Decision ID: dd3e81bf-a227-525d-b019-77fe0f10e4f9
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer, ein sri-lanki-
scher Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, aus B._, Distrikt
Jaffna, stammend, am 23. Dezember 2015 sein Heimatland. Am 28. De-
zember 2015 reiste er in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asyl-
gesuch.
B.
Der Beschwerdeführer brachte im Wesentlichen vor, er sei aufgrund seiner
Aktivitäten für die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) seit 2006 immer
wieder vom Criminal Investigation Departement (CID) verhaftet und verhört
worden. In den Jahren 2006, 2009, 2011 und 2013 sei er jeweils während
eines Tages inhaftiert gewesen, um danach wieder freigelassen zu wer-
den. Im Jahr 2014 sei er erneut vom CID festgenommen und befragt wor-
den. Nach seiner Freilassung habe er sich in der Folge während vier Mo-
naten einmal wöchentlich bei den Behörden melden müssen, bevor die
Meldepflicht wegen unauffälligem Verhalten aufgehoben worden sei. Im
November 2015 sei es erneut zu einer Verhaftung gekommen, wobei er
am nächsten Tag freigelassen und erneut einer Meldepflicht sowie dem
Verbot, C._ zu verlassen, unterstellt gewesen sei. Aus Angst vor
weiteren Repressalien durch die sri-lankischen Behörden habe er sich da-
raufhin entschlossen auszureisen.
C.
Mit Verfügung vom 25. Mai 2018 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und
ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an.
D.
Die gegen den Entscheid erhobene Beschwerde wurde mit Urteil
D- 3721/2018 vom 7. Dezember 2018 abgewiesen.
E.
Mit einer als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch bezeichneten Eingabe
vom 8. März 2019 gelangte der Beschwerdeführer – handelnd durch sei-
nen Rechtsvertreter – erneut ans SEM und beantragte, die Verfügung vom
25. Mai 2018 sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustel-
len und ihm sei Asyl zu gewähren. Als Eventualantrag stellte er das Be-
gehren, die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs festzustellen und ihn vorläufig aufzunehmen. Weiter sei der drohende
Vollzug der Wegweisung im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme zu
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sistieren. Dem Gesuch wurde ein Originalschreiben des Rechtsanwaltes
D._ aus Colombo – datiert vom 11. Februar 2019 –, den Beschwer-
deführer betreffende Verfahrensakten des (...) inklusive englischer Über-
setzung, die Kopie eines Haftbefehls («warrant of arrest») – datiert vom
18. September 2018 sowie eine Originalquittung für die Zahlung des Aus-
zugs der Verfahrensakten beigelegt.
F.
Mit Schreiben der Vorinstanz vom 21. Mai 2019 wurde dem Beschwerde-
führer das rechtliche Gehör zu den internen Dokumentenanalysen im Zu-
sammenhang mit den von ihm eingereichten Dokumenten gewährt.
G.
Die Stellungnahme des Beschwerdeführers ging am 25. Juni 2019 bei der
Vorinstanz ein.
H.
Mit Entscheid vom 8. Juli 2019 – eröffnet am 9. Juli 2019 – wies das SEM
das Wiedererwägungsgesuch ab und bestätigte die Rechtskraft und Voll-
streckbarkeit ihrer Verfügung vom 25. Mai 2018.
I.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 8. August 2019
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die Verfü-
gung der Vorinstanz vom 8. Juli 2019 sei aufzuheben, es sei die Flücht-
lingseigenschaft festzustellen und ihm sei Asyl in der Schweiz zu gewäh-
ren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Vollzugs
der Wegweisung festzustellen und ihm die vorläufige Aufnahme zu ertei-
len. In prozessualer Hinsicht beantragte er, es sei als superprovisorische
Massnahme die aufschiebende Wirkung zu erteilen und ihm die Genehmi-
gung, das Verfahren in der Schweiz abzuwarten, zu erteilen. Der Be-
schwerde legte er ein Schreiben des Rechtsanwaltes D._ im Origi-
nal – datiert vom 17. Juli 2019 – und ein Schreiben des Rechtsanwaltes
E._ im Original – datiert vom 18. Juli 2019 – sowie einen Bericht
der UN-General-Assembly des Human Councils betreffend Sri Lanka so-
wie einen Zeitungsbericht ein.
J.
Am 9. August 2019 wurde der Vollzugsstopp vom Bundesverwaltungsge-
richt im Sinne einer superprovisorischen Massnahme verfügt.
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Seite 4
K.
Mit Zwischenverfügung vom 14. August 2019 wurde der Beschwerdeführer
aufgefordert, einen Kostenvorschuss zu zahlen, welcher beim Bundesver-
waltungsgericht am 26. August 2019 einging.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Der
Kostenvorschuss wurde innert der ihm gesetzten Frist eingezahlt. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich
und begründet einzureichen (Art. 111b a Abs. Abs. 1 AsylG).
In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-
gesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine
nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-
fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem
blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi-
onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (zum soge-
nannten "qualifizierten Wiedererwägungsgesuch" vgl. BVGE 2013/22
E. 5.4 m.w.H.).
4.2 Die Vorinstanz nahm das Gesuch vom 8. März 2019 als qualifiziertes
Widererwägungsgesuch entgegen und vertrat den Standpunkt, dass der
Beschwerdeführer Revisionsgründe geltend gemacht habe, wobei die ur-
sprüngliche Verfügung fehlerhaft und aufgrund der neu eingereichten Do-
kumente in Wiedererwägung zu ziehen sei. In der Folge behandelte die
Vorinstanz seine Eingabe auch in materieller Hinsicht als Wiedererwä-
gungsgesuch. Das Bundesverwaltungsgericht nahm denn die Beschwerde
vom 8. August 2019 als Beschwerde gegen einen Wiedererwägungsent-
scheid des SEM entgegen.
4.3 Von einem qualifizierten Wiedererwägungsgesuch, welches funktional
zunächst durch das SEM zu beurteilen ist, wird ausgegangen, wenn die
Aufhebung einer ursprünglich fehlerhaften Verfügung begehrt wird, die un-
angefochten geblieben ist oder auf Beschwerdeebene wegen Nichteintre-
tens aus formellen Gründen materiell nicht überprüft wurde (vgl. BVGE
2013/22 E. 5.4). Ein Revisionsgesuch richtet sich demgegenüber gegen
einen rechtskräftigen materiellen Beschwerdeentscheid. Die Zuständigkeit
für dessen Beurteilung liegt allein beim Gericht.
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Seite 6
4.4 Beim im Rahmen des Wiedererwägungsgesuchs eingereichten Haft-
befehl, auf welchen sich der Beschwerdeführer in seiner Eingabe massge-
blich stützte, datiert vom 18. September 2018. Somit handelt es sich um
ein vor dem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts vom 7. Dezember
2018 vorbestandenes Beweismittel (sog. unechte Nova). Dementspre-
chend liegt gemäss Rechtsprechung ein Revisionsgrund im Sinne von
Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG vor und die Eingabe wäre nicht als (qualifizier-
tes) Widererwägungsgesuch, sondern als Revisionsgesuch zu behandeln
respektive an das Bundesverwaltungsgericht zu überweisen gewesen.
Durch die vorinstanzliche Anhandnahme der Eingabe als (qualifiziertes)
Wiedererwägungsgesuch ist dem Beschwerdeführer jedoch kein Nachteil
entstanden.
5.
5.1 In seiner Eingabe an die Vorinstanz machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, die neuen, dem Gesuch beigelegten Beweismittel
würden die von der Vorinstanz und dem Bundesverwaltungsgericht nicht
geglaubte Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden belegen. Aus den
eingereichten Dokumenten gehe hervor, dass er tatsächlich von den Be-
hörden aufgrund seiner langjährigen Mitgliedschaft bei den LTTE verfolgt
werde und ihm ein Strafverfahren drohe. Aus einem Bericht der Schweize-
rischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 12. Januar 2018 gehe ferner hervor,
dass es im Distrikt von Jaffna immer noch zu unrechtmässigen Verhaftun-
gen und Entführungen durch die staatlichen Organe mit anschliessender
Folter komme, wobei es sich vorwiegend um Personen tamilischer Ethnie
handle und ihnen unterstellt werde, mit den LTTE in Verbindung zu stehen
sowie diese wiedererstarken zu lassen. Zudem würden Privatpersonen
überwacht. Als abgewiesener tamilischer Asylbewerber stehe er bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unter dem
Generalverdacht, die LTTE zu unterstützen.
5.2 In ihrem Entscheid verwies die Vorinstanz auf die vom Beschwerdefüh-
rer gemachte Aussage während des Asylverfahrens, es sei nie ein Straf-
verfahren gegen ihn hängig gewesen, weshalb es inkonsistent sei, erst im
Rahmen eines Wiedererwägungsgesuches geltend zu machen, er sei be-
reits vor seiner Ausreise in ein Verfahren verwickelt gewesen.
In Bezug auf die eingereichten Beweismittel sei festzuhalten, dass diese
über keinerlei Sicherheitsmerkmale verfügen würden und daher leicht ver-
fälscht werden könnten. So habe eine amtsinterne Überprüfung ergeben,
dass einerseits nicht die üblichen vorgedruckten Formulare des Gerichts
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Seite 7
verwendet worden seien. Anderseits sei es nicht nachvollziehbar, weshalb
die Polizei und das Gericht zu verschiedenen Zeitpunkten einen gemein-
samen Bericht verfasst haben sollten. Zudem fehle auf der Gerichtsakte
eine Unterschrift und ein Emblem einer der beiden Behörden sowie auch
die Rückseite des Haftbefehls. Überdies gehe aus der Gerichtsakte nicht
hervor, warum zwischen der Anordnung der Haft und der Ausstellung des
Haftbefehls fast vier Jahre vergangen seien. Auch habe sich nach einem
Gespräch mit dem angegebenen Rechtsanwalt ergeben, dass dieser seit
dem Jahr 2018 nicht mehr berufstätig sei und auch keine Briefe für Klienten
in der Schweiz verfasst habe. Die in der Stellungnahme geäusserten Ein-
wendungen seien lediglich Vermutungen und hätten nicht bewiesen wer-
den können, weshalb es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei, eine
asylrelevante Verfolgung glaubhaft zu machen. Die von ihm der Be-
schwerde beigelegten Berichte verschiedener Organisationen wiesen kei-
nen direkten Zusammenhang zu seinen persönlichen Problemen auf.
5.3 In seiner Beschwerde rügte der Beschwerdeführer, die Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes sei unvollständig und unrichtig erfolgt,
weshalb das rechtliche Gehör verletzt sei. Die dem Wiedererwägungsge-
such beigelegten Beweismittel seien von der Vorinstanz nicht korrekt ge-
würdigt worden. Bei den beanstandeten Gerichtsakten handle es sich um
Dokumente, welche für interne Zwecke verwendet würden, weshalb auch
folgerichtig die Unterschrift oder ein Emblem fehle.
Die Annahme, der Rechtsanwalt in Colombo sei nicht mehr arbeitstätig,
werde mit den beiden neuen ins Recht gelegten Schreiben wiederlegt. Der
betreffende Rechtsanwalt habe nach einer Kontaktaufnahme durch den
Beschwerdeführer mit Schreiben vom 17. Juli 2019 dargelegt, dass er sehr
wohl für ihn in der Schweiz ein Schreiben (dieses vom 11. Februar 2019)
verfasst habe. Darin habe er bestätigt, dass ihn niemand von einer Schwei-
zerischen Behörde betreffend das Verfahren des Beschwerdeführers kon-
taktiert habe. Mit Schreiben vom 18. Juli 2019 habe ein zweiter praktizie-
render Rechtsanwalt bestätigt, dass ersterer tatsächlich in einer Kanzlei
arbeite. Aufgrund dieser Beweismittel seien seine Vorbringen bewiesen.
Die Vorinstanz habe seine Aussagen und Dokumente nicht ernsthaft ge-
prüft und somit das rechtliche Gehör verletzt. Auch habe sie die Tatsache
nicht gewürdigt, dass er bereits nach seiner Ausreise mehrmals behördlich
gesucht worden sei und nach seiner Rückkehr auch deshalb ein beachtli-
ches behördliches Verfolgungsinteresse bestehe. Schliesslich sei auch
deshalb das rechtliche Gehör verletzt worden, weil ihm die Akten der amts-
internen Abklärung zu den Dokumenten nicht offengelegt worden seien.
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Zusammenfassend weise er ein Gefährdungsprofil aufgrund seines hängi-
gen Strafverfahrens gemäss der relevanten Rechtsprechung auf.
6.
6.1 Die Asylbehörde hat den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes we-
gen festzustellen (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG), wobei alle rechtser-
heblichen und rechtzeitigen Vorbringen der Parteien zu würdigen sind (Art.
