Decision ID: c269bd65-6e92-523b-b08b-4b042fd02b8b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden verliessen ihr Heimatland eigenen Anga-
ben zufolge am (...) zusammen mit ihrem Sohn/Bruder (E._, geb.
[...]; vgl. D-1998/2020, selbe N-Nummer) in Richtung Türkei. Die Be-
schwerdeführenden 2 und 4 reisten am 16. Mai 2017 illegal in die Schweiz
ein und suchten gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ)
F._ um Asyl nach. Das SEM befragte die Beschwerdeführerin 2 am
24. Mai 2017 zu ihrer Identität, zum Reiseweg sowie summarisch zu den
Asylgründen (Befragung zur Person; BzP). Am 1. August 2017 gelangte
der Beschwerdeführer 3 in die Schweiz. Am 11. September 2018 reiste der
Beschwerdeführer 1 in die Schweiz ein und stellte gleichentags im EVZ
G._ ein Asylgesuch. Das SEM führte mit ihm am 24. September
2018 die BzP durch. Am 29. Mai 2018 respektive 6. November 2019 wur-
den die Beschwerdeführenden 1, 2 und 3 ausführlich zu ihren Asylgründen
angehört.
A.b Zur Begründung ihrer Asylgesuche machten die Beschwerdeführen-
den im Wesentlichen geltend, sie hätten in H._ (Provinz Hasaka)
sowie zwischendurch im nahegelegenen Heimatdorf der Familie des Be-
schwerdeführers 1, I._, gewohnt und von der Landwirtschaft gelebt.
Der Beschwerdeführer 1 und die Kinder seien früher Ajanib (behördlich re-
gistrierte, staatenlose Kurden) gewesen und hätten keine Rechte gehabt.
Im Jahr 2011 seien sie im Rahmen einer Gesetzesänderung eingebürgert
worden. Sie hätten Syrien aufgrund der Bürgerkriegssituation verlassen.
Die Sicherheitslage sei schlecht, inzwischen sei gar die Türkei in ihre Her-
kunftsregion einmarschiert. Die Kinder hätten dort keine Zukunft, zumal
fast alle Schulen geschlossen worden seien respektive der Unterricht nur
noch in kurdischer Sprache angeboten worden sei. Zudem seien Perso-
nen, welche sich – wie sie – nicht den Yekîneyên Parastina Gel (YPG; kur-
dische Volksverteidigungseinheiten) angeschlossen hätten, schikaniert
worden. So seien ihnen beispielsweise einmal Treibstoff und Nahrungsmit-
tel vorenthalten worden. Die YPG hätten sodann zunehmend auch Minder-
jährige zu rekrutieren versucht. Sie hätten ihrem Sohn beziehungsweise
Bruder E._ (vgl. D-1998/2020, selbe N-Nummer) einige Monate vor
der Ausreise anlässlich der Anhaltung bei einem Kontrollposten gesagt,
wenn er Motorrad fahren könne, dann könne er auch Militärdienst leisten
und eine Waffe tragen. Sie (die Beschwerdeführenden) hätten daher be-
fürchtet, dass E._ zwangsrekrutiert werden würde. Der Beschwer-
deführer 1 fügte an, er sei früher – wie schon sein Vater – Mitglied der (...)
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gewesen, jedoch im Jahr 1995/1996 nach nur zwei Jahren wieder ausge-
treten. Er habe die Partei aber weiterhin mit Geld unterstützt und ab und
zu Warentransporte für sie ausgeführt. Sein Vater sei vor langer Zeit wegen
der Parteimitgliedschaft inhaftiert gewesen. Er selber sei in der Vergangen-
heit zweimal ohne weitere Folgen vom politischen Sicherheitsdienst be-
fragt worden, einmal im Jahr (...) im Zusammenhang mit dem Newroz-
Fest, das andere Mal im Jahr (...), als er seinen Ajnabi-Ausweis verloren
habe. Ausserdem sei einmal vorübergehend nach ihm gesucht worden, als
sein Bruder im Jahr (...) festgenommen, später aber im Rahmen einer Am-
nestie wieder freigelassen worden sei. Im Jahr (...) sei er sodann von ei-
nem Militärgericht verurteilt worden, weil er zwischen den Jahren (...) an
zahlreichen Demonstrationen gegen das Regime teilgenommen und dabei
Parolen gerufen und Fotos des Präsidenten angezündet habe. Nach Erhalt
des Urteils habe er befürchtet, festgenommen zu werden, weshalb er in
der Folge nicht mehr an Demonstrationen gegangen sei und sich aus den
Gebieten, welche weiterhin unter der militärischen Kontrolle des Regimes
gestanden hätten, wie beispielsweise Qamischli, ferngehalten habe. Er
habe sich jedoch zunehmend Sorgen um seine Sicherheit gemacht, da das
Regime kontinuierlich Gebiete zurückerobert habe. In der Zwischenzeit
habe das Regime die Kontrolle über H._ zurückerlangt, weshalb er
im Falle einer Rückkehr nach Syrien eine Verhaftung sowie Misshandlun-
gen befürchte.
A.c Die Beschwerdeführenden reichten im Verlauf des vorinstanzlichen
Verfahrens folgende Unterlagen zu den Akten: den Reisepass des Be-
schwerdeführers 1, die Identitätskarten der Beschwerdeführenden 1 und 2,
das Familienbüchlein (Kopie), den Ajnabi-Ausweis des Beschwerdefüh-
rers 1 (Kopie), den Eheschein (beglaubigte Kopie), einen Familienregister-
auszug (Kopie) sowie ein Schreiben eines Militärgerichts vom März (...)
