Decision ID: e3fdab19-2c04-5eb1-b204-f686ed0261e9
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich im August 2007 wegen dauernder
Rückenschmerzen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV),
insbesondere für eine Umschulung, an (IV-act. 1). Nach diversen medizinischen und
beruflichen Abklärungen (vgl. insbesondere IV-act. 7, 15, 17 f.) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 5. Juni 2008 einen Anspruch auf berufliche Massnahmen und
Rentenleistungen (IV-act. 26). Im Weiteren lehnte sie mit Verfügung vom 9. Juli 2009
das Gesuch um Kostengutsprache für orthopädische Massschuhe ab (IV-act. 51).
B.
B.a Im Februar 2012 meldete sich der Versicherte wegen Rückenschmerzen,
Schmerzen an der rechten Hand, hohem Blutdruck, Schlafstörungen und Depressionen
erneut zum Leistungsbezug bei der IV an (IV-act. 55).
B.b Dr. med. B._, Praktischer Arzt, bescheinigte dem Versicherten mit ärztlichem
Attest vom 26. Februar 2012 bei diagnostiziertem Panvertebralsyndrom,
Facettengelenksarthrose lumbal, degenerativen Wirbelsäulenveränderungen,
depressivem Syndrom, Verdacht auf somatoforme Störung und Hypertonie eine 80 bis
100%-ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 61).
B.c Vom 19. Dezember 2011 bis 23. Februar 2012 war der Versicherte im
Psychiatrischen Zentrum C._ hospitalisiert gewesen. Dr. med. D._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, diagnostizierte mit Austrittsbericht vom 5. März
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2012 eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2)
bei somatoformer Schmerzstörung (ICD-10: F45.0), eine rezidivierende Lumbalgie
(ICD-10: M54.5) sowie eine Hypertonie (ICD-10: I10.90) und attestierte dem
Versicherten bei Austritt eine 20%-ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 64).
B.d Dr. med. E._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in dessen
ambulanter Behandlung der Versicherte seit dem 16. Juni 2011 stand, diagnostizierte
mit Bericht vom 21. September 2012 an die IV-Stelle eine schwere depressive Episode
ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2) sowie einen Verdacht auf eine
Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0). Auf dem ersten Arbeitsmarkt sei er maximal
30% arbeitsfähig (IV-act. 83-1 ff.).
B.e Zum Zwecke eines Aufbautrainings unterzeichneten der Versicherte, die IV-Stelle
sowie eine Verantwortliche der F._ im Januar 2013 einen Eingliederungsplan bzw.
eine Zielvereinbarung. Damit sollte die Tagesstruktur aufrechterhalten sowie nach
sechs Monaten eine Arbeitsfähigkeit von 50% erreicht werden (IV-act. 97). Am 15.
Februar 2013 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für ein Aufbautraining vom 28.
Januar bis 26. Juli 2013 (IV-act. 102). Am 1. März 2013 teilte eine Verantwortliche der
F._ mit, dass sich der Versicherte seit 27. Februar 2013 krankheitsbedingt
abgemeldet habe (IV-act. 109). Per 8. März 2013 wurde das Aufbautraining gestoppt
(IV-act. 112-3, 125).
B.f Am 12. März 2013 stellte Dr. E._ dem Versicherten ein Einweisungszeugnis zur
stationären Behandlung in der Psychiatrischen Klinik G._ aus (IV-act. 116-5). In der
Folge war der Versicherte vom 8. April bis 11. Juli 2013 in der Klinik hospitalisiert. Mit
Austrittsbericht vom 2. August 2013 diagnostizierten die involvierten Ärzte eine
schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.2), eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und paranoiden Anteilen
(ICD-10: F61.0) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4).
Bei Austritt sei der Versicherte nicht arbeitsfähig gewesen (IV-act. 139).
B.g Am 27. Januar 2014 ging bei der IV-Stelle ein anonymes Schreiben ein, wonach
der Versicherte mutmasslich regen "Handel" mit Fahrzeugen und anderen Utensilien
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betreibe. Er arbeite oft an Fahrzeugen und schleppe Säcke herum. Die von ihm
benutzte Garage sei prall voll (IV-act. 143).
B.h Bereits am 6. Dezember 2013 hatte Dr. E._ dem Versicherten ein
Einweisungszeugnis zur tagesklinischen Behandlung im Psychiatrie-Zentrum H._
ausgestellt (IV-act. 147-2). Ab dem 1. April 2014 wurde der Versicherte dort behandelt.
Mit Arztbericht vom 23. April 2014 diagnostizierte Dr. med. I._, Leitender Arzt, eine
schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3), einen
Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und
paranoiden Anteilen (ICD-10: F61.0), einen Verdacht auf eine somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.0) sowie eine arterielle Hypertonie. Er attestierte dem
Versicherten seit 7. Januar 2014 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 1.17).
B.i Am 3. April 2014 gab die IV-Stelle eine Observation in Auftrag (IV-act. 152). In der
Folge wurde der Versicherte in einer ersten Phase an verschiedenen Tagen im April
2014 (vgl. Ermittlungs- und Observationsbericht vom 28. April 2014, IV-act. 157) sowie
in einer zweiten Phase am 14. Juni 2014 (vgl. Ermittlungs- und Observationsbericht
vom 26. Juni 2014, IV-act. 170) observiert.
B.j Am 1. Juli 2014 nahm Dr. med. J._ vom regionalen ärztlichen Dienst (RAD) zum
Observationsergebnis Stellung. Es werde mit der zweiten Observationsphase bestätigt,
dass keine offensichtlichen Gründe vorliegen würden, die eine rückenadaptierte
Tätigkeit verunmöglichen würden. Auf der psychischen Ebene vermittle der Versicherte
in der zweiten Observationsphase – im Kontrast zur ersten Phase – nicht den Eindruck
eines schwer depressiven, ängstlichen, stark antriebsgeminderten und
unkonzentrierten Patienten. Die beobachteten Tätigkeiten würden sehr zielstrebig und
effizient, mit ausreichender Konzentration verrichtet. Bemerkenswert sei das legere und
selbstverständliche Auftreten in inadäquater Bekleidung in der Öffentlichkeit. Das
Erscheinen lasse beim Nicht-Fachpsychiater keinerlei Gedanken an eine schwere
ängstlich gefärbte Depression oder eine Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und
paranoiden Anteilen aufkommen. Insgesamt werde nicht mehr das Bild einer schweren
Depression mit Antriebslosigkeit, Unkonzentriertheit, fehlendem Interesse an der
Umwelt oder einer empfundenen Bedrohung durch die Umwelt vermittelt.
Möglicherweise sei es unter der aktuellen psychiatrischen Therapie seit der ersten
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Observationsphase tatsächlich zu einer signifikanten Verbesserung des
Gesundheitszustands gekommen. Die nicht einmalige Benutzung des Autos bis zur
Bahnstation (in jeweils rasantem Fahrstil) und Fortsetzung der Fahrt bis zum
psychiatrischen Zentrum in H._ mit der Bahn lasse aber auch an eine bewusste
Aggravation des tatsächlichen funktionellen Niveaus gegenüber den behandelnden
Ärzten denken. Dr. J._ empfahl vor der Durchführung einer aus medizinischer Sicht
indizierten bidisziplinären Begutachtung (rheumatologisch/psychiatrisch) eine
Befragung des Versicherten betreffend seinen Zustand (IV-act. 172). Am 23. Juli 2014
fand ein Standortgespräch bei der IV-Stelle statt (IV-act. 176). Der Versicherte wurde
dabei unter anderem mit dem Observationsmaterial konfrontiert.
B.k Vom 30. Juli bis 18. Oktober 2014 war der Versicherte in der Klinik K._
hospitalisiert. Mit Bericht vom 7. Oktober 2014 diagnostizierte lic. phil. L._ eine
schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3; IV-act.
197).
B.l Am 18. September 2014 war eine bidisziplinäre (rheumatologische/psychiatrische)
Begutachtung im Neurologicum Zürichsee in Auftrag gegeben worden (IV-act. 193). Die
Untersuchungen (durch Dr. med. M._, Facharzt Psychiatrie, und Dr. med. N._,
Facharzt Rheumatologie FMH) fanden am 10. und 11. November 2014 statt (IV-act.
194). Im September 2015 erstatteten vorgenannte Gutachter ihre interdisziplinäre
Beurteilung (IV-act. 205 f.). Diagnostiziert wurden ein chronisches
Lumbovertebralsyndrom bei degenerativen Veränderungen der Segmente L2/3 und L5/
S1, eine Osteochondrose C6/7 (aktuell oligosymptomatisch), ein Verdacht auf eine
Meralgia paraesthetica rechts (IV-act. 206-11), eine depressive Episode (gegenwärtig
remittiert; ICD-10: F32.4) sowie ein Verdacht auf narzisstische
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10: Z73.1; IV-act. 205-18). Aus rheumatologischer
Sicht sei die Arbeitsfähigkeit weiterhin lediglich durch die degenerativ bedingten
cervikalen und lumbalen Wirbelsäulenleiden eingeschränkt. Aktuell sei der Versicherte
in seiner Arbeitsfähigkeit bei körperlich schweren Arbeiten eingeschränkt. Diese seien
ihm dauerhaft nicht mehr zumutbar. Für eine wechselbelastende, körperlich leichte bis
mittelschwere Tätigkeit mit häufig möglichem Wechsel der Körperpositionen bzw. ohne
länger stehend oder sitzend durchzuführende Tätigkeiten, ohne repetitives Heben von
Lasten über 7.5 Kilogramm und Einzellasten über 20 Kilogramm sei der Versicherte in
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einem 100%-igen Pensum ohne zusätzliche Leistungseinschränkung arbeitsfähig (IV-
act. 206-14). In psychiatrischer Hinsicht wurde festgehalten, dass sich eine
Gesundheitsschädigung in der aktuellen Untersuchung aufgrund des weitgehenden
Fehlens von diagnoserelevanten Befunden nicht habe nachweisen lassen. Das Gleiche
gelte für die psychiatrische Komorbidität. Die persönlichen Ressourcen würden durch
die am ehesten vorliegende Persönlichkeitsakzentuierung nicht wesentlich tangiert,
allerdings in der Annahme einer vorhandenen motivationalen Grundlage für das
jeweilige Verhalten. In diesem Kontext sei der behandlungsanamnestisch und
eingliederungsanamnestisch dokumentierte, vom Versicherten deklarierte
Leidensdruck in einem anderen Kontext, nämlich als Ausdruck seiner trotzig-
regressiven Reaktion zu sehen und nicht als Folge einer authentischen psychischen
Störung von Krankheitswert. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte voll
arbeitsfähig (IV-act. 205-22 f.).
B.m Mit Vorbescheid vom 16. August 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 209). Dagegen erhob der
Versicherte am 9. September 2016 Einwand (IV-act. 210). Nach weiteren Abklärungen
(IV-act. 214 f.) führte die IV-Stelle eine zweite Anhörung durch (IV-act. 216). In diesem
Rahmen nahm der vom Versicherten neu mandatierte Rechtsvertreter, Rechtsanwalt
Martin Frey, St. Gallen, am 15. November 2016 Stellung (IV-act. 217). Am 29.
November 2016 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid (IV-act. 219).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 29. November 2016 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 16. Januar 2017. Der Rechtsvertreter des Versicherten (nachfolgend:
Beschwerdeführer) stellte dabei folgenden Anträge: 1. Die angefochtene Verfügung
vom 29. November 2016 sei aufzuheben; 2. Es sei ein medizinisches
Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben; 3. Dem Beschwerdeführer seien die
gesetzlichen Leistungen zu erbringen; 4. Eventualiter sei die Sache zur Vornahme
weiterer Abklärungen an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen; 5. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung durch den unterzeichnenden Rechtsanwalt zu gewähren; 6.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. Im
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Wesentlichen liess der Beschwerdeführer ausführen, dass sowohl die Observation als
auch das sich unter anderem auf das Observationsmaterial abstützende medizinische
Gutachten als widerrechtlich zu qualifizieren seien und die Verfügung allein schon aus
diesem Grund aufzuheben sei (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 10. März 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
C.c Mit Verfügung vom 21. März 2017 wurde dem Gesuch des Beschwerdeführers um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege, umfassend die Befreiung von den
Gerichtskosten und die unentgeltliche Rechtsverbeiständung, entsprochen (act. G 6).
C.d In der Replik vom 29. August 2017 liess der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
und deren Begründungen im Wesentlichen festhalten (act. G 139).
C.e Die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom 23. Oktober 2017 ihrerseits
unverändert an ihrem Antrag auf Beschwerdeabweisung fest (act. G 17).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist ein Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
2.
2.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine
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Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V
99 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.4 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
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Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im
Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess
tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der
Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift
allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen, 138 V 221 f. E. 6). Die Verwaltung
resp. das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von
ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit
eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht
hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b mit
Hinweisen).
3.
Zunächst ist zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt rechtsgenüglich abgeklärt ist.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei ihrer (medizinischen) Beurteilung insbesondere
auf das rheumatologisch-psychiatrische Administrativgutachten von Dr. N._ und Dr.
M._ (IV-act. 205 f.). Der Beschwerdeführer hält die Observation für unzulässig,
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weshalb auch das Gutachten, welches in Kenntnis der Observationsunterlagen
ergangen sei, nicht beweiskräftig sei.
4.
4.1 Bezüglich der Frage ihrer Rechtmässigkeit steht mit Rücksicht auf die
Rechtsprechung (BGE 143 I 377) fest, dass die in den Monaten April und Juni 2014
erfolgten Observationen (vgl. IV-act. 157, 170) mangels genügender gesetzlicher
Grundlage unzulässig waren, weshalb eine Verletzung von Art. 8 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (EMRK; SR 0.101) und Art. 13 der Bundesverfassung (BV;
SR 101) festzustellen ist. Es bleibt zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine
Verwertung der Ergebnisse trotzdem erfüllt sind.
4.2 Praxisgemäss muss eine Observation objektiv geboten sein, das heisst, es müssen
konkrete Anhaltspunkte vorliegen, die Zweifel an den geäusserten gesundheitlichen
Beschwerden oder der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit aufkommen lassen (Urteil
des Bundesgerichts vom 30. November 2018, 8C_634/2018, E. 5.2). Bei vorgenanntem
Anfangsverdacht ist die Verwertung der Observationsergebnisse nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung zulässig, sofern eine Abwägung der privaten und
öffentlichen Interessen ergibt, dass letztere überwiegen. Voraussetzung für die
Verwertbarkeit einer gegen Art. 8 EMRK verstossenden Videoaufnahme ist nach
Auffassung des höchsten Gerichts weiter, dass nur Handlungen des Versicherten
aufgezeichnet werden, die er aus eigenem Antrieb und ohne äussere Beeinflussung
machte, wobei ihm keine Falle gestellt werden darf. Von einem absoluten
Verwertungsverbot wäre nur dann auszugehen, wenn es um Beweismaterial ginge, das
im nicht öffentlich frei einsehbaren Raum zusammengetragen wurde (BGE 143 I 385 f.
E. 5.1.1 und 5.1.3).
4.3 Bereits anlässlich der Abklärungen aufgrund der ersten IV-Anmeldung zufolge
geltend gemachter Rückenbeschwerden im Jahr 2007 beschrieb Dr. med. O._,
Rheumatologie FMH, eine Tendenz des Beschwerdeführers zu körperlicher
Selbstlimitierung (IV-act. 33-8). Dr. med. P._, sprach im Jahr 2008 im Weiteren
sinngemäss gar von gewissen Rentenbegehrlichkeiten (IV-at. 17-3). Während der
Abklärungen aufgrund der aktuellen IV-Anmeldung ging der Beschwerdegegnerin im
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Januar 2014 ein anonymes Schreiben ein, wonach sich der Beschwerdeführer
körperlich rege betätige (IV-act. 143). Damit lagen zumindest in Bezug auf das auch bei
der zweiten IV-Anmeldung geltend gemachte Rückenleiden und die Schmerzen an der
rechten Hand (IV-act. 55-7) konkrete Anhaltspunkte vor, die Zweifel an den
geäusserten gesundheitlichen Beschwerden aufkommen liessen. Ein genügender
Anfangsverdacht war gegeben.
4.4 Die Observationsdokumentation zeigt (unbeeinflusste) Handlungen des
Beschwerdeführers, die im öffentlichen Raum aufgenommen wurden (IV-act. 157, 170
und CDs). Die tatsächlichen Observationen fanden an fünf Tagen im April 2014 sowie
an zwei Tagen im Juni 2014 statt. Der Beschwerdeführer wurde dabei lediglich an vier
Tagen beobachtet (IV-act. 157, 170 und CDs). Er wurde nur über einen kurzen Zeitraum
beobachtet und war weder einer systematischen noch ständigen Überwachung
ausgesetzt. In dieser Hinsicht erlitt er einen relativ geringen Eingriff in seine
grundrechtliche Position. Stellt man diesen Aspekten das erhebliche und gewichtige
öffentliche Interesse an der Verhinderung des Versicherungsmissbrauchs (vgl. dazu
Urteil des Bundesgerichts vom 17. Dezember 2009, 8C_239/2008, E. 6.4.2) entgegen,
ergibt sich, dass die vorliegenden Observationsberichte und die Videoaufnahmen in die
Beweiswürdigung miteinbezogen werden können bzw. das Administrativgutachten der
Dres. N._ und M._, aufgrund der Observation und weil teilweise auf deren
Ergebnisse verwiesen wird, nicht die Beweiskraft verliert.
5.
5.1 Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; vgl. ferner
THOMAS FLÜCKIGER, Medizinische, insbesondere hausärztliche Berichte und ihre
Beweiskraft – mit einem Seitenblick auf die medizinischen Gutachten, in: KIESER/
LENDFERS [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2013, St. Gallen 2014, S. 138 ff.).
Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der Verwaltung bei externen
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Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu
beachten (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 18. April 2006,
I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht zulässig, ein medizinisches Administrativ- oder
Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu
nehmen, wenn die behandelnden Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten.
Vorbehalten bleiben aber Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt,
weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher
Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai
2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2). Beim Gutachten des Neurologicums Zürichsee (IV-act.
205 f.) handelt es sich um ein formgerecht eingeholtes externes Administrativgutachten
(IV-act. 180, 187), welchem nur bei konkreten Indizien gegen die Zuverlässigkeit nicht
volle Beweiskraft zukommt.
5.2 In rheumatologischer Hinsicht bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass der
Beurteilung im Gutachten nicht gefolgt werden könnte. Solche macht der
Beschwerdeführer auch nicht geltend. Dem Gutachten liegt eine persönliche klinische
Untersuchung des Beschwerdeführers zugrunde (IV-act. 206-9 f.) Die somatische
(Kranken-)Geschichte und deren dazugehörenden Dokumente (inkl. bildgebende
Unterlagen) wurden von Dr. N._ im Gutachten aufgeführt (IV-act. 206-2 ff.),
einbezogen und diskutiert (IV-act. 206-11 ff.). Auch konnte sich der Beschwerdeführer
zu seinen Beschwerden und deren Entwicklung genügend äussern (IV-act. 206-7 f.).
Gestützt darauf wurden die somatischen Diagnosen überzeugend gestellt (IV-act.
206-11), ein begründetes Belastungsprofil erstellt und die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers nachvollziehbar geschätzt (IV-act. 206-14 ff.). Es kann
vollumfänglich auf das rheumatologische Gutachten abgestellt werden. Damit ist der
Beschwerdeführer aus somatischer Sicht in einer wechsel¬belastenden, körperlich
leichten bis mittelschweren Tätigkeit mit häufig möglichem Wechsel der Körperposition
bzw. ohne länger stehend oder sitzend durchzuführende Tätigkeiten, ohne repetitives
Heben von Lasten über 7.5 Kilogramm und Einzellasten über 20 Kilogramm zu 100%
ohne zusätzliche Leistungseinschränkungen arbeitsfähig.
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5.3
5.3.1 Auch das psychiatrische Teilgutachten von Dr. M._ entspricht den
Anforderungen der Rechtsprechung. Die Beurteilung erging unter Einbezug und
Diskussion der Vorgeschichte bzw. der vorhandenen (medizinischen) Aktenlage (IV-act.
205-2 ff., 205-18 ff.). Anlässlich der Exploration konnte sich der Beschwerdeführer
ausführlich zu seinen Beschwerden und deren Entwicklung äussern (IV-act. 205-13 ff.).
Die psychiatrische Befunderhebung erfolgte in Anlehnung an das anerkannte AMDP-
System (IV-act. 205-18.). Diesbezüglich konnte kein eindeutiges affektives Syndrom,
insbesondere keine dafür typische Deprimiertheit oder psychomotorische
Beeinträchtigung festgestellt werden (IV-act. 205-19). Auf der Basis der erhobenen
Befunde bzw. aufgrund des Fehlens von diagnoserelevanten Befunden stellte der
Gutachter nachvollziehbar die Diagnosen depressive Episode, derzeit remittiert
(ICD-10: F32.4) und Verdacht auf narzisstische Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10:
Z73.1). Dr. M._ begründet in Würdigung der ergangenen divergierenden
medizinischen Aktenlage und in Beachtung der eigenen Untersuchung (inklusive
Symptomvalidierungstest [Rey Memory Test; IV-act. 205-18]), warum seiner Meinung
nach früher gestellte Diagnosen (schwere depressive Episode, psychotische
Symptome, Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und paranoiden Anteilen,
anhaltende somatoforme Schmerzstörung) nicht oder nicht mehr zu stellen seien (IV-
act. 205-18 ff.). In seine Beurteilung fliessen auch Ungereimtheiten (vgl. dazu die
Ausführungen zu den visuellen Sinnestäuschungen; IV-act. 205-21), das Aussage-
sowie Antwortverhalten des Beschwerdeführers (vgl. die kritische Würdigung zur
Beschwerdeschilderung; IV-act. 205-17, 19) und die anlässlich der Observation
gemachten Beobachtungen (festgestellte Diskrepanzen und Inkonsistenzen in den
Bereichen Psychomotorik, soziale Kontakte sowie Affektpräsentation; IV-act. 205-26)
ein. Das psychiatrische Teilgutachten erscheint gestützt auf das Gesagte umfassend,
medizinisch nachvollziehbar und schlüssig begründet.
5.3.2 Es kann gestützt auf die Observationsergebnisse nicht in Abrede gestellt werden,
dass der Beschwerdeführer den Krankheitsverlauf und die Beschwerdeintensität in
somatischer und psychischer Hinsicht sowie sein noch mögliches Aktivitätsniveau
zumindest anlässlich des Standortgesprächs vom 23. Juli 2014 bei der
Beschwerdegegnerin teils übertrieben, teils falsch dargestellt hat (beispielhaft die
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Aussagen im Widerspruch zur Observation: "es ist jeden Tag gleich schlimm", "ich
habe gemerkt, dass ich den Kopf schlecht drehen kann", "ich müsste ganz langsam in
die Knie gehen und ihn [den Leuchtstift] aufheben" [IV-act. 176-4 f.], "beim Gehen
bekomme ich in der rechten Schulter Schmerzen; ich muss dann den rechten Arm so
[angewinkelt] halten oder in eine Tasche stecken" [IV-act. 176-7], "[ich gehe] vielleicht
eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde [nach draussen]", IV-act. 176-7). Ob beim
Beschwerdeführer gestützt darauf von Aggravation oder gar Simulation auszugehen ist,
kann letztlich offenbleiben (gemäss Gutachten waren konsistente Anhaltspunkte für
Malingering vorhanden; IV-act. 205-18, 20). Zumindest Verdeutlichungstendenzen des
Beschwerdeführers sind aufgrund des Gesagten nicht von der Hand zu weisen. Auch in
Beachtung des Umstands, dass eine Verdeutlichung bei der Befragung durch die
Beschwerdegegnerin (IV-act. 176) oder bei den gutachterlichen Untersuchungen (IV-
act. 205 f.) von der Natur der Sache her bis zu einem gewissen Grad verständlich ist,
besteht Anlass zur Annahme, dass der Leidensdruck des Beschwerdeführers bei
objektiver Betrachtung – sowohl in somatischer als auch in psychiatrischer Hinsicht –
nicht derart ist, wie er ihn beschreibt bzw. bei den behandelnden Ärzten jeweils
beschrieb. Auch gestützt auf diese Ausführungen ist nachvollziehbar, dass Dr. M._
zum Schluss gelangte, es seien keine relevanten psychischen Defizite (mehr)
vorhanden.
5.3.3 Es fällt zwar auf, dass sämtliche involvierten behandelnden Psychiaterinnen und
Psychiater das psychische Leiden des Beschwerdeführers weit gravierender
einschätzten als Dr. M._ (vgl. dazu die Ausführungen im Sachverhalt). Diesbezüglich
ist von Belang, dass Dr. M._ – wie erwähnt – die gestellten Diagnosen und
psychischen Einschränkungen in seinem Gutachten in umfassender Würdigung
nachvollziehbar widerlegte bzw. begründet nicht mehr bestätigte. Wichtige, seitens der
behandelnden Ärzte benannte Aspekte blieben weder unerkannt noch ungewürdigt. Die
Berichte der behandelnden Fachärzte beruhten – im Gegensatz zum
Administrativgutachten – weder auf einer umfassenden Sachverhaltskenntnis noch auf
umfassender Abklärung. So lagen diesen beispielsweise weder die
Observationsergebnisse noch die vollständigen IV-Akten vor. In dem Sinne fand keine
kritische Prüfung der geltend gemachten Beschwerden und Einschränkungen statt.
Dies führt letztlich dazu, dass die divergierenden Einschätzungen der behandelnden
Ärzte keine konkreten Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Beurteilung von Dr. M._
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darstellen und damit keine ernsthaften Zweifel an dieser Beurteilung zu begründen
vermögen. Auch dem Teilgutachten von Dr. M._ kommt damit Beweiswert zu. Dies
hat zur Folge, dass im Verfügungszeitpunkt mangels rechtsgenüglichen Nachweises
relevanter psychischer Defizite Einschränkungen aus psychiatrischer Sicht nicht
hinreichend bewiesen sind (IV-act. 205-22 f.).
5.4 Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt per
Verfügungszeitpunkt rechtsgenüglich abgeklärt wurde. Dem Administrativgutachten
kommt Beweiswert zu und es besteht kein Anlass, bezüglich der medizinisch-
theoretischen Arbeitsfähigkeit von dessen Einschätzungen abzuweichen. Aus
psychiatrischer Sicht gilt der Beschwerdeführer damit als zu 100% leistungsfähig (IV-
act. 205-22 f.). Aus somatischer Sicht ist der Beschwerdeführer in einer
wechselbelastenden, körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit mit häufig
möglichem Wechsel der Körperposition bzw. ohne länger stehend oder sitzend
durchzuführende Tätigkeiten, ohne repetitives Heben von Lasten über 7.5 Kilogramm
und Einzellasten über 20 Kilogramm zu 100% ohne zusätzliche
Leistungseinschränkungen arbeitsfähig. Auch insgesamt ist damit von einer 100%-igen
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen (IV-act. 205-29 f.). Folglich
besteht offenkundig kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40%,
sodass die konkrete Bemessung des Invaliditätsgrads unterbleiben kann.
6.
6.1 Zur Prüfung verbleibt ein allfälliger befristeter Rentenanspruch seit
frühestmöglichem Rentenbeginn (August 2012 bei Anmeldung im Februar 2012; vgl.
dazu Art. 29 Abs. 1 IVG). Diesbezüglich beantragte der Beschwerdeführer in seinem
Einwand vom 9. September 2016 zum Vorbescheid der Beschwerdegegnerin, dass die
Rentenleistungen bei über einem Jahr andauernder relevanter Arbeitsunfähigkeit
rückwirkend zu bezahlen seien (IV-act. 210-1 f.). Zu prüfen ist im Folgenden, ob
gestützt auf die medizinische Aktenlage der überwiegend wahrscheinliche Beweis
gelingt, dass der Beschwerdeführer retrospektiv die Voraussetzungen nach Art. 28 IVG
(vgl. E. 2.1) für einen befristeten Rentenanspruch erfüllt hat.
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6.2 Wie bereits unter vorstehender E. 5.4.3 angetönt, beruhen die Berichte und
Stellungnahmen bzw. die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen der behandelnden
Psychiaterinnen und Psychiater auf nicht umfassender Sachverhaltskenntnis und
Abklärung. Auch wurden die vom Beschwerdeführer geltend gemachten psychischen
Leiden und Einschränkungen keiner kritischen Prüfung unterzogen, weshalb
retrospektiv auf deren Einschätzung nicht abgestellt werden kann. Dr. M._ äussert
sich bezüglich des Beginns und zeitlichen Verlaufs dahingehend, dass das vom
Beschwerdeführer dargebotene Bild verschiedene Qualifikationen und Beurteilungen
zulasse, wobei er es auch retrospektiv favorisiere, von keinen relevanten psychischen
Einschränkungen auszugehen (IV-act. 205-23).
6.3 In Beachtung der gesamten Aktenlage erscheint durchaus möglich, dass der
Beschwerdeführer in der Vergangenheit während längerer Phasen relevante psychische
Defizite bzw. entsprechende Arbeitsunfähigkeiten aufwies. Dafür sprechen
insbesondere die stationären und teilstationären Behandlungen in den Jahren 2011 bis
2014 (vgl. dazu den Sachverhalt lit. B.c, B.f, B.h, B.k). Genauso möglich erscheint
indes, dass das von Dr. M._ aufgezeigte und diesem Beschwerdebild zugängliche
(IV-act. 205-25) willkürlich modulierbare, intendierte Verhalten des Beschwerdeführers
(IV-act. 205-21) bereits in der Vergangenheit vorgelegen hat. Wie erwähnt, genügt die
blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts den Beweisanforderungen nicht.
Relevante psychische Defizite und einen Anspruch begründende Arbeitsunfähigkeiten
bzw. Erwerbsunfähigkeiten sind damit auch in der Vergangenheit nicht überwiegend
wahrscheinlich ausgewiesen. Sie haben als unbewiesen zu gelten. Die Folgen daraus
hat der Beschwerdeführer zu tragen (vgl. vorstehende E. 2.4). Weitere Abklärungen
zum retrospektiven Verlauf wären auch aufgrund des erwähnten Aussageverhaltens
des Beschwerdeführers (E. 5.4.2), welchem insbesondere bei den vorliegend geltend
gemachten psychischen Beeinträchtigungen hohes Gewicht zukommt, nicht
zielführend. Entsprechend besteht mangels des Nachweises einer relevanten
Arbeitsunfähigkeit ab August 2012 auch kein Anspruch auf eine befristete Rente.
7.
7.1 Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 29. November 2016 nicht zu
beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
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7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. vorstehende lit. C.c) ist er von der
Bezahlung zu befreien.
7.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--.
Praxisgemäss wird die Parteientschädigung bei einem durchschnittlich aufwändigen
IV-Rentenfall auf rund Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festgesetzt. Da es sich beim vorliegenden Fall um einen solchen handelt, ist von
diesem Ansatz auszugehen, die pauschale Entschädigung aber um einen Fünftel zu
kürzen (Art. 31 Abs. 3 Anwaltsgesetz [AnwG; sGS 963.70]). Somit entschädigt der Staat
den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal (vgl. BGE 125 V 201) mit Fr.
2'800.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
7.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).