Decision ID: 42ba1aa9-9e30-51c3-aae2-25666cf03084
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A._ ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 0000_, Grundbuch X._. Das Grundstück
ist mit einem Wohnhaus (Vers. Nr. 001_), einer daran angebauten Scheune (Vers. Nr.
002_) und einem freistehenden Schopf (Vers. Nr. 003_) überbaut. Die
Gebäudegruppe liegt auf einer Höhe von etwa 580 m ü. M. unter dem Weiler Y._.
Um den 9. Februar 2016 wurden bei der Scheune (Vers. Nr. 002_) Ziegel weggeweht
und der Schopf (Vers.-Nr. 003_) fiel gänzlich in sich zusammen. A._ meldete den
Schaden am 13. Mai 2016 der Gebäudeversicherung des Kantons St. Gallen (GVA).
Gemäss Schadenermittlungsprotokoll vom 24. Mai 2016 belief sich die
Schadensumme am Schopf auf CHF 14'600; der Schaden an der Scheune geht aus
den Akten nicht hervor, wurde jedoch von der GVA anerkannt. Mit Schreiben vom
24. Mai 2016 teilte der Leiter Schadendienst A._ mit, für den Schaden am Schopf
werde keine Versicherungsleistung erbracht. Nachdem A._ dazu Stellung genommen
hatte, lehnte die GVA mit Verfügung vom 20. Juni 2016 die Versicherungsleistung
vollumfänglich ab. Zur Begründung führte sie zusammenfassend aus, der Schaden sei
nicht in erster Linie auf das versicherte Ereignis Sturmwind zurückzuführen, sondern
die Konstruktion sei geschwächt und anfällig auf Wind gewesen, weshalb der Schopf
dem Sturmwind zum Vornherein nicht mehr habe standhalten können. Der Schaden sei
somit letztlich nicht auf das Sturmereignis, sondern im Wesentlichen auf eine andere
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Ursache zurückzuführen. Die GVA sei daher nicht leistungspflichtig. Die dagegen
erhobene Einsprache wies die GVA mit Entscheid vom 15. September 2016 ab.
B. Gegen den Einspracheentscheid erhob A._ Rekurs beim Verwaltungsrat der GVA.
Er beantragte die Aufhebung des Entscheids über die Ablehnung der
Versicherungsleistung sowie die vollumfängliche – allenfalls eine um höchstens
50 Prozent gekürzte – Übernahme des Schadens am Schopf. Am 12. Mai 2017
beauftragte der Verwaltungsrat der GVA Dr. B._, dipl. Bauing. ETH, mit der Erstellung
eines Gutachtens. Am 28. November 2017 fand eine Begehung durch den Experten in
Anwesenheit der Parteien statt. Im daraufhin erstellten Gutachten vom 16. Dezember
2017 kam der Experte zum Schluss, die am 9. Februar 2016 auf dem Schadenplatz
aufgetretenen Windlasten seien etwa drei- bis fünfmal kleiner gewesen wie der
Bemessungswert der Windlasten nach der heute gültigen Norm SIA 261. Der Schopf
sei somit schon bei einer im Vergleich zum Bemessungswert nach Norm sehr tiefen
Windlast eingestürzt, sodass davon auszugehen sei, dass das Gebäude generell, auch
ohne Windbeanspruchung, eine stark ungenügende Tragsicherheit aufgewiesen und
ein Sicherheitsrisiko dargestellt habe. Der Einsturz sei eindeutig nicht infolge zu hoher
Windlasten erfolgt, sondern wegen gravierender Mängel an der Tragekonstruktion. Dies
werde bestätigt durch die Tatsache, dass in der näheren und weiteren Umgebung des
Schadenplatzes keine Sturmschäden an Tragkonstruktionen oder wesentlichen
Tragwerksteilen von Gebäuden gemeldet worden seien. A._ nahm am 15. Januar
2018, die GVA am 5. Februar 2018 Stellung zum Gutachten. Am 20. Juni 2018 wies der
Verwaltungsrat der GVA den Rekurs ab; die Entscheidgebühr von CHF 1'500 sowie die
Gutachterkosten von CHF 10'972.30 wurden A._ auferlegt.
C. Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 11. Juli 2018 und Ergänzung vom
31. August 2018 erhob A._ (Beschwerdeführer) gegen den am 10. Juli 2018
zugestellten Rekursentscheid des Verwaltungsrats der GVA (Vorinstanz) Beschwerde
beim Verwaltungsgericht. Er beantragte, unter Kosten- und Entschädigungsfolge seien
der angefochtene Rekursentscheid sowie der Einspracheentscheid und die Verfügung
über die Ablehnung der Versicherungsleistung aufzuheben. Der Schaden vom
9. Februar 2016 am Schopf sei vollumfänglich und mindestens im Umfang des
versicherten Zeitwerts (CHF 13'000) von der GVA zu übernehmen; allenfalls sei der
Schaden gekürzt um höchstens 50 Prozent zu übernehmen oder die Sache zu neuem
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Entscheid zurückzuweisen. Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom
5. Oktober 2018 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge.
Auf die Ausführungen der Verfahrensparteien zur Begründung ihrer Anträge, den
angefochtenen Entscheid und die Akten wird – soweit wesentlich und erforderlich – in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...)
Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit der Beschwerdeführer beantragt, die
Verfügung der GVA vom 20. Juni 2016 sowie deren Einspracheentscheid vom
15. September 2016 seien vollumfänglich aufzuheben. Die erstinstanzlichen
Verfügungen sind durch den angefochtenen Rekursentscheid ersetzt worden; sie
gelten im Beschwerdeverfahren zwar als inhaltlich mitangefochten, jedoch ist die
selbständige Anfechtung ausgeschlossen ("Devolutiveffekt", vgl. VerwGE B 2015/87
vom 26. April 2018 E. 1 mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung,
www.gerichte.sg.ch).
2. In prozessualer Hinsicht beantragt der Beschwerdeführer die Durchführung eines
Augenscheins.
2.1. Der Augenschein ist die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen
durch die entscheidende Instanz. Er dient der unmittelbaren Wahrnehmung von (in der
Regel streitigen) Tatsachen oder dem besseren Verständnis des Sachverhalts. Der
Entscheid darüber, ob ein Augenschein angeordnet wird, steht im Ermessen der
anordnenden Behörde. Es besteht nur dann eine Pflicht zur Durchführung eines
Augenscheins, wenn die tatsächlichen Verhältnisse auf andere Weise nicht abgeklärt
werden können. Ergibt sich eine Tatsache zweifelsfrei aus den Akten, so braucht sie
nicht durch einen Augenschein überprüft werden (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz. 966; BGer 1C_192/2010 vom 8. November
2010 E. 3.3; 1C_76/2012 vom 6. Juli 2012 E. 2.3).
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2.2. Im vorliegenden Fall liegen zahlreiche Fotografien des streitgegenständlichen
Schopfes, Messwerte der Windgeschwindigkeiten und Windrichtungen, eine
Verlaufsübersicht der Windströmungen und Windstärken am Schadenplatz bei Süd- bis
Südwestwind sowie diverse Kartenausschnitte bei den Akten (vgl. Beilagen zu
act. 10/37). Weiter führte der von der Vorinstanz beauftragte Gutachter am
28. November 2018 im Beisein des Beschwerdeführers und seines Rechtsvertreters
sowie eines Mitarbeiters des Schadendienstes der GVA bereits einen Augenschein
durch (act. 10/32, 37). Der massgebliche Sachverhalt ergibt sich damit in hinreichender
Deutlichkeit aus den genannten Unterlagen. Auf die Durchführung eines Augenscheins
kann folglich ohne weiteres verzichtet werden.
3. Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, der Schaden am Schopf
Vers. Nr. 003_ sei auf ein versichertes Ereignis im Form eines "Sturmwinds"
zurückzuführen. Die GVA erbringt gemäss Art. 31 Abs. 1 Ziff. 3 GVG unter anderem
Versicherungsleistungen, wenn Gebäudeschäden durch "Sturmwind" entstanden sind.
Ausgenommen sind Schäden, die im Wesentlichen auf andere Ursachen zurückgehen
(Art. 31 Abs. 2 GVG).
3.1.
3.1.1. Gebäude müssen alltäglichen Naturereignissen wie Regen, Wind oder Frost
trotzen können. Bei den im Gesetz abschliessend aufgezählten versicherten
Elementarereignissen handelt es sich demgegenüber um durch geologische,
physikalische oder meteorologische Vorgänge ausgelöste Naturereignisse von
ausserordentlicher Heftigkeit. Art. 32 lit. a der Verordnung zum Gesetz über die
Gebäudeversicherung (sGS 873.11, GVV) definiert, welche Mindestanforderungen an
die Widerstandsfähigkeit im Fall von Sturmwind erfüllt sein müssen, damit die GVA im
Schadenfall eine Versicherungsleistung ausrichtet. Demnach setzt ein Sturmschaden
im versicherungstechnischen Sinn voraus, dass ein Gebäude oder Gebäudeteile
unverletzlich ist gegenüber einer Windgeschwindigkeit von bis zu 63 km/h im
Zehnminutenmittel oder gegenüber einzelnen Böenspitzen von bis zu 100 km/h. Hält
ein Gebäude oder Gebäudeteil diesen Windböen nicht stand, gewährt die GVA keine
Deckung. Dort, wo Mindestanforderungen definiert werden, bezeichnen sie jene
Grenzwerte, die erfüllt sein müssen, damit eine Versicherungsleistung überhaupt
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erbracht wird. Hält ein Gebäude den betreffenden Mindestanforderungen nicht stand,
so wird mit anderen Worten davon ausgegangen, dass ein natürliches Ereignis
vielleicht zwar unmittelbarer Auslöser für einen Schaden war, dass dieser an sich – also
im Wesentlichen – letztlich jedoch auf eine andere Ursache, nämlich auf eine
konstruktive Unzulänglichkeit, zurückzuführen ist. Solche Schäden sind von der
Versicherungsdeckung ausgenommen (vgl. Art. 31 Abs. 2 GVG; vgl. zum Ganzen
Botschaft zum IV. Nachtrag zum Gesetz über die Gebäudeversicherung, ABl 2015 371,
S. 380). Windmessungen können jedoch nur im Sinn eines Indizes Aufschluss darüber
geben, welche Windstärke an einem bestimmten (anderen) Ort zu einem bestimmten
Zeitpunkt geherrscht hat. Weil ein direkter Beweis in den meisten Fällen nicht möglich
ist, kann er indirekt erbracht werden, das heisst durch den Beweis von
Sachumständen, die den Schluss auf andere rechtserhebliche Tatsachen zulassen. Im
Fall eines behaupteten Sturmschadens ist ein derartiger Sachumstand in erster Linie
das Schadenbild, das sich in der Umgebung präsentiert (VerwGE B 2004/101 vom
25. Januar 2005 E. 3c, a.a.O.).
3.1.2. Das Vorliegen einer die Leistungspflicht ausschliessenden "anderen Ursache" ist
insbesondere dann anzunehmen, wenn der Schaden nicht unmittelbare Folge eines
Elementarereignisses ist. Unter dem Begriff der "anderen Ursache" fallen somit
namentlich alltägliche (Natur-)Ereignisse, welche zwar die Voraussetzungen eines
Elementarereignisses in qualitativer und quantitativer Hinsicht nicht erfüllen, jedoch den
Schadeneintritt begünstigen. In solchen Fällen ist die Kausalkette zwischen
Naturereignis und Schaden durch eine Ursache unterbrochen, für die der Versicherte
einzustehen hat. Folge davon ist, dass die Leistungspflicht gänzlich entfällt (GVP 2010
Nr. 82 E. 4; VerwGE B 2015/87 vom 26. April 2018 E. 3.2, a.a.O.).
3.1.3. Anspruch auf Versicherungsleistung besteht nach Art. 45 der Verordnung zum
Gesetz über die Gebäudeversicherung (sGS 873.11, GVV), wenn ein versichertes
Ereignis vorliegt (lit. a), ein Gebäudeschaden entstanden ist, der unmittelbar auf das
versicherte Ereignis zurückgeführt werden kann (lit. b), und die Ereigniseinwirkung nicht
bestimmungsgemäss war (lit. c). "Bestimmungsgemäss" ist eine Ereigniseinwirkung,
wenn sie zufolge ordentlicher Abnützung oder ordentlicher Erfüllung des Zweckes des
Gebäudes oder Gebäudeteils eintritt (Art. 48 GVV). Die Frage, ob sich der
Gebäudeschaden "unmittelbar" auf das versicherte Ereignis zurückführen lässt, ist
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nach der Rechtsprechung nach den Regeln über den sog. "adäquaten
Kausalzusammenhang" zu beantworten. Demnach hat ein Ereignis dann als adäquate
Ursache eines Erfolgs zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und
nach der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, einen Erfolg von der Art des
eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs somit durch das Ereignis
allgemein als begünstigt erscheint (VerwGE B 2016/185 vom 28. Juni 2018 E. 3.1 mit
Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).
3.1.4. Art. 47 GVV regelt die Zurechnung des Schadens zum versicherten Ereignis: Ein
Gebäudeschaden wird dem versicherten Ereignis zugerechnet, wenn er nicht im
Wesentlichen auf andere Ursachen zurückzuführen ist (Abs. 1). Nicht vergütet werden
insbesondere Schäden, die auf fortgesetztes Einwirken zurückgehen oder die nicht auf
eine plötzliche, aussergewöhnlich heftige Einwirkung zurückzuführen sind, wie
Schäden zufolge schlechten Baugrundes, ungenügender Fundamente, fehlerhafter
Konstruktion oder verwahrlosten Zustandes (Abs. 2).
3.1.5. Nach der allgemeinen Regel von Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
(SR 210, ZGB) hat derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu
beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Auch im Privatversicherungsrecht gilt der
Grundsatz, wonach Personen, die gegenüber einem Versicherer einen
Versicherungsanspruch erheben, im Sinn von Art. 8 ZGB bezüglich der Frage, ob ein
Versicherungsfall eingetreten ist, grundsätzlich behauptungs- und beweispflichtig sind.
Behauptet der Versicherer indessen eine die Leistungspflicht ausschliessende oder
herabsetzende Tatsache, ist es an ihm, diese zu beweisen. Diese Beweislastverteilung
gilt auch im öffentlichen Gebäudeversicherungsrecht, namentlich bei der Anwendung
von Art. 31 Abs. 1 Ziff. 3 GVG (vgl. VerwGE B 2004/101 vom 25. Januar 2005 E. 2b,
www.gerichte.sg.ch; VerwGE B 2016/185 vom 28. Juni 2018 E. 3.3 mit weiteren
Hinweisen, a.a.O.).
Im Versicherungsrecht gilt generell die Beweiserleichterung der "überwiegenden
Wahrscheinlichkeit" (vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 128 III 271 E. 2b/
aa). Entgegen dem Regelbeweismass, das erst erreicht ist, wenn das Gericht am
Vorliegen der behaupteten Tatsache keine ernsthaften Zweifel mehr hat oder allenfalls
verbleibende Zweifel als leicht erscheinen, sind die Anforderungen an das Beweismass
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herabgesetzt. "Überwiegend wahrscheinlich" ist etwas dann, wenn für die Richtigkeit
einer Sachbehauptung nach objektiven Gesichtspunkten derart gewichtige Gründe
sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten vernünftigerweise nicht massgeblich in
Betracht fallen (vgl. K. Plüss, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, § 7 N 26-28 mit
Hinweisen). Die Möglichkeit, dass es sich auch anders verhalten könnte, schliesst die
überwiegende Wahrscheinlichkeit zwar nicht aus, darf aber für die betreffende
Tatsache weder eine massgebende Rolle spielen noch vernünftigerweise in Betracht
fallen. Dem Versicherer steht ein – aus Art. 8 ZGB abgeleitetes – Recht auf
Gegenbeweis zu. Er hat Anspruch darauf, zum Beweis von Umständen zugelassen zu
werden, die beim Gericht erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Gegenstand des
Hauptbeweises bildenden Sachbehauptungen wachhalten und diesen dadurch
vereiteln sollen. Für das Gelingen des Gegenbeweises ist mithin bloss erforderlich,
dass der Hauptbeweis erschüttert wird und damit die Sachbehauptungen nicht mehr
als überwiegend wahrscheinlich erscheinen (BGE 130 III 321 E. 3.3 f.).
3.2. Die Vorinstanz hielt – gestützt auf das Gutachten vom 16. Dezember 2017 – fest,
die am 9. Februar 2016 auf dem Schadenplatz aufgetretenen Windlasten seien ca. drei-
bis fünfmal kleiner gewesen als der Bemessungswert der Windlasten nach der Norm
SIA 261; weiter seien die Mindestwerte der Windgeschwindigkeiten zur Bejahung eines
versicherten Ereignisses nicht erreicht worden. Da mithin von einer fehlerhaften
Konstruktion im Sinn von Art. 47 Abs. 2 GVV ausgegangen werden müsse und in der
Umgebung des Schadenplatzes nur sehr wenige und kleine Gebäudeschäden
gemeldet worden seien, sei erstellt, dass der Schaden vorliegend im Wesentlichen auf
andere Ursachen als auf ein Sturmereignis zurückzuführen sei. Es handle sich beim
Schaden um einen durch den Wind zwar ausgelösten, aber nicht adäquat kausal
verursachten Schaden, da die fehlerhafte Konstruktion zu einer Unterbrechung des
Kausalzusammenhangs zwischen Wind und Gebäudeschaden geführt habe. Ohne die
fehlerhafte Konstruktion wäre der Schopf beim vorliegend vergleichsweise wenig
starken Windereignis nicht eingestürzt. Der Schaden sei folglich nicht durch ein
versichertes Ereignis verursacht worden, womit eine Entschädigungspflicht durch die
GVA entfalle.
3.3. Hiergegen erhebt der Beschwerdeführer verschiedene Einwände.
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3.3.1. Der Beschwerdeführer – dem der Nachweis obliegt, dass das Schadensereignis
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit adäquat kausal auf ein Elementarereignis
zurückgeht – macht geltend, der Gutachter habe nicht ausgeschlossen, dass
gegenüber der nächstgelegenen Messstelle in Z._ auf einer Höhe von 409 m ü. M. am
Schadenplatz höhere Windgeschwindigkeiten geherrscht hätten.
Gemäss Gutachten vom 16. Dezember 2017 betrugen die Windgeschwindigkeiten
während des Schadenereignisses am 9. Februar 2016 in der Nähe des Schadenplatzes
höchstens 55.4 km/h (10-Min. Mittel) bzw. 89.6 km/h (Böenspitzen). Zutreffend ist zwar,
dass aus dem Gutachten nicht gefolgert werden kann, die für "Sturmwind" geforderten
Windgeschwindigkeiten seien am 9. Februar 2016 am Schadenort nicht erreicht
worden. Allerdings hat der Experte auch nicht bestätigt, dass das Gegenteil der Fall
gewesen sei. Der Experte geht vielmehr davon aus, dass am Schadenplatz, wenn
überhaupt, nur unwesentlich höhere Windgeschwindigkeiten herrschten als bei der
Messstation Z._ (vgl. act. 10/37 Antwort 1 und 3). Daraus, dass die höchste
Windgeschwindigkeit in der Schweiz am 9. Februar 2016 mit 167 km/h auf dem
Kronberg gemessen wurde und sich die höchsten Windgeschwindigkeiten in tieferen
Lagen im Bereich von 90 bis 120 km/h bewegten, kann der Beschwerdeführer nichts
zu seinen Gunsten ableiten. Einerseits handelt es sich dabei um Böenspitzen, welche
am 9. Februar 2016 im Flachland regelmässig nicht die geforderten 100 km/h
erreichten; in der Ostschweiz bewegten sich die Werte um etwa 90 km/h. So wurde in
der Stadt St. Gallen (776 m ü. M.) eine Spitze von 91 km/h, in Stein AR (813 m ü. M.)
eine solche von 93 km/h und in Eichberg-Oberau (494 m ü. M.) ebenfalls 93 km/h
gemessen. Andererseits belief sich selbst das Windmittel auf dem Kronberg am
Schadentag lediglich auf 59 km/h (vgl. act. 10/37/16 mit Hinweis auf http://
www.kaikowetter.ch/Statistik/2016/Windspitzen_16/Sturm_09_02_2016.html).
Damit erscheint fraglich, dass am Schadentag am Schadenort Windgeschwindigkeiten
von mindestens 63 km/h im Zehnminutenmittel oder einzelnen Böenspitzen von
mindestens 100 km/h auftraten. Selbst wenn jedoch diese Windgeschwindigkeiten
erreicht worden wären – ob die Vorinstanz deshalb oder aus Kulanz den Schaden an
der Scheune des Beschwerdeführers anerkannte, lässt sich den Akten nicht
entnehmen – ist es durchaus möglich, dass der Schaden am Schopf im Wesentlichen
auf andere Ursachen zurückgeht, was eine Leistungspflicht der GVA ausschliessen
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würde (vgl. Art. 31 Abs. 2 GVG). Nicht gefolgt werden kann diesbezüglich den
Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach der Gesetzgeber der Regierung keine
Kompetenz gegeben habe, Leistungsausschlusstatbestände zu schaffen. Gestützt auf
Art. 31 Abs. 2 GVG sind Schäden an Gebäuden, welche den Mindestanforderungen
nicht standhalten, von der Versicherungsdeckung ausgenommen. Eine reduzierte
Deckung ist erst im Fall von Gebäuden oder Gebäudeteilen vorgesehen, die die Soll-
Anforderungen nicht erfüllen, aber immerhin den Minimalanforderungen standhalten
(vgl. ABl 2015 380; vorstehende E. 3.1).
3.3.2. Zu prüfen ist im Folgenden daher, ob das Schadenbild in der Umgebung darauf
schliessen lässt, die Witterungseinflüsse am 9. Februar 2016 seien derart intensiv
gewesen, dass ihnen der Schopf auch in ordnungsgemässem Zustand nicht hätte
standhalten können. Denn wer Entschädigung beansprucht, muss nachweisen, dass
am Versicherungsort oder in der Umgebung durch den Sturm Bäume gefällt oder
Dächer abgedeckt worden sind. Der Grund liegt darin, dass oft ein fehlerhaft
konstruiertes Gebäude Angriffsziel des Windes ist. Erleidet dieses Schäden oder fällt
gar in sich zusammen, so ist die mangelhafte Konstruktion der Grund dafür und nicht
der Sturm (GVP 2010 Nr. 82 E. 5.1).
Die Gebäude des Beschwerdeführers liegen nicht in dicht besiedeltem Gebiet, weshalb
in unmittelbarer Nachbarschaft – bis auf weggewehte Ziegel an der eigenen Scheune –
auch keine weiteren Gebäudeschäden aufgetreten sind. Dies schliesst indes nicht aus,
dass zur Beurteilung der Frage, ob ein Versicherungsfall vorliegt, mitberücksichtigt
werden darf, ob es in der weiteren Umgebung, an ähnlich ausgesetzter Lage, zu
Gebäudeschäden gekommen ist, die von demselben Ereignis herrühren (VerwGE
B 2004/101 vom 25. Januar 2005 E. 3d/bb, a.a.O.). Bei der Assekuranz des Kantons
Appenzell Ausserrhoden gingen im Gebiet von Y._ zwei Sturmschadenmeldungen ein,
die Sonnenschutzeinrichtungen mit Schadensummen von CHF 850 bzw. CHF 1'100
betrafen (vgl. act. 10/37/5). Die betroffenen Gebäude befinden sich dabei etwa auf
700 m ü. M. (vgl. Höhenkurven-Karte auf www.geoportal.ch). In der Gemeinde X._
wurden ebenfalls zwei weitere Schadenfälle durch Sturmwind registriert: Einerseits
handelte es sich dabei um den Schaden an der Scheune des Beschwerdeführers, bei
welchem lediglich wenige Ziegel im Umfang von rund CHF 1'500 ersetzt werden
mussten. Andererseits wurden bei einer Scheune in 3'800 Meter Entfernung zum
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Grundstück des Beschwerdeführers sechs Eternitplatten weggeweht und auf das Dach
geschleudert. Die Wiederherstellungskosten beliefen sich dabei auf rund CHF 4'500
(vgl. act. 10/37/8). In keinem der Fälle war dagegen die Tragstruktur oder wesentliche
Tragwerksteile betroffen (vgl. act. 10/37/8). Der eingestürzte Schopf passt demnach
nicht in das Schadenbild, das sich in der Umgebung präsentiert.
Unbestritten blieb, dass die nördliche Aussenwand des Schopfs bereits vor dem
Schadenereignis vom Februar 2016 auf der Nordwestseite eine starke Schiefstellung
aufgewiesen hatte. Gemäss den Ausführungen im Gutachten vom 16. Dezember 2017
ist diese Schiefstellung auf eine ungenügende oder fehlende Aussteifung im
Erdgeschoss der Giebelwand West zurückzuführen. Der Experte stellte gestützt darauf
einen wesentlichen statischen Mangel an der Tragkonstruktion fest. Er rekonstruierte
weiter den Einsturzmechanismus des Gebäudes wie folgt: Infolge der ungenügenden
Aussteifung im Erdgeschoss der westlichen Giebelwand habe sich der obere steifere
Teil des Gebäudes von oben her gesehen weiter im Gegenuhrzeigersinn gedreht.
Durch die Verdrehung hätten die Schrägstellungen der Stützen der nördlichen und
südlichen Aussenwände weiter zugenommen. Die Stützenköpfe hätten das Tragsystem
nicht mehr aufnehmen können und die Aussenwände seien in Richtung Süden
umgekippt. Durch die zunehmende Verdrehung des Obergeschosses seien hohe
Beanspruchungen in der östlichen Giebelwand entstanden. Diese sei schliesslich auf
etwa 2 Metern Höhe gebrochen. In der Folge sei das Dach in Richtung Südwest
eingestürzt (act. 10/37 S. 4 f.). Die überwiegende Wahrscheinlichkeit, dass der Schopf
generell, das heisst auch ohne Windbeanspruchung, eine stark ungenügende
Tragsicherheit aufwies, wird dadurch belegt, dass die am 9. Februar 2016 auf dem
Schadenplatz auftretenden Windlasten drei- bis fünfmal kleiner wie der
Bemessungswert der Windlasten nach der heute gültigen Norm SIA 261 waren.
3.3.3. Schliesslich kann der Beschwerdeführer aus dem Umstand der (vorbehaltlosen)
bisherigen Versicherung nichts zu seinen Gunsten herleiten. Die Kompetenz der GVA,
bestimmte Schutzmassnahmen ausdrücklich verlangen zu können, kommt
ausschliesslich im Nachgang zu einem Schadenfall zum Tragen. Es wird mit anderen
Worten bewusst darauf verzichtet, solche Auflagen im Rahmen einer systematischen
Überprüfung des Gebäudebestandes, beispielsweise im Rahmen der regelmässig
stattfindenden ordentlichen Gebäudeschätzungen, vorzunehmen. Eine systematische
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Überprüfung des Gebäudebestandes unter dem Blickwinkel der
Elementarschadengefährdung wäre aus praktischen Gründen mit einem vernünftigen
Aufwand gar nicht durchführbar (ABl 2015 381; VerwGE B 2015/87 vom 26. April 2018
E. 3.9, a.a.O.). Zu berücksichtigen ist schliesslich, dass der Schaden im Jahr 2015
lediglich ein paar weggewehte Ziegel betraf, weshalb die GVA nicht gehalten war, die
Tragkonstruktion des Schopfes zu überprüfen.
3.4. Zusammenfassend kann der Beschwerdeführer nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit aufzeigen, dass die Witterungseinflüsse am 9. Februar 2016 derart
intensiv waren, dass ihnen der Schopf auch in ordnungsgemässem Zustand nicht hätte
standhalten können. Der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den
meteorologischen Einflüssen und dem eingetretenen und geltend gemachten Schaden
wurde durch die fehlende bzw. ungenügende Konstruktion unterbrochen. Der Schaden
geht damit auf eine "im Wesentlichen andere Ursache" im Sinn von Art. 31 Abs. 2 GVG
zurück und ist nicht versichert. Dies ergibt sich aufgrund des in sich schlüssigen und
ohne weiteres nachvollziehbaren Gutachtens. Die dagegen erhobenen Einwände
eignen sich nicht, dieses grundsätzlich in Frage zu stellen bzw. eine andere Ursache als
"überwiegend wahrscheinlich" erscheinen zu lassen.
4. Zusammen mit der Entscheidgebühr von CHF 1'500 auferlegte die Vorinstanz dem
Beschwerdeführer die angefallenen Gutachtenskosten von CHF 10'972.30. Die Höhe
der Entscheidgebühr bestreitet der Beschwerdeführer nicht. Er wendet sich jedoch
gegen die Kosten für das Gutachten im Wesentlichen mit der Begründung, einer
Fachinstanz wie der Vorinstanz sei grundsätzlich die Rekurssachbearbeitung und die
Aufarbeitung des Sachverhalts eines Rekursfalls ohne weiteres selbst bzw. durch
Fachleute der eigenen Organisation zuzumuten. Weiter stünden die Expertenkosten
von CHF 10'972.30 in einem offensichtlichen Missverhältnis zum geltend gemachten
versicherten Gebäudewert von CHF 13'000.
Soweit der Beschwerdeführer einwendet, die Einholung eines Gutachtens bei einem
externen Experten sei aufgrund des internen Fachwissens unverhältnismässig, ist ihm
entgegenzuhalten, dass er sich im Rekursverfahren nicht gegen die Einholung eines
Gutachtens stellte. Er wendete lediglich ein, dass ein Augenschein kaum mehr etwas
bringe, da der beschädigte Schopf entsorgt worden sei. Allenfalls könne der Experte
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jedoch aufgrund der in den Akten liegenden Fotos den Schadenfall näher beurteilen
(vgl. act. 10/20). Weiter war dem Beschwerdeführer der Fragekatalog bekannt (vgl.
act. 10/25), wogegen er nicht opponierte. Zu berücksichtigen ist hingegen, dass für
Sachverständige die Entschädigung nach der geleisteten Arbeit und der Bedeutung der
Streitsache erfolgt (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 70). Mit dem Abstellen auf die
Bedeutung der Streitsache wird dem sog. Äquivalenzprinzip Rechnung getragen. Nach
diesem dürfen die Kosten nicht in ein offensichtliches Missverhältnis zum objektiven
Wert der Leistung geraten und müssen sich in vernünftigen Grenzen bewegen (statt
vieler vgl. K. Plüss, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, § 13 N 27 mit
Hinweis auf BGE 132 II 371 E. 2.1). Bei einer Schadenssumme von ca. CHF 13'000
wurden die "vernünftigen Grenzen" offensichtlich verlassen, wenn man sich vor Augen
hält, dass die gutachterliche Abklärung der Schadensursache Sachverständigenkosten
von knapp CHF 11'000 mit sich bringt. Anstrengungen seitens der GVA, die Kosten in
einem vernünftigen Rahmen zu halten, etwa durch vorgängige Festlegung eines
Kostendachs, sind nicht ersichtlich. Im Gegenteil war der Vorinstanz gemäss
telefonischer Auskunft des Experten vom 6. September 2017 bekannt, dass sich die
Kosten auf etwa CHF 10'000 belaufen werden (vgl. act. 10/28). Als maximal
vernünftiger Wert erscheinen Abklärungskosten von CHF 7'000, das heisst ca. zwei
Drittel des Streitwertes. Die Beschwerde ist in diesem Sinne teilweise gutzuheissen, im
Übrigen ist sie jedoch abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
5. (...)