Decision ID: 1b34c43c-431e-4665-b568-bd37ee6fd4df
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
Mit einer am 3. Juli 2014 datierten und der Post gleichentags übergebenen Ein
gabe (Urk. 1) erhob
X._
Beschwerde gegen eine Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 16. Mai 2014 betreffend Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 2).
Da
eine verspätete Beschwerdeerhebung nahe lag
, setzte das hiesige Gericht dem Beschwerdeführer m
it Verfügung vom 8. Juli 2014 Frist an, um zu
erklären, wann der angefochtene
Entscheid in Empfang genommen wurde, und um dem Gericht den Briefumschlag des angefochtenen Entscheids einzureichen (Urk. 4).
Mit Eingabe vom 16. Juli 2014 brachte der Beschwerdeführer vor, er habe sich zum Zeitpunkt der Verfügungszustellung in einer für ihn schweren Depression befunden und über vier Wochen keine Post geöffnet (Urk. 6). Daraufhin wurde dem Beschwerdeführer mit Gerichtsverfügung vom 23. Juli 2014
Gelegenheit gegeben
,
zu belegen, dass er aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage
gewesen
war, die 30-tägige Beschwerdefrist einzuhalten (Urk. 7).
In der Folge bestätigten d
ie Ärzte der p
sychiatrischen Dienste
Y._
am
4. August 2014, dass der Beschwerdeführer in den letzten Monaten schwer depressiv gewesen sei und deshalb seine Post nicht geöffnet habe (Urk. 8).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) ist eine Beschwerde innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung der Verfügung einzureichen. Die Artikel 38 bis 41 ATSG sind sinngemäss anwendbar (Art. 60 Abs. 2 ATSG). Berechnet sich eine Frist nach Tagen oder Monaten und bedarf sie der Mitteilung an die Parteien, so be
ginnt sie am Tag nach ihrer Mitteilung zu laufen (Art. 38 Abs. 1 ATSG).
Die Rechtzeitigkeit der Beschwerde ist abhängig vom Fristenlauf und damit von der Zustellung des Verwaltungsentscheids. Die Eröffnung einer Verfügung ist eine empfangsbedürftige, nicht aber eine annahmebedürftige einseitige Rechts
handlung; sie entfaltet daher ihre Rechtswirkungen vom Zeitpunkt ihrer ord
nungsgemässen Zustellung an;
eine effektive Kenntnisnahme durch die Partei wird nicht verlangt (
Kieser, ATSG-Kommentar,
2.
Aufl. 2009, N
9
zu Art. 38
ATSG
; BGE
119 V 89
E. 4.c)
.
1.2
Die angefochtene Verfügung erging am 16. Mai 2014 (Urk. 2).
Wurde sie
glei
chentags mit A-Post
versandt, konnte die Zustellung frühestens
am 17. Mai 2014
erfolgen
. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, die Verfügung kurz nach dem Verfügungsdatum erhalten zu haben, sondern macht geltend, er habe
die Post
nicht geöffnet (Urk. 6). Da die Kenntnisnahme des Inhalts der Verfügung für den Beginn des Fristenlaufs nicht
vorausgesetzt
ist,
war die Beschwerdefrist zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung vom 3. Juli 2014
, das heisst eineinhalb Monate später,
abgelaufen
und die Beschwerde somit
verspätet
.
2.
2.1
D
er Beschwerdeführer machte
geltend
, er habe wegen einer schweren Depres
sion nicht rechtzeitig auf die Verfügung reagieren können (Urk. 6).
Als Beleg liess er die Bestätigung des
psychiatrischen Dienstes Y._
vom 4. August 2014 einreichen (Urk. 8).
Zu prüfen ist, ob die Frist gegebenenfalls wiederherzustellen ist.
2.2
Ist die gesuchstellende Person oder ihre Vertretung unverschuldeterweise abgehal
ten worden, binnen Frist zu handeln, so wird diese wiederhergestellt, sofern sie unter Angabe des Grundes binnen 30 Tagen nach Wegfall des Hin
dernisses darum ersucht (Art. 41 ATSG). Eine Fristwiederherstellung ist nur zulässig, wenn
kein Verschulden
am Versäumnis besteht (Kieser, a.a.O., N 6
zu Art. 41 ATSG), der Partei (und gegebenenfalls ihrem Vertreter) somit kein Vor
wurf gemacht werden kann (BGE 112 V 255 E. 2a mit Hinweisen). Die Wie
der
herstellung beurteilt sich nach Massgabe der Gesuchsbegründung (BGE 119 II 8
6
E. 2b). Entschuldbare Gründe liegen vor, wenn die säumige Person aus hin
reichenden objektiven oder subjektiven Gründen davon abgehalten worden ist, fristgerecht zu handeln oder eine Vertretung zu bestellen (BGE 119 II
86 E.
2
a
).
Ein Krankheitszustand bildet nach der Rechtsprechung ein unverschuldetes, zur Wiederherstellung führendes Hindernis, wenn und solange er jegliches auf die Fristwahrung gerichtetes Handeln verunmöglicht (vgl. BGE 119 II 86; 112 V 255). Die Erkrankung muss derart sein, dass der Rechtsuchende durch sie davon abgehalten wird, innert Frist selbst zu handeln oder eine Drittperson mit der Vornahme der Prozesshandlung zu betrauen. Demzufolge dauert das Hindernis nur solange an, als der Betroffene wegen seiner körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung weder selbst die Rechtshandlung vornehmen noch einen Drit
ten beauftragen kann. Eine Fristwiederherstellung wird nach der bundesgericht
lichen Praxis nur gewährt, wenn die darum ersuchende Partei klarerweise kein Verschulden an der Säumnis trifft und sie auch bei gewissenhaftem Vorgehen
nicht rechtzeitig hätte handeln können. Dabei gilt ein strenger Massstab (Urteil des Bundesgerichts 6B_318/2012 vom 21. Januar 2013
,
E. 1.2 mit Hinweisen).
Des Weiteren genügt die blosse Bestätigung eines Krankheitszustandes und regel
mässig selbst einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit zur Anerkennung eines Hindernisses nicht (Urteile des Bundesgerichts 8C_554/2010 vom 4.
August 2010
,
E. 4.2 und 6B_230/2010 vom 15. Juli 2010
,
E. 2.2).
Eine Wiederherstellung zugelassen wurde etwa bei einem an einer schweren Lungenentzündung erkrankten und hospitalisierten Versicherten oder bei einer Person, die wegen schwerer nachoperativer Blutungen massive zerebrale Verän
derungen aufwies, intellektuell stark beeinträchtigt und daher während der gesamten Rechtsmittelfrist weder fähig war, selber Beschwerde zu erheben, noch sich bewusst werden konnte, dass sie jemanden mit der Interessenwahrung hätte betrauen sollen (BGE 112 V 255 E. 2a mit Hinweisen). Nicht gewährt wurde die Wiederherstellung dagegen in Fällen eines immobilisierten rechten Armes beziehungsweise einer schweren Grippe, wo keine objektiven Anhaltspunkte dafür bestanden und dies auch nicht weiter belegt wurde, dass der Recht
-
suchende nicht imstande gewesen wäre, trotz der Be
einträchtigung
fristgerecht zu handeln oder nötigenfalls einen Vertreter mit der Interessenwahrung zu betrauen (BGE 112 V 255 E. 2a mit Hinweisen).
Bedeutsam für die Frage, ob Krankheit im Sinne eines unverschuldeten Hinder
nisses die Partei von eigenem fristgerechten Handeln oder der Beauftragung eines Dritten abgehalten hat, ist vor allem die letzte Zeit der Rechtsmittelfrist, weil die gesetzliche Regelung jedermann dazu berechtigt, die notwendige Rechtsschrift erst gegen das Ende der Frist auszuarbeiten und einzureichen. Erkrankt die Partei eine gewisse Zeit vor Fristablauf, so ist es ihr in aller Regel möglich und zumutbar, ihre Interessen selber zu verteidigen oder die Dienste eines Dritten in Anspruch zu nehmen (Urteil des Bundesgerichts 8C_767/2008 vom 1
2.
Januar 2009, E. 5.3.1 mit zahlreichen Hinweisen).
2.3
Dem
Attest
der
p
sychiatrischen Dienste Y._
vom 4. August 2014 ist zu entnehmen, dass der Beschwer
deführer in den letzten Monaten schwer depressiv gewesen sei und deshalb seine Post nicht geöffnet habe (Urk. 8).
Hingegen enthält es
keine An
gaben
zu
den
aus der Depression konkret
resultierenden Einschränkungen.
Die Bestätigung, der Beschwerdeführer habe seine Post wegen der Depression nicht geöffnet, basiert
offensichtlich
auf den Angaben des Beschwerdeführers. Eine ärztliche Beurteilung, wonach der Beschwerdeführer aus medizinischen Grün
den objektiv nicht in der Lage gewesen sei, seine Post zu öffnen oder jemanden mit deren Bearbeitung zu beauftragen, fehlt.
Damit ist nicht
rechtsgenüglich
belegt, dass die Depression
die Handlungsfähigkeit
des
Beschwerdeführers
der
art einschränkte, dass
er
nicht in der Lage gewesen w
a
r,
seine Post zu öffnen oder jemanden damit zu betrauen.
Des Weiteren fehlen auch Angaben
zum zeitlichen Verlauf. Es ist mithin offen, ob der Beschwerdeführer während dem gesamten Fristenlauf gleichermassen nicht in der Lage war, seine Post zu öff
nen
.
Insgesamt ist eine
aus der Erkrankung
resultierende
gänzliche Handlungs
unfähigkeit
, wie sie von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gefordert wird,
nicht
mit einem aussagekräftigen Arztbericht belegt.
Eine Wiederherstel
lung der Beschwerdefrist gestützt auf Art. 41
ATSG
kommt
infolgedessen nicht
in Frage
. Dementsprechend ist wegen der klaren Verspätung der erhobenen Beschwerde nicht auf diese einzutreten.
3
.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen. Das Verfahren ist daher kostenpflichtig. Die Ge
richtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche
rung; IVG)
und ermess
ensweise auf Fr. 200.-- anzuset
zen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten
dem Beschwerdeführer aufzuerle
gen.