Decision ID: 10feaefa-20f7-4173-bdc3-d4dd4a440602
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
D._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1984 geborene D._ war als Mechaniker bei der A._ tätig und dadurch bei
der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen
von Unfällen versichert. Am Abend des 24. April 2006 wartete er im stillstehenden
Personenwagen vor einem Fussgängerstreifen, als ein anderer Personenwagen in sein
Heck fuhr (UV-act. I/1, I/12, I/14 und I/40/2). Dr. med. B._, Facharzt FMH für
allgemeine Medizin und Hausarzt des Versicherten, stellte am Tag nach dem Unfall
massive muskuläre Verspannungen der Muskulatur der Halswirbelsäule (HWS), eine
Druckdolenz der Dornfortsätze HWS, beidseits eingeschränkte Rotation und
Seitneigung jedoch keine neurologischen Ausfälle sowie als Röntgenbefund eine
Streckhaltung fest und diagnostizierte eine Distorsion der HWS. Er verschrieb dem
Versicherten Schmerzmittel und attestierte ihm vom 25. April bis 1. Mai 2006 volle
Arbeitsunfähigkeit (UV-act. I/2 und I/3). Vom 10. Juli bis 25. September 2006 kam eine
Serie Physiotherapie-Behandlungen dazu (UV-act. I/5). Die Suva erbrachte die
gesetzlichen Leistungen. Anlässlich einer telefonischen Rückfrage bei der Praxis von
Dr. B._ wurde am 15. Dezember 2006 der Unfallversicherung erklärt, die Behandlung
sei abgeschlossen (UV-act. I/5.1).
A.b Zwischenzeitlich erlitt der Versicherte beim neuen Arbeitgeber - er war seit 1. Juni
2006 bei der C._ als Bohrassistent tätig - am 19. September 2006 einen Berufsunfall,
bei dem er sich eine Seitenbandzerrung am rechten Knie und eine Verletzung des
Meniskus zuzog (UV-act. II/1 und II/6). Wegen dieses Ereignisses, das nicht
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet, war der Versicherte vom
20. September bis 8. Oktober 2006 (UV-act. II/1), am 22. Januar 2007 (Meldung vom
23. Januar 2007 UV-act. II/2) und vom 8. Februar bis 15. März 2007 (UV-act. II/10)
100% arbeitsunfähig. Als sich die Suva beim Hausarzt nach der Kontrolle vom 25. Mai
2007 zum Unfall vom 19. September 2006 erkundigte, wurde ihr am 4. Juni 2007
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berichtet, dieser sei abgeschlossen. Vom Unfall vom 24. April 2006 habe der Patient
immer wieder Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS). Diese sei in der
Beweglichkeit deutlich eingeschränkt, es bestünden keine neurologischen Ausfälle. Als
Diagnose wurden Distorsion HWS und Prellung LWS angegeben, als Behandlung
Physiotherapie (UV-act. II/12; Original UV-act. I/9).
A.c Am 9. August 2007 begab sich der Versicherte mit schwersten immobilisierenden
Rückenschmerzen im Bereich der oberen Brustwirbelsäule (BWS) und Ausstrahlungen
in den linken Arm ins Spital Flawil und wurde dort bis am folgenden Tag hospitalisiert.
Er gab bei der Eintrittsuntersuchung an, diese stark drückenden Schmerzen unter dem
linken Schulterblatt bestünden seit dem frühen Morgen, und führte aus, er habe am
Tag zuvor schwer getragen und streng gearbeitet (UV-act. I/19). Am 28. August 2007
erfolgte durch die neue Arbeitgeberin eine als Rückfall zur Auffahrkollision vom
24. April 2006 bezeichnete Schadensmeldung, in welcher volle Arbeitsunfähigkeit ab
9. August 2007 angegeben wurde (UV-act. I/6). Bei der Befragung vom 11. September
2007 gab der Versicherte der Suva zu Protokoll, er habe am 9. August 2007 beim
Aufstehen am Morgen verstärkte Schmerzen im Nacken und Kreuz sowie erstmals ein
Kribbeln im Arm verspürt, ohne dass etwas Besonderes passiert sei. Er führte aus,
während der Lehre als Automonteur bei grosser Belastung während der Pneusaison
Beschwerden im Kreuz verspürt zu haben, die jeweils ohne ärztliche Behandlung
wieder abgeklungen seien. Während der Rekrutenschule als Durchdiener sei er wegen
Rückenproblemen aus dem Militärdienst ausgemustert worden (UV-act. I/14). Die Suva
vervollständigte die Unterlagen und unterbreitete sie Kreisarzt Dr. med. E._ zur
Beurteilung. Dieser kam in der Stellungnahme vom 4. Oktober 2007 zum Schluss, es
bestehe weder ein sicherer noch ein wahrscheinlicher Kausalzusammenhang zwischen
den Beschwerden im Abschnitt der Lenden- und Beckenwirbelsäule zum Ereignis vom
24. April 2006. Dasselbe gelte ab August 2007 auch für die zervikalen Beschwerden
(UV-act. I/22). Gestützt auf die Beurteilung des Kreisarztes lehnte die Suva mit
Verfügung vom 15. Oktober 2007 ihre Leistungspflicht ab (UV-act. I/24).
B.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte durch seinen Vertreter, Rechtsanwalt
lic. iur. R. Hochreutener, St. Gallen, am 19. Oktober 2007 vorsorglich Einsprache
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erheben (UV-act. I/27). Am 14. Dezember 2007 reichte der Rechtsvertreter die
Einsprachebegründung nach (UV-act. I/38). Die Suva wies die Einsprache mit
Entscheid vom 23. Januar 2008 ab (UV-act. I/48).
C.
C.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 25. Februar 2008 mit den Anträgen,
der Einspracheentscheid vom 23. Januar 2008 sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer seien die gesetzlichen Leistungen, insbesondere Taggelder und
Heilbehandlung bis auf Weiteres auszurichten, eventualiter seien weitere Abklärungen
vorzunehmen, unter entsprechenden Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur
Begründung wird im Wesentlichen angeführt, der Beschwerdeführer habe sich die
Rückenverletzung beim Unfall vom 24. April 2006 zugezogen und immer über
Beschwerden wechselnder Intensität geklagt. Deswegen sei er physiotherapeutisch
und vom 10. bis 29. Dezember 2007 stationär in der Rheinburgklinik Walzenhausen
behandelt worden. Die natürliche Kausalität der Verletzungen zum Unfall vom 24. April
2006 sei gegeben und ausser vom Hausarzt auch von Dr. med. F._, Facharzt FMH
für Rheumatologie und Innere Medizin, bejaht worden. Der Endzustand sei noch nicht
erreicht, weshalb die Adäquanzprüfung durch die Beschwerdegegnerin eindeutig zu
früh erfolgt sei.
C.b Die Suva hat Dr. med. G._, Facharzt FMH für Chirurgie und leitender Arzt
Versicherungsmedizin, am 20. März 2008 zur Unfallkausalität ab August 2007 Stellung
nehmen lassen (UV-act. I/49). Mit Beschwerdeantwort vom 9. Mai 2008 beantragt sie
die Abweisung der Beschwerde vom 25. Februar 2008 und die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 23. Januar 2008. Zur Begründung führt sie an, die
Rückenbeschwerden ab Mitte 2007 seien nicht natürlich kausal zum Unfall vom
24. April 2006 und es fehle auch an der Adäquanz derselben.
C.c Mit Replik vom 20. Juni 2008 hält der Beschwerdeführer an seinem Standpunkt
fest. Die Suva hat darauf verzichtet, eine Duplik einzureichen.
C.d Am 14. November 2008 hat der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter
den Bericht von Dr. med. H._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und
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Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 6. November 2008 über die
Besprechung vom 4. November 2008 mit dem Beschwerdeführer einreichen lassen
(act. G 13). Dr. H._ hält in seiner Beurteilung fest, die minimalsten Veränderungen im
Kernspintomogramm der HWS könnten wohl kaum als beschwerdeverursachender
Vorzustand angesehen werden. (...) Nachdem inzwischen eine klare Besserung
eingetreten sei, müsse seines Erachtens die ganze Beschwerdesituation als
unfallkausal angesehen werden, welche durch die adäquate Behandlung mit stationärer
Rehabilitation schlussendlich zum Besseren gewendet wurde.
C.e Die Suva kritisiert in der Stellungnahme vom 28. November 2008 den Bericht von
Dr. H._ als oberflächlich und nicht überzeugend und schliesst, es komme ihm keine
entscheidrelevante Bedeutung zu und er vermöge nichts zu Gunsten des
Beschwerdeführers zu beweisen.
C.f Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

weiteren Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht ihre Leistungspflicht ab
Mitte 2007 für den Unfall vom 24. April 2006 verneint hat.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid die
rechtlichen Voraussetzungen des Bestehens eines natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den in Frage stehenden
Gesundheitsschädigungen zutreffend dargelegt (Erwägung 1). Gleiches gilt für die
Ausführungen zur Leistungspflicht gemäss Art. 36 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) für Gesundheitsschädigungen, die nur teilweise
Folge eines Unfalls sind, bzw. zu einem krankhaften Vorzustand (Erwägung 2). Darauf
kann verwiesen werden.
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2.2 Gemäss Art. 11 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202)
werden Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (vgl. BGE
118 V 293 E. 2c S. 296f.; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326). Praxisgemäss handelt es sich
bei einem Rückfall um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit
bzw. vermeintlich geheilter Unfallfolgen, so dass es zu ärztlicher Behandlung,
möglicherweise zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt, während von Spätfolgen dann
gesprochen wird, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Lauf längerer Zeit organische
oder psychische Folgen bewirkt, die zu einem andersgearteten Krankheitsbild führen
können. Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich somit begrifflich an ein bestehendes
Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht des (damaligen)
Unfallversicherers nur dann auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten
Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen
Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht
(BGE 118 V 293 E. 2c S. 296f.).
2.3 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2 S. 195 und BGE 122 V 157
E. 1a S. 158 je mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast
im Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess
tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Bei der hinsichtlich Rückfällen und Spätfolgen zu
erfüllenden Anspruchsvoraussetzung eines erneuten natürlichen
Kausalzusammenhangs handelt es sich um eine anspruchsbegründende Tatsache. Die
diesbezügliche Beweislast liegt insofern bei der versicherten Person, als im Fall der
Beweislosigkeit der Entscheid zu ihren Lasten ausfällt. Selbstverständlich greift diese
obgenannte Beweisregel erst dann Platz, wenn die Verwaltung und - im Beschwerdefall
- das Gericht dem Untersuchungsgrundsatz rechtsgenüglich nachgekommen sind bzw.
es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund
einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
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Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b
S. 264 mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 E. 3b S. 328f.).
2.4 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten oder der Expertin begründet sind. Insofern darf das Gericht in seiner
Beweiswürdigung auch Gutachten folgen, welche der Unfallversicherer im
Administrativverfahren einholt, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3.b S. 353; RKUV 2000
Nr. U 377 E. 4a S. 186). Auch eine ärztliche Beurteilung aufgrund der Akten, wie sie
vorliegend von Dr. E._ am 4. Oktober 2007 (UV-act. I/22) und von Dr. G._ am
20. März 2008 (UV-act. I/49) erstellt wurden, ist nicht an sich unzuverlässig, wenn die
Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status
ergeben und diese Daten unbestritten sind. Voraussetzung ist ein lückenloser
Untersuchungsbefund, damit der Experte imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen
Unterlagen ein lückenloses Bild zu verschaffen (PVG 1996, 265 E. 3b; RKUV 1988
Nr. U 56 E. 5b S. 370f.).
3.
3.1 Der Versicherte hatte am Tag nach dem Unfall vom 24. April 2006 Dr. B._
aufgesucht. Dieser schilderte im Bericht vom 17. Mai 2006 (UV-act. I/2) und im
Arztzeugnis UVG vom 27. Mai 2006 (UV-act. I/3) ausschliesslich Beschwerden an der
HWS und als Diagnose Distorsion HWS. Im Bericht vom 17. Mai 2006 führte der
Hausarzt zusätzlich aus, die Prognose sei gut, der Patient habe am 5. Mai 2006 kaum
mehr Beschwerden gehabt. Er hatte den Versicherten vom 25. April bis 1. Mai 2006
arbeitsunfähig geschrieben. Auch die Verordnung zur Physiotherapie, die Dr. B._ am
30. Juni 2006 ausfüllte, enthält als Diagnose Distorsion HWS und keinerlei Hinweise für
physiotherapeutische Massnahmen in einem andern Bereich der Wirbelsäule (UV-act. I/
5). - Entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift (Ziffer 25) lässt sich aus der
Unfallmeldung die genaue Lokalisation der Beschwerden nicht ableiten: UV-act. I/1 ist
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die Schadenmeldung durch medizinische Laien, nämlich durch die Arbeitgeberin
aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers, nicht des Hausarztes. Sie führt
"Stauchung Wirbelsäule" als Schädigung und "Rücken beidseitig" als betroffenen
Körperteil an und hält somit nicht fest, welcher Teil des Rückens bzw. der Wirbelsäule
betroffen ist. - Die echtzeitlichen Dokumente erwähnen zusammengefasst damit
ausschliesslich die HWS als Ort der Beschwerden.
3.2 Durch den ärztlichen Zwischenbericht vom 4. Juni 2007, somit mehr als ein Jahr
nach dem Auffahrunfall, erfuhr die Beschwerdegegnerin erstmals, dass der
Beschwerdeführer über Schmerzen im LWS-Bereich klagte. Andere Beschwerden bzw.
Schmerzen in einem anderen Bereich der Wirbelsäule wurden nicht angegeben und als
Diagnose neben Distorsion HWS neu auch Prellung LWS beim Unfall vom 24. April
2006 aufgeführt (UV-act. I/9). Im Mai 2007 hatte Dr. B._ dem Beschwerdeführer
wiederum Physiotherapie verordnet (act. G 1.1 Beil. 16 und 8 bis 11 bezüglich
Behandlungsdaten). Die Physiotherapie-Serie vom 21. Februar bis 31. März 2007 (act.
G 1.1 Beil. 7) ist demgegenüber der Knieverletzung zuzuordnen (UV-act. II/8 Procedere
nach Arthroskopie mit Teilmeniskektomie am 8. Februar 2007). Entgegen den
Ausführungen in der Beschwerdeschrift wurde somit die Physiotherapie am Rücken
erst im Mai 2007, nach rund acht Monaten Unterbruch, aufgenommen. Die Akten zum
Unfall vom 19. September 2006 am Knie (UV-act. II/1-II/11) enthalten keinerlei Hinweis
auf Beschwerden an der Wirbelsäule oder anderen Körperteilen oder gar die Angabe
'Status nach HWS-Distorsion am 24. April 2006', wie sie bei Andauern der
Beschwerden aufgrund des Auffahrunfalls auch in den Arztberichten zum Unfall am
Knie zu erwarten gewesen wäre. Anders lediglich der Zwischenbericht des Hausarztes
vom 4. Juni 2007, der jedoch ausdrücklich zum Unfall vom 24. April 2006 erstattet
wurde, weil die Behandlung des Knies nach dem Unfall vom 19. September 2006
abgeschlossen sei (UV-act. II/12; Original UV-act. I/9).
3.3 Bei den neu beschriebenen Schmerzen im LWS-Bereich handelt es sich um das
Auftreten eines andersgearteten Krankheitsbildes. Es obliegt nach den Ausführungen
unter Erwägung 2 dem Beschwerdeführer als Leistungsansprecher, das Vorliegen eines
natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem neuen Beschwerdebild und dem
Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit glaubhaft zu machen, wobei das die
Beschwerdegegnerin bzw. das Gericht nicht von der Abklärungspflicht nach dem
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Untersuchungsgrundsatz befreit. Die Argumentation des Beschwerdeführers, bereits
mit der Unfallmeldung habe festgestanden, dass nicht nur die HWS betroffen sei,
wurde in der vorstehenden Erwägung 3.1 widerlegt. - Andauernde Rückenschmerzen
vor allem im LWS-Bereich (Brückensymptome) seit dem Unfall vom 24. April 2006 bis
Mitte 2007 sind gemäss Erwägung 3.2 aufgrund der Angaben in den echtzeitlichen
(medizinischen) Unterlagen nicht glaubwürdig. Sie werden auch von Dr. B._ im
Bericht vom 11. Februar 2008 nicht dargelegt: Der Hausarzt erwähnt ebenfalls die
Konsultation vom 30. Juni 2006 mit Verordnung von Physiotherapie und als nächstes
Konsultationsdatum den 14. Mai 2007 mit erneuter Therapieverordnung (act. G 1.1
Beil. 16). Dabei widerspricht er jedoch dem von ihm selbst ausgestellten Zeugnis vom
4. Juni 2007 (UV-act. I/9), wo er ausschliesslich LWS-Beschwerden beschrieb, wenn er
am 11. Februar 2008 nur von Beschwerden der HWS vor und nach dem 14. Mai 2007
berichtet. Von den Arbeitsunfähigkeitzeugnissen, die der Beschwerdeschrift beiliegen,
korreliert einzig Beilage 20 (act. G 1.1) zum Unfall vom 24. April 2006. Sie attestiert
volle Arbeitsunfähigkeit vom 25. bis 30. April 2006. Die Kausalität dieser
Arbeitsunfähigkeit zur Auffahrkollision war jedoch gar nie strittig; die Suva hatte ihre
Leistungspflicht anerkannt und Taggelder ausgerichtet. Die Arbeitsunfähigkeit ab
20. September 2006 (act. G 1.1 Beil. 21) dauerte laut Meldung des Unfalls vom
19. September bis 8. Oktober 2006 und ist klar dem Ereignis mit dem Knie zuzuordnen
(UV-act. II/1). In der Zeit vom 8. Februar bis 15. März 2007 war der Beschwerdeführer
wegen der Arthroskopie am Knie arbeitsunfähig; act. G 1.1 Beil. 23 ist identisch mit
UV-act. II/10. Die entsprechende Leistungspflicht der Suva (für den Unfall vom
19. September 2006) ist ebenfalls nicht strittig und auch nicht Gegenstand dieses
Verfahrens. Für die Kausalität der Arbeitsunfähigkeit vom 16. bis 23. Dezember 2006
zur Auffahrkollision vom 24. April 2006 finden sich keinerlei Hinweise in den beiden
Aktendossiers. Es bleibt offen, ob die Arbeitgeberin für diese Zeit Taggeldansprüche
geltend gemacht hatte. Auch der Beschwerdeführer liefert keine weiteren Hinweise,
weshalb diese Frage zu seinen Lasten offen bleibt.
3.4 Am 9. August 2007 wurden erstmals nach dem Unfall vom 24. April 2006
Schmerzen im Bereich der BWS diagnostiziert (UV-act. I/19). Wie bei den Beschwerden
im LWS-Bereich handelt es sich auch hier um ein neues Beschwerdebild, für dessen
Folgen die Beschwerdegegnerin nur dann leistungspflichtig wird, wenn deren
natürlicher Kausalzusammenhang zur Auffahrkollision vom 24. April 2006 mit
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überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist. Die Angaben des Beschwerdeführers
beim Eintrittsuntersuch am Spital Flawil, er habe am Tag davor schwer getragen und
streng gearbeitet und die Tatsache, dass von den bisherigen Diagnosen abweichende
Beschwerden am Tag nach der ausserordentlichen Anstrengung, aber 16 Monate nach
der Auffahrkollision, auftraten, lassen es als unwahrscheinlich erscheinen, dass diese
natürlich kausal zum Unfall sind. Die Angaben der behandelnden Ärzte im Bericht vom
23. August 2007, der Patient leide seit über einem Jahr unter einer durchgehenden
Schmerzproblematik, erfolgten aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers jedoch
ohne Kenntnis der Vorakten. Zudem äussern sie sich nicht zur Kausalitätsfrage.
Entsprechend ist der natürliche Kausalzusammenhang der BWS-Beschwerden zur
Auffahrkollision vom 24. April 2006 nicht einmal wahrscheinlich, geschweige denn
überwiegend wahrscheinlich.
3.5 Der Beschwerdeführer wurde durch die Beschwerdegegnerin erstmals am
11. September 2007, rund 17 Monate nach dem Ereignis vom 24. April 2006 zu diesem
befragt (UV-act. I/12 und I/14). Er gab als Vorzustand Rückenbeschwerden, in Form
leichter Kreuzschmerzen ab und zu, an. Unbestritten ist, dass er im Militär wegen
Rückenbeschwerden ausgemustert wurde. Wenn er in der Beschwerde geltend macht,
vor dem Unfall keine Rückenbeschwerden gehabt zu haben, stellt er sich damit klar in
Widerspruch zu seinen eigenen Angaben. Erstellt ist lediglich, dass vor der
Auffahrkollision vom 24. April 2006 aufgrund der Rückenbeschwerden bei Dr. B._ seit
2001 keine Behandlung stattfand (act. G 1.1 Beil. 16). Aus dieser Tatsache lässt sich
jedoch nicht die Kausalität sämtlicher Rückenbeschwerden des Beschwerdeführers,
die zeitlich nach der Auffahrkollision vom 24. April 2006 aufgetreten sind, herleiten.
3.6 Die Beschwerdegegnerin stützte ihre ablehnende Verfügung vom 15. Oktober
2007 (UV-act. I/24) und den Einspracheentscheid vom 23. Januar 2008 (UV-act. I/48)
wesentlich auf die kreisärztliche Aktenbeurteilung vom 4. Oktober 2007 ab (UV-act. I/
22). Dabei war (und ist) zu prüfen, ob die neu aufgetretenen Beschwerden im LWS- und
BWS-Bereich in einem überwiegend wahrscheinlichen, natürlichen
Kausalzusammenhang zur Auffahrkollision vom 24. April 2006 stehen und damit die
Voraussetzungen für eine weitere Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
rechtsgenüglich begründet waren. Im Licht dieser Tatsache durfte die Suva auf die
Einholung weiterer (medizinischer) Beurteilungen verzichten und sich auf die
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vorhandenen Akten und insbesondere auf die kreisärztliche Aktenbeurteilung vom
4. Oktober 2007 stützen.
3.7 Die Beschwerden im HWS-Bereich sind bis zur Verschreibung der
Physiotherapie-Serie am 30. Juni 2006 ärztlich dokumentiert (UV-act. 2, 3 und 5). Nach
deren Beendigung am 25. September 2006 werden solche Beschwerden von Ärzten
aufgrund eigener Untersuchungen erst im Bericht von Dr. F._ vom 12. November
2007 (act. G 1.1 Beil. 12) und im Eintrittsbericht der Rheinburg-Klinik vom 14. De
zember 2007 (act. G 1.1 Beil. 14) erwähnt, somit nach einem Unterbruch von mehr als
einem Jahr. Brückensymptome sind, wie vorstehend (besonders in Erwägung 3.2)
ausgeführt, nicht ärztlich dokumentiert. Aufgrund der ärztlichen Berichte sowie der
Ausführungen von Dr. E._ vom 4. Oktober 2007 (UV-act. 22) und von Dr. G._ vom
20. März 2008 (UV-act. 49) ist der natürliche Kausalzusammenhang der HWS-
Beschwerden im Herbst 2006 weggefallen und besteht für die ab Herbst 2007 neu
ärztlich dokumentierten HWS-Beschwerden nicht mehr. - Der Beschwerdeführer hat
zwar bei der Befragung vom 11. September 2007 seit dem Unfall vom 24. April 2006
andauernde Schmerzen im Nacken und Kreuz angegeben (UV-act. 14). Der dargestellte
Ablauf widerspricht jedoch den Fakten, ist medizinisch nicht dokumentiert, führt
sämtliche Beschwerden und Behandlungen auf den Auffahrunfall zurück und blendet
den Unfall am rechten Knie vom 19. September 2006 und dessen Folgen völlig aus. Die
Angaben des Beschwerdeführers vermögen damit den Wegfall des natürlichen
Kausalzusammenhangs der HWS-Beschwerden im Herbst 2006 nicht zu widerlegen.
3.8 Die medizinischen Unterlagen, die der Beschwerdeführer im
Beschwerdeverfahren einreicht, vermögen den natürlichen Kausalzusammenhang
zwischen der Auffahrkollision vom 24. April 2006 und den Beschwerden, über die er
seit Mai 2007 klagte, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen: Der
Bericht von Dr. F._ vom 12. November 2007 (act. G 1.1 Beil. 12) führt aus, dass sich
der Konsiliararzt betreffend Verlauf bis Sommer 2007 lediglich auf die Ausführungen
des Beschwerdeführers stützte und ihm für diese Zeit keine Akten zur Verfügung
standen. Auch war ihm nicht bekannt, dass der Beschwerdeführer am 19. September
2006 auch einen Unfall am rechten Knie erlitten hatte. Dr. F._ nahm zur Kausalität
auch nur mit der Vermutung Stellung, aufgrund der Anamnese, die ihm der Patient
gegeben habe, sei anzunehmen, dass die Beschwerden noch vom Unfall verursacht
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seien. - Die Stellungnahmen von Dr. B._ vom 2. Dezember 2007 (act. G 1.1 Beil. 12)
und sein Bericht vom 11. Februar 2008 (act. G 1.1 Beil. 16) zeigen, dass der Hausarzt
die Rückenschmerzen des Beschwerdeführers im LWS- und BWS-Bereich ab Mitte
Mai 2007 nicht von den ursprünglich dokumentierten HWS-Beschwerden trennt und
den Bericht von Dr. E._ (UV-act. I/22) missversteht, der durchaus von einer
Unfallkausalität zwischen der Auffahrkollision vom 24. April 2006 und dem Ende der
Physiotherapie Ende September 2006 ausgeht. Auch berichtet der Hausarzt teilweise
widersprüchlich, wie vorstehend in Erwägung 3.3 ausgeführt. - Weder aus der
Tatsache, dass der Beschwerdeführer vom 10. bis 29. Dezember 2007 zur stationären
Rehabilitation in der Rheinburg-Klinik Walzenhausen weilte, noch aus deren
Eintrittsbericht vom 14. Dezember 2007 oder deren Austrittsbericht vom 7. Januar
2008 (act. G 1.1 Beil. 14) lässt sich der natürliche Kausalzusammenhang zwischen der
Auffahrkollision vom 24. April 2006 und den Beschwerden, über die er seit Mai 2007
klagte, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen. Die genannten Berichte
nehmen zur Kausalitätsfrage nicht Stellung, sondern schildern ihrem Zweck
entsprechend die medizinisch relevante Situation und deren Auswirkungen auf den
(Arbeits-)Alltag des Beschwerdeführers und stellen die Veränderungen während des
Klinikaufenthalts dar.
3.9 Aus dem Bericht von Dr. H._ vom 6. November 2008 (act. G 13.1), den der
Beschwerdeführer nach Abschluss des Schriftenwechsels eingereicht hat, geht
lediglich klar hervor, dass der Beschwerdeführer die vertebrospinale
Kernspintomographie der HWS und LWS vom 12. Juli 2007 am 4. November 2008 mit
diesem Spezialisten für Wirbelsäulenchirurgie besprochen hat. Offen bleibt, inwiefern
der Facharzt über Vorakten, insbesondere aus der Zeit nach dem Unfall bis Mitte Mai
2007, verfügte, und ob er den Beschwerdeführer umfassend untersuchte. Seine
Beurteilung enthält mit "Wir wissen, dass ab etwa 25 Jahren regelmässig in über 80%
der auch Rückengesunden im Kernspintomogramm gefunden werden." im
entscheidenden Bereich ein Lücke. Der Schluss von Dr. H._, nachdem inzwischen
eine klare Besserung eingetreten sei, müsse seines Erachtens die ganze
Beschwerdesituation als unfallkausal angesehen werden, ist nicht eigentlich begründet,
auf keinen Fall nachvollziehbar. Vielmehr argumentiert er nach der Formel "post hoc
ergo propter hoc". Nach ständiger Rechsprechung, kürzlich bestätigt im Entscheid des
Bundesgerichts vom 11. Juni 2007 U 290/06 (publiziert in SVR 2008 UV Nr. 11 S. 34),
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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St.Galler Gerichte
entspricht die Vermutung, dass nach einem Unfall aufgetretene Beschwerden
dauerhaft auf unfallbedingte Ursachen zurückzuführen sind, wenn eine vorbestehende
Erkrankung bis zum Unfallereignis schmerzfrei war, weder den anerkannten
unfallmedizinischen Erkenntnissen über Verlauf und Symptomatik von degenerativen
Wirbelsäulenerkrankungen noch denjenigen über die zeitlichen Folgen von
unfallbedingten Einwirkungen auf die Wirbelsäule, sofern das versicherte Ereignis keine
strukturellen Läsionen an der Wirbelsäule und namentlich keine Wirbelkörperfraktur
verursachte (a.a.O. E. 4.2.3 S. 36). Strukturelle Läsionen der Wirbelsäule werden beim
Beschwerdeführer klar verneint, weshalb die genannte Vermutung vorliegend nicht als
Beweisregel übernommen werden kann. Zusammengefasst vermag auch Dr. H._ den
natürlichen Kausalzusammenhang zwischen der Auffahrkollision vom 24. April 2006
und den Beschwerden, über die der Beschwerdeführer seit Mai 2007 klagte, nicht
überwiegend wahrscheinlich zu erstellen.
3.10Zusammenfassend ist der natürliche Kausalzusammenhang der Beschwerden, die
der Beschwerdeführer seit Mai 2007 insbesondere im LWS- und BWS-Bereich klagte,
zur Auffahrkollision vom 24. April 2006 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen. Der natürliche Kausalzusammenhang der HWS-Beschwerden ist
demgegenüber im Herbst 2006 weggefallen und besteht für die ab Herbst 2007 neu
ärztlich dokumentierten HWS-Beschwerden nicht mehr. Bei dieser Ausgangslage fehlt
es an einem Teil der Grundlage für eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin ab
Mitte 2007, weshalb auf die Prüfung der übrigen Aspekte - insbesondere der Adäquanz
des Kausalzusammenhangs - verzichtet werden kann.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG