Decision ID: 1a008c03-87c1-4f76-b41f-fb666a6382c1
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 15. Oktober 2009 wegen Rückenbeschwerden zum Bezug
von Invalidenleistungen an (IV-act. 1). Seine Arbeitgeberin hatte ihm das
Arbeitsverhältnis als Anlageführer am 12. August 2009 fristlos gekündigt, weil er seine
Arbeit nicht zu 50% wiederaufgenommen hatte (IV-act. 13-26f.). Gemäss telefonischer
Auskunft von Dr. med. B._, FMH Innere Medizin, Spez. Rheumatologie, gegenüber
RAD-Arzt Dr. med. C._, Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie physikalische
Medizin und Rehabilitation, litt der Versicherte unter einem Panvertebralsyndrom und
es bestand der Verdacht auf eine Schmerzverarbeitungsstörung. Der behandelnde Arzt
gab an, der Versicherte fühle sich nicht mehr arbeitsfähig, obwohl er als
Maschinenführer eine Tätigkeit mit geringer Rückenbelastung ausgeführt habe (IV-act.
16-2).
A.b Am 10. Dezember 2009 führte RAD-Arzt Dr. C._ eine Abklärung durch. Im
Bericht vom 11. Dezember 2009 hielt er fest, dass der Versicherte aus
rheumatologischer Sicht sowohl in der angestammten Tätigkeit wie auch für jegliche
rückenadaptierte Tätigkeit mit Wechselbelastung vollumfänglich arbeitsfähig sei.
Prognostisch ungünstig hinsichtlich der Eingliederungsfähigkeit sei die feste
Krankheitsüberzeugung des Versicherten mit Symptomausweitung und
Selbstlimitierung (IV-act. 21).
A.c Durch Mitteilung vom 19. Januar 2010 schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung
ab (IV-act. 27).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.d Im Arztbericht vom 17. Mai 2010 diagnostizierte Dr. med. D._ beim Versicherten
eine Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt (ICD-10: F43.22).
Gestützt darauf sei die Arbeitsfähigkeit zu ca. 30% eingeschränkt (IV-act. 41). Dr. C._
folgerte mit Stellungnahme vom 19. Mai 2010, dass dieser Einschätzung gefolgt und
mit Dr. D._ unter Weiterführung der ambulanten psychiatrischen Behandlung mit
einer Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei. Auf Grund der
vorliegenden rheumatologischen Akten könne aus somatischer Sicht in der
angestammten sowie in jeglicher rückenadaptierten Tätigkeit von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (IV-act. 42).
A.e Am 20. Mai 2010 verfügte die IV-Stelle, dass das Begehren des Versicherten auf
IV-Leistungen abgelehnt werde (IV-act. 43). Die gegen diese Verfügung durch
Rechtsanwalt lic. iur. S. Näscher, Rebstein, für den Versicherten erhobene Beschwerde
(IV-act. 46) hiess das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Urteil vom 6.
August 2012 teilweise gut. Es hob die Verfügung auf und wies die Sache zu
ergänzenden medizinischen Abklärungen im Sinne der Urteilserwägungen und zu
entsprechender neuer Verfügung an die IV-Stelle zurück (IV-act. 61).
A.f In der Folge leitete die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung durch die
MEDAS Ostschweiz ein (IV-act. 63). Diese wurde am 25. und 28. Februar 2013
durchgeführt. Im Gutachten vom 11. Juli 2013 kamen die Experten zum Schluss, dass
der Versicherte in adaptierten Tätigkeiten vollständig arbeitsfähig sei (IV-act. 73-55).
A.g Gestützt darauf stellte die IV-Stelle dem Versicherten im Vorbescheid vom 15.
August 2013 eine Abweisung des Anspruchs auf Invalidenrente in Aussicht (IV-act. 77).
A.h Dagegen liess der Versicherte durch Rechtsanwalt Näscher am 11. September
2013 sowie mit Nachtrag vom 9. Oktober 2013 Einwand erheben (IV-act. 78, 83). Auf
allgemeine Rückfrage der IV-Stelle verwies die MEDAS am 19. November 2013 darauf,
einzig konkrete Fragen beantworten zu können, und hielt im Übrigen an ihrem
Gutachten fest (IV-act. 87).
