Decision ID: 0b94315e-bb01-57d6-b445-8a9c7eab5c8b
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- In den Steuererklärungen für die Steuerjahre 2001 bis 2004 gab A X an, selbständig
erwerbender Maurer zu sein. Die Veranlagungsbehörde setzte die Einkünfte aus dieser
Tätigkeit mangels zuverlässiger Unterlagen ermessensweise auf Fr. 35'000.-- (2001),
Fr. 40'000.-- (2002), Fr. 47'000.-- (2003) und Fr. 48'000.-- (2004) fest. Weitere Einkünfte
wurden nicht berücksichtigt. Es ergaben sich für die Staats- und Gemeindesteuern
steuerbare Einkommen von Fr. 32'000.-- (2001), Fr. 35'200.-- (2002), Fr. 42'200.--
(2003) und Fr. 42'000.-- (2004). Die Veranlagungen wurden unangefochten
rechtskräftig.
B.- Am 21. November 2008 teilte die Abteilung Nachsteuern des kantonalen
Steueramtes dem Gemeindesteueramt U mit, A X habe im Jahr 2004 von B X eine
Entschädigung für Hauswartung von Fr. 5'400.-- erhalten. Nach Prüfung der
Deklaration veranlasste die für die Veranlagung von A X zuständige Steuerkommissärin
am 16. Januar 2009 die Einleitung eines Nachsteuer- und allenfalls
Steuerstrafverfahrens wegen ungenügender Deklaration der Einkünfte aus
unselbständigem Nebenerwerb für das Steuerjahr 2004. Am 5. Mai 2009 holte die
Abteilung Nachsteuern zusätzlich die Akten der Steuerjahre 2001 bis 2003 ein und traf
beim für die Veranlagung von B X zuständigen Steuerkommissär eine telefonische
Abklärung. Danach wurde "das Betreffnis" von B X "nicht in Frage gestellt". "Effektive
Beträge" seien "nur fürs 2004 vorhanden (Fr. 5'400.--)". Weiter wurde vereinbart, zuerst
A X für die Jahre 2001 bis 2004 unter Aufrechnung von Einkünften aus der
Hauswartung von Fr. 12'000.-- zu veranlagen. Würden diese Veranlagungen nicht
bestritten, könne "die Nachsteuer B X eingestellt werden", andernfalls seien von A X
"der Mietvertrag und die Mietzinszahlungen zu verlangen".
Am 14. Mai 2009 leitete das kantonale Steueramt gegenüber A X für die Steuerjahre
2001 bis 2004 ein Nachsteuerverfahren ein und setzte die Aufrechnung eines jährlichen
Einkommens von Fr. 9'800.-- in Aussicht. Nachdem sich A X nicht hatte vernehmen
lassen, wurde er am 12. Juni 2009 für 2001 bis 2004 mit Nachsteuern von Fr. 7'229.15
(Kantons- und Gemeindesteuern 2001 bis 2004, davon Zins Fr. 617.50) veranlagt. Die
Verfügung wurde unangefochten rechtskräftig.
C.- Die Rechtsabteilung/Strafen des kantonalen Steueramtes leitete am 14. September
2009 gegenüber A X gestützt auf die Feststellungen in der Nachsteuerverfügung ein
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Untersuchungsverfahren wegen nicht deklarierter Einkünfte aus unselbständigem
Nebenerwerb für Hauswartung im Auftrag von B X ein und stellte Bussen "in der Höhe
von 150% der Nachsteuern" in Aussicht. Das Verfahren wurde für die Staats- und
Gemeindesteuern am 16. November 2009 mit einem Strafbescheid erledigt; darin
wurde A X unter Auferlegung von Verfahrenskosten von Fr. 200.-- mit Fr. 9'910.--
gebüsst. Gegen den Strafbescheid erhob A X mit Eingabe seines Vertreters vom
14. Dezember 2009 Einsprache beim kantonalen Steueramt.
D.- Am 22. Dezember 2009 überwies das kantonale Steueramt die Strafsache der
Verwaltungsrekurskommission zur Beurteilung. Nach Einsicht in die Akten ergänzte der
Vertreter des Angeschuldigten die Einsprache am 22. Januar 2010. Die
Anklagebehörde nahm am 8. Februar 2010 Stellung. Zur Aufforderung vom
14. September 2010, die nicht deklarierten Einkünfte des Angeschuldigten aus
unselbständigem Nebenerwerb zu belegen, teilte die Anklagebehörde am 4. Oktober
2010 mit, es lägen bezüglich der Tätigkeit des Angeschuldigten keine zusätzlichen
Akten vor. Der in der unangefochten rechtskräftig gewordenen Nachsteuerverfügung
erstellte Sachverhalt sei massgebliche Grundlage für das Steuerstrafverfahren und
unabänderlich.
E.- Am 30. November 2010 fand die öffentliche Verhandlung statt. Vor Gericht erklärte
der Angeschuldigte auf Befragen, er wohne im Mehrfamilienhaus seines Bruders und
habe dort ab 2001 aufgrund einer mündlichen Abmachung Hauswartarbeiten erledigt.
Er habe das Treppenhaus geputzt, die Umgebung gepflegt, den Rasen von ungefähr
100 m gemäht und wenn nötig auch Malerarbeiten ausgeführt. Dazu habe er keine
Handwerker beigezogen. Der Aufwand habe etwa 5-6 Stunden pro Woche betragen.
Mit der Arbeit habe er Mietzinsrückstände von ungefähr Fr. 15'000.-- aus dem Jahr
2000 abgegolten. Die Miete habe damals monatlich Fr. 1'300.-- inkl. Nebenkosten
betragen. In den Jahren 2001 und 2002 habe er auch laufende Mietzinsen mit der
Hauswarttätigkeit gedeckt. Er habe keine andere Möglichkeit gehabt, die Mietzinsen zu
zahlen. Ob die Rückstände im Jahr 2003 oder 2004 abgebaut gewesen seien, wisse er
nicht mehr. Im Lauf dieser Jahre habe er die Hauswarttätigkeit reduziert und
schliesslich ganz aufgegeben. Die entsprechenden Arbeiten im Haus seien dann
anders verteilt worden. Ab wann er den Mietzins wieder ordentlich bezahlt habe, wisse
er nicht mehr. Heute sei er als selbständiger Maurer mit einem durchschnittlichen
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monatlichen Einkommen von Fr. 4'000.-- im Raum St. Gallen-Rheintal-Wil-Winterthur
erwerbstätig. Im Handelsregister sei er nicht eingetragen. Er habe kein Vermögen, lebe
getrennt und habe 2 Kinder aus erster Ehe in Ausbildung.
Der Vertreter des Angeschuldigten beantragte, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
seien die Bussen aufzuheben, eventualiter auf das Mindestmass zu reduzieren. Der
Angeschuldigte sei in den Jahren 2001 bis und mit 2004 als Hauswart selbständig und
nicht – wie die Anklagebehörde annehme – unselbständig erwerbstätig gewesen. Es
habe kein Angestelltenverhältnis bestanden und sei lediglich festgelegt gewesen, dass
der Angeschuldigte Hauswartarbeiten erledige. In der Ausgestaltung dieser Tätigkeit
sei er frei und an keine Weisungen gebunden gewesen. Bei der Entschädigung habe es
sich um eine Verrechnungsposition gehandelt. Die Veranlagungsbehörde habe die
Einkünfte aus der selbständigen Erwerbstätigkeit – mit Ausnahme des Jahres 2003 –
nach Ermessen festgelegt. Die Nachsteuer habe der Angeschuldigte wegen seiner
desolaten finanziellen Situation anerkannt. In diesem Zusammenhang reichte der
Vertreter einen Betreibungsregisterauszug zu den Akten. Im Steuerstrafverfahren dürfe
jedoch nicht einfach auf die Nachsteuern abgestellt werden. Der Angeschuldigte sei
von der Anklagebehörde nie einvernommen worden. Da die Einkünfte aus der
selbständigen Erwerbstätigkeit besteuert worden seien, fehle es an einer faktischen
Grundlage für die Steuerstrafe.
Der Angeschuldigte verzichtete auf ein Schlusswort.
F.- Das Urteil wurde den Parteien am 1. Dezember 2010 ohne Begründung schriftlich
mitgeteilt. Die Anklagebehörde verlangte am 3. Dezember 2010 innert der gesetzlichen
Frist von 10 Tagen eine ausführliche Begründung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Zu beurteilen ist
der Strafbescheid des kantonalen Steueramtes vom 16. November 2009 wegen
Steuerhinterziehung (Staats- und Gemeindesteuern 2001 bis und mit 2004). Soweit
sich die Einsprache vom 14. Dezember 2009 gegen die gleichentags ergangene
Bussenverfügung (direkte Bundessteuern) richtet, fällt sie in die Zuständigkeit der
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Anklagebehörde (vgl. R. Sieber, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht,
Band I/2b, N 91 zu Art. 182 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer; SR
642.11, abgekürzt: DBG). Die Verwaltungsrekurskommission ist zur gerichtlichen
Beurteilung zuständig. Der Angeschuldigte ist zur Erhebung der Einsprache befugt. Die
Einsprache ist rechtzeitig erhoben worden. Die Eingabe erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen. Die Streitsache wurde dem
Gericht am 22. Dezember 2009 zusammen mit den Akten überwiesen. Der
Strafbescheid gilt als Anklage (Art. 264 Abs. 1 und 2 und Art. 265 des Steuergesetzes,
sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 161 StG in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
2.- Nach Art. 262 Abs. 1 StG bezeichnet der Strafbescheid den Angeschuldigten, die
dem Angeschuldigten zur Last gelegte Handlung, die angewendeten
Gesetzesbestimmungen, die Beweismittel, die Strafe und weist auf die Möglichkeit der
Einsprache sowie die Folgen der Unterlassung hin. Er ist nach Art. 262 Abs. 2 StG
"kurz" zu begründen, die Begründung muss aber ausreichend sein (vgl. Richner/Frei/
Kaufmann/ Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, Zürich
2006, N 3 zu § 251 StG-ZH). Als Anklageschrift kommt dem Strafbescheid im
Wesentlichen die Aufgabe zu, den der Anklage zugrunde liegenden Sachverhalt zu
konkretisieren und damit dem Angeschuldigten die für seine Verteidigung
erforderlichen Informationen zu vermitteln. Der als Sachverhalt umschriebene konkrete
Lebensvorgang ist unter einen der gesetzlichen Straftatbestände zu subsumieren. In
die Anklageschrift aufzunehmen ist deshalb die rechtliche Beurteilung der dem
Angeschuldigten zur Last gelegten Handlung mitsamt den anwendbaren
Gesetzesbestimmungen. Erscheint die Rechtslage klar, bedarf es dazu keiner
besonderen Erörterung. Sodann sind Ausführungen zum Vorleben und den
persönlichen Verhältnissen zu machen; erst damit wird die Ausfällung einer dem
Verschulden und der Persönlichkeit des Angeschuldigten angemessenen Sanktion
ermöglicht (N. Oberholzer, Grundzüge des Strafprozessrechts, 2. Aufl. 2005, S. 592 ff.).
Der Strafbescheid vom 16. November 2009 bezeichnet den Angeschuldigten sowie
seinen Wohnort, die ihm zur Last gelegte Handlung der Steuerhinterziehung und die