Decision ID: b44a386d-6ba6-45cc-9752-eff9b43a5ebb
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_001
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: civil_law

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Mit Zahlungsbefehl Nr. [...] des Betreibungsamtes Brugg vom 13. Juli 2021
betrieb die Klägerin den Beklagten für den Betrag von Fr. 35'725.00 nebst
5 % Zins seit 12. Juli 2021 (Angabe des Forderungsgrundes: "Kindesunter-
halt vom 01.06.2016 – 31.01.2018 [Entscheid des Bezirksgerichts Laufen-
burg vom 06.03.2018 VF.2017.3, Entscheid des Obergerichts vom
30.10.2018 ZVE.2018.27; Abtretung vom 08.07.2021]") und für Zahlungs-
befehlskosten von Fr. 103.30.
Der Beklagte erhob Rechtsvorschlag.
2.
2.1.
Mit Rechtsöffnungsbegehren vom 4. Oktober 2021 beantragte die Klägerin
beim Bezirksgerichtspräsidium Brugg definitive Rechtsöffnung für den
Betrag von Fr. 35'725.00 nebst 5 % Zins seit 12. Juli 2021, unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beklagten.
2.2.
Mit Eingabe vom 9. Dezember 2021 (Postaufgabe) nahm der Beklagte Stel-
lung zum Rechtsöffnungsbegehren und beantragte sinngemäss dessen
Abweisung.
2.3.
Am 18. Dezember 2021 ordnete der Bezirksgerichtspräsident einen zwei-
ten Schriftenwechsel an.
2.4.
Mit Eingabe vom 28. Februar 2022 (recte: 28. Januar 2022) ersuchte die
Klägerin neu um definitive Rechtsöffnung für den Betrag vom Fr. 32'475.00
nebst 5 % Zins seit 12. Juli 2021, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zu Lasten des Beklagten.
2.5.
Der Beklagte reichte am 23. Februar 2022 eine Stellungnahme ein.
2.6.
Am 5. April 2022 erkannte das Bezirksgerichtspräsidium Brugg:
" 1. Der Gesuchstellerin wird in der Betreibung Nr. [...] des Betreibungsamtes Brugg (Zahlungsbefehl vom 13. Juli 2021) für den Betrag von Fr. 32'475.00 nebst Zins zu 5 % seit 12. Juli 2021 die definitive  erteilt.
- 3 -
2. Die Entscheidgebühr von Fr. 400.00 wird dem Gesuchsgegner auferlegt. Sie wird mit dem Vorschuss der Gesuchstellerin von Fr. 400.00 verrechnet, so dass der Gesuchsgegner der Gesuchstellerin Fr. 400.00 direkt zu  hat.
3. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin eine  von Fr. 1'655.10 (inkl. Auslagen und MwSt.) zu bezahlen."
3.
3.1.
Gegen diesen ihm am 4. Mai 2022 vollständig begründet zugestellten Ent-
scheid erhob der Beklagte mit Eingabe vom 13. Mai 2022 (Postaufgabe)
fristgerecht Beschwerde und beantragte:
" 1. Streichung der Unterhaltsforderung für den Monat Januar 2018 (CHF 2'950.00) aus dem Betreibungsbetrag.
2. Wiederherstellen der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde"
3.2.
Mit Beschwerdeantwort vom 10. Juni 2022 liess die Klägerin die kostenfäl-
lige Abweisung der Beschwerde beantragen.
3.3.
Mit Verfügung vom 15. Juni 2022 wies der Instruktionsrichter das Gesuch
um aufschiebende Wirkung ab.

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Rechtsöffnungsentscheide können mit Beschwerde angefochten werden
(Art. 319 lit. a i.V.m. Art. 309 lit. b Ziff. 3 ZPO). Mit der Beschwerde können
die unrichtige Rechtsanwendung sowie die offensichtlich unrichtige Fest-
stellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden (Art. 320 ZPO). Neue
Anträge, neue Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel sind aus-
geschlossen (Art. 326 Abs. 1 ZPO). Das Obergericht kann aufgrund der
Akten entscheiden (Art. 327 Abs. 2 ZPO).
1.2.
Die Beschwerdeinstanz ist nicht verpflichtet, den erstinstanzlichen Ent-
scheid losgelöst von konkreten Anhaltspunkten in der Beschwerdebegrün-
dung von sich aus in jede Richtung hin auf mögliche Mängel zu untersu-
- 4 -
chen, die eine Gutheissung des Rechtsmittels ermöglichen könnten. Abge-
sehen von offensichtlichen Mängeln beschränkt sie sich vielmehr darauf,
die Beanstandungen zu beurteilen, welche die Parteien in ihren schriftli-
chen Begründungen gegen das Urteil erheben (BGE 147 III 176 E. 4.2.1).
