Decision ID: 97a4de65-c170-4023-b299-4883010c7948
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 10. Dezember 2013 zum zweiten Mal bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 43).
A.b Eine erste Anmeldung war am 12./17. Dezember 2003 erfolgt. Dr.med. B._,
Facharzt für Allgemeinmedizin, hatte im Arztbericht vom 28. Januar 2004 festgehalten,
aufgrund eines Status nach Karpaltunnelsyndrom-Operation rechts 1994, nach
Ulnariskompressions-Syndrom links mit Verlagerung des Nervus ulnaris links mit
schwierigem Rehabilitationsverlauf, eines Verdachts auf Sulcusulnarissyndrom rechts,
von Ansatztendinosen an beiden Armen seit 2 bis 3 Jahren sowie rezidivierender
Depressionen bei emotional unstabiler Persönlichkeit könne die Versicherte in ihrem
erlernten Beruf als Topfpflanzen- und Schnittblumengärtnerin (vgl. IV-act. 4) wegen der
schnellen Reizbarkeit der Arme nicht mehr arbeiten (IV-act. 11). Mit Verfügung vom 28.
April 2004 hatte die IV-Stelle der Versicherten Kostengutsprache für die Umschulung
zur Technischen Kauffrau erteilt (IV-act. 20), welche sie gemäss Bericht der
Berufsberatung vom 10. November 2005 mit dem Diplom des Hauptkurses
abgeschlossen hatte (IV-act. 31). Die IV-Stelle hatte die beruflichen Massnahmen mit
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Verfügung vom 12. April 2006 abgeschlossen, da die Versicherte rentenausschliessend
eingegliedert sei (IV-act. 42).
A.c Die Versicherte war seit 1. Juni 2006 als Produktionsmitarbeiterin bei der C._ AG
angestellt (Angaben der Arbeitgeberin vom 17. Januar 2014, IV-act. 60). Am 11.
November 2006 war bei ihr eine anteriore zervikale Diskektomie und Fusion HWK 5/6
vorgenommen worden (Bericht Neurochirurgie, Kantonsspital St. Gallen [KSSG], vom
17. Juli 2013, IV-act. 48; Verlaufsbericht Dr.med. D._, Allgemeine Innere Medizin
FMH, vom 6. August 2014, IV-act. 79-1). Vom 15. bis 21. März 2013 war die
Versicherte stationär in der Klinik E._ behandelt worden, wobei
Anpassungsstörungen (ICD-10: F43.2) und ein Verdacht auf eine nicht näher
bezeichnete Persönlichkeitsstörung erhoben worden waren (Bericht vom 11. April
2013, IV-act. 70). Die Ärzte der Neurochirurgie KSSG hatten gemäss Bericht vom 17.
Juli 2013 eine segmentale zervikale Instabilität C4/5 und C6/7 diagnostiziert (IV-act.
48). Diese war am 9. August 2013 operativ behandelt worden (anteriore Diskektomie
C4/5 und C6/7 mit nachfolgender Fusion [Berichte vom 9. August 2013, IV-act. 49, und
vom 12. August 2013, IV-act. 50]).
A.d Dr. D._ attestierte gemäss Arztbericht vom 29. Januar 2014 eine aktuell 100
%ige Arbeitsunfähigkeit. Eine Eingliederung mit 30 %iger Arbeitsfähigkeit sei ab
August 2014 zu erhoffen (IV-act. 62-6). Dr.med. F._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, hielt im Arztbericht vom 4. April 2014 fest, er behandle die Versicherte
seit 27. September 2011 ambulant. Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend histrionischen, aber auch
abhängigen Zügen (ICD-10: F61.0). Die Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei
schwierig abzuschätzen. Sie liege derzeit wohl bei rund 40 % (IV-act. 71). Dr.med.
G._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, führte im Arztbericht vom 22. April
2014 aus, als Produktionsmitarbeiterin bestehe eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit.
Angepasste Tätigkeiten seien in Zukunft vorstellbar (IV-act. 73-1 ff.). Mit Mitteilung vom
7. Mai 2014 wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche Massnahmen ab, da solche
aufgrund des Gesundheitszustandes zurzeit nicht möglich seien (IV-act. 77).
A.e Dr. G._ führte am 24. November 2014 zur Behandlung der Instabilität L4/5 eine
dorso-laterale Spondylodese L4/L5 mit Eigenspongiosa vom Beckenkamm links und
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translaminärer Schraubenfixation durch (Schreiben Dr. G._ an die IV-Stelle vom 31.
Oktober 2014, IV-act. 85; Verlaufsbericht Dr. D._ vom 27. März 2015, IV-act. 88-2).
Am 11. November 2015 hielt er fest, die Versicherte beklage weiterhin lumbale
Rückenschmerzen, teilweise auch wieder ausstrahlend in den rechten Oberschenkel,
vor allem beim Sitzen. Neu bestünden auch Probleme mit der rechten Schulter, eine
vorgeschlagene chirurgische Behandlung habe die Versicherte abgelehnt. Es sei zu
bezweifeln, ob sie je wieder arbeitsfähig werde (IV-act. 111-62 f.).
A.f Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte durch die MEDAS Bern begutachtet
(Gutachten vom 22. Februar 2016; Neurologie: Dr.med. H._, Orthopädie: Dr.med.
I._, Psychiatrie: Dr.med. J._, Innere Medizin: Dr.med. K._; Untersuchungen 20.
bis 25. November 2015; IV-act. 111). Interdisziplinär gelangten die Gutachter zum
Ergebnis, es bestünden nur auf dem Fachgebiet der Orthopädie Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit. In der Arbeit als Produktionsmitarbeiterin (Löten in sitzender Tätigkeit
mit monotoner Kopfhaltung) könne aktuell sicherlich eine 80 %ige Arbeitsfähigkeit
erreicht werden. Die Einschränkung komme durch einen erhöhten Pausenbedarf und
eine verminderte Leistung zustande. Als Technische Kauffrau oder in einer
Verweistätigkeit im Rahmen des Zumutbarkeitsprofils könne von einer 100 %igen
Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (IV-act. 111-23).
A.g Mit Vorbescheid vom 22. März 2016 gewährte die IV-Stelle der Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 118).
Hiergegen liess die Versicherte am 9. Mai 2016 Einwand erheben (IV-act. 122). Innert
erstreckter Frist reichte sie Stellungnahmen von Dr. G._ vom 6. Mai 2016 (IV-act.
124-14 f.), von Dr. F._ vom 17. Mai 2016 (IV-act. 124-18 f.) und von Dr. D._ vom
21. Mai 2016 (IV-act. 124-16 f.) ein und machte im Wesentlichen geltend, das MEDAS-
Gutachten werde der medizinischen Gesamtsituation sowie insbesondere den
Auswirkungen (der diagnostizierten Gesundheitsschäden) im praktischen Arbeitsalltag
nicht gerecht. In einer ganzheitlichen Betrachtungsweise könne nicht darauf abgestellt
werden (IV-act. 124-1 ff.).
A.h Der RAD nahm am 15. August 2016 Stellung, die neuen Berichte enthielten keine
neuen relevanten medizinischen Erkenntnisse, sondern stellten nur die Sicht der Dinge
des behandelnden Arztes dar. Sie seien nicht geeignet, zu einer vom Gutachten
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abweichenden Einschätzung zu führen (IV-act. 125). Gestützt darauf wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 26. August 2016 ab (IV-act. 126).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 28. September 2016 lässt A._, vertreten durch
Rechtsanwalt lic.iur. J. Jakob, gegen die Verfügung vom 26. August 2016 Beschwerde
erheben. Sie beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr mit
Wirkung ab 1. August 2014 eine ganze Rente auszurichten. Eventualiter sei eine
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchzuführen. Die Verwertung
der Restarbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt sei illusorisch. Die psychischen
und somatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen müssten in einer Gesamtschau
betrachtet werden. Die von den Gutachtern als Inkonsistenzen gewürdigten
Verhaltensweisen beruhten allesamt auf erlernten Copingstrategien und/oder auf der
nicht beachteten histrionischen Persönlichkeit. Auch sei sie bei Dr. F._ in
psychiatrischer Behandlung und Dr. G._ sei gleichzeitig anerkannter
Schmerztherapeut, weshalb nicht auf eine fehlende Inanspruchnahme einer
Schmerztherapie bzw. mangelnden Leidensdruck geschlossen werden dürfe (act. G 1).
B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2016 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die behandelnden Ärzte
stünden in einem Vertrauensverhältnis zur Beschwerdeführerin und seien deshalb
weniger unabhängig als die MEDAS-Gutachter. Es bestehe kein Anlass, von der
Einschätzung im polydisziplinären Gutachten abzuweichen (act. G 4).
B.c In ihrer Replik vom 2. März 2017 beantragt die Beschwerdeführerin neu, sie sei
eventualiter erneut orthopädisch und psychiatrisch zu begutachten. Sie bringt vor, im
Rahmen der freien Beweiswürdigung seien auch Atteste von Hausärzten und
behandelnden Fachärzten objektiv zu würdigen und daraufhin zu prüfen, ob sie an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit des Gutachtens auch nur geringe Zweifel zu
erwecken vermöchten. Die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeitsschätzung der
MEDAS-Gutachter sei im praktischen Arbeitsalltag nicht realisierbar. Selbst bei
ergonomischer Einrichtung des Arbeitsplatzes (Stehpult etc.) beinhalte auch die
kaufmännische Arbeit mit Hilfe von Computern monotone Kopf- und Rumpfhaltungen.
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Eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit in der Rehaklinik L._ vom 14.
Februar 2017 (act. G 8.1) habe ergeben, dass die angestammte Tätigkeit als
Produktionsmitarbeiterin nicht mehr und eine leichte, wechselbelastende Arbeit ohne
Zwangshaltungen halbtags zumutbar sei. Sie (die Beschwerdeführerin) sei aufgrund
ihrer Persönlichkeitsstruktur nicht in der Lage, die Schmerzverarbeitung aktiv so zu
beeinflussen, dass sie die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit auszuschöpfen vermöchte.
Die instabile, hypermobile Wirbelsäule werde immer wieder neue Beschwerden
verursachen und weitere medizinische Eingriffe bedingen. Auf dem freien Arbeitsmarkt
sei eine allfällige Restarbeitsfähigkeit nicht mehr verwertbar (act. G 8).
B.d Die Beschwerdegegnerin macht in ihrer Duplik vom 13. März 2017 geltend, die
Resultate der EFL seien infolge Selbstlimitierung nicht verwertbar. Die attestierte 50
%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten sei nicht aussagekräftig. Die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei anlässlich der Begutachtung bereits
zuverlässig beurteilt worden. Somit habe kein Grund bestanden, diese durch eine EFL
zu überprüfen. In der EFL sei eine stationäre Behandlung in einer Schmerzklinik
empfohlen worden. Es sei folglich davon auszugehen, dass der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin deutlich besserbar sei und dass eine erhebliche Diskrepanz
zwischen dem dargestellten Leidensdruck sowie den in Anspruch genommenen
Therapiemöglichkeiten bestehe (act. G 10).
C.
C.a Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Parteien zu den vorgesehenen
Experten und Gutachterfragen (16. August 2018, act. G 13), Stellungnahme der
Beschwerdeführerin vom 20. August 2018, wonach mit der psychiatrischen
Begutachtung eine andere Fachperson zu beauftragen sei (act. G 15) und der
diesbezüglichen Zustimmung der Beschwerdegegnerin (Aktennotiz vom 17. September
2018; act. G 16), beauftragt das Versicherungsgericht die medexperts AG, Dr.med.
M._, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
FMH, und Dr.med. N._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, am 26.
September 2018 mit der Erstattung eines bidisziplinären Gerichtsgutachtens (act. G 18
und 22).
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C.b Gemäss Gutachten vom 10. Dezember 2018 (Untersuchungen 15. November 2018,
act. G 23) stellten die Experten folgende Gesundheitsbeeinträchtigungen mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit fest: (1.) ein chronisches zervikozephales und zervikobrachiales
Syndrom rechts bei degenerativen Veränderungen ossärer und diskogener Art mit
rezidivierendem Schwindel nach Spondylodese von C4 bis C7, (2.) ein
lumbovertebrales bis lumbospondylogenes Syndrom bei degenerativen Veränderungen
ossärer und diskogener Art nach Spondylodese L4/L5, (3.) eine Impingement-
Symptomatik an der rechten Schulter mit partieller Supraspinatus-Ruptur und AC-
Arthrose nach arthroskopischer Dekompression und Bizepssehnentenotomie und (5.)
eine konstitutionelle Hyperlaxizität mit einem Beighton-Score von 8/9 (act. G 23, S. 6).
Da die bisherige Tätigkeit nach Angaben der Beschwerdeführerin zu einem hohen
Prozentsatz Lötarbeiten beinhalte, welche Zwangshaltungen und monotone Haltungen
ohne Möglichkeit der Erholung bedingten, werde aus orthopädischer Sicht eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % bescheinigt. In einer leidensangepassten Tätigkeit sei
von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % auszugehen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe
keine Arbeitsunfähigkeit (act. G 23, S. 7 f.). Retrospektiv habe ab August 2013 eine 100
%ige, ab Mai 2015 eine 50 %ige und ab der Operation im November 2016 während
drei Monaten eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (act. G 23, S. 11).
C.c Das Versicherungsgericht gewährt den Parteien am 18. Dezember 2018 das
rechtliche Gehör zum Gerichtsgutachten (act. G 25). Die Beschwerdeführerin lässt sich
am 22. Januar 2019 vernehmen, die medizinischen Feststellungen seien zwar sorgfältig
und korrekt dargelegt, die daraus gezogenen Schlussfolgerungen mit Blick auf die
Arbeitsfähigkeit indes viel zu optimistisch gezogen worden, eine Auffassung, die von
den behandelnden Ärzten Dr. G._ und Dr. F._ geteilt werde. Selbst wenn nicht eine
dauerhafte Rente zugesprochen werde, bestehe gestützt auf das Gerichtsgutachten
befristet vom 1. August 2014 bis 31. Juli 2015 Anspruch auf eine ganze und vom 1.
August 2015 bis 31. Januar 2019 auf eine halbe Rente (act. G 26).

Erwägungen
1.
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1.1 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) haben Versicherte Anspruch auf Rente, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid sind (lit. c). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie
mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid
ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Die Rechtsprechung hat
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es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die
Beweiswürdigung aufzustellen. So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nicht
ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab (BGE
125 V 352 f. E. 3 b aa).
2.
2.1 Während die orthopädische Vorgutachterin in der bisherigen Tätigkeit als
Produktionsmitarbeiterin eine 80 %ige und in einer adaptierten Tätigkeit bzw. als
Technische Kauffrau eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit attestierte (IV-act. 111-17), befand
der orthopädische Gerichtsgutachter die Beschwerdeführerin in der bisherigen
Tätigkeit als voll arbeitsunfähig, da sie einen hohen Anteil an Arbeiten mit
Zwangspositionen und monotonen Haltungen der Wirbelsäule bzw. des Kopfes
beinhalte (act. G 23, S. 26, 28). In einer leidensadaptierten Tätigkeit (wechselbelastend,
körperlich leicht, mit Möglichkeit des Wechselns zwischen Sitzen, Gehen und Stehen,
ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, ohne Zwangspositionen der
Wirbelsäule, ohne In-/Reklination und Rotation, ohne monotone Kopfhaltungen, ohne
Überkopfarbeiten, ohne repetitive Bewegungen in den Ellbogengelenken) sei von einer
Arbeitsfähigkeit von 80 % auszugehen. Die Beschwerdeführerin könne ganztägig
arbeiten, benötige jedoch längere und betriebsunübliche Pausen. Die Tätigkeit als
Technische Kauffrau sei (bei vorhandenem Stehpult) weitgehend angepasst (act. G 23,
S. 27). Der orthopädische Gerichtsgutachter hielt weiter fest, wegen langjährigen
Beschwerden im Bereich des rechten Schultergelenks sei im November 2016 eine
arthroskopische Revision mit Débridement, Dekompression und Tenotomie der langen
Bizepssehne durchgeführt worden. Nach anfänglich günstigem Verlauf hätten sich
wieder Beschwerden im Sinne einer Impingement-Symptomatik eingestellt (act. G 23,
S. 24). Unter diesen Umständen sei die rechte Schulter vermindert belastbar,
namentlich seien Bewegungen oberhalb der Horizontalebene nur selten zumutbar (act.
G 23, S. 26). Klinisch habe aktuell keine radikuläre Ausfallsymptomatik konkretisiert
werden können. Ein MRI Ende September 2018 habe ergeben, dass die Bandscheiben
auf Höhe L3/L4 leicht degeneriert seien, jedoch ohne Kontakt zu neuralen Strukturen.
Auf den Höhen L4/L5 fänden sich ebenfalls keine Hinweise auf ossäre oder diskogene
Kompression neuraler Strukturen. Die Spondylodese L4/L5 sei konsolidiert; auf Höhe
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L5/S1 finde sich eine leicht aktivierte Osteochondrose mit Synovitis in den
Fazettengelenken. Dies weise auf eine gewisse Überbelastung hin, was als Reaktiv auf
die durchgeführte Spondylodese aufzufassen sei. Es finde sich kein klares
pathomorphologisches Substrat für die geklagten Parästhesien in der rechten unteren
Extremität. Die aktuellen Röntgenaufnahmen der HWS zeigten eine konsolidierte
Spondylodese von C4 bis C7. Im Bereich C3 und C4 sei von einer Makro-Instabilität
auszugehen. Daneben liege eine recht ausgeprägte konstitutionelle Hyperlaxizität vor.
Auch wenn ohne eigentlichen patho-morphologischen Hintergrund führe diese zu einer
verminderten Belastbarkeit für statische und ausdauernde Alltagsbelastungen in Beruf,
Freizeit und Sport (act. G 23, S. 24). Die konstitutionelle Hyperlaxizität könne schneller
zu Beschwerden des Bewegungsapparates führen, per se lasse sich daraus aber kein
Krankheitsbild ableiten. In diesem Sinne seien wohl auch die überlastungsbedingten
myofaszialen Beschwerden im Bereich des übrigen Bewegungsapparates, namentlich
der rechten Schulter und beider Ellenbogen, anzusehen. Durch die vorliegende
Spondylodese von C4 bis C7 komme es im Allgemeinen zu einer Einschränkung der
Beweglichkeit des Kopfes. Durch die konstitutionelle Hyperlaxizität könne die
Beschwerdeführerin diese besser kompensieren als Personen ohne diese
Bindegewebsbeschaffenheit. Es sei jedoch gut nachvollziehbar, dass die
Beschwerdeführerin bei Zwangspositionen respektive monotonen Haltungen des
Kopfes / der Halswirbelsäule eingeschränkt sei. Im Rahmen der vegetativen
Erscheinungen bei Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule seien
Schwindelereignisse verständlich, wobei allerdings, wohl bedingt durch die
Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin, auch von einer gewissen
Verdeutlichungstendenz auszugehen sei. In diesem Sinne habe die Beschwerdeführerin
bei Standuntersuchungen ein ausgeprägtes Zittern an den unteren Extremitäten
gezeigt, was ausserhalb der Untersuchungssituation nicht habe festgestellt werden
können. Auffallend seien auch der im Gegensatz zur Vorbegutachtung nun 50 cm
betragende Finger-Boden-Abstand und die speziellen Manöver bei der Rückkehr in die
Normalposition. Bei der Pseudo-Rotation und dem Achsenstoss-Test habe die
Beschwerdeführerin nachvollziehbare Angaben gemacht. Als Ressource sei zu werten,
dass die unteren Extremitäten, auch unter Berücksichtigung des Zustandsbildes nach
Kreuzbandersatzplastik am linken Kniegelenk, voll einsatzfähig seien (act. G 23, S. 25
f.).
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2.2 Dr. G._ hielt in seiner Stellungnahme vom 6. Mai 2016 zum Vorgutachten fest,
die Beschreibung der Anamnese, der Befunde sowie der Einschränkungen im
Gutachten seien konsistent mit seinen eigenen Befunden. Nicht nachvollziehbar sei,
dass die beschriebenen Fähigkeiten und Ressourcen eine volle Leistungsfähigkeit in
einer Bürotätigkeit ergäben (IV-act. 124-14 f.). Damit übereinstimmend geht der
orthopädische Gerichtsgutachter auch in einer adaptierten Tätigkeit von einer
reduzierten Arbeitsfähigkeit aufgrund von zusätzlichem Pausenbedarf aus.
2.3 Der psychiatrische Gerichtsgutachter führte aus, die Beschwerdeführerin
beschreibe sich als harmoniebedürftig und gehe zwischenmenschlichen Konflikten aus
dem Weg. Sie leide an leichten Stimmungsschwankungen, welche immer reaktiv seien,
jedoch ihr Leben nie beeinträchtigt und ihre Funktionsfähigkeit nicht reduziert hätten.
Ängste oder Panik in den letzten Jahren seien negiert worden. Er habe mit Ausnahme
einer etwas akzentuierten Persönlichkeit (histrionische Züge) keine Psychopathologie
gefunden (act. G 23, S. 37). Die Diskrepanz zwischen subjektiven Leiden und
objektiven somatischen Befunden könne weder durch eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung noch durch eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren begründet werden. Anamnestisch habe die Beschwerdeführerin
in den Jahren 2013 bis 2016 an einer länger dauernden depressiven
Anpassungsstörung gelitten, für welche bei der aktuellen Exploration keine Hinweise
mehr bestanden hätten. Offenbar habe die bisherige psychiatrische Behandlung zu
einer Stabilisierung mit voller Funktionsfähigkeit geführt. Für eine
Persönlichkeitsstörung gebe es weder anamnestische noch psychopathologische
Hinweise. Dementsprechend liessen sich auch keine psychisch bedingten
Funktionsbeeinträchtigungen erheben. Die Blutuntersuchung habe ergeben, dass die
Beschwerdeführerin gegenwärtig praktisch keine Schmerzmedikamente einnehme,
was den von ihr berichteten Leidensdruck erheblich relativiere. Sie sei fähig, sich an
Regeln und Routinen anzupassen sowie Aufgaben zu planen und zu strukturieren.
Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, die Fähigkeit zur Anwendung fachlicher
Kompetenzen als Produktionsmitarbeiterin, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit,
Selbstbehauptungsfähigkeit, Kontaktfähigkeit zu Dritten und Gruppenfähigkeit,
Verkehrsfähigkeit seien nicht und die Durchhaltefähigkeit sei durch die empfundenen
Schmerzen allenfalls leicht beeinträchtigt. Ressourcen seien eine normale Intelligenz,
soziale Kompetenz und gute Sprachkenntnisse (act. G 23, S. 37 f.). In
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Übereinstimmung damit hielt bereits die psychiatrische Vorgutachterin den damals
erhobenen psychischen Befund für (eher) blande. Primärpersönlich erhob sie ängstlich-
selbstunsichere und abhängige Züge. In Abhängigkeit von der Schmerzstärke bestehe
eine etwas vermehrte Grübelneigung. Die Beschwerdeführerin profitiere von der
psychotherapeutischen Behandlung. Die frühere Angstsymptomatik mit Panikattacken
sei nicht mehr aufgetreten (IV-act. 111-47). Wie die Vorgutachterin schätzte der
psychiatrische Gerichtsgutachter die Arbeitsfähigkeit als uneingeschränkt ein (act. G
23, S. 38; IV-act. 111-50).
2.4 In der psychiatrischen Klinik E._ wurde bei der Beschwerdeführerin während
eines stationären Aufenthalts vom 15.-21. März 2013 nebst Anpassungsstörungen der
Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung erhoben, ohne dass dieser näher begründet
worden wäre (Bericht vom 11. April 2013, IV-act. 70). Dr. F._ stellte die Diagnose
einer (dekompensierten) Persönlichkeitsstörung (Arztbericht vom 4. April 2014, IV-act.
71), äusserte im Verlaufsbericht vom 15. August 2014 allerdings, in erster Linie hätten
die somatischen Beschwerden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Aus seiner
(psychiatrischen) Sicht liege die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bleibend bei 20 %
(IV-act. 80; vgl. auch Verlaufsbericht vom 17. März 2015, IV-act. 87). In der
Stellungnahme vom 17. Mai 2016 zum psychiatrischen Vorgutachten hielt er
sinngemäss fest, die Diagnose stütze sich auf die Klinik (Biografie, von verschiedenen
Fachärzten skizziertes Verhalten und Bild der Beschwerdeführerin). Eine
Anpassungsstörung würde das Zustandsbild der Beschwerdeführerin nicht erklären.
Der Beschwerdeführerin sei es über Jahre hinweg trotz ihrer
"Persönlichkeitsauffälligkeiten", die in Übereinstimmung mit den
Eingangsvoraussetzungen von Persönlichkeitsstörungen gemäss ICD-10 F60 mit
einem Abweichen der Affektivität, der Impulskontrolle und der Kognition einhergingen,
gelungen, unter Aufbietung all ihren Willens ihrer Tätigkeit nachzugehen. In seinen
bisherigen Berichten habe er die Wechselwirkung der Persönlichkeitsdiagnose mit den
somatischen Diagnosen zu wenig beachtet (IV-act. 124-18 f.). Demgegenüber legte der
psychiatrische Gerichtsgutachter dar, insgesamt zeige die Lebensgeschichte der
Beschwerdeführerin keinerlei Anzeichen einer Persönlichkeitsstörung. Im schulischen
Bereich habe es keine Probleme gegeben, sie habe eine 3-jährige Lehre erfolgreich
abgeschlossen und eine Weiterbildung zur Technischen Kauffrau gemacht. Beruflich
sei sie recht stabil, sozial integriert und aktiv, mit mehreren langjährigen Kolleginnen
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und langdauernden Beziehungen. Mit Blick auf die Diagnosekriterien nach ICD-10 sei
eine akzentuierte Persönlichkeit und nicht eine Persönlichkeitsstörung zu
diagnostizieren; nur bei schwerer Störung sollte eine Persönlichkeitsstörung
diagnostiziert werden. Die Diagnose von Dr. F._ sei vorliegend nicht nachvollziehbar
(act. G 23, S. 36 f., 39). Der Gerichtsgutachter hat somit ausreichend begründet,
weshalb die Beschwerdeführerin nicht an einer Persönlichkeitsstörung leide. Der
behandelnde Psychiater hat sich hierzu nicht mehr vernehmen lassen. Da die
Beeinträchtigung durch akzentuierte Persönlichkeitszüge gemäss den Ausführungen
des Gerichtsgutachters definitionsgemäss nicht schwerwiegend ist, entfallen auch die
Funktionalität massgeblich beeinflussende Wechselwirkungen mit den somatischen
Diagnosen.
2.5 Das Gerichtsgutachten berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin
geschilderten Leiden, die vorhandenen medizinischen Akten und die gemäss
strukturiertem Beweisverfahren massgeblichen Indikatoren. Auf das Gerichtsgutachten
ist somit abzustellen.
3.
3.1 Retrospektiv attestiert der orthopädische Gerichtsgutachter ausdrücklich eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit von August 2013 bis April 2015 und eine 50 %ige
Arbeitsfähigkeit ab Mai 2015 (act. G 23, S. 30). Für die bisherige Tätigkeit bestehe ab
August 2013 dauerhaft eine volle Arbeitsunfähigkeit (act. G 23, S. 29). Die geschätzten
Arbeitsunfähigkeiten ergaben sich aufgrund der Operationen im August 2013 und im
November 2014, wobei der Gutachter darauf hinwies, dass nach dem Eingriff im
Bereich der HWS im August 2013 vermehrte Beschwerden lumbalseits auftraten,
welche schliesslich zur Operation Ende November 2014 führten. Es ist somit, dem
Gerichtsgutachten folgend, von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit bis April 2015 und
von einer 50 %igen Arbeitsunfähigkeit ab Mai 2015 auszugehen.
3.2 Zum weiteren Verlauf bis zum Zeitpunkt der Begutachtung äussert sich das
Gerichtsgutachten unter Hinweis auf die dürftige Aktenlage nicht. Da die
Beschwerdeführerin über die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit und die sich daraus
ergebenden Konsequenzen nicht informiert gewesen sei, postuliert der
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Gerichtsgutachter "unter pragmatischen Gesichtspunkten" eine Fortdauer der 50
%igen Arbeitsunfähigkeit bis zum Zeitpunkt der Begutachtung. Dieser Auffassung kann
indes nicht gefolgt werden, denn für den Zeitpunkt des Eintritts einer Veränderung des
Gesundheitszustandes sind die tatsächlichen medizinischen Verhältnisse massgebend
(vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts vom 27. November 2017, IV 2015/63, E. 5.1).
Das Vorgutachten attestierte der Beschwerdeführerin für angepasste Tätigkeiten eine
volle Arbeitsfähigkeit spätestens ab dessen Erstattung am 22. Februar 2016. Der
orthopädische Gerichtsgutachter äusserte sich zum Vorgutachten ausschliesslich
hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin
(act. G 23, S. 28). Was seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in angepassten
Tätigkeiten betrifft, ist nicht ersichtlich, dass sich die unterschiedliche Beurteilung
(Vorgutachten: Arbeitsfähigkeit 100 %; Gerichtsgutachten: 80 %) auf eine seit dem
Vorgutachten eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes zurückführen
liesse. Gestützt auf das Vorgutachten musste sodann die Beschwerdeführerin damit
rechnen, dass ihr mindestens eine teilweise Arbeitsfähigkeit zuzumuten wäre. Somit
erscheint mit Blick auf das Vorgutachten überwiegend wahrscheinlich, dass die vom
Gerichtsgutachter befundene 80 %ige Arbeitsfähigkeit ab dem Zeitpunkt des
Vorgutachtens, mithin spätestens im Zeitpunkt der orthopädischen Untersuchung am
24. November 2015 bestand. Eine höhere Arbeitsfähigkeit ab diesem Zeitpunkt bleibt
jedenfalls beweislos.
3.3 Sodann attestiert der Gerichtsgutachter aufgrund einer Schulterarthroskopie eine
weitere 100 %ige Arbeitsunfähigkeit ab November 2016 von "höchstens" drei
Monaten. Hierzu ist festzuhalten, dass in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich der bis zum
Erlass der angefochtenen Verfügung eingetretene Sachverhalt Verfahrensgegenstand
bildet, auch wenn im Rechtsmittelverfahren ein Gerichtsgutachten eingeholt wird (Urteil
des Bundesgerichts vom 29. Januar 2016, 9C_549/2015, E. 2). Zudem sind gemäss
Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201)
Verschlechterungen des Gesundheitszustandes nur relevant, sobald sie drei Monate
angedauert haben. Zusammenfassend ist mithin ab August 2013 von einer 100 %igen
Arbeitsunfähigkeit, ab Mai 2015 von einer 50 %igen und ab November 2015 von einer
80 %igen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
4.
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Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Beschwerdeführerin - von dieser nicht
bestritten - im Gesundheitsfall als zu 90 % erwerblich und zu 10 % im
Aufgabenbereich Haushalt tätig. Die Beschwerdeführerin meldete sich am 10.
Dezember 2013 erneut zum Leistungsbezug an (IV-act. 43). Das Gerichtsgutachten
attestiert eine 100 % Arbeitsunfähigkeit ab August 2013 (vgl. auch die
Absenzenübersicht der Arbeitgeberin, IV-act. 60-7), womit das Wartejahr gemäss Art.
28 Abs. 1 lit. b IVG im August 2014 erfüllt war. Ein Rentenanspruch besteht folglich
frühestens ab 1. August 2014. Somit ist das Jahr 2014 massgebend für den
Einkommensvergleich (BGE 129 V 222).
4.1 Bei Teilerwerbstätigen, die sich zusätzlich in einem Aufgabenbereich nach Art. 7
Abs. 2 IVG betätigen, wird der Invaliditätsgrad für die Erwerbstätigkeit nach Art. 16
ATSG und für den Aufgabenbereich durch einen Betätigungsvergleich ermittelt und
daraus der Gesamtinvaliditätsgrad errechnet (so genannte gemischte Methode, Art.
28a Abs. 2 und 3 IVG; Art. 27bis Abs. 1 und Abs. 2 lit. a und b IVV). In Nachachtung
des Urteils des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) in Sachen Di
Trizio vs. Schweiz (application no. 7186/09) wurde Art. 27bis IVV dahingehend ergänzt,
dass das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die
Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine
Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27bis Abs. 3 lit. a IVV) und die
prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die Person hätte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27bis Abs. 3 lit. b IVV). Die
Einschränkung im Aufgabenbereich wird anhand der Differenz zwischen dem
Beschäftigungsgrad nach Abs. 3 lit. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (Art.
27bis Abs. 4 IVV). Die neue Verordnungsregelung trat zwar erst am 1. Januar 2018 und
somit nach Erlass der angefochtenen Verfügung am 26. August 2016 in Kraft. Sie
entspricht jedoch der Anwendung der gemischten Methode, wie sie bereits damals der
Rechtsprechung des Versicherungsgerichts entsprach (Entscheid vom 4. Juli 2016, IV
2013/103, E. 4, mit Verweis auf Entscheid vom 9. August 2005, IV 2005/21; vgl. auch
Entscheid vom 16. November 2018, IV 2016/291, E. 3.5). Im vorliegenden Fall drängt
sich diese Berechnungsart ohnehin auf, weil die verminderte Leistungsfähigkeit wegen
zusätzlichen Pausenbedarfs auch bei einem 90%-Pensum zu einer
Leistungsminderung von 20 % führt (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts vom 21.
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Mai 2013, IV 2011/147, E. 7.3, bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts vom 20.
Dezember 2013, 8C_428/2013, E. 4.3.2).
4.2 Ausgangspunkt für die Bemessung des Valideneinkommens bildet das Einkommen
der Beschwerdeführerin als Produktionsmitarbeiterin bei der C._ AG. Im Jahr 2012
betrug dieses Fr. 52'423.--, was in etwa dem Durchschnitt der Vorjahre entspricht
(Auszug aus dem Individuellen Konto [IK], IV-act. 59-1). Hochgerechnet auf ein
Vollzeitpensum (Fr. 52'423.-- : 90 % x 100 % = Fr. 58'248.--) und unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung 2012 bis 2014 (Bundesamt für Statistik
[BFS], Lohnentwicklung, Indices Frauen: 2012: 2630; 2014: 2673) resultiert ein
Valideneinkommen von Fr. 59'200.-- Ein allenfalls höheres Valideneinkommen
namentlich aufgrund der Umschulung zur Technischen Kauffrau kann schon deshalb
nicht anerkannt werden, weil die Beschwerdeführerin in diesem Beruf nie arbeitete und
sich aus den Akten auch keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass sie im
Gesundheitsfall eine solche Validenkarriere absolviert hätte.
4.3 Für das Invalideneinkommen ist vom Durchschnittswert Kompetenzniveau 1
Frauen gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS)
auszugehen. Dieser betrug für das Jahr 2014 Fr. 53'793.-- (Informationsstelle AHV/IV,
IV 2018, Bern 2018, Anhang 2). Da die Beschwerdeführerin nebst einer Gewichtslimite
von 10 kg weitere somatisch bedingte Einschränkungen hat (In-/Reklination, Rotation,
keine monotonen Kopfhaltungen, keine repetitiven Bewegungen in den
Ellbogengelenken, vgl. act. G 23 S. 27) und zudem unter Schmerzen leidet, ist ein
Tabellenlohnabzug von 10 % begründet. Somit resultiert bei 50 %iger Arbeitsfähigkeit
ein Invalideneinkommen von Fr. 24'207.-- (Fr. 53'793.-- x 50 % x 90 %) und bei 80
%iger Arbeitsfähigkeit von Fr. 38'731.-- (Fr. 53'793.-- x 80 % x 90 %). Der erwerbliche
Teilinvaliditätsgrad bei Vollzeittätigkeit beläuft sich somit auf 59,1 % ([Fr. 59'200.-- - Fr.
24'207.--] : Fr. 59'200.--) bzw. 34,6 % ([Fr. 59'200.-- - Fr. 38'731.--]: Fr. 59'200.--).
Gewichtet mit einer Erwerbstätigkeit von 90 % beträgt der erwerbliche
Teilinvaliditätsgrad 53,2 % bzw. 31,1 %.
4.4 Im Haushaltsbereich, welcher mit 10 % zu gewichten ist, müsste somit eine
Einschränkung von rund 70 % bzw. rund 90 % vorliegen, damit ein
Gesamtinvaliditätsgrad von 60 % bzw. 40 % erreicht würde. Eine solche
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Einschränkung erscheint vorliegend nicht nachgewiesen, zumal die
Beschwerdeführerin schilderte, dass sie grundsätzlich alle Tätigkeiten erledigen könne
und schwerere Arbeiten auch durch ihren Partner erledigt würden (act. G 23, S. 18).
4.5 Unter Berücksichtigung der Dreimonatsfrist gemäss Art. 88a Abs. 2 IVV hat die
Beschwerdeführerin vom 1. August 2014 bis 31. Juli 2015 aufgrund ihrer 100 %igen
Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf eine ganze Rente. Ab 1. August 2015 hat sie Anspruch
auf eine halbe Rente. Da sich der Gesundheitszustand im Zeitpunkt der ersten
Begutachtung im November 2015 bereits gebessert hatte, besteht der Anspruch auf
eine halbe Rente bis zum 29. Februar 2016. Ab diesem Zeitpunkt hat die
Beschwerdeführerin keinen Rentenanspruch mehr.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 26. August 2016 in
teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit
Wirkung ab 1. August 2014 eine ganze Rente und mit Wirkung vom 1. August 2015 bis
29. Februar 2016 eine halbe Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der
Rentenleistungen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 1‘000.--
erscheint aufgrund der Einholung eines Gerichtsgutachtens und des damit
verbundenen Mehraufwands als angemessen. Die von der MEDAS Bern attestierte
Arbeitsfähigkeit von 100 % (IV-act. 111-23) wich grundlegend von der Einschätzung
der behandelnden Fachärzte ab. So hat Dr. G._ zum MEDAS-Gutachten Stellung
genommen, die dort gestützt auf die beschriebenen Einschränkungen und Ressourcen
gezogenen Schlüsse auf die Arbeitsfähigkeit könne er in keiner Weise nachvollziehen
(Stellungnahme vom 6. Mai 2016, IV-act. 124-14 f.). Dr. F._ hat am 17. Mai 2016
dargelegt, weshalb die Beschwerdeführerin seiner Ansicht nach entgegen dem
Gutachten an einer Persönlichkeitsstörung leide. Die Wechselwirkung bzw. der Einfluss
der psychiatrischen Diagnose auf die gesamte Arbeitsfähigkeit sei von den Gutachtern
nicht diskutiert worden (IV-act. 124-19). Sodann erschien das orthopädische
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Teilgutachten der MEDAS insoweit nicht nachvollziehbar, als einerseits rein sitzende,
rein gehende und rein stehende Arbeiten sowie Tätigkeiten in monotoner Kopf- und
Rumpfhaltung nicht zumutbar sein sollten (IV-act. 111-16, 17), andererseits aber die
bisherige Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin im Umfang von 80 % und die Arbeit als
Technische Kauffrau zu 100 % zumutbar sei (IV-act. 111-17). Vor allem aus diesen
Gründen bestanden Zweifel an der Beweiskraft des MEDAS-Gutachtens, weshalb ein
Gerichtsgutachten eingeholt wurde. Bei der Verlegung der Gerichtskosten ist sodann
gemäss neuester bundesgerichtlicher Rechtsprechung (vgl. Urteil vom 8. Januar 2019,
9C_605/2018, E. 7.2) zu berücksichtigen, dass eine Rückweisung der Sache an die
Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung ein volles Obsiegen der
Beschwerdeführerin bedeutet hätte, womit der Beschwerdegegnerin praxisgemäss
Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- auferlegt worden wären. Zum anderen ist
dem effektiven Verfahrensausgang gestützt auf das Gerichtsgutachten Rechnung zu
tragen. Die Beschwerdeführerin obsiegt teilweise, indem eine befristete Rente
zugesprochen wird. Insgesamt rechtfertigt es sich daher, die Gerichtskosten in der
Höhe von Fr. 800.-- der Beschwerdegegnerin und im Betrag von Fr. 200.-- der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr
im Umfang von 200.-- daran anzurechnen und im Umfang von Fr. 400.--
zurückzuerstatten.
5.3 Die Kosten des polydisziplinären Gerichtsgutachtens von Fr. 8'123.95 (act. G 24)
hat die Beschwerdegegnerin zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2), nachdem dieses für
die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich war und auch Bestandteil der
zugesprochenen Leistungen bildet (vgl. Art. 45 Abs. 1 2. Satz ATSG).
5.4 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Im
vorliegenden Fall mit zusätzlichem Aufwand bezüglich Gerichtsgutachten erscheint ein
Betrag von Fr. 5'000.-- inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer als angemessen. Da
der Beschwerdeführerin im Falle einer Rückweisung zur weiteren Abklärung eine
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Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- zugesprochen worden wäre und sie teilweise
obsiegt, erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 4‘000.-- einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer gerechtfertigt.