Decision ID: 60ad0ab4-d81e-50aa-930e-160d8b3a6c89
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Rekurrentin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Vorinstanz,
betreffend
individuelle Prämienverbilligung 2008
Sachverhalt:
A.
A.a S._, Jahrgang 1987, meldete sich im Februar 2008 zum Bezug von individueller
Prämienverbilligung (IPV) für das Jahr 2008 an. Gemäss ihren Angaben im
Anmeldeformular bezogen ihre Eltern für den Monat Januar 2008 weder eine
Ausbildungszulage für sie noch kamen sie für ihren Lebensunterhalt überwiegend auf
(act. G 3.1.1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) forderte mit
Schreiben vom 31. März 2008 weitere Unterlagen ein. Würden ihr diese nicht bis zum
15. April 2008 zugestellt, so gehe man davon aus, dass die Versicherte ihren
Lebensunterhalt nicht zur Hauptsache selbst bestreite (act. G 3.1.2). Mit Verfügung
vom 2. Mai 2008 wies die SVA das Gesuch ab, weil aufgrund unvollständiger
Unterlagen und Daten der Anspruch auf individuelle Prämienverbilligung nicht
berechnet werden könne. Da die einverlangten Unterlagen nicht bei ihr eingegangen
seien, gehe man davon aus, dass die Versicherte ihren Lebensunterhalt nicht zur
Hauptsache selber bestreite (act. G 3.1.3).
A.b Mit Schreiben vom 11. Mai 2008 teilte die Mutter der Versicherten der SVA mit,
die eingeforderten Unterlagen habe man im April zugestellt (act. G 3.1.4). Die SVA
ersetzte daraufhin mit Verfügung vom 4. Juni 2008 teilweise die Verfügung vom 2. Mai
2008. Die Versicherte habe auf dem Anmeldeformular bestätigt, dass ihre Eltern am 1.
Januar des Bezugsjahres eine Ausbildungszulage bezogen hätten und/oder
überwiegend für ihren Lebensunterhalt aufkämen. Daher sei der Antrag auf
Prämienverbilligung abzulehnen (act. G 3.1.5).
A.c Eine gegen diese Verfügung gerichtete Einsprache vom 19. Juni 2008 wies die
SVA mit Entscheid vom 1. Juli 2008 ab. Wenn Anspruch auf eine Ausbildungszulage
bestehe, so sei davon auszugehen, dass die Eltern zur Hauptsache für den Unterhalt
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ihrer Kinder aufkämen. Die Mutter der Versicherten habe bestätigt, dass eine
Ausbildungszulage bezogen werde, weshalb ein allfälliger IPV-Anspruch durch die
Eltern geltend zu machen sei (act. G 3.1.7).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich der Rekurs von Rechtsanwalt lic. iur. Roland
Hochreutener in Vertretung der Versicherten vom 14. August 2008. Er beantragt die
Aufhebung des Einspracheentscheids und die Gewährung der individuellen
Prämienverbilligung für die Rekurrentin für das Jahr 2008. Eventualiter sei die
Angelegenheit zur Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen für das Jahr 2008 an die
Vorinstanz zurückzuweisen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Gemäss
dem Urteil KV-SG 2006/4 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
23. Januar 2007 müsse nicht zwingend zutreffen, dass die Bezüger der
Ausbildungszulage auch zur Hauptsache für den Unterhalt der Person aufkämen, für
die sie die Zulage beziehen würden. Im Einzelfall sei durchaus möglich, dass die in
Ausbildung stehende Person aus eigenen Mitteln oder mit Hilfe von
Unterstützungsleistungen Dritter zur Hauptsache für den eigenen Unterhalt aufkomme.
Die Vorinstanz habe keine Prüfung vorgenommen, wer in welchem Umfang den
Lebensunterhalt der Rekurrentin bezahle. Diese habe zum massgeblichen Zeitpunkt als
Lehrling im dritten Lehrjahr einen monatlichen Bruttolohn von Fr. 1'560.- erzielt,
zuzüglich Anteil am 13. Monatslohn und Ausbildungszulage. Sie komme zur
Hauptsache selbst für ihren Unterhalt auf, weshalb sie einen eigenständigen Anspruch
auf Prämienverbilligung habe (act. G 1).
B.b Die Vorinstanz beantragt in der Vernehmlassung vom 27. August 2008 die
Abweisung des Rekurses. Art. 21 Abs. 3 i.V.m. Art. 14 Abs. 2 der Verordnung zum
Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung halte fest,
dass Eltern einer in Ausbildung stehenden Person bis zum 25. Altersjahr die
Prämienverbilligung für diese Person erhalten würden, wenn eine Ausbildungszulage
ausgerichtet werde. Diese Bedingung sei vorliegend erfüllt. Sie enthalte keine
Ausnahmebestimmung. Das von der Rekurrentin wiedergegebene Urteil stehe dem
nicht entgegen. Sie übersehe, dass Art. 21 Abs. 3 Vo EG-KVG erst mit dem XV.
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Nachtrag vom 11. Dezember 2007 eingefügt worden sei. Im zitierten Urteil sei demnach
noch die alte Rechtslage zu beurteilen gewesen (act. G 3).
B.c Die Rekurrentin lässt in der Replik vom 4. September 2008 an ihren Anträgen
festhalten. Komme eine in Ausbildung stehende Person zur Hauptsache für ihren
eigenen Unterhalt auf, so könne ihr nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes der
Anspruch auf eine eigene Prämienverbilligung nicht verwehrt werden. Daran vermöge
eine allenfalls abweichende Verordnungsbestimmung nichts zu ändern, zumal diese nur
für den Regel-, nicht aber zwingend für den Einzelfall Geltung beanspruche. Die
Vorinstanz lege im Übrigen nicht dar, inwiefern die von ihr geltend gemachte Änderung
der Verordnungsbestimmung eine Abweichung von der bisherigen Rechtsprechung
des Versicherungsgerichts gebieten solle (act. G 5).
B.d Die Vorinstanz verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (act. G 7).

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 42 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 47 Abs. 1 des st. gallischen
Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRP; sGS 951.1) können Einspracheentscheide der
SVA St. Gallen über Prämienverbilligungen für Versicherte in bescheidenen
wirtschaftlichen Verhältnissen innert 14 Tagen nach Eröffnung mit Rekurs beim
Versicherungsgericht angefochten werden. Der angefochtene Einspracheentscheid
datiert vom 1. Juli 2008. Der Rekurs wurde am 14. August 2008 der Post übergeben.
Aufgrund der vom 15. Juli bis 15. August dauernden Gerichtsferien (Art. 90 lit. a des st.
gallischen Gerichtsgesetzes [GerG; sGS 941.1]) erfolgte die Rekurserhebung
rechtzeitig. Auf den Rekurs ist somit einzutreten.
2.
Streitig und im vorliegenden Verfahren zu beurteilen ist, ob der Rekurrentin
grundsätzlich ein eigenständiger Anspruch auf Prämienverbilligung zusteht. Die
konkrete Berechnung eines allfälligen eigenen Anspruchs bildet demgegenüber nicht
Gegenstand dieses Verfahrens.
ter
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3.
Gemäss Art. 65 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10)
gewähren die Kantone den Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen
Prämienverbilligungen. Für untere und mittlere Einkommen verbilligen die Kantone die
Prämien von Kindern und jungen Erwachsenen in Ausbildung gemäss dem mit
Änderung vom 18. März 2005 eingeführten und am 1. Januar 2006 in Kraft getretenen
Art. 65 Abs. 1 KVG um mindestens 50%. Dieses System der Prämienverbilligung für
Kinder und junge Erwachsene in Ausbildung war von den Kantonen gemäss
Übergangsbestimmung der Änderung vom 18. März 2005 innert einem Jahr nach
Inkrafttreten der Änderung umzusetzen. Die Regierung des Kantons St. Gallen hat
diesen Auftrag im Rahmen der Reorganisation der Finanzierung der IPV in ihrer
Botschaft vom 15. August 2006 zum Nachtrag zum Einführungsgesetz zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (EG-KVG; sGS 331.11)
aufgegriffen (vgl. S. 3 und 16 der Botschaft, abgedruckt im Amtsblatt [ABl] Nr. 36 vom
4. September 2006, S. 2251 ff.). Die vorgeschlagene Erhöhung des
Prämienverbilligungsvolumens wurde in der Volksabstimmung vom 11. März 2007
angenommen (ABl Nr. 12 vom 19. März 2007, S. 952 ff.; Nr. 23 vom 4. Juni 2007,
S. 1816). Die entsprechenden Änderungen in Art. 14 sowie die Einführung eines
Art. 14 EG-KVG wurden am 11. März 2007 rechtsgültig (nGS 42-66).
4.
Art. 276 Abs. 1 des Zivilgesetzbuchs (ZGB; SR 210) verpflichtet die Eltern, für den
Unterhalt des Kindes aufzukommen, inbegriffen die Kosten von Erziehung, Ausbildung
und Kindesschutzmassnahmen. Diese Unterhaltspflicht umfasst grundsätzlich auch die
Bezahlung von Krankenkassenprämien. Nach Art. 276 Abs. 3 ZGB sind die Eltern von
der Unterhaltspflicht lediglich in dem Mass befreit, als dem Kind zugemutet werden
kann, den Unterhalt aus seinem Arbeitserwerb oder anderen Mitteln zu bestreiten. Die
Unterhaltspflicht der Eltern dauert bis zur Mündigkeit des Kindes (Art. 277 Abs. 1 ZGB).
Hat es dann noch keine angemessene Ausbildung, so haben nach Art. 277 Abs. 2 ZGB
die Eltern, soweit es ihnen nach den gesamten Umständen zugemutet werden darf, für
seinen Unterhalt aufzukommen, bis die entsprechende Ausbildung ordentlicherweise
abgeschlossen werden kann. Die Mündigenunterhaltspflicht ist nicht die Ausnahme,
bis
bis
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sondern nach wie vor Ausfluss aus der elterlichen Ausbildungspflicht (Art. 302 ZGB;
BSK ZGB I – Breitschmid, 3. Aufl., Basel 2006, Art. 277 Rz. 1). Das ZGB kennt keine
absolute Altersgrenze für den Mündigenunterhalt.
5.
5.1 Gemäss Art. 9 EG-KVG gewährt der Kanton Versicherten in bescheidenen
wirtschaftlichen Verhältnissen eine Prämienverbilligung. Voraussetzungen dafür sind
der steuerrechtliche Wohnsitz im Kanton St. Gallen und ein die Prämienverbilligung
auslösendes Einkommen (Art. 10 Abs. 1 EG-KVG). Keine Prämienverbilligung wird unter
anderem gewährt für in Ausbildung stehende Personen bis zum vollendeten 25.
Altersjahr, für deren Unterhalt die Eltern zur Hauptsache aufkommen (Art. 10 Abs. 2
Ziff. 3 EG-KVG). Gemäss Botschaft der Regierung vom 23. Mai 1995 zum EG-KVG
umfasst die Unterhaltspflicht der Eltern für in Ausbildung stehende Personen bis zum
vollendeten 25. Altersjahr explizit auch die Zahlung von Krankenversicherungsprämien,
sodass diese gegenüber den Eltern zu verbilligen sind, sofern die entsprechenden
Voraussetzungen erfüllt sind (ABl 1995 Nr. 27 vom 3. Juli 1995, S. 1536, Erläuterungen
zu Art. 11). Die Verordnung zum EG-KVG (Vo EG-KVG; sGS 331.111) enthält Regeln
zur Festsetzung des für die IPV massgebenden Einkommens. Art. 14 Abs. 1 Vo EG-
KVG lässt für jedes in der Schweiz wohnhafte Kind, für das ein Abzug nach Art. 48 des
Steuergesetzes (StG; sGS 811.1) gewährt wird, einen Abzug von Fr. 9'000.- zu. Der
Abzug wird gemäss Art. 14 Abs. 2 Vo EG-KVG auch Eltern eines in Ausbildung
stehenden Kindes bis zum vollendeten 25. Altersjahr gewährt, wenn die Eltern
unselbstständig erwerbstätig sind und ein Anspruch auf Ausbildungszulage besteht
(lit. a), oder die Eltern nicht oder selbstständig erwerbstätig sind und die übrigen
Voraussetzungen nach Art. 11 des Kinderzulagengesetzes (KZG; sGS 371.1) erfüllt
sind.
5.2 Mit dieser Lösung hat der st. gallische Gesetzgeber für in Ausbildung stehende,
unter 25-jährige Personen analog zum Steuerrecht die familienrechtliche
Unterhaltspflicht als Anknüpfungspunkt gewählt (vgl. ABl Nr. 27 vom 3. Juli 1995,
S. 1536; vgl. auch Art. 10 Abs. 2 Ziff. 3 EG-KVG sowie Art. 14 Abs. 2 Vo EG-KVG) und
dabei eine klare Unterscheidung getroffen zwischen Personen, für deren
Lebensunterhalt zur Hauptsache die Eltern aufkommen, und solchen, für die dies nicht
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zutrifft, sei es, dass sie selbst dafür aufkommen oder von Dritten unterstützt werden.
Für Angehörige der ersten Gruppe erhalten, wenn ein Anspruch auf Ausbildungszulage
besteht, die Eltern die Prämienverbilligung (Art. 10 Abs. 2 Ziff. 3 EG-KVG i.V.m. Art. 21
Abs. 3 Vo EG-KVG), jene der zweiten Gruppe verfügen unter den Voraussetzungen von
Art. 10 Abs. 1 EG-KVG über einen eigenen Anspruch.
5.3 Art. 10 Abs. 2 Ziff. 3 EG-KVG statuiert also eine Ausnahme zum grundsätzlichen
Anspruch auf Prämienverbilligung gemäss Abs. 1 für unter 25-jährige Personen in
Ausbildung, "für deren Unterhalt die Eltern zur Hauptsache aufkommen". Bei der
Interpretation dieser Ausnahmeregel muss wie bei jeder Gesetzesauslegung der
Wortlaut im Vordergrund stehen. Solange dieser klar ist und eine eindeutige Antwort
zulässt, ist auch auf diesen abzustellen. Nicht zulässig ist entgegen der Ansicht der
Vorinstanz die Schlussfolgerung, dass die Bezüger von Ausbildungszulagen in jedem
Fall auch in der Hauptsache für den Unterhalt der Personen aufkommen, für die sie die
Zulagen beziehen. Dies dürfte sich im Regelfall zwar durchaus so verhalten. Indessen
muss dies nicht zwingend zutreffen (vgl. auch m.w.H. die Ausführungen im Entscheid
KV-SG 2006/4 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. Januar
2007, Erw. 2b, c), wie nachfolgend zu zeigen ist.
5.4 Gemäss Art. 11 Abs. 1 KZG haben Erwerbstätige u.a. Anspruch auf eine
Ausbildungszulage, wenn das Kind in der Schweiz wohnt. Der Anspruch entsteht mit
Beginn der Ausbildung, frühestens jedoch nach vollendetem 16. Altersjahr. Er erlischt
mit Abschluss der Ausbildung, spätestens aber mit vollendetem 25. Altersjahr (Art. 11
Abs. 2 KZG). Nach Art. 11 Abs. 3 KZG entsteht der Anspruch nicht oder erlischt, wenn
das Kind ein jährliches Bruttoeinkommen von wenigstens dem doppelten Betrag der
höchsten einfachen Waisenrente der eidgenössischen Alters- und
Hinterlassenenversicherung erzielt (2008: Fr. 1'768.- monatlich, Fassung gemäss II.
