, der (teilweise fiktiven) beruflichen Erfahrung und den weiteren
(teilweisen fiktiven) persönlichen Fähigkeiten in der Zeit ab dem 1. Februar 2019 zu
ermitteln. Anschliessend wird sie basierend auf diesem (fiktiven) Einkommen neu über
den Anspruch auf Taggeld ab Februar 2019 verfügen.
ter
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89). Die Beschwerdeführerin hat jedoch überzeugend dargelegt, dass sie sich nach
dem Abschluss ihrer Lehre bei der G._ AG zur Vermittlung einer Tätigkeit im Umfang
von 100% angemeldet und dass sie im September 2016 auch mit einem Pensum von
rund 100% gearbeitet hatte, dass sie danach aber nur noch stark reduziert hatte
vermittelt werden können. Die Beschwerdeführerin hat also entgegen ihrer Absicht ihre
Arbeitskraft nicht mehr zu 100% verwerten können, so dass sie ungewollt nur ein stark
schwankendes Teilzeiteinkommen erzielt hat (act. G8). Gemäss der Rz 3011 f. KSTI ist
auf das zuletzt ohne gesundheitliche Einschränkung erzielte Erwerbseinkommen
abzustellen, und zwar auf den Stunden-, Vierwochen- oder Monatslohn. Für die
Umrechnung auf das massgebende Einkommen werden Tage, an denen die
versicherte Person u.a. wegen Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit, Mutterschaft oder
ohne ihr Verschulden aus anderen Gründen kein oder nur ein vermindertes
Erwerbseinkommen hat erzielen können, nicht berücksichtigt (vgl. Art. 21 Abs. 2 IVV).
Wie die Beschwerdeführerin überzeugend dargelegt hat, hat sie ohne ihr Verschulden
in den Monaten Oktober und November 2016 nur ein vermindertes Einkommen erzielen
können. Würde man das massgebende Einkommen im Sinne von Art. 21 Abs. 1 IVV
bestimmen, wäre also der mit der G._ AG vertraglich vereinbarte Stundenlohn auf ein
Pensum von 100% hochzurechnen.
4.
ter
Zusammenfassend sind die beiden angefochtenen Verfügungen vom 10.
September 2019 in teilweiser Gutheissung der Beschwerde vom 27. September 2019
aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird
den Sachverhalt im Sinne der Erwägungen weiter abklären.
4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der
Beschwerdeführerin ist der von ihr bezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr.
600.-- zurückzuerstatten.
4.2.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
4.3.
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