Decision ID: 85db5db0-907d-4e75-a4ba-c482a062cdab
Year: 2015
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Verfügungen vom 25. September 2014 wurde die Pflichtige zur Zahlung einer Nach-
steuer betr. Staatssteuer 2004 und 2006 bis 2011 in Höhe von Fr. 21‘743.20 sowie zur direkten
Bundessteuer 2004 und 2006 bis 2011 in Höhe von Fr. 3‘385.60 veranlagt.
2. Mit Schreiben vom 13. November 2014 stellte die Vertreterin ein Gesuch um Teilerlass
der Steuern mit Stundung (bis auf weiteres) der Verfügungen der Nachsteuern zur Staats- und
Gemeindesteuer sowie direkte Bundessteuer 2004 und 2006 bis 2011. Zur Begründung führte
sie aus, die B._ Versicherung habe der Pflichtigen infolge eines Unfalles vom 27. Januar
1998 eine Invalidenrente von Fr. 1‘619.-- ab dem 1. Januar 2004 resp. Fr. 1‘633.60 ab dem 1.
Januar 2005 zugesprochen. Aufgrund einer im Jahre 2013 durchgeführten Revision des Ren-
tenverhältnisses seien die Zahlungen per 31. Dezember 2013 eingestellt worden. Seither hinter-
lasse die Bestreitung des Lebensunterhalts der Pflichtigen ein monatliches Manko. Nach Durch-
lauf des Einspracheverfahrens sei am 4. Juli 2014 Klage beim Fürstlichen Landgericht C._
eingereicht worden. Von der früher erhaltenen Entschädigung für künftigen Erwerbsausfall und
Haushaltführungsschaden sei per 1. Januar 2014 ein Saldo von Fr. 100‘000.-- vorhanden ge-
wesen. Per 26. September 2014 betrage das Vermögen Fr. 64‘885.--. Da die Pflichtige gesund-
heitlich nicht in der Lage sei, mehr als 60% zu arbeiten, könne die Steuerschuld aus den Nach-
steuerverfügungen nicht aus ihrem Einkommen getilgt werden. Das noch vorhandene Vermö-
gen ermögliche die Deckung des monatlichen Defizits und der ausserordentlichen Kosten der
Rechtsstreitigkeit.
3. Mit Entscheid vom 9. Dezember 2014 wies die Taxations- und Erlasskommission das Er-
lassgesuch ab. Zur Begründung führte sie aus, bei der Beurteilung eines Steuererlassgesuchs
werde grundsätzlich die aktuelle finanzielle Situation des Pflichtigen betrachtet. Auf der Ausga-
benseite werde die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums als Richtgrösse
herangezogen. Neben dem Einkommen sei aber auch allfällig vorhandenes Vermögen zu be-
rücksichtigen. Gemäss den eingereichten Unterlagen habe die Pflichtige per 26. September
2014 und somit zum Zeitpunkt der Fälligkeit der vom Erlassgesuch betroffenen Steuerforderun-
gen über ein Kapitalvermögen in der Höhe von insgesamt Fr. 64‘885.-- verfügt. Eine Beglei-
chung sei somit möglich gewesen.
Seite 3
4. Mit Schreiben vom 8. Januar 2015 erhob die Vertreterin Rekurs gegen diesen Entscheid
mit dem Begehren, die Nachsteuern zur Staats- und Gemeindesteuer 2004 und 2006 bis 2011
und direkte Bundesteuer 2004 und 2006 bis 2011 seien bis zur Urteilsverkündung des Fürstli-
chen Landgerichts C._ zu stunden. Im Falle eines negativen Gerichtsurteils seien die Nach-
steuern zu erlassen. Zur Stundung führte sie aus, die Pflichtige sei auf das noch vorhandene
Vermögen von Fr. 52‘000.-- angewiesen, um die offenen Steuern der Jahre 2012 bis 2014 und
das monatliche Einkommensmanko von Fr. 1‘000.-- bis zur Urteilsverkündung decken zu kön-
nen. Das monatliche Defizit könne, ohne Stundung, bis maximal Mitte Juli gedeckt werden. Soll-
ten jedoch weitere Kostenvorschüsse für den Anwalt oder das Gericht anfallen, so könne die
Pflichtige ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Zum Erlass führte sie aus, bei einem
negativen Gerichtsurteil werde die Pflichtige auf das übrig gebliebene Vermögen angewiesen
sein, um eine Lösung für die künftige Finanzierung ihres Lebensunterhalts aus Einkommen an-
streben zu können. Bei einem positiven Gerichtsurteil werde sie rückwirkend die Invalidenren-
ten und die geleisteten Kostenvorschüsse an Anwalt und Gericht zurückerstattet bekommen
und die Nachsteuern 2004 und 2006 bis 2011 würden sofort getilgt. Die Pflichtige sei um Kos-
tensenkung bemüht. Ein Wohnungsumzug habe bereits stattgefunden, wobei sie versuche eine
zusätzliche Teilzeitstelle von 10% zu finden und sich für 60%-Stellen bewerbe. Weitere Schul-
den seien nicht vorhanden.
5. Mit Vernehmlassung vom 5. Februar 2015 beantragte die Steuerverwaltung die Abwei-
sung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, für die Beurteilung eines Erlassgesuches
seien die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Behandlung des Gesuchs aus-
schlaggebend, wobei auch der zukünftigen Entwicklung Rechnung getragen werden müsse.
Sodann werde geprüft, ob Einschränkungen in der Lebenshaltung geboten und zumutbar er-
scheinen würden. Verfüge der Gesuchsteller über die Steuerforderung übersteigendes Vermö-
gen, entfalle in der Regel ein Erlass. Im vorliegenden Fall sei noch genügend Vermögen im Um-
fang von über Fr. 60‘000.-- vorhanden, um die ausstehenden Steuern bezahlen zu können. Vor-
liegend müsse auch der Umstand berücksichtigt werden, dass die ausstehenden Steuern sich
aus einem Nach- und Strafsteuerverfahren ergeben hätten. Die Bezahlung der ordentlichen
Steuern hätte bei der Hinterziehung ohne weiteres vorgenommen werden können. Die straflose
Selbstanzeige werde zudem nur unter bestimmten, kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen
gewährt, u.a. wenn die steuerpflichtige Person sich ernsthaft um die Bezahlung der Nachsteuer
bemühe. Dies könne im vorliegenden Fall hinterfragt werden, wenn bei aktueller Betrachtung
Seite 4
die Bezahlung der Nachsteuern objektiv möglich sei. Damit könne auch die nachträgliche Erhe-
bung einer Busse zum Thema werden.
6. a) An der Verhandlung des Steuergerichts vom 8. Mai 2015 wurde der Fall mangels
Nachvollziehbarkeit der Vermögensentwicklung, des derzeitigen Vermögensstandes sowie der
aktuellen Einkommenssituation der Rekurrentin ausgestellt. Die Rekurrentin wurde aufgefordert
dem Steuergericht Unterlagen zur Ermittlung ihres Existenzminimums sowie allfällige weitere
Auslagen, Unterlagen über die Vermögensentwicklung seit dem 1. Januar 2015 sowie Unterla-
gen betreffend die seit dem 1. Oktober 2014 bezahlten ausserordentlichen Auslagen, insbeson-
dere Anwaltskosten, Prozesskosten und Expertisekosten, einzureichen. Im Weiteren wurde der
Rekurrentin empfohlen, eine Akontozahlung über Fr. 15‘000.-- betr. die Nachsteuern zur Staats-
und Gemeindesteuer sowie direkte Bundessteuer 2004 und 2006 bis 2011 vorzunehmen.
b) Mit Eingabe vom 28. Mai 2015 reichte die Vertreterin die geforderten Unterlagen
ein.
c) Mit Datum vom 18. Juni 2015 verzichtete die Steuerverwaltung auf die Abgabe
einer allfälligen zweiten Vernehmlassung.
7. An der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
Das Steuergericht zieht in Erwägung :
1. a) Im Zuge der Anpassung des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern
(Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 an die harmonisierungsrechtlichen Vorgaben des Bundes,
wurde losgelöst von der Steuerharmonisierung, der Steuererlass im Rahmen einer verwal-
tungsorganisatorischen Änderung in die Taxationskommission integriert (vgl. Bericht der Fi-
nanzkommission an den Landrat vom 7. März 2013). Bis zum Inkrafttreten der Gesetzesände-
rung am 1. Januar 2014, fiel diese Aufgabe nach § 139b Abs. 2 StG der Finanz- und Kirchendi-
Seite 5
rektion zu. Beschwerdeinstanz war nach § 29 Abs. 1 lit. d des Verwaltungsverfahrensgesetzes
(VwVG) vom 13. Juni 1988 bis zu diesem Zeitpunkt der Regierungsrat.
b) Bis zu einem Umfang von weniger als Fr. 25‘000.-- pro Steuerjahr entscheidet
gemäss Art. 4 Abs. 2 der Verordnung des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) über die
Behandlung von Erlassgesuchen für die direkte Bundessteuer vom 19. Dezember 1994 (Steu-
ererlassverordnung) die kantonale Erlassbehörde über Gesuche um Erlass der direkten Bun-
dessteuer. Über Gesuche, die im Umfang darüber hinausgehen, befindet die Eidgenössische
Erlasskommission (Art. 4 Abs. 1 Steuererlassverordnung).
Nach Art. 6 der Steuererlassverordnung i.V.m. § 4 der Vollzugsverordnung zum
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer vom 13. Dezember 1994 (Vollzugsverordnung)
i.V.m. § 139b Abs. 2 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz) vom
7. Februar 1974 (StG), entscheidet nun im Kanton Basel-Landschaft die kantonale Taxations-
und Erlasskommission über Erlassgesuche. Betreffend § 4 der Vollzugsverordnung ist zu er-
wähnen, dass die Bestimmungen des kantonalen Rechts, soweit bislang eine Anpassung im
Wortlaut noch nicht vorgenommen worden ist, ohne weiteres auch im Hinblick auf die Organisa-
tion sowie das Verfahren der Taxations- und Erlasskommission zu gelten haben.
c) Das Steuergericht ist gemäss § 139b Abs. 2 StG zur Beurteilung des vorliegen-
den Rekurses zuständig. Im Übrigen gelten die Bestimmungen gemäss den §§ 124 - 132 StG.
Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegen-
den Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und Rich-
tern des Steuergerichts beurteilt.
Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden Anforderungen erfüllt
sind, ist ohne weitere Ausführungen darauf einzutreten.
2. Zu beurteilen ist demnach, ob die Taxations- und Erlasskommission das Gesuch um
Erlass der Nachsteuern zur Staatssteuer 2004 und 2006 bis 2011 in Höhe von Fr. 21‘743.20
sowie zur direkten Bundessteuer 2004 und 2006 bis 2011 in Höhe von Fr. 3‘385.60 zu Recht
abgewiesen hat.
3. a) Gemäss Art. 167 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer
(DBG) vom 14. Dezember 1990 können steuerpflichtigen Personen, für die infolge einer Not-
Seite 6
lage die Bezahlung der Steuer, eines Zinses oder einer Busse wegen Übertretung eine grosse
Härte bedeuten würde, die geschuldeten Beträge ganz oder teilweise erlassen werden. Ein ent-
sprechendes Gesuch ist nach Art. 167 Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 8 der Steuererlassverordnung bei
der zuständigen kantonalen Verwaltung für die direkte Bundessteuer einzureichen.
Entsprechend bestimmt § 139b Abs. 1 StG, dass steuerpflichtigen Personen, für
die infolge einer Notlage die Bezahlung der Steuern, Zinsen, Bussen und Gebühren eine grosse
Härte bedeuten würde, die geschuldeten Beträge ganz oder teilweise erlassen werden können.
Über ein entsprechendes Gesuch entscheidet die Taxations- und Erlasskommission nach An-
hörung des zuständigen Gemeinderates (§ 139b Abs. 2 StG). Ein Erlass oder Teilerlass der
Staatssteuer hat auch die entsprechende Herabsetzung der Gemeindesteuer zur Folge (§ 139b
Abs. 3 StG).
b) Seinem Wesen nach bedeutet Steuererlass den nachträglichen, endgültigen
Verzicht des Gemeinwesens auf einen ihm zustehenden steuerrechtlichen Anspruch, mit wel-
chem das öffentliche Vermögen verringert wird. Ein solcher erfolgt letztlich jeweils mit Rücksicht
auf die "Person" der Steuerschuldnerin oder des Steuerschuldners, welche bzw. welcher aus
humanitären, sozialpolitischen oder volkswirtschaftlichen Gründen nicht in ihrer bzw. seiner
wirtschaftlichen Existenz gefährdet werden soll. Daneben kann ein Erlass der Steuern auch im
Rahmen einer Unternehmenssanierung in Betracht fallen (Blumenstein/Locher, System des
schweizerischen Steuerrechts, 6. A., Zürich 2002, S. 346 f.). Der Steuererlass hat indessen
infolge der verfassungsrechtlichen Grundsätze der Allgemeinheit und Gleichmässigkeit der Be-
steuerung sowie der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (Art. 127 Abs. 2
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV]) die
seltene Ausnahme zu bleiben, welche nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen gewährt
wird. Eine grosszügigere Erlasspraxis würde nämlich diejenigen Steuerpflichtigen be-
nachteiligen, die ihre Leistungen trotz spürbarer finanzieller Belastung jeweils anstandslos er-
bringen (vgl. Beusch, in: Zweifel/Athanas [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht
I/2b, 2. A., Basel 2008, Art. 167 DBG N 6; ebenso die konstante Praxis des ehemaligen Verwal-
tungsgerichts [heute Kantonsgericht] des Kantons Basel-Landschaft, zuletzt: Entscheidungen
des Verwaltungsgerichts [VGE] i.S. S.R. vom 15. Februar 1995, E. 1a zu § 142 Abs. 1 des
früheren Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern und den Finanzausgleich [aStG] vom
7. Februar 1974). Anstelle eines Erlasses der Steuern ist denn jeweils auch die Möglichkeit ei-
ner Stundung oder anderer Zahlungserleichterungen vorgesehen (Art. 166 DBG i.V.m. Art. 23
Abs. 2 Steuererlassverordnung; § 139a StG; vgl. Urteil des Kantonsgerichts Abteilung Verfas-
sungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 7. August 2013, 810 13 114 / 810 13 124 E. 4.2.1).
Seite 7
c) Der Entscheid über einen Steuererlass stellt nach allgemeiner Auffassung in Leh-
re und Rechtsprechung weitgehend einen Ermessensentscheid dar (Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., Zürich 2013, § 183 N 5, Basel-
landschaftliche Verwaltungsgerichtsentscheide [BLVGE] 1982, S. 39 und 1983/84, S. 63). Ent-
sprechend gewähren sowohl Art. 167 Abs. 1 DBG als auch § 139b Abs. 1 StG den zuständigen
Erlassbehörden - neben der Verwendung der unbestimmten Rechtsbegriffe der "Notlage" bzw.
der "grossen Härte" - durch die Verwendung von "Kann"-Formulierungen einen gewissen Ent-
scheidungsspielraum. Die Erlassbehörden sind in ihrer Entscheidung indessen nicht völlig frei.
Vielmehr haben sie von dem ihnen eingeräumten Ermessen pflichtgemäss und nach einheitli-
chen Kriterien Gebrauch zu machen, d.h. der Entscheid muss nicht nur angemessen, sondern
auch rechtmässig sein. Die Behörden sind bei ihrem Entscheid mithin an die Verfassung ge-
bunden und müssen insbesondere das Rechtsgleichheitsgebot (Art. 8 BV), das Verhältnismäs-
sigkeitsprinzip und die Pflicht zur Wahrung der öffentlichen Interessen befolgen. Zudem sind bei
Ermessensentscheiden auch Sinn und Zweck der gesetzlichen Ordnung zu beachten (vgl. Hä-
felin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. A., Zürich 2010, N 441; vgl. KGE VV
vom 7. August 2013, 810 13 114 / 810 13 124, E. 4.2.2 a.a.O.).
d) Im Recht der direkten Bundessteuer besteht, sofern die gesetzlichen Vorausset-
zungen erfüllt sind, ein eigentlicher öffentlichrechtlicher Anspruch auf Gewährung des Steuer-
erlasses (vgl. ausdrücklich Art. 2 Abs. 1 Steuererlassverordnung). Die in Art. 167 Abs. 1 DBG
verwendete "Kann"-Formulierung bringt demnach lediglich zum Ausdruck, dass die zuständige
Behörde bei der Beurteilung, ob die gesetzlich statuierten Erlassvoraussetzungen vorliegen,
über ein gewisses Ermessen verfügt (Beusch, a.a.O., Art. 167 DBG N 8; Blumenstein/Locher,
a.a.O., S. 348). Im kantonalen Recht besteht ein solcher Rechtsanspruch dagegen nur dann,
wenn die kantonalen Steuergesetze genau umschreiben, unter welchen Voraussetzungen der
gesuchstellenden Person der Erlass der Steuern zu gewähren ist. Umschreiben die kantonalen
Steuergesetze - wie vorliegend § 139b Abs. 1 StG - die Erlassvoraussetzungen lediglich offen
und unbestimmt, verneint die bundesgerichtliche Rechtsprechung einen Anspruch auf Steuerer-
lass (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGE] 122 I 374 ff., E. 1; 112 Ia 94 f., E. 2c). Der basel-
landschaftliche Gesetzgeber gewährt der Erlassbehörde mithin ein Rechtsfolgeermessen; diese
ist bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen nicht verpflichtet, sondern lediglich ermäch-
tigt, die Steuern zu erlassen. Allerdings bedingt eine willkürfreie (vgl. Art. 9 BV) und pflichtge-
mässe Ermessensbetätigung, dass der Entscheid über ein Erlassbegehren nicht zu einer in
vergleichbaren Fällen geübten und gefestigten Praxis in Widerspruch stehen darf, es sei denn,
Seite 8
es lägen die Voraussetzungen für eine Praxisänderung vor. Die gesuchstellende Person hat
somit immerhin einen Anspruch auf rechtsgleiche Behandlung (vgl. Klöti-Weber/Siegrist/Weber,
Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, Bd. 2, 3. A., Muri-Bern 2009, § 230 N 3). Zum Ganzen
ist überdies auf die gefestigte Praxis des Kantonsgerichts zu verweisen (vgl. die Entscheide der
Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 25. Januar 2012, 810 11 310, E.
3; vom 27. November 2013, 810 13 188, E. 4 und vom 12. Februar 2014, 810 13 322, E. 4
[www.bl.ch/kantonsgericht]).
4. a) Materielle Voraussetzung des Steuererlasses ist in objektiver Hinsicht zunächst,
dass die Steuerveranlagung abgeschlossen ist und eine rechtskräftig veranlagte Steuer vor-
liegt. Erst wenn die genaue Höhe der geschuldeten Beträge im Veranlagungsverfahren festge-
setzt worden ist, kann im Rahmen des Erlassverfahrens auch über einen allfälligen Erlass der-
selben entschieden werden. Das Erlassverfahren ersetzt mithin weder das Rechtsmittelverfah-
ren noch soll damit die Revision rechtskräftiger Steuerveranlagungen bezweckt werden (vgl.
ausdrücklich Art. 1 Abs. 2 Steuererlassverordnung; Beusch, a.a.O., Art. 167 DBG N 7). Weiter
ist vorausgesetzt, dass die Steuer noch überhaupt nicht oder nur unter Vorbehalt bezahlt wor-
den ist. Wurde eine Steuer (vorbehaltlos) bezahlt, so ist die Steuerforderung durch Erfüllung
untergegangen und ein Erlass derselben naturgemäss nicht mehr möglich. Der betreffende
Steuerbetrag ist mithin nicht mehr "geschuldet" im Sinne von Art. 167 Abs. 1 DBG bzw. § 139b
Abs. 1 StG (vgl. im Zusammenhang mit der direkten Bundessteuer ausdrücklich Art. 7 Abs. 2
bzw. Abs. 3 lit. b Steuererlassverordnung).
b) In subjektiver Hinsicht wird die Gewährung des Steuererlasses sodann vom Vor-
liegen einer Notlage bzw. einer grossen Härte für die gesuchstellende Person abhängig ge-
macht (Art. 167 Abs. 1 DBG; § 139b Abs. 1 StG). Obschon die beiden subjektiven Vo-
raussetzungen der Notlage und der grossen Härte sowohl durch das DBG als auch durch das
StG jeweils einzeln genannt werden, lassen sie sich nicht scharf voneinander abgrenzen, son-
dern überschneiden sich weitgehend. Eine Notlage im Sinne von Art. 167 Abs. 1 DBG (vgl. im
Übrigen auch die Legaldefinition in Art. 9 Abs. 1 Steuererlassverordnung) liegt für das Recht der
direkten Bundessteuern vor, wenn der ganze geschuldete Betrag in einem Missverhältnis zur
finanziellen Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen Person steht. Bei natürlichen Personen ist
ein solches Missverhältnis insbesondere dann gegeben, wenn die Steuerschuld trotz Ein-
schränkung der Lebenshaltungskosten auf das Existenzminimum in absehbarer Zeit nicht voll-
umfänglich beglichen werden kann. Dabei ist ein Zeitraum von zwei bis drei Jahren als abseh-
Seite 9
bar zu betrachten (zum Zeitraum mit weiteren Hinweisen vgl. Entscheid des Bundesverwal-
tungsgericht [BVGE] vom 11. Juni 2009, Abteilung I, A-3663/2007, E. 4.2).
In jedem Fall liegt eine Notlage vor bei Einkommens- und Vermögenslosigkeit
oder wenn die öffentliche Hand für die Lebenshaltungskosten der steuerpflichtigen Person und
deren Familie aufkommen muss (Art. 9 Abs. 2 Steuererlassverordnung). Aus welchem Grund
die steuerpflichtige Person in eine solche Notlage geraten ist, ist für den Erlassentscheid grund-
sätzlich unerheblich (vgl. ausdrücklich Art. 2 Abs. 2 Steuererlassverordnung). Nicht berücksich-
tigt wird indessen eine selbstverschuldete Notlage, wie dies etwa bei einer freiwilligen
Entäusserung von Einkommensquellen oder Vermögenswerten der Fall ist (siehe Art. 12 Abs. 2
der Steuererlassverordnung). Anerkannte Ursachen für eine Notlage im Sinne der vorstehen-

den Erwägungen sind demnach vorwiegend ausserordentliche Umstände wie eine ausserge-
wöhnliche Belastung durch den Unterhalt der Familie, andauernde Arbeitslosigkeit oder Krank-
heit sowie Unglücksfälle etc. (vgl. auch die beispielhafte Aufzählung anerkannter Ursachen für
eine Notlage in Art. 10 Abs. 1 lit. a - d Steuererlassverordnung). Für die Voraussetzungen im
Hinblick auf einen Erlass der Staats- und Gemeindesteuern nach § 139b Abs. 1 StG kann
nichts anderes gelten. Dabei ist insbesondere darauf zu verweisen, dass nach der konstanten -
und auch heute noch massgebenden - Praxis des ehemaligen Verwaltungsgerichts hinsichtlich
der inhaltlich zu § 139b Abs. 1 StG analogen Bestimmung von § 142 Abs. 1 aStG eine Notlage
vorlag, wenn die steuerpflichtige Person nicht in der Lage war, mit dem zur Verfügung stehen-
den Einkommen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine unbillige Härte war sodann zu beja-
hen, wenn die Bezahlung des geschuldeten Betrags für den Schuldner ein Opfer bedeutet hät-
te, das in einem Missverhältnis zu seiner finanziellen Leistungsfähigkeit stand und ihm nicht
zugemutet werden konnte (vgl. zum Ganzen grundlegend BLVGE 1982, S. 39; VGE vom 15.
Februar 1995 [94/237], E. 2; bestätigt in KGE VV vom 10. November 2010, 810 10 306, E.
4.2.1).
c) Die Erlassbehörde berücksichtigt bei ihrer Einschätzung der subjektiven Erlass-
voraussetzungen die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse der steuerpflichtigen Person.
Massgebend ist dabei in erster Linie die Situation im Zeitpunkt des Entscheids, daneben auch
die Entwicklung seit der Veranlagung, auf die sich das Erlassbegehren bezieht, sowie die Aus-
sichten für die Zukunft (vgl. für die direkte Bundessteuer Art. 3 Abs. 1 Steuererlassverordnung).
Insbesondere prüft die Behörde, ob für die steuerpflichtige Person Einschränkungen in der Le-
benshaltung geboten und zumutbar sind oder gewesen wären. Einschränkungen gelten grund-
sätzlich als zumutbar, wenn die Auslagen die nach den Ansätzen für die Berechnung des be-
treibungsrechtlichen Existenzminimums (Art. 93 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung
Seite 10
und Konkurs [SchKG] vom 11. April 1889) sich ergebenden Lebenshaltungskosten übersteigen
(vgl. in Konkretisierung des DBG Art. 3 Abs. 2 Steuererlassverordnung; siehe ferner zur kon-
stanten Praxis des ehemaligen Verwaltungsgerichts grundlegend VGE i.S. W. G. vom 29. Feb-
ruar 1984; BLVGE 1988, S. 50). Berücksichtigt werden darf auch, ob der gesuchstellenden Per-
son die fristgerechte Bezahlung der Steuern im Zeitpunkt der Fälligkeit möglich gewesen wäre
(vgl. im Hinblick auf die direkte Bundessteuer Art. 3 Abs. 3 Steuererlassverordnung). Vorhan-
denes Vermögen schliesst einen Steuererlass nur aus, wenn und soweit eine Belastung oder
Verwertung desselben als zumutbar erscheint (vgl. in Konkretisierung des DBG Art. 11 Abs. 1
Steuererlassverordnung).
d) Der Steuererlass soll zu einer langfristigen und dauernden Sanierung der wirt-
schaftlichen Lage der steuerpflichtigen Person beitragen. Er hat dabei bestimmungsgemäss der
steuerpflichtigen Person selbst und nicht ihren Gläubigern zugute zu kommen (so für die direkte
Bundessteuer ausdrücklich Art. 10 Abs. 2 Steuererlassverordnung). Entsprechend wird ein
Steuererlass durch die Erlassbehörden regelmässig abgelehnt, wenn ein Konkurs oder ein
Nachlassvertrag des Steuerschuldners bevorsteht (vgl. Art. 14 Abs. 1 Steuererlassverordnung;
zur bisherigen ständigen Praxis der EEK Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA], Bd. 22
[1953/54], S. 352). Es kann nicht Aufgabe des Instituts des Steuererlasses sein, im Ergebnis
gleichsam eine Sicherheit für private Kredite zu leisten. Im Falle einer allseitigen Überschuldung
der um Steuererlass ersuchenden Person kann vom Staat mithin nicht ein Sonderopfer verlangt
werden, indem er einseitig auf seine Steuerforderung verzichtet. Von einem solchen Verzicht
der öffentlichen Hand würde nämlich nicht die steuerpflichtige Person selbst profitieren, son-
dern allein die übrigen Gläubiger, welche beim Zugriff auf das pfändbare Einkommen und Ver-
mögen einen Konkurrenten verlören. Unter solchen Umständen erscheint es daher mit Blick auf
den Zweck des Rechtsinstituts als sachlich vertretbar, von einem Steuererlass abzusehen oder
- entsprechend der konstanten Erlasspraxis im Kanton Basel-Landschaft (vgl. zuletzt VGE i.S.
