Decision ID: a0e5bd59-deb5-5341-8549-3677a5e0e190
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die der bosniakischen Ethnie zugehörenden Beschwerdeführenden stell-
ten am 2. November 2014 in der Schweiz Asylgesuche. Das Bundesamt
für Migration (BFM; heute SEM) lehnte die Gesuche mit Verfügung vom
4. Dezember 2014 ab, unter gleichzeitiger Anordnung der Wegweisung
aus der Schweiz und des Vollzugs der Wegweisung. Eine gegen diesen
Entscheid erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit
Urteil E-7289/2014/E-7293/2014 vom 28. Juni 2016 vollumfänglich ab.
Ein den Vollzug der Wegweisung betreffendes und hauptsächlich mit ge-
sundheitlichen Problemen bei der erstrubrizierten Beschwerdeführerin (im
Folgenden: die Beschwerdeführerin) begründetes Wiedererwägungsge-
such vom 28. Juli 2016 wies das SEM mit Verfügung vom 6. September
2016 ab, soweit es darauf eintrat. Die Verfügung vom 4. Dezember 2014
erklärte das SEM gleichzeitig als rechtskräftig und vollstreckbar. Die gegen
diese Verfügung am 12. September 2016 erhobene Beschwerde wurde mit
Urteil E-5504/2016 des Bundesverwaltungsgerichts vom 6. März 2018 voll-
umfänglich abgewiesen.
Ein weiteres, hauptsächlich mit zwischenzeitlichen Todesdrohungen gegen
den zweitrubrizierten Beschwerdeführer (im Folgenden: der Beschwerde-
führer), gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei der Beschwerdeführerin,
einer Gefährdung des Wohls der Kinder und mithin der Unzulässigkeit des
Wegweisungsvollzuges begründetes Wiedererwägungsgesuch vom
26. Mai 2018 wies das SEM mit Verfügung vom 12. Juni 2018 ab, soweit
es darauf eintrat. Die Verfügung vom 4. Dezember 2014 erklärte das SEM
erneut als rechtskräftig und vollstreckbar. Eine gegen diese Verfügung er-
hobene Beschwerde vom 9. Juli 2018 wies das Bundesverwaltungsgericht
mit Urteil E-4027/2018 vom 27. Juli 2018 als offensichtlich unbegründet ab,
soweit es darauf eintrat.
Mit Eingabe vom 29. September 2018 gelangten die Beschwerdeführen-
den abermals an die Vorinstanz und ersuchten um Wiederaufnahme des
Asylverfahrens sowie um Feststellung der Unzulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzugs. Zur Begründung machten sie die zwischenzeitliche Ver-
wüstung ihres Hauses und eine Todesdrohung durch Unbekannte geltend.
Mit Verfügung vom 12. März 2019 verneinte das SEM in der als Mehrfach-
asylgesuche behandelten Sache ihre Flüchtlingseigenschaft und lehnte die
Mehrfachgesuche ab, unter gleichzeitiger Anordnung der Wegweisung aus
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der Schweiz und des Wegweisungsvollzugs. Eine gegen den angeordne-
ten Wegweisungsvollzug gerichtete Beschwerde vom 21. März 2019
lehnte das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-1394/2019 vom 25. Feb-
ruar 2020 als offensichtlich unbegründet ab.
Die Beschwerdeführerenden liessen die ihnen neu angesetzte Ausreise-
frist wiederum ungenutzt verstreichen und äusserten gegenüber der kan-
tonalen Behörde ihre Weigerung, die Schweiz freiwillig zu verlassen.
Für den detaillierten Inhalt der erwähnten Verfahren vor dem SEM und dem
Bundesverwaltungsgericht wird auf die Akten verwiesen.
B.
Mit Eingabe vom 19. Mai 2021 richteten die Beschwerdeführenden ein neu-
erliches Wiedererwägungsgesuch an das SEM, mit welchem sie die wie-
dererwägungsweise Gewährung der vorläufigen Aufnahme unter Feststel-
lung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges, die Durchführung ei-
ner Anhörung der Kinder C._ und D._, die Erteilung auf-
schiebender Wirkung, die Anordnung eines superprovisorischen Vollzugs-
stopps sowie die Befreiung von der Bezahlung jeglicher Kosten und Ge-
bühren beantragten.
In der Begründung wurde eine insoweit nachträglich veränderte Sachlage
geltend gemacht, als die drei Kinder schulisch und sozial in fortgeschritte-
nem Masse in der Schweiz gut integriert und verwurzelt seien. C._
und D._ befänden sich zudem in der Frühadoleszenz, «F._»
gar seit längerer Zeit in der Pubertät. Ein Vollzug der Wegweisung würde
nun dem in Art. 3 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die
Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) verankerten und vorrangig zu berück-
sichtigenden Kindeswohl widersprechen und diesen praxisgemäss als un-
zumutbar erscheinen lassen. Die Kinder hätten keinen oder kaum einen
Bezug mehr zum Kosovo und würden als Bosniaken auch die dortige Lan-
dessprache nicht beherrschen. In einem analog gelagerten Verfahren habe
das Bundesgericht das Bestehen eines Härtefalls bejaht. Ein Härtefallge-
such sei im Übrigen auch in ihrem Fall bei der kantonalen Behörde hängig.
