Decision ID: 41698bd1-fd66-5319-8ef3-76f5177b45cc
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968
,
Mutter von zwei Kindern (geboren 1995 und 1997),
absolvierte eine Bürolehre und
arbeitete
bis zur Geburt
ihres
ersten
Kindes
zumeist als Sekretärin
bei verschiedenen Arbeitgebern
. Hernach war sie Hausfrau und Mutter.
2006 wurde die Ehe der Versicherten geschieden (
Urk.
7/3).
Nach einer teilzeitlichen Tätigkeit als Aushilfsverkäuferin sowie als Haushaltshilfe
in den Jahren 2008 und 2009 arbeitete
die Versicherte
von Januar bis Mai 2011
vollzeitlich als Arztse
kretärin im Spital
Y._
. Seither geht sie keiner Erwerbs
tätigkeit mehr nach
(vgl.
Urk.
7/41,
Urk.
7/62).
Unter Hinweis auf
psychische B
eschwerden
sowie Probleme mit Alkohol und Drogen
meldete sich
die Versicherte am
7.
Dezember 2014
bei der Invaliden
ver
sicherun
g zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/10
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die berufliche
und erwerbliche Situation ab und
holte
bei
m Universitätsspital
Z._
, Klinik und Poliklinik für Innere
Medizin,
ein
internistisch-psychiatrisches
Gutachten ein, das a
m
1
1.
Oktober 2
016 erstattet wurde (
Urk.
7/61
).
Nach Eingang weiterer Berichte
holte die IV-Stelle
ein
psychiatrisch-neuropsychologisch
es
Gutachten ein, das am 1
8.
November 2018 und am 1
4.
Dezember 2018
durch Dipl.-Psych. Dipl.-Inf.-Wiss.
A._
, Fachpsychologe für Neuropsychologie und für Verkehrspsychologie, und durch
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erstattet
wurde (
Urk.
7
/112,
Urk.
7
/118)
.
Nach durchgeführt
em
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/128
;
Urk.
7/129,
Urk.
7/131) verneinte
di
e IV-Stelle mit Verfügung vom 2
1.
Juni 2019 (
Urk.
7/139 =
Urk.
2)
ei
nen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 2
0.
August 2019
Beschw
erde gegen die Verfügung vom 2
1.
Juni 2019
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
,
und es sei
ihr
mit Wirkung ab sechs Monaten nach der Anmeldung eine Rente der Invalidenver
sicherung zuzusprechen. E
ventuell sei
die Sache zu einer ergänzenden polydis
zi
plinären Begutachtung und anschliessendem Neuentscheid an die IV-Stelle zu
rückzuweisen
(
Urk.
1 S. 2
Mitte
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
7.
September 2019 (
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
1.
Okto
ber 2019
zur Kenntnis gebra
cht (
Urk.
8
).
Mit Gerichtsverfügung vom
1
9.
November 2019
wurd
e antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 2 unten
) die unentgeltliche Prozessführung
und Rechtsvertretung bewilligt und es wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet
(
Urk.
9)
.
Die Beschwerde
füh
rerin hielt m
it Replik vom 1
1.
Februar 2020 an ihren
Anträgen fest (
Urk.
12
S. 2 oben).
Die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom 1
7.
März 2020 an ih
rem Antrag fest (
Urk.
14 S. 2), was
der Beschwerdeführerin am 2
3.
März 2020 zur
Kenntnis gebracht
wurde
(
Urk.
15). A
m 2
3.
April 2020
re
ichte die Beschwerde
führerin eine
Zusammenstellung des anwaltlichen Aufwands
(
Urk.
17) ein
und nahm kurz Stellung zur Duplik
(
Urk.
16
)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Nach bisheriger und langjähriger höchstrichterlicher Rechtsprechung führten Suchterkrankungen als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Sie wurden im Rahmen der Invalidenversicherung erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt haben, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender, Gesundheitsschaden eingetre
ten war, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesund
heitsschadens waren, dem Krankheitswert zukam. Ein invalidisierender psychi
scher Gesundheitsschaden fehlte demgegenüber, wo in der Begutachtung im Wes
entlichen nur Befunde erhoben wurden, welche in der Sucht ihre hinreichende Erklärung fanden (Hinweise zur bisherigen Rechtsprechung
in BGE 145 V 215
E. 4.1).
Diese bisherige Rechtsprechung änderte das Bundesgericht mit
BGE 145 V 215
dahingehend, dass - fachärztlich einwandfrei diagnostizierten
–
Abhängig
keits
syn
dromen beziehungsweise Substanzkonsumstörungen nicht zum vornhe
rein jede invalidenversicherungsrechtliche Releva
nz abgesprochen werden kann (E.
5.3.3), sondern diese vielmehr als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische) Gesundheitsschäden in Betracht fallen (E.
6).
Gemäss BGE 143 V 418 E. 6 f. ist die Frage nach den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen auf das funktionelle Leistungsvermögen grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beantworten. Hierzu gehören nach dem oben Ausgeführten auch Abhängig
keits
syndrome (E. 6.2).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens kann und muss insbesondere dem Schweregrad der Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden. Diesem kommt nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil bei Abhängig
keitserkrankungen - wie auch bei anderen psychischen Störungen - oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psychosozialen und sozio
kul
turellen Faktoren vorliegt. Letztere sind selbstverständlich auch bei Abhängig
keitserkrankungen auszuklammern, wenn sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen (vgl. bezüglich der Depressionen BGE 143 V 409 ff. E. 4.5.2). Eine krank
heitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psycho
soziale oder soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (E. 6.3).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
unter Hinweis auf
ein
primäres Suchtgeschehen
und das Fehlen we
itere
r
eigenständige
r
Diag
nosen
. Eine polydis
ziplinäre Begutachtung
erachtete sie nicht als notwendig,
ebensowenig
sei
die
Qualifika
tion
weiter abzuklären (S. 2 oben).
2.2
D
agegen machte d
ie Beschwerdeführerin
in ihrer Beschwerde
(
Urk.
1)
gelten
d
,
aufgrund der
langen Dauer der Suchterkrankung an ble
ibenden somatischen
Erkrankungen an
der
Leber und
am
Gehirn zu leiden, weshalb
bereits nach der
frü
heren Rechtsprechung
von einem Leistungsanspruch auszugehen sei (S. 6
lit
. c
)
.
G
emäss ihrem behandelnden Psychiater
habe die Suchterkrankung
auch zu psy
chischen
Erkrankungen geführt
(S. 6 f.
lit
. d
)
.
B
ereits aus somatischen
Gründen
sei
gestützt auf das Gutachten aus dem Jahr 2016 von einer
Arbeitsunfähigkeit
von mindestens 50
%
selbst in einer angepassten Tätigkeit
auszugehen
(S. 7
lit
. a
)
.
Da seit 2016
schon viel Zeit vergangen
sei
und
ihr behandelnder Psychiater die Auswirkungen der Suchterkrankung auf die psychische Gesundheit und die Arbeitsfähigkeit
diametral anders
einschätze als die
anderen
Psychiater, sei zu prüfen, ob der Sachverhalt
psychiatrisch genügend
abgeklärt sei (S. 7 f.
lit
. b).
I
hre Begutachtung in betrunkenem Zustand
durch
Dr.
B._
im Jahr 2018
sei
leitlinienwidrig und ungenügend.
Der
Gutachter
habe sich
gar kein Urteil
bilden können
zum über das reine Suchtgeschehen hinausgehenden Beschwerdebild
(S.
8 f.
lit
. c-e
).
Ihr behandelnder Psychiater
habe auch während
der Phasen der
Abstinenz die Arbeitsfähigkeit
erheblich einschränkende Befunde erheben können
(S. 9
lit
. f
)
. Eine polydiszipli
näre Begutachtung sei angezeigt
,
insbesondere
auch
bezüglich der Aus
wirkungen der
somatische
n Erkrankungen
. Abzuklären sei ins
besondere au
ch, worauf die nach wie vor
vorhandene ausserordentliche Müdig
kei
t beruhe (S. 10
lit
. g-h
).
Zumindest sei
die
Sache auc
h zu ergänzender Abklä
rung im Sinne
der neu
sten Rechtsprechung zurückzuweisen
(S. 10 f.
Ziff.
3)
. Im Übrigen wäre sie als zu 100
%
Erwerbstätige zu qualifizieren
(S. 11
Ziff.
4)
.
2.3
In der Vernehmlassung (
Urk.
6)
erwog die Beschwerdegegnerin,
weder im psy
chiatrischen Teilgutachten aus dem Jahr 2016 noch im neuropsychologischen Teilgutachten aus dem Jahr 2018 seien Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt worden (S. 2
Ziff.
2-3).
Dr.
B._
habe
im Jahr 2018 vor dem Hintergrund der damals geltenden Rechtsprechung betreffend Suchter
krankungen
keine Arbeitsfähigkeits
beurteilung vorgenommen. Sein
Gut
achten genüge aber den Anfor
derungen, um eine Prüfung der Standardindikatoren
im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens
vorzunehmen
und eine relevante
Arbeitsunfähigkeit im invalidenversicherungsr
echtlichen Sinne
– aus näher dargelegten Gründen (S. 2 ff.
Ziff.
5-6) -
zu
verneinen (S. 2
Ziff.
4).
2.4
Replikweise
(Urk.12)
hielt die Beschwerdeführerin daran fest, dass die Sache
eventualiter
zur er
gänzenden
polydisziplinären
Abkl
ä
r
ung im Sinne der neusten Rech
t
spr
e
c
h
ung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei
(S. 3 unten),
auch
weil das Gut
a
chten von
Dr.
B._
aus den bereits dargelegten Gründen
nicht
beweistauglich sei
(S. 3 Mitte
, vgl. auch S. 4
) und die somatischen Beschwer
d
e
bilder letztmal
s 2016 begutachtet worden seien (S. 4 oben).
2.5
Dem hielt die Beschwerdegegnerin in der
Duplik (
Urk.
14)
entgegen,
Dr.
B._
habe die Interaktionsfähigkeit der Beschwerdeführerin für ausreichend befunden, um eine Begutachtung durchzuführen. Abgesehen davon w
äre bezügl
i
c
h Sucht
mittelabhängigkeit nicht auf ein Leiden von e
rheblichem Schweregrad zu schliessen, wenn die Beschwerdeführer
in
der Aufforderung, sich in nüchternem Zustand begutachten zu lassen, nachkäme und mithin zur Abstinenz fähig wäre.
2.6
In ihrer Eingabe vom 2
3.
April 2020 (
Urk.
16) wandte die Beschwerdeführerin ein, aus dem Umstand, dass eine Person nüchtern zur Begutachtung erscheinen könne, könne keineswegs geschlossen werden, dass sie auch zu einer dauerhaften Abstinenz fähig wäre.
Aus
ihrem Antrag auf eine erneute Begutachtung in nüch
ternem Zustand
dürften zudem keine
Schlüsse auf den Schweregrad des Leid
ens
gezogen werden
.
3.
3.1
In ihrem Bericht vom 1
1.
Mai 2015 über die am
9.
April 201
5
durchgeführte Tes
tung zur Abklärung
des kognitiven Leistungsniveaus (
Urk.
7/40)
führte
Dr.
phil. C._, p
sychiatrische
K
linik
D._
, Zentrum für Abhän
g
ig
keitserkrankungen,
aus,
in einigen Bereichen
zeige
sich eine
g
ute kognitive Leistungsfähigkeit.
Die Beschwerdeführerin verfüge über eine d
urchschnittliche Intelligenz
und
zeige
durchschnittliche
Leistungen in
der
Konzentration und Auf
merksamkeit. Schwierigkeiten
zeigten
sich
in
den
figuralen Gedächtnisleistungen
, vor allem wenn die zu lernende Information
komplex sei
.
Die e
xekutive
n
Funk
tionen lägen i
m diskret bis leicht reduzierten
Bereich.
Das
Gesamtbild entspreche
den
geschilderten Beschwerden mit Gedächtnisproblemen und
einem
Gefühl der Leere im Kopf.
Die
Arbeitshaltung
sei
aber sehr gut und engagiert
. Die Be
schwer
deführerin habe eine
rasche Auffassungsgabe und
arbeite sehr genau (S. 3 Mitte).
3.2
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberarzt am Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen der
D._
, berichtete am 3
0.
Oktober 20
15
(
Urk.
7/39), die Beschwerdeführerin stehe seit 3
0.
April 2012 mit Unter
brüchen in seiner Behandlung (
Ziff.
1.2).
Es
seien folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zu stellen
(
Ziff.
1.1):
-
Re
stzustand nach langjähriger Drogen- und Alkoholkrankheit mit andau
ernder Persönlichkeitsänderung, depressiver Störung und diskreten Störu
ngen der exekutiven Funktionen (ICD-10 F19.7)
-
c
hronische Hepatitis C, Genotyp 3A, Leberbiopsie: ausgeprägte Fibrose mit beginnendem zirrhotischem Umbau
.
In einer ersten Behandlungsphase vom 2
0.
April 2012 bis 2
8.
Mai 2013 habe die Behandlung einer mittelschweren depressiven Episode
und b
ei der erneuten Behandlung ab
9.
Oktober 2014 eine Alkoholabhängigkeit mit Pegeltrinken im Vordergrund gestanden.
Seit
1.
September 20
15
komme die Beschwerdeführerin
wieder
regelmässig zu Konsultationen und sie habe es auch wieder geschafft, den
Alkoholkonsum aufzugeben
(S. 2 Mitte)
.
Die Beschwerdeführerin
sei im Wesent
lichen
seit Behandlungsbeginn zu
mehr als 80
%
arbeitsunfähig und anamnes
tisch schon seit der Scheidung 2006 in ihrer Arbeitsfähigkeit massiv einge
schränkt (
Ziff.
1.6). Das
Hauptproblem sei
der
Mangel an Energie.
Bis auf weiteres sei die Beschwerdeführerin mit einer Tätigkeit im ersten Arbeit
smarkt überfordert (
Ziff.
1.7).
3.3
3.3
.1
Im Rahmen
der
ersten
von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gege
benen Be
gutachtung
wurde die Beschwerdeführerin
durch
Dr.
med.
F._
, Fach
ärztin für Allgemeine Innere Medizin,
Z._
, Kl
inik und Poliklinik für Innere Medizin,
und
durch
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, untersucht.
Im psychiatrischen
Fachg
utachten
vom 2
7.
Mai und 1
8.
August
2016
(
Urk.
7/61/7-18)
verneinte
Dr.
G._
nach am
1
1.
Mai 2016
erfolgter Untersuchung
(vgl. S. 1
Ziff.
1.2)
das Vorliegen von Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit. Als Diagnose ohne
Einfluss auf
die Arbeitsfähigkei
t nannte er
einen schädlichen
Konsum von multiplen Substanzen
, ICD-10 F19.1 (S. 9
Ziff.
5).
Der Gutachter
führte aus, anlässlich der Untersuchung habe die Beschwer
de
führerin eine reichhaltige Gestik und Mimik gezeigt,
die Mimik habe teilweise als überzeichnet imponiert.
Ermüdungserscheinungen sei
e
n
nicht zum Vorschein gekommen. Die Beschwerdeführerin sei durchgehend selbstsicher und sthenisch aufgetreten. Der Attributionsstil habe als externalisierend imponiert. Die Diskre
panz zwischen diversen auf Nachfragen hin
g
eklagten Defiziten und dem blanden beobachtbaren Teil
des psychopathologischen Befundes werfe die Frage nach dem Vorliegen von
Malingering
auf (S. 8
Ziff.
4.1). Was die Aspekte der Persönlichkeit anbelange,
sei in der Gesamtschau das Vorliegen einer Persönlichkeitsakzen
tuierung aus dem sogenannten B-Cluster (antisozial/histrionisch/nar
zisstisch/
emotional instabil) wahrscheinlich. Dabei handle es sich jedoch um eine erwei
terte Variante der Norm, eine Störung von Krankheitswert werde dadurch nicht konstituiert (S. 9 Mitte). Authentische Funktionsstörungen seien nicht zum Vor
schein gekommen (S. 9
Ziff.
4.2).
D
ie
durch
Dr.
E._
gestellte (psychiatrische) Diagnose (vorstehend E. 3.2)
könne
nicht bestätigt
werd
en.
Zum Vorschein komme ein l
angjähriger Konsum von psychoaktiven Substanzen,
wobei die Angaben der Beschwerdeführerin zur Vor
geschichte
nur teilweise denjenigen im Bericht von
Dr.
E._
entsprächen
.
Ein
gesundheitlicher Schaden durch
den
Konsum
von Kokain, Cannabis und Heroin sei nicht
eindeutig nachweisbar
und auch in der Ätiologie der bestehenden aus
geprägten Fibrose mit beginnendem zirrhotischem Umbau der Leber spiele der
Alkoholüberkonsum
bei bekannter chronischer Hepatitis C keine mo
nokausale Rolle
. Aufgrund der Unvollständigkeit und verminderten Reliabilität der vorlie
genden medizinischen Akten
könne nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob die Beschwerdeführerin jemals eine Episode einer affektiven Erkrankung durchge
macht habe
(S. 10
Ziff.
6.1)
.
Ein Verlust der
psychosozialen Ordnung
mit zunehmender Asozialität
könne weder den Akten noch den Schilderungen der Beschwerdeführerin entnommen werden
(S. 10
Ziff.
6.3). Das von der Beschwerdeführerin dargebotene Bild sei vermindert konsistent
gewesen
mit
vage,
pauschal und defizitorientiert geschil
derten Beschwerden sowie
Diskrepanzen zwischen vorgebracht
en Beschwerden und beobachtbarem Teil des psychopathologischen
Befundes
(S. 11
Ziff.
6.5).
Aus rein psychiatrischer Si
cht bestehe für sämtliche für die Beschwerdeführerin infrage kommende
n
und ihren Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechende
n
Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 12
Ziff.
6.7).
3.3.2
Im
internistischen Gutachten
vom 1
1.
Oktober 2016
(
Urk.
7/61/1-6)
, welches auch eine
abschliessende Konsensbeurteilung der Arbeitsfähigkeit durch beide Teilgutachter sowie den Klinikdirektor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin des
Z._
beinhaltet (vgl. S.
1 Mitte),
nannte
Dr.
F._
nach am
1
1.
April 2016
erfolgter Untersuchung
(vgl. S. 1
Mitte)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5
Ziff.
6.1):
-
chronische Hepatitis C, Genotyp 3A
-
Leberbiopsie mit ausgeprägter Fibrose und beginnendem zirrhotischem Umbau
-
aktuell Therapie mit
Copegus
und
Sovaldi
-
Verdacht auf
Pneumopathie
-
Differentialdiagnose (DD) nach inhalativen Noxen,
Anstrengungs
dis
pnoe
bei Anämie
-
Polyarthralgien unklarer Ä
tiologie
-
DD im Rahmen Hepatitis C, bei Vitamin D Mangel, unspezifisch
.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte sie
einen schädlichen Konsum von multiplen Substanzen (ICD-10 F19.1), einen Vitamin D Mangel sowie eine makrozytäre Anämie (S. 5
Ziff.
6.2).
In der Beurt
eilung (S. 5 f.
Ziff.
7) führte
die Gu
tachter
in
zusammenfassend aus,
a
namnestisch klage
die Beschwerdeführerin vor allem
über
Gelenkbeschwerden und
eine
ausgeprägte Müdigkeit,
welche im Rahmen der zweistündigen Explo
ra
tion nicht abschlies
send
habe
beurteilt werden können
. Allerdings sei eine solche im Rahmen der chronischen Hepatitis C beziehungsweise unter Therapie plausi
bel
.
Diesbezüglich bleibe der Verlauf nach Therapieende abzuwarten.
Sofern die
Polyarthralgien
im Rahmen der chronischen Hepatitis C
zu sehen seien, wäre dies pr
ognostisch
günstig
, sofern die Hepatitis C-Therapie anschlage (S. 6 oben).
I
m zuletzt ausgeübten Beruf als
Arztsekretärin
sei die Beschwerdeführerin
auf
grund
der erhöhten Müdigkeit und der Konzentrationsstörung sowie der nied
ri
gen Belastbarkeit nicht arbeitsfähig
.
In
einer körperlich nicht belastenden
Tätig
keit mit
der
Möglichkeit
zu vermehrten
Pausen
sei
sie
aufgrund der erhöh
ten Müdigkeit,
der
reduzierten
Konzentrationsfähigkeit und
der Gelenkbeschwerden zu
50
%
arbeitsunfähig
. Es sei davon auszu
gehen, dass die Arbeitsunfähigkeit seit mindestens einem
Jahr bestehe.
Eine Neuevaluation sechs Monate nach Abschluss der Therapie mit
Copegus
und
Sovaldi
werde empfohlen (S. 6
Ziff.
7.2-4).
3.4
Dr.
med.
H._
, Facharzt für
Innere Medizin und Gastroen
terologie,
speziell Hepatologie,
berichtete am 2
9.
November 2017
(
Urk.
7/79
),
die Beschwerdefüh
rerin habe auf
die antivirale Behandlung mit
Sovaldi
und
Copegus
mit einer anhaltenden Therapieantwort reagiert und das Virus definitiv eliminiert. Im Rahmen der regelmässigen Nachkontrollen hätten sich bislang keinerlei Hinweis
e für ein
hepatozelläres
Karzinom und/oder eine Dekompensa
tion der Leberzirr
hose ergeben. Die letzte Kontrolle habe am 2
0.
November 2017 stattgefunden. Im diesbezüglichen Bericht vom gleichen Datum (
Urk.
7/83/6-7
) führte
Dr.
H._
aus, bezüglich der
Leber gehe es d
er Beschwerdeführerin
anhaltend gut
(S. 2)
.
Anamnestisch möchte
sie
gerne wieder arbeiten, zumindest zu 50
%
. Aufgrund ihres Alters habe sie aber Schwierigkeiten
,
eine Stelle zu finden.
Dr.
E._
habe
ihr aber auch eine IV-Beren
tung vorgeschlagen (S. 1 unten).
3.5
In
seiner
Stellungnahme vom 2
2.
Februar 2018 (
Urk.
7/125 S. 5-6) führte ein Internist des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD)
der Beschwerdegegnerin aus,
d
ie nicht mehr nachweisbare HCV-RNA auch noch sechs Monate nach Therapie
ende entspreche einer Heilung. Damit sei eine Verbesserung des Gesundheits
zu
standes seit der hepatologischen Stellungnahme von
Dr.
H._
(letzte Kontrolle am
2
0.
November 2017)
ausgewiesen (S. 5 unten)
.
Seither bestehe für angepasste Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 6 Mitte).
3.
6
Am 3
1.
Mai 2018 (
Urk.
7/89) berichtete
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.2)
,
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich
verschlechtert
(
Ziff.
1.1)
.
Zusätzlich zu der von ihm bereits im
Bericht vom 3
0.
Oktober 2015 (vorstehend E. 3.2)
genannten
psychiatrischen Diagnose
diagnostizierte er eine Polytoxi
ko
man
ie, phas
enweiser Konsum, ICD-10 F19.2
(
Ziff.
1.2). Er führte aus, p
hasenweise stehe der Konsum v
on Alkohol und Drogen im Vor
dergrund. Aber gerade auch i
n der langen abstinenten Phase z
eig
t
e
n
sich die Störung der Af
fektivität
(chro
nisch depressive Stimmungslage)
,
der reduzierte
Antrieb und
die
diskrete
n
kogni
tiv
e
n
Einschränkungen.
Auch in den abstinenten Phasen habe die Beschwerde
führerin
Mühe, Ter
mine wahrzunehmen und ihre administrativen Aufgaben zu erledigen. Die
Anpassungsfähigkeit,
die
Belas
tbarkeit und
die
Durchhaltefähig
keit genügten nicht
, um im ersten Arbeitsmarkt funktionieren zu können.
Durch
den
la
ngjährigen
Drogen- und Alkoholk
onsum habe nicht
nur
die Leber bleibenden Schaden genommen,
auch
die
psychische, soziale und b
erufliche Leistungs
fähig
keit
seien schwer beeinträchtigt (
Ziff.
1.3). Als Arztsekretärin sei die Beschwerde
führerin s
eit Behandlungsbeginn im Apr
il 2012
zu
mehr als 80
%
arbeitsunfähig. Im geschützten Rahmen bestehe eine sehr
reduzierte Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.1).
Die e
rfolgreiche
Hepatitis C-
Behandlung
von November 2015 bis Mai 2016
habe leider keine Verbesserung in Bezug auf die chronische Müdigkeit und Energie
losigkeit gebracht. Die Beschwerden hielten an
, obwohl die Beschwerdeführerin
von Sommer 2015 bis Sommer 2017 in einer langen abstinenten Phase keinen Alkohol un
d keine Drogen konsumiert habe (
Ziff.
3.1).
3.7
3.7
.1
Im Rahmen
der zweiten
von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen Be
gutachtung wurde die Beschwerdeführerin durch
den Neuropsychologen
A._
u
nd durch
den Psychiater
Dr.
B._
untersucht.
Im
neuropsychologischen
Teilg
utachten
vom 1
8.
November 2018
(
Urk.
7/112)
führte
A._
(auszugsweise) die
zur Verfügung gestellten Akten (S. 3
Ziff.
2),
die
Angaben der Beschwerdeführerin (S.
3 ff.
Ziff.
3) und die
am
1
4.
August 2018 (vgl. S. 1
Ziff.
1.1) e
rhobenen Befunde
(S. 5 ff.
Ziff.
4)
an
.
Der Gutachter nannte
keine Diagnosen mit und keine Diagnosen ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
. Er
führte aus, insgesamt habe sich entsprechend den für die Testergebnisse angepassten Referenzwerten der relevanten
Einfluss
faktoren (Alter, Geschlecht und Bildung) ein unauffälliges, durchschnittliches kognitives Leistungsprofil ergeben (S. 13
Ziff.
6.1-2). Die basalen kognitiven Leistungen (visuell-
räumlich, räumlich-konstruktiv, Lesen, Rechnen) seien unauf
fällig gewesen. Die Leistungen im Bereich Aufmerksamkeit und Konzentration könnten zusammenfassend als durchschnittlich eingestuft werden. Im Verlauf der vierstündigen Untersuchung hätten sich keine Hinweise auf ein Nachlassen der Belastbarkeit und Konzentrationsfähigkeit gezeigt. Die Lern- und Gedächtnis
leistungen entsprächen einem alters- und bildungsbezogen durchschnittlichen Leistungsvermögen und auch bei den höheren mentalen beziehungsweise kogni
tiven Prozessen, die der Selbstregulation und der zielgerichteten Handlungssteu
erung des Individuums in seiner Umwelt dienten (Exekutivfunktionen), hätten sich keine Auffälligkeiten ergeben (S. 13 f.
Ziff.
7). In den durchgeführten Symp
tomvalidierungsverfahren hätten sich keine Hinweise auf eine bewusstseinsferne Verdeutlichungstendenz ergeben und es hätten auch keine Hinweise auf eine bewusstseinsnahe Aggravation oder auf eine Simulation festgestellt werden könne. Insofern könnten die erbrachten Testleistungen als valide betrachtet werden (S. 14
Ziff.
7.3).
Für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ergäben sich aus neuropsychologischer Sicht keine Hinweise auf eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit (S. 14
Ziff.
8.1).
3.7
.2
Im p
sych
iatrischen
G
utachten
vom 1
4.
Dezember 2018
(
Urk.
7/118/1-27)
führte
Dr.
B._
die vorhandenen Arztberichte (S. 5
Ziff.
2
), die Angaben de
r
Be
schwerdeführerin (S. 6 ff
.
Ziff.
3
) und die am 3
0.
Oktober 2018 (vgl. S. 3 Mitte)
erhobenen Befunde
(S. 13 f.
Ziff.
4
) an
.
A
ls Diagnose (S. 15
Ziff.
6.1)
nannte er
eine
Störung durch multiplen
Substanz
gebrauch und Konsum
sonstiger psychotroper Substanzen, Abhängigk
eitssyn
drom, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F19.24).
Der Gutachter fü
hrte aus, die
gesamte
Untersuchungssituation sei dadurch cha
rak
terisiert
gewesen
, dass
die Beschwerdeführerin
divergierende Angaben
bezüg
lich
Alkohol
und Drogen gemacht habe (S. 6
Ziff.
3.1)
.
Sie sei
alkoholintoxikiert
zur Untersuchung erschienen
und habe auch intensiv nach Marihuana gerochen. Sie sei
jedoch
vollständig einsic
htsfähig und urteilsfähig ge
wesen,
sodass keine Indikation zum Abbruch der Untersuchung bestanden habe
(
S. 6 f.
).
Ihre
Moti
vation
sei sehr gering und die gesamte Kooperation
nur sehr eingeschränkt, d
ie
Interaktionsfähigkeit für
die Durchführung einer Untersuchung
jedoch
aus
rei
c
hend gewesen (S. 13
Ziff.
4.1).
Zum psychiatrischen Befund führte der Gutachter unter anderem aus, es hätten
sich leichte Konzentrationsstörungen sowie Auffassungsstörungen gezeigt, welche
jedoch durch den
vorherigen Alkoholkons
um erklärbar
seien (S. 13
unten
).
In diagnostischer Hinsicht finde
sich weder eine Störung aus dem Formenkreis
F19.7
noch F07.0 oder Unterformen
(S. 16 oben)
.
Bei regelmässiger Zufuhr von Alkohol und Cannabis komme es zu Antriebsstörungen, erhöhter Ermüdbarkeit und sozia
lem Rückzug. Inwieweit
bei der Beschwerdeführerin
Abstinenzphasen dokumen
tier
bar seien, sei unklar. Es benötige jedoch jeweils Erholungsphasen, bis Antrieb und Ermüdbarkeit wieder adäquat seien.
Reduzierter
Antri
eb sei
damit
kein Hin
weis auf eine
dauerhafte Störung
(S. 16 unten)
.
Die zentra
l als problematisch angegebene
Antriebslosigkeit und
Ermüdbarkeit
seien
im
Sinne
der Abhängig
keitserkrankung
zu interpretieren (S. 17 oben).
Von i
r
reversiblen Suchtfolgeschä
digungen sei
nicht auszugehen und es finde
s
ich keine primäre psychiatrische
Symptomatik, die eine sekundäre Sucht definieren lasse
(S.
17
Ziff.
6.4
)
.
Bei der Beschwerdeführerin bestehe keine Krankheitseinsicht. Eine Entwöhnungs- oder Entzugsbehandlung sei nie durchgeführt worden (S.
19
Ziff.
7.2). Der Leidensdruck sei sehr gering.
Über die ambulante Therapie hinaus nehme
sie
keine Therapien wahr (S. 20 oben). Es fänden sich keine dauerhaften kognitiven und affektiven Einschränkungen. Eine organische Persönlichkeitsstörung sei nicht zu diagnostizieren und es finde sich auch keine typische alkoholbedingte Wesens
änderung. Der behandelnde Facharzt verordne auch keine entsprechende medika
mentöse Therapie (S. 20 Mitte).
Es bestehe eine primäre Abhängigkeitserkrankung
.
Die angegebenen
Funktions
ein
schränkungen
seien
durch
die
Abhängigkeitserkrankung nachvollziehbar (S.
20 f.
Ziff.
7.4
).
Unter Ausklammerung der
Abhängigkeitserkra
nkung sei die Beschwerdeführerin sowohl als Arztsekretärin als auch innerhalb der Tätigkeiten, die sie früher aus
geübt habe (Verkauf, allgemeines Sekretariat, Sachbearbeitung)
,
ohne Leistungs
einschränkung voll arbeitsfähig, auch retrospektiv.
Aufgrund der Abhängigkeits
erkrankung sei
sie
einem
regulären Arbeitsplatz nicht
zumutbar, was aber nicht auf
interaktionellen Schwierigkeiten
basiere (S. 22 f.
Ziff.
8.1-2).
3.7
.3
In der Konsensbeurteilung vom 1
4.
Dezember 2018
(
Urk.
7/118/28-39)
nannten die Gutachter als
Diagno
se mit Einfluss auf
die
Arbeitsfähigkeit (S. 5
Ziff.
4.2)
die von
Dr.
B._
genannte
psychiatrische Diagnose (vgl. vorstehend E. 3.7.2)
.
Aus neurologisch-psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin sowohl in der bisherigen als auch einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig, auch retro
spektiv
(S. 7
f.
Ziff.
4.7-8
)
. Als einzige effektive Therapie sei eine langfristige und dauerhafte Abstinenz indiziert (
S. 8
Ziff.
4.10
)
.
3.
8
In seiner Stellungahme vom 2
7.
Februar 2019 (
Urk.
7/124) zum psychiatrischen Teilgutachten vo
n
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.7
.2)
warf
Dr.
E._
(vor
stehend E. 3.2)
die Frage auf, ob eine IV-Begutachtung der intoxikierten und in ihrer Urteilsfähigkeit beeinträchtigten Beschwerdeführerin ethisch vertretbar sei.
