Decision ID: 3791107f-543f-5841-b5a4-f26682abd2b4
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Heer, Degersheimerstrasse 6, Postfach
354, 9230 Flawil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Nichteintreten auf neues Leistungsgesuch
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 9. Oktober 2007 erstmals zum Bezug von IV-Leistungen an
(IV-act. 3). Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, berichtete der IV-Stelle am 25.
Oktober 2007 (IV-act. 11), die Versicherte leide an einem myofaszialen
Schmerzsyndrom am ganzen Körper, an Spannungskopfschmerzen und an einem
schmerzhaften Senkspreizfuss rechts. Sie sei seit dem 21. Oktober 2003 zu 50%
arbeitsunfähig. Seit einem Auffahrunfall im Juni 2002 leide sie an einem generalisierten
Schmerzsyndrom mit Spannungskopfschmerzen, das auf keinerlei Massnahmen hin
gebessert habe. Dr. med. C._ vom RAD wies am 23. November 2007 darauf hin (IV-
act. 12), dass die Versicherte nach dem Auffahrunfall am 6. Juni 2002 mehr als ein Jahr
beschwerdefrei gewesen sei. Gemäss einer telephonischen Rücksprache mit dem
Hausarzt sei nie ein ernsthafter, objektivierbarer pathologischer Befund erhoben
worden. Am 19. Juni 2008 erfolgte eine Haushaltabklärung. Im entsprechenden Bericht
vom 1. September 2008 (IV-act. 43) hielt die Abklärungsperson fest, die Versicherte
würde ohne die Behinderung zu 50% einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Die
behinderungsbedingte Einschränkung im Haushalt betrage 4,458%, wobei in einem
erheblichen Ausmass die Mithilfe von im gleichen Haushalt lebenden Personen
berücksichtigt worden sei. Am 10. Oktober 2008 notierte Dr. C._ vom RAD (IV-act.
44), das Ergebnis der Haushaltabklärung sei plausibel. Aus medizinischer Sicht stehe
einer 50%igen, körperlich leichten Erwerbstätigkeit nichts im Weg. Diese wäre sogar
steigerbar. Die IV-Stelle verglich ein Valideneinkommen von Fr. 25'546.-- mit einem
zumutbaren Invalideneinkommen von ebenfalls Fr. 25'546.-- und stellte für den
erwerblichen Bereich fest, dass keine Invalidität bestehe. Für den Haushaltsbereich
rechnete sie die Hälfte des Invaliditätsgrads, nämlich 2% ab (IV-act. 47). Am 3.
Dezember 2008 teilte sie der Versicherten mit, dass kein Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen bestehe (IV-act. 49). Mit einem Vorbescheid vom gleichen
Tag kündigte sie der Versicherten die Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 51).
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Die Versicherte liess am 20. Januar 2009 eine unzureichende medizinische Abklärung
rügen (IV-act. 52). Ihr Rechtsvertreter gab an, sie habe sich für eine neurologische
Abklärung angemeldet. Er legte ein Zeugnis von Dr. B._ vom 27. August 2008 bei (IV-
act. 53), laut dem die Versicherte seit dem 21. Oktober 2003 zu 50% arbeitsunfähig
war. Dr. C._ vom RAD hielt am 4. Februar 2009 fest (IV-act. 54), es bestehe keine
Veranlassung für eine psychiatrische Abklärung. Dr. med. D._, Spezialarzt für
Neurologie FMH, nannte am 20. März 2009 die folgenden Diagnosen: Zervikalsyndrom
links, St. n. HWS-Beschleunigungstrauma, depressives Syndrom mit somatoformer
Schmerzstörung und Spannungskopfschmerzen. Er gab weiter an, bei aktiver
Kopfdrehung bestünden Schmerzen links am Hals. Die HWS sei aktiv voll und
ungebremst beweglich, die passive Kopfdrehung sei mit Einschränkung möglich. Auf
die Frage nach der Arbeitsfähigkeit gab Dr. D._ folgende Antwort: "Wie bisher". Dr.
C._ vom RAD bemerkte dazu am 25. März 2009 (IV-act. 57), die MRI-Abklärung habe
keine relevante Pathologie der HWS zutage gefördert. Für das Wunschpensum von
50% habe jederzeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestanden. Mit einer Verfügung vom 26.
