Decision ID: 56b1c271-ab2f-4e43-8696-528ab2d229fa
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die Ortsgemeinde X._ ist Eigentümerin des Grundstücks Nr. 000_, Grundbuch X._,
welches gemäss Zonenplan der politischen Gemeinde X._ vom 16. Juli 1999 in der
Gewerbe-Industriezone (GI A) sowie im Perimeter des Überbauungsplans Q._ vom
21. November 1990 (mit Änderungen vom 17. Oktober 2000 und 10. August 2011) liegt
und mit einer Markthalle überbaut ist. Die Markthallengenossenschaft Y._ hat ein
Baurecht auf Grundstück Nr. 000_; das Baurecht ist als eigenes Grundstück im
Grundbuch eingetragen. Nordöstlich des Grundstücks Nr. 000_ befinden sich die
Grundstücke Nrn. 001_, 002_ und 003_. Auf dem letztgenannten Grundstück,
welches der A._ AG, vormals B._ AG, gehört, stehen eine Gewerbebaute sowie eine
Mobilfunkanlage.
Mit Baugesuch vom 26. Februar 2018 beantragte die Swisscom (Schweiz) AG die
Bewilligung für den Bau einer Mobilfunkanlage im Bereich des Vordachs an der
nördlichen Gebäudeecke der Markthalle auf Grundstück Nr. 000_. Innert Auflagefrist
erhob die B._ AG, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Urs Pfister, St. Gallen,
Einsprache gegen das Bauvorhaben, mit welcher sie eine Unvollständigkeit des
Baugesuchs, die Überschreitung der zulässigen Gebäude- bzw. Firsthöhe sowie
übermässige Immissionen geltend machte. Mit Beschluss vom 7. März 2019 wies der
Gemeinderat X._ die öffentlich-rechtliche Einsprache sowie die Einsprache nach
Art. 684 des schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210; ZGB) ab und erteilte die
Baubewilligung unter Bedingungen und Auflagen (act. G 11/1 Beilage).
A.a.
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B.
Gegen diesen Beschluss erhob Rechtsanwalt Pfister für die B._ AG am 25. März 2019
Rekurs und beantragte in der Eingabe vom 6. Mai 2019 unter anderem Aufhebung des
angefochtenen Beschlusses sowie Gutheissung der öffentlich-rechtlichen Einsprache
sowie der privatrechtlichen Einsprache nach Art. 684 ZGB (act. G 11/1, 11/5). Nach
Erstattung eines Amtsberichts durch das Amt für Umwelt (AFU) vom 29. Juli 2019 (act.
G 11/17) und Durchführung eines Augenscheins an Ort am 17. September 2019 (act. G
11/24 f.) hiess das Baudepartement des Kantons St. Gallen den Rekurs mit Entscheid

vom 18. März 2020 im Sinn der Erwägungen teilweise gut und hob Ziffer 5 des
Beschlusses vom 7. März 2019 (Entscheidgebühr zulasten der Einsprecherin von
CHF 500) auf; im Übrigen wurde der Rekurs abgewiesen (act. G 2).
A.b.
Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt Pfister für die B._ AG mit Eingabe vom
2. April 2020 Beschwerde (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 22. Mai 2020
(act. G 5) stellte er die Rechtsbegehren, der Rekursentscheid sei, soweit der öffentlich-
rechtliche Rekurs abgewiesen worden sei, wegen Verletzung öffentlich-rechtlicher
Vorschriften aufzuheben; dementsprechend seien die Baubewilligung vom 7. März
2019 mit Einschluss sämtlicher weiterer Teilbewilligungen aufzuheben, das Baugesuch
sei abzuweisen, der Einspracheentscheid vom 7. März 2019 (die öffentlich-rechtliche
Einsprache betreffend) sei aufzuheben und die öffentlich-rechtliche Einsprache sei
gutzuheissen; eventualiter sei der Rekursentscheid wegen Verletzung öffentlich-
rechtlicher Vorschriften aufzuheben und die Angelegenheit zur nochmaligen
Beurteilung an das Baudepartement zurückzuweisen (Ziffer 1). Der Rekursentscheid
sei, soweit der Rekurs nach Art. 684 ZGB als abgewiesen zu betrachten sei, wegen
Verletzung von Art. 684 ZGB aufzuheben; dementsprechend seien die Baubewilligung
vom 7. März 2019 mit Einschluss sämtlicher weiterer Teilbewilligungen aufzuheben,
das Baugesuch sei abzuweisen, der Einspracheentscheid (die Einsprache nach
Art. 684 ZGB betreffend) sei aufzuheben und die privatrechtliche Einsprache sei
gutzuheissen sowie eine Frist zur Einleitung des Verfahrens auf dem Zivilrechtsweg
anzusetzen; eventualiter sei der Rekursentscheid aufzuheben und die Angelegenheit
zur nochmaligen Beurteilung an das Baudepartement zurückzuweisen (Ziffer 2). Unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen für das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren
(Ziffer 3).
B.a.
In der Vernehmlassung vom 8. Juni 2020 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
B.b.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin
ist als Eigentümerin der Liegenschaft Nr. 003_ und Empfängerin des angefochtenen
Entscheids ohne weiteres zur Ergreifung des Rechtsmittels befugt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 2. April
2020 (act. G 1) erfolgte rechtzeitig und erfüllt in Verbindung mit der
Beschwerdeergänzung vom 22. Mai 2020 (act. G 5) die formellen und inhaltlichen
Voraussetzungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist auf die
Beschwerde, soweit damit die Aufhebung des Entscheids der Beschwerdebeteiligten
vom 7. März 2019 (Baubewilligung und Einspracheentscheid) beantragt wird
(Devolutiveffekt, vgl. BGer 1C_560/2017 vom 17. Dezember 2018 E. 1.2 mit Hinweis
auf BGE 134 II 142 E. 1.4).
Der erstinstanzliche Beschluss der Beschwerdebeteiligten datiert vom 7. März 2019
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Ausführungen im angefochtenen
Entscheid und äusserte sich ergänzend zur Beschwerde (act. G 10). Die
beschwerdebeteiligte Gemeinde beantragte in der Vernehmlassung vom 18. Juni 2020
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf den Bauentscheid
(Beschluss vom 7. März 2019; act. G 13).
Mit Eingabe vom 7. September 2020 bestätigte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin seinen Standpunkt und teilte mit, dass die A._ AG für die B._ AG
in das Verfahren eintrete (act. G 17). Die Beschwerdebeteiligte und die
Beschwerdegegnerin hielten in ihren Eingaben vom 16. September 2020 (act. G 19)
und 25. September 2020 (act. G 20) ebenfalls an ihren Anträgen und ihren
Ausführungen fest. In einer weiteren Eingabe vom 5. Oktober 2020 gab die
Beschwerdegegnerin bekannt, dass sie auf weitere Ausführungen verzichte (act. G 22).
Die Beschwerdeführerin äusserte sich zusätzlich in einem Schreiben vom 12. Oktober
2020 (act. G 23).
B.c.
Auf die Darlegungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.d.
bis
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und erging damit nach Inkrafttreten des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1, PBG)
am 1. Oktober 2017 (nGS 2017-049). Auf das strittige Bauvorhaben ist somit das PBG
grundsätzlich anwendbar, soweit dessen Bestimmungen im vorliegenden
Zusammenhang überhaupt zum Tragen kommen.
2.
Die Beschwerdeführerin beantragt die Durchführung eines Augenscheins durch das
Gericht mit dem Hinweis, dass mit dem streitigen Bauvorhaben wesentlich höher
(mindestens 9 m) und damit dichter gebaut werden könne als nach den Vorschriften
des Überbauungsplans Q._ (Art. 4 der besonderen Vorschriften [besV]), die für den
Baubereich A eine Gebäude- und Firsthöhe von höchstens 10 m bzw. 16 m vorsehen
würden. Im Weiteren verletze das Bauvorhaben Art. 684 ZGB. Das Baugrundstück
weise parallel zur K._-strasse eine Länge von ungefähr 160 m auf, das Gebäude
"Markthalle" sei rund 105 m lang. Die streitige Antenne solle indessen in einem
Abstand von nur 7.5 m zum Grundstück (Nr. 003_) der Beschwerdeführerin errichtet
werden, obwohl die Antenne auch in der Mitte oder am Südende der Parzelle erstellt
werden könnte (act. G 5 S. 5 f. und S. 26). Der Augenschein ist die unmittelbare
sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch die entscheidende Instanz. Er dient dem
besseren Verständnis des Sachverhalts. Ob ein Augenschein durchzuführen ist, liegt im
pflichtgemässen Ermessen der urteilenden Instanz. Unbestrittene Tatsachen brauchen
nicht durch einen Augenschein überprüft zu werden, sofern eine Nachprüfung nicht
durch öffentliche Interessen geboten ist (vgl. B. Märkli, in: Rizvi/Schindler/Cavelti
[Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen
2020, N. 50 zu Art. 12-13 VRP). Die tatsächlichen (örtlichen) Verhältnisse ergeben sich
im vorliegenden Fall hinreichend aus den anlässlich des Rekursaugenscheins erstellten
Fotos (act. G 11/25), dem Geoportal (www.geoportal.ch) und aus den übrigen
Verfahrensakten; sie sind im Wesentlichen auch nicht umstritten. Soweit die
Beschwerdeführerin die Notwendigkeit eines Augenscheins mit dem Vorsorgeprinzip
und mit der Standortwahl für die Antenne begründet (act. G 17 S. 6), ist auf die
nachstehenden Ausführungen in E. 5.3 f. zu verweisen. Für die Klärung der von der
Beschwerdeführerin angeführten Gegebenheiten bedarf es keines weiteren
Augenscheins, weshalb darauf zu verzichten ist.
Nach Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; SR 0.101) hat
jede Person ein Recht darauf, dass über Streitigkeiten betreffend ihre zivilrechtlichen
Ansprüche und Verpflichtungen von einem unabhängigen und unparteiischen, auf
2.1.
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Gesetz beruhenden Gericht in einem fairen Verfahren öffentlich und innerhalb
angemessener Frist verhandelt wird. Der Abbruch einer Mobilfunkantenne auf dem
Grundstück der Beschwerdeführerin und der Bau einer neuen Antenne auf dem
Nachbargrundstück betrifft grundsätzlich einen zivilrechtlichen Anspruch der
Beschwerdeführerin im Sinn der erwähnten Norm, da das Eigentum der
Beschwerdeführerin tangiert ist. Der konventionsrechtliche Anspruch auf eine
öffentliche Verhandlung ist grundsätzlich vor der ersten Instanz zu gewähren. Wenn
eine untere Instanz eine öffentliche Verhandlung durchgeführt hat, ist dem Anspruch in
aller Regel genüge getan, und die Rechtsmittelinstanz kann darauf verzichten,
namentlich wenn sie ohne eigene Beweismassnahmen aufgrund der Akten entscheidet
(BGer 5D_141/2014 vom 22. Januar 2015, E. 5.1 mit Hinweisen). Mit Bezug auf den
Antrag einer persönlichen Anhörung durch das Gericht für den Fall der
Nichtdurchführung eines Augenscheins (act. G 5 S. 5) ist festzuhalten, dass sich die
Beschwerdeführerin in ihren schriftlichen Eingaben umfassend äussern konnte,
weshalb dieser Antrag abzulehnen ist. Sie beantragte indes auch eine mündliche
Verhandlung im vorstehend erwähnten Sinn (act. G 5 S. 6). Aufgrund der dargelegten
Gegebenheiten (Augenscheinsverhandlung im Rekursverfahren) erscheint die
Durchführung einer solchen nicht geboten bzw. nicht notwendig/zweckmässig im Sinn
von Art. 55 Abs. 1 VRP, zumal von der Beschwerdeführerin nicht konkret begründet
wurde, inwiefern durch die geplante Antenne privatrechtliche Interessen verletzt sein
sollten (vgl. dazu nachstehende E. 5).
Inwiefern beim angefochtenen Entscheid von Sachverhaltsmängeln auszugehen ist, ist
nachstehend zu klären. Der von der Beschwerdeführerin beantragte Beizug der Akten,
welche dem VerwGE B 2013/134 vom 11. November 2014 zugrunde lagen (act. G 5
S. 4), kann unterbleiben, da die Feststellungen in jenem Entscheid für die Erledigung
des vorliegenden Verfahrens nicht benötigt werden bzw. nicht einschlägig sind.
2.2.
Art. 7 Abs. 1 VRP bestimmt, dass Behördenmitglieder sowie öffentliche Angestellte und
amtlich bestellte Sachverständige von sich aus in den Ausstand zu treten haben, wenn
sie oder eine ihnen nahestehende Person an der Angelegenheit persönlich beteiligt
sind (lit. a), wenn sie Vertreter, Beauftragte, Angestellte oder Organe einer an der
Angelegenheit beteiligten Person sind oder in der Sache Auftrag erteilt haben (lit. b)
oder wenn sie "aus anderen Gründen" befangen erscheinen (lit. c). Es genügt, dass das
betroffene Mitglied befangen sein könnte oder befangen erscheint. Ein ausschliesslich
2.2.1.
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persönliches Empfinden einer Partei reicht dafür jedoch nicht aus. Vernünftige Gründe
müssen das Misstrauen in die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit objektiv
rechtfertigen. Im Weiteren ist von Befangenheit auszugehen, wenn Personen im Sinn
von Art. 7 Abs. 1 VRP bei einer Anordnung einer Vorinstanz mitgewirkt haben (Art. 7
Abs. 1 lit. b VRP; vgl. dazu C. Reiter, in: Rizvi/Schindler/Cavelti a.a.O., N. 20-23 zu
Art. 7-7 VRP mit Hinweisen).
Die Garantie einer durch Gesetz geschaffenen, zuständigen, unabhängigen und
unparteiischen Rechtsmittelinstanz ergibt sich aus Art. 30 Abs. 1 der
Bundesverfassung (SR 101; BV), Art. 6 Ziff. 1 EMRK und Art. 14 Abs. 1 UNO-Pakt II
sowie für Verwaltungsbehörden aus Art. 29 Abs. 1 BV. Nach Art. 29 Abs. 1 BV hat jede
Person auch in Verfahren vor Verwaltungsinstanzen Anspruch auf gleiche und gerechte
Behandlung. Es gilt das Gebot des fairen Verfahrens (BGE 139 I 124 E. 4.2.1 mit
Hinweis auf BGE 133 I 4 E. 5.3.1). Die Grundsätze der richterlichen Unabhängigkeit
können indes nicht unbesehen auf nichtrichterliche Behörden bzw. auf Art. 29 Abs. 1
BV übertragen werden (BGE 127 I 198 E. 2b mit Hinweisen, G. Steinmann, in:
Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender [Hrsg.], St. Galler Kommentar BV, 2. Aufl.
2008, N. 18 zu Art. 29 BV). Verwaltungsbehörden sind nicht nur zur neutralen
Rechtsanwendung berufen, sie haben auch öffentliche Aufgaben zu erfüllen. Von daher
können sie nicht im eigentlichen Sinn als unparteilich bezeichnet werden (Steinmann,
in: a.a.O., N. 18 zu Art. 29 BV mit Hinweisen; vgl. auch B. Schindler, Die Befangenheit
der Verwaltung, Diss. Zürich 2002, S. 150 ff., Kölz/Häner/Bertschi,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 432
mit Hinweisen). Im verwaltungsinternen Verfahren bejaht das Bundesgericht eine
Ausstandspflicht in der Regel nur dann, wenn das betreffende Behördenmitglied oder
der Beamte ein persönliches Interesse an dem zu behandelnden Geschäft hat. Im
Zusammenhang mit Vorabklärungen bei Verwaltungsbehörden, für die bei komplexen
Sach- und Rechtsfragen ein Bedürfnis bestehen kann, dürfen die Äusserungen der
Behörde aber nicht den Eindruck erwecken, diese habe sich bereits ihre Meinung in
Bezug auf ein konkretes Vorhaben gebildet. Äusserungen dürfen nicht einer
abschliessenden Beurteilung gleichkommen (BGer 1C_150/2009 vom 8. September
2009, in: ZBl 2011 S. 478 ff. E. 3.5.2. und Schindler, a.a.O., S. 136 f.). In jedem Fall ist
eine Beurteilung aller konkreten Umstände nötig. Massgebend sind sowohl die
behördliche Organisation als auch die Funktionen, welche die Betreffenden
wahrzunehmen haben, sowie ihre Stellung im konkreten Verfahren (Kölz/Häner/
Bertschi, a.a.O., Rz. 431 mit Hinweisen). Eine Ausstandspflicht besteht nach der
verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung in Fällen wie dem vorliegenden dann, wenn
bis
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die Person selbst Partei des Verfahrens ist oder ein persönliches Interesse am
Verfahrensgegenstand hat und insoweit in "eigener Sache" entscheidet. Bei Wahrung
öffentlicher Interessen besteht grundsätzlich keine Ausstandspflicht (VerwGE
B 2020/16 vom 29. Juli 2020 E. 2.3 mit Hinweisen; BGer 1P.96/2007 vom 26. März
2008 E. 5.4).
Die Beschwerdeführerin bestätigt ihren im vorinstanzlichen Verfahren vertretenen
Standpunkt, dass der AFU-Mitarbeiter M.S. wegen Mitwirkung am Verfahren vor der
Gemeinde - insbesondere durch Unterzeichnung des Schreibens vom 14. September
2018 an das Bauamt der Beschwerdebeteiligten (act. G 11/10/29) - befangen sei,
weshalb der ebenfalls von ihm unterzeichnete Amtsbericht vom 29. Juli 2019 aus dem
Recht zu weisen sei. Er habe an einer Anordnung der Beschwerdebeteiligten im Sinn
von Art. 7 Abs. 1 VRP mitgewirkt, weshalb er (bei der Erstellung des Amtsberichts vom
29. Juli 2019) in den Ausstand hätte treten müssen (act. G 5 S. 7-9). Die Vorinstanz
hatte im angefochtenen Entscheid festgehalten, das AFU unterstütze die Gemeinden
bei Baubewilligungsverfahren betreffend Mobilfunkanlagen, indem es technische
Fragen zum Vollzug der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung
(SR 814.710; NISV) beantworte und kläre, ob die Grenzwerte der NISV gemäss
Standortdatenblatt eingehalten seien. Eine entsprechende Beurteilung habe
Gegenstand des Schreibens vom 14. September 2018 an die Beschwerdebeteiligte
gebildet. Eine Mitwirkung von M.S. an einer Anordnung der Beschwerdebeteiligten sei
damit nicht zu erkennen. Dass sich die Beschwerdebeteiligte bei ihrem Entscheid auf
die technische Beurteilung des AFU stütze, ändere daran nichts bzw. liege in der Natur
der Sache. Auch im Rekursverfahren nehme das AFU in Amtsberichten Stellung zu
technischen Fragen der NISV. Hingegen gehöre es nicht zu den Aufgaben des AFU, im
Rekursverfahren Anordnungen zu treffen, solche vorzubereiten oder daran mitzuwirken.
Dies obliege der Departementsvorsteherin bzw. den verfahrensleitenden Mitarbeitern
der Rechtsabteilung. M.S. habe im Rekursverfahren lediglich eine fachspezifische
Beurteilung vorgenommen und nicht an einer Anordnung bzw. am Rekursentscheid
mitgewirkt. Das Ausstandsbegehren sei daher abzuweisen (act. G 2 S. 9 f. E. 3).
Die vorinstanzlichen Darlegungen stehen im Einklang mit der vorstehend in E. 2.2.1
zweiter Absatz geschilderten Rechtsprechung und sind nachvollziehbar begründet. Ein
persönliches Interesse von M.S. am Verfahrensgegenstand ist weder behauptet noch
aus den Akten ersichtlich. Es lässt sich nicht beanstanden, dass die Vorinstanz aus
dem Umstand, wonach M.S. sowohl im Verfahren vor der Gemeinde als auch im
2.2.2.
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Rekursverfahren als AFU-Fachspezialist Berichte mitunterzeichnete, keinen
Ausstandsgrund ableitete, zumal ihm als Fachspezialist gemäss Anhang 6 (BD.B
03.01-0.3) zur Ermächtigungsverordnung (sGS 141.41) die Befugnis zur Vertretung des
Amtes fehlt und dem Amt vorliegend keine Entscheidkompetenz, sondern nur die
Aufgabe einer beratenden Fachbehörde zukommt.
Einsprachen nach Art. 684 ZGB werden im öffentlich-rechtlichen
Baubewilligungsverfahren materiell beurteilt (vgl. Art. 154 Abs. 2 und 157 Abs. 2 PBG).
Im Entscheid vom 7. März 2019 wies die Beschwerdebeteiligte die Einsprache der
Beschwerdeführerin nach Art. 684 ZGB (vgl. Art. 154 PBG) in einer gesonderten
Dispositivziffer ab; auf (weitere) privatrechtliche Einsprachen (vgl. Art. 155 PBG) trat sie
nicht ein. Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe über den Rekurs nach
Art. 684 ZGB nicht entschieden. Der vorinstanzliche Rekursentscheid sei insofern
unvollständig, als mit Blick auf die unterschiedlichen Rechtsmittelwege ein öffentlich-
rechtlicher und ein privatrechtlicher Rekursentscheid hätte ergehen oder die beiden
Verfahren zumindest in separaten Dispositivziffern hätten entschieden werden müssen.
Sie verweist auf einen Entscheid der Vorinstanz (Nr. 18/2020) vom 12. März 2020 und
beantragt Aufhebung des Rekursentscheids auch aus diesem Grund (act. G 5 S. 9 f.,
G 17 S. 3).
Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts bedarf es im Rekursentscheid im Dispositiv
keiner Aufteilung in einen privatrechtlichen und einen öffentlich-rechtlichen Teil (vgl.
VerwGE 2017/243 vom 22. August 2019 E. 4.1), wobei in den Erwägungen die
öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Einwände separat zu behandeln sind. Eine
Aufteilung im Dispositiv ist auch deshalb nicht erforderlich, weil die Rechtsmittelinstanz
(Verwaltungsgericht) für die Beurteilung beider Teile zuständig ist. Vorliegend wurde der
Rekurs nach Art. 684 ZGB in der Rekursbegründung in einer separaten Erwägung
abgehandelt (vgl. act. G 2 S. 23 f. E. 13). Aus dem Umstand, dass er nicht in einer
separaten Dispositivziffer entschieden (abgewiesen) wurde, resultiert wie dargelegt
praxisgemäss kein formeller Mangel, aufgrund dessen der Rekursentscheid
aufzuheben wäre.
2.3.
2.4.
Nach Art. 25 Abs. 1 VRP sind Verfügungen den Betroffenen zu eröffnen. Zu den
Betroffenen gehören auch Dritte, deren eigene schutzwürdige Interessen durch die
2.4.1.
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Verfügung berührt werden (T. Tschumi, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.] a.a.O., N. 22
zu Art. 24-26 VRP). Im angefochtenen Entscheid stellte die Vorinstanz fest, dass die
bewilligten Gesuchunterlagen samt genehmigten Plänen sowie die Stellungnahme des
AFU vom 14. September 2018 anlässlich des Versands des angefochtenen Entscheids
zwar der Bauherrschaft (Beschwerdegegnerin), nicht aber der Beschwerdeführerin
zugestellt worden seien. Soweit die Beschwerdeführerin die fehlende Eröffnung der
genehmigten Pläne und eines genehmigten Formularsatzes bemängle, sei ihr
entgegenzuhalten, dass die Pläne und der Formularsatz öffentlich aufgelegen hätten;
hiervon habe die Beschwerdeführerin Kenntnis gehabt. Eine Zustellung/Eröffnung der
Pläne und des Formularsatzes an die Beschwerdeführerin sei nicht nötig gewesen.
Diesbezüglich liege keine unvollständige Eröffnung des erstinstanzlichen Entscheids
und damit keine Gehörsverletzung vor. Anders verhalte es sich mit der AFU-
Stellungnahme vom 14. September 2018, welche integrierender Bestandteil des
Beschlusses der Beschwerdebeteiligten und damit Teil der Baubewilligung gebildet
habe. Dadurch, dass die AFU-Stellungnahme der Beschwerdeführerin nicht zusammen
mit dem Beschluss eröffnet worden sei, sei ihr rechtliches Gehör verletzt worden. Indes
stehe fest, dass der Beschwerdeführerin der Inhalt der AFU-Stellungnahme vom
14. September 2018 im Einspracheverfahren zur Kenntnis gelangt sei und sie sich dazu
habe äussern können. Die Gehörsverletzung sei daher einer Heilung zugänglich.
Sodann sei sie bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen (act. G 2 S. 11 f. E. 4).
bis
Die Beschwerdeführerin wendet ein, die Baubewilligung beziehe sich auf die Pläne und
den Formularsatz, weshalb diese ebenfalls als Bestandteil der Baubewilligung zu gelten
hätten und der Beschwerdeführerin zusammen mit der Baubewilligung zu eröffnen
gewesen wären. Hinzu komme, dass nachträglich eine Änderung des Baugesuchs
erfolgt sei, da die Beschwerdegegnerin das ursprünglich gestellte Gesuch um Abbruch
der bestehenden Mobilfunkanlage auf Parzelle Nr. 003_ zurückgezogen habe.
Entscheidend sei für die Betroffene im Sinn von Art. 25 Abs. 1 VRP, was im
Bewilligungszeitpunkt konkret bewilligt worden sei bzw. auf welche Pläne/Formulare
sich die Bewilligung stütze. Es sei Aufgabe der Bewilligungsbehörde, sämtliche dem
Entscheid zugrundeliegende Pläne und Formularsätze mit diesem zu eröffnen. Der
Einspracheentscheid und die Baubewilligung vom 7. März 2019 seien daher von der
Beschwerdebeteiligten unvollständig eröffnet worden (act. G 5 S. 12 f.).
Hierzu ist festzuhalten, dass von Seiten der Vorinstanz eine unvollständige Eröffnung
der Baubewilligung gegenüber der Beschwerdeführerin (mit Bezug auf die AFU-
2.4.2.
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Stellungnahme vom 14. September 2018) anerkannt und die Heilung der daraus
resultierenden Gehörsverletzung bei der Auferlegung der amtlichen Kosten (Reduktion
um CHF 700) und der ausseramtlichen Kosten des Rekursverfahrens (Entschädigung
der Beschwerdeführerin mit CHF 676) berücksichtigt wurde. Unbestritten ist, dass der
Beschwerdeführerin die einschlägigen Pläne/Formularsätze zur Baubewilligung
nachträglich zur Kenntnis gelangten und sie dazu im Rekursverfahren Stellung nehmen
konnte. Soweit diesbezüglich von einer Gehörsverletzung auszugehen wäre, wäre sie
im Rekursverfahren ebenfalls einer Heilung zugänglich gewesen und wäre zudem von
der erwähnten Kostenverlegung bereits umfasst. Es besteht kein Anlass, die
Kostenverlegung des Rekursverfahrens diesbezüglich zugunsten der
Beschwerdeführerin anzupassen. Im Übrigen wird ihre Behauptung, wonach das
Abbruchgesuch für die bestehende Mobilfunkantenne zurückgezogen worden sei, von
der Beschwerdebeteiligten zu Recht als unzutreffend bezeichnet (act. G 13 und
nachstehende E. 2.5).
2.5.
Erfordert die Errichtung oder die Änderung einer Baute oder Anlage Verfügungen
mehrerer Behörden, so ist eine Behörde zu bezeichnen, die für ausreichende
Koordination sorgt (Art. 25a Abs. 1 RPG). Die für die Koordination verantwortliche
Behörde kann die erforderlichen verfahrensleitenden Anordnungen treffen (Art. 25a
Abs. 2 lit. a RPG), sorgt für eine gemeinsame öffentliche Auflage aller
Gesuchsunterlagen (Art. 25a Abs. 2 lit. b RPG), holt von allen beteiligten kantonalen
und eidgenössischen Behörden umfassende Stellungnahmen zum Vorhaben ein
(Art. 25a Abs. 2 lit. c RPG) und sorgt für eine inhaltliche Abstimmung sowie möglichst
für eine gemeinsame oder gleichzeitige Eröffnung der Verfügungen (Art. 25a Abs. 2
lit. d RPG). Die Verfügungen dürfen keine Widersprüche enthalten (Art. 25a Abs. 3
RPG). Diese Grundsätze sind auf das Nutzungsplanverfahren sinngemäss anwendbar
(Art. 25a Abs. 4 RPG).
Mit Schreiben vom 27. November 2018 bestätigte die Beschwerdebeteiligte, dass sie
irrtümlich davon ausgegangen sei, die Abschaltung der bestehenden Mobilfunkanlage
auf Grundstück Nr. 003_ beinhalte den gleichzeitigen Abbruch der gesamten Anlage.
Als Folge davon sei das Baugesuch mit dem Vermerk "Abbruch best. Mobilfunkanlage"
ergänzt worden. Abklärungen bei der Beschwerdegegnerin hätten indes ergeben, dass
die bestehende Anlage lediglich ausser Betrieb genommen werde; letzteres erst nach
Inbetriebnahme der neuen Anlage (auf Grundstück Nr. 000_). Der Abbruch der
2.5.1.
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bestehenden Anlage sei somit nicht Verfahrensgegenstand (act. G 11/10/23). Vor
diesem Hintergrund kam die Vorinstanz zum Schluss, dass die handschriftlichen
Vermerke auf dem Baugesuch betreffend Abbruch der Anlage auf Grundstück Nr.
003_ (act. G 11/10/1) nicht von der Beschwerdegegnerin stammen würden und das
Baugesuch nur den Anlagenneubau auf Grundstück Nr. 000_ umfasse. Entsprechend
habe die Beschwerdebeteiligte auch keine Abbruchbewilligung für die Anlage auf
Grundstück Nr. 003_ erteilt. Die Rüge, wonach das Baugesuch unvollständig sei, weil
es keine Unterlagen zum Anlagenabbruch enthalte, erweise sich als unbegründet (act.
G 2 S. 13 E. 5).
Die vorstehenden Ausführungen der Beschwerdebeteiligten erweisen sich als
nachvollziehbar und überzeugend begründet. Nachdem der Anlagenabbruch auf
Grundstück Nr. 003_ - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (act. G 5
S. 13 D.2.) - nicht Gegenstand des Baugesuchs vom 23. April 2018 (Eingangsdatum)
bildete, war selbstredend auch keine Unterzeichnung des Baugesuchs durch die
Beschwerdeführerin (Eigentümerin Grundstück Nr. 003_, auf welchem die bisherige
Anlage steht) nötig. Wenn die Beschwerdeführerin aus der Auflage in der
Baubewilligung, wonach die Mobilfunkanlage auf Grundstück Nr. 000_ erst in Betrieb
genommen werden dürfe, wenn die bestehende Mobilfunkanlage auf Grundstück
Nr. 003_ ausser Betrieb genommen und ein Gesuch zur Demontage eingereicht
worden sei (act. G 11/1 Beilage Ziffer 2.2), ableiten möchte, dass nicht nur der
Anlagenneubau auf Grundstück Nr. 000_, sondern auch der Anlagenabbruch auf
Grundstück Nr. 003_ Gegenstand des Baugesuchs vom 23. April 2018 gebildet habe
(vgl. act. G 5 S. 14 f. D.7. f.), so trifft dies nicht zu. Zutreffend ist einzig, dass die
Inbetriebnahme der neuen Anlage auf Grundstück Nr. 000_ die Ausserbetriebnahme
der alten Anlage auf Grundstück Nr. 003_ und die Einreichung eines entsprechenden
Demontagegesuchs voraussetzt - mithin keinen vollendeten Anlagenabbruch. Ein
weitergehender Koordinationsbedarf hinsichtlich des Anlagenneubaus und des
Anlagenabbruchs, wie ihn die Beschwerdeführerin als erforderlich erachtet (act. G 5
S. 15 f. D.9.), ist beim dargelegten Sachverhalt nicht ersichtlich (vgl. dazu auch
Waldmann/Hänni, Handkommentar RPG, 2006, N. 25 zu Art. 25a RPG). Insbesondere
ist keine Notwendigkeit dargetan, das Baugesuch (Grundstück Nr. 000_) und das
Abbruchgesuch (Grundstück Nr. 003_) gleichzeitig einzureichen. Für die Realisierung
der neuen Anlage bedarf es neben der hier angefochtenen Baubewilligung keiner
weiteren Bewilligungen. Es lässt sich nicht beanstanden, dass in der Baubewilligung für
die Inbetriebnahme der neuen Anlage lediglich die Ausserbetriebnahme der alten
2.5.2.
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3.
Anlage und für letztere die Einreichung eines Abbruchgesuchs verlangt wurde. Die
erwähnte Auflage verhindert mithin den gleichzeitigen Betrieb der zwei
nebeneinanderliegenden Mobilfunkanlagen. Es besteht entgegen der offenbaren
Auffassung der Beschwerdeführerin kein Anlass, das vorübergehende Bestehen von
zwei benachbarten Mobilfunkanlagen zu verbieten, wenn lediglich die neuerstellte
Anlage betrieben wird. Ihr Vorbringen, wonach die Aufteilung in zwei Baugesuche
(Neubau und Abbruch) nicht "zielführend" und mit Art. 25a Abs. 2 RPG nicht vereinbar
sei (act. G 5 S. 17 Ziffer 11-13), vermag die Beschwerdeführerin nicht nachvollziehbar
zu begründen.
Immissionsgrenzwerte sollen für die Hochfrequenzstrahlung insgesamt und
Anlagegrenzwerte für die einzelnen Anlagen Menschen vor übermässiger
elektromagnetischer Strahlung schützen. Der Immissionsgrenzwert ist an allen Orten,
und somit auch an jenen des kurzfristigen Aufenthalts (OKA), einzuhalten (Art. 13 Abs. 1
NISV). Der Anlagegrenzwert ist demgegenüber nur an Orten mit empfindlicher Nutzung
(OMEN) - sprich in Gebäuden und an Orten, wo sich Menschen regelmässig während
längerer Zeit aufhalten oder im Bereich von Kinderspielplätzen (Art. 3 Abs. 3 NISV) -
einzuhalten (Art. 4 Abs. 1 NISV i.V.m. Ziff. 65 Anhang 1 NISV). Die
Strahlungsgrenzwerte berücksichtigen somit die konkreten Gegebenheiten (z.B. die
Nähe zu einem Schulgelände) am Ort der geplanten Anlage. Der Anlagegrenzwert gilt
grundsätzlich nur jeweils für eine einzige Anlage (Art. 3 Abs. 6 NISV). Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung regelt das Verordnungsrecht die vorsorgliche
Emissionsbegrenzung grundsätzlich abschliessend, so dass die rechtsanwendende
Behörde nicht im Einzelfall gestützt auf den in Art. 11 Abs. 2 und Art. 12 Abs. 2 USG
verankerten Vorsorgegrundsatz eine noch weitergehende Begrenzung verlangen kann.
Der Erlass der Anlagegrenzwerte erfolgte gerade in der Absicht, im Interesse der
Rechtssicherheit festzulegen, was zur vorsorglichen Emissionsbegrenzung erforderlich
ist. Hält die umstrittene Anlage die Anlagegrenzwerte ein, darf auf die Prüfung weiterer
Vorsorgemassnahmen grundsätzlich verzichtet werden (vgl. BGer 1A.62/2001 vom
24. Oktober 2001).
Der Inhaber einer Mobilfunkanlage muss der Behörde im Bewilligungsverfahren ein
Standortdatenblatt einreichen, das die aktuellen und geplanten technischen und
betrieblichen Daten der Anlage sowie Angaben über die von der Anlage erzeugte
Strahlung enthält (Art. 11 Abs. 2 lit. a und c NISV; vgl. dazu BGer 1C_661/2012 vom
3.1.
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5. September 2013 E. 2.3). Wird bei den technischen Daten der Anlage ein
Winkelbereich anstatt eines fixen Winkels für die vertikale Senderichtung eingetragen,
muss die NIS-Berechnung unter Zugrundelegung der bezüglich der NIS-Belastung
ungünstigsten Senderichtung innerhalb des gewählten Winkelbereichs erfolgen, d.h. in
der Regel mit dem steilsten Winkel. Nur so kann sichergestellt werden, dass der
Anlagegrenzwert in allen bewilligten Einstellungen der Anlage eingehalten wird (vgl.
BGer 1A.57/2006 vom 6. September 2006 E. 3.1). Auf überbauten Grundstücken
genügt es, wenn die Anlagegrenzwerte an aktuell bestehenden OMEN eingehalten
werden (vgl. BGer 1C_148/2007 vom 15. Januar 2008, E. 2.2 mit Hinweisen). Anhang 2
der NISV definiert Grenzwerte für Immissionen mit einer einzigen Frequenz bzw. einem
engen Frequenzband (Ziff. 11). Für Immissionen mit mehreren Frequenzen bestimmt
Ziff. 21 Anhang 2 NISV, dass die Immissionen zunächst für jede Frequenz einzeln
ermittelt werden; die so ermittelten Immissionen werden sodann nach Ziff. 22 mit
einem frequenzabhängigen Faktor gewichtet und summiert (vgl. auch BGer 1A.
140/2003 vom 18. März 2003, E. 4.1).
3.2.
Im Amtsbericht vom 29. Juli 2019 hielt das AFU fest, mit Rundschreiben vom
24. September 2010 (Beilage) habe das Bundesamt für Umwelt (BAFU) die
Deklarationspflicht auf dem Standortdatenblatt dahingehend vereinfacht, dass auf die
Angabe des Funkdienstes verzichtet werden könne. Damit werde es möglich, die in
einem Frequenzband bewilligte Sendeleistung je nach Bedarf in diesem Frequenzband
z.B. für GSM (2G) oder UMTS (3G) einzusetzen und sie flexibel zwischen diesen
Funktionen zu verschieben, ohne dies mit einem neuen Standortdatenblatt koordinieren
zu müssen. Die Einhaltung des Anlagegrenzwerts sei weiterhin gewährleistet. Der
Antennentyp sei im Zusatzblatt 2 (A2) des Standortdatenblattes ersichtlich. Es handle
sich um eine adaptive Kathrein Antenne (Typenbezeichnung 80011878), welche mit
einer maximalen Frequenz von 2690 MHz senden könne. Typische 5G-Antennen seien
adaptiv (Beamforming) und würden im Frequenzbereich von 3600 MHz senden. Mit
Schreiben vom 14. September 2018 (act. G 11/10/29) habe das AFU die Vollständigkeit
und Korrektheit der ausgewiesenen Berechnungen bestätigt. Die erneute Beurteilung
komme zum gleichen Ergebnis. Es sei gängige Praxis, dass Mobilfunkbetreiber die
Grenzwerte rechnerisch ausreizen würden, auch wenn sie nach Inbetriebnahme der
Anlage nicht die gesamte bewilligte Sendeleistung benötigen würden. Es handle sich
um eine Reserve für spätere Leistungserhöhungen bis zur bewilligten Sendeleistung,
ohne ein neues Baugesuch einreichen zu müssen. Die auf Grundstück Nr. 004_
3.2.1.
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geplante Mobilfunkanlage sei 351 m von der vorliegend in Frage stehenden Anlage
entfernt und befinde sich somit nicht innerhalb der Anlageperimeter von 203 bzw.
119 m (act. G 11/17).
Die Vorinstanz verwies im angefochtenen Entscheid auf die vorstehenden
Feststellungen des AFU und hielt im Weiteren fest, mit der erwähnten Auflage (Ziffer
2.2) in der Baubewilligung (vgl. vorstehende E. 2.5.2) sei sichergestellt, dass die beiden
Mobilfunkanlagen nicht gleichzeitig betrieben würden. Somit sei es nicht nötig
gewesen, die bestehende Anlage beim Standortdatenblatt zu berücksichtigen. Die
entsprechende Rüge der Beschwerdeführerin sei unbegründet. Auch sei ihrem
Einwand, es sei im Standortdatenblatt eine Antennenanlage (auf Grundstück Nr. 004_)
unberücksichtigt geblieben, nicht zu folgen. Sodann könne die Beschwerdeführerin aus
BGer 1C_97/2019 vom 3. September 2019 nichts zu ihren Gunsten ableiten. Der
Umstand, dass das BAFU in jenem Urteil zur Durchführung bzw. Koordination einer
schweizweiten Kontrolle des ordnungsgemässen Funktionierens der QS-Systeme
aufgefordert werde, bedeute jedenfalls nicht, dass vorliegend die Baubewilligung hätte
verweigert werden müssen. Hinzu komme, dass sich die Beschwerdebeteiligte für eine
Nachkontrolle vorbehalte, einen Messbericht über die Einhaltung der NIS-Grenzwerte
durch ein unabhängiges Unternehmen zu verlangen (Ziffer 3 der Baubewilligung). Auch
von daher sei die Einhaltung der Grenzwerte sichergestellt (act. G 2 S. 16-18 E. 8).
3.2.2.
Die Beschwerdeführerin bestätigt ihre Einwände betreffend Verletzung der NISV-
Vorschriften, indem sie auf die fehlende Unabhängigkeit der AFU-Beurteilung verweist
(act. G 5 S. 23 f.). Wie dargelegt ist eine Befangenheit des die AFU-Berichte
unterzeichneten AFU-Mitarbeiters zu verneinen. Es fehlt auch an einem konkreten
Anlass, die begründeten Ausführungen im Rekursentscheid (vorstehende E. 3.2.2) in
inhaltlicher Hinsicht in Frage zu stellen. Sodann ist festzuhalten, dass es beim
Qualitätssicherungssystem (QS-System; vgl. dazu BGer 1C_329/2013 vom 23. Oktober
2013, E. 6.1.) vorab um die Gewährleistung der Einhaltung der bewilligten (und nicht
um eine vorsorgliche Verhinderung der maximal möglichen) Sendeleistung und anderer
NIS-relevanter Einstellungen geht. Eine Überschreitung der bewilligten
Sendeparameter zu verhindern, ist Aufgabe des Qualitätssicherungssystems. Die
Zuverlässigkeit des letzteren bildet Thema des BGer 1C_97/2019, a.a.O.. Für die
Qualitätssicherung verlangt sind dabei die aktuellen und geplanten technischen und
betrieblichen Daten der Anlage, soweit sie für die Erzeugung von Strahlung
massgebend sind (vgl. dazu BGer 1C_661/2012 vom 5. September 2013, E. 2.3). Für
3.3.
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4.
eine Mangelhaftigkeit des Standortdatenblattes fehlt es vorliegend auch unter dem
Gesichtswinkel der Qualitätssicherung an begründeten Anhaltspunkten.
Die Beschwerdeführerin rügt die Verletzung kommunaler Gestaltungsvorschriften
(Art. 4 Überbauungsplan Q._ sowie Art. 21 f. des Baureglements der Politischen
Gemeinde X._ vom 16. Juli 1999 [BauR; act. G 5 S. 18-23]). Art. 4.1 besV
(Überbauungsplan Q._) statuiert für das Gebiet A des Plangebietes, in welchem die
streitige Mobilfunkanlage vorgesehen ist, eine maximale Gebäudehöhe von 10 m und
Firsthöhe von 16 m. Bauten sind nach Art. 4.2 besV so zu gestalten und zu gliedern,
dass sie sich harmonisch in das Landschaftsbild einfügen. Nach Art. 21 Abs. 1 Satz 1
(BauR) sind Dachaufbauten und -einschnitte sowie Dachflächenfenster architektonisch
gut zu gestalten. Nach Art. 22 BauR dürfen technisch notwendige Dachaufbauten wie
Kamine, Ventilationszüge, Liftaufbauten unabhängig von den Vorschriften über
Dachaufbauten erstellt werden (Abs. 1). Sie sind möglichst klein zu halten,
zusammenzufassen und der Sicht nach Möglichkeit zu entziehen (Abs. 2).
4.1.
Die vorliegend geplante Anlage besteht aus einem Mast, an welchem neun
Sendeantennen montiert werden sollen. Der Mast durchstösst das Vordach der
Markthalle an der nördlichen Gebäudeecke und überragt dieses um ungefähr 20 m.
Beim Vordach sind sodann eine "Dachluke mit Umstieg" sowie eine
"Kabeldurchführung Rohr" geplant. Weitere technisch bedingte Geräte sollen unterhalb
des Vordachs montiert werden (vgl. Nordostansicht, act. G 11/10/5). Die
Beschwerdeführerin hält fest, gemäss den Baugesuchsplänen solle die streitige
Antenne nicht freistehend errichtet werden, sondern die Dachfläche des Gebäudes auf
Parzelle Nr. 000_ durchstossen. Die Antennenanlage mit einer Höhe von ungefähr
30 m füge sich offensichtlich nicht harmonisch ein, wie dies der Überbauungsplan Q._
verlange. Es fehle auch an einer architektonisch guten Gestaltung im Sinn von Art. 21
BauR. Die Beschwerdeführerin habe der Beschwerdegegnerin für die Antennenanlage
einen Ersatzstandort auf Parzelle Nr. 005_ angeboten, an welchem den
Einfügungsvorschriften viel eher Rechnung getragen werden könnte. Eine Antenne auf
einem Dach sei aus ortsplanerischer Sicht vorzuziehen; dies gelte insbesondere in
einem Gebiet, für welches ein Sondernutzungsplan (Überbauungsplan Q._) erlassen
worden sei. Es könne nicht sein, dass für die Erstellung von neuen Bauten eine
besondere Einfügung verlangt werde, für die Errichtung einer ca. 30 m hohen Antenne
jedoch "alles egal" sei. Eine derartige Auslegung der Sonderbauvorschriften sei
4.2.
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willkürlich. Die Vorinstanz habe übersehen, dass mit der Baubewilligung für die
Mobilfunkantenne auch das Dach des bestehenden Gebäudes "aufgeschnitten" und
damit verändert werde. Die Markthalle dürfe als Baute nicht so verändert werden, dass
sie den gestalterischen Anforderungen gemäss Überbauungsplan Q._ nicht mehr
entspreche. Die geplante Anordnung sei aus architektonischer Sicht schlicht als Unsinn
zu bezeichnen. Die vorliegenden Verhältnisse seien mit denjenigen, welche dem
VerwGE B 2013/134 vom 11. November 2014 zugrunde gelegen hätten, nicht
vergleichbar. Dort sei es um eine 6 m hohe Antenne auf einem bestehenden Hochhaus
gegangen, wobei die bestehende Dachfläche nicht verändert worden sei. Selbst wenn
man entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin davon ausgehe, dass für das
"Ausschneiden" des Daches die Vorschriften von Art. 21 BauR nicht anwendbar seien,
müssten die Bestimmungen von Art. 22 BauR beachtet werden (act. G 5 S. 19-23).
Die Feststellung im angefochtenen Entscheid (act. G 2 S. 20), wonach die streitige
Anlage nicht eine technisch notwendige Dachaufbaute im Sinn von Art. 22 BauR
darstellt, erscheint insofern begründet, als die geplante Antenne keinen technisch
notwendigen Bestandteil für die Funktion des betreffenden Gebäudes darstellt,
sondern vielmehr die Umgebung mit Mobilfunkdiensten versorgen soll. Sodann handelt
es sich nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts bei einer Antennenanlage
(einschliesslich allfälliger dazugehöriger Technikbauten) um eine technische
Infrastruktureinrichtung, für welche die Vorschriften über die Gebäudehöhe nicht zur
Anwendung kommen (VerwGE B 2013/134 a.a.O. E. 5.1.2 [Entscheid bestätigt durch
BGer 1C_7/2015 vom 6. November 2015]). Die Vorschriften über die Gebäude- und
Firsthöhe gemäss Art. 4.1 besV sowie diejenigen von Art. 6 BauR (Gewerbe-Industrie-
Zone) sind dementsprechend - entgegen dem von der Beschwerdeführerin vertretenen
Standpunkt (act. G 5 S. 19 f.) - auf die geplante Mobilfunkantenne nicht anwendbar.
Im Weiteren erweist sich die Schlussfolgerung im angefochtenen Entscheid, wonach es
sich bei der geplanten Mobilfunkantenne nicht um eine Dachaufbaute im Sinn von
Art. 21 BauR handle (act. G 2 S. 21 E.10.1), insofern als begründet, als nicht eine
Dachaufbaute zur Diskussion steht, sondern eine technische Infrastrukturanlage. Eine
Anwendbarkeit von Art. 21 BauR fällt somit schon aufgrund des Wortlauts der
Bestimmung ausser Betracht. Dies gilt auch für Art. 4.2 besV, welcher sich explizit
lediglich auf "Bauten" und damit nicht auf (technische) Anlagen bezieht. Das BauR, auf
welches in Art. 1 Abs. 2 besV ergänzend verwiesen wird, sieht für Anlagen in der
Gewerbe-Industrie-Zone keine Gestaltungs- bzw. Einfügungsvorschriften vor. Der von
der Beschwerdeführerin angeführte Umstand, dass das Dach des Gebäudes für die
4.3.
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5.
Errichtung der Anlage "aufgeschnitten" wird (act. G 5 S. 21), bewirkt keine Veränderung
des Dachs bzw. der Baute als solcher. Aber selbst wenn - entgegen den vorstehenden
Darlegungen - die in Art. 21 BauR verlangte "architektonisch gute Gestaltung" und die
"harmonische Einfügung ins Landschaftsbild" im Sinn von Art. 4.2 besV auch für die
Antennenanlage als anwendbar erachtet würden, wäre zu beachten, dass das
Grundstück Nr. 000_ in der Gewerbe-Industriezone liegt. Die geplante
Antennenanlage stellt zwar keinen ästhetischen Gewinn für die Umgebung dar, bewirkt
anderseits jedoch auch keine Disharmonie für das Landschaftsbild (vgl. in diesem
Zusammenhang auch VerwGE B 2020/34 vom 14. September 2020 E. 6). Zutreffend
weist die Vorinstanz (act. G 2 S. 22) diesbezüglich darauf hin, dass aufgrund der
beschränkten gestalterischen Möglichkeiten - bedingt durch die Funktion der Antennen
- und der Umgebungssituation (mit Markthalle, industriell bzw. gewerblich genutzten
Bauten, Schiessanlage, Silogebäude u.a.; vgl. Fotodokumentation Rekursaugenschein,
act. G 11/25) nicht allzu hohe Anforderungen an die Gestaltung/Einordnung der
Antennenanlage gestellt werden könnten.
Nach Art. 684 Abs. 1 ZGB ist jedermann verpflichtet, bei der Ausübung seines
Eigentums, wie namentlich bei dem Betrieb eines Gewerbes auf seinem Grundstück,
sich aller übermässigen Einwirkungen auf das Eigentum der Nachbarn zu enthalten.
Verboten sind insbesondere alle schädlichen und nach Lage und Beschaffenheit der
Grundstücke oder nach Ortsgebrauch nicht gerechtfertigten Einwirkungen, unter
anderem durch Strahlung (Art. 684 Abs. 2 ZGB). Die Vorinstanz hielt im angefochtenen
Entscheid diesbezüglich fest, die Beschwerdeführerin habe nicht dargelegt, was an
den Erwägungen der Beschwerdebeteiligten im Beschluss vom 7. März 2019 (act.
G 11/1 Beilage) unzutreffend sein solle. Auf die dortigen Ausführungen sei zu
verweisen. Übermässige Immissionen würden von der baurechtskonformen und in der
Gewerbe- und Industriezone geplanten Mobilfunkanlage nicht ausgehen. Dies werde
auch dadurch belegt, dass die Beschwerdeführerin auf ihrem eigenen Grundstück den
Betrieb einer solchen Anlage akzeptiert habe (act. G 2 S. 23 E. 13).
5.1.
Die Beschwerdeführerin führt aus, für Mobilfunkantennenanlagen werde der
Schutzbereich von Art. 684 ZGB weder durch das kantonale noch durch das
kommunale Planungs- und Baurecht eingeschränkt, weshalb eine umfassende
Abwägung der Interessen im Rahmen von Art. 684 ZGB vorzunehmen sei,
insbesondere auch unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/24
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(Grundstückslänge 160 m, Antennenstandort "direkt vor der Nase"). Der Standort für
die knapp 30 m hohe Antenne liege nur etwa 7.5 m von der Grenze zur Liegenschaft
der Beschwerdeführerin entfernt. Die Beschwerdeführerin habe dort einen
Betriebsstandort mit ständig anwesenden Personen. Die Liegenschaft der
Markthallengenossenschaft Y._ werde nur sporadisch genutzt. Auf den beiden
Grundstücken Nrn. 006_ und 007_ würden sich ebenfalls keine Personen aufhalten.
Die Markthallengenossenschaft könne den Standort des Bauvorhabens ohne Weiteres
so verschieben lassen, dass die Auswirkungen für die angrenzenden Liegenschaften
angemessen verteilt würden. Sodann sei die Strahlungsintensität von Mobilfunkanlagen
unterhalb der Antenne geringer, als wenn sich die Antenne in einer gewissen
Entfernung befinde. Die Argumentation der Vorinstanz, dass die Beschwerdeführerin
auf ihrem eigenen Grundstück den Bestand einer Mobilfunkantenne akzeptiert habe,
gehe fehl, weil sich die Intensitäten der Immissionen stark unterscheiden würden. Die
Strahlungsintensität sei für einen Grundeigentümer grösser, wenn sich die Antenne auf
dem Nachbargrundstück befinde. Es sei offensichtlich, dass die geplante
Mobilfunkanlage mit einer Höhe von ungefähr 30 m, nur ca. 7.5 m von der Grenze zum
Grundstück der Beschwerdeführerin entfernt, weder mit dem Vorsorgeprinzip gemäss
USG noch mit Art. 684 ZGB vereinbar sei Die Auswirkungen seien in verschiedener
Hinsicht übermässig: Strahlung, psychologische Auswirkungen, schwerere
Verkäuflichkeit/Vermietbarkeit usw. (act. G 5, G 17, G 23).
Was den Hinweis der Beschwerdeführerin auf eine Unvereinbarkeit des Baugesuchs
mit dem Vorsorgeprinzip betrifft (act. G 17 S. 5), ist auf den in E. 3.1 bereits erwähnten
Umstand zu verweisen, wonach das Verordnungsrecht (NISV) die vorsorgliche
Emissionsbegrenzung grundsätzlich abschliessend regelt, so dass nicht gestützt auf
den in Art. 11 Abs. 2 und Art. 12 Abs. 2 USG verankerten Vorsorgegrundsatz eine noch
weitergehende Begrenzung verlangt werden kann. Im Weiteren können
Mobilfunkantennen nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts bewirken, dass
Liegenschaften schwerer verkäuflich oder vermietbar werden und Druck auf den
Kaufpreis oder den Mietzins entsteht. Umweltrechtskonforme Mobilfunkanlagen
können unerwünschte Auswirkungen dieser Art auslösen, obwohl von ihnen zurzeit
keine erwiesene gesundheitliche Gefährdung ausgeht. Solche psychologische
Auswirkungen werden als ideelle Immissionen bezeichnet, welche grundsätzlich neben
dem zivilrechtlichen Schutz (Art. 684 ZGB) durch planungs- und baurechtliche
Vorschriften eingeschränkt werden können (BGE 133 II 321 E. 4.3.4). Bei der
Abgrenzung zwischen zulässiger und unzulässiger (d.h. übermässiger) Immission ist die
Intensität der Einwirkungen massgebend. Diese beurteilt sich nach objektiven Kriterien.
5.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/24
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Die beurteilende Instanz hat eine sachlich begründete Abwägung der Interessen
vorzunehmen, wobei sie den Massstab des Empfindens eines Durchschnittsmenschen
in der gleichen Situation zugrunde zu legen hat. Bei dem nach Recht und Billigkeit zu
treffenden Entscheid sind nicht bloss Lage und Beschaffenheit der Grundstücke sowie
der Ortsgebrauch zu berücksichtigen. Es ist die individuell konkrete Interessenlage
umfassend zu würdigen: Alle in der einzelnen Streitsache ins Gewicht fallenden
Umstände sind auf ihre Erheblichkeit hin zu prüfen, wobei stets zu beachten bleibt,
dass Art. 684 ZGB als nachbarrechtliche Norm in erster Linie der Herstellung eines
nachbarlichen Interessenausgleichs dienen soll. Verboten sind nicht nur
schadenverursachende, sondern auch bloss lästige (übermässige) Einwirkungen (BGE
127 III 223 E. 4a).
Wenn das nach Lage, Beschaffenheit und Ortsgebrauch gerechtfertigte und zu
duldende Mass von Einschränkungen zu ermitteln ist (Art. 684 Abs. 2 ZGB), können
beim privatrechtlichen Immissionsschutz öffentlich-rechtliche Vorschriften eine Rolle
spielen (Bau- und Zonenvorschriften, Normen betreffend Lärmschutz, Luftreinhaltung,
Strahlung und Erschütterung). Die allgemeinen Gebote der widerspruchsfreien und
koordinierten Anwendung der Rechtsordnung verlangen den sachgerechten Einbezug
von und die möglichst weitgehende Rücksichtnahme auf Normen anderer
Rechtsgebiete zum gleichen Gegenstand. In diesem Sinn haben die
rechtsanwendenden Behörden auf eine Harmonisierung des Immissionsschutzes
hinzuwirken (VerwGE B 2011/137 vom 20. März 2012 E. 5. mit Hinweis). Wird das
Vorliegen einer übermässigen Einwirkung im Sinne von Art. 684 ZGB mit dem
Argument verneint, das Bauvorhaben entspreche den massgebenden öffentlich-
rechtlichen Normen, und handelt es sich dabei um Vorschriften, die im Rahmen einer
detaillierten, den Zielen und Planungsgrundsätzen des Raumplanungsrechts
entsprechenden Bau- und Zonenordnung erlassen worden sind, bedeutet dies in aller
Regel keine Vereitelung von (zivilem) Bundesrecht (BGE 138 III 49 E. 4.4.2. mit Hinweis
auf BGE 132 III 49 E. 2.2 und 129 III 161 [Die Praxis 7/2012 Nr. 75 E. 4.4.2.]).
Vorliegend erfolgte die streitige Bewilligung der Antenne in Anwendung einer
detaillierten Bau- und Zonenordnung im vorerwähnten Sinn. Aus dem Umstand allein,
dass die Höhenbeschränkungen des Überbauungsplans Q._ nicht für die streitige
Antenne gelten, lässt sich entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (act. G 23
S. 2) nicht ableiten, dass keine detaillierte öffentlich-rechtliche Regelung vorliegt. Wie
dargelegt vermag die geplante Anlage die gesetzlichen Strahlungsgrenzwerte
einzuhalten (E. 3.2), so dass es an einem objektivierbaren Grund für die
5.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/24
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gesundheitlichen Bedenken der Beschwerdeführerin fehlt (vgl. dazu BGer 5A_47/2016
vom 26. September 2016 E. 4.4.1 und 5.5). In diesem Zusammenhang kam ein Bericht
im Auftrag der englischen Gesundheitsbehörde vom April 2012 "Health Effects from
Radiofrequency Electromagnetic Fields, Report of the Independent Advisory Group on
Non-Ionizing Radiation" zum Ergebnis, dass es trotz der erheblichen
Forschungsanstrengungen weiterhin keine überzeugenden Belege für gesundheitliche
Effekte von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern unterhalb der geltenden
Immissionsgrenzwerte gibt. Auch der im Auftrag des BAFU vom Schweizerischen
Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) erstellte Synthesebericht
"Elektromagnetische Hypersensibilität" vom Mai 2012 hält zusammenfassend fest,
dass es gegenwärtig keinen wissenschaftlichen Beleg dafür gibt, dass Personen, die
sich als elektromagnetisch hypersensibel wahrnehmen, empfindlicher auf
elektromagnetische Felder reagieren als die restliche Bevölkerung (vgl. BGer
1C_31/2012 vom 6. Juni 2012 E. 4.1). Eine objektiv begründete Angst vor
Gesundheitsschäden und damit eine objektivierte Beeinträchtigung in der Umgebung
der geplanten Anlage kann somit nicht als dargetan gelten. Hieran vermögen auch die
Ausführungen der Beschwerdeführerin zur Abhängigkeit der Strahlungsintensität von
der Lage der Antenne bzw. vom Messstandort (act. G 5 S. 29 f., G 17 S. 3 f.) nichts zu
ändern. Die fehlende objektivierbare (übermässige) Beeinträchtigung zeigt sich
mittelbar auch darin, dass die Platzierung von Sendeanlagen in der Schweiz
insbesondere auch in Wohngebieten stark verbreitet ist (vgl. Übersichtskarte
„Standorte von Sendeanlagen“, in: www.bakom.admin.ch). Was die von der
Beschwerdeführerin gerügte Standortwahl für die Anlage (act. G 5 S. 27 f., G 17 S. 3 f.)
betrifft, ist festzuhalten, dass ohne entsprechende planungsrechtliche Vorschriften des
Kantons oder der Gemeinden nicht zu prüfen ist, ob "bessere" Alternativstandorte
vorhanden sind (VerwGE B 2013/134 a.a.O. E. 2.31. m.H. auf B. Wittwer, Bewilligungen
von Mobilfunkanlagen, 2. Auflage 2008, S. 96-98).
Was den Einwand der Beschwerdeführerin betreffend schwerere Verkäuflichkeit/
Vermietbarkeit einer Liegenschaft mit Antennennachbarschaft betrifft, kann -
ausgehend vom Empfinden eines Durchschnittsmenschen in derselben Situation -
nicht als dargetan gelten, dass diese Person einer Liegenschaft aufgrund der
Nachbarschaft einer Mobilfunkanlage effektiv eine Wertminderung zumisst. Obwohl der
Umstand, dass der Anblick von Mobilfunkanlagen - zu Recht oder zu Unrecht - bei
Anwohnern als Bedrohung bzw. als Beeinträchtigung der Wohnqualität empfunden
wird, gemäss Bundesgericht als gerichtsnotorisch betrachtet werden darf (BGE 138 II
173 E. 7.4.3), erlaubt er für sich allein keine generalisierte Aussage zum Empfinden
eines Durchschnittsmenschen in derselben Situation. Ein kausaler Zusammenhang
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6.
zwischen Ursache (Mobilfunkantenne in der Nachbarschaft) und behaupteter Wirkung
(Preisminderung) kann angesichts der Vielschichtigkeit der Faktoren für das
Zustandekommen von Liegenschaftspreisen nicht als bewiesen gelten (VerwGE
B 2014/130 vom 27. November 2015 E. 4.2.5).
Unter den gegebenen Umständen lässt sich der Schluss der Vorinstanz, wonach keine
übermässigen Immissionen im Sinn von Art. 684 ZGB vorliegen würden, indem die
Anlage die bau- und umweltrechtlichen Vorschriften erfülle und das allgemein
hinzunehmende Mass an Unbehagen nicht überschritten werde, nicht beanstanden.
Das Verwaltungsgericht hat sich als Rechtsmittelinstanz darauf zu beschränken, über
die Einhaltung des Ermessensspielraums zu wachen, und schreitet nur ein, wenn die
Vorinstanz das ihr zustehende Ermessen überschritten oder missbraucht hat. Dies
bedeutet, dass es in einen Verwaltungsentscheid nur eingreifen darf, wenn
Rechtsnormen und -grundsätze verletzt werden. Soweit die Behörden ihr Ermessen -
wie vorliegend - pflichtgemäss ausgeübt haben, ist dem Verwaltungsgericht eine
Kontrolle verwehrt.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Verfahrens von der Beschwerdeführerin zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 4'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von CHF 3'500 ist anzurechnen.
6.1.
Die Vorinstanz und die Beschwerdebeteiligte haben keinen Anspruch auf
ausseramtliche Entschädigung (Art. 98 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98 VRP;
Linder, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N. 20 zu Art. 98 VRP); beide stellten
auch keinen Antrag. Die Beschwerdegegnerin stellte ebenfalls keinen Antrag (act. G 12,
14, 20 und 22). Selbst bei Vorliegen eines Antrags hätte sie - als nicht durch eine
Drittperson vertretene Partei ohne Nachweis eines besonderen Aufwandes - keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 98 VRP in Verbindung mit Art. 95 Abs. 3
lit. c ZPO; vgl. VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014 E. 4.4). Die
Beschwerdeführerin unterliegt und hat deshalb keinen Entschädigungsanspruch (Art.
98 VRP).
6.2.
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© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/24
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St.Galler Gerichte