S. R. vom 15. Februar 1995 [94/237], E. 4/a) - die ganze oder teilweise Gewährung eines sol-
chen von einem Sanierungskonzept abhängig zu machen, in dessen Rahmen sämtliche Gläu-
biger in gleichem Umfang wie die Steuerbehörden auf ihre Forderungen verzichten (vgl. zum
Ganzen BGE vom 9. Dezember 2004, 2P.307/2004, E. 3.2; ebenso bereits BGE vom 19. März
1981, in: ASA, Bd. 52 [1983/1984], S. 521 f., E. 5). Für den Erlass der direkten Bundessteuer
bestimmt Art. 10 Abs. 2 Steuererlassverordnung denn auch ausdrücklich, dass - im Sinne einer
Ausnahme zum Grundsatz von Art. 2 Abs. 2 Steuererlassverordnung, wonach es für den Er-
lassentscheid auf den Grund der Notlage nicht ankommt - der Bund auf seine gesetzlichen An-
sprüche zugunsten anderer Gläubiger nicht verzichten kann, soweit die Überschuldung der ge-
Seite 11
suchstellenden Person z.B. auf geschäftlichen Misserfolgen, Bürgschaftsverpflichtungen, hohen
Grundpfandschulden oder Kleinkreditschulden als Folge eines überhöhten Lebensstandards
beruht. Ein Erlass kann jedoch im selben prozentualen Umfang gewährt werden, wie andere
Gläubiger ganz oder teilweise auf ihre Forderungen verzichten. Dieser Gedanke der "Opfer-
symmetrie" liegt schliesslich auch der Regelung von Art. 10 Abs. 1 lit. d Steuererlassverordnung
zu Grunde. Aus Sinn und Zweck des Instituts des Steuererlasses folgt auch, dass durch die
Forderungsverzichte die Verschuldung der gesuchstellenden Person insgesamt auf ein tragba-
res Mass reduziert werden muss. Der Steuererlass stellt grundsätzlich ein einmaliges Entge-
genkommen dar, weshalb eine Wiederholung von Erlassverfahren in späteren Steuerperioden
vermieden werden soll (Klöti-Weber/Siegrist/Weber, a.a.O., § 230 N 10). Ohne eine solche
"Gesamtsanierung" mit Gleichbehandlung aller Gläubiger würde nämlich die zum Steuererlass
führende Situation nicht wirklich bereinigt, sodass nicht nur der Forderungsverzicht der öffentli-
chen Hand ein einseitiger wäre; mangels Beseitigung der Überschuldung müssten vielmehr
noch weitere Steuererlassgesuche entgegengenommen werden, was klarerweise dem Aus-
nahmecharakter des Rechtsinstituts zuwiderliefe (VGE i.S. S. R. vom 15. Februar 1995
[94/237], E. 4a). Zum Ganzen ist überdies auf die gefestigte Praxis des Kantonsgerichts zu
verweisen (vgl. dazu KGE VV vom 25. Januar 2012, 810 11 310, E. 4; vom 27. November 2013,
810 13 188, E. 5 und vom 12. Februar 2014, 810 13 322, E. 5 [www.bl.ch/kantonsgericht]).
5. In Bezug auf die objektiven Erlassvoraussetzungen ist vorliegend festzuhalten, dass
diese erfüllt sind. Die Verfügungen betreffend Nachsteuern zur Staats- und Gemeindesteuer für
das Steuerjahr 2004 und 2006 bis 2011 sowie diejenige betreffend Nachsteuern zur Direkten
Bundessteuer für das Steuerjahr 2004 und 2006 bis 2011 sind abgeschlossen und die entspre-
chenden Steuern wurden überdies rechtskräftig veranlagt. Zudem wurden die auf dieses Steu-
erjahr entfallenden Steuerschulden nicht bezahlt, sodass die betreffenden Ansprüche gegen-
über der Rekurrentin noch bestehen.
6. Zu prüfen bleiben die Erlassvoraussetzungen in subjektiver Hinsicht.
a) Die Taxations- und Erlasskommission geht davon aus, dass die Rekurrentin im
Zeitpunkt der Veranlagung der Nachsteuern grundsätzlich in der Lage gewesen wäre diese zu
bezahlen, da sie zum damaligen Zeitpunkt über ein Vermögen von Fr. 64‘885.-- verfügt habe.
Seite 12
Festzustellen ist, dass die Rekurrentin per 11. Mai 2015 eine Akontozahlung in
Höhe von Fr. 15‘000.-- vorgenommen hat und damit bereits einen beträchtlichen Teil ihrer
Steuerschulden bezahlt hat. Gemäss dem aktuellen Kontoauszug vom 9. September 2015 be-
treffend die Staatssteuer verbleibt danach ein Steuerausstand in Höhe von Fr. 7‘010.70 und
gemäss der Nachsteuerverfügung betreffend die Gemeindessteuern D._, E._ und
F._ ein solcher von Fr. 10‘444.10 sowie gemäss dem Kontoauszug vom 9. September 2015
betreffend die direkte Bundessteuer Fr. 1‘185.10. Insgesamt belaufen sich die Steuerschulden
somit auf Fr. 18‘639.90.
Im Weiteren ist festzustellen, dass die Rekurrentin gemäss den jüngst einge-
reichten Kontoauszügen über ein Vermögen von Fr. 14‘082.15 bei der G._bank H._ ver-
fügt. Hinsichtlich dieses Vermögens ist festzuhalten, dass das Vorhandensein von Vermögen
die Gewährung eines Erlasses nicht von vorneherein ausschliesst. Ein Steuererlass kann daher
gewährt werden, bevor die letzten Ersparnisse der gesuchstellenden Person aufgebraucht sind.
Handelt es sich beim Vermögen um einen unentbehrlichen Bestandteil der Altersvorsorge, kann
die Steuer ganz oder teilweise erlassen werden (vgl. BVGE vom 11. Juni 2009, A-3663/2007,
E.2.7.2).
b) Unbestritten ist, dass die Rekurrentin im Zeitpunkt des Entscheids über ein aus-
reichend grosses Vermögen verfügt hatte, um ihre Steuerschulden tilgen zu können. Die Rekur-
rentin unterliess hingegen die Bezahlung ihrer Steuerschulden. Die finanziellen Mittel seien auf-
grund des Wegfalls der Invalidenrente der B._ Versicherung zur Deckung der Lebenshal-
tungskosten, sowie zur Deckung der Kosten für laufende Prozesse (betreffend ihres Unfalls)
eingesetzt worden. Die Rekurrentin habe zudem bereits dafür gesorgt, dass ihre Lebenshal-
tungskosten reduziert werden könnten und sei in eine günstigere Wohnung umgezogen. Nicht
zum Vorwurf kann der Rekurrentin gemacht werden, dass sie einen grossen Teil ihres Vermö-
gens zur Deckung von Prozess- und Anwaltskosten verwendet hat um ihre Rechte hinsichtlich
der Unfallfolgen geltend zu machen. Die Führung dieser Prozesse führte in der Folge dazu,
dass die Rekurrentin ihre finanziellen Mittel nicht zur Tilgung ihrer Steuerschulden eingesetzt
hat und damit zu einer Verzögerung der Bezahlung der Steuerschulden. Dennoch sind das heu-
tige Vermögen sowie das heutige Einkommen und die Aussichten für die Zukunft massgebend.
Es ist somit zu untersuchen, ob es der Rekurrentin gelingen kann, die verbleibenden Nachsteu-
erschulden in absehbarer Zeit abzutragen.
Hierzu ist zunächst gemäss dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 11.
Juni 2009 festzuhalten, dass eine Steuernachforderung ihrer Rechtsnatur nach nicht (mehr) als
besonders geartete vom eigentlichen Steueranspruch verschiedene öffentlichrechtliche Forde-
Seite 13
rung gilt. Die Nachsteuer stellt keine Strafsanktion dar. Als Folge eines rein fiskalrechtlichen
Verfahrens bezweckt sie einzig die Nacherhebung der zu tief veranlagten Steuer. Insofern er-
folgt keine erneute Berücksichtigung des in einem Hinterziehungsverfahren festgestellte und
dort zur Strafsanktion führenden Verschuldens im Erlassverfahren. Für die allenfalls schuldhafte
Verletzung steuerrechtlicher Verhaltensnormen können Sanktionen wie z.B. Bussen ausge-
sprochen werden. Da der Erlass von Übertretungsstrafen im Bundesrecht eine singuläre Kons-
tellation darstellt, ist hingegen bei deren Beurteilung auch im hier zu prüfenden Fall (betreffend
Busse) eine strengere Praxis angezeigt (vgl. BVGE vom 11. Juni 2009, A-3663/2007,
E.3.1.2.3). Insofern ist festzuhalten dass hinsichtlich der Nachsteuer dieselben Massstäbe an-
zuwenden sind, wie bei der ordentlichen Steuer. Die Anwendung einer strengeren Praxis ist im
vorliegenden Fall auch mangels Erhebung einer Busse nicht angezeigt und würde sich im Hin-
blick auf die bereits erfolgte Akontozahlung in Höhe von Fr. 15‘000.-- auch gar nicht rechtferti-
gen, zeigte die Rekurrentin damit bereits deutlich ihren Willen ihre Steuerschulden ernsthaft
begleichen zu wollen. Entgegen der Ansicht der Steuerverwaltung fällt damit eine nachträgliche
Erhebung einer Busse klar ausser Betracht.
c) Hinsichtlich der Einkommenssituation der Rekurrentin ist festzuhalten, dass die
Rekurrentin bis zum 30. Juni 2015 zu 50% erwerbstätig war und es ihr erfreulicherweise ge-
lungen ist, per 1. Juli 2015 eine 80% Stelle anzutreten. Insofern ist festzustellen, dass die Aus-
sichten für die Zukunft als positiv zu betrachten sind und die Rekurrentin in der Lage ist, ihre
finanzielle Situation aus eigener Kraft zu verändern.
Das durchschnittliche Einkommen der Rekurrentin, welches als Grundlage für die
Berechnung des Existenzminimums dient, errechnet sich gemäss der Lohnabrechnung vom
August 2015 wie folgt (sämtliche Angaben in Fr.):
Bruttolohn (inkl. div. Zuschläge)
AHV-Beitrag
ALV-Beitrag
NBU-Beitrag
PK/BVG-Beitrag
Nettolohn
IV-Rente
Nettolohn inkl. IV-Rente
4‘383.45
- 225.75
- 48.20
- 37.90
- 378.30
3‘693.30
+ 461.00
4‘154.30
Demgemäss erzielt die Gesuchstellerin nach Abzug sämtlicher Sozialversiche-
rungsbeiträge monatlich einen Nettolohn inkl. IV-Rente von Fr. 4‘154.30. Hinzuzurechnen bleibt
Seite 14
der Anteil des 13. Monatslohns, für dessen Berechnung der Nettolohn ohne IV-Rente sowie
ohne Berücksichtigung des Abzugs für BVG-Beiträge massgebend ist, d.h.:
Bruttolohn (Monatslohn ohne Zuschläge)
Bruttolohn (Monatslohn ohne Zuschläge)
AHV-Beitrag
ALV-Beitrag
NBU-Beitrag
Nettolohn (exkl. Abzug BVG-Beitrag)
4‘332.00
- 223.55
- 47.75
- 37.90
4‘022.80
Um nun den Anteil des 13. Monatslohns zu errechnen, ist der Betrag von Fr.
4‘022.80 durch zwölf zu teilen:
Nettolohn (exkl. Abzug BVG-Beitrag)
geteilt durch zwölf
Anteil 13. Monatslohn
4‘022.80
: 12
335.20
Die Summe des Nettolohns inkl. IV-Rente von monatlich Fr. 4‘154.30 und des so errechneten
Anteils des 13. Monatslohns ergibt schliesslich das massgebende durchschnittliche Einkom-
men:
Nettolohn (inkl. Abzug BVG-Beitrag sowie IV-Rente)
Anteil 13. Monatslohn
durchschnittliches Einkommen
4‘154.30
+ 335.20
4‘489.50
Demzufolge ist bei der Beurteilung der subjektiven Erlassvoraussetzungen von einem durch-
schnittlichen Einkommen der Pflichtigen von monatlich Fr. 4‘489.50 (inkl. Anteil 13. Monatslohn)
auszugehen.
b) Demgegenüber errechnet sich der monatliche Grundbedarf gestützt auf die
Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums (Notbedarf) nach
Art. 93 SchKG vom 1. Juli 2009 der Konferenz der Betreibungs- und Konkursbeamten der
Schweiz (Richtlinien) und den ins Recht gelegten Unterlagen wie folgt:
Grundbetrag für Alleinstehende
Miete
Krankenkassenprämie gemäss KVG
Fahrtauslagen (U-Abo)
1‘200.00
1‘000.00
459.70
41.65
Seite 15
Unvorhergesehene Ausgaben
Laufende Steuern
200.00
350.00
3‘251.35
c) Aus der Gegenüberstellung des Grundbedarfs mit dem unter Ziffer 6a errechne-
ten durchschnittlichen Einkommen resultiert schliesslich der monatliche Überschuss:
Durchschnittliches Einkommen
Monatlicher Grundbedarf
Überschuss
4‘489.50
- 3‘251.35
1‘238.15
Daraus folgt, dass der Gesuchstellerin monatlich ein Überschuss von Fr. 1‘238.15 verbleibt.
Damit liegt ihr monatliches Einkommen weit über dem monatlichen Grundbedarf. Die Vertreterin
führte an der heutigen Verhandlung noch aus, die Rekurrentin verfüge derzeit noch über ein
Vermögen von Fr. 12‘000.--. Dieses Vermögen sei ihr zu belassen, im Falle es sich herausstel-
le, dass die Rekurrentin ein 80% Pensum doch nicht bewältige. Zudem sei eine Rentenrevision
eingeleitet worden, dessen Ergebnis noch nicht bekannt sei. Hierzu ist anzumerken, dass es
nicht nötig ist, dass die Rekurrentin ihr Vermögen zur Zahlung ihrer Steuerschulden noch weiter
aufbraucht. Die Berechnung des hier massgebenden Existenzminimums hat gezeigt, dass die
Rekurrentin über einen genügend hohen monatlichen Überschuss verfügt und sie daher in der
Lage ist ihre Steuerschulden mit Hilfe ihres monatlichen Einkommens abzutragen. Auch zu er-
wähnen ist, dass sich die Rekurrentin dafür einschränken muss, was jedoch solange das Exis-
tenzminimum nicht unterschritten wird gemäss Lehre und Rechtsprechung zumutbar ist. Dem-
gemäss ist von einem Überschuss von monatlich Fr. 1‘238.15 auszugehen. Die noch ausste-
henden Steuerschulden betreffend die Nachsteuern zur Staat- und Gemeindesteuer sowie di-
rekten Bundessteuer 2004 und 2006 bis 2011 betragen insgesamt Fr. 18‘639.90.
Mit dem oben errechneten Überschuss in der Höhe von Fr. 1‘238.15 kann der gesamte Aus-
stand innert rund 15 Monaten getilgt werden (Fr. 18‘639.90 : Fr. 1‘238.15 = 15,05 ergibt gerun-
det 15). Die vorliegend strittige Summe in der Höhe von Fr. 18‘639.90 betreffend Nachsteuern
zur Staat- und Gemeindesteuer sowie direkten Bundessteuer 2004 und 2006 bis 2011 kann
demzufolge in rund 15 Monaten abgezahlt werden. Die Abzahlung des ausstehenden Steuerbe-
trags bis zu einer Dauer von zwei bis drei Jahren gilt gemäss der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung als zumutbar. Mit einem Jahr und rund drei bis vier Monaten liegt die Rekurrentin
somit in einem durchaus vertretbaren und realisierbaren Rahmen. Damit liegt keine Notlage vor
und die subjektiven Erlassvoraussetzungen sind nicht erfüllt. Hinsichtlich der Gemeindesteuern
Seite 16
wird der Rekurrentin empfohlen, sich mit den Gemeinden D._, F._ und E._ in Ver-
bindung zu setzen, um einen Abzahlungsmodus zu vereinbaren.
Der Rekurs erweist sich demzufolge als unbegründet und ist abzuweisen.
7. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind der Rekurrenten Verfahrenskosten in
Höhe von Fr. 1‘000.-- aufzuerlegen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16.
Dezember 1993 über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO]).
Seite 17