März 2009 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 58). Die Verfügung
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.b Am 6. April 2010 füllte die Versicherte erneut eine Anmeldung zum Bezug von IV-
Leistungen aus (IV-act. 59). Die IV-Stelle forderte sie am 14. April 2010 unter Verweis
auf Art. 87 Abs. 3 IVV auf (IV-act. 60), glaubhaft zu machen, dass sich die Invalidität in
einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert habe. Die Versicherte reichte am
22. April 2010 diverse Arztberichte ein. Sie führte dazu aus (IV-act. 61), sie sei ab
Oktober 2008 wieder kurze Zeit bei ihrem früheren Arbeitgeber tätig gewesen, aber
schon Ende Dezember habe sie wegen zunehmender Schmerzen wieder aufgeben
müssen. Die eingereichten Arztberichte zeigten, dass die Arbeitsfähigkeit stetig
abgenommen habe. Ein Rehabilitationsaufenthalt im Januar 2010 habe gar keine
Besserung bewirkt. Das Departement Innere Medizin des Kantonsspitals St. Gallen
hatte in einem (in den Akten unvollständigen) Bericht vom 28. Juli 2008 folgende
Diagnosen festgehalten (IV-act. 62): Chronifiziertes, zervikozephalbetontes
Schmerzsyndrom mit Ausweitung, Fibromyalgiesyndrom, Lumbovertebralsyndrom,
Vitamin D-Mangel. Dr. med. E._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Chefarzt der
Klinik F._, hatte am 22. Oktober 2009 eine Anpassungsstörung diagnostiziert. Am 1.
Februar 2010 hatte er über eine ambulante Rehabilitation vom 11. bis 22. Januar 2010
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berichtet (IV-act. 71) und dabei folgende Diagnosen angegeben: Anpassungsstörung,
Angst und depressive Reaktion gemischt, und V. a. anhaltende somatoforme
Schmerzstörung. Anfangs habe sich die Versicherte sehr motiviert und bemüht gezeigt.
Ende der ersten Woche habe sie dann gehäufte Ermüdungserscheinungen und starke
Schmerzen angegeben. Zu Beginn der zweiten Woche habe sie sich krank gemeldet
und von einem notfallmässigen Spitalaufenthalt am Wochenende wegen
unaushaltbarer Schmerzen berichtet. Ende der Woche habe sie das
Rehabilitationsprogramm wegen eines stationären Aufenthalts in der psychiatrischen
Klinik G._ abgebrochen. Die Ärzte dieser Klinik hatten am 9. März 2010 berichtet (IV-
act. 74), die Versicherte sei vom 27. Januar bis 7. März 2010 hospitalisiert gewesen.
Folgende Diagnosen seien erhoben worden: Somatoforme autonome Funktionsstörung
und mittelgradige depressive Episode mit Schmerzmittelabhängigkeit. In der
Zusammenschau aller Befunde liege eine ausgeprägte Form einer somatoformen
Schmerzstörung ohne Betonung besonderer Organbereiche vor. Die Versicherte sei
anfänglich nahezu psychotisch auf die für sie leidvoll empfundenen
Körperwahrnehmungen fixiert gewesen. Nach sechs Wochen sei sie bei spürbarer
Verbesserung der Gesamtsymptomatik entlassen worden.
A.c Dr. med. H._ vom RAD hielt am 21. April 2010 fest (IV-act. 78), bereits in den
Altakten sei eine depressive Stimmung erwähnt worden. Es sei kein Ereignis oder
Unfall dokumentiert, der diese plötzliche Veränderung der psychischen Verfassung
erklären würde. Wenn jemand den Arzt aufsuche und sich in Behandlung begebe,
weise das noch keine Verschlechterung des Gesundheitszustands nach. Die
erhobenen psychopathologischen Befunde seien wenig stichhaltig gewesen und die
Therapien seien frustran verlaufen. Die Verzweiflung und die affektiven Schwankungen,
die seit März 2009 in das Zentrum der Abklärungen und Therapiebemühungen gerückt
seien, seien somit keine neuen medizinischen Sachverhalte. Dr. E._ habe keine
schwerwiegenden pathologischen Befunde festgestellt und die Krisenintervention in
der Klinik G._ könne nicht als langdauernde, anhaltende, wesentliche
Verschlechterung gewertet werden. Der objektivierbare Gesundheitszustand habe sich
in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit nicht wesentlich verändert. Mit einem Vorbescheid
vom 19. Juli 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie beabsichtige, nicht
auf das Leistungsbegehren einzutreten (IV-act. 82). Der Rechtsvertreter der
Versicherten wandte am 21. September 2010 ein (IV-act. 87), sowohl der Hausarzt als
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auch die psychiatrische Therapeutin würden bestätigen, dass weder eine volle
Arbeitsfähigkeit bestehe noch die Versicherte in der Lage sei, sich beruflich zu
reintegrieren. Er kündigte einen Bericht der psychiatrischen Klinik G._ an. Ausserdem
ersuchte er um eine Fristerstreckung, um weitere Einwendungen geltend machen zu
können. Die IV-Stelle setzte ihm eine Nachfrist bis 13. Oktober 2010 (IV-act. 88). Da
diese Frist unbenützt ablief, erliess die IV-Stelle am 22. November 2010 die
angekündigte Nichteintretensverfügung (IV-act. 90).
B.
B.a Die Versicherte liess am 6. Januar 2011 Beschwerde erheben und beantragen, es
sei auf ihr Gesuch um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen einzutreten (act.
G 1). Ihr Rechtsvertreter machte geltend, die gesundheitliche Situation habe sich seit
dem 26. März 2009 stark verändert. Sie leide unter massivsten, im Gegensatz zu früher
persistierenden Kopfschmerzen, die über die Schulternackenregion, den Rücken und
die Arme ausstrahlten, sowie an Nervosität, Druckgefühlen in der Brust und Gereiztheit.
Sie habe Mühe, nachts zu schlafen, und sie mache sich Sorgen um die Zukunft. Sie
fühle sich lustlos und habe das Gefühl, nicht mehr am Leben zu sein. Dr. I._ habe
eine depressive Stimmungs- und Antriebslage festgestellt, die im Rahmen einer
chronischen Schmerzproblematik und verschiedener psychosozialer Belastungen
entstanden sei. Die Versicherte benötige eine psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung. Sie sei mehrmals notfallmässig hospitalisiert gewesen, zuletzt in der
psychiatrischen Klinik G._. Seit mehreren Monaten sei sie in Behandlung bei J._
von der psychiatrischen Klinik G._. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
ersuchte das Gericht, Berichte von J._ und Dr. I._ einzuholen. Er führte weiter aus,
anlässlich der Verfügungen vom 3. Dezember 2008 und vom 26. März 2009 seien
keinerlei psychiatrische Leiden zur Kenntnis genommen worden. nun dominierten diese
Leiden aber die gesundheitliche Situation. Somit sei von einer erheblichen Veränderung
des Invaliditätsgrades auszugehen. Am 20. Januar 2011 reichte der Rechtsvertreter
eine Bestätigung von lic. phil. J._, Psychotherapeutin SPV, vom 6. Januar 2011 (act.
G 4.1), laut der die Beschwerdeführerin seit dem 4. März 2010 regelmässig die
ambulante Psychotherapiegruppe besuchte und laut der sich die familiäre Situation
verschlechtert hatte, was die depressive Symptomatik verstärkt hatte.
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 21. Februar 2011 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Sie machte insbesondere geltend, weder eine mittelgradige
depressive Episode noch eine Anpassungsstörung vermöchten eine Invalidität zu
begründen. Demnach könne sich der objektivierbare Gesundheitszustand in Bezug auf
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gar nicht erheblich verändert haben. Eine
psychiatrische Komorbidität zur mittelgradigen depressiven Episode oder der alternativ
diagnostizierten Anpassungsstörung fehle. Dasselbe gelte für die anderen Kriterien
gemäss der Rechtsprechung zur Schmerzstörung. Der Bericht von J._ ändere nichts,
denn darin werde nur eine IV-fremde Verschlechterung der familiären Situation geltend
gemacht.
B.c Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin wandte in seiner Replik vom 14.
März 2011 ein (act. G 8), die Beschwerdegegnerin habe übersehen, dass Dr. H._ nur
aus psychiatrischer Sicht geurteilt und die somatischen Beschwerden ohne
Begründung beiseite gelassen habe. Dr. med. K._, Facharzt für Neurologie, habe in
seinem Bericht vom 18. Februar 2011 (act. G 8.1) Bandscheibenvorfälle C 5/6 und C
6/7 diagnostiziert, die Dr. D._ noch nicht gesehen habe. Dieses somatische Leiden
sei nachweislich nach der Abweisung der Leistungsanträge entstanden. Demnach habe
sich der Gesundheitszustand nicht nur psychisch, sondern auch somatisch erheblich
verschlechtert. Dr. K._ führe die andauernden, invalidisierenden Schmerzen auf die
Bandscheibenvorfälle zurück. Er habe eine Rückenoperation empfohlen. Am 22. März
2011 reichte der Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. I._ vom 14. März 2011 ein
(act. G 10.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Duplik vom 28. März 2011 aus (act. G 12),
die gerichtliche Beurteilung müsse sich auf die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des
Abschlusses des Verwaltungsverfahrens beschränken. Gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV
bestehe keine Untersuchungsmaxime, d.h. die Versicherten müssten die zur
Glaubhaftmachung einer erheblichen Veränderung dienenden Arztberichte einreichen.
Die bis zum Erlass der Nichteintretensverfügung eingereichten Akten enthielten keinen
Hinweis auf die Bandscheibenproblematik. Es sei der Beschwerdeführerin
unbenommen, eine neue Anmeldung einzureichen.

Erwägungen:
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1.
1.1 Wer eine Sozialversicherungsleistung beansprucht, hat sich beim zuständigen
Versicherungsträger in der für den jeweiligen Sozialversicherungszweig gültigen Form
anzumelden (Art. 29 Abs. 1 ATSG). Die Anmeldung zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung hat mit dem amtlichen Formular zu erfolgen (Art. 65 Abs. 1 IVV).
Befugt zur Geltendmachung eines Leistungsanspruchs sind die versicherte Person,
deren gesetzlicher Vertreter oder die Behörde oder Drittperson, welche die versicherte
Person regelmässig unterstützt oder dauernd betreut (Art. 66 Abs. 1 IVV). Eine gültige
Anmeldung setzt also den Willen, eine Leistung zu beanspruchen, die Legitimation zur
Beanspruchung einer Leistung und die Verwendung bzw. das Ausfüllen des amtlichen
Anmeldeformulars voraus. Sind diese drei Voraussetzungen erfüllt, tritt die IV-Stelle auf
die Anmeldung ein und prüft einen allfälligen Leistungsanspruch. Ist bereits einmal eine
Anmeldung für eine bestimmte Leistungsart abgewiesen worden, weil die materiellen
Anspruchsvoraussetzungen nicht erfüllt gewesen waren bzw. weil der Invaliditätsgrad
zu tief gewesen war, so wird gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV (bis 31. Dezember 2011: Art. 87
Abs. 4 IVV) eine Neuanmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht wird, dass
sich der massgebende Sachverhalt (bei einer Neuanmeldung zum Rentenbezug der
Invaliditätsgrad) seit der Abweisung in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert habe (Art. 87 Abs. 2 IVV; bis 31. Dezember 2011: Art. 87 Abs. 3 IVV). In Art. 87
Abs. 3 IVV wird also eine zu den drei bereits genannten hinzutretende vierte
Eintretensvoraussetzung aufgestellt. Das bedeutet, dass die Reaktion der IV-Stelle auf
eine misslungene Glaubhaftmachung nicht in der Abweisung der Neuanmeldung bzw.
des erneuten Leistungsgesuchs, sondern in einem Nichteintretensentscheid bestehen
muss. Entgegen dem Wortlaut des Art. 87 Abs. 3 IVV muss die Glaubhaftmachung
nicht bereits mit der Neuanmeldung erfolgen, d.h. die Hinweise auf die behauptete
erhebliche Sachverhaltsveränderung müssen der Neuanmeldung nicht beiliegen, denn
das amtliche Anmeldeformular enthält keinen entsprechenden Hinweis. Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb nach Treu und Glauben zu Recht auf die
Neuanmeldung vom 6. April 2010 reagiert, indem sie die Beschwerdeführerin auf die
Notwendigkeit der Glaubhaftmachung einer leistungserheblichen
Sachverhaltsveränderung aufmerksam gemacht und ihr die Gelegenheit gegeben hat,
eine nachträgliche Sachverhaltsveränderung zu behaupten und mittels entsprechender
Belege auch glaubhaft zu machen. Mit Art. 87 Abs. 3 IVV wird der sich neu
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anmeldenden versicherten Person eine "Glaubhaftmachungslast" auferlegt. Diese
Person kann sich also nicht darauf beschränken, den Eintritt einer leistungserheblichen
Sachverhaltsveränderung (bzw. eine relevante Erhöhung des Invaliditätsgrads) zu
behaupten und dann zuzusehen, wie die IV-Stelle diese Behauptung durch eigene
Abklärungen auf ihre Richtigkeit prüft. Damit wäre nämlich der Zweck des Art. 87 Abs.
3 IVV, repetitive Neuanmeldungen ohne Aufwand durch eine Nichteintretensverfügung
erledigen zu können, nicht erfüllt, denn es wäre dann ja Sache der IV-Stelle, eine
Glaubhaftmachungsprüfung vorzunehmen, womit ein erheblicher Verwaltungsaufwand
verbunden wäre. Die Glaubhaftmachung muss also - unter völliger Ausschaltung des
Untersuchungsgrundsatzes - ausschliesslich durch die sich neu anmeldende Person
erfolgen. Diese hat die entsprechenden Belege zu sammeln und der IV-Stelle
einzureichen. Die Aufgabe der IV-Stelle beschränkt sich im Rahmen der
Eintretensprüfung nach Art. 87 Abs. 3 IVV darauf, die von der sich neu anmeldenden
Person eingereichten Belege dahingehend zu prüfen, ob sie eine leistungsrelevante
Sachverhaltsveränderung als glaubhaft erscheinen lassen. Wird eine wegen fehlender
Glaubhaftmachung erlassene Nichteintretensverfügung angefochten, muss auch die
Überprüfung durch die Rechtsmittelinstanz darauf beschränkt sein zu prüfen, ob die im
Verwaltungsverfahren eingereichten Belege genügen, um eine leistungsrelevante
Sachverhaltsveränderung als glaubhaft erscheinen zu lassen. Wäre es zulässig, im
Rechtsmittelverfahren weitere Indizien für eine behauptete Sachverhaltsveränderung
beizubringen, könnte das zu einem unauflösbaren Widerspruch führen, weil eine bei
der damaligen Indizienlage rechtmässige Nichteintretensverfügung aufgrund der im
Beschwerdeverfahren ergänzten Indizienlage aufgehoben werden müsste. Dieser
Widerspruch kann nur dadurch verhindert werden, dass auch die Rechtsmittelinstanz
bei der Anwendung von Art. 87 Abs. 3 IVV keine Untersuchungspflicht trifft und dass es
kein Novenrecht gibt (vgl. BGE 130 V 68 f.). Massgebend für die Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde ist demnach die Aktenlage bei Erlass der angefochtenen
Verfügung am 22. November 2010. Die in der Beschwerde gestellten Beweisbegehren
sind ohne weiteres abzuweisen und das mit der Replik eingereichte Beweisstück (kläg.
act. 1, Schreiben von Dr. med. K._ vom 18. Februar 2011) ist aus dem Recht zu
weisen. Das gilt auch für das am 22. März 2011 eingereichte Beweisstück (act. G 10.1,
Schreiben Dr. med. I._ vom 14. März 2011).
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1.2 Die am 26. März 2009 verfügte Abweisung des Rentengesuchs beruhte auf einer
Invaliditätsbemessung nach der sogenannten gemischten Methode, d.h. auf einer
Kombination aus einem Einkommensvergleich (bei einer Erwerbsquote von 50%) und
einem Betätigungsvergleich im Haushalt (Anteil ebenfalls 50%). Für den Haushalt ging
die Beschwerdegegnerin von einem Invaliditätsgrad von 4%, für den Erwerb von einem
Invaliditätsgrad von 0% aus. In der Verfügungsbegründung wies sie darauf hin, dass
die Beschwerdeführerin in einer behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit voll
arbeitsfähig sei. In Bezug auf das Ausmass der Erwerbstätigkeit im fiktiven
"Gesundheitsfall" (50%) ist in der Neuanmeldung keine Veränderung behauptet
worden. Die Frage, ob mit der Neuanmeldung eine relevante Veränderung des
Invaliditätsgrads glaubhaft gemacht worden sei, scheint deshalb anhand einer
Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode bei einer hälftigen Aufteilung von
Erwerb und Haushalt beantwortet werden zu müssen. Der Einkommensvergleich im
Rahmen der gemischten Methode weist praxisgemäss (vgl. Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Meyer, 2. A., S. 336 ff.) die Besonderheit
auf, dass der Einkommensvergleich anhand der Erwerbsquote erfolgen muss. Unter
bestimmten Voraussetzungen kann deshalb trotz einer erheblichen Arbeitsunfähigkeit
keine oder nur eine geringe Invalidität im Erwerbsbereich resultieren. Auch der
Betätigungsvergleich für die Arbeit im Haushalt weist eine Besonderheit auf: Es muss
fingiert werden, dass mit der versicherten Person im selben Haushalt lebende
Familienangehörigen in einem (objektiv) zumutbaren Ausmass bei der Erledigung der
Haushaltarbeit mithelfen und damit den Invaliditätsgrad tief halten. Eine Erhöhung der
Arbeitsunfähigkeit im Haushalt kann also durch eine entsprechende Erhöhung des
Ausmasses der fiktiven Mitarbeit der Hausgenossen kompensiert werden. Im Haushalt
der Beschwerdeführerin haben zum Zeitpunkt der Haushaltabklärung vier erwachsene
Personen gewohnt. Es ist davon auszugehen, dass bei einer Erhöhung des
Arbeitsunfähigkeitsgrads der Beschwerdeführerin im Haushalt eine teilweise
Kompensation durch die vier erwachsenen Personen (die Beschwerdeführerin hat in
Bezug auf diese Zahl keine Veränderung glaubhaft gemacht) erfolgen könnte, da die
objektiv zumutbare Belastung im Zeitpunkt der Haushaltabklärung noch nicht (oder
noch nicht bei allen vier Hausgenossen) ausgeschöpft war. Mit der Glaubhaftmachung
einer Erhöhung des Arbeitsunfähigkeitsgrads hätte die Beschwerdeführerin also
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möglicherweise weder für den erwerblichen noch für den Haushaltsteil eine
leistungsrelevante Erhöhung des Invaliditätsgrads glaubhaft gemacht, was allerdings
erst nach einer "vorläufigen" Anwendung der gemischten Methode feststünde. Nimmt
man den Wortlaut des Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 IVV ernst und verlangt man deshalb
die Glaubhaftmachung einer Veränderung des Invaliditätsgrads, so bleibt der sich neu
anmeldenden versicherten Person nichts anderes übrig, als all jene Details einer
Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode auf eine
Sachverhaltsveränderung zu prüfen und dann glaubhaft zu machen, die für den
Invaliditätsgrad relevant sein können. Bei dieser sich ausschliesslich auf den
Verordnungswortlaut stützenden Interpretation würde es im vorliegenden Fall also nicht
genügen, eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands glaubhaft zu
machen, denn der damit allenfalls verbundene Anstieg der Arbeitsunfähigkeit wäre bei
der gemischten Methode u.U. irrelevant. Diese Interpretation deckt sich nicht mit dem
Zweck des Art. 87 Abs. 3 IVV, repetitive Neuanmeldungen mit geringem Aufwand durch
eine Nichteintretensverfügung erledigen zu können. Die Prüfung der Glaubhaftmachung
einer relevanten Sachverhaltsveränderung kann unter diesem Blickwinkel offensichtlich
nicht in einer "vorläufigen" Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode
bestehen, zumal die sich erneut anmeldenden Personen in vielen Fällen mangels
Kenntnis der komplizierten Methoden der Invaliditätsbemessung überfordert wären.
Eine teleologisch korrekte Interpretation des Art. 87 Abs. 3 IVV besteht deshalb in einer
Beschränkung auf die Glaubhaftmachung einer Veränderung jener
Sachverhaltskomponente, die auf den ersten Blick als geeignet erscheinen muss, eine
relevante Veränderung des Invaliditätsgrads auszulösen, also des
Gesundheitszustands bzw. des Arbeitsunfähigkeitsgrades. Das schliesst es natürlich
nicht aus, beispielsweise eine Veränderung der Erwerbsquote im fiktiven
"Gesundheitsfall" oder eine Veränderung bei den in Hausgemeinschaft lebenden
Personen und damit eine Veränderung des Invaliditätsgrads glaubhaft zu machen.