Nachtrag vom 7. November 2002, nGS 33-103). Gemäss der Botschaft der Regierung
vom 28. März 1995 zum KZG geht es bei den Kinderzulagen darum, einen Teil jener
Familienlasten zu decken, die durch Ernährung, Bekleidung, häusliche Unterbringung
und Erziehung der Kinder verursacht werden. Demgegenüber sollten die
Ausbildungszulagen vorab die finanzielle Belastung vermindern, die dadurch entstehe,
dass sich Kinder nach Beendigung der obligatorischen Schulzeit weiter ausbilden
liessen. Wissenschaftliche Untersuchungen würden zeigen, dass ältere Kinder, d.h.
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Kinder ab dem 16. Altersjahr, die sich in der Berufsausbildung oder an höheren
Schulen befänden, eine im Vergleich zu jüngeren Jahrgängen wesentlich stärkere
Belastung des Familienhaushalts bewirken würden. Dieser Umstand sei bei der
Festsetzung der Zulagenansätze zu berücksichtigen (ABl Nr. 18 vom 1. Mai 1995,
S. 1063). Weiter wurde in der Botschaft ausgeführt, wenn ein Kind während seiner
Ausbildung einen Lohn beziehe, so sei dieser in der Regel tiefer als die
Ausbildungskosten. Lehrlingslöhne seien nicht existenzsichernd. Auf die Anrechnung
eines solchen Lohns auf Ausbildungszulagen solle deshalb verzichtet werden.
Hingegen solle der Anspruch auf Ausbildungszulagen wegfallen, wenn das jährliche
Erwerbseinkommen des Kindes eine Grösse aufweise, die das Bestreiten seines
Lebensunterhalts weitgehend ermögliche. Im Sinn einer flexiblen Lösung solle dabei
vom auf das Jahr umgerechneten eineinhalbfachen Betrag der höchsten einfachen
Kinder- oder Waisenrente der AHV ausgegangen werden (ABl Nr. 18 vom 1. Mai 1995,
S. 1067). In der Botschaft vom 18. Dezember 2001 zum II. Nachtrag zum KZG wurde
festgehalten, in der Praxis habe sich die Grenze des eineinhalbfachen Betrags der
höchsten einfachen Waisenrente als zu tief erwiesen. Mit einem Gehalt in dieser Höhe
würden die Lebenskosten vieler Lehrlinge nicht gedeckt. Deshalb sollte die Grenze auf
den doppelten Betrag der höchsten einfachen Waisenrente erhöht werden (ABl Nr. 4
vom 21. Januar 2002, S. 115), was mit Inkrafttreten des II. Nachtrags vom 7. November
2002 schliesslich auch geschah.
5.5 Art. 11 KZG setzt für den Anspruch auf Ausbildungszulage lediglich das
Absolvieren einer Ausbildung – ob es sich um eine Erst- oder Zweitausbildung handelt,
ist dabei irrelevant (vgl. dazu die vom Bundesamt für Sozialversicherung
herausgegebene Wegleitung über die Renten in der Eidgenössischen Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung [RWL], Rz. 3358 ff.) –, das Erfüllen der
Alterslimite und das Nichtüberschreiten eines bestimmten Erwerbseinkommens voraus.
Keine Anspruchsvoraussetzung ist dagegen nach dem oben Gesagten, dass der
Bezüger der Ausbildungszulage auch zur Hauptsache für den Unterhalt der Person in
Ausbildung aufkommt. Es ist daher durchaus möglich, dass die in Ausbildung stehende
Person aus eigenen Mitteln (z.B. Vermögen) oder mit Hilfe von
Unterstützungsleistungen Dritter zur Hauptsache für den eigenen Unterhalt aufkommt.
In diesen Fällen besteht nach dem klaren Wortlaut von Art. 10 Abs. 1 und Abs. 2 Ziff. 3
EG-KVG ein eigener Anspruch auf Prämienverbilligung, sofern die Voraussetzungen
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von Abs. 1 lit. a und b erfüllt werden, und zwar auch dann, wenn die Eltern für diese
Person eine Ausbildungszulage beziehen. Art. 21 Abs. 2 Vo EG-KVG, wonach die Eltern
einer in Ausbildung stehenden Person bis zum vollendeten 25. Altersjahr die
Prämienverbilligung für diese Person erhalten, wenn die Voraussetzungen nach Art. 14
Abs. 2 der Verordnung erfüllt sind, kann als Verordnungsbestimmung (und
"Aufteilungsregel") diesem gesetzlichen Anspruch nicht entgegengehalten werden,
auch wenn ihr für den "Regelfall" ihre Gesetzeskonformität nicht abgesprochen werden
kann (vgl. KV-SG 2006/4, Erw. 2c).
5.6 Die Vorinstanz weist in ihrer Vernehmlassung auf die Änderung von Art. 21 Abs. 3
Vo EG-KVG gemäss XV. Nachtrag vom 11. Dezember 2007 hin. Die bei Inkrafttreten
der Verordnung am 1. Januar 1996 geltende Fassung von Art. 21 Abs. 3 lautete
folgendermassen: "Eltern einer in Ausbildung stehenden Person bis zum vollendeten
25. Alterjahr erhalten die Prämienverbilligung für diese Person, sofern sie zur
Hauptsache für deren Unterhalt aufkommen" (ABl Nr. 52 vom 27. Dezember 1995,
S. 3086). Bereits mit dem I. Nachtrag, der am 1. Januar 1997 in Kraft trat, wurde Art. 21
Abs. 3 dahingehend geändert, dass Eltern einer in Ausbildung stehenden Person bis
zum vollendeten 25. Altersjahr die Prämienverbilligung für diese Person erhalten, wenn
ein Anspruch auf Ausbildungszulage besteht (ABl Nr. 5 vom 27. Januar 1997, S. 130).
Mit dem XV. Nachtrag vom 11. Dezember 2007, in Kraft seit dem 1. Januar 2008,
erhalten Eltern einer in Ausbildung stehenden Person bis zum vollendeten 25. Altersjahr
die Prämienverbilligung für diese Person, wenn die Voraussetzungen nach Art. 14
Abs. 2 der Verordnung erfüllt sind. Mit dieser Änderung wurden die Voraussetzungen
insofern gesenkt, als dass nun auch Eltern einen Anspruch auf Prämienverbilligung für
ihre Kinder erhalten können, die wegen einer selbstständigen Erwerbstätigkeit oder
Nichterwerbstätigkeit keinen Anspruch auf Ausbildungszulagen haben (vgl. Art. 14
Abs. 2 lit. b Vo EG-KVG). Für die vorliegend interessierende Fragestellung ist diese
Änderung jedoch nicht relevant. Somit hat die mehrfach bestätigte Rechtsprechung
gemäss dem Entscheid KV-SG 2006/4 des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 23. Januar 2007 nach wie vor Relevanz (vgl. etwa die Entscheide KV-
SG 2008/3 vom 27. Oktober 2008; KV-SG 2008/5 vom 12. November 2008). Art. 21
Abs. 3 Vo EG-KVG ist weiterhin lediglich eine "Aufteilungsregel", die für den Regelfall,
in dem die Eltern zur Hauptsache für den Unterhalt ihrer sich in Ausbildung
befindenden unter 25-jährigen Kinder aufkommen, anwendbar ist, sich im Übrigen
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jedoch nicht gegen den klaren Gesetzeswortlaut des Art. 10 Abs. 1 und Abs. 2 Ziff. 3
EG-KVG zu stellen vermag.
5.7 Im Sinn eines Zwischenfazits ist damit festzuhalten, dass für den Ausschluss
eines eigenen Anspruchs auf Prämienverbilligung gemäss Art. 10 Abs. 2 Ziff. 3 EG-KVG
nicht allein auf den objektiven Umstand des Bezugs einer Ausbildungszulage durch die
Eltern abgestellt werden darf. Vielmehr ist im Einzelfall zu prüfen, wer zu welchen Teilen
für den Lebensunterhalt der in Ausbildung stehenden Person aufkommt, zumal eine
irgendwie geartete gesetzliche Vermutung für das Bestehen der hauptsächlichen
elterlichen Unterhaltsbestreitung, wie von der Vorinstanz wiederholt ins Spiel gebracht,
nicht existiert (vgl. den Entscheid KV-SG 2008/3, Erw. 4).
6.
6.1 Die Prämienverbilligung ist als Sozialversicherungsleistung grundsätzlich
gegenüber der Unterstützungspflicht der Eltern nachrangig. Dies bedeutet, dass die in
Ausbildung stehende, unter 25-jährige Person ihren Unterstützungsanspruch
gegenüber ihren Eltern vollumfänglich ausschöpfen muss, bevor sie einen eigenen
Anspruch auf Prämienverbilligung generieren kann. Dies ist Ausfluss der im
Sozialversicherungsrecht allgemein geltenden Schadenminderungspflicht, wonach eine
versicherte Person gehalten ist, alles ihr Zumutbare vorzukehren, um den Eintritt des
Versicherungsfalles zu verhüten (Urteil C 73/03 des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Bundesgericht] vom 28. Dezember 2005,
Erw. 1; BGE 108 V 163, Erw. 2a; Thomas Locher, Die Schadenminderungspflicht im
Bundesgesetz vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung, in:
Sozialversicherungsrecht im Wandel, Festschrift 75 Jahre Eidgenössisches
Versicherungsgericht, Bern 1992, S. 415). Es ist danach zu fragen, was eine vernünftige
Drittperson in derselben Lage tun würde, wenn sie keinerlei Schadenersatz bzw.
Versicherungsleistungen zu erwarten hätte (vgl. Ulrich Meyer-Blaser, Zum
Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungsrecht, Diss. iur. Bern 1985,
S. 131). Eine versicherte Person kann zu einer Schadenminderung grundsätzlich nur so
weit verhalten werden, als sie sich in der Weise auf die Leistungen auswirken kann,
dass dadurch ein laufender Anspruch ganz oder teilweise untergeht bzw. ein möglicher
Anspruch entweder nicht entsteht oder herabgesetzt wird (BGE 114 V 281, Erw. 3c).
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6.2 Für die IPV-Prüfung kann es also nicht massgebend sein, ob die Eltern der
versicherten Person tatsächlich nicht zur Hauptsache für deren Unterhalt aufkommen,
sondern darauf, ob und in welchem Ausmass die versicherte Person einen Anspruch
auf Unterstützung durch die Eltern hat. Vor dem Hintergrund der
Schadenminderungspflicht kann folglich nur relevant sein, ob die Eltern der
versicherten unter 25-jährigen, sich in Ausbildung befindenden Person für deren
Unterhalt aufkommen müssten, wenn der Anspruch durchgesetzt würde.
6.3 Macht eine versicherte Person glaubhaft, dass ihre Eltern nicht zur Hauptsache
für ihren Unterhalt aufkommen, so kommt der Untersuchungsgrundsatz (vgl. auch
Art. 25 Vo EG-KVG) zum Tragen und die SVA hat abzuklären, ob die Eltern keine
(namhaften) Unterhaltszahlungen erbringen wollen (bzw. solche im Einvernehmen mit
der versicherten Person nicht erbringen) oder ob sie aufgrund ihrer finanziellen
Möglichkeiten nicht in der Lage sind, zur Hauptsache für den Unterhalt ihres Kindes
aufzukommen. Ein strikter Beweis, dass die versicherte Person gegenüber ihren Eltern
keinen Unterhaltsanspruch in der Grössenordnung hat, dass damit ihr Unterhalt
weitgehend gedeckt werden könnte, kann nicht verlangt werden. Dazu müsste die
versicherte Person ein zivilrechtliches – allenfalls mehrinstanzliches – Gerichtsverfahren
gegen die Eltern durchlaufen; dies selbst dann, wenn eine summarische Prüfung ergibt,
dass ein ausreichender Unterhaltsanspruch unwahrscheinlich ist. Da aus
Praktikabilitätsgründen also kein strikter Beweis gefordert werden kann, ist auf den im
Sozialversicherungsrecht allgemein geltenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit abzustellen (vgl. Thomas Locher, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, Bern 2003, S. 451 f., Rz. 43). Die SVA hat folglich
zumindest im Rahmen einer summarischen Prüfung die finanziellen Verhältnisse der
Eltern zu berücksichtigen, wenn sich die Vermutung aufdrängt, dass eine versicherte
Person ihren Unterhaltsanspruch gegenüber ihren Eltern nicht (vollumfänglich)
durchsetzt. Dies kann etwa durch Beizug der Steuerunterlagen der Eltern geschehen.
Ergibt diese Prüfung, dass die Eltern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zur
Hauptsache für den Unterhalt der versicherten Person aufkommen müssten, bleibt
dieser ein eigener Anspruch auf IPV verwehrt. Nur mit dieser Lösung wird der
Schadenminderungspflicht der versicherten Person ausreichend Rechnung getragen
und gleichzeitig der Gefahr vorgebeugt, dass die Eltern einen Teil ihrer Unterhaltspflicht
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ungerechtfertigterweise auf den Staat abwälzen (vgl. den bereits zitierten Entscheid
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7.
7.1 Die Rekurrentin verfügt über einen Bruttomonatslohn von Fr. 1'410.- zuzüglich
Anteil am 13. Monatslohn sowie eine Mittagsessens-Pauschale von Fr. 150.- und die
Ausbildungszulage von Fr. 250.-, insgesamt also über Fr. 1'900.- (brutto). Für ihr
Zimmer in einer Wohngemeinschaft bezahlt sie Fr. 620.- monatlich. Gemäss ihrer
detaillierten Auflistung der übrigen Lebenskosten benötigt sie alles in allem einen
monatlichen Betrag von rund Fr. 1'700.- (act. G 1.1.9). Die ihr monatlich zur Verfügung
stehende Summe von über Fr. 1'900.- brutto liegt knapp über dem doppelten Betrag
der höchsten einfachen AHV-Waisenrente von Fr. 1'768.- monatlich. In der Botschaft
vom 18. Dezember 2001 zum II. Nachtrag zum KZG wurde wie erläutert davon
ausgegangen, dass dieser Betrag die durchschnittlichen Lebenskosten einer
versicherten unter 25-jährigen Person in Ausbildung decke (ABl Nr. 4 vom 21. Januar
2002). Es erscheint also als plausibel, dass die Rekurrentin mit ihren monatlichen
Einnahmen tatsächlich über die Runden kommt.
7.2 Die Eltern der Rekurrentin kommen also nicht zur Hauptsache für ihren Unterhalt
auf. Dies müssten sie nach Lage der Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch
nicht, wenn diese alle Ansprüche ihnen gegenüber durchsetzen würde, zumal die
Rekurrentin ihren Lebensbedarf selbstständig decken kann (vgl. Art. 276 Abs. 3 ZGB).
Bei dieser Aktenlage kann auf weitere Abklärungen zu den finanziellen Verhältnissen
der Eltern verzichtet werden. Die Rekurrentin hat einen eigenen Anspruch auf
Prämienverbilligung.
8.
8.1 Der Rekurs ist gemäss den obenstehenden Erwägungen unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids gutzuheissen und die Sache zur IPV-Berechnung
an die Vorinstanz zurückzuweisen.
8.2 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP ist das Rekursverfahren grundsätzlich kostenpflichtig.
Die Kosten hat jene Partei zu tragen, deren Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
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werden. Beim vorliegenden Verfahrensausgang hat demnach die Rekursgegnerin die
Gerichtsgebühr zu bezahlen. Diese ist in Anwendung von Ziff. 372 des
Gerichtskostentarifs (sGS 941.12), der einen Rahmen von Fr. 400.- bis Fr. 5'000.-
vorsieht, wie in gleichartigen Fällen üblich auf Fr. 1'000.- festzusetzen.
8.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG