Decision ID: 1cd9d1f6-d587-51df-a999-3b723ce14053
Year: 2006
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Im November 2005 schrieb die BKW FMB Energie AG (nachfolgend kurz BKW) die
Beschaffung von Zählern und Rundsteuerempfängern für das Jahr 2006 im offenen
Verfahren öffentlich aus. Die Beschaffung umfasste insgesamt sechs Zählerpositionen und
eine Rundsteuerposition, darunter 100 „Gewerbe/Industriezähler NS-Wandlermessung“
(Ausschreibungsposition 3.3.5), 250 „Gewerbe/Industriezähler HS Wandlermessung mit
Lastprofilspeicher“ (Ausschreibungsposition 3.3.6) und 6'000 „Rundsteuerempfänger“
(Ausschreibungsposition 3.3.7). Gemäss den Ausschreibungsunterlagen waren
2
Teilangebote für einzelne Positionen zulässig. Die Beschwerdeführerin reichte
Teilangebote zu den Positionen 3.3.3 bis 3.3.7 ein. Auf die Einreichung eines Angebotes
für die Positionen 3.3.1 (Haushaltzähler mit 4 Tarifen) und 3.3.2 (Haushaltzähler mit
Vorwerten) verzichtete sie.
Mit Verfügung vom 8. Februar 2006 erteilte die BKW den Zuschlag für die Positionen 3.3.1
und 3.3.2 sowie 3.3.5, 3.3.6 und 3.3.7 der Beschwerdegegnerin.
2. Gegen die Zuschlagsverfügung erhob die Beschwerdeführerin am 13. Februar 2006
bei der kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) Beschwerde. Sie
beantragt, der Zuschlag für die Positionen 3.3.5, 3.3.6 und 3.3.7 sei bezüglich der Erfüllung
der wirtschaftlichen und technischen Kriterien neu zu überprüfen und es sei gegebenenfalls
neu über den Zuschlag zu entscheiden.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei aus der angefochtenen Verfügung nicht
ersichtlich, wie das wirtschaftlich günstigste Angebot bestimmt worden sei. Die offerierten
Güter der Beschwerdegegnerin seien erheblich teurer als diejenigen der
Beschwerdeführerin. Deren Produkte erfüllten sämtliche Normen, Standards und
technische Spezifikationen. Der Unterschied zwischen dem Angebot der
Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin beim Zuschlagskriterium „Betrieb und
Instandhaltung“ sei nicht so gross, dass der Preisunterschied damit kompensiert werde. Im
Übrigen seien beim Zuschlagskriterium „Anbieter“ keine erkennbaren Vorteile zu Gunsten
der Beschwerdegegnerin auszumachen.
3. a) Die BKW beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen. Sie führt aus, die
Beschwerdeführerin habe bei ihr weder eine ausführliche Begründung des Zuschlags noch
ein klärendes Gespräch verlangt. Die Produkte der Beschwerdeführerin, welche bei den
Mitarbeitenden der BKW nicht bekannt seien, verursachten Zusatzkosten für die
Produkteeinführung und -schulung. Um die Angebote bei den Kriterien des Preises und der
Wirtschaftlichkeit miteinander vergleichen zu können, habe man diese Zusatzkosten bei
der Bewertung mitberücksichtigen müssen. Die beiden Zählertypen gemäss Position 3.3.5
und 3.3.6 hätten bei der Bewertung der technischen Spezifikationen (Funktionalität)
nahezu die gleiche Punktzahl erreicht. Einzig bei der Tarifstruktur (kein gleitendes 60-
3
Minuten-Maximum) und bei den Schnittstellen (externes Modem, Kaskadierbarkeit der
Zähler, kein M-Bus) habe man bei den Produkten der Beschwerdeführerin Abzüge machen
müssen. Die Rundsteuerempfänger (Position 3.3.7) seien schlechter bewertet worden, weil
die steckbaren Relais bezüglich Qualität, Lebensdauer und Nenn-Schaltstrom den
verlangten technischen Spezifikationen nicht vollumfänglich genügten. Beim Kriterium
„Betrieb und Instandhaltung“ hätten die von der Beschwerdeführerin offerierten Zählertypen
gemäss Position 3.3.5 und 3.3.6 wegen einer fehlenden optischen Anzeige und qualitativ
minderwertiger Anschlussklemmen Abzüge erhalten. Auch sei die Verständlichkeit und
Bedienbarkeit der Zähler als nicht zufrieden stellend beurteilt worden. Die Angaben zur
Unternehmung und ihrem Qualitätssicherungssystem seien bei der Beschwerdeführerin
und Beschwerdegegnerin grundsätzlich als gleich gut bewertet worden. Als neuer Lieferant
müsse sich die Beschwerdeführerin jedoch bei der Risikobeurteilung einen Abzug gefallen
lassen. Die Gesamtbewertung der Kriterien habe dazu geführt, den Zuschlag der
Beschwerdegegnerin zu erteilen.
