Decision ID: e45411a3-9e6b-5454-a32c-dad26d9d9ebf
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ hatte seit August 2005 als Isoleur bei der B._ GmbH gearbeitet
(nachfolgend: Arbeitgeberin; act. G 3.1/10). Am 29. April 2015 stellte sein
Rechtsvertreter Antrag auf Insolvenzentschädigung, nachdem am 9. März 2015 über
die Arbeitgeberin der Konkurs eröffnet worden war. Der Versicherte gab an, bis zum
26. September 2014 für die Arbeitgeberin gearbeitet, die Löhne Juni bis September
2014 jedoch nur teilweise erhalten zu haben (act. G 3.1/10).
A.b Die Kantonale Arbeitslosenkasse St. Gallen (nachfolgend: Arbeitslosenkasse)
hielt im Schreiben vom 20. Mai 2015 fest, der Versicherte habe seine offenen
Lohnforderungen, welche er jetzt von der Insolvenzversicherung fordere, vor der
Konkurseröffnung nicht rechtzeitig geltend gemacht. Aus den eingereichten Unterlagen
sei ersichtlich, dass er sicher ab dem 1. Juli 2014 offene Lohnausstände gehabt habe,
welche er erstmals am 15. Januar 2015 bei der Arbeitgeberin einzufordern versucht
habe. Der Arbeitnehmer erwerbe keinen Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn
er seine Lohnforderungen nicht mit tauglichen Mitteln durchsetzen wolle mit der
Begründung, er sei mit einem längeren Aufschub der Lohnzahlung einverstanden, ohne
aber eine ernsthafte Garantie zu haben, dass die Arbeitgeberin in Zukunft in der Lage
sein werde, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen (act. G 3.1/11).
A.c In der Stellungnahme vom 2. Juni 2015 führte der Rechtsvertreter des
Versicherten aus, dass der Versicherte durch seine fristlose Kündigung vom
26. September 2014 weitere Lohnausstände verhindert habe und so seiner
Schadenminderungspflicht nachgekommen sei. Die Inkassobemühungen seien
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unmissverständlich, konsequent und auch teilweise erfolgreich gewesen. So habe der
Versicherte aufgrund einer unmittelbar nach der Kündigung erfolgten Akontozahlung
von Fr. 2‘000.-- vom Willen und der Fähigkeit seiner ehemaligen Arbeitgeberin zur
Bezahlung der Ausstände ausgehen dürfen. Der Versicherte habe die Arbeitgeberin
mehrmals unmissverständlich telefonisch aufgefordert, die ausstehenden Beträge zu
überweisen. Zudem sei es am 25. Oktober und im Dezember 2014 zu persönlichen
Treffen gekommen, bei welchen der Versicherte seine Forderungen wiederum geltend
gemacht habe. Weil ein Teil der Forderung jeweils beglichen worden sei, habe er
darauf vertrauen dürfen, dass die Angelegenheit bald erledigt sein würde. Nachdem
keine weiteren Zahlungen erfolgt seien, habe der Versicherte seine Forderungen
schriftlich geltend gemacht und sich um den Abschluss eines schriftlichen Vergleichs
bemüht. Das Verhalten des Versicherten sei daher nicht als vorsätzliches oder
grobfahrlässiges Abwarten zu werten. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass der
Schadenseintritt auch mit einem anderen Vorgehen - einem Rechtsverfahren - nicht
hätte verhindert werden können, da es nicht mehr möglich gewesen wäre, die
Forderung vor der Konkurseröffnung erfolgreich einbringlich zu machen. Daher scheide
eine Anspruchsverweigerung auch mangels Kausalität aus (act. G 3.1/5).
A.d Mit Verfügung vom 23. Juni 2014 wies die Arbeitslosenkasse den Antrag auf
Insolvenzentschädigung ab. Da Lohnausstände seit Juli 2014 bestanden hätten, der
Versicherte seinen Arbeitgeber bis zum 15. Januar 2015 aber nie schriftlich
aufgefordert habe, die Ausstände zu bezahlen, müsse der Antrag abgelehnt werden.
Für Arbeitnehmer bestehe eine Schadenminderungspflicht schon vor der Auflösung
des Arbeitsverhältnisses. Die versicherte Person käme ihren Pflichten nicht nach, wenn
sie drei Monate nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ihre Lohnforderungen
immer noch nicht geltend mache (act. G 3.1/4).
A.e Gegen diese Verfügung liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter am
20. Juli 2015 Einsprache erheben. In der Einsprache wurde das in der Stellungnahme
vom 2. Juni 2015 Gesagte wiederholt und wie folgt präzisiert und ergänzt: Der
Versicherte habe die Arbeitgeberin mehrmals unmissverständlich mündlich und
anlässlich von persönlichen Treffen aufgefordert, die Ausstände zu begleichen. Diese
Bemühungen hätten in einer weiteren Zahlung von Fr. 500.-- in bar, welche beim
Treffen vom 25. Oktober 2014 geleistet worden sei, resultiert. Als nach den Festtagen
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keine weiteren Zahlungen mehr geleistet worden seien, habe er die Forderung rasch
schriftlich geltend gemacht und auf einen schriftlichen Vergleich hingearbeitet, um
einen Rechtsöffnungstitel zu erlangen. Frühzeitigere schriftliche Aufforderungen,
welche der Versicherte aufgrund nur mässiger Gewandtheit im deutschen
Schriftverkehr überdies nur mit Mühe hätte selbst verfassen können, hätten kaum zu
einem besseren Erfolg geführt. Zudem könne dem Versicherten nicht angelastet
werden, dass die Arbeitgeberin kurz vor Unterzeichnung eines ausgehandelten
Vergleichs unerwartet in den Konkurs gefallen sei. Weiter brachte der Einsprecher vor,
dass ihm nicht vorgeworfen werden könne, er habe zu lange keine schriftliche
Zahlungsaufforderung verschickt, da er mit seinen übrigen Handlungen genügende
Bemühungen zur Einforderung der ihm zustehenden Ansprüche nachgewiesen habe.
Auch seien vorliegend stets Teilzahlungen von 60-70% des Lohnes ausbezahlt worden,
weshalb er weniger stark um seine Forderungen habe fürchten müssen. Von der
Rechtsprechung würden vor allem dann strenge Anforderungen gestellt, wenn über
Monate gar kein Lohn bezahlt worden wäre. Schliesslich argumentierte der
Einsprecher, dass es auch im Falle von früher gestellten schriftlichen Forderungen
aufgrund der Schuldensituation der Arbeitgeberin nicht mehr möglich gewesen wäre,
die offenen Löhne einbringlich zu machen und der Konkurseröffnung zuvor zu kommen
(act. G 3.1/1).
A.f Mit Einspracheentscheid vom 3. August 2015 wies die Arbeitslosenkasse die
Einsprache ab. Im Wesentlichen hielt sie daran fest, dass der Versicherte seiner
Schadenminderungspflicht nur in ungenügendem Masse nachgekommen sei, da er es
vom 1. August 2014 bis zum 15. Januar 2015 unterlassen habe, seine Lohnforderungen
gegenüber der Arbeitgeberin in eindeutiger und unmissverständlicher Weise (schriftlich,
eingeschrieben) geltend zu machen, so dass daraus die Ernsthaftigkeit seiner
Lohnforderungen erkennbar gewesen wäre. Zwar werde nicht vorausgesetzt, dass die
versicherte Person unverzüglich nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses
betreibungsrechtlich gegen ihren Arbeitgeber vorgehe. Wenn die versicherte Person
jedoch drei Monate nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ihre Lohnforderungen
immer noch nicht geltend mache und auf die Konkurseröffnung warten wolle, komme
sie ihren Verpflichtungen nicht nach (act. G 3.1/2).
B.
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B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 31. August 2015 mit dem Antrag auf Aufhebung des Einspracheentscheides und
Zusprechung einer Insolvenzentschädigung von Fr. 9'145.65. Die Beschwerdegegnerin
begründe die Ablehnung des Antrages einzig mit dem Hinweis, dass bis zum
15. Januar 2015 keine schriftliche Einforderung der Lohnausstände ergangen sei. Seine
erfolgreichen Bemühungen stelle sie nicht in Frage, würdige diese aber mit keinem
Wort. Die Beschwerdegegnerin setze die fehlende schriftliche Geltendmachung der
Lohnansprüche mit gänzlicher Untätigkeit gleich. Er sei jedoch alles andere als untätig
geblieben, weshalb der fehlenden Schriftlichkeit während einer gewissen Periode keine
entscheidende Bedeutung zugemessen werden könne. Angesichts der Umstände
könne ihm kein schweres Verschulden angelastet werden (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 2. Oktober 2015 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Aufgrund der nur teilweise
ausbezahlten Löhne sei klar gewesen, dass die Arbeitgeberin die finanziellen
Verpflichtungen nicht mehr habe erfüllen können. Dies werde auch durch das Scheitern
der Vergleichsverhandlungen klar. Zudem bestehe die Schadenminderungspflicht
schon während des Arbeitsverhältnisses, wenn die Löhne nicht vollständig ausbezahlt
würden. Spätestens ab der fristlosen Kündigung hätte verlangt werden können, dass
der Beschwerdeführer rechtliche Schritte einleite, da der Kündigungsgrund in den
Lohnrückständen gelegen habe. Der Konkurs der Arbeitgeberin könne zudem nicht
unerwartet gewesen sein, da diese mit den Lohnzahlungen seit mehreren Monaten im
Verzug gewesen sei. Insgesamt habe der Beschwerdeführer mit seiner Vorgehensweise
zu Gunsten der Arbeitgeberin auf Kosten der Arbeitslosenversicherung gehandelt. Es
bestehe zudem der Verdacht, dass der Beschwerdeführer nicht wirklich bis am
26. September 2014 für die Arbeitgeberin gearbeitet habe (act. G 3).
B.c Mit Replik vom 2. November 2015 entgegnet der Beschwerdeführer, dass sich
die Forderung nach früheren schriftlichen Massnahmen bzw. einer Beschreitung des
Rechtswegs in der konkreten Situation als unangemessen erweise. Die vom
Beschwerdeführer vorgenommenen Bemühungen würden der
Schadenminderungspflicht genügen. Die neue Arbeitsstelle habe er erst am
27. September 2014 probeweise angetreten (act. G 5).

Erwägungen
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1.
Dem Beschwerdeführer wird im angefochtenen Einspracheentscheid eine Verletzung
der Schadenminderungspflicht vorgeworfen, weil er sich nicht genügend um die
Einforderung seiner Lohnausstände bemüht habe. Streitig und zu prüfen ist, ob dieser
Vorwurf zu Recht erfolgte bzw. ob ein Anspruch auf Insolvenzentschädigung gegeben
ist.
2.
2.1 Beitragspflichtige Arbeitnehmende von Arbeitgebern, die in der Schweiz der
Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmende beschäftigen,
haben unter anderem Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihren
Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen
zustehen (Art. 51 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Die
Insolvenzentschädigung deckt die Lohnforderungen für höchstens die letzten vier
Monate des Arbeitsverhältnisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag
nach Art. 3 Abs. 2 AVIG (Art. 52 Abs. 1 Satz 1 AVIG).