A.i Am 10. Januar 2014 verfügte die IV-Stelle eine Abweisung des Leistungsbegehrens
(IV-act. 94).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 17. Februar
2014. Darin beantragt der Rechtsvertreter für den Beschwerdeführer die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die Ausrichtung mindestens einer halben Rente ab 21.
April 2010. Eventualiter sei mindestens ein neurologisches und rheumatologisches
sowie psychiatrisches Obergutachten einzuholen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Zur Begründung machte der Rechtsvertreter im Wesentlichen
geltend, das MEDAS-Gutachten sei widersprüchlich. So halte der psychiatrische
Gutachter keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit fest, obgleich er dem
Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit von 30% in der angestammten Tätigkeit
attestiere. Zudem beschreibe er bei den Adaptionskriterien so starke Einschränkungen,
dass lediglich noch eine Arbeit im geschützten Rahmen ausgeführt werden könne.
Schliesslich könnten die Ausführungen von Dr. med. E._ nicht als rheumatologisches
Teilgutachten qualifiziert werden, da wesentliche Elemente (Zusammenfassung der
Krankengeschichte, Angaben zu Untersuchungsbefunden, rheumatologische
Diagnosen und Einschätzung der Arbeitsfähigkeit usw.) fehlten. Unter Berücksichtigung
eines Leidensabzugs von mindestens 15% resultiere sodann bei einer Arbeitsfähigkeit
von 70% ein Invaliditätsgrad von 46% (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 21. März 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Beschwerdeabweisung (act. G 3).
B.c Am 24. März 2014 bewilligte die Präsidentin des Versicherungsgerichts das
Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege (act. G 4).
B.d Mit Replik vom 6. Mai 2014 hält der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest
(act. G 6). Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (vgl.
act. G 8).

Erwägungen
1.
1.1 Vorliegend ist streitig und zu prüfen, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung hat.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf das
polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 11. Juli 2013, welches der Beschwerdeführer
als widersprüchlich erachtet. In der Gesamtbeurteilung hielten die Gutachter aus
rheumatologischer/internistischer, neurologischer und psychiatrischer Sicht folgende
Diagnosen mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit fest: ein chronifiziertes
cervikothorakovertebrales und rechtsseitiges lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
bei Skoliose, Hyperkyphose der distalen BWS und Abflachung der oberen/mittleren
BWS, bei muskulärer Dysbalance, bei muskulärer Dekonditionierung mit
Haltungsinsuffizienz, bei Dehydratation der cervikalen Bandscheiben mit geringen
Diskushernien C3/4, C4/5 sowie C5 bis Th1 ohne Neurokompression (MRI 18.12.2009),
bei subligamentärer Diskushernie Th12/L1 ohne Neurokompression (MRI 12.01.2008
und 11.03.2009), mässiger ventraler Spondylose Th11/12 und Th12/L1, bei
Stummelrippen LWK 1 und partieller Sacralisation von SWK 1 und bei Status nach
leichtem Morbus Scheuermann (MRI BWS 12.03.2009). Als Nebendiagnosen ohne
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie eine aktenanamnestisch
grenzwertige Sinustachykardie, DD bei Dekonditionierung, bei Nikotinabusus (25 pack
years), rezidivierende subjektive Episoden mit Trippelbildern (ICD-10: H53.9), eine
anhaltende Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), Adipositas I (BMI 30.3 kg/m2) sowie eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode ohne somatisches
Syndrom (ICD-10: F33.00; IV-act. 73-51). Hinsichtlich der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als Anlageführer befanden die Gutachter, es bestehe aus psychiatrischer Sicht eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30% (seit 02/09); aus somatischer Sicht könne
dagegen eine Arbeitsunfähigkeit in der gemäss Arbeitsplatzbeschrieb vom 28. Oktober
2009 leichten bis höchstens gelegentlich mittelschweren Tätigkeit nicht begründet
werden. Retrospektiv sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit einzig für die Dauer der
wiederholten Hospitalisationen sicher gegeben. In körperlich leichten,
wechselbelastenden Tätigkeiten ohne Heben/Tragen von Lasten über 10kg, ohne
länger dauernde Arbeiten in ausgesprochenen Wirbelsäulenzwangshaltungen, weiter
ohne hohe Anforderungen bezüglich Konzentration und Aufmerksamkeit, ohne Zeit-/
Leistungsdruck und ohne Stressbelastung könne aus polydisziplinärer Sicht eine
Arbeitsunfähigkeit nicht begründet werden. Dem Beschwerdeführer sei die
Willensanstrengung zur Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit aus psychiatrischer
Sicht zumutbar (IV-act. 73-55f.).
2.2 Dr. med. F._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt im Teilgutachten vom
28. Februar 2013 fest, der Beschwerdeführer leide seit Jahren an ihn störenden und
belastenden Schmerzen. Laut der Anamnese, dem Verlauf und dem aktuellen Befund
könnten seine Beschwerden am ehesten unter der Kategorie somatoforme Störungen
und anhaltende Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) diagnostiziert werden. Im Rahmen von
somatoformen Schmerzstörungen kämen ängstlich-depressive Symptome häufig vor.
Beim Beschwerdeführer werde ab 2009 eine Anpassungsstörung mit ängstlich-
depressiven Symptomen diagnostiziert und mehrmals erwähnt, dass diese sekundär
als Folge der Schmerzstörung entstanden seien. Die Diagnose habe ab 2010
richtigerweise zu einer rezidivierenden depressiven Störung gewechselt. Der Übergang
von einer depressiven Anpassungsstörung zu einer anhaltenden rezidivierenden
depressiven Störung sei zum Teil klassifikatorisch bedingt. Eine neu auftretende,
unabhängige depressive Erkrankung sei im Falle des Beschwerdeführers nicht
ersichtlich. Anlässlich der aktuellen Untersuchung seien die Kriterien einer depressiven
Störung vorhanden. Der Beschwerdeführer zeige eine etwas gedrückte Stimmung und
habe über eine Antriebsverminderung und erhöhte Ermüdbarkeit berichtet. Zudem
habe er eine verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit sowie Schlafstörungen
geschildert. Typische Symptome im Sinne von somatischen Symptomen seien
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
insbesondere ein berichteter Libidoverlust sowie ein gewisser Interessenverlust.
Anhand der Zusatzuntersuchung mit der Hamilton-Rating-Scale for Depression hätten
15 Punkte diese depressive Störung als gegenwärtig leichte depressive Störung
klassifiziert. Die depressive Störung könne jedoch nicht als eine selbständige
Komorbidität bezeichnet werden. Sie sei als Anpassungsstörung infolge der
Schmerzstörung und der daraus folgenden sozialen Veränderungen entstanden, was
ab 2009 in diesem Sinne sehr genau beschrieben worden sei. Eine chronische
körperliche Begleiterkrankung sei in der polydisziplinären Diskussion nicht benannt
worden. Ein sozialer Rückzug sei gemäss Angaben des Beschwerdeführers zwar
vorhanden, jedoch nicht in allen Belangen des Lebens. Soziale Kontakte und
Aktivitäten seien innerhalb und ausserhalb der Familie vorhanden. Es könne von einem
teilweisen sozialen Rückzug gesprochen werden. Für einen verfestigten, therapeutisch
nicht mehr angehbaren innerseelischen Verlauf spreche wenig. Weder hätten
schwerwiegende Konflikte noch anamnestisch überzeugende andere psychische
Gründe für eine Somatisierung festgestellt werden können. Allerdings sei dazu zu
erwähnen, dass der Beschwerdeführer eine stationäre Abklärung vorzeitig
abgebrochen habe und dass die psychiatrische ambulante Behandlung mit
monatlichen Gesprächen keine intensive psychotherapeutische Behandlung sei, die
eine so komplexe innerseelische Problematik, falls vorhanden, erfolgreich angehen
könnte. Deshalb könne aus psychiatrischer Sicht auch nicht von unbefriedigenden
Behandlungsergebnissen gesprochen werden, weil die psychiatrische Behandlung
nicht intensiv genug gewesen sei, um eine allfällige komplexe seelische Problematik zu
behandeln. Dr. F._ sah die Hauptgründe für die Handicapierung des
Beschwerdeführers in dessen Einstellung und Haltung. Seine Aussage, er habe alles
probiert, nichts sei gegangen, stehe im Gegensatz zu seiner Schilderung des
Arbeitsversuchs von Seiten des RAV, in dem er vier Monate lang zu 50% mit Holz habe
arbeiten können. Er habe diesen Arbeitsversuch als gut gewertet, ohne Druck und
Stress und mit häufigen Positionswechseln habe ihm diese Arbeit sehr zugesagt.
