Decision ID: ec4d80d0-e389-59d8-82a2-90231f20ac02
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Die X AG erstellte kürzlich auf dem Grundstück Nr. 1 in Y ein neues Produktions-
und Betriebsgebäude Vers. Nr. 2. Dieses wurde am 14. August 2013 erstmals amtlich
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geschätzt, wobei der Neuwert und der Zeitwert auf Fr. 10'560'000.– festgelegt wurden.
Die amtliche Schätzung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Am 30. August 2013 veranlagte die Dorfkorporation Y die X AG mit Anschlussbeiträgen
für das Produktions- und Betriebsgebäude von insgesamt Fr. 239'700.–
(Anschlussbeitrag Wasser Fr. 106'100.–, Anschlussbeiträge Abwasser Fr. 133'600.–).
Davon wurden Akontozahlungen vom 20. Oktober 2011 von Fr. 48'000.– für
Wasseranschluss- und von Fr. 76'000.– für Abwasseranschlussbeiträge berücksichtigt,
woraus sich ein noch offener Rechnungsbetrag von Fr. 121'760.50 ergab.
Gegen die Veranlagung der Wasser- und Abwasseranschlussbeiträge erhob die X AG
mit Schreiben vom 12. September 2013 Rekurs beim Verwaltungsrat der
Dorfkorporation Y. Dieser wies den Rekurs mit Entscheid vom 30. Oktober 2013 ab.
Zur Begründung hielt er fest, die Anschlussbeiträge basierten auf dem Zeitwert der
amtlichen Schätzung, wobei sich dieser mit Einschluss der Mehrwertsteuer verstehe.
B.- Gegen den Entscheid des Verwaltungsrates der Dorfkorporation Y erhob die X AG
mit Eingabe vom 14. November 2013 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission
und machte geltend, aus ihrer Sicht müssten die Anschlussbeiträge auf dem Wert der
Gebäudeschätzung ohne Mehrwertsteuer berechnet werden.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 19. Dezember 2013 die
Abweisung des Rekurses, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Rekurrentin.
Die Rekurrentin erhielt Gelegenheit, zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung und in
die Akten Einsicht zu nehmen. Die Rekurrentin verzichtete darauf.
Auf weitere Einzelheiten wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
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Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 14. November 2013 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der ergänzten Eingabe vom 3. Januar
2014 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. f
Ziff. 4, 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Die Vorinstanz erhob die Anschlussbeiträge für Wasser und Abwasser gestützt auf
Art. 38 des Wasserreglements der Dorfkorporation Y und Art. 38 des
Abwasserreglements der Politischen Gemeinde Y. Nach Art. 38 des Wasserreglements
wird neben der Grundquote von Fr. 500.– ein Gebäudezuschlag erhoben, der 1 % des
Gebäudezeitwertes beträgt. Nach Art. 24 des Abwasserreglements ist für Bauten und
Anlagen auf einem Grundstück, das an die öffentliche Kanalisation angeschlossen wird,
ein einmaliger Gebäudebeitrag von 2,4 % des Zeitwertes zu bestimmen.
3.- Die Rechtsgrundlagen der streitigen Abgaben sind von Amtes wegen zu prüfen.
a) Im Bereich des Abgaberechts kommt dem Erfordernis der gesetzlichen Grundlagen
eine besondere Bedeutung zu. Einerseits gilt das Erfordernis des Rechtssatzes,
welches besagt, dass die Abgabe in einer generell-abstrakten Rechtsnorm vorgesehen
sein muss, die genügend bestimmt ist. Andererseits besteht das Erfordernis der
Gesetzesform, die besagt, dass der Gesetzgeber die wesentlichen Elemente einer
Abgabe festzulegen hat. Das Gesetz muss mindestens den Kreis der Abgabepflichtigen
(Subjekt der Abgabe), den Gegenstand der Abgabe (den abgabebegründenden
Tatbestand, Objekt der Abgabe) und die Höhe der Abgabe in den Grundzügen
(Bemessungsgrundlage) umschreiben (vgl. Art. 164 Abs. 1 lit d der Bundesverfassung,
SR 101, für Abgaben auf Bundesebene). Der vollziehenden Behörde kann die
Kompetenz übertragen werden, nach den im Gesetz bestimmten Kriterien die absolute
Höhe der Abgabe festzulegen (vgl. statt vieler Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, Rz. 2693 ff.).
b) Öffentliche Abgaben der hier streitigen Art bedürfen nach ständiger Rechtsprechung
auch auf kantonaler Ebene einer Grundlage in einem formellen Gesetz, d.h. in einem
dem Referendum unterstehenden Erlass. Delegiert das Gesetz die Kompetenz zur
(rechtssatzmässigen) Festsetzung einer Abgabe an den Verordnungsgeber, so muss es
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zumindest den Kreis der Abgabepflichtigen sowie Gegenstand und
Bemessungsgrundlage der Abgabe selber festlegen. Ein kommunaler Erlass entspricht
einem formellen Gesetz, wenn er von der nach dem kantonalen Recht ermächtigten
Gemeindelegislative (Gemeindeversammlung oder -parlament) beschlossen wurde
oder aber als Erlass der Exekutive dem (obligatorischen oder fakultativen) Referendum
unterstand; eine Blankodelegation an die Gemeindeexekutive zur Festsetzung von
öffentlichen Abgaben vermag hingegen dem Erfordernis der gesetzlichen Grundlage
nicht zu genügen (vgl. BGE 120 Ia 265 E. 2a). Seit der Praxisänderung der kantonalen
Gerichte, die auf das zitierte Urteil des Bundesgerichts folgte, genügt eine öffentliche
Auflage eines Reglements und eine nachträgliche Genehmigung der kantonalen
Behörde nicht, um den verfassungsmässigen Anforderungen einer gesetzlichen
Grundlage zu entsprechen. Reglemente der Exekutive sind daher dem obligatorischen
oder fakultativen Referendum zu unterstellen (vgl. GVP 1995 Nr. 17 mit Hinweis auf die
verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung).
4.- Aufgrund der ergänzenden Abklärungen steht fest, dass sowohl das
Abwasserreglement der Politischen Gemeinde Y vom 26. November 2009 als auch das
Wasserreglement der Dorfkorporation Y vom 27. August 1986 dem fakultativen
Referendum unterstellt und von den zuständigen kantonalen Departementen
genehmigt wurden. Die Reglemente erfüllen die von Amtes wegen zu prüfenden
Anforderungen an die gesetzliche Grundlage für die Erhebung von einmaligen
Beiträgen. In materieller Hinsicht sind sich die Verfahrensbeteiligten einig, dass die
Erstellung des Produktions- und Betriebsgebäudes Vers.-Nr. 2 und dessen Anschluss
an die öffentlichen Wasserversorgungs- und Abwasseranlagen die Pflicht zur Leistung
von Anschlussbeiträgen auslöst. Ebenso ist unbestritten, dass die reglementarischen
Bestimmungen dem übergeordneten Recht nicht widersprechen und dass der Zeitwert
des Gebäudes als Bemessungsgrundlage dient (vgl. Art. 38 des Abwasserreglements,
Art. 24 des Wasserreglements).
a) Art. 24 Abs. 2 des Abwasserreglements nimmt bezüglich des Begriffs des
(Gebäude-) Zeitwerts explizit Bezug auf das (kantonale) Gesetz über die
Gebäudeversicherung (sGS 873.1, abgekürzt: GVG). In Art. 14 GVG werden die
Versicherungswerte (insbesondere Neuwert und Zeitwert) definiert. Nach Art. 14 Abs. 1
GVG gilt als Neuwert der Kostenaufwand, der für die Erstellung eines gleichartigen
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Gebäudes zur Zeit der Schätzung erforderlich wäre. Als Zeitwert gilt nach Art. 14 Abs.
3 GVG der Neuwert unter Abzug der seit der Erstellung infolge Alters, Abnützung und
anderer Gründe eingetretenen Wertvermehrung.
b) Beim Gebäude der Rekurrentin beträgt der Neuwert gemäss der amtlichen
Schätzung Fr. 10'560'000.–. Da es sich um ein neues Gebäude handelt, bei dem noch
keine Wertverminderung im Sinn von Art. 14 Abs. 3 GVG eingetreten ist, sind der
Neuwert und der Zeitwert identisch.
Da aufgrund der gesetzlichen Definition der Neuwert als Kostenaufwand gilt, der für die
Erstellung eines gleichartigen Gebäudes erforderlich wäre, ist zwingend auch die
gesetzliche Mehrwertsteuer zu berücksichtigen. Die Mehrwertsteuer gehört ebenfalls
zum Kostenaufwand, der für die Erstellung eines Gebäudes notwendig wäre. Dies
ergibt sich auch aus der Anleitung zur Sachwertermittlung des Schätzerhandbuchs der
Schweizerischen Vereinigung kantonaler Grundstückbewertungsexperten und der
Schweizerischen Schätzungsexperten-Kammer/Schweizerischen Verbandes der
Immobilienwirtschaft (4. Aufl. 2012, S. 70 f.). Eine ziffernmässig genaue
Berücksichtigung der Mehrwertsteuer war im vorliegenden Fall deshalb möglich, weil
die amtliche Schätzung auf der Baukostenabrechnung der Rekurrentin beruhte, in der
die Mehrwertsteuer separat ausgewiesen wurde. Bei bestehenden Gebäuden fliesst
der Aufwand für die Mehrwertsteuer in die amtliche Schätzung ein, ohne dass er
separat ausgewiesen würde. Die Rekurrentin legt im Übrigen nicht dar, inwiefern der
Einschluss der Mehrwertsteuer in den Neu- oder Zeitwert als Berechnungsgrundlage
für die Abwasser- und Wasseranschlussbeiträge gesetzliche Vorschriften oder
allgemeine Rechtsgrundsätze verletzt. Allein der Umstand, dass eine Abgabe als
Grundlage für die Erhebung einer andersartigen Abgabe dient, bildet keine
rechtswidrige Bemessungsmethode.
c) Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass der Rekurs
als unbegründet abzuweisen ist.
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Rekursverfahrens der Rekurrentin aufzuerlegen. (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 800.– ist angemessen (Art. 7 Ziff. 122
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Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher
Höhe ist zu verrechnen.
Die Vorinstanz stellte den Antrag auf Abweisung des Rekurses, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Sie war allerdings anwaltlich nicht vertreten. Aufgrund des aus
den Akten ersichtlichen Aufwands für das Rekursverfahren rechtfertigt sich die
Zusprache einer Entschädigung nicht.