Decision ID: 58b3ba72-a994-4a70-a422-66892784049f
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
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gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Massnahmen (erstmalige berufliche Ausbildung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ leidet an Trisomie 21 und einem angeborenen Herzfehler. Bis im Sommer
2008 besuchte er eine heilpädagogische Pflegeschule. Im Mai 2008 schnupperte er
während zwei Wochen in der B._ bzw. wurde beruflich abgeklärt. Im
Beobachtungsbogen vom 23. Mai 2008 wurde seitens der B._ festgehalten,
grundsätzlich bringe der Versicherte im praktischen und persönlichen Bereich die
Fähigkeiten mit, die für eine Anstellung an einem geschützten Arbeitsplatz gefordert
würden. Seine Fähigkeiten im kognitiven Bereich reichten für eine IV-Anlehre aber nicht
aus. Man empfahl eine Eingliederung in einem geschützten Dauerarbeitsplatz mit
entsprechender Eingliederungsmassnahme von mindestens sechs Monaten (IV-
act. 145-4 f.). Die Berufsberatung der Invalidenversicherung (IV) kam am 23. Juni 2008
zum Schluss, dass der Versicherte nach einer Ausbildung nicht den Mindestlohn von
Fr. 2.35 pro Stunde würde erwirtschaften können (IV-act. 146). Im August 2008 wurde
der Versicherte volljährig und erhielt einen Platz in der B._. Mit Verfügung vom 24.
September 2008 teilte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem Versicherten mit, dass
für eine erstmalige berufliche Ausbildung keine Kostengutsprache gewährt werde (IV-
act. 168).
A.b Mit Verfügungen vom 3. Oktober 2008 sprach die IV-Stelle dem Versicherten ab
1. September 2008 eine ganze Invalidenrente sowie eine Entschädigung für Hilflosigkeit
mittleren Grades zu (IV-act. 171, 172).
B.
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B.a Am 15. April 2009 teilte die Mutter des Versicherten der IV-Stelle mit, dass dieser
in der B._ sehr gute Leistungen erbracht habe, weshalb ab Sommer 2009 eine
Anlehre angestrebt werden könne (IV-act. 174). Die B._ hielt in einem Schreiben vom
15. Mai 2009 fest, der Versicherte habe in den vergangenen Monaten grosse
Entwicklungsschritte gemacht. Man sei überzeugt, dass er nun das nötige Potential für
eine IV-Anlehre mitbringe (IV-act. 178-2). Der Hausarzt des Versicherten, der
Allgemeinmediziner Dr. med. C._, unterstützte in seinem Schreiben vom 29. Mai
2009 die von der B._ empfohlene Anlehre sehr (IV-act. 178-1). Auf Anfrage der IV-
Stelle präzisierte die B._ am 16. Juni 2009, dass der Versicherte seit August 2008 in
der sozialen Entwicklung und in der selektiven und kognitiven Wahrnehmung einen
gewaltigen Entwicklungsschritt gemacht habe (IV-act. 180).
B.b Dr. C._ hielt im Arztbericht vom 14. August 2009 fest, dem Versicherten sei nur
einfache Arbeit in geschützter Werkstätte möglich. Lernpotential für einfache Abläufe
sei vorhanden. Die bisherige Tätigkeit sei dem Versicherten vollumfänglich zumutbar. In
der freien Wirtschaft sei er nicht arbeitsfähig. Eine Besserung der aktuellen
Symptomatik sei nicht zu erwarten (IV-act. 188). Der zuständige Arzt des IV-internen
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD), Dr. med. D._, erachtete am 23. September
2009 einzig eine erstmalige berufliche Ausbildung im geschützten Rahmen als möglich.
Die medizinischen Anspruchsvoraussetzungen für berufliche Massnahmen seien erfüllt
(IV-act. 191).
B.c Mit Vorbescheid vom 28. Mai 2010 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, Kostengutsprache für die erstmalige berufliche Ausbildung bei der B._ für
den Zeitraum vom 1. August 2010 bis 31. Januar 2011 zu erteilen (IV-act. 200).
B.d Die Mutter des Versicherten reichte der IV-Stelle am 13. Juli 2010 einen
Bewertungsbogen der B._ vom 1. Juli 2010 ein und warf die Frage auf, wofür die IV-
Anlehre denn nütze, wenn sie trotz guter Bewertung auf dem weiteren Berufsweg
nichts tauge (IV-act. 202-1). Im Bewertungsbogen war festgehalten worden, der
Versicherte habe eine gute und spürbare Entwicklung durchgemacht und weise
grosses Potential auf. Der Stand des ersten Ausbildungsjahres sei erreicht. Der Schritt
ins zweite Ausbildungsjahr stehe ausser Frage (IV-act. 202-6 f.).
B.e Die IV-Stelle verfügte am 30. Juli 2010 gemäss Vorbescheid (act. G 1.1).
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C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Advokat Martin Boltshauser von der
procap für den Versicherten erhobene Beschwerde vom 14. September 2010. Er
beantragte unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die
Zusprache der gesamten Dauer der Anlehre als erstmalige berufliche Massnahme. Dem
Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. In der
Beschwerdeergänzung vom 18. Oktober 2010 hielt der Rechtsvertreter fest, die
Beschwerdegegnerin stelle sich auf den Standpunkt, dass zwar der Verdienst von Fr.
2.35 pro Stunde erzielt werden könne, dass aber eine wirtschaftliche Verwertbarkeit in
einem rententangierenden Ausmass kaum erreicht werden könne und somit die
Leistungsdauer der zugesprochenen Ausbildung auf sechs Monate begrenzt bleiben
müsse. Diese Umschreibung widerspreche der gesetzlichen Idee des Art. 16 IVG
betreffend erstmalige berufliche Ausbildung in der generell vorliegenden Form. Eine
Begrenzung der Ausbildungsdauer könne lediglich aufgrund der allenfalls begrenzten
Fähigkeiten eines Versicherten stattfinden. Da der Beschwerdeführer in Zukunft eine
wirtschaftlich ausreichend verwertbare Arbeitsleistung werde erbringen können und
aufgrund der jetzigen Entwicklung auch nicht ganz ausgeschlossen werden könne,
dass er allenfalls sogar im ersten Arbeitsmarkt einer Teilerwerbstätigkeit nachgehen
könnte, sei die Begrenzung der Ausbildungsdauer auf sechs Monate ungerechtfertigt.
Dem Versicherten sei deshalb die beantragte Ausbildungsdauer von einem Jahr mit
einer Überprüfung und der Möglichkeit der Verlängerung um ein weiteres Jahr zu
gewähren. Eventuell sei die Angelegenheit zur genaueren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (act. G 4).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom
30. November 2010 die Abweisung der Beschwerde. Der Lehrmeister des
Beschwerdeführers habe gegenüber der IV-Stelle am 26. Januar 2010 telefonisch
angegeben, dass der Beschwerdeführer bereits zu diesem Zeitpunkt einen
Stundenlohn von Fr. 2.35 erzielen könne. Somit sei ausgewiesen, dass er den
erforderlichen Mindestlohn in einer geschützten Werkstätte schon ohne die
Kostengutsprache für die erstmalige berufliche Ausbildung erreichen könne. Streng
genommen hätte der Beschwerdeführer daher gar keinen Anspruch auf eine erstmalige
berufliche Ausbildung der IV. Der Beschwerdeführer werde durch die ihm
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zugesprochene Ausbildung seine Erwerbsfähigkeit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht in rententangierendem Ausmass verbessern können. Unter
Beachtung des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes könne eine über sechs Monate
dauernde Ausbildung nicht zulasten der IV finanziert werden (act. G 6).
C.c Der Beschwerdeführer verzichtete am 7. Februar 2011 auf eine Replik (act. G 11).

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) haben Invalide oder von einer Invalidität unmittelbar bedrohte Versicherte
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig sind, insbesondere
die Erwerbsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für
den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Zu den
Eingliederungsmassnahmen zählen gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG Massnahmen
beruflicher Art, worunter auch die erstmalige berufliche Ausbildung fällt.
1.2 Bei der Gewährung von Eingliederungsmassnahmen ist grundsätzlich nicht
erforderlich, dass die Massnahme den für den Rentenanspruch massgebenden
Invaliditätsgrad beeinflusst (BGE 108 V 210 E. 1d; Meyer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl. 2010, S. 101). Die Ausrichtung einer ganzen
Invalidenrente schliesst die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen nicht aus
(BGE 122 V 77; ZAK 1964 S. 493; 1992 S. 365 E. 1b).
2.
2.1 Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei
der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfang zusätzliche Kosten
entstehen, haben gemäss Art. 16 Abs. 1 IVG Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern
die Ausbildung ihren Fähigkeiten entspricht. Der erstmaligen beruflichen Ausbildung
gleichgestellt ist gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. a IVG die Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit
oder auf eine Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
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2.2 Für den Anspruch auf eine erstmalige berufliche Ausbildung müssen gemäss dem
vom Bundesamt für Sozialversicherungen herausgegebenen Kreisschreiben über die
Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art (KSBE) folgende Bedingungen kumulativ
erfüllt sein: Es muss eine Invalidität vorliegen, die die versicherte Person in der
beruflichen Ausbildung wesentlich einschränkt und erhebliche invaliditätsbedingte
Mehrkosten verursacht. Die versicherte Person muss eingliederungsfähig sein, d.h. sie
muss objektiv und subjektiv in der Lage sein, berufsbildende Massnahmen zu
bestehen. Die Ausbildung muss der Behinderung angepasst sein und den Fähigkeiten
der versicherten Person entsprechen. Sie muss zudem einfach und zweckmässig und
auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich ausgerichtet sein
(Rz. 3010 KSBE).
2.3 Die Arbeitsleistung der versicherten Person, die durch die berufliche Ausbildung
bzw. durch die Vorbereitung auf eine Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte erreicht
werden soll, muss eine gewisse wirtschaftliche Verwertbarkeit aufweisen. Im
Gegensatz zur erstmaligen beruflichen Ausbildung oder Umschulung im Allgemeinen
(vgl. dazu etwa ZAK 1992 S. 365 f.) verlangt die Praxis im Rahmen von Art. 16 Abs. 2
lit. a IVG im Hinblick auf die Eingliederungswirksamkeit nur eine minimale sachliche
Angemessenheit. Die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Arbeit eines Versicherten nach
der Ausbildung in einer geschützten Werkstätte wurde bereits bejaht, wenn der Lohn
dem Minimallohn entsprach, der für die Gewährung von Betriebsbeiträgen für
Werkstätten nach– per 1. Januar 2001 aufgehobenem – Art. 106 IVV erforderlich war
(Meyer, a.a.O., S. 184 und 101; vgl. auch IV-Rundschreiben 121 vom 8. April 1997).
Diese Praxis gilt weiterhin. Der Minimallohn beläuft sich heute auf Fr. 2.35 pro Stunde
(Rz. 3010 KSBE; vgl. auch S. 20 des Kreisschreibens über die Gewährung von
Betriebsbeiträgen an Werkstätten für die Dauerbeschäftigung Behinderter [Werkstatt-
Kreisschreiben, KSWS] in der ab 1. Januar 2007 gültigen Fassung). Die
Angewöhnungs- und Einführungszeit in Beschäftigungsstätten, die voraussichtlich zu
keiner wirtschaftlich ausreichend verwertbaren Arbeitsleistung der versicherten Person
führen wird (Leistungslohn unter Fr. 2.35 pro Stunde), fallen nicht unter Art. 16 IVG
(Rz. 3008 KSBE).
