Decision ID: 6a1cf81c-10a9-5f8b-a334-1d97e78c3138
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. ist iranischer Staatsangehöriger. Er reiste am 13. Mai 2001 in die Schweiz ein.
Sein Asylgesuch lehnte das (damalige) Bundesamt für Flüchtlinge mit Verfügung vom 4.
Dezember 2002 ab. Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 21. Januar 2010 ab. Daraufhin wurde ihm
eine Ausreisefrist bis 23. Februar 2010 angesetzt. Diese Frist liess X.Y. ungenutzt
verstreichen.
B./ Am 24. April 2007 gebar F.K. den Sohn A.T. X.Y. anerkannte das Kind am 17.
November 2009 vor dem Kreisgericht St. Gallen. Seit 1. Februar 2012 lebt A.T.
zusammen mit der Kindsmutter in Grossbritannien.
C./ Mit Eingaben vom 24. Juli 2010 (Eingangsvermerk des Sozialamtes der Stadt St.
Gallen: 8. September 2011), 3. September 2011 sowie vom 29. Oktober 2011 liess X.Y.
ein Gesuch um Ausrichtung von Nothilfe beim Sozialamt der Stadt St. Gallen stellen.
Dieses teilte ihm mit Schreiben vom 18. November 2011 mit, er könne sich mit seinem
Begehren an die Gemeinde B., welche für die Ausrichtung der Nothilfe als zuständig
erklärt worden sei, wenden. Gleichentags liess X.Y. Rechtsverzögerungsbeschwerde
beim Stadtrat der Stadt St. Gallen einreichen. Mit Verfügung vom 13. Dezember 2011
trat das Sozialamt der Stadt St. Gallen auf das Gesuch um Nothilfe nicht ein und
verwies X.Y. hierfür an die Gemeinde B. Die Rechtsverzögerungsbeschwerde wurde
daraufhin am 15. Dezember 2011 als gegenstandslos abgeschrieben.
D./ Gegen die Nichteintretensverfügung vom 13. Dezember 2011 liess X.Y. mit
Eingaben vom 22. und 23. Dezember 2011 Rekurs beim Sicherheits- und
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Justizdepartement erheben. Dabei stellte er den Antrag, es sei die angefochtene
Verfügung aufzuheben und das Sozialamt der Stadt St. Gallen anzuweisen, das
Nothilfegesuch materiell zu prüfen. Gleichzeitig liess er ein Ausstandsbegehren gegen
die Vorsteherin des Sicherheits- und Justizdepartements sowie dessen Leiter
Rechtsdienst stellen. Die Regierung wies das Ausstandsbegehren mit Beschluss vom
14. Februar 2012 ab. Eine gegen diesen Beschluss erhobene Beschwerde schrieb der
Präsident des Verwaltungsgerichts mit Entscheid vom 27. April 2012 ab, nachdem er
zuvor ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abgewiesen hatte und der daraufhin
angeforderte Kostenvorschuss nicht bezahlt worden war. In der Folge nahm das
Sicherheits- und Justizdepartement das Rekursverfahren wieder auf; mit Entscheid
vom 19. November 2012 wurde der Rekurs abgewiesen.
E./ Dagegen liess X.Y. mit Eingabe vom 6. Dezember 2012 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht erheben mit folgenden Anträgen:
"1. Es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und es sei festzustellen, dass die
Stadt St. Gallen für die Nothilfe ab Antragstellung örtlich zuständig ist.
2. Es sei die Stadt St. Gallen anzuweisen, über das Nothilfebegehren vom 24. Juli
2010 zu befinden.
3. Es seien dem Beschwerdeführer ausseramtliche Kosten für das Rekursverfahren
zuzusprechen.
4. Es sei unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.
5. Es sei vorsorglich festzustellen, dass die Stadt St. Gallen für die Nothilfe zuständig
sei.
6. Unter Kostenfolge und unter Ausrichtung einer Umtriebsentschädigung zu Lasten
des Staates."
Das Sicherheits- und Justizdepartement beantragte mit Vernehmlassung vom 20.
Dezember 2012 die Abweisung der Beschwerde. Das Sozialamt der Stadt St. Gallen
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schloss mit Vernehmlassung vom 8. Januar 2013 ebenfalls auf Abweisung der
Beschwerde.
Auf die Begründungen der Verfahrensbeteiligten sowie auf die Ausführungen im
angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
einzugehen sein.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Der Beschwerdeführer beantragt den Beizug der Akten des
Rechtsverzögerungsverfahrens. Er legt jedoch nicht dar, inwiefern diese Akten für den
vorliegenden Entscheid überhaupt erheblich sein sollten. Auf den Beizug der
entsprechenden Akten kann deshalb verzichtet werden.
3. Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen rechtskräftig abgewiesenen
Asylbewerber, welcher die ihm gesetzte Frist zur Ausreise ungenutzt verstreichen liess.
Er hält sich damit illegal in der Schweiz auf mit der Folge, dass er aus dem
Sozialhilfesystem des Asylbereichs ausgeschlossen werden kann und Anspruch auf
Nothilfe hat. Der Ausschluss von der asylrechtlichen Sozialhilfe ist hier unbestritten,
nachdem der Beschwerdeführer nur um Nothilfe ersucht. Er stellt sich jedoch auf den
Standpunkt, es seien ihm Nothilfeleistungen durch die Stadt St. Gallen, wo sein
Aufenthaltsort sei, auszurichten.
3.1. Vorliegend ist der Kanton St. Gallen unbestrittenermassen Zuweisungskanton
beziehungsweise als für den Vollzug der Wegweisung zuständig bezeichnet worden
gemäss Art. 80 Abs. 1 des Asylgesetzes (SR 142.31, abgekürzt AsylG). Entsprechend
ist er zur Ausrichtung von Nothilfe an den Beschwerdeführer verpflichtet. Art. 80 AsylG
stellt eine lex specialis im Verhältnis zur Regelung des Bundesgesetzes über die
Zuständigkeit für die Unterstützung von bedürftigen Personen (SR 851.1, abgekürzt
ZUG) dar; er geht damit vor.
3.2. Innerkantonal ist die Nothilfe an den von den Kantonen bezeichneten Orten
auszurichten. Dies ergibt sich aus Art. 82 Abs. 4 AsylG. Die entsprechende
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Bestimmung räumt dem zuständigen Kanton ein (weitgehend) freies Ermessen in der
Bezeichnung der Orte ein, welche Nothilfe zu erbringen haben. Aufgrund von Art. 80
Abs. 1 Satz 3 AsylG steht es dem zuständigen Kanton zudem offen, die Ausrichtung
der Nothilfeleistungen an die Gemeinden zu delegieren. Im Kanton St. Gallen wird
diese Aufgabe denn auch von den Gemeinden übernommen. Von daher muss es
diesen aber auch möglich sein, sich auf einen Zuteilungsmechanismus zu einigen. Dies
haben sie getan, indem sie offenkundig die Vorschriften über die Zuweisung von
Asylsuchenden gemäss Asylverordnung (sGS 381.12) sachgemäss auch auf
ausreisepflichtige Personen anwenden. Dies ist nicht zu beanstanden. Auf dieser
Grundlage wurde der Beschwerdeführer der Gemeinde B. zugewiesen. Diese hat dem
Beschwerdeführer unbestrittenermassen Nothilfeleistungen anerboten
beziehungsweise in den Monaten Juli und August 2010 auch erbracht.
3.3. Woraus der Beschwerdeführer nun entgegen der geschildeten Rechtslage
trotzdem ableiten will, dass ihm Nothilfeleistungen durch seine – zum Zeitpunkt der
Gesuchseinreichung angebliche - Aufenthaltsgemeinde St. Gallen zustünden, ist nicht
ersichtlich. Sein Aufenthaltsort bestimmt sich nach dem Zuteilungsentscheid. Eine
rechtliche Grundlage für einen Bezug von Nothilfeleistungen an einem selbstgewählten
Aufenthaltsort besteht nicht. Auf die Niederlassungsfreiheit gemäss Art. 24 der
Bundesverfassung (SR 101) kann sich der Beschwerdeführer als Ausländer nicht
berufen. Art. 3 des Sozialhilfegesetzes (sGS 381.1), dessen Abs. 2 auf das vorliegend
nicht anwendbare ZUG verweist, ist zudem nicht einschlägig. Hinzu kommt, dass er
den Kontakt mit seiner Tochter auch von B. aus pflegen konnte. Entsprechend helfen
ihm Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101) und Art. 9
Kinderrechtskonvention (SR 0.107) in diesem Zusammenhang nicht weiter. Ohnehin
wies er nicht nach, dass er mit seiner (bei Gesuchseinreichung noch) in St. Gallen
lebenden Tochter, die er erst zweieinhalb Jahre nach der Geburt und vor Schranken
anerkannt hat, überhaupt (regelmässigen) Kontakt hatte.
3.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Sozialamt der Stadt St. Gallen zu
Recht auf das vom Beschwerdeführer gestellte Nothilfegesuch nicht eingetreten ist. Er
ist für den Bezug von Nothilfeleistungen rechtmässig der Gemeinde B. zugeteilt. Von
daher erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Mit dem Entscheid in der
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Hauptsache erweist sich das Begehren um vorsorgliche Feststellung der Zuständigkeit
der Stadt St. Gallen als gegenstandslos.
4. (...).