Decision ID: e399f76b-5e6b-44da-a911-c0ab7ec4263f
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Januar 2002 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 7). Sie gab an, sie habe eine Haushaltlehre absolviert
und arbeite aktuell als „Allrounder“ in der Küche, am Buffet, im Service etc. Seit März
2000 leide sie an einem Lupus erythematodes. Im Auftrag der IV-Stelle erstatteten der
Rheumatologe Dr. med. B._ und der Psychiater Dr. med. C._ am 5. Februar 2004
ein bidisziplinäres Gutachten (IV-act. 54 und 56). Sie hielten fest, in psychiatrischer
Hinsicht liege lediglich eine reaktive Dysthmyia vor, die sich nicht auf die
Arbeitsfähigkeit auswirke; aus rheumatologischer Sicht lasse sich die von den
behandelnden Ärzten zur Diskussion gestellte Verdachtsdiagnose einer systemischen
Lupus erythematodes-Erkrankung nicht aufrecht erhalten. Der einzige lupusverdächtige
objektive klinische Befund sei die teleangiektatische Gesichtsrötung, die von einem
Dermatologen aber als eine seborrhoische Dermatitis beurteilt worden sei. Das
humorale Terrain mit sehr niedrigtitrigen antinukleären Faktoren und nur einem
einmaligen Anti-DNS-Nachweis könne den Verdacht auf eine Lupus erythematodes-
Erkrankung für sich allein nicht erhärten. Die Steroid- und Antimalarika-Behandlung
habe keine Wirkung gezeigt. Phänomenologisch entspreche das Beschwerdebild einer
Mischung zwischen einem chronischen Müdigkeitssyndrom und einem primären
Fibromyalgiesyndrom. Aus somatischer Sicht könne für eine körperlich leichte,
wechselbelastende Tätigkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet
werden. Nach einer knapp viermonatigen beruflichen Abklärung in einer Buchbinderei
berichtete das „Brüggli“ Romanshorn am 19. Oktober 2004 (IV-act. 66), die Versicherte
habe eine Arbeitsleistung gezeigt, die einer Leistungsfähigkeit von 50 Prozent bei einer
Präsenzzeit von 50 Prozent „in einem geschützten Rahmen oder auch in der freien
Wirtschaft“ entspreche. Die krankheitsbedingte Ausfallquote sei sehr hoch gewesen,
A.a.
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weshalb sich eine erneute medizinische Abklärung empfehle. Mit einer Verfügung vom
25. Januar 2005 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act.
69). Zur Begründung führte sie an, ausgehend von den Angaben des Arbeitgebers
betrage das Valideneinkommen 43’486 Franken, was dem im Arbeitgeberfragebogen
angegebenen Jahreslohn von 42’000 Franken unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung 2002–2005 entspreche. Gestützt auf das Gutachten der Dres.
B._ und C._ sei von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte
Tätigkeiten auszugehen. Gemäss der Tabelle A13 der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) 2002 für die Grossregion Ostschweiz könnte die
Versicherte unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von
41,7 Stunden und der Nominallohnentwicklung 2002–2005 einen Lohn von 47’265
Franken erzielen. Dieser Betrag sei um 15 Prozent zu kürzen, weil die Versicherte bloss
noch körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ausüben könne. Das
zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen betrage folglich 40’175 Prozent und
damit 92 Prozent des Valideneinkommens von 43’486 Franken. Der Invaliditätsgrad
belaufe sich also auf acht Prozent, aber ein Rentenanspruch bestehe erst ab einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent. Eine gegen diese Verfügung erhobene
Einsprache wurde mit einem Entscheid vom 16. März 2005 gutgeheissen; die
Verfügung wurde aufgehoben und die IV-Stelle nahm weitere Abklärungen vor (IV-act.
79).
Im März 2006 beauftragte die IV-Stelle die Ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI)
GmbH mit einer polydisziplinären Begutachtung der Versicherten (IV-act. 89). Die
Sachverständigen der ABI GmbH hielten in ihrem Gutachten vom 19. September 2006
fest (IV-act. 97), die Versicherte leide anamnestisch (verdachtsweise) an einer nicht
klassifizierbaren milden Kollagenose, an einem chronisch rezidivierenden lumbo-
vertebralen Schmerzsyndrom, an einer Neurasthenie sowie – ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit – an einer Schmerzverarbeitungsstörung. Aus somatischer Sicht seien
ihr leidensadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht
bestehe eine Einschränkung von 20 Prozent. Die IV-Stelle ermittelte anhand eines
Einkommensvergleichs, bei dem der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens dem Valideneinkommen entsprach, unter Berücksichtigung eines
Arbeitsunfähigkeitsgrades von 20 Prozent und einer „zusätzlichen
A.b.
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behinderungsbedingten Kürzung“ von 25 Prozent einen Invaliditätsgrad von 40
Prozent, weshalb sie der Versicherten mit einer Verfügung vom 25. April 2008
rückwirkend per 1. Januar 2003 eine Viertelsrente zusprach (IV-act. 127 f.). Diese
Verfügung erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
Im Juli 2009 ersuchte die Versicherte um eine Rentenerhöhung (IV-act. 134). Die
IV-Stelle forderte sie am 10. August 2009 auf, eine relevante Veränderung des
Gesundheitszustandes seit dem 25. April 2008 glaubhaft zu machen (IV-act. 135). Am
20. August 2009 notierte Dr. med. D._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst
(RAD), die von der Versicherten zwischenzeitlich eingereichten medizinischen Berichte
(vgl. IV-act. 136) machten eine relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft (IV-act.
137). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die ABI GmbH am 24. Mai 2011 ein
Verlaufsgutachten (IV-act. 181). Die Sachverständigen führten aus, die Versicherte leide
an einem chronischen lumbo-spondylogenen Schmerzsyndrom bei einem Status nach
einer mikrochirurgischen Sequesterektomie und Nukleotomie L4/5 rechts am 13.
Februar 2009 sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einer
Schmerzverarbeitungsstörung und anamnestisch verdachtsweise an einer nicht
klassifizierbaren milden Kollagenose. Die Versicherte habe im Rahmen der
Begutachtung angegeben, dass sie seit Jahren nicht mehr an Symptomen der
Kollagenose gelitten habe. Die objektive Untersuchung habe keine Hinweise auf die
Erkrankung geliefert. Die Belastbarkeit der Wirbelsäule habe sich aber verschlechtert;
die Versicherte habe sich im Februar 2009 einer Operation unterziehen müssen. Aus
rheumatologischer Sicht könne für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten lediglich noch ein
Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 Prozent attestiert werden. Aus psychiatrischer Sicht sei
dagegen bei einem völlig unauffälligen objektiven klinischen Befund eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit zu attestieren, womit aus polydisziplinärer Sicht
weiterhin ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 Prozent für ideal leidensadaptierte
Tätigkeiten vorliege. Für die Zeit vom 3. Februar 2009 bis zum Zeitpunkt der aktuellen
Begutachtung (13. April 2011) sei mit Blick auf insgesamt drei Wirbelsäulenoperationen
eine durchgehende vollständige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Die RAD-Ärztin Dr.
D._ qualifizierte das Verlaufsgutachten als überzeugend (IV-act. 183). Mit einer
Verfügung vom 15. Februar 2012 (IV-act. 202) hob die IV-Stelle die ursprüngliche
rentenzusprechende Verfügung vom 25. April 2008 rückwirkend auf. Sie „verzichtete
A.c.
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ausnahmsweise“ auf eine Rückforderung und sie hob die laufende Rente mit Wirkung
ab dem Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf. Zur Begründung
führte sie an, nach der damaligen Rechtsprechung des Bundesgerichtes hätte der
Neurasthenie keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zuerkannt werden dürfen.
Zudem hätte höchstens ein „Leidensabzug“ von zehn Prozent gewährt werden dürfen.
Mit einer weiteren Verfügung vom 31. Oktober 2012 sprach die IV-Stelle der
Versicherten für die Zeit vom 1. Juli 2009 bis zum 31. Juli 2011 eine ganze Rente im
Gesamtbetrag von 42’785 Franken zu, von der sie die für jenen Zeitraum bereits
ausgerichtete Viertelsrente im Gesamtbetrag von 10’706 Franken abzog und die sie
zudem mit einer Rückforderung von Rentenleistungen für die Zeit vom 1. August 2011
bis zum 31. März 2012 im Betrag von 3’472 Franken verrechnete (IV-act. 233). Die
Versicherte zog eine bereits vor dem 31. Oktober 2012 erhobene Beschwerde gegen
die Wiedererwägungsverfügung vom 15. Februar 2012 am 2. Oktober 2014 zurück,
weshalb das entsprechende Beschwerdeverfahren mit einem Entscheid vom 6.
Oktober 2014 als gegenstandslos abgeschrieben wurde (IV 2012/106; vgl. IV-act. 238).
Im Februar 2017 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an (IV-act. 250). Dem Anmeldeformular legte sie einen
Bericht des Schmerzzentrums des Kantonsspitals St. Gallen vom 8. Februar 2017 bei,
in dem ein chronifiziertes Schmerzsyndrom diagnostiziert und ein Status nach einer
Neurolyse im Juli 2014 sowie eine sehr starke Belastung „im Bereich Depression“
erwähnt worden waren (IV-act. 251). Die RAD-Ärztin Dr. D._ notierte im Mai 2017, der
Bericht vom 8. Februar 2017 enthalte keinen Hinweis, mit dem eine relevante
Sachverhaltsveränderung seit dem 31. Oktober 2012 glaubhaft gemacht wäre (IV-act.
261). Mit einem Vorbescheid vom 9. Mai 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie vorsehe, nicht auf die Wiederanmeldung einzutreten (IV-act. 263). Dagegen
wendete die Versicherte am 6. Juni 2017 ein, bevor über ihr neues Leistungsbegehren
entschieden werden könne, müssten aktuelle medizinische Unterlagen eingeholt
werden (IV-act. 268). Am 26. Juni 2017 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, eine
relevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen (IV-act. 269). Im August 2017
gingen der IV-Stelle mehrere medizinische Berichte zu (IV-act. 273 ff.). Die RAD-Ärztin
Dr. D._ hielt nach einer Würdigung dieser Berichte am 12. Oktober 2017 fest, eine
relevante Veränderung des Gesundheitszustandes sei glaubhaft gemacht, weshalb der
A.d.
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medizinische Sachverhalt eingehend ermittelt werden müsse (IV-act. 288). Am 17. April
2018 beauftragte die IV-Stelle die Begaz GmbH mit der Erstellung eines
polydisziplinären Gutachtens (IV-act. 313). Am 13. August 2018 erstattete die Begaz
GmbH das in Auftrag gegebene Gutachten (IV-act. 318). Der internistische
Sachverständige hielt fest, er habe keine auffälligen Befunde erheben können. Aus
internistischer Sicht liege keine Gesundheitsbeeinträchtigung mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit vor. Der orthopädische Sachverständige führte aus, die Versicherte
leide an einem chronischen lumbo-spondylogenen Schmerzsyndrom bei einem Status
nach einer mikrochirurgischen Sequesterektomie und Nukleotomie L4/5 rechts im
Februar 2009, einem Status nach einer TLIF L4–S1, einer transpedikulären
Spondylodese L4/5 und L5/S1 beidseits im Juni 2009, einem Status nach einer OSME
im August 2010, einem sekundären myofascialen Schmerzsyndrom und einem durch
die Bildgebung begründeten Verdacht auf einen unvollständigen ossären Durchbau der
Zwischenwirbelräume L4–S1 sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an
einem Status nach einer nicht klassifizierbaren milden Kollagenose. Angesichts der
vergangenen Rückenoperationen und der möglicherweise unvollständig durchgebauten
Zwischenwirbelräumen seien der Versicherten keine schweren körperlichen Tätigkeiten
(Heben von Lasten, die mehr als 5kg wiegen, häufiges Bücken) zumutbar. Für leichte
bis mittelschwere Tätigkeiten sei schmerzbedingt ein erhöhter Pausenbedarf im
Umfang von 30 Prozent zu attestieren. Seit der Begutachtung durch die ABI GmbH im
April 2011 sei es zu einer objektivierbaren Schmerzverstärkung gekommen. Da die
Problematik erst im Rahmen einer CT-Untersuchung im März 2018 entdeckt worden
sei, gelte die aktuelle Arbeitsfähigkeitsschätzung ab März 2018. Der psychiatrische
Sachverständige hielt fest, der objektive klinische Befund sei weitgehend unauffällig
gewesen. Nicht nur der objektive Befund, sondern auch die anamnestischen Angaben
der Versicherten hätten erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der Diagnosestellung
(mittelgradige depressive Episode, andauernde Persönlichkeitsänderung) und der
Arbeitsfähigkeitsschätzung (Arbeitsunfähigkeit von 80 Prozent) des behandelnden
Psychiaters geweckt. Die Versicherte leide zwar unter Stimmungsschwankungen, wie
sie bei jeder Schmerzproblematik aufträten, aber nach ihren eigenen Angaben lägen
keine Leitsymptome einer depressiven Störung – längerdauernd gedrückte Stimmung
ohne wesentliche Veränderungen, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Verminderung des
Antriebes, erhöhte Ermüdbarkeit – vor, weshalb keine depressive Störung
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diagnostiziert werden könne. Die Diagnose einer Persönlichkeitsänderung setze eine
deutliche Veränderung der primären Persönlichkeitsstruktur voraus. Eine solche lasse
sich anamnestisch aber nicht objektivieren. In den Akten und in der klinischen
Untersuchung hätten auch keine Hinweise auf eine primäre Persönlichkeitsproblematik
festgestellt werden können. Aus psychiatrischer Sicht lägen gesamthaft keine
Anhaltspunkte vor, mit denen sich eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen
liesse. Die Schmerzstörung, die auf körperliche und psychische Faktoren
zurückzuführen sei, schränke allerdings das Spektrum der zumutbaren Tätigkeiten ein:
Körperlich belastende Tätigkeiten seien nicht mehr zumutbar. Der neurologische
Sachverständige führte aus, der objektive klinische Befund sei mehrheitlich unauffällig
gewesen. Ein radiculäres Reizsyndrom habe nicht nachgewiesen werden können.
Klinisch bestehe lediglich der Verdacht auf ein residuelles leichtes S1-Syndrom links.
Nach drei chirurgischen Eingriffen an der Wirbelsäule sei die Belastbarkeit des
Achsenskeletts deutlich reduziert. Körperlich schwere und mittelschwere Belastungen
seien nicht zumutbar. Zudem bestehe eine Einschränkung für Verrichtungen in einer
vorwiegend einseitigen Körperhaltung sowie für Verrichtungen mit wiederkehrendem
Bücken oder Aufrichten. In ihrer Konsensbeurteilung hielten die Sachverständigen fest,
die Versicherte leide an einem chronischen lumbo-spondylogenen Schmerzsyndrom.
Zudem bestehe der Verdacht auf eine Schmerzstörung mit körperlichen und
psychischen Faktoren. Aus polydisziplinärer Sicht seien leidensadaptierte Tätigkeiten
vollschichtig, aber mit einer Einschränkung des Rendements um 30 Prozent zumutbar.
Die RAD-Ärztin Dr. D._ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-act. 319).
Am 9. November 2018 teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, dass sie im
November 2018 ein weiteres Mal am Rücken operiert werde (IV-act. 328). Am 24. April
2019 machte sie geltend, sie leide neu auch an einem Diabetes mellitus, der bislang
noch nicht richtig habe eingestellt werden können (IV-act. 335). Die Klinik für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des
Kantonsspitals St. Gallen hatte am 6. März 2019 berichtet (IV-act. 338), am 5.
Dezember 2018 sei eine Pseudarthrosenrevision L4–S1 durchgeführt worden. Drei
Monate nach dem Eingriff habe die Versicherte über eine leichte Verbesserung im
Vergleich zur Situation vor dem Eingriff berichtet. Die objektiven Befunde seien
unauffällig gewesen. Die RAD-Ärztin Dr. D._ notierte am 8. Juli 2019 (IV-act. 343), die
A.e.
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Operation dürfte insgesamt zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes geführt
haben; der Diabetes mellitus habe keine anhaltende Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit. Gesamthaft könne nach wie vor auf das Gutachten der Begaz GmbH
abgestellt werden. Die Versicherte liess am 30. August 2019 darauf hinweisen (IV-act.
350), dass sie in Kürze – im Auftrag eines Kreisgerichtes – erneut durch die Begaz
GmbH begutachtet werde. Sie habe in diesem Zusammenhang darauf bestanden, nicht
erneut vom Orthopäden Dr. med. E._ untersucht zu werden, da dieser nur noch
schlecht höre und mittlerweile geschätzt etwa 80 Jahre alt sei. Bei der letzten
orthopädischen Untersuchung habe Dr. E._ die Versicherte jedenfalls nicht
vollumfänglich verstanden, was natürlich die fachliche Qualität und damit auch den
Beweiswert des orthopädischen Teilgutachtens mindere. Am 13. Januar 2020
erstattete die Begaz GmbH im Auftrag eines Kreisgerichtes ein „bidisziplinäres“ (recte:
orthopädisches) Gutachten (Fremdakten). Der orthopädische Sachverständige Dr. med.
F._ hielt fest, bei der klinischen Untersuchung habe sich die Versicherte spontan
soweit frei bewegt. Aufgefallen sei ein stetiges Umhergehen im Untersuchungszimmer
während der Anamneseerhebung. Das Platzieren auf der Untersuchungsliege sei
rückenadaptiert, en bloc erfolgt. Klinisch habe sich eine Druckdolenz am lumbo-
sacralen Übergang mit einer Ausstrahlung entlang dem dorsalen Beckenkamm bis zu
den ISG ohne Dysfunktionen gefunden. Die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule sei
deutlich eingeschränkt gewesen. In der kursorischen Untersuchung hätten keine
Hinweise auf eine radiculäre Reiz- oder Ausfallsymptomatik festgestellt werden
können. Aus orthopädischer Sicht sei erstaunlich, dass sich die von der Versicherten
angegebenen Dauerbeschwerden über Jahre in keinerlei Weise positiv hätten
beeinflussen lassen respektive dass keine therapeutischen Verfahren „gegriffen“
hätten, obwohl angeblich massive Beschwerden vorgelegen hätten, die immerhin über
Jahre zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit geführt haben sollten. Auch wenn
infolge der wiederholten Operationen an der Lendenwirbelsäule gesichert ein
organischer Beschwerdekern vorliege, seien die weiterhin geklagten Beschwerden
insgesamt schwierig zu objektivieren, da die bildgebenden und klinischen Befunde
weitgehend unauffällig seien. Retrospektiv sei gestützt auf die überzeugenden
Vorgutachten der ABI GmbH und der Begaz GmbH davon auszugehen, dass die
Versicherte für leidensadaptierte Tätigkeiten ab dem Jahr 2011 (zweites Gutachten der
ABI GmbH) zu 100 Prozent, spätestens ab März 2018 (Objektivierung einer
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B.
Zustandsverschlechterung im Rahmen einer CT-Untersuchung) zu 70 Prozent und ab
Juni 2019 (sechs Monate nach der operativen Sanierung einer Pseudarthrose) wieder
zu 80 Prozent arbeitsfähig gewesen sei. Die RAD-Ärztin Dr. D._ qualifizierte das
Gutachten als überzeugend (IV-act. 356). Der Hausarzt Dr. med. G._ teilte der IV-
Stelle am 26. Juni 2020 mit, dass der Diabetes mellitus unter Kontrolle sei und dass er
die Arbeitsfähigkeit der Versicherten nicht beeinträchtige (IV-act. 360).
