Decision ID: 58a87b24-718b-4e08-a0d8-faec1d91136d
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959
, meldete sich am 1
5.
Januar 2003
unter Hin
weis auf
weichteilrheumatische Beschwerden, Rückenschmerzen, Kopfschmer
zen, Lustlosigkeit, Schlafstörung und depressive Verstimmungen
bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
10/1
Ziff.
7.2
). Die
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons
Zürich, IV-Stelle, spr
ach
ihr mit Verfügung vom 1
4.
November 2003
bei einem
Invaliditätsgrad von 50
%
eine halbe
R
ente ab
1.
März 2003 zu (Urk. 10/
13 und
Urk.
10/
16
).
Mi
t Verfügung vom 1
3.
September 2004 (
Urk.
10/22) verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Versicherten auf
Hilflosenentschädigung
und wies weiter mit Verfügung vom
3.
Oktober 2006
ein Rentene
rhöhungsgesuch ab (Urk.
10/55
).
1.2
Nach Eingang eines am 2
5.
September 2011
ausgefüllten Revisio
nsfragebogens (Urk. 10/77
) holte di
e IV-Stelle unter anderem ein
p
sychiatrisches Gutachten ein, das
am
3.
Juni 2013 erstattet wurde (Urk. 10/99
). Nach durchgeführt
em
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/113
-
10/131
)
stellte
di
e IV-Stelle mit Ver
fügung vom
1.
Juni 2015
di
e bisher ausgerichtete Rente ein (Urk. 10/
133
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
2.
Juli 2015
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1.
Juni 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihr weiter
hin eine halbe Rente auszurichten (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantra
gte mit Beschwerdeantwort vom
7.
September 2015 (
Urk.
9
) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
3.
Oktober 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
Mit Gerichtsverfügung vom 2
3.
Januar 2016
wurd
e
antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung
bewilligt (
Urk.
12
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von
Geburts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Weder für die Verwaltung noch für das Gericht besteht ein Anlass, die Diagnose „Fibromyalgie" in Frage zu stellen, auch wenn diese in der Ärzteschaft um
stritten ist. Die Fibromyalgie weist zahlreiche mit den somatoformen Schmerz
störungen gemeinsame Aspekte auf, sodass es sich beim aktuellen Kenntnis
stand aus
juristischer Sicht rechtfertigt, die von der Rechtsprechung im Bereich der somatoformen Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze bei der Würdi
gung des invalidisierenden Charakters einer Fibromyalgie analog anzuwenden (BGE 132 V 65 E. 4).
1.3
Nach
lit
. a
Abs.
1 der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen
Schlussbestimmun
gen
der Änderung vom 1
8.
März 2011 des IVG (
6.
IV-Revision, erstes
Mass
nahmenpaket
; kurz:
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision
) werden Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Artikel 7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgeho
ben, auch wenn die Voraussetzungen von Artikel 17 Absatz 1 ATSG nicht erfüllt sind. Diese Bestimmung ist verfassungs- und
Europäische
Menschen
rechtskonvention
(EMRK)-konform
(BGE 139 V 547 E. 3).
Die in
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision
vorgesehene Rentenherabsetzung beziehungsweise -aufhebung ist nicht auf vor dem
1.
Januar 2008 zugespro
chene Renten beschränkt. Erging die fragliche
Rentenzusprache
aber bereits in Beachtung der jeweils relevanten Rechtsprechung zu
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage, bleibt kein Raum für ein Rückkommen unter dem Titel der
Schluss
bestimmung
(BGE 140 V 8 E. 2).
Laufende Renten sind vom Anwendungsbereich von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
zur
6.
IV-Revision nur ausgenommen, wenn und soweit sie auf erklärbaren Beschwerden, das heisst auf einer nachweisbaren objektivierbaren Grundlage beruhen. Lassen sich unklare von erklärbaren Beschwerden trennen, können die Schlussbestimmungen der
6.
IV-Revision auf erstere Anwendung finden (BGE 140 V 197 E. 6.2, in Präzisierung u.a. von
BGE 139 V 547
E. 10.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_738/2013 vom
8.
April 2014 E. 3.1.2.1 mit Hinweis). Demnach ist die Schlussbestimmung bei kombinierten Beschwerden anwendbar, wenn die unklaren und die „erklärbaren" Beschwerden – sowohl diagnostisch als auch hinsichtlich der funktionellen Folgen – auseinandergehalten werden können. Ein organisch begründeter
Teil
der Arbeitsfähigkeit kann bei Anwend
barkeit der Schlussbestimmung nur neu beurteilt werden, sofern eine Verände
rung im Sinne von
Art.
17 ATSG eingetreten ist. Insoweit wird im Anwen
dungsbereich der Schlussbestimmung vom Grundsatz abgewichen, dass die Verwaltung im Rahmen einer materiellen Revision – um eine solche handelt es sich auch hier – den
Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend prüft (Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 2.4.2 mit Hinweisen).
Ist ein „Mischsachverhalt" gegeben, bei dem es unmöglich ist festzustellen, wie gross der Anteil der organisch bedingten Beschwerden bei der
Rentenzuspre
chung
war, wäre ein Abstellen auf die aktuelle gutachtliche Einschätzung nicht zu vereinbaren mit der Rechtsprechung, wonach der auf erklärbaren Beschwer
den beruhende Teil der Invalidität unter dem Rechtstitel der Schlussbestimmung nicht überprüft werden kann. In einem solchen Fall bestimmt sich die (zu einer
integralen
Neuprüfung führende) Anwendbarkeit der Schlussbestimmung nach folgendem Grundsatz: Besteht (im Zeitpunkt der Rentenzusprechung und/oder
überprüfung
) neben dem
syndromalen
Zustand eine davon unabhängige orga
nische oder psychische Gesundheitsschädigung, so hängt die Anwendbarkeit der Schlussbestimmung davon ab, dass die weitere („
nichtsyndromale
")
Gesund
heitsschädigung
die anspruchserhebliche Arbeitsunfähigkeit nicht
mitverur
sacht
, das heisst letztlich nicht selbständig zur Begründung des Rentenan
spruchs beigetragen hat. Wenn sie die Auswirkungen des unklaren Beschwerdebildes bloss verstärkte, bleibt eine Rentenrevision unter diesem Rechtstitel möglich (Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 2.6 mit Hinweisen).
Da der Bestand laufender Renten wesentlich von medizinischen Aspekten abhängt, sind an die entsprechenden Abklärungen besonders hohe Anforde
rungen zu stellen. Namentlich muss verlangt werden, dass die Untersuchungen im Zeitpunkt der Revision aktuell sind und sich mit der massgeblichen Frage
stellung auseinandersetzen. Soweit die versicherte Person sich – auch mit Bezug auf die Chancen, welche die Wiedereingliederungsmassnahmen bieten – der Be
urteilung durch die Verwaltung und deren regionalen ärztlichen Dienst nicht anschliessen kann, dürfte sich in der Regel eine neue, polydisziplinäre Begut
achtung als unumgänglich erweisen (vgl. BGE 139 V 547 E. 10.2).
1.4
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die
Invaliditätsbe
messung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetz
mässigen Versicherungsvollzuges mittels der
Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungs
weise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der
Über
windbarkeitsvermutung
. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturiertes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materi
eller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhal
tender somatoformer Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präpon
deranz
der psychiatrischen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der Standardindikatoren wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zusammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulier
ten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psy
chosomatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der
Standardindi
katoren
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der
Beweislo
sigkeit
nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
1.5
Gemäss
dem
obgenannten
Entscheid des Bundesgerichts führt die auf die Begriff
lichkeit des medizinischen Klassifikationssystems abstellende Diagnose der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung im Weiteren nur dann zur Fest
stellung einer invalidenversicherungsrechtlich erheblichen
Gesundheitsbe
ein
trächtigung
, wenn die Diagnose auch unter dem Gesichtspunkt der - in der Praxis zu wenig beachteten - Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49 standhält.
Danach liegt
regelmässig
keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Hinweise auf solche und andere
Äusserungen
eines sekundären
Krank
heitsgewinns
(dazu BGE 140 V 193 E. 3.3 S. 197) ergeben sich namentlich, wenn: eine erhebliche
Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizi
nische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend
intakt ist (
BGE 131 V 49
E. 1.2). Nicht
per se auf Aggravation weist
blosses
verdeutlichendes Verhalten hin.
Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass solche Ausschlussgründe die An
nahme einer Gesundheitsbeeinträchtigung verbieten, so besteht von vorn
herein keine Grundlage für eine Invalidenrente, selbst wenn die
klassifikatori
schen
Merk
male einer somatoformen Schmerzstörung gegeben sein sollten (vgl. Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG). Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen verselbständigten
Gesundheitsschädigung (
BGE 127 V 294
E. 5a S. 299) auf
treten, sind deren Auswirkungen derweil im Umfang der Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
die Einstellung der Invalidenrente
unter anderem
damit,
diese
sei aufgrund eines
Fibromyalgiesyndroms
zugesprochen worden. Es lägen keine Ausschlussgründe nach
lit
. a
Abs.
4
SchlB
IVG vor
. Auch heute werde ein psychosomatisches Leiden diagnostiziert, wenn auch ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit.
Lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG komme somit zur Anwendung.
D
ie gesamte Beschwerdesymptomatik
beruhe
auf nicht IV-rele
vanten psycho
sozi
alen und sozio
kultu
rellen Faktoren, weshalb keine
Überwindbarkeits
prüfung
vorzunehmen sei
, auch nicht nach neuer Rechtsprechung
(
Urk.
9
Ziff.
2-3).
Die Beschwerdeführerin habe an Eingli
ederungsmassnahmen teilge
nommen,
jedoch habe
d
as Ziel des Belastbarkeitstrainings
nicht erreicht werden können, was
nichts an der Rechtmässigkeit der Renteneinstellung
ändere
. Aus
serdem habe seit jeher eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit bestanden, weshalb ihr die
Selbst
eingliederung
zumutbar sei (
Ziff.
4).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, ihr Gesundheitszustand habe sich seit der letztmaligen umfassenden
Renten
prüfung
mit Begutachtung durch das
Spital Y._
im Juli 2006 nicht verän
dert. Es liege somit kein Revisionsgrund vor
,
und die Rente dürfe nicht aufge
hoben werden. Im Weiteren seien auch die Voraussetzungen einer
Renten
aufhebung
nach den Schlussbestimmungen der IVG-Revision 6a nicht erfüllt
,
und auch ein
e wiedererwägungsweise Renten
aufhebung falle ausser Betracht (S.
5
Ziff.
5).
Die Gutachten aus dem Jahr 2006 und aus dem Jahr 2013 würden sic
h weder von der Befunderhebung
her noch in der Diagnosestellung unter
scheiden. Es handle lediglich um eine andere Beurteilung eines an sich gleichen Sachverhaltes (S. 6 oben).
Zudem seien die nach neuer
Bundesge
richtspraxis
zu den somatoformen Schmerzstörungen geforderten Indikatoren als erfüllt zu be
trachten. Die diagnoserelevanten Befunde und
Symptome lägen in ausgeprägter Form vor. Aus dem Umstand,
dass die
Schmerzstörung vor
liegend klar aus psychosozialen Problemen entstanden sei, könne auf deren Schwere geschlossen werde
n
,
und es ergebe sich eindeutig aus den Akten, dass sie
behandlungs
resistent
sei (S. 7 f.
Ziff.
7). Auch der Eingliederungsversuch sei trotz optimaler Kooperation misslungen (S. 8 unten f.). Es sei ihr nicht möglich, mehr als die bisher attestierte Arbeitsfähigkeit von 50
%
zu verwerten (S. 10 oben).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invali
denrente.
3.
3.1
Der
ursprünglich im November
2003
rückwirkend ab März 2003
verfügte
n
Zuspra
che
einer halben Invalidenr
ente (
Urk.
10/
13 und
Urk.
10/
16)
lagen die
fol
genden medizinischen
Beurteilungen zu Grunde
(
vgl.
Urk.
10
/11/2)
:
Dr.
med. Z._
, Fachärztin für
Kinder- und Jugendpsychiatrie und
psycho
therapie
,
nannte in ihrem Beric
ht vom 1
1.
Februar 2003 (
Urk.
10
/8) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine rezidivierende depres
sive Störung, ICD-10 F33.1 (
lit
. A.).
Die Beschwerdeführerin sei seit Mai 2002 bei ihr in Behandlung (
lit
. D.
Ziff.
1).
Aus psychiatrischer Sicht sei die Patientin zu 50
%
arbeits
un
fähig
. Die Patientin sei durch den
O._
krieg
stark trauma
tisiert worden. In der Familienanamnese sei auch eine chronische depressive Entwicklung evident mit Aggressionshemmung und
Somatisierungstendenz
bei Übermacht der
Schwiegerfamilie
und sehr schwachem, wenig
durchsetzungsfä
higem
abhängigen
Ehemann.
Es bestehe ein chronisches
Überforderungsyndrom
in der Famil
ie und bei
der Arbeitsstelle
. Die Beschwerdeführerin
habe den
Ver
lustschmerz
durch den Tod der Mutter depressiv verarbeitet. Es werde eine stützende Psychotherapie und eine medikamentöse Behandlung mit
Remeron
durchgeführt (
lit
. D.). Der Gesundheitszustand sei besserungsfähig (
lit
. C.
Ziff.
2).
3.2
Dr.
med. A._
, Fachärz
t
in für Neurologie, stellte in ihrem Beric
ht vom 2
0.
Februar 2003 (
Urk.
10
/9/3-5) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (
lit
. A.)
:
Fibromyalgiesyndrom
, bestehend seit etwa 2000
Panvertebral-Syndrom, bestehend seit 1997
Wirbelsäulenfehlhaltung
mittelschwere Depression, bestehend seit 2001
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
A._
ein Asthma bronchiale, bestehend seit etwa 20 Jahren, einen Status nach
Cholezystolithiasis
1993, einen Status nach Abort und Sterilisation im Jahr 2000 und eine Penicillin-Allergie.
