Decision ID: 26a5a969-8c53-5f57-9135-297e00bc0799
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 197
9 geborene
X._
war
zuletzt seit
1.
Dezember 2012 als Den
tal
sekretärin bei der Praxis
Y._
,
Dr.
med.
dent
.
Z._
, ange
stellt
(
Urk.
7/301
ff.
); im Februar 2015 wurde das Arbeitsverhältnis seitens des Arbeitgebers per
3
0.
April 2015 aufgelöst
(
Urk.
7/253,
Urk.
7/258,
Urk.
7/
260
)
. Am
2
0.
Mai 2015
meldete
sie
sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV) zur Arbeitsvermittlung an (Urk.
7/311
) und bean
t
ragte
am
2
3.
Mai 2015
Arbeitslosenentschädigung ab dem
1
8.
Mai 2015
(Urk.
7/272
ff.
).
Mi
t Verfügung vom
4.
September 2018 forderte die Arbeitslosenkasse
des
Kan
tons Zürich
(ALK)
den Betrag von Fr.
31‘841.80
zurück, welcher infolge der nicht gemeldeten Erwerbstätigkeit für die Monate
Januar bis November 2016
zu viel an Arbeitslosenentschädigung ausb
ezahlt worden sei (Urk. 7/122
ff.
). Die am
5.
Oktober 2018
dagegen erhobene
Einsprache (Urk. 7/111
) wies die ALK mit
Ein
spracheentscheid
vom
1
6.
Mai 2019 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
7.
Juni
2019 Beschwerde und beantragte,
es sei in Aufhebung des angefochtenen Entscheids von einer
Rückforderung
abzu
sehen
(
Urk.
1
S. 2
). Mit Beschwerdeantwort vom
5.
Juli
2019 schloss die Be
schwer
degegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6
), was de
r
Beschwerde
führer
in am
8.
Jul
i 2019 zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
24
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeitslosenver
siche
rung und die Insolvenzentschädigung (
AVIG
)
gilt als Zwischenverdienst jedes Ein
kommen aus unselbständiger oder selbständiger Erwerbstätigkeit, das der Arbeits
l
ose innerhalb einer Kontrollperiode erzielt. Der Versicherte hat Anspruch auf Ersatz des Verdienstausfalls (
Abs.
1). Als Verdienstausfall gilt die Differenz zwi
schen dem in der Kontrollperiode erzielten Zwischenverdienst, mindestens aber dem berufs- und ortsüblichen Ansatz für die betreffende Arbeit, und dem ver
sicherten Verdienst; ein Nebenverdienst (
Art.
23
Abs.
3 AVIG) bleibt unberück
sichtigt (
Abs.
3).
1.2
Laut Art. 95 Abs. 1 AVIG richtet sich die Rückforderung
ausser
in den Fällen nach Art. 55 und Art. 59c
bis
Abs. 4 AVIG nach Art. 25 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teils des Sozialversicherungs
recht
s (ATSG).
Gemäss
Art. 25 Abs. 1 ATSG sind
unrechtmässig
bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Wer
Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine
grosse
Härte vorliegt.
Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist
massge
bend
(Art. 25 Abs. 2 ATSG).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
entsprechende Ab
klärungen hätten ergeben, dass die
Beschwerdeführer
in
2016
ein nicht dekla
rier
tes
Einkommen
von insgesamt Fr.
60'450.--
erwirtschaftet habe.
Dies entspreche
einem Bruttomonatslohn von
Fr.
5'037.--.
Aus der Neuberechnung der Anspruchs
berechtigung unter Berücksichtigung dieses Zwischenverdienstes
resultiere
für den Zeitraum von Januar bis November 2016
kein anrechenbarer Arbeits- und Verdienstausfall
. Damit sei
die
Beschwerdeführer
in im Umfang
der zu Unrecht bezogenen Leistungen
von
insgesamt
Fr.
31'841.80
rüc
kerstattungspflichtig
.
Auf
ihr Erlassgesuch werde mangels sachlicher Zuständigkeit nicht eingetreten
(
Urk.
2).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein, sie sei nachweislich der Akten im massgeblichen Zeitraum von Januar bis November 2016 nicht erwerbstätig gewesen. Vielmehr
habe sie sich 2016 in der Kosmetikbranche selbständig ge
macht und vor diesem Hintergrund das Jahre zuvor zwecks Aufbau seines Unter
nehmens (ehemals
A._
AG) ihrem Ehemann gewährte
Darle
hen
von insgesamt
Fr.
75'
000.--
zurückgefordert
.
In der Buchhaltung seien
die
Rückzahlungsraten
fälschlicherw
eise als Lohnzahlungen verbucht
worden
(
Urk.
1).
3.
3.1
Es ist unbestritten,
dass die Beschwerdeführerin im massgeblichen Zeitraum von Januar bis November 2016
Arbeitslosengeld erhalten
hat; in den
Formularen
«Angaben der versicherten Person»
hat sie für die Monate Januar bis November
2016
jeweils angegeben, weder einer unselbständigen noch selbständigen Er
werb
s
tätigkeit nachgegangen zu sein (
Urk.
7/207 f.
,
Urk.
7/212-215,
Urk.
7/219-228,
Urk.
7/230-236
).
Demgegenüber ist im
Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug)
ein Brutto
jahres
einkommen
2016
von Fr.
60’450
.-- bei der
A._
AG
(später
umfirmiert zur
B._
AG und schliesslich liquidiert,
vgl. Handelsregisterauszug,
Urk.
7/168)
verzeichnet
(
Urk.
7/182; vgl. auch
Urk.
7/174-
178, wonac
h die
Beschwerdeführerin
darüber hinaus
im September 2016
von
Dr.
med.
dent
.
C._
mit
Fr.
445.
--
brutto
entlöhnt
wurde
. Dies
be
züglich räumte
sie
ein,
notfallmässig bei
Dr.
C._
eingesprungen zu sein und
die Deklaration
«tatsächlich
vergessen
»
zu haben, vgl.
Urk.
7/158
)
.
3.2
Mit Stellungnahme vom
2.
Juli 2018 (Eingangsdatum) gab die Beschwerde
füh
rerin an,
nach entsprechenden Aus- und Weiterbildungen habe sie sich 2016 in der Kosmetikbranche selbständig gemacht
. Die berufliche Neuausrichtung sei Grund dafür gewesen, das der
A._
AG zuvor gewährte Dar
lehen zurückzufordern. Ihr sei zu keinem Zeitpunkt bewusst gewesen, dass die «Darlehensrückzahlungen» fälschlicherweise als Lohn deklariert worden seien
(
Urk.
7/158
)
.
3.3
Im
Schreiben vom 2
7.
Juni 2018 führte
der Ehemann der Beschwerdeführerin
aus,
letztere
habe lediglich 2009 bis 2010
in seiner
Firma gearbeitet; in diesem Zeitraum habe sie einen AHV-pflichtigen Lohn erhalten. Alsdann sei die Be
schwerdeführerin auch massgeblich an der Firmengründung beteiligt gewesen. In diesem Zusammenhang habe sie der
A._
AG
mehrer
e
Dar
lehen
in der Höhe
von insgesamt
Fr.
75'000.
--
gewährt; eines davon sei 2016 rückerstattet worden, nachdem sich die Beschwerdeführerin dazu entschlossen habe, sich selbständig zu machen. Es seien Ratenzahlungen in Höhe des zuvor bezogenen Lohns vereinbart worden. Aufgrund massiver gesundheitlicher Proble
me sei es ihm (dem Ehemann der Beschwerdeführerin) nicht möglich gewesen, dem Buchhalter diesbezüglich korrekte Anweisungen zu geben. Dies habe leider dazu geführt, dass die Buchhaltung die vereinbarten Ratenzahlungen
fälsch
li
cher
weise
als Lohnzahlungen verbucht
und der
Spida
Ausgleichkasse gemeldet
habe.
Zufolge der zwischenzeitlichen Firmenliquidation könne er seine Ausfüh
rungen nicht belegen; die Dokumente seien entweder zerstört oder nicht mehr auffindbar. Im Übrigen sei er mittels Strafbefehl der Misswirtschaft und der Unterlassung der Buchführung für schuldig gesprochen worden (
Urk.
7/159 f.).
4.
4.1
Bei der
vorliegenden
Aktenlage
kann der
beschwerdeweisen
Argumentation der Beschwerdeführerin
nicht gefolgt werden
.
Zunächst
hat
sie
ausweislich der Akten 2016 (unter anderem)
Fr.
60'450.-- als Lohn erhalten und
letzteres
gegenüber der Arbeitslosenversicherung unbestrittenermassen nicht deklariert.
Dass es sich da
bei um die ratenweise Rückerstattung eines Darlehens und nicht um Lohn gehan
delt haben soll, ist ni
cht ausgewiesen.
Insbesondere
liegen weder ein Darlehens
vertrag noch entsprechende Bankunterlagen bei den Akten.
Alsdann
hat der Ehe
mann der Beschwerdeführerin selbst eingeräumt, die behauptete Rückerstattung des Darlehens könne er nicht belegen.
Aus dem Umstand, dass
sich die Be
schwerdeführerin 2016
mit Arbeitsbeginn im September
in der Kosmetikbranche selbständig
gemacht hat (
Urk.
1
Ziff.
13
,
Urk.
7/153
,
Urk.
7/216
),
lässt sich
vor
liegend
nichts zu ihren Gunsten ableiten
.
Insbesondere ist damit nicht aus
ge
schlossen, dass sie während der Startphase gleichzeitig in der Firma ihres Ehe
mannes arbeitete. Als ebenso
unbehelflich
erweist sich das beschwerdeweise ein
gereichte Schreiben des ehemaligen Mitarbeiters,
D._
, vom 1
3.
Juni 201
9, worin dieser bestätigte, dass die Beschwerdeführerin während seiner An
stel
lung bei der
A._
AG von Juni 2016 bis April 2017 nicht bei derselben erwerbstätig gewesen sei (
Urk.
3/5).
Weshalb und gestützt worauf der – nicht näher bezeichnete – Buchhalter der ehemaligen
A._
AG
2016
«fälschlicherweise» Lohnzahlungen
zugunsten der Beschwerde
führerin
verbucht haben soll, vermochten
schliesslich
weder die Beschwerde
füh
rerin noch ihr Ehemann stichhaltig zu begründen und ist damit nicht einzusehen.
4.2
Mithin
ist nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin das
für das
Jahr
2016
im IK
-Auszug ausgewiesene
Einkommen als Zwischenverdienst qualifiziert hat. Die diesen Zeitraum betreffenden Taggeldabrechnungen
welche als formlose Verfügung unangefochten in Rechtkraft erwachsen waren (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_554/2015 vom 19. Oktober 2015 E. 3.4), erweisen sich somit im wiedererwägungsrechtlichen Sinne als zweifellos unrichtig, da der Zwischen
verdienst im Rahmen der Ermittlung des Leistungsanspruchs einzubeziehen ge
wesen wäre. Die Beschwerdegegnerin durfte daher auf die Abrechnungen zurück
kommen und die erbrachten Leistungen zurückfordern.
Da auch der Rückforderungsbetrag
(
Urk.
7/141-152)
korrekt ermittelt
wurde
, erweist sich die im angefoc
htenen
Einspracheentscheid
vom 16
. Mai 2019 (Urk. 2) angeordnete Rückforder
ung im Umfang
von Fr. 31‘841.80
als rechtens. Entspre
chend ist die Beschwerde abzuweisen.