Decision ID: 34d0bc61-32e4-473a-ba7a-bcc86c3e3974
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
1995 geborene
X._
meldete sich unter Hinweis auf
unfallbe
dingte Beschwerden am 29. Juni 2020 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3
; Unfallbericht Urk. 7/18 S. 5 f.
).
Nachdem die
IV-Stelle
ein Standortgespräch durchgeführt hatte (Urk. 7/7), teilte sie der Versicherten am 20. Juli 2020 mit, dass zurzeit keine Ein
glie
derungsmassnahmen angezeigt seien (Urk. 7/8).
In der Folge tätigte
sie
medi
zinische (Urk. 7/9, 7/12
, 7/27
, 7/29, 7/53-58
) sowie beruflich-erwerbliche Abklä
rungen (Urk. 7/19) und
zog
die Akten
des Unfallversicherers
bei
(Urk. 7/17 f.).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 2. März 2022 [Urk. 7/61]; Einwand vom 1. April 2022 [Urk. 7/71])
verneinte
sie
mit Verfügung vom 2. Mai 2022 einen Leistungsanspruch der Versicherten (Urk. 2 [= Urk. 7/75]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 20. Mai 2022 Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Zusprache einer halben Invalidenrente ab Dezember 2020 (Urk.
1
).
Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 29. Juni 2022 auf Abweisung der Beschwer
de (Urk. 6), worüber die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 30. Juni 2022 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem
1. Januar 2022 entsteht (
vgl.
Rz
. 1008
des Kreisschreibens
zu den Übergangsbe
stimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems
, K
S ÜB WE IV
, gültig ab 1. Januar 2022
).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar
202
2.
Da der frühest
mögliche Rentenanspruch vorliegend bereits vor dem 1. Januar 2022 entstanden ist, sind die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwend
bar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art.
28 Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art.
28 Abs.
2 IVG).
1.4
1.4.1
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwal
tung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärzt
liche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE
125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsan
spruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zu
mutbare Erwerbs
tätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sach
entscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kom
petenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wäh
len (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog in der angefochtenen Verfügung,
seit Oktober 2020 sei keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert worden. Vor diesem Zeitpunkt könne aufgrund der medizinischen Akten von einer Arbeitsunfähigkeit von 20% ausgegangen wer
den.
Die im
Kontext
der Rentenprüfung
von den behandelnden Ärzten
attes
tierte Arbeitsunfähigkeit von 60 % sei demgegenüber nicht nachvollziehbar
, zu
mal eine Ver
schlechterung des Gesund
heitszustandes nicht nachgewiesen wor
den sei
. Ob die aus medizinischer Sicht zumutbare Arbeitsfähigkeit
auch
tatsäch
lich
aus
geschöpft werde, sei für die Be
messung des Invaliditätsgrades uner
heb
lic
h. Bei einer Einschränkung von 20 % bezogen auf die Tätigkeit als Lehrperson Kinder
garten liege
somit
ein rentenaus
schliessender Invaliditätsgrad vor (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin vor,
verschiedene Ärzte hätten ihr eine Arbeitsunfähigkeit im
Umfang
von 40 bis 50 % attestiert und das nicht erst im Kontext der Rentenprüfung. Die attestierte Arbeitsunfähigkeit von 20 % gelte hin
gegen bloss für den Zeitraum vom 22. Juni bis 20. Juli 2021
und beziehe sich auf das gesundheitsbedingt reduzierte Teilzeitpensum von 53 %
, was auch aus einem telefonischen Gespräch mit der Case Managerin des
Unfall
versicherers her
vor
gehe.
Obwohl die IV-Stelle ihrem Antrag, sie als Vollzeiterwerbstätige zu qua
lifizieren, entsprochen habe, habe sie den IV-Grad nicht korrigiert
, weshalb vor
liegend
ein Einkommensvergleich vorzunehmen
sei.
Bei
einem
Validen
einkom
men
von Fr. 95'986.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 43'193.70
würde die
Gegenüberstellung
dieser
Vergleichseinkommen
einen Invaliditätsgrad von 53 % ergeben, weshalb sie Anspruch auf eine halbe Invalidenrente habe (Urk. 1).
3.
3.1
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ergibt sich im Wesentlichen aus den folgenden medizinischen Unterlagen
:
3.2
Dr. med.
A._
, Facharzt für Neurologie, nannte
in seinem
Bericht vom 24. März 2016 (Urk. 7/27 S. 48-50) die Diagnosen Status nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma am 26. Februar 2016 bei Snowboard-Selbstunfall mit sehr kurzer Bewusstlosigkeit,
postcommotionelle
m
Kopf- und Nackenschmerz-Syndrom und partiell
regrediente
m
vegetative
m
Syndrom sowie Status nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma 20
0
7 mit prolongiertem posttraumatischem Schmerzsyndrom.
Dem Austrittsbericht des Kantonsspitals
A._
vom 7. Februar 2017 (Urk. 7/27 S. 22 f.) ist die Diagnose Hydrozephalus bei
Aquäduktstenose
zu ent
nehmen.
Die Ärzte
führten aus,
gemäss Angaben der Beschwerdeführerin
würden die Kopfschmerzen
unter Anstrengung sofort stärker und einzig in Ruhe sei es etwas besser; die Situation sei insgesamt seit zehn Monaten konstant und so
massiv, dass viele Tätigkeiten nicht mehr möglich
seien
.
Der Beschwerdeführerin wurde eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 2. Februar 2017 bis 15. Februar 2017 attestiert.
3.3
Lic. phil.
B._
und Dr. med.
C._
, Fachärztin für Neurologie,
hielten im Bericht vom 7. Juli 2017 (Urk. 7/9 S. 14-16) fest, anläss
lich der neuropsychologisch-verhaltensneurologischen Untersuchung hätten sich bei der etwas indifferent wirkenden, psychomotorisch sowie kognitiv verlang
sam
ten, antriebsgeminderten und wenig belastbaren Patientin mit teilweise
dys
pro
sodischer
Spontansprache und verminderter Schwingungsfähigkeit folgende kognitive Befunde
gezeigt
: Lern- sowie Abrufstörung in der verbalen beziehungs
weise nonverbalen Modalität, ein
attentional-dysexekutives
Syndrom mit deut
lich verminderter formal-lexikalischer Ideenproduktion, verminderter Fehlerkon
trolle,
visuo
-verbaler Interferenzfestigkeit, mittelschweren bis schweren Defiziten in der gerichteten und geteilten Aufmerksamkeit sowie in der Reaktionsgeschwin
digkeit. Zudem zeigten sich diskrete orthografische Unsicher
heiten. Diese Befunde seien gut vereinbar mit einer mittelschweren und teilweise sogar schweren Funk
tionsstörung
fronto
subkortikaler und
fronto
-limbischer Hirnareale, die klinisch
phänomenologisch und unter Berücksichtigung der Anamnese am ehesten multi
faktoriell zu beurteilen seien. So dürften einerseits
residuelle
Auswirkungen des chronischen Hydrocephalus
okklusivus
mit Status nach
Ventrikulozisternostomie
eine Rolle spielen, zusätzlich ergäben sich Hinweise auf gewisse vorbestehende (frühkindlich erworbene), bisher aber gut kompensierte kognitive Teilleistungs
schwächen mit Beeinträchtigung vor
wiegend der sprachdominanten Hemisphäre als Folgen einer zerebr
alen Entwicklungsstörung, in der
en
Kontext
wahrschein
lich
auch die Entwicklung des Hydrocephalus
okklusivus
zu werten sei.
Durch
das leichte Schädel-Hirn-
Trauma
und das entwickelte posttraumatische Schmerz
syn
drom sei es wahrscheinlich zur kognitiven Dekompensation infolge vermin
derter kognitiver Ressourcen gekommen, wodurch auch der protrahierte posttrau
matische V
erlauf hinreichend erklärt sei.
3.4
Dipl. Psych.
D._
und Dr. med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führten im Bericht vom
18. April 2018 (Urk. 7/29 S. 4
-7
) die Diag
nosen Anpassungsstörung mit ver
längerter depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21) sowie neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz, Status nach
Ventrikulostomie
bei
Aquäduktstenose
2016
(recte: 2017)
, Status nach Commotio cerebri 2016 und Verdacht auf Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz (MÜKS) auf.
Sie attestierten der Beschwerdeführerin seit März 2017 eine vollstän
dige Arbeits
fähigkeit.
3.
5
Dr. med.
F._
, Facharzt für Neurologie, führte in seinem Bericht vom 22. Juni 2020 (Urk. 7/18 S. 2 f.) die Diagnosen neu aufgetretener täglicher Kopf
schmerz, Differentialdiagnose chronische Migräne ohne Aura, Status nach
Ventrikulostomie
bei
Aquäduktstenose
2016
(recte: 2017)
, Status nach Commotio cerebri 2016, Verdacht auf Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz (MÜKS) durch nicht ste
roidale Antirheumatika (NSAR), latente Eisenmangelepisoden, la
tente depressive Episoden
und
Status nach chronischem Opiatgebrauch auf.
Im Bericht vom 14. November 2020 (Urk. 7/27 S. 1-6) attestierte Dr.
F._
der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von rund viereinhalb Stunden pro Tag an drei Tagen pro Woche
in der angestammten wie auch in einer angepassten Tätig
keit
.
Am 3. Oktober 2021 führte Dr.
F._
aus,
seit der
Pensenredukt
io
n
auf derzeit 20 Stunden pro Woche zeigten sich die täglichen Schmerzen beherrschbar, wenn die Beschwerdeführerin nicht arbeite oder während den Ferien seien die Kopf
schmerzen ohne Opiate beherrschbar, auch die unspezifischen Schwindelepisoden seien dann geringer. Das ursprünglich angestrebte Pensum von 50 % sei derzeit nicht realistisch. Er legte weiter dar,
der Beschwerdeführerin sei ihre angestammte
Tätigkeit während maximal
fünf Stunden
täglich
respektive
während
ungefähr 20 Stunden pro Woche
zumutbar
, eine angepasste Tätigkeit sei ihr während vier bis fünf Stunden täglich respektive während 20 Stunden pro Woche zumutbar
. Vom 22. Juni 2021 bis 20. Juli 2021 attestierte er der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %
(
Urk. 7/53
).
Überdies merkte er am 12. November 2021 an, gemäss Angaben der Beschwerdeführerin
sei die Schmerzsituation pro
gre
dient, unspezifische Drehschwindelattacken würden auch ohne direkte Kopf
schmerzassoziation auftreten, auch komme es häufiger zu intermittierend auftre
tenden Abwesenheitsphasen. Sie gebe vereinzelt sensible intermittierend auftre
tende Ausfälle beinbetont links an, so dass eine Abklärung, ob es sich um eine mög
liche Absonderungsepilepsie handeln könnte, wichtig sei; alternativ könnte es sich um eine atypische
Aurasymptomatik
handeln (Urk. 7/55).
3.
6
Med.
pract
.
G._
, Praktischer Arzt und Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte in seinem Bericht vom 30. Juli 2020 (Urk. 7/9 S. 1-6) die Dia
gnose chronische Kopfschmerzen, attestierte der Beschwerdeführerin eine Ar
beits
fähigkeit von bis zu 50 % und führte aus, die bisherige Tätigkeit sei ihr
– ebenso wie eine angepasste Tätigkeit –
während vier bis sechs Stunden zumut
bar, allerdings nicht täglich.
3.
7
Dem Notfallbericht des Spitals
K._
vom 24. November 2020 (Urk. 7/39 S. 2-4) sind die Diagnosen selbstlimitierende
Schwankschwindelepisode
unklarer Ätiologie sowie chronische Kopfschmerzen zu entnehmen.
Die Ärzte legten dar, es hätten sich keine Hinweise auf eine kar
di
ale Genese des Schwindels ergeben, eine Mobilisierung im Verlauf habe keine Falltendenz oder neurologische Auf
fälligkeiten gezeigt. Im CT des Schädels hätten sich keine Hinweise für eine er
neute Abflussstörung im Aquädukt gezeigt, die
Liquorräume
seien nicht erweitert, son
dern stationär gleich weit.
3.
8
Med.
pract
.
H._
hielt im Bericht vom 3. Dezember 2020 (Urk. 7/29 S. 9-13) die Diagnosen chronische Kopfschmerzen sowie Übelkeit, teilweise medi
ka
menteninduziert, fest und legte dar, die Beschwerdeführerin
sei in ihrer ange
stam
mten
T
ätigkeit an drei Tagen pro Woche arbeitsfähig, in einer ange
passten Tätigkeit während sechs Stunden
an zwei
Tage
n
pro Woche
; eine Verbesserung sei durch eine Reduktion ihres Arbeitspensums zu erwarten.
3.
9
Dem Austrittsbericht der Rehaklinik
I._
vom
31. Januar 2022
(Urk. 7/57)
ist die Diagnose chronischer Kopfschmerz bei Status nach
Ventrikulostomie
bei
Aquäduktstenose
2016
(recte: 2017)
sowie Status nach Commotio cerebri 2016 zu entnehmen.
Die Ärzte führten aus, die Patientin gebe an, unter täglichen Kopfschmerzen zu leiden, Episoden mit einer Schmerz
inten
sität von 8/10 auf der
VAS könnten einige Tage andauern und träten fast 25 Mal pro Monat auf. Neuro
logisch hätten sich keine wesentlichen Auffällig
keiten gezeigt.
Der Beschwerde
führerin wurde eine vollständige Arbeitsunfähig
keit vo
m
7. Januar 2022 bis 4. Februar 2022 attestiert
und angemerkt,
sie
werde nach den Sportferien ihre Tätigkeit als Kindergartenlehrerin im Umfang von 45 % wieder aufnehmen
.
4.
4.1
Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) auf die Stellungnahme
von RAD-Arzt PD Dr. med. univ.
J._
, Facharzt für Neuro
logie, vom 2. Februar 2022 (Urk. 7/60 S. 8 f.). Dieser führte aus,
seit dem
Snow
boardsturz am 26. Februar 2016 würden Kopfschmerzen und verschiedene Be
findlichkeitsstörungen berichtet
, s
eit der
am 2. Februar 2017
durchgeführten
Drittventrikulozisternostomie
bestehe ein
in der Bildgebung geringfügig
supra
tentoriell
dilatierte
s
Ventrikelsystem
bei
im Übrigen
cerebralmorphologisch
un
auffälligem Befund
ohne Hinweis
auf eine
Liquorzirkulationsstörung
. Der Neuro
status sei aktuell unauffällig.
Die i
n der neuropsychologischen Testung im Jahr 2017
gezeigten
kognitive
n
Funktionsstörungen
seien als
multifaktoriell bedingt und kausal dem Unfall nicht
attribuierbar
eingeschätzt worden. Aktuell bestehe eine Polypharmazie, welche
behandlerseitig
als korrekturbedürftig bezeichnet werde. Hierin bestehe Therapieoptimierungspotential, darüber hinaus auch be
treffend die Etablierung einer ambulanten
, allenfalls auch teil- oder stationären
Psychotherapie. In den letzten beiden Jahren seien keine Arbeitsunfähigkeiten attestiert worden oder bloss im minimalen Bereich von 20 %, erst im Kontext der Be
rentung sei eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % postuliert worden, ohne eine ent
sprechende Verschlechterung des Gesund
heitszustandes ersichtlich zu ma
chen. Ein Gesundheitsschaden mit einer länger
dauernden und höhergradigen Ar
beitsunfähigkeit sei nicht nachvollziehbar ausgewiesen.
4.2
Den vorstehend aufgeführten medizinischen Unterlagen (vgl. E. 3.2-3.9) ist
dem
gegenüber
zunächst zu entnehmen, dass der Beschwerdeführerin
nicht – wie von der IV-Stelle
dargelegt
(vgl. E. 2.1) – seit Oktober 2020 keine Arbeitsun
fähigkeit
mehr
attestiert
worden war
.
Vielmehr attestierte
Dr.
F._
der Beschwerdefüh
rerin
im Oktober 2021 eine Arbeitsunfähigkeit von rund 50 % (vgl. E. 3.5)
, nach
dem er ihr bereits im November 2020 eine Arbeitsunfähigkeit von rund 60 % be
scheinigt hatte (vgl. E. 3.5)
.
Dies wurde im Dezember 2020 von med.
pract
.
H._
bestätigt, welcher der Beschwerdeführerin ebenfalls eine maximale Ar
beitsfähigkeit von 60 % attestierte und ausführte, eine Verbesserung der Arbeits
fähigkeit sei durch eine Reduktion des Pensums zu erwarten (vgl. E. 3.8). Schliess
lich hatte bereits med.
pract
.
G._
der Beschwerdeführerin im Juli 2020 eine maxi
male Arbeitsfähigkeit von 50 % bescheinigt (vgl. E. 3.6).
Entgegen der Auffassung der IV-Stelle
(vgl. E. 2.1)
ist den Akten überdies zu ent
nehmen, dass sich die von Dr.
F._
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 20 % für die Zeit vom 22. Juni 2020 bis 20. Juli 2021 auf das von ihr
ausgeübte Pensum
bezog
, nicht jedoch auf ein vollschichtiges Pensum (vgl. die Gesprächsnotiz vom 5. Februar 2021, Urk. 7/35), mithin das von ihr damals ausgeübte Pensum von 53 % um weitere 20 % reduziert wurde (vgl. auch Urk. 3)
.
Weiter greift die Auffassung von PD
Dr.
J._
, wonach erst im Kontext der Ren
tenprüfung eine höhere Arbeitsunfähigkeit
attestiert worden sei
(vgl. E. 4.1)
, zu kurz. Zwar trifft zu, d
ass diese
Arbeitsunfähigkeiten erst in den von der IV-Stelle eingeholten Arztberichten
bescheinigt
wurden,
allerdings
ist
angesichts des Um
standes, dass die Beschwerdeführerin ihr Studium erst im Juni 2020 abschloss (Urk. 7/3 S. 5) und sie zwar ab 1. August 2019 als Lehrperson Kindergarten ange
stellt war, ihr Pensum im Umfang von 53 % indes erst ab 1. August 2020 ausübte (Urk. 7/19 S. 1 und S. 3),
fraglich,
ob
entsprechende
Bescheinigungen
bereits in einem früheren Zeitraum hätten ausgestellt werden müssen
.
Schliesslich
vermögen
die Ausführungen
von
PD
Dr.
J._
zu den neuropsycholo
gischen Befunden
nicht zu überzeugen (vgl. E. 4.1), zumal er zu den festgestellten kogni
tiven Funktionsstörungen einzig ausführte, diese seien als multifaktoriell bedingt und kausal dem Unfall nicht
attribuierbar
eingeschätzt worden, sich im vor
lie
genden Verfahren die Kausalitätsfrage hingegen nicht stellt
, sondern viel
mehr, ob sich diese kognitiven Funktionsstörungen auf die Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin auswirken, was im Übrigen auch für
die
Polypharmazie res
pek
tive den von Dr.
F._
diagnostizierten Verdacht auf MÜKS gilt
.
4.3
Nach dem Gesagten erweist sich der medizinische Sachverhalt als nicht hin
reichend abgeklärt
, mithin sind ergänzende Abklärungen angezeigt
.
Die ange
foch
tene Verfügung ist demnach aufzuheben und die Sache an die IV-Stelle zu
rück
zuweisen, damit diese eine umfassende Ab
klärung des medizinischen Sach
ver
haltes veranlasse, im Anschluss daran eine neue Beurteilung vornehme und her
nach über den Leistungsanspruch der Be
schwerdeführerin neu verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin folglich An
spruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Diese ist in Anwen
dung von § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) auf Fr.
1'500.--
(inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen und der unter
liegenden IV-Stelle aufzuerlegen.
5.2
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und aus
gangsgemäss der IV-Stelle aufzuerlegen.