Decision ID: 1f01485a-39cb-4713-aa14-52d51305f932
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1971 geborene
X._
arbeitete als Gastronomiemitarbeiterin bei der
Y._
, als sie am 21. September 2001 im Rahmen einer Auffahrkollision ein Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule (HWS) erlitt. In der Folge bezog sie Leistungen der Suva.
Unter Hinweis auf die Unfallfolgen wie chronische Kopfschmerzen, Nacken
schmerzen, Schwindel, depressive Stimmungslage und die andauernd attestierte Arbeitsunfähigkeit meldete sich die Versicherte am 13. September 2002 bei der Invalidenversicherung an und beantragte Berufsberatung, Umschulung auf eine neue Tätigkeit und eine Rente (Urk. 5/3). Die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte den Sachverhalt ab und zog die Akten der Suva
bei. Von der IV-Stelle unterstützte Arbeitsversuche und Belastbarkeitstrai
nings
wurden jeweils vorzeitig abgebrochen (Urk. 5/19/26, Urk. 5/25, Urk. 5/26, Urk. 5/28 und Urk. 5/30). Die Arbeitsstelle wurde von der Arbeitgeberin per 31. Januar 200
3 gekündigt (Urk. 5/16).
Die Suva veranlasste eine neurologische, psychiatrische und orthopädische Be
gutachtung bei der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) des
Z._
. Gestützt auf das am 30. August 2005 erstattete Gutachten (Urk. 5/33) stellte
die Suva ihre Leistungen mit Verfügung vom 19. Januar 2006 per 30. Septem
ber 2005 ein (Urk. 5/34). Die Gutachter hatten eine HWS-Beschleu
nigungsver
letzung mit
blanden
somatischen Befunden diagnostiziert und für maxi
mal 42 Tage eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert (Urk. 5/33/13 ff.).
Am 13. Dezember 2005 erlitt
X._
erneut einen Auffahrunfall (vgl. Urk. 5/39/10, Urk. 5/40/1, Urk. 5/44).
Im Verfahren betreffend UV-Leistungen erliessen das hiesige Gericht am 30. April
2008 und das Bundesgericht am 18. Dezember 2008 ihre Urteile, mit denen der
Einspracheentscheid
der Suva vom 14. August 2006 geschützt wurde, mit welchem diese betreffend den Unfall vom 21. September 2001 die Einstellung der Leis
tungen per 30. Septem
ber 2005 bestätigt hatte (Urk. 5/35, Urk. 5/48, Urk. 5/53)
.
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(Urk. 5/37 ff.) holte die IV-Stelle beim
A._
,
das internistische, neurologische und psychiatrische Gutachten vom 17. Septem
ber 2009 ein (Urk. 5/61). Nach Vor
lage des Dossiers beim
Regionale
n
Ärztliche
n
Dienst
(RAD)
hielt die IV-Stelle mit Verfügung
vom 29. Dezember 2009 und der Begründung, dass die Versicherte noch vor Ab
lauf
der Wartefrist wieder eine volle Arbeitsfähigkeit für die ange
stammte Tätig
keit erlangt habe, an ihrem
Entscheid fest und verneinte einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 5/67).
1.2
Gegen diese Verfügung liess
X._
mit Eingabe vom 26. Januar 2010 Beschwerde erheben (Urk. 5/68). Vom 2
9.
März bis 1
1.
Juni 2010 begab sie sich in das
B._
in eine tagesklinische Behandlung. Die dortigen Ärzte berichteten am 3
0.
März und am 1
3.
Juli 2010 über die Versi
cherte (
Urk.
5/70/5-10 und
Urk.
5/72/4-10). Mit Urteil IV.2010.00086 vom 20. Januar 2012 hiess das
Sozialversicherungsg
ericht
des Kantons Zürich
die gegen die Verfügung der IV-Stelle erhobene Beschwerde in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache zur Vervollständigung der medizinischen Aktenlage und zur neuen Entscheidung an die IV-Stelle zurück
wies. Als nötig erachtet wurden zusätzliche neurologische, neuro
psycho
logische und
neurootologische
Untersuchungen (
Urk.
5/74).
1.3
Das von der IV-Stelle hernach bei der
C._
eingeholte internistische, neurologische, neuropsychologische, psychoso
matische und
neurootologische
Gutachten vom 3
1.
Dezember 2012 attestierte der Versicherten aufgrund der Diagnosen chronische Schmerzstörung mit soma
ti
schen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (F33.11), chronisches
zervikozephales
Schmerzsyndrom und rezidivierende Dreh
schwin
del
attacken unklarer Ätiologie eine Restarbeits-fähigkeit von 50
%
sowohl für die angestammte als auch für leidensangepasste Tätigkeiten (
Urk.
5/93). Die IV-Stelle stellte der Versicherten gestützt auf das
C._
-Gutachten mit Vorbe
scheid vom 3
0.
April 2013 in Aussicht, sie werde ihr ab
1.
Juli 2013 eine halbe Rente ausrichten (
Urk.
5/101). An diesem Entscheid hielt sie mit Verfügung vom
1.
Oktober 2013 fest (
Urk.
5/108).
1.4
Gegen die Verfügung vom
1.
Oktober 2013 liess die Versicherte mit Eingabe vom 3
0.
Oktober 2013 Beschwerde erheben (Urk. 5/113/3-12). Mit Urteil IV.2013.00989 vom 30. Dezember 2015 hiess das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
die gegen die Verfügung der IV-Stelle erhobene Beschwerde in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache zur weiteren Abklärung und zur neuen Entscheidung an die IV-Stelle zurückwies. Dies namentlich weil das
C._
-Gutachten die Standardindikatoren nur ungenü
gend abdeckte
, welche
aufgrund der mit BGE 141 V 281 erfolgten Praxisänderung für Beschwerdebilder mit unklarer Ursache
zu beachten gewesen wären
(Urk. 5/121/11-12).
1.5
In Nachachtung dieses Urteils holte die IV-Stelle aktuelle Berichte der behandeln
den Ärzte ein (Urk. 5/129, Urk. 5/132-133, Urk. 5/148-149, Urk. 5/151,
Urk. 5/159, Urk. 5/163, Urk. 5/165) und liess die Versicherte durch das
D._
polydisziplinär begutachten. Das Gutachten wurde am 21. Dezember 2016 erstattet (Urk. 5/161) sowie am 27. Februar 2017 ergänzt (Urk. 5/169). Zum Gutachten sowie zu dessen Ergänzung nahm der
RAD
am 28. Dezember 2016 und am 6. März 2017 Stellung (Urk. 5/176/5-7). Mit Vorbe
scheid vom 2
0.
Juni 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 5/177). Dagegen erhob die Versicherte am 2
3.
August 2017
Einwand
(Urk. 5/181), ergänzt am 13. September 2017 (Urk. 5/185) unter Beilage der Berichte des
B._
vom 18. August 2017 (Urk. 5/184). Zu den neu eingereichten Berichten nahm das
D._
am 1
0.
November 2017 Stellung (Urk. 5/192). Dazu äusserte sich die Versicherte am
8.
sowie am 1
2.
Dezember 2017 (Urk. 5/197-198) unter Beilage von Arztberichten (Urk. 5/196 und Urk. 5/199). Nach Vorlage des Dossiers beim RAD (Urk. 5/201) verfügte die IV-Stelle am 15. Januar 2018 im angekündigten Sinne (Urk. 5/200 = Urk. 2).
Im Übrigen erliess die IV-Stelle am
5.
Juli 2017 eine Rückerstattungsverfügung betreffend die im Zeitraum vom
1.
Juli 2013 bis Ende Juni 2017 ausgerichtete Invalidenrente (Urk. 5/178). Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 22. August 2017 Beschwerde (Urk. 5/183/4-6), welche Gegenstand des Ver
fahrens IV.2017.00854 in Sachen der Parteien bildet.
2.
Gegen die leistungsabweisende Verfügung vom 1
5.
Januar 2018 erhob die Versi
cherte am 9. Februar 2018 Beschwerde und beantragte, ihr sei in Aufhebung der angefochtenen Verfügung mit Wirkung ab Stellung ihres Gesuchs eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten, berufliche Massnahmen durchzuführen (Urk. 1 S. 2). Die Beschwer
de
gegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom 8. März 2018 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 4), was der Beschwerdegegnerin am 1
2.
März 2018 mit
geteilt wurde (Urk. 6).
Mit Gerichtsverfügung vom 1
2.
Juli 2018 wurde die Migros-Pen
sions
kasse zum Prozess beigeladen
(Urk.
7). Diese verzichtete auf eine Stellung
nahme
(Urk.
8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2008 und am
1.
Januar 2012 sind die im Zuge der Revisionen 5 und 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invaliden
ver
si
cherung (IVG), der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Kraft getreten.
In materiell-rechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefoch
tene Verfügung ist am 1
5.
Januar 2018 und somit nach Inkrafttreten der erwähn
ten IV-Revisionen ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleis
tung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entspre
chend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 und diejenige bis 31. Dezember 2011 auf die damals gelten
den Bestimmungen abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445
.; Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1).
Da die genannten IV-Revisionen hinsichtlich Invaliditätsbemessung keine sub
stanziellen Änderungen gegenüber der bis 3
1.
Dezember 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat, so dass die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 1
9.
Mai 2009 E. 2), werden die massgeblichen Gesetzesbestimmungen – so
weit nichts
anderes
vermerkt ist – im Folgenden in der seit dem
1.
Januar 2008 geltenden und mit der Revision 6a unverändert gebliebenen Fassung zitiert.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglich
keiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbs
ein
kommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wür
digen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksich
tigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei
lung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt, einzig die Schwindelproblematik sei grösstenteils ausgewiesen und diese begründe eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
. Die gegenwärtig mittelgradig ausgeprägte depressive Störung sei nicht therapieresistent und es müsse in einer Gesamtwürdigung aller Einschränkungen und Ressourcen beurteilt werden, ob der Beschwerdeführerin trotz ihrer Beschwerden eine Arbeitsleistung zumutbar sei. Die eingereichten Berichte von
Dr.
med.
E._
,
gemäss Briefkopf Speziala
rzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und des
B._
seien wider
sprüch
lich und würden kein Bild einer schweren Depression zeigen. Zusammen
fassend schloss sie, aus versicherungsmedizinischer Sicht liege keine psychiatri
sche Diagnose mit relevanter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor (Urk. 2).
2.
2
Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, ihr Arbeitsplatz müsste gemäss
D._
-Gutachten speziell eingerichtet werden, weshalb ihr eine Selbstein
gliede
rung nicht möglich sei. Dies gelte auch im Hinblick auf den langjährigen Abklä
rungsverlauf. Daher seien ihr eventualiter berufliche Massnahmen zuzusprechen (Urk. 1 S. 3). Unter Hinweis auf die vorhandenen Arztberichte argumentierte sie, der anfänglich Verlauf nach dem Unfall vom 21. September 2001 sei äussert schlecht gewesen. Es seien jeweils 100%ige Arbeitsunfähigkeiten attestiert wor
den (Urk. 1 S. 4). Entgegen der Angaben im
C._
-Gutachten befinde sie sich bereits seit dem 31. Oktober 2003 bei Dr.
E._
in psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlung. Die Gutachter des
C._
sowie des
D._
hätten die psychische Komponente nicht richtig aufgenommen und bewertet. Es sei mit
Dr.
E._
davon auszugehen, dass bereits im Jahr 2003 aus psychischen Gründen
eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 70
%
bestanden habe. Er habe denn auch eine stationäre Behandlung empfohlen, was die
D._
-Gutachter übersehen hätten (Urk. 1 S. 5-6). Das Gutachten
der MEDAS
des
Z._
vom 3
0.
August 2005 sei nicht verwertbar, weil die Beschränkung der Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auf 42 Tage absurd sei und das Gutachten zudem unter den Prämissen einer erforderlichen Kausalität abgegeben worden sei. Ferner hätten die Gutachter die psychischen Folgen des Unfallereignisses nicht ausrei
chend thematisiert (Urk. 1 S. 6-7). Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich habe erkannt, auf die bisherigen Gutachten könne man nicht abstellen. Auch das aktuelle Gutachten sei klar mangelhaft, da nicht berücksichtigt worden sei, dass bereits seit dem Jahr 2003 eine intensive psychotherapeutische Behand
lung laufe. Eventualiter habe das Gericht die
D._
-Gutachter zur diesbezügli
chen Ergänzung ihrer Ausführungen anzuhalten (Urk. 1 S. 7). Nachdem die Ver
schlechterung des psychischen Gesundheitszustands im Jahr 2005 eingetreten sei und bis dahin ohnehin keine relevante Arbeitsfähigkeit bestanden habe, sei die beantragte Rente ab Gesuchstellung zuzusprechen. Im Rahmen des
D._
-Gut
achtens sei die Konsistenz klar bejaht worden und unter Berücksichtigung des Berichts des
B._
vom 1
8.
August 2017 sei eine schwere Depression aufgrund der Testungen und bei achtwöchigem Klinikaufenthalt ausgewiesen (Urk. 1 S. 8). Die Behauptung der Beschwerdegegnerin, es liege keine psychiatrische Diagnose mit relevanter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor und die Therapien würden nur in den Dienst gestellt, ihre Arbeitsunfähigkeit zu bestätigen, sei haltlos. Dies e
rgebe sich aus den Berichten von
Dr.
E._
, des
B._
sowie aus den Gutachten des
C._
und des
D._
. Sodann habe das
D._
bestätigt, dass die Behandlung durch
Dr.
E._
lege
artis
erfolgt sei (Urk. 1 S. 8-9).
3.