2.4 Als geschützte Werkstätten gelten kaufmännisch geführte Produktionsbetriebe,
deren Hauptzweck darin besteht, Invaliden, die nicht oder noch nicht in der freien
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Wirtschaft eingegliedert werden können, ein Erwerbseinkommen zu verschaffen (ZAK
1968 S. 427; Meyer, a.a.O., S. 183). Als Produktionsstätte unterscheidet sich die
geschützte Werkstätte eindeutig von Stellen, die Massnahmen mit
beschäftigungstherapeutischem Charakter durchführen. Die Betreuung von
Behinderten, die nicht in der Lage sind, wirtschaftlich verwertbare Arbeit zu leisten, fällt
nicht in den Bereich der geschützten Werkstätte (vgl. ZAK 1968 S. 428).
2.5 Betreffend die von der IV zu finanzierende Dauer der Vorbereitung der Tätigkeit in
einer geschützten Werkstätte hält Rz. 3020 KSBE fest, dass die im vom BSV
genehmigten Ausbildungsprogramm vorgesehene Ausbildungszeit, höchstens jedoch
eine solche von zwei Jahren gelte. In den übrigen Fällen der Vorbereitung auf eine
Hilfsarbeit in der freien Wirtschaft oder auf eine Tätigkeit in einer geschützten
Werkstätte betrage die Ausbildungsdauer bis sechs Monate.
3.
3.1 In einer ersten Beurteilung ging die B._ im Mai 2008, also noch vor Eintritt des
Beschwerdeführers in die B._, davon aus, dass er nicht in der Lage wäre, im von ihr
gewährleisteten geschützten Rahmen eine wirtschaftlich verwertbare Arbeit zu leisten.
Für eine eigentliche Einarbeitung in eine wirtschaftlich verwertbare Arbeitstätigkeit
wurde das schulische Potential als zu gering beurteilt, dies bedingt durch die
sprachliche Beeinträchtigung. In einem ersten Schritt musste daher insbesondere die
Selbständigkeit ausgebaut werden (IV-act. 145-4). Der im August 2008 begonnene
Einsatz des Beschwerdeführers in der B._ hatte folglich überwiegend
beschäftigungstherapeutischen, betreuenden Charakter, sodass in jener Zeit eine
Vorbereitung auf eine Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte gemäss Art. 16 Abs. 2
lit. a IVG nicht möglich war. Dies änderte sich im Lauf des ersten Jahres in der B._
aufgrund der persönlichen Fortschritte des Beschwerdeführers, sodass von den
involvierten Betreuern der B._ das Potential für eine Vorbereitung auf eine
wirtschaftlich verwertbare Tätigkeit im geschützten Rahmen bejaht wurde und er diese
Anlehre, die zweijährige praktische Ausbildung (PrA) zum Industriepraktiker, im August
2009 beginnen konnte (vgl. IV-act. 178-2). Das Ausbildungsprogramm wurde nach den
Richtlinien des INSOS, des nationalen Branchenverbands der Institutionen für
Menschen mit Behinderung, vom 31. Januar 2007 aufgebaut, wie sich dem im Internet
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zugänglichen Ausbildungsbeschrieb der B._ entnehmen lässt. Diese Richtlinien des
INSOS stützen sich explizit auf Art. 16 Abs. 2 lit. a IVG und Rz. 3013 sowie 3010 KSBE
einerseits und analog auf Art. 19 des Bundesgesetzes über die Berufsbildung (BBG; SR
412.10) und Art. 12 der Verordnung über die Berufsbildung (BBV; SR 412.101)
andererseits und sind im Internet abrufbar (www.insos.ch/de/dok/
Richtlinien_d-31.01.2007.pdf [Besuch am 17. Februar 2011]). Die Ausbildung richtet
sich gemäss Ziff. 1.1.1 der Richtlinien nach der entsprechenden 'Beruflichen
Grundausbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA)', jedoch mit dem Zusatz
'Praktische Ausbildung (PrA)'. Die Ausbildung dauert zwei Jahre (Ziff. 1.2.1) und fördert
nach feststehendem Programm Fach-, Methoden- sowie Sozial- und
Selbstkompetenzen (Ziff. 2.3).
3.2 Das BSV hat mit der B._ per 1. Januar 2008 eine Tarifvereinbarung für die
Durchführung von beruflichen Massnahmen gemäss Art. 27 IVG abgeschlossen (IV-
act. 190-2 ff.). In deren Geltungsbereich fällt gemäss deren Ziff. 1 auch die IV-Anlehre
Industriepraktiker (PrA).
3.3 Die positive Prognose, die dem Beschwerdeführer in Bezug auf die PrA seitens
der B._ (IV-act. 178-2; 180) und des Hausarztes (IV-act. 178-1) gestellt wurde,
bestätigte sich im Lauf des ersten Ausbildungsjahrs, sodass der Beschwerdeführer ins
zweite Jahr eintreten konnte (IV-act. 202-7).
3.4 Die Beschwerdegegnerin weist in der Beschwerdeantwort darauf hin, dass der
Beschwerdeführer gemäss einer telefonischen Angabe der B._ vom 26. Januar 2010
bereits zu jenem Zeitpunkt ein Mindesteinkommen von Fr. 2.35 pro Stunde hätte
erzielen können. Somit könne der Beschwerdeführer den erforderlichen Mindestlohn
bereits ohne die Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbildung erreichen,
sodass er "streng genommen" gar keinen Anspruch auf eine erstmalige berufliche
Ausbildung der IV habe. Vorab ist festzuhalten, dass der vom Ausbildungsbetrieb nicht
bestätigten Telefonnotiz vom 26. Januar 2010, die offenbar durch einen IV-
Sachbearbeiter erstellt wurde (IV-act. 195), kein Beweiswert zukommt. Weitere
diesbezügliche Abklärungen können jedoch unterbleiben. Denn freilich lässt es sich mit
den oben erläuterten Bestimmungen und Grundsätzen zur Eingliederung von
Versicherten in eine wirtschaftlich verwertbare Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte
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nicht vereinbaren, jegliche Ansprüche beim Erreichen eines Mindestlohns von Fr. 2.35
pro Stunde erlöschen zu lassen. Dieser Schwellenwert stellt ausschliesslich eine
Richtschnur dar bei der Überprüfung des Kriteriums der wirtschaftlichen Verwertbarkeit
einer Anlehre, Einarbeitung resp. Vorbereitung im Sinn von Art. 16 Abs. 2 lit. a IVG.
Wird die wirtschaftliche Verwertbarkeit – was vorliegend unbestritten ist – bejaht, so ist
die Ausbildung von der IV im üblichen Rahmen, insbesondere unter Beachtung der
Verhältnismässigkeit, zu übernehmen.
3.5 Wie erläutert, stützt sich die PrA für Industriepraktiker der B._ auf die Richtlinien
des INSOS und wurde vom BSV geprüft und tarifvertraglich anerkannt, woraus ohne
weiteres geschlossen werden kann, dass das BSV das Ausbildungsprogramm
genehmigt hat. Folglich ist mit Blick auf Rz. 3020 KSBE die vorgesehene
Ausbildungszeit von zwei Jahren von der IV zu übernehmen, zumal im Rahmen der
nach halber Ausbildungszeit durchgeführten Standortbestimmung (vgl. Ziff. 1.2.1 der
Richtlinien) die Weiterführung der Ausbildung unter Würdigung der erzielten Fortschritte
des Beschwerdeführers ausser Frage stand (IV-act. 202-7).
4.
4.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung vom
30. Juli 2010 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Der Beschwerdeführer hat
gestützt auf Art. 16 Abs. 2 lit. a IVG Anspruch auf Übernahme der Kosten für die
zweijährige praktische Ausbildung zum Industriepraktiker in der B._.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt vollumfänglich, sodass ihr als
nicht von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten befreiter selbstständiger
öffentlich-rechtlicher Anstalt die Gerichtsgebühr aufzuerlegen ist.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
bis
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(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Die am 3. Dezember 2010 bewilligte unentgeltliche Prozessführung
(act. G 8) wird bei diesem Verfahrensausgang gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP