Decision ID: 9d75efe6-4a09-524c-aca5-99534c7e280e
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, war seit seiner Einreise in die Schweiz
vorwiegend im Gastgewerbe tätig;
zuletzt arbeitete er bis Ende Dezember 2017 als Hilfskoch in einem Gastronomie-Betrieb d
er
Z._-Gruppe
(vgl. den Lebenslauf in
Urk.
8/51 sowie den Auszug aus dem individuellen Konto vom 1
0.
Dezember 2018,
Urk.
8/13).
1.2
Am 1
8.
März 2018 verlor
X._
infolge eines Kreislaufver
sagens mit Herzstillstand
das B
ewusstsein und stürzte. Die Sanität leitete die Reani
mation ein und brachte
X._
ins Universitätsspital
A._
.
Im Zuge der dortigen Untersuchungen wurde ein
Subduralhämatom
fest
gestellt, das am Tag der Einlieferung mittels
Hemikraniektomie
operativ en
t
fernt wurde
; anschliessend war
X._
während zehn Tagen auf der Intensivstation hospitalisiert. In dieser Zeit erlitt er mehrere tonisch-klonische Krampfanfälle, die die behandelnden Ärzte in einen möglichen Zusammenhang mit einem Alkoholentzug
ssyndrom
brachten. E
benso zogen sie
bereits als Ursache für das initiale Kreislaufversagen mit Herzstillstand
einen
entzugsbedingten
epileptischen Anfall mit
nachfolgendem Z
ungenbiss und
Blutaspiration
in Betracht (Austrittsbericht der Klinik für Traumatologie des Universitätsspitals
A._
vom 1
8.
April 2018,
Urk.
8/18/39-44).
Am 1
3.
April 2018 trat
X._
vom Universitätsspital
A._
in die
Rehaklinik
B._
zur stationären Rehabilitation über und verweilte dort bis am 2
7.
Juli 2018 (Austrittsbericht vom 2
6.
Juli 2018,
Urk.
8/18/14-23; Austritts
bericht Ergotherapie vom 1
2.
Juli 2018,
Urk.
8/18/24-26; Physiotherapiebericht vom 2
4.
Juli 2018,
Urk.
8/18/27
-29). Dieser Aufen
t
halt wurde durch einen ein
wöchigen Aufenthalt in der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsspitals
A._
unterbrochen, wo am 2
4.
Mai 2018 der
Kalottendeckel
reimplantiert wurde (Operationsbericht vom 2
4.
Mai 2018,
Urk.
8/18/36-38; Austrittsbericht vom 2
9.
Mai 2018,
Urk.
8/18/32-35; Bericht über die Sprechstundenkontrolle vom 2
7.
Juni 2018,
Urk.
8/18/30-31).
Ferner wurden gegen Ende des Rehabilitations
aufenthaltes neuropsychologische Untersuchungen durchgeführt (neuropsycho
logischer Bericht
vom 1
1.
Juli 2018,
Urk.
8/36/19
-27).
1.3
Am
3.
August 2018 meldete sich
X._
bei der Invalidenver
sicherung an (
Urk.
8/7). Nach der Durchführung des Standor
tgesprächs vom 2
9.
August 2018
(
Urk.
8/11) teilte ihm die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, am 3
0.
August 2018 mit, dass aufgrund seines Gesundheits
zustandes und
der schlechten Deutschkenntnisse keine Eingliederungsmass
nahmen möglich seien, und stellte die Prüfung des Rentenanspruchs in Aussicht (
Urk.
8/12).
Im Zuge
ihrer Abklärungen holte die IV-Stelle
den Bericht des Hausarztes Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 2
6.
Januar 2019 ein (
Urk.
8/18/1-8 mit den Beilagen in
Urk.
8/18/9-44) und erhielt dabei unter anderem Kenntnis von einem Bericht des Medizinisch-Radiologischen Instituts
D._
über eine Ultraschalluntersuchung des li
nken Schultergelenks vom 4.
September 2018 (
Urk.
8/18/11) und von einem Bericht von
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Neurologie, über eine Untersuchung vom 1
0.
Dezember 2018 auf hausärztliche Zuweisung hin (
Urk.
8
/
18/12-13).
Sie zog daraufhin den Bericht der Klinik
F._
,
Dr.
med.
G._
, über die von
Dr.
E._
veranlasste (vgl. Urk.
8/18/13)
neuropsychologische/
verhaltensneurologische Untersuchung vom 1
2.
Februar 2019 bei (
Urk.
8/19)
, liess durch
Dr.
C._
den Ver
l
aufsbericht vom 3
0.
März 2019 verfassen (
Urk.
8/20/1-6) und liess sich von
Dr.
E._
die Akten zu dessen weitere
n
Abklärungen zustellen (Schreiben von
Dr.
E._
an
Dr.
C._
vom 1
8.
Februar 2019,
Urk.
8/20/11-12; Bericht von
Dr.
E._
vom
9.
April 2019 über die im Spital
H._
durchgeführte Nachtschlaf-EEG-Ableitung, Ur
k.
8/25/3-4; Bericht von
Dr.
E._
vom
3.
Mai 2019,
Urk.
8/25/1-2
; Bericht von
Dr.
G._
über eine weitere verhaltensneurologische Untersuchung
mit neuropsychologischen Testungen
vom 2
5.
Juni 2019,
Urk.
8/26/3; Bericht von
Dr.
E._
vom 1
6.
Juli 2019,
Urk.
8/26/1-2).
Auf die Empfehlung des RAD-Arztes PD
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Neuro
logie, vom 1
3.
August 2019
hin
(
Urk.
8/37/7-8) beauftragte die IV-Stelle die Abklärungsstelle
J._
GmbH
(
Medas
K._
)
mit der
poly
disziplinären Begutachtung des Versicherte
n; diese stellte ihr Gutachten am 2
1.
Februar 2020 fertig (
Urk.
8/36;
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Neuro
logie,
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für
Neurologie,
lic
. phil.
N._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie,
Dr.
med. O._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin).
1.4
Nach Einholen der nochmaligen Stellungnahme von PD
Dr.
I._
v
om 2
7.
Februar 2020 (
Urk.
8/37/8
-10) eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 2
7.
