Decision ID: 5af9c8cb-b005-482e-946a-4d02fe76d2d1
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Strafkammer des Bundesstrafgerichtes lud am 23. Dezember 2016,
nach telefonischer Kontaktaufnahmen mit den Rechtsvertretern, zur Haupt-
verhandlung in der Sache SK.2016.12 (Bundesanwaltschaft gegen A. und
C.) auf den 18. bis 21. April 2017 vor. Die Vorsitzende des Spruchkörpers,
Bundesstrafrichterin B., wies mit Verfügung vom 18. Januar 2017 ein Ver-
schiebungsgesuch von RA Walder vom 22. Dezember 2016 ab (act. 2.2).
RA Walder machte mit Eingabe vom 20. Januar 2017 geltend, vor und nach
der Vorladung bereits nicht nur auf seine Ferienabwesenheit hingewiesen zu
haben, sondern darauf, dass die Verteidigung mindestens ein halbes Jahr
Vorlaufzeit benötige. Es müsse entweder ein neuer Termin vereinbart wer-
den oder es sei sein Kanzleipartner als zweiter amtlicher Verteidiger einzu-
setzen (act. 2.4).
B. Die Vorsitzende nahm die Eingabe vom 20. Januar 2017 als Gesuch um
Wiedererwägung der Verfügung vom 18. Januar 2017 entgegen und wies es
mit Verfügung vom 2. Februar 2017 ab (act. 2.3). Der Beschuldigte A. liess
daraufhin am 10. Februar 2017 ein Ausstandsgesuch gegen die Vorsitzende
und Unterzeichnende der Verfügungen, Bundesstrafrichterin B., stellen
(act. 1).
B. beantragt am 14. Februar 2017 (act. 2), das Ausstandsbegehren sei ab-
zuweisen. Sie stellte die Eingabe in Kopie zugleich dem Gesuchsteller zu
(S. 3).
Der Gesuchsteller hält mit Replik vom 27. Februar 2017 am Gesuch fest
(act. 4). Die Replik wurde der Gesuchsgegnerin zur Kenntnis zugestellt
(act. 5).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Ist die Strafkammer des Bundesstrafgerichts betroffen und wird ein Aus-
standsgrund nach Art. 56 lit. a oder f StPO geltend gemacht (Ausstand we-
gen persönlichem Interesse an der Sache oder aus anderen Gründen), so
entscheidet ohne weiteres Beweisverfahren und endgültig die Beschwerde-
kammer des Bundesstrafgerichts (Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO i.V.m. Art. 37
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der
Strafbehörden des Bundes (Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG;
SR 173.71).
1.2 Gemäss Art. 58 Abs. 1 StPO hat die Partei, die den Ausstand einer in einer
Strafbehörde tätigen Person verlangt, der Verfahrensleitung ohne Verzug ein
entsprechendes Gesuch zu stellen, sobald sie vom Ausstandsgrund Kennt-
nis hat; die den Ausstand begründenden Tatsachen sind glaubhaft zu ma-
chen. Nach der Rechtsprechung ist der Ausstand in den nächsten Tagen
nach Kenntnisnahme zu verlangen; andernfalls verwirkt der Anspruch. Nach
der Rechtsprechung gilt ein Ausstandsgesuch, das sechs bis sieben Tage
nach Kenntnis des Ausstandsgrunds eingereicht wird, als rechtzeitig. Ein Zu-
warten während zwei oder drei Wochen hingegen, ist nicht zulässig (Urteile
des Bundesgerichts 1B_252/2016 vom 14. Dezember 2016, E. 2.3;
1B_274/2013 vom 19. November 2013, E. 4.1 mit Hinweisen; BOOG, Basler
Kommentar, 2. Aufl. 2014, N. 5 zu Art. 58 StPO).
1.3 Das Ausstandsgesuch vom 10. Februar 2017 scheint als Reaktion auf die
Verfügung vom 2. Februar 2017 gestellt worden zu sein und ist somit recht-
zeitig erfolgt. Auch die weiteren Voraussetzungen für einen Sachentscheid
liegen vor. Auf das Ausstandsgesuch ist einzutreten.
2.
2.1 Der Gesuchsteller wendet sich in seinem Gesuch einerseits gegen die Vor-
ladung vom 23. Dezember 2016 zur Hauptverhandlung vom 18. bis 21. April
2017. Sie lasse ihm zu wenig Zeit zum Vorbereiten und vereitle daher eine
wirksame Verteidigung. Es werde so deutlich, dass er unter dem Vorsitz von
Bundesstrafrichterin B. nicht mit einem fairen Verfahren rechnen könne. Die
betreffende Richterin erscheine daher als befangen (act. 1 S. 1 f.; act. 4
S. 1 f.).
Andererseits werde in der prozessleitenden Verfügung vom 2. Februar 2017
auf Art. 64 Abs. 1 StPO hingewiesen, was eine unverhohlene Drohung dar-
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stelle, welche die Verteidigung offensichtlich mit allen Mitteln mundtot ma-
chen und knebeln wolle. Es sei ihm die Disziplinierung angedroht worden,
um ihn von weiteren Eingaben abzuhalten, mutmasslich von auch der weite-
ren Geltendmachung der ungenügenden Verteidigung. Einen sachlichen
Grund auch nur in die Nähe einer Disziplinarstrafe zu kommen, habe er als
Verteidiger nie gegeben. Es bestätige überdeutlich die Voreingenommenheit
und feindselige Haltung der Vorsitzenden (act. 1 S. 2; act. 4 S. 3).
2.2 Gemäss Art. 56 lit. f StPO tritt eine in einer Strafbehörde tätige Person in den
Ausstand, wenn sie aus anderen Gründen, insbesondere wegen Freund-
schaft oder Feindschaft mit einer Partei oder deren Rechtsbeistand, befan-
gen sein könnte. Bei dieser Bestimmung handelt es sich um eine General-
klausel, welche alle Ausstandsgründe erfasst, die in Art. 56 lit. a–e StPO
nicht ausdrücklich vorgesehen sind. Sie entspricht Art. 30 Abs. 1 BV und
Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Danach hat jede Person Anspruch darauf, dass ihre Sa-
che von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefangenen
Richter ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird.
Die Rechtsprechung nimmt Voreingenommenheit und Befangenheit an,
wenn Umstände vorliegen, die bei objektiver Betrachtung geeignet sind,
Misstrauen in die Unparteilichkeit des Richters zu erwecken. Solche Um-
stände können namentlich in einem bestimmten Verhalten des Richters be-
gründet sein. Dabei ist nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei ab-
zustellen. Das Misstrauen in die Unvoreingenommenheit muss vielmehr in
objektiver Weise begründet erscheinen. Es genügt, wenn Umstände vorlie-
gen, die bei objektiver Betrachtung den Anschein der Befangenheit und Vor-
eingenommenheit erwecken. Für die Ablehnung ist nicht erforderlich, dass
der Richter tatsächlich befangen ist (BGE 141 IV 178 E. 3.2.1; 140 I 326
E. 5.1; 140 III 221 E. 4.1; 138 IV 142 E. 2.1; je mit Hinweisen; TPF 2012 37
E. 2.2).
2.3 Gemäss Rechtsprechung vermögen allgemeine Verfahrensmassnahmen,
seien sie nun richtig oder falsch, als solche keine Voreingenommenheit der
verfahrensleitenden Justizperson zu begründen. Soweit konkrete Verfah-
rensfehler einer Justizperson beanstandet werden, kommen als Ableh-
nungsgrund jedenfalls nur besonders krasse oder ungewöhnlich häufige
Versäumnisse und Mängel in Frage (BGE 141 IV 178 E. 3.2.3; Urteile des
Bundesgerichts 1B_297/2013 vom 11. Oktober 2013, E. 2.2/2.4;
1B_204/2013 vom 12. September 2013, E. 2.3; 1B_69/2013 vom
27. Juni 2013, E. 4.2; 1B_306/2016 vom 23. November 2016, E. 2.1).
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2.4 Die Ansetzung einer Verhandlung mit einer Vorlaufzeit von über drei Mona-
ten oder ein einfacher Hinweis auf geltendes Recht sind allgemeine Verfah-
rensmassnahmen und stellen nicht Ausstandsgründe dar, die bei objektiver
Betrachtung geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit des Richters
zu erwecken. Die erhobenen Rügen gehen fehl, was zur Abweisung des
Ausstandsgesuchs führt.
3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Gesuchsteller kostenpflichtig
(Art. 59 Abs. 4 StPO). Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 2'000.-- festzusetzen
(Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstraf-
gerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädi-
gungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]).
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