Decision ID: 6216208b-714d-43c7-8b13-88d516fbf40a
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1974, ist bei der
Assura
-Basis SA (nachfolgend
Assura
) obligatorisch krankenpflegeversichert (
Urk.
7/1). Am
8.
November 2018 reichte
Dr.
med. Y._
, Oberarzt Sportmedizin,
Z._
,
der
Assura
ein Schreiben ein
und bat um Kostenübernahme
für eine
neu
artige ope
rative
Methode
(
Keramikaufsatz am
Femurkopf
)
, welche durch Kollegen in Eng
land durchgeführt würde (
Urk.
7/2).
Mit Schreiben vom 1
4.
November 2018 (
Urk.
7/3) ersuchte der Versicherte ebenfalls um Kostenübernahme der Operation am
A._
in London und machte weitere Ausführungen zur besagten Methode.
Mit Schreiben vom
2
0.
November 2018
(Urk.
7/4) lehnte die
Assura
die Übernahme der
Kosten ab, da der erwähnte Eingriff nicht zu den Pflichtleistungen gehöre.
Nachdem sich der Versicherte mit Schreiben vom
7.
De
zember 2018 (
Urk.
7/5
) gegen d
en abschlägigen Bescheid der
Assura
gewandt hatte, holte
die
Assura
bei ihrem
vertrauensärztliche
n Dienst
eine Stellungnahme
ein (
Urk.
7/7) und hielt gestützt darauf mit Verfügung vom 2
0.
Dezember 2018 (
Urk.
7/8) an ihrem ablehnenden Entscheid fest. Die vom Versicherten dagegen am
2.
Februar 2019 erhobene Einsprache (
Urk.
7/9) wies die
Assura
mit Entscheid vom
1
2.
März 2019 (
Urk.
7/10 =
Urk.
2) ab.
2.
Der Versicherte erhob am 1
2.
April 2019 Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
vom 1
2.
März 2019 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sei durch das Gericht zu korrigieren (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
1) und die Kosten für die H1 Hip
Resurfacing
Arthroplastik
am
A._
in London seien ihm im Rahmen der obligatorischen Grundversicherung KVG vollumfänglich zu vergüten (S. 2
Ziff.
2).
Die
Assura
beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
7.
Mai 2019
die Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 6). Dies wurde dem Beschwerdeführer am
2
0.
Mai 2019
zur Kenntnis gebracht
(
Urk.
8). Mit Schreiben vom 2
0.
Juni 2019 (
Urk.
9) führte der Beschwerdeführer aus, die Fallzahlen seien zu gering, um statistisch relevante Aussagen zu treffen. Er verzichte ansonsten auf eine Replik. Dies wurde der Be
schwerdegegnerin am 2
4.
Juni 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
10). Mit Schrei
ben vom 1
9.
August 2019 (
Urk.
11)
führte der Beschwerdeführer nochmals aus, weshalb die Voraussetzungen für eine Kostenübernahme erfüllt seien und reichte weitere Dokumente zu den Akten (
Urk.
12/1-2). Dies wurde der Beschwerdegeg
nerin am 2
2.
August 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
13). Mit Eingabe vom
6.
September 2019 (
Urk.
15) hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
9.
September 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Art.
24 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) verpflichtet die Krankenkassen, aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung die Kosten für die in
Art.
25-31 KVG aufgelisteten Leistungen nach Massgabe der in
Art.
32-34 KVG festgelegten Voraussetzungen zu übernehmen.
Zum Leistungsbereich gemäss
Art.
25-31 KVG gehören die Kosten für die Leis
tun
gen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen die
nen (
Art.
25
Abs.
1 KVG). Diese Leistungen umfassen nach
Art.
25
Abs.
2 KVG unter anderem die Untersuchungen und Behandlungen, die ambulant, sta
tionär oder in einem Pflegeheim durchgeführt werden (
lit
. a), die ärztlich durch
geführten oder angeordneten Massnahmen der medizinischen Rehabilitation (
lit
.
d) und den Aufenthalt in der allgemeinen Abteilung eines Spitals (
lit
. e).
Die Leistungen nach den Art. 25-31 KVG müssen
wirksam, zweck
mässig und wirt
schaftlich sein; die Wirksamkeit muss nach wissenschaftlichen Methoden nach
gewiesen sein (Art. 32 Abs. 1 KVG). Die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der in der Schweiz geleisteten ärztlichen Behandlungen wird vermutet.
1.2
Das KVG untersteht dem Territorialitätsprinzip. Leistungen sind demnach nur kassenpflichtig, wenn sie in der Schweiz erbracht werden. Dies ergibt sich aus Art. 34 Abs. 2 Satz 1 KVG; danach kann der Bundesrat
bestimmen, dass die ob
ligatorische Krankenpflegeversicherung die Kosten von Leistungen nach
Art.
25
Abs.
2 oder
Art.
29 übernimmt, die aus medizinischen Gründen im Ausland er
bracht werden (Satz 1), wobei er die Übernahme der Kosten von Leistungen, die im Ausland erbracht
werden, begrenzen kann (Satz 3).
Gestützt auf
Art.
34
Abs.
2 KVG hat der Bundesrat
Art.
36 der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) erlassen. Nach
Art.
36
Abs.
1 KVV bezeichnet das EDI nach Anhören der zuständigen Kommission die Leistungen nach
Art.
25
Abs.
2 und
Art.
29 des Gesetzes, deren Kosten von der obligatorischen Kran
ken
pflegeversicherung im Ausland übernommen werden, wenn sie in der Schweiz nicht erbracht werden können. Bis anhin hat das EDI von der Kompe
tenzdelega
tion in
Art.
36
Abs.
1 KVV keinen Gebrauch gemacht. Es existiert demnach keine Liste von
kassenpflichtigen
Auslandsleistungen i
m Sinne von Art. 36 Abs. 1 KVV, was aber einer Vergütung der Kosten solcher Behandlun
gen nicht von vornherein
entgegensteht (
Eugster
, Krankenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwal
tungsrecht [SBVR],
3.
Auflage 2016, S.
577 N 550
ff.
mit Hinweisen auf die Recht
sprechung; Urteil des Bundesgerichts 9C_630/2010 vom 14. Oktober 2010 E. 2.1).
Nach
Art.
36
Abs.
2 KVV übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversiche
rung sodann die Kosten von Behandlungen, die in Notfällen im Ausland erbracht werden (Satz 1).
1.3
Eine Ausnahme vom Territorialitätsprinzip gemäss Art. 36 Abs. 1 KVV in Ver
bin
dung mit Art. 34 Abs. 2 KVG setzt den Nachweis voraus, dass entweder in der Schweiz überhaupt keine Behandlungsmöglichkeit besteht oder aber im Ein
zelfall eine innerstaatlich praktizierte Behandlung im Vergleich zur auswärtigen Alter
native für die betroffene Person bedeutende und erheblich höhere Risiken mit sich bringt und damit eine mit Blick auf den angestrebten Heilungserfolg medi
zinisch verantwortbare und in zumutbarer Weise durchführbare, mithin zweck
mässige (vgl. Art. 32 Abs. 1 KVG) Behandlung in der Schweiz nicht gewährleistet ist. Nur schwerwiegende Lücken im Behandlungsangebot („Ver
sorgungslücken“) rechtfertigen ein Abweichen vom Territorialitätsprinzip. Dabei handelt es sich in der Regel um
Behandlungen, die hochspe
zialisierte Techniken verlangen
oder
um
seltene Krankheiten, für welche die Schweiz nicht über eine genügende diagnos
tische oder therapeutische Erfahrung verfügt. Wenn hinge
gen
in der Schweiz eine in Fachkreisen allgemein anerkannte und zweckmäs
sige Behandlungsmethode existiert, so liegt kein medizinischer Grund im Sinne von Art. 34 Abs. 2 KVG vor. Bloss geringfügige, schwer abschätzbare oder gar umstrittene Vorteile einer aus
wärts praktizierten Behandlungsmethode
,
aber auch der Umstand, dass eine spe
zialisierte Klinik im Ausland über mehr Erfah
rung im betreffenden Fachgebiet verfügt, werden nicht als medizinischer Grund betrachtet, der die Übernahme der Kosten einer Auslandbehandlung rechtfertigt. In diesem Sinne sind medizinische Gründe im Sinne von Art. 34 Abs. 2 KVG nur mit Zurückhaltung anzunehmen (
BGE 145 V 170 E. 2.1 und E. 2.2
).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Kosten der
zwischen
zeitlich am
4. Juni 2019 (vgl. Urk. 11 S. 2
)
im
A._
in London durchgeführten H1 Hip
Resurfacing
Arthroplastik
des Beschwerdeführers aus der obligatori
schen Krankenpflegeversicherung zu übernehmen hat.
2.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte ihre Leistungspflicht im angefochtenen Ent
scheid (
Urk.
2) mit der Begründung, es liege vorliegend kein medizinischer Grund vor, welcher gegen den herkömmlichen, in der Schweiz zahlreich durchgeführten konventionellen Eingriff einer Hüftprothese spreche. Ebenso wenig gebe es einen Grund, bei schwerer Hüftarthrose die in England im Rahmen einer Studie ange
botene Operation zu bevorzugen (S. 3). Laut den Angaben des Vertrauensarztes sei die Hip
Resurfacing
Arthroplastik
aktuell noch im Forschungsstadium. Es gebe vorderhand wenig Langzeitdaten, inwiefern diese bei schweren
Arthrosezustän
den
tatsächlich die Notwendigkeit einer konventionellen Hüftprothese relevant und signifikant hinauszögern oder gar zu ersetzen vermöge. Bei schwerer Arth
rose sei der in England praktizierte Eingriff im Vergleich zum konventionellen Einbau einer Hüftprothese noch nicht als ebenbürtig oder gar als überlegen ein
zustufen (S. 3 unten). Der aktuelle Stand des Wissens gehe laut Vertrauensarzt eher davon aus, dass die Patientencharakteristika gut ausgewählt werden müss
ten. So werde in einer Übersichtsarbeit erwähnt, dass vorerst eher junge, sportli
che Patienten mit einer
geringgradigen
Ausprägung der Hüftarthrose davon pro
fitieren könnten. Entsprechend sei für schwere
arthrotische
Zustände, wie dies im Falle des Beschwerdeführers vorliege, die Datenlage ungewiss.
Mit Blick auf das Territorialitätsprinzip und die Kriterien von
Art.
32
Abs.
1 KVG könne eine Kos
tenübernahme für die infrage stehende Behandlungsmethode in England aus ver
trauensärztlicher Sicht nicht empfohlen werden (S. 4 oben).
Generell gelte
es zu berücksichtigen
, dass die Kosten für eine Behandlung, die im Rahmen einer Studie erfolge und damit noch nicht offiziell anerkannt sei, nicht von der obligatori
schen Krankenpflegeve
rsicherung zu übernehmen seien. Die therapeutische Al
ternative in der Schweiz sei vom medizinischen Standpunkt her zudem im kon
kreten Fall durchaus verantwortbar und zumutbar (S. 4 unten).
2.3
Der Beschwerdeführer erläuterte in seiner Beschwerde (
Urk.
1)
die Vorteile der Hip
Resurfacing
Methode und wies auf die Nachteile der in der Schweiz ange
wendeten Methode der
Totalendoprothese
hin
(S. 2 ff.). Die Hip
Resurfacing
Me
thode sei mit mehreren 10'000 Patienten sehr bewährt und auch gut klinisch do
kumentiert. Diese Methode werde vorwiegend bei jüngeren, athletischen Patien
ten ausgewählt und erlaube diesen, weiterhin einen sehr aktiven Lebensstil zu führen bis hin zu Spitzensport (S. 4). Trotz der bekannten Schwächen der Hip
Resurfacing
habe diese bessere Langzeitaussichten als die herkömmliche Me
thode. Aus all den näher dargelegten Gründen sei die H1 Hip
Resurfacing
Me
thode für ihn die weitaus
erfolgversprechendere Behandlungsmethode. Die her
kömmliche Methode sei ihm nicht zumutbar (S. 5). Die H1 Hip
Resurfacing
Me
thode sei nachgewiesenermassen wirksam, zweckmässiger als die Alternativme
thode und kostengünstiger.
Die Kriterien seien demnach vollumfänglich erfüllt und die Behandlungskosten seien durch die Beschwerdegegnerin zu übernehmen (S. 8).
3.
3.1
Bei der Abwägung, ob eine Auslandbehandlung wie d
ie vorliegend in Frage ste
hende H1 Hip
Resurfacing
Arthroplastik
zulasten der schweizerischen obligatori
schen Kran
ken
versicherung geht, ist zu beachten, dass die Kriterien der Wirksam
keit,
Zweckmässigkeit
und Wirtschaftlichkeit nach
Art.
32
Abs.
1 KVG in die vor
ste
hend dargelegte Rechtsprechung zu
Art.
34
Abs.
2 KVG in Verbindung mit
Art.
36
Abs.
1 und 2 KVV (vorstehend E. 1
.3) eingeflossen sind. Die Leistungs
pflicht der Beschwerdegegnerin ist demnach allein anhand dieser Rechtspre
chung zu beurteilen; darüber hinaus haben die Kriterien der Wirksamkeit,
Zweckmäs
sigkeit
und Wirtschaftlichkeit keine selbständige Bedeutung.
3
.2
Vorliegend ist unstrittig, dass
sich eine Leistungspflicht
nicht auf Art. 36 Abs. 2 KVV stützen
lässt
, da
die
H1 Hip
Resurfacing
Arthroplastik
in England
nicht not
fallmässig
erfolgte, sondern der Beschwerdeführer
sich eigens
für diese
Operation und Behandlung
ins Ausland begab. Ebenfalls unstrittig ist, dass die
H1 Hip
Re
surfacing
Arthroplastik
in der Schweiz nicht
(stand
a
r
dmässig)
durchgeführt wird
(vgl. die Ausführungen des
Beschwer
de
führers in Urk. 1 S. 3,
die Ausführungen der Beschwerdegegnerin in
Urk.
2 S. 3
sowie die Stellungnahme des Vertrauens
arztes der Beschwerdegegnerin in
Urk.
7/7 S. 2
).
3.3
Mit dem konventionellen Einbau einer Hüft-Prothese bestehen in der Schweiz
geläufige
M
öglichkeiten zur Behandlung einer Hüftarthrose
(vgl. dazu
die medi
zinischen Berichte in
Urk.
7/2,
Urk.
7/7
und
Urk.
7/11)
.
Laut Angaben des Be
s
chwerdeführers leide
dieser seit zirka acht Jahren an einer schweren Hüftarthrose rechts und einer mittleren Hüftarthrose links, welche zunächst konservativ mit Kortison- und
Hyaluronsäurespritzen
sowie Reha und Gymnast
ikübungen behan
delt worden sei
en
. Eine Operation sei trotzdem unausweichlich geworden, was von drei Fachärzten bestätigt worden sei (
Urk.
1 S. 2).
Dr.
Y._
,
Z._
,
führte in
seinem
Schreiben vom
8.
November 2018 aus (
Urk.
7/2), nach Ausschöpfung der
konservativen Therapiemassnahmen
stelle sich aktuell die Frage nach einem operativen Vorgehen
bezüglich der schweren Arthrose in der rechten Hüfte
. Neben der herkömmlichen Methode einer Implantation einer
To
talendoprothese
habe sich der Beschwerdeführer auch nach operativen Therapie
optionen umgesehen und sei dabei auf die sogenannte H1 Hip
Resurfacing
Arthroplastik
in London gestossen. Die Kollegen in England würden eine neuar
tige operative M
ethode
mittels Keramikaufsatz am
Femurkopf
anbieten
und er
hofften sich hiervon
vor allem bei jungen
,
sportlich aktiven Patienten Vorteile. Insbesondere könnte mit dieser Methode allenfalls Zeit gewonnen werden, um einen möglichen Prothesenwechsel im Laufe der Zeit hinauszögern zu können. Die Methode befinde sich aktuell noch in Erprobung.
3.4
Gemäss Stellungnahme des Vertrauensarztes der Beschwerdegegnerin
,
pract
. med.
B._
,
v
om 1
7.
Dezember 2018 (
Urk.
7/7) sei
die Methode der H1 Hip
Resurfacing
Arthroplastik
eine sich aktuell noch im Forschungsstadium befindli
che mutmassliche Alternative zur Standard-Behandlung von Hüftarthrosen. Eine gross angelegte, multizentrische Studie laufe an, es fehlten daher noch nützliche Daten hierzu.
Es gebe vorderhand wenig Langzeitdaten, inwiefern diese
Methode
bei schweren
Arthrosezuständen
tatsächlich die Notwendigkeit einer konventio
nellen Hüftprothese relevant und signifikant hinauszögern oder gar zu ersetzen vermöge. Es gebe Untersuchungen, die andererseits zeigten, dass nicht selten Pa
tienten
mit Zustand nach der
Resurfacing
-Methode wegen Infekten oder Kompli
kationen eine konventionelle Hüftprothese erhalten müssten. Am diesjährigen Hüftkongress am
C._
habe der vom Beschwerdeführer eingebrachte
Prof.
D._
über den aktuellen Wissensstand zum genannten Eingriff berichtet. Am Ende seines Referats werde klar betont, dass erst in etwa acht bis neun Jahren definitive Zahlen vorliegen würden, um die Methode als evidenzbasiert
und kli
nisch relevant im Vergleich zu konventionellen Methoden einschätzen zu kön
nen.
Der aktuelle Stand des Wissens gehe eher davon aus, dass die Patienten-Charakteristika gut ausgewählt werden müssten. So werde in einer Übersichtsar
beit erwähnt, dass vorerst eher junge, sportliche Patienten mit einer
geringgradi
gen
Ausprägung der Hüftarthrose davon profitieren könnten. Entsprechend sei für schwere
arthrotische
Zustände, wie dies im Falle des Beschwerdeführers vor
liege, die Datenlage ungewiss (S. 1).
Aus diesen Gründen sei die Methode im Ver
gleich zum konventionellen Einbau einer Hüftprothese bei schwerer Arthrose noch nicht als
ebenbürdig
oder gar überlegen eingestuft. Deswegen sei im Hin
blick auf die Vorgaben von
Art.
25-32 KVG das Prinzip von Wirksamkeit,
Zweck
mässigkeit und Wirtschaftlichkeit nicht erfüllt, und von Lehre und Forschung auszugehen
(S. 2)
.
In seiner Stellungnahme vom 3
0.
April 2019 (
Urk.
7/11) führte der Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin aus,
die Behandlung von Patienten mit
schwergradigen
Hüftarthrosen im Rahmen einer angeborenen Hüftdysplasie stelle eine Herausfor
derung für jeden Orthopäden dar. In erster Linie kämen zementierte wie auch
unzementierte
Totalprothesen zum Zuge. Es komme dabei nicht nur auf die Wahl der richtigen Operationsweise an, sondern auch auf die Auswahl des richtigen
Implantatmaterials
sowie
auch um die genaue Analyse nicht nur der knöchernen, sondern gerade auch um jene des umgebenden Weichteilmaterials. Die Hip
Re
surfacing-Therapie
werde dabei nicht als Methode der ersten Wahl genannt, be
ziehungsweise die langfristigen Unterschiede zu einer totalen
Hüftarthroplastik
seien unklar und die Patientenselektion eminent wichtig (S. 1).
Zu den Einwänden des Beschwerdeführers berichtete der Vertrauensarzt, dass insgesamt vorderhand keine sicheren
real
-
life
-basierte
n
Vorteile für Mortalität und Outcome bestünden für Patienten mit einer Hip
Resurfacing
Arthroplastik
gegenüber jenen mit einer totalen
Hüftarthroplastik
, jedoch ein höheres Morbiditätsrisiko bestehe. Auch bleibe zu beweisen, dass eine Überlegenheit der Hip
Resurfacing
Arthroplastik
gegenüber der totalen
Hüftarthroplastik
bestehe. Ein grosses Manko der Studien sei die Unmöglichkeit
,
eben diese Subgruppe (
schwergradige
Arthrose in Folge einer angeborenen Hüftdysplasie) zu identifizieren mit deren schwierigen funkti
onellen
,
aber vor allem radiologischen und biomechanischen Befunden.
Es sei korrekt, dass er keine Ferndiagnose zur Situation des Beschwerdeführers machen könne. Genauso wenig könne sich jedoch der Beschwerdeführer in einer ganz bestimmten Studie und deren Resultate direkt selbst wiedererkennen.
Und ebenso wenig helfe die Annahme der Überlegenheit der Hip
Resurfacing
Methode auf
grund medienwirksamer Artikel betreffend Sport-VIPs, zumal deren genauer Biostatus auch nicht objektiv ferndiagnostizierbar sei, da absolut unbekannt und nicht auf die Situation des Beschwerdeführers abgleichbar sei. Wenn der Be
schwerdeführer diesbezüglich somit Erwägungen aus BGE 134 V 330 zitiere be
züglich Kostenübernahme eines Eingriffs im Ausland, dann sei aus medizinischer Sicht weder eine «bedeutende und erhebliche Risikoreduktion» objektivierbar, noch könne eine Überlegenheit gegenüber der klassischen totalen
Hüftarthroplas
tik
und etwaige Kostenanalysen bei Folgeerkrankungen und Folgeoperationen abgeleitet werden.
Das vom Beschwerdeführer anvisierte Verfahren in London befinde sich klar und unbestritten
im Zustand der wissenschaftlichen Erprobung. Resultate, die somit eine KVG-konforme Auseinandersetzung mit den Kriterien von Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit, aber noch viel wichtiger der Etablierung klarer Patientenselektionskriterien erlauben würden, könnten erst Ende der 2020er Jahre erwartet werden (S. 3). Deswegen müsse beim geplanten Eingriff weiterhin von Lehre und Forschung ausgegangen werden, womit keine positive Empfehlung für eine Kostenübernahme für den Eingriff im Allgemeinen sowie für die Auslandbehandlung im Speziellen zu empfehlen sei
(S. 4)
.
3.5
Nach den ausführlichen
,
nachvollziehbaren und durch Fachliteratur untermauer
ten Ausführungen des Vertrauensarztes der Beschwerdegegnerin kann a
ngesichts
der Tatsache, dass bezüglich der Anwendung der
H1 Hip
Resurfa
c
ing
Arthroplas
tik
-Methode
zur Behandlung von Hüftarthrose
n
noch keine Langzeiterfahrungen
, insbesondere nicht bei schwerwiegenden Ausprägungen der Arthrose wie dies beim Beschwerdeführer der Fall ist,
vorliegen
und sich diese Methode noch in der Forschung befindet,
nicht gesagt werden, dass die herkömmlichen in der Schweiz angewandten Behandlungsformen im Vergleich zur
H1 Hip
Resurfacing
Arthro
plastik
erheblich höhere Risiken mit sich bringen beziehungsweise die Vorteile der
H1 Hip
Resurfacing
Arthroplastik
klar überwiegen.
Angesichts der in der Schweiz zur Verfügung stehenden, in Fachkreisen allgemein anerkannten Be
handlungsmöglichkeiten muss vielmehr davon ausgegangen werden, dass eine
zweckmässige
Behand
lung des Beschwerdeführers in der Schweiz gewährleistet gewesen wäre. Eine schwerwiegende Lücke im Behandlungsangebot ist jedenfalls nicht erkennbar, zumal es sich bei einer
Hüftarthrose
nicht um ei
ne seltene Krank
heit handelt.
Eine Ausnahme vom Territorialitätsprinzip gemäss Art. 36 Abs. 1 KVV in Verbindung mit Art. 34 Abs. 2 KVG könnte recht
spre
chungsge
mäss nur gemacht werden, wenn
im Einzelfall eine innerstaatlich praktizierte dia
gnostische oder therapeutische
Massnahme
im Ver
gleich zur auswärtigen Be
handlungsalternative für die betroffene Person erheblich höhere, wesentliche Ri
siken mit sich bringt und damit eine mit Blick auf den ange
strebten Heilungser
folg medizinisch verantwortbare und in zumut
barer Weise durchführbare,
mithin
zweckmässige
(vgl. Art. 32 Abs.
1 KVG) Behand
lung in der Schweiz nicht ge
währleistet ist. Hingegen bilden
bloss
gering
fügige, schwer abschätzbare oder gar umstrittene Vorteile einer im Aus
land prakti
zierten Be
handlungsmethode, aber auch der Umstand, dass eine speziali
sierte aus
ländi
sche Klinik über mehr Erfah
rung im betreffenden Fach
gebiet verfügt, für sich allein keinen medizinischen
Grund im Sinne von Art. 34 Abs.
2 KVG
(
BGE 145 V 170 E. 2.3
).
Aus den Berich
te
n
des
Vertrauensarztes (vgl. vorstehend E. 3.4) geht klar hervor, dass sich die neue Methode der H1 Hip
Resurfacing
Arthroplastik
noch in der Forschung und
wissenschaftlichen
Erprobung befindet und insbesondere wenig Langzeitdaten vorl
ie
gen, inwiefern diese bei schweren
Arthrosezuständen
tatsächlich die Not
wendigkeit einer konventionellen Hüftprothese relevant und signifikant hinaus
zög
ern oder gar zu ersetzen vermag
. Die Methode wird deshalb im Vergleich zum konventionellen Eingriff einer Hüftprothese bei schwerer Arthrose noch nicht als
ebenbürdig
oder gar überlegen eingestuft.
V
or
diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden und mit der höchstrichterlichen Rechtsprechung (vgl. vorstehend E. 1.3) vereinbar, dass die Beschwerdegegnerin
damit einen medizinischen Grund im Sinne von
Art.
34
Abs.
2 KVG verneinte und
nicht von einer Aus
nahme des Territorialitätsprinzips ausging.
3.6
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin
für die
in
England
durchgeführte
H1 Hip
Resurfacing
Arthroplastik
und die
damit in Zusammenhang stehenden
Behandlungen
nicht leis
tungspflichtig ist.
Der angefochtene Entscheid erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.