Zu berücksichtigen seien vorliegend auch die psychische Angeschlagen-
heit der Beschwerdeführerin und die ausgewiesenen Integrationsbemü-
hungen des Beschwerdeführers. Mithin sei die ganze Familie infolge Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges vorläufig aufzunehmen. Der An-
spruch auf Anhörung von C._ und D._ stütze sich sodann
auf Art. 12 KRK, zumal ein Wegweisungsvollzug für sie schwerwiegende
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Konsequenzen habe und sie zur Meinungsbildung in dieser Sache fähig
seien.
Als Beweismittel gaben die Beschwerdeführenden Schulunterlagen betref-
fend die drei Kinder, einen psychiatrieärztlichen Bericht betreffend die Be-
schwerdeführerin und schriftliche Stellengebote betreffend den Beschwer-
deführer zu den Akten.
C.
Das SEM setzte am 27. Mai 2021 den Vollzug der Wegweisung einstweilen
aus.
D.
Mit Verfügung vom 11. Juni 2021 – eröffnet am 14. Juni 2021 – wies das
SEM das Wiedererwägungsgesuch mitsamt den darin gestellten Verfah-
rensanträgen ab, unter gleichzeitiger Erhebung einer Verfahrensgebühr
von Fr. 600.–. Seine Verfügung vom 4. Dezember 2014 erklärte das SEM
als rechtskräftig und vollstreckbar. Schliesslich stellte es fest, dass einer
allfälligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme.
E.
Eine ebenfalls vom 11. Juni 2021 datierte und an das SEM gerichtete Ge-
suchsergänzung mit weiteren Beweismitteln hat sich mit der Verfügung des
SEM postalisch gekreuzt.
F.
Gegen die Verfügung vom 11. Juni 2021 haben die Beschwerdeführenden
mit Eingabe vom 14. Juni 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt erhoben. Darin beantragen sie die vollumfängliche Aufhebung der
Verfügung, die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur rechtsgenüg-
lichen Sachverhaltsabklärung (insb. Anhörung von C._ und
D._) und zur Neubeurteilung sowie eventualiter die wiedererwä-
gungsweise Gewährung der vorläufigen Aufnahme unter Feststellung der
Unzumutbarkeit und Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges. In pro-
zessualer Hinsicht beantragten sie ferner die Erteilung aufschiebender Wir-
kung, die Anordnung einer vollzugshemmenden vorsorglichen Mass-
nahme, die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die amtliche Beiord-
nung der rubrizierten Rechtsanwältin als unentgeltliche Rechtsbeiständin.
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G.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 15. Juni 2021 ordnete das Bun-
desverwaltungsgericht mangels vollständigen Aktenbesitzes antragsge-
mäss einen einstweiligen Vollzugsstopp an.
H.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht einen-
teils am 14. Juni 2021 in elektronischer Form und andernteils am 16. Juni
2021 in physischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 6 AsylG [SR 142.31]).
I.
Mit Zwischenverfügung vom 17. Juni 2021 wies die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung unter gleichzei-
tiger Aufhebung des am 15. Juni 2021 vorsorglich verfügten Vollzugs-
stopps ab. Ebenso wurden die Gesuche um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und Rechtsverbeiständung abgewiesen und die Be-
schwerdeführenden zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 1'500.–
bis zum 2. Juli 2021 aufgefordert. In der Begründung wurde die Aussichts-
losigkeit der Beschwerde erkannt.
J.
Am 18. Juni 2021 ging beim Bundesverwaltungsgericht die vom SEM über-
wiesene Gesuchsergänzung vom 11. Juni 2021 ein. Deren wesentlicher
Inhalt und sämtliche vorgelegten Beweismittel sind auch Bestandteil der
vorliegend zu beurteilenden Beschwerde vom 14. Juni 2021.
K.
Der eingeforderte Kostenvorschuss wurde am 30. Juni 2021 geleistet.
Mit an das Bundesverwaltungsgericht gerichteter «Stellungnahme» vom
1. Juli 2021 kritisierten die Beschwerdeführenden jedoch die in der Zwi-
schenverfügung vom 17. Juni 2021 erwogene Aussichtslosigkeit der Be-
schwerde und die darauf gestützte Verweigerung der Anordnung sowohl
der aufschiebenden Wirkung als auch vollzugshemmender Massnahmen.