b) Die Beschwerdegegnerin beantragt ebenfalls die Abweisung der Beschwerde. Sie
macht geltend, aus dem Angebot der Beschwerdeführerin gehe nicht hervor, ob die
Beschwerdeführerin die Anforderungen der verlangten ISO1-Normen selbst erfülle und über
eine entsprechende Zertifizierung verfüge. Die Beschwerdeführerin habe es zudem
unterlassen, Mustergeräte für ihre Produkte einzureichen. Der Einwand, wonach die
Zuschlagsverfügung der BKW nicht nachvollziehbar sei, sei weder begründet noch
zutreffend. Beim Zuschlagskriterium „Preis/Wirtschaftlichkeit“ sei nicht nur der Stückpreis
eines Produkts, sondern es seien auch die mit dessen Einführung und Benutzung
verbundenen Kosten zu berücksichtigen. Ausserdem erfüllten die Produkte der
Beschwerdeführerin die in der Ausschreibung verlangten technischen Spezifikationen nicht
vollumfänglich. Auch beim Zuschlagskriterium „Betrieb/Instandhaltung“ seien ihre Produkte
schlechter eingestuft worden als diejenigen der Beschwerdegegnerin. Beim
Zuschlagskriterium „Anbieter“ schliesslich sei die Beschwerdeführerin wegen der noch
nicht bestehenden Geschäftsbeziehung zur Auftraggeberin sowie der fehlenden
Fabrikationsstätte und des fehlenden Engineering-Know-Hows in der Schweiz zu Recht
schlechter beurteilt worden.
1 Internationale Organisation für Normung (ISO)
4
4. Das Rechtsamt der BVE, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2,
edierte die Vorakten und führte einen zweiten Schriftenwechsel durch.
Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung, in den Erwägungen
zurückzukommen sein.

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Nach Art. 12 Abs. 1 i.V.m Art. 2 Abs. 1 Bst. c ÖBG3 können Verfügungen von Unternehmen
im Sektor Energieversorgung, welche vom Kanton mehrheitlich beherrscht werden, mit
Beschwerde bei der in der Sache zuständigen Direktion des Regierungsrates angefochten
werden. Die BVE ist zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig, da die
angefochtene Zuschlagsverfügung von der BKW als vom Kanton mehrheitlich beherrschtes
Sektorunternehmen erlassen wurde. Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene
Verfügung beschwert und somit unbestritten zur Beschwerde befugt. Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Begründung der Zuschlagsverfügung
Die Beschwerdeführerin rügt, aus der Zuschlagsverfügung sei nicht ersichtlich, wie das
wirtschaftlich günstigste Angebot bestimmt worden sei. Sie macht somit sinngemäss
geltend, die Zuschlagsverfügung sei ungenügend begründet.
Nach Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG4 muss eine Verfügung die Tatsachen, Rechtssätze und
Gründe, auf die sie sich stützt, aufführen, dass heisst, sie muss hinreichend begründet
sein. „Die Begründung eines Verwaltungsakts muss so abgefasst sein, dass die
Betroffenen ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten können. Das ist nur möglich, wenn
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 155.221.191) 3 Gesetz vom 11. Juni 2002 über das öffentliche Beschaffungswesen (ÖBG; BSG 731.2) 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
5
sich sowohl die Betroffenen als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des
Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die
Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die
sich ihr Entscheid stützt.“5
Aus den Vorakten ergibt sich, dass der Preis bzw. die Wirtschaftlichkeit lediglich eines von
vier Zuschlagskriterium bildete (vgl. Erwägung 4). Die Zuschlagsverfügung der BKW weist
bei den hier strittigen Positionen 3.3.5, 3.3.6 und 3.3.7 nur auf den von den Anbietenden
offerierten maximalen und minimalen Stückpreis sowie auf den von der
Beschwerdegegnerin offerierten Stückpreis hin. Aus der Verfügung geht nicht hervor, wie
die anderen Kriterien (Spezifikationen, Betrieb und Instandhaltung, Anbieter) bewertet
wurden. Im Übrigen fehlt eine Gesamtbewertung sämtlicher Zuschlagskriterien
(Bewertungsmatrix). Die Begründung der angefochtenen Verfügung ist somit unvollständig
und vermag den von der Praxis verlangten Anforderungen nicht zu genügen. Durch die
mangelhafte Begründung ist der Beschwerdeführerin jedoch kein Nachteil erwachsen, so
dass der Mangel im Beschwerdeverfahren vor der BVE geheilt wurde.
