Decision ID: 2ef2f4e0-d788-533a-91c7-10c0a342a00b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1978, war zuletzt für
Y._
AG als Leiter Online und
Social
Network tätig und in dieser Eigenschaft gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle bei der Suva versichert. Mit Schadenmeldung UVG vom 1
5.
Oktober 2013 wurde der Suva angezeigt, dass der Versicherte am
6.
Oktober 2013 in
Spanien
mit dem Fahrrad gestürzt sei (
Urk.
9/1).
Der erst
behan
delnde Arzt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, diagnosti
zierte am
9.
Oktober 2013 1) eine Minor Brain
Injury
Grad II (-III) mit 2) Verdacht auf
Contusio
cerebri mit neurovegetativen und neuropsychologischen, passageren Defiziten
und
Akzentuierung eines vorbestehenden bekannten Tin
n
i
tus (
Urk.
9/6).
Anlässlich der gleichentags stattfindenden Notfallbehandlung im
Spital A._
wurde 1) eine Commotio cerebri vom
6.
Oktober 2013 und 2) ein
Parenchymdefekt
links
hochfrontoparietal
, möglicherweise anlagebedingt diagnostiziert (
Urk.
9/13).
Die Suva trat
auf den Schaden ein und erbrachte die gesetzlichen Leistungen. Am
6.
Januar 2015 verfügte die Suva die Einstellung der Versicherungsleistungen per 3
1.
Januar 2015 (
Urk.
9/162), da die noch geklagten Beschwerden organisch nicht hinre
ichend nachweisbar seien und das Ereignis keine adäquat kausale Ursache
derselbigen
sei
. Der Versicherte erhob hiergegen am
2.
Februar 2015 Einsprache (
Urk.
9/174; ergänzende
Einsprachebegrün
dung
en
vom 1
8.
Februar
und 2
7.
Juli
2015,
Urk.
9/179
und
Urk.
9/217
), woraufhin die Suva weitere Abklärungen tätigte und am
7.
August 2015 mitteilte, dass sie die Einsprache gutheisse und die Leistungen ab dem
1.
Februar 2015 wieder ausrichte (
Urk.
9/219).
Die Suva wartete infolgedessen den Heilverlauf weiter ab, tätigte zusätzliche Abklärungen und holte insbesondere die neurologische Beurteilung von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurologie, vom 1
6.
Januar 2017 ein (
Urk.
9/363).
Mit Verfügung vom 1
3.
Februar 2017 teilte die Suva
dem Versicherten mit, dass die andauernd
noch geklagten Beschwerden organisch nicht hinreichend nachweis
bar seien. Nach Prüfung der mas
sgebenden Kriterien sei die Adäquanz zu verneinen, so dass kein Anspruch auf weitere Geldleistungen der Suva in Form einer Invalidenrente oder Integritätsentschädigung bestehe (
Urk.
9/371).
Nachdem der Versicherte hiergegen
am 1
5.
März 2017
Einsprache erheben liess (
Urk.
9/383)
,
tätigte die Suva weitere Abklärungen und holte insbesondere das polydisziplinäre Gutachten
des
C._
vom 2
0.
Juli 2018 ein (
Urk.
9/418). Nachdem der Versicherte erneut Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten hatte
(ergänzende Einsprache
n
vom
3.
September
und 2
9.
November
2018,
Urk.
9/422
und
Urk.
9/429
) und die Aktenbeurteilung von
lic
. phil.
D._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP und Psychotherapie FSP,
vom
2
0.
August 2018
(
Urk.
9/423
)
eingereicht hatte
,
holte die Suva das Ergänzungsgutachten vom
7.
März 2019 (
Urk.
9/438
)
ein, wozu sich der Versicherte am
1
0.
April 2019
erneut
äusserte
(
Urk.
9/443
). Mit
Einspracheentscheid
vom
3.
Mai 2019
entschied die Suva
, dass die Verfügung vom 1
3.
Februar 2017 in teilweiser Gutheissung der Einsprache dahingehend geändert werde, dass der Versicherte Anspruch auf die gesetzlichen Versicherungsleistungen bis zum
6.
Februar 2018 habe. Im Übrigen wies die Suva die Einsprache ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 2
9.
Mai 2019 Beschwerde am hiesigen Gericht und beantragte, es seien die Verfügung und der
Einspracheentscheid
aufzuheben und es sei festzustellen, dass er auch über den
6.
Februar 2018 hinaus Anspruch auf die gesetzlichen Versicherungsleistungen habe. Es sei ein gericht
liches Obergutachten mit den Disziplinen Neurologie, Psychiatrie, ORL,
Ophtal
mologie
und Neuropsychologie einzuholen. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die Kosten für die Aktenstellungnahme von Frau
D._
im Betrag von
Fr.
1'000.-- zu vergüten
. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels sowie Durchführung einer öffentlichen Beratung
(
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 3
1.
Juli 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
9/1-463), worüber der Beschwerdeführer am
6.
August
2019 in Kenntnis gesetzt wurde. Gleichzeitig wurde ihm mitgeteilt, dass das Gericht die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels als nicht notwendig erachte (
Urk.
10). Der Beschwerdeführer nahm am 1
8.
September 2019 erneut Stellung (
Urk.
13), worüber die Beschwerdegegnerin am 2
3.
September 2019 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
15).
Anlässlich der Hauptverhandlung vom 2
0.
Oktober 2020 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (vgl.
Urk.
22,
Urk.
23 sowie Protokoll der Hauptverhandlung vom 2
0.
Oktober 2020). Der Beschwerdeführer reichte verschiedene Diagramme bezüglich seines subjektiv empfundenen Gesundheitszustandes sowie Wohlbe
findens ein
sowie
eine Liste mit Beanstandungen bezüglich des Gutachtens des
C._
vom 2
0.
Juli 2018 (
Urk.
24/1-2). Mit Schreiben vom
3.
November 2020 wurde den Parteien je eine Kopie des Protokolls der Hauptverhandlung sowie der eingereichten Unterlagen zur Kenntnis gebracht (
Urk.
25).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrem
Einspracheentscheid
dafür (
Urk.
2), dass die aktuell geklagten Beschwerden ausserhalb der kognitiven Einschränkungen (Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, Sehbeschwerden) entweder nicht auf einem objektivierbaren organischen Substrat beruhten, welches auf das Unfallereignis vom
6.
Oktober 2013 zurückzuführen
wäre
,
oder aber bereits vorbestehend gewesen seien und der Status quo ante
vel
sine inzwischen erreicht sei.
Dem
C._
-Gutachten vom 2
0.
Juli 2018 sei zusammen mit dem Ergänzungsgutachten vom
7.
März 2019 volle Beweiskraft zuzuerkennen. Gestützt darauf ergebe sich, dass sich die vorbestehenden neurokognitiven Störungen des Beschwerdeführers durch den Unfall vom
6.
Oktober 2013 zwar vorübergehend verschlimmert hätten, der Status quo ante allerdings spätestens mit Datum der neurologischen Begutachtung vom
6.
Februar 2018 erreicht gewesen sei.
