Decision ID: 73cfb35a-4978-407f-8316-a724a15bd627
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, gelernte Masseurin, meldete sich am 1. September 1999 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf ein Weichteilrheuma im Bereich des Rückens, der Arme und Hände bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Die IV-Stelle nahm beruflich-erwerbliche und medizinische Abklärungen vor. Mit Verfügun
gen vom 25. Juni 2001 sprach sie der Versicherten mit Wirkung ab dem 1. April 2000 bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 51 % eine halbe Rente zu (Urk. 7/45).
1.2
Am 6. Dezember 2002 (Eingangsdatum) stellte die Versicherte ein Rentenerhö
hungsgesuch (Urk. 7/47). Die IV-Stelle gab bei Dr. med.
Z._
, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatologie, ein Gutachten in Auftrag, das diese am 28. Juli 2003 erstattete (Urk. 7/56).
Mit Verfügung vom 13. August 2004 setzte die IV-Stelle die bisherige halbe Rente der Versi
cherten mit Wirkung ab dem 1. Oktober 2004 gestützt auf einen Invaliditäts
grad von 48 % auf eine
Viertelsrente
herab (Urk. 7/64; vgl. auch Urk. 7/63). Im Rahmen eines von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens bestätigte die IV-Stelle am 18. November 2004 einen Anspruch auf eine
Viertelsrente
(Urk. 7/72).
1.3
Im Februar 2008 wurde von Amtes wegen ein weiteres Revisionsverfahren einge
leitet (
Urk.
7/82). Am 2
9.
April 2008 wurde die Versicherte vom Regiona
len Ärztlichen Dienst (RAD) untersucht
(Bericht vom 9. Mai 2008, Urk.
7/87).
M
it Verfügung vom
6.
Oktober 2008
erhöhte die IV-Stelle die bisherige
Vier
telsrente
der Versicherten
mit Wirkung per
1.
April 2008 bei einem ermittelten Invaliditätsgra
d von 73 % auf eine ganze Rente (Urk. 7/99).
1.4
Im Oktober 2011 wurde von Amtes wegen ein
neuerliches
Revision
s
verfahren eingeleitet (
Urk.
7/106).
Die IV-Stelle nahm beruflich-erwerbliche und medizi
nische Abklärungen vor.
Mit Vorbescheid vom 2
0.
Juli 2012 wurde der Versi
cherten die Aufhebung der R
ente auf den ersten Tag des zweiten Monats nach Zustellung der Verfügung in Aussicht gestellt.
Dies im Wesentlichen unter Hinweis darauf, dass die Diagnosen, welche zur
Rentenzusprache
geführt hät
ten, zu den ätiologisch-pathogenetisch unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlage gehören würden (
Urk.
7/118). Am 3
1.
Oktober 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass sie die Kosten für eine Potentialabklärung
bei der
A._
GmbH
vom 6.
November bis zum
5.
D
ezember 2012
übernehme (
Urk.
7/129).
Mit Verfügung vom 2. November 2012 hob die IV-Stelle die Rente der Versicherten auf den ersten Tag des zwei
ten Monats nach Zustellung der Verfügung auf (Urk. 7/131).
Am
8.
Januar 2013 teilte
sie
der Versicherten mit, dass die beruflichen Wiedereingliede
rungsmassnahmen erfolgreich abgeschlossen seien und die bisherige ganze Rente per 3
1.
Janu
ar 2013 eingestellt werde (Urk.
7/138
; vgl. auch Schlussbe
richt Potentialabklärung der
A._
GmbH vom 28. November 2012, Urk. 7/137
).
1.5
Am 2
6.
Januar 2016 (Eingangsdatum) meldete sich die Versi
cherte unter Hin
weis auf eine Fibromy
algie und Depressionen
erneut
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/143). Die IV-Stelle nahm beruflich-erwerbliche und medizinische Abklärungen vor. Nach durchgeführtem
Vorbscheidverfahren
(Vorbescheid vom 2
7.
Mai 2016,
Urk.
7
/164, und Einwand vom 6. Juni 2016, Urk. 7/165; vgl. auch
Einwandergänzung
vom 7. Juli 2016, Urk.
7/170) wies
sie
das Leistungsbegehren der Versicherten mit Ve
rfügung vom 21. Juli 2016 (Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2. September 2016 Beschwerde und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei auf ihr Gesuch ein
zutreten und es seien weitere Abklärungen zur Ermittlung des Invaliditätsgra
des zu veranlassen (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwer
deantwort vom 14. November 2016 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin am 15. November 2016 angezeigt wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähig
keit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in ana
loger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117
V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin gemäss ihren medizini
schen Abklärungen
sei
t dem letzten Entscheid im Jahr
2013
nicht erheblich verändert habe.
Seit zehn
Jahren
bestünden
Rücken- und Muskelbeschwerden.
Im Weiteren sei die Beschwerdeführerin seit 2014 bei Dr.
med.
B._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr.
sc.
C._
, Fachpsy
chologie für Psychotherapie FSP, in Behandlung. Diese hätten jedoch
keine Diagnosen
genannt, welche
einen Anspruch auf IV-L
eistungen begründen wür
den. Ferner würden auch die im
Einwandverfahren
eingereichten Arztberichte der Klinik
D._
und der Universitätsklinik
E._
keine wesent
liche Verschlechterung ausweisen. Ein Anspruch auf IV-Leistungen sei deshalb zu verneinen (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, dass sie ihr Arbeitspen
sum inzwischen aus gesundheitlichen Gründen von 60 auf 40 % habe reduzie
ren müssen. Unbestreitbar seien objektivierbare gesundheitliche Einschränkun
gen gegeben, welche eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Trotz des Vorliegens zahlreicher Arztberichte, in denen teilweise neue Diagnosen genannt würden, habe es die Beschwerdegegnerin unterlassen, weitere Abklärungen zu tätigen. So seien unter anderem die im Bericht des behandelnden Psychologen aufgeführten kognitiven Einschränkungen – welche zusätzlich zur depressiven Symptomatik vorlägen – in keiner Weise berücksichtigt worden. Die Beschwer
degegnerin sei daher zu verpflichten, weitere medizinische Abklärungen zu ver
anlassen (Urk. 1 S. 3 f.).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin
vom
2
6.
Januar 2016 (Eingangsdatum
; Urk. 7/143
)
eingetreten. Zu prüfen ist demnach, ob seit der mit Verfügung
vom 2. November 2012 (Urk. 7/131) erfolgten Rentenaufhebung bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 21. Juli 2016 (Urk. 2) eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Ver
schlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin eingetreten ist.
3.2
3.2.1
Der rentenaufhebenden Verfügung vom 2. November 2012 (Urk. 7/131) lagen im Wesentlichen folgende ärztlichen Beurteilungen zugrunde:
3.2.2
Dr.
med.
F._
, FMH Rheumatologie, von der Klinik
D._
gab im Bericht vom 16. November 2011 an, dass die Beschwerdeführerin unter einer Polyarthrose der Fingergelenke sowie einer Fibromyalgie leide. Diese beiden Erkrankungen seien aber nicht im Zentrum der konsiliarischen Abklärung gestanden. Dabei sei es um einen Verdacht auf ein
Sulcus
ulnaris
Syndrom gegangen, wofür sich klinisch/
sonografisch
keine Hinweise ergeben hätten. Er könne zu den beiden Diagnosen und den dadurch verbundenen Einschränkun
gen der Gesundheit/Arbeitsfähigkeit keine verbindlichen Angaben machen (Urk. 7/108-109).
3.2.3
Dr.
med.
G._
, FMH Allgemeine Medizin, stellte im Bericht vom 2. Dezember 2011 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/111/1):
(1)
ein generalisiertes Schmerzsyn
drom
(2)
ein chr
onisches panvertebrales S
yndrom
(3)
eine Daumensatt
elgelenkarthrose rechts > links
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr.
G._
nicht. Er erklärte, dass die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätig
keit (als Buffet-Mitarbeiterin) seit dem 16. August 1999 bis
auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig sei. Es könne keine Tätigkeit mehr ausgeführt werden (Urk. 7/111/2).
3.2.4
RAD-Ärztin Dr.
med.
H._
, FMH Arbeitsmedizin und FMH Allge
meinmedizin, führte in der Stellungnahme vom 31. Mai 2012 aus, dass die vor
liegenden Diagnosen versicherungsmedizinisch zu den ätiologisch-pathogene
tisch unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlage gehören würden. Den Akten seien keine objektivierbaren anatomi
schen Befunde zu entnehmen, welche aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründen könnten. Es lägen keine Anhalts
punkte für eine psychiatrische Komorbidität oder sonstige schwere Funktions
einschränkungen vor (Urk. 7/116/3-4).
3.3
3.3.1
Im Rahmen des vorliegenden Neuanmeldungsverfahrens sind im Wesentlichen folgende ärztlichen Beurteilungen aktenkundig:
3.3.2
Der Psychotherapeut Dr.
C._
stellte im Bericht vom 13. April 2016 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1) eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) und (2) eine rezidivierende depressive Störung (gegenwärtig leicht – mittel). Weitere Diagnosen seien dem Bericht des Hausarztes med.
pract
.
J._
, Allgemeinmedizin, zu entnehmen. Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte Dr.
C._
nicht. Aus psychischer Sicht ein
schränkend seien die reduzierte Konzentrations- und Gedächtnisfähigkeit, redu
zierte Belastungsfähigkeit und Stressresistenz. Er gab an, dass der Beschwerde
führerin die aktuelle, in einem 40%-Pensum ausgeübte Tätigkeit als Mitarbeite
rin Hotellerie im Spital
I._
zumutbar sei. Eine Steigerung des Arbeits
pensums sei als kontraindiziert zu erachten (Urk. 7/159/1-3).
3.3.3
Med.
pract
.
J._
nannte im Bericht vom 25. April 2016 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/163/1):
(1)
eine Exazerbation eines generalisierten Weichteilschmerzsyndrom
s, Januar 2016
(Erstdiagnose 1999)
(2)
multiple Gelenkschmerzen
, Polyarthrosen Knie, Hüften
(3)
Kiefergelenkschmerzen links bei Diskusluxation am 1
3.
März 2015
(4)
ein thor
a
kales Schmerzsyndrom, mässige
Osteochondrose
Th 3/4 (
6.
März 2008
MRI Brustwirbelsäule
)
(5)
eine chronische subacromiale Bursitis rechts, Sonografie 2
8.
Juli 2008 (
Dr.
med.
L._
, Winterthur)
(6)
Depressionen
Med.
pract
.
J._
erklärte, dass im Dezember 2000 ein Weichteilschmerz mit Arthrosen der Gelenke bestätigt worden sei. Wegen der Zunahme der Schmer
zen seit diesem Jahr (2016) sei eine ambulante Beurteilung durch Dr. med.
M._
, FMH Rheumatologie, von der Klinik
D._
erfolgt. Wegen Depressio
nen suche die Beschwerdeführerin seit längerem einen Psychiater in Zürich auf. Der Weichteilschmerz sei erneut als Fibromyalgie-Beschwerdekomplex zu beurteilen mit Arthrosen der grossen Gelenke, der Hüften und der Knie. Dazu komme das linke Kiefergelenk mit Diskusluxation am 13. März 2015. Eine Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit habe er nicht verordnet. Es sei schwer zu sagen, ob die bisherige Tätigkeit (40%-Pensum im Service) aus medizinischer Sicht noch zumutbar sei. Eventuell müssten im Rahmen der Evaluation der Arbeitsfähigkeit die Geh-, Trag- und Bewegungsfähigkeit, die Belastbarkeit, die Konzentrations- und Anpassungsfähigkeit abgeklärt werden (Urk. 7/163/1-2).
3.3.4
Dr.
M._
von der Klinik
D._
führte im Bericht vom 10. Juni 2016 zuhan
den der Beschwerdeführerin aus, dass unabhängig vom
fibromyalgischen
Beschwerdekomplex, welcher bekanntlich nicht bildgebend oder laborchemisch mit spezifischen Befunden einhergehe, auf strukturell-
funktioneller Ebene fol
gende pathologischen Zustände gegeben seien: eine Haltungsinsuffizienz des Rumpfes mit rascher Fehlhaltung der Wirbelsäule, vor allem bei statischen Belastungen, in Ergänzung eine Wirbelsäulenfehlform mit Kopf- und
Schulter
protraktion
und Lendenwirbelsäulen- (LWS-)Hyperlordose, Zeichen einer axia
len Hypermotilität, Degenerationen der LWS mit vordergründig
Fazettenge
lenksarthrosen
(unter anderem Reizzustand
Fazettengelenke
L3/4 beidseits mit Erguss). Weiter lägen eine vordergründige
femoropatelläre
(
retropatelläre
) Arthrose respektive entsprechende Knorpelschäden linksseitig vor. Die
Rizarth
rose
beidseits sei linksseitig mehr symptomatisch. Rechtsseitig würden nun noch Abklärungen bei Verdacht auf eine kürzliche Läsion des
skapholunären
Bandes erfolgen. Diese Zustände seien bei der Beurteilung der Arbeits-/Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen (Urk. 7/169/9).
3.3.5
Dr. med.
N._
, FMH Chirurgie und Handchirurgie, von der Klinik
D._
stellte im an med.
pract
.
J._
gerichteten Bericht vom 15. Juni 2016 folgende Diagnosen (Urk. 7/169/6):
(1)
ein symptomatisches
Bone
bruise
Os
scaphoideum
rechts
(2)
eine Partialruptur des dorsalen
scapholunären
Bandanteils rechts
(3)
eine Partialruptur des palmaren
lunotrique
t
ralen
Bandanteils rechts
(4)
eine nichtdislozierte
mono
kondyläre
intraartikuläre Grundphalanx-Fraktur
Digitus
V links
Dr.
N._
erklärte, dass
er der Beschwerdeführerin aufgrund der derzeit immer noch starken Schmerzsymptomatik nach
Bone
bruise
eine temporäre Immobi
lisation des Handgelenks empfohlen habe. Auch auf der kontralateralen Seite solle die Immobilisation des Kleinfingers für insgesamt sechs Wochen fortge
führt werden (Urk. 7/169/6).
3.3.6
Dr. med.
O._
, FMH Orthopädische Chirurgie, von der Klinik
D._
diagnostizierte im an med.
pract
.
J._
gerichteten Bericht vom 27. Juni 2016 (1) eine muskuläre Dysbalance der Füsse mit
Tibialis
posterior
-Insuffizienz beidseits und verkürzter Gastrocnemius-Muskulatur, (2) einen Morbus
Ledder
hose
links, (3) eine
retropatelläre
Gonarthrose links und (4) einen
fibromyalgi
schen
Beschwerdekomplex. Er erklärte, dass die Fussbeschwerden vorwiegend muskulär durch die stark verkürzte Gastrocnemius-Muskulatur bedingt seien. Die Szintigraphie zeige nur eine leichte Arthrose am
Talonavikulargelenk
links, was diesen Beschwerden durchaus entspreche. Primär würden zur Aufdehnung der Wadenmuskulatur Physiotherapie und propriozeptive Übungen empfohlen (Urk. 7/169/1-2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 21. Juli 2016 (Urk. 2) in medizinischer Hinsicht auf die Stellungnahmen von RAD-Ärztin med.
pract
.
P._
, Fachärztin für Orthopädische Chi
rurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 14. und 19. Juli 2016 (Urk. 7/171/2-4).
4.2
RAD-Ärztin
P._
legte in diesen beiden Stellungnahmen im Wesentlichen dar, dass Hausarzt med.
pract
.
J._
am 25. April 20
16 die
bereits bekannten Diagnosen generalisierte Schmerzen, multiple
Gelenkschmerze
n, Kieferge
lenksschmerzen, thorakale
Schmerzen und Schmerzen bei Bursitis
subacromia
lis
erwähne. Als Symptome nenne er diffuse Druckschmerzen an den Extremi
täten und am Rücken. Die Halswirbelsäule (HWS) sei frei beweglich. Eine Arbeitsunfähigkeit habe med.
pract
.
J._
nicht attestiert. Der Zustand bestehe seit 2000. Dr.
M._
von der Klinik
D._
habe im Bericht vom 16. April 2016 sodann einen
fibromyalgischen
Beschwerdekomplex, eine Haltungsinsuf
fizienz, Degenerationen und eine axiale Hypermotilität genannt.
Hinweise auf eine Infektion, eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder eine rheumatische Erkrankung habe Dr.
M._
aber nicht gefunden. Die Fehlhaltung mit Schmerzen des Achsenorganes sei dabei bereits seit 2008 bekannt. Im Weiteren habe Dr.
O._
am 8. Juni 2016 eine beginnende Retropatellararthrose und am 27. Juni 2016 muskulär bedingte Fussbeschwerden – mit im Szintigramm nur leichter Arthrose des
Talonaviculargelenks
- festgestellt. Im Juni 2016 sei es ferner zu einer Fraktur des Kleinfingers und zu einer Knochenkontusion der Handwurzel gekommen (Urk. 7/171/2).
Hinsichtlich der
beginnende
n
Gonarthrose
erklärte RAD-Ärztin
P._
, dass diese
seitens der Schm
erzen – gemäss den Angaben von Dr.
O._
- nicht im Vordergrund stünden, nicht einschränkend und
mit
59 Jahren auch nicht ungewöhnlich seien
.
Die an den Händen zugezogene Verletzung werde konser
vativ behandelt
und
werde
überwiege
nd wahrscheinlich ausheilen. Betreffend
Dysbalance des Fusses
und der
H
altungsinsuffizienz des Rumpfes wies sie darauf hin, dass solche
muskulären Störungen
aus versicherungsmedizinischer Sicht
einer Therapie gut zugänglich und ebenso wie die Verletzungen der Hände nicht
dauerhaft seien. Die Depression sei
in Remissio
n und die – versi
cherungsmedizinisch bereits in der Vergangenheit beurteilte - Schmerzproble
matik seit Jahren bekannt. RAD-Ärztin
P._
kam daher zum Schluss, dass eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands nicht ausgewiesen sei. Die von der Beschwerdeführerin ausgeübte Tätigkeit in der Hotellerie sei aus medizinischer Sicht im Übrigen nicht optimal, da es sich wahrscheinlich um eine gehende und stehende Tätigkeit mit Belastung der Hände handle (Urk. 7/171/3-4).
4.3
Diese Beurteilung
von
RAD-Ärztin
P._
, die sie in Kenntnis
der
und Ausei
nandersetzung mit den
Vorakten
abgab, ist
grundsätzlich einleuchtend
und plausibel.
Die von med.
pract
.
J._
im Bericht vom 25. April 2016 (Urk. 7/163/1) genannten Diagnosen generalisiertes
Weichteilschmerzsyndrom, multiple Gelenkschmerzen, Polyarthrosen, thorak
ales Schmerzsyndrom (
mässige
Osteochondrose
Th 3/4) und chronische subacro
miale Bursitis rechts sind schon seit zumindest 2008 bekannt (vgl. Bericht des Kantonsspitals
R._
vom 1. Dezember 2000, Urk. 7/24/2-3, Bericht des Radiodiagnostischen Instituts
Q._
vom 6. März 2008, Urk. 7/84/1, Bericht von Dr.
G._
vom 13. März 2008, Urk. 7/84/4-8, und Sonografie vom 28. Juli 2008 [Dr.
L._
], vgl. Urk. 7/163/1). Zudem ist darauf hinzuweisen, dass med.
pract
.
J._
im Bericht vom 25. April 2016 weitgehend unauffällige Befunde
- diffuse Druck
schmerzen an den Extremitäten und am Rücken, frei bewegliche HWS – erhob
(Urk. 7/163/2)
, was dagegen spricht, dass sich diese Leiden in ihrer Intensität erheblich verändert bzw. verschlechtert haben. Das von ihm umschriebene Belastungsprofil soll laut seinen Angaben denn auch seit 2000 Gültigkeit haben (vgl. Urk. 7/163/4).
Im Weiteren sind auch die von Dr.
M._
im Bericht vom 10. Juni 2016 (Urk. 7/169/9) aufgeführte Fibromyalgie und die
beidseitige
Rizarthrose
(= Daumensattelgelenksarthrose) bereits seit zumindest 2011 bekannt (vgl. Berichte von Dr.
G._
vom 15. Oktober 1999, Urk. 7/9/4, und vom 2. Dezember 2011, Urk. 7/111/1). Diesbezüglich sind ebenfalls keine Anhalts
punkte für eine erhebliche Verschlechterung gegeben.
Dr.
O._
sprach im Bericht vom 8. Juni 2016 sodann - lediglich - von einer beginnenden
femoropatellär
betonten Gonarthrose und erklärte, dass die Beschwerdeführerin damit zurzeit gerade noch so zu Recht komme (Urk. 7/169/3). Ferner kann – nach den nachvollziehbaren Darlegungen von RAD-Ärztin
P._
– davon ausgegangen werden, dass die festgestellte muskuläre Dysbalance des rechten
Fusses
, die Haltungsinsuffizienz des Rumpfes und die Verletzungen der Hände therapierbar und nicht dauerhaft sind. Das
selbe gilt
überwiegend wahrscheinlich
auch für die
Kiefergelenksch
merzen, die – entgegen den Darlegungen von RAD-Ärztin
P._
(Urk. 7/171/2) – erst mit der Diskusluxation vom
1
3.
März 2015
aufgetreten sind (Urk. 7/163/7).
4.4
Was die von Dr.
C._
festgestellte leichte bis mittelgradige depressive Symptomatik anbelangt (Urk. 7/159/1), ist darauf hinzuweisen, dass
leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch,
nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
einzig dann als invali
disierende Krankheiten in Betracht
fallen
, wenn sie
erwiesenermassen
thera
pieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E.
3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich verlangten Kons
tellation ist den no
rmativen Anforderungen des Art. 7 Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3
). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht
auszuschliessen
sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig aus
geschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3
;
BGE
137 V 64
E.
5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1).
Die Beschwerdeführerin steht seit November 2014 in psychologischer bzw. psychi
atrischer Behandlung. Die Therapiesitzungen finden – lediglich - ein bis zwei Mal pro Monat statt.
Gemäss
dem behandelnden Dr.
C._
habe dadurch eine gewisse Stabilisierung der Psyche erreicht werden können, und im März 2016 sei die depressive Symptomatik kaum mehr vorhanden gewesen. Stationär-psychiatrisch behandelt wurde die Beschwerdeführerin
noch nie. Dr.
C._
erachtet eine derartige
Massnahme
offenbar auch nicht als angezeigt (vgl. Urk. 7/159/1-3). Die
bisherigen Behandlungsbemühungen deu
ten somit
zwar auf einen gewissen Leidensdruck hin
. Von
einer konsequenten Depressionstherapie, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist,
kann vorliegend jedoch nicht gesprochen werden.
Eine invalidisierende Wirkung der
leichten bis mittelschweren
depressiven
Symptomatik ist damit nicht gegeben.
Die Einschätzung von Dr.
C._
, wonach eine Steigerung des Arbeitspen
sums auf mehr als 40 % kontraindiziert sei (Urk. 7/159/3), vermag daher nicht zu überzeugen. Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 4) sind
schliesslich
auch keine erheblichen kognitiven Einschränkun
gen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ausgewiesen.
4.5
Eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführe
rin mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ist somit nicht ausgewiesen.
5.
Die angefochtene Verfügung vom
21. Juli 2016
(Ur
k. 2), mit der ein Anspruch der Beschwerdeführerin
auf Leistungen der Invalidenversicherung - insbeson
dere auf eine Rente - verneint wurde,
erweist sich demnach
als rechtens. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwer
t festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzuset
zen.
Ausgangsgemäss
sind sie der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.