(Kopie).
B.
Das SEM stellte mit (französischsprachiger) Verfügung vom 13. März 2020
fest, die Asylvorbringen der Beschwerdeführenden seien teils unglaubhaft,
teils nicht asylrelevant. Demzufolge verneinte es die Flüchtlingseigen-
schaft, lehnte die Asylgesuche ab und verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz. Infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ordnete das
SEM gleichzeitig die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführenden an.
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C.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 14. April 2020 be-
antragten die Beschwerdeführenden, die angefochtene Verfügung sei auf-
zuheben, und es sei ihnen Asyl zu gewähren, eventuell seien sie als Flücht-
linge anzuerkennen und vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht
wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Ausserdem
wurde beantragt, das Beschwerdeverfahren sei in deutscher Sprache zu
führen.
Der Beschwerde lagen folgende Unterlagen bei: eine Kopie der angefoch-
tenen Verfügung (1), ein Internetausdruck von marefa.org betreffend das
Justizsystem in Syrien (2), ein Internetausdruck von syrianlegalforum.net
zum Thema «Militärische Feldgerichte» (3), ein Schreiben des Anwalts M.
N. S. vom 31. März 2020 (Kopie, inkl. Übersetzung [4]), ein Urteil vom (...)
(Kopie, inkl. Übersetzung [5]) sowie einen Amnestieantrag des Anwalts
vom 28. März 2020 zusammen mit dem Antwortschreiben des Richters
vom 28. März 2020 (in Kopie, inkl. Übersetzungen [6]).
D.
Mit Zwischenverfügung vom 23. April 2020 hiess die Instruktionsrichterin
den Antrag, das Beschwerdeverfahren sei in deutscher Sprache zu führen,
gut. Im Weiteren forderte sie die Beschwerdeführenden auf, innert Frist ei-
nen Beleg für die geltend gemachte prozessuale Bedürftigkeit nachzu-
reichen und die fremdsprachigen Beschwerdebeilagen übersetzen zu las-
sen.
E.
Die Beschwerdeführenden reichten mit Eingabe vom 4. Mai 2020 die ver-
langten Übersetzungen sowie eine Bestätigung des zuständigen Sozialam-
tes vom 27. April 2020 zu den Akten.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 18. Mai 2020 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, ver-
zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und lud das SEM ein,
innert Frist eine Vernehmlassung einzureichen.
G.
Das SEM hielt in seiner (französischsprachigen) Vernehmlassung vom
29. Mai 2020 vollumfänglich an seiner Verfügung fest.
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Seite 5
H.
Die Beschwerdeführenden replizierten mit Eingabe vom 22. Juni 2020. Sie
hielten dabei an den gestellten Rechtsbegehren fest.
I.
Mit Eingabe vom 11. September 2020 reichten die Beschwerdeführenden
die Originale der Beschwerdebeilagen 4, 5 und 6 sowie eine Visitenkarte
ihres syrischen Anwalts zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer
Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das
Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt.
Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung
von Beschwerden gegen Entscheide des SEM, welche in Anwendung des
AsylG ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich in der Regel –
und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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Seite 6
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz führte in ihrer Verfügung vorab aus, aufgrund der hohen
Altfall-Pendenzen und des Auftrags, diese bis im Herbst 2020 abzubauen,
würden Asylverfahren von Personen, welche in deutschsprachigen Kanto-
nen wohnhaft seien, in Anwendung von Art. 16 Abs. 3 Bst. b AsylG aus
Kapazitäts- und Effizienzgründen teilweise in französischer oder italieni-
scher Sprache geführt. Das Dispositiv des Entscheids sei jedoch auf
Deutsch übersetzt. Zur Begründung ihres Entscheids führte die Vorinstanz
sodann im Wesentlichen aus, es sei nicht glaubhaft, dass der Beschwer-
deführer 1 aufgrund der Teilnahme an Kundgebungen verurteilt worden sei,
da er diesbezüglich realitätsfremde Angaben gemacht habe und es über-
dies unplausibel sei, dass er von einem Militärgericht verurteilt worden sei.
Ausserdem sei das eingereichte Gerichtsdokument nicht fälschungssicher
und demnach ohne Beweiswert. Es sei auch nicht glaubhaft, dass der Be-
schwerdeführer von den Behörden als Oppositioneller identifiziert worden
sei, da er zu seiner angeblichen Teilnahme an Kundgebungen stereotype,
vage und unplausible Aussagen gemacht habe. Im Übrigen habe er im (...)
