Decision ID: 2ce3eb7b-6515-4eca-b4b2-1f599486fc64
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 25. Februar 2008 zum Bezug von IV-Leistungen an,
nachdem die Krankentaggeldversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen eine
Meldung eingereicht hatte (act. G 4.1 - 4.15). Die behandelnde Dr. med. B._, FMH
Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 19. März 2008, die Versicherte leide an
einer anhaltenden depressiven Störung mit im Vordergrund stehenden generalisierten
Schmerzen, Störung der Vitalgefühle, sozialem Rückzug, Existenzängsten und
passiven Gedanken des Lebensüberdrusses (ICD-10: F38.8). Des Weiteren bestehe
eine andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10:
F62.8). Die Versicherte sei 100% arbeitsunfähig (act. G 4.26). Sie wurde im Auftrag der
IV-Stelle psychiatrisch am 9. Juni 2008 von Dr. med. C._, Psychiatrie/Psychotherapie
FMH, sowie somatisch am 19. und 20. Juni 2008 in der AEH Zentrum für
Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG untersucht. Im Gesamtgutachten vom
3. Oktober 2008 (zum psychiatrischen Teilgutachten vom 2. Juli 2008 siehe act. G 4.40)
diagnostizierten die Experten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein zervikovertebrales
Syndrom, eine leichte depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10:
F32.01) im Rahmen einer Anpassungsstörung bei chronischem
Ganzkörperschmerzsyndrom und chronischen Kopfschmerzen. Für leidensangepasste
Tätigkeiten verfüge die Versicherte über eine ganztags verwertbare 70%ige
Arbeitsfähigkeit (act. G 4.42). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (zum
Vorbescheid vom 3. April 2009 und zum Einwand vom 14. Mai 2009 siehe act.
G 4.61 f.) wies die IV-Stelle das Rentengesuch der Versicherten mit Verfügung vom
27. Mai 2009 ab (act. G 4.64). Am 2. Juni 2009 teilte Dr. B._ der IV-Stelle mit, dass
sich die Versicherte seit 2. April 2009 in stationärer psychiatrischer Behandlung in der
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Klinik D._ befinde (act. G 4.66; zum Austrittsbericht vom 25. Juni 2009 betreffend die
Hospitalisation vom 2. April bis 25. Juni 2009 siehe act. G 4.75-5 ff.). Gegen die
rentenabweisende Verfügung erhob die Versicherte am 2. Juli 2009 Beschwerde (act.
G 4.74). Das Versicherungsgericht hiess die Beschwerde der Versicherten mit
Entscheid vom 20. Mai 2011, IV 2009/235, in dem Sinn gut, als die angefochtene
Verfügung aufgehoben und die Sache zu weiteren Abklärungen und zu neuer

Verfügung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen
wurde (act. G 4.86-15).
A.b Im Verlaufsbericht vom 8. August 2011 gab der behandelnde Dr. med. E._,
Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, an, der Gesundheitszustand der Versicherten sei
seit März 2008 stationär. Eine Tätigkeit sei ihr nicht zumutbar (act. G 4.90). Dr. B._
berichtete am 8. September 2011, der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich
verschlechtert. Es habe eine schleichend zunehmende Verschlechterung der
depressiven Symptomatik sowie eine Intensivierung der Schmerzen stattgefunden. Es
bestehe keine Restarbeitsfähigkeit (act. G 4.93). Sie legte den Austrittsbericht der Klinik
D._ vom 22. April 2010 über eine weitere stationäre Behandlung der Versicherten
vom 24. Februar bis 22. April 2010 bei, worin eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom [ICD-10: F33.11], eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung [ICD-10: F45.4] und ein Verdacht auf
posttraumatische Belastungsstörung [ICD-10: F43.1] diagnostiziert wurden (act.
G 4.95).
A.c Am 26. Oktober 2011 wurde die Versicherte orthopädisch-psychiatrisch im
Medizinischen Gutachtenszentrum St. Gallen (MGSG) untersucht. Im MGSG-Gutachten
vom 24. November 2011 diagnostizierten die Experten mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine chronisch depressive Störung mit mittelgradigen depressiven
Episoden mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11), eine andauernde
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0) sowie eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Die Versicherte verfüge für geistig
einfache Tätigkeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne
erforderliche geistige Flexibilität, ohne vermehrte Kundenkontakte und ohne
überdurchschnittliche Dauerbelastung seit Januar 2009 über eine ganztags verwertbare
Arbeitsfähigkeit von 50% und aufgrund der zunehmenden Verschlechterung des
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psychischen Zustandsbilds seit August 2011 über eine ganztags verwertbare
Arbeitsfähigkeit von 30% (act. G 4.102). Der RAD bestätigte diese Beurteilung
vollumfänglich (Stellungnahme vom 19. Dezember 2011, act. G 4.103). Der
Rechtsdienst der IV-Stelle kam in der Stellungnahme vom 27. Januar 2012 zum
Schluss, dass der andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung kein
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zugebilligt werden könne. Zudem sei "auch die ganze
Story hinter der 'Extrembelastung' mehr als dubios". Das depressive Leiden sei
lediglich als reaktive Begleiterscheinung zu verstehen und habe wie die somatoforme
Schmerzstörung keine invalidisierende Wirkung. Aufgrund der psychischen Verfassung
resultiere keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (act. G 4.104).
A.d Mit Vorbescheid vom 20. Februar 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, von einer "vollen" Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen
und das Leistungsbegehren abzuweisen (act. G 4.107). Dagegen erhob die Versicherte
am 23. März 2012 Einwand (act. G 4.108). Am 2. April 2012 verfügte die IV-Stelle die
Abweisung des Leistungsbegehrens (act. G 4.109).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 2. April 2012 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 14. Mai 2012. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen deren Aufhebung. Es sei ihr ab 1. Januar 2010 eine halbe sowie
ab 1. August 2011 eine ganze Rente zu gewähren. Eventualiter sei die Streitsache zur
Durchführung weiterer Abklärungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung führt sie aus, die
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der MGSG-Experten sei beweiskräftig und sie sei der
Bestimmung des Invaliditätsgrads zugrunde zu legen. Invaliditätsfremde Faktoren lägen
nicht vor (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 16. Juli 2012
die Abweisung der Beschwerde. Da die mittelgradige depressive Episode
rechtsprechungsgemäss grundsätzlich nicht invalidisierend sei und somit keine
invalidisierende Komorbidität im Rechtssinn darstelle, sei die Beschwerdeführerin aus
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versicherungsrechtlicher Sicht als arbeitsfähig zu betrachten, zumal auch die
Foersterkriterien zu verneinen seien (act. G 4).
B.c In der Replik vom 17. September 2012 hält die Beschwerdeführerin unverändert
an ihrer Beschwerde fest. Ergänzend bringt sie vor, dass die Vermutung der
Beschwerdegegnerin, die Diagnose der andauernden Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung beruhe allein auf den Angaben der Beschwerdeführerin, nicht zu
treffe. Denn der psychiatrische Experte habe sich bei der Diagnosestellung auf eine
sorgfältige Erhebung der Anamnese, Befunde und Beschwerden gestützt (act. G 7).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 9).
Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin umstritten.
1.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsun
fähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf
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eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet
sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob der medizinische Sachverhalt rechts
genüglich abgeklärt worden ist.
2.1 Die Beschwerdeführerin stützt sich bei dem von ihr gestellten Rentenbegehren
auf das von der Beschwerdegegnerin eingeholte orthopädisch-psychiatrische MGSG-
Gutachten vom 24. November 2011 (act. G 4.102) ab. Nach Auffassung des RAD kann
auf das MGSG-Gutachten "vollumfänglich" abgestellt werden (Stellungnahme vom
19. Dezember 2011, act. G 4.103). Es beruht auf eigenständigen Abklärungen und ist
für die streitigen Belange umfassend. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet
und die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden berücksichtigt und
gewürdigt. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche
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Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Vor diesem Hintergrund ist ein weiterer
medizinischer Abklärungsbedarf zu verneinen, zumal auch die Beschwerdegegnerin
keine Mängel an der Gutachtenserstellung benennt.
2.2 Aus medizinischer Sicht ist daher gestützt auf das MGSG-Gutachten davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin für leidensangepasste Tätigkeiten seit
Januar 2009 über eine 50%ige und ab August 2011 über eine 30%ige Arbeitsfähigkeit,
ganztags verwertbar, verfügt (act. G 4.102-24).
3.
Des Weiteren ist die von der Beschwerdegegnerin verneinte Frage (act. G 4) zu prüfen,
ob die gutachterlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten
invalidenversicherungsrechtlich relevant sind.
3.1 Grundsätzlich bedarf es für die Annahme eines invalidisierenden
Gesundheitsschadens einer fachärztlichen, lege artis auf die Vorgaben eines
Klassifikationssystems abgestützten Diagnose. Im Rahmen der freien
Beweiswürdigung darf sich dabei die Verwaltung - und im Streitfall das Gericht - weder
über die den beweisrechtlichen Anforderungen genügenden medizinischen
Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die ärztlichen Einschätzungen und
Schlussfolgerungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten
sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.1 mit Hinweisen).
Somatoforme Schmerzstörungen und ähnliche ätiologisch-pathogenetisch
unerklärliche syndromale Leidenszustände vermögen rechtsprechungsgemäss in der
Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinn von Art. 4 Abs. 1 IVG führende
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken (BGE 136 V 281 E. 3.2). Die - nur in
Ausnahmefällen anzunehmende - Unzumutbarkeit einer willentlichen
Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzt das
Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidität von erheblicher
Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein anderer
qualifizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien wie chronische
körperliche Begleiterkrankungen und mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter
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oder progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission, ein ausgewiesener
sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht
mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber
entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn) oder schliesslich
unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter
Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und
gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und
Eigenanstrengung der versicherten Person voraus (BGE 130 V 354 f. E. 2.2.3). Je mehr
diese Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde
darstellen, desto eher sind die Voraussetzungen für eine zumutbare
Willensanstrengung zu verneinen (BGE 131 V 50 f. E. 1.2; vgl. zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts vom 14. Juli 2011, 9C_412/2011, E. 4.1).
3.2 Vorab wendet die Beschwerdegegnerin ein, der diagnostizierten andauernden
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung könne kein Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit zugebilligt werden. Die Beschwerdeführerin habe während mehreren
Jahren beruflich tätig sein können, ohne dass sich das vermeintlich Erlebte hindernd
ausgewirkt hätte. Zudem habe sie im Gutachten aus dem Jahr 2008 nichts von den
Vorfällen aus der Kindheit (Au-Pair-Aufenthalt in Deutschland, Gewalterfahrung,
Bedrohung durch den Bruder) erwähnt. Es sei nicht glaubwürdig, dass sich Erlebnisse
aus der Kindheit erst jetzt bemerkbar machen würden. Auch sei die "ganze Story"
hinter der "Extrembelastungserfahrung" mehr als dubios (act. G 4.104).
3.2.1 Bereits anlässlich der psychiatrischen Erstbegutachtung durch Dr. C._
vom 9. Juni 2008 gab die Beschwerdeführerin u.a. an, dass ihre Kindheit so schwierig
gewesen sei, dass sie am liebsten nicht darüber sprechen würde (act. G 4.40-5).
Dementsprechend kurz fiel denn auch die persönliche Anamnese der Kindheit aus,
worin die Beschwerdeführerin lediglich knapp über den frühen Tod des Vaters, die sehr
ärmlichen Verhältnisse und die Mithilfe im Haushalt sowie auf dem Feld berichtete (act.
G 4.40-4 f.). Anlässlich der Hospitalisation in der Klinik D._ vom 2. April bis 25. Juni
2009 äusserte sich die Beschwerdeführerin - soweit ersichtlich - erstmals ausführlicher
zu ihrer Kindheit: Seit dem Tod ihres Vaters, als sie selbst fünf Jahre alt gewesen sei,
habe sie viel auf dem heimischen Hof mithelfen und die Schule aus finanziellen
Gründen nach der 6. Klasse abbrechen müssen. Die Familie habe in ständiger Armut
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gelebt, immer wieder hätten die Kinder auch Hunger leiden müssen. Mit zwölf Jahren
sei sie als Au-Pair nach Deutschland zu einer Familie gekommen und habe dort
während sechs Monaten neben Heimweh und Ausbeutung auch körperliche Gewalt
und Bedrohungen durch die Gastmutter erfahren müssen. Nach ihrer Rückkehr habe
sie immer wieder miterleben müssen, wie der älteste Bruder unter Alkoholeinfluss die
Mutter, ihre ältere Schwester und auch sie selbst bedroht und geschlagen habe, bis er
schliesslich wegen dieser Gewalttaten zu einer viermonatigen Haftstrafe verurteilt
worden sei (act. G 4.75-6). Gegenüber dem psychiatrischen MGSG-Gutachter gab die
Beschwerdeführerin an, sie sei mit 11 Jahren zu einer Frau nach Deutschland geschickt
worden, um deren Kinder zu betreuen. Die Frau sei böse zu ihr gewesen und sie habe
im Haushalt arbeiten müssen. Nach sechs Monaten sei sie zur Mutter geflüchtet,
nachdem man sie habe töten wollen (act. G 4.102-12). Sie habe immer wieder
Erinnerungen an die Gastmutter in Deutschland und den Bruder, die sie umbringen
wollten (act. G 4.102-15).
3.2.2 Vorliegend bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die von der
Beschwerdegegnerin als zweifelhaft gewerteten Aussagen der Beschwerdeführerin
bezüglich Auslandaufenthalt und körperliche Gewalt durch den Bruder auf
versicherungsrechtlichen Überlegungen gründen oder nicht zuträfen. Die
entsprechenden anamnestischen Angaben - die in der Tat teilweise aussergewöhnlich
anmuten - wurden denn auch nicht von den psychiatrischen Experten (MGSG-
Gutachter und psychiatrische Experten der Klinik D._) in Frage gestellt. Da die
fraglichen Vorfälle Jahrzehnte zurückliegen, lassen sie sich durch Beweisvorkehren
kaum mehr erhärten. Sie erscheinen indessen im Licht der dargestellten Umstände
nicht als unglaubwürdig, zumal im Austrittsbericht vom 22. Juni 2009 der Klinik D._
festgehalten wird, dass die Beschwerdeführerin in den wöchentlichen
Einzelgesprächen ausführlich und mit grosser affektiver Beteiligung über die
zahlreichen potentiell traumatisierenden Erfahrungen ihrer Kindheit und Jugend
gesprochen habe (act. G 4.75-7). Letztlich kann offen bleiben, wieweit die
angezweifelten Kindheitsumstände erstellt sind. Denn allein schon aus den Dr. C._
bekannten - von der Beschwerdegegnerin nicht in Frage gestellten - Umständen ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem "schweren" traumatischen Ereignis
(tödlicher Unfall des Vaters) und zusätzlichen traumatisierenden Lebensumstände
während der Kindheit auszugehen (Kind "ohne Kindheit", act. G 4.40-8). Hinzu kommt
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und ins Gewicht fällt, dass der psychiatrische MGSG-Gutachter zusätzlich zu den
anamnestischen Angaben Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung mit
Übergang in eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung erhoben
hat (act. G 4.101-15). Entscheidend ist weiter, dass auch bei psychischen Leiden
primär die Befunde und deren einschränkende Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit
wesentlich sind und nicht einzig die Diagnosestellung.
3.2.3 Der Einwand der Beschwerdegegnerin, die Beschwerdeführerin habe
während mehreren Jahren beruflich tätig sein können, ohne dass sich das vermeintlich
Erlebte hindernd ausgewirkt hätte, stellt die vom psychiatrischen MGSG-Gutachter
gestellte Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
(ICD-10: F62.0) nicht in Frage. Denn es entspricht offenbar einer medizinischen
Tatsache, dass es vielen von Traumatisierungen betroffenen Personen gelingt, diese
beiseite zu stellen und aus ihrem Bewusstsein zu verdrängen. Allerdings können dann
zusätzliche Belastungen oder weitere Stressoren zu einer manifesten Erkrankung
führen (zur entsprechenden medizinischen Einschätzung vgl. die im Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kanton St. Gallen vom 24. April 2013, IV 2011/214, E. 3.3.2,
wiedergegebene Aussage des psychiatrischen MEDAS-Gutachters). Es passt damit
durchaus ins Bild, dass die Beschwerdeführerin jahrelang erwerbstätig sein konnte,
ihre traumatische Kindheit - zumindest teilweise - zu verdrängen vermochte und noch
anlässlich der Begutachtung durch Dr. C._ vom 9. Juni 2008 "am liebsten" nicht über
ihre Kindheit sprechen wollte (act. G 4.40-5). Der psychiatrische MGSG-Gutachter ging
denn auch bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit - zumindest implizit - davon aus,
dass die Beschwerdeführerin lange Zeit über ein entsprechendes Coping verfügte,
bescheinigte er doch eine Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten erst ab
Januar 2009 (act. G 4.101-17). Ergänzend ist zugunsten des MGSG-Gutachtens darauf
hinzuweisen, dass auch die in der Klinik D._ behandelnden medizinischen
Fachpersonen - die sich im Rahmen der mehrwöchigen Hospitalisationen ein
umfassendes Bild über die Beschwerdeführerin und ihre Leiden verschaffen konnten -
einen Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung stellten (act. G 4.95-5).
3.3 Betreffend das depressive Leiden bringt die Beschwerdegegnerin vor, eine
mittelgradige depressive Episode sei grundsätzlich nicht invalidisierend (act. G 4, S. 3).
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3.3.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung auch die Diagnose einer mittelschweren depressiven Episode bzw.
die dadurch verursachten Befunde und Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit eine
Invalidität begründen können (Urteile des Bundesgerichts vom 30. März 2011,
9C_1041/2010, E. 5.2, und vom 20. Juni 2011, 9C_980/2010, E. 5.3). Auch der
Gesetzgeber hat anlässlich der Beratungen im Rahmen der 6. IV-Revision deutlich
gemacht, dass depressive Leiden invalidenversicherungsrechtlich relevant seien
(eingehend hierzu Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
25. März 2013, IV 2011/111, E. 4.2 mit Hinweisen auf die Materialien).
3.3.2 Zu präzisieren ist, dass die Beschwerdeführerin an einer rezidivierenden
bzw. chronischen depressiven Störung mit mittelgradigen Episoden mit somatischem
Syndrom leidet (ICD-10: F33.11) und nicht bloss eine mittelgradige depressive Episode
(ICD-10: F32.1) im Raum steht. Der psychiatrische MGSG-Gutachter führte plausibel
aus, dass die rezidivierende depressive Störung auf der Grundlage der
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung entstanden sei (act. G 4.102-17 und
-23). Es ergeben sich aus dem MGSG-Gutachten keine Hinweise, das depressive
Leiden bilde keine eigenständige Krankheit. Vielmehr sprach der psychiatrische
MGSG-Gutachter von einer "zusätzlichen" Entwicklung der depressiven Störung ab
2007 (act. G 4.102-18). Damit korrespondiert die Einschätzung des RAD vom
19. Dezember 2011, der ebenfalls dem depressiven Leiden eine eigenständige
Bedeutung zumass (act. G 4.103). Im Licht dieser medizinischen Einschätzungen ist in
tatsächlicher Hinsicht erstellt, dass die depressive Störung eine eigenständige
psychische Krankheit mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ist. Insbesondere stellt
sie nicht bloss eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit dar. Es ergeben sich
keine Anhaltspunkte dafür, dass der psychiatrische MGSG-Gutachter
unzulässigerweise invaliditätsfremde Gesichtspunkte bei der
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung einbezog. Vielmehr begründete er schlüssig, dass die
psychosozialen Faktoren das Beschwerdebild nicht dominieren (act. G 4.102-25). Mit
dem MGSG-Gutachten ist damit von einer die Arbeitsfähigkeit einschränkenden, im
Sinn der Rechtsprechung erheblichen depressiven Krankheit auszugehen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 8. April 2013, 8C_651/2012, E. 5.3).
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3.4 Nach der Sichtweise der Beschwerdegegnerin sind die Foersterkriterien nicht
erfüllt. Die mittelgradige depressive Episode stelle keine Komorbidität im Rechtssinn
dar. Daher vermöge die vorliegend zu beurteilende anhaltende somatoforme
Schmerzstörung aus versicherungsrechtlicher Sicht keine Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit zu begründen (act. G 4, S. 3).
3.4.1 In der Diagnoseliste des MGSG-Gutachtens wird die anhaltende
somatoforme Schmerzstörung erst an letzter Stelle erwähnt (act. G 4.102-24). Mit Blick
darauf, dass Diagnosen nach der Wertigkeit zu ordnen sind (vgl. Leitlinien der
Schweizerischen Ärztegesellschaft für Rheumatologie für die Begutachtung
rheumatologischer Krankheiten und Unfallfolgen, in: Schweizerische Ärztezeitung,
2007;88: 17, S. 739), ist deshalb davon auszugehen, dass die Schmerzstörung im
Vergleich zu den beiden psychischen Diagnosen bzw. im komplexen Krankheitsbild
nicht im Vordergrund steht. Es erscheint daher fraglich, ob bei Bejahung einer
zumutbaren Schmerzüberwindung eine höhere Restarbeitsfähigkeit resultierte. Diese
Frage kann letztlich offen gelassen werden, da vorliegend nicht davon ausgegangen
werden kann, der Beschwerdeführerin sei eine Willensanstrengung zur Überwindung
der sich aus der somatoformen Schmerzstörung allenfalls zusätzlich ergebenden
Arbeitsfähigkeitseinschränkung zumutbar.
3.4.2 Dabei fällt ins Gewicht, dass der psychiatrische MGSG-Gutachter die vom
Bundesgericht als relevant betrachteten Foersterkriterien (BGE 130 V 354 f. E. 2.2.3; für
eine Kritik an den Foersterkriterien vgl. Vivian Winzenried, Die Überwindbarkeitspraxis,
in: Kieser/Lendfers [Hrsg.], Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, St. Gallen
2012, S. 238 mit Hinweisen) sorgfältig sowie ausführlich diskutierte und im Rahmen
einer nachvollziehbaren Würdigung zum Schluss gelangte, diese seien erfüllt (act.
G 4.102-23). Es ergeben sich aus dieser fachärztlich vorgenommenen Beurteilung
keine Zweifel, weshalb seitens des Gerichts kein Anlass besteht, von den
überzeugenden tatsächlichen Feststellungen des psychiatrischen MGSG-Gutachters
abzuweichen und auf die gutachterliche Beurteilung verwiesen werden kann.
3.4.3 Daran vermag die allein vom Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin
vertretene, vom RAD nicht mitgetragene, gegenteilige Auffassung nichts zu ändern
(act. G 4.104-2), zumal schon die Verneinung des Kriteriums der Komorbidität
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angesichts der diesbezüglich klaren medizinischen Aktenlage weder naheliegend noch
dargetan ist (vgl. zu den eigenständigen psychischen Krankheitsbildern vorstehende
E. 3.2 und 3.3; eine Komorbidität wurde im Übrigen bereits von Dr. C._ bejaht, act.
G 4.42-7). Des Weiteren begründet die Beschwerdegegnerin nicht schlüssig, weshalb
entgegen der medizinischen Aktenlage kein primärer Krankheitsgewinn bestehe oder
welcher sinnvolle noch nicht angewandte therapeutische Ansatz der
Beschwerdeführerin noch offen stünde (act. G 4.104-2). Dabei erweisen sich die
Bemerkungen der Beschwerdegegnerin teilweise als aktenwidrig, wenn sie davon
spricht, es reiche nicht aus, regelmässig einen Psychiater zu besuchen, befand sich die
Beschwerdeführerin doch zusätzlich zur regelmässigen psychiatrischen Behandlung
zweimal zu mehrwöchigen Hospitalisationen in der Klinik D._ (vgl. Austrittsberichte
vom 25. Juni 2009 und vom 22. April 2010 , act. G 4.75-5 ff. und G 4.95). Fehl geht
auch der - mit Blick auf das soeben Ausgeführte und den fehlenden medizinischen
Sachverstand anmassend anmutende - Standpunkt des Rechtsdiensts der
Beschwerdegegnerin, es müsse ein neuer therapeutischer Ansatz versucht und
allenfalls auch die Psychiaterin gewechselt werden, wenn diese keine
Behandlungserfolge vorweisen könne (act. G 4.104-2), da er dabei nicht darlegt,
welche erfolgversprechenden therapeutischen Ansätze der Beschwerdeführerin noch
offen stünden, und er sich damit auch in Widerspruch zum RAD setzt, der ausdrücklich
davon sprach, die "vernünftigen Therapien laufen" (act. G 4.103-1). Ferner werden
auch im MGSG-Gutachten keine alternativen Therapieoptionen, sondern einzig die
Fortführung der bisherigen Therapie empfohlen (act. G 4.102-25). Schliesslich ist weder
nachvollziehbar noch begründet, was für ein Therapieerfolg mit einem Wechsel der
behandelnden Psychiaterin gewonnen wäre. Der Vollständigkeit halber ist darauf
hinzuweisen, dass der RAD keine Anhaltspunkte für ein suboptimales
Leistungsverhalten bzw. für relevante Inkonsistenzen fand (Stellungnahme vom
19. Dezember 2011, act. G 4.103).
3.5 Bei der Würdigung der MGSG-Einschätzung bzw. der von der
Beschwerdegegnerin dagegen erhobenen Einwände darf auch nicht ausser Acht
gelassen werden, dass der RAD in der Stellungnahme vom 19. Dezember 2011 keine
Bedenken hinsichtlich der Massgeblichkeit der Angaben der MGSG-Experten hegte,
sondern im Gegenteil vollumfänglich auf deren Expertise abstellte (act. G 4.103; vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 8. April 2013, 8C_651/2012, E. 5.2).
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4.
Gestützt auf die im MGSG-Gutachten vorgenommene Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ist
für die Bestimmung des Invaliditätsgrads davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin in einer leidensadaptierten Tätigkeit seit 1. Januar 2009 über eine
50%ige bzw. seit 1. August 2011 über eine 30%ige Restarbeitsfähigkeit verfügt (act.
G 4.102-24). Die von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung
berücksichtigten Vergleichseinkommen (Valideneinkommen von Fr. 53'135.-- und
Invalideneinkommen von Fr. 51'372.--, act. G 4.109) sind von der Beschwerdeführerin
nicht bestritten worden (vgl. hierzu act. G 1, S. 11, Rz 28). Aus den Akten ergeben sich
keine Gesichtspunkte, die Zweifel an der von der Beschwerdegegnerin
herangezogenen Vergleichseinkommen entstehen liessen, weshalb darauf abzustellen
ist. Bei einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit und einem - wenn überhaupt höchstens -
10%igen Tabellenlohnabzug resultieren ein Invalideneinkommen von Fr. 23'117.--
(Fr. 51'372.-- x 0.5 x 0.9), eine Erwerbseinbusse von Fr. 30'018.-- (Fr. 53'135.-- -
Fr. 23'117.--) und ein Invaliditätsgrad von abgerundet 56%
([Fr. 30'018.-- / Fr. 53'135.--] x 100). Ausgehend von einer 30%igen
Restarbeitsfähigkeit ergeben sich bei einem 10%igen Tabellenlohnabzug ein
Invalideneinkommen von Fr. 13'870.-- (Fr. 51'372.-- x 0.3 x 0.9), eine Erwerbseinbusse
von Fr. 39'265.-- (Fr. 53'135.-- - Fr. 13'870.--) und ein Invaliditätsgrad von aufgerundet
74% ([Fr. 39'265.-- / Fr. 53'135.--] x 100). Selbst ohne die Gewährung eines
Tabellenlohnabzugs resultierte ein Invaliditätsgrad von 52% bzw. von 71%, wie die
Beschwerdeführerin zutreffend errechnet hat (act. G 1, S. 12).
5.
Der Beschwerdeführerin wurde seit 23. August 2007 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bezogen auf die angestammte Tätigkeit bescheinigt (Bericht Dr. E._ vom 11. März
2008, act. G 4.24-2; diese Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung wurde vom
Krankentaggeldversicherer geteilt, act. G 4.1; zur im AEH-Gutachten vom 3. Oktober
2008 bestätigten 100%igen Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit siehe act.
G 4.42-7). Das Wartejahr endet im August 2008. Da die 30%ige Arbeitsunfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten gemäss der Beurteilung durch Dr. C._ (act. G 4.42-7)
selbst bei Berücksichtigung eines 10%igen Tabellenlohnabzugs nicht zu einer
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rentenbegründenden Invalidität führt, hat die Beschwerdeführerin ab Eintritt der
50%igen Arbeitsunfähigkeit, das heisst bereits ab 1. Januar 2009 - und nicht erst wie
von ihr beantragt (act. G 1) ab 1. Januar 2010 - Anspruch auf eine halbe Rente.
Aufgrund der ab 1. August 2011 eingetretenen gesundheitlichen Verschlechterung (vgl.
act. G 4.102-24) hat die Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der 3-monatigen
Frist gemäss Art. 88a Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) ab November 2011 - und nicht wie von der Beschwerdegegnerin
beantragt bereits ab 1. August 2011 (act. G 1) - Anspruch auf eine ganze Rente.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist in Gutheissung der Beschwerde die Verfügung vom
2. April 2012 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Januar 2009
eine halbe Rente und ab 1. November 2011 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Fest
setzung der Rentenhöhe ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr zurückzuerstatten.
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Honorarnote
verzichtet. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP