Decision ID: c590bc57-9e4c-5363-9cb7-56de7f8c32a1
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
K._ ist Eigentümerin des Grundstücks Nr. 0000_, Grundbuch X._, das im Osten an
das mit dem Einfamilienhaus Vers.-Nr. 0001_ überbaute Grundstück Nr. 0002_,
Grundbuch X._, von R._ und S._ grenzt. Beide Grundstücke liegen an einem gegen
Südosten teilweise steil abfallenden Hang in der Wohnzone WE und grenzen gegen
Süden an die Landwirtschaftszone. Am 18. September 2017 hatte die Baukommission
der Politischen Gemeinde X._ den Umbau, die Aufstockung und die Erweiterung des
Einfamilienhauses auf dem Grundstück Nr. 0002_ sowie die Erstellung einer im
Abstand von zwei Metern insbesondere entlang der östlichen Grundstücksgrenze
verlaufenden Stützmauer mit einer Höhe von 0,65 bis 1,20 Metern und einem darauf
verlaufenden 1 Meter hohen Geländer bewilligt (act. 10/6/2).
B.
R._ und S._ realisierten eine von den bewilligten Plänen abweichende Stützmauer
und reichten dafür am 29. März 2018 ein nachträgliches Baugesuch ein, welches vom
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18. April bis 1. Mai 2018 öffentlich auflag (act. 10/6/29). Gemäss Planunterlagen war
eine im Abstand von 0,17 Metern entlang der Grenze zum Grundstück Nr. 0002_
verlaufende 1,50 bis 1,80 Meter hohe hinterfüllte Stützmauer aus Beton errichtet
worden (act. 10/6/29).
Gegen das Baugesuch erhob K._ am 17. April 2018 Einsprache mit der Begründung,
die Baubewilligung sei nicht zu erteilen, weil die Mauer zu hoch sei und den
Grenzabstand verletze (act. 10/6/4). Im Einspracheverfahren wurde die Stützmauer
statisch begutachtet mit dem Ergebnis, Massnahmen seien nicht notwendig, auch
wenn aus technischer Sicht die Tragsicherheit teilweise knapp nicht nachgewiesen sei
(act. 10/6/18). Anlässlich einer Besprechung vom 9. April 2019 unterbreitete die
Politische Gemeinde den Beteiligten einen Einigungsvorschlag, dem K._ aber nicht
zustimmte (act. 10/6/22+23). Der Gemeinderat X._ wies deren öffentlich-rechtliche
Einsprache am 3. September 2019 ab und bewilligte die Stützmauer nachträglich unter
Auflagen und Bedingungen (act. 10/6/29).
Das Baudepartement trat am 6. April 2020 auf den von K._ erhobenen Rekurs nicht
ein, soweit ihre Anträge Fragen der Wiederherstellung für den Fall der Gutheissung des
Rekurses und zivilrechtliche Abwehransprüche betrafen. Im Übrigen wies es den
Rekurs ab. Es hielt fest, das nachträgliche erlaube zusammen mit dem ursprünglichen
Baugesuch und den Beilagen sowie dem von der Gemeinde eingeholten Gutachten
eine Überprüfung der Einhaltung der baupolizeilichen Vorgaben. Als Anlage habe die
Stützmauer weder einen Grenzabstand noch eine Maximalhöhe einzuhalten. Die
Baubewilligungsbehörde dürfe ohne Vorliegen spezieller Verhältnisse voraussetzen, der
Bauherr führe sein Bauvorhaben nach den anerkennten Regeln der Baukunde aus.
Zumal keine Anhaltspunkte dafür vorlägen, dass es sich beim fraglichen Gelände um
einen rutschgefährdeten Hang oder eine Gefahrenzone handle, könne grundsätzlich
bereits ohne Gutachten davon ausgegangen werden, die Stützmauer entspreche den
Sicherheitsanforderungen. Das eingeholte Gutachten zur Statik und zur
Hangentwässerung stelle insgesamt plausibel dar, dass die Stützmauer bautechnisch
korrekt erstellt wurde. Da die Stützmauer nicht in einem Gebiet mit erhöhten
gestalterischen Vorschriften liege, komme einzig das Verunstaltungsverbot zur
Anwendung, auch wenn das Baureglement eine ansprechende Gestaltung und eine
gute Anpassung an den bestehenden Terrainverlauf verlange. Die Mauer könne
insgesamt nicht als besonders unschön beziehungsweise qualifiziert hässlich
bezeichnet werden.