Bezüglich der nicht durch organische Unfallfolgen nachweisbare
n
Beschwerden sowie die psychischen Beschwerden sei zu prüfen, ob diese adäquat kausal auf den Unfall zurückzuführen seien. Dies habe nach der «Psycho-Praxis» des Bun
desgerichts zu erfolgen, da lediglich eine Commotio cerebri diagnostiziert worden sei. Da es sich vorliegend um ein mittelschweres Ereignis an der Grenze zu den leichten Ereignissen handle, müssten mindestens vier der sieben
Adä
quanzkriterien erfüllt sein oder eines besonders ausgeprägt vorliegen. Die Kriterien der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung sowie Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit seien erfüllt, wenn auch nicht in besonders ausgeprägter Weise, womit die Adäquanz zu verneinen sei. Demnach bestehe ab dem
6.
Februar 2018 kein Anspruch auf Versicherungsleis
tungen mehr.
1.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber vor (
Urk.
1),
dass die Beschwerde
gegnerin den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe, da seine Ergänzungs
fragen nicht aufgenommen worden seien, sondern es den
C._
-Gutachtern überlassen worden sei, w
ie sie zu den Einwänden von
lic
. phil.
D._
Stellung nehmen wollten. Die Fragen seien im Ergänzungsgutachten nicht korrekt beantwortet worden. Entsprechend sei das neuropsychologische Gutachten nicht verwertbar, es fehle an der nötigen Objektivität und das Bildungsniveau des Beschwerdeführers sei nicht angemessen berücksichtigt worden.
Die erhobenen neuropsychologischen Ausfälle wären gemessen an einem Fachhochschul
abschluss mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlicher ausgefallen. Der Status quo ante sei auch nicht erreicht mit Datum der neurologischen Beurteilung vom
6.
Februar 2018, da die aktuell noch beklagten Beschwerden ausserhalb der kognitiven Einschränkungen (Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, Sehbeschwer
den) auch heute noch bestünden.
1.3
Mit Beschwerdeantwort vom 3
1.
Juli 2019 führte die Beschwerdegegnerin aus, dass das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers nicht verletzt worden sei, da
ihm angeboten worden sei, dass er eine Zwischenverfügung verlangen könne, sollte er sich mit den von der Beschwerdegegnerin gestellten Fragen nicht einverstanden erklären, worauf allerdings verzichtet worden sei. Hinzu komme, dass Fragen des Versicherten nicht
unbesehens
weitergeleitet werden müss
t
en. Die Kritik des Beschwerdeführers am Gutachten sei darüber hinaus unbegründet.
Die Übernahme der Kosten der Beurteilung von Frau
D._
sei nicht angezeigt, da diese nicht notwendig gewesen sei für die Beantwortung des Leistungs
anspruchs des Beschwerdeführers.
1.4
Mit Stellungnahme vom 1
8.
September 2019 ergänz
t
e der Beschwerdeführer, er habe eine Fahrberatung absolviert, woraus hervorgegangen sei, dass er mangelnde Voraussicht oder mangelnde Konzentration oder beides habe. Dies zeige ebenfalls deutlich, dass die Beurteilung im
C._
-Gutachten deutlich zu optimistisch ausgefallen sei bei der Annahme eines Status quo ante/sine (
Urk.
13).
1.5
Anlässlich der Hauptverhandlung hielten die Parteien im Wesentlichen an ihren bereits vorgebrachten Vorbringen fest (vgl.
Urk.
22 und
Urk.
23
sowie Protokoll der Hauptverhandlung vom 2
0.
Oktober 2020
).
2.
Vorab ist zu prüfen, ob die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör durchdringt.
2.1
Gemäss
Art.
29
Abs.
2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweis
ergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
2.2
Im Bereich des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
ist eine Begutachtung (in Abänderung der Rechtsprechung von
BGE 132 V 93
) bei Uneinigkeit durch eine beim kantonalen Versicherungs
gericht (bzw. Bundesver
waltungsgericht) anfechtbare Zwischenverfügung anzu
ordnen. Der versicherten Person stehen vorgängige Mitwirkungsrechte zu, wobei sich die zu beachtenden Modalitäten
sinngemäss
nach
BGE 137 V 210
E. 3.4.2.9 richten (in BGE 139 V 585 nicht publizierte
E. 6.3.3 des Urt
eils
8C_481/2013 vom 7. November 2013).
Nach BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9 ist der versicherten Person ein Anspruch einzu
räumen, sich vorgängig zu den Gutachterfragen zu
äussern
und es ist ihr zusammen mit der
verfügungsmässigen
Anordnung der Begutachtung der vor
ge
sehene Katalog der Expertenfragen zur Stellungnahme zu unterbreiten.
2.3
Der Beschwerdeführer nahm am
3.
September und 2
9.
November 2018 Stellung zum Gutachten des
C._
und reichte - zusammen mit der Aktenstellungnahme von
lic
. phil.
D._
vom 2
0.
August 2018 (
Urk.
9/423) - Ergänzungsfragen ein, welche den Gutachtern des
C._
noch zu stellen seien (
Urk.
9/422 und
Urk.
9/429). Die Beschwerdegegnerin setzte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom
5.
Dezember 2018 Frist bis zum
4.
Januar 2019 um Stellung zu nehmen, ob er mit den von der Beschwerdegegnerin formulierten Ergänzungsfragen im Schreiben vom
9.
November 2018 (
Urk.
9/428) einverstanden sei. Falls er sich nicht damit einverstanden erklären könne, würden sie eine anfechtbare Zwischenverfügung erlassen (
Urk.
9/430).
Der Beschwerdeführer liess diese Frist ungenutzt verstreichen, so dass die Beschwerdegegnerin die Ergänzungsfragen am
9.
Januar 2019 an die Gutachter zustellte (
Urk.
9/432). Damit kann von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs keine Rede sein.
Der Vollständigkeit halber ist hinzuzufügen, dass Fragen des Versicherten durch
den Versicherer nicht unbesehen
an die Gutachter zu stellen
sind - v
ielmehr
darf sich der Versicherungsträger darauf beschränken, lediglich die für den Einzelfall erheblichen Fragen weiterzuleiten
(Urteil des Bundesgerichts 9C_595/2018 vom 2
6.
November 2018 E. 4.3.1).
3.
3.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
6.
Oktober 2013
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
3.2
Gemäss
Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) sind Versicherungsleistungen - soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt - bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten zu gewähren. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem versicher
ten Ereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1-2 mit Hinweisen).
3.3
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärzt
lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeit
punkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender
geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicher
ten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
Für die Einstellung der vorübergehenden Leistungen braucht der Entscheid der Invalidenversicherung über Eingliederungsmassnahmen nicht abgewartet zu werden, wenn von weiterer ärztlicher Behandlung keine namhafte gesundheit
liche Besserung mehr erwartet werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2013 Urteil vom 16. Januar 2014 E. 3.3) und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass durch allfällige Eingliederungsmassnahmen das der Invaliditäts
bemessung der Suva gestützt auf die medizinischen Abklärungen zugrunde gelegte Invalideneinkommen verbessert und so der die Invalidenrente der Unfall
versicherung bestimmende Invaliditätsgrad beeinflusst werden kann (vgl. Urteil des Bundesgericht 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.5).
3.4
3.4.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
li
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
den
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse
Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
3.4.2
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publi
ziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheits
schadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusam
menhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76). Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
3
.5
3.5.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist,
einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
3.5.2
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Gesundheitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergange
nen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versiche
rungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133
E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen).
Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei
– ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorgenommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
3.5.3
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittel
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen massgebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237, 1995 Nr. U 215 S. 91).
