Decision ID: e5cabb5b-5fb3-4b62-ac6c-d82c6ce98312
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Aberkennung
- 2 -
Inhaltsübersicht
Sachverhalt und Verfahren .................................................................................. 4 A. Sachverhaltsübersicht .................................................................................... 4
a. Parteien ........................................................................................................... 4 b. Prozessgegenstand ......................................................................................... 4
B. Prozessverlauf ................................................................................................. 5 a. Klageeinleitung ................................................................................................ 5 b. Wesentliche Verfahrensschritte ....................................................................... 5
Erwägungen .......................................................................................................... 6 1. Formelles........................................................................................................... 6
1.1. Zweck und Rechtsnatur der Aberkennungsklage ......................................... 6 1.2. Zuständigkeit ................................................................................................ 6
1.2.1. Örtliche Zuständigkeit .......................................................................... 6 1.2.2. Sachliche Zuständigkeit ....................................................................... 8
1.3. Voraussetzungen zur Begründung des Rechtsschutzinteresses für die Aberkennungsklage ............................................................................................. 8 1.4. Einhaltung der Frist für die Erhebung der Aberkennungsklage .................... 9 1.5. Weitere Prozessvoraussetzungen ................................................................ 9 1.6. Anwendbares Recht ..................................................................................... 9
2. Anspruch der Beklagten gegen die Klägerin aus Vertrag........................... 10 2.1. Unbestrittener Sachverhalt ......................................................................... 10 2.2. Streitpunkte ................................................................................................ 10 2.3. Rechtliches ................................................................................................. 11
2.3.1. Vollkommen zweiseitiger Vertrag ....................................................... 11 2.3.2. Einrede des nicht oder nicht gehörig erfüllten Vertrags (Art. 82 OR) . 11 2.3.3. Schuldanerkennung ........................................................................... 11 2.3.4. Tatsächlicher Konsens und Auslegung eines Vertrags nach dem Vertrauensprinzip ......................................................................................... 12 2.3.5. Verknüpfung von Behauptungen und Beweismitteln .......................... 14
2.4. Subsumtion ................................................................................................ 15 2.4.1. Ausgangslage .................................................................................... 15 2.4.2. Auslegung nach dem Vertrauensprinzip ............................................ 15
2.4.2.1. Aus dem Englischen übersetzter wesentlicher Inhalt des "Settlement Agreements" (act. 2/3) ...................................................... 15 2.4.2.2. Grammatikalische Auslegung ................................................. 17 2.4.2.3. Berücksichtigung des Zwecks und der Vertragsumstände ..... 18
2.5. Fazit ........................................................................................................... 19 3. Teilweiser Untergang der ursprünglichen beklagtischen Forderung durch Erfüllung .............................................................................................................. 19 4. Kein Untergang der streitgegenständlichen Forderung durch Kündigung des "Settlement Agreements" ........................................................................... 20 5. Kein Untergang der streitgegenständlichen Forderung durch Verrechnung ....................................................................................................... 20
5.1. Streitpunkte ................................................................................................ 20 5.2. Rechtliches ................................................................................................. 21
- 3 -
5.2.1. Einreden und Einwendungen bei einem Schuldbekenntnis ............... 21 5.2.2. Voraussetzungen für die Verrechnung von Forderungen ................... 21 5.2.3. Mögliche Grundlagen für einen vertraglichen Anspruch auf Geldzahlung ................................................................................................. 22 5.2.4. Beweislast .......................................................................................... 23 5.2.5. Behauptungs- und Substantiierungslast ............................................. 24 5.2.6. Schadensschätzung gemäss Art. 42 Abs. 2 OR ................................ 25
5.3. Subsumtion ................................................................................................ 26 5.3.1. Verzicht auf Einreden und Einwendungen aus dem "Manufacturing Agreement" durch Abschluss des "Settlement Agreements" ....................... 26 5.3.2. Forderungen der Klägerin .................................................................. 27
5.3.2.1. Pönalen aus Lieferverzögerung .............................................. 27 5.3.2.2. Minderwert wegen Lieferverzögerungen und Qualitätsproblemen.............................................................................. 29 5.3.2.3. Verlust aus Blockade des Test Systems ("test bench") .......... 31 5.3.2.4. Gewinnausfall aus Nichtausführung von Bestellungen ........... 34 5.3.2.5. Weiterer Schadenersatzanspruch (Geheimhaltung) ............... 36 5.3.2.6. Zwischenfazit .......................................................................... 37
5.3.3. Keine Verrechnung mangels Bestands klägerischer Forderungen .... 37 5.4. Fazit ........................................................................................................... 37
6. Zusammenfassung ......................................................................................... 37 7. Prozesskosten ................................................................................................ 38
- 4 -
Rechtsbegehren: (act. 1 S. 1; act. 38 S. 2)
" Es sei festzustellen, dass die in Betreibung gesetzte Forderung in der Höhe von CHF 1'908'765.67 nebst Zins zu 5 % seit dem 1. August 2011, Betreibung Nr. ... (Zahlungsbefehl vom 9. Juli 2012), des Betreibungsamtes Zürich 3 nicht besteht.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten."
Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Parteien
Bei der Klägerin handelt es sich um eine nach schweizerischem Recht
gegründete Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich. Sie bezweckt gemäss dem
Auszug aus dem Handelsregister neben der Projektierung, Entwicklung und
Fabrikation von Fernmeldeanlagen auch den Handel mit solchen (act. 3).
Die Beklagte ist eine nach französischem Recht gegründete Gesellschaft mit
beschränkter Haftung mit Sitz in ..., Frankreich. Sie ist im Bereich der Produktion
und des Verkaufs von elektronischen und elektrischen Produkten tätig (act. 27
Rz. 12).
b. Prozessgegenstand
Die Parteien schlossen am 29. Mai bzw. 29. Juni 2009 ein "Manufacturing
Agreement" (act. 2/2) sowie am 26. Juli bzw. 1. August 2011 ein "Settlement
Agreement" (act. 2/3). Mit letzterem anerkannte die Klägerin, der Beklagten aus
ersterem EUR 3'173'253.61 zu schulden, und es wurde ein Zahlungsplan
vereinbart. Ab dem 30. Juni 2012 kam die Klägerin den vereinbarten
Ratenzahlungen nicht mehr nach. Daraufhin setzte die Beklagte den
ausstehenden Betrag von (umgerechnet) CHF 1'908'765.67 (samt Zinsen von
5 % seit 1. August 2011) in Betreibung. Gegen den entsprechenden
Zahlungsbefehl vom 9. Juli 2012 erhob die Klägerin Rechtsvorschlag (act. 28/8),
- 5 -
worauf die Beklagte ein Rechtsöffnungsverfahren einleitete (vgl. act. 28/10). Mit
Urteil des Einzelgerichts am Bezirksgericht Zürich vom 27. September 2012
wurde der Beklagten für den in Betreibung gesetzten Betrag samt Zinsen
provisorische Rechtsöffnung erteilt (act. 2/1). Die Klägerin klagt im vorliegenden
Prozess auf Aberkennung dieser Forderung (Art. 83 Abs. 2 SchKG) und stellt sich
auf den Standpunkt, die beklagtische Forderung sei infolge Verrechnung mit
klägerischen Gegenforderungen erloschen (act. 1 S. 1; act. 38 Rz. 12). Die
Beklagte bestreitet das Bestehen von solchen Gegenforderungen (act. 27
Rz. 38 ff.; act. 43 Rz. 8 ff.).
B. Prozessverlauf
a. Klageeinleitung
Am 2. November 2012 (Datum Poststempel) reichte die Klägerin ihre Klageschrift
beim Handelsgericht Zürich ein (act. 1).
b. Wesentliche Verfahrensschritte
Mit Verfügung vom 6. November 2012 (Prot. S. 2 f.; act. 4) wurde der Klägerin die
Leistung eines Vorschusses für die Gerichtskosten auferlegt, welchen sie innert
der ihr angesetzten Nachfrist (Prot. S. 6; act. 10) leistete (act. 12). Auf
entsprechenden Antrag der Beklagten hin (act. 15; act. 16/1-2) sowie nach
Anhörung der Klägerin (Prot. S. 8; act. 17; act. 19) wurde letzterer mit Beschluss
vom 18. März 2013 sodann Frist angesetzt, um für die Parteientschädigung eine
Sicherheit zu leisten (Prot. S. 10 f.; act. 22). Nach Leistung dieser Sicherheit
(act. 24) reichte die Beklagte fristgemäss (Prot. S. 12; act. 25) ihre Klageantwort
vom 28. Juni 2013 ein (act. 27). Daraufhin wurde mit Verfügung vom 3. Juli 2013
(Prot. S. 14 f.; act. 31) ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet. Innert erstreckter
Frist (act. 35; Prot. S. 16 f.; act. 36) reichte die Klägerin am 12. September 2013
die Replik (act. 38) bzw. in der Folge die Beklagte innert Frist (Prot. S. 18; act. 40)
am 15. November 2013 die Duplik (act. 43) ein. Eine Instruktionsverhandlung fand
nicht statt, nachdem sich auf entsprechende gerichtliche Verfügung hin
(Prot. S. 19; act. 45) lediglich die Klägerin für die Durchführung einer solchen
- 6 -
ausgesprochen hatte (act. 47), während die Beklagte einer
Instruktionsverhandlung ablehnend gegenüber stand (act. 48). Auf klägerisches
Verlangen hin (Prot. S. 22 f.; act. 56; act. 59) fand am 10. Juli 2014 eine
Hauptverhandlung statt, wobei ein am 4. Juli 2014 durch die Klägerin gestelltes
Gesuch um Verschiebung dieser Verhandlung gleichentags abgewiesen worden
war (act. 60; Prot. S. 25 ff.; act. 61).
Beide Parteien reichten lediglich Beilagen-, anstatt Beweismittelverzeichnisse ein
(act. 1 S. 7; act. 27 S. 21; act. 38 S. 19; act. 43 S. 23). Die Beklagte offeriert
ausschliesslich Urkunden als Beweise. Die Klägerin nennt mit der Replik indessen
auch Zeugen und Gutachten als Beweismittel. Entsprechend hätte ihr oblegen,
ein Verzeichnis für diese Beweismittel einzureichen (Art. 221 Abs. 2 lit. d ZPO).
Weiterungen erübrigen sich jedoch vor dem Hintergrund, dass ohnehin kein
Beweisverfahren durchzuführen ist, wie zu zeigen sein wird.

Erwägungen
1. Formelles
1.1. Zweck und Rechtsnatur der Aberkennungsklage
Die Aberkennungsklage eröffnet einem betriebenen Schuldner die Möglichkeit,
innert 20 Tagen nach Erteilung der provisorischen Rechtsöffnung auf dem Weg
des ordentlichen Prozesses auf Aberkennung der Forderung zu klagen (Art. 83
Abs. 2 SchKG). Nach herrschender Lehre und Praxis handelt es sich um eine
materiellrechtliche Klage. Die Aberkennungsklage stellt zwar kein Rechtsmittel
gegen den Rechtsöffnungsentscheid dar, jedoch werden dessen Wirkungen
bestätigt oder aufgehoben (D. STAEHELIN, in: BSK SchKG I, Art. 83 N. 13 ff.).
1.2. Zuständigkeit
1.2.1. Örtliche Zuständigkeit
- 7 -
Sowohl im "Manufacturing Agreement" als auch im "Settlement Agreement"
sehen die Parteien eine Vereinbarung über die örtliche Zuständigkeit zugunsten
von Zürich vor (act. 2/2 S. 5; act. 2/3 S. 4).
Die Klägerin hat ihren Sitz in der Schweiz, während sich der Sitz der Beklagten in
Frankreich befindet. Damit liegt der Streitsache ein internationales Verhältnis
zugrunde, weshalb grundsätzlich das Bundesgesetz über das internationale
Privatrecht zur Anwendung gelangt (Art. 1 Abs. 1 lit. a IPRG). Gemäss Art. 1 Abs.
2 IPRG haben beim Entscheid über die Zuständigkeit völkerrechtliche Verträge
jedoch Vorrang.
Zu prüfen ist die Anwendbarkeit des Übereinkommens über die gerichtliche
Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in
Zivil- und Handelssachen vom 30. Oktober 2007 (LugÜ oder Lugano-
Übereinkommen). In zeitlicher Hinsicht verankert Art. 63 Ziff. 1 LugÜ für sämtliche
Vorschriften des LugÜ – folglich auch für Art. 23 betreffend die
Gerichtsstandsvereinbarung – das Prinzip der Nichtrückwirkung (BERGER, in: BSK
Lugano-Übereinkommen, Art. 23 N. 19). Nachdem die Klage nach Inkrafttreten
des revidierten Luganer Übereinkommens am 1. Januar 2011 erhoben wurde,
gelangen somit die neurechtlichen Bestimmungen zur Anwendung. Gemäss
Art. 23 Ziff. 1 LugÜ muss mindestens eine Partei ihren (Wohn-)Sitz (vgl. Art. 60
LugÜ) in einem LugÜ-Vertragsstaat haben (vgl. GROLIMUND, in: Lugano-
Übereinkommen zum internationalen Zivilverfahrensrecht, SCHNYDER, Zürich/St.
Gallen 2011, Art. 23 N. 4 zur Erweiterung des Anwendungsbereichs des LugÜ für
Gerichtsstandsvereinbarungen gegenüber der allgemeinen
Zuständigkeitsordnung von Art. 2 ff.). Weil sowohl die Schweiz als auch
Frankreich Vertragsstaaten sind, ist das LugÜ demnach auch in räumlich-
persönlicher Hinsicht anwendbar. Beim Streitgegenstand handelt es sich
schliesslich um eine Zivil- und Handelssache im Sinne von Art. 1 Ziff. 1 LugÜ,
womit auch der sachliche Anwendungsbereich des LugÜ gegeben ist.
Die Voraussetzungen von Art. 23 LugÜ sind vorliegend unbestrittenermassen
erfüllt. So bestand zwischen den Parteien zum Zeitpunkt des
Vertragsabschlusses eine Willenseinigung über eine Gerichtsstandsvereinbarung.
- 8 -
Das Erfordernis der genügenden Bestimmtheit der Gerichtsstandsvereinbarung ist
ebenfalls erfüllt, nachdem sich diese im "Manufacturing Agreement" implizit bzw.
im "Settlement Agreement" ausdrücklich auf Streitigkeiten aus diesen Verträgen
bezieht (act. 2/2 S. 5; act. 2/3 S. 4). Mit der schriftlichen
Gerichtsstandsvereinbarung ist weiter die Form eingehalten, und schliesslich liegt
auch keine (teil-)zwingende Zuständigkeit gemäss Art. 23 Ziff. 5 LugÜ vor.
Die örtliche Zuständigkeit von Zürich ist somit gegeben. Sie ist ohnehin
unbestritten geblieben (act. 27 Rz. 8; vgl. Art. 24 LugÜ) und ergibt sich im Übrigen
auch aus Art. 83 Abs. 2 SchKG (vgl. BGE 130 III 285 E. 5.3.3 zur Vereinbarkeit
dieser Bestimmung mit dem LugÜ).
1.2.2. Sachliche Zuständigkeit
Grundsätzlich ist dasjenige Gericht zur Behandlung der Aberkennungsklage
sachlich zuständig, welches für eine entsprechende normale materielle Klage
zuständig wäre (D. STAEHELIN, a.a.O., Art. 83 N. 39). Das Handelsgericht Zürich
ist demnach – ebenfalls unbestrittenermassen (act. 27 Rz. 8) – auch sachlich
zuständig (Art. 6 Abs. 2 ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG).
1.3. Voraussetzungen zur Begründung des Rechtsschutzinteresses für die
Aberkennungsklage
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine Feststellungsklage
grundsätzlich nur zuzulassen, wenn der Kläger an der sofortigen Feststellung ein
schutzwürdiges Interesse hat, welches zwar kein rechtliches zu sein braucht,
sondern auch bloss tatsächlicher Natur sein kann, aber immerhin erheblich sein
muss. Diese Voraussetzung ist namentlich gegeben, wenn die
Rechtsbeziehungen der Parteien ungewiss sind und die Ungewissheit nur durch
die richterliche Feststellung (und nicht etwa auch durch eine Leistungsklage)
behoben werden kann (vgl. BGE 120 II 20 E. 3.a mit Hinweisen).
Bei der Aberkennungsklage begründet die laufende Betreibung das
Feststellungsinteresse. Eine Aberkennungsklage ist indessen nur möglich, wenn
der Schuldner Rechtsvorschlag erhoben und der Gläubiger provisorische
- 9 -
Rechtsöffnung erhalten hat (D. STAEHELIN, a.a.O., Art. 83 N. 17 f.). Aufgrund der
beklagtischen Betreibung Nr. ... (Zahlungsbefehl vom 9. Juli 2012) des
Betreibungsamtes Zürich 3 gegen die Klägerin, den durch letztere erhobenen
Rechtsvorschlag (act. 28/8) und die erteilte provisorische Rechtsöffnung (act. 2/1)
sind diese Voraussetzungen erfüllt. Das klägerische Feststellungsinteresse für die
vorliegende Aberkennungsklage ist somit zu bejahen.
1.4. Einhaltung der Frist für die Erhebung der Aberkennungsklage
Gemäss Art. 83 Abs. 2 SchKG beträgt die Frist zur Erhebung der
Aberkennungsklage 20 Tage seit der Rechtsöffnung. Eine zu spät eingereichte
Aberkennungsklage hat zur Folge, dass die Rechtsöffnung sowie gegebenenfalls
die provisorische Pfändung eo ipso definitiv werden. Immerhin ist eine solche
Eingabe als negative Feststellungsklage gemäss Art. 85a SchKG
entgegenzunehmen
(D. STAEHELIN, a.a.O., Art. 83 N. 32).
Vorliegend wurde der Klägerin das Rechtsöffnungsurteil vom 27. September 2012
(act. 2/1) am 16. Oktober 2012 zugestellt (act. 1 S. 2). Mit ihrer Klageanhebung
am 2. November 2012 (act. 1 S. 1) hat die Klägerin die 20-tägige Frist gemäss
Art. 83 Abs. 2 SchKG eingehalten.
1.5. Weitere Prozessvoraussetzungen
Die noch nicht erwähnten Prozessvoraussetzungen (wie zum Beispiel die
Leistung des Vorschusses und der Sicherheit für die Prozesskosten) sind
ebenfalls erfüllt, weshalb auf die Klage einzutreten ist (vgl. Art. 59 Abs. 1 und 2
ZPO).
1.6. Anwendbares Recht
Beim Vorliegen eines internationalen Sachverhalts unterstehen Verträge in erster
Linie dem von den Parteien gewählten Recht (Art. 116 Abs. 1 IPRG). Nachdem
die Parteien im "Manufacturing Agreement" bzw. im "Settlement Agreement" eine
- 10 -
Rechtswahl zugunsten des schweizerischen Rechts getroffen haben (act. 2/2
S. 5; act. 2/3 S. 4), ist dieses anzuwenden.
- 11 -
2. Anspruch der Beklagten gegen die Klägerin aus Vertrag
2.1. Unbestrittener Sachverhalt
Der Abschluss des "Manufacturing Agreements" und des "Settlement
Agreements" ist zwischen den Parteien unbestritten (act. 1 S. 1; act. 27 Rz. 13
und 22).
2.2. Streitpunkte
Die Beklagte stellt sich auf den Standpunkt, die Klägerin habe mit der
Unterzeichnung des "Settlement Agreements" ausdrücklich anerkannt, ihr, der
Beklagten, vorbehaltlos einen Betrag von über EUR 3'000'000.– zu schulden und
diesen Betrag in Raten zu begleichen. Diese Anerkennung sei nicht von einer
Pflicht der Beklagten abhängig gewesen, auch wenn das "Settlement Agreement"
grundsätzlich Pflichten beider Parteien enthalte. Ab Juni 2012 habe die Klägerin
auf einmal und ohne jegliche Begründung die Bezahlung der drei noch
ausstehenden Raten im Umfang von (umgerechnet) CHF 1'908'765.67 verweigert
(act. 27 Rz. 2 f.; act. 43 Rz. 50).
Die Klägerin macht geltend, dass es sich beim "Settlement Agreement" um einen
zweiseitigen Vertrag und keine Schuldanerkennung handle. Die Pflichten seien
gegenseitig bedingt bzw. voneinander abhängig, wobei beide Parteien einige
dieser Pflichten nicht erfüllt hätten. Die Beklagte könne nicht die einseitige
Erfüllung der klägerischen Zahlungspflichten verlangen, wenn sie ihre in den
Ziffern 4, 5, 6, 8 und 13 vorgesehenen eigenen Verpflichtungen nicht erfülle.
Aufgrund ihrer Pflichtverletzungen sei die Beklagte nicht berechtigt, die Klägerin
für die ausstehenden Zahlungen zu belangen. Die Klägerin sei diesbezüglich in
keiner Weise vorleistungspflichtig gewesen, was sich aus dem "Settlement
Agreement" klar ergebe (act. 38 Rz. 50, 60, 65 und 68).
- 12 -
2.3. Rechtliches
2.3.1. Vollkommen zweiseitiger Vertrag
Obligationen entstehen unter anderem aus Verträgen, welche durch Erzielung
eines Konsenses bzw. durch Austausch übereinstimmender Willenserklärungen
zustande kommen (Art. 1 ff. OR). Während bei einem einseitigen Vertrag nur die
eine Partei eine Leistung zu erbringen hat, trifft bei einem zweiseitigen Vertrag
beide Parteien eine Leistungspflicht. Bei letzterem wird zudem unterschieden, ob
die Leistungspflichten in einem Austauschverhältnis stehen oder nicht. Dies ist
lediglich beim sog. vollkommen zweiseitigen (synallagmatischen) Vertrag der Fall,
bei welchem die eine Leistung Gegenleistung der anderen ist (HUEGENIN,
Obligationenrecht, Allgemeiner und Besonderer Teil, Zürich/Basel/Genf 2012,
N. 53).
2.3.2. Einrede des nicht oder nicht gehörig erfüllten Vertrags (Art. 82 OR)
Wer bei einem zweiseitigen Vertrag den andern zur Erfüllung anhalten will, muss
gemäss Art. 82 OR entweder bereits erfüllt haben oder die Erfüllung anbieten, es
sei denn, dass er nach dem Inhalt oder der Natur des Vertrags erst später zu
erfüllen hat. Die Einrede des nicht oder nicht gehörig erfüllten Vertrags bezieht
sich auf synallagmatische Verträge. Voraussetzung für das
Leistungsverweigerungsrecht ist unter anderem, dass die beiden Leistungen in
einem Austauschverhältnis stehen. Entscheidend ist, ob die Leistungen
voneinander abhängig sind, weshalb unter Umständen auch unvollkommen
zweiseitige Verträge ein Synallagma aufweisen (LEU, in: BSK OR I, Art. 82
N. 2 ff.).
2.3.3. Schuldanerkennung
Unter einer Schuldanerkennung ist die Erklärung einer Person gegenüber einer
anderen Person zu verstehen, dass eine Schuld des Anerkennenden gegenüber
dem Anerkennungsempfänger bestehe (KRAUSKOPF, Der Begriff, die
Erscheinungsformen und die Bedeutung der Schuldanerkennung im
- 13 -
Obligationenrecht, in: recht 2005, 169). Gemäss Art. 17 OR ist ein
Schuldbekenntnis auch ohne die Angabe eines Verpflichtungsgrundes gültig. Vom
abstrakten ist somit das kausale Schuldbekenntnis zu unterscheiden, welches
den Verpflichtungsgrund selbst nennt.
Das Schuldbekenntnis beinhaltet gemäss der herrschenden Lehre immer
gleichzeitig ein Schuldversprechen, weshalb es selber einen Verpflichtungsgrund
darstellt (JÄGGI, in: ZHK OR, Teilband V 1a, Art. 17 Rz. 13). In materieller Hinsicht
begründet das Schuldbekenntnis somit im Umfang der anerkannten Höhe eine mit
der ursprünglichen Forderung inhaltlich gleiche Verpflichtung. Es kommt somit zu
einer vom ursprünglichen Verpflichtungsgrund gelösten selbständigen
Verpflichtung, mithin zu einer neuen Anspruchsgrundlage (HURNI, in: HONSELL,
KUKO OR Art. 1-529, Art. 17 Rz. 7). Demnach kann der Gläubiger das
Schuldbekenntnis als Klagegrund benutzen und genügt seiner Behauptungslast,
indem er die Anerkennung behauptet (GAUCH/SCHLUEP et al., OR AT Band I,
9. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2008, Rz. 1181; a.A. KRAUSKOPF, a.a.O., 172, welcher
zwischen deklaratorisch und konstitutiv wirkender Schuldanerkennung
unterscheidet). Das Schuldbekenntnis hat zudem auch eine beweismässige
Bedeutung, welche darin besteht, dass die Tatsache des Bekenntnisses für sich
allein den Schluss auf den Bestand und den Inhalt der anerkannten Schuld
rechtfertigt, was zu einer Umkehr der Beweislast führt (Urteil des Bundesgerichts
4C.433/1999 vom 22. Februar 2000, E. 3). Im Aberkennungsprozess kann der
Gläubiger seinen Anspruch somit mit der schriftlichen Schuldanerkennung
beweisen (D. STAEHELIN, a.a.O., Art. 83 N. 55).
2.3.4. Tatsächlicher Konsens und Auslegung eines Vertrags nach dem
Vertrauensprinzip
Im schweizerischen Vertragsrecht gilt bei Fragen des Konsenses oder der
Auslegung der Grundsatz des Primats des subjektiv übereinstimmend Gewollten
vor dem objektiv Erklärten, subjektiv aber unterschiedlich Verstandenen. Um
darüber befinden zu können, welche bzw. ob überhaupt eine Vereinbarung
zwischen Parteien zustande gekommen ist, muss demnach zunächst nach ihrem
übereinstimmenden wirklichen Willen gesucht werden (Art. 18 Abs. 1 OR). Es
- 14 -
obliegt folglich dem Gericht, zunächst den wirklichen Willen der Parteien
festzustellen, gegebenenfalls empirisch auf Grund von Indizien (z.B.
Parteiverhalten nach Vertragsschluss). Dabei handelt es sich um eine Tatfrage.
Wenn es ihm nicht gelingt, diesen wirklichen Willen zu ermitteln, oder wenn es
feststellt, dass eine Partei den von der andern geäusserten wirklichen Willen nicht
verstanden hat, muss das Gericht eruieren, welche Bedeutung die Parteien nach
den Regeln von Treu und Glauben ihren gegenseitigen Willenserklärungen geben
konnten und mussten. Nur wenn ein natürlicher Konsens fehlt oder unbewiesen
bleibt, gelangt somit das Vertrauensprinzip zur Anwendung, wobei die Ermittlung
der Bedeutung, die den Willenserklärungen der Parteien beim Abschluss eines
Vertrags nach Treu und Glauben zukommt, eine Rechtsfrage ist (Urteil des
Bundesgerichts 4C.374/2001 vom 6. September 2002, E. 2.1).
Bei der Vertrauensauslegung hat das Gericht das als Vertragswillen anzusehen,
was vernünftig und redlich handelnde Parteien unter den gegebenen (auch
persönlichen) Umständen durch die Verwendung der auszulegenden Worte und
ihr sonstiges Verhalten ausgedrückt und folglich gewollt haben. Umstände, die
den Parteien bei Vertragsschluss bekannt oder erkennbar waren, sind dabei mit
zu berücksichtigen. Es ist somit der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses
massgebend. Selbst wenn der Wortlaut einer Vertragsklausel auf den ersten Blick
klar erscheint, kann sich aus anderen Vertragsbedingungen, aus dem von den
Parteien verfolgten Zweck bzw. der Interessenlage oder anderen Umständen
ergeben, dass der Wortlaut der genannten Klausel den Sinn des geschlossenen
Vertrages nicht genau wiedergibt. Dabei hat das Gericht zu berücksichtigen, was
sachgerecht ist, weil nicht anzunehmen ist, dass die Parteien eine
unangemessene Lösung gewollt haben. Das Gericht orientiert sich dabei am
dispositiven Recht, weil derjenige Vertragspartner, der dieses verdrängen will, das
mit hinreichender Deutlichkeit zum Ausdruck bringen muss.
Auch wenn der Wortlaut nach dem soeben Gesagten für sich allein nicht als
entscheidend anzusehen ist, kommt ihm doch im Verhältnis zu den ergänzenden
Mitteln der Vorrang zu: Immer dann, wenn die übrigen Auslegungsmittel,
insbesondere der Vertragszweck, nicht sicher einen anderen Schluss erlauben,
- 15 -
hat es beim Wortlaut sein Bewenden. Bei der Auslegung nach dem Wortlaut
kommt dem Sinngehalt des Wortes, den ihm der allgemeine Sprachgebrauch
zumisst, entscheidende Bedeutung zu. Im Rahmen der grammatikalischen
Auslegung ist aber auch das systematische Element zu berücksichtigen. Ein
einzelner Ausdruck ist im Zusammenhang, in dem er steht, als Teil eines Ganzen
aufzufassen; sein Sinngehalt wird häufig bestimmt durch die Stellung, die er in
diesem Ganzen einnimmt (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 5C.87/2002 vom
24. Oktober 2002, E. 2.2 ff.; BGE 132 III 24 E. 4; BGE 131 III 606 E. 4.2 = Pra.
2006 Nr. 80; BGE 122 III 420 E. 3a; BGE 127 III 444 ff. = Pra 2002 Nr. 22 E. 1.b;
BGE 131 III 469 E. 1.1; Urteil des Bundesgerichts 4A_105/2011, E. 3.2; Urteil des
Bundesgerichts 5C.87/2002 vom 24. Oktober 2002, E. 2.2-4).
Behaupten die Parteien einen voneinander abweichenden tatsächlichen Konsens,
ist zunächst zu prüfen, ob ein normativer Konsens besteht, da die Beweislast für
den Bestand und Inhalt eines vom normativen Auslegungsergebnis
abweichenden subjektiven Vertragswillens jene Partei trägt, welche aus diesem
Willen zu ihren Gunsten eine Rechtsfolge ableitet (BGE 121 III 118 E. 4.b.aa).
2.3.5. Verknüpfung von Behauptungen und Beweismitteln
Gemäss Art. 221 Abs. 1 lit. e ZPO enthält die Klage die Bezeichnung der
einzelnen Beweismittel zu den behaupteten Tatsachen (Prinzip der
Beweisverbindung). Dabei ist ein Beweismittel nur dann als formgerecht
angeboten zu betrachten, wenn sich die Beweisofferte eindeutig der damit zu
beweisenden Tatsachenbehauptung zuordnen lässt und umgekehrt. In der Regel
sind die einzelnen Beweisofferten unmittelbar im Anschluss an die
Tatsachenbehauptungen aufzuführen, die damit bewiesen werden sollen.
Mangels solcher Beweisofferten der beweisbelasteten Partei unterbleibt eine
Beweisabnahme (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_56/2013 vom 4. Juni 2013, E.
4.4). Die Beweismittel sind vor Aktenschluss zu nennen, und ein späteres
Nachreichen ist nur möglich, soweit noch neue Tatsachen und Beweismittel in
den Prozess eingeführt werden können (LEUENBERGER, in: SUTTER-
SOMM/HASENBÖHLER/LEUENBERGER, Kommentar ZPO, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf
2013, Art. 221 N. 51 f.).
- 16 -
- 17 -
2.4. Subsumtion
2.4.1. Ausgangslage
Die Darstellungen der Parteien unterscheiden sich in der Antwort auf die Frage,
ob sich die im "Settlement Agreement" festgelegten Pflichten der Parteien je
gegenseitig bedingten bzw. voneinander abhängig waren (vgl. Ziff. 2.2. hiervor).
Strittig ist mit anderen Worten, ob die Leistungen der Parteien in einem
Austauschverhältnis standen. Mangels entsprechender (formgerechter; vgl. Ziff.
2.3.5. hiervor) Beweisofferten zum tatsächlichen Konsens – die Parteien beziehen
sich einzig auf das schriftliche "Settlement Agreement" (act. 38 Rz. 50, 60, 65 und
68; act. 43 Rz. 50) – braucht der wirkliche Parteiwille indessen nicht ermittelt
werden und es ist auf das Vertrauensprinzip zurückzugreifen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 4A_56/2013 vom 4. Juni 2013, E. 4.4).
2.4.2. Auslegung nach dem Vertrauensprinzip
2.4.2.1. Aus dem Englischen übersetzter wesentlicher Inhalt des "Settlement
Agreements" (act. 2/3)
Einleitend wird der Abschluss des "Manufacturing Agreements" zwischen den
Parteien am 29. Mai 2009 festgehalten. Es folgt die Erklärung, dass sich die
Parteien im Streit über gewisse Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem
"Manufacturing Agreement" befinden und den Wunsch hegen, diese
Angelegenheiten endgültig bzw. endlich ("finally") zu lösen.
Die Vertragsziffern 1-3 regeln die Anerkennung und Zahlungsmodalitäten einer
klägerischen Schuld gegenüber der Beklagten. Vertragsziffer 1 lautet:
Die Klägerin anerkennt hiermit die folgende ausstehende Schuld und erklärt sich einverstanden, der Beklagten die ausstehenden Forderungen in Raten gemäss dem folgenden Zahlungsplan zu bezahlen:
(a) 18. August 2011 EUR 150'000.00 (b) 30. September 2011 EUR 100'000.00 (c) 31. Oktober 2011 EUR 100'000.00 (d) 30. November 2011 EUR 150'000.00 (e) 30. Dezember 2011 EUR 100'000.00 (f) 31. Januar 2012 EUR 200'000.00 (g) 29. Februar 2012 EUR 200'000.00
- 18 -
(h) 31. März 2012 EUR 200'000.00 (i) 30. April 2012 EUR 200'000.00 (j) 31. Mai 2012 EUR 200'000.00 (k) 30. Juni 2012 EUR 500'000.00 (l) 31. Juli 2012 EUR 500'000.00 (m) 31. August 2012 EUR 573'253.61 Totalbetrag: EUR 3'273'253.61
Gemäss Vertragsziffer 2 ist der Klägerin die vorzeitige (Teil-)Zahlung gestattet.
Die vollständige Zahlung soll zudem umgehend nach Erhalt eines (nicht näher
beschriebenen) angestrebten neuen Geschäftskredits von EUR 30'000'000.–
erfolgen. Weiter wird in Absatz 2 die Fälligkeit des ausstehenden Gesamtbetrags
samt 5 % Zins seit Vertragsunterzeichnung für den Fall vorgesehen, dass die
Klägerin eine Rate gemäss Vertragsziffer 1 nicht rechtzeitig leistet. In
Vertragsziffer 3 erklären die Parteien, dass vorbehältlich der Regelung gemäss
Vertragsziffer 2 Absatz 2 keine Verzugszinsen entstehen und vorbehältlich der
Erfüllung der Verpflichtungen hierunter keine weiteren ausstehenden
Forderungen gegenüber der Klägerin für Lieferungen vor dem 22. Februar 2011
bestehen sollen.
Weiter regelt das "Settlement Agreement" die Modalitäten der Rückgabe zweier
"test benches" an die Klägerin (Vertragsziffer 4) sowie die Herstellung und
Bestellung bzw. den Verkauf weiterer Produkte nach den Bestimmungen des
"Manufacturing Agreements" (Vertragsziffer 5 und 8). In Vertragsziffer 6 erklärt
sich die Klägerin damit einverstanden, eine neue Bestellung für 196 von durch die
Beklagte überproduzierten Einheiten des Produkts "..." aufzugeben, zahlbar bei
Aushändigung. Mit Vertragsziffer 7 anerkennt die Beklagte, dass alle bisher noch
nicht bestätigten klägerischen Bestellungen gemäss dem "Manufacturing
Agreement" zurückgezogen und storniert werden. In diesem Zusammenhang wird
festgehalten, dass es sich dabei um am 27. Oktober 2010 erfolgte Aufträge
handelt, wobei in der Folge die Nummern dieser insgesamt 41 Bestellungen
aufgelistet werden. Vertragsziffer 9 regelt die gütliche Erledigung eines am
Bezirksgericht Zürich hängigen Rechtsöffnungsverfahrens zwischen den Parteien.
Gemäss Vertragsziffer 10 soll die Klägerin angemessene Werbemassnahmen
treffen, um die Beklagte im Verkauf ihres aktuellen Komponentenbestandes zu
unterstützen.
- 19 -
Die Parteien kommen überein, ihre Kosten im Zusammenhang mit dem
"Settlement Agreement" je selbst zu tragen (Vertragsziffer 11). Vertragsziffer 12
enthält erstens die Erklärung der Parteien, wonach das "Settlement Agreement"
sowie das "Manufacturing Agreement" für sie anwendbar sein sollen, zweitens
den Vorbehalt der schriftlichen Form für Vertragsänderungen, und drittens eine
salvatorische Klausel. Sodann sehen die Parteien eine Geheimhaltungsklausel
vor (Vertragsziffer 13). Die Vertragsziffern 14 und 15 regeln schliesslich das
anwendbare Recht und den Gerichtsstand.
2.4.2.2. Grammatikalische Auslegung
2.4.2.2.1. Schuldbekenntnis
Die Klägerin anerkennt unter Vertragsziffer 1 gegenüber der Beklagten das
Bestehen einer Schuld und erklärt sich damit einverstanden, diese gemäss dem
vereinbarten Zahlungsplan abzutragen. Nach dem Gesagten ist diese Erklärung
als Schuldbekenntnis bzw. Schuldanerkennung zu qualifizieren, wobei die
Bezahlung der Schuld in den Vertragsziffern 2 und 3 ebenfalls geregelt wird.
2.4.2.2.2. Kein Austauschverhältnis zwischen dem Schuldbekenntnis und den
beklagtischen Pflichten gemäss dem "Settlement Agreement"
Die Klägerin macht ein Leistungsverweigerungsrecht geltend und beruft sich
dabei auf die Nichterfüllung von beklagtischen Verpflichtungen gemäss den
Vertragsziffern 4, 5, 6, 8 und 13 (act. 38 Rz. 50 und 65). Weder in diesen noch in
den die Schuldanerkennung betreffenden Ziffern (1-3) wird jedoch ein Konnex
zwischen der klägerischen Schuld und den Pflichten der Beklagten hergestellt.
Weil es sich um eine ausstehende Schuld handelt, ist vielmehr davon
auszugehen, dass diese vor Abschluss des "Settlement Agreements" entstanden
und die entsprechende Gegenleistung der Beklagten bereits erbracht worden ist.
Die Formulierung gemäss Vertragsziffer 3, wonach keine weiteren ausstehenden
Forderungen gegenüber der Klägerin für Lieferungen vor dem 22. Februar 2011
bestehen sollen, impliziert denn auch, dass mit dem Schuldbekenntnis vor diesem
Datum entstandene beklagtische Forderungen geregelt werden sollten. Weiter
- 20 -
sieht das "Settlement Agreement" feste Zahlungstermine vor und verpflichtet die
Klägerin zur sofortigen Zahlung des ausstehenden Gesamtbetrags, sollte sie
einen bestimmten Geschäftskredit erhalten oder mit ihren Zahlungen in Verzug
geraten.
Eine Verknüpfung der Tilgungsvereinbarung mit den übrigen Bestimmungen des
"Settlement Agreement" geht aus der Vereinbarung somit nicht hervor (vgl. dazu
auch die zutreffenden Ausführungen im Urteil des Einzelgerichts am
Bezirksgericht Zürich vom 27. September 2012; act. 2/1 S. 3 f.) bzw. stünde mit
dem fixen Zahlungsplan und der vorgesehenen Säumnisfolge für die Nichtleistung
einer Ratenzahlung im Widerspruch. Die klägerische Verpflichtung zur Leistung
der anerkannten Schuld ist deshalb nicht von der Einhaltung der im "Settlement
Agreement" statuierten Pflichten durch die Beklagte abhängig. Soweit die
Beklagte mit dem "Settlement Agreement" verpflichtet wird, weitere Produkte zu
produzieren bzw. zu liefern (Vertragsziffern 5, 6 und 8), ist ein
Austauschverhältnis zwar zu bejahen. Dieses besteht jedoch zwischen der
Lieferverpflichtung der Beklagten und der Verpflichtung der Klägerin, gerade
diese Produktion bzw. Lieferung (und nicht die ausstehende Schuld gemäss den
Vertragsziffern 1-3) zu bezahlen. Nur insoweit sind die Parteien gleichzeitig
Gläubiger und Schuldner und ihre Leistungen so voneinander abhängig, dass die
eine das Entgelt für die andere ist. Ein Austauschverhältnis zwischen der
ausstehenden Schuld und der Rückgabevereinbarung der "test benches" an die
Klägerin (Vertragsziffer 4) bzw. der Geheimhaltungsvereinbarung (Vertragsziffer
13) ist ebenfalls nicht ersichtlich.
2.4.2.3. Berücksichtigung des Zwecks und der Vertragsumstände
Der Vertragszweck des "Settlement Agreements" kann dessen Einleitung
entnommen werden. Demnach ging es um die endgültige (das englische Wort
"finally" könnte im verwendeten Zusammenhang zwar auch mit "endlich"
übersetzt werden; die Bedeutung "endgültig" erscheint aber naheliegender)
Lösung der streitigen Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem
"Manufacturing Agreement".
- 21 -
Zu den Umständen ist festzuhalten, dass das "Settlement Agreement" während
eines laufenden Rechtsöffnungsverfahrens zwischen den Parteien abgeschlossen
wurde, welches in der Folge abgeschrieben werden konnte (vgl. Vertragsziffer 9).
Den Parteien ging es darum, die ausstehenden Schulden mittels eines
Zahlungsplans zu regeln. Zudem wurde die vertragliche Zusammenarbeit
konsolidiert (act. 27 Rz. 20 ff.; act. 38 Rz. 64).
Die Berücksichtigung des Zwecks und der Vertragsumstände führen zu keinem
anderen Ergebnis als die grammatikalische Auslegung.
2.5. Fazit
Die Klägerin schuldete der Beklagten aufgrund der im "Settlement Agreement"
statuierten Schuldanerkennung ursprünglich EUR 3'173'253.61 (vgl. act. 2/3
S. 1 f.). Weil die Schuldanerkennung eine eigenständige Anspruchsgrundlage
darstellt, erübrigt sich eine Auseinandersetzung mit dem Grundverhältnis bzw.
dem "Manufacturing Agreement".
Der Umstand, dass mit dem "Settlement Agreement" beiden Parteien Rechte und
Pflichten auferlegt werden, führt nicht dazu, dass die Vereinbarung in ihrer
Gesamtheit einen vollkommen zweiseitigen Vertrag bilden würde, welcher die
Einrede der nicht gehörigen Erfüllung gemäss Art. 82 OR zuliesse; der Klägerin
steht mangels eines Austauschverhältnisses kein Leistungsverweigerungsrecht in
Bezug auf die anerkannte Schuld zu. Damit kann an dieser Stelle offen gelassen
werden, ob die Beklagte ihre Pflichten gemäss dem "Settlement Agreement"
verletzt hat, wie dies von der Klägerin behauptet wird.
3. Teilweiser Untergang der ursprünglichen beklagtischen Forderung durch Erfüllung
Die Beklagte räumt ein, dass die Klägerin die im "Settlement Agreement"
vorgesehenen Raten zwischen August 2011 und Mai 2012 bezahlte (act. 27
Rz. 27). Damit ist die ursprüngliche klägerische Schuld im Teilumfang von
EUR 1'600'000.– (vgl. act. 2/3 S. 1 f.) durch Erfüllung untergegangen.
Entsprechend setzte die Beklagte auch nur den gemäss "Settlement Agreement"
- 22 -
noch ausstehenden Betrag von EUR 1'573'253.61 (EUR 3'173'253.61 –
EUR 1'600'000.–) bzw. CHF 1'908'765.67 samt Zins von 5 % seit der
Vertragsunterzeichnung, dem 1. August 2011 (vgl. Vertragsziffer 2 Absatz 2 des
"Settlement Agreements", act. 2/3 S. 2 und 4), in Betreibung, wobei die
Umrechnung in Schweizer Franken unbestritten geblieben ist.
Die Berücksichtigung der klägerischen Ratenzahlungen bis Mai 2012 ergibt somit
den streitgegenständlichen Betrag von CHF 1'908'765.67 (zuzüglich Zins) als
noch offene Forderungssumme der Beklagten gegenüber der Klägerin.
4. Kein Untergang der streitgegenständlichen Forderung durch Kündigung des "Settlement Agreements"
Die Klägerin macht geltend, das "Settlement Agreement" sei mittels
Kündigungsschreiben vom 25. September 2012 gültig beendet worden, weshalb
Ansprüche daraus zum Vornherein nicht möglich seien (act. 38 Rz. 72).
Eine Kündigung der Ratenzahlungsvereinbarung war vertraglich nicht
vorgesehen. Würde das "Settlement Agreement" als Dauerschuldverhältnis
qualifiziert, wäre eine Kündigungsmöglichkeit aus wichtigem Grund zwar
grundsätzlich zu bejahen (HUEGENIN, a.a.O., N. 60; BGE 128 III 428 E. 3). Ein
wichtiger Grund ist indessen nicht ersichtlich bzw. wurde nicht substantiiert
geltend gemacht. In Bezug auf die Schuldanerkennung der Klägerin bzw. die
Ratenzahlungsvereinbarung stand der klägerische Leistungsumfang zudem
ohnehin zum Voraus fest, weshalb diesbezüglich nicht von einem
Dauerschuldverhältnis auszugehen ist. Schliesslich erfolgte die Kündigung erst,
nachdem sämtliche Raten zur Zahlung fällig gewesen wären (vgl. act. 2/3 S. 2).
Mit der Beklagten ist deshalb davon auszugehen, dass die zum
Kündigungszeitpunkt bereits entstandene klägerische Zahlungspflicht auch im
Falle der Gültigkeit der Kündigung weiterbestanden hätte (act. 43 Rz. 63).
5. Kein Untergang der streitgegenständlichen Forderung durch Verrechnung
5.1. Streitpunkte
- 23 -
Die Klägerin macht Gegenforderungen im Umfang von insgesamt
EUR 2'507'890.– geltend und will diese mit der streitgegenständlichen Forderung
verrechnen (act. 1 S. 2 ff.; act. 38 Rz. 14 ff.). Die Beklagte bestreitet das
Bestehen von klägerischen Gegenforderungen (act. 27 Rz. 38 ff.; act. 42
Rz. 20 ff.)
Soweit es sich als erforderlich erweist, ist im Rahmen der Subsumtion näher auf
die Parteivorbringen einzugehen.
5.2. Rechtliches
5.2.1. Einreden und Einwendungen bei einem Schuldbekenntnis
Grundsätzlich kann der Schuldner dem Gläubiger, welcher sich auf eine
Schuldanerkennung beruft, alle Einreden (und Einwendungen) aus dem
Grundverhältnis entgegenhalten. Die Schuld ist in diesem Sinne materiell kausal
(JÄGGI, a.a.O., Art. 17 Rz. 14; a.A. KRAUSKOPF, a.a.O., 173, welcher
Einwendungen gegen die anerkannte Schuld nicht ohne Weiteres auch gegen die
Anerkennungsschuld durchdringen lässt im Falle der konstitutiv wirkenden
Schuldanerkennung).
Darüber hinausgehend kann einem Schuldbekenntnis auch die Wirkung eines
Verzichts auf bestimmte oder sämtliche aus dem Grundverhältnis entspringenden
Einwendungen und Einreden zukommen. Dem Schuldner ist dann die Berufung
auf diese verwehrt. Ein solcher Einredeverzicht darf indessen nicht leichthin
angenommen werden, sondern muss ausdrücklich erfolgen oder sich aus den
Umständen unzweifelhaft ergeben (SCHWENZER, BSK OR I., Art. 17 Rz. 10 f.;
BGE 65 II 81 ff.; Urteil des Bundesgerichts 4C.214/2006 vom 19. Dezember 2006,
E. 4.3.2).
5.2.2. Voraussetzungen für die Verrechnung von Forderungen
Eine Verrechnung von Forderungen gemäss Art. 120 ff. OR ist möglich, wenn die
Hauptforderung zumindest erfüllbar ist. Weiter muss die Klagbarkeit und Fälligkeit
der Verrechnungsforderung gegeben sein, was deren Bestand voraussetzt. Die
- 24 -
Forderungen müssen sodann gegenseitig und gleichartig sein. Ferner darf kein
vertraglicher oder gesetzlicher Verrechnungsausschluss bestehen, und
schliesslich bedarf es einer ausdrücklichen oder stillschweigenden
Verrechnungserklärung (HUEGENIN, a.a.O., N. 759 ff.).
- 25 -
5.2.3. Mögliche Grundlagen für einen vertraglichen Anspruch auf Geldzahlung
Die Leistung einer Geldzahlung kann primäre Leistungspflicht einer Vertragspartei
sein (z.B. Bezahlung des Kaufpreises beim Kaufvertrag). Besteht der
Leistungsgegenstand nicht in einer Geldleistung, so geht der Gesetzgeber davon
aus, dass der Gläubiger in erster Linie einen Anspruch auf Erfüllung hat. Wird der
Erfüllungsanspruch indessen nicht vereinbarungsgemäss befriedigt, kann der
Gläubiger bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen kumulativ einen
Schadenersatzanspruch als Sekundäranspruch geltend machen (HUEGENIN,
a.a.O., N. 809 und N. 813).
So kann sich ein vertraglicher Anspruch auf Geldzahlung z.B. aus einer
Schlechterfüllung oder der Verletzung von Nebenpflichten ergeben (positive
Vertragsverletzung). Die in diesem Sinne nicht gehörige Erfüllung wird durch
Art. 97 Abs. 1 OR erfasst. Ein Schadenersatzanspruch setzt die Verletzung einer
vertraglichen Pflicht, einen Schaden (welcher zusammengefasst in einer
Verminderung der Aktiven, einer Vergrösserung der Passiven oder in
entgangenem Gewinn bestehen kann), einen natürlichen sowie adäquaten
Kausalzusammenhang zwischen Vertragsverletzung und Schaden und
schliesslich ein Verschulden voraus (HUEGENIN, a.a.O., N. 846 und N. 857 ff.).
Eine weitere Leistungsstörung stellt der Verzug dar. Bei diesem ist die
geschuldete Leistung (noch) möglich, die Schuldnerin erfüllt aber nicht rechtzeitig.
Voraussetzungen des Verzugs sind die Nichtleistung trotz Leistungsmöglichkeit,
die Fälligkeit, die Mahnung oder ein bestimmter Verfalltag und schliesslich das
Fehlen eines Leistungsverweigerungsrechts der Schuldnerin (HUEGENIN, a.a.O.,
N. 910 und N. 912). Befindet sich der Schuldner im Verzug, so hat er gemäss
Art. 103 Abs. 1 OR Schadenersatz wegen verspäteter Erfüllung zu leisten. Er
kann sich von dieser Haftung durch den Nachweis befreien, dass der Verzug
ohne jedes Verschulden von seiner Seite eingetreten ist (Art. 103 Abs. 2 OR).
Für den Fall der Nichterfüllung oder der nicht richtigen Erfüllung eines Vertrags
können die Parteien sodann eine Konventionalstrafe vereinbaren, wobei der
- 26 -
Gläubiger mangels anderer Abrede nur berechtigt ist, entweder die Erfüllung oder
die Strafe zu fordern (Art. 160 Abs. 1 OR). Wurde die Strafe für die
Nichteinhaltung der Erfüllungszeit oder des Erfüllungsortes versprochen, so kann
sie gemäss Art. 160 Abs. 2 OR nebst der Erfüllung des Vertrags gefordert
werden, solange der Gläubiger nicht ausdrücklich Verzicht leistet oder die
Erfüllung vorbehaltlos annimmt. Die vorbehaltlose Annahme der verspäteten oder
am unrichtigen Ort angebotenen Leistung stellt nicht bloss eine Vermutung für
den Verzicht dar, die der Widerlegung fähig wäre. Vielmehr bedarf es zur
Erhaltung des Strafanspruchs eines ausdrücklichen Vorbehalts, welcher innerhalb
der durch den ordentlichen Geschäftsgang gebotenen Zeit angebracht werden
muss (BECKER, in: Berner Kommentar, Bd. VI/1, Allgemeine Bestimmungen, Art.
1-183 OR, Art. 160 N. 31).
5.2.4. Beweislast
Gemäss Art. 8 ZGB hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, jene Partei das
Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, die aus ihr Rechte
ableitet. Grundsätzlich ist das Verhältnis der anwendbaren materiellen Normen für
die Beweislastverteilung massgebend. Dieses bestimmt im Einzelfall, ob eine
rechtsbegründende, rechtsaufhebende bzw. rechtsvernichtende oder
rechtshindernde Tatsache zu beweisen ist. Wer einen Anspruch geltend macht,
hat die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen. Demgegenüber liegt die
Beweislast für die rechtsvernichtenden oder rechtshindernden Tatsachen bei der
Partei, welche den Untergang des Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung
oder Durchsetzbarkeit bestreitet (BGE 128 III 271 E. 2aa).
Im Aberkennungsprozess kommt es zwar trotz Parteirollentausch (im Vergleich
zum Forderungsprozess) zu keiner Umkehr der Beweislast, weshalb der
Gläubiger für das Bestehen der Schuld beweispflichtig ist. Nach dem Gesagten
vermag er diesen Beweis grundsätzlich mit der Schuldanerkennung zu erbringen,
wobei der Schuldner seinerseits Einreden und Einwendungen geltend machen
kann (vgl. Ziff. 2.3.3. und 5.2.1. hiervor; u.a. D. STAEHELIN, a.a.O., Art. 83 N. 55).
Betreffend solche Einwendungen, wie zum Beispiel den Untergang einer
- 27 -
Forderung durch Verrechnung, trägt nach der allgemeinen Regel indessen der
Schuldner die Beweislast.
5.2.5. Behauptungs- und Substantiierungslast
Die beweisbelastete Partei hat die zu beweisenden Tatsachen rechtzeitig, d.h. bei
Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels spätestens mit der zweiten
Rechtsschrift (vorbehältlich Noven; vgl. Art. 229 Abs. 2 ZPO e contrario) zu
behaupten, weshalb mit der Beweislast die Behauptungslast einhergeht. Die
beweisfreie Partei trifft hingegen die Bestreitungslast. Ein Aspekt der
Behauptungs- ist die Substantiierungslast: Tatsachenbehauptungen sind so
konkret zu formulieren, dass substantiiertes Bestreiten möglich ist oder der
Gegenbeweis angetreten werden kann. So muss beispielsweise eine
Schadensberechnung konkret sein, was im Fall eines entgangenen Gewinns
voraussetzt, dass die gewinnbringenden Ereignisse, die durch das schädigende
Verhalten verunmöglicht werden, (behauptet und) nachgewiesen werden. Weiter
muss dargelegt werden, welcher Nettogewinn aus den entgangenen Geschäften
erzielt worden wäre, wobei mangels Abschlusses der Geschäfte die nicht
getätigten Aufwendungen vom hypothetischen Umsatz als hypothetische
Aufwendungen in Abzug zu bringen sind.
Die Anforderungen an eine rechtsgenügende Substantiierung ergeben sich
einerseits aus den Tatbestandsmerkmalen der angerufenen Norm und
andererseits aus dem prozessualen Verhalten der Gegenpartei. Bestreitet der
Prozessgegner das an sich schlüssige Vorbringen der behauptungsbelasteten
Partei, kann diese gezwungen sein, die rechtserheblichen Tatsachen nicht nur in
den Grundzügen, sondern so umfassend und klar darzulegen, dass darüber
Beweis abgenommen werden kann.
Wird dem Gebot der Substantiierung ungenügend nachgelebt, ergeht ein
Sachentscheid ohne Beweisabnahme, weil die behauptete Tatsache von Anfang
an so behandelt wird, wie wenn sie beweislos wäre. Das Gericht kann im Sinne
der richterlichen Fragepflicht einen Sachverhalt nur erfragen, wenn dieser
zumindest andeutungsweise behauptet worden ist. Zudem entfällt die richterliche
- 28 -
Fragepflicht, wenn die Gegenpartei auf eine ungenügende Substantiierung
hinweist (HEIERLI/SCHNYDER, in: BSK OR I, Art. 42 N. 3; Urteil des Bundesgerichts
4C.225/2006 vom 20. September 2006, E. 2.4; SCHMID, in: BSK ZGB I, Art. 8
N. 29 und 33; WILLISEGGER, BSK ZPO, Art. 221 N. 29 f.; BGE 127 III 365 E. 2b
und 2c; BGE 108 II 337 E. 3; Urteil des Bundesgerichts A_144/2009 vom
6. Oktober 2009, E. 3).
5.2.6. Schadensschätzung gemäss Art. 42 Abs. 2 OR
Art. 42 Abs. 2 OR enthält eine bundesrechtliche Beweisvorschrift, die dem
Geschädigten den Schadensnachweis erleichtern soll. Sie räumt dem Sachgericht
für Fälle, in denen der strikte Nachweis des Schadens ausgeschlossen ist, einen
erweiterten Ermessensspielraum ein, indem sie ihm gestattet, den Schaden
aufgrund einer blossen Schätzung als ausgewiesen zu erachten.
Die Schadensbestimmung nach richterlichem Ermessen bildet indessen die
Ausnahme gegenüber einer genauen Berechnung und ist daher nur zulässig,
sofern eine zahlenmässige, auf reale Daten gestützte Berechnung für den
Geschädigten tatsächlich nicht möglich oder unzumutbar ist. Entsprechend setzt
das Bundesgericht die Hürden zur Anwendung der richterlichen
Schadensschätzung hoch an (HEIERLI/SCHNYDER, in: BSK OR I, Art. 42 N. 10 und
10b) und hat mit Entscheid vom 4. Juni 1996 zum wiederholten Mal festgehalten,
dass Art. 42 Abs. 2 OR nicht etwa darauf abzielt, dem Geschädigten die
Beweislast generell abzunehmen. Vielmehr hat der Geschädigte alle Umstände,
die für den Eintritt eines Schadens sprechen und dessen Abschätzung erlauben
oder erleichtern, soweit möglich und zumutbar zu behaupten – Art. 42 Abs. 2 OR
enthebt den Geschädigten auch nicht seiner Substantiierungsobliegenheit – und
zu beweisen. Demnach müssen die vom Geschädigten vorgebrachten Umstände
geeignet sein, den Bestand des Schadens hinreichend zu belegen und seine
Grössenordnung fassbar werden zu lassen. In diesem Sinne muss sich der
Schluss, dass tatsächlich ein Schaden vom behaupteten ungefähren Umfang
eingetreten ist, dem Gericht mit einer gewissen Überzeugungskraft aufdrängen.
Die Zusprechung von Schadenersatz setzt voraus, dass der Eintritt des geltend
- 29 -
gemachten Schadens nicht bloss im Bereich des Möglichen liegt, sondern als
annähernd sicher erscheint (vgl. BGE 122 III 219 E. 3.a).
Keine Berufung auf Art. 42 Abs. 2 OR ist möglich, wenn der konkrete
Schadensnachweis zwar unmöglich ist, diese Unmöglichkeit aber in den
Verantwortungsbereich des Beweispflichtigen fällt. Schliesslich hat die
beweisbelastete Partei taugliche Beweisanträge zur bestmöglichen Feststellung
des Schadens zu stellen (HEIERLI/SCHNYDER, a.a.O., Art. 42 Rz. 10b).
5.3. Subsumtion
5.3.1. Verzicht auf Einreden und Einwendungen aus dem "Manufacturing
Agreement" durch Abschluss des "Settlement Agreements"
Es war erwähntermassen die Absicht der Parteien, die Streitigkeiten aus dem
"Manufacturing Agreement" im "Settlement Agreement" (endgültig) zu regeln
(vgl. act. 2/3 S. 1; "the Parties are desirous to finally resolve such issues").
Klägerische Gegenforderungen wären somit nach Treu und Glauben spätestens
zum Zeitpunkt des Abschlusses des "Settlement Agreements" anzumelden
gewesen und hätten dann Eingang in diesem finden können, indem sich die
anerkannte Schuld der Klägerin im Umfang der Gegenforderungen verringert
hätte. Dies erfolgte jedoch nicht, sondern die Klägerin anerkannte die
ausstehende Schuld ohne die Anbringung eines Vorbehalts. Durch dieses
Verhalten hat sie konkludent auf allfällige, ihr zum Zeitpunkt der
Schuldanerkennung bekannte Gegenforderungen aus dem Grundverhältnis
verzichtet bzw. zum Ausdruck gebracht, dass nach ihrer Ansicht keine solchen
bestanden.
Nach dem Gesagten darf im Falle eines Schuldbekenntnisses ein Verzicht auf
Einreden und Einwendungen aus dem Grundverhältnis bzw. dem "Manufacturing
Agreement" zwar nicht leichthin angenommen werden. Ein solcher Verzicht ergibt
sich vorliegend jedoch aus den soeben dargelegten Umständen durch den
Abschluss des "Settlement Agreements". Die Klägerin hat dieses am 26. Juli 2011
unterzeichnet. Auf allfällige bekannte Forderungen aus dem "Manufacturing
- 30 -
Agreement", welche zu diesem Zeitpunkt bereits bestanden, hat sie somit
verzichtet.
Weil die Klägerin auch das Bestehen von Gegenforderungen behauptet, welche
nach dem 26. Juli 2011 entstanden sein sollen, ist im Folgenden auf die einzelnen
Forderungspositionen der Klägerin einzugehen.
- 31 -
5.3.2. Forderungen der Klägerin
5.3.2.1. Pönalen aus Lieferverzögerung
5.3.2.1.1. Parteistandpunkte
Die Klägerin macht zusammengefasst geltend, der Beklagten hätte gemäss
Ziffer 4 des "Manufacturing Agreements" die Beachtung strenger Bestimmungen
betreffend Lieferfristen oblegen, welche sie nicht eingehalten habe, was sich ohne
Weiteres aus dem sogenannten "Finished Goods Report" (vgl. act. 2/4; act. 2/6;
act. 39/1-7) ergebe. Für das Jahr 2009 folge daraus ein durchschnittlicher
Lieferverzug von vier Wochen, für das Jahr 2010 ein solcher von zehn Wochen
und für das Jahr 2011 ein solcher von 40 Wochen. Dies habe bei der Klägerin zu
grossen finanziellen Nachteilen geführt. Gemäss dem "Appendix 5" des
"Manufacturing Agreements" habe die Klägerin einen Anspruch auf Zahlungen
einer Pönale in der Höhe von maximal 6 % des Kaufpreises. Die Pönale berechne
sich gestützt auf die Dauer des Verzugs und betrage – basierend auf der
Auswertung "Finished Goods Report" (act. 2/6) – EUR 185'500.80.
Aufgrund des ständigen Lieferverzugs habe die Klägerin grossen Schaden aus zu
bezahlenden Pönalen an Kunden sowie entgangenem Gewinn erlitten.
Hinsichtlich der Pönalen habe insbesondere die "France Telecom" für das Jahr
2010/2011 hohe Forderungen gestellt. Im Umfang von EUR 42'510.– habe die
Klägerin diese bezahlen müssen. Die "France Telecom" und weitere Kunden
hätten aufgrund der Lieferverzögerungen viel weniger Bestellungen als
ursprünglich vorgesehen platziert, was bei der Klägerin zu einem enormen
Gewinnausfall geführt habe. Zusätzlich sei der klägerische Imageschaden durch
die Lieferverzögerungen der Beklagten enorm und habe in der Folge nicht mehr
repariert werden können. Die Klägerin beantrage, dass die Höhe dieses
Schadens mittels gerichtlichem Gutachten festgestellt werde (act. 1 S. 2 f.; act. 38
Rz. 13 ff. und 75 ff.).
Die Beklagte bestreitet den Bestand der Forderungen (act. 27 Rz. 48 ff.; act. 43
Rz. 20 ff. und 67 f.).
- 32 -
5.3.2.1.2. Würdigung
Im "Appendix 5" des "Manufacturing Agreements" wird für den Fall der
Nichteinhaltung einer Lieferfrist unter bestimmten Voraussetzungen eine
sogenannte "penalty" vorgesehen (act. 2/2 S. 8), welche als Konventionalstrafe im
Sinn von Art. 160 Abs. 2 OR zu qualifizieren ist. Mit Schreiben vom 31. März 2011
(act. 2/7) führte die Klägerin u.a. zwar das Folgende aus: "Die Auslieferungen von
B._ sind seit Beginn der Zusammenarbeit im Jahr 2009 hinter den von ihnen
bestätigten Lieferdaten [...] Gemäss Manufacturing Agreement stehen uns die
Pönale von 6 % des Kaufpreises zu, welche zu verrechnen ist." Nach dem
Gesagten (vgl. Ziff. 5.2.3. hiervor) hätte die Klägerin im Fall von verspäteten
Lieferungen indessen spätestens innerhalb der durch den ordentlichen
Geschäftsgang gebotenen Zeit einen ausdrücklichen Vorbehalt zur Erhaltung des
Strafanspruchs anbringen müssen. Der Klägerin hätte sodann die Anbringung
spezifischer Vorbehalte in Bezug auf jede verspätete Lieferung oblegen. Solches
macht die Klägerin nicht geltend, weshalb ein allfälliger Anspruch auf Bezahlung
einer Pönale bereits aus diesem Grund nicht in Betracht kommt.
Mit der Beklagten ist festzuhalten, dass die klägerischen Vorbringen zudem
unsubstantiiert sind (act. 27 Rz. 43 ff.; act. 43 Rz. 20 ff.). Insbesondere weist die
Beklagte zu Recht darauf hin, dass es nicht angeht, mit durchschnittlichen
Lieferverzögerungen zu operieren (vgl. act. 43 Rz. 25), und die Klägerin nicht
aufgezeigt hat, dass und gegebenenfalls welche beklagtischen
Lieferverzögerungen zu einer Schadenszahlung der Klägerin an die "France
Telecom" geführt haben (act. 43 Rz. 29); die Klägerin hätte im Einzelnen darlegen
müssen, welche konkreten Lieferungen nach ihrem Dafürhalten verspätet waren
und welche Pönalen bzw. Schadenszahlungen daraus resultierten. Nur dies hätte
ein substantiiertes Bestreiten durch die Beklagte ermöglicht.
Betreffend den entgangenen Gewinn und den Reputationsschaden (letzterer nur
bei Verminderung der Aktiven, Vergrösserung der Passiven oder entgangenem
Gewinn) wäre zwar grundsätzlich die Anwendung von Art. 42 Abs. 2 OR möglich,
soweit eine zahlenmässige, auf reale Daten gestützte Berechnung für die Klägerin
tatsächlich nicht möglich oder unzumutbar wäre. Auch der behauptete
- 33 -
entgangene Gewinn sowie der Reputationsschaden werden indessen nicht
substantiiert behauptet. Die Klägerin hätte nach dem Gesagten alle Umstände,
die für den Eintritt eines Schadens sprechen und dessen Abschätzung erlauben
oder erleichtern, soweit möglich und zumutbar behaupten müssen. Dieser
Obliegenheit ist die Klägerin nicht einmal ansatzweise nachgekommen. Die
Einholung des beantragten Gerichtsgutachtens (act. 38 Rz. 29) kommt deshalb
nicht in Betracht.
5.3.2.2. Minderwert wegen Lieferverzögerungen und Qualitätsproblemen
5.3.2.2.1. Parteistandpunkte
In diesem Zusammenhang erklärt die Klägerin im Wesentlichen, bei den 450
Stück der "..." sowie den 390 Stück der "..." handle es sich um Vorserienmuster
für den Markteintritt, welche gemäss Ziffer 5 des "Settlement Agreements" durch
die Beklagte hätten weiterproduziert und ausgeliefert werden sollen. Auch hier
habe die Beklagte ihre Zusage verfehlt und mit einem grossen Lieferverzug erst in
zögerlichen Mengen ab Mitte 2011 begonnen, auszuliefern. Zu diesem Zeitpunkt
sei die Entwicklung fortgeschritten und die Serienproduktion bereits angelaufen
gewesen. Die Beklagte habe mit ihrer Lieferverzögerung somit den frühen
Markteintritt behindert, die Ware schlussendlich aber trotzdem noch geliefert,
welche für die Klägerin zu diesem Zeitpunkt wertlos gewesen sei.
Die Klägerin mache somit einen Minderwert auf der Gesamtlieferung von 389
Stück der "..." für jeweils EUR 238.91 geltend. Zusätzlich zu den bereits
verrechneten Materialkosten von EUR 82'011.– ergebe sich ein totaler Minderwert
von EUR 174'947.–. Ebenso mache die Klägerin einen Minderwert geltend auf der
Gesamtlieferung von 369 Stück der "..." für jeweils EUR 241.47. Zusätzlich zu
den bereits im Juli 2010 verrechneten Materialkosten über EUR 113'923.– ergebe
sich ein totaler Minderwert von EUR 203'025.40. Insgesamt mache die Klägerin
einen Minderwert von EUR 377'942.40 geltend. Für den Bestreitungsfall beantragt
die Klägerin, dass die Höhe der entsprechenden Forderung mittels
Expertengutachten geprüft werde.
- 34 -
Zusätzlich seien gemäss Ziffer 8 des "Settlement Agreements" 200 Geräte für
C._ durch die Klägerin bestellt und mit 50 % anbezahlt, jedoch ebenfalls nur
mit grosser Lieferverzögerung und unvollständig ausgeliefert worden (act. 1
S. 3 f.; act. 38 Rz. 30 ff. und 79 f.).
Die Beklagte bestreitet auch den Bestand dieser Forderungen (act. 27 Rz. 61 ff.;
act. 43 Rz. 34 ff. und 69).
5.3.2.2.2. Würdigung
Die Klägerin macht – soweit verständlich – einen Anspruch aus positiver
Vertragsverletzung geltend. Schlüssige Behauptungen zu dessen
Voraussetzungen (Vertragsverletzung, Schaden, Kausalzusammenhang und
Verschulden) fehlen indessen. So bezieht sich die Klägerin auf die beklagtische
Verpflichtung gemäss Ziffer 5 des "Settlement Agreements", umgehend mit der
Produktion und Lieferung offener Produktbestellungen (450 Einheiten des
Produkts
"..." und 390 Einheiten des Produkts "...") fortzufahren (vgl. act. 2/3 S. 2). Die
Klägerin moniert nicht, dass die Produktion unter Verletzung dieser Pflicht dann
nicht fortgesetzt worden wäre. Vielmehr beruft sich die Klägerin wiederum auf
einen Lieferverzug; die Auslieferung sei erst ab Mitte 2011 in zögerlichem Umfang
erfolgt und die Produkte seien zu diesem Zeitpunkt für die Klägerin wertlos
gewesen. Würde letzteres zutreffen, wäre allerdings nicht nachvollziehbar,
weshalb man im Juli bzw. August 2011 im "Settlement Agreement" die Pflicht zur
Fortsetzung der Produktion hätte vorsehen sollen. Weil die Pflicht zur
Weiterproduktion und Auslieferung zudem nicht rückwirkend, sondern ab
Unterzeichnung des "Settlement Agreements" am 26. Juli 2011 bzw. 1. August
2011 einsetzte, kann aus dem behaupteten Umstand, dass die zögerliche
Auslieferung erst Mitte 2011 eingesetzt haben soll, aber ohnehin keine Verletzung
von Ziffer 5 des "Settlement Agreements" abgeleitet werden.
Auch die klägerische Forderung im Zusammenhang mit Vertragsziffer 8 des
"Settlement Agreements" ist völlig unsubstantiiert geblieben bzw. nicht einmal
beziffert worden (act. 1 S. 4), weshalb sich Weiterungen auch hierzu erübrigen.
- 35 -
5.3.2.3. Verlust aus Blockade des Test Systems ("test bench")
5.3.2.3.1. Unbestrittener Sachverhalt
Zum Abschlusszeitpunkt des "Settlement Agreements" am 26. Juli 2011 bzw.
1. August 2011 hatte die Beklagte zwei Test Systeme der Klägerin in ihrem
Besitz. Bei den Test Systemen handelt es sich um Testgeräte, die für die Prüfung
der von der Beklagten hergestellten elektronischen Produkte benötigt wurden.
Mittels der Testgeräte wurde geprüft, ob die produzierten Produkte den
technischen Anforderungen der Klägerin entsprachen. Die Test Systeme wurden
der Beklagten von der Klägerin zur Verfügung gestellt. Um die von der Beklagten
hergestellten Produkte ausliefern zu können, mussten sie die verschiedenen
Tests erfolgreich bestanden haben.
Das erste Test System wurde am 5. August 2011 an die Klägerin retourniert. Die
Beklagte meldete der Klägerin das zweite Test System mehrmals als defekt,
erstmals mittels E-Mail vom 21. Juni 2012 (act. 28/17). Die Klägerin verlangte am
5. September 2012 die Rückgabe des zweiten Test Systems (act. 2/12). Am
7. September 2012 informierte die Beklagte die Klägerin darüber, dass sie das
zweite Test System retourniere, sofern die Klägerin im Gegenzug die bereits
hergestellten, aber aufgrund des defekten Test Systems noch nicht getesteten
Produkte akzeptieren würde ("Before any action on the requested needle bed,
and as you know we still need it to finish the ...XXXX boards, for which we
requested your help the testing bench being out for weeks now as written many
times and requiring your help. [...] Before any shipment of that bench and nail bed
we require an authorisation to deliver those goods non tested, and receive before
shipment the payment of 19648€ [...]; act. 28/18). Darauf antwortete D._ von
der Klägerin mit E-Mail vom 12. September 2012, er werde das Anliegen seinem
Vorgesetzten weiterleiten und sich melden, sobald er eine Antwort habe ("I have
forwarded your request internally to my superior. Will get back to you as soon I
have a response."; act. 28/19). In der Folge meldete sich indessen weder
D._ noch sonst jemand von der Klägerin bei der Beklagten (vgl. act. 27
Rz. 72 ff.; act. 38 Rz. 34 ff. und 81 f.; die beklagtischen Ausführungen werden von
- 36 -
der Klägerin nicht bzw. nicht substantiiert bestritten, weshalb darauf abzustellen
ist).
5.3.2.3.2. Parteistandpunkte
Die Klägerin führt in der Klage aus, das zweite Test System sei auch auf
mehrmalige Anfrage hin – unter anderem mit Schreiben vom 5. September 2012
(act. 2/12) – nie retourniert worden.
Bereits im Schreiben vom 31. März 2011 (act. 2/7) habe die Klägerin die
Forderung betreffend die Blockade des Test Systems mit einem Tagessatz von
CHF 50'000.– geltend gemacht. Ein Test System koste etwa EUR 100'000.– und
eine Neubeschaffung benötige zwei Monate. Beim Fehlen einer solchen Anlage
werde die Auslieferung um zwölf Geräte pro Stunde limitiert, was 288 fehlende
Geräte pro Tag ergebe. Bei einer Annahme des durchschnittlichen
Produktionspreises von EUR 100.– und einer Marge von 40 % ergebe sich somit
ein direkter Gewinnausfall von EUR 40.– pro Gerät. Pro Tag addiere sich somit
der Gewinnausfall bei einem fehlenden Test System auf EUR 11'520.–. Das
fehlende Test System werde bis heute durch die Beklagte blockiert. Die Klägerin
habe nun Anfang Oktober 2012 ein neues Test System bestellt, welches Ende
November 2012 in Betrieb genommen werde könne. Der Gewinnausfall über 87
Tage ergebe total EUR 1'002'240.– (act. 1 S. 4).
Mit der Replik ergänzt die Klägerin u.a., die Aussage der Beklagten, das
zurückbehaltene Test System würde nicht funktionieren, tue nichts zur Sache und
werde bestritten. Die Beklagte verhalte sich vertragswidrig und der Hinweis auf
ein Nicht-Funktionieren sei eine billige Ausrede. Neben dem entstandenen (recte
wohl: entgangenen) Gewinn habe die Klägerin einen enormen Imageschaden
wegen fehlender Auslieferungen erlitten. Beim neuen Unterlieferanten würden
täglich zusätzliche Kosten für die Verzögerung in der Produktion entstehen, weil
Bauteile vorhanden wären, aber keine Testkapazität zur Verfügung stehe (act. 38
Rz. 35 ff. und 81 f.).
- 37 -
Die Beklagte bestreitet den Bestand der Forderung. Sie verweist in erster Linie
auf die erwähnte E-Mail-Korrespondenz ab dem 5. September 2012 (act. 2/12
sowie 28/18-19) und den Umstand, dass sich die Klägerin nach der letzten E-Mail
vom 12. September 2012 nicht mehr gemeldet habe. Die Beklagte macht zudem
geltend, die Klägerin habe ihre Annahmen (Reduktion um 12 Geräte pro Stunde;
angebliche Produktion während 24 Stunden pro Tag; durchschnittlicher
Produktionspreis von EUR 100.–; Margen von 40 %; 87 Arbeitstage; Kosten für
ein Test System von CHF 100'000.– usw.) in keiner Weise substantiiert behauptet
oder belegt (act. 27 Rz. 76; act. 43 Rz. 37 ff.).
5.3.2.3.3. Würdigung
In Ziffer 4 des "Settlement Agreements" sahen die Parteien u.a. vor, dass die
Beklagte auf klägerische Aufforderung hin das zweite Test System ("test bench")
innert 10 Tagen zu retournieren haben würde. Die zehntägige Rückgabefrist sollte
dabei ab Eingang der entsprechenden klägerischen Aufforderung zu laufen
beginnen ("Upon request [...] within 10 [ten] days from receipt of the request";
act. 2/3 S. 2). Die Folgen einer allfälligen Verletzung dieser
Rückgabeverpflichtung haben die Parteien nicht geregelt. Bei Vorliegen der
Voraussetzungen von Art. 97 OR (Vertragsverletzung, Schaden,
Kausalzusammenhang und Verschulden) käme ein Schadenersatzanspruch in
Betracht.
Vorab ist festzuhalten, dass die Klägerin der Beklagten in der E-Mail vom
5. September 2012 (act. 2/12) keine finanziellen Folgen einer Nichtrückgabe der
Testsysteme androhte. Vielmehr teilte sie mit, sie habe sich aufgrund der seit
Wochen ausstehenden Produktion entschlossen, "the Needle place and
equipment at B._" abzuholen; es mache keinen Sinn, sie ohne nützliche
Verwendung bei der Beklagten zu belassen ("It doesn't makes any sense to have
it as 'leftovers' on stock without any useful application of it."). Ohne Bezugnahme
auf die zehntägige Rückgabefrist erkundigte sich die Klägerin sodann zwecks
Versandorganisation, wann sie das Test System abholen könne ("Please let me
know when we can pick up the bench places to organize the shipment of it.").
Eine direkte Aufforderung zur Rückgabe (innert zehn Tagen) erfolgte demnach
- 38 -
nicht. Bereits aus diesem Grund liegt – mangels Auslösung der zehntägigen
Rückgabefrist – keine Vertragsverletzung durch die Beklagte vor.
Zu berücksichtigen ist weiter, dass die Klägerin der Beklagten auf deren (bereits)
am 7. September 2012 erhobenen Einwand hin (Retournierung nur gegen
klägerischen Akzept der aufgrund des defekten Test Systems noch nicht
getesteten Produkte) am 12. September 2012 mitgeteilt hatte, diesen Einwand
intern zu prüfen und sich wieder bei der Beklagten zu melden. Es wäre ab diesem
Zeitpunkt an der Klägerin gewesen, die Angelegenheit intern zu besprechen und
die Beklagte danach wieder zu kontaktieren. Selbst wenn die Rückgabefrist also
am 5. September 2012 zu laufen begonnen hätte, wäre sie mit der E-Mail vom
12. September 2012 bzw. der besagten Mitteilung (vor Fristablauf) unterbrochen
worden. Durch ihr Handeln haben die Parteien die Abrede betreffend die
Rückgabefrist des Test Systems mithin konkludent geändert.
Eine Vertragsverletzung durch die Beklagte liegt nach dem Gesagten nicht vor
und ein klägerischer Anspruch ist bereits aus diesem Grund zu verneinen. Der
Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die klägerischen Angaben zum
Schaden – auch nach entsprechenden Hinweisen durch die Beklagte (act. 27
Rz. 76) – unsubstantiiert geblieben sind.
5.3.2.4. Gewinnausfall aus Nichtausführung von Bestellungen
5.3.2.4.1. Parteistandpunkte
Die Klägerin führt aus, die Beklagte habe sie mit E-Mail vom 14. Juni 2012
aufgefordert, umgehend weitere Bestellungen im Totalwert von EUR 1'014'972.–
zu erhalten. Das Ziel habe darin bestanden, die bestehenden Bestände von
überzähligen Bauteilen sowie überproduzierten Fertigprodukten abzubauen. Die
Klägerin habe diese Bestellungen noch am gleichen Tag gemäss Aufforderung
platziert. Am darauffolgenden Tag habe die Beklagte nochmals eine
Mengenerhöhung verlangt. Diesem Anliegen sei die Klägerin umgehend
nachgekommen. Zusätzlich sei durch die Klägerin die gewünschte Bestellung
über die überproduzierten Fertigprodukte platziert worden. Im Anschluss seien
- 39 -
zwar die überproduzierten Fertigprodukte ausgeliefert worden. Die weiteren
geforderten Bestellungen seien aber nie umgesetzt worden. Diese schwere
Pflichtverletzung habe der Klägerin bei einer Marge von 40 % einen Schaden in
Form entgangenen Gewinns von EUR 399'667.10 zugefügt. Aus der
Erfolgsrechnung des testierten Jahresabschlusses 2010/2011 sei ersichtlich, dass
die Marge im Jahr 2011 43 % und im Jahr 2010 sogar 55 % betragen habe.
Zusätzlich sei zu bemerken, dass die Klägerin Schadenersatz beanspruche aus
dem Umstand, dass sie grosse Einbussen erlitten habe aufgrund des abrupten
Stopps der Auslieferungen durch die Beklagte. Bis zum Aufbau eines
Ersatzlieferanten würden mehrere Monate vergehen, während welcher die
Klägerin keine Umsätze gehabt habe (act. 1 S. 5; act. 38 Rz. 41 ff. und 83).
Die Beklagte bestreitet auch diese Schadenersatzforderung der Klägerin. Sie
erklärt u.a., ein entgangener Gewinn würde insbesondere voraussetzen, dass die
Klägerin die Waren überhaupt bezahlt hätte (act. 27 Rz. 77 ff.; act. 43 Rz. 40 ff.).
5.3.2.4.2. Würdigung
Erwähntermassen würde eine Schadenersatzpflicht der Beklagten die Verletzung
einer vertraglichen Pflicht, einen Schaden, einen natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhang zwischen Pflichtverletzung und Schaden sowie ein
Verschulden voraussetzen (vgl. Art. 97 OR).
Auch wenn es sich um eine hypothetische Frage handelt, hätte die Klägerin nach
dem Gesagten (vgl. Ziff. 5.2.5. hiervor) – insbesondere nach der beklagtischen
Bestreitung des Anspruchs mit der Klageantwort (act. 27 Rz. 77 ff.) – die
Absatzmöglichkeit der Produkte aufzeigen müssen, weil eine hohe Marge allein
nicht ausreicht für die Entstehung eines entgangenen Gewinns. Das
gewinnbringende Ereignis, den möglichen Verkauf der bestellten Produkte,
behauptet die Klägerin indessen nicht einmal ansatzweise. Weiter unterlässt es
die Klägerin auszuführen, wie sich ihre behauptete Marge von 40 % bzw. der
entgangene Gewinn von EUR 399'667.10 berechnet. Ein pauschaler Verweis auf
die Erfolgsrechnung ist hierzu nicht ausreichend. Auch die zusätzliche klägerische
Bemerkung betreffend die Beanspruchung von Schadenersatz aufgrund des
- 40 -
abrupten Auslieferungsstopps durch die Beklagte bzw. den fehlenden Umsatz
während mehrerer Monate ist unsubstantiiert geblieben. Die Klägerin wäre ohne
Weiteres in der Lage gewesen, die reale Situation im Zusammenhang mit den
Absatzmöglichkeiten sowie der Preiskalkulation konkret zu schildern (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 4A_144/2009 vom 6. Oktober 2009, E. 3.4). Nur eine solche
Darlegung des Sachverhalts hätte eine substantiierte Bestreitung durch die
Beklagte ermöglicht, welche im Übrigen zweimal darauf hingewiesen hatte, dass
die klägerische Forderung in keiner Weise ausgewiesen sei (act. 27 Rz. 77;
act. 43 Rz. 40).
Mangels eines substantiiert geltend gemachten Schadens aus entgangenem
Gewinn steht der Klägerin demnach auch in diesem Zusammenhang kein
Schadenersatzanspruch zu. Weiterungen zu den übrigen Voraussetzungen von
Art. 97 OR erübrigen sich vor diesem Hintergrund.
5.3.2.5. Weiterer Schadenersatzanspruch (Geheimhaltung)
5.3.2.5.1. Parteistandpunkte
Die Klägerin macht geltend, die Beklagte habe sie bei ihren Kunden mehrmals
angeschwärzt, was auch der Grund für Ziffer 13 des "Settlement Agreements"
betreffend die Geheimhaltung gewesen sei. Die Klägerin sei umso mehr erstaunt,
dass die Beklagte wiederum gegen diese Ziffer verstosse und sie, die Klägerin,
bei einem Kunden anschwärze. Der Imageschaden sei irreparabel und die
Klägerin mache dafür EUR 500'000.– geltend (act. 1 S. 5; act. 38 Rz. 45 und 85).
Die Beklagte bestreitet auch diese von der Klägerin geltend gemachte Forderung
(act. 27 Rz. 81 f.).
5.3.2.5.2. Würdigung
Auch hier macht die Klägerin einen vertraglichen Anspruch geltend. Die Klägerin
stellt sich indessen nicht auf den Standpunkt, dass der behauptete Imageschaden
zu einer Verkleinerung ihrer Aktiven, einer Vergrösserung ihrer Passiven oder
einem entgangenen Gewinn geführt hätte, sondern verlangt pauschal – ohne
- 41 -
irgendwelche Erläuterungen – einen Betrag von EUR 500'000.–. Die bereits
mehrfach erwähnte Voraussetzung eines Schadens im juristischen Sinne ist
deshalb nicht erfüllt und ein klägerischer Anspruch zu verneinen. Ob die weiteren
Voraussetzungen einer vertraglichen Schadenersatzpflicht – insbesondere jene
einer Vertragsverletzung – erfüllt wären, kann demnach offen gelassen werden.
5.3.2.6. Zwischenfazit
Substantiierte Behauptungen und formgerechte (bzw. konkreten Behauptungen
zugeordnete) Beweisofferten müssen rechtzeitig – vorbehältlich Noven
spätestens mit der Replik (bzw. Duplik) – erfolgen (vgl. Ziff. 2.3.5. und 5.2.5.
hiervor). Die klägerischen Vorbehalte weiterer Behauptungen oder Beweismittel
(vgl. exemplarisch act. 38 Rz. 3 und 47 f.) sind deshalb unzulässig bzw. bleiben
ohne Wirkung. Auch ersetzt das Offerieren von Beweismitteln substantiierte
Behauptungen nicht (vgl. u.a. act. 38 Rz. 29 und 33). Nach dem Gesagten
bestehen die klägerischen Forderungen somit nicht oder wurden – trotz
ausführlicher allgemeiner (act. 27 Rz. 43 ff.) sowie diverser spezifischer
Substantiierungshinweise durch die Beklagte – nicht substantiiert vorgebracht.
5.3.3. Keine Verrechnung mangels Bestands klägerischer Forderungen
Nachdem das Erfordernis des Bestands klägerischer (Verrechnungs-)Forde-
rungen nicht erfüllt ist, kommt eine Verrechnung bereits aus diesem Grund nicht
in Betracht. Ob die übrigen Voraussetzungen für eine Verrechnung erfüllt wären,
bedarf keiner Prüfung.
5.4. Fazit
Die streitgegenständliche Forderung wurde nicht durch Verrechnung getilgt.
6. Zusammenfassung
Die Prozessvoraussetzungen für die vorliegende Aberkennungsklage sind erfüllt.
Insbesondere ist das Handelsgericht Zürich örtlich und sachlich zuständig. Auf die
Klage ist deshalb einzutreten. Aufgrund der getroffenen Rechtswahl ist
schweizerisches Recht anzuwenden. In materieller Hinsicht ist von einem
- 42 -
vertraglichen Anspruch der Beklagten gegenüber der Klägerin – mit dem
Schuldbekenntnis im "Settlement Agreement" als Anspruchsgrundlage –
auszugehen. Im Umfang der nach Vertragsabschluss erfolgten klägerischen
Ratenzahlungen ist die beklagtische Forderung durch Erfüllung untergegangen. In
Betreibung gesetzt bzw. streitgegenständlich sind indessen lediglich die
ausstehenden Raten im Umfang von (umgerechnet) CHF 1'908'765.67 samt Zins
von 5 % seit 1. August 2011. In dieser Höhe besteht die beklagtische Forderung
weiterhin. Die behauptete klägerische Kündigung des "Settlement Agreements"
ändert daran nichts. Eine Verrechnung mit klägerischen Gegenforderungen ist
nicht möglich. Die Klage ist deshalb abzuweisen.
7. Prozesskosten
Ausgangsgemäss wird die Klägerin kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 106
Abs. 1 ZPO). Die Höhe der Gerichtsgebühr wird nach der obergerichtlichen
Gebührenverordnung (GebV OG) und jene der Parteientschädigung nach der
obergerichtlichen Verordnung über die Anwaltsgebühren (AnwGebV) bestimmt
(Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1 GOG bzw. § 48 Abs. 1 lit. c und Abs. 2 des
zürcherischen Anwaltsgesetzes) und richtet sich in erster Linie nach dem
Streitwert bzw. nach dem tatsächlichen Streitinteresse (§ 2 Abs. 1 lit. a GebV OG
bzw. AnwGebV). Vorliegend ist von einem Streitwert von CHF 1'908'765.67
auszugehen (Art. 91 Abs. 1 ZPO; act. 1 S. 1), wobei die Gerichtsgebühr in
Anwendung von § 4 Abs. 1 und 2 GebV OG sowie unter Berücksichtigung des
Umstands, dass ein Beschluss über die klägerische Leistung einer Sicherheit für
die Parteientschädigung erging (Prot. S. 10 f.; act. 22), auf CHF 40'000.–
festzusetzen ist. Die Klägerin ist zudem zu verpflichten, der Beklagten eine
Parteientschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von § 4 Abs. 1 und § 11
Abs. 1 und 2 AnwGebV auf CHF 50'000.– (netto) festzusetzen ist.
Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
- 43 -
2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 40'000.–.
3. Die Gerichtskosten werden der Klägerin auferlegt und aus dem von ihr
geleisteten Kostenvorschuss gedeckt.
4. Die Klägerin wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung von
CHF 50'000.– (netto) zu bezahlen, welche im Umfang von CHF 40'000.– aus
dem von der Klägerin hierfür geleisteten Vorschuss bezogen wird.
5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien sowie nach Eintritt der Rechtskraft im
Dispositiv an das Betreibungsamt Zürich 3.
6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen
Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder
Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42
und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der
Streitwert beträgt CHF 1'908'765.67.