Decision ID: 48eb9b8f-908a-49a3-80d3-3610af92d11d
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit dem 1. Juni 1992 in einem 100 %-
Pensum als Betriebsmitarbeiter Produktion bei der E._ AG (vormals F._
Aktiengesellschaft) tätig und dadurch bei der Pensionskasse der B._
berufsvorsorgeversichert (IV-act. 15; act. G 1.11). Nebst der Tätigkeit bei der E._ AG
arbeitete der Versicherte ab dem Jahr 2000 bzw. ab 2001 zudem in Teilpensen bei
G._ und für die Stadt H._ (IV-act. 4-1, 49-29).
A.a.
Am 27. Dezember 2007 meldete sich der Versicherte zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Die behandelnden Ärzte berichteten dem
regionalen ärztlichen Dienst (RAD) über eine mittelschwere depressive Episode, eine
Perzeptionsschwerhörigkeit und eine psychosoziale Belastungssituation am
Arbeitsplatz (IV-act. 7, 14). Bescheinigt wurde eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit seit
dem 19. April 2007 (IV-act. 2). Per 30. April 2008 löste die E._ AG das
Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten auf (IV-act. 15, 17; act. G 1.10).
A.b.
Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen veranlasste verschiedenste Abklärungen und
erteilte ab Oktober 2008 Kostengutsprachen für berufliche Massnahmen (Deutschkurs,
Arbeitstraining, berufliche Abklärung; IV-act. 55, 69 f., 92, 96), zuletzt in der Stiftung
A.c.
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I._ für die Umschulung zum Hauswart vom 1. August 2010 bis 25. Oktober 2012 (IV-
act. 122; vgl. den Praktikumsvertrag vom 1. August 2010 in IV-act. 118-3 f.).
Pensionskasse der Stiftung I._ war die C._ (act. G 14). Bereits in den Anfängen der
beruflichen Massnahmen war der Versicherte für einige Monate (März bis Juni 2009) im
Rahmen eines Praktikums als Pfleger in der Klinik J._ tätig gewesen (IV-act. 89-1),
wobei deren Pensionskasse ebenfalls die C._ war (act. G 29 S. 4 f.).
Die IV verlängerte die Massnahme in Form einer Einarbeitung bei der K._ AG
vom 26. Oktober bis 30. November 2012 (IV-act. 144). Am 20. September 2012 hatte
der Versicherte mit dieser Arbeitgeberin einen Arbeitsvertrag als Betriebspraktiker mit
Eintritt am 1. Dezember 2012 unterzeichnet (IV-act. 137; vgl. auch 142). Pensionskasse
dieser Firma war die D._ AG (act. G 26). Der Versicherte trat die Arbeit in der Folge
nicht an, nachdem ihm von Dr. med. L._, Physikalische Medizin und Rehabilitation
FMH, ab dem 7. November 2012 aufgrund einer Rückenproblematik anhaltend eine
100%-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden war (IV-act. 205-7 ff., 207-5). Die K._
AG kündigte daraufhin das Arbeitsverhältnis per 31. Dezember 2012 (IV-act. 157).
A.d.
Am 11. Februar 2013 wurde der Versicherte in der Klinik M._ am Rücken
operiert (Dekompression L3/4 und L4/5 rechts; IV-act. 169). Die IV-Stelle holte
daraufhin Berichte der behandelnden Ärzte ein (IV-act. 176 ff.), ehe der Versicherte im
Juni/Juli 2014 polydisziplinär (internistisch, neurologisch, psychiatrisch,
neurochirurgisch und rheumatologisch) durch die Gutachterstelle ZVMB in Bern
begutachtet wurde (Gutachten vom 30. Oktober 2014, IV-act. 226). Die Gutachter
diagnostizierten ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom, ein
zervikospondylogenes Schmerzsyndrom, eine leichte bis mittelgradige depressive
Episode (F33.1), einen rezidivierenden Spannungskopfschmerz in Zusammenhang mit
dem Zervikalsyndrom, ein postthrombotisches Syndrom rechts, eine chronische
Schmerzstörung, teilweise durch somatische Faktoren begründet, sowie eine
Persönlichkeitsakzentuierung, psychosoziale Belastungen. In polydisziplinärer Hinsicht
schätzten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit in einer ideal angepassten Tätigkeit auf 70
% (IV-act. 226 S. 20 f.).
A.e.
Mit Verfügung vom 21. September 2015 sprach die IV-Stelle dem Versicherten bei
einem Invaliditätsgrad von 50 % ab dem 1. Oktober 2015 eine halbe IV-Rente zu (IV-
A.f.
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B.
act. 240). Mit Verfügung vom 20. Oktober 2015 erfolgte die rückwirkende Zusprache
einer halben IV-Rente für den Zeitraum 1. Dezember 2012 bis 30. September 2015 (IV-
act. 242). Die gegen die Verfügungen erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. Februar 2018 (IV 2015/344)
dahingehend gutgeheissen, als die Sache zur weiteren Abklärung und zur
anschliessenden Neuverfügung an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde (IV-act. 259).
Die IV-Stelle holte wiederum Berichte der behandelnden Ärzte ein (IV-act. 270 ff.)
und veranlasste eine polydisziplinäre Verlaufsuntersuchung (internistisch, neurologisch,
psychiatrisch, neurochirurgisch und orthopädisch) bei der Gutachterstelle ZVMB (IV-
act. 289). In der Expertise vom 27. März 2019 (IV-act. 298) diagnostizierten die
Gutachter in der Konsensbeurteilung unter anderem eine sonstige andauernde
Persönlichkeitsänderung bei primärer Persönlichkeitsakzentuierung mit narzisstischen,
anankastisch-perfektionistischen, querulatorischen Anteilen bei einer primär
leistungsbetonten und ehrgeizigen Persönlichkeit sowie ein lumbospondylogenes, ein
zervikospondylogenes und ein thoracospondylogenes Schmerzsyndrom. Die aktuelle
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit betrage 50 %. Die somatischen Anteile
würden in der Gewichtung gegenüber der psychischen Störung zunehmend in den
Hintergrund rücken (IV-act. 298 S. 9 f.).
A.g.
Im August 2019 verfügte die IV-Stelle bei einem Invaliditätsgrad von 51 % einen
Anspruch auf eine halbe Rente ab dem 1. Dezember 2012 (IV-act. 312). Diese
Verfügung blieb unangefochten.
A.h.
Mit Schreiben vom 30. Oktober 2020 verneinte die Pensionskasse der B._ ihre
Leistungspflicht gegenüber dem Versicherten. Der Versicherte sei am 30. April 2008
aus der Pensionskasse ausgetreten. Die Beschwerden, welche zur Invalidität geführt
hätten, seien erst nach dem Austritt eingetreten (act. G 1.8).
A.i.
Mit Klageschrift vom 25. Januar 2021 gelangte der Rechtsvertreter des
Versicherten (nachfolgend: Kläger), Rechtsanwalt Dr. iur. K. Glavas, Muolen, an das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen. Eingeklagt wurden die Pensionskasse
der B._ (nachfolgend: Beklagte 1), die Pensionskasse der Stiftung I._ sowie die
B.a.
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Erwägungen
1.
Pensionskasse der K._ AG. Die Beklagten, in erster Linie die Beklagte 1, seien zu
verpflichten, dem Kläger die Pensionskassenleistungen (Renten und Prämienbefreiung)
nach Massgabe des Gesetzes und der Statuten inklusive 5 % Zins ab 1. Dezember
2012 im Umfang von 50 % zu bezahlen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer zu Lasten der leistungspflichtigen Beklagten (act. G 1).
In der Folge zog das Versicherungsgericht die IV-Akten bei (act. G 2), ermittelte
die Pensionskassen der Stiftung I._ (Personalvorsorge C._ [act. G 14];
nachfolgend: Beklagte 2) sowie der K._ AG (Lebensversicherungs-Gesellschaft D._
AG [act. G 26]; nachfolgend Beklagte 3) und forderte diese zur Klageantwort auf (act. G
20, 27).
B.b.
Mit Klageantwort vom 17. Juni 2021 (Eingang am 18. Juni 2021) beantragte die
Beklagte 1 die vollumfängliche Abweisung der Klage, soweit darauf einzutreten sei.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zu Lasten des
Klägers. Die Klage sei mangels Passivlegitimation, mangels Eintritts einer wesentlichen
Arbeitsunfähigkeit während des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten 1 oder wegen
fehlenden sachlichen und zeitlichen Konnexes abzuweisen (act. G 28).
B.c.
Die Beklagte 2 reichte am 16. Juni 2021 (Eingang am 21. Juni 2021) ihre
Klageantwort ein. Es sei die Klage gegen die Beklagte 2 vollumfänglich abzuweisen;
unter ausgangsgemässer Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen (act. G 29).
B.d.
Mit Klageantwort vom 7. Juli 2021 (Eingang am 9. Juli 2021) beantragte die
Beklagte 3 die vollumfängliche Abweisung der Klage betreffend ihre Leistungspflicht,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Klägers (act. G 33).
B.e.
Replizierend liess der Kläger am 30. September 2021 an seinen Anträgen
vollumfänglich festhalten (act. G 38). Auch die Beklagten 2 und 3 hielten in der Duplik
vollumfänglich an ihren Anträgen fest (act. 40 f.). Die Beklagte 1 hat auf die Einreichung
einer Duplik verzichtet (act. G 42).
B.f.
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Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ist
unbestrittenermassen gegeben (vgl. Art. 73 des Bundesgesetzes über die berufliche
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG; SR 831.40] in Verbindung mit Art.
65 Abs. 1 lit. e des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
2.
Die eingeklagten Vorsorgeeinrichtungen als mögliche Leistungspflichtige sind –
entgegen der Ansicht der Beklagten 1 – ohne weiteres passivlegitimiert, auch wenn sie
nicht in das IV-Verfahren einbezogen wurden. Diesfalls besteht indes keine Bindung an
den Entscheid der IV-Stelle (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2010, 9C_81/2010,
E. 3.1).
3.
bis
Die obligatorische Versicherung beginnt mit dem Antritt des Arbeitsverhältnisses
(Art. 10 Abs. 1 BVG). Die Versicherungspflicht endet, wenn der Anspruch auf
Altersleistung entsteht, das Arbeitsverhältnis aufgelöst, der Mindestlohn unterschritten
oder die Ausrichtung von Taggeldern der Arbeitslosenversicherung eingestellt wird;
vorbehalten bleibt Art. 8 Abs. 3 BVG (Art. 10 Abs. 2 BVG). Für die Risiken Tod und
Invalidität bleibt die Arbeitnehmerin bzw. der Arbeitnehmer während eines Monats nach
Auflösung des Vorsorgeverhältnisses bei der bisherigen Vorsorgeeinrichtung versichert.
Wird vorher ein neues Vorsorgeverhältnis begründet, so ist die neue
Vorsorgeeinrichtung zuständig (Art. 10 Abs. 3 BVG).
3.1.
Anspruch auf Versicherungsleistungen haben gemäss Art. 23 lit. a BVG Personen,
die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40 % invalid sind und bei Eintritt
der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren.
Nach Art. 23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der relevanten
Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse
daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versicherteneigenschaft
muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht
notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der
Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der
Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern
Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus
dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine einmal aus
– während der Versicherungsdauer aufgetretener – Arbeitsunfähigkeit geschuldete
Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn
3.2.
https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/ecc2e31c-f065-49f9-b872-9f66cb24a00e/b6240896-269b-4cb0-b176-168452e60eae?source=document-link&SP=7|nzfa1e https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/ecc2e31c-f065-49f9-b872-9f66cb24a00e/b6240896-269b-4cb0-b176-168452e60eae?source=document-link&SP=7|nzfa1e https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/abc3e85f-c8b4-4dae-8f63-9e69fd62b51f?citationId=4a8bcb69-2ca8-48a0-af86-0b3fa37d41e2&source=document-link&SP=8|4ql1gx https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/abc3e85f-c8b4-4dae-8f63-9e69fd62b51f?citationId=4a8bcb69-2ca8-48a0-af86-0b3fa37d41e2&source=document-link&SP=8|4ql1gx
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sich nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert.
Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein
Erlöschungsgrund (Art. 26 Abs. 3 BVG e contrario; BGE 123 V 263 f. E. 1a, 118 V 45 E.
5). Art. 23 BVG kommt auch die Funktion zu, die jeweilige Haftung mehrerer
Vorsorgeeinrichtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit
bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die
Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversicherung
zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach Art. 23 BVG entsteht in
diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber
derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden
Arbeitsunfähigkeit angehörte (BGE 130 V 275 E. 4.1). Der Zeitpunkt des Eintritts der
berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch
nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden. Die
Arbeitsunfähigkeit ist relevant, wenn sie mindestens 20 % beträgt und sich auf das
Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss arbeitsrechtlich in
Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an
Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit
entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch
gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle (Urteil des Bundesgerichts vom 17.
Juni 2013, 9C_91/2013, E. 4.1.2, mit Hinweisen).
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer
beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Beendigung
des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist
erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und
zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 275 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt
ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende
Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt
hat. Der zeitliche Zusammenhang setzt voraus, dass die versicherte Person nach
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig geworden
ist. Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkreten
Einzelfalles zu berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen
prognostische Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die
versicherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit
veranlasst haben (vgl. BGE 134 V 22 ff. E. 3.2, E. 3.2.1 und E. 5.3).
3.3.
https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/ecc2e31c-f065-49f9-b872-9f66cb24a00e/0a57614d-3244-4f5d-8a1f-555408013c53?source=document-link&SP=2|axwplw https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/ecc2e31c-f065-49f9-b872-9f66cb24a00e/f895f60a-0ece-424e-a0d6-2ff6ca24e094?source=document-link&SP=8|4ql1gx https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/ecc2e31c-f065-49f9-b872-9f66cb24a00e/f895f60a-0ece-424e-a0d6-2ff6ca24e094?source=document-link&SP=8|4ql1gx https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/17550983-22cd-4fac-84ca-5250dc633db1?citationId=015f9985-37a7-4ec7-8ff3-360a405ec373&source=document-link&SP=12|4ql1gx https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/20f4128c-0bf8-44ae-ab16-8579148e228f?citationId=55154078-2051-4165-98ad-33680a0eaf28&source=document-link&SP=8|4ql1gx https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/60d529ef-a342-453a-a488-24ec73fb822d?citationId=ea26a3a2-5a07-4645-b5ee-bd55da4dbd94&source=document-link&SP=8|4ql1gx
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4.
Zu prüfen ist im Folgenden, ob es während der Versicherungsdeckung bei einer der
Beklagten zu einer relevanten Arbeitsunfähigkeit des Klägers von mindestens 20 %
gekommen ist und bejahendenfalls, ob zwischen dieser Arbeitsunfähigkeit und der von
der IV-Stelle ab 1. Dezember 2012 anerkannten Invalidität ein enger sachlicher und
zeitlicher Zusammenhang besteht.
Der (medizinische) Verlauf präsentiert sich im relevanten Zeitraum wie folgt. Dr.
med. N._, Facharzt für Innere Medizin FMH, bescheinigte dem Versicherten ab 19.
April 2007, und damit während der Versicherungsdeckung bei der Beklagten 1, eine
100%-ige Arbeitsunfähigkeit bis auf weiteres (IV-act. 2). Er begründete diese am 18.
Januar 2008 zuhanden des RAD mit einer Perzeptionsschwerhörigkeit bei starker
Lärmbelastung im Betrieb sowie mit einer psychosozialen Belastungssituation am
Arbeitsplatz (IV-act. 7). Dr. med. O._, Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte
am 18. Januar 2008 zudem eine mittelschwere depressive Episode im Zusammenhang
mit übermässiger Lärmexposition am Arbeitsplatz und daraus folgender psychosozialer
Belastungssituation (IV-act. 14). Mit Bericht vom 22. Mai 2008 schätzte Dr. O._ die
Arbeitsfähigkeit des Klägers aus psychiatrischer Sicht auf 70 bis 80 % (IV-act. 31-3).
Vom 2. Juni bis 2. Juli 2008 absolvierte der Kläger eine berufliche Abklärung in P._.
Im Schlussbericht vom 29. August 2008 wird erwähnt, dass in
behinderungsadaptiertem Arbeitsmilieu ohne starke Lärmbelastungen gestützt auf die
Abklärungsresultate ein ganztägiges Pensum mit initial 70%-iger Leistungsfähigkeit
angegangen werden könne. Ziel sei das Erreichen einer wieder möglichst
uneingeschränkten Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Von Seiten der physischen
Belastbarkeit seien keine relevanten Beeinträchtigungen ersichtlich gewesen (IV-act.
49-8). Anschliessend durchlief der Kläger bis Juni 2009 mehrere berufliche
Massnahmen, initiiert durch die IV-Stelle (Vorbereitung auf die Umschulung im Q._;
IV-act. 55], Deutschkurs [IV-act. 67, 74], Arbeitstraining im Q._ [IV-act. 70]). Im März
2009 hatte der Kläger zudem ein Praktikum als Pfleger in einer Klinik begonnen. Dieses
wurde indes im Juni 2009 zufolge Überforderung mit Krankschreibung abgebrochen
(IV-act. 89-1). Mit Bericht vom 10. September 2009 diagnostizierten Dr. med. R._,
Psychiatrie und Psychotherapie, sowie S._, Psychologin SBAP, in deren Behandlung
sich der Kläger seit dem 26. November 2008 befand, eine rezidivierende depressive
Störung, eine anankastische Persönlichkeitsstörung, einen chronischen
Spannungskopfschmerz und eine Schwerhörigkeit. Es habe sich eine Depression nach
der Kündigung bei der E._ AG entwickelt. Im November 2008 sei es zu einem
Zusammenbruch mit Suizidalabsichten gekommen. Ab Juni 2009 sei es zu einem
4.1.
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erneuten Zusammenbruch gekommen. Die Prognose sei durch den chronischen
Verlauf eher ungünstig. Bescheinigt wurde eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 16.
Juni 2009 bis auf weiteres (IV-act. 77-2 f.). Ab dem 29. März 2010 absolvierte der
Kläger weitere berufliche Massnahmen, vorab eine berufliche Abklärung (bis 31. Juli
2010) in der Stiftung I._ (IV-act. 92, 96). Mit Bericht vom 30. Juni 2010 führten Dr.
R._ und die Psychologin S._ aus, dass die Tätigkeit in der Stiftung I._ im
geschützten Rahmen zumutbar, die Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft indes
deutlich vermindert sei. Der Kläger brauche eine verständnisvolle, engmaschige
Begleitung. Eine Arbeit in der Industrie sei nicht mehr zumutbar (IV-act. 100). Am 1.
August 2010 begann der Kläger, angestellt mittels Praktikumsvertrags bei der Stiftung
I._, eine Umschulung zum Hauswart mit interner psychologischer Betreuung/
Unterstützung und (intensiver) Praxisbegleitung (IV-act. 104, 107, 117 ff.). Ab Februar
2011 traten vermehrt Rückenbeschwerden auf, welche die Tätigkeit als Hauswart
einschränkten (IV-act. 148 ff., 171) und ab 7. November 2012 zu einer 100%-igen
Arbeitsunfähigkeit führten, dies kurz vor Abschluss der Umschulung bzw. dem
regulären Eintritt als Betriebspraktiker bei der K._ AG am 1. Dezember 2012 (IV-act.
137; zur bereits zuvor durchgeführten Einarbeitung in diesem Betrieb vgl. IV-act. 142,
144), zu welchem es in der Folge nicht kam. Am 11. Februar 2013 wurde der Kläger am
Rücken operiert (Dekompression L3/4 und L4/5 von rechts; IV-act. 169-3). Die
behandelnden Ärztinnen bescheinigten anschliessend bis 31. Dezember 2013 eine
100%-ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Rückenproblematik (IV-act. 205-13 ff.).
Letztlich führte – entgegen der Beurteilung der psychiatrischen ZVMB-Expertise vom
27. März 2019 (IV-act. 298-98) und der Einschätzung des RAD (IV-act. 299) – einzig die
Rückenproblematik dazu, dass die IV-Stelle dem Kläger bei 70%-iger Arbeitsfähigkeit
in rückenadaptierter Tätigkeit ab 1. Dezember 2012 (Abschluss der beruflichen
Massnahmen) eine halbe Rente zusprach (vgl. dazu das Besprechungsprotokoll der IV-
Verantwortlichen vom 5. Juni 2019 [IV-act. 301] sowie die Begründung in der
Verfügung der IV-Stelle von August 2019 [IV-act. 312]).
Der vorstehend dokumentierte Verlauf zeigt, dass sich eine erwerbsrelevante
psychische Problematik seit dem 19. April 2007 manifestierte, welche in Kombination
mit der Schwerhörigkeit bzw. der Lärmproblematik am Arbeitsplatz per 30. April 2008
zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses bei der E._ AG führte. In der Folge durchlief
der Kläger zwar zeitlich uneingeschränkt die beruflichen Massnahmen inklusive
Umschulung in der Stiftung I._ und Einarbeitung bei der K._ AG bis 31. November
2012, was darauf schliessen lassen könnte, dass sich die psychische Problematik im
Verlauf nicht mehr erwerbsrelevant äusserte und es in Bezug auf eine Leistungspflicht
der Beklagten 1 am zeitlichen und/oder sachlichen Konnex fehlte (vgl. dazu
4.2.
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5.
Das Klagebegehren lautet dahingehend, dass die Beklagte 1 (dem Grundsatz nach) zu
vorstehende E. 3.3). Die Akten lassen diesen Schluss indes nicht zu bzw. bieten viele
Anhaltspunkte dafür, dass sich die psychische Problematik andauernd relevant
auswirkte. Die behandelnden Dr. R._ und Psychologin S._ bescheinigten dem
Kläger durchgehend (IV-act. 77-2, 100), zuletzt mit Bericht vom 20. Januar 2014 (IV-
act. 211), bei diagnostiziertem psychischem Leiden und anankastischer
Persönlichkeitsstörung, erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Auch
bedurfte der Kläger während der Umschulung stets fachärztlicher bzw.
psychologischer Betreuung und auch im Berufsalltag aufgrund der psychischen
Problematik intensiver Begleitung (IV-act. 104, 117 ff.). Es kam während der beruflichen
Massnahmen mehrfach zufolge Überforderung zu längeren krankheitsbedingten
Abwesenheiten (IV-act. 89-1, 125, 129-2) und die Umschulung konnte nicht erfolgreich
abgeschlossen werden (IV-act. 161-1). Im IV-Abschlussbericht betreffend Umschulung
vom 7. Januar 2013 wird ausgeführt, dass der Kläger bei guter psychischer und
physischer Verfassung zwar fast uneingeschränkt leistungsfähig gewesen sei, der
durchschnittliche Leistungsgrad im ersten Arbeitsmarkt indes auf 70 % beziffert werde,
da stark depressive Züge und Rückenschmerzen sich motivations- und
leistungshemmend gezeigt hätten, weshalb eine psychiatrische Betreuung auch nach
Beendigung der Umschulungsmassnahme als unabdingbar erachtet werde (IV-act.
161-2 ff.). Vorgenannter Sachverhalt deutet überwiegend wahrscheinlich darauf hin,
dass die psychische Problematik bis zum Rentenbeginn nie derart abgeklungen ist,
dass von einem Wegfall des zeitlichen und/oder sachlichen Kausalzusammenhangs
bezüglich einer Leistungspflicht der Beklagten 1 auszugehen wäre. Daran ändert
nichts, dass die IV-Stelle letztlich einzig wegen der Rückenproblematik einen
rentenbegründenden Invaliditätsgrad errechnete. Dies geschah entgegen der
Beurteilung im Verlaufsgutachten der ZVMB vom 27. März 2019 und deren Bestätigung
durch den RAD (IV-act. 299-2), welche auch und insbesondere der psychischen
Problematik des Klägers rentenrelevante Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit per
Begutachtungszeitpunkt zugestanden (IV-act. 298-10, 98) bzw. eine krankheitswerte
chronifizierte, sich invalidisierend auswirkende psychische Gesundheitsschädigung,
begünstigt durch eine narzisstische, anankastisch-perfektionistische und
querulatorische Persönlichkeitsakzentuierung des Klägers, erhoben (IV-act. 298-95 ff.),
deren Ursprung mit relevanter Arbeitsunfähigkeit in die Zeit der Versicherungsdeckung
bei der Beklagten 1 fällt. Damit ist die Beklagte 1 ab 1. Dezember 2012 grundsätzlich
leistungspflichtig, wobei die Ansprüche nach Art. 41 Abs. 1 BVG nicht verjährt sind (vgl.
zum Zeitpunkt des Versicherungsfalls in Art. 41 Abs. 1 BVG den BGE 140 V 220 E. 4.5).
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verpflichten sei, dem Kläger die Pensionskassenleistungen (Renten und
Prämienbefreiung) nach Massgabe des Gesetzes und der Statuten im Umfang von 50
% zu bezahlen. Dieses Begehren ist – wie erwähnt – gutzuheissen. Die Ansprüche
werden indes nicht genau beziffert. Praxisgemäss sind die kantonalen
Berufsvorsorgegerichte nicht gehalten, die Rentenberechnung detailliert vorzunehmen,
sondern es reicht aus, wenn sie nur dem Grundsatz nach über den Leistungsanspruch
entscheiden und die Sache zur Ermittlung des Rentenbetrags an die zuständige
Vorsorgeeinrichtung überweisen. Dies hat das Bundesgericht insbesondere mit
Hinweis auf die Gebote der Einfachheit und Raschheit des Verfahrens nach Art. 73
Abs. 2 BVG begründet, wobei es auch die Nähe zum Sozialversicherungsprozess
betont hat (BGE 129 V 453 f. E. 3.4). Die Sache ist damit zur genauen Festsetzung der
Rentenbeträge bzw. der Prämienbefreiung an die Beklagte 1 zu überweisen.
6.
Der Kläger beantragt einen Verzugszins zu 5 % ab 1. Dezember 2012 (act. G 1 S. 2).
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich Art. 104 f.
des Obligationenrechts (OR; SR 220) anwendbar ist. Danach ist der Verzugszins vom
Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet. Der
Zinssatz beträgt 5 %, sofern das Reglement der Vorsorgeeinrichtung keine andere
Regelung kennt (BGE 119 V 133 ff. E. 4). Das Vorsorgereglement der Beklagten 1
(Ausgabe 1.1.2011) enthält keine Regelung bei Verzug (act. G 28.7). Damit ist der
Verzugszins vom Tag der Anhebung der gerichtlichen Klage an geschuldet. Dem Kläger
sind folglich für die bis zur Klageerhebung am 25. Januar 2021 (act. G 1) fällig
gewordenen Rentenbetreffnisse ab diesem Zeitpunkt und für die weiteren
Rentenleistungen ab deren jeweiligen Fälligkeitsdatum Verzugszinsen von 5 %
zuzusprechen.
7.
Gestützt auf das Gesagte ist die Klage in dem Sinne gutzuheissen, als die Beklagte
1 zu verpflichten ist, dem Kläger die gesetzlichen und reglementarischen
Invalidenleistungen bei einem Invaliditätsgrad von 50 % samt 5 % Verzugszins im
Sinne der Erwägungen zu erbringen. Die Sache ist zur Festsetzung der Leistungen an
die Beklagte 1 zu überweisen. Die Klage gegen die Beklagten 2 und 3 ist abzuweisen.
7.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG).7.2.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind dem obsiegenden Kläger in
Anwendung von Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 des VRP die Parteikosten von der
7.3. bis
https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/481ebd01-221d-42a6-9e2b-d0cbc66331f8?citationId=84598428-b507-4ef9-a005-b1e4a147e0ed&source=document-link&SP=6|4boj1e
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/12
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