Decision ID: 5f7e4793-2735-44f2-aa4d-40c713efe1cb
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war als Angestellte (Spezialreinigerin) der B._
AG bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die
Folgen von Unfällen versichert, als sie am 20. Januar 2011 in C._ in D._ als
Beifahrerin des von ihrem Ehemann gelenkten Personenwagens mit einem anderen
Fahrzeug kollidierte. Die Erstbehandlung der Versicherten fand im Landeskrankenhaus
E._, D._, statt (vgl. act. G11.1 [nachfolgend: Suva-act.] 1, 5, 18, 33). Im
Klinikbericht vom 20. Januar 2011 wurden diagnostiziert eine diskrete HWS-Distorsion
mit Muskelhartspann rechts sowie linker Nackenbereich paravertebral. Im Weiteren
wurde ausgeführt, dass die Röntgenbilder keinerlei Hinweise auf eine frische knöcherne
Läsion ergeben hätten und die neurologischen Befunde unauffällig gewesen seien
(Suva-act. 6; vgl. auch Dokumentationsbogen für Erstkonsultationen nach kranio-
zervikalem Beschleunigungstrauma vom 17. März 2011, Suva-act. 22). Die
Nachbehandlung fand bei Dr. med. F._, Fachärztin für Allgemeinmedizin, statt. Die
Ärztin bescheinigte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 21. Januar 2011,
verordnete Physiotherapien und empfahl eine kreisärztliche Begutachtung (Suva-act. 9,
11, 15, 19; vgl. Suva-act. 13). Gemäss Suva-Gesprächsprotokoll vom 23. Februar 2011
berichtete die Versicherte über ganztägige Schmerzen im Bereich des ganzen Rückens
sowie über Schwindel und Unwohlsein (vgl. Suva-act. 10). Zur gesundheitlichen
A.a.
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Situation der Versicherten ist aktenkundig, dass sie bereits im Jahr 2006 wegen
Schmerzen im Bereich der rechten Schulter und eingeschränkter Beweglichkeit der
HWS in ärztlicher Behandlung gewesen sei. Damals seien eine subacromiale Infiltration
der rechten Schulter mit Lokalanästhetikum und mit Kortison durchgeführt sowie
Physiotherapien verordnet worden (Suva-act. 154-16ff., 154-25, 154-33f.). Zudem sei
die Versicherte vor rund 5 Jahren wegen inneren Ohrenschwindels ärztlich behandelt
worden (vgl. Suva-act. 34-1). Am 4. März 2011 ging Dr. F._ von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit ab dem Folgetag aus (Suva-act. 15).
Mit Schreiben vom 7. März 2011 sicherte die Suva der Versicherten die
gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) zu (Suva-act. 69).
A.b.
Ab dem 19. März 2011 bestand noch eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act.
24). Laut dem Suva-Gesprächsprotokoll vom 4. April 2011 klagte die Versicherte über
Schulter- und Nackenschmerzen, die nach dem Arbeiten stärker seien (Suva-act. 25).
Ab dem 1. Mai 2011 war die Versicherte wieder zu 100% arbeitsfähig (Suva-act. 31;
vgl. Suva-act. 34-1). Am 10. Mai 2011 erklärte sie, dass sie immer noch
Nackenschmerzen habe und die Beweglichkeit des Kopfes eingeschränkt sei. Seit
etwa zwei bis drei Wochen würden die Ausstrahlungen vom Nacken aus in beide Arme
bis hin zu den Fingern gehen. Zeitweise habe sie Kopfschmerzen und verspüre im
rechten Ohr ein Ohrenpfeifen. Bei schnellem Aufstehen oder schnellen
Kopfbewegungen trete kurzfristig ein Schwindel auf (Suva-act. 34-1). Eine gleichentags
durchgeführte vertebrospinale Kernspintomographie C0-TH4 ergab minimale
Bewegungsartefakte in einzelnen Sequenzen, jedoch keine posttraumatischen
Läsionen (Suva-act. 36).
A.c.
Gemäss der von der Suva in Auftrag gegebenen biomechanischen
Kurzbeurteilung der AGU Zürich vom 24. Mai 2011 lag die kollisionsbedingte
Geschwindigkeitsänderung (delta-v) unterhalb oder knapp innerhalb eines Bereiches
von 20 bis 30 km/h. Bei der Kollision seien weder Airbags noch Gurtstraffer ausgelöst
worden. Gefolgert wurde, dass die geklagten HWS-Beschwerden durch die
Kollisionseinwirkung eher nicht erklärbar seien (Suva-act. 40-2ff.).
A.d.
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Am 20. Juni 2011 diagnostizierte Dr. med. G._, Facharzt für Allgemeinmedizin
FMH, ein zervikozephales und -vertebrales Syndrom (Suva-act. 45). Laut der Suva-
Telefonnotiz vom 15. Juli 2011 berichtete die Versicherte über Nackenschmerzen, die
in den rechten Arm ausstrahlen würden, Schwindel und Vergesslichkeit. Sie könne
wegen der Schmerzen nicht gerade/aufrecht gehen. Wegen der vielen Medikamente
leide sie unter Durchfall. Im Weiteren informierte sie, dass sie noch gleichentags (als
Beifahrerin) mit dem Auto nach H._ in die Ferien fahren werde. Zurück sei sie am 6.
oder 7. August 2011 (Suva-act. 48f.).
A.e.
Am 16. August 2011 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis mit der
Versicherten per 31. Oktober 2011 unter Hinweis auf betriebliche Gründe (vgl. Suva-
act. 239).
A.f.
Gemäss dem Bericht der Rehaklinik Bellikon vom 18. August 2011 wurde beim
ambulanten Assessment vom 10. August 2011 eine erhebliche Symptomausweitung
festgestellt. Diagnostiziert wurden insbesondere eine HWS-Distorsion QTF I und ein
Verdacht auf eine depressive Symptomatik. Empfohlen wurden insbesondere die
Wiederaufnahme der Physiotherapie mit Betonung auf aktiver Bewegungstherapie und
medizinischer Trainingstherapie sowie eine psychosomatisch orientierte Behandlung
(Suva-act. 60).
A.g.
Im Arztbericht vom 25. Oktober 2011 diagnostizierte Dr. med. I._, Fachärztin für
Neurologie FMH, ein leichtgradiges posttraumatisches, rein sensibles
Karpaltunnelsyndrom rechts (vgl. Suva-act. 84). In der Stellungnahme vom 18.
November 2011 ging Kreisarzt Dr. med. J._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, hinsichtlich des
Karpaltunnelsyndroms aufgrund der vorliegenden Arztberichte nur von einer möglichen,
aber nicht sehr wahrscheinlichen posttraumatischen Genese aus (Suva-act. 88).
A.h.
Im Arztbericht vom 6. Januar 2012 diagnostizierte Dr. med. K._, Fachärztin für
Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, einen chronischen Tinnitus links, eine Hyperakusis
sowie Schwindel bei Status nach HWS-Distorsion vom 20. Januar 2011 im Rahmen
eines chronischen Schmerzsyndroms mit reaktiver Depression. Den ORL-Status
beurteilte sie bis auf die Nackenbeschwerden als unauffällig. Die Grundlage des
A.i.
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gesamten Systemkomplexes sei die depressive Verarbeitung des chronischen
Schmerzsyndroms (vgl. Suva-act. 93). In der auf die Akten gestützten ärztlichen
Beurteilung vom 23. Januar 2012 erklärte Dr. med. L._, Facharzt für Ohren-, Nasen
und Halskrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie FMH, Suva Arbeitsmedizin, es sei
praktisch auszuschliessen, dass die Versicherte beim Unfall vom 20. Januar 2011 eine
strukturell-organische Läsion der Hör- und Gleichgewichtsorgane erlitten habe. Die von
der Versicherten geklagte Hyperakusis und der Schwankschwindel seien am ehesten
als Ausdruck der depressiven Entwicklung zu verstehen (Suva-act. 101).
Mit Stellungnahme vom 6. Februar 2012 hielt Kreisarzt Dr. J._ fest, dass
entsprechend der medizinischen Dokumentation keine organisch fassbaren
Unfallfolgen mehr vorlägen. Es sei von einem medizinischen Endzustand auszugehen
(Suva-act. 108).
A.j.
Ab dem 10. Februar 2012 wurde die Versicherte ambulant im Abstand von zwei
bis drei Wochen im Psychiatrie-Zentrum M._ behandelt. Attestiert wurde ab
Behandlungsbeginn aus psychiatrischer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-
act. 161).
A.k.
Mit Verfügung vom 10. Februar 2012 teilte die Suva der Versicherten mit, dass
keine adäquat kausalen Unfallfolgen vorlägen, weshalb die Versicherungsleistungen
per 17. Februar 2012 eingestellt würden (Suva-act. 109). Am 16. Februar 2012 und mit
ergänzender Begründung vom 4. Mai 2012 erhob der Rechtsvertreter der Versicherten,
Rechtsanwalt lic. iur. Thomas Bolt, Heerbrugg, Einsprache (Suva-act. 110, 130). Am
8. Oktober 2012 zog die Suva die Verfügung vom 10. Februar 2012 zurück (Suva-act.
141).
A.l.
Vom 28. Februar bis 5. März 2013 war die Versicherte aufgrund einer
notfallmässigen Selbstzuweisung zur Abklärung von Dysphagiebeschwerden im Spital
N._ hospitalisiert. Die durchgeführte obere Panendoskopie sowie die
Abdomensonographie erbrachten keine pathologischen Befunde und auch
laborchemisch fanden sich keine Auffälligkeiten. Hinweise auf eine somatische Störung
ergaben sich nicht (Suva-act. 159).
A.m.
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Vom 19. März bis 19. April 2013 war die Versicherte in stationärer Behandlung in
der psychiatrischen Klinik O._. Im Arztbericht vom 7. August 2013 wurden eine
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), eine schwere depressive Episode
ohne psychotische Symptome (F33.2) sowie eine Somatisierungsstörung (F45.0)
diagnostiziert. Während des Aufenthalts habe die Versicherte eine depressive
Symptomatik einhergehend mit Schlafstörungen, innerer Unruhe, sozialem Rückzug
und geringer Belastbarkeit gezeigt. Der Versuch einer antidepressiven Einstellung sei
wiederholt wegen aufgetretener Nebenwirkungen gescheitert. Der Behandlungsverlauf
habe sich schwierig gestaltet, da die Versicherte aufgrund ihrer hohen Ansprüche an
sich aber auch an die Behandlung viele Forderungen gestellt, sich nicht
ernstgenommen gefühlt und sich zu hohe und zum Grossteil unrealistische Ziele
gesetzt habe. Als zusätzlich der Schlaf durch ihre Zimmernachbarin gestört worden sei,
habe die Versicherte kurzfristig die stationäre Behandlung abgebrochen und sich
wieder in ambulante Behandlung begeben (Suva-act. 179).
A.n.
Am 2. Juli 2013 meldete die Versicherte der Suva, dass sie an Kieferschmerzen
leide (vgl. Suva-act. 172f.). Die am 8. Oktober 2013 im Spital P._ durchgeführte MRI-
Untersuchung der Kiefergelenke zeigte degenerative Veränderungen, jedoch keine
traumatische Pathologie (Suva-act. 195). Am 11. Dezember 2013 wurden bei der
Versicherten im Spital Q._ eine Adhäsiologie des Discus articularis und eine
Arthroplastik des rechten Kiefergelenks durchgeführt (Suva-act. 221). In der
Stellungnahme vom 18. März 2014 erklärte Kreisarzt Dr. J._, dass bei fehlenden
strukturellen unfallbedingten Schäden im Kieferbereich und unerwähnter
Kieferpathologie in den Echtzeitdokumenten die erforderliche überwiegende
Wahrscheinlichkeit zur Anerkennung einer Unfallkausalität nicht gegeben sei. Im
Weiteren ging der Kreisarzt von einem Endzustand hinsichtlich der Unfallfolgen aus
(Suva-act. 225).
A.o.
Am 11. April 2014 untersuchte Dr. med. R._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Konsiliarpsychiater der Suva, die Versicherte. Den Ehemann zog
er im zweiten Teil der Untersuchung hinzu. Zudem nahm er Rücksprache mit den die
Versicherte und ihren Ehemann behandelnden Ärzten. Im Arztbericht vom 15. April
2014 diagnostizierte er ein depressives Syndrom, leichter bis mittelgradiger
Ausprägung, aktuell leichter Ausprägung auf dem Boden einer Anpassungsstörung
A.p.
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nach Unfall im Januar 2011 und auf dem Boden einer histrionischen Persönlichkeit
(ICD-10: F32.0, F43.2 und F60.4). Im Weiteren führte er aus, dass basierend auf den
erhobenen Befunden nicht oder nicht mehr von einer posttraumatischen
Belastungsstörung ausgegangen werden könne. Da ein chronifizierter Paarkonflikt
vorliege und die Behandlungsoptionen aus psychiatrischer Sicht nicht ausgeschöpft
seien, schlug er vor, die Primärpersönlichkeit der Versicherten zu behandeln oder die
bisherige Behandlung fortzusetzen und dabei den Fokus zusätzlich auf die
Anpassungsstörung zu legen sowie ergänzend eine Paartherapie durchzuführen (Suva-
act. 234). Dem Paartherapievorschlag wurde - da der Ehemann damit nicht
einverstanden war - keine Folge geleistet (vgl. Suva-act. 236, 247, 256).
In der Beurteilung vom 3. September 2014 erklärte Dr. med. S._, Fachärztin für
Chirurgie, Suva-Versicherungsmedizin, dass es sich bei den Beschwerden im Bereich
des rechten Kiefergelenks nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit um Folgen des Unfalls vom 20. Januar 2011 handle (Suva-act. 267,
vgl. Suva-act. 268).
A.q.
Im Verlaufsbericht vom 22. Oktober 2014 diagnostizierte Dr. med. T._, Fachärztin
für Psychiatrie, Psychiatrische Dienste Süd, eine posttraumatische Belastungsstörung
(ICD-10: F43.1), eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
(ICD-10: F32.2) und eine Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0). Die Ärztin empfahl
das Fortführen der ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung und
attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis auf weiteres (Suva-act. 274).
A.r.
In der psychiatrischen Beurteilung vom 27. Januar 2015 hielt Dr. R._ fest, dass
hinsichtlich der Symptomatik - unabhängig der ehelichen Konfliktsituation und den
ausgeprägten histrionischen Persönlichkeitsanteilen - mit grosser Wahrscheinlichkeit
von einer natürlichen Teilkausalität in Bezug auf den Unfall vom 20. Januar 2011
auszugehen sei. Der Arzt erachtete die weitere Behandlung als sinnvoll und indiziert. Er
ging jedoch aufgrund des Behandlungsverlaufs und der erhobenen Befunde mit
grosser Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die weitere Behandlung nicht mehr dazu
diene, eine namhafte Verbesserung herbeizuführen (Suva-act. 284).
A.s.
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B.
C.
Mit Verfügung vom 9. Februar 2015 eröffnete die Suva der Versicherten, dass die
für die Folgen des Unfalls vom 20. Januar 2011 erbrachten Leistungen per 28. Februar
2015 eingestellt würden. Die aktuell noch geklagten Beschwerden seien organisch
nicht hinreichend nachweisbar und die Adäquanz zwischen den Beschwerden und dem
Unfallereignis vom 20. Januar 2011 sei mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu verneinen. Mangels Vorliegens adäquater Unfallfolgen bestehe
auch kein Anspruch auf weitere Geldleistungen der Suva in Form einer Invalidenrente
und/oder einer Integritätsentschädigung (Suva-act. 285).
A.t.
Am 11. März 2015 liess die Versicherte gegen die Verfügung vom 9. Februar 2015
Einsprache erheben (Suva-act. 287).
B.a.
Mit Einspracheentscheid vom 25. November 2016 wies die Suva die Einsprache
ab. Zur Begründung wurde insbesondere angeführt, dass die Röntgenbilder und das
MRI der HWS keine ossäre/posttraumatische Läsion gezeigt hätten und die
neurologischen Befunde anlässlich der Erstbehandlung unauffällig gewesen seien. Die
Abklärungen hätten ausserdem ergeben, dass das Karpaltunnelsyndrom rechts
unfallfremd sei, keine strukturell-organische Läsion der Hör- und Gleichgewichtsorgane
vorliege und die Kieferbeschwerden nicht im Zusammenhang mit dem Unfall ständen.
Damit habe der Unfall vom 20. Januar 2011 keine Unfallfolgen im Sinne struktureller
Veränderungen hinterlassen. Es sei von einem mittelschweren Unfall mit Tendenz zu
den leichten Unfällen auszugehen. Zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung habe nicht
mehr mit einer namhaften Verbesserung des Gesundheitszustandes gerechnet werden
können. Da die gemäss Rechtsprechung verlangten Kriterien für den mittelschweren
Bereich nicht bzw. nicht im erforderlichen Masse erfüllt seien, sei der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen zu
verneinen. Infolgedessen bestehe weder ein Anspruch auf eine Invalidenrente noch auf
eine Integritätsentschädigung (Suva-act. 314).
B.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 25. November 2016 erhob Rechtsanwalt lic.
iur. Florian Németh, Heerbrugg, für die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
C.a.
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am 11. Januar 2017 (act. G1) und mit Ergänzung am 7. Juni 2017 (act. G9) Beschwerde
mit den Anträgen, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und der
Beschwerdeführerin seien für die Folgen des Unfallereignisses vom 20. Januar 2011
über den 28. Februar 2015 hinaus die gesetzlichen Versicherungsleistungen
(insbesondere Taggelder, Heilungskosten) auszurichten. Eventualiter sei eine
Invalidenrente zuzusprechen. Subeventualiter sei die Sache zur weiteren
(medizinischen) Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wurde insbesondere ausgeführt, dass die
Adäquanzprüfung zu früh erfolgt sei, da noch mit einer Verbesserung des
Gesundheitszustandes habe gerechnet werden können. Das typische, gemischte
somatisch-psychische Beschwerdebild nach schleudertraumaähnlicher Verletzung sei
vorliegend gegeben. Der Fall sei nach der Schleudertrauma- und nicht nach der
Psycho-Praxis zu beurteilen, weshalb eine Differenzierung nach somatischen und
psychischen Beschwerden nicht angezeigt sei. Das Unfallereignis sei als mittelschwer,
eher gegen schwer einzustufen. Die Adäquanzprüfungskriterien fortgesetzte
spezifische, belastende ärztliche Behandlung, erhebliche Beschwerden sowie
komplizierter Heilungsverlauf seien erfüllt. Demzufolge seien die geklagten
Beschwerden kausal zum Unfallereignis vom 20. Januar 2011 (vgl. act. G9).
Mit Beschwerdeantwort vom 6. Juli 2017 beantragte die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin), vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Reto Bachmann, Luzern,
die Abweisung der Beschwerde vom 11. Januar 2017 und die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 25. November 2016. Zur Begründung wurde insbesondere
ausgeführt, dass aufgrund der biomechanischen Beurteilung von einem mittelschweren
Unfall mit Tendenz zu den leichten Unfällen auszugehen sei. Anfänglich sei lediglich
eine diskrete HWS-Distorsion mit Muskelhartspann rechts sowie auch im linken
Nackenbereich diagnostiziert worden. Es habe keine Hinweise auf eine frische
knöcherne Läsion gegeben. Nicht geklagt worden seien Kopfschmerzen, Schwindel,
Übelkeit, Erbrechen, Hör- und Sehstörungen. Das typische bunte Beschwerdebild nach
HWS-Distorsion sei nicht ausgewiesen, da entsprechende Beschwerden erst vier
Monate nach dem Unfall in den Akten erwähnt worden seien. Folglich fehle es
rechtsprechungsgemäss schon am natürlichen Kausalzusammenhang zwischen diesen
Beschwerden und dem Unfallereignis. Die ORL-Beschwerden, das
C.b.
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Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
Karpaltunnelsyndrom, die Kieferbeschwerden und die Augenbeschwerden seien
gemäss den Ärzten unfallfremder bzw. nicht unfallkausaler Natur. Aufgrund der
Observationserkenntnisse aus dem Parallelverfahren der Invalidenversicherung, der in
Arztberichten verschiedentlich erwähnten Verdeutlichungstendenzen sowie der
Ferienreise mit dem Auto nach H._ müssten die Beschwerdeangaben der
Beschwerdeführerin zumindest hinterfragt werden. Da die zum typischen
Beschwerdebild eines Schleudertraumas gehörenden Beeinträchtigungen im Vergleich
zur vorliegend ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund
treten würden, sei die Beurteilung praxisgemäss unter dem Gesichtspunkt einer
psychischen Fehlentwicklung nach Unfall vorzunehmen (sog. Psycho-Praxis).
Infolgedessen seien nur die organisch bedingten Beschwerden zu berücksichtigen,
während die nicht objektivierbaren Schmerzen auszuklammern seien. Die
Adäquanzprüfungskriterien seien vorliegend allesamt nicht erfüllt. Folglich stünden die
geklagten Beschwerden weder in einem natürlichen noch in einem adäquat kausalen
Zusammenhang zum Unfallereignis vom 20. Januar 2011 (act. G11).
Mit Replik vom 13. Dezember 2017 hielt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin an den gestellten Anträgen fest. Geltend gemacht wurde, dass aus
dem Observationsbericht keinerlei Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin gezogen werden könnten. Eine Differenzierung zwischen
somatischen und psychischen Beschwerden sei nicht angezeigt. Die natürliche und
adäquate Kausalität der geklagten Beschwerden zum Unfall vom 20. Januar 2011 sei
gegeben (act. G19).
C.c.
Mit Duplik vom 21. Dezember 2017 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
Abgabe einer einlässlichen Stellungnahme und hielt ebenfalls an ihren Rechtsbegehren
fest (act. G21).
C.d.
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sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden,
nachdem der Streitigkeit Ereignisse aus dem Jahr 2011 zu Grunde liegen (siehe
Erwägung 2), die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
2.
3.
Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin infolge des Unfalls vom 20. Januar
2011 eine diskrete HWS-Distorsion mit Muskelhartspann rechts sowie linker
Nackenbereich paravertebral erlitten hat (Suva-act. 6, 22). Die Beschwerdegegnerin hat
im Zusammenhang mit dem Unfallereignis Ansprüche der Beschwerdeführerin auf
vorübergehende Leistungen anerkannt und grundsätzlich bis 28. Februar 2015
Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen erbracht (vgl. Suva-act. 69).
2.1.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der
Einspracheentscheid vom 25. November 2016 (Suva-act. 314). Diesem liegt die
Verfügung vom 9. Februar 2015 (Suva-act. 285) zu Grunde. Die Verfügung - wie auch
der angefochtene Einspracheentscheid - befassen sich mit der Frage eines
Leistungsanspruchs über den 28. Februar 2015 hinaus.
2.2.
Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die im Nachgang zum Unfall vom
20. Januar 2011 erbrachten vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlungen und
Taggeld) auf den 28. Februar 2015 eingestellt und den Anspruch auf weitere
Leistungen der Unfallversicherung (Invalidenrente, Integritätsentschädigung) abgelehnt
hat.
2.3.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 UVG). Sie hat zudem Anspruch
auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Ist die versicherte
Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf
eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den
Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene
Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die vorübergehenden Leistungen
(Heilbehandlung, Taggeld) sind einzustellen und der Anspruch auf die Dauerleistung
Invalidenrente ist zu prüfen, wenn allfällige Eingliederungsmassnahmen der
3.1.
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Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind und von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten
Person mehr erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG). Die Integritätsentschädigung
wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der
Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). Das Erreichen
des medizinischen Endzustands bildet demgemäss in Nachachtung des
Eingliederungsgrundsatzes die Voraussetzung für die Prüfung der Rentenfrage und der
Integritätsentschädigung.
Angesichts der in Erwägung 3.1 angeführten gesetzlichen Bestimmungen besteht
ausserdem eine Leistungspflicht des Unfallversicherers nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG; BGE 129 V 181 E. 3; Alexandra Rumo-
Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53ff.).
3.2.
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers endet, wenn der Unfall nicht mehr eine
natürliche und adäquate Ursache der fortdauernden Beschwerden darstellt, d.h. wenn
die Beschwerden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruhen.
Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das
Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich
fehlender Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4;
Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl.
Bern 2014, § 70 N. 58). Da es sich dabei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage
handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender
natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person,
sondern beim Unfallversicherer (Urteil des Bundesgerichts vom 25. April 2017,
8C_766/2016, E. 2.2). Allerdings greift die vorgenannte Beweisregel erst dann Platz,
wenn die Verwaltung und - im Beschwerdefall - das Gericht dem
Untersuchungsgrundsatz rechtsgenüglich nachgekommen sind bzw. es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die überwiegende
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 55; BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 1).
3.3.
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Der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs bzw. dessen Wegfall ist in
erster Linie mit den Angaben medizinischer Fachpersonen zu führen (Urteil des
Bundesgerichts vom 21. August 2015, 8C_331/2015, E. 2.2.3.1). Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181
E. 3.1, 123 III 110; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58).
3.4.
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten oder der Expertin begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert
eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als
Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a mit Hinweis). Insofern
sind auch Berichte und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und Ärztinnen einholen,
beweistauglich. Bestehen indessen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt in Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3; BGE 125 V 352 E. 3;
RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311ff.).
3.5.
3.6.
Bei Unfällen mit klar ausgewiesenen organischen Unfallfolgen spielt die
Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang
sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle. Sie ist bei
ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres sowohl bezüglich vorübergehender
als auch dauerhafter Gesundheitsschäden zu bejahen (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, 127 V
103 E. 5b/bb; SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45).
3.6.1.
Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) nachweisbar, ist
betreffend Dauerschäden (Invalidität und Integritätsschaden) eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist: Es ist
zunächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der
HWS, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung oder ein Schädelhirntrauma
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 1. Juni 2016, 8C_12/2016, E. 7.1 mit
3.6.2.
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Hinweisen; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2) erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt
die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140 E. 6c/aa (sogenannte "Psycho-Praxis")
zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen dagegen, dass eine versicherte Person eine
der erwähnten Verletzungen erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum typischen
Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar
(teilweise) vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE
115 V 140 E. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze
massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a), andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz
gemäss den in BGE 117 V 359 festgelegten und in BGE 134 V 109 präzisierten Kriterien
(sogenannte "Schleudertrauma-Praxis"). Die Anwendung der Rechtsprechung zum
adäquaten Kausalzusammenhang bei Schleudertraumen der HWS setzt folglich voraus,
dass die psychischen Beschwerden aus dem Unfall hervorgehen und zusammen mit
den organischen Beschwerden, die ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen
sind, ein komplexes Gesamtbild ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 E. 3b).
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4.
Vorerst ist zu prüfen, ob zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 28. Februar 2015
noch organisch objektivierbare Unfallfolgen vorhanden waren, welche die fortdauernd
geklagten Beschwerden verursachen konnten.
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird grundsätzlich eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar und von der
Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten bzw. der Patientin
unabhängig sind. Folglich kann von objektiv ausgewiesenen organisch-strukturellen
Unfallfolgen dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit -
wissenschaftlich anerkannten - apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen,
MRT, CT, EEG) bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 121 E. 9, 134 V 232 E. 5.1 mit
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2; SVR
2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]). Thoracic-outlet-Syndrom (TOS),
myofasziale und tendinotische bzw. myotendinotische Befunde sind beispielsweise für
sich allein nicht als organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolgen zu betrachten.
Auch Verhärtungen und Verspannungen der Muskulatur, Druckdolenzen im Nacken
sowie Einschränkungen der HWS-Beweglichkeit können für sich allein nicht als klar
ausgewiesenes organisches Substrat der Beschwerden qualifiziert werden (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008, 8C_124/2008, E. 6 mit vielen Hinweisen, sowie
vom 7. Februar 2008, U 13/07, E. 3.2 und 3.3).
4.1.
Die Beschwerdeführerin erlitt beim Unfall am 20. Januar 2011 eine diskrete
HWS-Distorsion. Die am Unfalltag erstellten Röntgenbilder des Thorax, des Sternums
und der BWS ergaben keinerlei Hinweise auf eine frische knöcherne Läsion. Auch die
neurologischen Befunde waren unauffällig (vgl. Suva-act. 6, 22). Die am 10. Mai 2011
durchgeführte vertebrospinale Kernspintomographie C0-TH4 ergab lediglich minimale
Bewegungsartefakte in einzelnen Sequenzen, jedoch keine posttraumatischen
Läsionen (vgl. Suva-act. 36). Der erhobene Muskelhartspann (vgl. Suva-act. 6, 22) ist
wie in Erwägung 4.1 ausgeführt kein organisches Substrat und damit keine organisch
hinreichend nachweisbare Unfallfolge.
4.1.1.
Bezüglich des von der Neurologin Dr. I._ am 25. Oktober 2011 diagnostizierten
rein sensiblen Karpaltunnelsyndroms rechts (vgl. Suva-act. 84) führte Kreisarzt Dr.
J._ nachvollziehbar aus, dass nur von einer möglichen, aber nicht sehr
wahrscheinlichen posttraumatischen Genese auszugehen sei (Suva-act. 88). Auch die
am 8. Oktober 2013 durchgeführte MRI-Untersuchung der Kiefergelenke zeigte eine
4.1.2.
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degenerative, jedoch keine traumatische Pathologie (Suva-act. 195, vgl. auch Suva-
act. 225, 267). Die geklagten ORL-Beschwerden, deren Behandlung bereits vor der
Leistungseinstellung abgeschlossen war, und die Augenbeschwerden waren ebenfalls
unfallfremder Natur. Dr. L._ schloss zudem im Arztbericht vom 23. Januar 2012 aus,
dass die Versicherte beim Unfall eine strukturell-organische Läsion der Hör- und
Gleichgewichtsorgane erlitten habe (Suva-act. 101; vgl. zudem Suva-act. 94, 102, 183).
Ein überwiegend wahrscheinlicher Beweis für einen unfallbedingten organisch-
strukturellen Befund über das Datum der Leistungseinstellung hinaus kann sodann
auch nicht in der von Dr. G._ im Arztbericht vom 20. Juni 2011 gestellten Diagnose
eines zervikozephalen und -vertebralen Syndroms (Suva-act. 45) sowie in dem von Dr.
K._ im Arztbericht vom 6. Januar 2012 erwähnten chronischen Schmerzsyndrom
gesehen werden (Suva-act. 93). Bei einem Syndrom handelt es sich um ein sich stets
mit etwa den gleichen Krankheitszeichen, d.h. einer Symptomatik mit weitgehend
identischem "Symptommuster", manifestierendes Krankheitsbild mit unbekannter,
vieldeutiger, durch vielfältige Ursachen bedingter oder nur teilweise bekannter
Ätiogenese. Zur entsprechenden Diagnose führt somit eher das vom jeweiligen
Patienten subjektiv angegebene "Symptommuster" als ein objektiv erhobener
organischer Befund (vgl. dazu Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. München 2003,
S. 1791).
4.1.3.
Schliesslich können nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts auch
Schmerzangaben der versicherten Person für die Annahme struktureller
Unfallrestfolgen nicht genügen; vielmehr muss im Rahmen der
sozialversicherungsrechtlichen Leistungsprüfung verlangt werden, dass
Schmerzangaben durch damit korrelierende, schlüssig feststellbare Befunde
hinreichend erklärbar sind, andernfalls sich eine rechtsgleiche Beurteilung der
Leistungsansprüche nicht gewährleisten liesse (Urteil des Bundesgerichts vom 20.
Januar 2010, 8C_736/2009, E. 3.2). Wie dargelegt ist diese Gegenseitigkeit im
vorliegenden Fall nicht gegeben. Der Feststellung von Kreisarzt Dr. J._ vom 6.
Februar 2012 - es würde an unfallbedingten strukturellen Läsionen fehlen (vgl. Suva-
act. 108) - kann damit gefolgt werden.
4.1.4.
Nach dem Gesagten steht fest, dass die Beschwerdeführerin mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit anlässlich des Unfalls vom 20.
Januar 2011 keine klar ausgewiesene neue, bleibende, allenfalls schlecht verheilte
Läsion im Bereich der HWS, BWS oder des Kopfs erlitten hat.
4.1.5.
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In den medizinischen Akten wurden allerdings nach dem Unfall vom 20. Januar
2011 unstreitig körperliche Beeinträchtigungen - HWS-Distorsion, Muskelhartspann,
Kontusionen / leichte Druckschmerzen im Verlauf des Sicherheitsgurtes - diagnostiziert
(Suva-act. 6-3, 22-3). Das am 10. August 2011 in der Rehaklinik Bellikon durchgeführte
Assessment ergab, dass Verspannungen im Nackenbereich vorhanden und diese
muskulär bedingt seien. Im Weiteren bestehe ein Haltungsproblem und eine erhebliche
Dekonditionierung. Zudem habe sich bei den Tests eine Selbstlimitierung gezeigt.
Empfohlen wurde eine allgemeine Aktivierung und insbesondere die Wiederaufnahme
der Physiotherapie inkl. MTT (zwei- bis dreimal pro Woche) sowie eigene Aktivitäten
wie Schwimmen und Nordic Walking (vgl. Suva-act. 54, 60). Zu prüfen ist, ob die
unfallbedingten Körperschädigungen bis zur Einstellung der vorübergehenden
Versicherungsleistungen per 28. Februar 2015 vollständig abgeheilt waren.
4.2.
Dass es bei HWS-Distorsionen (die Beschwerdeführerin hatte im Nacken
Muskelverspannungen) nicht zu einer Besserung innert weniger Wochen kommt, ist für
eine traumatische Genese untypisch und weist auf andere Ursächlichkeiten hin (vgl.
Gerhard Jenzer, Klinische Aspekte bei HWS-Belastungen durch Kopfanprall oder
Beschleunigungsmechanismus in: SZS 1996 S. 462 ff.: typisch sei eine Erholung innert
sechs bis zwölf Wochen). Bei einer Kontusion handelt es sich grundsätzlich um eine
Weichteilverletzung ohne strukturelle Läsion. Ihre Diagnose drückt eine direkte stumpfe
schädigende Gewalteinwirkung, wie ein Schlag oder Aufprall, durch einen Unfall aus,
die insbesondere anhand klinischer Befunde - wie Hämatome, Schwellung,
Druckdolenzen, Bewegungseinschränkungen, Muskelverhärtungen - objektiviert wird.
Es entspricht allgemeiner medizinischer Erfahrung, dass Kontusionen ohne strukturelle
Läsionen normalerweise innert kurzer Zeit abheilen und sich die damit verbundenen
Beschwerden gänzlich zurückbilden (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, Orthopädie,
Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2002, S. 412).
4.2.1.
Die vorgenannten medizinischen Erfahrungssätze dürfen im Rahmen des
Wahrscheinlichkeitsbeweises berücksichtigt werden (Locher/Gächter, a.a.O., § 70
N. 58f.). Dies hat insbesondere für den Nachweis des Dahinfallens natürlich kausaler
Unfallfolgen zu gelten, bei dem es sich um einen hypothetischen Zustand handelt,
welcher sich häufig nur mit Erfahrungswerten bestimmen lässt (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 18. September 2002, U 60/02,
E. 2.2). Auch ohne Veränderung bzw. Besserung der klinischen Befundsituation kann
ab einem bestimmten Datum von einem Dahinfallen der Unfallfolgen ausgegangen
werden bzw. können fortdauernde Beschwerden aufgrund der obgenannten
medizinischen Erfahrungstatsache eben nicht mehr auf den Unfall zurückgeführt
4.2.2.
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werden. Ödeme oder eine Schwellung im Bereich des Thorax bzw. der BWS der
Beschwerdeführerin wurden in den medizinischen Akten verneint (Suva-act. 6-3: "Es
zeigt sich keine Krepitation. Keinerlei Hämatom. Keinerlei Schwellung."; vgl. Suva-act.
22). In den vorliegenden Akten finden sich denn auch keine Hinweise, welche bezüglich
des Heilungsverlaufs der von der Beschwerdeführerin beim Unfall vom 20. Januar 2011
erlittenen Kontusionsverletzung / dem aufgetretenen Muskelhartspann auf einen
Ausnahmefall hinweisen würden. In Würdigung der bedeutsamen ärztlichen
Feststellungen zu den Unfallfolgen ist vorliegend mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit kein Ausnahmefall anzunehmen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 21. August 2015, 8C_331/2015, E. 2.2.3.1).
Kreisarzt Dr. J._ erklärte bereits in der kreisärztlichen Stellungnahme vom 6.
Februar 2012 (und Bestätigung am 18. März 2014), dass keine organischen
Unfallfolgen mehr vorlägen, und geht damit auch von der Heilung der Kontusionsfolgen
aus (Suva-act. 108, 225). Anzufügen bleibt, dass die Leistungseinstellung per 28.
Februar 2015 erst gut vier Jahre nach dem Unfall vom 20. Januar 2011 erfolgte und
damit die seit dem Unfall vergangene Zeit deutlich über der vorliegend zu erwartenden
Heilungsdauer von wenigen Wochen liegt.
4.2.3.
Angesichts der vorangehenden Darlegungen ist mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass die beim Unfall vom
20. Januar 2011 erlittene HWS-Distorsion (beinhaltend den Muskelhartspann) und die
Kontusionsverletzungen spätestens bis zur Einstellung der vorübergehenden
Versicherungsleistungen per 28. Februar 2015 vollständig abgeheilt waren und
deswegen eine natürliche Kausalität zwischen den fortdauernd geklagten Beschwerden
und dem Unfall im Sinn des Vorliegens von organischen Restfolgen der vorgenannten
Verletzungen zu verneinen ist. Die Tatsache, dass Schmerzen körperlich
wahrgenommen werden, bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine physische
Gesundheitsbeeinträchtigung oder gar eine fortdauernde Unfallverletzung vorliegen
(vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin 2017, S. 1619f.:
Schmerzformen, S. 1682: Somatoforme Störung).
4.2.4.
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5.
Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung allenfalls noch unter natürlich und adäquat kausalen, nicht
objektivierbaren organischen und/oder psychischen Unfallrestfolgen litt.
5.1.
Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass bei
Schleudertrauma- sowie äquivalenten Verletzungen (u.a. Schädelhirntrauma, HWS-
Distorsion; vgl. dazu RKUV Nr. 341 S. 408 E. 3b; BGE 117 V 369 E. 3) auch ohne
nachweisbare pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre nach dem Unfall
funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten können. Der Umstand, dass die für
ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung typischen Beschwerden nicht
mit entsprechenden Untersuchungsmethoden (wie Röntgen, MRT, CT, EEG)
objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die diesbezüglichen Beschwerden
in Abrede zu stellen (BGE 117 V 363 E. 5d/aa). Ist ein Schleudertrauma oder eine dem
Schleudertrauma äquivalente Verletzung diagnostiziert und liegt ein für diese
Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse
Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit,
rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression,
Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen
dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in der Regel
anzunehmen (BGE 117 V 360 E. 4b; vgl. auch BGE 117 V 382 E. 4b). Dieses
Beschwerdebild muss nicht in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb von 24 bis
höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten. Es genügt, wenn sich in diesem
Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS und bei einem
Schädelhirntrauma zusätzlich Kopfschmerzen manifestieren (Urteile des
Bundesgerichts vom 5. Januar 2009, 8C_413/2008, E. 5.2 mit zahlreichen Hinweisen,
und vom 15. März 2007, U 258/06, E. 4.3; RKUV 2000 Nr. 359 S. 29 E. 5e). Die anderen
im Rahmen eines Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung
typischerweise auftretenden Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in einem
Zeitraum manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen
Kausalzusammenhangs auszugehen (vgl. u.a. Urteil des Bundesgerichts vom 15. März
2007, U 258/06, E. 4.3).
5.1.1.
Die erstbehandelnden Ärzte des Landeskrankenhauses E._ diagnostizierten
eine diskrete HWS-Distorsion (vgl. Suva-act. 6, 22). Die innerhalb einer Latenzzeit von
24 bis höchstens 72 Stunden und auch später aktenkundige Beschwerdesymptomatik
5.1.2.
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spricht allerdings gegen das Vorliegen einer durch den Unfall vom 20. Januar 2011
überwiegend wahrscheinlich verursachten Schleudertraumaverletzung, insbesondere
einer solchen mit Langzeitfolgen. So ist in den in zeitlicher Nähe zum Unfall erstellten
Berichten des Landeskrankenhauses E._ vom 20. Januar und 17. März 2011
festgehalten, dass keine Bewusstlosigkeit, keine Übelkeit, kein Erbrechen, kein
Schwindel und keinerlei Kopfschmerzen vorlagen. Gemäss der Aktenlage wurden bei
der frontalen Kollision weder die Gurtstraffer noch die Airbags ausgelöst und es ist
auch kein Kopfanprall dokumentiert (vgl. Suva-act. 6, 22, 60-5). Aus dem von den
erstbehandelnden Ärzten angegebenen Glasgow Coma Score (GCS) von 15 resultiert,
dass keine Bewusstseinsstörung vorlag und auch keine diesbezüglichen Massnahmen
erforderlich waren (vgl. Suva.-act. 22-4). Diese Sachlage lässt eine
schleudertraumatypische Verletzung bereits als zweifelhaft erscheinen. Zudem ist nicht
- wie vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in Ziff. 4.5 der
Beschwerdeergänzung vom 7. Juni 2017 (vgl. act. G9) geltend gemacht - von einer
beim Unfall erlittenen Gehirnerschütterung auszugehen.
In den ersten Wochen nach dem Unfall klagte die Versicherte lediglich über
Schmerzen im Rücken, Schwindel und Unwohlsein. Rund drei Monate nach dem Unfall
hatte sich der Gesundheitszustand der Versicherten offensichtlich wesentlich
verbessert, attestierte doch die behandelnde Ärztin ab dem 19. April 2011 nur noch
eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Versicherte machte noch Schulter- und
Nackenschmerzen geltend, die nach dem Arbeiten stärker seien. Ab dem 1. Mai 2011
war die Versicherte jedoch wieder zu 100% arbeitsfähig (vgl. Suva-act. 24f., 31, 34-1).
Zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin vor dem Unfall ist anzumerken, dass
sie bereits im Jahr 2006 wegen Schmerzen im Bereich der rechten Schulter und
eingeschränkter Beweglichkeit der HWS sowie wegen inneren Ohrenschwindels in
ärztlicher Behandlung gewesen war. Die Aussage der Beschwerdeführerin, dass sie vor
dem Unfall keine diesbezüglichen Probleme mehr gehabt habe (vgl. Suva-act. 34-1,
155-1), ist insofern zu relativieren, als sie beim Assessment in der Rehaklinik Bellikon
am 10. August 2011 angab, seit Jahren das Medikament Deanxit (Antidepressivum mit
Neuroleptikum, welches nur auf ärztliche Verschreibung abgegeben wird) wegen
"Innenohrschwindel" einzunehmen (vgl. Suva-act. 60-1/5). Im Weiteren stellte sich
heraus, dass die Beschwerdeführerin zirka 3 bis 4 Jahre vor dem Unfall wegen
Beschwerden an der Lendenwirbelsäule behandelt wurde (vgl. Suva-act. 7-2).
5.1.3.
Mitte Mai 2011 und damit vier Monate nach dem Unfall klagte die
Beschwerdeführerin über Ausstrahlungen vom Nacken in beide Arme bis hin zu den
Fingern, über Kopfschmerzen, Ohrenpfeifen und Schwindel bei schnellem Aufstehen
5.1.4.
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(vgl. Suva-act. 34). Im August 2011 machte sie dann eine erhebliche
Symptomausweitung geltend (vgl. Assessmentbericht der Rehaklinik Bellikon vom 18.
August 2011, Suva-act. 60). Bei den von der Beschwerdeführerin erwähnten neuen
bzw. verstärkt auftretenden Leiden (ständige Schmerzen im Bereich von HWS und
Nacken, schmerzhafte Beweglichkeitseinschränkung der Halswirbelsäule, ständige
Schmerzausstrahlung in den rechten Arm bis in die Fingerkuppen, subjektive Störung
von Konzentration und Gedächtnis, häufig Schwankschwindel, insbesondere beim
Aufstehen, zunehmend verschwommenes Sehen, Mühe beim Lesen, Taubheits- und
Schwächegefühl in der rechten Hand, Pfeifen in beiden Ohren für einige Sekunden
anhaltend, schmerzbedingte Durchschlafstörung, Tagesmüdigkeit und
Gewichtsabnahme um 9 kg seit dem Unfall) handelt es sich um eine konkret
beschriebene, umfassende, jedoch grösstenteils erst nach einer mehrmonatigen
Latenzzeit vorgebrachte Beschwerdesymptomatik. Zum geltend gemachten
Beschwerdebild ist anzumerken, dass dieses aus verschiedenen, nachfolgend
genannten Gründen nicht stimmig erscheint. So absolvierte die Beschwerdeführerin
nur eine Serie von neun Physiotherapien, was dazu führte, dass die Ärzte der
Rehaklinik die Wiederaufnahme der ambulanten Physiotherapie empfahlen. Die Ärzte
wiesen zudem darauf hin, dass die Beschwerdeführerin beim Assessment die
Minimalperformance in verschiedenen Tests nicht erreicht habe, die Beschreibung von
Schmerzen und Einschränkungen undifferenziert erfolgt und das Schmerzverhalten
nicht adäquat gewesen sei. Aus somatischer Sicht gingen sie denn auch von einer
vollen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus. Die ärztlichen Befunde und
Empfehlungen relativieren die geklagten Beschwerden erheblich und lassen zumindest
deren Zusammenhang mit dem Unfall vom 20. Januar 2011 mehr als fraglich
erscheinen, zumal die Beschwerdeführerin Mitte Juli 2011 fähig war, als Beifahrerin
eines Personenwagens nach H._ in die mehrwöchigen Ferien zu fahren (vgl. Suva-
act. 48: reine Fahrtdauer von 15 bis 16 Stunden).
Zur depressiven Symptomatik ist anzumerken, dass sich diese erst nach
Monaten zeigte. Im Assessmentbericht der Klinik Bellikon vom August 2011 wurde
diesbezüglich zudem auf die (erschwerenden/verursachenden) familiären Probleme wie
den Arbeitsplatzverlust des Ehemannes infolge des Unfalls vom 20. Januar 2011 und
dessen Folgen hingewiesen. Bis zur Aufnahme der ambulanten psychiatrischen
Behandlung im Februar 2012 (vgl. Suva-act. 161) kamen weitere Erschwernisse bzw.
psychisch belastende Faktoren hinzu wie der Verlust der Arbeitsstelle der
Beschwerdeführerin per Ende Oktober 2011 (vgl. Suva-act. 239), das diagnostizierte
Karpaltunnelsyndrom rechts und die Kieferproblematik (vgl. Suva-act. 84, 88, 267).
5.1.5.
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Gemäss dem Arztbericht des Konsiliarpsychiaters der Suva vom 11. April 2014 (vgl.
Suva-act. 234) traten unfallfremde Faktoren und psychosoziale Folgen immer mehr in
den Vordergrund (Suva-act. 144: Am 8. Oktober 2012 lehnte die IV-Stelle beruflichen
Massnahmen ab; Suva-act. 215: Mit Vorbescheid vom 10. Dezember 2013 lehnte IV-
Stelle den Anspruch auf eine IV-Rente ab). Im Weiteren ist hinsichtlich des psychischen
Zustands bzw. der Behandlungsbedürftigkeit der Beschwerdeführerin nach dem Unfall
festzustellen, dass sie die psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten nicht im
empfohlenen Masse nutzte. So nahm sie die ambulante Behandlung erst im Jahr 2012
auf und brach die stationäre Behandlung in der psychiatrischen Klinik O._ im März/
April 2013 vorzeitig ab (vgl. Suva-act. 179). Zudem scheiterte die empfohlene
Paartherapie gemäss den Akten an der Zustimmung des Ehemannes der
Beschwerdeführerin (vgl. Suva-act. 234, 236, 247, 256). Vor diesem Hintergrund
können die psychischen Beschwerden - so wie sie sich zum
Leistungseinstellungszeitpunkt darstellten - selbst in Anbetracht des Arztberichtes von
Dr. R._, welcher hinsichtlich der psychiatrischen Symptomatik mit grosser
Wahrscheinlichkeit von einer Teilkausalität ausging (vgl. Suva-act. 284) - nicht im Grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 20. Januar 2011
zurückgeführt werden. Anzumerken ist, dass die Frage der natürlichen Kausalität der
psychischen Beschwerden ohnehin offen bleiben kann, wenn wie vorliegend der
adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen ist (BGE 135 V 465 E. 5; vgl.
nachfolgende Erwägung 6).
Nach dem Gesagten kann nicht von einer Häufung von Beschwerden in den
ersten Tagen oder Wochen nach dem Unfall, sondern nur von einem (äusserst)
begrenzten Beschwerdebild gesprochen werden. Damit lag von Anfang an kein sog.
buntes Beschwerdebild vor, welches den Schluss zulässt, dass die
Beschwerdeführerin anlässlich des Unfalls vom 20. Januar 2011 eine
schleudertraumaähnliche Verletzung erlitten hat. Diesbezügliche
Versicherungsleistungen über den Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus fallen damit
von Vornherein ausser Betracht.
5.1.6.
Hinsichtlich des Leistungseinstellungszeitpunkt per 28. Februar 2015 ist
festzustellen, dass nicht mehr mit einer namhaften Verbesserung des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin gerechnet werden konnte (vgl. Art. 19
Abs. 1 UVG). So stand bereits seit dem 6. Februar 2012 und mit Bestätigung am 18.
März 2014 fest, dass keine organischen Unfallfolgen mehr vorlagen (vgl. Suva-act. 108,
225) und gemäss dem Arztbericht von Dr. R._ vom 27. Januar 2015 die weitere
psychiatrische Behandlung nicht mehr dazu diente, eine namhafte Verbesserung
5.2.
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6.
herbeizuführen (vgl. Suva-act. 284). Folglich ist auch unter diesem Gesichtspunkt die
Einstellung der vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) mit
anschliessender Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine
Integritätsentschädigung nicht zu beanstanden (vgl. BGE 134 V 109 E. 4.1, BGE 134 V
115 E. 4.3, Urteile des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008, U 394/06, E. 4.3 und
vom 28. Juni 2010, 8C_58/2010, E. 2.2).
Weitere beweismässige medizinische Abklärungen, wie vom Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin in der Beschwerde verlangt (vgl. act. G1, G9), sind nicht geboten,
da die Frage nach dem Erreichen eines medizinisch stabilen Gesundheitszustands
anhand der vorliegenden Akten mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit beantwortet werden kann.
5.3.
Vorliegend hat die Adäquanzprüfung anhand der Psycho-Praxis zu erfolgen, denn
aufgrund der Aktenlage ist davon auszugehen, dass bei der Beschwerdeführerin im
Zeitpunkt der Leistungseinstellung die Beschwerden von psychischen Problemen
überlagert worden sind (insoweit überhaupt noch natürlich unfallkausale Beschwerden
vorlagen; vgl. insbesondere Erwägungen 4.1.5, 4.2.3, 5.1.2ff., 5.2).
6.1.
Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Unfall
besteht, wenn dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der
Beschwerden zukommt. In objektivierter Betrachtungsweise werden die Unfälle nach
ihrer erfahrungsgemässen Eignung, psychische Beschwerden zu bewirken, eingeteilt in
banale und leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle andererseits und in einen
dazwischen liegenden Bereich der mittelschweren Unfälle. Bei banalen Unfällen kann
der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und psychischen
Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil auf Grund der
allgemeinen Lebenserfahrung davon ausgegangen werden kann, dass ein solcher
Unfall nicht geeignet ist, einen invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden zu
verursachen. Bei schweren Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang
in der Regel zu bejahen, denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische
Gesundheitsschäden zu bewirken. Dabei gelten als schwer nur solche Unfälle, bei
denen sämtliche Umstände, insbesondere die Dramatik des Unfallereignisses und die
Dauer desselben wie auch die somatischen Unfallfolgen eine für die versicherte Person
aussergewöhnliche Eindrücklichkeit aufweisen.
6.2.
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Bei Unfällen im mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen dem Unfall und
der psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht, nicht aufgrund des Unfalls allein schlüssig beantworten. Vielmehr sind weitere,
objektiv fassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang
stehen oder als direkte bzw. indirekte Folge davon erscheinen, in eine
Gesamtwürdigung einzubeziehen. Die wichtigsten Kriterien sind dabei besonders
dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die
Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; eine
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen;
eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; ein
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie der Grad und die
Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 115 V 133 E. 6). Um die
adäquate Kausalität bejahen zu können, müssen nicht alle Umstände gegeben sein.
Vielmehr genügt ein Kriterium, wenn es sich um einen schweren Unfall im mittleren
Bereich handelt. Falls keinem Kriterium besonderes Gewicht zukommt, müssen
mehrere unfallbezogene Kriterien bejaht werden können. Dabei gilt, dass je leichter der
Unfall ist, desto mehr Kriterien erfüllt sein müssen. Diese Würdigung führt zur Bejahung
oder Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs, ohne dass nach weiteren
Ursachen geforscht werden muss, die eine psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit
begünstigt haben könnten (SVR 1999 UV Nr. 10 S. 32). Mit Urteil vom 29. Januar 2010
(8C_897/2009 E. 4.5) hat das Bundesgericht die Rechtsprechung zur Anzahl der zu
erfüllenden Adäquanzkriterien bei mittelschweren Unfällen insofern präzisiert, als bei
mittelschweren Unfällen im engeren Sinn drei Adäquanzkriterien genügen, auch wenn
sie nicht in besonders ausgeprägter oder auffallender Weise vorliegen (vgl. auch Urteil
des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2009, 8C_487/2009, E. 5 mit Hinweis).
6.3.
Gemäss Polizeirapport vom 20. Januar 2011 (Suva-act. 20) verletzte sich die
Beschwerdeführerin, als es zur Kollision zwischen zwei Personenwagen im einem
Kreuzungsbereich kam. Das Fahrzeug, in dem die Beschwerdeführerin als Beifahrerin
sass, wurde im linken Frontbereich erheblich beschädigt. Die Airbags und die
Gurtstraffer lösten bei der Kollision jedoch nicht aus und die Beschwerdeführerin
schlug weder ihren Kopf bei der Kollision an noch war sie bewusstlos (vgl. Suva-act. 5,
18, 20, 40). Die biomechanische Kurzbeurteilung der AGU Zürich vom 24. Mai 2011
ergab eine kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (delta-v) unterhalb oder
knapp innerhalb eines Bereiches von 20 bis 30 km/h. Gemäss den Experten sind die
von der Beschwerdeführerin geklagten HWS-Beschwerden durch die
Kollisionseinwirkung eher nicht erklärbar (vgl. Suva-act. 40). Da der vorliegende Unfall
6.4.
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bereits Gegenstand eines Gerichtsverfahrens war (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 29. Mai 2018, UV 2015/39, bestätigt durch das Urteil des
Bundesgerichts vom 12. September 2018, 8C_493/2018, E. 5.1 und E. 5.3.1) und keine
neuen Erkenntnisse zum Unfall vorliegen, ist gleichfalls von einem mittelschweren
Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen auszugehen.
Folglich müssen für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs
mindestens vier der relevanten Kriterien oder ein einzelnes Kriterium in besonders
ausgeprägter Weise erfüllt sein. Bei der Prüfung dieser Kriterien sind psychische
Aspekte ausser Acht zu lassen (BGE 115 V 133 E. 6c/aa).
6.5.
Bei der Beurteilung des Kriteriums der dramatischen Begleitumstände oder der
besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls sind objektive Massstäbe anzuwenden. Nicht
was in der einzelnen betroffenen Person beim Unfall psychisch vorgeht, soll
entscheidend sein, sondern die objektive Eignung solcher Begleitumstände, bei ihr
psychische Vorgänge auszulösen (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 209 E. 3b/cc). Zu beachten
ist auch, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit
eigen ist, die noch nicht für die Bejahung dieses Adäquanzkriteriums ausreichen kann
(vgl. SVR 2009 UV Nr. 41 S. 142). Vorliegend bestehen keine Hinweise auf besonders
dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls vom
20. Januar 2011. Wie erwähnt, wurden die Airbags und die Gurtstraffer nicht ausgelöst
und die Beschwerdeführerin schlug weder ihren Kopf bei der Kollision an noch war sie
im Gegensatz zu ihrem Ehemann bewusstlos. Dass sie mit der Ambulanz ins
Landeskrankenhaus E._ verbracht wurde, dürfte damit zusammenhängen, dass ihr
Ehemann, der das Fahrzeug lenkte, schwerer verletzt war als sie. In Anbetracht des
Gesagten ist nicht von einem besonders dramatischen Unfall auszugehen. Das
Kriterium ist damit nicht erfüllt (vgl. das den gleichen Unfall betreffende Urteil des
Bundesgerichts vom 12. September 2018, 8C_493/2018, E. 5.3.1).
6.5.1.
Beim Unfall erlitt die Beschwerdeführerin keine erheblichen Verletzungen und
insbesondere keine Frakturen. Das Kriterium der schweren oder besonderen Art der
erlittenen Verletzung ist damit zu verneinen.
6.5.2.
Zur Beantwortung der Frage der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen
Behandlung ist nicht allein der zeitliche Massstab massgeblich. Ebenfalls in die Prüfung
einzubeziehen sind die Art und Intensität der Behandlung sowie die Frage, inwieweit
davon noch eine Besserung des Gesundheitszustands zu erwarten war (Urteil des EVG
vom 20. Oktober 2006, U 488/05 E. 3.2.3; BGE 134 V 128 E. 10.2.3). Die Behandlung
der somatischen Unfallfolgen beschränkte sich insbesondere auf Physio- und
6.5.3.
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Wassertherapien. Diese fanden jedoch nicht in einem ausgeprägten Ausmass bzw.
einer hohen Intensität statt. Den häufig durchgeführten blossen ärztlichen Kontrollen
kommt sodann nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zu
(Urteil des Bundesgerichts vom 27. Februar 2008, U11/07 E. 5.3.1 mit Hinweisen).
Anzufügen ist, dass die umfangreichen Abklärungs- und Behandlungsmassnahmen
hinsichtlich der Kieferbeschwerden, der Ohrenproblematik und der
Dysphagiebeschwerden, da nicht unfallkausal, nicht zu berücksichtigen sind. Die erst
über ein Jahr nach dem Unfall begonnene ambulante psychotherapeutische
Behandlung und der stationäre Aufenthalt in der Klinik O._, der ebenfalls der
Behandlung psychischer Leiden diente, sind bei der Adäquanzprüfung nach BGE 115 V
140 ebenfalls ausser Acht zu lassen. Demzufolge ist das Kriterium als nicht erfüllt zu
betrachten.
Da keinerlei Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung bestehen, welche die
Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, ist dieses Kriterium nicht erfüllt.
6.5.4.
Die Dauer der ärztlichen Behandlung und die geklagten Beschwerden, welche
auf den Unfall zurückgeführt werden können, deuten auch nicht auf einen schwierigen
Heilungsverlauf hin (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 7. Februar 2008, U 590/06, E.
4.3.2, und vom 10. Juli 2008, 8C_61/2008, E. 7). Damit ist dieses Kriterium ebenfalls
nicht erfüllt.
6.5.5.
Die Beschwerdeführerin war bereits wenige Monate nach dem Unfall gemäss der
behandelnden Ärztin wieder zu 100% arbeitsfähig (vgl. Suva-act. 31). Zum gleichen
Resultat kamen die Ärzte der Rehaklinik Bellikon anlässlich des rund ein halbes Jahr
nach dem Unfall durchgeführten Assessments (Suva-act. 60). Die über ein Jahr nach
dem Unfall attestierte volle Arbeitsunfähigkeit wurde ausschliesslich wegen der
psychischen Leiden bescheinigt (vgl. Suva-act. 161). Bereits in der Stellungnahme vom
6. Februar 2012 erklärte Kreisarzt Dr. J._, dass entsprechend der medizinischen
Dokumentation keine organischen Unfallfolgen mehr vorlägen (Suva-act. 108; vgl. auch
Suva-act. 225). Das Kriterium ist damit zu verneinen.
6.5.6.
Höchstens das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen kann in Anbetracht
der geklagten Bewegungseinschränkungen der HWS, der Rückenschmerzen sowie der
vom Nacken ausgehenden bis in die Hand reichenden Schmerzen als erfüllt erachtet
werden, jedoch nicht in ausgeprägter Weise, stellten doch die Ärzte bei ihren
Untersuchungen eine Verdeutlichungstendenz, eine Selbstlimitierung und
widersprüchliche Verhaltensweisen fest (vgl. Suva-act. 54, 60)
6.5.7.
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7.
Damit liegen bei der Festlegung des Invaliditätsgrades und der
Integritätsentschädigung keine relevanten unfallbedingten Einschränkungen vor. Ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad und eine Integritätsentschädigung fallen daher
mangels unfallkausaler Beschwerden ausser Betracht.
8.