Decision ID: e8c9f325-4e6f-5a75-8f75-1ea604de170a
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. N._ wurde am 7. Dezember 1980 geboren und ist kosovarische Staatsangehörige.
Am 26. Dezember 2012 heiratete sie in ihrem Herkunftsland den in der Schweiz
niedergelassenen Landsmann L._. Sie reiste am 17. März 2013 in die Schweiz ein und
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erhielt im Rahmen des Familiennachzugs zum Verbleib in der Schweiz am 20. März
2013 eine Aufenthaltsbewilligung, welche ihr letztmals bis zum 16. März 2016
verlängert wurde.
b. Mit Schreiben vom 3. Juli 2015 gelangte N._ an das Kreisgericht P._ mit dem
Ersuchen um Erlass von Eheschutzmassnahmen. Das Einwohneramt der Stadt O._
informierte das Migrationsamt am 2. September 2015, dass sich N._ und ihr Ehemann
getrennt hätten und sie nun in O._ wohne. Das Migrationsamt bat N._ mit Schreiben
vom 2. Oktober 2015 um Beantwortung diverser Fragen hinsichtlich des
Getrenntlebens und um Einreichung allfälliger Unterlagen.
c. Am 14. Januar 2016 ging beim Migrationsamt der rechtskräftige Entscheid des
Kreisgerichts P._ vom 29. September 2015 betreffend Eheschutzmassnahmen ein.
Diesem Entscheid war zu entnehmen, dass das Gericht vom Getrenntleben der
Ehegatten seit dem 9. Juni 2015 Vormerk genommen habe und das gemeinsame Kind
nach der Geburt überwiegend durch die Mutter betreut werden solle. Am 11. Dezember
2015 gebar N._ den gemeinsamen Sohn M._, welcher ebenfalls Staatsangehöriger
von Kosovo ist und wie die Mutter über eine letztmals bis 16. März 2016 verlängerte
Aufenthaltsbewilligung verfügt.
d. N._ nahm mit Schreiben vom 15. Februar 2016 durch ihren Rechtsvertreter zu den
vom Migrationsamt gestellten Fragen Stellung. Sie gab an, dass sie sich während der
Schwangerschaft von ihrem Ehemann getrennt habe, weil die Situation in der
bisherigen Familienwohnung nicht mehr zumutbar gewesen sei. Sie sei massivem
Druck seitens des Ehemannes und der Schwiegereltern ausgesetzt gewesen. Sie
könne mit ihrer Arbeitsstelle ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren, spreche
ausgezeichnet deutsch und verfüge über ein intaktes soziales Umfeld. Unter diesen
Umständen solle ihr die Chance gegeben werden, in der Schweiz zu bleiben.
e. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs verfügte das Migrationsamt am 14. April
2016 die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung von N._ sowie ihrem Sohn
M._. Der Entscheid wurde im Wesentlichen damit begründet, dass die Ehe lediglich 27
Monate gedauert habe und damit die dreijährige gesetzliche Frist nicht eingehalten sei.
Ein wichtiger persönlicher Grund für eine Bewilligungsverlängerung liege nicht vor. Die
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geklagte häusliche Gewalt sei mangels entsprechender Nachweise jedenfalls nicht
glaubhaft. Eine Rückkehr ins Heimatland nach erst drei Jahren Aufenthalt in der
Schweiz könne ihr ohne weiteres zugemutet werden. Der Sohn M._ habe das
Lebensschicksal des sorge- bzw. obhutsberechtigten Elternteils zu teilen. Zwischen
dem Vater und dem Kind fehle es an einer intensiven Beziehung, weshalb es dem Kind
zumutbar sei, seine Mutter in das Heimatland zu begleiten. Den gegen diesen
Entscheid erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement mit
Entscheid vom 30. August 2018 ab.
B. N._ (Beschwerdeführerin) reichte für sich und ihren Sohn (Beschwerdeführer) durch
ihren Rechtsvertreter am 17. September 2018 und mit Ergänzung vom 15. November
2018 Beschwerde gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements
(Vorinstanz) beim Verwaltungsgericht ein. Sie stellte das Rechtsbegehren, der
Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben; ihr sei die Aufenthaltsbewilligung zu
verlängern und dem Beschwerdeführer sei die Niederlassungsbewilligung zu erteilen,
eventualiter sei seine Aufenthaltsbewilligung ebenfalls zu verlängern. Eventualiter sei
die Angelegenheit zur Neubeurteilung und zur Ergänzung des Sachverhalts an die
Vorinstanz zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zudem
beantragte sie die Durchführung einer mündlichen Verhandlung.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 27. November 2018 die
Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des
angefochtenen Entscheids.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressaten des
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angefochtenen Entscheids sind die im Rekursverfahren unterlegenen
Beschwerdeführer zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 17. September 2018
rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 15. November 2018
formal wie inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Die Beschwerdeführer werfen der Vorinstanz eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
vor; zudem habe sie ihre Abklärungspflicht verletzt. Sie habe den Bericht des
Beistandes vom 19. Januar 2018 völlig ausser Acht gelassen, obwohl dieser
zusammen mit dem Bericht des Frauenhauses vom 20. Juni 2016 ein Gesamtbild
ermögliche. Dieser Bericht habe nicht ansatzweise Eingang in den angefochtenen
Entscheid gefunden.
2.1. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR
101, BV) gewährt den Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Aus diesem Anspruch
leitet das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung die Pflicht der Behörde ab, ihre
Verfügungen und Entscheide zu begründen (vgl. statt vieler BGE 141 I 60 E. 3.3, 133 III
439 E. 3.3). Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt dieser Grundsatz,
dass die Behörde die Vorbringen des vom Entscheid oder der Verfügung in seiner
Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in
der Entscheidfindung berücksichtigt (vgl. G. Steinmann, in: Ehrenzeller/Schindler/
Schweizer/Vallender, Die schweizerische Bundesverfassung, 3. Aufl. 2014, N 49 zu Art.
29 BV). Daraus folgt die grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid oder ihre
Verfügung zu begründen. Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken (BGE 136 I 229 E. 5.2, 134 I 83 E. 4.1).
2.2. Die Vorinstanz kam in ihrem Entscheid zum Schluss, dass die Ausführungen im
Bericht des Frauenhauses vom 20. Juni 2016 zu relativieren seien, da sich diese
lediglich auf die Aussagen der Beschwerdeführerin stützen würden. Fehlen würden
ärztliche Berichte über die psychischen Gewalteinwirkungen durch den Ehemann und
dessen Familie und Strafanzeigen oder wenigstens Unterlagen über die Einleitung
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eines Strafverfahrens. Der von den Beschwerdeführern angeführte Bericht des
Beistandes vom 19. Januar 2018 fand zwar Eingang in den Sachverhalt, nicht jedoch in
die Erwägungen des angefochtenen Entscheides. Die Vorinstanz war sich damit dieses
Berichts wohl bewusst, mass ihm aber keine ausschlaggebende Bedeutung zu.
Mangels anderer ins Recht gelegter, geeigneter Beweismittel, aufgrund derer objektiv
nachvollziehbar gewesen wäre, dass die behauptete eheliche Gewalt die von der
Rechtsprechung verlangte Intensität und Konstanz erreicht hätte (BGer 2C_428/2012
vom 18. Mai 2012 E. 2.2.3), trifft der Einwand einer willkürlichen Beweiswürdigung
offensichtlich nicht zu.
2.3. Weiter verlangt die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. Art. 6 Ziff. 1 der
Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR
0.101, EMRK) die Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung, damit sie ihre
Situation und diejenige des Beschwerdeführers direkt vortragen könne. Art. 6 Ziff. 1
EMRK garantiert in Streitigkeiten bezüglich zivilrechtlicher Ansprüche (civil rights) das
Recht auf ein faires Verfahren. Nach ständiger Rechtsprechung findet Art. 6 EMRK in
Streitigkeiten über fremdenpolizeiliche Belange (Ein- oder Ausreise von Ausländern,
fremdenpolizeiliche Bewilligungen, Asylverfahren) grundsätzlich keine Anwendung
(BGer 2D_3/2012 vom 2. August 2012 E. 2.2, 2A.382/2000 vom 6. September 2000 E.
2b, VerwGE B 2017/141 vom 16. August 2018 E. 5).
Der von der Beschwerdeführerin angerufene Anspruch auf rechtliches Gehör ist
Teilgehalt des allgemeinen Grundsatzes des fairen Verfahrens und wird auch durch
Art. 29 Abs. 2 BV geschützt. Er räumt der Beschwerdeführerin allerdings keinen
Anspruch auf eine mündliche Anhörung ein (BGE 134 I 140 E. 5.3, BGer 2C_339/2018
vom 16. November 2018 E. 6.2). Zum Anspruch auf rechtliches Gehör gehört in diesem
Zusammenhang das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines in seine
Rechtsstellung eingreifenden Entscheides zur Sache zu äussern sowie das Recht auf
Abnahme der rechtzeitig und formrichtig angebotenen rechtserheblichen Beweismittel
(BGE 134 I 140 E. 5.3). Die Beschwerdeführerin konnte ihre Sicht der Dinge in das
Verfahren einbringen. Die von ihr beanstandeten Punkte ergeben sich aus den
vorliegenden Verfahrensakten, weshalb die Beschwerdeführerin hierzu nicht befragt
werden muss. Im Übrigen wäre die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer
weitreichenden Mitwirkungspflicht (Art. 2 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 90 des
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Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration, SR
142.20, AIG) gehalten gewesen, von sich aus weitere Indizien und geeignete
Beweismittel wie z.B. Arztberichte, Zeugenaussagen sowie Unterlagen zu ihren
Familienverhältnissen im Heimatland einzureichen (vgl. hierzu BGer 2C_165/2018 vom
18. September 2018 E. 2.4, VerwGE B 2017/3 vom 22. Februar 2018 E. 4, B 2015/309
vom 26. April 2017 E. 4.3 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).
2.4. Der Anspruch auf rechtliches Gehör kann durch kantonales Verfahrensrecht über
die Minimalgarantie von Art. 29 Abs. 2 BV hinaus ausgedehnt werden. Gemäss Art. 55
Abs. 1 VRP wird eine mündliche Verhandlung angeordnet, wenn sie zur Wahrung der
Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint. Grundsätzlich ist im
Verwaltungsgerichtsverfahren die Schriftlichkeit des Verfahrens vorherrschend. Das
rechtliche Gehör wird demnach im Wesentlichen durch schriftliche Eingaben gewährt
(VerwGE B 2017/141 vom 16. August 2018 E. 5, Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen 2. Aufl. 2003, Rz. 999). Das rechtliche
Gehör wurde durch den Schriftenwechsel gewahrt und die Beschwerdeführerin legt die
Notwendigkeit einer persönlichen Anhörung nicht dar. Wie bereits unter E. 2.3
ausgeführt, erscheint eine mündliche Verhandlung damit weder notwendig noch
zweckmässig. Daher ist der Antrag abzuweisen.
3. Ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren von
niederlassungsberechtigten ausländischen Personen haben - unter Vorbehalt von
Erlöschensgründen (Art. 51 Abs. 2 AIG) - Anspruch auf Erteilung und Verlängerung ihrer
Aufenthaltsbewilligung, soweit sie mit diesen zusammenwohnen (Art. 43 AIG) oder, bei
fortdauernder Ehegemeinschaft, ein wichtiger Grund für das Getrenntleben besteht
(Art. 49 AIG). Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft besteht der
Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nach den Art. 42 und 43 AIG weiter, wenn die Ehegemeinschaft
mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht oder
wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich
machen (Art. 50 Abs. 1 AIG, Art. 77 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und
Erwerbstätigkeit, SR 142.201, VZAE).
http://www.gerichte.sg.ch
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Die Beschwerdeführerin ging am 26. Dezember 2012 den Bund der Ehe ein. Seit dem
9. Juni 2015 lebt sie getrennt von ihrem Mann. Damit dauerte die Ehe nur rund
zweieinhalb Jahre, mithin weniger als drei Jahre. Fest steht damit, dass die
Dreijahresfrist nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG nicht erfüllt ist. Die Beschwerdeführerin
macht denn auch einen sogenannten nachehelichen Härtefall nach Art. 50 Abs. 1 lit. b
und Abs. 2 AIG geltend. Diesen begründet sie damit, dass sie Opfer ehelicher Gewalt
geworden sei. Daher würden wichtige Gründe für einen weiteren Aufenthalt in der
Schweiz vorliegen.
4.
4.1. Wichtige persönliche Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG können namentlich
vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die
Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im
Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AIG und Art. 77 Abs. 2 VZAE).
Die beiden Elemente der ehelichen bzw. häuslichen Gewalt und der sozialen
Wiedereingliederung (Art. 77 Abs. 2 VZAE) sind nicht kumulativ zu verstehen (vgl. BGE
138 II 229 E. 3.2.2). Eheliche Gewalt liegt insbesondere dann vor, wenn Personen
innerhalb einer bestehenden oder aufgelösten ehelichen Beziehung psychische,
physische oder sexuelle Gewalt ausüben oder androhen (vgl. M. Caroni, in: Caroni/
Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer,
Handkommentar, Bern 2010, Rz. 32 zu Art. 50 AuG). Das Bundesgericht hat hierzu
ausgeführt, dass häusliche Gewalt eine systematische Misshandlung mit dem Ziel,
Macht und Kontrolle auszuüben, bedeute. Eine einmalige Ohrfeige oder eine verbale
Beschimpfung im Verlauf eines eskalierenden Streits reichen dagegen nicht aus.
Vielmehr müsse die physische oder psychische Zwangsausübung und deren
Auswirkungen von einer gewissen Konstanz bzw. Intensität geprägt sein (BGE 138 II
229 E. 3.2.1 f., Caroni, a.a.O., Rz. 34 zu Art. 50 AuG). Auch psychische bzw. sozio-
ökonomische Druckausübung wie dauerndes Beschimpfen, Erniedrigen, Drohen und
Einsperren kann einen für die Annahme eines nachehelichen Härtefalls relevanten Grad
an unzulässiger Oppression erreichen. Dies ist praxisgemäss dann der Fall, wenn die
psychische Integrität des Opfers bei einer Aufrechterhaltung der ehelichen
Gemeinschaft schwer beeinträchtigt würde. Nicht jede unglückliche, belastende und
nicht den eigenen Vorstellungen entsprechende Entwicklung einer Beziehung
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begründet indessen bereits einen nachehelichen Härtefall und ein weiteres
Anwesenheitsrecht in der Schweiz. Häusliche Oppression bedeutet systematische
Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben (vgl. BGer 2C_428/2012
vom 18. Mai 2012 E. 2.2.3). Die anhaltende, erniedrigende Behandlung muss derart
schwer wiegen, dass von der betroffenen Person bei Berücksichtigung sämtlicher
Umstände vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, dass sie einzig aus
bewilligungsrechtlichen Gründen die Ehe aufrechterhält und in einer ihre
Menschenwürde und Persönlichkeit verneinenden Beziehung verharrt. Eine glaubhaft
gemachte oppressionsbedingte Aufhebung der Hausgemeinschaft soll für die
betroffene Person keine ausländerrechtlichen Nachteile zur Folge haben, wenn sie
durch das Zusammenleben in ihrer Persönlichkeit ernsthaft gefährdet wäre und ihr eine
Fortführung der ehelichen Gemeinschaft bei objektiver Betrachtungsweise nicht mehr
zugemutet werden kann (BGE 138 II 229 E. 3.2.2).
4.2. Gerade weil der Nachweis ehelicher Gewalt in den wenigsten Fällen direkt erbracht
werden kann, trifft die ausländische Person bei der Feststellung des entsprechenden
Sachverhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 90 AIG, BGE 138 II 229 E.
3.2.3). Dabei genügen allgemein gehaltene Behauptungen oder Hinweise auf punktuelle
Spannungen in der Beziehung nicht. Vielmehr muss die Systematik der Misshandlung
bzw. deren zeitliches Andauern und die daraus entstehende Belastung objektiv
nachvollziehbar konkretisiert und beweismässig unterlegt werden (vgl. BGer
2C_873/2013 vom 25. März 2014 E. 4.4, M. Spescha, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/
Hruschka [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, N 10 zu Art. 50 AuG, Art.
77 Abs. 5 VZAE). Als Hinweise für eheliche Gewalt gelten nach Art. 77 Abs. 6 und 6
VZAE insbesondere entsprechende Arztzeugnisse, Polizeirapporte, Strafanzeigen,
zivilrechtliche Fernhaltemassnahmen (Art. 28b des Zivilgesetzbuches SR 210, ZGB)
oder entsprechende strafrechtliche Verurteilungen bzw. Hinweise und Auskünfte von
spezialisierten Fachstellen (BGer 2C_339/2018 vom 16. November 2018 E. 5.3).
4.3. Aus Sicht der Vorinstanz konnte die Beschwerdeführerin mit ihren Vorbringen und
Einlagen nicht objektiv nachvollziehbar aufzeigen, dass die behauptete eheliche Gewalt
die rechtsprechungsgemäss vorausgesetzte Intensität und Konstanz erreicht hatte. Sie
führte in diesem Zusammenhang aus, dass die im Bericht des Frauenhauses vom 20.
Juni 2016 geschilderten "Gewalterfahrungen" lediglich auf Aussagen der
bis
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Beschwerdeführerin beruhen würden und bereits daher in ihrer Bedeutung von
vornherein zu relativieren seien. Fehlen würden sodann die behauptete Sachlage
bestätigende, ergänzende ärztliche Berichte über die geklagten psychischen
Gewalteinwirkungen durch den Ehemann und dessen Familie; ebenso würde es an
Strafanzeigen oder wenigstens Unterlagen über die Einleitung eines Strafverfahrens
fehlen. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Befragung durch
den Eheschutzrichter vom 29. September 2015 und in der vor diesem abgegebenen
Stellungnahme vom 15. Februar 2016 angegeben habe, es mit der Ehe des Kindes
wegen nochmals versuchen zu wollen. Bereits daher könne nicht von einer
Unzumutbarkeit des weiteren Zusammenlebens mit dem Ehemann gesprochen
werden.
4.4. Die Beschwerdeführerin weist darauf hin, dass sich der Bericht des Beistandes
vom 19. Januar 2018 mit den Feststellungen des Frauenhauses vom 20. Juni 2016
decke und dass sich daraus das entscheidrelevante Gesamtbild ergebe. Der Ehemann
der Beschwerdeführerin zeige nach der Trennung ein für Gewalt ausübende Personen
typisches Verhaltensmuster auf. So sei er sowohl durch die Mitarbeiterin der Mütter-
und Väterberatung als auch durch den zuständigen Mitarbeiter der
Berufsbeistandschaft als gefährlich beschrieben worden. Sie sei daher denn auch in
der elften Schwangerschaftswoche ins Frauenhaus geflüchtet und habe sich dort zwölf
Wochen aufgehalten. Mit der ihr zugewiesenen Sozialarbeiterin habe sie längere
Gespräche geführt. Im Bericht werde die erlittene schwere Traumatisierung detailliert
und nachvollziehbar geschildert. Es sei lebensfremd, wenn von einem schwangeren
Opfer in dieser Situation eine Strafanzeige verlangt werde. Im Strafverfahren würden
immer die Aussagen der mutmasslich gewaltbetroffenen Person den in der Regel
diametral entgegengesetzten Aussagen des mutmasslich gewaltausübenden Ehegatten
gegenüberstehen. Im Gegensatz zum Strafverfahren seien im migrationsrechtlichen
Verfahren auch tiefere Beweismassstäbe anzusetzen. Sie habe zahlreiche Indizien und
Beweismittel eingereicht, die die behauptete häusliche Gewalt rechtsgenüglich belegen
würde, was die Vorinstanz aber bewusst ausblende. Ein blosses Glaubhaftmachen
müsse genügen.
4.5. Die Beschwerdeführerin heiratete am 26. Dezember 2012 in ihrem Herkunftsland
ihren Ehemann und reiste einige Monate später am 17. März 2013 in die Schweiz ein.
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Das Ehepaar wohnte zusammen mit den Eltern des Ehemanns in einer gemeinsamen
Wohnung. In der elften Schwangerschaftswoche suchte die Beschwerdeführerin wegen
häuslicher Gewalt Zuflucht im Frauenhaus und hielt sich dort vom 9. Juni bis zum 2.
September 2015 auf. Laut dem Bericht des Frauenhauses vom 20. Juni 2016 sei sie zu
Hause von ihrem Ehemann und ihren Schwiegereltern unter enormen psychischen
Stress gesetzt worden. Ihr sei jeglicher Kontakt mit in der Schweiz lebenden
Angehörigen, mit neuen Freunden oder Arbeitskollegen verwehrt worden. Ihr erzieltes
Einkommen habe sie vollständig den Schwiegereltern abgeben müssen. Nebst dem
100% Arbeitspensum sei sie ausserdem noch gezwungen worden, den gesamten
Haushalt der mehrköpfigen Familie zu besorgen. Sie habe sich wie eine Sklavin gefühlt
und sich nicht getraut, sich gegen die Familie zu wehren. Zuhause habe zunehmend
Druck, Kontrolle und Erniedrigung geherrscht. Als sie schwanger geworden sei, sei die
Situation eskaliert. Ihr sei von den Schwiegereltern und ihrem Ehemann befohlen
worden, das Kind abzutreiben. Im Frauenhaus musste die Beschwerdeführerin laut
dem Bericht aufgrund ihres mangelhaften Ernährungszustand medizinisch "vernetzt"
werden. Sie habe klare Anzeichen einer Traumatisierung gezeigt, eine engmaschige
Unterstützung benötigt und Begleitung im psychosozialen sowie psychischen Bereich
gebraucht. Das Thema Strafanzeige sei thematisiert worden, aber die
Beschwerdeführerin habe aus Angst vor weiteren Eskalationen und mangelnder
Beweislage davon abgesehen. Am 3. Juli 2015 reichte die Beschwerdeführerin beim
Kreisgericht P._ ein Eheschutzbegehren ein. Sie gab an, dass sie am 9. Juni 2015 aus
der gemeinsamen Wohnung ausgezogen sei. Die neue Adresse wolle sie nicht
preisgeben, da sie nicht wisse, wie die Reaktion ihrer Schwiegereltern und ihres
Ehemannes ausfalle. Die Verhandlung fand am 29. September 2015 statt. Dabei gab
die Beschwerdeführerin unter anderem zum Thema häusliche Gewalt zu Protokoll,
dass es keine körperliche Gewalt gegeben habe. Sie habe psychischen Stress gehabt.
Sie habe keine Bankkarte, kein Telefon und kein Geld gehabt. Immer wenn sie etwas
serviert habe, habe die Schwiegermutter gelacht. Und wenn sie mit der Familie geredet
habe, habe er mitgehört. Es sei zwar anfangs kein Problem gewesen, mit den
Schwiegereltern zusammen zu wohnen, später aber schon. Im Moment gebe sie der
Ehe keine Chance, aber vielleicht wegen dem Kind in einem Jahr. Dem
Zwischenbericht des Berufsbeistandes vom 19. Januar 2018 ist zu entnehmen, dass
sich der Ehemann der Verantwortung für das gemeinsame Kind entziehe und die
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Besuchsrechte nicht wahrnehme. Er zeige ein sehr auffälliges, narzisstisches Verhalten.
Sein Intellekt sei eng und wohl gerade deswegen sein Handeln stark von traditionell
patriarchalischer und sehr willkürlicher Denkweise geprägt.
4.6. Die Journaleinträge sowie der Zwischenbericht des Berufsbeistandes vom 19.
Januar 2018 berichten über die Zeit nach dem gemeinsamen Zusammenleben der
Ehegatten; sie enthalten indes keine Hinweise auf eheliche Gewalt. Es werden zwar
Drohungen seitens des Ehegatten gegenüber einer Mitarbeiterin der Mütter- und
Väterberatung und gegenüber dem Berufsbeistand beschrieben. Diese beziehen sich
jedoch auf die schwierige Situation im Rahmen der konfliktreichen Ausübung des
Besuchsrechts des gemeinsamen Kindes. Auch der aus dem albanischen übersetzte
SMS-Verkehr vom 7. und 8. Februar sowie 19. April 2018 zwischen der
Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann stammt aus der Zeit nach der Trennung und
bezieht sich ebenfalls auf das Besuchsrecht. Es trifft zu, dass der Ehemann Drohungen
gegen die Familie der Beschwerdeführerin erhoben hat; weil aber die Eheleute bereits
getrennt lebten, befindet sich die Beschwerdeführerin in keiner wesentlich anderen
Situation als jede andere Person, welche nach der Trennung Opfer von Gewalt durch
den anderen Ehepartner wird (BGer 2C_590/2010 vom 29. November 2010 E. 2.5.3).
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführer reichen der pauschale Hinweis auf das
Sonderheft Häusliche Gewalt (in Mitteilungen zum Familienrecht: https://
www.gerichte.sg.ch/ unter: Dienstleistungen/Nützliche Informationen/Familienrecht/
Mitteilungen zum Familienrecht), die vom Berufsbeistand angedeutete narzisstische
Persönlichkeitsstruktur und das patriarchalische Denken des Ehemannes nicht aus, um
die behauptete psychische Gewalt an der Beschwerdeführerin konkret darzulegen.
Anlässlich der Verhandlung zum Eheschutzverfahren vom 29. September 2015 wurde
sie im Übrigen nach der durchlebten häuslichen Gewalt gefragt. Die
Beschwerdeführerin wies damals auf psychischen Stress hin, begründete allerdings
nicht ausführlicher, inwiefern konkret Gewalt auf sie ausgeübt worden sei.Als einziger
Hinweis auf erlebte eheliche Gewalt verbleibt der Bericht über den Aufenthalt im
Frauenhaus vom 20. Juni 2016. Dieser wiederum stützt sich aber allein auf die
Angaben der Beschwerdeführerin. Gemäss dem Bericht des Frauenhauses musste die
Beschwerdeführerin medizinisch "vernetzt" werden, wies klare Anzeichen einer
Traumatisierung auf und erlitt Panikattacken, weshalb sie engmaschige psychische
Begleitung benötigte. Es wäre daher zu erwarten, dass diese gesundheitlichen
https://www.gerichte.sg.ch/ https://www.gerichte.sg.ch/
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Probleme durch ärztliche Berichte belegt werden können. In den vorliegenden Akten
findet sich jedoch kein einziger medizinischer Bericht und damit fehlen weiterführende
Hinweise auf die erlebte Gewalt. Sowohl das von der Beschwerdeführerin
beschriebene, durch den Ehemann erteilte "Kontaktverbot" zu Angehörigen und
Freunden, als auch die geltend gemachte Erniedrigung durch die Schwiegereltern mag
zwar subjektiv äusserst störend empfunden worden sein, eine anhaltende,
erniedrigende Behandlung oder eine schwerwiegende psychische Druckausübung wird
damit indes ebenfalls nicht aufgezeigt. Darüber hinaus ist fraglich, wie restriktiv
gemeint dieses "Kontaktverbot" war; immerhin ging die Beschwerdeführerin einer
Erwerbstätigkeit in einem 100% Pensum nach und besuchte einen Deutschkurs, womit
ihr die Aufnahme von sozialen Kontakten durchaus möglich war. Zudem musste der
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Herkunft das patriarchalisch geprägte
Familiensystem vom Herkunftsland und das mit sich einhergehende Zusammenleben
mit den Schwiegereltern bzw. ihre Stellung in der Familie bekannt gewesen sein (http://
albanisches-institut.ch/wp-content/uploads/2011/12/Albanische-Familien-in-der-
Schweiz.pdf, https://www.sem.admin.ch/sem/de/home.html unter Internationales/
Herkunftsländer/Europa-GUS/Kosovo/Lager der Frauen). Im Gegensatz zu dem von
der Beschwerdeführerin erwähnten Urteil des Verwaltungsgerichts B 2018/95 vom
27. September 2018, in welcher eine Frau zweimal zur Abtreibung eines Kindes seitens
der Familie des Ehemannes getrieben wurde, fehlen vorliegend weitere Hinweise wie
Arztberichte, Strafanzeigen oder sonstige glaubwürdige Zeugenaussagen von
Angehörigen, Nachbarn oder Arbeitskollegen. Zwar macht die Beschwerdeführerin zu
Recht geltend, dass für das Vorliegen anspruchsbegründender ehelicher bzw.
häuslicher Gewalt nicht ein voller Beweis oder eine strafrechtliche Verurteilung verlangt
wird, sondern es genügt, wenn dies die ausländische Person, losgelöst von einem
strafrechtlichen Verfahren, in geeigneter Weise glaubhaft macht (BGE 138 II 229 E.
3.2.3, BGer 2C_765/2013 vom 2. Juni 2014 E. 4.3). Es obliegt jedoch ihr, die
erforderliche Intensität und Konstanz der Gewalteinwirkungen während der ehelichen
Gemeinschaft glaubhaft zu machen. Mit dem Bericht des Frauenhauses konnte die
Beschwerdeführerin aberweder die Systematik von Misshandlungen bzw. deren
zeitliches Andauern noch die daraus entstehende subjektive Belastung objektiv
nachvollziehbar konkretisieren oder wenigstens glaubhaft belegen. Eine Ehe, welche
relativ rasch eingegangen wurde und nach kurzer Zeit scheitert, weil sich die Eheleute
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in ihren Vorstellungen über den Partner und dessen Verhalten getäuscht sehen, selbst
wenn die Beschwerdeführerin das Verhalten ihres Mannes und dessen Familie allenfalls
auch als erniedrigend empfunden hat, bildet noch keine relevante Form von ehelicher
Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AIG (BGer 2C_293/2017 vom 30. Mai 2017 E. 3.1
und 3.2). Insgesamt sind jedenfalls keine eindeutigen Anhaltspunkte ersichtlich, welche
auf eine konstante und intensive eheliche bzw. häusliche Gewaltausübung durch ihren
Ehemann schliessen lassen und damit einen nachehelichen Härtefall zu begründen
vermöchten.
5.
5.1. Nebst der ehelichen Gewalt stellt auch die starke Gefährdung der sozialen
Wiedereingliederung im Herkunftsland für sich allein einen wichtigen persönlichen
Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AIG und Art. 77 Abs. 2 VZAE dar. Daher ist weiter zu
prüfen, ob aufgrund dessen die Aufenthaltsbewilligung zu erteilen bzw. zu verlängern
ist. Die Beschwerdeführerin hebt hervor, dass für sie und ihren Sohn eine erhebliche
Gefährdung (Entführungsgefahr, Gefahr des Obhutsentzuges durch den Kindsvater,
Gefahr der angedrohten Repressalien) bestünde, wenn sie in ihr Heimatland
zurückkehren müsse. Der Ehemann habe mittels einer im Heimatland eingereichten
Scheidungsklage bereits versucht, die Zuweisung der Obhut des Kindes zu erwirken.
5.2. Bei der Anwendung von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG ist entscheidend, ob die
persönliche, berufliche und familiäre Wiedereingliederung der betroffenen
ausländischen Person bei einer Rückkehr in ihre Heimat als stark gefährdet zu gelten
hätte und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre und von ihr vorgezogen
würde (vgl. BGE 137 II 345 E. 3.2.2 und BGer 2C_1270/2012 vom 2. April 2013 E. 2.2).
Ein persönlicher, nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der gesamten Umstände eine
erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben voraus, die
mit der Lebenssituation nach dem Dahinfallen der gestützt auf Art. 43 Abs. 1 AIG
abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sein muss (vgl. BGE 137 II 345 E.
3.2.3 und BGer 2C_781/2010 vom 16. Februar 2011 E. 2.2). Hat der Aufenthalt nur
kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft,
lässt sich ein Anspruch auf weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute
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Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme darstellt (BGE 138 II 229 E.
3.1, Botschaft AuG, BBl 2002 3709, 3754 Ziff. 1.3.7.6).
Es gilt dasselbe Beweismass wie bei der Geltendmachung von ehelicher Gewalt als
wichtigen Grund (vgl. E. 4.2). Auch hier genügen allgemeine Hinweise nicht; die
befürchtete Beeinträchtigung muss im Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände
glaubhaft erscheinen (BGer 2C_765/2013 vom 2. Juni 2014 E. 4.1).
5.3. Die heute 28-jährige Beschwerdeführerin reiste im Alter von 23 Jahren in die
Schweiz ein. Sie verbrachte damit den grössten Teil ihres Lebens in ihrem Heimatland
und besuchte die dortigen Schulen (Volksschule, Gymnasium und ein Jahr Universität).
Nachdem sie die prägende Schul- und Jugendzeit in ihrem Heimatland verbrachte, darf
davon ausgegangen werden, dass ihr soziales Netz aus Familienmitgliedern und
Freunden in ihrem Heimatland nach wie vor besteht bzw. sie bei ihrer Rückkehr in die
Heimat an frühere Beziehungen wieder anknüpfen kann, zumal sie weiterhin mit ihrer
Familie in Kontakt stand. Aus dem Umstand, dass sie in der Schweiz einer
Erwerbstätigkeit nachgeht und der deutschen Sprache nach Absolvierung der
Sprachkurse soweit mächtig ist, lässt sich kein Anspruch auf einen weiteren Verbleib in
der Schweiz ableiten. Aufgrund der kurzen Aufenthaltsdauer von zwischenzeitlich fünf
Jahren (inklusive Rechtsmittelverfahren) kann denn auch nicht von einer
fortgeschrittenen persönlichen Integration und Verwurzelung ausgegangen werden,
welcher einer Rückkehr ins Heimatland entgegenstehen würde. Wurden keine engen
Beziehungen zur Schweiz geknüpft und war der Aufenthalt im Land nur von kurzer
Dauer, besteht praxisgemäss kein Anspruch auf einen weiteren Verbleib, auch wenn
die betroffene ausländische Person hier nicht straffällig geworden ist, gearbeitet hat
und inzwischen auch Deutsch spricht (BGer 2C_428/2012 vom 18. Mai 2012 E. 2.2.1).
Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass ihre soziale Wiedereingliederung in ihr
Heimatland aufgrund der vom Ehemann angedrohten Repressalien und der
Entführungsgefahr des Beschwerdeführers bzw. des möglichen Obhutsentzuges
gefährdet sei. Selbst mit diesen Anhaltspunkten kann die von der Rechtsprechung
verlangte starke Gefährdung bei einer Rückkehr ins Heimatland nicht ausreichend
begründet werden. Dementsprechend liegt insgesamt kein Grund vor, der gegen die
Wiedereingliederung der Beschwerdeführerin im Heimatland spricht. Damit vermag sie
keinen Anspruch auf einen weiteren Verbleib in der Schweiz zu begründen.
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6.
6.1. Wie die Vorinstanz zu Recht festgestellt hat, erfüllt die Beschwerdeführerin die
Voraussetzungen für einen nachehelichen Härtefall nach Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2
AIG und Art. 77 Abs. 2 VZAE nicht. Besteht darauf kein Anspruch, so liegt die Frage
nach der Wegweisung bzw. nach der erneuten Bewilligungserteilung im behördlichen
Ermessen (Bolzli, in: Kommentar Migrationsrecht, a.a.O., N 4 zu Art. 33 AuG). Das
Verwaltungsgericht greift nicht in die Ermessensausübung der Vorinstanzen ein, wenn
diese nicht mit einem Rechtsfehler behaftet ist (Art. 61 Abs. 1 VRP; Cavelti/Vögeli,
a.a.O., Rz. 739 ff., VerwGE B 2015/45 vom 19. Juli 2016 E. 6.1, B 2016/131 vom
16. Januar 2018 E. 3.6, www.gerichte.sg.ch).
6.2. Die Vorinstanz hat das öffentliche Interesse an einer restriktiven Migrationspolitik
höher gewichtet als die privaten Interessen der erst seit relativ kurzer Zeit hier lebenden
Beschwerdeführerin am weiteren Verbleib in der Schweiz (vgl. BGE 135 I 153 E. 2.2.1).
Wie bereits ausgeführt verbrachte die Beschwerdeführerin den grössten Teil ihres
Lebens und damit die kulturell prägenden Jugendjahre in ihrem Heimatland. Sie ist
demnach mit den dort herrschenden Sitten und Gebräuchen bestens vertraut. Die
Rückkehr in die Heimat ist ihr demzufolge ohne weiteres zumutbar und aufgrund ihres
jungen Alters ist sie in der Lage, sich den dort herrschenden Lebensumständen wieder
anzupassen. Die Beschwerdeführerin arbeitet zwar in der Schweiz als
Reinigungsangestellte und erlernte die deutsche Sprache. Diese Umstände allein
lassen die vorinstanzliche Ermessensausübung jedoch nicht als rechtsfehlerhaft
erscheinen. Insbesondere ist nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin
auch nicht weiter nachgewiesen, inwiefern sie in der Schweiz besonders intensive, über
eine normale Integration hinausgehende private Bindungen gesellschaftlicher oder
beruflicher Natur bzw. entsprechend vertiefte soziale Beziehungen zum
ausserfamiliären bzw. ausserhäuslichen Bereich unterhält. Wie die Vorinstanz zu Recht
ausführte, besteht ein öffentliches Interesse daran, dass Ausländerinnen und
Ausländer, bei denen die familiären Voraussetzungen, die für die Erteilung des
Aufenthaltsrechts massgebend waren, nach kurzer Zeit wegfallen, die Schweiz wieder
verlassen (VerwGE B 2012/105 vom 13. November 2012 E. 7, www.gerichte.sg.ch).
7.
http://www.gerichte.sg.ch/ http://www.gerichte.sg.ch/
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7.1. Das unmündige Kind teilt grundsätzlich schon aus familienrechtlichen Gründen
(Art. 25 Abs. 1 und Art. 301 Abs. 3 ZGB; BGE 133 III 505 E. 3.3 S. 306 ff.) das
ausländerrechtliche Schicksal des sorge- bzw. obhutsberechtigten Elternteils und hat
gegebenenfalls mit diesem das Land zu verlassen, wenn der Elternteil keine
Bewilligung (mehr) hat (BGE 143 I 21 E. 5.4, 139 II 393 E. 4.2.3, Urteil 2C_154/2016
vom 3. Oktober 2016 E. 3.3). Ist dem Kind die Ausreise zumutbar (was grundsätzlich zu
bejahen ist, wenn es sich in einem anpassungsfähigen Alter befindet), liegt gar kein
Eingriff in das durch Art. 8 EMRK geschützte Recht auf Familienleben vor (BGE 135 I
153 E. 2.1 S. 155; 122 II 289 E. 3c S. 298; Urteil 2C_656/2011 vom 8. Mai 2012 E. 3.2).
7.2. Der Beschwerdeführer kam am 11. Dezember 2015 auf die Welt und damit erst
nach der Trennung der Eltern am 9. Juni 2015. Gemäss dem Entscheid des
Kreisgerichts P._ vom 29. September 2015 vereinbarten die Eltern, dass das Kind
überwiegend durch die Mutter betreut werden soll und dem Vater ein Besuchsrecht
eingeräumt wird. Der Beschwerdeführer lebt folglich mit der Beschwerdeführerin
zusammen und verfügte damit wie die Beschwerdeführerin über eine
Aufenthaltsbewilligung, bis diese nicht mehr verlängert wurde. Er teilt das
ausländerrechtliche Schicksal der obhutsberechtigten Beschwerdeführerin. In seinem
Alter weist der Beschwerdeführer noch keine vertiefteren Beziehungen zur Schweiz auf.
Ferner ist er in einem anpassungsfähigen Alter, weshalb ihm die Ausreise mit der
Beschwerdeführerin ohne Weiteres zumutbar ist.
7.3. Der nicht sorge- bzw. obhutsberechtigte ausländische Elternteil kann die familiäre
Beziehung mit seinem Kind von vornherein nur in beschränktem Rahmen pflegen,
nämlich durch Ausübung des ihm eingeräumten Besuchsrechts. Um dieses
wahrnehmen zu können, ist es in der Regel nicht erforderlich, dass der ausländische
Elternteil dauerhaft im selben Land wie das Kind lebt und dort über ein
Anwesenheitsrecht verfügt. Unter dem Gesichtspunkt des Anspruchs auf Familienleben
(Art. 8 Ziff. 1 EMRK sowie Art. 13 Abs. 1 BV) ist es grundsätzlich ausreichend, wenn
das Besuchsrecht im Rahmen von Kurzaufenthalten vom Ausland her ausgeübt werden
kann, wobei allenfalls die Modalitäten des Besuchsrechts entsprechend auszugestalten
sind. Gemäss der ständigen bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichts kann ein
weitergehender Anspruch nur dann in Betracht fallen, wenn in wirtschaftlicher und
affektiver Hinsicht eine besonders enge Beziehung zum Kind besteht, diese Beziehung
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wegen der Distanz zum Heimatland des Ausländers praktisch nicht aufrechterhalten
werden könnte und das bisherige Verhalten des Ausländers in der Schweiz zu keinerlei
Klagen Anlass gegeben hat (BGE 139 I 315 E. 2.2).
7.4. Gemäss dem Zwischenbericht des Berufsbeistandes vom 19. Januar 2018 nimmt
der Vater des Beschwerdeführers das Besuchsrecht gar nicht wahr und entzieht sich
jeglicher Verantwortung und Verpflichtung. Es besteht zu diesem Zeitpunkt
grundsätzlich überhaupt keine Bindung zwischen dem Vater und Kind. Entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers ergibt sich auch aus dem geltend gemachten
Übereinkommen über die Rechte des Kindes (UN-Kinderrechtskonvention, SR 0.107,
KRK) kein direkter Leistungsanspruch auf die Erteilung einer ausländerrechtlichen
Bewilligung (BGer 2C_648/2014 vom 6. Juli 2015 E. 2.3, BGE 143 I 21 E. 5.5.2). Nach
Art. 9 Abs. 3 und Art. 10 Abs. 2 KRK achten die Vertragsstaaten das Recht des Kindes,
das von einem oder beiden Elternteilen getrennt lebt, regelmässige persönliche
Beziehungen und unmittelbare Kontakte zu beiden Elternteilen pflegen zu können,
soweit dies nicht seinem Wohl widerspricht. Dafür ist allerdings nicht in allen Fällen der
Aufenthalt im selben Land erforderlich (BGer 2C_648/2014 vom 6. Juli 2015 E. 2.3). Da
die Hauptbetreuung des Beschwerdeführers durch die Beschwerdeführerin
sichergestellt wird, hat der Beschwerdeführer - wie bereits erwähnt - das Land mit ihr
zu verlassen. Der Vater kann, sofern er will, den Kontakt mit dem Beschwerdeführer in
der gemeinsamen Heimat mittels Besuchen pflegen und ihn mit den Mitteln der
modernen Telekommunikation (z.B. Videotelefonie) aufrechterhalten (BGE 143 I 21 E.
6.3.1). Da der Beschwerdeführer aufgrund seines Alters noch nicht in der Lage ist, den
Kontakt zum Vater selbst wahrzunehmen, wird er durch die Beschwerdeführerin
unterstützt werden müssen.
8. Zusammenfassend können der Vorinstanz keine Rechtsfehler vorgeworfen werden,
wenn sie die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin
und des Beschwerdeführers nach Durchführung der gebotenen Interessenabwägung
bestätigte. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF
2‘000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
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GKV). Die Kosten werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss von CHF 2‘000
verrechnet.
Ausseramtliche Kosten sind bei diesem Verfahrensausgang nicht zu entschädigen (Art.
98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).