C.
K._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den Rekursentscheid des Baudepartements
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(Vorinstanz) vom 6. April 2020 mit Eingabe vom 17. April 2020 und Ergänzung vom
14. Mai 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, es seien
unter Kosten- und Entschädigungsfolge der angefochtene Entscheid aufzuheben und
die nachträgliche Baubewilligung für die Betonstützmauer und die
Terrainveränderungen (Schüttungen auf den Grundstücken Nr. 0002_ und 0000_) zu
verweigern.
Mit Vernehmlassung vom 29. Mai 2020 verwies die Vorinstanz auf den angefochtenen
Entscheid und beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten
sei. R._ und S._ (Beschwerdegegner) und die Politische Gemeinde X._
(Beschwerdebeteiligte) verzichteten stillschweigend auf eine Vernehmlassung. Die
Beschwerdeführerin nahm am 14. August 2020 auf der Gerichtskanzlei Einsicht in die
Akten und mit Eingabe vom 20. August 2020 Stellung. Die Vorinstanz verzichtete
stillschweigend, die Beschwerdebeteiligte am 1. September 2020 ausdrücklich auf eine
weitere Äusserung. Die Beschwerdegegner beantragten mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 1. Oktober 2020 die Abweisung der Beschwerde unter Kosten-
und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer. Die Beschwerdeführerin
antwortete darauf mit Eingabe vom 14. Oktober 2020. Die Beschwerdegegner
äusserten sich dazu am 9. November 2020. Die Eingabe wurde der
Beschwerdeführerin am 10. November 2020 zur Kenntnis gebracht. Sie reichte am
17. März 2021 eine weitere Eingabe samt Beilage ein, zu welcher sich die
Beschwerdegegner am 12. April 2021 abschliessend äusserten.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheides sowie die Begründung der
Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner zur Begründung ihrer Rechtsbegehren
sowie die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin,
die mit ihren Begehren im Rekursverfahren nicht durchgedrungen ist, ist zur Erhebung
der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde
gegen den Rekursentscheid vom 6. April 2020 wurde mit Eingabe vom 17. April 2020
rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 14. Mai 2020 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
bis
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2. Anwendbares Recht
Die im vorliegenden Verfahren zu beurteilenden Tatsachen wurden geschaffen,
nachdem am 18. September 2017 die Baubewilligung für den Umbau und die
Erweiterung des Wohnhauses auf dem Grundstück Nr. 0002_ erteilt worden war. Das
nachträgliche Baugesuch datiert vom 29. März 2018, die Baubewilligung vom
3. September 2019. Ob bei einem nachträglichen Baugesuch für das anwendbare
Recht auf den Zeitpunkt, in welchem die nicht bewilligten Tatsachen geschaffen
wurden, oder jenen der Einreichung des Baugesuchs oder der Erteilung der
Baubewilligung abzustellen ist, kann offenbleiben. Unter den dargestellten Umständen
ist davon auszugehen, dass selbst die massgeblichen Tatsachen nach dem 1. Oktober
2017 geschaffen worden sind. So oder anders ist deshalb das per 1. Oktober 2017 in
Vollzug gesetzte Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1, PGB) anwendbar (vgl. Art. 173
Abs. 1 PBG). Da die Beschwerdebeteiligte allerdings die Instrumente der Ortsplanung
noch nicht an das neue Recht angepasst hat, sind vorderhand nur die justiziablen
Bestimmungen des Planungs- und Baugesetzes anwendbar (vgl. Planungs- und
Baugesetz, Botschaft und Entwurf der Regierung vom 11. August 2015, in: ABl 2015
S. 2399 ff., S. 2531; Ziffer 1 des Kreisschreibens "Übergangsrechtliche Bestimmungen
im Planungs- und Baugesetz (PBG)" des Baudepartements vom 8. März 2017); im
Übrigen ist auf das bis 30. September 2017 gültig gewesene Gesetz über die
Raumplanung und das öffentliche Baurecht (Baugesetz) in der Fassung vom 1. Januar
2015 (nGS 32-47, BauG) und das – nicht angepasste – Baureglement der
Beschwerdebeteiligten vom 22. Juni 2009 (nachfolgend: BauR) abzustellen.
