Decision ID: db267c32-bbef-4e4c-a324-aa46bdeca4c2
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a. Der afghanische Staatsangehörige A._ (nachfolgend: der Be-
schwerdeführer) reiste am 3. Oktober 2022 in die Schweiz ein und suchte
gleichentags um Asyl nach.
A.b. Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der eu-
ropäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) vom 5. Ok-
tober 2022 ergab, dass er bereits am (...) 2022 in Österreich einen Asylan-
trag gestellt hatte.
A.c. Die Personalienaufnahme (PA) fand am 7. Oktober 2022 statt.
A.d. Am 10. Oktober 2022 mandatierte der Beschwerdeführer die ihm zu-
gewiesene Rechtsvertretung des Bundesasylzentrums (BAZ) der Region
B._.
A.e. Am 2. November 2022 erfolgte das persönliche Gespräch gemäss
Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments
und des Rats vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-
ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-
nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge-
stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend:
Dublin-III-VO). Dabei machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen gel-
tend, nachdem er die Grenze zu Österreich überquert habe, sei er dakty-
loskopiert worden, wobei er nicht gewusst habe, ob ihm die Fingerabdrü-
cke aus polizeilichen Gründen oder wegen eines Asylgesuchs abgenom-
men würden. Gleichentags sei er zum Bahnhof in C._ gebracht wor-
den, von wo aus er dann mit dem Zug in die Schweiz eingereist sei. Im
Hinblick auf eine mögliche Zuständigkeit Österreichs für die Durchführung
des Asyl- und Wegweisungsverfahrens beziehungsweise zur Wegweisung
dorthin brachte er vor, er sei in Österreich gegen seinen Willen daktylosko-
piert worden und habe dort nur zwei Stück Brot mit Marmelade erhalten.
Weiter würde er als Flüchtling in der Schweiz (medizinisch) besser behan-
delt werden. Schliesslich machte er geltend, dass seine Schwester mit ih-
ren Kindern in der Schweiz leben würde. Zu seinem Gesundheitszustand
führte er aus, er habe Splitter einer Handgranate im (...) und infolge eines
Schlages Schmerzen im (...). Ab und zu habe er Schwierigkeiten (...). Er
sei bereits beim Gesundheitsdienst in der Unterkunft wegen (...)- und (...)
vorstellig geworden und habe in der Folge eine (...) sowie (...) erhalten.
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B.
B.a. Am 2. November 2022 ersuchte das Staatssekretariat für Migration
(SEM) die österreichischen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwer-
deführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO.
B.b. Nachdem die österreichischen Behörden innerhalb der festgelegten
Frist keine Stellung zum Übernahmeersuchen nahmen, teilte ihnen das
SEM am 17. November 2022 mit, dass die Zuständigkeit für die Behand-
lung des vorliegenden Asyl- und Wegweisungsverfahrens aufgrund der
Verfristung an Österreich übergegangen sei.
C.
Am 17. November 2022 erkundigte sich das SEM telefonisch bei der zu-
ständigen Gesundheitsbetreuung des BAZ D._ nach medizinischen
Informationen betreffend den Beschwerdeführer.
D.
Mit am darauffolgenden Tag eröffneter Verfügung vom 17. November 2022
trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b des Asylgeset-
zes vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Österreich und
forderte ihn auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Be-
schwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wurde der Kanton E._ mit
dem Vollzug der Wegweisung beauftragt. Zudem verfügte sie die Aushän-
digung der editionspflichtigen Akten und hielt schliesslich fest, einer allfäl-
ligen Beschwerde gegen den Entscheid komme von Gesetzes wegen
keine aufschiebende Wirkung zu.
E.
Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers teilte dem SEM mit Schrei-
ben vom 18. November 2022 die Beendigung des Mandatsverhältnisses
mit.
F.
F.a. Mit Eingabe vom 25. November 2022 erhob der Beschwerdeführer ge-
gen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und be-
antragte in materieller Hinsicht, die Verfügung vom 17. November 2022 sei
aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, die Zuständigkeit erneut zu prü-
fen. Weiter sei die Vorinstanz anzuweisen, ihr Recht zum Selbsteintritt aus-
zuüben und sich für das vorliegende Asylverfahren zuständig zu erklären.
Eventualiter sei der Entscheid der Vorinstanz aufzuheben und die Sache
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zu weiteren Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, der Beschwerde sei die
aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden seien anzu-
weisen, von einer Überstellung nach Österreich abzusehen, bis das Bun-
desverwaltungsgericht über die Beschwerde entschieden habe. Ferner er-
suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
F.b. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
28. November 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG;
SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-
biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-
liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der
Regel – und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG;
SR 173.110]).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
somit einzutreten.
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2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1
und 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
Die Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensicht-
lich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständig-
keit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zwei-
ten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Durchführung eines Schriften-
wechsels und mit summarischer Begründung zu behandeln ist (Art. 111a
Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer warf der Vorinstanz vor, sie hätte seinen Anga-
ben betreffend seine Schwester nachgehen müssen um abzuklären, ob ein
Abhängigkeitsverhältnis vorliege. Damit rügte er eine unrichtige bezie-
hungsweise unvollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachver-
halts. Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen, da sie bei berechtigtem Vor-
bringen zur Kassation der angefochtenen Verfügung führen kann (vgl.
BVGE 2013/34 E. 4.2).
4.2 Im Asylverfahren – wie in anderen Verwaltungsverfahren auch – gilt
der Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Danach
muss die entscheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus abklären.
Sie ist verantwortlich für die Beschaffung der für den Entscheid notwendi-
gen Unterlagen und das Abklären sämtlicher rechtsrelevanter Tatsachen
(vgl. ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfah-
ren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, N 142; PAT-
RICK KRAUSKOPF/KATRIN EMMENEGGER/FABIO BABEY, in: Waldmann/Weis-
senberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz,
2. Aufl. 2016, N 20 ff. zu Art. 12 VwVG). Die unrichtige oder unvollständige
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Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behörd-
lichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106
Abs. 1 Bst. b AsylG, Art. 49 Bst. b VwVG). Unrichtig ist die Sachverhalts-
feststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder
nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig
ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt
nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung we-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/
ANJA MARTINA BINDER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, N 16
zu Art. 12 VwVG). Die Untersuchungspflicht der Behörden findet ihre Gren-
zen in der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person (Art. 13 Abs. 1
VwVG und Art. 8 AsylG).
4.3 Anlässlich des Dublin-Gesprächs gab der Beschwerdeführer auf Nach-
fragen seiner Rechtsvertretung an, seine Schwester lebe in der Schweiz;
ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis erwähnte er nicht (vgl. SEM-Akte
[...]-13/2). Vor diesem Hintergrund kann der Rüge, wonach das SEM das
Abhängigkeitsverhältnis zu seiner Schwester hätte näher abklären müs-
sen, nicht gefolgt werden. Aufgrund der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht
(vgl. Art. 8 AsylG) wäre es vielmehr Sache des (im vorinstanzlichen Ver-
fahren juristisch vertretenen) Beschwerdeführers gewesen, das angeblich
bestehende Abhängigkeitsverhältnis zu substantiieren. Bezeichnender-
weise finden sich indessen auch auf Beschwerdeebene diesbezüglichen
keine relevanten Angaben. Überdies bleibt anzumerken, dass im Zentralen
Migrationssystem (ZEMIS) unter den von ihm angegebenen Personalien
seiner Schwester niemand erfasst ist.
4.4 Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Der entsprechende Eventualantrag ist demzu-
folge abzuweisen.
5.
5.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht nicht auf das
Asylgesuch des Beschwerdeführers eingetreten ist.
5.2 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
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Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin-III-VO zur Anwen-
dung.
5.3 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Ver-
fahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaats wird eingeleitet, so-
bald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20
Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens
(engl.: take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genann-
ten Kriterien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der
Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und
es ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals ei-
nen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2
Dublin-III-VO). Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take
back) findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeits-
prüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und
8.2.1 m.w.H.).
5.4 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union (nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen,
ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-
stimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-
stimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zu-
ständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
5.5 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte
Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-
ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1; SR 142.311) konkretisiert und
das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung "aus humani-
tären Gründen" auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO
ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche
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Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl.
BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
6.
6.1 Zur Begründung ihres Nichteintretensentscheids führte die Vorinstanz
aus, der Abgleich der Fingerabdrücke mit der Zentraleinheit Eurodac weise
nach, dass der Beschwerdeführer am (...) 2022 in Österreich ein Asylge-
such eingereicht habe. Die österreichischen Behörden hätten innerhalb der
festgelegten Frist zum Übernahmeersuchen keine Stellung genommen,
womit die Zuständigkeit, das weitere Verfahren durchzuführen, am 17. No-
vember 2022 an Österreich übergegangen sei. Dass die österreichischen
Behörden ein Interesse daran gehabt hätten, gegen den Willen des Be-
schwerdeführers ein Asylgesuch zu erfassen, sei nicht anzunehmen. Über-
dies wäre es ihm freigestanden, auf die Einreichung eines Asylgesuchs zu
verzichten. Ferner gebe es keine wesentlichen Gründe für die Annahme
gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO, dass das Asylverfahren und die Auf-
nahmebedingungen für Asylsuchende in Österreich Schwachstellen auf-
weisen würden, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigen-
den Behandlung im Sinne von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta und
Art. 3 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihei-
ten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) mit sich bringen würden. Es
würden keine konkreten Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich Öster-
reich nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten und die Asyl-
und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchführen würde. Es sei nicht
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Überstellung
nach Österreich gravierenden Menschenrechtsverletzungen im Sinne von
Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und Art. 3 EMRK ausgesetzt werde, in eine exis-
tenzielle Notlage gerate oder ohne Prüfung seines Asylgesuchs und unter
Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in seinen Heimat- oder Her-
kunftsstaat überstellt werde. Zudem lägen keine systemischen Mängel in
Österreichs Asyl- und Aufnahmesystem vor. Gründe, welche die Schweiz
gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO zur Prüfung der Asylgesuche ver-
pflichten würden, lägen ebenfalls nicht vor. Der Umstand, dass der Be-
schwerdeführer allenfalls über eine Schwester in der Schweiz verfüge, än-
dere nichts an der Zuständigkeit Österreichs, würden doch Geschwister
nicht als Familienangehörige im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO gel-
ten. Zudem bestünden keine Hinweise auf ein besonderes Abhängigkeits-
verhältnis im Sinne von Art. 16 Dublin-III-VO zwischen dem Beschwerde-
führer und seiner in der Schweiz lebenden Schwester. Sodann sei Öster-
reich ein Rechtsstaat mit funktionierendem Justizsystem, verfüge über eine
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ausreichende medizinische Infrastruktur und sei aufgrund der Aufnahme-
richtlinie verpflichtet, ihm die erforderliche medizinische Versorgung zu ge-
währen. Es lägen keine Hinweise vor, wonach ihm Österreich eine medizi-
nische Behandlung verweigert hätte oder zukünftig verweigern würde.
Schliesslich liege kein Grund vor, die Souveränitätsklausel im Sinne von
Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 anzuwenden.
6.2 In seiner Rechtsmitteleingabe brachte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen vor, er habe in Österreich keinen Asylantrag gestellt und aus-
drücklich gesagt, dass er dort nicht bleiben wolle. Die Fingerabdrücke
seien ihm zwangsweise abgenommen worden. Zudem hätten sich auch die
österreichischen Behörden nicht so verhalten, als hätten sie ein Asylge-
such von ihm entgegengenommen; vielmehr sei er zur Weiterreise ge-
drängt worden. Es sei folglich davon auszugehen, dass er in Österreich
kein Asylgesuch gestellt habe, weshalb Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht
zur Anwendung komme. Die österreichischen Behörden hätten zwar nicht
auf das Übernahmeersuchen des SEM reagiert, da die zweimonatige Frist
gemäss Art. 22 Abs.1 Dublin-III-VO noch nicht abgelaufen sei, sei auch die
Zuständigkeit nicht übergegangen. Weiter machte er geltend, er habe
Bombensplitter in seinem (...), starke Schmerzen im (...), grosse (...) und
(...). Weiter leide er insbesondere seit Eröffnung der angefochtenen Ver-
fügung an (...) und (...). Er habe sich bisher nicht um seine (...) Verletzun-
gen kümmern können, habe jedoch am (...) 2022 einen Arzttermin verein-
bart. Dieser ärztliche Bericht müsse zwingend in die Entscheidung mitein-
bezogen werden. Ferner führte er aus, seine Schwester, welche in
F._ lebe, sei eine wichtige Bezugsperson für ihn und unterstütze
ihn in dieser psychisch enorm belastenden Zeit in sprachlicher sowie in
emotionaler Hinsicht. Da seine Verletzungen sehr komplex seien, benötige
er Hilfe. Schliesslich sei die Situation in Österreich angesichts der hohen
Zahlen von Asylsuchenden derzeit äusserst anspannt. Zudem sei aufgrund
von Gesetzesänderungen der Zugang zu unabhängiger Rechtsberatung
erschwert und es gäbe grosse Probleme, weil vulnerable Asylsuchende in-
haftiert werden würden.
7.
7.1 Der Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der Eu-
rodac-Datenbank ergab, dass dieser am (...) 2022 in Österreich ein Asyl-
gesuch eingereicht hatte (vgl. SEM-Akte [...]-8/1). Das SEM ersuchte des-
halb die österreichischen Behörden am 2. November 2022 um Wiederauf-
nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-
VO (vgl. SEM-Akte [...]-15/5). Diese liessen das Rückübernahmeersuchen
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innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwor-
tet, womit sie – entgegen den Ausführungen in der Beschwerde – die Zu-
ständigkeit implizit anerkannten (Art. 25 Abs. 2 Dublin-III-VO).
7.2 Hinsichtlich des Einwands des Beschwerdeführers, er sei in Österreich
zur Abgabe seiner Fingerabdrücke gezwungen worden, ist entgegen zu
halten, dass sich die Abnahme der Fingerabdrücke von illegal einreisenden
ausländischen Personen und Asylsuchenden auf Art. 14 Abs. 1 der Verord-
nung (EU) Nr. 603/2013 des Europäischen Parlaments und des Rats vom
26. Juni 2013 (Eurodac-Verordnung) stützt. Es steht ihm damit gerade
nicht frei zu wählen, ob und wann seine Fingerabdrücke abgenommen und
an die Eurodac-Datenbank übermittelt werden. Das Vorgehen der österrei-
chischen Behörden ist damit nicht zu beanstanden.
7.3 Soweit er sodann vorbrachte, er wolle in der Schweiz bleiben, weil
Flüchtlinge hier besser behandelt werden würden (vgl. SEM-Akte [...]-
13/2), ist entgegen zu halten, dass die Dublin-III-VO kein Recht einräumt,
den seinen Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen zu können (vgl.
BVGE 2010/45 E. 8.3).
7.4 Die grundsätzliche Zuständigkeit Österreichs für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens ist somit gegeben. Nachfolgend ist zu
prüfen, ob Gründe für die Übernahme der Zuständigkeit durch die Schweiz
vorliegen.
8.
In Bezug auf einen Zuständigkeitsübergang auf die Schweiz im Sinne von
Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO, auf den sich der Beschwerdeführer implizit be-
rief, indem er geltend machte, seine Schwester lebe mit ihren Kindern in
der Schweiz (vgl. SEM-Akte [...]-13/2, S. 2 und Beschwerde, S. 4), vermag
er nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Gemäss Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO
umfasst der Begriff "Familienangehörige" nur die Kernfamilie, das heisst
Ehegatten, Lebenspartnerinnen und Lebenspartner sowie minderjährige
Kinder. Geschwister, Nichten und Neffen fallen nicht unter den vorgenann-
ten Definitionsbereich. Folglich kann sich der Beschwerdeführer auch nicht
auf die Bestimmungen über den Schutz der Familieneinheit (Art. 9 f. Dub-
lin-III-VO) berufen. Im Übrigen machte er auch mit seinen Ausführungen
auf Beschwerdeebene kein besonderes Abhängigkeitsverhältnis im Sinne
von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO zwischen sich und seiner Schwester gel-
tend und es lassen sich diesbezüglich auch keine konkreten Hinweise aus
den Akten entnehmen.
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Seite 11
9.
9.1 Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, gibt es keine Gründe
für die Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Asylsuchende in Österreich würden systemische Schwachstellen im Sinne
von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO aufweisen, die eine
Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne
des Art. 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden (vgl. hierzu
statt vieler Urteile des BVGer D-5329/2022 vom 25. November 2022 S. 8
und F-5074/2022 vom 11. November 2022 S. 5).
9.2 Österreich ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK;
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Des Weiteren darf die Schweiz davon ausgehen, dieser
Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus
den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rats 2013/32/EU
vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und
Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) so-
wie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
9.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendbarkeit von Art. 3 Abs. 2 Dub-
lin-III-VO nicht gerechtfertigt.
10.
10.1 Weiter ist der Frage nachzugehen, ob – wie vom Beschwerdeführer
implizit geltend gemacht – völkerrechtliche Vollzugshindernisse nach
Art. 3 EMRK oder einer anderen die Schweiz bindenden völkerrechtlichen
Bestimmung bestehen, woraus sich zwingende Gründe für einen Selbst-
eintritt nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ergeben würden.
10.1.1 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko
dargetan, dass die österreichischen Behörden in seinem Fall den erwähn-
ten völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen würden. Seine
Vorbringen in der Rechtmitteleingabe, wonach der Zugang zu unabhängi-
ger Rechtsberatung in Österreich nach zahlreichen Gesetzesänderungen
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Seite 12
erschwert sei und selbst vulnerable Personen dort inhaftiert werden wür-
den, sind als unbegründete, pauschale Behauptungen zu werten. Sodann
liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Behandlung seines Asylgesuchs
mangelhaft vorgenommen würde. Den Akten sind ferner auch keine
Gründe für die Annahme zu entnehmen, Österreich werde in seinem Fall
den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in
ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr
laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden.
Ausserdem hat er nicht geltend gemacht, die ihn bei einer Rückführung
erwartenden Bedingungen in Österreich seien derart schlecht, dass sie zu
einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder
Art. 3 FoK führen könnten. Der Beschwerdeführer hat weiter keine konkre-
ten Hinweise für die Annahme dargelegt, Österreich würde ihm dauerhaft
die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedin-
gungen vorenthalten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung
könnte er sich im Übrigen nötigenfalls an die österreichischen Behörden
wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechts-
weg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie).
10.1.2 Hinsichtlich des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers ist
Folgendes festzuhalten:
Eine Verletzung von Art. 3 EMRK kann aus gesundheitlichen Gründen er-
reicht sein, wenn eine schwer kranke Person durch die Abschiebung –
mangels angemessener medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit ei-
nem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten, raschen und unwie-
derbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt
zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung
der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili ge-
gen Belgien 13. Dezember 2016, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).
10.1.3 Eine solche Situation ist aufgrund der geltend gemachten gesund-
heitlichen Gründe ([...]-, [...]- und [...], Schwierigkeiten, sich zu entschei-
den; vgl. SEM-Akte [...]-13/2) offensichtlich nicht gegeben. Gemäss Aus-
kunft des Gesundheitsdiensts des BAZ D._ habe sich der Be-
schwerdeführer bisher lediglich wegen (...) gemeldet, wogegen ihm eine
(...) und (...) verschrieben worden seien. Arzttermine seien keine pendent
und Arztberichte würden nicht vorliegen (vgl. SEM-Akte [...]-17/1). Da auch
auf Beschwerdeebene keine medizinischen Unterlagen zu den Akten ge-
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Seite 13
reicht wurden, ist davon auszugehen, dass sich die geltend gemachten ge-
sundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers nicht verschlimmert ha-
ben. Seine gesundheitlichen Beschwerden vermögen eine Unzulässigkeit
im Sinne der oben zitierten restriktiven Rechtsprechung nicht zu rechtferti-
gen. Ausserdem stellen die geltend gemachten gesundheitlichen Probleme
kein schweres medizinisches Leiden dar, welches nach der Ankunft in Ös-
terreich eine sofortige und lückenlose medizinische Versorgung im Sinne
der Rechtsprechung erfordern würde. Die gesundheitlichen Probleme sind
zudem nicht von einer derartigen Schwere, dass aus humanitären Gründen
von einer Überstellung abgesehen werden müsste. Angesichts der Ge-
samtumstände des vorliegenden Falles sowie der nachfolgenden Erwä-
gungen (vgl. E. 10.1.4 hiernach), kann in antizipierter Beweiswürdigung
davon ausgegangen werden, der in der Beschwerde in Aussicht gestellte
ärztliche Bericht betreffend den Termin vom (...) 2022 führe zu keinem an-
deren Ergebnis.
10.1.4 Im Übrigen ist allgemein bekannt, dass Österreich über eine ausrei-
chende medizinische Infrastruktur verfügt. Die Mitgliedstaaten sind ver-
pflichtet, den antragstellenden Personen die erforderliche medizinische
Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforder-
liche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen
umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); den
antragstellenden Personen mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderli-
che medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer ge-
eigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Auf-
nahmerichtlinie). Es liegen keine Hinweise vor, wonach Österreich dem Be-
schwerdeführer eine adäquate medizinische Behandlung verweigern wür-
de. Falls erforderlich, würden die schweizerischen Behörden, welche mit
dem Vollzug der angefochten Verfügung beauftragt sind, die besonderen
Bedürfnisse des Beschwerdeführers – einschliesslich die der notwendigen
medizinischen Versorgung – berücksichtigen (vgl. Art. 31 f. Dublin-III-VO).
10.1.5 Der aktuelle Gesundheitszustand des Beschwerdeführers führt so-
mit für den Fall einer Überstellung nach Österreich im Rahmen des Dublin-
Verfahrens nicht zur Annahme einer drohenden Verletzung von Art. 3
EMRK.
10.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über
einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitions-
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beschränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 (Strei-
chung der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsgerichts ge-
mäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den vorinstanz-
lichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht mehr auf
Angemessenheit hin; das Gericht beschränkt seine Beurteilung nunmehr
im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich kor-
rekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung ge-
tragen und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1
Bst. a und b AsylG). Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blick-
winkel nicht zu beanstanden. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem
Zusammenhang weiterer Äusserungen.
10.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass kein Grund für eine Anwen-
dung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO oder von Art. 29a
Abs. 3 AsylV 1 vorliegt. Somit bleibt Österreich der für die Behandlung des
Asylgesuchs des Beschwerdeführers zuständige Mitgliedstaat gemäss
Dublin-III-VO.
11.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten.
Da dieser nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungs-
bewilligung ist, wurde die Überstellung nach Österreich in Anwendung von
Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
12.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachver-
halt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be-
schwerde ist folglich abzuweisen.
13.
Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen,
weshalb sich der Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung nach
Art. 107a Abs. 2 AsylG als gegenstandslos erweist.
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14.
14.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ist – unbesehen der geltend gemachten Bedürf-
tigkeit – abzuweisen, da sich die Begehren – entsprechend den vorstehen-
den Erwägungen – als aussichtlos erwiesen haben.
14.2 Die Behandlung des Gesuchs um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG erübrigt sich mit dem
vorliegenden abschliessenden Urteil in der Sache.
14.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE;
SR 173.320.2]).
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