Decision ID: 67bc3b1d-a824-4e12-98ad-f0e340d7a721
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1984, ist Mutter einer 2012 geborenen Tochter
und
hat eine Ausbildung zur
Hundecoiffeuse
absolviert (
Urk.
8/2/1
, 8/17/5). In dieser Tätigkeit war sie zuletzt von April 2014 bis März 2016 in einem 40%-Pensum angestellt.
Zusätzlich ging sie von Oktober/November 2015 bis Februar/März 2016 der Tätigkeit als
Raumpflegerin
in einem 10%-Pensum nach
(
Urk.
8/17/6,
8/25 f.
).
Nach erfolgter Früherfassung (vgl.
Urk.
8/10, 8/14) meldete sich die Ver
sicherte am 30. M
ai 2017
unter Hinweis auf psychische Beeinträchtigungen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/17
;
Eingangsdatum: 1
2.
Juni 2017
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte
zunächst
nebst einem
Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
8/25) insbesondere diverse Berichte der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
8/
45, 8/48, 8/57 f., und 8/60).
Des Weiteren liess sie eine Haushaltsabklärung durch
führen (Bericht vom 23. August 2019, Urk. 8/68)
und gab bei
Dr.
med.
Y._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie
Dr.
phil.
Z._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie, ein medizini
sches Gutachten in Auftrag (
Urk.
8/74). Dieses wurde am
8.
Mai 2020 vorgelegt (
Urk.
8/82). Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; Stellungnahme vom 2
9.
Mai 2020, Urk. 8/84/9-11) stellte die IV-Stelle der Ver
sicherten mit Vorbescheid vom
3.
Juli 2020 die Zusprechung einer ganzen Inva
lidenrente für den befristeten Zeitraum vom
1.
Dezember 2017 bis 3
1.
Oktober 2019 in Aussicht (
Urk.
8/86).
Nachdem die Versicherte dagegen am 1
3.
Juli 2020 und ergänzend am 3
1.
A
ugust sowie 8. September 2020 Einwand erhoben hatte (
Urk.
8/88, 8/94 und 8/98), verfügte die IV-Stelle am 2
4.
November 2020 im angekündigten Sinne (
Urk.
2 = Urk. 8/101 [Begründung],
Urk.
8/109).
2.
Dagegen erhob
X._
, vertreten durch Rechtsanwältin Renate
Vitelli
,
am 1
1.
Januar 2021 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene Ver
fügung sei dahingehend abzuändern,
dass
der Rentenanspruch bereits ab dem
1.
August 2017
und
über den 3
1.
Oktober 2019 hinaus unbefristet zu bejahen sei (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
Februar 2021 schloss die Beschwer
degegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7
). Nach telefonischer Kontakt
aufnahme durch das Gericht am 2
5.
Februar 2021 (
Urk.
9) teilte die Rechtsvertre
terin der Beschwerdeführerin mit Eingabe vom
5.
März 2021 (
Urk.
10) unter Beilage eines Schreibens der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Uster vom
4.
März 2021 (
Urk.
11) mit, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Hand
lungsfähigkeit nicht eingeschränkt
sei
. Mit Verfügung vom 1
2.
März 2021 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zur Kenntnis gebracht (
Urk.
12).
Mit Beschluss vom 2. November 2021 wurde sie vom hiesigen Gericht auf eine
mögliche Schlechterstellung im Urteilsfall hingewiesen (
reformatio
in
peius
;
Urk.
13
), worauf sie mit
Eingabe vom 2
9.
November 2021 an ihrer Beschwerde fest
hielt (
Urk.
15).
Rechtsanwältin
Renate
Vitelli
reichte ausserdem ihre Honorar
note zu den Akten (
Urk.
16). Über die Eingabe der Beschwerdeführerin
vom 2
9.
November 2021
wurde die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
2.
Dezember 2021 orientiert (
Urk.
17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
A
TSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.3
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
der Verordnung über
die Invali
denversicherung, IVV
) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_122/2020 vom 26. Februar 2021 E. 2). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse einge
treten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisions
grund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesge
richts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
.
1
.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E.
4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsl
eistung zu erbringen (BGE 145 V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Wie in BGE 145 V 361 dargelegt, ist in allen Fällen durch die Verwaltung bezie
hungsweise das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befun
den, Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergeb
nisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also
substanziiert
darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen. Der psychiatrische Sachverständige hat darzutun, dass, inwiefern und
inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person (E. 4.3; vgl. auch das zur Publikation vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2021 vom 17. November 2021 E. 6.2.1 mit Hinweis
).
1.7
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht
alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 2
4.
November 2020
erwog die Beschwer
degegnerin im Wesentlichen, die Beschwerdeführerin würde bei guter Gesundheit
zu 80
%
einer Arbeit nachgehen und zu 20
%
im Haushalt tätig sein. Zum Zeit
punkt des frühestmöglichen Rentenbeginns sei es ihr nicht möglich gewesen, ein Einkommen zu erzielen
.
Ausgehend von
einer Einschränkung im Erwerbsbereich von 100
%
und einer solchen von 16
%
im Haushaltsbereich ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 83
%
und somit ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
ab
1.
Dezember 2017
(
Urk.
2 S. 4).
Im August 2019
habe sich der Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin verbessert, sodass sie seither ihre bisherige Tätigkeit als
Hundecoiffeuse
wieder in einem 60%-Pensum ausüben könne. Daraus resultiere im Erwerbsbereich eine Einschränkung von 40
%
. Die Ein
schränkung im Haushalt sei nach Verbesserung des Gesundheitszustandes nicht weiter abgeklärt worden. Auch bei diesbezüglich unveränderter Einschränkung bestehe bei einem Invaliditätsgrad von insgesamt 35
%
(32
%
im Erwerbs- plus 3
%
im Haushaltsbereich) kein Rentenanspruch mehr. Die Rente werde daher per 3
1.
Oktober 2019
drei Monate nach Eintritt der Verbesserung
aufgehoben (
Urk.
2 S. 4 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen in ihrer Beschwerdeschrift vom 11. Januar 2021 zusammengefasst vor,
die Beschwerdegegnerin habe den Invali
ditätsgrad ab August 2019 zu Unrecht mit der gemischten Methode ermittelt. Ohne Gesundheitsschaden wäre sie
als Sozialhilfeempfängerin verpflichtet, ihre Leistungsfähigkeit voll auszuschöpfen, weshalb sie
zu 100
%
erwerbstätig
wäre (
Urk.
1 S. 3 f.).
Des Weiteren vermöge die psychiatrische Beurteilung der Gutach
terin
Dr.
Y._
nicht zu überzeugen. Mit der attestierten Arbeitsunfähig
keit von 40
%
werde dem Beschwerdebild in seiner Gesamtheit in Anbetracht der Wechselwirkungen und Komorbiditäten nicht hinreichend Rechnung getragen (
Urk.
1 S. 4).
Sie werde von einem professionellen Betreuungsnetz intensiv unterstützt. Zudem sei sie sowohl in der Kinderbetreuung als auch in der Haus
haltsführung deutlich überfordert (
Urk.
1 S. 5 f.). Insgesamt sei sie in quantitativer und qualitativer Hinsicht stark eingeschränkt, weshalb die gutachterliche Ein
schätzung nicht nachvollziehbar sei. Auf dem ersten Arbeitsmarkt mit seinen hohen Leistungsansprüchen wäre sie hoffnungslos überfordert.
Sollte dennoch wider Erwarten von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden, so wäre der Invaliditätsgrad auf mindestens 50
%
festzulegen, basierend auf einer Leis
tungseinbusse
in gleicher Höhe
(
Urk.
1 S. 7).
3.
3.1
Die Be
schwerdeführerin war vom 2
4.
Juli bis
3.
August 2017, vom
1.
bis 28. Februar 2018 sowie vom 1
1.
September bis 1
5.
Oktober 2018 zwecks Umstel
lung ihrer Opiatsubstitution sowie zur stationären Krisenintervention bei Medikamentenmissbrauch in der Suchtbehandlung
A,_
_
hospitalisiert (vgl.
Urk.
8/58/9-20 [Austrittsberichte]).
Deren leitender Arzt med.
pract
.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, attestierte mit Bericht vom 1
6.
Januar 2019 für die Zeiträume der Klinikaufenthalte jeweils eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und stellte folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/58/2 f.):
-
Abhängigkeit von Stimulantien (ICD-10 F15.2)
-
Abhängigkeit von Opiaten (ICD-10 F11.2)
-
ADHS (ICD-10 F90.0)
-
abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
-
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0).
3.2
Am
8.
November 2018 wurde die Beschwerdeführerin durch
Dr.
phil
.
C._
, Neuropsychologin/Psychologin FSP, und
Dr.
med.
D._
, Fach
ärztin für Neurologie, untersucht. Dem gleichentags verfassten Bericht ist zu ent
nehmen, dass
insgesamt auf der Grundlage der objektiven Befunde sowie der Befunde auf Verhaltensebene von einer leichten bis mittelgradigen neuropsycho
logischen Störung
auszugehen sei. Ätiologisch sei
diese am ehesten auf Basis einer frühkindlichen zerebralen Entwicklungsstörung mit Hinweisen auf ein unterdurchschnittliches allgemeines Leistungsniveau zu werten, mit entsprechen
der Begünstigung für die Entwicklung affekt-pathologischer
sowie
Suchterkran
kun
gen. Im Alltag und unter den meisten beruflichen Anforderungen sei aktuell von einer leicht eingeschränkten Funk
tionsfähigkeit auszugehen (Urk.
8/57/4).
3.3
Die behandelnde Psychiaterin
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
attestierte in ihrem Bericht vom 1
1.
März 2019 eine seit dem
4.
Mai 2018 bestehende Arbeitsunfähigkeit für jegliche Erwerbstätigkeit (Urk. 8/60/1). Einer Eingliederung stünden aktuell depressive Symptome, eine Antriebsminderung sowie Energiemangel entgegen. Nach einer weiteren medika
mentösen Anpassung sei auf eine allmähliche Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu hoffen (
Urk.
8/60/4).
3.4
Dem psychiatrisch-neuropsychologischen Gutachten der
Dres
.
Y._
und
Z._
vom
8.
Mai 2020
sind folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (
Urk.
8/82/2 f.):
-
leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung, im Vor
dergrund kognitive Leistungsminderung im Bereich der nonverbalen
exekutiven Funktionen, des wahrnehmungsgebundenen logischen Denkens und der Aufmerksamkeit, bei einem unterdurchschnittlichen Intelligenzquotienten (IQ) von 76 (Bereich einer Lernbehinderung)
-
ADHS (ICD-10 F90.0); nach DSM-5 vorwiegend unaufmerksames Erschei
nungsbild
-
Opiatabhängigkeit, gegenwärtig Teilnahme an ärztlich überwachtem Ersatzdrogenprogramm (ICD-10 F11.22)
-
akzentuierte ängstlich-unsichere und abhängige Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1).
Verneint wurde demgegenüber ein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in Bezug auf die aktenanamnestisch rezidivierende depressive Störung bis mittelgradiger Schwere (
Urk.
8/82/3).
Dr.
Z._
äusserte sich in der neuropsychologischen Teilexpertise im Wesentlichen dahingehend, dass verminderte Leistungen im Bereich der nonver
balen Exekutivfunktionen, insbesondere im kognitiven Umstellvermögen und im Monitoring
,
objektivierbar gewesen seien. Diese würden sich
beispielsweise
auch leistungsmindernd
bei Aufgaben zum räumlichen Vorstellungsvermögen, bei komplexeren konstruktiv-praktischen Aufgaben sowie in der verbalen Erfas
sungsspanne rückwärts, in der Rechtschreibung und im schriftlichen Rechnen auswirken. Ferner bestünden spezifische Einschränkungen im Konzentrations- und Aufmerksamkeitsvermögen. Erhebliche Minderleistungen hätten überdies im wahrnehmungsgebundenen logischen Denken im Bereich der Intelligenz
vorge
legen
, wo sich ein Indexwert (IQ-WLD = 67) von mehr als zwei Standardab
weichungen unterhalb des Erwartungswerts manifestiert habe. Der Gesamt-IQ (76) liege mit eineinhalb Standardabweichungen unter
dem Erwartungswert bereits deutlich im Bereich einer Lernbehinderung, wobei 95
%
der Vergleichs
personen hier besser abschneiden würden. Erschwerend hinzu komme eine von der Beschwerdeführerin geklagte erhöhte Ermüdbarkeit und Erschöpfbarkeit bei längerer kognitiver beziehungsweise
konzentrativer
Beanspruchung, welche anhand einer Zunahme der Einfachreaktionszeiten in bestimmten PC-Tests habe objektiviert werden können.
Aufgrund der teilweise erheblichen Minderleistun
gen im Bereich des Konzentrations- und Aufmerksamkeitsvermögens sei
des Weiteren von einer Aufmerksamkeitsstörung (ohne Hyperaktivität) auszugehen.
Auch die anamnestisch berichtete vorbestehende Lese- und Rechtschreib
schwäche habe sich im Rahmen der aktuellen Untersuchung bestätigt (
Urk.
8/82/20).
Aufgrund der insgesamt als leicht bis mittelschwer zu beurteilen
den neuropsychologischen Funktionsstörung sei gemäss den Leitlinien der Fach
gesellschaft von einer 30-50%igen Einschränkung der beruflichen Leistungsfä
higkeit
im ersten Arbeitsmarkt auszugehen, je nach Grad der Anforderung.
In Bezug auf die angestammte Tätigkeit als
Hundecoiffeuse
mit eigenem
Geschäft sei
aus
rein neuropsychologisch-theoretischer Sicht von einer circa 40-50%igen
Einschränkung der beruflichen Leistungsfähigkeit auszugehen. Hinsichtlich einer
Tätigkeit als
Hundesitterin
respektive angestellte
Hundecoiffeuse
bestehe schät
zungsweise eine
30-40%
ige
E
inschränkung
(
Urk.
8/82/23 f.).
Im Rahmen der psychiatrischen Exploration
hätten sich gemäss
Dr.
Y._
keine Auffälligkeiten in Bezug auf Bewusstsein, Orientierung, Gedächtnis, Auf
fassung und Konzentration gezeigt.
Die Beschwerdeführerin
habe von mehreren ADHS-Kriterien für Unaufmerksamkeit berichtet.
Anhaltspunkte für Zwänge, phobische Ängste, Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen hätten sich nicht
ergeben
. Affektiv habe die Beschwerdeführerin wenig spürbar
, aber nicht bedrückt gewirkt.
Sie habe von Insuffizienzgefühlen berichtet. Psychomotorisch sei sie unauffällig gewesen; bis auf ein leicht übermässiges Reden hätten keine Zeichen von Hyperaktivität vorgelegen.
Des Weiteren habe
sie
antriebsarm gewirkt.
Eine Suizidalität habe sich nicht feststellen lassen, aber ein leichter sozialer Rückzug (
Urk.
8/82/41).
Diagnostisch seien die Kriterien für eine einfache Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erfüllt, wobei die Auf
merksamkeitsstörung klinisch im Vordergrund stehe. Auch die berichteten affek
tiven Symptome wie Sinnlosigkeitsgefühle, Lustlosigkeit und Erschöpfbarkeit seien mögliche Symptome einer ADHS. Stimmungsschwankungen seien als Nebenwirkungen der Medikation möglich. Bei akten- und eigenanamnestischen Angaben einer rezidivierenden depressiven Störung seien aktuell die Kriterien für eine depressive Störung nicht erfüllt. Im Weiteren seien ängstlich-unsichere und abhängige Persönlichkeitszüge vorhanden, welche vermutlich in Zusammenhang mit der s
chwierigen Schulkarriere und den
Entwertungen durch den Vater sowie Schulkollegen stünden.
In Komorbidität mit den anderen Störungen könne eine Auswirkung auf das gesamthafte Funktionsniveau angenommen werden. Eine Persönlichkeitsstörung lasse sich demgegenüber nicht belegen (
Urk.
8/82/42 f.).
Mittel
-
bis
schwer
gradig
eingeschränkt seien
die Planung und Strukturierung von Aufgaben, die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, das Entscheidungs- und Urteilsvermögen sowie die Durchhalte- und Selbstbehauptungsfähigkeit. Persön
liche Ressourcen seien ein freundliches Wesen, Kooperationsbereitschaft sowie Freude an
Hunden
und Erfahrung im Umgang mit
ihnen
(
Urk.
8/82/45 f.).
Für die zuletzt ausgeübte
und als leidensadaptiert zu qualifizierende
Tätigkeit als ange
stellte
Hundecoiffeuse
sei ungefähr von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit ab Sommer 2019 auszugehen, nachdem eine medikamentöse Neueinstellung der ADHS erfolgt sei.
Eine rückblickende Darstellung des Verlaufs sei kaum möglich, da auch aufgrund des Drogenkonsums respektive
Beikonsums
von Heroin und Stimulanzien sowie der depressiven Episoden Einschränkungen angenommen werden müssten.
Für eine selbständige Tätigkeit als
Hundecoiffeuse
werde die Arbeitsfähigkeit etwas niedriger auf etwa 50
%
eingeschätzt (
Urk.
8/82/46 f.).
Im interdisziplinären Konsens gelangten die Gutachterinnen
zum Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als selbständige
Hundecoiffeuse
mit der Möglichkeit, die Arbeit einzuteilen und Pausen zu machen
50
%
betrage. Als angestellte
Hundecoiffeuse
oder in einer anderen Tätigkeit in einem wohlwollen
den Arbeitsumfeld mit klar strukturierten, überschaubaren Aufgaben ohne Letzt
verantwortung
sei die Beschwerdeführerin etwa zu 60
%
arbeitsfähig
(
Urk.
8/82/4).
3.5
Dipl. med.
F._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psy
chotherapie,
vom RAD
schloss sich in seiner Stellungnahme vom 2
9.
Mai 2020 grundsätzlich dem
bidisziplinären
Gutachten an. Allerdings könne der Expertise insofern nicht gefolgt werden, als die selbständige Führung eines Hundesalons zu 50
%
für möglich gehalten werde. Tendenziell sei der Einschätzung der behandelnden Ärztin zu folgen, welche die selbständige Administration und Organisation eines Salons für nicht möglich erachte
, was auch durch die Angaben der Psychiatrie-Spitex gestützt werde. Die Beschwerdeführerin könne jedoch über
wiegend wahrscheinlich ihre
Hundecoiffeu
se
-Kompetenz in einem wohlwol
lenden Angestelltenverhältnis besser umsetzen, da sie hier nur die handwerkli
chen Tätigkeiten übernehmen müsste
.
Seit etwa August 2019 liege diesbezüglich eine etwa 60%ige Arbeitsfähigkeit vor. Bis zu diesem Zeitpunkt habe seit März 2016 auch für leidensadaptierte Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (Urk. 8/84/10 f.).
An dieser Beurteilung hielt der RAD auch
nach Kenntnisnahme von Berichten der behandelnden Ärzte, welche nur eine stunden
weise Tätigkeit als angestellte
Hundecoiffeuse
respektive bloss eine angepasste Tätigkeit im zweiten Arbeitsmarkt für zumutbar erachteten (U
rk.
8/93/1, 8/97/2),
mit Stellungnahme vom
2.
November 2020 fest (U
rk.
8/99/4).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin zu Recht für den befristeten Zeitraum vom
1.
Dezember 2017 bis 3
1.
Oktober 2019 eine ganze Invalidenrente zugesprochen hat oder ob auch
für die Zeit davor
beziehungsweise
danach
ein Rentenanspruch besteht (vgl. vorstehende E. 2.1 f.).
In diesem Zusammenhang ist vorwegzuschicken, dass unbestritten gebliebene Bezugszeiten nicht von der gerichtlichen Beurteilung
auszuklammern sind, selbst wenn
die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zuspricht und beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung d
er Leistungen angefochten wird.
Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Ren
tenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
4.2
4.2.1
Die angefochtene Verfügung basiert in medizinischer Hinsicht in erster Linie auf der Beurteilung des RAD, welche wiederum massgeblich auf das Gutachten der
Dres
.
Y._
und
Z._
Bezug nimmt (vgl. Urk. 8/84/12, 8/99/4). Die Beschwerdeführerin vertritt die Auffassung, dass auf das psychiatrische Teil
gutachten nicht abgestellt werden könne (
Urk.
1 S. 4-7).
4.2.2
Praxisgemäss ist auf ein nach
Art.
44 ATSG eingeholtes Gutachten abzustellen, wenn nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_
258
/2021 vom
29. Novem
ber
2021 E.
3.2
).
Ein psychiatrisches Gutachten muss dem Rechtsanwender eine Beurteilung des Nachweises einer funktionellen Leistungseinschränkung erlau
ben. Gefordert sind vorab Angaben zur Schwere des Leidens und zu dessen Folgen für die Leistungsfähigkeit, die nach Massgabe der in BGE 141 V 281 definierten Standardindikatoren
(vgl. vorstehende E. 1.5)
abzuhandeln beziehungsweise dementsprechend auch formal zu strukturieren sind
. In diesem Zusammenhang sind an die
vorliegend
im Mai 2020 erstatte
te
Expertise höhere Anforderungen zu stellen, als
an
nach altem Verfahrensstandard ei
ngeholte
Gutachten
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_681/2020 vom 2
3.
Juli 2021 E. 5.2.2).
Dr.
Y._
nahm keinen expliziten Bezug auf die massgeblichen Indikato
ren
, weshalb es
nur schon in dieser Hinsicht
an einer
zuverlässige
n
Beweisg
rund
lage für
eine
objektivierte
Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit mangelt
.
Ebenso wenig legte sie nachvollziehbar dar, inwiefern aufgrund der von ihr erhobenen Befunde die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im attestierten Umfang ein
geschränkt sein sollte.
Das funktionelle Leistungsvermögen lässt sich
auch anhand der übrigen medizinischen Unterlagen
nicht abschliessend beurteilen.
Es fehlt damit an einer dem Untersuchungsgrundsatz genügenden Sachverhaltsab
klärung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_5
44/2020 vom 27. Oktober 2021 E.
5
.1
).
Des Weiteren ist anzumerken, dass
die psychiatrische Sachverständige zwar fremdanamnestische Auskünfte bei der Psychiatrie-Spitex und der behandelnden Psychiaterin einholte (
Urk.
8/82/42). Sie setzte
sich
jedoch
nicht
vertieft mit den
Vorakten
und den abweichenden
fachärztlichen
Einschätzungen
zur
Arbeitsfä
higkeit
auseinander
.
Nachvollziehbarerweise
stellte der RAD angesichts der in der neuropsychologischen Untersuchung festgestellten Funktionsstörungen auch die seitens der Gutachter
innen
bescheinigte 50%ige Arbeitsfähigkeit für eine selb
ständige Tätigkeit
als
Hundecoiffeuse
(
Urk.
8/82/47, 8/82/4) in Frage (Urk.
8/
84/11
).
Hinzu kommt, dass
es an einer verlässlichen retrospektiven Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit mangelt.
Damit einhergehend ist
weder
der Verlauf der Arbeitsfähigkeit
im anspruchsrelevanten Zeitraum
insbesondere ab Beginn des Wartejahrs (vgl.
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG)
hinreichend geklärt,
noch
inwie
fern ab Sommer
respektive August
2019 (vgl.
Urk.
8/82/47
, 8/84/10
)
eine effek
tive Veränderung des Gesundheitszustandes
eingetreten ist
und folglich ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorliegt
.
Der im psychiatri
schen Teilgutachten angeführte Hinweis auf eine medikamentöse Neueinstellung der ADHS im Sommer 2019
(
Urk.
8/82/47)
erweist sich in dieser Hinsicht
für sich allein
nicht als aussagekräftig.
4.
2.
3
Nach dem Gesagten liegen
konkrete
Indizien vor, die gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen, weshalb d
iesem
in Nachachtung der bundesgerichtli
chen Rechtsprechung
kein Beweiswert zukommt
.
In Anbetracht der ungenügen
den Sachverhaltsabklärung wird die Beschwerdegegnerin
ergänzende
medizini
sche Abklärungen betreffend den psychischen Gesundheitszustand der Beschwer
deführerin
unter Berücksichtigung der massg
eblichen Indikatoren (BGE 141 V
281)
sowie den gesundheitlichen Verlauf
vorzunehmen
haben.
Soweit die Beschwerdeführerin
im Übrigen
gestützt auf die Berichte der behan
delnden Ä
rztinnen
und der Psychiatrie-Spitex einen unbefristeten Renten
anspruch für ausgewiesen
hält
(vgl.
Urk.
1 S. 4-6,
Urk.
3/3-5
[=
Urk.
8/93, 8/97]
), kann ihr nicht beigepflichtet werden.
Zum einen ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, wonach behandelnde Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen, weshalb die
direkte
Zuspre
chung von Leistungen der Invalidenversicherung im Wesentlichen gestützt deren Angabe
n
kaum je in Frage kommt (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E
.
3b/cc; Urteil des Bundesgerichts 9C_188/2020 vom 2
6.
Mai 2020 E. 4.3.1).
Zum anderen
erlauben auch diese
Unterlagen
wie berei
ts erwähnt (vgl. vorstehende E.
4.2.2)
keine Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens im Lichte der
zu prüfenden
Standardindikatoren.
5.
Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass sich die medizinische Aktenlage für eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und damit des Invaliditätsgrades als unzulänglich erweist. Folglich ist die angefoch
tene Verfügung vom
2
4.
November 2020
(
Urk.
2) aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzender Abklärung
im Sinne der obigen Erwägungen eine neue Beurteilung vornehme
und so
dann über den Leistungsanspruch
neu verfüge.
Weiterungen
betreffend
die ausserdem von der Beschwerdeführerin
in Bezug auf die
sozialversicherungs
rechtliche Qualifikation
erhobene Rüge (vgl.
Urk.
1 S. 3 f.)
erübrigen sich bei die
sem Verfahrensausgang.
6
.
6
.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
800.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6
.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozi
alversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozes
ses sowie dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Rechtsanwältin Renate
Vitelli
machte mit Honorarnote vom 2
9.
November 2021
einen Gesamtaufwand von 9.82 Stunden à
Fr.
250.-- sowie pauschale Barausla
gen von
Fr.
73.65 (3
%
des Zeitaufwandes) geltend (
Urk.
16).
Sie vertrat die Beschwerdeführerin bereits im Verwaltungsverfahren und die rund achtseitige Beschwerdeschrift entspricht in wesentlichen T
eilen wortwörtlich dem
von ihr verfassten Einwand vom 3
1.
August 2020 (vgl.
Urk.
1 S. 4-7 und Urk. 8/94/2-6).
Der für die Erarbeitung der Beschwerdeschrift geltend gemachte Aufwand von sechs Stunden
(Einträge vom
9.
und 1
1.
Januar 2021)
ist daher um die Hälfte auf drei Stunden zu kürzen.
Im Übrigen erweist sich
der
in Rechnung gestellte
Auf
wand
abgesehen davon, dass der zur Anwendung gelangende gerichtsübliche Stundenansatz
Fr.
220.-- beträgt
als angemessen.
Insgesamt ist somit ein Auf
wand von 6.82 Stunden gerechtfertigt. Die Parteientschädigung ist folglich auf
Fr.
1'664.40 festzusetzen (Fr. 1'500.40 [6.82
Stunden
*
Fr.
220.--] + F
r.
45.-- [3
%
Barauslagen] zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7
%
).