Decision ID: 656879c3-3181-4232-9e09-a84fa9cf4b21
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1968 geborene
X._
war ab dem 1. Mai 2004 als Berufsschul
lehrer bei der
Y._
angestellt und in dieser Eigenschaft bei der AXA Versicherungen AG (
nachfolgend
AXA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Unfallmeldung vom 22. März 2016 zeigte der Versicherte an, dass er am 16. März 2016 mit dem Fahrrad in eine Frontal
kollision mit einem Auto involviert gewesen
war
(12/
A1
).
Aus dem provisorischen
Austrittbericht des
Z._
vom 18. März 2016
geht hervor, dass
sich der Versicherte am 16. März 2016 Mehrfachverletzungen mit einer
undislozierten
Fraktur Os frontale links,
einer
HWS Distorsion, Exkoriatio
nen des Gesichtsschädels,
einer
Fraktur des linken Fusses sowie Kontusionen der Knie,
des
rechten
Fuss
es
und der Handgelenke beidseits
zugezogen hatte
(Urk. 12/
M3
).
Die
A
XA
zog die
Akten der
Stadtpolizei A._
vom 2. Mai 2016
bei
(Urk. 12/A
mtliche Akten).
Mit Verfügung vom 4. Mai 2016
verweigerte die AXA die Kostenübernahme d
er
Esalen
-Massagen (Urk. 12/
A5
). Die dagegen am 2. Juni 2016 erhobene Einsprache
(Ur
k. 12/
A6
), wies die AXA mit Entscheid vom 5.
August 2016 ab (Urk. 12/
A12
).
Ab dem 9.
April 2016 war der Versicherte noch zu 60 %, ab dem 15. Mai 2016 zu 50
%
und ab dem 3
0.
Mai 2016 zu 30
%
arbeitsunfähig (Urk. 12/
M14
).
Ab
dem 21. Juli 2016
war er
wieder zu 100 % arbeitsfähig (Urk. 12/
M16
) und nahm seine Arbeit wieder auf (vgl. Urk. 12/
M15
).
1.2
Mit
Schreiben
vom 2
7.
Juni 2018 zu Handen der AXA
liess
der Versicherte
gestützt auf
Art.
43 ATSG weitere medizinische Sachverhaltsabklärungen sowie gestützt auf
Art.
44 ATSG eine polydisziplinäre medizinische Begutachtung
beantragen
; des Weiteren seien von der AXA die unfallbedingten Heilungskosten zu übernehmen und ihm
seien
die zustehenden Unfalltaggelder auszurichten (Urk. 12/
A29
).
Am
4.
Juli 2018 teilte die AXA dem Versicherten mit, es würden vorerst Berichte bei den Therapeuten eingeholt; die Leistungen für Alternativ
therapien würden nach UVG nicht übernommen (Urk. 12/
A30
). Mit Mitteilung vom 5. Oktober 2018 verweigerte die AXA die Kostengutsprache für eine neuropsychologische Untersuchung mit der Begründung, der Fall sei nach der letzten Behandlung vom 2
0.
Februar 2017 abgeschlossen worden
.
D
ie
neuerliche
Behandlung sei frühestens im April 2018 aufgenommen worden, weshalb es sich um einen Rückfall handle (Urk. 12/
A37
).
Mit Eingabe vom 10. Mai 2019 bean
tragte der Versicherte die Prüfung einer Integritätsentschädigung (Urk. 12/
A48
).
Mit Verfügung vom 12. Juni 2019 verneinte die AXA einen Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung
und entzog einer allfäl
ligen Einsprache die aufschiebende Wirkung
(Urk. 12/
A50
).
Am 12.
Juli 2019
liess der Versicherte dagegen
Einsprache
erheben und
unter anderem
beantragen
, der Einsprache
sei
die
aufschiebende Wirkung zuzusprechen (Urk. 12/
A52
S. 2). Mit E
n
tscheid vom 29. August 2019 wies die AXA das Gesuch um Wiederher
stellung der aufschiebenden Wirkung ab (Urk. 12/
A56
). Nachdem sie weitere Abklärungen
getätigt hatte
(vgl. Urk. 12/
A
55
,
A
57-A61
)
,
wies
sie
die Einsprache
mit Entscheid vom 2
6.
Juni 2020 ab
(Urk. 2 [= Urk. 12/
A
6
5
]).
2.
2.1
Der Versicherte liess am 31. August 2020 Beschwerde
gegen den Einsprache
entscheid vom 26. Juni 2020 erheben und
stellte folgende Anträge
(Urk. 1 S. 2)
:
«1.
Es sei der Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin aufzuheben.
2.
Es seien dem Beschwerdefüh
r
er weiterhin ab wann rechtens die ihm aus dem Unfallversicherungsgesetz zustehenden Leistungen zuzusprechen (Heilungskosten und Unfalltaggelder).
3.
Es seien vom angerufenen Sozialversicherungsgericht die gesamten Akten der Beschwerdegegnerin unter den Schadennummern
...
/
...
,
...
/
...
,
.../
...
.
4.
Es sei vom angerufenen Sozialversicherungsgericht ein medizinisches polydisziplinäres Gerichtsgutachten einzuholen.
5
.
Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, verbunden mit der Auflage, ein medizinisches
Administrativgutachten im Sinne von
Art.
44 ATSG einzuholen.
6.
Es sei nach Vorliegen des beantragten medizinischen Gutachtens über die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin aus
Unfallversicherungs
gesetz
neu zu befinden.
7.
Es sei vom Sozialversicherungsgericht ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen.
8.
Es sei vom Sozialversicherungsgericht im Sinne von
Art.
6 EMRK eine öffentliche Gerichtsverhandlung durchzuführen.
9.
Es sei anlässlich der beantragten öffentlichen Gerichtsverhandlung der Beschwerdeführer durch das Sozialversicherungsgericht persönlich zu befragen.
10.
Es sei anlässlich der beantragten öffentlichen Gerichtsverhandlung Herr
Dr.
med.
B._
als Zeuge
einzuvernehmen.»
Mit Beschwerdeantwort vom
9. Dezember 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 11), welche dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 11. Dezember 2020 zur Kenntnis gebracht wurde; von einem zweiten Schriftenwechsel wurde abgesehen (Urk. 13). Mit Stellungnahme vom 23. März 2021 (Urk. 17) liess sich der Beschwerdeführer erneut vernehmen
;
er
hielt an seinen Anträgen vollumfänglich fest und reichte weitere Unterlagen zu den Akten (Urk.
18/1-3
). Die Stellungnahm
e
des Beschwerdeführers wurde der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 2
6.
März 2021 zugestellt (Urk. 19)
. Am 1
4.
Juni 2021 reichte die Beschwerdegegnerin ihre Stellungnahme ein und hielt an ihren Anträgen vollumfänglich fest; sie beantragte
,
die nachträgliche Eingabe des Beschwerdeführers vom 2
3.
März 2021 sowie die beigefügten Beweismittel seien aus dem Recht zu weisen (Urk. 24 S. 2). Mit Schreiben vom 16. Juni 2021 wurde dem Beschwerdeführer die Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 14. Juni 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 25).
2.2
Nachdem der Beschwerdeführer an seinem Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung im Sinne von
Art.
6 EMRK festhielt (vgl. Urk. 26), wurden die Parteien mit Vorladung vom 31. März 2022 zur Verhandlung am 5. Mai 2022 vorgeladen (Urk. 27).
Anlässlich der Verhandlung vom
5.
Mai 2022
äusserte sich der Beschwerdeführer
persönlich
zum Sachverhalt
und reichte eine schriftliche Stellungnahme zu den Akten (
Urk.
30
;
Prot. S.
4 ff.
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E.
4b
). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
16. März 2016
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
li
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
den
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E.
1b
, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E.
1b
, je mit Hinweisen).
1.3
Die in Rechtskraft erwachsene Verweigerung weiterer Leistungen durch den obligatorischen Unfallversicherer schliesst die spätere Entstehung eines Anspruchs, der sich aus demselben Ereignis herleitet, nicht unter allen Umständen aus. Vielmehr steht ein solcher Entscheid unter dem Vorbehalt späterer Anpassung an geänderte unfallkausale Verhältnisse. Dieser in der Invaliden
versiche
rung durch das Institut der Neuanmeldung
geregelte Grundsatz gilt auch im Unfallversicherungsrecht, indem es der versicherten Person jederzeit freisteht, einen Rückfall oder Spätfolgen eines rechtskräftig beurteilten Unfallereignisses geltend zu machen (vgl. Art. 11 UVV) und erneut Leistungen der Unfallversiche
rung zu beanspruchen. Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederauf
flackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer
Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem andersgearteten Krankheitsbild führen können (BGE 144 V 245 E. 6.1, 118 V 293 E.
2c
, je mit Hinweisen).
1.4
Der Fallabschluss hat in Form einer Verfügung zu erfolgen, wenn und solange die (weitere) Erbringung erheblicher Leistungen zur Diskussion steht (
BGE 132 V
412
E. 4, Art. 124 UVV). Erlässt der Versicherer stattdessen nur ein einfaches Schreiben, erlangt dieses in der Regel jedenfalls dann rechtliche Verbindlichkeit, wenn die versicherte Person nicht innerhalb eines Jahres Einwände erhebt (
BGE 134 V 145
). Standen zu einem bestimmten Zeitpunkt indes keine Leistungen mehr zur Diskussion, kann ein Rückfall auch vorliegen, ohne dass der versicher
ten Person mitgeteilt wurde, der Versicherer schliesse den Fall ab und stelle seine Leistungen ein. In dieser Konstellation ist entscheidend, ob zum damaligen Zeitpunkt davon ausgegangen werden konnte, es werde keine Behandlungs
bedürftigkeit und/oder Arbeitsunfähigkeit mehr auftreten. Dies ist im Rahmen einer ex-ante-Betrachtung unter Berücksichtigung der konkreten Umstände zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts
8C_400
/2013 vom 31. Juli 2013 E. 4 mit weiterem Hinweis).
Dabei kommt der Art der Verletzung und dem bisherigen Verlauf eine entschei
dende Rolle zu. Lag ein vergleichsweise harmloser Unfall mit günstigem Hei
lungsverlauf vor, welcher nur während relativ kurzer Zeit einen Anspruch auf Leistungen begründete, wird tendenziell eher von einem stillschweigend erfolgten Abschluss auszugehen sein als nach einem kompliziert verlaufenen Heilungs
prozess. Andererseits ist der Leistungsanspruch unter dem Aspekt des Grundfalles und nicht unter demjenigen eines Rückfalles zu prüfen, wenn die versicherte Person während der leistungsfreien Zeit weiterhin an den nach dem Unfall auf
getretenen Beschwerden gelitten hat
beziehungsweise,
wenn Brückensymptome gegeben sind, die das Geschehen über das betreffende Intervall hinweg als Einheit kennzeichnen (Urteil des Bundesgerichts
8C_185
/2008 vom 17. Dezember 2008 E. 4.3 mit weiteren Hinweisen).
1.5
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfall
ereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallversiche
rung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E.
2c
in fine). Es obliegt dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines Kausalzusam
menhangs zwischen dem als Rückfall oder Spätfolge geltend gemachten Beschwerdebild und dem Unfall nachzuweisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leistungs
pflicht des Unfallversicherers; dabei sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis umso strengere Anforderungen zu stellen, je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist. Bei Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus (Urteile des Bundesgerichts
8C_627
/2020 vom 10. Dezember 2020 E. 2.3 und
8C_589
/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass sich der Heilungsverlauf
mit kontinuierlicher Steigerung der Arbeitsfähigkeit
erfreulich entwickelt habe
bis sie schliesslich am 21. Juli 2016 wieder voll herge
stellt gewesen sei. Die medizinische Behandlung sei am
2.
September 2016 bei noch leichten Restbeschwerden abgeschlossen worden. Am
2.
März 2017 sei noch eine Abklärung der Sehnerven und der dazugehörenden Gesichtsfelder durchge
führt worden; die Befunde seien als seitengleich und normal beschrieben worden
(Urk. 2 S. 4)
. D
ie seit April/Mai 2018 dokumentierten Beschwerden würden aus somatischer Sicht nicht überwiegend wahrscheinlich mit dem Ereignis vom 1
6.
März 2016 im
Zusammenhang stehen
, weshalb ein Leistungsanspruch für die erneut geltend gemachten Beschwerden ab Frühjahr 2018 im Sinne eines Rückfalls abgelehnt
worden sei (Urk. 2 S. 5-6
). Die Frage der natürlichen Kausalität könne jedoch
offen gelassen
werden, da Einschränkungen und Beschwerden, welche nicht im Sinne der Rechtsprechung
mit einem objektiv nachgewiesenen Schaden erklärbar seien, nicht näher abgeklärt werden müssten, wenn es sich erweis
e
, dass ein allfälliger natürlicher Kausalzusammenhang nicht adäquat und damit nicht rechtsgenüglich wäre (
Urk.
2 S. 7).
Da keines der massgebenden Kriterien erfüllt sei, müsse der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 16. März 2016 und den aktuell beklagten Beschwerden verneint werden. Die Wiederaufnahme der Behandlung im Frühling 2018 könne nicht als Rückfall anerkannt werden, weshalb die Leistungsablehnung zu Recht erfolgt sei (Urk. 2 S. 9).
2.2
Demgegenüber
rügte
der Beschwerdeführer
im Wesentlichen
,
die Beschwerdegeg
nerin
habe
weder im Rahmen des Administrativverfahrens noch im Rahmen des
Einspracheverfahrens
die umfassenden Abklärungen im Sinne von
Art.
43 ATSG getätigt (Urk. 1 S. 8). Sodann habe die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 1
2.
Juni 2020 lediglich entschieden, es bestehe kein Anspruch auf Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung, ohne zu spezifizieren, für welchen Zeitraum
sie die Leistungen ablehne (Urk. 1 S. 9). Vorliegend gehe es nicht lediglich um einen Rückfall ab Frühling 2018, sondern um die Leistungspflicht der Beschwer
degegnerin ab März 2017 (Urk. 1 S. 10).
Er habe durchwegs an unfallbedingten Beschwerden gelitten und zwar nicht im Sinne eines Rückfalls. Es
sei bereits mit ausführlichem S
chreiben vom 27. Juni 2018 die Einholung eines medizinischen Gutachtens im Sinne von
Art.
44 ATSG beantragt worden, die Beschwerdegegne
rin habe dies jed
och verweigert (Urk. 1 S. 13). Es liege kein Endzustand per
2.
März 2017 vor (Urk. 1 S. 16). Das medizinische Gutachten sei unab
dingbar, um das Vorliegen der
Adäquanzkriterien beurteilen zu können (
Urk.
1 S. 19).
3.
3.
1
Im provisorischen Austrittsbericht des
Z._
vom 1
8.
März 2016 wurden folgende Diagnosen aufgeführt:
-
Mehrfachverletzung vom 1
6.
März 2016 mit
-
Undislozierter
Fraktur Os frontale links ins Os sphenoidale ziehend
-
HWS Distorsion
-
Exkoriationen Geschichtsschädel
-
Intraartikuläre Fraktur Phalanx
proximalis
Dig
I Fuss links mit intra
artikulärem Fragment von medial sowie
ossärem
Bandausriss vom lateralen Bandapparat
-
Ausriss
palmare
Platte DIP Gelenk
Dig
V Hand links mit Subluxations
stellung
-
Kontusion Knie beidseits
-
Kontusion
Dig
I-V Fuss rechts
-
Kontusion Handgelenk beidseits
Der postoperative Verlauf sei unter Basisanalgesie komplikationslos gewesen. Die 48-stündige
GCS
-Überwachung sei unauffällig gewesen. Der Beschwerdeführer sei bei Austritt beschwerdearm und mobil gewesen (Urk. 12/
M3
S. 1). Im Beiblatt zur Zusammenfassung der Krankengeschichte wurde
notiert
, der Beschwerdefüh
rer sei mit dem Rettungsdienst am 16. März 2016 notfallmässig zugewiesen worden. Er sei mit
circa
20
k
m/h gefahren, als ein abbiegender Personenwagen ihn mit der Stossstange erfasst
habe
. Er habe keinen Helm getragen und sei
circa
fünf bis sechs Meter weit weg geschleudert worden. Er sei nicht bewusstlos gewesen
und
habe keine Amnesie
erlitten
. Vor allem die rechte Schulter, die Hals
wirbelsäule und der linke grosse Zeh hätten ih
n
geschmerzt (Urk. 12/
M3
S. 4).
Aus dem Bericht des
Z._
vom 2
0.
April 2016 geht hervor, dass der Beschwerde
führer vier Wochen postoperativ
anlässlich der
Kirschnerdraht
-Entfernung beschwerdefrei gewesen
war
und die Eintrittsstellen der
Kirschnerdrähte
reizlos und
infektfrei
geblieben
waren
(Urk. 12/
M9
).
3.2
Im Bericht
vom
6.
Juni 2016 berichtete
Dr.
med.
C._
, Fachärztin Allgemeine Innere Medizin, im Vordergrund würden nach der kurzen Hospitali
sation Symptome der HWS-Distor
s
ion (Schmerzen, Verspannungen im rechten Scapula Bereich) und der Contusio cerebri et
bulbi
(Ermüdbarkeit, Konzentra
tionsstörungen, Kopfschmerzen,
Belastungsintoleranzen
) stehen. Der Beschwer
deführer sei vom 1
6.
März bis
8.
April 2016 zu 100 %, bis am 14. Mai 2016 zu 60 %, bis am 29. Mai 2016 zu 50 % und
ab
30. Mai 2016 zu 30 % arbeitsunfähig gewesen.
Wegen de
n
Beschwerden im linken Handgelenk
sei noch ein MRI und ein Termin bei der
Handchirurgie geplant, zudem sei der Beschwerdeführer weiterhin in
physiotherap
e
utischer Behandlung
wegen der Nackenverspannung; Analgetika seien nur noch ganz selten nötig (Urk. 12/
M14
).
A
m 1
6.
Ju
l
i 2016
teilte
Dr.
C._
mit, d
er Beschwerdeführer
werde
am 21.
Juli 2016
seine
Arbeit wieder zu 100
%
aufnehmen können. Es werde
eine
letzte Kontrolle
durch
geführt
und ein Abschluss der Behandlung sei
auf
Anfang September geplant (Urk. 12/
M15
).
Mit Bericht v
om
3.
Oktober 2016 ergänzte Dr.
C._
, die Behandlung sei am 2. September 2016 abgeschlossen worden, obwohl noch Beschwerden bestehen würden.
Die Anamnese vom 2. September 2016 habe ergeben, das
s
keine grossen Veränderungen mehr erreicht worden seien. Der Beschwerdeführer könne mit etwas Schmerzen in der Grossze
he links joggen und schwimmen. Der Beschwerdeführer mache Übungen, er wolle jedoch keine Physiotherapie-Verordnung. A
b dem 21. Juli 2016 sei
er
wieder zu 100 % a
rbeitsfähig gewesen (Urk. 12/
M16
).
3.
3
Mit Bericht vom 2. März 2017 führte
Dr.
med.
D._
, Fachärztin Ophthal
mologie, aus, der Beschwerdeführer sei letztmals am 20. Februar 2017 untersucht worden. Auf Empfehlung des
Z._
seien am 9. Dezember 2016 weitere Abklärungen der Sehnerven beidseits (
OCT
) sowie am 30. Januar 2017
des
dazu
gehörige
n
Gesichtsfeld
es
durchgeführt worden, diese seien im wesentlichen seitengleich und normal gewesen. Ausser trockenen Augen würden keine anatomisch sichtbaren ophthalmologischen Pathologien bestehen. Der Beschwer
deführer habe jedoch über
ein
seit dem Unfall nach wie vor bestehendes
Druckgefühl neben/hinter dem Auge geklagt. Weitere altersentsprechende Routine
kontrollen seien erst in zwei bis drei Jahren wieder geplant (Urk. 12/
M18
).
3.
4
Dem Bericht vom 1
0.
Juli 2018 des Schädel
MR
des
Z._
ist zu entnehmen, dass keine Diffusionsrestriktionen befundmässig erhoben werden konnten. Die Ärzte führten aus, es seien keine posttraumatischen Kontusionen, diffuse
axonale
Verletzungen
oder
eine
pathologische
Mikroangiopathie
festgestellt worden. Es
seien
zwar e
inzelne kleine punktförmige Hyper
intensitäten auf
der
SWI
-Bildgebung
im
inferolateralen
Thalamus
festgestellt
worden
, DD Teleangiektasie,
dieser Befund
sei
jedoch ohne pathologische Wertigkeit. Eine Pathologie des Bulbus
oculi
bestehe ebenfalls nicht (Urk. 12/
M23
)
. Am 2
7.
September 2018 wurden aufgrund des MRI-Befunds vom 10. Juli 2018 z
usätzliche Abklärungen bezüglich
der
Liquorzirkulation
durchgeführt. Aus dem Bericht des
Z._
geht hervor, die Abklärung
habe eine geringe anatomische Einengung des Aquäduktes im mittleren Drittel gezeigt. Eine funktionelle Stenose in der Flussmessung sei nicht nachweisbar gewesen, weshalb keine
Aquäduktstenose
bestehe. Es handle sich daher wahrscheinlich um anlagebedingt prominente Seitenventrikel beidseits (Urk. 12/
M24
).
3.
5
Dr.
med.
B._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 20. Juli 2018, der Beschwerdeführer habe seit circa Februar/März 2018 zunehmend Ängste bis hin zu Panikattacken entwickelt. Bei Behandlungsauf
nahme habe der Beschwerdeführer eine schwere innere Verunsicherung gezeigt.
Dr.
B._
diagnostizierte aus dem psychiatrischen Bereich eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten (ICD-10
F43.25
); das Unfallereignis erfülle das unter ICD-10
F43.1
(posttrauma
tische Belastungsstörung)
beschriebene Trauma-A-Kriterium. Der Beschwerde
führer sei mit digitalen Arbeiten (Bildschirmarbeiten) noch überfordert. Er könne noch nicht seinem 30%-Pensum in der
Y._
nachkommen; in dieser Teilzeitanstellung habe
der Beschwerdeführer
ausschliesslich mit Bildschirm
arbeiten zu tun (Betreuung eines Blogs der
Y._
)
,
a
naloges A
rbeiten sei hingegen möglich. Der Beschwerdeführer sei in seinem 30%-Arbeitspensum bei der
Y._
seit Behandlungsbeginn am 7. Mai 2018 bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 12/
M
19
)
.
3.
6
Dr.
med.
C._
, Facharzt Neurologie und beratender Arzt der Beschwerde
gegnerin, nahm am 10. Mai 2019 Stellung und führte aus, die vom Beschwerde
führer geschilderten Beschwerden seien vollständig unspezifisch. Er
gehe davon aus, dass die Beschwerden stark psychisch
überlagert oder allein psychisch
bedingt seien, wobei dies durch einen Psychiater besser zu beurteilen wäre. Hinweise für eine Contusio cerebri würden nicht bestehen, die Fraktur vom Os frontale links mit Ausstrahlung ins Os sphenoidale habe keine
intracranielle
Verletzung nach sich gezogen, strukturelle Hirnläsionen mit kleinen Mikro
blutungen hätten ebenfalls nicht nachgewiesen werden können. Die
Aquädukt
stenose
sei funktionell nicht relevant und habe ohnehin keinen Zusammenhang zum Fahrradsturz vom 16. März 2016 (Urk. 12/
M27
S. 4).
Die Beschwerden seien nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Trauma vom 1
6.
März 2016 zurückzuführen (Urk. 12/
M27
S. 5).
Am 1
8.
Dezember 2019 ergänzte
Dr.
C._
, er halte vollumfänglich an seiner Stellungnahme vom 1
0.
Mai 2019 fest, wobei
er einschränkend festhielt, die Symptomatik sei vermutlich rein psychogen bedingt und nicht nur psychisch überlagert. Das MRI Schädel habe keinerlei Traumafolgen, keine strukturelle Läsion und insbesondere keine Contusio cerebri gezeigt. Die neurologischen Resultate würden daher zweifelsohne durch die psychische Verfassung mitbeeinflusst. Die somatischen Verletzungen seien längst bis zum Status quo sine abgeheilt. Eine strukturelle Verletzung vom Hirn habe nicht stattgefunden. Da keine unfallkausale Symptomatik mehr bestehe, sei auch nicht mit einer namhaften Verbesserung des unfallbedingten Gesundheitszu
standes zu rechnen. Die psychische Symptomatik könne gebessert werden, dies
e
sei jedoch nicht unfallkausal (
Urk.
12/
M31
S. 2-3).
3.7
Am 31. Mai 2019 nahm
Dr.
med.
D._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, eine
Beurteilung
als beratender Arzt der Beschwerdegegnerin vor
(Urk. 12/
M26
)
.
In seiner Stellungnahme
führte
Dr.
D._
aus,
in zeitlich direktem Zusammenhang mit dem Unfallereignis sei keine psychopathologische krank
heitswertige Symptomatik
und
psychiatrische Diagnose gestellt worden. Es hätten sich auch keine somatischen oder klinischen Hinweise auf eine Gehirnverletzung gezeigt, was auch mit bildgebenden Verfahren habe ausgeschlossen werden können. Es seien auch keine direkten psycho
pathologischen Symptome (wie ak
u
t
e Angstzustände, dissoziative Zustände, rasch wechselnde Stimmungsumschläge von Verzweiflung und apathischem
Verhalten etc.) festgestellt wo
rden, die als krankheitswertig erkannt worden seien und zu einer zeitnahen fachärztlichen Ab
klärung geführt hätten (
Urk.
12/
M26
S. 4).
Dr.
D._
erachtete bei den vorliegenden psychischen Beschwerden ein
en
natürliche
n
Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 1
6.
März 2016 nicht mit dem erforderlichen
Beweis
g
rad der
überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als ausgewiesen (
Urk. 12/
M26
S. 6).
Die Beschwerdegegnerin unterbreitete ihrem beratenden Arzt
Dr.
med.
E._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, den Bericht von
Dr.
D._
. Dr.
E._
hielt am 1
1.
September 2019 - aus in seinem Bericht näher dargeleg
ten Gründen – dafür, er könne die Ausführungen von
Dr.
D._
betreffend Diagnose und Kausalität vollständig bestätigten. Zum Bericht von
Dr.
B._
vom 2
0.
Juli 2018 führte
Dr.
E._
aus, gemäss IDC-10 komme es innerhalb eines Monats nach einem belastenden Ereignis oder einer Lebensveränderung zu den in jenem Bericht genannten psychischen Störungen. Die Symptome hielten meist nicht länger als sechs Monate an, ausser bei der längeren depressiven Reaktion (ICD-10 F 43.21). Sollten die Diagnosen anhalten, müsste die Diagnose in Übereinstimmung mit dem gegenwärtigen klinischen Bild geändert und die andauernden Belastungen mit Verwendung der Z-Codierung gekennzeichnet werden. Somit könne gefolgert werden, dass das Unfallereignis definitiv nicht
geeignet gewesen sei, eine Störung die mehr als zwei Jahre später diagnostiziert worden sei, zu begründen, selbst wenn diese, wie im Bericht festgehalten, mit ersten Anzeichen im Verlaufe des Jahres 2017 aufgetreten seien. Allerdings könne festgehalten werden, dass
Dr.
B._
unspezifische subjektive Symptome für den besagten Zeitraum (2017) aufzählte, die nicht geeignet seien, diese Diagnose zu untermauern. Dass das Unfallereignis das Traum
a
-A-Kriterium für die post
traumatische Belastungsstörung erfülle, könne nicht nachvollzogen werden, da
hiefür
lebensbedrohliche Ereignisse
katastrophisierenden
Ausmasses,
die bei fast jedem
eine tiefe Verzweiflung hervorrufen müssten, vorliegen müssten. Der natürliche Kausalzusammenhang der psychischen Beschwerden mit dem Unfall
ereignis vom 1
6.
März 2016 sei zu verneinen (
Urk.
12/
M28
).
3.8
Aus dem Bericht der
Klinik F._
vom 1
7.
Juli 2020 geht hervor, dass der Beschwerdeführer zeitlich, örtlich und zur Person vollständig orientiert
war
.
Der Beschwerdeführer habe berichtet, dass sich die Situation inzwischen deutlich verbessert habe. Er leide aber immer noch unter Schulter- und Nackenbeschwer
den, die vor allem morgens auftreten würden. Sporadisch habe er auch Kopfschmerzen, welche die linke Gesichtshälfte, die linke Hirnhälfte und das linke Auge betreffen würden. Seit zwei bis drei Monaten seien die Kopfschmerzen deutlich gebessert. In seinem Leben wachse ihm jedoch alles über den Kopf, manchmal habe er auch depressive Verstimmungen
(Urk. 12/
M33
S. 2)
.
Bei mehr
heitlich unauffälligen Leistungen seien einzig bei attentionalen und exekutiven Leistungen partielle Minderleistungen beobachtet worden.
Als Diagnosen führten die Behandler minimale neuropsychologische Defizite in partiellen attentionalen und exekutiven Funktionen bei Verdacht auf
Functional
Cognitive
Disorder
(ICD-11:
6B60.9
) auf (
Urk.
3/10 S. 6 [= Urk.
12/
M33
S. 6
]
).
4.
4.1
4.1
.1
Soweit sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt stell
te
, es handle sich
bei den im
Juni
201
8
gemeldeten
Beschwerden
um solche, an denen er unfallbedingt seit dem 16. M
ärz 2016 leide, weshalb sie
weiter
hin zur
Abwicklung des Grund
falles vom
1
6.
März 2016
gehören würden und
die Unfallversicherung für einen behaupteten Wegfall der Kausalität beweisbelastet sei (
vgl. Urk. 1 S. 9 und S. 19
), verfängt dies nicht.
Die Beschwerdegegnerin führte zu Recht aus, dass d
er ursprüngliche Unfall administrativ formlos respektive gemäss Aktenlage ohne Mitteilung abgeschlossen
wurde (Urk. 11 S. 17
; vgl. auch Urk. 12/
A39
)
. Dies ist angesichts des Umstandes, dass der Beschwerdeführer ab dem
21. Juli 2016 seine
Arbeit wieder zu 100 % aufnehmen konnte (vgl. Urk. 12/
M15
), die Behandlung bei
Dr.
C._
am 2. September 2016 abgeschlossen wurde, der Beschwer
deführer sodann keine Physiotherapie mehr in Anspruch nehmen wollte (vgl. Urk. 12/
M16
) und nach erfolgter Abklärung der Sehnerven beidseits im Februar 2017 erst in zwei bis drei Jahren wieder eine altersentsprechende Routinekon
trolle der Augen geplant war
(Urk. 12/
M18
)
,
nicht zu beanstanden. Nachdem
die Augenärztin anlässlich der – schlussendlich von der Beschwerdegegnerin bezahlten (
Urk.
12/
A14
-17,
A20
-23,
Urk.
18/2-3) - Untersuche vom
9.
Dezember 2016, 3
0.
Januar und 2
0.
Februar 2017 keine anatomisch sichtbare ophthalmo
logische Pathologie
befundete
und damit auch keine unfallbedingte Gesundheits
beeinträchtigung feststellen konnte (
Urk.
12/
M18
) und der Beschwerdeführer sich nach September 2016 nicht mehr in ärztliche Behandlung begab (vgl.
Urk.
18/1; weshalb
Dr.
C._
, die ihre Praxis Mitte 2016 aufgab [
Urk.
1 S. 11], für die Zeit von Oktober bis Dezember 2016 eine Rechnung über
Fr.
63.25 stellte, erschliesst sich der angerufenen Instanz nicht),
musste die Beschwerdegegnerin im
Frühling 2017
prognostisch
nicht davon ausgehen, es werde eine weitere Behandlungsbedürftigkeit oder Arbeitsunfähigkeit im Zusammenhang mit dem Unfall vom
16. März 2016
auftreten
(vgl. E. 1.4)
.
Aufgrund der damaligen Faktenlage war der Fallabschluss umso mehr indiziert, als die volle Arbeitsfähigkeit bereits seit über sieben Monaten andauerte, weshalb kein Anspruch mehr auf Heilbehandlung bestehen konnte (
Art.
10 UVG), hätte eine fortgesetzte ärztliche Behandlung doch keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes bewirken können. Denn ob
eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes anzunehmen ist, bestimmt sich namentlich
– aber nicht ausschliesslich –
nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederher
stellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Der Begriff "namhaft" verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von
Art.
10
Abs.
1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss
, un
bedeutende Verbesserungen genügen ebenso wenig wie die blosse Möglichkeit einer Besserung
(BGE 134 V 109 E. 4.3; U
rteil
des Bundesgerichts
8C_6
82
/2021
vom
1
3.
April 2022
E.5.1
mit zahlreichen Hinweisen). Der formlose Fallabschluss durch die Beschwerdegegnerin war daher rechtens.
4.1.2
Die Beschwerdegegnerin behandelte die mit Schreiben des Beschwerdeführers vom 2
7.
Juni 2018 geltend gemachten Versicherungsansprüche (
Urk.
12/
A29
) daher grundsätzlich zu Recht als Rückfall (
Art.
11 UVV). Im Bereich der Rückfälle besteht
eine Leistungspflicht
für einen (erneuten) Be
schwerdeschub nur dann,
wenn eindeutige Brückensympto
me aktenkundig ausgewiesen sind
(Urteil
des
Bundesgerichts
8C_755
/2018
vom 11. Februar 2019 E. 4.4.
3), wobei recht
sprechungsgemäss
e
chtzeitliche ärztliche Aussagen
geforder
t werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_900
/2017
vom 30. Mai 2018 E. 3.2).
Fussreflexzonen
behandlungen oder ganzheitliche Massagen für Körper, Seele und Geist belegen gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung noch keine Brückensymptome, zumal solche Massnahmen auch ohne spezifische Beschwerden aus präventiven Gründen zur Anwendung gelangen können (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_271
/2013 vom 30. Juli 2013 E. 4).
4.1.3
Der Beschwerdeführer monierte, der Zeitraum ab März 2017 bis April 2018 sei widerrechtlich ausgeblendet worden, er ha
be in dieser Zeit Behandlungen vo
n unfallbedingte
n
Beschwerden erhalten (
Urk.
1 S. 11 ff.). Selbst wenn die notfall
mässig anberaumten beiden Craniosakral-Therapie Sitzungen bei
G._
vom
3.
Oktober und 2
8.
November 2017 unfallbedingt stattgefunden haben sollten (
Urk.
1 S. 12,
Urk.
3/3), was seitens des Beschwerdeführers behauptet aber nicht belegt wurde, steht von Vornherein fest, dass es sich nicht um UVG-versicherte Heilbehandlungen handelte (
Art.
10
UVG
in Verbindung mit den Bestimmungen der Krankenpflege-Leis
tungsverordnung, SR 832.112.31), ist Craniosakral-Therapie doch ebenso wenig eine Pflichtleistung wie im Bereich der obligatorischen Krankenversicherung (vgl.
Urk.
3/3). Eine ärztlich attestierte (Teil
-
)Arbeitsunfähigkeit ist im Oktober und November 2017 nicht aktenkundig.
Eine
Borrelioseinfektion
nach dem Zeckenbiss vom
6.
Oktober 2017 konnte, wie der Beschwerdeführer zu Recht ausführte, ausgeschlossen werden (
Urk.
1 S. 12,
Urk.
3/5, 12/Schadenfall
...
). Gemäss dem am 1
3.
Mai 2018 ausgefüllten Arztzeugnis UVG wurde die diesbezügliche Behandlung bereits am
8.
Dezember 2017 abgeschlossen, und die Beschwerdegegnerin zahlte die gesetzlichen Leistungen aus, u.a. Taggelder an die von
Dr. med.
H._
attestierte
borreliosebedingte
Arbeitsunfähigkeit von 40 % vom 1
0.
Oktober 2017 bis 8. Dezember 2017 (Schreiben Beschwerdegegnerin vom
2.
Juli 2018;
Urk.
12/Schadenfall
...
).
Dr.
H._
führte im Schreiben vom 1
3.
Juni 2018 an die Beschwerdegegnerin aus, sie habe die reduzierte Arbeitsfähigkeit des Patienten mit den vielen unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein mit Gelenkbeschwerden, auf eine mögliche Frühborreliose zurückgeführt, das Erythema
c.m
. sei antibiotisch über 14 Tage behandelt worden (
Urk.
12/
...
).
Eine Arbeitsunfähig
keitsschreibung allein gestützt auf subjektive Angaben ohne objektivierbare Befunde ist von Vornherein fraglich, die sinngemässe Argumen
tation des Beschwerdeführers, weil die Borreliose habe ausgeschlossen werden können, habe es sich um Folgen des Unfalles vom 1
6.
März 2016 gehandelt,
ebenso. Offenbar führte der Beschwerdeführer im Oktober 2017 die geklagten Beschwerden selber nicht auf den Unfall zurück, schloss diesen als Verursacher aus.
Entgegen dem Beschwerdeführer hatte die ihm von
Dr.
H._
attestierte
60%ige
Arbeitsunfähigkeit vom
8.
bis 2
9.
März 2018 nichts mit dem Unfall vom 1
6.
März 2016 zu tun (
Urk.
1 S. 12,
Urk.
3/4), sondern wurde wegen des Unfalles vom
8.
März 2018 ausgestellt, als er in
I._
auf eisiger Strasse ausrutschte und sich Distorsionen am rechten Ellbogen und Knie zuzog (
Urk.
12/
...
; Schadenmeldung vom 1
3.
Mai 2018
)
. In seiner Eingabe vom 2
7.
Juni 2018 an die Beschwerdegegnerin war dem Beschwerdefüh
rer diese Tatsache noch geläufig (
Urk.
12/
A29
S. 4
Ziff.
5). Dem Schadendossier
...
liegt ein Bericht von
Dr.
med.
J._
vom
9.
Juli 2018 bei, wonach er beim Beschwerdeführer am 1
7.
Mai 2018 ein Jumpers
Knee
rechts (
Patellaspitzensyndrom
) diagnostizierte; der Beschwerdeführer habe bereits im Oktober 2017 anlässlich eines Volleyballspiels nach einer Sprungbewegung Schmerzen im Kniegelenk rechts verspürt, die teilweise so stark gewesen seien, dass er die sportlichen Betätigungen nicht mehr habe durchführen können. In letzter Zeit habe sich die Situation gebessert, allerdings unter Sportkarenz, aktuell sei er fast beschwerdefrei (
Urk.
12/Schadenfall
...
; Schadenmeldung vom 1
3.
Mai 2018
)
. Mithin war der Beschwerdeführer vor dem Zeckenbiss im Oktober 2017 nicht nur zu 100 % arbeitsfähig, sondern konnte auch Volleyball spielen, was seine Klagen über gehabte Beschwerden relativiert. Wobei anzufügen ist, dass ihm die Beschwerdegegnerin zu keinem Zeitpunkt vorwarf, ein Simulant zu sein (
Urk.
30 S. 2 oben).
Die Akupunktur-Behandlungen durch die Therapeuten der Praxis
K._
vom
6.
Februar bis
4.
Juni 2018 wurden von der Krankenversicherung als Unfall
leistungen abgerechnet und teilweise vergütet (
Urk.
1 S. 13;
Urk.
3/6-9,
Urk.
12/
A29
Beilagen 3-5), daraus kann der Beschwerdeführer jedoch nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal
L._
im Bericht vom 2
7.
August 2018 – entgegen dem Beschwerdeführer (
Urk.
1 S. 13) – gerade nicht ausführte, der Beschwerde
führer habe durchwegs an unfallbedingten Beschwerden gelitten. Der Therapeut machte geltend, der Patient
klage
über chronische Kopf- und Nackenschmerzen und wandernde Gliederschmerzen im ganzen Körper, die Beschwerden seien latent vorhanden seit dem Unfall-Ereignis (
Urk.
12/
M22
). Damit ist eine Unfall
kausalität nicht überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen. Wandernde Glieder
schmerzen lassen gerade so gut auf eine krankhafte Ursache
aus dem
rheumato
logischen
Formenkreis
schliessen.
Bei den Fussreflexzonen-Therapien vom 1
4.
Mai bis
8.
Juni 2018 (
Urk.
12/
A29
Beilage 2) handelte es sich wiederum um nicht ärztlich verordnete Leistungen aus dem alternativmedizinischen Bereich, die nicht unter die Leistungspflicht eines UVG-Versicherers fallen.
Im Übrigen sei der Hinweis erlaubt, dass aktenkundig ist, dass sich der Beschwer
deführer
bereits vor dem Unfall vom 1
6.
März 2016
ab Juli 2011 in Akupunktur
behandlungen bei
M._
, Praxis
K._
(11.-27.7.2011, 23.8.-15.9.2011, 26.9.-8.11.2011, 29.11.-22.12.2011, 10.1.-22.2.2012, 2.3.-23.4.2012, 31.7.2012, 10.01.2014) und
N._
(17.12.2014-14.1.2015) begab (
Urk.
12/
A47
).
4.1.4
Der Beschwerdeführer unterliess es, anlässlich der von ihm
anbegehrten
Haupt
verhandlung weitere echtzeitliche Belege und Beweismittel bezüglich der ab März 2017 weiterhin beklagten Beschwerden einzureichen. Aus seinen Ausführungen vor Schranken geht hervor, dass dannzumal keine Behandlungen stattgefunden hatten, da von der Beschwerdegegnerin die Kostengutsprachen abgelehnt worden seien (Urk. 30 S. 2). Nach dem
hievor
Gesagten haben zwischen März 2017 und September 2017 jedoch weder ärztliche noch therapeutische Behandlungen stattgefunden. Nach den zwei Craniosakral-Behandlungen im Oktober und November 2017 sind vom
6.
Februar bis
4.
Juni 2018 Akupunktur-Behandlungen erfolgt, wobei in diesen Zeitraum der Unfall vom
8.
März 2018 fiel, so dass vermutlich auch Behandlungen wegen dessen gesundheitlichen Folgen statt
fanden. Da die vom Beschwerdeführer nach März 2017 beklagten Beschwerden auch nach September 2017 weiterhin zu keinen ärztlichen Konsultationen
führten und ihm entsprechend auch nie eine Arbeitsunfähigkeit, schon gar nicht wegen des Unfalles vom 1
6.
März 2016, attestiert wurde, mithin echtzeitliche ärztliche Aussagen fehlen, sind Brückensymptome nicht ausgewiesen. Daher hat die Beschwerdegegnerin die Eingabe des Beschwerdeführers vom 2
7.
Juni 2018 zu Recht unter dem Aspekt eines Rückfalls geprüft.
4.2
4.2.1
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E.
3b
/ee). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Ver
siche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch
nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
4.2.2
Vorab ist festzuhalten, dass g
emäss Rechtsprechung des Bundesgerichts die Diagnose einer Commotio cerebri
beziehungsweise einer leichten traumatischen Hirnverletzung
aufgrund bestimmter Symptome nach kranialen Traumen
erfolgt
und nicht schon
bedeutet
, dass eine objektiv nachweisbare Funktionsstörung vorliegt. Eine Commotio cerebri ist ein Zustand vorübergehender, schnell rever
sibler neurologischer Dysfunktion, der mit kurzzeitiger Bewusstlosigkeit kurz nach der
Verletzung einhergeht. Der Ver
letzte hat oft eine Amnesie für die Zeit der Verletzung und/oder für die Zeit vor der Verletzung. Es bestehen aber keine neurologischen Auffälligkeiten. Zur Beja
hung eines Schädel-Hirntraumas ohne organisch nachweisbare (objektivierbare) Funktionsausfälle ist ausschlaggebend, ob sich innert der Latenzzeit von 24 bis 72 Stunden nach dem Unfall im Rahmen des typischen, bunten Beschwerdebildes auch Kopfschmerzen manifestierten (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_14
/2021 vom 3. Mai 2021 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Nachdem die 48-stündige
GCS
-Überwachung
nach dem Unfallereignis vom 16.
März 2016 unauffällig
war
(vgl. E. 3.1) und auch mittels MRI vom 1
0.
Juli 2018 keine posttraumatischen Kontusionen, diffuse
axonale
Verletzungen oder eine pathologische
Mikroangiopathie
festgestellt werden konnte
n
(vgl. E. 3.4), ist nachvollziehbar, dass
Dr.
C._
im Gegensatz zur behandelnden Hausärztin (vgl. E. 3.2)
insbesondere eine Contusio cerebri und auch eine namhafte Besserung
des unfallbedingten
Gesundheitszustandes
verneinte, da die somatischen Verletzun
gen rund zwei Jahre nach dem Unfallereignis
längst
bis zum Status quo abgeheilt
seien
(E. 3.6)
.
Eine anderslautende neurologische Beurteilung liegt denn auch nicht vor.
4.2.3
Bezüglich der am 27. Juni 2018 gemeldeten Beschwerden verneinte der beratende Arzt
Dr.
D._
sodann
nachvollziehbar einen überwiegend wahrscheinlichen Zusammenhang zwischen der geltend gemachten psychiatrischen Symptomatik und dem Unfallereignis vom 1
6.
März 2016 (Urk.
12/
M26
)
. Auch die plausiblen Ausführungen von
Dr.
D._
, welcher schlüssig begründete,
dass keine direkten psychopathologischen Symptome festgestellt wurden, welche als krankheitswer
tig erkannt worden wären und zu einer zeitnahen fachärztlichen Abklärung geführt hätten, vermögen in jeder Hinsicht zu überzeugen.
Dr.
D._
führte eine Aktenbeurteilung durch und nahm damit eine Interpretation bereits vorliegender Berichte vor. Hierbei findet sich keine Aktenwidrigkeit, sondern im Gegenteil eine detaillierte und schlüssige Darlegung der medizinischen Zusammenhänge unter
Bezugnahme auf die echtzeitlich erhobenen Befunde (E. 3.7).
Mithin erfüllt die Beurteilung von
Dr.
D._
, die von
Dr.
E._
fachärztlich als korrekt beurteilt wurde (E. 3.7),
die Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Grund
lage.
An seiner Beurteilung
erweckt
auch der Bericht der
Klinik F._
(E. 3.8)
keine Zweifel, zumal sich die Behandler nicht mit der Beurteilung von
Dr.
D._
auseinandersetz
t
en und auch keine Ausführungen
zur
Kausalität
zwischen den
beklagten Beschwerden und dem Unfallereignis vom 16.
März 2016 machten
.
4.2.4
Wenn der Beschwerdeführer geltend macht, es sei zwingend ein Gutachten einzuholen (
Urk.
1 S. 18), übersieht er, dass die Beschwerdegegnerin den Grund
fall formlos abgeschlossen hatte und dieser formlose
Abschluss rechtens war (E.
4.1
). Bei einem Rückfall obliegt es dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines Kausalzusammenhangs nachzuweisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leistungs
pflicht des Unfallversicherers; dabei sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis umso strengere Anforderungen zu stellen, je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beeinträchtigung ist. Bei Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versicherten Person aus (Urteile des Bundesgerichts
8C_627
/2020 vom 10. Dezember 2020 E. 2.3 und
8C_589
/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.2 mit Hinweisen). Dem Beschwerde
führer ist der Kausalitätsbeweis nicht gelungen; dass sein behandelnder Neurologe,
Dr.
med.
O._
, den von der Beschwerdegegnerin
einver
langten
und mehrfach gemahnten Bericht nie einreichte (
Urk.
12/
A30
-31,
A35
,
A46
,
A49
,
A55
,
A57
), muss sich der Beschwerdeführer entgegenhalten lassen (
Urk.
1 S. 15 unten). Der Beschwerdegegnerin ist g
estützt auf die versicherungs
internen ärztlichen Berichte
der Gegenbeweis gelungen, dass zwischen den ab April 2018 dokumentierten Beschwerden und dem Unfall vom 1
6.
März 2016 kein Kausalzusammenhang besteht, weshalb auf das Einholen eines Gutachtens verzichtet werden kann.
4.3
4.3.1
Abschliessend ist festzuhalten, dass
die Beschwerdegegnerin
zu Recht den adäquaten Kausalzusammenhang der
organisch nicht nachweisbaren Unfall
folgen
mit dem Unfallereignis vom 1
6.
März 2016
vernein
t
e
.
Ob die Adäquanzprüfung nach den in BGE 115 V 133 genannten Kriterien (Psycho-Praxis) oder nach den für die Folgen eines Schleudertraumas der HWS, eines Schädelhirntraumas oder einer dem Schleudertrauma ähnlichen Verletzung in BGE 117 V 359 entwickelten und in BGE 134 V 109 präzisierten Regeln zu erfolgen hat
, kann offenbleiben, da selbst die Beurteilung nach
der für
den
Beschwerdeführer günstigeren Schleudertrauma-Praxis – wie im Folgenden zu zeigen ist – zur Verneinung der Adäquanz führt.
4.3.2
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Recht
sprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E.
3b
, 122 V 415 E.
2c
). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungs
weise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleuder
trauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf
eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U
341 S. 409 E.
3b
, 1998 Nr. U 272 S. 173 E.
4a
; BGE 117 V 359 E.
5d
/
aa
und 367 E.
6a
).
4
.3.3
Der Beschwerdeführer machte anlässlich der Hauptverhandlung geltend,
die Beschwerdegegnerin bagatellisiere den Unfall. E
r sei mit relativ hoher Geschwin
digkeit vom Kotflügel erfasst worden und mit dem Kopf auf der Windschutz
scheibe aufgeschlagen (Urk. 30 S. 2). Es ist nachvollziehbar, dass der Beschwer
deführer aus subjektiver Sicht von einer erheblichen Schwere des Unfalls ausgeht
und die Verletzungen unter Berücksichtigung, dass er keinen Helm getragen hat
te
, schlimmer hätten ausfallen können
.
Grundsätzlich ist die Schwere eines Unfalls jedoch nach dem augenfälligen Geschehensablauf
mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen, wobei die Folgen des Unfalls oder Begleit
umstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können, nicht massgebend sind.
Mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. hierzu
Murer
/Stauffer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversiche
rungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, S. 61 ff.) ist das vorliegende Ereignis vom 1
6.
März 2016
daher
in Überein
stimmung mit der Beschwerdegegnerin (vgl. Urk. 2 S. 8)
und auch dem Rechts
vertreter des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 19
Ziff.
2.25)
höchstens
als mittelschwerer Unfall
im mittleren Bereich
zu bezeichnen.
Eine Einordnung an der Grenze zu den schweren Unfällen fällt im Lichte der Rechtsprechung ausser Betracht (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 208 f. E.
3b
/
aa
, wonach eine Fahrzeugkollision in einem Tunnel mit einem Toten am Unfallort und mehreren Verletzen als mittelschwerer im Grenzbereich zu einem schweren Unfall eingestuft
wurde
;
vgl. auch Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich Prozess
-N
r.
UV.2010.00066
E. 5.2, wonach eine Frontalkollision mit dem Fahrrad gegen ein Auto mit einer Geschwindigkeit von 40-50 km/h als mittelschwerer Unfall im mittleren Bereich qualifiziert wurde).
D
ie Adäquanz
des
Kausalzusammenhangs wäre somit dann zu bejahen, wenn drei der massgeblichen Kriterien (oder eines der Kriterien ausgeprägt) erfüllt wären (Urteil des Bundesgerichts
8C_476
/
2010 vom 7. September 2010
E.
2
.4
).
Auch wenn dem Unfallgeschehen aus Sicht des Beschwerdeführers eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abzusprechen ist
(Urk. 30 S. 1 und 2)
, kann nicht gesagt werden, dass es sich unter besonders dramatischen Begleitumständen abspielte (vgl. Urk. 12/Amtliche Akten der
Stadtpolizei A._
, Einvernahme
P._
vom
16. März 2016 und
Q._
vom 3
0.
März 2016). Die erlittenen Verletzungen sind nicht als schwer oder von besonderer Art zu bezeichnen, sind doch die knöchernen Verletzungen abgeheilt und bestanden nur noch leichte Beschwerden (Urk. 12/
M14-M16
). Die weitere Behandlung beschränkte sich auf
C
raniosakraltherapien
,
Shiatsu
,
Somatic-Experiencing
sowie Akupunkturbehandlungen und Fussreflexzonen-Therapien (vgl. Urk. 12/
A29
Beilagen 2-13). Es liegen keine Anhaltspunkte für eine ärztliche Fehlbehandlung, einen schwierigen Heilungsverlauf oder erhebliche Komplikationen oder eine erhebliche (unfallbedingte) Arbeitsunfähigkeit vor. Letzterem ist anzufügen, dass der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit einem Zeckenbiss mit Rötung und Schwellung (Diagnose: Borreliose) ab dem 1
0.
Oktober bis
8.
Dezember 2017 zu 40 % arbeitsunfähig war, ab dem
9.
Dezember 2017 jedoch wieder eine
100%ige
Arbeitsfähigkeit attestiert wurde (Urk. 12/Schadenfall
...
, Arztzeugnis vom 13. Mai 2018 von Dr.
H._
und Schadenmeldung vom 20. April 2018).
4.3.
4
Somit ist keines der massgebenden Kriterien erfüllt und die Adäquanz des Kausalzusammenhang
s
zwischen dem Unfall vom 1
6.
März 2016 und den noch geklagten
organisch nicht nachweisbaren
und psychischen Beschwerden
ist zu verneinen.
4.4
Zusammenfassend ist nach dem Gesagten nicht erstellt, dass die ab
April
2018
geltend gemachten
Beschwerden durch den Unfall vom
16. März 2016
bedingt sind. Dementsprechend erweist sich der Einspracheentscheid vom
26. Juni 2020
als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.