Leider würden die noch vorhandenen Ressourcen durch die beschriebene negative
Erwartung des Beschwerdeführers neutralisiert (IV-act. 73-43f.). Dr. F._ befand, dass
die Diagnosen einer anhaltenden Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode ohne somatisches
Syndrom ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien. Trotzdem hielt er hinsichtlich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Maschinenführer fest, dass diese (lediglich) mit
einer Arbeitsfähigkeit von ca. 70% möglich sei. Diese leichte Einschränkung bestehe
hauptsächlich wegen einer mässigen Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörung. In
einer adaptierten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer ab sofort nicht eingeschränkt (IV-
act. 73-44f.). Wenn Dr. F._ spezifiziert, dass adaptierte Tätigkeiten keinen hohen
Anspruch an Konzentration und Aufmerksamkeit verlangen dürfen, nicht unter Zeit-
und Leistungsdruck und ohne Stress erledigt werden müssten und wünschenswert
auch sei, dass die Tätigkeit allein und nicht in einem Team geleistet werden könnte, ist
diese Einschränkung durchaus vereinbar mit seiner Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der
angestammten Tätigkeit. Dieser Aspekt klärt schliesslich seine Einschätzung, dass die
beiden psychiatrischen Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien, als
formalen Widerspruch auf. Ein inhaltlicher Widerspruch ist damit nicht ersichtlich.
Vielmehr kann auf die nachvollziehbare und mit den vorangehenden medizinischen
Akten übereinstimmende Beurteilung abgestellt werden. Unklar bleibt aus den
vorliegenden Unterlagen allerdings die konkrete Behandlungsfrequenz bei Dr. D._.
Während der Beschwerdeführer im Rahmen der Anamnese angab, es fänden alle 10
Tage psychiatrisch-psychotherapeutische Gespräche bei Dr. D._ statt (IV-act. 73-36),
ging Dr. F._ offenbar auf Grund der Angaben von Dr. D._ gegenüber der früheren
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers vom 15. Juni 2010 (IV-act. 73-17) von
monatlichen Therapiesitzungen aus (IV-act. 73-44). Selbst wenn der Beschwerdeführer
jedoch mehr als einmal pro Monat einer psychotherapeutischen Behandlung
nachgehen würde, bleibt die Tatsache bestehen, dass er die stationäre Behandlung in
der Klinik G._ im Oktober 2011 bereits nach drei Tagen abbrach, da er sich keine
Besserung vom Therapieangebot versprochen habe. Dies spricht nicht für eine
intensive psychiatrische Behandlung und auch nicht für einen grossen Leidensdruck.
Insgesamt kann jedenfalls mit Dr. F._ aus den Akten nicht abgeleitet werden, dass
der Beschwerdeführer nicht über genügende psychische Ressourcen verfügen würde,
welche es ihm erlauben, trotz Schmerzen einer seinen Leiden angepassten
Erwerbstätigkeit nachzugehen.
2.3 Im Rahmen der rheumatologischen Untersuchung des Beschwerdeführers vom 25.
Februar 2013 liess Dr. med. E._, Innere Medizin/Rheumatologie FMH, am 28. Februar
2013 ergänzende Röntgenaufnahmen des Beckens, der HWS, der BWS und der LWS
vornehmen und den Beschwerdeführer den PACT-Test durchlaufen (IV-act. 73-38f.).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Seine Beurteilung wurde im Gutachten jedoch nicht separat als „Teilgutachten“
aufgeführt, sondern floss direkt in die Gesamtbeurteilung des Hauptgutachtens ein.
Dies vermag - v.a. mit Blick auf die vorhandenen Teilgutachten der psychiatrischen und
neurologischen Untersuchungen - auf den ersten Blick zu irritieren, allein deshalb ist
diese Teilbegutachtung jedoch nicht automatisch als ungenügend zu qualifizieren, wie
es der Rechtsvertreter verlangt. So wurde schliesslich im hauptgutachterlichen Teil
konkret und ausführlich auf die Entwicklung der Krankheitsgeschichte in somatischer
Hinsicht eingegangen (IV-act. 73-51ff.). Hinsichtlich der gutachterlichen Abklärung
wurde dargelegt, dass sich eine quantitative Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers
aus somatischer Sicht nicht begründen lasse bei obgenannten Diagnosen. Es bestehe
aus rheumatologisch-internistischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in
körperlich leichten, wechselbelastenden beruflichen Tätigkeiten ohne Heben/Tragen
von Gewichten über 10kg sowie ohne länger dauernde Arbeiten in ausgesprochenen
Wirbelsäulenzwangshaltungen. Die qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus
rheumatologischer Sicht sei begründet durch die muskuläre Dekonditionierung mit
Haltungsinsuffizienz und die in den bildgebenden Abklärungen nachgewiesenen
degenerativen Veränderungen. Von weiteren somatisch ausgerichteten Therapien
könne keine Verbesserung der Arbeits- oder Leistungsfähigkeit des Versicherten
erwartet werden. Die Prognose sei auf Grund der festgestellten Chronifizierungszeichen
als eher ungünstig einzustufen (IV-act. 73-54). Mit Blick auf die durch Dr. E._
vorgenommenen Zusatzabklärungen, in Ziff. 4.1 festgehaltenen Befunde und die
polydisziplinär eingefasste Beurteilung ist nicht ersichtlich, inwiefern die internistisch-
rheumatologische Begutachtung mangelhaft ausgefallen wäre.
2.4 Dr. med. H._, Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG), konnte
anlässlich seiner Begutachtung vom 25. Februar 2013 in neurologischer Hinsicht keine
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eruieren. Sowohl Prof. I._ (April
2009) als auch die stationäre Diagnostik der Klinik für Neurologie des KSSG (November
2009) hätten keine neurologische Ursache für die vom Beschwerdeführer geäusserten
Beschwerden aufdecken können. Ihre Einschätzungen stützten sich auf umfangreiche
Zusatzbefunde inklusive MRI der gesamten Neuroachse, sensorisch, magnetisch und
visuell-evozierten Potenzialen, Elektromyographie und -neurographie sowie einem
umfangreichen Labor inklusive Liquoranalyse. Die durchgeführten Untersuchungen
seien aus heutiger Sicht vollumfänglich und die getroffenen Schlüsse einleuchtend.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Auch der aktuelle neurologische Status sei bis auf die Bewegungsschmerzhaftigkeit
der HWS und die zirkuläre Hypästhesie im linken Unterschenkel unauffällig. Die
Hypästhesie lasse sich nicht einem Dermatom, einem Versorgungsgebiet peripherer
Nerven, einer Polyneuropathie oder einer zentralen Störung zuordnen. Für die
geschilderten Episoden mit Sehen von Dreifachbildern gebe es keine neurologische
oder neuroanatomische Erklärung. Da sich die Beschwerden seit den ausführlichen
Abklärungen im November 2009 nur diskret quantitativ, jedoch nicht qualitativ
verändert hätten, verzichtete Dr. H._ auf eine Wiederholung der damaligen
Abklärungen. Damals habe keine Pathologie des Nervensystems eruiert werden
können, was auch weiterhin Gültigkeit habe. Schliesslich kam Dr. H._ zum Schluss,
aus neurologischer Sicht bestünden keine Handicaps (IV-act. 73-48f.).
2.5 In der Gesamtbeurteilung hielten die Gutachter fest, dass der Beschwerdeführer
aktuell über im Vordergrund stehende Schmerzen distal lumbal mit Ausstrahlung in das
rechte Bein sowie nach cranial bis in die Suboccipital-Region klage. Dabei handle es
sich um Dauerschmerzen wechselnder Intensität ohne Bewegungs-, Belastungs- oder
Positionsabhängigkeit. Der internistische Status sei bland gewesen. Während der
Beschwerdeführer beim Untersuch durch den Hauptgutachter über eine diffuse
Hypästhesie im Unterschenkel rechts geklagt habe, habe er bei der Untersuchung
durch den neurologischen Konsiliarius eine diffuse Hypästhesie im linken
Unterschenkel geschildert. Lumboradikuläre Reiz- oder radikuläre Ausfallsymptome
seien nicht fassbar gewesen. Die vom Beschwerdeführer wechselnd geschilderten
sensiblen Defizite hätten weder einem Nervensegment, einer Polyneuropathie noch
einer zentralen Störung zugeordnet werden können. Im Rheumastatus habe der
Beschwerdeführer panvertebral allseitige Endphasenschmerzen bei global geprüft
harmonischer und uneingeschränkter Beweglichkeit aller Wirbelsäulenabschnitte
geäussert. Bei panvertebralen, interscapulär und distal lumbal betonten Druck- und
Klopfdolenzen habe sich ein leichter Hypertonus der paravertebralen cervikalen
Muskulatur links bei im Übrigen normotonen muskulären Strukturen gezeigt. Des
Weiteren habe der Beschwerdeführer lumbospondylogene Druckdolenzen am Tractus
iliotibialis rechts und im M. iliacus beidseits bei leichter Wirbelsäulenfehlstatik und
Zeichen einer muskulären Dekonditionierung mit Haltungsinsuffizienz gezeigt. Es hätten
sich auch Hinweise für ein nicht-organisches Krankheitsverhalten gezeigt. Die
Selbsteinschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit habe mit 107/200 Punkten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(immerhin) im Bereich einer leichten, wechselbelastenden beruflichen Tätigkeit mit
seltenem Heben von maximal 5kg gelegen. Bei kernspintomographisch
nachgewiesenen Dehydratationen der cervikalen Bandscheiben mit diskreten
mehrsegmentalen Diskushernien ohne Neurokompression (MRI 18.12.2009) seien
aktuell konventionell-radiologisch unauffällige Befunde gefunden worden. Die
konventionellen Röntgenaufnahmen der BWS und LWS hätten gegenüber den
vorgängig durchgeführten bildgebenden Abklärungen unveränderte leichte
degenerative Veränderungen, eine partielle Sacralisation von S1 sowie eine
Wirbelsäulenfehlstatik (Skoliose) ergeben. Jedoch habe die von Dr. med. J._
beschriebene Osteochondrose L5/S1 nicht bestätigt werden können. Die zusätzlich
angefertigte Beckenübersichtsaufnahme habe diskrete initiale degenerative
Veränderungen der Hüftgelenke beidseits gezeigt. Weiter seien im Laborscreening
keine Pathologien auffindbar gewesen. Insbesondere hätten weder eine Erhöhung der
serologischen Entzündungsparameter, Pathologien des Hämatogramms noch erhöhte
Leberwerte nachgewiesen werden können (IV-act. 73-53f.).
2.6 Die Gutachter befanden eine retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als
schwierig. Es würden einerseits Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte
der Klinik für Orthopädische Chirurgie und der Klinik für Neurologie des KSSG,
andererseits durch Dr. med. K._ (die aktuell behandelnde Rheumatologin) fehlen.
Schliesslich könne die durch den früheren Hausarzt attestierte 100%ige
Arbeitsunfähigkeit aus somatischer Sicht nicht nachvollzogen werden. Eine solche
lasse sich einzig für die Dauer der Hospitalisationen in der Rheuma- und
Rehabilitationsklinik Valens vom 17. Februar bis 6. März 2009, in der Klinik für
Neurologie des KSSG vom 23. bis 26. November 2009, im Departement
Interdisziplinäre Medizinische Dienste des KSSG vom 1. bis 10. Dezember 2010 und
des Weiteren für die Dauer der Hospitalisation in der Klinik G._ vom 18. bis 20.
Oktober 2011 begründen. Weiter hielten die Gutachter fest, dass die Einschätzung
einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers durch die Ärzte des
Departements Interdisziplinäre Medizinische Dienste des KSSG (13.12.2010) nicht
näher begründet worden sei und auf Grund der somatischen Diagnosen nicht erklärt
werden könne. Möglicherweise basiere jene Einschätzung auf der damals gestellten
Diagnose einer mittelgradigen Episode einer rezidivierenden depressiven Störung. Der
psychiatrische Konsiliarius habe aktuell die Diagnosen einer rezidivierenden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode ohne somatisches Syndrom, und
einer anhaltenden Schmerzstörung gestellt. Auf Grund einer mässigen Konzentrations-
und Aufmerksamkeitsstörung habe er in der zuletzt ausgeführten Tätigkeit als
Maschinenführer eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30% attestiert. Den
Zeitpunkt der Einschränkung habe er auf den 17. Februar 2009 (Eintritt- in die Rheuma-
und Rehabilitationsklinik Valens) festgelegt. In (körperlich) adaptierten beruflichen
Tätigkeiten seien aus psychiatrischer Sicht keine (quantitativen) Einschränkungen in der
Arbeitsfähigkeit attestiert worden, dies spätestens ab dem Zeitpunkt der aktuellen
Begutachtung. Die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
(30%) korreliere mit der Einschätzung durch den behandelnden Psychiater Dr. D._
(IV-act. 73-54f.).
2.7 Mit RAD-Arzt Dr. med. L._ (vgl. Stellungnahme vom 2. August 2013, IV-act. 74)
ist das MEDAS-Gutachten gestützt auf die vorliegende Aktenlage als umfassend und in
sich schlüssig zu qualifizieren. Es ist deshalb darauf abzustellen.
3.
Entgegen die Vorbringen des Beschwerdeführers ist er zur Verwertung der
Restarbeitsfähigkeit trotz der qualitativen Einschränkungen nicht auf einen geschützten
Rahmen angewiesen. So hält denn auch das Gutachten explizit fest, dass er die
adaptierte berufliche Tätigkeit medizinisch-theoretisch in der freien Wirtschaft ausüben
könnte (vgl. IV-act. 73-56). Sofern der Beschwerdeführer davon ausgeht, dass der ihm
zugängliche Arbeitsmarkt solche Tätigkeiten, wie sie seinen Adaptionskriterien
entsprechen, gar nicht anbiete, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Referenzpunkt
für die Verwertung der Resterwerbsfähigkeit ist der hypothetisch ausgeglichene
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach der Rechtsprechung handelt es sich dabei um
einen theoretischen und abstrakten Begriff, der dazu dient, den Leistungsbereich der
Invalidenversicherung von demjenigen der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der
Begriff umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot
von und der Nachfrage nach Stellen; andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt,
der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält und zwar
sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen
wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes; Letzteres gilt auch im Bereich der un-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und angelernten Arbeitnehmer. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im
Einzelfall, ob die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu
verwerten und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder
nicht (BGE 110 V 276 E. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b). Daraus folgt, dass für die
Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen ist, ob eine invalide Person unter den
konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob
sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die
verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI
1998 S. 291). Für den Beschwerdeführer stehen - trotz seiner gesundheitlichen
Einschränkungen - auf diesem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend
leichte Hilfs-, Kontroll- und Überwachungstätigkeiten offen, sodass nicht geradezu von
realitätsfremden und in diesem Sinn unmöglichen oder unzumutbaren
Einsatzmöglichkeiten ausgegangen wird.
4.
4.1 Damit bleibt zu prüfen, ob die Verwaltung den Invaliditätsgrad korrekt bemessen
hat. Es ist unbestritten, dass dies nach der Einkommensvergleichsmethode (vgl. dazu
BGE 128 V 30 E. 1, 104 V 136 E. 2a und b) zu geschehen hat. Auch dass für das
Valideneinkommen auf das zuletzt als Produktionsmitarbeiter im Jahr 2008 erzielte
Einkommen gemäss IK-Auszug abgestellt wird, ist sodann nicht bestritten. Dieses
betrug im Jahr 2008 Fr. 65‘351.-- (vgl. IV-act. 9). Angepasst an die
Nominallohnentwicklung für das Jahr 2009 von 2.1% und für das Jahr 2010 von 0.7%
resultiert für das Jahr 2010 ein Valideneinkommen von Fr. 67‘190.--. Für das
Invalideneinkommen ist grundsätzlich - was ebenfalls nicht bestritten wird - auf die
Tabellenlöhne der schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für
Statistik abzustellen. Hierbei ist für den Beschwerdeführer das Valideneinkommen
gemäss Niveau oder Qualifikationsstufe 4 massgebend. Dieses betrug im Jahr 2010 Fr.
61‘164.--. Diesbezüglich rügt der Beschwerdeführer, dass die Beschwerdegegnerin
keinen sogenannten Leidensabzug berücksichtigt hat. Bei ihm sei demgegenüber in
Rechnung zu stellen, dass er seine Arbeitsfähigkeit nur noch in leichten und sehr
angepassten Tätigkeiten verwerten könne, woraus ein gegenüber den Tabellenlöhnen
geringerer Verdienst resultiere.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2 Nach der Rechtsprechung ist ein Abzug vom Invalideneinkommen gerechtfertigt,
wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ein Versicherter, der
gesundheitsbedingt lediglich noch leichtere Hilfsarbeiten ausführen kann, seine
Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem
erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage ist. Zudem können weitere persönliche
und berufliche Merkmale (Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad) Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben (vgl. BGE 126 V 75 E. 5a mit Hinweisen). Bei der Überprüfung des Abzugs, der
eine Schätzung darstellt und von der Verwaltung kurz zu begründen ist, darf das
Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle
desjenigen der Verwaltung setzen (BGE 126 V 75 E. 6). Der Beschwerdeführer ist bei
schweren und teilweise mittelschweren Tätigkeiten mit Heben/Tragen von Lasten über
10kg, in länger dauernden Arbeiten in ausgesprochenen Wirbelsäulenzwangshaltungen
und in Tätigkeiten mit hoher Anforderung an Konzentration und Aufmerksamkeit sowie
solchen mit Zeit-/Leistungsdruck und Stressbelastung in der Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt (IV-act. 73-55). Nachdem vorliegend aber selbst ein maximaler Abzug
vom Tabellenlohn von 25% nichts am Ergebnis zu ändern vermag - wie nachfolgende
Berechnung zeigt -, kann offen bleiben, ob bzw. in welchem Ausmass dem
Beschwerdeführer auf Grund dieser lohnmindernden Einschränkungen ein solcher zu
gewähren wäre.
4.3 Gestützt auf das Gesagte würde bei einem Valideneinkommen von Fr. 67‘190.--
und einem Invalideneinkommen von Fr. 61‘164.-- selbst unter Berücksichtigung eines
Tabellenlohnabzugs von 25%, ein Erwerbsausfall von Fr. 21‘317.-- und damit ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von aufgerundet 32% (100% : Fr. 67‘190.-- x Fr.
21‘317.--) resultieren.
5.
5.1 Nach diesen Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem unterliegenden
Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
5.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Der Rechtsvertreter hat am 16. Juli 2014 bereits unter Berücksichtigung
eines gekürzten Stundenansatzes von Fr. 200.-- eine Honorarnote in Höhe von Fr.
2‘695.70 eingereicht (act. G 9.1). Diese erscheint mit Blick auf den erforderlichen
Aufwand angemessen. Somit hat der Staat den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers mit Fr. 2‘695.70 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen.
5.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).