Decision ID: ab1ba113-02ba-5144-92ee-d5fa423a9506
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführerin am 16. August 2011 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass sie anlässlich der Summarbefragung im Empfangs- und Verfahrens-
zentrum (EVZ) C._ vom 30. August 2011 angab, sie sei auf dem
Luftweg von Djibouti aus nach Paris gelangt, und von dort mit dem Zug in
die Schweiz eingereist,
dass ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank ergab,
dass die Beschwerdeführerin am 22. Oktober 2008 in Italien und am
17. Juni 2009 in den Niederlanden um Asyl nachgesucht hatte,
dass ihr am 25. Oktober 2011 das rechtliche Gehör zur einer allfälligen
Zuständigkeit Italiens, Frankreichs, Belgiens oder der Niederlande ge-
währt wurde,
dass sie dazu angab, sie wäre nicht in die Schweiz gekommen, wenn sie
in Italien ein normales Leben hätte führen können, in Frankreich sei sie
noch nie gewesen und sie kenne auch Belgien nicht, in den Niederlanden
habe sie ein Asylgesuch gestellt und man habe sie trotzdem nach Italien
zurückgeschickt,
dass die Beschwerdeführerin am (...) ihren Sohn B._ gebar,
dass das BFM mit Verfügung vom 23. Juli 2013 – eröffnet am 2. August
2013 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat, die
Wegweisung aus der Schweiz nach Italien anordnete und die
Beschwerdeführenden aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach
Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen,
dass es gleichzeitig feststellte, einer allfälligen Beschwerde gegen den
Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu, und die Aushändi-
gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die
Beschwerdeführenden verfügte,
dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 6. August 2013 (Post-
stempel: 7. August 2013) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde erhoben und dabei ausführten, sie wollten in
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der Schweiz beim Kindsvater beziehungsweise künftigen Ehemann
verbleiben,
dass der Beschwerde ein Auszug aus dem Geburtsregister sowie eine
Arbeitsbestätigung betreffend den Kindsvater beilagen,
dass für die Beschwerdebegründung sowie die eingereichten Beilagen,
soweit für den Entscheid relevant, auf die nachfolgenden Erwägungen
verwiesen wird,
dass die vorinstanzlichen Akten am 9. August 2013 beim Bundesverwal-
tungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Verwaltungsverfah-
rensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) des BFM
entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht
vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet,
dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise
Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde – un-
ter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägungen – einzutreten ist (Art. 108
Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise
einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es
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sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt,
weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist
(Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften-
wechsel verzichtet wurde,
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es
das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 32‒35 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Beschwerdein-
stanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 5.),
dass die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der
Gewährung von Asyl demgegenüber nicht Gegenstand des angefochte-
nen Nichteintretensentscheides und damit auch nicht des vorliegenden
Verfahrens bilden, weshalb auf den entsprechenden (sinngemässen) Be-
schwerdeantrag – es sei den Beschwerdeführenden der Verbleib in der
Schweiz zu ermöglichen, mithin zumindest die vorläufige Aufnahme zu
gewähren – nicht einzutreten ist,
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung
des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist
(Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),
dass diesbezüglich das Dublin-Assoziierungsabkommen vom 26. Oktober
2004 (DAA, SR 0.142.392.68) zur Anwendung gelangt und das BFM die
Zuständigkeitsfrage gestützt auf die Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des
Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren
zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines Asylantrags
zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines Drittlandes in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat (Dublin-II-VO), prüfte,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Satz 2 Dublin-II-VO jeder Asylantrag von ei-
nem einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapi-
tels III als zuständiger Staat bestimmt wird,
dass unter anderem derjenige Mitgliedstaat zuständig ist, dessen Land-,
See- oder Luftgrenze der Asylbewerber aus einem Drittstaat kommend
legal oder illegal überschritten hat, oder in welchem der erste Asylantrag
gestellt wurde (Art. 5 i.V.m. Art. 6‒13 Dublin-II-VO),
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dass sodann jedem Mitgliedstaat, in Abweichung von den vorgenannten
Zuständigkeitskriterien, die Möglichkeit zur Prüfung eines Asylgesuchs
eingeräumt wird (vgl. zur Souveränitätsklausel Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO
und zur humanitären Klausel Art. 15 Dublin-II-VO; vgl. auch Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen
[AsylV 1, SR 142.311]),
dass ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerin mit der
"EURODAC"-Datenbank ergab, dass diese am 22. Oktober 2008 in Italien
und am 17. Juni 2009 in den Niederlanden je ein Asylgesuch eingereicht
hatte,
dass das BFM die italienischen Behörden am 17. Juli 2013 um Übernah-
me der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin-II-
VO ersuchte (vgl. Akten BFM A 30/5),
dass die italienischen Behörden dem Gesuch um Übernahme am 23. Juli
2013 gestützt auf dieselbe Bestimmung zustimmten (vgl. A 33/1),
dass die Beschwerdeführerin nicht bestreitet, in Italien ein Asylgesuch
eingereicht zu haben, und auch die grundsätzliche Zuständigkeit dieses
Mitgliedstaates unbestritten blieb,
dass die Zuständigkeit Italiens somit gegeben ist,
dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung begründet hat, wes-
halb die Beschwerdeführerin und ihr Partner nicht als Familienangehörige
im Sinne der Dublin-II-VO zu betrachten sind und sich die Beschwerde-
führenden nicht auf den Schutz des Familienlebens nach Art. 8 der Kon-
vention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) berufen können,
dass das BFM zudem darlegte, es ergäben sich keine Hinweise, dass der
Familienbegriff aufgrund eines intensiven Abhängigkeitsverhältnisses
zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Partner im Sinne von Art. 15
Dublin-II-VO ausgedehnt werden müsste,
dass nach dem Gesagten ein Selbsteinstritt nach Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-
VO beziehungsweise Art. 29a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999
(AsylV 1, SR 142.311) nicht angezeigt erscheine,
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dass – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – auf die zutreffenden
Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann,
dass das Bundesverwaltungsgericht die auf Beschwerdeebene geschil-
derte Bemühungen der Beschwerdeführenden, ein Familienleben zu füh-
ren, durchaus anerkennt, diese jedoch die vorinstanzlichen Schlussfolge-
rungen nicht zu widerlegen oder zu entkräften vermögen, zumal der Part-
ner der Beschwerdeführerin respektive Kindsvater in der Schweiz nicht
über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt,
dass sich auch angesichts der Bedürfnisse und Rechte des rund 8-
monatigen Kindes keine abweichende Beurteilung aufdrängt,
dass unter diesen Umständen keinerlei Hindernisse, insbesondere auch
keine humanitären Gründe im Sinne von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1, eine
Überstellung der Beschwerdeführenden als unzulässig erscheinen las-
sen,
dass dem Kindsvater die Kontaktpflege sowie eine (finanzielle) Unterstüt-
zung der Beschwerdeführenden auch möglich sein wird, wenn sich diese
in Italien aufhalten,
dass es demnach keinen Grund für die Anwendung der Souveränitäts-
klausel (Art. 3 Abs. 2 erster Satz Dublin-II-VO) gibt,
dass Italien somit für die Prüfung des Asylgesuchs der
Beschwerdeführenden gemäss der Dublin-II-VO zuständig und entspre-
chend verpflichtet ist, sie gemäss Art. 20 Dublin-II-VO wieder aufzuneh-
men,
dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG zu
Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist
und, da die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Aufent-
halts- oder Niederlassungsbewilligung sind, in Anwendung von Art. 44
Abs. 1 AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32 Bst. a
AsylV 1),
dass unter diesen Umständen allfällige Vollzugshindernisse gemäss
Art. 83 Abs. 3 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über
die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) nicht mehr zu prü-
fen sind, da das Fehlen von Wegweisungsvollzugshindernissen bereits
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Voraussetzung des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 34 Abs. 2
Bst. d AsylG ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 10 S. 645),
dass die Beschwerde aus diesen Gründen abzuweisen ist, soweit darauf
einzutreten ist, und die Verfügung des BFM hinsichtlich der Eintretensfra-
ge sowie der Wegweisung und Überstellung nach Italien zu bestätigen ist,
dass indessen die angesetzte Ausreisefrist – wonach die Beschwerdefüh-
renden die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist bezie-
hungsweise sinngemäss am Tag nach Eintritt der Rechtskraft zu verlas-
sen haben – offenkundig unverhältnismässig ist,
dass das Gericht bei der Bestimmung der angemessenen Ausreisefrist
Zurückhaltung übt, jedoch an der in Entscheidungen und Mitteilungen der
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 27 begründe-
ten Praxis festhält, wonach im Falle der offensichtlichen Unangemessen-
heit einer Ausreisefrist die Vorinstanz anzuweisen ist, eine angemessene
Ausreisefrist anzusetzen (vgl. BVGE 2011/28 E. 6.5 S. 552),
dass sich die vorinstanzliche Verfügung hinsichtlich der angesetzten Aus-
reisefrist in Berücksichtigung der Aufenthaltsdauer der Beschwerdeführe-
rin (16. August 2011) als unangemessen erweist,
dass daher die Dispositiv-Ziffer 3 der angefochtenen Verfügung aufzuhe-
ben und die Vorinstanz anzuweisen ist, den Beschwerdeführenden eine
angemessene Ausreisefrist anzusetzen,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens vom teilweisen Obsiegen der
Beschwerdeführenden auszugehen ist, weshalb ihnen grundsätzlich re-
duzierte Verfahrenskosten aufzuerlegen wären,
dass es sich vorliegend indessen rechtfertigt, gestützt auf Art. 6 Bst. b
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) auf
die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten,
dass den nicht vertretenen Beschwerdeführenden keine (reduzierte) Par-
teientschädigung zuzusprechen ist.
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