3. Streitgegenstand
Die vorliegende Beschwerde richtet sich einzig gegen den Zuschlag über die Positionen
3.3.5 (Gewerbe/Industriezähler HS-Wandlermessung), 3.3.6 (Gewerbe/Industriezähler HS-
Wandlermessung mit Lastprofilspeicher) und 3.3.7 (Rundsteuerempfänger). Der Zuschlag
über die übrigen Positionen ist dagegen unbestritten und in Rechtskraft erwachsen. Im
vorliegenden Fall ist insbesondere die Bewertung der drei Zuschlagskriterien „Preis/Wirt-
schaftlichkeit“, „Spezifikationen“ und „Betrieb/Instandhaltung“ strittig. Die Bewertung des
vierten Zuschlagskriteriums „Anbieter“ hat die Beschwerdeführerin in ihrer Replik
nachträglich anerkannt. Da die BKW mit der Beschwerdegegnerin in der Zwischenzeit den
Vertrag über die hier in Frage stehenden Leistungen abgeschlossen hat, kann die BVE im
Fall einer Gutheissung der Beschwerde lediglich die Rechtswidrigkeit der angefochtenen
Verfügung feststellen.
4. Bewertung des Zuschlagskriteriums „Preis/Wirtschaftlichkeit“
5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 6 mit Hinweisen
6
a) Die Beschwerdeführerin rügt, die BKW habe das Zuschlagskriterium Preis/Wirtschaft-
lichkeit falsch bewertet. Die Produkte der Beschwerdegegnerin seien wesentlich teurer als
ihre technisch gleichwertigen Produkte. Den Zuschlag bei Position 3.3.5 habe das teuerste
Angebot der Beschwerdegegnerin erhalten, welches rund 123 % bzw. Fr. 41'920.00 über
ihrem Angebot liege. Bei Position 3.3.6 sei der Zuschlag ebenfalls dem teuersten Angebot
der Beschwerdegegnerin erteilt worden, welches etwa 89 % bzw. Fr. 131'495.00 über
ihrem Angebot liege. Auch bei Position 3.3.7 sei das Angebot der Beschwerdegegnerin
mehr als 25 % bzw. Fr. 115'500.00 teurer als ihr Angebot.
b) Die BKW führt zu dieser Rüge aus, bei der Bewertung von Preis und
Wirtschaftlichkeit seien zum einen der Materialpreis und zum andern die Zusatzkosten für
die Produkteeinführung und -schulung von neuen Produkten berücksichtigt worden. Die
angebotenen Produkte der Beschwerdegegnerin seien bei der BKW bereits eingeführt und
den Anwenderinnen und Anwendern bekannt. Zusatzkosten für die Produkteeinführung
und -schulung würden bei diesen Produkten daher wegfallen. Im Gegensatz dazu
bedingten die Produkte der Beschwerdeführerin eine Einführung und Schulung bei den
Mitarbeitenden der BKW. Die Zusatzkosten seien anhand der belegbaren Kosten für die
Einführung der im Vorjahr neu beschafften Produkte einer anderen Firma berechnet
worden. Die Kosten für die Einführung von zwei neuen Zählern hätten dabei rund Fr.
90'000 bzw. umgerechnet auf einen Zähler Fr. 817.50 betragen. Gestützt auf diese
Erfahrungswerte seien für die Einführung Kosten in der Höhe von Fr. 60'000 veranschlagt
worden. Diese Zusatzkosten seien innerhalb eines Jahres zu amortisieren, da der
Zuschlag nur die Beschaffung einer Jahrestranche mit einer geringen Stückzahl für die
Zählertypen gemäss Position 3.3.5 (100 Stück) und Position 3.3.6 (250 Stück) umfasste.
Umgerechnet auf die Stückzahlen würden sich somit für die Positionen 3.3.5 und 3.3.6 pro
Zähler Kosten von Fr. 600 bzw. Fr. 240 ergeben. Um die verschiedenen Offerten bezüglich
Preis und Wirtschaftlichkeit miteinander vergleichen zu können, hätten die Zusatzkosten für
die Produkteeinführung und -schulung mitberücksichtigt werden müssen. Die Bewertung
sei auf der Basis von vergleichbaren Preisen erfolgt und aufgrund der detaillierten
Auswertung in allen Teilen nachvollziehbar.
c) Nach Art. 30 Abs. 1 ÖBV6 erhält das wirtschaftlich günstigste Angebot den Zuschlag.
Als solches gilt dasjenige, das die Zuschlagskriterien am besten erfüllt. Die
6 Verordnung vom 16. Oktober 2002 über das öffentliche Beschaffungswesen (ÖBV; BSG 731.21)
7
Zuschlagskriterien sind in den Ausschreibungsunterlagen mit ihrer Gewichtung
aufzuführen. Wenn der Preis ein Zuschlagskriterium ist, muss zusätzlich die Regel bekannt
gegeben werden, wie der Preis bewertet wird (Art. 30 Abs. 2 ÖBV). „Die Notwendigkeit der
vorgängigen Bekanntgabe aller für die Zuschlagserteilung massgeblichen Gesichtspunkte,
also der einzelnen Zuschlagskriterien, der allfälligen Subkriterien und der Gewichtung aller
Kriterien im Lichte des Transparenzprinzips ist zwingend. Den Beschaffungsstellen
verbleibt dabei immer noch ein erheblicher Ermessensspielraum bei der Wahl der Kriterien
und ihrer Gewichtung sowie der Subsumtion der Sachverhalte unter die festgelegten
Kriterien. Die Anbieter haben einen Anspruch darauf, dass die Vergabebehörde wichtige
Einzelgesichtspunkte, die sie im Rahmen eines Zuschlagskriteriums zu berücksichtigen
gedenkt, explizit in Form von Subkriterien definiert und bekannt gibt. Die Spielregeln
müssen fairerweise zum Voraus bekannt gegeben werden, damit Missbrauch und
Manipulation bei der Zuschlagserteilung so weit wie möglich ausgeschaltet werden können.
Eine nachträgliche Änderung der Kriterien oder einer Gewichtung kann nur
ausnahmsweise und unter Wahrung der Transparenz in Frage kommen“7.
d) Die Zuschlagskriterien mit ihrer prozentualen Gewichtung und ihren Unterkriterien
wurden in den Ausschreibungsunterlagen wie folgt festgelegt8:
Hauptkriterium Gewichtung Unterkriterien
Preis/Wirtschaftlichkeit 40 % Angebotspreis, notwendige Zusatzausrüstungen
Spezifikationen 30 % siehe Spezifikationen Kapitel 3.3
Betrieb / Instandhaltung 20 % Bewertung der Anwender
Anbieter 10 % Eigenangaben, Referenzen, Lieferbedingungen
7 Peter Galli/André Moser/Elisabeth Lang, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts. Schulthess 2003, N. 445 8 vgl. Ziffer 1.7 der Ausschreibungsunterlagen, Beilage 1 zur Stellungnahme der BKW vom 27. Februar 2006
8
Für jedes Hauptkriterium wurden maximal 100 Punkte vergeben. Das am besten bewertete
Angebot pro Hauptkriterium erhielt 100 Punkte, die übrigen Angebote erhielten ihrer
Bewertung entsprechend linear weniger Punkte. Dies hatte zur Folge, dass beim
Hauptkriterium Preis das günstigste Angebot mit 100 Punkten bewertet wurde. Die Punkte
der teureren Angebote wurden nach folgender Formel berechnet: Punktzahl = günstigstes
Angebot / teureres Angebot x 100. Das Angebot mit der höchsten Gesamtpunktzahl aller
vier Zuschlagskriterien erhielt den Zuschlag. In den Ausschreibungsunterlagen hat die
BKW beim Zuschlagskriterium „Preis/Wirtschaftlichkeit“ die beiden Subkriterien „Preis“ und
„notwendige Zusatzausrüstungen“ aufgeführt. Bei der Bewertung der Angebote hat sie
dagegen neben dem Materialpreis die Subkriterien „Lieferantenwechsel/Umschulung“ und
„Zusatzkosten Montage“ berücksichtigt9. Zwischen der Ausschreibung und der Bewertung
besteht somit eine inhaltliche Diskrepanz. Währenddem unter dem Subkriterium Preis
offensichtlich der Materialpreis der offerierten Zähler bzw. Rundsteuerempfänger zu
verstehen ist, wird die Bedeutung des Subkriteriums „notwendige Zusatzausrüstungen“ in
den Ausschreibungsunterlagen nicht näher definiert. Unter einer Ausrüstung sind gemäss
Duden alle Geräte zu verstehen, die man zu einem bestimmten Zweck braucht10. Die
Zusatzkosten für die Produkteeinführung und -schulung stellen keine Geräte dar. Diesem
Kriterium kam im Beschaffungsverfahren aufgrund der Höhe der Zusatzkosten aber
offensichtlich eine grosse Bedeutung zu. Die BKW hätte das Kriterium der Zusatzkosten
daher als Unterkriterium des Zuschlagskriteriums „Preis/Wirtschaftlichkeit“ in der
Ausschreibung bzw. in den Ausschreibungsunterlagen aufführen müssen. Sie hat dies
unterlassen und somit das Transparenzgebot verletzt. An diesem Ergebnis ändert die
Argumentation der Vorinstanz, dass die bei einer Produkteeinführung zu
berücksichtigenden Kosten einen anerkannten wirtschaftlichen Faktor darstellten, nichts.
e) Zusammenfassend folgt, dass die Vorinstanz das Beschaffungsrecht insoweit verletzt
hat, als sie es versäumte, die Zusatzkosten für die Produkteeinführung und -schulung als
Unterkriterium des Zuschlagskriteriums „Preis/Wirtschaftlichkeit“ explizit in der
Ausschreibung bzw. in den Ausschreibungsunterlagen aufzuführen.
9 vgl. Beilage 4 zur Stellungnahme der BKW vom 27. Februar 2006 10 Duden Band 10, Das Bedeutungswörterbuch, Dudenverlag, Mannheim 1985, S. 100
9
5. Spezifikationen, Betrieb, Instandhaltung
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihre angebotenen Produkte erfüllten
sämtliche massgebenden nationalen und internationalen Normen und Standards und damit
die geforderten Spezifikationen vollumfänglich. Die fraglichen Produkte hätten sich in der
Schweiz und im Ausland seit Jahren bestens bewährt und stünden erfolgreich im Einsatz.
Es sei zwar nachvollziehbar, dass beim Kriterium „Betrieb/Instandhaltung“ der Vorlieferant
einen gewissen Vorteil habe. Der Unterschied können jedoch nicht so gross sein, dass der
Preisunterschied damit kompensiert werde.
b) Den Beschaffungsstellen kommt bei der Beurteilung und Bewertung der Angebote
wie bei der Festlegung der Zuschlagskriterien, deren Gewichtung und den anzuwendenden
Bewertungsmethoden ein erheblicher Ermessensspielraum zu, in den die
Rechtsmittelinstanz nicht eingreift, es sei denn, dieser werde überschritten oder
missbraucht. Besondere Zurückhaltung ist namentlich dann angezeigt, wenn ein
Zuschlagskriterium in Frage steht, das die Beschaffungsstelle aufgrund ihrer Vertrautheit
mit einer technischen Materie am ehesten zu beurteilen vermag11. Die Bewertung der
Angebote muss in sachlich haltbarer und nachvollziehbarer Weise erfolgen; sie muss die
nachgefragte Leistung und den Preis widerspiegeln. Die Bewertungsmethode darf nicht zu
Ergebnissen führen, welche die bekannt gegebene Gewichtung der Zuschlagskriterien
verwischt oder gar umkehrt12.
c) Die Ausschreibungsunterlagen sahen für die Produkte der Anbietenden bestimmte
Spezifikationen vor13. Die Gewerbe-Industriezähler (Positionen 3.3.5 und 3.3.6) mussten
unter anderem bei den Leistungstarifen ein gleitendes 60-Minuten-Maximum vorsehen. Die
Schnittstellen hatten zudem kaskadierbar zu sein und ein externes Modem bzw. einen
sogenannten M-Bus-Betrieb zu gewährleisten. Ausserdem mussten die Zähler eine
Leistungsanzeige und bestimmte Klemmenanschlüsse vorsehen14. Die
Rundsteuerempfänger (Position 3.3.7) mussten steckbare Relais und eine minimale
Stromleistung von 10 Ampere (A) aufweisen.
