Decision ID: b5f398dc-db42-5338-91b3-1bb94cfbdf77
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer reichte am 10. Juli 2017 bei der Gemeinde Worb ein
Baugesuch datierend vom 29. Juni 2017 ein für die Renovation des Wohnhauses auf
Parzelle Worb Grundbuchblatt Nr. B._. Die Parzelle liegt in der
Landwirtschaftszone. Sie grenzt im Süden an die C._strasse (Gemeindestrasse)
und im Osten an die D._strasse (Kantonsstrasse). Der Beschwerdeführer
beabsichtigt, die Parkplätze auf der Nordseite anzuordnen und dafür die Zufahrt ab der
Kantonsstrasse zu nutzen. Mit Amtsbericht vom 10. Oktober 2017 beantragte der
Oberingenieurkreis II des Tiefbauamts des Kantons Bern (OIK II), die Bewilligung für den
geplanten Strassenanschluss an die Kantonsstrasse sei nicht zu erteilen. Der
Strassenanschluss müsse nach wie vor über die C._strasse erfolgen. Die
Gemeinde informierte den Beschwerdeführer über den negativen Amtsbericht und forderte
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ihn auf, angepasste Pläne einzureichen. Dieser hielt an seinem Baugesuch fest und
machte geltend, der Amtsbericht könne nicht für den bestehenden Anschluss gelten. Die
Gemeinde wies den OIK II darauf hin, dass es sich beim Strassenanschluss an die
Kantonsstrasse um einen bestehenden Anschluss handle, der aber seit Jahren nicht mehr
benutzt worden sei. Sie erkundigte sich, ob dieser Sachverhalt einen Einfluss auf den
Amtsbericht habe. Der OIK II antwortete, die Liegenschaft werde heute über die
C._strasse erschlossen. Der in den Baugesuchsakten liegende Nachweis der
Sichtverhältnisse und der geplante Spiegel würden zeigen, dass der Anschluss an die
Kantonsstrasse zum Bauvorhaben gehöre und genehmigt werden solle. Nach den
geltenden Normen sei dies nicht zulässig. Die Verkehrssicherheit gehe vor. Mit
Gesamtentscheid vom 8. Dezember 2017 erteilte die Gemeinde Worb die Baubewilligung,
verweigerte aber die Strassenanschlussbewilligung an die Kantonsstrasse. Sie führte unter
anderem aus, unter welchen Bedingung der bestehende Strassenanschluss in die
D._strasse aktiviert werden könnte.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 25. Dezember 2017 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt
sinngemäss die Anpassung des Gesamtentscheides vom 8. Dezember 2017 und die
Bewilligung des Strassenanschlusses an die Kantonsstrasse. Er macht insbesondere
geltend, aufgrund einer Besprechung mit der Gemeinde vor dem Kauf der Liegenschaft sei
er davon ausgegangen, dass die bestehende Einfahrt mit dazugehörigem Unterstand und
Parkplatz aufgrund der Besitzstandsgarantie weiter benutzt werden könne. Es sei in
seinem eigenen Interesse, die Ausfahrt so sicher wie möglich zu gestalten. Der gekrümmte
Verlauf der D._strasse erlaube es, den vorgesehenen Spiegel auf eigenem
Terrain so aufzustellen, dass die Strasse auf die geforderte Sichtweite eingesehen werden
könne. Für die Bauten auf der Nachbarparzelle sei die Gemeinde zuständig. Der
Fachbericht für eine neue Ausfahrt sei irrtümlich eingeholt worden. Die Kosten seien von
der Gemeinde zu tragen. Der Maschendrahtzaun, welcher den von der Gemeinde
ungenutzten Landstreifen vom Grundstück des Beschwerdeführers abtrenne, sei zu
entfernen. Im Gegenzug sei der Beschwerdeführer bereit, nördlich der von der Gemeinde
eingekiesten Fläche zwei Autoabstellplätze für Kurzparkierer mit der gleichen Fläche zu
realisieren.
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3. In seiner Stellungnahme vom 17. Januar 2018 beantragte das Amt für Gemeinden
und Raumordnung (AGR) die Abweisung der Beschwerde. Es wies darauf hin, dass die in
der Beschwerde aufgeführten Punkte nicht Gegenstand des Baugesuchs gewesen seien.
In seiner Stellungnahme vom 17. Januar 2018 teilte der OIK II mit, er halte an seiner
bisherigen Beurteilung fest und empfehle zudem, auch den Fussgängerzugang über die
C._strasse zu organisieren. Die Verkehrssicherheit sei ungenügend, weil
Rückwärtsmanöver auf der Strasse erforderlich seien und weil die Sicht durch Hecken,
Zaun und Lärmschutzwand zu stark beeinträchtigt werde. Die vorgesehenen Massnahmen
(Abholzen, beheizter Spiegel, Ausfahrt nur nach rechts) reichten nicht aus, um die nach
Norm verlangten Bedingungen einhalten zu können.
In ihrer Stellungnahme vom 2. Februar 2018 weist die Gemeinde darauf hin, dass der
Bauherrschaft klar war, dass die schriftliche Zustimmung der Strasseneigentümer
erforderlich sei, um den Sacherhalt bezüglich der Reaktivierung des Strassenabschlusses
abschliessend zu klären.1 Es sei deshalb nicht nachvollziehbar, dass der Kaufentscheid auf
einer angeblichen mündlichen Auskunft der Bauabteilung in dieser Sache basieren solle.
Während des Baubewilligungsverfahrens habe die Bauabteilung festgestellt, dass die
bestehende Ausfahrt in die D._strasse seit Jahren nicht mehr benutzt worden sei.
Aus diesem Grund habe sie einen Bericht beim zuständigen Strasseneigentümer eingeholt.
Der Bericht sei nicht irrtümlich eingeholt worden. Deshalb sei er durch die Bauherrschaft zu
bezahlen. Dem Ersatz des Maschendrahtzauns durch eine Hecke an der gleichen Stelle
unter Einhaltung der Sichtperimeter könne zugestimmt werden. Dem Erstellen von zwei
Autoabstellplätzen entlang der Parzellengrenze zum Grundstück E._ könne unter
Bedingungen zugestimmt werden.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte einen
Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Daran nahmen der Beschwerdeführer,
sein Vater, der Beistand der früheren Eigentümerin sowie je eine Vertretung der
Gemeinde, des OIK II und des AGR teil. Am Augenschein wurde vereinbart, dass der
Beschwerdeführer mit der Gemeinde und dem AGR eine Lösung für einen
Strassenanschluss und Parkplätze auf der Südseite der Parzelle suche, und dass er
1 Vgl. E-Mail G._ vom 14. Juni 2017, Vorakten pag. 34 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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anschliessend seine Beschwerde zurückziehe. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich
zum Protokoll des Augenscheins zu äussern. Mit Verfügung vom 24. April 2018 sistierte
das Rechtsamt das Beschwerdeverfahren. Am 9. Mai 2018 erteilte die Gemeinde dem
Beschwerdeführer die Bewilligung für den Neubau eines Autoabstellplatzes mit
Wendehammer auf der Südseite der Liegenschaft. Mit Verfügung vom 15. Juni 2018 bat
das Rechtsamt den Beschwerdeführer, entweder den Beschwerderückzug bekannt zu
geben oder zu begründen, warum seiner Auffassung nach der Sistierungsgrund noch
bestehe. Der Beschwerdeführer teilte daraufhin mit, der Sistierungsgrund falle erst dahin,
wenn der angefochtene Entscheid geändert werde. Das Rechtsamt nahm daraufhin das
Beschwerdeverfahren wieder auf und gab den Beteiligten Gelegenheit,
Schlussbemerkungen einzureichen. Auf die Rechtsschriften und die Vorakten sowie das
Ergebnis des Augenscheins wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen
eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Der Entscheid der Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Worb ist ein
Gesamtentscheid im Sinne von Art. 9 KoG3, die Verfügung des AGR eine weitere
Verfügung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 Bst. b KoG. Diese sind gestützt auf Art. 11 Abs. 1
KoG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 KoG mit Baubeschwerde nach Art. 40 Abs. 1 BauG4
bei der BVE anfechtbar. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Der Beschwerdeführer ist als Baugesuchsteller grundsätzlich beschwerdelegitimiert
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Er hat ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung der
verweigerten Strassenanschlussbewilligung an die Kantonsstrasse und der damit
verbundenen Kosten für den Amtsbericht Strassenbaupolizei. Er ist befugt, Beschwerde zu
führen (Art. 65 Abs. 1 VRPG5).
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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c) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1
BauG). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG). Soweit sich
die Beschwerde gegen den angefochtenen Gesamtentscheid richtet, tritt die BVE darauf
ein. Hingegen können Rügen im Zusammenhang mit dem Kaufpreis der Liegenschaft, der
Art und Weise der Bewirtschaftung des Landstreifens der Gemeinde, dem
Maschendrahtzaun, der den Landstreifen der Gemeinde vom Grundstück des
Beschwerdeführers trennt, oder den zwei Autoabstellplätzen, die der Beschwerdeführer
dort erstellen möchte, nicht gehört werden, da diese ausserhalb des in der Verfügung
geregelten Rechtsverhältnisses liegen.6
2. Strassenanschlussbewilligung an die Kantonsstrasse
a) Das Bauvorhaben des Beschwerdeführers, das altrechtliche Wohnhaus in der
Landwirtschaftszone zu renovieren, wurde grundsätzlich bewilligt. Nicht bewilligt wurde
hingegen der Strassenanschluss an die Kantonsstrasse als Zufahrt zu den drei neuen
Autoabstellplätzen. Der Beschwerdeführer macht geltend, gestützt auf eine Besprechung
mit einem Mitarbeiter der Bauverwaltung vor dem Kauf der Liegenschaft sei er davon
ausgegangen, dass die bestehende Einfahrt samt zugehörigem Unterstand und Parkplatz
im Rahmen der Besitzstandgarantie weiter benutzt werden könne. Im
Baubewilligungsverfahren sei irrtümlicherweise ein Amtsbericht Strassenbaupolizei für eine
neue Ausfahrt eingeholt worden. Diese Kosten seien von der Gemeinde zu tragen.
Gemäss Bauentscheid werde ein weiteres Baugesuch verlangt, das die Nachbarparzelle
Nr. F._ miteinbeziehe. Der Beschwerdeführer verlangt, dass er die bestehende
Zufahrt auf die Kantonsstrasse im Rahmen der Besitzstandsgarantie wie bis anhin
benutzen darf.
b) Ausnahme- und Baubewilligungen können mit Bedingungen oder Auflagen verknüpft
werden (Art. 29 Abs. 2 und Art. 38 Abs. 3 BauG). Bedingungen sind entweder
Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit die Baubewilligung genutzt werden darf
(Suspensivbedingung), oder Vorbehalte, deren Eintritt den Wegfall der Bewilligung zur
Folge hat (Resolutivbedingung). Auflagen sind Pflichten, die mit einer Baubewilligung
6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum Bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 72 N. 6-8; Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 1983, S. 44 ff.
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verbunden sind.7 Die Bedingungen und Auflagen müssen in einem engen sachlichen
Zusammenhang zur erteilten Bau- oder Ausnahmebewilligung stehen und verhältnismässig
sein. Entspricht das Bauvorhaben den gesetzlichen Anforderungen, hat die Bauherrschaft
grundsätzlich Anspruch auf eine unbefristete, unwiderrufliche, bedingungslose und
unbelastete Baubewilligung. Entspricht ein Bauvorhaben den gesetzlichen Anforderungen
nicht, kann der Mangel nicht mit Bedingungen oder Auflagen geheilt werden. Bedingungen
und Auflagen zu einer Baubewilligung kommen daher nur bei Bauvorhaben in Betracht, die
je nach ihrer Gestaltung oder Einrichtung oder je nach der Art der Nutzung oder
Betriebsführung gesetzeskonform oder gesetzwidrig sein können. Bedingungen und
Auflagen sind in solchen Fällen das Mittel dazu, die gesetzwidrigen Auswirkungen zu
verhindern. Insoweit sind sie gegenüber der Alternative des Bauabschlags das mildere
Mittel.8
Gemäss Ziffer 1.2 des angefochtenen Gesamtentscheids wurde die Baubewilligung mit
folgender Bedingung erteilt:
«Der bestehende Strassenanschluss in die D._strasse kann nur unter Einhaltung der folgenden Bedingung aktiviert werden:
- Die Knotensichtweite beim Strassenanschluss in die D._strasse muss aus einer Beobachtungsdistanz, innerorts von mindestens 2.50 m hinter dem Strassenrand, in beide Richtungen mindestens 50.00 m auf die jeweilige Fahrspurmitte anhand der signalisierten höchstzulässigen Geschwindigkeit betragen (siehe Situationsplan 1:500 Sichtweiten D._strasse 1._ vom 1. September 2017).
- Im vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die Sichtschutzmauer auf der Parzelle F._ entsprechend dem Situationsplan Sichtweiten D._strasse 1._, zu verschieben ist. Für diese Arbeiten ist ein separates Baugesuch einzureichen.
- Innerhalb des erforderlichen Sichtfeldes dürfen Hindernisse wie z.B. Hecken eine Höhe von 60 cm nicht überschreiten (Schweizer Norm SN 640 273a Knoten / Sichtverhältnisse).»
Entgegen der Bezeichnung handelt es sich dabei inhaltlich nicht um eine Bedingung zur
Baubewilligung im rechtlichen Sinn. Es wird viel mehr erläutert, unter welchen (im
vorliegenden Fall nicht eingehaltenen) Voraussetzungen der Strassenanschluss an die
Kantonsstrasse für die vom Beschwerdeführer beabsichtigte Nutzung als Zufahrt zu den
drei neuen Autoabstellplätzen im Rahmen eines neuen Baugesuchs bewilligt werden
könnte. Hingegen werden damit weder Aussagen gemacht noch Anordnungen getroffen,
7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 29 N. 1 8 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 15 f.
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die eine allfällige Besitzstandsgarantie des fraglichen Strassenanschlusses an die
Kantonsstrasse tangieren würden. Es handelt sich somit um einen Bestandteil der
Begründung des Gesamtentscheids, der in Zusammenhang mit der Verweigerung der
Strassenanschlussbewilligung gemäss Ziffer 1. 7 des angefochtenen Gesamtentscheids
steht.
c) Die Nutzung einer Fläche als (dauerhafter) Abstellplatz für Motorfahrzeuge ist ein
baubewilligungspflichtiges Bauvorhaben im Sinn von Art. 22 Abs. 1 RPG9 und Art. 1a
BauG.10 Das gilt im Kanton Bern zumindest seit dem Inkrafttreten des neu geordneten Bau-
und Planungsrechts am 1. Januar 1971 (vgl. Art. 1 Abs. 1 aBauG11 in Verbindung mit Art. 1
und 4 Bst. b aBewD12).13 Laut Art. 85 Abs. 1 SG14 bedürfen Zugänge, Zufahrten,
Weganschlüsse und Einmündungen aller Art auf öffentlichen Strassen, ihre Erweiterung
und gesteigerte Benutzung der Bewilligung des zuständigen Gemeinwesens. Das gilt
mindestens seit dem Inkrafttreten des Strassenbaugesetzes am 1. April 1964 (vgl. Art. 72
Abs. 2 SBG15). Gemäss Art. 3 Abs. 1 BauG werden aufgrund bisherigen Rechts bewilligte
oder bewilligungsfreie Bauten und Anlagen in ihrem Bestand durch neue Vorschriften und
Pläne nicht berührt. Die Besitzstandsgarantie gilt grundsätzlich auch gegenüber
öffentlichen Strassen (vgl. Art. 84 Abs. 1 SG). Allerdings sind aus Gründen der
Verkehrssicherheit Eingriffe in die Besitzstandsgarantie zulässig (Art. 84 Abs. 2 SG).
Gegebenenfalls kann eine Grundstückszufahrt sogar aufgehoben werden (vgl. dazu Art. 85
Abs. 4 SG). Der Nachweis, dass eine Baute oder Anlage bewilligt worden ist, seinerzeit
bewilligungsfähig oder bewilligungsfrei gewesen wäre, obliegt der Bauherrschaft.16
Grundsätzlich gilt, dass Bauarbeiten, die nicht aus der Baubewilligung oder den
genehmigten Plänen hervorgehen, nicht bewilligt worden sind. Es ist Sache der
Bauherrschaft, diese Vermutung zu zerstören. Die Beweislast für das Vorhandensein einer
Baubewilligung liegt somit bei ihr.17
9 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 20, 21 und 26 sowie 16-18 N. 5 11 Baugesetz vom 7. Juni 1970 (aBauG; GS 1970 S. 163 ff.) 12 Dekret vom 10. Februar 1970 über das Baubewilligungsverfahren (aBewD, GS 1970 S. 19 ff.) 13 Vgl. dazu auch Aldo Zaugg, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern vom 7. Juni 1970, Bern 1971, Art. 1 N. 9 14 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 15 Gesetz vom 2. Februar 1964 über Bau und Unterhalt der Strassen (Strassenbaugesetz, SBG; GS 1964 S. 6 ff.) 16 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 3 N. 2 17 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9b Bst. c, mit weiteren Hinweisen
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Das Beweisverfahren hat ergeben, dass die Liegenschaft D._strasse 1._
seit jeher über einen Zugang bzw. eine Zufahrt auf die Kantonsstrasse verfügte. Eine
Bewilligung für die Nutzung des befestigten Vorplatzes als Autoabstellplatz ist hingegen
nicht aktenkundig.18 Da die frühere Eigentümerin kein Auto hatte, war das Tor zur
Kantonsstrasse geschlossen und wurde nur bei Bedarf geöffnet. In den letzten 25 Jahren
wurde die Zufahrt etwa einmal pro Woche vom Beistand der früheren Eigentümerin und
etwa zehnmal pro Jahr für Holzlieferungen usw. verwendet. Es trifft somit nicht zu, dass ein
neuer Strassenanschluss an die Kantonsstrasse erstellt oder dass ein aufgegebener
Strassenanschluss reaktiviert werden soll. Der bestehende Strassenanschluss fällt deshalb
grundsätzlich unter die Besitzstandsgarantie von Art. 84 Abs. 1 SG. Das gilt jedenfalls in
dem Umfang, als die in den letzten Jahren ausgeübte Nutzung des Strassenanschlusses
rechtmässig war. Wie am Augenschein skizziert, darf der bestehende Strassenanschluss
auf die Kantonsstrasse bis auf weiteres in Ausnahmefällen (Materialtransporte zum
Schopf) benutzt werden, sofern eine zweite Person den Verkehr sichert. Hingegen ist eine
Nutzung als Zufahrt zum Parkieren nicht zulässig, da kein bewilligter Parkplatz
nachgewiesen ist.
d) Geplant ist gemäss Baugesuch nicht, den Strassenanschluss im bisherigen, von der
Besitzstandsgarantie gedeckten Rahmen zu nutzen. Der Beschwerdeführer beabsichtigt
viel mehr, über den bestehenden Strassenanschluss neu drei Autoabstellplätze zu
erschliessen. Unabhängig davon, ob die in den letzten Jahren ausgeübte Nutzung des
Strassenanschlusses und des Vorplatzes bewilligt war, hat das Bauvorhaben eine
gesteigerte Benutzung des bestehenden Strassenanschlusses bei der Einmündung in die
Kantonsstrasse zur Folge. Dafür ist eine Strassenanschlussbewilligung des zuständigen
Gemeinwesens erforderlich (vgl. Art. 85 Abs. 1 SG). Die Vorinstanz hat somit zu Recht
einen Amtsbericht des OIK II eingeholt (vgl. Art. 87 SG i.V.m. Art. 12 Abs. 1 Bst a und d
OrV BVE). Wer Leistungen (Hoheitsakte und andere staatliche Leistungen) der kantonalen
Behörden und der kantonalen Verwaltung verursacht oder in Anspruch nimmt, hat dafür
grundsätzlich eine Gebühr zu bezahlen (vgl. Art. 66 FLG).19 Die massgeblichen
Gebührentarife sind in der GebV20 enthalten (vgl. Art. 68 Abs. 1 FLG und Art. 1 Abs. 1
GebV). Im Verwaltungsverfahren setzt die Behörde allfällige Verfahrenskosten in der
Verfügung fest (Art. 107 Abs. 1 VRPG). Laut Art. 12 KoG stellen die beteiligten Fachstellen
18 Vgl. Formular BaB Bauen ausserhalb der Bauzone, Vorakten pag. 51 19 Vgl. Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 57 N. 23, Häfelin/Müller/, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, N. 2627 f. 20 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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und Behörden ihre Gebührenrechnungen der Leitbehörde zu. Diese setzt sämtliche
Verfahrenskosten im Gesamtentscheid fest. Für die Gebühr des OIK II ist Anhang 8 Ziffer 5
Bst. a GebV anwendbar. Die Kosten für den aufgrund des Baugesuchs erforderlichen
Amtsbericht des OIK II von Fr. 320.00 wurde somit zu Recht dem Beschwerdeführer
auferlegt.
e) Voraussetzung für die Bewilligung eines neuen oder geänderten
Strassenanschlusses ist, dass die Zu- und Wegfahrten die öffentliche Strasse nicht
beeinträchtigen (vgl. dazu Art. 73 Abs. 1 SG und Art. 21 Abs. 1 BauG in Verbindung mit
Art. 57 BauV). Zur Beurteilung der Frage, ob ein Strassenanschluss verkehrssicher ist,
können die einschlägigen Normen des Schweizerischen Verbands der Strassen- und
Verkehrsfachleute (VSS) als Entscheidungshilfe herangezogen werden. Für die Anordnung
von Grundstückzufahrten sowie für die Bestimmung von Sichtweiten privater Ausfahrten in
öffentliche Strassen sind die Normen VSS SN 640 050 (Grundstückzufahrten) und VSS SN
640 273a (Knoten, Sichtverhältnisse in Knoten in einer Ebene) massgebend.
Grundstückzufahrten sind so zu gestalten, dass durch die ein- und ausfahrenden
Fahrzeuge die Beeinträchtigung der Sicherheit und die Behinderung des Verkehrs auf
öffentlichen Strassen vermieden wird. Bei der Anordnung und Gestaltung von
Grundstückzufahrten ist aus Sicherheitsgründen stets das Aus- und Einfahren der
Fahrzeuge in Vorwärtsrichtung anzustreben.21 Eine Grundstückzufahrt bildet mit der
vortrittsberechtigten Strasse eine Einmündung. Sie ist deshalb hinsichtlich Anforderungen
der Verkehrssicherheit den Knoten gleichgestellt. Das gilt insbesondere für die
Knotensichtweiten. Grundstückzufahrten sind überall dort zu vermeiden, wo die minimalen
Knotensichtweiten nicht gewährleistet werden können.22 Im vorliegenden Fall müsste man
bei einer Zufahrtsgeschwindigkeit von 50 km/h vom Beobachtungspunkt, der sich gemäss
Norm 3 m, zumindest aber 2.5 m vom Strassenrand zurückversetzt befindet, auf eine
Distanz von 50 m bis 70 m auf die Mitte der jeweiligen Fahrspur sehen können.23 Wie der
Augenschein gezeigt hat, ist dies im vorliegenden Fall offensichtlich unmöglich. Nicht nur
der Zaun auf der Bauparzelle, sondern auch die Sichtschutzwand und der Schopf auf der
Nachbarparzelle verhindern dies. Angesichts des Umstandes, dass es sich um eine
Ausfahrt in eine stark befahrene Kantonsstrasse handelt, ist das Aufstellen eines Spiegels
keine taugliche Lösung.24 Der OIK II hat daher in seinem Amtsbericht zu Recht beantragt,
21 VSS SN 640 050 Ziff. 6 22 VSS SN 640 050 Ziff. 5 23 Vgl. dazu VSS SN 450 273a Ziff. 12, Tabelle 1 24 Vgl dazu VSS SN 640 273a Ziff. 13
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die Bewilligung für die gemäss Baugesuch beantragte gesteigerte Nutzung des
Strassenanschlusses an die Kantonsstrasse zu verweigern, und die Vorinstanz hat diesem
Antrag mit der Aufnahme in den Gesamtentscheid zu Recht entsprochen.
f) Zusammenfassend steht fest, dass die geplanten drei Autoabstellplätze eine
gesteigerte Benutzung des bestehenden Strassenanschlusses bei der Einmündung in die
Kantonsstrasse zur Folge haben und deshalb einer Strassenanschlussbewilligung nach
Art. 85 Abs. 1 SG) bedürfen. Die Vorinstanz hat deshalb zu Recht einen Amtsbericht des
OIK II eingeholt und die Kosten dafür dem Beschwerdeführer auferlegt. Da die
Knotensichtweiten nicht eingehalten werden können, wurde die
Strassenanschlussbewilligung für eine gesteigerte Nutzung zu Recht verweigert. Die
Besitzstandsgarantie gemäss Art. 84 SG gilt von Gesetzes wegen, weshalb eine
Anpassung des Gesamtentscheids in dem Sinne, dass der bestehende Anschluss unter
dem Titel der Besitzstandsgarantie weiterbenutzt werden dürfe, nicht erforderlich ist. Eine
Nutzung als Parkplatzzufahrt wäre im Übrigen auch unter dem Titel der
Besitzstandsgarantie nicht zulässig. Die Beschwerde ist daher abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden kann.
3. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat deshalb
die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV25). Hinzu
kommt eine zusätzliche Gebühr für den Augenschein mit Instruktionsverhandlung von
Fr. 400.00 (Art. 20 Abs. 1 GebV). Die Verfahrenskosten betragen somit insgesamt
Fr. 1'200.00.
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1, 3 und 4 VRPG).