Decision ID: 482f5841-f19c-43a9-a881-9bbd9b44c7f4
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. A (nachfolgend der Pflichtige) ist deutscher Staatsbürger und in Deutsch-
land ansässig, aber in B für die C AG erwerbstätig und verfügt dort über ein gemietetes
1,5-Zimmer-Appartement als Wochenaufenthalter. Er hat zwei Kinder (Jahrgänge
19XX und 19XX), welche mit seiner Ehefrau in Deutschland leben. Seine Arbeitgeberin
hat von seinem Einkommen jeweils die Quellensteuer nach dem Tarif A2 ohne Kir-
chensteuer abgerechnet. Mit Auflage vom 8. August 2014 verlangte das kantonale
Steueramt, Dienstabteilung Quellensteuer, von ihm für den Zeitraum 1.1. – 31.12.2011
diverse Unterlagen, welche er in der Folge einreichte.
Am 9. September 2014 erstellte die Dienstabteilung Quellensteuer eine neue
korrigierte Steuerberechnung. Dabei setzte es den Tarif AoK fest, d.h. den Tarif A ohne
Kinder und ohne Kirchensteuer. Dies ergab eine Nachforderung von Fr. 1'855.30.
B. Hiergegen erhob der Pflichtige am 6. Oktober 2014 Einsprache mit dem
Antrag, nach dem Tarif A2 für zwei Kinder und ohne Kirchensteuer abzurechnen. Er sei
für die Kinder unterhaltspflichtig.
Das kantonale Steueramt wies die Einsprache am 2. November 2015 ab.
C. Hiergegen liess der Pflichtige am 10. Dezember 2015 Rekurs erheben und
beantragen, den Einspracheentscheid aufzuheben und das kantonale Steueramt an-
zuweisen, den Pflichtigen für das Jahr 2011 nach dem Quellensteuertarif A2 ohne Kir-
chensteuer zu veranlagen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Das kantonale Steueramt schloss am 18. Dezember 2015 auf Abweisung des
Rekurses.
Mit Verfügung vom 8. Januar 2016 verlangte das Steuerrekursgericht vom
Pflichtigen aufgrund seines ausländischen Wohnsitzes eine Kaution. Diese wurde frist-
gerecht geleistet.
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Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1. a) Natürliche Personen ohne steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt in
der Schweiz sind aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig, wenn sie u.a.
in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben (Art. 5 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes
über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990, DBG; Art. 4 Abs. 2 lit. a des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Ge-
meinden vom 14. Dezember 1990, StHG; § 4 Abs. 2 lit. a des Steuergesetzes vom
8. Juni 1997, StG). Die Besteuerung erfolgt gemäss den Regeln über die Quellenbe-
steuerung für natürliche Personen ohne steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt in
der Schweiz (Art. 91 ff. DBG; Art. 35 ff. StHG bzw. § 94 ff. StG; Bauer-Balmelli/Omlin,
in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A., 2008, Art. 5 N 3
DBG).
Gemäss Art. 91 DBG bzw. § 94 StG entrichtet eine Person ohne steuerrechtli-
chen Wohnsitz oder Aufenthalt in der Schweiz, die hier für kurze Dauer oder als
Grenzgänger oder Wochenaufenthalter in unselbstständiger Stellung erwerbstätig ist,
für ihr Erwerbseinkommen die Quellensteuer nach den Art. 83 - 86 DBG bzw. §§ 88 -
90 StG. Die Gesetze weisen demnach internationale Wochenaufenthalter der Katego-
rie von Personen ohne hiesigen Aufenthalt zu, obschon echte Wochenaufenthalter an
sich die Voraussetzungen für einen Aufenthalt nach Art. 3 DBG bzw. § 3 StG an ihrem
Arbeitsort erfüllen würden (Bauer-Balmelli/Omlin, Art. 3 N 10 DBG; Richner/Frei/Kauf-
mann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A., 2009, Art. 3 N 36 DBG, und Kommen-
tar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, § 3 N 76 StG).
b) Es ist nicht streitig, dass es sich beim Pflichtigen um einen internationalen
Wochenaufenthalter handelt, der sich hier nur zu Erwerbszwecken aufhält. Demnach
erfolgt die Quellenbesteuerung bei ihm nach den Vorschriften von Art. 91 DBG bzw.
