Decision ID: 94af8bdc-897a-4196-8b48-4c765774d0b6
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Bernhard Zollinger, Rämistrasse 5, Postfach 462,
8024 Zürich,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
Mit Verfügungen vom 16. April und 7. Mai 2004 sprach die IV-Stelle A._ eine
Invalidenrente zu. Am 28. September 2004 hob sie diese Verfügungen
wiedererwägungsweise auf. Sie stellte fest, dass der Versicherte keinen Anspruch auf
eine Invalidenrente habe. Diese Wiedererwägungsverfügung wurde am 19. Dezember
2006 letztinstanzlich vom Eidgenössischen Versicherungsgericht bestätigt (I 849/05).
Am 13. März 2007 versandte die IV-Stelle einen Fragebogen für die Rentenrevision.
Darin gab der Versicherte am 23. März 2007 an, sein Gesundheitszustand habe sich
verschlimmert. Die Rückenscherzen und die Fuss- und Beinschmerzen hätten
zugenommen (IV-act. 82). Gemäss einer internen Notiz der IV-Stelle vom 3. April 2007
hatte der Versicherte an diesem Tag persönlich vorgesprochen, um einen IV-Ausweis
zu beantragen. Dabei war festgestellt worden, dass der Versicherte gar keinen
Rentenanspruch hatte und dass ihm der Fragebogen für die Rentenrevision
irrtümlicherweise zugestellt worden war (IV-act. 85). Am 2. Mai 2007 teilte die IV-Stelle
dem Rechtsvertreter des Versicherten mit, dass nur dann auf ein Revisionsgesuch
eingetreten werden könne, wenn darin glaubhaft gemacht werde, dass sich der
Invaliditätsgrad in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise geändert habe.
Damit sein Revisionsgesuch geprüft werden könne, müsse der Versicherte "Nachweise
wie ausführliche Arztberichte, Lohnausweise usw." einreichen. Sollten diese Unterlagen
nicht bis 21. Mai 2007 eingereicht werden, müsse er mit einem Nichteintreten rechnen
(IV-act. 87). Diese Frist wurde in der Folge bis zum 21. Juni 2007 verlängert (IV-act. 90).
Der Rechtsvertreter des Versicherten reichte am 21. Juni 2007 einen Bericht von Dr.
med. B._, Facharzt FMH für Innere Medizin, speziell Blutkrankheiten, vom 1. Juni
2007 ein. Darin war bestätigt worden, dass sich der medizinische Zustand weiter
verschlechtert habe. Im Rahmen des Diabetes mellitus sei es zu einer weiteren
Verschlechterung der bekannten Polyneuropathie des rechten Beins gekommen. Dies
habe zu einer Gehbehinderung geführt. Das chronische lumbo-spondylogene
Schmerzsyndrom bestehe unverändert weiterhin. Ein Kernspintomogramm vom 17.
April 2007 habe eine Osteochondrose L5/S1 und weniger ausgedehnt L4/L5 gezeigt
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(IV-act. 91). Dr. med. C._ vom RAD gab am 5. Oktober 2007 an, es liege eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes vor. Er empfahl eine diabetologische
Abklärung (IV-act. 93).
B.
Dr. med. D._, Facharzt FMH für Endokrinologie und Diabetologie, berichtete in
seinem Gutachten vom 16. April 2008, der Versicherte leide an chronischen
Knieschmerzen rechts (bei St. n. mehrmaliger Arthroskopie 99-01 und bei leichter
Gonarthrose rechts) und an einem lumbo-spondylogenen Schmerzsyndrom (bei
Osteochondrose L5/S1) sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einem
Diabetes mellitus Typ 2 (ED 1999) und an einer Dyslipidämie. Als objektive Befunde
gab der Sachverständige insbesondere einen unauffälligen internistischen Status, eine
Muskelhypothrophie des rechten Oberschenkels, eine fragliche Hyposensibilität im
Bereich des rechten Unterschenkels und des rechten Fusses medial, das Fehlen eines
Patellarsehnen- (PSR) und eines Achillessehnenreflexes (ASR) bds., eine Vibration an
den Malleolen von 7/8 rechts und von 8/8 links, eine gute Spitz-Stumpf-Diskrimination
und ein Monofilament 10/10 an. Er führte weiter aus, bei einer Muskelhypotrophie im
Bereich des rechten Oberschenkels bestehe eine gewisse Kraftminderung im rechten
Bein. Daneben mache der Versicherte andauernde Schmerzen geltend. Der Versicherte
gebe an, er habe ein Gefühl von Instabilität im rechten Knie, das verunsichere. Das
Verweilen in einer knienden Position sei nicht möglich. Zusammenfassend machte der
Sachverständige geltend, wie bei allen Patienten mit einem lumbo-spondylogenen
Syndrom sei der Versicherte im Lastenheben beeinträchtigt. Das Heben und das
Tragen leichter Lasten bis 10 kg sei dem Versicherten sicher zumutbar. Im Hantieren
mit Werkzeug sei er kaum eingeschränkt. Längeres Knien oder Stehen sowie gehäuftes
Gehen seien wahrscheinlich etwas eingeschränkt. Die Tätigkeit als Bauarbeiter sei
kaum mehr zumutbar. Die Situation sei extrem chronifiziert. Objektiv seien ersichtlich
und einfach begründbar keine relevanten Veränderungen eingetreten. Er sei erstaunt,
dass keine länger dauernde Rehabilitation (physiotherapeutische Massnahmen,
Kräftigungsübungen, Gymnastik) durchgeführt worden sei. Der Diabetes könne besser
eingestellt werden. Die aktuelle Stoffwechselkontrolle habe keinen negativen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit. Der Versicherte sei arbeitsfähig für jede körperlich nicht
belastende Tätigkeit ohne häufiges Gehen, ohne Knien, ohne Klettern auf Gerüste und
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ohne Arbeit auf unebenem Boden. Wegen des Diabetes sollte Schichtarbeit vermieden
werden. Wenn der Versicherte seine Stellung immer wieder wechseln bzw. wenn er
kurze Ruhepausen einlegen könne, bestehe eine leicht verminderte Leistungsfähigkeit
von 10-15%, maximal 20%. Durch den Diabetes mellitus sei der Versicherte nicht in
der Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Es bestehe keine Polyneuropathie, die eine
Arbeitsunfähigkeit begründen könnte (IV-act. 97). Dr. med. E._ vom RAD wies am 5.
Mai 2008 darauf hin, dass der Gutachter zwar eine Polyneuropathie verneint habe, aber
weder den fehlenden ASR und den fehlenden PSR bds. noch das verminderte
Vibrationsempfinden an den Malleolen rechts diskutiert habe. Die geklagte
Gehbehinderung könnte beispielsweise durch die bekannte Gonarthrose, durch den
Trainingsmangel mit Rückgang der Muskulatur oder eventuell durch eine
eingeschränkte Tiefensensibilität im Rahmen einer diabetischen Polyneuropathie
zustande kommen. Dr. E._ empfahl eine MEDAS-Begutachtung (IV-act. 98).
C.
C.a Die MEDAS Ostschweiz führte in ihrem Gutachten vom 3. Oktober 2008 aus, es
seien folgende Diagnosen erhoben worden: massive Instabilität rechtes Knie (bei/mit
St. n. Kontusion/Distorsion, viermaliger Arthroskopie, reaktiven Tendomyosen mit
Referred-Pain-Symptomatik, mechanischer Irritation des N. peronaeus communis
rechts auf Höhe Fibulaköpfchen, radiologisch beginnender Varusgonarthrose),
multifaktoriell bedingte schmerzhafte Dysaesthesien rechter Unterschenkel/Fuss (bei/
mit mechanischer Irritation des N. peronaeus communis auf Höhe Fibulaköpfchen bei
obiger Diagnose, elektroneurographisch motorisch betonter demyelisierender
Polyneuropathie der unteren Extremitäten und axonaler motorischer Neuropathie des
N. peronaeus rechts, Referred-Pain-Symptomatik ausgehend von gluteal rechts,
Tractus iliotibialis und Tibialis anterior rechts), lumbospondylogenes Syndrom mit
pseudoradikulären Ausstrahlungen rechts (bei/mit wenig segmentalen
Bewegungsstörungen am thorakolumbalen Übergang, reaktiven Tendomyosen gluteal
rechts mit Referrend-Pain-Symptomatik, minimalen degenerativen Veränderungen mit
Anulus-fibrosus-Riss L5/S1 ohne Diskushernie oder andere Neurokompression) sowie
– ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – Diabetes mellitus Typ 2, psychische Faktoren,
die körperliche Störungen bewirkten, bei einer anhaltenden Schmerzproblematik
(ICD-10 F54), St. n. Distorsion rechter Mittelfinger 04/08 und Adipositas (IV-act.
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103-21/38). Weiter wurde ausgeführt, in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im
Baugewerbe als angelernter Maurer bestehe aus rein rheumatologisch-orthopädischer
Sicht wegen der Instabilitätsproblematik des rechten Kniegelenks mit den sekundären
tendomyotischen und neurogenen Veränderungen am rechten Bein keine in einem
vernünftigen Ausmass mehr zumutbare Restarbeitsfähigkeit. Für eine körperlich
adaptierte Verweistätigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung in
der Arbeitsfähigkeit, ebensowenig aus internistischer Sicht wegen des Diabetes
mellitus, allenfalls mit Ausnahme von Schichtarbeit. Im Vordergrund stehe die
Problematik des rechten Beins als Folge des Unfalls vom 16. März 1998 und der vier
nachfolgenden arthroskopischen Knieeingriffe rechts. Wegen Schmerzen und
insbesondere wegen der objektivierbaren ausgeprägten Rotationsinstabilität des
rechten Kniegelenks seien Arbeiten auf Gerüsten und Leitern sowie Tätigkeiten mit viel
Treppensteigen, ausschliesslich stehend oder mit längerem Gehen verbunden, nicht
mehr zumutbar. Dasselbe gelte für Arbeiten mit häufigem Knien und Kauern. Wegen
der beschriebenen neurologischen Problematik, verstärkt durch die Referred-Pain-
Symptomatik ausgehend von beschriebenen Triggerpunkten, seien feinmotorische
oder mit ständigen Kraftanwendungen verbundene Tätigkeiten mit dem rechten Bein
(z.B. Bedienen eines Hebels, eines Druckknopfs, eines Gaspedals etc.) medizinisch
nicht zumutbar (IV-act. 103-29/38).
C.b Der psychiatrische Sachverständige hatte in seinem Consiliargutachten vom
12. September 2008 angegeben, bei der Erhebung des Psychostatus habe der
Versicherte bezüglich der lebensgeschichtlichen Daten bereitwillig Auskunft gegeben.
Bei aktuellen Fragen über Tagesablauf, Autofahren, soziale Kontakte sei er weniger
kooperativ gewesen. Er habe oft mit "keine Ahnung" oder mit "weiss nicht"
geantwortet. Der Gutachter habe deshalb wiederholt nachfragen müssen und es seien
auch immer wieder Widersprüche zum Vorschein gekommen. Zuerst habe der
Versicherte angegeben, dass er nicht mehr Auto fahre. Konfrontiert mit den Angaben
im Hauptgutachten habe er dann angegeben, dass er nur noch selten fahre und dass
er nicht mehr wisse, wann er das letztemal gefahren sei. Bei erneutem Nachfragen
habe er sich provoziert gefühlt, dann aber angegeben, dass er letztmals vor einer
Woche im Auto gesessen habe. Auch beim Thema soziale Kontakte habe der
Versicherte zuerst angegeben, dass er mit niemandem Kontakt habe. Es habe sich
dann aber gezeigt, dass er immer wieder mit Leuten Kontakt habe, sei es am
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Wochenende mit einem Onkel, unter der Woche mit der Familie und mit den Kindern
und mit dem Enkelkind. Nach mehrmaligem Nachfragen sei zu erfahren gewesen, dass
der Versicherte am Vortag mit seiner Schwiegertochter in der Stadt unterwegs
gewesen sei. Ein Widerspruch sei die gesunde Gesichtsfarbe des Versicherten, die mit
"nur zu Hause liegen und fernsehen" nicht erklärbar sei. Im Gespräch mit dem
Versicherten habe es keine Hinweise auf wesentliche Aufmerksamkeits- und
Gedächtnisstörungen gegeben. Das formale Denken sei zum Teil subaggressiv, einfach
strukturiert und krankheitsbetont gewesen. Der affektive Rapport sei herstellbar
gewesen. Der Versicherte sei zum Teil etwas dysphorisch-gereizt gewesen und er habe
etwas bedrückt gewirkt, aber es habe sich keine wesentliche Herabsetzung der
Grundstimmung gezeigt. Die Schwingungsfähigkeit sei erhalten gewesen. Der
Versicherte habe berichtet, dass er Freude am Enkelkind, an den Kindern, an der
ganzen Familie habe. Angst habe er keine. Er leide an Ein- und Durchschlafstörungen.
Der Appetit sei normal. Im Antrieb habe der Versicherte unauffällig, psychomotorisch
etwas angespannt gewirkt. Er habe regelmässigen Sexualkontakt mit seiner Ehefrau.
Zusammenfassend hielt der psychiatrische Gutachter in seinem Consilium fest, beim
Versicherten stünden Sorgen und Spannung, aber auch eine Erwartungshaltung im
Vordergrund. Dies sei als psychische Belastung bei körperlicher Erkrankung zu
codieren. Es handle sich vor allem um eine subjektive Einschränkung, die kaum
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe. Differentialdiagnostisch müsste man auch
an rezidivierende kurze depressive Störungen denken. Eine psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung könnte dem Versicherten möglicherweise
weiterhelfen bzw. der Entwicklung einer schwereren psychischen Erkrankung
vorbeugen. Die Prognose sei eher ungünstig, da sich eine relevante psychische
Erkrankung entwickeln könnte (IV-act. 103-35/38 bis 37/38).
D.
Dr. E._ vom RAD hielt am 21. November 2008 fest, dass zum Zeitpunkt der MEDAS-
Begutachtung ab dem 1. September 2008 eine Arbeitsfähigkeit in einem vollen Pensum
für eine adaptierte Tätigkeit bestanden habe (IV-act. 104). Dementsprechend teilte die
IV-Stelle dem Rechtsvertreter des Versicherten mit einem Vorbescheid vom 28.
November 2008 mit, dass sich der Gesundheitszustand gemäss den medizinischen
Abklärungen seit der Einstellung der Rente nicht wesentlich verändert habe. Es bestehe
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nach wie vor eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ohne
häufiges Arbeiten in kniender oder kauernder Stellung, ohne übermässiges
Treppensteigen und ohne feinmotorische Tätigkeiten mit dem rechten Bein. Es liege
somit kein Revisionsgrund vor. Das neue Leistungsbegehren sei abzuweisen (IV-acht.
107). Der Versicherte liess durch seinen Rechtsvertreter am 7. Januar 2009 einwenden,
zumindest die Rechtslage habe sich seit der letzten Beurteilung erheblich verändert.
Das biete genügend Anlass für eine neuerliche Prüfung der Leistungsansprüche. Das
Gutachten der MEDAS sei ihm, dem Rechtsvertreter des Versicherten, nie vorgelegt
worden, was das rechtliche Gehör verletze. Beweisrechtlich sei einer ausführlichen
Berichterstattung eines behandelnden Arztes ein viel grösserer Stellenwert
beizumessen als einem Gutachten. Ein solcher Bericht sei noch einzuholen (IV-act.
108). Dr. E._ vom RAD führte in einer internen Stellungnahme vom 4. Februar 2009
aus, im MEDAS-Gutachten sei auf die vom Hausarzt Dr. B._ erwähnten
Erkrankungen eingegangen worden. Aus medizinischer Sicht sei kein Arztzeugnis von
Dr. B._ notwendig. Im übrigen habe Dr. B._ ein Exemplar des Gutachtens erhalten.
Hätte er dessen Ergebnisse als abwegig empfunden, so hätte man von ihm einen
Einwand erwarten können (IV-act. 110). Mit einer Verfügung vom 23. Februar 2009 wies
die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten ab (IV-act. 111).
E.
A._ liess am 1. April 2009 Beschwerde gegen diese Abweisungsverfügung erheben
und beantragen, es sei ihm eine behinderungsangepasste Rente zuzusprechen;
eventualiter sei das Verfahren zur weiteren Abklärung, insbesondere zur Einholung
eines psychiatrischen Gutachtens an die Beschwerdegegnerin zurückweisen.
Ausserdem liess er um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ersuchen.
Zur Begründung führte sein Rechtsvertreter aus, es liege eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör vor, weil ihm der MEDAS-Bericht vorenthalten worden
sei. Auch wenn der Bericht nun für das Beschwerdeverfahren zur Verfügung stehe, sei
eine Heilung doch ausgeschlossen. Der Hausarzt habe eine Arbeitsunfähigkeit von
100% angegeben. Dem stehe die Einschätzung der MEDAS entgegen. Es hätte also
eine Oberbegutachtung vorgenommen werden müssen. Zumindest hätten weitere
Abklärungen erfolgen müssen. Das Gutachten der MEDAS überzeuge inhaltlich nicht.
Es sei unklar, wenn nicht gar widersprüchlich, wenn im psychiatrischen Konsilium kein
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Hinweis auf eine psychiatrische Erkrankung festgestellt, aber trotzdem eine
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung empfohlen worden sei. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers kündigte die Einreichung eines psychiatrischen
Gegenberichts an (act. G1).
F.
Die IV-Stelle beantragte am 14. Mai 2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie wies
darauf hin, dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers im Anhörungsverfahren
ein Gesuch um Akteneinsicht hätte stellen können. Wenn er das getan hätte, wäre es
ihm möglich gewesen, sich vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung mit dem
MEDAS-Gutachten auseinanderzusetzen. Rechtsprechungsgemäss habe ein im
Verwaltungsverfahren von der IV-Stelle eingeholtes Gutachten volle Beweiskraft,
solange nicht konkrete Indizien gegen seine Zuverlässigkeit sprächen. Der
Beschwerdeführer sei von den Gutachtern der MEDAS eingehend somatisch und
psychiatrisch abgeklärt worden. Das Gutachten sei inhaltlich vollständig, die
Ergebnisse seien schlüssig. Der psychiatrische Gutachter habe keine
widersprüchlichen Angaben gemacht, indem er eine psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung in Erwägung gezogen habe, obwohl er keine
psychiatrische Erkrankung festgestellt habe, denn er habe letzteres überzeugend
begründet und von einer Behandlungsbedürftigkeit könne nicht auf eine
Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden. Dr. B._ habe in seinem Zeugnis vom 1. Juni
2007 keine Aspekte benannt, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder
ungewürdigt geblieben wären. Da der Beschwerdeführer in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit zu 100% arbeitsfähig sei, sei er nicht invalid (act. G6).
G.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wandte am 28. Mai 2009 ein, eine
Behandlungsbedürftigkeit ohne medizinische Indikation sei eine einigermassen obskure
Angelegenheit. Solche Unklarheiten dürften nicht bestehen bleiben, weil sie das
Verfahren ungebührlich behinderten und weil sie geeignet seien, zu unsicheren
Ergebnissen zu führen (act. G8).
H.
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Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 9. Juni 2009 auf eine Stellungnahme (act.
G10).
I.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte am 7. April 2010 einen Bericht des
H._, Dr. med. F._, ein (act. G12). Laut diesem Bericht waren folgende Diagnosen
erhoben worden: depressive Episode mit somatischem Syndrom mittelgradigen
Ausmasses, anhaltende somatoforme Schmerzstörung, Diabetes mellitus, viermalige
Meniskus-Resektion rechts, leichte Gonarthrose rechts, lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei Osteochondrose. Der Beschwerdeführer befand sich seit dem
15. Februar 2010 in Behandlung. Bisher hatten vier Sitzungen stattgefunden. Dr. F._
berichtete, laut dem psychiatrischen Befund vom 15. Januar (richtig wohl: Februar)
2010 sei der Beschwerdeführer im Gespräch offen, zugewandt und auskunftsbereit
gewesen. Er habe Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen angegeben. Seine
Stimmung sei durchgehend besorgt, gedrückt, eher resigniert, gefasst wirkend, dafür
fast ohne affektive Modulation gewesen. Der Affekt sei kein einziges Mal aufhellbar
gewesen, die Mimik habe kaum bewegt gewirkt. Die Sprache sei sehr langsam und der
Redefluss leicht vermindert gewesen. Auch die Psychomotorik sei leicht verlangsamt
gewesen. Das Denken sei logisch und kohärent, aber grübelnd auf die
gesundheitlichen Probleme eingeengt gewesen. Dominiert hätten die Knieschmerzen
sowie die Angst und Zukunftssorgen. Der Beschwerdeführer habe ausgesprochene
Wertlosigkeitsideen und zeitweilige Todeswünsche angegeben, ohne aber aktiv suizidal
zu sein. Psychovegetativ habe eine erhebliche ängstlich-depressive Symptomatik
vorgelegen, nämlich eine gedrückte Stimmung mit regelmässigem Abendtief,
ausgeprägten Durchschlafstörungen, Tagesmüdigkeit, Gereiztheit, Unruhe, erheblicher
Minderung von Freude und Interessen und massivem sozialem Rückzug. Der
Beschwerdeführer habe chronische Schmerzen im Knie und im Rücken angegeben. Im
Vordergrund der geklagten Beschwerden hätten jedoch die Nervosität und die
dysphorische Stimmung gestanden, die dem Beschwerdeführer das Leben mit den
Familienangehörigen erschwerten. Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass die
dysphorische Stimmung und die Depression vor dreieinhalb Jahren begonnen hätten.
Damals habe er in einer Woche seinen liebsten Cousin und seinen Vater verloren. Dr.
F._ hielt dazu fest, die depressive Symptomatik sei einerseits in Form eines
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Psychosyndroms bei körperlich bedingten chronischen Schmerzen anzusehen.
Andererseits handle es sich um die Folge einer erheblichen psychosozialen
Folgekomplikation des Unfalls. Es liege ein Circulus vitiosus mit Intensivierungs- und
Ausweitungstendenz durch ständige Interaktion mit den körperlichen und den
psychosozialen Belastungsfaktoren vor. Im Verlauf von Schmerzchronifizierungen
nehme die Bedeutung der psychischen und sozialen Faktoren regelmässig zu. Beim
Beschwerdeführer sehe man, dass sich die Ausprägung der psychisch bedingten
Beschwerden erst im Lauf des Schmerzchronifizierungsprozesses entwickelt und sich
dann zunehmend verstärkt habe. Durch den Einsatz von Antidepressiva hätten die
Stimmung und die Unruhe leicht verbessert werden können. Die Chronifizierung der
Symptomatik mit eingetretenen psychosozialen Problemen sowie die
Begleitdepression schränkten die Arbeitsfähigkeit auf ca. 70% ein (act. G12.1). Am 14.
April 2010 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers einen Bericht von Dr.
med. I._ betreffend ein MRI am rechten Knie vom 23. März 2010 ein (act. G14.2).
Gemäss diesem Bericht bestand eine degenerative Veränderung des medialen
Kniekompartiments. Dr. B._ hatte daraus am 9. April 2010 den Schluss gezogen,
dass eine Arbeitsfähigkeit bei längerem Gehen und Stehen sowie mit Heben und
Tragen nicht möglich sei (act. G14.2).
J.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 19. April 2010 auf eine Stellungnahme zu
diesen Eingaben (act. G16).

Erwägungen:
1.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers geht davon aus, dass ihm unaufgefordert
ein Exemplar des MEDAS-Gutachtens hätte zugestellt werden müssen, um dem
Anspruch auf rechtliches Gehör Genüge zu tun. Gemäss Art. 42 ATSG besteht ein
Anspruch auf rechtliches Gehör. Dazu gehört insbesondere auch der Anspruch auf
Einsicht in die massgebenden Akten, vorliegend also auch in das MEDAS-Gutachten.
Dieser Anspruch ist aber nicht von Amtes wegen zu befriedigen, denn dies würde
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darauf hinauslaufen, dass den versicherten Personen von jedem neu produzierten, sie
betreffenden Aktenstück unverzüglich Kenntnis gegeben werden müsste. Wie jeder
andere Anspruch auch muss der Anspruch auf Akteneinsicht durch ein entsprechendes
Gesuch geltend gemacht werden. Wenn eine versicherte Person während eines
laufenden Verwaltungsverfahrens ein Bedürfnis nach Akteneinsicht hat, muss sie ein
entsprechendes Gesuch stellen, worauf ihr das Aktendossier selbstverständlich sofort
geöffnet wird. Daran ändert auch das in der Invalidenversicherung durchzuführende
Vorbescheidsverfahren nichts. Gemäss Art. 57a Abs. 1 IVG beinhaltet die
Vorbescheidspflicht der IV-Stelle nur die - von Amtes wegen erfolgende - Mitteilung
des vorgesehenen Endentscheides. Eine von Amtes wegen gleichzeitig erfolgende
Gewährung der Akteneinsicht gehört nicht dazu. Vielmehr muss auch im Rahmen des
Vorbescheidsverfahrens (von der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort als
"Anhörungsverfahren" bezeichnet) ein Akteneinsichtsgesuch gestellt werden. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat es sowohl während des laufenden
Verwaltungsverfahrens als auch nach der Zustellung des Vorbescheids unterlassen,
Einsicht in das MEDAS-Gutachten zu verlangen. Als erfahrener Rechtsanwalt musste er
aber wissen, dass er nur aufgrund eines entsprechenden Gesuchs Einsicht in dieses
Gutachten erhalten konnte. Der in der Stellungnahme vom 7. Januar 2009 zum
Vorbescheid (IV-act. 108) erhobene Vorwurf, der Anspruch auf rechtliches Gehör sei
verletzt worden, weil die Beschwerdegegnerin das MEDAS-Gutachten nie "zur
Stellungnahme vorgelegt" habe, musste von der Beschwerdegegnerin nicht als Gesuch
um Einsicht in dieses Gutachten aufgefasst werden, denn dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers war nichts an der Einsichtsmöglichkeit gelegen. Es ging ihm nur
um die Rüge einer Gehörsverletzung, die aber nach dem eben Ausgeführten nicht
berechtigt war. Es liegt somit keine Verletzung des Anspruchs des Beschwerdeführers
auf rechtliches Gehör (in der Form der Akteneinsicht) vor, über deren Heilung zu
entscheiden wäre.
2.
Die Beschwerdegegnerin hat die Abweisung des neuen Leistungsbegehrens in der
angefochtenen Verfügung damit begründet, dass der Beschwerdeführer in einer der
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Behinderung angepassten Tätigkeit nach wie vor zu 100% arbeitsfähig sei, so dass
kein Revisionsgrund vorliege. In der Beschwerdeantwort hat die Beschwerdegegnerin
die Abweisung des neuen Leistungsbegehrens dann nur noch damit begründet, dass
der Beschwerdeführer in einer der Behinderung angepassten Tätigkeit zu 100%
arbeitsfähig und somit nicht invalid sei. In der Beschwerdeantwort hat die
Beschwerdegegnerin also nicht mehr auf ein angebliches Revisionsverfahren Bezug
genommen. Die Begründung der angefochtenen Verfügung (kein "Revisionsgrund")
dürfte darauf zurückzuführen sein, dass nach einer rechtskräftigen Verneinung eines
Rentenanspruchs (vorliegend durch die wiedererwägungsweise Aufhebung einer
früheren, zweifellos unrichtigen Rentenzusprache) auf ein neues Leistungsgesuch nur
eingetreten werden darf, wenn eine seither eingetretene erhebliche Veränderung des
Invaliditätsgrades glaubhaft gemacht wird (was im übrigen vorliegend der Fall gewesen
ist). Die entsprechende Verordnungsbestimmung, nämlich Art. 87 Abs. 4 IVV, verweist
zwar auf Art. 87 Abs. 3 IVV, der eine Ausführungsbestimmung zu Art. 17 Abs. 1 ATSG
ist. Aber dieser Verweis ist nur auf den Regelungsinhalt des Art. 87 Abs. 3 IVV
(Eintretenshürde der Glaubhaftmachung einer wesentlichen Veränderung des
Invaliditätsgrades) beschränkt. Er bedeutet - entgegen der von der
Beschwerdegegnerin bei Erlass der angefochtenen Verfügung offenbar noch
vertretenen Auffassung - nicht, dass das Verwaltungsverfahren zur Prüfung der
Neuanmeldung in der Form eines Rentenrevisionsverfahrens ablaufen müsste. Ergibt
das Verwaltungsverfahren zur Prüfung der Neuanmeldung, dass der Invaliditätsgrad die
Grenze von 40% (Art. 28 Abs. 2 IVG) nicht erreicht, so wird also nicht das Vorliegen
eines Revisionsgrundes, sondern das Bestehen eines Rentenanspruchs verneint.
Formal betrachtet ist die Begründung der angefochtenen Verfügung also falsch. Dieser
formale Fehler ist aber nicht relevant, da die eigentliche Begründung nicht das Fehlen
eines Revisionsgrundes, sondern die Ermittlung eines Invaliditätsgrades des
Beschwerdeführers von unter 40% ist. In der Beschwerdeantwort hat die
Beschwerdegegnerin also die formal korrekte Begründung der Abweisung des neuen
Leistungsbegehrens nachgeliefert. Darauf ist bei der Beurteilung abzustellen.
3.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
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Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen).
3.1 Die Beschwerdegegnerin hat argumentiert, der Beschwerdeführer sei in einer
behinderungsadaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig und deshalb nicht invalid. Was
vordergründig als unzulässige Gleichsetzung von Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) und
Invalidität (Art. 8 ATSG) erscheint, ist bei genauer Betrachtung ein stark verkürzter
Einkommensvergleich (Art. 16 ATSG) in der Form eines sogenannten Prozentvergleichs
(vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Meyer, 2.A., S.
298). Die Beschwerdegegnerin ist nämlich davon ausgegangen, dass das
Valideneinkommen des Beschwerdeführers als angelernter Bauarbeiter gleich hoch sei
wie das zumutbare Invalideneinkommen, da es sich auch bei der hypothetischen
zumutbaren Invalidenkarriere des Beschwerdeführers um eine Hilfsarbeit handle, da
der Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne in allen Branchen gleich hoch sei wie das
Valideneinkommen und da der Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit zu
100% arbeitsfähig sei. Gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen
Lohnstrukturerhebung 2008, Anhang Tabelle TA1, beläuft sich der Zentralwert der
Löhne aller Hilfsarbeiter auf Fr. 4935.-, umgerechnet von 40 auf den schweizerischen
Durchschnitt 2008 von 41,7 Wochenarbeitsstunden auf Fr. 5144.73 bzw. Fr. 61'737.-.
Das entspricht dem höchstmöglichen zumutbaren Invalideneinkommen. Gemäss den
Angaben der G._ vom 18. Februar 2003 (IV-act. 10) hätte der Beschwerdeführer ohne
den Gesundheitsschaden als angelernter Bauarbeiter Fr. 64'675.- verdient. Der
Nominallohnindex im Baugewerbe belief sich im Jahr 2003 auf 112,3 (vgl. die vom
Bundesamt für Statistik herausgegebene Lohnentwicklung 2005, Anhang Tabelle
T1.93) und im Jahr 2008 auf 119.5 (vgl. die Lohnentwicklung 2008, Anhang Tabelle
T1.93). Es ist also davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ohne den
Gesundheitsschaden im Jahr 2008 bei der G._ Fr. 68'822.- verdient hätte. Dieses
Valideneinkommen liegt erheblich über dem höchstmöglichen zumutbaren
Invalideneinkommen. Dies schliesst den von der Beschwerdegegnerin angestellten
Prozentvergleich aus. Der Arbeitsunfähigkeitsgrad kann also nicht einfach dem
Invaliditätsgrad gleichgesetzt werden, denn bereits der behinderungsbedingte Wechsel
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von der Tätigkeit für die G._ in irgendeine durchschnittlich entlöhnte adaptierte
Hilfsarbeit hat eine Einkommenseinbusse zur Folge, bewirkt also eine (Teil-) Invalidität.
Dies erfordert die Vornahme eines regulären Einkommensvergleichs.
3.2 Steht das Ausgangseinkommen zur Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens fest (Fr. 61'737.-), ist als nächstes der Arbeitsfähigkeitsgrad zu
ermitteln. In einem letzten Schritt ist dann ein allfälliger zusätzlicher Abzug (in der
Verwaltungspraxis missverständlich als Leidensabzug bezeichnet) zu prüfen. Der
Hausarzt Dr. B._ hat am 1. Juni 2007 (IV-act. 91) keine Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben. Er hat nur ausgeführt, die Polyneuropathie des rechten Beins habe sich
verschlechtert, so dass eine Gehbehinderung eingetreten sei; das chronische
lumbospondylogene Schmerzsyndrom bestehe unverändert weiter. Dr. B._ hat keine
Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit angegeben. Dr. D._ hat in seinem
Gutachten vom 16. April 2008 (IV-act. 97) im Ergebnis die Angaben von Dr. B._
bestätigt. Er hat eine vollständige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers für dessen
angestammte Tätigkeit als Bauarbeiter und eine Arbeitsunfähigkeit von 10-15%,
maximal 20% für eine adaptierte Tätigkeit angegeben. Er hat letzteres mit dem Bedarf
des Beschwerdeführers nach häufigem Wechsel der Arbeitsposition und dem Bedarf
nach zusätzlichen kurzen Pausen begründet. Im Gutachten der MEDAS (IV-act. 103) ist
für die angestammte Tätigkeit als Bauarbeiter ebenfalls eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit festgestellt worden. Für eine adaptierte Erwerbstätigkeit haben die
Sachverständigen der MEDAS weder aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht
eine Arbeitsunfähigkeit ermittelt. Sie haben also keinen erhöhten Bedarf nach einem
Wechsel der Arbeitsposition oder nach kurzen Arbeitspausen gesehen. Dr. B._ hat in
seinem neusten Zeugnis vom 9. April 2010 (zuhanden des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers) keine Arbeitsunfähigkeit als Folge der Kniegelenksbeschwerden
angegeben. Er hat im Ergebnis jene Einschränkungen bei der Auswahl einer
adaptierten Erwerbstätigkeit bestätigt, die bereits im Gutachten der MEDAS
angegeben worden sind. In bezug auf eine allfällige somatisch bedingte
Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit besteht unter den medizinischen
Fachpersonen also Einigkeit. Dr. D._ dürfte als Facharzt FMH für Endokrinologie und
Diabetologie die Knieprobleme - den Klagen des Beschwerdeführers folgend - allzu
pessimistisch eingeschätzt haben. Aus rein somatischer Sicht ist demnach keine
Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen. In psychiatrischer Hinsicht hat der Hausarzt Dr.
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B._ keine Hinweise auf eine Gesundheitsbeeinträchtigung gesehen, denn andernfalls
hätte er in seinem Zeugnis vom 1. Juni 2007 (IV-act. 91) darauf hingewiesen. Auch Dr.
D._ hat keine Indizien für eine psychische Ursache der geklagten Beschwerden
gesehen (IV-act. 97). Aufgrund dieser Vorgeschichte kann die MEDAS nur rein
routinemässig auch eine psychiatrische Begutachtung vorgenommen haben. Der
psychiatrische Sachverständige der MEDAS hat aus der Sicht seines Fachgebiets eine
Arbeitsunfähigkeit verneint (IV-act. 103-37). Das psychiatrische Consilium stammt vom
12. September 2008. Bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung am 23. Februar
2009 sind also fünf Monate vergangen. Der Bericht des H._, Dr. F._, stammt vom
25. März 2010 (act. G12.1), ist also eineinhalb Jahre nach der psychiatrischen
Begutachtung und ein Jahr nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung erstellt
worden. Dr. F._ hat darin eine erheblich schlechtere psychische Situation des
Beschwerdeführers geschildert, als sie im psychiatrischen Teil des MEDAS-Gutachtens
dargestellt worden ist. Diese Differenz kann verschiedene Ursachen haben, entweder
den von Dr. F._ geschilderten Circulus vitiosus mit einer Intensivierungs- und
Ausweitungstendenz oder den Umstand, dass die Darstellung der Beschwerden durch
die behandelnde Ärztin - dem therapeutischen Auftrag entsprechend - ohne weiteres
als objektiv qualifiziert worden sind, während der psychiatrische Sachverständige der
MEDAS – seinem Begutachtungsauftrag folgend – die Angaben des
Beschwerdeführers hinterfragt und auf ihre Objektivität geprüft hat. Es kann aber auch
sein, dass der Beschwerdeführer nach der für ihn ein enttäuschendes Ergebnis
liefernden MEDAS-Begutachtung beschlossen hat, seine Beschwerden zu betonen, um
doch noch eine Chance auf eine Invalidenrente zu haben. Die Frage, welche dieser
Ursachen die richtige ist, kann offen gelassen werden, denn das MEDAS-Gutachten
enthält auf jeden Fall eine mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
zutreffende Arbeitsfähigkeitsschätzung. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers kann in der Empfehlung einer psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung keine Schwäche des MEDAS-Gutachtens erblickt werden, denn zum einen
ist tatsächlich eine psychiatrische Diagnose gestellt worden (psychische Faktoren, die
körperliche Störungen bewirken, bei einer anhaltenden Schmerzproblematik, ICD-10
F54) und zum anderen hat der psychiatrische Sachverständige darauf hingewiesen,
dass es bei einer solchen Therapie darum ginge, eine Verschlechterung des
psychischen Gesundheitszustandes zu verhindern. Selbst wenn die Angaben von Dr.
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F._ zutreffen würden, könnte das nichts daran ändern, dass der Beschwerdeführer
im für die Beurteilung massgebenden Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Verfügung noch arbeitsfähig gewesen ist. Die Verschlechterung wäre mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erst nach dem Verfügungserlass eingetreten, denn
die Enttäuschung über die Abweisung des Rentengesuchs dürfte erheblich zu der -
objektiven oder auch nur subjektiv empfundenen - Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers beigetragen haben. Bei der Bemessung
des zumutbaren Invalideneinkommens ist deshalb von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von
100% auszugehen.
3.3 Der Beschwerdeführer hat aufgrund der Beeinträchtigung seiner somatischen
Gesundheit bereits im Verfügungszeitpunkt einen spürbaren Konkurrenznachteil
gegenüber gesunden Konkurrenten für einen adaptierten Arbeitsplatz aufgewiesen
(insbesondere ein erhöhtes Risiko von Krankheitsabsenzen, eine deutlich geringere
Flexibilität in bezug auf allfällige Arbeitsplatzwechsel bei Krankheit eines anderen
Arbeitnehmers, Bedarf nach Rücksichtnahme in bezug auf die Arbeitszuteilung usw.).
Ein betriebswirtschaftlich denkender potentieller Arbeitgeber würde diese Nachteile als
zusätzliche Lohnkosten werten und deshalb durch einen Minderlohn kompensieren.
Das Ausmass des Minderlohnes würde sich aber jedenfalls im unteren Bereich des
rechtsprechungsgemäss (vgl. BGE 126 V 75 ff.) zulässigen Abzugsmaximums von 25%
bewegen. Ein Abzug von 5% erscheint als angemessen. Das Durchschnittseinkommen
von Fr. 61'737.- ist deshalb zur Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens zwar
nicht um eine Teilarbeitsunfähigkeit, aber wenigstens um einen zusätzlichen Abzug von
5% auf Fr. 58'650.- zu reduzieren. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 68'822.-
resultiert ein Invaliditätsgrad von knapp 15%. Das bedeutet, dass die
Beschwerdegegnerin im Ergebnis zu Recht einen Rentenanspruch des
Beschwerdeführers verneint hat.
4.
Im Sinn der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Da dem
Beschwerdeführer am 14. Mai 2009 die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden
ist, hat der Staat den Rechtsbeistand des Beschwerdeführers zu entschädigen. Die
Entschädigung beträgt gemäss Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes 80%
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des Honorars. Dieses wiederum bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und
nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit g ATSG). Praxisgemäss erschiene ein
Honorar von Fr. 3500.- inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer als angemessen. Die
Entschädigung des Rechtsbeistandes zulasten des Staats beläuft sich somit auf
Fr. 2800.-, ebenfalls inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1 Satz 1 IVG). Dem
Beschwerdeführer ist deshalb grundsätzlich eine Gerichtsgebühr aufzuerlegen. Diese
Gebühr bemisst sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 Satz 2 IVG).
Praxisgemäss erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- als angemessen. Zufolge
der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist der Beschwerdeführer aber von
der Bezahlung dieser Gebühr zu befreien. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse
in der Zukunft gestatten, wird der Beschwerdeführer zur Nachzahlung der
Gerichtskosten und der vom Staat entschädigten Parteikosten verpflichtet werden (Art.
99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 Abs. 1 ZPO).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP