Decision ID: 14cba760-6faa-4012-8d21-5693ee4446cb
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Februar 2001 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 3). Im März 2001 berichtete Dr. med. B._ (IV-act. 5),
die Versicherte habe im September 1999 bei der Arbeit am Fliessband einen Schlag
gegen die linke Hand erhalten. Erst im Dezember 1999 sei eine Tendovaginitis De
Quervain diagnostiziert worden. Bis dahin habe die Versicherte trotz Schmerzen weiter
gearbeitet. Für eine kurze Zeit ab Ende Dezember 1999 sei eine Arbeitsunfähigkeit
attestiert worden. Daraufhin habe die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis gekündigt.
Eine konservative Behandlung der Tendovaginitis habe keinen Erfolg gezeitigt. Der
Handchirurg Dr. med. C._ habe deshalb im Mai 2000 eine Erweiterungsplastik
durchgeführt. Im weiteren Verlauf sei keine wesentliche Besserung eingetreten. Die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei der Versicherten wegen der sehr monotonen Belastung
des Handgelenks nicht mehr zumutbar. Die Klinik für Handchirurgie des Kantonsspitals
St. Gallen berichtete im März 2002 (IV-act. 20), die Versicherte leide an Beschwerden
nach einer Spaltung und Resektion des ersten Strecksehnenfachs links sowie
neuerdings an einem schnellenden Daumen links. Die Schmerzen im Strecksehnenfach
hätten zwischenzeitlich abgenommen. Mit einer Ringbandspaltung könnte auch die
Symptomatik des schnellenden Daumens vollständig behoben werden. Einen bereits
vereinbarten Operationstermin habe die Versicherte kurzfristig abgesagt. Momentan
hätten die Beschwerden allerdings keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Im Auftrag
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der IV-Stelle erstattete der Handchirurg Prof. Dr. med. D._ vom Kantonsspital St.
Gallen am 8. Januar 2003 ein fachärztliches Gutachten (IV-act. 45). Er führte aus,
wegen der Subluxierbarkeit des ersten Sehnenstreckfachs sei eine Stabilisierung
erforderlich. Zudem empfehle sich eine neurologische Untersuchung zur Beantwortung
der Frage nach einem Radialiskompressionssyndrom. Die linke Hand sei zu 70 Prozent
nicht einsetzbar und nur noch als Beihand benutzbar. Nach einer Stabilisierung des
ersten Strecksehnenfachs sei eine Zunahme der Arbeitsfähigkeit möglich. Im
September 2003 fand eine dreiwöchige berufliche Abklärung durch die BEFAS
Appisberg statt. Diese berichtete im Oktober 2003 (IV-act. 61), körperlich und die
Hände nur leicht belastende, ausschliesslich mit dem dominanten rechten Arm
ausübbare Tätigkeiten seien der Versicherten uneingeschränkt zumutbar. Leichte
Arbeiten, bei denen die Versicherte gelegentlich die linke Hand als Zudienhand
einsetzen müsse, seien zu 70 Prozent zumutbar. Das Arbeitstempo sei für solche
Tätigkeiten verlangsamt und die Versicherte benötige zusätzliche Entlastungspausen.
Im Juni 2004 berichtete die Psychiaterin med. pract. E._ (IV-act. 84), die Versicherte
leide an einer depressiven Störung mit einem gegenwärtig mittelschweren Zustandsbild
sowie an einem Schmerzsyndrom (Kopfschmerzen und Schmerzen im linken Arm). Sie
sei vollständig arbeitsunfähig. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische
Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz am 13. April 2006 ein polydisziplinäres
Gutachten (IV-act. 105). Die Sachverständigen führten aus, die Versicherte leide an
einer mittelgradigen depressiven Episode ohne somatisches Syndrom bei
verschiedenen Belastungssituationen, an einem chronischen cervico-cephalen
Syndrom mit vegetativen Begleitbeschwerden sowie an funktionellen Beschwerden am
Arm, an der Hand und am Daumen links. Elektromyographisch sei kein auffälliger
Befund erhoben worden. Die Kopfschmerzen gingen gemäss den Angaben der
Versicherten auf einen Unfall zurück, den diese im Jahr 1997/1998 (evtl. schon im Jahr
1981) erlitten habe. Sie sei dabei als Fussgängerin von einem Auto angefahren worden
und habe möglicherweise ein Schädelhirntrauma erlitten. Für körperlich
leidensadaptierte Tätigkeiten sei wegen der depressiven Störung für die Zeit ab
Februar 2004 (Behandlungsbeginn durch med. pract. E._) eine Arbeitsunfähigkeit von
50 Prozent zu attestieren. Für die Zeit davor sei gestützt auf den Bericht der BEFAS
Appisberg von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für ideal leidensadaptierte
Tätigkeiten respektive von einer Arbeitsfähigkeit von 70 Prozent für Tätigkeiten
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auszugehen, bei denen die Versicherte die linke Hand einsetzen müsse. Im Februar
2007 wies die Psychiaterin E._ die IV-Stelle darauf hin (IV-act. 144), dass die
Versicherte mit ihrem Alltag völlig überfordert und (nach der Scheidung der Ehe) nicht
in der Lage sei, ihren Sohn zu erziehen. Mittlerweile würden die Versicherte und ihr
Sohn durch den kinderpsychiatrischen Dienst St. Gallen, durch den
schulpsychologischen Dienst, durch die Vormundschaftsbehörde, durch das
Kinderspital St. Gallen und durch eine Beobachtungsstelle betreut. An eine
Arbeitstätigkeit sei nicht zu denken. Diagnostisch liege ein einem Residualzustand nach
einem Schädelhirntrauma ähnliches psychopathologisches Bild vor. Der RAD-Arzt Dr.
med. F._ notierte im März 2007 (IV-act. 148), der psychiatrische Sachverständige
habe sich mit der abweichenden Ansicht der Psychiaterin E._ (die schon im März
2006 einen Bericht direkt zuhanden der MEDAS Ostschweiz verfasst hatte)
auseinandergesetzt. Die Schlussfolgerungen der Sachverständigen der MEDAS
Ostschweiz seien überzeugend, weshalb ab Februar 2004 von einer Arbeitsunfähigkeit
von 50 Prozent für sämtliche Tätigkeiten auszugehen sei. Mit einer Verfügung vom 15.
Juni 2007 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung ab dem 1. Februar 2005
eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 50 Prozent zu (IV-act. 152).
A.b Am 13. Juli 2007 liess die Versicherte eine Beschwerde gegen die Verfügung vom
15. Juni 2007 erheben und die Zusprache einer ganzen Rente „allerspätestens“ ab
September 2000 beantragen (IV-act. 166). Mit einem Entscheid vom 13. Januar 2009
hob das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Verfügung vom 15. Juni 2007
auf und es wies die Sache zur ergänzenden Sachverhaltsabklärung an die IV-Stelle
zurück (IV 2007/286; IV-act. 191). Zur Begründung führte es aus, der psychiatrische
Sachverständige der MEDAS Ostschweiz habe keine überzeugende Begründung für
die Diskrepanz zwischen seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung und jener der
behandelnden Psychiaterin E._ anführen können. Gemäss den Ausführungen der
Psychiaterin E._ stehe noch nicht fest, woran die Versicherte genau leide.
Diesbezüglich seien weitere medizinische Abklärungen erforderlich. Die IV-Stelle
beauftragte in der Folge die MEDAS Ostschweiz mit der Erstellung eines
„Ergänzungsgutachtens“ (vgl. IV-act. 192 und 198). Dieses Gutachten wurde am 20.
November 2009 erstattet (IV-act. 213). Die Sachverständigen führten aus, der
Gesundheitszustand der Versicherten sei im Vergleich zur ersten Begutachtung im
Wesentlichen unverändert geblieben. Der psychiatrische Sachverständige hielt fest,
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dass er die Angaben der behandelnden Psychiaterin nicht vollständig nachvollziehen
könne. Er habe keine Indizien für eine psychische Störung nebst der depressiven
Erkrankung festgestellt. Die Versicherte sei auch nicht derart hilflos, wie sie von der
behandelnden Psychiaterin beschrieben werde. Er gehe nach wie vor davon aus, dass
die Versicherte wegen der depressiven Störung seit Februar 2004 zu 50 Prozent
arbeitsunfähig sei. Am 25. März 2010 berichtete die Psychiaterin Dr. med. G._ (IV-
act. 225–3 f.), die Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Störung mit
einem somatischen Syndrom sowie an kognitiven Störungen. Sie sei vollständig
arbeitsunfähig. Die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz führten am 5. Mai 2010
in einer ergänzenden Stellungnahme aus (IV-act. 227), ein MRI des Hirns habe einen
völlig unauffälligen Befund gezeigt. Die Berichte der Psychiaterin E._ wiesen diverse
Ungereimtheiten auf, doch könne die Psychiaterin offenbar nicht mehr befragt werden,
da sie angeblich nach H._ emigriert sei. An sich sei im Rahmen der Begutachtung
auch eine neuropsychologische Untersuchung vorgesehen gewesen. Die Versicherte
habe sich aber kurzfristig geweigert, an dieser teilzunehmen. Weitere Abklärungen
seien nicht angezeigt, denn die wesentlichen Befunde seien bekannt, was eine
zuverlässige Diagnose und Arbeitsfähigkeitsschätzung erlaube. Der RAD-Arzt Dr. med.
I._ empfahl am 14. Mai 2010, auf das Gutachten abzustellen (IV-act. 228). Mit einer
Verfügung vom 26. Juli 2010 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung ab dem
1. Februar 2005 eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 53 Prozent zu (IV-act.
232 f.). Dagegen liess die Versicherte am 6. September 2010 eine Beschwerde erheben
(IV-act. 235). Die IV-Stelle beantragte im Beschwerdeverfahren – im Sinne einer
reformatio in peius – sinngemäss die Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 238). In
teilweiser Gutheissung der Beschwerde sprach das Versicherungsgericht der
Versicherten mit einem Entscheid vom 11. Juni 2012 schon mit Wirkung ab dem 1.
Februar 2004 eine halbe Rente zu (IV 2010/326; IV-act. 245). Eine von der IV-Stelle
dagegen erhobene Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (IV-act. 246)
wurde vom Bundesgericht mit einem Urteil vom 17. Januar 2013 teilweise
gutgeheissen (9C_521/2012; IV-act. 250). Das Bundesgericht führte aus, der
psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung komme keine „invalidisierende Wirkung“ zu,
weshalb die Versicherte an sich keinen Rentenanspruch habe. Da das
Versicherungsgericht der Beschwerdeführerin allerdings keine reformatio in peius
angedroht und keine Gelegenheit zum Beschwerderückzug eingeräumt habe, könne
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das Rentenbegehren nicht direkt abgewiesen werden. Das Bundesgericht wies die
Sache deshalb zur Androhung einer reformatio in peius an das Versicherungsgericht
zurück. Dieses räumte der Versicherten am 11. Februar 2013 die Möglichkeit ein, die
Beschwerde bis spätestens am 4. März 2013 zurückzuziehen (IV-act. 251). Am 22.
Februar 2013 erfolgte der vorbehaltlose Beschwerderückzug, woraufhin das
Versicherungsgericht das Beschwerdeverfahren abschrieb (Entscheid IV 2013/56 vom
28. Februar 2013; IV-act. 253).
A.c Im April 2013 füllte die Versicherte einen Fragebogen „Revision der Invalidenrente/
Hilflosenentschädigung“ aus (IV-act. 257). Sie gab an, ihr Gesundheitszustand habe
sich im vergangenen Jahr verschlechtert. Sie leide an psychischen Störungen, an
Kopfschmerzen sowie an Schmerzen in den Knien, in den Beinen und in den Händen.
Der Hausarzt Dr. med. J._ bestätigte am 29. April 2013 eine Verschlechterung
insbesondere des psychischen Gesundheitszustandes der Versicherten (IV-act. 261).
Auch Dr. G._ bestätigte am 18. Mai 2013 eine Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustandes (IV-act. 267). Sie gab an, die Versicherte habe stationär
psychiatrisch behandelt werden müssen. Nach dem Klinikaustritt habe sich ein Neffe
der Versicherten suizidiert, was eine weitere Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustandes verursacht habe. Aktuell leide die Versicherte an einer schweren
depressiven Episode. Die psychiatrische Klinik K._ hatte bereits am 6. Mai 2013
berichtet (IV-act. 268–2 ff.), die Versicherte sei vom 26. Februar 2013 bis zum 25. April
2013 stationär psychiatrisch behandelt worden. Sie leide an einer schweren
depressiven Episode ohne psychotische Symptome sowie an einem Status nach zwei
Verkehrsunfällen mit jeweils einer mehrtägigen Bewusstlosigkeit vor mehr als 20
Jahren. Im Zeitpunkt des Klinikaustrittes sei die schwere depressive Episode remittiert
gewesen. Am 10. Januar 2014 gab die Psychiaterin med. pract. L._ von der
Tagesklinik M._ an (IV-act. 281), die Versicherte befinde sich seit dem 16. September
2013 in einer teilstationären Behandlung. Im Vordergrund stehe die depressive Störung
mit einer gegenwärtig schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome.
Die angegebenen somatischen Beschwerden seien wohl ein Ausdruck einer
Somatisierungsstörung. Zudem bestehe der Verdacht auf eine Intelligenzminderung.
Die Versicherte sei nicht in der Lage, einer Erwerbstätigkeit nachzu¬gehen. Der RAD-
Arzt Dr. med. N._ notierte am 24. Februar 2014, der Gesundheitszustand der
Versicherten sei aktuell noch instabil (IV-act. 282). Am 8. April 2014 berichtete die
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Psychiaterin L._ (IV-act. 284), die Versicherte sei am 21. März 2014 aus der
tagesklinischen Behandlung ausgetreten. Weder diagnostisch noch bezüglich der
Arbeitsfähigkeit habe sich seit der letzten Berichterstattung etwas geändert. Am 21.
Mai 2014 teilte Dr. G._ mit (IV-act. 288), dass die Versicherte im geschützten Rahmen
in einem Pensum von 50 Prozent arbeite, was für ihre Tagesstruktur sehr wichtig sei.
An der vollständigen Arbeitsunfähigkeit habe sich aber nichts geändert. Der RAD-Arzt
Dr. N._ empfahl am 17. Juni 2014 eine psychiatrische Begutachtung (IV-act. 289). Im
Auftrag der IV-Stelle erstattete der Psychiater und Neurologe Dr. med. O._ am 30.
September 2014 ein psychiatrisches Gutachten (IV-act. 297). Er führte aus, die
Versicherte habe nur mangelhaft an der Untersuchung mitgewirkt. Er habe
verschiedene Hinweise auf eine nicht authentische Beschwerdedarstellung festgestellt,
weshalb die Befundsicherheit insgesamt als gering angesehen werden müsse. Das
Gesprächsverhalten der Versicherten mit einer zielgerichteten Vermeidung von
Auskünften zu Themen, die eine Objektivierung von Beschwerden zulassen würden,
habe auf intakte Funktionen von Auffassung und Denken hingewiesen. Die
Psychomotorik sei unauffällig gewesen. Teilweise habe die Versicherte ausgesprochen
entspannt gewirkt. Störungen des Antriebs oder eine deprimierte Stimmung hätten
nicht nachgewiesen werden können. Der Affekt sei teilweise mürrisch gewesen. Die
affektive Stimmungsfähigkeit sei nicht gestört gewesen. Im Rey Fifteen Item Memory
Test, der auch von schwer hirngeschädigten Menschen gut gelöst werden könne, seien
die Leistungen der Versicherten so niedrig gewesen, dass der Grund dafür unmöglich
in einer gesundheitlichen Ursache gefunden werden könne. Die Testleistung sei im
Widerspruch zu den gezeigten Leistungen an anderen Stellen der Untersuchung
gestanden. Diagnostiziert werden könne nur eine nicht näher bezeichnete neurotische
Störung. Die Kriterien für eine spezifischere psychische Störung seien nicht erfüllt. Eine
hirnorganische Störung sei nicht nachgewiesen. Ein Schädel-MRI aus dem Jahr 2009
habe einen Normalbefund ergeben. Ein MRI aus dem Jahr 2011 habe zwar eine leichte
chronische Marklagerischämie mit vereinzelten, bis 0,6cm grossen Glioseherden im
frontalen Marklager gezeigt, was ein Hinweis auf eine durch einen chronischen
Bluthochdruck bedingte leichte Hirnschädigung sein könne. Es kämen aber auch
andere Ursachen in Frage. Der Befund könne genauso gut auch unspezifisch sein.
Zudem müsse er nicht zwingend zu Funktionsstörungen führen. Das Vorliegen eines
selbständigen, von einem psychogenen Schmerzsyndrom losgelösten depressiven
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Leidens sei nicht nachgewiesen. Der gesamte mehrjährige Behandlungsverlauf zeige
eine enge Verknüpfung zwischen dem Schmerzerleben und herabgestimmter
Befindlichkeit. Frühere Expertisen, insbesondere jene der behandelnden Ärzte, seien
von begrenzter Aussagekraft, weil sie sich nur auf Untersuchungen ohne Dolmetscher
bezögen. Die mangelhaften Deutschkenntnisse der Versicherten erschwerten aber
bereits eine normale Untersuchung im Behandlungskontext. Eine Validierung oder
Objektivierung der Beschwerdeangaben mit Blick auf eine Leistungsbeurteilung sei vor
diesem Hintergrund erst recht nicht möglich. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz sei nicht nachvollziehbar
begründet worden. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit jener
Arbeitsfähigkeitsschätzung sei deshalb nicht möglich. Aus psychiatrischer Sicht sei
keine Gesundheitsbeeinträchtigung nachgewiesen, die die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten einschränken würde. Diese Einschätzung gelte wahrscheinlich seit
mindestens mehreren Monaten. Möglicherweise sei der Gesundheitszustand schon seit
mehreren Jahren unverändert geblieben. Der RAD-Arzt Dr. N._ erachtete das
Gutachten als überzeugend (IV-act. 298).
A.d Mit einem Vorbescheid vom 10. November 2014 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, dass sie die „Einstellung“ der laufenden Rente vorsehe (IV-act. 301).
Zur Begründung führte sie an, dass nur ein „syndromales“ Beschwerdebild vorliege,
das keinen Rentenanspruch begründe. In Anwendung der Schlussbestimmungen zum
ersten Massnahmenpaket der sechsten IVG-Revision („IVG-Revision 6a“) sei die Rente
deshalb aufzuheben. Dagegen liess die Versicherte am 11. Dezember 2014 einwenden
(IV-act. 306–1 ff.), die Rentenzusprache sei entgegen der Ansicht der IV-Stelle nicht
gestützt auf ein „syndromales“ Leiden, sondern wegen einer depressiven Störung
erfolgt. Auch aktuell liege kein solches „syndromales“ Leiden vor. Auf das Gutachten
von Dr. O._ könne nicht abgestellt werden, denn dieses stehe im Widerspruch zu
sämtlichen anderen Berichten der behandelnden und der begutachtenden Fachärzte,
obwohl es nur auf einer „Momentaufnahme“ beruhe. Gerade während der vergangenen
zwei Jahre habe die Versicherte eine besonders intensive psychiatrische Betreuung
benötigt. Die Berichte der Psychiatrischen Klinik K._, der Tagesklinik M._ und von
Dr. G._ belegten das Vorliegen einer schweren depressiven Störung. Die
behandelnde Psychiaterin Dr. G._ habe sich mit dem Gutachten von Dr. O._
auseinandergesetzt und dargelegt, weshalb dieses aus fachärztlicher Sicht nicht
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überzeuge. Entweder müsse auf die Berichte der behandelnden Ärzte abgestellt oder
ein Obergutachten eingeholt werden. Bereits am 8. Dezember 2014 hatte Dr. G._
ausgeführt (IV-act. 306–12 ff.), die Versicherte leide an einer rezidivierenden
depressiven Störung mit einer gegenwärtig schweren depressiven Episode ohne
psychotische Symptome sowie an einer Somatisierungsstörung. Ihr
Gesundheitszustand habe sich nach der Begutachtung im Jahr 2009 wesentlich
verschlechtert. Aktuell sei sie vollständig arbeitsunfähig. Die Prognose sei schlecht. Die
Kriterien für die Diagnose einer neurotischen Störung seien entgegen der Ansicht von
Dr. O._ nicht erfüllt. Dieser habe die in den Berichten der behandelnden Fachärzte
wiedergegebenen Befunde nicht ausreichend gewürdigt und deshalb einen falschen
diagnostischen Schluss gezogen. Am 18. Dezember 2014 hielt Dr. G._ fest (IV-act.
307–4 ff.), vier der sogenannten Foerster’schen Kriterien – chronische körperliche
Begleiterkrankung, ausgewiesener sozialer Rückzug, primärer Krankheitsgewinn und
unbefriedigende Behandlungsergebnisse – seien erfüllt. Zudem liege eine Comorbidität
in der Form der schweren depressiven Episode vor. Mit einer Verfügung vom 29.
Januar 2015 hob die IV-Stelle die laufende Rente auf das Ende des der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats auf (IV-act. 310). Bezugnehmend auf die Einwände der
Versicherten führte sie aus, diese enthielten keine neuen Erkenntnisse. Die
gutachterliche Einschätzung habe mehr Gewicht.
B.
B.a Am 11. Februar 2015 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der
Verfügung vom 29. Januar 2015, die Zusprache einer ganzen Rente spätestens ab dem
1. März 2013 und eventualiter die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle
(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur Durchführung weiterer medizinischer
Abklärungen. Zur Begründung führte er aus, es liege kein Anwendungsfall der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a vor, denn die Rente sei ursprünglich wegen
einer depressiven Störung zugesprochen worden. Auch im aktuellen Zeitpunkt leide die
Beschwerdeführerin nicht an einem „syndromalen“ Leiden, sondern (weiterhin) an einer
depressiven Störung. Ihr Gesundheitszustand habe sich seit der Rentenzusprache
sogar noch weiter verschlechtert. Auf das Gutachten von Dr. O._ könne nicht
abgestellt werden, denn dieses sei unvollständig, nicht nachvollziehbar und auch nicht
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schlüssig. Es basiere nur auf einer Momentaufnahme. Die Diagnose einer neurotischen
Störung sei nicht hinreichend begründet worden. Mit seiner Ansicht stehe Dr. O._
völlig alleine da; alle anderen Fachärzte hätten eine depressive Störung diagnostiziert
und eine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert. Falls auch nicht auf
die übereinstimmenden Berichte von Dr. G._, der psychiatrischen Klinik K._ und
der Tagesklinik M._ abgestellt werde, müsse ein psychiatrisches Obergutachten
eingeholt werden. Bei der Berechnung des Invaliditätsgrades müsse jedenfalls ein
Tabellenlohnabzug von 25 Prozent berücksichtigt werden.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 24. April 2015 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, dem Urteil des Bundesgerichtes
vom 17. Januar 2013 lasse sich eindeutig entnehmen, dass im Zeitpunkt der
Rentenzusprache nur ein „nicht invalidisierendes, syndromales“ Leiden vorgelegen
habe. Das Gutachten von Dr. O._ sei überzeugend. Es beruhe entgegen der Ansicht
der Beschwerdeführerin nicht auf einer Momentaufnahme, da Dr. O._ sämtliche
Berichte der behandelnden und begutachtenden Fachärzte gewürdigt habe. Er habe
als einziger auf das inkonsistente Verhalten der Beschwerdeführerin hingewiesen. Die
behandelnden Fachärzte hätten dagegen hauptsächlich auf die aggravatorischen
Angaben der Beschwerdeführerin abgestellt. Die behandelnde Psychiaterin Dr. G._
habe schon im März 2010 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert, worauf das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen allerdings nicht abgestellt habe. Vor
diesem Hintergrund sei die Rente zu Recht gestützt auf die Schlussbestimmungen zur
IVG-Revision 6a aufgehoben worden.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 11. Mai 2015 an ihren Anträgen festhalten (act. G
7). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 9).

Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 29. Januar 2015 hat die Beschwerdegegnerin –
dem Verfügungswortlaut gemäss – eine formell rechtskräftig zugesprochene, laufende
Rente der Beschwerdeführerin gestützt auf den Abs. 1 der lit. a der
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Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a aufgehoben. Würde man nur den Wortlaut
der Verfügung berücksichtigen, hätte die Beschwerdegegnerin damit also ein
Überprüfungsverfahren im Sinne der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a
abgeschlossen. Obwohl sich dies dem Wortlaut nicht entnehmen lässt, muss die
Verfügung zwingend auch die Prüfung einer allfälligen Sachverhaltsveränderung seit
der ursprünglichen Rentenzusprache beinhaltet haben, denn der Gesetzgeber hat für
Überprüfungsverfahren im Sinne der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a das
folgende Standardvorgehen vorgesehen (BBl 2010 1843 ff.): Zuerst hat die IV-Stelle zu
prüfen, ob ein Revisionsgrund im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG vorliege. Ist dies der
Fall, hat sie die Rente zu revidieren, womit das Verfahren abgeschlossen wird. Nur
wenn kein Revisionsgrund vorliegt, hat sie eine Anwendung des Abs. 1 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a zu prüfen. Ergibt diese Prüfung einen
Korrekturbedarf, ist die formell rechtskräftige Rentenverfügung entsprechend zu
modifizieren und das Verfahren abzuschliessen. Ergibt sich, dass kein Anwendungsfall
des Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a vorliegt, hat die IV-
Stelle zu prüfen, ob mittels geeigneter Massnahmen die Erwerbsfähigkeit der
versicherten Person verbessert werden kann. Nach dem Willen des Gesetzgebers
beinhaltet ein Verfahren zur Überprüfung einer formell rechtskräftig zugesprochenen
Rente gestützt auf den Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a
also immer zwingend ein Rentenrevisionsverfahren im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG.
Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die Beschwerdegegnerin die laufende
Rente nicht gestützt auf den Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-
Revision 6a hat aufheben können, ohne zuvor zu prüfen, ob die Voraussetzungen des
Art. 17 Abs. 1 ATSG erfüllt gewesen sind. Auch wenn der Wortlaut der angefochtenen
Verfügung keinen entsprechenden Hinweis enthält, gehört die Beantwortung der Frage,
ob sich der massgebende Sachverhalt seit der ursprünglichen Rentenzusprache
wesentlich verändert hat, also zwingend zum Gegenstand der angefochtenen
Verfügung und damit auch dieses Beschwerdeverfahrens.
2.
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente
gemäss dem Art. 17 Abs. 1 ATSG von Amtes wegen oder auf ein Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben. Die Beantwortung der
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Frage nach der erheblichen Sachverhaltsveränderung erfordert einen Vergleich
zwischen dem Sachverhalt im Zeitpunkt der Rentenzusprache und jenem im Zeitpunkt
des Abschlusses eines Rentenrevisionsverfahrens. Idealerweise steht der reale
Sachverhalt für beide Vergleichszeitpunkte mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. In der Praxis treten aber immer wieder Fälle
auf, die nicht diesem Idealfall entsprechen, weil der im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache massgebende Sachverhalt damals nicht hinreichend abgeklärt
worden ist und weil er sich im Rentenrevisionsverfahren retrospektiv nicht mehr mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermitteln lässt.
In einem solchen Fall liegt eine objektive Beweislosigkeit hinsichtlich des tatsächlichen
Sachverhaltes im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache vor. Diese würde an
sich den Vergleich jenes Sachverhaltes mit dem aktuellen Sachverhalt im Zeitpunkt des
Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens verunmöglichen. Dadurch würde eine auf
einem ungenügend ermittelten Sachverhalt basierende Rente aber „revisionsresistent“,
denn jede Rentenrevision müsste zufolge der Unmöglichkeit des
Sachverhaltsvergleichs scheitern. Dies liefe offenkundig dem Sinn und Zweck des Art.
17 Abs. 1 ATSG zuwider. Folglich muss die Revision einer Rente auch dann zulässig
sein, wenn der Sachverhalt zum Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache nicht
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. In
einem solchen Fall muss der (überwiegend wahrscheinliche) Sachverhalt im Zeitpunkt
des Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens mit jenem Sachverhalt verglichen
werden, der der ursprünglichen Rentenzusprache zugrunde gelegt worden ist. Ein
Revisionsgrund liegt in einem solchen Fall also dann vor, wenn der aktuelle Sachverhalt
nicht mehr jenem Sachverhalt entspricht, auf den bei der ursprünglichen
Rentenzusprache abgestellt worden ist.
3.
Laut dem Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 20. November 2009 ist die
Beschwerdeführerin damals wegen einer depressiven Störung mit einer mittelgradigen
Episode selbst für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten zu 50 Prozent arbeitsunfähig
gewesen. Der psychiatrische Sachverständige hat zwar auch funktionelle Beschwerden
diagnostiziert, diesen aber für die Arbeitsfähigkeitsschätzung keine wesentliche
Bedeutung zugemessen (vgl. IV-act. 210–13). Der RAD-Arzt Dr. I._ hat sich den
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Schlussfolgerungen der Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz angeschlossen (IV-
act. 214 und 228) und die Beschwerdegegnerin hat in der rentenzusprechenden
Verfügung vom 26. Juli 2010 auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS
Ostschweiz abgestellt. Im nachträglichen Beschwerdeverfahren ist dann allerdings von
der Beschwerdegegnerin behauptet worden, es liege gar keine selbständige
depressive Störung, sondern nur ein „syndromales Leiden“ im Sinne der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung vor. Das Bundesgericht ist dieser Auffassung
gefolgt und hat in seinem Urteil festgehalten, dass kein „invalidisierendes Leiden“
vorliege. Diese Rechtsauffassung ist aber für das vorliegende Verfahren ohne jede
Bedeutung, denn nach dem Rückzug der Beschwerde gegen die Verfügung vom 26.
Juli 2010 haben die Erwägungen des Bundesgerichtes zum materiellen
Rentenanspruch nie Wirkung entfalten können; die Verfügung vom 26. Juli 2010 ist
direkt in formelle Rechtskraft erwachsen und damit verbindlich geworden.
Entscheidend ist also nur, welcher Sachverhalt respektive welche
Sachverhaltswürdigung jener Verfügung zugrunde gelegen hat. Das ist in medizinischer
Hinsicht die Überzeugung gewesen, dass die Beschwerdeführerin wegen einer
mittelgradigen depressiven Störung zu 50 Prozent
arbeitsunfähig sei.
4.
4.1 Im Verwaltungsverfahren, das mit der angefochtenen Verfügung abgeschlossen
worden ist, hat die Beschwerdegegnerin den Psychiater und Neurologen Dr. O._ mit
einer psychiatrischen Begutachtung beauftragt. In seinem Gutachten vom 30.
September 2014 hat Dr. O._ mehrfach darauf hingewiesen, dass die
Anamneseerhebung wegen einer mangelnden Kooperation der Beschwerdeführerin
stark erschwert gewesen sei. Aufgrund der verweigernden Haltung der
Beschwerdeführerin ist es Dr. O._ folglich nicht möglich gewesen, eine vollständige
Anamnese zu erheben. Zudem ist die Befundsicherheit gemäss seinen Ausführungen
wegen des nicht authentischen Beschwerdeverhaltens der Beschwerdeführerin
geschwächt gewesen. Der Sachverständige Dr. O._ hat somit nicht über eine
umfassende „Sachverhaltskenntnis“ verfügt. Zwar ist es ihm trotzdem gelungen, eine
Diagnose zu stellen und eine Arbeitsfähigkeitsschätzung abzugeben, aber er hat weder
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die Diagnose noch die Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugend anhand der von ihm
erhobenen klinischen Befunde und der Ergebnisse seiner Würdigung der früheren
medizinischen Berichte begründen können. Bezüglich jener Sachverhaltselemente, die
er mangels Mitwirkung der Beschwerdeführerin bei der Begutachtung nicht hat
ermitteln können, hat er nämlich sinngemäss mit der – an sich juristischen – Regel
operiert, dass die Beschwerdeführerin den Nachteil der Beweislosigkeit für jene
Sachverhaltselemente zu tragen habe, die eine Arbeitsunfähigkeit begründen könnten.
Deshalb hat er das Vorliegen einer psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht definitiv ausschliessen, sondern nur als nicht
nachgewiesen bezeichnen können. Seine Ausführungen lassen die Möglichkeit offen,
dass er eine relevante psychische Gesundheitsbeeinträchtigung hätte diagnostizieren
und eine zumindest teilweise Arbeitsunfähigkeit hätte attestieren können, wenn die
Beschwerdeführerin bei der Begutachtung ausreichend mitgewirkt hätte. Vor diesem
Hintergrund vermag das (grundsätzlich sehr sorgfältige) Gutachten von Dr. O._ die
gestellte Diagnose und den angegebenen Arbeitsfähigkeitsgrad nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen.
4.2 Dieses Gutachten enthält jedoch durchaus auch Angaben, die zur Abklärung des
massgebenden medizinischen Sachverhaltes beitragen könnten. So hat Dr. O._ etwa
aufzeigen können, dass die Beschwerdeführerin ein nicht authentisches
Beschwerdeverhalten gezeigt und die Anamneseerhebung zielgerichtet unterlaufen hat.
Dem Gutachten lässt sich entnehmen, dass der Unterschied zwischen der
Auskunftsbereitschaft der Beschwerdeführerin über Themen, die nichts mit einer
Leistungseinschätzung zu tun hatten, und der Auskunftsbereitschaft zu Beschwerden
und Aktivitäten ausgesprochen gross gewesen ist. Auf konkrete Fragen zu den
Beschwerden und zum Beschwerdeerleben in konkreten Situationen hat die
Beschwerdeführerin gar nicht geantwortet. Sie hat zu verstehen gegeben, dass sie mit
der Frage nichts anfangen könne, sie ist ausgewichen oder sie hat vage geantwortet.
Dabei hat sie immer wieder Rückfragen an die Dolmetscherin gestellt, die vom Thema
abgelenkt, aber darauf hingewiesen haben, dass sie die Frage durchaus verstanden
hatte. Bei Fragen, die nicht der Konkretisierung von Beschwerdeangaben gedient
haben, sind hingegen keine derartigen Kommunikationsschwierigkeiten aufgetreten.
Auf viele Fragen hat die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie die Antwort nicht
wisse, auch wenn sich aus dem gesamten Ablauf der Untersuchung objektiv ergeben
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hat, dass sie die Frage eigentlich hätte beantworten können. Wenn Dr. O._ mit der
Beschwerdeführerin wie mit einem schwer kognitiv beeinträchtigten Mensch
gesprochen hat, hat er nicht mehr, sondern noch weniger Informationen erhalten. Das
Gesprächsverhalten mit einer zielgerichteten Vermeidung von Auskünften zu Themen,
die eine Objektivierung von Beschwerden zugelassen hätten, hat auf intakte Funktionen
von Auffassung und Denken hingewiesen. Der Umstand, dass dieses Verhalten auch
bei der Anwendung von unterschiedlichen Gesprächsstrategien durchgehalten worden
ist, ohne dass Schwierigkeiten in der Emotionsregulation erkennbar gewesen wären,
haben für intakte Ressourcen im Bereich der Affektsteuerung und der Impulskontrolle
gesprochen. Die Resultate des Rey Fifteen Item Memory Test haben das nicht
authentische Aussageverhalten der Beschwerdeführerin untermauert, denn der Test ist
nur scheinbar schwer und kann auch von schwer hirngeschädigten Menschen gut
gelöst werden. Die Resultate der Beschwerdeführerin sind schlechter als jene von
schwer hirngeschädigten Menschen gewesen, was in einem groben Widerspruch zum
Verhalten in der Untersuchung gestanden hat. Auch bei der Prüfung der kognitiven
Funktionen hat die Beschwerdeführerin Angaben mit schweren Fehlern gemacht; diese
Fehler sind aber insgesamt weder konsistent noch zu anderen Leistungen passend
gewesen. Der Sachverständige Dr. O._ hat darauf hingewiesen, dass die
Beschwerdeführerin gegenüber den behandelnden Fachärzten wohl ein ähnliches
Verhalten gezeigt habe. Da die behandelnden Fachärzte offenbar keine
Konsistenzprüfung durchgeführt hätten, hätten sie im Ergebnis statt auf den (durch das
nicht authentische Verhalten der Beschwerdeführerin verschleierten) objektiven
klinischen Befund auf die nicht authentischen subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin abgestellt. Das erkläre, weshalb sie eine wesentliche kognitive
resp. intellektuelle Beeinträchtigung und eine mittel- bis schwergradig ausgeprägte
depressive Störung diagnostiziert hätten, obwohl der objektive klinische Befund –
soweit feststellbar – keinerlei Hinweise auf eine dieser Gesundheitsbeeinträchtigungen
liefere. Hinzu komme, dass die Behandlungen grösstenteils ohne Dolmetscher
durchgeführt worden seien, was eine Symptomvalidierung zum Vorneherein nahezu
verunmöglicht habe. Schliesslich passe das aktenmässig dokumentierte
Leistungsniveau der Beschwerdeführerin teilweise nicht zu den Angaben der
behandelnden Fachärzte. Diese Ausführungen sind überzeugend, weshalb die Berichte
der behandelnden Fachärzten schon aus diesem Grund nicht geeignet sein können, die
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Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen.
4.3 Der Sachverständige Dr. O._ hat zudem überzeugend aufgezeigt, dass jener Teil
des objektiven klinischen Befundes, den er trotz des nicht authentischen Verhaltens
der Beschwerdeführerin hat erheben können, unauffällig gewesen ist. Er hat darauf
hingewiesen, dass das Erscheinungsbild, die Haltung und die Bewegungen der
Beschwerdeführerin unauffällig gewesen seien. Sie sei wach und bewusstseinsklar
sowie bezüglich Person, Ort und Situation voll orientiert gewesen. Eine
Beeinträchtigung der Auffassung sei nicht zu erkennen gewesen. Auch eine
Beeinträchtigung der allgemeinen intellektuellen Fähigkeiten, der Konzentration, der
Aufmerksamkeit, der Merkfähigkeit und des Gedächtnisses sei nicht auszumachen
gewesen. Hinweise für eine formale oder inhaltliche Denkstörung hätten nicht
vorgelegen. Das Gesprächsverhalten mit einer zielgerichteten Vermeidung von
Auskünften zu Themen, die eine Objektivierung von Beschwerden zugelassen hätten,
habe auf intakte Funktionen von Auffassung und Denken hingewiesen. Die
Psychomotorik sei in der Untersuchung unauffällig gewesen. Teilweise habe die
Beschwerdeführerin ausgesprochen entspannt gewirkt. Eine Antriebsstörung sei nicht
auszumachen gewesen. Eine deprimierte Stimmung habe nicht nachgewiesen werden
können. Der Affekt sei in der Untersuchung mürrisch gewesen. Eine Störung der
affektiven Schwingungsfähigkeit sei nicht ersichtlich gewesen, denn in der
Untersuchungssituation seien unterschiedliche Affekte deutlich geworden. Der
Blickkontakt, der Sprachfluss und die Prosodie seien normal gewesen. Teilweise seien
der Sprachfluss aber auch verlangsamt und die Prosodie monoton gewesen. Die Mimik
und die Gestik seien unauffällig gewesen. Ein Schädel-MRI aus dem Jahr 2009 habe
einen im Wesentlichen unauffälligen Befund gezeigt. Die Fähigkeit der
Beschwerdeführerin, ein mehrstündiges Gespräch zu führen und selbständig zahlreiche
Aktivitäten im Alltag auszuüben, spreche gegen das Vorliegen von wesentlichen
kognitiven Defiziten. In der Untersuchung hätten sich zumindest gewisse
Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation ergeben. Die Selbstwertregulation sei als
intakt erschienen. Die Beschwerdeführerin sei ihren Angaben zufolge in der Lage, seit
Jahren Kontakt zu Ärzten, helfenden Angehörigen und helfenden Dritten im Umfeld zu
halten. Der objektive klinische Befund, soweit er von Dr. O._ hat erhoben werden
können, ist folglich weitgehend unauffällig gewesen. Dr. O._ hat weder objektive
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Anzeichen für eine affektive Störung (insbesondere eine depressive Störung) erheben
noch Indizien für die von den behandelnden Ärzten verschiedentlich angegebene
Intelligenzbeeinträchtigung feststellen können. Das spricht zwar an sich gegen das
Vorliegen einer relevanten psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung, genügt aber –
wie in der E. 4.1 dargelegt – noch nicht als Beweis für eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht. Ergäben sich
nämlich relevante Beeinträchtigungen hinsichtlich jener Angaben, die nur mit einer
zureichenden Mitwirkung der Beschwerdeführerin erhältlich wären, müsste allenfalls
doch eine Arbeitsunfähigkeit selbst für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert
werden.
4.4 Hinsichtlich der unbewiesen gebliebenen Tatsachen liegt keine objektive
Beweislosigkeit vor, die es erlauben würde, mit der materiellen Beweislastverteilung
(Nachteil der Beweislosigkeit) zu operieren, denn es besteht durchaus noch die
Erwartung, dass die Beschwerdeführerin in einer (erneuten) psychiatrischen
Begutachtung zu einer umfassenden Kooperation angehalten werden kann. Dadurch
könnten die unbewiesen gebliebenen Tatsachen dann doch noch in Erfahrung gebracht
werden, was es erlauben würde, den vollständig ermittelten massgebenden
medizinischen Sachverhalt zu würdigen, ohne dass mit dem Nachteil bei einer
objektiven Beweislosigkeit operiert werden müsste. Das setzt aber voraus, dass der
Beschwerdeführerin vorab verständlich aufgezeigt wird, dass ihre in weiten Teilen
verweigernde Haltung eine umfassende Begutachtung verunmöglicht hat und dass von
ihr bei einer weiteren psychiatrischen Begutachtung eine umfassende Kooperation
erwartet wird. Der Beschwerdeführerin muss aufgezeigt werden, dass ihre
Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung (Art. 28 ATSG) auch die Pflicht
beinhaltet, gegenüber dem medizinischen Sachverständigen umfassende,
wahrheitsgemässe Angaben zu machen und sich in der Untersuchungssituation
authentisch zu verhalten. Dazu muss ihr angedroht werden, dass die laufende Rente
sofort gestoppt werde, wenn sie ihrer Mitwirkungspflicht nicht nachkomme (Art. 43
Abs. 3 ATSG; vgl. dazu TOBIAS BOLT, Folgen einer Mitwirkungspflichtverletzung, in:
JaSo 2016, S. 169 ff.). Ein solches Mahn- und Bedenkzeitverfahren kann nur die
Beschwerdegegnerin durchführen, denn für das Gerichtsverfahren fehlt eine dem Art.
43 Abs. 3 ATSG entsprechende gesetzliche Norm. Darin ist keine Gesetzeslücke zu
erblicken, die das Gericht dazu zwingen würde, richterrechtlich eine dem Art. 43 Abs. 3
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ATSG entsprechende Norm für das Beschwerdeverfahren zu kreieren, denn die
Sachverhaltsabklärung ist die ureigenste Aufgabe der Verwaltung, weshalb nur diese
über ein Druckmittel zur Durchsetzung der Mitwirkungspflicht der versicherten
Personen verfügen muss (vgl. dazu auch den Entscheid IV 2014/13 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 28. November 2016, E. 1.2). Die Sache ist folglich an die
Beschwerdegegnerin zur Weiterführung der Sachverhaltsabklärung im Sinne der
vorstehenden Ausführungen zurückzuweisen.
5.
Die Rückweisung einer Sache zur weiteren Abklärung gilt rechtsprechungsgemäss als
ein vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei. Die Gerichtskosten von
600 Franken sind deshalb der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der
Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken
selbstverständlich zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat die
Beschwerdeführerin angemessen zu entschädigen. Angesichts des als durchschnittlich
zu qualifizierenden Vertretungsaufwandes wird die Entschädigung praxisgemäss auf
3'500 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt.