Decision ID: f6e6f837-d846-597c-adcc-45a079aaa405
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1975
, war als
Abteilungsleiterin bei der
Y._
GmbH
,
Z._
, tätig und über diese bei der
SWICA Versiche
rungen AG
(SWICA)
ge
mäss dem Bundesgesetz über die Unfall
ver
siche
rung (UVG) gegen die
Folgen von Unfällen ver
sichert, als
sie
am
1
7.
Mai 2009 beim Start eines
Gleit
schirmfluges
stürzte (
Urk.
8/9,
Urk
8/29 S. 4) und sich
dabei
Frakturen der
Wir
bel
körper
HWK
3-5, BWK
2
und BWK4-5 zuzog, welche eine sensomotorisch kom
p
lette
Tetraplegie
sub
C4 zu
r
Folge hatte
n
(
Urk.
8/29 S. 1).
Mit der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 1
1.
November 2010
(Urk. 8/96) sprach die SWICA der Versicherten mit Wirkung ab Oktober 2010 eine
Hilflosenentschädigung
für eine Hilflosigkeit schweren Grades zu.
1.2
Mit Verfügung vom 2
8.
November 2011 (
Urk.
8/198) sprach die SWICA der Ver
sicherten mit Wirkung ab
1.
Oktober 2011 eine Invalidenrente
für einen
Invali
ditätsgrad
von 100
%
sowie eine Integritätsentschädigung für eine
Integritäts
einbusse
von 100
%
zu
und
stellte unter anderem einen Anspruch der Versi
cher
ten auf Übernahme von Heilbehandlungskosten nach Festsetzung der Rente im Sinne einer Beitragsgewährung an die nicht von der
Hilflosenentschädigung
entschädigten Kosten der Grundpflege im Umfang von Fr. 300.-- im Monat fest (S. 2).
Nachdem die Invalidenversicherung der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
ab Mai 2010
eine ganze Rente zugesprochen hatte (Verfügung der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 2
9.
Dezember 2011;
Urk.
8/202/2)
,
sprach die SWICA der Versicherten mit Verfügung vom 2
7.
Dezember 2011 (
Urk.
8/201)
ab
1.
Oktober 2011 rückwirkend eine
Komple
mentärrente
zu.
Gegen die Verfügung vom 2
8.
November 2011 erhob die Versi
cherte am 1
7.
Januar 2012 Einsprache (
Urk.
8/203) und beantragte die Über
nahme der Kosten der Grundpflege nach Festsetzung der Rente. Mit
Einsprache
entscheid
vom 1
7.
Februar 2012 (Urk.
8/204 =
Urk.
2) wies die SWICA die
Ein
sprache
der Versicherten ab.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
1
7.
Februar 2012
(Urk. 2) erhob
die
Ver
sicherte a
m 2
3.
März 2012
Beschwerde und bean
tragte, dieser sei aufzu
heben
und
es sei die
SWICA
zu verpflichten, die gesetzlichen Versicherungs
leistungen auszurichten
und die Kosten der Grundpflege nach der Rentenfestsetzung ge
stützt auf das UVG zu übernehmen
(Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
2
4.
April 2012
(Urk.
7
) beantragte die S
WICA
die Abweisung der Beschwerde. Ein
e Kopie dieser Eingabe wurde der
Versicherten am
9.
Mai
2012 zur Kenntnis gebracht (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu.
Wird sie infolge des Unfalles
zu mindestens 10 %
invalid, so hat sie Anspruch auf
eine Invaliden
rente (Art. 18 Abs. 1 UVG
). Der Rentenanspruch entsteht, wenn vo
n der Fortsetzung der ärztlichen Be
handlung keine namhafte Besserung des Ge
sundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nah
men der Invalidenversicherung ab
geschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
1.2
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung der Unfallfolgen, nämlich auf die ambulante Behandlung durch den Arzt, den Zahnarzt oder auf deren Anordnung durch eine medizini
sche Hilfsperson sowie im weiter
e
n durch den
Chiropraktor
(
lit
. a), die vom Arzt oder Zahnarzt verordneten Arzneimittel und Analysen (
lit
. b), die Behandlung, Verpflegung und Unterkunft in der allgemeinen Abteilung eines Spitals (
lit
. c), die ärztlich verordneten Nach- und Badekuren (
lit
. d) und die der Heilung dien
lichen Mittel und Gegenstände (
lit
. e).
I
n Art. 10 Abs.
3 UVG wird bestimmt, dass Bundesrat die Leistungspflicht der Ver
sicherung näher umschreiben und die Kostenvergütung für Behandlung im Ausland begrenzen kann, und dass er insbesondere festlegen kann, unter wel
chen Voraussetzungen und in welchem Umfang die versicherte Person An
spruch auf Hauspflege hat.
1.3
Von der ihm in Art. 10 Abs. 3 eingeräumten Kompetenz hat der Bundesrat mit Erlass von Art.
18 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) Gebrauch gemacht. Gemäss Abs. 1 dieser Bestimmung hat die versicherte Person An
spruch auf eine ärztlich angeordnete Hauspflege, sofern diese durch eine nach den Artikeln 49 und 51 der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) zu
gelassene Person oder Organisation durchgeführt wird. Gemäss Abs. 2 der
Be
stimmung kann der Versicherer ausnahmsweise auch Beiträge an eine Haus
pflege
durch eine nicht zugelassene Person gewähren.
1.4
Gemäss Art. 21 Abs. 1 UVG werden einem Rentenbezüger nach der Festsetzung der Rente die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen gewährt, wenn er:
an einer Berufskrankheit leidet (
lit
. a);
unter einem Rückfall oder an Spätfolgen leidet und die Erwerbsfähigkeit durch medizinische Vorkehren wesentlich verbessert oder vor wesent
li
cher Beein
trächtigung bewahrt werden kann (
lit
. b);
zur Erhaltung seiner verbleibenden Erwerbsfähigkeit dauernd der Be
handlung und Pflege bedarf (
lit
. c);
erwerbsunfähig ist und sein Gesundheitszustand durch medizinische Vor
kehren wesentlich verbessert oder vor wesentlicher Beeinträchtigung bewahrt werden kann (
lit
. d).
Nach Rechtsprechung
(Urteil des Bundesgerichts 8C_191/2011 vom 1
6.
Septem
ber
2011 E. 5.2)
bezieht sich die Bestimmung von
Art. 21 Abs. 1 UVG
aus
schliess
lich
auf Personen, die bereits eine Rente beziehen.
1.
5
Nach der Rechtsprechung (BGE 116 V 41
E. 5a
) ist der Begriff der Hauspflege im
Sinne von Art. 10 Abs. 3 UVG und Art. 18 UVV vielschichtig
:
Er umfasst
in erster
Hinsicht
die - weder ambulant noch in einem Spital, sondern eben zu Hause applizierten - Heilanwendungen mit therapeutischer Zielrichtung, die von einem Arzt vollzogen oder angeordnet werden.
Hauspflege ist
in zweiter Hinsicht
auch die zu Hause stattfindende medizinische
Pflege im Sinne der Krankenpflege, der zwar das therapeutische (heilende) Agens
fehlt, die aber für die Aufrechterhaltung des Gesundheitszustandes doch uner
lässlich ist. Das trifft insbesondere auf medizinische Vorkehren im Sinne von Art. 21 Abs. 1
lit
. d UVG zu, welche lebensnotwendige organische Funktio
nen ermöglichen, unterstützen, sichern oder gleichsam ersetzen.
Eine dritte Form von Hauspflege ist die nichtmedizinische Pflege,
sei es an der
b
e
troffenen
Person
selber in Form von Hilfeleistungen bei den alltäglichen
Lebens
ver
richtungen
, sei es als Hilfestellungen in
ihr
er Umgebung durch Füh
rung des Haushaltes oder Besorgung der alltäglichen Angelegenheiten.
1.6
Die einzelnen Sozialversicherer haben, sofern in ihren Bereichen überhaupt eine
entsprechende gesetzliche Grundlage besteht, unter dem Titel der Hauspflege nicht für die Gesamtheit dieser Massnahmen aufzukommen, sondern nur so weit,
als für die verschiedenen Formen der Hauspflege eine Leistungspflicht gesetz
lich
oder verordnungsmässig normiert ist
(BGE 116 V 41 E. 5b).
Im Bereich der Unfallversicherung hat der Bundesrat die Leistungspflicht der Ver
sicherer für Hauspflege in Art. 18 UVV ausdrücklich geregelt. Diese Bestim
mung verpflichtet zu Beiträgen an eine
vom Arzt angeordnete Hauspflege
(Abs.
1).
Da
raus ist zu schliessen, dass die Leistungspflicht auf Heilbehandlung und medi
zi
nische Pflege beschränkt sein soll. Denn von ärztlicher Anordnung kann
sinn
vollerweise
nur bei Vorkehren medizinischen Charakters gesprochen wer
den; nichtmedizinische Betreuung bedarf ihrer Natur nach keiner ärztlichen An
ord
nung. Diese Einschränkung ist
nach der Rechtsprechung (BGE 116 V 41 E. 5c)
nicht zu beanstanden. Anderseits ist das Erfordernis der ärztlichen An
ordnung nicht in einem streng formellen Sinne zu verstehen. Es genügt viel
mehr, dass die
fraglichen medizinischen Vorkehren, die zu Hause durchgeführt werden, nach der Aktenlage medizinisch indiziert sind
(BGE 116 V 41 E. 5c)
.
1.7
Gemäss der Empfehlung Nr. 7/90 (Hauspflege) der Ad-Hoc-Kommission Scha
den
UVG, in der Fassung nach der Revision vom 1
7.
März 2008
(www.svv.ch)
, ist der
Begriff der Ha
uspflege folgendermassen zu kate
gorisieren:
Heilanwendung zu Hause mit therapeutischer Zielrichtung, vom Arzt voll
zogen oder angeordnet;
medizinische Pflege im Sinne von Krankenpflege wie beispielsweise Ka
thet
er
isieren, Wundversorgung oder Infusion;
nichtmedizinische Pflege. Dabei handelt es sich um Hilfeleistungen bei den alltäglichen Lebensverrichtungen
, zum Beispiel Körperpflege,
An
kleiden, Auskleiden, Hilfe bei der Ernährung
;
nichtmedizinische Hilfe
. Dabei handelt es sich um eine Hilfestellung in der Umgebung des Betroffenen im Sinne von reiner Haushalthilfe, wie beispielsweise die allgemeine Haushaltführung, Waschen, Bügeln,
Reini
gungsarbeiten
und die Besorgung anderer alltäglicher Angelegenheiten.
Bei der
nichtmedizinische
n
Pflege und
der
nichtmedizinische
n
Hilfe
handelt es sich
gemäss der Empfehlung 7/90
grundsätzlich
nicht um
Hauspflege
mass
nah
men
im Sinn von Art
. 18 Abs. 1 UVV
, auf welche
ein Anspruch auf
Beitragsge
w
ährung
durch die obligatorische
Unfall
versicherung
besteht
,
wobei für
nicht
me
di
zinische
Pflege vor dem Entscheid über den Anspruch auf
Hilflo
sen
ent
schä
digung
unter dem Vorbehalt der späteren Anrech
n
ung an die
Hilflo
senent
schädigung
angemessene
Beiträge gewährt werden können.
1.8
Gemäss der Rechtsprechung (
BGE 138 V 140
E. 5.3.6 mit Hinweisen auf
die
Ur
teile des Bundesgerichts 8C_503/2011 vom
8.
November 2011 E. 3.2 und 8C_758/201
0 vom 2
4.
März 2011 E. 4.2.2; BGE 120 V 224 E. 4c) stellen Emp
fehlungen der Ad-Hoc-Kommission Schaden UVG keine Weisungen an die
Durch
führungsorgane
der obligatorischen Unfallversicherung dar und sind ins
be
sondere für die Gerichte nicht verbindlich. Sie sind jedoch geeignet, eine rechts
gleiche Praxis sicherzustellen.
1.9
Praxisgemäss
werden mit der Ausrichtung einer
Hilflosenentschädigung
für eine
Hilflosigkeit
schweren Grades
(Art. 38 Abs. 2 UVV)
nicht
sämtliche tatsächlich
in Anspruch genommenen Pflegeleistungen pauschal abgegolten.
Denn
unter
dem
Begriff der dauernden Pflege, welche zusätzlich zur Hilfsbedürftigkeit in allen sechs massgeblichen Lebensverrichtungen verlangt wird,
ist
eine Art me
dizinische oder pflegerische Hilfeleistung zu verstehen, welche infolge des phy
sischen oder psychischen Zustandes notwendig ist. Darunter fällt beispielsweise die Notwendigkeit, täglich Medikamente zu verabreichen oder eine Bandage an
zulegen. Ist die (direkte oder indirekte) Dritthilfe bei Vornahme der einzelnen Lebensverrichtungen bereits derart umfassend, dass der weiteren Voraussetzung der dauernden Pflege oder der dauernden persönlichen Überwachung (Art. 38 Abs. 2 UVV) nur noch eine untergeordnete Bedeutung zukommt, genügt im Rah
men der genannten Vorschrift daher schon eine minimale Erfüllung eines dieser zusätzlichen Erfordernisse (BGE 116 V 41 E. 6b). Wenn es aber nach die
ser Rechtsprechung bei manifester Hilfsbedürftigkeit in allen sechs massgebli
chen alltäglichen
Lebensverrichtungen
zur Annahme schwerer Hilflosigkeit nur noch einer minimalen Erfüllung des zusätzlichen Erfordernisses der dauernden Pflege (oder der dauernden Überwachung) bedarf, bleibt Raum für eine zusätzli
che Vergütung im Rahmen von Art. 18 Abs. 1 UVV, welche ihrerseits nicht in einer vollen Übernahme der Pflege, sondern lediglich in einer
Beitragsgewäh
rung
daran besteht (BGE 116 V 41 E. 6c).
1.10
Gemäss der Rechtsprechung ist die
Frage, ob
eine
akzessorische Grundpflege nach Art. 18 Abs. 1 UVV zu entschädigen oder bereits durch die
Hilflosenent
schä
di
gung
abgedeckt ist, nicht generell zu beantworten. Vielmehr muss in jedem
Ein
zelfall mit Blick auf die konkret zur Diskussion stehende pflege
rische Hand
lung geprüft werden, ob es sich um eine entschädigungswürdige medizinische
Pfle
geleistung
oder um eine nichtmedizinische Betreuung handelt, für welche kein Leistungsanspruch besteht (Urteil des Bundesgerichts 8C_1037/2012
vom 1
2.
Juli 2013
E. 7.2).
1.11
Um medizinische Vorkehren beziehungsweise Pflegemassnahme
n
handelt es sich
praxisgemäss beim Katheterisieren, Klopfen und Pressen der Blase, beim Anle
gen eines Kondoms mit Urinal und beim digitalen Stuhlausräumen durch
Dritt
personen
(BGE 116 V 41 E. 4b). Denn die richtige Wahl dieser Massnahmen, ihre Abstimmung mit den anderen Vorkehren und ihre fachlich einwandfreie Durchführung sind für die Erhaltung des prekären Gesundheitszustandes der be
troffenen versicherten Personen (
Tetraplegiker
) von entscheidender Bedeu
tung. Würden diese Massnahmen nicht in der ärztlich empfohlenen Weise fach
gerecht durchgeführt, so würde mit Sicherheit das Risiko von Harnwegsinfekten und an
dern gesundheitlichen Störungen beträchtlich erhöht. Daraus ergibt sich, dass es sich bei diesen pflegerischen Massnahmen
um
medizinische Vorkehren im Sinne von Art. 21 Abs. 1
lit
. d UVG handelt, welche geeignet sind, den Ge
sund
heits
zustand der betroffenen Personen vor wesentlicher Beeinträchti
gung
zu
be
wahren.
Des Weitern wurde von der Rechtsprechung
die Überwachung
der versicherten
Person beim Stehbretttraining, der Transfer der versicherten Person vom Bett zum
Stehbrett sowie zurück
und
das Festbinden
der versicherten Person am
Thera
pie
gerät
als Leistungen im Sinne von
Art. 18 Abs. 1 UVV
anerkannt, da es sich
hierbei um medizinische Vorkehren handelte, welche nicht unter die alltäg
lichen
Lebensverrichtungen „
Aufstehen, Absitzen, Abliegen" und
„
For
tbe
wegung (im
oder ausser Haus)" subsumiert werden können, welche durch die
Hilflosenent
schä
digung
abgedeckt sind (Urteil des Bundesgericht
s
8C_1037/2012 E. 7.3.2 mit
Hinweisen)
.
Demgegenüber stellt die Reinigung nach Stuhlentleerung
in die Windel keine
Leis
tungs
pflicht
nach Art. 18 Abs. 1 UVV
da
r, da
dies
e pflegerische Handlung
unter die durch die
Hilflosenentschädigung
abgegoltene
alltägliche
Lebensver
richtung
„
Notdurft" fällt (Urteil des Bundesgerichts 8C_1037/2012 vom 1
2.
Juli 2013
E. 7.3.1 mit Hinweis
); hieran ändert nichts,
wenn
die Stuhlentleerung nach erfolgreicher Gabe eines Suppositoriums erfolgt.
1.12
Analog der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der
Hilflosenent
schä
digung
ist auch bei der Ermittlung der Pflegedürftigkeit eine enge, sich er
gänzende Zusammenarbeit zwischen Arzt und Verwaltung erforderlich. Ersterer
hat anzugeben, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen bezie
hungs
weise geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist. Der Versi
cherungsträger kann an Ort und Stelle weitere Abklärungen vornehmen, wobei
bei Unklarheiten über physische und psychische Störungen und/oder deren Aus
wirkungen in der Alltagspraxis Rückfragen an die medizinischen
Fachper
sonen
nicht nur zulässig, sondern notwendig sind. Genügt der Bericht über die Abklä
rung vor Ort den einzelnen rechtsprechungsgemässen
Beweisanforderun
gen
(vgl.
BGE 130 V 61 E. 6.1.2), greift das Gericht in das Ermessen der die Ab
klärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen (BGE 133 V 450 E. 11.1.1;
Urteil
des Bundesgerichts 8C_1037/2012 vom 1
2.
Juli 2013 E. 6.1
).
1.13
Nach der Rechtsprechung
(Urteil des Bundesgerichts 8C_1037/2012 vom 1
2.
Juli 2013 E. 5.2)
kann bei der Abklärung der Pflegebedürftigkeit
im Rahmen des Art.
18
UVV das Bedarfsabklärungs-Instrumentarium der Spitex, RAI-HC (Resi
dent Assessment Instrument -
Homecare
, einsehbar unter www.qsys.ch oder www.rai.ch)
herangezogen werden, wenn es eine dem Einzelfall angepasste und
diesem
gerecht werdende Lösung ermöglicht. Denn auch wenn der
im Einzelfall indivi
duell
ausgewiesene Pflegebedarf massgebend ist, bezieht sich dies gerade
im Sinne des Wirtschaftlichkeitsprinzips (Art. 54 UVG) nicht ohne Weiteres auf
das Mass der effektiv erbrachten Leistungen, sondern auf eine normative Be
wer
tung dieses Ausmasses (vgl. Urteil 2C_333/2012 vom
5.
November 2012 E. 5.6). Eine Pflegeperson, die geschickt und routiniert arbeitet, kann diese Standard
zei
ten unterbieten, während eine etwas langsamer arbeitende oder lernende
Pflege
person
für die gleiche Verrichtung länger braucht.
Aus diesem Grunde stellt das RAI-HC-Bedarfsabklärungs-Instrumentarium eine geeignete Methode für eine normative Bewertung des notwendigen Pflegebedarfs dar.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der Verfügung vom 2
8.
November 2011 (Urk. 8/198) und in dem
die
se
, insoweit sie
einspracheweise
angefochten wurde,
be
stätigenden
Einspracheentscheid
vom
1
7.
Februar 2012
(
Urk.
2) davon aus, dass nach der Festsetzung der Rente
die Kosten der Grundpflege grundsätzlich
mit der
Hilflosenentschädigung
(für eine Hilflosigkeit schweren Grades)
ab
ge
gol
ten
w
ü
rde
n
(
Urk.
2 S. 3),
und dass lediglich ein Anspruch auf
Beitragsge
wäh
rung
an die Kosten der medizinischen Grundpflege im Umfang von
Fr.
300.-- im Mo
nat
bestehe (
Urk.
8/198 S. 2,
Urk.
7 S. 4
; vgl. auch Urk.
8/130 und
Urk.
8/127
).
2.2
Die Beschwerdeführe
rin bringt
hiegegen
vor, dass s
i
e
für die Erhaltung ihres Ge
sundheitszustandes auf Grundpflegeleistungen (
Urk.
1 S. 4) und insbesondere auf
solche
bei der Darmentleerung, bei der Mundpflege und zur
Deku
bituspro
phy
laxe
angewiesen sei, um schwere gesundheitliche Komplikationen zu ver
meiden (
Urk.
1 S. 5), und dass diese Leistungen nicht durch Ausrichtung der
Hilflosen
entschädigung
schweren Grades abgegolten würden, weshalb ein An
spruch auf Übernahme
dieser
Kosten ausgewiesen sei (
Urk.
1 S. 6).
2.3
Im Streite steht vorliegend daher der Umfang des Anspruchs der Beschwerde
füh
rerin auf
Beiträge an die Kosten der von
ihr
nach dem
1.
Oktober 2011 an
ihrem Wohnort in Anspruch genommenen Leistungen der Grundpflege. Nicht zum
Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens gehört indes die
Frage nach dem Anspruch der Beschwerdeführerin auf Beiträge an die Kosten der
medizinischen Behandlungspflege, da die Beschwerdeführerin die Verfü
gung vom
2
8.
November 2011 (
Urk.
8/198) diesbezüglich
einspracheweise
nicht angefoch
ten hatte (vgl. 8/203 S. 1), weshalb
ihr
Anspruch auf Beiträge an die Kosten der medizinischen Behandlungspflege vom Gegenstand des angefochte
nen
Einspra
che
entscheides
vom 1
7.
Februar 2012 (
Urk.
2) nicht umfasst wird.
3.
3.1
Von den Parteien (
Urk.
2,
Urk.
1) wird nicht bestritten, dass die Beschwerde
füh
rerin im Sinne von Art. 21 Abs. 2
lit
. d UVG erwerbsunfähig ist, und dass
sie
zur Bewahrung ihres
Gesundheitszustand
es
vor wesentlicher Beeinträchtigung grundsätzlich auf
gewisse Hauspflegeleistungen im Sinne von Art. 18 Abs. 1 UVV
angewiesen ist
.
Streitig und zu prüfen ist indes die Frage, in welchem Umfang die Beschwer
de
führerin für die von ihr in Anspruch genom
menen Leistungen der
Grund
pflege
einen Anspruch auf Beiträge der
Beschwer
de
gegnerin
hat.
3.2
Den ärztlichen Spitex-Verordnungen vom
1.
April 2011 (
Urk.
8/150) und vom
1.
Oktober 2011 (
Urk.
8/189/2-3) ist zu entnehmen, dass die
„
A._
”
, B._
, mit der
Durchführung
von Hauspflegeleistungen für die Be
schwer
deführerin im Sinne von Abklärungs- und Beratungsmassnahmen,
von
Untersuchungs- und Behandlungsmassnahmen,
von
Grundpflegemassnahmen und
von
hauswirtschaftlichen Massnahmen beauftragt wurde (
Urk.
8/150, Urk. 8/189/2).
3.2
Unbestritten
ist
, dass es sich bei der
„
A._
”
um eine
im Sinne von
Art. 18 Abs. 1
UVV nach Art. 51 KVV zugelassene Organisation der Kranken
pfle
ge
und Hilfe zu Hause
handelt,
und
dass es sich
bei deren Mitarbeitenden um
nach Art.
49 KVV zugelassene Pflegefachpersonen handelt.
3.3
Gemäss d
er detaillierten Beschreibung der Pflegemassnahmen zu den Spitex-Ver
ord
nungen vom
1.
April und
1.
Oktober 2011 (
Urk.
8/150,
Urk.
8/189/3)
bestand
die bei der Beschwerdeführerin durchgeführte Grundpflege aus folgenden Leis
tung
en:
die Körper- und Intimpflege der Beschwerdeführerin
die Mobilisation der Beschwerdeführerin in den Rollstuhl und aus dem Roll
stuhl
die Mobilisation der Beschwerdeführerin auf den Duschstuhl, zweimal wöchentlich
das Bekleiden und das Entkleiden der Beschwerdeführerin
die Kathet
er
isierung (Harndrainage;
Cystofix
) der Beschwerdeführerin, täg
lich
das Einbinden des rechten Beines der Beschwerdeführerin
die Applikation eines Suppositoriums und die digitale Stuhlausräumung, täglich
die Abgabe von Medikamenten, täglich
das
Richten
und die Bestellung von Medikamenten, wöchentlich
3.4
Bei den obenstehend erwähnten, bei der Beschwerdeführerin tatsächlich durch
geführten Massnahmen der Grundpflege handelt es sich bei
der täglichen Ka
thet
er
isierung, beim Einbinden des rechten Beines, bei der täglichen digitalen Stuhlausräumung mit Applikation eines Suppositoriums, bei der täglichen Ab
gabe von Medikamenten und dem wöchentlichen Richten und Bestellen von Medikamenten um Leistungen der medizinischen Grundpflege beziehungsweise um
medizinische Vorkehren
im Sinne von Hauspflege gemäss Art. 21 Abs. 1
lit
. d und Art. 10 Abs. 3 UVG in Verbindung mit Art. 18 Abs. 1 UVV, welche
zur Be
wahrung des Gesundheitszustandes der B
eschwerdeführerin erforderlich wa
ren
.
F
ür deren Kosten
hatte
die Beschwerdeführer
in
nach der Rentenfestsetzung per
1.
Oktober 2011 weiterhin Anspruch auf Beiträge.
3.5
Nicht um Massnahmen der medizinischen Hauspflege im Sinne von Art.
10 Abs. 3 UVG in Verbindung mit Art.
18 Abs.
1 UVV
handelt es sich
indes
bei
den
jenigen Massnahmen der Grundpflege
,
welche die Körper- und die Intim
pflege der Beschwerdeführerin, die Mobilisation in den Rollstuhl und aus dem Roll
stuhl, die Mobilisation auf den Duschstuhl und das Bekleiden und das Ent
kleiden
z
um Inhalt hatt
en. Bei diesen Massnahmen der Grundpflege handelt es sich um Massnahmen, welche unter die
für die Bemessung der Hilflosigkeit mass
geben
den alltäglichen Lebensverrichtungen
des
Ankleiden
s
/Auskleid
en
s
,
des
Auf
ste
hen
s
/Absitzen
s
/Abliegen
s
und
der
Körperpflege (
vgl.
BGE 133 V 450 E.
7.2
mit Hinweisen) zu subsumieren sind und durch die
Hilflosen
entschädigung
für eine Hilflosigkei
t schweren Grandes abgegolten wu
rden.
4.
4.1
Aus den
Akten
und insbesondere den sich bei den Akten befindenden Spitex-Verord
nungen vom
1.
April 2011 (
Urk.
8/150) und vom
1.
Oktober 2011 (Urk. 8/189/2-3
)
lässt sich
der genaue zeitliche Aufwand, welche für die ver
schie
denen, unter dem Titel Grundpflege
zu subsumierenden
pflegerischen Mass
nahmen
durch die
„
A._
”
aufgewendet wurde,
nicht entneh
men.
Den Akten ist sodann zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin keine
Be
darfs
abklärung
des bei der Beschwerdeführerin erforderlichen
Pflegeaufwan
des
vor Ort durchgeführt hat. Die Beschwerdegegnerin hat vielmehr lediglich anhand
der Pflegedokumentation und der Spitex-Verordnungen eine Quantifi
zierung er
stellt
(vgl.
Urk.
8/152,
Urk.
8/130, Urk. 8/127)
, ohne den konkreten Bedarf
der Beschwerdeführerin an medizinischer Hauspflege
vor Ort abzuklären
.
4.2
Die Beschwerdegegnerin an welche die Sache zu ergän
zender Abklärung des Sachverhalts
in quantitativer Hinsicht
zurückzuweisen ist, wird daher im Sinne
einer normativen Bewertung des tatsächlich erbrachten Pflegeaufwandes den aus
gewiesenen Bedarf der Beschwerdeführerin an medizinischen
Hauspfle
ge
leis
tungen
im Sinne von Art. 21 Abs. 1
lit
. d und Art. 10 Abs. 3 UVG in Ver
bin
dung
mit Art.
18 Abs. 1 UVV
vor Ort abklären und anschliessend über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Beiträge an die Kosten der von der Be
schwerde
füh
rerin in Anspruch genommenen
Hauspflege
leistungen
neu verfü
gen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
5.
Nach
§
34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat
die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kos
ten
.
Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34 Abs. 3
GSVGer
).
Ausgangsgemäss hat die nur teilweise obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf eine um die Hälfte reduzierte Prozessentschädigung, welche in Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses mit
Fr.
1‘100.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bemessen ist.