Decision ID: 184031ba-9cb4-5362-ba4f-66ebed62907b
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 30.09.2015 Art. 1 OHG und 13 Abs. 1 f OHG. Erweiterung einer Kostengutsprache im Rahmen der juristischen Soforthilfe nach Mobbinghandlungen in der Schule. Opfereigenschaft bejaht. Unter Berücksichtigung besonderer Umstände rechtfertigt sich die Erweiterung der Kostengutsprache (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 30. September 2015, OH 2014/5).Entscheid vom 30. September 2015BesetzungPräsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterinnen Christiane Gallati Schneider und Marie-Theres Rüegg Haltinner; a.o. Gerichtsschreiber Jaison ParampettGeschäftsnr.OH 2014/5ParteienA._,Rekurrentin,vertreten durch B._,dieser vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti,Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,gegenOpferhilfe der Kantone SG/ AI/AR, Teufenerstrasse 11, Postfach, 9001 St. Gallen,Vorinstanz,Gegenstandjuristische Hilfe (Übernahme Anwaltskosten)Sachverhalt
A.
A.a Vor dem Hintergrund einer Mobbingsituation in der Schule ersuchte die davon
betroffene A._, vertreten durch ihren Vater B._, dieser vertreten durch
Rechtsanwalt Marco Bivetti, mit Schreiben vom 11. Juli 2014 bei der Stiftung Opferhilfe
der Kantone SG/AI/AR (Stiftung Opferhilfe) um Erweiterung der Kostengutsprache für
juristische Soforthilfe auf Fr. 2'000.--. Der Rechtsanwalt führte dazu aus, er habe am 4.
Juli 2014 bereits vom Kinderschutzzentrum St. Gallen ([....]) eine Kostengutsprache von
Fr. 1'000.- erhalten. Diese sei jedoch rasch aufgebraucht worden aufgrund der
Komplexität des Sachverhalts und der zahlreichen – vorwiegend telefonischen –
Gespräche mit diversen in dieser Angelegenheit involvierten Fachstellen und Ämtern.
A._ sei sehr verschlossen und habe ihm bisher kaum persönlich von der
Mobbingsituation berichtet. Sie habe sich nun bereit erklärt, mit ihm zu sprechen.
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Dieses Erstgespräch, welches aus verschiedenen Gründen nur an ihrem Wohnort
möglich sei, gehöre seiner Auffassung nach zur juristischen Soforthilfe (act. G5.1/2 und
2a).
A.b Mit Schreiben vom 21. Juli 2014 forderte die Stiftung Opferhilfe den
Rechtsanwalt auf, die Straftat zu beschreiben und allenfalls zu belegen, allfällige
Verfahren und Bemühungen aufzuzeigen und die Notwendigkeit einer anwaltlichen
Vertretung darzulegen (act. G5.1/3). Der Rechtsanwalt antwortete schriftlich am
folgenden Tag, A._ sei im Zeitraum von Januar 2014 bis Frühling 2014 Opfer von
Mobbinghandlungen ihrer Klassenkameraden gewesen, aufgrund deren sie wegen
akuter „Fremdgefährdung“ in die psychiatrische Klinik habe eingewiesen werden
müssen. Aus unklaren Gründen habe sie gegenüber Ärzten, Betreuungspersonen und
Eltern den Grund ihres schlechten Gesundheitszustandes verweigert. Erst nachdem sie
sich 6 Wochen in der Klinik aufgehalten habe, habe einer ihrer Peiniger gegenüber dem
Schulsozialarbeiter sein Schweigen gebrochen und über die Mobbingsituation
berichtet. Ihr Vater sei vom Kinderschutzzentrum St. Gallen an ihn verwiesen worden,
da aus Krankheitsgründen keine Ansprechpersonen verfügbar gewesen seien.
Aufgrund des grossen Informations- und Abklärungsbedürfnisses habe er sodann
zahlreiche Gespräche mit dem Vater, dem Kinderschutzzentrum, der Kinder- und
Jugendpsychiatrischen Dienste St. Gallen (KJPD), der Kinderschutzbehörde und der
Kriseninterventionsgruppe des Schulamts, deren Einschaltung er bewirkt habe, geführt.
Aufgrund der schwierigen gesundheitlichen Situation von A._, welches auch ihre
Familie ausserordentlich belastet habe, sei es nachvollziehbar, dass sie auf
anwaltlichen Beistand im Sinne juristischer Soforthilfe angewiesen gewesen seien. Er
sei bemüht gewesen, die verschiedenen Verfahren und involvierten Stellen zu
koordinieren. Ausserdem habe er die Familie auch hinsichtlich der Einleitung eines
Strafverfahrens und der Geltendmachung von Zivilansprüchen informiert. Ob und
inwieweit ein Strafverfahren Sinn mache, sei aber noch ungewiss. A._ habe sich auch
nach Einleitung der verschiedenen Verfahren verschlossen gezeigt. Mittlerweile habe er
aber die Gelegenheit wahrnehmen können, an ihrem Wohnort mit ihr und ihrer Mutter
zu sprechen (act. G5.1/4).
A.c Mit der Einladung zur Stellungnahme vom 6. August hielt die Stiftung Opferhilfe
fest, es sei noch unklar, ob eine Straftat vorliege. Zudem sehe sie in den vom
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Rechtsanwalt beschriebenen Kontakten mit verschiedenen Ämtern die Notwendigkeit
einer anwaltlichen Vertretung nicht. Falls keine Stellungnahme seitens der
Gesuchstellerin innert 14 Tagen eingehe, werde in dieser Sache eine abweisende
Verfügung erfolgen (act. G5.1/5). Mit Verfügung vom 2. September 2014 wies die
Stiftung Opferhilfe das Gesuch mangels einer Stellungnahme ab (act. G5.1/6). Am
folgenden Tag antwortete der Rechtsanwalt schriftlich, er habe eine Stellungnahme
rechtzeitig per E-Mail abgegeben. Wie er nun aber feststelle, habe die Stiftung
Opferhilfe diese E-Mail möglicherweise nicht erhalten. Er bitte daher, die Angelegenheit
unter Berücksichtigung dieser E-Mail nochmals zu beurteilen (act. G5.1/10).
Gleichentags bestätigte die Opferhilfe St. Gallen, dass sie ihre Verfügung vom 2.
September 2014 zurücknehme und den Antrag neu beurteilen werde (act. G5.1/9). In
der besagten Mail vom 7. August 2014 hielt der Rechtsanwalt fest, das persönliche
Gespräch zwischen ihm und A._, wofür er den Antrag auf Erweiterung der
Kostengutsprache hauptsächlich gestellt habe, habe zwischenzeitlich stattfinden
können. Die Angelegenheit sei sehr delikat und A._ sei in einem ausserordentlich
schlechten psychischen Zustand. Sie sei bis dato nicht in der Lage, eigentliche
Aussagen zum Geschehen zu machen. Sie habe die Ereignisse jedoch teilweise
handschriftlich festgehalten. Es könne neben Ehrverletzungs- und Sexualdelikten auch
eine Körperverletzung im systematischen Vorgehen der Klassenkameraden erblickt
werden. A._ sei in ihrer psychischen Gesundheit derart stark beeinträchtigt worden,
dass sie mehrere Wochen in suizidalem Zustand in der psychiatrischen Klinik D._
habe verbringen müssen. Die Familie E._ sei mit der Situation vollkommen
überfordert und auf seine Unterstützung im Kontakt mit den verschiedenen Ämtern
angewiesen gewesen. Seine Tätigkeit im Rahmen der juristischen Soforthilfe sei nun
abgeschlossen. Die Kosten für eine (allfällige) Vertretung der Familie E._ vor den
Ämtern würden selber getragen werden (act. G5.1/10a).
A.d Mit Verfügung vom 2. Oktober 2014 wies die Stiftung Opferhilfe das Gesuch um
Kostengutsprache ab. Sie begründete die Abweisung damit, dass die geltend
gemachten Sexualdelikte nicht näher umschrieben worden seien und dass
Ehrverletzungsdelikte in der Regel keinen Opferhilfeanspruch begründen würden.
Unabhängig von der Frage, ob Straftaten vorliegen würden, sehe die Stiftung Opferhilfe
die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im Verkehr mit den verschiedenen
Ämtern nicht. Die Kostengutsprache des Kinderschutzzentrums St. Gallen von Fr.
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1'000.-- sei für die erste anwaltliche Abklärung, Abklärung allfälliger
versicherungsrechtlicher Ansprüche und Abklärung von Entschädigungsansprüchen
sowie evtl. für deren Geltendmachung erteilt worden. Bemühungen im Zusammenhang
mit Fachstellen und Ämtern seien darin aber nicht enthalten (act. G5.1/11).
B.
B.a Mit Rekurs vom 20. Oktober 2014 beantragt die Rekurrentin, vertreten durch
ihren Vater B._, dieser vertreten durch Rechtsanwalt Marco Bivetti, die Verfügung
vom 2. Oktober 2014 sei aufzuheben und die beantragte Kostengutsprache sei zu
erteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Der Rechtsanwalt bringt im
Wesentlichen die gleiche Begründung wie in seinen vorherigen Eingaben vor. Die von
ihm erbrachten Leistungen seien dringend notwendig, geboten und verhältnismässig
gewesen. Die extreme Verschlossenheit der Rekurrentin, die krankheitsbedingte
Abwesenheit der Fachmitarbeiterin des Kinderschutzzentrums und nahende
Sommerferien hätten sein zielgerichtetes Handeln gerechtfertigt. Es habe der
Abklärung des Sachverhalts und allfälliger Ansprüche gedient. In Absprache mit den
Eltern, der Jugendstaatsanwaltschaft und der Kriseninterventionsgruppe der Schule sei
vorläufig von einer strafrechtlichen Anzeige abgesehen worden. Die strafrechtliche
Qualifikation der Mobbingvorfälle sei aber ohne entscheidende Bedeutung. Gemäss
den handschriftlichen Ausführungen der Rekurrentin sei sie wiederholt und
systematisch beschimpft, erniedrigt, angegangen und wohl auch sexuell belästigt
worden. Dies habe eine massive Schädigung insbesondere der psychischen Integrität
der Rekurrentin zur Folge gehabt. Die Beeinträchtigung der körperlichen, sexuellen und
psychischen Integrität begründe zweifellos den Anspruch auf Leistungen aus dem
Opferhilfegesetz (act. G1).
B.b Die Vorinstanz beantragt in der Vernehmlassung vom 8. Dezember 2014 die
vollumfängliche Abweisung des Rekurses. Sie hält fest, dass erst im Rekursverfahren
Unterlagen eingereicht worden seien, woraus ein massives Mobbing hervorgehe. Es
könne deshalb davon ausgegangen werden, dass eine opferhilferelevante Straftat
vorliege. Die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im Verkehr mit den
verschiedenen Ämtern stelle sie jedoch weiterhin in Frage. Vorliegend sei es offenbar
darum gegangen, eine Krisenintervention in die Wege zu leiten, weil die Schule nur
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ungenügend auf die Ereignisse reagiert habe. Dies stehe aber nicht mehr im
unmittelbaren Zusammenhang mit der Straftat. Ausserdem sei aus den im
Rekursverfahren eingereichten Unterlagen ersichtlich, dass die Schulgemeinde reagiert
und eine Aussprache in die Wege geleitet habe. Die Reintegration der Rekurrentin in
die Klasse sei erreicht worden. Es sei nicht dargelegt, wieso aus fachlichen Gründen
ein Rechtsanwalt für die Krisenintervention habe beigezogen werden müssen, was
dieser genau unternommen habe und weshalb nicht die Eltern oder eine Opferhilfe-
Beratungsstelle die Krisenintervention hätten beantragen können. Sie seien
grundsätzlich bereit, Bemühungen und erste Abklärungen bezüglich eines
Strafverfahrens zu finanzieren. Aus den Unterlagen sei jedoch nicht ersichtlich,
inwiefern solche Bemühungen und Abklärungen die bereits erfolgte Kostengutssprache
von Fr. 1'000.-- übersteigen würden. Eine weitere Kostengutsprache könne deshalb
nicht erteilt werden (act. G5).
B.c Mit Replik vom 2. Februar 2015 räumt der Rechtsanwalt ein, dass die Familie
der Rekurrentin ihn bezüglich seiner Bemühungen mit der Kinderschutzbehörde
separat zu entschädigen habe; diese würden nicht der Vorinstanz angelastet. Die
Bemühungen würden 2.75 Stunden zuzüglich Reisespesen betragen und seien in der
eingereichten Kostennote aufgelistet. Seine restlichen Bemühungen seien aber in
unmittelbarem Zusammenhang mit den allenfalls strafbaren Handlungen gestanden.
Vorwiegend habe es sich um Abklärungen bezüglich des Sachverhalts und den
Bedürfnissen der Rekurrentin gehandelt, insbesondere auch durch das persönliche
Gespräch vor Ort und der Ingangsetzung der Krisenintervention. Es habe abgeklärt
werden müssen, inwiefern eine Strafanzeige gegen die fehlbaren Mitschüler Sinn
mache oder gar kontraproduktiv sei. Hierfür sei ein intensiver Kontakt mit den
verschiedenen Fachstellen unabdingbar gewesen. Die Schule habe ausserdem erst
nach den Sommerferien und damit nach seiner Intervention reagiert. Die Eltern seien
davor durch die Schulleitung nicht angehört worden. Sofern dieser Sachverhalt
bezweifelt werde, werde eine Befragung der Eltern der Rekurrentin und auch der
Kriseninterventionsgruppe des schulpsychologischen Dienstes des Kantons St. Gallen
beantragt. Im Weiteren sei aus der eingereichten Kostennote ersichtlich, welche
Bemühungen zu Beginn des Verfahrens notwendig gewesen seien. Ebenfalls gehe
daraus klar hervor, dass seine Bemühungen die bereits erteilte Kostengutsprache
durch das Kinderschutzzentrum St. Gallen im Umfang von Fr. 1'299.-- überschreite.
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Die beantragte Kostengutsprache sei im Rahmen der eingereichten Kostennote
abzüglich seiner Bemühungen mit der Kinderschutzbehörde zu erteilen. Die
Bemühungen im Rahmen der bereits erfolgten Kostengutsprache seien ausserdem in
Absprache mit Frau Sutter erfolgt (act. G8)
B.d Mit Duplik vom 9. April 2015 verweist die Vorinstanz im Wesentlichen auf ihre
Ausführungen in der Vernehmlassung. Zusätzlich hält sie fest, dass bezüglich der
Notwendigkeit der einzelnen anwaltlichen Bemühungen noch immer
Informationslücken beständen. Es sei auch bei den Kostenfolgen zu berücksichtigen,
dass erst im Verfahren vor dem Versicherungsgericht wichtige Angaben und
Unterlagen eingebracht und die anwaltlichen Bemühungen nachträglich um 2.75
Stunden zuzüglich Reisespesen reduziert worden seien. Abschliessend hält die
Vorinstanz fest, dass der Entscheid des Versicherungsgerichts für die Beurteilung von
ähnlichen Fällen wegweisend sein werde (act. G12).
B.e Mit Schreiben vom 24. April 2015 hält der Rechtsanwalt fest, es sei nicht davon
auszugehen, dass der Entscheid des Versicherungsgerichts für zukünftige Fälle
wegweisend sein werde, da es sich vorliegend um einen spezifischen Einzelfall handle.
Er sei nicht der Auffassung, dass die Opferhilfe grundsätzlich einen Rechtsanwalt zu
finanzieren habe, der die Eltern gegenüber der Schulbehörde vertrete (act. G14).

Erwägungen
1.
1.1 Opfer im Sinn des Art. 1 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von
Straftaten (OHG; SR 312.5) ist eine Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen,
psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist. Als Straftat
gemäss OHG gilt ein im Sinne des schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR
311.0) tatbestandsmässiges und rechtswidriges Verhalten, unabhängig davon, ob die
Täterin oder der Täter ermittelt worden ist, sich schuldhaft verhalten und vorsätzlich
oder fahrlässig gehandelt hat (Art. 1 Abs. 3 OHG; Dominik Zehntner, in: Kommentar
zum Opferhilfegesetz, Peter Gomm/Dominik Zehntner (Hrsg.), 3. Aufl. Bern 2009, Rz 3
zu Art. 1). Das Gesetz enthält keine Aufzählung, welche Straftaten Anspruch auf
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Opferhilfe begründen. Der strafrechtlichen Qualifikation der Tat kommt denn auch keine
entscheidende Bedeutung zu. Viel wesentlicher ist die Wirkung der Straftat auf das
Opfer und dessen durch das Gesetz geschützte Integrität. Es gilt ein opfer- und nicht
ein täterbezogener Ansatz, was die Subsumtion einer Handlung unter einen
bestimmten Tatbestand zweitrangig erscheinen lässt, solange das Kriterium der
Unmittelbarkeit der Beeinträchtigung der Integrität erfüllt ist. Die Anforderungen an den
Nachweis einer die Opferstellung begründenden Straftat sind je nach dem Zeitpunkt
sowie nach Art und Umfang der beanspruchten Hilfe unterschiedlich hoch. Für die
Gewährung der Soforthilfe genügt es, wenn ein Straftatbestand in Betracht fällt.
Ausschlaggebend für die Beurteilung des Anspruchs ist somit, ob die Opfereigenschaft
glaubhaft gemacht werden kann (Zehntner, a.a.O., Rz 6 zu Art. 1; BGE 125 II 265 E. 2).
1.2 Der Rechtsanwalt macht geltend, die Rekurrentin sei Opfer von
Mobbinghandlungen ihrer Klassenkameraden gewesen. Dies habe zu einer
Beeinträchtigung ihrer psychischen Integrität geführt, sodass sie in die psychiatrische
Klinik habe eingewiesen werden müssen. Nachdem sie zunächst jegliche Aussage
bezüglich der Vorfälle verweigert habe, habe sie sich auch im persönlichen Gespräch
mit ihm an ihrem Wohnort verschlossen gezeigt und habe aufgrund ihrer Verfassung
keine eigentlichen Aussagen zu den Mobbinghandlungen machen können. In den
eingereichten handschriftlichen Notizen der Rekurrentin hält diese fest, wie sie konkret
beschimpft und erniedrigt worden sei. Weiter sei ihr bspw. gesagt worden, sie solle
sich "die Kugel geben" oder ihr Vater sei "so fett, dass er nicht durch die Haustüre
komme". Ausserdem habe man sie "rumgeschubst", ihr "Papierschnipsel" angeworfen,
vor ihr die Schulzimmertüre zugehalten oder ihr auf dem Nachhauseweg den Weg
versperrt. Zudem sei sie von 2 männlichen Schülern sexuell berührt worden (act.
G5.7a). Weitere Angaben zu den Mobbinghandlungen sind aus den Akten nicht
ersichtlich. Die Rekurrentin wurde am 13. März 2014 aufgrund der Schulverweigerung
durch einen Arzt beim KJPD angemeldet und am 10. Mai 2014 per fürsorgerische
Unterbringung zur stationären jugendpsychiatrischen Behandlung in die Klinik D._
eingewiesen. Im Formular zur fürsorgerischen Unterbringung vom 9. Mai 2014 wird
bemerkt, dass eine stationäre Behandlung aufgrund von Suizidalität notwendig sei. Am
17. Juni 2014 wurde die Rekurrentin wieder in die ambulante Behandlung der KJPD
entlassen (act. G1.4; G1.1).
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1.3 Es liegen keine Arztberichte vor, woraus die konkreten psychischen Leiden der
Rekurrentin hervorgehen. Es ist aber aufgrund des hier aufgezeigten Sachverhalts
unbestrittenermassen davon auszugehen, dass mit den Mobbinghandlungen eine
wesentliche Beeinträchtigung der psychischen Integrität der Rekurrentin stattgefunden
hat. Als den Mobbinghandlungen zugrunde liegende Straftatbestände kommen dabei
insbesondere die einfache Körperverletzung nach Art. 123 StGB und die Beschimpfung
nach Art. 177 StGB in Frage. Bezüglich sexueller Handlungen bestehen keine näheren
Hinweise.
1.4 Den objektiven Tatbestand einer einfachen Körperverletzung (Art. 123 StGB)
erfüllt, wer einen Menschen an Körper oder Gesundheit so schädigt, ohne den
Schweregrad einer schweren Körperverletzung (Art. 122 StGB) zu erreichen, wohl aber
denjenigen einer Tätlichkeit (Art. 126 StGB) überschreitet. Dabei umfasst der Begriff der
Gesundheit nicht nur die körperliche, sondern ebenso die geistige Gesundheit. Von
einer Tätlichkeit ist auszugehen, wenn Einwirkungen irgendwelcher Art nur eine
harmlose, binnen Kürze vorübergehende Störung des Wohlbefindens verursachen.
Hingegen handelt es sich um eine Körperverletzung, wenn die Beeinträchtigung, und
sei sie auch bloss vorübergehend, einem eigentlich krankhaften Zustand gleichkommt
(Andreas A. Roth/Anne Berkemeier, N3 ff. zu Art. 123 StGB, in: Niggli/Wiprächtiger
(Hrsg.), Basler Kommentar, Strafrecht II, Basel 2007; Günter Stratenwerth,
Schweizerisches Strafrecht, Besonderer Teil I, Bern 1995, S. 59 f.). Vorliegend war die
Rekurrentin aufgrund ihres psychischen Zustands über mehrere Wochen in stationärer
und ambulanter Behandlung. Die Beeinträchtigung der geistigen Gesundheit kommt
also einem krankhaften Zustand gleich. Es ist somit zumindest glaubhaft gemacht,
dass der objektive Tatbestand einer einfachen Körperverletzung erfüllt ist.
Rechtfertigungsgründe sind nicht ersichtlich.
1.5 Der Beschimpfung (Art. 177 StGB) macht sich strafbar, wer jemanden in anderer
Weise als durch Verleumdung oder üble Nachrede durch Wort, Schrift, Bild, Gebärde
oder Tätlichkeiten in seiner Ehre angreift. Dies kann durch die Äusserung negativer
Werturteile gegenüber dem Betroffenen oder Dritten geschehen (Günter Stratenwerth,
a.a.O., S. 216). Vorliegend wurde die Rekurrentin durch die in Erwägung 1.2
beschriebenen Mobbinghandlungen in ihrer Ehre angegriffen. Die Erfüllung des
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objektiven Tatbestands der Beschimpfung ist damit glaubhaft gemacht.
Rechtfertigungsgründe fehlen.
1.6 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen steht nunmehr unbestrittenermassen
fest, dass der Rekurrentin Opfereigenschaft zukommt. Sie hat somit Anspruch auf
Leistungen nach dem OHG.
2.
2.1 Die Leistungen der Opferhilfe umfassen Beratung und Soforthilfe, längerfristige
Hilfe der Beratungsstellen, Kostenbeiträge für längerfristige Hilfe Dritter,
Entschädigung, Genugtuung und Befreiung von Verfahrenskosten (Art. 2 OHG).
Soforthilfe leisten die Beratungsstellen dem Opfer und seinen Angehörigen für die
dringendsten Bedürfnisse, die als Folge der Straftat entstehen (Art. 13 Abs. 1 OHG). Es
handelt sich somit um Leistungen, die ein Opfer ohne Aufschub benötigt. Massgeblich
ist dabei nicht die zeitliche Nähe zum Ereignis, sondern die Dringlichkeit des Bedarfs
des Opfers. An die Soforthilfe schliesst sich die längerfristige Hilfe an, die bis zu jenem
Zeitpunkt zu erbringen ist, in welchem sich der Gesundheitszustand des Opfers
stabilisiert hat und die weiteren Folgen der Straftat möglichst beseitigt oder
ausgeglichen sind (Zehntner, a.a.O., Rz 1 f. zu Art. 13 mit Hinweisen).
2.2 Gemäss Art. 14 Abs. 1 OHG umfassen die Leistungen der Soforthilfe die
angemessene medizinische, psychologische, soziale, materielle und juristische Hilfe in
der Schweiz, die als Folge der Straftat notwendig geworden ist. Bei Bedarf besorgen
die Beratungsstellen dem Opfer oder seinen Angehörigen eine Notunterkunft. Anspruch
auf juristische Hilfe besteht, wenn das Opfer auf dringliche Hilfe durch juristisch
ausgebildete Fachleute, in der Regel Rechtsanwälte, angewiesen ist. Dies ist
namentlich der Fall, wenn Beweise zu sichern sind, da ansonsten Ansprüche des
Opfers unter Umständen unwiederbringlich verloren gehen, aber auch wenn
Abklärungen bezüglich der Ansprüche gegenüber Privat- und Sozialversicherungen
oder der Einleitung eines Strafverfahrens zu treffen sind, insbesondere wenn Fristen
eingehalten werden müssen. Wird juristische Hilfe benötigt, können die Anwaltskosten
ausschliesslich als Soforthilfe oder längerfristige Hilfe geltend gemacht werden (Art. 19
Abs. 3 OHG i.V.m. Art. 5 der Verordnung über die Hilfe an Opfer von Straftaten [OHV;
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SR 312.51]). Ein Anspruch auf Kostenvergütung besteht dabei gegenüber der
Beratungsstelle. Diese hat unabhängig von anderen Leistungsverpflichteten, die
möglicherweise für Anwaltskosten aufzukommen haben, Kostengutsprache zu leisten,
soweit solche Hilfe erforderlich ist. Diese Kostengutsprache hat den Sinn einer
Ausfallgarantie. Sobald sich der Anwalt mit der Sache befasst, ist er verpflichtet,
andere Kostenträger zu suchen. Auf Grund der Subsidiarität der opferhilferechtlichen
Leistungen (Art. 4 OHG) sind Anwaltskosten nur so lange zu übernehmen, als kein
anderer Leistungsträger gefunden ist (Zehntner, a.a.O., Rz 22 ff. zu Art. 14).
2.3 Der Rechtsanwalt beantragt mit Replik die Erweiterung der bereits erfolgten
Kostengutsprache von Fr. 1'000.-- auf Zusprache der erbrachten Leistungen im
Umfang der eingereichten Kostennote abzüglich der Leistungen im Zusammenhang mit
der Kinderschutzbehörde (act. G8). Er macht geltend, die von ihm erbrachten
Leistungen seien dringend notwendig, geboten und verhältnismässig gewesen. In den
persönlichen und telefonischen Gesprächen mit diversen in dieser Angelegenheit
involvierten Fachstellen und Ämtern sei er bemüht gewesen, die verschiedenen
Verfahren zu koordinieren und den komplexen Sachverhalt abzuklären. Er habe die
Familie auch hinsichtlich der Einleitung eines Strafverfahrens und der Geltendmachung
von Zivilansprüchen informiert. Aufgrund der Verschlossenheit der Rekurrentin habe er
ein längeres persönliches Gespräch mit ihr an ihrem Wohnort führen müssen.
Ausserdem habe er noch vor den Sommerferien bewirkt, dass die Krisenintervention in
der Schule eingeleitet werde. Bezüglich seines Kontakts mit der Kinderschutzbehörde
werde keine Kostengutsprache beantragt, da die Familie diese Kosten übernehme. Die
Vorinstanz macht hingegen geltend, die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung
sei im Verkehr mit den verschiedenen Ämtern, insbesondere bezüglich der
Krisenintervention der Schule, nicht gegeben (act. G5).
2.4 Der Rechtsanwalt hat die Familie E._ im Verkehr mit dem
Kinderschutzzentrum, der Krisenintervention der Schule, der Jugendanwaltschaft und
dem KJPD vertreten bzw. unterstützt. Vorliegend ist zu beachten, dass die Rekurrentin
aufgrund ihres psychischen Zustands kaum ansprechbar war. Dass überhaupt
Mobbingvorfälle in der Schule das psychische Leiden der Rekurrentin verursacht
haben, wurde erst durch ein Geständnis eines an den Mobbinghandlungen beteiligten
Schülers bekannt (act. G5.1/4). Dieser Umstand ist insofern zu berücksichtigen, als der
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Rechtsanwalt den Sachverhalt nicht schon im Gespräch mit der Rekurrentin hat
abklären können, sondern auf die Hilfe von Drittpersonen angewiesen war. So macht er
geltend, der Kontakt mit den verschiedenen Fachstellen und Ämtern sei für die
Sachverhaltsabklärung notwendig gewesen, was in Anbetracht der konkreten
Umstände plausibel erscheint. Die Abklärung des Sachverhalts diente der Abklärung
von rechtlichen Ansprüchen der Rekurrentin und wird entsprechend den Ausführungen
in der Erwägung 2.2 grundsätzlich von der juristischen Soforthilfe erfasst.
2.5 Der Rechtsanwalt gibt weiter an, er sei bemüht gewesen, die verschiedenen
Verfahren und involvierten Stellen zu koordinieren. Welche konkreten Tätigkeiten
hierunter fallen, geht aus den eingereichten Unterlagen nicht ohne Weiteres hervor. Die
Koordination zwischen den Behörden betrifft jedoch nicht die Abklärung des
Sachverhalts. Es sind auch keine weiteren Gründe bezüglich der Koordination
ersichtlich, die auf die Notwendigkeit einer dringlichen anwaltlichen Vertretung
schliessen lassen. Ebenso ist die Notwendigkeit der anwaltlichen Vertretung bezüglich
der Einschaltung der Kriseninterventionsgruppe, wie von der Vorinstanz geltend
gemacht, nicht dargelegt. Indessen ist zu berücksichtigen, dass gemäss den Angaben
des Rechtsanwalts das Kinderschutzzentrum die notwendige Unterstützung aufgrund
von Ferien und Krankheit nicht sofort habe anbieten können. Sie habe den Vater daher
an ihn verwiesen, bevor eine direkte Unterredung habe stattfinden können. Die Familie
E._ sei deshalb auf seine Unterstützung im Kontakt mit den verschiedenen Ämtern
angewiesen gewesen. Er habe sodann die Einschaltung der Kriseninterventionsgruppe
des Schulamts bewirkt (act. G5.1/4; G5.1/10a). Vor seiner Intervention hätten die Eltern
bei der Schulleitung kein Gehör gefunden. Falls dieser Sachverhalt bezweifelt werde,
werde eine Befragung der Eltern und der Kriseninterventionsgruppe beantragt (act. G8).
Die Vorinstanz bestreitet nicht, dass sie bzw. das Kinderschutzzentrum die notwendige
Unterstützung nicht habe anbieten können. Es sind auch keine Anhaltspunkte
ersichtlich, die Zweifel an diesem Sachverhalt aufkommen lassen, weshalb auf eine
Beweisabnahme verzichtet werden kann. Das Kinderschutzzentrum hat entsprechend
seinem Auftrag in Art. 12 Abs. 1 OHG die Rekurrentin als Opfer und die Eltern als ihre
Angehörigen zu beraten und hinsichtlich der Wahrnehmung ihrer Rechte zu
unterstützen. Dies bedingt auch die Information und Aufklärung über die Verfahren vor
den verschiedenen Behörden. Angemessen wäre es ebenso gewesen, den Eltern bei
der Einberufung der Kriseninterventionsgruppe unterstützend zur Seite zu stehen,
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insbesondere auch hinsichtlich der geltend gemachten Schwierigkeit, Gehör bei der
Schulleitung zu finden. Diesen Aufgaben im Sinne der Soforthilfe ist das
Kinderschutzzentrum nicht direkt, sondern unter Verweis auf eine Drittperson, nämlich
den Rechtsanwalt, nachgekommen. Bezüglich dieser Tätigkeiten hat der Rechtsanwalt
somit Aufgaben des Kinderschutzzentrums wahrgenommen, die aufgrund von ferien-
und krankheitsbedingter Abwesenheiten vom Kinderschutzzentrum nicht direkt
wahrgenommen werden konnten. Vor diesem Hintergrund rechtfertigen sich die
Tätigkeiten des Rechtsanwalts im Rahmen der - nicht juristischen - Soforthilfe
bezüglich der Einberufung der Kriseninterventionsgruppe und der anfänglichen
Koordination der verschiedenen Verfahren und involvierten Stellen.
2.6 Aus der eingereichten Kostennote gehen für die Tätigkeiten des Rechtsanwalts
Kosten in der Gesamthöhe von Fr. 2'908.20 (13.1 Std. à Fr. 200.-- zuzüglich Fr. 288.20
Barauslagen) hervor (act. G1.13). Gemäss Replik vom 2. Februar 2015 werden die
Kosten für den Kontakt mit der Kinderschutzbehörde (2.75 Std. à Fr. 200.-- zuzüglich
Fr. 85.-- Reisespesen, total Fr. 635.--) von der Familie E._ getragen und können
daher von der in der Kostennote aufgeführten Gesamtkosten abgezogen werden (act.
G8). Abzüglich dieser Kosten von Fr. 635.-- betragen die geltend gemachten
Gesamtkosten demnach Fr. 2'273.20 (inkl. Spesen). Der geltend gemachte
Anwaltsaufwand betrifft die Zeit vom 8. Juli bis 15. Oktober 2014. Er setzt sich
zusammen aus 3.1 Std. für diverse Telefonate und Korrespondenz (Bezeichnung:
"Diverse Tel.", "Tel. Staatsanwaltschaft", "Diverse Korrespondenz" und "Tel.
Behörden"), 6.15 Std. für Besprechungen, Telefonate und Korrespondenz mit dem
Mandanten (Bezeichnung: "Tel. Mandant", "Bespr. mit Mandant", "Korr. Mandant" und
„Mandatsabschluss“), 1.1 Std. für weitere Aufwände (Bezeichnung: „Studium Akten/
Korr.“, „Sachbearbeitung“ und „E-Mails“) und Fr. 203.20.-- für Spesen. Bei einigen
Positionen zu den diversen Telefonaten und Korrespondenzen ist konkret bezeichnet,
mit wem der Kontakt stattgefunden hat (bspw. "Krisenintervention", "[....]", "OH").
Aufgrund des Sachverhalts kann aber davon ausgegangen werden, dass auch die nicht
konkret bezeichneten diversen Telefonate und Korrespondenzen mit Fachstellen und
Ämtern geführt wurden. Gemäss den Ausführungen in den Erwägungen 2.4 und 2.5 ist
der grösste Teil dieser 3.1 Std. für Telefonate und Korrespondenzen mit Fachstellen
und Ämtern durch die Soforthilfe gedeckt. Bei der verrechneten Zeit von 6.15 Std. für
Besprechungen, Telefonate und Korrespondenz mit dem Mandanten muss der
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Umstand Berücksichtigung finden, dass die Besprechungen mit dem Mandanten
aufgrund der Verschlossenheit der Rekurrentin, wie vom Rechtsanwalt geltend
gemacht, über das übliche Mass hinaus Zeit in Anspruch genommen hat. Unter
Würdigung der gesamten Umstände rechtfertigt sich daher eine Kostengutsprache im
beantragten Umfang. Abzüglich der bereits empfangenen Kostengutsprache von Fr.
1‘000.-- hat die Rekurrentin somit Anspruch auf eine Erweiterung der
Kostengutsprache bzw. auf die Übernahme der Anwaltskosten auch im Restbetrag von
Fr. 1'273.20.
3.
3.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der Rekurs gutzuheissen und die
Vorinstanz zu verpflichten, der Rekurrentin zusätzliche Anwaltskosten von Fr. 1'273.20
zu zahlen.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 30 Abs. 1 OHG).
3.3 Die obsiegende Partei hat Anspruch auf Ersatz der Parteikosten (Art. 98 Abs. 2
VRP). Dieser wird vom Versicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar für das Verfahren vor dem
Versicherungsgericht pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (vgl. Art. 22 Abs. 1 lit. b
HonO; sGS 963.75). Der Rechtsanwalt hat keine Kostennote eingereicht, so dass die
Parteientschädigung ermessensweise festzusetzen ist. Nachdem vorliegend von einem
durchschnittlichen Aufwand auszugehen ist, sind die zu ersetzenden Parteikosten für
das Rekursverfahren auf Fr. 2'000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzusetzen. Der Rekurrentin sind aufgrund ihres Obsiegens die Parteikosten von Fr.
2'000.-- vollumfänglich durch die Vorinstanz zu ersetzen. Die nachträgliche Reduktion
der beantragten Kostengutsprache bezüglich der Bemühungen des Rechtsanwalts mit
der Kinderschutzbehörde rechtfertigt keine Herabsetzung der Parteientschädigung.