Decision ID: 876a209a-feb4-5a28-aaca-0c7636d3ab1f
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Januar/Februar 2019 zum Bezug von Ergänzungsleistungen
zu seiner halben Invalidenrente an (EL-act. 74). Die IV-Stelle hatte ihm mit einer
Verfügung vom 14. August 2018 rückwirkend ab 1. Dezember 2014 eine halbe
Invalidenrente zugesprochen (EL-act. 76-3). Am 30. November 2018 war die Ehefrau
des Versicherten in die Schweiz eingereist (EL-act. 82).
A.a.
Die EL-Durchführungsstelle teilte dem Versicherten am 11. Februar 2019 mit (EL-
act. 69), dass sich seine Ehefrau aufgrund der Schadenminderungspflicht mit einem
Erwerbseinkommen an den Lebenshaltungskosten zu beteiligen habe. Weil seine
Ehefrau aktuell keinen oder einen zu geringen Lohn erhalte, sei ihr grundsätzlich ein
hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen. Das hypothetische
Erwerbseinkommen werde nicht angerechnet, sofern seine Ehefrau nachweisen könne,
dass sie auf dem Arbeitsmarkt keine zumutbare Stelle finde. Die EL-
Durchführungsstelle bat den Versicherten um die Beantwortung von einigen Fragen.
Am 28. Februar 2019 gab die Ehefrau des Versicherten an (EL-act. 67-5), dass sie eine
Ausbildung zur Verkäuferin (Lebensmittel) ohne ein Diplom gemacht habe. Gearbeitet
habe sie nie. Seit Dezember 2018 besuche sie einen Intensiv-Deutschkurs. Am
11. Januar 2019 habe sie sich beim RAV angemeldet; am 5. Februar 2019 sei ihr
telefonisch mitgeteilt worden, dass sie keinen (Leistungs-)Anspruch habe. Sie reichte
zwei Absagen auf Bewerbungen vom Januar 2019 ein. Am 29. April 2019 berichtete der
Versicherte (EL-act. 65-3, 65-9), dass seine Ehefrau seit dem 1. April 2019 eine 60%-
A.b.
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Stelle bei B._ habe. Bislang habe sie jedoch weniger als 60% gearbeitet. Er reichte
den Arbeitsvertrag ein, der auf sechs Monate befristet abgeschlossen worden war.
Am 28. Mai 2019 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit (EL-
act. 63), aufgrund des befristeten Arbeitsvertrages bis zum 30. September 2019 werde
sie vorerst kein hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau anrechnen. Sollte das
Arbeitsverhältnis der Ehefrau nicht verlängert werden oder sollte seine Ehefrau danach
in einem Teilzeitpensum angestellt sein, habe sie sich ab August 2019 (für Oktober
2019) um eine Vollzeit- bzw. eine weitere Teilzeitstelle zu bemühen. Das hypothetische
Erwerbseinkommen werde nicht angerechnet, sofern seine Ehefrau trotz ernsthaften,
aktiven und gezielten Arbeitsbemühungen keine Stelle finde. Sie müsse sich pro Monat
mindestens acht Mal schriftlich auf Arbeitsstellen bewerben. Von diesen acht
Bewerbungen müssten mindestens zwei auf ausgeschriebene, tatsächlich freie Stellen
erfolgen. Wichtig sei, dass seine Ehefrau alle Bewerbungen auf dem beiliegenden
Übersichtsblatt notiere. Auf dem Schreiben befand sich oberhalb der
Empfängeradresse ein Vermerk "A-Post Plus". Gleichentags sandte die EL-
Durchführungsstelle dem Versicherten ein zweites Schreiben (EL-act. 64), worin sie ihm
mitteilte, welche Unterlagen sie noch benötigte (unter anderem Lohnabrechnungen der
Ehefrau des Beschwerdeführers für die Monate April und Mai 2019).
A.c.
Der Versicherte reichte am 10. Juni 2019 weitere Unterlagen ein, darunter auch die
Lohnabrechnungen seiner Ehefrau für die Monate April und Mai 2019 (EL-act. 62).
