Decision ID: 0fda9124-48e5-493c-bb48-cacc20aa41b8
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1964 geborene
X._
war vom 4. Oktober 1993 bis zum 31. Januar 1995 bei der
Y._
aushilfsweise als Verkäu
ferin tätig, wobei der letzte effektive Arbeitstag der 9. Juli 1994 war (Urk. 12/4). A
m 8. September 1999
meldete sie sich
unter Hinweis auf chronische Über
for
derung, Erschöpfungsdepression und Gelenkschmerzen
bei
der
Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an (Urk. 12/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, liess in der Folge einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versicherten erstellen (IK-Auszug, Urk. 12/3), holte medizinische Be
richte ein und klärte die erwerblichen Verhältnisse ab.
Mit Verfügung vom 8. Oktober 2001 wurde der Versicherte
n
mit Wirkung ab 1. Oktober 1999 eine
ganze Rente der Invalidenversicherung zugesprochen (Urk. 8/32).
Die im Juni 20
03, Oktober 2006 und November 2009 eingeleiteten Revisionsverfahren erga
ben keine Änderung des Rentenanspruchs (Urk. 12/39, Urk.12/45 und Urk. 12/55
).
Im Rahmen der im April 2015 eingeleiteten Rentenrevision ordnete die IV-Stelle eine
bidisziplinäre
Begutachtung (Neurologie/Psychiatrie) der Versicherten an (Urk. 12/66).
Da die Versicherte zur
bidisziplinären
Untersuchung vom 3. Februar 2016 unentschuldigt nicht erschien, stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 2. März 2016 die Einstellung der Invalidenrente in Aussicht (Urk. 12/73). Dage
gen erhob die Versicherte Einwände (Urk. 12/75), weshalb die IV-Stelle erneut eine
bidisziplinäre
Abklärung veranlasste (Urk. 12/79).
Die Versicherte wurde am 19. Juli 2016 neurologisch und psychiatrisch untersucht (Urk. 12/90). Die IV-Stelle
ordnete
sodann ein o
rthopädisches Zusatzgutachten an (Urk. 12/
89). Die orthopädische Untersuchung erfolgte am 30. August 201
6.
Das Gutachten wurde am 26. September 2016 erstattet (Urk. 12/94).
Zu dem von der Versicherten ein
gereichten Bericht der Klinik für Urologie des
Z._
(Urk. 12/95) holte die IV-Stelle eine Stellungnahme ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) ein (Urk. 12/101 S. 5). Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
stellte die IV-Stelle die Rente mit Verfügung vom 12. Juni 2017 per Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats ein
(Urk. 12/110
= Urk. 2
).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
12.
Juli 2017 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Weiter
ausrichtung der
bisherigen
Rente. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Be
willigung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 4. September 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Be
schwerde (Urk. 11).
Am 13. November 2017 wurde eine Instruktionsver
hand
lung durchgeführt (Prot. S. 2). Die Beschwerdeführerin reichte in der Folge einen
Bericht der Klinik für Neurologie des
Z._
vom 7. November 2017 ein (Urk. 17). Die Beschwerdeantwort wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 13. Dezember 2017 zugestellt (Urk. 18).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für
die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
ab
gesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungs-rechts [
ATSG
]
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (
BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen
). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächli
cher Hinsicht umfassend («
allseitig
»
) zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des Invali
di
tätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
halts
abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleich
s (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_297/2016 vom
7.
April 2017 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 143 V 77, aber in SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152). Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Ver
fügung (
Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Renten
revision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (
Art.
51 ATSG), ist im
darauf folgenden
Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 2
9.
März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
che
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zel
fall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend
objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinwe
isen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psy
chischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c;
Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin spätestens seit der Begutachtung am 26. September 2016 wesentlich ver
bessert habe. Die frühere Tätigkeit als Verkäuferin sei ihr wieder vollzeitlich zu
mutbar und in der Haushaltsführung bestehe keine Einschränkung mehr (Urk. 2).
2.2
D
ie Beschwer
d
eführerin machte demgegenüber im Wesentlichen geltend,
ihr Gesundheitszustand habe sich nicht verbessert. Sie leide neben psychischen Problemen an einer
Frozen
Shoulder
, einer multiplen Sklerose und an einer alle 14 Tage chronisch wiederkehrenden Nierenbeckenentzündung (Urk. 1).
3.
3.1
Streitig und zu prüfen ist, ob eine revisionsrechtlich bedeutsame Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, welche eine Rentenaufhebung recht
fertigt. Insbesondere ist zu prüfen, ob seit der
Mitteilung
der Beschwerde
gegnerin vom
21. April 2010
,
welche
r
eine
materielle
Prüfung des Rentenanspruchs
zu
grunde lag
(Urk. 12/55)
, eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes und der sich daraus ergebenden Arbeitsfähigkeit stattgefunden hat.
3.2
3.2.1
Die
Mitteilung
vom
21.
April 2010 (Urk. 12/55)
, mit welcher eine ganze Inva
lidenrente bestätigt wurde,
beruhte in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf
den folgenden Berichten:
3.
2.2
Im Bericht der neurologischen Klinik des
Z._
vom 9. Dezem
ber 2009 wurde
die Vordiagnose einer schubförmigen Multiplen Sklerose (ED 2004) mit/bei u.a. leichter Parese und Sensibilitätsstörungen genannt. Es wurde
ausge
führt, die neuropsychologische Untersuchung habe eine mittelschwer bis schwer beeinträchtigte verbale Ideenproduktion, Defizite in der Zahlenverarbeitung sowie eine leichtgradig verlangsamte kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit ergeben. Sowohl anamnestisch als auch in standardisierten Fragebogenverfahren fänden sich Anzeichen einer potenziell leistungsmindernden
Fatigue
-Symptomatik. Dem
gegenüber fänden sich in den ansonsten geprüften kognitiven Leistungsbereichen durchwegs normgerechte Befunde. Die genannten Minderleistungen seien aktuell
aus rein neuropsychologischer Sicht nicht schlüssig interpretierbar. Sie könnten Ausdruck der Grunderkrankung oder – unter Berücksichtigung der anamnestischen Angaben – zumindest teilweise vorbestehend sein (Urk. 12/53 S. 7).
3.2.3
RAD-Ärztin
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt in ihrer Stellungnahme vom 12. April 2010 fest, in den bisherigen Akten sei eine Encephalitis
disseminata
mit ED 02/2005 erstmals im Bericht von Hausarzt
Dr.
B._
(27.
November 2006)
erwähnt, wobei damals auch die Diagnose des
tendomyofaszialen
Schmerzsyndroms Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gehabt habe. Es sei anhand der bisherigen Akten von einem unveränderten Ge
sundheitszustand auszugehen (Urk. 12/54 S. 3).
3.2.4
In psychiatrischer Hinsicht
wurden keine Abklärungen getätigt. In den Akten
befindet sich
lediglich der Bericht von
Dr.
med.
C._
, Facharzt Psy
chiatrie und Psychotherapie, vom 22. März 200
1.
Darin stellte
Dr.
C._
die Diagnose eines depressiven Zustandsbildes mit Angstsymptomatik im Rahmen einer Anpassungsstörung F 43.23 sowie die Diagnose einer Somatisie
rungs
stö
rung
und
attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % (Urk. 12/20).
3.3
3.3.1
Im Rahmen des im
April 2015
eingeleiteten Revisionsverfahrens
liess
die Be
schwer
degegnerin die Beschwerdeführerin
bei Prof.
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie FMH sowie Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie FMH,
polydisziplinär begutachten.
3.3.2
Im polydisziplinären Gutachten vom 26. September 2016 wurde die
folgende
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt
: Probleme durch nega
tive Kindheitserlebnisse (ICD-10 Z 61.4). Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden die Folgenden gestellt
(Urk. 12/94 S. 2)
:
-
Initiale
medialbetonte
Gonarthrose links mit einer
Chondropathie
Grad
Kellgren
I (ICD-10 M 17.1)
-
a
namnestisch primär schubförmige Multiple Sklerose mit
residuellen
Sensibilitätsstörungen im rechten Bein ohne funktionelle neurologische Fähigkeitsstörungen (ICD-10 G 35)
-
St. n. Somatisierungsstörung; aktuell remittiert (ICD-10 F 45.0)
-
St. n. Anpassungsstörung (ICD-10 F 43.23)
-
Anpassungsprobleme in der Beziehung zum
Exehepartner
(ICD-10 Z 60.0)
-
Probleme in Verbindung mit den Wohnverhältnissen (ICD-10 Z 59)
-
Soziale Zurückweisung und Ablehnung (ICD-10 Z 60.4)
In n
eurologischer Hinsicht führte
Prof.
Dr.
D._
aus, bei der neurologischen Untersuchung habe sich ein Neurostatus vergleichbar mit jenem
im
Zeitpunkt der letzten Rentenrevision gefunden. Es bestehe eine Sensibilitätsstörung für Ober
flächenberührung, Schmer
z
- und Temperaturwahrnehmung im rechten Bein. Wei
tere neurologische Ausfälle oder Plussymptome fänden sich nicht. Damit könne ein unveränderter Neurostatus im Vergleich zur letzten Rentenrevision be
schrieben werden. Es
hätten
sich insbesondere klinisch neurologisch keine Hin
weise auf motorische Ausfälle, koordinative Störungen oder
eine
Fatigue
-Symp
to
matik ergeben
.
Damit könne ein unveränderter Neurostatus im Vergleich zur letzten Rentenrevision beschrieben werden.
Der Befund stehe im Einklang mit den Angaben in der MS-Sprechstunde des
Z._
.
Der aktuelle Gesundheitsschaden sei aus
rein
neurologischer Sicht als minim zu bewerten. Die Sensibilitätsstörungen führten zu keinen arbeitsrelevanten Einschränkungen, weder in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkäuferin noch in der ange
stammten Tätigkeit
noch im Haushalt
.
Es könne aus neurologischer Sicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten und in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen werden. Aus gutachterlicher Sicht habe nie eine Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit infolge neurologischer Störungen vorgelegen, da die Sensibilitätsstörungen am rechten Bein das Leistungsprofil nicht tangierten
(Urk. 12/90 S.
23
)
.
Aus psychiatrischer Sicht führte Prof.
Dr.
D._
aus, der letzte psychiatrische
Bericht
sei der Bericht des Psychiaters
Dr.
med.
C._
vom 22. März 200
1
.
Dieser habe als Diagnose ein depressives Zustandsbild mit Angstsymptomatik im Rahmen einer Anpassungsstörung und Somatisierungsstörung gestellt.
Bei der Beschwerdeführerin handle es sich um eine einfach strukturierte Frau, die unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen sei. Sie habe
über einen sexuellen Miss
brauch durch ihren Vater über einen Zeitraum von zehn Jahren berichtet. Die Schwester der Beschwerdeführerin sei vermutlich ebenso sexuell missbraucht worden und habe sich im Alter von 15 Jahren erhä
ngt. Im Psychopathologischen habe
die Beschwerdeführerin diese Ereignisse völlig abgespalten. Während der Erhebung dieser traumatisierenden Ereignisse
sei
eine angstbesetzte, brüllende Beschwerdeführerin angetroffen
worden
, die von einem Moment zum anderen beim Wechsel des Themas einen lachenden und lustigen Affekt
habe
präsentieren könne
n
. Es sei davon auszugehen, dass die traumatisierenden Erlebnisse psycho
dynamisch abgespalten worden seien. In Bezug auf die Ich-Strukturen müsse von einer erhöhten Durchlässigkeit aufgrund der traumatisierenden Ereignisse ausge
gangen werden. Diese werde dann virulent, wenn themenbezogene Ereignisse in das Leben der
Beschwerdeführerin
träten. Ausserhalb dieser lägen infolge der Abspaltung kein
e
erkennbaren Störungen der Ich-Funktion vor.
In Bezug auf die
berufliche Situation sollte daher darauf geachtet werden, dass
die Beschwerde
führerin in keine Abhängigkeitsverhältnisse
zu Männern geraten könne und in keinen Berufen tätig sei, die mit Sexualität zu tun hätten. Ausserhalb des Miss
brauchsthemas habe die Beschwerdeführerin keine Störungen der Impulskon
trolle, des Antriebes, der Selbst- und Fremdwahrnehmung und der Realitäts
prü
fung gezeigt. Im sozialen Kontext hätten sich psychosoziale Stressmomente gezeigt. Der letzte Ehemann der Beschwerdeführerin und ihre jüngste Tochter seien Fahrende. Die Beschwerdeführerin habe in einem Wohnviertel gewohnt, welches ausschliesslich von Fahrenden bewohnt werde. Nach der Scheidung sei die Beschwerdeführerin von den Anwohnern nicht mehr als Fahrende wahrge
nommen und daher angefeindet worden. Dies habe zu psychosozialen Stresssi
tuationen mit Streitigkeiten geführt, die sich auf die Psychopathologie der Be
schwerdeführerin ausgewirkt hätten. In der Abgrenzung der Funktionsein
schrän
kungen, welche auf Gesundheitsschädigungen beruhten, von direkten Folgen IV-
fremder Faktoren beherrschten derzeit psychosoziale und soziokul
tu
relle Problem
e das psychopathologische Bild infolge der problematischen Wohnsituation und der sich daraus
ergebenden Konflikte und des anhaltenden Liebeskummers der Beschwerdeführerin.
Bei der hiesigen psychiatrischen Exploration habe sich im Vergleich zu den zur Berentung führenden Diagnosen und psychopathologischen Symptomen eine deutliche Besserung des psychischen Gesundheitszustandes gezeigt. Ein depressiver Affekt könne ebenso wenig ausgemacht werden wie eine Angststörung. Die Anpassungsstörung sei abgeklungen. Ein
e
Somatisierungs
stö
run
g
liege aktuell nicht mehr vor. Die Beschwerdeführerin befinde sich seit vielen Jahren nicht mehr in einer fachärztlichen psychiatrischen Behandlung. Sie werde durch den Hausarzt mit
Venlafaxin
75 mg behandelt. Der Blutserumspiegel liege im therapeutischen Bereich. Es liege aktuell kein Gesundheitsschaden auf psy
chiatrischem Fachgebiet vor. Im Vergleich zur Berentungssituation sei von einer Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes auszugehen. Das Störungs
bild infolge der negativen Kindheitserlebnisse sei abgespalten und beeinflusse die Arbeitsfähigkeit nicht, jedoch sollte die Spezifikation der beruflichen Tätigkeit so gewählt werden, dass die Beschwerdeführerin keinen potentiellen Traumatisie
rungen ausgesetzt werde.
Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Kassiererin sei aus psychiatrischer Sicht leidensgerecht. Seit der
Rentenzusprache
im Jahr 1999 habe sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin gebessert. Die Verbesserung dürfte bereits seit Jahren bestehen. Da keine psychiatrische Doku
mentation im Verlauf vorliege, sei der Zeitpunkt nicht genau bestimmbar und müsse daher medizinisch-theoretisch mit der Untersuchung vom 19. Juli 2016 angenommen werden. Es sei sowohl in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als auch in einer adaptierten Tätigkeit und im Haushalt von einer vollen Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Die Beschwerdeführerin sollte jedoch keine Tätigkeiten ausführen, die sie in sexuelle Abhängigkeiten bringen könnte (Urk. 12/90 S. 63 ff.).
Dr.
E._
führte aus, im Rahmen der klinischen Untersuchung habe sich bei der Beschwerdeführerin auf orthopädisch-chirurgischem Fachgebiet in den einzelnen durchgeführten Testverfahren eine durchgehende Konsistenz der Untersuchungs
befunde ohne Bewegungseinschränkung der einzelnen Gelenke sowie der Wirbel
säule gezeigt. Nach eingehender klinischer und radiologischer Untersuchung hätten sich keine objektivierbaren Befundergebnisse, welche die Diagnose eines zum heutigen Zeitpunkt anhaltenden
Fibromyalgiesyndroms
erhärten würden, ergeben. Die von der Beschwerdeführerin beklagten Beschwerden im Bereich des linken Kniegelenkes könnten nur ansatzweise in Form einer initialen, medial
betonten Gonarthrose mit einer
Chondropathie
Grad
Kellgren
I objektiviert wer
den. Gemäss den Empfehlungen der Swiss Insurance
Medicine
ergebe sich hieraus weder eine qualitative noch eine quantitative Einschränkung der Leistungs
fähig
keit (Urk. 12/94 S. 46).
Aus neurologisch-psychiatrischer und orthopädischer Sicht sei gesamthaft von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes auszugehen. Seit dem Begutach
tungs
zeit
punkt lägen keine Störungsbilder vor, die das Leistungsprofil der Beschwerdeführerin quantitativ einschränkten. Es könne von einer 100%igen Arbeits
fähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkäuferin oder in der angestammten Tätigkeit ausgegangen werden. Auch im Haushalt lägen keine signifikanten Einschränkungen vor. Die Spezifikation der Tätigkeit sollte keine Tätigkeit beinhalten, in welcher die Beschwerdeführerin in sexuelle Abhängig
keiten geraten könne (Urk. 12/94 S. 4).
3.3.3
Im Bericht der Klinik für Urologie des
Z._
vom 17. Novem
ber 2016 wurde
n als Hauptdiagnosen
eine multifakt
oriell (neurogen und
myogen
)
bedingte Blasenfunktionsstörung sowi
e eine schubförmige Multiple S
klerose R
RMS, ES und ED 2004 genannt. Es wurde
ausgeführt, bei der Beschwerde
füh
rerin liege eine mul
t
ifaktoriell (neurogen,
myogen
) bedingte Blasenfunktions
störung mit Drangsymptomatik, Dranginkontinenz und Belastungsi
nkontinenz Grad I vor. In der Vi
deo-
Urodynamik
zeige sich eine
normo
- bis hyperkapazitive hyposensitive und überaktive Harnbla
se.
Zystoskopisch
,
bioptisch
und
zytolo
gisch zeige sich im September 2016 kein Hinweis auf einen B
lasentumor. Zu welchen Anteilen
eine neurogene durch die Multiple Sklerose oder
myogene
durch die
postpartalen
und postoperativen Veränderungen bedingte Blasenprob
le
matik vorliege, könne nicht konklusiv beurteilt werden. Die seit ein bis zwei Jahren zunehmenden Blasenfunktionsstörungen dürften am ehesten neurologi
scher Natur sein (Urk. 12/95).
3.3.4
RAD
-Arzt
Dr.
med.
F._
, Orthopädische Chirurgie FMH
, hielt in seiner Stellungnahme vom 21. Januar 2017 fest, bei den im Bericht des
Z._
vom 17. November 2016 aufgelisteten Diagnosen handle es sich weitgehend um bekannte Sachverhalte. Die multifaktoriell neurogen und
myogen
bedingte Blasenfunktionsstörung sei Video- und
urodynamisch
und
zystoskopisch
abgeklärt worden. Eine wesentliche dauerhafte Relevanz für die
Arbeitsfähigkeit lasse sich daraus jedoch nicht objektivierend ableiten (Urk. 12/101
S. 5).
3.3.5
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte die Beschwerdeführerin den Bericht der Klinik für Neurologie des
Z._
vom 7.
November 2017 ein.
Darin wurden die folgenden Diagnosen genannt:
-
Schubförmige Multiple Sklerose (PRMS), (ES, ED 2004), EDSS 3.0
Diagnostisch:
-
01/2005 Liquor: OKB positiv
-
02/2008 MRI Schädel: multiple Läsionen spinal, einzelne Läsionen
cervical
-
04/2009 MRI Schädel, HWS, BWS: multiple Läsionen, kein
e
Kontrast
mittel-anreichernden Läsionen, kleine Diskushernie Th12/L1 und L4/5, jeweils ohne Wurzelkompression
-
04/2017 MRI Neur
o
achse:
stationärer Befund
zu 07/2016, 09/2011, 08/2012 und 11/2013
-
Multifaktorielle (neurogene und
myogene
) Harnblasenfunktionsstörung
-
Depression
-
Generalisiertes
myofasziales
Schmerzsyndrom, EM 1995
-
Chronische
Epikondylitis
humeri
lateralis
rechts
-
Frozen
shoulder
rechts, EM ca. 08/2016
Es wurde ausgeführt, in der neurologischen Verlaufskontrolle habe sich eine Zunahme
des Schmerzsyndroms mit teils
Allodynie
, generalisierten Schmerzen so
wie eine Trigeminusneuralgie links gezeigt.
Neue sensomotorische Defizite zeig
ten sich nicht. Bei zuletzt
klinisch und radiologisch stabilem MS-Verlauf
und zunehmenden Herpesinfektionen
werde die Therapie mit
Gileny
a
sistiert
, da hier
durch die Herp
esvirus-spezifische Immunität vermindert sein könne. A
ufgrund
des wenig aktiven Verlaufs
werde
eine Umstellung auf
Aubagio
initiiert
, sobald sich die Lymphozyten auf mindestens 1.0 G/l erholt hätten. Weiter werde als symptomatische Schmerztherapie bei neuropathischem Schmerzcharakter eine Therapie mit
Oxcarbazepin
initiiert (Urk. 17).
4.
4.1
Im angefochtenen Entscheid stützte sich die Beschwerdegegnerin in erster Linie auf das
inter
disziplinäre Gutachten vom
26. September 2016
, welches die recht
sprechungsgemäss
erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entschei
dungs
grundlagen (vgl. E.
1.6
)
erfüllt
. Es beruht auf fachärztlichen Untersuchungen durch die Gutachter und
wurde in Kenntnis der relevanten
Vorakten
abgegeben. Es würdigt die vorhandenen Arztberichte sorgfältig, berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen hinreichend auseinander. Die Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge ist einleuchtend
und die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nach
vollziehbar.
Überd
ies sprechen sich die Gutachter
darüber aus, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesund
heits
zustandes stattgefunden hat.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, der Gutachter Prof.
Dr.
D._
habe sie nicht verstanden (Urk. 1), ist darauf hinzuweisen, dass sie deutscher Muttersprache ist.
Ebenso Prof.
Dr.
D._
, der aus Deutschland stammt.
Da die Beschwerdeführerin die obligatorischen Schulen in der Schweiz besucht hat, ist davon auszugehen, dass sie auf hochdeutsch – wenn auch mit schweizerischem Akzent - kommunizieren kann.
So war sie auch in
der Lage
,
schriftliche Eingaben an die Beschwerdegegnerin und an das Gericht
in schriftdeutsch
er Sprache
zu ver
fassen. Aus dem Gutachten geht denn auch nicht hervor, dass
bei der Untersuchung
Verständigungsprobleme bestanden hätten.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (Urk. 1) standen den Gutachern sämtliche im Zeitpunkt der Begutachtung bei der Beschwerdegegnerin vorhan
denen
medizinischen
Akten zur Verfügung.
Sofern die Beschwerdeführerin zum damaligen Zeitpunkt i
n psychiatrischer Behandlung gewesen wäre
, hätte sie dies der Beschwerdegegnerin oder dem Gutachter m
itteile
n müssen.
Sie gab gegenüber dem Gutachter jedoch an, dass sei seit fünf Jahren nicht mehr in ambulanter, teilstationärer oder stationärer psychiatrischer Therapie gewesen sei (Urk. 12/90 S. 57).
4.2
Gestützt auf das
interdisziplinäre
Gutachten von
Prof.
Dr.
D._
und
Dr.
E._
ist davon auszugehen, dass sich der
somatische Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin
nicht wesentlich verändert
hat. Von psychiatrischer Seite her ist hingegen von einer erheblichen Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Fachärztliche Berichte, die d
ieser Einschät
zung wiedersprechen würden, liegen nicht vor.
Entsprechend ist eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditäts
grad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen, mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt. Da ein Revisionsgrund vorliegt, ist der Rentenanspruch in
rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
4.3
In somatischer Hinsicht
geht aus
dem Gutachten
hervor,
dass keine orthopädisch-chirurgischen Störungsbilder mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen.
In Bezug auf die Diagnose einer
initiale
n
medialbetonte
n
Gonarthrose links mit einer
Chondropathie
Grad
Kellgren
I
hält
Dr.
E._
fest, dass sich daraus
weder eine qualitative noch eine quantitative Einschränkung der Leistungsfähigkeit
ergebe
(Urk. 12/
94
)
.
Aus der multifaktoriell (neurogen und
myogen
) bedingten Blasenfunktionsstörung lässt sich
ebenfalls
keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ableiten (Urk. 12/95 und Urk. 12/101 S. 5).
In neurologischer Hinsicht ist dem Gutachten zu entnehmen, dass
sich
im Ver
gleich zum Neurostatus im Zeitpunkt der letzten Rentenrevision ein unver
än
derter neurologischer Gesundheitszustand
zeigte
.
Prof.
Dr.
D._
führte aus, e
s habe eine Sensibilitätsstörung für Oberflächenberührung, Schmerz- und Tem
pe
raturwahrnehmung im rechten Bein bestanden. Weitere neurologische Ausfälle oder Plussymptome hätten sich nicht f
i
nden
lassen
. Es hätten sich insbesondere klinisch
-
neurologisch keine Hinweise auf motorische Ausfälle, koordinative Störungen oder eine
Fatigue
-Symptoma
ti
k ergeben. Die Sensibil
i
tätsstörungen führten zu keinen arbeitsrelevanten Einschränkungen, weder in der zuletzt aus
geübten Tätigkeit als Verkäuferin noch in der angestammten Tätigkeit
(Urk. 12/90 S. 23)
.
In Bezug auf den neuropsychologischen Bericht des
Z._
vom 9. Dezember 2009 hielt Prof.
Dr.
D._
fest, die neuropsycho
lo
gische Untersuchung vom 9. Dezember 2009 habe mittelschwere bis schwere Beein
trächtigungen in der verbalen Ideenproduktion und ein Defizit in der Zahlenverarbeitung sowie eine leichtgradig verlangsamte kognitive Verarbei
tungs
geschwindigkeit gegeben. Die Untersuchung sei jedoch ohne Symptom
-
vali
dierung erfolgt und das Störungsbild sei nicht schlüssig interpretierbar gewesen und nicht mit der MS-Erkrankung in Zusammenhang gebracht worden. Das Testergebnis habe keinen Hinweis auf eine
MS-assoziierte
Fatigue
ergeben. Im Bericht der Neuroimmunologie des
Z._
vom 25. März 2015 sei erneut von einer
residuellen
Hypästhesie des rechten Beines berichtet worden. Die Beschwerdeführerin sei im Gespräch neuropsychologisch unauffällig
gewesen. Des Weiteren hätten sich keine neuen Gesichtspunkte ergeben (Urk. 12
/90 S. 20).
Auch d
er im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichte Bericht der Klinik für Neurologie des
Z._
vom 7. November
2017,
soweit er sich
auf den Sachverhalt
vor der angefochtenen Verfügung bezieht, vermag die Beurteilung des Gutachters nicht zu entkräften
, zumal darin ebenfalls von einem stationären Befund und einem
kl
inisch und radiologisch stabilen
MS-Verlauf
die Rede ist (Urk. 17).
Aus psychiatrischer Sicht geht aus dem Gutachten hervor,
dass aktuell kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden vorliegt. Prof.
Dr.
D._
hielt fest, dass ein depressiver Affekt ebenso wenig ausgemacht werden könne wie eine Angststörung. Die Anpassungsstörung sei abgeklungen und eine Somatisierungsstörung liege nicht mehr vor. Die Beschwerdeführerin
verneint
e
denn auch im Rahmen der Begutachtung psychia
trische
Beschwerden
(Urk. 12/90 S. 56) und befand
sich auch nicht in psychiatrischer Behandlung.
Beschwerdeweise b
ringt sie
vor, ihr psychischer Gesundheitszustand habe sich nicht verbessert, ohne diese Aussage jedoch mittels
eines fachärztlichen
Berichte
s
zu belegen.
Ein strukturiertes Beweisverfahren ist vorliegend entbehrlich, da im Rahmen der Begutachtung eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begrün
deter Weise verneint wurde und keine gegenteiligen fachärztlichen Einschät
zungen vorliegen (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1).
4.4
Somit ist
mit dem Beweisgrad d
er überwiegenden Wahrscheinlich
keit erstellt, dass die Beschwerdeführerin spätestens ab de
m Zeitpunkt der Begutachtung
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkäuferin
oder in der angestammten Tätigkeit
zu
100
% arbeitsfähig ist.
Damit ist
im Sinne eines Prozentvergleiches
von einem rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad
auszugehen.
5.
5.1
Im Regelfall ist eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten. Nach langjährigem Rentenbezug können ausnahmsweise Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch möglichen Leis
tungs
entfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotenzials ohne vorgängige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels Eigenanstrengung der versicherten Person nicht möglich ist. Diese Rechtsprechung ist grundsätzlich auf Fälle zu beschränken, in denen die (revisions- oder wiedererwägungsweise) Herab
setzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versicherte Person betrifft, welche das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat. Die Übernahme der beiden Abgrenzungskriterien (vgl.
lit
. a
Abs.
4 der Schlussbestimmungen der Änderung vom 1
8.
März 2011 [
6.
IV-Revision, erstes Massnahmenpaket]) bedeutet nicht, dass die darunter fallenden Rentne
rinnen und Rentner im jeweiligen revisions- (Art. 17 Abs. 1 ATSG) beziehungs
weise gegebenenfalls wiedererwägungsrechtlichen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) Kontext einen Besitzstandsanspruch geltend machen könnten; es wird ihnen lediglich zugestanden, dass – von Ausnahmen abgesehen – aufgrund des fortgeschrittenen
Alters oder einer langen Rentendauer die Selbsteingliederung nicht mehr zu
mutbar ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_39/2012 vom 24. April 2012 E. 5.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteile Bundesgerichts 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.4 und 9C_412/2014 vom 20. Oktober 2014 E. 3.1).
5.2
Die Beschwerdeführerin war
bei Erlass der rentenaufhebenden Verfügung
erst
52 Jahre alt
,
bezog
aber
seit
17
Jahren
und acht Monaten
(zur Anknüpfung an die Rentenberechtigung vgl.
BGE 139 V 442
E. 3 und 4)
eine
ganze
Invalidenrente.
Damit fäll
t sie grundsätz
lich
unter den vom Bundesgericht besonders geschützten
Bezügerkreis
.
Die Beschwerdeführerin verfügt zwar über keine Berufsausbildung, hat jedoch vor der
Rentenzusprache
diverse Erwerbstätigkeiten ausgeübt
(
Fabrikarbeiterin, Reinigungsangestellte, Serviceangestellte,
Verkäuferin)
. Somit kann sie auf eine
berufliche Erfahrung zurückgreifen, welche für die Selbsteingliederung nutzbar ist.
Aktenkundig ist
weiter
, dass die Beschwerdeführerin
ihren Haushalt führt
, näht, mit dem Hund spazieren geht (Urk. 12/90 S. 57) und Motorrad fährt
(Urk. 12/90 S.
15)
.
Die Beziehungen zu ihren erwachsenen Kin
dern sind intakt, sie hütet ihr Enkelkind
(Urk. 12/75)
und
pflegt auch Kontakte
ausserhalb
der Familie
(Urk. 12/90 S. 54
)
.
Dem psychiatrischen Gutachten kann zudem entnommen werden, dass
es sich
bei der Beschwerdeführerin
um eine
gepflegt
e und jugendlich aussehende Person handelt (Urk. 12/90 S. 63).
Angesichts der
aktiven Tagesge
staltung und der sozialen Kontakte
sowie der Tatsache, dass die Beschwerde
führerin ein Kleinkind betreuen kann,
erscheint
sie
hinreichend agil und gewandt
im Sinne der
bundesgerichtlichen
Rechtsprechung
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts
8C_39/2012
vom 24. April 2012 E.
5.2 und 9C_6
8/2011 vom 16. Mai 2011 E. 3.3)
,
weshalb
einer Selbsteingliederung
trotz des langjährigen Rentenbezug
s objektiv nichts entgegensteht.
Die Beschwerdeführerin hat
überdies
mehrfach klar zum Ausdruck gebracht, dass sie sich nicht im Stande fühlt, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (Urk.
12/58 S. 2; Urk.
12/90 S.
57
).
Sie hat auch nach der Begutachtung, welche sie mit der konkreten Möglichkeit einer Rentenaufhebung konfrontierte,
weder
An
strengun
g
en
zur Selbsteingliederung unternommen
noch
sich
dahingehend geäussert
, dass sie auf berufliche Massnahmen ang
ewiesen sei bzw. solche verlangt
. Unter diesen Umständen
fehlt es auch am
Eingliederungswillen bzw.
an der
subjektive
n
Ein
g
liederungsfähigkeit
.
5.3
Somit ist
der Beschwerdeführerin
trotz der während mehr als 15 Jahren ausge
richteten Rentenleistungen eine Selbsteingliederung
auf dem freien Arbeitsmarkt
zumutbar.
6.
Nach dem Gesagten erweist sich d
ie angefochtene Verfügung als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7
.
7
.1
Die Beschwerdeführerin stellte ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung (Urk. 1). Vorliegend sind die Voraussetzungen gemäss § 16 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt, wes
halb dem Gesuch der Beschwerdeführerin zu entsprechen ist. Sie ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der ihr erlassenen Gerichtskosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.
7
.2
Die Koste
n des Verfahrens sind auf Fr. 7
00.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, jedoch zufolge Ge
wäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.