Decision ID: 6b2915b3-fdf8-4c14-bf6c-6100a5bcc41e
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1968 geborene X._
war vom 1. März 2015 bis zum 16. Februar 2020 bei
den Alters- und Gesundheitszentren
der Gemeinde Y._
in einem Vollzeitpensum als Raumpfleger
tätig
(Urk. 8/48)
. Am
11. Mai 2020 (Eingangs
datum)
meldete er sich
unter Hinweis auf eine Depression im Zusammenhang mit seiner Augenerkrankung
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/6).
Die IV-Stelle tätigte medizinische
und
erwerbliche Abklärungen.
Am 22. Oktober 2020 teilte
sie
dem Versicherten mit, dass sie die Kosten für eine Frühinterventionsmassnahme in Form eines Supports am Arbeitsplatz sowie Beratung und Begleitung übernehme (Urk. 8/27). Am 19. Januar 20
2
1 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass aufgrund seines Gesundheitszustandes zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 8/41).
Mit Verfügung vom 15. Februar 2021 sprach
sie
dem Versicher
ten eine
n
K
ostenbeitrag an
eine Kantenfilterbrille zu (Urk. 8/47).
Nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 22. April 2021 einen
Leistungs
anspruc
h des Versicherten (Urk. 8/57).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 20. Mai 2021 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Angelegenheit sei zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2). Mit Eingabe von 23. Juni 2021 reichte er eine Stellungnahme seines behan
delnden Psychiaters
sowie ein augenärztliches Zeugnis ein (Urk. 4-6
). Mit Beschwerdeantwort vom 24. Juni 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 28. Juni 2021 mitgeteilt wurde
. Mit
derselben Verfügung wurde die Eingabe des Beschwerdeführers vom 23.
Juni 2021 samt Beilagen der Beschwerdegegnerin zur K
enntnisnahme zugestellt (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzu
gehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmun
gen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglich
keiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der
versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psycho
soziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versi
cherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszuklammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.4
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungs
gerichts (oder der verfügen
den Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3d/
bb
; Maurer, Sozialver
sicherungsrecht, Bd. I, 2. unveränderte Aufl., Bern 1983, S. 438
Ziff.
7a). Im Sozial
versicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweis
last nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 133 E. 8a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrund
satzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der
zumindest die Wahrschein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwal
tung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärzt
liche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
1.7
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszu
üben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachli
chen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versi
cherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergeb
nisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht d
arin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdi
gen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einho
lung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
Reine Aktengutachten sind beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 8C_750/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
1.8
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend fest
gestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechts
mittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die IV-Stelle,
seit Februar 2020 sei der Beschwerdeführer in der Ausübung seiner Arbeitstätigkeit eingeschränkt gewe
sen. Seit September 2020 sei er wieder in der Lage, jegliche Tätigkeit ohne Anforderungen an das räumliche Sehen vollumfänglich auszuführen, was auch der bisherigen Tätigkeit entspreche. Anspruch auf eine Rente bestehe, wenn die gesundheitliche Einschränkung schwer, langandauernd und nicht mehr behan
delbar sei. Diese Voraussetzungen seien nicht erfüllt. Aus diesem Grund bestehe kein Anspruch auf eine Rente (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber im Wesentlichen geltend,
er sei auf dem linken Auge blind und auf dem rechten Auge sehe er sehr schlecht. Seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Raumpfleger könne er als mittlerweile beinahe Blinder nicht mehr ausüben. Aufgrund seiner Sehbehinderung leide er auch an psychischen Problemen und sei in regelmässiger psychotherapeutischer Behand
lung. Die Stellungnahme von RAD-Arzt D
r.
Z._
(Facharzt für Chirurgie) sei nicht nachvollziehbar und stimme nicht mit den Akten überein. D
r.
Z._
sei als
Chirurge
fachlich nicht geeignet, seine gesundheitliche Situation zu beur
tei
len
. Hinzu komme, dass es eine reine Aktenbeurteilung sei. Die Angelegenheit sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese den rechtserheb
lichen Sachverhalt in Nachachtung ihrer Untersuchungspflicht eingehend abkläre (Urk. 1
S. 2 ff.
).
3.
3.1
Im provisorischen Bericht der Augenklini
k des Universitätsspitals A._
vom 20. März 2020 betreffend die gleichentags erfolgte Untersuchung wurden die folgenden Diagnosen genannt
(Urk. 8/4)
:
-
St
. n.
Tr
abekulektomie
mit
Mitomycin
C am 23.11.2016
-
Engwinkelglaukom
-
St. nach
Suturolyse
2.1
2.
und 16.1
2.
von temporal und nasal liegendem Faden
-
St. n.
Tensiodekompensation
bis 55
mmHg
(07/2016)
-
St. n. Druckentgleisung (bei
Vd
. a.
Malcompliance
) am 21.01.2016
-
St. n. erneuter Intraokulardruckerhöhung links am 28.01.2016
-
St. n. akutem Winkelblockglaukom am 12.11.2014 unter
trizyklischen
Antidepressiva
-
Mydriatische
Pupille
-
St. n.
Tensiodekompensation
bis 50
mmHg
(11/2016)
-
St. n.
Phako
/HKL (Clear
lens
extra
ction
) am 21.01.2015 via
clear
c
ornea
Zugang
-
St. n. YAG-
Iridotomie
am 17.11.2014, Ergänzungen am 18.11.2014 und 24.11.2014
-
St. n. rezidivierender
Erosio
corneae
unklarer Ätiologie (16.02.2016, 19.02.2016)
-
DD toxisch, mechanisch
-
St. n. kleiner
Resterosio
inferior, 03.10.2016
-
Engwinkelsituation mit/bei:
-
OS prophylaktische LIT abgelehnt
-
Chronische Blepharitis mit
Sicca
-Symptomatik
Im Bericht der Augenklinik des
Universitätsspitals A._
vom 8.
Juni 2020
zuhanden der IV-Stelle
wurde
fest
gehalten, dass der Beschwerdeführer am rech
ten Auge unter grünem Star leide und am linken Auge blind sei. Es bestehe eine
zunehmende Gesicht
s
feldeinschränkung
. Es sei eine K
atarakt-
Operation rechts geplant (U
rk.
8/15).
3.2
Dr.
med. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in seinem Bericht vom 8. Juni 2020 zuhanden der IV-Stelle die
Diagnose Angst und Depression reaktiv
gemischt (ICD-10 F43.21).
Er
attestierte eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit vom 14. März bis 30. Juni 202
0.
Er führ
t
e aus, aus medizinisch-psychiatrischer Sicht sei die Prognose zur Arbeitsfähigkeit positiv, sofern bei der bevorstehenden Augenoperation alles gut verlaufen werde. Empfehlenswert sei eine sch
ri
ttweise Rückkehr ab dem 1. J
uli 2020 mit 50 % und ab dem 1.
Septem
ber 2020 mit einer 100 % Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/16)
.
3.3
In seinem Bericht vom 28. September 2020 zuhanden des Hausarztes des Beschwerdeführers führte
Dr.
med. C._
, Facharzt für Ophthalmologie,
aus,
der Beschwerdeführer sei einerseits durch eine
massive Blendung
sehr gestört, andererseits klage er auch über verschiedene andere Störungen wie Nackenprobleme, Schulterprobleme und starke Schwindelbeschwerden. Er fühle sich unsicher in der Bewegung. Es bestehe ein Glaukom beidseits mit einer sehr fortgeschrittenen
Optikusatrophie
links. Dort sei die Pupille in Mydriase fixiert. Dies führe sicher auch zu einer
vermehrten Blendungsempfindlichkeit
. Die Papille links sei total
excaviert
. Am rechten Auge sei der Sehnerv soweit normal und die Sehleistung mit 0.8 ebenfalls gut. Es stelle sich die Frage, ob eine funktionelle Problematik vorliege. Im
weiteren
stelle sich die Frage, ob eine neurologische Abklärung sinnvoll sei. Die Ausprägung der Beschwerden stimme nicht ganz mit den Befunden überein. Betreffend die Augen sei die Situation unter Kontrolle. Rechts sei der Augendruck nach erfolgter Katarakt-Operation und Aufhebung der
Engwinkelsituation gut. Am linken Auge sei der Augendruck nun nach erfolgter Glaukom-Operation auch gut (Urk. 8/26).
3.4
Am 9. November 2020 wurde ein natives und kontrastmittelverstärktes MRI des
Neurokraniums
durchgeführt. Dieses ergab keine intrakranielle Blutung, keine frische Ischämie, keine alt-postischämischen
Gliosezonen
intrazerebral, keine Raumforderung und keine pathologische Kontrastmittelanreicherung intrakra
niell, keine ödematösen Veränderungen im Hirnparenchym, keine Hinweise auf einen erhöhten intrakraniellen Druck oder eine intrakranielle Hypotension, keine Thrombose des venösen Sinus und der grossen intrakraniellen Venen, keine Sinusitis (Urk. 8/
29-
30).
3.5
Im nicht datierten, bei der Beschwerdegegnerin am 2
7.
Januar 2021 eingegan
genen Bericht von
Dr.
C._
betreffend die Behandlung vom 19. August bis 24. November 2020 wurden die Diagnosen eines Engwinkelglaukoms mit/bei Status nach mehreren Operationen sowie eines weit fortgeschrittenen Glaukoms links genannt (Urk. 8/43).
3.6
Dr.
med. D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie, nannte in seinem Bericht vom 9. Februar 2021 zuhanden der IV-Stelle die Diagnose
einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
F43.2
1.
Er führte aus, es bestehe ein affektiv gedrückter Zustand mit ausgeprägter
Anhedo
nie
und Schlafstörungen, erhebliche Zukunftsängste durch Sehbehinderung und drohenden Arbeitsplatzverlust sowie Konzentrationsstörungen und rasche Ermü
dbarkeit. Es bestehe
psychiatrischerseits
eine
Verminderung der Leistungsfähig
keit von mindestens 40 %.
Bei einer Stabilisierung bzw. Klärung der sozialen, beruflichen und finanziellen Situation sei die Prognose günstig (Urk. 8/46).
3.7
RAD-Arzt
Dr.
med. Z._
, Facharzt für Chirurgie, nannte in seiner Aktenbeurteilung vom 25. Februar 2021 die folgenden Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Engwinkelglaukom beidseits bei
-
Kataraktoperation (18.06.2020) rechtes Auge mit gutem Effekt
-
eingetretener Blindheit auf dem linken Auge
-
zunehmende Gesichtsfeldeinschränkungen
Als Diagnose ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (F43.21, ED 03/2020). Als
funktionelle Einschränkungen in
Bezug auf die bisherige Tätigkeit als
Putzmann
bestünden ein
durch Einäugigkeit eingeschränktes Sehvermögen sowie eine vermehrte Blendung auf dem gesunden Auge.
Das Belastungsprofil umfasse
jegliche Tätigkeit ohne Anforderung an das räumliche Sehen wie die bisherige Tätigkeit (Urk. 8/50/6).
3.8
Im augenärztlichen Zeugnis
vom 12.
Mai 2021 hielt
Dr.
C._
fest, es bestehe eine massive Einschränkung der Lebensqualität bei praktischer Erblindung links mit starken Schmerzzuständen, Blendung und
Abnahme
des
Visus
rechts von 0.8 auf 0.4
(Urk. 6).
3.9
Dr.
D._
führte in seinem Bericht von 22. Juni 2021 aus,
der Beschwer
deführer leide an einer psychischen Störung in Form einer
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Episode
(ICD-10 F 43.21). Allerdings übersteige das Mass der geschilderten Symptome den Grad eines leichten depressiven Zustandes
,
wie er bei dieser Diagnose gefordert werde. Eher sei hier die Diagnose einer
mittel
gradig depressiven Episode (
ICD-10 F 32.1) zu stellen. Beim Beschwerdeführer führend seien die geforderten Symptome der
Anhedonie
, der deutlich gedrückten Stimmung und des mangelnden Antriebs. Zudem beschreibe er eine
Somatisie
rung
in Form diffuser Kopf- und Gliederschmerzen. Differenzialdiagnostisch komme auc
h eine posttrau
m
a
tische B
elastungsstö
rung (ICD-10 F
43.1
)
in Betracht. Dafür sprächen die sich immer wieder aufdrängenden Gedan
ken/Intrusionen an den Sehverlust und die Ereignisse um die Operationen, an mögliche Versäumnisse und Behandlungsfehler, welche stereotyp und gebets
mühlenartig vorgetragen würden
,
sowie den deutlich spürbaren Verlust an emotionaler Teilnahme und des Interesses an seiner Umgebung. Der Beschwerde
führer wirke dann unerreichbar und abgestumpft. Einsamkeit, eingeschränkte Sprachkenntnisse und mangelnde Sensibilität von Kontaktpersonen im Umgang mit dem Beschwerdeführer könnten die Ausbildung dieses Krankheitsbildes auch noch nach einer Latenz von vielen Monaten begünstigen. Die Möglichkeit einer posttraumatischen Belastungsstörung erscheine momentan aus psychiatrischer Sicht am plausibelsten, zumal ein medikamentöser Therapieversuch mit diversen Antidepressiva bislang keinen überzeugenden Erfolg erbracht habe.
Er halte den Beschwerdeführer aufgrund seiner psychischen Störung für absehbare Zeit nicht für arbeitsfähig
(U
rk.
5).
4.
4.1
Streitig und zu prüfen ist,
ob bei
m Beschwerdeführer
ein Gesundheitsschaden
vorliegt
, der
ihn
derart in der Erwerbsfähigkeit einschränkt, dass
er
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
hat bzw.
ob diese Frage gestützt auf die vorliegenden Akten
überhaupt
beurteilt werden kann.
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der leistungsabweisenden Verfügung vom 22. April 2021 insbesondere auf die
Aktenbeurteilung ihres RAD-Arztes Dr.
Z._
vom 25. Februar 2021
.
4.2.1
Was den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers aus psychiatrischer Sicht anbelangt, kommt RAD-Arzt
Dr.
Z._
in seiner Aktenbeurteilung vom
25. Februar 2021
zum Schluss,
dass eine Anpassungsstörung mit längerer depres
siver Reaktion (F43.21, ED 03/2020)
vorliege
, welche keine Auswirk
ung auf die Arbeitsfähigkeit habe
, ohne sich mit den psychiatrischen Berichten auseinander
zusetzen
(vgl. vorne E
.
3.6).
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Stellungnahme von Dr.
Z._
für die
Beurteilung des psyc
hischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
nicht beweistauglich ist, zumal er als Facharzt für Chirurgie nicht über die notwendige fachliche Qualifikation verfügt. Zudem handelt es sich lediglich um eine Aktenbeurteilung. Ein RAD-Untersuchungsbericht eines psychiatrischen Facharztes liegt nicht vor.
Der behandelnde Psychiater
Dr.
D._
, bei welchem der Beschwerde
führer seit dem 15. Dezember 2020 in Behandlung ist,
geht
in seinem Bericht vom 9. Februar 2021
von einer
Verminderung der Leistun
gsfähigkeit von mindestens 40 % aus
. Bei einer Stabilisierung bzw. Klärung der sozialen, beruflichen und finanziellen Situation sei die Prognose günstig
(vgl. vorne E
.
3.5)
.
Aus dem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten – und nach Verfügungserlass datierenden - Bericht von
Dr.
D._
vom 22. Juni 2021
geht hervor, dass das Mass der geschilderten Symptome den Grad eines leichten depressiven Zustandes übersteige
und die Diagnose einer
mittelgradig depressiven Episode
(ICD-10 F
32.1) zu stellen
sei
. Ausserdem weist
Dr.
D._
auf eine all
fällige Somatisierungsstörung hin
(vgl. oben E
.
3.8). Dieser Bericht ist insofern zu berücksichtigen, als er Rückschlüsse auf
den Zeitpunkt des
Verfügungserla
s
s
e
s
(22. April 2021
)
zulässt.
Insgesamt geht aus den Akten hervor, dass sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers auch nach der Katarakt
operation am rechten Auge vom
18.
Juni 2020 nicht
– wie erwartet -
verbessert
, sondern eher
noch
verschlechtert
hat.
Es stellt sich daher die Frage, ob
lediglich
ein reaktives Geschehen
oder
bereits
eine verselbständigte psychische Störung vorliegt.
Zwar bestehen Anhaltspunkte dafür, dass das psychische Be
schwerdebild durch psychosoziale Belastungsfaktoren
(
mit
)
bestimmt wird.
Ob
eine
von depres
siven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder ein damit vergleichbarer psychischer Leidenszu
stand
mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit besteht, welchem ge
genüber einem reaktiven invaliditätsfremden Geschehen auf
psychosoziale Belas
tungen selbständige Bedeutung zukommt, kann
gestützt auf die vorliegenden Akten
indessen nicht beurteilt werden.
Demzufolge ist der psychische Gesundheits
zustand des Beschwerdeführers unter Beachtung der normativen Vorgaben der Rechtsprechung abzuklären und dabei sind invalidenversicherungsrechtlich nicht relevante Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszuklammern.
4.2.2
In somatischer Hinsicht
geht aus den Akten hervor, dass der Beschwerdeführer an
einem Engwinkelglaukom beidseits
leidet.
Am linken Auge ist er blind. Am rechten A
uge wurde am 18.
Juni 2020 eine Kataraktoperation durchgeführt. Es bestehen zunehmende Gesichtsfeldeinschränkungen sowie ein
e
vermehrte Blen
dungsempfindlichkeit.
RAD-Arzt
Dr.
Z._
gelangt
in seiner Aktenbeurteilung vom 25. Februar 2021
zum Schluss,
dass der Beschwerdeführer in jegliche
r
Tätigkeit ohne Anforderung an das räumliche Sehen - wie die bisherige Tätigkeit – voll arbeitsfähig sei (vgl. vorne E
.
3
.6
).
Der behandelnde Ophthalmologe
Dr.
C._
weist in seinem Bericht vom 28. September 2020 auf eine
massive Blendung
, eine
Unsicherheit in der Bewe
gung und allfällige funktionelle Einschränkungen hin (vgl. vorne E
.
3.3).
Dem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten augenärztlichen Zeugnis vom 12. Mai 2021 ist zu entnehmen, dass sich der
Visus
rechts von 0.8 auf 0.4 vermindert hat (vgl. vorne E
.
3.7). Dieser Bericht datiert zwar kurz nach Erlass der angefochtenen Verfügung (22. April 2021), deutet aber auf eine
bereits früher eingetretene
Verschlechterung
hin,
zumal
der letzte
ophthalmologische Bericht mehr als
ein halbes Jahr vor Erlass der angefochtenen V
erfügung datiert
.
Ob dem Beschwerdeführer
unter diesen Umständen
seine angestammte Tätigkeit als
Raumpfleger
weiterhin zumutbar ist, kann aufgrund der aktuellen Aktenlage nicht zuverlässig beurteilt werden.
Insofern erweist sich die
ophthal
mologische Situation und insbesondere deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
eben
falls
als ungenügend abgeklärt.
4.3
Aufgrund der ungenügenden Aktenlage sind in Anbetracht der Untersuchungs
maxime weitere medizinische Abklärungen erforderlich, um die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu beurteilen. Die angefochtene Verfü
g
ung ist daher aufzuheben und die Sache zur Vornahme ergänzender A
bklärungen
im Sinne der vorstehenden Erwägungen sowie zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzu
heissen.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 700.-- festzusetzen und, da die Rückwei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (BGE 137 V 57 E. 2.2), ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).