3. Ergänzung des Sachverhalts
Die Beschwerdeführerin rügt einen unvollständig erhobenen Sachverhalt. Einerseits
erscheinen ihr von der Vorinstanz nicht erwähnte weitere Tatsachen aus der
Vorgeschichte bedeutsam (dazu nachfolgend Erwägung 3.1). Anderseits macht sie
geltend, die Beschwerdebeteiligte habe eine Mauer bewilligt, über die sie sehr wenig
wisse (dazu nachfolgend Erwägung 3.2).
Tatsachen aus der Vorgeschichte
Gemäss Art. 12 Abs. 1 VRP ermittelt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen.
Eine unvollständige Feststellung des Sachverhalts ist nicht schon dann gegeben, wenn
nicht alles, was die Beschwerdeführerin im Verfahren vor der oder den Vorinstanzen
vorgebracht hat oder was sich im Umfeld einer Streitsache tatsächlich ereignet hat,
abgeklärt worden ist. Der einem Entscheid zugrunde zu legende Sachverhalt stellt
lediglich einen gewissen Ausschnitt aus den tatsächlichen Gegebenheiten dar –
denjenigen nämlich, der für die Beurteilung der Streitsache rechtlich relevant ist (vgl.
3.1.
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Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 588).
Gegenstand des Verfahrens ist einzig die Frage, ob und allenfalls inwieweit der von den
Eigentümern des Grundstücks Nr. 0002_ geschaffene tatsächliche Zustand, soweit er
die Betonmauer und die damit verbundenen Terrainveränderungen betrifft,
baurechtskonform ist und nachträglich bewilligt werden kann. Die Hinweise der
Beschwerdeführerin auf die Vorgeschichte – Inhalt des Baugesuchs vom 23. August
2017, unvollständige Bauanzeige, unbewilligte Abweichung vom bewilligten Projekt,
Benutzung ihres Grundstücks ohne Zustimmung, versuchte Einholung ihrer
Zustimmung aufgrund von den Tatsachen nicht entsprechenden Plänen – sind für die
Beurteilung dieser Frage nicht von Belang. Eine Ergänzung des Sachverhalts mit
diesen, der Beschwerdeführerin bedeutsam erscheinenden Tatsachen ist deshalb nicht
erforderlich.
Unterlagen zur Betonmauer und den Terrainveränderungen
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Unterlagen zum – nachträglichen –
Baugesuch vom 29. März 2018 seien ungenügend. Unbekannt seien die Höhe der
Mauer und die unterirdische Ausdehnung des Fundaments – allenfalls auf ihr eigenes
Grundstück – sowie die Art der Aufschüttung hinter der Mauer und die Gestaltung der
Drainageöffnungen. Insoweit sei das Baugesuch unvollständig gewesen. Die
Beschwerdegegner führen dazu insbesondere aus, die Rüge der unterirdischen
Ausdehnung der Mauer auf das Grundstück der Beschwerdeführerin werde erstmals im
Beschwerdeverfahren vorgebracht. Ob sie zu hören sei, sei mit Blick auf das
Rügeprinzip und die Bindung an die Begehren gemäss Art. 61 Abs. 3 VRP fraglich.
