Decision ID: cdf37564-691b-416c-ae00-f8d04fbd58f8
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1958,
meldete sich am 2
4.
August 2001 bei der Inva
lidenversicherung
wegen eines chronischen
lumbospondylogenen
Syn
droms
zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/5
Ziff.
7.2
). Die
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit
Verfügung vom
3.
Dezember 2001 bei einem Invaliditätsgrad von 67
%
eine ganze Rente ab November 2001 zu (
Urk.
6/36).
Am 3
1.
Mai 2007 wurde der Versicherte inhaftiert und es wurde eine
Straf
un
ter
suchung
wegen Betrugs eröffnet (
Urk.
6/72-73), worauf die IV-Stelle die Rente mit Verfügung vom 1
8.
Juli 2007 per sofort sistierte (
Urk.
6/74). Mit Ur
teil vom 1
5.
Mai 2008 (
Urk.
6/96) wurde der Versicherte wegen Vergehen gegen das Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
(IVG)
und Pfändungsbetrug verurteilt; er hatte in der Untersuchung und in der Hauptverhandlung vom 1
5.
Mai 2008 folgenden Sachverhalt eingestanden (
Urk.
6/96/3): Ab zirka November 2003 bis
1.
März 2005 hatte er als Aushilfskellner und Gehilfe in einem Club gearbeitet, dies pro Woche an drei bis vier Tagen für 6 Stunden; ab Januar 2007 hatte er vorerst tageweise und ab zirka März bis Ende Mai 2007 meist fünf oder sechs Tage pro Woche für eine Reinigungsfirma
geleitet
; nach der Schliessung des Clubs am
1.
März 2005 bis zur Wiederaufnahme seiner Erwerbstätigkeit im Januar 2007 war seine Arbeitsfähigkeit intakt geblieben (
Urk.
6/96/8).
Mit Verfügung vom 1
6.
Mai 2008 hob die IV-Stelle die frühere
Rentenzusprache
wiedererwägungsweise auf (
Urk.
6/88)
. Im daran anschliessenden Verfahren Nr.
IV.2008.00680 hielt das hiesige Gericht mit Urteil vom
8.
März 2010 (
Urk.
6/164) fest, dass seit November 2003 keine anspruchsbegründenden gesundheitlichen Einbussen bestanden hatten und der Versicherte die IV-Stelle darüber getäuscht hatte (S. 4 E. 2.3), womit ab November 2003 kein
Leistungs
anspruch
bestand (S. 5
Ziff.
1). Dies wurde vom Bundesgericht mit Urteil vom 2
7.
September 2010 bestätigt (
Urk.
6/171).
1.2
Am 2
3.
Februar 2011
meldete
sich
der Versicherte
wegen Rückenschmerzen
er
neut
bei der Invalidenversicherung zu
m Leist
ungsbezug an, wobei er angab, er
sei von 1995 bis 2001 erwerbstätig gewesen (
Urk.
6/177
Ziff.
5.4).
Die IV-Stelle holte
Arztberichte (
Urk.
6/184,
Urk.
6/186) und einen Auszug aus dem in
dividuellen Konto des Versicherten (IK-Auszug;
Urk.
6/181) ein. Sie veranlasste zu
dem ein
Gutachten
, das von den Ärzten des
Y._
am 2
4.
April 2012 erstattet wurde (
Urk.
6/195).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/200,
Urk.
6/202 =
Urk.
6/204
,
Urk.
6/207) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom
7.
Januar
201
3
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 10
%
eine
n Rentenanspruch des Versicherten (
Urk.
6/212 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom
7.
Januar 201
3
(
Urk.
2) erhob der Versicherte am
7.
Februar 2013 (
Urk.
1) Beschwerde und beantragte, diese
sei
aufzuheben und
es seien
ihm die gesetzlichen Leistungen, mindestens
aber
eine halbe Rente, zu
zusprechen
; e
ventuell sei ein
psychiatrisches
Gutachten
einzuholen
und
berufli
che
Abklärungen
durchzuführen
(S. 2 oben). Mit Beschwerdeantwort vom 1
1.
März 2013 (
Urk.
5) beantragte die Beschwerdegegneri
n die Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 1
9.
März 2013
wies
das hiesige Gericht de
n
Beschwerdeführer
auf
eine
n
mögliche
rweise für ihn ungünstigen Ausgang des Verfahrens hin
(
Urk.
7)
.
Innert der angesetzten Frist liess sich der Beschwerde
führer nicht vernehmen
(vgl.
Urk.
8-9)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund der medizinischen Abklärungen in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei (S. 1 unten). Zudem stellte sie keine gesundheitsbedingte Einschränkung bei der Stellensuche fest und ver
wies den Beschwerdeführer
in diesem Zusammenhang
an das Region
ale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV;
S. 2 Mitte
)
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich dagegen
in seiner Beschwerde (
Urk.
1)
auf den Standpunkt, sein psychi
s
cher Gesundheitszustand sei unzureichend abgeklärt worden und die unterschiedlichen Einschätzungen seien nicht plausibel aufge
löst. Aufgrund dieser Umstände würden sich weitere Abklärungen aufdrängen
(S. 4
Ziff.
2.1). Zudem sei der Sachverhalt
in
zeitlicher Hinsicht nur ungenügend abgeklärt, weshalb sich ergänzende Untersuchungen aufdrängen würden, da eine
befristete
Rente in Frage käme (S. 4
Ziff.
2.2). Der angefochtene Entscheid beziehungsweise das diesem zugrunde liegende
Y._
-Gutachten sei insoweit nur schwer nachvollziehbar, als ihm zwar für schwere Tätigkeiten eine Arbeitsun
fähigkeit zugebilligt werde, jedoch bereits bei mittelschweren Tätigkeiten von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde. Welche konkreten Einschrän
kungen er nun tatsächlich aufweise und welches die konkreten Folgerungen für die in Frage kommenden Arbeitsbereiche seien, sei im bisherigen Verfahren nicht ansatzweise abgeklärt worden. Für das Invalideneinkommen sei eine Hilfsarbeitertätigkeit herangezogen worden, die in der Regel meist dadurch ge
kennzeichnet sei, dass auch schwere Tätigkeit
e
n anfallen würden. Zudem sei kein „Leidensabzug“ gemacht worden, obschon die Kriterien dafür gegeben seien (S. 5
Ziff.
2.3).
2.3
Str
ittig
und zu prüfen ist,
wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers verhält und auf welche medizinischen Berichte diesbezüglich abzustel
len ist.
3.
3
.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH
,
führte
in seinem Bericht vom 1
9.
Juni 2011
(
Urk.
6/184) aus, er behandle den Beschwerdeführer seit dem 1
0.
Juli 2008 (
Ziff.
1.2) und nannte
folgende Diag
nosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Ziff.
1.1):
rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen
(F33.11)
anhaltende
depressive Störung (
F34.1)
mit und bei
chronische
m
lumbospondylogene
n
Schmerzsyndrom
Wirbelsäulenfehlform und –
fehlhaltung
mehrsegmentäre
n
degenerative
n
Veränderungen, insbesondere L5/S1 mit
foraminaler
Kompression L5 beidseits
Der Beschwerdeführer klage, er sei ständig traurig, andere Menschen und Lärm würden ihn stören, er sei am
l
iebsten alleine. Er habe jegliches Interesse ver
lo
ren und fühle sich kraftlos und müde. Er sei stark vergesslich und habe
Suizid
gedanken
, Probleme mit dem Atmen und mit seinem Herzen. Zudem habe er Sorgen um seine kranke Frau.
Dr.
Z._
führte aus, es bestünden keine
Auf
merksamkeits
- und Auffassungsstörungen, jedoch Hinweise auf Konzentrations-
und Gedächtnisprobleme. Der formale und inhaltliche Gedankengang sei weit
gehend unauffällig. Es
bestehe
ein sozialer Rückzug und
eine
Libidominderung
. Ausgehend vom bisherigen Therapieverlauf, der geschilderten Symptomatik sowie der Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers sei eher keine günstige Prognose zu erwarten (
Ziff.
1.4).
In seinem Nachtrag vom
9.
Oktober 2011 (
Urk.
6/188) führte
Dr.
Z._
aus, der Beschwerdeführer sei aus psychiatrischer Sicht behandlungsbedürftig und seit 1
0.
Juli 2008 zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 1
lit
. a). Gemäss der medizinischen Gesamtbeurteilung (psychiatrisch und somatisch) sei der Beschwerdeführer bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig. Das Gleiche gelte für die Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit (S. 2
lit
. b).
3.2
Am 1
8.
Juli 2011 (
Urk.
6/186/2-7) nannte
Dr.
med.
A._
, Innere Medizin FMH, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
rezidivierende
depressive Störung gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen
Angststörung
Spondylose der Brustwirbelsäule (BWS) mit Kei
l
wirbelbildung
Gonarthrose
rechts
Es habe sich im Vergleich zu den Voruntersuchungen aus den Jahren 2001 bis 2004 in Anbetracht des Rückenproblems nicht viel verändert. Neu sei, dass der Beschwerdeführer an einer mindestens mittelschweren depressiven Episode leide und deswegen in Behandlung beim Psychiater sei.
Die Prognose sei aufgrund des chronischen Zustandes schlecht (
Ziff.
1.4). Der Beschwerdeführer sei als Reinigungsangestellter seit 1
9.
März 2008 zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6). Die Schmerzen und die Depression seien einschränkend bei der Ausübung der Arbeit. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar
(
Ziff.
1.7).
3
.3
Dr.
med.
B._
, FMH Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
C._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
D._
, FMH Orthopädische Chirurgie,
Y._
, erstatteten am
2
4.
April 2012 ihr
poly
diszipli
näres
Gutachten (
Urk.
6/195) gestützt
auf die fachärztliche Untersuchung am 2
1.
März 2012 und die
Vorakten
(S. 1 ff.).
Sie stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 16
Ziff.
5.1):
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom unter lumbaler Betonung ohne fassbare
radikuläre
Symptomatik
radiologisch keine
höhergradigen
Veränderungen der Halswirbelsäule (HWS),
Brustwirbelsäule (
BWS
)
und Lendenwirbelsäule (LWS)
Ferner nannten sie folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 16
Ziff.
5.2):
Somatisierungsstörung
(F45.0)
Hypercholesterin
ä
mie
, behandelt
Aus Sicht des Bewegungsapparates beeinflusse das chronische panvertebrale Schmerzsyndrom die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Aufgrund der an der Wirbelsäule beklagten Beschwerden seien
körperlich
schwere Tätigkeiten eher ungeeignet und sollten ihm nicht zugemutet werden. Für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten unter Wechselbelastung bestehe hingegen auf
grund der objektivierbaren Befunde eine zeitlich und leistungsmässig uneinge
schränkte Arbeitsfähigkeit. Das wiederholte Heben und Tragen von Lasten über 15 kg sollte dabei vermieden werden. In Anbetracht der objektivierbaren Befunde sollte bei einer derartigen Tätigkeit im Vergleich zum jetzigen Alltags
leben kaum eine wesentlic
he Schmerzprovokation entstehen
, sodass diese auch zumutbar sei.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Es könne dem Beschwerdeführer zugemutet werden, trotz der geklagten Beschwer
den die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um ganztags einer beruflichen Tätigkeit nachgehen zu können. Aus polydisziplinärer Sicht bestehe eine unein
geschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit in sämtlichen körperlich leichten bis mittelschweren, adaptierten Tätigkeiten (S. 17
Ziff.
6.2). Sie führten weiter aus, dass für körperlich schwer belastende Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit ab dem 1
4.
September 2001 angenommen werden könne.
Es sei nur schwierig möglich, aufgrund der vorliegenden Akten die Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten zu einem früheren Zeitpunkt retrospektiv gesehen mit Sicherheit zu beurteilen. Somit gelte die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten mit Sicherheit ab
dem Zeitpunkt
der Untersuchung im März 201
2.
Aufgrund der Akten könne jedoch retrospektiv gesehen aus gutachterli
cher Sicht eine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten nicht nachvollzogen werden
(S. 17 f.
Ziff.
6.3).
4
.
4
.1
Der Beschwerdeführer begründete seine erneute Anmeldung im Jahr 2011 wie schon diejenige im Jahr 2001 mit Rückenbeschwerden.
Dass diese
Rücken
beschwerden
ohne relevante Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sind, hat der Beschwerdeführer selber durch seine seit November 2003 ausgeübte Erwerbs
tätigkeit unter Beweis gestellt; dementsprechend bestand seither kein
Leistungs
anspruch
. Sein Hausarzt bestätigte im Juli 2011, dass sich diesbezüglich seit 2001 bis 2004 nicht viel verändert habe (vorstehend E. 3.2). Damit überein
stimmend kamen auch die
Y._
-Gutachter (vorstehend E. 3.3) zum Schluss, dass
für
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten unter Wechselbelastung
eine volle Arbeitsfähigkeit besteht.
4.2
In psychischer Hinsicht kamen die
Y._
-Gutachter zum Schluss, dass die von ihnen diagnostizierte
Somatisierungsstörung
keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit begründe (vorstehend E. 3.3). Demgegenüber diagnostizierte der behan
delnde Psychiater im Juni 2011 eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode und eine anhaltende depressive Störung
und
attestierte eine volle Arbeitsunfähigkeit (
vorstehend E. 3
.1
). Der psychiatrische
Y._
-Gutachter
führte nachvollziehbar aus, dass er bei der Befunderhebung zwar eine bedrückte, aber keine depressive Stimmung feststellen konnte. In seiner Beurteilung hielt er fest, der Beschwerdeführer führe seinen Haushalt weitge
hend selbständig, unternehme regelmässig Spaziergänge, bereite sich regelmäs
sig eine Mahlzeit zu und treffe sich mit Kollegen.
Er
konnte damit
auch
de
n vom behandelnden Psychiater ge
schilderte
n
soziale
n
Rückzu
g nicht bestätigen
.
Würde auf die vom behandelnden Psychiater gestellte Diagnose abgestellt, so wäre
zudem
die gefestigte Rechtsprechung massgebend, wonach
leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störungen auch grundsätzlich als thera
peutisch
angehbar
gelten (vgl.
hiezu
etwa Urteile des Bundesgerichts 9C_176/2011 vom 2
9.
Juni 2011 E. 4.3 und 9C_736/2011 vom
7.
Februar 2012 E. 4.2.2.1, je mit Hinweisen).
Zudem ist auf
die
ebenfalls
in ständiger Rechtspre
chung anerkannte Verschiedenheit von Behandlungs- und
Begutachtungsauf
trag
(v
gl. BGE 137 V 210 E. 1.2.4 mit Hinweisen)
hinzuweisen;
die Berichte der behandelnden Ärzte
haben
rechtsprechungsgemäss nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objek
tiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die von der Rechtsprechung aufgestellten materiellen Anfor
derungen an ein Gut
achten.
Schliesslich
ist auch der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass die behandelnden Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5).
Demnach
ist
aus psychiatrischer Sicht
auf die Beurteilung im
Y._
-Gutachten abzustellen, womit
keine Arbeitsunfähigkeit
ausgewiesen
ist
.
4.3
Der Einwand des Beschwerdeführers, die
Y._
-Gutachter
hätten sich
bezüglich der
Arbeitsfähigkeit
nicht für die Vergangenheit fest
ge
leg
t (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
2.2)
, geht fehl. Die
Y._
-Gutachter
führten
aus, dass
a
us psychiatrischer Sicht
jeden
falls
ab
dem
Zeitpunkt der Unters
uchung im März 2012
eine volle Arbeitsfähig
keit besteht; gleichzeitig hielten sie ausdrücklich fest, retrospektiv
würde eine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollzogen werden können.
Der behandelnde Psychiater attestierte eine volle Arbeitsunfähigkeit sowohl im Oktober 2011 (vorstehend E. 3.1) als auch im Februar 2013 (
Urk.
3), was aus bereits dargelegten Gründen (vorstehend E. 4.1) auch für die Zeit vor März 2012 nicht zu überzeugen vermag.
Daraus folgt, dass auch für die
Periode
von Mai 2008 (bis zu welchem Zeitpunkt eine volle Arbeitsfähigkeit rechtskräftig feststeht) und dem
Begut
achtungszeit
punkt
) keine relevante Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist.
4.4
Der medizinische Sachverhalt ist somit dahingehend erstellt, dass der
Beschwer
deführer in einer
körperlich
leichten
bis mittelschweren
Tätigkeit
seit
November 2003
voll arbeitsfähig
ist.
Im Vergleich zu den im Zusammenhang mit der Verfügung vom 1
6.
Mai 2008 beurteilten, seit November 2003 bestehenden Verhältnissen besteht
mithin
kein anspruchsrelevanter Unterschied.
Somit hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch zu Recht verneint, womit
die Beschwerde abzuweisen ist.
5
.
5
.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen
Prozess
führung
und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
Prozess
begehren
anzusehen, bei denen die Gewinnaus
sich
ten (ex ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aus
sichtslos, wenn sich Ge
winnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massge
bend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünfti
ger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 S.
616 mit Hinweisen).
5
.2
Im Mai 2008 stellte die Beschwerdegegnerin fest, dass der Beschwerdeführer seit Jahren erwerbsfähig und -tätig war; mit Gerichtsurteil wurde im März 2010 festgehalten (und im September 2010 bestätigt), dass seit November 2003 kein
Leistungsanspruch bestand. Im Februar 2011 hat sich d
er
Beschwerdeführer
wiederum unter Hinweis auf Rückenbeschwerden erneut zum Leistungsbezug angemeldet. Dabei hat er wahrheitswidrig angegeben, er habe letztmals von 1995 bis 2001 gearbeitet (
Urk.
6/177
Ziff.
5.4).
Angesichts seines unrechtmässigen Verhaltens und
der klaren Sach- und Rechts
lage konnte der Beschwerdeführer nicht ernsthaft damit rechnen, dass seine Beschwerde gutgeheissen würde.
Bei dieser Ausgangslage hätte sich eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, nicht zu einem Prozess entschlossen, da die Verlustgefahren erheblich höher als die Gewinnaussichten waren.
5.3
Wegen Aussichtslosigkeit des Prozesses sind die Voraussetzungen für die Gewäh
rung der unentgeltlichen Rechtspflege somit nicht erfüllt, weshalb das entsprechende Gesuch bereits deswegen - ohne Prüfung der übrigen Vorausset
zungen - abzuweisen ist.
5.4
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.