Decision ID: 51cc5bff-d80c-5202-87d5-a69e6cc62e3d
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
F._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch seine Mutter,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Massnahmen (Nichteintreten)
Sachverhalt:
A.
A.a F._, Jahrgang 1969, meldete sich im Juni 2003 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an und beantragte Berufsberatung und Umschulung (IV-
act. 11). Er ist gelernter Flötist mit Konzertreife und verfügt über ein Lehr- und
Orchesterdiplom für Flöte (IV-act. 12). Am 4. Juni 2000 hatte er bei einem Unfall eine
linksseitige Oberarmschaftfraktur erlitten, die zu einer Radialisparese führte. Die
Tätigkeit als Flötenspieler sei ihm seither nicht mehr möglich, wie Dr. med. A._ von
der Klinik für Wiederherstellungschirurgie des Universitätsspitals Zürich am
9. Dezember 2003 festhielt (IV-act. 22-3). Da dem Versicherten eine angepasste
Tätigkeit jedoch mit vollem Pensum zumutbar war, nahm die IV berufliche Abklärungen
vor und sprach ihm mit Verfügung vom 6. Januar 2005 eine Umschulung zum
Gesangslehrer beim B._ bis 31. Dezember 2009 zu. Für den Zeitraum 15. März 2004
bis zur Aufnahmeprüfung des B._ im Januar 2006 wurde ihm Gesangsunterricht zur
Vorbereitung bewilligt (IV-act. 37). Mit Verfügung vom 21. Januar 2005 wurde ein
Taggeld von Fr. 34.70 vom 15. März 2004 bis vorläufig 31. Dezember 2005 gewährt (IV-
act. 39). Gegen diese Verfügungen erhob der Versicherte am 24. Januar 2005 und
16. Februar 2005 Einsprachen und beantragte die Erhöhung der zu vergütenden
Kosten für die Vorbereitungsphase und für das Studium selbst sowie die Herabsetzung
des bei der Taggeldbemessung angerechneten erzielbaren Einkommens (IV-act. 40;
44). Der Rechtsdienst der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA)
wies die Einsprachen in Vertretung der IV-Stelle mit Entscheid vom 11. März 2005 ab
(IV-act. 46).
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A.b Die Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung beim B._ verzögerte sich (vgl. IV-
act. 59), sodass dem Versicherten auf dessen Antrag mit Verfügung vom 18. April 2006
ein weiteres Jahr Gesangsunterricht (zwei Stunden pro Woche à Fr. 55.-) zugesprochen
wurde (IV-act. 62). Im Lauf der ersten Monate des Jahrs 2006 wechselte der
Versicherte seinen Gesangslehrer. Mit Verfügung vom 22. September 2006 wurde ihm
daher für das Jahr 2006 beim neuen Gesangslehrer eine Gesangsstunde wöchentlich à
Fr. 100.- zugesprochen (IV-act. 81). Mit Verfügung vom 15. Januar 2007 wurden diese
Leistungen für den Zeitraum 1. Januar bis 31. Oktober 2007 verlängert (IV-act. 92).
A.c Nachdem der Versicherte die Aufnahmeprüfung des B._ nicht bestanden hatte,
prüfte der zuständige IV-Berufsberater den Leistungsanspruch erneut. Im Bericht vom
28. Januar 2008 hielt er fest, dass der Versicherte wiederum bei einer neuen
Gesangslehrerin sei. Man solle jetzt nicht abbrechen. Im Frühjahr 2008 sei die neue
Lehrerin anzufragen, ob sie eine Einschätzung des Potentials des Versicherten geben
könne (IV-act. 103). Mit Verfügung vom 14. Februar 2008 sprach die IV-Stelle dem
Versicherten vom 1. November 2007 bis 30. Juni 2008 weiterhin eine wöchentliche
Gesangsstunde zu. Sie hielt in der Verfügung fest, sie gehe davon aus, dass der
Versicherte die Aufnahmeprüfung zum Gesangsstudium bis Ende 2008 erfolgreich
absolviere. Sollte dies nicht der Fall sein, könne eine weitere Verlängerung der
Massnahme nicht mehr unterstützt werden, da es sich nicht mehr um eine einfache
und zweckmässige Umschulung im Sinn des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung (IVG; SR 831.20) handeln würde (IV-act. 105). Da die Aufnahmeprüfung
am 6. Dezember 2008 stattfinden sollte (vgl. IV-act. 111), wurde die Kostengutsprache
für Gesangsstunden mit Mitteilung vom 26. November 2008 von Juli 2008 bis Ende
Dezember 2008 verlängert (IV-act. 114).
A.d Nachdem der Versicherte an der Aufnahmeprüfung für die
Gesangslehrerausbildung beim B._ erneut gescheitert war (IV-act. 124-1), ersuchte
er um Übernahme der Ausbildungskosten zum Gesangspädagogen an der
Opernschule C._. Gemäss Ausbildungsvertrag vom 15. Januar 2009 ist mit einer
Ausbildungszeit von längstens fünf Jahren zu rechnen (IV-act. 121). Nach erneuter
Anspruchsprüfung (vgl. insbes. IV-act. 131) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit
Vorbescheid vom 31. Juli 2009 mit, sie gedenke, auf sein neues Leistungsbegehren
nicht einzutreten. Man habe ihn mit Verfügung vom 14. Februar 2008 darauf
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aufmerksam gemacht, dass die Übernahme der Kosten für die Umschulung zum
Gesangslehrer bis ins Jahr 2009 zugesprochen worden sei und nach Ablauf keine
weiteren IV-Leistungen mehr geschuldet seien (IV-act. 135). Trotz Einwands des
Versicherten vom 5. September 2009 (IV-act. 136) verfügte die IV-Stelle am 9. Oktober
2009 gemäss Vorbescheid (act. G 1.2.1).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von der Mutter des Versicherten in dessen
Vertretung erhobene Beschwerde vom 30. Oktober 2009. Sie beantragt die Aufhebung
der Verfügung. Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, die gemäss gültiger
Verfügung vom 6. Januar 2005 zugesprochenen Ausbildungskosten, Taggelder und
Reisespesen nachzubezahlen. Gemäss den Akten sei der Entscheid, die Leistungen
einzustellen, bereits einige Wochen vor Erlass des Vorbescheids gefallen. Der
Beschwerdeführer sei also absichtlich getäuscht worden. Laut der ersten
Kostengutsprache seien die Kosten bis 31. Dezember 2009 zu übernehmen. Die
Beschwerdegegnerin habe ihren Entscheid vom 9. Oktober 2009 im Wissen darum
gefällt, dass es keine Alternative für den damals eingeschlagenen Ausbildungsweg
gebe. Damit habe sie die Invalidität des Beschwerdeführers unverantwortlich
vorprogrammiert. Über zu befürchtende Probleme bei der Umschulung – die
möglicherweise im Zusammenhang mit einer angeborenen Hirnfunktionsstörung
stünden – habe sie den damals zuständigen Berufsberater mit E-Mail vom 23. Juni
2004 bereits informiert, so die Mutter weiter. Im Übrigen lässt der Beschwerdeführer
auch den Ersatz der Spesen von Fr. 960.- für die Zulassungsprüfung gemäss
Rechnung vom 29. Januar 2008 beantragen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 18. Januar
2010 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Der
Beschwerdeführer habe bereits vor dem Unfall vom 4. Juni 2000 ein
Valideneinkommen von nur Fr. 15'000.- jährlich erzielt. Nichts deute darauf hin, dass er
dieses Einkommen als Gesunder noch deutlich hätte steigern können. Aufgrund dieser
äusserst tiefen Validenbasis sei dem Beschwerdeführer demnach gemäss dem
Verhältnismässigkeitsgrundsatz lediglich eine Eingliederung mit relativ geringen Kosten
geschuldet. Die Kostenübernahme einer rund 51⁄2-jährigen Ausbildung gemäss der
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Verfügung vom 6. Januar 2005 stehe daher bereits nicht mehr im Einklang mit Art. 8
Abs. 1 lit. a ATSG (richtig: IVG). Umso weniger sei es gerechtfertigt, dem
Beschwerdeführer noch eine zusätzliche Eingliederung zu finanzieren, die wiederum
fünf Jahre dauere, zumal die Verdienstaussichten höchst ungewiss seien. Auch der
Einwand des Beschwerdeführers, die IV habe die Kosten bis Ende 2009 zu
übernehmen, sei unbehelflich, weil die tatsächlich absolvierte Umschulung in
wesentlichen Punkten abweiche vom Eingliederungsplan, der in der ursprünglichen
Verfügung vom 6. Januar 2005 enthalten sei. Zudem habe der Beschwerdeführer nicht
gegen die Mitteilung vom 26. November 2008 opponiert, in der er darauf hingewiesen
worden sei, dass bei einem erneuten Nichtbestehen der Aufnahmeprüfung eine weitere
Verlängerung der beruflichen Massnahme nicht mehr unterstützt werden könne
(act. G 6).
B.c In der Replik vom 23. Januar 2010 lässt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
gemäss Beschwerde festhalten. Zwar könne er der Argumentation der
Beschwerdegegnerin betreffend die Anforderungen an die wirtschaftliche Effizienz der
bezahlten Massnahmen durchaus folgen. Die nachweisbar erschwerten Umstände des
konkreten Falls seien aber völlig ignoriert und dadurch mögliche langfristige
Konsequenzen zu Lasten der Beschwerdegegnerin ausser Acht gelassen worden, was
doch zu einer solchen Wirtschaftlichkeitsrechnung gehören würde (act. G 9).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 29. Januar 2010 auf eine weitere
Stellungnahme (act. G 11).

Erwägungen:
1.
1.1 Die angefochtene Verfügung lautet auf Nichteintreten auf ein neues
Leistungsgesuch. Der Beschwerdeführer ersuchte darum, die am 6. Januar 2005
zugesprochene Umschulung zum Gesangslehrer dahingehend anzupassen, dass ihm
zumindest bis Ende 2009 die neue Ausbildung zum Gesangspädagogen bezahlt würde.
Bei diesem Gesuch handelt es sich nicht um eine eigentliche Neuanmeldung, sondern
um ein Revisionsgesuch analog Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die
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Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201). Darauf hat die Verwaltung grundsätzlich
einzutreten, wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt in einer für den
Leistungsanspruch massgeblichen Weise geändert hat. Das ursprüngliche
Umschulungsziel des Gesangslehrers B._ scheiterte nach zweimaligem
Nichtbestehen der Aufnahmeprüfung. Die Leiterin der Opernschule C._ wies die
Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 18. Januar 2009 darauf hin, dass der
Beschwerdeführer die Altersgrenze für die Musikhochschulen bereits überschritten
habe und der B._ seine Pläne, eine offizielle Hochschule für Musikpädagogik zu
gründen, habe fallenlassen müssen, weshalb dem Beschwerdeführer praktisch nur der
nun gewählte Weg (Ausbildung zum Gesangspädagogen) offen bleibe (IV-act. 119).
Seit der ursprünglichen Leistungszusprache hat sich der rechtserhebliche Sachverhalt
folglich anspruchserheblich geändert, sodass das Eintreten und eine materielle
Leistungsüberprüfung angezeigt sind. Die Beschwerdegegnerin hat eine solche
Prüfung unter Beizug ihres Berufsberaters denn auch tatsächlich vorgenommen und
inhaltliche Abklärungen getätigt, die den Rahmen einer Eintretensprüfung überschritten
(vgl. IV-act. 123 ff.; 130-6 ff.; 131). Die angefochtene Verfügung ist daher – entgegen
ihrem Wortlaut – eine materielle Leistungsabweisung und kein
Nichteintretensentscheid. Die Beschwerdegegnerin argumentiert in der
Beschwerdeantwort vom 18. Januar 2010 zu Recht materiell-rechtlich.
1.2 Im vorliegenden Verfahren zu überprüfen ist folglich der Anspruch des
Beschwerdeführers auf weitere Umschulungsmassnahmen. Nicht zum
Anfechtungsgegenstand zählt gestützt auf die Verfügung vom 14. Februar 2008
hingegen, dass die Beschwerdegegnerin am 28. Februar 2008 nur Fr. 4'700.- anstelle
der vom Beschwerdeführer verlangten Fr. 6'000.- bezahlt hat (IV-act. 110). Auf die
entsprechende Rüge in der Beschwerde kann entsprechend nicht eingetreten werden.
Über die Höhe der Vergütung hat der Beschwerdeführer bei der Beschwerdegegnerin
gegebenenfalls eine anfechtbare Verfügung zu verlangen.
1.3 Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des IVG
in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 132 V 215 Erw. 3.1.1; Urteil 8C_589/2007 vom 14. April 2008,
Erw. 3). Die ursprüngliche Umschulung zum Gesangslehrer am B._ wurde unter der
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Rechtslage vor Inkrafttreten der 5. IVG-Revision verfügt. Die neu gewünschte
Umschulung zum Musikpädagogen an der Opernschule C._ wurde nach deren
Inkrafttreten 2008 beantragt, weshalb der entsprechende Anspruch grundsätzlich nach
den geänderten Bestimmungen zu prüfen ist. In materieller Hinsicht haben sich die
massgebenden Bestimmungen jedoch ohnehin nicht geändert.
2.
2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte
Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und
geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b).
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung
einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität (Abs. 1 ). Die Massnahme hat
verhältnismässig zu sein, was Geeignetheit, Notwendigkeit und Angemessenheit
(sachlich, zeitlich, wirtschaftlich und persönlich) umfasst. In der Regel besteht also nur
ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen,
notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen
bestmöglichen Vorkehren (BGE 121 V 258; BGE 124 V 108). Denn das Gesetz will die
Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber
auch genügend ist (BGE 124 V 108; BGE 121 V 260 Erw. 2c; BGE 115 V 198 Erw. 4e/
cc; ZAK 1992 S. 210 Erw. 3a). Immer muss zwischen Kosten und Nutzen der
Eingliederungsmassnahmen ein vernünftiges Verhältnis bestehen (vgl. EVGE 1964 S.
239; BGE 97 V 162; ZAK 1970 S. 231). Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 unter anderem aus Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung,
erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe).
Gemäss Art. 17 Abs. 1 IVG besteht ein Anspruch auf eine Umschulung in eine neue
Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch
die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder wesentlich verbessert werden kann.
Nach Art. 6 Abs. 1 IVV gelten als Umschulung unter anderem
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen
beruflichen Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit benötigen. Eine Invalidität im Sinn von Art. 17 Abs. 1 IVG liegt vor,
bis
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wenn eine versicherte Person in der bisher ausgeübten Arbeit oder in den ihr ohne
zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden, zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine
Erwerbseinbusse von mindestens 20% erleidet (vgl. Ulrich Meyer-Blaser,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 124 f.).
2.2 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer über eine qualifizierte
musikalische Berufsausbildung als Flötist verfügt. Weiter ist hinreichend erstellt, dass
er in der angestammten Tätigkeit als Berufsmusiker voll arbeitsunfähig ist. Die
Beschwerdegegnerin macht nun geltend, der Beschwerdeführer habe bereits vor dem
Unfall nur ein sehr geringes Valideneinkommen erzielt, sodass weitergehende
Umschulungsmassnahmen bereits aus Gründen der Verhältnismässigkeit nicht in Frage
kämen. Dem ist in dieser absoluten Form nicht zuzustimmen. Der Anspruch auf
Umschulung beinhaltet eine qualitative Komponente: Einem Berufsmann, der in seiner
angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig ist, ist nicht ohne weiteres zuzumuten,
dass er eine unqualifizierte Hilfsarbeit annimmt – dies unabhängig von seinem als
Berufsmann erzielten Einkommen. So war es grundsätzlich verhältnismässig, dem
Beschwerdeführer eine Umschulung zum Gesangslehrer zuzusprechen. Eine Befristung
dieser Umschulung, wie sie sich in der ursprünglichen Verfügung vom 6. Januar 2005
findet, mag zwar sinnvoll sein als Termin für Leistungsüberprüfungen, kann aber nicht
in Rechtskraft erwachsen als spätestmögliches Datum, bis zu welchem ein
Umschulungsanspruch – unabhängig vom Erfolg der Eingliederung – besteht. Beim
vorliegenden Sachverhalt, bei dem das Auftreten allfälliger Probleme nicht ganz
unerwartet kam (vgl. IV-act. 50), ist fraglich, ob die Beschwerdegegnerin die
Umschulung zu Recht so lange laufen liess bzw. die Vorbereitungsphase immer wieder
verlängerte, ohne dass der Beschwerdeführer die Aufnahmeprüfung des B._
bestand. Spätestens Ende 2006/Anfang 2007, also etwa zwei Jahre nach Beginn der
Umschulungszeit, wäre eine umfassende Standortbestimmung mit vertiefter Prüfung
der persönlichen Eignung des Beschwerdeführers und eine allfällige Anpassung des
Eingliederungsziels angezeigt gewesen. Dass die Beschwerdegegnerin dies versäumte,
hat sie selbst zu verantworten und kann dem Beschwerdeführer nicht zum Nachteil
gereichen. Jedenfalls geht es nicht an, sämtliche Eingliederungsansprüche per Ende
2009 automatisch als beendet zu bezeichnen, zumal die berufliche Eingliederung bis zu
diesem Zeitpunkt unbestritten noch nicht gelungen ist. Zu prüfen ist daher, ob dem
Beschwerdeführer trotz der mehrjährigen zeitlichen Verzögerung, die sich bis zum
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Beginn einer eigentlichen Ausbildung einstellte (und während der die
Beschwerdegegnerin ihm viele Gesangsstunden und Taggelder bezahlte), weitere
Umschulungsmassnahmen zuzusprechen sind. Der Beschwerdeführer wurde bisher
nicht erfolgreich umgeschult. Die Tatsache allein, dass die bisherigen Bemühungen
weitgehend scheiterten, lässt den Anspruch des Beschwerdeführers auf
Umschulungsmassnahmen nicht gänzlich erlöschen. Der Beschwerdeführer hat
grundsätzlich nach wie vor Anspruch auf eine adäquate Wiedereingliederung.
2.3 Im Rahmen des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes muss sich die Umschulung zur
Erreichung des von ihr bezweckten Eingliederungsziels als geeignet erweisen. Der
Beschwerdeführer möchte sich noch immer im gesanglichen Bereich beruflich
wiedereingliedern. Ob die Ausbildung zum Gesangspädagogen für Oper und Konzert
geeignet ist, lässt sich den Akten nicht entnehmen. Diesbezüglich fehlt eine fundierte
Stellungnahme eines qualifizierten Berufsberaters. Dieser hätte sich auch dazu zu
äussern, ob Gesangspädagogen mit einem vergleichbaren Hintergrund wie der
Beschwerdeführer realistische Chancen haben, in dieser Tätigkeit vollschichtig
wiedereingegliedert zu werden. So wären auch die konkreten möglichen
Einsatzbereiche zu definieren. Diesbezüglich hat die Beschwerdegegnerin weitere
Abklärungen vorzunehmen.
2.4 Verhältnismässig ist die Umschulung u.a. dann, wenn sie notwendig ist, wobei
grundsätzlich nur einfache und zweckmässige Ausbildungen zu finanzieren sind. Der
zuständige Berufsberater hielt im Bericht vom 28. Januar 2008 fest, er sehe keine
Alternative zur damals noch angestrebten Ausbildung zum Gesangslehrer am B._ (IV-
act. 103). Die persönliche Angemessenheit der Ausbildung zum Gesangslehrer bzw.
zum Gesangspädagogen erscheint nach den trotz mehrjährigen Gesangsunterrichts
bescheidenen Fortschritten seit Umschulungsbeginn im März 2005 zumindest als
zweifelhaft. Die Ausbildung zum Gesangslehrer am B._ ist dem Beschwerdeführer
trotz mehrfach verlängerter Vorbereitungszeit und wiederholter Aufnahmeprüfung nicht
geglückt. Zwar wird ihm von Seiten der Opernschule C._ eine gesangliche Begabung
attestiert (vgl. IV-act. 119). Dennoch ist offen, warum die ursprüngliche Ausbildung zum
Gesangslehrer schon an der Aufnahmeprüfung scheiterte; der IV-Berufsberater hat die
diesbezüglich begonnenen Abklärungen (IV-act. 127; 129) zu früh abgebrochen. Die
Beschwerdegegnerin wird diese – nötigenfalls unter Abmahnung der Mitwirkungspflicht
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des Beschwerdeführers (Art. 43 Abs. 3 ATSG) – zu ergänzen haben. Sollte die Eignung
des Beschwerdeführers zur Ausbildung und Tätigkeit des Gesangslehrers nicht
gegeben sein, so dürfte dies auch für die Gesangspädagogik zutreffen. Allfällige
Unterschiede zwischen diesen Tätigkeiten, die diesen Rückschluss als unangemessen
erscheinen liessen, wären aufzuzeigen bzw. nötigenfalls bei den involvierten oder
gegebenenfalls bei unabhängigen Fachpersonen zu erfragen. Selbst wenn die Eignung
des Beschwerdeführers trotz des wenig erfolgreichen Beginns wahrscheinlich
erschiene, so stellte sich immer noch die Frage, ob nicht eine nur teilweise
Finanzierung dieser Ausbildung angemessen wäre. Die uneingeschränkte nochmalige
Zusprache einer fünfjährigen Neuausbildung wäre nur dann gerechtfertigt, wenn die
bisherigen, nicht zielführenden Ausbildungsanstrengungen allein von der IV zu
verantworten wären. Ferner müsste feststehen, dass die bisherigen mehrjährigen
Ausbildungsschritte keinerlei Abkürzung des aktuell gewünschten Ausbildungsganges
erlaubten. Andernfalls könnte sich eine verhältnismässige Kürzung des weiteren
Ausbildungsaufwandes rechtfertigen.
2.5 Aus berufsberaterischer Sicht sind ansonsten Alternativen abzuklären, so
beispielsweise Weiterbildungen im Bereich Konzert- oder Eventorganisation,
Musiktheorie oder in anderen musiknahen Gebieten. Da die Beschwerdegegnerin
bereits erhebliche Leistungen erbracht hat, ohne dass sich der gewünschte Erfolg
einstellte, kommt vor dem Hintergrund des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes nunmehr
primär eine kürzere Eingliederung in Frage – etwa in Form einer von der
Beschwerdegegnerin unterstützten Einarbeitungszeit in eine geeignete Tätigkeit oder in
Form einer Anlehre (möglicherweise auch in einem Musikverlag oder im Musikhandel
[Noten, CDs, Musikstücke etc.]). Aufwändigere Umschulungspläne wären nur bei
eindeutig guten Erfolgsaussichten erneut in Angriff zu nehmen. Die Übernahme
weiterer fünf Jahre der Ausbildung zum Gesangspädagogen – die vom
Beschwerdeführer im Übrigen gar nicht beantragt wird – sprengt wie erwähnt jedenfalls
den angemessenen Rahmen.
2.6 Sollte der Beschwerdeführer die offenbar begonnene Ausbildung zum
Gesangspädagogen an der Opernschule C._ weiterführen wollen, auch wenn die
Abklärungen der Beschwerdegegnerin ergeben sollten, dass die persönliche
Angemessenheit (Eignung) überwiegend wahrscheinlich nicht gegeben wäre, so hätte
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er dies auf eigene Kosten zu tun. Dies bedeutet nicht, dass ein im Rahmen der
Erwägung 2.5 bestehender Anspruch zu einem späteren Zeitpunkt ausgeschlossen
wäre.
3.
3.1 Gemäss den Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, soweit
darauf einzutreten ist. Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie im Sinn der Erwägungen weitere
Abklärungen vornehme und anschliessend über den Anspruch des Beschwerdeführers
auf berufliche Eingliederungsmassnahmen neu verfüge.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 Erw. 5a). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin, sodass
ihr als nicht von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten befreiter selbstständiger
öffentlich-rechtlicher Anstalt die ganze Gerichtsgebühr aufzuerlegen ist. Dem
Beschwerdeführer ist der von ihm geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-
zurückzubezahlen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG