Decision ID: 230bb3f3-5a21-487f-bfb2-8f1ed666a4db
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend einfache Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht in Strafsachen, vom 18. November 2013 (GG130012)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 10. April
2013 (Urk. 41) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. a) Der Beschuldigte A._ ist schuldig der einfachen Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, sowie des Hausfriedens-
bruchs im Sinne von Art. 186 StGB.
b) Von den Vorwürfen der Drohung sowie der Sachbeschädigung wird der
Beschuldigte A._ freigesprochen.
2. a) Der Beschuldigte B._ ist schuldig der einfachen Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, sowie des Hausfriedens-
bruchs im Sinne von Art. 186 StGB.
b) Vom Vorwurf der Sachbeschädigung wird der Beschuldigte B._
freigesprochen.
3. a) Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von
150 Tagessätzen zu je Fr. 50.– (wovon 25 Tagessätze als durch Haft
geleistet gelten), sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.
b) Der Vollzug der dem Beschuldigten auferlegten Geldstrafe wird aufge-
schoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu
bezahlen.
c) Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren
Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
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4. a) Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von
120 Tagessätzen zu je Fr. 50.– (wovon 25 Tagessätze als durch Haft
geleistet gelten), sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.
b) Der Vollzug der dem Beschuldigten auferlegten Geldstrafe wird aufge-
schoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu
bezahlen.
c) Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren
Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
5. Die von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmte, und bei der hiesigen Be-
zirksgerichtskasse lagernde Armbanduhr "Festina", mit Metallarmband
(SK ...) wird nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils dem Beschuldigten
A._ auf erstes Verlangen innerhalb von drei Monaten herausgegeben
und ansonsten der Bezirksgerichtskasse zur gutscheinenden Verwendung
überlassen.
6. Das von der von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmte, und bei der hiesi-
gen Bezirksgerichtskasse lagernde T-Shirt wird nach Eintritt der Rechtskraft
dieses Urteils dem Privatkläger C._ auf erstes Verlangen innerhalb von
drei Monaten herausgegeben und ansonsten der Bezirksgerichtskasse zur
gutscheinenden Verwendung überlassen.
7. Die Beschuldigten werden verpflichtet, dem Privatkläger C._ unter soli-
darischer Haftung Fr. 400.– zuzüglich 5 % Zins ab 13. September 2009 als
Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren
abgewiesen.
8. Im Übrigen wird der Privatkläger C._ mit seinen Zivilansprüchen auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
9. Die Beschuldigten werden unter solidarischer Haftung verpflichtet, dem Pri-
vatkläger C._ eine Prozessentschädigung von Fr. 6'669.50 zu bezah-
len.
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10. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 1'467.– Auslagen Untersuchung
Fr. 10'233.90 amtliche Verteidigung A._
Fr. 18'549.20 amtliche Verteidigung B._. Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Rechtsanwalt lic. iur. X1._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten A._ aus der Gerichtskasse mit
Fr. 6'468.15 (inkl. Barauslagen und MwSt.) entschädigt.
12. Rechtsanwältin lic. iur. X3._ wird für ihre Aufwendungen als amtliche
Verteidigerin des Beschuldigten B._ aus der Gerichtskasse mit
Fr. 11'715.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) entschädigt.
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (exklusive
der Kosten der amtlichen Verteidigung) werden den Beschuldigten jeweils
zur Hälfte auferlegt.
Zusätzlich werden die Kosten der amtlichen Verteidigungen den jeweiligen
Beschuldigten auferlegt, jedoch einstweilen auf die Staatskasse genommen.
Eine Rückforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 108 S. 2)
1. Der Beschuldigte 1 (und Berufungskläger 1) sei von den Vorwürfen der
einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
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sowie des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB freizuspre-
chen.
2. Die Zivilansprüche des Privatklägers seien vollumfänglich abzuweisen.
3. Die Kosten der Untersuchung und der erst- und zweitinstanzlichen ge-
richtlichen Verfahren, inkl. der amtlichen Verteidigung, seien auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
4. Dem Beschuldigten 1 sei eine Genugtuung für die Untersuchungshaft
von Fr. 200.– pro Tag, total Fr. 5'200.–, zuzüglich 5% Zins ab 13. Sep-
tember 2009 aus der Gerichtskasse zu bezahlen.
5. Dem Beschuldigten 1 sei für die erbetene Verteidigung eine Entschädi-
gung von Fr. 2'779.40 inkl. MwSt. zu entrichten.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten B._:
(Urk. 109 S. 26)
1. Das Urteil vom 18. November 2013 sei aufzuheben und der Angeklagte
vollumfänglich von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Es sei dem Angeklagten eine Haftentschädigung im Betrag von
Fr. 9'731.95 nebst 5% Zins seit dem 7. Oktober 2009 zuzusprechen.
3. Es sei die Löschung des DNA-Profils des Angeklagten anzuordnen.
4. Die Zivilforderungen des Privatklägers seien vollumfänglich abzuwei-
sen.
5. Es seien die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens auf
die Staatskasse zu nehmen.
6. Es sei festzustellen, dass die erstinstanzliche Parteientschädigung als
wohlbezahlt gilt und es sei dem Angeklagten für das zweitinstanzliche
Verfahren eine Parteientschädigung im Umfang der eingereichten Ho-
norarnote zuzusprechen.
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c) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(Urk. 93 S. 1)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
d) Des Vertreters des Privatklägers:
(Urk. 104 S. 1 f.)
1. Die Beschuldigten seien in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
vom 18. November 2013 – sowie diesbezüglich gemäss der Anklage-
schrift vom 10. April 2013 – der einfachen Körperverletzung im Sinne
von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie des Hausfriedensbruchs im Sin-
ne von Art. 186 StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu be-
strafen.
2.1. Die Beschuldigten seien – in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
vom 18. November 2013 – unter solidarischer Haftung für den gesam-
ten Betrag zu verpflichten, dem Privatkläger C._ eine Prozessent-
schädigung bzw. Schadenersatz in der Höhe von CHF 6'669.50 für
Anwaltskosten zu bezahlen.
2.2. Die Beschuldigten seien unter solidarischer Haftung für den gesamten
Betrag zu verpflichten, dem Privatkläger C._ eine Prozessent-
schädigung bzw. Schadenersatz in der Höhe von CHF 1'562.50 (inkl.
8.0% MWST) für Anwaltskosten im Zusammenhang mit dem oberge-
richtlichen Berufungsverfahren zu bezahlen.
3. Die Beschuldigten seien – in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
vom 18. November 2013 – unter solidarischer Haftung für den gesam-
ten Betrag zu verpflichten, dem Privatkläger C._ eine Genugtuung
von CHF 400.00 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 13. September 2009
zu bezahlen.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschul-
digten.
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Das Gericht erwägt:
I. Prozessverlauf und Gegenstand der Berufung
1. Das Verfahren entspringt einem Konflikt zwischen zwei Familien, die im
Zeitpunkt des strittigen Geschehens in der Liegenschaft D._-Strasse ... in
E._ wohnten. Es kam gegenseitig zu mehreren Strafanzeigen mit insgesamt
fünf involvierten Personen. Die anschliessenden Strafuntersuchungen wurden in-
zwischen teilweise eingestellt und in einem Fall sistiert. Vorliegend zu beurteilen
ist die auf Anschuldigungen des Privatklägers C._ basierende Anklage ge-
gen die Brüder A._ und B._. Für Einzelheiten zur Prozessgeschichte bis
zum erstinstanzlichen Urteil ist auf die Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen
(Urk. 84 S. 5 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO; vgl. hinten III. 1.3.3 - 1.3.5).
2.1 Mit Urteil des Bezirksgerichts Dietikon, Einzelgericht, vom 18. November
2013 wurde der Beschuldigte A._ der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und des Hausfriedensbruchs im Sinne von
Art. 186 StGB schuldig gesprochen. Von den Vorwürfen der Drohung und der
Sachbeschädigung sprach das Gericht ihn frei. A._ wurde mit einer auf zwei
Jahre bedingt aufgeschobenen Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je Fr. 50.--,
wovon 25 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten, sowie mit einer Busse von
Fr. 500.-- bestraft. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall schuldhaften Nichtbezah-
lens der Busse bemass das Gericht auf 5 Tage (Urk. 84 S. 69 f.).
2.2 Mit dem gleichen Urteil wurde der Beschuldigte B._ der einfachen  im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und des Hausfriedens-
bruchs im Sinne von Art. 186 StGB schuldig gesprochen. Vom Vorwurf der Sach-
beschädigung sprach das Gericht ihn frei. B._ wurde mit einer auf zwei Jahre
bedingt aufgeschobenen Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je Fr. 50.--, wovon
25 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten, sowie mit einer Busse von Fr. 500.-
- bestraft. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall schuldhaften Nichtbezahlens der
Busse bemass das Gericht auf 5 Tage (Urk. 84 S. 69 f.).
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2.3 Sodann entschied die Vorinstanz, dass die von der Staatsanwaltschaft be-
schlagnahmte und bei der Bezirksgerichtskasse lagernde Armbanduhr "Festina"
mit Metallband (SK ...) nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils dem Beschuldig-
ten A._ auf erstes Verlangen innerhalb von drei Monaten herausgegeben
und ansonsten der Bezirksgerichtskasse zur gutscheinenden Verwendung über-
lassen wird. Analog wurde entschieden, dass das von der Staatsanwaltschaft be-
schlagnahmte und bei der Bezirksgerichtskasse lagernde T-Shirt nach Eintritt der
Rechtskraft des Urteils dem Privatkläger C._ auf erstes Verlangen innerhalb
von drei Monaten herausgegeben und ansonsten der Bezirksgerichtskasse zur
gutscheinenden Verwendung überlassen wird. Die Beschuldigten A._ und
B._ wurden ferner verpflichtet, dem Privatkläger C._ unter solidarischer
Haftung eine Genugtuung von Fr. 400.-- zuzüglich 5 % Zins ab 13. September
2009 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wies die Vorinstanz das Genugtuungsbegehren
ab und verwies den Privatkläger C._ mit seinen weiteren Zivilansprüchen auf
den Weg des Zivilprozesses. Zudem verpflichtete die Vorinstanz die Beschuldig-
ten unter solidarischer Haftung, dem Privatkläger C._ eine Prozessentschä-
digung von Fr. 6'669.50 zu bezahlen. Den amtlichen Verteidigern, Rechtsanwalt
lic. iur. X1._ (A._) und Rechtsanwältin lic. iur. X3._ (B._),
sprach die Vorinstanz für ihre Aufwendungen Fr. 6'468.15 bzw. Fr. 11'715.-- (je
inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse zu. Schliesslich auferlegte
das Bezirksgericht die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens
– ausgenommen die Verteidigerkosten – den Beschuldigten je zur Hälfte, wäh-
rend die Kosten der amtlichen Verteidigungen den jeweiligen Beschuldigten aufer-
legt, jedoch unter Rückforderungsvorbehalt einstweilen auf die Gerichtskasse ge-
nommen wurden.
3.1 Gegen dieses Urteil meldeten beide amtlichen Verteidiger namens und im
Auftrag der Beschuldigten rechtzeitig Berufung an, Rechtsanwalt lic. iur. X1._
mit Schreiben vom 26. November 2013 (Urk. 70) und Rechtsanwältin
lic. iur. X3._ mit Schreiben vom 27. November 2013 (Urk. 71). Seit 28. No-
vember 2013 ist der Beschuldigte B._ neu erbeten verteidigt durch Rechts-
anwalt Dr. X2._ (Urk. 72-75; Urk. 88/2). Die Berufungserklärungen der Ver-
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teidiger vom 23. Mai 2014 und 26. Mai 2014 erfolgten ebenfalls fristgerecht
(Urk. 87-89).
3.2 Der Beschuldigte A._ lässt grundsätzlich das gesamte Urteil anfechten.
Er verlangt einen Freispruch von den Vorwürfen der einfachen Körperverletzung
und des Hausfriedensbruchs sowie eine angemessene Genugtuung für die erlit-
tene Haft. Das Genugtuungsbegehren sowie die übrigen Zivilansprüche des Pri-
vatklägers seien abzuweisen bzw. auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
Hinsichtlich der Kosten der Untersuchung und beider Gerichtsinstanzen beantragt
A._, diese auf die Gerichtskasse zu nehmen und ihm für die erbetene Vertei-
digung [offensichtlich gemeint betreffend die Verteidigung durch Rechtsanwalt lic.
iur. X1._ vor dessen Bestellung zum amtlichen Verteidiger mit Wirkung ab
8. April 2013 (vgl. Urk. 22/9 und Urk. 22/24)] eine angemessene Entschädigung
zu bezahlen (Urk. 89 S. 3). An diesen Anträgen wurde auch anlässlich der Beru-
fungsverhandlung festgehalten, wobei die Genugtuung für die Untersuchungshaft
auf Fr. 5'200.-- und die Entschädigung für die erbetene Verteidigung auf
Fr. 2'779.40 beziffert wurde (Urk. 108 S. 2; Prot. II S. 3 f.). Nicht beanstandet wer-
den die Freisprüche betreffend Drohung und Sachbeschädigung (Dispositiv-Ziffer
1 lit. b) sowie die Herausgabe der Armbanduhr (Dispositiv-Ziffer 5; vgl. Urk. 89).
Unangefochten sind überdies die Herausgabe des T-Shirts (Dispositiv-Ziffer 6)
sowie die Entschädigung des amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur.
X1._ (Dispositiv-Ziffer 11).
A._ stellt zudem den Beweisantrag, seinen Sohn F._, geb. tt.mm.1993,
der beim Geschehen ebenfalls in der Wohnung des Privatklägers C._ anwe-
send war, als Zeuge einzuvernehmen, nachdem das Verfahren gegen ihn rechts-
kräftig eingestellt worden ist (Urk. 89 S. 3; Urk. 33/2).
3.3 Auch der Beschuldigte B._ verlangt einen vollumfänglichen Freispruch
und ficht entsprechend die Sanktion, die Regelung der Zivilansprüche des Privat-
klägers, die diesem zugesprochene Prozessentschädigung sowie die Kostenfest-
setzung und -auflage an. An diesen Anträgen wurde auch anlässlich der Beru-
fungsverhandlung festgehalten. Überdies wurde die Löschung des DNA-Profils
verlangt. Ferner wurde eine Haftentschädigung von Fr. 9'731.95 beantragt
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(Urk. 109 S. 26; Prot. II S. 4). Nicht angefochten sind der Freispruch betreffend
Sachbeschädigung (Dispositiv-Ziffer 2 lit. b), die Herausgabe von Armbanduhr
und T-Shirt (Dispositiv-Ziffern 5 und 6) sowie die Entschädigung der damaligen
amtlichen Verteidigerin, Rechtsanwältin lic. iur. X3._ (Dispositiv-Ziffer 12; vgl.
Urk. 87 S. 2 ff.).
B._ stellt zudem die folgenden Beweisanträge: er sei durch das Obergericht
persönlich zu befragen; es sei seine Ehefrau, G._, durch das Obergericht als
Zeugin zu befragen und es sei bei der Vorinstanz das Protokoll der Hauptver-
handlung vom 18. November 2013 edieren zu lassen (Urk. 87 S. 4). Da beide Be-
schuldigten an der Berufungsverhandlung ohnehin zur Person und zur Sache be-
fragt werden (Prot. II S. 6 ff.) und das vorinstanzliche Protokoll bei den Akten liegt,
wobei dieses dem Verteidiger eigens zugestellt wurde (Urk. 102), erweisen sich
die diesbezüglichen Anträge als gegenstandslos.
3.4 Mit Eingaben vom 23. bzw. 26. Juni 2014 liessen die Beschuldigten je ihre
ausgefüllten und unterzeichneten Datenerfassungsblätter einreichen (Urk. 94;
Urk. 96/2).
3.5 Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Privatkläger beantragen mit
Schreiben vom 5. Juni und vom 23. Juni 2014 die Bestätigung des vorinstanzli-
chen Urteils. Beweisanträge stellen sie keine (Urk. 93; Urk. 95). Der Vertreter des
Privatklägers verlangt mit Eingabe vom 20. Oktober 2014 zudem eine Prozess-
entschädigung für das Berufungsverfahren in der Höhe von Fr. 1'562.50
(Urk. 104).
3.6 Das vorinstanzliche Urteil ist in den Dispositiv-Ziffern 1 lit. b, 2 lit. b, 5, 6, 11
und 12 rechtskräftig geworden. Das ist vorab mit Beschluss festzustellen.
4. Auf die Argumente der Beschuldigten und ihrer Verteidigungen ist im Rah-
men der nachstehenden Erwägungen einzugehen. Dabei muss sich das Gericht
nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Ein-
wand auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen;
vielmehr kann es sich auf die für die Entscheidfindung wesentlichen Gesichts-
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punkte beschränken (BGE 138 I 232 E. 5.1 und BGE 133 I 270 E. 3.1, je mit Hin-
weisen; Urteile 6B_484 /2013 vom 3. März 2014 E. 3.2, 6B_441/2013 vom
4. November 2013 E. 7.6 und 6B_526/2009 vom 2. September 2009 E. 3.2).
II. Prozessuales
1. Der zu den Tatbeständen der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und des Hausfriedensbruches gemäss Art. 186 StGB
erforderliche Strafantrag des Privatklägers liegt vor (Urk. 26/1).
2. Durch seine Erklärungen vom 24. September 2009 und 31. Januar 2011 hat
sich der Privatkläger als Straf- und Zivilkläger konstituiert (Urk. 26/5-7).
III. Schuldpunkt – eingeklagte Sachverhalte
1. Anklagesachverhalt
1.1 Die eingeklagten Sachverhalte ergeben sich aus der Anklageschrift vom
10. April 2013 (Urk. 41 S. 2 ff.). Zusammengefasst und soweit noch Verfahrens-
gegenstand in zweiter Gerichtsinstanz sollen die Beschuldigten A._ und
B._ unangekündigt und unberechtigterweise nacheinander die unverschlos-
sene Wohnung der Familie CH._ betreten und den dort im Elternschlafzim-
mer vorgefundenen Privatkläger C._ in die Ecke gedrängt, gepackt, festge-
halten, gewürgt und geschlagen sowie ihn anschliessend gegen den offenstehen-
den rechten Fensterflügel gedrängt haben, wobei dieser aus den Scharnieren fiel.
Gegen den Versuch der Beschuldigten, ihn mit dem Oberkörper durch das offen-
stehende Fenster zu stossen, habe sich C._ mit Festhalten am Heizkörper
zu wehren versucht. C._ sei schliesslich mit seinem Oberkörper ausserhalb
des Fensters gehangen, wobei er vom Beschuldigten B._ am Unterkörper
und vom Beschuldigten A._ am Oberkörper festgehalten worden sei. Die
beiden Beschuldigten hätten vom Privatkläger abgelassen und die Wohnung
nacheinander verlassen, nachdem sich dessen Ehefrau H._ auf sein Zurufen
hin im Nebenzimmer ans Telefon begeben habe, um die Polizei zu avisieren. Die
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Anklageschrift listet sodann dem Privatkläger C._ durch den Angriff zugefüg-
te Verletzungen an verschiedenen Körperteilen auf.
1.2 Da die Beschuldigten diese Vorwürfe nach wie vor bestreiten (Prot. II S. 15
und S. 19 sowie S. 21 und S. 24) und auch die Verteidigungen vollumfängliche
Freisprüche beantragen (Urk. 87 S. 2; Urk. 89 S. 3; Urk. 108 S. 2; Urk. 109 S. 26),
ist aufgrund der vorhandenen Beweismittel – soweit für die Urteilsfindung relevant
– zu prüfen, ob die strittigen Sachverhalte erstellt werden können.
1.3.1 Als Beweismittel liegen neben den Aussagen des Privatklägers C._
(Urk. 5/1-4) und jenen der Beschuldigten A._ (Urk. 2/1-5; Urk. 35/1; Prot. I
S. 4 ff.; Prot. II S. 15 ff.) und B._ (Urk. 3/1-5; Urk. 35/2; Prot. I S. 9 ff.; Prot. II
S. 21 ff.) diejenigen des älteren Sohnes von A._, F._, als – damals –
ebenfalls Beschuldigter (Urk. 4/1-3) sowie die Aussagen der Zeuginnen H._,
Ehefrau des Privatklägers (Urk. 6/1-3), I._, Schwiegermutter des Privatklä-
gers (Urk. 7/1-3) und G._, Ehefrau des Beschuldigten B._ (Urk. 8/1-2),
bei den Akten. Die Anklage stützt sich im Wesentlichen auf die belastenden Aus-
sagen des Privatklägers C._ sowie jene der Zeuginnen H._ und I._.
Wie schon von der Vorinstanz zutreffend erwähnt, können hinsichtlich der Aussa-
gen von F._ nur allfällige für die Beschuldigten entlastende Momente Be-
rücksichtigung finden, da F._ nie direkt mit ihnen konfrontiert wurde resp. die
Beschuldigten keine Gelegenheit hatten, Ergänzungsfragen zu stellen (Art. 6
Ziff. 3 lit. d EMRK).
Ob den im Berufungsverfahren gestellten Beweisanträgen auf erneute Zeugen-
einvernahme von G._ und Zeugeneinvernahme von F._ zu entsprechen
ist, ist im Rahmen der Beweiswürdigung zu entscheiden (vgl. hinten Ziffern III. 4.6
und III. 8.2).
1.3.2 Als objektive Beweismittel stehen das Gutachten zur körperlichen Untersu-
chung durch das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich und der ärztliche
Befund von Dr. med. J._ in Bezug auf den Privatkläger zur Verfügung
(Urk. 12/3 und Urk. 12/7). Zudem befinden sich ein ärztlicher Befund und ein Ak-
tengutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich über die Ver-
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letzungen des Beschuldigten A._ in den Akten (Urk. 13/4-5). Bei den ärztli-
chen Befunden handelt es sich zwar nicht um Gutachten im Sinne von Art. 182 ff.
StPO, jedoch wurden die Verfasser jeweils auf die Straffolgen der Abgabe eines
falschen Befundes im Sinne von Art. 307 StGB hingewiesen (Urk. 12/6; Urk.13/3).
Hinzu kommt eine Fotodokumentation betreffend die aus dem strittigen Vorfall re-
sultierenden Verletzungen von C._ und A._ (Urk. 11/2 = Urk. 13/5 An-
hang).
1.3.3 Weiter liegen die Einstellungsverfügung der Jugendanwaltschaft
Limmattal/Albis vom 9. Dezember 2010 (Urk. 33/2) und die Einstellungsverfügung
des Statthalteramtes Dietikon vom 27. Januar 2010 inkl. Akten (ST.2009.4031;
Urk. 31/5) vor.
Im letztgenannten Verfahren des Statthalteramtes Dietikon wurde gegen den Pri-
vatkläger C._ wegen Tätlichkeiten zum Nachteil von K._, geb.
tt.mm.1998, dem jüngeren Sohn des Beschuldigten A._, rapportiert. Es han-
delt sich um die Begebenheiten, welche sich kurz vor dem hier zu prüfenden An-
klagesachverhalt ereignet haben sollen. Dieses Verfahren wurde mit Einstel-
lungsverfügung vom 27. Januar 2010 erledigt, unter Kostenauflage an den durch
seine Mutter, L._, vertretenen Antragsteller K._ (Urk. 31/5).
Die Einstellungsverfügung der Jugendanwaltschaft vom 9. Dezember 2010 betrifft
das Verfahren gegen F._ zum hier zu prüfenden Geschehen. Die Strafunter-
suchung wurde hinsichtlich der geltend gemachten Tätlichkeiten zufolge Verjäh-
rung eingestellt, und in den übrigen Tatvorwürfen konnte ihm kein anklagegenü-
gendes Verhalten nachgewiesen werden. Allerdings wurden F._ aufgrund
seines Verhaltens die Verfahrenskosten auferlegt (Urk. 33/2 S. 1 f. und 13).
1.3.4 Ebenfalls eingestellt wurden das mit Strafanzeige von F._ am 9. No-
vember 2009 gegen den Privatkläger C._ initiierte Verfahren betreffend Dro-
hung (Urk. 37/2 = ND 2) und das mit Strafanzeige von H._, der Ehefrau des
Privatklägers, am 14. Dezember 2009 gegen die Beschuldigten A._ und
B._ (sowie F._) ausgelöste Verfahren betreffend vorsätzliche einfache
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Körperverletzung (Urk. 37/3 = ND 3). Diese Verfahrenseinstellungen erfolgten je
am 10. April 2013 und ohne Kostenfolge (Urk. 37/2 und 37/3).
1.3.5 Hingegen sistiert wurde das vom vorliegenden Verfahren abgetrennte Ver-
fahren, welches auf der Strafanzeige des Beschuldigten A._ vom 5. Oktober
2009 gegen den Privatkläger C._ wegen Körperverletzung – blaues Auge
aufgrund eines Faustschlages anlässlich der hier gegenständlichen Auseinander-
setzung vom 13. September 2009 – beruht (Urk. 37/4 = ND 1).
1.4 Mit den Grundsätzen der Beweiswürdigung, insbesondere der Würdigung
von Aussagen, hat sich die Vorinstanz ausführlich und korrekt befasst, so dass
darauf zu verweisen ist (Urk. 84 S. 10 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.5 Sodann hat die Vorinstanz die allgemeine Glaubwürdigkeit der involvierten
Personen beleuchtet, worauf – mit einer Relativierung – ebenfalls verwiesen wer-
den kann (Urk. 84 S. 11 f., 17, 19 f., 25, 28 und 31 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). So
wurde zutreffend festgehalten, dass die Beschuldigten aufgrund ihrer Position als
nicht der Wahrheit verpflichtete direkt Betroffene sowie familiär verstrickte Perso-
nen bzw. der Privatkläger als Beschuldigter im sistierten Parallelverfahren zum
gleichen Lebenssachverhalt ein natürliches und legitimes Interesse daran haben
dürften, den Sachverhalt in einem ihnen günstigen Licht erscheinen zu lassen,
weshalb ihre Aussagen mit gewisser Vorsicht und Zurückhaltung zu würdigen
sind. Letzteres gilt angesichts der offensichtlich starken emotionalen Involvierung
und familiären Solidarisierung auch für die Zeuginnen H._, I._ und
G._. Abweichend zur Vorinstanz ist zu bemerken, dass den Zeuginnen nicht
schon deswegen generell eine gesteigerte Glaubwürdigkeit zukommt, weil ihnen
die strenge Strafandrohung von Art. 307 StGB vorgehalten wurde (vgl. Urk. 84
S. 25, 28, 31). Die Zivilforderungen wurden vom Privatkläger erstmals anlässlich
der Hauptverhandlung geltend gemacht, so dass jedenfalls nicht primär von ei-
nem finanziellen Interesse auszugehen ist. Abgesehen davon steht dem Privat-
kläger grundsätzlich das Recht zu, adhäsionsweise Zivilansprüche geltend zu
machen. Insgesamt ist die Glaubwürdigkeit der beiden Beschuldigten, des Privat-
klägers C._ und der befragten Zeuginnen auf der gleichen Stufe anzusiedeln.
Der allgemeinen Glaubwürdigkeit eines Zeugen respektive einer einvernommen
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Person im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kommt im Übrigen
kaum mehr relevante Bedeutung zu. Weitaus gewichtiger für die Wahrheitsfin-
dung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist der materielle Gehalt und damit die
Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche durch methodische Analyse ihres
Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen
Angaben einem tatsächlichen Erleben des Zeugen entspringen (BGE 133 I 33
E. 4.3 mit Hinweisen, Urteil des Bundesgerichts 6B_692/2011 vom 9. Februar
2012 E. 1.4, je mit Hinweisen).
1.6.1 Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten A._ brachte anlässlich der
Berufungsverhandlung zusammenfassend vor, dass die Glaubwürdigkeit des Pri-
vatklägers und seiner Verwandten tief und deren Aussagen unglaubhaft seien,
während die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten A._ hoch und dessen Aus-
sagen glaubhaft seien. Insbesondere unglaubhaft und widersprüchlich seien die
Aussagen des Privatklägers und der Zeugin H._ zur unmittelbaren Vorge-
schichte. Der Privatkläger habe dem Beschuldigten A._ vor der Wohnungstü-
re einen Faustschlag aufs Auge versetzt, was sich auch aus dem Gutachten er-
gebe. Weiter sei es gut möglich, dass der Privatkläger den Beschuldigten
A._ in die Wohnung gezogen habe. Es sei nicht erstellt, dass die Beschuldig-
ten versucht hätten den Privatkläger aus dem Fenster zu werfen. Da diesbezüg-
lich der Privatkläger und die Zeuginnen H._ und I._ nachweislich gelo-
gen hätten, gehe es nicht an, dass die Vorinstanz zum eigentlichen Kerngesche-
hen ansonsten auf deren Aussagen abstelle (Urk. 108).
1.6.2 Der Verteidiger des Beschuldigten B._ brachte anlässlich der Beru-
fungsverhandlung zusammenfassend vor, die Vorinstanz missachte, dass
B._ nichts mit der Vorgeschichte zu tun gehabt habe. Die entlastenden Aus-
sagen von F._ zugunsten des Beschuldigten B._ seien nicht berücksich-
tigt worden. Die Beweiswürdigung der Aussagen der Zeugin G._ sei tenden-
ziös und die Vorinstanz missachte den zeitlichen Ablauf des Geschehens. Die Vo-
rinstanz unterstelle dem Beschuldigten B._, einen ihm unbekannten Tatplan
übernommen und damit ein inexistentes Tatmotiv gehabt zu haben. Das Ausei-
nanderfallen von Anklageschrift und Verurteilung sei in Form der Verletzung des
- 16 -
Anklageprinzips bei der Frage der Mittäterschaft zu kritisieren. Zu Unrecht tue die
Vorinstanz das offensichtliche und einzige Handlungsziel des Beschuldigten
B._, seinen Bruder und den Privatkläger vom Streit abzuhalten, als Schutz-
behauptung ab. Die Vorinstanz operiere bei ihrem Schuldspruch mit einem aus-
gesprochen verwerflichen Menschenbild von B._. Der Tatbestand des Haus-
friedensbruchs sei nicht erfüllt, allenfalls sei B._ diesbezüglich einem Sach-
verhaltsirrtum unterlegen (Urk. 109).
2. Aussagen des Beschuldigten A._ und Würdigung
2.1 Der Beschuldigte A._ wurde in der Untersuchung und vor beiden Ge-
richtsinstanzen mehrmals zur Sache befragt (vgl. Urk. 2/1-5; Urk. 35/1; Prot. I S. 6
ff.; Prot. II S. 15 ff.).
2.2 In der ersten Befragung bei der Kantonspolizei Zürich vom 13. September
2009, wenige Stunden nach dem eingeklagten Geschehen, schilderte der Be-
schuldigte A._ zusammengefasst (vgl. Urk. 2/1 S. 1 ff.), er sei mit seiner Frau
und seinem älteren Sohn F._ am Fernsehschauen gewesen, als sein kleiner
Sohn K._ nach Hause gekommen sei und weinend gesagt habe, der Privat-
kläger habe ihn geschlagen. Ein Kollege seines kleinen Sohnes habe dies bestä-
tigt. Darauf sei er mit seinem älteren Sohn zum Privatkläger gegangen. Er –
A._ – habe an der Tür geklingelt, worauf der Privatkläger diese geöffnet ha-
be, es zu einem kurzen Wortgefecht gekommen sei ("Arschlochvater", "behin-
dert") und der Privatkläger ihm unvermittelt die Faust ins Auge geschlagen habe.
Der Privatkläger habe ihn sodann gepackt und in die Wohnung hineingezogen. Er
– A._ – habe sich gewehrt. Das sei dann hin und her gegangen. Eigentlich
habe er wieder aus der Wohnung hinaus wollen. Das Gerangel sei bis ins Schlaf-
zimmer des Privatklägers C._ gegangen. Der habe dort das Fenster geöffnet
und er – A._ – habe gedacht, C._ wolle ihn aus dem Fenster werfen. Er
habe Angst gehabt und sich gewehrt. Es sei weiter hin und her gegangen. Man
habe sich gestossen. Plötzlich sei C._ auf seinen Sohn F._ losgegan-
gen. Dieser sei hinunter gerannt zu seinem Bruder, dem Beschuldigten B._,
welcher heraufgekommen und zwischen ihn und den Privatkläger C._ ge-
gangen sei respektive den Privatkläger und ihn auseinandergebracht habe.
- 17 -
B._ habe, glaube er, auch einen Schlag von C._ erhalten. Nachdem die
Mutter des Privatklägers, I._, im Schlafzimmer erschienen sei und sich der
Privatkläger beruhigt habe, hätten er, sein Sohn F._ und der Beschuldigte
B._ die Wohnung verlassen können. Er sei sofort nach Hause gegangen und
habe sein Auge versorgt. Als er sich etwas beruhigt habe, habe er die Polizei an-
gerufen (Urk. 2/1 S. 2). Die in die Anklage geflossenen Vorwürfe des Privatklä-
gers verneinte er allesamt. Er habe den Privatkläger weder gewürgt noch ge-
schlagen noch versucht, diesen aus dem Fenster zu werfen, sondern sich nur ge-
gen dessen Angriffe gewehrt. Ebenso wenig hätten B._ oder F._ den
Privatkläger geschlagen (Urk. 2/1 S. 3). Vielmehr habe der Privatkläger C._
ihn im engen Schlafzimmer gepackt und herumgeschlagen (Urk. 2/1 S. 4). Viel-
leicht sei F._ verwirrt gewesen und habe einen Schock gehabt, dass er
nichts von einem Angriff gegen sich gesagt habe (Urk. 2/1 S. 3). F._ habe
ihm später gesagt, dass der Privatkläger irgend etwas von einem Messer gesagt
habe (Urk. 2/1 S. 2).
2.3 Anlässlich der Hafteinvernahme vom folgenden Tag, 14. September 2009
(Urk. 2/2), äusserte er sich in den Grundzügen gleich und blieb bei seinem Stand-
punkt, sich nur gewehrt zu haben. Er habe zusammen mit seinem Sohn F._
beim Haus des Privatklägers geläutet und ein Gespräch verlangt zur Frage, ob
der Privatkläger wirklich seinen kleinen Sohn geschlagen habe. Der Privatkläger
habe ihn heraufgebeten um mit ihm zu diskutieren. Er wisse nicht mehr, ob er vor
der Wohnungstüre des Privatklägers geklingelt oder ob der Privatkläger die Türe
einfach geöffnet habe. Nach dem Wortgefecht habe der Privatkläger mit dem
Faustschlag auf sein Auge reagiert. Er habe den Privatkläger weggeschubst und
sei dabei ausgerutscht. Daraufhin habe der Privatkläger ihn – A._ – gepackt
und in die Wohnung hineingezerrt (Urk. 2/2 S. 2). F._ habe ihm zu Hilfe
kommen wollen, doch er habe seinen in Panik geratenen Sohn weggeschickt.
F._ habe erklärt, er gehe den Onkel, den Beschuldigten B._, rufen. Er
selber habe das nicht gehört, aber sein Sohn habe gesagt, der Privatkläger habe
zu seiner Frau gesagt, sie solle ihm ein Messer bringen. Plötzlich habe er seinen
Bruder B._ gesehen. Der Privatkläger habe ihn Richtung Schlafzimmer ge-
zerrt und er habe sich mit Fäusten und Füssen gewehrt, weil das Schlafzimmer-
- 18 -
fenster offen gewesen sei. Als die Mutter des Privatklägers, I._, gekommen
sei und verbal interveniert habe, habe sich der Privatkläger beruhigt und er –
A._ – habe freie Bahn gehabt und die Chance benutzt um wegzurennen. Er
habe dabei seinen Sohn gepackt und auch seinen Bruder aufgefordert mitzu-
kommen, bevor diesem etwas zustosse. Zum gebrochenen Daumen und den
Kratzern am Hals und in der Nierengegend des Privatklägers wusste er keine Er-
klärung ("Keine Ahnung"). Er selber habe einfach versucht sich zu wehren, als er
das Fenster gesehen habe. Sogleich fügte er an zu glauben, dass sein Bruder
B._ am Daumen etwas von einem Messer verletzt sei. Er glaube, dieser ha-
be versucht, der Frau des Privatklägers das Messer wegzunehmen (Urk. 2/2
S. 3).
2.4 Am 2. Oktober 2009 (Urk. 2/3) konnte der Beschuldigte A._ an den Ein-
vernahmen der Zeuginnen H._, I._ und G._ teilnehmen und sich
dazu äussern. Er bezeichnete deren Schilderungen mehrheitlich als unzutreffend
und wiederholte unter anderem, an der Wohnungstüre des Privatklägers geklin-
gelt und nach Beruhigung des Privatklägers durch die Zeugin I._ die Flucht
ergriffen zu haben (Urk. 2/3 S. 2).
2.5 In seiner Stellungnahme zu den Aussagen des Privatklägers als Auskunfts-
person vom 7. Oktober 2009 (Urk. 2/4) blieb der Beschuldigte A._ dabei, an
dessen Wohnungstüre geklingelt zu haben, worauf der Privatkläger geöffnet ha-
be. Zusätzlich führte er aus, durch den Faustschlag sei es ihm schwarz vor den
Augen geworden und er sei im Gerangel zu Boden gefallen. Er habe gemerkt,
dass der Privatkläger ihn Richtung Zimmer zerre. Dabei habe der Privatkläger ihn
um den Bauch gedrückt, so dass er keine Luft bekommen habe. Zwei Tage später
habe er noch Schmerzen in der Brust verspürt. Im Schlafzimmer habe er versucht
sich zu befreien, versucht, mit dem Kopf nach hinten zu schlagen, worauf der Pri-
vatkläger ihn aber immer fester gedrückt habe. Er habe dann versucht, den Pri-
vatkläger an den Haaren bzw. am Kopf zu packen. Später habe er den Privatklä-
ger am Hals gepackt. In dieser Zeit sei sein Sohn F._ weggewesen. Plötzlich
sei sein Bruder B._ aufgetaucht und habe ihn und den Privatkläger getrennt.
Das sei alles was er noch wisse, denn es sei ihm ja schwarz vor den Augen ge-
- 19 -
worden und er sei sich da nicht mehr ganz bewusst gewesen. Zuletzt fügte er an,
vom Beschuldigten B._ gehört zu haben, dass der Privatkläger C._
nach einem Messer gerufen habe und sein Bruder an der Hand verletzt gewesen
sei. Gesehen habe er selber nichts (Urk. 2/4 S. 1 f.).
2.6 In der Befragung vom 26. November 2010 (Urk. 2/5) bestätigte der Beschul-
digte A._ gegenüber der Staatsanwältin zunächst seine bisherigen Aussagen
und verneinte, dass er Ergänzungen oder Korrekturen anzubringen habe. Neu
brachte er indessen vor, laut Erzählung seines Sohnes K._ habe der Privat-
kläger ihn an den Haaren gezerrt, ihn im Lift am Kopf gepackt und diesen gegen
die Wand bzw. an die Lifttüre geschlagen. Auch die zwei andern dabei anwesen-
den Kinder hätten ihm das berichtet (Urk. 2/5 S. 5). Nach der gegenseitigen Be-
schimpfung unter der Wohnungstür des Privatklägers sei dann dessen Faust auf
sein – A._s – Auge geflogen, worauf er halb bewusstlos geworden und grad
neben der Wohnungstüre beim Treppenhaus auf die Seite gefallen sei. Er habe
gespürt, wie der Privatkläger ihn zwischen Gang und Eingangstüre von hinten ge-
packt und gewürgt habe, so dass er keine Luft bekommen habe. Er habe nachher
sicher noch eine ganze Woche lang den Druck auf dem Oberkörper gespürt
(Urk. 2/5 S. 4). Vor der Wohnungstür habe er sonst niemanden gesehen und
glaube, F._ sei erst später erschienen, er wisse nicht, um welche Zeit dieser
gekommen sei. Bei der ganzen Sache sei er nicht so ganz bei Bewusstsein ge-
wesen, habe nicht wirklich alles mitbekommen. Auf Nachfrage bezeichnete er es
als richtig, dass F._ mit ihm zur Wohnung des Privatklägers gegangen sei
(Urk. 2/5 S. 3 f.). Als er bewusstlos bzw. halb bewusstlos gewesen sei, habe der
Privatkläger ihn in seine Wohnung hinein und bis ins Schlafzimmer gezerrt. Auf
den Grund für solches Handeln angesprochen, mutmasste er, der Privatkläger
habe wohl damit gerechnet, er würde zurückschlagen. Es stimme nicht, dass sich
der Privatkläger bei seiner Ankunft bereits im Schlafzimmer befunden und er bei
der Wohnungstüre die Frau des Privatklägers gefragt habe, wo denn ihr Mann sei
(Urk. 2/5 S. 5). Im Schlafzimmer habe der Privatkläger ihn von hinten um den
Bauch gehalten und gegen die Schranktüre geschlagen, so hin und her gemacht.
Er sei etwas mehr zu sich gekommen und habe sich zur Wehr gesetzt, dem Pri-
- 20 -
vatkläger mit seinen Händen nach hinten ins Gesicht greifen und den Privatkläger
irgendwann am Hals wegdrücken können. Schlagen könne man dem nicht sagen.
Dann sei sein Sohn F._ hereingekommen. Er habe Angst um ihn gehabt, ihn
weggeschickt, er solle Hilfe holen. Darauf sei der Beschuldigte B._ zusam-
men mit F._ erschienen und B._ habe sie auseinander gebracht bzw.
versucht, den Privatkläger und ihn auseinanderzubringen. So viel er wisse, habe
B._ vom Privatkläger auch ein paar kassiert. Dass er selber den Privatkläger
C._ von hinten mit der Armbeuge gewürgt habe, verneinte er, denn daran
könnte er sich erinnern (Urk. 2/5 S. 6 ff.). Ebenso wenig habe er versucht – wie
und warum auch – den Privatkläger aus dem Fenster zu werfen. Vielmehr habe
C._ in der Kampfszene ihn aus dem Fenster werfen wollen, wie dies seine
Anwältin in der Anzeige vom 5. Oktober 2009 [vgl. sistiertes Parallelverfahren, ND
1] behaupte. Das habe er nicht so genau detailliert gesagt, man könne das las-
sen. Er habe einfach sein blaues Auge beanzeigt haben wollen (Urk. 2/5 S. 9).
2.7 Anlässlich der Schlusseinvernahme vom 8. April 2013 (Urk. 35/1) und vor
Vorinstanz (Prot. I S. 6 ff.) verharrte der Beschuldigte A._ auf seiner Position
der reinen Abwehr und verwies auf seine bisherigen Ausführungen. Er sei nicht
zum Privatkläger hinaufgegangen um ihn zu schlagen, sondern um mit ihm zu
sprechen. Auch anlässlich der Berufungsverhandlung blieb A._ bei seinen
Aussagen, wonach nicht er und sein Bruder den Privatkläger geschlagen hätten,
sondern der Privatkläger ihm ein blaues Auge verpasst und er sich nur gewehrt
habe (Prot. II S. 19).
2.8 Auch wenn sein Standpunkt grundsätzlich konstant bleibt, indem A._
stets behauptete, sich nur gewehrt zu haben, präsentieren sich seine Schilderun-
gen keineswegs einheitlich, sondern sind in sich selber mehrfach widersprüchlich
und teilweise unrealistisch. Solche Ungereimtheiten schwächen die Glaubhaf-
tigkeit von A._s Sachdarstellung.
2.8.1 So gibt es unterschiedliche Versionen, was genau dem kleinen Sohn
K._ laut dessen Mitteilung durch den Privatkläger zugefügt worden sein soll
und ob noch weitere Kinder und wie viele vom Privatkläger angegangen worden
- 21 -
sein sollen. Hat der damals 11-jährige K._ nun zu Hause berichtet, der Pri-
vatkläger habe ihn geschlagen oder an den Haaren gezogen und/oder seinen
Kopf an die Lifttüre geschlagen? Wurden damals auch andere Kinder und wie vie-
le vom Privatkläger geschlagen? Haben ein oder zwei Kollegen von K._ die-
sen im Anschluss an den Vorfall nach Hause begleitet und das Geschehene be-
stätigt? Zudem fällt auf, dass A._ nicht etwa den 11-jährigen Sohn K._,
welcher ja vom Privatkläger geschlagen worden sein soll, sondern seinen 16-
jährigen Sohn F._ mitnahm, um mit dem Privatkläger zu diskutieren resp.
diesen zur Rede zu stellen. Wenn es A._ tatsächlich darum gegangen wäre,
den Privatkläger nur zur Rede zu stellen, wäre in einer solchen Situation vielmehr
zu erwarten gewesen, dass er seinen Sohn K._ mitgenommen hätte, um den
Privatkläger direkt mit diesem zu konfrontieren. Nicht besonders glaubhaft ist zu-
dem seine Aussage, dass er F._ lediglich mitgenommen habe, weil er nicht
genau gewusst habe, wo der Privatkläger gewohnt habe. Denn A._ gab ei-
nerseits zwar zu Protokoll, er habe den Privatkläger vom Sehen her nur flüchtig
gekannt, andererseits aber, er habe mit ihm bereits Diskussionen wegen den Kin-
dern gehabt (Prot. I S. 8; Prot. II S. 16). Zudem wohnte der Privatkläger erwiese-
nermassen im angrenzenden Block, im selben Block wie sein Bruder B._
(Prot. II S. 20). A._ räumte denn auch ein, dass er dies wusste (Prot. I S. 8;
Prot. II S. 20 f.). Zudem war der Privatkläger – bis zu diesem Vorfall – ein Kollege
seines Bruders und wohnte an der D._-Strasse ... im Stockwerk gleich über
B._. Schliesslich sind bei grösseren Wohnblöcken die Klingeln an der Haus-
türe normalerweise nach Stockwerk angeordnet, so dass ziemlich einfach ersicht-
lich wäre, in welcher Etage sich die gesuchte Wohnung befindet.
2.8.2 Widersprüchlich ist die Aussage von A._ sodann in Bezug auf die Fra-
ge, wie er ins Haus D._-Strasse ..., wo der Privatkläger wohnte, gelangte.
Einen Tag nach dem Vorfall schilderte er ausführlich, dass er zum Haus gegan-
gen sei und geläutet habe. Nachdem er gesagt habe, er wolle mit ihm sprechen,
habe der Privatkläger zu ihm gesagt, er solle hochkommen und mit ihm diskutie-
ren (Urk. 2/2 S. 2). Anlässlich der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte
A._, auch auf erneute Nachfrage, explizit zu Protokoll, dass die Haustüre of-
fen gewesen sei (Prot. II S. 16 und S. 19 f.). Ebenso unklar bleibt, ob der Be-
- 22 -
schuldigte A._ an der Wohnungstür des Privatklägers geklingelt oder ob die-
ser die Wohnungstür ohne vorheriges Klingeln geöffnet hat, letzteres allenfalls,
nachdem A._ unten an der Haustüre geläutet, ihm vom Privatkläger ein Ge-
spräch offeriert und von oben aufgemacht worden war. Die Differenz zur Aussage
von Sohn F._, sein Vater habe an der Wohnungstür des Privatklägers ge-
klopft (vgl. Urk. 4/1 S. 2 und Urk. 4/2 S. 2 f.), erklärte A._ alles andere als
stichhaltig dahin, der Sohn werde dies falsch im Kopf haben (Urk. 2/1 S. 2) bzw.
das Deutsch von Vater und Sohn sei total verschieden (Urk. 2/2 S. 3). Nach da-
mals annähernd zwei Jahrzehnten Aufenthalt und Familienleben in der Schweiz
muss dies als untaugliche Ausrede qualifiziert werden.
2.8.3 Ungleich äusserte sich A._ zur Präsenz seines Sohnes F._ wäh-
rend des eingeklagten Geschehens.
Laut den früheren Aussagen ging der Beschuldigte zusammen mit F._ zur
Wohnungstür des Privatklägers, da er nicht gewusst habe, wo C._ wohne
(Urk. 2/1 S. 1; Urk. 2/2 S. 2). In der Einvernahme vom 26. November 2010 ver-
neinte er, dass vor der Wohnungstüre noch jemand dabei gewesen sei. Er wisse
nicht, um welche Zeit F._ gekommen sei (Urk. 2/5 S. 3 f.).
Weiter ist aufgrund der Aussagen A._s fraglich, ob F._ zum Onkel
B._ hinunter rannte, weil der Privatkläger im Schlafzimmer auch auf den
Jüngling losgegangen war oder weil A._ den Sohn bereits beim Wohnungs-
eingang oder dann im Schlafzimmer des Privatklägers (vgl. Urk. 2/5 S. 5 und 8)
weggeschickt hatte. Oder war es vielmehr so, dass F._ aus eigenem Ent-
schluss den Wohnungseingangsbereich bzw. erst später das Schlafzimmer ver-
liess, ohne vom Privatkläger angegriffen worden zu sein, zumal der Privatkläger
gemäss späterer Darstellung von A._ damit beschäftigt gewesen sein soll,
ihn von hinten zu halten und ihm ständig bis zur Atemlosigkeit den Bauch zuzu-
drücken, was wiederum klar gegen eine gleichzeitige Attacke auf F._ spre-
chen würde. Um unter solchen Umständen parallel F._ schlagen zu können,
müsste der Privatkläger den Beschuldigten A._ zumindest partiell und kurz-
zeitig losgelassen haben. Sodann will A._ einerseits den Sohn aufgefordert
- 23 -
haben, Hilfe zu holen, während er an anderer Stelle ausführte, F._ habe sel-
ber erklärt, er gehe den Onkel holen.
Wenig erhellend erscheint in diesem Zusammenhang auch die ausweichende
Antwort des Beschuldigten A._ auf den Hinweis des befragenden Polizisten,
der Sohn F._ habe nichts von einem Angriff auf seine Person durch C._
erwähnt: Vielleicht sei er, gemeint F._, verwirrt gewesen, habe einen Schock
gehabt (Urk. 2/1 S. 3).
2.8.4 Teilweise verschwommen präsentieren sich ferner die Schilderungen des
Beschuldigten A._ betreffend seinen Bruder B._.
Zum einen deutete A._ an, sein Bruder B._ sei vom Privatkläger auch
geschlagen worden. Später brachte er eine allfällige Messerverletzung an der
Hand des Bruders durch die Ehefrau des Privatklägers ins Spiel. Dabei blieb er
auffällig vage, betonte, selber weder Messer noch Verletzung gesehen, sondern
dies nur nachträglich gehört zu haben, wobei er sich ebenso uneinheitlich dazu
äusserte, von wem (Sohn oder Bruder) er erfahren habe, dass der Privatkläger
nach einem Messer gerufen habe. Mit diesen konturlosen Anschuldigungen ge-
genüber dem Privatkläger und dessen Ehefrau wollte der Beschuldigte offensicht-
lich die Familie CH._ allgemein anschwärzen und entsprechend die Rolle der
eigenen Familienmitglieder beschönigen. In diese Richtung gehen auch die gene-
rell herablassenden Andeutungen von A._ bezüglich des Privatklägers
C._ und dessen Ehefrau H._ (z.B. in Urk. 2/5 S. 11).
Ähnlich wie hinsichtlich F._ ist nach A._s Ausführungen obendrein un-
klar, wann und wo der Beschuldigte B._ dazu gestossen ist, ob noch im
Gang der Wohnung, als der Privatkläger A._ in Richtung Schlafzimmer zerrte
oder erst im Schlafzimmer (Urk. 2/2 S. 2; Urk. 2/5 S. 5).
2.8.5 Sodann ist den Aussagen A._s nicht schlüssig zu entnehmen, ob das
Schlafzimmerfenster bei der Ankunft im Schlafzimmer bereits offen war (Urk. 2/2
S. 3) oder aber vom Privatkläger zuerst geöffnet werden musste (Urk. 2/1 S. 2).
Würde letzteres zutreffen, hätte der Privatkläger für diese Handlung den behaup-
- 24 -
teten festen Bauchgriff gegenüber A._ jedenfalls lockern oder A._ vo-
rübergehend sogar ganz loslassen müssen. Dass A._ trotz seiner ziemlich
dramatisch umschriebenen Angst, der Privatkläger wolle ihn aus dem Fenster
werfen, diesen von Verteidigerseite gegenüber dem Privatkläger explizit erhobe-
nen Vorwurf vorliegend wieder fallen liess, könnte mit fehlender Beschreibbarkeit
des konkreten Vorfalles erklärbar sein, kann aber offen bleiben. Jedenfalls wird
seine Sachdarstellung durch diese Diskrepanzen zusätzlich verwässert und ver-
liert noch mehr an Plausibilität.
2.8.6 Uneinheitlich fielen weiter die zu Protokoll gegebenen eigenen Abwehr-
handlungen des Beschuldigten A._ im Schlafzimmer des Privatklägers aus.
Sie reichen von Wehren mit Fäusten und Füssen über das Schlagen mit dem
Kopf nach hinten und den Versuch, den teils kahlen resp. kurzhaarigen Privatklä-
ger an den Haaren zu packen sowie nach rückwärts Greifen an Kopf und Hals
des Privatklägers bis zu Packen und Zudrücken von dessen Hals (Urk. 2/2 S. 3;
Urk. 2/4 S. 1 f.; Urk. 2/5 S. 11).
2.8.7 Zuletzt werden auch das Ende der Auseinandersetzung und der Abgang
aus der Wohnung des Privatklägers von A._ diffus dargestellt: Es ist keines-
wegs dasselbe, ob A._, F._ und B._ nach I._s mündlichem
Einmischen und/oder B._s Schlichten zusammen (hintereinander) die Woh-
nung einfach verlassen konnten oder ob A._ – Sohn F._ packend und
Bruder B._ zum Mitkommen auffordernd – regelrecht aus der Wohnung rann-
te resp. floh. Zudem blieb völlig im Dunkeln, wie genau B._ seinen Bruder
A._ und den Privatkläger C._ auseinandergebracht haben soll. Eine
solch leere Behauptung spricht gegen tatsächlich Stattgefundenes.
2.8.8 Um schliesslich wieder zum Beginn der körperlichen Auseinandersetzung
zurückzukehren, ist zu konstatieren, dass A._ auch den Dialog, d.h. die ge-
genseitige Beschimpfung, die sich zwischen den beiden Hauptakteuren vor der
Wohnungstüre des Privatklägers abgespielt haben soll, in seinen Einvernahmen
uneinheitlich wiedergab (dazu Urk. 2/1 S. 1 f.; Urk. 2/2 S. 2; Urk. 2/5 S. 3).
- 25 -
2.9 Die Glaubhaftigkeit von A._s Aussagen wird überdies beeinträchtigt
durch eine auffällige Verschlimmerung seiner Schilderungen und Gegenanschul-
digungen an den Privatkläger im Verlaufe des Verfahrens.
2.9.1 Zunächst soll (nur) sein eigener kleiner Sohn K._ vom Privatkläger ge-
schlagen worden sein (Urk. 2/1 S. 1). Dann gab A._ an, es seien auch noch
zwei andere Kinder vom Privatkläger geschlagen worden, und bezüglich seines
Sohnes sei es nicht das erste Mal gewesen (Urk. 2/2 S. 2).
2.9.2 Die angebliche Messerverletzung des Beschuldigten B._ stand auch
nicht von Anfang an zur Debatte. Vom blossen Erwähnen eines Messers durch
den Privatkläger mutierte die Darstellung von A._ zur Messerbestellung des
Privatklägers bei seiner Ehefrau und mündete schliesslich in eine mutmassliche
Blessur an der Hand seines Bruders B._ durch das von H._ tatsächlich
apportierte gefährliche Werkzeug.
2.9.3 Eine Steigerung findet sich auch im eigenen Erleben des Beschuldigten. So
will A._ laut seiner vierten Einvernahme einen knappen Monat nach dem
Tatgeschehen durch den Privatkläger vor der Wohnungstüre nicht nur mit einem
Faustschlag aufs Auge bedacht, sondern dadurch gar zu Boden geschlagen wor-
den sein und fortan unter getrübtem Bewusstsein gelitten haben. Gemäss seiner
Aussage in der Hafteinvernahme hatte A._ nach dem Faustschlag des Pri-
vatklägers diesen noch weggeschubst, wobei er ausgerutscht sei (Urk. 2/2 S. 2).
Auch das beschriebene Vorgehen des Privatklägers wurde augenfällig rabiater:
Aus dem ursprünglichen "Hin und Her" mit gegenseitigem Stossen ("wir stiessen
uns"; vgl. Urk. 2/1 S. 2), was auf Ausgeglichenheit in der Rauferei deutet, wurde
eine klare Dominanz des Privatklägers, der den Beschuldigten A._ wie ein
besinnungs- und willenloses Objekt Richtung Schlafzimmer zerrte und gleichzeitig
bis zur Atemlosigkeit um den Bauch drückte, was diesem noch zwei Tage bzw. –
erneut steigernd – sicher eine Woche lang Brustschmerzen bereitet haben soll
(Urk. 2/4 S. 1; Urk. 2/5 S. 3 f.). Anlässlich der fünften Einvernahme rund ein Jahr
später im November 2010 gesellte sich noch ein Würgen dazu (Urk. 2/5 S. 3).
A._ umschrieb die Situation in der Wohnung des Privatklägers mit fortschrei-
tendem Verfahren so, dass er dem Privatkläger bis ins Schlafzimmer praktisch
- 26 -
ausgeliefert gewesen und erst dort wieder etwas zu sich gekommen sei und sich
habe wehren können (Urk. 2/5 S. 4 ff.). Angst vor dem offenen Schlafzimmerfens-
ter erwähnte er angesichts der geltend gemachten halben Bewusstlosigkeit folge-
richtig nicht mehr. Vielmehr bezeichnete er auf Vorhalt seiner eigenen diesbezüg-
lichen Anzeige vom Oktober 2009 das mit dem Fenster sinngemäss als vernach-
lässigbar (Urk. 2/5 S. 9).
2.10 Die Sachdarstellung von A._ ist sodann in verschiedenen Teilen
schwierig nachvollziehbar und auch aus diesem Grund sehr fragwürdig.
2.10.1 So erscheint es entgegen der amtlichen Verteidigung (Urk. 108 S. 14) rea-
litätsfern, dass der Privatkläger C._ den Beschuldigten A._ in die eigene
Wohnung und bis ins Schlafzimmer hereingezogen haben soll, nachdem er die-
sem – immer nach A._s Schilderung – gerade einen (wirkungsvollen) Faust-
schlag aufs Auge versetzt hatte und allenfalls dessen Rache befürchten musste.
Dies gilt umso mehr, als A._ laut seiner tatnäheren Darstellung nicht allein,
sondern von seinem damals 16-jährigen Sohn F._ flankiert war. Zudem hiel-
ten sich in der Wohnung des Privatklägers dessen Ehefrau, seine Schwiegermut-
ter und seine drei kleinen Kinder auf. Für den Privatkläger wäre bei der behaupte-
ten Sachdarstellung vielmehr naheliegend gewesen, so rasch wie möglich die Tü-
re vor dem ungebetenen nachbarlichen Widersacher samt Begleiter zu schlies-
sen, um eine Eskalation der Auseinandersetzung und eine allfällige Gefährdung
der eigenen Familie zu verhindern, vor allem da A._ gemeinsam mit seinem
bald erwachsenen Junior den Privatkläger überraschend aufgesucht hatte und
nicht umgekehrt. Ob die zwei direkt vor der Wohnungstüre des Privatklägers er-
schienen waren oder sich mit Klingeln von der Haustüre unten angekündigt hatten
– wiederum eine Variation in A._s Aussagen – ist insoweit nebensächlich.
Und weshalb sollte jemand, der einen laut A._s eigener Darstellung bereits
erheblich angeschlagenen Rivalen noch mehr verprügeln oder sonst plagen will
("er zeige mir, wo das nächste Leben sei", vgl. Urk. 2/2 S. 2; oder "Ich zeige dir,
wo es langgeht", vgl. Urk. 2/5 S. 3), diesen von seiner Wohnungstür zuerst über
eine Distanz von acht oder mehr Metern sowie um eine rechtwinklige Abbiegung
bis zu einer hinteren Ecke seines engen Schlafzimmers und damit in seine inners-
- 27 -
te Privatsphäre zerren (vgl. den Planausschnitt mit dem Wohnungsgrundriss der
Wohnung CH._; Urk. 10/1)? Auch der Beschuldigte A._ wusste keine
vernünftige Erklärung dafür (Urk. 2/2 S. 4; 2/5 S. 4 f.). Seine schon genannte
Mutmassung für solches Vorgehen, der Privatkläger habe wohl mit einem Zurück-
schlagen seinerseits gerechnet und die Geschichte nach aussen hin anders aus-
sehen lassen wollen, erscheint angesichts seiner gleichzeitigen Behauptung, da-
mals total benommen, ja praktisch bewusst- und damit wehrlos gewesen zu sein
(Urk. 2/5 S. 4; Prot. II S. 18), geradezu grotesk.
2.10.2 Ferner vermag nicht einzuleuchten, weshalb der Beschuldigte A._ die
Wohnung nicht verliess, nachdem er gemäss eigener Aussage diese eigentlich
wieder verlassen wollte, sondern sich weiterhin und bis ins Schlafzimmer des Pri-
vatklägers hinein am Gerangel beteiligte. Laut seiner tatnäheren Umschreibung
der Geschehnisse, wonach sich die zwei Hauptpersonen auf dem Weg ins
Schlafzimmer gleichermassen traktierten, wäre ihm dies fraglos möglich gewesen,
wenn er es tatsächlich beabsichtigt hätte. Spätestens aber als der Privatkläger
nach einer der Varianten von A._ im Schlafzimmer den rechten Fensterflügel
öffnete, sich dazu zwangsläufig etwas abdrehen musste und der angebliche Griff
gegenüber dem Beschuldigten A._ auf einen Arm beschränkt gewesen sein
dürfte, hätte sich dieser lösen und aus dem Schlafzimmer bzw. der Wohnung ent-
fernen können (vgl. Urk. 1/3 Foto 1 Übersichtsaufnahme Tatort). Dazu hätte
A._ laut eigenem Standpunkt auch allen Grund gehabt, befürchtete er doch,
C._ wolle ihn aus dem Fenster werfen (Urk. 2/1 S. 2).
2.10.3 Schwer vorstellbar ist weiter, dass – immer gemäss A._ – der von der
unteren Etage zur Hilfe herbeigeeilte Beschuldigte B._ lediglich mit den Wor-
ten "C._ spinnen Sie" reagiert habe, als sein Bruder A._ dem Privatklä-
ger körperlich regelrecht ausgeliefert gewesen sein soll, und dass letztlich (allein)
die mündliche Zurechtweisung des Privatklägers durch seine Schwiegermutter
den Privatkläger besänftigte und dem Beschuldigten A._ ein Wegrennen aus
der Wohnung ermöglichte (Urk. 2/2 S. 3). Oder bedurfte es doch eines vermit-
telnden und/oder physischen Eingreifens des Beschuldigten B._, um den
Fluchtweg zu eröffnen?
- 28 -
2.11 Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass die Darlegungen des Beschuldigten
A._ schon für sich allein betrachtet einen ziemlich zwiespältigen Eindruck
hinterlassen und wenig überzeugend sind. Ergänzend ist auf das angefochtene
Urteil zu verweisen. Die Einschätzung der Vorinstanz ist zu teilen, wonach auf-
grund der reichlich widersprüchlichen, bruchstückhaften, lediglich pauschalen und
nicht nachvollziehbaren Ausführungen einschliesslich der Dramatisierungsten-
denz im Verfahrensverlauf die Tatversion des Beschuldigten als lebensfremd und
konstruiert erscheint und sich erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aus-
sagen von A._ ergeben (Urk. 84 S. 12-17; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.12 Weiter herabgemindert wird die Tatversion von A._ durch die Aussa-
gen der Zeugin G._ (nachfolgende Ziffern 4 und 4.5).
2.13 Nur am Rande sei erwähnt, dass die Glaubhaftigkeit von A._s Ausfüh-
rungen auch durch verschiedene Diskrepanzen im Vergleich zu den Depositionen
des Beschuldigten B._ eine Relativierung erfährt, auch wenn sich die zwei
Brüder nicht gegenseitig belasteten. Diese Differenzen in der Sachdarstellung
durch die beiden Beschuldigten tangieren dabei ebenso die Glaubhaftigkeit von
B._s Aussagen (nachfolgende Ziffer 3.1).
3. Aussagen des Beschuldigten B._ und Würdigung
3.1 Im Gegensatz zu A._ (vgl. Ziffer III. 2.13 hiervor) umschrieb der Be-
schuldigte B._ wiederholt und gleichbleibend den von ihm wahrgenommenen
Kampf zwischen seinem Bruder A._ und dem Privatkläger in dessen Schlaf-
zimmer als ebenbürtige Angelegenheit, bei welcher keiner der beiden die Ober-
hand hatte (vgl. Urk. 3/1 S. 3; Urk. 3/2 S. 2; Urk. 3/5 S. 2 f.; auch Urk. 84 S. 15).
Dieser durch B._ ungewohnt gut erinnerte Umstand und die entsprechend
konstante Aussage korrespondieren überdies mit dessen offensichtlichem Bemü-
hen um eine neutrale Positionierung zwischen den beiden Kontrahenten. So be-
lastete der Beschuldigte B._ weder seinen Bruder A._, dem er bloss als
Schlichter zur Hilfe geeilt sein will, noch den Privatkläger, mit dem er "früher wirk-
lich mega gut befreundet" gewesen sei (Urk. 3/5 S. 7). Vielmehr erklärte er, nicht
gesehen zu haben, wer wen geschlagen habe (Urk. 3/5 S. 3). Keiner der beiden
- 29 -
sei ein Heiliger, er habe um beide Angst gehabt (Urk. 3/5 S. 5). Das vom Be-
schuldigten A._ mit fortschreitendem Verfahren gezeichnete Bild einer völlig
einseitigen Täter/Opfer-Konstellation beim fraglichen Duell wird durch die Darstel-
lung von B._ jedenfalls nicht gestützt. Die Aussagen der Brüder differieren im
Ergebnis zudem so deutlich, dass die Unterschiede nicht bloss einem andern
Blickwinkel zugeschrieben werden können.
Während A._ selber stets verneinte, den Privatkläger geschlagen zu haben,
erwähnte der Beschuldigte B._, als er nach dem Vorfall seinen Bruder zu
Hause aufgesucht und gefragt habe, was genau passiert sei, habe dieser berich-
tet, zuerst habe der Privatkläger C._ auf ihn eingeschlagen und er habe dann
zurückgeschlagen. So sei eine Schlägerei entstanden (Urk. 3/1 S. 4). Am Vor-
handensein dieser Diskrepanz ändert nichts, dass B._ stets bestritt, einen
Schlagabtausch der Streitenden persönlich gesehen zu haben und dass er gene-
rell alle Anschuldigungen des Privatklägers zurückwies.
Gemäss konstanter Darstellung von A._ haben die beiden Beschuldigten und
F._ die Wohnung des Privatklägers zusammen, d.h. gleichzeitig und hinter-
einander, verlassen (vgl. Urk. 2/1 S. 2; Urk. 2/2 S. 3; Urk. 2/3 S. 2; Urk. 2/5 S. 2),
was im Übrigen auch seitens des Privatklägers und der Zeugin H._ so ge-
schildert wurde und entsprechend in die Anklage floss (vgl. Urk. 41 S. 3). B._
gab jedoch ebenso stetig und im Gegensatz zu allen Involvierten zu Protokoll, er
sei der letzte gewesen, der die Wohnung verlassen habe. A._ und F._
seien zuerst hinausgegangen (Urk. 3/1 S. 4; Urk. 3/2 S. 2 f.; Urk. 3/5 S. 6). Dazu
erläuterte er, nach dem Trennen der Kämpfenden und bevor er aus der Wohnung
gegangen sei, habe er den Privatkläger – der hässig und nervös gewesen sei –
noch beruhigt bzw. zu beruhigen versucht, dies obwohl C._ ihn bedroht ha-
be. Er kenne ihn ja als Nachbarn. Dann sei vom Privatkläger das Wort "Messer"
gefallen. H._ habe zu ihrem Mann "hör auf" oder ähnlich gesagt. Er wisse
noch, dass er den Privatkläger bis zur Küche hin begleitet und ihm dort gesagt
habe "hör uf C._, lönd de Scheiss". Dessen Frau sei ganz in der Nähe ge-
standen. Er habe Glück gehabt, dass der Privatkläger ihn nicht geschlagen habe
(Urk. 3/5 S. 6). Diese Darstellung impliziert, dass der Beschuldigte B._ nach
- 30 -
dem Weggang von Bruder und Neffe noch eine gewisse Zeit in der Wohnung ver-
blieb. B._s Schilderung erscheint allein schon gestützt auf seine eigene
Sachdarstellung als klar übertrieben und überzeugt aus mehreren Gründen nicht:
Einerseits steht er auf dem Standpunkt, dass er seinem Bruder A._, der
durch das Verhalten des Privatklägers in Todesgefahr schwebte (Urk. 3/5 S. 2),
zu Hilfe geeilt sei und dass er selber bei seiner Schlichtungsaktion auch ein paar
Schläge abbekommen habe, nicht wissend vom wem (vgl. die nachstehende Zif-
fer 3.2). Weiter hatte er, als das ganze fertig gewesen sei, das blaue Auge seines
Bruders A._ realisiert (Urk. 3/5 S. 4). Ferner lag die Küche gar nicht auf dem
Weg zum Wohnungsausgang, sondern vielmehr vis-à-vis der beiden Schlafzim-
mer in noch grösserer Distanz zur Wohnungstür als der Ort des angeklagten Ge-
schehens (vgl. den Grundriss der Wohnung C._, Urk. 10/1). Dass der Be-
schuldigte B._ unter all diesen Umständen nach dem (eiligen) Weggang von
A._ und F._ noch in der Wohnung des Privatklägers verweilte und zu
einer Art Friedensmission ansetzte – quasi als eine Fortsetzung der geltend ge-
machten Streitintervention und -beilegung – ist als lebensfremd zu bezeichnen.
Abgesehen davon hat er diese ausführliche Beschreibung mit den genannten
Wortwechseln und der Begleitung bis zur Küche erst in der fünften Einvernahme
über ein Jahr nach dem Vorfall zu Protokoll gegeben und anlässlich der Beru-
fungsverhandlung erneut wiederholt (Prot. II S. 23 f.).
Der Beschuldigte B._ hat im Gegensatz zum Beschuldigten A._ nie et-
was dahin geäussert, dass der Privatkläger seine Frau H._ um ein Messer
gebeten habe bzw. dass er selber von einem Messer am Daumen verletzt worden
sei, so etwa beim Versuch, der Zeugin H._ das Messer wegzunehmen, wie
dies A._ andeutete (vgl. Urk. 2/2 S. 3). Hätte der Beschuldigte B._ sol-
ches erlebt, hätte er dies fraglos thematisiert und eine allfällige Verletzung vorge-
zeigt. Es ist jedoch nichts dergleichen aktenkundig. Bei den diesbezüglichen Spe-
kulationen von A._ (vgl. Ziffer 2.9.2 hiervor) dürfte es sich auch aus diesem
Grund um blosse Ausflüchte handeln.
Abschliessend ist festzuhalten, dass die Sachdarstellungen der Beschuldigten
A._ und B._ auch unabhängig von den eben aufgezeigten Unterschie-
- 31 -
den insgesamt je wenig plausibel und der Erstellung des eingeklagten Sachver-
halts kaum dienlich sind.
3.2 Die Vorinstanz hat in den Erwägungen des angefochtenen Entscheides die
Aussagen des Beschuldigten B._, wie er sie im bisherigen Verfahren depo-
niert hat, wie folgt wiedergegeben und gewürdigt (Urk. 84 S. 17-19 = nachstehen-
de Ziffern 3.2.1 bis 3.2.5):
3.2.1 Der Beschuldigte B._ wurde sowohl während der Untersuchung als
auch an der heutigen Hauptverhandlung zur Sache befragt (Urk. 3/1-5; Urk. 35/2;
Prot. I S. 12 ff.). Zum Tatgeschehen führte er im Wesentlichen aus, er habe sich
in seiner Wohnung befunden, welche sich unterhalb derjenigen des Privatklägers
befinde. Es habe plötzlich an seiner Wohnungstüre geklingelt, und als er diese
geöffnet habe, sei F._ vor der Türe gestanden, habe um Hilfe gebeten und
gesagt, der Privatkläger bringe den Beschuldigten A._ um. Hierauf sei er –
der Beschuldigte B._ – in die Wohnung des Privatklägers gegangen, wo er
gesehen habe, wie der Beschuldigte A._ und der Privatkläger im Schlafzim-
mer "aufeinander losgegangen" respektive "am Kämpfen" gewesen seien. Er sei
dazwischen gegangen, um die Streitenden zu trennen, wobei auch er Schläge er-
halten habe. Der Beschuldigte B._ machte weiter geltend, er habe sich ledig-
lich in die Wohnung des Privatklägers begeben, um zu helfen und zu schlichten,
was ihm auch gelungen sei. Danach hätten der Beschuldigte A._, F._
und er selber die Wohnung verlassen.
3.2.2 Die Ausführungen des Beschuldigten B._ sind im Grundsatz zurück-
haltend. So gab er wiederholt zu Protokoll, er habe auch Schläge erhalten, als er
den Privatkläger und den Beschuldigten A._ getrennt habe, wisse jedoch
nicht von wem (Urk. 3/1 S. 2; Urk. 3/2 S. 2). Jedoch sind seine Aussagen zum ei-
gentlichen Geschehensablauf bei genauerer Betrachtung verallgemeinernd, un-
genau und sehr spärlich.
3.2.3 Insbesondere bei der Beschreibung der von ihm geltend gemachten Ausei-
nandersetzung zwischen dem Beschuldigten A._ und dem Privatkläger fallen
seine Aussagen unbestimmt aus, und es fehlen jegliche anschaulichen Details.
- 32 -
Stattdessen wiederholte der Beschuldigte B._ lediglich allgemein, sie seien
"aufeinander", "am Kämpfen" oder "am Schlägle" gewesen. Gleiches gilt auch be-
züglich der Beschreibung seiner Intervention, welche der Beschuldigte B._
nur unspezifisch mit "Dazwischengehen", "Trennen" und "Auseinandernehmen"
beschrieb (Urk. 3/1 S. 2 ff.; Urk. 3/2 S. 2 f.; Urk. 3/5 S. 2 ff.). Zuletzt machte er
hierzu geltend, er habe beide Beteiligten mit den Armen auseinandergestossen.
An ein Zupacken oder Ähnliches könne er sich aber nicht mehr erinnern (Urk. 3/5
S. 7). Dies fällt besonders ins Gewicht, wenn – wie in vorliegender Konstellation –
die Aussagen zu Begebenheiten, die nicht unmittelbar das Tatgeschehen betref-
fen, im Zeitverlauf detailreicher und bestimmter ausfallen. So erklärte der Be-
schuldigte B._ erstmals in der Hafteinvernahme, die Ehefrau des Privatklä-
gers habe sich bei seinem Eintreffen vor der WC-Türe befunden, um Hilfe ge-
schrien und ihm auf seine Frage "wo" mit der Hand die Richtung gezeigt. In der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 26. November 2010 führte er sodann
aus, die Ehefrau des Privatklägers habe gesagt "B._, bitte hilf, sie sind da"
(Urk. 3/2 S. 2; Urk. 3/5 S. 2). Dies hatte der Beschuldigte B._ anlässlich der
ersten Befragung mit keinem Wort erwähnt.
3.2.4 In einzelnen Teilen erweisen sich die Aussagen des Beschuldigten B._
sodann als widersprüchlich. Führte er in der polizeilichen Befragung aus, die bei-
den Männer seien im Bereich des Schlafzimmerfensters am Kämpfen gewesen,
worauf er dazwischen gegangen sei, gab er anlässlich der staatsanwaltschaftli-
chen Einvernahme zu Protokoll, sie hätten den Privatkläger gar nicht aus dem
Fenster werfen können, da er dazwischen gegangen sei und sie sich in der Mitte
des Zimmers, zwischen Schrank und Bett, befunden hätten (Urk. 3/1 S. 2;
Urk. 3/5 S. 7). Auch führte der Beschuldigte B._ anlässlich der Hafteinver-
nahme vom 14. September 2009 aus, bevor er von F._ zu Hilfe geholt wor-
den sei, habe er aus der Wohnung des Privatklägers Lärm gehört. Dies sei jedoch
nichts besonderes, da man dort immer Lärm höre (Urk. 3/2 S. 2). Andererseits er-
klärte der Beschuldigte B._, seine Ehefrau habe bei besagtem Vorfall die
Kinder im Wohnzimmer aufgrund des Lärms beruhigen müssen, da man den
Lärm höre und ab und zu Panik bekomme (Urk. 3/5 S. 9).
- 33 -
3.2.5 Bei gesamthafter Betrachtung ist auch der Umstand miteinzubeziehen,
dass der Beschuldigte B._ das ihm Vorgeworfene im Verlauf der Untersu-
chung nicht nur bestritt, sondern den Privatkläger (wie auch teilweise die übrigen
Zeuginnen) wiederholt bezichtigte, nicht die Wahrheit zu sagen und negative
Äusserungen tätigte (Urk. 3/1 S. 2; Urk. 3/3; Urk. 3/5 S. 8). Beispielhaft führte er in
der Hafteinvernahme aus, er hätte den Privatkläger "verrecken lassen" sollen,
dieser sei ein "Arschloch" (Urk. 3/2 S. 3). Sodann sei das blaue Auge des Be-
schuldigten A._ dem Privatkläger zuzuschreiben; wenn dieser Kinder schla-
ge, schlage er auch Erwachsene (Urk. 3/5 S. 8).
3.2.6 Gesamthaft sind die Aussagen des Beschuldigten B._ zwar nicht von
Vornherein als unglaubhaft anzusehen, jedoch ergeben sich auch gewisse Zwei-
fel an deren Glaubhaftigkeit.
3.3 Diesen Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 84 S. 17-19) ist grundsätzlich zu-
zustimmen, jedoch mit den folgenden Relativierungen und Ergänzungen, was die
Glaubhaftigkeit von B._s Aussagen zusätzlich reduziert:
3.3.1 Wie vorstehend in Ziffer 3.1 dargelegt, haben die drei ABF._s laut der
erst spät berichteten und schlecht nachvollziehbaren Version von B._ die
Wohnung des Privatklägers nicht gleichzeitig verlassen, sondern B._ folgte
den andern beiden aufgrund des behaupteten Versuchs, die CH._s zu beru-
higen, erst mit einiger zeitlicher Verzögerung.
3.3.2 Zudem ist in der Tat auffällig, dass B._ vor allem bei Fragen zum
Kerngeschehen seine Antworten sehr unbestimmt und pauschal hielt, zum Bei-
spiel "Ich habe die beiden getrennt" (Urk. 3/1 S. 4) oder "Ich ging dazwischen"
(Urk. 3/5 S. 4), anderseits aber Nebensächlichkeiten von sich aus hervorhob und
breit umschrieb – etwa, seine Frau und er seien damals daran gewesen, Winter-
kleider aus dem Keller zu holen oder indem er einlässlich beschrieb, wie die Zeu-
gin H._ ihm damals den Weg zu den Streitenden gewiesen und mit welchen
Worten sie ihn um Hilfe ersucht habe (Urk. 3/2 S. 2; Urk. 3/5 S. 2 f.). Damit sei
nicht gesagt, dass solch periphere Begebenheiten der Wirklichkeit widersprechen
- 34 -
würden, aber als Ablenkungsmanöver erscheint deren ausführliche Wiedergabe
sehr wohl.
Weiter stellte B._ die eigene Rolle ausnahmslos und weitschweifig äusserst
positiv dar. So sei er einzig zum Helfen, d.h. zum Schlichten erschienen und auch
dies nur, nachdem er gerufen worden sei – F._ sei ganz bleich gewesen und
habe "Hilfe, Hilfe, Hilfe" geschrien (Urk. 3/2 S. 3; Urk. 3/5 S. 4) – und weil er in der
Feuerwehr gelernt habe zu helfen, damit nichts Schlimmeres passiere. Ohne ihn
– B._ – wäre es weitergegangen und schlimm herausgekommen (Urk. 3/2
S. 2; Urk. 3/5 S. 5). Und er verwies auf "Balkanleute", die nicht viel überlegen und
solche Sachen, Messerstechereien, machen würden (Urk. 3/5 S. 5). Auf Ergän-
zungsfrage seiner Verteidigung fügte er an, es könnte sein, dass einer sterbe,
man könne durch Schläge sterben (Urk. 3/5 S. 9). Dank ihm als Kleinerem, 1.68
m oder so, seien die zwei grossen und recht schweren Personen auseinanderge-
gangen und jetzt – fast selbstbemitleidend – müsse er für seine Dummheit noch
büssen. Er schlichte nicht mehr, nie wieder (z.B. Urk. 3/2 S. 2 f.; Urk. 3/5 S. 3 f., 5
und 7). Selbstkritik oder gar Selbstbelastung sind bei B._ nicht ansatzweise
erkennbar.
Sobald ihm konkrete Beschreibungen oder handfeste Angaben abverlangt wur-
den, zum Beispiel zur angetroffenen Kampfsituation oder wie er die beiden Streit-
hähne genau getrennt habe, blieb er kurz und inhaltsleer (exemplarisch: Urk. 3/2
S. 2 f.; Urk. 3/5 S. 2 f. und S. 7). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung wur-
de B._ mehrmals ausdrücklich gefragt, ob er das Schlichten genau beschrei-
ben könne bzw. wie man sich das vorstellen müsse. Er beantwortete diese Fra-
gen ausweichend, erging sich dabei in Ausflüchten und konnte das Schlichten
wiederum nicht konkret beschreiben (Prot. II S. 24 ff.). Nicht anders verhält es
sich mit seiner diesbezüglichen Gestik: So räumte er lediglich ein, beide gestos-
sen zu haben, wobei er seine Hände zur Seite bewegte und damit ein Trennen
andeutete (Urk. 3/5 S. 6 f.). Auch sonst wollte B._ nichts gesehen (Schläge)
oder gehört (Drohungen) haben, was einem der Kontrahenten im vorliegenden
Verfahren zum Nachteil gereichen könnte. Das legte er ungeschminkt offen mit
seiner Aussage, er wolle weder den Privatkläger noch A._ beschuldigen, und
- 35 -
er tat dies auch nicht (Urk. 3/5 S. 5). Soweit er – ungefragt – nähere Ausführun-
gen zum Privatkläger machte, betraf dies sachfremde Negativanwürfe, womit er
den Privatkläger allgemein zu diffamieren trachtete. Ausser der bereits durch die
Vorinstanz erwähnten zählen dazu seine Bemerkungen, andere Nachbarn hätten
ebenfalls Ärger mit C._ wegen der Kinder gehabt und nach dessen Auszug
aus der Wohnung habe ihm die Verwaltung gesagt, dass sie froh sei, dass er und
sein Bruder (gemeint A._) weg seien (Urk. 3/5 S. 9).
3.3.3 Derartiges Aussageverhalten kann nur als klares Lügensignal gedeutet
werden, was die hier massgeblichen Ereignisse anbetrifft. Dies insbesondere,
nachdem seine Beteiligung am Vorfall gerade und einzig darin bestanden haben
soll, zu schlichten und die Kämpfenden zu trennen. Nach seiner konstanten Dar-
stellung sah sich B._ aus zwei Gründen in der Pflicht zu intervenieren: Zum
einen soll es gemäss Hilferuf seines Neffens F._ um Leben und Tod seines
Bruders, des Beschuldigten A._, gegangen sein, und zudem habe er,
B._, in seiner Funktion als Feuerwehrmann helfen müssen. Wenn B._
unter derart gravierenden und von ihm angeblich sehr ernst genommenen Um-
ständen sein zentrales Handeln nicht ansatzweise beschreiben konnte oder woll-
te, indem er entweder Nicht(mehr)wissen behauptete oder äusserst rudimentär
blieb, umgekehrt aber durchaus detaillierte Schilderungen zu Vorgängen aus-
serhalb des Tatablaufes zu Protokoll gab, kommt dies gezieltem Ausweichen
gleich.
3.4 Damit erweisen sich auch die Schilderungen von B._ zum Tatablauf be-
reits bei separater Betrachtung als wenig plausibel. Vor allem aber konnte
B._ nicht erklären, weshalb ihn der Privatkläger zu Unrecht hätte belasten
sollen, wenn er tatsächlich nur geschlichtet und die zwei Streithähne getrennt hät-
te, da er ja angibt, dass das Verhältnis zum Privatkläger bis zum besagten Vorfall
kollegial gewesen sei. Wie es sich mit der Wahrhaftigkeit seiner ausführlichen
Darlegungen ausserhalb des eingeklagten Geschehens verhält, zum Beispiel hin-
sichtlich seiner Beschäftigung unmittelbar vor dem Ereignis oder wie das Verhält-
nis unter den Familien in der Wohnüberbauung allgemein war, kann vorliegend
mangels Relevanz offenbleiben.
- 36 -
3.5 Der Verteidiger des Beschuldigten B._ macht zu Recht geltend, dass
B._ nichts mit der Vorgeschichte zu tun gehabt habe. Die Vorinstanz unter-
stelle B._, einen ihm unbekannten Tatplan übernommen und damit ein
inexistentes Tatmotiv gehabt zu haben (Urk. 109 S. 3 ff. und S. 12 ff.). Denn wie
unter Ziffer 4.4.1 aufzuzeigen sein wird, ist davon auszugehen, dass A._ und
F._ wortlos an der Wohnungstüre von B._ und G._ vorbei zur
Wohnung des Privatklägers hochgingen, wobei ihnen B._ in kurzem zeitli-
chen Abstand nacheilte. Es trifft somit zu, dass B._ zu diesem Zeitpunkt von
der Vorgeschichte gar keine Kenntnis haben konnte. Demnach konnte er auch
keine Absicht hegen, sich den Privatkläger wegen dessen vorgängiger Auseinan-
dersetzung mit K._ vorzunehmen. Insofern ist dem Verteidiger beizupflichten,
dass nicht erstellt werden kann, dass sich B._ und sein Bruder A._ zur
Wohnung des Privatklägers begaben, in der – gemeinschaftlichen – Absicht, sich
diesen wegen des vorgängigen Vorfalls vorzunehmen (Urk. 41 S. 2 Anklageziffer
2 Zeilen 4 und 5).
3.6 Abgesehen von den Ausführungen zur gemeinschaftlichen Absicht wird die
Sachdarstellung von B._ zum Tatgeschehen durch die Zeugenaussage von
G._ weiter relativiert (nachfolgende Ziffer 4, namentlich 4.4).
4. Aussagen der Zeugin G._ und Würdigung, Beweisantrag
4.1 G._ ist die Ehefrau des Beschuldigten B._. Die vierköpfige Familie
wohnte damals im dritten Stock, genau unterhalb der Wohnung des Privatklägers
C._, in einer Wohnung mit gleichem Grundriss. Die Zeugin befand sich stets
mit ihren Kindern in der eigenen Wohnung. Dabei hatte sie die Wohnungstüre
teilweise geöffnet und konnte von den Ereignissen in der vierten Etage bei der
Wohnungstüre der Familie CH._ und in deren Wohnung akustisch etwas
mitbekommen (Dialoge und "Gerumpel"). Von den Vorgängen im oberen Stock
etwas gesehen hat sie nicht (Urk. 8/1 S.1 ff.; Urk. 8/2 S. 4 ff.).
4.2 Sie führte im Wesentlichen aus (vgl. Urk. 8/1 S.1 ff.; Urk. 8/2 S. 4 ff.), sie sei
mit dem Beschuldigten B._ in der gemeinsamen Wohnung gewesen, als es
unten an der Haustür geläutet habe. Die Klingel unten läute länger, die oben sei
- 37 -
nur ganz kurz. B._ sei zur Wohnungstür gegangen, habe mit F._ über
die Gegensprechanlage gesprochen. F._ habe auf Albanisch "Mach die Türe
auf" gesagt. B._ habe die Wohnungstüre geöffnet, offengelassen und gewar-
tet bis jemand heraufkam, denn sie hätten gemeint, sie würden zu ihnen zu Be-
such kommen. Sie selber sei im hinteren Teil des Korridors gewesen mit der Klei-
nen auf dem Arm. Von da aus habe sie den Beschuldigten A._ und F._
gesehen, welche ohne ein Wort zu reden an ihnen vorbeigelaufen bzw. -gerannt
seien. A._ sei hoch gerannt, sie habe ihn von hinten, d.h. nur seinen Rücken
gesehen. Der diesem folgende F._ habe einen ängstlichen Blick gehabt. Sie
– der Beschuldigte B._ und die Zeugin G._ – hätten sich gegenseitig
angeschaut und sich gewundert, weshalb die beiden nicht zu ihnen kommen wür-
den (Urk. 8/1 S. 1 und 4; Urk. 8/2 S. 5 f.).
Dann hätten sie auf einmal einen Krach gehört. B._ habe darauf gesagt, er
gehe nach oben um zu schauen, was los sei und habe sie geheissen zu warten.
Er sei nach oben gerannt und währenddessen habe sie den Beschuldigten
A._ auf Albanisch die Zeugin H._ fragen gehört, "wo ist dein Mann?"
und diese habe mit "wieso" geantwortet (Urk. 8/1 S. 1 und Urk. 8/2 S. 4 und 6).
B._ sei nur kurz, ungefähr fünf Sekunden nach A._ und F._ auch
nach oben gegangen (Urk. 8/1 S. 4). Dann habe sie, G._, die Wohnungstüre
zumachen und ihre damals 5- und 1 1⁄2-jährigen Kinder im Wohnzimmer beruhigen
müssen, denn sie seien auch nervös geworden und hätten rausgehen wollen.
Dann habe sie nochmals die Wohnungstür geöffnet um zu schauen bzw. zu hören
was los sei. Da habe sie die Zeugin H._ zweimal nacheinander sagen hören
"B._, nimm sie bitte auseinander". Die Zeugin H._ habe dabei geweint,
die Frau habe ihr Leid getan. Dann habe sie, G._, wieder ihren Sohn ins
Wohnzimmer bringen und ablenken müssen. Danach sei sie wieder die Woh-
nungstüre öffnen gegangen und habe B._ zu A._ sagen hören: "Hör auf,
es bringts nicht". Gleichzeitig habe sie ein Stöhnen vernommen. Dann habe sie
die Türe wieder zumachen und die Kinder beruhigen müssen.
Als sie das nächste Mal die Türe geöffnet habe, sei A._ mit einem riesen Au-
ge wieder runter gekommen und ohne zu sprechen an ihr vorbeigelaufen, und
- 38 -
nach nicht einmal fünf Sekunden sei B._ auch erschienen und sei anschlies-
send, wie er ihr gesagt habe, zu A._ gegangen um zu schauen, wie es die-
sem gehe, denn der habe ein blaues Auge gehabt. Ihr Mann B._ habe ihr
nicht erzählt, was sich da zugetragen habe; er habe einfach gesagt, er hätte
nichts gemacht (Urk. 8/2 S. 7). F._ habe sie beim Hinuntergehen nicht gese-
hen (Urk. 8/1 S. 2 f.; Urk. 8/2 S. 5).
4.3 Wie bereits die Vorinstanz korrekt erwog, hat die Zeugin G._ konstant,
widerspruchsfrei, im Grundsatz klar, nachvollziehbar und zurückhaltend ausge-
sagt (Urk. 84 S. 32; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ihre Schilderungen wirken durchgehend
authentisch und überzeugend.
4.3.1 So gab sie zunächst von sich aus und auch auf wiederholtes Nachfragen zu
Protokoll, selber nichts vom Streit gesehen zu haben, weil sie nie nach oben in
die vierte Etage gegangen sei (Urk. 8/1 S. 3 f.; Urk. 8/2 S. 6). Weder von ihrem
Ehemann B._ noch vom wiederum schweigend an ihrer Wohnungstür vorbei
nach unten gehenden A._ hatte sie Erläuterungen erhalten, was oben vor
sich gegangen war. B._ habe ihr einfach gesagt, er habe nichts gemacht
(Urk. 8/2 S. 7). Ebenso deklarierte sie offen, nicht gesehen zu haben, wann
F._ wieder hinunter gegangen sei (Urk. 8/1 S. 2). Gleichermassen diskret
verneinte die Zeugin G._, je selber erlebt zu haben, dass der Privatkläger
schon ein paar Mal andere Kinder angegriffen habe, wie dies Kinder und Eltern
aus der Nachbarschaft berichteten. Sie habe nur gesehen, wie er mit den Kindern
geschimpft habe, nicht aber, dass er handgreiflich geworden sei (Urk. 8/2 S. 6 f.).
Ihr Verhältnis zur Familie CH._ bezeichnete sie als neutral. Die Kinder hätten
sich gegenseitig ab und zu zum Spielen besucht, hätten ein freundschaftliches
Verhältnis zueinander gehabt (Urk. 8/2 S. 3, 8 und 10). Dagegen wusste sie von
gegenseitigem Jammern und "Gifteln" der Familie des Beschuldigten A._
und der Familie CH._ betreffend die Kinder. Ob Streit bestehe, konnte sie
nicht sagen (Urk. 8/1 S. 3; Urk. 8/2 S. 6 und 8). Dieses Aussageverhalten zeigt,
dass sich die Zeugin aufrichtig bemühte, nur selbst Wahrgenommenes darzule-
gen und nicht einfach Mutmassungen anzustellen oder in einen allgemeinen Te-
nor miteinzustimmen.
- 39 -
4.3.2 Entsprechend sind ihre Schilderungen zu dem, was sie selber beobachtet
hat – etwa nur den Rücken des vorbeieilenden A._, den ängstlichen Blick
von dessen Sohn F._ verbunden mit ihrem Eindruck, dieser würde einfach
dem Vater hinterher laufen; A._s riesiges bzw. blaues Auge beim Vorbeige-
hen nach unten – oder hören konnte – z.B. die junge Stimme F._s in der Ge-
gensprechanlage, man solle die Türe aufmachen; die erwähnten Fragen, Antwor-
ten, Bitten und Bemerkungen der beiden Beschuldigten und von H._ in der
vierten Etage; rumpelnder Lärm in der oberen Wohnung wie bei einer Schlägerei
(vgl. Urk. 8/2 S. 6 und 9) – prägnant, in ihren zwei Einvernahmen inhaltlich prak-
tisch deckungsgleich, mit den vom Privatkläger und dessen Familienmitgliedern
berichteten Vorgängen im wesentlichen im Einklang und daher glaubhaft.
4.3.3 Ebenso verhält es sich mit den von G._ angeführten eigenen Empfin-
dungen, die mit dem Geschehen korrelieren und lebensnah sind. Hierzu zählen
namentlich das verwunderte gegenseitige Anschauen mit ihrem Ehemann
B._, als A._ und F._ wider Erwarten schweigend bei ihnen vorbei-
liefen, was die Zeugin erkennbar und verständlicherweise befremdete (Urk. 8/1
S. 1), ihr Mitleid mit H._ oder ihre mit Angst erfüllte Ratlosigkeit, weil sie nach
dem Ereignis nicht wusste, was tun und "was dort oben passiert ist" (Urk. 8/2
S. 8). Dabei handelt es sich – wie bei den wiedergegebenen Gesprächen – auch
um signifikante Einzelheiten mit fraglos realem Hintergrund.
Hinzu gesellt sich die sehr anschaulich geschilderte, greifbare Nervosität und Un-
sicherheit, die sich der Zeugin bemächtigt hatte, nachdem der Beschuldigte
B._ kurz nach seinem Bruder und Neffen ebenfalls ins obere Stockwerk los-
gerannt war: Sie ging mit den Kindern im eigenen Korridor hin und her, musste
diese, wenn sie weinten, zwischendurch mit Spielen und Trickfilmschauen im
Wohnzimmer trösten und beruhigen, begab sich aber immer wieder zur Woh-
nungstüre um diese zu öffnen und zu lauschen, denn sie wollte wissen, was los
sei (Urk. 8/2 S. 4 ff. und 9). Gerade weil sie – was einleuchtet – so besorgt und
angespannt war, die Kinder aber nicht alleine lassen wollte, war sie besonders
aufmerksam und darauf bedacht, wenigstens via Gehör am Geschehen teilzuha-
ben. Es ist nicht daran zu zweifeln, dass ihre zu Protokoll erklärten akustischen
- 40 -
Wahrnehmungen zutreffen, zumal sie sich nur eine Etage tiefer befand, schon
länger schwelende emotionsgeladene Auseinandersetzungen wie die vorliegend
zu beurteilende zwischen der Familie von A._ und der Familie CH._ er-
fahrungsgemäss verbal hörbar ausgetragen werden und Treppenhäuser in
Wohnblocks den Schall bekanntlich gut leiten. Dass die Kinder durchgehend ge-
weint oder gar geschrien hätten, lässt sich der Zeugenaussage gerade nicht ent-
nehmen, und ebenso wenig ergibt sich daraus, dass die Zeugin ständig bei offe-
ner Wohnungstür gelauscht hätte. Charakteristisch für die Zeugenaussage ist
vielmehr das wirklichkeitsnahe und ebenso einfühlbare Hin und Her einer fürsorg-
lichen Mutter einerseits und einer durch Bedenken sowie Neugier angetriebenen
Ehefrau anderseits. Die von den Verteidigungen betonte Skepsis, die genannten
Wortwechsel seien für die Zeugin gar nicht hörbar gewesen, erscheint fehlt am
Platz. Dasselbe gilt zu F._s via Gegensprechanlage geäussertem Wunsch,
die Haustüre zu öffnen: Auch im hinteren Bereich des Flurs, wenige Meter von der
Wohnungstüre entfernt und mit ihrer kleinen Tochter im Arm konnte die Zeugin
das Gesprochene über das eingeschaltete Mikrofon zweifellos hinreichend ver-
stehen und dem Neffen zuordnen (vgl. Urk. 8/1 S. 1; Urk. 10/1). Dass damals
schon Kinderlärm oder -geschrei geherrscht hätte, wurde von keiner Seite be-
hauptet. Auch ist nicht daran zu zweifeln, dass ein Rumpeln exakt eine Etage hö-
her als dumpfes Geräusch wahrnehmbar ist, dies selbst bei allfälligem Kinderge-
schrei.
Als einleuchtend und real einzustufen ist sodann das Verhalten der Zeugin
G._ nach dem Ereignis. Da weder die Protagonisten noch die Polizei oder
die Staatsanwaltschaft ihr erklärt hätten, was passiert sei, wandte sie sich in ihrer
Angst, gemeinsam mit der Ehefrau des Beschuldigten A._, an den Privatklä-
ger. Dieser sei anständig aufgetreten und sie – G._ – habe auch seither kei-
nen Streit mit der Familie CH._. Der Privatkläger habe ruhig geredet und
nicht gesagt, dass er mit ihnen nichts mehr zu tun haben wolle oder so. Er habe
ausgeführt, es sei nicht korrekt, dass man im eigenen Haus angegriffen werde
bzw. er finde es nicht korrekt, in ein fremdes Haus einzudringen. Sie habe darauf
erklärt, B._ habe gar nichts getan. Dann habe der Privatkläger erwidert, nicht
zu wissen oder gesehen zu haben, wer zugeschlagen habe; das habe sie anstän-
- 41 -
dig gefunden. Sie habe zu weinen angefangen und nicht mehr reden können
(Urk. 8/1 S. 4; Urk. 8/2 S. 8 und 10).
4.3.4 Die Aussagen der Zeugin G._ wirken auf der ganzen Linie offen und
aufrichtig, sind zudem beständig und in sich stimmig. Sie erweisen sich insgesamt
als sehr glaubhaft, auch wenn sie nicht ausnahmslos kongruent sind, die Zeugin
z.B. den konkreten Auslöser, weshalb B._ ebenfalls in die obere Etage eilte,
in den Befragungen leicht unterschiedlich schilderte. Ob nun der Krach im oberen
Stock oder der gehörte Dialog zwischen A._ und H._ (die Frage, wo
sich der Privatkläger befinde etc.) B._s Wegrennen bewirkte oder ob der Dia-
log stattfand, als sich B._ bereits auf der Treppe nach oben befand (vgl. Urk.
8/1 S. 1; Urk. 8/2 S., 4 und 6), ist völlig untergeordnet. Es handelt sich um nicht
mehr als eine Nuance, die den Gesamteindruck mitnichten trübt. Es besteht mit
der Vorinstanz keinerlei Anlass, auf die Aussagen von G._ nicht abzustellen.
4.4 Vergleicht man die Aussagen von B._ und G._, ergibt sich das fol-
gende Bild:
4.4.1 Im Gegensatz zum Standpunkt des Beschuldigten B._ deutet die Zeu-
genaussage von G._ klar darauf hin, dass B._ von sich aus in die vierte
Etage zur Wohnung des Privatklägers eilte, dies bereits ganz kurz nachdem
A._ und F._ wortlos an der Wohnungstüre vorbei nach oben gegangen
waren und ohne dass er (später) von F._ gerufen bzw. mit Klingeln an der
Wohnungstüre herbeigeholt werden musste, wie B._ als einziger aller vorlie-
gend befragten Personen stets geltend machte. Ein Irrtum der Zeugin zum Klin-
gelton kann ausgeschlossen werden, wusste sie doch genau zu differenzieren
zwischen dem Klang der Haus- und der Wohnungsglocke. Auch hatte sie
F._s junge Stimme in der Gegensprechanlage erkannt und seine Worte ver-
standen. Abwegig ist weiter die Behauptung von B._, die Zeugin habe ihn
gar nicht hinaufgehen sehen und F._ nicht an der (Wohnungstüre) klingeln
hören, weil sie, glaube er, im Wohnzimmer gewesen sei, um die Kinder zu beru-
higen (Urk. 3/3 S. 1; Urk. 3/5 S. 9). Gemessen an den unmissverständlichen Aus-
führungen von G._, wonach sie die Kinder (sporadisch) im Wohnzimmer be-
ruhigen musste, nachdem der Beschuldigte B._ ebenfalls nach oben geeilt
- 42 -
war, ist diese Aussage einerseits reichlich vage. Überdies hat B._ in der Ein-
vernahme vom 26. November 2010 auf Vorhalt von abweichenden Aussagen sei-
ner Frau G._ wiederholt erklärt, das könne schon sein oder dann hat er sich
auf fehlende Erinnerung berufen (Urk. 3/5 S. 3 f.). Die ungefähre Zeitangabe der
Zeugin, bis B._ dem Bruder und dem Neffen in den vierten Stock nachsetzte,
erscheint mit fünf Sekunden durchaus real wenn man bedenkt, auf welche Art und
Weise die zwei Verwandten eben in Richtung obere Etage vorbei geeilt waren zu
einem Nachbarn, mit welchem sich die Familie von A._ bekanntermassen
schon seit längerem im Zwist befand. Ausserdem ist aufgrund der familiären Ban-
de naheliegend, dass B._ interessiert war, präsent zu sein, wenn auch ge-
mäss seinem eigenen (nicht glaubhaften) Standpunkt nur zum Schlichten. Es ist
somit unzweifelhaft, dass der Beschuldigte B._ seinem Bruder A._ und
dessen Sohn F._ mit kaum nennenswerter zeitlicher Differenz in den vierten
Stock zur Familie CH._ nacheilte.
4.4.2 Die Darstellung von G._ stimmt zudem mit den Aussagen des Privat-
klägers C._ sowie jenen der Zeuginnen H._ und I._ überein, aus
welchen sich einhellig ergibt, dass die beiden Beschuldigten und F._ über-
fallsmässig zur gleichen Zeit bzw. unmittelbar nacheinander in der Wohnung er-
schienen (Urk. 5/1 S. 1; Urk. 5/3 S. 3 ff.; Urk. 5/4 S. 3; Urk. 6/1 S. 1; Urk. 6/2 S. 2;
Urk. 6/3 S. 4 und 6; Urk. 7/1 S. 1 und 3; Urk. 7/2 S. 1 f.). Dass die Zeugin I._
die drei nicht mit eigenen Augen hereinkommen sah, weil sie sich in jenem Mo-
ment im Wohnzimmer befand und erst anschliessend ebenfalls ins Schlafzimmer
ging, ändert daran nichts (Urk. 7/3 S. 3; Urk. 7/3 S. 6; Urk. 10/1; vgl. auch die
nachfolgenden Ziffern 5, 6 und 7). Die Zeugin G._ gab zu Protokoll, dass sie
gehört habe, wie die Zeugin H._ zu B._ gesagt habe, er solle bitte
A._ und den Privatkläger auseinandernehmen (vgl. vorne Ziffer 4.2; Urk. 8/1
S. 2; Urk. 8/2 S. 5), während sich die Zeugin H._ nicht mehr daran erinnern
konnte (vgl. hinten Ziffer 6.7; Urk. 6/3 S. 15). Wie es sich damit verhält, kann je-
doch offen bleiben, auch wenn dieser Umstand vom Verteidiger von B._ als
Argument dafür angeführt wird, dass bei ihm kein Tatentschluss, sich den Privat-
kläger vorzunehmen, vorgelegen habe und er sich lediglich in die Wohnung des
Privatklägers begeben habe, um zu schlichten (Urk. 109 S. 10 und S. 22). Selbst
- 43 -
wenn die Zeugin H._ dies so gesagt hätte, änderte sich nichts daran, dass
B._ kurz nach A._ in der Wohnung des Privatklägers erschien und die
beiden nicht etwa trennte, sondern gemeinsam mit A._ gewaltsam auf den
Privatkläger einwirkte.
4.4.3 Desgleichen ergeben die präzisen Schilderungen von G._, dass ihr
Ehemann B._ wiederum sehr kurz nach A._ – sie sprach von "nicht
einmal fünf Sekunden" (Urk. 8/2 S. 5) – von der vierten Etage zurück kam. Es be-
steht auch hier kein Grund, den Wahrheitsgehalt dieser Äusserung in Frage zu
stellen, zumal es sich für die Zeugin beim hier zu beurteilenden Vorfall um ein
ebenso aussergewöhnliches wie einprägsames Erlebnis handelte: Die schon
während des Vorfalls beunruhigte G._ blieb damals wie gesehen ratlos und
ohne Information zurück, weil B._ anschliessend noch eine Viertelstunde o-
der auch länger zum Beschuldigten A._ ins Nachbarhaus ging, nur knapp vor
Eintreffen der Polizei in die eigene Wohnung zurückkehrte und darauf sogleich
abgeführt wurde sowie – wider die Hoffnung der Zeugin, welche die ganze Nacht
auf ihn wartete – nicht nach Hause kam (Urk. 8/1 S. 2; Urk. 8/2 S. 5 und 7). Damit
kann auch die Version des Beschuldigten B._ als widerlegt gelten, wonach er
die Wohnung des Privatklägers erst später, d.h. nach und nicht zusammen mit
seinem Bruder (wie letzterer ausgesagt hatte) verliess, weil er noch den Privat-
kläger in dessen Küche beruhigte oder zu beruhigen versuchte, was sicher erheb-
lich mehr als nur ein paar Sekunden in Anspruch genommen hätte.
4.4.4 Auch in diesem Aspekt trifft sich die Schilderung von G._ mit den Aus-
führungen des Privatklägers C._ sowie jenen der Zeuginnen H._ und
I._, die allesamt davon sprachen, dass die drei Eindringlinge die Wohnung
wieder gemeinsam verliessen (Urk. 5/1 S. 3 f.; Urk. 5/3 S. 3 und 12; Urk. 6/3 S. 11
f. und 14; Urk. 7/1 S. 3; Urk. 7/2 S. 4; vgl. auch die nachfolgenden Ziffern 5, 6
und 7).
4.5 Soweit sich die Ausführungen von G._ und jene des Beschuldigten
A._ widersprechen, ist ebenfalls von der überzeugenden Darstellung der
Zeugin G._ auszugehen. So ist namentlich nicht daran zu zweifeln, dass
A._ in der Wohnung des Privatklägers dessen Ehefrau H._ angetroffen
- 44 -
und dass er diese nach dem Verbleib ihres Mannes gefragt hat, was im übrigen
auch der Privatkläger so schilderte (siehe nachfolgende Ziffer 5). Die Bestreitung
von A._ (vgl. Urk. 2/3 S. 1 und Urk. 2/5 S. 5) entpuppt sich somit als unwahr.
4.6 Der Antrag der Verteidigung von B._, G._ – die durchgehend kon-
stant, widerspruchsfrei, realitätsnah und damit glaubhaft ausgesagt hat und deren
Aussagen auch mit den Angaben weiterer Beteiligter übereinstimmen – erneut als
Zeugin zu befragen (Urk. 87 S. 4), ist unter all den genannten Umständen abzu-
weisen. Selbst wenn die Zeugin heute konträre Angaben zu ihren früheren, ereig-
nisnäheren Depositionen machen oder sich auf fehlende Erinnerung berufen wür-
de, könnte dies an der richterlichen Überzeugung nichts ändern.
5. Aussagen des Privatklägers C._ und Würdigung
5.1 Die Aussagen von C._, der drei Mal zur Sache befragt wurde (vgl.
Urk. 5/1 und Urk. 5/3-4), finden sich in den wesentlichen Zügen samt der Würdi-
gung im angefochtenen Urteil. Darauf ist vorab zustimmend zu verweisen, soweit
nicht explizit davon abgewichen wird (Urk. 84 S. 20-25; Urk. 82 Abs. 4 StPO). Die
nachstehenden Erwägungen, welche sich auf die im Berufungsverfahren zu beur-
teilenden Punkte beschränken und somit die geltend gemachten verbalen Dro-
hungen und Sachbeschädigungen nicht mehr enthalten, verstehen sich als Zu-
sammenfassung und teilweise Ergänzung dazu.
5.2 Der Privatkläger hat den strittigen Vorfall im Grossen und Ganzen wider-
spruchsfrei, weitestgehend gleichbleibend und nachvollziehbar berichtet. Laut
C._ sind A._ – aus seiner Sicht der Anführer (Urk. 5/1 S. 4; Urk. 5/3 S. 5
f.; Urk. 5/4 S. 7) –, B._ und F._ ohne zu klingeln durch die unverschlos-
sene Tür in seine Wohnung eingedrungen. Er befand sich im Schlafzimmer und
hörte, wie A._ seine Frau, H._, fragte, wo ihr Mann sei und dass seine
Frau wissen wollte, worum es gehe (Urk. 5/1 S. 1; Urk. 5/3 S. 3 und 6 f.; Urk. 5/4
S. 3). Die drei sind ins Schlafzimmer gekommen und haben sofort angefangen,
ihn, den Privatkläger, zu schlagen. A._ hat ihn von hinten gewürgt, indem er
seinen Hals in der Armbiege zudrückte, und ihn gegen das offene Fenster gezo-
gen. B._ hat ihm vorne die Hände bzw. Arme zusammengehalten und
- 45 -
F._ hat versucht, seine Füsse resp. Beine zusammenzuhalten. Durch das
Würgen zeigte sein Kopf nach hinten, so dass er nicht sehen konnte, wer ihn ge-
schlagen hat. Aber er hat die Schläge überall am Körper gespürt, wobei er die
Faustschläge auf den Kopf dem F._ zuordnet (Urk. 5/1 S. 3; Urk. 5/3 S. 3
und 7). Das Würgen bewirkte Atemschwierigkeiten und es kam zu Urinabgang,
wobei er erst im Spital merkte, dass er nass war (Urk. 5/1 S. 2 f.; Urk. 5/3 S. 3, 7 f.
und 12; Urk. 5/4 S. 3 f.). Die drei wollten ihn aus dem Fenster werfen und er war
mit dem halben Körper, genauer mit dem Oberkörper, schon draussen (Urk. 5/1
S. 2; Urk. 5/3 S. 3, 9 f. und 12; Urk. 5/4 S. 4). Der Privatkläger hat probiert sich
dagegen zu wehren, indem er versuchte, sich ständig zu bewegen. Seine Kinder
sind schreiend und weinend im Schlafzimmer erschienen und seine Frau H._
ist ebenfalls mehrmals gekommen, um die Kinder aus dem Zimmer zu bringen
(Urk. 5/1 S. 3 f.; Urk. 5/3 S. 3). Derweil hat die ebenfalls im Schlafzimmer anwe-
sende Schwiegermutter, die Zeugin I._, versucht zu schlichten, d.h. die
ABF._s gebeten, aufzuhören (Urk. 5/1 S. 4; Urk. 5/3 S. 7; Urk. 5/4 S. 5). Ob
er bei den Abwehrversuchen jemanden tätlich angegangen und getroffen hat
kann der Privatkläger nicht sagen, ist ihm nicht bewusst. Er hat sich am Heizkör-
per festgehalten, um nicht aus dem Fenster gestossen zu werden (Urk. 5/1 S. 3;
Urk. 5/3 S. 7 f. und 9 f.; Urk. 5/4 S. 4 f.). Das blaue Auge von A._ ist gemäss
dem Privatkläger darauf zurückzuführen, dass dieser beim Versuch, ihn – den
Privatkläger – aus dem Fenster zu werfen, den Kopf an der Ecke des Fensters so
stark anschlug, dass der Fensterflügel aus den Scharnieren fiel. Er verneint je-
doch, dem Beschuldigten A._ die Verletzung durch einen Faustschlag aufs
Auge zugefügt zu haben (Urk. 5/1 S. 3; Urk. 5/3 S. 3 und 12; Urk. 5/4 S. 6 f.).
Vielmehr hat er die ganze Zeit geschrien, seine Frau solle die Polizei rufen. Den
Grund für das Ende der Auseinandersetzung sieht der Privatkläger darin, dass die
drei ABF._s mitbekommen haben, dass H._ die Polizei anrief, weshalb
sie die Wohnung verliessen (Urk. 5/1 S. 3 f.; Urk. 5/3 S. 3, 7 und 12; Urk. 5/4
S. 5).
5.3 Die Schilderungen des Privatklägers sind – mit drei Ausnahmen, welche die
Glaubhaftigkeit der Aussagen ein Stück weit abschwächen (vgl. Ziffer 5.4 hier-
nach) – generell einleuchtend und passen zur angespannten Grundstimmung
- 46 -
zwischen den Familien von A._ und C._ sowie zum konkreten Gesche-
hensverlauf. Sie erweisen sich auch als zurückhaltend, indem der Privatkläger
einräumte, die kassierten Schläge nicht konkret einem der beiden Beschuldigten
zuordnen zu können. Auch darüber hinaus deklarierte der Privatkläger Wissens-
und Erinnerungslücken, machte keine Verletzungen oder Beschwerden geltend,
die nicht auch sonst aktenkundig sind und verzichtete auf unnötige Anfeindungen
gegenüber der Familie von A._ (vgl. u.a. Urk. 5/1 S. 4; Urk. 5/3 S. 8, 11, 13).
Zudem finden sich – nebst den bereits genannten Übereinstimmungen mit der
Zeugenaussage von G._ (vorne Ziffer 4) – etliche schlüssige Parallelitäten
zwischen den Aussagen des Privatklägers und jenen der Zeuginnen H._ und
I._ (hinten Ziffern 6 und 7), obwohl sich die drei Personen teilweise an ver-
schiedenen Orten der Wohnung aufhielten mit entsprechend unterschiedlicher
Perspektive.
5.4 Rätselhaft bleibt, wie sich der knapp 1.80 Meter grosse Beschuldigte
A._, der stehend den Privatkläger von hinten würgte, die Augenverletzung an
einer Ecke des offenen Fensters – es müsste sich wohl um die untere Ecke han-
deln – zugezogen haben soll (Urk. 1/3; Urk. 5/4 S. 6; Urk. 18/1). Aufgrund des Ak-
tengutachtens des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 5. Juli
2010 steht klar im Vordergrund, dass bei den hier zu beurteilenden Ereignisher-
gängen die festgestellten Verletzungen rund um A._s linkes Auge durch
stumpfe Gewalteinwirkungen im Rahmen von Faustschlägen (oder einem Schlag
mit der offenen Hand oder mit einem ungeformten, eine glatte Oberfläche aufwei-
senden Gegenstand) entstanden sind (Urk. 13/5 S. 2 f.). Die Möglichkeit, dass die
Verletzungen auf einen Aufprall an einer geformten Struktur wie bspw. einem
Fensterrahmen zurückzuführen sind, ist gemäss den Experten nur hinsichtlich ei-
nes Teils des Verletzungsbildes, konkret der Wunden an der Augenbraue links, zu
bejahen. Die flächenhaften, ungeformten Hautunterblutungen und -rötungen spre-
chen aber gegen eine geformte Gewalteinwirkung wie zum Beispiel einen Aufprall
an einem Fensterrahmen (Urk. 13/5 S. 2; vgl. Urk. 1/3 S. 6). Ausserdem wies der
rechtshändige Privatkläger eine Fraktur des rechten Daumens bzw. des rechten
Zeigefingers auf (Urk. 12/3 S. 3 f.; Urk. 12/5; Urk. 12/7). Diese Umstände spre-
chen für einen Schlag bzw. Schläge mit der Faust des Privatklägers als Verlet-
- 47 -
zungsursache von A._s Auge. Zudem stellt der Privatkläger ja nicht generell
in Abrede, dass er bei seinen Abwehrversuchen einen der Kontrahenten tätlich
angegangen und getroffen haben könnte. Damit wäre aber nichts gesagt über den
konkreten Zeitpunkt im Geschehensablauf und die genauen Umstände, unter de-
nen ein allfälliger Faustschlag des Privatklägers zum Nachteil von A._ erfolgt
wäre. Angesichts aller übrigen Erkenntnisse erschiene es jedenfalls naheliegend,
dass ein solcher in reiner Abwehr geschehen sein dürfte, nachdem der Privatklä-
ger im Schlafzimmer seiner Wohnung einer Mehrheit von Angreifern ausgesetzt
war und sich offensichtlich in einer inferioren Lage befand. Da nicht Gegenstand
des Verfahrens, braucht dies aber nicht weiter geklärt zu werden.
Gewisse, von den Verteidigungen zurecht vorgebrachte und durch die Vorinstanz
korrekt aufgelistete Ungereimtheiten, die hier nicht nochmals im Einzelheiten auf-
zurollen sind (Urk. 84 S. 20-22; Art. 82 Abs. 4 StPO), ergeben sich sodann hin-
sichtlich der unmittelbaren Vorgeschichte zum hier zu beurteilenden Ereignis. So
hat der Privatkläger im vorliegenden Verfahren insbesondere nicht einheitlich dar-
gelegt, wo und wie genau er den jüngeren Sohn des Beschuldigten A._, den
damals 11-jährigen K._, verbal zurechtgewiesen habe. Zudem kontrastieren
die Angaben des Privatklägers im eingangs erwähnten, am 27. Januar 2010 ein-
gestellten Strafverfahren von K._ (vertreten durch die Mutter L._) gegen
den Privatkläger mit seinen vorliegenden Aussagen (vgl. Urk. 31/5). Es macht tat-
sächlich den Anschein, dass der Privatkläger sein Verhalten gegenüber K._
zumindest zu beschönigen versuchte. Als dort Beschuldigter war der Privatkläger
jedoch zum einen nicht der Wahrheit verpflichtet. Überdies wurde die Strafanzei-
ge von K._ vom 25. September 2009 als Gegenanzeige auf die vorliegende
Anzeige des Privatklägers gegen die Familie A._ qualifiziert und die Kosten
der eingestellten Untersuchung wurden dem Anzeigeerstatter auferlegt. Inwiefern
die Erwägung, wonach es sich bei der Anzeige von K._ (Urk. 31/5/3) um eine
Gegenanzeige infolge der Anzeige des Privatklägers gegen die Familie A._
handle, ein taugliches Kriterium für die Einstellung der Untersuchung darstellt, so
wie dies der amtliche Verteidiger des Beschuldigten A._ kritisiert (Urk. 108
S. 10), muss vorliegend nicht erörtert werden, da die Einstellungsverfügung vom
27. Januar 2010 unangefochten in Rechtskraft erwachsen ist (Urk. 31/5/6). Unter
- 48 -
diesem Blickwinkel und bei Gesamtbetrachtung besteht indessen kein Anlass,
aufgrund der Ungereimtheiten zur Vorgeschichte und der strittigen Ursache zur
Augenverletzung von A._ die Aussagen des Privatklägers vorliegend als un-
glaubhaft einzustufen.
Es ist erstellt, dass die beiden Beschuldigten A._ und B._ den Privatklä-
ger gegen den offenstehenden rechten Fensterflügel drängten, wobei dieser an-
lässlich des Gerangels aus den Scharnieren fiel (Urk. 41 S. 3 Anklageziffer 6 Zei-
len 1 bis 3). Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten A._ ist insofern
beizupflichten, als den beiden Beschuldigten die Absicht, den Privatkläger aus
dem Fenster zu werfen, nicht nachgewiesen werden kann. Zudem kann nicht er-
stellt werden, dass der Privatkläger mit dem Oberkörper aus dem Fenster hing
(Urk. 108 S. 14 ff.). Beides hielt denn auch bereits die Vorinstanz fest (Urk. 84
S. 40 und S. 44). Mit dem amtlichen Verteidiger ist zunächst gar nicht möglich,
dass der Privatkläger mit dem Oberkörper aus dem Fenster hing, während er
gleichzeitig vom Beschuldigten A._ am Oberkörper festgehalten wurde
(Urk. 108 S. 16; Urk. 41 S. 3 Anklageziffer 6 Zeilen 5 bis 8). Zu Recht kritisiert der
amtliche Verteidiger (Urk. 108 S. 17) sodann die Begründung der Vorinstanz, wo-
nach offen bleiben könne, ob die Beschuldigten den Privatkläger tatsächlich aus
dem Fenster zu stossen versucht hätten, mithin sich der in Anklageziffer 6 festge-
haltene Vorgang tatsächlich so abgespielt habe, weil den Beschuldigten bezüglich
dieses Sachverhaltsabschnitts keine strafbare Handlung vorgeworfen werde
(Urk. 84 S. 40). Die Vorinstanz übersieht, dass das Gericht an den Anklagesach-
verhalt, nicht aber an die rechtliche Würdigung gebunden ist (Art. 350 Abs. 1
StPO). Da das Berufungsgericht jedoch in Bezug auf die Anklageziffer 6 zu keiner
anderen Auffassung gelangt als die Vorinstanz und überdies eine allfällige Verur-
teilung wegen Gefährdung des Lebens mit Blick auf das Verbot der reformatio in
peius (Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO) ohnehin ausscheidet, zielen die Ausführun-
gen des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten A._ diesbezüglich ins Lee-
re. Nicht zu folgen ist ferner seiner Auffassung (Urk. 108 S. 17 f.), dass, weil die-
ser Sachverhaltsabschnitt nicht erstellt werden könne, sämtliche anderen Aussa-
gen des Privatklägers und seiner Familienmitglieder zum Tatgeschehen unglaub-
haft sein sollen. Der amtliche Verteidiger übersieht zunächst, dass der eingeklag-
- 49 -
te Versuch, den Privatkläger aus dem Fenster werfen, nicht den Kern des Kern-
geschehens darstellt (Urk. 108 S. 18; Prot. II S. 27), sondern als Teil von Ankla-
geziffer 6 nur einen Sachverhaltsabschnitt der ganzen Anklage (Anklageziffern 2-
10 ohne die Vorgeschichte in Anklageziffer 1) darstellt, von welcher der überwie-
gende Teil erstellt werden kann (hinten Ziffer 10.). Entgegen der amtlichen Vertei-
digung (Urk. 108 S. 17 f.) haben zudem weder die Zeugin H._ noch die Zeu-
gin I._ explizit erklärt, dass die Beschuldigten versucht hätten, den Privatklä-
ger aus dem Fenster zu werfen. Wie sogleich aufzuzeigen sein wird, erklärte die
Zeugin H._, dass es so ausgesehen habe, während die Zeugin I._ er-
wähnte, dass sie Angst gehabt habe, die Beschuldigten würden den Privatkläger
aus dem Fenster werfen. Schliesslich blendet der amtliche Verteidiger aus, dass
die Aussagen des Beschuldigten A._ in Bezug auf die Episode mit dem
Fenster alles andere als glaubhaft sind. Nachdem A._ anfänglich noch zu
Protokoll gab, dass er befürchtet habe, der Privatkläger wolle ihn aus dem Fens-
ter werfen (Urk. 2/1 S. 2) bzw. der Privatkläger habe ihn in der Kampfszene aus
dem Fenster werfen wollen (Urk. 2/5 S. 9), was auch seine damalige Anwältin in
der Anzeige vom 5. Oktober 2009 festhielt (ND 1), erklärte er später, dass er das
nicht so genau detailliert gesagt habe, man könne das lassen. Er habe einfach
sein blaues Auge beanzeigt haben wollen (Urk. 2/5 S. 9).
5.5 Wie sich gezeigt hat, erweisen sich die Schilderungen des Privatklägers zum
Kerngeschehen als grundsätzlich stimmig, plausibel und überzeugend. Darüber
hinaus werden sie durch anderweitige Aussagen gestützt.
6. Aussagen der Zeugin H._ und Würdigung
6.1 Die Aussagen von H._, der Ehefrau des Privatklägers, aus drei Einver-
nahmen sind in den wichtigen Aspekten im angefochtenen Urteil dargestellt und
sorgfältig gewürdigt (Urk. 6/1-3; Urk. 84 S. 26-28; Art. 82 Abs. 4 StPO).
6.2 Im Überblick lässt sich feststellen, dass die Zeugin H._ in Bezug auf
das Kerngeschehen in der eigenen Wohnung konstante, unmissverständliche, wi-
derspruchsfreie, bildhafte und zugleich ausserordentlich zurückhaltende Ausfüh-
- 50 -
rungen machte. Es ist schon an dieser Stelle anzumerken, dass sich ihre Anga-
ben insgesamt als überaus glaubhaft erweisen.
6.2.1 Die Zeugin war sehr darauf bedacht, nichts Falsches zu sagen, niemanden
zu Unrecht zu belasten und präzis zu unterscheiden zwischen dem, was sie mit
eigenen Augen beobachtet und was ihr lediglich von dritter Seite, vom Privatklä-
ger oder von ihrer Mutter, erzählt worden war (etwa Urk. 6/2 S. 3; Urk. 6/3 S. 14).
Was sie selber gesehen hatte, wurde von ihr durchwegs detailliert und einleuch-
tend beschrieben (siehe die nachfolgende Ziffer 6.3). Ebenso deklarierte sie offen,
was sie nicht (visuell oder akustisch) wahrgenommen hatte oder nicht hatte wahr-
nehmen können und gab nicht einfach Verlegenheits- oder Fantasieantworten zu
Protokoll (u.a. Urk. 6/2 S. 3; Urk. 6/3 S. 3 f., 6 ff., 10, 12, 14). Zudem begründete
sie wiederholt, weshalb sie etwas selbst mitbekommen hatte oder gerade nicht.
So erklärte sie etwa, sie habe ihren Mann vom Gang aus gesehen, weil die
Schlafzimmertüre offen gewesen sei (vgl. Urk. 6/3 S. 6 in Verbindung mit Urk. 6/3
Anhang Wohnungsgrundriss) oder sie habe dies nicht gehört, weil sie (mit der Po-
lizei) am Telefonieren gewesen sei (Urk. 6/2 S. 3; Urk. 6/3 S. 10). Entsprechend
ihrer behutsamen Aussageweise räumte sie oft ein, etwas nicht zu wissen, z.B. ob
die Beine des Privatklägers noch am Boden gewesen seien, ob in einem konkre-
ten Moment etwas gesprochen worden sei oder bei welcher Gelegenheit sich
A._ das blaue Auge geholt habe (Urk. 6/1 S. 2 f.; Urk. 6/2 S. 2 und 4;
Urk. 6/3 S. 4, 6-11, 14 f.). Letzteres ist ihr erst aufgefallen, als A._ rauslief
(Urk. 6/2 S. 4; Urk. 6/3 S. 11). Apodiktische Behauptungen finden sich kaum. Die
Zurückhaltung von H._ zeigte sich vielmehr auch in ungewöhnlich vorsichti-
gen Folgerungen aus dem Erlebten: so umschrieb sie, es habe so ausgesehen,
als würden die Männer ihren Mann aus dem Fenster werfen wollen (Urk. 6/1 S. 2;
Urk. 6/3 S. 10) oder das Handeln von B._ sei ihr nicht wie ein Trennen vor-
gekommen, habe für sie nicht so ausgesehen. Sie finde, wenn B._ hätte
trennen wollen, wäre es nicht so weit gekommen, dass der Privatkläger mit dem
Oberkörper aus dem Fenster hinaus ragte (Urk. 6/2 S. 4 f.; Urk. 6/3 S. 10 f. und
14).
- 51 -
6.2.2 Während der Schilderungen brachen ihre beim Vorfall durchlebten Gefühle,
namentlich die grosse Angst, wiederholt auf, was sich physisch etwa in zittriger
Stimme, in starkem körperlichem Zittern oder Weinen äusserte (Urk. 6/1 S. 3;
Urk. 6/2 S. 4; Urk. 6/3 S. 4 und 13). Das erscheint keineswegs übertrieben oder
gespielt, sondern realitätsnah und verständlich wenn man bedenkt, dass sich in
der 3-Zimmerwohnung auch ihre drei kleinen Kinder von damals 8 und 5 Jahren
sowie 10 Monaten befanden und ebenso ihre 60-jährige Mutter. Es handelt sich
dabei vor allem bei den Kindern um völlig wehrlose und verletzliche Personen, für
welche die Zeugin die Verantwortung trug und die sie unter hoher Anspannung
und ständigem Zirkulieren vom Tatgeschehen abzuschirmen bzw. fernzuhalten
versuchte, zumal die begreiflicherweise verunsicherten Kinder zu weinen und das
Baby zu schreien anfingen (Urk. 6/2 S. 3; Urk. 6/3 S. 4, 7, 12 und 16). Dies muss-
te die Zeugin bewältigen, während ihr Ehemann, der Privatkläger, gleichzeitig und
gleichenorts mit einem körperlichen Angriff durch zwei Männer und einen 16-
jährigen Burschen konfrontiert war. Gerade auch angesichts dieser turbulenten
und zugleich bedrohlichen Situation wird das beträchtliche Mass an Aufmerksam-
keit, das der Zeugin zu attestieren ist, erklärbar.
6.2.3 Die durch das Ereignis nachvollziehbar stark negativ und auch nachhaltig
tangierte Zeugin H._ (vgl. Urk. 6/1 S. 4, abschliessendes Votum; Urk. 6/3
S. 13) erlag sodann nicht der Versuchung, die Familie von A._ im Nachhinein
schlechtzureden. Sie erklärte nur, es habe (vorher) keine Freundlichkeit ge-
herrscht und (seither) habe sie keinen Kontakt und sie würden sich auch nicht
grüssen (Urk. 6/3 S. 12). Auch das spricht für Objektivität ihrer Darstellung.
6.3 Im Übrigen hat H._ anschaulich, beständig und grösstenteils überein-
stimmend mit dem Privatkläger und der Zeugin I._ erzählt, dass der Privat-
kläger sich im Schlafzimmer befand und sie im Gang, als plötzlich (plötzlich des-
halb, weil ihre Familienmitglieder zu Hause gewesen seien und sie niemanden
erwartet habe) und ohne vorheriges Klingeln oder Klopfen A._, B._ und
F._ der Reihe nach durch die nicht abgeschlossene Wohnungstür in die
Wohnung hinein stürmten und alle sofort auf den Privatkläger losgingen. Mit Be-
stimmtheit sagen konnte sie, dass A._ einen seiner Vorderarme an den Hals
- 52 -
des Privatklägers legte und den Privatkläger so würgte, dass B._ den Privat-
kläger festhielt und F._ dem Privatkläger mit den Fäusten zweimal gegen
den Hinterkopf schlug. Die ganze Sache spielte sich nach ihrer Darstellung immer
in der Fensterecke des Schlafzimmers ab, die Männer stiessen dann den Privat-
kläger, dessen Rücken zum Fenster gewandt war, in Richtung des offenen Fens-
ters so dass dessen Oberkörper schliesslich aus dem Fenster hinaus ins Freie
gebeugt war, wobei sich der Privatkläger zu wehren versuchte, der Fensterflügel
beim Kampf aushängte, der Privatkläger sie – H._ – dauernd aufforderte, die
Polizei zu verständigen und ihre Mutter – die Zeugin I._ – dann auch ins
Schlafzimmer ging und verbal zu schlichten versuchte (Urk. 6/1 S. 1-4; Urk. 6/2
S. 1-4; Urk. 6/3 S. 4-6, 8 ff., 15 und Anhang). Die Zeugin H._ selber hat ver-
sucht, F._ abzuhalten, sich aber nicht getraut, diesen anzufassen oder selber
ins das Geschehen einzugreifen (Urk. 6/2 S. 3; Urk. 6/3 S. 4 und 7), was auch von
keiner Seite behauptet wurde.
Auch den Schluss der Auseinandersetzung umschrieb die Zeugin H._ einheit-
lich, bestimmt und grundsätzlich konform mit dem Privatkläger: nämlich dass der
Kampf plötzlich aufhörte, als sie mit der Polizei telefonierte und die ABF._s in
der Reihenfolge A._, B._ und F._ die Wohnung verliessen (Urk. 6/1
S. 2 f.; Urk. 6/2 S. 3; Urk. 6/3 S. 4 und 14). Einhellig mit dem Privatkläger vernein-
te sie ferner, dass einer der drei Angreifer nach dem Betreten der Wohnung diese
kurzzeitig verlassen hatte und dann wieder zurückgekommen war (Urk. 6/3 S. 12;
vgl. auch Urk. 5/3 S. 12).
6.4 Aus dem Leben gegriffen und plausibel ist weiter die spezifische Erläuterung
der Zeugin, weshalb das Schlafzimmerfenster im Zeitpunkt des Vorfalls bereits
geöffnet war. Der Privatkläger hatte zuvor auf ihren Wunsch das Fenster zum Lüf-
ten geöffnet. Das Baby krieche jetzt und sie lasse die Balkontüre nicht mehr offen,
weil sie keinen Teppich auf dem Betonbalkonboden habe. Im Kinderzimmer lasse
sie das Fenster wegen der Kinder nicht offen (Urk. 6/3 S. 4 und 12; Urk. 6/1 S. 1).
Ein markantes und stimmiges Detail stellt sodann der von der Zeugin mehrfach
hervorgehobene Umstand dar, dass sie sich in der Nervosität beim Telefonanruf
an die Polizei zuerst verwählte (Urk. 6/1 S. 2; Urk. 6/3 S. 4).
- 53 -
6.5 Aus den Schilderungen der Zeugin ergibt sich klar, dass alle drei gemeinsam
auf den Privatkläger losgingen. Hingegen konnte sie nicht durchgehend und ge-
nau feststellen, wer dem Privatkläger was antat, insbesondere, ob alle drei auch
auf den Privatkläger einschlugen (u.a. Urk. 6/1 S. 1 f. und Urk. 6/3 S. 8 -10). Sol-
che Erkennungs- und Beobachtungslücken sind hier unvermeidbar, dies einer-
seits aufgrund der Mehrzahl von Personen, die in der räumlich engen Schlafzim-
merecke hautnah miteinander rauften sowie des Umstandes, dass die Zeugin
mehrmals das Schlafzimmer und somit den Ort des Geschehens verliess, sei es,
um ihre Kinder aus dem Kampfbereich wegzunehmen oder zum Telefonieren (vgl.
Urk. 6/1 S. 2; Urk. 6/3 S. 7 und 12). Dadurch und auch durch weitere geringfügige
Abweichungen innerhalb ihrer Darstellung, ob zur Reihenfolge der Tathandlungen
oder zu ihrem jeweiligen Standort (vgl. Urk. 84 S. 27 f.), wird das aus ihrer Aussa-
ge gewonnene, insgesamt sehr kohärente Bild kaum getrübt. Die leichten Diver-
genzen entspringen zudem der Dynamik des Vorfalles und zeigen exemplarisch,
dass die Zeugin H._ wirklich Erlebtes und nicht Zurechtgelegtes berichtete.
6.6 Die im angefochtenen Urteil auf Verteidigereinwendungen genannte Unge-
reimtheit in den Aussagen der Zeugin H._ zum vorangehenden Vorfall mit
den Kindern (siehe Urk. 84 S. 26) entpuppt sich bei genauem Hinsehen als reine
Luftblase: Es ist nicht H._, die hier selber Beobachtetes unterschiedlich rap-
portierte, sondern sie gab in der Zeugeneinvernahme nur wieder, was der Privat-
kläger ihr gegenüber erzählt hatte. Zugleich betonte sie spontan und wiederholt,
dies nicht selber gesehen zu haben (Urk. 6/3 S. 14 im Vergleich zu Urk. 6/1 S. 1).
6.7 Als einzig namhafte und unerklärliche Differenz steht im Raum, dass die
Zeugin H._ nichts von einem Wortwechsel mit A._ erwähnte (Urk. 6/1
S. 1). Auch auf Vorhalt der diesbezüglich einhelligen und glaubhaften Aussagen
von G._ und des Privatklägers (Wo ihr Mann sei, etc.; vgl. vorne Ziffern 4.2
und 5.2) verneinte sie einen solchen Dialog dezidiert (Urk. 6/3 S. 7 f.). Sie be-
schrieb den Auftakt zum Angriff hingegen konstant dahin, der zuerst eintretende
A._ habe überall hinein bzw. hin und her geschaut. Als er den Privatkläger im
Schlafzimmer entdeckt habe, sei er dorthin gegangen und die andern zwei hin-
tennach (Urk. 6/1 S. 1; Urk. 6/3 S. 6 f.).
- 54 -
Die Darstellung der Zeugin H._ erscheint ebenfalls realitätsnah und kann
sich ohne weiteres parallel zu einem solch kurzen Dialog abgespielt haben. Wes-
halb H._ den Wortwechsel bestreitet oder allenfalls eine Erinnerungslücke
aufweist, kann aber offen bleiben. Fest steht jedenfalls, dass es für sie nachvoll-
ziehbar ein Überraschungsmoment darstellte, als die drei Angreifer in die Woh-
nung platzten und dass sie sich in der anschliessenden Bedrohungssituation zu-
recht finden musste. Das mag dazu geführt haben, dass sie den Auftakt zum
Kerngeschehen nicht vollständig memorierte. Diese tatsächliche Diskrepanz in ih-
rer Darstellung bzw. im Vergleich zu den dazu abweichenden glaubhaften Dritt-
aussagen erweist sich als singulär und bewirkt angesichts der übrigen Konstanz
und Plausibilität keine abweichende Würdigung ihrer Zeugenaussage.
Die Ergänzungsfrage der damaligen Verteidigerin von B._, ob sie diesen
aufgefordert habe, A._ und den Privatkläger auseinander zu nehmen (vgl.
die Zeugenaussage von G._, vorne Ziffer 4.2), verneinte H._ zwar. Sie
stellte aber nicht grundsätzlich in Abrede, etwas gesprochen zu haben, konnte
aber nicht (mehr) sagen, allenfalls was (Urk. 6/3 S. 15). Wie auch immer es sich
verhält, auch diese kleine Ungewissheit tangiert den weitgehend überzeugenden
Gehalt ihrer Darlegungen nicht. Hätten im Übrigen die Eheleute H._ ihre
Aussagen koordiniert, wie die Verteidigungen monieren, wäre es ein Leichtes ge-
wesen, diese ausnahmslos aufeinander abzustimmen. Das ist wie aufgezeigt
ausdrücklich nicht der Fall. Abweichungen deuten gerade auf authentische Schil-
derungen und – situationsbedingt – auf verschiedene Standorte und unter-
schiedliche subjektive Wahrnehmungen.
7. Aussagen der Zeugin I._ und Würdigung
7.1 In den Erwägungen der Vorinstanz wurden auch die Aussagen der Zeugin
I._, der Mutter von H._ bzw. der Schwiegermutter des Privatklägers
(Urk. 7/1-3) in den wesentlichen Zügen wiedergegeben und ebenso gründlich wie
kritisch analysiert. Diesen Ausführungen kann überwiegend zugestimmt werden
(Urk. 84 S. 28-31; Art. 82 Abs. 2 StPO). Zusammenfassend ist folgendes hervor-
zuheben:
- 55 -
7.2.1 Gestützt auf ihre eigenen Wahrnehmungen und übereinstimmend mit den
Aussagen des Privatklägers und jenen der Zeugin H._ hat I._ konstant,
anschaulich und glaubhaft zu Protokoll gegeben,
- dass die beiden Beschuldigten ("zwei Erwachsene") und F._ ("ein Jugendli-
cher") ohne zu klingeln und ohne sonst irgendeine Vorankündigung ("wie der
Blitz", ... "sehr überraschend"; Urk. 7/2 S. 2) die Wohnung betraten und zum Pri-
vatkläger ins Schlafzimmer stürmten (Urk. 7/1 S. 1; Urk. 7/2 S. 1 f.; Urk. 7/3 S. 3,
5 f. und 7 f.),
- dass H._ sofort auch ins Schlafzimmer ging und sie selber kurz nachdem
die drei Männer ins Schlafzimmer gerannt waren (nach etwa einer Minute) eben-
falls vom Wohnzimmer, wo sie noch das Baby im Arm gehalten hatte, ins Schlaf-
zimmer gegangen und dort verblieben war, bis die drei Männer die Wohnung ver-
liessen und dass sie die Männer gebeten hatte, die Wohnung zu verlassen
(Urk. 7/1 S. 3; Urk. 7/2 S. 2; Urk. 7/3 S. 3 ff. und 6 f.; vgl. Urk. 5/1 S. 4, Urk. 5/3
S. 3 und S. 7),
- dass der Beschuldigte A._ ("der grösste Mann") den Privatkläger von hin-
ten mit einem Arm würgte (Urk. 7/1 S. 2-4; Urk. 7/2 S. 3; Urk. 7/3 S. 3 f.),
- dass der Privatkläger Richtung Fenster gestossen wurde und sich das Gerangel
der vier Beteiligten in der (Fenster)ecke des Schlafzimmers abspielte sowie dass
das Fenster ganz verschoben, nicht mehr am ursprünglichen Platz, irgendwie
ausgehängt war (Urk. 7/1 S. 2 ff.; Urk. 7/2 S. 2 f.; Urk. 7/3 S. 3 f., 8 und 10),
- dass sie anlässlich des Ereignisses grosse Angst hatte, sie würden den Privat-
kläger umbringen bzw. ihn aus dem Fenster werfen und dass die grosse Sorge
auch nach dem Vorfall anhielt (Urk. 7/1 S. 2 und 4; Urk. 7/2 S. 5; Urk. 7/3 S. 3, 8
und 10),
- dass beide Beschuldigten und der Privatkläger zusammen waren, auch B._
– "der Kleine" – sehr nahe bzw. in der Nähe des Geschehens (Urk. 7/1 S. 2;
Urk. 7/2 S. 3 f.; Urk. 7/3 S. 3 f., 7 und 11), dass "wie Krieg" war im Schlafzimmer
(Urk. 7/1 S. 2), alles "drunter und drüber" ging (Urk. 7/3 S. 4 und 7),
- 56 -
- dass der Privatkläger die Zeugin H._ während der Auseinandersetzung auf-
forderte, die Polizei anzurufen (Urk. 7/1 S. 3; Urk. 7/2 S. 3.; Urk. 7/3 S. 3 und 7),
- dass die Angreifer, als sie hörten, wie die Zeugin H._ mit der Polizei telefo-
nierte bzw. dass die Polizei kommen würde, vom Privatkläger abliessen (A._
den Würgegriff beendete) und die Wohnung verliessen, wobei sie nur A._
habe gehen sehen (Urk. 7/1 S. 3; Urk. 7/2 S. 4 f.; Urk. 7/3 S. 3, 5 und 8).
7.2.2 Gleichbleibend führte die Zeugin I._ sodann aus, sie habe – da noch
im Wohnzimmer mit dem Baby – die Eindringlinge nicht hereinkommen sehen,
sondern nur gehört (Urk. 7/2 S. 2). Ihre geäusserten Gefühle – unerwartetes Er-
eignis, grosse Angst, fortdauernde Furcht – sind insbesondere auch unter dem
Aspekt nachvollziehbar, dass sie sich bloss als Gast und Mitbetreuerin der Enkel-
kinder in der Wohnung aufhielt. So betonte sie wiederholt glaubhaft, wie sehr sie
sich eine Versöhnung unter den betroffenen Familien wünsche (Urk. 7/1 S. 4 f.;
Urk. 7/2 S. 5; Urk. 7/3 S. 10 f.).
7.2.3 Eine Übereinstimmung mit dem Privatkläger findet sich darin, dass der Be-
schuldigte A._ beim Verlassen des Schlafzimmers an die Lampe geschlagen bzw. daran gerissen habe (Urk. 7/1 S. 2 f.; Urk. 7/2 S. 4; Urk. 7/3 S. 5 und 8 f.;
Urk. 5/1 S. 3). Demgegenüber schrieb die Zeugin H._ das Schlagen an die
Lampe im Schlafzimmer F._ zu. Es handelt sich bei diesem vom Privatklä-
ger, der Zeugin H._ wie auch von der Zeugin I._ erwähnten Vorgang mit
der Lampe um ein markantes, lebensnahes Detail, das zusätzlich für die Wahrhaf-
tigkeit der Aussagen spricht. Dies ist umso bemerkenswerter, als es sich dabei
um eine unbedeutende Nebensächlichkeit handelt.
7.2.4 Im Ergebnis ist auch der Darstellung der Zeugin I._ klar zu entnehmen,
dass A._ als Anführer auftrat und B._ ebenfalls massgeblich am tätli-
chen Überfall auf den Privatkläger beteiligt war.
7.3 Eine Abschwächung erfährt der Aussagegehalt von I._s Darstellung al-
lerdings dadurch, dass ihre Aussagen darüber, was sie tatsächlich selber gese-
hen hat sowie betreffend die eigene Beteiligung am Geschehen im Verlauf ihrer
- 57 -
drei Einvernahmen zunehmend relativierend und teilweise widersprüchlich ausfie-
len.
So erklärte sie anlässlich der polizeilichen Befragung vom 13. September 2009
zunächst, während des Würgens durch A._ hätten die beiden anderen auf
den Privatkläger eingeschlagen (Urk. 7/1 S. 2). Auf Nachfrage war sie jedoch
ausserstande, die Schläge näher zu beschreiben. Sie habe nicht genau sehen
können, wer wen wie geschlagen habe, und es folgte ihr schon zitierter Hinweis,
es habe wie Krieg im Schlafzimmer geherrscht und sie hätten den Privatkläger
umbringen wollen (Urk. 7/1 S. 2). Angesprochen auf das blaue Auge von A._
gab sie an gesehen zu haben, wie sich A._ selber am Fenster verletzte, um
sogleich einzuschränken, sie vermute nur, dass dies am Fenster gewesen sei
(Urk. 7/1 S. 3). Weiter beschrieb sie ihr eigenes Eingreifen dahin, sie habe ver-
sucht, A._s Hand bzw. dessen Hände vom Hals des Privatklägers wegzuzie-
hen. Danach gefragt, wie es ihr möglich gewesen sei, in diesem Gerangel an die
Hände des würgenden Angreifers zu kommen, machte sie fehlende Erinnerung
geltend. Auf jeden Fall sei sie da gewesen und habe es versucht (Urk. 7/1 S. 4).
In der polizeilichen Befragung vom 29. September 2009 nahm die Zeugin I._
ihre früheren Aussagen noch mehr zurück, indem sie ausführte, erst zu einem
Zeitpunkt dazugekommen zu sein, als "das Wichtige" schon passiert sei (Urk. 7/2
S. 3). Sie habe weder die Schläge gesehen noch mitbekommen, wie es zur Au-
genverletzung des Beschuldigten A._ gekommen sei (Urk. 7/2 S. 2 f.). Dabei
blieb sie auch in der Zeugeneinvernahme (Urk. 7/3 S. 7 und 9). In der zweiten und
dritten Einvernahme relativierte I._ auch ihr eigenes Handeln. Sie liess
durchblicken, dass sie dem Privatkläger zwar gerne geholfen hätte, aber gar nicht
dazu in der Lage gewesen wäre (Urk. 7/2 S. 4) und als Zeugin bekräftige sie, im
Schlafzimmer nicht mit Taten in das Geschehen eingegriffen zu haben, sondern
sich nur genähert und dann wieder entfernt zu haben mit den Worten "Ich flehe zu
Gott, geht raus" (Urk. 7/3 S. 4 und S. 7 ff.). Entgegen der Vorinstanz (vgl. Urk. 84
S. 30) besteht hier kein Widerspruch zu den Aussagen des Privatklägers. Dieser
hat auf die Frage nach der Beteiligung seiner Schwiegermutter geantwortet, diese
- 58 -
habe mit den Worten "Es geht nicht so" die Beschuldigten gebeten, nicht weiter-
zumachen (Urk. 5/3 S. 7).
7.4 Mit der Vorinstanz ist zu diesen Ungereimtheiten der Zeugin I._ festzu-
halten, dass diese neben ihrer eigenen Beteiligung hauptsächlich die Frage be-
treffen, was sie vom Hörensagen gewusst und was sie mit eigenen Augen gese-
hen hat, nicht aber den von ihr plausibel und zu einem grossen Teil im Einklang
mit dem Privatkläger und der Zeugin H._ beschriebenen Ablauf des Gesche-
hens. Die Zeugin befand sich anlässlich der tatnächsten Einvernahme, ca. drei
Stunden nach dem Ereignis, offensichtlich noch in grosser Aufregung, so dass sie
zu Übertreibungen neigte, von denen sie aber von sich aus oder auf Nachfrage
schnell und dauerhaft zurückkrebste. Entsprechend enthalten die zwei späteren
Einvernahmen zahlreiche Hinweise auf fehlende Kenntnis oder mangelnde Erin-
nerung (Urk. 7/2 und 7/3). Zwar sind gewisse Absprachen mit der Tochter und
dem Schwager nicht grundsätzlich auszuschliessen. Die vorhandenen Unter-
schiede sprechen aber vielmehr dafür, dass die Beteiligten je aus ihrem individu-
ellen Blickwinkel berichteten. Auf die Aussagen der Zeugin I._ kann jeden-
falls ergänzend zu denjenigen des Privatklägers und der Zeugin H._ abge-
stellt werden.
8. Aussagen von F._ und Würdigung, Beweisantrag
8.1 Wie eingangs erwähnt (Ziffer III 1.3.1), sind die Aussagen von F._ nicht
zu Lasten der Beschuldigten verwertbar, da F._ nie mit ihnen konfrontiert
wurde und die Beschuldigten auch keine Gelegenheit hatten, Ergänzungsfragen
zu stellen.
Es ist der Vorinstanz beizupflichten, dass die Aussagen von F._ (Urk. 4/1 -
4/3) entgegen der Darstellung der Verteidigungen (Urk. 65 S. 8 ff.; Urk. 67 S. 8)
einerseits von Widersprüchen geprägt sind, nur in groben Zügen den Darstellun-
gen der Beschuldigten entsprechen und in Einzelheiten erheblich davon abwei-
chen. Widersprüche bestehen z.B. darin, dass gemäss Erstaussage bei der Kan-
tonspolizei vom 13. September 2009 sein Onkel B._ aufgrund seiner
(F._s) Hilferufe von sich aus in die Wohnung des Privatklägers gekommen
- 59 -
sei (Urk. 4/1 S. 2), während laut Aussage in der delegierten Einvernahme vom
25. September 2009 er zuerst gerufen habe und dann nach unten den Onkel ho-
len gegangen sei, indem er an der Wohnungstür des Onkels klingelte (Urk. 4/2
S. 3 f.). Davon, dass A._ ihn nach unten geschickt habe, um den Onkel zu
holen, sagte F._ im Gegensatz zu seinem Vater A._ nichts. Uneinheit-
lich führte F._ weiter aus, dass sein Vater an der Wohnungstüre des Privat-
klägers geklopft habe (Urk. 4/1 S. 2) bzw., in der zweiten Einvernahme, er wisse
nicht genau, ob er geklopft oder geläutet habe (Urk. 4/2 S. 3). Dass unter der
Wohnungstür des Privatklägers ein gegenseitiges Beschimpfen des Beschuldig-
ten A._ und des Privatklägers stattgefunden habe, ist F._s Aussagen im
Unterschied zu den Ausführungen von A._ nicht zu entnehmen. Auch geht
aus den Befragungen von F._ nicht hervor, dass der Privatkläger plötzlich
auf ihn (F._) losgegangen sei, wie A._ geltend machte. Hingegen ist
F._ der einzige, der direkt gehört haben will, wie der Privatkläger seine Frau
gebeten habe, sie solle ihm ein Messer bringen (Urk. 4/1 S. 2). Eine eventuelle
Messerverletzung von B._, wie von A._ vorgebracht, erwähnte F._
umgekehrt nicht.
Ferner ist daran zu erinnern, dass die Verfahrenseinstellung in Bezug auf Tätlich-
keiten durch F._ wegen Verjährung erfolgte und ihm wegen seines damali-
gen Verhaltens – Betreten der Wohnung CH._ im Wissen um eine mögliche
Eskalation zwischen seinem Vater A._ und dem Privatkläger C._ und
keine Erkennbarkeit seiner angeblichen Schlichtungsabsicht anlässlich des Ge-
rangels in der Wohnung – die Verfahrenskosten auferlegt wurden (Urk. 33/2 S. 12
f.).
8.2 Unter all diesen Umständen und angesichts der vorne dargelegten, über-
zeugenden Aussagen des Privatklägers und jenen der Zeuginnen H._,
G._ und I._, wonach A._, F._ und B._ gemeinsam, d.h.
zeitlich (praktisch) miteinander und ohne anzuklopfen oder zu klingeln in die
Wohnung des Privatklägers eindrangen, ist unerfindlich, wie aus einer Zeugenbe-
fragung von F._ fünf Jahre nach dem Ereignis ein stichhaltiges abweichen-
des, zu Gunsten der Beschuldigten lautendes Ergebnis resultieren sollte (Urk. 65
- 60 -
S. 7 f.; Urk. 89 S. 3). Dies namentlich auch deshalb, weil nach F._s tatnächs-
ter Aussage kurz nach dem Vorfall B._ nicht vom ihm, F._, in der unte-
ren Etage geholt werden musste, sondern von alleine erschien (Urk. 4/1), was im
Ergebnis dem einleuchtenden Standpunkt des Privatklägers und aller Zeuginnen
entspricht. Überdies berief sich F._ in der delegierten Einvernahme 12 Tage
später wiederholt auf Ahnungslosigkeit oder fehlende Erinnerung (Urk. 4/2). Die
beantragte Beweiserhebung vermöchte an der Überzeugung, wie sie das Gericht
aufgrund der bereits abgenommenen Beweise gewonnen hat, nichts zu ändern;
dies auch dann nicht, wenn F._s Zeugenaussage im Resultat die von den
Beschuldigten aufgestellten Behauptungen ganz oder teilweise stützen würde.
Der Antrag auf Einvernahme von F._ als Zeuge ist abzuweisen.
9. Verletzungen des Privatklägers C._
9.1 Das IRM-Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Privatklägers vom
6. Oktober 2009 (Urk. 12/3 f.), welches auf ärztlichen Untersuchungen sechs
Stunden nach dem Vorfall basiert, ergibt zusammengefasst das folgende Verlet-
zungsbild: frische rote Hautunterblutungen am Hals, links neben und über dem
Kehlkopf sowie über der Halswirbelsäule; diverse oberflächliche kratzerartige
Schürfwunden, einmal mit Schwellung, sowie Hautunterblutungen im Bereich des
Gesichts, des Halses, des Rückens und der Extremitäten sowie über der linken
Flanke und über dem linken Gesäss; eine Fraktur des rechten Daumens sowie
eine Prellung des linken Handgelenks; Stauungsblutungen an Haut und Schleim-
häuten konnten nicht festgestellt werden (Urk. 12/3 S. 2 f.).
Diese ermittelten Befunde sind laut den Experten insgesamt mit dem vom Privat-
kläger geltend gemachten Ereignisablauf in Einklang zu bringen. Insbesondere
sind die am Hals festgestellten Hauteinblutungen vereinbar mit Würgemerkmalen,
wobei eine konkrete, unmittelbare Lebensgefahr durch das Würgen verneint wird,
unter der ergänzenden Anmerkung, dass in seltenen, in concreto nicht vorher-
sehbaren Fällen stumpfe Gewalt gegen den Hals zu einem reflektorischen Herz-
stillstand führen kann und damit eine potentielle Lebensgefahr zu bejahen ist.
- 61 -
9.2 Aus dem ärztlichen Befund von Dr. med. J._ vom 20. Mai 2010
(Urk. 12/7) geht hervor, dass beim Privatkläger in der Untersuchung am Tag nach
dem eingeklagten Vorfall ein Bruch des Zeigefingers rechts, Kontusionen am
Schädel sowie Prellungen und Quetschungen an den Ellbogen, am Brustbein und
am Nacken festgestellt werden konnten (Urk. 12/7 S. 1). Eine Selbstbeibringung
dieser Verletzungen wurde von Dr. J._ verneint, ebenfalls eine unmitttelbare
Lebensgefahr. Es bestand eine Arbeitsunfähigkeit von rund einem Monat, ohne
bleibende gesundheitliche Folgen (Urk. 12/7 S. 1).
9.3 Die Fotodokumentation betreffend die Verletzungen des Privatklägers
(Urk. 11/1) korreliert mit den ärztlichen Befunden.
9.4 Diese objektiven Beweismittel untermauern die Sachdarstellung des Privat-
klägers.
10. Gesamtwürdigung
Unter Hinweis auf die vorstehenden Ziffern III. 2.-9. und die einlässlichen Erwä-
gungen im angefochtenen Urteil, wo die Vorinstanz auch zu weiteren Verteidi-
gereinwänden zutreffend Stellung nahm (Urk. 84 S. 33-42 und 44; Art. 82 Abs. 4
StPO), ergibt sich zusammengefasst, dass die beiden Beschuldigten in Beglei-
tung von F._ ohne anzuklopfen oder die Türklingel zu betätigen eigenmäch-
tig die Wohnung des Privatklägers betraten und diesen im dortigen Schlafzimmer
umgehend angriffen und traktierten, dies kurz nachdem es wie schon öfters unter
den Kindern der Familien von A._ und C._ zu Querelen gekommen war
und der Privatkläger den jüngeren Sohn des Beschuldigten A._, K._,
zumindest verbal zurecht gewiesen hatte. Während die Darstellungen von
A._ und B._ in sich und im Quervergleich mit etlichen Widersprüchen
behaftet, mit Schutzbehauptungen durchsetzt, wenig realistisch und letztlich
überwiegend unglaubhaft sind, erweisen sich die Schilderungen des Privatklägers
und der Zeuginnen H._ und I._ namentlich im zentralen Handlungsver-
lauf als in sich stimmig, lebensnah sowie plausibel und auch untereinander ver-
einbar. Verbleibende Unklarheiten und Differenzen betreffen mehrheitlich das
Randgeschehen, sind teilweise nachvollzieh- oder erklärbar und beeinträchtigen
- 62 -
den Gesamteindruck nicht massgebend. Anzeichen für Absprachen fehlen. Das
durch den Privatkläger und seine Familienangehörigen gezeichnete einleuchten-
de Bild des Vorfalls wird zudem grundsätzlich harmonisch ergänzt durch die
ebenfalls überzeugenden Aussagen der Zeugin G._.
So ist weiter als erstellt anzusehen, dass die Beschuldigten den Privatkläger im
Zuge dieses Überfalls in Richtung Ecke des Schlafzimmers zum offenen Fenster
drängten, wo sich das Geschehen dann im wesentlichen abspielte, A._ den
Privatkläger würgte, auch B._ den Privatkläger um den Oberkörper festhielt,
beide Beschuldigten mit den Fäusten den Privatkläger schlugen und dass der ge-
öffnete Fensterflügel im Zuge dieses Gerangels aus den Scharnieren fiel. Erwie-
sen ist sodann, dass die Beschuldigten vom Privatkläger abliessen und (zusam-
men mit F._) wieder gleichzeitig die Wohnung des Privatklägers verliessen,
nachdem sich H._ im Nebenzimmer telefonisch an die Polizei gewandt hatte
und dass schliesslich der Privatkläger bei dieser Attacke durch die Beschuldigten
die aktenkundigen Verletzungen erlitten hat.
Nicht rechtsgenügend erstellt ist der eingeklagte Versuch der Beschuldigten, den
Privatkläger mit dem Oberkörper durch das offene Fenster zu stossen, so dass
dessen Oberkörper sich ausserhalb des Fensters befand (vgl. Anklageziffer 6 Zei-
len 3-8), zudem der Vorwurf betreffend B._, wonach er sich in die Wohnung
des Privatkägers begeben habe in der – gemeinschaftlichen – Absicht, sich die-
sen wegen des vorgängigen Vorfalls vorzunehmen (vgl. Anklageziffer 2 Zeilen 4-
5), ferner die Vorwürfe betreffend F._ in den Anklageziffern 2 und 8 (Verfah-
ren eingestellt) sowie die Tatvorwürfe der Drohung betreffend A._ und der
Sachbeschädigung betreffend A._ und B._ in den Anklageziffern 7 und
10 (rechtskräftige erstinstanzliche Freisprüche). Im Übrigen ist der Anklagesach-
verhalt rechtsgenügend erstellt.
- 63 -
IV. Schuldpunkt – rechtliche Würdigung
1. Einfache Körperverletzung in Mittäterschaft
1.1 Die objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale der einfachen Körper-
verletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB sowie die theoretischen Grundlagen
betreffend Mittäterschaft ergeben sich aus dem vorinstanzlichen Urteil (Urk. 84
S. 44 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.2 Zur Frage der mittäterschaftlichen Tatbeteiligung ist zu ergänzen, dass diese
gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung massgebend an der Rolle ge-
messen wird, die der Einzelne willentlich übernimmt, weshalb subjektive Vorbe-
halte oder Behauptungen – hier des Beschuldigten B._, er habe nur schlich-
ten wollen und auch nur dies getan – irrelevant sind. Die Willensübereinstimmung
kann irgendwie hergestellt werden. Eine besondere Verabredung ist nicht erfor-
derlich. Mittäter ist, wer bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung tatsäch-
lich mitwirkt (BGE 130 IV 58 E. 9.2.1). Mittäterschaft kann durch die tatsächliche
Mitwirkung bei der Ausführung begründet werden. Konkludentes Handeln genügt
(BGE 126 IV 84 E. 2c/aa S. 88; 125 IV 134 E. 3a). Auch an spontanen, nicht ge-
planten Aktionen oder unkoordinierten Straftaten ist Mittäterschaft möglich. Das
Inkaufnehmen durch Billigen oder Einverständnis im Sinne des Eventualvorsatzes
erfasst auch den unerwünschten, aber um des Handlungsziels willen hingenom-
menen Erfolg (Urteil 6B_473/2012 vom 21. Februar 2013 E. 1.5 mit Hinweisen).
Das Konzept der Mittäterschaft bewirkt eine materiellrechtlich begründete Be-
weiserleichterung bei der Zurechnung von Teilaspekten einer Tat an die Mittäter.
Führen verschiedene Personen gemeinsam strafbare Handlungen insbesondere
in örtlich, zeitlich oder funktionell unterschiedlichen Zusammenhängen arbeitstei-
lig aus, schneidet das Institut der Mittäterschaft einem Mittäter den Einwand ab,
es habe jeweils ein Anderer die fragliche Teilhandlung ausgeführt, er könne dafür
nicht zur Rechenschaft gezogen werden, denn er habe das weder getan noch da-
von auch nur Kenntnis gehabt. Das Zusammenwirken im konkludenten Handeln
begründet Mittäterschaft. In diesen Fällen ist das Vorliegen der eine Mittäterschaft
begründenden Tatsachen im Beweisverfahren nachzuweisen. Hingegen muss
- 64 -
nicht jedem Beteiligten jede Teilhandlung eines komplexen Tatgeschehens im De-
tail nachgewiesen und akribisch zugeordnet werden. Wer die Kriterien der Mittä-
terschaft erfüllt, muss sich die Taten seiner Mittäter grundsätzlich zurechnen las-
sen (Urteile des Bundesgerichts 6B_939/2013 vom 17. Juni 2014 E. 2 und
6B_557/2012 vom 7. Mai 2013 E. 2.7).
1.3 Die dem Privatkläger zugefügten Verletzungen (u.a. Bruch des Daumens
bzw. Zeigefingers rechts, Schürfwunden und Kontusionen im Gesicht und am
Hals sowie Prellungen und Quetschungen an den Ellbogen, am Brustbein und am
Nacken; vgl. Urk. 84 S. 9 und 45; vorne Ziffern III. 9. sowie III. 5.4) erfüllen ge-
samthaft ohne Weiteres den objektiven Tatbestand der einfachen Körperverlet-
zung, auch wenn sie und die damit einhergehenden Beschwerden relativ rasch
abgeklungen sind (vgl. Urk. 12/7). Zudem bestand eine kürzere Arbeitsunfähig-
keit.
1.4 Aufgrund des erstellten Sachverhaltes handelte der Beschuldigte A._
bezüglich der objektiven Tatbestandsmerkmale der einfachen Körperverletzung
zumindest eventualvorsätzlich. Ebenso verhält es sich bezüglich B._. Vorlie-
gend haben die Beschuldigten örtlich, zeitlich und funktionell gemeinsam gehan-
delt und den Privatkläger arbeitsteilig traktiert. Der Beschuldigte B._ ist mit
nur ca. fünf Sekunden Abstand seinem Bruder A._, der eben gerade in of-
fenkundig ernster Angelegenheit an seiner Wohnungstüre vorbeigeeilt war, in das
obere Stockwerk und in die Wohnung des Privatklägers C._ nachgefolgt.
Dort hat er sich konkludent dem Ansinnen und Handeln des Beschuldigten
A._, wozu auch spontane Aktionen zählen können, angeschlossen, und zu-
sammen mit diesem dem Privatkläger C._ eine physische Lektion erteilt. Wie
das Beweisverfahren ergeben hat, ist das Verhalten von B._ klar nicht als
Schlichten zu taxieren, sondern als eigenhändige tatkräftige Unterstützung von
A._. Ohne dass es einer vorgängigen Absprache oder kurzfristigen mündli-
chen Zustimmung bedurft hätte, ist B._ durch sein massgebendes tatsächli-
ches Mitwirken bei der Tatausführung neben A._ in die Rolle eines Hauptbe-
teiligten geschlüpft, wodurch vorliegend Mittäterschaft begründet wurde. Entge-
gen der Verteidigung von B._ (Urk. 67 S. 9; Urk. 109 S. 12 f.) bedurfte es
- 65 -
keiner gemeinsamen Entschlussfassung, sondern es genügt mit der Vorinstanz
(Urk. 84 S. 46), dass sich B._ den Vorsatz des Beschuldigten A._ später
zu eigen gemacht hat (BGE 135 IV 152 E. 2.3.1; 130 IV 58 E. 9.2.1; 125 IV 134
E. 3a). Dies war spätestens der Fall, als er den Privatkläger von vorne um den
Oberkörper festhielt, während A._ diesen von hinten mit der Armbiege um
den Hals würgte. Auch braucht nicht abschliessend festzustehen, auf welchen der
beiden Akteure welche der Teilhandlungen (namentlich Schläge) und Verletzun-
gen (Kontusionen etc.) zurückzuführen ist. An der Mittäterschaft ändert nichts,
dass es B._ im Moment, als er sich ebenfalls in die vierte Etage begab, bloss
darum gegangen sein mag, herauszufinden was da los sei. Es spielt somit keine
Rolle, dass sich B._ nicht in der Absicht in die Wohnung des Privatklägers
begab, um sich diesen vorzunehmen, da er sich spätestens im Schlafzimmer den
Tatentschluss seines Bruders zu eigen machte und bei der Tatausführung ge-
meinsam mit A._ gewaltsam auf den Privatkläger einwirkte. Ebenso wenig
kann es B._ entlasten, dass er sich im stattgefundenen Kampf – grundsätz-
lich nicht unverständlich – auf die Seite seines Bruder stellte. In Anbetracht all
dieser Umstände nahm B._ genau wie der das Geschehen anführende
A._ auch unerwünschten, aber um des Handlungsziels willen hingenomme-
nen Erfolg in Kauf und billigte im Sinne des Eventualvorsatzes die von C._
erlittenen Verletzungen. Dass auch die Beschuldigten bei der Rauferei etwas ab-
bekamen, ist wie gesagt hier nicht Verfahrensgegenstand. Soweit der Verteidiger
des Beschuldigten B._ vorbringt, dass aufgrund des bei B._ nicht er-
stellten (vorgängigen) Tatentschlusses bezüglich Mittäterschaft das Anklageprin-
zip verletzt worden sei (Urk. 109 S. 15 f.), ist darauf hinzuweisen, dass in Fällen
von Mittäterschaft in der Anklageschrift zwar zu beschreiben ist, durch welche
Verhaltensweisen welche Beschuldigten diese erfüllt haben sollen. Im Zusam-
menhang mit dem subjektiven Tatbestand sind Lehre und Praxis aber weniger
streng (Landshut/Bosshard, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber; Kommentar zur
Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Auflage, Zürich 2014, Art. 325
N 15 und 12). In den Anklageziffern 5, 6 [soweit erstellt, vorne Ziffer III. 10.] und 9
sind denn auch die B._ vorgeworfenen Tathandlungen und die daraus resul-
- 66 -
tierenden Verletzungsfolgen sowie in Anklageziffer 9 der entsprechende Eventu-
alvorsatz genügend umschrieben.
1.5 Damit sind die beiden Beschuldigten in Bestätigung der Vorinstanz der vor-
sätzlichen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
begangen in Mittäterschaft, schuldig zu sprechen.
2. Hausfriedensbruch
2.1 Die objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale des Hausfriedens-
bruchs gemäss Art. 186 StGB sind im vorinstanzlichen Urteil korrekt dargestellt
(Urk. 84 S. 47).
2.2 Laut den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz war der Privatkläger als
Mieter seiner Wohnung die berechtigte Person im Sinne von Art. 186 StGB. Den
Beschuldigten A._ und B._ stand keinerlei Hausrecht zu. Die Beschul-
digten betraten ohne anzuklopfen oder die Türklingel zu betätigen ohne Einwilli-
gung unrechtmässig die Wohnung des Privatklägers. Die Beschuldigten handel-
ten diesbezüglich zumindest eventualvorsätzlich. Ein Rechtfertigungsgrund lag
angesichts des erstellten Sachverhaltes nicht vor, namentlich auch nicht der von
der Verteidigung des Beschuldigten B._ ins Feld geführte Rechtfertigungs-
grund der Notstandshilfe im Sinne von Art. 17 StGB (vgl. Urk. 67 S. 11; Urk. 84
S. 47). Für das tatbestandsmässige Eindringen gegen den Willen des berechtig-
ten Privatklägers genügte das Betreten der Wohnung, wobei dies bereits erfüllt
war, als sich jeder der Beschuldigten mit je einem Fuss im geschützten Raum be-
fand (BGE 87 IV 121 f.). Sodann bedurfte es keiner ausdrücklichen Erklärung des
Privatklägers, dass sie nicht in seine Wohnung eindringen sollten; dies ergab sich
bereits aus den Umständen (BGE 108 IV 39). Der Verteidiger des Beschuldigten
B._ machte anlässlich der Berufungsverhandlung geltend, dass B._ den
Tatbestand des Hausfriedensbruchs nicht erfüllt habe. Indem die Zeugin C._
als Hausrechtsinhaberin B._ gebeten habe, A._ und den Privatkläger zu
trennen, sei er nicht gegen den Willen der Berechtigten in die Wohnung des Pri-
vatklägers eingetreten. Allenfalls sei er diesbezüglich einem Sachverhaltsirrtum
unterlegen (Urk. 109 S. 22 f.). Wie bereits erwähnt (vorne Ziffer III. 4.4.2) kann of-
- 67 -
fen bleiben, ob die Zeugin C._ B._ bat, A._ und den Privatkläger
auseinanderzunehmen. Selbst wenn die Zeugin C._ dies so gesagt hätte,
änderte sich nichts daran, dass B._ kurz nach A._ in der Wohnung des
Privatklägers erschien, ihm ins Schlafzimmer nacheilte, aber nicht etwa um zu
schlichten, sondern um mit ihm gewaltsam gegen den Privatkläger vorzugehen.
Es versteht sich von selbst, dass sich ein allfälliger Wille der Zeugin C._, den
Beschuldigten B._ in ihre Wohnung eintreten zu lassen, darauf bezogen hät-
te, zu schlichten bzw. den Beschuldigten A._ und den Privatkläger zu tren-
nen, nicht jedoch, um gegen ihren eigenen Ehemann Gewalttätigkeiten zu verü-
ben. Dies gilt erst Recht, falls die Zeugin C._ gar nichts geäussert hätte. Da
B._ in der Folge nicht etwa schlichtete, konnte er sich auch keine falsche
Vorstellung über den Grund gemacht haben, weshalb er die Wohnung des Privat-
klägers betreten hatte. Demnach kann er sich nicht auf einen Sachverhaltsirrtum
im Sinne von Art. 13 Abs. 1 StGB berufen.
2.3 Das erstinstanzliche Urteil ist folglich auch im Schuldspruch von A._
und B._ wegen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB zu bestäti-
gen.
V. Strafzumessung
1. Strafrahmen und Grundsätze der Strafzumessung
Im angefochtenen Urteil wurden der anzuwendende ordentliche Strafrahmen so-
wie das Vorgehen bei Deliktsmehrheit und die Grundsätze der Strafzumessung im
engeren Sinne vollständig und richtig dargestellt. Darauf ist integral zu verweisen
(Urk. 84 S. 48-50).
- 68 -
2. Strafzumessung Beschuldigter A._
2.1 Tatkomponente
2.1.1 Die theoretischen Ausführungen der Vorinstanz zur Tatkomponente sowie
zur objektiven und subjektiven Tatschwere sind zutreffend und zu übernehmen
(Urk. 84 S. 50 f.).
2.1.2 Bezüglich der objektiven Tatschwere berücksichtigte die Vorinstanz zu-
nächst den eingetretenen Erfolg. Der Privatkläger habe einen Bruch des Zeigefin-
gers rechts, Kontusionen am Schädel sowie Prellungen und Quetschungen an
den Ellbogen, am Brustbein und am Nacken erlitten. Die Verletzungen seien so-
dann mit erheblichen Schmerzen verbunden gewesen und hätten eine ärztliche
Versorgung erfordert. Ebenso sei der Privatkläger vom 18. September 2009 bis
zum 14. Oktober 2009 arbeitsunfähig gewesen. Indem der Beschuldigte A._
den Privatkläger gewürgt und mit Schlägen traktiert habe, zeige sich seine rück-
sichtslose Vorgehensweise, welche von einer nicht unerheblichen kriminellen
Energie zeuge. Weiter sei zu berücksichtigen, dass die Initiative für die vorge-
nommenen Tathandlungen vom Beschuldigten A._ ausgegangen seien.
Zwar seien dem Tatgeschehen vom 13. September 2009 erwiesenermassen
Streitereien zwischen dem Privatkläger und dem Beschuldigten A._ voraus-
gegangen, jedoch wiege der Umstand erheblich, dass der Beschuldigte A._
nicht einfach eine zufällige Begegnung mit dem Privatkläger zum Anlass genom-
men habe, um diesen anzugreifen, sondern in den privaten, geschützten Bereich
der Familienwohnung eingedrungen sei. Dies zeuge ebenfalls von Dreistigkeit
und krimineller Energie. Überdies sei der Privatkläger den Beschuldigten aufgrund
der zahlenmässigen Überlegenheit und der Gewalteinwirkung ausgeliefert gewe-
sen. Auch seien durch den Vorfall der Privatkläger und dessen Familienangehöri-
ge in Angst und Schrecken versetzt worden.
Gestützt auf diese Gesamtkonstellation und angesichts der Beeinträchtigung der
körperlichen Integrität des Privatklägers sowie der kriminellen Energie des Be-
schuldigten A._ bewertete die Vorinstanz die objektive Tatschwere als nicht
- 69 -
mehr leicht (Urk. 84 S. 50 f.). Diesen Erwägungen ist ohne Ergänzung beizupflich-
ten.
2.1.3 Zum subjektiven Verschulden ist ebenfalls zustimmend auf die Ausführun-
gen im angefochtenen Urteil zu verweisen (Urk. 84 S. 51 f.). Zusammenfassend
und teilweise ergänzend ist das Folgende festzuhalten:
Zunächst ist zu beachten, dass der Beschuldigte A._ offenbar unter dem
Eindruck agierte, dass der Privatkläger seinen Sohn K._ zuvor körperlich an-
gegangen habe. Dabei ist unerheblich, ob dies tatsächlich zutrifft oder nicht, denn
es sind subjektiv keine Anhaltspunkte ersichtlich, weshalb A._ seinem Sohn
diesbezüglich keinen Glauben hätte schenken dürfen. Insoweit ist ihm zuzugeste-
hen, dass er als Vater aufgewühlt war. Indes verfügte A._ über ein hinrei-
chendes Mass an Entscheidungsfreiheit, standen ihm doch angemessene Alter-
nativen zu seinem deliktischen Verhalten offen. So hätte er sich an die Behörden
wenden oder den Privatkläger telefonisch kontaktieren können, anstatt diesen
wutentbrannt persönlich aufzusuchen und einen nicht tolerierbaren Akt der Selbst-
justiz vorzunehmen. Als Motiv für dieses Kurzschlusshandeln steht Rache im
Vordergrund. A._ offenbarte mit seinem forschen Vorgehen Gleichgültigkeit
gegenüber der körperlichen Integrität des Privatklägers. Er handelte zumindest
eventualvorsätzlich. Hinweise für eine verminderte Schuldfähigkeit sind keine er-
kennbar.
Das objektive Verschulden wird durch die subjektive Tatschwere nur ganz minim
relativiert.
2.1.4 Insgesamt ist das Tatverschulden des Beschuldigten A._ als nicht
mehr leicht einzustufen. Gestützt darauf und im Einklang mit der Vorinstanz ist die
Einsatzstrafe für die Körperverletzung auf 210 Tage Freiheitsstrafe bzw. 210 Ta-
gessätze Geldstrafe zu bemessen.
2.1.5 Aufgrund des begangenen Hausfriedensbruchs, der sich ebenfalls als nicht
mehr leicht erweist, ist diese Einsatzstrafe zu erhöhen. Da die zwei Delikte eng
miteinander verknüpft sind, indem das unrechtmässige Eindringen in die Famili-
- 70 -
enwohnung hier gewissermassen ein notwendiges Mittel zum Zweck bildete und
die Betroffenheit von Privatsphäre und Familie des Privatklägers bei der Straftat
des Beschuldigten A._ gegen die körperliche Unversehrtheit des Privatklä-
gers bereits mitgewichtet wurde, rechtfertigt sich eine geringe Erhöhung auf 240
Tage Freiheitsstrafe resp. 240 Tagessätze Geldstrafe.
2.2 Täterkomponente
2.2.1 Vorleben und persönliche Verhältnisse
Allgemein zu den Kriterien der Täterkomponente und zur Biografie des Beschul-
digten kann auf die diesbezüglichen Ausführungen im angefochtenen Urteil
(Urk. 84 S. 52 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO) sowie auf die Personalakten (Urk. 30/1-6),
die Verteidigerbeilagen zur Eingabe vom 26. November 2012 (Urk. 36/10-17), die
staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 8. April 2013 (Urk. 35/1 S. 5 f.) und die
Befragung zur Person anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom
18. November 2013 (Prot. I S. 4-6) verwiesen werden. Davon abweichend bzw.
aktualisierend erklärte der Beschuldigte A._, dass er Staatsbürger von Koso-
vo und nicht von Serbien Montenegro sei (insofern unzutreffend noch das
Rubrum). Er sei im Jahre 1975 in ... [Ort] im Kosovo geboren worden. Er verdiene
Fr. 5'800.-- brutto pro Monat (vgl. jedoch Urk. 96/2, wo noch ein Nettoeinkommen
von Fr. 5'800.-- angegeben wurde) und erhalte einen 13. Monatslohn. Seine Ehe-
frau erziele ein Einkommen von Fr. 1'200.--. Die Miete betrage Fr. 1'841.-- pro
Monat (Urk. 96/2; Prot. II S. 6 ff.).
Dieser Lebenslauf wirkt sich weder positiv noch negativ auf die Strafzumessung
aus.
2.2.2 Vorstrafen
Gemäss dem Strafregisterauszug vom 7. Oktober 2014 weist der Beschuldigte
A._ keine Vorstrafe auf (Urk. 98). Diese Vorstrafenlosigkeit ist praxisgemäss
ebenfalls neutral zu werten (BGE 136 IV 1 E. 2.6).
- 71 -
2.2.3 Nachtatverhalten und Strafempfindlichkeit
Da A._ weder ein Geständnis ablegte noch Einsicht oder Reue bekundete,
kann ihm unter diesem Titel keine Strafreduktion zugebilligt werden. Sodann ist
auch keine besondere Strafempfindlichkeit ersichtlich.
2.2.4 Die Täterkomponente enthält weder belastende noch entlastende Faktoren
und bleibt ohne Einfluss auf das Strafmass.
2.3 Überlange Verfahrensdauer
In einlässlichen Erwägungen hat die Vorinstanz zu Recht konstatiert, dass vorlie-
gend das Beschleunigungsgebot verletzt wurde. Die überlange Verfahrensdauer
belastete den Beschuldigten A._ psychisch (Prot. I S. 22). Das wurde von
der Vorinstanz durch eine Strafreduktion um 90 Tage bzw. Tagessätze auf 150
Tage bzw. Tagessätze angemessen berücksichtigt (Urk. 84 S. 53-55).
2.4 Sanktionsart und Bemessung
2.4.1 Ebenfalls mit zutreffender Begründung hat die Vorinstanz auf eine Geldstra-
fe erkannt (Urk. 84 S. 55; Art. 82 Abs. 4 StPO). Dabei fällt vor allem in Betracht,
dass der Beschuldigte A._ laut dem aktuellen Strafregisterauszug nicht vor-
bestraft ist und dass er 25 Tage in Untersuchungshaft verbrachte, was ihn beein-
druckt haben dürfte.
2.4.2 Die massgeblichen Kriterien zur Festlegung der Tagessatzhöhe sind im
angefochtenen Urteil aufgelistet (Urk. 84 S. 55 f.). Ausgehend von einem monat-
lichen Nettoeinkommen des Beschuldigten von Fr. 5'500.-- zuzüglich Anteil am
13. Monatslohn, womit ein monatlicher Durchschnittsnettolohn von Fr. 5'958.-- re-
sultierte, und unter Beachtung der Krankenkassenprämien für die Familie von et-
wa Fr. 1'100.-- pro Monat bemass die Vorinstanz die Tagessatzhöhe auf Fr. 50.--.
Dieser Ansatz entspricht den wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten
A._ und berücksichtigt auch die geschuldeten laufenden Steuern. Gemäss
aktuellsten Angaben des Beschuldigten beträgt lediglich sein Bruttoeinkommen
Fr. 5'800.-- pro Monat. Dazu kommt ein 13. Monatslohn. Da der Beschuldigte of-
- 72 -
fensichtlich nicht mehr für seinen älteren Sohn aufkommen muss und seine Ehe-
frau überdies ein monatliches Einkommen von Fr. 1'200.-- erzielt, rechtfertigt sich
eine Tagessatzhöhe von Fr. 50.-- (vgl. Urk. 96/2; Prot. II S. 8 f.).
2.4.3 Die Vorinstanz hat neben einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen
zu Fr. 50.– auf eine Busse von Fr. 500.– erkannt. Angesichts des Umstandes,
dass vorliegend keine Schnittstellenproblematik zwischen unbedingter Busse für
Übertretungen und bedingter Geldstrafe für Vergehen oder gar Verbrechen be-
steht – es geht hier nicht um eine Schnittstellenproblematik bei Massendelikten,
sondern es steht die Verbindung einer bedingten Geldstrafe wegen eines Verge-
hens mit einer "Denkzettel"-Busse zur Diskussion – und auch nicht erkennbar ist,
dass der Beschuldigte A._ aus spezialpräventiven Gründen im Sinne einer
spürbaren Lektion mit einer sofort spürbaren Strafe belegt werden müsste, ist von
der Ausfällung einer Verbindungsbusse abzusehen. Laut der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (BGE 134 IV 1 E. 4.5; BGE 134 IV 60 E. 7.3.1 und 7.3.2) müss-
ten für die (zusätzliche) Ausfällung einer Busse gewisse Zweifel an der Legalbe-
währung bestehen. Solche sind aber beim Beschuldigten – er gilt wie gesehen als
Ersttäter – nicht auszumachen. Vielmehr ist anzunehmen, dass die erstandene
Untersuchungshaft, die bedingte Strafe und die weiteren Konsequenzen dieses
Strafverfahrens, namentlich auch die Kostenfolgen, ausreichend auf ihn wirken
werden, so dass er sich künftig wohl verhält. Auf das Aussprechen einer Busse ist
deshalb zu verzichten.
2.5 Fazit Strafzumessung
Im Ergebnis ist der Beschuldigte A._ mit einer Geldstrafe von 150 Tagessät-
zen zu je Fr. 50.-- zu bestrafen. An die Geldstrafe sind 25 Tagessätze erstande-
ner Untersuchungshaft anzurechnen (Art. 51 StGB).
3. Strafzumessung Beschuldigter B._
Hinsichtlich des anzuwendenden Strafrahmens, des Vorgehens bei Tatmehrheit
und der Grundsätze der Strafzumessung im engeren Sinne kann wiederum auf
die Darstellung im erstinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 84 S. 48-50).
- 73 -
3.1 Tatkomponente
3.1.1 Zur Tatkomponente sowie zur objektiven und subjektiven Tatschwere fin-
den sich die theoretischen Grundlagen im angefochtenen Urteil (Urk. 84 S. 50 f.).
3.1.2 Übereinstimmend mit der Vorinstanz ist bezüglich der objektiven Tatschwe-
re vorab auf das zum Beschuldigten A._ Gesagte zu verweisen (Urk. 84
S. 50 f. und Ziffer V. 2.1.2 hiervor). Das gilt namentlich hinsichtlich Ausmass des
verschuldeten Taterfolgs (Verletzungen, Gefährdungen) sowie Art und Weise von
dessen Herbeiführung. So muss sich auch B._ dreistes und rücksichtloses
Verhalten vorwerfen lassen durch sein unrechtmässiges Eindringen in die Famili-
enwohnung und damit in die Privatsphäre von C._, das anschliessend ge-
meinsame Traktieren des Privatklägers sowie das Erschrecken und Verängstigen
von dessen Familienmitgliedern. Indem er sich als zweiter erwachsener Angreifer
an die Seite von A._ stellte, bewirkte er durch das Zusammenwirken mit die-
sem eine gesteigerte Gefährlichkeit für das Opfer Solches Handeln in einer Täter-
Überzahl erscheint als verwerflich (BSK StGB I - Wiprächtiger/Keller, 3. Auflage
Basel 2013, Art. 47 N 107 und 109).
Im Unterschied zu A._ ist anderseits zu berücksichtigen, dass sich B._
spontan aus der Situation heraus entschied, seinen Bruder A._ zu unterstüt-
zen. Er war somit nicht die treibende Kraft; die Initiative zum Angriff auf den Pri-
vatkläger und für die vorgenommenen Tathandlungen ging nicht von B._
aus. B._ schloss sich jedoch konkludent, sehr schnell und unreflektiert dem
Ansinnen des Initiators A._ und der darauf folgenden Tatausführung an. In-
dem der Beschuldigte B._ den Privatkläger nicht nur selber geschlagen,
sondern diesen auch festgehalten hat und so dem Beschuldigten A._ ermög-
lichte, den Privatkläger in den Würgegriff zu nehmen und zu schlagen, offenbarte
auch er eine nicht unerhebliche kriminelle Energie. Die objektive Tatschwere ist
innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens als nicht mehr leicht, im
Vergleich zum Beschuldigten A._ aber doch als etwas geringer zu bewerten.
3.1.3 Was das subjektive Verschulden betrifft (zu den Bewertungskriterien siehe
Urk. 84 S. 51), ist der Vorinstanz auch darin zuzustimmen, dass das Motiv für das
- 74 -
Vorgehen des Beschuldigten B._ in erster Linie in der Unterstützung des Be-
schuldigten A._ zu erblicken ist. Anders als A._ wusste der Beschuldigte
B._ entgegen den Ausführungen seiner Verteidigung (vgl. Urk. 67 S. 13, dies
jedoch im Widerspruch zu Urk. 67 S. 9) nichts vom vorangehenden Vorfall mit
K._. Seine tatkräftige Unterstützung des Beschuldigten A._ ist somit in
keiner Weise nachvollziehbar (und es können in diesem Zusammenhang auch
keine Strafmilderungsgründe nach Art. 48 lit. b und c StGB infolge Provokation
und einer entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung vorgebracht werden; vgl.
Urk. 67 S. 13). Vielmehr stimmte er blindlings, d.h. ohne für ihn erkennbaren kon-
kreten Grund und ohne jeden Respekt vor der körperlichen Integrität des Privat-
klägers in das aggressive Verhalten von A._ mit ein. Dabei verfügte er über
ausreichende Entscheidungsfreiheit. Als Handlungsalternativen hätte B._ et-
wa versuchen können, die Kampfhähne zu beschwichtigen und zu separieren o-
der er hätte – im Falle fehlenden Mutes oder des Misslingens – direkt die Polizei
einschalten können. B._ handelte zumindest eventualvorsätzlich. Hinweise
für eine reduzierte Schuldfähigkeit bestehen keine.
Die subjektive Tatschwere vermag daher die objektive Tatschwere nur in gerin-
gem Ausmass zu relativieren.
3.1.4 Wenn die Vorinstanz das Tatverschulden von B._ insgesamt als nicht
mehr leicht qualifizierte und die Einsatzstrafe für die Körperverletzung auf 180
Tage Freiheitsstrafe bzw. 180 Tagessätze Geldstrafe bemass (Urk. 84 S. 57 f.),
so kann dem ohne Weiteres gefolgt werden.
3.1.5 Aufgrund des begangenen Hausfriedensbruchs ist diese Einsatzstrafe auf
210 Tage Freiheitsstrafe bzw. 210 Tagessätze Geldstrafe anzuheben, wobei zur
Begründung auf die vorstehende Ziffer V. 2.1.5 betreffend A._ zu verweisen
ist.
- 75 -
3.2 Täterkomponente
3.2.1 Vorleben und persönliche Verhältnisse
Bezüglich des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten
B._ kann auf die diesbezüglichen Ausführungen im angefochtenen Urteil
(Urk. 84 S. 58 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO), sowie auf die Personalakten (Urk. 29/2-6),
die staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 8. April 2013 (Urk. 35/2 S. 5) und
die Befragung zur Person anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom
18. November 2013 (Prot. I S. 10-12) verwiesen werden. Davon abweichend bzw.
aktualisierend erklärte der Beschuldigte B._, dass er Bürger von E._ sei
und ausschliesslich die schweizerische Staatsbürgerschaft besitze. Inzwischen
wohne er in ... im Kanton St. Gallen. Er sei im Jahre 1982 in ... im Kosovo gebo-
ren worden. Er erziele ein Nettoeinkommen von Fr. 5'800.-- pro Monat und erhalte
keinen 13. Monatslohn. Seine Ehefrau sei nicht mehr erwerbstätig (vgl. jedoch
Urk. 94, wo noch ein Nettoeinkommen des Ehepartners von Fr. 1'000.-- angege-
ben wurde). Die Miete betrage Fr. 1'660.-- pro Monat und die Krankenkassen-
prämien für das Jahr 2015 rund Fr. 1'300.-- pro Monat. Zwecks Schuldentilgung
bezahle er Fr. 760.-- pro Monat (Urk. 94; Prot. II S. 10 ff.).
Aus der Biografie ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren.
3.2.2 Vorstrafen
Gemäss dem Strafregisterauszug vom 7. Oktober 2014 weist der Beschuldigte
B._ keine Vorstrafe auf (Urk. 99). Diese Vorstrafenlosigkeit ist praxisgemäss
ebenfalls neutral zu werten (BGE 136 IV 1 E. 2.6).
3.2.3 Nachtatverhalten und Strafempfindlichkeit
Da B._ weder ein Geständnis ablegte noch Einsicht oder Reue bekundete,
kann ihm unter diesem Titel keine Strafreduktion zugestanden werden. Sodann ist
auch keine besondere Strafempfindlichkeit ersichtlich.
3.2.4 Die Täterkomponente enthält weder belastende noch entlastende Faktoren
und bleibt ohne Einfluss auf das Strafmass.
- 76 -
3.3 Überlange Verfahrensdauer
In einlässlichen Erwägungen hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt, dass vorlie-
gend das Beschleunigungsgebot verletzt wurde. Die überlange Verfahrensdauer
belastete den Beschuldigten B._ (Prot. I S. 22). Das wurde von der
Vorinstanz durch eine Strafreduktion um 90 Tage bzw. Tagessätze auf 120 Tage
bzw. Tagessätze angemessen berücksichtigt (Urk. 84 S. 59).
3.4 Sanktionsart und Bemessung
3.4.1 Mit zutreffender Begründung hat die Vorinstanz auch beim Beschuldigten
B._ auf eine Geldstrafe erkannt (Urk. 84 S. 59; Art. 82 Abs. 4 StPO). Dabei
ist entscheidend, dass B._ laut dem aktuellen Strafregisterauszug nicht vor-
bestraft ist und dass er 25 Tage in Untersuchungshaft verbrachte, was ihm ge-
mäss seiner Verteidigung sehr zugesetzt hat (Urk. 67 S. 11 f.).
3.4.2 Die massgeblichen Kriterien zur Festlegung der Tagessatzhöhe sind im
angefochtenen Urteil aufgelistet (Urk. 84 S. 55 f.). Ausgehend von einem monatli-
chen Nettoeinkommen des Beschuldigten B._ von Fr. 5'800.-- sind die wirt-
schaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten bzw. seiner fünfköpfigen Familie rela-
tiv eng, angesichts monatlicher Ausgaben für die Miete von Fr. 1'660.--, für Kran-
kenkassenprämien von aktuell rund Fr. 1'200.-- und für Kreditraten von
Fr. 760.--. Der Beschuldigte B._ erklärte, dass er die Schulden wegen eines
Konsumkredits für Auto und Ferien eingegangen sei, wobei er das Fahrzeug of-
fensichtlich für den Arbeitsweg benötigt (Prot. I S. 12; Prot. II S. 13). Die monatli-
chen Raten zwecks Schuldentilgung müssen somit zumindest teilweise aufgrund
eines Kredits für Ferien geleistet werden. Da Schuldverbindlichkeiten aber nicht
abzugsfähig sind, soweit es sich um Verbindlichkeiten aus der Lebenshaltung
handelt (BSK StGB I - Dolge, 3. Auflage, Basel 2013, Art. 34 N 83), rechtfertigt es
sich, den Tagessatz bei Fr. 50.-- zu belassen. Dieser Ansatz entspricht den wirt-
schaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten B._ und berücksichtigt auch
die geschuldeten laufenden Steuern.
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3.4.3 Unter vollumfänglichem Verweis auf die Ausführungen zum Beschuldigten
A._ in Ziffer V. 2.4.3 hiervor ist auf das Aussprechen einer Verbindungsbus-
se zu verzichten.
3.5 Fazit Strafzumessung
Im Ergebnis ist der Beschuldigte B._ mit einer Geldstrafe von 120 Tagessät-
zen zu je Fr. 50.-- zu bestrafen. An die Geldstrafe sind 25 Tagessätze erstande-
ner Untersuchungshaft anzurechnen (Art. 51 StGB).
VI. Vollzug
Da sämtliche Voraussetzungen für die Gewährung einer bedingten Strafe bei bei-
den Beschuldigten gegeben sind, ist in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils
und mit der dortigen Begründung der Vollzug der auferlegten Geldstrafen aufzu-
schieben unter Ansetzung einer Probezeit von je 2 Jahren (Urk. 84 S. 59 f.;
Art. 82 Abs. 4 StPO).
VII. Zivilansprüche
1. Ausführlich und sorgfältig hat sich die Vorinstanz mit den vom Privatkläger
gestellten Zivilforderungen befasst. Sie sprach dem Privatkläger unter solidari-
scher Haftung der Beschuldigten A._ und B._ eine Genugtuung von
Fr. 400.-- zuzüglich 5% Zins ab 13. September 2009 zu. Im Mehrbetrag wies die
Vorinstanz das Genugtuungsbegehren des Privatklägers ab. Im Übrigen wurde
der Privatkläger mit seinen Schadenersatzansprüchen auf den Weg des Zivilpro-
zesses verwiesen (Urk. 84 S. 61-64, 71).
2. Dieses Ergebnis überzeugt und ist zu bestätigen. Aus den Akten ergibt sich
nichts, was für eine abweichende Regelung sprechen würde, und auch die Argu-
mente der Verteidigungen anlässlich der Berufungsverhandlung führen nicht zu
einer andern Einschätzung.
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VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdis-
positiv (Dispositiv-Ziffern 9, 10 und 13) zu bestätigen.
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Bei diesem Verfahr-
ensausgang sind auch die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der
Kosten für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten A._, den Beschuldig-
ten je zur Hälfte aufzuerlegen. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten
A._ ist für das Berufungsverfahren mit Fr. 5'900.-- inkl. MWSt (Fr. 4'437.90
gemäss Aufstellung [Urk. 107] zuzüglich weitere 5 Std. à Fr. 200.– [inkl. Weg] für
die Berufungsverhandlung vom 21. Oktober 2014 zuzüglich MWSt, Betrag gerun-
det) aus der Gerichtskasse zu entschädigen, wobei die Rückzahlungspflicht ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten ist.
3. Wenn sie obsiegt, hat die Privatklägerschaft gegenüber der beschuldigten
Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendun-
gen im Verfahren (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). Die Privatklägerschaft hat ihre Ent-
schädigungsforderung bei der Strafbehörde zu beantragen, zu beziffern und zu
belegen (Art. 433 Abs. 2 Satz 1 StPO). Der Vertreter des Privatklägers macht ei-
nen Aufwand von Fr. 1'562.50 geltend (Urk. 105), was angemessen erscheint. Die
Beschuldigten sind daher unter solidarischer Haftung zu verpflichten, dem Privat-
kläger für das Berufungsverfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 1'562.50
zu bezahlen.