Decision ID: 421898e6-b692-4d84-a0b9-e76b94aeb667
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis der Kategorie B am 9. September 1980. Am 18.
August 2002 verursachte er einen Selbstunfall. Der ärztliche Gutachter diagnostizierte
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bei ihm eine therapiebedürftige Epilepsie und kam zum Schluss, der Verkehrsunfall sei
auf die fehlende Medikamenteneinnahme zurückzuführen. Der Führerausweis wurde
deshalb am 13. Januar 2003 mit verschiedenen Auflagen versehen. Unter anderem
wurde X verpflichtet, die ihm verordneten Medikamente regelmässig einzunehmen,
regelmässig ärztliche Berichte einzureichen und – wegen der Medikamenteneinnahme
und der Epilepsie – eine ärztlich kontrollierte Alkoholabstinenz einzuhalten. Mit
Verfügung vom 25. März 2003 entzog ihm das Strassenverkehrsamt den
Führerausweis wegen des Vorfalls vom 18. August 2002 für zwei Monate. Am
19. Dezember 2006 hob es die Auflagen auf.
B.- Am 17. Oktober 2009, 3.20 Uhr, wurde X von einer Polizeipatrouille in R.
angehalten, kontrolliert und einem Alkoholtest unterzogen. Die Blutuntersuchung ergab
eine Blutalkoholkonzentration zum Zeitpunkt des Ereignisses von 1.79 bis 2.20‰.
Obwohl ihm der Führerausweis von der Polizei auf der Stelle abgenommen worden
war, lenkte X am 23. Oktober 2009 wiederum ein Fahrzeug. Das Strassenverkehrsamt
liess ihn daraufhin verkehrsmedizinisch begutachten. Der Gutachter sprach X die
Fahreignung "wegen einer verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchsproblematik mit
Suchtgefährdung" ab. Dies führte am 8. Januar 2010 zum Entzug des Führerausweises
auf unbestimmte Zeit mit einer Sperrfrist von drei Monaten (17. Oktober 2009 bis 16.
Januar 2010). Die Wiedererteilung des Führerausweises wurde von einer kontrollierten
und fachlich betreuten Alkoholabstinenz von mindestens sechs Monaten und einer
verkehrsmedizinischen Begutachtung abhängig gemacht. Nach der
Fahreignungsbegutachtung hob das Strassenverkehrsamt den Führerausweisentzug
mit Verfügung vom 12. November 2010 wieder auf, verlangte jedoch die Fortführung
der fachlich betreuten, vollständigen und kontrollierten Alkoholabstinenz mit
halbjährlicher Berichterstattung.
Mit Verfügung vom 29. Juni 2011 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis erneut auf unbestimmte Zeit und machte die Wiedererteilung von der
Weiterführung einer mindestens sechsmonatigen Alkoholabstinenz und einer
verkehrsmedizinischen Kontrolluntersuchung abhängig. Zur Begründung führte das
Strassenverkehrsamt verschiedene Verstösse gegen die am 12. November 2010
verfügten Auflagen an. So habe die Haaranalyse vom 29. November 2010 einen
Ethylglucuronid(EtG)-Wert von 17 pg/mg ergeben, diejenigen vom 24. Mai 2011 solche
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von 61 pg/mg (kopfnahes Haarsegment) bzw. 100 pg/mg (kopffernes Haarsegment).
Die Abstinenzauflage sei damit nicht eingehalten worden. Zudem habe X vereinbarte
Termine bei der Suchtfachstelle ohne Abmeldung nicht wahrgenommen. Trotz
Führerausweisentzugs lenkte X am 19. Oktober 2011 ein Fahrzeug. Wegen dieser
Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz verfügte das Strassenverkehrsamt
am 8. Dezember 2011 eine Sperrfrist von 12 Monaten (19. Oktober 2011 bis 18.
Oktober 2012).
C.- Am 27. September 2012 ersuchte X um Wiedererteilung des Führerausweises per
18. Oktober 2012. Er berief sich auf die positiv verlaufenen verkehrsmedizinischen
Kontrollen beim Institut für Rechtsmedizin St. Gallen (nachfolgend: IRM) und reichte
zudem einen Bericht des Hausarztes ein, in dem die Alkoholabstinenz bzw. die
Fahrtauglichkeit bestätigt wurden. Das Strassenverkehrsamt lehnte das Begehren mit
Verfügung vom 8. November 2012 ab. Es erwog, die eingereichten Unterlagen seien
unvollständig; es fehlten aktuelle Berichte, insbesondere derjenige der Suchtfachstelle,
und eine aktuelle Haaranalyse. Am 8. Januar 2013 stellte X ein weiteres Gesuch um
Wiedererteilung des Führerausweises. Das Strassenverkehrsamt teilte ihm mit
Schreiben vom 16. Januar 2013 mit, ein Gesuch habe nur dann Aussicht auf Erfolg,
wenn die – zum Zeitpunkt der Einreichung noch andauernde – mindestens
sechsmonatige Alkoholabstinenz nachgewiesen werde (Arzt und Suchtfachstelle,
negative Haaranalyse). Das nächste Gesuch um Wiederteilung stellte X am 4. Juni 2013
bzw. am 18. Juni 2013 durch seinen Rechtsvertreter. Er legte ein Zeugnis, in dem sein
Hausarzt die Konsultationen (ärztliche Fachgespräche und Begleittherapie) vom 8.
Januar, 14. Februar und 18. Mai 2013 bestätigte und einen weiteren Entzug des
Führerausweises als unverhältnismässig bezeichnete, sowie einen die Abstinenz
bestätigenden Kontrollbericht des IRM vom 10. Mai 2013 bei. Unter Verweis auf seine
Verfügung vom 29. Juni 2011 bot das Strassenverkehrsamt X zu einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung auf, welche am 10. September 2013 stattfand.
Im Kurzgutachten vom 15. November 2013 wurde die Fahreignung verneint. Zur
Begründung führte die Gutachterin aus, bei der Untersuchung habe X jegliche
Alkoholproblematik negiert. Die Haaranalyse habe jedoch einen EtG-Wert von 12 pg/
mg ergeben, so dass die geltend gemachte Abstinenz widerlegt sei. Aufgrund dieses
Gutachtens lehnte das Strassenverkehrsamt das Gesuch um Wiedererteilung des
Führerausweises mit Verfügung vom 14. Januar 2014 ab.
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D.- Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 30. Januar 2014 erhob X bei der
Verwaltungsrekurskommission Rekurs gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts
vom 14. Januar 2014 und beantragte deren Aufhebung. Der Führerausweis sei ihm
wiederzuerteilen; eventualiter sei eine neue verkehrsmedizinische Untersuchung bei
einem anderen Institut – nicht dem IRM St. Gallen – durchzuführen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates. Auf die weiteren Ausführungen zur
Begründung dieser Anträge und die zusätzliche Eingabe des Rechtsvertreters vom

27. Februar 2014 wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Das
Strassenverkehrsamt verzichtete mit Schreiben vom 17. Februar 2014 auf eine
Vernehmlassung.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 30. Januar 2014 (Poststempel) ist
rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob das Kurzgutachten des IRM vom 15. November 2013
(Untersuchung vom 10. September 2013) den gesetzlichen Anforderungen entspricht
(E. 2a) und die Vorinstanz die Wiedererteilung des Führerausweises zu Recht gestützt
auf diese Grundlage verweigerte (E. 2b).
a) Ein Gutachten dient dazu, dem Gericht das für die Entscheidung über bestimmte
Tatsachen erforderliche Fachwissen zu vermitteln. Diesem Anspruch muss das
Gutachten in formeller wie materieller Hinsicht gerecht werden (vgl. BSK ZPO-Annette
Dolge, 2. Auflage 2013, Art. 183 N 7). In materieller Hinsicht muss das Gutachten
vollständig, klar und schlüssig sein. Vollständigkeit bedeutet, dass nicht nur die
gestellten Fragen vollständig zu beantworten sind. Die verwendeten Akten und übrigen
Quellen müssen angegeben und die durchgeführten Beweiserhebungen sowie
beigezogenen Hilfspersonen vollständig offengelegt werden. Die Darlegung der
Grundlagen und Befunde sowie die daraus gezogenen Schlussfolgerungen müssen
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vollständig sein. Die Schlüssigkeit ist für den Beweiswert eines Gutachtens
ausschlaggebend. Die Schlussfolgerungen des Sachverständigen müssen nach den
Gesetzen der Logik anhand der Begründung überzeugend und widerspruchsfrei
nachvollzogen werden können. Auf ein unklares oder nicht schlüssiges Gutachten darf
das Gericht nicht abstellen. Wenn auch zusätzliche Erläuterungen keine Klarheit
bringen, ist nötigenfalls ein Obergutachten durch eine andere sachverständige Person
in Auftrag zu geben (vgl. BSK ZPO-Dolge, Art. 183 N 11 ff.).
aa) Die Vorinstanz beauftragte das IRM am 3. Juli 2013 mit der verkehrsmedizinischen
Begutachtung des Rekurrenten. Mit dem Gutachten war zu klären, ob die
Wiedererteilung nach abgeschlossener Therapie befürwortet werden könne, eine
nachhaltige Verhaltensänderung stattgefunden habe und weitere Auflagen nötig seien.
Das IRM legte seinem Gutachten die Vorgeschichte und verschiedene ärztliche
Berichte zu Grunde. Im Weiteren wurden Urin-, Blut und Haare analysiert. Ergänzend
führte die Gutachterin ein Gespräch mit dem Rekurrenten. Unter Würdigung dieser
Grundlagen kam sie zum Schluss, die Fahreignung sei nicht gegeben. Der Rekurrent
habe anlässlich der Untersuchung eine Abstinenz seit 3.5 Jahren geltend gemacht; die
Fachtherapie sei vor 1.5 Jahren abgebrochen worden. Nun absolviere er Gespräche
beim Hausarzt. Der Rekurrent negiere sein Alkoholproblem. Die Haaranalyse habe
einen EtG-Wert von 12 pg/mg ergeben, so dass die geltend gemachte Abstinenz
widerlegt sei. Da die Kriterien für die Wiedererteilung des Führerausweises nicht erfüllt
seien, könne die Fahreignung nicht befürwortet werden. Der Rekurrent verkenne
sowohl die frühere als auch die aktuelle Alkoholproblematik, weshalb zusätzlich eine
Fachtherapie bei der Suchtberatungsstelle zu empfehlen sei.
bb) Der Rekurrent hält dem entgegen, es sei davon auszugehen, dass die Vorinstanz
die Untersuchungen des IRM anzweifle. Nur so sei zu erklären, dass sie nach der
negativen Haaranalyse vom 10. Mai 2013 bereits im September 2013 eine weitere
angefordert habe. Zudem sei die vom IRM untersuchte Haarlänge, welche gemäss dem
entsprechenden Untersuchungsbericht lediglich "bis 3.0 cm" betragen habe, zu
beanstanden. Damit sei die Überprüfung der negativen Resultate der Haaranalyse vom
Mai 2013 verhindert worden. Grundsätzlich würden für Haaranalysen Haare mit einer
Länge von 3 bis 5 cm verwendet; Resultate von kürzeren Haarproben seien mit
höchster Vorsicht zu würdigen. Sogar die Vorinstanz habe festgelegt, dass für die
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Abstinenzkontrolle von Alkohol mittels Haaranalyse mindestens 5 cm lange Kopfhaare
benötigt würden. Die vom IRM im September 2013 verwendete Haarprobe entspreche
zudem nicht dem standardisierten Vorgehen, wonach alle Labors Haarproben gleicher
Länge verwenden sollten.
Bei der vom IRM angewandten forensisch-toxikologischen Haaranalyse auf EtG
handelt es sich um eine direkte, beweiskräftige Analysemethode. Das EtG ist ein nicht
oxidatives Nebenprodukt des Stoffwechsels von Trinkalkohol (B. Liniger, Die
forensisch-toxikologische Haaranalyse auf Ethylglucuronid – eine beweiskräftige
Untersuchungsmethode zur Überprüfung des Alkoholkonsums in der
verkehrsmedizinischen Begutachtung, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2006,
St. Gallen 2006, S. 41 ff.). Weil EtG ein Abbauprodukt von Alkohol ist, belegt dessen
Nachweis direkt den Konsum von Alkohol. Aufgrund des Kopfhaar-Längenwachstums
von ca. 1 cm pro Monat lassen sich Aussagen über den Alkoholkonsum während der
entsprechenden Zeit vor der Haarentnahme machen. Dabei werden in der Praxis
Proben von 3 bis 6 cm genommen (vgl. www.soht.org, Consensus on Alcohol
Markers). Das Bundesgericht sprach sich zwar im vom Rekurrenten zitierten Urteil zur
Erleichterung der Durchführung und Interpretation der Analyse für eine gewisse
Standardisierung aus, betonte aber gleichzeitig, eine Haaranalyse könne auch ohne
derartige Regeln schlüssige Ergebnisse liefern (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer]
1C_342/2009 vom 23. März 2010 E. 3.3). Inwiefern die am 10. September 2013
entnommene Haarprobe von 3 cm die Überprüfung der Probe vom Mai 2013 verhindert
haben soll, wie der Rekurrent vorbringt, ist nicht ersichtlich. Die Vorinstanz warf ihm
nicht vor, in den rund fünf Monaten vor der Probeentnahme im Mai 2013 die
Abstinenzauflage verletzt zu haben. Darauf lässt auch die Haarprobe vom 10.
September 2013 nicht schliessen. Sie zeigt hingegen, dass in den drei Monaten davor
– von Juni bis August 2013 und damit nach der Kontrolle vom Mai 2013 – Alkohol in
moderatem Umfang konsumiert wurde. Dieses Resultat stand im Widerspruch zur
immer noch einzuhaltenden Abstinenz.
cc) Der Rekurrent rügt zudem, dass Angaben zur Verwendung von Haarkosmetika (z.B.
Haarwasser) fehlten. Dies sei insofern von grosser Relevanz, als die Wissenschaft
davon ausgehe, dass durch die Behandlung mit Haarkosmetika falsche Befunde
auftreten könnten. Es sei deshalb nicht auszuschliessen, dass die EtG-Konzentration
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durch eine Behandlung mit EtG-haltigen Haarpräparaten erhöht worden sei. Dem ist
zuzustimmen. Der Rekurrent wurde jedoch vor der Untersuchung mit Schreiben vom 3.
Juli 2013 bzw. einem Informationsblatt auf diese Gefahr hingewiesen. Insbesondere
wurde ihm mitgeteilt, dass das Färben oder Bleichen der Haare das Resultat der
Haaranalyse beeinflussen und somit den Nachweis einer kontrollierten Abstinenz
verunmöglichen könne. Anlässlich der medizinischen Kontrolluntersuchung machte er
keine entsprechenden Vorbehalte. Auch im Rekursverfahren lässt er es bei allgemeinen
Bemerkungen bewenden, ohne konkret auszuführen, welche von ihm verwendeten
Mittel die EtG-Messung beeinflusst haben könnten. Es ist deshalb nicht davon
auszugehen, dass der im Kurzgutachten des IRM aufgeführte EtG-Wert von derartigen
Substanzen verfälscht wurde.
dd) Weiter bringt der Rekurrent vor, das IRM hätte anlässlich der Begutachtung
Abklärungen zu seinen persönlichen Verhältnissen bzw. seiner körperlichen
Verfassung, insbesondere zu alkoholbedingten Haut- und Leberveränderungen,
Entzugssymptomen und dergleichen treffen müssen. Dies sei pflichtwidrig unterlassen
worden.
Nach der Rechtsprechung gehören zu den für den Nachweis der Trunksucht
erforderlichen Abklärungen in der Regel eine gründliche Prüfung der persönlichen
Verhältnisse, welche namentlich die Einholung von Berichten des Hausarztes, des
Arbeitgebers, Familienangehöriger usw. umfasst, eine einlässliche Aufarbeitung der
konkreten Trunkenheitsfahrten, eine Alkoholanamnese, d.h. die Erforschung des
Trinkverhaltens (Trinkgewohnheiten und Trinkmuster) des Betroffenen und seine
subjektive Einstellung dazu sowie eine umfassende, eigens vorzunehmende körperliche
Untersuchung mit besonderer Berücksichtigung alkoholbedingter Hautveränderungen
usw. (BGE 129 II 82 E. 6.2.2). Nachdem sich der direkte Nachweis des Alkoholkonsums
durch die Haaranalyse durchgesetzt hat, erübrigen sich weitergehende und teils
durchaus heikle Abklärungen im Umfeld in der Regel, um zu einem sicheren Befund zu
gelangen. Indessen richtet sich der Umfang der Nachforschungen nach den
Umständen des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen Ermessen der
Entzugsbehörde. Beweiserhebungen sind nach den allgemeinen Grundsätzen nur
soweit durchzuführen, als sie erforderlich sind (vgl. BGer 6A.8/2007 vom 1. Mai 2007 E.
2.5).
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Die Gutachterin des IRM stützte ihren Bericht nicht nur auf die Haaranalyse, sondern
zog im Rahmen der Untersuchung zwei Berichte des Spitals Linth vom 15. März 2010
und 22. Mai 2012, einen Bericht über den Herzbelastungstest vom 6. Juni 2012 sowie
einen Bericht des Hausarztes vom 6. September 2013 bei. Zudem führte sie einen Urin-
und einen Bluttest durch (act. 9/12 f.). Letzterer dient dazu, eine Organschädigung
aufgrund eines überhöhten Alkoholkonsums festzustellen (vgl. BGE 129 II 82 E. 6.2.1).
Im Weiteren wurde bei der Begutachtung auch die Vorgeschichte seit dem Jahr 2002
berücksichtigt. Die Rüge, das IRM habe verschiedene wesentliche Aspekte nicht
berücksichtigt, ist deshalb unbegründet. Auf weitere Untersuchungen konnte
insbesondere auch deshalb verzichtet werden, weil bereits mit dem Ergebnis der
Haaranalyse feststand, dass die Abstinenz nicht eingehalten worden war.
ee) Zusammenfassend ist festzustellen, dass das Kurzgutachten des IRM die
materiellen und formellen Anforderungen erfüllt; es ist umfassend, in sich schlüssig und
nachvollziehbar. Deshalb besteht kein Anlass, eine weitere verkehrsmedizinische
Untersuchung bei einem anderen Institut durchführen zu lassen. Zu prüfen ist, ob die
darin gemachten Feststellungen die Ablehnung es Gesuchs um Wiedererteilung des
Führerausweises rechtfertigten.
b) aa) Die Vorinstanz erwog, aufgrund der verkehrsmedizinischen Untersuchung vom
10. September 2013 sei zum Nachweis der Alkoholabstinenz eine weitere Haarprobe
entnommen worden. Deren Analyse habe einen EtG-Wert von 12 pg/mg ergeben.
Damit sei ein moderater Alkoholkonsum bzw. die Missachtung der Abstinenzauflage
nachgewiesen worden. Die Wiedererteilung des Führerausweises sei aus diesem
Grunde nicht zu befürworten. Der Rekurrent hält dagegen, die Alkoholabstinenz sei
durch die Berichte seines Hausarztes und des IRM über die Haaranalyse vom 10. Mai
2013 (EtG-Wert: < 7 pg/mg) nachgewiesen. Es sei damit bewiesen, dass er seit
längerer Zeit ein vom Alkohol abstinentes Leben geführt habe. Die Voraussetzungen für
die Wiedererteilung des Führerausweises seien somit erfüllt. Allfälligen Zweifeln an
seiner Stabilität hätte mit Auflagen begegnet werden können. Es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz bereits am 10. September 2013 eine weitere
Haaranalyse veranlasst habe.
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bb) Der nach Art. 16d des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) auf
unbestimmte Zeit entzogene Lern- oder Führerausweis kann bedingt und unter
Auflagen wiedererteilt werden, wenn eine allfällige gesetzliche oder verfügte Sperrfrist
abgelaufen ist und die betroffene Person die Behebung des Mangels nachweist, der
die Fahreignung ausgeschlossen hat (Art. 17 Abs. 3 SVG). Dabei liegt die
Wiedererteilung des Führerausweises im pflichtgemessen Ermessen der
Entzugsbehörde (Philippe Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, Zürich/
St. Gallen 2011, N 11 zu Art. 17 SVG).
Nicht geeignet, ein Fahrzeug zu führen, ist namentlich, wer nicht oder nicht mehr über
die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügt, um ein Motorfahrzeug sicher zu
führen (Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG), wer an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung
ausschliesst (lit. b), oder wer aufgrund seines bisherigen Verhaltens nicht Gewähr
bietet, dass er künftig beim Führen eines Motorfahrzeugs die Vorschriften beachten
und auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen wird (lit. c). Im Bereich der eigentlichen
Alkoholsuchterkrankung rechtfertigt sich die Ablehnung der Fahreignung bereits bei
Vorliegen eines verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs. Letzterer liegt vor, wenn das
Führen von Motorfahrzeugen und ein die Fahreignung beeinträchtigender
Alkoholkonsum nicht hinreichend sicher getrennt werden können oder zu erwarten ist,
dass die untersuchte Person zukünftig ein Motorfahrzeug unter Alkoholeinfluss lenken
wird oder als Folge eines unkontrollierten Alkoholkonsums Beeinträchtigungen
vorliegen, die das sichere Führen eines Motorfahrzeuges in Frage stellen. Die
Beurteilung der Fahreignung bei Alkoholproblemen beruht folglich nicht ausschliesslich
auf einem Suchtnachweis, sondern berücksichtigt auch die übrigen gesetzlich
festgelegten Anforderungen. Die Fahreignung ist – insbesondere nach bereits erfolgter
Trunkenheitsfahrt – auch ohne Vorliegen einer Suchterkrankung abzulehnen, falls
Verhaltens- und Charakterauffälligkeiten (vgl. Art. 14 Abs. 2 lit. d und Art. 16d Abs. 1
lit. c SVG) zu einer erhöhten Gefahr des erneuten Fahrens in angetrunkenem Zustand
führen. In einzelnen Fällen kann eine verkehrspsychologische Beurteilung als
Zusatzabklärung bei der Begutachtung hilfreich sein (vgl. R. Seeger, Alkohol und
Fahreignung, in: Handbuch der verkehrsmedizinischen Begutachtung, Bern 2005,
S. 26; Entscheid der Verwaltungsrekurskommission IV-2012/99 vom 10. Januar 2013
E. 2b/aa, abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch).
http://www.gerichte.sg.ch
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cc) Die Vorinstanz knüpfte die Aufhebung des Entzugs in der Verfügung vom 29. Juni
2011 an zwei Bedingungen: Sie verlangte eine mindestens sechsmonatige Abstinenz
und eine verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung (act. 10/41). Gleichzeitig wies sie
den Rekurrenten darauf hin, dass die Abstinenzkontrollen über den in der Verfügung
genannten Mindestzeitraum hinaus bis zu der Wiedererteilung des Führerausweises
lückenlos fortzusetzen sei, zumal in der Regel anschliessend mit entsprechenden
Auflagen zu rechnen sei. Die Vorinstanz trug mit diesem Hinweis dem Umstand
Rechnung, dass die dauerhafte Überwindung der Sucht – bzw. der Gefahr eines
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs – einer Behandlung und Kontrolle während vier
bis fünf Jahren bedarf (Weissenberger, a.a.O., N 13 zu Art. 17 SVG). Das
Bundesgericht beanstandet deshalb nicht, dass eine Wiedererteilung von einer
dreijährigen Totalabstinenz abhängig gemacht wird (BGer 1C_342/2009 vom 23. März
2010 E. 2.4; 6A.77/2004 E. 2.1).
Der Rekurrent lenkte am 17. Oktober 2009 ein Fahrzeug in stark alkoholisiertem
Zustand (1.79 bis 2.20‰). Der Führerausweis wurde ihm daraufhin auf unbestimmte
Zeit entzogen. Am 25. September 2010 wurde die Fahreignung verkehrspsychologisch
geprüft. Der Gutachter hielt in seinem Bericht zuhanden der Vorinstanz fest, es bestehe
eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Rekurrent sich falsch verhalten könne. Aus
diesem Grunde sei die Fahreignung nur mit strengen Auflagen zu befürworten. Er
empfahl eine zweijährige ärztliche kontrollierte Abstinenz und eine daran
anschliessende einjährige Fahrabstinenz (act. 10/72). Die Fahrerlaubnis wurde dem
Rekurrenten aufgrund des Gutachtens mit Verfügung vom 12. November 2010 mit
Auflagen (insbesondere kontrollierte Abstinenz), wiedererteilt. Die in den Folgejahren
durchgeführten Haaranalysen ergaben folgende Resultate: November 2010: 17 pg/mg;
Mai 2011: 61 pg/mg [0-2 cm ab Kopfhaut] und 100 pg/mg [2-4 cm]; November 2011:
<7 pg/mg [0-2.5 cm] und 15 pg/mg [2.5-5 cm]; Mai 2012: 7.1 pg/mg; November 2012:
8 pg/mg; Mai 2013: <7 pg/mg; September 2013: 12 pg/mg (bis 3.0 cm). Diese Werte
zeigen, dass der Rekurrent im Jahre 2010 moderat Alkohol trank und den Konsum in
der ersten Hälfte des Jahres 2011 trotz Abstinenzauflage massiv steigerte. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist bei EtG-Werten von 45 und 66 pg/mg von
einem regelmässigen und übermässigen Alkoholkonsum auszugehen (vgl. BGer
1C_150/2010 vom 25. November 2010 E. 5.3); Ergebnisse von über 30 pg/mg
sprechen gemäss der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin für einen
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risikoreichen Alkoholkonsum im Sinn eines starken bis chronisch-exzessiven
Alkoholkonsums (vgl. BGer 1C_243/2010 vom 10. Dezember 2010 E. 2.7 mit
Hinweisen). Die beim Rekurrenten am 24. Mai 2011 gemessenen EtG-Werte lagen
deutlich über dieser Grenze. Damit wurde nachgewiesen, dass er zu diesem Zeitpunkt
nicht in der Lage war, die Abstinenzauflage zu erfüllen. Die nachfolgenden Proben
zeigen ein deutlich besseres Bild. Unter Berücksichtigung einer Messunsicherheit von
+/- 25 Prozent (vgl. VerwGE B 2010/247 vom 9. November 2010 E. 2.2, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch) stehen die im Jahre 2012 und am 10. Mai 2013 gemessenen
Werte nicht im Widerspruch zur Abstinenz. Der Rekurrent konsumierte anschliessend
jedoch wiederum Alkohol. Die Messung vom 13. September 2013 ergab einen EtG-
Wert von 12 pg/mg. Auch wenn dieses Resultat auf einen moderaten Konsum
schliessen lässt, wurde damit zweifelsfrei nachgewiesen, dass die Abstinenz nicht
eingehalten wurde. Dem Rekurrenten musste jedoch klar sein, dass die
Abstinenzauflage auch nach dem positiven Untersuchungsergebnis vom Mai 2013
weiterhin gültig war. Darauf wurde er von der Vorinstanz ausdrücklich hingewiesen.
Trotzdem konsumierte er nach der für ihn positiv verlaufenen Analyse wiederum
Alkohol und setzte damit die Wiedererteilung des Führerausweises aufs Spiel. Vor
diesem Hintergrund ist mit dem Gutachter davon auszugehen, dass der Rekurrent sein
Alkoholproblem nach wie vor negiert. Dies zeigt sich auch daran, dass er gegenüber
der Gutachterin im September 2013 vorbrachte, bereits seit dreieinhalb Jahren
abstinent gelebt zu haben. Dass bei ihm noch im Jahre 2011 hohe EtG-Werte (61 bzw.
100 pg/mg) gemessen wurden, blendete er vollständig aus. Der Schluss der
Gutachterin, der Rekurrent habe sich mit seinem Alkoholproblem nicht
auseinandergesetzt und die Voraussetzungen für die Wiedererteilung des
Führerausweises seien nicht erfüllt, ist deshalb nachvollziehbar. Schliesslich wurde die
Wiedererteilung des Führerausweises von Anfang an von einer positiven
verkehrsmedizinischen Untersuchung abhängig gemacht. Dazu gehört auch die
Überprüfung der Haare. Der Gutachterin ist demnach – entgegen den Ausführungen im
Rekurs – nicht vorzuwerfen, dass sie keine weitere Haaranalyse hätte durchführen
dürfen, weil eine solche bereits im Mai 2013 erfolgt sei. Hinzu kommt, dass seit der
letzten Probennahme immerhin drei Monate vergangen waren und aufgrund dieses
Zeitraums nicht einfach davon ausgegangen werden konnte, es werde auf das
Ergebnis der Haaranalyse im Monat Mai 2013 abgestützt.
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dd) Somit ergibt sich, dass die Vorinstanz die Wiedererteilung des Führerausweises zu
Recht verweigerte. Der Rekurrent zeigte sich zwar in der Lage, während längerer Zeit
auf den Konsum von Alkohol zu verzichten; die Haaranalysen vom Mai 2012,
November 2012 und Mai 2013 bestätigten dies. Nachdem er jedoch in der zweiten
Hälfte des Jahres 2013 trotz der in Aussicht stehenden Wiedererteilung des
Führerausweises nicht fähig oder willens war, die Abstinenzauflage zu erfüllen, ist
davon auszugehen, dass er den Umgang mit Alkohol immer noch nicht dauerhaft im
Griff hat. Die Gefahr eines verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs besteht daher nach
wie vor und der Rekurs ist abzuweisen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– ist zu verrechnen.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).