Decision ID: c2763c22-ff73-5959-8347-16aa2975964a
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 23. Mai 2016 in der Schweiz erst-
mals um Asyl nach. Er begründete sein damaliges Gesuch im Wesentli-
chen damit, er sei vor zirka fünf Jahren wegen des Krieges in Syrien – er
sei in Aleppo geboren, sei weder politisch aktiv gewesen noch habe er an
Kampfhandlungen teilgenommen (vgl. A8 Ziff. 7.01) – legal in B._
gereist. Dort sei er von seinem Bruder und seinen Cousins telefonisch be-
droht worden, da er eine Beziehung zu einer türkischen Frau gehabt habe.
Deshalb sei er nach Europa weitergereist.
A.b Mit Verfügung vom 18. Juli 2017 lehnte das SEM das Asylgesuch des
Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz so-
wie den Wegweisungsvollzug an. Gegen diese Verfügung erhob der Be-
schwerdeführer mit Eingabe vom 30. Juli 2017 Beschwerde und ergänzte
diese am 28. August 2017 dahingehend, dass sich diese auf die Aufhe-
bung der angefochtenen Verfügung bezüglich den Wegweisungsvollzug
beschränke. Das Bundesverwaltungsgericht hielt in seinem Urteil
E-4706/2017 vom 27. Juni 2019 gestützt darauf vorab fest, die Verfügung
sei hinsichtlich Asyl, Flüchtlingseigenschaft und Wegweisung als solche in
Rechtskraft erwachsen. Gleichzeitig hiess es die Beschwerde (hinsichtlich
des Wegweisungsvollzugs) gut, hob die Dispositiv-Ziffern 4 und 5 der Ver-
fügung vom 18. Juli 2017 auf und wies die Sache zur Neubeurteilung des
Wegweisungsvollzugs ans SEM zurück.
A.c Im Laufe des vorliegenden Verfahrens wandte sich der Beschwerde-
führer mehrmals ans SEM und ersuchte um eine (erneute) Anhörung, um
seine Situation und allfällige Missverständnisse klären zu können. Mit Ein-
gaben vom 12. November 2020, 13. November 2020 (seines vormaligen
Rechtsvertreters) und 26. Dezember 2020 machte er nebst veränderten
Angaben zu seiner Biographie unter anderem neu geltend, er habe den
syrischen Militärdienst verweigert und stellte eine militärische Vorladung in
Aussicht. Militärdienstverweigerung werde als Landesverrat angesehen. Er
könne aufgrund der angespannten Lage nicht nach Syrien zurückkehren,
zumal er dort keine Familie habe. Das SEM forderte den Beschwerdeführer
mit Schreiben vom 16. September 2021 und 7. Oktober 2021 dazu auf, ei-
nige Fragen zu seiner Biographie zu beantworten, insbesondere zum Zeit-
punkt, in dem er Syrien letztmals verlassen habe, und zum Ort, wo er sich
bis zu seinem Asylgesuch in der Schweiz aufgehalten habe. Mit Schreiben
vom 15. Oktober 2021 erklärte sein damaliger Rechtsvertreter, er habe Sy-
rien kurz nach Ausbruch des Kriegs verlassen. Von dort sei er in
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B._, nach Griechenland, Frankreich und Italien gereist. Er habe
sich zudem mehrmals an die (syrische) Botschaft gewendet, um von ihr
Aufgebote für die syrische Armee als Beweismittel zu erhalten. Die Bot-
schaft habe ihm mitgeteilt, dass sich das SEM diesbezüglich an das Aus-
senministerium wenden müsse. Er habe auch seine Familie darum gebe-
ten, ihm Kopien der Aufgebote zu schicken, was bisher nicht gelungen sei.
Er befürchte nun, wegen seiner Anfragen bei der Botschaft registriert und
damit gefährdet zu sein.
B.
Am (...) 2019 verurteilte das Bezirksgericht C._ den Beschwerde-
führer zu einer Freiheitsstrafe von (...) Jahren und einem Landesverweis
von (...) Jahren. Das Obergericht C._ bestätigte dieses Urteil am
(...) 2020 (vgl. A99). Das Bundesgericht wies die dagegen erhobene Be-
schwerde mit Urteil vom (...) 2021 als letzte Instanz ab.
C.
Das SEM änderte am 16. September 2021 die Staatsangehörigkeit des
Beschwerdeführers von "Staat unbekannt" auf "Syrien" (vgl. A107).
D.
Mit Verfügung vom 15. November 2021 – eröffnet am 19. November 2021
– wies das SEM das Asylgesuch ab und stellte fest, der Beschwerdeführer
erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht. Gleichzeitig hielt es fest, der Ent-
scheid über den Vollzug der Landesverweisung liege in der Kompetenz der
zuständigen kantonalen Behörden.
E.
Mit Eingabe vom 20. Dezember 2021 erhob der Beschwerdeführer durch
seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht dagegen Be-
schwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung,
die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung und um Beiordnung des unterzeichnenden Rechts-
vertreters als amtlicher Rechtsbeistand.
F.
Das Gericht bestätigte dem Beschwerdeführer am 23. Dezember 2021 den
Eingang der Beschwerde.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet unter anderem mit besonderer
Beförderlichkeit, wenn gegen die asylsuchende Person eine Landesver-
weisung nach Art. 66a oder Art. 66abis StGB ausgesprochen wurde
(Art. 109 Abs. 7 AsylG).
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
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Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung
oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete
Furcht haben solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhal-
tung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, die im Schreiben des
Beschwerdeführers vom 12. November 2020 erstmals vorgebrachte Wehr-
dienstverweigerung sei zweifelhaft. Darüber hinaus entfalte diese keine
flüchtlingsrechtliche Relevanz. So vermöge eine Wehrdienstverweigerung
gemäss Rechtsprechung die Flüchtlingseigenschaft nicht per se zu be-
gründen, sondern nur dann, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von
Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden sei und die betroffene Person aus einem der
in dieser Norm genannten Gründe wegen ihrer Wehrdienstverweigerung
eine Behandlung zu gewärtigen habe, die ernsthaften Nachteilen gemäss
Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkomme. Im Syrien-Kontext sei im Falle einer
Wehrdienstverweigerung dann eine flüchtlingsrechtlich beachtliche Verfol-
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Seite 6
gung anzunehmen, wenn die Dienstverweigerung als Ausdruck der Re-
gimefeindlichkeit aufgefasst werde. Nur wenn die drohende Strafe nicht al-
lein der Sicherstellung der Wehrdienstpflicht diene, sondern damit zu rech-
nen sei, dass der Dienstverweigerer als politischer Gegner der syrischen
Regierung qualifiziert und als solcher unverhältnismässig schwer bestraft
würde, würden die Strafmassnahmen eine flüchtlingsrechtliche Relevanz
erlangen. Es müssten zusätzliche Risikofaktoren vorliegen, die darauf
schliessen liessen, dass ein Dienstverweigerer als Regimegegner angese-
hen werde. Dienstverweigerern ohne zusätzlich exponierende Faktoren
würden keine die Schwelle der flüchtlingsrechtlichen Relevanz erreichende
Strafe drohen. Beim Beschwerdeführer würden keine zusätzlichen Risiko-
faktoren vorliegen, die den Schluss zuliessen, dass das syrische Regime
seine Wehrdienstverweigerung als oppositionelle Stellungnahme einstufe
und entsprechend schwer bestrafe.
Überdies hielt die Vorinstanz fest, dass auf die Vorbringen des Beschwer-
deführers zu den Ereignissen in B._ nicht mehr eingegangen
werde, da diese bereits Gegenstand der Verfügung vom 18. Juli 2017 ge-
wesen seien. Dabei habe das SEM deren flüchtlingsrechtliche Relevanz
verneint. Seine damalige Beschwerde habe sich ohnehin auf die Aufhe-
bung des angeordneten Wegweisungsvollzugs beschränkt. Diese sei vom
Bundesverwaltungsgericht am 27. Juni 2019 gutgeheissen worden. Die
Ablehnung des Asylgesuchs beziehungsweise die Verneinung der Flücht-
lingseigenschaft seien damit in Rechtskraft erwachsen.
6.2 Der Beschwerdeführer wendet dazu ein, es bestünden keine Zweifel
an seinem Vorbringen zur Wehrdienstverweigerung. Er habe an dem von
der syrischen Armee begangenen Kriegsverbrechen nicht teilnehmen wol-
len. Er werde auch in Zukunft den Militärdienst verweigern. Dies werde von
der syrischen Regierung als Regimefeindlichkeit aufgefasst. Bei einer
Rückkehr nach Syrien rechne er mit schwerer Bestrafung, und sein Leben
wäre konkret in Gefahr. Dies gelte erst recht wegen seines mehrjährigen
Auslandaufenthalts. Die Vorinstanz sei zudem auf seine Vorbringen hin-
sichtlich der Ereignisse in B._ zu Unrecht nicht eingegangen, was
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstelle. Zwar habe das SEM in
seiner früheren Verfügung diese Vorbringen als asylrechtlich nicht relevant
bezeichnet. Indes habe sich das Bundesverwaltungsgericht mit diesen Vor-
bringen in seinem Urteil vom 27. Juni 2019 gar nicht auseinandergesetzt,
weshalb es nicht zutreffe, dass diese in Rechtskraft erwachsen seien.
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Seite 7
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit
zutreffender Begründung abgewiesen hat
7.2 Vorab ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass die vom Beschwerdeführer
erwähnten Ereignisse in B._ bereits Gegenstand des ersten Asyl-
verfahrens waren und die flüchtlingsrechtliche Relevanz jener Vorbringen
verneint worden war. Diese sind im darauffolgenden Beschwerdeverfahren
E-4706/2017 (vgl. dortige E. 3) wie bereits erwähnt – mangels Anfechtung
– in Rechtskraft erwachsen. Die Vorinstanz ist im vorliegenden Verfahren
daher zu Recht auf dieses Vorbringen nicht mehr eingegangen, womit auch
keine Verletzung des rechtlichen Gehörs ersichtlich ist.
7.3 Die Vorinstanz führte sodann zu Recht aus, dass an der vom Be-
schwerdeführer geltend gemachten Wehrdienstverweigerung Zweifel be-
stehen. Indes kann die Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Einberufung
respektive Militärdienstverweigerung in casu offenbleiben, denn gemäss
gefestigter Rechtsprechung stellt eine als glaubhaft eingestufte Wehr-
dienstverweigerung allein noch keinen flüchtlingsrechtlich relevanten
Nachteil dar. Zudem geht das Bundesverwaltungsgericht in Übereinstim-
mung mit der Vorinstanz im vorliegenden Fall davon aus, dass keine Kons-
tellation besonderer Exponiertheit besteht, welche mit jener im Urteil
BVGE 2015/3E.6.7.3 (Bestätigung dieser Praxis in BVGE 2020 VI/4
E.5.1.2) vergleichbar wäre. So vermochte der Beschwerdeführer – abge-
sehen von seiner Weigerung, je Militärdienst leisten zu wollen, da er sich
nicht an den Kriegsverbrechen beteiligen wolle – keine weiteren einzelfall-
spezifischen Risikofaktoren aufzuzeigen. Zudem verneinte er im Rahmen
der BzP, je politisch tätig gewesen zu sein (vgl. Akte 8 S. 7).
7.4 Zwar ist aufgrund der vom Beschwerdeführer erwähnten längeren Lan-
desabwesenheit davon auszugehen, dass bei einer Wiedereinreise nach
Syrien eine Befragung durch die heimatlichen Behörden stattfindet. Da der
Beschwerdeführer – wie vorstehend ausgeführt – aber keine Vorverfol-
gung erlitten hat und nicht davon auszugehen ist, dass er vor dem Verlas-
sen Syriens als regimefeindliche Person ins Blickfeld der syrischen Behör-
den geraten ist, kann mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ausgeschlos-
sen werden, dass er als staatsgefährdend eingestuft würde. Somit ist nicht
davon auszugehen, er könnte nach einer Rückkehr als regimefeindliche
Person ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten (vgl. Urteil des
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BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.3 [als Referenzurteil pu-
bliziert]; bestätigt beispielsweise im Urteil des BVGer E-2791/2019 vom
22. Juni 2020 E. 6.5).
7.5 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine
Verfolgung oder begründete Furcht vor künftiger Verfolgung im Sinne von
Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen konnte und deshalb nicht
als Flüchtling anerkannt werden kann. Das SEM hat das Asylgesuch des
Beschwerdeführers somit zu Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM ein Asylgesuch ab oder tritt es nicht darauf ein, so ver-
fügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Voll-
zug an (Art. 44 [erster Satz] AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4 und 2009/50
E. 9, je m.w.H.). Diese Regel kommt gemäss Art. 31 Abs. 1 Bst. a–d Asyl-
verordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) dann nicht zur
Anwendung, wenn die asylsuchende Person im Besitze einer gültigen Auf-
enthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist (Bst. a), wenn sie von einer
Auslieferungsverfügung (Bst. b), von einer Ausweisungsverfügung nach
Art. 121 Abs. 2 BV oder nach Art. 68 AIG (SR 142.20) oder, wenn sie von
einer rechtskräftigen Landesverweisung nach Art. 66a oder 66abis StGB o-
der nach Art. 49a oder 49abis Militärstrafgesetz (MStG, SR 321) betroffen
ist.
8.2 Vorliegend hat das SEM nach der Ablehnung des Asylgesuches auf die
Anordnung der Wegweisung und des Wegweisungsvollzuges verzichtet,
weil der letztgenannte Anwendungsfall – das Vorliegen einer rechtskräfti-
gen strafrechtlichen Landesverweisung – erfüllt ist. Dabei hat es im Rah-
men seiner Entscheidbegründung zu Recht auf die am 10. März 2021
rechtskräftig gewordene Verurteilung verwiesen, mit welcher gegen den
Beschwerdeführer in Anwendung von Art. 66abis StGB ein Landesverweis
von (...) Jahren ausgesprochen worden ist.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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10.
10.1 Der Beschwerdeführer ersuchte um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der vorstehenden Erwä-
gungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten haben.
Damit ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen.
10.2 Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von
Art. 102m Abs. 1 AsylG ist mangels Erfüllens der Voraussetzungen von
Art. 65 Abs. 1 VwVG ebenfalls abzuweisen.
10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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