Decision ID: 267e9910-901a-4c96-ab2b-e6b4ec129910
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 27. Juni 2019 (DG190013)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 25. Februar
2019 (Urk. 25) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 43 S. 52 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b, c, d und g BetmG in Verbin-
dung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG, davon
- in Bezug auf Anklagesachverhalt A der qualifizierten Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG in Verbindung mit
Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG,
- in Bezug auf Anklagesachverhalt B der qualifizierten Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b und c BetmG in Verbindung
mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG sowie
- in Bezug auf Anklagesachverhalt C der qualifizierten Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG in Verbindung mit
Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG.
Im Übrigen wird der Beschuldigte von den Vorwürfen gemäss Anklageschrift freige-
sprochen.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 54 Monaten, wovon
64 Tage (vom 30. März 2017 bis und mit 1. Juni 2017) durch Haft erstanden sind.
3. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB für 8 Jahre des Landes
verwiesen.
4. Von der Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird ab-
gesehen.
5. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen vom 3. Juli
2014 unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren ausgefällten Geldstrafe von 15 Tages-
sätzen zu Fr. 30.–, deren Probezeit mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
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Winterthur/Unterland vom 26. August 2016 um 1 Jahr verlängert wurde, wird widerrufen.
Die Geldstrafe wird vollzogen.
6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 5'400.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'900.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 450.00 Auslagen Polizei
Fr. 7'500.00 Entschädigung amtliche Verteidigung (Akontozahlung)
Fr. 10'578.20 Entschädigung amtliche Verteidigung (Restbetrag inkl. MWST und Barauslagen), davon Fr. 1'200.– (inkl. MWST) entfallend auf Dossier 2
Fr. 27'828.20 Total
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten des Vorverfahrens (Gebühr Vorverfahren und Auslagen Polizei) und des gericht-
lichen Verfahrens werden dem Beschuldigten zu 4/5 auferlegt. Zu 1/5 werden sie auf die
Staatskasse genommen.
Es wird davon Vormerk genommen, dass die Kosten der amtlichen Verteidigung im Zu-
sammenhang mit dem eingestellten Dossier 2 im Umfang von Fr. 1'200.– (inkl. MWST)
bereits mit Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 25. Februar 2019 auf die
Staatskasse genommen wurden.
Die verbleibenden Kosten der amtlichen Verteidigung von Fr. 16'878.20 werden zu 1/5 auf
die Staatskasse genommen. Zu 4/5 werden sie dem Beschuldigten auferlegt, indessen
einstweilen auf die Staatskasse genommen, wobei eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO für diese Kosten vorbehalten bleibt.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 93 S. 14 f.):
1. Die Berufung des Beschuldigten sei gutzuheissen, die Anschlussberufung
der STA hingegen abzuweisen.
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2. Es seien Ziff. 1 (teilweise, nämlich betreffend die Schuldsprüche), Ziff. 2, 3
und 5 (alle ganz) und (teilweise) Ziff. 7 des angefochtenen Urteils aufzu-
heben.
3. Der Beschuldigte sei von den Vorwürfen der Anklage (nicht nur wie von der
Vorinstanz teilweise, sondern) vollumfänglich freizusprechen.
4. Eventualiter (für den Fall, dass es wider Erwarten im Berufungsverfahren nur
teilweise oder gar nicht zu weiteren Freisprüchen kommen sollte) wäre der
Beschuldigte gegenüber dem vorinstanzlichen Urteil zumindest deutlich
milder zu bestrafen, mit einer bedingten oder zumindest noch teilbedingten
Freiheitsstrafe; von einer Landesverweisung wäre ganz abzusehen oder
eine solche wäre zumindest nur für die gesetzliche Minimaldauer aus-
zusprechen.
5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 95):
(schriftlich)
1. Es seien die Schuldsprüche des Bezirksgerichts Winterthur wegen mehr-
facher qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b, c und g BetmG in Verbindung mit Art. 19
Abs. 2 lit. a BetmG zu bestätigen.
2. Es sei der Beschuldigte A._ mit einer Freiheitsstrafe von 60 Monaten zu
bestrafen.
3. Es sei für den Beschuldigten A._ eine Landesverweisung von
10 Jahren auszusprechen.
Die weiteren seitens der Staatsanwaltschaft nicht angefochtenen Punkte des
Urteilsdispositivs der Vorinstanz seien zu bestätigen und die Hauptberufung des
Berufungsklägers sei abzuweisen.
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Erwägungen:
1. Prozessgeschichte und Prozessuales
1.1 Mit dem eingangs im Dispositiv zitierten Urteil vom 27. Juni 2019 wurde
der Beschuldigte A._ vom Bezirksgericht Winterthur wegen Drogendelikten
schuldig gesprochen und mit 54 Monaten Freiheitsstrafe bestraft sowie mit
8 Jahren Landesverweisung belegt (Urk. 43 S. 52 ff.). Gegen das mündlich eröff-
nete Urteil (Prot. I S. 43) meldete der Beschuldigte am 5. Juli 2019 fristgerecht
Berufung an (Urk. 38). Nach Zustellung des begründeten Urteils am 7. November
2019 (Urk. 41) liess der Beschuldigte innert Frist die Berufungserklärung einrei-
chen (Urk. 46), mit welcher ein vollumfänglicher Freispruch beantragt wurde. Mit
Präsidialverfügung vom 11. Dezember 2019 wurde die Berufungserklärung des
Beschuldigten der Staatsanwaltschaft zugestellt und Frist zur Erklärung der An-
schlussberufung angesetzt (Urk. 49). Mit Eingabe vom 18. Dezember 2019 erhob
die Staatsanwaltschaft hinsichtlich des Strafpunkts sowie der Dauer der Landes-
verweisung fristgerecht Anschlussberufung (Urk. 51), welche dem Beschuldigten
am 20. Dezember 2019 zugestellt wurde (Urk. 53). Mit Vorladung vom 15. Okto-
ber 2020 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf den 23. November
2020 vorgeladen. Am 16. November 2020 stellte der Beschuldigte unter Beilage
eines Arztzeugnisses ein Verschiebungsgesuch (Urk. 72 und 74), welches bewil-
ligt wurde. Mit Vorladung vom 18. Dezember 2020 wurden die Parteien auf heute
erneut zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 77). Am 24. Februar 2021
stellte der Beschuldigte ein Dispensationsgesuch, weil er sich am 1. März 2021
einer Rückenoperation unterziehen werde (Urk. 87 und 89/1-2). Da der Beschul-
digte bereits in der Untersuchung und insbesondere von der Vorinstanz einläss-
lich befragt wurde, seine Aussagen nicht das einzige Beweismittel darstellen, die
Berufungsverhandlung bereits zuvor einmal verschoben werden musste und der
Beschuldigte an der Berufungsverhandlung durch seinen amtlichen Verteidiger
vertreten wurde, konnte dem Beschuldigten das persönliche Erscheinen an der
Berufungsverhandlung erlassen werden (Urk. 90). Die Berufungsverhandlung
wurde sodann in Anwesenheit des amtlichen Verteidigers sowie des Vertreters
der Staatsanwaltschaft durchgeführt (Prot. II S. 9 ff.).
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1.2 Die Verteidigung stellte in ihrer Berufungserklärung den Beweisantrag,
es seien verschiedene Personen im Berufungsverfahren einzuvernehmen
(Urk. 46 S. 3). Mit Präsidialverfügung vom 3. November 2020 wurde der Staats-
anwaltschaft Frist zur freigestellten Vernehmlassung dazu angesetzt (Urk. 62),
welche am 11. November 2020 einging (Urk. 64). Die Verfahrensleitung wies
darauf die gestellten Beweisanträge im Sinne von Art. 331 Abs. 3 StPO i.V.m.
Art. 379 StPO ab (Urk. 66). Im Rahmen der heutigen Berufungsverhandlung
wiederholte die Verteidigung die nämlichen Beweisanträge (Urk. 93 S. 2 f.),
worauf im Folgenden bei der Prüfung des entsprechenden Sachverhalts näher
eingegangen wird. Mit Präsidialverfügung vom 25. November 2020 wurde sodann
von Amtes wegen ein Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität
Zürich eingeholt, nachdem hinsichtlich der relevanten DNA-Spur bis dahin ledig-
lich ein Kurzbericht des Forensischen Instituts Zürich vorlag (Urk. 75; Urk. D1/15).
Das Gutachten des IRM vom 23. Dezember 2020 wurde am 28. Dezember 2020
den Parteien zugestellt (Urk. 79, 81 und 82). Am 3. Februar 2021 gingen schliess-
lich Unterlagen des Migrationsamtes des Kantons Zürich zur definitiven Weg-
weisung des Beschuldigten und der angesetzten Ausreisefrist ein (Urk. 84 und
85/1-6), was den Parteien mitgeteilt wurde (Urk. 86/1-2).
1.3 Der Beschuldigte beantragt einen vollumfänglichen Freispruch, auch
hinsichtlich der seinerseits an sich eingestandenen ca. 300 Gramm Heroin-
gemisch (Urk. 46 S. 3). Demgemäss sind auch die vorinstanzlich ausgefällte
Strafe, die Landesverweisung sowie der Widerruf der bedingten Vorstrafe gemäss
Ziff. 2, 3 und 5 des Dispositivs angefochten. Schliesslich ist Ziff. 7 hinsichtlich der
teilweisen Kostenauflage an den Beschuldigten angefochten. Die Anschluss-
berufung der Staatsanwaltschaft richtet sich einzig gegen die Strafhöhe sowie die
Dauer der Landesverweisung, welche ohnehin angefochten und damit zu
überprüfen sind. Schliesslich wurde Ziff. 4 der Vorinstanz (betr. Absehen vom
SIS-Eintrag der Landesverweisung) zwar allseits nicht angefochten; diese Ziffer
würde sich indes erübrigen, falls der Beschuldigte freigesprochen und/oder keine
Landesverweisung angeordnet würde. Damit ist vorliegend davon auszugehen,
dass kein Punkt des vorinstanzlichen Urteils im Sinne von Art. 404 Abs. 1 StPO
bereits in Rechtskraft erwachsen ist.
