Decision ID: f1c3c05c-318b-4967-9add-00b4799ec3e5
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1953, bezieht seit
August 2019
eine Altersrente der Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHV;
Urk.
6/11).
Nachdem er per
1.
Februar 2020
aus dem Kanton Schwyz
nach Y._
gezogen war, meldete er sich am 2
0.
Juni 2020 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
(nachfolgend: Durchführungsstelle)
zum Bezug von Zusatzleistungen
zur AHV/IV
an (
Urk.
6/1). Die
Durchführungsstelle
holte
weitere Unterlagen ein und verneinte mit Verfügung vom
2.
November 2020
unter Anrechnung eines Vermögensver
zichts von
Fr.
872'270.--
den Anspruch des Versicherten auf Zusatzleistungen
(
Urk.
6/63). Die dagegen am 3
0.
November 2020 erhobene
Einsprache (
Urk.
6/72) wies
sie
mit
Einspracheentscheid
vom 1
4.
April 2021 ab (
Urk.
6/76 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am
9.
Mai 2021 Beschwerde mit dem sinn
gemässen Antrag, der
Einspracheentscheid
vom 1
4.
April 202
1 sei aufzuheben und es seien ihm Ergänzungsleistungen auszurichten
(
Urk.
1). Die Beschwerde
gegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
Juni 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), wovon dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
2
5.
Juni 2021 Kenntnis erteilt wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2021 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversiche
rung (ELG) und der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenversicherung (ELV) wie auch des kantonalrechtlichen Zusatzleistungsgesetzes (ZLG) und der Zusatzleistungsverordnung (ZLV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Da der
Einspracheent
scheid
vom
1
4.
April 2021 respektive die diesem zu Grunde liegende Verfügung vom
2.
November 2020 den Anspruch des Beschwerdeführers
auf Zusatzleistun
gen ab
1.
Juni 2020
zum Gegenstand hat, sind
vorab
die bis 3
1.
Dezember 2020
gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall anzuwenden und in dieser Fassung zu zitieren.
1.2
Gemäss
Art.
9
Abs.
1 ELG entspricht die jährliche Ergänzungsleistung dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen über
steigen.
Als Einnahmen angerechnet werden unter anderem Einkünfte aus beweglichem und unbeweglichem Vermögen (
Art.
11
Abs.
1
lit
. b ELG) sowie bei Altersr
entne
rinnen und Altersrentnern ein Zehntel
des Reinvermögens, soweit es bei allein
stehenden Personen 37‘500 Franken übersteigt (
Art.
11
Abs.
1
lit
. c
ELG
). Eben
falls anrechenbar sind Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG). Eine Verzichtshandlung im Sinne von
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG liegt vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung auf Einkünfte oder Vermögen verzichtet hat (BGE 140 V 267 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.3
1.3.1
Zweck der Ergänzungsleistungen ist eine angemessene Deckung des Existenz
bedarfs. Bedürftigen Rentnern der Alters- und Hinterlassenen- sowie der Invali
denversicherung soll ein regelmässiges Mindesteinkommen gesichert werden. Die Einkommensgrenzen haben dabei die doppelte Funktion einer
Bedarfslimite
und eines garantierten Mindesteinkommens. Deshalb sind bei der Anspruchsberech
nung nur tatsächlich vereinnahmte Einkünfte und vorhandene Vermögenswerte zu berücksichtigen, über die der Leistungsansprecher ungeschmälert verfügen kann (BGE 127 V 248 E. 4a, 122 V 19 E. 5a).
Dieser Grundsatz gilt nicht und es liegt eine Verzichtshandlung im Sinne von
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Ver
pflichtung und ohne adäquate Gegenleistung auf Einkünfte oder Vermögen ver
zichtet hat, wenn sie einen Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte und Vermö
genswerte hat, davon aber faktisch nicht Gebrauch macht oder ihre Rechte nicht durchsetzt
.
Dazu gehören auch erb- oder ehegüterrechtliche Ansprüche (BGE 120 V 182 E. 4a
; Urteil des Bundesgerichts 9C_198/2010 vom
9.
August 2010 E. 3.1;
nicht publizierte E. 3e des Urteils BGE 128 V 39, BGE 121 V 204 E. 4a, AHI 2001 S. 133 E. 1b, SVR 2011 EL Nr. 4 S. 11, 9C_329/2010 E. 3.1, Urteil des Bundes
gerichts 9C_558/2013 vom 1
2.
November 2013 E. 3.1.2, je mit Hinweisen).
Für die Annahme einer Verzichtshandlung im Sinne von
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG ist nicht erforderlich, dass beim Verzicht der Gedanke an Ergänzungsleistungen tatsächlich eine Ro
lle gespielt hat (BGE 131 V 329
E. 4.4). Es ist also nicht
wesentlich, dass sich die versicherte Person über die sozialversicherungsrecht
lichen Konsequenzen ihres Tuns im Klaren war. Eine Verzichtshandlung setzt aber schon begrifflich («Verzicht») voraus, dass die Vermögensverminderung mit Wissen und Wollen der versicherten Person geschehen ist. Dabei ist nur, aber immerhin erforderlich, dass die versicherte Person hinsichtlich der Vermögens
verminderung an sich urteilsfähig war, nicht aber, dass sie von der möglichen ergänzungsleistungsrechtlichen Qualifikation als Verzichtshandlung wusste und eine solche in Kauf nahm (Urteil des Bundesgerichts 9C_934/2009 vom 2
8.
April 2010 E. 5.1).
1.3.2
Ob eine adäquate Gegenleistung vorliegt, beurteilt sich nach dem Verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung im Zeitpunkt der Entäusserung (BGE 120 V 182 E. 4a; Urteil des Bundesgerichts 9C_198/2010 vom
9.
August 2010 E. 3.1).
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG enthält keine zeitliche Beschränkung in Bezug auf die Berücksichtigung des Vermögensverzichts. Ein hypothetisches Vermögen ist also auch dann anzurechnen, wenn die Verzichtshandlung sehr lange zurückliegt. Dem Aspekt des Zeitablaufs wird durch die jährliche Reduktion gemäss
Art.
17a ELV Rechnung getragen. Danach wird der anzurechnende Betrag von Vermö
genswerten, auf die verzichtet worden ist, jährlich um
Fr.
10'000.-
-
vermindert, wobei der Wert des Vermögens im Zeitpunkt des Verzichtes unverändert auf den
1.
Januar des Jahres, das auf den Verzicht folgt, zu übertragen und dann jeweils nach einem Jahr zu vermindern ist (
Abs.
1 und 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_198/2010 vom
9.
August 2010 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.4
Nach
Art.
17 ELV ist das anrechenbare Vermögen nach den Grundsätzen der Gesetzgebung über die direkte kantonale Steuer für die Bewertung des Vermögens im Wohnsitzkanton zu bewerten (
Abs.
1). Dienen Grundstücke dem Bezüger oder einer Person, die in der EL-Berechnung eingeschlossen ist, nicht zu eigenen Wohnzwecken, so sind diese zum Verkehrswert einzusetzen (
Abs.
4).
Bei der ent
geltlichen oder unentgeltlichen Entäusserung eines Grundstückes ist der Ver
kehrswert für die Prüfung, ob ein Vermögensverzicht im Sinne von
Art.
11
Abs.
1
lit
.
g ELG vorliegt, massgebend. Der Verkehrswert gelangt nicht zur Anwendung, wenn von Gesetzes wegen ein Rechtsanspruch auf den Erwerb zu einem tieferen Wert besteht (
Abs.
5).
Die Kantone können anstelle des Verkehrswertes einheitlich den für die interkantonale Steuerausscheidung massgebenden Repartitionswert anwenden (
Abs.
6). Der Kanton Zürich hat indessen von dieser Befugnis keinen Gebrauch gemacht (vgl. die Weisungen des Kantonalen Sozialamtes zum Vollzug der Zusatzleistungen zur AHV/IV vom 2
7.
März 2013, Stand
1.
Januar 2020, S.
12
Ziff.
2.2.1, einsehbar unter www.sozialamt.zh.ch).
Nach der Rechtsprechung ist unter dem Verkehrswert einer Liegenschaft im Sinne dieser Bestimmung der Verkaufswert zu verstehen, den sie im normalen Geschäftsverkehr hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_396/2013 vom 1
5.
Oktober 2013 E. 7.1.1 mit Hinweis). Der so ermittelte Verkehrswert setzt grundsätzlich eine konkrete und aktuelle Liegenschaftsschätzung voraus. Aus Gründen der Praktikabilität können aber auch andere geeignete Schätzungen beigezogen werden (Urteil
des Bundesgerichts
9C_550/2017 vom
6.
Dezember 2017 E. 3).
Ist der aktuelle Verkehrswert (Marktwert) einer Liegenschaft nicht bekannt, kann auf den Mittelwert zwischen dem Wert nach der Gesetzgebung über die direkte kantonale Steuer und dem Gebäudeversicherungswert abgestellt werden, sofern dies nicht offensichtlich zu einem unrichtigen Ergebnis führt (
Rz
3444.03 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherung über die Ergänzungsleis
tungen zur AHV und IV, Stand
1.
Januar 2019, WEL). Ebenso stellt die Addition des Zeitwerts der auf dem Grundstück liegenden Gebäude und des Marktwerts des Bodens eine geschützte Vermögensermittlung dar (vgl.
Carigiet
/Koch, Ergän
zungsleistungen zur AHV/IV,
2.
Aufl. 2009, S. 171 f. mit Hinweis auf AHI 1998 S. 274 f.).
1.5
1.5
.1
Ist ein einmal bestehendes Vermögen nicht mehr vorhanden, so trägt der Leis
tungsansprecher die Beweislast dafür, dass es in Erfüllung einer rechtlichen Ver
pflichtung oder gegen eine adäquate Gegenleistung hingegeben worden ist, wobei der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gilt (Urteile des Bundes
gerichts 8C_1039/2008 vom 2
5.
Februar 2009 E. 2 und 9C_934/2009 vom 2
8.
April 2010 E. 3, je mit Hinweisen).
Allerdings führt der im Bereich des Sozialversicherungsrechts geltende Unter
suchungsgrundsatz (vgl.
Art.
43
Abs.
1 und
Art.
61
lit
. c ATSG) dazu, dass hierbei lediglich die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen sind (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen, 117 V 261 E. 3b), wenn nach den notwendigen und möglichen Beweis
erhebungen durch die Verwaltung respektive das Gericht unter Mitwir
kung der betreffenden Person (vgl.
Art.
28 ATSG) feststeht, dass weitere Abklä
rungen keine weiteren E
rgebnisse mehr erwarten lassen.
1.5
.2
Nach
Art.
43
Abs.
1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Aus
künfte ein, wobei mündlich erteilte Auskünfte schriftlich festzuhalten sind. Bei Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Ungunsten derjenigen Partei aus, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Recht ableiten wollte
(vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4.
Auf
lage, Zürich 2020,
Art.
43
Rz
70
)
. Beweislosigkeit darf
jedoch erst dann angenommen werden, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes einen Sachverhalt zu ermitteln, der mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht (vg
l.
Kieser
, a.a.O.,
Art.
43
Rz
68
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte im angefo
chtenen
Einspracheentscheid
aus,
b
eim anrechenbaren Vermögen seien auch Vermögenswerte zu berücksichtigen, auf welche verzichtet worden sei.
Der Beschwerdeführer habe auf seinen güterrecht
lichen Anspruch auf das Einfamil
ienhaus an der Z._-Strasse
in
A._
verzichtet. Er habe dafür keine adäquate Gegenleistung erhalten, weshalb dieser Verzicht als Vermögensverzicht zu werten sei (
Urk.
