Decision ID: 02beb027-77f1-56b6-8a9e-26746451751b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter), gelernter Fahrrad- und Motorfahrradmechaniker,
arbeitete für die B._ AG als Verkehrswegebauer/Baumaschinenführer am Standort
C._, als er am 24. August 2009 bei Strassenarbeiten von einem Personenwagen
überfahren wurde. Er erlitt dabei Verletzungen an der Brust- und Lendenwirbelsäule,
eine offene Unterschenkelfraktur rechts, Binnenläsionen des rechten Knies, eine
ventrale Schulterluxation rechts sowie Rippenserienfrakturen (IV-act. 3-2, 9f., 15; vgl.
Fremdakten Suva [nachfolgend: UV-act.], 1-53ff., 113). Es erfolgten stationäre
Behandlungen im Kantonsspital St. Gallen (nachfolgend: KSSG) vom 25. August 2009
bis 17. September 2009 (UV-act. 1-37ff.) und anschliessend bis 29. Oktober 2009 in
der Rehaklinik D._ (UV-act. 1-22ff.). Die Suva richtete Versicherungsleistungen aus
(UV-act. 1-112).
A.a.
Am 10. Dezember 2009 meldete sich der Versicherte zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 9). Da er sich in den folgenden Monaten gut von den Unfallfolgen
erholte und ab dem 1. Oktober 2010 wieder von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen werden konnte (vgl. UV-act. 3f.), teilte ihm die IV-Stelle mit Schreiben
vom 30. September 2010 mit, dass sie die Eingliederungsberatung abschliesse (IV-act.
39; zum Gesundheitszustand siehe den Suva-kreisärztlichen
A.b.
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Abschlussuntersuchungsbericht vom 7. Oktober 2010, UV-act. 5). Am 24. Mai 2011
sprach die Suva dem Versicherten eine Integritätsentschädigung basierend auf einer
Integritätseinbusse von 10 % zu (UV-act. 6-3ff.). Da das bisherige Arbeitsverhältnis
durch die B._ AG aus wirtschaftlichen Gründen per 31. Juli 2011 aufgelöst worden
war, arbeitete der Versicherte ab dem 1. November 2011 als Monteur von
Balkonverglasungen/Cover-Monteur bei der E._. AG, (nachfolgend: Arbeitgeberin;
UV-act. 7-17/103/114). Mit Verfügung vom 21. Februar 2012 wies die IV-Stelle das
Gesuch des Versicherten um eine Invalidenrente wegen wiedererlangter 100%iger
Arbeitsfähigkeit ab (IV-act. 46).
Am 24. Oktober 2012 kontaktierte der Versicherte wegen zunehmender
Beschwerden im Lendenwirbelbereich die Suva (UV-act. 7-114). Im November 2012
erfolgten bildgebende Untersuchungen an der Wirbelsäule und am rechten Knie im
KSSG (UV-act. 7-63f./108ff.). Am 20. März 2013 meldete die Arbeitgeberin der Suva
einen Rückfall per 6. November 2012 (UV-act. 7-103). In der Stellungnahme vom 8.
April 2013 ging Kreisarzt Dr. med. F._ hinsichtlich der seit rund einem halben Jahr
bestehenden Beschwerden vom Vorliegen einer Rückfallkausalität aus, denn die von
den Ärzten des KSSG erhobenen degenerativen Veränderungen seien eine Folge der
spondylodetisch versorgten L5-Frakur (UV-act. 7-57). Am 5. Juli 2013 legte Dr. F._
das Zumutbarkeitsprofil für eine Arbeit wie folgt fest: leichte bis mittelschwere
wechselbelastende Tätigkeit (mehr sitzend als gehend) ohne repetitive, ausladende
körperferne Bewegungen des rechten Arms, ohne Arbeiten in Schulterhöhe sowie über
Kopf, ohne Einnehmen von Zwangshaltungen wie Knien, Hocken und Rumpfvorneige.
Zu vermeiden seien längere Wegstrecken auf unebenem Untergrund sowie Tätigkeiten
in Schräglagen. Er ging von einer vollschichtigen Vermittelbarkeit des Versicherten auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt aus (UV-act. 7-30f.). Die Suva beauftragte die auf
Coaching und Beratung spezialisierte Suter & Suter GmbH, Zürich, den Versicherten
bei der beruflichen Neuorientierung zu unterstützen (UV-act. 7-15ff.).
A.c.
Am 16. Februar 2014 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von
Leistungen (berufliche Integration/Rente) bei der IV-Stelle an (IV-act. 49; vgl. UV-act.
7-5). Mit Schreiben vom 20. März 2014 gewährte ihm die IV-Stelle Berufsberatung (IV-
act. 54). In der versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 12. August 2014 erachtete
es RAD-Arzt Dr. med. G._ als plausibel und nachvollziehbar, dass der Versicherte
A.d.
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aufgrund der stattgehabten Verletzungen vermehrt Beschwerden habe. Hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit empfahl Dr. G._, sich auf die Unterlagen der Suva abzustützen. Dem
Zumutbarkeitsprofil des Kreisarztes könne zugestimmt werden (IV-act. 63).
Am 17. September 2014 erteilte die IV-Stelle die Kostengutsprache für die von der
Suva veranlasste berufliche Abklärung in Form eines Praktikums als Arbeitsagoge beim
Verein H._ vom 1. August bis 31. Oktober 2014 (IV-act. 69; vgl. UV-act. 7-6ff.,
10-87ff.). Da die Rückmeldungen bezüglich des Praktikums allseitig positiv waren,
erteilte die IV-Stelle am 13. Januar 2015 Kostengutsprache für die Umschulung zum
Arbeitsagogen vom 1. November 2014 bis 15. Februar 2017 (IV-act. 78, 80; vgl. UV-
act. 10-76f.). Bereits wenige Monate nach Ausbildungsstart zeigte sich, dass der
Versicherte die gestellten Anforderungen insbesondere im administrativen und
schulischen Bereich nicht zu erfüllen vermochte. Am 26. November 2015 brach er
deshalb die Umschulungsmassnahme ab (IV-act. 90, 93ff.; UV-act. 10-38ff./48). Am 21.
Dezember 2015 erfolgte die formelle Mitteilung der IV-Stelle über den Abbruch der
beruflichen Massnahme (IV-act. 98).
A.e.
Daraufhin veranlasste die Suva eine psychiatrische und neuropsychologische
Untersuchung des Versicherten (UV-act. 10-22ff.). Die am 11. Februar 2016
durchgeführte Untersuchung in der Klinik für Neurologie des KSSG ergab von leicht bis
mittelschwer reichende kognitive Minderleistungen. Im Vordergrund ständen
mittelschwere verbale Lern- und Gedächtnisstörungen für Einzelinformationen sowie
Arbeitsgedächtnisstörungen und leichte bis mittelschwere Konzentrationsstörungen.
Aufgrund der leicht verminderten kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit sei von
einem erhöhten Zeitbedarf auszugehen. Eine raschere Ermüdbarkeit sei denkbar. Auch
müsse damit gerechnet werden, dass beispielsweise in einem Gespräch Informationen
zwar verstanden, jedoch teilweise nicht aufgenommen und einzelne Inhalte somit nicht
beachtet bzw. vergessen würden. Es sei davon auszugehen, dass die objektivierten
kognitiven Minderleistungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schon vor dem
Unfall bestanden hätten (Bericht vom 29. Februar 2016, IV-act. 102).
A.f.
Vom 4. Januar bis 8. März 2016 war der Versicherte im Psychiatrie-Zentrum I._,
J._ (nachfolgend: PZ J._), in ambulanter Behandlung. Die Klinikärzte
diagnostizierten eine leichte Intelligenzminderung (ICD-10: F70) und eine
A.g.
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Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2). Sie stellten insbesondere Minderleistungen bei
der Lern- und Merkfähigkeit, der Arbeitsgeschwindigkeit sowie der
Konzentrationsleistung fest (vgl. Arztbericht vom 28. Juni 2016, IV-act. 122-2ff.; vgl.
auch UV-act. 22). An der von der Suva einberufenen Besprechung vom 8. März 2016
erklärten die Ärzte des PZ J._, dass eine berufliche Ausbildung, welche einen
theoretischen bzw. einen schulischen Teil beinhalte, den Versicherten überfordere.
Vereinbart wurde, dass die Stellensuche auf den handwerklichen Bereich unter
Berücksichtigung der Fähigkeiten des Versicherten (Mofa-/Fahrradmechaniker,
Strassenbau oder ähnliches) fokussiert werde (UV-act. 12-8f.). In Betracht gezogen
wurde seitens des Versicherten und des Coaching-Büros auch eine Tätigkeit als Bus-
Chauffeur (UV-act. 19). Der Versicherte verzichtete jedoch einstweilen auf eine
Umschulung und wünschte sich Unterstützung bei der Eingliederung (vgl.
Strategiegespräch vom 20. Juni 2016, IV-act. 117).
Am 29. Juli 2016 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für einen Arbeitsversuch
im Betrieb Radsport Frei GmbH, Au, vom 9. August bis 30. September 2016 (IV-act.
128).
A.h.
In der Stellungnahme vom 11. August 2016 erklärte RAD-Arzt Dr. G._ gestützt
auf den neuropsychologischen Bericht des KSSG vom 29. Februar 2016 (IV-act. 102)
und den psychiatrischen Bericht des PZ J._ vom 28. Juni 2016 (IV-act. 122-2ff.),
dass dem Versicherten nur Tätigkeiten mit geringen kognitiven Anforderungen
zuzumuten seien. Zudem sei das Kriterienprofil hinsichtlich der somatischen Störung zu
beachten (IV-act. 131).
A.i.
Am 28. September 2016 verlängerte die IV-Stelle den Arbeitsversuch bis 28.
Februar 2017 (IV-act. 136; vgl. UV-act. 34). Die Erkenntnisse aus dem sechsmonatigen
Arbeitsversuch waren gemäss der Arbeitgeberin eine Verlangsamung um 30 bis 40 %,
das Fehlen von Multitasking-Fähigkeiten und die Unmöglichkeit des Einsatzes im
Kundenkontakt. Ein Angebot für eine Festanstellung blieb – offenbar auch wegen der
akuten behandlungsbedürftigen Rückenschmerzen – aus. Offeriert wurde eine
Anstellung mit einem 80%-Pensum und einem Monatslohn von Fr. 2'500.-, was seitens
der IV-Stelle – offenbar wegen des tiefen Lohns – nicht unterstützt wurde (IV-act.
160-4/7, UV-act. 41, 46). Die Nachkontrolle vom 7. März 2017 in der Klinik für
A.j.
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Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG
ergab den Verdacht einer symptomatischen Anschlussdegeneration L3/L4 mit/bei
Spondylarthrosen L5/S1 beidseits (UV-act. 50).
Am 23. Mai 2017 genehmigte die IV-Stelle einen dreimonatigen Arbeitsversuch
vom 8. Mai bis 8. Juli 2017 als Fahrradmechaniker im Betrieb K._ GmbH (IV-act. 145;
vgl. Eingliederungsplan vom 2./12. Mai 2017, IV-act. 143). Am 31. Juli 2017 genehmigte
sie die Verlängerung des Arbeitsversuchs bis 31. Oktober 2017 (IV-act. 154; vgl. IV-act.
152f. und UV-act. 57). Der Arbeitsversuch ergab ebenfalls eine Verlangsamung um ca.
40 % (neue Aufträge 50 %, bei Routineaufträgen 30 %), die Nichteinsetzbarkeit im
Verkauf (fehlendes Fachwissen und Multitasking) und im Bestellwesen (fehlende
kognitive Fähigkeiten; IV-act. 160-7).
A.k.
Auf Anfrage hin teilte die E._. AG der Suva am 23. Oktober 2017 mit, dass der
Versicherte ohne den Unfall im Jahr 2017 Fr. 78'000.- verdienen würde (UV-act. 67).
A.l.
Die K._ GmbH offerierte dem Versicherten eine unbefristete Anstellung ab dem
1. November 2017 mit einem Bruttogehalt von Fr. 2'646.- pro Monat bzw. Fr. 34'398.-
pro Jahr (Basislohn von Fr. 4'200.- pro Monat, Arbeitspensum von 90 %,
Leistungseinschränkung von 30 %; vgl. Besprechungsprotokoll vom 26. Oktober 2017,
UV-act. 66-2). Am 27. Oktober 2017 erfolgte die Unterzeichnung des Arbeitsvertrages
(IV-act. 159). Geregelt wurde zudem die Zusammenarbeit mit der IV-Stelle bzw. die
Entschädigung an die Arbeitgeberin bei Arbeitsunfähigkeit des Versicherten innert
dreier Jahre (IV-act. 158). Die zuständige Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle
hielt in einer Notiz vom 20. November 2017 fest, dass der Versicherte somit erfolgreich
eingegliedert sei (IV-act. 160-8).
A.m.
Am 5. Januar 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass er keinen
Anspruch auf (weitere) berufliche Massnahmen habe, denn er habe mit ihrer
Unterstützung im erlernten Beruf als Fahrrad- und Motorfahrradmechaniker eine
Festanstellung erhalten, weshalb keine weiteren beruflichen Massnahmen angezeigt
seien (IV-act. 164).
A.n.
Mit Vorbescheid vom 8. Januar 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass vorgesehen sei, das Gesuch um eine Invalidenrente abzuweisen. Begründet
A.o.
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wurde dies damit, dass er in der angestammten Tätigkeit ein Jahreseinkommen von Fr.
70'070.- (Stand 2014) erzielen würde. In einer leidensangepassten Tätigkeit könnte er
ausgehend von einer vollen Arbeitsfähigkeit als Hilfsarbeiter gemäss den
Tabellenlöhnen der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik ein
Einkommen von Fr. 66'453.- erzielen. Damit liege ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 5 % vor (IV-act. 167).
Am 13. Februar 2018 erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur.
Beat Keller, Schaffhausen, Einwand gegen den Vorbescheid vom 8. Januar 2018.
Gefordert wurde, dass beim Valideneinkommen vom letzten Gehalt bei der B._ AG
von Fr. 76'154.- (Stand 1. Januar 2010) auszugehen und beim Invalideneinkommen auf
das derzeitige Einkommen von Fr. 32'400.- abzustellen sei. Es bestehe daher
zumindest ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (IV-act. 168).
A.p.
Am 13. Februar 2018 erfolgte eine kreisärztliche Abschlussuntersuchung des
Versicherten durch Dr. med. L._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates. Zur Arbeitsfähigkeit erklärte er, dass der
Versicherte in einer leichten bis gelegentlich mittelschweren leidensadaptierten
Tätigkeit in einem 70%igen Pensum einsetzbar sei. Nicht mehr zumutbar seien
Tätigkeiten mit repetitivem Knien, Hocken, Kauern, ständigem Arbeiten auf unebenem
Untergrund oder in Hanglagen, in widrigen Witterungsverhältnissen, mit repetitivem
Steigen auf Leitern und Gerüste oder Arbeiten in absturzgefährdetem Bereich. Nicht
mehr ausgeführt werden könnten Tätigkeiten, die verbunden seien mit körperferner
repetitiver Gewichtsbelastung des rechten Schultergelenks auf Horizontalhöhe oder
über Kopf. Mittelschwere, schwere und schwerste Lasten könnten nicht mehr getragen
werden. Nicht mehr ausgeführt werden könnten Tätigkeiten mit repetitiver Inklinations-
und Rotationsbelastung der Lendenwirbelsäule sowie Arbeiten in Zwangshaltungen der
Wirbelsäule (UV-act. 77).
A.q.
In der Einwandergänzung vom 13. März 2018 erklärte der Rechtsvertreter, dass
der Versicherte im Jahr 2018 gemäss den Angaben der Firma E._. AG ein
Einkommen von Fr. 78'000.- und ausgehend vom letzten Lohn bei der B._ AG ein
solches von etwa Fr. 80'000.- erzielen würde. Im Weiteren wurde verlangt, dass die IV-
Stelle entsprechend der kreisärztlichen Einschätzung vom 15. Februar 2018 ebenfalls
A.r.
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B.
von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit ausgehe. Beim
Invalideneinkommen sei auf den derzeitig erzielten Lohn als Fahrradmechaniker bei der
K._ GmbH abzustellen. Sollte dennoch von den Tabellenlöhnen ausgegangen
werden, so seien die teilweise Arbeitsunfähigkeit sowie ein Tabellenlohnabzug von
25 % zu berücksichtigen (IV-act. 172). Am 2. Mai 2018 informierte der Rechtsvertreter
die IV-Stelle über die Verfügung der Suva vom 20. April 2018 betreffend Rente und
Integritätsentschädigung (IV-act. 173). Die Suva war darin von einem versicherten
Jahresverdienst von Fr. 78'627.- und gestützt auf die Tabellenlöhne der
Lohnstrukturerhebung (LSE) und in Berücksichtigung einer 70%igen Leistungsfähigkeit
von einem Invalideneinkommen von Fr. 47'265.- für das Jahr 2017 ausgegangen. Sie
hatte einen unfallbedingten Invaliditätsgrad von 39 % ermittelt und eine entsprechende
Rente von Fr. 2'044.30 monatlich verfügt. Die früher bereits zugesprochene
Integritätsentschädigung hatte sie basierend auf einer Integritätseinbusse von
insgesamt 30% erhöht (IV-act. 173-2ff.).
Mit Verfügung vom 22. Mai 2018 wies die IV-Stelle den Anspruch auf eine
Invalidenrente bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 5 % ab (IV-act. 174).
A.s.
Gegen die Verfügung vom 22. Mai 2018 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 25. Juni 2018. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren Aufhebung und die
Zusprache einer halben Invalidenrente, eventualiter die Rückweisung der
Angelegenheit zu neuer Prüfung an die Beschwerdegegnerin; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Gefordert wird insbesondere,
dass beim Valideneinkommen von Fr. 78'390.- ausgegangen und beim
Invalideneinkommen auf das derzeit erzielte Einkommen von Fr. 34'398.- abgestellt
werde, da der Beschwerdeführer bei der derzeitigen Tätigkeit als Fahrradmechaniker
ideal eingegliedert sei (act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom
12. September 2018 die Abweisung der Beschwerde, da kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad vorliege. Beim Invalidenlohn sei auf den Tabellenlohn für Hilfsarbeiter
von Fr. 67'522.- abzustellen, denn der Beschwerdeführer schöpfe mit der Tätigkeit als
Fahrradmechaniker seine Restarbeitsfähigkeit nicht aus. Ein Tabellenlohnabzug sei
B.b.
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Erwägungen
1.
Vorliegend streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente
der Invalidenversicherung hat. Dieser beantragt in der Beschwerde vom 25. Juni 2018
die Zusprache zumindest einer halben Rente (act. G 1) und in der Replik vom 5.
November 2018 zumindest einer Viertelsrente (act. G 8). Die Beschwerdegegnerin
verneint bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 5 % einen Rentenanspruch.
nicht gerechtfertigt, denn der Umstand allein, dass nur mehr leichte bis mittelschwere
Arbeiten zumutbar seien, bilde auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit keinen
Grund für einen Abzug, weil der Tabellenlohn Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl
von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasse (act. G 4).
In der Replik vom 5. November 2018 lässt der Beschwerdeführer, nun vertreten
durch Rechtsanwältin Celina Schenkel, MLaw, Schaffhausen, an den Anträgen
vollumfänglich festhalten. Gerügt wird, dass die Beschwerdegegnerin hinsichtlich der
Leistungsfähigkeit nicht auf den aktuellsten Kreisarztbericht vom 15. Februar 2018 (act.
G 8.1) abgestellt habe. Gefordert wird, beim Invalideneinkommen vom derzeitigen Lohn
von Fr. 34'398.- auszugehen, denn gemäss der Beschwerdegegnerin sei er mit der
Festanstellung als Fahrradmechaniker nun erfolgreich eingegliedert. Ein Berufswechsel
sei nach dem hart erarbeiteten Wiedereinstieg als Fahrradmechaniker nicht zumutbar.
Beim effektiven Lohn ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 56 % und damit Anspruch
auf eine halbe Rente. Eventualiter bzw. für den Fall, dass das Versicherungsgericht
vom hypothetischen Tabellenlohn von Fr. 47'265.33 ausgehen sollte (70 % des
Tabellenlohns für Hilfsarbeiter von Fr. 67'522.-), sei ein leidensbedingter Abzug von
10 % gerechtfertigt. Dies ergebe einen Invaliditätsgrad von 45 %, womit der
Beschwerdeführer zumindest Anspruch auf eine Viertelsrente habe (act. G 8).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 28. November 2018 auf
die Einreichung einer Duplik (act. G 10).
B.d.
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2.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie
aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen).
2.3.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a). Die
Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise umfassend und pflichtgemäss zu
würdigen. Für das gesamte Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten
2.4.
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3.
Vorweg zu prüfen ist, ob der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers ausreichend geklärt sind.
(vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V
231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
3.1.
Gemäss dem neuropsychologischen Untersuchungsbericht der Klinik für
Neurologie des KSSG vom 29. Februar 2016 zeigten sich beim Beschwerdeführer von
leicht bis mittelschwer reichende kognitive Minderleistungen, mittelschwere verbale
Lern- und Gedächtnisstörungen sowie leichte bis mittelschwere
Konzentrationsstörungen. Es wurde von leicht verminderter kognitiver
Verarbeitungsgeschwindigkeit, erhöhtem Zeitbedarf und denkbarer rascherer
Ermüdbarkeit ausgegangen (IV-act. 102). Diese Einschätzungen werden im
psychiatrischen Arztbericht des PZ J._ vom 28. Juni 2016 bestätigt. Die Klinikärzte
diagnostizierten insbesondere eine leichte Intelligenzminderung (ICD-10: F70) und eine
Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2; IV-act. 122-2ff.), welchen sie Auswirkungen auf die
Lern- und Merkfähigkeit, die Arbeitsgeschwindigkeit und die Konzentrationsleistung
beimassen. Am 11. August 2016 erklärte RAD-Arzt Dr. G._, dass dem
Beschwerdeführer nur Tätigkeiten mit geringen kognitiven Anforderungen zuzumuten
seien. Zusätzlich sei das Kriterienprofil hinsichtlich der somatischen Störung zu
beachten (IV-act. 131).
3.1.1.
In somatischer Hinsicht sind dem Beschwerdeführer gemäss dem Bericht des
Kreisarztes Dr. F._ vom 5. Juli 2013 leichte bis mittelschwere wechselbelastende
Tätigkeiten (mehr sitzend als gehend) ohne repetitive, ausladende körperferne
Bewegungen des rechten Arms, ohne Arbeiten in Schulterhöhe sowie über Kopf, ohne
Einnehmen von Zwangshaltungen wie Knien, Hocken und Rumpfvorneige zumutbar. Zu
vermeiden seien längere Wegstrecken auf unebenem Untergrund sowie Tätigkeiten in
Schräglage. Dr. F._ ging von einer vollschichtigen Vermittelbarkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt aus (UV-act. 7-30f.). In der versicherungsmedizinischen
3.1.2.
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Beurteilung vom 12. August 2014 empfahl RAD-Arzt Dr. G._, dass hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit auf die Suva-Beurteilung abzustützen sei (IV-act. 63).
Im Abschlussuntersuchungsbericht vom 15. Februar 2018 erachtete Kreisarzt Dr.
L._ den Beschwerdeführer in einer leidensangepassten Tätigkeit in einem 70%-
Pensum einsetzbar (vgl. zum Zumutbarkeitsprofil Sachverhalt A.q). Die beiden von der
Suva initiierten und von der Beschwerdegegnerin unterstützten sechsmonatigen
Arbeitsversuche als Fahrradmechaniker in den Jahren 2016 und 2017 ergaben eine
Leistungsminderung von 30 bis 40 % (UV-act. 41) bzw. 30 bis 50 % (IV-act. 160-7). Für
die Zukunft wurde noch von einer 30%igen Leistungsminderung sowie der
Nichteinsetzbarkeit im Verkauf (fehlendes Fachwissen und Multitasking) und im
Bestellwesen (fehlende kognitive Fähigkeiten) ausgegangen (UV-act. 66-2).
3.1.3.
In Würdigung der Einschätzungen der Fachärzte sowie der Erkenntnisse aus den
mehrmonatigen Praktika ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in einer
leidensangepassten Tätigkeit (insbesondere einer handwerklich leichten und den
intellektuellen Ressourcen angepassten) zu 70 % arbeitsfähig ist und es sich bei der
Arbeitsstelle als Fahrradmechaniker (Festanstellung seit dem 1. November 2017, IV-
act. 159) um eine solche Tätigkeit mit einer 70%igen Arbeitsfähigkeit handelt (vgl. UV-
act. 77-7f.). Die Aussage der Beschwerdegegnerin, dass die Arbeitsstelle als
Fahrradmechaniker nicht leidensadaptiert sei (vgl. act. G 4-5), ist nicht belegt und
widerspricht der Aktenlage, absolvierte der Beschwerdeführer doch erfolgreich zwei
sechsmonatige Praktika als Fahrradmechaniker und erhielt daraufhin vom letzten
Praktikumsbetrieb einen Festanstellungsvertrag (vgl. bspw. das Verlaufsprotokoll vom
20. November 2017, IV-act. 160). Selbst die Beschwerdegegnerin ging von einer
erfolgreichen Eingliederung aus (vgl. IV-act. 160-8) und beendete daraufhin ihre
Eingliederungsbemühungen (vgl. Mitteilung der Beschwerdegegnerin vom 5. Januar
2018, IV-act. 164-1). Der weitere Einwand der Beschwerdegegnerin, dass der
kreisärztliche Abschlussbericht und insbesondere die Arbeitsfähigkeitseinschätzung
aus somatischer Sicht von 70 % nicht zutreffend seien, beruht lediglich auf
Vermutungen bzw. nicht auf aktuellen ärztlichen Einschätzungen (act. G 4-5). Zudem
sprach sich der RAD in seinen Einschätzungen vom 12. August 2014 und 11. August
2016 für das Abstellen auf die ärztlichen Einschätzungen der Suva aus (IV-act. 63, 131).
Bei dieser Ausgangslage wäre es Sache der Beschwerdegegnerin gewesen, die
kreisärztliche Einschätzung vom 15. Februar 2018 zu widerlegen, bspw. durch ein
Gutachten oder einen ausführlichen Bericht des RAD. Da die kreisärztliche
Einschätzung vom 15. Februar 2018 (UV-act. 77) nachvollziehbar ist, insbesondere
hinsichtlich des Zumutbarkeitsprofils und der Arbeits-/Leistungsfähigkeitsschätzung zu
3.2.
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4.
Im Weiteren ist der Grad der Invalidität zu bestimmen.
überzeugen vermag und den Erkenntnissen aus den Praktika entspricht, ist von einer
70%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit – wozu auch die
Anstellung als Fahrradmechaniker zählt – auszugehen.
Da der Beschwerdeführer als Vollerwerbstätiger zu qualifizieren ist, ist nachfolgend
ein reiner Einkommensvergleich durchzuführen (Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1
IVG; vgl. BGE 128 V 29 E. 1; 130 V 343 E. 3.4.2; Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juli
2014, 9C_152/2014, E. 3.1). Dafür wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
4.1.
Da mangels gegenteiliger Hinweise davon auszugehen ist, dass der
Beschwerdeführer als Gesunder im gleichen Umfang in seiner bisherigen Tätigkeit
weitergearbeitet hätte, bildet das zuletzt vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielte
Einkommen einen wichtigen Anhaltspunkt für die Bestimmung des
Valideneinkommens. Gemäss Aktenlage war der Beschwerdeführer nach dem Unfall im
Jahr 2009 ab September 2010 bei der B._ AG wieder voll arbeitsfähig und verlor die
Anstellung per 31. Juli 2011 aus wirtschaftlichen Gründen (UV-act. 7-17). Zwischen
August und Oktober 2011 war er in der Lage, offenbar vermittelt über ein Temporär-
Büro, Fr. 24'406.- zu verdienen (IV-act. 52-1), sodass die Arbeitsfähigkeit auch
während dieser drei Monate nicht eingeschränkt gewesen sein dürfte. Nach dem am 1.
November 2011 bei der E._. AG erfolgten Stellenantritt ist weiterhin keine
Arbeitsunfähigkeit aktenkundig (UV-act. 7-17/103/114). Seitens der E._. AG wurden
ab 2012 bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses am 31. Juli 2014 Absenzen
ausdrücklich verneint (IV-act. 56-3 unten). Bei diesem Sachverhalt erscheint es nicht
gerechtfertigt, von der Vermutung abzuweichen, dass die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
mit der entsprechenden Entlöhnung ohne Eintritt der Arbeitsunfähigkeit weiterhin
ausgeübt worden wäre. Folglich bemisst sich das Valideneinkommen nicht wie vom
Beschwerdeführer geltend gemacht nach dem früheren Einkommen bei der B._ AG,
sondern nach dem Einkommen bei der E._. AG. Im Jahr 2013 erzielte der
Beschwerdeführer ein Einkommen von Fr. 70'700.- (vgl. den Auszug aus dem
individuellen Konto des Jahres 2013, IV-act. 52-1). Gemäss der schriftlichen Auskunft
4.2.
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der E._. AG vom 23. Oktober 2017 hätte der Beschwerdeführer bei ihr im Jahr 2017
Fr. 78'000.- verdient (Fr. 6'000.- x 13, UV-act. 67-1). Der mitgeteilte Verdienst und die
damit verbundene Lohnentwicklung erscheinen in Anbetracht der zusätzlichen
branchenspezifischen Berufserfahrung realistisch zu sein, weshalb darauf abzustellen
ist. In Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 0.5 % für das Jahr 2018
beträgt der Validenlohn somit Fr. 78'390.-.
4.3.
Beim Invalideneinkommen verlangt der Beschwerdeführer, dass auf den im Jahr
2018 erzielten Verdienst als Fahrradmechaniker (90%-Pensum) von Fr. 34'398.- pro
Jahr abgestellt werde, denn er habe eine Festanstellung, bei der er seine verbliebene
Leistungsfähigkeit voll ausschöpfe. Der Lohn sei in Anbetracht der 30%igen
Leistungsminderung angemessen und nicht etwa ein Soziallohn (act. G 1). Die
Beschwerdegegnerin vertritt die Ansicht, dass nicht auf den aktuellen Verdienst als
Fahrradmechaniker abzustellen sei, da der Beschwerdeführer seine Leistungsfähigkeit
mit der Anstellung bei der K._ GmbH nicht voll verwerte. Dem Beschwerdeführer sei
eine leidensangepasste Tätigkeit im Umfang eines 100%-Pensum zumutbar, weshalb
der Invalidenlohn gestützt auf die Tabellenlöhne des Bundesamtes für Statistik mit
Fr. 67'522.- anzusetzen sei (act. G 4).
4.3.1.
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der
beruflicherwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret
steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ -
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die
ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint
zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf
Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der versicherten Person angesichts ihrer
Ausbildung und ihrer physischen sowie intellektuellen Eignung zugänglich wären.
Rechtsprechungsgemäss werden hierzu in der Regel die Tabellenlöhne gemäss den
vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen
(LSE) herangezogen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 129 V 475 E. 4.2.1). Zu prüfen ist somit, ob
bei der vom Beschwerdeführer ausgeübten Tätigkeit als Fahrradmechaniker besonders
4.3.2.
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stabile Verhältnisse vorliegen, die verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise
ausgenützt wird und das erzielte Einkommen angemessen ist.
Der Beschwerdeführer hat seit dem 1. November 2017 eine (unbefristete)
Festanstellung als Fahrradmechaniker. Der Anstellung vorausgegangen sind
umfangreiche Eingliederungsmassnahmen. Diese wurden initiiert und finanziert durch
die Suva und die Beschwerdegegnerin. Im Rahmen dieser Massnahmen absolvierte
der Beschwerdeführer erfolgreich zwei sechsmonatige Praktika als Fahrradmechaniker
(vgl. IV-act. 128, 136, 145, 154). Er erhielt vom zweiten Praktikumsbetrieb einen
Festanstellungsvertrag (vgl. IV-act. 159). Daraufhin erachtete die Beschwerdegegnerin
den Beschwerdeführer als erfolgreich eingegliedert (IV-act. 160-8) und beendete die
Eingliederungsmassnahmen/ beruflichen Massnahmen (IV-act. 164). Der zweite
Praktikumsbetrieb hatte die Fähigkeiten des Beschwerdeführers während des
halbjährigen Praktikums genau evaluiert und war darüber mit der Beschwerdegegnerin
und der Suva im Austausch gestanden. Im Wissen um die Einschränkungen hatte er
den Beschwerdeführer fest angestellt. Die Beeinträchtigungen hatte sie in Pensum und
Lohn berücksichtigt. Die praxisgemäss erforderliche Stabilität des Arbeitsverhältnisses
ist vor diesem Hintergrund als gegeben zu betrachten.
4.3.3.
Umstritten ist, ob der Beschwerdeführer mit der Anstellung als
Fahrradmechaniker in einem 90%-Pensum die Restarbeitsfähigkeit in zumutbarer
Weise ausnützt. Wie aus den Akten ersichtlich ist, gestaltete sich die
Wiedereingliederung – trotz Unterstützung durch eine von der Suva beauftragte
Beratungs- und Coaching-Unternehmung – insbesondere wegen der gesundheitlichen
und intellektuellen Einschränkungen als schwierig. So musste die
Umschulungsmassnahme zum Arbeitsagogen aus gesundheitlichen bzw. intellektuellen
Gründen abgebrochen werden (vgl. IV-act. 90, 93ff., 98). Bei der in Betracht gezogenen
Tätigkeit als Buschauffeur ergaben die Abklärungen insgesamt betrachtet durchaus
berechtigte Zweifel an der Eignung (UV-act. 19-1, 23-1, 62-13/15, IV-act. 160-2). In
Anbetracht dessen ist der Entscheid der involvierten Stellen, sich künftig auf
Tätigkeitsgebiete zu beschränken, in welchen der Beschwerdeführer seine beruflichen
Vorkenntnisse (erlernter Beruf, bisherige Tätigkeitsgebiete) verwerten kann, als
nachvollziehbar, zweckmässig und zielführend einzustufen. Diese Fokussierung kann
dem Beschwerdeführer unter den konkreten Umständen nicht zum Nachteil gereichen,
gingen doch die involvierten Stellen, obwohl sich bereits beim ersten sechsmonatigen
Praktikum als Fahrradmechaniker eine Leistungseinschränkung um 30 bis 40 % zeigte,
weiterhin von einer optimalen Arbeitstätigkeit für den Beschwerdeführer aus. Die
Beschwerdegegnerin bewilligte ein weiteres sechsmonatiges Praktikum als
4.3.4.
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Fahrradmechaniker. Dieses ergab erneut eine Leistungsminderung von zirka 30 %.
Selbst als dem Beschwerdeführer eine Festanstellung als Fahrradmechaniker mit
einem um 30 % reduzierten Lohn angeboten wurde, äusserten sich die involvierten
Versicherer nicht kritisch. Im Gegenteil, die Beschwerdegegnerin ging von einer
erfolgreichen Wiedereingliederung aus (vgl. IV-act. 160-8) und schloss daraufhin ihre
Eingliederungsmassnahmen ab (vgl. IV-act. 164). Die Aussage der
Beschwerdegegnerin, die Tätigkeit als Fahrradmechaniker entspreche dem Wunsch
des Beschwerdeführers (vgl. Strategieprotokoll vom 18. Dezember 2017, IV-act. 162,
Feststellungsblätter "Berufliche Massnahmen" vom 5. Januar 2018, IV-act. 163, und
"Rente/Rentenrevision" vom 8. Januar 2018, IV-act. 165), verschweigt, dass die
involvierten Stellen diese Fokussierung förderten, denn die Tätigkeit des
Fahrradmechanikers wurde – wie erwähnt – übereinstimmend als optimal
leidensangepasst betrachtet. Dass der Beschwerdeführer trotz der erfolgreichen
Wiedereingliederung erneut den Beruf wechseln soll – in der Beschwerdeantwort
werden leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie
Verpackungsarbeiten und leichtere Arbeiten bei der Lager- und
Ersatzteilbewirtschaftung genannt (vgl. act. G4-5) –, ist auch in Anbetracht der
mehrjährigen Wiedereingliederungsbemühungen mit erheblicher Eigenanstrengung des
Beschwerdeführers weder nachvollziehbar noch zumutbar. Hinzu kommt, dass es der
Beschwerdeführer aufgrund der somatischen und intellektuellen Einschränkungen mit
Sicherheit auch künftig schwer haben dürfte, in der freien Wirtschaft in einem anderen,
nicht angepassten Bereich angestellt zu werden und zu bleiben, denn mit einer
Verbesserung der intellektuellen und der seit Jahren bestehenden somatischen
Einschränkungen kann gemäss den Ärzten nicht gerechnet werden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 22. Februar 2019, 9C_479/2018, E. 4.2 mit Verweisen).
Zu klären bleibt, ob dem Beschwerdeführer nicht nur ein 90%iges, sondern ein
100%iges Arbeitspensum als Fahrradmechaniker zumutbar wäre. Dazu ist
festzustellen, dass die Notwendigkeit der Reduktion des Arbeitspensums um 10 %
nicht durch Arztberichte belegt ist. Zudem erachtet die Arbeitgeberin eine Steigerung
des Arbeitspensums auf 100 % als möglich (vgl. UV-act. 66-2). Folglich ist von einer
freiwilligen Reduktion des Arbeitspensums um 10 % auszugehen, welche bei der
Bestimmung des Invalideneinkommens nicht berücksichtigt werden kann. Massgebend
ist daher das Gehalt eines 100%igen Arbeitspensums bei 70%iger Leistungsfähigkeit.
4.3.5.
Zu beurteilen bleibt die Angemessenheit des bei einem 100%-Pensum und
70%iger Leistungsfähigkeit als Fahrradmechaniker im tatsächlichen Anstellungsbetrieb
erzielbaren Einkommens von Fr. 38'220.- (Fr. 34'398.- / 90 x 100). Wie aus den Akten
4.3.6.
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ersichtlich ist, ging die Arbeitgeberin bei der Lohnfestsetzung von einem Jahreslohn
von Fr. 54'600.- (Fr. 4'200.- x 13, 100%-Pensum, keine Leistungseinschränkungen) aus
(UV-act. 66-2). Gemäss der Brutto-Lohnempfehlung 2018 2rad Schweiz (vgl. UV-act.
64-3) liegt der Monatslohn (bei 12 Monatslöhnen pro Jahr) eines Fahrradmechanikers
EFZ oder eines Kleinmotorrad- und Fahrradmechanikers EFZ nach der Lehre bei
Fr. 3'800.- bis Fr. 4'200.- (Fr. 45'600.- bis Fr. 50'400.- pro Jahr) und bei bis zu 5 Jahren
Berufserfahrung bei Fr. 4'200.- bis Fr. 4'700.- (Fr. 50'400.- bis Fr. 56'400.- pro Jahr).
Der Beschwerdeführer übte den erlernten Beruf als Kleinmotorrad- und
Fahrradmechaniker nach der Lehre nicht aus und verfügt infolgedessen über keine
qualifizierte Berufserfahrung. Folglich liegt der dem Anstellungsvertrag (vgl. IV-act. 159,
160-7) zugrunde gelegte Lohn von Fr. 54'600.- über der maximalen Gehaltsempfehlung
für Lehrabgänger von Fr. 50'400.-. Auch mit Blick auf das Alter und die frühere
Berufserfahrung des Beschwerdeführers bei der B._ AG und der E._. AG gibt es
folglich keine Veranlassung, im Lohn von Fr. 54'600.- eine Soziallohnkomponente zu
erblicken. Relevant bleibt somit die konkrete beruflich-erwerbliche Situation, dies
allerdings bezogen auf ein Vollpensum. Das Invalideneinkommen beträgt somit
Fr. 38'220.-.
Bei einem Valideneinkommen von Fr. 78'390.- und einem Invalideneinkommen von
Fr. 38'220.- ergibt sich eine Erwerbseinbusse von Fr. 40'170.-. Der Invaliditätsgrad
beträgt abgerundet 51 % (Fr. 40'170.- / Fr. 78'390.-).
4.4.
Abschliessend bleibt der Rentenbeginn zu prüfen. Ab Sommer 2012 ist von einer
erneuten und stetig zunehmenden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit durch die
LWS- und Kniebeschwerden auszugehen. Die damalige Tätigkeit als Monteur für
Balkonverglasungen konnte in Bezug auf die Verletzungsfolgen nur begrenzt angepasst
werden (UV-act. 7-38/57/108/114, 36-3f./9). Aufgrund des von Kreisarzt Dr. F._ am 5.
Juli 2013 festgelegten Zumutbarkeitsprofils muss davon ausgegangen werden, dass
der Beschwerdeführer spätestens ab diesem Zeitpunkt in seiner damaligen Tätigkeit
als Monteur von Balkonverglasungen nur noch eingeschränkt arbeitsfähig war (vgl. UV-
act. 7-30f.). Da jedoch bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses (31. Juli 2014) keine
gesundheitsbedingten Absenzen zu verzeichnen waren (vgl. IV-act. 56-3, 64-2), ist
anzunehmen, dass die Arbeit ausreichend an die Leiden bzw. an die gesundheitlichen
Einschränkungen des Beschwerdeführers angepasst werden konnte. In Anbetracht
dessen und des Praktikumsbeginns per 1. August 2014 (vgl. IV-act. 67, 69) sowie der
Einschätzung des RAD vom 12. August 2014, der von einer Ungeeignetheit der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit ausging (vgl. IV-act. 63-2), ist eine Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 40 % in der angestammten Tätigkeit ab dem 1. August 2014 hinreichend
4.5.
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5.