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1.4 Die Staatsanwaltschaft ging in ihrer schriftlichen Anschlussberufung
vom 18. Dezember 2019 hinsichtlich des ersten Anklagepunktes (im Folgenden =
Anklagesachverhalt A) von einem Sachverhalt sowie teilweise von einer recht-
lichen Würdigung aus, von welchen der Beschuldigte vor Vorinstanz freige-
sprochen worden war (Urk. 51 S. 2; vgl. Urk. 43 S. 29). Allerdings hatte die
Staatsanwaltschaft ihre Anschlussberufung explizit auf die Bemessung der Strafe
sowie die Dauer der Landesverweisung – und somit Ziff. 2 und 3 – beschränkt
und auch nur zu diesen beiden Punkten Anträge gestellt (Urk. 51 S. 1). Somit
blieben sowohl die Sachverhaltserstellung als auch die rechtliche Würdigung der
Vorinstanz unangefochten, was nachträglich nicht mehr ausgeweitet werden kann
(SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar, 3. A., Zürich/St. Gallen 2018, N 8 zu
Art. 399 StPO; ZIMMERLIN in; Kommentar zur schweizerischen Strafprozess-
ordnung, 3. A. Zürich/Basel/Genf 2020, N 14 zu Art. 399 StPO und N 2 zu
Art. 404 StPO, EUGSTER, BSK-StPO, 2. A. Basel 2014,. N 3 zu Art. 404 StPO).
Die Staatsanwaltschaft hat ihre Eingabe anlässlich der Berufungsverhandlung
demgemäss korrigiert und stellt diesbezüglich nunmehr auf die Erwägungen der
Vorinstanz ab (Urk. 95). Somit kann zu Lasten des Beschuldigten nicht mehr über
die Feststellungen der Vorinstanz hinausgegangen werden.
2. Schuldpunkt
2.1 Allgemein
2.1.1 Zunächst kann auf die zutreffenden Vorbemerkungen der Vorinstanz
sowie deren Erwägungen zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten verwiesen wer-
den (Urk. 43 S. 5 und S. 8). Ergänzt werden kann, dass das Gericht seinem Urteil
denjenigen Sachverhalt zugrunde legt, den es aus seiner freien, aus der Haupt-
verhandlung und aus den Untersuchungsakten geschöpften Überzeugung als
verwirklicht erachtet (Art. 350 StPO). Ist der Beschuldigte nicht geständig und
äussert er insbesondere andere Sachverhaltsdarstellungen, als sich durch die
übrigen Beweismittel und Indizien ergeben, so ist nach dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung aufgrund der Aussagen sämtlicher Beteiligter und aller in
Betracht fallenden Umstände zu prüfen, ob der nicht mit Sicherheit feststehende
Sachverhalt als gegeben erachtet werden kann (vgl. ZR 72 Nr. 80; Art. 10 Abs. 2
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StPO). Die anderslautenden Äusserungen des Beschuldigten führen insbesonde-
re nicht ohne Weiteres – in Anwendung des Grundsatzes „in dubio pro reo“ – zu
einem Freispruch. Nur erhebliche und unüberwindbare Zweifel sind zugunsten
des Beschuldigten zu werten. Erheblich sind Zweifel, die sich nach der objektiven
Sachlage aufdrängen und sich jedem kritischen und vernünftigen Menschen
stellen (HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl.,
Basel/Genf/München 2005, S. 247 f.).
2.1.2 Stützt sich die Beweisführung unter anderem auf die Aussagen von
Beteiligten, so sind diese frei zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände,
die sich aus den Akten und der Hauptverhandlung ergeben, zu untersuchen,
welche Sachdarstellung überzeugend ist. (...) Bei der Beurteilung der Glaub-
haftigkeit der Aussagen ist insbesondere zu prüfen, ob diese in den wesentlichen
Punkten widerspruchsfrei, in ihrem Kerngehalt stimmig und schlüssig sind sowie,
ob sie (soweit objektiv möglich) anhand erstellter Sachverhalte korrekt verifizier-
bar sind. Zu achten ist dabei auf Strukturbrüche innerhalb einer Aussage, auf
Über- und Untertreibungen, auf Widersprüche und insbesondere auf das Vorhan-
densein einer hinreichenden Anzahl von Realitätskriterien und das Fehlen von
Lügensignalen (BENDER, die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugen-
aussagen, SJZ 81 (1985) S. 53 ff.; BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung
vor Gericht, Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 4. Aufl.,
München 2014, S. 76 ff.).
2.2 Zu Sachverhalt A der Anklage
2.2.1 Die Vorinstanz gelangte in diesem Anklagepunkt mit detaillierter
Begründung zum Schluss, dass die vom Beschuldigten gegenüber dem Polizei-
beamten B._ mutmasslich gemachten Eingeständnisse hinsichtlich Über-
nahme von 1 Kilogramm Heroingemisch, 500 Gramm Kokaingemisch und
27 Kilogramm Streckmittel sowie des teilweisen Verkaufs der Drogen absolut
unverwertbar seien. Dasselbe müsse auch für die Zeugenaussagen von B._
gelten (Urk. 43 S. 13 ff.). Erstellt sei einzig die Übernahme von rund 300 Gramm
Heroingemisch von C._ und deren Rückgabe. Nachdem die Vorinstanz den
Beschuldigten von den darüber hinausgehenden Vorwürfen freigesprochen hat,
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erübrigen sich weitere Bemerkungen dazu. Der Beschuldigte verlangt indes auch
hinsichtlich der anerkannten rund 300 Gramm Heroingemisch einen Freispruch
(Urk. 46 S. 3), weshalb im Folgenden näher darauf einzugehen ist.
2.2.2 Zunächst kann hinsichtlich der Glaubhaftigkeit der Aussagen des
Beschuldigten vollumfänglich auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 43 S. 8 ff.). Seine immer wieder neue Darstellung der Geschehnisse
strotzt geradezu von Widersprüchen, Unklarheiten und Lügensignalen. So bleibt
aufgrund seiner Aussagen völlig unklar, wann und wo er C._ zum ersten Mal
getroffen, wann und wo er das Heroingemisch übernommen und wann, wo und an
wen er dieses zurückgegeben haben will. Zunächst wollte er C._ gar nicht
kennen und im Hotel D._ nicht mit ihm gesprochen haben (Urk. D1/8/1 S. 4,
D1/8/2 S. 3, vgl. aber a.a.O. S. 5). Dann wollte er ihn erst anlässlich des Vorfalls
im Hotel kennengelernt, die Drogen übernommen und noch gleichentags – aller-
dings an andere Personen – zurückgegeben haben (Urk. D1/8/3 S. 6 f., D1/8/4
S. 2). Schliesslich machte der Beschuldigte geltend, das Heroingemisch einige
Zeit vor dem Vorfall im Hotel von C._ in E._ bekommen und nach seiner
Rückkehr aus Marokko auch diesem retourniert zu haben (Prot. I S. 12). Er sei
am 3. Februar 2017 direkt vom Flughafen zum Hotel D._ gefahren, um es
zurückzugeben, habe das Heroin aber nicht dabei gehabt (Prot. I S. 16); er habe
es C._ ein paar Tage nach der Auseinandersetzung im Hotel zurückgegeben
(Prot. I S. 14). Somit hätte er mit diesem nunmehr mindestens drei Mal Kontakt
gehabt. Obwohl der Beschuldigte demgemäss nach der Übernahme der Drogen
zunächst in Marokko in den Ferien gewesen wäre und auch nach seiner Rückkehr
resp. der Auseinandersetzung im Hotel noch ein "paar Tage" verstrichen seien,
bis er die Drogen zurückgegeben habe (Prot. I S. 14), spricht er davon, das Hero-
ingemisch lediglich "zwei, drei Tage" im Besitz gehabt zu haben (Prot. I S. 12),
was offenkundig keinen Sinn ergibt. Wie unplausibel die Aussagen des Beschul-
digten auch im Übrigen sind, hat bereits die Vorinstanz zutreffend aufgezeigt
(Urk. 43 S. 9f.). Unzutreffend ist im Übrigen auch bereits seine Darstellung, wo-
nach er zuvor noch nie etwas mit Drogen zu tun gehabt habe (vgl. nachstehend
Sachverhalt B vom Mai 2016). Insbesondere drängt sich damit – entgegen der
Ansicht der Verteidigung (Prot. I S. 32) – auch nicht ansatzweise auf, der Be-
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schuldigte könnte hier lediglich seine Söhne gedeckt haben. Die Ausführungen
des Beschuldigten zur Frage, wie und weshalb es zu dieser Drogenübergabe ge-
kommen ist, sind vielmehr als blosse Schutzbehauptungen zu würdigen. Erstellt
ist aufgrund seiner eigenen Zugaben immerhin, dass er wusste, um was und um
welches Gewicht es sich dabei handelte, weil ihm C._ dies gesagt habe
(Prot. I S. 29). Ebenso steht fest, dass er die Drogen mindestens ein paar Tage
bei sich aufbewahrt haben muss (Prot. I S. 12 ff.). Nachdem dies zum Teil bereits
so eingeklagt wurde, ist zu seinen Gunsten auch davon auszugehen, dass er die
ca. 300 Gramm Heroingemisch wieder zurückgeben hat (Urk. 25 S. 3, Urk. 43
S. 25).
2.2.3 Der Verteidigung ist nicht zuzustimmen, wenn sie beantragt, den
Beschuldigten trotz seiner Zugeständnisse auch in diesem Punkt freizusprechen
(Urk. 46 S. 3; Urk. 93 S. 12 ff.). Zunächst trifft nicht zu, dass der vorinstanzliche
Schuldspruch das Anklageprinzip verletzt: Wenn die Vorinstanz von einer gerin-
geren als der eingeklagten Menge an Drogen ausgeht und zum Schluss gelangt,
dass dem Beschuldigten nur der Besitz und nicht auch der Verkauf des Heroins
nachgewiesen werden kann, geht sie zu Gunsten des Beschuldigten von einem
minderen Sachverhalt aus, der von der Anklage mitumfasst ist. Inwiefern ein
Rechtfertigungsgrund vorliegen sollte, weil der Beschuldigte das Heroin – aus
welchen Gründen auch immer – letztlich zurückgegeben hat (Urk. 46 S. 3; Urk. 93
S. 13), ist nicht nachvollziehbar. Dass dies bei der Strafzumessung strafmindernd
zu beachten ist, hat bereits die Vorinstanz zu Recht berücksichtigt (Urk. 43 S. 39).
Die Vorinstanz hat sodann mit zutreffender Begründung, auf welche vollumfäng-
lich verwiesen werden kann, überzeugend dargetan, weshalb dem Beschuldigten
durchaus bewusst gewesen sei, auf was er sich eingelassen habe. Dies nicht nur
aufgrund der aufgezeichneten verdächtigen Vorfälle/Gespräche im Hotel, sondern
auch angesichts der weiteren eingeklagten Vorwürfe gemäss Sachverhalt
B und C (Urk. 43 S. 24 f. und S. 28 f.). Insbesondere gilt es hierbei erneut auf die
Aussage des Beschuldigten in der Hauptverhandlung hinzuweisen, wonach ihm
C._ am Telefon gesagt habe, dass es sich um Heroin handle (Prot. I S. 29).
Wenn die Vorinstanz schliesslich mit der Anklage von einem Reinheitsgrad von
36% ausgeht (vgl. Urk. 43 S. 29), stützt sie sich zum einen auf die
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Betäubungsmittelstatistik der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin
und liegt damit zum anderen – verglichen mit den in Sachverhalt C nachgewiese-
nen 44% Reinheit (Urk. D1/13/7) – jedenfalls nicht zu hoch.
2.2.4 Nachdem der Beschuldigte die rund 300 Gramm Heroingemisch, mithin
ca. 108 Gramm reines Heroin, offenkundig nicht zum Eigengebrauch bei sich auf-
bewahrte, ist mit der Vorinstanz von einer qualifizierten Widerhandlung gegen
Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG in Verbindung mit Abs. 2 lit. a BetmG auszugehen
(Urk. 43 S. 33). Von den übrigen Vorwürfen in diesem Anklagepunkt ist er auch
heute wiederum freizusprechen.
2.3 Zu Sachverhalt B der Anklage
2.3.1 Dieser Vorwurf basiert im Wesentlichen auf den Aussagen von
F._ und G._. Die Vorinstanz hat diese korrekt zusammengefasst und
gewürdigt (Urk. 43 S. 18 ff.). Die Verteidigung brachte im Berufungsverfahren
erneut vor, es liege eine Verletzung des persönlichen Teilnahmerechts des
Beschuldigten an den beiden Zeugeneinvernahmen vor, weshalb beantragt wer-
de, diese beiden Personen im Berufungsverfahren im Beisein des Beschuldigten
zu befragen (Urk. 46 S. 3, Urk. 93 S. 2 f.). Die Vorinstanz hat sich zu diesem
Vorwurf bereits umfassend und zutreffend geäussert (Urk. 43 S. 21 f.). Sie hielt
fest, dass die in Österreich rechtshilfeweise durchgeführten Zeugeneinvernahmen
im Sinne von Art. 148 StPO korrekt erfolgt und damit verwertbar seien. Darüber
hinaus habe der Verteidiger des Beschuldigten persönlich an den Befragungen
teilnehmen können, wobei sogar der Termin mit ihm abgesprochen worden sei
(Urk. D1/19/9). Bei rechtshilfeweise durchgeführten Einvernahmen im Ausland
gelten gemäss Art. 148 StPO andere Regeln als jene von Art. 147 StPO. Aus den
Einvernahmen ergibt sich, dass der Verteidiger vom Recht auf Ergänzungsfragen
durchaus Gebrauch gemacht hatte (Urk. D1/9/3 und D1/9/5). Dass die Verteidi-
gung, welche sich nach diesen Einvernahmen zweifellos mit dem Beschuldigten
besprochen hatte, weitere schriftliche Ergänzungsfragen im Sinne von Art. 148
Abs. 1 lit. c StPO stellen wollte oder bei der Staatsanwaltschaft eine erneute
Befragung gefordert hätte, geht aus den Akten nicht hervor (vgl. Urk. D1/19/21,
Urk. 28). Seine Behauptung vor Vorinstanz, dies sei auch später nicht möglich
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gewesen (Urk. 34 S. 8, handschriftliche Ergänzung), ist nicht fundiert. Ebenfalls ist
das in der Berufungsverhandlung vorgebrachte Argument, dass man nach der
Einvernahme von einem Freispruch ausgegangen sei und aus diesem Grund
keine erneute Befragung beantragt habe (Prot. II S. 17), nicht relevant, zumal der
Beweiswert dieser Einvernahmen keinesfalls von vornherein als vernachlässigbar
erscheinen konnte. Es ist daher vielmehr mit der Vorinstanz davon auszugehen,
dass die rechtshilfeweise in Anwesenheit der Verteidigung erfolgten Zeugenaus-
sagen von F._ und G._ ohne weiteres verwertbar sind. Auf ihre erneute
Befragung ist daher zu verzichten.
2.3.2 Hinsichtlich der den Beschuldigten belastenden Beweise kann auf die
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 43 S. 21,
S. 25 f. und S. 29 f.). F._ hat konstant ausgeführt, das Kokain vom
Beschuldigten erhalten zu haben, welcher am Übergabetag aus der Schweiz
angereist sei und das Kokain "auf jeden Fall" von dort mitgebracht habe
(vgl. Urk. D1/9/3 S. 5, Frage 14). Die Verteidigung macht geltend, F._ belas-
te den Beschuldigten zu Unrecht, weil er den effektiven Drogenlieferanten,
H._, schützen wolle (Urk. 93 S. 11). Die Verteidigung schliesst dies aus den
Aussagen von G._, welcher die Darstellung von F._ zwar in weiten Tei-
len bestätigte, aber ausgeführt hatte, F._ habe ihm damals gesagt, er habe
die Drogen von H._ erhalten (Urk. D1/9/3 und D1/9/5). Die Verteidigung be-
antragt im Berufungsverfahren die Befragung von H._ (Urk. 46 S. 3; Urk. 93
S. 2 f.). Eine Notwendigkeit ist nicht ersichtlich, denn – mit der Staatsanwaltschaft
(Urk. 64 S. 2) – ist eine Selbstbelastung von H._ zweifellos äusserst unwahr-
scheinlich. Weiter bestand – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Prot. II S. 13
und 17 f.) – für F._ überhaupt keine Notwendigkeit, eine konkrete Person als
Lieferanten des Kokains zu bezeichnen. Genauso gut hätte er gegenüber den
Behörden – etwa ähnlich wie der Abnehmer in Anklagesachverhalt C – geltend
machen können, er kenne den richtigen Namen des Händlers nicht, oder auch ir-
gendeinen Fantasienamen erfinden können. Ein plausibler Grund, den Beschul-
digten, dem er offenbar freundschaftlich geneigt war, zu Unrecht derart zu belas-
ten, ist nicht ansatzweise ersichtlich.
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2.3.3 Hinzu kommt, dass G._ mehrfach bestätigte, keine eigenen
Kenntnisse zum fraglichen Drogenlieferanten zu haben, sondern dies lediglich
von F._ erfahren haben will (Urk. D1/9/5 S. 3 f.). Immerhin schilderte auch er,
wie er am Tag der Kokainübergabe, als er eine Probeportion davon erhalten ha-
be, F._ mit dem Beschuldigten – und eben nicht mit H._ – im fraglichen
Lokal gesehen habe. Sodann bestätigte er auch, wie F._ und der Beschul-
digte allein in einen abgetrennten Bereich des Lokals gegangen seien und er da-
nach eine geringe Menge des Kokains erhalten habe, um es der Käuferin zu brin-
gen, die ebenfalls an jenem Nachmittag angereist sei (a.a.O. S. 4). Dies deckt
sich absolut mit den Aussagen von F._, der ebenfalls schilderte, wie er mit
dem Beschuldigten im Lokal gewesen und mit diesem allein dort in die (leere) Kü-
che gegangen sei, wo er die Drogen erhalten habe (Urk. D1/9/3 S. 11). Was da-
ran lebensfremd sein soll, ist – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 34 S.
9; Urk. 93 S. 10 f.) – nicht auszumachen. Ebenso wenig, wenn F._ schilder-
te, dass er das Kokain zunächst im nahe gelegenen Flüchtlingsheim versteckt
habe, bevor er mit dem Beschuldigten zusammen eine Autofahrt unternommen
habe. Zum einen ist absolut nachvollziehbar, dass die beiden nicht mit dem Koka-
in im Kofferraum unterwegs sein wollten, weil sie offenbar Angst vor der Polizei
hatten (vgl. Urk. D1/9/3 S. 11); zum andern ist nicht ersichtlich, weshalb der Zeu-
ge ein solches Detail erfinden sollte, zumal es ihn in keiner Weise entlastet.
Schliesslich hat der Beschuldigte dem F._ das Kokain nicht einfach – ohne
Bezahlung – übergeben und sich wegbegeben, sondern er blieb mit diesem zu-
sammen und fuhr in der Gegend herum, bis sich die Käuferin entschieden hätte.
Und dass es zweifellos einschlägige Lokale gibt, in denen ausländische Drogen-
händler – allenfalls in ihrer eigenen Sprache – offen über ihre Geschäfte spre-
chen, dürfte auch der Verteidigung bekannt sein (vgl. Urk. 34 S. 8; Urk. 93
S. 10 f.; Urk. D1/9/3 S. 4). Nicht zu folgen ist schliesslich den Ausführungen der
Verteidigung, wonach F._ generell nicht glaubwürdig sei, da er in der Ver-
gangenheit bereits sowohl in Österreich als auch in der Schweiz wegen Betäu-
bungsmitteln verurteilt bzw. inhaftiert worden sei (Urk. 93 S. 10), zumal dies in
keiner Weise darauf hindeutet, dass er im vorliegenden Fall unzutreffende Aussa-
gen gemacht haben könnte. Es besteht angesichts der weitgehend übereinstim-
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menden Zeugenaussagen von F._ und G._
– und insbesondere der klaren Belastung durch F._ – kein Anlass, daran zu
zweifeln, dass das Kokain vom Beschuldigten aus der Schweiz nach Lustenau
gebracht worden war.
2.3.4 Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 93 S. 7 ff.) geht aus den
Aussagen von F._, welcher zu Protokoll gab, der Beschuldigte habe das Ko-
kain "auf jeden Fall" aus der Schweiz gebracht (Urk. D1/9/3, S. 5, Ziff. 14),
schliesslich eindeutig hervor, dass der Beschuldigte die Betäubungsmittel aus der
Schweiz aus- und nach Österreich eingeführt hat. Die Verteidigung bringt in die-
sem Zusammenhang vor, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschuldigte
das Kokain – wenn es wie von der Staatsanwaltschaft vermutet – von der
belgischen Gruppierung übernommen worden sei, zunächst zum Beschuldigten in
die Schweiz hätte geliefert werden sollen, von wo es dieser sodann nach
Österreich exportiert hätte. Dies sei insbesondere daher unwahrscheinlich, weil
Grenzübergänge generell ein Risiko darstellen und entsprechend von Drogen-
händlern gemieden würden (Urk. 93 S.10). Dem ist entgegen zu halten, dass
insbesondere C._, mit welchem der Beschuldigte nachweislich Geschäfte mit
Betäubungsmitteln tätigte und welcher zur besagten belgischen Gruppierung ge-
hört, in der Schweiz aktiv war (vgl. Anklagesachverhalt A). Aus diesem Umstand
ist daher nichts Entlastendes abzuleiten. Entsprechend liegt der Handlungsort
auch nicht einzig in Österreich, sondern auch in der Schweiz, weshalb der An-
wendbarkeit der schweizerischen Strafbestimmungen und der Zuständigkeit der
hiesigen Gerichte nichts entgegen steht.
2.3.5 Im Übrigen ist auch nicht zu besanstanden, dass die Anklage keinen
konkreten Grenzübergang nennt, zumal in der Anklageschrift die dem Beschuldig-
ten vorgeworfenen Sachverhalte bloss so genau wie möglich zu umschreiben sind
und es dem Beschuldigten aufgrund der vorliegenden Anklage ohne Weiteres klar
war, was ihm zum Vorwurf gemacht wird.
2.3.6 Schliesslich besteht an der Identifizierung des Beschuldigten als jener
Lieferant namens A._ resp. "I._", der häufig auch zum Spielen nach
Lustenau gekommen sei, nicht der geringste Zweifel. Dies nicht nur aufgrund
- 15 -
seines Vornamens resp. des Herkunftsorts des Beschuldigten (= I._),
sondern auch seiner von F._ – unter dem Namen "I._" – gespeicherten
früheren Handynummer (Urk. D1/12/2 S. 2 f., Prot. I S. 20; vgl. Urk. 43 S. 21). Wie
schon vor Vorinstanz (Urk. 34 S. 7 f.) brachte die Verteidigung auch im
Berufungsverfahren vor, die Auswertung der Telefonkontakte von F._ sei ei-
nerseits inhaltlich zu unklar, als dass daraus etwas abgeleitet werden könne, da
am Telefon gar nie über die Kokaingeschäfte gesprochen worden sei. Zudem
handle es sich bei dieser Auswertung um einen Zufallsfund, der vom Zwangs-
massnahmengericht nicht genehmigt worden und entsprechend unverwertbar sei
(Urk. 93 S. 9). Diesen Ausführungen ist nicht zu folgen. Zunächst geht aus dem
Umstand, dass F._ die Telefonnummer des Beschuldigten gespeichert hatte,
bloss hervor, dass sie sich bekannt waren und es sich beim Beschuldigten um
besagten "I._" handelt, nicht aber, worüber sie am Telefon gesprochen ha-
ben. Inwiefern die gespeicherten Telefonkontakte hinsichtlich dieser Feststellung
inhaltlich unklar sein sollen, ist nicht nachvollziehbar. Bei der Auswertung der Te-
lefonkontakte handelt es sich zudem auch nicht um einen genehmigungsbedürfti-
gen Zufallsfund. Wie bereits die Staatsanwaltschaft vor Vorinstanz zutreffend
ausgeführt hat (Prot. I S. 37), handelte es sich vorliegend nicht um eine vorgängig
durch das Zwangsmassnahmengericht zu genehmigende Telefonüberwachung im
Sinne von Art. 269 ff. StPO, bei welcher auch Zufallsfunde gemäss Art. 278 StPO
einer Genehmigung durch das Zwangsmassnahmengericht bedürften. Vielmehr
liegt vorliegend eine (nicht genehmigungsbedürftige) Durchsuchung vor, im Rah-
men welcher aufgefundene Beweismittel formfrei verwertbar sind. Hinsichtlich der
Identifizierung des Beschuldigten gilt es weiter zu bemerken, dass sowohl
F._ als auch G._ den Beschuldigten einwandfrei auf einer Fotografie er-
kannten (Urk. D1/9/3 S. 3 und Urk. D1/9/5 S. 3), auch wenn dieser behauptete,
die beiden nicht zu kennen. Der eingeklagte Sachverhalt, inklusive des festge-
stellten Reinheitsgrads der 435 Gramm Kokaingemisch von 39% (Urk. D1/12/2
Abschlussbericht S. 1), ist damit erstellt.
2.3.7 Auch die rechtliche Würdigung der Vorinstanz trifft zu, ist zu bestätigen
und gibt zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass (Urk. 43 S. 32 f.).
- 16 -
2.4 Zu Sachverhalt C der Anklage
2.4.1 Die Vorinstanz ging in diesem Punkt zu Recht davon aus, dass sich
eine direkte Übergabe des sichergestellten Heroinblocks durch den Beschuldigten
an J._ (recte: J._) nicht nachweisen lasse (Urk. 43 S. 23 f. und 27). Die-
ser hatte stets ausgeführt, die Drogen von einem Unbekannten namens
"K._" erhalten zu haben. Eine genauere Beschreibung dieser Person wurde,
so weit ersichtlich, nie erfragt. Ebenso wenig fand eine Gegenüberstellung mit
dem Beschuldigten oder auch nur schon eine Fotokonfrontation statt. Es kann
somit nicht davon ausgegangen werden, der Beschuldigte sei dieser "K._"
gewesen. Dies umso weniger, als der Beschuldigte im vorliegenden Verfahren im
Übrigen stets als A._ oder allenfalls "I._" in Erscheinung trat. Eventuali-
ter wird dem Beschuldigten in der Anklage vorgeworfen, er habe das Heroin
(181 Gramm resp. 79 Gramm rein) in Besitz gehabt mit der Absicht zur Weiter-
gabe zwecks Verkaufs (Urk. 25 S. 4). Bei dieser Sachlage ist nicht erkennbar,
welchen Sinn die von der Verteidigung in der Berufungserklärung beantragte
Befragung von J._ (Urk. 46 S. 3) ergeben sollte, zumal er den Beschuldigten
gar nicht belastete. Entlastendes könnte J._ ohnehin nicht zu Protokoll ge-
ben, denn er kann unmöglich mit Sicherheit wissen, durch wie viele und wessen
Hände der Block mit Heroin gegangen war, bevor er diesen am 26./27. Mai 2016
entgegen nahm. Auf eine Befragung von J._ ist somit zu verzichten.
2.4.2 Auf dem bei J._ in dessen Hotelzimmer sichergestellten Block
wurde aussen auf dem Klebeband, mit welchem das Drogenpaket umwickelt war,
die DNA-Spur des Beschuldigten nachgewiesen (Urk. D1/15 S. 2). Gemäss Gut-
achten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 23. Dezember
2020 ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Spur vom Beschuldigten stammt,
mehrere Milliarden mal höher, als wenn man von einer unbekannten Person als
Spurengeber ausgeht (Urk. 79). Damit steht zweifellos fest, dass der Beschuldigte
mit dem Paket in Berührung gekommen sein muss; dies umso mehr, als das
Paket zusätzlich noch in Aluminium eingepackt war (Urk. D1/13/7; vgl. Prot. I
S. 37). Eine plausible Erklärung dafür, wie seine DNA auf das Klebeband des
Pakets gelangt sein könnte, vermochte der Beschuldigte nicht zu liefern, worauf
- 17 -
auch die Vorinstanz zutreffend hingewiesen hat (Urk. 43 S. 27). Die DNA-Spur
stellt hierbei – mit der Verteidigung (Urk. 93 S. 7) – zwar noch nicht den
abschliessenden Beweis für die Täterschaft des Beschuldigten dar. Sie ist aber
immerhin ein sehr starkes Indiz, dass der Beschuldigte das Paket in den Händen
hatte bzw. bei dessen Verpackung beteiligt war, zumal daraus eindeutig ersicht-
lich wird, dass der Beschuldigte auf die eine oder andere Weise mit dem Klebe-
band in Kontakt gekommen sein muss. Entgegen der Ansicht der Verteidigung
(Urk. 93 S. 6) ändert daran auch nichts, dass die DNA Spur bloss auf dem Klebe-
band der Verpackung des Drogenpaket und nicht etwa auf der Innenseite nach-
gewiesen wurde, zumal insbesondere nicht naheliegend ist, dass der Beschuldig-
te einzig mit dem Klebeband, nicht aber dem fraglichen Paket, in Berührung
gekommen sein soll (vgl. dazu sogleich E. 2.4.4).
2.4.3 Zwar steht ausser Frage, dass ein Beschuldigter schweigen darf und
sich nicht selbst belasten muss, ohne dass ihm daraus Nachteile erwachsen oder
nachteilige Schlüsse gezogen werden dürfen. Mit anderen Worten darf ein
Schuldspruch nicht ausschliesslich oder im Wesentlichen darauf abgestützt
werden, dass ein Beschuldigter geschwiegen oder sich geweigert hat, Fragen zu
beantworten. Bei der Gewichtung belastender Elemente darf indessen das
Schweigen in Situationen, die nach einer Erklärung rufen, mitberücksichtigt
werden. Wenn also belastende Beweise – wie vorliegend eine DNA-Spur – nach
einer Erklärung rufen, die der Beschuldigte geben müsste, dies jedoch nicht tut,
darf nach Massgabe des gesunden Menschenverstandes geschlossen werden,
es gebe keine andere Erklärung und der Angeklagte sei schuldig (vgl. Urteil des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 8. Februar 1996 i.S. Murray
gegen Vereinigtes Königreich; vgl. auch u.a. Urteile des Bundesgerichts
1P.641/2000 vom 24. April 2001, 6B_628/2010 vom 7. Oktober 2010 sowie
6B_812/2011 vom 19. April 2012).
2.4.4 Mit der Vorinstanz ist keine andere Erklärung denkbar, als dass der
Beschuldigte das Paket in Händen gehabt haben musste. Wenn sein Verteidiger
geltend macht, der Beschuldigte habe in einem Geschäft gearbeitet, wo auch
Klebebänder verkauft würden (Urk. 34 S. 10; Urk. 93 S. 6), so hat bereits die
- 18 -
Vorinstanz dies mit zutreffender Begründung als Schutzbehauptung verworfen
(Urk. 43 S. 27). Nach menschlichem Ermessen erscheint ausgeschlossen, dass
der Beschuldigte, der nachweislich im Drogenhandel involviert war (vgl. Sachver-
halte A und B), ausgerechnet mit jenem Klebeband in Berührung gekommen sein
soll, welches in der Folge für die Verpackung eines Drogenpakets verwendet
wurde. Dies insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass das Vorbringen, er
habe in einem Geschäft gearbeitet, wo auch Klebebänder verkauft worden seien
(Urk. 93 S. 6), lediglich eine pauschale Behauptung darstellt, die weder belegt
noch anderweitig durch konkrete Angaben glaubhaft gemacht werden konnte.
Hinzu kommt, dass der Beschuldigte selbst nie eine solche Arbeit mit Klebebän-
dern erwähnt hat, sondern dies einzig durch die Verteidigung ins Feld geführt
wurde. Eine andere Begründung, wie der Beschuldigte mit dem Paket bzw. dem
Klebeband in Berührung gekommen sein könnte, hat er im Übrigen nicht darge-
tan, obwohl seine DNA-Spur nach einer Erklärung im Sinne der obigen Praxis
rufen würde.
2.4.5 Wenn die Verteidigung geltend macht, der Beschuldigte habe die im
Block enthaltenen Drogen gar nicht gesehen resp. selbst in den Händen gehabt
(Prot. I S. 37), und damit seinen Vorsatz in Frage stellt, so vermag dies nicht zu
überzeugen. Nebst der Tatsache, dass die Aussagen des Beschuldigten im vor-
liegenden Verfahren alles andere als glaubhaft sind, ist angesichts der erstellten
Sachverhalte A und B nachgewiesen, dass der Beschuldigte mehrfach mit Drogen
– auch mit Heroin – zu tun hatte und diese zum Teil auch an Dritte weitergab. Zu
Recht verwies die Vorinstanz darauf, dass die gemäss Sachverhalt B übergebe-
nen Betäubungsmittel sodann eine ähnliche Verpackung mit Aluminium aufwiesen
(Urk. 43 S. 27; Urk. D1/12/6 S. 5). Insgesamt besteht somit kein massgeblicher
Zweifel daran, dass der Beschuldigte den Block mit Heroin in Händen hatte und
dabei wusste, dass sich darin illegale Drogen befinden. Dass er sie nicht zum
Eigenkonsum besass, sondern diese letztlich für Drittpersonen bestimmt waren,
versteht sich von selbst und ist durch die spätere Übernahme von J._ er-
wiesen.
- 19 -
2.4.6 Schliesslich macht die Verteidigung geltend, der eingeklagte Besitz des
Heroins durch den Beschuldigten sei nicht nachgewiesen, weil er bspw. auch eine
DNA-Spur hinterlassen hätte, wenn er jemandem lediglich beim Verpacken der
Drogen geholfen hätte (Urk. 34 S. 10). Dies trifft zu. Die Vorinstanz hat den
Beschuldigten jedoch nicht wegen Besitzes im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. d
BetmG, sondern wegen Anstaltentreffens im Sinne von lit. g dieser Bestimmung
schuldig gesprochen (Urk. 43 S. 32). Sie ging davon aus, dass der Beschuldigte
am Absatz der Drogen in irgendeiner Form mitgewirkt habe, weshalb lit. g als
Auffangtatbestand zur Anwendung gelange. Vorab ist festzuhalten, dass der
Beschuldigte nie geltend machte, er habe lediglich in untergeordneter Weise beim
Absatz des Heroins mitgewirkt, sondern stets behauptete, er habe gar nichts
damit zu tun (Prot. I S. 23). Aufgrund der Beweisergebnisse des vorliegenden
Verfahrens trat der Beschuldigte denn auch sonst nicht als blosser Gehilfe in
Erscheinung, weshalb dies äusserst unwahrscheinlich ist. Fraglich ist indes noch,
ob die Rechtsauffassung der Vorinstanz vom Anklageprinzip gedeckt ist. Die
Anklage musste letztlich offen lassen, zu welchem Zeitpunkt an welchem Ort und
auf welche Weise der Beschuldigte mit dem Heroin in Kontakt gelangte. Sie stellte
jedoch unmissverständlich die Behauptung auf, dass der Beschuldigte ein Glied in
der Kette des illegalen Handels mit dieser Droge bildete und nicht etwa als blos-
ser Gehilfe tätig gewesen wäre (Urk. 25). Genauer konnte die Anklagebehörde
die Anklage vorliegend gar nicht formulieren: Fehlen genaue Untersuchungs-
ergebnisse, weil sich gewisse Umstände nicht rekonstruieren liessen, müssen sie
approximativ umschrieben werden (HEIMGARTNER/NIGGLI, in: Schweizerische
Strafprozessordnung, Basler Kommentar, 2011, N 20 zu Art. 325 StPO). Die
Ungenauigkeiten der Anklageschrift basieren vorliegend weder auf einer unzu-
länglichen Untersuchung noch einer nachlässigen Anklageerhebung. Die An-
klagebehörde sah sich gezwungen, die Tatzeit, den Tatort und die Tatbegehung
relativ offen zu formulieren. Wenn gewisse Tatumstände nicht ermittelt werden
können, führen darauf beruhende ungenaue oder unpräzise Anklageformulier-
ungen nicht zur Ungültigkeit der Anklage. Das Bundesgericht hat sich dieser
Argumentation in einem Tötungsdelikt angeschlossen (Urteil des Schweizerischen
Bundesgerichts vom 17. Oktober 2014, Nr. 6B_716/2014 Erw. 2). Das Be-
- 20 -
täubungsmittelgesetz stellt schliesslich jeglichen (nicht bewilligten) Umgang mit
Betäubungsmitteln unter Strafe. Der Beschuldigte wusste, dass ihm in der Ankla-
ge aufgrund der sichergestellten DNA-Spur eine Beteiligung an der Weitergabe
zwecks Verkauf dieser Drogen vorgeworfen wurde, wogegen er sich auch zu
verteidigen vermochte. Dass seine Tathandlung nicht genauer feststeht, führt
nicht zu einem Freispruch. Der Schuldspruch der Vorinstanz ist zu bestätigen.
2.5 Fazit:
Zusammenfassend ist der Beschuldigte daher mit der Vorinstanz des mehrfachen
Verbrechens im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. d (Sachverhalt A), lit. b und c (Sach-
verhalt B) und lit. g (Sachverhalt C), je in Verbindung mit Abs. 2 lit. a BetmG
schuldig zu sprechen. Im Übrigen ist er, wie bereits vor Vorinstanz, freizu-
sprechen (Urk. 43 S. 52).
3. Strafpunkt
3.1 Hinsichtlich der Strafzumessung kann vorab grundsätzlich auf die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 43 S. 33 ff.).
Wo davon abgewichen wird, wird dies im Folgenden explizit erwähnt. Zu Recht
hat die Vorinstanz den Sachverhalt B als den schwersten der drei Vorfälle beur-
teilt und zum Ausgangspunkt der Strafzumessung gemacht. Ebenfalls zutreffend
hat die Vorinstanz festgestellt, dass der Beschuldigte vorliegend sowohl vor als
auch nach seiner letzten Verurteilung vom 26. August 2016 zu einer unbedingten
Geldstrafe von 15 Tagessätzen delinquiert hat. Nachdem die erste Instanz eine
Freiheitsstrafe ausfällte, kam sie richtigerweise zum Schluss, dass mangels
Gleichartigkeit der Strafarten keine Zusatzstrafe zur letzten Verurteilung möglich
ist (Urk. 43 S. 35). Unzutreffend ist hingegen, wenn die Vorinstanz in der Folge
dennoch auf BGE 145 IV 1 abstellte, für die vor und nach der letzten Verurteilung
verübten Taten selbständige Freiheitsstrafen ausfällte und diese schliesslich
addierte. Dies wäre eine massive Schlechterstellung gegenüber einem Täter, der
keine dazwischen liegende Verurteilung zu einer Geldstrafe aufweist, was nicht
Sinn der neuen Bundesgerichtspraxis sein kann. Das Bundesgericht hielt denn im
zitierten Entscheid auch fest: "Das Gericht beurteilt zunächst, ob bezüglich der Taten, welche vor
- 21 -
dem Ersturteil begangen wurden, mit Blick auf die ins Auge gefasste Strafart, die Anwendung von Art. 49 Abs. 2 StGB in Betracht fällt. Anschliessend legt es für die nach der ersten Verurteilung begangenen Taten
eine unabhängige Strafe fest (...)." Die Praxis des Bundesgerichts hat sich somit lediglich
insoweit geändert, als dass im Falle einer Zusatzstrafe nicht mehr zunächst
abgewogen werden muss, ob die vor oder nach der letzten Verurteilung began-
genen Delikte schwerer wiegen, sondern – in Anwendung des Asperations-
prinzips – immer zuerst der Zusatzstrafenteil zu berechnen ist. Für die nach der
letzten Verurteilung begangenen Straftaten ist eine selbstständige Strafe auszu-
fällen, die mit dem Zusatzstrafenteil zu kumulieren ist, m.a.W. soll dort nicht
nochmals eine (zweite) Asperation vorgenommen werden. Dies leuchtet ein, ist
aber sachlogisch nur möglich, wenn überhaupt eine (teilweise) Zusatzstrafe aus-
gefällt wird. Im vorliegenden Fall ist somit eine reguläre, eigenständige Strafe
auszufällen. Dies gilt auch hinsichtlich des beantragten Widerrufs der bedingten
Geldstrafe, der nicht zu einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 46 Abs. 1 Satz 2
StGB führen kann (vgl. Urk. 43 S. 45).
3.2.1 Die Vorinstanz hat die massgeblichen Verschuldenselemente zu
Sachverhalt B zutreffend und umfassend aufgezeigt (Urk. 43 S. 37 ff.). Es kann
ihr ohne weiteres gefolgt werden, wenn sie von einem keineswegs leichten
Verschulden ausging. Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung ihres Antrags
auf eine höhere Strafe aus, der Umstand, dass die Vorinstanz das Verschulden
hinsichtlich des Sachverhalts B als "keineswegs leicht" bezeichne, müsse zu einer
Strafe im mittleren Drittel des Strafrahmen führen. Da bei einem schweren Fall
von Betäubungsmittelhandel der Gesetzgeber einen Strafrahmen von einem bis
zu 20 Jahren vorsehe, führe das vorliegend zu einer Einsatzstrafe im Bereich von
6-13 Jahren (Urk. 95 S. 2). Mit der von ihr berechneten Einsatzstrafe liegt die
Anklagebehörde indessen klar zu hoch. Es ist nicht völlig klar, wie die Benennung
des Verschuldens durch die Vorinstanz als "keineswegs leicht" zu verstehen ist.
Jedenfalls führt dies nicht ohne Weiteres dazu, dass eine Strafe im rechnerisch
mittleren Bereich des Strafrahmens festzusetzen wäre. Die von der Vorinstanz
angesetzte Einsatzstrafe von 26 Monaten Freiheitsstrafe ist – angesichts des
weiten Strafrahmens von 20 Jahren – tendenziell zwar tatsächlich eher etwas mild
- 22 -
ausgefallen, unter Berücksichtigung des möglichen Spektrums von Betäubungs-
mitteldelikten aber noch angemessen.
3.2.2 Ebenso kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu
Sachverhalt A verwiesen werden (Urk. 43 S. 39 f.). Auch unter Berücksichtigung,
dass der Beschuldigte die rund 300 Gramm Heroingemisch von sich aus zurück-
gegeben und diese nur wenige Tage aufbewahrt hatte, erscheint die Qualifikation
des Verschuldens als gerade noch leicht eigentlich als zu milde, zumal ein leich-
tes Verschulden bereits ab 13 Gramm reinem Heroin vorliegen könnte. Wenn die
Vorinstanz die genannte Einsatzstrafe dann aber – asperiert – um 16 Monate auf
42 Monate, mithin 3 1⁄2 Jahre Freiheitsstrafe, erhöht (a.a.O. S. 40), erscheint dies
hingegen als angemessen.
3.2.3 Nicht zutreffend ist hingegen, wenn die Vorinstanz – wie oben erwähnt
– die Strafe für Sachverhalt C, welche sie auf 14 Monate Freiheitsstrafe festlegte,
dazu addierte, wobei unklar ist, inwiefern sie dann doch das Asperationsprinzip
anwendete (vgl. Urk. 43 S. 43 N 5.3.). Die näheren Umstände des Kontakts des
Beschuldigten mit dem Block von 181 Gramm Heroingemisch (79 Gramm rein)
blieben unbekannt. Selbst wenn der Beschuldigte weder ein Bodypacker noch ein
Strassenhändler war, und damit nicht in der untersten Hierarchie des Betäu-
bungsmittelhandels anzusiedeln ist, muss zu seinen Gunsten im konkreten Fall
von einer eher untergeordneten und nur kurzen Tätigkeit im Umgang mit dem
Heroinblock ausgegangen werden. Die oben festgelegte Strafe von 42 Monaten
ist daher um 9 Monate auf 51 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.
3.3 Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann
wiederum auf die Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 43 S. 40 ff.). Diese Um-
stände erweisen sich als strafzumessungsneutral. Die Vorinstanz hat sich auch
bezüglich der übrigen Täterkomponenten zutreffend geäussert. Zu korrigieren ist
allerdings, dass die im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Urteils noch eingetragene
Vorstrafe vom 15. Juli 2009 mittlerweile aus dem Strafregister gelöscht wurde und
damit nicht mehr zum Nachteil des Beschuldigten berücksichtigt werden darf
(Urk. 45). Die beiden weiteren – nicht einschlägigen – Vorstrafen des Beschuldig-
ten sowie sein Delinquieren während laufender Probezeit hinsichtlich Sachver-
- 23 -
halt C (vgl. nachstehend zum Widerruf) wiegen straferhöhend. Anderseits ist sein
Geständnis bezüglich Sachverhalt A strafmindernd zu berücksichtigen, welches
insbesondere deshalb zu einer merklichen Strafreduktion führt, weil der vom
Beschuldigten eingestandene Sachverhalt ohne dieses Geständnis ihm wohl nicht
rechtsgenügend hätte nachgewiesen werden können. Insgesamt ist die Strafe
aufgrund der Täterkomponente um 3 Monate auf 48 Monate bzw. 4 Jahre
Freiheitsstrafe zu reduzieren.
3.4 Der Beschuldigte ist heute somit mit 4 Jahren Freiheitsstrafe zu bestra-
fen, worauf 64 Tage erstandene Haft anzurechnen sind. Der bedingte Strafvollzug
ist bei dieser Strafhöhe nicht mehr möglich.
4. Widerruf
Hinsichtlich des Widerrufs des bedingten Vollzugs der Geldstrafe vom 3. Juli 2014
kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 43 S. 44 f.). Die Probezeit dieser Verurteilung musste bereits einmal
– um ein Jahr – verlängert werden, weil sich der Beschuldigte nicht wohlverhalten
hatte. Mit den vorliegend zu beurteilenden Delikten hat der Beschuldigte erneut
gegen die bis am 26. August 2017 laufende Probezeit verstossen. Die Vorinstanz
hat das Nötige dazu ausgeführt (a.a.O.). Zu ergänzen ist lediglich, dass der
Beschuldigte in der Untersuchung geltend machte, er habe keine Kenntnis von
der Verlängerung dieser Probezeit gehabt (Urk. D1/8/4 S. 19). In den beigezo-
genen Akten (Unt. Nr. 2016/10018062; darin Urk. 9) findet sich jedoch ein Zu-
stellungsbeleg, wonach der Beschuldigte den Strafbefehl vom 26. August 2016
mit der entsprechenden Anordnung am 29. September 2016 entgegen ge-
nommen hatte. Die Geldstrafe ist zu vollziehen.
5. Landesverweisung
5.1 Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für 8 Jahre des Landes ver-
wiesen. Auf ihre sorgfältigen, detaillierten und zutreffenden Ausführungen kann
vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 43 S. 45 ff.). Zu präzisieren ist einzig, dass
der Beschuldigte die Straftat gemäss Anklagesachverhalt C im Mai 2016 und
- 24 -
damit noch vor Inkrafttreten der Bestimmungen über die Landesverweisung am
1. Oktober 2016 begangen hat. Dies ändert indes nichts an der übrigen Sachlage.
5.2.1 Von der Anordnung einer Landesverweisung kann nach dem Wortlaut
des Gesetzes nur "ausnahmsweise" abgesehen werden, wenn sie kumulativ (1)
einen schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und (2) die öffentlichen
Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des
Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen (Art. 66a Abs. 2 StGB).
Die Härtefallklausel ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung restriktiv anzu-
wenden (BGE 144 IV 332 E. 3.3.1, BGE 146 IV 105 E. 3.4.2). Ein Härtefall lässt
sich erst bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in den Anspruch des
Ausländers auf das in Art. 13 BV bzw. Art. 8 EMRK gewährleistete Privat- und
Familienleben annehmen (Urteil des Bundesgerichts 6B_378/2018 vom 22. Mai
2019 E. 2.2). Soweit ein Anspruch aus Art. 8 EMRK in Betracht fällt, ist primär die
Rechtsprechung des EGMR zu beachten. Die Staaten sind nach dieser Recht-
sprechung berechtigt, Delinquenten auszuweisen; berührt die Ausweisung indes
Gewährleistungen von Art. 8 Ziff. 1 EMRK, ist der Eingriff nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK
zu rechtfertigen (Urteil in Sachen I.M. c. Suisse vom 9. April 2019, Verfahren
23887/16, Ziff. 68). Liegt eine aufenthaltsbeendende oder -verweigernde
Massnahme im Schutz- und Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK, erweist sich
diese als zulässig, falls sie gesetzlich vorgesehen ist, einem legitimen Zweck im
Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht und zu dessen Realisierung in einer
demokratischen Gesellschaft "notwendig" erscheint.
5.2.2 Unter dem Titel der Achtung des Privatlebens im Sinne von Art. 8
Ziff. 1 EMRK genügen selbst eine lange Anwesenheit und die damit verbundene
normale Integration nicht; erforderlich sind besonders intensive, über eine norma-
le Integration hinausgehende private Beziehungen beruflicher oder gesellschaft-
licher Natur (BGE 144 II 1 E. 6.1 S. 13; Urteil des Bundesgerichts 6B_1218/2019
vom 19. Dezember 2019 E. 2.3.1 f.). Es ist nicht gleichsam schematisch ab einer
gewissen Aufenthaltsdauer eine Verwurzelung in der Schweiz anzunehmen
(BGE 146 IV 105 E. 3.4.4; Urteil des Bundesgerichts 6B_689/2019 vom
25. Oktober 2019 E. 1.7.2). Unter dem familienrechtlichen Titel von Art. 8 Ziff. 1
- 25 -
EMRK ist dessen Schutzbereich berührt, wenn eine Ausweisung eine nahe, echte
und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt an-
wesenheitsberechtigten Person beeinträchtigen würde, ohne dass es dieser ohne
weiteres möglich bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu pflegen
(Urteil des Bundesgerichts 2C_253/2015 vom 9. September 2015 E. 3.3.3).
Ausländische minderjährige Kinder teilen schon aus familienrechtlichen Gründen
regelmässig das ausländerrechtliche Schicksal der Eltern und haben das Land
gegebenenfalls mit diesen zu verlassen; für Kinder im anpassungsfähigen Alter ist
der Umzug in das Heimatland zumutbar (BGE 143 I 21 E. 5.4; Urteil des Bundes-
gerichts 2C_234/2019 vom 14. Oktober 2019 E. 4.3.2). Art. 8 EMRK gewährleistet
grundsätzlich weder ein Recht auf Einreise oder Aufenthalt in einem bestimmten
Staat noch auf Wahl des für das Familienleben am geeignetsten erscheinenden
Orts (Urteil des Bundesgerichts 2C_458/2019 vom 27. September 2019 E. 5.2).
Die familiäre Beziehung lässt sich in einem gewissen Masse über moderne
Kommunikationsmittel und allenfalls über bewilligungsfähige Kurzaufenthalte
pflegen (BGE 143 I 21 E. 5.3 S. 28; Urteile des Bundesgerichts 2C_221/2019 vom
25. Juli 2019 E. 3.2; 6B_680/2018 vom 19. September 2018 E. 1.5). Das gilt um-
so mehr bei der als strafrechtliche Massnahme ausgestalteten Landesverweisung
(Urteil des Bundesgerichts 6B_627/2018 vom 22. März 2019 E. 1.3.2).
5.3.1 Wenn die Vorinstanz zum Schluss gelangte, dass beim Beschuldigten
kein persönlicher Härtefall im Sinne des Gesetzes vorliege, ist dem zuzustimmen.
Die Vorinstanz hat aufgezeigt, dass es dem Beschuldigten – obwohl er über die
Niederlassungsbewilligung C verfügte (vgl. Urk. 85/2) – nicht gelungen ist, sich in
der Schweiz hinreichend zu integrieren. Obwohl er in seiner Heimat offenbar
längere Zeit Militärdienst leistete und als Dachdecker tätig war, konnte er auf dem
Schweizer Arbeitsmarkt nie Fuss fassen. Seit er mit 36 Jahren in die Schweiz
gekommen ist, hat er offenbar nie richtig gearbeitet. Er habe vieles versucht, aber
es sei nicht gegangen. Irgendwann sei das Thema IV aufgekommen (Urk. D1/8/4
S. 11 und S. 13 f.; Prot. I S. 25 f.). Eine solche Rente bezog er schliesslich
während rund 10 Jahren, bis diese aufgehoben wurde. Seither ist die Familie des
Beschuldigten weitgehend von der Sozialhilfe abhängig, wobei der Beschuldigte
zum Teil im Restaurant seines Sohnes tätig ist. Schulden habe er im Umfang von
- 26 -
rund Fr. 200'000.-- (Prot. I S. 27; Urk. D1/8/1 S. 2). Trotz dieser knappen finan-
ziellen Verhältnisse war es dem Beschuldigten offenbar möglich, regelmässig in
Vorarlberg an Pokerspielen teilzunehmen (Urk. D1/9/3 S. 6 ff., D1/8/4 S. 4 f.,
D1/8/3 S. 3 und 11). Ebenso konnte er im Januar/Februar 2017 nach Marokko
reisen, wobei er die Gründe dafür nicht angeben wollte (Urk. D1/8/4 S. 3; D1/8/2
S. 6). Seine finanziellen Verhältnisse sind somit alles andere als klar und geregelt.
Auf die Vorstrafen des Beschuldigten wurde bereits hingewiesen. Es kann somit
nicht gesagt werden, der Beschuldigte sei in der Schweiz verwurzelt und weise
– nach einem Strafvollzug – gute Wiedereingliederungschancen auf. Nebenbei
bemerkt kann auch nicht gesagt werden, die restliche Familie des Beschuldigten
habe sich in der Schweiz erfolgreich integriert. Sie lebt wie gesagt weitgehend
von der Sozialhilfe, nachdem auch die ebenfalls aus der L._ stammende
Ehefrau des Beschuldigten nicht erwerbstätig ist (Urk. D1/8/4 S. 11; vgl.
D1/18/10/1). Zwei der erwachsenen Söhne des Beschuldigen sind bekannter-
massen im vorliegenden Verfahren ebenfalls involviert (Urk. D1/10/1 S. 4). Zudem
kam es bereits 2009 am Wohnort des Beschuldigten zu einem Vorfall mit der Po-
lizei, weil ein weiterer Sohn des Beschuldigten aus einer jugendstrafrechtlichen
Massnahme entwichen war und zuhause verhaftet wurde (vgl. beigez. Akten,
DG090041, darin Urk. 1-3).
5.3.2 Die Vorinstanz hat auch zutreffend festgehalten, dass der Beschuldigte
nach wie vor über enge familiäre Beziehungen zur L._ verfügt, wo seine
Brüder, Schwestern und seine Mutter leben. Diese hat er denn auch in den letzten
Jahren alle paar Jahre wieder für ein paar Wochen besucht (Urk. D1/8/4 S. 13,
Prot. I S. 25 ff.) resp. er fuhr an seinen Geburtsort M._ (Urk. D1/8/4 S. 14).
Dies war ihm offenbar problemlos möglich, seit er seine politische Position geän-
dert habe (Prot. I S. 25). Zur Zeit sind noch drei der acht Kinder des Beschuldig-
ten minderjährig, wobei ein Sohn bald 18 Jahre alt wird und mutmasslich bei sei-
nen älteren Brüdern unterkommen könnte (Urk. D1/8/4 S. 11). Mit der Vorinstanz
und in Übereinstimmung mit der oben genannten Bundesgerichtspraxis sind die
familiären Verhältnisse des Beschuldigten kein hinreichender Anlass, von einem
schweren Härtefall auszugehen. Sollten die Niederlassungsbewilligungen seiner
Frau und Kinder in der Schweiz nicht verlängert werden, müssten sie ohnehin mit
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dem Beschuldigten zusammen ausreisen. Könnten diese aber hier verbleiben und
sich entscheiden, nicht mit dem Beschuldigten in die L._ zurückzukehren,
wäre die Kontaktpflege ohne weiteres möglich; dies nicht nur mittels elektroni-
scher Medien, sondern auch im Rahmen der bereits bisher absolvierten Besuche
im Heimatland. Sprachliche oder kulturelle Hindernisse stünden dem jedenfalls
nicht entgegen.
5.3.3 Inzwischen wurde schliesslich auch die Niederlassungsbewilligung C
des Beschuldigten widerrufen (Urk. 85/2). Zur Begründung führte das Migrations-
amt des Kantons Zürich in seiner Verfügung vom 17. Januar 2019 stark zu-
sammengefasst aus, dass der Beschuldigte – mutwillig – immer höhere Schulden
angehäuft habe, wobei im Juni 2018 110 Verlustscheine im Gesamtbetrag von
Fr. 224'058.15 bestanden hätten. Weiter sei der Beschuldigte seit längerer Zeit
von der Sozialhilfe abhängig und es sei nicht absehbar, dass mit einer baldigen
Ablösung der Sozialhilfe gerechnet werden könne. Im Rahmen der Interessenab-
wägung sei zu berücksichtigen, dass er trotz seines langen Aufenthalts in der
Schweiz, nicht gut integriert sei, zumal er im hiesigen Arbeitsmarkt nie habe Fuss
fassen können, er bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten bzw. verurteilt
worden sei und zudem der deutschen Sprache noch immer nicht ausreichend
mächtig sei, damit er ohne einen Übersetzer einvernommen werden könnte
(Urk. 85/2 S. 2 ff.). An dieser Stelle gilt es im Übrigen zu bemerken, dass der
Beschuldigte entgegen den Ausführungen der Verteidigung in der Berufungsver-
handlung seine Niederlassungsbewilligung selbstverständlich nicht bloss deshalb
verloren hat, weil der Beschuldigte die Rekursfrist gegen die vorgenannte Ver-
fügung des Migrationsamtes verpasst hat (vgl. Prot. II S. 14). Die Gründe für
den Widerruf wurden vom Migrationsamt in der erwähnten Verfügung einlässlich
dargelegt. Angesichts der rechtskräftig widerrufenen Niederlassungsbewilligung
und der Wegweisung des Beschuldigten aus der Schweiz besteht die Auswirkung
der Landesverweisung in erster Linie darin, dass dem Beschuldigten während der
Dauer der Landesverweisung auch Besuche in der Schweiz verwehrt werden. Ein
schwerer persönlicher Härtefall wäre bei dieser Sachlage ohnehin nur ganz
ausnahmsweise denkbar, wobei vorliegend jedenfalls keine solchen ausser-
gewöhnlichen Umstände vorliegen.
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5.3.4 Ein schwerer persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB
liegt angesichts all dieser Umstände eindeutig nicht vor.
5.4.1 Lediglich der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass selbst bei
Vorliegen eines Härtefalls beim Beschuldigten nicht von einer Landesverweisung
abzusehen wäre: Das Bundesgericht hat sich bei Straftaten gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz – hinsichtlich der Ausweisung zwecks Verhinderung neuer
Straftaten zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit – stets besonders streng
gezeigt ("sempre mostrato particolarmente rigoroso"); diese Strenge bekräftigte
der Gesetzgeber mit Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB (Urteil des Bundesgerichts
6B_371/2018 vom 21. August 2018 E. 3.3). "Drogenhandel" führt bereits von
Verfassungs wegen in der Regel zur Landesverweisung (Art. 121 Abs. 3 lit. a BV;
Urteile des Bundesgerichts 6B_680/2018 vom 19. September 2018 E. 1.4,
6B_659/2018 vom 20. September 2018 E. 3.4 und 6B_1079/2018 vom
14. Dezember 2018 E. 1.4.2; zum Ganzen: BGE 145 IV 364). Bei qualifizierten
Drogendelikten überwiegt das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung
regelmässig, falls keine besonderen persönlichen oder familiären Bindungen im
Aufenthaltsstaat bestehen (BGE 139 I 16 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts
6B_131/2019 vom 27. September 2019 E. 2.6). Zudem bilden ein langjähriger
Aufenthalt in der Schweiz oder familiäre oder private Verhältnisse keinen Freipass
für Straftaten, namentlich qualifizierte Betm-Delinquenz (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_48/2019 vom 9. August 2019 E. 2.6).
5.4.2 Den Interessen des Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz
stünde somit klar das Sicherheitsbedürfnis der Schweiz gegenüber. Der Beschul-
digte ist offenkundig Teil eines Drogenhändlerrings und wurde mehrfach mit
grösseren Mengen an Betäubungsmitteln in Verbindung gebracht. Durch seine
Straftaten gefährdete er die Gesundheit vieler Menschen, was ein gewichtiges
öffentliches Interesse an der Ausschaffung eines Täters begründet. Seine
eigenen Interessen an einem Verbleib in der Schweiz vermögen dies nicht aufzu-
wiegen. Die Landesverweisung wäre mithin selbst dann anzuordnen, wenn ein
schwerer persönlicher Härtefall im Sinne des Gesetzes vorliegen würde.
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5.5 Die Staatsanwaltschaft fordert die Erhöhung der Dauer der Landes-
verweisung auf 10 Jahre (Urk. 95), während die Verteidigung eine solche von
8 Jahren als zu hoch erachtet (Urk. 46 S. 4, Urk. 93 S. 14). Zwar steht dem
Richter bei der Festsetzung der Dauer der Landesverweisung zwischen 5 und
15 Jahren ein erhebliches Ermessen zu. Allerdings sollte sie gemäss BGE 123
IV 107 E. 3 in der Regel in einem adäquaten Verhältnis zur ausgefällten Strafe
stehen; mit anderen Worten ist bei einer Strafdauer von 4 Jahren Freiheitsstrafe
die Anordnung der gesetzlichen Minimalfrist von 5 Jahren Landesverweisung
zweifellos nicht angezeigt. Angesichts der nahezu fehlenden beruflichen Integrati-
on des Beschuldigten in der Schweiz, seiner andauernden familiären Verbindung
zu seinem Heimatland, seiner mehrfachen Verbrechen gegen das Betäubungs-
mittelgesetz sowie der daraus resultierenden erheblichen Fernhalteinteressen der
Schweiz erscheint eine Landesverweisung von 8 Jahren, wie von der Vorinstanz
ausgefällt, weder zu hoch noch zu niedrig und ist damit zu bestätigen.
5.6 Die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung von der Ausschreibung
der Landesverweisung im Schengener Informationssystem abgesehen (Urk. 43
S. 49). Diese Anordnung wurde von keiner Seite angefochten und ist daher ohne
weiteres zu bestätigen.
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen
6.1 Die erstinstanzliche Kostenaufstellung gemäss Ziff. 6 wurde nicht
angefochten, ebenso wenig die Festsetzung des Honorars der amtlichen Vertei-
digung bis zum vorinstanzlichen Urteil. Die Vorinstanz berücksichtigte bei der
Kostenauflage auch, dass der Beschuldigte von einem Teil der eingeklagten
Vorwürfe freigesprochen wurde, und auferlegte ihm nur 4/5 der Kosten (Urk. 43
S. 50 f.). Nachdem der Beschuldigte heute im gleichen Umfang wie vor
Vorinstanz schuldig gesprochen wird, ist das erstinstanzliche Kosten- und
Entschädigungsdispositiv (Ziff. 6 und 7) vollumfänglich zu bestätigen.
6.2 Im Berufungsverfahren erfolgt die Kostenauflage im Verhältnis von Ob-
siegen und Unterliegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit
seinem Antrag auf Freispruch vollumfänglich. Der Umstand, dass die Strafdauer
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gegenüber der Vorinstanz leicht reduziert wird, liegt im Ermessen des Gerichts
und rechtfertigt keine andere Kostenregelung; ebenso wenig die Anschluss-
berufung der Staatsanwaltschaft, denn diese betraf zwei Urteilspunkte, welche
ohnehin zu überprüfen waren und letztlich um reine Ermessensentscheide. So-
mit sind dem Beschuldigten die zweitinstanzlichen Kosten (inkl. Kosten des IRM-
Gutachtens) – mit Ausnahme der Entschädigung der amtlichen Verteidigung –
vollumfänglich aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind einstwei-
len auf die Gerichtskasse zu nehmen. Allerdings können sie vom Beschuldigten in
einem späteren Zeitpunkt eingefordert werden, falls sich seine wirtschaftlichen
Verhältnisse entsprechend verbessern sollten (= Nachforderungsvorbehalt
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO). Die Gerichtsgebühr des Berufungsverfahrens ist
praxisgemäss auf Fr. 3'000.-- festzusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16
Abs. 1 und § 14 GebV OG).
6.3 Für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten im Berufungsver-
fahren werden Fr. 6'013.65 (inkl. Barauslagen und MWSt) geltend gemacht
(Urk. 94). Dies erscheint als insgesamt angemessen, zumal in der Honorarnote
der amtlichen Verteidigung zwar die Berufungsverhandlung etwas länger
geschätzt wurde als diese tatsächlich gedauert hat, gleichzeitig aber noch keine
Aufwände für das Studium des zweitinstanzlichen Urteils und eine Besprechung
mit dem Beschuldigten enthalten sind. Der amtliche Verteidiger ist entsprechend
in diesem Umfang aus der Gerichtskasse zu entschädigen.