Decision ID: 5ed7aed8-cf29-4e30-b2db-df98ae30f6ff
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1978,
war seit
1.
Juli 2013 bei der
Y._
GmbH als Armierungsarbeiter angestellt und dadurch bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 1
0.
Juni 2015 auf einer Baustelle ausrutschte und sich am linken Knie, am linken Schulterblatt und am Rücken verletzte (vgl. Unfallmeldung vom 1
5.
Juni 2015;
Urk.
8/1). Die Suva erbrachte Versicherungsleistungen
, die sie
mit Verfügung vom 1
1.
Mai 2016 (
Urk.
8/81) per 2
5.
Mai 2015 (richtig: 2016) einstellte. Die dagegen am
8.
Juni 2016 (
Urk.
8/85) erhobene und am
7.
Juli 2016 (
Urk.
8/88)
sowie 1
5.
September 2016 (
Urk.
8/94)
ergänzte Einsprache
wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom
5.
Januar 2017 ab (
Urk.
8/95 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
5.
Januar 2017 (
Urk.
2) erhob der Ver
sicherte am
6.
Februar 2017 Beschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung und
Zusprache
der gesetzlichen Leistungen, insbe
sondere Kosten der Heilbehandlung sowie Unfalltaggelder, bis zum 2
9.
August 2016 (
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerde
antwort vom
6.
März 2017 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerde
führer am 1
3.
März 2017 mitgeteilt wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundes
ge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
ver
sicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Sep
tember 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu be
urteilende Unfall hat sich am 1
0.
Juni 2015
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und i
n dieser Fassung zitiert werden
1.2
Gemäss
Art.
6
UVG
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Ver
sicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausser
dem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Ver
unfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
di
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte
(Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht.
Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die ent
sprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Per
son, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten
massge
bend
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.5
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.6
Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu und sind allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invali
denversicherung abgeschlossen, geht die Unfallversicherung zur Berentung über, wenn der Unfall eine Invalidität im Sinne von
Art.
8
Abs.
1 ATSG hinter
lässt (
Art.
19
Abs.
1 UVG e
contrario
; BGE 116 V 41 E. 2c). Dem Rentenbezüger werden
Heilbehandlungsleis
tungen gemäss Art. 21 Abs. 1 UVG nur noch unter bestimmten Voraussetzungen ausgerichtet.
Da die Heilbehandlung
gemäss
Art.
10 UVG eine unfallbedingte Behandlungs
be
dürftigkeit, nicht aber eine Arbeitsunfähigkeit voraussetzt, vermag die trotz des Unfalls uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit allein ein Dahinfallen des Anspruchs auf Heilbehandlung nicht zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 8C_354/2014 vom 1
0.
Juli 2014 E. 3.2).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist
. Die Verwendung des Begriffes „
namhaft" in Art.
19 Abs.
1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art.
10 Abs.
1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen
–
wie etwa einer Badekur
–
zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicher
ten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beur
teilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE
134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_6
39/2014 vom 2. Dezember 2014 E.
3).
1.
7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Gestützt auf die kreisärztliche Untersuchung sei davon auszugehen, dass spätestens am 2
5.
Mai 2016 keine Unfallfolgen mehr gegeben gewesen seien. Die unfallbedingten Veränderungen seien abgeklungen, da es keine struktu
rellen Läsionen gebe, welche eine Erklärung für eine
Chronifizierung
des Schmerzsyndroms darstellen könnten. Es sei keine plausible Erklärung für eine weitere unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit ersichtlich gewesen
und
es sei auch von einem gewissen demonstrativen Charakter
auszugehen
.
Zudem
sei stets eine Kontusion diagnostiziert worden, weshalb auf die Beurteilung des behandelnden Arztes, welcher von einer Zerrung oder Distorsion ausgegangen sei, nicht abge
stellt werden könne (S. 3 f.).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen (
Urk.
1), es sei immerhin bildgebend ein starker Verdacht auf Läsion des Labrums
superior
geäussert worden
. Aus Sicht des behandelnden Arztes sei die Diagnose einer Kontusion keineswegs ein Hinderungsgrund für längere Heilungsprozesse. Die Beschwerdegegnerin habe den Wegfall der Kausalität vor dem 3
0.
August 2016 nicht belegt. Er sei bis zum 2
9.
August 20
1
6 arbeitsunfähig gewesen. Bis zu diesem Zeitpunkt sei die Beschwerdegegnerin leistungspflichtig (S. 5 f.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist die Leistungseinstellung per 2
5.
Mai 201
6.
Unbe
stritten ist, dass über den 2
9.
August 2016 hinaus keine Leistungs
pflicht der Beschwerdegegnerin mehr besteht.
3.
3.1
In der Unfallmeldung vom 1
5.
Juni 2015 wurde der Unfallhergang wie folgt beschrieben (
Urk.
8/1
Ziff.
6): "Während Arbeit ausgerutscht und hat linkes Knie, linkes Schulterblatt und Rücken verletzt". Die Erstbehandlung erfolgte am Unfalltag, mithin am 1
0.
Juni 2015, im
Z._
. Mit gleichentags verfasstem Bericht (
Urk. 8
/6) wurde eine
Scapulakontusion
diagno
stiziert. Der Beschwerdeführer habe berichtet, er sei beim Gerüstabsteigen aus
gerutscht und etwa 1.5 m über die Gerüsttreppe gerutscht und auf dem Boden gelandet (S. 1). Die bildgebende Untersuchung (
Urk.
8/5) ergab keine Hin
weise auf
frische traumatische
ossäre
Läsionen. Es seien auf Höhe Brustwir
belsäule und
Scapula
-Lendenwirbelsäule diverse oberflächliche Schürfwunden, aber kein Hämatom, keine Rötung, Schwellung und Überwärmung festgestellt worden. Eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
wurde bis zum 1
2.
Juni 2015 attestiert (S.
2).
3.2
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diagnosti
zierte am 1
4.
Juli 2015 (
Urk. 8
/11) ein
myofasziales
Schmerzsyndrom M.
Infra
spinatus
links nach Schulterkontusion (S. 1). Eine Arbeitsfähigkeit als Akkord-Eisenleger sei noch nicht gegeben, bis sich die muskuläre Situation im Bereich der Schulter deutlich gebessert habe, was voraussichtlich weitere zwei bis vier Wochen in Anspruch nehmen werde (S. 2).
3.3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Rheumatologie, stellte mit Bericht vom
2.
November 2015 (
Urk.
8/45) unter anderem folgende Diagnose (S. 1):
-
Sturz am 1
0.
Juni 2015 mit Schulterkontusion links
-
Arthro
-MRI vom 2
5.
Juni 2015: diskrete
subacromiale
Bursitis ohne
Rotatorenmanschettenverletzung
-
aktuell
myofasziale
Beschwerdepräsentation mit Hartspannstrang und
Triggerpunkt
im M.
trapezius
,
supraspinatus
und
infraspinatus
links
Die Schulterschmerzen liessen sich klar muskulären,
myofaszialen
Befunden zuordnen
, mit einem leichten
Impingement
im Rahmen der muskulären
Dys
balance
ohne aktuelle Hinweise für eine
floride
subacromiale
Bursitis oder eine
frozen
shoulder
. Auch für eine
zervikoradikuläre
Mitbeteiligung seien keine objektivierbaren Befunde ersichtlich. Der Beschwerdeführer könne und solle bis in den Schmerz hinein belasten und zur Unterstützung Schmerzmittel ein
nehmen. Seitens des Bewegungsapparates erscheine eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit auch für körperliche Schwerstarbeit ab Mitte November zumut
bar, auch wenn bei eher schmächtigem Körperbau dieses Belastungsprofil sicherlich nicht ideal sei. Die Bildgebung vom 2
7.
Oktober 2015 habe einen normal weiten
Subacromialraum
, keine Weichteilverkalkungen, keine
ossären
Verletzungen und keine Gelenksdegenerationen
ergeben
(S. 2).
3.4
Dr.
B._
wiederholte mit Bericht vom 1
3.
November 2015 (
Urk.
8/46) die bereits gestellten Diagnosen und hielt fest, die eingeleitete Behandlung habe zu einem günstigen Verlauf geführt (S. 1). Die weitere Tätigkeit werde wohl zwangsläufig zu weiteren Überlastungsbeschwerden führen, sofern der Beschwer
deführer hier nicht entsprechende Vorkehren treffe. Die Arbeitsunfä
higkeit für den angestammten Beruf bleibe bis Ende November bei 100
%
, ab dann sei er formal voll arbeitsfähig (S. 2).
3.5
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, hielt mit Bericht vom 1
6.
Dezember 2015 (
Urk.
8/53) fest, das MRI vom 1
5.
Dezember 2015
(vgl.
Urk.
8/57)
habe einen starken Verdacht auf eine Läsion des
superio
ren
Labrums im Sinne einer SLAP-Läsion ergeben. Aufgrund dieser sichtbaren Läsion sei es sinnvoll, die Situation durch einen auf Schulteroperationen speziali
sierten Arzt beurteilen zu lassen
. Leider
sei
der MRI-Befund der Vorun
tersuchung im Röntgeninstitut
vom
Beschwerdeführer
nicht
entgegenge
nommen
und für Vergleichszwecke verwendet worden
(S. 1).
3.6
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie, Klinik
E._
, stellte mit Bericht vom 2
6.
Januar 2016 (
Urk.
8/66) folgende Diagnosen (S. 1):
-
ausgeprägtes posttraumatisches Schmerzsyndrom
subakromial
und
peri
scapulär
links, mit assoziierten
Myogelosen
im Bereich des
Musculus
infraspinatus
sowie Teres
major
und
latissimus
dorsi
links
-
Status nach Gerüst-Sturz vom 1
0.
Juni 2015 mit massiver Schulterkon
tusion links, MR-tomographisch assoziierte SLAP-Läsion Grad II kranial und
kranio-posterior
links
Der Beschwerdeführer sei Rechtshänder. Er sei am 1
0.
Juni 20
1
5 seitlich nach vorne gefallen und mit der linken Schulter
antero
-lateral gegen die Abstützbar
riere gefallen. In den folgenden Tagen sei es zu immer stärker werdenden Schulterschmerzen mit ebenso ausgeprägten Nachtschmerzen gekommen. Es persistierten ausgeprägte Ruheschmerzen und starke Schmerzen bei Abduktion und Flexion bereits ab
Scapulaebene
(S. 1). Es bestehe noch bis 2
9.
Februar 2016 volle
Arbeitsunfähigkeit (S. 2).
Am
4.
April 2016 (
Urk.
8/75) hielt
Dr.
D._
nach Durchführung einer Ver
laufskontrolle sowie einer weiteren Infiltration bei unveränderter Diagnose fest, dass noch deutliche
Myogelosen
vorhanden seien, insgesamt aber die Schulter
beweglichkeit im Vergleich zur Voruntersuchung schon gebessert sei. Es sei zu hoffen, dass der Patient ab Mitte bis Ende Mai in seiner gewohnten Tätigkeit wieder aktiv sein könne. Grundsätzlich seien
Myogelosen
im Verlauf und in der Behandlung hartnäckig. Die langfristige Prognose sei aber günstiger (S. 2).
3.7
Am 2
5.
April 2016 nahm
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, eine kreisärztliche Untersuchung vor und diagno
sti
zierte mit gleichentags verfasstem Bericht (
Urk.
8/79) ein mit Unfall
folgen nicht erklärbares anhaltendes Schmerzsyndrom in der linken Schulterge
lenks
region. Zur bildgebenden Untersuchung vom 1
5.
Dezember 2015 hielt
Dr.
F._
fest,
das
das Labrum unterminierende Kontrastmittel stelle eher ein physiologisches
sublabral
hole dar, als eine SLAP-Läsion vom Typ II, welche
radiologischerseits
als Verdachtsdiagnose angegeben worden sei (S. 9).
Der genaue Unfallablauf bezüglich der Gewalteinwirkung auf die linke Schulter sei nicht beschrieben. Dort persistierten Beschwerden, welche im Sinne eines
myofaszialen
Schmerzsyndroms des
Musculus
Infraspinatus
gesehen würden. Diese Diagnose sei bis heute verfolgt worden. Trotz der Angabe einer gewissen Besserung teile der Beschwerdeführer bei differenzierter Befragung mit, dass die Behandlungen in den letzten drei Monaten keine Veränderung ergeben hätten, auch die zuletzt durchgeführte Infiltration habe kurzfristig nur eine leichte Besserung der Beschwerden erbracht (S. 9 unten f.).
Die im Bereich der rechten
Scapula
wiederholt als eindrücklich aufgeführten
Myogelosen
hätten anlässlich der Untersuchung nicht eindeutig nachvollzogen
werden können. Es sei davon auszugehen, dass die unfallbedingten Verände
rungen abgeklungen seien, da es keine unfallbedingten strukturellen Läsionen gebe, welche erklären würden, dass ein solches Schmerzsyndrom
chronifiziere
. Eine eindeutige unfallbedingte Läsion im Bereich der oberen
Bizepssehnen
und des Labrums könne bildgebend nicht nachvollzogen werden. Die bei der kreis
ärztlichen Untersuchung dargestellte aktive Abduktionseinschränkung auf 100° sei auch mit einer SLAP-Läsion nicht erklärbar; ebenfalls die Schwächen im Bereich der Handmuskulatur beim Händedruck und bei der Kraftprüfung. Somit könne auch von einem gewissen demonstrativen Charakter der gezeigten Ein
schränkungen ausgegangen werden (S. 10 Mitte).
Gesamthaft und insbesondere aufgrund des Umstands,
dass keine eindeutigen unfallbedingten strukturellen Läsionen vorliegen würden und bisherige Behand
lungen praktisch keine Verbesserungen erbracht hätten, sei einerseits vom medizinischen Endzustand auszugehen
, andererseits
finde man keine plausiblen Begründungen für eine weitere unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit. Aus dieser Schlussfolgerung heraus bestehe auch für eine Tätigkeit als Eisenleger unfallbe
dingt keine weitere Arbeitsunfähigkeit mehr. Auch für sonstige berufliche Tätigkeiten im allgemeinen Arbeitsmarkt bestünden unfallbedingt keine Ein
schränkungen der zumutbaren beruflichen Belastbarkeit (S. 10 unten).
3.8
Dr.
D._
hielt mit Bericht vom 2
3.
Mai 2016 (
Urk.
8/85
S. 9 f.
) bei unver
änderter Diagnose fest, dass der Beschwerdeführer unterdessen einen Arbeits
versuch
unternommen habe. Nach mehreren Stunden Arbeit seien jedoch die Verspannungsschmerzen
periscapulär
mit Ausstrahlung in den
posterioren
Oberarm links zurückgekommen. Es solle die Physiotherapie für die nächsten zwei Monate zur Lockerung der verhärteten Muskulatur fortgesetzt werden. Für einen chirurgischen Eingriff bestehe keine Indikation. Grundsätzlich sei die langfristige Prognose gut.
Dr.
D._
empfahl eine Arbeitsunfähigkeit bis Ende Juli. Falls die Symptomatik dann deutlich gebessert sei, könne der Beschwerdeführer wieder einen Arbeitsversuch unternehmen.
3.9
Am 3
0.
August 2016 (
Urk.
8/93 =
Urk.
8/94/2 =
Urk.
3/4/3
) hielt
Dr.
D._
fest, es könne nach Zerrungen oder traumatischen Distorsionen zu diesen aus
geprägten
Myogelosen
mit dem klinischen Bild einer
Snapping
Scapula
kommen. Bei korrekter Diagnose und geduldiger konservativer Therapie führe die Behandlung in der Regel nach mehreren Monaten zum Erfolg. Das Unfall
ereignis sei klar traumatisch, die Symptomatik sei kausal, und es seien immer ent
sprechende Symptome vorhanden gewesen. Diagnostisch sei korrekt vor
gegangen worden und die Behandlung habe zum Erfolg geführt.
Gleichentags (
Urk.
8/94
S. 3
=
Urk.
3/4/2
) führte
Dr.
D._
aus, es gehe dem Patienten deutlich besser. Die Schmerzsymptomatik sei deutlich
regredient
und er sei seit August wieder auf Arbeitssuche. Insgesamt zeige sich ein zufriedenstellender Verlauf; die Schulterbeweglichkeit beidseits habe sich nor
malisiert und die
Myogelosen
subscapulär
links seien weitgehend
regredient
.
3.10
Am 3
0.
Januar 2017 (
Urk.
3/7) führte
Dr.
D._
zuhanden des Rechtsver
treters des Beschwerdeführers aus, die semantischen Feinheiten der Ausdrucks
weise würden von den Versicherern und insbesondere deren Juristen im Sinne der Unfallkausalität oder gegen die Unfallkausalität ausgelegt. Dies habe über
haupt nichts mit Medizin zu tun und sei eine rein juristische Auslegung der Ursache. Der Beschwerdeführer habe einen schweren Sturz vom Baugerüst und dabei auch eine Schulterkontusion, also eine schwere Prellung, erlitten. Es sei überhaupt nicht nachvollziehbar, wie heftig diese Prellung gewesen sei. Rein auf die Schulter bezogen sei es häufig so, dass die Versicherer bei dem Wort "Kontusion" eine Sehnenverletzung ausschliessen und deshalb auch nicht für die Unfallursache aufkommen würden. Bei dem sehr jungen und aktiven Beschwerdeführer sei aber aus schulterorthopädischer Sicht das Unfallereignis ausschliesslich massgebend für die daraufhin entstandenen Schmerzen und die Bewegungseinschränkungen. Es sei auch häufig so, dass die Versicherer die Unfallkausalität in Frage stellten, wenn in der Bildgebung nicht ganz präzise
anatomopathologische
Läsionen nachvollziehbar seien. Natürlich könne man die
Myogelosen
nicht in der Bildgebung darstellen. Dennoch seien die klinische Untersuchung und das gute Ansprechen auf die Therapie sowie der Verlauf massgeblich entscheidend und spreche in diesem Fall für die Diagnose und auch für die Unfallkausalität (S. 1).
4.
4.1
Anlässlich der am Unfalltag erfolgten Erstbehandlung wurde keine Knochen- oder Bänderverletzung, sondern lediglich eine Kontusion des linken Schulter
blatts (
Scapula
) diagnostiziert. Es waren zwar oberflächliche Schürfwunden, aber kein Hämatom, keine Rötung, Schwellung oder Über
wärmung feststellbar (vgl. vorstehend E. 3.1). In der Folge diagnostizierte
Dr.
A._
ein
myo
fasziales
Schmerzsyndrom und ging davon aus, dass sich die muskuläre Situa
tion in zwei bis vier Wochen gebessert haben werde (vorstehend E. 3.2).
Dr.
B._
ordnete sodann im November 2015 die Schmerzen klar den mus
kulären
myofaszialen
Befunden zu. Das
Arthro
-MRI vom 2
5.
Juni 2015 habe keine Verletzung gezeigt, ebenso die Bildgebung vom 2
7.
Oktober 201
5.
Dr.
B._
ging davon aus, dass der Beschwerdeführer auch in der ange
stammten Tätigkeit ab Dezember 2015 voll arbeitsfähig sei (vorstehend E.
3.4).
4.2
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.5)
ging aufgrund eines MRI vom 1
5.
Dezember 2015 davon aus, dass ein starker Verdacht auf eine Läsion des
superioren
Labrums im Sinne einer SLAP-Läsion bestehe, hielt jedoch fest, dass ihm der MRI-Befund der Voruntersuchung nicht vorliege. Er konnte somit nicht verläss
lich beurteilen, ob die SLAP-Läsion auf das Unfallereignis zurückzu
führen war
, und nahm diesbezüglich keine Stellung
. Dass
, wie
Dr.
D._
im Januar 2016 (vgl. vorstehend E. 3.6)
festhielt,
die von ihm bestätigte SLAP-Läsion
unfallbedingt ist, erscheint angesichts der bei der Erstbehandlung festgestellten unauffälligen Befunde lediglich als möglich.
Sinngemäss nahm
Dr.
D._
an
, dass das zeitlich nach dem Unfallereignis festgestellte Auftreten der Läsion für die Bejahung der Unfallkausalität genügt.
Die Argumentation
nach der For
mel „
post
hoc ergo
propter
hoc", nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist, ist beweisrechtlich
jedoch
nicht zulässig und vermag zum Beweis natürlicher Kausalzusammenhänge nic
ht zu genügen (BGE 119 V 335 E.
2b/
bb
., Urteil des Bundesgerichts 8
C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E.
5.1).
Zudem stellte
Dr.
D._
in der Folge einzig die
Myogelosen
in den Behand
lungsvordergrund, deren Behandlungsbedürftigkeit und Unfallkausalität die Beschwerdegegnerin bis zur Leistungseinstellung per 2
5.
Mai 2016 denn auch anerkannte (zum Zeitpunkt der Leistungseinstel
lung vgl. nachfolgend E. 4.3
).
Soweit eine SLAP-Läsion vorliegt, ist sie nicht mit überwiegender Wahrschein
lichkeit auf das Ereignis vom 1
0.
Juni 2015 zurückzuführen.
Dass die SLAP
Läsion irrelevant sei, entspricht
auch
der Auffassung des Beschwerde
führers (vgl.
Urk.
8/88 S. 3).
Auf das Schreiben von
Dr.
D._
vom 3
0.
Januar 2017 (vorstehend E. 3.7) kann im Übrigen nicht abgestellt werden, handelt es sich dabei doch nicht um einen Arztbericht im Re
chtssinn (vgl. vor
stehend E. 1.7
).
4.3
Kreisarzt
Dr.
F._
stellte in seinem unter Berücksichtigung der praxisge
mäs
sen Kriterien (vorstehend E. 1.7
) verfassten Bericht vom 2
5.
April
2016 (vor
stehend E. 3.7) fest, dass die unfallbedingten Veränderungen abgeklungen seien. Die bisher als eindrücklich beschriebenen
Myogelosen
hätten anlässlich der Untersuchung nicht eindeutig nachvollzogen werden können. Dies stimmt mit der Feststellung von
Dr.
D._
vom
4.
April 2016 überein,
wonach eine Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit ab Mitte bis Ende Mai möglich
sei
(vorstehend E. 3.6). Die Untersuchung bei
Dr.
F._
ergab Hinweise für einen gewissen demonstrativen Charakter der gezeigten Einschränkungen
. Zusammen mit dem Umstand, dass der Beschwerdeführer keine Veränderung durch die Behandlungen der letzten drei Monate beschrieb, ist nicht zu bean
standen, dass
Dr.
F._
vom
medizinischen En
dzustand ausging
.
Dieser war mit überwiegender Wahrscheinlichkeit per
2
5.
Mai 2016 erreicht.
Da hinsicht
lich der Frage der noch zu erwartenden
Besserung
der Gesundheitszustand der Versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellun
gen
zu beurteilen ist
(vgl. vorstehend E. 1.6
)
, vermag der Umstand, dass
Dr.
D._
in der Folge
noch weitere dr
ei Monate Behandlung notwendig fand, nichts an der Rechtmässigkeit der Leistungseinstellung per 2
5.
Mai 2016 zu ändern.
4.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin ihrer Beweis
last hinsichtlich
des Erreichens des
status
quo sine
vel
ante (vgl. vorstehend E.
1.3) nachgekommen ist.
Der angefochtene Entscheid ist rechtens.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.