A.d.
Am 19. September 2019 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit
(EL-act. 55), am 28. Mai 2019 habe sie ihn darüber informiert, dass sich seine Ehefrau
ab August 2019 um eine Stelle zu bemühen habe, sofern das Arbeitsverhältnis bei
B._ nicht verlängert werde oder sie weiterhin in einem Teilzeitpensum angestellt sei.
Sofern seine Ehefrau ab Oktober 2019 nicht einem 100%-Pensum nachgehe, seien die
Bewerbungsnachweise der Monate August und September 2019 zuzustellen. Dazu
gehörten: Eine monatliche Übersicht über die getätigten Bewerbungen, alle
Bewerbungsschreiben, die dazugehörigen Stelleninserate, alle Antwortschreiben und
eine Kopie eines vollständigen Bewerbungsdossiers. Sollten sie die
Arbeitsbemühungen (qualitativ und/oder quantitativ) als ungenügend einstufen, müsse
ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet werden.
A.e.
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Mit einer Verfügung vom 20. September 2019 sprach die EL-Durchführungsstelle
dem Versicherten rückwirkend ab 1. Dezember 2014 Ergänzungsleistungen zu (EL-
act. 52). Ab dem 1. Dezember 2018 war die Ehefrau des Versicherten in die
Anspruchsberechnung einbezogen und dem Versicherten war ab 1. April 2019 ein Ein
kommen seiner Ehefrau aus unselbstständiger Tätigkeit angerechnet worden (EL-
act. 41-43).
A.f.
Am 30. September 2019 gab die Ehefrau des Versicherten unter Bezugnahme auf
das Schreiben der EL-Durchführungsstelle vom 19. September 2019 an, dass der
Arbeitsvertrag mit B._ bis zum 30. September 2020 verlängert worden sei. Sie werde
sich bemühen, für die restlichen 40% eine Stelle zu finden. Sie reichte eine Bestätigung
von B._ betreffend die Vertragsverlängerung sowie eine Absage vom 17. September
2019 auf eine Spontanbewerbung ein.
A.g.
Mit einer Verfügung vom 29. Oktober 2019 stellte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen per 31. Oktober 2019 ein (EL-act. 36). Sie hatte bei der
Berechnung der Ergänzungsleistungen ab 1. November 2019 ein hypothetisches
Erwerbseinkommen der Ehefrau des Versicherten in der Höhe von Fr. 46'235.-- statt
dem effektiv erzielten Einkommen von Fr. 18'925.-- angerechnet, woraus ein
Einnahmenüberschuss resultiert hatte. Zur Begründung hielt sie fest, am 28. Mai 2019
habe sie dem Versicherten mitgeteilt, unter welchen Umständen und in welchem
Umfang sich seine Ehefrau zu bewerben habe. Das Arbeitsverhältnis bei B._ sei zwar
im September 2019 bis zum 30. September 2020 verlängert worden. Dabei handle es
sich jedoch nicht um ein 100%-Pensum. Aus ihrem Schreiben (gemeint wohl: vom
28. Mai 2019) sei hervorgegangen, dass sich die Ehefrau in diesem Falle ab August
2019 um eine weitere Teilzeitstelle zu bemühen habe. Arbeitsbemühungen seien
jedoch keine eingereicht worden.
A.h.
Am 28. November 2019 ging ein Übersichtsblatt mit den Arbeitsbemühungen der
Ehefrau des Versicherten für den Monat November 2019 ein (EL-act. 34). Demnach
hatte sich die Ehefrau sechsmal, wovon dreimal schriftlich, beworben. Am
30. Dezember 2019 ging ein Übersichtsblatt mit den Arbeitsbemühungen der Ehefrau
des Versicherten für den Monat Dezember 2019 ein (EL-act. 33). Die Ehefrau hatte sich
sechsmal, wovon zweimal schriftlich, beworben.
A.i.
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Mit einer Verfügung vom 14. Januar 2020 hielt die EL-Durchführungsstelle an der
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens fest (EL-act. 32). Zur
Begründung gab sie an, am 28. November 2019 seien Arbeitsbemühungen eingereicht
worden. Mit einem Schreiben vom 28. Mai 2019 habe sie die Anforderungen an die
Arbeitsbemühungen mitgeteilt. Folgende Punkte seien nicht erfüllt worden: Acht
schriftliche Bewerbungen, wovon zwei Bewerbungen auf tatsächlich freie Stellen zu
erfolgen hätten. Der Versicherte machte am 17. Januar 2020 geltend (EL-act. 31-6), er
habe im November mit dem zuständigen Sachbearbeiter telefoniert und dieser habe
ihm mitgeteilt, dass sechs Bewerbungen pro Monat zu tätigen seien. Wie er (gemeint
wohl: seine Ehefrau) sich bewerben solle (keine persönlichen oder telefonischen
Bewerbungen) und dass zwei Bewerbungen auf tatsächlich freie Stellen erfolgen
müssten, sei nicht besprochen worden. Das Schreiben vom 28. Mai 2019 enthalte
keine Anforderungen betreffend die Arbeitsbemühungen. Er legte eine Kopie des
Schreibens vom 28. Mai 2019 ein, das die Einreichung von weiteren Unterlagen
betroffen hatte. Die EL-Durchführungsstelle bestätigte dem Versicherten am 27. Januar
2020 den Erhalt des Schreibens vom 17. Januar 2020 und teilte mit, dass sie dieses als
Einsprache gegen die Verfügung vom 14. Januar 2020 entgegengenommen habe.
A.j.
Mit einem Entscheid vom 2. April 2020 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache gegen die Verfügung vom 14. Januar 2020 ab (EL-act. 18). Zur Begründung
gab sie an, die EL-Durchführungsstelle habe mit einem Schreiben vom 28. Mai 2019 in
Bezug auf die Arbeitsbemühungen mindestens acht schriftliche Stellenbewerbungen
pro Monat, wobei davon mindestens zwei auf ausgeschriebene, tatsächlich freie
Stellen erfolgen müssten, verlangt. Der Versicherte habe lediglich je sechs
Bewerbungen für die Monate November und Dezember 2019 eingereicht. Aus den
Akten gehe nicht hervor, dass in einem Telefonat eine abweichende Regelung
abgemacht worden wäre. Der Versicherte habe auch nicht vorgebracht, wann und mit
wem dieses Telefonat erfolgt sein solle. Für rechtserzeugende Tatsachen trage
derjenige die Folgen der Beweislosigkeit, der das Recht geltend mache. Dies sei
vorliegend der Versicherte. Demnach habe die EL-Durchführungsstelle zu Recht ein
hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet. Die Verfügung vom 14. Januar 2020
sei nicht zu beanstanden.
A.k.
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B.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhob am 8. April 2020 eine
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 2. April 2020 (act. G 1). Er
beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids. Er
machte geltend, er habe damals mit Herrn C._ von der Abteilung für
Ergänzungsleistungen betreffend das Thema Bewerbungen "wie das genau geht"
gesprochen. Herr C._ habe ihm mitgeteilt, dass er sechs Bewerbungen pro Monat
tätigen solle, also seine Frau, und immer am 28. des Monats sollten die Bewerbungen
"dort" ankommen. Die SVA St. Gallen (gemeint wohl: die EL-Durchführungsstelle,
nachfolgend: Beschwerdegegnerin) "komme immer wieder" mit dem Schreiben vom
28. Mai 2019, dass acht und nicht sechs Bewerbungen pro Monat erforderlich seien
und dass zwei Bewerbungen auf tatsächlich freie Stellen erfolgen müssten. Im
Schreiben vom 28. Mai 2019, das er als Beweis beilege, stehe nicht, wie man sich
bewerben und wie viele Bewerbungen pro Monat man schreiben müsse. Das
beigelegte Schreiben vom 28. Mai 2019 (act. G 1.2) betraf die Einreichung von weiteren
Unterlagen (unter anderem die Lohnabrechnungen der Ehefrau des Beschwerdeführers
für die Monate April und Mai 2019).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 1. Mai 2020 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung verwies sie auf die Erwägungen im
Einspracheentscheid und auf eine Stellungnahme von Herrn C._ vom 28. April 2020.
Herr C._ hatte in einer E-Mail-Korrespondenz mit der zuständigen
Rechtsdienstmitarbeiterin festgehalten, er wisse, dass der Beschwerdeführer bezüglich
des Schreibens vom 28. Mai 2019 (A-Post Plus) angerufen habe. Sie hätten über die
Bewerbungspflicht der Ehefrau gesprochen. Er sei sich aber zu 100% sicher, dass er
ihm nicht mitgeteilt habe, eine andere Anzahl von Bewerbungen als mitgeteilt tätigen zu
müssen. Sie würden die Anforderungen in solchen Fällen stets per A-Post Plus
mitteilen, damit solche Unstimmigkeiten nicht vorkommen sollten. Also vereinbare er
telefonisch keine andere Anzahl an Bewerbungen.
B.b.
In einer Replik vom 3. Juni 2020 liess der nun anwaltlich vertretene Beschwerde
führer folgende Anträge stellen (act. G 9): Die Verfügungen vom 29. Oktober 2019 und
14. Januar 2020 seien aufzuheben; der Einspracheentscheid vom 2. April 2020 sei
B.c.
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aufzuheben; die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, für den Beschwerdeführer ab
1. November 2019 eine Neuberechnung der Ergänzungsleistungen vorzunehmen und
mit Wirkung ab 1. November 2019 und bis auf weiteres allmonatlich
Ergänzungsleistungen auszurichten, wobei diese betragsmässig ohne Aufrechnung
eines hypothetischen Erwerbseinkommens zu berechnen seien. Zur Begründung liess
der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend machen, die Beschwerdegegnerin
berufe sich auf das Schreiben vom 28. Mai 2019 betreffend die Vorgaben für die
Arbeitsbemühungen der Ehefrau des Beschwerdeführers. Richtig sei, dass dem
Beschwerdeführer eine auf den 28. Mai 2019 datierte Postsendung zugestellt worden
sei. Dabei habe es sich jedoch um das Schreiben betreffend die Einreichung gewisser
Lohnabrechnungen und eines Kontoauszuges gehandelt. Das ebenfalls auf den 28. Mai
2019 datierte Schreiben, welches als IV- (recte: EL-) act. 63 in den Akten liege, sei dem
Beschwerdeführer nicht zugestellt worden. Der zuständige Sachbearbeiter Herr C._
habe dem Beschwerdeführer auf dessen telefonische Anfrage, in welchem Umfang
sich seine Ehefrau zu bewerben habe, mitgeteilt, dass insgesamt sechs Bewerbungen
pro Monat notwendig seien. Diese Voraussetzung habe der Beschwerdeführer für die
hier interessierenden Monate November und Dezember 2019 erfüllt.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 11).B.d.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen tätigte am 15. Juni 2021
Abklärungen betreffend den Zustellnachweis des mittels A-Post Plus versandten
Schreibens vom 28. Mai 2019 (EL-act. 63). Die Abklärungen ergaben, dass das
betreffende Schreiben am 29. Mai 2019 an die Adresse des Beschwerdeführers
zugestellt worden war (act. G 12). Das Versicherungsgericht gab den Parteien am
18. Juni 2021 Gelegenheit zur Stellungnahme (act. G 13).
B.e.
Der Beschwerdeführer liess am 6. Juli 2021 geltend machen (act. G 14), das
Couvert, welches das ihm zugestellte, auf den 28. Mai 2019 datierte Schreiben
beinhaltet habe, sei per A-Post Plus spediert worden. Dieses Couvert habe jedoch
gerade nicht das auf den 28. Mai 2019 datierte Schreiben gemäss IV- (recte: EL-)
act. 63 enthalten, sondern das ebenfalls auf den 28. Mai 2019 datierte Schreiben
gemäss IV- (recte: EL-) act. 64. Das Schreiben gemäss IV- (recte: EL-) act. 63 sei
B.f.
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Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 2. April 2020 auf dessen Rechtmässigkeit, weshalb sein
Gegenstand jenem des Einspracheverfahrens entsprechen muss. Im
Einspracheverfahren hat die Beschwerdegegnerin die Verfügung vom 14. Januar 2020
auf deren Rechtmässigkeit überprüft. Diese Verfügung hat das Festhalten an der
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau des
Beschwerdeführers zum Inhalt gehabt, nachdem der Beschwerdeführer am
28. November 2019 Nachweise zu den Arbeitsbemühungen für den Monat November
2019 eingereicht hatte. Mit einer Verfügung vom 29. Oktober 2019 hatte die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer ab 1. November 2019 nämlich ein
hypothetisches Erwerbseinkommen seiner Ehefrau angerechnet. Um die
Rechtmässigkeit des angefochtenen Einspracheentscheids zu überprüfen, ist relevant,
wie die Verfügungen vom 29. Oktober 2019 und vom 14. Januar 2020 zu qualifizieren
sind. Im Folgenden ist daher die Rechtsnatur dieser Verfügungen zu klären.
2.
Die Verfügung vom 29. Oktober 2019 ist als Revisionsverfügung im Sinne von Art. 17
Abs. 2 des Gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG,
SR 830.1) zu qualifizieren, denn mit dieser Verfügung sind die mit einer rechtskräftig
gewordenen Verfügung vom 20. September 2019 (erstmalige Leistungszusprache)
zugesprochenen Ergänzungsleistungen aufgrund einer Sachverhaltsveränderung
entgegen dem darauf befindlichen Vermerk "A-Post Plus" offensichtlich gar nie
versandt respektive ihm nie zugestellt worden.
Die Beschwerdegegnerin hielt am 16. Juli 2021 fest (act. G 16), sie verwende
ausschliesslich unbeschriftete Couverts mit einem Fenster. Auf dem jeweiligen
Schreiben müsse vermerkt werden, ob der Postversand mittels A-Post Plus erfolge.
Nachdem das Schreiben gemäss EL-act. 63 mit A-Post Plus versehen und jenes
gemäss EL-act. 64 nicht, und nachdem der Beschwerdeführer offensichtlich ein
Schreiben mit A-Post Plus erhalten habe, müsse es sich dabei um das Schreiben
gemäss EL-act. 63 gehandelt haben. Das Versenden eines Schreibens mit A-Post Plus
ohne den Vermerk auf dem Schreiben "A-Post Plus" sei nicht möglich.
B.g.
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angepasst respektive eingestellt worden. Die Sachverhaltsveränderung hat darin
bestanden, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers im September 2019 begonnen
hat, sich zu bewerben, da ihr bewusst gewesen sein dürfte, dass sie sich nebst ihrem
60%-Pensum bei B._ um eine weitere Teilzeit- oder eine Vollzeitstelle zu bemühen
hatte. Da der Beschwerdeführer aber auch nach dem Erhalt des Schreibens vom
19. September 2019 (darin hat ihm die Beschwerdegegnerin mitgeteilt, dass er die
Arbeitsbemühungen seiner Ehefrau der Monate August und September 2019
zuzustellen habe, sofern diese ab Oktober 2019 keiner Vollerwerbstätigkeit nachgehe)
nur eine Absage vom 17. September 2019 auf eine Spontanbewerbung eingereicht hat,
hat die Beschwerdegegnerin die Arbeitsbemühungen als ungenügend betrachtet und
dem Beschwerdeführer ab 1. November 2019 ein hypothetisches Erwerbseinkommen
seiner Ehefrau angerechnet. Aufgrund eines Einnahmenüberschusses sind die
Ergänzungsleistungen mit der Revisionsverfügung vom 29. Oktober 2019 eingestellt
worden. Das Einreichen des Übersichtsblatts am 28. November 2019 zu den
Arbeitsbemühungen der Ehefrau im Monat November 2019 kann nur als (formlose)
Neuanmeldung mit einem Gesuch um Wiederausrichtung von Ergänzungsleistungen
qualifiziert werden: Eine Einsprache gegen die Verfügung vom 29. Oktober 2019 kann
es nicht gewesen sein, da insbesondere keine Nachweise der Arbeitsbemühungen der
Monate August und September 2019 nachgereicht worden sind, die eine andere
Beurteilung des Sachverhalts als in der Verfügung vom 29. Oktober 2019 erlaubt
hätten. Ein Verzicht auf die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens ab
1. November 2019 hätte nämlich ausreichende Arbeitsbemühungen im September
2019 vorausgesetzt, denn wären die Arbeitsbemühungen erfolgreich gewesen, hätte
die Beschwerdeführerin am 1. Oktober 2019 eine Stelle antreten können und Ende
Oktober 2019 einen Lohn ausbezahlt erhalten, mit dem sie ab 1. November 2019 zur
Deckung des Existenzbedarfs beigetragen hätte. Mit derselben Begründung fällt auch
ein Gesuch um Widerruf der Verfügung vom 29. Oktober 2019 ausser Betracht. Die
Verfügung vom 14. Januar 2020 kann deshalb einzig so interpretiert werden, dass die
Beschwerdegegnerin damit eine Neuanmeldung mit einem Gesuch um
Wiederausrichtung von Ergänzungsleistungen abgewiesen hat. Die
Beschwerdegegnerin ist aber offensichtlich nicht von einer Neuanmeldung
ausgegangen, denn sonst hätte sie den Beschwerdeführer aufgefordert, ein
Anmeldeformular auszufüllen und sie hätte den Anspruch auf Ergänzungsleistungen
umfassend geprüft. Da die Beschwerdegegnerin weder das Anmeldeformular hat
ausfüllen lassen noch den Anspruch auf Ergänzungsleistungen ab 1. November 2019
umfassend geprüft hat (vgl. Art. 12 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen
zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, ELG, SR 831.30, laut dem der
Anspruch auf jährliche Ergänzungsleistungen ab dem Beginn des Monats besteht, in
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dem die Anmeldung eingereicht worden ist, sofern sämtliche gesetzlichen
Voraussetzungen erfüllt sind) und auch im angefochtenen Einspracheentscheid nicht
von einer Neuanmeldung ausgegangen ist, hat sie im Ergebnis ihre Abklärungspflicht
gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG verletzt. Der angefochtene Einspracheentscheid vom
2. April 2020 beruht also auf einem Sachverhalt, der nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist. Er erweist sich deshalb
als rechtswidrig und ist aufzuheben. Die Sache ist zur umfassenden Prüfung des
Anspruchs des Beschwerdeführers auf Ergänzungsleistungen ab 1. November 2019 an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat unter anderem die Aufhebung der
Verfügung vom 29. Oktober 2019 beantragt. Gegen diese Verfügung ist aber keine
Einsprache erhoben worden (vgl. E. 2), weshalb sie in formelle Rechtskraft erwachsen
ist. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 2. April 2020 hat nur die Überprüfung
der Rechtmässigkeit der Verfügung vom 14. Januar 2020 zum Gegenstand gehabt.
Mangels eines Anfechtungsobjekts in der Form eines Einspracheentscheids ist auf die
Beschwerde betreffend die Aufhebung der Verfügung vom 29. Oktober 2019 nicht
einzutreten.
4.
Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist. Die
Sache ist zur Behandlung der (formlosen) Neuanmeldung vom 28. November 2019 an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
Das Beschwerdeverfahren ist gemäss der nach Art. 82a ATSG anwendbaren, bis
zum 31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung von Art. 61 lit. a ATSG kostenlos.
5.1.
Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Praxisgemäss ist die
Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren Abklärung als volles Obsiegen des
Beschwerdeführers zu werten (vgl. BGE 132 V 235, E. 6.1). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO, sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis
5.2.
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