2 S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor,
die Beschwerdegegnerin gehe davon aus
, dass er einen Anspruch auf das Verzichtsvermögen gemäss Scheidungsurteil habe. Dies treffe jedoch nicht zu. Er habe keinerlei rechtlich
e
Handhabe
,
um auf
das Vermögen
zuzugreifen. Sein Einkommen decke seine minimalen Lebenskos
ten nicht, ungeachtet möglicher persönlicher finanzieller Fehlentscheide in der
Vergangenheit. Zwar trage der Leistungsansprecher die Beweislast, dass das Ver
mögen in Erfüllung einer rechtlichen Verpflichtung oder gegen eine adäquate Gegenleistung hingegeben worden sei, auf eine Beweisabnahme sei jedoch seitens der Beschwerdegegnerin verzichtet worden (
Urk.
1 S. 1 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch auf Zusatzleistungen für die Zeit ab
1.
Juni 2020 (Art. 12 Abs.1 ELG, Anmeldung
am
2
0.
Juni 2020
;
Urk.
6/1
)
. Dabei ist zu beurteilen
, ob die Beschwerdegegnerin in der Berechnung der Zusatzleis
tungen zu Recht
ein
Verzichtsvermögen im Sinne von Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG zufolge Verzichts auf güterrechtliche Ansprüche berücksichtigt hat.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin geht davon aus, dass
dem Beschwerdeführer ein güter
rechtlicher Anspruch auf mindestens die Hälfte
der im Grundbuch der Gemeinde
A._
eingetragenen Liegenschaft
«Einfamilienhaus Z._-Strasse,
A._, Grundbuchblatt ..., Kat-Nr. ...
» (vgl.
Urk.
6/6/4)
zuge
standen hätte, auf den er im Rahmen de
r
im
Urteil vom 2
5.
September 2017
bestätigten Scheidungskonvention
verzichtet habe
(
Urk.
2 S. 1)
. Dementspre
chend rechnete sie die Hälfte des
geschätzten Verkehrswertes
der Liegenschaft im
Verzichtszeitpunkt als Verzichtsvermögen
bei der Berechnung
der Ergänzungs
leistungen ein
(
Urk.
6/62
)
.
3.2
Das Bezirksgericht Dietikon genehmigte mit Urteil
vom 2
5.
September 2017
die vom Beschwerdeführer und seiner damaligen Ehefrau geschlossene Vereinbarung über die Scheidungsfolgen vom 1
6.
August 201
7.
Z
ur güterrechtlichen Auseinan
dersetzung
ist dieser
im Wesentlichen
zu entnehmen, dass die auf den Namen der damaligen Ehefrau des Beschwerdeführers im Grundbuch eingetragene
Liegen
schaft
in deren alleinigen Eigentum verbleibe. Beim Erwerb der Liegenschaft 1989 sei die Finanzierung überwiegend aus
Eigengut
des Beschwerdeführers erfolgt. Dieser verzichte im Rahmen der güterrechtlichen Auseinandersetzung unter Hin
weis auf die Regelung des nachehelichen Unterhaltes und des Verzichts auf den Vorsorgeausgleich auf
jedwelche
güterrechtliche
n
Ansprüche an dieser Liegen
schaft (
Urk.
6/6/4).
3.3
Angesichts des
im Scheidungsurteil festgehaltenen
Verzichts des Beschwerdefüh
rers auf güterrechtliche Ansprüche an
der Liegenschaft in
A._
hat die Beschwerdegegnerin zu Recht geprüft, ob ein Vermögensverzicht im Sinne von
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG vorliegt.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist
dabei
nicht wesentlich
, dass
er seit
de
m
rechtskräftigen
Verzicht
auf die Liegenschaft im Urteil vom 2
5.
September 2017
keinen Zugriff mehr auf die Liegenschaft
hat, gilt doch nach dem Gesagten der Grundsatz, dass
nur Vermö
genswerte
zu berücksichtigen
sind
, über die der Leistungsansprecher unge
schmälert verfügen kann (BGE 127 V 248 E. 4a, 122 V 19 E. 5a)
,
im Hinblick auf Verzichtshandlungen
eben
gerade
nicht.
Das Konzept des Vermögensverzichts besteht darin, dass eine Person soweit vom Anspruch auf Zusatzleistungen aus
geschlossen sein soll, als sie sich ihres Vermögens ohne angemessene Gegenleis
tung oder ohne Bestehen einer Rechtspflicht
entäussert
hat. Mit der Anrechnung eines so definierten Verzichtsvermögens soll verhindert werden, dass sich eine Person, die ihr Vermögen Drittpersonen überlässt
,
statt es für ihre eigenen Bedürf
nisse zu verwenden
respektive wie hier zu beanspruchen
, den Lebens
unterhalt via Zusatzleistungsbezug durch die Allgemeinheit finanzieren lassen kann. Es handelt sich somit um eine Missbrauchsregelung, ohne dass es jedoch darauf ankäme, ob der Gedanke an den Zusatzleistungsbezug bei der
Entäusse
rung
tat
sächlich eine Rolle gespielt hat (vgl. BGE 131 V 329
E. 4.3 und E. 4.4 mit Hinweisen
).
3.4
Die Beschwerdegegnerin hat für die Bemessung der Höhe des Verzichtsvermögens den massgeblichen Verkehrswert mittels einer Addition des Zeitbauwerts von
Fr.
970'000.-- und des Bodenwerts von
Fr.
814'540.-- ermittelt
(
Urk.
6/62/3)
.
Bei der Addition des Zeitwerts der auf dem Grundstück liegenden Gebäude und des
Marktwerts des Bodens handelt es sich um eine von der Rechtsprechung aner
kannte Schätzmethode (Urteil des Bundesgerichts 9C_396/2013 vom 1
5.
Oktober 2013 E. 7.
1.2
), deren Anwendung im Übrigen vom Beschwerdeführer nicht bestritten wurde. Indessen hat die Beschwerdegegnerin den Zeitbauwert des Gebäudes
– dieses hat
gemäss
Akten das Baujahr 1983
–
zwar aus der Neube
wer
tung der Liegenschaft 2009 des Steueramtes
A._
entnommen, jedoch die vom Steueramt zu diesem
–
im Verzichtszeitpunkt bereits weit
zurückliegen
den
–
Zeitpunkt berücksichtigte Altersentwertung von 26
%
(
Urk.
6/61/1),
ausser
Acht gelassen.
Besondere Umstände, die es rechtfertigen würden, das Gebäude
zum Neuwert anzurechnen, ohne die Alter
sentwertung zu berücksichtigen
,
sind jedoch keine ersichtlich.
Da die Altersentwertung pro Jahr
1
%
des Neubauwertes
beträgt
, jedoch höchstens 30
%
(
Weisung des Regierungsrates an die Steuer
behörden über die Bewertung von Liegenschaften und die Festsetzung der Eigen
m
ietwerte ab Steuerperiode
2009,
631.32
,
Weisung 2009; LS 631.32
;
Rz
. 32
)
, ist der Zeitbauwert des Gebäudes daher um 30
%
auf
Fr.
679‘000.--
zu reduzieren. Da die Beschwerdegegnerin den
Landwert
korrekt gestützt auf die
vom Statisti
schen Amt des Kantons Zürich herausgegebenen Bodenpreise für
A._
berechnete, ergibt dies insgesamt einen geschätzten Verkehrswert der Liegen
schaft von
Fr.
1‘493‘540.--
(
Fr.
679‘000.--
+
Fr.
814‘540.--).
3.5
3.5.1
Fraglich ist
weiter
, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
davon ausgegangen ist
, dass dem Beschwerdeführer mindestens die Hälfte des geschätzten Verkehrs
wertes der Liegenschaft
als Verzichtsvermögen anzurechnen ist. Im Rahmen von
Art.
11
Abs.
1
lit
. g
ELG
ist nämlich auf jenes hypothetische Einnahmentotal abzu
stellen, das
vorliegen
würde, wenn die Verzichtshandlung nicht erfolgt wäre (
Jöhl
/
Usinger
-Egger, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: SBVR XIV, Soziale Sicherheit, 3. Auflage 2016, S. 1892
Rz
208)
. Es ist mithin zu prüfen, ob der Beschwerdeführer
im Rahmen der güterrechtlichen Auseinandersetzung ohne die Verzichtshandlung Anspruch auf die Hälfte
des Wertes
der Liegenschaft gehabt hätte.
3.5
.2
Gemäss
Art.
215
des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB)
steht bei Auflösung des
ordentlichen
Güterstandes
der
Errungenschaftsbeteiligung
–
von dem man
gels
gegenteiliger
Hinweise
vorliegend auszugehen ist
(
Art.
181 ZGB)
–
jedem Ehe
gatten die Hälfte des Vorschlages des anderen zu, wobei sich der Vorschlag aus dem
Gesamtwert der Errungenschaft, einschliessl
ich der hinzugerechne
ten Ver
mögenswerte und
der Ersatzforderungen, nach Ab
zug der auf ihr lastenden Schulden
zusammensetzt (
Art.
210 ZGB). Demgegenüber
muss
Eigengut
bei Auf
lösung des Güterstandes nicht mit dem ander
en Ehegatten geteilt werden
(
Heinz
Hausheer
/ Regina Aebi-Müller
, in:
Honsell
/Vogt/Geiser [Hrsg.], Basler Kom
mentar ZGB,
4.
Auflage, 20
10,
Art.
198 ZGB
Rz
1)
.
Zwar hat der Beschwerdeführer die Liegenschaft
in
A._
im Jahr 1989 über
wiegend aus
Eigengu
t
finanziert
(
Urk.
6/6/4)
, wodurch sie nach dem Gesagten grundsätzlich anlässlich der güterrechtlichen Auseinandersetzung in sein
em
Allein
eigentum
verbleiben
würde. Indessen ist zu berücksichtigen, dass
die Liegenschaft bereits 1989 erworben wurde
und im Grundbuchauszug vom 2
2.
März 2016 die damalige Ehefrau des Versicherten als Alleineigentümerin auf
geführt ist (
Urk.
6/8).
O
b und in welchem Umfang
im Laufe der Zeit
Investitionen
in die Liegenschaft
vorgenommen wurden und aus w
elchen
Gütermasse
n
sie finanziert wurden
, ist unklar
.
Dies gilt auch für die Frage
, inwiefern allenfalls Amortisationen der auf der Liegenschaft lastenden Hypothek vorgenommen wurden.
Die Möglichkeit, dass solche Investitionen aus dem
Eigengut
der Ehefrau getätigt worden sein könnten, wodurch dieser eine Ersatzforderung gegenüber dem
Eigengut
des Beschwerdeführers zuzüglich einer Beteiligung am Mehrwert der Liegenschaft
zustehen könnte (
Art.
206 ZGB)
–
die unter Umständen die Hälfte des Wertes der Liegenschaft übersteigen könnte
–
hat die Beschwerde
gegnerin bei der Bemessung des Vermögensverzichtes nicht in Betracht gezogen. Die pau
schale Annahme, dass dem Beschwerdeführer
mindestens
die Hälfte de
s Wertes der
Liegenschaft zugestanden
hätte
, greift unter diesen U
mständen zu kurz und die Beschwerdegegnerin wird
in Nachachtung des geltenden Untersu
chungs
grundsatzes (vgl.
Art.
43
Abs.
1 und
Art.
61
lit
. c ATSG) weitere
Abklärun
gen
zur Finanzierung
der Liegenschaft in
A._
zu tätigen haben.
3
.6
Schliesslich
stellt sich die Frage,
ob die Hingabe der Liegenschaft in Erfüllung einer rechtlichen Pflicht erfolgt ist beziehungsweise
welche Gegenleistung der Beschwerdeführer für den Verzicht auf seinen güterrechtlichen Anspruch an der Liegenschaft erhalten hat.
Ein Verzicht liegt unter anderem dann nicht vor, wenn ein E
hegatte
sein Eigentum zur Abgeltung güter- und unterhaltsrechtlicher Ansprüche dem anderen Ehegatten übereignen muss (
Jöhl
/
Usinger
-Egger, a.a.O., S.
1859
Fn
. 766).
Zum einen verpflichtete sich die ehemalige Ehefrau des
Beschwerdeführers
mit der Scheidung
,
die Grundpfandschulden von insgesamt
Fr.
655'000.--
zu übernehmen (
Urk.
6/6/4), was als Teil der Gegenleistungen zu berücksichtigen ist (
Rz
. 3483.03
WEL
). Sodann
verzichteten die Eheleute
gemäss Scheidungsurteil
im Gegenzug auf den
Vorsorgeausgleich, aus dem der Beschwerde
führer seiner Ehefrau
Fr.
31'375.-- geschuldet hätte. Diesen Betrag hat die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom
2.
November 2020
noch nicht berücksichtigt,
führte jedoch nachträglich
zu Recht aus, dass dieser
vom Ver
zichtsbetrag abzuziehen
sei (
Urk.
6/74/2)
.
Andererseits
wurde im Scheidungs
urteil
festgehalten, der Verzicht erfolge unter Hinweis auf die Regelung des nachehe
lichen Unterhalts, wonach der Beschwerdeführer seiner damaligen Ehefrau während eines Jahres Unterhaltsbeiträge von
Fr.
1'000.-- monatlich zuzüglich der Hypothekarzinsen der Liegenschaft in
A._
bis zu einem Maximalbetrag von
Fr.
55'800.-- zu bezahlen hatte (
Urk.
6/6/2 f.).
Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass keine weiteren Unterhaltszahlungen angerechnet werden könnten, da nicht bekannt sei, wie hoch diese ausgefallen wären, wenn der Beschwer
deführer seinen Teil der Liegenschaft nicht abgetreten hätte (
Urk.
6/75/3).
Da indessen
der Verzicht ausdrücklich unter Hinweis auf die Unterhaltsregelung erfo
lgt ist und da
weitere Umstände wie
die
lange
Ehe
dauer von fast 30 Jahren
und
das
im Scheidungszeitpunkt
vorliegende beträchtliche
Einkommensgefäll
e zwischen den Ehegatten
, wobei die Ehegattin des Beschwer
deführers im Scheidungszeitpunkt bereits in einem fortgeschrittenen Alter war
(vgl.
Art.
125 ZGB), darauf hindeuten, dass ohne den Verzicht
allenfalls
höhere Unterhaltsbeiträge
hätte
n
bezahlt
werden müssen, erscheint diese Annahme nicht ohne weiteres gerechtfertigt.
Die Beschwerdegegnerin wird demnach zur korrekten Festlegung des Verzichts
vermögens
die Hintergründe und U
mstände, die zur
getroffenen Scheidungs
konvention
geführt haben,
näher abzuklären haben, um eine güterrechtliche Auseinandersetzung und den Anspruch des Beschwerdeführers aus Güterrecht im W
esentlichen fest
zu
stellen
und um zu ermitteln, welches die erhaltenen
bzw. die berechtigten
Gegenleistungen des Beschwerdeführers sind.
Sie wird in diesem Zusammenhang zu prüfen haben,
ob der Beschwerdeführer ohne den Verzicht auf die Liegenschaft zur Zahlung von höheren nachehelichen Unterhaltsbeiträgen
verpflichtet worden
wäre
und somit von einer (höheren) Gegenleistung auszu
gehen ist
.
3.7
Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass zur Beurteilung, ob
in der Anspruchs
berechnung ab Juni 2020
zu Recht die Hälfte des geschätzten Verkehrswertes der Liegenschaft in
A._
unter dem Titel Vermögensverzicht im Sinne von
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG berücksichtigt wurde, bei derzeitiger Aktenlage keine hinreichende
Entscheidgrundlage
gegeben ist und die Beschwerdegegnerin daher ergänzende Ab
klärungen dazu vorzunehmen hat.
Die Beschwerde ist somit in
dem Sinne gutzuheissen, dass der angefochtene
Ein
spracheentscheid
vom
1
4.
April
2021
(
Urk.
2) aufzuheben
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie nach erfolgter Ab
klärung im Sinne der Erwägungen
über den An
spruch auf Zusatzleistungen des Beschwerde
führers
ab dem
1.
Juni 2020
neu verfüge.