Decision ID: 51ef46bf-28f7-54d3-b8be-ca47084b278e
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 3. April 2008 unter ihrem
Geburtsnamen B._ bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Als
Grund nannte sie seit einem Jahr bestehende Beschwerden am linken Knie (IV-act. 1).
Die Versicherte hatte im dritten Ausbildungsjahr als Gebäudereinigerin gestanden, als
sie ab dem 2. November 2007 wegen chronischer, therapieresistenter
Kniebeschwerden (Chondropathia patellae bei Genua valga rechts mehr als links) für
diese und andere im Knien auszuführende Arbeiten zu 100 % arbeitsunfähig
geschrieben worden war (Bestätigung Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Medizin
FMH, vom 28. März 2008, IV-act. 2; Gesprächsprotokoll RAD mit Dr. C._ vom
11./14. April 2008, IV-act. 11; Angaben D._ AG, vom 15. April 2008, IV-act. 10;
Bericht Dr. med. E._, Rheumatologie FMH, vom 4. Juli 2007, IV-act. 16).
A.a.
Die IV-Stelle sprach der Versicherten Berufsberatung zu (Mitteilung vom 16. Juni
2008, IV-act. 21) und erteilte ihr Kostengutsprache für die erstmalige berufliche
Ausbildung zur Kauffrau, Profil B (Mitteilung vom 16. September 2008, IV-act. 31). Am
17. August 2009 war die Versicherte an einem Verkehrsunfall beteiligt (vgl. Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 26. Januar 2010, IV-act. 158). Die
Versicherte musste die Ausbildung per 30. September 2009 wegen ungenügender
Leistungen abbrechen und begründete dies mit gesundheitlichen Folgen des Unfalles
(Berichte Eingliederungsverantwortliche vom 4. November 2009, IV-act. 40, und vom
5. März 2010, IV-act. 46; vgl. auch IV-act. 47-2). Im Arztbericht vom 25. März 2010
erwähnte Dr. C._ als zusätzliche Diagnosen eine depressive Verstimmung mit
psychosomatischer Symptomatik seit August 2009 sowie gastrointestinale
Beschwerden (ausgedehnt abgeklärt ohne pathologischen Befund) seit Oktober 2009
und bezweifelte das Vorhandensein eines Arbeitswillens der Versicherten (IV-act. 50).
A.b.
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Da die Versicherte in den Kanton Zürich zog, delegierte die IV-Stelle den
Berufsberatungsauftrag an die dortige IV-Stelle (Triage-Protokoll vom 3. Mai 2011, IV-
act. 70; Delegation vom 13. Mai 2011, IV-act. 72). Die Versicherte besuchte ab Mai
2011 das Tagesprogramm bei der F._. Nach Auskunft der Institution war das
Commitment sehr schlecht, die Präsenz unzuverlässig (Verlaufsprotokoll
Berufsberatung vom 30. Juni 2011, IV-act. 80-4 f.). Die Versicherte hatte aus
verschiedenen Gründen eine Vielzahl von Absenzen, so dass sich im Gespräch mit der
zuständigen Mitarbeiterin des Sozialamtes abgezeichnet habe, dass sie das Programm
mangels Eigenmotivation nicht weiter besuchen könne. Auch eine Teilzeitlösung habe
nicht geklappt, so dass es zum Programmabbruch gekommen sei (Verlaufsprotokoll
Berufsberatung vom 19. August 2011, IV-act. 88-4 f.). Der Berufsberater gelangte zum
Schluss, die Versicherte sei nicht eingliederungsfähig, wobei unklar sei, ob dies
invaliditätsbedingt erklärt werden könne. Auszuschliessen sei die Wiederaufnahme
einer kaufmännischen Ausbildung, da die Versicherte davon objektiv schulisch-
intellektuell überfordert sei. Dass einzig der Autounfall mit ihrem Freund eine
vorübergehende Krise verursacht habe, könne nicht bestätigt werden. Der Unfall sei
eher "eine Lappalie" gewesen, sei in seiner Entstehung aber ein Hinweis auf eine
erhebliche Verhaltens-/Beziehungsproblematik. Die Versicherte zeige seit Jahren ein
Vermeidungsverhalten, Somatisierungstendenzen und fehlende Compliance in einem
äusserst ungünstigen psychosozialen Umfeld. Es gelte sicher auch zu beachten, dass
sie von gehörlosen Eltern aufgezogen worden sei. Eine berufliche Eingliederung sei mit
Fokus auf die somatische Aktenlage mit Sicherheit zum Scheitern verurteilt, und es
stelle sich die Frage, ob ihr allenfalls Ausbildungsmassnahmen im betreuten Rahmen
einer IV-Ausbildungsstätte erschlossen werden könnten (Verlaufsprotokoll
Berufsberatung vom 19. August 2011, IV-act. 88-4 f.; vgl. auch Verlaufsprotokoll
Berufsberatung vom 30. Juni 2011, IV-act. 80-3 ff. und Schlussbericht berufliche
Eingliederung vom 4. Juli 2011, IV-act. 76).
A.c.
Vom 27. September bis 7. Oktober 2011 wurde die Versicherte in der Klinik G._
stationär behandelt. Während des Klinikaufenthaltes wurde unter anderem die
Diagnose Anpassungsstörungen: Angst und depressive Reaktion, gemischt (ICD-10:
F43.22) gestellt und ausgeführt, die Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstörung sei trotz typischer klinischer Symptome aufgrund des erstmaligen
A.d.
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Auftretens im Rahmen der kürzlich stattgehabten Trennung vom Lebenspartner nicht
zu stellen. Da die Versicherte nach wenigen Tagen des Aufenthalts die
partnerschaftliche Beziehung zum ehemaligen Partner wiederaufgenommen habe, sei
es zu einer raschen Stimmungsbesserung gekommen. Die Versicherte habe das
Angebot zur Unterstützung einer beruflichen Wiedereingliederung ausgeschlagen, da
sie lieber als Hausfrau leben wolle. Gegen ärztlichen Rat sei die Versicherte in stark
verbessertem Zustand am 7. Oktober 2011 ausgetreten (Arztbericht, Eingang 16. Mai
2012, IV-act. 103; vgl. auch den im Gutachten vom 27. Februar 2012 zitierten
Austrittsbericht, IV-act. 93-10, 14 f.)
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte durch die Medas Ostschweiz
polydisziplinär begutachtet (Gutachten vom 27. Februar 2012, Dr. med. H._, Innere
Medizin/Rheumatologie FMH; Dr. med. I._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH;
Untersuchungen 24. und 26. Oktober 2011, IV-act. 93). Die Gutachter hielten fest, die
Versicherte habe einen ersten Termin für die ambulante psychiatrische Behandlung am
9. November 2011 und sei motiviert, diese durchzuhalten (IV-act. 93-10). Als
Gesundheitsschäden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte der
psychiatrische Gutachter eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1),
eine Angst- und depressive Störung, gemischt (ICD-10: F41.2), sowie eine
Panikstörung (ICD-10: F41.0; IV-act. 93-13). Aus (interdisziplinär führender)
psychiatrischer Sicht wurde ausgeführt, aufgrund des aktuellen instabilen
Gesundheitszustandes bzw. der vorhandenen akuten Symptome einer
posttraumatischen Belastungsstörung könne der Versicherten keine Arbeitstätigkeit in
der freien Wirtschaft zugemutet werden. Die Gefahr der Dekompensation,
insbesondere beim Auftreten von männlichen Mitarbeitern, sei noch sehr gross (IV-act.
93-14, 16). Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei erst nach der Einweisung in die
Klinik G._ am 27. September 2011 erfasst worden. Die Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit und deren Beginn könne erst nach Beendigung der adäquaten
Fachbehandlung evaluiert werden (IV-act. 93-14).
A.e.
RAD-Ärztin Dr. med. J._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, äusserte sich am
30. August 2012, der Abbruch der Ausbildung zur Gebäudereinigerin sowie der
Leistungseinbruch während der erstmaligen beruflichen Ausbildung seien medizinisch
nachvollziehbar und aus gesundheitlichen Gründen erfolgt. Der Gutachter sowie der
A.f.
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RAD seien der Ansicht, dass eine engmaschige psychiatrische Behandlung dringend
indiziert sei. Erst nach abgeschlossener adäquater psychiatrischer Behandlung könne
eine Einschätzung zur Arbeits- und Ausbildungsfähigkeit abgegeben werden.
Spätestens seit Abbruch der erstmaligen beruflichen Ausbildung bestehe anhaltend
eine volle Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 106).
In der Folge wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche Massnahmen ab, da
solche aufgrund des Gesundheitszustandes nicht möglich seien. Sie stellte eine
separate Rentenverfügung in Aussicht (Mitteilung vom 4. September 2012, IV-act. 108).
A.g.
RAD-Ärztin Dr. J._ untersuchte die Versicherte am 7. Januar 2013. Sie führte
aus, objektiv sei im Vergleich zur Begutachtung durch Dr. I._ derzeit eine Beruhigung
der akuten Angstsymptomatik festzustellen. Bis zur aktuellen RAD-Untersuchung sei
spätestens seit Abbruch der IV-unterstützten Ausbildung von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit in der freien Markwirtschaft auszugehen. Seither sei in geeigneter,
angepasster Tätigkeit eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50 % zumutbar.
Angepasst sei eine wechselbelastende Tätigkeit ohne erhöhte Anforderungen an die
emotionale Belastbarkeit, an die Frustrations- und Stresstoleranz und an die soziale
Kompetenz, ohne erhöhten Zeit- oder Termindruck in einem weiblichen und
wohlwollenden Mitarbeiterteam ohne gehäufte Kontakte zu männlichen Kunden oder
Vorgesetzten (IV-act. 113-6).
A.h.
Die IV-Stelle forderte die Versicherte am 26. März 2013 und am 22. Mai 2013 zur
Aufnahme einer psychiatrischen Behandlung auf (IV-act. 120 f.). Am 4. November 2013
(Posteingang) teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, sie wohne seit dem 20. Oktober
2013 in K._, Kanton Glarus (IV-act. 128).
A.i.
Dr. med. L._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, behandelte die Versicherte
ab dem 19. Februar 2014. Im Arztbericht vom 1. Mai 2014 erhob er unter anderem den
Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung (IV-act. 140). Im Verlaufsbericht
vom 18. August 2014 hielt er fest, aufgrund des subjektiven Beschwerdebildes müsste
eine schwere posttraumatische Belastungsstörung vorliegen, welche jedoch nicht
objektivierbar sei. Gemäss eigenanamnestischen Angaben habe die Versicherte eine
ausgeprägte Männerphobie entwickelt, allerdings sei das auffällige Auftreten und
A.j.
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Erscheinungsbild völlig diskrepant dazu und schwer nachvollziehbar, ebenso wie ihre
Aussagen, so dass er den Verdacht eines Münchhausensyndroms nicht habe
loswerden können. Zudem habe sie massive somatische Beschwerden entwickelt, was
die ganze Situation noch diffuser habe erscheinen lassen. Sie beklage, auch im
Arbeitsprogramm M._ belästigt und von der Vorgesetzten nicht weiter ernst
genommen worden zu sein. Der zuständige Sozialarbeiter habe sie von den Arbeiten/
Arbeitszeiten im Zusammenhang mit Männern entlastet, sie sei jedoch weiterhin nicht
zur Arbeit erschienen. Aufgrund der äusserst unbefriedigenden Motivation mit sehr oft
nicht wahrgenommenen Terminen und wenig nachvollziehbaren Alibis sei die
Versicherte seit 22. Mai 2014 nicht mehr bei ihm in Behandlung (IV-act. 142).
Die Verdachtsdiagnose eines Münchhausensyndroms (vgl. Mitteilung der
Sachbearbeitung vom 19. Dezember 2014, IV-act. 151) sowie Widersprüche und
Diskrepanzen in der Aktenlage (vgl. Bericht Dr. med. N._, Mitarbeiterin IV-Stelle, IV-
act. 156) veranlassten die IV-Stelle, eine Observation in Auftrag zu geben (Antrag
Personenobservation vom 7. Mai 2015, IV-act. 161; Überwachungsauftrag vom 7. Mai
2015, IV-act. 160). Die Versicherte wurde am 20. Mai, 8. Juni, 15. Juni und 25. Juni
2015 tagsüber überwacht (Observationsbericht vom 2. Juli 2015, IV-act. 170). Am
8. Juni 2015 war die Versicherte bei der IV-Stelle zu einem Standortgespräch geladen
(IV-act. 166-1 ff.). Dr. N._ kommentierte das Observationsmaterial, das
dokumentierte Funktionsniveau im "unbeobachteten Alltag" sei deutlich höher als das
geltend gemachte sehr tiefe Funktionsniveau. Das äussere Erscheinungsbild mit
figurbetonten Kleidern und modischer Frisur passe nicht gut zum Bild einer
pathologischen Angst vor Männern. Verschiedene Angaben im Gespräch bei der SVA
würden nicht ohne weiteres plausibel erscheinen, so beispielsweise die Aussage, dass
sie während zwei Wochen bei Kollegen ihres Ehemannes übernachtet habe (IV-
act. 172).
A.k.
In einem weiteren Standortgespräch auf der IV-Stelle am 12. August 2015 wurde
die Versicherte mit den Observationsergebnissen konfrontiert. Nach Darlegung der
verschiedenen Diskrepanzen (IV-act. 175-12) räumte sie ein, nicht zu wissen, was sie
wolle, immer wieder umzuziehen, die Ärzte zu wechseln und zu sagen, dass die
Therapien nicht helfen würden, sich "verrannt" zu haben. Schliesslich sah sie den
A.l.
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Abschluss des Verfahrens als Entlastung und war mit der voraussichtlichen Abweisung
des Gesuchs einverstanden (IV-act. 175-16 f.).
Die Versicherte meldete sich am 21. April 2016 erneut zum Leistungsbezug an.
Das ausgefüllte Formular wurde durch die sozialen Dienste O._ eingereicht (IV-
act. 176, 178). Die IV-Stelle wies das Leistungsbegehren nach entsprechendem
Vorbescheid vom 30. Mai 2016 (IV-act. 183) mit Verfügung vom 7. Juli 2016 ab (IV-
act. 184). Gegen diese erhob die Versicherte am 5. September 2016 Beschwerde. Sie
rügte das Fehlen eines genügenden Anfangsverdachts für die Observation und forderte
im Wesentlichen eine neue Begutachtung (IV-act. 190). Mit Verfügung vom
18. November 2016 widerrief die IV-Stelle diejenige vom 7. Juli 2016 (IV-act. 197) und
das Versicherungsgericht schrieb das hängige Verfahren (IV 2016/288) am
19. Dezember 2016 ab (IV-act. 214).
A.m.
Nachdem die IV-Stelle der Versicherten das rechtliche Gehör gewährt hatte (IV-
act. 217), beauftrage sie am 17. Februar 2017 die Medas Bern mit der Erstattung eines
bidisziplinären Gutachtens (Psychiatrie/Orthopädie; IV-act. 217 f.).
A.n.
Lic. phil. P._, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, und med. pract. Q._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Beratungs- und Therapiestelle R._,
hielten in einem Bericht zuhanden der Gutachterstelle fest, das Erstgespräch habe im
März 2016 stattgefunden. Die Versicherte leide an einer posttraumatischen
Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) und einer generalisierten Angststörung (ICD-10:
F41.1). Aktuell unternehme sie den zweiten Versuch einer tagesklinischen Therapie.
Dass ihren Berichten wenig Glaube geschenkt worden sei, habe dazu beigetragen,
dass sich der Prozess der Verarbeitung und Integration ihrer traumatischen
Erfahrungen verzögert und verlangsamt habe. Aufgrund des geschilderten
Krankheitsverlaufs, der nicht abgeschlossenen Berufsausbildung und der langjährigen
Arbeitslosigkeit sei eine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aktuell nicht
gegeben. Die Weiterführung des begonnenen Therapieprozesses und die Möglichkeit,
sich in einem geschützten Arbeitsbereich zurechtzufinden, auszubilden und zu
bewähren seien von den Behandelnden und der Versicherten gewünscht (IV-
act. 226-47 ff.).
A.o.
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Im Gutachten vom 21. August 2017 (Bidisziplinäres Gutachten Medas Bern,
Dr. med. S._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie; Dr. med. T._,
Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
FMH; Untersuchungen 21. und 30. März 2017; IV-act. 226) kam die psychiatrische
Gutachterin zum Schluss, angesichts der vielfachen Inkonsistenzen in Bezug auf ihre
Schilderung diverser Vorkommnisse mit mehrfach behaupteten Übergriffen (mit
wechselnden Zeitangaben, unterschiedlichen Angaben zu den Ereignissen) müssten
hochgradige Zweifel geäussert werden. Diese seien umso mehr berechtigt, als die
Versicherte behaupte, eine Tätigkeit für zwei Stunden anzustreben, sich dabei wohl
eher zu überschätzen. Gleichwohl sei die Versicherte - wie auch in der
Videodokumentation ersichtlich - durchgängig über vier Stunden Beobachtungsphase
hochdynamisch, energievoll und erstaunlich aktiv, wenn man ihr so gering
angenommenes Leistungsvermögen von zwei Stunden dagegen betrachte (IV-
act. 226-18). Die Versicherte verstehe es durchaus, ihre Ziele machtvoll durchzusetzen,
auch mithilfe von manipulativen Projektionen. Sie zeige sich als schutzbedürftig, was in
Gesamtschau der Anamnese, der widersprüchlichen Befunde, der objektiv im
Lebensalltag ableitbaren Beobachtungen und der aktuellen anamnestischen Angaben
nicht objektiviert werden könne. Vielmehr blieben zweckgebundene Verhaltensweisen
und Inkonsistenzen, ohne dass dafür aber eine versicherungsmedizinisch
krankheitswertige Diagnose gestellt werden könne (IV-act. 226-23). Es bestehe auch
retrospektiv in sämtlichen Tätigkeiten eine 100 %-ige Arbeitsfähigkeit (IV-act- 226-25).
Die orthopädische Gutachterin befand, das gesundheitliche Hauptproblem der
Versicherten liege nicht bei Diagnosen auf orthopädischem Fachgebiet, obwohl das
Geburtsgebrechen Nr. 183 (Hüftgelenksdysplasien beidseits, vgl. dazu auch IV-
act. 226-38) vorliege. Die aktuelle Untersuchung ergebe weitgehend
altersentsprechende Befunde an Wirbelsäule und den grossen/kleinen Gelenken der
oberen/unteren Extremitäten. Bei Haltungsschwäche und pathologischen Schwielen
der Füsse ergebe sich Behandlungsbedarf. Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit lägen
auch retrospektiv nicht vor. Die Versicherte könne aus orthopädischer Sicht ab sofort
körperlich leichte und durchschnittlich mittelschwere Tätigkeiten des allgemeinen
Arbeitsmarktes verrichten, die für Frauen geeignet seien (IV-act. 226-42 f.).
A.p.
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Dr. N._ nahm am 16. Oktober 2017 Stellung, das Gutachten sei umfassend und
weise keine formellen Mängel auf. Die Ableitung der objektivierbaren Diagnosen und
die sich daraus ergebenden Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit seien - auch im
gesamten Verlauf - widerspruchsfrei, schlüssig und nachvollziehbar begründet. Die
Auseinandersetzung mit den früheren ärztlichen Einschätzungen und den "Indikatoren"
sei differenziert, nachvollziehbar, schlüssig und umfassend. Da der Konsistenzprüfung
ein hoher Stellenwert zukomme, werde der fehlende objektivierbare Krankheitswert der
geltend gemachten Einschränkungen ausführlich thematisiert und durch eingehende
Analyse der zahlreichen Inkonsistenzen schlüssig begründet (IV-act. 227).
A.q.
Mit Vorbescheid vom 21. März 2018 gewährte die IV-Stelle der Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Leistungsbegehrens (IV-act. 230).
Dagegen erhob die Versicherte am 2. Mai 2018 Einwand. Sie machte geltend, das
Gutachten der Medas Bern stehe im Widerspruch zum Gutachten der Medas
Ostschweiz vom 27. Februar 2012 sowie zu den Berichten der behandelnden Ärzte und
äussere sich nicht dazu, weshalb diese unzutreffend sein sollen. Unabhängig von der
Diagnose stehe fest, dass sie in ihrer psychischen Gesundheit beeinträchtigt und nicht
mehr in der Lage sei, einer ganztägigen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Weiter
bestünden somatische Beschwerdebilder, die das funktionelle Leistungsvermögen im
erwerblichen Bereich einschränkten. Unter Berücksichtigung dieser somatischen
Beschwerden sei insgesamt von einer mindestens 50 %-igen Erwerbsunfähigkeit
auszugehen (IV-act. 231).
A.r.
Mit Verfügung vom 6. Juni 2018 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab. Zur
Begründung führte sie an, die erneute Begutachtung sei in Auftrag gegeben worden,
weil die bisherigen Begutachtungen unter Berücksichtigung der vervollständigten
Aktenlage an Überzeugungskraft verloren hätten. Entgegen dem Einwand habe die
Gutachterin der Medas Bern zu den anderslautenden Einschätzungen der Medas
Ostschweiz und der behandelnden Ärzte ausführlich Stellung genommen. Sie habe
explizit festgehalten, dass das Vorliegen einer depressiven Störung, einer
Angststörung, einer relevanten PTBS-Symptomatik oder gar einer
Persönlichkeitsstörung jeglicher erkennbaren Grundlage entbehre. Die geschilderte
Problematik sei aus gutachterlicher Sicht nicht plausibel. Ein Täuschungsverhalten
könne nicht ausgeschlossen werden. Damit sei davon auszugehen, dass die früheren
A.s.
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B.
Beurteilungen auf unzutreffenden Annahmen beruht hätten. Die aktuelle Begutachtung
sei somit aus versicherungsmedizinischer Sicht nachvollziehbar (IV-act. 232).
Gegen die Verfügung vom 6. Juni 2018 lässt A._ (im Folgenden:
Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. H. Landolt, LL.M., am
27. Juni 2018 Beschwerde erheben. Sie beantragt, die angefochtene Verfügung sei
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben und ein Obergutachten
einzuholen. Eventualiter sei die Angelegenheit "im Sinne der Erwägungen" an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Weiter ersucht sie um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung. Die (der angefochtenen Verfügung
zugrundeliegende) medizinische Beurteilung (der Medas Bern) stehe im Gegensatz zur
Einschätzung der behandelnden Psychiater bzw. Psychologen. Lic. phil. P._ und
med. pract. Q._ hielten im Bericht vom 5. April 2017 fest, dass bei ihr psychiatrische
Störungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen. Nicht zuletzt aufgrund der
lange andauernden Arbeitslosigkeit seien sie der Auffassung, dass keine verwertbare
Arbeitsfähigkeit bestehe. Das Medas-Gutachten weiche sowohl in Bezug auf die
Diagnosestellung als auch die Einschätzung des funktionellen Leistungsvermögens
derart stark von derjenigen der behandelnden Ärzte ab, dass Zweifel mehr als
angebracht seien. Die posttraumatische Belastungsstörung werde vollständig
ausgeblendet und die von mehreren Fachärzten im Verlauf der vergangenen Jahre
unabhängig voneinander gestellten Diagnosen würden verharmlost. Als nicht objektiv
nachweisbares Leiden seien die funktionellen Auswirkungen nach der Rechtsprechung
gemäss BGE 141 V 281 ff. durch eine umfassende Begutachtung zu beurteilen.
Entgegen der Rechtsprechung gehe der angefochtene Entscheid davon aus, dass die
kritische Beurteilung von Dr. L._ beweiskräftiger sei als das Medas-Gutachten (vom
27. Februar 2012) und die RAD-Beurteilung (von Dr. J._ vom 7. Januar 2013). Auch
die Verdachtsdiagnose eines Münchhausensyndroms sei kritisch zu hinterfragen. Das
neu eingeholte Medas-Gutachten begründe nicht in nachvollziehbarer Weise, warum
die im Rahmen der Medas-Begutachtung im Jahr 2012 gestellten Diagnosen nicht
zutreffend sein sollten (act. G 1).
B.a.
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Erwägungen
1.
Die vorsitzende Richterin bewilligt am 1. Oktober 2018 die unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung; act. G 8).
B.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 26. September 2018 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Dr. L._ habe Zweifel an der
Authentizität des Beschwerdebildes geäussert. Er habe daraufhin versucht, in Bezug
auf die erlebten Traumatisierungen ergänzende Akten beizuziehen. Die Befragung vom
8. Juni 2015 habe sich um den gesundheitlichen und sozialen Werdegang der
Beschwerdeführerin sowie um ihre gesundheitliche Entwicklung gedreht, aber auch um
die Umstände der angeblichen Traumatisierungen, mithin um Themen, die bei der
geltend gemachten psychischen Krankheit relevant seien. Mit der Äusserung des
Verdachts auf ein Münchhausensyndrom habe Dr. L._ in erster Linie ausgesagt, dass
er ein absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von körperlichen oder psychischen
Symptomen vermute. Dass er von einer ernsthaften Erkrankung ausgegangen sei,
ergebe sich daraus gerade nicht. Der Sachverhalt sei ausreichend abgeklärt. Die
Beschwerdeführerin leide an keiner invalidisierenden Krankheit (act. G 7).
B.c.
Die Beschwerdeführerin verzichtet am 17. Oktober 2018 auf eine Replik und hält
an den Ausführungen der Beschwerde fest (act. G 10).
B.d.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
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Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4, und
vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch
unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte
Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der
Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE
141 V 281 und BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und
erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
1.4.
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2.
Zu prüfen ist der Sachverhalt seit der IV-Anmeldung vom 3. April 2008 (IV-act. 1). Die
weitere Anmeldung vom 21. April 2016 erfolgte während des noch laufenden
Verfahrens und hat damit keine eigenständige Wirkung (IV-act. 176). Mit inzwischen
rechtskräftig gewordener Mitteilung vom 4. September 2012 abgeschlossen wurde das
Verfahren betreffend die beruflichen Massnahmen (IV-act. 108), weswegen vorliegend
der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zur Diskussion steht.
3.
Medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung bildet das bidisziplinäre
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b;
BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
1.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/26
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Gutachten der Medas Bern vom 21. August 2017 (IV-act. 226). Die psychiatrische
Gutachterin hob die Inkonsistenz zwischen den beklagten Defiziten und den anlässlich
der Observation gemachten Feststellungen ausdrücklich hervor (IV-act. 226-16 f., 24),
so dass vorab die Verwertbarkeit der Observationsergebnisse zu prüfen ist.
Zur Verwertbarkeit von ohne genügend bestimmte gesetzliche Grundlage
erhobenem Observationsmaterial hielt das Bundesgericht in einem Leitentscheid vom
14. Juli 2017 mit Blick auf das Urteil 61838/10 des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) vom 18. Oktober 2016 (endgültig am 18. Januar 2017) fest,
diese sei in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren grundsätzlich zulässig, es sei
denn, bei einer Abwägung der tangierten öffentlichen und privaten Interessen
überwögen letztere. Videoaufnahmen, die im Rahmen einer unrechtmässigen
Observation erhoben worden seien, seien verwertbar, solange Handlungen der
versicherten Person aufgezeichnet würden, die sie aus eigenem Antrieb und ohne
äussere Beeinflussung gemacht habe, und ihr keine Falle gestellt worden sei. Ein
Verwertungsverbot gelte betreffend Handlungen im nicht öffentlich frei einsehbaren
Raum (BGE 143 I 385 ff. E. 5; Urteile des Bundesgerichts vom 15. Mai 2019,
8C_837/2018, E. 5.1, vom 22. Oktober 2018, 9C_908/2017/ 9C_3/2018, E. 5.2, und
vom 20. Oktober 2017, 8C_305/2017, E. 4.2).
3.1.
Eine Observation ist objektiv geboten, wenn konkrete Anhaltspunkte vorliegen, die
Zweifel an den geäusserten gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend
gemachten Arbeitsunfähigkeit aufkommen lassen. Solche Anhaltspunkte können
beispielsweise gegeben sein bei widersprüchlichem Verhalten der versicherten Person
oder wenn Zweifel an der Redlichkeit derselben bestehen (eventuell durch Angaben
und Beobachtungen Dritter), bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen
Untersuchung, Aggravation, Simulation oder Selbstschädigung und Ähnlichem (Urteil
des Bundesgerichts vom 30. November 2018, 8C_634/2018, E. 5.2, mit weiteren
Verweisen). Vorliegend hatte Dr. L._ im Bericht vom 18. August 2014 festgehalten,
aufgrund des subjektiven Beschwerdebildes müsste eine schwere posttraumatische
Belastungsstörung vorliegen, welche jedoch nicht objektivierbar sei. Gemäss
eigenanamnestischen Angaben habe die Beschwerdeführerin eine ausgeprägte
Männerphobie entwickelt, allerdings sei das auffällige Auftreten und Erscheinungsbild
völlig diskrepant dazu und schwer nachvollziehbar, ebenso wie ihre Aussagen, so dass
er den Verdacht eines Münchhausensyndroms nicht habe loswerden können. Auch im
Arbeitsprogramm im M._ sei sie gemäss ihren Aussagen belästigt und von der
Vorgesetzten nicht weiter ernst genommen worden. Der zuständige Sozialarbeiter habe
sie von den Arbeiten/Arbeitszeiten im Zusammenhang mit Männern entlastet, sie sei
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/26
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4.
Zu befinden ist über die Beweistauglichkeit des Gutachtens, auf welches sich die
Beschwerdegegnerin für die Abweisung des Rentenanspruches stützt. Nicht
angezweifelt wurden die Erkenntnisse des orthopädischen Teilgutachtens und es sind
auch keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass dieses nicht den Anforderungen der
Rechtsprechung genügt oder inhaltliche Mängel aufweist. Aus orthopädischer Sicht ist
beim Fehlen von die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Diagnosen mithin von einer
vollumfänglich erhaltenen Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkeiten auszugehen (IV-act.
226-42 f.).
jedoch weiterhin nicht zur Arbeit erschienen. Er schätze die Wiedereingliederung als
unwahrscheinlich ein. Die Beschwerdeführerin müsste zwecks Therapiefähigkeit und
zielgerichteter Behandlung sehr genau überprüft werden (IV-act. 142). Weiter fand
Dr. N._, die Aktenlage weise zahlreiche Widersprüche und Diskrepanzen auf. So
variierten nicht nur die geltend gemachten Beeinträchtigungen, sondern auch die
Schilderungen des Verlaufs und dies bei verschiedenen Ärzten (IV-act. 156). Diese sind
auch Gegenstand des zu prüfenden Gutachtens, weshalb sie dort erörtert werden (vgl.
E. 3). Weiter wurde als fragwürdig erachtet, dass die Beschwerdeführerin bei den
geltend gemachten Traumatisierungen eine Partnerschaft habe eingehen und
aufrechterhalten können (Überwachungsauftrag vom 7. Mai 2015, IV-act. 160). Ein
ausreichender Anfangsverdacht war damit gegeben. Auch wenn beim
Münchhausensyndrom die unterschiedlichen Angaben krankheitsbedingt zu erklären
wären, bestanden doch Unstimmigkeiten, die es erforderlich machten, das tatsächliche
Funktionsniveau der Beschwerdeführerin durch eine Observation abzuklären. Diese
fand ausschliesslich an öffentlich zugänglichen bzw. von dort einsehbaren Orten statt
und war auch in zeitlicher Hinsicht verhältnismässig (vgl. als Richtlinie den seit
1. Oktober 2019 geltenden Art. 43a Abs. 5 Satz 1 ATSG, wonach die Observation an
höchstens 30 Tagen innerhalb von sechs Monaten ab dem ersten Observationstag
erfolgen darf). Mithin ist das Observationsmaterial vorliegend verwertbar.
