Decision ID: 202ef1f8-57c6-526c-8641-d0dfd6d5b8b4
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X.Y. wohnt in A. Bis zum 30. April 2004 ging sie als Inhaberin der Einzelfirma P.
einer selbständigen Erwerbstätigkeit nach. Per 1. Mai 2004 übernahm die neu
gegründete P. AG die Einzelfirma samt Aktiven und Passiven. X.Y. war ab dem 1. Mai
2004 unselbständig für die P. AG tätig, deren Verwaltungsratspräsidentin und
Mehrheitsaktionärin sie zudem ist (98 Aktien von 100).
In der Steuererklärung 2004 deklarierte X.Y. Einkünfte aus selbständiger
Erwerbstätigkeit in der Höhe von Fr. 151'274.-- sowie Wertschriftenerträge von Fr.
590.--. In der Folge nahm das kantonale Steueramt diverse Korrekturen vor. Das
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit erhöhte sich dadurch auf Fr.
163'974.--. Ferner wurden für die Zeit vom 1. Mai bis 31. Dezember 2004 Einkünfte aus
unselbständiger Erwerbstätigkeit in der Höhe von Fr. 96'847.-- aufgerechnet. X.Y.
wurde für 2004 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 220'200.-- und einem
steuerbaren Vermögen von Fr. 383'000.-- veranlagt.
B.- Gegen diese Veranlagung erhob die Steuerpflichtige mit Eingabe ihrer Vertreterin
vom 1. Februar 2007 Einsprache. Unter anderem beantragte sie, im Jahr 2004 sei auf
die Besteuerung eines Einkommens aus unselbständiger Tätigkeit zu verzichten. Mit
Einsprache-Entscheid vom 16. April 2007 wurde die Einsprache teilweise gutgeheissen
und das steuerbare Einkommen auf Fr. 201'300.-- herabgesetzt. Die Aufrechnung des
Einkommens aus unselbständiger Erwerbstätigkeit wurde dabei grundsätzlich
beibehalten, jedoch auf Fr. 83'128.-- herabgesetzt.
C.- Mit Eingabe ihre Vertreterin vom 15. Mai 2007 erhob X.Y. gegen diesen Einsprache-
Entscheid Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, auf die
Besteuerung von Einkünften aus unselbständiger Erwerbstätigkeit sei zu verzichten,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die Vorinstanz stellte in ihrer Vernehmlassung vom 5. Juli 2007 den Antrag auf
kostenfällige Abweisung des Rekurses.
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Mit Schreiben vom 11. August 2007 nahm die Rekurrentin dazu Stellung. Die
Erwiderung der Vorinstanz datiert vom 3. September 2007.
Auf die von den Parteien zur Begründung ihrer Anträge gemachten Ausführungen
sowie die Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 15. Mai 2007 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Umstritten ist die Besteuerung der Einkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit.
a) Die Rekurrentin macht geltend, Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit
unterliege nach Rechtsprechung und Praxis erst dann der Besteuerung, wenn der
anspruchsberechtigte Steuerpflichtige wirtschaftlich und tatsächlich darüber verfügen
könne. Die tatsächliche Realisierung sei grundsätzlich erst mit der effektiven
Auszahlung oder Gutschrift gegeben. Nachweislich sei die Lohngutschrift am 30. April
2005 und damit nicht in der Bemessungsperiode 2004 erfolgt. Es sei willkürlich, die in
der Zeit vom 1. Mai bis 31. Dezember 2004 dem Kontokorrentkonto der Rekurrentin
belasteten Beträge in der Höhe von Fr. 83'128.-- nebst den ordentlichen Einkünften
aus selbständiger Erwerbstätigkeit zusätzlich als Einkünfte aus unselbständiger
Erwerbstätigkeit in der Steuerperiode 2004 zu erfassen. Hätten nämlich in der
fraglichen Periode keine Bezüge stattgefunden, was zweifellos möglich gewesen wäre,
würde auch kein Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit erfasst. Der am 30. April
2005 verbuchte Nettolohn von Fr. 129'071.-- sei in der Steuererklärung 2005
ordnungsgemäss deklariert worden. Die Höhe des Lohnes habe sich seit jeher erst am
Abschlusstermin, nach Vorliegen des Geschäftsergebnisses, ergeben. Hinzu komme,
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dass bei der Rekurrentin wegen des Wechsels von der Vergangenheits- in die
Gegenwartsbemessung mit der Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit eine
Überbesteuerung eintrete. Die Besteuerung der Einkünfte aus unselbständiger
Erwerbstätigkeit gehe dem Fiskus nicht verloren, sondern erfolge lediglich zu einem
späteren Zeitpunkt. Die Lohngutschrift von netto Fr. 129'071.-- auf dem
Kontokorrentkonto per 30. April 2005 stimme zeitlich mit der Belastung auf dem
Lohnaufwandkonto der Gesellschaft überein. Wenn aus betrieblichen Gründen eine
Auszahlung erst nach dem Zeitraum erfolge, für welchen die Arbeitsleistung erbracht
worden sei, so sei es nicht rechtswidrig, auf diesen wirtschaftlich einleuchtenden
Zeitpunkt abzustellen. Die Bezüge auf dem Kontokorrentkonto stellten zudem
Rückzahlungen des der Gesellschaft gewährten Darlehens und keine Lohnzahlungen
dar.
Die Vorinstanz bringt im Wesentlichen vor, am 1. Mai 1995 habe die Rekurrentin eine
selbständige Erwerbstätigkeit aufgenommen. Die Geschäftsjahre hätten jeweils vom 1.
Mai bis 30. April gedauert, letztmals bis 30. April 2004. Unter Übernahme sämtlicher
Aktiven und Passiven sei per 1. Mai 2004 die P. AG gegründet worden. Aus dem
letzten Jahr der selbständigen Erwerbstätigkeit habe die Rekurrentin in der
Steuererklärung 2004 einen Gewinn von Fr. 151'274.-- deklariert. Gemäss Einsprache-
Entscheid würden diese Einkünfte Fr. 153'874.-- betragen, was von der Rekurrentin
nicht bestritten werde. Offenbar wolle die Rekurrentin die mit der Aufgabe der
selbständigen Erwerbstätigkeit zusammenhängende Überbesteuerung vermeiden,
indem sie im Jahr 2004 keine Einkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit
deklariere. Das st. gallische Steuerrecht kenne jedoch keine Bestimmungen, nach
welchen bei gebrochenen Geschäftsjahren im ersten Jahr nach dem Systemwechsel
oder bei einer späteren Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit der Gewinn nur
anteilmässig zu erfassen wäre. Die Überbesteuerung ergebe sich gerade aus den
Bestimmungen des Steuergesetzes, sei systembedingt und hätte durch
steuerplanerische Massnahmen vermieden werden können. Im Steuerbuch sei
ausführlich auf die Problematik verwiesen worden. In der Zeit vom 1. Mai 2004 bis 31.
Dezember 2004 habe die Rekurrentin mehrere grössere Bezüge vom
Kontokorrentkonto bei der P. AG getätigt. Die Lohnforderung entstehe grundsätzlich
mit der Erbringung der Arbeitsleistung. Mangels anderweitiger Vereinbarung sei der
Lohn monatlich fällig. Falls der Arbeitgeber der Lohnzahlung nicht rechtzeitig
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nachkomme, sei zur Ermittlung des Realisationszeitpunktes auf die Fälligkeit
abzustellen. Der Arbeitnehmer erwerbe in einem solchen Fall mit der Fälligkeit einen
festen Anspruch auf die Lohnforderung. Falls die Erfüllung der Lohnforderung unsicher
sei, könne jedoch vom Realisierungszeitpunkt der Fälligkeit abgewichen werden.
Obschon der Rekurrentin der gesamte Jahresnettolohn erst per 30. April 2005
gutgeschrieben worden sei, dürfte unbestritten sein, dass die Lohnforderung durch die
laufende Tätigkeit der Rekurrentin jeweils im Verhältnis zur geleisteten Arbeit fällig
geworden sei. Über dieses Geld habe die Rekurrentin frei verfügen können, weshalb es
zu Recht als Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit qualifiziert und
besteuert worden sein. Was die rekurrentische Behauptung von
Darlehensrückzahlungen vom Kontokorrentkonto angehe, so bestehe bei der P. AG
kein separates Darlehenskonto der Rekurrentin. Die bei der Übernahme bestehende
Forderung von Fr. 161'733.19 sei nicht in einen Anteil Darlehen und einen Anteil
Kontokorrentkonto aufgeteilt worden. Damit sei die Behauptung, es würde sich bei den
Bezügen ab dem Kontokorrentkonto um Darlehensrückzahlungen handeln, nicht
bewiesen. Indem der Nettolohn der Rekurrentin am 30. April 2005 nicht ausbezahlt,
sondern auf das Kontokorrentkonto überwiesen worden sei, sei letztlich eine
Verrechnung mit den bereits zuvor getätigten Bezügen erfolgt. Alternativ sei der
anteilmässige Lohn für die Zeit vom 1. Mai bis 31. Dezember 2004 pro rata zu
versteuern.
b) Der Einkommenssteuer unterliegen alle wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte
(Art. 29 Abs. 1 StG). Steuerbar sind alle Einkünfte aus privatrechtlichem oder öffentlich-
rechtlichem Arbeitsverhältnis mit Einschluss der Nebeneinkünfte wie Entschädigungen
für Sonderleistungen, Provisionen, Zulagen, Dienstalters- und Jubiläumsgeschenke,
Gratifikationen, Trinkgelder, Tantiemen und andere geldwerte Vorteile (Art. 30 StG). Das
steuerbare Einkommen bemisst sich nach den Einkünften in der Steuerperiode (Art. 67
Abs. 1 StG). Als Ausfluss des Realisationsprinzips können nur jene Einkünfte steuerlich
erfasst werden, die im massgebenden Zeitabschnitt zugeflossen sind. Steuerrechtlich
gelten Einkünfte beim unselbständigen Erwerb in der Regel als realisiert, wenn die
Lohnzahlung fällig wird bzw. wenn die Auszahlung erfolgt (vgl. Weidmann/Grossmann/
Zigerlig, Wegweiser durch das st. gallische Steuergesetz, 6. Aufl. 1999, S. 30 f.). Nach
ständiger Doktrin und Praxis gilt Einkommen in der Regel steuerrechtlich in jenem
Zeitpunkt als zugeflossen und erzielt, in welchem der Steuerpflichtige eine Leistung
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vereinnahmt oder einen festen Anspruch darauf erworben hat, über welchen er
tatsächlich verfügen kann. Voraussetzung des steuerauslösenden Zuflusses ist
demnach ein abgeschlossener Rechtserwerb, welcher Forderungs- oder
Eigentumserwerb sein kann. Nicht auf den Zeitpunkt des Forderungserwerbs, sondern
auf die tatsächliche Erfüllung der Forderung ist lediglich in jenen Fällen abzustellen, in
welchen die Erfüllung der Forderung besonders unsicher ist (vgl. M. Reich, in:
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, Basel/Genf/München 2000,
NN 34/36 zu Art. 16 DBG mit Hinweisen). Gemäss Art. 323 des Schweizerischen
Obligationenrechts (SR 220, abgekürzt: OR) ist dem Arbeitnehmer der Lohn am Ende
jedes Monats auszurichten, soweit nicht kürzere Fristen oder andere Termine
verabredet oder üblich sind und durch Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag
nichts anderes bestimmt ist. Ein Unselbständigerwerbender erzielt deshalb sein
Erwerbseinkommen in der Regel in derjenigen Periode, in der er seine Arbeitsleistung
erbringt, da er damit einen festen und frei verfügbaren Anspruch auf sein Gehalt
erwirbt. Die Lohnforderung entsteht mithin fortlaufend mit der Erbringung der
Arbeitsleistung, wird aber regelmässig erst am Ende jedes Monats fällig. Am
Monatsende ist daher der vertragliche Lohnanspruch gesichert und das entsprechende
Einkommen grundsätzlich realisiert. Bezüge, deren Auszahlungszeitpunkt der
Unselbständige dank seiner beherrschenden Stellung in der Arbeitgeberfirma frei
bestimmen kann, sind in jener Periode zu erfassen, in welcher die Arbeitsleistung
erbracht wurde, falls für eine spätere Auszahlung keine unternehmerischen Gründe
sprechen (BGE vom 17. Dezember 1986 in Sachen K.W., NStP 40 S. 86).
c) Ab dem 1. Mai 2004 war die Rekurrentin unbestrittenermassen als Angestellte der P.
AG unselbständig erwerbstätig. Für die Zeitdauer vom 1. Mai 2004 bis zum 30. April
2005 wurde ihr ein Jahreslohn von netto Fr. 129'071.-- ausgerichtet. Dieser Betrag
wurde von der Gesellschaft per 30. April 2005 dem Kontokorrentkonto der Rekurrentin
gutgeschrieben. Mit der Begründung, dass sie im Jahr 2004 keinen Lohn ausbezahlt
erhalten habe, deklarierte die Rekurrentin für 2004 keine Einkünfte aus unselbständiger
Erwerbstätigkeit. Wie eingangs dargelegt, hängt die Realisierung des unselbständigen
Erwerbseinkommens nicht vom effektiven Zufluss, sondern vom Forderungserwerb ab.
Bei einem Arbeitnehmer wird der Lohnanspruch mangels anderweitiger Abrede am
Ende jedes Monats fällig, womit das Einkommen grundsätzlich realisiert ist. Die
Rekurrentin macht geltend, erst nach Abschluss des ersten Geschäftsjahres habe
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festgestanden, welchen Lohn sie erhalte. Unabhängig davon ist jedoch die dannzumal
ausbezahlte Entschädigung für das gesamte Jahr geschuldet. Mit ihrer Arbeitsleistung
hat die Rekurrentin den Lohnanspruch laufend erworben. Hinzu kommt, dass die
Rekurrentin als Verwaltungsratspräsidentin und beinahe Alleinaktionärin den Zeitpunkt
der Lohnauszahlung frei bestimmen konnte. Angesichts der seit Jahren florierenden
Geschäftstätigkeit der Einzelfirma, die nach dem 30. April 2004, abgesehen von der
Umwandlung in eine juristische Person, unverändert weitergeführt wurde, bestand für
eine Gesamtlohnauszahlung erst nach einem Jahr keine unternehmerische
Notwendigkeit. Für die Steuerperiode 2004 ist daher der Nettolohn für den Zeitraum
vom 1. Mai bis 31. Dezember 2004 massgebend. Da weder ein Arbeitsvertrag
eingereicht noch genauere Angaben über die Zusammensetzung des Lohnes
(Grundlohn, Gratifikation, Erfolgsbeteiligung) gemacht wurden, ist die Aufteilung des
Jahreslohnes von netto Fr. 129'071.-- auf die Steuerjahre 2004 und 2005 nicht ohne
weiteres klar. Geht man von zwölf identischen Monatslöhnen aus, entfallenden Fr.
86'047.-- (Fr. 129'071.-- / 12 x 8) auf das Jahr 2004. Nimmt man aber, wie allgemein
üblich, 13 Monatslöhne an, wobei der 13. Monatslohn jeweils Ende Geschäftsjahr fällig
wird (vgl. Art. 322d OR), ergibt sich für 2004 ein Nettolohn von Fr. 79'428.-- (Fr.
129'071.-- / 13 x 8). Bei einer Gratifikation von zwei Monatslöhnen, davon einer an
Weihnachten und einer am Ende des Geschäftsjahres, wäre für das Jahr 2004 ein
Nettolohn von Fr. 82'974.-- (Fr. 129'071.-- / 14 x 9) geschuldet.
Die Vorinstanz hat im Einsprache-Entscheid nicht auf den anteilmässigen Lohn,
sondern auf die Bezüge vom Kontokorrentkonto der Rekurrentin im fraglichen Zeitraum
abgestellt, die Fr. 83'128.-- umfassen. Da die Rekurrentin gegenüber der Gesellschaft
per 1. Mai 2004 jedoch über ein Guthaben von Fr. 161'733.19 verfügte, kann ihre
Behauptung, es handle sich bei diesen Bezügen um nicht steuerbare
Darlehensrückzahlungen, nicht von der Hand gewiesen werden. Auch die Tatsache,
dass der Jahreslohn am 30. April 2005 diesem Kontokorrentkonto gutgeschrieben
wurde, vermag daran nichts zu ändern. Allein dadurch werden die zuvor getätigten
Bezüge nicht zu Lohnzahlungen. Ebenso ist nicht entscheidend, ob in der P. AG ein
spezielles Aktionärsdarlehenskonto ausgewiesen wird oder das Darlehen im Rahmen
des Kontokorrentkontos geführt wird. Die Besteuerung der im Jahr 2004 getätigten
Bezüge im Umfang von Fr. 83'128.-- erweist sich damit nicht als stichhaltig. Zutreffend
wäre die Besteuerung der anteilmässigen Einkünfte aus unselbständiger
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Erwerbstätigkeit gewesen. Da deren Höhe jedoch je nach Annahme einer Gratifikation
zwischen ca. Fr. 79'000.-- und Fr. 86'000.-- variiert, drängt sich keine Korrektur zur
Veranlagung der Vorinstanz mit Einkünften von Fr. 83'128.-- auf.
d) Der Rekurs ist folglich abzuweisen.
e) Daran vermag auch die Tatsache, dass es im fraglichen Jahr wegen der Aufgabe der
selbständigen Erwerbstätigkeit per 30. April 2004 zu einer Überbesteuerung der
Rekurrentin kommt, nichts zu ändern. Die Problematik der Überbesteuerung rührt vom
Wechsel von der Pränumerandobesteuerung mit zweijähriger
Vergangenheitsbemessung zur Postnumerandobesteuerung mit einjähriger
Gegenwartsbemessung her, wie er im neuen, am 1. Januar 1999 in Kraft getretenen
Steuergesetz verankert ist und erstmals auf das Jahr 2001 wirksam wurde. Im System
der Pränumerandobesteuerung mit zweijähriger Vergangenheitsbemessung wurde bei
Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit eine Zwischenveranlagung
vorgenommen. Dieser wurde das Ergebnis des ersten Geschäftsabschlusses, allenfalls
umgerechnet auf zwölf Monate, zugrunde gelegt (Art. 287 Abs. 1 lit. a und Art. 288 Abs.
4 StG). Wurde die Geschäftstätigkeit nicht exakt zu Beginn eines Kalenderjahres
aufgenommen, lag der erste, zwölf Monate umfassende Geschäftsabschluss bereits in
der nächsten Steuerperiode (sogenanntes verschobenes oder gebrochenes
Geschäftsjahr). Dieser Abschluss war nicht nur für die sofortige Besteuerung ab
Zwischenveranlagung, sondern auch für die nächste Steuerperiode massgebend. In
dem seit 1. Januar 2001 geltenden System der Postnumerandobesteuerung mit
einjähriger Gegenwartsbemessung bemisst sich das steuerbare Einkommen
grundsätzlich auch bei selbständiger Erwerbstätigkeit nach den Einkünften in der
Steuerperiode (Art. 67 Abs. 1 StG). Wenn der Geschäftsabschluss aber nicht per Ende
Jahr, sondern im Verlauf der Steuerperiode erfolgt, so wird auf das in der
Steuerperiode abgeschlossene Geschäftsjahr abgestellt (Art. 67 Abs. 2 StG). Liegen
zwei Geschäftsabschlüsse vor, so stellen diese eine Einheit dar und werden zusammen
als Bemessungsgrundlage herangezogen. Es muss in jeder Steuerperiode ein
Geschäftsabschluss erstellt werden. Zur Vermeidung von Bemessungslücken muss
insbesondere auch dann ein Geschäftsabschluss erstellt werden, wenn die
Steuerpflicht kraft persönlicher oder wirtschaftlicher Zugehörigkeit erlischt, aber auch
bei Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit.
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Wechselt nun ein Selbständigerwerbender mit verschobenem Geschäftsabschluss vom
Pränumerando- zum Postnumerandosystem, erleidet er übers Ganze gesehen eine
Überbesteuerung. Diese besteht darin, dass der Selbständigerwerbende schliesslich
nicht bloss bis zur unterjährigen Aufgabe der Geschäftstätigkeit nach dem letzten
Jahresgeschäftsergebnis besteuert wird, sondern für die ganze Steuerperiode. Mit dem
Wechsel zur Gegenwartsbemessung fielen nämlich Zwischeneinschätzungen generell
weg, so auch bei Aufgabe einer selbständigen Erwerbstätigkeit. Deshalb kommt es bei
Selbständigerwerbenden mit gebrochenem Geschäftsjahr, die nach dem
Systemwechsel ihre selbständige Tätigkeit aufgeben, zu einer Überbesteuerung, da der
letzte Abschluss für die gesamte Steuerperiode Bemessungsgrundlage bildet und
keine Zwischenveranlagung oder pro-rata-Besteuerung erfolgt. Im Gegensatz zu
anderen Kantonen haben weder das st. gallische Steuergesetz noch die dazugehörige
Verordnung bezüglich der übergangsrechtlichen Behandlung selbständig
erwerbstätiger Steuerpflichtiger, deren Geschäftsjahr im Vergleich zum Kalenderjahr
verschoben ist, besondere Regeln aufgestellt. Insbesondere wurde gesetzlich nicht
vorgesehen, dass der in diesen Fällen drohenden Überbesteuerung durch einen
Zwischenabschluss per Ende eines der Übergangsjahre 1999 und 2000 oder durch
eine Ermittlung des Gewinnes für das Jahr 2001 pro rata temporis entgegen gewirkt
werden kann. Hingegen erachtete es die st. gallische Veranlagungspraxis als zulässig,
zur Vermeidung der insgesamt unbestrittenermassen drohenden Überbesteuerung
während der Übergangsjahre verschobene Geschäftsjahre für den weiteren Verlauf der
Geschäftstätigkeit mit dem Kalenderjahr in Übereinstimmung zu bringen, indem eine
unterjährige oder eine überjährige Geschäftsperiode zum Abschluss gebracht werden
konnte (vgl. dazu StB 314 Nr. 6 in der Fassung vom 1. Juli 2000). Das
Verwaltungsgericht hat diese von der Vorinstanz in der verwaltungsintern geltenden,
jedoch öffentlich zugänglichen Weisung vorgesehenen Lösungen zur Vermeidung einer
Überbesteuerung beim Systemwechsel als zureichend erkannt. Soweit Steuerpflichtige
keine dieser Lösungen gewählt hätten, verlange das übergeordnete Recht,
insbesondere der Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit, nicht, dass auch andere Vorgehensweisen steuerlich anerkannt
würden (vgl. SGE 2005 Nr. 3).
Der Tatbestand einer Überbesteuerung ist nicht in jedem Fall gleichzusetzen mit einer
Verletzung des verfassungsmässigen Grundsatzes der Besteuerung nach der
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wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Art. 127 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101,
abgekürzt: BV) gebietet, dass die Steuerpflichtigen nach Massgabe der ihnen
zustehenden Mitteln gleichmässig belastet werden und sich die Steuerbelastung nach
den den Steuerpflichtigen zur Verfügung stehenden Wirtschaftsgütern und den
persönlichen Verhältnissen richten muss. Nicht jede Ungleichbehandlung bei gleicher
wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit ist indessen als verfassungswidrig einzustufen.
Unzulässig ist eine Regelung lediglich dann, wenn sie in genereller Weise zu einer
wesentlich stärkeren Belastung oder systematischen Benachteiligung bestimmter
Gruppen von Steuerpflichtigen führt (Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender,
[Hrsg.], Die Schweizerische Bundesverfassung, Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2002, N
16 f. zu Art. 127 BV). Eine Schranke setzt das Leistungsfähigkeitsprinzip der
Besteuerung dort, wo besteuert würde, ohne dass wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
vorliegt oder wo die Besteuerung die vorhandene Leistungsfähigkeit geradezu
zerstören würde. In Extremfällen gewährt daher das Leistungsfähigkeitsprinzip einen
Schutz vor exzessiver Besteuerung (Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender,
a.a.O., N 20 zu Art. 127 BV).
Die st. gallische Gesetzgebung sieht für den Fall der nachträglichen Aufgabe der
selbständigen Erwerbstätigkeit mit gebrochenem Geschäftsjahr keine Möglichkeit der
anteilmässigen Erfassung des letzten Geschäftsergebnisses vor. Entsprechend Art. 67
StG ist daher auch in diesen Fällen das ganze Jahresergebnis zur Besteuerung
heranzuziehen. Trotzdem ist bei der Rekurrentin die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
gegeben, sie wird durch die gebotene Besteuerung nicht zerstört. Es liegt daher keine
Verletzung des Grundsatzes der Besteuerung nach der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit vor. Auch von einem Extremfall im Sinn einer konfiskatorischen
Besteuerung kann keine Rede sein.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist
angemessen (vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 800.-- ist zu verrechnen.