Decision ID: cf4c597d-e84d-5dfa-8df8-d3addf563bf9
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- A besitzt einen österreichischen Führerausweis der Kategorie B. Am Samstag,
1. Dezember 2012, lenkte er einen Personenwagen "VW Passat" mit dem amtlichen
Kontrollschild XY 0000 auf der Oberen Anggetlinstrasse in Flumserberg talwärts in
Richtung Flums Tannenheim. Zur gleichen Zeit fuhr C mit seinem Personenwagen von
Flums herkommend bergwärts. Aufgrund der vereisten Strasse kam A auf dem steilen
Streckenabschnitt ins Rutschen und kollidierte mit der Front seines Personenwagens
mit der Front des Fahrzeuges von C.
B.- Mit Verfügung vom 18. Januar 2013 aberkannte das Strassenverkehrsamt A wegen
dieses Vorfalls den ausländischen Führerausweis wegen mittelschwerer Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften für einen Monat. Mit Eingabe vom 28. März
2013 (Eingang: 2. April 2013) reichte A durch seinen Rechtsvertreter ein
Wiederherstellungsgesuch ein. Die Postsendung enthielt zudem einen schriftlichen
Rekurs gegen die Verfügung vom 18. Januar 2013, datiert vom 1. Februar 2013. Zur
Begründung wurde ausgeführt, entgegen den Gepflogenheiten habe die Sekretärin des
Rechtsvertreters die Eingabe vom 1. Februar 2013 nicht an die
Verwaltungsrekurskommission versandt, sondern in den Akten abgelegt. Ein solches
Versehen sei ihr bislang noch nie widerfahren, könne gelegentlich aber auch einem
sorgfältigen Menschen passieren und stelle lediglich ein leichtes Verschulden dar. Die
laufende Überwachung durch den Rechtsvertreter, ob jede Eingabe tatsächlich nach
Unterzeichnung verschickt werde, sei grundsätzlich nicht zumutbar, schon gar nicht bei
einer gewissenhaften und verlässlichen Sekretärin. Am 25. März 2013 habe Letztere
beim Strassenverkehrsamt angefragt, ob die in der Verfügung vom 18. Januar 2013
ausgewiesenen Verfahrenskosten von Fr. 250.-- zu bezahlen seien, obschon am
1. Februar 2013 Rekurs erhoben worden sei. Erst aufgrund dieses Telefonats habe der
Rechtsvertreter des Rekurrenten erfahren, dass der Rekurs nicht versandt worden war.
Die Vorinstanz verzichtete am 26. April 2013 auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:
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1.- Im Rekursverfahren sind gemäss Art. 58 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt: VRP) die
Bestimmungen der Schweizerischen Zivilprozessordnung (SR 272, abgekürzt: ZPO)
über die gerichtliche Vorladung, die Form der Zustellung, die Fristen und die
Wiederherstellung sachgemäss anzuwenden. Auf Gesuch einer säumigen Partei kann
das Gericht eine Nachfrist gewähren oder zu einem Termin neu vorladen, wenn die
Partei glaubhaft macht, dass sie kein oder nur ein leichtes Verschulden trifft. Das
Gesuch ist innert zehn Tagen seit dem Wegfall des Säumnisgrundes einzureichen
(Art. 148 Abs. 1 und 2 ZPO). Diese Frist wurde hier eingehalten.
2.- a) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Säumnis dann schuldlos,
wenn sie auf eine objektive oder subjektive Unmöglichkeit, rechtzeitig zu handeln,
zurückzuführen ist. Waren der Gesuchsteller oder seine Vertretung wegen eines von
ihrem Willen unabhängigen Umstands verhindert, zeitgerecht zu handeln, liegt
objektive Unmöglichkeit vor. Subjektive Unmöglichkeit wird angenommen, wenn zwar
die Vornahme der Handlung objektiv betrachtet möglich gewesen wäre, die betroffene
Person aber durch besondere Umstände, die sie nicht zu verantworten hat, am
Handeln gehindert worden ist (BGE 1C_336/2011 vom 12. Dezember 2011 E. 2.3). Das
Verhalten der Hilfsperson eines Rechtsanwalts ist im Hinblick auf fristauslösende
Handlungen diesem und der von ihr vertretenen Partei vorbehaltlos zuzurechnen (BGE
4A_297/2011 vom 13. Februar 2013 E. 3.2).
Im Gesuch wird geltend gemacht, dass die Sekretärin des Rechtsvertreters den Rekurs
vom 1. Februar 2013 nicht an die Verwaltungsrekurskommission versandt, sondern in
den Akten abgelegt habe. Damit wird weder eine objektive noch eine subjektive
Unmöglichkeit, rechtzeitig zu handeln, geltend gemacht. Das Versäumnis muss sich
der Gesuchsteller als eigenes anrechnen lassen und stellt eine erhebliche
Nachlässigkeit dar. Bei Hilfspersonen des Vertreters – etwa der Sekretärin eines
Rechtsanwalts – wird das Verschulden ebenfalls dem Vertreter bzw. dem Mandanten
zugerechnet; der Vertreter hat seine Kanzlei so zu organisieren, dass Fehler bei der
Fristeinhaltung nicht vorkommen (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kantons St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 1140).
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b) Besteht ein Verschulden des Säumigen oder ist ihm ein solches zuzurechnen, so
stellt sich die Frage nach dessen Schwere. Nur ein leichtes Verschulden rechtfertigt
eine Wiederherstellung. Einem Rechtsmittelkläger ist bei der Einhaltung von Fristen ein
gewisses Mass an Sorgfalt zuzumuten. Ein leichtes Verschulden ist daher zu verneinen,
wenn das Versäumnis auf Umstände zurückzuführen ist, die dem Betroffenen als
erhebliche Nachlässigkeit zugerechnet werden müssen, etwa wenn er vergisst, die
vorbereitete Eingabe der Post zum Versand zu übergeben (Cavelti/Vögeli, a.a.O.,
Rz. 1141).
Dem Gesuchsteller und seinem Rechtsvertreter bzw. dessen Hilfsperson waren die
Folgen der nicht rechtzeitigen Rechtsmitteleingabe bekannt. Versehen, Vergesslichkeit
und ähnliche Gründe vermögen keine Wiederherstellung zu begründen (N. Gozzi,
Basler Kommentar zur Schweizerischen ZPO, Basel 2010, N 30 zu Art. 148 ZPO). Das
Verschulden, das den Gesuchsteller an der Säumnis trifft, ist nicht mehr leicht, sondern
erheblich. Schliesslich hat die Vorinstanz auf eine Stellungnahme verzichtet. Es fehlt
somit auch an einer Zustimmung des Verfahrensgegners zur Wiederherstellung der
versäumten Frist (vgl. Art. 30 Abs. 1 VRP).
c) Zusammenfassend ist das Wiederherstellungsgesuch abzuweisen und auf den
Rekurs ist zufolge verspäteter Einreichung nicht einzutreten.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 500.-- erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen und im Restbetrag von Fr. 700.--
zurückzuerstatten.