Am 31. August 2020 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie – wie bereits
mit einem Vorbescheid vom 28. August 2018 angekündigt (vgl. IV-act. 322) – nach wie
vor die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 364). Die Versicherte nahm dazu keine Stellung. Mit
einer Verfügung vom 6. November 2020 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der
Versicherten ab (IV-act. 369).
A.f.
Am 7. Dezember 2020 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. November 2020 erheben (act. G 1). Ihre
Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Zusprache einer ganzen Rente ab Juli 2017 und eventualiter die Rückweisung der
Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zu weiteren
medizinischen Abklärungen, namentlich zur Einholung eines neuropsychologischen
Gutachtens. Zur Begründung führte sie aus, das Gutachten der Begaz GmbH sei nicht
überzeugend. Der orthopädische Sachverständige Dr. E._ sei etwa 80 Jahre alt.
Wegen einer Schwerhörigkeit habe er sich kaum mit der Beschwerdeführerin
verständigen können. Der Umstand, dass die Begaz GmbH 80 Jahre alte
Sachverständige aufbiete, zerstöre das Vertrauen in diese medizinische
Abklärungsstelle. Sowohl in orthopädischer als auch in psychiatrischer Hinsicht weise
das Gutachten zahlreiche Widersprüche auf. Keiner der Sachverständigen habe die
massiven Schlafprobleme der Beschwerdeführerin gewürdigt. Zu bemängeln sei
zudem, dass keine neuropsychologische Untersuchung durchgeführt worden sei. Die
Akten enthielten keine Hinweise auf eine relevante Verbesserung des
Gesundheitszustandes nach der im Dezember 2018 durchgeführten Operation. Die
entsprechende Behauptung des orthopädischen Sachverständigen Dr. F._ sei
B.a.
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Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
vom 6. November 2020 auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem
des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Das
Verwaltungsverfahren hat sich um die Frage nach einem Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin gedreht. Den Ausgangspunkt des Verfahrens hatte eine
sogenannte Wiederanmeldung gebildet, das heisst eine neue Anmeldung zum
Leistungsbezug nach der Abweisung eines früheren Rentenbegehrens (respektive der
Zusprache lediglich einer befristeten Rente für die Vergangenheit). Die
Beschwerdeführerin hat deshalb die Eintretenshürde des Art. 87 Abs. 3 IVV meistern,
deshalb haltlos. Eine allfällig noch bestehende Restarbeitsfähigkeit sei allerdings
ohnehin nicht verwertbar. Selbst wenn die Verwertbarkeit bejaht würde, müsste ein
„Leidensabzug“ von 25 Prozent berücksichtigt werden. Die Beschwerdeführerin habe
also zumindest einen Anspruch auf eine Teilrente.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. Januar 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten der Begaz GmbH
sei überzeugend. Die Beschwerdeführerin habe nur ganz allgemeine
Verständigungsprobleme bei der orthopädischen Begutachtung geltend gemacht, aber
nicht konkret dargelegt, welche ihrer Aussagen von Dr. E._ nicht oder falsch
verstanden worden seien. Sowohl die beiden orthopädischen Teilgutachten von Dr.
E._ und Dr. F._ wie auch das psychiatrische Teilgutachten seien überzeugend
begründet worden. Eine neuropsychologische Untersuchung sei nicht angezeigt
gewesen. Gründe, die gegen eine Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit sprechen würden,
seien nicht ersichtlich. Zwar treffe zu, dass im Rahmen eines früheren
Beschwerdeverfahrens ein „Leidensabzug“ von zehn Prozent zugestanden worden sei,
aber nach einer Änderung der Rechtsprechung des Bundesgerichtes könne an dieser
Auffassung nicht länger festgehalten werden, weshalb kein „Leidensabzug“ zu
gewähren sei.
B.b.
Die Beschwerdeführerin liess am 25. Februar 2021 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 8).
B.c.
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also glaubhaft machen müssen, dass sich der Sachverhalt seit der letzten
rechtskräftigen Verfügung wesentlich verändert hatte. Das ist ihr gemäss der
überzeugenden Aktenwürdigung der RAD-Ärztin Dr. D._ vom 12. Oktober 2017 mit
den von ihr eingereichten medizinischen Berichten gelungen, weshalb die
Beschwerdegegnerin zu Recht auf das neue Leistungsbegehren eingetreten ist.
Entgegen der sich an der Praxis des Bundesgerichtes orientierenden Auffassung der
Beschwerdegegnerin hat sich das in der Folge eröffnete und am 6. November 2020
abgeschlossene Verwaltungsverfahren nicht auf die Frage nach einem allfälligen
Revisionsbedarf (Art. 17 Abs. 1 ATSG) der am 15. Februar 2012 und am 31. Oktober
2012 verfügten „Nichtrente“ beschränkt, denn der Art. 17 Abs. 1 ATSG lässt seinem
klaren Wortlaut nach nur die Revision einer laufenden Rente zu und die
verfahrensrechtlichen Normen betreffend die Prüfung eines Leistungsbegehrens
unterscheiden nicht zwischen einer erstmaligen und einer wiederholten Anmeldung
zum Leistungsbezug. Der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin hat deshalb
umfassend und ohne eine Bindung an die früheren Verfügungen geprüft werden
müssen. Im Übrigen gälte nichts anderes, wenn man der (gesetzwidrigen) Auffassung
der Beschwerdegegnerin respektive des Bundesgerichtes folgen würde: Nach dieser
soll es sich bei einem Verwaltungsverfahren betreffend eine Wiederanmeldung zwar um
ein dem Revisionsverfahren analoges Verfahren handeln, was an sich bedeuten
müsste, dass sich das Abklärungsverfahren und die Sachverhaltswürdigung
ausschliesslich auf Veränderungen des massgebenden Sachverhaltes seit der
Abweisung eines früheren Rentengesuchs beschränken müssten. Aber nach der
Auffassung der Beschwerdegegnerin respektive des Bundesgerichtes soll in jedem
Revisionsverfahren – und damit auch in einem revisionsanalogen Verfahren betreffend
eine Wiederanmeldung zum Rentenbezug – eine umfassende Prüfung und Würdigung
des gesamten Sachverhaltes möglich sein, was zur Folge haben soll, dass auch
unverändert gebliebene Elemente des anspruchsrelevanten Sachverhalts erneut
gewürdigt werden müssen, wobei keine Bindung an eine frühere Verfügung, an ein
früheres Urteil eines kantonalen Versicherungsgerichtes oder an ein früheres
Bundesgerichtsurteil bestehen soll. Würde man dieser Auffassung folgen, wäre der
Prüfungsumfang in einem Revisionsverfahren mit jenem in einem Verfahren betreffend
eine erstmalige Anmeldung zum Leistungsbezug identisch, weil der gesamte
massgebende Sachverhalt umfassend neu abgeklärt und gewürdigt werden müsste.
Das müsste natürlich auch für ein Verfahren betreffend eine Wiederanmeldung zum
Rentenbezug gelten, wobei es keine Rolle spielen könnte, ob man ein solches
Verfahren als ein „Revisionsverfahren“ nach der bundesgerichtlichen Terminologie
qualifizieren würde. So oder anders hat das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin
also umfassend geprüft werden müssen.
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2.
Der Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung setzt nach dem Art. 28
Abs. 1 IVG voraus, dass eine versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
kann, dass sie während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und dass sie nach
dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der
Invalidität wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
2.1.
Die Beschwerdeführerin hat keine Berufsausbildung absolviert, die es ihr erlaubt
hätte, einen über dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne liegenden
Lohn zu erzielen. Ihre Validenkarriere ist eine typische Hilfsarbeiterinnenkarriere, was
bedeutet, dass das Valideneinkommen praxisgemäss dem statistischen Zentralwert der
Hilfsarbeiterinnenlöhne entspricht.
2.2.
Für die Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist
ausschlaggebend, welche Tätigkeiten der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht
trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung zumutbar sind. Die Beschwerdegegnerin hat zur
Beantwortung dieser Frage ein polydisziplinäres Gutachten bei der Begaz GmbH
eingeholt. Die medizinischen Sachverständigen der Begaz GmbH haben die
umfangreichen Vorakten, die unter anderem ein überzeugendes bidisziplinäres
Gutachten des Rheumatologen Dr. B._ und des Psychiaters Dr. C._ vom Februar
2004, ein erstes, ebenso überzeugendes polydisziplinäres Gutachten der ABI GmbH
vom September 2006 und ein überzeugendes Verlaufsgutachten der ABI GmbH vom
Mai 2011 enthalten haben, eingehend gewürdigt und sie haben die Beschwerdeführerin
umfassend persönlich untersucht. Da die Vorakten keine Hinweise auf eine
möglicherweise relevante neuropsychologische Beeinträchtigung enthalten und da sich
im Rahmen der ausgiebigen Untersuchung der Beschwerdeführerin keine
neuropsychologischen Auffälligkeiten gezeigt hatten (der neurologische und der
psychiatrische Sachverständige hätten solche Auffälligkeiten entdeckt, wenn sie
vorgelegen hätten), haben die Sachverständigen der Begaz GmbH zu Recht keine
zusätzliche neuropsychologische Testung durchgeführt. Die Sachverständigen haben
2.3.
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sowohl die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin als auch die von ihnen
erhobenen objektiven klinischen Befunde ausführlich wiedergegeben, weshalb kein
Grund zur Annahme besteht, sie hätten nur über eine unzureichende Kenntnis des für
ihre medizinische Beurteilung massgebenden Sachverhaltes verfügt. Sie haben ihre
Schlussfolgerungen hinsichtlich der Diagnosestellung und der
Arbeitsfähigkeitsschätzung nachvollziehbar und überzeugend anhand der
massgebenden objektiven klinischen Befunde begründet. Der psychiatrische
Sachverständige hat sich in seiner Beurteilung unter anderem intensiv mit einem
Bericht des behandelnden Psychiaters auseinandergesetzt, der eine mittelgradige
depressive Störung sowie eine andauernde Persönlichkeitsänderung diagnostiziert und
einen Arbeitsunfähigkeitsgrad von 80 Prozent attestiert hatte. Er hat überzeugend
dargelegt, dass die Leitsymptome für eine („eigenständige“) depressive Störung nicht
vorgelegen haben und dass auch die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin
gesamthaft gegen das Vorliegen einer depressiven Störung gesprochen haben. Er hat
ebenso überzeugend aufgezeigt, dass die Diagnosekriterien einer andauernden
Persönlichkeitsänderung oder einer Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt gewesen sind.
Angesichts des von ihm erhobenen, weitestgehend unauffälligen objektiven klinischen
Befundes hat er das Attest einer praktisch vollständig aufgehobenen Arbeitsfähigkeit
zu Recht als nicht überzeugend qualifiziert. Tatsächlich steht die Beurteilung des
behandelnden Psychiaters sowohl bezüglich der Diagnosestellung als auch bezüglich
der Arbeitsfähigkeitsschätzung in einem erheblichen Widerspruch zu den
psychiatrischen Beurteilungen, die im Rahmen der vier multidisziplinären
Begutachtungen erstellt worden sind. Der behandelnde Psychiater hat keine
überzeugende Begründung für seine massiv abweichende Beurteilung geliefert,
weshalb es ihm nicht gelungen ist, Zweifel an der Zuverlässigkeit der Beurteilungen der
psychiatrischen Sachverständigen insbesondere der ABI GmbH und der Begaz GmbH
zu wecken. Die mit Blick auf die übrigen Akten viel zu pessimistische
Arbeitsfähigkeitsschätzung des behandelnden Psychiaters muss als ein Ausdruck einer
bereits aufgrund des Behandlungsauftrages zu vermutenden Befangenheit gewertet
werden. In orthopädischer Hinsicht erweist sich das aktuellste Gutachten von Dr. F._
als in jeder Hinsicht überzeugend. Zwar ist Dr. F._ ein redaktionelles Versehen
unterlaufen, indem er fälschlicherweise festgehalten hat, Dr. E._ habe einen
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 40 Prozent (statt von 30 Prozent) attestiert, aber das hat
für die Beurteilung von Dr. F._ keine Rolle gespielt, weshalb es als irrelevant zu
qualifizieren ist. Der Sachverständige Dr. F._ hat die Beurteilung von Dr. E._ nach
einer eingehenden Würdigung als überzeugend beurteilt, womit die blosse Behauptung
der Beschwerdeführerin, Dr. E._ habe die Anamnese wegen einer angeblichen
Schwerhörigkeit nicht korrekt erheben können, entkräftet ist, zumal die Wiedergabe der
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Angaben der Beschwerdeführerin im orthopädischen Teilgutachten keine Lücken
aufweist, die auf Verständigungsprobleme schliessen liessen. Zudem ist die
Beschwerdeführerin bereits davor dreimal – einmal rheumatologisch durch Dr. B._,
zweimal orthopädisch durch die ABI GmbH – und anschliessend noch einmal
orthopädisch durch Dr. F._ begutachtet worden. Vergleicht man die fünf
rheumatologischen und orthopädischen (Teil-) Gutachten, ergibt sich kein Anhaltspunkt
dafür, dass Dr. E._ eine wesentliche Angabe nicht oder falsch verstanden hätte. Die
von der Beschwerdeführerin behaupteten Schlafstörungen sind im Gutachten der
Begaz GmbH erwähnt worden, sie sind aber nicht mit objektiven klinischen Befunden
einhergegangen, die sich auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt hätten. Zusammenfassend
steht gestützt auf das Gutachten der Begaz GmbH – einschliesslich des
Ergänzungsgutachtens von Dr. F._ – mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten ab März 2018 zu 70 Prozent und ab Juni 2019 zu 80
Prozent arbeitsfähig gewesen ist. Da sich die Beschwerdeführerin bereits im Februar
2017 zum Leistungsbezug angemeldet hat, hätte ein allfälliger Rentenanspruch in
Anwendung des Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens am 1. August 2017 entstehen können,
was die Frage nach dem Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin in der Zeit von
August 2017 bis und mit Februar 2018 aufwirft. Gestützt auf die überzeugenden
Ausführungen von Dr. E._ ist davon auszugehen, dass der Arbeitsfähigkeitsgrad in
der Zeit vor März 2018 höher gewesen ist, denn Dr. E._ hat festgehalten, dass es
nach der Verlaufsbegutachtung durch die ABI GmbH im Jahr 2011 in einem mangels
echtzeitlicher medizinischer Berichte nicht genau zu bestimmenden Zeitpunkt zu einer
Verschlechterung des Gesundheitszustandes gekommen sein müsse, die erst im März
2018 bei einer CT-Untersuchung entdeckt worden sei. Wenn man von der für einen
allfälligen Rentenanspruch günstigsten Variante, also davon ausgehen würde, die
Verschlechterung sei bereits vor dem 1. August 2017 eingetreten, wäre für den
Zeitraum von August 2017 bis und mit Februar 2018 ebenfalls von einem
Arbeitsfähigkeitsgrad von 70 Prozent für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten
auszugehen; andernfalls müsste von einem höheren Arbeitsfähigkeitsgrad für jene Zeit
ausgegangen werden. Wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen, spielt es für das
Ergebnis keine Rolle, ob man von einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von (maximal) 30
Prozent oder von einem tieferen Arbeitsunfähigkeitsgrad ausgeht.
Der Beschwerdeführerin sind trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung
leidensadaptierte Hilfsarbeiten zumutbar gewesen. Die von den Sachverständigen der
Begaz GmbH formulierten „Adaptionskriterien“ sind nicht so einschränkend, dass die
Verwertung der Arbeitsfähigkeit auf dem massgebenden allgemeinen und
2.4.
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ausgeglichenen Arbeitsmarkt als unrealistisch qualifiziert werden müsste. Die übrigen
von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Gründe, die angeblich gegen die
Verwertbarkeit sprechen sollen (fortgeschrittenes Alter u.ä.), sind irrelevant, weil für die
zumutbare Invalidenkarriere auf den allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt
abzustellen ist, der einen breiten Fächer von Tätigkeiten in ausreichender Zahl auch für
ältere Arbeitnehmer, Arbeitnehmer, die lange nicht erwerbstätig gewesen sind,
ausländische Arbeitnehmer etc. bereithält. Der Ausgangswert des zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens entspricht deshalb dem statistischen Zentralwert der
Hilfsarbeiterinnenlöhne und damit dem Valideneinkommen. Der Betrag kann folglich bei
der Berechnung des Invaliditätsgrades mathematisch gar keine Rolle spielen, weshalb
die Invalidität anhand eines sogenannten Prozentvergleichs bemessen werden kann.
Das bedeutet, dass der Invaliditätsgrad dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls
korrigiert um einen dem sogenannten Tabellenlohnabzug analogen Abzug, entspricht.
Ein solcher Abzug wird berücksichtigt, wenn davon ausgegangen werden muss, dass
die versicherte Person ihre Arbeitsfähigkeit nicht mit demselben ökonomischen Erfolg
verwerten kann wie eine gesunde, im selben Pensum tätige Person. Das ist der Fall,
wenn anzunehmen ist, dass ein strikt ökonomisch-betriebswirtschaftlich denkender
Arbeitgeber der versicherten Person keinen durchschnittlichen, sondern nur einen
unterdurchschnittlichen Lohn ausbezahlen wird, um seinen aus der Anstellung der
versicherten Person resultierenden „Arbeitsmehrwert“ – die Differenz zwischen dem
ökonomischen Mehrwert der Arbeitsleistung und den direkten und indirekten Lohn-
und Lohnnebenkosten – auf einen durchschnittlichen Betrag zu erhöhen. Kann eine
versicherte Person nur einen unterdurchschnittlichen ökonomischen Mehrwert
generieren oder sind die indirekten Lohnkosten oder die Lohnnebenkosten
überdurchschnittlich hoch, resultiert für den Arbeitgeber nämlich nur ein
unterdurchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“. Ein strikt betriebswirtschaftlich operierender
Arbeitgeber wird das nicht hinnehmen, sondern diese „Einbusse“ auf den Arbeitnehmer
überwälzen, indem er diesem nur einen unterdurchschnittlichen Lohn bezahlt, sodass
für den Arbeitgeber ein durchschnittlicher „Arbeitsmehrwert“ resultiert. Die
Beschwerdeführerin kann zwar ganztags arbeiten, aber sie kann keine volle
Arbeitsleistung erbringen, weil sie vermehrte Pausen benötigt. Um ihre Arbeitsfähigkeit
voll auszuschöpfen, muss sie jedoch ihren Arbeitsplatz den ganzen Tag belegen. Ein
strikt ökonomisch denkender Arbeitgeber sieht sich folglich mit einer
unterdurchschnittlichen Amortisation der Arbeitsplatzkosten konfrontiert. Angesichts
des fortgeschrittenen Alters der Beschwerdeführerin kommen hohe Lohnnebenkosten
für die entsprechend hohen Arbeitgeberbeiträge an die berufliche Vorsorge hinzu.
Beides hat eine „Einbusse“ zur Folge, die allerdings nicht hoch ausfallen kann, sodass
sich insgesamt jedenfalls kein Abzug von mehr als zehn Prozent rechtfertigt. Für den
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3.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Die angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten wären an sich
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung ist sie von der Pflicht, die Gerichtskosten zu bezahlen, befreit. Da ihr
auch die unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt worden ist, hat der Staat ihrer
Rechtsvertreterin eine Entschädigung auszurichten, die 80 Prozent des erforderlichen
Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Der erforderliche
Vertretungsaufwand ist als für einen IV-Rentenfall durchschnittlich zu qualifizieren,
weshalb die Entschädigung praxisgemäss auf 80 Prozent von 4’000 Franken, also auf
3’200 Franken, festzusetzen ist. Sollten es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst
gestatten, wird die Beschwerdeführerin zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur
Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).