Dr.
A._
hielt fest
, die Beschwerdeführerin sei seit dem 2
4.
Juli 2002 bei ihr in Behandlung und die letzte Untersuchung habe am 1
9.
Februar 20
03 stattgefun
den (
lit
. D
.). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Putzfrau im
Reinigungs
dienst
habe vom 1
7.
April bis 1
8.
Mai 2002 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
, vom 1
9.
Mai bis 2
2.
Dezember 2002 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
, vom 2
3.
Dezember 2002 bis 1
2.
Januar 2003 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und vom 1
3.
Januar 2003 an eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
bestanden (
lit
. B.).
Dr.
A._
führte aus, seit dem Herbst 2001 sei es zu einer Ausbreitung der Schmerzsymptomatik mit generalisierten Schmerzen gekommen, so an der Schulter, paravertebral, am Beckengürtel, an den Knien und Beinen. Zudem leide die Beschwerdeführerin an häufigen Kopfschmerzen (
Lit
. D.
Ziff.
3). Der neurologische Status sei unauffällig, insbesondere fänden sich keine Hinweise für eine
Radikulopathie
. Psychisch wirke die Beschwerdeführerin depressiv, hoffnungslos, innerlich gespannt und kraftlos.
Sie beklage Kopfschmerzen, Schlafstörungen und ein beklemmendes Gefühl in der Brust (
Lit
. D.
Ziff.
5).
Dr.
A._
führte zur Prognose aus, es handle sich um ein
chronisches
generali
siertes Schmerzsyndrom mit Myalgien, Adynamie, depressiver Verstimmung, Insomnie und Kopfschmerzen entsprechend dem vollen Bild eines Fibromyal
gie-Syndroms sowie ein
Panvertebralsyndrom
. Das Beibehalten des
Arbeits
pensums
zu 50
%
sei aktuell und auf längere Sicht realistisch und zumutbar (
Lit
. D.
Ziff.
7).
4.
Die Bestätigung der halben Invalidenrente mit
Verfügung vom
3.
Oktober 2006
(
Urk.
10/55) basierte auf der Einschätzung der Gutachter des
Spital Y._
vom 1
0.
Juli 2006 (
Urk.
10/44
-47
,
vgl.
Urk.
10/
48/4
).
Die Gutachter des
Spital Y._
, Universitätsspital
B._
, erstatteten am 1
0.
Juli 2006 das von der Beschwerdegegnerin veranlasste polydiszipli
näre
Hauptg
ut
achten
(
Urk.
10/44). Die Gutachter stellten zusammenfassend folgende Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9
Ziff.
4.1):
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
Weichteilschmerzsyndrom
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie ein Asthma bronchiale (S. 9
Ziff.
4.2).
Sie führten aus,
die Beschwerdeführerin sei
nach
ihrem Erachten
immer etwa zu 50
%
arbeitsfähig gewesen, und zwar sowohl aus psychiatrischer wie auch aus somatischer Sicht (S. 10
Ziff.
5).
Es liege ein
Endzustand eines chronischen Leidens vor.
Das Leiden habe sich sozusagen verfestigt.
D
ie Versicherte
finde
nur
dann aus ihrer Krise heraus
, wenn sie arbeite, wenn möglich in einer geschützten Werkstatt. Dies würde ihr gestatten, die Wohnung zu verlassen und auf andere Gedanken zu kommen
. Dass sich damit ihre Arbeitsfähigkeit ver
bessere,
sei nicht anzunehmen
(S. 11
Ziff.
6).
Die Versicherte wohne derzeit mit ihrem Ehemann in einer gemieteten Zwei
zimmerwohnung. Mit ihrem Vater habe sie heute noch Kontakt und sei vor kur
zem in
O._
bei ihm zu Besuch gewesen. Auch mit ihren Geschwistern und ihre
n Kindern habe sie Kontakt. Seit sie krank sei, habe sie sich v
ö
ll
ig
zurückge
zogen, habe keine Beziehungen mehr.
Die Gutachter führten aus, die Beschwer
deführerin habe nie Sport getrieben und treibe auch jetzt keinen Sport. Sie sei offensichtlich schlecht in der Schweiz integriert
,
und die eheliche Beziehung sei äusserst gespannt
,
und es herrsche häufig Streit. Der Ehemann sei wegen eines Unfal
ls seit längerem arbeitsunfähig
(S. 5 unten f.). Die Probleme der Versi
cherten seien ausserordentlich vielfältig. Körperlich klage sie über Schmerzen im ganzen Körper. Sie könne sich nicht bewegen, wenn sie das tue, wür
den sich die Schmerzen verstärk
en (S. 6
Ziff.
2
). In psychischer Hinsicht habe sie vor allem über eine ausgeprägte Müdigkeit geklagt. Sie könne sich auch nicht kon
zentrieren und die Konzentrationsschwierigkeiten
würden sich bei Nervosität steigern. Wenn sie eine Arbeit in Angriff nehmen wolle, beginne sie stark zu zittern. Auch kleinere Anstrengungen führten dazu, dass sie nachts nicht mehr schlafen könne. Sie sei ausserordentlich traurig, dass sie nicht mehr arbeiten könne (S. 7 oben).
Hinsichtlich des psychiatrischen Zusatzgutachtens von
Dr.
med
. C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 2
9.
Mai 2006 wurde ausgeführt, es liege eine Somatisierungsstörung nach belastender, traumati
sierender Biographie vor. Es habe den Anschein, dass
sich
die Versicherte die Versorgung und Entschädigung auf Grund einer
Erkrankung zuführe, die sie über Jahrzehnte habe entbehren müssen. Es bestehe ein deutlicher Leidensdruck
,
und es müsse davon ausgegangen werden, dass die Versicherte tatsächlich Beeinträchtigungen und Sc
hmerzen in ihrem Körpererleben e
mpfinde, also keine einfache Symptomausweitung vorliege. Psychotherapeutischen Mass
nahmen gegenüber sei die Versicherte nicht zugänglich. Die Explorandin ver
füge noch über eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Aus
sozialpsychiatrischer Sicht wäre eine Wiederaufnahme einer Tätigkeit sinnvoll. Die Versicherte selbst sehe sich aber als vollinvalid an. Ab Mitte 2003 sei aus psychiatrischer Sicht von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (S. 8 f. unten).
Im Rahmen der ausgedehnten neurologischen Untersuchung
durch
Dr.
med. D._
, Facharzt für Neurologie,
hätten sich keine Ursachen für die geklagten Beschwerden finden lassen
,
und aus neurologischer Sicht bestehe keine Minde
rung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit (S. 9 oben).
Hinsichtlich des rheumatologischen Zusatzgutachtens vom
6.
Juni 2006 von
Dr.
med. E._
, Facharzt für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin,
wurde ausgeführt, die von der Versicherten angegebene
Schmerz
symptomatik
lokalisiere sich ausschliesslich in den Weichteilen, symmetrisch fast am ganzen Körper. Am ehesten handle es sich um eine Soma
tisierungs
störung, differentialdiagnostisch könne auch die Möglichkeit einer Fibromyalgie in Erwägu
ng gezogen werden.
Der Invalidit
ätsgrad werde mit 50
%
eingeschätzt (S. 9 Mitte).
In ihrer z
usammenfassenden Beurteilung führten die Gutachter aus,
die Beschwer
den der Versicherten seien ausserordentlich vielseitig. Einerseits klage sie über heftige Schmerzen im Bereich
des Bewegungsapparates, andererseits würden multiple vegetative Symptome geäussert, die keinem klassischen Krank
heitsbild zugeordnet werden
könnten.
Es handle sich
nach ihrem
Erachten
um
ein psychosomatisches Leiden
(S. 10 oben).
Im Vordergrund stehe als
o
das psychiatrische Leiden. Dies führe letztlich zur Verminderung der Arbeitsfähig
keit. Problematisch sei, dass die psychiatrische Behandlung wege
n Ergebnislo
sigkeit abgebrochen
und die medikamentöse Therapie wegen
Leberwerter
höhung
ebenfalls nicht mehr weitergeführt worden sei. Die Versicherte sei über
zeugt, dass sie nicht einmal Haushaltsarbeiten selbständig verrichten könne (S.
10 Mitte).
5.
5.1
Im Rahmen des im September 2011 veranlassten Rentenrevisionsverfahrens (
Urk.
10/77) gingen
unter anderem
die folgenden medizinischen Berichte ein:
Dr.
med. F._
,
Praktischer Arzt, stellte in seinem
Bericht vom
5.
Juli 2012
(
Urk.
10/83/1-
4
)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (
Ziff.
1.1):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode
V
erdacht auf posttraumatisches Belastungssyndrom
schwere anhaltende somatoforme Schmerzstörung
Asthma bronchiale
Dr.
F._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 1
1.
Januar 2000 bei ihm in Behandlung und die letzte Kontrolle sei am
5.
Juli 2012 erfolgt (
Ziff.
1.2).
Der Beschwerdeführerin sei eine halbe Invalidenrente zugesprochen worden (
Ziff.
1.6). Die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin sei von somatischer wie auch von seelischer Seite her deutlich eingeschränkt (
Ziff.
1.7). Eine rein sitzende oder wechselbelastende Tätigkeit sei im Umfang von etwa 30 bis 40
%
möglich (
Ziff.
3).
Seit mehreren Jahren bestünden eine bekannte und therapieresistente schwere Depression und Schmerzen am ganzen Körper. Trotz intensivierter
auch sta
tionärer
Behandlung sei es zu keiner wesentlichen Besserung der Beschwerden gekommen
. Die Prognose sei nach wie vor ungünstig. Die Beschwerdef
ührerin sei weiterhin im Rahmen
des bisherigen IV-Grades arbeitsunfähig zu attestieren und eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit erscheine aktuell nicht realistisch (
Ziff.
1.4).
5.
2
Dr.
med. G._
, Fachärztin für Psychiatrie und für Psychotherapie, stellte in ihrem Bericht vom 1
0.
August 2012 (
Urk.
10/85)
folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
rezidivierende depressive Störung, schwere bis mittelschwere Episoden, ICD-10 F33.2
posttraumatische Belastungsstörung, ICD-10 F43.1
schwere anhaltende
somatoforme Schmerzstörung, ICD-10
F45.4
, beste
hend seit 2002
cervicales
und
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
Gastritis
Fibromyalgie
,
bestehend seit 1995
Asthma bronchiale
vereinzelte supraventrikuläre Extrasystolen (Stadtspital
Triemli
, 1
0.
Ja
nuar 2012)
Dr.
G._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 1
8.
September 2011 bei ihr in Behandlung
,
und die letzte
Kontrolle sei am 1
5.
August 2012
erfolgt (
Ziff.
1.2).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Putzfrau bestehe seit dem 1
8.
September 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
1.6). Die psychisch bestehenden
Konzentrationsstörungen, Merkfähigkeitsstörungen, Störungen der Ausdauer, die depressive Stimmungslage, der Verlust der Vitalgefühle und die
Körpermiss
empfindungen
sowie die Sorgen um die eigene Gesundheit und die
Zukunfts
sorgen
wirkten sich negativ auf die Arbeit aus. Es bestehe eine Leistungsschwä
che und die Arbeit könne nicht erledigt werden (
Ziff.
1.7)
Die Patientin lebe mit dem Ehemann zusammen und habe zwei erwachsene Kin
der, die beide nicht mehr im Haus wohnten.
Es bestehe ein guter Kontakt
zu den Kindern. Seit 2004 sei die Patientin arbeitslos. Sie habe im ersten Gespräch berichtet, sie müsse wegen der Schmerzen und der Müdigkeit
meist
zu Hause liegen. Den Haushalt erledigten ihre Tochter und der Ehemann. Sie könne sich nicht gut konzentrieren und sei vergesslicher geworden. Dazu habe sie Zukunfts
ängste. Sie sei
s
ehr empfindlich und reizbar und könne ih
ren Ehemann kaum dulden
. In der Nacht könne sie schlecht schlafen. Sie habe Albträume, ein Wirrwarr, Kriegser
lebnisse und wache
bis zu 20 Mal in der Nacht auf. S
ie träume
, dass ihr Vater
ein Haus
baue und
sich vom Haus in den Tod
stürze
oder ein Tier jage sie und sie könne nicht weglaufen.
Morgens sei sie dann müde, erschöpft und schweissgebadet und habe Schmerzen überall am Körper. Die Finger an den Händen seien steif
,
und sie spüre etwas wie Ameisenlaufen von den Zehenspitzen nach oben in den Kopf laufend.
Dr.
G._
führte aus, es zeige sich eine wache allseits orientierte
,
schmerzge
plagte
Patientin in gutem Allgemein- und Ernährungszustand. Aufmerksamkeit und Konzentration seien eingeschränkt
,
und das formale Denken sei kohärent. Es bestehe kein Anhalt für eine psychotische Symptomatik. Es bestehe eine tief depressive Stimmung, Lustlosigkeit
, Freudlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und eine Störung der Vitalgefühle. Die Beschwerdeführerin habe eine niedrige
Frust
rationstoleranz
, sei innerlich unruhig und verbittert. Sie schäme sich, dass sie so verrückt sei. Suizidalität werde glaubhaft verneint. In der
Hamilton-Depressi
onsskala
habe die Patientin 27 Punkte erreicht, was einer schweren depressiven Episode entspreche. Die Prognose sei eher ungünstig, weil es sich um ein stark
chronifiziertes
Leiden handle mit psychischer Komorbidität von erheblicher Schwere,
Ausprägung und Dauer
. Es bestehe ein sozialer
Rückzug in allen B
elangen des Lebens
und es lägen
ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten
Konfliktbe
wältigung
und eine Flucht in die Krankheit vor. Konsequent durchgeführte ambulante Behandlungen seien gescheitert
(
Ziff.
1.4).
5.
3
Am
8.
März 2013 erstatteten die Fachpersonen der Reha
H._
nach Evalua
tion der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) ihren Bericht (
Urk.
10/96).
Die Fachpersonen führten aus, es sei nicht möglich gewesen
,
alle vorgesehenen Tests an den Testdaten vom 1
3.
und 1
4.
Februar 2013 durchzuführen. Es sei zur Zeitüberschreitung während der Ausführung einiger Test gekommen
,
und aus
serdem habe die Testung an beiden Tagen nach etwa zwei Stunden abgebrochen werden müssen, da die Klientin weinend und erschöpft zusammengebrochen sei. Eine Weiterführung der Tests sei objektiv nicht möglich gewesen (S. 1 Mitte).
Die Beschwerdeführerin leide an Schmerzen im Bereich aller g
rossen Gelenke, links mehr als r
echts und an einem Druck im Verlauf der gesamten Wirbelsäule, lumbal nach rechts und links ausgebreitet (S.
2 oben).
Es bestehe eine erhebliche Symptomausweitung.
Zusätzlich zu den
muskuloskelettal
bedingten Einschrän
kungen bestehe eine schwere Leistungsminderung infolge einer psychischen Störung mit Krankheitswert.
Die Zumutbarkeit für die berufliche Tätigkeit als Reinigungsangestellte oder für andere berufliche Tätigkeiten könne allein auf
grund der Test
s
nicht zuverlässig beurteilt werden. Aufgrund der psychologi
schen Exploration erscheine derzeit keine Belastbarkeit für eine Arbeitstätigkeit gegeben
. Demzufolge sei aktuell keine Arbeitsleistung zumutbar (S. 4).
Zum Umgang mit Schmerz, dem Leistungsverhalten und der Konsistenz führten die Fachpersonen aus, die Beschwerdeführerin habe sehr starke Ruheschmerzen und topographisch weit ausgebreitete, klinisch nicht plausible Schmerzen ange
geben, welche von der Art der Bewegung oder Aktivität durch therapeutische Massnahmen kaum zu beeinflussen gewesen seien. Die Beschreibung der Schmerzen und Einschränkungen
sei
undifferenziert
und
das Schmerzverhalten nicht adäquat gewesen. So habe
die Beschwerdeführerin
eine häufiges Reiben des Schmerzbereiches, eine häufige Schmerzmimik, e
in häufiges Seufzen und häufige verbale Schmerzäusserungen gezeigt. Zudem habe sich die Beschwer
deführerin auch in nicht betroffenen Bereichen nicht bis an eine beobachtbare funktionelle Leistungsgrenze belasten
lassen
. Es habe eine Diskrepanz zwischen dem Ausmass der angegebenen Einschränkungen im Fragebogen zur Selbstein
schätzung der Leistungsfähigkeit und den beobachteten funktionellen Fähig
keiten bestanden. Die Selbsteinschätzung sei erheblich zu tief gewesen. Zudem habe die Beschwerdeführerin neurologisch nicht plausible motorische Störungen gezeigt (S. 6 Anhang 1).
5.
4
Prof.
Dr.
med. I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie und für Neurologie
, erstattete am
3.
Juni 2013 sein psychi
atri
sches Gutachten (
Urk.
10
/99). Er konnte keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit stellen (S. 25
Lit
. E
Ziff.
1). Als psychiatrische Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine somatoforme Schmerzstörung; ICD-10 F45.4, eine
Dysthymie
; ICD-10 F 34.1, eine
histrionische
Persönlich
keits
akzen
tuierung
, Probleme in der Beziehung zum Ehepartner, Angst vor sozi
alen Problemen (finanzielle Probleme) und Schwierigkeiten bei der kulturellen Ein
gewöhnung (S. 25
lit
. E
Ziff.
2).
Prof.
I._
führte aus, es sei darauf hinzuweisen, dass in seiner Beurteilung der beruflichen Leistungsfähigkeit im invalidenvers
icherungsrechtlichen Sinn sozio
kulturelle und psychosoziale Faktoren ausgeschlossen worden seien. Bei der Explorandin bestünden zahlre
i
che derartige Probleme, namentlich eine
Ehe
problematik
, finanzielle Probleme, Sprachprobleme und soziokulturelle Schwierig
keiten.
Es
liege keine psychiatrische Erkrankung vor, die geeignet wäre, das positive Leistungsbild im invalidenversicherungsrechtlichen Sinne mittel- und langfristig zu mindern. Die Foerster-Kriterien würden zwar teilweise erfüllt, jedoch sei die vorliegende
chronifizierte
Schmerzstörung auf dem Boden soziokultureller familiärer und psychosozialer Probleme bestehend, die aus Sicht der Invalidenversicherung nicht relevant seien (S. 25 f.
Lit
. F).
Aus gutachterlicher Sicht liege die Hauptproblematik der Versicherten in ihren religiösen und soziokulturellen Grundüberzeugungen, die einer
innerpsychi
schen
erheblichen Konfliktlösung entgegenstünden. Diese wiederum unterhiel
ten die somatoforme Schmerzstörung (S. 26
lit
. G).
Es
sei eine berufliche Wiedereingliederung anzustreben. Bei langer Entwöhnung von der Arbeit und der Grundüberzeugung der Versicherten
,
für das erlittene persönliche Leid eine Entschädigung zu erhalten, werde dies schwierig sein, weshalb auch die Prognose bezüglich der Wiederaufnahme einer Berufstätigkeit als eher schlecht einzuschätzen sei. Es sei zudem zu erwarten, dass die aus der Persönlichkeitsakzentuierung der Explorandin zur Verfügung stehende Kraft eingesetzt werde, um weiteres subjektiv empfundenes Unrecht (Entzug der Ent
schädigung) zu verhindern (S. 26
lit
. H).
Seit der letzten Rentenverfügung sei von einem unveränderten Gesundheitszu
stand auszugehen
(
S.
26
lit
. I
Ziff.
1).
Prof.
I._
führte aus, die Feststellungen von
Dr.
C._
seien
nicht nachvollziehbar. Die Psychiaterin benenne und diskutiere in der Epikrise und in der Leistungsbeurteilung in keiner Weise die benannte zugrundeliegende Trau
matisierung. Zudem belege sie ihre Diagnosestellungen nicht durch Diskussion
anhand der Kriterien einer international anerkannten Klassifikation zur Stellung dieser psychischen Diagnose, noch sage sie, welche Kriterien für das Vorliegen einer somatoformen Schmerzstö
rung sprächen und welche nicht
(S. 19 Mitte).
Aus gutachterlicher Sicht liege bei der Explorandin keine posttraumatische Belastungsstörung gemäss ICD-10 F43.1 vor.
Dr.
F._
habe diese
fach
fremd vermutet, jedoch ohne die Diagnose anhand international anerkannter Kriterien zu begründen.
Gleiches gelte für den Bericht der Psychiaterin
Dr.
G._
vom 1
0.
August 2012
.
Die Explorandin habe zwar nach ihren subjektiven Angaben den
O._
krieg
erlebt und sei im Rahmen der kriegerischen Ereignisse aus ihrem Haus ver
trieben worden, was ein entsprechen
des Ereignis darstellen könnte (S. 19 unten
).
J
edoch seien die weiteren diagnostischen Kriterien im Falle der Explo
randin nicht erf
üllt
(S. 20 oben)
.
Die Diagnose könne somit anhand der interna
tional anerkannten ICD-10 Kriterien nicht gestellt werden
(S. 20 Mitte)
.
Prof.
I._
führte aus, die einzigen Belastungsfaktoren, die anamnestisch wiederholt zu erfassen und auch in der hiesigen Exploration subjektiv anam
nestisch zu sichern seien,
beträfen ökonomische Missbrauchssitu
ationen und Eheproblematike
n. So
berichte die Explorandin
,
während ihrer ersten zwölf Jahre der Ehe in der
Schwiegerfamilie
„versklavt“ worden zu sein und unent
geltlich Ha
usarbeit gemacht zu haben. Des W
eiteren habe sie über erhebliche Eheprobleme berichtet, die seit Jahrzehnten bestünden und aus soziokulturellen und religiösen Gründen
keiner Lösung zugeführt
werden könnten
.
Im Vorgutachten werde die Teilarbeitsunfähigkeit aufgrund traumatisierender Erlebnisse und einer daraus resultierenden F 45-Störung und
Dysthymie
begründet (S. 21 Mitte). Aus aktueller gutachterlicher Sicht sei dies aufgrund der vorgenannten Fakten nicht nachvollziehbar.
Durch den fehlerhaften Berentungsschritt sei zudem eine Bestätigung des „Krankseins“ für die Explo
randin durch die Berentung als sekundärer Krankheitsgewinn eingetreten
und stelle damit einen weiteren
Chronifizierungsfaktor
des Störungsbildes der Explorandin dar.
Prof.
I._
hielt weiter fest
, das aktuelle psychopathologische Bild der Explo
randin erlaube ebenso nicht die Diagnose einer Depression, wie diese durch die behandelnde Psychiaterin
Dr.
G._
gestellt worden sei. Auch im Austrittsbericht der
J._ Höhenklinik
vom
4.
April 2012 werde die Diagnose einer rezidivierenden schweren depressiven Störung (ICD-10 F33.2) gestellt. Dies
sei allerdings
ausschliesslich auf der Grundlage einer
Selbstbewertungs
skala
(HADS) geschehen, welche nur da
zu geeignet sei
, auf Störungsbilder hin
zuweisen, jedoch keine psychiatrische Diagnosestellung e
rlaube (S. 21
unten f.).
Bereits im Gutachten von
Dr.
C._
im Jahr 2006 sei keine Depression diagnostiziert, sondern von einer
Dysthymie
gesprochen worden (S. 22 oben).
Prof.
I._
notierte sodann
,
im Vordergrund des aktuellen klinischen Bildes der Explorandin stehe eine erhebliche
histrionische
Persönlichkeitsakzen
tuierung
mit dramatischer Selbstdarstellung, theatralis
cher Schilderung der Ereignisse und
oberflächliche
n, labilen Affekten. So habe sie ein
nicht nachvoll
ziehbares Weinen mit erheblicher Selbstbemitleidung, Egozentrik und ausge
prägter Selbstbezogenheit und leichter Verletzbarkeit der Gefühle
gezeigt
, die zu einer depressiven Verarbeitung mit Belohnungsfantasien geführt habe
(„Jemand muss mir helfen“, Berentungsbegehren).
Zudem sei bereits im Gutachten der Psychiaterin
Dr.
C._
2006 darauf hingewiesen worden, dass es den Anschein habe, dass die Versicherte sich auf teilbewusster Ebene die Versor
gung und Entschädigung zuführe, die sie über Jahrzehnte habe entbehren müssen. Dem sei aus aktueller gutachterlicher Sicht zuzustimmen.
Im Affekt liege aktuell zwar eine gedrückte Grundstimmung vor, jedoch ke
in genereller Interessenverlust oder eine
Freudlosigkeit und keine ausgeprägte Antriebsstörung. Diese Symptome seien nur leichtgradig ausgeprägt, so dass die Diagnose einer Depression nicht gestellt werden könne, jedoch eine
Dysthymie
gemäss
ICD-10 F43.1
gemäss
den Kriterien vorliege, wie sie auch durch die Vorgutachterin
diagnostiziert
worden und somit
zu bestätigen sei
(S. 22 Mitte).
Die Beschwerdeführerin habe ausgeführt, soziale Kontakte bestünden regelhaft zu den Kindern und telefonisch zu den Geschwistern. Weitere soziale Kontakte würden negiert, auch
solche
zu den Nachbarn. Der Ehemann verweigere
zudem
gemeinsame Lokalbesuche oder andere Aktivitäten. Sie vermeide Kontakte, da sie niemandem von ihrer schwierigen Ehesituation berichten könne, man könnte es ja weitererzählen. Sie habe eine Freundin, die offiziell in Zürich wohne, sich aber viel in
O._
aufhalte.
Ihren Angaben zufolge, hat die
Beschwerdeführerin aktuell keine speziellen Hobbies. Früher habe sie gerne gestrickt oder sei spazieren gegangen,
wozu
sie aufgrund der Schmerzen nicht mehr
in der Lage sei
(S. 10 oben).
Prof.
I._
führte
schliesslich
aus, d
ie
Schmerzstörung sei bei der Exploran
din im Zusammenhang mit psychosozialen und emotionalen Faktoren aufge
treten und das
Schmerzerleben werde nach ihren Angaben hierdurch ebenso beeinflusst.
Die Annahme eines „
syndromalen
“ Leidens im Sinne einer somato
formen Schmerzstörung
gemäss
ICD-10 F 45.5 sei daher aus gutachterlicher Sicht festzustellen, unterstelle man, dass der subjektiv beklagte Schmerz objek
tiv nicht (vollumfänglich)
nachvollziehbar sei
(S. 23 Mitte)
.
Im Vordergrund stehe jedoch eine
histrionische
Persönlichkeits
akzentuierung
und das Erlebte werde depressiv-regressiv und
katastrophisierend
verarbeitet. Die gesamte Beschwerdesymptomatik beruhe auf nicht invalidenversicherungsrelevanten psychosozialen und soziokulturellen Faktoren (S. 24 unten
und
Urk.
10/127/2)
.
5
.
5
Die Ärzte der Psychiatrischen Universitätsklinik
K._
(K
._
) stellten in ihrem Bericht vom 2
4.
November 2014 (
Urk.
10/125) folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1
.1
):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, ICD-10 F33.1, bestehend seit etwa 2001
somatoforme Schmerzstörung, ICD-10 F45.4
, Erstdiagnose 2001
Somatisierungsstörung
Differenzialdiagnose Fibromyalgie (Erstdiagnose 2002, Universitätsspital
K._
)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
n
sie eine seit Mai 2014 bestehende essentielle Hypertonie,
ein Asthma bronchiale,
Erst
diagnose
19
82 und e
ine seit Kindheit bestehende Lak
toseintoleranz.
Die Beschwerdeführerin sei vom
6.
bis 2
0.
Juni 2014 in stationärer Behandlung in der K
._
gewesen (
Ziff.
1.3).
Es sei ein freiwilliger Eintritt auf Zuweisung der ambulanten Psychiaterin
Dr.
G._
aufgrund von suizidalen Gedanken vor dem Hintergrund einer somatoformen Schmerzstörung sowie akuter
Belastungsreak
tion
nach Streichung der Invalidenrente erfolgt
. Im Eintrittsgespräch habe sich eine weinerlich,
klagsame
, anfangs wenig auskunftsbereite Patientin gezeigt (
Ziff.
1.4).
Bereits vor zehn Jahren habe die Patientin eine Invalidenrente zu 50
%
bezogen. Eine Anstellung
zu 50
%
, welche keine körperliche Herausfor
derung darstelle, möglicherweise im Büro, sei zu 50
%
möglich (
Ziff.
1.6-7)
. Ab dem
1.
Juli 2014 könne mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit im Umfang von 50
%
gerechnet werden.
Es gebe keine Gründe, die gegen einen sofortigen Beginn der Wiedereingliederung sprächen (
Ziff.
1.9).
5.6
Dr.
G._
notierte in Beantwortung der ihr von der Rechtsvertreterin gestellten Fragen
(
2
2.
Januar 2015
;
Urk.
10/130) folgende Diagnosen (
Ziff.
2):
schwere anhaltende Schmerzstörung mit depressiver Symptomatik, gegen
wärtig schwere depressive Episode
Fibromyalgie
arterielle Hypertrophie
Asthma bronchiale
Laktosei
ntoleranz
panvertebrales Schmerzsyndrom durch Fehlhaltung.
Sie erklärte
, die Beschwerdeführerin stehe seit dem 1
8.
September 2011
in ihrer ambulanten psychiatrischen Behandlung (
Ziff.
1).
Sie
sei in der freien Wirt
schaft sowohl in der angestammten als auch in der angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig
(richtig wohl: arbeitsunfähig)
. Es bestünden schmerzbedingte
Bewe
gungseinschränkungen
, welche einen negativen Einfluss auf die Konzentration und die Leitungsfähigkeit hätten (
Ziff.
3).
Dr.
G._
führte aus, sie sei mit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Prof.
I._
nicht einverstanden. So könne die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer Person, die an einer schweren somatoformen Schmerzstörung und a
n einem Asthma bronchiale leide,
nur durch einen Arbeitsversuch mit
Belastbar
keitseinschätzung
erfolgen (
Ziff.
5)
.
Sie teile die
Ansicht von Prof.
I._
, dass die gesamte Beschwerdesymptomatik auf nicht
invalidenversicherungsrele
vanten
psychosozialen und soziokulturellen
Faktoren beruhe, nicht
. So hätten
die
Vorbehandler
die Versicherte länger als Prof.
I._
behandelt, beurteilt und gekannt und hätten bereits beurteilt, dass die Schmerzproblematik durch Fibromyalgie inva
lidenversicherungsrelevant sei
und Krankheitswert h
abe
. Durch diese Problematik sei die Arbeitsfähigkeit der Patientin stark beeinflusst. Ihre Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit seien psychisch und physisch sehr tief (
Ziff.
8).
Es treffe zu, dass die psychischen Beschwerden bei der Versicherten selbst bei Wegfall der psychosozialen und/oder soziokulturellen Belastungsfaktoren nach wie vor vorhanden wären. Die Schmerzproblematik der Versicherten, die ihre
psychische und ph
y
sische
Belastbarkeit stark beeinflusse,
habe ein somatisches Korrelat
(
Ziff.
9).
6
.
6
.1
Die im November
2003 rückwirkend ab
März
2003 verfügte er
stmalige
Rentenzu
sprache
(Urk. 10/13 und
Urk.
10/16
) erfolgte
gestützt auf die Ein
schätzung der
Arbeitsfähigkeit
durch
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
(vorstehend E.
3.1-2).
Diagnostiziert wurde
n
ein
Fibromyalgiesynd
rom
, ein
Panvertebral
syn
drom
sowie
eine Depression.
Damit liegt zumindest ein „Mischsach
verhalt“ (vgl. vorstehend E. 1.3
) betreffend
den
der Rente zugrunde l
iegenden Gesundheitsschaden vor.
Dr.
A._
führte jedoch explizit aus, dass die Depression im Rahmen des
Fibromyalgiesyndroms
und im Gesamtbild
zu diesem
zu sehen sei.
Es ist damit davon auszugehen, dass es sich bei der Depression nicht um eine unabhängige psychische Erkrankung handelte. Die Depression trat denn
gemäss den Angaben von
Dr.
A._
auch erst n
ach der Schmerzerkrankung auf.
Wie es sich damit verhält, kann letztlich offen bleiben. Zeitlicher Ausgangs
punkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des
Invalidi
tätsgrades
bildet ohnehin die Verfügung vom 3. Oktober 2006 (Urk. 10/55). Diese beruhte auf dem Gutachten des
Spital Y._
s vom Juli 2006 (vorstehend E.
4) und damit auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
umfassen
der, rechtskonformer Sachverhaltsabklärung (
Urk.
10/44-45, 10/48/3-
4; BGE 133 V 108).
Dem genannten Gutachten lagen die Diagnosen einer
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.0)
und jene einer
Dysthymie
(ICD-10 F43.1)
zu Grunde.
Vorab
ist
a
nzumerken, dass
eine
r
Dysthymie
rechtsprechungsgemäss
grundsätzlich keine invalidisierende Wirkung zukommt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_806/2013 vom 6. März 2014 E. 6.2; klinisch-diagnostische Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorga
nisation, ICD-10 Kapitel V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], 9. Auflage, Bern 2014, S. 183 f.).
Die Einschrä
nkung der Arbeitsfähigkeit sahen die Gut
achter des
Spital Y._
denn auch
schwergewichtig
durch das psychosomatis
che Leiden begründet
, während der depressiven Verstimmung im Sinne einer
Dys
thymia
bloss begleitende Funktion zuerkannt wurde (
Urk.
10/45/4). Der Bestäti
gung der halben Invalidenrente im Oktober 2006 lag infolgedessen ein psycho
somatisches Leiden und damit ein unklares Beschwerdebild zu Grunde. Nach
dem eine Prüfung der
Foersterkriterien
unterblieben (
Urk.
10/44-47;
Urk.
1 S.
6), mithin die Verfügung nicht in Beachtung der relevanten Rechtsprechung ergangen war, steht einer Überprüfung gestützt auf die Schlussbestimmung IVG
6.
IV-Revision nichts im Wege (vgl. vorstehend E. 1.3).
6
.2
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf das Gutachten von Prof.
I._
vom Juni 2013 (vorstehend E. 5.4),
welches
die Anforderungen an eine beweis
kräft
ige
Expertise (vorstehend E. 1.
6
)
erfüllt,
davon aus, das
s
bei der Beschwer
deführerin kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege.
Prof.
I._
stellte
im Wesentlichen dieselben Diagnosen wie
die Gutachter des
Spital Y._
im Jahr 2006 (vorstehend E. 4)
und bestätigte einen seither unveränderten Gesundheitszustand
,
befand aber
im Gegensatz
dazu
die soma
toforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) unter Hinweis auf die soziokulturelle Belastungssituation und die
histrionischen
Persönlichkeit
sakzentuierung
der Beschwerdeführerin
als ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
Hinsichtlich der anderslautenden Einschätzung der behandelnden Psychiaterin
Dr.
G._
(vorstehend E.5.2 und E. 5.6) führte Prof.
I._
schlüssig aus, wes
halb dieser nicht gefolgt werden könne. So erachtete er einerseits die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD-10 für nicht erfüllt und führte andererseits weiter aus, aus welchen Gründen er das depressive Gesche
hen anders einschätzte. Zu Recht bezeichnete er die von
Dr.
F._
im Juli 2012 (vorstehend E. 5.1)
vorgenommene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit als auf fachfremden Diagnosen basierend
.
Im
Übrigen attestier
ten auch die Ärzte der K
._
im November 2014 (vorstehend E. 5.5) eine beträchtliche und sofort verwertbare Restarbeitsfähigkeit, nachdem die Beschwerdeführerin nach zusätzlicher Belastung durch die in Aussicht gestellte Renten
aufhebung
Ende Mai
2014
(vgl.
Urk.
10/113) fre
iwillig in die Klinik
eingetreten war
.
6.3
Im weiteren ist darauf hinzuweisen, dass
im Rahmen der neuen
bundesgerichtli
chen
Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung festgehalten
wurde
, medizinisch-psychiatrisch nicht begründbare Selbsteinschätzungen und -
limi
tierungen
wie sie, gerichtnotorisch, ärztlicherseits sehr oft unterstützt w
ü
rden, auch künftig nicht als invalidisierende Gesundheitsbeeinträchtigungen anzuer
kennen seien (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.7.1).
Zu beachten ist
zudem
, dass nach neuer Praxis des Bundesgerichts die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung nur dann zur Anerkennung eines
renten
begründenden
Invaliditätsgrades führt, wenn einerseits die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der
Standardindikatoren
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind, und andererseits ke
ine Ausschlussgründe vorliegen
(
vgl. vorstehend E. 1.4-5
).
Die im Februar 2013 durchgeführte der EFL-Testung führte unter anderem auf
grund erheblicher Symptomausweitung zu keinem verwertbaren Resultat.
Ins
besondere wurde angegeben, dass die Beschreibung der Schmerzen und Ein
schränkungen insgesamt undifferenziert erfolgt, das Schmerzverhalten nicht adäquat
gewesen sei
und eine Diskrepanz zwischen dem Ausmass der angege
benen Einschränkungen
der
Leistungsfähigkeit und den beobachteten funktio
nellen Fähigkeiten bestand
en habe
(vgl. vorstehend E. 5.3).
Vor diesem Hinter
grund überzeugt auch die von
Dr.
G._
im Januar 2015 vorgebrachte Kritik am Gutachten von Prof.
I._
nicht, zur Feststellung der Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit seien weitere Leistungstest durchzuführen
(vgl. vorstehend E.
5.6)
, dürfte von diesen aus den gleichen Gründe
n
wie anlässlich der EFL-Tes
tung im März 2013 kein verwertbares Resultat zu erwarten sein.
Prof.
I._
führte weiter aus, dass im Vordergrund des klinischen Bildes eine
erhebliche
histrionische
Persönlichkeitsakzentuierung mit dramatischer Selbst
darstellung, theatralischer Schilderung der Ereignisse,
und
oberflächli
chen, labilen Affekten
gestanden habe
. Er berichtete von einem nicht nachvoll
ziehbaren
Weinen mit erheblicher Selbstbemitleidung, Egozentrik und
ausge
prägter Selbstbezogenheit
.
Er stimmte im Übrigen mit der Einschätzung
durch
Dr.
C._
überein, dass sich die Beschwerdeführerin zumindest auf
teil
bewusster
Ebene die Versorgung und Entschädigung zuführe,
die sie über Jahr
zehnte habe entbehren müssen.
Des W
eiteren ist dem Gutachten von Prof
.
I._
und im Übrigen auch der Beschwerdeschrift
zu
entnehmen,
dass
die Beschwerdeführerin
abgesehen von der Eheproblematik in einem
intakten familiären und sozialen Umfeld lebt. So
hat sie ein gutes Verhältnis zu ihren Kindern und ihren Geschwistern
sowie Kontakt mit einer Freundin
. Was die Freizeitgestaltung anbelangt, so verfügte die Beschwerdeführerin
gemäss
ihren Angaben anlässlich der Begutachtung am
Spital Y._
wie auch gegenüber Prof.
I._
schon vor dem Eintritt der gesundheitlichen Probleme über ein tiefes Aktivitätsniveau.
Gegenüber den
Gut
achte
r
n des
Spital Y._
führte sie
aus, sie habe nie Sport getrieben und gegen
über Prof.
I._
äusserte
sie,
sie
habe früher gerne gestrickt und sei spa
zieren gegangen, was nun aufgrund der Schmerzen nicht mehr möglich sei. Im Verhältnis
hierzu
wurde in der Beschwerdeschrift
kein
tieferes
Aktivitäts
niveau
beschrieben, indem angegeben wurde,
die Beschwerdeführerin
tätige
am Morgen kleinere Einkäufe, koche dann das
Mi
ttagessen
und
setze sich,
nachdem sie ein
bis zwei Stunden gelegen habe,
an die Bushaltes
telle in der Nähe ihrer Wohnung
und
gehe
anschliessend
in verschiedene
n
Geschäfte
n
die Auslagen anschauen. Dan
ach
vertreibe sie sich die
Zeit
irgendwie und
bereite
dann
das
Nachtessen
zu
. Am Wochenende kämen die Kinder und holten sie
und ihren Ehemann
zu einem Ausflug ab (vgl.
Urk.
1 S. 9 unten).
Zusammenfassend liegt hier
ein
Ausschlussgrund
gemäss
BGE 1
41 V 281 (vgl. vorstehend E. 1.5
) vor, bei einer
für die Beschwerdeführerin
weitgehend nor
malen Freizeitgestaltung und
einem abgesehen von der Eheproblematik intakten
sozialen Umfeld. Mithin ha
t Prof.
I._
der somatoformen Schmerzstörung zu Recht keine Einschränkung der Arbei
tsfähigkeit beigemessen
.
6
.
4
Aufgrund des Gesagten ist
gestützt auf die Einschätzung
durch
Prof.
I._
vom Juni 2013
davon auszugehen, dass keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit besteht und die Beschwerdeführerin demnach in ihre
r
Arbeits
fähigkeit weder in ihrer angestammten noch in einer anderen Tätigkeit einge
schränkt ist. Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Pro
zessführung
jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.