Decision ID: db0ed5b4-8d98-492c-bffb-2ca50e494807
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend arbeitsrechtliche Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts am Arbeitsgericht Zürich, 3. Abteilung, vom 21. Dezember 2016 (AH160087-L)
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Rechtsbegehren:
Klage vom 13. Juni 2016 (Urk. 1 S. 2 und Urk. 12 S. 2):
1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von Fr. 5'200.– brutto zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 1. Februar 2016 zu bezahlen;
2. es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von Fr. 1'000.– netto zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 1. Februar 2016 zu bezahlen;
3. es sei der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. ... des  Baar (Zahlungsbefehl vom 24.2.2016) aufzuheben;
4. es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin den Lohnausweis 2015 aus- und zuzustellen;
5. alles unter Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten der . Die Kosten fallen ausser Ansatz.
Widerklage vom 17. November 2016 (Prot. I S. 7):
Die Klägerin und Widerbeklagte sei zu verpflichten, der Beklagten und Widerklägerin € 18'750.– zuzüglich Zinsen seit dem 1. Dezember 2015 zu bezahlen.
Urteil des Arbeitsgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 21. Dezember 2016: (Urk. 18 = Urk. 21 S. 13 f.)
1. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin Fr. 4'144.85 netto sowie
Fr. 850.– brutto für netto, je zuzüglich Zins zu 5 % seit 21. März 2016 zu be-
zahlen. In diesem Umfang wird der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. ...
des Betreibungsamts Baar (Zahlungsbefehl vom 24. Februar 2016) aufge-
hoben.
Im Mehrbetrag wird die Forderungsklage abgewiesen.
2. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin den Lohnausweis für das Jahr
2015 aus- und zuzustellen.
3. Die Widerklage wird abgewiesen.
4. Es werden keine Kosten erhoben.
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5. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin eine Parteientschädigung von
Fr. 4'960.– (inkl. 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
6. [Schriftliche Mitteilung.]
7. [Rechtsmittel: Berufung, Frist 30 Tage.]
Berufungsanträge:
der Beklagten, Widerklägerin und Berufungsklägerin (Urk. 20 S. 1):
1. Die Berufung sei gutzuheissen und in Aufhebung des Urteils des Arbeitsgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 21. Dezember 2016 (Geschäfts-Nr.: AH160087-L/U) die Klage der  vom 13. Juni 2016 vollumfänglich abzuweisen und die  vom 17. November 2016 gutzuheissen und gestützt darauf die Berufungsbeklagte zu verpflichten, der Berufungsklägerin den Betrag von Fr. 18'750.– nebst einem Verzugszins von 5 % seit dem 1. Dezember 2015 zu entrichten.
2. Eventuell sei das Widerklageverfahren bis zum Abschluss des Strafverfahrens zu sistieren.
3. Subeventuell sei die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen dieser Berufung zu neuer Entscheidung an das Arbeitsgericht , 3. Abteilung, zurückzuweisen.
4. Prozessual sei eine Berufungsverhandlung durchzuführen. 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beru-
fungsbeklagten.
der Klägerin, Widerbeklagten und Berufungsbeklagten (Urk. 28 S. 2):
1. Es sei die Berufung abzuweisen und das Urteil des  Zürich vom 21. Dezember 2016 zu bestätigen;
2. der Sistierungsantrag der Berufungsklägerin sei abzuweisen; 3. unter Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwertsteuer) zu Las-
ten der Berufungsklägerin; die Kosten fallen ausser Ansatz.
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Erwägungen:
I. - Sachverhalt und Prozessgeschichte -
1. Die Klägerin, Widerbeklagte und Berufungsbeklagte (fortan: Klägerin) war
seit 1. Mai 2015 bei der Beklagten, Widerklägerin und Berufungsklägerin (fortan:
Beklagte) als "Assistentin des Verwaltungsrates" angestellt (Urk. 5/1). Mit Schrei-
ben vom 31. Dezember 2015 kündigte die Klägerin das Arbeitsverhältnis "unter
Berücksichtigung der geltenden Kündigungsfristen" per 31. Januar 2016 (Urk. 5/3,
vgl. Urk. 21 S. 6 f.). Am 4. Januar 2016 gab die Beklagte ihre Büroräumlichkeiten
an der ursprünglichen Geschäftsadresse C._-Strasse ..., ... Zürich, per so-
fort auf und verlegte den Arbeitsort an die neue Büroadresse D._ ...,
E._ (Urk. 14/5). Gegenstand des Berufungsverfahrens bildet nebst dem
Lohnanspruch der Klägerin für den Monat Januar 2016 eine von der Beklagten
widerklageweise geltend gemachte Schadenersatzforderung aus einem manipu-
lierten Aktienkaufgeschäft.
2.1. Mit unbegründeter Klage vom 13. Juni 2016 (Urk. 1) und unter Beilage der
Klagebewilligung des Friedensrichteramts der Stadt Zürich, Kreise ..., vom 9. Mai
2016 (Urk. 3) machte die Klägerin beim Arbeitsgericht Zürich, 3. Abteilung (fortan:
Vorinstanz), die Klage mit den eingangs genannten Rechtsbegehren anhängig.
Die Parteien wurden zunächst auf den 7. Juli 2016 zur mündlichen Verhandlung
im vereinfachten Verfahren vorgeladen (Urk. 6). Auf Verschiebungsgesuch der
Beklagten hin (Urk. 8), wurde die Verhandlung auf den 17. November 2016 ver-
schoben (Urk. 10). Anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung erstatteten die
Parteien ihre Parteivorträge (Urk. 12; Prot. I S. 3 ff.). Im Rahmen der Klageantwort
erhob die Beklagte Widerklage mit eingangs wiedergegebenem Rechtsbegehren
(Prot. I S. 5). Mit Urteil vom 21. Dezember 2016 hiess die Vorinstanz die Klage im
Wesentlichen gut und wies die Widerklage vollumfänglich ab (Urk. 18 = Urk. 21).
2.2. Hiergegen erhob die Beklagte mit Eingabe vom 6. Februar 2017 fristge-
recht Berufung (Urk. 19/2; Urk. 20). Sie verlangt die Aufhebung des vorinstanzli-
chen Urteils sowie die Abweisung der Klage und Gutheissung der Widerklage. Mit
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Verfügung vom 28. Februar 2017 wurde der Klägerin Frist zur Erstattung der Be-
rufungsantwort angesetzt (Urk. 26). In ihrer Berufungsantwort vom 16. März 2017
schliesst die Klägerin auf kostenfällige Abweisung der Berufung (Urk. 28; der Be-
klagten am 20. März 2017 zur Kenntnisnahme zugestellt, Urk. 30). Am 3. April
2017 erstattete die Beklagte im Rahmen des sog. Replikrechts eine freiwillige
Stellungnahme (Urk. 31 f.), welche der Klägerin zufolge Obsiegens mit dem vor-
liegenden Endentscheid zur Kenntnisnahme zugestellt wird. Das Verfahren er-
weist sich als spruchreif, die Durchführung einer Berufungsverhandlung erscheint
nicht notwendig (Urk. 20 S. 2, prozessualer Antrag Ziffer 4; Art. 316 Abs. 1 ZPO).
II. - prozessuale Vorbemerkungen -
1. Das Berufungsverfahren ist ein eigenständiges Verfahren (BGE 142 III 413
E. 2.2.1). Die Berufung ist gemäss Art. 311 ZPO zu begründen. Es ist darzulegen,
weshalb der erstinstanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten fehlerhaft
sein soll. Dazu sind in der Berufungsschrift die zur Begründung der Berufungsan-
träge wesentlichen Argumente vorzutragen. Dies setzt voraus, dass die Beklagte
– unter Vorbehalt des Novenrechts – mittels klarer Verweisungen auf die Ausfüh-
rungen vor der Vorinstanz aufzeigt, wo sie die massgebenden Behauptungen, Er-
klärungen, Bestreitungen und Einreden erhebt und die Aktenstücke nennt, auf
denen ihre Kritik beruht. Es ist nicht Sache der Rechtsmittelinstanz, die Akten und
Rechtsschriften des vorinstanzlichen Verfahrens zu durchforsten, um festzustel-
len, was welche Partei wo ausgeführt hat. Den gesetzlichen Begründungsanforde-
rungen ist weder durch eine pauschale Verweisung auf die bei der Vorinstanz
eingereichten Rechtsschriften noch durch eine neuerliche Darstellung der Sach-
und Rechtslage Genüge getan, welche nicht darauf eingeht, was vor der Vor-
instanz vorgebracht und von dieser erwogen worden ist (BGer 4A_580/2015 vom
11. April 2016, Erw. 2.2. nicht publiziert in: BGE 142 III 271; BGer 4A_263/2015
vom 29. September 2015, E. 5.2.2; BGer 4A_382/2015 vom 4. Januar 2016,
E. 11.3.1). Pauschale Verweisungen auf die vor der Vorinstanz eingereichten
Rechtsschriften oder die blosse Wiederholung von bereits vor Vorinstanz Vorge-
tragenem sind namentlich dann unzulässig bzw. nicht genügend, wenn sich die
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Vorinstanz mit den Ausführungen der Beklagten auseinandergesetzt hat. Wenn
die Beklagte eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts rügt, muss sie aufzei-
gen, dass die Korrektur der Sachverhaltsfeststellung für den Ausgang des Verfah-
rens entscheidend ist. Hat die Vorinstanz tatsächliches Vorbringen oder zu be-
rücksichtigende aktenkundige Tatsachen übersehen, muss die Beklagte in der
Berufungsbegründung explizit darauf hinweisen, dass die entsprechenden Um-
stände bereits vor der Vorinstanz vorgebracht wurden (Hungerbühler/Bucher, DI-
KE-Komm-ZPO, Art. 311 N 34 ff.). Was für die Begründung der Berufung gilt, gilt
auch für die Begründung der Berufungsantwort (BGer 4A_580/2015 vom 11. April
2016, Erw. 2.2. nicht publiziert in: BGE 142 III 271). Auch das sog. Replikrecht
dient nicht dazu eine Berufungsbegründung zu vervollständigen (BGE 142 III 413
E.2.2.4).
2. Neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) können im Berufungsverfahren
nur unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO berücksichtigt werden,
d.h., wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden (lit. a) und trotz zumutbarer Sorg-
falt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (lit. b). Die in
Art. 317 Abs. 1 lit. a und b ZPO genannten Voraussetzungen müssen kumulativ
erfüllt sein. Bei unechten Noven hat die novenwillige Partei genau zu begründen,
weshalb die Tatsache oder das Beweismittel nicht schon vor erster Instanz vor-
gebracht werden konnte bzw. vorgebracht wurde. Dabei hat die betroffene Partei
substantiiert darzulegen, dass und inwiefern sie vor erster Instanz mit der zumut-
baren Sorgfalt prozessiert hat, indes trotzdem nicht in der Lage bzw. gehalten
war, die Tatsache bzw. das Beweismittel in das erstinstanzliche Verfahren einzu-
bringen (ZK ZPO – Reetz/Hilber, Art. 317 N 61). Das Berufungsverfahren dient
nicht dazu, dass die Parteien vor erster Instanz Versäumtes nachbessern können
(Volkart, DIKE-Komm-ZPO, Art. 317 N 3).
3. Zu den Voraussetzungen der Widerklage kann auf die zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 21 S. 3 f.). Die Voraussetzun-
gen nach Art. 224 ZPO sind erfüllt und die Widerklage ist zulässig.
4. Die Beklagte stellt im obergerichtlichen Verfahren Beweisanträge, ohne
sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob diese Beweisanträge bereits vor ers-
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ter Instanz prozessrechtskonform ins Verfahren eingebracht wurden (Urk. 20 S. 4
ff., Urk. 31 S. 2 f.). Entscheidend ist dabei einzig, ob rechtserhebliche Tatsachen-
behauptungen sowie die Beweisanträge dazu im vorinstanzlichen Verfahren vor
Aktenschluss aufgestellt worden sind (Art. 221 Abs. 1 lit. d und e ZPO) und ob die
Vorinstanz diese Vorbringen zu Unrecht übergangen hat. Das Berufungsverfahren
dient nicht der Vervollständigung des erstinstanzlichen Verfahrens, sondern der
Überprüfung und Korrektur des erstinstanzlichen Entscheids im Lichte konkret
dagegen vorgebrachter Beanstandungen (BGE 142 III 413 E. 2.2.2.). Soweit sich
die Beklagte mit der Berufung auf neue Tatsachenbehauptungen bzw. Beweisan-
träge stützt, tut sie nicht dar, inwieweit sie die entsprechenden Tatsachenbehaup-
tungen bereits vor Vorinstanz aufgestellt bzw. dazu die offerierten Beweismittel
bezeichnet hat. Die Beklagte hätte in ihrer Berufung darzulegen gehabt, inwiefern
sie sich auf das Novenrecht im Sinne von Art. 317 Abs. 1 ZPO berufen kann. Un-
ter diesem prozessualen Blickwinkel sind die Berufungsvorbringen der Beklagten
nachfolgend zu prüfen.
III. - Beurteilung der Berufung -
A. Hauptklage
1. Die Vorinstanz erwog bezüglich der von der Klägerin geltend gemachten
Lohnforderung für Januar 2016, die Klägerin sei im Zusammenhang mit der Ver-
legung des Arbeitsortes mit Email der Beklagten vom 4. Januar 2016 angewiesen
worden, das Telefon auf ihr Handy umzuleiten; Firmenunterlagen, Computer und
Server sollten nach E._ gebracht werden. Mit Email vom 9. Januar 2016
adressiert an "Alle" habe die Beklagte die Belegschaft ausserdem orientiert, das
Telefon würde vorläufig auf die Klägerin umgeleitet. Diese arbeite von zuhause
aus und werde eine Email schreiben, wenn Anrufe für bestimmte Personen ein-
gehen würden. Dies habe die Klägerin als Weisung der Beklagten verstehen dür-
fen, bis auf weiteres von zuhause aus zu arbeiten (Urk. 21 S. 7). Ob sich die Klä-
gerin geweigert habe, in E._ zu arbeiten, brauche nicht weiter geklärt zu
werden, da die Beklagte auf die von ihr behauptete Weigerung der Klägerin mit
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einer Weisung zu reagieren gehabt hätte, die Klägerin habe in E._ zu er-
scheinen. Dafür, dass vor oder nach der Email vom 9. Januar 2016 eine solche
Weisung jemals an die Klägerin ergangen sei, habe die Beklagte keine Beweis-
mittel bezeichnen können. Aus dem Umstand, dass die Klägerin nicht in E._
erschienen sei, könne die Beklagte daher nichts zu ihren Gunsten ableiten. Zu
prüfen bleibe, ob die Klägerin zuhause tatsächlich gearbeitet habe (Urk. 21 S. 8).
Auch wenn die Belegschaft vororientiert gewesen sei, sei der Entscheid, von Zü-
rich nach E._ umzuziehen, kurzfristig erfolgt. Die Belegschaft der Beklagten
sei am ersten Arbeitstag nach den Weihnachtsferien mit der Weisung der Beklag-
ten konfrontiert gewesen. Vom 9. bis 23. Januar 2016 sei zudem der Verwal-
tungsratspräsident der Beklagten, dessen Assistentin die Klägerin gewesen sei,
büroabwesend gewesen. Hinzu komme, dass die Beklagte Anfang 2016 praktisch
das ganze Team ausgewechselt habe. Um den 9. Januar 2016 herum sei auch
Herr F._, der bei der Beklagten für die Computerdaten bzw. den IT-Bereich
zuständig gewesen sei, fristlos entlassen worden. Aus all dem müsse geschlos-
sen werden, dass im Verlauf des Monats Januar 2016 bei der Beklagten – zu-
rückhaltend ausgedrückt – wenig geordnete Verhältnisse bestanden hätten und
es mehr als offen sei, welche ihrer angestammten Arbeiten die Klägerin von zu-
hause aus überhaupt hätte erledigen können. Anders als andere Beteiligte habe
die Klägerin mit Email vom 9. Januar 2016 keine individuellen Aufgaben zugewie-
sen erhalten, abgesehen von Emails bei Anrufen und die Besprechung hängiger
Kundenfälle mit Frau G._ (Urk. 21 S. 8). Die Beklagte räume selber ein, die
Klägerin habe von zuhause aus die ihr gemäss Arbeitsvertrag obliegenden Arbei-
ten nicht erledigen können. Damit könne aber von der Klägerin, die immerhin den
Email-Verkehr mit einer Kundin vom 19./20. Januar 2016 habe belegen können,
nicht der unmögliche Nachweis gefordert werden, dass sie zuhause auch tatsäch-
lich gearbeitet habe. Es hätte vielmehr der Beklagten oblegen, darzutun, welche
konkreten Arbeiten die Klägerin von zuhause aus hätte erledigen können, aber
trotzdem nicht erledigt habe. Diesbezüglich lasse sich weder aus den beklagti-
schen Vorbringen noch aus den von ihr vorgelegten Unterlagen etwas Schlüssi-
ges entnehmen, insbesondere auch nicht mit Bezug auf die wenigen, der Klägerin
im Email vom 9. Januar 2016 zugewiesenen Aufgaben. Es müsse daher genü-
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gen, dass die Klägerin weisungsgemäss zuhause auf Arbeitsbereitschaft gewe-
sen sei (Urk. 21 S. 9).
2. Die Beklagte moniert, dass aus den Leistungsbeschrieben gemäss Ar-
beitsvertrag vom 11. Juni 2015 (Urk. 5/1) einerseits und dem Arbeitszeugnis vom
24. Februar 2016 (Urk. 23/5) andererseits hervorgehe, dass die Klägerin in ihrer
Aufgabe als Assistentin des Verwaltungsrats auch für die Leitung des BackOffice
Operations&Sales zuständig gewesen sei. Aus den Leistungsbeschrieben ergebe
sich unmissverständlich, dass die Klägerin in erster Linie nicht als Assistentin,
sondern vielmehr als Sachbearbeiterin bei der Beklagten fungiert habe. Wie aus
den Ausführungen der Beklagten im vorinstanzlichen Verfahren hervorgehe, habe
die Klägerin im Januar 2016 die Weisung der Geschäftsleitung, den Arbeitsort
nach E._ zu verlegen, nicht befolgt. Entgegen der vorinstanzlichen Auffas-
sung habe die spätere Einzelanweisung vom 9. Januar 2016 gegenüber der
grundsätzlichen Weisung vom 4. Januar 2016 keine derogierende Wirkung ge-
habt (Urk. 20 S. 3 ff.; Urk. 31 S. 2 f.). Von der Arbeit als assistierende Empfangs-
dame, wofür sich die Klägerin aktenwidrig ausgebe, zu unterscheiden sei die
Funktion als Sachbearbeiterin und Führungsperson, was unter anderem die Be-
treuung des ganzen Offert-, Vertrags- und Abrechnungswesens umfasse. Es
handle sich um Arbeiten, welche entsprechend in örtlicher Abstimmung mit den
anderen Mitarbeitern und dem Vorgesetzten bzw. in physischer Präsenz in den
Geschäftsräumlichkeiten der Beklagten auszuführen seien. Damit habe die Kläge-
rin ihre Arbeitskraft gegenüber der Beklagten als Arbeitgeberin klar verweigert,
weshalb sie entsprechend auch keinen Anspruch auf Lohn habe (Urk. 20 S. 5 f. ).
Im Übrigen habe sich die Vorinstanz weder mit den Gründen des Umzugs der Bü-
roräumlichkeiten noch mit der unrichtigen Behauptung der Klägerin, in den neuen
Büros in E._ hätten mangels Internet- und Telefonanschluss keine Kommu-
nikationsmöglichkeiten zur Verfügung gestanden, auseinandergesetzt (Urk. 20
S. 5).
3. Mit der Ausübung des Weisungsrechts konkretisiert der Arbeitgeber einsei-
tig den Inhalt des Arbeitsvertrags. Ohne anderslautende Vertragsabrede hat der
Arbeitnehmer insbesondere bei dringlichen betrieblichen Bedürfnissen gestützt
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auf seine Treuepflicht vorübergehend andere Arbeiten auszuführen oder sich an
einen anderen Arbeitsort transferieren zu lassen (Streiff/von Kaenel/Rudolph, Ar-
beitsvertrag, 7. Aufl., Art. 321d N 2 f.). Insoweit ist entgegen der Auffassung der
Beklagten vorliegend in erster Linie nicht massgebend, welche Aufgaben der Klä-
gerin aufgrund des Arbeitsvertrags bzw. des Arbeitszeugnisses zugewiesen wa-
ren, sondern welche Aufgaben ihr im Zusammenhang mit dem Umzug der Büro-
räumlichkeiten von der Beklagten per Weisung zugeteilt worden sind. Seitens der
Beklagten sind mit Email vom 4. Januar 2016 und 9. Januar 2016 zwei Weisun-
gen ergangen (Urk. 14/5-6). Demnach wurden die Arbeitnehmer am 4. Januar
2016 zunächst generell aufgefordert, ihren Arbeitsort per sofort von Zürich nach
E._ zu verlegen, während mit Email vom 9. Januar 2016 konkretere Weisun-
gen erfolgten, die teilweise explizit an Einzelpersonen adressiert waren. Aus letz-
terer Email ergibt sich, dass die Beklagte am 9. Januar 2016 damit einverstanden
war, dass die Klägerin von zuhause aus arbeitete, das Geschäftstelefon auf ihr
Handy umgeleitet hatte und die anderen Mitarbeitenden über eingegangene Anru-
fe per Email informierte. Vor Vorinstanz räumte die Beklagte denn auch ein, ak-
zeptiert zu haben, dass die Klägerin von zuhause aus arbeite (Prot. I S. 9). Dass
dabei die zeitlich spätere, konkrete Weisung vom 9. Januar 2016 gegenüber der
vorangehenden, generellen vom 4. Januar 2016 nachgehen soll, entbehrt – wie
die Klägerin in der Berufungsantwort zurecht einwendet (Urk. 28 S. 4) – jeglicher
Logik. Weshalb die Weisung vom 9. Januar 2016 gegenüber derjenigen vom
4. Januar 2016 keine derogierende Wirkung haben soll, wird von der Beklagten in
der Berufung denn auch nicht weiter begründet (Urk. 20 S. 5 f.; Urk. 31 S. 2).
Dass die Klägerin jedenfalls im Januar 2016 von ihrer Geschäftsemailadresse aus
mit einer Kundin der Beklagten in Kontakt stand, ergibt sich aus der von ihr ins
Recht gereichten Email vom 20. Januar 2016 (Urk. 17). Ausserdem räumte die
Beklagte vor Vorinstanz ein, dass die Klägerin während der besagten Zeit einige
Telefonate geführt habe (Prot. I S. 6). Weiter ergibt sich aus der Email vom
9. Januar 2016, dass im Büro in E._ die Telefone noch nicht installiert waren,
kein Server vorhanden war und die Drucker nicht richtig funktionierten. Es wurde
Herr F._ damit beauftragt, die entsprechenden IT-Installationen vorzuneh-
men. Dieser aber erschien gemäss eigenen Angaben der Beklagten nicht mehr
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zur Arbeit, weshalb er in der Folge fristlos entlassen wurde (Prot. I S. 12). Per
wann somit Telefone, Drucker und Server funktionstüchtig und einsatzbereit wa-
ren, bleibt unklar. Die Beklagte räumt in ihrer Stellungnahme vom 3. April 2017
ein, dass Internet und Telefonie nicht funktioniert hätten (Urk. 31 S. 2). Soweit sie
diesbezüglich ins Feld führt, dass dies kein Grund gewesen sei, dem Arbeitsplatz
fernzubleiben, da die Mitarbeitenden Telefon- und Internetverbindung übers pri-
vate Mobiltelefon auf Spesenbelastung der Beklagten hätten herstellen können
(Urk. 31 S. 2), sind ihre Behauptungen verspätet und unbelegt. Aus den genann-
ten Gründen kann jedenfalls nicht davon ausgegangen werden, dass die Klägerin
zu Unrecht von zuhause aus arbeitete. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte,
hätte die Beklagte dartun müssen, welche ihr zugewiesenen Aufgaben die Kläge-
rin im Januar 2016 nicht weisungsgemäss ausführte. Dies wäre ihr ohne Weiteres
bereits im vorinstanzlichen Verfahren möglich gewesen, weshalb ihre diesbezüg-
lichen, über weite Strecken, neuen Behauptungen in der Berufung (Urk. 20 S. 4 f.;
Urk. 31 S. 2) verspätet erfolgen.
4. Leistet ein Arbeitnehmer einer Weisung des Arbeitgebers keine Folge,
kann ihm der Arbeitgeber eine Verwarnung erteilen, wobei in der Regel vor der
Entlassung des Arbeitnehmers eine Verwarnung zu erfolgen hat (Streiff/von Ka-
enel/Rudolph, Arbeitsvertrag, 7. Aufl., Art. 321d N 7). Selbst wenn also die Wei-
sung vom 9. Januar 2016 – entgegen den vorstehenden Ausführungen – von der
Klägerin als bloss vorübergehende Anordnung hätte verstanden werden müssen
(vgl. Urk. 31 S. 2), so dass sie nach dem 9. Januar 2016 in Weigerung einer Wei-
sung der Beklagten zu Unrecht nicht am neuen Arbeitsort erschienen wäre, be-
stünde für eine gänzliche Verweigerung der Januarlohnzahlung kein Raum. Dass
die Beklagte der Klägerin in der Zeit nach dem 9. Januar 2016 ausserdem eine
erneute Weisung erteilt oder diese verwarnt hätte, ergibt sich weder aus den Ak-
ten noch wird Entsprechendes von der Beklagten behauptet. Im Gegenteil gab die
Beklagte an, mit der Klägerin in der fraglichen Zeit praktisch keinen Kontakt ge-
habt zu haben (Prot. I S. 10). Auch tut die Beklagte nicht weiter dar, inwiefern ihr
aus dem Verhalten der Klägerin ein Schaden entstanden sein soll. Der Klägerin
ist diesbezüglich zuzustimmen, dass die Ausführungen der Beklagten in der Beru-
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fung zu einer allfälligen Schadenersatzpflicht der Klägerin neu sind (Urk. 20 S. 6;
Urk. 28 S. 6).
B. Widerklage
1. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 17. November 2016
erhob die Beklagte Widerklage (Prot. I S. 7). Diesbezüglich erwog die Vorinstanz,
dass die Beklagte vorbringe, alle ihre Aktienkaufverträge seien über den Tisch der
Klägerin gelaufen, weshalb sie die Klägerin für den Schaden im Zusammenhang
mit dem Aktienkauf durch den Käufer H._ verantwortlich mache. Dieser habe
den Preis für die Aktien der Beklagten nicht auf das Konto der Beklagten, sondern
auf ein fremdes Konto bei der Bank ... überwiesen. Aus der von der Beklagten
diesbezüglich ins Recht gereichten Email von H._ ergebe sich jedoch, dass
nicht die Klägerin sondern I._, ebenfalls ein ehemaliger Mitarbeiter der Be-
klagten, dem Anleger H._ die Aktien angeboten und diesem den entspre-
chenden Kaufvertrag zugestellt hatte. Auch betreffend die Überweisung des Akti-
enkaufpreises sei mit I._ korrespondiert worden. Weiter räume die Beklagte
ein, dass 2015 bereits einmal ein ähnlicher Vorfall passiert sei. Auch damals sei
für die Bezahlung des Aktienkaufpreises ein falsches Konto angegeben worden.
Es habe sich herausgestellt, dass damals die Mitarbeiter J._ und I._ für
den Vorfall verantwortlich gewesen seien. Damit erscheine es aber entgegen der
Sachdarstellung der Beklagten keineswegs naheliegend, dass die Klägerin den
Vertrag mit H._ manipuliert habe. Offensichtlich hätten auch J._ und
I._ die Möglichkeit gehabt, den Vertrag abzuändern bzw. hätten sie dies in
der Vergangenheit schon getan. Weshalb für einen gleichgelagerten Vorfall nun
neu die Klägerin verantwortlich sein soll, sei nicht nachvollziehbar. Für ihre ge-
samte dahingehende Sachdarstellung habe die Beklagte jedenfalls weder be-
weisgeeignete Urkunden zu den Akten gereicht, noch Beweise offeriert. Die Wi-
derklage sei entsprechend abzuweisen (Urk. 21 S. 11 f.).
2. Die Beklagte beanstandet in ihrer Berufung, dass der Anleger H._ am
4. Oktober 2016 der Beklagten gemeldet habe, dass er die von ihm gekauften Ak-
tien nicht erhalten habe. Die Zahlungen für die Aktien habe er nicht auf das Konto
der Beklagten, sondern in zwei Tranchen auf ein Konto bei der Bank ... überwie-
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sen. Diesen Vertrag zwischen dem Anleger und der Beklagten habe die Klägerin
in ihrer Funktion als Sachbearbeiterin erstellt und das Konto, auf welches der An-
leger die Zahlung überwiesen habe, habe auf den Namen der Klägerin und
I._ gelautet. Die Klägerin sei die Schaltzentrale bei der Beklagten gewesen.
Es sei alles über ihren Tisch gelaufen, sie habe die Verträge verteilt und abgelegt.
Die Beklagte habe dem Anleger nachträglich die ihm zustehenden Aktien zu-
kommen lassen, woraus ihr infolge des widerrechtlich und schuldhaften Verhal-
tens und Vorgehens der Klägerin ein Schaden in der Höhe des Aktienkaufpreises
entstanden sei, welcher der widerklageweise eingeklagten Forderung entspreche.
Die Vorinstanz habe nicht in Abrede gestellt, dass die Klägerin in ihrer Funktion
als Vertragsschaltzentrale Zugriff auf die Vertragsdokumente gehabt habe und
entsprechende Änderungen hätte vornehmen können. Inwiefern dies also die an-
deren von der Vorinstanz genannten Herren hätten tun sollen, werde von der Vo-
rinstanz bezeichnenderweise nicht ausgeführt. Selbst wenn die Klägerin ihre
Handlungen im Zusammenwirken oder auf Anweisung eines Dritten vorgenom-
men habe, unterliege sie der solidarischen Haftung und könne dafür allein in An-
spruch genommen werden (Urk. 20 S. 6).
3. Der Klägerin ist zuzustimmen, wenn sie den beklagtischen Vorbringen in
der Berufungsantwort entgegenhält, dass die Beweislast in diesem Zusammen-
hang die Beklagte treffe (Art. 8 ZGB). Es sei nicht Aufgabe der Vorinstanz, der
Beklagten das Gegenteil zu beweisen, wenn diese das Klagefundament nicht lie-
fere. Die Urteilserwägungen würden nicht wie ein Parteivortrag funktionieren.
Wenn sich die Vorinstanz zu einem Vorbringen explizit nicht äussere, dann stelle
dies keine Anerkennung dar, sondern sei schlicht und einfach nicht urteilsrelevant
(Urk. 28 S. 7). Die Vorinstanz hielt richtig fest, dass die Beklagte für die der Wi-
derklage zugrunde gelegte Sachdarstellung keine Beweise lieferte. Ein Arbeit-
nehmer ist für den Schaden verantwortlich, den er dem Arbeitgeber absichtlich
oder fahrlässig zufügt (Art. 321e Abs. 1 OR). Jede Haftung des Arbeitnehmers
setzt nach den allgemeinen Regeln des Schadenersatzrechts einen Schaden, ei-
ne Vertragsverletzung, einen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen Scha-
den und Vertragsverletzung sowie ein Verschulden des Arbeitnehmers voraus.
Die Beklagte machte vor Vorinstanz einen Schaden von € 18'750.– geltend. In ih-
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ren Berufungsanträgen beziffert sie diesen neu auf Fr. 18'750.–. Wie sich der
Schaden im Einzelnen zusammensetzt, tat sie weder vor Vorinstanz dar, noch
versucht sie dies in der Berufung nachzuholen. Auch sucht man in den Akten ver-
geblich nach einem Aktienzertifikat, woraus sich ergäbe, dass die Beklagte die
Aktien dem Anleger H._ nachträglich tatsächlich übereignet hat (vgl. Prot. I
S. 17 und S. 27), ihr mithin überhaupt ein Schaden entstanden ist. Im Übrigen hat
die Vorinstanz zutreffend dargelegt, inwiefern aufgrund der Akten einiges darauf-
hin deutet, dass I._ den fraglichen Aktienkaufvertrag abwickelte. Der Anleger
H._ selber machte geltend, die Vertragsverhandlungen mit ihm geführt zu
haben. Die Klägerin erwähnte er in seiner Email nicht (Urk. 16/1). Das Konto bei
der Bank ... lautete auf die K._ LLC, wobei die Beklagte weder die Gesell-
schaft noch das Konto der Klägerin oder I._ zuordnen konnte (Prot. I S. 17).
Im Übrigen setzt sich die Beklagte mit den Erwägungen der Vorinstanz nicht aus-
einander, sondern wiederholt in ihrer Berufung lediglich ihre bereits vor Vorinstanz
geschilderte Sachdarstellung. Damit genügt die Berufung der Beklagten den Be-
gründungsanforderungen nicht. Im Sinne eines unechten Novums bringt sie zu-
dem verspätet vor, es würde sich bei I._ um den Lebenspartner der Klägerin
handeln (Urk. 31 S. 4). Zusammenfassend ist der Vorinstanz daher zu folgen,
dass das Klagefundament der Widerklage von der Beklagten weder substantiiert
dargetan noch belegt wurde, weshalb die Widerklage abzuweisen ist.
C. Lohnausweis
1. Die Klägerin führt in ihrer Berufungsantwort vom 16. März 2017 zutreffen-
derweise aus, dass sich die Beklagte in der Berufung nur zur Lohnforderung bzw.
Schadenersatzklage geäussert habe. Gemäss Dispositivziffer 2 des Urteils der
Vorinstanz vom 21. Dezember 2016 werde die Beklagte jedoch auch verpflichtet,
der Klägerin einen Lohnausweis aus- und zuzustellen. Indem die Beklagte die
Aufhebung des ganzen vorinstanzlichen Urteils verlange, sich jedoch in ihrer Be-
rufung nicht dazu äussere, inwiefern sie keine Pflicht zur Ausstellung des Lohn-
ausweises treffe, unterliege die Beklagte in diesem Punkt von vornherein (Urk. 28
S. 3).
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2. In der Stellungnahme vom 3. April 2017 erklärt sich die Beklagte dahinge-
hend, dass die Abweisung des gegnerischen Antrags auf Ausstellung eines
Lohnausweises implizit im Antrag auf Abweisung der Lohnforderung enthalten sei,
weshalb sie diesen Punkt nicht näher begründet habe (Urk. 31 S. 2). Dabei ver-
kennt sie, dass es sich bei der strittigen Lohnforderung um eine solche aus dem
Jahr 2016 handelt, wohingegen die Klägerin mit Klage vom 13. Juni 2016 die
Ausstellung des Lohnausweises 2015 verlangte (Urk. 1 S. 2). Soweit die Beklagte
in diesem Zusammenhang im Übrigen pauschal auf die geltende Untersu-
chungsmaxime verweist (Art. 247 Abs. 2 ZPO; Urk. 31 S. 2), muss ihr entgegen-
gehalten werden, dass es auch im Geltungsbereich von Art. 247 Abs. 2 ZPO
grundsätzlich Sache der Parteien bleibt, das Tatsächliche des Streites vorzutra-
gen und die Beweismittel zu nennen. Die eingeschränkte Untersuchungsmaxime
entbindet die Parteien keineswegs von der Pflicht, bei der Sachverhaltsermittlung
und Beweiserhebung mitzuwirken. Vielmehr hat die Rechtsprechung wiederholt
klar gemacht, dass der Richter zwar verpflichtet ist, die Parteien über den erhebli-
chen Sachverhalt und allfällige Beweismittel zu befragen, dass die Parteien die
wesentlichen Behauptungen jedoch selbst vorbringen müssten. Die richterliche
Frage- und Beweiserhebungspflicht kann von vornherein keine Sachverhaltsele-
mente betreffen, für die sich in den Parteidarstellungen keine Anhaltspunkte fin-
den (BSK ZPO-Mazan, Art. 247 N 13). Die Beklagte legt in ihrer Berufung nicht
dar, inwiefern sie keine Pflicht zur Ausstellung eines Lohnausweises treffen soll.
Sie genügt damit den Begründungsanforderungen an eine Berufung nicht, wes-
halb darauf nicht weiter einzugehen ist.
D. Sistierungsgesuch
Gemäss Art. 126 ZPO kann das Gericht das Verfahren sistieren, wenn die
Zweckmässigkeit dies verlangt, wie zum Beispiel die Vermeidung sich widerspre-
chender Entscheide oder mehrfacher Beweiserhebungen. Im Gesetz wird weiter
als Sistierungsgrund die Abhängigkeit des Entscheides vom Ausgang eines ande-
ren Verfahrens genannt (Art. 126 Satz 2 ZPO). Das Gericht hat hierbei eine Inte-
ressenabwägung vorzunehmen, bei dem es das Interesse an der Sistierung dem
gegenteiligen Interesse an der Beschleunigung des Verfahrens gegenüberstellt
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und den Grad der Abhängigkeit vom Ausgang des anderen Verfahrens berück-
sichtigt. In jedem Fall bildet die Sistierung aber die Ausnahme, wobei in Zweifels-
fällen das Beschleunigungsgebot vorzugehen hat (BGE 130 V 90 E. 5; ZK ZPO-
Staehelin, Art. 126 N 4). Letzteres muss vorliegend umso mehr gelten, als aus der
Berufung der Beklagten hervorgeht, dass sie gegen die Klägerin erst Strafanzeige
einreichen "wird" (Urk. 20 S. 6), sie mithin eine solche zum Zeitpunkt der Beru-
fung noch nicht erstattet hatte. Erst im Zusammenhang der freiwilligen Stellung-
nahme vom 3. April 2017 erstattete sie eine solche kurzfristig (Urk. 31 S. 3;
Urk. 32), nachdem die Klägerin in der Berufungsantwort eingewendet hatte, dass
ein Strafverfahren bisher gar nicht eingeleitet worden sei (Urk. 28 S. 8). Mit Blick
auf den Umstand, dass sich das vorliegende Zivilverfahren als spruchreif erweist,
die gegen die Klägerin kurzfristig in die Wege geleitete Strafuntersuchung jedoch
noch in den Anfängen steckt, rechtfertigt sich mit Blick auf das Beschleunigungs-
gebot eine Sistierung des vorliegenden Verfahrens nicht. Zudem ist der in einem
Strafurteil enthaltene Schuldspruch für das Zivilgericht ohnehin nicht verbindlich
(ZK ZPO-Staehelin, Art. 126 N 4). Damit ist der Sistierungsantrag der Beklagten
(Urk. 20 S. 2 und S. 6) abzuweisen.
E. Rückweisungsantrag
Soweit die Beklagte subeventualiter in Berufungsantrag Ziffer 3 die Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz gemäss den Erwägungen in der Berufung verlangt
(Urk. 20 S. 2), ist festzuhalten, dass sie sich in der Begründung der Berufung da-
zu nicht weiter äussert. Da nach den vorstehenden Erwägungen die Berufung der
Beklagten abzuweisen und der vorinstanzliche Entscheid zu bestätigen ist, erüb-
rigt sich eine Rückweisung an die Vorinstanz jedoch von vornherein (Art. 318
Abs. 1 ZPO).
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IV. - Kosten- und Entschädigungsfolgen -
1. Ausgangsgemäss bleibt es bei der vorinstanzlichen Verteilung der Partei-
kosten, welche im Umfang von Fr. 4'960.– zulasten der Beklagten gehen (Urk. 21
S. 14).
2. Das Berufungsverfahren ist kostenlos (Art. 114 lit. c ZPO; BGer
4A_332/2015 vom 10. Februar 2016, Erw. 6).
3. Die Parteientschädigung für das Berufungsverfahren, welche die im Beru-
fungsverfahren vollumfänglich unterliegende Beklagte zu bezahlen hat (Art. 106
Abs. 1 ZPO), ist auf Fr. 3'000.– zu bemessen (§§ 4 Abs. 1 und 2, 11 Abs. 1 und
13 Abs. 1 und 2 AnwGebVO). Damit ist die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin
für das Berufungsverfahren eine Parteientschädigung von Fr. 3'240.– (inkl. 8 %
MwSt. von Fr. 240.–, Urk. 28 S. 2) zu bezahlen.