Decision ID: 7590d32d-74f3-49fb-ac8e-5aca26046354
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964,
reiste am 12.
September 1994
von Bosnien und Herzegowina
in die Schweiz ein
.
Er
war
hier
hauptsächlich als Hausmann
tätig
und betreute
die beiden 1998
beziehungsweise
2007 geborenen Kinder, während seine Ehefrau einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachging
(Urk. 7/3)
. Zudem war er
ab 2003
teilzeitlich, im Umfang von
rund
neun
Stunden pro Woche
als Zeitungs
austräger
tätig
.
Bei dieser Tätigkeit stürzte er
am 14.
April 2010
und schlug
mit dem Hinterkopf auf; er
war
in der Folge arbeitsunfähig
(
Urk.
7/14/45,
Urk.
7/15
)
.
Der Unfallversicherer des Arbeitgebers, die Schweize
rische Unfallversicherungsanstalt,
Suva
,
stellte mit Verfügung vom 1.
November 2010 ihre Leistungen ab dem 1.
Juni 2010 mangels Vorliegens adäquater Un
fallfolgen ein (Urk.
7/11/4-5).
Am 10.
Februar 2011 meldete
sich
der Versi
cherte
, veranlasst durch den Krankentaggeldversicherer,
wegen psychische
r
Störungen bei der Invalidenversicherung zum Rentenbezug an
(Urk. 7/3)
.
Er legte der Anmeldung Arztberichte bei.
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie,
hatte im Bericht vom 24.
August 2010 festgehalten, es sei wohl von einer posttraumatischen Belastungsstörung (
PTBS;
ICD-10 F43.1)
mit deutlich verzögertem Beginn auszugehen, wobei der Unfall vom 14.
April 2010 die jahrelang weitgehend erfolgreich verdrängten traumatischen
Erfah
rungen
, die der Versicherte in einem Gefangenenlager im Krieg gemacht habe,
mit einer ungewöhnlichen Heftigkeit reaktiviert zu haben scheine
(Urk.
7/
2
/12-
15
).
In der Folge
nahm
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, erwerbliche und medizinische Abklärungen vor (
Urk. 7/9, Urk.
7/13,
Urk.
7/15
, Urk.
7/30
)
.
S
ie
gab
ein polydisziplinäres medizinisches Gutachten beim
Zentrum Z._
in Auftrag
, das
am 1.
Februar 2012 erstattet wurde
(Urk.
7/22
, Urk.
7/26)
. Zudem zog sie die Akten der S
uva bei (Urk.
7/14).
Mit Vorbescheid vom 27.
März 2012 stellte die IV-Stelle eine Abweisung des
Leis
t
ungsbegehrens
in Aussicht (Urk.
7/32). Daraufhin liess der Versicherte Einwand erheben, wobei er
Berichte von behandelnden Ärzten
einreichte
, die sich zum Gutachten
des Zentrums Z._
äusserten
(
Urk.
7/40,
Urk.
7/41). Nach Einholung einer Stel
lungnahme des
Zentrums Z._
durch die IV-Stelle
(Urk.
7/50)
machte
der Versicherte
von der Möglichkeit Gebrauch,
sich unter Beilage
von
Stellungnahmen
der behan
delnden Ärzte
zu dieser
Stellungnahme
des
Zentums
Z._
zu äussern
(Urk.
7/52
, Urk. 7/53). Mit Verfügung vom 14.
Januar 2013 hielt die IV-Stelle
an ihrem Vorbescheid fest (Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Gabriela
Gwerder
,
am 3. Februar 2013 Beschwerde,
mit der
er die
Zusprechung
einer Invalidenrente und eventualiter eine Rückweisung an die Vorinstanz zur
Neu
abklärung
beantragte (Urk. 1). Die IV-Ste
lle schloss am 7. März 2013 auf
Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer am 13. März 2013 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien und eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit beziehungsweise - bei Versicherten, die vor der Beeinträchtigung ihrer Gesundheit nicht erwerbstätig waren - die Unmög
lichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art.
8 Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art.
16 ATSG in Verbindung mit Art.
28a Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
aufgrund eines
Ein
kommensvergleichs
zu bestimmen. Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbs
tätig und daneben im Aufgabenbereich tätig sind, wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art.
28a Abs.
2 IVG festgelegt. Danach wird darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behin
derung in beiden Bereichen zu bemessen (Art.
28a Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art.
4 Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend
objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E.
1.2 mit Hinweisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E.
4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes
eines ärztlichen Gutachtens ist
ent
scheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderli
chen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berück
sichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person aus
einander setzt
was vo
r allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nötig ist
, in Kenntnis der un
d gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
ab
gegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolg
erungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Expert
e oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschwe
ren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E.
5.1; 125 V 351 E.
3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle hielt in der angefochtenen Verfügung vom
14. Januar 2013 insbe
sondere fest, gemäss den
ärztlichen Berichten liege kein
invalidenversiche
rungsrechtlich
relevanter Gesundheitsschaden vor.
Das Gutachten des
Zentrums Z._
vom
1.
Februar 2012
(Urk
. 7/26
) würdige die Beschwerden des Versicherten umfas
send
und die gutachterlichen Schlussfolgerungen liessen sich nachvollziehbar aus den dargelegten Befunden der beteiligten Fachgebiete
ableiten. Es bestehe daher kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 2). Mit der Beschwerdeantwort vom 7. März 2013 wies die IV-Stelle zudem darauf hin, dass das Bundesgericht in einem kürzlich ergangen Entscheid daran festhalte, dass eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) um
invalidenversiche
rungsrechtlich
relevant zu sein mit einer Latenz von wenigen Wochen bis Monaten nach einem traumatischen Ereignis auftreten müsse. Hinzu komme, dass nicht die korrekte diagnostische Einordnung eines Gesundheitsschadens, sondern dessen konkrete Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit entscheidend seien (Urk. 6)
.
2.2
Der Beschwerdeführer liess in der Besch
werde vom 4. Februar 2013 (Urk.
1)
ins
besondere vorbringen,
der psychiatrische Teil des
Gutachtens
des
Zentrums Z._
sei mangel
haft, weshalb nicht darauf abgestellt werden dürfe. Eine einmalige kurze Untersuchung sei für die korrekte Beurteilung von
Traumastörungen
nicht aus
reichend und die fachgerechte Untersuchung von Folter- und Kriegsopfern erfordere ein hohes Fachwissen. Der psychiatrische Teil des Gutachtens sei nicht in Kenntnis aller wesentlichen
Vorakten
, das heisse ohne Kenntnis der Beurtei
lung von
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Ober
arzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
Spitals B._
,
abgegeben worden und es mangle an einer nachvollziehbaren Begrün
dung für die von allen vorbefassten Psychiatern abweichende Diagnosestellung und Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Die nachträgliche Stellungnahme des
Zentrums Z._
sei von keinem der begutachtenden Ärzte unterzeichnet worden. Ein
e
um Jahre verspätete Manifestation einer PTBS sei
,
wie von
Dr.
A._
ausgeführt
,
durch
aus möglich. Die bisherigen Aufgaben im Haushalt und in der Kinderbetreuung könne er
, der Beschwerdeführer,
nicht mehr wahrnehmen und es sei von einer nicht vorhandenen Arbeitsfähigkeit auszugehen, weshalb ihm eine ganze Rente
zuzusprechen sei. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Vorinstanz zurück
zuweisen, um ein gerichtliches Gutachten bei einer auf Trauma und Kriegsopfer spezialisierten Fachperson durchführen zu lassen (Urk. 1).
3.
3.1
Im von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen polydisziplinären Gutachten des
Zentrums Z._
vom 1. Februar 2012, das auf Untersuchungen vom 2
1.
und 29. September 2011 basiert, wurde ausgeführt, somatisch-rheumatologisch bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für jede Tätigkeit
.
Die bildgebenden Untersuchungen seien bis auf nicht signifikante
Diskusprotrusionen
C4/5 und C6/7 unauffällig ausgefallen. Die vom Versicherten beschriebenen Kopfschmerzen hätten kein somatisches Korrelat und es gebe keine Hinweise für
eine
zervikogene
Kompo
nente, sie seien auf dem rheumatologischen Fachgebiet nicht zu erklären (Urk. 7/26/18).
Dass aus somatisch-rheumatologischer Sicht eine gänzliche Arbeitsfähigkeit besteht,
wird
durch den Versicherten nicht bestritten (Urk. 1). Aus den weiteren sich in den Akten befindlichen Arztberichten ergeben sich auch keine anderen Hinweise. Entscheidend ist vielmehr, wie der psychische Zustand des Versicher
ten zu beurteilen ist und wie er sich auf seine Arbeitsfähigkeit auswirkt.
3.2
3.2.1
Die psychiatrische Gutachterin des
Zentrums Z._
,
Dr.
C._
, hielt zur sozialen Situation fest, der Versicherte habe ausgeführt, den Haushalt müsse seine Ehefrau aktuell alleine erledigen, er könne aufgrund der Beschwerden nicht mithelfen. Er habe einen Führerschein, doch er fahre nur noch ungefähr zweimal bis dreimal pro Monat mit dem Auto. Morgens stehe er zwischen 6 und 7 Uhr auf. Dann mache er sich für den Tag bereit und
sitze
im Wohnzimmer oder gehe herum. Nach einiger Zeit gehe er nach draussen spazieren, mindestens eine Stunde lang. Nach Hause zurückgekehrt, ruhe er sich aus und nehme das Mittagessen, welches seine Frau vorbereitet habe, um ungefähr 12 Uhr ein. Gelegentlich treffe er sich mit Kollegen, sofern diese Zeit hätten. Dies sei ungefähr zweimal bis dreimal pro Woche der Fall und abhängig von der Zeit und Tagesform. Es bestehe ein intensiver und regelmässiger Kontakt mit Verwandten, Kollegen und Freunden. Am Nachmittag mache er sonst nichts, doch gelegentlich nehme er Arzttermine wahr, sehe fern oder ruhe sich aus. Das Abendessen nehme man zusammen um ungefähr 18 Uhr ein und den weiteren Abend verbringe er zusammen mit der Familie, meist schaue man fern. Seine letzten Ferien habe er im Sommer 2011 zwei Wochen lang in Bosnien und Herzegowina verbracht (Urk. 7/26/8-9).
Der Versicherte habe weiter berichtet, seine Probleme hätten mit dem Unfall am 14. April 2010 begonnen. Er sei 1992 in Bosnien inhaftiert gewesen, doch die Kriegserlebnisse seien achtzehn Jahre lang kein Thema gewesen. Er fühle sich nun jedoch ständig nervös und unruhig, er könne kein normales Leben mehr führen. Seit dem Unfall sei sein Leben grundlegend verändert, er schlafe schlecht und könne nicht „funktionieren“. Sehr häufig träume er schlecht, wobei sich der Trauminhalt meist um die Kriegswirren in Bosnien drehe. Er sei ungefähr sechseinhalb Monate in einem Lager inhaftiert gewesen, wo man ihn jeden Tag geschlagen habe und er sei auch in der Form sexuell missbraucht worden, dass er gezwungen worden sei, jemanden zu vergewaltigen. Er leide den ganzen Tag durchgehend unter Ängsten, wobei ihn sowohl die Gedanken und Erinnerungen an den Krieg als auch die Stimmen und Geräusche des
Krieges täglich verfolgten. Die Kopfschmerzen hätten schlagartig mit dem Sturzereignis begonnen und er leide unter diesen nun ununterbrochen. Durch Tabletten werde der Schmerz weniger, durch Nervosität und Lärm nehme er zu (Urk. 7/26/10-12).
3.2.2
Die Psychiaterin stellte unter den objektiven Befunden fest, der Versicherte sei wach, bei klarem Bewusstsein und allseits orientiert. Seine
mnestischen
und kognitiven Funktionen erschienen intakt, das formale und inhaltliche Denken sei unauffällig, insbesondere hätten sich keine Hinweise für Wahnvorstellungen, Halluzinationen oder Ich-Störungen gefunden. Die Grundstimmung sei ausge
glichen mit erhaltener affektiver Schwingungsfähigkeit, es sei keine Depressi
vität ersichtlich und es seien spontan keine Suizidgedanken geäussert worden. Ängste oder Zwänge seien nicht angegeben worden, Antrieb und Psychomoto
rik seien unauffällig (Urk. 7/26/12).
3.2.3
Die Psychiaterin beschrieb, der Versicherte sei während des Gespräches abge
wandt und nur dem Dolmetscher zugewandt dagesessen. Der Blickkontakt sei von ihm eher vermieden worden, doch er habe mit kräftiger Stimme gesprochen und eine gute Gestik und Mimik gezeigt. Aufgrund mehrfach notwendiger Nachfragen, starker Strukturierung des Gesprächs und widersprüchlicher Ant
worten habe sich ein eher zähes Gespräch gestaltet. Die Aussagen seien oftmals unkonkret,
unfokussiert
und vorbeiredend ausgefallen. Der Versicherte scheine auf seine Beschwerden fixiert. Depressionstypische Denkinhalte, Insuffizienz
gefühle, Gefühle der Wertlosigkeit, Schuldgefühle oder dergleichen seien nicht zu verzeichnen gewesen. Es sei kein Interessensverlust, welcher alle Belange des alltäglichen Lebens betreffen würde, festgestellt worden. Insbesondere sei keine Einschränkung im sozialen Bereich und im Integrationsniveau festgestellt wor
den. Freudfähigkeit sei vorhanden und das Leistungsniveau allgemein sei unbe
einträchtigt. Die Affektivität sei ausgeglichen mit einer normalen Modulations
fähigkeit. Der Antrieb allgemein sei unauffällig, es liege im Besonderen keine depressionstypische psychomotorische Verlangsamung vor. Weder seien ein Morgentief noch depressionstypische Schlafstörungen vorhanden. Es seien
keine Anhaltspunkte für Zwänge, Phobien oder Ängste auszumachen
(Urk. 7/26/19-20).
3.2.4
Dr.
C._
kam zum Schluss, es könne keine typische Symptomatologie, welche für eine PTBS sprechen würde, ausgemacht werden. Es fehle an anhaltenden Erinnerungen oder dem Wiedererleben der Belastung und es bestünden keine lebendigen Erinnerungen, sich wiederholende Träume oder innere Bedrängnis im Sinne einer PBTS gemäss ICD-10-Kriterien. Es könne durchaus verstanden und nachvollzogen werden, dass der Versicherte sich durch die jeweiligen Erin
nerungen bedroht fühle, doch dabei handle es sich nicht um typische Flash
backs oder innere Bedrängnis. Weiter vermeide der Versicherte die Umstände nicht, die mit der Belastung in Zusammenhang stünden, denn er gebe an, s
ehr gerne in sein Heimatland zu
fahren und sei auch diesen Sommer dort im Urlaub gewesen. Zudem bestehe keine teilweise oder vollständige Unfähigkeit, sich an wichtige Aspekte oder Belastungen der betreffenden Ereignisse zu erinnern. Es seien keine anhaltenden Symptome einer erhöhten psychischen Sensibilität oder Erregung auszumachen und es beständen keine typischen Merkmale für Reiz
barkeit, Wutausbrüche, Konzentrationsschwierigkeiten,
Hypervigilanz
oder eine erhöhte Schreckhaftigkeit. Der Versicherte gebe zwar Durchschlafstörungen an, doch diese liessen sich nicht objektiv belegen, da der Versicherte in seinen Aussagen sehr vage und unkonkret bleibe. Insbesondere sei das wichtige Krite
rium einer PTBS nicht erfüllt, welches das Auftreten der Symptome innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten nach den traumatischen Ereignissen for
dere. Es erscheine nicht nachvollziehbar, weshalb die Symptomatologie einer PTBS nach achtzehn Jahren verzögert auftreten solle, ausgelöst durch einen Bagatellunfall. Eine anhaltende erhebliche Panik oder Angstsymptomatologie sei nicht auszumachen gewesen. Eine eigenständige Angststörung sei nie diag
nostiziert worden und diese sei im Rahmen der Begutachtung kein vordergrün
diges Thema gewesen. Es fehle auch an Hinweisen für eine depressive Störung (Urk. 7/26/20-25). Insgesamt seien keine psychiatrischen Diagnosen zu stellen (Urk. 7/26/26).
3.2
.5
Zusammenfassend wurde im
Gutachten
des
Zentrums Z._
vermerkt, dass der Versicherte in der Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt sei. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Zeitungsausträger und Hausmann sei der Versicherte zu 100 % arbeitsfähig. Auch für die Vergangenheit werde keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit attes
tiert (Urk. 7/26/30).
3.3
3.3.1
Dr. D._
, Fachärztin für Neurologie und für Psychiatrie, welche den Versicherten kurz nach dessen Unfall untersucht hatte, erhob einen unauffälli
gen neurologischen Befund. Sie diagnostizierte am 30. April 2010 jedoch ein
postcommotionelles
Syndroms und äusserte wegen der ausgeprägten emotiona
len und vegetativen Symptomatik den Verdacht auf eine
Retraumatisierun
g
einer
PTBS (Urk. 7/16/6-7).
3.3.2
Der den Versicherten seit 1
8.
Mai 2010 behandelnde Psychiater
Dr.
Y._
diagnostizierte am 24. August 2010 gegenüber der Suva eine PTBS (ICD-10 F43.1) mit deutlich verzögertem Beginn, wobei er ausführte, daneben spielten aktuell depressive Anteile und Angstanteile eine Rolle (Urk. 7/2/12-15). Bei
dieser Diagnose blieb
Dr.
Y._
in seinem Bericht vom 8. September 201
0.
Er berichtete von Angst- und Panikzuständen des Versicherten,
Stimmen
hören
, Schlafstörungen mit Albträumen, Kopfschmerzen und depressiven Symptomen wie Antriebslosigkeit und psychomotorischer Hemmung. Es zeige sich ein deutlich depressives, verlangsamtes ängstlich-gehemmtes Zustandsbild. Der Versicherte kooperiere sehr gut bei der wöchentlichen Psychotherapie
,
er werde auch mit Antidepressiva und Neuroleptika therapiert. Das Verlassen des Hauses sei erschwert wegen Ängsten und dem Gefühl des
Verfolgtwerdens
wie seinerzeit im Lager. Im Haushalt wirkten sich die Antriebshemmung und das Auftreten der Stimmen behindernd aus. Die Allgemeine Aktivität des Versi
cherten habe jedoch seit Therapiebeginn zugenommen. Der Versicherte erlerne Strategien im Umgang mit gewissen wiederkehrenden Symptomen und es sei eine positive Wirkung der Psychopharmaka zu verzeichnen (Urk. 7/2/16-18). Auch mit Formular vom 2
4.
Februar 2011 blieb
Dr.
Y._
gegenüber der IV-Stelle bei derselben Diagnose und einer bis auf
W
eiteres
fortdauernden Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/13/5-9). Am 10. April 2012 hielt
Dr.
Y._
gegenüber der Rechtsschutzversicherung des Versicherten fest, dass die depres
siven Anteile in den letzten vier Monaten deutlicher geworden seien. Die Alb
träume seien unverändert vorhanden. Zurückgegangen seien die
halluzinatori
schen
Symptome. Es finde sich eine ausgeprägte Antriebshemmung, die es dem Versicherten zum Beispiel verunmögliche, länger als eine halbe Stunde im Haushalt tätig zu sein. Neben der verzögerten PTBS sei auch eine chronische depressive Störung als Diagnose festzuhalten. Der Versicherte sei aus psychiat
rischer Sicht nach wie vor weder an einer Arbeitsstelle noch als Hausmann als leistungsfähig zu betrachten (
Urk.
7/40/1-2).
3.3.3
Nach der Ausfertigung des Gutachtens durch das
Zentrum Z._
äusserte sich dazu
Dr.
A._
, Oberarzt, vom Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer am
Spital B._
, in einem Bericht vom 1
4.
Mai 201
2.
Er hatte den Versicherten zweimal während der Ferienabwesenheit von
Dr.
Y._
im Sommer und Herbst 2011 behan
delt und
ihn
am 9. Mai 2012 und somit nach der Begutachtung durch das
Zentrum Z._
zwei Stunden untersucht. Er erhob eine Fremdanamnese durch Befragung der Ehefrau des Versicherten und nahm zur Objektivierung des klinischen Eindrucks eine psychometrische Abklärung einer allfälligen Posttraumatischen
Belas
tungsstörung
vor. Es kam dabei das CAPS (Clinical
Administrated
PTDS-
Scale
) - Interview zur Anwendung
, das
in Klinik und Forschung angewendet werde, um die Diagnosekriterien der PTBS systematisch bzgl. Auftreten und gegebenenfalls Ausprägung zu beurteilen. Dabei habe der Versicherte sowohl die
Symp
tomcluster
des Wiedererlebens, der Vermeidung und der
Hyperarousal
(
Überer
regung
) in einem Mass überschritten,
dass von einer (sehr) schweren PTBS-Symptomatik auszugehen sei.
Dr.
A._
führte aus, dass die Befragung sehr zeitaufwändig gewesen sei und den Versicherten teilweise überfordert habe, weshalb die meisten Fragen mehrmals gestellt respektive hätten erläutert wer
den müssen.
3.3.4
Dr.
A._
kam zum Schluss, dass aufgrund seines Eindrucks, des psycho
-
patholo
gischen Befunds und der psychometrischen Messung der Versi
cherte unzweifelhaft an einer PTBS leide (ICD-10 F43.1), welche als chronisch und komplex zu beschreiben sei. Auch die Diagnose einer depressiven Störung halte er unbedingt für erfüllt, wobei er aktuell von einer mittelschweren bis schweren Symptomatik ausgehe (ICD-10 F32.1). Das Gutachten kritisierend kam er zum Schluss, dass er den Versicherten in der Schilderung durch
Dr.
C._
nicht wiedererkenne. Aufgrund der hochgradigen interpersonellen Beeinträchti
gung und der psychischen Labilität gehe er beim Beschwerdeführer von einer nicht vorhandenen Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt, respektive einer geringen Restarbeitsfähigkeit von unter 25 % unter stark angepasstem
Belas
tungsprofil
im Rahmen einer geschützten Tätigkeit aus. Der Versicherte sei ausserstande seine langjährige Funktion in Haushalt und Kinderbetreuung auf
rechtzuerhalten, wobei er,
Dr.
A._
, auch hier die Arbeitsunfähigkeit höher als 75 % einschätze (Urk. 7/40/3-7).
3.3.5
Auch
Dr.
Y._
kritisierte das Gutachten in seiner Stellungnahme vom 14. Mai 2012
ebenfalls
. Er blieb bei der Diagnose einer PTBS, wobei er die Frage aufwarf, ob nach nunmehr zwei Jahren allenfalls bereits von
chronifizierten
Spätfolgen zu sprechen wäre (Urk. 7/46).
3.4
Zur Beweiswürdigung der verschiedenen Berichte ist mit der
bundesgerichtli
chen
Rechtsprechung folgendes festzustellen: Den im Rahmen des
Verwaltungs
verfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuer
kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/
bb
). Aufgabe des begutachtenden Mediziners ist es dabei, den Gesundheitszustand der versicherten Person zu beurteilen. Wenn nötig sind seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchungen unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stel
len (BGE 140 V 193 E. 3.2). Denn die Annahme eines invalidisierenden
Gesund
heitsschadens
setzt grundsätzlich eine fachgerechte, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (BGE 130
V 396 E. 6, 136 V 279 E. 3.2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_636/2013 vom 2
5.
Februar 2014 E. 4.2.1 mit Hinweisen). Sodann hat der Gutachter oder die Gutachterin eine beschreibende und damit begründete Erklärung der Einschrän
kungen im Alltag und im Erwerbsbereich der versicherten Person abzugeben, welche die gestellte Diagnose mit sich bringt und damit eine begründete Schät
zung der Arbeitsfähigkeit zu machen. Diese Grundlagen sind wichtig für die in der Folge durch das Gericht vorzunehmende Beurteilung der Zumutbarkeit von Arbeitsleistungen (BGE 140 V 193 E. 3.2).
Hinsichtlich der Berichte von behandelnden Ärzten ist die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen dürften (BGE 125 V 351 E. 3b/cc S. 353). Bei der Abschätzung des Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandeln
den Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbe
achtlich einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauf
trag
des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und
Begutachtungsauf
trag
des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; Urteil I 506/00 vom 1
3.
Juni 2001, E. 2b) nicht zu, ein Admi
nistrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslau
tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteile des Bundesgerichts 9C_24/2008 vom 2
7.
Mai 2008,
E. 2.3.2; I 514/06 vom 2
5.
Mai 2007, E. 2.2.1, mit Hinweisen).
3.5
Die Beschreibungen der Person des Versicherten, von dessen Einschränkungen, von den geklagten Beschwerden und die daraus gezogenen Schlüsse weichen zwischen den behandelnden psychiatrischen Fachärzten auf der einen Seite und der psychiatrischen Gutachterin des
Zentrums Z._
auf der anderen Seite in einer Weise voneinander ab, die nicht nachvollzogen werden kann.
3.5.1
Die Gutachterin beschrieb
detailliert
die Voraussetzungen, die für das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung gemäss ICD-10 F.43.1
gegeben sein müssen
(Gutachten S. 21), erachtete sie jedoch vorliegend als nicht gegeben. So
hielt sie beispielsweise dafür, dass beim Versicherten keine anhaltenden Erin
nerungen und kein Wiedererleben der Belastungen (Misshandlungssituationen durch aufdringliche Nachhallerinnerungen, Flashbacks) oder Träume und innere Bedrängnis vorhanden seien. Es bestünden auch keine typischen Merkmale wie Reizbarkeit, Wutausbrüche,
Hypervigilanz
, erhöhte Schreckhaftigkeit oder der
gleichen. Es bestünden erhebliche Diskrepanzen in Bezug auf den Umgang mit den vorgegebenen Geschehnissen und den eigenen Angaben sowie den gegebe
nen fremdanamnestischen Informationen aus der Aktenlage. Der Versicherte beklage, dass sein Leben kaputt sei, er zeige jedoch eine Diskrepanz zu den durchgeführ
ten Alltagsaktivitäten
(S. 22 f.).
3.
5.2
Anders als die Gutachterin darlegt, geht aus den Beschreibungen der behandeln
den Ärzte ein fast tägliches relevantes Wiedererleben der traumati
schen Ereignisse im Kriegslager während des Bosnienkrieges hervor, derentwe
gen der Versicherte seit Jahren in psychiatrischer Behandlung steht.
Dr.
Y._
hielt noch im Bericht vom 1
0.
April 2012 ausdrücklich unverän
derte mehrmalige nächtliche Albträume fest, aus denen der Versicherte stark schwitzend erwache (
Urk.
7/40/2). Seine starken Schlafstörungen waren denn auch einer der Gründe, weshalb der Versicherte bereits ein Monat nach dem Unfall eine psychiatrische Therapie aufgenommen hatte, zusammen mit den anfänglich gehörten Stimmen.
Dr.
Y._
legte im Bericht vom 2
4.
August 2010 dar, der Versicherte träume von verschiedenen Peinigern aus dem Lager oder von Szenen aus dem Krieg (
Urk.
7/13/11). In der Stellungnahme vom 1
4.
Mai 2012 erläuterte er, der Versicherte träume davon, dass er entweder selbst verfolgt und geschlagen werde oder er sehe, wie andere Menschen ver
letzt oder getötet würden oder er müsse Leichen auf Haufen schichten; es seien Situationen, denen er nicht entkommen könne (
Urk.
7/46/2).
Dr.
A._
, der die Ehefrau des Versicherten befragte, berichtete, die Nächte seien gekennzeichnet durch die Albträume des Versicherten. Wenn der Versicherte erwache, müsse er die Ehefrau berühren und in den Kinderzimmern kontrollieren um sicherzustel
len, dass alle noch am Leben seien. Wegen dessen Ängsten müsse auch während der Nacht das Licht in WC und Gang brennen. Der Versicherte selber berichtete von ausgeprägten Angstzuständen mit vegetativer Begleitsymptomatik im Kontext der Albträume (
Urk.
7/40/5 f.). Auch in der Anamnese des Gut
achtens selber
des
Zentrums Z._
wurde von drei- bis fünfmaligem Aufwachen nachts mit durch
nässtem Schlafanzug berichtet, den der Versicherte deshalb wechsle. Der Schlaf sei deshalb für den Versicherten nicht ausreichend erholsam (
Urk.
7/26/10). Dies alles lässt die Schlussfolgerung der Gutachterin, ein wesentliches Element einer PTBS sei nicht gegeben, unerklärt erscheinen.
Anders als die Gutachterin feststellte, erzählte die Ehefrau des Versicherten sodann von einer erheblichen Gereiztheit des Versicherten seit dem Unfall. Zuvor habe der Versicherte den Haushalt und die Kinderbetreuung hauptberuf
lich innegehabt, während sie vollzeitig gearbeitet habe. Der Versicherte ertrage nunmehr keine Spannungen mehr. Die Familie versuche keinen Anlass zu Auf
regung zu geben, er sei rapiden Stimmungswechseln ausgesetzt, werfe derweilen wegen Bagatellen auch Gegenstände umher oder gegen die Wand. Er mache sich wegen Kleinigkeiten masslos Sorgen, leide gleichzeitig sehr darunter, wenn die Kinder seine Ausraster mitbekämen. Er habe bei Schwierigkeiten mit dem Sohn in der Schule wegen Mobbing seine Vaterrolle überhaupt nicht wahrneh
men können. Bekannten gegenüber sehe er sich bisweilen gezwungen, zu lügen, da er sich schäme, krank zu Hause zu sitzen, seine Kontakte würden sich aber ohnehin auf wenige Menschen beschränken (
Urk.
7/40/4). Die Gutachterin erwähnte demgegenüber eine ausgeglichene unauffällige Grundstimmung des Versicherten, Ängste und Zwänge würden nicht angegeben (
Urk.
7/26/12, 19).
Dr.
Y._
führte zu dieser Einschätzung der Gutachterin aus, er habe den Versicherten in den zwei Jahren, da er ihn wöchentlich therapiere, noch nie in einer entspannten und ausgeglichenen Stimmung erlebt. Auch die Ausführun
gen der Gutachter, der Versicherte weise keine depressiven Symptome auf, seine Freudfähigkeit sei vorhanden und das Leistungsniveau sei allgemein unbeein
trächtigt, die Affektivität sei ausgeglichen und der Antrieb unauffällig (
Urk.
7/26/21, 7/26/24), sei in keiner Weise nachvollziehbar. Wer den Versi
cherten näher kennen gelernt habe, könne eine solche Beschreibung seines Befindens nach nur als grotesk erleben (
Urk.
7/46/2).
In der Tat schilderte der Versicherte eine allgemeine ausgeprägte Antriebslosig
keit, die ihm die vormalig ausgeübten Tätigkeiten im Haus und in der
Erwerbs
arbeit
verunmögliche, und die dazu führe, dass er sich in sein Zimmer zurück
ziehe oder dass er eine innere Unruhe verspüre und für kurze Zeit die Wohnung verlasse (
Urk.
7/40/1). Tatsächlich hatte der Beschwerdeführer früher neben der Betreuung der Kinder und des Haushaltes auch die Zeitungen am Morgen während vieler Jahre sehr zuverlässig ausgetragen und von seinem Arbeitgeber hierfür ein gutes Zeugnis erhalten (
Urk.
7/2).
Dr.
A._
berichtete auch, dass der Beschwerdeführer anderen Menschen aus dem Weg gehe, sein Leben bewege sich in stark eingeschränkten Bahnen, die auf Bekanntes und Berechenbares limitiert seien. Der Versicherte sei deutlich herabgestimmt, praktisch
unmodu
liert
und mit wenig Mimik. Er zeige eine ausgeprägte Freud- und Interesselosig
keit, ein starker Einbruch des Selbstwertgefühls und mit Scham im Kontext des nicht erfüllten Rollenmodells, klage über
Libidoverlust
und aufgrund der Schlafstörungen über erhöhte Tagesmüdigkeit (
Urk.
7/40/5). Damit werden von
d
en behandelnden Ärzten gänzlich
andere Sachdarstellungen präsentiert, die nicht einfach als subjektive abweichende Einschätzungen zu bewerten sind, die gegenüber denjenigen der Gutachterin zurückzutreten hätten (vgl. oben E. 3.4). Sie tangieren vielmehr das tatsächliche Fundament der psychiatrischen Begut
achtung und betreffen Aspekte, die ungewürdigt blieben.
Was sodann die von der Gutachterin in den Vordergrund gestellte Frist von
6 Monaten betrifft, innerhalb der sich eine PTBS manifestiert haben müsse, was vorliegend nicht der Fall sei, weshalb sie nicht gegeben sein könne (
Urk.
7/26/23), ist festzustellen, dass die posttraumatische Belastungsstörung gemäss der für das Bundesgericht für die Diagnostik massgebenden Internatio
nalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10 F.43.1,
9.
Auflage 2014,
S 208; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_636/2013 vom 2
5.
Februar 2014
E. 4.3.2) als Störung nur dann diagnostiziert werden soll, wenn sie innerhalb von 6 Mo
naten nach einem traumatisierenden Ereignis von aussergewöhnlicher Schwere aufgetreten ist. Sie kann jedoch auch dann gestellt werden, wenn der Abstand zwischen dem Ereignis und dem Beginn der Störung mehr als
6 Monate beträgt, vorausgesetzt, die klinischen Merkmale sind typisch und es kann keine andere Diagnose (wie Angst- oder Zwangsstörung oder depressive Episode) gestellt werden. Die Diagnose wäre folglich auch vorliegend nicht unmöglich zu stellen, sie bedarf jedoch ohne Zweifel einer sehr sorgfältigen umfassenden
Befundauf
nahme
und einer solchen Begründung, unter Ausschluss anderer
Diagnosemög
lichkeiten
.
Solche stehen jedoch zur Zeit ebenfalls in Diskussion, in dem die behandelnden Fachärzte auch das Vorliegen erheblicher Depressionen erwähn
ten.
3.
5.3
Die Beschwerdegegnerin konfrontierte die Begutachtungsstelle mit den verschiede
nen Einwendungen von
Dr.
A._
und
Dr.
Y._
zur psychiat
rischen Begutachtung (
Urk.
7/44). Nicht die Ärzte, die den Versicherten gesehen hatten, antworteten im Schreiben vom 3
0.
Oktober 2012 darauf, sondern der Chefarzt der Begutachtungsstelle,
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, der allerdings am Gutachten selber nicht beteiligt war (
Urk.
7/50). Dies ist vorliegend ungenügend. Denn die Kritikpunkte betreffen zentrale, grundlegend abweichende klinische Eindrücke, Erhebungen und Ein
schätzungen der Gutachterin gegenüber denjenigen der behandelnden Ärzte. Die festgestellten Widersprüche konnten so jedoch nicht beseitigt werden, hätte doch zumindest die psychiatrische Gutachterin selber Stellung nehmen müssen.
3.
5.4
Aus dem Gesagten folgt, dass es zu viele unbeantwortet gebliebene Widersprü
che in den zentralen Erhebungen des Zustandes des Versicherten zwischen den behandelnden Fachärzten und den Gutachtern des
Zentrums Z._
gibt. Es gibt
relevante und erhebliche Zweifel, ob die Gutachter des
Zentrums Z._
den Zustand des Versicherten umfassend und hinreichend sorgfältig erhoben und eine medizinisch korrekte Diagnose gestellt haben. Auf das Gutachten des
Zentrums Z._
kann demzufolge nicht abgestellt werden. Das Gutachten weist Mängel auf, welche durch die ergänzen
den Antworten durch den am Gutachten selber nicht beteiligten Chefarzt nicht beseitigt werden konnten.
3.5.5
Die Sache ist deshalb in Gutheissung des Eventualantrages des Beschwerdefüh
rers an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie eine erneute psychi
atrische Begutachtung des Beschwerdeführers veranlasse. Da es sich vorliegend - wie so oft - bei ehemals kriegs- und foltertraumatisierten Personen um kom
plexe Fragestellungen handelt, ist es angezeigt, eine Gutachterstelle mit ent
sprechender Erfahrung auszuwählen. Je nach Ausgang der Begutachtung hat die Beschwerdegegnerin in der Folge eine Haushaltsabklärung beim Versicher
ten zu Hause durchzuführen, war dieser doch vor allem auch im Haushalt tätig.
4.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Dieser hat im Sinne von
Art.
61
lit
. g ATSG Anspruch auf Ersatz der Partei
-
ko
s
ten, welche
r
auf
Fr.
1‘900.--
(inkl.
MWSt
.
u
nd Barauslagen) festzulegen ist
.