Decision ID: c296c5f8-8c8d-429a-83ca-e0b2997cfef2
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X. besitzt den Führerausweis der Fahrzeugkategorien B und BE sowie denjenigen
der Unterkategorien D1 und D1E seit dem 1993. 1993 erlangte er zudem den
Führerausweis der Unterkategorie A1. Im Informationssystem über die
Verkehrszulassung (abgekürzt: IVZ; früher: Administrativmassnahmen-Register,
abgekürzt: ADMAS-Register) ist er mit fünf Einträgen verzeichnet: Wegen
Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerots am 1. August 2007 um
18 km/h (leichte Widerhandlung) wurde ihm eine Verwarnung erteilt; wegen
Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts am 31. Oktober 2007
um 22 km/h (mittelschwere Widerhandlung) wurde ihm der Führerausweis für einen
Monat entzogen (Vollzug vom 12. März bis 11. April 2008); wegen Überschreitens der
zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn von 120 km/h um 29 km/h am 20.
Februar 2010 (leichte Widerhandlung) wurde ihm der Führerausweis für einen Monat
entzogen (Vollzug vom 2. Juni bis 1. Juli 2008); wegen Überschreitens der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn von 80 km/h um 31 km/h am 24. März 2014
(mittelschwere Widerhandlung) wurde ihm der Führerausweis für einen Monat entzogen
(Vollzug vom 2. Februar bis 1. März 2015); schliesslich wurde ihm der Führerausweis
für einen Monat wegen Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts
am 6. Dezember 2014 um 19 km/h (leichte Widerhandlung) und Verursachens einer
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Auffahrkollision wegen ungenügender Aufmerksamkeit am 16. Januar 2015
(mittelschwere Widerhandlung) entzogen (Vollzug vom 23. August bis 22. September
2016).
B.- Am 31. Juli 2017 um 10.30 Uhr beobachteten zwei Polizisten während einer
Patrouillenfahrt, wie X. auf der Südspur der Autobahn A13 zwischen Maienfeld und
Landquart leichte Schlangenlinien fuhr. Als die Polizisten das Fahrzeug überholten,
stellten sie fest, dass X. in der rechten Hand ein Mobiltelefon gehalten und dieses
während rund 10 bis 13 Sekunden mit dem Daumen der rechten Hand bedient habe.
Zum Zeitpunkt des Vorfalles herrschte mässiger Verkehr. Die Polizisten stellten keine
konkrete Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer fest. Mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Graubünden vom 10. Oktober 2017 wurde X. wegen einfacher
Verletzung von Verkehrsregeln zu einer Busse von Fr. 300.– verurteilt. Der Strafbefehl
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen erhielt am 25.
September 2017 Kenntnis vom Vorfall vom 31. Juli 2017. Mit Schreiben vom 12.
Februar 2018 stellte es X. einen Führerausweisentzug für einen Monat in Aussicht und
gab ihm Gelegenheit zur Stellungnahme, wovon dieser am 16. März 2018 durch
Eingabe seines Rechtvertreters Gebrauch machte. Mit Verfügung vom 20. März 2018
ordnete das Strassenverkehrsamt den Entzug des Führerausweises für einen Monat
wegen leichter Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften an (Lenken
eines Personenwagens mit ungenügender Aufmerksamkeit in Schlangenlinie infolge
Ablenkung durch Handy-Bedienung).
Dagegen liess X. am 20. April 2018 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des
Kantons St. Gallen (abgekürzt: VRK) erheben. Er beantragte, die Verfügung des
Strassenverkehrsamts vom 20. März 2018 sei aufzuheben und die aufschiebende
Wirkung des Rekurses sei festzustellen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Innert
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erstreckter Frist reichte er am 8. Mai 2018 die Rekursbegründung ein. Mit Schreiben
vom 18. Mai 2018 verzichtete das Strassenverkehrsamt auf eine Vernehmlassung. Am
11. Juni 2018 reichte der Rechtsvertreter seine Kostennote ein.

Auf die Ausführungen im Rekurs wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 20. April 2018 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt mitsamt der Ergänzung
vom 8. Mai 2018 in formeller und materieller Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten, soweit damit die
vorinstanzliche Verfügung angefochten wird. Nicht einzutreten ist hingegen auf das
Feststellungsbegehren hinsichtlich der aufschiebenden Wirkung. Dafür besteht kein
Feststellungsinteresse, zumal nach Art. 51 Abs. 1 VRP dem Rekurs von Gesetzes
wegen aufschiebende Wirkung zukommt, sofern diese nicht entzogen wurde, was die
Vorinstanz nicht getan hat.
2.- Im vorliegenden Fall sind zunächst die tatsächlichen Begebenheiten umstritten.
a) Massgeblich ist grundsätzlich der Sachverhalt, wie er im Strafverfahren festgestellt
wurde. Nach konstanter Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den
tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt
und ihrem Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er
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nicht beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem
anderen Entscheid führt, wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den
feststehenden Tatsachen klar widerspricht, oder wenn der Strafrichter bei der
Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat
(BGE 124 II 103 E. 1c). Ein Betroffener darf nicht das Verwaltungsverfahren abwarten,
um allfällige Rügen vorzubringen und Beweisanträge zu stellen. Nach Treu und
Glauben ist er verpflichtet, dies bereits im Rahmen des Strafverfahrens zu tun und
allenfalls die nötigen Rechtsmittel zu ergreifen (BGE 123 II 97 E. 3c/aa; Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission [VRKE] IV-2009/152 vom 27. Mai 2010 E. 2a, im Internet
abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch).
b) Der Rekurrent bemängelt, es sei nicht rechtsgenüglich erstellt, dass er tatsächlich
sein Mobiltelefon während der Fahrt bedient habe. Der Polizeirapport, worauf die
Vorinstanz als einziges Beweismittel abgestellt habe, genüge nicht. Namentlich hätte
eine Fotografie durch die Polizisten gemacht werden müssen.
c) Im Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 10. Oktober 2017 wird
festgehalten, der Rekurrent habe am 31. Juli 2017 auf der Autobahn A13 während der
Fahrt sein Mobiltelefon in der rechten Hand gehalten und während rund 10 Sekunden
mit dem Daumen bedient. Das habe dazu geführt, dass er leichte Schlangenlinien
gefahren sei. Damit habe er sich pflichtwidrig mit seinem Mobiltelefon beschäftigt,
anstatt seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuzuwenden, weshalb er
die Verkehrsregeln nach Art. 31 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01,
abgekürzt: SVG) und Art. 3 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11,
abgekürzt: VRV) verletzt habe. Der Strafrichter stützte sich auf die Feststellungen im
Polizeirapport vom 31. Juli 2017. Auf diesen durfte auch die Vorinstanz abstellen. Es
erscheint widersprüchlich, wenn der Rekurrent im Verwaltungsverfahren den
Polizeibericht anzweifelt und zusätzliche Beweisfotografien verlangt, dies im
Strafverfahren aber nicht vorbrachte. Der Rekurrent akzeptierte den Strafbefehl; er
hätte diesen anfechten müssen, wenn er ihn nicht hätte akzeptieren wollen. Der
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Einwand, er habe den Strafbefehl akzeptiert und nicht um die
administrativmassnahmerechtlichen Konsequenzen gewusst, überzeugt nicht, zumal
der Rekurrent über mehrfache einschlägige Erfahrungen mit Führerausweisentzügen
verfügt und ihm deshalb auch der Dualismus von Straf- und
Administrativmassnahmeverfahren bekannt war.
d) Insgesamt ist der Sachverhalt erstellt und die Vorinstanz hat auf den Polizeirapport
vom 31. Juli 2017 ohne zusätzliche Beweiserhebungen abstellen dürfen.
3.- Es stellt sich somit die Frage der strassenverkehrsrechtlichen Würdigung der vom
Rekurrenten am 31. Juli 2017 begangenen Verkehrsregelverletzung, und zwar
einerseits hinsichtlich der Anwendbarkeit des Ordnungsbussengesetzes (SR 741.03,
abgekürzt: OBG) und andererseits hinsichtlich der Qualifikation nach Art. 16a ff. SVG.
a) Der Rekurrent macht geltend, die Anwendbarkeit des OBG und von Art. 16a Abs. 1
lit. a SVG setzten nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine erhöhte abstrakte
Gefährdung voraus. Entscheidend sei die Nähe der Verwirklichung der Gefahr im
konkreten Einzelfall. Gemäss Polizeirapport habe keine konkrete Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer bestanden. Die Vorinstanz begründe das Vorliegen einer erhöhten
abstrakten Gefährdung nicht, sondern behaupte lediglich eine abstrakte Gefährdung.
Am fraglichen Tag hätten optimale Verhältnisse geherrscht: Der Verkehr sei mässig, die
Sicht gut und die Fahrbahn trocken gewesen. Eine naheliegende Möglichkeit einer
konkreten Gefährdung oder Verletzung sei nicht ersichtlich. Im Übrigen sei von einem
besonders leichten Fall nach Art. 16a Abs. 4 SVG auszugehen und auf jegliche
Administrativmassnahme zu verzichten.
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b) Nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem OBG ausgeschlossen ist, wird der Führerausweis entzogen oder
eine Verwarnung ausgesprochen (Art. 16 Abs. 2 SVG). Dies ist so zu verstehen, dass
bei einer Erledigung im Ordnungsbussenverfahren grundsätzlich keine
Administrativmassnahme zu verhängen ist (Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und
OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Art. 16 N 23). Die Anwendbarkeit des OBG hängt
u.a. vom Gefährdungspotential des Delikts ab (Art. 2 lit. a OBG). Schafft ein
Fahrzeuglenker infolge Verletzung von Verkehrsregeln eine konkrete oder erhöhte
abstrakte Gefährdung, ist das Ordnungsbussenverfahren ausgeschlossen
(Weissenberger, a.a.O., Art. 2 OBG N 3). Eine erhöhte abstrakte Gefahr besteht, wenn
in Anbetracht der Verhältnisse im Einzelfall die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung
oder gar einer Verletzung naheliegt (Weissenberger, a.a.O., Vorbemerkungen zu
Art. 16a-c N 7). Das Bundesgericht bejaht eine leicht erhöhte abstrakte Gefährdung,
wenn während der Fahrt eine Verrichtung von längerer Dauer vorgenommen wird und
diese gegebenenfalls die sofortige Verfügbarkeit der sich nicht am Lenkrad
befindlichen Hand erschwert (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_422/2016 vom
9. Januar 2017 E. 3). Die VRK ging etwa von einer erhöhten abstrakten Gefährdung
aus, als ein Fahrzeuglenker bei regem Verkehrsaufkommen auf einer Fahrstrecke von
rund 30 Metern seine Aufmerksamkeit nach unten auf ein Mobiltelefon gerichtet und
dieses bedient hatte (VRKE IV-2015/37 vom 28. Mai 2015 E. 5b).
c) Gemäss Polizeirapport fuhr der Rekurrent auf der Autobahn A13 und bediente sein
Mobiltelefon mit der rechten Hand während eines Zeitraums von rund 10 bis
13 Sekunden. Durch dieses Verhalten wurde eine abstrakte Gefahr für andere
Verkehrsteilnehmer geschaffen, weil die Verrichtung nicht bloss von kurzer Dauer war
und die Aufmerksamkeit des Rekurrenten auf den Strassenverkehr einzuschränken
vermochte. Weil der Rekurrent zudem Schlangenlinien fuhr, darf auch auf eine
zumindest leicht erhöhte abstrakte Gefährdung geschlossen werden. Daran ändern
auch die verhältnismässig guten Strassen- und Verkehrsverhältnisse im fraglichen
Zeitpunkt nichts. Auf der Autobahn besteht aufgrund der hohen Fahrgeschwindigkeit
auch bei mässigem Verkehrsaufkommen, guter Sicht und trockener Fahrbahn die
naheliegende Gefahr einer konkreten Gefährdung oder gar Verletzung von
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Verkehrsteilnehmern, wenn ein Fahrzeuglenker wegen eingeschränkter Aufmerksamkeit
Schlangenlinien fährt. Damit liegt eine erhöhte abstrakte Gefährdung vor und die
Anwendbarkeit des OBG scheidet aus.
d) Eine leichte Widerhandlung nach Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG setzt voraus, dass der
Lenker durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorruft und ihn dabei ein leichtes Verschulden trifft. Bei einer erhöhten
abstrakten Gefährdung im untersten Schwerebereich kann von einer geringen Gefahr
für die Sicherheit anderer ausgegangen werden (Weissenberger, a.a.O., Art. 16a N 4 f.).
Der Rekurrent schuf mit seinem Verhalten eine erhöhte abstrakte Gefährdung. Die
Verletzung der Verkehrsregeln erfolgte überdies pflichtwidrig; das ergibt sich auch mit
Blick auf die strafrechtliche Verurteilung. Der Schluss der Vorinstanz, der Rekurrent
habe eine leichte Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften begangen, ist
damit nicht zu beanstanden. Entgegen der Auffassung des Rekurrenten kann auch
nicht auf einen besonders leichten Fall im Sinne von Art. 16a Abs. 4 SVG erkannt
werden: Der Anwendungsbereich dieser Norm ist praxisgemäss eng begrenzt
(Weissenberger, a.a.O., Art. 16a N 33.) und die objektive Gefährdungslage kann nach
dem Vorerwähnten nicht als besonders gering eingestuft werden.
e) Nach Art. 16a Abs. 2 SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer leichten
Widerhandlung für mindestens einen Monat entzogen, wenn in den vorangegangenen
zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere Administrativmassnahme
verfügt wurde. Die Mindestentzugsdauer darf auch bei einer beruflichen
Angewiesenheit auf den Führerausweis oder anderen persönlichen Umständen nicht
unterschritten werden (Art. 16 Abs. 3 SVG). Da der Führerausweis des Rekurrenten in
den letzten beiden Jahren vor dem Ereignis vom 31. Juli 2017 bereits vom 23. August
bis 22. September 2016 wegen einer mittelschweren Widerhandlung für einen Monat
entzogen war, kommt er um einen neuerlichen Führerausweisentzug nicht umhin.
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f) Zusammengefasst erweist sich der von der Vorinstanz ausgesprochene
Warnungsentzug von einem Monat als rechtmässig. Hierbei handelt es sich um die
Mindestentzugsdauer, die nicht unterschritten werden darf (Art. 16a Abs. 2 und Art. 16
Abs. 3 SVG). Der Rekurs ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu verrechnen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens ist keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen (Art. 98 VRP).