Die Instruktionsrichterin beantwortete die «Stellungnahme» mit Schreiben
vom 7. Juli 2021 dahingehend, dass deren Inhalt bei der Entscheidfindung
berücksichtigt werde, einstweilen aber kein Anlass für ein Rückkommen
auf die Zwischenverfügung vom 17. Juni 2021 bestehe.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die rub-
rizierten Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legiti-
miert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52
Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
Zu bemerken ist immerhin, dass die zugunsten der Rechtsvertreterin aus-
gestellten Vollmachten im Hinblick auf ein «Härtefallgesuch» statt explizit
im Hinblick auf ein Wiedererwägungsgesuch ausgestellt wurden. Da je-
doch auch im Wiedererwägungsgesuch das Bestehen eines «Härtefalles»
geltend gemacht und auf die Härtefallpraxis des Bundesgerichts verwiesen
wird, geht das Gericht wie zuvor bereits das SEM von einer rechtsgenügli-
chen Vollmacht für das vorliegende Verfahren aus. Hingegen ist festzustel-
len, dass die Beschwerdeführenden im vorliegenden Beschwerdeverfah-
ren nicht berechtigt sind, die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges
feststellen zu lassen, da dies eine unzulässige Erweiterung des mit dem
Wiedererwägungsgesuch von ihnen selber abgesteckten Verfahrensge-
genstandes (Anordnung der vorläufigen Aufnahme unter Feststellung bloss
der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges) darstellt. Auf die Be-
schwerde ist daher insoweit nicht einzutreten. Die betreffend die Unzuläs-
sigkeit verwendeten Argumentationsteile bleiben indessen insoweit auch
im vorliegenden Beschwerdeverfahren bedeutsam, als sie bejahendenfalls
auch zur Herbeiführung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges
geeignet sind.
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Gewisses Erstaunen erweckt die Erwähnung einer seit längerer Zeit in der
Pubertät befindlichen weiteren Tochter «F._» im Wiedererwägungs-
gesuch (dort S. 4). Von dieser war und ist seit Anhebung des Asylverfah-
rens Jahre 2014 nie die Rede. Es ist an dieser Stelle der Klarheit halber
festzuhalten, dass das Kind «F._», sollte es tatsächlich existieren,
nicht Partei des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise
einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG).
In seiner praktisch relevantesten (und auch vorliegend bedeutsamen)
Form bezweckt das Wiedererwägungsgesuch die Änderung einer ur-
sprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene erheb-
liche Veränderung der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.).
4.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Voll-
zug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Hei-
mat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg,
allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
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Seite 8
5.
5.1 In der Begründung seiner Verfügung anerkennt das SEM zunächst
grundsätzlich die Bedeutsamkeit des in der KRK verankerten Kindeswohls
im Sinne einer praxisgemäss zu beachtenden reziproken Wirkung einer
Verwurzelung in der Schweiz auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzuges. Im vorliegenden Fall gelangt es indessen zu folgenden Er-
kenntnissen: Vorab sei festzustellen, dass sich die Beschwerdeführenden
trotz Abweisung sämtlicher Beschwerden gegen die ergangenen Verfügun-
gen des SEM und zuletzt nach dem abschlägigen Urteil E-1394/2019 vom
25. Februar 2020 weiterhin in der Schweiz aufhielten. Obwohl C._
und D._ seit der Einreise über sechs Jahre in der Schweiz verbracht
hätten, könne dem Wiedererwägungsgesuch keine besonders herausra-
gende Integration in der Schweiz entnommen werden. Gemäss den vorge-
legten Berichten und Zeugnissen hätten die beiden die geforderten Leis-
tungen gut erfüllt und sich schulisch integriert; mehr sei nicht herauszule-
sen. Beim jüngsten Kind bestehe der Bezug primär zur Kernfamilie, woge-
gen das weitere Umfeld für dieses noch nicht von zentraler Bedeutung sei.
Das Kindeswohl sei zudem in den vorangegangenen Verfahren durchaus
bereits geprüft worden und das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-1394/2019 vom 25. Februar 2020 halte fest, dass das Kindeswohl dem
Vollzug der Wegweisung nicht entgegenstehe. Die in Form der behaup-
tungsgemässen Frühadoleszenz, der Verwurzelung in der Schweiz und
des mehrjährigen Schulbesuchs geltend gemachten neuen Tatsachen
stellten zudem ein Kontinuum dar, das sich nicht über einen einzelnen Zeit-
punkt beziehungsweise ein bestimmtes Ereignis definieren lasse. Auslöser
für die Einreichung des Wiedererwägungsgesuchs scheine eher eine Aus-
kunft des für den Vollzug der Wegweisung zuständigen Kantons betreffend
das hängige «Härtefallgesuch» beziehungsweise der kurz bevorstehende
Vollzug der Wegweisung zu sein. Das zeige sich auch daran, dass es sich
bei der zitierten Rechtsprechung vornehmlich um Verfahren bezüglich Ver-
weigerung der Zustimmung zur Erteilung einer Härtefall-Aufenthaltsbewil-
ligung nach Art. 84 Abs. 5 AIG handle. Unabhängig der sich nach dem Ge-
sagten stellenden Eintretensfrage, die auch hinsichtlich der Einhaltung der
Frist von 30 Tagen zur Einreichung eines Wiedererwägungsgesuchs nach
Art. 111b AsylG abschlägig beurteilt werden könne, ergebe sich aus dem
Wiedererwägungsgesuch jedenfalls keine neue Sachlage, die dem Vollzug
der Wegweisung entgegenstehe. Es könne vorliegend nicht von einer her-
ausragenden Integration gesprochen werden. Eine Reintegration im Hei-
matland erscheine auch unter dem Aspekt der schulischen Wiedereinglie-
derung zumutbar, zumal vom Erfüllen der sprachlichen Voraussetzungen
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für die Einschulung in der Heimatregion und nach einer gewissen Anlauf-
phase von einer erfolgreichen Eingliederung ins dortige Schulsystem und
das gesamte Umfeld ausgegangen werden dürfe, auch angesichts der in
der Schweiz erworbenen Erfahrungen und schulischen Kenntnisse. Im Üb-
rigen könne auf die den Inhalt der betreffend die Beschwerdeführenden
bislang ergangenen Verfügungen des SEM und Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts verwiesen werden, in denen allfällige Vollzugshindernisse
insbesondere auch gesundheitlicher Art umfassend geprüft worden seien.
Dem Wiedererwägungsgesuch sei keine zwischenzeitlich massgeblich
veränderte Situation zu entnehmen. Im Übrigen sei der Antrag betreffend
Durchführung einer Anhörung der beiden Kinder C._ und
D._ schon angesichts der nach Art. 111b grundsätzlich verankerten
Schriftlichkeit des Verfahrens und der dazu bestehenden Praxis abzuwei-
sen. Die Beschwerdeführenden hätten ausreichend Gelegenheit gehabt,
die Sachlage schriftlich darzulegen und zu dokumentieren. Die geltend ge-
machten Vorbringen und vorgelegten Beweismittel seien nach dem Erwo-
genen jedoch wiedererwägungsrechtlich nicht relevant. Und es lägen zu-
sammenfassend keine Gründe vor, welche die Rechtskraft der Verfügung
vom 4. Dezember 2014 beseitigen könnten. Das Wiedererwägungsgesuch
sei deshalb mitsamt dem Kostenerlassgesuch als von vornherein aus-
sichtslos abzuweisen. Die Verfügung vom 4. Dezember 2014 sei rechts-
kräftig und vollstreckbar. Die Verweigerung der aufschiebenden Wirkung
stütze sich auf Art. 111b Abs. 3 AsylG.
5.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe weisen die Beschwerdeführenden zu-
nächst darauf hin, dass beim zuständigen Kanton nach wie vor ein Gesuch
um Erteilung einer Härtefallbewilligung hängig sei. Im Weiteren bekräftigen
sie ihre Vorbringen gemäss ihrem Wiedererwägungsgesuch. Sodann rü-
gen sie eine Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör nach Art. 29
BV sowie der Abklärungs- und Untersuchungspflicht nach Art. 12 VwVG
dahingehend, dass die Vorinstanz in Missachtung des in Art. 12 KRK ver-
ankerten Mitwirkungs- und Meinungsäusserungsrechts die Kinder, insbe-
sondere C._ und D._, nicht angehört habe. Diese müssten
in Übereinstimmung mit Urteilen des Bundesgerichts als Subjekte behan-
delt werden und dürften entgegen der Argumentation des SEM nicht zu
Objekten der elterlichen Gewalt reduziert werden. Der Verweis auf die hin-
reichenden Gelegenheiten zur schriftlichen Deponierung der Vorbringen
durch die Eltern reiche daher nicht. Auch der UN-Kinderrechtsausschuss
halte in einer letzthin erfolgten Rüge an die Schweiz explizit fest, dass auch
in Asylverfahren nicht davon ausgegangen werden könne, dass die Inte-
ressen der Kinder von den Eltern gewahrt würden. Die Sache sei daher
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schon aus formellen Gründen an die Vorinstanz zurückzuweisen, zumal
der Mangel nicht heilbar sei. In der Sache selber rügen die Beschwerde-
führenden, dass das SEM die Wesentlichkeit der geltend gemachten
neuen Tatsachen (Alter der Kinder, ihre lange Aufenthaltsdauer, ihre schu-
lische Laufbahn, die damit verbundene Integration sowie ihr fortgeschritte-
nes Entwicklungsstadium [Frühadoleszenz]) als vollzugshinderliche Um-
stände verkenne, da diese im Zeitpunkt der Verfügung vom 14. Dezember
2014 noch nicht bestanden hätten und für die Kinder nun prägend seien.
Ihre Integration und Verwurzelung in der Schweiz gingen auch aus ver-
schiedenen neuen Beweismitteln hervor (insb. Schreiben MitschülerInnen,
Schreiben Eltern von FreundInnen, weitere Empfehlungsschreiben, Fotos,
Schulbestätigungen). Ein Wegweisungsvollzug in ihre Heimat erscheine
aufgrund dessen und im Lichte des Kindeswohls unzumutbar. Der Verweis
des SEM auf Entscheidungen in früheren Verfahren sei verfehlt, da dort im
Wesentlichen auf wiederum frühere Entscheidungen verwiesen werde und
das Kindeswohl zuletzt im Jahre 2018 geprüft worden sei. Es dränge sich
nun eine neue Einschätzung mit dem besonderen Augenmerk auf das Kin-
deswohl auf, zumal dieses nach Art. 3 KRK stets vorrangig zu berücksich-
tigen sei. Der Umstand, dass zwischenzeitlich bereits mehrere Wiederer-
wägungsgesuche eingereicht worden seien, entbinde das SEM nicht von
einer neuen Prüfung. Diese sei nach Massgabe der diesbezüglichen Praxis
(insb. gemäss Urteil E-1305/2019 vom 4. November 2020 E. 6.4.5) vorzu-
nehmen und müsse zur Erkenntnis der Unzumutbarkeit eines Wegwei-
sungsvollzuges führen. Dabei sei zu berücksichtigen, dass eine Wegwei-
sung in den Kosovo für die frühadoleszenten Kinder einen Verlust ihres
bestehenden Sozialgefüges darstellen würde. Sie würden aus ihrem Um-
feld herausgerissen, müssten die Schule zwischenzeitlich abbrechen und
sich in einem ihnen nicht bekannten Land integrieren, dessen Landesspra-
che sie zudem nicht beherrschten. Die Familie gehöre zur Minderheit der
Bosniaken und spreche bosniakisch, wogegen die Kinder weder kosova-
risch noch albanisch sprächen und mithin den Schulunterricht gar nicht ver-
stehen würden. Eine Integration erscheine so nicht möglich. Der bereits
vorgenommene Hinweis auf einen bundesgerichtlichen Härtefallentscheid
in einer analogen Konstellation sei in ihrem Fall durchaus statthaft. Es gelte
weiter zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin psychisch ange-
schlagen und aus medizinischer Sicht von einer Rückführung abzuraten
sei, da eine psychische Destabilisierung und akute (...) drohten. Dadurch
könnte sie keine Stütze für ihre Kinder mehr sein. Demgegenüber würde
sie hier die notwendige Unterstützung erhalten und der Beschwerdeführer
könne, da er bereits Arbeitszusicherungen habe und an Integrations- und
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Beschäftigungsprogrammen teilnehme, sich auf dem Arbeitsmarkt integrie-
ren und so für den Bedarf seiner Familie aufkommen. Ein Vollzug der Weg-
weisung würde stattdessen eine konkrete Gefährdung der Kinder bedeu-
ten. Diesen sei es zudem offensichtlich nicht zumutbar, ohne ihre Eltern
aufzuwachsen, weshalb die Eltern in die vorläufige Aufnahme einzubezie-
hen.
5.3 Die Instruktionsrichterin begründete die in ihrer Zwischenverfügung
vom 17. Juni 2021 erkannte Aussichtslosigkeit der Beschwerde im Wesent-
lichen damit (Zitat:),
«dass die Auffassung der Vorinstanz, die Beschwerdeführenden hätten
ausreichend Gelegenheit gehabt, die Sachlage im Namen der beiden älte-
ren Kinder ausführlich schriftlich darzulegen und mit geeigneten Beweis-
mitteln zu dokumentieren, mit Blick auf die Schriftlichkeit bei ausseror-
dentlichen Rechtsmitteln nicht zu beanstanden sein dürfte,
dass demnach – entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auf-
fassung – die Vorinstanz durch den Verzicht auf eine Anhörung der Kinder
weder Art. 29 BV noch Art. 12 des Übereinkommens vom 20. November
1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) verletzt haben dürfte,
dass auch nicht ersichtlich ist, inwiefern das SEM den Untersuchungs-
grundsatz verletzt haben sollte,
dass deshalb der Hauptantrag auf Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zur Vornahme weiterer Abklärungen abzuweisen sein dürfte, da
nicht ersichtlich ist, inwiefern solche zu einem anderen Ergebnis führen
könnten,
dass nach zutreffender Auffassung der Beschwerdeführenden eine allfäl-
lige Verwurzelung der Kinder in der Schweiz – nebst der hierfür vorgese-
henen kantonalen Prüfung eines Härtefallgesuchs – zwar auch einen bei
der Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu berück-
sichtigenden Aspekt darstellt, diesem aber im Rahmen einer Abwägung
das öffentliche Interesse am Vollzug gegenüberzustellen ist,
dass in diesem Zusammenhang festzustellen sein dürfte, dass die Be-
schwerdeführenden die Schweiz seit mehreren Jahren hätten verlassen
müssen und somit gegen ihre Ausreisepflicht verstossen haben, sie mithin
den geltend gemachten langjährigen Aufenthalt in der Schweiz selbst zu
verantworten haben,
dass sich die vorliegend betroffenen Kinder das Verhalten ihrer Eltern wohl
anrechnen lassen müssen,
dass das SEM darüber hinaus zu Recht erwogen haben dürfte, dass die
älteren Kinder in der Schweiz zwar schulisch gut integriert seien, aber aus
den Akten nicht hervorgehe, dass ihre Integration in besonderem Masse
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herausragend sei,
dass es weiter zutreffend ausgeführt haben dürfte, dass das jüngste Kind
primär einen Bezug zu den Eltern habe und sein weiteres Umfeld noch
keine zentrale Rolle spiele,
dass das SEM zur zutreffenden Erkenntnis gelangt sein dürfte, dass eine
Wiedereingliederung der Kinder im Heimatland auch unter dem Aspekt der
schulischen Reintegration zumutbar erscheine, da davon auszugehen sei,
dass ihnen nach einer gewissen Anlaufphase eine Eingliederung ins dor-
tige Schulsystem und das gesamte Umfeld gelingen dürfte, wobei ihnen
die in der Schweiz erworbenen Erfahrungen und schulischen Kenntnisse
hilfreich sein würden,
dass die Ausführungen auf Beschwerdeebene zum Kindeswohl das Ge-
richt nicht von der Fehlerhaftigkeit der vorinstanzlichen Verfügung überzeu-
gen dürften,
dass insbesondere angesichts der Tatsache, dass sich die Kinder noch in
einem anpassungsfähigen Alter befinden (knapp [...], [...] und [...] Jahre),
die Einwände in der Beschwerde, die Kinder hätten prägende Jahre in der
Schweiz verbracht und würden im Falle einer Wegweisung aus ihrer ge-
wohnten Umgebung herausgerissen, unbehelflich erscheinen dürften,
dass auch das Vorbringen, die Mutter würde durch die Wegweisung psy-
chisch destabilisiert, nicht zur Feststellung der Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs führen dürfte, zumal sich sowohl die Vorinstanz als auch
das Bundesverwaltungsgericht bereits in den früheren Wiedererwägungs-
verfahren mit der gesundheitlichen Situation der Mutter auseinanderge-
setzt haben und diesbezüglich keine veränderte Sachlage ersichtlich sein
dürfte,
dass schliesslich die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel
nicht geeignet sein dürften, die Rechtskraft der Verfügung vom 4. Dezem-
ber 2014 zu durchbrechen,
dass somit auch das in der Beschwerde formulierte materielle Eventualbe-
gehren bei der heutigen Aktenlage aussichtslos erscheint,
dass auf die Erwägungen des SEM verwiesen werden kann und es den
Beschwerdeführenden kaum gelingt, diesen Argumenten Stichhaltiges ent-
gegenzusetzen».
5.4 In ihrer «Stellungnahme» vom 1. Juli 2021 bekräftigen die Beschwer-
deführenden ihre bisherigen Gründe und Positionen und kritisieren die Ar-
gumentation der Instruktionsrichterin in der Zwischenverfügung vom
17. Juni 2021. Der Hinweis, die Kinder hätten sich das Verhalten der Eltern
anzurechnen, dürfe nicht dazu führen, dass eine Überprüfung dessen, wel-
chen Entscheid das Kindeswohl gebiete, nicht stattfinde. Im Rahmen der
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Interessenabwägung sei das Kindeswohl nicht eines von vielen Gütern,
welchem ein gleiches Gewicht zukomme; es habe vielmehr „high priority".
In der Zwischenverfügung vom 17. Juni 2021 bleibe sodann unerwähnt,
dass den Kindern infolge Unkenntnis der Landessprachen eine Integration
insbesondere ins Schulsystem des Kosovo ungemein erschwert würde.
Auch bleibe der psychische Gesundheitszustand der Mutter unerwähnt.
Dieser trage ebenso dazu bei, dass eine Wegweisung der Kinder nicht im
Kindeswohl sei. Eine vorläufige Aufnahme sei somit zwingend geboten, zu-
mal keine öffentlichen Interessen dagegen sprächen. Im Übrigen sei es
«nicht ganz richtig», dass die lange Aufenthaltsdauer hauptsächlich dem
Verhalten der Eltern zuzuschreiben sei; vielmehr seien ihre Gesuche und
Beschwerden bei den zuständigen Behörden und Gerichten meist mehrere
Monate in Bearbeitung gewesen seien. Dies liege gänzlich ausserhalb des
Machtbereichs der Beschwerdeführenden und könne ihnen genauso wenig
zur Last gelegt werden wie der Umstand, dass sie die ihnen zustehende
Rechtsbehelfe und Rechtsmittel überhaupt ergriffen hätten. Als neues Be-
weismittel geben sie ein weiteres Empfehlungsschreiben zu den Akten.
6.