2.
Die Vorinstanz erwog im Wesentlichen, mit dem als Rechtsöffnungstitel
eingereichten Entscheid des Bezirksgerichts Laufenburg vom 6. März 2018
werde der Beklagte verpflichtet, der Mutter des gemeinsamen Kindes C. für
den Zeitraum vom 1. Juni 2016 bis 31. Januar 2018 einen Kinderunterhalt
von total Fr. 42'800.00 zu bezahlen. Die eingereichte Abtretungserklärung
führe die Gemeinde als Zessionarin nicht auf. Den übrigen Belegen könne
jedoch entnommen werden, dass die Klägerin in der in Betreibung gesetz-
ten Periode Leistungen erbracht habe, welche die Deckung des Kinderun-
terhalts bezweckt hätten. Damit liege ein definitiver Rechtsöffnungstitel vor
und die Rechtsnachfolge der Klägerin erscheine ausreichend liquide (an-
gefochtener Entscheid E. 4.4). Der Betrag, für den definitive Rechtsöffnung
verlangt werde, setze sich zusammen aus dem im Entscheid des Bezirks-
gerichts Laufenburg für die fragliche Zeit festgesetzten Totalbetrag abzüg-
lich von der Klägerin als Kinderunterhalt anerkannter Zahlungen (angefoch-
tener Entscheid E. 4.5). Der Beklagte mache geltend, er habe mehr Kin-
derunterhalt bezahlt, als die Klägerin ihm anrechne (angefochtener Ent-
scheid E. 4.6). Den Umfang der angeblichen Tilgung gebe er aber nicht an.
Insofern komme er seiner Substantiierungspflicht nicht nach. Selbst wenn
der Beklagte einen Betrag angegeben hätte, liesse sich dieser durch die
eingereichten Belege nicht rechtsgenüglich beweisen. Es sei nicht ersicht-
lich, inwiefern die gemäss den eingereichten Kontoauszügen getätigten
Bargeldbezüge für den Unterhalt des Kindes gedient haben sollen. Es
handle sich lediglich um eine von der Klägerin bestrittene Behauptung des
Beklagten. Dasselbe gelte für die eingereichten Kreditkartenabrechnun-
gen. Auch diesbezüglich sei nicht ersichtlich, inwiefern diese Ausgaben an
den geschuldeten Kinderunterhalt anzurechnen seien. Es gehe daraus we-
der hervor, wem diese Ausgaben zu Gute gekommen seien, noch aus wel-
chem (Forderungs)Grund. Den Kontoauszügen könne teilweise der Ver-
merk "D." entnommen werden. Allerdings sei auch bei diesen Zahlungen
nicht ersichtlich und werde von der Klägerin bestritten, dass es sich dabei
um Kinderunterhaltszahlungen handeln solle. Die handschriftlichen Erklä-
rungen des Beklagten vermöchten daran nichts zu ändern. Vorliegend gelte
der Urkundenbeweis. Die übrigen Vorbringen des Beklagten seien deshalb
im vorliegenden Verfahren unbehelflich (angefochtener Entscheid E. 4.7).
3.
3.1.
Mit der Beschwerde bringt der Beklagte vor, er habe bei der Vorinstanz
angerufen und nachgefragt, wie er Nachweise der Zahlungen einzureichen
habe, zumal er sich keinen Anwalt leisten könne. Ihm sei mitgeteilt worden,
- 5 -
er solle alle Unterlagen dem Gericht einreichen. Dies habe er getan. Nun
werde ihm eine unsubstantiierte Eingabe vorgeworfen und seine Eingaben
würden nicht berücksichtigt. Es widerspreche seinem Rechtsverständnis,
dass eine Überweisung auf das Konto der Kindsmutter nicht als Unterhalt
anzurechnen sei, bloss weil im Überweisungstext nicht Unterhalt stehe (Be-
schwerde S. 1).
3.2.
Beruht die Forderung auf einem vollstreckbaren Entscheid eines schweize-
rischen Gerichts oder einer schweizerischen Verwaltungsbehörde, so wird
die definitive Rechtsöffnung erteilt, wenn nicht der Betriebene durch Urkun-
den beweist, dass die Schuld seit Erlass des Entscheids getilgt oder ge-
stundet worden ist, oder die Verjährung anruft (Art. 81 Abs. 1 SchKG).
Macht der Schuldner im Verfahren der definitiven Rechtsöffnung Zahlung
geltend, muss er diese Zahlung somit durch Urkunde beweisen. Dabei
muss einerseits der Betrag klar ausgewiesen sein und andererseits festste-
hen, dass die Zahlung zu Gunsten des berechtigten Gläubigers und zur
Erfüllung der betriebenen Forderung geleistet wurde (STÜCHELI, Die
Rechtsöffnung, Zürich 2000, S. 233 f.). Im Falle einer teilweisen Tilgung hat
der Schuldner durch Urkunden den Grund der Tilgung und den genauen
Betrag der getilgten Schuld darzulegen. Es ist nicht Aufgabe des Rechts-
öffnungsrichters, den Umfang der Tilgung zu bestimmen (STAEHELIN, in:
Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs,
3. Aufl. 2021, N. 9a zu Art. 81 SchKG). Es entspricht dem Willen des Ge-
setzgebers, dass die Möglichkeiten des Schuldners zur Abwehr im Verfah-
ren der definitiven Rechtsöffnung eng beschränkt sind; um jede Verschlep-
pung der Vollstreckung zu verhindern, kann der definitive Rechtsöffnungs-
titel daher nur durch einen strikten Gegenbeweis, d.h. mit völlig eindeutigen
Urkunden, entkräftet werden (BGE 104 Ia 14 E. 2).
3.3.
Gestützt auf obige Ausführungen hat die Vorinstanz die geltend gemachte
Tilgung zu Recht auf Umfang und Zahlungsgrund geprüft. Zu Recht hat sie
festgestellt, dass der Beklagte nicht angegeben hat, in welchem Umfang er
die Schuld angeblich getilgt hat. Es ist ihr auch darin beizupflichten, dass
gestützt auf die eingereichten Urkunden nicht erstellt ist, dass es sich bei
den angeblichen Zahlungen um die fraglichen Kinderunterhaltsbeiträge
handelt, was vom Beklagten auch nicht angefochten wurde.
4.
4.1.
Mit der Beschwerde bringt der Beklagte ferner vor, er habe schon vor der
Vorinstanz vorgebracht, dass er den Unterhalt für seinen Sohn in der Höhe
von Fr. 2'950.00 für den Monat Januar 2018 bereits nachweislich an die
Einwohnergemeinde Q. bezahlt habe. Hierauf sei in der Begründung nicht
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eingegangen worden. Es sei nicht zulässig, ihm «denselben Monat» noch-
mals in Rechnung zu stellen (Beschwerde S. 2).
4.2.
Tatsächlich führte der Beklagte bereits im vorinstanzlichen Verfahren aus,
«der Monat Januar 2018 [sei] im Verfahren SR.2021.37 bereits der Einwoh-
nergemeinde Q. zugesprochen [worden]» (act. 21). Obwohl die Klägerin
bereits vor Vorinstanz weitere als in Ziffer 3 ihrer Eingabe vom 28. Februar
2022 genannte Unterhaltszahlungen und damit auch die Zahlung an die
Einwohnergemeinde Q. bestritt (act. 37), hat der Beklagte für sein Vorbrin-
gen im vorinstanzlichen Verfahren allerdings keinen Beleg und insbeson-
dere keine Urkunde eingereicht. Bei der mit Beschwerde eingereichten
Pfändungsankündigung des Betreibungsamtes Brugg vom 15. Juli 2021
handelt es sich um ein unzulässiges neues Beweismittel (vorne E. 1.1).
Folglich hat der Beklagte nicht mit Urkunde dargetan, dass die Forderung
betreffend den Monat Januar 2018 untergegangen ist, sodass es beim
vorinstanzlichen Entscheid sein Bewenden hat.
5.
Ausgangsgemäss sind die Prozesskosten dem Beklagten aufzuerlegen
(Art. 106 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 95 Abs. 1 ZPO). Die Gerichtskosten sind
auf Fr. 375.00 festzusetzen (Art. 48 i.V.m. Art. 61 Abs. 1 GebV SchKG) und
mit dem vom Beklagten in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu
verrechnen (Art. 111 Abs. 1 ZPO). Der Beklagte ist zudem zu verpflichten,
der Klägerin eine richterlich auf Fr. 578.00 (Grundentschädigung
Fr. 879.50 [Fr. 1'759.00 {Fr. 1'110.00 + 22 % des Streitwerts von
Fr. 2'950.00; vgl. § 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 AnwT}, davon 50 % {§ 3 Abs. 1
lit. a AnwT i.V.m. § 3 Abs. 2 Satz 1 AnwT}]; Abzug von 20 % wegen fehlen-
der Verhandlung [§ 6 Abs. 2 AnwT]; 25 % Rechtsmittelabzug [§ 8 AnwT];
Auslagen von pauschal Fr. 50.00) festzusetzende Parteientschädigung zu
bezahlen.