Art. 135 ff. PBG regeln das Baubewilligungsverfahren, enthalten aber keine Vorschriften
zum erforderlichen Inhalt des Baugesuchs. Nach Art. 21 der Verordnung zum
Planungs- und Baugesetz (sGS 731.11, PBV) verwenden Gesuchstellende für das
Baugesuch das Formular des Baudepartementes. Das Baugesuch muss die für die
Beurteilung notwendigen Unterlagen wie Situationsplan, Grundriss, Ansichten, Schnitte
und Kanalisationspläne enthalten (Abs. 1); die Bewilligungsbehörden sind berechtigt,
weitere für die Beurteilung erforderliche Unterlagen einzufordern (Abs. 2).
Beim nachträglichen Baugesuch sollen in erster Linie geschaffene Tatsachen – und
nicht Pläne – bewilligt werden. Soweit allerdings die relevanten Tatsachen ohne
Abklärungen und – wie vorliegend – eine Begutachtung der statischen Verhältnisse
nicht möglich sind, gehören die entsprechenden Untersuchungsergebnisse zu den für
die Beurteilung des Gesuchs erforderlichen Unterlagen. Ebenso ist erforderlich, dass
3.2.
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4. Materielle Rügen
die geschaffenen Tatsachen mit korrekten Plänen dargestellt werden. Ob die
vorliegenden Unterlagen und Informationen klar und genügend konkret sind, um die
Bewilligungsfähigkeit der Mauer zu beurteilen, wird sich anlässlich der materiellen
Prüfung zeigen.
Streitgegenstände
In materieller Hinsicht gehen die Verfahrensbeteiligten übereinstimmend davon aus,
dass die von den Beschwerdegegnern auf ihrem Grundstück Nr. 0002_
vorgenommenen und sich allenfalls auch auf das Grundstück der Beschwerdeführerin
ausdehnenden Terrainveränderungen und die Betonmauer einer – nachträglichen –
Baubewilligung bedürfen. Auch die Beschwerdegegner gehen nicht davon, dass ihre
Betonmauer und die vorgenommenen Terrainveränderungen unter die
Ausnahmetatbestände gemäss Art. 136 Abs. 1 Ingress und lit. c – Mauern und
Einfriedungen von weniger als 1,80 Metern Höhe längs Grundstücksgrenzen, wenn
ihnen nicht die Funktion als Stützmauer zukommt – und lit. d PBG –
Terrainveränderungen von weniger als 0,50 Metern Höhe und 100 Quadratmetern
Fläche – fallen. Die Beschwerdeführerin macht zusammenfassend geltend, die
Betonmauer und die Aufschüttung vor der Mauer hielten den erforderlichen
Grenzabstand nicht ein. Weil die Ausführung der Aufschüttung hinter der Mauer und
der Drainageleitungen nicht im Detail bekannt sei, stehe auch nicht fest, dass die
Mauer die Sicherheitsanforderungen erfülle und die Ableitung des Wassers auf ihr
Grundstück baurechtlich nicht zu bestanden sei.
4.1.
Grenzabstand4.2.
Geltung bei einer Stützmauer
Art. 97 PBG regelt die Terrainveränderungen, einerseits in der Form von Abgrabungen
(Abs. 1), anderseits in der Form von Aufschüttungen mit Stützmauern oder
Böschungen (Abs. 2-4). Aufschüttungen werden dem massgebenden Terrain
angepasst und Stützmauern und Böschungen weisen einen Abstand zur Grenze auf
(Abs. 2), Stützmauern und Böschungen haben die von der politischen Gemeinde im
kommunalen Nutzungsplan festgelegten Masse und Grenzabstände einzuhalten
(Abs. 3), können aber mit schriftlicher Zustimmung der Eigentümerin des benachbarten
Grundstücks "bis an die Grenze gestellt" werden (Abs. 4). – Welche Höhen und
Grenzabstände Stützmauern und Böschungen einzuhalten haben, regelt Art. 97 Abs. 2
PBG nicht in einer Weise, die einer direkten Anwendung zugänglich ist. Vielmehr
überlässt es Art. 97 Abs. 3 PBG den Gemeinden, die für die Anwendung erforderliche
4.2.1.
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Konkretisierung vorzunehmen. Direkt anwendbar wäre lediglich Art. 97 Abs. 4 PBG, der
wohl nicht nur dann zum Tragen kommt, wenn Stützmauern und Böschungen an die
Grenze gestellt werden, sondern auch dann, wenn der kommunal festgesetzte
Grenzabstand unterschritten wird. Indessen liegt die Zustimmung der
Beschwerdeführerin zur erstellten Stützmauer nicht vor. Die Angelegenheit ist deshalb
nach dem früheren Baugesetz und dem geltenden Baureglement der
Beschwerdebeteiligten zu beurteilen.
Art. 56 BauG enthielt die kantonalen Vorschriften zum Grenzabstand von Gebäuden.
Für Anlagen – wie sie die vorliegenden Terrainveränderungen samt Stützmauer
darstellen – enthielt das Baugesetz keine Regelung zum Grenzabstand. Massgebend
sind deshalb die Abstandsvorschriften des kommunalen Baureglements (vgl. GVP 1999
Nr. 19; B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 614).
Nach Art. 7 Abs. 3 BauR hat bei Aufschüttungen der Böschungsfuss gegenüber
Grundstücksgrenzen einen Abstand von wenigstens 0,5 Metern einzuhalten. Umstritten
ist, ob auch die Stützmauer zur Sicherung einer Böschung diesen Abstand einhalten
muss. – Die Beschwerdebeteiligte hat die Stützmauer als bewilligungsfähig erachtet,
weil weder das Baugesetz noch ihr Baureglement Höhen- oder
Grenzabstandsvorschriften für Stützmauern enthielten. Die Vorinstanz ist davon
ausgegangen, Art. 7 Abs. 3 BauR regle den Abstand oder die Gestaltung hinterfüllter
Stützmauern nicht. Sinn und Zweck der Vorschrift sei namentlich, das "Abrollen von
Erdmaterial auf das Nachbargrundstück" zu verhindern und den Unterhalt der
Böschung sicherzustellen, was bei hinterfüllten Stützmauern nicht beziehungsweise
weniger notwendig erscheine. Auch die Illustration im Baureglement zu Art. 7 Abs. 3
zeige eine "angeschüttete Böschung". Eine Stützmauer sei aus Sicht des
Nachbargrundstücks kein grösserer Eingriff als eine Böschung im Verhältnis 2:3. Die
Stützmauer habe aus öffentlich-rechtlicher Sicht weder einen Grenzabstand noch eine
Maximalhöhe einzuhalten. – Dieser Auffassung der Beschwerdebeteiligten und der
Vorinstanz steht – was den Grenzabstand anbelangt – die verwaltungsgerichtliche
Rechtsprechung entgegen. Danach ist eine Bestimmung, welche bei Aufschüttungen
einen Grenzabstand festlegt, auch im Fall einer Stützmauer massgebend. Ob eine
Anschüttung ebenerdig oder durch eine Stützmauer begrenzt errichtet wird, spielt
keine Rolle, auch wenn in der Bestimmung vom Grenzabstand des "Böschungsfusses"
die Rede ist (vgl. GVP 1998 Nr. 28). – Überzeugende Gründe, um von dieser rechtlichen
Beurteilung abzuweichen, sind nicht ersichtlich. Die Beeinträchtigungen des
Nachbargrundstücks durch Entzug von Licht, Luft und Besonnung nimmt mit der
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Steilheit einer Böschung zu und erreicht das Maximum mit einer – senkrechten –
Stützmauer. Ob eine Stützmauer auch das "Abrollen von Erdmaterial auf das
Nachbargrundstück" verhindert, hängt von Verlauf und Gestaltung des Terrains
oberhalb der Mauer ab. Verläuft dieses Terrain als Böschung oder Hang, ändert die
Stützmauer nichts an der Möglichkeit, dass Erdreich abrutscht. Stünde die Stützmauer
an der Grenze zum Nachbarstück, käme abgerutschtes Erdreich gezwungenermassen
auf das angrenzende Nachbargrundstück zu liegen. Der Abstand von mindestens 0,5
Metern garantiert deshalb dem Eigentümer des obliegenden Grundstücks, den
Grundstücksunterhalt vornehmen zu können, ohne das untenliegende Grundstück
betreten zu müssen, auch bei einer Stützmauer. Wäre bei Stützmauern nicht nur keine
Maximalhöhe, sondern gegenüber dem untenliegenden Grundstück auch kein
Grenzabstand zu beachten, träfe dessen Eigentümer eine Kumulation von Nachteilen,
nämlich die Möglichkeit, dass der Entzug von Licht, Luft und Besonnung ein Maximum
erreicht und gleichzeitig abrutschendes Erdreich einer allenfalls über der Mauer
liegenden Böschung auf sein Grundstück gelangt, und für den Unterhalt des
obliegenden Grundstücks sein eigenes betreten werden müsste. Dass Aufschüttungen
hinsichtlich Abständen grundsätzlich gleich zu behandeln sind, unabhängig davon, wie
sie technisch realisiert werden, kommt mittlerweile – zu Recht – auch in Art. 97
Abs. 1-4 PBG zum Ausdruck. Begrifflich wird bei den Terrainveränderungen – bezogen
auf den Verlauf des gewachsenen Bodens – zwischen Abgrabungen und
Aufschüttungen unterschieden, wobei letztere technisch als Böschung oder mit einer
Stützmauer realisiert werden können.
Da es sich bei der Auslegung und Anwendung von Art. 7 Abs. 3 BauR um eine
Rechtsfrage handelt, erweist sich eine Auffassung, welche jener der
Beschwerdebeteiligten entgegensteht, auch nicht als Eingriff in die
Gemeindeautonomie (vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 46 Abs. 2 VRP). Dies gilt umso
mehr als die Baukommission der Beschwerdebeteiligten – entgegen der Beurteilung
durch den Gemeinderat – der Auffassung war, die Stützmauer der Beschwerdegegner
halte den von Art. 7 Abs. 3 BauR geforderten Grenzabstand von 0,5 Metern nicht ein
(act. 10/6/29, Ziffer 2 des Protokolls der Sitzung vom 9. April 2018). Am 27. August
2018 lud die Beschwerdebeteiligte die Beschwerdeführerin ein, die Veräusserung eines
Streifens von 0,33 Metern auf der gesamten Länge der Stützmauer an die
Beschwerdegegner zu prüfen (act. 10/6/12, Seite 3). Im Auftrag, den die
Beschwerdebeteiligte im September 2018 zur statischen Überprüfung erteilte, hielt sie
unter dem Titel "Ausgangslage/Auftrag" fest, dass die Stützmauer gemäss
Bauverwaltung X._ nicht reglementskonform erstellt worden sei. Es wurde denn auch
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bereits eine Kostenschätzung eines allfälligen Rückbaus und reglementskonformen
Neubaus der Stützmauer durchgeführt (act. 10/6/18 S. 3 unten, vgl. auch act. 10/6/21
S. 2). Am 9. April 2019 schliesslich schlug die Beschwerdebeteiligte der
Beschwerdeführerin im Hinblick auf eine Einigung vor, "die Zustimmung für die
erstellten Terrainanpassungen auf ihrem Grundstück Nr. 0000_" zu erteilen
(act. 10/6/23). Was die Gemeinde dazu bewogen hat, ihre Meinung zu ändern und die
Stützmauer samt Terrainveränderungen am 3. September 2019 als baurechtskonform
zu bewilligen, ist – wie die Beschwerdeführerin zu Recht geltend macht – nicht
ersichtlich.
Ausmass und Ergebnis
Als Abstand gilt – entsprechend Art. 56 Abs. 1 BauG – die kürzeste Entfernung
zwischen der Aussenfläche der Mauer und der Grundstücksgrenze. In tatsächlicher
Hinsicht ist unbestritten, dass die Stützmauer – unabhängig vom unklaren Verlauf des
Fundaments – gegenüber dem Grundstück der Beschwerdeführerin einen Abstand von
lediglich 0,17 Metern einhält. Die Anschüttung unterhalb der Mauer hält keinerlei
Grenzabstand ein. Die Vorinstanz ist zwar auf die Frage der Anschüttung im
angefochtenen Entscheid nicht eingetreten, so dass die Angelegenheit in diesem Punkt
grundsätzlich zur materiellen Prüfung zurückzuweisen wäre. Indessen erweist sich zum
einen die Begründung des Nichteintretens, die Anschüttung sei bis dahin nicht
Gegenstand des Verfahrens gewesen, als offensichtlich unzutreffend (vgl. act. 10/6/4,
20, 24 und 29). Zum andern handelt es sich nicht um eine Frage der Handhabung des
Ermessens. Deshalb rechtfertigt es sich aus prozessökonomischen Gründen, die
Angelegenheit nicht an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Die von den Beschwerdegegnern realisierte Stützmauer zusammen mit deren
Hinterfüllung und der Anschüttung gegen das Grundstück Nr. 0000_ der
Beschwerdeführerin hält den reglementarisch vorgeschriebenen Grenzabstand von 0,5
Metern nicht ein (Art. 7 Abs. 3 BauR) und ist damit – entgegen der Auffassung der
Beschwerdebeteiligten und der Vorinstanz – nicht bewilligungsfähig. Die
Rechtmässigkeit lässt sich auch nicht mit dem Hinweis auf die früher bestehende
Sicherung des Hanges mit Eisenbahnschwellen begründen. Diese Anlage hielt den
erforderlichen Grenzabstand mit 0,45 Metern nahezu ein (act. 10/6/29 Ziffer 2 des
Protokolls der Baukommission der Beschwerdebeteiligten vom 9. April 2018). Die
Beschwerde ist deshalb gutzuheissen und der angefochtene Entscheid ist aufzuheben.
Die weiteren umstrittenen Fragen – Gestaltung, Höhe und Sicherheit der Mauer,
4.2.2.
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5. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens und des Rekursverfahrens den Beschwerdegegnern
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP; GVP 1999 Nr. 58). Eine Gebühr für den
Beschwerdeentscheid von CHF 2'500 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Die von der
Vorinstanz festgelegte und von keiner Seite beanstandete Gebühr von CHF 3'500 für
den Rekursentscheid liegt innerhalb des vorinstanzlichen Ermessensspielraums, zumal
in der Angelegenheit auch noch ein Augenschein durchgeführt wurde (vgl. Art. 4 der
Verordnung über die Bearbeitung von Rekursverfahren vor den Departementen; sGS
951.11; Ziff. 20.13.01 des Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Der Beschwerdeführerin ist der von ihr im Beschwerdeverfahren geleistete
Kostenvorschuss von CHF 3'500 zurückzuerstatten. Die Vorinstanz ist anzuweisen, der
Beschwerdeführerin den von ihr im Rekursverfahren geleisteten Kostenvorschuss von
CHF 1'800 zurückzuerstatten.
Die obsiegende Beschwerdeführerin hat ihre Anträge im Rekurs- und im
Beschwerdeverfahren unter Kostenfolge gestellt. Ob sie damit eine Entschädigung
ausseramtlicher Kosten beantragt, kann offenbleiben: Sie führte ihre Angelegenheit
selbst und belegt keine besonderen Auslagen. Es könnte ihr deshalb selbst bei
entsprechendem ausdrücklichen Begehren weder die Entschädigung von
Vertretungskosten noch eine Umtriebsentschädigung zugesprochen werden (vgl.
VerwGE B 2020/46 vom 27. September 2020 E. 2 mit Hinweis auf BGer 5A_20/2017
vom 29. November 2017 E. 10 und BGE 110 V 132 E. 4d sowie weitere
verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung). Die im Beschwerdeverfahren berufsmässig
vertretenen Beschwerdegegner stellen ihre Anträge zwar unter Entschädigungsfolge.
Sie unterliegen jedoch und haben deshalb keinen Anspruch auf die Entschädigung
ihrer ausseramtlichen Kosten (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).