Decision ID: 8974d438-d562-547c-b5b5-3200854c0f71
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Kläger,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Sutter, Haus Eden, Paradiesweg 2,
Postfach, 9410 Heiden,
gegen
Atupri Krankenkasse, Zieglerstrasse 29, Postfach, 3000 Bern 65,
Beklagte,
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vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Gian Sandro Genna, dasadvokaturbuero,
Herrengasse 22, Postfach 663, 3000 Bern 7 Bärenplatz,
betreffend
Forderung (Taggeldleistungen)
Sachverhalt:
A.
A._ war über seine Arbeitgeberin, die B._ AG, St. Gallen, bei der Atupri
Krankenkasse, Bern, der Kollektiv-(Kranken)Taggeldversicherung (Police Nr. XXXXXXX)
angeschlossen (act. G 3.1.2). Am 13. Februar 2012 reichte die Arbeitgeberin eine
Krankmeldung ein, gemäss welcher der Versicherte seine Arbeit als Chauffeur am
16. Januar 2012 niedergelegt habe (act. G 3.1.5). Der behandelnde Arzt, Dr. med.
C._, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, bescheinigte zuhanden der Arbeitgeberin
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (act. G 3.1.6). Im ärztlichen Zwischenbericht für die
Krankenkasse vom 16. April 2012 nannte er als Ursache eine Diskushernie L5/S1 mit
Nervenwurzelkompression S1 rechts und eine Diskushernie L4/L5 mit
Nervenwurzelkompression L5 links. Neben der Schmerzmedikation fänden eine
Infiltrationstherapie und eine ambulante Physiotherapie statt. Allerdings seien bisher
nur minime Verbesserungen erreicht worden; die Prognose sei noch nicht konklusiv
beurteilbar, aber eher schlecht (act. G 1.5). Am 1. Mai 2012 beauftragte die
Krankenkasse Dr. med. D._ von der Medizinischen Gutachtenzentrum Region St.
Gallen GmbH, Rorschach (Nachfolgend: MGSG), mit einer orthopädischen Expertise.
Dieser hielt folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: eine
Diskushernie L4/L5 mit Spondylarthrose und links recessaler Enge sowie mässiger
Kompression der Nervenwurzel L5 links recessal und eine Diskushernie mit
Spondylarthrose L5/S1 mit Kompression der Nervenwurzel S1 rechts recessal sowie
eine Adipositas. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestehe eine proximale
Ansatztendinitis der Plantarfascie bei Senk-/Spreizfuss links. Eine Arbeitsfähigkeit als
Fahrer einer Wäschereifirma - einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit mit häufigem
Heben, Tragen und Schieben von Lasten über 5 bis 10 kg und dann auch häufigen
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inklinierten Körperhaltungen - sei ab Januar 2012 nicht mehr gegeben. Körperlich
leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend und
stehend ausgeübt werden könnten, ohne dass dabei häufig inklinierte und reklinierte
sowie rotierte Körperhaltungen eingenommen und Gegenstände über 3 kg gehoben
oder getragen werden müssten, könnten seit März 2012 bei voller Stundenpräsenz zu
90% zugemutet werden. Als Massnahme aus orthopädischer Sicht merkte er u.a. an,
dass bei erfolgloser konservativer Behandlung der lumbalen Schmerzen eine
chirurgische Revision der Lendenwirbelsäule diskutiert werden müsse (act. G 1.8). Mit
Schreiben vom 9. Juli 2012 teilte die Krankenkasse dem Versicherten mit, dass sie
nach Beurteilung sämtlicher medizinischer Akten des Dossiers durch den
Vertrauensarzt die bestätigte 100%ige Arbeitsunfähigkeit noch bis 31. Oktober 2012
anerkenne. Gemäss dessen medizinischer Auffassung sei der Versicherte ab
1. November 2012 für eine dem Gesundheitszustand entsprechende Tätigkeit zu 100%
arbeitsfähig. Deshalb würden die Taggeldzahlungen an den Arbeitgeber auf dieses
Datum hin eingestellt und er sei gebeten, eine Arbeit in einem anderen Erwerbszweig
zu suchen oder sich bei der Arbeitslosenkasse anzumelden (act. G 1.3).
B. Nach Sistierung der Taggeldzahlungen wandte sich der Versicherte an seine
Rechtsschutzversicherung. Dieser gegenüber hielt Dr. C._ im ärztlichen Zeugnis vom
22. Januar 2013 folgendes fest: Nach verschiedensten Therapien sei nach
langwierigem Verlauf nach Lendenwirbelsäuleninfiltration eine leichte Besserung der
Symptomatik eingetreten. Ab 1. November 2012 habe er den Versicherten für
leidensangepasste Tätigkeiten zu maximal 50% arbeitsfähig schreiben können. Die
gleiche Arbeitsfähigkeit würde von Dr. med. E._, Facharzt für Neurochirurgie,
bestätigt, welchem er den Versicherten zur genaueren Beurteilung zugewiesen habe
(act. G 1.7 [vgl. auch act. G 1.6]). Gestützt hierauf ersuchte die
Rechtsschutzversicherung die Krankenkasse am 28. Januar 2013 um rückwirkende
Wiederausrichtung der Taggelder für eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 1.4). Mit
Schreiben vom 15. Februar 2013 liess die Krankenkasse die Rechtsschutzversicherung
wissen, ihrer Meinung nach rechtfertigten es die beigebrachten Arztberichte von
Dr. C._ und Dr. E._ nicht, den Entscheid über die Taggeldeinstellung zu revidieren.
Bei Nichteinverständnis stehe der Klageweg offen. In diesem Fall würde eine erneute
Begutachtung beantragt (act. G 3.1.9). Eine Einigungsanfrage des neu mit der Sache
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betrauten Rechtsanwalts Dr. iur. P. Sutter, Heiden (act. G 3.1.10), beschied die
Krankenkasse abschlägig (act. G 3.1.11).
C.
C.a Am 2. April 2013 reichte Rechtsanwalt Sutter eine Klage beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ein und beantragte, es sei die Beklagte zu
verpflichten, dem Kläger den Betrag von Fr. 11'370.-- nebst 5% Zins seit dem 31. März
2013 zu bezahlen; sodann sei von einem Nachklagerecht des Klägers Vormerk zu
nehmen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Es handle sich also um eine echte
Teilklage. Zur Begründung führte er im Wesentlichen an, der Kläger sei nicht wie von
der Beklagten angenommen ab 1. November 2012 zu 100% erwerbsfähig, sondern es
läge ab diesem Datum lediglich eine Erwerbsfähigkeit von 50% vor, weshalb sie ihm
(vorab) für den Zeitraum vom 1. November 2012 bis 31. März 2013 150 (halbe)
Taggelder à Fr. 75.80 schulde. Gegebenenfalls sei ein Gerichtsgutachten zu erstellen
(act. G 1).
C.b Mit Eingabe vom 1. Mai 2013 liess die Krankenkasse, vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. iur. G.S. Genna, Bern, eine Klageantwort einreichen und Widerklage
erheben. Das Rechtsbegehren lautete auf Abweisung der Klage und Feststellung, dass
die Beklagte dem Kläger aus der Kollektiv-Krankentaggeldversicherung nichts schulde;
unter Kosten und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung bestritt er im Wesentlichen
die Behauptung des Klägers, er sei nur noch 50% arbeitsfähig, und berief sich dabei
auf das orthopädische Gutachten D._, welches er als unabhängig und umfassend
bezeichnete, sowie auf den beratenden Arzt der Beklagten, Dr. med. F._, welcher die
Schlüssigkeit dieses Gutachtens bestätigt habe. Ein Gerichtsgutachten sei nicht nötig;
sofern der Kläger darauf beharre, würde man sich einem solchen aber nicht
widersetzen. Zur Widerklage brachte er vor, diese sei nach der massgeblichen
Bundesgerichtspraxis zulässig, ergebe sich für die Beklagte doch, sofern der Kläger -
wie vorliegend - eine Teilklage erhoben habe, ein rechtliches Interesse, damit den
Nichtbestand des ganzen behaupteten Anspruchs oder des Schuldverhältnisses
feststellen zu lassen.
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C.c Mit Replik und Widerklageantwort vom 3. Juni 2013 liess der Kläger einerseits am
Klagebegehren festhalten, andererseits beantragte er Nichteintreten auf die
Widerklage; eventualiter sei diese abzuweisen. Die Beklagte ihrerseits liess mit Eingabe
vom 3. Juli 2013 an den gestellten Anträgen festhalten. Auf die Begründungen dieser
Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Die soziale Krankenversicherung umfasst die obligatorische Krankenpflegever
sicherung und eine freiwillige Taggeldversicherung (Art. 1a Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Krankenversicherung [KVG; SR 832.10]). Die Taggeldversicherung ist eine
Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung. Das Rechtsverhältnis zwischen
dem Versicherer und den Versicherten ist privatrechtlicher Natur (BGE 133 III 439
E. 2.1) und unterliegt nach Art. 12 Abs. 3 KVG dem Bundesgesetz über den
Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1). Vorliegend wird es zudem bestimmt durch
die Allgemeinen Vertragsbedingungen (AVB) der Beklagten für die kollektiven
Taggeldversicherungen nach VVG, Ausgabe vom 1. Juli 2011 (act. G 1.1).
1.2 Nach Ziff. 35.2 AVB steht dem Versicherungsnehmer bzw. der versicherten
Person bei Streitigkeiten aus dem Versicherungsvertrag wahlweise der Gerichtsstand
Bern oder der Gerichtsstand am schweizerischen Wohnsitz oder schweizerischen Sitz
zur Verfügung. Da der Kläger Wohnsitz in G._ hat, steht ihm der dortige
Gerichtsstand offen. Nach Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO;
SR 272) in Verbindung mit Art. 9 des kantonalen Einführungsgesetzes zur ZPO
(EGZPO; sGS 961.2) entscheidet das Versicherungsgericht als einzige kantonale
Instanz über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen
Krankenversicherung. Das angerufene Gericht ist nach dem Gesagten örtlich und
sachlich zuständig.
1.3 Klagen aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung sind gemäss
Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren
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zu behandeln, wobei gemäss Art. 219 ZPO die Bestimmungen über das ordentliche
Verfahren sinngemäss gelten (vgl. Christoph Leuenberger / Beatrice Uffr-Tobler,
Schweizerisches Zivilprozessrecht, Bern 2010, N 11.154, N 11.157). Art. 247 Abs. 2
ZPO sieht vor, dass das Gericht in solchen Streitigkeiten den Sachverhalt von Amtes
wegen feststellt (sogenannte "soziale" Untersuchungsmaxime; vgl. dazu etwa Urteil
des Bundesgerichts vom 19. April 2013, 4A_701/2012, E. 12 ff. mit Hinweisen). Es gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 157 ZPO; vgl. dazu Franz Hasenböhler
in: Sutter-Somm / Hasenböhler / Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Zivilgesetzordnung, Zürich / Basel / Genf 2. Aufl. 2013, N 8 f. zu Art. 157).
1.4 Nach Art. 14 Abs. 1 ZPO kann bei dem für die Hauptklage zuständigen Gericht
Widerklage erhoben werden, wenn die Widerklage mit der Hauptklage in einem
sachlichen Zusammenhang steht. Ein solcher ist vorliegend, wo es in beiden Fällen um
den Bestand oder Nichtbestand einer Forderung aus demselben Vertragsverhältnis
geht, zweifellos gegeben. Als weitere Voraussetzung verlangt Art. 224 Abs. 1 ZPO,
dass der geltend gemachte Anspruch nach der gleichen Verfahrensart wie die
Hauptklage zu beurteilen ist. Die Hauptklage ist vorliegend - wie gerade erwähnt - im
vereinfachten Verfahren durchzuführen. Dasselbe gilt in Anwendung von Art. 243
Abs. 2 lit. f ZPO auch für die erhobene Widerklage. Demzufolge ist das angerufene
Gericht auch zur Beurteilung der Widerklage sachlich und örtlich zuständig.
2.
2.1 Streitig und zu prüfen ist, ob der Kläger aus der Kollektiv-Taggeldversicherung mit
der Beklagten, Police Nr. XXXXXXX, über die aufgrund der Krankmeldung vom
13. Februar 2012 für die (seit 16. Januar 2012 bestehende) krankheitsbedingte
Arbeitsunfähigkeit bereits erbrachten Leistungen hinaus ab 1. November 2012
Anspruch auf weitere halbe Taggelder à Fr. 75.80 bis längstens 31. März 2013 hat.
2.2 Die Arbeitsunfähigkeit, welche die Leistungspflicht der Beklagten begründete, trat
- wie eben angegeben am 16. Januar 2012 - zufolge symptomatisch gewordener
Wirbelsäulendegenerationen (Diskushernien auf Höhe L4/L5 und L5/S1 mit
Nervenwurzelkompression L5 links und S1 rechts) auf. Die Meldung des Schadenfalls
erfolgte rechtzeitig innert der nach Ziff. 20.1 AVB dafür vorgesehenen Frist am
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13. Februar 2012. Am 16. April 2012 erstattete der behandelnde Dr. C._ der
Beklagten einen ärztlichen Zwischenbericht, worin er angab, die therapeutischen
Massnahmen (Schmerzmedikation, Infiltrationstherapie, ambulante Physiotherapie)
hätten bisher nur minime Verbesserungen der Symptomatik gebracht. Die Prognose sei
noch nicht konklusiv beurteilbar und eher schlecht. Die Arbeitsunfähigkeit betrage seit
16. Januar 2012 100% und es bestünden diesbezüglich und bezüglich der
angegebenen Beschwerden aus medizinischer Sicht keine Zweifel. Wann die
Wiederaufnahme der Arbeit erfolgen könne, sei noch offen. Der Vertrauensarzt der
Beklagten nahm diesen Zwischenbericht offenbar zum Anlass, die orthopädische
Begutachtung des Klägers zu veranlassen. Ein entsprechender Auftrag erging am
1. Mai 2012. Die Untersuchung selbst fand am 15. Mai 2012 durch Dr. D._ statt. Das
Gutachten wurde am 22. Mai 2012 erstattet. Darin wurden bezüglich der Wirbelsäule
die gleichen Befunde erhoben, die Dr. C._ in seinem Zwischenbericht erwähnt hatte.
Dr. D._ hielt ausdrücklich fest, dass seine aktuelle gutachterliche Einschätzung
derjenigen des Allgemeinmediziners Dr. C._ entspreche. Unter dem Titel
"Massnahmen aus orthopädischer Sicht" führte er an, bei erfolgloser konservativer
Behandlung der lumbalen Schmerzen müsse die chirurgische Revision der
Lendenwirbelsäule diskutiert werden (zudem sei eine massive Gewichtsabnahme
notwendig und Fersenschmerzen links sollten mittels eines nichtsteroidalen
Antirheumatikums und Physiotherapie sowie Schuheinlagen behandelt werden).
Es kann als bekannt vorausgesetzt werden, dass Rückenbeschwerden, wie sie beim
Kläger aufgetreten sind, zwar in den meisten Fällen - ebenso wie sie gekommen sind -
in wenigen Tagen oder Wochen wieder verschwinden. Häufig aber sind sie sehr
hartnäckig. Solange sie keine motorischen Ausfälle verursachen, ist immer die
konservative Behandlung angezeigt, mindestens während einiger Wochen. Die
Indikation zur operativen Entfernung einer Diskushernie ist mit Zurückhaltung zu
stellen, wenn es der Leidensdruck des Patienten verlangt, etwa bei unerträglichen
Schmerzen nach einer mehrwöchigen erfolglosen konservativen Behandlung oder
hartnäckigen radikulären Schmerzen mit Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit und
Lebensqualität während längerer Zeit. Wenn der Bandscheibenprolaps, der die
Nervenwurzeln komprimiert, entfernt werden kann, sind die Patienten in der Regel nach
der Operation schlagartig oder in kurzer Zeit von ihren radikulären Schmerzen befreit.
Bei richtiger Indikation und technischer Durchführung sind die Resultate überwiegend
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gut und zuverlässig (vgl. Alfred M. Debrunner, Orthopädie, orthopädische Chirurgie:
patientenorientierte Diagnostik und Therapie des Bewegungsapparates, 4. Aufl. Bern
2002, S. 885 ff.).
Bei diesen Gegebenheiten und bei den engen zeitlichen Verhältnissen im Behandlungs-
und Begutachtungsverlauf können die vorstehend geschilderten Aussagen von
Dr. D._ nur so verstanden werden, dass bis zum Zeitpunkt der von ihm
durchgeführten Expertise ein erfolgreicher Abschluss der konservativen Therapie noch
nicht stattfinden konnte und die Zeit für den Entscheid, ob die fortbestehenden
lumbalen Schmerzen operativ angegangen werden sollen, noch nicht reif war. Dies
ergibt sich auch aus seiner Stellungnahme zur Selbsteinschätzung der versicherten
Person (sie glaube, in Zukunft wieder arbeiten zu können), welche da lautet: "Zukünftig
sollte in Übereinstimmung mit der Einschätzung des Probanden die Arbeitsfähigkeit
nach erfolgreichem Abschluss der vorgeschlagenen therapeutischen Massnahmen
wieder gegeben sein". In dieser Situation ist es weder nachvollziehbar noch relevant,
wenn der Vertrauensarzt der Beklagten gestützt auf eine Beurteilung sämtlicher
medizinischer Unterlagen zum Schluss gelangte, der Kläger sei ab 1. November 2012
für eine seinem Gesundheitszustand entsprechende Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig
einzustufen, wie ihm das mit Schreiben vom 9. Juli 2012 mitgeteilt wurde. Die
Schadenminderungspflicht gemäss Ziff. 22.1 AVB, gemäss welcher eine in ihrem
angestammten Beruf arbeitsunfähige Person gehalten ist, auf entsprechende
schriftliche Aufforderung des Versicherers hin innert vier Monaten Arbeit in einem
andern Erwerbszweig zu suchen oder sich bei der Invaliden- oder
Arbeitslosenversicherung anzumelden, kommt nämlich erst zum Tragen, wenn
erfolgversprechende Therapiemöglichkeiten zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit
im angestammten Beruf realistischerweise nicht mehr vorhanden sind, ansonsten das
Abverlangen der erheblichen Anstrengung, eine neue Erwerbstätigkeit zu suchen und
sich in ein fremdes Gebiet einzuarbeiten, jedenfalls unverhältnismässig wäre. Im Juli
2012 war die Möglichkeit der Rückkehr des Versicherten in die angestammte Tätigkeit
mit Sicherheit noch nicht ausgeschlossen, weil die Diskussion über die
Operationsindikation überhaupt noch nicht geführt war. Auch bestand das
Arbeitsverhältnis mit der Wäschereifirma in jenem Zeitpunkt noch (act. G 3.1.6).
3.
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Damit erweist sich die mit Hinweis auf die Schadenminderungspflicht gemäss Ziff. 22.1
AVB auf den 1. November 2012 vorgenommene Taggeldeinstellung jedenfalls als
verfrüht. Und selbst wenn therapeutische Massnahmen keine relevante Verbesserung
der Arbeitsfähigkeit im bisherigen Chauffeurberuf mehr hätten bewirken können, wäre
die Sistierung der Taggelder zu früh erfolgt, sind doch zwischen der am 9. Juli 2012
erfolgten schriftlichen Aufforderung, eine Tätigkeit in einem anderen Erwerbszweig zu
suchen, und dem 1. November 2012 keine vier Monate vergangen, wie es die besagte
Vertragsbestimmung verlangt. Sofern sie denn aus formellrechtlicher Sicht als zulässig
erachtet werden muss (vgl. dazu nachfolgende Erwägung 6), wäre damit der
Widerklage, womit die Beklagte die Feststellung verlangt, dass sie dem Kläger aus der
Kollektiv-Krankentageldversicherung nichts (mehr) schuldet, die materielle Grundlage
entzogen.
4.
4.1 Der Kläger hat seine Anstellung als Chauffeur gemäss den Angaben von
Dr. E._ im Arztbericht vom 21. Januar 2013 im Sommer 2012 verloren (Auflösung des
Arbeitsverhältnisses erfolgte auf den 18. September 2012 [vgl. act. G 3.1.6]). Dr. C._
hat ihn auf den 1. November 2012 für leidensangepasste Tätigkeiten zu maximal 50%
arbeitsfähig geschrieben. Ob damit die Option einer Operation der Diskushernien
aufgegeben worden ist und damit eine Rückkehr in den angestammten Beruf definitiv
als nicht mehr möglich erachtet wurde, lässt sich den Akten nicht entnehmen.
Immerhin erwähnt Dr. E._ im genannten Arztbericht wiederum die Möglichkeit einer
Operation. Wie es sich damit verhält, kann jedoch, wie sich zeigen wird, offen bleiben.
4.2 Fest steht, dass der Kläger nach dem Verlust seiner Arbeitsstelle mit der
Wiedererlangung der 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer seinen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen angepassten Tätigkeit grundsätzlich im gleichen Umfang
anspruchsberechtigt gegenüber der Arbeitslosenversicherung geworden ist (vgl. zur
Vermittlungsfähigkeit und zur zumutbaren Arbeit Art. 15 und 16 des Bundesgesetzes
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung [AVIG;
SR 837.0]). Nach den vertraglichen Bestimmungen der Beklagten (Ziff. 22.1 AVB [vgl.
vorstehend Erwägung 2.2 Abs. 3]) hat er sich diese Anspruchsberechtigung im Rahmen
der Schadenminderungspflicht anrechnen zu lassen. Dies hat der Kläger offensichtlich
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auch anerkannt, hat er doch ab dem massgeblichen Zeitpunkt (Attest Arbeitsfähigkeit
50% auf den 1. November 2012) nur noch die Weiterausrichtung der halben
Krankentaggelder eingeklagt.
4.3 Der Kläger hat einen Anspruch auf 150 (halbe) Taggelder bis 31. März 2013
geltend gemacht. Die jüngsten medizinischen Berichte stammen vom 21. und
22. Januar 2013. Dr. E._ hält darin bezugnehmend auf die Ausführungen des
Hausarztes Dr. C._ fest, dass er den Patienten auch aus seiner (fachärztlich
neurochirurgischen) Sicht "zurzeit nur mehr zu 50% arbeitsfähig" erachte. Es sind keine
Anhaltspunkte vorhanden, aufgrund derer diese Einschätzung anzuzweifeln wäre.
Damit hätte die Beklagte zumindest vor dem 22. Januar 2013 keinen Anlass gehabt,
den Kläger schriftlich zur Verwertung einer höheren als der bisherigen
Restarbeitsfähigkeit anzuhalten oder gegenüber der Arbeitslosenversicherung eine
erhöhte Vermittelbarkeit zu melden. Eine gegebenenfalls zu gewährende viermonatige
Übergangsfrist im Sinn von Ziff. 22.1 AVB hätte demnach nicht vor Ende Mai 2013
ablaufen können. Nach - unbestrittener - Darstellung seines Rechtsvertreters war der
Kläger im Zeitpunkt der Replik (3. Juni 2013) nach wie vor teilerwerbsunfähig und
arbeitslos. Vor Ende Mai 2013 hat demnach keine Schadenminderung stattfinden
müssen, die berücksichtigt werden könnte. Mithin waren die eingeklagten halben
Taggelder auch umfangmässig (150 bis 31. März 2013) geschuldet. Dies führt zur
Gutheissung der Klage in beantragter Höhe von Fr. 11'370.--.
5.
Der Kläger beantragt die Verzinsung der ausstehenden Forderung zu 5% seit dem
31. März 2013. Gemäss Art. 100 VVG in Verbindung mit Art. 104 Abs. 1 des
Schweizerischen Obligationenrechts (OR; SR 220) hat der Schuldner, der mit der
Zahlung einer Geldschuld im Verzug ist, einen Verzugszins von 5% für das Jahr zu
zahlen. Voraussetzung für den Verzug sind die Fälligkeit der Forderung sowie die
Mahnung (Alfred Koller, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, S. 874 f.).
Nachdem die Leistungspflicht der Beklagten am 31. Oktober 2012 nicht endete, waren
die seither aufgelaufenen Taggeldzahlungen im Zeitpunkt ihrer Geltendmachung
zweifellos fällig. Bereits mit Schreiben vom 28. Januar 2013 hat die
Rechtsschutzversicherung die umgehende und rückwirkende Auszahlung der
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Krankentaggelder verlangt. Am 20. Februar 2013 hat der jetzige Rechtsvertreter
mitgeteilt, dass er die Ansprüche klageweise geltend machen werde, wenn es zu keiner
gütlichen Bereinigung der Angelegenheit kommen sollte. Damit waren die Ausstände
rechtsgenüglich gemahnt und auch der Verzugszinsantrag ist gutzuheissen.
6.
6.1 Damit bleibt zu prüfen, ob die Widerklage, die die Beklagte am 1. Mai 2013
zusammen mit der Klageantwort erhoben hat, begründet ist.
6.2 Die Beklagte und Widerklägerin verlangt die Feststellung, dass sie dem Kläger in
Bezug auf die seit dem 16. Januar 2012 bestehende Arbeitsunfähigkeit aus der
Kollektiv-Krankentaggeldversicherung nach VVG nichts mehr schulde. Im Verhältnis zur
Klage mit dem vorbehaltenen Nachklagerecht, die zufolge der zeitlichen
Individualisierung des behaupteten Anspruchs als unechte Teilklage zu qualifizieren ist
(vgl. Bopp / Bessenich, a.a.O., N 5 zu Art. 86; Markus in: Hausheer / Walter [Hrsg.],
Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Band I, Bern 2012, N 3 zu
Art. 86), handelt es sich dabei um eine negative Feststellungswiderklage zur Abwehr
einer Teilklage. Die Zulässigkeit einer solchen Rechtsvorkehr wird seit Inkrafttreten der
Schweizerischen ZPO von Lehre und Rechtsprechung, insbesondere hinsichtlich des
Feststellungsinteresses, einhellig bejaht (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. Juli
2013, 4A_80/2013, E. 6.4; vom 28. Oktober 2013, 4A_414/2013, E. 3.3; vom 1. Mai
2007, 5C.252/2006, E. 5.2; Bopp / Bessenich, a.a.O., N 8 zu Art. 86; Gremper / Martin,
Zulässigkeit und Schranken der negativen Feststellungswiderklage im vereinfachten
Verfahren nach der Schweizerischen ZPO in: AJP 2011, 90 ff., S. 93; Markus, a.a.O.,
N 45 zu Art. 88; Staehelin / Staehelin / Grolimund, Zivilprozessrecht, unter Einbezug
des Anwaltsrechts und des internationalen Zivilprozessrechts, 2. Auflage, Zürich /
Basel / Genf 2013, § 14 N 38 ff.; Wagner / Schmid / Santschi, Die Teilklagen im
vereinfachten Verfahren: ein Instrument zur risikoärmeren und schnelleren
Durchsetzung von Forderungen aus Personenschäden in: HAVE 2013, 322 ff., S. 325).
Das erforderliche Feststellungsinteresse für eine negative Feststellungswiderklage
ergibt sich demnach aus dem blossen Umstand der Einreichung einer (unechten)
Teilklage; die negative Feststellungswiderklage ist das legitime Verteidigungsmittel des
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Beklagten gegen die Erhebung einer Teilklage. Mithin stellt sie das prozessuale
Gegenstück zur Teilklage dar (Gremper / Martin, a.a.O., S. 92 f.).
6.3 Nach dem Gesagten ist auf die Widerklage einzutreten. Wie bereits ausgeführt
(Erwägung 3) erfolgte indessen die Sistierung der Taggelder per 1. November 2012
verführt, weshalb die (halben) Taggelder bis zum 31. März 2013 geschuldet sind
(Erwägung 4.3). Für die Zeit ab April 2013 wurde der Sachverhalt im vorliegenden
Verfahren nicht liquide dargestellt; insbesondere ist keine volle Arbeitsfähigkeit des
Klägers belegt. Dem Widerklageantrag kann somit nicht entsprochen werden und diese
Rechtsvorkehr ist abzuweisen.
7.
7.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Klage gutzuheissen. Die Beklagte
ist zu verpflichten, der Klägerin für den Zeitraum vom 1. November 2012 bis 31. März
2013 insgesamt 150 (halbe) Taggelder in der Höhe von total Fr. 11'370.-- nebst Zins zu
5% seit dem 31. März 2013 zu zahlen. Die Widerklage ist - wie gesagt - abzuweisen.
7.2 Der zur Bestimmung der Prozesskosten massgebliche Streitwert ergibt sich aus
den Streitwerten der Klage und der Widerklage; jedoch nur soweit sich diese nicht
gegenseitig ausschliessen (vgl. Art. 94 Abs. 2 ZPO). Vom Gesamtanspruch von 730
Taggeldern (abzüglich 30 Wartetage; vgl. Police Nr. 1008781, act. G 3.1, Beilage 2)
bzw. von Fr. 106'120.-- wurden für den Zeitraum vom 15. Februar bis 31. Oktober 2012
260 Taggelder bzw. Fr. 39'416.-- ausgerichtet und sind nicht bestritten. Weitere 150
(halbe) Taggelder für die Zeit vom 1. November 2012 bis 31. März 2013 bzw.
Fr. 11'370.-- klagt der Kläger im vorliegenden Verfahren ein; in diesem Umfang
schliessen sich somit Klage und Widerklage aus. Der Nachklagevorbehalt betrifft
ausschliesslich die Zeit ab dem 1. April 2013. Es verbleibt damit ein potenzieller
Restanspruch von 290 Taggeldern in der Höhe von maximal Fr. 43'964.-- (bei einer
Erwerbsunfähigkeit von 100%), welcher durch die Klage nicht ausgeschlossen wird.
Der massgebliche Streitwert aus Klage und Widerklage beträgt damit gesamthaft
Fr. 55'334.-- (= Fr. 11'370.-- + Fr. 43'964.--).
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7.3 Gerichtskosten sind keine aufzuerlegen (Art. 114 lit. e ZPO). Die
Parteientschädigung spricht das Gericht nach den kantonalen Tarifen zu (Art. 105
Abs. 2 i.V.m. Art. 96 ZPO). Das mittlere Honorar im Zivilprozess beträgt bei einem
Streitwert von Fr. 50'000.-- bis Fr. 100'000.-- Fr. 3'600.-- zuzüglich 8.8% des
Streitwerts (Art. 14 Abs. 1 lit. c der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten [HonO; sGS 963.75]); vorliegend Fr. 8'469.40 (Fr. 3'600.--
+ [Fr. 55'334.-- x 0.088]) Da das Versicherungsgericht Streitigkeiten aus
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung anstelle des Kantonsgerichts
als erste Instanz entscheidet, ist das mittlere Honorar unter Berücksichtigung von
Art. 15 HonO um einen Fünftel zu erhöhen. Damit resultiert ein Betrag von
Fr. 10'163.30. Angesichts der Tatsache, dass der vorliegende Fall in rechtlicher Weise
nicht als schwierig zu bezeichnen ist, erweist sich jedoch in Anwendung von Art. 17
HonO eine Herabsetzung des mittleren Honorars um einen Viertel als angemessen.
Somit hat die Beklagte den Kläger mit Fr. 7'622.45 zuzüglich Barauslagen von Fr.
304.90 (4% von Fr. 7'622.45 gemäss Art. 28bis Abs. 1 HonO) sowie der
Mehrwertsteuer von Fr. 634.20 (8% von Fr. 7'927.35), d.h. mit insgesamt Fr. 8'561.55
zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 14
der sankt-gallischen Verordnung über die Organisation und den Geschäftsgang des
Versicherungsgerichts (Org V; sGS 941.114)