Decision ID: eb05f18f-da66-4bc8-b684-79dceaa1838b
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_001
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: civil_law

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
A. erhob in der Betreibung Nr. xxx des Betreibungsamts Q. (Zahlungsbe-
fehl vom 17. November 2021) am 19. November 2021 Rechtsvorschlag mit
der Begründung, sie sei zu keinem neuen Vermögen gekommen.
2.
2.1.
Am 14. Dezember 2021 legte das Betreibungsamt Q. den Rechtsvorschlag
gestützt auf Art. 265a Abs. 1 SchKG dem Präsidium des Bezirksgerichts
Brugg vor.
2.2.
Das Präsidium des Bezirksgerichts Brugg setzte A. mit Verfügung vom
17. Dezember 2021 eine Frist von zehn Tagen an zur Leistung eines Kos-
tenvorschusses von Fr. 400.00.
2.3.
Mit Eingabe vom 13. Januar 2022 stellte A. ein Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege.
2.4.
Am 26. Januar 2022 reichte die Gesuchstellerin die mit Verfügung der Prä-
sidentin des Bezirksgerichts Brugg vom 17. Januar 2022 einverlangten Un-
terlagen ein.
2.5.
Die Präsidentin des Bezirksgerichts Brugg wies das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Verfügung vom 21. Februar
2022 ab.
3.
Gegen diese ihr am 24. Februar 2022 zugestellte Verfügung erhob die Ge-
suchstellerin mit Eingabe vom 2. März 2022 (Postaufgabe) beim Oberge-
richt des Kantons Aargau Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, die
vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr die unentgeltliche
Rechtspflege im vorinstanzlichen Verfahren SR.2021.180 zu bewilligen.
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Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Wird die unentgeltliche Rechtspflege ganz oder teilweise abgelehnt oder
entzogen, so kann der Entscheid mit Beschwerde angefochten werden
(Art. 121 ZPO).
Mit der Beschwerde können die unrichtige Rechtsanwendung und die of-
fensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht wer-
den (Art. 320 ZPO). Offensichtlich unrichtig bedeutet willkürlich (Urteil des
Bundesgerichts 4A_149/2017 vom 28. September 2017 E. 2.2). Neue An-
träge, neue Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel sind ausge-
schlossen (Art. 326 Abs. 1 ZPO). Das gilt sowohl für echte als auch für un-
echte Noven, da die Beschwerde nicht der Fortführung des erstinstanzli-
chen Prozesses, sondern grundsätzlich nur der Rechtskontrolle des erstin-
stanzlichen Entscheids dient (DIETER FREIBURGHAUS/SUSANNE AFHELDT,
in: THOMAS SUTTER-SOMM/FRANZ HASENBÖHLER/CHRISTOPH LEUENBERGER
[Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl.
2016, N. 3 f. zu Art. 326 ZPO).
2.
2.1.
Die Vorinstanz begründete die Ablehnung der unentgeltlichen Rechts-
pflege im Wesentlichen wie folgt: Die monatlichen Einkünfte der Gesuch-
stellerin und ihres Ehemanns beliefen sich total auf ca. Fr. 7'250.00. Das
erweiterte Existenzminimum der Gesuchstellerin und ihres Ehemanns be-
trage unter Berücksichtigung des Zuschlags von 25 % auf dem Grundbe-
trag Fr. 6'934.35. Der Gesuchstellerin und ihrem Ehemann verbleibe somit
ein Freibetrag von monatlich rund Fr. 315.00 (bzw. Fr. 3'780.00 im Jahr),
aus welchem die Gesuchstellerin die Prozesskosten bestreiten könne. Zu-
dem verfügten die Gesuchstellerin und ihr Ehemann über Vermögen in der
Höhe von Fr. 55'400.00 in Form von Aktien der C. AG. Allenfalls wäre es
auch durch einen (teilweisen) Verkauf dieses Aktienpakets möglich, das
Geld für die Leistung des Kostenvorschusses von Fr. 400.00 aufzubringen.
2.2.
Die Gesuchstellerin machte in ihrer Beschwerde geltend, gemäss den Aus-
führungen der Vorinstanz hätten sie und ihr Ehemann zusammen einen
Freibetrag von Fr. 315.00 pro Monat. Sie besässen jedoch noch sechs
Hauskatzen, die pro Monat Fr. 350.00 bis Fr. 400.00 kosteten (nur Futter
und Katzensand, ohne Tierarztkosten). Damit sei der Freibetrag schon
mehr als aufgebraucht. Sodann betrage der Wert der Aktien der C. AG nicht
mehr Fr. 55'400.00, wie in den Steuererklärungen 2019 und 2020 angege-
ben, sondern gemäss Auskunft des Steueramts Luzern nur noch
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Fr. 10'976.00. Der Verwaltungsrat der C. AG werde der Generalversamm-
lung zudem die Liquidation der Gesellschaft beantragen, womit ihr niemand
mehr die Aktien abkaufen werde.
Diese Vorbringen - fixe Kosten für die Haltung von sechs Katzen von mo-
natlich Fr. 350.00 bis Fr. 400.00, welche im prozessualen Existenzmini-
mum zu berücksichtigen seien; erheblich geringerer Wert der Aktien der
C. AG als in den Steuererklärungen 2019 und 2020 deklariert und Unver-
käuflichkeit dieser Aktien wegen bevorstehender Liquidation der Gesell-
schaft - hat die Gesuchstellerin nicht bereits vor Vorinstanz, sondern erst-
mals im Beschwerdeverfahren erhoben. Auch die Belege bezüglich der Ak-
tien (Einladung zur Generalversammlung der C. AG vom 24. März 2022
und Auszug aus dem Wertschriftenverzeichnis zur Steuererklärung 2021)
hat sie zum ersten Mal mit der Beschwerde vorgelegt. Dabei handelt es
sich somit um neue Tatsachenbehauptungen und Beweismittel, welche ge-
mäss Art. 326 Abs. 1 ZPO im Beschwerdeverfahren nicht zulässig sind. An-
deres hat die Gesuchstellerin nicht geltend gemacht. Deshalb hat es bei
der vorinstanzlichen Verfügung sein Bewenden.
2.3.
Die Beschwerde ist demzufolge unbegründet und deshalb abzuweisen.
3.
Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens hat die Gesuchstellerin
die obergerichtliche Entscheidgebühr zu bezahlen (Art. 106 Abs. 1 ZPO;
BGE 137 III 470), welche auf Fr. 500.00 festzusetzen ist (Art. 96 ZPO i.V.m.
§ 11 Abs. 2 VKD), und ihre Parteikosten selber zu tragen.