Decision ID: 53def7b2-7ae9-4efe-9c2b-4ffbbdc9a4f0
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1970 geborene
X._
ist gelernte Kaufmännische Angestellte (
Urk.
6
/2
/11
).
V
on April 2000 bis Juli 2003
arbeitete sie
für die Z._
AG
und v
on August bis Oktober 2003
für die A._
.
Nachdem sie i
m November und Dezember 2003 Arbeitslosenentschädigung
bezogen
hatte
(
Urk.
6/8/1-2)
, wodurch sie -
wie auch während den folgenden Bezüge
n von Arbeitslosenent
schädigung -
bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG
berufsvorsorgeversichert
war, arbeitete sie v
on
Dezember 2003
bis April 2006
als Sachbearbeiterin für die
B._
AG
(
Urk.
6/2/18). Im Juni 2006 bezog
sie
erneut
Arb
eits
losenentschädigung
(
Urk.
6/8/2)
. Von Juli bis September 2006
war
X._
für die C._
AG
(
Urk.
6/8
/2
) und v
om
1.
Oktober 2006 bis
am
3
1.
Ok
tober 2007 für die D._
AG
tätig
(
Urk.
6/2/17). Ab dem
1.
Dezember 2007 arbeitete
sie als Einkaufsassis
tentin für die E._
AG. Dieses Arbeitsverhältnis endete am 3
1.
Mai 2008 (
Urk.
6/2/16). In der Folge bezog
X._
erneut
Arbeitslosenentschädigung bzw. war bei der
F._
AG, der G._ AG und der H._
AG
angestellt (
Urk.
6/8/3).
Vo
m 1
3.
Oktober 2008
bis am 30. April 2010
arbe
itete
X._
als Sachbearbeiterin für die
I._
AG (Urk.
6/2/15).
In der Folge bezog
sie
abermals
Arbeit
slosenentschädigung (Urk.
6/8
/3
)
, unterbrochen durch T
ätigkeiten für die J._
AG von
Okto
ber bis Dezember 201
0
(
Urk.
6/8/3) und für die K._
GmbH vom 1. März bis
am
2
2.
April 2011 (
Urk.
6/2/14)
.
Vom 1.
August bis
am
2
7.
Oktober 2011
war
X._
als Mitarbeiterin Customer Care
bei der
L._
AG
ange
stellt
und dadurch bei der
Swisscanto
Sammelstiftung der Kantonalbanken
berufsvorsorgeversichert (
Urk.
6/2/13). Nachdem
X._
erneut Tag
ge
l
der der Arbeitslosenv
ersicherung bezogen hatte (Urk.
6/8
/3
), war sie vom 1
8.
Juni 2012 bis
am
3
0.
April 2013 bei der
M._
AG in einem Pensum von 60
%
als Sachbearbeiterin angestellt (
Urk.
6/2/12)
und dadurch bei der
FUTURA Vorsorgestiftung
berufsvorsorgeversichert (Urk.
6/21/9-12)
.
Ab dem
8.
Mai 2013 bezog
X._
erneut Taggelder der Arbeitslosenversiche
rung
(
Urk.
15 S. 5).
Am 2
8.
August 2013 meldete sich
X._
bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/1).
Von Oktober bis Dezember 2013 absolvierte
sie
einen Integrationsversuch bei der Stif
tung
N._
(vgl.
Urk.
6/46/3) und v
om 3
1.
März 2014 bis am 2
7.
Februar 2015 einen Arbeitsversuch bei der
O._
SA
(
U
r
k.
6/52
,
Urk.
6/88)
. Die Vorsor
ge
einrichtung der
O._
SA
war
die Sammelstiftung Vita (
Urk.
11/6).
Die IV-Stelle nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor, in deren Rahmen sie
ein Gutachten bei der
P._
AG in Auftrag
gab (
Urk.
6/41), welches am
3.
September 2015
erstattet
wurde
(
Urk.
6/46).
Am 1
8.
November 2015 auf
erlegte die IV-Stelle
X._
im Sinne ihrer Schadenminderungs
pflicht
,
sich einer tagesklinischen oder stationären Behandl
ung zu unterziehen (
Urk.
6/50).
X._
begab sie am
1
5.
April
2016
in stationäre Behand
lung in der psychiatrischen Klinik Q._
. Der stationäre Auf
enthalt dauerte
bis am 2
9.
September
201
6
(
Urk.
6/59,
Urk.
6/60,
Urk.
6/68).
Die IV-Stelle sprach
X._
n
ach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(
Urk.
6/73) mit
Verfügung vom
3.
März 2017 mit Wirkung ab September 2014 eine ganze Invalidenrente zu (
Urk.
6/80, vgl.
Urk.
6/7
8
).
1.2
In der Folge wandte sich
X._
an die
Swisscanto
Sammelstiftung der Kantonalbanken (
Urk.
2/16a
), die Stiftung Auffangeinrichtung BVG (
Urk.
2/17a
,
Urk.
2/17c
), die FUTURA Vorsorgestiftung (
Urk.
2/18a
,
Urk.
2/18c
) und die Sammelstiftung Vita (
Urk.
2/19a,
Urk.
2/19c
)
und beantragte die Ausrichtung von Leistungen der beru
flichen Vorsorge.
Die Vorsorgeei
nrichtungen
verneinten je ihre eigene Zuständigkeit (
Urk.
2/16b,
Urk.
2/17b,
Urk.
2/18b,
Urk.
2/18d,
Urk.
2/19b und
Urk.
2/19d), die Stiftung Auffangeinrichtung BVG sprach
X._
jedoch
mit Wirkung ab
1.
September 2014
Vorleistungen zu (Urk.
2/17d).
2.
Mit Eingabe vom 2
2.
Juli 2020 (
Urk.
1) erhob
X._
Klage gegen d
ie
Swisscanto
Sammelstiftung der Kantonalbanken (Beklagte 1), die Stiftung Auffangeinrichtung BVG (Beklagte 2), die FUTURA Vorsorgestiftung (Beklagte 3) und die Sammelstiftung Vit
a (Beklagte 4) und beantragte sinngemäss, es sei die leistungs
pflichtige Vorsorgeeinrichtung
zur Ausrichtung einer
ganzen
Rente mit Wirkung ab Eintritt
der
E
r
werbsunfä
h
igkeit zu verpflichten.
Mit Verfügung vom 2
9.
Juli 2020 wurden die Akten der
IV-Stelle
in Sachen der Klägerin beige
z
ogen (
Urk.
5,
Urk.
6/1-121).
In der Folge wurde den
Beklagten Frist zur
Klageantwort
angesetzt (
Urk.
8). Die Beklagte
3 erklärte mit Eingabe vom 31.
August 2020
,
dass keine Stellungnahme erfol
ge und daran festgehalten werde
, dass sie nicht leistungspflichtig sei (
Urk.
9). Die Beklagte 4 mit Klage
antwort vom
2.
September 2020 (
Urk.
10), die Beklagte 2 mit Klageantwort vom
2.
Oktober 2020 (
Urk.
15) und die Beklagte
1 mit Klageantwort vom 15.
Oktober 2020 (
Urk.
17) beantragten die Abweisung der gegen sie selber gerichteten Klage. Die Klägerin hielt mit Repliken vom 1
4.
Januar 2021 (
Urk.
21,
Urk.
23,
Urk.
25,
Urk.
27) an ihren Anträgen fest
, wobei sie erklär
t
e, dass die Beklagte 4 nicht leis
tungspflichtig sei
. Während die Beklagte 1 keine Duplik einreichte, beantragte
n
die Beklag
t
en 2 (
Urk.
42)
und
3 (
Urk.
41)
,
die
gegen sie selber gerichtete
Klage
sei abzuweisen
.
Die Bekl
agte 4 hielt mit Duplik vom 22.
Februar 2021 fest, das Verfahren gegen sie sei als durch Klagerückzug erledigt abzuschreiben
sei
(
Urk.
43). Die Dupliken wurden den Parteien mit Verfügung vom 1
1.
März 2021 gegenseitig zugestellt
(
Urk.
44)
.
Mit Verfügung vom 2
4.
Juni 2021 (
Urk.
48) wurde
n
der Klägerin Formulare zur Entbindung von
Dr.
med. R._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med. S._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin, und
Dr.
med. T._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Berufsgeheimnis
zugestellt
. Die Klägerin unterzeichnete die Formulare und entband die genannten Ärztinnen vom Berufsge
heimnis (
Urk.
50,
Urk.
51, Urk.
52).
Mit Verfügung vom 12. Juli 2021 (Urk. 53) forderte das Gericht Dr.
R._
auf, die
vollstän
d
ige
Krankengeschichte der Klägerin einzureichen und diverse gerichtliche Fragen zu beantworten. Dr.
R._
erteilte mit Schrei
ben vom 20. Juli 2021 Auskunft (Urk. 56). Am 4. August 2021 erklärte sie auf telefonische Anfrage, dass sie die Krankengschichte der Klägerin nicht einreiche, sie aber weitere Fragen des Gerichts – soweit möglich – beantworten werde (vgl. Urk. 57). In der Folge
stellte das Gericht
Dr.
R._
weitere Fragen (
Urk.
58,
Urk.
59). Mit Schreiben vom 2
5.
Oktober 2021
(
Urk.
63) erteilte Dr.
R._
Aus
kunft und erklärte
, dass die Krankengeschichte der Klägerin nicht auffindbar sei, weshalb
es schwierig sei, einen präzis
eren Bericht zu verfassen
. N
ach g
erichtlicher Aufforderung (Urk.
65)
nahm Dr.
R._
Abklärungen zum Verbleib der Kran
kengeschichte
der Klägerin
vor, welche jedoch erfolglos blieben (
Urk.
66). Mit Verfügung vom 3
1.
Januar 2022 (Urk. 68) forderte das Gericht Dr.
T._
auf, diverse gerichtliche Fragen zu beantworten. Dr.
T._
erteilte mit Schreiben
vom 1
1.
Februar 2022
Auskunft (Urk.
71
).
Mit Verfügung vom 2
8.
Februar 2022 (
Urk.
74) wurde den Parteien
Frist angesetzt, um zu den Berichten von
Dr.
R._
und
Dr.
T._
Stellung zu nehmen (Urk.
74). Während die Beklagten 1, 3 und 4 keine Stellungnahme einreichten, liess
en
sich die Klägerin mit Stellung
nahme vom
1.
März 2022 (
Urk.
80) und die Beklagte 2 mit Stellungnahme vom 1
4.
März 2022 (
Urk.
82) vernehmen. Die Stellungnahme
n
der Klägerin und der Beklagten 2 wurden den Parteien mit Verfügung vom
4.
April 2022 zur Kennt
nisnahme zugestellt
(
Urk.
82)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zum Entscheid über die strittigen Leistungen ist gegeben (
Art.
73 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge, BVG, in Verbindung mit
§
2
Abs.
2
lit
. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).
1.2
Nach
Art.
24
Abs.
1 BVG
in der bis am 3
1.
Dezember 2021 gültig gewesenen Fassung
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist.
Gemäss dem am
1.
Januar 2022 in Kraft getretenen
Art.
24a BVG wird die Höhe des Anspruchs auf eine Invalidenrente in proze
nt
ualen Anteilen an einer ganzen Rente festge
legt. Weiterhin besteht ein Rentenanspruch ab einem Invaliditätsgrad von
40
%
und auf eine ganze Rente ab einem Invaliditätsgrad von 70
%
.
Für Rentenbe
zügerinnen und Rentenbezüger, deren Rentenanspruch vor
d
em 1.
Januar 2022
entstanden ist und die bei Inkrafttreten d
er
Änderung das 55
.
Altersjahr noch nicht vollendet haben, bleibt der bisherige Rentenanspruch bestehen, bis sich der Invaliditätsgrad nach Artikel 17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
ändert
(vgl.
BVG,
Übergangsbe
stimmung zur Änderung vom 1
9.
Juni 2020)
.
Gemäss Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die ent
sprechenden Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
Art.
29
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung,
IVG
). Die Invaliden
leistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereig
nisses angeschlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG).
Eine Arbeitsunfähigkeit ist berufsvorsorgerechtlich relevant, wenn sie mindestens 20
%
beträgt und sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausge
wirkt hat. Es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle (Urteil des Bundesgerichts 9C_91/2013 vom 1
7.
Juni 2013 E. 4.1.2 mit Hinwei
sen).
1.3
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist erforderlich, dass zwischen Arbeitsun
fähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusam
menhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krankheit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbrechung des zeitlichen Zusammenhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusammenhangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität in schematischer (analoger) Anwendung der Regeln von
Art.
88a
Abs.
1 der Verord
nung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine anspruchsbeeinflussende Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen sind viel
mehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweg
gründe, die die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 E. 2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hinweisen).
Eine Vorsorgeeinrichtung, die ihre Leistungspflicht damit bestreitet, die Arbeits
fähigkeit sei bereits zu Beginn des Vorsorgeverhältnisses gesundheitlich bedingt eingeschränkt gewesen, trägt hierfür die Beweislast (
Art.
8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs, ZGB; Urteil 9C_658/2016 vom
3.
März 2017 E. 6.1 mit Hinwei
sen). Umgekehrt hat der Leistungsansprecher die Folgen von Beweislosigkeit zu
tragen, wenn er geltend macht, der enge zeitliche Konnex zwischen einer vorbe
standenen berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit (Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf von mindestens 20
%
; BGE 144 V 58 E. 4.4) sei während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses unter
brochen worden (Urteil des Bundesgerichts 9C_630/2017 vom
9.
Mai 2018 E. 3).
1.4
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invaliden
versicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurtei
lungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Über
prüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorge
einrich
tung beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bun
des
gerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
Art.
73
ter
IVV) einbezogen und ihr die Rentenver
fügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbstän
diges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbe
ziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invalidi
tätsgrades (grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entschei
dend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren
der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditäts
bemessung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2.
2.1
Die Klägerin erklärte zur Begründung ihrer Klage
im Wesentlichen
(
Urk.
1/1)
,
sie
habe
bis
zum Ende des Arbeitsverhältnisses mit
der
L._
AG
am 2
7.
Oktober 2011, in dessen Rahmen sie bei der Beklagten 1 berufsvorsorgeversichert gewesen sei, ein 100%-Arbeitspensum
ausgeüb
t. Ab dem
6.
Oktober 2011 habe sie sich in eine dauerhafte
Therapie bei
Dr.
T._
begeben
. Ab diesem Zeitpunkt existierten Arztzeugnisse, welche eine volle oder zumindest teilweise Arbeitsunfähigkeit bezeug
t
en
.
Im Zeitraum vom
1.
Dezember 2011 bis 2
1.
März 2013 seie
n
gemäss
Dr.
T._
auf
ihren
Wunsch keine Arztzeugnisse ausgestellt worden.
Sie
habe beabsichtigt
gehabt
, wieder eine Arbeitstätigkeit mit reduziertem Pensum aufzu
nehmen, w
as
durch entsprechende Arztzeugnisse unnötig erschwert
worde
n
wäre
.
Ihr Gesundheitszustand habe sich
jedoch
ab dem
1.
Dezember 2011 gegenüber dem vorherigen Zeitraum nicht verbessert.
Vermutungsweise müsse aufgrund des beruflichen Werdeganges ab 2003 bereits von einer früheren, zumindest teilweisen Erwerbsunfähigkeit ausgegangen werden.
Sie habe
jedoch
sei
t Dezember 2003 bis zur Ausrichtung der Leistungen der Invalidenversicherung keine vorsorgetechnischen Lücken. Sie habe
deshalb
Anspruch auf Leistungen der beruflichen Vorsorge. Entsprechend erbringe die Beklagte 2 auch Vorleistungen. Ein grundsätzliche
r
Leistungsanspruch werde von den Beklagten nicht bestritt
en
. Unklar sei einzig, welche Vorsorgeeinrichtung nun e
ffektiv leistungspflichtig sei.
2.2
2.2.1
Die Beklagte 1
erklärte
mit Klageantwort vom 1
5.
Oktober 2020
(
Urk.
17)
, die Klägerin sei vom
1.
August bis
am
2
7.
Oktober 2011 über ihre Arbeitgeberin
L._
AG bei ihr vorsorgeversichert gewesen
. W
ährend der run
d dreimona
tigen Anstellung bei der
L._
AG
habe die Klägerin ein 100
%
-P
ensum bestritten und im Anschluss
an dieses Vorsorgeverhältnis
währe
nd
sieben Mona
ten ein ALV-Taggeld auf 100
%
-Basis bezogen. Die Klägerin habe sich zwar während der Anstellung bei der
L._
AG
in ärztliche Behandlung begeben
, es gehe
aus den Akten
jedoch
nicht hervor, dass diese Erkrankung
zu einer andauernden Arbeitsunfähigkeit vo
n mindestens 20
%
geführt habe. Es müsse davon ausgegangen werden,
dass die mehrere Monate nach dem Austritt bei ihr erfolgte
Reduktion des Arbeitspensums nicht aus m
edizinischen Gründen erfolgt
sei
, sondern von der
Klägerin
so gewünscht gewesen sei. Wäre die Verminderung des Pensum
s
aufgrund einer medizinischen Indikation angezeigt gewesen, hätte die behandelnde Ärzt
in dies in ihrer Beurteilung zu Hä
nden der
Invalidenver
sicherung
vermerken müsse
n
.
Nach den IV-Akten wäre der für die berufliche Vorsorge massgebende Beginn der andauernden Arbeitsunfähigkeit von mindes
tens 20
%
am 2
2.
März 201
3.
Die behandelnde Ärztin
habe
ab diesem Datum
«bis auf Weiteres»
eine A
r
beitsunfähig
keit
von 30 bis 40
%
attestiert
. Ab dem 1
3.
September 2013 sei im Anschluss eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attes
tiert worden.
Aus dem Gesagten erg
ebe
sich,
dass
während der knapp dreimona
tigen Versicherungsperiode bei ihr keine rentenrelevante Arbeitsunfähigkeit eingetreten sei respektive der zeitliche Zusammenhang in der Folge unterbrochen worden wäre. Sie sei daher nicht leistungspflichtig.
2.2.2
Die Beklagte 2 führte mit Klageantwort vom
2.
Oktober 2020 an
(
Urk.
15),
a
us den Akten der Invalidenversicherung ergebe sich, dass es im Zusammenhang mit dem Verlust einer längere
n
Arbeitsstelle Ende 2003 und dem Tod des Vaters der Klägerin ebenfalls im Jahr 2003 zu zahlreichen Notfallkonsultationen wegen unklaren Bauchbeschwerden gekommen sei. Schliesslich habe eine notfallmässige Operation wegen einer (am ehesten)
Cholecys
t
itis
erfolgen müssen. Danach habe sich das Lebe
n
der Kläger
in
stark verändert. Der berufliche Einsti
e
g sei nicht mehr gelungen und sie habe schrittweise wegen der Depressionserkrankung ihr soziales Umfeld verloren und sich immer mehr zurückgezogen. Schliesslich habe sie im Oktober 2011 eine psychiatrische Therapie bei
Dr.
T._
begonnen. Durch Dr.
T._
sei von Oktober bis Ende November 2011 eine erste 100%ige Krank
schreibung erfolgt. In der Erwerbsbiographie der Klägerin falle auf, dass die letzte längere Anstellung (2,5 Jahre) bis April 2006 gedauert habe. Danach habe
sie
zwar immer wieder Anstellungen gefunden, diese hätten jedoch nur wenige Monate gedauert. Dazwischen habe die Klägerin Taggelder der Arbeitslosen
versicherung bezogen. Diese häufigen Stellenwechsel respektive die Unfähigkeit
,
eine Arbeitsstelle längere Zeit zu behalten
,
stünden im Einklang mit der medizi
nischen Beurteilung, dass der Klägerin der berufliche Einstig nach 2003 nicht mehr gelungen sei. Es sei somit davon auszugehen, dass die relevante Arbeits
unfähigkeit bereits 2003 eingetreten sei. Sicher belegt sei zumindest die Arbeits
unfähigkeit ab Beginn der psychiatrischen Therapie
b
ei
Dr.
T._
im Oktober 201
1. Dr.
T._
habe der Klägerin vom 1
2.
Oktober bis
am
3
0.
November 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert
. Danach liege erst wieder ein echt
zeitliches ärztliches Zeugnis von
Dr.
S._
vor, welch
e
der Klägerin ab 15.
Februar 2013 während etwa vier Woche
n
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert
habe
.
Dr.
T._
habe der Klägerin
ab 2
2.
März 2013 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 30 bis 40
%
attestier
t
. Nach zwei Suizidversuchen habe die Klägerin ab
9.
September 2013 hospitalisiert werden müssen und es habe erneut eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die Ausführungen der IV-Stelle, dass die Klägerin vom 1
7.
März bis 1
6.
September 2013 wieder vollständig arbeitsfähig gewesen sei, sei falsch. Aus dem Arz
tzeugnis von
Dr.
T._
vom 16.
Mai 2013 ergebe sich klar, dass auch ab dem 1
7.
Mai 2013 bis auf Weiteres eine verminderte Belastbarkeit bestanden habe und die Klägerin maximal 60 bis 70
%
arbeitsfähig gewesen sei. Damit sei belegt, dass die Klägerin seit spätestens 1
5.
Februar 2013 durchgehend mindestens
zu
20
%
arbeitsunfä
hig gewesen sei. Fraglich sei, o
b bereits ab Oktober 2011 – trotz Fehlen echtzeitlicher Arztzeug
nisse – eine durchgehende Einschränkung von mindestens 20
%
belegt werden könne. Dies sei au
s
ihrer Sicht zu bejahen. Letztlich spiele es für sie keine Rolle, ob die durchgehende, mindestens 20%ige Arbeitsunfähigkeit seit mindestens Oktober 2011 oder seit Februar bzw. März 2013
bestehe
, da die Klägerin in beiden Zeitpunkten nicht bei ihr versichert gewesen sei.
2.2.3
Die Beklagte 4
erklärte mit
Klageantwort
vom
2.
September 2020
(
Urk.
10)
, die Klägerin sei
bei ihr ab dem
1.
April 2014
im Rahmen eines Arbeitsversuchs angemeldet worden. Der Arbeitgeber habe die Klägerin mit dem Hinweis «arbeits
unfähig» wieder abgemeldet. Nachdem die Klägerin rückwirkend Leistungen aus der beruflichen
Vorsorge geltend gemacht gehabt habe
, habe sie die Klägerin rückwirkend per
1.
April 2014 aus dem Versichertenbestand ausgeschlossen. Mangels Versicherungsverhältnis schulde sie der Beklagten keine Invaliden
leistungen der beruflichen Vorsorge. Die zur Invalidität führende Arbeitsunfähig
keit sei zudem ohnehin bereits vor dem
1.
Ap
ril 2014 eingetreten gewesen
.
2.3
Mit Replik vom 1
4.
Januar 2021
erklärte die Klägerin zu
den Vorbringen
der Beklagten 1
(
Urk.
21)
, seit der Beendigung des durch die Beklagte 1 versicherten Arbeitsverhältnisses sei sie nie mehr in einem 100%-Arbeitspensum tätig gewe
sen. Es müsse deshalb sehr wohl von einer andauernden Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
ausgegangen werden. Dem Bezug von Taggeldern der Arbeits
losenversicherung könne nicht die gleiche Bedeut
ung zugemessen werden
wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit. Der Bezu
g von Arbeitslosentaggeldern vom 1.
November 2011 bis 3
1.
Mai 2012 müsse unter diesem Aspekt bewertet werden.
Die Beklagte 1 gehe zudem in ihrer Annahme, dass die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen arbeitsrechtlich nicht in Erscheinung getreten
sei
, fehl. Aus der Stellungnahme von
Dr.
T._
vom 2
0.
Januar 2015 ergebe sich, dass trotz hartnäckigen
Versuchen
Anstellungsverhältnisse wegen mangelha
f
ten Leistun
gen und Absenzen seit Jahren regelmässig nach kurzer Zeit gekündigt
worden
seien
. Das nach
dem
Austritt bei der Beklagten 1 und der zwischenzeitlichen Arbeitslosigkeit
ausgeübte
Arbeitspensum bei der
M._
AG
von 60
%
sei
aus
gesundheitlichen Gründen
gewählt worden
. D
a
sich trotzdem mehrere Absenzen ergeben hätte
n
, sei es zur einvernehmlichen Vertragsauflösung per 3
1.
März 2013 gekommen.
Zur Leistungspflicht der Beklagten 3 erklärte die Klägerin (
Urk.
23
), während
des Versicherun
g
sverhältnisses mit der Beklagten 3
sei mit Arztzeugnissen vom 22.
März b
zw. 1
6.
Mai 2013 eine 30- bis 40
%
ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert
worden. Seither habe sie ihre Arbeitsfähigkeit nie mehr erlangt.
Betreffend die Leistungspfli
c
ht der Beklagten 4
führte die K
lägerin
aus
(
Urk.
2
5),
aus der Klageantwort
d
er Beklagten 4 sowie den Akten ergebe sich, dass die Beklagte 4 nicht leistungspflichtig sei. Die Beklagte müsse sich aber auf ihrer Aussage behaften lasse
n
,
dass nie ein Versich
erungsverhältnis entstanden sei. Als Folge dieser Behauptung bestünde demnach ein Rückforderungsrecht von ihr und der Arbeitgeberin auf die zu Unrecht bezahlten Risikoprämien in Höhe von Fr. 1'424.80, sofern diese nicht schon an die Begünstigten zurückgeflossen seien.
2.4
2.4.1
Während die Beklagten 1 und 3 (
Urk.
41) auf das Erstatten einer Duplik verzich
teten, erklärte die Beklagte 2
mit Duplik vom
8.
Februar 2021 (
Urk.
42)
, sie sei nicht an den
Entscheid der Invalidenversicherung
gebunden, da sie nicht ins IV-
Vorbescheidverfahren
involviert gewesen sei. Die Eröffnung der Wartezeit durch die IV-Stelle per 1
6.
September 2013 sei aufgrund der Aktenlage aber sowieso offensichtlich unrichtig, denn
Dr.
S._
habe
der Klägerin
ab 1
5.
Februar 2013 für etwa vier Woche
n
eine 100%ige und danach
Dr.
T._
ab 2
2.
März 2013 eine 30
-
bis 40%
ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert.
Die IV-Stelle hätte somit die Warte
zeit spätestens im Februar 2013 eröffnen müssen. Zu diesem Zeitpunkt habe keine Versicherungsdeckung bei ihr bestanden.
2.4.
2
Die Beklagte 4 erklärte mit Duplik vom 2
2.
Februar 2021 (
Urk.
43), die Klägerin anerkenne
replicando
, dass sie, die Beklagte 4, nicht leistungspflichtig sei.
Die gegen sie gerichtete Klage sei damit
als durch
Klagerückzug erledigt abzu
schreiben. Sollte die Klägerin am Rechtsbegehren auf Rückerstattung der Risi
koprämie festhalten, müsse sie Widerklage auf Rückerstattung der Freizügigkeits
leistung (Sparpr
ä
mie) erheben.
2.5
2.5.1
Mit Stellungnahme vom 1
1.
März 2022 (
Urk.
80) erklärte die Klägerin, die einge
holten Arztbe
r
ichte von
Dr.
R._
und
Dr.
T._
bestätigten ihre Einschät
zung,
dass ihre Erwerbsunfähigkeit spätestens am
6.
Oktober 2011 begonnen habe. Ab diesem Zeitpunkt habe sie nie mehr ihre volle Erwerbsfähigkeit erlangt.
Es sei somit erstellt, dass die Beklagte 1 leistungspflichtig sei. Obwohl vermu
tungsweise auch davon ausgegangen werden könnte, dass
die
Erkrankung schon 2003 begonnen habe, fehlten hierzu eindeutige medizinische Bestätigungen. Zwar deuteten die ab 2003 gehäuften Stellenwechsel auf eine allfällige Verschlechte
rung ihres Gesundheitszustandes hin, ohne entsprechend
e
medizinische Befunde lasse sich da
von
aber keine Leistungspflicht einer f
rüheren Pensionskasse ablei
ten.
2.5.2
Die Beklagte 2 führte mit Stellungnahme vom 1
4.
März 2022 an (
Urk.
81),
sowohl aus dem Schreiben von
Dr.
R._
als auch aus den Antworten von
Dr.
T._
ergebe sich, dass die Klägerin seit vielen Jahren an psychischen Beschwerden leide. Wie bereits in der Klageantwort vom
2.
Oktober 2020 und der Duplik vom
8.
Februar 2021 ausgeführt, habe die relevante Arbeitsunfähigkeit bereits im Jahr 2003, spätestens jedoch im Oktober 2011 begonnen
.
Weder 2003 noch im Oktober 2011 sei die Klägerin bei ihr berufsvorsorgeversichert gewesen.
3.
3.1
Es sind insbesondere die folgenden ärztlichen Berichte
und Zeugnisse
für die Beurteilung der strittigen Fragen von Belang
:
3.2
Dr.
T._
attestierte der Klägerin mit
ä
rztlichem Zeugnis vom
4.
November 2011 vom 1
2.
Oktober bis
am
4.
November 2011 eine 1
00%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk.
6/2/3). Mit ärztlichem Zeugnis vom 1
1.
November 2011 hielt sie
ab dem 4. November 2011 für voraussichtlich fünf weitere Wochen
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit fest (
Urk.
6/2/5).
Mit ärztlichen Zeugnissen vom 2
2.
März 2013 und vom 1
6.
Mai 2013
erklärte Dr.
T._
,
die Klägerin
sei
zurz
eit und bis auf Weiteres wegen verminderter Belastbarkeit maxim
al zu 60 bis 70
%
arbeitsfähig
(
Urk.
6/2/4,
Urk.
6/2/6).
Mit
ä
rztlichem Zeugnis vom 1
7.
September 2013 hielt
Dr.
T._
ab 1
6.
September 2013
für voraussichtlich zwei Wochen
eine 100%ig
e Arbeitsunfähigkeit fest (Urk.
6/10/6).
3.
3
Die Klägerin war vom
9.
bis am 1
1.
September
2013
in
der
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der
Spitäler U._
hospitalisiert. Mit Austrittsbericht vom 2
0.
September 2013 (
Urk.
6/10/1-3) nannte
n
M. Sc. V._
, Psycho
login, und
med.
pract
.
W._
, Oberarzt, als Diagnosen
:
-
Verdacht auf rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.00), Differential
diagnose Persönlichkeitsstörung
-
Status nach Tablettenintoxikation in sui
zidaler Absicht (ICD-10 F13.02)
Die
Klägerin
sei am
9.
September 201
3
nach Zuweisung per Fürsorgerischer Unterbringung
(FU)
zum ersten Mal zur stationären Behandlun
g
in die Klinik für Psychiatrie und Ps
y
chotherapie eingetreten.
Sie
habe in
der Vorwoche zwei Suizidversuch
e mit
einer Tablettenüberdosis gemacht
.
Sie
gebe an, dass sie in der Zeit vor den Suiz
idversuchen wenig geschlaf
en habe, unter der Hitze gelitten habe. Sonst sei es ihr im Grunde gut gegangen,
sie
sei allerdings in einem depressiven Zustand gewesen. Die Suizidversuche seien Kurzschlusshandlungen gewesen. Die Klägerin sei nach Einnahme der überdosierte
n Tabletten ins Spital
AA._
_
geg
ang
en, um eine Blutuntersuchung vornehmen zu lassen. Dor
t
sei sie als akut suizidal eingeschätzt und per FU eingewiesen worden. Die Klägerin habe sich durch den stationären Aufenthalt schnell entlastet gefühlt. Das milieutherapeutische Setting habe ihr geholfen, sich zu stabilisieren, und sie habe sich klar und glaubhaft von Suizidalität distanzieren können. So sei nach zwei Tagen die FU aufgehoben und die Klägerin in ihre alte
n Verhältnisse entlassen worden.
3.
4
Dr.
T._
nannte mit Bericht an die IV-Stelle vom
4.
November 2013 (
Urk.
6/11) als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
m
ittelschwere (zeitweise schwer
e
, zeitweise leichte
re
) Depression
(ICD-10 F32.1-2)
, bestehen
d
seit Jahren
-
Aufmerksamkeitsdefi
zithyperaktivitätsstörung (
ICD-
10 F90.8), bestehend seit Kindheit
-
a
bhängige Persönlichkeitsstörung (ICD.10 F60.7),
bestehend seit Jahren (Pubertät
?)
Die Klägerin sei seit dem
6.
Oktober 2011 bei ihr in Behandlung. Nach mehreren kurzfristigen Entlassungen am Arbeitsplatz sei es zu
einer
zunehmenden somati
schen Depression gekommen, bis
die Hausärztin
die Klägerin an sie überwiesen habe. Die Klägerin s
ei vom
1
2.
Oktober bis am
4.
November 2011 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Ab dem 2
2.
März 2013 habe maximal eine 60 bis 70%ige Arbeitsfähigkeit bestande
n. Die Klägerin absolviere zurz
eit ein Praktikum als P
e
rsonalassisten
t
in
. Sie sei maximal zu 50
%
arbeitsfähig.
3.
5
Mit Bericht an die IV-Stelle
vom 1
5.
Oktober 2014
(
Urk.
6/26)
nannte
Dr.
T._
grundsätzlich die gleichen Diagnosen wie im Bericht vom
4.
November 2013 (vgl. E. 3.4), wobei sie die Depressionen als mittelschwer bis schwer bezeichnete.
Der betreute Integrationsversu
c
h
bei der Stiftung
N._
sei gescheitert. Die Klägerin habe dann ab April 2014 selbständig eine Arbeit gefunden. Es habe sich dasselbe Drama wiederholt. Am Anfang habe
sie
mit grösstem Kraftaufwand versucht, die Arbeitsstelle zu halten, danach sei sie häufig krank gewesen und habe gravieren
de Fehler gemacht. Dies habe die Kündigung zur Folge gehabt. Sie sei verzweifelt, nicht arbeitsfähig zu sein. Sie leide unter Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Die Prognose sei in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit ungünstig, obwohl die Klägerin vers
ucht habe, was sie konnte. T
rotz durch
die Stiftung
N._
attestierter fehlen
der Vermittlungsfähigkeit habe die Klägerin
noch selbständig einen Arbeitsversuch unternommen. Es liege eigentlich seit dem Praktikum als Personalassistentin
bei der Stiftung
N._
eine 100%ig
e Arbeits
un
fähigkeit vor,
auch wenn
die Klägerin
dank Wohlwollen des Chef
s seit April 2014 einige Monate
«mitgeschleppt» worden sei
.
Es sei seit Jahren dasselbe:
Eine Arbeit könne zu Beginn mit aller Kraft durchgehalten werden, dann folgten Krankheit und Fehler bei der Arbeit. Die Klägerin sei wegen Konzentrationsmangel, Langsamkeit und Verhaltensprob
lemen nicht in Betriebe integrierbar.
3.
6
Mit Bericht an die Krankentaggeld-Versicherung der Klägerin vom 2
0.
Januar 2015
(
Urk.
6/34/7-8)
nannte
Dr.
T._
als Diagnosen:
-
schwere depressive Episode (ICD-10 F32.1-2), seit
z
e
h
n
Jahren zunehmend
-
ausgeprägtes ADHS (ICD-10 F90.0)
, bestehend
seit Kindheit
Die Klägerin habe angeblich seit zehn Jahren zunehmende Depressionen. Sie habe 2013 zwei ernsthafte Suizidversuche unternommen und sei anschliessend hospi
talisiert gewesen.
Trotz hartnäckigen Versuchen würden Anstellungsverhältnisses wegen mangelhaften Leistungen und Absenzen seit Jahren regelmässig nach kurzer Zeit gekündigt. Die Klägerin strenge sich zu Beginn jeweils sehr an, sei aber nach kurzer Zeit erschöpft, was
zu
fehlerhafte
n
Leistungen, Verlangsamung und Absenzen führe. D
a schon sehr viel versuch
t worden sei und der Zustand über Jahre andauere, sei die Prognose bezüglich Arbeitsfähigkeit ungünstig
.
3.
7
Dr.
med.
AB._
_
, Oberarzt,
und
Dr.
med. AC._
, Assistenzarzt, von der
P._
AG erstatteten am
3.
September 2015
ein Gutachten zu Händen der IV-Stelle (
Urk.
6/46
)
. Als Diagnosen nannten sie
(
Urk.
6/46/6):
-
a
nhaltende affektive Störung (ICD-10 F34) mit überlagerten rezidivie
renden depressiven Episoden
,
gegenwärtig schwere Episode ohne psycho
tische Symptome (ICD.10 F33.2)
-
g
eneralisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
k
ombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden und
depende
n
t
-abhängigen Anteilen (ICD10 F61)
-
e
infache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
Bei der Klägerin fänden sie eine anhaltende affek
tive Störung mit Beginn im Jahr
2003 mit rezidivierenden depressiven Episoden
und zunehmender
Chronifizie
rung
;
der aktuelle Zustand könne als schwere depressive Episode klassifiziert werden. Begleitend zur depressiven Symptomatik bestehe eine erhebliche Angst
symptomatik
im Sinne einer
generalisierte
n
Angststörung mit phobischer Ver
meidung und generellem Rückzug in einen schweren regressiv-depressiven Zustand. Auch in der Grundpersönlichkeit zeig
t
en sich erhebliche Auffälligkeiten mit ängstlich-vermeidenden und
dependent
-abhängigen Anteilen, die als kombi
nierte Persönlichkeitsstörung gefasst werden könnten. Schliesslic
h fänden sie auch eine einfach
e Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90), die ätiologisch nicht eindeutig zugeordnet werden könne, aber mindestens teilweise durch die Depressions- und Angstsymptomatik sowie die Persönlichkeitsauf
fälligkeiten erklärt sei. Als Hintergrund spielten nebst konstitutionellen Faktoren erschwerte Entwicklungsbedingungen in einer wenig
H
alt gebenden, wenig empathischen und selbst ums Überle
b
en kämpfenden und hohe Anpassungs
leistungen forder
nd
en Einwanderungsfamilie eine Rolle. Es sei der Klägerin unter Aufbietung grosser Anstrengungen über viele Jahre bis 2003 gelungen, die geforderte Arbeitstüchtigkeit (Arbeit in väterlicher Identifikation als wichtigster Wert)
erfolgreich zu beweisen. Sie sei jedoch nach Stellenverlust, körperlicher Erkrankung (
Abdominalschmerzen
, Gallenblasenoperation) mit missglückten Arzt-Patient-Interaktionen und Tod des Vaters im Jahr 2003 schwer
dekompen
siert
und es sei der Klägerin seither nie mehr gelungen, das alte Funktionsniveau zu erreichen. Als subjektive Krankheitstheorie stehe für die Klägerin als
Auslöser die schlechte Behandlu
n
g
durch Ärzte bei nicht erkannten somatischen Beschwerden im Vordergrund. Abgesehen von einer konstitutionellen Disposition müsse aber wohl von einem ganzen Faktorenbündel für die letztlich bis heute andauernde Dekompensation ausgegangen werden (wenig schützendes, fordern
des Milieu, fehlende väterliche Anerkennung, ängstlich-unsichere Grundpersön
lichkeit mit Neigung zur Überanpassung und Erschöpfung bei fehlender ange
messener Abgrenzungsfähigkeit, ambivalente Bindung an die Herkunftsfamilie, Bindungsschwierigkeiten, Teufelskreis einer zunehmenden Verunsicherung bei beruflichen Misserfolgen mit Abwärtsspirale, etc.)
.
Aktuell sei die Klägerin bereits mit der Bewältigung einer normalen Tagesstruktur überfordert und benötige in diesem stark regredi
erten Zustand Unterstützung bei
Alltagsverrichtungen. Auch die Gutachten
s
situation habe zur Überforderung mit
ängstlicher Reaktion geführt. Insgesamt scheine die Klägerin aus diesen Gründen aktuell arbe
itsunfähig. Die Arbeitsunfähigk
eit werde seit September 2013 ärztlich durch
Dr.
T._
bescheinigt. Es sei davon auszugehen, dass bereits vorher bei Selbstüberforderung mit rascher Dekompensation
nur
eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestanden habe.
Dies habe jedoch aufgrund der Verhaltens
muster der Klägerin, die vor allem darauf bedacht sei, den Schein nach aussen zu wahren, möglichst wenig Hilfe anzunehmen und sich - ohne es zu merken - dabei gleichzeitig selber zu überfordern, nicht erkannt werden
können
. Zudem sei ein Integrationsversuch bei der Stiftung
N._
Ende 2013 gescheitert. Der schwere Ausprägungsgrad und die u
ngünstige regressionsfördernde Kombination der vorliegenden psychiatrischen E
r
krankung bzw. Störungen lass
e
keine baldige Arbeitsfähigkeit erwarten. Vielmehr müsse im ambulanten Setting durch konti
nuierliches Fördern und Fordern versucht werden, ein
en
langsame
n
Ausweg aus der regressiven Position zu finden und die Abwärtsspirale wieder umzukehren. Nebst der aktuellen Betreuung durch Psychiaterin, Spitex und
Beiständ
i
n
könnte
als nächster Schritt
eine tagesklinische Betreuung bzw. vorübergehende statio
näre psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein. Auch ein dosiertes Arbeits
training in einem geschützten Rahmen mit Wiederannäherung an eine normale Tagesstruktur wäre zur Stabilisierung des angeschlagenen Selbstwertgefühls, welches zwischen «alles und nichts» kippe, anzustreben. Die medikamentöse Behandlung der Klägerin sei adäquat.
Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe mindestens seit dem 1
6.
September 201
3.
Eine kurzzeitige Arbeitsunfähigkeit von 3
0 bis 40
%
vom 2
2.
März bis 16.
Mai 2013 gebe den Hinweis, dass
schon
vorher eine eingeschränkte Arbeits
fähigkeit bestanden habe. Bereits die seit 2004 dokumentierten, stets nur über ein paar Monate laufenden Arbeitsverhältnisse seien als Ausdruck der Erk
r
ankung der Klägerin mit chronischer Selbstüberforderung anzusehen.
3.
8
M. Sc.
AD._
_
, Psychologin, und
Dr.
med. AE._
, Ober
arzt, von der
Q._
, in welcher die Klägerin vom 1
5.
April bis 2
9.
September 2016 hospitalisiert war, nannten mit Austrittsbericht vom 2
6.
Oktober 2016
(Urk.
6/68)
als Diagnosen:
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psych
ot
ische Symptome, therapierefr
a
ktär (ICD-10 F33.2)
-
Adipositas durch übermässige Kalorienzufuhr: BMI von 30 bis unter 35 (ICD-10 E66.0)
-
Essstörung (
Hyperphagie
ohne gegensteuernd
e Massnahmen, kein Binge
Eating
;
ICD-10 F50.9)
-
Tabakabhängigkeit, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F17.20)
-
a
ktenanamnestisch einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (Erstdiagnose
Vorbehandlerin
Dr.
T._
September 2010; ICD-10 F90.0)
-
v
orsätzliche Selbstvergiftung mit psychotropen Substanzen (
zweimal
2013, April 2016; ICD-10 X61)
-
Verdacht auf allergische Reaktion auf
Monuril
/
Seroquel
mit Bildung von kleinfleckigem, wegdrückba
rem, dicht stehende
m
bis konflu
ierendem Hauterythem, stammbetont mit Übergreifen auf die Oberarme (ICD-10 L27.0)
-
Angina
tonsillaris
(Juni 2016; ICD-10 J03)
-
Steatosis
hepatis
(Abdomen-
Sono
September 2016; ICD-10 K76.0)
-
o
bstruktives Schlafapnoe-Syndrom: Beginn Auto-CPAP am 1
0.
August 2016,
r
espiratorische Polygraphie: AHI 82/h, ODI 94/h, mittlere nächtliche Sp
O
2 94
%
, Puls 83/min
(ICD-10 G47.31)
Die Klägerin leide seit ungefähr 1996 unter Stimmungseinbrüchen, wobei es seit 2000 zu einer progredienten Verschlechterung der Symptomatik gekommen sei. Aktuell sei sie sehr müde und depressiv verstimmt. Sie berichte weiter von
Anhedonie
, Schuld- und Insuffizienzgefüh
l
en, psychomotorischer Unruhe, subjektiven Störungen der Konzentration und Gedächtnisdefiziten. Seit März 2016 sei es bei fehlender Tagesstruktur zu einer kompletten Tag-Nacht-Umkehr gekommen. Des Weiteren habe sich die Klägerin vollständig sozial zurückgezogen und das Haus nur noch zur ambulanten Therapie einmal wöchentlich verlassen. Der Eintritt sei zudem durch die Empfehlung der Invalidenversicherung veran
lasst worden, nachdem sie zur Abklärung der Rentenberechtigung der Klägerin eine
Hospitalisation
oder störungsspezifische Behandlung in einer Tagesklinik nahegelegt habe. Die gelernte Bürokauffrau
habe die erste depressive Episode
in die frühe Adoleszent datiert. D
er Krankheitsverlauf habe
sich nach dem Tod
des Vaters (2003) deutlich dynamisiert und nach einem protrahierten Suizidversuch mit zwei eng aufeinanderfolgenden Tablettenintoxikationen 2013 zur aktuell seit etwa zwei Jahren bestehenden Arbeitsunfähigkeit geführt. Zuvor sei es bereits zu wiederholten Arbeitswechseln gekommen (
Urk.
6/68/2)
.
3.
9
Das Gericht
forderte
Dr.
R._
mit Verfügung vom 1
2.
Juli 2021 (
Urk.
53) auf, die Krankengeschichte der Klägerin einzureichen und diverse gerichtliche Fragen zu beantworten.
Dr.
R._
erklärte mit
Bericht vom 2
0.
Juli 2021 (Urk. 56), die Klägerin sei
langjährig von ihrer Praxiskollegin
Dr.
S._
betreut worden. Nach deren Pensionierung Ende April 2017 sei die Klägerin in ihre Sprechstunde
gekommen
. Seit sie die Klägerin kenn
e
, schätze sie sie
als zu 100
%
arbeitsun
fähig ein. Dies sei schon lange Jahre
während der Betreuung durch Dr.
S._
der Fall gewesen. Die Klägerin leide unter schweren rezidivierenden depressiven Episoden im Rahmen einer bipolaren-affektiven Störung. Die entsprechenden
Diagnosen bestünden
,
seit die Klägerin der Praxis bekannt sei, mithin seit 200
3.
Was
Dr.
S._
dazu bewogen habe, die Klägerin genau im Oktober 2011 an eine Psychiaterin zu überweisen, könne sie aus den vorhandenen Unterlagen nicht mehr eruieren. Aber sie nehme an, dass
die Klägerin
in eine schwere depressive Episode gerutscht sei und ihre Kollegin sie deshalb einer Psychiaterin zugewiesen habe. Die Diagnose habe schon 2004 festgestanden, aber es sei dann etwa sieben Jahre gegangen, bis die Klägerin
sich
habe durchringen können, psychiatrische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Dr.
T._
se
i
die erste Psychiaterin der Klägerin gewesen, dafür habe
die Klägerin
stützende Behandlung durch
Dr.
S._
erhalten. Diese
stützende Behandlung
habe dann den Rahmen
der
Grundversor
g
ung übersch
ritten, weshalb
sie
abdelegiert
worden
sei
. Die Klägerin habe lange Zeit ihre Krankheit selber nicht wahrhaben wolle
n
, da sie zurecht befürchtet habe, dass sie ihren Job verlieren würde. So sei es dann auch gewesen. Sie habe ihren Job 2014 definitiv verloren.
3.1
0
Nachdem
das Gericht
Dr.
R._
mit Verfüg
ung vom
6.
September 2021 (Urk.
58) diverse weitere Fragen unterbreitet hatte, erklärte diese m
it Schreiben vom 2
5.
Oktober 2021 (
Urk.
63),
dass
die Unterlagen ihrer Vorgängerin nicht mehr auffindbar
seien. W
ahrscheinlich habe
Dr.
med.
AF._
_
diese
mitge
nommen. Sie
und
Dr.
AF._
_
hätten nur
von Mai 2017 bis März 2018
z
usammen praktiziert
. So wie die Klägerin ihr erzählt habe, habe s
ie
seit anfangs 2000 psy
chische Probleme gehabt. Da es immer wieder sehr gute Phasen gegeben habe, sei es nie zu einer längeren Arbeitsunfähigkeit gekommen, und ihre damals behandelnde Hausärztin,
Dr.
S._
, habe sie immer wieder gut mit Gesprächen
auffangen können. 2006 habe sich
ihre Depression aber so verschlechtert, dass es erstmal
s
zu
einer längeren
Arbeitsunfähigkeit gekommen sei. Ihre ehemalige Kollegin habe si
ch
dann entschi
e
den, die Klägerin an eine Psychiaterin zu über
weisen, welche nun 2020 auch pensioniert worden sei. Deshalb sei es auch dort zu einem Arztwechsel gekommen. Die Klägerin habe lange Zeit die Hilfe eines Psychiaters nicht in Anspruch nehmen wolle
n
, da sie befürchtet habe, ihr dama
liger Arbeitgeber würde ihr kündigen, wenn sie ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis einer Psychiaterin bringen würde. 2006 sei ihr Zustand aber so gewesen, dass eine Fachärztin für Psychiatrie zur Behandlung des depressiven Leidens habe
bei
gezogen werden müssen. Leider sei es dann zu einer 100%igen Invalidität bei chronischer Depression gekommen. Diese habe trotz fachärztlicher Behandlung nicht so behandelt werden könne
n
, dass die Klägerin wieder ein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft geworden sei. Es sei
ohne Akteneinsicht schwierig, einen vor allem zeitlich präziseren Bericht zu verfassen.
Auf Nachfrage des Gerichts
erklärte
Dr.
R._
am
7.
Dezember 2021, dass die Krankengeschichte der Klägerin nicht habe ausfindig gemacht werden können (
Urk.
66).
3.1
1
Mit Verfügung vom 3
1.
Januar 2022 (
Urk.
68) stellte
das Gericht
Dr.
T._
diverse Fragen. Diese liess sich mit Schreiben vom 1
1.
Februar 2022 (
Urk.
71) vernehmen und führte folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit an:
-
meist schwere depressive Episode mit leichten Schwankungen (ICD-10 F32.1/2) bei
-
Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung seit Kindheit (ICD-10 F90.8)
-
Verdacht auf abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
Die Klägerin sei am
6.
Oktober 2011 von der Hausärztin
Dr.
S._
an sie über
wiesen worden, nachdem
Dr.
S._
die Klägerin habe überzeugen könne
n
, dass fachärztliche Behandlung notwendig sei. Der Gesundheitszustand sei schon bei der Hausärztin schlecht gewesen. Die Klägerin habe ein Vertrauensverhältnis zu dieser aufgebaut gehabt und es habe Zeit gebraucht, bis sie sich habe überzeugen lassen, dass sie auch zu einer Psychiaterin Vertrauen en
twickeln könne.
Zur Frage
des
Gerichts
, ob die Klägerin bereits vor der Behandlung bei ihr in fachärztlich-psychiatrischer Behandlung gestanden habe,
erklärte
Dr.
T._
, ihres Wissens nicht.
Auf die Frage, wie sich der Gesundheitszustand der Klägerin seit Behandlungs
beginn bei ihr entwickelt habe, antwortete
Dr.
T._
, der schon zu Beginn schlechte Gesundheitszustand habe zunehmen
d
zur Verzweiflung geführt, da die Klägerin nicht in der Lage gewesen sei, die jeweiligen Arbeits
anforderungen
zu erfüllen. Da sie die Krankheit bei Vorstellungsgesprächen habe überspielen können, habe sie immer wieder eine Anstellung erhalten. Durch die Überforde
rung
hätten
die Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit zugenommen, was 2013 zu einem Suizidversuch mit nachfolgendem Klinikaufenthalt geführt habe. Die Anmeldung bei der Invalidenversicherung sei im August 2013 erfolgt. Die folgende Auseinandersetzung mit dieser Versicherung habe die Klägerin als zutiefst demütigend erlebt. Die Invalidenversicherung habe 2016 einen Klinik
aufenthalt verlangt, da die ambulante Therapie keinen Fortschritt gebracht habe. Am ersten freien Wochenende habe die Klägerin erneut einen Suizidversuch durch Intoxikation unternommen. Trotz intensiver Therapie sei es zu keiner Besserung gekommen. Erst mit Erhalt der Invalidenrente habe sich die Klägerin ernst
genommen gefühlt, was sie soweit entlastet habe, dass sie sich mit den psychosozialen Folgen ihrer Krankheit habe auseinandersetzen und in einem Trau
er
prozess langsam habe akzeptieren können.
Die Klägerin sei bis zur letzten Sitzung bei ihr (1
1.
März 2020) ihrer jetzigen Beurteilung nach
in jeder möglichen Tätigkeit
in Wirklichkeit zu 100
%
arbeits
unfähig gewesen. Es seien im Rahmen der IV-Abklärung in der
Q._
und der
Klinik
AG._
vergeblich Belastungsversuche durchgeführt worden. Zwischen Oktober 2008 und Mai 2013 sei die Klägerin an fünf verschiedenen Stellen tätig gewesen. Seit 2003 habe sie überall die Kündigung erhalten. Ab Juni 2012 habe sie einen 60
%-
Arbeitsversuch als Sachbearbeiterin bei der
M._
AG
gemacht. In den psychiatrischen
Sitzungen habe sie geschildert, wie sie völlig überfordert sei. Sie habe nach einigen Monaten die Kündigung erhalten. Anfangs 2013 sei sie bei der
Stiftung
N._
tätig gewesen. Sie habe eine Stelle als H
ilfskraft beim
AH._
_
erhalten. Sie sei wegen Überforderung schon nach eini
gen Wochen freigestellt worden. Danach habe sie die Idee gehabt, ein Online-Geschäft mit Modeschmuck zu eröffnen, da sie dann die Arbeit so einteilen könnte, wie sie krankheitsbedingt in der Lage sei. Sie sei aber schon in der Vorbereitungszeit überfordert gewesen. Im August 2013 sei s
ie nach einem drei
tägigen Kurs der
Stiftung
N._
völlig erschöpft gewesen.
Die
Stiftung
N._
habe ihr dann zur IV-Anmeldung gerate
n
. Diese sei unverzüglich
erfolgt. Danach habe die Klägerin
am
9.
September 2013 einen Suizidversuch durch Intoxikation mit nachfolgender Klinikeinweisung unternommen. 2014 sei es zu einer erneuten Anstellung als
Sales
Assistant
in der
O._
gekommen. Der Chef habe sie einige Monate mitgeschleppt,
da er sich als Süditaliener mit ihr verbunden gefühlt habe. Sie sei aber erschöpft und völlig überfordert gewesen,
es hätten sich
krankheits
bedingte Absenzen und Fehlleistungen
ergeben
. Ab dem 1
9.
November 2014 sie die Klägerin von ihr krankgeschrieben worden
.
Das Gericht
stellte
Dr.
T._
unter anderem
die Frage
n:
A
us welchen Gründen
attestierten S
ie der Klägerin
mit Bericht vom
4.
November 2013 (
Urk.
6/11/1-4) für die Zeit vom
5.
November 2011 bis 2
1.
März 2013 keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit? War die Klägerin in dieser Zeit effektiv uneingeschränkt arbeitsfähig? Wenn nein, in welchem Umfang war sie zu welchem Zeitpunkt in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt?
Dr.
T._
erklärte dazu, si
e habe ein Arbeits
unfähigkeitsz
eugnis zu H
ä
nden des RAV vom
4.
November 2011 für fünf Wochen gefunden. Die ersten Monate 2012 habe die Klägerin das RAV besucht und sei durch die
Unia
unterstützt worden. Sie habe alles darangesetzt, arbeiten zu können. Sie sei dann bis zur Entlassung einige Monate bei der
M._
AG
als Sachbearbeiterin in einem 60%-Pensum angestellt gewesen. Mitte Juni 2012 habe sie einen Einführungskurs bei dieser Firma gemacht
gehabt
. Mitte Oktober habe ein Gespräch mit dem Vorgesetzten wegen Überforderung stattge
funden. Sie habe in dieser Zeit aufgrund auffälliger Symptome von Impulsivität während der
Arbeit eine mögliche Aufmerksamkeitsdefizitstörung abgeklärt und zusätzlich zur antidepressiven Therapie behandelt.
4.
4.1
Mit Verfügung vom
3.
März 2017 sprach die IV-Stelle der Klägerin mit Wirkung ab September 2014 eine ganze Invalidenrente zu (
Urk.
6/80, vgl.
Urk.
6/7
8
).
Es wird von den Parteien zu Recht nicht infrage gestellt, dass die Klägerin in jeder Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig ist
(vgl. E. 2)
. Strittig und zu prüfen ist jedoch, wann die relevante Arbeitsunfähigkeit gemäss
Art.
23 BVG eingetreten ist
(vgl. E. 1.3)
.
4.
2
4.
2
.1
Der Klägerin wurde
erstmals während der Dauer des Arbeitsverhältnisses mit der
L._
AG
, das heisst mit Wirkung ab 1
2.
Oktober 2011,
und somit während des Versicherungsverhältnisses mit der Beklagten 1
(
Urk.
6/2/13) prakt
i
s
ch echt
zeitlich eine Arbeitsunfähigkeit attestiert
(E. 3.2)
.
Sowohl aus dem Gutachten der
Dres
.
AB._
_
und
AC._
der
P._
AG (E. 3.7) als auch aus den Berichten
von
Dr.
T._
(E. 3.5 und E. 3.11)
und
Dr.
R._
(E. 3.9 und E. 3.10)
ergibt sich
jedoch
, dass die Klägerin bereits vor der Aufnahme der Arbeitstätigkeit für die
L._
AG gesundheitlich angeschlagen war. So erklärte
Dr.
T._
in ihrem Bericht an die Krankentaggeldversicherung
der Klägerin
vom 2
0.
Januar 2015
(E. 3.
6), dass die Klägerin
seit angeblich zehn Jahren
an
einer
zunehmende
n
Depression
leide
. Weiter beschrieb sie, dass Anstellungsverhältnisse seit Jahren
nach kurzer Zeit gekündigt würden
. Die Klägerin strenge sich zu Beginn jeweils sehr an, sei aber nach kurzer Zeit erschöpft, was zu fehlerhafte
n
Leistungen, Verlangsamu
ng und Absenzen führe. Praktisch identisch schilderte
Dr.
R._
, welche die
Klägerin
als Nachfolgerin von
Dr.
S._
seit April 2017 betreut
, den Verlauf des Gesundheitszustandes der Klägerin
. So legt
e
sie dar, dass die Klägerin seitdem sie der Praxis bekannt sei, das heisst seit 2003
,
aus psychischer Sicht gesun
dheitlich eingeschränkt sei (E.
3.9). Auch die Gutachter
Dr.
AB._
_
und
Dr.
AC._
von der
P._
AG gingen – gestützt auf die Akten – davon aus, dass die Klägerin seit 2003 an einer anhaltenden affektiven Störung mit rezidivierenden depressiven Episoden und zunehmender
Chronifizierung
leide
(E.
3.6). Wie sich aus der Erwerbsbiographie der Klägerin
ergibt
(vgl.
Sachverhalt 1
.
)
,
war es
ihr
jedoch
trotz der Erkrankung auch ab dem Jahr 2003 noch möglich, während längeren
Phasen
eine
r
Arbeitstätigkeit nachzugehen. So arbeitete
sie
vom
8.
Dezember 2003 bis am 3
0.
April 2006 für die
B._
AG (
Urk.
6/2/18). Nach dem Bezug von Arbeitslosenentschädigung und mehreren kürzeren Arbeitstätigkeiten war
sie
vom 1
3.
Oktober 2008 bis am 3
0.
April 2010, das heisst während rund eineinhalb Jahren, als Sachbearbeiterin für die
I._
AG tätig (
Urk.
6/2/15).
In der Folge bezog
sie
Taggelder der Arbeits
l
osenversicherung und übte
verschiedene kurzzeitige Arbeitstätigkeiten aus (
Urk.
2/7,
Urk.
6/2/14
,
Urk.
6/8
). Anhaltspunkte
, dass
es in dieser Zeit zu einer relevanten Veränderung des Gesundheitszustandes gekommen wäre
,
liegen nicht vor und werden von den Parteien auch nicht vorgebracht. Soweit
Dr.
R._
in ihrem
Bericht
vom 2
5.
Oktober 2021 festhält, dass es im Jahr 2006 zu einer wesentlichen Verschlechterung und eine Überweisung an eine Psychiaterin gekommen sei (E. 3.10)
,
ist festzuh
a
lten, dass die Überweisung an
Dr.
T._
nicht im Jahr 2006, sondern erst im Oktober 2011
erfolgte
(vgl. E. 3.4, E. 3.11)
. Auch wenn
Dr.
R._
sich
betreffend Überweisung im Jahr irrt,
geht aus ihren Ausführungen doch hervor, dass die
(erstmalige)
Überweisung an die Psychiaterin aufgrund einer akuten Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Klägerin erfolgt
e
. Dies erscheint denn auch ohne Weiteres nachvollziehbar.
Diese Über
weisung bzw. die Behandlungsaufnahme bei
Dr.
T._
fällt mit der erstmaligen Krankschreibung der Klägerin überein. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass zwar eine Erkrankung der Klägerin ab etwa dem Jahr 2003 ausge
wiesen ist, es ihr in der Folge aber trotzdem noch mögli
ch war eine
Arbeitstätig
keit auszuüben und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass es zwischen 2003 bis zur Aufnahme der Erwerbstätigkeit bei der
L._
AG und somit der Versicherungsdecku
ng bei der Beklagten 1 zu einer ohne wesentlichen Unter
bruch andauernden
Verschlechterung des Gesundheitszustandes
und Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit
gekommen wäre.
4.
2
.2
Eine Leistungspflicht der Beklagten 1 besteht jedoch nur, wenn in der Folge
der zeitliche Zusammenhang
nicht unterbrochen wurde
(vgl. E.
1.3)
.
Nachdem
das
Arbeitsverhältnis
der Klägerin
mit der
L._
AG
am 27.
Okto
ber 2011 geendet hatte,
bezog
sie
Taggelder der Arbeitslosenversicherung
,
und zwar bei einer
Vermittlungsfähigkeit von 100
%
(
Urk.
15 S. 5,
Urk.
16/1
;
Urk.
6/8). Dieser Taggeldbezug dauerte
bei unveränderter Vermittlungsfähigkeit
bis am
3
1.
Mai 201
2.
Eine Arbeitsunfähigkeit wurde der Klägerin
während des Taggeldbezugs
nach Dezember 2011
(vgl. E. 3.2), mithin während rund fünfein
halb Monaten,
nicht mehr attestiert.
Wie sich aus der Beantwortung der gericht
lichen Fragen durch
Dr.
T._
ergibt, kam es während der Dauer des Taggeld
bezugs jedoch nicht zu einer relevanten Verbesserung des Gesundheitszustandes
(E. 3.11)
. Nach der Rechtsprechung kann hinsichtlich der Beurteilung des zeitli
chen Zusammenhangs
Zeiten mit Bezug von Arbeitslosenentschädigung
denn auch
nicht die gleiche Bedeutung beigemessen werden wie Zeiten effektiver
Erwerbstätigkeit. So
schliesst
namentlich eine Vermittlungsfähigkeit im arbeits
losenversicherungsrechtlichen Sinne das Vorliegen einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit nicht per se aus (Urteile des Bundesgerichts 9C_347/2019 vom 22. August 2019 E. 2.2.2 und 9C_809/2016 vom 9. Juni 2017 E. 2.2).
Vorliegend ergibt sich nicht
nur aus dem Bericht der behandelnden P
sychiaterin
, dass es
während des Taggeldbezugs
zu keiner relevanten
Verbesse
rung
des Gesundheitszustandes der Klägerin gekommen ist, sondern
nahm
die Klägerin
nach dem Taggeldbezug auch lediglich eine Arbeitstätigkeit in einem
reduzierten
Pensum von 60
%
bei der
M._
AG
auf (
Urk.
6/2/12), wobei sie auch bei diesem reduzierten Pensum nicht in der Lage war, den Anfor
derungen zu genügen
(vgl. E. 3.11)
.
Nach dem Ende des Arbeitsver
h
ältnisses mit der
M._
AG bezog die Klägerin a
b dem
8.
Mai 2013 erneut Tag
gelder der Arbeitslosenversicherung, wobei lediglich von einer 60%igen Vermitt
lungsfähigkeit ausgegangen wurde (
Urk.
1
5 S. 5, Urk.
16/1). Diese reduzierte Arbeitsfähigkeit war der Klägerin
von
Dr.
T._
bereits während des Arbeits
verhältnisses mit der
M._
AG bzw. dem Versicherungsverhältnis mit der Beklagten
3
attestiert worden
(vgl. E. 3.2)
.
Anhaltspunkte, dass es nach der Beendigung des
Arbeitsverhältni
sses mit der
M._
AG zu einer relevanten – zwischenzeitlichen – Besserung des Gesundheitszustandes gekom
men wäre
,
liegen nicht vor und werden von den Part
eien auch nicht geltend gemacht (vgl. E
. 2).
Nach dem Gesagten wurde der zeitliche Zusammenhang nach dem Ende des Versicherungsverhältnisses mit der Beklagten 1 nicht unterbrochen.
4.
3
Zusammenfassend
trat die invalidisierende Arbeitsunfähigkeit
der Klägerin am 1
2.
Oktober 201
1 und somit während der Dauer des Vorsorgeschutzes bei der Beklagten
1
ein. Die Verfügung der IV-Stelle vom
3.
März 2017, mit welcher der Klägerin mit Wirkung ab September 2014 eine ganze Rente zugesprochen wurde (
Urk.
6/80), steht einer Leistungspflicht der Beklag
t
en 1, welche nicht ins invali
denversicherungsrechtliche Verfahren einbezogen worden war (vgl.
Urk.
6/77/2)
,
nicht entgegen. Die IV-Stelle ging zwar davon aus, dass das invalidenversiche
rungsrechtliche Wartejahr erst im September 2013
(
v
gl.
Urk.
6/78/2)
und somit
nicht während des Versicherungsunterstellung bei der Beklagten 1 zu eröffnen sei, dies erweist sich aber offensichtlich als unrichtig, war die Klägerin doch spätestens ab Frühling 2013 mindestens zu
3
0
%
arbeitsunfähig (vgl. E. 3.2, E. 4.2). Die Beklagte 1 beruft sich zudem ohnehin nicht auf den invalidenversiche
rungsrechtlichen Entscheid. Nach dem Gesagten ist die Beklagte 1 leistungs
pflichtig.
Die gegen die Beklagten 2, 3 und 4 gerichteten Klagen sind
entsprechend
abzu
weisen
.
Soweit die Beklagte 4 sich auf den Standpunkt stellt, dass die gegen sie
gerichtete Klage infolge Klagerückzugs abzuschreiben sei (E. 2.4.2), ist festzu
halten, dass die Ausführungen der Klägerin in der Replik (
Urk.
25; E. 2.3 hiervor) nicht als (
rechtsgenüglichen
) Klagerückzug gewertet werden können. Ebenso stellen deren Ausführungen hinsichtlich einer allfälligen Rückabwicklung des Versicherungsverhältnisses keinen dahingehenden Antrag dar. Nach Erhalt der Duplik der Beklagten 4 (
Urk.
43; E. 2.4 hiervor) thematisier
t
e die Klägerin diese denn auch nicht mehr.
5.
5.1
Der von der IV-Stelle ermittelte Invaliditätsgrad von 100 % (
Verfügung vom 3.
März 2017,
Urk.
6/80, vgl.
Urk.
6/7
8
)
ist aufgrund der Akten ausgewiesen und
wird
von den Parteien zu Recht nicht in Zweifel gezogen. Somit hat die Klägerin Anspruch auf eine volle Invalidenrente der Beklagten
1.
Rentenbeginn ist
September 2014 (
Urk.
6/80,
Urk.
6/7
8
;
Art.
26
Abs.
1 BVG).
5.2
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich Art. 105 Abs. 1 des Obligationenrechts anwendbar ist (BGE 119 V 131 E. 4). Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5 %, sofern das Reglement der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c).
Gemäss
Reglement der Beklagten
1
entspricht der Zinssatz dem vom Bundesrat festgelegten Zinssatz für das Altersguthaben (
Ziff.
26.4.1 des Reglements 2019 bzw.
Ziff.
26.3 des Reglements 2022).
Dieser beträgt seit dem
1.
Januar 2017 1
%
(Art. 12
lit
. j der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge, BVV 2).
Der Klägerin
sind folglich für die bis zur Klageer
hebung am
2
2.
Juli 2020
(vgl. Urk. 1) fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
ab diesem Zeitpunkt und für die weiteren Rentenleistungen ab deren jeweiligem Fälligkeitsdatum Verzugszinsen von
1
% zuzusprechen
.
6.
6.1
Ausgangsgemäss
ist die Beklagte 1 gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3
GSVGer
zu verpflichten, der
vertretenen Klägerin eine Prozessentschädigung zu entrichten, wobei ein Betrag von
Fr.
2‘
0
00
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) als angemessen erscheint.
6.2
De
n
Beklagten
2, 3 und 4
steht in ihrer Funktion als Trägerin
nen
der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegens keine Prozessentschädigung zu (BGE 128 V 124 E. 5b; 9C_635/2020 vom
6.
Juli 2021 E. 9 mit Hinweisen).