Decision ID: 6fcb95fe-b7bf-4618-a4b9-2e474c569adb
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 24.04.2012 Art. 23 BVG. Anspruch auf Invalidenrente aus beruflicher Vorsorge. Prüfung der Leistungsvoraussetzungen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. April 2012, BV 2010/21).Vizepräsident Joachim Huber, Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider, Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiber Walter SchmidEntscheid vom 24. April 2012in SachenA._,Kläger,vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Andrea Cantieni, Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur,gegenPensionskasse B._ Beklagte 1vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Gnädinger, Hubatka Müller Vetter, Seestrasse 6, Postfach 1544, 8027 Zürich,AXA Stiftung Berufliche Vorsorge, c/o AXA Leben AG, Postfach 300, 8401 Winterthur, Beklagte 2 Stiftung Auffangeinrichtung BVG, Zweigstelle Deutschschweiz, Erlenring 2, Postfach 664, 6343 Rotkreuz, Beklagte 3,betreffendInvalidenrenteSachverhalt:
A.
A.a A._ (nachstehend: Versicherter) war als Koch im Altersheim D._ tätig und
dadurch bei der Pensionskasse B._ (nachstehend: Pensionskasse)
vorsorgeversichert (vgl. Versicherungsausweis act. G 1.1/2), als er am 1. Juli 1998 beim
Absteigen vom Motorrad in eine Unebenheit trat und zu Fall kam. Er verletzte sich an
der rechten Schulter (AC-Luxation), wodurch eine operative Versorgung im Kantonalen
Spital E._ notwendig wurde. Nachdem ab 28. Oktober 1998 wieder eine volle
Arbeitsfähigkeit und praktische Beschwerdefreiheit bestanden hatte, wurde der Fall
abgeschlossen. Am 12. Januar 2000 stürzte der Versicherte mit dem Roller und zog
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sich dabei an der rechten Schulter eine dislozierte Claviculafraktur zu. Im Nachgang zu
ärztlicher Behandlung bescheinigte das Kantonale Spital E._ ab 16. Juni 2000 wieder
eine volle Arbeitsfähigkeit (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 20. Mai 2010, UV 2009/9, E. A.a). Nach Kündigung des
Arbeitsverhältnisses auf Ende September 2000 (act. G 20.1/2) erfolgte der Austritt bei
der Pensionskasse auf den 30. November 2000 (act. G 15.1/2).
A.b Seit 1. Dezember 2000 war der Versicherte bei der F._ GmbH tätig und dadurch
bei der AXA Stiftung Berufliche Vorsorge (nachstehend: AXA Stiftung)
vorsorgeversichert. Am 26. Juni 2003 liess er dem zuständigen Unfallversicherer
("Zürich" Versicherungs-Gesellschaft) durch seine Arbeitgeberin melden, er habe sich
am 24. Januar 2003 anlässlich seiner Tätigkeit als Chauffeur/Lagerist beim
Herausnehmen von Rohteilen die rechte Schulter verletzt (am 14. März 2003 war
bereits eine Unfallmeldung an die Suva gegangen, welche ihre Leistungspflicht jedoch
ablehnte; act. G 1.1/3). Dr. med. G._, Allg. Medizin FMH, bestätigte im Zeugnis vom
31. März 2003 ein Verhebetrauma der rechten Schulter bzw. die Diagnose eines
Verdachts auf Rotatorenmanschettenläsion. Er erklärte die Behandlung bei voller
Arbeitsfähigkeit am 11. März 2003 als abgeschlossen (act. G 1.1/21). Die Arbeitgeberin
löste das Arbeitsverhältnis auf den 30. Juni 2003 auf (act. G 1.1/4, 1.1/5).
A.c In der Folge bezog der Versicherte von 1. Juli 2003 bis Januar 2005
Arbeitslosenentschädigung und war dadurch bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG
vorsorgeversichert (act. G 1.1/7 Beilagen; act. G 17 S. 2). Vom 1. Juni bis 31. August
2004 arbeitete er vollzeitlich als Aushilfskoch (act. G 1.1/9, 1.1/10). Hierauf war er vom
18. Oktober 2004 bis 7. Januar 2005 über den Arbeitsvermittler H._ für die I._ AG
vollzeitlich als Staplerfahrer tätig (act. G 1.1/11, act. G 1.1/12). Im Februar 2006
meldete sich der Versicherte zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an
(act. G 1.1/14).
A.d Der Unfallversicherer (Zürich) teilte dem Versicherten am 20. Juni 2006 sowie -
nach Weiterausrichtung der Leistungen - erneut am 13. Juli 2007 mit, ärztlicherseits
werde eine Operation (Korrektur der Clavicula-Fehlstellung) vorgeschlagen. Nach
gesetzlicher Vorschrift habe er sich einer zumutbaren Behandlung zu unterziehen, die
eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit verspreche. Nachdem der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Versicherte durch Rechtsanwalt Dr. iur. A. Cantieni, Chur, hatte mitteilen lassen, er
wolle die Operation nicht vornehmen, eröffnete die Zürich dem Rechtsvertreter des
Versicherten mit Verfügung vom 5. November 2007, die Leistungen für
Heilbehandlungen und Taggelder würden auf den 1. September 2007 eingestellt. Nach
Einspracheerhebung bzw. Durchführung eines weiteren Briefwechsels, worin sich der
Versicherte bei Weiterzahlung der Taggelder bis 3. Dezember 2007 zur Durchführung
der Operation bereit erklärte, kam der Unfallversicherer sinngemäss auf die Verfügung
vom 5. November 2007 zurück und nahm die Taggeldzahlungen ab 14. Januar 2008
wieder zu 50% auf. Nach erneuten Abklärungen gab der Unfallversicherer dem
Rechtsvertreter des Versicherten am 22. August 2008 verfügungsweise bekannt, dass
der Endzustand am 31. Januar 2007 erreicht gewesen sei und daher ab diesem
Zeitpunkt keine Taggelder und Heilungskosten mehr geschuldet gewesen seien. Auf
eine Rückforderung der nach diesem Datum bereits erbrachten Leistungen werde
verzichtet. Rentenleistungen und eine Integritätsentschädigung seien ebenfalls nicht
geschuldet. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Zürich mit
Einspracheentscheid vom 18. Dezember 2008 ab. Die Einsprache gegen die Verfügung
vom 5. November 2007 hiess sie insoweit gut, als sie eine Operationsindikation
verneinte. Das Versicherungsgericht St. Gallen hiess eine gegen diesen Entscheid
erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 20. Mai 2010 (UV 2009/9) in dem Sinn gut,
dass der medizinische Endzustand auf Ende April 2008 festgelegt und die
Beschwerdegegnerin verpflichtet wurde, Heilungskosten bis zu diesem Zeitpunkt zu
übernehmen und dem Versicherten Taggeldleistungen für die Zeit vom 1. September
2007 bis 13. Januar 2008, abzüglich der für Mai und Juni 2008 bereits erbrachten
Taggelder, auszurichten. Das Gericht wies die Angelegenheit zur weiteren Abklärung
der für die Rentenbemessung massgebenden Arbeitsunfähigkeit und der Höhe des
Valideneinkommens sowie des Integritätsschadens und zu anschliessender neuer
Verfügung an die Zürich zurück (UV-Entscheid 2009/9, a.a.O.).
A.e Ein zwischenzeitlich gestelltes Leistungsgesuch des Versicherten hatte die
Pensionskasse B._ am 23. März 2009 abschlägig beantwortet. Die Krankheit habe
am 23. Dezember 2004 begonnen. Der Austritt aus der Pensionskasse sei jedoch
bereits auf den 30. November 2000 erfolgt (act. G 1.1/16). Die Vorsorgestiftung der
H._ teilte dem Rechtsvertreter des Versicherten am 27. April 2009 mit, sie sei nicht
zuständig für die Ausrichtung von Vorsorgeleistungen. Der Versicherte sei nie der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vorsorgestiftung der H._ angeschlossen gewesen, weil die Anstellungsdauer beim
Einsatzbetrieb I._ AG weniger als 13 Wochen betragen habe. Für
Temporärmitarbeiter sei die berufliche Vorsorge erst ab dem 1. Tag der 14. Woche
obligatorisch, wenn sich die Dauer des Einsatzes über die 13. Woche verlängere (act. G
1.1/13). Mit Schreiben vom 9. Oktober 2009 gab die AXA Stiftung dem Rechtsvertreter
des Versicherten bekannt, dass sie eine Leistungspflicht ablehne. Vom 28. Januar bis
11. März 2003 habe die Zürich UVG-Taggelder ausgerichtet. Für die Arbeitsunfähigkeit
vom 28. Januar bis 11. März 2003 würden keine Erwerbsunfähigkeitsleistungen fällig,
da der Versicherte bereits vor Ablauf der Wartefrist wieder voll arbeitsfähig gewesen
sei. Eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe seit Dezember 2004. Bei
Eintritt dieser Arbeitsunfähigkeit sei der Versicherte nicht bei ihr vorsorgeversichert
gewesen (act. G 1.1/6). Am 18. September und 20. Oktober 2009 verfügte die IV-Stelle
St. Gallen mit Wirkung ab 1. Dezember 2005 die Ausrichtung einer Dreiviertelsrente auf
der Basis eines IV-Grads von 63%. Zur Begründung legte sie unter anderem dar, dass
der Versicherte seit 23. Dezember 2004 (Beginn der einjährigen Wartezeit) in den
bisherigen Tätigkeiten (Koch, Chauffeur, Staplerfahrer) vollständig arbeitsunfähig, ihm
jedoch eine leichte Tätigkeit zu 50% zumutbar sei. Das Einkommen ohne Behinderung
(Valideneinkommen) betrage Fr. 75'544.-- und dasjenige mit Behinderung
(Invalideneinkommen) Fr. 27'118.-- (act. G 1.1/15; G 15.1/6). Den Invaliditätsgrad von
63% bzw. den Arbeitsfähigkeitsgrad von 50% bestätigte die IV-Stelle im Jahr 2011
(vgl. IV-act. 125 und 135). Mit Schreiben vom 7. Juli 2010 hatte die Stiftung
Auffangeinrichtung dem Rechtsvertreter des Versicherten die Ablehnung des Gesuchs
um Ausrichtung von Invalidenleistungen bekanntgegeben. Der Eintritt der
rentenrelevanten Arbeitsunfähigkeit sei schon vor Beginn der Arbeitslosigkeit im
Umfang von mindestens 20% erfolgt (act. G 1.1/7).
B.
B.a Mit Eingabe vom 30. November 2010 erhob Rechtsanwalt Cantieni für den
Versicherten gegen die Pensionskasse (Beklagte 1), die AXA Stiftung (Beklagte 2) und
die Stiftung Auffangeinrichtung BVG (Beklagte 3) Klage mit den Rechtsbegehren, es sei
entweder die Beklagte 1 oder die Beklagte 2 oder die Beklagte 3 zu verpflichten, dem
Kläger die aus beruflicher Vorsorge versicherten Leistungen ab dem 1. Dezember 2005
zuzüglich eines Zinses von 5% auszurichten. Dem Kläger sei die unentgeltliche
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Zur Begründung legte der Rechtsvertreter unter
anderem dar, der sachliche Zusammenhang im Sinn der Rechtsprechung sei
hinsichtlich der Beklagten 1 bzw. der Beklagten 2 gegeben, da der Kläger im Zeitpunkt
der Unfälle, die zu Schulterverletzungen geführt hätten, bei der Beklagten 1 und der
Beklagten 2 versichert gewesen sei. Zur Beklagten 3 sei der sachliche Zusammenhang
ebenfalls gegeben, da der Kläger im Zeitpunkt der relevanten Exazerbation bei ihr als
Arbeitsloser versichert gewesen sei. Der Kläger habe nach Beendigung des
Arbeitsverhältnisses im Altersheim D._ rund zwei Jahre bei der F._ GmbH in einem
vollen Pensum gearbeitet. Seit dem Ereignis vom 24. Januar 2003 habe er nur noch
adaptierte Tätigkeiten im Sinn von therapeutischen Arbeitsversuchen ausüben können.
Bei der Arbeitslosenkasse habe sich der Kläger für eine volle adaptierte Arbeitsstelle
anmelden müssen, um das finanzielle Überleben seiner Familie zu sichern. Aufgrund
der medizinischen Akten könne ihm aber offensichtlich keine volle Arbeitsfähigkeit in
seiner angestammten Tätigkeit attestiert werden. Die zeitliche Konnexität zur Beklagten
2 sei daher gegeben. Die zeitliche Konnexität sei auch zur Beklagten 3 gegeben, da
das Wartejahr im Dezember 2004 begonnen und der Kläger zu jenem Zeitpunkt als
Arbeitsloser bei der Beklagten 3 versichert gewesen sei. Es seien die Akten der
Invaliden- und der Unfallversicherung zu edieren.
B.b In der Klageantwort vom 21. Februar 2011 liess die Beklagte 1 durch
Rechtsanwalt lic. iur A. Gnädinger, Zürich, vollumfängliche Abweisung der Klage
beantragen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Klägers. Es seien
die Akten der Invaliden- und der Unfallversicherung beizuziehen. Zur Begründung
führte der Rechtsvertreter unter anderem aus, hinsichtlich der Versicherungsdeckung
bei der Beklagten 1 bestehe weder ein sachlicher noch ein zeitlicher Zusammenhang.
Die bei der Beklagten 1 entstandenen Arbeitsunfähigkeitszeiten würden auf eine
Schulterverletzung rechts zurückgehen, die im Jahr 1998 stattgefunden und während
ca. vier Monaten eine Arbeitsunfähigkeit nach sich gezogen habe. Eine Fraktur des
Schlüsselbeins habe im Januar 2000 stattgefunden und eine Arbeitsunfähigkeit von ca.
fünf Monaten nach sich gezogen. Zumindest die HWS-Problematik stehe in keinem
sachlichen Zusammenhang mit der ursprünglich bei der Beklagten 1 eingetretenen
Arbeitsunfähigkeit. Auch die unfallbedingte Schulterproblematik (Verhebetrauma von
2003) stehe in keinem Zusammenhang mit der ursprünglich bei der Beklagten 1
eingetretenen Arbeitsunfähigkeit. Es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
heutigen Beschwerden auf die Unfallereignisse von 1998 und 2000 zurückzuführen
seien. Seit Juni 2000 sei der Kläger während über zwei Jahren ohne Unterbruch
arbeitstätig gewesen und habe während dieser Zeit ein rentenausschliessendes
Einkommen erzielen können, weshalb zwischen der bei der Beklagten 1 eingetretenen
Arbeitsunfähigkeit und der später eingetretenen Invalidität kein zeitlicher
Zusammenhang bestehe. Das Arbeitsverhältnis der bei der Beklagten 1
angeschlossenen Unternehmung mit dem Kläger sei nicht aus gesundheitlichen
Gründen beendet worden, sondern infolge mangelhaften Verhaltens des Klägers. Das
Valideneinkommen hätte damit nicht auf das Einkommen bei der der Beklagten 1
angeschlossenen Unternehmung abgestützt werden dürfen.
B.c Am 23. Februar 2011 bewilligte der Gerichtspräsident die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das vorliegende Verfahren (act. G 16).
B.d Die Beklagte 3 beantragte in der Klageantwort vom 28. Februar 2011 Abweisung
der Klage, soweit diese gegen sie gerichtet sei. Zur Begründung legte sie unter
anderem dar, die rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit sei in einem Zeitpunkt
eingetreten, in dem der Kläger bei ihr noch nicht versichert gewesen sei. Die Invalidität
sei auf die bei den Unfällen vom 28. Oktober 1998, 12. Januar 2000 und 24. Januar
2003 erlittenen Verletzungen der rechten Schulter zurückzuführen. Es bestehe ein
zeitlicher Zusammenhang zwischen der mit dem Unfall vom 24. Januar 2003
eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der heutigen Invalidität, weshalb die Beklagte 2
leistungspflichtig sei.
B.e In der Klageantwort vom 21. April 2011 beantragte die Beklagte 2 Abweisung der
Klage, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Klägers. Die
berufsvorsorgerechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit des Klägers sei erst nach seiner
Tätigkeit bei der F._ GmbH eingetreten. Der Kläger sei vom 12. März bis 30. Juni
2003 (Austritt bei der Beklagten 2) wieder voll arbeitsfähig gewesen. Die Kündigung
stehe damit nicht im Zusammenhang mit einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit, welche
nach dem Vorfall vom 24. Januar 2003 eingetreten sei, sondern sei bereits vorher (am
13. Januar 2003; act. G 1.1/4) ausgesprochen worden. Aus den ärztlichen Berichten
gehe hervor, dass seit Januar 2005 eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bestehe.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.f Der Kläger verzichtete auf eine Replik (act. G 22).
B.g Das Versicherungsgericht zog die Akten des Unfallversicherers (Zürich
Versicherungs-Gesellschaft) sowie der Invalidenversicherung betreffend den Kläger
zum Verfahren bei (act. G 26). Der Rechtsvertreter der Beklagten 1 und die Beklagte 2
nahmen Einsicht in die Akten, gaben jedoch keine weitere Stellungnahme ab (act. G 33,
34).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2005 trat die 1. BVG-Revision, welche auch eine Änderung der
Leistungsvoraussetzungen bei Invalidität (Art. 23 BVG) und der Leistungshöhe (Art. 24
BVG) mit sich brachte, in Kraft. Nach Art. 23 lit. a BVG (neue Fassung) haben (im
Obligatoriumsbereich) Anspruch auf Invalidenleistungen Personen, die im Sinn der IV
zu mindestens 40% invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache
zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Anspruch auf eine volle Invalidenrente hat
die versicherte Person, wenn sie im Sinn der IV zu mindestens 70% invalid ist. Bei
mindestens 60% Invalidität besteht Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Der Anspruch
auf eine halbe Rente setzt einen Invaliditätsgrad von mindestens 50% voraus und
derjenige auf eine Viertelsrente einen solchen von mindestens 40% (Art. 24 Abs. 1
BVG). - In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend,
die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (BGE
127 V 467). Vorliegend sprach die Invalidenversicherung dem Kläger mit Wirkung ab
Dezember 2005 eine Dreiviertelsrente zu (act. G 1.1/14f). Mit Blick auf den IV-
Rentenentscheid und den Antrag des Klägers ist davon auszugehen, dass das
Klageverfahren Leistungsansprüche ab Dezember 2005 betrifft. Dementsprechend ist
das ab 1. Januar 2005 gültige Recht der obligatorischen beruflichen Vorsorge
anzuwenden, soweit ihm neben den reglementarischen Regelungen der Beklagten eine
eigenständige Bedeutung zukommt. Die Frage, ob eine der Beklagten leistungspflichtig
ist und wenn ja, ab welchem Zeitpunkt, ist nachstehend zu prüfen.
2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.1 Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der
Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der
Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist. Aufgrund von Art. 6 BVG steht es
den Vorsorgeeinrichtungen frei, den Invaliditätsbegriff bereits in der obligatorischen
Versicherung zugunsten des Versicherten zu erweitern oder Invalidenrenten schon bei
einem Invaliditätsgrad von weniger als 50% auszurichten. Gehen sie ausdrücklich oder
unter Hinweis auf das Gesetz vom gleichen Invaliditätsbegriff aus wie die
Invalidenversicherung, sind sie hinsichtlich des versicherten Ereignisses an die
Invaliditätsbemessung der IV-Stellen gebunden, es sei denn, dass diese sich als
offensichtlich unhaltbar erweist (vgl. BGE 126 V 308; BGE 115 V 208 und 215; BGE 118
V 35 E. 2b/aa; BGE 120 V 106 E. 3c). In BGE 129 V 73 wurde eine Bindungswirkung
der invalidenversicherungsrechtlichen Feststellungen für die Vorsorgeeinrichtung
verneint, wenn sie nicht spätestens im Vorbescheidsverfahren (Art. 73 IVV), bzw.
nach dessen (vorübergehender) Ersetzung durch das Einspracheverfahren in der Zeit
von 1. Januar 2003 bis 31. Dezember 2006, angelegentlich der Verfügungseröffnung in
das invalidenversicherungsrechtliche Verfahren einbezogen wird. Hält sich die
Vorsorgeeinrichtung demgegenüber an das invalidenversicherungsrechtlich Verfügte,
ist das Problem ihres Nichteinbezugs ins IV-Verfahren gegenstandslos. Stellt die
Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise ab,
muss sich die versicherte Person diese grundsätzlich entgegenhalten lassen, soweit
diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend war (vgl.
