Decision ID: 1d698b18-4ef8-495f-aa13-8e6d019ed5f5
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959,
arbeitete zuletzt von Juli 2001 bis Ende Sep
tember 2004 als Textilverkäuferin/Filialleiterin bei der
Y._
AG (
Urk.
8/11). Unter Hinweis auf ein
aufgrund eines Unfalles am 2
6.
Mai 2003 erlittenes Schleudertrauma meldete sich die Versicherte am 1
1.
Mai 2004 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/2). Die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerb
liche Situation (
Urk.
8/5,
Urk.
8/9-12,
Urk.
8/16) ab, zog die Akten der zuständigen Unfallversicherung (
Urk.
8/15) bei und teilte der Versicherten daraufhin am 1
3.
Juli 2004 mit, dass zurzeit kein Anspruch auf eine Invaliden
rente besteh
e
(
Urk.
8/18). Die dagegen erhobene Einsprache vom
2
2.
Juli 2004 (
Urk.
8/20) wurde mit undatiertem
Einspracheentscheid
(
Urk.
8/28) gut
ge
heissen und der Versicherten
daraufhin mit Verfügung vom
3.
März 2005 (
Urk.
11)
ab dem
1.
Mai 2004 eine ganze Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 73
%
zugesprochen.
Mit Mitteilungen vom 1
7.
Januar 2005 (
Urk.
8/43) sowie 1
3.
August 2008 (
Urk.
8/63) wurde der Anspruch auf die bisherige Invaliden
rente bestätigt.
1.2
Nach Eingang des Revisionsfragebogens vom 2
8.
August 2012 (
Urk.
8/65) ver
an
lasste die IV-Stelle insbesondere eine polydisziplinäre Begutachtung in den Fachdisziplinen Allgemeine
Innere Medizin, Orthopädie,
Psychiatrie
und Neuro
psychologie
, über welche am 1
7.
Dezember 2013 berichtet wurde (
Urk.
8/96).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/101
,
Urk.
8/103,
Urk.
8/105,
Urk.
8/107-108) hob die IV-Stelle die bisherige ganze Invalidenrente mit Verfü
gung vom
7.
August 2014 (
Urk.
8/110 =
Urk.
2) wiedererwägungsweise auf.
2.
Die Versicherte erhob am 1
5.
September 2014 Beschwerde gegen die Verfügung vom
7.
August 2014 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
3.
November 2014 (
Urk.
7) die A
bwei
sung der Beschwerde, was der
Beschwerdeführer
in
am 1
1.
November 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Geburts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
IVG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sionsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.3
Der Revisionsordnung gemäss
Art.
17 ATSG geht jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E. 2a;
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine
Renten
verfügung
auch dann abändern, wenn die Revisionsvoraussetzungen des
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprüng
lichen Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf
Art.
17
Abs.
1 ATSG gestützte Revisionsverfügung der Verwaltung mit dieser Begrün
dung schützen (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung lässt sich eine allgemein gültige
betragliche
Grenze für die Voraussetzung der Erheblichkeit der Berichtigung nicht festlegen. Massgebend sind vielmehr die gesamten Umstände des Einzelfalles. Bei periodischen Leistungen ist die Erheb
lichkeit der Berichtigung zu bejahen (BGE 119 V 475 E.
1c; Urteil des Bundes
gerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hinweisen.
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, dass
die
ursprüngliche
Rentenzusprache
gestützt
auf eine
n
nicht genügend respektive
nicht
umfassend abgek
lärten Sachverhalt erfolgt sei
(S. 2).
Nach der Beurteilung von
Dr.
Z._
hätte eine
volle Arbeitsfähigkeit innerhalb der nächste
n sechs
Monate erreicht werden soll
e
n
,
weshalb er
die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit nicht beurteilt und berufliche Massnahmen nicht empfohlen
habe
. Eine Inva
liditätsbemessung nur aufgrund einer massgeblichen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sei nicht rechtskonform. Die entsprechende Verfügung sei zweifellos unrichtig und daher
wiedererwägungs
weise
aufzuheben.
Aktuell sei die Beschwerdeführerin begutachtet worden
,
wobei
sich aus psychischer Sicht keine zu berücksichtigende Arbeitsunfähigkeit
ergebe
. Aus somatischer Sicht bestehe eine verminderte Belastbarkeit der
Hals
wirbelsäule
(
HWS
)
mit einer gewissen schmerzhaften Funktionseinschränkung. Die bisherige Tätigkeit sei nur noch zu 50
%
zumutbar. Ei
ne körperlich leichte Tätigkeit
ohne Einnahme von HWS-Zwangshaltungen, ohne Heben und Tragen von Lasten über 5 kg und ohne Überkopfarbeiten
sei
der Beschwerdeführerin spätestens seit der Begutachtung voll
umfänglich zumutbar (S. 3). Es sei
der Beschwerdeführerin
ferner
zumutbar, die medizinisch attestierte Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten. Da ein Invaliditätsgrad von 3
%
resultiere, bestehe k
ein Rentenanspruch (S. 4).
2.2
Demgegenüber vertrat die Beschwerdeführerin den Standpunkt
(
Urk.
1)
,
die dama
lige Einschätzung der Beschwerdegegnerin sei ohne weiteres vertretbar gewesen. Die Tatsache, dass das damalige Vorgehen der Beschwerdegegn
erin allenfalls nicht mehr der
heutigen Praxis entspreche, reiche nicht aus, um eine zweifellose Unrichtigke
it an
zu
nehmen. Zwar habe sich
Dr.
Z._
tatsächlich nicht explizit zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit geäussert. Allerdings habe er
die Einschränkungen
in seiner medizinischen Beurteilung der Arbeitsbelastbarkeit durchaus festgehalten. Die Beschwerdegegnerin
sei
mit ihrem
Regionalen Ärztlichen Dienst (
RAD
)
damit ohne weiteres in der Lage gewesen, die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit zu beurteilen. Der Invaliditätsgrad sei deshalb auch nicht anhand der Arbeitsfähigkeit im ange
stammten Beruf ermittelt worden, sondern anhand eines Einkommensvergleichs mit einer Tätigkeit in
einer angepassten
Arbeit. Die Beschwerdegegnerin habe
denn zur Bemessung des Invalideneinkommens auch auf die
statistischen Werte
der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstruk
turerhebung
(LSE)
abgestellt (S. 8 f.). Die Rentenverfügung könne deshalb nicht in Wiedererwägung gezogen werden. Auch liege kein Revisionsgrund vor.
Im Gutachten sei festgehalten worden, dass eine eigentliche Veränderung des Gesund
heitszustandes nicht habe festgestellt werden können.
Die Gutachter würden somit in aller Deutlichkeit festhalten, dass sie nur eine andere Beurtei
lung des gleich gebliebenen Gesundheitszustandes vorgenommen hätten (S. 10). Der Vollständigkeit halber sei darauf hinzuweisen, dass das Gutachten an einem erheblichen Mangel leide, indem die neuropsychologische Untersuchung durch eine Person ohne neuropsychologische Ausbildung und Praxis durchgeführt worden sei (S. 11).
2.3
Strittig und zu prüfen
ist
, ob die ursprüngliche
Leistungszusprache
im Sinne von
Art.
53
Abs.
2 ATSG zweifellos unrichtig und
die
wiedererwägungsweise Aufhebung
der Rente
zulässig war.
3.
3.1
Der rentenzusprechenden Verfügung vom
3.
März 2005 (
Urk.
11) lagen im Wesentlichen die nachfolgenden Arztberichte zugrunde.
3.2
Die Ärzte der
A._
informierten mit Austrittsbericht vom 2
2.
November 2003 (
Urk.
8/9/8-12) über die stationäre
muskuloskelettale
Reha
bilitation der Beschwerdeführerin vom 2
7.
Oktober bis zum 2
2.
November 2003 bei Status nach HWS-Distorsionstrauma aufgrund eines im Ma
i 2003
erlittenen Auffahrunfall
e
s
. Nach dem Unfall seien intermittierend Schw
indelattacken auf
getreten.
D
ie Beschwerdeführerin
habe
sich bei einem Sturz
zudem
eine Partialruptur der kranialen
Subscapularissehne
zugezogen
. Die Beschwerde
führer
in s
e
i
einem intensiven physiotherapeutischen Programm zugeführt wor
den. Zudem habe sie eine Bewegungstherapie, ein ihr angepasstes Krafttraining sowie ein Ausdauertraining auf dem Ergometer erhalten. Nach intensiven Übungen habe die Beschwerdeführerin die HWS besser muskulär stabilisieren können und sei im Alltag belastbarer gewesen (S. 1).
3.3
Am
8.
Dezember 2003 wurde die Beschwerdeführerin aufgrund der Intervall-Ruptur der rechten Schulter von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie sowie für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewe
gungs
apparates,
C._
, operiert (vgl. Operationsbericht,
Urk.
8/12/9). Als Befund wurde
F
olgendes aufgeführt: zirka 1 x 2 cm grosse,
antero
-laterale
Supraspinatussehnenruptur
,
Bizepssehne
lateral luxiert und auffallend ver
breitert
,
v
orderer unterer
Akromialsporn
mit chronischer Bursitis
subacromialis
,
v
ordere untere
Akromioplastik
,
p
artielle Resektion der Bursa
subacromialis
.
Mit Bericht vom 2
8.
Juni 2004 (
Urk.
8/12/1-4) führte
Dr.
B._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 1):
Status nach
Rotatorenmanschettenriss
rechte Schulter
HWS-Schleudertrauma am 2
6.
Mai 2003
Status nach Operation: Sehnennaht am
8.
Dezember 2003
In der bisherigen Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin halbtags arbeitsfähig, sobald sich der Verspannungsstatus reduziert habe, das bedeute in zirka 3
4
Wochen (S. 4).
3.4
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte mit Bericht vom
4.
Juni 2004 (
Urk.
8/9/1-5) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
HWS
–Distorsionstrauma infolge eines Auffahrunfalles am 2
6.
Mai 2003, eine psychovegetative Begleitsymptomatik mit Konzentrations
störungen sowie eine verminderte Belastbarkeit auf. Aktuell sei eine gute Prog
nose zu erwarten. Die Konzentrationsfähigkeit habe sich deutlich verbessert, Schulter- sowie Nackenbeweglichkeit seien gut und es bestehe keine pathologi
sche Neurologie. Seit dem
3.
Mai 2004 bestehe eine 70
%
Arbeitsunfähigkeit.
Innerhalb der nächsten sechs Monate sei e
ine 100%ige Arbeitsfähigkeit reali
sierbar, weshalb sich berufliche Massnahmen
nicht aufdrängen würden (S. 5).
3.5
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera
pie,
RAD
, gab mit Stellungnahme vom 1
7.
September 2004 an, dass auf die Angaben zur Arbeitsunfähigkeit von
Dr.
Z._
abgestellt werden könne. Nach Ablauf des Wartejahres bestehe demnach eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit. Eine Revision habe Ende Jahr zu erfolgen (
Urk.
8/25 S. 2).
4.
4.1
Beim Erlass der vorliegend angefochtenen, rentenaufhebenden Verfügung (
Urk.
2) stützte sich die Beschwerdegegnerin auf die nachfolgenden
Arztbe
richte
.
4.2
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Neurologie, gab anlässlich des
Revisions
fragebo
gens
vom 2
8.
August 2012 (
Urk.
8/65) an, dass er die Beschwerde
führerin seit dem 1
3.
November 2000 behandle und diagnostizierte einen
chronifizierten
Zustand mit
Zervikalsyndrom
bei Status nach
HWS
Distor
sions
trauma
am 2
6.
Mai 200
3.
Die gegenwärtige Behandlung bestehe in Physiothe
rapie und
Einnahme von Medikamenten. Alle bisherigen Arbeitsbemühungen
seien ge
scheitert. Die Beschwerdeführerin sei nicht arbeitsfähig (S. 3).
Mit Schreiben vom
9.
Dezember 2012 zuhanden der zuständigen Unfallver
siche
rung (
Urk.
8/68/2-3) gab
Dr.
E._
an, dass es ab Juni 2012 zu einer erneuten Verschlechterung mit
Trümmel
, Kopfs
chmerzen sowie
Ver
spannungs
gefühl
im Nacken-/Halsbereich gekommen sei. Als Befund nannte er eine lokal massive Empfindlichkeit im gesamten Nackenbereich mit ausgepräg
ter
Druck
dolenz
und eingeschränkter HWS-Beweglichkeit (S. 1). Es sei mit einem weiter
hin fluktuierenden Verlauf zu rechnen (S. 2).
4.3
Im September 2013 erfolgte die von der Beschwerdegegnerin veranlasste interdis
ziplinäre Begutachtung der Beschwerdeführerin im
F._
in den Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie, Psychiatrie sowie Neuropsychologie. Die Ärzte des
F._
erstatteten ihr Gutachten am 1
7.
Dezember 2013 (
Urk.
8/96).
Aus rein internistischer Sicht bestünden keine pathologischen Befunde (S. 19
Ziff.
4.1.3). Es resultiere daher keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 19
Ziff.
4.1.5).
In der orthopädischen Begutachtung wurden folgende Diagnosen aufgeführt (S.
25
Ziff.
4.2.4):
chronifiziertes
zervikovertebragenes
Syndrom bei
ausgeprägter
Osteochondrose
und
Spondylarthrose
C3 bis Th1
zervikaler Fehlstatik mit ausgeprägten
Tendomyosen
Spannungskopfschmerzen
konstitutioneller
ligamentärer
Laxität
Status nach HWS-Distorsionstrauma am 2
6.
Mai 2003
Status nach Sturztrauma am 2
4.
Juni 2003 mit
Distorsion des rechten Daumens, folgenlos ausgeheilt
Status nach Operation der
Rotatorenmanschette
nach Ruptur rechts am
8.
Dezember 2003, folgenlos ausgeheilt
Status nach operativer Korrektur einer habituellen
Patellaluxation
1991 links, folgenlos ausgeheilt
Verdacht auf mediale
Meniscopathie
rechts
Bei der Untersuchung habe sich eine als schmerzhaft angegebene
Funktionsein
schränkung
der HWS ergeben, speziell bei segmentaler Palpation, wenn auch die Summationswerte nur gering vermindert gewesen seien. Radiologisch habe sich der klinische Eindruck einer fortgeschrittenen Degeneration der HWS, spe
ziell der unteren Hälfte, bestätigt. Die radiologisch dargestellten
Verschleiss
veränderungen
seien als wesentlich einzustufen. Diese würden mit den beklag
ten Beschwerden konform gehen und diese weitgehend erklären (S. 26 Mitte).
Körperlich schwere und mittelschwere
sowie die HWS belastende Tätigkeiten
seien nicht möglich. Ebenso nicht möglich seien Überkopfarbeiten und Tätig
keiten mit Zwangshaltungen der HWS. Adaptierte Tätigkeiten, welche diese Einschränkungen berücksichtigen würden, seien vollschichtig möglich (S. 27
Ziff.
4.2.7).
In psychiatrischer Hinsicht sei die psychopathologische Prüfung weitgehend unauffällig gewesen. Selbst die Schmerzen seien von der Beschwerdeführerin nicht als dauernde quälende Schmerzen dargestellt worden und
stünden
in der
Biographieerhebung
nicht einmal im
Vordergrund ihrer Klagen. Die Beschwer
deführerin
sei bei klarem Bewusstsein, allseits orientiert und zeige keine
Aggra
vationstendenz
. Angedeutet bestehe eine gewisse rasche Besorgung und eine gewisse Tendenz, schwierige Lebensumstände etwas näher an sich rankommen zu lassen. Der Beschwerdeführerin würde es aber immer gut gelingen, sich trotz der Trauer auch wieder daraus zu befreien. Das Kontaktverhalten sei offen. Es bestünden keine formalen oder inhaltlichen Denkstörungen, Wahrnehmungs
störungen, Sinnestäuschungen oder Persönlichkeitsstörungen. Auch lägen keine Hinweise auf wesentlich ängstliche Persönlichkeitszüge vor. Die Stimmung und der Affekt seien angepasst und gemütsvoll. Die
mnestischen
Funktionen seien klinisch genügend. Die Gedächtnisleistung sei gut. Die Konzentrationsfähigkeit sei nicht reduziert (S. 30
Ziff.
4.3.3). Demgemäss liege kein psychiatrisches Leiden mit invalidisierendem Ausmass auf die Arbeitsfähigkeit vor (S. 31
Ziff.
4.3.4). Eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung könne nicht festge
halten werden. Auch wenn die Schmerzen somatisch nicht genügend erklärbar seien, seien die Bedingungen für diese Diagnose nicht gegeben (S. 31
Ziff.
4.3.5 unten). Aus rein psychiatrischer Sicht lasse sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen (S. 33
Ziff.
4.3.7).
Im neuropsychologischen Testprofil habe sich eine im Bereich der Intelligenz durchschnittlich leistungsfähige Beschwerdeführerin gezeigt. In sämtlichen durch
geführten Verfahren fänden sich durchschnittlich oder gut durchschnittli
che Leistungen. Lediglich auf dem Gebiet der Merkfähigkeit für Zahlen f
ände
sich ein leicht unterdurchschnittliches Resultat. Dabei handle es sich um ein Zufallsresultat, da die Kopfrechenfähigkeit durchschnittlich ausfalle. Diese setze eine Merkfähigkeit für Zahlen zwingend voraus (S. 37 unten).
In der abschliessenden Konsenskonferenz führten die Ärzte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen ein
chronifiziertes
zer
vikovertebragenes
Syndrom auf (S. 40
Ziff.
7). Das Ausmass und die Intensität der Beschwerden könnten aus rein somatischer Sicht
nicht vollumfänglich erklärt werden
. Es sei eine gewisse psychogene Überlagerung im Sinne einer
gewissen Schmerzfehlverarbeitung
vorhanden
. Diese Schmerzfehlverarbeitung könne jedoch nicht im Sinne einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung gewertet werden (S. 42 Mitte). Zusammenfassend
sei der Beschwerdeführerin
die bisherige Tätigkeit als Verkäuferin/Filialleiterin zu 50
%
zumutbar
. Dies gelte ab dem Datum des Gutachtens (S. 42
Ziff.
10). Adaptierte Tätigkeiten, das heisse
körperlich leichte Tätigkeiten
ohne Einnahme von HWS-Zwangshaltungen, ohne Heben und Tragen schwerer Lasten über 5 kg, ohne Überkopftätigkeiten
,
seien vollschichtig möglich. Für eine solche Tätigkeit lasse sich keine Ein
schränkung formulieren. Auch diese Beurteilung gelte ab dem Zeitpunkt des Gutachtens, da die Beschwerdeführerin bisher eine volle Rente bezogen habe (S.
43
Ziff.
11). Die Prognose bezüglich Entwicklung der Arbeitsfähigkeit sei weit
gehend stationär. Es sei davon auszugehen, dass weder eine Verschlechte
rung noch eine Verbesserung auftreten werde (S. 43
Ziff.
13). Es lasse sich nicht nachvollziehen, w
eshalb
die Beschwerdeführerin bei der
Rentenzusprache
als eingeschränkt beurteilt worden sei. Es fänden sich weder aus orthopädischer, neurologischer oder psychiatrischer Sicht objektivierbare Unfallfolgen oder struktu
relle, posttraumatische Veränderungen. Eine eigentliche Veränderung des Gesundheitszustandes könne nicht festgestellt werden, da der Gesundheitszu
stand
damals
bereits gut gewesen sei (S. 44
Ziff.
15.2).
4.4
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, RAD, empfahl mit Stellungnahme vom
7.
Januar 2014 auf das Gutachten des
F._
abzustellen (
Urk.
8/99 S. 7).
5.
5.1
Im Lichte der Sachlage im Zeitpunkt der Rentenzusprechung (vorstehend E. 1.3) ist zu prüfen, ob die damalige
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente ab Mai 2004 als zweifellos unrichtig einzustufen ist.
5.2
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine
Leistungszusprache
aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener
Rechtsre
geln
erfolgt ist oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung not
wendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen (
Invaliditätsbe
messung
, Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung, Zumutbarkeitsfra
gen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräf
tigen Leistungszusprechung darboten, als vertre
tbar, scheidet die Annahme zwei
fe
lloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit (nur),
wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist
nur ein einziger Schluss – derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfü
gung – denk
bar. Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts. Darunter fällt insbesondere
eine unvollständige Sachverhaltsabklärung aufgrund einer klaren Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61
lit
. c ATSG; Urteil des Bundesgerichts 8C_752/2010 vom 27. Januar 2011 E. 2).
5.3
Die bei der
Rentenzusprache
vorgelegenen Akten mögen aus heutiger Sicht dürf
tig erscheinen
;
dies allein bildet
jedoch
k
ein
en
Grund für eine
Wiederwä
gung
.
Offenkundig lag allerdings von ärztlicher Seite her
gar
keine Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit vor. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, dass
Dr.
Z._
die Einschränkungen
in der medizinischen Beurteilung der Arbeitsbelastbarkeit
festgehalten habe (
Urk.
1 S. 8 f.
), ändert
daran nichts, da sich hieraus keine prozentuale Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ergibt.
Die Ärztin des RAD hat ferner
nur festgehalten, dass auf die Angaben der Arbeitsunfähigkeit von
Dr.
Z._
abgestellt werden könne und demnach nach Ablauf des Wartejahres eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe (vorstehend E. 3.5). Eine Differenzierung zwischen der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und einer behinderungsangepassten Tätigkeit erfolgte nicht. Erstmals
im Einkommensvergleich der Berufsberatung vom 2
4.
September 20
0
4
(
Urk.
8/26) wurde
unvermittelt
erwähnt, dass der Beschwerdeführerin eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu 30
%
zumutbar sei und für die Berech
nung des Invalideneinkommens daher auf die Tabellenlöhne der LSE abgestellt werde. Dem liegt allerdings keine ärztliche Einschätzung zugrunde, weder von Seiten der behandelnden Arztpe
rsonen noch von Seiten des RAD.
Wird alleine von der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit, ohne Prüfung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit, auf eine Invalidität geschlossen, beruht dies auf einem rechtlich falschen Invaliditätsbegriff und die für die Bestimmung des Invaliditätsgrades massgeblichen
Art.
7 und
Art.
16 ATSG werden ausser Acht gelassen (Urteile des Bundesgerichts 8C_73/2015 vom 1
5.
April 2015 E. 3.3 und 8C_862/2013 vom 1
2.
Februar 2014 E. 4).
Eine auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der massgeblichen Arbeitsfähigkeit beruhende Invaliditätsbemessung ist nicht rechtskonform und die entsprechende Verfügung daher zweifellos unrichtig im
wiedererwägungs
rechtlichen
Sinne (Urteile des Bundesgerichts 8C_920/2009 vom 2
2.
Juli 2010 E.
2.4 und 9C_290/2009 vom 2
5.
September 2009 E. 3.1.3).
5.4
Zusammenfassend ergibt sich,
dass die Beschwerdegegnerin der
Beschwerde
führe
r
in
die Rente gestützt auf eine unvollständige
Sachverhaltsab
klärung
und somit aufgrund einer klare
n
Verletzung des
Untersuchungsgrund
satzes
zuge
sprochen hat. Es ist davon auszugehen, dass ein korrektes Vorgehen voraus
sichtlich zu einem anderen Entscheid geführt hätte. Dieses Vorgehen erweist sich insgesamt als unvertretbar und somit zweifellos unrichtig im Sinne der Rechtsprechung. Da es eine Dauerleistung betrifft, ist die Berichtigung von erheblicher Bedeutung (vorstehend E. 1.
3
). Die Wiedererwägungsvoraus
setzungen sind demgemäss erfüllt. Der Umstand, dass die
Rentenzusprache
mit Mitteilungen vom 1
7.
Januar 2005 (
Urk.
8/43) sowie 1
3.
August 2008 (
Urk.
8/63) bestätigt worden ist, steht der Wiedererwägung der ursprünglichen Rentenverfügung nicht entgegen (Urteil des Bundesgerichts I
859/05 vom 1
0.
Mai 2006 E. 2.2).
6.
6.1
Sind im Wiedererwägungsverfahren gemäss
Art.
53
Abs.
2 ATSG die
Wieder
erwä
gungs
voraussetzungen
erfüllt, ist auf die entsprechende Entschei
dung zurückzukommen
,
und es ist unter Berücksichtigung der
massgebenden Umstände ein neuer Entscheid zu fällen
.
Mit anderen Worten ist der Rentenan
spruch
ex
nunc
et pro
futuro
ohne Bindung an die ursprüngliche Verfügung in allen seinen Teilen neu zu b
eurteilen (BGE 140 V 514 E. 5.2
).
6.2
Zur Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes ist auf das Gutachten des
F._
(vorstehend E. 4.3) abzustellen. Das Gutachten umfasste die
Fachdis
ziplinen
Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie, Psychiatrie und Neuropsycho
logie, womit sich das Gutachten für die zu beurteilenden Fragen als umfassend erweist. Die Ärzte berücksichtigten die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden und erstellten das Gutachten in Kenntnis der
Vorakten
, wozu sie auch Stellung nahmen. Die Beurteilung leuchtet in der Darlegung der medizi
nischen Zusammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit werden ausführlich begründet. So führten sie insbesondere nachvollziehbar aus, weshalb die Diagnose einer
somato
formen
Schmerzstörung nicht gestellt werden könne (
Urk.
8/96 S. 31 f.). Dies wird dadurch plausibilisiert, dass aufgrund des geschilderten Tagesablaufes (
Urk.
8/96 S. 29 unten) keine Beeinträchtigungen der Alltagsfunktionen vor
liegen, die Beschwerdeführerin seit Ende 2012 keine Medikamente mehr
ein
nimmt und auch keine Physiotherapie mehr besucht (
Urk.
8/96 S. 15)
sowie
auch nie
- mit Ausnahme weniger psychiatrischer Sitzungen bei der Rehabilita
tion in der
A._
- i
n psychiatrische
r Behandlung war (
Urk.
8/96 S.
31 f.
). Das
Gutachten erfüllt damit die praxisge
mässen Kriterien (vorstehend E.
1.
5
) vollumfänglich, so dass für die
Entscheidfindung
darauf abgestellt werden kann.
6.3
Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, das Gutachten leide an einem erhebli
chen Mangel, da die neuropsychologische Untersuchung durch eine Person ohne neuropsychologische Ausbildung und Praxis durchgeführt worden sei (
Urk.
1 S. 11), so kann sie hieraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Den
Test
verfahren
im Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung kommt höchstens ergänzende Funktion zu, während die klinische Untersuchung mit
Anamneseer
hebung
, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung entscheidend bleibt (Urteile des Bundesgerichts 9C_255/2014 vom 2
9.
April 2014 E. 3.2 und 8C_266/2012 vom
2.
Juli 2012 E. 4.1). Weiter ist zu bemerken, dass das Bun
desgericht in seinem Urteil 8C_582/2010 vom
8.
Dezember 2010 E. 4.2 festge
halten hat,
dass
alleine die fehlende Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufs
organisation in der Regel nicht für den Schluss auf mangelnde fachliche Qualifikation
genüge
. Im Übrigen verlangt die Schweizerische Vereinigung der Neuropsychologinnen und Neuropsychologen (SVNP) von ihren ordentlichen Mitgliedern lediglich
,
ein abgeschlossenes Universitätsstudium der Psychologie aufzuweisen und die Neuropsychologie zu mindestens 40
%
im Bereiche der Forschung, der Diagnostik oder der Therapie als Haupttätigkeit auszuüben. Eine Zusatzausbildung zum Psychologiestudium – wie etwa die postgraduale Weiter
bildung zum Fachtitel „Fachpsychologie/Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP“
-
bildet somit nicht Aufnahmevoraussetzung (www.neuropsy
.ch
, zuletzt besucht am 1
7.
August 2015; Urteile des Bundesgerichts 8C_582/2010 vom
8.
Dezember 2010 E. 4.2 und 9C_270/2008 vom 1
2.
August 2008 E. 3.3).
6.4
Zusammenfassend ist mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen ein
chronifiziertes
zervikovertebragenes
Syndrom ausgewiesen ist. In der bisherigen Tätigkeit ist die Beschwerdeführerin zu 50
%
arbeitsfähig. In einer
behinderungsangepass
ten
, körperlich leichten Tätigkeit
ohne Einnahme von HWS-Zwangshaltungen, ohne Heben und Tragen schwerer Lasten über 5 kg
und
ohne
Überkopftätigkei
ten
ist die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsfähig.
7
.
7.1
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist vor einer Erhöhung, Herab
setzung oder Aufhebung der Rente abzuklären, ob ein Eingliederungsbedarf besteht.
Dabei ist vom Grundsatz der erwerblichen Verwertbarkeit einer ver
besserten oder wiedergewonnenen Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der
Selbstein
gliederung
auszugehen. In ganz besonderen Ausnahmefällen hat die Rechtspre
chung dennoch nach langjährigem Rentenbezug trotz medizinisch (wieder) ausgewiesener Leistungsfähigkeit vorderhand weiterhin eine Rente zuges
prochen, bis mit Hilfe von medizinisch-rehabilitativen und/oder beruflich-erwerblichen Massnahmen das theoretische Leistungspotential ausgeschöpft werden kann.
Es können im Einzelfall Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch zumutbaren Leistungsentfaltung entgegen stehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervor
geht, dass die Verwertung eines bestimmten
Leistungs
potentials
ohne vor
gängige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels
Eigenan
strengung
der versicherten Person nicht möglich ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_163/2009 vom 1
0.
September 2010 E. 4.2.2).
7.2
Diese Rechtsprechung hat das Bundesgericht im Urteil 9C_228/2010 vom 2
6.
April 2011 dahin gehend präzisiert, dass die revisions- oder
wiedererwä
gungsweise
Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei versicherten Personen, die das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15
Jahren bezogen haben, nur zulässig ist, wenn die Beschwerdegegnerin zuvor Eingliederungsmassnahmen durchgeführt hat (E.
3.3). Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass solche versicherte Personen aufgrund des fortge
schrittenen Alters oder der langen Rentendauer und der daraus folgenden lang
jährigen Arbeitsabstinenz in der Regel nicht selber in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen und sich dort selber wieder einzugliedern. Dies führt zwar für die Betroffenen nicht zu einer Art Besitzstandsgarantie. Es wird ihnen lediglich, aber immerhin zugestanden, dass die Rente grundsätzlich erst nach geleisteter Eingliederungshilfe eingestellt werden darf (vgl. erwähntes Urteil 9C_228/2010 vom 2
6.
April 2011 E. 3.5).
In der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht einheitlich beantwortet wird indessen die Frage nach dem massgeblichen Stichtag für die entsprechende Beurteilung. Im Jahr 2012 präzisierte das Bundesgericht die Rechtsprechung dahingehend, dass auf das Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit abzustellen sei (vgl. BGE 138 V 457 E. 3.3). In den kommenden Jahren hat das Bundesgericht
hingegen
wiederum in einigen Fällen ohne einlässliche Begründung auf den Zeitpunkt der rentenaufhebenden Verfü
gung respektive auf den darin verfügten Zeitpunkt der Rentenaufhebung und nicht auf den Zeitpunkt der Einleitung des Revisionsverfahrens oder der ärztli
chen Begutachtung abgestellt (vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts 9C_178/2014 vom 2
9.
Juli 2014 E. 7.2, 9C_920/2013 vom 2
0.
Mai 2014 E. 4.5, 9C_128/2013 vom
4.
November 2013 E. 4.2.1 und 8C_39/2012 vom 2
4.
April 2012 E. 5.2). Im Januar 2015 hat das Bundesgericht
in einem
publiziertem Ent
scheid
festgehalten, dass zur Feststellung der Frage der zumutbaren
Selbstein
gliederung
auf den Zeitpunkt der rentenaufhebenden Verfügung oder auf den darin verfügten Zeitpunkt der Rentenaufhebung abgestellt wird (BGE 141 V 5 E.
4).
Begründet wurde dies damit, dass bei Einleitung des Revisionsverfahrens der Ausgang der Überprüfung in aller Regel noch offen sei und die versicherte Person namentlich bei den periodisch durchgeführten Revisionen nicht von vornherein mit der Aufhebung ihrer Rente rechnen müsse. Auch die Erstattung des medizinischen Gutachtens könne nicht als massgebend betrachtet werden, da zu diesem Zeitpunkt das Ergebnis der Rentenüberprüfung ebenfalls noch nicht abschliessend feststehe, weil bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades noch weitere Faktoren mitspielen würden wie beispielsweise die Abklärungen zur Festlegung der anwendbaren Methode oder zu den beruflichen
Einsatzmög
lichkeiten
. Mit Erlass der rentenaufhebenden Verfügung sei jedoch für die versi
cherte Person ohne Zweifel klar, dass ihr Rentenanspruch unsicher sei und sie sich neu orientieren müsse (BGE 141 V 5 E. 4.2.1).
7.3
Im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
7.
August 2014 (
Urk.
2) war die am 1
6.
Januar 1959 geborene Beschwerdeführerin 55 Jahre
und 6 Monate
alt
(vgl.
Urk.
8/2 S. 1
Ziff.
1.4
)
. Die Rente bezog sie
seit dem
1.
Mai 2004, mithin seit 10 Jahren und
3
Monaten
.
Die ärztliche Begutachtung
im
F._
erfolgte in der Zeit vom
9.
bis 1
2.
September 2013, wobei die Gutachter als Zeitpunkt der 50%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und der 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit auf das Gutachtensdatum – mithin auf den 1
7.
Dezember 2013 – abstellten (
Urk.
8/96 S.
42 f.
Ziff.
10,
Ziff.
11). Zu dieser Zeit war die Beschwerdeführerin 54 Jahre und 11 Monate alt
.
Es stellt sich somit die Frage, ob die Beschwerdeführerin unter den vom Bundesgericht besonders geschützten
Bezügerkreis
fällt.
Der erwähnte BGE 141 V 5
vom Januar 2015
(vgl. vorstehend E. 7.2) bestand
im
Zeitpunkt des Erlasses der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
7.
August 2014 zwar noch nich
t, dennoch ergibt sich auch aus den weiteren zitierten Entscheiden, dass
das Bundesgericht in einigen Fällen
für die Beurtei
lung der strittigen Frage auf den Zeitpunkt der rentenaufhebenden Ver
fügung
abgestellt hat
. Dies erscheint angesichts der vor dem Erlass der Verfü
gung noch unsicheren Situation der versicherten Person als nachvollziehbar. Auch wenn man nun dem aus dem Jahr 2012 zitierten BGE 138 V 457 folgend auf den Zeitpunkt des Feststehens der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil
)Erwerbs
tätigkeit abstellen würde, ist zu erwähnen, dass
das Gutachten
lediglich ein Monat vor dem Erreichen des 5
5.
Altersjahres
der Beschwerdeführerin
erstellt wurde
und somit ein Grenzfall
vorliegt
.
A
uch
ist
darauf hin
zu
weisen, dass die Beschwerdeführerin in guten Treuen jahrelang eine ganze Invaliden
rente
bezogen
hat
und
seit
der
Rentenzusprache
keine
r
Erwerbstätigkeit
mehr nachgegangen ist
(vgl. IK-Auszug
Urk.
8/66)
. Sie verfügt zwar über eine Berufs
ausbildung als
Coiffeuse
(
Urk.
8/2 S. 3
Ziff.
5.2), arbeitete vor der
Rentenzu
sprache
allerdings
in
verschiedenen
Branchen,
so
etwa
als
Textilverkäufe
rin
/Filial
leiterin oder
bei
H._
(
Urk.
8/5
,
Urk.
8/11)
. Sie kann somit nicht auf eine gefestigte und unter den heute herrschenden Verhältnissen aktualisier
bare berufliche Erfahrung zurückgreifen, welche für die Selbsteingliederung nutzbar gemacht werden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_768/2009 vom 1
0.
September 2010 E. 4.2). Damit liegt eine erhebliche invaliditätsbedingte
arbeitsmarktliche
Desintegration auf der Hand
, so dass ihr die
Selbsteingliede
rung
auch
bei der durch die Ärzte attestierten 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht zumutbar
erscheint
. Es ist nicht ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin vor der Renteneinstellung die Frage der Zumut
barkeit der Selbsteingliederung ernsthaft und umfassend geprüft oder der Beschwerdeführerin diesbezüglich Hilfeleistungen angeboten hätte. Vielmehr hat sie von der Prüfung und dem Angebot beruflicher Massnahmen gänzlich abgesehen und die Beschwerdeführerin auf den Weg der Selbsteingliederung verwiesen, indem sie festgehalten hat, dass die Beschwerdeführerin noch nicht 55 Jahre alt sei und die Rente auch nicht seit 15
Jahren bezogen habe (
Urk.
2 S.
4,
Urk.
8/99,
Urk.
8/106 S. 2,
Urk.
8/111 S.
2).
7.4
Zusammenfassend ergibt sich, dass
angesichts der vorliegenden Umstände
eine allfällige Renteneinstellung oder Rentenherabsetzung so lange nicht gerechtfer
tigt ist, als die Beschwerdegegnerin die Wiedereingliederung nicht aktiv geför
dert und die Beschwerdeführerin nicht hinreichend auf die berufliche Eingliederung vorbereitet beziehungsweise diese sich nach durchgeführtem Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
entsprechend geweigert hat. Da die
Beschwerde
gegne
rin
bislang entsprechende Massnahmen gänzlich unterlassen und die Beschwer
deführerin auf den Weg der Selbsteingliederung verwiesen hat, i
st angesichts der mangelnden wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Arbeits
fähigkeit der Beschwer
deführerin weiterhin von der bisherigen Erwerbs
un
fähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auszugehen, womit sich ein
Ein
kommensvergleich
erübrigt.
Dies führt im Ergebnis zur Gutheissung der Beschwerde mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin einstweilen weiterhin Anspruch auf die bisherige ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
8
.
8
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden
Beschwerdegegnerin
aufzuerle
gen.
8
.2
Ausgangsgemäss steht der obsiegenden Beschwerdeführerin eine
Prozessent
schä
digung
zu, die gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) – ohne Rück
sicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen ist.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien
und beim bis Ende 2014 für Rechtsa
nwälte gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
200.-- ist die Prozessentschädigung vorliegend auf
Fr.
2‘400.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.