6.1 Hinsichtlich der 30-tägigen Einreichungsfrist nach Art. 111b Abs. 1
AsylG ist vorab festzuhalten, dass es in ausserordentlichen Verfahren
grundsätzlich Sache der Gesuchstellenden ist, die Einhaltung der Frist dar-
zutun, wogegen es Sache der entscheidenden Behörde ist, die Einhaltung
der Frist als Eintretensvoraussetzung zu prüfen. Der Hinweis des SEM in
der angefochtenen Verfügung, wonach diese Eintretensfrage vorliegend
auch abschlägig beurteilt werden könne, entbindet das SEM nicht von sei-
ner Pflicht zur Prüfung dieser Eintretensvoraussetzung. Dass die Vor-
instanz letztlich weitgehend prüfungslos auf das Gesuch eingetreten ist,
erstaunt insofern, als die für die Einreichung des Wiedererwägungsge-
suchs ausgestellten Vertretungsvollmachten vom 12. Oktober 2020 datie-
ren, das Gesuch aber erst über sieben Monate später eingereicht wurde.
Dennoch ist vorliegend auf das Anfechtungsobjekt einer materiellen Verfü-
gung über ein Wiedererwägungsgesuch abzustellen, womit den Beschwer-
deführenden jedenfalls kein prozessualer Nachteil entsteht.
6.2 Die Rüge einer Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör sowie
der Abklärungs- und Untersuchungspflicht nach Art. 12 VwVG in Form ei-
ner ungerechtfertigten Verweigerung einer Anhörung der Kinder ist unbe-
rechtigt. Hierzu kann auf die Ausführung des SEM in der angefochtenen
Verfügung und jene der Instruktionsrichterin in der Zwischenverfügung vom
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17. Juni 2021 verwiesen werden. Im Besonderen ist neben der gesetzli-
chen Abstützung von Art. 111b Abs. 1 AsylG für ein grundsätzlich schriftli-
ches Verfahren auch festzuhalten, dass es sich vorliegend um ein ausser-
ordentliches Verfahren handelt, das zudem im Anschluss an mehrere an-
dere solche eingeleitet wurde. Es grenzt an rechtsmissbräuchliches Ver-
halten, so lange mit einem Wiedererwägungsgesuch zuzuwarten bezie-
hungsweise ein x-faches Wiedererwägungsgesuch mit dem Anspruch zu
stellen, dass die Kinder nun (behauptungsgemäss) das Alter und die Ur-
teilsfähigkeit für eine Meinungsäusserung zu einer Wegweisung erlangt
hätten. Es ist ebenso darauf aufmerksam zu machen, dass die drei Kinder
nicht unbegleitet sind und die sie gesetzlich vertretenden Eltern den ent-
scheidenden Beitrag zur Wahrung des Kindeswohls zu erbringen haben.
6.3 Materiell zu prüfen ist, ob die Erkenntnis des SEM zutreffend ist, wo-
nach vorliegend keine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung
der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.) vorliege und mithin kein
Anlass zur wiedererwägungsweise Feststellung der Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzuges bestehe. Die betreffenden ausführlichen, ausge-
wogenen und hinlänglich auf die Praxis abgestützten Erwägungen der
Vorinstanz (vgl. angefochtene Verfügung Ziff. IV sowie Zusammenfassung
oben E. 5.1) sind vollumfänglich zu stützen und es kann auf diese verwie-
sen werden. Die Beschwerde und ebenso die «Stellungnahme» führen zu
keiner anderen Betrachtungsweise. Es kann hierzu wiederum auf die oben
in E. 5.3 zitierten Ausführungen in der Zwischenverfügung vom 17. Juni
2021 verwiesen werden. Die Beschwerdeführenden sind zudem darauf
hinzuweisen, dass zwar die wiedererwägungsweise Abänderung einer Ver-
fügung aus dem Jahre 2014 zur Diskussion steht. Die Veränderung der
Sachlage bemisst sich indessen grundsätzlich nach der Differenz zwischen
jener bei rechtskräftigem Abschluss des ordentlichen Asylverfahrens und
dem neuen angeblich veränderten Zustand. War diese Veränderung wie
vorliegend aber Gegenstand von auf besagte Verfügung gerichteten Wie-
dererwägungsgesuchen beziehungsweise von Mehrfachasylgesuchen
oder hätte in solchen Verfahren zumindest die Möglichkeit bestanden, auf
entsprechende Veränderungen hinzuweisen, ist auf den Zeitpunkt der letz-
ten Beurteilung abzustellen. Dies ist vorliegend das Urteil E-1394/2019
vom 25. Februar 2020. Die Annahme einer seither nachträglich eingetrete-
nen und zudem erheblichen Veränderung der Sachlage liegt für diesen
Zeitraum offensichtlich fern. Das SEM hat mithin durchaus zutreffend auf
die zahlreich ergangenen erst- und nachinstanzlichen Entscheidungen ver-
wiesen, die seit dem Jahre 2014 betreffend den Wegweisungsvollzug der
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Beschwerdeführenden ergangen sind. Sodann scheinen die Beschwerde-