3.1
3.1.1
Dem polydisziplinären
D._
-Gutachten vom 21. Dezember 2016 lassen sich die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit entnehmen (Urk. 5/161/107):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Epi
sode (ICD-10: F33.1)
-
ängstliche, selbstunsichere Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD
10: F45.41)
-
intermittierende Dreh- und
Schwankschwindelsymptomatik
(ICD-10: H82)
-
Zervikothorakalgie
mit
zervikozephal
em
Syndrom (ICD-10: M54.2 und M
53.0)
-
intermittierende Drehschwindelepisoden mit Gangunsicherheit und Übelkeit 1-2 Tage dauernd unklarer Ätiologie
-
leichte kognitive Funktionsschwäche.
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien demgegenüber die Migräne ohne Aura (ICD-10: G43.0), die episodischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp (ICD-10: G44.2) sowie der Status nach HWS-Beschleunigungstraumen 2001 und 2005 (ICD-10: S31.4; Urk. 5/161/107-108).
3.1.2
Im
otorhinolaryngologischen
Teilgutachten wurde festgehalten,
die Beschwerde
führerin
habe über eine intermittierende
Sc
hwindelsymptomatik
in zwei Varia
tionen, eine Kopfschmerzsymptomatik
sowie
über
einen
seltenen kurz
zeitigen
Tinnitus geklagt (
Urk.
5/161/27-28
). Der Tinnitus sei im Rahmen des subjektiven Empfindens kompensiert. Seitens der vestibulären Funktion seien aktuell
verein
zelte
Linksnystagmen
bei Kopfrotation bei ansonsten
unauffällige
n
Befunde
n
mit symmetrischer kalorischer Erregbarkeit beidseits zu objektivieren, sodass
weder eindeutige Befunde einer peripheren noch einer zentral-vestibulären Funktions
störung vorlägen
(
Urk.
5/161/30
). Eine
retrocochleäre
Pathologie habe vorgängig
bildgebend ausgeschlossen wer
den können.
Bei
Linksnystagmen
und
in Anbe
tracht der zusätzlichen lokalen Beschwerden im Bereich der
Halswirbelsäule
sowie der
Provokationsnystagmen
bei Kopfrotation bestehe der Verdacht auf eine
zervikogen-proprioceptiv
bedingte
Schwindelsymptomatik
. Diese würde
vor allem
die
Schwankschwindelsymptomatik
erklären
.
Angesichts der inter
mittierenden Drehschwindelbeschwerden und der bekannten Migräne sei diffe
renzialdiagnostisch eine Beschwerdesymptomatik im Rahmen einer vestibu
lären Migräne möglich
(Urk.
5/161/30-31).
Zur Arbeitsfähigkeit hielt der Gutachter fest,
zu ver
meiden seien
sturzgefährdende
Tätigkeiten
und Tätig
keiten mit h
äufi
gen Kopfrotationsbewegungen. Zusätzlich müsse im Rahmen der Frequenz des Auftretens der Beschwerdesymptomatik wegen anzunehmender Arbeitsabsenzen von einer etwa 20
%
betragenden quantitativen Einschränkung der Leistungsfä
higkeit ausgegangen werden
(Urk. 5/
161/31).
Das Auftreten dieser
otor
hi
nol
aryngo
logischen
und
otoneurologischen
Beschwerdesymptomatik sei auf das Jahr 2001 zurückzuführen
(Urk. 5/
161/32).
3.1.3
Dem
neurologische
n Teilgutachten ist zu entnehmen
,
dass
die Beschwerdeführe
rin über Nac
ken-, Rücken- und Kopfschmerzen,
über Dreh- und
Schwankschwin
del
sowie über depressive Phasen
klagt
e
(Urk. 5/
161/37
-39
).
Der Gutachter hielt fest, es bestünden Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in die Schultern sowie in die Brustwirbelsäule
, eine Migräne ohne Aura sowie Drehschwindelepisoden, wel
che mit einer vestibulären Migräne vereinbar seien
(Urk. 5/
161/46).
Aufgrund der
Cervikothorakalgie
mit
cervikocephalem
Syndrom sowie der intermittierenden
Drehschwindelepisoden verbunden mit Gang
unsicher
heit seien Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten sowie mit einer Retroflexion des Kopfes verbundene Tätig
keiten
unzumutbar
. Wegen
Arbeitsun
fähigkeit
en während der Migräneattacken sowie
wegen
eines erhöhten Pausen
bedarfs bestehe in einer einfachen körperli
chen oder organisatorischen und administrativen Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 90
%
(Urk. 5/
161/48).
Aus neurologischer Sicht habe bis anhin immer eine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und einer adaptierten Tätigkeit bestanden
(Urk. 5/
161/49).
3.1.4
Anlässlich der psychiatrischen Exploration
erlebte der Gutachter die Beschwer
de
führerin als ausgesprochen resignativ. Er führte indes aus, klinisch zeige sie in ihrer Art und Weise der Kommunikation, in ihrer Vigilanz, in ihrem Asso
ziationsreichtum und in ihrer guten Denkleistungsfähigkeit sowie im Antrieb gesichert keine schwerste depressive Episode
(Urk. 5/
161/60). Sie leide effektiv unter den geklagten Beschwerden, der Vergesslichkeit und den Stimmungs
schwankungen. All ihre Befindlichkeitsst
ör
ungen habe
sie mit ausgesprochen guten Deutschkenntnissen sehr differenziert berichtet. Dabei sei sie immer sehr wach gewesen und habe eine gute Konzentrationsfähigkeit gezeigt. Auch die Aufmerksamkeitsfähigkeit habe im über anderthalb Stunden dauernden Gespräch nicht nachgelassen
. In der Psychomotorik wirke sie reduziert und über weite Strecken hätten sich die Affekte überhaupt nicht aufgehellt. Sie wirke eher etwas spärlich in den Affekten und sei ausgesprochen leidend, allerdings nur mässig expressiv. Es bestehe keine Demonstrationstendenz
(Urk. 5/
161/64
-65
).
Sie sei affektarm und klinisch gesichert maximal mittelgradig depressiv. Eine schwere Depressivität könne
nicht angenommen werden
aufgrund des Antriebsverhaltens, der Eloquenz und der vielen Eckdaten, über welche die Beschwerdeführerin
fluent
habe berichten können
. Sie sei traurig, aber weder klinisch teilnahmslos traurig noch
schwergradig
verzweifelt. Sie hinterlasse nicht einen stumpf apathischen oder
mutistischen
Eindruck, wie man das bei schwersten depressiven Patienten aus der Klinik kenne. Die mnestischen Funktionen seien noch recht gut. Auf
merksamkeit und Merkfähigkeit könne die Beschwerdeführerin
aufrecht
erhalten. Sie sei fähig zur Kommunikation und Interkation auf der kommunikativen Ebene
(Urk. 5/
161/66).
Würde man die Worte der Beschwerdeführerin eins zu eins über
nehmen, schildere sie durchaus Symptome, welche die Diagnose einer schweren depressiven Episode rechtfertigen würden
(Urk. 5/
161/71). Dennoch sei keine schwere depressive Episode anzunehmen, weil die Beschwerdeführerin klinisch in keinem einzigen Moment das Bild einer
schwer
st
depressiven Person abgebe, wa
s nicht heisse, dass sie nicht rezidivierend unter depressiven Stimmungseinbrü
chen, Verzweiflung, Trauer und Hoffnungslosigkeit leide. Sie lenke immer wieder depressiv aus. Jemand mit einer durchwegs schweren depressiven Episode fahre
aber nicht mehr Auto, bewerbe sich nicht mehr für eine Stelle, gehe nicht mehr in eine Sauna oder ins Fitnesszentrum u
nd fahre auch nicht mit dem Freu
nd in die Ferien, sondern
müsse allenfalls in eine Klinik eingewiesen werden oder benötige hochdosierte verschiedene Antidepressiva
(Urk. 5/
161/72).
Es liege keine bewusste Aggravation, aber eine Selbstlimitierung vor, welche teilweise auch mit der depressiven regressiven Einstellung zu tun habe, teilweise aber auch mit einem Aufgeben der Beschwerdeführerin, die schambehaftet sich als Versagerin erlebe und den Einstieg ins Leben nicht mehr zu finden glaube. In dieser Fehlan
nahme und subjektiven Fehlinterpretation ihrer Schmerzen
sei
konsequent an einer
Umatribuierung
zu arbeiten
und ihre ängstlichen Fehlerwartungen seien konsequent anzugehen
(Urk. 5/
161/74).
Es bestünden Wechselwirkungen zwischen den ängstlichen Persönlichkeitszügen, der Selbstunsicherheit, der emotionalen Instabilität, der depressiven Fehlentwicklung und den
chronifizier
ten
Schmerzen
(Urk. 5/
161/76).
Der psychiatrische Teilgutachter führte weiter aus, die psychiatrische Einzeltherapie bei
Dr.
E._
halte er für lege
artis
. Aller
dings hege er Zweifel an der gegenwärtigen umfassenden Therapie
im
B._
. Dass sie dort immer wieder fehlen könne, sei kontraproduktiv. Ferner zeige der gemessene
Antidepressivaspiegel
von
Trimipramin
, dass die Beschwerde
führerin die Antidepressiva unregelmässig einnehme
(Urk. 5/
161/84).
In seiner Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit hielt der psychiatrische Teilgutachter fest, ein 50%iges Pensum könne der Beschwerdeführerin sowohl in der bisherigen als au
ch in jeder Verweistätigkeit zu
gemutet werden. Ein vermindertes Rendement bestehe nicht. Es sei mit Absenzen zu rechnen und der Arbeitsplatz müsse entsprechend einge
richtet sein
(Urk. 5/
161/87).
Um eine volle
Arbeitsunfähigkeit
zu begründen, wür
den objektiv die
psychopathogischen
(gemeint wohl: psychopathologischen)
Kriterien und die Funktionseinbussen im Sozialen und in den persönlichen Kompetenzen nicht ausreichen
(Urk. 5/
161/88). Aus psychiatrischer Sicht müsse nach dem Unfall im Jahr 2005 eine psychische Verschlechterung angenommen werden, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt habe. Zuvor sei ihr nach einer längeren Rehabilitationszeit nach dem ersten Unfall eine angepasste Tätig
keit zu 70
%
zumutbar gewesen
(Urk. 5/
161/89).
3.1.5
Der neuropsychologische Teilgutachter führte während rund viereinhalb Stunden eine Exploration sowie Testuntersuchung durch
(Urk. 5/
161/90). Er gelangte zum Schluss, die Beschwerdeführerin werde aufgrund ihrer körperlichen und psychi
schen Beschwerden in der Leistungsfähigkeit bei länger dauernden Anforderun
gen an die Aufmerksamkeit oder Konzentrat
ionsfähigkeit beein
trächtigt, was nicht im Sinne einer ungenügenden Anstrengungs
bereitschaft, sondern einer ver
minderten Anstrengungsfähigkeit einzustufen sei
(Urk. 5/
161/101).
Es sei eine leichte kognitive Funktionsschwäche mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu
diagnostizieren
(Urk. 5/
161/103). In der angestammten Tätigkeit bei der
Y._
sei sie aufgrund der erhöhten Fehleranfälligkeit,
der ungenügenden Kontrolle (vgl. auch
Urk.
5/161/96) und wegen des leicht vermehrten Pausenbedarfs leicht
gradig eingeschränkt. Bezüglich alternativer Tätigkeiten sei darauf zu achten, dass diese keine erhöhten Anforderungen an die sprachlichen Fähigkeiten (deutsch) stellen und umgekehrt die guten figural-räumlichen Fähigkeiten genutzt werden könnten
(Urk. 5/
161/104). Anhand der im März 2003 erhobenen neuropsychologischen Befunde sei nicht von einer namhaften Veränderung in der Zwischenzeit auszugehen
(Urk. 5/
161/105).
3.1.6
Gesamtmedizinisch
gaben die Gutachter an, es bestehe sowohl in der bisherigen als auch in einer adaptierten Verweistätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
(Urk. 5/
161/111).
3.1.7
Am 2
7.
Februar
2017 ergänzte
der psychiatrische
Gutachter, aus dem Bericht von
Dr.
E._
vom
6.
Juni 2016 gehe klar hervor, dass schon seit Jahren eine ängst
liche Komponente der Persönlichkeit mit Vermeidungsverhalten und Rückzugs
tendenzen vorliege, die nicht nur eine
r
depressiven Erkrankung zugeordnet werden könne, sondern auch einer Selbstlimitierung gleichkomme. Diese hätte schon längstens sowohl vom
B._
als auch von
Dr.
E._
angegangen werden müssen
, was nicht getan worden sei
(Urk. 5/
169/8
-9
).
Weiter
hielt er
fest, auf
grund des Verlaufs nach dem ersten Unfall mit Eingliederungsbemühungen sei zwischen 2001 und 2005
noch nicht von einer 50%igen
Arbeitsunfähigkeit
aus
zugehen. D
ie Gutachter gaben an, d
er Gesundheitszustand sei seit 2001 wechsel
haft aufgetreten und habe sich durch den Unfall im Jahr 2005 verschlechtert
(Urk. 5/
169/10). Dieser habe sie wieder aus dem Gleichgewicht gebracht
. Eine mindestens 20%ige
Arbeitsunfähigkeit
habe aber bereits seit 2001 bestanden
(Urk. 5/
169/11).
Die gutachterlich attestierte
Arbeitsunfähigkeit
gelte ab 200
5.
Eine exakte Beurteilung des Verlaufs der
Arbeitsunfähigkeit
von 2001 bis heute sei nicht mehr möglich
(Urk. 5/
169/12).
3.1.
8
Der RAD gelangte in seiner Stellungnahme vom 2
8
.
Dezember 2016
zum Schluss, man könne sich auf das Gutachten stützen (Urk.
5/176/5
).
Nach der Gutachtens
ergänzung führte er am
6.
März 2017 aus, führend in der Beschwerde
symptoma
tik und dem Ausmass der
Arbeitsunfähigkeit
sei der psychische Bereich. Demnach ergebe sich sowohl für die bisherige als auch für eine ange
passte Tätigkeit für die Zeit nach dem ersten Unfall eine 70%ige Arbeitsfähigkeit und für die Zeit ab dem zweiten Unfall vom 1
2.
Dezember 2005 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
(Urk. 5/
176/6).
3.2
Dem Bericht des
B._
vom 1
8.
August 2017 ist zu entnehmen, die Beschwerde
führerin leide weiterhin an Schmerzen, Schwindel, Schlafstörungen, Lust- und
Interesselosigkeit (
vor allem
bei starken Schmerzen), Traurigkeit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Rückzug, Gedankenkreisen, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosig
keitsgedanken, Konzentrationsstörungen im Alltag sowie Vergesslich
keit. Die Symptomatik habe sich trotz adäquater Behandlungen seit 2005 bis aktuell ver
schlechtert, weshalb sie als therapieresistent zu werten sei
. Eine psychiatrische stationäre Behandlung sei bisher nicht indiziert gewesen
(
Urk. 5/184
/3
)
.
Während der tagesklinischen Behandlung habe sich der psychische Zustand der Beschwer
deführerin leicht verbessert. Die Depression habe leicht reduziert werden können und die Schmerzen seien stationär geblieben. Sie habe sämtliche Sitzungen wahr
genommen, wenn ihre Kräfte dies zugelassen hätte
n, was im Durchschnitt zwei Tage
pro Woche
nicht der Fall gewesen sei. Ihre Ressourcen seien praktisch ver
siegt
(Urk. 5/
184/4).
3.3
In einem anderen Bericht des
B._
vom 1
8.
August 2017 wurde festgehalten, anhand der verwendeten Test-, Trainings- und Beobachtungsmethoden ergebe sich das Bild einer schweren Depression. Der zweite Unfall habe die Kopfschmer
zen deutlich verstärkt und unter dem Einfluss der sich zunehmend verschlech
ternden Beziehung zu ihrem Ehemann habe sie die Schmerzsymptomatik depressiv verarbeitet. Es liege eine
Chronifizierung
vor
(Urk. 5/1
84/7
)
.
Der Test zur Erfassung der Schwere einer Depression habe sowohl zu Beginn als auch am Ende der Therapie einen Wert für eine schwere Depression ergeben
(Urk. 5/
184/8
,
Urk.
5/184/11
). Eine Teilnahme am tagesklinischen Programm sei der Beschwer
deführerin
wegen Schmerzen und Schlafstörungen
nur beschränkt möglich gewesen
. Bei nur unregelmässig vorhandener Kon
zen
tration und Aufmerksam
keit, feh
lender Reisefähigkeit, fehlendem Durchhalte
vermögen und fehlender Belastbarkeit sei sie auch für angepasste Tätigkeit
en
zu 100
%
arbeitsunfähig
(Urk. 5/
184/9).
3.4
Die
D._
-Gutachter führten am 1
0.
November 2017 aus, die vom
B._
aufge
listete Symptomatik stehe nicht im Widerspruch zu ihrem Gutachten. Immerhin könne die Beschwerdeführerin durchwegs zwischendurch spazieren, während drei Tagen pro Woche soziale Kontakte hegen, manchmal sogar länger. Die starken Unterschiede im sozialen Verhalten, im Antriebsverhalten und die Stimmungs
schwankungen würden
vom
B._
einfach auf die Depression abgewälzt, könnten aber nicht vollständig damit erklärt werden
(Urk. 5/
192/3). Sodann weise der Bericht auf einen sekundären Krankheitsgewinn hin und sei widersprüchlich
(Urk. 5/
192/4). Die erhobenen Befunde und die beschriebene Sozialkompetenz würden nicht mit einer schweren Depression einhergehen
(Urk. 5/
192/5-6).
Zusammenfassend hielten sie an ihrer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit fest
(Urk. 5/
192/7).
Sodann bemerkten sie, a
uch im Bereich der Neuropsychologie seien keine neuen Aspekte ersichtlich
(Urk. 5/
192/7-8).
3.5
Am 1
1.
Dezember 2017 berichtete
Dr.
E._
, bei der Beschwerdeführerin liege eine schwere psychische Störung vor. Die Depression sei mittelgradig, zeitweise schwer. Es bestehe für jegliche Tätigkeit eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 5/
199/2).
4.
4.1
Die IV-Stelle hielt das
D._
-Gutachten inklusive Ergänzung
en
für beweis
kräf
tig, wich indes aus juristischer Sicht bezüglich der psychisch bedingten Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit davon ab (Urk. 5/
201/4-5).
Das
D._
-
Gutachten
basiert auf fachärztlichen Untersuchungen sowie
auf den anlässlich dieser Unter
suchungen erhobenen objektiven Befunden, auf den
Vorakten
, den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin sowie der erhobenen Anamnese (
Urk.
5/161
). Ferner b
eantwortet es - zusammen mit den
Ergänzung
en
vom
27. Februar (Urk. 5/169) und
10
. November 2017 (Urk.
5/192
) - die gestellten Fra
gen umfassend und setzt sich mit anderslautenden Beurteilungen auseinander. Somit erfüllt es die von der Rechtsprechung
gestellten formellen Vorausset
zungen an ein beweiskräftiges Gutachten (vgl. vorstehende E.
1.5
).
4.
2
Dass der Beschwerdeführerin wegen der Schwindelproblematik aus
otor
hinolaryngo
logischer
Sicht sturzgefährdende Tätigkeiten aus Sicherheits
gründen und Tätigkeiten mit häufigen Kopfrotationsbewegungen aufgrund der dabei auf
tretenden
N
ystagmen
und Schwindel nicht zumutbar sind, überzeugt ohne Wei
teres (vgl. Urk. 5/161/27,
Urk. 5/161/30-31)
.
Ebenso ist nachvollziehbar, dass die regelmässig auftretenden Schwindelepisoden immer wieder zu Arbeits
absenzen führen
, und dass die Gutachter deshalb eine Arbeitsunfähigkeit von 20
% ange
nommen haben (Urk. 5/161/31).
Sodann ist
aus denselben Gründen
plausibel, dass auch der neurologische Teilgutachter die Beschwerdeführerin für ähnliche Tätigkeiten wegen des Schwindels sowie wegen der
Cervikothorakalgie
für arbeitsunfähig hielt
und die Arbeitsfähigkeit aufgrund von einem erhöhten Pau
senbedarf und Arbeitsunfähigkeiten während Migräneattacken auf 90
%
fest
setzte
(Urk. 5/161/48).