Weiter
wies er darauf hin
,
dass
mit der Beschwerdeführerin durchaus auf Absti
nenz
hingearbeitet und auch mehrfach versucht worden sei,
sie
zu einer
statio
näre
n Behandlung zu motivieren
. Nachdem es ihr gelungen sei, im September 2015
einen ambulanten Entzug zu mach
en und dann bis Sommer 2017 praktisch abstinent zu leben, habe sich damals eine stationäre Therapie erübrigt (S. 1 f.).
Es
könne versichert werden, dass die Beschwerdeführerin in den abstinenten Phasen d
u
rchaus Krankheitseinsicht habe
(S.
2 unten).
Das
Gutachten
weise diverse
Ungenauigkeiten
auf,
zum Beispiel auch zur sozialen Situation und
zur
Leis
tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
im Haushalt. Das soziale Netz der Be
schwerdeführerin
bestehe aus wenigen Personen, im Wesentlichen alle mit einer langen Geschichte von Alkohol- und Drogenkonsum. Mit der Unter
stützung des psychisch kranken
, arbeitsunfähigen 23-jährigen Sohnes sei die Beschwerde
f
üh
rerin seit Jahren überfordert und das Zusammenwohnen funktioniere nicht. Am
vormaligen Wohnort habe
sich
die KESB eingeschaltet und die verwahrloste Wohnung geräumt werden müssen (S. 2 f.).
Bei der Beschwerdeführerin b
estehe
eine primäre Suchterkrankung.
Ein blei
ben
der Gesundheits
schaden
sei klar vorhanden.
Nicht nur
die
Leber, sondern
auch
das
Gehirn
hätten
Schaden genommen
. Im Vordergrund
stehe
dabei die
Persön
lich
keitsänderung mit störe
nden Verhaltensauffälligkeiten. Von September 2015 bis Sommer 2017 sei die Beschwerdeführerin weitgehend
abstinent von Alkohol, Kokain und Cannabis gewesen. Von Herbst 2017 bis Sommer 2018 habe sie
noch längere abstinente Per
iod
en gehabt. Seit Herbst 2018 konsumiere sie wieder
prak
tisch durchgehend Alkohol
(S. 3 Mitte). Es habe somit genügend lange abstinente Phasen gegeben, um beurteilen zu können, ob die lange Alkohol-/Drogen
krank
heit zu Folgeschäden geführt habe (S. 3 unten).
Auch ohne kognitive Einschrän
kungen komme es praktisc
h bei allen Patienten mit ei
ner so langen Geschichte von schwerer Alkohol- und
Drogenabhängigkeit und jahre
langer Arbeitsunfähig
keit
zu einer andauernden Persönlichkeitsänder
ung mit störenden Verhaltens
auf
fälligkeiten und
sei a
uch bei
totaler
Abstinenz
eine
erfolgreiche berufliche Eing
liederung in den ersten
Arbeitsmarkt
kaum möglich (S. 4 Mitte)
.
4.
4.1
Ausweislich der medizinischen Akten besteht bei der Beschwerdeführerin eine langjährige Alkohol- und Drogensuchtproblematik, was unbestritten ist.
Seit der
mit BGE 145 V 215
nach Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung ergan
genen
Rechtsprechungsänderung
können
fachärztli
ch einwandfrei diagnosti
zierte
Abhängigkeitssyndrome
als invalidenversicherungsrechtlich beach
tliche ps
ychische Gesundheitsschäden
in Betracht fallen
.
Die Frage nach deren
Aus
wir
kungen auf das funktionelle Leis
tungsvermögen
ist
unter Anwendu
n
g
des struk
turierten Beweisverfahrens zu beantworten
(vgl. vorstehend E. 1.2), wovon die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort zutreffend ausging
und eine ent
sprechende Prüfung vornahm
(vgl. vorstehend E. 2.3)
.
Die vorliegend unter
ande
rem strittige Frage, ob die Suchterkrankung zu somatischen und/oder psychi
sche
n Folgeschäden geführt hat, ist zwar zu prüfen,
von der Bejahung oder Verneinung dieser Frage hängt aber nicht (mehr) ab, ob der Suchterkrankung (mittelbar) invalidenversicherungsrechtliche Relevanz
zukommt oder nicht.
4.2
In somatischer Hinsicht ergibt sich aus den Akten, dass bei der Beschwerde
führerin
2015
eine
chronische Hepatitis C mit ausgeprägter Fibrose und be
gin
nendem zirrhotischem Umbau diagnostiziert worden war (vgl. vorstehend E. 3.2)
. Diese wurde
von November 2015 bis Mai 2016 (vgl. vorstehend E. 3.6) durch
Dr.
H._
medikamentös behandelt
(vgl. vorstehend E. 3.4).
Am 1
1.
April 2016
wurde die Beschwerdeführerin
noch während laufender Therapie
im Rahmen einer
bidisziplinären
Begutachtung
durch
Dr.
F._
internistisch
beurteilt
(vgl. vorstehend E. 3.3.2)
.
Die Gutachterin bestätigte die Hepatitis
C-
Diagnose
sowie die
bioptisch erhobenen
Schäden an der
Leber
und attestierte der Beschwer
de
führerin
im Rahmen der Konsensbeurteilung mit dem psychiatrischen Gutachter
eine volle Arbeitsunfähigkeit als Arztsekretärin und eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
für leidensangepasste Tätigkeiten.
Die attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
wurde
unter Hinweis auf eine
erhöhte Müdigkeit, eine reduzierte
Konzentrations
fähigkeit sowie
Gelenkbeschwerden
begründet
. Im psychiatri
schen
(Teil-)
Gutachten
(vgl. vorstehend E. 3.3.1)
beschrieb
Dr.
G._
die Konzen
trationsfähigk
e
i
t allerdings als intakt (
Urk.
7/6
1
/7-18
S. 9 oben). Damit fanden
in
der Arbeitsfähigkeitsbeu
r
teilung Konzentrationsstörungen
Be
rücksichtigung
,
welche
nicht objektiviert wurden, und
ist
diese
bereits
insofern nicht ohne Weiteres
nachvollziehbar
. Abgesehen davon hielt
Dr.
F._
fest,
sie habe
die von der
Beschwerdeführer
in vor allem g
eklagten Gelenkbeschwerden sowie die ausgeprägte Müdigkeit im Rahmen der zweistündigen Exploration nicht ab
schliessend beurteilen
können. Sie
erachtete dies
e
im Rahmen der chronischen Hepatitis C beziehungsweise unter Therapie
(lediglich) als
plausibel und ging in Bezug auf die Polyarthralgien von einer günstigen Prognose aus, sollte die Hepa
titis C-Therapie anschla
gen.
Gemäss
de
m
Bericht des behandelnden Hepatologen vom November 2017 (vor
stehend E. 3.4) konnte das Virus mittels der eingeleiteten Therapie
, welche bereits
im Mai 2016 (vgl. vorstehend E.
3.6)
oder Juni
2016
(vgl.
Urk.
7/61/3 oben) abgeschlossen war,
definitiv eliminiert werden und ergaben die regelmässigen Nachkontrollen weder Hinweise für ein
hepatozelläres
Karzinom noch für eine Dekompensation der Leberzirrhose.
Dr.
H._
berichtete, bezüglich der Leber gehe es der Bes
chwerdeführerin anhaltend gut. In Bezug auf die
Hepatitis-Infektion ist mithin von einem verbesserten Gesundheitszustand
auszugehen
(vgl. auch die RAD-Stellungnahme vom
2
2.
Februar 2018, vorstehend E. 3.5)
und
war
eine allfällige dadurch bedingte Einschränkung der Arbeitsunfähigkeit bereits nach Beendigung der Therapie im Mai oder Juni 2016 überwiegend wahrscheinlich nicht mehr gegeben.
Die Beschwerdeführerin wollte damals offenbar gerne auch wieder zumindest im Umfang von 50
%
arbeiten, was aber nicht aus gesund
heitlichen Gründen, sondern aufgrund ihres Alters als schwierig beschrieben wurde (vgl. vorstehend E. 3.4).
4.3
Am
1
4.
August 2018 wurde die Beschwerdeführerin
im Rahmen einer
weiteren
bidisziplinären
Begutachtung
durch
A._
neuropsychologisch begut
achtet
(vgl. vorstehend E. 3.7.1).
Dabei wurden i
m Rahmen
einer
vierstündigen Untersuch
u
ng
die
verschiedene
n
Funktionsbereiche umfassend geprüft, die Funk
tionen psychometrisch überprüft und es erfolgte eine Beschwerdevalidierung (vgl.
Urk.
7/112 S. 6 ff.
Ziff.
4.3).
Der
Gutachter
erhob ein durchschnittliches kogni
tives Leistung
sprofil und s
tufte namentlich auch die Leistungen im Bereich der Aufmerksamkeit und der Konzentration als durchschnittlich ein
.
Im Verlauf der Untersuchung zeigten sich keine Hinweise auf ein Nachlassen der Belastbarkeit und der Konzentrationsfähigkeit.
Der Gutachter verneinte das Vorliegen von neu
ropsychologischen Diagnosen mit und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Das Gutachten
erfüllt
alle zu beachtenden Anforderungen
an den Beweiswert einer medizinischen Expertise
(vorstehend E. 1.3)
vollumfänglich
, so dass darauf abzustellen ist. Der Beweiswert des neuropsychologischen
(Teil-)
Gutachtens wurde durch die Beschwerdeführerin denn auch nicht in Frage gestellt.
4.4
S
eit April 2012
steht
die Beschwerdeführerin
im Zentrum für Abhängig
keits
erkrankungen der
D._
bei
Dr.
E._
in Behandlung (vgl. vorstehend E. 3.2). Seiner Beurteilung zufolge bestehen bei der Beschwerdeführerin durch eine lange Alkohol- und Drogenkrankheit bedingte krankheitswertige, die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigende
Folgeschäden nicht nur an der Leber, sondern auch am Gehirn
(vgl. vorstehend E. 3.8)
. Aus psychiatrischer Sicht diagnostizierte er einen
Restzu
stand nach langjährige
r
Drogen- und Alkoholkrankheit mit andauernder Persön
lichkeitsänderung, depressiver Störung und diskreten Störungen der exekutiven Funktionen
,
ICD-10 F19.7 (vgl
. vorstehend E. 3.2, E. 3.6
).
In seinem Bericht
vom 3
1.
Mai 2018
(vorstehend E. 3.6)
diagnostizierte
Dr.
E._
darüber h
inaus eine
Polytoxikomanie, pha
senweiser Konsum, kodiert mit ICD-10 F19.2, was einem Abhängigkeitssyndrom durch multiplen Substanzgebrauch entspricht (vgl. auch
Urk.
7/118/17 Mitte).
Demgegenüber verneinten sowohl
Dr.
G._
im Jahr
2016 (vorstehend E. 3.3.1) als auch
Dr.
B._
im Jahr 2018 (vorstehend E. 3.7.
2) im Rahmen der von der Beschwerdegegnerin veranlassten
bidisziplinären
Begut
achtungen das Vorliegen von sich einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit auswir
kenden psychiatrischen Diagnosen.
4.5
Dr.
G._
setzte sich in seinem auf allseitigen Untersuchungen beruhenden und in Kenntnis der
Vorakten
erstatteten Gutachten vom 2
7.
Mai und 1
8.
August 2016 (vorstehend E. 3.3.1) sorgfältig mit den von der Beschwerdeführerin geklag
ten Beschwerden sowie ihrem Verhalten anläs
slich der Untersuchung
auseinander und
wies auf Diskrepanzen
zwischen den diversen
g
eklag
t
en Defiziten und dem unauffälligen psychopathologischen Befund (vgl. dazu
Urk.
7/61/15 oben)
hin
. Sodann setzte er sich einlässlich mit der Beurteilung durch
Dr.
E._
im Bericht vom 3
0.
Oktober 2015 (vorstehend E. 3.2) auseinander. Er wies darauf hin, dass
darin
ein AMDP-konformer psychopathologischer Befund fehle,
weshalb
unklar
bleibe
, auf welcher Grundlage die Einschätzung des psychopathologischen Bildes und des Schweregrades der Störung erfolgt sei. Die erwähnte anhaltende Persön
lichkeitsveränderung, die Störung von exekutiven Funktionen sowie die depressi
ve
Störung bildeten sich weder in den anamnestischen Angaben noch in den Infor
mationen über die aktuellen Beschwerden und den aktuellen Befund ab
. Ausser
dem bleibe unklar, ob der beobachtbare Teil des psychopathologischen Befundes bei der diagnostischen Einschätzung hinreichend berücksichtigt worden sei, oder die Einschätzung lediglich auf subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin basiere. Die im Bericht von
Dr.
E._
angeführten, nicht operationalisierten Beschreibungen wie «etwas älter wirkende und vom schweren Leben gezeichnete Frau» könnten eher wenig dem Zweck einer präzisen, wissenschaftlich begrün
deten Diagnostik dienen und betonten eher den Umstand, dass bei der Beurteilung vor allem die psychosozialen Umstände sowie die subjektiven Angaben berück
sichtigt worden seien
(
Urk.
7/61 S. 11
Ziff.
6.6
).
Auch d
ie durchgeführte neuro
psychologische Untersuchung
(vgl. vorstehend E. 3.1)
erscheine nur fraglich dien
lich, da eine solche zum einen eine reliable psychiatrische klinische Diagnostik nicht ersetzen könne, und sie zum anderen ohne Berücksichtigung von gültigen Vorgaben durchgeführt worden sei. Insbesondere seien die Ergebnisse nicht auf ihr
e Validität hin geprüft worden.
Mit dieser überzeugenden Begründung stellte
Dr.
G._
nicht nur
das von
Dr.
E._
diagnostizierte
Störungsbild in
Frage, sondern verneinte er auch die Nachvollziehbarkeit der von
Dr.
E._
seit Behandlungsbeginn attestierten Arbeitsunfähigkeit von mehr als 80
%
(vgl.
Urk.
7/61/18 oben).
Nachdem
Dr.
G._
i
m Rahmen seiner Untersuchung keine authentische
n Funktions
störungen erheben konnte,
gelangte
er
zum überzeugenden Schluss, dass bei
der Beschwerdeführer
in
im Zeitpunkt der Begutachtung
(einzig) ein die Arbeits
fähig
keit nicht beeinflussender schädlicher Konsum von multiplen Substanzen
(ICD-10
F
19.1)
bestand
.
4.6
Dr.
B._
diagnostizierte in seinem psychiatrischen
Gutachten vom 1
4.
Deze
m
ber 2018 (vorstehend E. 3.7.2)
eine Störung durch multiplen Substanz
gebrauch und Konsum sonstiger psychotroper Substanzen, Abhängigkeitssyndrom, gegen
wärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F19.24)
.
Eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit verneinte er unter Hinweis auf ein primäres Suchtgeschehen.
Das Gutachten von
Dr.
B._
wurde in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben und der Gutachter setzte sich mit den von der Beschwerdeführerin geklagten Be
schwerden und ihrem Verhalten anlässlich der Untersuchung auseinander. Strittig und zu prüfen ist
vorab
, ob der (unbestrittene) Umstand, dass die Beschwerde
führerin
alkoholintoxikiert
zur Untersuchung bei
Dr.
B._
erschien, die Beweiskraft des Gutachtens schmälert.
Der Gutachter hielt
indes
explizit fest, dass die
Interaktionsfähigkeit der Beschwerdeführerin
ausreichend gewesen und sie vollständig
einsichtsfähig
und
– entgegen dem Einwand durch
Dr.
E._
(
vgl.
vorstehend E. 3.8)
–
auch
urteilsfähig gewesen sei, sodass keine Indikation zum
Abbruch d
er Untersuchung bestanden habe. Dies zeigt, dass sich
Dr.
B._
die Frage nach einem Abbruch der Untersuchung stellte, einen solchen aufgrund des Gesprächsverlaufs jedoch nicht als erforderlich erachtete.
Dieser Entscheid ist als im Rahmen des ihm als Gutachter zusteh
enden Ermessens zu sehen und
steht einem
Abstellen auf das Gutachten nicht entgegen.
Zur diagnostischen Einordnung des Störungsbildes führte
Dr.
B._
unter anderem aus, die Beschwerdeführerin habe selbst unmittelbar vor der Begut
achtung keine Abstinenz bezüglich Marihuana und Alkohol ermöglichen können, was deutlich den Wunsch oder den Zwang zeige, psychotrope Substanzen zu konsumieren, sowie die verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Ende und Menge des Konsums. Ferner finde sich das typische Symptom, dass andere Interessen und Vergnügen vernachlässigt würden und der Substanzkonsum trotz eindeutiger schädlicher Folgen wie zum Beispiel eine
r
Leberschädigung, de
pressive
r Verstimmungen oder der
Verschlechterung kogni
tiver Funktionen auf
tr
ete
(
Urk.
7/118/17 Mitte)
. Damit erweist sich die gestellte Diagnose als anhand der diagnostischen Leitlinien
gemäss ICD-10
nachvollziehbar begründet und ist im Zeitpunkt der Untersuchung
durch
Dr.
B._
von einem fachärztlich ein
wandfrei diagnostizierten Abhängigkeitssyndrom auszugehen.
Die Beschwerdeführerin machte geltend, der Gutachter habe sich ang
esichts
ihres Zustandes gar kein Bild
zu den
über die Sucht hinausgehenden Störungen machen können.
Im Raum
steht
dabei
die
durch
Dr.
E._
beschriebene
Schä
digung des Gehirns im Sinne eines
Restzustand
s
mit
andauernde
r
Persönlich
keitsänderung
mit
s
törenden Ver
h
a
ltensauffällig
k
e
i
t
en
sowie
depressive
r
Störung (vgl. vorstehend
E.
3.2, E.
3.6, E.
3.8
)
.
Vorab ist festzuhalten, dass
bereits
Dr.
G._
im Jahr 2016
ein e
ntsprechendes Störungsbild in nachvollziehbarer Weise verneint hatte (vgl. vorstehend E. 4.5) und es unwahrscheinlich ist, dass nur zwei Ja
hre später von einer durch die
Sucht bedingten Schädigung des Gehirns auszugehen ist,
zumal die
Such
tproblematik bereits
im Zeitpunkt der Begutachtung durch
Dr.
G._
langjährig war. Abgesehen davon setzte sich auch
Dr.
B._
in seinem Gutachten
mit der Beurteilung durch
Dr.
E._
auseinander. Er führte aus, die von
Dr.
E._
mit der Kodierung ICD-10 F19.7 angeführte Diagnose
sei
in der ICD-10
definiert als Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung, welche die Kriterien für eine organische Per
sönlichkeitsstörung F07.0 erfülle (
Urk.
7/118/16 Mitte).
Unter Hinweis auf die fehlenden
Voraussetzungen gemäss den diagnostischen Leitlinien
verneinte
Dr.
B._
in nachvollziehbarer Weise das Vorliegen einer entsprechenden Stö
rung
.
So führte er aus, d
ie Beschwerdeführerin könne zielgerichtete Aktivitäten längerfristig durchhalten. Ausserhalb der intoxikierten Strukturen finde sich
nirgends eine emotionale Labilität dokumentiert.
Bedürfnisse oder Impulse würden
nicht ohne Berücksichtigung von Konsequenzen oder sozialen Konventionen durchgeführt. Es komme nicht zu Misstr
auen oder paranoiden Bedenken oder anderen kognitiven Störungen und auch nicht zu einer exzessiven Beschäftigung
mit bestimmten abstrakten Themen. Es fänden sich keine Veränderung von Spr
ach
produktion oder Redefluss,
Begriffsunschärfen
oder andere formale Denk
stö
rung
en und auch kein verändertes Sexualverhalten
(
Urk.
7/118/17 oben)
.
Be
tref
fend depressive
Symptomatik führte der Gutachter aus, bei der Beschwer
de
füh
rerin bestehe kein sozialer Rückzug. Sie habe angegeben, mit ihrem Freun
deskreis regelmässig zu chatten und wegzugehen. Sie könne für ihren Sohn unter
stützend da sein und alle Tätigkeiten durchführen. Sie gebe weder Traurigkeit noch Ein
schränkungen bezüglich Freudfähigkeit an. Die Antriebslosigkeit und Ermüdbar
keit der Beschwerdeführer
in interpretierte
Dr.
B._
nicht im Rahmen einer Depression, sondern im Rahmen der Suchterkrankung
(
Urk.
7/118/18 oben)
. In diesem Zusammenhang
ist zu
erwähnen
,
dass
Dr.
E._
zwar
v
on eins
c
hlä
gi
gen Symptomen einer depre
ssiven St
ö
rung auch in abstinenten Phasen berichtete (vgl. vorstehend E. 3.6, E. 3.8)
. Allerdings ist unklar
, ob d
ie Abstinenz
je mit geeigneten Methoden
ärztlich überprüft wurde.
Demen
t
sprechend
wies
auch
bereits
Dr.
G._
darauf hin,
Dr.
E._
erwähne nicht, wie genau die Alkoholabstinenz gesichert worden sei und ob und gegebenenfalls wie genau die mit einer Polytoxikomanie vorbeschriebene Beschwerdeführerin andere psycho
aktive Substanzen konsumiert habe (
Urk.
7/61/17
Ziff.
6.6). Desgleichen stellte auch
Dr.
B._
fest,
eine Abstinenz werde nie nachgewiesen oder doku
men
tiert (
Urk.
7/118/16 unten).
Abgesehen davon
war
die Beschwerdeführerin jeden
falls im Zeitpunkt der Begutachtung durch
Dr.
G._
im Jahr 2016
nüchtern
und
konnte der Gutachter
keine depress
ive Symptomatik erheben
.
Vor diesem Hintergrund erweist sich die Beurteilung durch
Dr.
E._
, wonach die von der Beschwerdeführerin geklagte Antriebslosigkeit und Müdigkeit als Symptome der Abhängigkeitser
krankung zu interpretieren seien,
als nachvoll
ziehbar und schlüssig begründet.
Eine somatische Ursache der geklagten Müdig
keit
ist
damit nicht überwiegend wahrscheinlich,
umso mehr, als
die He
p
atitis C erfolgreich behandelt wurde.
Im Übrigen ergibt sich aus den Akten
deutlich,
dass die Beschwerdeführerin psychosozial
schon lange
erheblich belastet
war und
ist, etwa
durch
die Trennung von ihrem Ex-Ehemann, durch
Sorgen um ihren Sohn und die finanzielle Situation
,
durch die Betreuung
ihrer
kranken Mutter
sowie
nicht zuletzt
durch
Gewalterfahrungen in
der
Partnerschaft
(vgl.
Urk.
7/41 S. 4-6
,
Urk.
7/39 S.
2 unten,
Urk.
7/61 S.
3 unten,
Urk.
7/89 S.
2 unten
,
Urk.
7/91
,
Urk.
7/118/7 oben,
Urk.
7/118/9 unten
)
.
In ihrem selbst verfassten Lebenslauf äusserte
sich
die Beschwerdeführerin denn auch bezeichnenderweise
dahin
gehend
, sie stehe heute an dem Punkt, an dem sie eben stehe
,
[...]
,
sie
sei
«
einfach müde
»
(
Urk.
7/41 S. 6 oben).
Bei dieser Sachlage kann in antizipierter
Beweis
würdigung (BGE 134 I 140 E. 5.3)
von
den beschwerdeweise beantragten weiteren Abklärungen
abgesehen werden.
4.7
Nach d
em
Gesagten ist gestützt auf d
ie von der Beschwerdegegnerin eingeholten Gutachten davon auszugehen, dass bei der Beschwerdeführerin
(einzig)
das von
Dr.
B._
diagnostizierte Abhängigkeit
s
syndrom besteht
. D
ie
Frage nach dessen
funktionellen Auswirkungen
auf das Leistungsvermögen
ist
unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens
nach BGE 141 V 281 zu prüfen
(vgl. vor
stehend E. 1.2)
.
Zwar wurde das Gutachten von
Dr.
B._
am 1
4.
Dezember 2018 und damit vor der einschlägigen Rech
tsprechungsänderung erstellt. Das Gutachten
enthält aber Aussagen
zu den bereits mit BGE 141 V 281 e
ingeführten
Standardindikatoren
. Diese sind in der Konsensbeurteilung vom 1
4.
Dezember
2018
(
Urk.
7/118
/28-39)
unter Ziffer 4
.3-6
zusammengefasst wiedergegeben (
S.
5
ff.)
und erlauben
im Kontext mit den weiteren fachärztlichen Berichten
eine
schlüssige Beurteilung im
Lichte der
massgeblichen
Indikatoren
,
sodass
dahin
gehende
weitere medizinische Abklärung
en
nicht angezeigt
sind
.
4.8
Was die festgestellte Gesundheitsschädigung anbelangt, so bezeichneten die Gutachter die Abhängigkeit
in der Konsensbeurteilung (
Urk.
7/118/28-39)
als schwergradig ausgeprägt. Gleichzeitig wiesen sie aber darauf hin, dass
die Be
schwerdeführerin innerhalb der anderen Felder
trotzdem
adäquat agieren
könne
. Sie könne den Haushalt selbständig und auch für ihren Sohn mitführen. Sie könne
waschen, putzen und auch alle anderen Tätigkeiten durchführen. Auch im sozialen Bereich fänden sich keine Einschränkungen. Freunde kämen zu Besuch
und es werde gemeinsam gekocht und gegessen. Organisatorische Aufgaben könne
die Beschwerdeführern selbständig durchführen (S. 5
Ziff.
4.3).
Dem Gutachten von
Dr.
B._
(
Urk.
7
/118/1-27)
ist zu entnehmen, dass die Beschwerde
füh
rerin
entsprechende Aussagen
a
nlässlich der durchge
führten Befragung
gemacht hatte (S. 9 oben, S. 11). Der Gutachter hielt aber auch fest, dass die Be
schwerdeführerin andernorts angegeben habe, nie zu ihren Freunden und fast nie ausser Haus zu
gehen (S
. 8 oben, S. 11 Mitte). Auch wenn die Wahrheit in Bezug auf
die Häufigkeit von
Treffen mit Freunden – anlässlich
der Beg
u
t
achtung durch
Dr.
G._
hatte die Beschwerdeführerin immerhin von einem
Kollegenkreis
von mehr als 10 P
ersonen, die sie regemässig treffe, berichtet
(
Urk.
7/61/11 unten
)
,
– und dem Ausser-Haus-Gehen ir
gendwo in der Mitte liegen dürfte
,
ist aufgrund einer gesamthaften Würdigung der Angaben der Beschwerdeführerin davon aus
zugehen, dass sie trotz Suchterkrankung ein für den Alltag ausreichendes
Funk
tionsniveau aufweist. Abgesehen davon
beschrieb
Dr.
B._
im psychopatho
logischen Befund
trotz Suchtmittelkonsum einzig leichte Konzentrations- und Auffassungsstörungen und dass die Beschwerdeführerin insgesamt weinerlich und eher
affektinkontinent
gewesen sei. Der übrige Befund ist unauffällig (
Urk.
7/118/14 ff.
Ziff.
4.3.2).
Von einem Behandlungserfolg
in Bezug auf die Suchterkrankung
kann nach Lage der Akten insofern nicht gesprochen werden, als die Beschwerdeführerin trotz
der seit dem Jahr 2012
im Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen der
D._
statt
findenden Behandlungen durch
Dr.
E._
mehrfach rückfällig wurde.
Zwar versicherte
Dr.
E._
glaubhaft, dass im Rahmen
dieser
Behandlungen auf eine Abstinenz hingearbeitet
worden sei (vgl. vorstehend E. 3.8). Angesichts der Tat
sache, dass die Beschwerdeführerin trotz mehrfachen Rückfällen bis
lang keiner anderen Therapie
wie beispielsweise einer stationären Entzugstherapie zugeführt wurde beziehungsweise werden konnte, kann jedoch nicht gesagt werden, eine indizierte, lege artis und mit optimaler Kooperation der Beschwerdeführerin durchgeführte Therapie sei definitiv gescheitert und die Prognose daher negativ.
Eine psychiatrische Komorbidität sowi
e körperliche Beglei
terkrankungen sind wie
dargelegt
(vgl. vorstehend E.
4.2-6
) zu verneinen.
Zum Persönlichkeitsaspekt führten die Gutachter in
der Konsensbeurteilung (
Urk.
7/118/28-39)
aus, es fänden sich keine Störungsbilder,
die nicht durch eine entsprechende Intoxikation oder Sucht erklärbar seien (S. 6
Ziff.
4.4).
2016 konnte auch
Dr.
G._
hinsichtlich der Persönlichkeit
keine
krankheits
wer
tige
Störung
erheben. Er ging lediglich vom Vorliegen einer Persönlichkeitsak
zentuierung aus
dem B-Cluster aus und stufte diese als erweitert
e
Variante der Norm ein (vorstehend E. 3.3.1).
Was den sozialen Kontext anbelangt, ist
einerseits
auf die bereits erwähnten (vgl. vorstehend E. 4.6) invaliditätsfremden sozialen Belastungen hinzuweisen, denen die Beschwerdeführerin seit längerer Zeit ausges
etzt ist und die mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit negative funktionelle Folgen zeitigen. Andererseits wiesen die Gutachter
in
der Konsensbeurteilung (
Urk.
7/118/28-39
S. 6
Ziff.
4.5) beziehungsweise
Dr.
B._
in seinem Gutachten (
Urk.
7/118/1-27 S. 20 unten)
auch auf
(mobilisierbare)
Ressourcen
hin. So etwa
den sicheren Bekanntenkreis, welcher unters
tütz
end für die Beschwerdeführerin da sei,
sowie
die psychiatrische Be
treuung dur
c
h
Dr.
E._
. Dass die Beschwerdeführerin zur Nutzung
von Ressourcen fähig ist
, zeige
sich gemäss den Gutachtern etwa darin, dass
die Beschwerdeführerin
ihre Mutter im Altersheim betreu
e
und
sie im Rahmen der errichteten Beistandschaft auch ihren Sohn u
nterstütze
.
Hinsichtlich des Aspektes der Konsistenz fällt
zum einen
der von den Gutach
t
ern
in
der Konsensbeurteilung (
Urk.
7/118/28-39
)
unter Hinweis auf die Vernach
läs
sigung von Therapieoptionen zur Erreichung einer langfristigen und dauer
haf
ten Abstinenz nachvollziehbar verneinte Leidensdruck ins Gewicht
(S. 6
Ziff.
4.6)
.
Medizinische Gründe, die gegen eine Abstinenz sprechen, wurden seitens der Gutachter verneint (S. 8
Ziff.
4.10). Nachdem
Dr.
E._
der Beschwerdeführerin zumindest in den abstinenten Phasen Krankheitseinsicht attestierte (vgl. vor
stehend E. 3.8), kann auch nicht gesagt werden, die Nicht
in
anspruchnahme einer anderen Therapieform sei klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzuführen.
Zum anderen ist aufgrund der Schilderungen der Beschwerdeführerin von einem jedenfalls nicht massgeblich eingeschränkten Aktivitätenniveau im Alltag auszugehen. So gab sie
Dr.
B._
gegenüber an, einen Freundeskreis zu habe
n
und mit ihren Freunden in gutem Kont
akt zu stehen. Man
telefoniere täglich mehr
fach oder tausche Nachrichten aus und besuche sich auch gegenseitig. Ferner habe sie einen sehr guten Kontakt zur Mutter und besu
che sie diese häufig im Altershei
m. Auch kümmere
sie si
ch sehr viel um ihren Sohn, der viel Aufmerksamkeit benötige (
Urk.
7/118/12 Mitte
). Ein sozialer Rückzug ist vo
r
diesem Hintergrund
mit
Dr.
B._
(
vgl. vorstehend E.
3.7.2
) zu verneinen.
4.9
Die
Würdigung der massgeblichen Indikatoren
ergibt, dass im Falle der Beschwer
deführerin
nicht von einer
sich
in inva
lidenver
s
i
cherungsrechtlich releva
nter Weise auf das funktionelle Leistungsvermögen au
swirkenden Suchterkrankung auszugehen ist.
Damit erweist sich der angefochtene
Entscheid als rechtens. Die dagegen erho
bene Beschwerde ist abzuweisen.
5.
5.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des
Bundesgesetz
es
über die Inva
lidenversicherung (IVG)
sind
auf
Fr.
1'000.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.2
Mit Honorarnote vom
2
3.
April 2020 (
Urk.
17
) machte Rechtsanw
ältin Stephanie Schwarz einen Aufwand von 12 Stunden
und 25 Minuten
geltend (
Urk.
17
). Dies ist
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
ange
messen, weshalb ihre Entschädigung unter Berücksichtigung des
gerichtsüb
lichen Stundenansatzes von
Fr.
2
2
0.--
auf
Fr.
3‘030.25
(
in
klusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer)
festzusetzen ist.