3.5.4
Bei banalen Unfällen wie zum Beispiel bei geringfügigem Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des Fusses und bei leichten Unfällen wie zum Beispiel einem gewöhnlichen Sturz oder Ausrutschen kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen
werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesund
heitsschaden zu verursachen (BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6a).
3.5.5
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwür
digung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109
E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungsweise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbe
zogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt
haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
3.6
Hinsichtlich des Beweiswertes
eines ärztlichen Berichtes
ist
entscheidend
, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4
.
4
.1
Die Besc
hwerdegegnerin stellte im angefochtenen
Einspracheentscheid
im Wesentlichen auf das
polydisziplinäre Gutachten des
C._
vom 2
0.
Juli 2018 (
Urk.
9/418) sowie das Ergänzungsgutachten vom
7.
März 2019 (
Urk.
9/438)
ab. Darin wer
den die bis zur Begutachtung des
Beschwerdeführ
ers
aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (
Urk.
9/418/30 ff
.), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
4
.1.1
Die begutachtenden Ärzte des
C._
notierten folgende unfallkausalen Diagnosen mit (passageren) Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
9/418/19 f.):
1.
Leichte traumatische Hirnverletzung nach EFNS 2012 (ICD-10 806.0) sowie HWS-Distorsion QTF II° (ICD-10 S13.4) mit/bei:
-
Initialsymptomatik: eigenanamnestisch kurze Bewusstlosigkeit (LOC < 30 Minuten), kurze retro- resp.
anterograde
posttraumatische Amnesie (PTA < 24 Stunden), GCS nicht dokumentiert
-
bildgebend (MRI vom 09.10.2013 und 02.06.2015): mit Nachweis eines nicht traumatischen
Parenchymdefektes
im
Precuneus
links, überwiegend wahrscheinlich
posthypoxischer
Genese im Sinne einer perinatalen Läsion bei:
-
Status nach
Notfallsectio
caesarea
und
-
fehlendem Nachweis einer strukturellen posttraumatischen Hirnver
letzung oder einer entzündlichen, vaskulären oder neoplastischen ZNS-Erkrankung
1.1.
neurolog
isch aktuell unauffällig bei Status nach
persistierenden Kopfschmer
zen,
zurückzuführen auf eine leichte traumatische Hirnverl
etzung nach ICHD III
beta
sowie Status nach
persistierenden Kopfschmerzen, zurückzuführen auf eine HWS-Distorsion nach
ICHD-III
beta
(ICD-10
G44.3)
1.2.
neuropsychologisch aktuell S
tatus quo ante/sine bei vorübergehender Verschlechterung
im Rahmen der leichten traumatischen Hirnverletzung.
Aktuell Nachweis einer minimalen bis leichten neuropsychologischen Funktionsstörung
und eingeschränkten Belastbarkeit multifaktorieller (unfall
fremder) Genese bei:
-
Status nach
mehrfachen Schädel-Hirn-Traumata in der Vorgeschichte
-
bildgebend altem
Parenchymdefekt
im
Precuneus
links
-
Diagnose
1.
4.
und
Diagnose
2
-
psychoreaktiver Ü
berlagerung (unspezifische Somatisierungsstörung)
-
Verdacht auf
dekompensierte
ADHS
1.3.
psychiatrisch aktuell unauffällig bei Status nach Anpassungsstörung mit längerer
depressiver Reaktion 2013 bis anfangs 2015 (ICD-10: F43.21)
1.4.
ORL-ärztlich: aktuell S
tatus quo ante/sine bei vorübergehender Verschlech
terung
des vorbestehenden Tinnitus und aktenanamnestisch vorübergehen
den Zeichen einer
peripher-vestibulären Funktionsstörung im Sinne eines BPLS bei Commotio
labyrinthiam
06.10.13.
Aktuell mittelgradiger, kompensierter Tinnitus beidseits (ICD-10: H93.1)
bei
Normakusis
und intermittierender
Hyperakusis
sowie subjektive Gleich
gewichtsbeschwerden
ohne eindeutige Hinweise auf eine klinisch manifeste peripher-vestibuläre
Störung bei fehlenden Zeichen einer
zentralvestibulären
Funktionsstörung (unfallfremd)
Als unfallfremde Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielten sie folgendes fest (
Urk.
9/418/20):
2.
Episodischer Spannungskopfschmerz nach ICHD III
beta
(ICD-10 G44.2)
3.
Ophthalmologisch
-
Astigmatismus
myopicus
compositus
-
Exophorie
mit etwas grösserem Nahwinkel
-
Leichte Akkommodationsstörungen
Unfallkausale oder unfallfremde Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit notierten die Gutachter keine.
4
.1.2
Die Gutachter konstatierten
(
Urk.
9/418/22
)
,
dass - w
ie im neurologischen Fachgutachten zusammenfassend und
in den Fachgutachten im Einzelnen herge
leitet - beim Beschwerdeführer
aktuell keine gesundheitlichen Störungen mehr vor
lägen
, die mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit auf das Unfallereignis im Oktober
2013 zurückgeführt werden könn
t
en.
Der Be
s
chwerdeführer beklage
jedoch Beschwerd
en, die unfallfremder Natur
seien. Darunter fie
len aus fachärztlicher Sicht ein episodischer Spannungskopf
schmerz nac
h ICHD III
beta
, ein Astigmatis
mus, eine
Exophorie
mit etwas grösserem Nahwinkel, leichte
Akkomodationsstörungen
, ein mit
telgradiger, kompensierter Tinnitus sowie eine minimale bis leichte neuropsychologische Störung mit eingeschr
änkter Belastbarkeit. Daneben mü
ss
e
aus interdisziplinärer Sicht auch hinsichtlich des langjährigen Heilungsverlaufes nach dem Unfall auf krankheitsfremde Faktoren in Form einer
Dekonditionierung
bei Schon- und Vermeidungsverhalten hingewiesen werden, wobei eine auffäll
ige Diskrepanz zwischen den ins
gesamt eher leichtgradig ausgeprägten objektivierbaren Befun
den und der Selbsteinschätzung des
Beschwerdeführers bestehe
.
Aus interdis
ziplinärer Sicht sei
diese Diskrepanz überwiegend wahrscheinlich nicht einer allfälligen (bewusstseinsnahen) Agg
ravation geschuldet, sondern sei
das Resultat eines ungünstigen Zusammenwirkens unfallfremder, teilweise auch krankheits
fremder Faktoren.
Die Gutachter führten in Bezug auf die funktionellen Einschränkungen
unter Berücksichtigung sämtlicher gesundheitlicher Einschränkungen aus
(
Urk.
9/418/23 f.)
, dass sich a
ufgrund des episodischen Spannungskopfschmerzes in leicht bis mittelstarker Ausprägung mit eher niedriger Frequenz, insbesondere aber guter Behandelbarkeit mit einfachen NSAR
und darunter rascher
Beschwer
den
regredienz
keine quantitative Leistungsminderung begründen
lasse
, die über die durch die neuropsycholo
gische Störung begründbare Leis
tungsminderung hinausreich
e
.
Aus neuro
logisch-ORL-ärztlicher Sicht lä
gen keine eindeutig objektivierbaren Befunde vor, die die subjektiv beklagten Koordinations-/Gleichgewichts
beschwerden des
Beschwerdeführers hin
reichend erklären könnten. Eine klinisch manifeste peri
pher-vestibuläre Störung bestehe
nicht.
Beim Tinnitus sei
der S
tatus quo
ante wieder erreicht und es lä
gen gleiche Verhältnisse wie vor dem Unfall vor.
Aus ophthalmologischer Sicht sei
es denkbar, dass durch
die Kombination aus leichter
Ak
komodationsstörung
,
Exophorie
und Myopie eine visuelle Ermüdung bei Tätigkeiten
am PC und im Nahbereich auftrete
. Ei
ne
höhergradige
Einschrän
kung kö
nn
e
damit jedoch nicht erklärt werden, insbesondere, da sowohl die Myopie als auch
Exophorie
vorbestehend
gewesen seien
und der
Beschwerde
führer
sich daran gewöhnt haben sollte. Unter d
er Annahme, dass die
Akkomo
dati
onsstörung
neu hinzugekommen
sei, kö
nn
e
mit der aktuell vorliegenden leichtgradigen Ausprägung eine
höhergradige
visuelle Leistungsbeeinträchtigung ebenso wenig erklärt werden. Leichtgradige Beeinträchtigungen der Leistungs
fähigkeit, insbesondere bei Tätigkeiten am
PC, lie
ssen sich aber aus interdiszipli
närer Sicht durchaus begründen, v.a. in Kombination mit den anderen, eben genannten Beschwerden.
4
.1.3
Aus neurol
ogisch-neuropsychologischer Sicht in Anwend
ung des Mini-ICF-APP (siehe neu
rop
sychologisches Fachgutachten) kö
nn
e
zusammenfassend folgendes postuliert werden: Der
Beschwerdeführer
bes
itze
die Fähigkeit, sich an Regeln und Routinen anpassen zu können. Er k
ö
nn
e
auch durchaus im privaten und beruflichen Kontext Planungsaufgaben bewältigen, wobei bei komplexen Anfor
derungen ein leicht erhöhter Zeitbedarf anzunehmen
sei
. Der
Beschwerdeführer sei
grundsätzlich in der Lage, sich flexibel an
unterschiedliche Situationen an
zupassen und situationsabhängig unterschiedliche Verhaltensweisen zu zeigen. Situations
spezifisch ergä
ben
sich jedoch Limitierungen. So sei
bei unerwarteten Veränderungen von Handlungsabläufen oder Rahmenbedingungen gemäss der
Verhaltensbeobachtung und den erhobenen Testresultaten mit leicht verlangsam
ten und fehlerhaften Handlungen
bzw. leich
ten Anpassungsproblemen zu rechnen. Bereits erworbene fachliche Kompetenzen könn
t
en angewendet werden. Somit erg
ä
ben sich im Hinblick auf die Anwendung beruflichen Wissens keine
Hinweise auf entsprechende Ein
schränkungen. In Bezug auf die Bewertung eigenen Verhaltens, förderlicher und hinderlicher Bedingungen zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit, der Minimierung körperlicher Beschwerden und therapeu
tischer Interventionen existiere
jedoch
ein p
ersönlichkeitsbedingter Bias
so
wie ein dysfunktionales Vermeidungsverhalten, was eine erfolgreiche Krankheits
bewältigung
behindere
.
D
ie Durchhaltefähigkeit erscheine
durch die Verunsich
erung durch die körper
lichen Be
schwerden diffuser Natur nach Mini-ICF-Graduierung in
mittelgradigem bis schwerem Aus
mass limitiert, was sich wiederum auf die Fähigkeit zu Spontanaktivitäten auswirk
e
. Hingegen
sei
die Selbstbehauptungsfähigkeit, die Kontakt
fähigkeit, die Gruppenfähigkeit und
die Fähigkeit zu familiären Beziehungen erhalten.
Entgegen
seiner eigenen Einschätzung sei
aus interdisziplinärer Sicht die Verkehrsfähigkeit
gegeben. Es fä
nden sich keine Leistungseinbussen, die in Art oder Ausmass die Fahrtüchtigkeit oder die Teilnahme am öffentlichen Verkehr (Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel) wesentlich beeinträchtig
t
en. Der leichten Verlangsamung der
Reaktionsgeschwindigkeit stünd
en
eine äusserst rasche visuelle Ü
berblicksgewinnung und unauffällige selektive sowie geteilte Aufmerksamkeitsleistungen gegenüber, so dass sie von einem geübten Autofahrer gut
kompensiert werden könne
.
Bei den erfolgten Bewer
tungen lie
ssen sich Einschränkungen
infolge kognitiver Leistungsein
bussen und solchen, die Folge erlebter Körperbeschwerde
n bzw. deren Interpretation dar
stell
t
en, kaum auseinanderhalten. Aus psychiatrischer Sicht könn
t
en bei derzeit fehlenden psychiatrischen Diagnosen keine Leistungs
def
izite benannt werden. Es bestehe
aber ein langwieriger Heilverlauf mit Zeichen einer deutlichen
Chronifizierung
. Der
Beschwerdeführer sei
bisher in seinem Krankheitskonzept durchgängig durch das medizinische System gestützt
worden
und intensive Rehabilitationsbemühungen mit stationären Therapien oder beruf
lichen Massnahmen
hätten
bisher nicht statt
gefunden. Es sei davon auszugeh
en, dass eine
Dekonditionierung
vorlieg
e
.
Im Hinblick auf die gesamthaft festgestellte minimale bis leichte neuropsychol
o
gische Störung kö
nn
e
allgemein festgehalten werden, dass sich Patienten mit einer derart leichten neuropsychologischen Störung subjektiv beeinträchtigt fühlen können, ihre Funktionsfähigkeit im privaten Alltag und unter den meisten beruflichen Anforderungen aber (anhand der objektivierbaren Parameter) nicht eingeschränkt
sei
. Unter starker Belastung und in Berufen mit sehr hohen kogni
tiven Ansprüchen, zu der
sie
aus interdisziplinärer Sicht
die
letzte Tätigkeit
des Beschwerdeführers
bei
Y._
zählen würden, könn
t
en leich
te Leistungsein
schränkungen auftreten. Es fä
nden sich in der Regel keine fassbaren oder nur unter starker Belastung feststellbaren Persönlichkeitsänderungen, Auffälligkeiten in den Bereichen d
er Affektivität oder des Verhal
tens, was insbesondere von psychiatrischer Seite
habe bestätigt werden können
.
Die aktuell vorliegende minimale bis leichte
neuropsychologische Störung sei
angesichts der
verschiedenen unfallfremden Faktoren (Status nach
mehrfachen Schädel-Hirn-Traumata in der
Vorgeschichte, altem
Parenchymdefekt
im
Precuneus
links, Tinnitus, Spannungskopfschmerzen, p
sychoreaktive Überlage
rung, Verdacht auf
dekompensierte
ADHS),
des fehlenden organische
n
Korrelat
s
sowie durch die zusätzlich vorliegenden deutlichen Zeichen einer
Dekonditionie
rung
und eines (erlernten) ängstlich gefärbten Vermeidungsverhaltens, was die
Chronifizierung
der Beschwerden
in erheblichem Masse unterstütz
e, da
s Resultat der Summe aus genann
ten Faktoren.
4
.2
Lic
. phil.
D._
nahm am 2
0.
August 2018 ausführlich Stellung zum neuro
psychologischen Teilgutachten des
C._
vom 2
0.
Juli 201
8.
Sie hielt zusammen
fassend fest (
Urk.
9/423/9 f.),
dass beim neuropsychologischen Fachgutac
hten die relevanten Hirnfunktionen mi
t Ausnahme der visuell-räumlich mnestischen Funktionen unter Berücksichtigung der vorgebrachten Beschwerden mit geeigneten Testverfahren und F
ragebogen untersucht worden seien.
Bei der Auswertung und Interpretation
der erzielten Testergebnisse sei
unklar, welches
Ausbildungsniveau bei der Ermittlung der
Kennwerte zugrunde gelegt worden sei
. Dies sollte unter Angabe d
er Rohdaten und der bildungskorrigierten Referenz
werte nachprüfbar nachgeholt werden. D
i
e visuell-räumliche Lernleis
tung und
die erhöhte Ermüdbarkeit seien
nicht in die abschliessende Beurteilung mit einbezogen
worden
.
Der Schweregrad der neuropsychol
ogischen Funktions
störung kö
nn
e
erst nach einer Behebung dieser Mängel definitiv beurteilt werden. Aus dem neuropsychologische
n Fachgutachten vom 2
0.
Juli
2018 könn
t
en deshalb auch keine Aussagen zur Arbeitsfähigkeit abgeleitet werden, bevor
diese Mängel nicht behoben seien.
4
.3
Die Gutachter des
C._
,
Dr.
phil.
E._
,
eidg
. anerkannte Psycho
therapeutin und Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, und
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Neurologie, hielten in ihrem Ergänzungsgutachten vom
7.
März 2019 fest (
Urk.
9/438/7 f.), dass n
ach derzeitigem Stand der Lit
eratur
eine bleibende,
Richtung gebende Verschlechteru
ng der kognitiven Leistungs
fähigkeit durch eine MTBI
(mild
traumatic
brain
injury
)
ohne nach
weisbare Läsionen in der Bildge
b
ung äusserst unwahrscheinlich sei
. Milde traumatische Hirnverletzungen produzier
t
en vorübergehende Veränderungen der Hirnfunktion einschliesslich Veränderungen des
lonentransports
, der Neurotransmitter, hormo
neller Abweichungen und Veränderungen im Blutfluss („
neurome-tabolic
cascade
"). Die neurologische Erhol
ung von diesem Prozess geschehe
gewöhnlich innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen, während die subjektiven Beschwer
den hinsichtlich Dauer und Schwere erheblich variier
ten. Der Erholungsverlauf sei
also sehr variabel und von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Zahlreiche Meta-Analysen zu neurokognitiven Veränderungen nach MTBI
hätten
keine nachhaltigen oder langfristigen Abnormitäten finden
können. Eine jüngere Meta-Analyse habe
eine vorübergehende Störung
von Lern- und Gedächtnisfunktio
nen unmittelbar im Anschluss an eine MTBI
gefunden
. Drei Monate nach dem Erei
gnis sei kein bedeut
samer Effekt mehr nachweisbar
gewesen
.
Die Beschwerden
des Beschwerdeführers seien
ihrer Natur nach unspezifisch und erlaub
t
en nicht den Rückschluss auf eine zugrundeliegende Neuropathologie.
Er leide
neben der erlittenen MTBI unter einer Reihe von somatischen Beschwerden, die ihrerseits, auch ohne d
urchgemachte MTBI, geeignet seien,
neuropsycholo
gische Funktionsstörungen im dokumentierten Aus
mass hervorzurufen. Hierzu zähle
neben den Kopfschmerzen auch der Tinnitus. Erwartungseffekte, verminderte Stresstoleranz und eine gewisse unbewusste Verdeutlichung
inner
halb der Begutachtung seien
als weitere, leistungshemmende Faktoren zu n
ennen. Die erlittene MTBI stelle
- wenn überhaupt - also nur eine Variable unter vielen,
kumulativ wirkenden Ei
nflüssen dar; schon deshalb kö
nn
e
ihr kein isolierter Anteil an der verminderten kognitiven Leistungsfähigkeit zugeordnet werden.
Darüber hinaus spr
ä
chen eine Reihe von Studien für einen engen Zusammenhang zwischen prätraumatischen somatischen und/oder psychologischen bzw. psychi
atrischen Problemen und verstärkten
p
ostkommotionellen
Symptomen
und verminderter Wahrscheinlichkeit nach einem MTBI einer be
ruflichen Tätigkeit nachzugehen. Andere Studien hätten
zeigen
können
, dass die Wahrscheinlichkeit von Perso
nen
,
nach MTBI
postkommotionelle
Symptome zu erlei
den
,
nicht höher sei
als diejenige von Personen, die ein phys
isches Trauma erlitten
hätten
. Die psy
chologische
Anpassung an das Ereignis habe
sich als der entscheidende Prädiktor für das Auftreten solcher Sympto
me erwiesen.
5.
5
.1
Das Gutachten des
C._
vom 2
0.
Juli 2018
(
Urk.
9/418
) sowie das
Ergänzungs
gutachten vom
7.
März 2019 (
Urk.
9/438
) beruhen auf für die streitigen Belange umfassenden fachärztlichen Untersuchungen und wurden in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) verfasst. Die Gutachter haben detaillierte Befunde und hieraus begründete Diagnosen erhoben, die geklagten Beschwerden berücksich
tigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinan
dergesetzt. Zudem haben sie grundsätzlich die medi
zinischen Zustände und Zusammen
hänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nachvoll
ziehba
r begründet. Die Gutachten des
C._
erfüllen daher die rechtsprechungs
gemässen Anforderungen an beweis
kräftig
e ärztliche
Entscheidungsgrundlagen (
vgl. E. 3.6
).
5.
2
Der Beschwerdeführer bemängelte insbesondere das neuropsychologische Teilgutachten von
Dr.
E._
und kritisierte, dass bis heute nicht offengelegt worden sei, mit welcher Referenzgruppe der Beschwerdeführer verglichen worden sei (
Urk.
1 S. 8).
Darüber hinaus sei die erhöhte Ermüdbarkeit und das vermehrte Schlafbedürfnis nicht ausreichend berücksichtigt worden in der abschliessenden Beurteilung (
Urk.
13).
Dem ist entgegenzuhalten, dass
lic
. phil.
D._
in ihrer Aktenstellungnahme ausführte, dass die an drei Terminen durchgeführte insgesamt gegen 16 Stunden dauernden neuropsychologischen Untersuchungen mit der jeweils etwa
1.5-stündigen Anreise geeignet gewesen seien, auch die vorgebrachten Konzentra
tionsprobleme und die vermehrte Ermüdung bei länger andauernder, psycho
mentaler Beanspruchung strukturiert zu erfassen (
Urk.
9/423/6) - ihre Ausführung, wonach dies zwar erfasst worden sei, aber die entsprechenden
Befunde nicht in die abschliessende Beurteilung miteinbezogen worden seien (
Urk.
9/423/8), sind ohne weitere Angabe von Gründen
,
woraus sie dies schliesst, nicht nachvollziehbar.
Hinzu kommt, dass im Ergänzungsgutachten von
Dr.
E._
und
Dr.
F._
ausführlich dargelegt wurde, dass die vom Beschwerdeführer angegebene Ermüdbarkeit durchaus in die Gesamtbeurteilung miteingeflossen sei, sich allerdings kein Beleg dafür habe finden lassen, dass die subjektiv erlebte Müdigkeit mit der Leistungsfähigkeit korreliert habe bzw. sich bei Analyse der Testleistungen in Abhängigkeit vom Testzeitpunkt bzw. voran
gegangener Untersuchungsdau
er und jeweils bekundeter Mü
digkeit kein systematischer Zusammenhang habe eruieren lassen (
Urk.
9/438/4) - darauf kann verwiesen werden.
Dr.
E._
hielt in ihrem neuropsychologischen Teilgutachten fest, dass je nach Verfügbarkeit die alters-, geschlechts- und/oder bildungskorrigierten Normen herangezogen worden seien (
Urk.
9/418/102).
Angesichts der ausführ
lichen Anamnese inkl. Vorschulzeit, Schulzeit, Berufs-/Arbeits-/Tätigkeitsanam
nese im neuropsychologischen Teilgutachten, worin die Bildungslaufbahn des Beschwerdeführers dargestellt wurde, als auch der unbestrittenen fachlichen Qualifikation von
Dr.
E._
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sie die entsprechenden Parameter nicht ausreichend berücksichtigt hätte. Im Gegenteil wurden - sofern mehrere Normierungen vorlagen - diese nebst den zentralen Rohwerten auch vollständig aufgeführt, so dass die relevanten Einflüsse von Alter und Bildung darges
tellt wurden (vgl. hierzu
Urk.
9
/418/102 ff.).
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die erneute Stellung
nahme von
lic
. phil.
D._
vom 2
9.
Mai 2019 sich lediglich allgemein damit befasst, welchen Einfluss das Heranziehen eines falschen Bildungsniveaus nach sich ziehen kann (
Urk.
3/9) - wie bereits gezeigt bestehen in
casu
allerdings keine Hinweise darauf, dass
Dr.
E._
ein falsches Bildungsniveau herbeigezogen hätte.
5.
3
Der Beschwerdeführer reichte des Weiteren den Bericht von
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Chefarzt Sportmedizin an der
Klinik H._
, vom
1.
April 2019 ein. Darin führte dieser aus, dass der Beschwerdeführer im Bereich der Informatik-, respektive Bildschirmtätigkeit glaubhaft absolut nicht belastungsfähig sei. Für den ursprünglichen Beruf sei er weiterhin vollumfänglich arbeitsunfähig (
Urk.
3/12).
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass d
ie a
ttestierte Arbeitsunfähigkeit
ohne weitere objektive Befunde nicht nachvollziehbar
ist
.
Des Weiteren ist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hinzuweisen, wonach der Umstand allein, dass behandelnde Fachärzte eine vom eingeholten Gutachten abweichende
Meinung äussern, nicht Anlass zu weiteren Abklärungen gibt oder das Gutachten in Frage zu s
tellen
vermögen
; anders würde es sich verhalten, wenn die behan
delnden Ärzte konkrete, objektiv fassbare Aspekte namhaft machen, die dem ärztlichen Experten entgangen sind oder mit denen er sich nicht befasst hat
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
2.
August 2006 U 58/06 E. 2.2) - was vorliegend allerdings nicht der Fall ist.
5.
4
Auch die Ausführungen von
I._
, bei welchem der Beschwerde
führer eine Fahrberatung absolvierte, vermögen weder Zweifel am
C._
-Gutach
ten auszulösen noch eine
höhergradige
Einschränkung des Beschwerdeführers wahrscheinlich erscheinen lassen.
I._
führte auf Rückfrage des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers aus, dass er dem Beschwerdeführer geraten habe, nicht länger als eine halbe Stunde und nur ausgeruht am Steuer
zu verweilen. Dass er gewisse Signale oder Gefahren zu spät oder gar nicht wahr
genommen habe, könne auf mangelnde Voraussicht und/oder mangelnde Konzentration zurückgeführt werden.
De
r erste Eindruck vom Beschwerdeführer könne täuschen, seine Leistungseinschränkungen sehe man eher auf den zweiten Bli
ck (
Urk.
14/3). Daraus lassen sich allerdings keine objektivierten und medizinisch nachvollziehbaren Rückschlüsse auf das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers ableiten, da die mangelnde Voraussicht/Konzentration auch auf krankheitsfremde Gründe, wie zum Beispiel lange
s
Pausieren mit
Autofahren, zurückzuführen sein können.
5.5
Anlässlich der Verhandlung reichte der Beschwerdeführer eine Liste mit Bean
standungen hinsichtlich des
C._
-Gutachtens ein (
Urk.
24/2).
Des Weiteren gab er
ergänzend
zu Protokoll, dass er sich bzw. seine Situation im Gutachten nicht wiedergegeben fühle.
Es sei nicht berücksichtigt worden, dass er zwar kurze Zeit leistungsfähig sein könne, allerdings danach eine ausgedehnte Erholungszeit brauche, da er nicht mehr leistungsfähig sei. Damit komme er nicht auf die gutachterlich attestierten 80
%
Arbeitsfähigkeit, auch wenn er das möchte. Vor der Begutachtung habe er vier Wochen Ferien und drei Wochen eine Grippe gehabt, so dass er so erholt wie schon lange nicht mehr
gewesen sei
. Das Gutachten gebe seine Realität nicht wieder.
Aus diesen Vorbringen wird erneut deutlich, dass der subjektive Leidensdruck des Beschwerdeführers erheblich ist
- was
nicht in Abrede zu stellen ist
. Allerdings bringt er keine
neuen
konkreten, objektiv fassbaren Aspekte vor, die den ärzt
lichen Experten entgangen sind oder die zu einer anderen rechtlichen Beurteilung Anlass geben würden.
Entsprechend vermögen d
iese
Vorbringen
das beweiskräf
tige Gutachten (vgl. E. 5.1)
nicht zu entkräften.
6.
Zu prüfen ist
, ob der Fallabschluss per
6.
Februar 2018 zu Recht erfolgte und falls ja, ob die weiterhin bestehenden Restbeschwerden noch kausal zum Ereignis vom
6.
Oktober 2013 sind.
6.
1
Der Beschwerdeführer führte diesbezüglich aus, dass der Tinnitus stärker sei als vor dem Unfall
.
Schwindel, Gleichgewichtsprobleme und Sehbeschwerden habe er vorher nie gehabt. Kopfschmerzen seien zuvor nur während einer kurzen Episode nach dem Tod des Vaters aufgetaucht, vorher und nachher sei
en
dies
e
nie Thema gewesen. Der Status quo ante sei
entsprechend nicht erreicht
mit Datum der neurologischen Begutachtung und sein Gesundheitszustand habe sich langsam aber stetig verändert. Daher sei der Zeitpunkt für den Fallabschluss nicht eingetreten, da nach wie vor erhebliche Verbesserungen zu
erwarten seien (
Urk.
1 S. 8).
6
.2
Der Zeitpunkt des allfälligen Fallabschlusses - und damit der in diesem Zusam
menhang gegebenenfalls vorzunehmenden Adäquanzprüfung - ist dann gegeben, „wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des - unfallbedingt beeinträchtigten - Gesundheitszustands mehr erwartet werden kann“ (BGE 137 V 199 E. 2.2.3.1). Die namhafte Verbesserung bezieht sich hierbei in erster Linie auf die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 4.3).
Die Gutachter des
C._
konstatierten diesbezüglich
zusammenfassend
, dass aus interdisziplinärer Sicht
keine medizinischen Massnahmen genannt werden
könnten
, die zu einer namhaften Verbesserung der Arbeitsfähigkeit führen
würden
(
Urk.
9/418/26)
.
Der Fallabschluss per
6.
Februar 2018 ist entsprechend nicht zu beanstanden.
7.
Zu prüfen bleibt die Unfallkausalität der weiterhin bestehenden Beschwerden.
7.1
D
ie Gutachter
legten
bezüglich des somatischen Besc
hwerdekomplexes ausführ
lich dar
, dass die vom Beschwerdeführer aktuell noch beklagten somatischen Beschwerden
(Schwindel
, Kopfschmerzen, Tinnitus sowie
visuelle
Störungen
)
entweder ohne organisches Korrelat seien oder bereits vorbestehend waren (vgl. E. 4.1.2).
Im
ophtalmologischen
Teilgutachten wurde diesbezüglich dargelegt, dass
die aktuell objektivierten
ophtalmologischen
Befunde mit leicht verminderter
Akkomodationsbreite
, Astigmatismus und
Exophorie
die vom Beschwerdeführer als stark beeinträchtigend empfundenen visuellen Störungen nicht hinreichend
erklären könnten. Zwar seien vergleichbare Beschwerden im Rahmen eines
post
commotionellen
Syndroms oder im Rahmen von HWS-Distorsionen beschrieben, jedoch könne nach fast fünf Jahren nach dem Ereignis und der Milde des initialen Traumas die mehrjährige Beschwerdepersistenz auf organischer Ebene nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erklärt werden, insbesondere da die objektivierbaren
ophtalmologischen
Befunde durchaus auch bei gesunden Personen vorkämen und nicht zwangsläufig zu spürbaren Beschwerden führten (
Urk.
9/418/169).
Aus ORL-ärztlicher Sicht sei es in der retrospektiven Betrachtung überwiegend wahrscheinlich zu einer Commotio
labyrinthi
im Zuge des Schädeltraumas gekommen. Diese sei vereinbar mit den aktuell unauffälligen
otoneurologischen
Befunden und der ei
genanamnestisch beschriebenen d
e
u
tlichen Besserung der initialen Schwindelsymptomatik. Auch das aktuell beschriebene, eher unspezi
fische Schaukel-/Schwindelgefühl nach körperlicher Belastung sei bei fehlender Lage-/Lagerungsabhängigkeit der Schwindelbeschwerden kaum mit einer anhaltenden traumatisch bedingten
Kanalolithiasis
/BPLS vereinbar. Somit sei der Status quo ante in
Referenzierung
auf den vorbestehenden Tinnitus und mit dem unauffälligen ORL-ärztlichen Befund der Schwindelsprechstunde
J._
im Juni 2015 festzule
gen (
Urk.
9/418/179).
Im neurologischen Teilgutachten führte
Dr.
F._
des Weiteren äusserst ausführlich aus, dass das Unfallereignis zwar zu persistierenden Kopfschmerzen führ
te
, der Status quo sine/ante allerdings bereits im Dezember 2014 erreicht gewesen sei. Aktuell könne nur die Diagnose eines primären episodischen Spannungskopfschmerzes nach ICHD-III
beta
bei aktuell fehlender organisch begründbarer natürlicher Kausalität zum Unfallereignis gestellt werden. Auf diese Ausführungen kann verwiesen werden (
Urk.
9/418/147 ff.). Des Weiteren begrün
dete sie nachvollziehbar und schlüssig, dass sich aus neurologischer,
ophtal
mologischer
und ORL-ärztlicher Sicht kein
pathomorphologisches
Korrelat der subjektiv empfundenen Koordinationsstörungen und des subjektiv empfundenen Schwindelgefühls finde, wora
uf ebenfalls zu verweisen ist (
Urk.
9/418/
149 ff.).
7.2
In Bezug auf die neurokognitiven Einschränkungen erläuterte
Dr.
F._
im neurologischen Teilgutachten schlüssig, aus neurologisch-neuropsychologischer Sicht
sei
davon auszugehen, dass die
dysexekutive
Störung schon vorbestehend gewesen sei, so dass spätestens mit Datum der aktuellen Begutachtung der Status quo ante erreicht sei. So müsse anhand der anamnestischen Angaben und der bildgebend nachgewiesenen Läsion im
Precuneus
, die überwiegend wahrschein
lich Ausdruck einer perinatalen Hypoxie bei Geburtskomplikationen sei, davon ausgegangen werden, dass die in der Schulzeit berichteten schlechten schulischen
Leistungen
a.e
. Au
s
druck einer prätraumatisch vorbestehenden neurokognitiven Störung gewesen sei
en
. Von neuropsychologischer Seite würde das Profil auch zu einem ADHS mit Störungen der Exekutivfunktionen passen, wobei von psychiatrischer Seite diese Diagnose aktuell nicht gestellt werden könne. Die Läsion im
Precuneus
links könne darüber hinaus noch einen Teil zum prolongier
ten Verlauf nach LTHV (leichter traumatischer Hir
nverletzung) beigetragen haben (
Urk.
9/418/157 ff.). Die aktuell vorliegende minimale bis leichte neuropsycho
logische Störung sei angesichts der aufgeführten verschiedenen unfallfremden Faktoren und bei fehlendem organischen Korrelat überwiegend wahrscheinlich nicht mehr unfallkausal, sondern die Summe unfallfremder Faktoren, die grösstenteils schon vorbestehend gewesen seien, aktuell
aggraviert
durch die deutlichen Zeichen einer
Dekonditionierung
u
nd eines (erlernten) ängstlich
gefärbten Vermeidungsverhaltens, was die
Chronifizierung
der Beschwerden in erhe
blichem Masse unterstütze (
Urk.
9/418/164).
Im Ergänzungsgutachten erläuterten
Dr.
E._
und
Dr.
F._
darüber hinaus
, dass nach derzeitigem Stand der Literatur eine bleibende, Richtung gebende Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit durch eine MTBI ohne nachweisbare Läsionen in der Bildgebung äusserst unwahrscheinlich sei (vgl. E. 4.3;
Urk.
9/438/7).
7.3
Damit ist zusammenfassend mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die noch beklagten somatischen Beschwerden entweder ohne organisches Korrelat sind oder der Status quo ante/sine eingetreten ist.
8.
Zu klären ist
entsprechend
, ob die nicht durch organische Unfallfolgen nachweis
baren Beschwerden des Beschwerdeführers sowie seine psychischen Beschwerden auf das Unfallereignis vom
6.
Oktober 2013 zurückzuführen sind, bzw. diese adäquat kausal sind.
8.1
Die Anwendung der «Schleudertrauma-Praxis» setzt voraus, dass ein Schleuder
trauma der Halswirbelsäule (HWS-Distorsion) oder eine äquivalente Verletzung diagnostiziert wurde. Als adäquanzrechtlich gleich zu behandelnde Diagnosen gelten insbesondere auch Schädel-Hirn-Traumata. Allerdings muss zur Anwen
dung der
«
Schleudertrauma-Praxis
»
bei solchen Traumata der Schweregrad einer
Contusio
cerebri erreicht sein und die versicherte Person muss innerhalb von
72 Stunden nach dem Unfallereignis über Beschwerden aus dem Formenkreis de
s
nach Schleudertraumata oftmals beobachteten und daher typisch bezeichneten vielschichten Beschwerdebildes
klagen
(mit weiteren Hinweisen:
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Zürich/Basel/Genf 2012,
4.
Aufl.,
S. 59 f.).
Im Bericht des
Spital
s
A._
vom
9.
Oktober 2013 diagnostizierten die Ärzte eine Commotio cerebri (vgl.
Urk.
9/13). Die Gutachter des
C._
hielten eine MTBI bzw. LTHV fest. Damit ist der Schweregrad einer
Contusio
cerebri klarerweise nicht erreicht und die Prüfung der Adäquanz hat nach den Kriterien der «Psycho-Praxis» zu erfolgen.
8.2
Der Beschwerdeführer stürzte am
6.
Oktober 2013 während der Teilnahme an einem Triathlon in
Spanien vom Fahrrad
(vgl.
Urk.
9/1;
Urk.
9/6). Fahr
radstürze werden regelmässig als mittelschwere Unfälle im Grenzbereich zu den
leichten
Ereignissen qualifiziert (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_768/2008 vom
3.
Juni 2008
E. 4.1
;
Urteil des Bundesgerichts 8C_414/2017 vom 2
6.
Februar 2018 E. 3.4). Damit müssen
für die Bejahung eines adäquaten Kausalzusammenhangs
mindestens vier der massgeblichen Kriterien oder eines in besonderer Ausprägung erfüllt sein (
vgl. E. 3.5.5;
Urteil des Bundesgerichts 8C_414/2017 vom 2
6.
Februar 2018 E. 3.4
; Urteil des Bundesgerichts 8C_487/2009 vom
7.
Dezember 2009 E. 5).
8.3
8.3.1
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens beziehungsweise Angstgefühls der versicherten Person. Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann. Es wird nur das Unfallgeschehen an sich und nicht die dabei erlittene Verletzung betrachtet. Der nachfolgende Heilungsprozess wird bei diesem Krite
rium nicht einbezogen (Urteil des Bundesgerichts 8C_372/2013 vom 2
8.
Oktober 2013 E. 7 mit Hinweisen auf nicht
publ
. E. 3.5.1 des Urteils
BGE 137 V 199
; SVR 2013 UV Nr. 3 S. 7 E. 6.1 sowie Urteil 8C_15/2013 vom 24. Mai 2013 E. 7.1).
Nach der Rechtsprechung kann bei einer retrograden Amnesie dem Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls nicht die gleiche Bedeutung beigemessen werden, wie wenn eine unge
trübte Erinnerung an den Unfall besteht (Urteil des Bundesgerichts U 502/06 vom 2
3.
April 2007 E. 3.1 mit Hinweisen, vgl. auch Urteil 8C_899/2013 vom 1
5.
Mai 2014 E. 5.2.2).
Der Beschwerdeführer kann sich selbst nicht an das Ereignis erinnern
(vgl.
Urk.
9/13). Anlässlich der Begutachtung im
C._
gab er
an, dass er vermute, in der
Kurve auf Sand gefahren zu sein, so dass ihm das Rad weggerutscht sei
(
Urk.
9/418/14). Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls ist damit nicht gegeben.
8.3.2
Die Ärzte des
Spital
s
A._
hielten in ihrem Notfallbericht vom
9.
Oktober 2013 1) eine Commotio cerebri vom
6.
Oktober 2013 und 2) einen
Parenchymdefekt
links
hochfrontoparietal
, möglicherweise anlagebedingt fest. Computertomographisch seien keine Hinweise auf eine Blutung oder frische
ossäre
Läsionen gefunden worden (
Urk.
9/13). Die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, ist zu verneinen.
8.3.3
Bei der Prüfung des Kriteriums der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung sind die Folgen der organisch nicht ausgewiesenen Beschwerden nicht in die Beurteilung miteinzubeziehen (mit weiteren Hinweisen:
Rumo-Jungo
/Holzer, a.a.O., S. 71).
Der Beschwerdeführer befindet sich seit dem Unfall vom
6.
Oktober 2013 in ärztlicher bzw. therapeutischer Behandlung
(vgl.
Urk.
9/418
/17;
Urk.
9/418/97;
Urk.
9/444)
, womit das Kriterium zu bejahen ist, wenn auch nicht in besonders ausgeprägter Weise.
8.3.4
Psychische Beschwerden sind nicht in die Beurteilung des Kriteriums der körper
lichen Daue
rschmerzen miteinzubeziehen
, auch wenn sie als körperlich imponie
ren (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_825/2008 vom
9.
April 2009 E. 4.6). Entsprechend ist dieses Kriterium zu verneinen.
8.3.5
Das Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat, ist zweifelsfrei nicht gegeben.
8.3.6
Auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen (BGE 134 V 109 E. 10.2.6) darf nicht schon aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden geschlossen werden. Es bedarf vielmehr besonderer Gründe, welche die Genesung bis zum Fallabschluss beein
trächtigt oder verzögert haben. Der Umstand, dass trotz verschiedener Therapien keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte und der Heilungsverlauf nicht linear verlief, genügt
hiefür
nicht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E. 11.3 und 8C_29/2010 vom 2
7.
Mai 2010 E. 5.3).
Die beiden Teilaspekte des Kriteriums des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen müssen nicht kumulativ erfüllt sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_29/2010 vom 27. Mai 2010 E. 5.3 mit Hinweis auf SVR 2009 UV Nr. 41 S. 142).
Vorliegend ist dieses Kriterium gestützt auf die medizinische Aktenlage (vgl. hierzu
Urk.
9/418) zu verneinen, auch wenn der Beschwerdeführer weiterhin andauernde Beschwerden angibt.
8.3.7
Das Bundesgericht bejahte das Kriterium der physisch bedingten Arbeitsunfähig
keit bei einer vollen Arbeitsunfähigkeit während fast drei Jahren (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_116/2009 vom 2
6.
Juni 2009 E. 4.6), womit es in
casu
z
u bejahen ist -
wenn auch nicht in ausgeprägter Weise.
8.3.8
Zusammenfassend sind zwei der sieben Kriterien zu bejahen, keines davon in ausgeprägter Weise.
Entsprechend ist in der Gesamtwürdigung aufgrund der objektiv erfassbaren Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusam
menhang stehen oder als Folgen davon erscheinen, der adäquate Kausalzusam
menhang zwischen
dem Unfallereignis vom
6.
Oktober 2013 und der
nicht durch organische Unfallfolgen nachweisbaren Beschwerden des Beschwerdeführers sowie seine
n
psychischen Beschwerden
zu verneinen
(vgl. hierzu E. 3.5)
.
9.
Zusammenfassend erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
3.
Mai 2019 als rechtens und die Beschwerde ist abzuweisen.
10
.
10.1
Das vorliegende Verfahren ist kostenlos (Art. 61
lit
. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
10.2
Nach der Rechtsprechung sind unter dem Titel Parteientschädigung auch die Kosten privat eingeholter Gutachten zu vergüten, soweit die Parteiexpertise für die
Entscheidfindung
unerlässlich war (BGE 115 V 62 E. 5c S. 63; RKUV 2000
Nr. U 362 S. 44 E. 3b, U 360/98, Nr. U 395 S. 322 E. 7a, U 160/98; Urteil des ehema
ligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 591/06 vom 15. Dezember 2006, E. 5.1). Dieser Grundsatz ist für das Verwaltungsverfahren ausdrücklich in Art. 45 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG)
festgehalten.
Die vom Beschwerdeführer
e
ingeholte
Aktenstellungnahme von
lic
. phil.
D._
vom
2
0.
August 2018
(
Urk.
9/423) erweist
sich nach Gesagtem für die
Entscheid
findung
nicht als unerlässlich, weshalb das Gesuch um Übernahme der Kosten
von
Fr.
1'000.-- (
Urk.
3/4)
abzuweisen ist.