§ 94 StG, welche Bestimmungen ihrerseits auf Art. 83 – 86 DBG bzw. §§ 88 – 90 StG
verweisen. Ferner gelten auf ihn die Vorschriften der kantonalen Verordnung über die
Quellensteuer für ausländische Arbeitnehmer vom 2. Februar 1994 (Quellensteuerver-
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ordnung I, in der für 2011 noch geltenden Fassung mit Änderungen vom 1. Au-
gust 2010, ZStB Nr. 28/011; vgl. Verweis in § 13 lit. a der Verordnung über die Quel-
lensteuer für natürliche und juristische Personen ohne steuerrechtlichen Wohnsitz oder
Aufenthalt in der Schweiz vom 2. Februar 1994, Quellensteuerverordnung II, ZStB
Nr. 29/012).
2. a) aa) Laut Art. 84 Abs. 1 DBG bzw. § 88 Abs. 1 StG wird die Quellensteuer
von den Bruttoeinkünften berechnet (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 84 N 4 DBG
und § 88 N 5 StG, beide auch zum Folgenden). Mit Bezug auf die Ausgestaltung des
Tarifs gemäss Art. 85 Abs. 1 DBG bzw. § 89 Abs. 1 StG ist dem Grundsatz Rechnung
zu tragen, dass die Belastung mit einer Quellensteuer, die entsprechend deren Aus-
gestaltung als echte Quellensteuer grundsätzlich definitiver Natur ist, nicht wesentlich
anders ausfallen darf, als diejenige einer im ordentlichen Verfahren veranlagten steu-
erpflichtigen Person (Gleichbehandlungsgebot gemäss Art. 8 Abs. 1 und 127 Abs. 2
der Bundesverfassung vom 18. April 1999, BV; BGE 136 II 124 = Pra 99, 819). Die zur
Berechnung der Quellensteuer von den Bruttoeinkünften anwendbaren Tarife sind
demnach so auszugestalten, dass die Abzüge, wie sie den ordentlich veranlagten
Steuerpflichtigen zustehen, angemessen berücksichtigt sind.
Art. 86 Abs. 1 DBG und § 90 Abs. 1 StG zählen die einschlägigen Abzüge auf.
Demnach sind bei Festsetzung der Steuertarife Pauschalen für Berufskosten (Art. 26
DBG, § 26 StG) und Versicherungsprämien (Art. 33 Abs. 1 lit. d, f und g DBG, § 31
Abs. 1 lit. d, f und g StG) sowie Abzüge für Familienlasten (Art. 35 und 36 DBG, § 34
und 35 StG) zu berücksichtigen. Damit ist festzuhalten, dass nach der gesetzlichen
Konzeption mit den Tarifen insbesondere der Kinder-, Unterstützungs- und Verheirate-
tenabzug nach Art. 213 Abs. 1 DBG bzw. § 34 Abs. 1 StG sowie der Grund-/Verhei-
ratetentarif gemäss Art. 214 DBG bzw. § 35 StG bereits berücksichtigt sind. All diese
Abzüge können individuell nicht mehr in Abzug gebracht werden.
bb) Diese Vorgaben des Gesetzgebers hat die beauftragte Eidgenössische
Steuerverwaltung bzw. die Finanzdirektion (vgl. Art. 85 Abs. 1 DBG, § 89 Abs. 1 StG)
für das Jahr 2011 durch Bildung von verschiedenen Tarifen (A, B, C, D, G) umgesetzt.
Die Tarife sind in den Quellensteuerverordnungen des Bundes und des Kantons bzw.
den Anhängen dazu enthalten (Verordnung über die Quellensteuer bei der direkten
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Bundessteuer vom 19. Oktober 1993, SR 642.118.2; für das kantonale Recht in der
Quellensteuerverordnung I sowie in der Weisung der Finanzdirektion zur Durchführung
der Quellensteuer für ausländische Arbeitnehmer vom 30. September 2005, nachfol-
gend Weisung, ZStB Nr. 28/051, ersetzt ab Steuerperiode 2014 durch die Fassung
vom 27. Juni 2013, ZStB Nr. 28/052).
Gemäss Ziff. 15 der Weisung werden die Quellensteuern auf dem Erwerbs-
und dem Ersatzeinkommen aufgrund folgender Monatstarife erhoben:
Tarif A für alleinstehende Steuerpflichtige (ledige, tatsächlich oder rechtlich getrennt
lebende, geschiedene und verwitwete Steuerpflichtige).
Tarif B für verheiratete, in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe lebende Allein-
verdiener sowie verwitwete, tatsächlich oder rechtlich getrennt lebende, ge-
schiedene und ledige Steuerpflichtige, die mit Kindern zusammen leben.
Tarif C für verheiratete, in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe lebende Ehegat-
ten, die beide hauptberuflich erwerbstätig sind.
Tarif D für im Nebenerwerb tätige Steuerpflichtige.
Tarif G für Grenzgänger.
In Ziff. 16 der Weisung wird diese Regelung in einem wichtigen Punkt weiter
verdeutlicht. Demnach kommt der Tarif A auch zur Anwendung bei verheirateten Dop-
pelverdienern mit einem im Ausland wohnhaften Ehegatten. In Ziff. 26 wird ergänzt,
dass der Tarif C für Doppelverdiener eine hauptberufliche Erwerbstätigkeit beider Ehe-
gatten in der Schweiz voraussetzt.
Die konkreten Tarife 2011 sind in der Verfügung der Finanzdirektion über Tari-
fe der Quellensteuern für ausländische Arbeitnehmer vom 17. Januar 2011 (ZStB
Nr. 28/406) enthalten, welche weitere Ausführungen über deren Anwendung enthält.
Gemäss Ziff. 2 dieser Verfügung sind innerhalb der Tarife A, B und C die Ansätze ab-
gestuft nach der Belastung des Arbeitnehmers durch Unterhaltsleistungen und Unter-
stützungen. In diesen Tarifen ist insbesondere der Abzug für Kinder berücksichtigt,
deren Unterhalt der Steuerpflichtige bestreitet, sofern sie minderjährig sind oder noch
in der beruflichen Ausbildung stehen (Ziff. 2 Abs. 2 lit. b der Verfügung).
cc) Darüber hinaus kann der Steuerpflichtige weitere im Gesetz vorgesehene
Abzüge im Verfahren der nachträglichen Tarifkorrektur separat geltend machen, indem
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er bis Ende März des Folgejahres ein entsprechendes Gesuch beim kantonalen Steu-
eramt einreicht (Ziff. 49 f. der Weisung). Genannt werden Kinderbetreuungskosten,
Schuldzinsen, nicht im Tarif enthaltene Weiterbildungskosten, Beiträge an anerkannte
Formen der gebundenen Selbstvorsorge (3. Säule a) sowie durch Krankheit, Unfall
oder Invalidität verursachte Aufwendungen. In diesen Fällen erfolgt eine Neuberech-
nung der geschuldeten Quellensteuer mit Rückerstattung der zu viel abgezogenen
Beträge.
b) Der Pflichtigen lebt mit seiner Ehefrau in ungetrennter Ehe in Deutschland;
sein Aufenthalt in der Schweiz gilt lediglich als Wochenaufenthalt zu Erwerbszwecken.
Gemäss dem Steuerbescheid 2011 der Finanzverwaltung D versteuerte die Ehefrau
einen Nettolohn von EUR 76'903.-, während der Lohn des Pflichtigen auf Fr. 182'950.-
brutto belief. Damit handelt es sich um Doppelverdiener mit Wohnsitz des Ehegatten
im Ausland, sodass Tarif A zur Anwendung gelangt. Beide Kinder (Jahrgänge 19XX
und 19XX) waren 2011 noch minderjährig, sodass sich der Tarif A2 ergibt.
c) Das kantonale Steueramt wendet dagegen ein, dass bei der Besteuerung
des Lohneinkommens bloss die organischen Abzüge (Gewinnungskosten) steuermin-
dernd zu berücksichtigen seien. Bei den Kinderabzügen handle es sich um Sozialab-
züge, die gemäss dem Bundesgerichtsentscheid vom 26. Januar 2010, 2C_319/2009,
im Quellensteuerverfahren nur zu berücksichtigen seien, wenn der quellensteuerpflich-
tige Arbeitnehmer den Status eines Quasi-Ansässigen habe. Davon werde dann ge-
sprochen, wenn der Steuerpflichtige mehr als 90% seines weltweiten Familieneinkom-
mens in der Schweiz versteuere. Dies sei hier nicht der Fall.
Diese Argumentation überzeugt nicht. Gemäss Art. 86 Abs. 1 DBG und § 90
Abs. 1 StG wurden bei Festsetzung der Steuertarife die Familienlasten gemäss Art. 35
und 36 DBG, § 34 und 35 StG mitberücksichtigt. Darin enthalten sind insbesondere die
mit Kindern im Zusammenhang stehenden finanziellen Belastungen, welche bei den
direkten Steuern durch Kinderabzüge berücksichtigt werden. Es ist offensichtlich, dass
die bei den Quellensteuern vorgenommenen Tarifabstufungen nach Anzahl Kinder
demselben Zweck dienen, und demnach auf diese Weise der Auftrag des Gesetzge-
bers umgesetzt wurde. Das Gesetz macht diesbezüglich keine weiteren Einschränkun-
gen, sodass diese Regelungen uneingeschränkt für alle Quellensteuerpflichtigen gel-
ten, welche den betreffenden gesetzlichen Bestimmungen unterstehen.
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An dieser Vorgabe ändert auch der von der Vorinstanz herangezogene bun-
desgerichtlich Leitentscheid vom 26. Januar 2010 nichts. Darin kam das Bundesgericht
zum Schluss, dass die Nichtberücksichtigung gewisser Abzüge bei einem in der
Schweiz quasi-ansässigen Quellensteuerpflichtigen zu einer Ungleichbehandlung ge-
genüber ordentlich besteuerten Steuerpflichtigen führe, welche diese Abzüge geltend
machen können (vgl. E. 15.1 des bundesgerichtlichen Entscheids). Dabei ging es aber
immer um Abzüge, welche gemäss der vorstehend dargestellten Regelung im Tarif
explizit nicht berücksichtigt werden und welche auch im Verfahren der nachträglichen
Tarifkorrektur nicht geltend gemacht werden dürfen. Keinesfalls ist aus diesem Ent-
scheid der umgekehrte Schluss zu ziehen, dass einem nicht quasi-ansässigen Quel-
lensteuerpflichtigen deshalb Tarifabstufungen vorzuenthalten wären. Eine solche Inter-
pretation des bundesgerichtlichen Präjudizes ist nicht haltbar.
Der angefochtene Entscheid widerspricht damit den gesetzlichen Bestimmun-
gen und ist deshalb aufzuheben.
3. Damit ist der Rekurs gutzuheissen. Ausgangsgemäss sind die Kosten des
Verfahrens dem Rekursgegner aufzuerlegen und ist dem Pflichtigen eine Parteient-
schädigung zuzusprechen (§ 151 Abs. 1 StG und § 152 StG i. V. m. § 17 Abs. 2 des
Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997, VRG).