Decision ID: 8fced7a3-d77f-51af-886d-1b712be721c6
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) ist bei der Stadtverwaltung B._ als Chauffeur/
Kontrolleur tätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert. Gemäss Schadenmeldung UVG vom 4. September 2017 rutschte
der Versicherte am 24. August 2017 beim Verlassen der Duschwanne aus und stürzte
seitlich. Er habe den Sturz gegen das Lavabo zur Hauptsache mit den Armen
verhindern können, sei aber mit den Zähnen noch auf das Lavabo gestossen (Suva-act.
1).
A.a.
Eine Befundaufnahme mit röntgenologischer Untersuchung sowie eine
zahnärztliche Behandlung hatten am 4. September 2017 durch Dr. C._, dipl.
Zahnärztin, stattgefunden, die im Zahnschadenformular als unfallbedingte Befunde
eine Subluxation (Lockerung) bei den Zähnen 11 und 21 festhielt und die Diagnose
Frontzahntrauma mit Lockerungsgrad 3 der Zähne 11 und 21 stellte. Am 14.
September 2017 reichte die Zahnärztin eine Kostenschätzung für eine Extraktion der
Zähne 11 und 21 sowie eine künstliche Zahnkronenversorgung am Zahn 22 inklusive
weiterer zahnärztlicher Behandlungsmassnahmen und Labor in der Gesamthöhe von
Fr. 9'097.75 ein (Suva-act. 3 ff.).
A.b.
Am 28. September 2017 nahm der beratende Zahnarzt der Suva, Dr. med. dent.
D._, zum Schadenfall Stellung (Suva-act. 6). Am 4. Oktober 2017 forderte die Suva
bei Dr. C._ ergänzend eine Gesamtbissaufnahme bzw. ein OPT
A.c.
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B.
C.
(Orthopantomogramm) des Versicherten an (Suva-act. 9) und legte den Schadenfall
erneut Dr. D._ vor (Suva-act. 10).
Gestützt auf dessen Beurteilung vom 19. Oktober 2017 (Suva-act. 10) eröffnete
die Suva dem Versicherten mit Verfügung vom 25. Oktober 2017, dass keine
Unfallfolgen mit der mindestens erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen seien.
Die angefragten Versicherungsleistungen könnten deshalb nicht erbracht werden
(Suva-act. 12).
A.d.
Anlässlich eines Telefongesprächs vom 25. Oktober 2017 teilte die Suva dem
Versicherten mit, dass gemäss zweimaliger Beurteilung ihres beratenden Zahnarztes
die Unfallfolgen nur möglich seien. Die Zähne seien vorher schon beweglich gewesen.
Der Versicherte entgegnete, vor dem Unfall keine Probleme mit den Zähnen gehabt zu
haben. Er habe seit 2009 ein amputiertes Bein. Weil sein Gehirn immer noch nicht
realisiert habe, dass er nur noch einen Fuss habe, sei er gestürzt. Er habe einen Unfall
gehabt und verstehe deshalb die Leistungsablehnung der Suva nicht (Suva-act.13).
A.e.
Mit Eingabe vom 24. November 2017 erhob die CAP Rechtsschutz-
Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: CAP) namens des Versicherten gegen die
Verfügung vom 25. Oktober 2017 Einsprache (Suva-act. 17). Am 3. Januar 2018 reichte
die CAP eine Einspracheergänzung zusammen mit einer Beurteilung von Dr. C._ vom
24. November 2017 ein (Suva-act. 20).
B.a.
Mit Einspracheentscheid vom 16. April 2018 lehnte die Suva die Einsprache des
Versicherten vom 24. November 2017 ab (Suva-act. 25).
B.b.
Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, St. Gallen, mit Eingabe vom
15. Mai 2018 Beschwerde erheben und folgende Anträge stellen: 1. Der angefochtene
Einspracheentscheid der Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 16. April 2018
und die ihm zugrundeliegende Verfügung vom 25. Oktober 2017 seien vollumfänglich
aufzuheben. 2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, für die medizinischen
C.a.
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Massnahmen im Zusammenhang mit dem Zahnschaden vom 24. August 2017
aufzukommen. 3. Eventualiter seien der angefochtene Einspracheentscheid vom 16.
