Decision ID: ad4cdeec-f871-4a22-ac2e-8b2e36f8a8c9
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, Jahrgang 1994, war zuletzt als Betriebsarbeiter tätig. Am 6. April
2020 meldete er einen Anspruch auf Arbeitslosenversicherungstaggeld im
Umfang von 100 % ab dem 21. April 2020 an.
2. Am 25. Juni 2020 wurde A._ durch das zuständige Regionale
Arbeitsvermittlungszentrum (nachfolgend RAV) angewiesen, sich bis zum
29. Juni 2020 bei der B._ AG in D._ auf eine offene Stelle
als Mitarbeiter Sicherheits- und Verkehrsdienst zu bewerben. Ein
Stellenantritt für diese befristete Vollzeitstelle war per 1. Juli 2020
vorgesehen. Es erfolgte keine Kontaktaufnahme und kein Stellenantritt
durch A._.
3. Am 8. Juli 2020 wurde A._ vom Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit
Graubünden (nachfolgend KIGA) aufgefordert, zu obigem Sachverhalt
Stellung zu nehmen. Sollte keine Stellungnahme eingehen, werde
aufgrund der vorliegenden Akten entschieden. A._ reichte innert Frist
bis zum 20. Juli 2020 keine Stellungnahme ein.
4. Mit Verfügung vom 22. Juli 2020 stellte das KIGA den Anspruch von
A._ auf Arbeitslosenentschädigung für die Dauer von 30 Tagen ein.
Das KIGA führte dazu begründend aus, dass A._ eine ihm
zugewiesene Stelle faktisch abgelehnt habe. Bei der Festlegung der
Anzahl Einstelltage sei berücksichtigt worden, dass es sich um eine
befristete Anstellung gehandelt hätte.
5. Gegen diese Verfügung erhob A._ mit Schreiben vom 13. August
2020 und vom 27. August 2020 sinngemäss Einsprache beim KIGA.
Begründend führte er insbesondere an, dass er die zugewiesene Stelle
aus gesundheitlichen Gründen (Leistenbruch) nicht habe antreten können.
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Beigefügt war ein ärztliches Zeugnis von Dr. med. C._, vom
10. August 2020.
6. Mit Schreiben vom 9. September 2020 forderte das KIGA A._ auf, ein
ärztliches Zeugnis nachzureichen, aus welchem der Zeitraum und der
Umfang der Arbeitsunfähigkeit sowie die Unzumutbarkeit aus
gesundheitlichen Gründen der befristeten Anstellung als Mitarbeiter
Sicherheits- und Verkehrsdienst bei der B._ AG hervorgehe. Dieser
Aufforderung kam A._ nicht nach, jedoch stellte er am 11. September
2020 telefonischen Kontakt zwischen dem KIGA und dem behandelnden
Arzt her.
7. Mit Einspracheentscheid vom 28. September 2020 wies das KIGA die
Einsprache ab.
8. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A._ (nachfolgend
Beschwerdeführer) am 23. Oktober 2020 Beschwerde und beantragte
sinngemäss die Aufhebung der 30 Einstelltage in der
Anspruchsberechtigung. Begründend brachte der Beschwerdeführer
wiederum sinngemäss vor, dass er aufgrund eines Leistenbruchs die
Stelle nicht habe antreten können.
9. Mit Beschwerdeantwort vom 11. November 2020 hielt das KIGA
(nachfolgend Beschwerdegegner) an seinem Einspracheentscheid vom
28. September 2020 fest und beantragte die Beschwerdeabweisung.
Begründend führte er an, dass der Beschwerdeführer nicht nachweisen
konnte, dass er die ihm zugewiesene Stelle am 1. Juli 2020 aus
gesundheitlichen Gründen nicht habe antreten können.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften sowie
auf die eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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II. Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet der
Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 28. September 2020,
womit er die Einsprache des Beschwerdeführers gegen die Verfügung
vom 22. Juli 2020 abwies und die Einstellung der Anspruchsberechtigung
des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung für die Dauer von
30 Tagen bestätigte. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
(AVIG; SR 837.0) i.V.m. Art. 2 sowie Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen
Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung
Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden.
Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung
(AVIV; SR 837.02) ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen
Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das
Verwaltungsgericht desselben Kantons örtlich zuständig. Der
angefochtene Einspracheentscheid wurde vom Beschwerdegegner als
kantonale Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG erlassen, sodass die
örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts gegeben ist. Die
sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des
kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100).
1.2. Als Adressat des angefochtenen Einspracheentscheids ist der
Beschwerdeführer berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung auf, weshalb er zur
Beschwerdeerhebung legitimiert ist (Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen
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frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b
ATSG) ist demnach einzutreten.
2. Das Verwaltungsgericht entscheidet in einzelrichterlicher Kompetenz,
wenn der Streitwert CHF 5'000.-- nicht überschreitet (Art. 43 Abs. 3
lit. a VRG) und keine Fünferbesetzung (Art. 43 Abs. 2 VRG)
vorgeschrieben ist. Ausgangspunkt für die Bemessung des Streitwerts ist
vorliegend der versicherte Verdienst (Art. 23 AVIG) des
Beschwerdeführers von CHF 4'474.-- (vgl. beschwerdegegnerische Akten
[Bg-act.] 1). Dieser Verdienst wird zum Taggeldsatz von 70 % (Art. 22 Abs.
1 AVIG) entschädigt (Bg-act. 1). Der Beschwerdeführer hat demzufolge
Anspruch auf ein Taggeld von CHF 144.30 (ermittelt aus: CHF 4'474.-- x
0.7 : 21.7 Tage [Art. 40a AVIV]). Aus der vom Beschwerdegegner
verfügten, hier angefochtenen Einstellungsdauer von 30 Tagen in der
Anspruchsberechtigung ergibt sich ein Streitwert von insgesamt
CHF 4'329.-- (30 Tage x CHF 144.30). Da der Streitwert somit unter
CHF 5'000.-- liegt und die Streitsache nicht in Fünferbesetzung
entschieden werden muss, ist die Zuständigkeit der Einzelrichterin
gegeben.
3. Im Folgenden streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegner im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 28. September 2020 zu Recht
die Einsprache des Beschwerdeführers gegen die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung auf Arbeitslosenentschädigung für die Dauer von
30 Tagen abgewiesen hat.
4.1. Gemäss Art. 17 Abs. 1 AVIG hat die versicherte Person alles Zumutbare
zu unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen
(Satz 1). Insbesondere ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls
auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes (Satz 2). Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung i. S. v. Art. 30 AVIG dient dazu, die in Art. 17
Abs. 1 AVIG statuierte Schadenminderungspflicht der versicherten Person
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durchzusetzen. Sie hat die Funktion einer Haftungsbegrenzung der
Versicherung für Schäden, die die versicherte Person hätte vermeiden
oder vermindern können. Als versicherungsrechtliche Sanktion bezweckt
sie die angemessene Mitbeteiligung der versicherten Person am Schaden,
den sie durch ihr Verhalten der Arbeitslosenversicherung in schuldhafter
Weise natürlich und adäquat kausal verursacht hat. Kern der Pflicht, alles
Zumutbare zu unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu
verkürzen, sind die persönlichen Arbeitsbemühungen der versicherten
Person selbst (GERHARDS, Kommentar zum
Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG], Bern 1987, Bd. I [Art. 1-58],
N. 12 zu Art. 17), die in der Regel streng beurteilt werden.
4.2. Der Grundsatz der Schadensminderungspflicht wird in Art. 17 Abs. 3 AVIG
konkretisiert. Demnach muss die versicherte Person eine ihr vermittelte
zumutbare Stelle annehmen. Befolgt sie die Kontrollvorschriften oder
Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht, namentlich indem sie eine
zumutbare Arbeit nicht annimmt, ist sie in der Anspruchsberechtigung
einzustellen (Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG). Davon erfasst ist neben der
Nichtannahme einer von der zuständigen Amtsstelle zugewiesenen
zumutbaren Arbeit auch die Nichtannahme einer selbst gefundenen
zumutbaren Arbeit oder einer durch Dritte vermittelten oder angebotenen
zumutbaren Stelle (Urteil des Bundesgerichts C 17/07 vom 22. Februar
2007 E.2.2). Laut Rechtsprechung ist dieser Einstellungstatbestand auch
dann erfüllt, wenn die versicherte Person die Arbeit zwar nicht
ausdrücklich ablehnt, es aber durch ihr Verhalten in Kauf nimmt, dass die
Stelle anderweitig besetzt wird. Die versicherte Person hat bei den
Verhandlungen mit dem künftigen Arbeitgeber klar und eindeutig die
Bereitschaft zum Vertragsabschluss zu bekunden, um die Beendigung der
Arbeitslosigkeit nicht zu gefährden (BGE 122 V 34 E.3b m.H.).
4.3. Grundsätzlich ist nach Art. 16 Abs. 1 AVIG jede Arbeit zumutbar, es sei
denn, einer der in Abs. 2 dieser Bestimmung abschliessend aufgelisteten
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Ausnahmetatbestände liege vor (BGE 124 V 62 E.3b). Unzumutbar und
somit von der Annahmepflicht ausgenommen ist gemäss Art. 16 Abs. 2 lit.
c AVIG unter anderem eine Arbeit, die dem Alter, den persönlichen
Verhältnissen oder dem Gesundheitszustand der versicherten Person
nicht angemessen ist. Die Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen
muss durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis oder allenfalls durch
andere geeignete Beweismittel belegt sein (BGE 124 V 234 E.4bb; Urteil
des Bundesgerichts 8C_584/2020 vom 17. Dezember 2020 E.4; AVIG-
Praxis ALE [Arbeitslosenentschädigung], Oktober 2012, Rz. B290).
4.4. Vorliegend wurde der Beschwerdeführer durch das zuständige RAV am
25. Juni 2020 angewiesen, sich bei der B._ AG in D._ auf
eine offene Stelle als Mitarbeiter Sicherheits- und Verkehrsdienst zu
bewerben. Es ist unbestritten, dass keine Kontaktaufnahme und kein
Stellenantritt durch den Beschwerdeführer erfolgten.
4.5. Der Beschwerdeführer bringt vor, dass er aufgrund seiner
gesundheitlicher Beeinträchtigung ohnehin nicht zum Stellenantritt fähig
gewesen wäre, und reicht ein ärztliches Zeugnis ein. Sodann führt er an,
einen Leistenbruch erlitten zu haben, der so gravierend gewesen sei, dass
er operativ behandelt werden müsse. Die Operation sei zunächst auf den
29. August 2020 angesetzt gewesen. Er habe diesen Termin aber
kurzfristig verschoben, nachdem ihm die E._ AG einen Arbeitsvertrag
unterbreitet habe. In der Folge hätten sich die Schmerzen aber
verschlimmert, weshalb er notfallmässig habe ins Kantonsspital gehen
müssen. Nun werde er am 2. November 2020 operiert (Akten des
Beschwerdeführers [Bf-act.] 2). Das eingereichte ärztliche Zeugnis,
ausgestellt am 10. August 2020, wurde von Dr. med. C._,
D._, ausgestellt. Dr. med. C._ bestätigt darin, dass der
Beschwerdeführer heute (d.h. am 10. August 2020) aufgrund eines
Leistenbruchs links in seiner Sprechstunde war und berichtete, dass die
Beschwerden erstmals aufgetreten seien, als er am 26. Juni seinem
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Bruder beim Möbel Schleppen geholfen habe. Aufgrund der ärztlichen
Untersuchung erscheine ihm die Schilderung plausibel, deshalb bestehe
vorerst eine Arbeitsunfähigkeit zu 100 % für mittelschwere bis schwere
Arbeiten (Bg-act. 9).
4.6. Hinsichtlich dieses ärztlichen Zeugnisses ist festzuhalten, dass das
Zeugnis nicht rückwirkend ausgestellt wurde. Der Beschwerdeführer
wurde am 25. Juni 2020 durch das zuständige RAV angewiesen, sich bis
zum 29. Juni 2020 bei der B._ AG in D._ zu bewerben. Der
Stellenantritt wäre am 1. Juli 2020 vorgesehen gewesen (Bg-act. 5). Die
ärztliche Untersuchung und die Ausstellung des ärztlichen Zeugnisses
erfolgten allerdings erst am 10. August 2020, also rund sechs Wochen
später. Im ausgestellten ärztlichen Zeugnis wurde von Dr. med. C._
einzig festgehalten, dass ein Leistenbruch am 26. Juni 2020 plausibel
erscheine, die von ihm attestierte Arbeitsunfähigkeit für mittelschwere bis
schwere Arbeiten gilt aber erst ab dem Zeitpunkt der Untersuchung. Aus
dem eingereichten ärztlichen Zeugnis ergibt sich folglich keine
Arbeitsunfähigkeit für den Stellenantritt am 1. Juli 2020. Der
Beschwerdegegner forderte daraufhin den Beschwerdeführer auf, ein
ärztliches Zeugnis nachzureichen, welches Zeitraum und Umfang der
Arbeitsunfähigkeit sowie die Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen
Gründen der befristeten Anstellung als Mitarbeiter Sicherheits- und
Verkehrsdienst bei der B._ AG belegen sollte. Daraufhin bestätigte
der Arzt am 11. September 2020 gegenüber dem Beschwerdegegner
telefonisch das bereits ausgestellte ärztliche Zeugnis vom 10. August
2020; ein rückwirkendes ärztliches Zeugnis könne er jedoch nicht
ausstellen (Bg-act. 11). Dazu ist festzuhalten, dass sich aus dem
eingereichten ärztlichem Zeugnis eine Arbeitsunfähigkeit für
mittelschwere bis schwere Arbeiten ergibt. Das ärztliche Zeugnis belegt
jedoch nicht eindeutig, dass die am 25. Juni 2020 zugewiesene Tätigkeit
«Mitarbeiter Sicherheits- und Verkehrsdienst» (vgl. Bg-act. 5)
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darunterfällt. Folglich liegt im vorliegenden Fall kein aussagekräftiges und
eindeutiges ärztliches Zeugnis vor, welches die Unzumutbarkeit der Arbeit
aus gesundheitlichen Gründen i.S.v. Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG für den
Zeitpunkt des Stellenantritts am 1. Juli 2020 bei der B._ AG belegt.
Des Weiteren ist zu erwähnen, dass der Beschwerdeführer auf dem
Formular «Angaben der versicherten Person» für den Kontrollzeitraum Juli
2020 am 28. Juli 2020 eigenhändig angab, dass er im Monat Juli 2020
nicht arbeitsunfähig gewesen sei (Bg-act. 12). Die vom Beschwerdeführer
vorgebrachten Gründe für die Unzumutbarkeit eines Stellenantritts der
zugewiesenen Tätigkeit bei der B._ AG per 1. Juli 2020 sind auch
deshalb nicht stichhaltig.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass dem Beschwerdeführer die Annahme
der Arbeitsstelle bei der B._ AG in D._ per 1. Juli 2020
zumutbar gewesen wäre und der Beschwerdeführer deren Ablehnung
nicht zu rechtfertigen vermag. Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung auf Arbeitslosentaggeld erfolgte damit zu Recht.
6.1. Zu prüfen bleibt, ob die Einstellungsdauer von 30 Tagen angemessen ist.
6.2. Gemäss Art. 30 Abs. 3 AVIG bemisst sich die Dauer der Einstellung nach
dem Grad des Verschuldens und beträgt je nach Einstellungsgrund 1 bis
15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis
60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 AVIV). Da es sich
dabei um eine typische Ermessensfrage handelt, bei welcher der
Verwaltung ein grosser Ermessensspielraum zusteht, ist dem
Verwaltungsgericht bei der Beurteilung der Einstellungsdauer
Zurückhaltung geboten. Es darf sein Ermessen nicht ohne triftige Gründe
an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen, sondern muss sich bei der
Korrektur auf Gegebenheiten abstützen können, welche eine
abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen
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(BGE 123 V 150 E.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_138/2017 und
8C_143/2017 vom 23. Mai 2017 E.6.1).
6.3. Vorliegend hat der Beschwerdegegner auf eine Einstellung von 30 Tagen
erkannt. Die Einstellung liegt damit im Rahmen des mittelschweren
Verschuldens. Das Gericht kann hier keine Verletzung des
Ermessensspielraums des Beschwerdegegners erkennen, umso mehr,
als die unentschuldbare Ablehnung einer zumutbaren Stelle gemäss
Art. 45 Abs. 4 AVIV eigentlich ein schweres Verschulden darstellt. Der
Beschwerdegegner hat damit die Tatsache, dass es sich bei der
abgelehnten Stelle um eine befristete Anstellung gehandelt hätte, bereits
strafmildernd berücksichtigt.
7. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 28. September 2020 erweist
sich somit als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
8. Gemäss aArt. 61 lit. a ATSG (Fassung, die bis 31. Dezember 2020 in Kraft
stand) i.V.m. Art. 82a ATSG (Übergangsbestimmung zur Änderung vom
21. Juni 2019) ist das kantonale Beschwerdeverfahren in
arbeitslosenversicherungsrechtlichen Streitigkeiten – ausser bei
mutwilliger oder leichtsinniger Prozessführung – kostenlos. Vorliegend
sind keine Hinweise ersichtlich, dass der Beschwerdeführer mutwillig oder
leichtsinnig an das Verwaltungsgericht gelangt wäre. Es sind ihm
demnach keine Kosten aufzuerlegen. Dem obsiegenden
Beschwerdegegner steht kein Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu
(vgl. Art. 61 lit. g ATSG).
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