32 Abs. 1 VwVG). Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs gemäss Art. 29
Abs. 2 BV umfasst eine Anzahl verschiedener verfassungsrechtlicher Ver-
fahrensgarantien. Der in Art. 32 VwVG konkretisierte Teilgehalt verpflichtet
die Behörde nicht nur, den Parteien zu ermöglichen, sich zu äussern und
ihre Vorbringen tatsächlich zu hören (Art. 30 f. VwVG), sondern sie auch
sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung zu berück-
sichtigen. Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Behörde, ihren Ent-
scheid zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Denn ob sich die Behörde
tatsächlich mit allen erheblichen Vorbringen der Parteien befasst und aus-
einandergesetzt hat, lässt sich erst aufgrund der Begründung erkennen.
Insgesamt muss der Entscheid so abgefasst sein, dass ihn die betroffene
Person gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (vgl. BGE 134 I 183
E. 4.1, 124 V 180 E. 1a). Dabei kann sich die Behörde in ihrer Argumenta-
tion zwar auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschrän-
ken; sie darf aber nur diejenigen Argumente stillschweigend übergehen,
die für den Entscheid erkennbar unbehelflich sind (vgl. BVGE 2007/21 E.
10.2 mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung und die
einschlägige Literatur; SUTTER, a.a.O., Kommentar VwVG, Art. 32 Abs. 1
VwVG, Rz. 2).
6.2 Das rechtliche Gehör, welches in Art. 29 Abs. 2 BV verankert ist und
den Art. 29ff. VwVG für das Verwaltungsverfahren konkretisiert wird, dient
einerseits der Abklärung des Sachverhaltes, anderseits stellt es ein per-
sönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien dar. Gemäss Art. 30
Abs. 1 VwVG hört die Behörde die Parteien an, bevor sie verfügt (vgl.
BVGE 2011/37, E. 5.4.1.).
6.3
6.3.1 Die formelle Rüge, das rechtliche Gehör sei verletzt und der
rechtserhebliche Sachverhalt unvollständig abgeklärt worden, indem die
eingereichten Beweismittel ungenügend gewürdigt worden seien, erweist
sich als unbegründet und betrifft überdies die Frage des materiellen und
nicht formellen Rechts.
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Seite 9
6.3.2 Die Vorinstanz hat sich im Sachverhalt und in den Erwägungen mit
den vom Beschwerdeführer vorgebrachten Beweismitteln gründlich ausei-
nandergesetzt und hinreichend dargelegt, weshalb sie die neuen Vorbrin-
gen als unglaubhaft einstuft. Dass sie dabei zu einer anderen Würdigung
des Sachverhaltes sowie der Beweismittel als der Beschwerdeführer ge-
langt ist, spricht weder für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung
noch für eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Entgegen der Behaup-
tung des Beschwerdeführers, hat sie unter Berücksichtigung und einge-
hender Abklärung der neuen Beweismittel ausführlich dargelegt, aus wel-
chen Gründen sie zum Schluss gekommen ist, dass es sich dabei um ge-
fälschte oder verfälschte Beweismittel handelt. Korrekterweise stützte sie
sich auf die ihr vorliegenden Dokumente, da diese den zentralen Aspekt
des Wiedererwägungsgesuches bilden und ist zu einem differenzierten Er-
gebnis gekommen. Schliesslich wurde ihm im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs die Gelegenheit eingeräumt, sich zu den Erkenntnissen im Zusam-
menhang mit den eingereichten Dokumenten zu äussern. Dass die amts-
interne Abklärung hierzu nicht offengelegt wurde, stellt insofern ebenfalls
keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, da deren Inhalt in allen we-
sentlichen Punkten zur Kenntnisnahme an den Beschwerdeführer gelangt
ist und ihm dazu im Rahmen des rechtlichen Gehörs die Möglichkeit der
Stellungnahme gegeben wurde.
6.4 In materieller Hinsicht ist in einem ersten Schritt auf die im Rahmen des
Gesuches eingereichten Beweismittel einzugehen. Erste Zweifel an der
Echtheit der Gerichtsakten ergeben sich angesichts der Tatsache, dass
laut dem sri-lankischen Strafprozessgesetz Akten (nur) an die beschuldig-
ten Personen abgegeben werden (vgl. Socialist Republic of Sri Lanka,
Code Of Criminal Procedure Act (No. 15 of 1979), 1979, http://www.com-
monlii.org/lk/legis/num_act/cocpa15o1979276/s442.html, abgerufen am
14. Juli 2020). Somit drängt sich die Frage auf, unter welchen Bedingun-
gen Anwälte an Gerichtsakten gelangen können. Mithin ist davon auszu-
gehen, dass zumindest eine Vollmacht hätte vorliegen müssen oder ein
Beleg im Sinne eines schriftlichen Antrags, welcher ein Anwalt dem zustän-
digen Registrar beim Gericht einreicht, um auf offiziellem Weg an die Ge-
richtsakten zu gelangen. Dass der Beschwerdeführer lediglich eine Quit-
tung als Beweismittel zum Erhalt dieser Akten eingereicht hat, erklärt den
Umstand, wie er zu den internen Akten gelangt sein soll, nicht. Weiter ist
festzustellen, dass seine Erklärungen, wieso die Gerichtsakte nur bis zum
27. Februar 2015 nachgeführt wurde, nicht sachdienlich sind. Vor dem Hin-
tergrund, dass es sich gemäss der Beschwerdeschrift bei den Gerichtsak-
ten vorwiegend um interne Akten handeln soll, bleibt es ungeklärt, weshalb
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Seite 10
sein Anwalt an diese gelangen konnte, insbesondere auch aufgrund der
Tatsache, dass es gerade Sinn und Zweck von internen Dokumenten ist,
diese nicht an aussenstehende Personen herauszugeben. Schliesslich
vermag auch die Erklärung, es sei gerichtsnotorisch, dass Gerichtsverfah-
ren in Sri Lanka mehrere Jahre dauern würden, weshalb keine weiteren
Einträge trotz der angeblichen Ausstellung eines Haftbefehls am 18. Sep-
tember 2018 in den Gerichtsakten ersichtlich sind, nicht zu überzeugen.
Schliesslich unterliess es der Beschwerdeführer zu erklären, wie er erfah-
ren hatte, dass er per Haftbefehl gesucht werde. Es erschliesst sich dem
Bundesverwaltungsgericht nicht, weshalb seinem Schreiben vom 11. Feb-
ruar 2019 zufolge der Anwalt vom Terror Investigation Departement (TID)
über den Haftbefehl informiert worden sein soll, seine Familie hingegen
nichts davon gewusst hatte.
Hinsichtlich der Angaben zum Anwalt D._ fällt auf, dass ein solcher
unter gleichlautendem Namen zwar im Verzeichnis des sri-lankischen An-
waltsregisters aufgeführt ist, jedoch unter einer anderen physischen Ad-
resse sowie unter einer anderen E-Mail-Adresse als derjenigen auf den
Briefköpfen der beiden eingereichten Schreiben (https://basl.lk/lawyers-di-
rektory, abgerufen am 20. September 2019). Weiter ist zu bemerken, dass
der Anwalt E._, welcher mit einem Besuch sowie seinem Schreiben
die Anwaltskanzlei des ersteren bestätigt haben soll, nicht im Anwaltsver-
zeichnis aufgeführt ist. Dies erstaunt umso mehr, als dass der Beschwer-
deführer in seiner Stellungnahme vom 25. Juni 2019 bezüglich des Vor-
wurfs, dass die Anwaltsschreiben gefälscht sein könnten, erklärte, er würde
bei einer Fälschung kaum einen Namen eines Anwaltes verwenden, wel-
cher durch die Schweizer Behörden nicht überprüfbar sei. Überdies ist im
Schreiben des Anwalts E._ vom 18. Juli 2019 die Rede von weiterer
Korrespondenz den Beschwerdeführer betreffend sowie einer Kopie der
Anwaltslizenz, welche jedoch nicht eingereicht wurden.
6.5 Das Bundesverwaltungsgericht kommt zum Schluss, dass an der Echt-
heit der vom Beschwerdeführer eingereichten Dokumente zu zweifeln ist
und seine Vorbringen, dass ein Strafverfahren gegen ihn hängig sei, als
unglaubhaft zu erachten ist. Diese Schlussfolgerung ergibt sich ebenfalls
aus den nachfolgenden Erwägungen.
https://basl.lk/lawyers-direktory https://basl.lk/lawyers-direktory
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Seite 11
6.6 So geht aus dem Anhörungsprotokoll hervor, dass der Beschwerdefüh-
rer am 14. Juli 2014 während eines Tages durch den CID festgehalten wor-
den sei und sich anschliessend während rund vier Monaten, also bis min-
destens Mitte November 2014, einmal wöchentlich bei den Behörden habe
melden müssen. Danach sei die Meldepflicht aufgehoben worden, da er
sich unauffällig verhalten habe (vgl. act. A 17/20, F98, 100, 112-115). Aus
diesen Aussagen ist zu schliessen, dass in diesem Zeitraum keine weiteren
Vorwürfe gegen ihn durch die sri-lankischen Behörden erhoben wurden
und er nicht (mehr) in deren Visier stand. Weitere Konsequenzen oder Ver-
folgungshandlungen durch die sri-lankischen Behörden habe es laut dem
Anhörungsprotokoll bis auf eine weitere eintägige Verhaftung am 30. No-
vember 2015 mit einer anschliessenden regelmässigen Meldepflicht und
dem Verbot, C._ zu verlassen, keine gegeben. Anhand dieses be-
schriebenen Sachverhalts ist zu schliessen, dass die sri-lankischen Behör-
den kein Verfolgungsinteresse an ihm aufwiesen. Dies stellt jedoch einen
erheblichen Widerspruch zu den Beweismitteln dar, anhand welchen er als
terrorverdächtige Person gesucht wird. Hätte ein tatsächliches Verfol-
gungsinteresse aufgrund eines Verdachts an ihm bestanden respektive
wäre am 21. November 2014 tatsächlich ein Haftbefehl gegen ihn ausge-
stellt worden (vgl. Übersetzung der Gerichtsakten, S. 3, zit.: «Issued the
Open Warrant against the 2nd suspect of A._»), wäre er während
der behördlichen Meldepflicht festgenommen und dem Gericht zugeführt
oder später gesucht und erneut von den Behörden inhaftiert worden, zumal
sein Wohnort sowie seine Adresse bekannt war und es den Behörden ein
Leichtes gewesen wäre, ihn an seinem Wohnort festzunehmen. Auch er-
staunt es, dass er trotz des angeblich gegen ihn ausgestellten Haftbefehls
vom 21: November 2014 im November 2015 zwar festgenommen, jedoch
wieder freigelassen worden sein soll.
Schliesslich bleibt es fraglich, wieso am 18. September 2018 ein weiterer
Haftbefehl ausgestellt worden sein soll und er dennoch zu keinem Zeit-
punkt geltend machte, (weiterhin) behördlich gesucht worden zu sein. Er-
schiene es doch im Anschluss an die Ausstellung des Haftbefehls nahelie-
gend, dass die Behörden ihn zuerst an seinem Wohnort aufgesucht und
seine dort anwesenden Familienangehörigen nach seinem Verbleib gefragt
hätten, zumal sich die auf dem Haftbefehl angegebene Adresse mit denen
seiner Familienangehörigen deckt und diese weiterhin dort wohnhaft sind
(vgl. act. A 17/20, F45). Mithin ist auch angesichts dieses Sachverhaltsele-
ments davon auszugehen, dass kein Interesse der heimatlichen Behörden
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Seite 12
an ihm besteht, da sich dieser geltend gemachte Verfolgungsaspekt eben-
falls nicht mit den Einträgen in den Gerichtsakten deckt respektive diese
sich diametral widersprüchlich zueinander verhalten.
6.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, mit den neu eingereichten Dokumenten eine asylrele-
vante Verfolgung im Sinne von Art. 3 und Art. 7 AsylG glaubhaft zu ma-
chen, weshalb die vorinstanzlichen Ausführungen vollumfänglich zu stüt-
zen sind.
6.8 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die vorinstanzliche Verfü-
gung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg-
liche überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. Die
mit Zwischenverfügung vom 14. August 2019 angeordnete Aussetzung
des Vollzugs der Wegweisung ist aufzuheben.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von 750.– dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG;
Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss zur Bezahlung der Ver-
fahrenskosten ist hierfür zu verwenden.
8.
Die im Rahmen des Wiedererwägungsgesuches eingereichten Beweismit-
tel, welche als interne Gerichtsdokumente sowie als sri-lankischer Haftbe-
fehl bezeichnet wurden (vgl. E. 6.4.1 und 6.5), sind als gefälschte Doku-
mente in Anwendung von Art. 10 Abs. 4 AsylG einzuziehen.
(Dispositiv nächste Seite)
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