4.3
D
er neuropsychologische Gutachter
diagnostizierte
eine leichte kognitive Funk
tions
schwäche (Urk. 5/161/
103). Diese Diagnose ist vor dem Hintergrund der bei der ausführlichen Testung mehrheitlich im Normbereich liegenden Leistungen mit jedoch erhöhten Aufmerksamkeitslücken und ungenügenden qualitativen Kontrollen, schwacher Ideenproduktion und Spontanität des Denkens nachvoll
zieh
bar (
Urk. 5/161/96,
Urk. 5/161/100-101). Angesichts der unauffälligen Beschwer
de
validierungsverfahren und beim Fehlen eindeutiger Hinweise auf eine ungenü
gende Anstrengungsbereitschaft ist nicht zu beanstanden, dass die
Beeinträchti
gung der Beschwerdeführerin bei länger dauernden Anforderungen an Aufmerksamkeit oder Konzentration als verminderte Anstrengungsfähigkeit ein
gestuft wurde (Urk. 5/161/101).
Dass die Beschwerdeführerin aufgrund dieser Einschränkungen in der auch Arbeit an der Kasse und am Kundendienst beinhal
tenden angestammten Tätigkeit bei der
Y._
wegen erhöhter Fehleranfälligkeit, mangelhafter Kontrolle und leicht vermehrtem Pausenbedarf leicht eingeschränkt ist, ist nachvollziehbar (Urk. 5/161/104).
4.4
Dafür, dass die Arbeitsunfähigkeit aus somatischer Sicht zu einem früheren Zeit
punkt während mindestens eines Jahres
höhergradig
gewesen wäre, liegen keine Anhaltspunkte vor. Namentlich waren im Zeitpunkt der Begutachtung durch die MEDAS des
Z._
, welche von November 2004 bis Mai 2005 stattfand (Urk. 5/33/3), gemäss dem Gutachten vom 30. August 2005 in keinem Fachgebiet mehr krankheitswertige Befunde vorhanden (Urk. 5/33/19). Die anlässlich des Unfalls vom 21. Januar 2001 erlitte
ne
HWS-Beschleunigungs
verletzung wurde als leichtgradig eingestuft (Urk. 5/33/17) und somatisch bedingte Beschwerden wur
den nur für den initialen Zeitraum von maximal 42
Tagen angenommen (Urk. 5/33/19).
Unabhängig davon, ob die 42 Tage wirklich auf den Tag genau korrekt sind (vgl. den Einwand in Urk. 1 S. 6), über
zeugt v
or diesem Hintergrund die Angabe im
D._
-Gutachten, dass
zumindest
nie längerfristig
beziehungs
weise während mindestens eines Jahres
weiter
gehende Einschrän
kun
gen bestan
den (Urk. 5/161/35, Urk. 5/161/49).
Die Arbeits
un
fähig
keit
von 20
%
liegt
indes seit 2001
vor
(Urk. 5/169/2).
4.5
Dass der psychiatrische Gutachter eine gegenwärtig mittelgradig ausgeprägte rezidivierende depressive Störung diagnostizierte (Urk. 5/161/66), steht in Ein
klang mit den erhobenen Befunden
mit Traurigkeit, jedoch ohne
schwer
gradige
Verzweiflung oder Teilnahmslosigkeit, recht guten mnestischen Funktionen mit während der psychiatrischen Exploration erhaltener Aufmerk
samkeit und Merk
fähigkeit
, erhaltener Kommunikationsfähigkeit (Urk. 5/161/64 und Urk. 5/161/66), mit reduzierter Psychomotorik (Urk. 5/
161/64),
mit über weite Strecken überhaupt nicht aufhellenden Affekten (Urk. 5/161/65)
,
indes ver
ein
zel
tem Lachen (Urk. 5/161/22),
mit Stimmungstiefs, Resignation, Hoffnungs
losigkeit (Urk. 5/161/70) und Schlafstörungen (Urk. 5/161/6
2-6
3, Urk. 5/161/71)
.
Dass
das
B._
die Depression als schwer einstufte und
Dr.
E._
von einer zeit
weise schweren Ausprägung ausging, vermochte der psychiatrische Gutachter damit zu erklären, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich Symptome schilderte, welche die Diagnose einer schweren depressiven Episode rechtfertigen würden (Urk. 5/161/71). Dass dennoch keine schwere Depression vorliegt,
legte er schlüssig dar, indem er auf die von ihm sowie vom
B._
erhobenen Befunde
m
it
teilweise erhaltenem Antrieb und
guter Denkleistungsfähigkeit
sowie
auf
ihren
eloquenten,
vigil
ant
en
klinischen Eindruck, ihre erhaltene Sozialkompetenz
und Kommunikationsfähigkeit
und
auf
die an guten Tagen erhaltenen Aktivitäten mit
Autofahrten, Bewerbungen, Treffen
,
Besuchen von Fitnesszentrum und Sauna
, Pflege von sozialen Kontakten, Erledigung leichter Einkäufe
sowie Ferienreise
n
hinwies (
Urk.
5/161/6
0,
Urk. 5/161/66,
Urk. 5/
161/71-72,
Urk. 5/161/88,
Urk. 5/184/3, Urk. 5/184/9,
Urk. 5/192/5-6).
Da die Klagen der Beschwerdeführerin ihre effektiven Einschränkungen über
schritten
,
da sie sich ausgesprochen beeindrucken liess von ihrer Leistungsunfä
higkeit, von ihren Schmerzen und von ihrem Berufsversagen und da sie sich unter anderem wegen Ängsten auch in ihrer Freizeit und im Haushalt selbst limitiert (Urk. 5/161/72, Urk. 5/161/85-86
), sind die Diagnose
n
einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie von ängstli
chen, selbstunsicheren Persönlichkeitszügen (Urk. 5/161/66) nachvollziehbar.
4.
6
4.
6
.1
Gemäss
der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann die ärztliche Arbeits
fähig
keitsschätzung, zumindest ohne einlässliche Befassung mit den spezifischen nor
mativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, zwar den rechtlich geforderten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 2 ATSG) nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medizinisch-psychiatri
schen Sachverständigen abhängt. Die medizinische Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit ist aber eine wichtige Grundlage für die
anschliessende
juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2). Dabei gilt, dass die versicherte Person als grundsätzlich gesund anzusehen ist und sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen kann (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit haben sich sowohl die medizinischen Sach
verständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orientieren; die Gut
achter im Idealfall
gemäss
der entsprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsan
wender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit
schliessen
lassen (BGE 143 V 418 E. 6). Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechts
anwendern zu überprüfen, ob in
concreto
ausschliesslich
funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berück
sichtigt wurden und ob die Zumutbar
keitsbeurteilung auf einer objekti
vierten Grundlage erfolgte (BGE 141 V 281
E. 5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG). Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprü
fung nach
Massgabe
des strukturierten Beweis
verfahrens stattfinden (BGE 141 V 281 E. 5.2.3; vgl. auch Andreas Traub, in: Ueli
Kieser
[Hrsg.], Sozial
versicherungsrechtstagung 2016, S. 142
Ziff.
3.3.3), sondern im Rahmen der Be
weiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizi
nisch anhand der Indikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen (BGE 141 V 281 E. 6; Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. De
zember 2017 E. 4.2.4). Ent
scheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialver
sicherungsrechts
abschliessend
nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsun
fähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der
mass
geblichen
Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmi
ges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Pers
on auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3, 143 V 418 E. 6
).
4.
6
.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren,
die es
unter Berücksichtigung leistungshindernder
äusserer
Belastungs
fakto
ren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundes
ge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl.
BGE
144 V 50 E. 4.3
).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.
6
.
3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich
entscheidend
ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
4.
6
.4
Bezüglich des Komplexes „Gesundheitsschädigung“ ist festzuhalten,
dass die gut
achterlichen Befunde
als mittelschwer einzustufen sind. So ist
die Beschwerde
führerin
aus somatischer Sicht
in einer angepassten Tätigkeit nur leicht
einge
schränkt (Urk.
5/161/109-110
). Die
Depressivität ist mittelgradig ausgeprägt. Die ängstlich unsicheren Persönlichkeitszüge sind leicht bis mittel
gradig ausgeprägt. Die Schmerzstörung ist schwer ausgeprägt, aber ebenfalls wechsel
haft. Über die Jahre muss
laut Gutachten
objektiv von einer mittel
gradig
en
bis schweren Aus
prägung der psychosomatischen Fehlver
arbeitung mit Selbstlimitierung ausge
gangen werden
(Urk. 5/
161/73). Die Beschwerdefüh
rerin ist vermindert belastbar und
vermindert stressbelastungs
fähig. Sie verfügt über ein vermindertes Durchhaltevermögen. Schmerzbedingt
muss
sie Pausen einlegen und
wird
sie Absenzen haben
(Urk. 5/
161/74).
Eine bewusstseinsnahe Aggra
vation
nahmen die Gutachter nicht an, hingegen eine Selbstlimitierung, welche teilweise mit der depressiven regressiven Einstellung zu tun hat und teilweise mit einem Aufgeben der Beschwerdeführerin, die sich schambehaftet als Versagerin erlebt und den Einstieg ins Leben nicht mehr zu finden glaubt
(Urk. 5/
161/74)
.
Es bestehen
Wechselwirkungen zwischen den ängstlichen Persönlichkeitszügen, der Selbstun
sicherheit, der emotionalen Instabilität, der depressiven Fehlentwicklung und den
chronifizierten
Schmerzen
(Urk. 5/
161/76).
Zu den Komplexen „Persönlichkeit“ und
„sozialer Kontext“
ist festzuhalten, dass
die Beschwerdeführerin ängstliche und selbstunsichere Persönlichkeitszüge auf
weist. So wird sie in der Ich-Identität als verunsichert, ängstlich und mit ausge
sprochener emotionaler Instabilität wahrgenommen. Sie befindet sich in einem Teufelskreis der Stimmungsschwankungen, des Rückzugs, des Aufgebens des Lebensvollzuges und dem Fehlen positiver Erfahrungen. Zudem hat sie das Gefühl, den Ausweg aus ihrer Abwärtsspirale nicht zu finden. Sie fühlt sich rasch verunsichert vor Terminen, vor Kontakten mit Menschen und zeigt eine ausge
sprochene Schamhaftigkeit und eine hohe Tendenz zu Schuldgefühlen
(
Urk.
5/161/6
2,
Urk. 5/
161/65,
Urk. 5/
161/71).
Sie pflegt Kontakte zu ihrem Bruder und dessen Familie
(Urk.
5/161/63). An guten Tagen bewirbt sie sich auf Arbeitsstellen, kocht manchmal, erledigt kleine Einkäufe, fährt Auto, geht ins Fitness und in die Sauna
(Urk. 5/
161/62-63
,
Urk.
5/184/9
).
Des Weiteren
war sie in den Jahren 2015 und 2016 in den Ferien
(Urk. 5/
161/63,
Urk.
5/161/60).
Zur Kategorie „Konsistenz“ ist zu bemerken, dass das Aktivitätsniveau de
r Beschwerdeführerin
im Vergleich zu früher eingeschränkt ist. So hat
sie ihre
Hobbies
Skifahren, Velofahren, Schwimmen und Natur
aufgegeben (Urk.
5/161/59
).
Ferner hat sie sich sozial zurückgezogen
(Urk. 5/
161/85).
D
er behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesene Leidensdruck
ist als mittelmässig einzustufen. D
er im Antidepressivum
Surmontil
enthaltene Wirk
stoff
Trimipramin
war im Bluttest deutlich
unterhalb
der unteren
Konsensus
leit
line
(Urk. 5/
161/21,
Urk.
5/161/62)
, was auf eine unregelmässige Einnahme des Antidepressivums hinweist
(Urk. 5/
161/84)
. Zeitweise nahm
die Beschwerde
führerin
nur einmal pro Monat
oder alle drei Wochen
psychologische Konsul
ta
tionen wahr (Urk.
5/161/57,
Urk.
5/
184/3
).
Im Jahr 2010 sowie kurz vor der Begut
achtung durchs
D._
begab sie sich in tageklinische Behandlung
(Urk. 5/
161/56-57). Dass die Beschwerdeführerin dabei immer wieder Absenzen hatte
(Urk. 5/
161/61
,
Urk.
5/161/63
), scheint nicht
primär
an ihren Bemühungen oder
an
ihrem Leidensdruck zu liegen, sondern an der Herangehensweise der Therapeuten
respektive an den ungünstigen Therapiebedingungen
(Urk. 5/
161/73,
(Urk. 5/
161/84,
Urk.
5/
169/
8-
9
). Ein stationärer Klinikaufenthalt fand nie statt.
Unter Berücksichtigung der hier relevanten Indikatoren erscheint die durch
das
D._
erfolgte Beurteilung nachvollziehbar, wonach
die Beschwerdeführerin zu 50 % arbeitsfähig ist
(Urk. 5/
161/87).
Hierzu ist anzumerken, dass es sich bei der
Festlegung der Arbeitsunfähigkeit in der Regel um eine Schätzung handelt, die n
aturgemäss auch einen Ermessens
spielraum umfasst (Urteil des Bundesgerichts 8C_740/2014 vom 1
1.
Februar 2015 E. 3.4.2 mit Hinweis)
.
Bei den vorhandenen Einschränkungen
sowie
Ressourcen kann weder auf eine volle Arbeitsfähigkeit noch auf eine volle Erwerbsunfähigkeit geschlossen werden.
Mit dieser Beurtei
lung
in Einklang stehen im Übrigen auch die mittels IFAP
(
Instrument zur Erfassung der mentalen Funktionen, die die Leistungsfähigkeit einschränken
) erhobenen
,
maximal mittelgradigen
, indes in vielen Bereichen vorhandenen
Ein
schränkungen (Urk. 5/161/76-
84
).
4.
6
.5
N
ach dem ersten Unfall
vom
21. September
2001
trat die Beschwerdeführerin
n
och berufliche Massnahmen an und es wurde eine Rehabilitation in den Arbeits
markt von gegen 100
%
angestrebt
(vgl.
Urk.
5/161/87
und
Urk.
5/169/9-10
)
. Zudem hat
sich das psychische Befinden der Beschwerdeführerin
inklusive Schmerz
situation
nach dem zweiten Unfall vom 1
3.
Dezember 2005
deutlich
ver
schlechtert
(Urk. 5/
161/89
,
Urk.
5/169/11
-12
,
Urk.
5/184/3,
Urk.
5/184/7,
Urk.
5/196/3
)
. Vor diesem Hintergrund
ist plausibel, dass bis dahin aus psychiatri
scher Sicht noch eine
höhere, nämlich
70%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätig
keit attestiert wurde
(Urk. 5/
161/89). Abgesehen davon, dass depressive Ent
wicklungen fluktuierend verlaufen können
(Urk. 5/
161/87)
und die aus psychiatri
scher Sicht festgestellte Gesundheitsbeeinträchtigung wechselhaft auf
trat
(Urk. 5/
169/10)
, sind keine wesentlichen und dauerhaften Veränderungen zu einem anderen Zeitpunkt dokumentiert.
4.6.6
Entgegen dem Einwand der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
1 S. 5-6) hat der psychiatrische Gutachter des
D._
korrekt festgehalten und somit zur Kenntnis genommen, dass die Beschwerdeführerin sich seit dem Jahr 2003 bei Dr.
E._
in Therapie befindet
(Urk. 5/
169/7). Auch trifft nicht zu, dass er negiert hätte, dass je eine stationäre Behandlung empfohlen worden sei (vgl. den Einwand in
Urk.
1 S. 6). Vielmehr schloss er daraus, dass - unbestrittenermassen - nie eine stationäre Behandlung stattgefunden hat, darauf, dass die Beschwerdeführerin nicht effektiv seit Jahren
schwerst
depressiv ist
(Urk. 5/
161/84), was überzeugt.
4.
7
Die interdisziplinäre
D._
-Beurteilung steht sodann in Übereinstimmung mit den einzelnen Teilgutachten und ist dah
er ebenfalls schlüssig und nach
vollzieh-bar. Zusammenfassend wurde nichts
vorgetragen, was das polydiszi
plinäre Gut
achten des
D._
als nicht schlüssig erscheinen liesse oder sonst in Zweifel zu ziehen vermöchte. Ebenso wenig ist etwas Derartiges aus den Akten ersichtlich. Vielmehr erfüllt das Gutachten sämtliche von der Rechtsprechung statuierten Anforderungen an ein medizinisches Gutachten (vgl. auch BGE 134 V 231 E. 5.1 und 125 V 351 E. 3a). Es ist daher darauf abzustellen.
Nach dem Gesagten ist
nach einer Rehabilitationszeit nach dem ersten Unfall von weniger als einem Jahr von einer 70%igen und ab dem 13. Dezember 2005 von einer 50%igen Arbeits
fähigkeit
sowohl in der bisherigen als auch
in
einer anderen angepassten
Tätigkeit auszugehen
(Urk. 5/
161/11)
.
5.
Da die zuletzt ausgeübte oder eine lohnmässig vergleichbare
Tätigkeit
(vgl. das Urteil des Bundesgerichts
8C_364/2015 vom 1
8. Dezember
2015
E. 3.2) auch wei
terhin, wenn auch in reduziertem Umfang, zumutbar ist, ist der Invaliditäts
grad mittels eines Prozentvergleichs zu bestimmen. Mit anderen Worten ent
spricht die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit dem Invaliditätsgrad. Beim (echten) Prozent
vergleich fällt ein leidensbedingter Abzug ausser Betracht (vgl.
Urteil des Bun
desgerichts 9C_109/2013 vom 9. April 2013 E. 4.2 mit Hin
wei
sen). Vorliegend beträgt die Arbeitsunfähigkeit und damit auch der Invalidi
tätsgrad im Zeitraum vom 2
1.
September 2001 bis am 1
2.
Dezember 2005 30
%
und ab dem 13. Dezember 2005 50
%
.
Im Zeitpunkt des Eintritts der Ver
schlechterung war das mit Beginn einer 20%igen Einschränkung der Arbeits
fähigkeit ausgelöste Wartejahr bereits abgelaufen, das von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG vorausgesetzte
mit einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von 40
%
indes noch nicht.
Zusätz
lich fordert die Rechtsprechung, dass im vorange
gangenen Jahr eine durch
schnittliche Arbeitsunfähigkeit von 50
%
vorgelegen haben muss, damit der Anspruch auf eine halbe Invalidenrente entstehen kann
(
Urteil
des Bundesgerichts
9C_996/2010 vom
5.
Mai
2011
E. 7.1 mit Hinweisen).
Eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von 40
%
im vorangegangenen Jahr, welche für eine
Viertels
rente
vorausgesetzt wird, war nach sechs Monaten 30%iger und sechs Monaten 50%iger Arbeitsunfähigkeit gegeben, mithin im Juni 200
6.
Ab Dezember 2006 ist sodann die Voraussetzung einer durchschnittlich 50%igen Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres gegeben. Nach dem Gesagten ist der Beschwerdeführerin in teilweiser Gutheissung der Beschwerde und in Aufhebung der angefochtenen Verfügung befristet für die Zeit vom
1.
Juni 2006 bis Ende November 2006 eine
Viertelsrente
sowie ab
1.
Dezember 2006 unbefristet eine halbe Invalidenrente zuzusprechen.
6.
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an
einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteils
vor
aussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Ein
sprache
entscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Die angefochtene Verfü
gung äussert sich nicht zum Anspruch auf berufliche Massnahmen
. Dies zu Recht, da solche im
Vorbescheidverfahren
nicht beantragt worden waren
(
vgl.
Urk. 5/
185)
.
Demnach
wäre
auf den Antrag auf berufliche Massnahmen nicht einzutreten
, falls er Bestand hätte
.
Indes
wurden
berufliche Massnahmen auch im Gerichtsverfahren
nur für den Fall beantragt, dass der Beschwerde
führerin keine Invalidenrente zugesprochen werde
(Urk.
1 S. 3).
Folglich
ist
von der Gegen
standslosigkeit dieses Antrags auszugehen.
7.
7.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
setzt. Vor
liegend erweist sich eine Kostenpauschale von Fr. 800.-- als ange
messen.
Dass nur eine
Teilrente
und nicht wie beantragt eine ganze Invalidenr
ente zuzuspre
chen ist, rechtfertigt keine Auf
teilung der Kosten, zumal das Überklagen
nicht zu einem höheren Verfahrensaufwand geführt
hat
.
7.2.
Mangels eines Einflusses des Überklagens auf den Prozessaufwand steht der Beschwerdeführerin eine ungekürzte Partei
entschä
di
gung zu (vgl.
Urteil des Bun
desgerichts
9C_995/2012 vom 17. Januar 2013 E. 3 mit weiteren Hin
weisen
).
Die Prozessentschädigung ist
gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem
Mass
des Obsiegens zu bemessen. Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien ist die Prozessentschädigung auf
Fr.
2‘600
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.