Decision ID: 0d6b52d0-f160-41aa-a5d1-716c17adcd8c
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Drohung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 17. Juli 2018 (GG170065)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 9. November
2017 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 16).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
StGB (Ereignis vom 29. August 2017 um 11.20 Uhr).
2. Vom Vorwurf der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB wird der Be-
schuldigte freigesprochen (Ereignis vom 29. August 2017 um 12.30 Uhr).
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu
Fr. 10.–, wovon 91 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'200.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'800.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 182.– Auslagen für das Vorverfahren (Entschädigung Zeuge)
Fr. 10'254.85 amtl. Verteidigungskosten
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten zur Hälfte auferlegt und zur Hälfte werden sie auf die Ge-
richtskasse genommen. Die Hälfte der Kosten der amtlichen Verteidigung
werden auf die Staatskasse genommen. Die andere Hälfte der Kosten der
amtlichen Verteidigung werden einstweilen und unter dem Vorbehalt von
Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 62 S. 1)
1. Es sei das Urteil des Einzelgerichts in Strafsachen des Bezirksgerichts
Bülach vom 17. Juli 2018 in Dispo-Ziff. 1 und 4 aufzuheben und es sei
der Beschuldigte bezüglich der Tathandlungen vom 29. August 2017
um 11.20 Uhr vom Vorwurf der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
StGB freizusprechen.
2. Dispo-Ziff. 3 des Urteils sei aufzuheben. Es sei dem Beschuldigten ei-
ne Genugtuung in Höhe von Fr. 100.– pro Tag Haft, mithin Fr. 9'200.–,
im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO zuzusprechen.
3. In Abänderung von Dispo-Ziff. 5 und 6 seien die Untersuchungs- und
Gerichtskosten sowie die Kosten der amtlichen Verteidigung vollum-
fänglich auf die Staatskasse zu nehmen.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens inkl. die Kosten der amtlichen
Verteidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 55, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte, Berufungsumfang, Prozessuales
1. Prozessgeschichte
1.1. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 17. Juli 2018 erging in einem
Abwesenheitsverfahren (vgl. Urk. 31 ff. und Prot. I S. 4 ff.). Es wurde der Verteidi-
gung gleichentags mündlich sowie den Parteien am 18. Juli 2018 und 8. August
2018 schriftlich eröffnet (Prot. I S. 12, Urk. 43). Die Verteidigung meldete am
17. Juli 2018 mündlich vor Schranken innert Frist Berufung an (Prot. I S. 15).
1.2. Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 46) reichte der Beschuldigte
am 7. November 2018 (Urk. 52) fristgerecht die Berufungserklärung ein. Mit Prä-
sidialverfügung vom 4. Dezember 2018 wurde die Berufungserklärung in Anwen-
dung von Art. 400 Abs. 2 und 3 und Art. 401 StPO der Privatklägerin und der
Staatsanwaltschaft zugestellt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben
oder Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde dem Be-
schuldigten in Anwendung von Art. 34 StGB Frist gesetzt, seine finanzielle Leis-
tungsfähigkeit zu belegen (Urk. 53). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit
Schreiben vom 10. Dezember 2018 auf eine Anschlussberufung (Urk. 55). Die
Privatklägerin liess sich nicht vernehmen.
1.3. Am 7. Februar 2019 wurde auf den 3. Mai 2019 zur Berufungsverhandlung
vorgeladen (Urk. 57).
1.4. Der amtliche Verteidiger stellte mit Eingabe vom 8. April 2019 das Gesuch,
den Beschuldigten von der Teilnahme an der Hauptverhandlung zu dispensieren,
da der Beschuldigte aus der Schweiz ausgewiesen worden sei (Urk. 58). Die Ver-
fahrensleitung bewilligte das Gesuch am 17. April 2019 (Urk. 59).
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1.5. Am 3. Mai 2019 fand die Berufungsverhandlung statt. Es erschien aus-
schliesslich der amtliche Verteidiger (Prot. II S. 4 ff.). Vorfragen waren keine zu
entscheiden (Prot. II S. 5).
1.6. Das Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 7 ff.).
Nach dem Parteivortrag verzichtete der amtliche Verteidiger auf eine mündliche
Urteilseröffnung und -erläuterung (Art. 84 Abs. 3 StPO; Prot. II S. 7).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte verlangt, er sei vom Vorwurf der Drohung (Ereignis vom
29. August 2017 um 11.20 Uhr) freizusprechen. Unangefochten ist der Freispruch
vom Vorwurf der Drohung betreffend das Ereignis vom 29. August 2017 um 12.30
Uhr (Dispositivziffer 2). Anlässlich der Berufungsverhandlung präzisierte die Ver-
teidigung auf entsprechende Frage, dass auch die Dispositivziffer 5 (Kostenfest-
setzung) angefochten sei (Prot. II S. 5). Der vorinstanzliche Entscheid ist dem-
nach einzig hinsichtlich der Dispositivziffer 2 (Freispruch vom Vorwurf der Dro-
hung betreffend das Ereignis vom 29. August 2017 um 12.30 Uhr) in Rechtskraft
erwachsen, was vorab vorzumerken ist (Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 437
StPO).
2.2. Im Übrigen steht der angefochtene Entscheid unter Berücksichtigung des
Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO zur Disposition.
3. Prozessuales (Verwertbarkeit der Aussagen der Privatklägerin und der Zeugen)
Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen der Privatklägerin, des
Zeugen B._ und des Zeugen C._ verwies die verfahrensleitende
Staatsanwältin auf das Zeugnisverweigerungsrecht aufgrund eines Amtsgeheim-
nisses im Sinne von Art. 170 StPO. In der Folge hielten die Privatklägerin und die
Zeugen fest, über keine schriftliche Ermächtigung ihres Arbeitgebers zu verfügen,
aber gleichwohl aussagen zu wollen. Darauf nahmen die Einvernahmen ihren
Fortgang (Urk. 3 S. 3, 5 S. 3, 7 S. 3).
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Art. 170 Abs. 1 StPO statuiert in Übereinstimmung mit Art. 320 StGB die Pflicht,
als Beamter oder Behördenmitglied das Zeugnis über Amtsgeheimnisse zu ver-
weigern. Es handelt sich dabei um ein Verbot, und nicht um ein Recht
(VEST/HORBER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung,
Bd. I, 2. Aufl. 2014, N. 4 zu Art. 170 StPO; SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des
schweizerischen Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, N. 891). Ob und inwiefern
die als Auskunftsperson und Zeugen befragten Personen als Beamte respekti-
ve Mitglieder einer Behörde gelten und unter Art. 170 StPO fallen, blieb in der
Untersuchung ungeklärt (vgl. nur Urk. 1 S. 4). Dies kann dahingestellt bleiben.
Fraglich ist zudem, ob die Schilderungen überhaupt Geheimnisse im Sinne von
Art. 170 StPO und Art. 320 StGB darstellen (vgl. zum materiellen Geheimnis-
begriff NIKLAUS OBERHOLZER, in: Basler Kommentar, Strafrecht, Bd. II, 4. Aufl.
2019, N. 8 zu Art. 320 StGB). Das Zeugnisverweigerungsrecht im Sinne von
Art. 170 StPO dient in erster Linie staatlichen Geheimhaltungsinteressen
(Abs. 3). Die ohne Ermächtigung deponierte Aussage ist verwertbar (ANDREAS
DONATSCH, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO],
2. Aufl. 2014, N. 13 zu Art. 170 StPO; MOREILLON/PAREIN-REYMOND, CPP,
Code de procédure pénale, 2. Aufl. 2016, N. 9 zu Art. 170 StPO;
SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 892; VEST/HORBER, a.a.O., N. 8 und Fn. 27 zu
Art. 170 StPO; STÉPHANE WERLY, in: Commentaire romand, Code de procédure
pénale suisse, 2011, N. 20 zu Art. 170 StPO; a.M. JEANNERET/KUHN, Précis de
procédure pénale, 2. Aufl. 2018, N. 12034). Damit ist von einer Ordnungsvor-
schrift im Sinne von Art. 141 Abs. 3 StPO und einer Verwertbarkeit der ge-
nannten Aussagen auszugehen.
II. Sachverhalt
1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundsätze der richterlichen Beweiswürdi-
gung dargelegt. Darauf kann verwiesen werden, ebenso auf ihre Erwägungen zur
Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und der Privatklägerin im Zusammenhang mit
dem zweiten Vorwurf der Drohung. Jene Erwägungen haben auch in Bezug auf
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den ersten, hier zu beurteilenden Sachverhalt Gültigkeit (Urk. 46 S. 6 f. und 15 f.;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit von B._ ist ergänzend
festzuhalten, dass er als Zeuge unter Hinweis auf die Wahrheitspflicht und die
Strafandrohung von Art. 307 StGB aussagte. Weitere Erörterungen zur Frage der
Glaubwürdigkeit erübrigen sich, kommt doch der allgemeinen Glaubwürdigkeit
einer Person kaum mehr relevante Bedeutung zu (BGE 133 I 33 E. 4.3 S. 44 ff.;
Urteil 6B_703/2012 vom 3. Juni 2013 E. 4.3). Im Übrigen kann sich die Beru-
fungsinstanz auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl.
BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 S. 253; 141 III 28 E. 3.2.4 S. 41; je mit Hinweisen).
2. Anklagevorwurf und Sachverhalt
2.1. Gegenstand des Berufungsverfahrens ist die erste von zwei angeklagten
Drohungen. Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, der angeklag-
te Sachverhalt sei insoweit erstellt. Der Beschuldigte habe am 29. August 2017,
nachdem er von der Privatklägerin im Bundesasylzentrum D._ [Ort] einer
Personenkontrolle unterzogen worden sei, auf Arabisch zu ihr gesagt, er werde
sie umbringen, er werde sie köpfen. Gleichzeitig sei er mit der Hand seiner Kehle
entlanggefahren, um ein Köpfen anzudeuten. Die Aussagen auf Arabisch seien
der Privatklägerin durch den anwesenden B._ übersetzt worden. Die Privat-
klägerin habe Angst verspürt. Sie sei davon ausgegangen, dass der Beschuldigte
ihr etwas antun würde (Urk. 46 S. 11 f.).
2.2. Der Verteidiger stellte sich vor Vorinstanz auf den Standpunkt, der Beschul-
digte sei durch die in seinen Augen ungerechtfertigte und schikanöse Personen-
kontrolle sehr verärgert gewesen. Nach der Kontrolle habe er seinem Ärger Luft
verschafft, indem er gegenüber seinem Kollegen etwas auf Arabisch gesagt und
gleichzeitig mit einer Geste ein Köpfen angedeutet habe. Dabei habe er einzig
seinem Kollegen erklärt, dass sie (die Privatklägerin) getötet würde, wenn so et-
was in Algerien passieren würde. Die anders lautenden Zeugenaussagen seien
nicht glaubhaft. Der Zeuge habe den Beschuldigten falsch verstanden. Zum einen
spreche B._ wohl Arabisch, verstehe aber den Dialekt des Beschuldigten
nicht hinreichend. Berbisch sei im Vergleich zu Hocharabisch eine völlig andere
Sprache. Zum anderen habe der Zeuge selbst mit dem Beschuldigten diverse
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Auseinandersetzungen geführt. Er habe deshalb vom Beschuldigten nur eine ne-
gative Äusserung erwartet und das Gehörte entsprechend interpretiert. Schliess-
lich habe der Zeuge vom Geschehen weit weg gestanden, was das Verständnis
ebenfalls beeinträchtigt habe (Urk. 40 S. 2 ff.). Diesen Standpunkt der Verteidi-
gung vertrat der Beschuldigte zusammengefasst im Untersuchungsverfahren
(Urk. 2/4 S. 2 ff.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung wiederholte die Verteidigung im Wesentli-
chen die bereits geschilderte Position (Urk. 62 S. 2 ff.). Ergänzend führte sie aus,
dass die Vorinstanz fälschlicherweise davon ausgegangen sei, dass der Beschul-
digte den angeklagten Sachverhalt vollumfänglich anerkannt habe. So habe sie
bei dieser Feststellung lediglich auf Fragmente seiner Aussagen in der Einver-
nahme vom 2. November 2017 abgestellt und dabei aber unberücksichtigt gelas-
sen, dass er stets geltend gemacht habe, sich bei der Ausführung der Geste mit
der Hand am Hals an seinen Kollegen gerichtet zu haben (Urk. 62 S. 6). Weiter
stellte die Verteidigung in den Raum, dass das Vorbringen des Beschuldigten, die
Angaben der Privatklägerin, wonach er immer auf Konfrontation aus sei und er bis
zum "Gehtnichtmehr" provoziere, unzutreffend seien, auch durch den Umstand
gestützt würde, dass er keine Vorstrafen aufweise (Urk. 62 S. 4).
2.3. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten, der Privatklägerin und
des Zeugen B._ zutreffend zusammengefasst, worauf vorab verwiesen wer-
den kann (Urk. 46 S. 8 ff.).
2.3.1. Unbestritten und erstellt ist, dass der Beschuldigte von der Privatklägerin,
welche als Sicherheitsmitarbeiterin im Bundesasylzentrum tätig war, kontrolliert
und deshalb wütend wurde (Urk. 2/4 S. 2 f., 3 S. 5, 5 S. 4 f.). Erstellt ist zudem,
dass der Beschuldigte im Anschluss an die Kontrolle ein Köpfen andeutete, indem
er mit der Hand seiner Kehle entlang fuhr (Urk. D4/3 S. 2, 3 S. 5 f., 3 S. 10, 4 S. 2,
5 S. 4 f.). Der Beschuldigte bezeichnete den Vorwurf zuerst als lächerlich, relati-
vierte ihn in der Folge (Urk. 2/2 S. 4, 2/4 S. 2), um ihn schliesslich anzuerkennen.
Es treffe zu, dass er eine entsprechende Geste gemacht habe (Urk. 2/4 S. 3).
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2.3.2 Aussagen der Privatklägerin und des Zeugen B._
2.3.2.1 Betreffend den Vorwurf, der Privatklägerin auf Arabisch mit dem Tod ge-
droht und dabei mit den Händen ein Köpfen angedroht zu haben, hat die Vor-
instanz die Aussagen des Zeugen B._ als glaubhaft eingeschätzt. Dies ist im
Ergebnis nicht zu beanstanden. Der Zeuge schilderte den Vorfall konstant und
lebensnah. Er räumte ein, wenn er etwas nicht gesehen oder gehört hatte. So
wisse er nicht, was vorher passiert sei. Er habe unter Zeitdruck gestanden und mit
seiner Sprechstunde beginnen müssen (Urk. 5 S. 5). Eigene Überlegungen oder
Erklärungen, etwa zum Treffen mit dem Beschuldigten frühmorgens und zum
Kleid, welches der Beschuldigte trug, gab er nachvollziehbar wieder (Urk. 4 S. 1,
5 S. 7). Seine Schilderungen zum Anklagevorwurf sind konkret und anschaulich.
An deren Glaubhaftigkeit vermögen die Einwände der Verteidigung nichts zu än-
dern. Der Zeuge hat wiederholt ausgeführt, dass er genug nahe am Geschehen
war, um den Beschuldigten zu hören. Die Frage der Staatsanwältin, ob er sicher
sei, dass sich die Aussage gegen die Privatklägerin gerichtet habe, bejahte er
vorbehaltlos. Dabei hielt er fest, der Beschuldigte habe die Worte an die Frau ge-
richtet und auf sie gezeigt. Er habe "hiya" (was für eine Frau stehe) und nicht
"hua" (was für einen Mann stehe) gesagt (Urk. 5 S. 5). Nicht zu überzeugen ver-
mag zudem, wenn die Verteidigung sprachliche Missverständnisse anführt, weil
der Beschuldigte zu einem Marokkaner und Algerier gesprochen und der aus
Saudi Arabien stammende Zeuge den Dialekt nicht richtig verstanden habe.
B._ gab zu Protokoll, der Beschuldigte müsse ab und zu auf Hocharabisch
wechseln. Es seien verschiedene Dialekte. Die fraglichen Äusserungen habe er
aber verstanden, da sei er sich sicher (Urk. 5 S. 6). An diesen differenzierten und
klaren Aussagen zu zweifeln besteht kein Anlass. Deshalb dringt auch nicht
durch, wenn die Verteidigung erklärt, der Zeuge habe die Worte unzutreffend in-
terpretiert. Seine Schilderungen decken sich zudem in den wesentlichen Punkten
mit den Aussagen der Privatklägerin. Auch sie bestätigte, dass die fraglichen
Worte in Gegenwart des Zeugen fielen. Dieser habe etwas hinter ihr gestanden
(Urk. 3 S. 10). Nachdem sie die Geste des Beschuldigten gesehen habe, habe
B._ sie gefragt, ob sie den Beschuldigten verstanden habe. Das habe sie
logischerweise nicht, weil sie kein Arabisch spreche. Darauf habe B._ ge-
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sagt, dass der Beschuldigte sie umbringen werde, weil sie ihn kontrolliert habe
(Urk. 3 S. 5). Die Privatklägerin hielt mehrmals fest, sie nehme die verbalen und
mit Gesten untermauerten Drohungen ernst und habe Angst (Urk. D4/3 S. 2 f., 3
S. 6 f.). Ihre Gefühlslage gab sie nachvollziehbar wieder. Meint die Verteidigung,
der Umgangston in einem Asylzentrum sei schroff, mit diesem alltäglichen Um-
gangston müsse eine Sicherheitsangestellte umgehen können und die Privatklä-
gerin habe nicht Angst vom Beschuldigten gehabt (Urk. 40 S. 6; Urk. 62 S. 5),
sind diese Ausführungen nicht geeignet, die anders lautenden Schilderungen in
Frage zu stellen. Dass Todesdrohungen nicht mit einem alltäglichen Umgangston
gleichzusetzen sind, braucht hier nicht weiter ausgeführt zu werden.
2.3.2.2 Zusammenfassend haben die Privatklägerin und der Zeuge B._ den
angeklagten Sachverhalt, wonach der Beschuldigte nach einer Personenkontrolle
zur Privatklägerin auf Arabisch sagte, er werde sie umbringen respektive köpfen,
lebensnah, anschaulich und ohne Widersprüche dargestellt. Damit stimmt zwang-
los überein, dass der Beschuldigte ein Köpfen andeutete, indem er mit der Hand
seiner Kehle entlang fuhr. Ergänzend bleibt anzufügen, dass die Schilderungen
der Privatklägerin durch ihre anschaulichen Depositionen in Bezug auf den zwei-
ten Vorfall nicht etwa relativiert werden (Urk. 4/3 S. 2, 3 S. 5 ff.). Darauf muss
nicht näher eingegangen werden. Der erstinstanzliche Freispruch in diesem Punkt
ist nicht Verfahrensgegenstand.
2.3.3. Aussagen des Beschuldigten
Der Beschuldigte stellte sich im Untersuchungsverfahren auf den Standpunkt, die
Worte nicht an die Privatklägerin gerichtet, sondern mit seinem Kollegen gespro-
chen zu haben. Diesem habe er gesagt, falls die Privatklägerin gleiches mit ihm in
Algerien gemacht hätte, hätte er sie getötet respektive abgeschlachtet. Diese
Darstellung hat der Beschuldigte mehrfach wiederholt (Urk. 2/4 S. 3, 4 und 6). Sie
ist entgegen dem Dafürhalten der ersten Instanz ebenso mit der Geste des Köp-
fens in Einklang zu bringen. Erwägt die Vorinstanz, der Beschuldigte habe den
Anklagesachverhalt vollumfänglich anerkannt (Urk. 46 S. 11), kann ihr damit in
diesem Punkt entsprechend dem Vorbringen der Verteidigung (Urk. 62 S. 6) nicht
gefolgt werden. Zwar bestätigte der Beschuldigte am Ende der staatsanwalt-
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schaftlichen Einvernahme, er anerkenne den Vorhalt. Hingegen hatte er unmittel-
bar vor dem besagten (längeren) Vorhalt betont, einzig zu seinem Kollegen ge-
sprochen zu haben. Der Zeuge habe ihn vermutlich falsch verstanden (Urk. 2/4
S. 3 und 4). Dass er nach der Befragung betreffend den zweiten angeklagten Vor-
fall neu und ohne jegliche Erklärung von seinem gerade eben vertretenen Stand-
punkt abrückte, kann nicht angenommen werden. Zudem unterstrich der Beschul-
digte selbst nach dem Schlussvorhalt und seiner Bemerkung, diesen anzuerken-
nen, er habe die Privatklägerin nicht angeschaut, als er das gesagt habe. Er habe
zu seinem Kollegen gesprochen (Urk. 2/4 S. 6). Dies klammert die erste Instanz
aus. Der Beschuldigte hat den angeklagten Vorwurf relativiert und offensichtlich
nicht vollumfänglich anerkannt.
Es stellt sich deshalb die Frage, ob die oben erwähnten belastenden Aussagen
der Privatklägerin und des Zeugen selbst im Lichte der Schilderungen des Be-
schuldigten nach wie vor als glaubhaft zu qualifizieren sind.
2.3.3.1. Der Beschuldigte sagte von sich, er sei nett zu den Leuten, wenn sie nett
zu ihm seien. Wenn die Leute nicht nett seien, gehe er ihnen aus dem Weg
(Urk. 2/2 S. 5: "Wenn die Leute nicht nett sind, gehe ich weg und überlasse das
dem heiligen Gott"; Urk. 2/2 S. 6: "Ich bin bekannt als ein ruhiger Mensch"). Diese
Einschätzung seiner Person steht im Widerspruch zu den Aussagen sämtlicher
befragter Personen. So schilderte die Privatklägerin den Beschuldigten als provo-
zierenden Bewohner, der im Asylzentrum ständig die Konfrontation suche und die
Regeln missachte (vgl. Urk. 3 S. 4 und 7 f.). Damit übereinstimmend und eben-
falls negativ fallen die Aussagen der Zeugen zum allgemeinen Verhalten des Be-
schuldigten aus (vgl. Urk. 4 S. 1, 5 S. 6, 6 S. 1 f., 7 S. 5). So gab B._ zu Pro-
tokoll, wegen einer "Vorgeschichte" mit dem Beschuldigten wolle er jeweils zwei
Sicherheitsleute im medizinischen Behandlungsraum (Urk. 5 S. 6), was auch die
Privatklägerin spontan thematisierte (Urk. 3 S. 4). Diese Umschreibungen eines
allgemein schwierigen Verhaltens tangieren zwar nicht die angeklagte Drohung.
Gleichwohl kann festgehalten werden, dass das vom Beschuldigten behauptete
sich Fernhalten von Problemen im Asylzentrum von verschiedener Seite nicht
bestätigt, sondern vielmehr gänzlich anders umschrieben wird. Überdies ist darauf
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hinzuweisen, dass entgegen der Auffassung der Verteidigung auch aus dem Um-
stand, dass der Beschuldigte keine Vorstrafen aufweist, nicht abgeleitet werden
kann, dass die Angaben der Privatklägerin und des Zeugen zum provozierenden
Verhalten des Beschuldigten nicht zutreffen würden (Urk. 62 S. 4). Im Gegenteil
können aus der Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten in Bezug auf die in Frage
stehende Drohung keine relevanten Schlüsse gezogen werden. Das Aussagever-
halten des Beschuldigten setzt bei der Glaubhaftigkeit seiner Schilderungen somit
ein erstes Fragezeichen.
2.3.3.2. Der Beschuldigte bezeichnete den Vorwurf, der Privatklägerin verbal und
anhand einer Geste mit dem Tod gedroht zu haben, in der Hafteinvernahme vom
30. August 2017 als lächerlich (Urk. 2/2 S. 4). Mit den Aussagen der Privatkläge-
rin und des Zeugen B._ anlässlich ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernah-
men konfrontiert, gab der Beschuldigte am 2. November 2017 ausweichend zu
Protokoll, möglicherweise "irgendwelche Gesten" gemacht zu haben. Schliesslich
erklärte er, er habe ein Durchschneiden der Kehle angedeutet und dabei die Pri-
vatklägerin angeschaut. Er habe zu seinem Kollegen gesagt, wenn die Privatklä-
gerin gleiches mit ihm in Algerien gemacht hätte, hätte er sie getötet respektive
abgeschlachtet. Dass er die Privatklägerin dabei angeschaut hatte, nahm er in der
gleichen Einvernahme wieder zurück (Urk. 2/4 S. 3 und 6). Dieses Aussagever-
halten ist teilweise widersprüchlich, erscheint dem Untersuchungsergebnis ange-
passt und ist deshalb wenig überzeugend.
2.3.3.3. Unbestritten ist, dass der Beschuldigte wütend wurde, weil die Privatklä-
gerin ihn kontrolliert hatte. Ebenso wenig hat der Beschuldigte in Abrede gestellt,
seine Wut zum Ausdruck gebracht zu haben (Urk. 2/4 S. 3). Dann aber ist zumin-
dest eine gereizte Reaktion an die Adresse der Privatklägerin zu erwarten. Will
der Beschuldigte "lediglich mit ihr gesprochen" haben, fallen seine Aussagen
auch hier beschönigend aus, selbst wenn eine solch bedachte Reaktion nicht von
vornherein ausgeschlossen werden kann. Nicht nachvollziehbar ist aber, dass der
Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin einzig ein normales Gespräch geführt
haben will, während er im gleichen Atemzug gegenüber seinem Kollegen mit
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massiven Worten festhielt, er hätte die Privatklägerin in Algerien getötet respekti-
ve abgeschlachtet.
Mithin ist die Darstellung des Beschuldigten zum Kerngeschehen mit Blick auf die
konkreten Umstände nur schwer nachvollziehbar. Seine Behauptung, mit der Pri-
vatklägerin lediglich gesprochen und die inkriminierten Worte nur gegenüber ei-
nem Kollegen geäussert zu haben, überzeugt nicht. Seine Wut wegen der Perso-
nenkontrolle richtete sich zweifelsohne gegen die Privatklägerin und spiegelte
sich in seiner Wortwahl wider. Seine Behauptung findet zudem in den Aussagen
der Beteiligten keine Stütze. Dass er auf Arabisch zu ihr gesagt hat, er werde sie
umbringen, er werde sie köpfen, und seine Worte gleichzeitig mit einer entspre-
chenden Geste unterstrich, schildern die Privatklägerin und der Zeuge B._
glaubhaft. Gründe, weshalb die Privatklägerin und der Zeuge dies wahrheitswidrig
behaupten sollten, sind nicht erkennbar. Führt die Verteidigung aus, man habe
einzig Ruhe in das Asylzentrum bringen und am Beschuldigten ein Exempel statu-
ieren wollen (Urk. 40 S. 6, Prot. I S. 11; Urk. 62 S. 5), überzeugt dies nicht. Dies
würde bedeuten, dass die Privatklägerin mit einer Falschaussage und einem
möglicherweise strafbaren Verhalten (Art. 303 f. StGB) einzig darauf abgezielt
hätte, den Beschuldigten vom Asylzentrum loszuwerden, und dass der Zeuge mit
demselben Zweck trotz Wahrheitspflicht wahrheitswidrig ausgesagt hätte. Davon
ist nicht auszugehen. Damit fällt letztlich unglaubhaft aus, dass der Beschuldigte
die inkriminierten Worte nicht an die Privatklägerin, sondern an seinen Kollegen
richtete.
2.3.4. Zusammenfassend ist erstellt, dass der Beschuldigte am 29. August 2017,
nachdem er von der Privatklägerin im Bundesasylzentrum einer Personenkontrol-
le unterzogen worden war, auf Arabisch zu ihr sagte, er werde sie umbringen, er
werde sie köpfen. Gleichzeitig deutete er ein Köpfen an, indem er mit der Hand
seiner Kehle entlangfuhr. Der ebenfalls anwesende B._ übersetzte der Pri-
vatklägerin die Aussagen. Die Privatklägerin nahm die Drohungen ernst und hatte
Angst. Sie ging davon aus, dass der Beschuldigte ihr etwas antun würde.
In subjektiver Hinsicht bleibt Folgendes festzuhalten. Es kann nicht ernsthaft be-
stritten werden, dass der Beschuldigte wie jeder Durchschnittsmensch wusste,
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dass die von ihm ausgestossenen Todesdrohungen und das mit Gesten angedeu-
tete Köpfen die Privatklägerin in Angst versetzen würden. Der Beschuldigte rech-
nete nach den zutreffenden erstinstanzlichen Erwägungen damit, dass seine
Äusserungen übersetzt würden (Urk. 46 S. 20), nachdem B._ sich in unmit-
telbarer Nähe befand. Er wusste um die Wirkung seiner Worte und Gesten und
nahm diese zumindest in Kauf (vgl. zum Eventualvorsatz BGE 137 IV 1 E. 4.2.3
S. 4 mit Hinweis; vgl. zum Rückschluss von den äusseren Umständen auf die in-
nere Einstellung des Täters BGE 135 IV 12 E. 2.3.2 S. 17; 134 IV 26 E. 3.2.2
S. 28 f.; je mit Hinweisen).
III. Rechtliche Würdigung
1. Wer jemanden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt, wird,
auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 180
Abs. 1 StGB).
2. Die Vorinstanz hat in ihrer rechtlichen Würdigung theoretische Erwägungen
zum objektiven Tatbestand der Drohung gemacht und das vom Beschuldigten mit
Worten und durch Gesten angekündigte Übel zutreffend als schwere Drohung im
Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB qualifiziert (Urk. 46 S. 18 ff.). Darauf kann verwie-
sen werden. Den Taterfolg – die bei der Privatklägerin hervorgerufene Angst –
nahm der Beschuldigte gestützt auf das Beweisergebnis in Kauf. Damit handelte
er eventualvorsätzlich im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB (vgl. zum Eventualvor-
satz BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 S. 4 mit Hinweis).
3. Der Beschuldigte ist demnach schuldig zu sprechen der Drohung im Sinne von
Art. 180 Abs. 1 StGB.
IV. Strafzumessung
1. Anträge/Grundsätze/Strafrahmen
1.1. Die Vorinstanz bestraft den Beschuldigten mit einer Geldstrafe von 100 Ta-
gessätzen zu Fr. 10.– unter Anrechnung der ausgestandenen Haft von 91 Tagen.
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Die Staatsanwaltschaft beantragt die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
Die Verteidigung führt zur Höhe der Sanktion im Sinne eines Eventualstandpunkts
aus, dass sie die von der Vorinstanz ausgefällte Strafe im Falle eines Schuld-
spruchs als angemessen erachte (Prot. II S. 6).
1.2. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt
(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. S. 59 ff. mit Hinweisen). Darauf sowie auf die zutreffen-
den vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 46 S. 21 ff.) kann verwiesen werden.
1.3. Das Gesetz sieht für die Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB eine Straf-
androhung von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor. Straf-
schärfungs- und Strafmilderungsgründe führen mangels aussergewöhnlicher
Umstände nicht dazu, die Grenzen des ordentlichen Strafrahmens zu verlas-
sen und sie nach oben oder unten zu erweitern (BGE 136 IV 55 E. 5.8 S. 63
mit Hinweisen). Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe liegen hier keine
vor.
Der Beschuldigte beging das Delikt vor den Änderungen des Sanktionenrechts
am 1. Januar 2018. Zur Tatzeit betrug die Geldstrafe in aller Regel höchstens 360
Tagessätze (Art. 34 Abs. 1 aStGB). Neu beträgt die Geldstrafe mindestens drei
und höchstens 180 Tagessätze (Art. 34 Abs. 1 StGB). Wie noch zu zeigen sein
wird, bewegt sich die angemessene Strafe nicht über den neurechtlichen Rahmen
von 180 Strafeinheiten. Auch unter Berücksichtigung des Verschlechterungsver-
bots kann die Strafe von vornherein nicht über den neurechtlichen Rahmen lie-
gen. So oder anders ist das neue Sanktionenrecht für den Beschuldigten nicht
milder. Der Grundsatz der lex mitior (Art. 2 Abs. 2 StGB) gelangt nicht zur An-
wendung. Massgebend ist hier deshalb Art. 34 aStGB.
2. Drohung
2.1. Die objektive Tatschwere der vom Beschuldigten begangenen Drohung ist
innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens zu bemessen und damit
zum breiten Spektrum von denkbaren Drohungen in Relation zu setzen. In Be-
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zug auf die objektive Tatschwere ist massgebend, dass der Beschuldigte die
Privatklägerin mit dem Tod und damit massiv bedrohte. Anlass dazu gab eine
Personenkontrolle. Die Drohung erfolgte damit ohne verständlichen Grund.
Hingegen ist davon auszugehen, dass sich die Angst der Privatklägerin in
Grenzen hielt, selbst wenn sie noch einen Monat nach der Tat in ihrem Sicher-
heitsgefühl beeinträchtigt war (Urk. 3 S. 7). Der Umstand, dass die Personen-
kontrolle aus Sicht des Beschuldigten ungerechtfertigt und schikanös war, ent-
lastet den Beschuldigten nicht. Immerhin ist zu seinen Gunsten zu berücksich-
tigen, dass sein Tatvorgehen nicht geplant, sondern spontan aus der Situation
heraus erfolgte. Gesamthaft wiegt das objektive Verschulden als noch leicht.
2.2. Bei der subjektiven Tatschwere fällt in Abweichung von der ersten Instanz
leicht verschuldensmindernd ins Gewicht, dass der Beschuldigte eventualvor-
sätzlich handelte.
2.3. Bei einer Gesamtbetrachtung wird die objektive Tatschwere durch die
Elemente der subjektiven Tatkomponente leicht relativiert. Dies führt zu einem
Gesamtverschulden, welches als leicht zu bezeichnen ist. Damit rechtfertigt es
sich, die hypothetische Einsatzstrafe im unteren Bereich des unteren Strafrah-
mendrittels festzusetzen.
2.4. Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten korrekt wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 46
S. 22 f.). Das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse erweisen sich für die
Strafzumessung als neutral.
Wohl hat der Beschuldigte eingeräumt, mit Gesten ein Köpfen angedeutet zu ha-
ben. Jedoch erfolgte das Zugeständnis erst nach Konfrontation mit den belasten-
den Aussagen. Zudem hat der Beschuldigte sich stets auf den Standpunkt ge-
stellt, B._ habe die Worte unrichtig verstanden und diese wie auch die Geste
seien nicht an die Privatklägerin gerichtet gewesen. Vor diesem Hintergrund
kann der Beschuldigte unter dem Titel Geständnis für sich keine Strafreduktion
reklamieren. Immerhin äusserte er im Untersuchungsverfahren, dass es ihm
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leid tue, die Privatklägerin in Angst versetzt zu haben. Die so zum Ausdruck
gebrachte teilweise Einsicht ist leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
2.5. Unter Berücksichtigung aller für die Strafzumessung relevanten Kriterien
erscheint eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen (Art. 34 Abs. 1 aStGB) respek-
tive eine Freiheitsstrafe von 100 Tagen angemessen.
3. Wahl der Sanktionsart/Tagessatzhöhe/Fazit
3.1. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmäs-
sigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein
soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134
IV 97 E. 4.2 S. 100 mit Hinweisen). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit
soll nach konstanter Rechtsprechung bei alternativ zur Verfügung stehenden
und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall
diejenige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Be-
troffenen eingreift (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; Urteil 6B_125/2018 vom
14. Juni 2018 E. 1.3.2; je mit Hinweis). Für Strafen von weniger als sechs Mo-
naten ist grundsätzlich eine Geldstrafe auszusprechen (Art. 34 Abs. 1, Art. 40
und Art. 41 Abs. 1 aStGB).
Die Vorinstanz hält fest, dass keine Gründe vorhanden seien, um von einer
Geldstrafe abzuweichen (Urk. 46 S. 23 f.). Ihr ist beizupflichten.
3.2. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen
und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, na-
mentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Fami-
lien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34
Abs. 2 aStGB). Ausgangspunkt für die Bemessung bildet das Einkommen, das
dem Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Was gesetzlich geschuldet
ist oder dem Täter wirtschaftlich nicht zufliesst, ist abzuziehen, so die laufen-
den Steuern, die Beiträge an die obligatorische Kranken- und Unfallversiche-
rung, sowie die notwendigen Berufsauslagen bzw. bei Selbständigerwerben-
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den die branchenüblichen Geschäftsunkosten (im Einzelnen BGE 142 IV 315
E. 5.3.2 ff. S. 320 ff. mit Hinweisen).
Die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten als Asylsuchender sind zwei-
felsohne bescheiden. Der von der Vorinstanz festgesetzte Tagessatz von
Fr. 10.– ist somit zu bestätigen.
3.3. Der Beschuldigte ist mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu Fr. 10.–
zu bestrafen. Die erstandene Haft von 92 Tagen (29. August 2017, 13.15 Uhr,
bis zum 28. November 2017, 12.10 Uhr) ist ihm anzurechnen (Art. 51 StGB).
Eine weitergehende Anrechnung hat nicht zu erfolgen. Im Anschluss an die
Untersuchungshaft wurde der Beschuldigte ab 28. November 2017 in Aus-
schaffungshaft versetzt und per 18. Dezember 2017 ausgeschafft (Urk. 27).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Ausschaffungshaft auf
die Strafe jedenfalls anzurechnen, wenn der Beschuldigte, hätte er sich nicht in
Ausschaffungshaft befunden, in Untersuchungshaft genommen worden wäre,
also in einer Konstellation, wo konkurrierend die Voraussetzungen der Unter-
suchungshaft und der Ausschaffungshaft gegeben sind (BGE 124 IV 1 E. 2b
S. 3; Urteil 6B_91/2010 vom 31. Mai 2010 E. 1.3.1). Dies ist hier nicht der Fall,
nachdem das Zwangsmassnahmengericht den Antrag auf Anordnung von Si-
cherheitshaft mangels Voraussetzungen abwies und die Entlassung des Be-
schuldigten aus der Haft anordnete (Urk. 24).
V. Vollzug
1. Nach dem hier anwendbaren Art. 42 Abs. 1 aStGB schiebt das Gericht den
Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit oder einer Freiheitsstrafe von
mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn
eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Bege-
hung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Für den bedingten Vollzug
nach Art. 42 Abs. 1 aStGB genügt das Fehlen einer ungünstigen Prognose, das
heisst die Abwesenheit der Befürchtung, der Täter werde sich nicht bewähren
(BGE 134 IV 1 E. 4.2.2 S. 5 f.). Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Tä-
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ters ist anhand einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzuneh-
men (vgl. dazu im Einzelnen: BGE 134 IV 1 E. 4.2.1 S. 5 mit Hinweisen).
2. Der Beschuldigte hat keine Vorstrafen (Urk. 51) und seit dem Vorfall vom
29. August 2017 sind keine weiteren gegen ihn geführten Strafverfahren be-
kannt. Das vorliegende Strafverfahren und die ausgestandene Haft dürften ihn
genügend beeindruckt haben. Deshalb ist nicht davon auszugehen, er werde in
Zukunft erneut straffällig und sich nicht bewähren. Der Vollzug der Geldstrafe
ist aufzuschieben und die Probezeit auf zwei Jahre festzusetzen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten- und Entschädigungsfolgen im erstinstanzlichen Verfahren
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kostendispositiv
(Dispositivziffern 5 und 6) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
2.1. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei im
Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz bzw. Berufungsgericht gestell-
ten Anträge gutgeheissen wurden (THOMAS DOMEISEN, in: Basler Kommentar,
Schweizerische Strafprozessordnung, Bd. II, 2. Aufl. 2014, N. 6 zu Art. 428
StPO). Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 2'000.– zu veranschlagen (Art. 424
Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 der Gebührenverordnung
des Obergerichts).
2.2. Der Beschuldigte strebte mit seiner Berufung einen Freispruch an und un-
terliegt im Berufungsverfahren mit seinen Anträgen vollumfänglich. Ausgangs-
gemäss sind die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten für
die amtliche Verteidigung, dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1
StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren sind
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auf die Gerichtskasse zu nehmen. Eine allfällige Rückerstattungspflicht bleibt vor-
behalten (Art. 135 Abs. 4 StPO).
Das Genugtuungsbegehren des Beschuldigten betreffend die erstandene Haft ist
abzuweisen (vgl. Art. 429 und Art. 431 StPO).
2.3. Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt X._, reichte am 23. April 2019
seine Honorarnote ein (Urk. 61). Er macht einen Aufwand von 12 Stunden zu
Fr. 220.– (inkl. Aktenstudium und Schreiben an den Beschuldigten im Anschluss
an die Berufungsverhandlung) sowie Barauslagen von total Fr. 109.30 geltend,
was einer Gesamtforderung von Fr. 2'961.– (inkl. MwSt.) entspricht. Der geltend
gemachte Aufwand ist ausgewiesen und zu entschädigen. Weiter ist ein Zuschlag
für die Berufungsverhandlung auszurichten. Die Entschädigung für die amtliche
Verteidigung des Beschuldigten ist somit auf Fr. 3'450.–, inklusive Barauslagen
und MwSt., festzusetzen.