2.2 Die Arbeitnehmenden müssen im Konkurs- oder Pfändungsverfahren alles
unternehmen, um ihre Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber zu wahren, bis die
Kasse ihnen mitteilt, dass sie an ihrer Stelle in das Verfahren eingetreten ist (Art. 55
Abs. 1 Satz 1 AVIG). Gemäss der Rechtsprechung des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts (EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts) müssen versicherte Personen nicht nur im Konkurs- oder
Pfändungsverfahren und nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses die Lohnansprüche
innert nützlicher Frist geltend machen, sondern es obliegt ihnen bereits vor Auflösung
des Arbeitsverhältnisses eine Schadenminderungspflicht, wenn die Arbeitgeberschaft
der Lohnzahlungspflicht nicht oder nur teilweise nachkommt und die
Arbeitnehmenden mit einem Verlust rechnen müssen (ARV 2002 Nr. 30 S. 192 E. 1b).
2.3 Die Bestimmung von Art. 55 Abs. 1 AVIG bezieht sich gemäss Wortlaut auf das
Konkurs- und Pfändungsverfahren. Sie bildet jedoch Ausdruck der allgemeinen
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Schadenminderungspflicht, welche auch dann Platz greift, wenn das Arbeitsverhältnis
vor der Konkurseröffnung aufgelöst wird (ARV 2010 Nr. 1 S. 48 E. 3.2; ARV 2007 Nr. 3
S. 50 E. 2.1). Eine Ablehnung der Insolvenzentschädigung infolge Verletzung der
Schadenminderungspflicht im Sinne von Art. 55 Abs. 1 AVIG setzt voraus, dass der
versicherten Person ein schweres Verschulden, also vorsätzliches oder
grobfahrlässiges Handeln oder Unterlassen vorgeworfen werden kann (Urteil des
Bundesgerichts vom 6. Juni 2012, 8C_898/2011, E. 2.2; Urteil des EVG vom 19.
Oktober 2006, C 144/06, E. 3.1 mit Hinweisen). Das Ausmass der vorausgesetzten
Schadenminderungspflicht richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls (ARV 2007
Nr. 3 S. 51 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts vom 23. September 2013, 8C_356/2013,
E. 2.2). Es hat eine Gesamtbetrachtung der Bemühungen des Arbeitnehmers bzw. der
Arbeitnehmerin Platz zu greifen (Urs Burgherr, Die Insolvenzentschädigung, Diss.
Zürich 2004, S. 166). Dabei ist es ausreichend, wenn die arbeitnehmende Person
zunächst unmissverständliche Zeichen (Mahnung, Einleiten der Betreibung usw.) setzt,
aus denen die Ernsthaftigkeit ihrer Lohnforderung zu erkennen ist. Sie darf allerdings
nicht untätig bleiben und zuwarten, bis der Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin in
Konkurs fällt (Urteil des EVG vom 15. Oktober 2001, C 194/01, E. 2b mit Hinweisen;
Burgherr, a.a.O., S. 166).
2.4 Nach konstanter Rechtsprechung genügt es für die Erfüllung der
Schadenminderungspflicht in der Regel nicht, wenn Lohnausstände lediglich mündlich
gemahnt werden. Dies gilt beispielsweise, wenn es um eine langandauernde, das
heisst über zwei bis drei Monate hinaus andauernde Nichterfüllung der vertraglichen
Verpflichtung des Arbeitgebers geht; wenn überhaupt keine, also auch keine Akonto-
oder Teilzahlung erfolgt; wenn aus der Sicht der versicherten Person nicht mit guten
Gründen damit gerechnet werden kann, dass sich bald eine Besserung der Situation
ergibt, und wenn nicht andere, im Einzelfall verständliche Gründe vorliegen, die ein
Zuwarten mit zielgerichteten Schritten aus objektiver Sicht verständlich erscheinen
lassen (Bundesgerichtsurteil vom 29. August 2011; 8C_61/2011, E. 4.2 und ARV 2010
S. 46).
3.
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3.1 Die Prüfung der Frage, ob dem Beschwerdeführer eine Verletzung seiner
Schadenminderungspflicht vorzuwerfen ist, umfasst einerseits die Zeitperiode von Juni
bis September 2014 und andererseits diejenige vom Zeitpunkt der Auflösung des
Arbeitsverhältnisses bis zur Konkurseröffnung (vgl. Urteil des EVG vom 19. Oktober
2006, C 163/06 E. 4).
3.2 Inwieweit der Beschwerdeführer die Überweisung der offenen Lohnguthaben in
der Zeit vor seiner Kündigung forderte, geht aus den Akten nicht unmittelbar hervor.
Fest steht, dass der Beschwerdeführer auf die schleppenden Lohnzahlungen für die
Monate Juni bis September 2014 am 26. September 2014 mit der fristlosen Kündigung
reagierte. Seitens der Arbeitgeberin blieb unbestritten, dass diese fristlose Kündigung
gerechtfertigt war (vgl. act. G 3.1/13). Es erscheint daher überwiegend wahrscheinlich,
dass dieser fristlosen Kündigung eine Mahnung vorausgegangen ist. Auch ist am Tag
der Kündigung auf dem Konto des Beschwerdeführers eine Gutschrift der
Arbeitgeberin in der Höhe von Fr. 2'000.-- zu verzeichnen (act. G 3.1/14), was ebenfalls
darauf hindeutet, dass der Beschwerdeführer die Begleichung der Lohnrückstände
schon vor der Beendigung des Arbeitsverhältnisses forderte. Mit der fristlosen
Kündigung hat er zudem ein starkes Zeichen gesetzt, dass er mit den Lohnrückständen
nicht einverstanden ist. Es kann ihm daher nicht vorgeworfen werden, er habe vor der
Auflösung des Arbeitsverhältnisses am 26. September 2014 seine
Schadenminderungspflicht verletzt.
3.3 Die Bemühungen in der Zeit nach der Auflösung des Arbeitsverhältnisses
bestanden in mündlichen Aufforderungen einerseits und der schriftlichen Aufforderung
vom 15. Januar 2015 inkl. der darauf folgenden Vergleichsverhandlungen andererseits.
In dieser Zeit obliegen dem Leistungsansprecher der Insolvenzentschädigung
grundsätzlich rechtliche Schritte (schriftliche Mahnungen, Zahlungsbefehl, Betreibung
oder Lohnklage) zur Realisierung der Lohnforderung. Wenn im Einzelfall in
gerechtfertigter Weise auf solch durchgreifendere Massnahmen eine Zeitlang verzichtet
wird, bedeutet dies zumindest dann nicht eine mangelnde Erfüllung der Pflicht zur
Anspruchswahrung, wenn mit geeigneten, in der jeweiligen Situation
erfolgversprechenden Vorgehensweisen wie Verhandlungen der Arbeitgeber zur
Begleichung der Lohnausstände gebracht wird (Urteil des EVG vom 23. Dezember
2005, C 235/04 E. 3.4). Der Beschwerdeführer betont, dass er sich nach der Kündigung
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mit einigem Erfolg um das Inkasso bemüht habe, weshalb auch seine bloss mündlichen
Aufforderungen genügen würden, um seiner Schadenminderungspflicht
nachzukommen (act. G 1). Tatsächlich zeigt der Kontoauszug des Beschwerdeführers
am 6. Oktober 2014 eine Gutschrift der Arbeitgeberin in der Höhe von Fr. 4'700.-- (act.
G 3.1/14 S. 70). Anlässlich eines persönlichen Treffens am 25. Oktober 2014 händigte
der Geschäftsführer der Arbeitgeberin dem Beschwerdeführer sodann einen Betrag
von Fr. 500.-- in bar aus. Als nach einem weiteren Treffen im Dezember 2014, bei
welchem der Beschwerdeführer die offenen Lohnforderungen erneut mündlich geltend
gemacht hatte, keine weiteren Zahlungen mehr zu verzeichnen waren, liess er seine
Lohnforderungen durch seinen Rechtsvertreter Mitte Januar schriftlich geltend machen.
Zwar ist es zutreffend, dass es nach konstanter Rechtsprechung in der Regel nicht
genügt, wenn die Ausstände nur mündlich gemahnt werden. Jedoch ist vorliegend zu
beachten, dass während des Arbeitsverhältnisses stets monatliche Teilzahlungen in der
Höhe von Fr. 4'700.-- geleistet wurden und nicht etwa der gesamte Lohn ausblieb (vgl.
E. 2.4). Hinzu kommt, dass es nicht bei den mündlichen Aufforderungen blieb:
Nachdem die Arbeitgeberin am 15. Januar 2015 vom Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers schriftlich gemahnt worden war, fanden Vergleichsverhandlungen
statt, in welchen sich die Arbeitgeberin grundsätzlich bereit erklärte, eine
Pauschalzahlung von Fr. 12'000.-- zu überweisen (act. G3.1/13, S. 46). Dadurch stand
der Beschwerdeführer kurz vor dem Erhalt eines Rechtsöffnungstitels, mit welchem er
bei Ausbleiben der Begleichung der anerkannten Schuld zügig die Betreibung hätte
einleiten und fortsetzen können. Da die Lohnforderungen des Beschwerdeführers zu
einem erheblichen Teil auf Überstunden, Ferienguthaben und Schadenersatz beruhten,
fehlte ihm dafür nämlich ein Rechtsöffnungstitel. Aufgrund dieser Entwicklungen ist
nachvollziehbar, dass sich der Beschwerdeführer nicht veranlasst sah, die
Arbeitgeberin schon früher zu betreiben. Die vorliegend vom Beschwerdeführer
gewählte Vorgehensweise in den drei Monaten nach der Kündigung sowie die
Verschärfung der Massnahmen ab 15. Januar 2015 waren erfolgsversprechend und
sind objektiv betrachtet nachvollziehbar. Da bei der Beurteilung, ob die Pflicht zur
Anspruchswahrung erfüllt wurde, jegliches Vorgehen zu berücksichtigen ist (ARV 2002
Nr. 8 S. 62), namentlich auch die beschriebenen mündlichen Aufforderungen und die
dadurch erreichte teilweise Einbringung der Ausstände in der Zeit zwischen der
Auflösung des Arbeitsverhältnisses und der schriftlichen Mahnung vom 15. Januar
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2015 sowie die anschliessenden schriftlichen Vergleichsverhandlungen, kann dem
Beschwerdeführer kein vorsätzliches oder grobfahrlässiges Handeln oder Unterlassen
vorgeworfen werden. Vielmehr ist der Beschwerdeführer mit seinem Vorgehen seiner
Schadenminderungspflicht im konkreten Fall genügend nachgekommen.
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin stellt in ihrer Beschwerdeantwort die Frage in den
Raum, ob der Beschwerdeführer im September 2014 möglicherweise noch für einen
anderen Arbeitgeber gearbeitet habe, da der Beschwerdeführer am 3. Oktober 2014
eine Zahlung von Fr. 3'843.10 der C._ GmbH erhalten hat (act. G 3.1/14, S. 70). Dazu
führt der Beschwerdeführer in der Replik aus, dass diese Zahlung als Vorschuss für ab
dem 27. September 2014 geleistete Arbeitsstunden überwiesen worden sei. Zu den
genauen Hintergründen dieser Zahlung und zum Umfang der Insolvenzentschädigung
wird die Beschwerdegegnerin möglicherweise noch weitere Abklärungen treffen
müssen, bevor sie die Höhe der Insolvenzentschädigung festsetzt.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde der
Einspracheentscheid vom 3. August 2015 aufzuheben und die Sache zur ergänzenden
Abklärung und Neuverfügung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]).
5.2 Bei diesem Verfahrensausgang, welcher praxisgemäss als Obsiegen gilt, hat die
beschwerdeführende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis
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Fr. 12'000.--. Im vorliegenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.