Decision ID: ccc8205c-adfe-5892-91d6-64783ab67b91
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Der Beschwerdeführer, ein aus der B._ stammender  Staatsangehöriger mit Wohnsitz in C._, suchte mit in englischer Sprache verfasstem Schreiben vom 9. Februar 2007 ( Botschaft: 13. März 2007) an die Schweizerische Vertretung in Colombo um Asyl in der Schweiz nach.
Zur Begründung seines Gesuchs führte der Beschwerdeführer im  an, er sei im Jahre Y._ der D._ beigetreten und habe hart für ein friedliches Zusammenleben der ethnischen Gruppierungen in seinem Land gearbeitet. Im Jahre Z._ habe er während einer Pilgerreise nach Mekka einen Unfall erlitten und sei deswegen erblindet. Seit seiner Rückkehr führe er wegen seiner Behinderung ein schwieriges Leben und überdies würden Angehörige verschiedener Gruppierungen wegen seiner Tätigkeit im Rahmen der D._ Druck auf ihn ausüben. So sei er psychisch und physisch belästigt worden. Aufgrund des auf ihn ausgeübten Drucks und wegen seiner Behinderung wolle er seine Heimat verlassen.
Seinem Asylgesuch legte der Beschwerdeführer verschiedene (Auflistung der Unterlagen) bei.
B. Mit Schreiben vom 5. Juni 2007 überwies die Schweizerische  in Colombo - ohne den Beschwerdeführer angehört zu haben - das Asylgesuch an das BFM.
C. Mit Schreiben vom 29. Januar 2008 überwies die Schweizerische  in Colombo dem BFM weitere Ergänzungsschreiben des  vom 15. September 2007 und vom 12. Januar 2008.
D. Mit Verfügung vom 18. März 2008 wies das BFM das Einreise- und Asylgesuch des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 20 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 3 AsylG ab. Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, aus der vom  geschilderten Bedrohung könne keine gegen ihn gerichtete Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG abgeleitet werden. Vorliegend
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könne den Akten nicht entnommen werden, dass es gegenüber dem Beschwerdeführer oder seinen Familienangehörigen von privater oder staatlicher Seite zu konkreten Übergriffen gekommen wäre oder  drohen würden. Diesbezüglich sei festzuhalten, dass der  Staat als schutzwillig erachtet werden könne und aus den Akten nicht zu ersehen sei, der Beschwerdeführer habe sich vergeblich um Schutz bemüht respektive adäquate Massnahmen seien nicht erfolgt. Aufgrund der vorliegenden Akten sei das konkrete Gefährdungsrisiko des Beschwerdeführers als gering einzuschätzen. Zwar sei er durch die Verschärfung der Sicherheitslage persönlich stark betroffen und auch im Süden und Westen des Landes habe sich die - und sicherheitspolitische Situation verschärft. Allerdings  im Süden und Westen des Landes keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb von einer generellen Unzumutbarkeit einer  in diesen Gebieten nicht gesprochen werden könne. Diese  werde sowohl vom Bundesverwaltungsgericht als auch von verschiedenen anderen europäischen Staaten geteilt. Der  könne auch aus dem Umstand, dass er erblindet sei und in schwierigen Verhältnissen lebe, keine Einreiserelevanz herleiten. An diesen Erwägungen vermöchten auch die eingereichten Dokumente nichts zu ändern, würden diese doch lediglich die Vorbringen des  stützen, deren Glaubhaftigkeit jedoch nicht in Frage gestellt worden sei. Der Beschwerdeführer sei daher nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen.
Die Verfügung wurde am 31. März 2008 durch Vermittlung der  Vertretung in Colombo an den Beschwerdeführer geschickt.
E. Mit in englischer Sprache verfasster und an das  gerichteter Eingabe vom 5. April 2008 (Datum Poststempel: 22. April 2008; Eingang beim Bundesverwaltungsgericht: 30. April 2008) beantragte der Beschwerdeführer sinngemäss die Bewilligung der Einreise in die Schweiz sowie die Gewährung von Asyl. Zur  wiederholte der Beschwerdeführer im Wesentlichen seine bereits im Asylgesuch vorgebrachte Gefährdung und führte aus, die  seiner Person würden bis zum heutigen Tag andauern, da der ethnische Konflikt im Norden und Süden des Landes andauere und sich zugespitzt habe.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17.  2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das  betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des  vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen  und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes . Aus prozessökonomischen Gründen wurde auf eine  der englischsprachigen Beschwerde zur Übersetzung in eine Amtssprache verzichtet, da die (sinngemäss) gestellten  verständlich sowie begründet sind. Der vorliegende Entscheid  hingegen in deutscher Sprache (vgl. Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist, abgesehen vom sprachlichen Mangel, frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer ist durch die  Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Der  ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Gemäss Art. 19 AsylG kann ein Asylgesuch im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem  an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schwei-
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zerische Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der  aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bundesverwaltungsgericht hat in Auslegung dieser Bestimmungen in einem Entscheid vom 27. November 2007 i.S. E-6148/2006 (publiziert unter BVGE 2007/30) erkannt, dass sich die Unmöglichkeit einer Befragung aus organisatorischen oder  Gründen bei der jeweiligen Vertretung, aus faktischen  im betreffenden Land oder aus bei der asylsuchenden  liegenden persönlichen Gründen ergeben kann (vgl. BVGE, a.a.O., E. 5.2 und 5.3). Da die Anhörung der Sachverhaltserstellung sowie der Gewährung des rechtlichen Gehörs dient (vgl. BVGE, a.a.O., E. 5.5), ist die asylsuchende Person bei gegebener Unmöglichkeit einer  unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht in einem  Schreiben mittels konkreter Fragen aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten; ein standardisiertes Schreiben vermag diesen Anforderungen damit in aller Regel nicht zu genügen (BVGE, a.a.O., E. 5.4). Allerdings kann sich eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif  erscheint; der asylsuchenden Person ist aber diesfalls immerhin im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu  abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu äussern (BVGE, a.a.O., E. 5.7). Schliesslich ist das Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen von einer Befragung in der Verfügung über das Asylgesuch zu begründen (BVGE, a.a.O., E. 5.6 sowie 5.7).
2.2 In casu wurde durch die schweizerische Vertretung in Colombo weder eine Befragung des Beschwerdeführers zu seinem Asylgesuch vom 9. Februar 2007 durchgeführt noch dieser schriftlich zur  eines konkretisierten Schreibens und allfälliger Beweismittel aufgefordert. Die vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen wurden - wie auch die weitere Korrespondenz des Beschwerdeführers, in welcher er an die Einreichung seines Gesuchs erinnerte und erneut auf seine Situation hinwies - kommentarlos an das BFM weitergeleitet. Somit werden die Gründe für den Verzicht auf eine Befragung  auf eine weitergehende schriftliche Sachverhaltsabklärung durch die Botschaft in casu nicht ersichtlich. Offenbar wurde der Sachverhalt
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von der Botschaft bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erachtet. In der angefochtenen Verfügung wird nun festgehalten, dass gestützt auf die Aktenlage die  des Beschwerdeführers abschliessend beurteilt werden könne. Selbst wenn diese Auffassung zutreffend wäre - dies kann erst nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs zuverlässig beurteilt werden -, hätte das BFM dem Beschwerdeführer unter den gegebenen  gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts das rechtliche Gehör zu dem sich abzeichnenden negativen Entscheid  müssen (vgl. vorstehend E. 2.1), was indessen unterlassen wurde.
2.3 Aufgrund des oben Gesagten ergibt sich, dass die Vorinstanz dem Beschwerdeführer zu Unrecht das gemäss Rechtsprechung zwingend zu gewährende rechtliche Gehör nicht gewährte. Dieser Mangel ist auf Beschwerdeebene nicht zu heilen, zumal es nicht Sinn und Zweck des Beschwerdeverfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht ist,  dieses Verfahrens von der Vorinstanz unterlassene Handlungen nachzuholen.
3. Die Feststellung, dass das BFM dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör nicht gewährte, führt indessen nicht dazu, dass ihm die  in die Schweiz bereits aus diesem Grund zu bewilligen wäre. Aus dem Umstand, dass er bisher nicht befragt - respektive ihm das  Gehör nicht gewährt - wurde, kann nicht geschlossen werden, dass ihm zur persönlichen Anhörung oder der Gewährung des  Gehörs die Einreise in die Schweiz bewilligt werden müsste.  der Aktenlage bestehen nicht genügend konkrete  für die Annahme, dem Beschwerdeführer wäre ein Verbleib in Sri Lanka für die Dauer der weiteren, noch erforderlichen  nicht zumutbar im Sinne von Art. 20 Abs. 2 AsylG.
4. 4.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den  des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt hat. Da eine Heilung dieses Verfahrensmangels im Rahmen des  nicht möglich erscheint und jedenfalls nicht angebracht wäre, ist der angefochtene Entscheid aufzuheben und zur Gewährung des rechtlichen Gehörs sowie zur Neubeurteilung im Sinne der  an die Vorinstanz zurückzuweisen. Nach der Gewährung des
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rechtlichen Gehörs wird das BFM zudem zu beurteilen haben, ob sich gestützt auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts eine Befragung des Beschwerdeführers als notwendig erweist oder nicht.
4.2 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die  Verfügung vom 18. März 2008 aufzuheben und die  anzuweisen, dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu , den rechtserheblichen Sachverhalt gegebenenfalls ergänzend vollständig festzustellen und in der Sache neu zu entscheiden.
5.
5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten  (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
5.2 Da der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren nicht  vertreten wurde, ist nicht davon auszugehen, ihm seien durch die selbstständige Beschwerdeführung verhältnismässig hohe Kosten . Daher ist ihm keine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem  [VGKE, SR 173.320.2]).
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