März 2020, dass sie seinen Anspruch auf Leistungen und insbesondere einen Rentenanspruch zu verneinen gedenke, da es ihm bereits vor Ablauf des Wartejahres zuzumuten gewesen sei, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen (
Urk.
8/39
; Feststellungsblatt in
Urk.
8/37
).
Gleichzeitig wies die IV-Stelle ihn
im Hinblick auf künftige Leistungsbegehren
dazu an, die bisherige Behand
lung weiterzuführen und neu eine suchtmedizinische
Behandlung mit dem Ziel der Alkoholabstinenz aufzunehmen (
Urk.
8/38). Mit Eingabe vom 1
7.
April 2020
erhob de
r V
ersicherte
Einwendungen
gegen den Vorbescheid und beantragte
, ihm seien berufliche Massnahmen, eventualiter eine Rente zu gewähren (
Urk.
8/42).
Die IV-Stelle leitete daraufhin eine Eingliederungsberatung in die Wege (vgl. die Notizen in
Urk.
8/53/3-6) und sprach
dem Versicherten
danach
berufliche Mass
nahmen in Form von Arbeitsvermittlung mittels Job-Coaching
durch die
P._
AG
zu (Mitteilung vom
7.
September 2020 und darauf basierende Zielverein
barung,
Urk.
8/49-50)
. Nachdem die Vermittlungsbemühungen erfolglos geblie
ben waren (vgl. die Notizen in
Urk.
8
/53/2+6
und den Bericht der
P._
AG vom 2
7.
Januar 2021,
Urk.
8/54
), erklärte die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung am 2
7.
Januar 2021 als abgeschlossen (
Urk.
8/52)
.
In der Folge holte die IV-Stelle von
Dr.
C._
den Verlaufsbericht vom
6.
März 2021 ein (
Urk.
8/56/1-5) und erhielt dabei Kenntnis
von einem Ergotherapie-Bericht vom
5.
Dezember 2019 (
Urk.
8/56/10) sowie
von den Berichten der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsspitals
A._
vom 1
9.
Februar und vom 3.
Juli 2020 über V
erlaufskontrollen, die eine partielle Resorption des reimplan
tierten Schädelknochens zu Tage gebracht hatten (
Urk.
8/56/6-9).
Mit Verfügung vom 1
7.
Mai 2021 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids und ver
neinte den Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente (
Urk.
2 =
Urk.
8/61
; Feststellungsblatt in
Urk.
8/60
).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
7.
Mai 2021 liess
X._
, vertreten durch
lic
.
iur
.
Y._
, mit Eingabe vom 2
1.
Juni 2021 Beschwerde erheben (
Urk.
1) und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben
, ihm seien die gesetz
lichen Leistungen zu erbringen und die Sache sei zu diesem Zweck zur Neubeur
teilung an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 1 f.). In prozessualer Hinsicht liess er um die unentgeltliche Rechtspflege ersuchen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 3
1.
August 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Mit Eingabe vom 3
0.
September 2021 (
Urk.
9) liess der Beschwerdeführer neben den Unterlagen zur
Substanziierung
seines Gesuchs um die unentgeltliche Rechts
pflege (
Urk.
10 und
Urk.
11/2-5) den Austrittsbericht der Klinik für Neurochi
rurgie des Universitätsspitals
A._
vom 1
8.
August 2021 einreichen, wo am
5.
August 2021 aufgrund der Teilresorption des reimplantierten Sch
ädelknochens eine erneute
Kraniek
tomi
e
durchgeführt worden war (Urk.
11/6), und den Kurz
bericht der Rehaklinik
B._
vom 2
1.
S
eptember 2021 über den Rehabilita
tionsaufenthalt des Beschwerdeführers im Anschluss an die Schädeloperation
beibringen
(
Urk.
11/7).
Mit Verfügung vom
5.
Oktober 2021
(
Urk.
12) wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung gewährt, hingegen wurde sein Gesuch um die unentgeltliche Rechtsvertretung abgewiesen, da sein Rechtsvertreter nicht über das Anwaltspatent verfügt. Ferner wurde der Beschwerdegegnerin Gelegenheit zur Stellungnahme zu den neu eingereichten medizinischen Berichten gegeben. Diese erklärte mit Eingabe vom 1
3.
Oktober 2021 den Verzicht auf eine Stellung
nahme (
Urk.
14), was dem Beschwe
rdeführer mit Verfügung vom 18.
Oktober 2021 mitgeteilt wurde (
Urk.
15).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am
1.
Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf
den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 3
1.
Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilw
eise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, K
rankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
I
VG). Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausg
egli
chenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2).
2
.2
Im Hinblick auf das Erfordernis in Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG hat das Bundes
gericht spezifische Leitlinien aufgestellt. Im Grundsatzurteil vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) hat es in Änderung seiner bisherigen Rechtsprechung ein neues Prüfungsraster in Form von spezifischen Standardindikatoren entwickelt, anhand dessen die Auswirkungen von sogenannten
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage, ins
besondere von somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren Leiden, zu ermitteln sind. Das Raster präsentiert sich wie folgt (BGE 141 V 281 E. 4.1.3 und E. 6):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktiv
itätenniveaus
in allen ver
glei
ch
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch au
sgewiesener Lei
dens
druck.
In einem weiteren Schritt hat das Bundesgericht in zwei Grundsatzurteilen vom 30. November 2017 die Anwendbarkeit der neu entwickelten Standardindi
katoren auf grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen ausgedehnt, indem es für alle diese Erkrankungen das strukturierte Beweisverfahren als mass
gebend erklärt hat (BGE 143 V 418 E. 7, BGE 143 V 409 E. 4.4 und E. 4.5). Damit hat das Bundesgericht insbesondere seine bisherige restriktive Rechtsprechung zu den depressiven Störungen fallengelassen und nicht länger daran festgehalten, dass Depressionen leicht- bis mittelgradiger Natur nur dann als invalidisierend
e
Krankheiten in Betracht komme
n
, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind.
2
.3
Suchterkrankungen waren nach der langjährigen bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichts invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant, soweit deren Auswirkungen in der Sucht selbst ihre hinreichende Erklärung fanden. Anders verhielt es sich nur dann, wenn das Suchtgeschehen eine davon zu unterschei
dende gesundheitliche Beeinträchtigung hervorgerufen hatte oder wenn es selber Folge einer gesundheitlichen Beeinträchtigung mit Krankheitswert war (BGE 145 V 215 E. 4.1 mit Hinweisen).
Mit einem Grundsatzurteil
vom 1
1.
Juli 2019 (BGE 145 V 215) hat das Bundes
gericht die Unterscheidung zwischen invalidenversicherungsrechtlich irrelevan
ten primären Abhängigkeitssyndromen und invalidenversicherungsrechtlich relevanten krankheitswertigen Folgen oder Ursachen eines Abhängigkeits
syn
droms aufgegeben und hat neu erkannt, dass bei fachärztlich diagnostizierten Abhängigkeitssyndromen wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen nach dem strukturierten Beweisverfahren mittels Standardindikatoren zu ermitteln ist, ob und gegebenenfalls inwieweit sich diese Leiden im Einzelfall auf die Arbeits
fähigkeit der versicherten Person auswirken (BGE 145 V 215 E. 7).
Damit bleibt, anders als unter der Herrschaft der bisherigen Rechtsprechung, kein Raum mehr dafür, im Rahmen des Abklärungsverfahrens eine Entzugsbehand
lung zwecks Aussonderung der invaliditätsfremden Auswirkungen des primären Suchtgeschehens anzuordnen und bei Nichtbefolgung der Anordnung gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG wegen Verletzung der Mitwirkungspflicht aufgrund der Akten zu entscheiden oder auf das Leistungsbegehren nicht einzutreten (Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 vom 7. November 2019 E. 4.2.2). Demgegen
über fällt die Auferlegung einer Entzugsbehandlung als Massnahme der Schaden
minderung in Betracht, soweit eine so
lche Behandlung dem Gesundheits
zustand angemessen ist und eine Steigerung der Leistungsfähigkeit verspricht (vgl. Art. 7a IVG). Auf diese Möglichkeit hat das Bundesgericht in seinem Grundsatzurteil zur Rechtsprechungsänderung ausdrücklich hingewiesen. Es hat jedoch auch betont, dass die Ansprüche gegenüber der Invalidenversicherung nicht mit dem allei
nigen Hinweis auf die Behandelbarkeit des Suchtleidens verneint werden dürfen, soweit eine Behandlung zwar möglich und zumutbar ist, der Behandlungserfolg jedoch noch nicht feststeht (BGE 145 V 215 E. 8.2
mit Hinweis
), sondern dass vielmehr der allgemeine Grundsatz gilt, dass ein Rentenanspruch entstehen kann,
wenn die versicherte Person nach Ablauf der einjährigen Wartezeit (Art. 28 Abs. 1
lit
. c IVG) nicht oder noch nicht eingliederungsfähig ist (Urteil des Bundes
gerichts 9C_309/2019 vom 7. November 2019 E. 4.3.1).
2
.4
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine
Viertels
rente
, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausg
egli
chener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalidenein
kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
Der Rentenanspruch entsteht nach Art. 28 Abs. 1 IVG frühestens in dem Zeit
punkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig war (
lit
. b), sofern sie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (
lit
. c). Zusätzlich kann der Rentenanspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG nicht vor Ablauf von sechs Monaten nach der Geltendmachung entstehen.
Während für die Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG)
und den Invaliditätsgrad (Art.
8 und
Art.
16 ATSG), wie sie nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. c IVG massgebend sind, nach dem Einkommen zu fragen ist, das eine Person auf dem gesamten in Frage kommenden Arbeitsmarkt mit einer dem Gesundheitsschaden angepassten zumut
baren Tätigkeit erzielen könnte, beurteilt sich die
Arbeitsunfähigkeit (Art.
6 ATSG), wie sie für das Wartejahr nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG massgebend ist, nach der gesundheitlich bedingten Einbusse an funktionellem Leistungsver
mögen, und es kommt dabei in der Regel einzig auf die Einschränkungen im bisherigen Beruf an (vgl. BG
E 130 V 97 E. 3.2, 105 V 156 E.
2a, 97 V 226 E. 2).
2.5
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Ver
sicherte haben nach
Art.
8 Abs.
1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen. Zu diesen Massnahmen gehören die Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung nach
Art.
14a IVG (
Art.
8
Abs.
3
lit
.
a
bis
IVG) und die in
Art.
15 ff. IVG geregelten Massnahmen beruflicher Art (
Art.
8
Abs.
3
lit
. b IVG).
Nach dem Prinzip «Eingliederung vor Rente», wie er in
Art.
28
Abs.
1
lit
. a IVG in der ab Januar 2008 geltenden Fassung ausdrücklich festgeschrieben worden ist, aber schon vorher gegolten hatte, kann vor der Durchführung von Einglie
derungsmassnahmen, insbesondere derjenigen beruflicher Art, eine Rente grund
sätzlich nur gewährt werden, wenn die versicherte Person wegen ihres Gesund
heitszustandes (noch) nicht eingliederungsfähig ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_186/2009 vom 2
9.
Juni 2009 E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 121 V 190 E. 4a und c). Ausserdem schliesst das Bundesgericht in bestimmten Kons
tel
lationen einen Rentenanspruch auch bei an sich eingliederungsfähigen Perso
nen solange nicht aus, als die Erwerbsunfähigkeit nicht oder noch nicht mit geeig
neten Eingliederungsmassnahmen tatsächlich behoben oder in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise verringert werden konnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 291/05 vom 3
1.
März 2006 E. 3.2 mit Hinweis; vgl. auch die Urteile des Bundesgerichts 9C_892/2011 vom 2
1.
September 2012 E. 3.3.1 und 9C_420/2011 vom 2
1.
Juli 2011 E. 4.2 mit Hinweisen).
3.
Nachdem die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer
nach Erlass des Vorbe
scheids vom 2
7.
März 2020 (
Urk.
8/39)
Massnahmen der beruflichen Eingliede
rung in der Gestalt eines Job-Coachings gewä
hrt
, diese
Massnahmen
indessen am 2
7.
Januar 2021 mangels Erfolg
s
als abgeschlossen erklärt
hatte
(
Urk.
8/49-54)
, prüfte sie
dem Ersuchen
des Beschwerdeführers entsprechend (vgl. die Telefon
notiz vom 2
5.
Januar 2021,
Urk.
8/53/6) den Rentenanspruch
.
Die
angefochtene,
anspruchsverneinende
Verfügung vom 1
7.
M
ai 2021 hat daher primär den Ren
ten
anspruch zum Gegenstand (vgl.
Urk.
2 S. 2); der Anspruch auf weitere Einglie
derungsmassnahmen ist jedoch insoweit darin enthalten, als der Grundsatz der «Eingliederung vor Rente» die Prüfung von Eingliederungsmassnahmen gebietet, bevor
über den Rentenanspruch befunden wird.
4.
4.1
Die strittige Rentenabweisung basiert auf dem Gutachten der
Medas
K._
vom 2
1.
Februar 2020 (
Urk.
8/36), das vom RAD-Arzt PD
Dr.
I._
für eine taugliche Entscheidungsgrundlage befunden worden ist (vgl.
Urk.
8/37/8-10).
Die G
utachter hielten in d
er
interdisziplinären
Gesamtbeurteilung
zusammen
fassend
fest, der Beschwerdeführer sei spätestens ab Anfang
des Jahres
2019
in seiner angestammten
Tätigkeit als Hilfs
koch wieder arbeitsfähig
, und zwar mit ganztägiger Präsenz und
einer
um 25
%
reduzierten Leistungsfähigkeit
aufgrund
der multifaktoriellen neuropsycholog
ischen Beeinträchtigungen (Urk.
8/36/8)
;
d
es Weiteren bestehe ebenfalls ab Jahresanfang 2019 eine 100%ige Arbeitsfähig
keit in einer optimal adaptierten Tätigkeit
(
Urk.
8/36/9).
Daraus folgerte die Beschwerdegegnerin, dass bereits das Wartejahr nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG mit
dem Erfordernis
einer ununterbrochenen
,
durchschnittlich mindestens 40%igen Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf nicht erfüllt sei und der Beschwerdeführer überdies ab Januar 2019 wieder dazu in der Lage sei
, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (
Urk.
2,
Urk.
8/37/10-11; vgl. auch
Urk.
8/60).
Demgegenüber liess der Beschwerdeführer
rügen, die Gutachter der
Medas
K._
hätten der neuen Praxis des Bundesgerichts zur rechtlichen Gleichstellung von
Abhängigkeitssyndromen,
vorliegendenfalls
einer Alkoholabhängigkeit, mit anderen psychischen Erkrankungen nicht genügend Rechnung getragen und
sich dementsprechend bei der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung nicht in der gerichtlich vorgeschriebenen Weise mit den Standardindikatoren des strukturierten Beweis
verfahrens auseinandergesetzt. Er erachtete deshalb das Gutachten der
Medas
K._
als unzureichende Entscheidungsgrundlage und hielt eine erneute Begut
achtung für erforderlich (
Urk.
1 S. 5 ff.,
Urk.
9 S. 2).
4.2
Es ist erwiesen
und medizinisch grundsätzlich nicht umstritten
,
dass der Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers durch Alkoholkonsum beeinträchtigt ist.
Der Alkoholkonsum kam bereits anlässlich der
Hospitalisation
in der Klinik für
Traumatologie des Universitätsspitals
A._
von März bis April 2018 zur Sprache
; die Ärzte
erwähnten
im Austrittsbericht einen chronischen Konsum, der eine Woche vor dem Sturzereignis sistiert worden sei (
Urk.
8/18/40)
, zogen dem
gemäss
als Ursache für das Kreislaufversagen mit Sturzfolge ein Entzugssyndrom mit epileptischem Anfall in Betracht
(
Urk.
8/18/41-42)
und
führten
auch die
Krampfanfälle während
der stationären Behandlung auf
ein
mögliches Alkohol
ent
zugssyndrom zurück
(
Urk.
8/18/40).
Im Austrittsbericht der Rehaklinik
B._
konstatierten die Ärztinnen sodann eine
Alkohohlabstinenz
während des gesamten Rehabilitationsaufenthal
tes von Mitte April bis Ende Jul
i 2018
bei unauffälligem Blutbild und Anfallsfreiheit (
Urk.
8/18/16-17), empfahlen jedoch die Kontaktaufnahme mit dem Such
t
zentrum
Q._
(
Urk.
8/18/15).
Der Neuro
loge
Dr.
E._
sodann
sprach in seinen Berichten
über die Abklärungen von Dezember 2018 bis Juli 2019 jeweils von einer Alkoholabstinenz seit März 2018 (
Urk.
8/18/12-13,
Urk.
8/2
0/11,
Urk.
8/25/1,
Urk.
8/26/1);
im Rahmen der Begut
achtung in der
Medas
K._
mit Terminen am 20., 2
6.
und 2
7.
November 2019 (vgl.
Urk.
8/36
/2) zeigten sich im Blutbild vom 2
7.
November 2019 jedoch stark
erhöhte Leberwerte (vgl.
Urk.
8/36/82-84 und das Schreiben des
Allgemeininter
nisten
Dr.
O._
an den Hausarzt
Dr.
C._
in
Urk.
8/36/90), und der Hausarzt
teilte
auf die Anfrage von
Dr.
O._
hin dessen Vermutung, dass der Beschwer
deführer im Laufe des vergangenen Jahres wieder vermehrt Alkohol konsumiert habe (Schreiben von
Dr.
C._
vom
6.
Dezember 2019, Urk.
8/36/87, mit den beigelegten Resultaten der letzten Laboruntersuchungen,
Urk.
8/36/88-89).
Den aktuellen Laborergebnissen und der An
amnese entsprechend stellte Dr.
O._
die Diagnosen einer Alkoholkrankheit mit Hinweisen für einen aktu
ellen Rückfall und einer
äthylischen
Hepatopathie,
zur Zeit
jedoch ohne Anhalts
punkte für eine hepatische Dekompensation (
Urk.
8/36/75).
Auch der Neurologe
Dr.
L._
führte
als eine seiner Diagnosen
eine Alkohol
abhängigkeit mit derzeit fortgesetztem A
lkoholko
nsum auf (Urk.
8/36/41)
, und d
er Psychiater
Dr.
M._
formulierte
ebenfalls
die Diagnose von psychischen und Ve
r
haltens
störungen
durch Alkohol
,
gegenw
ärtiger
Substanzgebrauch mit körperlichen Symptomen (F10.241
der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Welt
gesundheitsorganisation, ICD-10;
Urk.
8/36/102).
Ungeachtet der ein
hellig festgestellten Alkoholproblematik trugen die G
utachter indessen den p
hy
sischen und psychischen
Auswirkungen dieser Problematik zu wenig Rechnung, wie sich aus dem Folgenden ergibt.
4.3
4.3.1
Die interdisziplinäre Arbeitsfähigkeitsbeurteilung mit der Attestierung einer um 25
%
reduzierten Leistungsfähigkeit in der Tätigkeit als Hilfskoch und einer vollumfänglichen Leistungsfähigkeit in einer opti
mal angepassten Tätigkeit (Urk.
8/36/8-9)
entspricht derjenigen, die der Neurologe
Dr.
L._
unter Einbezug der Ergebnisse der neuropsychologischen T
eilbegutachtung abgab.
Dabei entstammt das Attest einer 25%igen Einschränkung in der Tätigkeit als Hilfskoch und einer grun
d
sätzlich 100%igen Leistungsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit der neuropsychologischen Beurteilung von
l
ic
. phil.
N._
. Diese stellte
die Diagnose einer leichten bis mittelschweren neuropsychologischen St
örung mit kognit
iven Minderleistungen in den Bereichen
Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Exekutivfunktionen
,
Visuokonstruktion
und Sprache
bei multifakto
rieller Ä
tiologie
(
Urk.
8/36/55)
und hielt ihre Untersuchungsergebnisse für
grund
sätzlich vergleichbar mit den Ergebnissen der neur
opsychologischen
U
nter
suchung
vom Juli 2018 in der Rehaklinik
B._
(vgl.
Urk.
8/36/19-27) und
der zweiten neuropsychologischen Untersuchung in der Klinik
F._
vom Juni 2019 (vgl.
Urk.
8/26/5-6), nachdem eine erste Untersuchung vom Februar 2019 gemäss
Dr.
G._
keine validen Resultate hervorgebracht hatte (vgl.
Urk.
8/19/3-4)
.
Zur Begründung für die
25%ige Einschränkung in der Tätigkeit als Hilfskoch führte
lic
. phil.
N._
aus
, der Beschwerdeführer benötige aufgrund der kogni
tiven Einschränkungen mehr Zeit, lerne Gez
eigtes langsamer, sei störbarer, plane nicht effizient und kö
nne daher nicht die gleiche Quant
ität wie andere liefern; auf die Frage nach der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit wies die Neuropsychologin darauf
hin, dass die Arbeit in einer Küche rein aufgrund des Lärmpegels keine ideal angepasste Tätigkeit sei, sondern der Beschwerdeführer über einen ruhigen Arbeitsplatz ohne Störfaktoren und ohne hohe Anforderungen an die Präzision verfügen sollte
und die Leistungsfähigkeit alsdann bei etwas verlängerter Arbeitszeit, reduziertem Tempo und klarer Vorgabe der Abläuf
e
nicht vermindert sei (
Urk.
8/36/57).
Dr.
L._
subsumierte die neuropsychologische Störung im neurologischen Teilgutachten unter seine Sammeldiagnose eines Status nach dem Schädelhirn
trauma vom 1
8.
März 2018, die er neben den Diagnosen der Alkoholabhängigkeit und eines episodischen leichten posttraumatischen Kopfschmerzes aufführte (
Urk.
8/36/41
).
Was die selbst durchgeführten Untersuchungen anbelangt, so legte
Dr.
L._
dar, es h
ätten sich keine objektivierbar
en relevanten senso
motorischen oder koordinativen Störungen feststellen lassen,
ab dem Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Rehaklinik
B._
sei von keinen
wei
teren Epilep
sieanfäl
len berichtet worden (vgl. Urk.
8/18/17)
und abgesehen von einem minimen Fingertremor seien keine relevanten alkoholtoxischen Folgeschäden nachweisbar (
Urk.
8/36/39-41).
Dementsprechend hielt
Dr.
L._
die Arbeits
fähigkeit lediglich durch die neuropsychologischen Einschränkungen für beein
trächtigt, soweit es um körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten gehe und
erdferne Arbeiten
sowie
Arbeiten an Maschinen mit Gefährdungspotential
-
aus Gründen einer allfälligen Anfallsneigung und des fortgesetzten Alkohol
konsums
- vermieden werden könnten (
Urk.
8/36/40+42+43
+44
).
4.3.2
Gleichermassen stufte
Dr.
O._
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus rein allgemeininternistischer Sicht nicht als beeinträchtigt ein (
Urk.
8/36/75). Er schloss aus den aktuell erhobenen Laborwerten zwar auf einen erheblichen Alko
hol
abusus mit zunehmend toxischer Schädigung der Leber, konnte jedoch keine Zeichen einer hepatisc
hen Dekompensation feststellen
und beurteilte den stark erhöhten Blutdruck als medikamentös einstellbar (
Urk.
8/36/76).
4.3.3
Der Psychiater
Dr.
M._
sodann
konnte neben der erwähnten
Diagnose von psychischen und Ve
r
haltensstörungen durch Alkohol
,
gegenw
ärtiger
Substanz
gebrauch mit körperlichen Symptomen
,
keine weitere Diagnose aus psychiat
rischer Sicht stellen (
Urk.
8/36/102+103+104
+105
) und attestierte dem
Beschwer
deführer somit
auch keine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer solchen weiteren Diagnose. Eine Einschränkung aufgrund des Alkoholismus zog
Dr.
M._
zwar in Betracht, er hielt jedoch fest,
dass das Suchtleiden bislang sozial immer gut
kompensiert gewesen sei und der
Beschwerdeführer somit
über
genügend persönliche Ressourcen
verfügen sollte,
um das Leiden mit therapeu
tischer Hilfe zu überwinden (
Urk.
8/36/103; vgl. auch
Urk.
8/36/102+105
).
Dem
entsprechend beurteilte er den Beschwerdeführer aus der S
i
cht seines Fachge
bietes als zu 100
%
arbeitsfähig für j
egli
che Hilfsarbeiten (
Urk.
8/36/104-105).
4.4
Die interdisziplinäre Gesamtbeurteilung enthält keine Feststellungen und Schlüsse, die von denjenigen der einzelnen Teilgutachter abweichen würden.
Wie dargelegt, anerkannten die Gutachter die Einschränkungen in der Arbeitsfähig
keit, die
Dr.
L._
und
lic
. phil.
N._
dem Beschwerdeführer aufgrund der neuropsychologischen Störung attestiert hatten
,
und fassten zur Begründung die Ausführungen von
Dr.
L._
zusammen (
Urk.
8/36/4-
6 und
Urk.
8/36/8-9)
; e
benso folgten sie dem Internisten
Dr.
O._
darin, dass die Arbeitsfähigkeit aus internistischer Sicht nicht eingeschränkt sei (
Urk.
8/36/5)
. S
chliesslich über
nahmen sie auch die Diagnose
von psychischen und Ve
r
haltensstörungen durch Alkohol, wie sie
Dr.
M._
formuliert hatte, und reihten sie
der Beurteilung von
Dr.
M._
entsprechend in die Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit ein (
Urk.
8/36/6).
Dr.
M._
ordnete seiner Diagnose den Code F10.241 der ICD-10 zu. D
abei steht
die Ziffer
F
10 übergeordnet für sämtliche psychischen und Ve
r
haltensstörungen durch Alkohol, während mit der Z
iffer .2 an vierter Stelle das Abhängigkeits
syndrom kodiert ist, dies etwa im Gegensatz zu Ziffer .0 (akute Intoxikation), Ziffer .1 (schädlicher Gebrauch) und Ziffer .3 (Entzugssyndrom).
Folgerichtig sprach
Dr.
M._
von einem Suchtleiden (
Urk.
8/36/103), und der Neurologe
Dr.
L._
benutzte ebenfalls den Begriff der Alkoholabhängigkeit (
Urk.
8/36/41).
Für die Gutachter stand somit fest, dass ein S
uchtgeschehen
vorlag
, und dem Beschwerdeführer ist daher darin zu folgen (vgl.
Urk.
1 S
. 12
), dass die Auswirkungen dieses Geschehens anhand der Standardindikatoren der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu beurteilen sind.
4.5
4.5.1
Dr.
M._
, in dessen Fachkompetenz die Beurteilung der Auswirkungen der Suchtproblematik fiel,
liess die Standardin
di
katoren in seinem Teilgutachten
ent
gegen der absoluten Formulierung in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 12)
nicht
gänzlich
unbeachtet, sondern
äusserte sich namentlich zur Frage der bisher durchgeführten Behandlungen, bezog die Komorbiditäten ein, die von seinen somatisch ausgerichteten Fachkollegen und von der Neuropsychologin zu erheben waren, äusserte sich zu den Ressourcen und B
elastungsfaktoren und nahm
eine Konsistenzbeurteilung vor (
Urk.
8/36/102-103).
Sodann flossen die
Überlegungen
von
Dr.
M._
auch in die interdisziplinäre Gesamtbeurteilung ein (
Urk.
8/36/6
-8). Dessen ungeachtet sind im Gutachten jedoch verschiedene spezi
fische und
relevante
Aspekte der Suchterkrankung unzureichend gewürdigt; in dieser Hinsicht ist dem Beschwerdeführer zuzustimmen.
4.5.2
Was zunächst die Alkoholanam
n
ese anbelangt,
so ist im Austrittsbericht der Rehaklinik
B._
vom 2
6.
Juli 2018 ein
e Menge
von 2,5 Liter
n
im Tag ver
merkt, die
der Beschwerdeführer bis eine
Woche vor dem Ereignis vom 18.
März 2018 zu sich genommen habe, ohne dass indessen die Art des Getränkes spezi
fiziert wäre (
Urk.
8/18/14). Der Beschwerdeführer selbst legte anlässlich der Begutachtung in der
Medas
K._
gegenüber
Dr.
M._
dar, er habe
im Jahr
2006 begonnen, vermehrt zu trink
en, sein Konsum habe jedoch das Mass
von 2
3
Dosen Bier pro Abend nicht überstiegen und seit dem Sturz (vom März 2018) trinke er nicht mehr (
Urk.
8/36/97). Die gleichen Angaben zur Konsummenge und
zur Sistierung des Kons
ums machte der Beschwerdeführer
gegenüber Dr.
L._
(
Urk.
8/36/31), und gegenüber
Dr.
O._
berichtete er zusätzlich, er habe eine Woche vor dem Ereignis vom März 2018 von sich aus aufgehört, Alkohol zu trinken, worauf es
zu diesem Ereignis gekommen sei (
Urk.
8/36/68). Auch hier betonte er zudem, dass er gegenwärtig keinerlei Alkohol mehr konsu
miere (
Urk.
8/70). Die L
aboruntersuchungen, zu der
en Zweck dem Beschwerde
führer am 2
7.
November 2019 Blut entnommen worden war
(vgl. Urk.
8/36/82-84)
, deutete
n
indessen auf einen erneut hohen A
lkoholkonsum hin, sodass die Gutachter diesbezüglich von inkonsistenten, unrichtigen Angaben des Beschwer
deführers ausgingen (
Urk.
8/36/42+76+
102+103).
Die Laborresultate zur Blutentnahme vom 2
7.
November 2019 lagen allerdings erst am
2.
Dezember 2019 vor und wurden der
Medas
K._
erst am
3.
Dezember 2019 mitgeteilt (vgl.
Urk.
8/36/82+86).
Weder
Dr.
L._
, der den Beschwer
deführer bereits am
2
0.
November 2019 gesehen hatte
, noch
Dr.
O._
, der den Beschwerdeführer am Vormittag des 2
7.
November
2019 untersucht und
Dr.
M._
, der das Gespräch mit dem Beschwerdeführer am
Nachmittag
des 2
7.
November 2019
geführt hatte
(vgl.
Urk.
8/36/2)
,
hatten also
zur Zeit der Begutachtungstermine
bereits
Kenntnis vom mutmasslich wieder aufgenom
menen Alkoholkonsum und konnten dieses Thema daher
dem Beschwerdeführer gegenüber
auch nicht zur Sprache bring
en.
Insbesondere hatte somit
Dr.
M._
, der in der Beurteilung der Sucht
die Hauptverantwortung
trug,
keine Gelegenheit, den Beschwerdeführer mit der Inkonsistenz
s
einer Angaben
zu konfrontieren und dem Ausmass der Suchtproblematik durch vertiefendes Nachfragen auf den G
rund zu gehen, auch wenn er bereits anlässlich des Begutachtungsgespräch
s
die Vermutung hatte, dass der Beschwerdeführer in der Vergangenheit mehr als nur die angegebene
n 2-3 Dosen Bier getrunken habe
(vgl.
Urk.
8/36/102).
4.5.3
Des Weiteren
führt
die Inkonsistenz der Angaben des Beschwerdeführers zu seinem Alkoholkonsum
zur Frage, ob er
-
allenfalls
in
krankheitsbedingter
Ver
kennung der Realität oder aus Scham -
auch weitere Themenfelder, wie etwa
seine Berufsbiographie oder seine
Lebensführung im Alltag
, in einer
zu günstigen
Weise
dargestellt hat.
Auch diese Frage trat
erst nach dem Bekanntwerden der auf Alkoholkonsum hinweisenden Laborresultate in den Vordergrund, und im psychiatrischen Gutachten finden sich dementsprechend keine Hinweise darauf, dass
Dr.
M._
diesbezüglich
die Zuverlässigkeit der Angaben des Beschwerde
führers hinterf
ragt oder näher überprüft hätte.
In Bezug auf den Beruf hätte dazu allerdings
bereits ohne laborbestätigte Anhaltspunkte zum aktuellen
Alkoholkonsum Anlass bestanden.
Hier
nahm
Dr.
M._
nämlich an
-
sei es aufgrund der Schilderungen seines Exploranden, sei es aufgru
nd eigener Annahmen -,
dass der Beschwerdeführer
im Rahmen der Migration eine sehr gute Anpassungsfähigkeit gezeigt habe, durch das Finden von Arbeitsstellen seine zielgerichtete Durchhaltefähigkeit und Umstell
ungs
fähigkeit bewiesen habe, sich in der
interpersonellen I
nteraktion mit
Vorgesetzten und Teammitgliedern
stets angemessen verhalten habe und sich habe unter
ordnen können (
Urk.
8/36/103). Dem Auszug aus dem individuellen K
onto
, den die Beschwerdegegnerin am 1
0.
Dezember 2018 hatte erstellen lassen (
Urk.
8/13), ist
jedoch
zu entnehmen, dass
der Beschwerdeführer nach einer Zeit der beruf
lichen Konstanz mit einer mehrjährigen Tätigkeit beim selben Arbeitgeber (1992-1997) ab dem Jahr 1998
bis zum Verlust der letzten Stelle per Ende 2017
in häufig wechselnden Anstellungen bei v
erschiedenen Arbeitgebern stand und die Zeiten der Arbeitstätigkeit
immer wieder von Zeiten des Bezugs von Arbeitslosenen
t
schädigung unter
brochen waren. Dies lässt es als fraglich erscheinen, ob
die
berufliche Biographie des Beschwerdeführers
tatsächlich a
uf eine zielgerichtete Durchhaltefähigkeit im Rahmen der Stellensuche und der
Berufstätigkeit hin
deutet
. Auf jeden Fall fehlen j
egli
che fremdanamnestischen Angaben, die eine solche Annahme gestützt oder widerlegt h
ätten; die Beschwerdegegnerin sah davon ab, mittels Fragebogen die Angaben des letzten Arbeitgebers einzuh
olen, und es sind auch keine
rlei
Arbeitszeugnisse in den Akten.
Was sodann die Alltagsarbeiten
betrifft,
so gab der Beschwerdeführer gegenüber
Dr.
L._
an, er besorge den Haushalt, da seine Ehefrau tagsüber bei der Arbeit sei (
Urk.
8/36/34)
. A
nlässlich der Befragung durch
Dr.
O._
schilderte er noch ausführlicher, er erledige
regelmässig
das Putzen und G
eschirrspülen sowie die Einkäufe, verrichte zusammen mit der Ehefrau die Bügelarbeiten und bereite das Essen vor; nur für das Kochen sei seine Frau zuständig, da ihm die Dämpfe und die Hitze Kopfschmerzen bereiteten (
Urk.
8/36/72).
I
m Gespräch mit
Dr.
M._
schliesslich
berichtete der Beschwerdeführer
in grundsätzlich ver
gleichbarer Weise
von den Hausarbeiten, an denen er beteiligt
sei; er
gab wiede
rum an
, dass er nicht selbst koche, jedoch dabei helfe, hingegen beispiels
weise Wäsche wasche und mit dem Sohn einkaufen gehe (
Urk.
8/36/99). Als ein
geschränkt erachtete sich der Beschwerdeführer in den Explora
tionsgesprächen vor allem durch Kreislaufp
robleme, Kopfschmerzen und
Schwindel beziehungs
weise ein schwankendes Gangbild (
Urk.
8/36/30+72)
,
gegenüber
Dr.
M._
erwähnte er zudem eine Vergesslichkeit mit Gedächtnis
-
und Konzentrations
störungen, die dem Psychiater jedoch im Gespräch nicht auffielen (
Urk.
8/36/96
+100
)
; im Übrigen bezeichnete s
ich der Beschwerdeführer
als selbständig in der Erledigung sämtlicher Hausarbeiten (
Urk.
8/36/72).
Wenn
indessen
Dr.
M._
allein aufgrund der persönlichen Angaben des Beschwerde
führers auf einen weitgehend unauffälligen Tagesablauf und Lebensalltag schloss und das Suchtleiden für sozi
al adaptiert beziehungsweise kompensiert hielt (vgl.
Urk.
8/36/102+103+105)
und
wenn
die Gesamtgu
tachter ihm darin folgten (Urk.
8/36/
5+
8)
, so erscheint diese Annahme a
ngesichts der Inkonsistenzen in den Angaben zum Alkoholkonsum
als zu wenig gesichert. Vielmehr bedürfte es für eine Verifizierung auch hier
fremdanamnestische
r Angaben, namentlich von Familienmitgliedern. Dies gilt umso mehr, als
ein Sohn des Beschwerdeführers der Beschwerdegegnerin im weiteren Verlauf mitteilte, die Familie lasse den Beschwerdeführer wegen des Schwindels
mittlerweile
nicht mehr alleine einkau
fen (Telefonnotiz der Beschwerdegeg
nerin vom 2
5.
Januar 2021, Urk.
8/53/6).
4.5.4
Nach den vorstehenden Ausführungen sind somit fremdanamnestisch
e Angaben zum Alkoholkonsum, zu
m Funktionieren
des Beschwerdeführers im früheren Berufsleben und zu seiner Fähigkeit, den Alltag und die Hausarbeiten zu bewäl
tigen, unabdingbar für die Beurteilung der Auswirkungen der Alkoholkrankheit auf die Arbeitsfähigkeit
; ohne solche Angaben können weder der Schweregrad de
r
Alkohol
krankheit
noch die Ressourcen des Beschwerdeführers zu de
r
en Ein
dämmung und Bewältigung zuverlässig beurteilt werden.
Soweit daher
lic
. phil.
N._
(Untersuchungsbefunde vom 2
6.
November 2019) festgehalten hatte
, auf eine Fremdanamnese sei deshalb verzichtet worden, weil eine solche keine zusätzlichen relevanten Informationen mit Auswirkungen auf die Einschätzung der Leistungsfähigkeit gebracht hätte (
Urk.
8/36/53), so
wurde diese Beurteilung durch die spätere Feststellung eines fortgesetzten Alkoholkonsums
- einer der Faktoren mit Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen (vgl.
Urk.
8/36/4) -
überholt.
Bereits a
n dieser S
telle ist aber
zu betonen, dass der Alkoholkonsum des Beschwerdeführers, den die Gutachter einhellig auf ein Suchtgeschehen zurück
führten, aufgrund der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung
entgegen einer Formulierung in der Gesamtbeurteilung (vgl.
Urk.
8/36/8 Abschnitt 4.7)
nicht als versicherungsfremd ei
ngestuft werden kann
.
Und was die davon abweichende Argumentation betrifft, dass auch unter Zugrundelegung der neuen Rechtspre
chung zu Suchtstörungen unter anderem deshalb nicht von einer Einschränkung
in
der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne, weil die Therapieoptionen bislang nicht genutzt worden seien (
Urk.
8/36/5+10+45, Urk.
8/36/8 Abschnitt 4.6)
, so steht die Behandelbarkeit der Suchtkrankheit gemäss der vorstehend dargelegten Rechtsprechung einem Rentenanspruch nicht entgegen, solange d
ie Behandlung noch im Gange
und deren Erfolg ungewiss ist.
Dieser Grundsatz erhält im Falle des Beschwerdeführ
ers besonderes Gewicht, weil dieser
aufgrund der Krankengeschichte mit dem gravierenden Zwischenfall nach sistierten Alko
holkonsum
neben der Mobilisierung eigener Ressourcen mutmasslich
einer
länger
dauernden
engmaschigen ärztlichen Betreuung
bei der gutachterlich emp
foh
lenen
Sucht
- und Entzugs
behandlung
(vgl. Urk.
8/36
/
5+
9+44+80+105)
bedarf
.
4.6
Auf die Beurteilung im Gutachten der
Medas
K._
kann somit hinsichtlich der Auswirkungen des Suc
htleidens
nicht abgestellt werden.
Es ist daher
entsprechend der Auffassung des Beschwerdeführers
eine neue poly
disziplinäre Begutachtung durchzuführen, die
in erster Linie vertiefter auf die Suchtproblematik einzugehen und dabei auch fremdanamnestische Angaben einzubeziehen hat.
Klärungsbedarf besteht aber auch in Bezug auf die Frage, ob und wie es dem Beschwerdeführer möglich ist, seine verbliebenen Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt zu verwerten. Dies
ist bereits beim vorläufigen Abklärungs
stand mit den anerkannten kognitiven Einschränkungen unklar
, da
die neuropsy
chologischen Testungen durch
lic
. phil.
N._
in fast allen Teilbereichen auffäl
lige Resultate ergaben (
Urk.
8/36/51-53)
und die Neuropsychologin daher auch in optimal angepasste
n
Tätigkeiten von einem reduzierten Arbeitstempo ausging (
Urk.
8/36/
57), was die Ergotherapeutin
R._
in ihrem Bericht vom
5.
Dezem
ber 2019 aus ihrer Sicht bes
tätigte (Urk.
8/56/10). Bei einer derartigen Sachlage verbietet es sich, aus dem allgemein gehaltenen medizinischen Anfor
derungs
profil unmittelbar auf die Verwertbarkeit auf dem allgemeinen Arbeits
markt zu schliessen, ohne zum einen eine Erprobung der L
eistungsfähigkeit und zum ander
n spezifische
berufsberat
erische
Erhebungen vorzunehmen
.
Damit liegt keine Konstellation vor, in der ein Gerichtsgutachten den Sachverhalt ab
schliessend zu klären vermöchte, weshalb die Rechtsprechung des Bundes
gerichts, wonach grundsätzlich ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben ist, wenn ein Administrativgutachten in rechtserheblichen Punkten nicht beweis
kräftig ist (
vgl. BGE
137 V 210
E. 4.4.1
), nicht zum Tragen kommt.
Vielmehr
ist d
ie Sache
zur Durchführung der erforderlichen weiteren Abklärungen an die Besc
hwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese
wird dabei auch zu entscheiden haben
, ob es sic
h unter Berücksichtigung der aktuellen gesundheitlichen Situ
ation (vgl. die Berichte von August und September 2021,
Urk.
11/6
und Urk.
11/7) rechtfertigt, die medizinische Begutachtung in einem stationären Rahmen durch
zuführen und mit einer Leistungsfähigkeitserprobung zu verbinden sowie nach
folgend eine stationäre berufliche Abklärung (
S._
) in Auftrag zu geben.
4.7
Die angefochtene Verfügung vom 1
7.
Mai 2021 ist somit
in Gutheissung der Beschwerde
aufzuheben
und die Sache ist im Sinne des Hauptantrags des Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die erforderlichen Abklärungen im Sinne der Erwägungen treffe und hernach über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
5.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die
unterliegende Beschwerdegegnerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) ermessensweise auf Fr. 700.--
festzusetzen.
6.
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vor
schriften (
§
34
GSVGer
sowie
§
7
der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialver
sicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien rechtfertigt es sich, dem Beschwerde
führer eine
Prozessentschädigung von
Fr.
2'200.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.