Decision ID: d7bb15f1-340e-4b9d-aaf2-6f587b25d8c5
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 11.01.2011 Art. 59 Abs. 1 und 2 AVIG: Arbeitsmarktliche Massnahmen. Aufgrund der breiten Weiter- und Ausbildungen sowie der reichen Berufserfahrung des Beschwerdeführers ist die arbeitsmarktliche Indikation für den beantragten Kursbesuch MCITP Server Administrator zu verneinen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Januar 2011, AVI 2010/47). Abteilungspräsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterinnen Christiane Gallati Schneider und Marie Löhrer; Gerichtsschreiber Philipp Geertsen Entscheid vom 11. Januar 2011 in Sachen A._, Beschwerdeführer, gegen RAV Oberuzwil, Wiesentalstrasse 22, Postfach, 9242 Oberuzwil, Beschwerdegegner, vertreten durch Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen, betreffend Kursbesuch (MCITP Server Administrator) Sachverhalt:
A.
A.a A._ arbeitete vom 18. Mai 2006 bis zur Arbeitgeberkündigung per 28. Februar
2009 als Informatiker (Funktion ICT-Berater; act. G 3.1/B19) bei der C._. Im Antrag
vom 27. Februar 2009 machte er einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab
1. März 2009 geltend (act. G 3.1/B28). Mit Verfügung vom 16. März 2009 lehnte das
Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Oberuzwil das Kursgesuch "Englisch A2
(Basic User)" des Versicherten ab (act. G 3.1/B31). Ein weiteres Kursgesuch
(Zertifizierung im Projektmanagement IPMA Level D) wies das RAV Oberuzwil am
19. November 2009 ab (act. G 3.1/A22).
A.b Der Versicherte ersuchte am 19. Januar 2010 das RAV Oberuzwil um Zustimmung
zum Kurs MCITP Server Administrator (Dauer 10 Tage; Kosten Fr. 4'620.--; act. G 3.1/
A49).
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A.c Am 12. Februar 2010 verfügte das RAV Oberuzwil, dass das Kursgesuch MCITP
Server Administrator abgewiesen werde. Beim beantragten Lehrgang handle es sich
um eine Zusatzausbildung, die nicht zwingend arbeitsmarktlich indiziert sei. Gemäss
Lebenslauf sei der Versicherte sehr gut qualifiziert. Er weise eine langjährige, grosse
und noch aktuelle Berufserfahrung im IT-Bereich aus (act. G 3.1/A43).
A.d Dagegen erhob der Versicherte am 23. Februar 2010 Einsprache. Im Wesentlichen
brachte er vor, dass der IT-Arbeitsmarkt heute explizit die Absolvierung des
beantragten Kurses verlange, da diese IT-Architektur zu neuem Standard werde. Es
bestehe im IT-Bereich eine arbeitsmarktliche Indikation bezüglich des Kurses MCITP
Server Administrator (act. G 3.1/A58).
A.e Mit Entscheid vom 27. März 2010 wies das RAV Oberuzwil die Einsprache vom
23. Februar 2010 ab (act. G 3.1/A64).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 27. März 2010 richtet sich die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde vom 22. April 2010. Der Beschwerdeführer beantragt darin
dessen Aufhebung sowie die Gutheissung des Kursgesuches MCITP Server
Administrator. Die Begründung lautet im Wesentlichen gleich wie diejenige der
Einsprache vom 23. Februar 2010 (act. G 1).
B.b Der Beschwerdegegner beantragt in der Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2010 die
Beschwerdeabweisung. Zur Begründung verweist er auf den angefochtenen
Einspracheentscheid (act. G 3).

Erwägungen:
1.
1.1 In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer, dass der angefochtene
Einspracheentscheid von der gleichen Person mitunterschrieben worden sei, die
bereits die ablehnende Verfügung vom 12. Februar 2010 erlassen habe (act. G 1).
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1.2 Das Sozialversicherungsrecht selbst sieht in Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] das
Einspracheverfahren vor, um den Versicherten die Möglichkeit zu geben, sich zu einer
behördlich erlassenen Verfügung zu äussern und der verfügenden Behörde
Gelegenheit zu bieten, ihre Entscheidung zu überarbeiten. Dass die verfügende und
überprüfende Behörde bzw. Person dieselbe ist, macht das Wesen des
Einspracheverfahrens aus. Im Sinn einer Abweichung von dieser typischen
Einspracheordnung lassen Art. 100 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) und
Art. 127 Abs. 1 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und
die Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02) den Kantonen die Möglichkeit, eine
andere als die verfügende Behörde oder Person als zuständig zum Erlass des
Einspracheentscheides zu bestimmen. Der Kanton St. Gallen hat von dieser Befugnis
keinen Gebrauch gemacht. Vorliegend hat dieselbe AM-Beraterin sowohl die Verfügung
erlassen (act. G 3.1/A43) als auch den angefochtenen Einspracheentscheid
mitunterschrieben (act. G 3.1/A64), was der vom Bundesgesetzgeber und der vom
kantonalen Gesetzgeber vorgesehenen Ordnung entspricht.
2.
Zwischen den Parteien ist materiell die Frage umstritten, ob der Beschwerdeführer
einen Anspruch auf arbeitsmarktliche Massnahmen in Form des Kurses MCITP Server
Administrator hat.
3.
3.1 Das AVIG bezweckt nach Art. 1a Abs. 2, drohende Arbeitslosigkeit zu verhüten,
bestehende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen sowie die rasche und dauerhafte
Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu fördern. Die arbeitsmarktlichen Massnahmen
nach Art. 59 ff. AVIG sollen die Eingliederung von versicherten Personen, die aus
Gründen des Arbeitsmarkts erschwert vermittelbar sind, verbessern (Art. 59 Abs. 2
AVIG). Sie setzen in jedem Fall voraus, dass sie durch die Arbeitsmarktlage unmittelbar
geboten sind. Diese so genannte arbeitsmarktliche Indikation soll verhindern, dass
Leistungen zu Zwecken in Anspruch genommen werden, die nicht mit der
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Arbeitslosenversicherung im Zusammenhang stehen (SVR 2005 ALV Nr. 9 S. 29
E. 2.1.1 = Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 14. Januar 2005, C 147/04).
3.2 Nach Gesetz und Rechtsprechung sind die Grundausbildung und die allgemeine
Förderung der beruflichen Weiterbildung nicht Sache der Arbeitslosenversicherung.
Deren Aufgabe ist es lediglich, in gewissen Fällen durch konkrete Eingliederungs- und
Weiterbildungsmassnahmen die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Dabei muss es sich um
Vorkehren handeln, die es der versicherten Person erlauben, sich dem industriellen und
technischen Fortschritt anzupassen, oder die sie in die Lage versetzen, ihre bereits
vorhandene berufliche Fähigkeit ausserhalb der angestammten engen bisherigen
Erwerbstätigkeit auf dem Arbeitsmarkt zu verwerten. Die Grenze zwischen
Grundausbildung und allgemeiner beruflicher Weiterbildung einerseits sowie
Umschulung und Weiterbildung im arbeitslosenversicherungsrechtlichen Sinn
anderseits ist fliessend. Da ein und dieselbe Vorkehr beiderlei Merkmale aufweisen
kann und namentlich praktisch jede Massnahme der allgemeinen Berufsbildung und
der Vermittlungsfähigkeit der versicherten Person auf dem Arbeitsmarkt zugute kommt,
ist entscheidend, welche Aspekte im konkreten Fall unter Würdigung aller Umstände
überwiegen (BGE 111 V 274 f. E. 2b/2c mit Hinweisen).
3.3 Der Beschwerdeführer verfügt über einen Maturitätsabschluss, studierte zwei
Semester an einer Hochschule im Ausland und vier Semester an der Universität Zürich
(Naturwissenschaft). Von 1972 bis 1977 arbeitete er als Analytiker/
(System-)Programmierer, danach bei einer Bank als Stellvertreter des IT-Leiters, später
bei einer Bank als IT-Leiter (Direktionsmitglied) und von zukletzt bei einer Versicherung
als "Consultant der Ressortleitung und operative Unterstützung" (Kadermitglied).
Ferner besuchte er verschiedene Weiterbildungen (Projektleitung, Betriebsorganisation,
Security [Disaster Recovery Planning, Backup], Outsourcing, Vertragswesen,
Mitarbeiterführung, Kommunikation, Präsentation, MS-Office, neue IT-Technologie
[Hardware/Software], Software für Banken). Seit 1. August 2009 nimmt der
Beschwerdeführer an einem Einsatzprogramm teil (Programm zur vorübergehenden
Beschäftigung mit dem Inhalt "Innovationsmanagement"; act. G 3.1/A5 und G 3.1/A11).
Am 28. Oktober 2009 wurde dem Versicherten nach bestandener schriftlicher Prüfung
das "Certified Project Management Associate IPMA Level D" erteilt (act. G 3.1/A28).
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Der Beschwerdeführer verfügt nach dem Gesagten über eine vielschichtige Aus- und
Weiterbildung sowie über eine reiche Berufserfahrung. Er ist ein erfahrener Kadermann
im Bereich Informatik mit "tiefem Wissen" im Bankwesen (act. G 3.1/A26).
3.4 Angesichts der genannten beruflichen Biographie stehen dem Beschwerdeführer
aufgrund seiner anerkennenswerten Weiter- und Ausbildungsanstrengungen auf dem
Arbeitsmarkt grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten offen. Es kann davon
ausgegangen werden, dass er auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine Stelle im breit
gefächerten Bereich der Informatik, des Bank- oder Versicherungswesens auch ohne
den beantragten Kurs MCITP Server Administrator findet. Es verhält sich nicht so, dass
es praktisch keine Arbeitsplätze geben würde, deren Anforderungsprofil der
Beschwerdeführer ohne Absolvierung des gewünschten Kurses nicht erfüllen würde. Es
kann deshalb nicht angenommen werden, der beantragte Kurs MCITP Server
Administrator dränge sich aus Gründen des Arbeitsmarktes auf. Wie der 1948
geborene Beschwerdeführer im Übrigen selbst anerkennt (der Beschwerdeführer "sieht
halt wirklich sein Alter als sein grösstes Problem", act. G 3.1/A50; vgl. auch act. G 3.1/
A67), werden seine Anstellungschancen im Wesentlichen durch seine nur noch kurze
Aktivitätsdauer bis zum Erreichen des ordentlichen AHV-Rentenalters geschmälert.
Zwar dürfte sich der Kursbesuch MCITP Server Administrator durchaus positiv auf die
Vermittelbarkeit auswirken; von einer Notwendigkeit für das Finden einer neuen Stelle
in seinem angestammten oder in einem verwandten Tätigkeitsgebiet kann indessen
nicht gesprochen werden. Eine solche Notwendigkeit ergibt sich denn auch nicht aus
dem "Empfehlungsschreiben" der B._ vom 19. Januar 2010 (act. G 3.1/A47).
3.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass mit Blick auf die breite Aus- und
Weiterbildung sowie die reiche Berufserfahrung des Beschwerdeführers eine
arbeitsmarktliche Indikation für den Kurs MCITP Server Administrator zu verneinen ist
bzw. die arbeitsmarktliche Lage den Kursbesuch zur Beendigung der Arbeitslosigkeit
nicht unmittelbar gebietet. Die Ablehnung des entsprechenden Kursgesuches durch
den Beschwerdegegner ist daher nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der
Beschwerde führt. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
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