Decision ID: 6e6eb2f0-c1ed-5005-8bc3-b455be34bb73
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, meldete sich erstmals am 4.
Juni 1986 bei der eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
40/1). Die Invalidenversicherung erteilte Kostengutsprache für eine erstmalige berufliche Ausbildung (Urk.
40/6; vgl. auch Urk.
40/11; Urk.
40/14).
1.2
Vom 5.
Januar bis zum 12.
November 1998 arbeitete die Versicherte bei
Z._
und war in dieser Eigenschaft bei der Vorsorgestiftung
Y._
berufsvorsorgeversichert (Arbeitgeberfragebogen vom 10.
Mai 1999, Urk.
40/28).
Am 17.
März 1999 meldete sich die Versicherte erneut bei der eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
40/17). Die Invalidenver
siche
rung tätigte erwerbliche und gesundheitliche Abklärungen und sprach der Versicherten mit Verfügung vom 16.
November 1999 eine ganze Invalidenrente zu (Urk.
40/33). Nachdem die Versicherte eine Anstellung gefunden hatte (vgl. Urk.
40/36), hob die Invalidenversicherung die IV-Rente mit Verfügung vom 19.
Januar 2001 auf (Urk.
40/38).
1.3
Vom 1.
September 2004 bis zum 31.
August 2010 arbeitete die Versicherte als admini
strative Fachspezialistin in einem Pensum von 80
% bei der
A._
und war in dieser Eigenschaft bei der Pensionskasse des Bundes Publica berufs
vorsorgeversichert (Arbeitgeberfragebogen vom 1.
November 2010, Urk.
40/54).
Im September 2010 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf psychische Prob
leme erneut bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
40/42). Nach beruflichen und erwerblichen Abklä
rungen wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 16.
Septem
ber 2011 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 20
% ab (Urk.
40/74).
1.4
Vom 14.
Februar 2011 bis zum 31.
Oktober 2015 arbeitete die Versicherte als
quali
fizierte Sachbearbeiterin für das Schul- und Sportdepartement der
Stadt B._
und war in dieser Eigenschaft bei der Pensionskasse
Stadt B._
berufs
vorsorgeversichert (Arbeitgeberfragebogen vom 3.
November 2014, Urk.
40/87; Kündigung vom 2.
Oktober 2015, Urk.
40/118).
Am 29.
Oktober 2014 meldete sie sich erneut bei der IV-Stelle zum Leistungs
be
zug an (Urk.
40/76). Nach getätigten Abklärungen übernahm die IV-Stelle die Koste
n für ein Aufbautraining vom 7.
April bis zum 5.
Oktober 2015 (Urk.
40/103), welches bis am 6.
Januar 2016 verlängert wurde (Mitteilung vom 5.
Oktober 2015, Urk.
40/119). Im Anschluss daran erfolgte ein Arbeitsversuch sowie parallel ein Jobcoaching bis zum 6.
Juli 2016, wofür die IV-Stelle die Kosten übernahm und Taggelder ausrichtete (Mitteilung vom 17.
Dezember 2015, Urk.
40/127; vgl. auch Urk.
40/134). Die Versicherte fand anschliessend zwei Anstellungen, wobei sie bei der
C._
zu 60
% und beim Frauenverein
D._
zu 20
% an
gestellt war (vgl. Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung vom 22.
Juli 2016, Urk.
40/144/8; Arbeitsvertrag Frauenverein
D._
vom 12.
November 2015, Urk.
40/126; Arbeitsvertrag
C._
vom 13./14.
Juli 2016, Urk.
40/142). Mit Schreiben vom 7.
Januar 2017 ersuchte die Versicherte um Unterstützung beim Arbeitsplatzerhalt (Urk.
40/154), woraufhin die IV-Stelle Kostengutsprache für Beratung und Unterstützung beim Erhalt des Arbeitsplatzes vom 8.
Februar bis zum 6.
August 2017 erteilte (Urk.
40/158). Nach weiteren medizinischen und beruflichen Abklärungen sprach die IV-Stelle mit Verfügung vom 29.
Juni 2018 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 55
% eine halbe Rente ab Juli 2016 zu (Urk.
40/228; Verfügungsteil 2, Urk.
40/219).
2.
Mit Eingabe vom 3.
Juli 2020 reichte die Versicherte am hiesigen Gericht Klage gegen die Pensionskasse der
Stadt B._
(folgend: Beklagte) ein und beantragte, dass die Beklagte zur Ausrichtung einer BVG-Invalidenrente gemäss gesetzlichen und statutarischen Vorgaben zu verpflichten sei. Eventualiter sei ein psychia
tri
sches Gutachten einzuholen, welches sich zum Krankheitsverlauf und zum Ver
lauf der Arbeitsunfähigkeit äussere. In prozessualer Hinsicht wurde um Beiladung der Pensionskasse des Bundes Publica und der Vorsorgestiftung
Y._
ersucht (Urk.
1). Die Beklagte beantragte die Abweisung der Klage (Urk.
10 unter Beilage ihrer Akten, Urk.
11/1-56 und Urk.
12). Mit Verfügung vom 17.
November 2020 wurden die Pensionskasse des Bundes Publica (Beigeladene 1) und die Vorsorgestiftung
Y._
(Beigeladene 2) zum Prozess beigeladen (Urk.
13). Die Beigeladene1 nahm am 8.
Januar 2021 Stellung (Urk.
22 unter Beilage ihrer Akten, Urk.
23/1-7), die Beigeladene 2 am 19.
Januar 2021 (Urk.
24 unter Beilage ihrer Akten, Urk.
25/1-6).
Mit Replik vom 13.
April 2021 hielt die Klägerin an ihren Anträgen fest (Urk.
29). Die Beklagte sowie die Beigeladenen 1 und 2 hielten
duplicando
unverändert an ihren Eingaben fest (Urk.
34, Urk.
35, Urk.
36), worüber die jeweils anderen Parteien mit Verfügung vom 26.
Mai 2021 in Kenntnis gesetzt wurden (Urk.
37). Mit Verfügung vom 4.
August 2021 (Urk.
38) wurden die Akten der IV-Stelle beigezogen (Urk.
39, Urk.
40/1-243), woraufhin diese den Parteien zur Einsicht angeboten wurden (Urk.
41).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Klägerin brachte vor (Urk.
1 und Urk.
29), dass sie seit 1984 immer wieder Einbrüche mit Depressionen, Angst und schweren Selbstzweifeln gehabt habe, wobei früher eine psychotisch paranoide Grunderkrankung domi
nant gewesen sei. Zudem leide sie seit ihrer Kindheit an Migräne. Seit 2004 sei sie allerding bei
lic.
phil.
E._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, in Psychotherapie und sei nie mehr psychotisch gewesen. Während ihrer Tätigkeit von 2004 bis 2010 bei der
A._
sei sie erneut erkrankt, habe sich dann aber wieder erholt und die Stelle bei der
Kreisschulpflege F._
angetreten. Zu diesem Zeitpunkt sei sie wieder gesund und voll arbeitsfähig gewesen und habe auch keine Medika
mente mehr genommen. Dies zeige sich insbesondere darin,
dass sie nebst der Tätigkeit bei der
Kreisschulpflege F._
in einem P
ensum von 80
% im Jahr 2012 noch eine Ausbildung absolviert habe, so dass sie sicherlich voll arbeitsfähig gewesen sei.
Danach sei es zu Konflikten mit ihrem Vorgesetzten
gekommen und sie sei erneut erkrankt. Von dieser erneuten Dekompensation habe
sie sich nicht mehr erholt, so dass es schlussendlich zu einer Invalidenrente ge
kommen sei. Über ein Einsatzprogramm der
Stadt B._
habe sie vom 18.
Nov
em
ber 2014 bis zum 1.
April 2015 einen Arbeitsversuch absolviert und danach habe sie über die IV-Stelle eine 60
% Stelle bei der
C._
und daneben zu 20
% beim Frau
en
verein
D._
gearbeitet, wobei sie diese Stelle wieder habe kündigen müssen, da es ihr
zuviel
geworden sei. Entsprechend sei die zur Invalidität füh
rende Arbeits
unfähigkeit während der Versicherungsdeckung bei der Beklagten eingetreten, insbesondere sei der zeitliche Zusammenhang zu früheren Erkran
kungen unter
brochen.
Die Beklagte machte demgegenüber geltend (Urk.
10 und Urk.
35), dass die Klägerin bereits seit Jahrzehnten eingeschränkt sei. Sicher bestehe seit 2010 eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit von 20
%, sie habe danach nie mehr eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht. Dies werde auch deutlich in der Verfügung der IV-Stelle vom 16.
September 2011, in welcher von einem Invaliditätsgrad von 20
% ausge
gangen werde. Daneben gehe dies auch aus den Berichten der Ärzte hervor. Der während der Versicherungsdauer bei der Beklagten absolvierte Zertifikatskurs zur Informatikanwenderin könne weder vom Aufwand noch der Intensität her einer Erwerbstätigkeit gleichgesetzt werden. Entsprechend vermöge dieser auch keinen Unterbruch der bereits bei Eintritt bestehenden Teil-Arbeitsunfähigkeit zu bele
gen. Die Beklagte sei demnach nicht leistungspflichtig.
Die Beigeladene 1 führte im Wesentlichen aus, dass gemäss Verfügung vom 7.
März 2001 der IV-Stelle die Rente aufgehoben worden sei, da die Klägerin eine Arbeitsstelle im Umfang von 80
% habe ausüben können. Demnach sei bei der Klägerin bereits bei Antritt der Stelle an der
A._
am 1.
September 2004 eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Die zur Invalidität führende Arbeits
unfähigkeit sei nicht während der Versicherungsdauer bei der Beigeladenen 1 eingetreten. Die Klägerin habe nebst ihrer Tätigkeit lediglich einen Vorkurs von September 2004 bis September 2005 absolviert, danach ein Jahr unterbrochen und das erste Semester von September 2006 bis Februar 2007 absolviert - ent
spre
chend könne nicht davon gesprochen werden, dass sie nebst der Teilzeitstelle eine Ausbildung absolviert habe (Urk.
22 und Urk.
34).
Die Beigeladene 2 konstatierte demgegenüber, es sei davon auszugehen, dass die Klägerin ihre volle Arbeitsfähigkeit während den Zeiträumen, in denen sie neben ihrer Erwerbstätigkeit Kurse im Rahmen einer neuen Aus- bzw. Weiterbildung besucht habe, unter Beweis gestellt habe. Dies werde auch seitens des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) bestätigt, welcher die Klägerin am 18.
Oktober 2010 als voll arbeitsfähig qualifiziert habe. Damit sei der zeitliche Zusammenhang zwi
schen der während ihrer Versicherungsdauer eingetretenen Arbeitsunfähigkeit
und der ab Juli 2016 bestehenden Invalidität unterbrochen worden. Hinzu komme
, dass zwei unterschiedliche psychische Erkrankungen aufgetreten seien, so dass der sachliche Zusammenhang ebenfalls unterbrochen sei. Eventualiter sei die nur gerade 9 Monate dauernde Tätigkeit bei
Y._
als Arbeitsversuch ein
zustufen (Urk.
24 und Urk.
36).
2.
2.1
Nach
Art.
24
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge (BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70
%, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60
%, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er min
destens zu 40
% invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestim
mungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
Art.
29
des
Bundes
gesetz
es
über die Invalidenversicherung,
IVG
). Die Invalidenleistungen nach BVG
werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den An
spruch
erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeits
un
fähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG in Verbindung mit
Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem Obligatorium unterstanden hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
2.2
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorgeein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit be
reits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversiche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach
Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidi
sierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat,
ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur
Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsun
fähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vor
sorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krankheit einzu
stehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbrechung des zeitlichen Zusammenhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusammenhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität in schematischer (analoger) Anwen
dung der Regeln von
Art.
88a
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenver
siche
rung (IVV) beurteilt werden, wonach eine anspruchsbeeinflussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesent
liche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische
ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wie
der
aufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 E. 2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hinweisen).
Der enge zeitliche Zusammenhang ist so lange nicht unterbrochen, als dass min
destens eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit besteh
t
(BGE 144 V 58 E. 4.4). Eine nachhaltige, den zeitlichen Konnex unterbre
chende Erho
lung liegt hingegen grundsätzlich vor, wenn während mehr als drei Monaten eine Arbeitsfähigkeit von über 80
%
in einer angepassten Erwerbstätig
keit gegeben ist (BGE 144 V
58 E. 4.4) und - kumulativ bezogen auf die ange
stammte Tätigkeit - ein rentenausschliessendes Einkommen erzielt werden kann (Urteil des Bundes
gerichts
9C_623/2017
vom 26.
März 2018 E. 3; BGE 134
V
20
E. 5.3). Eine solch drei Monate oder länger andauernde (annähernd) vollstän
dige Arbeitsfähigkeit ist ein gewichtiges Indiz für eine Unterbrechung des zeitli
chen Zusammenhangs, sofern sich eine dauerhafte Wiedererlangung der Erwerbs
fähigkeit als objektiv wahrscheinlich darstellt. Der zeitliche Zusammenhang kann daher auch bei einer länger als drei Monate dauernden Tätigkeit gewahrt sein, wenn eine dauerhafte berufliche Wiedereingliederung unwahrscheinlich war, etwa weil die Tätigkeit (allenfalls auch erst im Rückblick) als Eingliederungsver
such zu werten ist oder massgeblich auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte
(BGE 134 V 20
E.
3.2.1; Urteil
des Bundesgerichts
9C_340/2016
vom 21.
November
2016 E.
4.1.2
; Urteil des
Bundesgerichts 9C_465/2018
vom 30.
Januar 2019
E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
Eine Unterbrechung des für die Bejahung des Vorsorgeanspruches erforderlichen
engen zeitlichen Zusammenhanges ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre
chung
nicht nur anzunehmen, wenn die versicherte Person während einer bestimmten Zeit wieder in ihrer angestammten, dem Versicherungsverhältnis zu Grunde lie
genden Tätigkeit arbeitsfähig ist, sondern auch dann, wenn sie in der Lage ist, eine Ausbildung zu absolvieren, die sie in gleichem Masse wie die Ausübung einer zeitlich uneingeschränkten, den Leiden angepassten Arbeitstätigkeit bean
sprucht (Urteil des Bundesgerichts B 18/06 vom 1
8.
Oktober 2006 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
2.3
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invaliden
versicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des
Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer
gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklä
run
gen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Fest
le
gung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E.
3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung beziehungs
weise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E.
2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
a
Art
.
73
bis
IVV; seit
1.
Juli 2006:
Art.
73
ter
IVV) ein
be
zogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bun
desgerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-recht
liche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich, masslich und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entschei
dend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditäts
bemessung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E.
3.1).
3.
Die medizinische Aktenlage stellt sich im Wesentlichen folgendermassen dar:
3.1
Dr.
med.
G._
, Oberärztin
Klinik H._
, hielt in ihrem Bericht vom 18.
J
uni 1986 fest, dass die Klägerin unter einer Entwicklungspsychose als Ausdruck einer schweren Adoleszenzkrise nach Verlust- und Enttäuschungserlebnissen leide. Hinzu komme eine Depression mit zeitweise schweren
Derealisations
- und Deper
sonalisationssymptomen sowie Suizidimpulse (Urk.
40/4).
3.2
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 24.
April 1999 (1) eine ängstlich-depressiv-hypochon
drische Entwicklung in belasteter familiärer Situation, mit Selbstwert-, Beziehungs-
und Identitätsproblematik, mit anorektischer, phobischer und paranoider Verar
bei
tung und (2) eine chronifizierte paranoide Schizophrenie (Urk.
40/26/5 f.). Die Arbeitsunfähigkeit betrage zur Zeit ca. 80
%. Es sei zu hoffen, dass die Klägerin die jetzige Tätigkeit bei der Spitex weiterführen könne. Eine Abklärung durch die IV-Stelle erscheine sinnvoll. Die Arbeitsfähigkeit werde auch unter guten Vor
aussetzungen künftig kaum 50
% überschreiten.
3.3
Im Rahmen der Anmeldung bei der Invalidenversicherung im Jahr 2010 lagen folgende Berichte vor:
3.3.1
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, hielt in ihrem Bericht vom 3.
November 2010 eine rezidivierende Depression sowie eine chroni
sche Migräne seit Kindheit als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit fest (Urk.
40/55). Ohne Auswirkungen beurteilte sie (1) ein Asthma bronchiale
allergica
, (2) eine Rhinitis
allergica
und (3) Endometriose. Bei der jetzigen Anmel
dung handle es sich um eine psychiatrische Erkrankung, weshalb sie auf die Berichte der entsprechenden Behandler verweise.
3.3.2
PD Dr.
med.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem Bericht vom 1.
Januar 2011 aus, dass die Klägerin im Vorfeld der aktu
ellen Erkrankung seit langer Zeit unter einer erheblichen Belastung am Arbeitsort gestanden habe. Die Probleme hätten im September 2008 begonnen, als ein Mitarbeiter sie zweimal unkorrekt kritisiert habe. In der Folge hätten sich die Probleme am Arbeitsplatz gehäuft, bis die Klägerin unter dem Druck dauernder
Kritiken psychisch zusammengebrochen sei. Sie sei sehr unglücklich über die Kündigung und wäre froh, wenn sie wieder dort arbeiten könnte. Sie habe sich in der Zwischenzeit wieder erholt und hoffe, eine neue Stelle zu finden. Die noch bestehende Symptomatik sei als leicht bis mässig depressiv und als neuras
the
nisch geprägt zu umschreiben.
In den letzten Jahren sei sie bemerkenswert stabil gewesen, sei aber eine sensible, auf Belastungen anfällige Person geblieben. Auch eine
perimenstruell
auftretende Migräne habe sie belastet. Sie nehme, intermittierend, seit Jahren
Deanxit
, was ihr gut helfe. Als sehr wichtig zur Erlangung der psychischen Stabilität erweise sich die seit 6 Jahren durchgeführte Psychotherapie. Sie bemühe sich nach Kräf
ten, wieder eine Stelle zu finden. Es sei aber möglich, dass zum Wiederein
stieg Unterstützung der IV-Stelle notwendig sei. Sie sei ausgesprochen arbeits
willig und sehe eine Rente als ganz schlechte Lösung an (Urk.
40/62/9 ff.).
3.3.3
Dr.
K._
hielt in seinem Bericht vom 27.
Juni 2011 auf Rückfrage der IV-Stelle fest, dass die Klägerin, welche zuletzt am 20.
Dezember 2010 in Behandlung gewesen sei, bis zum 31.
Dezember 2010 vollumfänglich arbeitsunfähig gewesen sei. Ab dem 1.
Januar 2011 habe sie zu 50
% und ab Mitte Februar 2011 zu 80
% gearbeitet. Somit erübrigten sich IV-Leistungen (Urk.
40/69).
3.4
Im Jahr 2014 erfolgte eine weitere Anmeldung und die medizinische Aktenlage stellt sich im Wesentlichen folgendermassen dar:
3.4.1
Lic. phil.
E._
hielt in ihrem Bericht vom 28.
Januar 2015 zuhanden der IV-Stelle folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest (Urk.
40/98):
Rezidivierende reaktive Depression, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), dies sei reaktiv und nach den Mechanismen eines
posttraumatischen Belastungssyndroms (PTBS, ICD-10 F43.1) und auf der Grundlage sowohl
narzisstischer als auch zwanghaft genauer Persönlichkeitsaspekte (akzentuierte Persönlichkeitsanteile)
Wahnhafte Störung (ICD-10 F22.0)
Paranoide Gedanken würden formuliert, die Klägerin lasse sich aber - auch in der jetzigen akuten Situation - von der Unwahrscheinlichkeit dieser Gedanken überzeugen
Die Klägerin sei bei ihr seit Frühjahr 2005 in delegierter Psychotherapie in Behandlung. Aktuell sei sie in wöchentlicher psychotherapeutischer Sitzung mit kognitiver Gesprächstherapie, daneben fänden monatliche ärztliche Konsultation statt und sie nehme
Deanxit
als Psychopharmaka.
Es gehe ihr besser als noch vor ein paar Wochen, sie absolviere einen thera
peutischen Arbeitsversuch. Die Chefin dort habe ihr erklärt, es müsse sehr viel schief gelaufen sein am letzten Arbeitsplatz, wenn man mit ihr nicht auskomme und mit ihr nicht zufrieden sei. Die Chefin möchte, dass die Klägerin dort arbeiten könne und schaue, ob sie entsprechende Prozente von der
Stadt B._
erhalten könne. Allerdings sei erschreckend, wie schlecht das Selbstbewusstsein der Kläge
rin zurzeit sei und wie unrealistisch ihre Selbsteinschätzung.
Die falsche Selbsteinschätzung mit dem niedrigen Selbstwertgefühl werde erneut zur Gefahr werden, gemobbt zu werden. Obwohl sie ihre Arbeit gut und ge
wissenhaft mache, schaffe ihr sichtlich schlechtes Selbstwertgefühl die Möglich
keit, ihr jeden Fehler von jedem anderen inklusive auch noch den Ärger über schlechtes Wetter in die Schuhe zu schieben. Deshalb sei es unerlässlich, dass sie wieder soweit aufgebaut werde, dass sie wieder Vertrauen in sich und andere empfinden könne.
Sie sei sich auch mit der Vertrauensärztin Dr.
med.
L._
, Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, einig, dass letztlich die wirksamste und nachhaltigste Therapie die Selbständigkeit der Klägerin und die Rückkehr in den
ersten Arbeitsmarkt sei (vgl. hierzu Bericht Dr.
L._
vom 27.
August 2014
, Urk.
40/84).
Zur Zeit sei sie vollumfänglich arbeitsunfähig als kaufmännische Mitarbeiterin.
3.4.2
Dr.
L._
als Vertrauensärztin der Beklagten nahm am 1.
Juni 2015 erneut Stellung (Urk.
40/112). Sie diagnostizierte eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21), differentialdiagnostisch depressive Episode (ICD-10 F32.1) oder rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1), bestehend seit Februar 2014.
Eine medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
% bestehe seit dem 30.
Juni 2014.
Die Prognose sei grundsätzlich günstig aufgrund der guten persönlichen Ressourcen, der Behandlungsmotivation und der guten thera
peutischen Allianz, aber nicht am bestehenden Arbeitsplatz aufgrund eines unlös
bar erscheinenden Arbeitsplatzkonfliktes.
Die Reduktion des Pensums von 80 auf 70
% im Februar 2014 sei aus gesund
heitlichen Gründen erfolgt.
3.4.3
Lic. phil.
E._
und med.
pract
.
M._
, Facharzt für Allgemeinmedizin und Kinderheilkunde, konstatierten in ihrem Bericht vom 15.
November 2016 (Urk.
40/151), dass die Klägerin gegenwärtig nicht depressiv sei. Sie reagiere nach wie vor manchmal unrealistisch selbstkritisch. Jedoch sei sie auch durch die Wertschätzung
ihrer Kolleginnen bei der manchmal eher herabsetzenden Art der Chefin bei der
C._
oft fähig, zu denken, die Chefin sei eigentlich ein herzensguter Mensch, die einfach viel zu viel Arbeit und Stress habe. Dies diffe
renziere die Klägerin so sachlich, wie es bei ihr noch nie zu beobachten gewesen sei. Die Traumatisierungen und deren Wiederholungen seien zwar nach wie vor immer wieder spürbar, jedoch sei die Verarbeitung derselben gut erfolgt und gehe in der Therapie weiter. Es kämen noch wahnhafte Gedanken ins Spiel, vor allem, wenn die Konflikte privat und im Beruf stark an frühere Situationen erinnerten. Diese Gedanken könnten aber aufgelöst werden.
Als Mitarbeiterin in der Administration oder einer angepassten Tätigkeit könne sie in 5 bis 6 Stunden pro Tag ihre Arbeit erledigen, wobei sie manchmal auch am Samstag Arbeit erledigen müsse. Die Klägerin absolviere zur Zeit ein Pensum von 80
% und könne dies aktuell, es sei aber möglich, dass sie aufgrund ihrer zarten Konstitution dieses Pensum künftig reduzieren müsse. Da es den psy
chischen Gesundheitszustand erheblich positiv beeinflusst habe, sei die Ausübung in diesem Umfang aktuell zu verantworten. Deshalb hätten sowohl die Psycho
therapeutin als auch die Integrationsfachfrau der
N._
sie dabei unterstützt, das Anfangspensum von 60
% (40
%
C._
, 20
% Frauenverein) nach einigen Monaten auf 80
% zu erhöhen. Dies sei das Maximum, das sie aus gesund
heit
licher Sicht leisten könne. Eine weitere Reduktion - wenn auch nicht erwünscht und angestrebt - sei im Verlauf des nächsten Jahres nicht ausgeschlossen.
Sie sei nach wie vor bei
lic.
phil.
E._
in Therapie, wenn auch nur noch alle 2-3 Wochen. Wenn es notwendig sei, verlange die Klägerin eine zusätzliche Stunde.
Deanxit
nehme sie jeweils eine Tablette morgens.
Die Aufrechterhaltung der Krankheit werde durch die zarte gesundheitliche Kon
stitution verursacht, bedingt durch die körperlichen Krankheiten. Diese könnten wieder zu einer Reduktion der Arbeitsfähigkeit führen.
3.4.4
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Allgemeinmedizin, notierte in ihrem Be
richt vom 7.
Februar 2017, dass die Klägerin die Stelle beim Frauenverein aus gesundheitlichen Gründen gekündigt habe und dass ein erhöhtes Arbeitspensum aus medizinischer Sicht aktuell nicht möglich sei (Urk.
40/157).
3.4.5
Dr.
med.
O._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, des RAD, nahm am 20.
Dezember 2016 Stellung (Urk.
40/160/5 ff.). In Bezug auf die Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte sie aus, dass eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) codiert werde, allerdings sei die Klägerin aktuell nicht depressiv. Diese erneute Episode sei auf dem Boden einer posttraumatischen Belastungs
störung aufgetreten (ICD-10 F43.1). Es bestehe zudem zeitweise eine wahnhafte Störung (ICD-10 F22.0). Die Klägerin lasse sich jedoch immer wieder von der Unwahrscheinlichkeit ihrer Gedanken überzeugen. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien (1) akzentuierte narzisstische und zwanghafte Persönlich
keitsanteile, (2) eine Polyarthritis und (3) eine Migräne.
Zur Arbeitsfähigkeit notierte Dr.
O._
, dass die Klägerin sehr behutsam mit ihren Ressourcen umgehen müsse. Es bestehe ein erhöhter Pausenbedarf und ein maximales Leistungspensum von 80
%. Der Klägerin sei eine zeitlich flexible Tätigkeit ohne permanenten Zeit- und Termindruck, bei nur geringem Publikums
verkehr, ohne besondere Anforderungen an das Umstellungs- und Anpassungs
vermögen in einer wohlwollenden und konfliktarmen Umgebung medizinisch-theoretisch zu 80
% zumutbar.
Die Klägerin sei vorübergehend in ihrer Leistungsfähigkeit gesundheitsbedingt erheblich eingeschränkt gewesen. Aktuell bestehe seit Juli 2016 nur noch eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit. Der Gesundheitszustand habe sich also deutlich gebessert. Die Klägerin laufe Gefahr, immer wieder an Grenzen zu stossen und sollte aus diesem Grund unbedingt die integrative psychiatrisch-psycho
thera
peu
tische Behandlung fortführen.
3.4.6
Lic. phil.
E._
und med.
pract
.
M._
, führten in ihrem Bericht vom 4.
Juli 2017 aus (Urk.
40/189), dass die Arbeit beim Frauenverein zu viel gewesen sei. Der Gesundheitszustand habe sich körperlich und psychisch erheblich verschlech
tert. Sie habe drum die Stelle beim Frauenverein kündigen müssen per April 2017.
Sie arbeite nun zu 60
% bei der
C._
, weil sie diese Stelle unbedingt behalten möchte und weil eine Reduktion des Pensums aufgrund innerbetrieb
licher Gründe nicht möglich sei. Es sei nun in den letzten 1.5 Jahren klar ge
worden, dass die Klägerin nicht mehr als zu 40-50
% arbeiten könne. Die 60
% absolviere sie mit Anstrengung, jedoch seien sich der Jobcoach der
N._
und die Therapeuten einig, dass der Verlust der Stelle der Gesundheit mehr schaden würde als 10
% mehr zu arbeiten, als eigentlich indiziert sei.
In der aktuellen Tätigkeit sowie in einer angepassten Tätigkeit sei ein Pensum von 50
% ideal (4h/Tag). Da aber ihre heutige Arbeitgeberin für eine Reduktion um 10
% nicht Hand biete, werde es als sinnvoll erachtet, dass die Klägerin 60
%
arbeite und dafür die Arbeitsstelle behalten könne. Denn eine erneute Stellen
losig
keit würde erfahrungsgemäss gesundheitlich einen schweren Rückfall bedeu
ten.
3.4.7
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
nahmen
lic.
phil.
E._
und med.
pract
.
M._
Stellung zuhanden der IV-Stelle. In ihrem Bericht vom 30.
April 2018 führten sie aus (Urk.
40/210), dass die Klägerin aktuell 60
% bei der
C._
arbeite, obwohl sie nicht mehr als 50
% arbeitsfähig sei. Sie müsse sich deshalb eine neue Stelle suchen, da sie nicht reduzieren könne.
Die Krankheitsgeschichte der Klägerin zeige, wie hart und unermüdlich sie
darum gekämpft ha
be
, gesund zu werden und arbeiten zu können. Nachdem
sie sie so lange und gut kannten
,
sei
klar geworden, dass sich die schwere
n
Kränkungen und Demütigunge
n wie ein roter Faden durch die
Krankheitsgeschichte
zögen
, welche
sie
seit ihrer Kindheit bereits in der Schule
habe erfahren müssen
. Als intelligentes,
sensibles und stolzes Kind hätten
die erfahrenen Ausgrenzungen und Herabsetzungen sie derart verletzt,
dass man heute davon ausgehen mü
ss
e
,
dass diese Verletzungen die für ihre Erkrankung wegweisenden Traumatisie
run
gen
ausgelöst hätten
. So könn
t
en auch die psychotische
n
Dekompensationen 1984, 1985 und 1988 und 1999 als Folgen dieser schwer traumatischen Kränkun
gen ihres Selbst und als posttraumatisch psychotische Dekompensationen ange
sehen werden. Die Essstörungen und die Stimmen, die sie hiessen, sich zu suizi
dieren, pass
t
en gemäss Literatur gut in eine posttraumatische Dekompensations
sym
p
to
matik. Schizophrene Symptome hingegen
hätten
nie
festgestellt werden können, seit die Klägerin bei ihnen in Behandlung sei
. Die späteren schweren Kränkungen durch
die Vorgesetzten, welche zu
erst während längerer Zeit an der
A._
und dann (krass und ausgefallen) bis 2014 durch ihren Vorgesetzten i
m Schul
de
par
tement passiert seien
, stell
t
en so verstanden schwere Retraumatisierungen dar, welche
ihren
Gesundheit
szustand schwer beeinträchtigt
und dann dazu
geführt hätten, dass schliesslich al
les zusammen
gebrochen sei. Seither kö
nn
e
sie in ihrem angestammten Beruf als Direktionsassistentin überhaupt nicht mehr und auch in angepasster Tätigkeit als gewöhnliche kaufmännische Mitar
beiterin nur noch 50
% arbeiten.
Dass sie an ihrer jetzigen
Arbeitsstelle weniger Lohn erha
lt
e
, weil sie nicht alle Arbeiten machen k
ö
nn
e, führe die Reihe der Kränkungen
weiter.
3.5
Im Rahmen des Klageverfahrens nahm
lic.
phil.
E._
zuhanden des Rechts
vertreters der Klägerin Stellung am 17.
Januar 2019 (Urk.
2/26). Sie führte aus, dass die Klägerin nach 2004 nie mehr psychotisch dekompensiert sei. Es hätten sich keinerlei Symptome einer paranoiden Schizophrenie gezeigt.
Die paranoiden Gedanken
seien
zwar immer etwa wieder in Krisensituationen auf
getaucht
, jedoch
seien
sie im therapeutischen Gespräch mit rationalen Argumenten immer aufzu
lösen
gewesen
.
Die psychotische Grunderkrankung, welche im April 1999 als chronische paranoide
Schizophrenie diagnostiziert wo
rde
n sei
,
sei
also nach der Aufhebung der IV-Rente im Jahr 2000 nie mehr aufgetreten.
In den Berichten über die Klägerin habe sie
immer wieder festgehalten, dass keine Spur von Schizophrenie
festgestellt werden könne
.
Die
Vertrauensärztin der Pensionskasse der
Stadt B._
habe dabei
nach ihren eingehenden Untersuchungen bereits Mitte 2014 zugestimmt, als sie
die Klägerin
kurz nach der definitiven (schweren) Erkrankung und definitiven Krankschrei
bung gesehen hatte.
Es habe 2004 also
weder eine paranoide Schizophrenie noch sonst eine psychotische Grunderkrankung
bestanden
, als
die Klägerin zu ihr
in psychotherapeutische Behandlung
gekommen sei
. Somit hand
le
es sich bei der Erkrankung von 2010 um eine neue Erkrankung mit einer Depression, reaktiv auf die Ereignisse an der
A._
und auf die Arbeit bis zur Er
schöpf
ung. Ob es sich bei der Depression von 2014, reaktiv auf die krassen und schwer traumatisierenden Schikanen
des
Chefs
der Klägerin
,
um eine neue Erkrankung handle
,
sei
nicht einfach zu beantworten.
Als
Vergleich und Gleichnis
sei eine
Krebserkrankung
heranzuziehen
. Wenn j
emand erstmals an Krebs erkranke, erfolgreich behandelt we
rd
e
und lange
Jahre gesund sei, sei
er dann in dieser Zeit so gesund, so dass eine neue Krebser
kran
kung nicht mehr dieselbe Erkra
nkung ist oder nicht? Dabei gebe
es verschiedene Varianten: Wenn es ein
Krebs an einem anderen Organ sei
, dann
sei
die Antwort einfach, dann
sei es eine neue Erkrankung. Falls
es jedoch
ein Krebs am gleichen Organ sei, sei
dies dann eine neue Erkrankung oder nicht? Und da
von eine weitere Variante: Was
, wenn dann bei dieser neuen oder erneuten Erkrankung (am g
leichen Organ) Metastasen aufträ
ten?
Wie sei
dann die
gesunde Phase zu be
werten? Sei
dann der Patient während der jahrelangen krebsfreien Phase nicht gesund, auch wenn er in dieser jahrelangen ges
unden Phase normal arbeiten gegangen sei
und seinen Lebensunterhalt verdient
habe
?
Die erste Depression 2010,
reaktiv auf die Ereignisse, sei
im
Gleichnis der Krebs. Danach sei die gesunde Phase, danach komme
erneut ein Krebsleiden 201
4 am gleichen Organ, denn es sei
wieder eine Depression. Oder sei als es ein Krebs an einem a
nder
e
n Organ
zu beurteilen
, weil die Depression reaktiv auf ein anderes Ereignis erfolgt
sei
? Dass
die Klägerin nach 2014 nicht mehr gesund we
rd
e
, könnte im Krebs-Gleichnis die Metastasen-Situati
on sein, die gut behandelbar sei, aber dazu führe
, dass man nie mehr von
„gesund" sprechen kö
nn
e, auch wenn die Klägerin
nach der ersten reaktiven Depressions-Erkrankung vollkommen
ge
-
sund und stabil
gewesen sei
und sogar zum ersten Mal seit Jahren eine Beziehung eingegangen
sei. Das Gleichnis zeige
, dass Spielraum für mehr als
eine Inter
pre
tation offen bleibe.
Das, was dafür spreche
, dass
die Klägerin
nach der ersten reaktiven Depr
ession ab 2011 wieder gesund gewesen sei
,
sei
, dass
sie mehr als 3 Jahre gesund ge
blieben sei. Denn gehe
man von einer einzigen Depressionserkrankung von 2010 und 2014 zusammen aus, und da ja innerhalb der
gleichen Depressionser
kran
kung zwischen Intervall (symptomfreie Phase) und der de
pressiven Phase unter
schieden we
rd
e
, dann
sei
die symptomfreie Phase zwischen 2011 und 2014 mit 3
Jahren aussergewöhnlich lange und auch die für Depressionen typischen und sehr häufigen depressiven Winterphasen
seien
3 Jahre lang aus
geblieben; beides sei sehr atypisch und spreche
deshalb auch für eine Neuerkrankung im 2014.
4.
Vorab
zu prüfen ist, ob die Beklagte
an die Feststellungen im IV-Verfahren ge
bunden ist
.
Der Beklagten wurde sowohl der Vorbescheid vom 13.
Februar 2017 (Urk.
40/162) als auch die Verfügung vom 29.
Juni 2018 zugestellt (Urk.
40/220; Urk.
40/230).
Die for
mellen Voraussetzungen sind entsprechend gegeben.
Die IV-Stelle sprach der Klägerin ab dem 1.
Juli 2016 eine halbe Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 55
% zu. Die Klägerin hatte sich am 29.
Oktober 2014 angemeldet, bezog allerdings vom 7. April 2015 bis zum 6.
Juli 2016 auf
grund der Eingliederungsmassnahmen Taggelder, womit die IV-Stelle einen all
fälli
gen Rentenanspruch erst ab dem 7.
Juli 2016 prüfen musste (Art.
29 Abs.
1 und 2 IVG;
vgl
Urk. 40/103-104; Urk. 40/119-120; Urk. 40/127-128; Urk. 40/134-135 Urk.
40/219).
Damit besteht bezüglich des Eintritts der in Frage stehenden Arbeitsunfähigkeit, welche zur Invalidität geführt hat
,
keine Bindung
an die Verfügung der IV-Stelle und die Sache ist frei zu prüfen, was auch seitens der Parteien unbestritten blieb.
5.
Von den Parteien ist unbestritten und aufgrund der Akten steht fest, dass der Klägerin ab
1.
Juli 2016
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 55
%
eine
halb
e Invalidenrente der Invalidenversicherung zusteht.
Ebenfalls unstrittig und aufgrund der Akten ist schlüssig, dass die Klägerin seit dem 14.
Februar 2011 bis zum 31.
Oktober 2015 bei der Beklagten vorsorgeversichert war (Urk.
11/2 und Urk.
11/36), wobei die Reduktion des Arbeitspensums von 80
% auf 70
% im Frühjahr 2014 unbestritten aus gesundheitlichen Gründen erfolgte (vgl. 10).
Strittig und zu prüfen ist,
ob
die Beklagte leistungspflichtig ist zur Ausrichtung einer berufsvorsorgerechtlichen Invalidenrente oder ob vielmehr die zur Invalidi
tät führende Arbeitsunfähigkeit bereits vor Versicherungsbeginn eingetreten ist und der zeitliche und sachliche Zusammenhang nicht unterbrochen wurde.
5.1
Die Klägerin nahm im Februar 2011 ihre Tätigkeit als Sachbearbeiterin bei der
Kreisschulpflege F._
in einem Pensum von 80
% auf und arbeitete bis im Frühjahr 2014 unverändert in diesem Pensum. Vom 20.
März bis zum 21.
Dezember 2012 absolvierte sie nebst ihrer Tätigkeit die Weiterbildung Informatik-Anwender II SIZ, wobei jeweils am Dienstag von 18.00-21.00 Uhr sowie gelegentlich an wei
teren Tagen Unterricht stattfand und Prüfungen abgenommen wurden (Urk.
2/24)
. Darüber hinaus ist überwiegend wahrscheinlich, dass nebst den Unterrichtszeiten weiteres Selbststudium notwendig war, so dass jedenfalls eine durchgehende 20%ige Arbeitsunfähigkeit während der Versicherungsdeckung der Beklagten nicht überwiegend wahrscheinlich ist (vgl. E. 2.3).
5.2
Die Beklagte führte demgegenüber an, dass insbesondere gestützt auf die Angaben der IV-Stelle davon auszugehen sei, dass die Klägerin sicherlich seit 2010 immer mindestens zu 20
%
arbeitsunfähig gewesen sei, was insbesondere durch die Verfügung vom 1
6.
September 2011 bestätigt werde. Auch
Dr.
K._
und
lic.
phil.
E._
gingen
von einem langjährigen, 1984 beginnenden Krank
heitsverlauf aus (
Urk.
10
und Urk.
35
).
5.2.1
Dr.
K._
konstatierte in seinem Bericht vom 27.
Juni 2011, dass die Klägerin wieder 80
% arbeite und sich IV-Leistungen damit erübrigten (Urk.
40/69).
Dr.
L._
als Vertrauensärztin der Beklagten konstatierte, dass die Arbeits
unfähigkeit von mindestens 20
% seit dem 30.
Juni 2014 bestehe (Urk.
40/84/2; vgl. auch Urk.
40/112/2), wobei die
Pensumsreduktion
von 80 auf 70
% im Februar 2014 aus gesundheitlichen Gründen erfolgt sei.
Dr.
J._
notierte im Bericht vom 27.
November 2014, dass die Klägerin seit Sommer 2014 vollumfänglich arbeitsunfähig sei aus psychiatrischer Indikation, darin sei sie nicht involviert (Urk.
40/89).
5.2.2
Lic.
phil
E._
äusserte sich erstmals ausführlich zum Verlauf in ihrem Bericht vom 30.
April
2018 (Urk.
40/210; vgl. auch Bericht vom 28.
Januar
2015, Urk.
40/98; Bericht vom 15.
November 2016, Urk.
40/151; Bericht vom 4.
Juli 2017, Urk.
40/189). Darin konstatierte sie, dass die Klägerin seit 2005 in einer intensiven Therapie gewesen sei. Dabei habe sie sich coachen lassen, wie sie sich zu verhalten habe und habe es immer wieder geschafft, die inneren und äusseren Wogen zu glätten. Im Jahr 2010 habe sie dann erneut einen Zusammenbruch erlitten und habe gekündigt. Sie habe nochmals einen enormen
Effort
erbracht, um wieder arbeiten zu können. Zuerst habe sie eine 50
% Stelle angetreten und diese dann für eine Stelle als rechte Hand des Schulpräsidenten aufgegeben. Sie habe die Arbeit durchgestanden, bis sie im Juni 2014 wieder vollkommen zusammengebrochen sei. Bereits ab Herbst 2013 sei sie erneut intensiv gecoacht worden, um mit dem Verhalten des Vorgesetzten umgehen zu können. In all den Jahren habe die Erkrankung auch mit der seit 13 Jahren oft intensiven Therapie nicht besiegt werden
können. Immer wieder sei sie erkrankt, 2010 und erneut 2014 schwer, und sei beide Male lange voll arbeitsunfähig gewesen. Es könne mit gutem Grund aufgrund der umfangreichen Akten und der dokumentierten Arzt
berichte von einer langwierigen Erkrankung gesprochen werden. Trotz stets wahr
genommener Therapien, welche die Klägerin absolviert habe, sei sie nicht gesund geworden. Es müsse aber betont und gewürdigt werden, dass sie ohne ihre enorme Willens- und Durchhaltekraft und ohne ihre immer wieder aufge
baute Motivation heute nicht in der Lage wäre, ein halbes Pensum zu erbringen.
Im Bericht vom 17.
Januar 2019 präzisierte
lic.
phil.
E._
, dass die Klägerin zwar sowohl 2010 als auch 2014 gleichermassen eine reaktive Depression erlitten habe, dazwischen allerdings mehr als 3 Jahre gesund gewesen sei in dem Sinne, dass sie symptomfrei gewesen sei und gearbeitet habe (Urk.
2/26 S. 6).
5.3
Zusammenfassend ist davon auszugehen, d
ass die Klägerin bei Antritt ihrer Stelle bei der
Kreisschulpflege F._
nicht mehr im Umfang von 20
% in ihrer Arbeits
fähigkeit eingeschränkt gewesen
war
oder aber zumindest im Jahr 2012, währenddessen sie sowohl 80
% arbeitete und sich daneben weiterbildete – ent
gegen den Ausführungen der Beklagten - vollumfänglich arbeitsfähig war. Der zeitliche Zusammenhang zu früheren Arbeitsunfähigkeiten vor der Versiche
rungs
deckung durch die Beklagte wurde entsprechend unterbrochen und es kann
offen bleiben, ob diesbezüglich allenfalls ein sachlicher Zusammenhang zu bejahen
wäre.
Entsprechend
ist die Beklagte leistungspflichtig zur Ausrichtung einer berufsvor
sor
gerechtlichen Invalidenrente.
6.
6.1
Gemäss
Art.
40 des Vorsorgereglements
2015 (folgend: VSR)
der Beklagten (Urk.
12
) richten sich die Voraussetzungen für das Vorliegen einer Arbeitsun
fähigkeit, einer Erwerbsunfähigkeit und einer Invalidität sowie die Berechnung des Invaliditätsgrades nach den Regeln der IV. Bei Erwerbsinvalidität entscheidet die Pensionskasse in Übereinstimmung mit der IV
(Art.
45 Abs.
1 VSR)
.
Der Grad der
Arbeitsunfähigkeit
bzw. Invalidität ermittelt sich immer in Bezug auf ein Vollpensum (Art.
39
Abs.
3 V
SR
).
Mit dieser Regelung weicht die Beklagte
(zulässigerweise)
von der Rechtspre
chung ab, wonach bei einem ausgeübten Teilzeiterwerbspensum die Vorsorgeein
richtung das von der Invalidenversicherung festgesetzte
Valideneinkommen
, an das sie grundsätzlich gebunden ist, auf das ausgeübte Teilzeitpensum herunter
rechnet und gestützt darauf (sowie auf die übrigen grundsätzlich bindenden Para
meter) eine neuerliche Einkommensvergleichsrechnung durchführt (BGE 144 V 63 E. 6.3.2).
6.2
Die Invalidenversicherung ging
davon aus, dass die Klägerin vollumfänglich erwerbstätig wäre. Für das
Valideneinkommen
zog die IV-Stelle das zuletzt erzielte Einkommen bei der
Kreisschulpflege F._
im Jahr 2014 heran, rechnete dieses auf ein volles Pensum auf und korrigierte es um die Nominal
lohnent
wicklung bis ins Jahr 2016, woraus ein
Va
lideneinkommen
von
Fr.
112'314.80 resultierte (Einkommensvergleich vom 13.
Februar 2017, Urk.
40/159; vgl. auch Urk.
40/215; Urk.
40/219). Dieses
Valideneinkommen
ist - bei Anwendung der reglementarischen Bestimmungen - nicht
auf das zuletzt (vor der unbestritten krankheitsbedingten Reduktion des Pensums von 80 auf 70
%) ausgeübte Pensum von 80
%
herunterzurechnen,
sondern
der Invaliditätsgrad
ist - entgegen den Vorbringen in der Klageantwort (vgl. Urk.
10 S. 5) - gemäss Vorsorgereglement
in Bezug auf ein Vollpensum zu errechnen
(vgl. E. 6.1)
.
Für das Invalideneinkommen zog die Beschwerdegegnerin das bei der
C._
im Jahr 2016 erzielte Einkommen bei 60%-Pensum in Höhe von 50'347.20 heran (Urk.
40/215). Sowohl die Festsetzung des Validen- als auch des Invali
den
einkommens blieb seitens der Parteien unbestritten (vgl. E. 1).
Bei Gegenüberstellung des Validen- und des Invalideneinkommens resultiert eine
Erwerbseinbusse von Fr.
61'967.60, was einem Invaliditätsgrad von 55
% ent
spricht. Die Klägerin hat demnach Anspruch auf eine Rente in Höhe von 55
%
(Art.
42a
Abs.
2 des Vorsorgereglements).
6.3
Demzufolge ist die Beklagte
zu verpflichten,
der
Klägerin
mit Wirkung ab 1.
Juli 2016 (Art.
26 BVG
i.V.m
. Art.
29 IVG
i.V.m
. Art.
41 VSR)
eine Invalidenrente
der beruflichen Vorsorge
in Höhe von 55
%
auszurichten. Mit Blick darauf, dass sich die
Klägerin
in
ihrem
Rechtsbegehren eines (ziffernmässig) konkreten Antrags betreffend Leistungsumfang
enthielt
– die
Klägerin
beantragte darin
lediglich
eine BVG-Invalidenrente gemäss den gesetzlichen und statutarischen Vorgaben (Urk.
1)
–
bleibt die Festsetzung des reglementarischen Leistungsanspruchs in masslicher Hinsicht einstweilen der Beklagten
überlassen; in einem allfällig diesbezüglich sich
ergebenden Streitfall stünde der
Klägerin
erneut der Klageweg offen (vgl. BGE 129 V 450)
.
In diesem Sinne ist die Klage
gutzuheissen.
7
.
Ausgangsgemäss ist die Beklagte
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) zu verpflichten, der
anwaltlich vertretenen Klägerin
eine Prozessentschädigung zu entrichten, wobei ein Betrag von
Fr.
2‘1
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) als angemessen erscheint.