In psychiatrischer Hinsicht macht die Beschwerdeführerin geltend, es sei nicht auf
die Einschätzung der psychiatrischen Gutachterin abzustellen, da die sie aktuell
behandelnden lic. phil. P._ und med. pract. Q._ psychiatrische Störungen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt hätten und zudem aufgrund der lang
dauernden Arbeitslosigkeit der Auffassung seien, dass keine verwertbare
Arbeitsfähigkeit bestehe. Die formellen Anforderungen der Rechtsprechung sind auch
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/26
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für das psychiatrische Teilgutachten als erfüllt anzusehen. Nachfolgend ist dieses
inhaltlich zu prüfen.
4.2.
Die psychiatrische Gutachterin kommentierte ausführlich die Videosequenz vom
8. Juni 2015: Die Beschwerdeführerin unterhalte sich fast durchgehend sehr angeregt
mit sehr expressiver Gestik und Mimik, durchaus offensichtlich der Gesprächspartnerin
höchst selbstbewusst ihre Meinung mitteilend, dominiere das Gespräch fast
durchgehend, mimisch höchst ausdrucksstark, temperamentvoll, fast durchgängig
offensichtlich schimpfend, die "Meinung sagend", mit einer Mimik, welche sichtlich
Entwertung und Nichtverständnis, fast Ekel signalisierend, dieses meinungsstark von
kräftiger weiträumiger Gestik mit beiden Armen untermalt, mit dynamischen
Kopfbewegungen und mit teils theatralisch weiten, fast furios wirkenden Augen
begleitet. Zugleich aber rauche sie, trinke Kaffee. Insgesamt sei der Dialog sehr
dynamisch, über lange Strecken offensichtlich kräftig intoniert. Sie wirke dabei
durchwegs hoch energievoll, durchsetzungsstark, höchst selbstbewusst und die eigene
Position offensichtlich echauffiert besserwissend über die Gesprächsthemen stellend,
im mimischen Ausdruck abfällig entwertend, schimpfend wirkend - in keiner Weise
ängstlich, selbstunsicher und sicher nicht schutzbedürftig und schon gar nicht
emotional stumpf wirkend. Vielmehr zeige sie sich in Szene setzend, von figurbetonter
Präsentation angefangen (enge Kleidung, rote Schuhe, blondierter Bubikopf,
burschikos), nehme eine absolut dominante Rolle in der Gesprächsführung ein (das
Gegenüber scheine kaum zu Wort zu kommen). Für den Betrachter ergebe sich fast
durchgehend der Eindruck einer angreifend-attackierenden Haltung der
Beschwerdeführerin, was teils in der Gegenübertragung Unwohlgefühl auslöse,
zumindest das Gegenteil von Schutzbedürftigkeit oder Hilflosigkeit signalisiere. Die
Beschwerdeführerin wirke scharf die Meinung vertretend, sich höchst selbstbewusst in
Szene setzend in Präsentation, Redeführung und Handlung/Gestik, dominiere und
kontrolliere die Situationen durchgängig hochgradig effektiv (IV-act. 226-16).
4.2.1.
Es entsteht zwar der Eindruck, dass der Gutachterin eventuell nicht bewusst war,
dass die Beschwerdeführerin in der beschriebenen Videosequenz mit ihrer gehörlosen
Mutter in Gebärdensprache kommunizierte; dies ergibt sich aus der geäusserten
Vermutung einer kräftigen Intonation. Das Videomaterial wurde über einen Zeitraum
von vier Stunden aufgenommen und die fragliche Sequenz dauert immerhin eine halbe
Stunde. Es ist davon auszugehen, dass die Gemütslage einer Person sich auch in
Gebärdensprache beispielsweise als ruhig, aufgeregt, depressiv oder energisch
4.2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/26
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erkennen lässt. So wurde auch im Bericht festgehalten, dass die Beschwerdeführerin
zusammen mit einer weiblichen Person, bei der es sich offenbar um ihre Mutter handle,
im Gartenrestaurant gesessen habe. Die beiden hätten sich unterhalten und die
Beschwerdeführerin habe einen gelösten und zufriedenen Eindruck hinterlassen. Sie
habe sich bei der Aussprache viel Mühe gegeben und ab und zu mit den Händen
gestikuliert. Sie habe mit ihrer Mutter offenbar in Gebärdensprache kommuniziert (IV-
act. 170-7). Dr. N._ beschrieb die Szene wie folgt: Man sehe eine sehr deutliche
Aussprache und teilweise auch Gebärdensprache. Die Beschwerdeführerin wirke
zugewandt und interessiert. Sie lache zwischendurch, wirke gelöst. Locker. Eine
psychomotorische Anspannung lasse sich nicht beobachten, auch keine Zeichen von
Unsicherheit und Angst (IV-act. 182-2).
Insgesamt interpretierte Dr. N._ das Observationsmaterial ausführlich und legte
dar, dass die geltend gemachten Einschränkungen sich nicht in Einklang mit den
gemachten Beobachtungen bzw. dem Auftreten, dem Erscheinungsbild sowie dem
Verhalten der Beschwerdeführerin sowie insbesondere den Aussagen anlässlich des
Standortgespräches bringen lassen würden (IV-act. 172-3f.).
4.2.3.
4.3.
Weiter stellte die Gutachterin fest, auch angesichts der vielfachen Inkonsistenzen
in Bezug auf ihre Schilderung diverser Vorkommnisse mit mehrfach behaupteten
Übergriffen (mit wechselnden Zeitangaben, unterschiedlichen Angaben zu den
Ereignissen) müssten hochgradige Zweifel geäussert werden. Diese seien umso mehr
berechtigt, als die Beschwerdeführerin behaupte, eine Tätigkeit für zwei Stunden
anzustreben, sich dabei wohl eher zu überschätzen. Gleichwohl sei die
Beschwerdeführerin - wie auch in der Videodokumentation ersichtlich - durchgängig
über vier Stunden Beobachtungsphase hochdynamisch, energievoll und erstaunlich
aktiv, wenn man ihr so gering angenommenes Leistungsvermögen von zwei Stunden
dagegen betrachte (IV-act. 226-18). Dass hier irgendwelche Zeichen einer depressiven
Störung, Angststörung oder gar eine relevante posttraumatische
Belastungssymptomatik oder gar eine Persönlichkeitsveränderung nach PTBS
bestehen sollte, entbehre jeglicher erkennbaren Grundlagen in Anbetracht der
Inkonsistenzen, des bei unbemerkter Beobachtung erkennbaren dominant
kontrollierenden, energischen Verhaltens, des Erscheinungsbildes respektive des
aktuellen psychopathologischen Befundes. Es sei lediglich eine
Persönlichkeitsakzentuierung anzunehmen im Sinne einer Borderline-
Persönlichkeitsorganisation mit teils narzisstischen, histrionischen und teils asozialen
4.3.1.
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Zügen (IV-act. 226-19). Die Behauptung, sich kaum im Umfeld mit Männern aufhalten
zu können, könne in keiner Weise nachvollzogen werden angesichts des doch recht
selbstbewusst-dominanten Auftretens. Eine solche Äusserung lasse angesichts der
vielfachen Inkonsistenzen vielmehr an eine zweckorientierte Darstellung denken zur
Erzielung von Vorteilen. Auffallend sei auch eine gewisse enge zeitliche Korrelation z.B.
der stationären Behandlung (Selbsteinweisung in die Klinik G._ vor der Medas-
Begutachtung im Oktober 2011, Aufnahme einer Psychotherapie erst im September
2016 vor der aktuellen Begutachtung). Mit durchaus sehr sensiblen Anschuldigungen
seien auffallend gehäuft entsprechende Abbrüche der Lehr-/Arbeitstätigkeit oder der
Integrationsmassnahmen begründet worden und würden im Rahmen der aktuellen
Begutachtung weiterhin ins Feld geführt. Sie zeige sich als Opfer, obwohl sie in keiner
Weise schutz- und wehrlos erscheine, meine aber doch, infolge einer subjektiv
mangelnden Arbeitsfähigkeit Rentenanspruch mit 28 Jahren stellen zu wollen (IV-
act. 226-19). Der Befundbericht von lic. phil. P._ sei geprägt durch eine ausgeprägte
protektive Haltung, die durch die Beschwerdeführerin in manipulativer Weise induziert
worden sei, und stütze letztendlich die Gesamtbewertung, dass es die
Beschwerdeführerin durchaus verstehe, ihre Ziele machtvoll durchzusetzen, auch
mithilfe von manipulativen Projektionen. Sie zeige sich als schutzbedürftig, was in
Gesamtschau der Anamnese, der widersprüchlichen Befunde, der objektiv im
Lebensalltag ableitbaren Beobachtungen und der aktuellen anamnestischen Angaben
nicht objektiviert werden könne. Vielmehr blieben zweckgebundene Verhaltensweisen
und Inkonsistenzen, ohne dass dafür aber eine versicherungsmedizinisch
krankheitswertige Diagnose gestellt werden könne (IV-act. 226-23).
Die Gutachterin weist auf diverse Anhaltspunkte, die ihrer Ansicht nach auch
retrospektiv gegen einen invalidisierenden Gesundheitsschaden und eine damit
einhergehende Arbeitsfähigkeit sprechen, hin. So seien die Zeitangaben und die
Angaben zu den Ereignissen der Beschwerdeführerin uneinheitlich (IV-act. 226-18). Die
von etwa 2003 bis 2005 stattgefundenen Ereignisse seien erst 2011 (IV-act. 226-21)
und die Mehrfachvergewaltigung sei erst anlässlich der ambulanten Behandlung 2014
thematisiert worden (IV-act. 226-20). Je mehr die Beschwerdeführerin zu den sexuellen
Übergriffen befragt werde, desto mehr hinzutretende Ereignisse würden berichtet, so
auch im Rahmen der beruflichen Wiedereingliederung (IV-act. 226-27). Schliesslich sei
nicht plausibel, dass die Vorfälle durch Dritte nicht bemerkt worden sein sollten (IV-
act. 226-23) und die zum fraglichen Zeitpunkt noch minderjährige Beschwerdeführerin
keine Unterstützung erhalten habe (IV-act. 226-20). Dies bedarf einer näheren
Betrachtung.
4.3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/26
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Sowohl beim Berufsberater, in der Klinik G._ als auch anlässlich der
Begutachtungen im Jahr 2011 und 2017 schilderte die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen, ihr Vater habe von ihr verlangt, dass sie die Lehre zur Gebäudereinigung
absolviere bzw. abschliesse. Die männlichen Mitarbeiter seien zunehmend
zudringlicher geworden bis hin zum sexuellen Missbrauch. Ein Mitarbeiter des
Lehrbetriebs hätte sie während einer Zugfahrt an der Brust berührt und ihr T-Shirt
zerrissen. Dies sei nicht der einzige Vorfall gewesen (IV-act. 80-2; IV-act. 93-3; IV-
act. 103; IV-act. 226-11). Seitens des Lehrbetriebs wurde mitgeteilt, eine Mitlernende
habe sich über sexuell gefärbte Sprüche eines Mitarbeiters beschwert, worauf dieser
abgemahnt worden und nicht mehr diesbezüglich in Erscheinung getreten sei (IV-
act. 80-4). Während sie bei der Berufsberatung und der Begutachtung 2011 noch
angegeben hatte, sie habe die Lehre effektiv wegen der sexuellen Übergriffe
abgebrochen, die Kniebeschwerden seien vorgeschoben gewesen bzw. gelegen
gekommen (IV-act. 80-2; IV-act. 93-10, 12), äusserte sie später, sie habe sich wegen
der Kniebeschwerden zum Leistungsbezug angemeldet, die Übergriffe seien erst
später erfolgt (Standortgespräch vom 8. Juni 2015, IV-act. 166; vgl. auch Angabe bei
der Begutachtung 2017, wonach sie die Lehre wegen der Kniebeschwerden
abgebrochen habe, IV-act. 226-10 ff.). Diese Aussagen sind insofern widersprüchlich,
als die Anmeldung erst nach dem Abbruch der Lehre, während welcher die Übergriffe
stattgefunden hätten, erfolgte. Allerdings bestanden die Kniebeschwerden laut
Anmeldung vom 3. April 2008 seit einem Jahr (IV-act. 1; Gutachten 2017; IV-
act. 226-11).
4.3.3.
Die Beschwerdeführerin berichtete über die Übergriffe im Lehrbetrieb (in den
Jahren 2005 bis Ende 2007) erst anlässlich der Berufsberatung in Zürich (Bericht vom
30. Juni 2011, IV-act. 80-2). Erst bei der RAD-Abklärung durch Dr. J._ am 7. Januar
2013 schilderte sie, im gleichen Zeitraum durch einen Mann ausserhalb des
Arbeitsumfeldes mit einer Waffe bedroht und vergewaltigt worden zu sein (IV-act. 113).
Sie habe aus Angst, er würde sie oder ihre Familie umbringen, niemandem davon
erzählt (IV-act. 113; vgl. auch Arztbericht Dr. L._ vom 1. Mai 2014, IV-act. 140). Im
Standortgespräch bei der Beschwerdegegnerin vom 12. August 2015 relativierte sie:
Der Betreffende habe sie immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass er eine
Schusswaffe besitze. Sie sei aus Dummheit mitgegangen, der Sex sei (aber) nicht
freiwillig gewesen. Sie habe über die Vorfälle aus Angst mit niemandem gesprochen.
Sie sei selber schuld (Standortgespräch 12. August 2015, IV-act. 175-8 f.). Anlässlich
der Begutachtung 2017 sagte sie aus, die Vergewaltigungen hätten nicht täglich
4.3.4.
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stattgefunden. Der Täter habe von ihr verlangt, dass sie ihn liebe und er ihr Freund sei
(IV-act. 226-11).
Während des Aufenthaltes der Beschwerdeführerin in der Klinik G._ vom
27. September bis 7. Oktober 2011 wurden unter anderem Anpassungsstörungen:
Angst und depressive Reaktion, gemischt (ICD-10: F43.22) und ein Zustand nach lang
andauernder sexueller Belästigung durch Arbeitskollegen am Arbeitsplatz (ICD-10:
Y07.8) diagnostiziert. Zur Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung wurde
festgehalten, diese sei trotz typischer klinischer Symptome aufgrund des erstmaligen
Auftretens im Rahmen der kürzlich stattgehabten Trennung vom Lebenspartner nicht
zu stellen (IV-act. 103). Dr. I._ hielt im psychiatrischen Teilgutachten der Medas
Ostschweiz vom 27. Februar 2012 demgegenüber fest, nach wiederholten
Bedrängungen und sexuellen Übergriffen leide die Beschwerdeführerin im Vordergrund
an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Im Zusammenhang damit bestünden
auch Panikattacken und eine Angst- und depressive Störung, gemischt. Bei den
sexuellen Übergriffen handle es sich um Situationen aussergewöhnlicher Bedrohung,
welche sich bald tagtäglich über eine Zeitspanne von drei Jahren wiederholt habe, was
einer Folterungssituation gleichkomme. Typische Merkmale der posttraumatischen
Belastungsstörung seien das wiederholte Erleben des Traumas (Nachhallerinnerungen),
sobald sie sich in der Nähe von Männern ungeschützt bzw. alleine fühle. Sie vermeide
solche Situationen, laufe davon. Nachts werde sie regelmässig von Albträumen
geplagt. Es bestehe ein andauernder Zustand vegetativer Übererregtheit mit
Vigilanzsteigerung sowie eine übermässige Schreckhaftigkeit. Aufgrund der
posttraumatischen Belastungsstörung sei die Beschwerdeführerin in ihrer
Willensanstrengung und in jeglicher Erwerbstätigkeit erheblich eingeschränkt. Der
psychopathologische Zustand sei instabil und verunmögliche derzeit die Aufnahme
jeglicher Arbeitstätigkeit in der freien Wirtschaft. Doch sei der Gesundheitszustand
durch adäquate Behandlung besserungsfähig (IV-act. 93-12 f.). Zur Beurteilung der
psychiatrischen Klinik G._ äusserte sich Dr. I._, der Austrittsbericht sei vorläufig. Es
"liege auf der Hand" und werde sich spätestens nach einer geeigneten
Langzeitbehandlung herausstellen, dass die (dort diagnostizierte) Angst und depressive
Reaktion auf die traumatisierenden sexuellen Übergriffe zurückzuführen seien (IV-
act. 93-14 f.).
4.3.5.
Im Wissen darum, dass die Beschwerdeführerin ihr gegenüber gravierendere
Vorfälle schilderte als gegenüber Dr. I._, diagnostizierte auch RAD-Ärztin Dr. J._ im
Bericht vom 10. Januar 2013 eine posttraumatische Belastungsstörung bei sexuellem
Missbrauch in der Adoleszenz (ICD-10: Z61.5) und sexueller Belästigung an der
4.3.6.
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Lehrstelle sowie unter anderem eine Störung der Persönlichkeitsentwicklung mit
selbstunsicheren, abhängigen und emotional instabilen Anteilen (ICD-10: F61.0) bei
atypischer Situation in der Herkunftsfamilie (ICD-10: Z60.1; IV-act. 113-4 f.). Das
Befinden der Beschwerdeführerin habe sich bis zum Umzug in die Nähe des früheren
Lehrbetriebs verbessert und seither wieder verschlechtert (IV-act. 113-3), sie leide aber
nicht mehr unter Albträumen oder regelmässigen Flashbacks (IV-act. 113-4). Objektiv
sei im Vergleich zur Begutachtung durch Dr. I._ derzeit eine Beruhigung der akuten
Angstsymptomatik festzustellen. Weiterhin finde sich eine depressive Verstimmung mit
Merkfähigkeits- und Konzentrationsstörungen, vermindertem Antrieb, verminderter
Freudfähigkeit, Insuffizienzgefühlen, Selbstunsicherheit und Ratlosigkeit. Die
vorhandenen Ängste bezögen sich auf das Zusammenarbeiten mit Männern. Aus
versicherungsmedizinisch-psychiatrischer Sicht sei ein psychischer
Gesundheitsschaden ausgewiesen, welcher zu einer relevanten Einschränkung der
Funktionsfähigkeit führe. Diagnostisch im Vordergrund stünden noch
Residualsymptome der posttraumatischen Belastungsstörung mit depressiver und
ängstlicher Symptomatik, die Persönlichkeitsstörung und die psychogen gekoppelten
Schmerzen. Bis zur RAD-Untersuchung vom 7. Januar 2013 sei spätestens seit
Abbruch der IV-unterstützten Ausbildung von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in
der freien Marktwirtschaft auszugehen. Seit der RAD-Untersuchung sei in geeigneter,
angepasster Tätigkeit eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50 % zumutbar (IV-
act. 113-6).
Die Beschwerdeführerin musste ein Integrationsprogramm bei der F._ wegen
zu vieler unklarer Absenzen bzw. mangels Eigenmotivation abbrechen (Protokolle
Berufsberatung vom 30. Juni und 19. August 2011, IV-act. 80-5; IV-act. 88-4).
Anlässlich der Begutachtung 2017 führte sie dazu aus, "einer" habe angefangen, ihre
Hand zu berühren (IV-act. 226-12). Dr. L._ hielt in seinen Arztberichten vom 1. Mai
und vom 18. August 2014 fest, die Beschwerdeführerin sei vom Sozialdienst in ein
Arbeitstraining im M._ vermittelt worden. Sie habe dieses nicht ausgehalten wegen
täglicher unerwünschter Kontakte mit männlichen Mitarbeitern. Zudem habe sie im
öffentlichen Verkehr Panikattacken erlitten (IV-act. 140). Sie schildere, auch hier
belästigt und von der Vorgesetzten nicht ernstgenommen worden zu sein, sei jedoch
auch weiterhin nicht zur Arbeit erschienen, nachdem sie von der Zusammenarbeit mit
Männern befreit worden sei (IV-act. 142). In den Standortgesprächen vom 8. Juni 2015
und vom 12. August 2015 erklärte sie, sie sei alleine mit Männern in der Küche
eingeteilt gewesen und von einem der Männer betatscht worden. Sie sei nach Hause
gegangen. Als man den Anschuldigungen nachgegangen sei, sei der Betreffende nicht
4.3.7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/26
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mehr dort gewesen und die Chefin habe den Vorfall nicht bestätigt (IV-act. 166-4; IV-
act. 175-7). Gegenüber der Gutachterin erklärte sie, für die Benutzung des Busses, um
zum M._ zu gelangen, habe sie Temesta nehmen müssen und sei selbst dann
manchmal nach Hause zurückgegangen (IV-act. 226-12).
Aus dem von der Beschwerdeführerin anschliessend eingeholten Arztbericht der
Klinik G._ vom 16. Mai 2012 (Posteingang SVA) geht hervor, dass der Eintritt freiwillig
erfolgt sei; die aufgrund der sexuellen Belästigungen am Ausbildungsplatz bestehende
Belastung habe sich durch die Trennung von ihrem Freund rund drei Wochen vor
Eintritt zugespitzt. Nach einer Versöhnung sei die Beschwerdeführerin gegen ärztlichen
Rat trotz Empfehlung zur Fortsetzung der stationären Behandlung auf einer
Psychotherapiestation zur Traumabewältigung bereits am 7. Oktober 2011 in subjektiv
stark verbessertem Zustand wieder ausgetreten. Sie habe auch das Angebot
ausgeschlagen, mit Hilfe des Sozialdienstes an einer beruflichen Wiedereingliederung
zu arbeiten, da sie lieber als Hausfrau leben wolle (IV-act. 103). Anlässlich der
Begutachtung durch Dr. I._ gab sie an, der Eintritt sei auf Veranlassung des
Hausarztes und des Sozialamtes erfolgt (IV-act. 93-10). Im Anschluss an die stationäre
Behandlung in der Klinik G._ vom 27. September bis 7. Oktober 2011 war eine
ambulante Fortsetzung der Therapie geplant (Arztbericht vom 16. Mai 2012, IV-
act. 103). Zwar äusserte die Beschwerdeführerin gegenüber RAD-Ärztin Dr. J._ am
7. Januar 2013, sie sei seit dem Klinikaustritt insgesamt bei ca. sechs verschiedenen
Behandlern gewesen (IV-act. 113). Eine Psychologin habe sie nicht mehr weiter
betreut, nachdem sie sich selbständig gemacht habe, und ein Psychologe habe sie
nicht mehr therapiert, nachdem das Sozialamt die Rechnung nicht beglichen habe
(Gutachten 2017, IV-act. 226-12). Aktenkundig ist indes erst die ambulante Behandlung
durch Dr. L._, welche erst am 19. Februar 2014 aufgenommen wurde (Arztbericht
vom 1. Mai 2014, IV-act. 140). Die Therapie wurde aufgrund der äusserst
unbefriedigenden Motivation mit sehr oft nicht wahrgenommenen Terminen am 22. Mai
2014 vom Behandler abgebrochen (Arztbericht vom 18. August 2014, IV-act. 142). Das
Erstgespräch bei lic. phil. P._ fand im März 2016 statt (Therapiebericht vom 5. April
2016, IV-act. 226-47 ff.). Offenbar stand die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der
Begutachtung im März 2017 nach wie vor in ihrer Behandlung (IV-act. 226-12).
4.3.8.
Im Standortgespräch vom 12. August 2015 relativierte die Beschwerdeführerin
die Schwere der Übergriffe im Nachhinein stark. Passend dazu vermögen ihre
Erklärungen für das Fehlen von Akten betreffend die Vorfälle sowie für das mehrfache
Scheitern von Eingliederungsversuchen und Therapien in ihrer Anhäufung nicht
vollends zu überzeugen. Dr. I._ und Dr. J._ stellten zwar übereinstimmend die
4.3.9.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/26
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Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung und berichteten ein ganz
anderes Auftreten der Beschwerdeführerin als die Gutachterin Dr. S._. Gemäss
Dr. I._ war die Beschwerdeführerin konfus und weinte während der Untersuchung
(IV-act. 93-11 f.). Dr. J._ fand selbstunsichere, abhängige Persönlichkeitsanteile, eine
Ratlosigkeit und ein vermindertes Selbstwertgefühl (IV-act. 113-4 f.). Ein zum
subjektiven Beschwerdebild diskrepantes Auftreten und Erscheinungsbild beschrieb
Dr. L._ im Bericht vom 18. August 2014 (IV-act. 142). Dazu hielt die Gutachterin
zudem überzeugend fest, dass sich die Beschwerdeführerin durchaus eher als
reizgebend als reizverbergend präsentiere, was bei den angegebenen Übergriffen
sowie der beschriebenen Wehrlosigkeit sehr widersprüchlich sei (IV-act. 226-15).
Gesamthaft hat die psychiatrische Gutachterin nachvollziehbar dargelegt,
warum sie zu welchen Schlüssen kommt. Mit Inkonsistenzen, abweichenden
Einschätzungen der Behandler sowie den erhobenen Befunden hat sie sich ausführlich
auseinandergesetzt und ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar dargetan. Ab dem
Gutachtenszeitpunkt ist von einer vollumfänglich erhaltenen Arbeitsfähigkeit für
sämtliche Tätigkeiten auszugehen.
4.3.10.
Eine nähere Prüfung der auch für den mehrere Jahre rückwirkenden Zeitraum ab
der IV-Anmeldung vom 3. April 2008 attestierten vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit ist
nachfolgend noch vorzunehmen.
4.4.
Dr. I._ erachtete eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab dem Eintritt in die
Klinik G._ am 27. September 2011 als nachgewiesen (IV-act. 93-14). RAD-Ärztin
Dr. J._ nahm anlässlich ihrer Untersuchung vom 7. Januar 2013 sogar eine 100 %-
ige Arbeitsunfähigkeit bereits ab Abbruch der IV-unterstützten Ausbildung Mitte 2011
an (IV-act. 113-6). Die Beschwerdeführerin machte zu jenem Zeitpunkt jedoch noch
keine psychischen Beschwerden aufgrund der erlittenen Übergriffe geltend, weshalb
auch keine echtzeitlichen medizinischen Berichte vorliegen. Nach Ansicht der
Berufsberatung war die Beschwerdeführerin mit der gewährten ersten beruflichen
Ausbildung im KV-Bereich schulisch überfordert (IV-act. 80, 88), so dass ein
psychischer Gesundheitsschaden bis zum Eintritt in die Klinik G._ als beweislos
anzusehen ist. Ein anderweitiger, somatischer Gesundheitsschaden konnte nicht
festgestellt werden und insbesondere die Kniebeschwerden begründeten keine
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. Sowohl im Gutachten der Medas
Ostschweiz als auch in jenem der Medas Bern konnten keinerlei Anhaltspunkte für
irgendeine Beeinträchtigung durch ein Knieleiden erkannt werden (vgl. IV-act. 93-16
und IV-act. 226-42).
4.4.1.
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Gemäss RAD-Untersuchung vom 7. Januar 2013 bestand ab diesem Datum eine
50 %-ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 113-6). Die Behandler der Klinik G._ hatten jedoch
angegeben, dass ab Oktober 2011 eine Arbeitsfähigkeit 4 Stunden täglich bzw. von
50% in behinderungsangepassten Tätigkeiten möglich sein sollte und sie eine
kontinuierliche ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung für
notwendig hielten, um die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu verbessern.
Dabei solle ein verbesserter Umgang mit Angst in Belastungssituationen durch Erlernen
von Copingstrategien, Erhöhung von Leistungs- und Anpassungsvermögen sowie
Verbesserung der Ich-Stärke erreicht werden (IV-act. 103). Zudem äusserte auch der
frühere Hausarzt der Beschwerdeführerin Dr. C._ in seinem Bericht vom 23. März
2010 den Verdacht, dass sie nicht arbeiten wolle und zudem ein psychisches Problem
habe. Er hatte die Ursache für die geltend gemachten Knieprobleme nicht finden
können und weitere Abklärungen empfohlen (IV-act. 50). Den Akten der Berufsberatung
lässt sich weiter entnehmen, dass in dieser Zeit psychosoziale Belastungen aufgetreten
sind (Drängen des Vaters in die ungewollte Lehre, Verlassen des Lehrbetriebes durch
den Cousin, Trennung der Eltern und Auszug der Mutter im ersten Lehrjahr, IV-act.
80-3). Danach zog sie mit ihrem Freund zusammen, mit dem sie seit 2007 zusammen
war und welchen sie nach einer Trennung und Wiederversöhnung im Rahmen des
Klinikaufenthaltes im G._ im September 2011 schliesslich am 13. Dezember 2011
heiratete (IV-Anmeldung vom 21. April 2016, IV-act. 176-2). Anlässlich der RAD-
Untersuchung am 10. Januar 2013 erwähnte sie einen seit fünf Jahren unerfüllt
gebliebenen Kinderwunsch (IV-act. 235), wohingegen sie gegenüber Dr. L._ am 1.
Mai 2014 angab, noch nicht bereit für Kinder zu sein (IV-act. 140). Anlässlich des
zweiten Standortgespräches gab die Beschwerdeführerin an, sich durch das IV-
Verfahren belastet zu fühlen, sich insgesamt etwas verrannt zu haben, mit der
voraussichtlichen Ablehnung des Rentenanspruches einverstanden zu sein und sich
selbst eine Stelle suchen zu wollen (IV-act. 175-13 ff.).
4.4.2.
Zusammenfassend sind die wiedergegebenen Schlussfolgerungen der
psychiatrischen Gutachterin, insbesondere auch die retrospektive
Arbeitsfähigkeitsschätzung, überzeugend. Die anderslautenden Einschätzungen der
behandelnden Ärzte müssen als zu stark von den Angaben der Beschwerdeführerin
geprägt angesehen werden. Die Einschätzungen des psychiatrischen Vorgutachters
sowie der RAD-Psychiaterin sind zu wenig überzeugend begründet und widersprechen
teilweise den echtzeitlichen Einschätzungen. Insgesamt ist festzuhalten, dass die
Inkonsistenzen massgeblich sind. Es ist zudem nicht nachvollziehbar, dass bei
Einschränkungen, wie sie die Beschwerdeführerin geltend macht, sie bis anhin keine
grösseren Anstrengungen unternommen hat, von behandelnden Fachpersonen
4.5.
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5.
empfohlene medizinische Massnahmen auch nur ansatzweise umzusetzen.
Unabhängig davon, ob die von der Beschwerdeführerin berichteten Ereignisse
stattgefunden haben, kann aufgrund der festgehaltenen Befunde, früherer
Feststellungen diverser behandelnder Arztpersonen, des Auftretens der
Beschwerdeführerin sowie der vielfach zutage getragenen fehlenden Motivation zur
adäquaten medizinischen Behandlung der behaupteten massiven Einschränkungen
sowie zur Umsetzung von beruflichen Massnahmen jeglicher Art davon ausgegangen
werden, dass die Schlussfolgerungen der psychiatrischen Gutachterin korrekt sind.
Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass bei der
Beschwerdeführerin seit ihrer Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen keine
Arbeitsunfähigkeit für angepasste Tätigkeiten vorlag. Bei dieser Sachlage besteht kein
Anlass für die von der Beschwerdeführerin beantragten weiteren Abklärungen. Die
abweisende Verfügung der Beschwerdeführerin erweist sich damit als korrekt.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Zufolge
unentgeltlicher Rechtspflege ist die Beschwerdeführerin von der Bezahlung zu befreien.
5.2.
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.
5.3.
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.-- bis 15'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat ein
Leistungsjournal eingereicht (act. G 12.1). In der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 1'500.--
angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 2 des Anwaltsgesetzes,
sGS 963.70). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
pauschal mit Fr. 1'200.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen.
5.4.
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