Decision ID: 391d94e4-e27c-553e-a2a9-af32810c3d3f
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/6
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A.- X. W.-Z. ist Kaufmann und bei der F. AG mit Sitz in A. und Zweigniederlassung in B.
angestellt. Y. W.-Z. ist nicht erwerbstätig. Die Steuererklärung für 2004 reichten X. und
Y. W.-Z. trotz Mahnungen und einer Busse wegen Verletzung von Verfahrenspflichten
nicht ein. Androhungsgemäss wurden sie deshalb am 30. November 2005 für 2004
ermessensweise veranlagt. Ausgehend von Einkünften aus der unselbständigen
Tätigkeit des Ehemannes von Fr. 200'000.-- und der Ehefrau von Fr. 60'000.-- setzte
die Veranlagungsbehörde das steuerbare Einkommen auf Fr. 250'500.-- und das
steuerbare Vermögen auf Fr. 555'000.-- fest.
Dagegen erhob X. mit Eingabe vom 31. Dezember 2005 (Poststempel: -3.-1.06)
Einsprache mit der Begründung, sein Einkommen betrage gemäss Lohnausweis Fr.
150'000.-- und seine Ehefrau habe kein Einkommen. Er sei bereit, die gewünschten
Beweismittel zu überbringen. Das kantonale Steueramt trat umgehend auf die
Einsprache mit Entscheid vom 12. Januar 2006 nicht ein.
B.- Gegen den Entscheid, auf die Einsprache nicht einzutreten, erhob X. für sich und
seine Ehefrau mit Eingabe vom 13. Februar 2006 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem sinngemässen Antrag, der angefochtene
Entscheid sei aufzuheben und bei der Ermessensveranlagung für 2004 von Einkünften
aus der unselbständigen Erwerbstätigkeit von Fr. 150'000.-- gemäss Lohnausweis
auszugehen.
Mit Vernehmlassung vom 28. März 2006 beantragte die Vorinstanz, auf den Rekurs sei
nicht einzutreten. Unaufgefordert reichten die Rekurrenten am 25. April 2006 eine
ausgefüllte Steuererklärung für 2004 samt Beilagen ein. Darin deklarierten sie ein
steuerbares Einkommen von Fr. 137'594.-- und ein steuerbares Vermögen von Fr.
613'167.--. Die Vorinstanz verzichtete am 3. Mai 2006 darauf, dazu Stellung zu
nehmen.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,
soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 13. Februar 2006 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Anfechtungsgegenstand ist der Nichteintretensentscheid der Vorinstanz vom 12.
Januar 2006 betreffend die Veranlagung der Rekurrenten mit den Staats- und
Gemeindesteuern 2004. Dieser bildet die sachliche Begrenzung des
Anfechtungsverfahrens (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz 579). Die Verwaltungsrekurskommission kann daher
ausschliesslich prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht auf die Einsprache nicht eingetreten
ist. Käme die Verwaltungsrekurskommission zum Schluss, die Vorinstanz hätte auf die
Einsprache eintreten müssen, so muss sie die Streitsache - sofern nicht
verfahrensökonomische Interessen entgegenstehen - zur materiellen Beurteilung der
Einsprache an die Vorinstanz zurückweisen.
3.- Da nach Ablauf der Rechtsmittelfrist eingereichte zusätzliche Beweismittel nur
zuzulassen sind, insoweit als damit Neues und Wesentliches zur Abklärung des
Sachverhaltes beigetragen wird (vgl. GVP 1978 Nr. 25), hat die Begrenzung des
Rekursverfahrens auf die Frage, ob die Vorinstanz zu Recht auf die Einsprache gegen
die Ermessensveranlagung nicht eingetreten ist, zur Folge, dass die am 25. April 2006
nachträglich eingereichte Steuererklärung für 2004 im Rekursverfahren unbeachtlich
ist. Anders wäre allenfalls zu entscheiden, wenn sich die Vorinstanz mit der neuen
Steuererklärung einlässlich auseinandergesetzt hätte und die Rekursinstanz aus
verfahrensökonomischen Gründen gestützt darauf die Veranlagung selbst hätte
vornehmen können. Ist die Vorinstanz jedoch zu Unrecht auf die Einsprache nicht
eingetreten und wird der entsprechende Nichteintretensentscheid aufgehoben, hat sie
bei der materiellen Prüfung der Ermessensveranlagung auch die im Rekursverfahren
eingereichte Steuererklärung zu berücksichtigen.
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4.- Die Vorinstanz ist mit der Begründung auf die Einsprache nicht eingetreten, innert
der nicht erstreckbaren Einsprachefrist sei die offensichtliche Unrichtigkeit der
Ermessensveranlagung nicht nachgewiesen worden. Innert der Einsprachefrist hätte
eine vollständige Steuererklärung eingereicht werden müssen. Weil diese fehle, könne
mangels Einsprachevoraussetzung auf die Einsprache nicht eingetreten werden.
a) Gemäss Art. 180 Abs. 2 StG kann der Steuerpflichtige eine Ermessensveranlagung
nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit anfechten. Die Einsprache ist zu begründen
und muss allfällige Beweismittel nennen. Die bundesrechtliche Vorgabe gemäss Art. 48
Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone
und Gemeinden (SR 642.14, abgekürzt: StHG) lehnt sich ihrerseits an diese Regelung
an und stimmt mit deren Wortlaut überein (vgl. Zweifel, in: Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. Aufl. 2002, N 41 zu Art. 48 StHG). Ebenso
entspricht ihr die Regelung im Recht der direkten Bundessteuer in Art. 132 Abs. 3 des
Bundesgesetzes über die direkten Bundessteuer (SR 642.11, abgekürzt: DBG) im
Wortlaut. In den beiden Bundesgesetzen werden ebensowenig wie im kantonalen
Steuergesetz die Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid ausdrücklich
umschrieben.
Die Begründung der Einsprache gegen eine Ermessensveranlagung stellt eine
Prozessvoraussetzung dar. Bei deren Fehlen wird auf die Einsprache ohne vorgängige
Ansetzung einer Nachfrist nicht eingetreten (vgl. Zweifel, a.a.O., N 43 zu Art. 48 StHG;
Richner/Frei/Kaufmann, Handkommentar zum DBG, Zürich 2003, N 51-53 zu Art. 132
DBG). Da es sich dabei im Gegensatz zu Einsprachen gegen ordentliche
Veranlagungen um ein zusätzliches Gültigkeitserfordernis handelt, besteht ein nicht
unbeachtliches Risiko, dass der nicht rechtskundige Steuerpflichtige es unterlässt, das
Rechtsmittel genügend zu begründen, und dadurch verursacht, dass darauf nicht
eingetreten wird und dadurch jede materielle Überprüfung der Veranlagung auch in
einem anschliessenden Rekurs- und Beschwerdeverfahren ausgeschlossen wird. Es ist
deshalb nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung zu Art. 132 Abs. 3 DBG Sache der
Steuerbehörden zu verhindern, dass solche Situationen entstehen, indem sie in der
Veranlagung auf die Folgen der Nichtbeachtung der Voraussetzungen gemäss Art. 132
Abs. 3 DBG hinweisen. Es obliegt ihnen mit anderen Worten, bei der Angabe des
Rechtsmittels festzuhalten, welche Folgen sich unter anderem aus einer ungenügend
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begründeten Einsprache ergeben, wenn diese sich gegen eine amtliche Veranlagung