April 2018 und die ihm zugrundeliegende Verfügung vom 25. Oktober 2017
aufzuheben, weitere Abklärungen im Sinne der nachfolgenden Erwägungen zu
veranlassen und alsdann die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, für die
medizinischen Massnahmen im Zusammenhang mit dem Zahnschaden vom 24.
August 2017 aufzukommen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdegegnerin (act. G 1).
In der Beschwerdeantwort vom 14. Juni 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheids vom
16. April 2018 (act. G 3).
C.b.
Mit Replik vom 6. September 2018 hielt der Beschwerdeführer an den mit
Beschwerde gestellten Anträgen fest. Ergänzend führte er aus, dass er die
Zahnbehandlung im Sommer in E._ habe durchführen lassen, nachdem die
Beschwerdegegnerin die Übernahme der entsprechenden Kosten abgelehnt habe (act.
G 10).
C.c.
Mit Duplik vom 5. Oktober 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin
Nichteintreten auf die Beschwerde mangels eines schutzwürdigen Interesses an der
Anfechtung und Aufhebung desselben. Für den Fall, dass das angerufene Gericht auf
die Beschwerde eintreten sollte, werde am Antrag auf Abweisung der Beschwerde
festgehalten (act. G 12).
C.d.
Mit Schreiben vom 20. Februar 2020 ersuchte das Versicherungsgericht die Suva
um Auskunft darüber, ob ihrerseits bereits Leistungen (Heilbehandlung) ausgerichtet
worden seien, insbesondere Leistungen für die von Dr. C._ am 4. September 2017
durchgeführte Befundaufnahme mit röntgenologischer Untersuchung (act. G 14).
C.e.
Mit Schreiben vom 24. Februar 2020 teilte die Suva dem Versicherungsgericht mit,
dass sie keinerlei Leistungen (Heilbehandlung) ausgerichtet habe. Sie habe Dr. C._
lediglich Fr. 139.50 für die Orthopantomographie (OPT) bezahlt (Suva-act. 22). Sie habe
diese zu Abklärungszwecken in Auftrag gegeben (act. G 15).
C.f.
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Erwägungen
1.
Der Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung setzt zunächst einen Unfall im
Sinne von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) voraus. Als solcher gilt eine plötzliche,
nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors
auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Die versicherte Person hat Anspruch
auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen, unter anderem auf die ambulante
Behandlung durch den Zahnarzt (Art. 10 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Der Unfallversicherer ist für
Gesundheitsschäden leistungspflichtig, die natürlich und adäquat kausal mit einem
versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Irene Hofer in: Ghislaine Frésard-Fellay/
Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Basler Kommentar, Unfallversicherungsgesetz,
Basel 2019 [nachfolgend: Basler Kommentar], N 63 ff. zu Art. 6; André Nabold in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, UVG Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Bern 2018
[nachfolgend: UVG-Kommentar], N 48 ff. zu Art. 6; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich 2003, S. 53 ff.).
2.
Mit Duplik vom 5. Oktober 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin, es sei auf die
Beschwerde vom 15. Mai 2018 (act. G 1) mangels eines schutzwürdigen Interesses an
der Anfechtung und Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 16.
April 2018 (Suva-act. 25) nicht einzutreten. Der Beschwerdeführer habe gemäss Replik
vom 6. September 2018 (act. G 10) den im vorliegenden Beschwerdeverfahren zur
Diskussion stehenden Zahnschaden auf eigene Rechnung in E._ sanieren lassen,
womit ein unfallversicherungsrechtlicher Anspruch auf Heilbehandlung im Sinne von
Art. 10 Abs. 1 lit. a UVG entfalle. Diese entspreche einer Sachleistung gemäss Art. 14
ATSG, welche infolge des Wegfalls des Zahnschadens nicht mehr erbracht werden
könne. Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, ist dem Antrag der
Beschwerdegegnerin auf Nichteintreten der Beschwerde nicht stattzugegeben.
2.1.
Gemäss Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch die angefochtene
Verfügung oder den Einspracheentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse
2.2.
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an deren Aufhebung oder Änderung hat. Nach der bundesgerichtlichen Praxis setzt die
Beschwerdebefugnis voraus, dass ein praktisches oder rechtliches Interesse an der
Aufhebung oder Änderung eines Entscheids geltend gemacht werden kann, sodass
durch die Gutheissung der Beschwerde ein Nachteil wirtschaftlicher, ideeller,
materieller oder anderweitiger Natur vermieden wird, wobei das Interesse unmittelbar
und konkret sein muss. Weiter wird für die Beschwerdelegitimation verlangt, dass die
beschwerdeführende Partei durch die angefochtene Verfügung oder den
angefochtenen Einspracheentscheid stärker als jedermann betroffen ist bzw. in einer
nahen Beziehung zur Streitsache steht (vgl. zum Ganzen BGE 139 I 207 E. 1.1 und 115
Ib 389 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2018, 2C_986/2018, E. 3;
Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf, N 7 ff. zu Art. 59 mit
weiteren Hinweisen).
2.3.
Der Beschwerdeführer war der Adressat des Einspracheentscheids vom 16. April
2018, womit eine Leistungspflicht im Zusammenhang mit der Schadenmeldung vom 4.
September 2017 bzw. ein Anspruch auf zahnärztliche Heilbehandlung aus der
Unfallversicherung (Suva-act. 1, 3 ff.; vgl. Art. 10 Abs. 1 lit. a UVG) abgelehnt wurde.
Der Beschwerdeführer ist sodann selbstredend Partei des vorliegenden
Sozialversicherungsverfahrens im Sinne von Art. 34 ATSG, indem er ursprünglich
aufgrund seines gegenüber seinem Unfallversicherer gestellten Leistungsbegehrens
Anspruch auf Erlass der Verfügung vom 25. Oktober 2017 (Suva-act. 12; vgl. Art. 49
Abs. 1 ATSG) hatte, die verfügungsweise Ablehnung eines Leistungsanspruchs aus
seiner Unfallversicherung einen materiellen Nachteil mit sich brachte, welcher ihn zur
Erhebung einer Einsprache legitimierte (Art. 52 Abs. 1 ATSG), und für ihn - wie gesagt -
schliesslich auch mit dem ablehnenden Einspracheentscheid vom 16. April 2018 (Suva-
act. 25) der Nachteil materieller Natur nicht behoben wurde.
2.3.1.
Die Beschwerdegegnerin verneint im angefochtenen Einspracheentscheid vom
16. April 2018 (Suva-act. 25) Versicherungsleistungen wegen fehlender Unfallkausalität.
Hinsichtlich der durch Dr. C._ am 4. September 2017 durchgeführten
Befundaufnahme mit Röntgenuntersuchung (Suva-act. 3) hat die Beschwerdegegnerin
dem Versicherungsgericht sodann mit Schreiben vom 24. Februar 2020 mitgeteilt, dass
sie hierfür keine Versicherungsleistungen ausgerichtet habe. Der Beschwerdeführer
beantragt in der Beschwerde vom 15. Mai 2018 (act. G 1) und Replik vom 6.
September 2018 (act. G 10) aufgrund ausgewiesener Unfallkausalität die Vergütung der
Behandlungskosten des im Zusammenhang mit dem Unfall vom 24. August 2017
2.3.2.
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3.
Im Folgenden ist damit der materielle Standpunkt zu prüfen. Es ist zu beurteilen, ob die
Beschwerdegegnerin für die Kosten der Behandlung des am 4. September 2017
gemeldeten Zahnschadens - einer unbestrittenermassen radiologisch objektivierten
Lockerung der Zähne 11 und 21 des Grades 3 (Suva-act. 1, 3 ff.) - leistungspflichtig ist.
Wie bereits erwähnt, setzt die Bejahung dieser Streitfrage eine natürliche und adäquate
Unfallkausalität des Zahnschadens bzw. der zahnärztlichen Behandlungen voraus (vgl.
Erwägung 1). Für die Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs massgebend
sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein die gesundheitliche Beeinträchtigung
nicht, nicht in gleicher Weise oder nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre (conditio
sine qua non). Es ist somit nicht erforderlich, dass der Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache der gesundheitlichen Störung ist; blosse Teilursächlichkeit - auch
nur in zeitlich bestimmender Weise - genügt (vgl. zum Ganzen BGE 129 V 181 E. 3.1,
406 E. 4.3.1). Sodann kann die Haftung der Versicherung nicht mit der Begründung
entstandenen Zahnschadens. Allein angesichts der am 4. September 2017 durch Dr.
C._ durchgeführten und von der Beschwerdegegnerin nicht vergüteten
Befundaufnahme inklusive röntgenologischer Untersuchung (vgl. act. G 15) liegt mithin
ein offensichtlich schutzwürdiges Interesse des Beschwerdeführers an der Erhebung
der Beschwerde vor. Eine Gutheissung der vorliegenden Beschwerde vom 15. Mai
2018 (act. G 1) würde ihm einen praktischen Nutzen materieller Natur verschaffen (vgl.
zum Ganzen Kieser, a.a.O., N 6 und N 13 ff. zu Art. 34; BGE 133 V 1919 f. E. 4.3.1),
womit auf die Beschwerde des Beschwerdeführers vom 15. Mai 2018 mit dem
Hauptantrag, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, für die medizinischen
Massnahmen im Zusammenhang mit dem Zahnschaden vom 24. August 2017
aufzukommen (act. G 1), einzutreten ist.
Die Frage des Anspruchs auf Heilbehandlungsleistungen für eine
Auslandbehandlung ist keine formell-rechtliche Frage, die sich im Rahmen der Prüfung
der Verfahrensvoraussetzung der Beschwerdelegitimation stellt, sondern eine materiell-
rechtlich Frage, für welche ein Anrecht des Beschwerdeführers darauf besteht, dass
sich das Gericht im Rahmen des Beschwerdeverfahrens damit auseinandersetzt. Die
Verneinung einer Beschwerdelegitimation mit der Begründung, der Zahnschaden sei
weggefallen, ist nicht statthaft. Ein allfälliger Rückforderungsanspruch im Sinne von Art.
10 Abs. 1 lit. a UVG hinsichtlich einer bereits auf eigene Rechnung bezahlten
Heilbehandlung in E._ bildet jedoch nicht Streitgegenstand in diesem Verfahren.
Darüber hat die Beschwerdegegnerin, sofern die Unfallkausalität des Zahnschadens
ausgewiesen ist, allenfalls später zu befinden.
2.3.3.
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ausgeschlossen werden, eine (körperliche) Gesundheitsschädigung sei weitestgehend
einem massiven Vorzustand zuzuschreiben, und dem Unfallereignis komme
demgegenüber nur untergeordnete Bedeutung zu (Urteil des Bundesgerichts vom 19.
November 2008, 8C_399/2008, E.1.2 mit Hinweisen). Nur wenn aufgrund des
Vorzustands ein alternativer, alltäglicher Belastungsfaktor zu annähernd gleicher Zeit
dieselbe Gesundheitsschädigung hätte bewirken können, der Unfall mit andern Worten
einen beliebigen und austauschbaren - im Ursache-Wirkungszusammenhang mithin
bedeutungslosen - Anlass darstellt, ist die natürliche Unfallkausalität zu verneinen
(Gelegenheits- oder Zufallsursache; zum Ganzen SVR 2007 UV Nr. 28 S. 94, U 413/0 E.
4.2; Urteil des Bundesgerichts vom 29. November 2010, 9C_242/2010, E. 3.2).
Bei organisch objektiv ausgewiesenen Gesundheitsschäden, einschliesslich
Zahnschäden, deckt sich die natürliche weitgehend mit der - für die Leistungspflicht
ebenfalls vorausgesetzten - adäquaten Unfallkausalität. Hier spielt die unter
Adäquanzgesichtspunkten entscheidende Frage, ob das Unfallereignis nach der
allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des
eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis
allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2 mit Hinweis), für die
Begründung der Leistungspflicht praktisch keine Rolle (zum Ganzen BGE 134 V 112 E.
2.1 mit Hinweis). Bei Zahnschäden mit im Unfallzeitpunkt krankhaftem Vorzustand
könnte die adäquate Kausalität - analog zur natürlichen - nur dann verneint werden,
wenn anzunehmen wäre, dass der durch einen krankhaften Vorzustand geschwächte
Zahn zur annähernd gleichen Zeit selbst einer normalen Belastung nicht standgehalten
hätte (Urteil des Bundesgerichts vom 29. November 2010, a.a.O., E. 3.3).
3.1.
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten oder Expertin begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert
eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als
Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E.3a mit Hinweis). Nach der Rechtsprechung
ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen
gestützt auf Berichte und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen bzw. beratenden Ärzten einholen, zu
entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge
3.2.
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4.
Anforderungen in dem Sinn zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende
Abklärungen vorzunehmen sind (BGE135 V 469 f. E. 4.4). Auch Beurteilungen aufgrund
der Akten, wie sie vorliegend von Dr. D._ erstellt wurden (Suva-act. 6, 10), sind nicht
an sich unzuverlässig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen
nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen
Sachverhalts geht (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Februar 2007, U 223/06, E. 5.1.2).
Der im Sozialversicherungsprozess herrschende Untersuchungsgrundsatz (BGE
125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 I 183 f. E. 3.2)
schliesst die Beweislast im Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als
im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Da es dem
Leistungsansprecher obliegt, das Vorliegen eines (leistungsbegründenden) natürlichen
Kausalzusammenhangs zwischen dem neuen Beschwerdebild und dem Unfall
nachzuweisen, liegt die entsprechende Beweislast bei ihm. Diese Beweisregel greift
jedoch erst Platz, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes kein
wahrscheinlicher (die blosse Möglichkeit genügt nicht; BGE 117 V 360 E. 4a mit
Hinweisen; Thomas Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern
2003, S. 451 f.) Sachverhalt ermittelt werden kann (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b,
119 Nr. U 86 S. 50; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 29, 54 f.).
3.3.
Indem die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Beurteilungen von Dr. D._ vom
28. September und 19. Oktober 2017 (Suva-act. 6, 10) geltend macht, dass der bei den
Zähnen 11 und 21 des Beschwerdeführers bereits vorbestehende Parodontalzustand
einen Lockerungsgrad 3 zu begründen vermöge, verneint sie einen natürlichen
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 24. August 2017 und dem fraglichen
Zahnschaden. Eine Beurteilung der adäquaten Kausalität bzw. der Frage, ob die Zähne
11 und 21 im Unfallzeitpunkt einen krankhaften Vorzustand aufgewiesen hätten, der
selbst einer normalen Belastung nicht standgehalten hätte, musste damit nicht
vorgenommen werden. Die Frage wurde jedoch von Dr. D._ - wenn auch nicht
explizit - so doch sinngemäss beantwortet. Nachfolgend ist mithin in einem ersten
Schritt zu prüfen, ob mit den Beurteilungen von Dr. D._ der medizinische Sachverhalt
mit Blick auf die Frage der natürlichen Unfallkausalität spruchreif abgeklärt wurde.
4.1.
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Für die Beantwortung der Frage, ob eine versicherte Person als Folge eines Unfalls
einen Gesundheitsschaden erlitten hat respektive für die Abgrenzung eines
Vorzustandes von einer neuen unfallbedingten strukturellen Schädigung, stellt
insbesondere der Vergleich bildgebender Untersuchungsergebnisse aus der Zeit vor
und nach dem Unfall eine bedeutende Beweisgrundlage dar (vgl. dazu BGE 134 V 121
E. 9, 117 V 363 E. 5d/aa; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009,
8C_216/2009, E. 2; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]). Aus der
Zeit vor dem Beinahe-Sturz des Beschwerdeführers mit geschildertem Anstossen der
Zähne am Lavabo (Suva-act.1) existiert kein radiologisches Untersuchungsergebnis,
weshalb ein prä-/posttraumatischer Vergleich der Zähne 11 und 21 nicht möglich ist
und eine beim gemeldeten Unfall vom 24. August 2017 erlittene Verletzung im Ergebnis
nicht objektiviert bzw. dem Unfallereignis nicht zugeordnet werden kann. Die Frage, ob
der Beschwerdeführer mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
eine Unfallverletzung erlitten hat, ist somit anhand anderer Umstände oder Indizien im
Rahmen einer Beweiswürdigung zu ermitteln.
4.2.
Dr. D._ geht, wie bereits erwähnt, hinsichtlich der mit Grad 3 gelockerten
Zähne 11 und 21 offensichtlich von einem Vorzustand aus. Seine Beurteilung basiert
auf der einzigen Feststellung, das OPT vom 10. Oktober 2017 (Suva-act. 9) zeige
verschiedene Zähne mit apicalen Aufhellungen, welche dringend therapiert werden
müssten. Beim vorliegenden Parodontalzustand der Pfeiler der Fliegerbrücke sei eine
Zahnbeweglichkeit zu erwarten, die demnach nur möglicherweise unfallkausal sei
(Suva-act. 6, 10). Es ist zwar nicht fragwürdig, aus dem Gesundheitszustand der
übrigen Zähne Rückschlüsse hinsichtlich der zur Diskussion stehenden Zähne zu
ziehen. Ist der Gesundheitszustand der Zähne einer versicherten Person weitgehend
schlecht, kann dies nachvollziehbarerweise als Indiz für einen ebenfalls schlechten
Gesundheitszustand der zur Diskussion stehenden Zähne gelten. Allerdings ist in
Übereinstimmung mit dem Einwand des Beschwerdeführers in der Replik vom 6.
September 2018 (act. G 10) zu sagen, dass einer solchen Argumentation grundsätzlich
nur ein hypothetischer bzw. ungesicherter Charakter, eben nur Indiziencharakter,
zukommt, welche damit vorderhand auch nur einen möglichen Sachverhalt nachweisen
kann. Gerade im konkreten Fall ist es jedoch angezeigt, weitere Indizien in die
Beurteilung miteinzubeziehen.
4.2.1.
Die behandelnde Zahnärztin Dr. C._ gibt im Schreiben vom 24. November
2017 an die CAP an, bei der infolge des Unfalls vom 24. August 2017 durchgeführten
Notfallbehandlung vom 4. September 2017 seien ein Akutbefund erhoben,
Röntgenbilder erstellt und die Parodontalsituation beurteilt worden. Dabei sei erstmals
4.2.2.
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ein Lockerungsgrad 3 der Brücke 11-21-22 festgestellt worden. Da sich der
Beschwerdeführer seit dem 7. Februar 2007 nicht mehr im Zahnarztzentrum habe
behandeln lassen, sei es schwer, die Situation vor dem Unfall zu beurteilen. Aufgrund
der geringen Wurzellänge der Zähne 11 und 21 sei ein Lockerungsgrad 1 nicht
komplett auszuschliessen. Die behandelnde Zahnärztin hatte damit zwar bis zum 4.
September 2017 kein aktuelles Wissen über den Gesundheitszustand der Zähne im
Bereich der geplanten Brücke 11-21-22, doch stellte sie im Weiteren fest, dass der
Beschwerdeführer bei Beschwerden im Frontbereich schon zu einem früheren
Zeitpunkt in ihrer Praxis vorstellig geworden wäre. Eine Zahnlockerung bildet sich in
steigenden Lockerungsgraden ab. Während der Lockerungsgrad 1 einer gerade tast-
und spürbaren, kaum sichtbaren horizontalen Beweglichkeit bis 1 mm Abweichung von
der Normalstellung entspricht, zeigt sich beim Lockerungsgrad 2 bereits eine deutlich
sichtbare- und spürbare horizontale Lockerung über 1 mm und beim Lockerungsgrad 3
schliesslich eine sehr deutlich sicht- und spürbare horizontale und vertikale
Beweglichkeit - auch ohne Betasten erkennbar, da Lockerungen schon beim Wangen-
und Zungendruck auftreten (vgl. https://www.zahnwissen.de/Menue/lexikon_start.htm,
abgerufen am 28. Februar 2020). In der obgenannten Aussage von Dr. C._ ist mithin
zumindest ein plausibler Hinweis auf eine traumatische Zahnschädigung zu sehen. Dies
insofern, als es erklärbar erscheint, dass sich der Beschwerdeführer gerade eben im
Zeitpunkt des Auftretens einer Zahnlockerung Grad 3 in zahnärztliche Behandlung
begeben hat. Die Beschwerdegegnerin hat weder in der Verfügung vom 25. Oktober
2017 (Suva-act. 12) noch im angefochtenen Einspracheentscheid (Suva-act. 25) und in
den im Beschwerdeverfahren eingereichten Eingaben (Beschwerdeantwort [act. G3],
Duplik [act. G 12]) in Frage gestellt, dass der Beschwerdeführer am 24. August 2017
einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat. So führte sie als konkretes Ereignis
jeweils den in der Schadenmeldung UVG vom 4. September 2017 geschilderten
Sachverhalt an, welcher unstreitig einen Unfalltatbestand im Sinn von Art. 4 ATSG
darstellt (vgl. dazu Maurer, a.a.O., S. 176; Rumo-Jungo-Holzer, a.a.O, S. 40; André
Nabold in: UVG-Kommentar, a.a.O., N 32 zu Art. 6). Den zeitlichen Zusammenhang der
Zahnlockerung Grad 3 zum Unfall vom 24. August 2017 allein mit einer Zufälligkeit zu
begründen und sie uneingeschränkt als Vorzustand zu betrachten, vermag nicht zu
überzeugen. Es besteht kein Grund, diesen Konnex nicht als Indiz für eine natürliche
Unfallkausalität zu werten. Dr. C._ geht offensichtlich davon aus, dass durch den
Unfall vom 24. August 2017 immerhin eine Verschlechterung des Zahnhalts von
Lockerungsgrad 1 zu Lockerungsgrad 3 eingetreten ist. Auffällig ist auch, dass sie - im
Gegensatz zu Dr. D._ - die Paradontalsituation, welche gerade durch sie beurteilt
worden ist, als Ursache für eine Lockerung der Zähne unerwähnt liess. Mit ihren
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5.
Äusserungen bejaht zwar Dr. C._ nicht direkt eine überwiegend wahrscheinliche
Unfallkausalität. Doch handelt es sich um Äusserungen zu Kriterien, welche für die
Beurteilung der überwiegenden Wahrscheinlichkeit des Kausalzusammenhangs
genauso massgeblich sind, wie der von Dr. D._ allein berücksichtigte
Parodontalzustand. Im Übrigen ist auch nicht einleuchtend, weshalb, sollte
ausschliesslich der Parodontalzustand für die Lockerung verantwortlich sein, nur die
beim Unfall tangierten Zähne Lockerungsgrad 3 aufweisen, die übrigen
vorgeschädigten Zähne dagegen nicht.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beurteilung von Dr. C._ vom 24.
November 2017 (Suva-act. 20) zumindest geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit der
Beurteilungen von Dr. D._ entstehen lässt. Bei diesem Beweisergebnis bzw.
angesichts der sich widersprechenden medizinischen Einschätzungen wäre die
Beschwerdegegnerin gehalten gewesen, die Sachlage nochmals vertieft abzuklären.
Stattdessen hat sie sich auf die im Sinn der vorstehenden Erwägungen unzulängliche
Beurteilung von Dr. D._ abgestützt und ohne Weiterungen den angefochtenen
Einspracheentscheid erlassen. Dem Gericht ist es mangels fachmedizinischer Kenntnis
nicht möglich, dieses Versäumnis mit einer (zahnmedizinischen) Indizienbeurteilung zu
kompensieren und zu beurteilen, welcher der zahnärztlichen Beurteilungen zu folgen
ist. Bisher wurde noch kein versicherungsexternes Gutachten eingeholt. Anlass für ein
Gerichtsgutachten besteht nicht. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie ein versicherungsexternes dentalmedizinisches Gutachten
einhole, in dessen Rahmen die Frage der Ursächlichkeit der Lockerung der Zähne 11
und 21 mit Grad 3 und im gegebenen Fall auch die Frage der adäquaten Kausalität (vgl.
dazu Erwägung 3.1) zu klären sein wird.
4.2.3.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist der angefochtene
Einspracheentscheid vom 16. April 2018 aufzuheben und die Sache zu weiteren
Abklärungen im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).5.2.
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr.
5.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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