Decision ID: a7fd6619-b18f-409b-b830-09432750ce7d
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1957, ist seit ihrer Geburt beinahe taub und hat
infolgedessen auch sprachliche Schwierigkeiten (Urk. 13/11/14-18 und 13/311/27
). Sie arbeitete zunächst als Zahntechnikerin (Urk. 13/13/7 und 13/202/22 f.). Später liess sie sich aufgrund eines Berufsekzems (Urk. 13/14) zur Buchbinderin umschulen. Diese Lehre schloss sie im Jahr 1994 nach mehreren Wechseln des Lehrbetriebes ab (Urk. 13/202/18-21). Auf diesem Beruf arbeitete sie bis März 1999 in einem 60%-Pensum (Urk. 13/202/16 f.). Gleichzeitig absolvierte sie eine Ausbildung zur Gebärdensprachlehrerin (Urk. 13/202/11-13). Danach arbeitete sie zu 80 % (Urk. 13/311/22 f.). Sie unterrichtete und nahm weitere admini
strative Tätigkeiten im Bereich «Gehörlose» wahr (Urk. 13/66, 13/202/7-10, 13/202/14 f., 13/223 und 13/311/16 f.). Ab März 2009 war die Versicherte schliesslich als Bereichsleiterin Medien für den Y._ tätig (Urk. 7/128 und 13/202/5 ff.; vgl. auch Urk. 13/239). Während ihrer gesamten Tätigkeit nahm sie hin und wieder an verschiedenen Kursen teil (Urk. 13/240).
1.2
Ab Juni 2011 war die Versicherte zunächst zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben, nahm indes ihre Arbeit beim Y._ im November 2011 in einem 25%-Pensum wieder auf (Urk. 13/127/2 und 13/171/75). Am 24. November 2011 meldete sie sich wegen einer «mittelgradigen Depression im Sinne eines Burnouts» bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle
), zum Leistungsbezug an (Urk. 13/118). Diese holte einen Auszug aus dem Indi
viduellen Konto (IK; Urk. 13/126) sowie Auskünfte beim Arbeitgeber (Urk. 13/128 und 7/130) ein und nahm Berichte der behandelnden Ärzte zu den Akten (Urk. 13/127 und 13/132). Ab Juni 2012 unterstützte sie die Versicherte mit einem Job Coaching im Hinblick auf den Erhalt ihres Arbeitsplatzes (Urk. 13/143 und 13/150). Bis Oktober 2012 konnte die Versicherte ihr Arbeitspensum allmählich auf 60 % steigern (Urk. 13/153/7, 13/155/1, 13/171/65 und 13/174/2). Indes reduzierte sie dieses im April 2013 wieder massiv aufgrund der zunehmenden organisatorischen, strukturellen und personellen Schwierigkeiten seitens des Arbeit
gebers und der damit einhergehenden Verschlechterung ihres Gesundheits
zustandes. Alsdann platzierte der Arbeitgeber die Versicherte um, sprach im August 2013 aber letztlich die Kündigung aus (Urk. 13/169/8; ferner Urk. 13/144 und 13/153). Im Dezember 2013 kam eine Saldovereinbarung betreffend die Ent
schädigung von Ferientagen und Überstunden zwischen der Versicherten und dem Y._ zustande (Urk. 13/334). Dannzumal endete auch das Job Coaching (Urk. 13/175).
1.3
Mitte April 2014 meldete sich die Versicherte mit einer 50%-Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten beim Regionalen Amt für Arbeitsvermittlung (RAV) an (Urk. 13/193/4, 13/180 f.). Zudem leistete die IV-Stelle Kostengutsprache für ein Belastbarkeits- (Urk. 13/188) und gleich anschliessend ein Aufbautraining (Urk. 13/225), welche die Versicherte vom 19. Mai 2014 bis 15. Februar 2015 bei der Z._ absolvierte (zum Verlauf vgl. Urk. 13/227, 13/229 und 13/258). Gleichzeitig nahm die Versicherte in Absprache mit der IV-Stelle einen Auftrag
für wöchentlich zwei Unterrichtslektionen als Gebärdensprachlehrerin an (Urk. 13/211
, 13/216/2, 13/228/2 und 13/229/2). Am 1. Februar 2015 konnte sie ein externes Arbeitstraining an drei Halbtagen pro Woche in der Sprachschule A._ starten (Urk. 13/230 und 13/255; zum Verlauf vgl. Urk. 13/266 f. und 13/274). Im Zusammenhang mit den drei Trainings richtete die Invalidenver
siche
rung der Versicherten jeweils ein Taggeld aus (Urk. 13/207, 13/222, 13/232-33 und 13/259). Am Ende des letzten Trainings kam es zu einer Festanstellung bei der A._ Sprachschule mit einem Arbeitspensum von 50 % (Urk. 13/288), wobei die IV-Stelle für den Zeitraum vom 1. Juli bis 31. Dezember 2015 Kostengut
sprache für einen Einarbeitungszuschuss leistete (Urk. 13/282; zum Verlauf vgl. Urk. 13/304).
1.4
Im Verlauf des Verwaltungsverfahrens zog die IV-Stelle die Akten des Kranken
taggeldversicherers bei (Urk. 13/171; insbesondere Berichte der B._ Urk. 13/171/4 f., 13/171/11 f., 13/171/26 f.) und holte einen aktuellen IK-Auszug ein (Urk. 7/223). Zudem klärte sie laufend den medizinischen Sachverhalt ab (Urk. 13/174, 13/245, 13/285 und 13/287). Schliesslich gab sie ein internis
tisches, otorhinolaryngologisches (ORL) und psychiatrisches Gutachten in Auf
trag, das am 31. März 2016 von der MEDAS C._ erstattet wurde (Urk. 13/311). Die IV-Stelle legte es dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Prüfung vor (Urk. 13/313/10 f.) und kündigte der Versicherten hierauf mit Vor
bescheid vom 27. Mai 2016 die Zusprechung einer Viertelsrente mit Wirkung ab 1. Juli 2015 an (Urk. 13/315). Dagegen erhob die Versicherte Einwand, vertreten durch Rechtsanwältin Sintzel (Urk. 13/322; Begründung Urk. 13/28). Die IV-Stelle bestellte der Versicherten Rechtsanwältin Sintzel als unentgeltliche Rechts
vertreterin im Verwaltungsverfahren (Urk. 13/367). Schliesslich sprach sie ihr
mit Verfügung vom 16. Januar 2017 eine Viertelsrente rückwirkend ab 1. Juli 2015
zu (Urk. 2).
2.
Gegen diesen Entscheid erhob die Versicherte am 16. Februar 2017 Beschwerde mit dem Antrag, diesen aufzuheben und ihr für den Zeitraum vom 1. Mai 2013 bis 18. Mai 2014 eine befristete und ab 1. Juli 2015 eine unbefristete halbe Rente zuzusprechen. Ferner ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege (Urk. 1; Beilagen Urk. 3/2-8). In der Beschwerdeantwort vom 2. Mai 2017 beantragte die IV-Stelle die Androhung einer reformatio in peius mangels eines invalidisierenden Gesundheitsschadens, eventualiter schloss sie auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 12).
Mit Verfügung vom 4. Juli 2018 bewilligte das Gericht der Versicherten die un
ent
geltliche Prozessführung und bestellte ihr in der Person von Rechtsanwältin Sintzel eine unentgeltliche Rechtsvertreterin. Gleichzeitig ordnete es einen wei
teren Schriftenwechsel an und erläuterte, weshalb derzeit keine reformatio in peius anzudrohen sei. Darüber hinaus forderte es die IV-Stelle auf, die von den Gutachtern zusätzlich eingeholten Berichte nachzureichen, und lud die berufliche Vorsorgeeinrichtung, Helvetia Schweizerische Lebensversicherungsgesellschaft AG, zum Prozess bei (Urk. 18). Die von der IV-Stelle (Urk. 20) nachgereichten Arztberichte (Urk. 21/2) stellte es den anderen Parteien innert laufender Frist zur Stellungnahme zu (Urk. 22). Mit Replik vom 6. September 2018 hielt die Ver
sicherte an ihrem Antrag fest (Urk. 25; Beilagen Urk. 26/1-2), während die beruf
liche Vorsorgeeinrichtung (Urk. 28) und die IV-Stelle auf eine (weitere) Stellung
nahme verzichteten (Urk. 30). Die Eingaben bzw. der ungenutzte Fristablauf wurde
n den drei Parteien gegenseitig zur Kenntnis gebracht sowie auch der Ab
schluss des Schriftenwechsels mitgeteilt (Urk. 28, 31 und 32).
Schliesslich wies das Gericht die Parteien mit Verfügung vom 26. November 2018 darauf hin, dass eine befristete halbe Rente bereits mit Wirkung ab 1. Juni 2012 geprüft werde und gab den Parteien Gelegenheit, sich hierzu zu äussern (Urk. 33). Während die Beschwerdegegnerin (explizit) und die Beigeladene (implizit) auf eine Stellungnahme verzichteten, beantragte die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 10. Dezember 2018 einen Entscheid im Sinne der angekündigten reformatio in melius (Urk. 36) unter Beilage von zwei Arztzeugnissen (Urk. 37/1a-b) sowie der Kostennote von Rechtsanwältin Sintzel (Urk. 38).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
ge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
träch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen
; vgl. im Detail
BGE 130 V 343 E. 3.4.2
zur sog.
allgemeine
n
M
ethode des Einkommensvergleichs
).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig und daneben im Aufgabenbereich tätig sind, wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. Danach wird darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
1.4
Im Übrigen hat das Sozialversicherungsgericht den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen um
fassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklag
ten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setz
ung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizi
nischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechts
an
wendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Ex
per
tin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beant
wortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2), die Be
schwerdeführerin sei seit Juni 2011 in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich einge
schränkt. Davor habe sie jahrelang ein 80%-Pensum ausgeübt. In der Folge habe sie an beruflichen Massnahmen teilgenommen und bis Ende Juni 2015 Taggeld
leistungen erhalten. Am 1. Juli 2015 habe sie eine Festanstellung zu 50 % ange
treten. Somit sei dem an die Nominallohnentwicklung angepassten Lohn beim Gehörlosenbund im Jahr 2011 von Fr. 78'439.55 der aktuelle Verdienst von Fr. 40'000.-- gegenüberzustellen. Weder sei im IK-Auszug ersichtlich, dass sich die Beschwerdeführerin bis dahin regelmässig Überstunden und Ferien habe auszahlen lassen, noch bestünden Anhaltspunkte für einen aktuellen Soziallohn. Es resultiere ein Invaliditätsgrad von 49 %, womit Anspruch auf eine Viertels
rente seit Abschluss der Eingliederungsmassnahmen bestehe.
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin in der Beschwerde (Urk. 1 Ziff. II) entgegen, da sie seit Mitte 2011 krankgeschrieben sei, müsse für das Valideneinkommen auf die Vorjahre abgestellt werden. Der ehemalige Arbeitgeber habe ihr im Jahr 2013 für die im Jahr 2010 geleisteten 49.75 Überstunden und 5 nicht bezogenen Ferien
tage brutto Fr. 3'647.05 ausbezahlt. Es ergebe sich ein Einkommen für das Jahr 2010 von Fr. 79'429.05. Alternativ resultiere gemäss IK-Auszug ein durch
schnittliches Einkommen für die Jahre 2008 bis 2010 von Fr. 80'659.33. Hinzu kämen die im Jahr 2009 angefallenen 78.14 Überstunden. Insgesamt habe ihr ehemaliger Arbeitgeber für die Jahre 2009 bis September 2013 nämlich eine Entschädigung von Fr. 10'000.-- für 317.78 Überstunden anerkannt. Wann diese geleistet worden seien, sei aus den Auszügen der Arbeitszeiterfassung ersichtlich. Der Verzicht auf einen Teil des Lohnes im Rahmen eines Vergleichs dürfe ihr nicht zum Nachteil gereichen, zumal vereinbart worden sei, darauf die Sozialab
gaben abzurechnen. Mindestens aber seien im Jahreseinkommen 2011 die bis Mai
2011 angefallenen 170.33 Überstunden einzurechnen, was einem Mehrein
kommen
von brutto Fr. 7'527.-- entspreche. Es resultiere für das Jahr 2011 ein Salär von Fr. 83'130.--, ohne Berücksichtigung der nicht bezogenen Ferientage. Würden die vorstehenden Einkommen der Nominallohnentwicklung angepasst, betrage der Invaliditätsgrad stets 50 % oder mehr.
Das Wartejahr sei im Juni 2012 abgelaufen, so dass zwischen Beendigung des Job Coachings und Beginn des Belastbarkeitstrainings – konkret von Mai 2013 bis Mitte Mai 2014 – ein befristeter Anspruch auf eine halbe Rente entstanden sei, der am 1. Juni [recte: Juli] 2015 wieder aufgelebt sei. Es könne angenommen werden, dass sie schon damals höchstens zu 50 % in angepassten Tätigkeiten arbeitsfähig gewesen sei. Die Beschwerdegegnerin habe hierzu keine Stellung genommen, was ihr rechtliches Gehör verletze.
2.3
In der Beschwerdeantwort (Urk. 12) kam die Beschwerdegegnerin gestützt auf das MEDAS-Gutachten zum Schluss, ein invalidisierender Gesundheitsschaden sei nicht ausgewiesen bzw. es bestehe gar kein Rentenanspruch. Zunächst führte sie zum otorhinolaryngologischen Teilgutachten aus, die Gehörlosigkeit bestehe seit Geburt und die Beschwerdeführerin sei an einem Arbeitsplatz für Gehörlose zu 100 % arbeitsfähig. Die vom Gutachter postulierte Herabstufung auf 50 % bei zunehmendem Alter sei weder näher konkretisiert, noch nachvollziehbar. Diese könne nicht mit den rein subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin, sie sei nicht mehr so belastbar und konzentriert, begründet werden. Dem psychiatrischen Teilgutachten hielt die Beschwerdegegnerin entgegen, gemäss Bundesgericht sei die mittelgradige depressive Episode nicht invalidisierend, zumal aufgrund der Akten keine Therapieresistenz ausgewiesen sei. Ferner würden die monetären Überlegungen im Zusammenhang mit einer Verweistätigkeit ihr obliegen. Im Übrigen werde im Gutachten darauf hingewiesen, dass die morbide Adipositas die schwere Gonarthrose links verschlimmere, was die Arbeitsfähigkeit massgeblich einschränke, da für den Unterricht volle Mobilität nötig sei. Indes sei eine Ge
wichtsabnahme unter ärztlicher Anleitung und Kontrolle nicht ausgeschlossen. Folglich sei die Adipositas bei der Beurteilung der Invalidität auszuklammern. Schliesslich sei im Gutachten nicht nachvollziehbar erläutert worden, inwiefern in einer angepassten Tätigkeit derart viele einschränkenden Kautelen zu berück
sichtigen seien, dass man keine Eingliederungsoptionen in eine Verweistätigkeit mehr sehe. Vielmehr sei die Beschwerdeführerin angesichts ihrer bisherigen Lauf
bahn breit interessiert und verfüge über verschiedene Fähigkeiten.
2.4
Dagegen wendete die Beschwerdeführerin in der Replik (Urk. 25) ein, sie sei zuerst im D._ gesprächs- und körpertherapeutisch sowie ab März 2013 auch medikamentös behandelt worden. Zusätzlich sei das
Job Coaching mit wöchentlichen Gesprächen von Mai 2012 bis August 2013 durch
eine therapeutisch ausgebildete Fachperson der
E._
erfolgt. Ab Januar 2014 habe eine Psychiaterin mit Gehörlosen-Erfahrung psycho- und verhaltenstherapeutisch mit ihr gearbeitet. Ferner hätten die Standortgespräche bei der Z._ einen therapeutischen Effekt gehabt, insofern sie dabei den Umgang mit ihren Stärken und Schwächen gelernt habe. Zudem habe sie stets eine Maltherapie besucht. Trotz Ausschöpfung der thera
peutischen Massnahmen sei ihr bei optimal angepassten Strukturen maximal ein 50%-Arbeitspensum zumutbar gewesen sei.
Die ORL-Gutachterin habe zutreffend festgestellt, dass jede berufliche Betätigung von Gehörlosen eine zusätzliche Anstrengung bezüglich Konzentration und wei
te
rer kognitiver Fähigkeit
en erfordere. Diesbezüglich komme zum Alter die psychische Beeinträchtigung hinzu. Die MEDAS-Gutachter hätten deshalb nach
voll
ziehbar geschlussfolgert, dass sich im Zusammenspiel verschiedener Faktoren die Gehörlosigkeit ebenfalls einschränkend auf die Leistungsfähigkeit auswirke. Dies habe sich auch in der Eingliederung gezeigt: maximale Konzentra
tions
spanne 3,5 Stunden, reduzierte Aufnahmefähigkeit, vermindertes Arbeitstempo und durchgehend verminderte Belastbarkeit.
Genau diese Faktoren hätten zum Verlust der Stelle bei der A._ Sprachschule Mitte 2018 geführt, nachdem selbst Anpassungen im Tätigkeitsbereich nicht mehr genügt hätten. Ab Mitte November 2017 sei sie zu 70 von 100 % krankge
schrie
ben gewesen, habe ihr Pensum im Januar/Februar 2018 nochmals auf 40 % steigern können und sei ab August 2018 vollständig ausgefallen. Derzeit sei sie
zu 80 % krankgeschrieben. Die zurückhaltende gutachterliche Prognose betref
fend
den Erhalt der Arbeitsfähigkeit habe sich somit bestätigt.
Somatisch bestünden eine Femorotibialarthrose, eine Meniskusläsion sowie offe
ne Ober- und Unterschenkelvenen. Daraus hätten die Gutachter zu Recht auf Ein
schränkungen der Geh- und Stehfähigkeit geschlossen, die sich nicht nur auf die Tätigkeit als Gebärdensprachlehrerin auswirkten. Sie hätten einleuchtend darge
legt, dass nur eine Total-Endoprothese in Frage käme, wobei eine solche erst nach
einem (dauerhaften) Gewichtsverlust und muskulären Aufbautraining, also mittel
- bis langfristig, möglich wäre. Aufgrund ihrer psychischen Verfassung und ihres Alters sei indes zu bezweifeln, dass ihr die hierfür nötige Umstellung der Lebensgewohnheiten zumutbar sei. Wie gutachterlich dargelegt, seien ihre Res
sourcen inzwischen erschöpft und die Adipositas somit invalidisierend.
Die körperlichen Beschwerden würden sie zu wechselbelastenden, mehrheitlich sitzenden Tätigkeiten zwingen. Aufgrund ihrer Ausbildung kämen Arbeiten in der Administration, am Computer, im Büro oder dergleichen in Frage. Solche würden jedoch erhöhte Anforderungen an die kognitiven Fähigkeiten stellen, über welche sie aus psychischen Gründen nicht mehr uneingeschränkt verfüge. Unzumutbar seien ihr indes absolut unqualifizierte Hilfsarbeiten, weshalb die gutachterlich attestierte Arbeitsfähigkeit von 50 % in angepassten Tätigkeiten nicht zu beanstanden sei.
Wie das MEDAS-Gutachten schliesslich klar aufzeige, würden die psychischen Beschwerden auf Traumata in der Kindheit zurückgehen. In Kombination mit der Gehörlosigkeit sei die Belastbarkeit deshalb schon früh reduziert gewesen. Sie habe daher nur gesundheitsbedingt nicht 100 % gearbeitet. Folglich sei für das Valideneinkommen der beim Y._ erzielte Lohn auf 100 % hochzurechnen, so dass ein Invaliditätsgrad über 50 % resultiere.
3.
3.1
Im Gutachten der MEDAS vom 31. März 2016 wurden als Diagnosen, welche die zumutbare Arbeitsfähigkeit wesentlich einschränken, genannt: (1) Gehörlosigkeit seit Geburt, (2) langanhaltende, mindestens mittelgradige sonstige depressive Epi
sode (ICD-10: F32.8), (3) Valgus-Gonarthrose links, aktiviert seit Dezember 2015 und (4) morbide Adipositas (BMI 44 kg/m
2
) mit Zwerchfellbruch. Keine wesen
t
liche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiere aus der arteriellen Hypertonie, dem Verdacht auf eine Rhizarthrose beidseits, der mittelgradigen Myopie und den diversen anamnestischen Allergien (Urk. 13/311/34 f.).
Die Beschwerdeführerin habe viele Jahre als Gebärdensprachlehrerin gearbeitet. Von März 2009 bis November 2013 sei sie Mitglied der Geschäftsleitung des Y._, Bereich Medien und Öffentlichkeit, gewesen. Aktuell arbeite sie in einem 50%-Pensum als Gebärdensprachlehrerin an der A._ Sprachschule. In dieser Tätigkeit sei sie zu 50 % arbeitsfähig. Theoretisch könne sie auch eine andere körperlich leichte, vorwiegend eher sitzende, nicht stehend-gehende Tätigkeit zu 50 % ausüben. Es seien dabei jedoch so viele einschränkende Kautelen zu berück
sichtigen, dass man keine Eingliederungsoption in eine Alternativtätigkeit sehe. Durch die Gehörlosigkeit sei die Beschwerdeführerin vielfach eingeschränkt, z.B. beim Instruktionsbedarf und der Teamarbeit.
Den Beginn der reduzierten Arbeits
fähigkeit könne man auf Juni 2011 festsetzen, als über mehrere Monate hinweg zunächst eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Ab dem Jahr 2012 habe sie ihre Arbeitsfähigkeit nie auf mehr als 50 % steigern können, weshalb man den Beginn der jetzigen 50%igen Arbeitsfähigkeit schätzungsweise auf Anfang 2012 festsetzen könne
(Urk. 13/311/35 f.)
.
3.2
3.2.1
Aus dem internistischen Teil des Gutachtens ist dem vorstehend Ausgeführten nur hinzuzufügen, dass die morbide Adipositas nach Ansicht des federführenden Facharztes für Allgemeine Innere Medizin sicher einen Co- bzw. Verschlimme
rungsfaktor mit Bezug auf die linksseitige Gonarthrose darstellt. Zudem falle die Beschwerdeführerin als schweratmig auf, ohne dass ein Lungenleiden bestehe. Die Schweratmigkeit beruhe somit ebenfalls auf der Adipositas. Diese und die schwere Gonarthrose links würden bedeutende Faktoren der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit darstellen. Der Facharzt für orthopädische Chirurgie, Dr. med. F._, habe in seinem Bericht festgehalten, dass die Situation nur durch eine Operation verbessert werden könne, dass aber wegen der Adipositas keine Teil-, sondern nur eine Total-Endoprothese in Frage komme (Urk. 13/311/30 f.). Er selbst habe nun die Beschwerdeführerin aufgeklärt, dass man zunächst die konservativen Massnahmen ausschöpfen müsse und sie zuvor massiv an Gewicht abnehmen und die Muskulatur auftrainieren müsse, ansonsten der Erfolg der Operation schlechter sei (Urk. 13/331/25).
3.2.2
Wie schon in der Verfügung vom 4. Juli 2018 dargelegt, kann daraus nicht geschlossen werden, die Einschränkungen der Geh- und Stehfähigkeit könnten in absehbarer Zeit mit einer Gewichtsreduktion und einer Operation vollständig beseitigt werden (Urk. 18 S. 2). Die Gutachter kamen vielmehr überzeugend zum Schluss, dass es keine direkten medizinischen Massnahmen gebe, welche die Arbeitsfähigkeit steigern könnten (Urk. 13/311/36). Dabei erfolgte die gutachter
liche Schlussbesprechung unter Beizug eines Facharztes für Rheumatologie, des
Chefarztes Dr. med.
G._
, der das Gutachten auch mitunterzeichnete (Urk. 13
/311/29 und 13/311/37).
Der im Gutachten erwähnte Bericht von Dr. F._ wurde von der IV-Stelle zwar nach wie vor nicht beigebracht, wohl aber der radiologische Befund des MRI des linken Knies vom 20. November 2015. Darin wurden, wie im Gutachten wiedergegeben (Urk. 13/311/21), als im Vordergrund stehend eine aktivierte late
rale Femorotibialarthrose mit Chondropathie Grad III-IV und eine komplexe laterale Meniskusläsion mit Flap in den mediotibialen Rezessus diagnostiziert (Urk. 21/2). Eine ärztlich angeleitete und kontrollierte drastische Gewichtsre
duk
tion, wie sie die Gutachter auch wegen der wahrscheinlich mit der Zeit opera
tionsbedürftigen Kniearthrose als unbedingt nötig und damit zumutbar erach
teten, würde demnach nichts an der nachvollziehbar und fachärztlich bestätigten Einschränkung des gutachtlichen Belastungsprofils auf körperlich leichte, vor
wie
gend sitzende Tätigkeiten ändern (Urk. 13/311/36). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kein Leiden stellen wohl die offenen Unterschenkel- und Oberschenkelvenen links gemäss Bericht zur Duplexsonografie vom 27. Oktober 2015 dar. Diese Untersuchung erfolgte zum Ausschluss einer tiefen Beinvenen
thrombose, wobei der Befund keinen Verschluss, sondern Venen mit regelrechten Flussverhältnissen zeigte (Urk. 21/2).
3.3
3.3.1
Dem H._-Teilgutachten ist ergänzend zu entnehmen, die Anamnese sei während ca. 30 Minuten im direkten Gespräch erhoben worden, d.h. die Beschwerde
füh
rerin habe Lippen gelesen und in Lautsprache ordentlich verständlich gesprochen. Danach sei es ihr zu anstrengend geworden und die Gebärdendolmetscherin habe übersetzt. Es bestehe eine praktische Gehörlosigkeit beidseits mit einer minimalen Resthörigkeit im Tieftonbereich. An einem für Gehörlose geeigneten Arbeitsplatz sei die Beschwerdeführerin aus H._-ärztlicher Sicht voll arbeitsfähig, zumal sich das Gehör gegenüber früher nicht verändert habe. Indes sei zu bedenken, dass man sich als gehörloser Mensch sehr viel konzentrieren müsse, um das Defizit auszugleichen. Mit zunehmendem Alter falle dies der Beschwerdeführerin immer schwerer, so dass eine Herabstufung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % sinnvoll erscheine. Empfohlen werde, versuchsweise zwei neue Hörgeräte anzupassen. Da
mit könnte die Beschwerdeführerin zwar nicht Sprache verstehen, aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Umgebungsgeräusche wahrnehmen und würde z.B. besser mitbekommen, wenn sie angesprochen werde oder sich im Raum etwas tue. Bezüglich der früheren allergischen Reaktionen sollte eine Lösung mittels
entsprechender Materialien oder Medikamente gefunden werden (Urk. 13/311/41
f.).
3.3.2
Wie ebenfalls bereits in der Verfügung vom 4. Juli 2018 ausgeführt, leuchtet es entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin durchaus ein, dass gehörlose Menschen stets eine viel höhere Konzentrationsleistung erbringen müssen, die ihnen im Laufe des Lebens zunehmend schwerer fällt. So bestätigte die für die Begutachtung beigezogene Dolmetscherin, dass eine solche Berufstätigkeit res
pek
tive ein solches Kommunikationssystem sehr anstrengend sei (Urk. 12/311/30 und 12/311/34). Zudem wurde eine entsprechende Einschränkung auch von den psychiatrischen Fachärzten jeweils in ihren Beurteilungen mitberücksichtigt (vgl. nachstehend E. 3.4, Urk. 13/171/11, 13/171/27, 13/245/2, 13/254/10 und 13/285/6). Plausibel erscheinen die Überlegungen ferner mit Blick auf den ver
mehrten Einarbeitungsaufwand in der durchgeführten beruflichen Eingliederung (Urk. 13/227, 13/229, 13/258, 13/265/2, 13/266 f. und 13/274) und die dokumen
tierten Schwierigkeiten bei der Ausbildung zur Buchbinderin (Urk. 13/18/16-18, 13/18/20, 13/18/26, 13/22 f., 13/25, 13/30, 13/32/1-9, 13/37, 13/42 f., 13/45 und 13/49). Dass die H._-Gutachterin keine allgemeingültige Altersgrenze definierte, ist nicht zu beanstanden, zumal es sich um eine Ermüdungserscheinung handelt, die primär von den persönlichen Ressourcen und dem konkreten Lebenslauf abhängen dürfte. Da die H._-Gutachterin indes mitunter in diesem Umstand begrün
det sah, weshalb die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit nicht mehr auf über 50 % steigern konnte, ist das Vorliegen einer relevanten Beeinträch
tigung zumindest ab Sommer 2011 anzunehmen.
Ob die Beschwerdeführerin schon früher gesundheitsbedingt, d.h. wegen der im Zusammenhang mit ihrer Gehörlosigkeit erforderlichen Mehrleistungen, nur in einem reduzierten Pensum von 80 % arbeitete, lässt sich mangels echtzeitlicher Arztberichte nicht mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellen. Dage
gen spricht zumindest, dass sie dies erstmals in der Replik behauptete (E. 2.4), sich neben der Teilzeitarbeit wiederholt weiterbildete (Urk. 13/240), regelmässig Überstunden leistete (Urk. 3/4) und erst im Rahmen der – für sie mit massivem Mehraufwand und Stress verbundenen – Umstrukturierungen an ihrem Arbeits
platz dekompensierte, wobei gleichzeitig ihre enge Vertraute schwer erkrankte und im Februar 2012 verstarb (Urk. 13/311/23, 13/311/30, 13/311/46 und 13/144/15).
3.4
3.4.1
Der begutachtende Psychiater hob hervor, dass die Beschwerdeführerin trotz zahlreicher Belastungsfaktoren eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht bzw. Resultate erreicht habe, die bei ihren Rahmenbedingungen überhaupt nicht selbstverständlich seien. Sie sei taub geboren und die damals schon möglich ge
we
sene Schulung sei viel zu spät eingeleitet worden. Die Erziehungs
bedingungen in den Internaten habe sie plausibel als traumatisierend beschrieben. Die Schu
lungsmöglichkeiten seien nach ihrem Erleben nicht auf dem heutigen Stand gewesen, was ihr Potenzial zur Lebensbewältigung zusätzlich eingeschränkt habe. Als hörende Person könne man sich kaum vorstellen, wie man sich in ein Leben mit einer vollkommen anderen Interaktionsdynamik integrieren könne und die von der Beschwerdeführerin fortwährend empfundene Einsamkeit werde von vielen Hörbehinderten bestätigt. Sie habe sich durchs Leben bringen können und nach der Ausbildung zur Zahntechnikerin eine zweite und dritte Berufsbildung abgeschlossen. Besonders eindrücklich habe sie geschildert, wie sie nach dem Erlernen der Gebärdensprache auf ihre Umwelt hab eingehen können bzw. durch den erweiterten (mit grosser Wahrscheinlichkeit immer noch geringen) Wort
schatz ansatzweise sprachfähig geworden sei. Letztlich habe sich der berufliche Stress mit der Erkrankung und dem Tod ihrer hörenden Freundin gepaart, mit der sie immerhin habe kommunizieren können. Dieser Doppelbelastung habe sie sich
wohl angesichts des natürlichen Alterungsprozesses nicht mehr gewachsen ge
zei
gt. Sie sei nicht mehr in der Lage gewesen, trotz optimaler beruflicher Inte
gra
tionsbemühungen und ambulanter Psychotherapie wieder zur vollen Leistungs
fähigkeit zurückzufinden (Urk. 13/311/48).
In den Akten werde in der Regel von einer Anpassungsstörung ausgegangen. Die Müdigkeit, die Erschöpfung, das Erleben des Alltags als dauernder Kampf, die fehlende Freizeit und die ausbleibenden Freuden interpretiere er indes als Symp
to
matik einer anhaltenden, schleichend verlaufenden, bisher weitgehend thera
pie
resistenten Depression. Diese habe unter den Behandlungsversuchen mögli
cher
weise eine gewisse Besserungstendenz gezeigt, aber ohne dass die Arbeits
fähigkeit hätte gesteigert werden können. Man würde ihr etwas mehr Vergnügen und Lebensfreude gönnen, etwas Freizeit und Abwechslung würden den Weg erleichtern, doch sei dies im Moment nicht möglich (Urk. 13/311/49).
Die Therapie zeige, wie die Beschwerdeführerin ihre deutlich eingeschränkten Ressourcen mobilisiere, um zu einer sehr befriedigenden Lösung zu kommen. So habe sie nach drei Arztwechseln in der D._ selbst eine Psychotherapeutin in Basel gefunden, bei der nun Kontinuität möglich sei. Anhand dieses Beispiels und aufgrund mehrerer Bewertungen in den Akten habe es ihr nie am guten Willen gefehlt. Sie habe sich sehr angestrengt, soweit ihr dies aus gesundheitlichen Gründen möglich gewesen sei. Mit einer 50%-An
stellung mit selbständiger Führung ihres Haushalts habe sie nun das höchste, noch mögliche Funktionsniveau erreicht bzw. schöpfe ihr Potenzial maximal aus. Vor Jahren sei die Arbeitsfähigkeit durch die beruflichen und persönlichen Ver
änderungen stärker eingeschränkt gewesen. Die genauen Daten des Umfangs liessen sich indes nicht objektivieren. Da das Spektrum möglicher Tätigkeiten schon durch das fehlende Gehör massiv eingeschränkt sei, gebe es keine Alter
native mit vergleichbaren Verdienstmöglichkeiten. Die Einschränkungen würden überdies auch für die Haushaltsführung gelten (Urk. 13/311/49 f.).
3.4.2
Des Weiteren führte der Gutachter
eine Standardindikatoren-Prüfung
durch, wie sie vom Bundesgericht mit
BGE 141 V 281
dannzumal erst für die
somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychosomatische Leiden
vorgesehen war.
Inzwischen kam das Bundesgericht in BGE 143 V 418
E. 7
zum Schluss, dass
sämtliche psychisc
hen Leiden, laut BGE 143 V 409
E. 4.5.2 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, einem
solch
strukturierten Beweisver
fahren zu unterziehen
sind. Dabei
wird im Regelfall anhand von auf den funk
tionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tatsächlich erreich
bare
Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleicher
massen
den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rech
nung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundes
gerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2 mit Hinweisen).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wid
er
spruchsfrei mit zumindest
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 142
V
106 E. 4.5; Urteil des Bundesgerichts 8C_676/201
7 vom 28. Februar 2018 E. 6.3).
3.4.3
Dazu erläuterte der Gutachter, die Kriterien der Depression seien in der ICD-10-Klassifikation klar zusammengefasst. Die Fähigkeit sich zu freuen, das Interesse und die Konzentration seien beeinträchtigt. Die ausgeprägte Müdigkeit sei offen
sichtlich vorhanden. Der Schlaf sei insofern gestört, als die Beschwerdeführerin mehr schlafe als in früheren Jahren. Der Appetit sei vermindert, oft kämen aber auch Steigerungen vor. Das Kriterium der Schuldgefühle oder Gedanken über die eigene Wertlosigkeit sei nicht ausgeprägt vorhanden. Über die geforderte ge
drückte Stimmung habe sich die Beschwerdeführerin explizit ausgelassen, diese dauere über Monate und Jahre an. In Bezug auf den Ausprägungsgrad sei von einer mittelgradigen depressiven Episode auszugehen – mit der geforderten de
pressiven Stimmung über einen langen Zeitraum, der festgestellten Ermüdbarkeit und dem geforderten Verlust an Freude. Von den Zusatzkriterien seien min
des
tens drei erfüllt: Schlafstörungen, gesteigerter Appetit und reduzierte Denk- und Konzentrationsfähigkeit bei längeren Anstrengungen (Urk. 13/311/49; vgl. ferner zu Befund und Beschwerdeklage Urk. 13/311/44-47).
Hinsichtlich des ersten Komplexes «Gesundheitsschädigung» in der Kategorie «funktioneller Schweregrad» sei festzuhalten, dass die gesundheitliche Beein
träch
tigung komplex sei, weil die Taubheit die Ressourcen zur Bewältigung von Lebensschwierigkeiten stark einschränke und sich mit – im Rahmen der psy
chiatrischen Begutachtung nicht weiter abgeklärten – körperlichen Beschwerden und der anhaltenden Depression paare. Beim zweiten Komplex «Persönlichkeit» sei zu beachten, dass die persönlichen Ressourcen in den vergangenen Jahren genügt hätten, um die Probleme zu bewältigen, nun aber aufgrund der Gesamt
situation erschöpft seien. Bezogen auf den letzten Komplex «sozialer Kontext» führe die Beschwerdeführerin ein Leben am Rand der Gesellschaft trotz Versu
chen, den Lebensraum zu erweitern. Bei der zweiten Kategorie «Konsistenz» ergebe sich die Konsistenz insofern, als alle Lebensbereiche gleichmässig von der Problematik betroffen seien. Eine strukturierte, geplante Entspannung vermitteln
de Freizeit gebe es fast nicht mehr und grössere Ferienwünsche seien nie das Thema gewesen. Ausschlussgründe im Sinne von BGE 131 V 49 [Aggravation] bestünden keine (Urk. 13/311/49 f.).
3.4.4
Zusammenfassend war für den Gutachter somit bedeutsam, dass die Beschwer
deführerin ihren Lebensunterhalt trotz ungenügender Förderung (vgl. dazu Urk. 13
/3/10), schwieriger familiärer Verhältnisse und traumatisierender Inter
nats
erfahrungen in der Kindheit über Jahrzehnte allein zu bestreiten vermochte, obschon sie sich dabei wiederholt gezwungen sah, sich beruflich zu verändern (vgl. dazu Sachverhalt E. 1.1). Nachdem sie sich gemäss Aktenlage nach der psy
chischen Dekompensation im Juni 2011 im Rahmen der Neuerungen beim Y._ gleichermassen um eine berufliche Reintegration bemühte, aber dennoch nur ein Arbeitspensum von 50 % erreichte, erachtete der Gutachter ihre Leistungs
fähigkeit als damit ausgeschöpft (vgl. dazu im Detail Urk. 13/144, 13/153, 13/169 und 13/171 zu den Anstrengungen, um den Arbeitsplatz zu erhalten; Urk. 13/227-229, 13/258, 13/267 f. und 13/274/4 zur motivierten Mitarbeit in den von der Invalidenversicherung durchgeführten Trainings mit Übergang in eine Festanstellung; Urk. 13/229/2 und 9/258/2 zur eigeninitiativen Stellensuche Urk. 13/216/2, 13/229/2 und 13/258/2).
Als Erklärung hierfür nannte er eine mit dem Alterungsprozess einhergehende Erschöpfung der persönlichen Ressourcen und eine schleichend zunehmende
atypische Depression mit in erster Linie erhöhter Ermüdbarkeit, vermehrtem Schlaf
bedürfnis, Freudlosigkeit und reduzierter Denk-/Konzentrationsfähigkeit bei
längeren Anstrengungen. Zur Plausibilisierung der reduzierten Leistungs
fähig
keit wies er auf die gleichermassen im privaten Bereich bestehenden Einschränkungen hin. Seine Schlussfolgerungen stehen somit vollumfänglich im Einklang mit den Feststellungen der behandelnden Ärzte und Fachleute der beruflichen Einglie
derung, die allesamt verschiedentlich auf die abfallende Konzentration bzw. Ermüdung im Laufe des Tages, die geringen Freizeitaktivitäten, die angepasst reduzierte Haushaltsführung sowie letztlich eine – angesichts des Krankheits
ver
laufs nicht mehr steigerungsfähige – medizinisch theoretische bzw. erprobte Leis
tungsfähigkeit von 50 % hinwiesen (Fachleute der beruflichen Eingliederung
Urk. 13/144/15, 13/193/1, 13/227, 13/228/2, 13/229, 13/258, 13/265/2, 13/266 f.,
13/268, 13/274
; B._
Urk. 7/171/4 f. und 13/174; Dr. med.
I._
, «Fachärztin für Innere Medizin mit anerkanntem
Fähigkeitsausweis
«
Psy
chosomatische und Psychosoziale Medizin [SAPPM]
»
Urk. 13/180, 13/245 und 13/285). Ein entsprechendes Leistungslimit bestätigte sich darüber hinaus im inzwischen beendeten Arbeitsverhältnis mit der Sprachschule A._. Nachdem diese ab Sommer 2016 von der Beschwerdeführerin an gewissen Tagen ganz
tägigen Unterricht und ab Sommer 2017 „noch mehr Flexibilität“ verlangt hatte, verschlechterte sich deren Zustand, so dass sie ab November 2017 „zu 70 von 100 %“ krankgeschrieben wurde. Erst ab März 2018 erreichte sie nach Anpassung des Aufgabenbereichs (weniger Unterricht, mehr administrative Arbeiten) wieder ein 50%-Arbeitspensum. Da sich dies für die Arbeitgeberin indes nicht rentierte,
wurde ihr gekündigt (Urk. 26/1-2). Der (bei laufendem Rentenverfahren eher unge
wöhnliche) Versuch, das Arbeitspensum über das medizinisch-theoretisch Zumut
bare hinaus massgeblich zu steigern, führte also erneut zur Dekompensation.
Im Übrigen hat das Bundesgericht in seinem Urteil 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.1.1 erneut betont, dass gemäss dem Grundsatzurteil BGE 127 V 294 E. 4c die Therapierbarkeit eines Leidens dem Eintritt einer rentenbegründenden Invalidität nicht entgegen stehe, weil die Behandelbarkeit für sich allein betrach
tet, nichts über den invalidisierenden Charakter einer psychischen Störung, auch eines depressiven Leidens, aussage. Dabei optimierte die Beschwerdeführerin ihre Therapie auch insoweit selbst, als sie sich nach Ausbleiben eines Erfolgs der an
fänglichen Gesprächstherapie zusätzlich einer psychopharmakologischen Behand
l
ung unterzog und eine Psychotherapeutin mit Gehörlosenerfahrung suchte. Die Beschwerdegegnerin substantiierte nicht näher, inwiefern die Beschwerdeführerin damit die sinnvollen Therapieoptionen noch nicht ausgeschöpft hat, zumal die Krankenkasse die Kostenübernahme für eine stationäre Behandlung in einer Spezialklinik für Gehörlose ablehnte und die Integration in eine ambulante Gruppentherapie oder Tagesklinik mit Hörenden – nach den vorstehenden Erwä
gungen nachvollziehbar – deutlich erschwert ist (vgl. Urk. 13/174/1 f.). Demge
genüber legten die Gutachter und behandelnden Ärzte nachvollziehbar dar, dass aufgrund der Komorbiditäten und langen Dauer der Erkrankung mit medizini
schen Massnahmen keine Steigerung der Arbeitsfähigkeit über 50 % mehr zu erwarten ist.
3.5
Wie eine Aggravation bzw. die damit verbundene fehlende Möglichkeit zur Fest
stellung des tatsächlichen Leistungsvermögens zum Ausschluss eines Rentenan
spruchs führt BGE 141 V 281 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE
131 V 49
, muss umgekehrt eine von allen Seiten bestätigte, gesundheitlich bedingt verminderte Leistungsfähigkeit bei zweifellos motivierter Mitarbeit der versicherten Person bei der Invaliditätsbemessung berücksichtigt werden. Dabei beruhen die oben in Klammern aufgelisteten Berichte nicht allein auf der subjektiven Beschwerde
klage der Beschwerdeführerin, sondern primär auf objektiven Beobachtungen über
einen Behandlungs- respektive Eingliederungszeitraum von mehreren Mona
ten bis mehreren Jahren. Das in sich stimmige und mit den Akten im Einklang stehende Gutachten überzeugt in allen Teilen. Es ist vollumfänglich darauf abzu
stellen. Die von der Beschwerdegegnerin im Rahmen der rechtlichen Würdigung angeführten Argumente rechtfertigen in Anbetracht der konkreten Gegeben
hei
ten keine abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus juristischer Sicht.
4.
4.1
Mit Blick auf die Invaliditätsbemessung wurde bereits angemerkt, dass eine rein gesundheitlich bedingte Reduktion des Arbeitspensums bereits vor Juni 2011
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist und auch nicht mehr
erstellt werden kann. Indes ist aufgrund der nachgereichten Unterlagen bezüglich des Valideneinkommens festzustellen, dass die Beschwerdeführerin von Beginn bis Ende der Anstellung beim
Y._ jeweils 50 oder mehr Überstunden pro Jahr leistete.
Massgebend ist
hierbei
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschei
nlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1
), ob
eine versicherte Person
aufgrund
ihrer
konkreten erwerblichen Situation und
ihres
tatsächlichen Arbeitseinsatzes vor
der Erkrankung
wahrscheinlich weiterhin ein Zusatzeinkommen zufolge Überstundenarbeit hätte erzielen können; die blosse Möglichkeit dazu genügt nicht (
vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_653/2016 Urteil vom 16. Januar 2017 E. 4.1 mit Hinweisen
).
Trotz sicher vermehrter Überstunden im Rahmen der Umstrukturierung in den Monaten vor Eintritt der Invalidität kann vorliegend davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin auch weiterhin jährlich mindestens 50 Überstunden geleistet und bereits aufgrund des vergleichsweise nachbezahlten Stundenlohnes von knapp Fr. 31.50 (Fr. 10'000.-- : 317.78 Stunden, Urk. 3/4) mehr als Fr. 80'000.-- verdient hätte. Damit ist ein Invaliditätsgrad von über 50 % ausgewiesen, der Anspruch auf eine halbe Invalidenrente gibt.
Es bleibt anzumerken, dass die Beschwerdeführerin ihren Haushalt weiterhin selbständig führt. Eine massive Einschränkung in diesem mit 20 % gewichteten
Aufgabenbereich, welche schlussendlich zu einem höheren Rentenanspruch führen
könnte, ist daher ohne Weiteres auszuschliessen. Insoweit die Beschwerdegeg
nerin zu Recht monierte, monetäre Überlegungen seien ihr zu überlassen, ver
säumte sie es in der Folge, mögliche Verweistätigkeiten aufzuzeigen, in welchen die Beschwerdeführerin tatsächlich mehr als brutto Fr. 3'333.35 pro Monat bzw. rund Fr. 40'000.-- pro Jahr (Urk. 11/2a, 11/2b und 11/3) verdienen könnte. Eine volle Arbeitsfähigkeit ist nach dem vorstehend Gesagten indes auch in kognitiv wenig anspruchsvollen Hilfstätigkeiten unwahrscheinlich, wobei die Gehörlosig
keit und die Kniebeschwerden das Spektrum an möglichen Verweistätigkeiten zusätzlich einschränken und sich der erhöhte Einarbeitungsaufwand in Kombi
nation mit der geringen verbleibenden Erwerbsdauer ebenfalls negativ auf den Lohn auswirken würden. In diesem Sinne unterstützte die Beschwerdegegnerin zu Recht von Anfang an eine berufliche Reintegration in eine der bisherigen, komplexeren und gut bezahlten Tätigkeiten.
4.2
Zum strittigen Rentenbeginn ist festzuhalten, dass der Grundsatz «Eingliederung vor Rente» insbesondere dann nicht aktuell ist, wenn sich der rentenbegründende Invaliditätsgrad durch (nicht von Taggeld begleitete) Eingliederungsmassnahmen nicht beeinflussten lässt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_494/2007 vom 6. Mai
2008 E. 3.1). Ebenso können Eingliederungsmassnahmen nicht rückwirkend einen
Erfolg zeitigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_885/2008 vom 8. April 2009 E. 7). In diesem Sinne kann mithin auch dann ein allenfalls befristeter Renten
anspruch entstehen, wenn die Möglichkeiten der beruflichen Eingliederung noch nicht ausgeschöpft sind, aber keine beruflichen Massnahmen laufen und solche auch nicht konkret angeordnet sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_892/2011 vom 21. September 2012 E. 3.3.1). Wird die Eingliederungsunfähigkeit erst nach
träglich beweismässig erstellt, kann die Invalidenrente rückwirkend zugesprochen werden. Kein Rentenanspruch besteht dabei in den Zeiträumen, in welchen die versicherte Person an Eingliederungsmassnahmen teilnahm und hierfür Taggeld
leistungen erhielt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_312/2009 vom 1. Dezember 2009 E. 5.2 und 8C_115/2013 vom 30. September 2013 E. 3.2).
Als die Beschwerdeführerin im Juni 2012 – unter Wahrung der sechsmonatigen Anmeldefrist nach Art. 29 Abs. 1 IVG – die einjährige Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG erfüllte, bestand gemäss Gutachten nur noch eine medizinisch-theo
retisch zumutbare Arbeitsfähigkeit von 50 %. Unter Berücksichtigung des Taggeldbezugs vom 19. Mai 2014 bis 30. Juni 2015 hat sie daher Anspruch auf eine halbe Invalidenrente befristet vom 1. Juni 2012 bis 18. Mai 2014 und unbe
fristet ab 1. Juli 2015. Die Parteien brachten keine Einwände gegen diese bereits mit Verfügung vom 26. November 2018 angekündigte reformatio in melius der angefochtenen Verfügung vor (Urk. 33-36).
5.
Zusammenfassend ist also vollumfänglich auf das MEDAS-Gutachten abzustellen und der Beschwerdeführerin ab Ablauf des Wartejahres im Juni 2012 – ausge
nommen den Zeitraum, in welchem sie Taggeldleistungen bezog – eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Die Beschwerde ist somit im Sinne einer reformatio in melius gutzuheissen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens-aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Sie sind auf Fr. 800.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 2 GSVGer). Rechtsanwältin Sintzel machte mit Kostennote vom 10. Dezember 2018 (Urk. 38) einen Aufwand von 16.18 Stunden à Fr. 220.-- sowie Barauslagen im Betrag von Fr. 87.50, zuzüglich Mehrwertsteuer von 8 % bzw. 7.7 % geltend. Die einzelnen Positionen der Kostennote sowie der Gesamt
auf
wand sind in Anbetracht des Aktenumfangs sowie der zahlreichen, gebotenen Eingaben (vgl. Sachverhalt E. 2) als angemessen zu beurteilen. Die Beschwerde
gegnerin ist daher zu verpflichten, der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung von Fr. 3'931.85 (inkl. Mehrwert
steuer und Barauslagen) zu bezahlen.