Decision ID: 05155072-2891-4e9f-a40a-4fad8926084b
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 21.11.2012 Art. 14 AVIG. Befreiung von der Beitragszeit zufolge unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit innerhalb der zweijährigen Rahmenfrist (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. November 2012, AVI 2012/11).Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterin Marie Löhrer, Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiber Marc GigerEntscheid vom 21. November 2012in SachenA._Beschwerdeführerin,vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank, 9313 Muolen,gegenKantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,betreffendArbeitslosenentschädigung (Befreiung von der Beitragszeit)Sachverhalt:
A.
A.a A._ war von 1992 bis 2008 als Zimmermädchen beim B._ angestellt. Am 24.
Januar 2008 wurde ihr das Arbeitsverhältnis auf den 31. März 2008 gekündigt. Zufolge
Krankheit verlängerte sich die Kündigungsfrist bis zum 31. Oktober 2008
(Arbeitgeberbescheinigung; act. G 5.1 / 3). Am 11. September 2008 erlitt die
Versicherte einen Arbeitsunfall, als sie in der Wäscherei stürzte und sich eine
Verletzung an der rechten Schulter zuzog (Unfallprotokoll; act. G 5.1 / 79). Per 1.
November 2008 stellte sie einen ersten Antrag auf Arbeitslosenentschädigung und
meldete sich zur Arbeitsvermittlung an (act. G 5.1 / 3). Die kantonale Arbeitslosenkasse
eröffnete eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom 3. November 2008 bis 2.
November 2010 (vgl. Taggeldabrechnung für November 2008, act. G 5.1 / 13). Am 30.
Juni 2010 meldete sich die Versicherte von der Arbeitsvermittlung ab (act. G 5.1 / 113
f.).
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A.b Am 12. Oktober 2010 reichte die Versicherte einen neuen Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung per 1. November 2010 ein (act. G 5.1 / 122). Am 22.
Oktober 2010 wies die kantonale Arbeitslosenkasse den Antrag per 3. November 2010
ab. Als Begründung führte sie an, die Versicherte könne nicht nachweisen, dass sie
infolge ihrer Arbeitsunfähigkeit mindestens zwölf Monate nicht in einem
Arbeitsverhältnis gestanden habe. Eine Arbeitsunfähigkeit sei vom 21. September 2009
bis 4. Januar 2010 bzw. vom 23. Januar 2010 bis längstens 19. August 2010
ausgewiesen, was ein Total von 10,352 Monate ergebe. Die Zeiten der
Arbeitsunfähigkeit ab dem 19. August 2010 könnten nicht mehr berücksichtigt werden,
da die Krankentaggeldversicherung (recte: Unfallversicherung) mit dem
Einspracheentscheid vom 18. August 2010 festgestellt habe, dass eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit bestehen würde (act. G 5.1 / 129).
A.c Dagegen erhob die Versicherte am 15. November 2010 Einsprache. Sie machte
geltend, sie sei seit zwei Jahren arbeitslos, wobei zwischenzeitlich vom 21. September
2009 bis Oktober 2010 die Unfallversicherung Taggelder bezahlt habe. Sie sei deshalb
der Ansicht, sie sei zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung berechtigt (act. G 5.1 /
133). Am 28. Dezember 2010 reichte sie, vertreten durch die Fortuna-Rechtsschutz-
Versicherungs-Gesellschaft eine Einspracheergänzung ein. Darin führte sie aus, sie sei
mit der (ursprünglichen) Beurteilung durch die Unfallversicherung nicht einverstanden
gewesen und habe deshalb gegen deren Einspracheentscheid vom 18. August 2010
Beschwerde geführt. Von Dr. med. C._ werde bis Mitte Oktober 2010 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert. Die Befreiung von der Beitragszeit sei damit
ausgewiesen. Die Unfallversicherung habe ferner in ihrem Einspracheentscheid
anerkannt, dass die Versicherte bis zum 31. Oktober 2010 zu 50 % arbeitsunfähig sei.
Damit sei sie in jedem Fall im Umfang von 50 % während mehr als zwölf Monaten von
der Beitragszeit befreit. In diesem Umfang bestehe Anspruch auf Leistungen der
Arbeitslosenversicherung (act. G 5.1 / 135).
A.d Das Einspracheverfahren wurde am 31. Januar 2011 bis zur rechtskräftigen
Erledigung des Verfahrens bei der Unfallversicherung sistiert (act. G 5.1 / 140).
Letzteres wurde mittels Vergleich erledigt und das beim kantonalen
Versicherungsgericht eingeleitete Beschwerdeverfahren hierauf am 16. November 2011
abgeschrieben (vgl. act. G 5.1 / 151). Nach Wiederaufnahme des Einspracheverfahrens
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wies die Arbeitslosenkasse am 5. Januar 2012 die Einsprache ab. Die Kasse legte dar,
die Versicherte sei am 1. Februar 2010 von Dr. C._ vom 21. September 2009 bis 4.
Januar 2010 zu 100% arbeitsunfähig geschrieben worden. Mit Bericht vom 3. Juni
2010 werde weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert. Der Vertrauensarzt
der Unfallversicherung, Dr. D._, habe die Versicherte am 16. Juni 2010 untersucht. Er
habe sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt für körperlich leichte Tätigkeiten zu 100 %
einsetzbar gehalten. Für die Tätigkeit einer Putzfrau habe er eine Belastbarkeit von 50
% bestimmt. In einem Gutachten vom 8. Februar 2011 gelange Dr. med. E._ zum
Schluss, dass die Versicherte in einer angepassten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig sei.
Den Berichten von Dr. E._ und Dr. D._ komme gegenüber den Arztzeugnissen von
Dr. C._ ein erhöhter Beweiswert zu. Es sei daher davon auszugehen, dass es für die
Versicherte möglich und zumutbar gewesen wäre, eine Teilzeitbeschäftigung
auszuüben. Sie hätte nicht auf die ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 %
vertrauen dürfen (act. G 5.1 / 153).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 5. Januar 2012 richtet sich die vorliegende
Beschwerde der Versicherten, vertreten durch Rechtsanwalt Kreso Glavas, vom 6.
Februar 2012 (Datum Postaufgabe). Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen wird be
antragt, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und der
Beschwerdeführerin seien ab dem 1. November 2010 die "vollen"
Arbeitslosentaggelder auszurichten; eventualiter sei der angefochtene Entscheid
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, zusätzliche Abklärungen
vorzunehmen, worauf neu zu entscheiden sei. In ihrer Begründung legt die
Beschwerdeführerin dar, die Beschwerdegegnerin verkenne, dass gerade der
Entscheid der Unfallversicherung nunmehr rechtskräftig geändert habe und die länger
dauernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit nach Massgabe der medizinischen
Begutachtung durch Dr. E._ anerkannt worden sei. Entsprechend sei im Entscheid
des kantonalen Versicherungsgerichts vom 16. November 2011 festgehalten worden,
dass bis zum 31. Oktober 2010 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe.
Insgesamt sei die Beschwerdeführerin somit vom 21. September 2009 bis zum 4.
Januar 2010 und vom 23. Januar bis 31. Oktober 2010 arbeitsunfähig gewesen.
Demnach habe sie während mehr als zwölf Monaten ihre Beitragszeit aufgrund eines
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Unfalls nicht erfüllen können. Der Beschwerdeführerin habe somit zu Recht auf die von
ihrem Arzt attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit vertrauen dürfen. Dr. E._ habe in
einem Schreiben vom 22. August 2011 auch ganz klar präzisiert, dass erst ab
1. November 2010 und auch nur wahrscheinlich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bei an
gepasster Tätigkeit möglich gewesen wäre. Der Gutachter habe sie demnach bis Ende
Oktober 2010 zu 100 % arbeitsunfähig gehalten (act. G 1).
B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 12. März 2012 beantragt die
Beschwerdegegnerin, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten bzw. es sei das
Verfahren allenfalls zu sistieren bis zum Nachweis eines bevollmächtigten
Rechtsvertreters bzw. einer beschwerdeführenden Partei. Falls auf die Beschwerde
eingetreten werde, sei diese abzuweisen. Zur Begründung führt die
Beschwerdegegnerin aus, die Beschwerdeführerin sei nicht erreichbar. Die anwaltliche
Vollmacht sei erloschen. Im Übrigen widersprächen die Vorbringen in der
Beschwerdeschrift dem eindeutigen Wortlaut des Gutachtens, des
Nachtragsgutachtens sowie der Abschreibungsverfügung. Es sei in keinem dieser
Dokumente für den Zeitraum bis zum 31. Oktober 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% festgestellt worden (act. G 5).
B.c Mit Replik vom 30. Mai 2012 machte die Beschwerdeführerin erneut geltend, es sei
vom kantonalen Versicherungsgericht rechtskräftig festgehalten worden, dass bis zum
31. Oktober 2010 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Zum anderen
hätten sowohl der Hausarzt Dr. C._ wie auch der Gutachter Dr. E._ der
Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die fragliche Zeit attestiert.
Insgesamt sei die Beschwerdeführerin vom 21. September 2009 bis 31. Oktober 2010
zu 100% arbeitsunfähig gewesen, dazwischen kurz wegen des gescheiterten
Arbeitsversuchs zu 50 %. Sie habe folglich während mehr als zwölf Monaten -
innerhalb der Rahmenfrist - ihre Beitragszeit aufgrund der Folgen eines Unfalls nicht
erfüllen können (act. G 11). Der Replik legte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin eine unterzeichnete Anwaltsvollmacht bei (act. G 11.1).
B.d In ihrer Duplik vom 26. Juni 2012 führte die Beschwerdegegnerin aus, für den im
Gutachten beurteilten Zeitraum (ab 1. Oktober 2010) hätte der Gutachter die
Beschwerdeführerin für eine leidensangepasste Tätigkeit für arbeitsfähig angesehen.
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Für den Zeitraum bis zum 30. Oktober 2010 sei von demselben Arzt im Schreiben vom
22. August 2011 rückblickend aufgrund einer mutmasslichen Aussage eine
leidensangepasste Tätigkeit von 50 % als wahrscheinlich gehalten worden. Die
Beschwerdeführerin sei erst am 8. Februar 2011 von Dr. E._ untersucht worden. Sie
hätte demnach nicht in Kenntnis ihres Gesundheitszustands aufgrund dieser ärztlichen
Beurteilung während der Rahmenfrist für die Beitragszeit auf eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit vertrauen dürfen (act. G 13).

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdeführerin ist neu anscheinend im Land F._ wohnhaft (vgl. act. G 5.1 /
150). Nachdem von der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort die
rechtsgültige Vertretung der Beschwerdeführerin angezweifelt wurde, reichte Dr. Kreso
Glavas mit seiner Replik eine erneuerte Anwaltsvollmacht ein. Diese ist offenbar von
der Beschwerdeführerin am 15. Mai 2012 unterzeichnet worden (act. G 11.1). Die
Beschwerdeführerin ist damit im vorliegenden Verfahren als ordentlich vertreten zu
betrachten. Des Weiteren ist trotz ihres Wegzugs nach F._ die Zuständigkeit des
kantonalen Versicherungsgerichts gegeben (Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes über
die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung vom 25.
Juni 1982 [AVIG; SR 837.0] i.V.m. Art. 128 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Auf die
Beschwerde ist demnach einzutreten.
2.
Zu den Voraussetzungen des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung gehört
gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG unter anderem, dass die versicherte Person die
Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist. Nach Art. 13
Abs. 1 AVIG hat die Beitragszeit erfüllt, wer innerhalb der zweijährigen Rahmenfrist für
die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine
beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. Von der Erfüllung der Beitragspflicht ist
gemäss Art. 14 Abs. 1 AVIG befreit, wer innerhalb der Rahmenfrist während insgesamt
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mehr als zwölf Monaten unter anderem wegen Krankheit, Unfall oder Mutterschaft (lit.
b) nicht in einem Arbeitsverhältnis stand und deshalb die Beitragszeit nicht erfüllen
konnte.
2.1 Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beträgt grundsätzlich wie erwähnt zwei Jahre
(Art. 9 Abs. 3 AVIG). Nachdem die erste Rahmenfrist für den Leistungsbezug vom
3. November 2008 bis 2. November 2010 dauerte, ist der vorliegende Antrag als per
3. November 2010 gestellt zu betrachten. Die Rahmenfrist für die Beitragszeit begann
somit am 3. November 2008 zu laufen und endete am 2. November 2010.
2.2 Im Folgenden ist die Frage der Erfüllung der Beitragszeit bzw. einer Befreiung
hiervon zu prüfen. Eine beitragspflichtige Beschäftigung der Beschwerdeführerin
innerhalb der Rahmenfrist ist nicht ersichtlich und wird von ihr auch nicht geltend
gemacht. Von Bedeutung ist hier einzig, ob die Beschwerdeführerin sich auf einen
Beitragsbefreiungsgrund, konkret den Tatbestand des Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG
(Befreiung infolge Krankheit, Unfall oder Mutterschaft) berufen kann. Vorliegend fällt der
Befreiungsgrund des Unfalls in Betracht. Die Beschwerdeführerin war am 11.
September 2008 während der Arbeit gestürzt und hatte sich eine Verletzung an der
rechten Schulter zugezogen. Vom 12. September bis 1. November 2008 war ihr von
ihrem Hausarzt Dr. C._ eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Diese
Arbeitsunfähigkeit betraf indes noch nicht den Zeitraum innerhalb der Rahmenfrist. In
Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit innerhalb der Rahmenfrist sind zunächst
ebenfalls die Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit von Dr. C._ zu beachten. Die
Beschwerdeführerin hatte sich am 22. September 2009 im Spital G._ einer Operation
an der verletzten Schulter unterzogen. Von Dr. C._ wurde mit Arztzeugnis vom 4.
Januar 2010 festgehalten, es bestünde vom 21. September 2009 bis 4. Januar 2010
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit; ab dem 5. Januar 2010 wurde der
Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 5.1 / 85). Bereits
ab dem 23. Januar 2010 - nachdem offenbar ein Arbeitsversuch gescheitert war -
nahm Dr. C._ indes wieder eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit an, dies bis 17. März
2010 (act. G 5.1 / 93). Weitere Phasen einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % innerhalb der
Rahmenfrist für die Beitragszeit werden vom Hausarzt sodann bescheinigt vom 8. März
bis 23. April 2010 (act. G 5.1 / 101), vom 24. April bis 31. Mai 2010 (act. G 5.1 / 106),
für vier Wochen ab dem 1. Juni 2010 (act. G 5.1 / 108), für vier Wochen ab dem 1. Juli
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2010 (act. G 5.1 / 112), für vier Wochen ab dem 22. Juli 2010 (act. G 5.1 / 124), für vier
Wochen ab dem 17. August 2010 (act. G 5.1 / 126) sowie für vier Wochen ab dem 14.
September 2010 (act. G 5.1 / 125). Die Beschwerdegegnerin hatte ihre Verfügung vom
22. Oktober 2010 grundsätzlich auf diese ärztlichen Atteste abgestützt und vom 21.
September 2009 bis 4. Januar 2010 bzw. vom 23. Januar bis 19. August 2010 eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit angenommen; die Zeiten nach dem 19. August 2010 hatte
sie deshalb nicht berücksichtigt, weil die Unfallversicherung in ihrem
Einspracheentscheid vom 18. August 2010 festgestellt habe, es bestehe eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit und die Beschwerdeführerin könne diese Teilarbeitsfähigkeit
verwerten. Davon abweichend stellt sich die Beschwerdegegnerin in ihrem
Einspracheentscheid auf den Standpunkt, die Beschwerdeführerin hätte gar nicht auf
die durch ihren Hausarzt attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit vertrauen dürfen. Der
Vertrauensarzt der Unfallversicherung, Dr. D._, habe sie aufgrund einer
Untersuchung vom 16. Juni 2010 für körperlich leichte Tätigkeiten zu 100 %
arbeitsfähig gehalten und für die Tätigkeit als Putzfrau zu 50 %. Zudem sei Dr. E._ in
seinem Gutachten vom 8. Februar 2011 zum Schluss gelangt, die Beschwerdeführerin
sei in einer angepassten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig. In ihrer Duplik beruft sich die
Beschwerdegegnerin sodann auf das Schreiben von Dr. E._ vom 22. August 2011,
gemäss welchem für den Zeitraum bis zum 30. Oktober 2011 rückblickend aufgrund
einer mutmasslichen Aussage eine leidensangepasste Tätigkeit von 50 % als
wahrscheinlich anzusehen sei.
2.3 Das von den Parteien erwähnte medizinische Gutachten von Dr. med. E._ datiert
vom 8. Februar 2011 und war von der Beschwerdeführerin und ihrem Unfallversicherer
in Auftrag gegeben worden. Den Gutachterergebnissen liegt eine ärztliche
Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 8. Februar 2011 zugrunde; der Gutachter
hatte allerdings die Beschwerdeführerin bereits einmal am 3. August 2010 untersucht
(vgl. act. G 1.1-5, S 5). Als Diagnosen werden im Gutachten aufgeführt: Persistierende
belastungsabhängige Omalgie rechts bei: St. n. offener Rotatorenmanschetten-
Refixation subacromiale Dekompression Schulter rechts am 22.9.2009 (Fecit Dr. H._,
Spital G._) bei traumatischer Rotatorenmanschettenläsion Supraspinatus und
kranialem Anteil Subscapularis Schulter rechts, nach einem Stolpersturz am 11.9.2008.
Sodann wird der Verdacht auf ein chronisches Zervikovertebralsyndrom geäussert. Zur
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen der bisherigen Tätigkeit als Zimmer
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mädchen (gemäss Fragestellung seit dem 1. Oktober 2010) führt das Gutachten aus,
es bestünde diesbezüglich eine deutliche Einschränkung. Auch prognostisch sei von
einer fortbestehenden Einschränkung auszugehen. Betreffend die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit (gemäss Fragestellung ebenfalls
seit dem 1. Oktober 2010) legt der Gutachter sodann dar, da die dominante Schulter
betroffen sei, könnten feinmechanische Tätigkeiten ebenfalls eher eingeschränkt
bleiben durch die dominant gerichtete Repetition (act. G 1.1 - 5). Am 22. August 2011
nahm Dr. E._ - offenbar gemäss einem Schreiben des Unfallversicherers bzw. nach
telefonischer Rücksprache mit demselben - Stellung zu zwei Ergänzungsfragen. Die
eine Frage lautete, seit wann und in welchem Umfang die Beschwerdeführerin in einer
leidensangepassten arbeitsfähig sei (rückblickend bis 30. Oktober 2010). Der Gutachter
antwortete, mutmasslich sei vom 30. Oktober 2010 wahrscheinlich eine Arbeitsfähigkeit
von ca. 50 % bei angepasster Tätigkeit möglich gewesen. Dies im Rahmen eines
Arbeitsversuches und Objektivierung mittels Befunderhebung. Die zweite Frage lautete,
was konkret unter einer stufenweisen Ausbaufähigkeit bis zu 70 % zu verstehen sei
bzw. in welchem Zeitraum sie auf 70 % ausbaubar wäre. Dr. E._ führte dazu aus,
zum Zeitpunkt der Untersuchung im Rahmen des Gutachtens im Februar 2011 hätten
sich objektivierbare Befunde gezeigt, welche eine Arbeitsfähigkeit von 50 % mit
angepasster Tätigkeit zulassen würden. Sollten die Tätigkeiten keine Mehrbelastung
und somit Progredienz der vorliegenden Beschwerden auslösen, wäre im Rahmen von
ein bis zwei Monaten nach Beginn des Arbeitsversuchs eine Erweiterung bis auf 70 %
denkbar (act. G 1.1 - 10).
2.4 Es stellt sich im Folgenden die Frage, inwieweit im vorliegenden Verfahren auf die
Gutachterergebnisse abzustellen ist bzw. welche Rechtsfolgen sich daraus ergeben.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
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umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me
dizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten
begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen). Den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens durch die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) und
durch UVG-Privatversicherer eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten,
welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach
Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 104 V 212). Erachtet das Sozialversicherungsgericht die
rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer
Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen - insbesondere
ohne Beizug eines Gerichtsgutachtens - abschliessen (RKUV 1997 Nr. U 281 S. 281 E.
1a). Das von der Unfallversicherung der Beschwerdeführerin in Auftrag gegebene
Gutachten vom 8. Februar 2011 inkl. der Ergänzung vom 22. August 2011 erscheint
insgesamt umfassend, in sich stimmig und nachvollziehbar. Im Ergebnis rechtfertigt
sich, dieses Gutachten auch im vorliegenden Verfahren für massgebend zu erklären.
2.5 Der Unfallversicherer hatte gestützt auf das Gutachten vergleichsweise folgende
Arbeitsunfähigkeiten anerkannt: In der angestammten Tätigkeit: 100 %; in einer
leidensangepassten Tätigkeit bis 31. Oktober 2010: 100 %, ab 1. November 2010: 50
% und ab 1. März 2011: 30 %. Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den
Standpunkt, für den Zeitraum bis zum 30. Oktober 2010 sei vom Gutachter im
Schreiben vom 22. August 2011 rückblickend eine leidensangepasste Tätigkeit von 50
% als wahrscheinlich angesehen worden. Dies ist indes unzutreffend. Die nämlichen
Ausführungen beziehen sich auf den Zeitraum nach dem 30. Oktober 2010.
Demzufolge ist, wie dies schon die Unfallversicherung der Beschwerdeführerin tat, für
die Zeit vor Ende Oktober 2010 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Zwar ist zu beachten, dass der Vertrauensarzt der Unfallversicherung, Dr. D._, zum
Schluss kam, es liege in der angestammten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vor
und in einer leidensangepassten eine solche von 100 % (vgl. act. G 5.1 / 123).
Allerdings wurde ja diese Einschätzung von der Unfallversicherung selber durch das
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Eingehen des Vergleichs mit der Beschwerdeführerin verworfen. Somit kommt ihr kein
massgebender Beweiswert zu. Demgegenüber kann mit Blick auf die Ergebnisse des
Gutachtens von Dr. E._ festgehalten werden, dass die Beschwerdeführerin in
berechtigter Weise auf die von ihrem Hausarzt attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
hatte vertrauen dürfen.
2.6 Zusammenfassend ist für den Zeitraum 21. September 2009 bis 4. Januar 2010
und vom 23. Januar 2010 bis 31. Oktober 2010 sowohl für die angestammte als auch
für eine leidensangepasste Tätigkeit von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 %
auszugehen. Damit stand die Beschwerdeführerin innerhalb der zweijährigen
Rahmenfrist vom 3. November 2008 bis 2. November 2010 zufolge eines Unfalls
während mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeitsverhältnis. Die Voraussetzungen
für die Annahme eines Beitragszeitbefreiungsgrunds nach Art. 14 AVIG sind erfüllt.
3.
3.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen, der
Einspracheentscheid vom 5. Januar 2012 aufzuheben und die Sache zur Prüfung der
übrigen Anspruchsvoraussetzungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
3.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Die Parteikosten werden nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht.
Angemessen erscheint vorliegend eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
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