Wichtig ist, dass die Glaubhaftmachung einer Sachverhaltsveränderung als
Eintretenshürde auf jene Komponenten des Sachverhalts bezogen ist, die
vermutungsweise geeignet sind, eine leistungsrelevante Veränderung des
Invaliditätsgrades zu bewirken. Im vorliegenden Fall müsste es deshalb genügen, wenn
eine Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin glaubhaft
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gemacht wäre, die so stark wäre, dass sie grundsätzlich ausreichen würde, um die
Arbeitsfähigkeit im Erwerb und/oder im Haushalt erheblich zu verschlechtern.
1.3 Der Neurologie Dr. D._ hatte am 20. März 2009 ein Zervikalsyndrom links
angegeben, daraus aber keine Arbeitsunfähigkeit abgeleitet, da die HWS aktiv voll und
ungebremst beweglich gewesen war. Er hatte sich dabei neben der klinischen Unter
suchung auf eine MRI-Abklärung gestützt, die einen konstitutionell relativ engen
Spinalkanal, dezente Diskusprotrusionen C3 bis C7 und eine minimale
Rückenmarkkompression in Extension bei C4/5 und C5/6 aufgezeigt hatte. Diese
Beeinträchtigung war in der Folge auch von der (bereits damals anwaltlich vertretenen)
Beschwerdeführerin im Ergebnis als nicht arbeitsfähigkeitsrelevant akzeptiert worden.
Der mit der Neuanmeldung eingereichte Bericht von Dr. D._ an den Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin stammt vom 17. März 2009, beschlägt also den Sachverhalt
vor dem Erlass der formell rechtskräftigen Abweisungsverfügung und ist deshalb zum
Vornherein nicht geeignet, eine leistungserhebliche Sachverhaltsveränderung glaubhaft
zu machen. Dasselbe gilt für den Bericht von Dr. med. L._, FMH Physikalische
Medizin, vom 3. März 2009. Das Spital M._ hat am 2. Februar 2010 darauf
hingewiesen, dass bei der Schmerz- exazerbation bei bekannten chronischen
Schmerzen mit Ausstrahlung in den linken Arm auf eine weitergehende Diagnostik
verzichtet worden sei, weil die psychosomatische Komponente im Vordergrund
gestanden habe. Die mit der Neuanmeldung eingereichten medizinischen Unterlagen
vermögen demnach keine leistungserhebliche Veränderung seit dem Erlass der
Abweisungsverfügung zu belegen. Dr. C._ vom RAD hatte am 4. Februar 2009
festgehalten, bisher habe kein Anlass für eine psychiatrische Abklärung bestanden, da
keine entsprechenden Medikamente verabreicht würden und da der behandelnde Arzt
keinen entsprechenden Hinweis gemacht habe. Die Beschwerdegegnerin hatte
demnach keinen Bedarf nach einer psychiatrischen Abklärung gesehen, was von der
Beschwerdeführerin faktisch akzeptiert worden war. Deshalb ist davon auszugehen,
dass zum Zeitpunkt des Erlasses der Abweisungsverfügung noch keine
arbeitsfähigkeitsrelevante Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit vorgelegen
hatte. Mit der Neuanmeldung sind auch verschiedene medizinische Unterlagen
eingereicht worden, die sich auf den psychischen Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin bezogen haben. Die behandelnde Psychiaterin Dr. I._ hat in
einem Überweisungszeugnis an die Klinik F._ am 13. Oktober 2009 eine psychisch
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bedingte Arbeitsunfähigkeit von 50% angegeben. Grundsätzlich könnte diese Angabe
nach dem oben Ausgeführten für sich allein bereits als ausreichend betrachtet werden,
um eine erhebliche Veränderung des Gesundheitszustands glaubhaft zu machen. Nun
hat Dr. H._ vom RAD aber am 29. April 2010 geltend gemacht, die eingereichten
Akten zeigten, dass keine wesentliche Änderung des objektivierbaren
Gesundheitszustands eingetreten sei. Er hat sich dabei auf die Äusserungen von Dr.
E._ von der Klinik F._ und auf die kurze Dauer des Aufenthalts in der
psychiatrischen Klinik G._ berufen. Tatsächlich hat Dr. E._ am 22. Oktober 2009
nur angegeben, die Beschwerdeführerin sei leicht deprimiert und im Antrieb leicht
vermindert gewesen. Dementsprechend hat er auch nur die Diagnose einer
Anpassungsstörung mit Sorgen, Anspannung und Stimmungseinbrüchen gestellt. Er
hat sich nicht zur Arbeitsfähigkeit geäussert. Auch im Bericht vom 1. Februar 2010 über
die - vorzeitig abgebrochene - ambulante Behandlung in der Klinik F._ hat er nur die
Diagnose einer Anpassungsstörung (mit Angst und depressiver Reaktion gemischt)
gestellt, wiederum ohne sich zur Arbeitsfähigkeit zu äussern. Er hat die
Beschwerdeführerin als deprimiert, ängstlich und in den Vitalgefühlen gestört
beschrieben. Diese Angaben deuten tatsächlich darauf hin, dass Dr. I._ eine viel zu
pessimistische Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin die Arbeitsfähigkeit
betreffend übernommen haben könnte. Dem ist entgegenzuhalten, dass das Spital
M._ am 23. Dezember 2009 über eine notfallmässige Hospitalisation berichtet und
dabei u.a. folgende Diagnose angegeben hat: Psychosoziale Dekompensation mit
ausgeprägter dissoziativer Symptomatik bei bekannter depressiver Symptomatik. In
einem Bericht vom 15. Januar 2010 über eine erneute notfallmässige Hospitalisation
hat das Spital M._ dann eine aktuell mittelschwere Episode der depressiven
Stimmung angegeben. Im Bericht über die dritte, zum Abbruch der Therapie in der
Klinik F._ führende notfallmässige Hospitalisation hat das Spital M._ schliesslich
festgehalten, mit der psychiatrischen Klinik G._ sei eine stationäre Aufnahme der
Beschwerdeführerin vereinbart worden. Die psychiatrische Klinik G._ hat am 9. März
2010 über den stationären Aufenthalt berichtet und u.a. eine mittelgradige depressive
Episode diagnostiziert. Die Angaben des Spitals M._ und der psychiatrischen Klinik
G._ bestärken die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. I._, so dass ausgehend von
einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50% eine leistungserhebliche Veränderung des
psychischen Gesundheitszustands als glaubhaft gemacht zu betrachten ist, auch wenn
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bei einer Analyse aller eingereichten medizinischen Unterlagen gewisse Zweifel an der
Diagnosestellung und insbesondere an der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. I._
bestehen mögen. Diese (von Dr. H._ vom RAD geäusserten) Zweifel ändern aber
nichts an der Glaubhaftmachung einer nach dem Erlass der Abweisungsverfügung
eingetretenen leistungsrelevanten Sachverhaltsveränderung. Sie werden vielmehr Teil
der materiellen Würdigung der eingereichten medizinischen Unterlagen im Rahmen
einer Prüfung eines Rentenanspruchs bilden und dort wohl einen Bedarf nach weiteren
medizinischen Abklärungen ergeben.
2.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Eintretensvoraussetzung gemäss Art. 87
Abs. 3 IVV erfüllt ist. Die angefochtene Nichteintretensverfügung ist deshalb
aufzuheben und durch einen - verfahrensleitenden - Eintretensentscheid zu ersetzen.
Dementsprechend ist die Sache zur Durchführung eines Verwaltungsverfahrens mit
dem Zweck der Prüfung eines Rentenanspruchs an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Die obsiegende Beschwerdeführerin hat einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Vertretungsaufwand
angesichts der Beschränkung des Verfahrens auf die Eintretensfrage als
unterdurchschnittlich zu betrachten ist. Eine Parteientschädigung von Fr. 2'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) erscheint als angemessen. Die
unterliegende Beschwerdegegnerin trägt auch die Kosten des Gerichtsverfahrens.
Diese sind als durchschnittlich zu betrachten, so dass die Gerichtsgebühr
praxisgemäss auf Fr. 600.-- festzusetzen ist. Der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird
der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP