Decision ID: 8c91858a-2ea4-4057-95c6-718fdf28970e
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons
St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Familienzulagen (Nichterwerbstätige)
Sachverhalt:
A.
A.a S._ meldete sich am 26. Mai 2009 als Nichterwerbstätige bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen zum Bezug von Familienzulagen ab
1. Juli 2009 für ihre drei Kinder an. Dabei gab sie an, seit 7. März 2008 von ihrem
Ehemann getrennt zu leben (act. G 3.1/1). Mit Verfügung vom 13. August 2009 wies die
Sozialversicherungsanstalt das Gesuch ab. Gemäss Art. 19 Abs. 1 FamZG gälten in der
AHV obligatorisch versicherte Personen, die bei der AHV als nichterwerbstätige
Personen erfasst seien, als Nichterwerbstätige. Diese hätten Anspruch auf
Familienzulagen. Die Ansprecherin sei dagegen nicht als Nichterwerbstätige erfasst, da
ihr getrennt lebender Ehegatte den doppelten Mindestbeitrag leiste (Art. 3 Abs. 3
AHVG). Der Anspruch sei deshalb durch den erwerbstätigen Elternteil geltend zu
machen (act. G 3.1/2).
A.b Mit Einsprache vom 11. September 2009 machte die Gesuchstellerin geltend, sie
sei als Nichterwerbstätige anzusehen, auch wenn der Ehemann (noch) die hälftigen
AHV-Beiträge bezahle. Sie lebe seit dem 7. März 2008 von ihrem Ehemann getrennt,
und am 31. Mai 2008 sei beim Kreisgericht Rheintal das gemeinsame
Scheidungsbegehren gestellt worden. Dadurch habe sich ein neuer Sachverhalt
ergeben. Die Gleichsetzung von Art. 3 Abs. 3 AHVG bezüglich der Ausrichtung von
Familienzulagen mit der Entrichtung von AHV-Beiträgen ergebe sowohl eine
rechtsungleiche Behandlung von selbstständig Erwerbenden mit unselbstständig
Erwerbenden als auch von verheirateten mit getrennten oder geschiedenen Personen
(act. G 3.1/4).
A.c Mit Entscheid vom 21. Oktober 2009 wies die Sozialversicherungsanstalt die
Einsprache im Wesentlichen mit der selben Begründung wie in der angefochtenen
Verfügung ab. Zudem wies sie darauf hin, der Umstand, dass weder die Einsprecherin
noch ihr Ehegatte Familienzulagen erhielten, liege darin begründet, dass das FamZG
keinen Anspruch für selbstständig Erwerbende vorsehe. Es sei den Kantonen
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überlassen, ob sie für diese Kategorie von Erwerbstätigen Kinderzulagen nach
kantonalem Recht ausrichten wollten. Im Kanton Aargau, wo der Ehegatte der
Einsprecherin als selbstständig Erwerbender erfasst sei, erhielten selbstständig
Erwerbende keine Kinderzulagen (act. G 3.1/5).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 20.
November 2009 mit dem Antrag, der Einspracheentscheid vom 21. Oktober 2009 sei
aufzuheben. Sodann seien der Beschwerdeführerin die Familienzulagen für ihre drei
Kinder zu gewähren. Zudem sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Ihre
AHV-Beiträge würden noch bis Ende 2009 von ihrem Ehemann bezahlt. Dadurch habe
sich für sie eine Lücke von April bis Dezember 2009 ergeben, da sie im Sinn der AHV
nicht als Nichterwerbstätige gelte. Gemäss Art. 19 Abs. 1 FamZG gälten als
Nichterwerbstätige nur obligatorisch in der AHV versicherte Personen, die als
nichterwerbstätig erfasst seien. Art. 16 lit. c FamZV schliesse sodann die
Nichterwerbstätigkeit aus, wenn die AHV-Beiträge gemäss Art. 3 Abs. 3 AHVG als
bezahlt gälten. Für getrennt lebende Personen, die auf Grund der zu betreuenden
Kinder keiner Erwerbstätigkeit nachgehen könnten, bestehe eine Lücke im Gesetz. Die
damit verbundenen Nachteile dürften nicht auf die effektiv Nichterwerbstätigen, deren
Beiträge aber noch vom Ehegatten bezahlt würden, überwälzt werden (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2009 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde und verweist zur Begründung auf die Erwägungen im
Einspracheentscheid (act. G 3).

Erwägungen:
1.
Nachdem vorliegend die Frage zu klären ist, ob die Beschwerdeführerin als
Nichterwerbstätige Anspruch auf Familienzulagen hat, und nachdem der Ehemann der
Beschwerdeführerin im Kanton Aargau weder bei einem Arbeitgeber angestellt noch als
selbstständig Erwerbender einen eigenständigen Anspruch nach der
Familienzulagenordnung des Kantons Aargau hat (vgl. act. G 3.1/3), ist das
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Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen zur Beurteilung der vorliegenden
Streitsache zuständig (Art. 19 Abs. 1 letzter Satz FamZG in Verbindung mit Art. 22
FamZG).
2.
Gemäss Art. 19 Abs. 1 FamZG gelten in der AHV obligatorisch versicherte und dort als
nichterwerbstätig erfasste (d.h. registrierte) Personen als Nichterwerbstätige (vgl.
Beatrice Renfer, Ansprüche von Nichterwerbstätigen auf Familienzulagen, in: René
Schaffhauser/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Familienzulagen, St. Gallen
2009, S. 141). Diese haben Anspruch auf Familienzulagen, wenn ihr steuerbares
Einkommen den anderthalbfachen Betrag einer maximalen vollen Altersrente der AHV
nicht übersteigt und keine Ergänzungsleistungen zur AHV/IV bezogen werden (Art. 19
Abs. 2 FamZG). Nicht als nichterwerbstätige Personen im Sinn des FamZG gelten unter
anderem Personen, die in ungetrennter Ehe leben und deren Ehegatte selbstständig
erwerbend im Sinn der AHV ist sowie Personen, deren AHV-Beiträge nach Art. 3 Abs. 3
AHVG als bezahlt gelten (Art. 16 lit. b und c FamZV).
3.
3.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2009 bei der
AHV nicht als Nichterwerbstätige erfasst ist. Dass die Beschwerdeführerin nicht als
Nichterwerbstätige gilt, ergibt sich zudem aus dem genannten Art. 16 FamZV, wonach
bestimmte Personengruppen nicht in den Genuss von Familienzulagen gemäss Art. 19
FamZG kommen. Dies betrifft zum einen Personen, die bereits eine Altersrente
beziehen, also grundsätzlich aus dem Erwerbsprozess ausgeschieden sind (lit. a), und
solche, deren erwerbstätiger Ehegatte mindestens den doppelten Mindestbeitrag im
Sinn von Art. 3 Abs. 3 AHVG bezahlt. Schliesslich werden selbstständig Erwerbende
generell von der bundesrechtlichen Regelung über die FamZG ausgenommen, und
infolgedessen auch deren Ehegatten (lit. b und c; vgl. B. Renfer, a.a.O., S. 154 f.).
3.2 Die Beschwerdeführerin macht nun zunächst geltend, dass sie als getrennt
lebende Nichterwerbstätige mit Betreuungspflichten keinen Anspruch auf
Familienzulagen habe, stelle eine Diskriminierung gegenüber verheirateten Personen
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dar. Dies trifft jedoch schon deshalb nicht zu, als gemäss Art. 16 lit. b FamZV auch in
ungetrennter Ehe mit einer selbstständig erwerbenden Person lebende Ehegatten
keinen Anspruch auf Familienzulagen haben. Der Zivilstand ist in dieser Konstellation
nicht entscheidend für die Anspruchsberechtigung. Zwar ist nicht zu übersehen, dass
die Beschwerdeführerin als geschiedene nichterwerbstätige Frau im Rahmen von Art.
19 FamZG einen Anspruch auf Familienzulagen geltend machen kann, während ihr dies
als (noch) verheiratete nichterwerbstätige Ehefrau nach Art. 19 Abs. 1 FamZG und Art.
16 lit. c FamZV verwehrt ist. Die Anknüpfung des Anspruchs auf Familienzulagen an die
AHV-technische Erfassung als nichterwerbstätige Person ist indessen vom
Gesetzgeber zur administrativen Vereinfachung bewusst gewählt, weshalb B. Renfer
Art. 16 lit. c FamZV denn auch als gesetzmässig erachtet (a.a.O., S. 153 FN 30).
3.3 Im Weiteren macht die Beschwerdeführerin geltend, es liege eine
Ungleichbehandlung vor, da sie Anspruch auf Zulagen hätte, wenn ihr Ehemann
unselbstständig erwerbend wäre. Dies stelle eine Gesetzeslücke dar. Dem ist jedoch zu
widersprechen. Vielmehr war es der Wille des Gesetz- und Verordnungsgebers,
selbstständig Erwerbende und deren Ehegatten vom Anspruch auf Familienzulagen
auszunehmen und diesen Bereich der kantonalen Gesetzgebung zu überlassen.
Nachdem in der Schweiz keine Verfassungsgerichtsbarkeit besteht, gibt es keine
Möglichkeit diese bundesrechtliche Regelung auf ihre Verfassungsmässigkeit hin zu
überprüfen (Art. 190 BV). Ob dereinst die gesetzliche Grundlage für Familienzulagen für
selbstständig Erwerbende auf Bundesebene geschaffen wird, wird derzeit in den
eidgenössischen Räten beraten. Während sich der Nationalrat bereits für die Annahme
einer entsprechenden Gesetzesänderung ausgesprochen hat, sprach sich die
Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerats dagegen aus.
Schliesslich kann die Beschwerdeführerin auch nicht - wegen der als geleistet
geltenden Beiträge - als erwerbstätig angesehen werden, da sie nicht als
Arbeitnehmerin obligatorisch versichert ist (vgl. Art. 13 FamZG). Vielmehr stellt die
Bestimmung von Art. 3 Abs. 3 AHVG eine Entlastung von nicht erwerbstätigen
Ehegatten dar, indem diese keine eigenen Beiträge bezahlen müssen, wenn ihr
Ehegatte mindestens den doppelten Mindestbeitrag leistet.
4.
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Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid als korrekt,
weshalb die Beschwerde abzuweisen ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 1
FamZG in Verbindung mit Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG