Decision ID: f3a75a0d-2790-5a56-8a69-6a78cd430e0f
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im März 2013 unter Hinweis auf eine Vorfussamputation links
und eine damit einhergehende Durchblutungsstörung bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 11). Sie hatte eine Ausbildung als
Verkäuferin absolviert und war bis 1988 auf ihrem Beruf tätig gewesen. Von 2004 bis
2011 war sie als Verpackerin in Heimarbeit angestellt gewesen. Seit einigen Jahren
führte sie mit ihrem Ehemann einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb (IV-act. 11-6, 16,
18, 45-2). Dr. med. B._, Facharzt für Innere Medizin, berichtete der IV-Stelle am 29.
April 2013, dass die Versicherte seit 2006 an einer Thrombangiitis obliterans (Morbus
Bürger) leide. Es bestehe ein Status nach einer Vorfussnekrose links mit einer
Vorfussamputation im März 2012 mit einer Wundheilstörung und ausgedehnten
Stumpfulzerationen links sowie ein Status nach PTA krural links 2006 (IV-act. 30).
A.b Am 8. Juli 2013 berichtete Dr. B._, dass sich der Gesundheitszustand der
Versicherten bei ausgeprägtem Pflegemangel verschlechtert darstelle. Sie habe die
Kontrolltermine nicht wahrgenommen (IV-act. 31). Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD)
kam am 30. Juli 2013 zum Schluss, dass es der Versicherten aus medizinischer Sicht
zumutbar sei, sich in einem spezialisierten Wundzentrum stationär behandeln zu
lassen, damit endlich eine adäquate und konsequente Behandlung durchgeführt
werden könne (vgl. IV-act. 38-2). Daraufhin forderte die IV-Stelle die Versicherte auf,
sich möglichst bald in eine solche stationäre Behandlung zu begeben (IV-act. 32).
A.c Nachdem seitens der Versicherten keine Rückmeldung erfolgt war, teilte ihr die IV-
Stelle am 19. November 2013 mit, dass das Gesuch um IV-Leistungen ohne ihre
Mitwirkung nicht weiter bearbeitet werden könne (IV-act. 33). Da die Versicherte auch
auf dieses Schreiben nicht reagierte, wurde sie am 15. November 2013 von der IV-
Stelle auf ihre Auskunfts- und Mitwirkungspflicht hingewiesen. Gleichzeitig forderte die
IV-Stelle die Versicherte auf, ihr bis am 30. November 2013 Auskunft über die
laufenden oder die vorgesehenen medizinischen Massnahmen zu erteilen. Sie wies die
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Versicherte darauf hin, dass eine Unterstützung im Rahmen der beruflichen
Eingliederung abgewiesen werde, sollte sie dieser Aufforderung erneut nicht
nachkommen (IV-act. 36). Nachdem sich die Versicherte innert der ihr angesetzten Frist
wiederum nicht gemeldet hatte, teilte die IV-Stelle ihr am 3. Dezember 2013 mit, dass
kein Anspruch auf medizinische Massnahmen bestehe (IV-act. 40).
B.
B.a Im Januar 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten im Rahmen der
Rentenprüfung einen Haushaltfragebogen zu. Darin gab die Versicherte an, sie sei
zurzeit noch zehn Stunden pro Woche erwerbstätig. Ohne gesundheitliche
Einschränkung würde sie heute zu 100% im Verkauf oder Gastgewerbe tätig sein, da
aufgrund der wirtschaftlichen Lage des Bauernbetriebs dringend ein Zusatzeinkommen
nötig wäre. Die Planung und Organisation des Haushalts führe sie selbst durch. Sie
versuche, so viel wie möglich selbst zu erledigen (IV-act. 41).
B.b Am 13. Januar 2014 erfolgte eine Abklärung im Haushalt. Im entsprechenden
Abklärungsbericht wurde unter anderem festgehalten, dass der Betrieb keine wirkliche
Existenz biete (IV-act. 45-1 ff.). Die Abklärungsperson ging in ihrer Stellungahme vom
24. März 2014 davon aus, dass die Versicherte im Gesundheitsfall zu 72% als Bäuerin
und zu 28% im Haushalt tätig wäre. Für den Haushaltbereich ermittelte sie eine
Einschränkung von 15.5%, für die Tätigkeit als Bäuerin ging sie von einer 73.6%igen
Einschränkung aus (IV-act. 45-5, 45-12). Die Abklärungsperson hielt fest, dass die
Versicherte sehr ungepflegt wirke. Die Küchenordnung und die Sauberkeit
präsentierten sich in einem Zustand, wie sie ihn kaum je angetroffen habe. Dieser
Umstand stehe nicht im Zusammenhang mit der körperlichen Einschränkung, sondern
widerspiegle die Haltung der Versicherten zu Sauberkeit und Hygiene. Man sei
versucht zu sagen, dass in solchen Verhältnissen eine Wundheilung kaum erfolgreich
sein könne (IV-act. 45-11). Als Fazit hielt die Abklärungsperson fest, dass die
Versicherte aus versicherungsmedizinischer Sicht in einer leidensangepassten Tätigkeit
zu 100% arbeitsfähig sei. Auch für die Handarbeit auf dem Hof wäre sie in grossem
Masse arbeitsfähig, wenn die Wunde ausgeheilt wäre (IV-act. 45-13).
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B.c Im Juni 2014 berichtete Dr. B._ der IV-Stelle, dass sich die chronischen Ulcera
cruris bei Morbus Bürger und bei Status nach Vorfussnekrose links und
Vorfussamputation im März 2012 unverändert grossflächig präsentiere. Sie werde
aktuell intensiver behandelt, als dies vorher möglich gewesen sei. Die Behandlung
erfolge alternierend durch die Spitex und im Wundambulatorium des Spitals C._. Die
Versicherte sei nach wie vor zu 100% eingeschränkt und nicht arbeitsfähig. Die
Prognose sei eher fraglich und durch das Zigarettenrauchen bestehe eine
ungenügende Compliance (IV-act. 51, vgl. auch IV-act. 50).
B.d Der RAD notierte am 24. Juni 2014, dass die vom Hausarzt der Versicherten
geschätzte Arbeitsfähigkeit aufgrund der bestehenden Wundheilungsstörung
grundsätzlich nachvollzogen werden könne. Der Gesundheitszustand sei allerdings
nicht stabil. Die Versicherte müsse sich einer adäquaten Behandlung unterziehen.
Weiter müsse gewährleistet sein, dass die betroffene Extremität im Sinne der
medizinisch festgestellten Arbeitsunfähigkeit geschont werde (IV-act. 52).
B.e In der Folge tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen. Sie holte insbesondere die
Protokolle über die ambulante Behandlung der Versicherten durch die Spitex sowie die
medizinischen Verlaufsberichte des Spitals C._ ein (vgl. IV-act. 62, 66 ff., 80). Im
September 2014 wurde im Wesentlichen eine instabile gesundheitliche Situation
festgehalten. Die Versicherte habe sich motivieren lassen, sich nun regelmässig im
Wundambulatorium behandeln zu lassen. Eine erfolgversprechende
Wundheilungstendenz habe dadurch aber nicht provoziert werden können und eine
Wundheilung sei aktuell nicht absehbar (vgl. IV-act. 62-2). Im Oktober 2014 hielten die
behandelnden Ärzte fest, dass die Wundverhältnisse zwar unter entsprechender lokaler
Behandlung relativ sauber seien, dass aber keine wesentliche Heilungstendenz habe
erzielt werden können. Die Versicherte stehe einer Illomedin-Behandlung und einer
kathetertechnischen Therapie relativ skeptisch gegenüber (IV-act. 80).
B.f Im März und im Juni 2015 befand sich die Versicherte zur Säuberung der Wunde in
stationärer Behandlung im Spital C._. Am 22. Juli 2015 berichteten die behandelnden
Ärzte der IV-Stelle, dass die Ulcera gereinigt und durch ein Spalthauttransplantat
gedeckt worden sei. Im weiteren Verlauf habe jedoch beobachtet werden müssen,
dass das Transplantat nicht anheile und die Ulcera bei den ambulanten Behandlungen
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wieder zunehmend schmierig belegt seien. Der Erfolg der stationären Behandlung sei
immer wieder durch die nachfolgenden ambulanten Behandlungen vernichtet worden.
Aufgrund der ausgeprägten Ulcera seien Arbeiten im Stall oder auf dem freien Feld in
der bisherigen Landwirtschaftstätigkeit und körperliche Arbeiten in unreiner Umgebung
nicht möglich. Aktuell bestehe auch im Rahmen einer möglichen Bürotätigkeit eine
Leistungsverminderung. Schätzungsweise sei aktuell eine Arbeitsfähigkeit von 20%
gegeben (IV-act. 76).
B.g Am 29. Juli 2015 notierte der RAD, aufgrund der noch nicht abgeschlossenen
Wundheilung sei nachvollziehbar, dass eine Tätigkeit in der Landwirtschaft nicht
geeignet sei. Die von den behandelnden Ärzten angegebene 20%ige Arbeitsfähigkeit
dürfte der Wirklichkeit entsprechen. Da die Wundbehandlungen noch recht zeitintensiv
seien, sei die Versicherte auch in einer adaptierten Tätigkeit wohl nicht wesentlich über
50% arbeitsfähig. Erstaunlich sei, dass im Rahmen des stationären Aufenthalts
Fortschritte erzielt worden seien. Die Anmerkung, dass der Erfolg durch die ambulante
Behandlung zunichte gemacht werde, sei bemerkenswert. Hierbei gehe es nicht um die
Leistung der Spitex, sondern um die Frage, ob die Versicherte alle Auflagen erfülle und
darum, sicherzustellen, dass sie nicht in unreiner Umgebung arbeite (IV-act. 78-2).
B.h In einer internen Stellungnahme vom 2. September 2015 hielt die zuständige IV-
Sachbearbeiterin fest, aufgrund der vorhandenen Akten könne angenommen werden,
dass die nötige Hygiene fehle, die Versicherte trotz ihrer Einschränkungen ihren
Ehemann in der Landwirtschaft weiter unterstütze und die Wunde somit nicht oder nur
schwer heilen könne (IV-act. 81).
B.i Der RAD hielt am 28. September 2015 abschliessend fest, dass die Versicherte bei
einer erfolgreichen Wundheilung, die unter Beachtung adäquater
Umgebungsbedingungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu erwarten sei, in
einer angepassten, wechselbelastenden, überwiegend sitzenden Tätigkeit ohne Heben
und Tragen von Lasten über 10kg zu 100% arbeitsfähig sei. Aus rein medizinischer
Sicht sei die jetzige Tätigkeit als Mitarbeiterin im Landwirtschaftsbetrieb auf Dauer
nicht geeignet und nicht zumutbar (Suva-act. 83).
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B.j Gestützt darauf erliess die IV-Stelle am 9. Oktober 2015 einen Vorbescheid, in
welchem sie der Versicherten die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht stellte.
Zur Begründung führte sie an, dass die Versicherte ohne Gesundheitsschaden
weiterhin als Bäuerin in einem 72%-Pensum tätig wäre. Die restlichen 28% entfielen in
den Aufgabenbereich. Aus medizinischer Sicht sei die Weiterausübung der Tätigkeit als
Bäuerin nicht geeignet. Ein Berufswechsel könne der Versicherten zugemutet werden
und in einer adaptierten Tätigkeit betrage die Arbeitsfähigkeit mindestens 50%. Im
Haushalt sei sie zu 15% eingeschränkt. Daraus ergebe sich ein Invaliditätsgrad von
27.38% und damit kein Rentenanspruch (IV-act. 87).
B.k Dagegen wandte die Versicherte am 3. November 2015 im Wesentlichen ein, dass
die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit weniger als 50% betrage. Sie sei trotz
Medikamenten nicht schmerzfrei und müsse sich spätestens nach fünf Minuten
hinsetzen oder besser hinlegen. Sie könne nicht im Verkauf arbeiten. Auch im
Landwirtschaftsbetrieb bestehe eine höhere Einschränkung, da sie gemäss ärztlicher
Vorschrift weder den Stall betreten noch bei der Ernte mithelfen dürfe (IV-act. 89). Mit
Verfügung vom 24. November 2015 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der
Versicherten wie angekündigt ab (IV-act. 90).
C.
C.a Gegen diese Verfügung vom 24. November 2015 erhob die Versicherte am 8.
Januar 2016 (Datum Postaufgabe) Beschwerde und beantragte sinngemäss die
Zusprache einer Invalidenrente. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen das
bereits im Einwand Vorgebrachte geltend (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 14. März 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie an, dass die
Beschwerdeführerin die Schadenminderungspflicht bzw. die
Selbsteingliederungspflicht nicht erfüllt habe. Sie habe sich zwar einer zumutbaren
medizinischen Heilbehandlung unterzogen. Dabei habe sich auch gezeigt, dass eine
Besserung des Gesundheitszustandes möglich sei, denn die stationären Behandlungen
seien erfolgversprechend gewesen. Die Wundheilung sei aber immer wieder durch die
nachfolgenden ambulanten Behandlungen vernichtet worden. Die medizinische
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Heilbehandlung wäre somit geeignet gewesen, die Erwerbsfähigkeit zu verbessern.
Entgegen den Ausführungen in der angefochtenen Verfügung sei die
Beschwerdeführerin aus diesen Gründen nicht zu 50%, sondern zu 100% arbeitsfähig.
Als gelernte Verkäuferin sei es ihr möglich, an der Kasse zu arbeiten. Ferner sei ihr eine
Hilfsarbeitertätigkeit jeglicher Art zumutbar, wenn diese wechselbelastend und
überwiegend sitzend sei sowie kein Heben und Tragen von Lasten über 10kg beinhalte
(act. G 4).
C.c Mit Replik vom 15. April 2015 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Ausführungen
fest. Ergänzend machte sie geltend, dass sie nicht im Verkauf an der Kasse arbeiten
könne, da sie mit der offenen Wunde nicht mit Lebensmitteln arbeiten dürfe. Eine
auswärtige sitzende Büroarbeit könne sie auch nicht ausführen, da sie sich wegen der
Schmerzen nach einer Stunde wieder hinlegen müsse. Sie habe alles Zumutbare
versucht und trotzdem sei keine Veränderung eingetreten (act. G 6).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (vgl. act. G
8).

Erwägungen
1.
1.1 Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1
ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
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1.2 Eine Invaliditätsbemessung gemäss Art. 16 ATSG kann somit erst erfolgen,
nachdem die medizinische Behandlung und allfällige Eingliederungsmassnahmen
durchgeführt worden sind. Damit wird ausdrücklich auf die IV-spezifische Ausprägung
der allgemeinen Schadenminderungspflicht, nämlich auf den Grundsatz der
„Eingliederung vor Rente“, Bezug genommen (vgl. auch UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015, Vorbemerkungen, N 81 ff.). Eine
rentenbegründende Invalidität kann also erst vorliegen, wenn von (weiteren)
Eingliederungsmassnahmen keine "Schadenminderung", d.h. keine Reduktion der
drohenden behinderungsbedingten Erwerbseinbusse (mehr) erwartet werden kann. Der
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beinhaltet nicht nur die berufliche, sondern auch
die medizinische Eingliederung. Mit anderen Worten besteht auf eine Invalidenrente so
lange kein Anspruch, als der Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf eine
Gesundheitsbeeinträchtigung zurückzuführen ist, die mittels medizinischer
Behandlungsmassnahmen noch behoben oder gemindert werden kann.
2.
2.1 Gemäss den bei den Akten liegenden medizinischen Berichten leidet die
Beschwerdeführerin seit der Vorfussamputation im März 2012 an ausgeprägten
Ulcerationen. Im Zeitpunkt des Erlasses der rentenabweisenden Verfügung ist die
Wundheilung immer noch nicht abgeschlossen gewesen; der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin hat sich somit nach wie vor als instabil präsentiert. Mit Blick auf
das vorstehend Dargelegte (vgl. E. 1.2) stellt sich entsprechend die Frage, ob die
geeigneten und zumutbaren Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft worden sind,
d.h. ob die Beschwerdeführerin alles ihr Zumutbare unternommen hat, um ihre
gesundheitliche Situation zu verbessern.
2.2 Aus dem aktenmässigen Verlauf ergibt sich, dass der Hausarzt der
Beschwerdeführerin im April 2013 als Therapiemassnahmen ein striktes Nikotinverbot
sowie das Sauberhalten der Ulcerationen empfohlen hat (IV-act. 30-2). Im Juli 2013 hat
er auf einen ausgeprägten Pflegemangel hingewiesen und berichtet, dass die
Beschwerdeführerin mehrere Kontrolltermine nicht wahrgenommen habe (IV-act. 31).
Der Aufforderung der IV-Stelle, sich einer adäquaten Behandlung zu unterziehen, hat
die Beschwerdeführerin zu dieser Zeit keine Folge geleistet (vgl. IV-act. 32, 33, 36,
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38-2, 40). Anlässlich der Haushaltabklärung vom Januar 2014 hat die zuständige
Abklärungsperson zudem auf fragwürdige hygienische Umstände auf dem von der
Beschwerdeführerin bewirtschafteten Bauernhof hingewiesen. So habe die
Beschwerdeführerin trotz der nicht verheilten Wunde auch im Freien offenes
Schuhwerk (sog. „Gummi-Schlüpfschuhe“) getragen (IV-act. 45-11). Erst ab Mai 2014
hat die Beschwerdeführerin die Wunde regelmässig durch die Spitex sowie im
Wundambulatorium des Spitals C._ behandeln lassen. Im Juni 2014 hat der Hausarzt
der Beschwerdeführerin festgehalten, dass die Wunde nun intensiver behandelt werde.
Gleichzeitig hat er jedoch auf die ungenügende Compliance der Beschwerdeführerin
wegen ihres Nikotinkonsums hingewiesen (IV-act. 51). Auch die behandelnden Ärzte
des Spitals C._ haben im September 2014 berichtet, dass nicht mit Sicherheit gesagt
werden könne, ob die Beschwerdeführerin den strikt empfohlenen Verzicht auf Nikotin
einhalte (IV-act. 62). Im Oktober 2014 haben die Ärzte zudem festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin weiteren Therapie- und Behandlungsmassnahmen skeptisch
gegenüber stehe (IV-act. 80).
2.3 Eine wirkliche Verbesserung der Wundverhältnisse und damit der gesundheitlichen
Situation der Beschwerdeführerin hat nach Lage der Akten jeweils nur im Rahmen von
stationären Aufenthalten erzielt werden können. So war die Beschwerdeführerin im Mai
2014 aufgrund einer gynäkologischen Operation im Spital C._ hospitalisiert. In
diesem Rahmen wurde bei völlig desolaten Wundverhältnissen eine einmalige feuchte
Wundbehandlung vorgenommen, welche innerhalb von 12 Stunden zu einer sauberen
Wunde führte (IV-act. 62-3). Auch anlässlich der beiden stationären Aufenthalte zur
Säuberung der Wunde im März und Juni 2015 hat insofern ein Fortschritt erzielt werden
können, als die Wunde für eine Spalthauttransplantation sauber genug gewesen ist.
Der Erfolg der stationären Behandlungen ist jedoch gemäss den Angaben der
behandelnden Ärzte„immer wieder durch die nachfolgende ambulante Behandlung
vernichtet“ worden (vgl. IV-act. 76-2). Wie der RAD nachvollziehbar dargelegt hat, ist
davon auszugehen, dass die Ärzte des Spitals C._ mit dieser Bemerkung nicht die
Pflegeleistungen der Spitex bzw. des spitaleigenen Wundambulatoriums in Frage
gestellt haben. Die Behandlungsprotokolle (vgl. IV-act. 66 ff.) enthalten denn auch
keine Hinweise darauf, dass die ambulanten Behandlungen nicht bestmöglich
durchgeführt worden wären. Vielmehr überzeugt die Einschätzung des RAD, dass
unhygienische Verhältnisse die Wundheilung der Beschwerdeführerin verlangsamen
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bzw. verhindern (IV-act. 52, 78-2). Dabei ist es auch für einen medizinischen Laien
nachvollziehbar, dass unter Beachtung adäquater Umgebungsbedingungen eine
erfolgreiche Wundheilung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu erwarten wäre.
Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin scheinbar auch das von den Ärzten im
Zusammenhang mit der besseren Wundheilung empfohlene strikte Nikotinverbot nicht
eingehalten hat. Dabei steht es ausser Frage, dass mit einer erfolgreichen Heilung der
Wunde am Fuss eine erheblichen Steigerung der rentenrelevanten Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin (von gegebenenfalls bis zu 100% in adaptierten Tätigkeiten, vgl.
IV-act. 83, vgl. auch IV-act. 45-13, 81) erreicht werden könnte.
2.4 Gesamthaft ist damit aufgrund der vorliegenden Akten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die medizinische Eingliederung im massgebenden
Zeitraum bis zum Erlass der rentenabweisenden Verfügung noch nicht abgeschlossen
gewesen ist. Unter diesen Umständen ist die Beschwerdeführerin nicht als invalid i.S.v.
Art. 8 ATSG zu erachten und es besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente (vgl. E.
1). Bei noch nicht abgeschlossener medizinischer Eingliederung ist die Rentenprüfung
durch die Beschwerdegegnerin somit zu früh erfolgt. Die Beschwerdegegnerin wird das
Verwaltungsverfahren zur Prüfung des Anspruchs auf eine Rente bis zum Abschluss
der medizinischen Eingliederung weiterzuführen haben. Dabei könnte es sich unter
Umständen rechtfertigen, in Bezug auf den Umgang der Beschwerdeführerin mit ihrer
Wunde an ihrem Fuss den Art. 21 Abs. 4 ATSG zur Anwendung zu bringen.
3.
3.1 Im Sinne eines obiter dictum ist festzuhalten, dass selbst wenn die (medizinische)
Eingliederung im vorliegenden Fall abgeschlossen, d.h. der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin zu prüfen gewesen wäre, die Invaliditätsbemessung nach einem
reinen Einkommensvergleich gemäss Art. 16 ATSG hätte vorgenommen werden
müssen. Nur wenn einer versicherten Person, die vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen ist, die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit objektiv nicht zugemutet werden kann, ist die Invalidität auf eine
andere Weise zu ermitteln (Art. 8 Abs. 3 ATSG und Art. 5 Abs. 1 IVG). Diese Ausnahme
bezieht sich nach dem Willen des historischen Gesetzgebers ausschliesslich auf noch
nie erwerbstätige Hausfrauen (vgl. BBl 1958 II 1162 und den Bericht der
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Expertenkommission vom 30. November 1956, S. 27 und 116 ff.). Weder aus
systematischer noch aus teleologischer Sicht ist ein Grund ersichtlich, der gegen diese
enge Beschränkung des Betätigungsvergleichs als Bemessungsmethode sprechen
würde, denn das versicherte Gut in der Invalidenversicherung ist die Erwerbsfähigkeit,
die naturgemäss anhand eines Einkommenspotentials zu bemessen ist (vgl. zum
Ganzen die ausführliche Begründung im Entscheid IV 2014/125 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 24. Mai 2016, E. 2.2).
3.2 Da die Beschwerdeführerin vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung
erwerbstätig gewesen ist (vgl. IV-act. 11-6, 16, 18, 45-2), hat gemäss den
vorstehenden Ausführungen zum Vorneherein kein Anwendungsfall für einen
Betätigungsvergleich vorliegen können. Im Weiteren könnte der Beschwerdeführerin
die Aufnahme einer Vollerwerbstätigkeit im fiktiven „Gesundheitsfall“ bei objektiver
Betrachtung ihrer wirtschaftlichen Situation ohne Weiteres zugemutet werden. Dass
der Landwirtschaftsbetrieb keine wirkliche Existenz bietet, ist nicht nur im Bericht über
die Abklärung vor Ort festgehalten worden (IV-act. 45-3). Auch die Beschwerdeführerin
selbst hat im Haushaltfragebogen angegeben, dass aufgrund der wirtschaftlichen Lage
des Betriebs dringend ein Zusatzeinkommen nötig wäre, und dass sie ohne
gesundheitliche Beeinträchtigungen zu 100% im Verkauf oder im Gastgewerbe
arbeiten würde (IV-act. 41-1). Nach dem Gesagten hätte der Invaliditätsgrad entgegen
der Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin also anhand eines reinen
Einkommensvergleichs ermittelt werden müssen.
4.
4.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 24.
November 2015 aufzuheben und die Sache ist zur Weiterführung des
Verwaltungsverfahrens im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Da die
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Beschwerdegegnerin rechtswidrigerweise verfrüht über den Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin entschieden hat, liegt eine Rechtsverletzung vor, die es
rechtfertigt, der Beschwerdegegnerin die Kosten aufzuerlegen. Dementsprechend hat
die Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der
Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss zurückerstattet. Die
nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.