Decision ID: 280b2a55-b151-4595-ae5b-f23df7dd96df
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
A.
Der 1975 geborene Ausländer A lebt eigenen Angaben zufolge seit 1996 in der Schweiz. Am 5. Juni 2010 stellte er ein Einbürgerungsgesuch. Am 28. März 2011 wurde ihm – unter Vorbehalt der Erteilung der Einbürgerungsbewilligung durch das Bundesamt für Migration sowie des Kantonsbürgerrechts durch die Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich – das Bürgerrecht der Gemeinde Z erteilt. Am 3. August 2011 verlieh ihm das Gemeindeamt des Kantons Zürich das Schweizer- und das Kantonsbürgerrecht.
B.
Nachforschungen des Gemeindeamts ergaben, dass A mit Strafbefehl vom 10. Juni 2013 sowie mit Urteil vom 19. März 2014 (beide in Rechtskraft erwachsen) wegen verschiedener, ab dem Jahr 2009 begangener Delikte verurteilt worden war.
Am 4. Juli 2014 erklärte das Gemeindeamt
die
Einbürgerung
von A
für nichtig.
II.
A rekurrierte
hiergegen am 28.
/30.
Juli 2014. Die Direktion der Justiz und des Innern wies das Rechtsmittel mit Verfügung vom 10.
Oktober 2014 ab.
III.
Am 8./9. November 2014 erhob
A
Beschwerde beim
Verwaltungsgericht
, wobei er sinngemäss die Aufhebung der Verfügung
vom 10. Oktober 2014
beantragte.
Das
Gemeindeamt schloss
am
13./14. November 2014 auf
Abweisung der Beschwerde
unter Entschädigungsfolge zu Lasten von A
, verzichtete im Weiteren jedoch
unter Verweis auf seine Verfügung vom 4. Juli 2014
auf eine Stellungnahme. Die
Direktion der Justiz und des Innern verzichtete
am 1
2./14
.
November 2014
auf Vernehmlassung
.
A äusserte sich am 23./24. November 2014 ein weiteres Mal.
Die Kammer

erwägt:
1.
Nach § 70 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 des
Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24.
Mai 1959 (VRG, LS 175.2)
prüft das Verwaltungsgericht seine Zuständigkeit von Amts wegen. Diese ist unter anderem gegeben betreffend erstinstanzliche Rekursentscheide
eine
r Direktion etwa über
die Nichtigerklärung von Einbürgerung
en nach
§ 41 in Verbindung mit §§ 19 Abs. 1
lit. a
und
Abs. 3 Satz 1
, 19a und 19b Abs. 2 lit.
b Ziff. 1
sowie §§
42–44 e contrario
VRG.
Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
einzutreten
.
2.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht scheint der Beschwerdeführer sinngemäss beantragen zu wollen, er sei vor dem Verwaltungsgericht persönlich anzuhören.
Diesbezüglich
ist Folgen
des festzuhalten:
Der in Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101)
verankerte Anspruch der Parteien auf rechtliches Gehör beinhaltet das Recht der Betroffenen, sich vor Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, und das Recht auf Abnahme der rechtzeitig und formrichtig angebotenen rechtserheblichen Beweismittel. Einen Anspruch auf eine mündliche Anhörung räumt er indessen nicht ein (BGE 134 I 140 E.
5.2
f.
, 130 II 425 E. 2.1, 127 V 491 E. 1b
,
alle
s
mit weiteren Hinweisen).
Nach § 60 Satz 1 VRG werden die zur Abklärung des Sachverhalts erforderlichen Beweise von Amts wegen erhoben. Auf die Abnahme eines angebotenen Beweismittels darf verzichtet werden, wenn die Tatsache, die eine Partei beweisen will, nicht rechtserheblich ist, wenn ein bereits feststehender Sachverhalt bewiesen werden soll oder wenn in antizipierter Beweiswürdigung von vornherein gewiss ist, dass der angebotene Beweis keine wesentliche Klärung herbeizuführen vermag (Marco Donatsch in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. A., Zürich etc. 2014 [Kommentar VRG], § 60 N. 11).
Der Beschwerdeführer hatte Gelegenheit, das von ihm als relevant Erachtete im Rahmen des Rekurs
-
sowie im vorliegenden Beschwerdeverfahren vorzubringen. Der Sachverhalt erweist sich als hinreichend erstellt und es ist nicht ersichtlich, inwieweit die persönliche Befragung vor dem Verwaltungsgericht darüber hinaus entscheidrelevante Erkenntnisse mit sich bringen könnte. Auf die persönliche Befragung kann daher in antizipierter Würdigung der Beweise ohne Verletzung des Gehörsanspruchs des Beschwerdeführers verzichtet werden.
Dem sinngemässen Begehren um persönliche Anhörung ist demnach nicht stattzugeben.
3.
Der Beschwerdeführer wurde mit Verfügung des Beschwerdegegners vom 3. August 2011 ordentlich eingebürgert (vgl. Art. 12 ff.
des
Bürgerrechts
gesetzes
vom 29. September 1952 [BüG, SR 141.0]).
3.1
Gemäss Art. 41 Abs. 1 BüG kann die Einbürgerung vom
zuständigen Bundesamt
mit Zustimmung der Behörde des Heimatkantons nichtig erklärt werden, wenn sie durch falsche Angaben oder Verheimlichung erheblicher Tatsachen erschlichen worden ist. Nach Art. 41 Abs. 1
bis
BüG kann die
Einbürgerung innert zwei Jahren, nachdem das Bundesamt vom rechtserheblichen Sachverhalt Kenntnis erhalten hat, spätestens aber innert acht Jahren nach dem Erwerb des Schweizer Bürgerrechts nichtig erklärt werden. Nach jeder Untersuchungshandlung, die der eingebürgerten Person mitgeteilt wird, beginnt eine neue zweijährige Verjährungsfrist zu laufen. Die Fristen stehen während eines Beschwerdeverfahrens still.
Unter den gleichen Voraussetzungen kann die Einbürgerung nach den Art. 12–17 BüG (ordentliche Einbürgerung) von der kantonalen Behörde nichtig erklärt werden (Art. 41 Abs. 2 BüG).
Das blosse Fehlen einer Einbürgerungsvoraussetzung genügt
für eine Nichtigerklärung
nicht. Die
se
setzt vielmehr voraus, dass die Einbürgerung "erschlichen", das heisst mit einem unlauteren und täuschenden Verhalten erwirkt worden ist. Arglist im Sinne des strafrechtlichen Betrugstatbestands ist nicht erforderlich. Immerhin ist notwendig, dass der Betroffene bewusst falsche Angaben macht bzw. die Behörde bewusst in einem falschen Glauben lässt und so den Vorwurf auf sich zieht, es unterlassen zu haben, die Behörde über eine erhebliche Tatsache zu informieren (vgl. BGE
140
II
65 E. 2.2
[auch zum Folgenden]
, 132
II
113 E. 3.1
mit Hinweisen).
Über eine nachträgliche Änderung in seinen Verhältnissen, von welcher der Betroffene weiss oder wissen muss, dass sie einer Einbürgerung entgegensteht, muss er die Behörden unaufgefordert informieren. Diese Pflicht ergibt sich aus dem Grundsatz von Treu und Glauben gemäss Art. 5 Abs. 3 BV wie aus der verfahrensrechtlichen Mitwirkungspflicht nach § 7 Abs. 2 VRG (vgl. Kaspar Plüss, Kommentar VRG, § 7 N. 89 ff.). Die Behörde darf sich ihrerseits darauf verlassen, dass die einmal erteilten Auskünfte bei passivem Verhalten der gesuchstellenden Person nach wie vor zutreffen (vgl.
BGE 132 II 113
E. 3.2).
3.2
Vorab ist festzuhalten, dass vorliegend die Fristen für die Nichtigerklärung gemäss
der hier massgeblichen Regelung von
Art. 41 Abs. 1
bis
BüG
eingehalten
wurden.
3.3
Die Vorinstanz
hält
fest, die vom Beschwerdeführer im Rahmen des
Einbürgerungsgesuchs
unterzeichnete "Erklärung betreffend Beachten der Rechtsordnung und Vollmacht" enthalte unmittelbar über der Unterschrift folgenden Passus: "Nach Artikel 14 bzw. 26 des Bürgerrechtsgesetzes kann nur eingebürgert werden, wer die schweizerische
Rechtsordnung
beachtet.
...
Ich nehme davon Kenntnis, dass aufgrund von Artikel 41 des
Bürgerrechtsgesetzes
die Möglichkeit besteht, meine Einbürgerung im Falle von falschen
Angaben
innert fünf Jahren nichtig zu erklären". Aufgrund des Strafbefehls vom 10. Juni 2013 und des Urteils des Bezirksgerichts
W
vom 19. März 2014 stehe fest, dass der
Beschwerdeführer
zwischen 2009 und 2011 und damit auch während des
Einbürgerungsverfahrens
, welches vom 8.
Juni 2010 bis zum 3.
August 2011 gedauert habe, verschiedene strafbare Handlungen begangen habe. Weiter hielt sie fest, der Beschwerdeführer selbst habe keine berechtigten Zweifel an der Strafbarkeit seines Verhaltens haben können. Dennoch habe er am 5. Juni 2010 das Formular "Erklärung
betreffend
Beachten der Rechtsordnung und Vollmacht" unterzeichnet. Er habe folglich die Einbürgerung durch eine Verheimlichung erheblicher Tatsachen erschlichen.
Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber im Wesentlichen vor, er sei weder vorbestraft noch sei ein Strafverfahren gegen ihn hängig gewesen, als er am 5. Juni 2010 die "Erklärung betreffend Beachten der Rechtsordnung und Vollmacht" unterzeichnet habe. Da er sich nicht bewusst gewesen sei, irgendein Delikt begangen zu haben, habe er auch nicht mit der späteren Eröffnung einer Strafuntersuchung rechnen müssen. Am 10. August 2011, eine Woche nach der Einbürgerung, sei er völlig überraschend verhaftet worden. Erst zu diesem Zeitpunkt habe er Kenntnis von der gegen ihn eingeleiteten Strafuntersuchung erhalten. Die Untersuchungen seien jedoch zum Zeitpunkt seiner Einbürgerung am 3. August 2011 noch nicht hängig gewesen und hätten erst zwei Jahre danach zum Strafbefehl vom 10. Juni 2013 und zum Urteil vom April (richtig: März) 2014 geführt.
3.4
3.4.1
Wie das Bundesgericht in einem ähnlich gelagerten Fall erwog, kommt es bei der Beurteilung der Beachtung der Rechtsordnung nicht einzig auf die bereits bekannten Strafuntersuchungen und -urteile an. Entscheidend ist das
tatsächliche Verhalten
des Bewerbers
und nicht, ob allfällige Straftaten schon vor der Einbürgerung entdeckt worden sind oder nicht. Kann der Bewerber selbst keine berechtigten Zweifel an der Strafbarkeit seines Verhaltens haben, täuscht er über eine Einbürgerungsvoraussetzung, wenn er nicht auf mögliche Straffolgen hinweist. Die Mitwirkungspflicht des Bewerbers bezieht sich ebenfalls auf noch
nicht entdecktes
Verhalten, von dem er wissen musste, dass es strafbar sei (BGE 140 II 65 E. 3.3.2 f.). Vor dem Hintergrund insbesondere der Freiwilligkeit des Einbürgerungsverfahrens ist es grundsätzlich zumutbar und verhältnismässig, dass der Bewerber über alle für die Einbürgerung wesentlichen Umstände Auskunft zu erteilen hat, wenn er sich entscheidet, ein Einbürgerungsgesuch zu stellen. Dies gilt auch, wenn sich dies auf strafbares oder potenziell strafbares Verhalten bezieht, soweit dies dem Bewerber
bekannt oder jedenfalls erkennbar
war. Bei Unklarheit über die strafrechtliche Tragweite einer Handlung wäre gegebenenfalls die Sistierung des Einbürgerungsverfahrens zu erwägen (BGE 140 II 65 E. 3.4.2).
3.4.2
Zum selben Schluss kommt man ohne Weiteres beim Studium des Formulars "Erklärung betreffend Beachten der Rechtsordnung und Vollmacht", welches der Beschwerdeführer wie erwähnt am 5. Juni 2010 unterzeichnete. Dabei bestätigte er unterschriftlich nicht nur, dass gegen ihn "keine ungelöschten Vorstrafen in der Schweiz oder im Ausland" bestünden (Ziffer 1) und "keine Strafverfahren in der Schweiz oder im Ausland [...] hängig" seien (Ziffer 2), sondern auch, dass er "
keine Delikte begangen
" habe, "
für die [er] in der Schweiz oder im Ausland mit einer Strafverfolgung oder einer Verurteilung rechnen
" müsse (Ziffer 3; Hervorhebungen nicht im Original). Weiter verpflichtete er sich, "die Abteilung Einbürgerungen des Gemeindeamtes unverzüglich zu informieren, wenn sich während des Einbürgerungsverfahrens Veränderungen in den Verhältnissen von Ziffern 1–3 ergeben".
Auch aus diesem Formular geht unmissverständlich hervor, dass der Beschwerdeführer verpflichtet war, den Beschwerdegegner unverzüglich auch über strafrechtlich relevantes
Verhalten
zu informieren, welches
(noch) nicht
zu Ermittlungen und Verurteilungen geführt hatte, sondern erst
in Zukunft
– sofern es überhaupt entdeckt würde – zu solchen führen könnte.
3.4.3
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers wäre es dementsprechend irrelevant, wenn die Strafuntersuchungen tatsächlich erst nach seiner Einbürgerung eingeleitet worden wären bzw. er von allenfalls bereits eingeleiteten Untersuchungen keine Kenntnis gehabt hätte. Massgeblich im Hinblick auf seine Informationspflicht sind allein
sein tatsächliches Verhalten
und die Frage, ob dessen potenzielle strafrechtliche Bedeutung für ihn
erkennbar
gewesen war.
3.5
3.5.1
Der Beschwerdeführer wurde mit Strafbefehl vom 10. Juni 2013 wegen Widerhandlung gegen das Arbeitslosenversicherungsgesetz vom 25. Juni 1982 (AVIG, SR 837.0), wegen Widerhandlung gegen das Ausländergesetz vom 16. Dezember 2005 (AuG, SR 142.20) sowie wegen Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 des Strafgesetzbuchs [StGB, SR 311.0]) zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen, bei einer Probezeit von drei Jahren, sowie einer Busse von Fr. 3'600.- verurteilt.
Der Verurteilung wegen
unrechtmässigen Bezugs von Versicherungsleistungen (Art. 105 Abs. 1 AVIG)
liegt ein Verhalten des Beschwerdeführers
zwischen
19.
August 2009
und
30.
April 2010 zugrunde. Der Beschwerdeführer
war von Oktober 2008 bis April 2010
beim
zuständigen
Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) als arbeitslos gemeldet und bezog
entsprechende T
aggelder
. Spätestens von August 2009 bis Ende April bzw. Mai 2010 war er jedoch
als
Geschäftsführer eines Unternehmens
angestellt und
bezog für diese Tätigkeit, über die er das RAV nicht informierte, einen Monatslohn in der Höhe
von ca.
Fr. 10'000.-
netto
.
Dadurch erwirkte er die Auszahlung von Versicherungsleistungen in der Höhe von Fr. 41'773.75, auf die er keinen Anspruch hatte und zu deren Rückzahlung er in der Folge verpflichtet wurde.
Der
Verurteilung wegen Widerhandlung gegen das Ausländergesetz (Täuschung der Behörden nach Art. 90 lit. a in Verbindung mit Art. 118 Abs. 1 AuG) und Urkundenfälschung liegt ein Verhalten
vom 19. November 20
09
zugrunde
: Im Verfahren betreffend Erteilung der Niederlassungsbewilligung verschwieg der Beschwerdeführer gegenüber dem Migrationsamt des Kantons Zürich, dass er arbeitslos sei und Arbeitslosentaggelder beziehe. Er machte diesem gegenüber falsche Angaben und reichte am besagten Datum gefälschte Lohnabrechnungen ein, um seine angebliche berufliche Integration zu belegen.
3.5.2
Am
19. März 2014 verurteilte das Bezirksgericht W den Beschwerdeführer wegen Widerhandlung gegen das Ausländergesetz (Täuschung der Behörden nach Art. 118 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 118 Abs. 3 lit. a AuG) sowie Urkundenfälschung nach Art. 251 Ziff. 1 StGB zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten, abzüglich 29 Tagen Haft, und einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen, beide bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie zu einer Busse von Fr. 2'000.-.
Der Verurteilung wegen Täuschung der Behörden lag ein Verhalten des Beschwerdeführers im Zeitraum zwischen 1. September 2009 und 11.
Oktober 2010 sowie am 10. oder 11. März 2011 zugrunde. Der Beschwerdeführer übergab jemandem zuerst Fr. 5'000.-, später zusätzlich Fr. 35'000.-, um ihm zu ermöglichen, eine Ehe mit einer Schweizerin einzugehen und auf diesem Weg eine Aufenthaltsbewilligung zu erlangen. Der Beschwerdeführer seinerseits wollte im Rahmen dieser "Transaktion" für sich einen Gewinn von Fr. 13'480.- erzielen. Die Verurteilung wegen Urkundenfälschung beruhte auf Handlungen vom 29. November 2011 und vom 7. Januar 2013: Zum Zweck der allfälligen späteren Rückforderung der von ihm übergebenen Fr. 35'000.- – eine Forderung aus einem sittenwidrigen Vertrag (vgl. Art. 20 des Obligationenrechts [SR 220]) – sowie der Eintreibung des für sich selbst gedachten Gewinns von Fr. 13'480.- erstellte der Beschwerdeführer einen wahrheitswidrigen Darlehensvertrag, gestützt auf welchen er am 7. Januar 2013 beim Betreibungsamt Y ein Betreibungsverfahren gegen den Darlehensnehmer einleitete.
3.5.3
Damit ist klar, dass der Beschwerdeführer vor und während des von ihm am 5. Juni 2010 angestossenen Einbürgerungsverfahrens strafrechtliche Handlungen verübte. Daran änderte wie dargelegt nichts, wenn die entsprechenden Strafuntersuchungen allenfalls tatsächlich erst nach der Einbürgerung am 3. August 2011 eingeleitet worden sein sollten.
3.5.4
Der Strafbefehl wie das Strafurteil sind rechtskräftig. Vor Verwaltungsgericht erhobene Einwände des Beschwerdeführers, welche die Strafverfahren betreffen, wie beispielsweise, er habe lediglich Geständnisse abgelegt, weil er unter Druck gesetzt worden sei, hätten in jenen Verfahren geltend gemacht werden können und müssen. Der Beschwerdeführer war damals bereits anwaltlich vertreten. Im vorliegenden Verfahren und insbesondere vor dem Hintergrund der sogleich folgenden Ausführungen kann den diesbezüglichen Einwänden keine Bedeutung zukommen.
3.6
Der Beschwerdeführer macht insbesondere geltend, die Strafbarkeit seiner Handlungen sei ihm nicht bewusst gewesen.
Auch für Personen ohne jegliche juristische Kenntnisse liegt auf der Hand, dass der Bezug von Versicherungsleistungen für einen Erwerbsausfall wegen Arbeitslosigkeit neben einer gleichzeitigen (nicht deklarierten) Erwerbstätigkeit
gegen das Gesetz verstösst
.
Die Arbeitslosenkassen klären zudem
über die Verpflichtung zur Deklaration
eines Zwischenverdiensts
während der Arbeitslosigkeit auf, da
ein solcher
eine für die Beurteilung der
Anspruchsberechtigung
erhebliche Tatsache darstell
t
(vgl. Art. 24 AVIG, Art. 23 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. b sowie Art. 29 Abs. 2 lit. b der
Arbeitslosenversicherungsverordnung
vom 31. August 1983 [SR 837.02]). Des Weiteren fällt in Betracht, dass der
Beschwerdeführer
die Geschäftsleitung eines Unternehmens
innehatte
. Bereits aus diesem Grund mussten ihm die entsprechenden gesetzlichen
Bestimmungen
ohnehin
zumindest in den Grundzügen bekannt
sein.
Dass das Eingehen einer Scheinehe und infolgedessen auch die Unterstützung bzw. Förderung einer solchen nicht mit der schweizerischen Rechtsordnung vereinbar ist, war dem Beschwerdeführer spätestens seit dem Zeitpunkt bewusst, als seine eigene (erste) Ehe, aufgrund deren er im Jahr 2002 erleichtert eingebürgert worden war, im Jahr 2006 vom Bundesamt für Migration für nichtig erklärt worden war, da es sich um eine Scheinehe gehandelt habe.
Dass er um die Strafbarkeit seines damaligen Verhaltens nicht gewusst habe, verfängt daher nicht. Jedenfalls wäre sie auch für ihn ohne Weiteres erkennbar gewesen.
3.7
Der Beschwerdeführer hätte nach dem Dargelegten die Pflicht gehabt, die Einbürgerungsbehörden über sein strafrechtlich relevantes Verhalten bzw. seine Handlungen zu informieren. Dies hat er nicht getan, obwohl für ihn erkennbar gewesen war, dass es sich um im Rahmen der Einbürgerung wesentliche Tatsachen handle. Vielmehr unterzeichnete er am 5. Juni 2010 die "Erklärung betreffend Beachten der Rechtordnung und Vollmacht", womit er bei den Einbürgerungsbehörden den Eindruck erwecken wollte und erweckte, strafrechtlich in
keiner
Weise in Erscheinung getreten zu sein.
Der Beschwerdeführer hat sich somit
seine Einbürgerung
durch bewusst wahrheitswidrige Angaben
gegenüber den Einbürgerungsbehörden
erschliche
n, womit er einen Nichtigkeitsgrund nach Art. 41 Abs. 1 BüG gesetzt hat.
4.
Die Zulässigkeit der Nichtigerklärung einer Einbürgerung ist am Gesetzeszweck und ergänzend am Grundsatz der Verhältnismässigkeit nach Art. 5 Abs. 2 BV zu messen (BGE 140 II 65 E. 4.2 mit Verweis auf BGE 135 II 161 E. 5.4).
4.1
Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, die Nichtigerklärung der Einbürgerung sei unverhältnismässig. Seine Familie und er seien in der Schweiz am besten integriert, hier zu Hause und sie sähen ihre Zukunft hier. "Gesellschaftlich, beruflich sowie wirtschaftlich" sei eine Einbürgerung in der Schweiz "sehr vorteilhaft". Unter anderem mache es das Schweizer Bürgerrecht für Menschen wie ihn, die beruflich international tätig seien, sehr einfach, in vielen Ländern visumsfrei ein- und auszureisen.
4.2
Der Beschwerdeführer beging im Zeitraum von August 2009 bis Januar 2013
,
mithin vor, während und auch noch nach Abschluss des Einbürgerungsverfahrens Straftaten. Zwar kann in Anbetracht der ausgesprochenen Strafen nicht von einer
geradezu
massiven Delinquenz gesprochen werden. Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer seit 2009 immer wieder und zum Teil über einen längeren Zeitraum Straftaten verübte, ist sie
aber dennoch
als erheblich zu bezeichnen.
Auch
durch das von ihm
angestossene Einbürgerungsverfahren liess er sich
nicht
zu einem gesetzeskonformen Verhalten bewegen
.
Mit dem
Urteil vom 19. März 2014
wurde er zudem
unter anderem zu einer Freiheitsstrafe von 16
Monaten verurteilt. Im Zusammenhang
jedenfalls
mit
den – für ihn zu jenem Zeitpunkt zwar nicht mehr massgeblichen –
ausländerrechtlichen Bestimmungen stellt dies gemäss der
bundesgerichtlichen
Rechtsprechung eine "längerfristige Freiheitsstrafe" dar (vgl.
Art. 62 lit. b AuG sowie BGE 135 II 377 E. 4.2).
Der
Beschwerdeführer
handelte schliesslich
nicht etwa aus wirtschaftlicher Not. Dies gilt beispielsweise betreffend den Bezug von Taggeldern der Arbeitslosenkasse während der nicht deklarierten Erwerbstätigkeit. Er täuschte mehrfach die Behörden, lediglich um sich selbst geldwerte oder statusmässige Vorteile zu verschaffen, die ihm sonst nicht gewährt worden wären. Auch im
Zusammenhang
mit dem zum Abschluss der Scheinehe gewährten Darlehen handelte der
Beschwerdeführer
offenkundig einzig aus
eigennützigen
Motiven.
4.3
4.3.1
Der
Beschwerdegegner hielt in seiner Verfügung vom 4. Juli 2014 ausdrücklich fest, dass sich die Nichtigkeit vorliegend nicht auf die Frau und die Kinder des Beschwerdeführers erstrecke, deren Schweizer Bürgerrecht auf seiner Einbürgerung beruhen (vgl. Art. 41 Abs. 3 BüG).
Sowohl der Beschwerdegegner als auch die Vorinstanz wiesen den Beschwerdeführer
darauf hin, dass er durch die Nichtigerklärung seiner Einbürgerung seine
Aufenthaltsberechtigung
in der Schweiz mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht verlieren werde, zumal er sich auf die
ausländerrechtlichen
Bestimmungen zum Familiennachzug berufen könne.
Schliesslich hält die Vorinstanz fest, da die Ehefrau und die Kinder des Beschwerdeführers über die Staatsbürgerschaft eines Drittlandes verfügten, bestehe für ihn die Möglichkeit, ebenfalls diese Staatsbürgerschaft zu beantragen
. Der Beschwerdeführer gibt vor Verwaltungsgericht an, dies sei ihm bekannt.
4.3.2
Festzuhalten ist zunächst, dass d
er weitere Aufenthalt des Beschwerdeführers nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet. Darüber wird das Migrationsamt nach Eintritt der Rechtskraft der Nichtigerklärung in Anwendung des Ausländerrechts zu entscheiden haben (vgl.
BGE 140 II 65 E. 4.2.2 [auch zum Folgenden] mit Verweis auf BGE 135 II 1
E. 3.2 und BGr, 11. Juli 2013, 2C_1123/2012, E. 3.1). Die familiären Interessen des Beschwerdeführers und seiner Angehörigen sind daher im entsprechenden ausländerrechtlichen Verfahren zu berücksichtigen.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird
die betroffene Person
nach
der
– rechtskräftigen
– Nichtigerklärung der Einbürgerung ausländerrechtlich in die gleiche
Rechtsstellung
wie vor der Einbürgerung versetzt (vgl.
BGE 135 II 1
E.
3.2
und E. 3.7; BGr, 11. Juli 2013, 2C_1123/2012, E. 3.1 [auch zum Folgenden]
). War
sie – wie vorliegend der Beschwerdeführer –
vor der Einbürgerung im Besitz
der Niederlassungsbewilligung
, besteht diese zwar fort, unterliegt ihrerseits jedoch wieder den
ausländerrechtlichen
Erlöschens-
und Widerrufsgründen
(vgl. Art. 51 bzw. Art. 63 AuG;
BGE 135 II 1 E. 3.7; ferner BGr,
14. November 2011
,
2C_226/2011
,
E. 2).
4.4
4.4.1
Die Gründe, welche der Beschwerdeführer gegen die Nichtigerklärung seiner Einbürgerung im eigentlichen Sinn vorbringt, lassen sich im Wesentlichen dahingehend zusammenfassen, dass das Schweizer Bürgerrecht in erster Linie den Geschäftsverkehr und allenfalls auch damit verbundene Reisen für ihn einfacher und bequemer macht. Er selbst spricht von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und beruflichen "Nachteilen". Insbesondere seine lange Anwesenheit in der Schweiz soll auch dagegen sprechen.
4.4.2
Festzuhalten ist demgegenüber, dass seit der Einbürgerung des Beschwerdeführers noch nicht viel Zeit verstrichen war. Das Verfahren betreffend Nichtigerklärung wurde bereits weniger als zwei Jahre danach – unmittelbar, nachdem der Beschwerdegegner von den strafrechtlichen Vorgängen Kenntnis erhalten hatte – eingeleitet. Bereits am 8. Mai 2014 wurde dem Beschwerdeführer hinsichtlich der beabsichtigten Nichtigerklärung das rechtliche Gehör gewährt.
Des Weiteren fällt in Betracht, dass dem Beschwerdeführer die Möglichkeit, sich einbürgern zu lassen, nicht definitiv verwehrt wird: Es bleibt ihm grundsätzlich unbenommen, erneut ein Gesuch um Einbürgerung zu stellen. Dies ist dem Beschwerdeführer offenkundig bekannt.
4.5
Angesichts
insbesondere
der
wiederholten und sich teilweise über eine lange Zeit hinziehenden
Straffälligkeit des Beschwerdeführers sowie des Umstands, dass er die Einbürgerung unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erwirkt hat, erweist sich die
Nichtigerklärung
sodann mit Blick auf die gesetzlichen Integrationsanforderungen als vom Gesetzes
zweck gedeckt und
verhältnismässig
.
5.
Schliesslich sind
vorliegend
auch keine Hinweise
dafür
ersichtlich, dass die Vorinstanz
das ihr in Art. 41 Abs. 1 BüG eingeräumte
Ermessen
in unzulässiger Weise
ausgeübt hätte.
Auch der Beschwerdeführer verweist lediglich allgemein auf das pflichtgemäss auszuübende Ermessen, macht jedoch keine konkreten Vorhalte. Es kann im Wesentlichen auf die vorstehenden Ausführungen verwiesen werden.
6.
Der angefochtene Entscheid erweist sich damit als rechtmässig. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
7.
Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten dem
Beschwerdeführer
aufzuerlegen (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 VRG).
8.