Decision ID: 670197c8-998f-48f8-9734-576c4c670e6b
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 28.02.2017 Art. 28 IVG. Art. 43 Abs. 1 ATSG. Rentenprüfung. Invaliditätsbemessung. Untersuchungspflicht. Würdigung eines polydisziplinären Gutachtens und mehrerer Berichte der behandelnden Ärzte. Ungenügende Sachverhaltsabklärung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Februar 2017, IV 2014/493). Entscheid vom 28. Februar 2017 Besetzung Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug (Vorsitz), Versicherungs-richter Ralph Jöhl, Versicherungsrichterin Marie Löhrer; Gerichts-schreiber Tobias Bolt Geschäftsnr. IV 2014/493 Parteien A._, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Regula Aeschlimann Wirz, arbeitundversicherung.ch, Bahnhofstrasse 10, Postfach 106, 8700 Küsnacht ZH, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rente Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 20. Dezember 2012 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe keine berufliche Ausbildung
absolviert und zuletzt als Raumpflegerin in einem Pensum von 15 beziehungsweise 7,5
Stunden pro Woche gearbeitet. Sie leide an Schmerzen in diversen Gelenken, an
Schwellungen in den Gelenken, an Arthrosen, an einer Depression, an Schmerzen im
Rücken und in den Beinen sowie an ausstrahlenden Fersenschmerzen. Die
Rheumatologin Dr. med. B._ berichtete am 5. Februar 2013 (IV-act. 8), die
Versicherte leide an einer trikompartimentären Gonarthrose links mit einer Bakerzyste,
an einem Status nach einer Thrombose im linken Unterschenkel im Jahr 2012, an
einem chronischen Panvertebralsyndrom bei einer hypertrophen Spondylarthrose und
einer Pseudospondylolisthesis, an einer erosiven Polyarthrose in den Händen und an
einer Depression. Am 11. Februar 2013 werde sie ihre Arbeit – nach einer einmonatigen
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vollständigen Arbeitsunfähigkeit – wieder zu 50 Prozent des früheren Pensums
aufnehmen. Die Tätigkeit als Raumpflegerin sei ihr maximal während zwei, drei
Stunden pro Tag zumutbar. Eine wechselbelastende, leichte Tätigkeit sei zu 50 Prozent
zumutbar. Am 22. März 2013 berichtete Dr. med. C._ vom Psychiatrie-Zentrum D._
(IV-act. 13), die Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Episode mit
einem somatischen Syndrom sowie an einer differenzierten Somatisierungsstörung.
Anamnestisch lägen bereits seit Jahren depressive Symptome vor. Auch die
Somatisierungsstörung bestehe anamnestisch schon seit Jahren, habe in den letzten
vier, fünf Jahren aber an Intensität zugenommen. Angesichts des bereits langjährigen
Verlaufs und der eher bescheidenen Ressourcen der Versicherten müsse von einer
Chronifizierung ausgegangen werden. Diese könne wahrscheinlich gerade noch in
einem Pensum von 40 Prozent mithalten, aber auch schon in einem solchen
reduzierten Pensum gegenüber den gesunden Kolleginnen nur eine reduzierte
Arbeitsleistung erbringen. Die Internistin Dr. med. E._ berichtete im April 2013 (IV-act.
15), die Beschwerden der Versicherten dauerten schon seit über zehn Jahren an. Als
Raumpflegerin könne sie noch etwa drei Stunden pro Tag arbeiten. Die körperliche
Belastbarkeit, die Feinmotorik und die psychische Belastbarkeit seien beeinträchtigt.
Auch eine wechselbelastende Tätigkeit, die vorwiegend im Sitzen verrichtet werden
könne, sei der Versicherten nur noch während etwa drei Stunden pro Tag zumutbar.
Laut einem Austrittsbericht der Klinik F._ vom 28. April 2011 war die Versicherte vom
28. März 2011 bis zum 25. April 2011 im Rahmen des Schmerzprogramms ZISP
stationär behandelt worden (IV-act. 18). Bereits damals waren ein chronisches
Panvertebralsyndrom, eine erosive Polyarthritis an den Händen, ein
Fibromyalgiesyndrom und eine Depression diagnostiziert worden. Beim Austritt hatte
die Versicherte angegeben, ihre Gesamtsituation habe sich subjektiv verbessert. Sie
habe ihre Ausdauer verbessern und ihre Muskeln entspannen können. Die Nervosität
und die Unruhe hätten sich leicht verbessert. Die Schmerzen seien aber nach wie vor
ungefähr im selben Ausmass vorhanden. Die behandelnden Ärzte hatten eine
Arbeitsfähigkeit von sechs Stunden pro Woche für leidensadaptierte Tätigkeiten
attestiert. Die Arbeitgeberin der Versicherten gab am 16. Mai 2013 an (IV-act. 19), diese
habe seit dem Arbeitsantritt am 1. Oktober 2006 18 Stunden pro Woche gearbeitet und
das Pensum dann im Februar 2013 auf neun Stunden pro Woche reduziert. Die
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Tätigkeit müsse zwar vorwiegend stehend und gehend verrichtet werden, sei aber
ansonsten körperlich nicht schwer belastend.
A.b Am 23. Dezember 2013 erstattete die Begutachtungszentrum Basel-Landschaft
(BEGAZ) GmbH im Auftrag der IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 34–1
ff.). Der fallführende internistische Sachverständige hielt fest, er habe in der
Untersuchungssituation im Vergleich zu spontanen Bewegungsabläufen eine grosse
Diskrepanz festgestellt. Der psychiatrische Sachverständige führte aus, objektiv habe
die Versicherte besorgt und allenfalls subdepressiv gewirkt. Die objektivierbaren
Befunde seien recht gering gewesen. Unter Berücksichtigung der subjektiven Angaben
(Hoffnungslosigkeit, teilweiser Rückzug, Schmerzen, Angstgefühle, zeitweise
Nervosität) müsse gesamthaft von einer leichten depressiven Störung ausgegangen
werden. Die Kriterien für eine mittelschwere Störung seien jedenfalls nicht erfüllt. Seit
dem letzten Bericht der behandelnden Psychiaterin Dr. C._ müsse sich der
Gesundheitszustand der Versicherten folglich verbessert haben. Die therapeutischen
Optionen seien noch nicht vollständig ausgeschöpft. Die Kriterien für eine
Somatisierungsstörung seien nicht erfüllt. Gesamthaft könne der Versicherten eine klar
strukturierte Tätigkeit im Umfang von etwa 70 Prozent zugemutet werden. Der
rheumatologische Sachverständige gab an, er habe einerseits symptomatische
degenerative Veränderungen des Bewegungsapparates mit einer organischen
Grundlage und andererseits multilokuläre Beschwerden mit pseudoneurologischen
Funktionsstörungen festgestellt, die sich organisch nicht erklären liessen. Ihm seien
auch typische klinische Zeichen für eine Schmerzfehlverarbeitung aufgefallen. In der
Untersuchungssituation habe sich die Versicherte anders als bei spontanen
Bewegungen verhalten. Ohne Miteinbezug der Beschwerden im Rahmen der
vermuteten Schmerzfehlverarbeitung sei davon auszugehen, dass der Versicherten
eine körperlich leichte Tätigkeit im Umfang von 70 Prozent zumutbar sei. In ihrer
Konsensbesprechung gelangten die Sachverständigen zum Schluss, dass der
Versicherten gesamthaft seit März 2013 leidensadaptierte Tätigkeiten zu 70 Prozent
zumutbar seien. Am 18. Februar 2014 notierte Dr. med. G._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD), das Gutachten sei überzeugend (IV-act. 35). Eine
Mitarbeiterin der IV-Stelle führte am 2. April 2014 aus (IV-act. 40–2), die Versicherte
habe gemäss den Angaben der Arbeitgeberin nur während 18 Stunden pro Woche
gearbeitet, was einem Pensum von 43 Prozent entspreche. Folglich sei sie als zu 45
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Prozent ausserhäuslich erwerbstätig und als zu 55 Prozent im Aufgabenbereich tätig zu
qualifizieren. Da ihr ein Pensum von mehr als 45 Prozent zumutbar sei, resultiere im
Erwerbsbereich keine Invalidität. Auch die Haushaltsführung sei ihr weiterhin zumutbar,
weshalb auch im Aufgabenbereich keine Invalidität resultiere. Das Rentengesuch sei
folglich abzuweisen.
A.c Mit einem Vorbescheid vom 9. April 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe (IV-act. 42). Diese wandte am 8.
Mai 2014 ein, dass sie mit dem vorgesehenen Entscheid nicht einverstanden sei (IV-
act. 43). Am 1. Juli 2014 führte sie aus (IV-act. 46), Dr. C._ habe eine
Arbeitsunfähigkeit von 50–60 Prozent attestiert. Zudem würde sie heute vollzeitlich
arbeiten, wenn sie gesund wäre. Am 30. Juni 2014 hatte Dr. C._ festgehalten (IV-act.
48), der psychiatrische Sachverständige habe „häufig“ die Symptome einer
mittelgradigen Depression umschrieben, diese aber jeweils relativiert. Sie selbst sei
nach mehreren Konsultationen zum Schluss gekommen, dass jene Symptome
tatsächlich vorhanden seien und dass die Versicherte entsprechend an einer
mittelgradigen Depression leide. An der Arbeitsfähigkeitsschätzung (50–60 Prozent
Arbeitsunfähigkeit) habe sich nichts geändert. Mit einer Verfügung vom 29. September
2014 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 49).
B.
B.a Am 27. Oktober 2014 erhob die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde, mit der sie eine Überprüfung der Verfügung vom 29. September
2014 beantragte (act. G 1).
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 14. Januar
2015 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, es sei
kein Hinweis ersichtlich, der Zweifel an der Zuverlässigkeit des Gutachtens der BEGAZ
GmbH wecken würde.
B.c Am 30. April 2015 liess die nun anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin die
Aufhebung der Verfügung vom 29. September 2014 und die Zusprache einer halben
Rente ab Dezember 2013 beantragen (act. G 10). Ihre Rechtsvertreterin führte zur
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Begründung aus, das Gutachten der BEGAZ GmbH sei widersprüchlich und
lückenhaft. Mit den Berichten der behandelnden Ärzte sei klar belegt, dass die
Beschwerdeführerin für jegliche Tätigkeiten zu mindestens 50 Prozent arbeitsunfähig
sei. Die Begründung der Beschwerdegegnerin betreffend die sogenannte Statusfrage
sei unhaltbar. Die Beschwerdeführerin habe von Beginn weg ausgesagt, dass sie ohne
die Gesundheitsbeeinträchtigung vollzeitig erwerbstätig wäre.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 12).

Erwägungen
1.
Die Beschwerdeführerin hat keine Berufsausbildung absolviert und folglich nur als
Hilfsarbeiterin tätig sein können. Zuletzt hat sie als Raumpflegerin gearbeitet. Das
Pensum hat sich zunächst auf 18 und später auf neun Stunden pro Woche belaufen.
Gestützt auf eine entsprechende Angabe der Arbeitgeberin ist die Beschwerdegegnerin
davon ausgegangen, die Beschwerdeführerin wäre ohne eine
Gesundheitsbeeinträchtigung nur teilweise, nämlich bloss während 18 Stunden pro
Woche, erwerbstätig gewesen und hätte sich daneben im eigenen Haushalt betätigt.
Diese Annahme ist nur schon deshalb als falsch zu qualifizieren, weil die
Beschwerdeführerin ihre letzte Arbeitsstelle erst im Jahr 2006 angetreten hat und weil
sie damals gemäss den Angaben ihrer Hausärztin Dr. E._ schon längst an
Gesundheitsbeeinträchtigungen gelitten hatte. Jenes Pensum kann folglich
naturgemäss keine Rückschlüsse auf die Validenkarriere erlauben. Sodann hat die
Beschwerdeführerin wiederholt angegeben, dass sie bei voller Gesundheit vollzeitig
erwerbstätig wäre. Diese Angabe ist plausibel, denn die Beschwerdeführerin hat keine
Betreuungspflichten zu erfüllen, die einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit entgegen
stünden, sie ist – als Ehegattin eines Vollinvaliden – finanziell auf ein
Erwerbseinkommen angewiesen, das einem Vollzeitpensum entspricht und sie hat
damals im Jahr 2006 trotz ihrer Gesundheitsbeeinträchtigungen eine neue Arbeitsstelle
angetreten und mehrere Jahre gearbeitet, was dafür spricht, dass sie gewillt gewesen
ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Gründe, die gegen die Annahme sprechen
würden, sie wäre vollzeitig erwerbstätig gewesen, sind nicht ersichtlich. Im Übrigen hat
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die Beschwerdeführerin vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung offenbar
jahrelang vollzeitig gearbeitet (IV-act. 34–9). In Beantwortung der sogenannten
Statusfrage ist die Beschwerdeführerin als eine vollzeitig erwerbstätige Hilfsarbeiterin
zu qualifizieren, weshalb der Invaliditätsgrad nach der allgemeinen Methode des
Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG) zu berechnen ist. Das bedeutet, dass für die
Bemessung der Invalidität das Erwerbseinkommen, das die Beschwerdeführerin nach
dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in
Beziehung zu jenem Erwerbseinkommen zu setzen ist, das sie erzielen könnte, wenn
sie gesund geblieben wäre. Das Valideneinkommen entspricht dabei dem
durchschnittlichen Hilfsarbeiterinneneinkommen, da keine Hinweise dafür ersichtlich
sind, dass die Beschwerdeführerin ohne ihre Gesundheitsbeeinträchtigung nur
unterdurchschnittlich leistungsfähig gewesen wäre.
2.
2.1 Bei der Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens
kommt der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung eine entscheidende Bedeutung
zu. Zur Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat
die Beschwerdegegnerin zunächst je einen Bericht der behandelnden Ärzte und
anschliessend ein polydisziplinäres Gutachten eingeholt. In rheumatologischer Hinsicht
stimmen die Schlussfolgerungen des Sachverständigen der BEGAZ GmbH und der
behandelnden Rheumatologin Dr. B._ weitgehend überein. Beide Fachärzte haben im
Wesentlichen Fingerpolyarthrosen, ein chronisches Wirbelsäulenschmerzsyndrom und
eine Gonarthrose diagnostiziert und festgehalten, dass die (zum Teil aktivierten)
Fingerpolyarthrosen, die symptomatischen degenerativen Veränderungen an der
Lendenwirbelsäule und die Gonarthrose links die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin beeinträchtigten. Während aber Dr. B._ eine Arbeitsunfähigkeit
von 50 Prozent attestiert hat, hat der rheumatologische Sachverständige der BEGAZ
GmbH nur eine Einschränkung von 30 Prozent attestiert. Diese Diskrepanz hat er damit
begründet, dass Dr. B._ auch eine Thrombose und die Depression in ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung miteinbezogen habe, während er nur die
rheumatologischen Beeinträchtigungen berücksichtigt habe. Zudem habe Dr. B._
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wohl auch die Folgen der Schmerzverarbeitungsstörung nicht konsequent ausser Acht
gelassen. Zwar erscheint es als eher unwahrscheinlich, dass Dr. B._ den von ihr in
der Diagnoseliste erwähnten Status nach einer Thrombose bei ihrer
Arbeitsfähigkeitsschätzung mitberücksichtigt hat. Dem Bericht von Dr. B._ lässt sich
aber tatsächlich nicht entnehmen, dass sie der von allen drei Sachverständigen der
BEGAZ GmbH bemerkten und beschriebenen Schmerzverarbeitungsstörung
hinreichend (wenn überhaupt) Rechnung getragen hätte. Auch dürfte sie die Folgen der
depressiven Störung in ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung miteinfliessen lassen haben,
denn ihre Begründung für die von ihr selbst für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten
attestierte hohe Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent lässt sich nicht anders erklären. Vor
diesem Hintergrund erweist sich das rheumatologische Teilgutachten der BEGAZ
GmbH als überzeugender als der Bericht von Dr. B._. Trotzdem vermag auch das
rheumatologische Teilgutachten den massgebenden Sachverhalt nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen, denn
abgesehen von der – damals nur an einem Finger aktiven – Polyarthrose in den Händen
hat der rheumatologische Sachverständige keinen objektiven klinischen Befund
beschrieben, der eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um beinahe einen Drittel
selbst in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit rechtfertigen würde. In seiner
Beurteilung hat der Sachverständige zwar nebst der Polyarthrose auch auf die
Schmerzen in der Wirbelsäule, für die er (teilweise) ein organisches Korrelat gefunden
hatte, und auf die Gonarthrose hingewiesen. Er hat aber nicht überzeugend begründet,
weshalb diese Beschwerden die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer ideal
leidensadaptierten Tätigkeit derart stark beeinträchtigen sollten. Es ist anzunehmen,
dass sich seine Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht auf eine ideal, sondern auf eine nur
teilweise leidensadaptierte Arbeit bezogen hat. Aus der Sicht eines medizinischen
Laien erscheint daher die vom rheumatologischen Sachverständigen attestierte
Arbeitsunfähigkeit jedenfalls als zu hoch. In somatischer Hinsicht fehlt es folglich an
einer überwiegend wahrscheinlich richtigen Arbeitsfähigkeitsschätzung. Insofern
erweist sich der Sachverhalt als ungenügend abgeklärt, weshalb die angefochtene
Verfügung in Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ergangen und
als rechtswidrig aufzuheben ist.
2.2 Auch zwischen dem psychiatrischen Teilgutachten der BEGAZ GmbH und dem
Bericht der behandelnden Psychiaterin Dr. C._ besteht eine Diskrepanz, die
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allerdings nicht nur die Arbeitsfähigkeitsschätzung, sondern auch die Diagnosestellung
betrifft: Die behandelnde Psychiaterin Dr. C._ hatte im März 2013 eine mittelgradige
depressive Episode mit einem somatischen Syndrom und eine differenzierte
Somatisierungsstörung diagnostiziert und eine Arbeitsfähigkeit von maximal 40 Prozent
attestiert. Der psychiatrische Sachverständige der BEGAZ GmbH hat dagegen nur eine
leichte bis mittelschwere depressive Störung und keine Somatisierungsstörung
diagnostiziert und eine Arbeitsfähigkeit von 70 Prozent attestiert. Zur Diskrepanz zum
Bericht von Dr. C._ hat er ausgeführt, er habe nur einen diskreten objektiven Befund
erheben können, der nur einer leichtgradigen respektive sogar lediglich einer
subdepressiven Störung entspreche. Er gehe davon aus, dass sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der Berichterstattung durch Dr. C._
verbessert habe. Trotzdem hat er aber rückwirkend ab März 2013 eine Arbeitsfähigkeit
von 70 Prozent attestiert, was gegen eine zwischenzeitliche Verbesserung spricht. Der
Umstand, dass er die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. C._ ohne eine
überzeugende Begründung als nicht nachvollziehbar bezeichnet und darauf
hingewiesen hat, dass die therapeutischen Massnahmen seines Erachtens nicht
ausgeschöpft seien, vermag diese Widersprüchlichkeit nicht zu beseitigen. In einer
Stellungnahme zum Gutachten hat Dr. C._ später ausgeführt, der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin sei unverändert geblieben. Der
psychiatrische Sachverständige der BEGAZ GmbH sei nur deshalb zu einer anderen
Schlussfolgerung gelangt, weil er zwar die Symptome der Depression festgestellt,
diese aber sogleich wieder relativiert habe. Seine Ausführungen seien nicht
überzeugend. Die Beschwerdegegnerin hat diese Kritik am Gutachten
unverständlicherweise nicht weiter berücksichtigt und insbesondere auch davon
abgesehen, den psychiatrischen Sachverständigen um eine Stellungnahme dazu zu
ersuchen. Ohnehin hätte ihr aber auffallen müssen, dass der psychiatrische
Sachverständige nur diskrete objektivierbare Befunde hatte erheben können, die er
selbst als höchstens knapp einer leichten depressiven Störung entsprechend
bezeichnet hatte, dessen ungeachtet aber dann doch – rein aufgrund der subjektiven
Angaben der Beschwerdeführerin – eine leichte bis mittelschwere depressive Störung
diagnostiziert und eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit von fast einem Drittel attestiert
hatte, ohne eine überzeugende Begründung für diese Diskrepanz liefern zu können.
Auch wenn Dr. C._ keine Kritik am psychiatrischen Teilgutachten geäussert hätte,
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hätte dieses als nicht überzeugend qualifiziert werden müssen. Ähnlich verhält es sich
auch in Bezug auf die Angaben von Dr. C._, die in ihrem Bericht und in ihrer
Stellungnahme zwar von Symptomen einer Depression geschrieben, aber keine
entsprechenden objektivierbaren Befunde angeführt hat. Ihre Stellungnahme zum
Gutachten, wonach der Sachverständige Symptome einer mittelschweren Depression
beschrieben haben soll, zeigt deutlich auf, dass sie die subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin mit objektivierbaren klinischen Befunden vermengt hat, denn der
psychiatrische Sachverständige hatte ja kaum echte Befunde nennen können und sich
deshalb darauf beschränken müssen, die subjektiven depressionsrelevanten Angaben
der Beschwerdeführerin wiederzugeben. Die Stellungnahme von Dr. C._ zwingt also
zur Annahme, dass diese unbesehen und unkritisch auf die subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin abgestellt haben muss, was im Rahmen ihres
Behandlungsauftrages zwar richtig gewesen sein mag, aber für die Bemessung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit im Invalidenversicherungsverfahren ohne Beweiswert ist.
Angesichts der diskreten Befunde, die Dr. C._ in ihrem Bericht genannt hat, ist eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um beinahe zwei Drittel jedenfalls nicht
nachvollziehbar. Auch in psychiatrischer Hinsicht liegt folglich kein Bericht vor, der den
massgebenden Sachverhalt mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegen könnte. Auch diesbezüglich hat die Beschwerdeführerin
ihre Untersuchungspflicht verletzt.
3.
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin das Verwaltungsverfahren
abgeschlossen, ohne über einen einzigen beweiskräftigen medizinischen Bericht
verfügt zu haben. Bei einer derart gravierenden Verletzung der Untersuchungspflicht
kann es nicht die Aufgabe des Versicherungsgerichtes sein, das Versäumnis der
Beschwerdegegnerin bezüglich derer ureigenen Aufgabe nachzuholen. Die Sache ist
deshalb zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Hinsichtlich der Kosten- und
Entschädigungsfolgen ist rechtsprechungsgemäss von einem vollständigen Obsiegen
der Beschwerdeführerin auszugehen. Folglich hat die Beschwerdegegnerin die
Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen und der Beschwerdeführerin eine
Parteientschädigung auszurichten, die angesichts des leicht unterdurchschnittlichen
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Vertretungsaufwandes (die Rechtsvertreterin hat nur ein dünnes Aktendossier studieren
und nur eine Rechtsschrift verfassen müssen), auf 2’500 Franken (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt wird. Der Beschwerdeführerin wird der
von ihr geleistete Kostenvorschuss selbstverständlich zurückerstattet.