persönlich einen Reisepass beantragt und erhalten; wäre er als Oppositio-
neller registriert gewesen, wäre dies nicht möglich gewesen respektive
wäre er damals festgehalten worden. Die weiteren Vorbringen der Be-
schwerdeführenden, sie seien aus Syrien ausgereist, weil dort Krieg res-
pektive Bürgerkrieg herrsche und sie sich im Ausland eine bessere Zukunft
sowie Ausbildungsmöglichkeiten für die Kinder erhofft hätten, seien nicht
asylrelevant. Dasselbe gelte für das Vorbringen, sie seien bei der Vertei-
lung von Nahrungsmitteln und Benzin benachteiligt worden, weil sie nicht
an den politischen Veranstaltungen teilgenommen hätten; dies stelle kein
genügend intensiver Nachteil dar. Hinsichtlich der Befürchtung, die Söhne
könnten von den kurdischen Streitkräften zum Militärdienst rekrutiert wer-
den, sei zunächst festzustellen, dass allein aus dem geschilderten Vorfall
betreffend den ältesten Sohn nicht geschlossen werden könne, dass seine
Zwangsrekrutierung durch die kurdischen Streitkräfte unmittelbar bevorge-
standen habe. Die Furcht vor einer Rekrutierung sei zudem, selbst wenn
sie begründet wäre, nicht asylrelevant. Die Rekrutierungsbemühungen
seien nicht intensiv genug, und es lägen ihnen keine asylbeachtlichen Mo-
tive zugrunde. Ausserdem sei nicht davon auszugehen, dass eine Dienst-
verweigerung asylbeachtliche Nachteile zur Folge hätte. Soweit die Be-
schwerdeführerin 2 schliesslich vorgebracht habe, ihr Ehemann und die
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Kinder könnten infolge ihres Status als Ajanib nicht nach Syrien zurückkeh-
ren, sei darauf hinzuweisen, dass diese den Akten zufolge im Jahr 2011
eingebürgert worden seien. Die Asylvorbringen seien demnach insgesamt
teils unglaubhaft, teils nicht asylrelevant, weshalb die Flüchtlingseigen-
schaft der Beschwerdeführenden zu verneinen und die Asylgesuche abzu-
lehnen seien.
3.2 In der Beschwerde wird gerügt, der Entscheid des SEM beruhe auf
Spekulationen, Hypothesen und pauschalen Feststellungen und sei falsch.
Die Vorinstanz habe sich ungenügend mit der aktuellen Lage in Syrien in
Bezug auf verurteilte Personen auseinandergesetzt. Die Beschwerdefüh-
renden hätten glaubhaft dargelegt, dass der Beschwerdeführer 1 an Pro-
testen gegen das syrische Regime teilgenommen habe, in Abwesenheit
verurteilt worden sei und bis heute gesucht werde und dass die Kinder der
drohenden Zwangsrekrutierung durch die kurdischen Behörden ausgesetzt
gewesen seien. Die syrischen und kurdischen Behörden würden mit Ge-
walt gegen Dienstverweigerer, politische Gegner und gesuchte Personen
vorgehen. Die Beschwerdeführenden hätten sich diesen (drohenden) Ver-
folgungsmassnahmen nur durch Flucht entziehen können. Der Beschwer-
deführer 1 habe sich aus politischer Überzeugung einer oppositionellen
kurdischen Partei angeschlossen und an Protesten gegen das syrische
Regime teilgenommen. Gleichzeitig habe sich die Familie aus politischer
Überzeugung nicht der YPG angeschlossen. Die Familie sei daher sowohl
bei den syrischen Behörden als auch bei der kurdischen Regierung als po-
litische Gegner registriert. Bei einer Rückkehr hätten sie daher ernsthafte
Nachteile zu befürchten. Betreffend die Frage der Glaubhaftigkeit der Aus-
sagen des Beschwerdeführers 1 habe das SEM lediglich eine oberflächli-
che Begründung geliefert. Ferner verfüge das SEM offensichtlich über
keine Kenntnisse zur Gerichtsbarkeit in Syrien. Die Zuständigkeit eines Mi-
litärgerichts für den Fall des Beschwerdeführers 1 sei entgegen der nicht
näher begründeten Auffassung des SEM keineswegs undenkbar, zumal in
Syrien Bürgerkrieg herrsche. Politische Gegner würden von der Militärjus-
tiz verfolgt und verurteilt, dies sei schon vor dem Rückzug der syrischen
Behörden aus H._ so gewesen. In der Provinz Hasaka habe es im-
mer nur einen einzigen Militärrichter gegeben, und zwar in Qamishli. Es sei
ferner bekannt, dass amtliche Dokumente in Syrien häufig via Dorfvorste-
her oder Dorfladenbesitzer zugestellt würden. Die entsprechenden Anga-
ben des Beschwerdeführers 1 seien glaubhaft. Er habe inzwischen einen
syrischen Anwalt damit beauftragt, das Säumnisurteil zu beschaffen und
einen Antrag auf Einbezug in eine Amnestie zu stellen (Verweis auf die ein-
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gereichten Beweismittel 4, 5 und 6). Im Zeitpunkt der Ausstellung des Rei-
sepasses sei der Beschwerdeführer noch nicht verurteilt und zur Verhaf-
tung ausgeschrieben gewesen, weshalb die diesbezügliche Argumentation
des SEM nicht überzeuge. Da der Beschwerdeführer 1 verurteilt worden
sei, sei davon auszugehen, dass das syrische Regime durch Spitzel von
seiner Teilnahme an Kundgebungen erfahren habe und er als Regimegeg-
ner identifiziert worden sei. Er gehöre somit einer Risikogruppe an. Im Wei-
teren sei zu berücksichtigen, dass zwischen der YPG respektive der Par-
tiya Yekîtiya Demokrat (PYD) und der Partei, welcher der Beschwerdefüh-
rer 1 früher angehört habe (der [...]), ein feindseliges Verhältnis herrsche
(Verweis auf eine Schnellrecherche der Schweizerischen Flüchtlingshilfe
[SFH] vom 4. November 2014). Die Familie des Beschwerdeführers 1 sei
daher einer drohenden Verfolgung (Gewalt, Entführung, Inhaftierung, Fol-
terung, Tötung, Übergabe an das syrische Regime) durch die PYD ausge-
setzt gewesen, und der älteste Sohn habe deswegen mit einer Zwangsrek-
rutierung rechnen müssen. Bei einer Verweigerung des Militärdienstes
wäre er massiv bestraft und dem syrischen Regime übergeben worden.
Die Rekrutierung von Minderjährigen durch die PYD/YPG sei von verschie-
denen Stellen dokumentiert worden (Verweis auf eine Schnellrecherche
der SFH vom 14. April 2015). Entgegen der Ansicht des SEM seien die
betroffenen Personen und deren Familien im Verweigerungsfall grossen
Gefahren ausgesetzt. Die PYD unterdrücke und verfolge ihre Gegner und
missachte die Menschenrechte. Die geltend gemachte Verfolgung sei da-
her asylrelevant. Der Sohn respektive Bruder E._ sei inzwischen im
dienstpflichtigen Alter und hätte sich bei den syrischen Militärbehörden
melden müssen. Da er dies nicht gemacht habe, würden diese von einer
Dienstverweigerung ausgehen und ihn zur Verhaftung ausschreiben. Das-
selbe gelte für die Militärdienstpflicht beim kurdischen Militär. Die behördli-
che Verfolgung von Dienstverweigerern sei in Syrien politisch motiviert; die
Strafen seien unverhältnismässig hoch. Der Beschwerdeführer 1 sei als
registrierte und gesuchte Person respektive Regimegegner bei einer Ein-
reise besonders gefährdet und würde umgehend verhaftet, zumal er in Ab-
wesenheit verurteilt und mit einem Ausreiseverbot belegt worden sei. Das
SEM habe die notwendigen Sachverhaltsabklärungen bezüglich der Anga-
ben des Beschwerdeführers nicht getätigt. Im Zeitpunkt der Ausreise habe
er befürchten müssen, asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt zu werden.
Somit bestehe ein enger Zusammenhang zwischen Verfolgung und Flucht.
Die begründete Verfolgungsfurcht dauere nach wie vor an. Bei einer Rück-
kehr nach Syrien drohten dem Beschwerdeführer 1 Verhaftung, Folter, eine
unverhältnismässige Strafe (fünf Jahre Gefängnis) sowie Reflexverfolgung
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infolge der Dienstverweigerung seines Sohnes. Demnach seien die Be-
schwerdeführenden als Flüchtlinge anzuerkennen, und es sei ihnen Asyl
zu gewähren.
3.3 Das SEM weist in seiner Vernehmlassung darauf hin, dass der Be-
schwerdeführer 1 widersprüchliche Angaben zu seiner politischen Tätigkeit
gemacht habe. In der BzP habe er noch verneint, je politisch aktiv gewesen
zu sein, in der Anhörung habe er dann erklärt, er sei zwei Jahre lang Mit-
glied der (...) gewesen. Selbst wenn diese Parteimitgliedschaft glaubhaft
wäre, so könnte daraus nicht geschlossen werden, dass sich die PYD des-
wegen für ihn interessieren würde, da er nichts Besonderes gemacht habe.
Er habe den Akten zufolge denn auch keine ernsthaften Probleme mit der
PYD gehabt. Die geltend gemachte Furcht, aufgrund der früheren politi-
schen Aktivitäten vom syrischen Regime verfolgt zu werden, beruhe auf
reinen Spekulationen. Ferner treffe es zwar zu, dass Militärgerichte auch
für Strafverfahren gegen Zivilisten zuständig sein könnten. Dies erkläre
aber nicht, wie und weshalb der Beschwerdeführer zwei Jahre nach dem
Abzug der syrischen Behörden aus H._ habe identifiziert und ver-
urteilt werden können. Bezüglich der Furcht vor einer Verfolgung durch die
syrischen Behörden wegen Militärdienstverweigerung sei festzustellen,
dass der Sohn E._ im Alter von (...) Jahren aus Syrien ausgereist
sei und bis dahin noch keinen Kontakt mit den syrischen Militärbehörden
gehabt habe. Zudem weise auch nichts darauf hin, dass E._ von
den syrischen Behörden als Regimegegner wahrgenommen worden sei
respektive bei einer Rückkehr als solcher identifiziert werden könnte. Somit
bestehe keine begründete Furcht vor einer relevanten Verfolgung wegen
Dienstverweigerung, und auch die Gefahr einer Reflexverfolgung der Be-
schwerdeführenden sei zu verneinen. Im Weiteren gehe aus den Akten
auch nicht hervor, dass die PYD ein besonderes Interesse an E._
haben könnte. Die Beweismittel seien von geringem Beweiswert, da sie
lediglich in Kopie vorlägen. Zudem könnten in Syrien fast alle offiziellen
Dokumente käuflich erworben werden. Ein Dokument sei daher nur be-
weiskräftig, wenn auch der damit verbundene Sachverhalt schlüssig dar-
gelegt worden sei. Vorliegend hätten die Beschwerdeführenden ihre
Fluchtgründe nicht glaubhaft machen können. Die Beweismittel könnten an
dieser Einschätzung nichts ändern.
3.4 Nach Kritik an der vom SEM in seiner Vernehmlassung verwendeten
Sprache (Französisch) geben die Beschwerdeführenden in ihrer Replik zu
bedenken, die Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Personen und Glaub-
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haftigkeit ihrer Aussagen sei anspruchsvoll und erfordere eine entspre-
chende Ausbildung. Es sei zudem nicht klar, auf welche Grundlagen sich
die Vorinstanz bei der Beweiswürdigung und Glaubhaftigkeitsbeurteilung
stütze. Sie verweisen ferner darauf, dass in Syrien Willkür herrsche und
einem die politische Vergangenheit jederzeit zum Verhängnis werden
könne. Der Beschwerdeführer 1 sei bei den Behörden auf alle Zeiten als
politischer Gegner registriert. Die Behörden verfügten über viel Beweisma-
terial und würden jetzt mit allen abrechnen. Es sei eine pauschale Behaup-
tung, dass syrische Dokumente leicht käuflich und fälschbar seien. Zudem
würden beispielsweise Zivilstandsdokumente von den Schweizer Behör-
den im Zweifelsfall von der Schweizer Vertretung in Beirut überprüft und
beglaubigt. Das SEM verwende das Argument der Käuflichkeit bei Regie-
rungs- und Militärdokumenten, um das Asyl verweigern zu können. Es
treffe nicht zu, dass jedes Dokument käuflich erworben oder gefälscht wer-
den könne. Überdies sollte das SEM abklären können, ob der Beschwer-
deführer 1 tatsächlich gesucht werde. Die Originale der eingereichten Un-
terlagen würden nachgereicht.
4.
Die Beschwerdeführenden beantragten unter anderem, das Beschwerde-
verfahren sei in deutscher Sprache zu führen (vgl. Ziff. 3 der Rechtsbegeh-
ren). Die Instruktionsrichterin hiess diesen Antrag mit Zwischenverfügung
vom 23. April 2020 gut. Demnach wäre das SEM grundsätzlich gehalten
gewesen, seine im Rahmen des Schriftenwechsels im Beschwerdeverfah-
ren eingereichte Vernehmlassung in deutscher Sprache zu verfassen. Die
Beschwerdeführenden haben demnach in ihrer Replik zu Recht die vom
SEM in der Vernehmlassung verwendete Sprache (Französisch) kritisiert.
Da sie indessen diesbezüglich keine weiteren Verfahrensanträge gestellt
haben und aufgrund des Inhalts der Replik überdies davon ausgegangen
werden kann, dass sie die Ausführungen in der Vernehmlassung im We-
sentlichen verstanden haben, wurde darauf verzichtet, das SEM zu einer
Übersetzung seiner Vernehmlassung aufzufordern.
5.
In der Beschwerde wird – ohne einen damit einhergehenden Kassations-
antrag zu stellen – eine Verletzung der Abklärungspflicht sowie der Prü-
fungs- und Begründungspflicht gerügt.
5.1 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den
Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei
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Seite 11
muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter-
lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber
ordnungsgemäss Beweis führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung
dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter
belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist die Sach-
verhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den
Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder wenn nicht alle für
den Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt wurden. Die Be-
hörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement
umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen
sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als
angezeigt erscheinen (vgl. dazu ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN
BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bun-
des; 3. Aufl. 2013, Rz. 629 ff.; CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler
[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren,
2. Aufl., 2019, Rz. 17 zu Art. 12; BENJAMIN SCHINDLER, in: Auer/Mül-
ler/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 29 ff. zu Art. 49).
Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29
VwVG) sowie Art. 35 Abs. 1 VwVG folgt sodann, dass alle erheblichen Par-
teivorbringen zu prüfen und zu würdigen sind. Die verfügende Behörde hat
im Rahmen der Entscheidbegründung die Überlegungen zu nennen, von
denen sie sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Begrün-
dung des Entscheids muss so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn ge-
gebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Die Behörde muss sich jedoch
nicht mit jeder tatbeständlichen Behauptung auseinandersetzen, sondern
kann sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte be-
schränken (vgl. dazu LORENZ KNEUBÜHLER/RAMONA PEDRETTI, in:
Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 7 ff. zu Art. 35; KÖLZ/HÄNER/BER-
TSCHI; a.a.O., N. 629 ff.; BVGE 2016/9 E. 5.1; BVGE 2011/37 E. 5.4.1;
BGE 136 I 184 E. 2.2.1 und 134 I 83 E. 4.1).
5.2 Die Beschwerdeführenden kritisieren, das SEM hätte die geltend ge-
machte Gefährdung des in Syrien verurteilten Beschwerdeführers 1 näher
abklären müssen (vgl. S. 10 und 20 der Beschwerdebegründung). Entge-
gen der Auffassung der Beschwerdeführenden ist es dem SEM indessen
nicht möglich, in Syrien Sachverhaltsabklärungen vor Ort durchführen zu
lassen, da die dortige Schweizer Vertretung im Jahr 2012 aufgrund der
Bürgerkriegssituation geschlossen wurde. Die Bemerkung in der Replik,
wonach Zivilstandsdokumente regelmässig von der Schweizer Vertretung
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in Beirut (Libanon) überprüft würden, weshalb dies auch bezüglich der vor-
liegend eingereichten Unterlagen möglich sein sollte, ist unbehelflich; denn
im Gegensatz zu Zivilstandsdokumenten geht es bei der Überprüfung von
Dokumenten der Strafverfolgungs- respektive Strafgerichtsbehörden in der
Regel um potentiell flüchtlingsrechtlich relevante Sachverhalte, weshalb
ein diskretes Vorgehen – in der Regel durch einen Vertrauensanwalt der
lokalen Schweizer Botschaft – geboten ist, was in Syrien wie erwähnt zur-
zeit nicht möglich ist. Die Vorinstanz hat die geltend gemachte Verurteilung
im Übrigen bereits gestützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers 1 als
unglaubhaft erachtet, weshalb aus ihrer Sicht ohnehin keine Veranlassung
bestand, weitere Abklärungen vorzunehmen. Auch das Bundesverwal-
tungsgericht geht – wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen – aufgrund
der Aktenlage davon aus, dass der rechtserhebliche Sachverhalt ausrei-
chend erstellt und somit spruchreif ist. Die Rüge, der Sachverhalt sei un-
genügend abgeklärt worden, ist demnach als unbegründet zu erachten.
5.3 Die Beschwerdeführenden bringen ausserdem vor, das SEM habe ihre
Asylgesuche ungenügend geprüft, indem es sich nicht unter Berücksichti-
gung der aktuellen Situation in Syrien mit der dem Beschwerdeführer 1 dort
infolge seiner Verurteilung drohenden Verfolgung auseinandergesetzt und
den Entscheid mit pauschalen Erwägungen begründet habe. Diese Rügen
sind als unbegründet zu erachten. Entgegen der Auffassung der Beschwer-
deführenden hat sich das SEM in seinen Erwägungen mit allen relevanten
Vorbringen auseinandergesetzt und dabei namentlich eingehend und in
nachvollziehbarer Weise ausgeführt, aus welchen Gründen die geltend ge-
machte Verurteilung des Beschwerdeführers 1 und die damit zusammen-
hängende Gefährdung im Falle einer Rückkehr nach Syrien nicht geglaubt
werden könne (vgl. Ziff. III. 1 der der vorinstanzlichen Erwägungen). Eine
sachgerechte Anfechtung der vorinstanzlichen Verfügung war – wie auch
die eingereichte Beschwerde zeigt – damit ohne weiteres möglich. Die von
den Beschwerdeführenden geäusserte Unzufriedenheit mit den als falsch
erachteten Schlussfolgerungen des SEM respektive der Umstand, dass
das SEM in seinen Erwägungen auf von den Beschwerdeführenden nicht
als opportun erachtete Urteile des Bundesverwaltungsgerichts verwiesen
hat, können im Übrigen nicht unter den Tatbestand der mangelhaften Prü-
fung und Begründung subsumiert werden, sondern stellen vielmehr eine
Kritik in der Sache selbst dar. Im Ergebnis kann im vorliegenden Fall keine
Verletzung der Prüfungs- und Begründungspflicht respektive des An-
spruchs auf rechtliches Gehör festgestellt werden.
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Seite 13
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-
schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ver-
schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf
kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
7.
7.1 Die sich aus der allgemeinen Bürgerkriegssituation ergebenen Nach-
teile, darunter auch die eingeschränkten Zukunftsperspektiven von Ju-
gendlichen und jungen Erwachsenen, stellen keine gezielte, individuelle
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar, da sie die gesamte Bevölkerung
oder zumindest einen grossen Teil derselben in gleichem Ausmass treffen
(vgl. dazu beispielsweise das Urteil des BVGer E-3230/2019 vom 28. Au-
gust 2020 E. 7.2). Dies entsprechenden Vorbringen der Beschwerdefüh-
renden sind daher nicht asylrelevant.
7.2 Die vom Beschwerdeführer 1 geltend gemachten zweimaligen Befra-
gungen durch den politischen Sicherheitsdienst (im Jahr [...] sowie im Jahr
[...]) hatten gemäss seinen Angaben offenbar keine weiteren Folgen und
weisen weder in zeitlicher noch in sachlicher Hinsicht einen Zusammen-
hang zur Ausreise im [...] auf; diese Vorbringen sind daher ebenfalls nicht
asylrelevant. Dasselbe gilt für das Vorbringen, wonach der Bruder des Be-
schwerdeführers 1 im Jahr [...] verhaftet und in diesem Zusammenhang
nach ihm (Beschwerdeführer) gesucht worden sei, die Suche jedoch nach
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einer von Präsident Assad erlassenen Amnestie beendet worden sei (vgl.
A46 F55).
7.3 Soweit der Beschwerdeführer 1 geltend macht, er habe zwischen den
Jahren (...) an regimekritischen Kundgebungen teilgenommen und sei
deswegen im Jahr (...) verurteilt worden, ist Folgendes zu bemerken: Es
erscheint aufgrund der Aktenlage nicht völlig ausgeschlossen, dass der Be-
schwerdeführer in der genannten Zeitspanne mehrmals an den damals in
Syrien verbreitet veranstalteten Demonstrationen teilgenommen und sich
deswegen Sorgen um seine Sicherheit gemacht hat. Den Beschwerdefüh-
renden ist ferner grundsätzlich insofern zuzustimmen, als dass es ange-
sichts der Organisation der Justizbehörden in Syrien und dem dort herr-
schenden Bürgerkriegszustand durchaus plausibel ist, dass der Militärein-
zelrichter auch befugt ist, Strafurteile betreffend Zivilpersonen zu fällen. Je-
doch kann aus nachfolgenden Gründen nicht geglaubt werden, dass die
syrischen Behörden von den regimekritischen Aktivitäten des Beschwerde-
führers 1 erfahren haben und er deswegen im Jahr (...) verurteilt worden
ist.
7.3.1 Der Beschwerdeführer 1 war den Akten zufolge ein gewöhnlicher De-
monstrationsteilnehmer ohne besondere Funktionen, welcher sich durch
sein Verhalten (Hochheben von Spruchbändern und Transparenten, Rufen
von Parolen) nicht von der Masse der anderen Teilnehmenden abhob. Es
ist daher nicht nachvollziehbar, wie die syrischen Strafverfolgungsbehör-
den überhaupt von seiner Teilnahme an den Kundgebungen hätten erfah-
ren sollen, zumal die fraglichen Demonstrationen in H._ stattfan-
den, während die Strafverfolgungsbehörde respektive das Militärgericht ih-
ren Sitz in Qamishli hatten. Die Erklärung des Beschwerdeführers, er sei
wohl von Spitzeln des Regimes gefilmt und so identifiziert worden, über-
zeugt nicht. Insbesondere ist nicht ersichtlich, wie ihn die Behörden allein
aufgrund von unspezifischen Videoaufnahmen hätten namentlich identifi-
zieren können.
7.3.2 Ferner führen auch die fehlenden Hinweise auf ein strafrechtliches
Ermittlungsverfahren und/oder eine Gerichtsverhandlung zu Zweifeln an
der Glaubhaftigkeit des geltend gemachten Strafverfahrens respektive der
Verurteilung. Der Beschwerdeführer wurde den eingereichten Beweismit-
teln zufolge angeblich wegen Mitgliedschaft in einer oppositionellen Partei,
Beschimpfung des Präsidenten und «Abtretung eines Staatsgebiets an ei-
nen fremden Staat» verurteilt. Es ist – auch im syrischen Kontext – davon
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auszugehen, dass der einem derartigen Urteil zugrundeliegende Sachver-
halt im Rahmen eines vorgängigen Ermittlungsverfahrens abgeklärt wird.
Dies wird auch vom Beschwerdeführer implizit anerkannt, indem er in der
Beschwerde ausführt, Verdächtigte seien jeweils nach Qamishli oder Ha-
saka vorgeladen worden (vgl. S. 9 der Beschwerde). Im vorliegenden Fall
verneinte der Beschwerdeführer indessen, je eine Vorladung erhalten zu
haben (vgl. A46 F88), und es finden sich auch in den eingereichten Be-
weismitteln keine Hinweise darauf, dass vor Erlass des angeblichen Urteils
ein Ermittlungsverfahren und/oder eine Gerichtsverhandlung durchgeführt
worden wäre, obwohl davon auszugehen ist, dass eine Vorladung auf dem-
selben Weg hätte zugestellt werden können, wie die angebliche, in Kopie
eingereichte Urteilsbestätigung, nämlich via den Dorfladen (vgl. A46
F61 f.). Gemäss Angaben des Beschwerdeführers erfuhr er indes erst mit
Erhalt der als Beweismittel 6 eingereichten Urteilsbestätigung vom Straf-
verfahren und seiner Verurteilung, was unplausibel erscheint. Ebenfalls
nicht nachvollziehbar ist, weshalb er damals lediglich eine Urteilsbestäti-
gung, nicht hingegen das eigentliche Urteil erhalten haben soll.
7.3.3 Das Urteil reichte der Beschwerdeführer erst auf Beschwerdeebene
ein, wobei er geltend machte, er habe seinen Anwalt in Syrien beauftragt,
dieses zu beschaffen. Der Umstand, dass er sich erst jetzt um den Erhalt
des Urteils gekümmert hat, erscheint allerdings realitätsfremd. Der Be-
schwerdeführer wurde angeblich ohne vorgängiges Ermittlungsverfahren
und ohne Gerichtsverhandlung in Abwesenheit verurteilt. Es ist daher un-
plausibel, dass er damals keine Anstrengungen unternommen hat, um in
den Besitz des Urteils zu gelangen, zumal in der eingereichten Urteilsbe-
stätigung die genauen Angaben zum Strafmass fehlen und davon auszu-
gehen ist, dass eine verurteilte Person sehr daran interessiert ist in Erfah-
rung zu bringen, zu welcher konkreten Strafe sie verurteilt worden ist. Die
unterlassene Beschaffung des Urteils ist umso erstaunlicher, als der Be-
schwerdeführer im damaligen Zeitpunkt angeblich Kontakt zu seinem An-
walt aufgenommen hatte (vgl. A46 F77) und das Urteil offenbar grundsätz-
lich anfechtbar gewesen wäre. Der vom Beschwerdeführer geschilderte
Sachverhalt, wonach er im Jahr (...) eine blosse Urteilsbestätigung (u.a.
ohne Angabe des genauen Strafmasses) erhalten und sich danach trotz
Kontaktaufnahme mit seinem Anwalt weder um die Beschaffung des ei-
gentlichen Urteils gekümmert noch dessen Anfechtung in die Wege geleitet
habe, ist daher als unglaubhaft zu erachten.
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7.3.4 Die im Zusammenhang mit der angeblichen Verurteilung wegen re-
gimekritischer Aktivitäten eingereichten Beweismittel vermögen die Un-
glaubhaftigkeit der geltend gemachten Identifizierung als Kundgebungsteil-
nehmer und Verurteilung nicht zu beseitigen. Generell ist festzustellen,
dass die eingereichten Gerichtsdokumente nicht fälschungssicher sind und
entsprechende Dokumente problemlos käuflich erworben werden können,
weshalb deren Beweiswert gering ist. Sodann fällt auf, dass in der im vo-
rinstanzlichen Verfahren eingereichten Urteilsbestätigung (Beweismittel 6)
zwar steht, der Beschwerdeführer sei zu Haft und Busse verurteilt worden,
das Strafmass (gemäss dem nachgereichten Urteil: [...]) jedoch nicht ge-
nau beziffert wird, was merkwürdig erscheint. Ausserdem ist in beiden Do-
kumenten das Geburtsdatum des Beschwerdeführers unpräzise angege-
ben (lediglich das Geburtsjahr), und die in der Urteilsbestätigung vermerkte
Urteilsnummer ([...]) stimmt weder mit der im Urteil genannten Urteilsnum-
mer ([...]) noch mit der Grundlagenummer ([...]) oder der Nummer der An-
klageschrift ([...]) überein. Aus diesen Gründen bestehen erhebliche Zwei-
fel an der Authentizität der eingereichten Gerichtsdokumente. Das Schrei-
ben des syrischen Anwalts zuhanden des Asylverfahrens des Beschwer-
deführers (Beschwerdebeilage 4) sowie das angebliche Amnestiegesuch
des Anwalts vom 28. März 2020 mit der darauf handschriftlich vermerkten
Ablehnung durch den Militärrichter (vgl. Beschwerdebeilage 6) ändern da-
ran nichts; es ist vielmehr zu vermuten, dass es sich dabei um Gefällig-
keitsdokumente der syrischen Kontaktperson des Beschwerdeführers han-
delt.
7.3.5 Nach dem Gesagten ist es insgesamt als unglaubhaft zu erachten,
dass die syrischen Behörden von den Demonstrationsteilnahmen des Be-
schwerdeführers erfahren haben und er deswegen im Jahr (...) zu einer
Haft- und Geldstrafe verurteilt worden ist. Demzufolge ist entgegen der ent-
sprechenden Behauptung in der Beschwerde (vgl. dazu Art. 5, S. 19 der
Beschwerde) auch nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
gegen ein mit der angeblichen Verurteilung zusammenhängendes Ausrei-
severbot verstossen hat. Die geltend gemachte Furcht, aus diesen Grün-
den im Falle einer Rückkehr nach Syrien von den syrischen Behörden ver-
folgt zu werden, erscheint daher unbegründet.
7.4 Das Vorbringen, die Beschwerdeführenden hätten eine Verfolgung zu
befürchten, weil sie nicht Mitglieder der PYD seien respektive sich nicht
den YPG angeschlossen hätten und der Beschwerdeführer 1 früher Mit-
glied der (...) gewesen sei, vermag die Flüchtlingseigenschaft der Be-
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schwerdeführenden ebenfalls nicht zu begründen. Der Beschwerdefüh-
rer 1 war lediglich zwei Jahre lang ([...]; vgl. A46 F43) Mitglied der (...), und
er hatte dort keine führende Funktion inne. Ausserdem waren die Be-
schwerdeführenden in der Vergangenheit keinen ernsthaften Nachteilen
seitens der PYD/YPG ausgesetzt, sondern wurden lediglich einige Male
bei der Zuteilung von Hilfsgütern (Diesel, Lebensmittel) übergangen. Es ist
daher nicht davon auszugehen, dass sie bei der PYD/YPG als politische
Gegner registriert sind und deswegen bei einer Rückkehr nach Syrien mit
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungshandlungen seitens der
PYD/YPG rechnen müssten.
7.5 Hinsichtlich der Befürchtung, die Beschwerdeführenden 3 und 4 wür-
den bei einer Rückkehr nach Syrien in den Militärdienst eingezogen wer-
den, ist Folgendes festzustellen: Die Beschwerdeführenden 3 und 4 sind
im heutigen Zeitpunkt noch minderjährig und haben bisher kein militäri-
sches Aufgebot erhalten, weder von den syrischen noch den kurdischen
Streitkräften. Sie waren in der Vergangenheit auch keinen informellen Rek-
rutierungsbemühungen ausgesetzt. Im Übrigen würde auch eine allfällige
zukünftige Rekrutierung der Beschwerdeführenden per se keine flücht-
lingsrechtlich relevante Verfolgung darstellen, da der Wehrpflicht kein Mo-
tiv im Sinne von Art. 3 AsylG zugrunde liegt. Unter Verweis auf die vorste-
henden Erwägungen unter E. 7.4 ist insbesondere nicht davon auszuge-
hen, dass die YPG die Beschwerdeführenden als politische Gegner be-
trachten und die Beschwerdeführenden 3 und 4 deshalb aus politischen
Gründen respektive im Sinne einer Vergeltungsmassnahme zwangsrekru-
tieren würden.
7.6 Schliesslich ist auch die geltend gemachte Furcht vor einer zukünfti-
gen, flüchtlingsrechtlich relevanten Reflexverfolgung der Beschwerdefüh-
renden aufgrund der Dienstverweigerung des Sohnes E._ zu ver-
neinen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden ist nicht da-
von auszugehen, dass E._ im Falle einer Rückkehr nach Syrien
aufgrund der Nichtbefolgung des – erst am (...) erlassenen – Aufgebots
zum Militärdienst eine politisch motivierte Bestrafung oder Behandlung zu
gewärtigen hätte, die einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG gleichkommen würde (vgl. dazu die Ausführungen
im datumsgleichen Urteil D-1998/2020, E. 7.3). Demnach ist auch die
Furcht der Beschwerdeführenden vor einer entsprechenden Reflexverfol-
gung als nicht asylrelevant zu erachten.
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7.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl-
gründe nicht geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung respektive eine
entsprechende Verfolgungsfurcht zu begründen. Die Vorinstanz hat daher
zur Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und die Asylgesuche abge-
lehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an (Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Da die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 13. März 2020 infolge Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme der Beschwer-
deführenden angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss grundsätzlich
weitere Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des
Wegweisungsvollzugs. Anzufügen ist aber an dieser Stelle immerhin, dass
der generellen Gefährdung der Beschwerdeführenden aufgrund der aktu-
ellen Bürgerkriegssituation in Syrien mit der erwähnten Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
durch die Vorinstanz Rechnung getragen wurde.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
und vollständig feststellt (Art.106 Abs.1 AsylG). Die Beschwerde ist daher
abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das
mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
mit Verfügung vom 18. Mai 2020 gutgeheissen worden ist, werden keine
Verfahrenskosten erhoben.
(Dispositiv nächste Seite)
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