führenden zu verkennen, dass im vorliegenden Wiedererwägungsverfah-
ren nicht die behauptete Verwurzelung und Integration der Beschwerde-
führenden in der Schweiz, sondern praxisgemäss nur deren reziproke Wir-
kung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges Thema
ist. Die weiträumigen Ausführungen und zahlreichen Beweismittel betref-
fend Verwurzelung und Integration in der Schweiz sind demgegenüber in
einem eigentlichen Härtefallverfahren vor dem Kanton zu deponieren. Die
Beschwerdeführenden bestätigen denn auch die Hängigkeit eines solchen
Verfahrens. Der Verweis auf angeblich analog gelagerte und vom Bundes-
gericht beurteilte Härtefallkonstellationen ist daher im vorliegenden Verfah-
ren nicht weiter beachtlich, zumal die gesetzlichen Grundlagen und Prü-
fungskriterien andere sind. Unter Bezugnahme auf die in der «Stellung-
nahme» geübte Kritik betreffend die instruktionsrichterlich erwogene Zure-
chenbarkeit des Verhaltens der Eltern auf die Kinder ist schliesslich festzu-
halten, dass minderjährige Kinder schon aus familienrechtlichen Grün-
den regelmässig das ausländerrechtliche Schicksal der Eltern zu tragen
und das Land gegebenenfalls mit diesen zu verlassen haben; für Kinder
im anpassungsfähigen Alter ist der Umzug in das Heimatland zumutbar
(BGE 143 I 21 E. 5.4 S. 28 f.; Urteil 2C_234/2019 vom 14. Oktober 2019
E. 4.3.2). Dies gilt, durchaus unter Anerkennung von Reintegrations-
schwierigkeiten in einer ersten Phase, auch für die drei beschwerdefüh-
renden und sich noch kaum in einem Alter ihrer eigentlichen Persön-
lichkeitsprägung befindlichen Kinder. Im Übrigen ist festzuhalten, dass
Amtssprachen des Kosovo zwar grundsätzlich Albanisch und Serbisch
sind, auf kommunaler Ebene aber auch die weiteren Landessprachen
Türkisch, Bosnisch und Romanes als Amtssprachen gelten (vgl. Art. 5
der kosovarischen Verfassung).
Die Beschwerdeführenden sind – auch im Hinblick auf die Beschreitung
weiterer (ordentlicher oder ausserordentlicher) Verfahrenswege – darauf
hinzuweisen, dass ein Wiedererwägungsgesuch wie auch ein Mehrfach-
asylgesuch oder eine Revision nicht beliebig zulässig sind und namentlich
nicht dazu dienen dürfen, blosse Entscheidkritik zu üben, die Rechtskraft
von Verwaltungs- und Gerichtsentscheiden immer wieder infrage zu stel-
len, Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu umgehen oder pro-
zessuale Versäumnisse nachzuholen. Ihnen könnte der Hinweis dienlich
sein, dass eine Rückkehr in ihre Heimat nicht einfach als Schicksal hinzu-
nehmen ist, sondern als Chance zu einem Neubeginn verstanden und ge-
nutzt werden kann. Demgegenüber wird ein weiter andauernder, unberech-
tigter Verbleib im Gastland kaum zur Verbesserung der allgemeinen und
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insbesondere psychischen Befindlichkeit der Beschwerdeführenden bei-
tragen können.
6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder Anlass zur Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz besteht noch Gründe zur Annahme einer
nachträglich eingetretenen erheblichen Veränderung der Sachlage ersicht-
lich sind, die eine wiedererwägungsweise Feststellung der Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzuges rechtfertigen könnten. Das SEM hat das Wie-
dererwägungsgesuch somit zu Recht abgewiesen und die Rechtskraft der
Verfügung vom 4. Dezember 2014 bleibt bestehen.
Der Vollständigkeit halber ist festzustellen, dass auch die Gebührenerhe-
bung durch das SEM angesichts der Abweisung des Wiedererwägungsge-
suchs grundsätzlich gesetzeskonform erfolgte. Dies gilt ebenso für die Ab-
weisung des Kostenerlassgesuchs, denn das Bundesverwaltungsgericht
stuft – retrospektiv betrachtet – das Wiedererwägungsgesuch ebenfalls als
aussichtslos ein. Immerhin erstaunt es in diesem Zusammenhang, dass
das SEM acht Tage nach Eingang des Wiedererwägungsgesuchs trotz
dessen Aussichtslosigkeit den Vollzug der Wegweisung ausgesetzt hat.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist. Die
Beschwerde ist abzuweisen und es erübrigt sich auf deren Inhalt und die
vorgelegten Beweismittel weiter einzugehen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind durch den am 30. Juni 2021 geleisteten
Kostenvorschuss in gleicher Höhe gedeckt.
(Dispositiv nächste Seite)
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