Decision ID: 4e04288d-4260-5e47-a116-2f1180649b2e
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin reichte am 31. Mai 2016 bei der Gemeinde Aeschi bei Spiez
ein Baugesuch ein für den Abbruch einer bestehenden Garage und den Neubau eines
Dreifamilienhauses mit Carport auf der Parzelle Aeschi bei Spiez Grundbuchblatt
Nr. C._. Die Parzelle liegt in der Wohnzone W2. Gegen das Bauvorhaben gingen
mehrere Einsprachen ein. Mit Gesamtentscheid vom 20. Oktober 2017 erteilte das
Regierungsstatthalteramt Frutigen-Niedersimmental die Baubewilligung. Als Auflage wurde
dabei u.a. Folgendes festgehalten (Ziffer 4.2.1 drittes Lemma, Ziffer 4.2.5 erstes Lemma):
"Die D._strasse und die seitliche private Quartierzufahrtstrasse dürfen nicht als
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Umschlag- und Parkplatz für Baufahrzeuge genutzt werden. Handwerker haben auf den
öffentlichen Parkplätzen der Gemeinde (gebührenpflichtig) oder auf der Bauparzelle zu
parkieren".
2. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 8. November 2017 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein, bezeichnet als
Rechtsverwahrung. Sie beantragt sinngemäss die Aufhebung der erwähnten Auflage des
Ge-samtentscheides vom 20. Oktober 2017. Nach Rückfrage des Rechtsamts der BVE,
welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte die (inzwischen anwaltlich
vertretene) Beschwerdeführerin mit Stellungnahme vom 15. Februar 2018 aus, die
Beschwerde sei fälschlicherweise als "Rechtsverwahrung" bezeichnet worden; eine
Rechtsverwahrung werde vorliegend nicht weiter aufrechterhalten. Gleichzeitig präzisierte
sie ihre Anträge wie folgt: "1. Die im angefochtenen Gesamtbauentscheid vom 20. Oktober 2017 unter Ziffer 4.2.1, 3. Lemma,
1. Satz sowie die unter Ziffer 4.2.5, 1. Lemma, 1. Satz gleichlautenden Auflagen, wonach die
D._strasse und die seitliche Quartierzufahrtsstrasse nicht als Umschlag- und Parkplatz
für Baufahrzeuge genutzt werden dürfen, seien aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei es
zu gestatten, die D._strasse sowie die seitliche Quartierzufahrtsstrasse als Umschlag-
und Parkplatz für Baufahrzeuge zu nutzen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag)."
Dabei macht sie geltend, die betreffende Auflage würde das Verhältnismässigkeitsprinzip
verletzen.
3. Das Rechtsamt holte die Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Das
Regierungsstatthalteramt reichte eine Stellungnahme vom 28. November 2017 ein, ohne
darin einen Antrag zu stellen. Auch die Gemeinde nahm mit Schreiben vom 5. Dezember
2017 zur Beschwerde Stellung. Die Einsprechenden verzichteten auf Anfrage des
Rechtsamts ausdrücklich oder durch Stillschweigen auf die Beteiligung am Verfahren. Mit
Verfügung vom 20. Februar 2018 erhielten das Regierungsstatthalteramt und die
Gemeinde Gelegenheit, zur Eingabe der Beschwerdeführerin vom 15. Februar 2018
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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Stellung zu nehmen. Diese Gelegenheit nahmen das Regierungsstatthalteramt und die
Gemeinde mit ihren Eingaben vom 12. März 2018 wahr.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerin ist als Baugesuchstellerin legitimiert,
gegen den Gesamtentscheid (bzw. die darin verfügten Auflagen) Beschwerde zu erheben.
Sie ist durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert.
c) Eine Beschwerde muss unter anderem einen Antrag und eine Begründung enthalten
(Art. 32 Abs. 2 VRPG4). Bei fristgebundenen Eingaben müssen Antrag und Begründung
innert der Rechtsmittelfrist eingereicht werden (Art. 33 Abs. 2 VRPG). Dem
Antragerfordernis ist bereits Genüge getan, wenn sich aus dem Zusammenhang und unter
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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Zuhilfenahme der Begründung sinngemäss ergibt, was anbegehrt wird. Auch an die
Begründung werden keine hohen Anforderungen gestellt. Es genügt jedoch nicht, bloss zu
behaupten, der angefochtene Entscheid sei falsch. Die Begründung muss sich wenigstens
in minimaler Form mit dem angefochtenen Entscheid auseinandersetzen und sinngemäss
darauf schliessen lassen, welche Rechtsnormen oder Grundsätze der
Ermessensausübung verletzt oder inwiefern Sachverhaltselemente unrichtig oder
unvollständig festgestellt worden sind. Zwar werden an Laieneingaben geringere
Anforderungen gestellt. Trotzdem wird auch von Laien erwartet, dass sie dartun, inwiefern
und aus welchen Gründen sie dem angefochtenen Entscheid nicht zustimmen können.5
Diese Vorgaben erfüllt die Eingabe der Beschwerdeführerin vom 8. November 2017. Das in
der nachträglich eingereichten Stellungnahme vom 15. Februar 2018 präzisierte
Rechtsbegehren ergibt sich bereits sinngemäss aus der Eingabe vom 8. November 2017.
Die falsche Bezeichnung der Eingabe als "Rechtsverwahrung" kann der
Beschwerdeführerin nicht zum Nachteil gereicht werden, zumal es sich um eine
Laieneingabe handelt. Aus der Beschwerde vom 8. November 2017 ergibt sich auch, wieso
die Beschwerdeführerin mit der umstrittenen Auflage nicht einverstanden ist.
d) Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Streitgegenstand
a) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht
sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand.
Sowohl für das Einleiten eines Beschwerdeverfahrens als auch für dessen Umfang und
eine allfällige vorzeitige Beendigung gilt somit die Verfügungs- oder Dispositionsmaxime
sowie das Rügeprinzip. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des
Verfahrens nicht erweitern, sondern nur einschränken.6
b) Aus der Beschwerde vom 8. November 2017 lässt sich schliessen, dass sich die
Beschwerdeführerin einzig gegen den ersten Satz der (identischen) Auflagen unter Ziffer
5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 13 und 15. 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 72 N. 6 bis 8.
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4.2.1, drittes Lemma und unter Ziffer 4.2.5, erstes Lemma, wonach die D._strasse
und die seitliche Quartierzufahrtsstrasse nicht als Umschlag- und Parkplatz für
Baufahrzeuge genutzt werden dürfen, zur Wehr setzt und damit sinngemäss nur die
Aufhebung dieses ersten Teils der Auflage beantragt. Gegen den zweiten Teil dieser
Auflage, wonach Handwerker auf den öffentlichen Parkplätzen der Gemeinde
(gebührenpflichtig) oder auf der Bauparzelle zu parkieren haben, setzt sie sich nicht zur
Wehr, weshalb dieser Teil nicht als angefochten gilt.
3. Zulässigkeit der Auflage
a) Die Beschwerdeführerin bringt in ihrer Beschwerde vom 8. November 2017
sinngemäss vor, die Auflage im Gesamtentscheid vom 2. Oktober 2017, wonach die
D._strasse und die seitliche Quartierzufahrtsstrasse nicht als Umschlag- und
Parkplatz für Baufahrzeuge genutzt werden dürfen, sei unverhältnismässig. Der Bau des
bewilligten Hauses sei bei Aufrechterhaltung dieses Verbots nicht möglich. Die
Platzverhältnisse auf der Bauparzelle seien zu knapp. Die Gemeindestrasse dagegen sei
breit genug, so dass diese auch bei temporärer Benutzung als Umschlag- und Parkplatz für
Baufahrzeuge passierbar bleibe. Dass dabei die Verkehrssicherheit und die Durchfahrt für
Notfalldienste gewahrt werden müsse, sei ein verständliches Anliegen. Hierzu diene aber
das Baustellenkonzept, welches sie zu erstellen habe. In diesem Rahmen würden – in
Zusammenarbeit mit der Gemeinde – Absperrungen, Verkehrssignalisation und
Verkehrsregelung besprochen und festgelegt.
b) Die umstrittene Auflage des Gesamtentscheids vom 2. Oktober 2017, wonach die
D._strasse und die seitliche Quartierzufahrtsstrasse nicht als Umschlag- und
Parkplatz für Baufahrzeuge genutzt werden dürfen, basiert auf dem Fachbericht der
Gemeinde vom 13. Februar 20177 sowie deren Amtsbericht vom 27. Juni 20178. Eine
nähere Begründung lässt sich diesen Berichten nicht entnehmen. In ihren Eingaben im
Beschwerdeverfahren führte die Gemeinde aus, die Auflage solle sicherstellen, dass die
Blaulichtorganisationen die D._strasse jederzeit passieren könnten. Diese Strasse
sei sodann im Bereich der Bauparzelle unübersichtlich; Fussgänger und insbesondere
Schüler müssten das Trottoir jederzeit benützen können.
7 Vorakten pag. 32 ff. 8 Vorakten pag. 23 f.
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Im Gesamtentscheid vom 2. Oktober 2017 begründete die Vorinstanz die Auflage wie folgt
(Ziff. 3.4): "Bei Inanspruchnahme von Teilen einer öffentlichen oder dem Gemeingebrauch
gewidmeten Strasse als Umschlagsplatz für das regelmässige Auf- und Abladen von
Baumaterialien während der Bauphase ist von einem gesteigerten Gemeingebrauch im
Sinne von Art. 68 SG9 auszugehen. Jede über den Gemeingebrauch hinausgehende
Benutzung einer öffentlichen Strasse ist bewilligungspflichtig. Die D._strasse liegt
im Eigentum der Gemeinde Aeschi. Gemäss Art. 68 Abs. 2 SG erteilt das zuständige
Gemeinwesen die Bewilligung für den gesteigerten Gemeingebrauch, wenn nicht
überwiegende öffentliche oder private Interessen entgegenstehen. Aus der beantragten
Bedingung der Gemeinde ist zu schliessen, dass einem gesteigerten Gemeingebrauch der
Strasse nicht zugestimmt werden kann. Aus einzelnen Einsprachen geht hervor, dass in
der Vergangenheit bereits übermässige Behinderungen im Zusammenhang mit dem
Materialumschlag auf öffentlichen Strassen durch die Strassenbenützer in Kauf genommen
werden mussten. Die Bauherrschaft hat die Baustellenorganisation gemäss den Auflagen
zu bewerkstelligen. Dazu sind die eingeschränkten Platzverhältnisse bei der Wahl der
Arbeitsabläufe und der einzusetzenden Fahrzeuge, Maschinen und Bauteile entsprechend
zu berücksichtigen. Des weiteren wird auf die Strassenverkehrsgesetzgebung verwiesen.
Die von der Gemeinde beantragte Bedingung wird entsprechend als Auflage in den
Gesamtentscheid aufgenommen."
In der Eingabe vom 12. März 2018 ergänzte die Vorinstanz sodann, die
D._strasse diene der Erschliessung mehrerer Ortsteile und werde als
Kindergarten- und Schulweg genutzt. Es bestehe daher ein öffentliches Interesse an der
dauernden Offenhaltung und der reibungslosen und sicheren Zirkulation auf dieser
Strasse. Der an die Bauparzelle angrenzende Strassenabschnitt sei nicht ohne weiteres
unbedenklich. Das Abstellen von Grossfahrzeugen würde zu einer Verengung im
Kurvenbereich führen, die Sichtverhältnisse würden beeinträchtigt. Es bestehe die Gefahr,
dass Fahrzeuge das Trottoir überfahren müssten. Die Verkehrssicherheit werde
beeinträchtigt. Die Bauherrschaft habe keinen Nachweis erbracht, woraus die
einzusetzenden Fahrzeuge, die konkret beanspruchte Fläche, die Zeitdauer, die
Sichtweiten und die Verkehrsregelung hervorgingen. Es sei der Beschwerdeführerin
zumutbar, eine andere Lösung zu finden.
9 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11).
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Der Gesamtentscheid vom 2. Oktober 2017 enthält eine weitere Auflage (Ziffer 4.2.1,
zweites Lemma), wonach die Bauherrschaft bei der Gemeinde vor Baubeginn einen
Baustelleninstallationsplan mit Baustellenkonzept einzureichen und darin Umschlag- und
Deponieplätze einzuzeichnen hat. Diese Auflage wird von der Beschwerdeführerin nicht
bestritten.
c) Ausnahme- und Baubewilligungen können mit Bedingungen oder Auflagen verknüpft
werden (Art. 29 Abs. 2 und Art. 38 Abs. 3 BauG). Auflagen sind Pflichten, die mit einer
Baubewilligung verbunden sind. Die Nichterfüllung einer Auflage berührt die Geltung der
Baubewilligung nicht, kann aber baupolizeiliche Massnahmen – insbesondere die
Ersatzvornahme – und Bestrafung nach sich ziehen.10
Bedingungen und Auflagen müssen in einem engen sachlichen Zusammenhang zur
erteilten Bau- oder Ausnahmebewilligung stehen und verhältnismässig sein.
Verhältnismässig ist eine Nebenbestimmung nur dann, wenn sie zum Erreichen des
angestrebten Ziels erforderlich, geeignet und für die Bauherrschaft zumutbar ist. Der
Gesuchsteller, dessen Bauvorhaben den gesetzlichen Anforderungen entspricht, hat
grundsätzlich Anspruch auf eine unbefristete, unwiderrufliche, bedingungslose und
unbelastete Baubewilligung.11
d) Die temporäre Inanspruchnahme einer öffentlichen Strasse als Umschlag- und
Parkplatz für Baufahrzeuge während der Bauphase stellt einen gesteigerten
Gemeingebrauch im Sinne von Art. 68 Abs. 1 SG dar, welcher bewilligungspflichtig ist. Das
zuständige Gemeinwesen erteilt die Bewilligung, wenn nicht überwiegende öffentliche oder
private Interessen entgegenstehen. Die Bewilligung ist befristet und kann mit Auflagen und
Bedingungen versehen werden (Art. 68 Abs. 2 SG).
e) Es besteht grundsätzlich ein öffentliches Interesse, dass die an eine Bauparzelle
angrenzenden Strassen durch den Baustellenverkehr nicht derart tangiert werden, dass die
Sicherheit der Benützerinnen und Benützer dieses Strassenabschnitts nicht mehr
gewährleistet werden kann oder die Notfalldienste die Stelle nicht mehr problemlos
10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 29 N. 1. 11 Aldo Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 38-39 N. 15a.
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passieren können. Die Einhaltung dieser Vorgaben ist daher auch vorliegend
sicherzustellen. Das der Beschwerdeführerin mit der umstrittenen Auflage auferlegte
Verbot der Benützung der betreffenden Strassenabschnitte als Umschlag- und Parkplatz
für Baufahrzeuge erweist sich jedoch als unverhältnismässig:
Bei der D._strasse handelt es sich um eine beidseitig befahrbare
Gemeindestrasse mit Trottoir. Die temporäre Benützung dieses Strassenabschnitts als
Umschlag- und Parkplatz für Baufahrzeuge ist daher möglich, ohne dass die Strasse ganz
blockiert würde. Das Bauvorhaben befindet sich sodann im Bereich einer Rechtskurve,
aufgrund des unbebauten Feldes auf der rechten Strassenseite ist die Strasse jedoch auf
längerer Distanz gut überblickbar.12 Es dürfte zwar unbestritten sein, dass die Benutzung
der D._strasse als Umschlag- und Parkplatz für Baufahrzeuge dennoch zu einer
gewissen Beeinträchtigung der Sichtverhältnisse auf der Gemeindestrasse und im
Knotenbereich der abzweigenden Quartierzufahrtsstrasse führt. Trotzdem geht ein
absolutes Benutzungsverbot für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit zu weit.
Vielmehr kann diese anderweitig und damit mit milderen Mitteln gewährleistet werden, so
etwa unter Anordnung besonderer Sicherheitsvorkehren (Signalisation, Aufsichtspersonal)
und/oder der Beschränkung der Umschlags- und Parkzeiten auf gewisse Tageszeiten (an
welchen die Strasse weniger befahren ist und nicht von Kindern auf dem Kindergarten-
oder Schulweg benutzt wird). Die Beschwerdeführerin hat in der Beschwerde für solche
Vorkehren ihre Bereitschaft signalisiert. Ob und in welchem Umfang solche Massnahmen
notwendig sind, wird sich ihm Rahmen des von der Bauherrschaft noch einzureichenden
Baustellenkonzepts (vgl. unten, E. 3f) zeigen müssen. Gleiches gilt für die seitliche
Quartierzufahrtsstrasse, welche als Sackgasse nur wenige Grundstücke erschliesst und
zumindest für kleinere Baufahrzeuge als Umschlag- und Parkplatz benutzt werden kann,
ohne dass dabei die Durchfahrt verunmöglicht wird oder die Verkehrssicherheit nicht mehr
gewährleistet werden kann. Damit geht das mittels Auflage verfügte Verbot zu weit und ist
zum Erreichen des angestrebten Ziels (Gewährleistung der Verkehrssicherheit und der
Durchfahrt für die Notfalldienste) nicht erforderlich.
Weiter ist das Verbot der temporären Benutzung der D._strasse und der seitlichen
Quartierzufahrtsstrasse als Umschlag- und Parkplatz für Baufahrzeuge für die
Beschwerdeführerin auch unzumutbar. Wie sie zu Recht vorbringt, wäre die Anlieferung
12 Vgl. Fotos in den Vorakten, pag 113 ff. sowie Google Streetview.
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von Baumaterial oder gewisser Baumaschinen bei Aufrechterhaltung dieses Verbots
praktisch verunmöglicht oder nur mit unverhältnismässigem Aufwand realisierbar. Das
Regierungsstatthalteramt vertritt in der Eingabe vom 12. März 2018 zwar die Ansicht, es
sei der Beschwerdeführerin zumutbar, andere Lösungen zu suchen. Welche Lösungen
dies sein könnten, wird von der Vorinstanz jedoch nicht näher ausgeführt. Sie sind auch
nicht erkennbar: So wird aufgrund der bewilligten Baupläne deutlich, dass auf der
Bauparzelle Aeschi bei Spiez Grundbuchblatt Nr. C._ aufgrund der Grösse des
bewilligten Bauvorhabens praktisch kein Platz für die Baufahrzeuge und das Umschlagen
von Material vorhanden ist. Per Vertrag vom 17. November 201613 hat die
Beschwerdeführerin mit dem Eigentümer der Nachbarparzelle zwar vereinbart, dass auf
einer gewissen Fläche seiner Parzelle ein Baukran, Baumaterial und mobile
Toilettenanlagen abgestellt werden dürfen. Diese Fläche ist jedoch auch nicht ausreichend
gross, damit sie als Umschlag- und Parkplatz für grössere Baumaschinen und Fahrzeuge
dienen kann. Die Beschwerdeführerin ist daher auf die Benutzung der Strasse während der
Bauphase angewiesen.
Die Begründung der Vorinstanz, die Strassenbenützer hätten bereits in der Vergangenheit
übermässige Behinderungen der Gemeindestrasse infolge Materialumschlag in Kauf
nehmen müssen, vermag schliesslich auch kein solches Verbot zu rechtfertigen.
f) Aus den Ausführungen im angefochtenen Entscheid (Ziff. 3.4) ist sinngemäss zu
schliessen, dass die Vorinstanz die von der Gemeinde beantragte Auflage als Abweisung
eines Gesuchs um gesteigerten Gemeingebrauch der öffentlichen Strasse im Sinne von
Art. 68 SG verstanden haben will. Dieser Ansicht ist zu widersprechen: So hat die
Beschwerdeführerin noch gar kein entsprechendes Gesuch um gesteigerten
Gemeingebrauch für die temporäre Benutzung des betroffenen Strassenabschnitts
während der Bauphase eingereicht, weshalb ein solches durch die Gemeinde noch nicht
behandelt und abgewiesen werden konnte. Vielmehr wird sich erst im Rahmen des vor
Baubeginn einzureichenden Baustelleninstallationsplans mit Baustellenkonzept (Entscheid,
Ziffer 4.2.1, zweites Lemma) zeigen, in welchem Umfang (zeitlich und örtlich) die an die
Bauparzelle angrenzenden Strassen als Umschlag- und Parkplatz für Baufahrzeuge
tatsächlich in Anspruch genommen werden sollen. Da die Beschwerdeführerin gemäss der
erwähnten Auflage das Baustellenkonzept erst vor Baubeginn einzureichen hat, kann ihr
13 Vorakten pag. 10 f.
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nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass sie die entsprechenden Nachweise und Details
zur Beanspruchung der Strassen noch nicht eingereicht hat. Die entsprechenden
Vorbringen des Regierungsstatthalteramts in der Stellungnahme vom 12. März 2018 gehen
daher fehl.
Die Beschwerdeführerin wird mit dem Baustelleninstallationsplan und Baustellenkonzept
auch ein Gesuch um gesteigerten Gemeingebrauch der öffentlichen Strasse gemäss
Art. 68 Abs. 1 SG einzureichen haben. Die Gemeinde wird sodann ihre Bewilligung
gestützt auf Art. 68 Abs. 2 SG – sofern nötig – mit Bedingungen oder Auflagen versehen
können, um die Verkehrssicherheit und die Durchfahrt für die Notfalldienste zu
gewährleisten. Die Beanspruchung der öffentlichen Strasse kann etwa auch zeitlich
festgelegt oder limitiert werden. Sie wird bei der Beurteilung den
Verhältnismässigkeitsgrundsatz zu berücksichtigen haben.
Damit erübrigt es sich, bereits im vorliegenden Beschwerdeverfahren allfällige Auflagen zur
Gewährleistung der Verkehrssicherheit und zur Sicherstellung der Durchfahrt für die
Notfalldienste zu prüfen. Dies wird anhand des konkreten Baustellenkonzeptes im Rahmen
der Behandlung des Gesuchs um gesteigerten Gemeingebrauch zu erfolgen haben.
g) Die Auflage des vorinstanzlichen Entscheids (Ziffer 4.2.1, drittes Lemma, erster Satz
und Ziffer 4.2.5, erstes Lemma, erster Satz), wonach die D._strasse und die
seitliche private Quartierzufahrtsstrasse nicht als Ablade- und Umschlagplatz für
Baufahrzeuge genutzt werden dürfen, ist unverhältnismässig und wird in Gutheissung der
Beschwerde aufgehoben.
4. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf Fr. 800.00 (Art. 103
Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1 GebV14). Dem
Regierungsstatthalteramt Frutigen-Niedersimmental als Behörde im Sinne von Art. 2 Abs. 1
Bst. a VRPG können keine Verfahrenskosten auferlegt werden; auch der Gemeinde
können keine Verfahrenskosten auferlegt werden, das diese nicht in ihren
14 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
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Vermögensinteressen betroffen ist (Art. 108 Abs. 2 VRPG). Die Verfahrenskosten trägt
daher der Kanton.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt
die Beschwerdeführerin als obsiegend.
Die Kostennote des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin beläuft sich auf Fr. 3'004.40
(Honorar Fr. 2'750.00, Auslagen Fr. 39.60, Mehrwertsteuer Fr. 214.80). Die Parteikosten
umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104
Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV15 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen
Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs
bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3
KAG16).
Im vorliegenden Fall ist zu berücksichtigen, dass nur ein Schriftenwechsel stattfand und
kein Beweisverfahren durchgeführt wurde. Zudem liess sich die Beschwerdeführerin erst
nach dem Schriftenwechsel durch einen Anwalt vertreten. Unter diesen Umständen
erscheint ein Honorar von Fr. 1'500.00 als angemessen. Der Parteikostenbeitrag an die
Beschwerdeführerin beträgt damit Fr. 1'658.15 (Honorar Fr. 1'500.00, Auslagen Fr. 39.60,
Mehrwertsteuer Fr. 118.55). Da keine Gegenpartei im Verfahren ist, der diese Kosten
auferlegt werden können, hat das Regierungsstatthalteramt als Vorinstanz diese
Parteikosten der Beschwerdeführerin zu übernehmen.17
15 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811) 16 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) 17 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 13
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