11 VGE 21040 vom 4.5.2001 i.S. M. AG, E. 4b 12 Elisabeth Lang, Eignungs- und Zuschlagskriterien, Skript Vergabetagung Zürich, S. 7 13 vgl. Beilage 1 zur Stellungnahme der BKW vom 27. Februar 2006, S. 10-22 14 vgl. Stellungnahme der BKW vom 27. Februar 2006, Ziffer 5 und 7
10
Bei den Positionen 3.3.5 und 3.3.6 erreichten die offerierten Zählertypen der
Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin bei den technischen Spezifikationen
nahezu die gleiche Punktzahl15. Das Produkt der Beschwerdeführerin wurde bei der
Position 3.3.5 mit 29.1 Punkten bewertet, dasjenige der Beschwerdegegnerin mit 29.3
Punkten. Die geringfügige Differenz erklärt sich dadurch, dass das Produkt der
Beschwerdeführerin bei den Schnittstellen die vorgegebenen technischen Anforderungen
nicht vollumfänglich zu erfüllen vermochte. Bei der Position 3.3.6 wurde das Produkt der
Beschwerdeführerin mit 29.1 Punkten, dasjenige der Beschwerdegegnerin mit 30.0
Punkten bewertet. Auch bei dieser Position genügte das Produkt der Beschwerdeführerin
den Anforderungen bezüglich der Schnittstellen nicht vollständig. Ausserdem erfüllte es die
Voraussetzungen bei den steuerbaren Energietarifen wegen fehlendem gleitendem 60-
Minuten-Maximum nicht in gleichem Mass wie das Produkt der Beschwerdegegnerin16. Im
Übrigen mussten bei den Positionen 3.3.5 und 3.3.6 Abzüge wegen fehlender optischer
Leistungsanzeige und mangelhafter Anschlussklemmen gemacht werden. Bei der Position
3.3.7 wurde das Produkt der Beschwerdeführerin schlechter bewertet, weil die steckbaren
Relais hinsichtlich der Qualität und der Dauerfestigkeit sowie des Schaltstroms den in den
Ausschreibungsunterlagen verlangten Spezifikationen nicht vollumfänglich zu genügen
vermochten. Die Beschwerdeführerin legt weder in ihrer Beschwerde noch in ihrer Replik
genügend dar, weshalb die Abzüge bei den Spezifikationen zu Unrecht erfolgt sind. Die
unterschiedliche Bewertung der beiden Angebote bei den Kriterien „Spezifikationen“ und
„Betrieb/Unterhalt“ durch die BKW überzeugt und ist sachlich gerechtfertigt. Es besteht
daher kein Anlass, in den Ermessensspielraum der Vorinstanz einzugreifen.
d) Zusammenfassend folgt, dass die Bewertung der Angebote bei den Kriterien
„Spezifikationen“ und „Betrieb/Unterhalt“ durch die BKW nicht zu beanstanden ist. Die
Beschwerdeführerin macht keine konkreten Gründe geltend, weshalb die Vorinstanz ihren
Ermessensspielraum bei der Bewertung überschritten oder missbraucht hätte. Es sind
auch sonst keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche diesen Schluss zulassen würden. Die
Beschwerde ist daher in diesem Punkt unbegründet.
6. Zusammenfassung
15 vgl. Beilage 4 zur Stellungnahme der BKW vom 27. Februar 2006 16 vgl. Beilage 5 zur Stellungnahme der BKW vom 27. Februar 2006, Bewertung der Spezifikationen
11
Aus diesen Erwägungen folgt zusammenfassend, dass die Vorinstanz das
Beschaffungsrecht insoweit verletzt hat, als sie es unterlassen hat, die Zusatzkosten für die
Produkteeinführung und -schulung als Unterkriterium des Zuschlagskriteriums
„Preis/Wirtschaftlichkeit“ explizit in der Ausschreibung bzw. in den
Ausschreibungsunterlagen aufzuführen. Die Bewertung der Angebote bei den Kriterien
„Spezifikationen“ und „Betrieb/Unterhalt“ durch die BKW erfolgte dagegen korrekt. Die
Beschwerde wird insoweit gutgeheissen, als festgestellt wird, dass die Zuschlagsverfügung
der BKW rechtswidrig ist.
7. Kosten
Bei diesem Verfahrensausgang sind die oberinstanzlichen Verfahrenskosten, bestehend
aus einer Pauschalgebühr von Fr. 1'400.00, der unterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Parteikosten sind keine zu sprechen.