Decision ID: 604e44eb-2c3a-5b03-a890-69f154d75939
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste seinen Angaben zufolge am 26. August 2019
in die Schweiz ein, wo er am gleichen Tag im Bundesasylzentrum (BAZ)
B._ um Asyl nachsuchte. Dort wurden mittels Kurzbefragung am
2. September 2019 seine Personalien aufgenommen. Am 3. Oktober 2019
führte das SEM im Beisein der dem Beschwerdeführer damals zugewiese-
nen Rechtsvertretung die Anhörung zu den Asylgründen durch.
Zu seiner Person gab der Beschwerdeführer im Wesentlichen zu Protokoll,
er sei ethnischer Tamile christlichen Glaubens und stamme aus
C._, Distrikt D._, wo er geboren sei und bis am 6. Juni 2019
seinen Wohnsitz gehabt habe. In C._ würden eine Schwester und
seine schwangere Ehefrau leben. Seine Mutter und eine weitere Schwes-
ter würden sich in E._ aufhalten. Sein Vater sei verstorben.
Zu seinen Ausreisegründen befragt, erklärte er, 1997 habe er sich den
LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) angeschlossen. Bis zum
Kriegsende sei er bei den LTTE gewesen. Er habe zunächst das übliche
Training in einem Camp absolviert. Von Jahr zu Jahr sei er befördert
worden. An Kriegshandlungen habe er nicht teilnehmen müssen, da er der
einzige Sohn seiner Familie gewesen sei. Er sei dafür zuständig gewesen,
Daten über Soldaten zu sammeln. Die letzten vier Jahre bei den LTTE habe
seine Tätigkeit darin bestanden, Anweisungen für Waren- und Sprengstoff-
lieferungen nach F._ zu erteilen. Er habe als Verantwortlicher des
"Head Office" des Distrikts D._ fungiert und 50 bis 100 Personen
geführt.
Nach Kriegsende, von 2009 bis 2012 sei er in G._, E._,
H._, I._ und zuletzt in J._ inhaftiert gewesen. Bei all
diesen Haftanstalten habe es sich um Rehabilitationszentren des TID
(Terrorist Investigation Department) gehandelt. Während dieser Zeit sei er
befragt, misshandelt und vor Gericht geführt worden. Aus medizinischen
Gründen sei er schliesslich im März 2012 freigelassen worden.
Nach seiner Freilassung habe er bis 2013 in E._ gelebt. Für die
LTTE habe er sich nicht mehr interessiert. Danach habe er sich nach
C._ begeben, um im (...) zu arbeiten. Jeden Monat seien dort die
Polizei und/oder Angehörige des CID vorbeigekommen, um ihn zu
kontrollieren. Er habe jeweils eine Unterschrift leisten müssen. Nachdem
er am 31. August 2018 in erwähntem (...) geheiratet habe, habe ihn sowohl
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das TID (Terrorist Investigation Department) als auch das CID (Criminal
Investigation Department) gebeten, in die Armee einzutreten, um auf diese
Weise andere zu denunzieren. Er habe dies abgelehnt.
Am 2. Februar 2019 habe er eine Vorladung für das Camp in E._
erhalten. Dort habe ihn das TID, das CID, der Armeekommandant und ein
Spion erwartet. Beim Spion habe es sich um ein ehemaliges Mitglied der
LTTE gehandelt. Bereits 2009 habe ihn dieser Spion in K._
verraten. Sechs, sieben Jahre später sei der Spion erstmals im (...)
aufgetaucht und habe ihn bezichtigt, für Explosionen verantwortlich
gewesen zu sein. Der Spion habe behauptet, dass er, der
Beschwerdeführer, wisse, wo sich das Sprengstoffmaterial befinde. Er
habe dies verneint. Er habe ihnen die Lager zwischen F._ und
L._, in denen er gewesen sei, gezeigt und sie hätten diese
durchsucht. In jenen Lagern, die sich im Wald befunden hätten, seien sie
fündig geworden. Am 3. Februar 2019 sei er durch Angehörige des TID
zurück zum (...) begleitet worden. Danach seien sie gelegentlich
vorbeigekommen und hätten ihn erneut aufgefordert, in die Armee
einzutreten. Sie hätten ihm gedroht, ihre Anweisungen zu befolgen,
ansonsten sie ihn verschwinden lassen würden.
Am 25. April 2019 habe er nachts einen Anruf erhalten. Die Polizei habe
wissen wollen, wo er sich aufhalte, woraufhin er geantwortet habe, zu
Hause, was seine Frau bestätigt habe. Die Polizei habe geglaubt, dass er
mit der Explosion vom selben Tag in Verbindung gestanden habe. Am
1. Mai 2019 seien sie erneut im (...) vorbeigekommen und hätten ihn
aufgefordert, ihnen die Lager zwischen M._ bis L._ zu
zeigen, in denen er gewesen sei. Sie hätten ihn nach M._
mitgenommen. Man habe in den Lagern nach Sprengstoff gesucht und in
einem auch gefunden. Am 3. Mai 2019 sei er freigelassen worden. Noch in
derselben Nacht sei er nach N._ geflohen, wo er sich einen Monat
lang versteckt habe. Am 6. Juni 2019 sei er mit Hilfe eines Schleppers von
N._ auf dem Luftweg aus Sri Lanka ausgereist.
B.
Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens überreichte der Beschwerdefüh-
rer dem SEM verschiedene Dokumente, darunter insbesondere seine
Identitätskarte, eine Karte des Internationalen Roten Kreuzes, ein Zertifikat
betreffend seine Reintegration, ein Dokument betreffend seine Registrie-
rung durch das Internationale Rote Kreuz hinsichtlich der Bestätigung sei-
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ner Haft, eine Bestätigung der IOM (Internationale Organisation für Migra-
tion), ein Dokument, welches das TID zu seiner Befragung berechtigt habe
sowie verschiedene, in Sri Lanka ausgestellte, medizinische Dokumente.
C.
Das SEM hielt in seinem Entscheidentwurf vom 10. Oktober 2019 im We-
sentlichen fest, die vom Beschwerdeführer ab Februar 2019 dargelegten
Kontrollen und Behelligungen durch Mitglieder des CID und TID seien als
nicht glaubhaft zu erachten. Es verneinte eine Vorverfolgung des Be-
schwerdeführers und erklärte, Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rück-
kehr in sein Heimatland begründete Furcht vor künftiger Verfolgung im
asylrechtlichen Sinne habe, würden nicht vorliegen. Der Entwurf wurde der
damaligen Rechtsvertretung noch am selben Tag zwecks Stellungnahme
übermittelt.
D.
Die damalige Rechtsvertretung reichte am 11. Oktober 2019 ihre Stellung-
nahme zum Entwurf des SEM ein. Dabei argumentierte sie im Wesentli-
chen, der Beschwerdeführer habe entgegen der Ansicht des SEM seine
Vorbringen glaubhaft gemacht. Aufgrund seiner langjährigen Mitgliedschaft
bei der LTTE sei er offensichtlich einem unerträglichen psychischen Druck
ausgesetzt gewesen, welcher sich bis zu seiner Ausreise aus dem Heimat-
staat ständig erhöht habe. Obwohl ein Termin bei einem Psychologen vor-
gesehen gewesen sei, habe das SEM diesen aufgrund des vorgesehenen
Transfers des Beschwerdeführers annulliert. Das SEM habe sich mit den
gesundheitlichen Problemen des Beschwerdeführers nicht auseinanderge-
setzt, obwohl er diese in der Anhörung geltend gemacht habe und verschie-
dene medizinische Dokumente eingereicht worden seien.
E.
Mit Verfügung vom 14. Oktober 2019 hielt das SEM am Standpunkt, wo-
nach der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, fest
und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung
des Beschwerdeführers aus der Schweiz und deren Vollzug an.
Auf die weiteren vorinstanzlichen Ausführungen wird, soweit von Relevanz,
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
F.
Mit Schreiben vom 15. Oktober 2019 erklärte die damalige Rechtsvertre-
tung das Mandat für beendet.
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Seite 5
G.
Am 22. Oktober teilte rubrizierter Rechtsanwalt dem SEM mit, dass er die
Vertretung des Beschwerdeführers übernommen habe und ersuchte um
vollständige Akteneinsicht.
H.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 23. Oktober 2019 erhob der Be-
schwerdeführer gegen den Entscheid des SEM vom 14. Oktober 2019 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht.
In dieser wurde beantragt, die Verfügung sei wegen Verletzung des An-
spruchs auf rechtliches Gehör, eventualiter wegen Verletzung der Begrün-
dungspflicht sowie eventualiter zwecks Feststellung des vollständigen und
richtigen Sachverhalts aufzuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter wurde beantragt, die
Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und dem Beschwerdeführer Asyl in
der Schweiz zu gewähren sowie, die Verfügung sei betreffend die Disposi-
tivziffern 3 und 4 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und die Unzu-
lässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen.
In prozessualer Hinsicht wurde beantragt, es sei das Spruchgremium be-
kanntzugeben und es sei zu bestätigen, dass dieses tatsächlich zufällig
ausgewählt worden sei, andernfalls seien die objektiven Kriterien für die
zufällige Auswahl des Spruchgremiums bekanntzugeben. Des Weiteren
wurde um vollständige Einsicht in die vorinstanzlichen Akten unter Anset-
zung einer Frist zwecks Einreichung einer Beschwerdeergänzung ersucht.
Ausserdem wurde beantragt, dem Beschwerdeführer sei eine angemes-
sene Frist zur Beibringung von Unterlagen zu seiner Verfolgung im Jahr
2019 anzusetzen, da er versuche, ein Überwachungsvideo, aus welchem
sich seine Mitnahme ergebe, erhältlich zu machen.
Auf die Beschwerdebegründung wird, soweit für den Entscheid massge-
blich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 29. Oktober 2019 teilte der zuständige In-
struktionsrichter dem Beschwerdeführer die ihm damals bekannten Mitglie-
der des Spruchkörpers mit. Gleichzeitig forderte er den Beschwerdeführer
auf, bis zum 13. November 2019 einen Kostenvorschuss von Fr. 1‘500.–
zugunsten der Gerichtskasse einzuzahlen. Das SEM wurde aufgefordert,
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unverzüglich über das Akteneinsichtsgesuch zu befinden und dem Be-
schwerdeführer wurde die Möglichkeit eingeräumt, innert sieben Tagen ab
Gewährung der Akteneinsicht durch das SEM seine Beschwerdebegrün-
dung gutscheinend zu ergänzen. Dem Beschwerdeführer wurde ausser-
dem die Gelegenheit erteilt, innert sieben Tagen ab Erhalt der Verfügung
ärztliche Berichte sowie innert derselben Frist allfällige weitere Beweismit-
tel zu den Akten zu reichen.
J.
Das SEM gewährte dem Rechtsvertreter mit Schreiben vom 25. Oktober
2019 – eröffnet am 1. November 2019 – unter Ausnahme gewisser Akten-
stücke Einsicht in die Verfahrensakten.
K.
Mit Schreiben vom 7. November 2019 rügte der Rechtsvertreter die vom
SEM gewährte Akteneinsicht sei – nach wie vor – unvollständig, da die
Einsicht in die Beweismittel (Aktenstück Nr. 21) – wohl versehentlich –
durch das SEM nicht erfolgt sei. Der Instruktionsrichter wies das SEM da-
her mit Verfügung vom 11. November 2019 an, unverzüglich über dieses
erneute Akteneinsichtsgesuch zu befinden und setzte dem Beschwerde-
führer eine neue Frist von sieben Tagen nach Erhalt der Einsicht zwecks
Ergänzung der Begründung seiner Beschwerde an. Am 20. November
2019 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer antragsgemäss Einsicht
in dessen Beweismittel.
L.
Der Beschwerdeführer ersuchte mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
13. November 2019 um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und um Verzicht auf die Erhebung des Kostenvorschusses. Diesen Anträ-
gen gab der Instruktionsrichter mit Verfügung vom 19. November 2019
statt. Den in der Eingabe vom 13. November 2019 gestellten Antrag auf
Verlängerung der ursprünglich angesetzten Frist zwecks Einreichung eines
ärztlichen Berichts und weiterer Beweismittel wies er demgegenüber ab.
M.
Mit Schreiben vom 28. November 2019 wurde eine Beschwerdeergänzung
sowie weitere Dokumente (in Form einer CD-Rom) zu den Akten gereicht.
Eine weitere Eingabe durch die Rechtsvertretung erfolgte am 5. März
2020.
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N.
Mit Instruktionsverfügung vom 10. März 2020 erhielt das SEM die Gele-
genheit, bis zum 25. März 2020 eine Vernehmlassung zur Beschwerde
vom 23. Oktober 2019 sowie zu den weiteren Eingaben des Beschwerde-
führers einzureichen. Nach gewährter Fristerstreckung reichte das SEM
am 30. März 2020 seine Vernehmlassung ein. Diese wurde dem Be-
schwerdeführer am 7. April 2020 zur Replik bis zum 12. Mai 2020 zuge-
sandt. Eine Stellungnahme erfolgte durch den Rechtsvertreter mittels
Schreiben vom 12. Mai 2020.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist demnach – unter Vorbehalt nachfolgender Einschränkung –
einzutreten.
1.4 Auf den Antrag auf Mitteilung betreffend die Zufälligkeit der Zusammen-
setzung des Spruchkörpers ist nicht einzutreten (vgl. Teilurteil des BVGer
D-1549/2017 vom 2. Mai 2018 E. 4.3).
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2.
Dem Beschwerdeführer wurde mit Zwischenverfügung vom 29. Oktober
2019 das damals bekannte Spruchgremium bestehend aus Richter Lorenz
Noli und Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg mitgeteilt. Mit vor-
liegendem Urteil werden dem Beschwerdeführer die übrigen Mitglieder des
Spruchkörpers bekanntgegeben.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer
zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur summa-
risch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
5.
5.1 Das SEM wies das Asylgesuch des Beschwerdeführers im Wesentli-
chen mit der Begründung ab, es sei nicht glaubhaft, dass er angeblich im
Februar und Mai 2019 durch Angehörige des TID und CID aufgesucht und
er dabei zu Verstecken von Sprengstoff befragt worden sei. Insbesondere
sei nicht nachvollziehbar, dass der Anlass für die Befragung die Denunzia-
tion durch einen Spion gewesen sei, dem der Beschwerdeführer bereits
2009 in einem Rehabilitationscamp begegnet sei. Seit 2012 habe er prob-
lemlos in Sri Lanka leben und arbeiten können. Die Tatsache, dass er alle
drei Monate bei den Polizeibehörden eine Unterschrift habe leisten müs-
sen, habe ihn nicht daran gehindert, weiterhin im Heimatland zu bleiben.
Seine Schilderungen seien weder logisch noch würden sie darauf schlies-
sen lassen, dass er im Fokus der sri-lankischen Behörden gestanden habe.
Ansonsten hätten die heimatlichen Behörden viel drastischere Massnah-
men gegen ihn ergriffen. Die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Su-
che nach ihm bei seiner in Sri Lanka verbliebenen Ehefrau erachtete das
SEM ebenfalls für nicht glaubhaft gemacht.
Im Weiteren befand das SEM, es würden keine im Sinne der Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts (E-1866/2015 E. 8.9.1) Risikofak-
toren vorliegen, die eine Verfolgung des Beschwerdeführers im Sinne von
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Art. 3 AsylG bei dessen Rückkehr nach Sri Lanka als wahrscheinlich er-
scheinen lassen würden. Alle Tamilen sri-lankischer Herkunft, die illegal
ausgereist seien, keine gültigen Identitätspapiere besitzen würden, ein
Asylverfahren im Ausland durchlaufen hätten oder die behördlich gesucht
würden, würden nach ihrer Einreise in Sri Lanka am Flughafen durch die
Behörden befragt. Weder eine solche Befragung noch eine allfällige Eröff-
nung einer Strafuntersuchung wegen illegal erfolgter Ausreise würden in-
des per se Massnahmen von asylrechtlicher Relevanz darstellen. Es
komme auch vor, dass Rückkehrende in ihrer Heimatregion zu ihrer Iden-
tität und ihren Aktivitäten befragt würden. Diese Kontrollmassnahmen
seien für sich alleine betrachtet ebenfalls nicht von asylrechtlicher Rele-
vanz. Der Beschwerdeführer habe zudem keine Vorverfolgung glaubhaft
machen können. Noch zehn Jahre nach Kriegsende habe er sich in seiner
Heimatregion aufgehalten. Allfällige Risikofaktoren bei seiner Ausreise aus
dem Heimatland seien daher nicht zu erkennen. Aus den Akten seien zu-
dem keinerlei Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass er bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich ziehen könnte
(vgl. act. [...]-29/11 S. 3 ff.).
5.2 In der Beschwerde wurde dem im Wesentlichen entgegengehalten (vgl.
Beschwerde S. 11 ff.), das SEM habe bei der Ermittlung einer künftigen
Gefährdung des Beschwerdeführers, von dem es nicht bestreite, dass er
ein rehabilitierter LTTE-Kämpfer sei, die vom Bundesverwaltungsgericht in
seinem Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 definierten Risiko-
faktoren ignoriert respektive eine Prüfung, ob eine künftige Gefährdung
des Beschwerdeführers anhand sogenannter Risikofaktoren bestehe, un-
terlassen. Das SEM habe das jahrelange Engagement des Beschwerde-
führers in der LTTE, dessen jahrelange Haft und Rehabilitation sowie seine
Narben nicht berücksichtigt. Die Vorinstanz habe damit das Willkürverbot,
das rechtliche Gehör und die Begründungspflicht verletzt. Unter Hinweis
auf verschiedene Urteile des Bundesverwaltungsgerichts wurde zudem er-
klärt, dass selbst wenn ein tamilischer Asylgesuchsteller vor seiner Aus-
reise nicht verfolgt worden sei, bei entsprechender LTTE-Verbindung trotz-
dem von einer Gefährdung bei dessen Rückkehr auszugehen sei (vgl. Be-
schwerde S. 13 f., S. 38, S. 73).
Im Weiteren wurde dem SEM vorgeworfen, es habe den Sachverhalt man-
gelhaft erstellt. So habe es den Gesundheitszustand des Beschwerdefüh-
rers respektive dessen psychische Probleme nicht abschliessend abge-
klärt und diese im Rahmen der Anhörung nicht berücksichtigt (vgl. Be-
schwerde S. 15 ff.). Das ins Recht gelegte Beweismittel in Form eines
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Youtube-Videos, auf dem der vom Beschwerdeführer genannte Spion zu-
sammen mit dem ehemaligen sri-lankischen (...) zu sehen sei, habe die
Vorinstanz nicht gewürdigt (vgl. Beschwerde S. 20 ff.). Diesen Spion habe
der Beschwerdeführer bei dessen Einsätzen mit Sprengsätzen versorgt.
Das SEM habe auch nicht thematisiert, dass standardmässige Back-
ground-Checks bei Rückkehrern nach Sri Lanka regelmässig zu asylrele-
vanter Verfolgung führen würden (vgl. Beschwerde S. 23). Schliesslich
habe es der aktuellen Lage in Sri Lanka keine Rechnung getragen respek-
tive diese unvollständig wiedergegeben (vgl. Beschwerde S. 29 f.).
6.
6.1 In der Beschwerde werden somit verschiedene formellen Rügen erho-
ben, die vorab zu prüfen sind, da sie allenfalls geeignet wären, die Kassa-
tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes;
3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.).
6.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen.
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen
Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver-
haltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger
Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa weil die Rechtserheblichkeit einer
Tatsache zu Unrecht verneint wird und folglich nicht alle entscheidwesent-
lichen Gesichtspunkte des Sachverhalts geprüft werden, oder weil Be-
weise falsch gewürdigt wurden. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststel-
lung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände
berücksichtigt wurden. Gemäss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person
demgegenüber die Pflicht, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzu-
wirken (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2).
6.3 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
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2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2).
6.4 Willkür in der Rechtsanwendung liegt dann vor, wenn der angefochtene
Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in kla-
rem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechts-
grundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsge-
danken zuwiderläuft (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_283/2020 vom
17. August 2020 m.w.H.).
7.
7.1 Bezüglich der Rüge der Verletzung des Willkürverbots ist festzuhalten,
dass sich der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang in Verbindung
mit anderen Bestimmungen (rechtliches Gehör, Sachverhaltsabklärung,
korrekte juristische Würdigung) darauf beruft (vgl. Beschwerde S. 10 ff.).
Dem Willkürverbot (Art. 9 BV) kommt daher im vorliegenden Verfahren
keine eigenständige Bedeutung zu, weshalb sich das Bundesverwaltungs-
gericht einer eigenständigen Prüfung einer Verletzung von Art. 9 BV ent-
hält.
7.2 Gemäss den ärztlichen Schreiben vom 6. und 11. September 2019
wurde eine fachärztliche Untersuchung wegen psychischer Probleme (ins-
besondere in Form von [...] und [...] Anzeichen) des Beschwerdeführers
empfohlen (vgl. act. [...]-18/2 S. 2, act. [...]-25/3 S. 2 f., act. [...]-26/5 S. 3).
Die dem Beschwerdeführer damals zugewiesene Rechtsvertretung wies
am 13. September 2019 und damit noch vor der Anhörung zu den Asyl-
gründen vom 3. Oktober 2019 darauf hin, dass das SEM medizinische In-
struktionen vorzunehmen habe (vgl. act. [...]-17/1). Im Rahmen der Anhö-
rung wurde durch die damals zugegen gewesene Rechtsvertreterin eben-
falls eine Überprüfung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers
verlangt und moniert, der für den Beschwerdeführer vorgesehene Termin
bei einem Facharzt habe wegen des Transfers nicht stattgefunden (vgl.
act. [...]-22/20 Q74).
Aufgrund dieser Sachlage kann indes dem SEM nicht – auf
Beschwerdeebene dargelegt wird (vgl. Replik S. 5 f.) – vorgeworfen
werden, dass es mit der Anhörung zwingend bis zu einer fachärztlichen
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Seite 12
Untersuchung hätte zuwarten müssen. Dem Beschwerdeführer war es
möglich, im Rahmen der Anhörung auf seine psychischen Probleme und
die Tatsache hinzuweisen, dass er einen Termin beim Facharzt gehabt
habe, es ihm jedoch nicht ermöglicht worden sei, diesen wahrzunehmen.
Er reichte zudem medizinische Dokumente aus Sri Lanka ein, gemäss
denen er bereits im Heimatland infolge psychischer Probleme über einen
langen Zeitraum behandelt worden war (vgl. act. [...]-22/20 Q5, Q8, Q10
ff., Q20, Q75). Dem SEM war im Zeitpunkt der Anhörung ausserdem
bekannt, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz Medikamente gegen
seine (...) erhalten hatte (vgl. a.a.O. Q20). Im Anhörungszeitpunkt war dem
SEM demzufolge bewusst, dass der Beschwerdeführer unter psychischen
Problemen litt. Dem Anhörungsprotokoll ist im Weiteren zu entnehmen,
dass der Beschwerdeführer darlegte, es gehe ihm gut. Auch war er fähig,
seine Fluchtgründe frei darzulegen (vgl. a.a.O. Q3, Q79 ff.). Konkrete
Anhaltspunkte dafür, dass er aufgrund gesundheitlicher Leiden,
insbesondere einer psychischen Beeinträchtigung, insgesamt nicht
genügend aussagefähig gewesen wäre, lassen sich dem
Anhörungsprotokoll nicht entnehmen. Im Übrigen machte die
Rechtsvertreterin keine entsprechenden Einwände geltend. Die Rüge, die
Anhörung sei infolge der Nichtberücksichtigung der gesundheitlichen
Probleme zu wiederholen (vgl. Beschwerde S. 16 f.), erweist sich damit als
nicht stichhaltig. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die
Anhörung – wie in der Beschwerde argumentiert wird – über sieben
Stunden gedauert habe (vgl. Beschwerde S. 16), zumal davon drei Pausen
von einer Gesamtdauer von fast zwei Stunden abzuziehen sind (vgl. act.
[...]-22/20 S. 9, S. 13 u. S. 19).
7.3 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung auf erfolgte Behand-
lungen des Beschwerdeführers infolge psychischer Beschwerden und (...)
in seinem Heimatstaat hin (vgl. 1049691-29/11 Ziffer III 2. S. 7 f.). Das SEM
wäre jedoch spätestens im Zeitpunkt vor Erlass der Verfügung in Anwen-
dung von Art. 26bis AsylG gehalten gewesen, dem Beschwerdeführer (er-
neut) einen Termin bei einem Facharzt zu verschaffen, um aktuelle und
detaillierte fachärztliche Berichte einzuholen. Dies zwecks Feststellung ei-
ner konkreten, aktuellen Diagnose, dem genauen Therapiebedarf sowie
insbesondere des Grades einer – wie in der Beschwerde argumentiert wird
(vgl. Beschwerde S. 16) – allfälligen und bei der Prüfung der Glaubhaf-
tigkeit seiner Aussagen zu berücksichtigenden Traumatisierung des Be-
schwerdeführers. Insofern erscheint der Sachverhalt im Zeitpunkt des Er-
lasses des vorinstanzlichen Entscheides nicht genügend abgeklärt. Ob
sich diese Einschätzung unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der
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Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren – trotz entsprechender Auffor-
derung – bis dato keine ärztlichen Berichte eingereicht hat, aufrechterhal-
ten lässt, kann dahingestellt bleiben. Denn wie nachstehend aufgezeigt,
erweist sich die Sache ohnehin als nicht spruchreif und ist daher zur Neu-
beurteilung an das SEM zurückzuweisen. Die Vorinstanz wird sich dabei
auch mit allfälligen (noch) vorhandenen gesundheitlichen Problemen des
Beschwerdeführers erneut zu befassen und die dafür notwendigen ärztli-
chen Berichte einzuholen haben.
7.4 Das SEM hat die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Mitglied-
schaft bei den LTTE (1997 bis 2009), die nach dem Krieg erfolgte Rehabi-
litationshaft (2009 bis 2012) und die anschliessende regelmässige Pflicht
zur Leistung einer Unterschrift in seinen Sachverhaltsfeststellungen aufge-
führt (vgl. act. [...]-29/11 Ziffer I 1. f., S. 2 f.). In seinen Erwägungen zur
Glaubhaftigkeit geht es jedoch darauf nicht ein, sondern beschränkt sich
darauf, die vom Beschwerdeführer dargelegten Ereignisse ab Februar
2019 auf ihre Glaubhaftigkeit hin zu prüfen (vgl. a.a.O. Ziffer II 1. f. S. 3 f.).
Eine eigentliche Glaubhaftigkeitsprüfung zur dargelegten LTTE-Mitglied-
schaft sowie der geltend gemachten Rehabilitationshaft und Pflicht zur Un-
terschriftenleistung im Sinne von Art. 7 AsylG findet durch das SEM dem-
nach nicht statt. Die Erwägungen des SEM deuten allerdings an verschie-
denen Stellen zumindest darauf hin, dass es jene Sachverhaltsschilderun-
gen des Beschwerdeführers, welche sich vor Februar 2019 ereignet ha-
ben, wohl nicht generell in Frage gestellt hat, allerdings zum Schluss kam,
diese seien als nicht relevant im Sinne von Art. 3 AsylG zu erachten. So
führt es etwa aus, es sei nicht nachvollziehbar, dass die sri-lankischen Be-
hörden den Beschwerdeführer erst 2019 und nicht bereits während seiner
Rehabilitationshaft hinsichtlich des Sprengstoffs befragt hätten (vgl. a.a.O.
Ziffer II 1. S. 3). Auch erwägt es an anderer Stelle, die Tatsache, dass sich
der Beschwerdeführer alle drei Monate bei der sri-lankischen Polizei
zwecks Unterschrift eines Dokuments habe melden müssen, stelle keine
genügend intensive behördliche Massnahme dar, die ihn am weiteren Ver-
bleib im Heimatland gehindert habe (vgl. a.a.O. Ziffer II 2. S. 4). Ausserdem
erklärt das SEM, die vom Beschwerdeführer in Zusammenhang mit der
Rehabilitationshaft eingereichten Beweismittel aus dem Jahre 2010 und
2012 seien nicht geeignet, die Relevanz seiner Behauptungen oder die
Glaubhaftigkeit seiner Probleme im Jahre 2019 zu belegen (vgl. a.a.O. Zif-
fer 2 S. 5).
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Wenn aber das SEM die vom Beschwerdeführer dargelegte zwölfjährige
Tätigkeit bei den LTTE (bei denen er im Übrigen eine gewisse Führungs-
funktion innehatte; vgl. act. [...]-22/20, Q65) sowie die Rehabilitationshaft
(bei der er behauptungsweise gefoltert worden sei; vgl. a.a.O Q68) nicht
grundsätzlich in Frage gestellt hat, so verkennt es, dass einer Mitglied-
schaft bei den LTTE zwecks Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft nach
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts erhebliche Bedeutung
zukommen kann. Dies müsste der Vorinstanz an sich bekannt sein, zitiert
sie doch bei der Prüfung der Frage nach der Wahrscheinlichkeit einer be-
gründeten Furcht des Beschwerdeführers vor künftiger Verfolgung die
nach wie vor geltende Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts im
Referenzurteil E-1866/2015 (vgl. act. [...]-29/11 Ziffer II 3. S. 5).
In diesem Entscheid hat sich das Bundesverwaltungsgericht zu der vom
SEM erwähnten Prüfung von allfälligen Risikofaktoren bei sri-lankischen
Asylsuchenden geäussert. Als Risikofaktoren hat es darin unter anderem
die tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder vergangene Verbindung
zu den LTTE genannt (vgl. a.a.O. E. 8.41. f.). Es betonte, dass die als stark
risikobegründet zu qualifizierenden Faktoren, wie der Eintrag in die Stop-
List, Verbindungen zu den LTTE und exilpolitische Tätigkeiten für sich al-
leine oder in Kombination miteinander unter Umständen bereits zur Beja-
hung von Vorfluchtgründen und zur Asylgewährung führen könnten. Im
Weiteren führte es aus, dass bei einer Person, die vor ihrer Ausreise aus
Sri Lanka trotz bereits vorhandener Risikofaktoren nicht mit flüchtlings-
rechtlich relevanten Nachteilen konfrontiert war, zwar die Bejahung von
Vorfluchtgründen und die Gewährung von Asyl ausser Betracht falle. Diese
Verneinung von Vorfluchtgründen schliesse aber nicht aus, dass die be-
troffene Person bei ihrer Rückkehr nach Sri Lanka aufgrund derselben, be-
reits vor der Ausreise vorhandenen Risikofaktoren, im Sinne von Nach-
fluchtgründen eine begründete Furcht vor Verhaftung und Folter und mithin
ernsthaften Nachteilen habe. So könne beispielsweise eine Person mit
Verbindungen zu den LTTE seitens der sri-lankischen Behörden gerade
wegen ihrer Ausreise aus dem Heimatland als Bedrohung wahrgenommen
werden, während sie zuvor als unauffällig eingestuft worden sei (vgl. a.a.O.
E. 8.5.5, E. 8.6).
Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar, weshalb sich das SEM in
seinen Erwägungen mit der LTTE-Vergangenheit des Beschwerdeführers
nicht auseinandergesetzt hat. Denn obwohl die Vorinstanz in der Verfü-
gung davon spricht, es seien das Vorhandensein der im erwähnten Refe-
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renzurteil erwähnten Risikofaktoren zu prüfen, blendet sie bei dieser Prü-
fung die geltend gemachte Mitgliedschaft des Beschwerdeführers bei den
LTTE und damit ein rechtserhebliches Sachverhaltselement vollständig
aus. Diese Mitgliedschaft wird weder erwähnt noch aufgezeigt, inwiefern
sie vorliegend in flüchtlingsrechtlicher Hinsicht nicht von Bedeutung ist. Bei
der vom SEM vorgenommenen Risikoprüfung finden sich sodann bloss all-
gemein gehaltene Erwägungen zur Rückkehr von illegal aus Sri Lanka aus-
gereisten tamilischen Asylsuchenden, die über keine rechtsgültigen Aus-
weispapiere verfügen (vgl. act. [...]-29/11 Ziffer II 3. S. 5 f.).
Selbst in seiner Vernehmlassung nimmt das SEM – obwohl vom Bundes-
verwaltungsgericht dazu aufgefordert – keinen Bezug zur LTTE-Mitglied-
schaft des Beschwerdeführers. Es äussert sich weder dazu noch zu der
vom Beschwerdeführer geschilderten Rehabilitationshaft noch etwa der
damit – wie in der Beschwerde geltend gemacht – allenfalls verbundenen
Möglichkeit der Registrierung in einer Stop- oder Watchlist (vgl. Be-
schwerde S. 12). Eine vertiefte Risikoprüfung, wie vom Bundesverwal-
tungsgericht vorgesehen, erfolgt auch auf dieser Stufe des Verfahrens
nicht. Die Erwägungen des SEM erschöpfen sich darin, zu betonen, dass
der Beschwerdeführer keine Vorfluchtgründe habe glaubhaft machen kön-
nen und vor seiner Ausreise kein Risikoprofil aufgewiesen habe und auch
bei einer Rückkehr nicht befürchten müsse, im Fokus der heimatlichen Be-
hörden zu stehen (vgl. Vernehmlassung S. 1). Damit verkennt die Vo-
rinstanz einmal mehr, dass – wie besehen – bereits ein stark-risikobegrün-
dender Faktor – wie Verbindungen zu den LTTE – zur Bejahung von Vor-
fluchtgründen geeignet sein könnte; vor allem aber ein solch starker Faktor
(oder kumulativ mehrere schwache Faktoren zusammen; vgl. E-1866/2015
E. 8.5.5) einen subjektiven Nachfluchtgrund darstellen kann.
8.
8.1 Das SEM lässt nach dem Gesagten nicht nur rechtserhebliche Sach-
vorbringen des Beschwerdeführers unberücksichtigt und ungeprüft, son-
dern es liegt zugleich eine schwere Verletzung der Begründungspflicht und
damit des rechtlichen Gehörs vor. Es rechtfertigt sich demnach die Kassa-
tion der angefochtenen Verfügung (Art. 61 Abs. 1 in fine VwVG). Dem Be-
schwerdeführer bleibt auf diese Weise der Instanzenzug erhalten, was
umso wichtiger ist, als im Asylverfahren das Bundesverwaltungsgericht
letztinstanzlich entscheidet (vgl. dazu BVGE 2009/53 E. 7.3, BVGE
2008/47 E. 3.3.4, BVGE 2008/14 E. 4.1).
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8.2 Bei dieser Sachlage kann darauf verzichtet werden, auf die weiteren
Anträge und Ausführungen in der Beschwerde einzugehen. Das SEM hat
sich bei seiner Neubeurteilung mit den noch offenen Anträgen und Vorbrin-
gen und den ins Recht gelegten Beweismittel des Beschwerdeführers auf
Beschwerdestufe zu befassen, bilden sie doch integralen Bestandteil des
wiederaufzunehmenden erstinstanzlichen Verfahrens. Dabei ist zu beto-
nen, dass das SEM seiner neuen Beurteilung sämtliche relevanten Sach-
verhaltselemente, insbesondere die geltend gemachte Mitgliedschaft bei
den LTTE und die Rehabilitationshaft – gegebenenfalls vollständig abge-
klärt – zu Grunde zu legen und einer sachgerechten, ernsthaften, ausge-
wogenen und nachvollziehbaren Würdigung zu unterziehen hat. Dabei hat
es selbstverständlich der massgeblichen Rechtsprechung des Bundesver-
waltungsgerichts in jeder Hinsicht Rechnung zu tragen.
9.
Die Beschwerde ist demzufolge gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist
und damit die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt wird. Die
Verfügung des SEM vom 14. Oktober 2019 ist aufzuheben und die Sache
im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
10.2 Dem Beschwerdeführer ist in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG
eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwendigen Vertre-
tungskosten zuzusprechen (vgl. Art. 7 VGKE). Auf die Nachforderung einer
Kostennote kann verzichtet werden, da sich im vorliegenden Verfahren der
Aufwand für den Beschwerdeführer zuverlässig abschätzen lässt (Art. 14
Abs. 2 VGKE). Entschädigungspflichtig ist nur der notwendige Aufwand,
weshalb es zu berücksichtigen gilt, dass die Beschwerdeeingaben sowohl
redundante Passagen als auch weitschweifige Ausführungen zur allgemei-
nen Lage in Sri Lanka, welche sich auch in Eingaben in anderen Beschwer-
deverfahren des Rechtsvertreters finden, enthalten. In Berücksichtigung
der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist der Ge-
samtaufwand pauschal auf Fr. 2'100.- festzusetzen und von der Vorinstanz
als Parteientschädigung auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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