Decision ID: 5c03fa22-ef64-58fe-8f6b-9f7f95893a0b
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 21. März 2018 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an (act. G5.1.71) und
beantragte bei der Kantonalen Arbeitslosenkasse Arbeitslosenentschädigung ab
10. April 2018 (act. G5.1.43). Ihre letzte Anstellung als Service Angestellte bei der B._
hatte sie am 23. Dezember 2017 auf den 31. Dezember 2017 gekündigt (act. G5.1.70;
act. G5.1.39 [Arbeitsvertrag vom 1. Dezember 2016]).
A.a.
Im Rahmen der Verschuldensabklärung gab die Versicherte an, sie habe das
Arbeitsverhältnis aufgelöst, um sich auf die Bewerbung für ihren Traumberuf
vorzubereiten. Zudem habe sich zu viel verändert und sie habe sich nicht ernst
genommen gefühlt. Auf die Frage, ob sie vor der Kündigung die Probleme mit der
Arbeitgeberin besprochen habe, antwortete die Versicherte mit einem Nein und führte
diesbezüglich aus, es sei "zu viel los gewesen" und es seien "Sachen" vorgefallen, die
nicht so einfach zu lösen gewesen seien (act. G5.1.53).
A.b.
Mit Verfügung vom 20. April 2018 stellte das RAV die Versicherte für neun Tage in
der Anspruchsberechtigung ein, da sie sich im massgeblichen Zeitraum vom
10. Januar bis 9. April 2018 in ungenügender Weise um eine neue Stelle beworben
A.c.
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B.
habe. Im Februar 2018 könne sie eine und im März 2018 zwei Suchbemühungen
nachweisen (act. G5.1.49). Die dagegen erhobene Einsprache wies das RAV mit
Einspracheentscheid vom 11. Juli 2018 ab (act. G5.1.11). Dieser Einspracheentscheid
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Mit Verfügung vom 3. Mai 2018 stellte die Kantonale Arbeitslosenkasse die
Versicherte für 39 Tage in der Anspruchsberechtigung ein, da sie eine zumutbare Stelle
ohne Zusicherung einer anderen Arbeitsstelle aufgegeben habe. Es müsse ihr ein als
schwer einzustufendes Verschulden an der Arbeitslosigkeit angelastet werden
(act. G5.1.35).
A.d.
Gegen diese Verfügung liess die Versicherte durch ihren Vater am 15. Mai 2018
Einsprache erheben und die Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragen. Sie
machte im Wesentlichen geltend, dass das Arbeitsverhältnis zwischen ihr und ihrem
Chef nicht gut gewesen sei. So sei sie aufgrund eines einmaligen Zuspätkommens
abgemahnt worden. Danach habe sich das Arbeitsverhältnis zunehmend
verschlechtert. Sie habe häufiger die Frühschicht bekommen, als wollte der Chef eine
Kündigung provozieren. Zudem sei von ihr im Vergleich zu den anderen Mitarbeitenden
ein höheres Mass an Flexibilität verlangt worden. Auch sei sie in verschiedene
Schichten eingeteilt worden. Die anderen Mitarbeitenden hingegen hätten einen ganzen
Monat lang nur die Morgen- oder die Abendschicht bekommen. Sodann habe sie auch
immer wieder einspringen müssen. Es sei gar so weit gegangen, dass sie in die
Abendschicht bis 24.00 Uhr (zuzüglich Aufräumen) und am darauffolgenden Tag in die
Frühschicht ab 06.00 Uhr mit vorgängigem Einrichten eingeteilt worden sei. Zudem
habe ihre Chefin auf Ende Dezember gekündigt, weshalb sie befürchtet habe, weiterhin
vom verbleibenden Chef schikaniert zu werden. Daraufhin habe sie sich entschieden,
auf Ende des Jahres zu kündigen und sich nach ihren Ferien und Auslandaufenthalten
auf ihren Traumberuf zu bewerben. Sie habe bewusst die Zeit nutzen wollen, um
Abstand von der letzten Stelle zu gewinnen und sich mental auf das Assessment bei
der C._ vorzubereiten. Im Februar habe sie jedoch eine Absage erhalten. Nach
Verarbeitung dieses Frusterlebnisses und nach weiteren Ortsabwesenheiten habe sie
wieder begonnen, sich auf neue Stellen zu bewerben. Da sie während dreier Monate
B.a.
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zugewartet habe, bevor sie sich bei der Arbeitslosenversicherung angemeldet habe,
habe sie deren Schaden gemindert. Eine weitere Auferlegung von Einstelltagen ab
Anmeldung sei nicht verhältnismässig und sicherlich auch nicht im Sinne des
Gesetzgebers (act. G5.1.33). Mit Einspracheergänzung vom 18. Juni 2018 machte die
Versicherte zudem geltend, die Anmeldung bei der Arbeitslosenkasse hätte auf den
21. März 2018 festgelegt werden müssen. Hätte sie gewusst, dass sie für zehn Wochen
aufgrund von Einstelltagen keine Entschädigung erhalten würde, hätte sie das
Eintrittsdatum in die Arbeitslosenkasse so früh wie möglich angesetzt. Sie sei vom
21. März bis 2. April 2018 bei Freunden auf einem Reithof gewesen. Tatsächlich ausser
Landes sei sie lediglich vom 3. bis 9. April 2018 gewesen. Aufgrund der dreimonatigen
Arbeitslosigkeit wäre es der RAV-Beraterin möglich gewesen, ihr Anfang April fünf
Ferientage zu gewähren und das Datum des Kasseneintritts auf den 21. März 2018
festzulegen. Die Verschiebung des Eintritts sei das Resultat einer schlechten Beratung
durch die RAV-Mitarbeiterin. Ferner warf die Versicherte den RAV-Mitarbeiterinnen
"Vorbefassung" vor. So liege in den Unterlagen eine E-Mail vom 2. Mai, in welcher
erwähnt werde, dass die Arbeitsbemühungen Einfluss auf die Einstelltage hätten. Damit
würden allfällig ungenügende Arbeitsbemühungen doppelt miteinbezogen
(act. G5.1.20).
Mit Einspracheentscheid vom 16. August 2018 hiess die Arbeitslosenkasse die
Einsprache teilweise gut, hob die Verfügung auf und stellte die Versicherte für 36 Tage
in der Anspruchsberechtigung ein. Die teilweise Gutheissung der Einsprache
begründete die Arbeitslosenkasse damit, dass bei der Versicherten zwar ein schweres
Verschulden vorliege, da sie eine zumutbare Arbeit ohne Zusicherung einer Folgestelle
aufgegeben habe. Sie sei jedoch anders zu behandeln, als jemand, der ohne
irgendeine Idee über seine berufliche Zukunft kündige. So habe die Versicherte
Hoffnung darauf gehabt, dass sie als Flugbegleiterin anfangen könne. Aus diesem
Grund seien 36 Einstelltage angemessen. In Bezug auf den Anmeldebeginn führte die
Arbeitslosenkasse aus, das Eintrittsdatum sei auf den 10. April 2018 festgelegt worden,
weil die Versicherte in den Ferien gewesen sei und somit für den vorherigen Zeitraum
nicht vermittlungsfähig gewesen sei. Sodann könne vorliegend nicht von einer
Doppelbestrafung die Rede sein. Die Versicherte sei zwar vom RAV wegen
ungenügender Arbeitsbemühungen eingestellt worden. Sie hätten die Versicherte
B.b.
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C.
jedoch diesbezüglich nicht nochmals bestraft, sondern einfach nicht entsprechend
begünstigt (act. G5.1.8).
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
17. September 2018 mit den Anträgen, es sei der Einspracheentscheid vom 16. August
2018 aufzuheben und die Beschwerdeführerin für maximal 15 Tagen in der
Anspruchsberechtigung einzustellen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Der neu
beigezogene Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin führt aus, die Situation am
Arbeitsplatz sei für die Beschwerdeführerin unerträglich und psychisch sowie physisch
sehr belastend gewesen. Sie könne folglich triftige Gründe nennen, die ihr Verschulden
als leicht erscheinen liessen, was eine maximale Einstellung in der
Anspruchsberechtigung von 15 Tagen rechtfertige. Sodann habe die
Beschwerdegegnerin unberücksichtigt gelassen, dass die Beschwerdeführerin
während rund dreier Monate überhaupt keine Arbeitslosengelder beantragt und
bezogen habe, obwohl sie solche hätte beanspruchen können und somit einen Teil des
Schadens durch ihr eigenes Zuwarten übernommen habe (act. G1). In der
Beschwerdeergänzung vom 2. November 2018 macht der Rechtsvertreter weiter
geltend, die Beschwerdeführerin sei von ihrem Arbeitgeber schikaniert worden. Obwohl
sie eine der wenigen Festangestellten gewesen sei und Vollzeit gearbeitet habe, sei ihr
untersagt worden, ihre täglichen Einkünfte selber abzurechnen. Als gelernte
Restaurantionsfachfrau EFZ wäre sie dazu problemlos in der Lage gewesen. Zudem sei
ihr im Gegensatz zu den Aushilfen bis zum Schluss kein Tresorschlüssel ausgehändigt
worden. Als ihre andere Vorgesetzte, zu der die Beschwerdeführerin ein wesentlich
besseres Arbeitsverhältnis unterhalten habe, im Dezember gekündigt habe und sofort
freigestellt worden sei, sei die Situation für die Beschwerdeführerin untragbar
geworden. Aufgrund des äusserst belastenden Arbeitsklimas im Dezember sei davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin es schlicht nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz
ausgehalten habe. Gleichzeitig habe sie "die Chance beim Schopf gepackt" und sich
auf die Bewerbung als Flight Attendant vorbereitet. Nicht nur die belastenden
Umstände am Arbeitsplatz, sondern auch ihre begründete Hoffnung auf eine
Ausbildung zu ihrem Traumberuf müssten bei der Beurteilung ihres Verschuldens ins
Gewicht fallen. Darüber hinaus sei die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Kündigung
C.a.
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Erwägungen
1.
_-jährig gewesen. Aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin gehe zudem hervor,
dass sie sich nicht in der Lage gesehen habe, die Belastungssituation anzusprechen.
Sie habe im Dezember als einzigen Ausweg gesehen, das Arbeitsverhältnis
schnellstmöglich zu kündigen und sich auf etwas Neues zu konzentrieren. Da es sich
dabei um zwischenmenschliche Vorgänge gehandelt habe, die nachträglich nur noch
beschrieben werden könnten, liessen sich diese Gegebenheiten nicht mehr belegen
(act. G3).
Mit Beschwerdeantwort vom 17. Dezember 2018 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie macht geltend, die vom
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin genannten Gründe würden ein
Arbeitsverhältnis noch nicht unzumutbar machen. Die Beschwerdeführerin hätte die
Arbeitsstelle beibehalten und sich trotzdem auf die Bewerbung als Flight Attendant
vorbereiten können. Auch habe sie ohne feste Zusage nicht damit rechnen dürfen, dass
sie die Prüfung zur Flight Attendant bestehen würde. Zudem sei anzumerken, dass
selbst wenn die genannten Gründe grundsätzlich eine Kündigung rechtfertigen würden,
was aber vorliegend nicht der Fall sei, diese nicht bewiesen seien. Die Unzumutbarkeit
des Arbeitsverhälnisses bei der B._ sei somit nicht belegt, weshalb ein
Selbstverschulden an der Arbeitslosigkeit gegeben sei. Es sei ferner kein Grund
ersichtlich, weshalb die Einstellhöhe von 36 Einstelltagen reduziert werden sollte
(act. G5).
C.b.
Die Beschwerdeführerin liess am 7. Februar 2019 an ihren Anträgen festhalten und
ausführen, die Beschwerdegegnerin sei in ihrer Stellungnahme nicht auf die geltend
gemachten entschuldbaren Gründe eingegangen. Das jugendliche Alter, die Hoffnung
auf eine Neuanstellung und die belastende Situation am Arbeitsplatz seien in ihrer
Gesamtheit Umstände, aufgrund derer das Verschulden als leicht zu qualifizieren sei
(act. G7).
C.c.
Vorliegend streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin zu Recht wegen
Selbstkündigung für 36 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde.
1.1.
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Nach der im Sozialversicherungsrecht geltenden Schadenminderungspflicht (vgl.
Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung
und Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]) muss eine versicherte Person, die
Versicherungsleistungen beanspruchen will, alles Zumutbare unternehmen, um den
Eintritt der Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder deren Dauer zu verkürzen. Zur
Durchsetzung dieses Prinzips sieht das Gesetz bei Verhaltensweisen, die sich negativ
auf den Eintritt oder die Dauer der Arbeitslosigkeit auswirken, Sanktionen vor. Nach
Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist eine versicherte Person in der Anspruchsberechtigung
einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Selbstverschuldet ist
die Arbeitslosigkeit namentlich dann, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis
von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei
denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte
(Art. 44 Abs. 1 lit. b der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung
und Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Im Bereich der freiwilligen
Stellenaufgabe findet das sozialversicherungsrechtliche Schadenminderungsprinzip
seine Grenze bei der Zumutbarkeit (Art. 16 Abs. 2 AVIG).
1.2.
Bei der Prüfung der Frage, ob eine Sanktion wegen Selbstaufgabe der Stelle im
Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zulässig ist, ist das Übereinkommen Nr. 168 der
Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung und den
Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (SR 0.822.726.8, nachfolgend
Übereinkommen) zu beachten, das für die Schweiz am 17. Oktober 1991 in Kraft
getreten ist. Nach Art. 20 lit. c des Übereinkommens können Leistungen der
Arbeitslosenversicherung verweigert, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden, wenn
die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre Beschäftigung
freiwillig ("volontairement") ohne triftigen Grund ("sans motif légitime") aufgegeben hat.
Diese staatsvertragliche Norm ist im Einzelfall direkt anwendbar (BGE 124 V 236 E. 3c)
und geht den nationalen Bestimmungen für den Erlass einer Einstellungsverfügung vor.
Damit sind bei einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV
bzw. bei der Zumutbarkeitsprüfung die gesamten Umstände der versicherten Person
zu berücksichtigen (Boris Rubin, Commentaire de la loi sur l'assurance-chômage,
Genf/Zürich/Basel 2014, N 36 f. zu Art. 30; Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 80). Es kann nicht von einer freiwilligen
Beschäftigungsaufgabe im Sinne des Übereinkommens gesprochen werden, wenn
eine versicherte Person nicht von sich aus, sondern vom Arbeitgeber oder durch die
Entwicklung am Arbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wird. Gleiches gilt für den Fall, da
die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen vermag
(BGE 124 V 238 E. 4b/aa).
1.3.
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2.
Die Unzumutbarkeit einer Fortsetzung des bisherigen Arbeitsverhältnisses ist vor
dem Hintergrund von Art. 16 Abs. 1 AVIG zu beurteilen, wonach grundsätzlich jede
Arbeit zumutbar ist, es sei denn, einer der in Abs. 2 dieser Bestimmung abschliessend
aufgelisteten Ausnahmetatbestände sei erfüllt. Ein schlechtes Arbeitsklima oder
Spannungen zwischen der versicherten Person und Vorgesetzten begründen noch
keine Unzumutbarkeit. Sie können allenfalls im Rahmen der Verschuldensbeurteilung
Berücksichtigung finden (SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 324 E. 2a und Urteil des
Bundesgerichts vom 27. November 2013, 8C_742/2013, E. 4.1 mit Hinweisen).
1.4.
Es steht fest und ist unbestritten, dass das Arbeitsverhältnis durch die
Beschwerdeführerin aus eigenem Antrieb aufgelöst worden ist und ihr keine
Anschlussstelle zugesichert war. Anlässlich des Erstgesprächs am 10. April 2018 führte
die Beschwerdeführerin gegenüber der Personalberaterin aus, sie habe die bisherige
Arbeitsstelle gekündigt, weil sie sich auf eine Stelle als Flugbegleiterin habe bewerben
und sich voll und ganz auf diese Bewerbung habe konzentrieren wollen (act. G3.1.64).
Im Rahmen der Verschuldensabklärung machte sie geltend, sie habe sich nicht ernst
genommen gefühlt und es habe sich zu viel verändert. Sie habe dies nicht
angesprochen, da zu viel los gewesen sei, und es habe Sachen gegeben, die nicht so
einfach zu lösen gewesen seien. Hauptsächlich habe sie sich aber Zeit nehmen wollen,
um sich auf ihren Traumberuf vorzubereiten (act. G5.1.53). In der Einsprache sowie in
der Beschwerde bzw. in der Beschwerdeergänzung präzisierten der Vater bzw. der
nachträglich beigezogene Anwalt der Beschwerdeführerin deren Beweggründe für die
Kündigung dahingehend, dass die Arbeitsbeziehung zwischen der Beschwerdeführerin
und ihrem Vorgesetzten schwierig gewesen sei. So habe der Vorgesetzte ihr nach einer
einmaligen Verspätung bereits einen mündlichen Verweis erteilt und sie danach
während sechs Monaten übermässig in die Frühschicht eingeteilt. Im Gegensatz zu den
anderen Mitarbeitenden sei von ihr auch ein höheres Mass an Flexibilität verlangt
worden. Es sei so weit gegangen, dass sie in die Abendschicht bis 24.00 (zuzüglich
Aufräumen) und am darauffolgenden Tag in die Frühschicht ab 6.00 Uhr mit
vorgängigem Einrichten eingeteilt worden sei. Zudem sei ihr im Gegensatz zu den
Aushilfen kein Tresorschlüssel ausgehändigt worden und sie habe die täglichen
Einkünfte nicht selber abrechnen dürfen, obschon sie dazu aufgrund ihrer Ausbildung
mit EFZ-Abschluss befähigt sei. Sie habe darunter gelitten, dass ihr wenig zugetraut
und sie von ihrem Vorgesetzten bewusst "klein gehalten" worden sei (act. G5.1.33, G1
und G3).
2.1.
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Die Beschwerdeführerin bestreitet das Vorliegen einer selbstverschuldeten
Arbeitslosigkeit grundsätzlich nicht (act. G1, G3 und G7; vgl. auch act. G5.1.33). Die
Rechtsprechung wendet bei der Frage hinsichtlich der Unzumutbarkeit, am bisherigen
Arbeitsplatz zu verbleiben, denn auch einen strengen Massstab an. Aus
arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht reichen in diesem Sinne Spannungen am
Arbeitsplatz, Differenzen hinsichtlich der Arbeitszeit oder Unterforderung nicht aus, eine
bisherige Stelle als unzumutbar erscheinen zu lassen. Indes dürfte die Rechtfertigung
zur Kündigung ohne Anschlussstelle gegeben sein, wenn die Umstände am
Arbeitsplatz unerträglich sind, weil etwa persönlichkeitsverletzende Diskriminierungen
zu beklagen sind (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht [EVG, heute:
Bundesgericht, sozialrechtliche Abteilungen] vom 6. Februar 2004, C 130/03, E. 2.3;
SVR 1997 ALV Nr. 105 S. 324 E. 2a mit Hinweis; Chopard, a.a.O., S. 124).
2.2.
Vorliegend erscheinen die Ausführungen der Beschwerdeführerin zum
Arbeitsverhältnis durchaus glaubhaft. Es erscheint auch nachvollziehbar, dass sie unter
den auf persönlicher Ebene bestehenden Spannungen zwischen ihr und ihrem
Vorgesetzten gelitten hat. Indessen kann nicht bereits gestützt darauf von Schikane
und damit von der Unzumutbarkeit der Stelle ausgegangen werden. So ist etwa die
Abmahnung aufgrund eines – unbestrittenen – (einmaligen) Zuspätkommens nicht als
unzulässig zu qualifizieren. Gerade in Gastronomiebetrieben ist die Zuverlässigkeit der
Mitarbeitenden von zentraler Bedeutung, denn das Ausfallen einer Angestellten kann
den Betrieb beeinträchtigen. Der Vorgesetzte hat damit durchaus ein legitimes
Interesse daran, die betreffende Mitarbeiterin auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen und
gleichzeitig kund zu tun, dass dies (in Zukunft) nicht geduldet werde. Auch die
erwähnte – aus Sicht der Beschwerdeführerin – ungerechte Schichteinteilung und das
Einspringen für andere Mitarbeitende kann verschiedene durchaus zulässige Gründe
haben. Die Beschwerdeführerin bringt denn auch selber vor, dass sie unmittelbar in der
Nähe gewohnt habe (act. 5.1.33) und sie eine der wenigen Festangestellten gewesen
sei (act. G3). Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Schichteinteilung,
wonach sie teilweise die Abendschicht bis 24.00 Uhr (mit Aufräumen) und am
darauffolgenden Tag die Morgenschicht ab 6.00 Uhr mit vorgängigem Einrichten habe
übernehmen müssen, erscheint mit Blick auf das Arbeitsgesetz problematisch. Die
Beschwerdeführerin konnte jedoch nicht plausibel darlegen, weshalb es für sie nicht
möglich gewesen wäre, ein Gespräch mit ihrer Arbeitgeberin zu suchen und diese an
ihre Fürsorgepflicht zu erinnern. Ohne Kenntnis der geltend gemachten Missstände war
es der Arbeitgeberin auch nicht möglich, eine Verbesserung herbeizuführen. Unter den
gegebenen Umständen sowie im Lichte der vorgenannten Rechtsprechung (E. 2.2)
hätte von der Beschwerdeführerin somit grundsätzlich erwartet werden können, dass
2.3.
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3.
sie für die Dauer der Arbeitssuche (vorerst) am alten Arbeitsplatz verbleibt und diesen
erst nach Zusage einer neuen Stelle kündigt. Eine psychische Belastung wird sodann
erstmals in der Beschwerde erwähnt, indes nicht – wie von der Rechtsprechung
gefordert (BGE 124 V 238 E. 4b/bb) – mit einem ärztlichen Attest belegt. Im Übrigen
geht sowohl aus der Verschuldensabklärung wie auch aus dem Erstgespräch vom
10. April 2018 hervor, dass nicht das (psychisch) belastende Arbeitsverhältnis der
ausschlaggebende Grund für die Kündigung war, sondern dass sich die
Beschwerdeführerin auf eine berufliche Zukunft als Flight Attendant vorbereiten wollte.
Damit steht fest, dass auch sie das Arbeitsverhältnis als solches nicht als geradezu
unzumutbar empfand. Somit ist die Beschwerdeführerin aus eigenem Verschulden im
Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG in Verbindung mit Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV
arbeitslos geworden. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung ist daher zu Recht
erfolgt.
Zu prüfen bleibt, ob die von der Beschwerdegegnerin verfügten Einstelltage von 36
Tagen angemessen sind.
3.1.
Gemäss Art. 30 Abs. 3 AVIG bemisst sich die Einstelldauer nach dem Grad des
Verschuldens. Nach Art. 45 Abs. 4 AVIV liegt ein schweres Verschulden vor, wenn die
versicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne
Zusicherung einer neuen aufgegeben oder eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat.
Schweres Verschulden führt zu einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 31
bis 60 Tagen (Art. 45 Abs. 3 lit. c AVIV). Beim Einstellungsgrund der Auflösung des
Arbeitsverhältnisses ohne Zusicherung einer neuen Stelle (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV)
kommt dem konkreten Sachverhalt für die Verschuldensbeurteilung im Allgemeinen
eine grössere Bedeutung zu als etwa bei der Ablehnung einer zugewiesenen
zumutbaren Arbeit (Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG), wo Tatsache und Schwere des
Verschuldens meist klar feststehen. Bei Einstellungen nach Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV
kann die Bestimmung von Art. 45 Abs. 4 AVIV lediglich die Regel bilden, von welcher
beim Vorliegen besonderer Umstände im Einzelfall abgewichen werden darf (vgl.
BGE 130 V 126 E. 3.2).
3.2.
Die kantonalen Gerichte sind in sozialversicherungsrechtlichen Angelegenheiten
verpflichtet, die Angemessenheit einer mit Beschwerde angefochtenen
Verwaltungsverfügung zu prüfen (vgl. BGE 137 V 73f. E. 5.2). Bei der
Unangemessenheit geht es um die Frage, ob der zu überprüfende Entscheid, den die
Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen
3.3.
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Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise
anders hätte ausfallen sollen. Allerdings darf das Sozialversicherungsgericht sein
Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es
muss sich auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende
Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 126 V 81 E. 6 mit
Hinweis). Dabei ist auch den Bestrebungen der Verwaltung Rechnung zu tragen, die
darauf abzielen, durch interne Weisungen, Richtlinien, Tabellen, Skalen usw. eine
rechtsgleiche Behandlung der Versicherten zu gewährleisten (Urteil des Bundesgerichts
vom 22. August 2011, 8C_285/2011, E. 3.1). Obwohl solche Verwaltungsweisungen für
das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich sind, soll es diese dennoch bei seiner
Entscheidung berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht
werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen (vgl.
BGE 138 V 362 E. 6.2).
Die Beschwerdegegnerin ging zunächst von einem schweren Verschulden im
mittleren Bereich aus und verfügte eine Einstelldauer von 39 Tagen. Im
Einspracheverfahren reduzierte sie das Sanktionsmass auf 36 Tage mit der
Begründung, dass die Beschwerdeführerin anders zu behandeln sei als jemand, der
ohne irgendeine Idee über seine berufliche Zukunft kündige. Die Beschwerdeführerin
habe immerhin Hoffnung darauf gehabt, als Flugbegleiterin anfangen zu können
(act. G5.1.8). Zwar berücksichtigte die Beschwerdegegnerin im Einspracheverfahren
den Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin auf ihre berufliche Zukunft vorbereiten
wollte. Mit der Einstelldauer von 36 Tagen erscheinen aber die Gesamtumstände noch
zu wenig gewürdigt. So sind die glaubhaft geschilderten Konflikte am Arbeitsplatz
verschuldensmindernd zu beurteilen (vgl. Chopard, a.a.O., S. 124). Gerade für eine
junge Erwachsene kann es sehr belastend sein, immer wieder in verschiedene
Schichten eingeteilt zu werden und kurzfristige Einsätze übernehmen zu müssen,
zumal die Schichten mit Arbeitsbeginn ab 6.00 Uhr (mit vorgängigem Einräumen) und
Arbeitsende ab 24.00 Uhr (mit Aufräumen) doch sehr früh bzw. sehr spät sind. Auch
dass die Beschwerdeführerin darunter gelitten haben mag, dass sie als Fachperson im
Gegensatz zu den Aushilfen weniger Verantwortung übernehmen durfte, erscheint
durchaus nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass das zweifellos angespannte Arbeitsklima
in einem Kleinbetrieb wie der betreffenden Bar stärker spürbar sein dürfte. Indessen ist
zu Lasten der Beschwerdeführerin zu berücksichtigen, dass sie sich vor der Kündigung
nicht an ihre Arbeitgeberin gewandt hatte, um eine Verbesserung der
Arbeitsbedingungen zu erzielen. In Würdigung der persönlichen Umstände erscheint es
gerechtfertigt, von einem Verschulden im untersten Bereich des schweren
3.4.
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4.
Verschuldens auszugehen. Eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 31
Tagen erscheint damit schuld- und sachangemessen.
Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, das Zuwarten mit der Anmeldung zum
Taggeldbezug nach Eintritt der Arbeitslosgikeit sei im Sinne einer Verminderung des
Verschuldens zu berücksichtigen, ist ihr Folgendes entgegenzuhalten: Das Zuwarten
mit der Anmeldung ist nur dann als schadenmindernd zu werten, wenn sich die
arbeitslose Person während dieser Zeit auch intensiv um eine neue Stelle bemüht hat
(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 28. Dezember 2005, EVG C
73/03, E. 3.3 mit weiteren Hinweisen). Vorliegend ist unbestritten, dass sich die
Beschwerdeführerin im Januar 2018 einzig um die Stelle als Flight Attendant bemüht
hatte und sie im Februar – nach Verarbeitung der Absage sowie nach weiteren
Ortsabwesenheiten – eine sowie im März 2018 zwei Suchbemühungen getätigt hatte.
Mit diesem Vorgehen trug sie nur wenig zur Schadenminderung bei, da die Chance, mit
lediglich vier Bewerbungen innert drei Monaten eine neue Stelle zu finden, gering war.
Als die Beschwerdeführerin von der Absage der Stelle als Flight Attendant erfahren
hatte, hätte sie sich umso intensiver um eine neue Anstellung bemühen müssen. Da sie
es unterlassen hat, sich angemessen um eine neue Stelle zu bewerben, hat sie die
Anmeldung lediglich verzögert, nicht aber den Schaden gemindert. Eine weitere
Reduktion der Einstelldauer von 31 Tagen ist mithin nicht angezeigt.
3.5.
Schliesslich hatte der Vater der Beschwerdeführerin in der Einspracheergänzung
vom 18. Juni 2018 (act. G5.1.20) sinngemäss beantragt, den Beginn der Rahmenfrist
auf den 21. März 2018 vorzuverlegen.
4.1.
Zu Recht hat der Rechtsvertreter diesen Antrag im Beschwerdeverfahren nicht
erneut gestellt, denn diesem Ersuchen stünde entgegen, dass die Tilgung von Warte-
und Einstelltagen voraussetzt, dass alle Anspruchsvoraussetzungen nach Art. 8 AVIG
erfüllt sind. Zu diesen Voraussetzungen gehört namentlich die Vermittlungsfähigkeit
nach Art. 15 AVIG. Erst zu diesem Zeitpunkt (bzw. wenn sämtliche
Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind) kann die Rahmenfrist für den Leistungsbezug
eröffnet werden, was Voraussetzung ist für die Auszahlung von Taggeldern (Art. 9
Abs. 2 AVIG). Nachdem die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben bis zum
9. April 2018 beschäftigt war, ist erst ab 10. April 2018 von einer Vermittlungsfähigkeit
auszugehen. Dabei ist unbeachtlich, dass sie sich vom 21. März bis 2. April 2018 in der
Schweiz aufgehalten hat. Da sie auf einem Reithof von Freunden aushalf, um wieder
eine Tagesstruktur zu bekommen, war sie während dieser Zeit weder bereit noch in der
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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St.Galler Gerichte
5.