Urteil des Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006: Eidgenössisches
Versicherungsgericht, EVG] vom 14. August 2000, B 50/99, E. 2b, und vom 9. Februar
2004, B 39/03, E. 3.1).
2.2 Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung
geschuldet, welcher der Ansprecher bei Eintritt des versicherten Ereignisses
angeschlossen war. Dieser Zeitpunkt fällt mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat. Die Versicherteneigenschaft muss
nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise
auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der Invalidität. Für eine
einmal - aus während der Versicherungsdauer aufgetretenen Arbeitsunfähigkeit -
geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig, selbst
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wenn sich nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert.
Entsprechend bildet der Wegfall der Versicherteneigenschaft keinen Erlöschungsgrund
(Art. 26 Abs. 3 BVG e contrario; BGE 118 V 35 E. 5; 123 V 262 E. 1a). Damit kommt der
Schutz der zweiten Säule zum Tragen, wonach das Invaliditätsrisiko auch dann
gedeckt sein muss, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt,
während welcher die leistungsanbegehrende Person unter Umständen dem
Obligatorium nicht mehr unterstanden hat (BGE 118 V 35 E. 2b/aa; BGE 120 V 112
E. 2b). Damit die frühere Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig bleibt, ist allerdings
nicht nur erforderlich, dass die Arbeitsunfähigkeit zu einer Zeit einsetzte, als die
versicherte Person ihr angeschlossen war, sondern auch, dass zwischen dieser
Arbeitsunfähigkeit und der Invalidität ein direkter und enger Zusammenhang besteht.
Zwischen der Arbeitsunfähigkeit und der Invalidität muss sowohl ein sachlicher als
auch ein zeitlicher Zusammenhang bestehen. Der sachliche Zusammenhang ist
gegeben, wenn der invalidisierende Gesundheitsschaden der gleiche ist, wie er sich
bereits während der Zugehörigkeit zur Vorsorgeeinrichtung manifestierte. Die zeitliche
Konnexität setzt voraus, dass zwischen der früheren Arbeitsunfähigkeit und der
späteren Invalidität bzw. deren Verschlimmerung keine längere Periode der
Arbeitsfähigkeit liegt. Dabei sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles zu
würdigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische
ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, welche die versicherte Person zur
Wiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E. 1c S. 264, 120 V 112,
E. 2c/aa-bb mit Hinweisen).
2.3 Gemäss dem Reglement der Beklagten 1 gilt die versicherte Person als invalid,
wenn sie aus gesundheitlichen Gründen ihre bisherige oder eine andere ihr zumutbare
Tätigkeit nicht mehr ausüben kann und ihre Invalidität von der IV festgestellt wird. Für
die Anerkennung der Erwerbsunfähigkeit und die Festlegung des Invaliditätsgrads ist
der Entscheid der IV massgebend (Art. 13 Abs. 1 und 2 Reglement). Die Verwaltung ist
befugt, über den Gesundheitszustand eines invaliden Versicherten ein ärztliches
Gutachten einzuholen (Art. 13 Abs. 3 Satz 1 Reglement). Der Anspruch auf eine
Invalidenrente setzt voraus, dass die versicherte Person bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität führte, bei der Kasse versichert war.
Die versicherte Person hat Anspruch auf eine Vollinvalidenrente, wenn sie mindestens
zu 70% und auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Anspruch auf eine halbe Rente besteht bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
und auf eine Viertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% (Art. 13 Abs.
4 Reglement). Die Invalidenrente beginnt mit dem Anspruch auf eine Leistung der IV,
frühestens aber nach einem Jahr seit Eintritt der Erwerbsunfähigkeit bzw. nachdem der
Lohn oder das ihn ersetzende Kranken- oder Unfalltaggeld, an dessen Kosten sich der
Arbeitgeber mindestens zur Hälfte beteiligt hat, nicht mehr ausbezahlt wird (Art. 13
Abs. 6 Reglement). Gemäss dem Reglement für die Basisvorsorge der Beklagten 2
(act. G 20.1/1) ist eine versicherte Person invalid, wenn sie vorübergehend oder
dauernd ihren Beruf oder eine andere, ihrer sozialen Stellung, ihren Kenntnissen und
Fähigkeiten angemessene Erwerbstätigkeit ganz oder teilweise nicht mehr ausüben
kann, oder sie im Sinn der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) invalid ist (Ziff.
20 Abs. 1 Reglement Beklagte 2). Die Invalidität gilt als eingetreten, sobald der
Invaliditätsgrad der versicherten Person mindestens 1⁄4 erreicht hat (Ziff. 20 Abs. 2
Reglement Beklagte 2). Der Anspruch auf Invaliditätsleistungen setzt in jedem Fall
voraus, dass die versicherte Person bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache
zur Invalidität geführt hat, aufgrund des Vorsorgereglements versichert war (Ziff. 20
Abs. 3 Reglement Beklagte 2). Der Grad der Invalidität wird auf Grund der
Erwerbseinbusse ermittelt. Dabei wird das vor Beginn der Invalidität erzielte
Erwerbseinkommen verglichen mit demjenigen, das die versicherte Person nachher
erzielt oder zumutbarerweise erzielen könnte. Die Differenz, in Prozenten oder als
Bruchteil des bisherigen Einkommens ausgedrückt, ergibt den Grad der Invalidität. Eine
Erwerbsunfähigkeit von zwei Dritteln und mehr gibt Anspruch auf die vollen Leistungen.
Bei einem Invaliditätsgrad von 1/4 oder mehr, aber weniger als 2/3 werden die
Leistungen entsprechend dem Invaliditätsgrad herabgesetzt (Art. 7 Abs. 2 des
Vorsorgereglements). Der Anspruch auf eine Invalidenrente entsteht, sobald die Dauer
der Invalidität die Wartefrist von 24 Monaten überschreitet. Ein Rentenanspruch
besteht nicht, solange die versicherte Person Taggelder der Eidgenössischen
Invalidenversicherung bezieht (Ziff. 21 Abs. 1 Reglement Beklagte 2). Als Wartefrist gilt
die Dauer der Invalidität, die ab Beginn der Invalidität bis zur Entstehung des
Leistungsanspruchs verstreichen muss. Sie ist im Vorsorgeplan festgelegt (Ziff. 20 Abs.
4 Reglement Beklagte 2). Gemäss Art. 14 des Reglements 2005, Allgemeine
Bestimmungen (AB), der Beklagten 3 besteht Anspruch auf Invalidenleistungen, wenn
solche gemäss Vorsorgeplan versichert sind und die versicherte Person im Sinn der IV
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zu mindestens 40% invalid ist und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur
Invalidität geführt hat, bei der Stiftung versichert war. Nach Art. 14 des Reglements
2005, Vorsorgeplan AN (Arbeitnehmer), wird die Invalidenrente grundsätzlich mit der
Invalidenrente der IV fällig.
3.
3.1 In den Berichten des Kantonalen Spitals E._ vom 28. Oktober und 11.
November 1998 wurden beim Kläger hinsichtlich des rechten Schultergelenks (Unfall
vom 1. Juli 1998) der Behandlungsabschluss auf den 26. Oktober 1998 sowie ab 28.
September 1998 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit und ab 28. Oktober 1998 eine volle
Arbeitsfähigkeit bescheinigt. Zuvor hatte bis zum 28. September 1998 eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit bestanden (act. G 1.1/20; act. G 15.1/4). Das Altersheim D._
begründete die Kündigung des Arbeitsverhältnisses auf Ende September 2000 im
Schreiben an den Kläger vom 19. Juni 2000 mit dem Hinweis auf das "Verhalten am
Arbeitsplatz in der Vergangenheit" (act. G 20.1/2; act. G 15.1/5). Der Austritt bei der
Beklagten 1 erfolgte auf den 30. November 2000 (act. G 15.1/2). Am 12. Dezember
2000 forderte die neue Arbeitgeberin (F._ GmbH) die Beklagte 1 auf, die
Freizügigkeitsleistung an die Beklagte 2 zu überweisen (Beginn des
Arbeitsverhältnisses am 1. Dezember 2000; act. G 15.1/3). Dieses Arbeitsverhältnis
kündigte die Arbeitgeberin am 13. Januar 2003 auf Ende April 2003 mit dem Hinweis,
dass unter den gegebenen Bedingungen eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich
sei. Am 27. März 2003 bestätigte sie, dass sich die Kündigungsfrist bis Ende Juni 2003
verlängere. Zuhanden der Invalidenversicherung bescheinigte sie am 10. März 2006,
dass das Arbeitsverhältnis von ihr wegen "Unzuverlässigkeit" auf Ende Juni 2003
aufgelöst worden sei. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2003 hatte der Kläger
bei der F._ GmbH einen Bruttolohn von Fr. 30'537.-- erzielt. In diesem Betrag waren
Fr. 4'861.-- Unfalltaggelder enthalten (act. G 15.1/7; act. G 20.1/4). Dr. G._ vermerkte
im Zeugnis vom 31. März 2003 ein Verhebetrauma der rechten Schulter am 24. Januar
2003 bzw. die Diagnose eines Verdachts auf Rotatorenmanschettenläsion. Er erklärte
die Behandlung bei voller Arbeitsfähigkeit auf den 11. März 2003 als abgeschlossen.
Zuvor hatte bis 2. März 2003 eine volle und danach eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
bestanden (act. G 1.1/21; G 20.1/3; Taggeldabrechnung der Zürich in act. G 15.1/7).
Dem Suva-Inspektor erklärte der Kläger am 14. April 2003, seit dem Unfall (Ereignis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom 24. Januar 2003) habe er Probleme mit der rechten Schulter. Es bestünden auch
immer wieder Nackenschmerzen (act. G 1.1/28). Am 2. Mai 2003 hielt der Suva-
Kreisarzt fest, ein Unfallereignis habe am 24. Januar 2003 nicht stattgefunden. Die
Beschwerden stünden in wahrscheinlichem Zusammenhang mit einer früheren
Verletzung von 1998 (act. G 1.1/22). Im Bericht des Kantonalen Spitals E._ vom
3. September 2003 wurde die Diagnose eines Verdachts auf AC-Gelenksarthrose sowie
ein Nackenschmerz bestätigt. Vom 5. August bis 7. September 2003 habe eine volle
Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ab 8. September 2003 sei der Kläger wieder zu 100%
arbeitsfähig geschrieben (act. G 1.1/24). Die Zürich erbrachte in der Zeit vom 5. August
bis 7. September 2003 entsprechend Taggeldleistungen (act. G 1.1/29). Ein
Spitalbericht vom 17. Dezember 2003 vermerkte Restbeschwerden muskulärer Art in
der Schulter (act. G 1.1/18). Dr. med. J._, Allgemeine Medizin FMH, berichtete
zuhanden der IV am 1. Mai 2004, in der bisherigen Tätigkeit sei der Kläger erheblich
(sicherlich zu 75%) eingeschränkt. Eine leichte Arbeit sei zu 30-50% zumutbar (act. G
15.1/8). Dr. med. K._, Kantonales Spital E._, berichtete am 12. Juli und 13. August
2004 über Untersuchungen vom Mai 2004 und die damals vorgesehene Durchführung
einer subacromialen Infiltration (act. G 1.1/25, 1.1/26). Eine Kernspintomographie der
HWS vom 4. Januar 2005 ergab das Vorliegen einer breitbasigen dorsalen Diskushernie
beidseits im Segment C6/C7. Seit langem bestehe eine Cervikobrachialgie rechts und
aktuell eine Schwäche im rechten Arm mit sensorischer Reizung und Parästhesien (UV-
act. ZM25). Von Seiten des Kantonsspitals St. Gallen, Neurochirurgie, wurde am
12. Januar 2005 ein operativer Eingriff empfohlen und festgehalten, dass der
Beschwerdeführer seit Januar 2005 arbeitslos sei (UV-act. ZM26). Dr. J._
bescheinigte am 9. März 2005 mit Hinweis auf die cervikale Diskushernie C6/C7 eine
volle Arbeitsunfähigkeit als Staplerfahrer und Handlanger seit 23. Dezember 2004 bis
auf weiteres (UV-act. ZM28). Physiotherapeutische Behandlungen waren beim Kläger
in den Monaten Februar, März, September und Oktober 2003 sowie im Verlauf des
Jahres 2004 und im Juli und August 2005 erfolgt (act. G 1.1/23).
3.2 Der Wirbelsäulenchirurg Prof. Dr. med. L._, Orthopädie, berichtete am 25. Mai
2005, im Vordergrund sei eindeutig die Symptomatik von Seiten der Schulter bzw. des
Schultergürtels; von Seiten der Diskushernie C6/7 verspüre der Patient nur selten
Beschwerden. Derzeit sei eine Operationsindikation für die Diskushernie C6/C7 nicht
gegeben (UV-act. ZM32). Im Gutachten vom 23. Dezember 2005 kam PD Dr. med.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
M._, FMH Orthopädische Chirurgie, zum Schluss, beim Kläger liege einerseits eine
posttraumatische AC-Arthrose (Schulter) rechts vor. Diese sei begleitet von einer
geringgradigen Instabilität der lateralen Clavicula. Das zweite Problem sei die in
Verkürzung geheilte Claviculafraktur. Die posttraumatische AC-Arthrose und leichte
AC-Instabilität sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die AC-Luxation (Unfall)
vom 1. Juli 1998 zurückzuführen. Die Beschwerden im Bereich der rechten Clavicula
seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die Claviculafraktur vom August 1999
(richtig: 12. Januar 2000) und die darauf durchgeführten Operationen zurückzuführen.
Es seien keine unfallfremden Ursachen feststellbar. Es bestünden verschiedene
Therapieoptionen. Eine davon sei die operative Behandlung. Sie bestehe in einem
komplexen Eingriff, verbunden mit einigen Risiken, über welche der Patient aufgeklärt
worden sei. Von einem konservativen Therapieversuch verspreche er sich angesichts
der Zeitdauer des Leidens und Komplexität wenig Erfolg. Im aktuellen Zustand sei der
Kläger als Chauffeur/Lagerist nicht arbeitsfähig. Der Beruf als Koch sei bei den
angegebenen, glaubhaften Beschwerden nicht mehr möglich. In einer dem
Verletzungsbild angepassten Tätigkeit (Überwachungs- und Kontrollfunktionen,
administrative Funktionen) bestehe eine ca. 50 %ige Arbeitsfähigkeit (act. G 15.1/9;
UV-act. ZM37). Im Nachgang zur auf den 30. Juni 2005 erfolgten ALV-Aussteuerung
bezog der Beschwerdeführer im Jahr 2006 Sozialhilfe (UV-act. UV-act. Z78 S. 2). Den
im Gutachten M._ erwähnten operativen Eingriff liess er nicht vornehmen. Dr. J._
berichtete am 7. Februar und 31. Mai 2006, er habe den Kläger wegen der
unfallbedingten Beschwerden vom 23. Dezember 2004 bis 30. Juni 2005 zu 100%
arbeitsunfähig geschrieben. Er befasse sich mit seinen Problemen seit Oktober 2004.
Ein Versuch als Staplerfahrer habe nicht lange durchgeführt werden können, da er in
dieser statischen Haltung massive Schmerzen bekommen habe. Auch als angelernter
Koch sei eine Arbeit nicht mehr möglich gewesen. Er (der Arzt) sei dafür bekannt, dass
er Patienten rasch wieder in den Arbeitsprozess zurückführe. Patienten, die nicht
arbeiten wollten, würden nicht bei ihm auftauchen. Da sich die Situation etwas
gebessert habe, bestehe ab 1. Juli 2005 eine 50%ige (bzw. 50-70%ige)
Arbeitsfähigkeit. Die Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit von
persistierenden Schulterschmerzen und Schulterarmsyndrom bestehe seit 1998 (act. G
1.1/27; act. G 15.1/8; UV-act. ZM39). Der IV-Berufsberater hielt am 30. Oktober 2006
unter anderem fest, seit Januar 2005 sei der Kläger in den angestammten Tätigkeiten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(Koch, Lagerist, Staplerfahrer) vollständig arbeitsunfähig. In einer adaptierten Tätigkeit
liege eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vor. Nach anfänglicher erfolgloser Stellensuche sei
zur Klärung der beruflichen Möglichkeiten eine Befas-Abklärung notwendig (act. G
20.1/5).
3.3 Dr. med. N._, Chirurgie FMH, legte im Bericht vom 13. März 2007 dar, ein
Korrektureingriff bei fehlverheilter Clavicula-Fraktur sei in aller Regel ein sehr dankbarer
Eingriff. Damit könne die dadurch bedingte Symptomatik zuverlässig beeinflusst
werden. Welcher Teil der Symptomatik durch die HWS und welcher Teil durch die
fehlverheilte Clavicula-Fraktur bedingt sei, werde jedoch erst klar, wenn die Clavicula
operiert sei. Relevant sei zudem die beim Beschwerdeführer bestehende
Chronifizierung. Es sei davon auszugehen, dass ohne operative Behandlung die
Situation so bleibe wie sie aktuell sei (UV-act. ZM41). Eine Abklärung in der BEFAS-
Appisberg ergab gemäss Bericht vom 6. März 2007 eine Arbeitsfähigkeit von 50% in
einer Tätigkeit mit leichteren Gewichtsbelastungen in ergonomisch günstiger
Körperposition, ohne Überkopfeinsätze mit dem rechten Arm und ohne grössere
Kraftaufwendungen und unter Vermeidung von repetitiven Einsätzen in ungünstiger
Zwangsposition (IV-act. 39). Der RAD-Arzt Dr. med. O._ führte im Bericht vom 6. Juli
2007 unter anderem aus, in den bisherigen Tätigkeiten (Koch, Lagerist, Staplerfahrer)
bestehe seit Januar 2005 eine volle Arbeitsunfähigkeit. In einer adaptierten Arbeit liege
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vor (act. G 1.1/17). Dr. med. P._, Uniklinik Balgrist, hielt
im Bericht vom 7. April 2008 fest, auch nach einer Operation (Bandscheibe im HWS-
Bereich) sei nicht sicher, dass der Kläger in seinem Beruf wieder arbeitsfähig werde. Es
werde eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 4. April bis 31. Mai 2008 bescheinigt (act. G
15.1/10). Im Bericht der Uniklinik Balgrist vom 29. April 2008 wurde die Indikation für
einen Korrektureingriff der in Fehlstellung verheilten Claviculafraktur als nicht gegeben
erachtet. Die Schmerzen seien lokalisiert an der Halswirbelsäule und am
Acromioclaviculargelenk. Es bestünden Schmerzen bei Palpation im Bereich des AC-
Gelenks mit Schmerzen bei Kompression des AC-Gelenks rechts. Die
Nackenbeweglichkeit nach rechts sei deutlich schmerzhaft eingeschränkt. Es liege im
angestammten Beruf als Koch eine unfallbedingte 50%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Diese
sei begründet durch die Funktionseinschränkung des rechten dominanten Arms.
Wegen der Schulterschmerzen sei der Patient zu 100 % arbeitsunfähig für schwere
körperliche Arbeiten. Für leichte körperliche Arbeiten (mit Heben von Gewichten von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
weniger als 5 kg und ohne monotonen Bewegungsablauf) bestehe volle
Arbeitsfähigkeit auf Bauchhöhe (act. G 1.1/19; UV-act. ZM48). In der Stellungnahme
vom 9. April 2009 hielt RAD-Ärztin Q._ fest, es könne weiterhin auf die 50%ige
Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte Tätigkeit (körperlich leicht, auf Tischhöhe, Heben mit
dem rechten Arm bis 5kg) abgestellt werden. Der Beginn der langdauernden Krankheit
sei per 23. Dezember 2004 anzunehmen (Bericht Dr. J._ vom April 2006). Ein
schwankender Verlauf der Arbeitsunfähigkeit lasse sich nicht ableiten (act. G 15.1/11).
4.
4.1 Zu prüfen ist konkret zum einen die Frage, ob beim Kläger während der
Vorsorgeverhältnisse bei der Beklagten 1 (von 1994 bis 30. November 2000; act. G
15.1/2), bei der Beklagten 2 (von Dezember 2000 bis Juni 2003) oder der Beklagten 3
(von Juli 2003 bis Januar 2005) eine Arbeitsunfähigkeit aufgetreten ist, welche in
sachlichem und zeitlichem Zusammenhang mit der von der IV ab Dezember 2005
anerkannten Invalidität steht. Unter Arbeitsunfähigkeit ist die gesundheitlich bedingte
Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf zu verstehen. Die
Arbeitsunfähigkeit muss erheblich, offensichtlich und dauerhaft sein. Die Erheblichkeit
wird in der Regel dann bejaht, wenn die Einschränkung mindestens 20% beträgt (vgl.
Bundesamt für Sozialversicherung, Mitteilungen über die berufliche Vorsorge, Nr. 44 Rz
258 mit Hinweis auf EVG-Urteil vom 7. Oktober 1998, B 48/97). Die Ermittlung der
Arbeitsunfähigkeit geht von ärztlichen Bewertungen aus. Wenngleich diese für das
Gericht nicht verbindlich sind, so sollen sie dennoch nicht ohne hinreichenden Grund
umgestossen oder abgeändert werden. Der Beurteilungsspielraum, der dem Arzt oder
der Ärztin zukommt, ist auch vom Gericht zu respektieren (RSKV 1983, S. 266). Für die
Festlegung des Beginns und des Grads der Arbeitsunfähigkeit ist somit grundsätzlich
die nach ärztlicher Beurteilung medizinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit massgebend.
Der von einer versicherten Person effektiv erbrachten Arbeitsleistung kann jedoch
soweit Bedeutung zukommen, als durch sie eine widersprechende ärztliche Beurteilung
der zumutbaren Arbeitsfähigkeit an Beweiskraft verlieren kann (Entscheid des st.
gallischen Versicherungsgerichts vom 25. Februar 2003, BV 2002/2, E. 3b). Während
für den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im Sinn von Art. 23 BVG die Einbusse an
funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf massgeblich ist, beurteilt sich
der zeitliche Zusammenhang zwischen der Arbeitsunfähigkeit im Sinn von Art. 23 BVG
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und der später eingetretenen Invalidität nach der Arbeitsfähigkeit in einer der
gesundheitlichen Beeinträchtigung angepassten zumutbaren Tätigkeit. Darunter fallen
auch leistungsmässig und vom Anforderungsprofil her vergleichbare Tätigkeiten. Diese
Tätigkeiten müssen jedoch bezogen auf die angestammte Tätigkeit die Erzielung eines
rentenausschliessenden Einkommens erlauben (BGE 134 V 20 E. 5.3).
4.2 Mit Blick auf die in E. 2.3 dargelegten Reglementsbestimmungen ist festzuhalten,
dass die Beklagte 2 einen Invaliditätsbegriff verwendet, der grundsätzlich von
demjenigen der IV abweicht, wobei allerdings alternativ auf die Invaliditätsbemessung
durch die IV verwiesen wird. Die Beklagten 1 und 3 veweisen in ihren
reglementarischen Bestimmungen demgegenüber generell auf die
Invaliditätsbemessung der IV. Die IV-Verfügungen vom 18. September und 20. Oktober
2009 wurden den Beklagten 1 und 2, nicht jedoch der Beklagten 3 zugestellt (act. G
1.1/15). Eine Bindung an die Festlegung der rentenbegründenden Arbeitsunfähigkeit
und den IV-Grad durch die IV ist somit im Fall der Beklagten 3 zu verneinen. Die IV-
Verfügung vom 18. September 2009 geht von einer krankheitsbedingten
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seit 23. Dezember 2004 aus (act. G 1.1/15).
Nachdem die Verbindlichkeit der Festsetzung des Beginns des Wartejahrs (Dezember
2004) durch die IV-Stelle jedenfalls in Bezug auf die Beklagte 3 zu verneinen ist und die
Beklagte 2 einen von der IV abweichenden Invaliditätsbegriff verwendet, sind
diesbezüglich der Eintritt der massgeblichen Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit sowie
ein allfälliger Anspruch gegenüber den Beklagten auf Invalidenleistungen von diesen
bzw. vom angerufenen Versicherungsgericht selbständig abzuklären und festzulegen.
Dabei sind auch die im IV-Verfahren produzierten Akten mit zu berücksichtigen.
Hinsichtlich des von der IV vorgenommenen Einkommensvergleichs bzw. des
festgelegten IV-Grads (63% ab Dezember 2005) besteht dagegen kein Anlass für eine
selbständige Festlegung in diesem Verfahren, zumal Anhaltspunkte für eine offensicht
liche Unrichtigkeit weder aus den Akten ersichtlich sind noch - abgesehen von einer
Ausnahme (vgl. nachstehend E. 4.5) - geltend gemacht werden. Der Umstand, dass die
Bindungswirkung im Fall der Beklagten 1 an sich zu bejahen wäre, wirkt sich im
Ergebnis nicht aus, weil für diese - wie sich nachstehend zeigen wird - die
Leistungsvoraussetzungen (Eintritt der rentenbegründenden Arbeitsunfähigkeit
während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses) zum vornherein nicht erfüllt sind.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.3 Während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten 1 lag gemäss
den ärztlichen Bescheinigungen nach dem Unfall vom 1. Juli 1998 lediglich bis Ende
Oktober 1998 eine Arbeitsunfähigkeit vor (act. G 1.1/20, G 15.1/4). Im Nachgang zum
Sturz mit dem Roller vom 12. Januar 2000 und nach ärztlicher Behandlung
bescheinigte das Kantonale Spital E._ ab 16. Juni 2000 wieder eine volle
Arbeitsfähigkeit (vgl. Spitalbericht vom 7. August 2000, UV-act. 21; Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. Mai 2010 [UV 2009/9], E. A.a).
Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses im Altersheim D._ erfolgte soweit ersichtlich
nicht aus gesundheitlichen Gründen (act. G 20.1/2, G 15.1/5), sondern wegen
"Umstrukturierungen am Arbeitsplatz" (act. G 15.1/9 S. 3), und im Zeitpunkt der
Beendigung des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten 1 (30. November 2000; act. G
15.1/2) bzw. bei Eintritt bei der Beklagten 2 (auf Anfang Dezember 2000; vgl. act. G
15.1/3) bestand nach Lage der Akten keine Arbeitsfähigkeitseinschränkung. Im
Nachgang zum Verhebetrauma der Schulter vom 24. Januar 2003 dauerte die
(teilweise) Arbeitsunfähigkeit sowie die entsprechende ärztliche Behandlung gemäss
Bescheinigung von Dr. G._ bis 11. März 2003 (act. G 1.1/21, G 20.1/3, G 15.1/7).
Sowohl im Kündigungszeitpunkt (13. Januar 2003; act. G 1.1/4; IV-act. 12-6/7f) als
auch bei Austritt bei der F._ GmbH bzw. der Beklagten 2 per Ende Juni 2003
(Kündigung wegen "Unzuverlässigkeit"; act. G 20.1/4, IV-act. 12-1/7) war der Kläger in
seiner Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt. Das Bestehen von gesundheitlichen
Einschränkungen an Schulter und HWS sowie physiotherapeutische Behandlungen
(act. G 1.1/23) belegen für sich allein - ohne ärztliche Bescheinigung einer
Arbeitsfähigkeitseinschränkung - noch keinen Eintritt bzw. kein Weiterbestehen einer
rentenbegründenden Arbeitsunfähigkeit während und unmittelbar nach Beendigung der
Vorsorgeverhältnisse bei den Beklagten 1 und 2 (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
vom 15. Juli 2008, 9C_178/2008, E. 3.2). Eine rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit in
diesem Sinn kann jedenfalls nicht mit überwiegender Wahrscheinlich angenommen
werden und hat damit als beweislos zu gelten. Anlässlich der Antragstellung bei der
Arbeitslosenversicherung per 1. Juli 2003 erklärte sich der Kläger nach seinen
Darlegungen (act. G 1 S. 8) und den von der Beklagten 3 eingereichten Unterlagen (act.
G 17.1 S. 2) für voll vermittlungsfähig, und die ALE-Taggelder ab Juli 2003 wurden
denn auch soweit ersichtlich auf der Basis eines (ungekürzten) versicherten Verdienstes
von Fr. 4'800.-- berechnet (act. G 1.1/8; während des ersten Halbjahres 2003 hatte der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kläger bei der F._ GmbH rund 30'000.-- Franken brutto, einschliesslich UV-
Taggelder, verdient [act. G 15.1/7, IV-act. 12-4/7], wobei die letzteren nicht
beitragspflichtig [Art. 6 Abs. 2 lit. b AHVV] und deshalb nicht Bestandteil des IK-
Eintrags von Fr. 23'516.-- für diesen Zeitraum bilden [IV-act. 7-2/5]). Während der
Arbeitslosigkeit von Juli 2003 bis Januar 2005 (mit ALV-Taggeldbezug; vgl. IV-act.
7-2/5) und bestehendem Vorsorgeverhältnis bei der Beklagten 3 (act. G 1.1/7, G 1.1/8)
lag eine vom 5. August bis 7. September 2003 zeitlich befristete (vorübergehende)
Arbeitsunfähigkeit mit UV-Taggeldbezug vor (act. G 1.1/24, 1.1/29). Die Feststellung
von Dr. med. R._, Kantonales Spital E._, vom 3. September 2003, wonach er den
(arbeitslosen) Kläger ab 8. September 2003 wieder 100% arbeitsfähig geschrieben
habe, damit dieser auf dem Arbeitsmarkt wieder vermittlungsfähig sei, vermag keine
längerdauernde Arbeitsunfähigkeit zu belegen. Erst später - aber ebenfalls noch
während des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten 3 - ergab sich gemäss den
ärztlichen Bescheinigungen im Verlauf bzw. auf Ende des Jahres 2004 eine
Arbeitsfähigkeitseinschränkung beim Kläger mit Dauercharakter sowohl in den
bisherigen Tätigkeiten (Koch, Staplerfahrer, Lagerist) als auch in einer adaptierten
Arbeit (vgl. Zeugnisse Dr. J._ vom 1. Mai 2004 und 9. März 2005 [IV-act. 18-3/25 und
UV-act. ZM28], sowie act. G 1.1/27 bzw. UV-act. ZM39 und G 15.1/8; Gutachten Dr.
M._ [act. G 15.1/9 bzw. UV-act. ZM37]; Befas-Bericht vom 6. März 2007 [IV-act. 39]).
Von diesen Einschätzungen ging auch die IV für die Invaliditätsbemessung aus (act. G
20.1/, G 1.1/17). Der Bericht der Uniklinik Balgrist vom 29. April 2008, worin ohne
nähere Ausführungen eine volle Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten "auf Bauchhöhe"
bescheinigt worden war (act. G 1.1/19), vermag die Einschätzung (50% Arbeitsfähigkeit
für eine adaptierte Tätigkeit) in den weiteren ärztlichen Berichten (UV-act. ZM28; act. G
1.1/27, 15.1/8) und Gutachten (act. G 15.1/9 bzw. UV-act. ZM37 und IV-act. 39) nicht in
Frage zu stellen, zumal im früheren Bericht der Uniklinik Balgrist vom 25. März 2008
noch von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit und in demjenigen vom 7. April 2008 befristet
sogar von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen worden war (UV-act. ZM46 S.
2, ZM47 S. 2). Die RAD-Ärztin hielt an ihrer bisherigen Einschätzung (50% adaptiert)
auch nach Vorliegen des Berichts der Uniklinik Balgrist vom 29. April 2008 (act. G
1.1/19) fest mit dem Hinweis, dass der Beginn der langdauernden Krankheit mit dem
23. Dezember 2004 anzunehmen und ein schwankender Verlauf der Arbeitsunfähigkeit
seither nicht ausgewiesen sei (act. G 15.1/11; IV-act. 78). Auch der Kläger selbst hatte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
im IV-Antrag erklärt, seit dem 5. Januar 2005 arbeitsunfähig zu sein (act. G 1.1/14 Ziff.
6.6.1). Bei dieser Aktenlage erscheint ein Eintritt einer Arbeitsunfähigkeit, deren
Ursache später zur Invalidität führte, während der Dauer des
Versicherungsverhältnisses bei der Beklagten 3 überwiegend wahrscheinlich belegt.
4.4 Zu prüfen bleibt die Frage, ob der zeitliche Zusammenhang zwischen der im
Verlauf des Jahres 2004 (vgl. act. G 15.1/8) eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der
späteren Invalidität durch die ebenfalls im Jahr 2004 bis Anfang 2005 ausgeübten,
mehrmonatigen Tätigkeiten als unterbrochen zu gelten hat. Zu berücksichtigen sind in
diesem Zusammenhang die in der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tretenden
Verhältnisse (SZS 2003 S. 509 [B 23/01]; EVG-Urteil vom 28. Mai 2002, B 73/00, E. 3a/
bb). Einen Unterbruch des zeitlichen Zusammenhangs hat die Rechtsprechung etwa
bei einer über 17 Monate (SZS 2003 S. 510 [B 4/02]) oder mehr als zwei Jahre (EVG-
Urteil vom 7. September 2006, B 51/05, E. 4.1 und 5.3) hinweg bestehenden
Erwerbstätigkeit ohne nennenswerte Arbeitsunterbrüche und ohne reduzierte
Arbeitsleistung angenommen. In einem Fall erachtete das EVG den zeitlichen
Zusammenhang - unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls - bereits durch
eine sechsmonatige Zeitspanne mit voller Arbeits- und Erwerbsfähigkeit als
unterbrochen (SZS 2002 S. 153 [B 19/98]; ähnlich EVG-Urteil vom 8. Februar 2006, B
100/05, E. 3.2 [Unterbruch durch über viermonatige volle Erwerbstätigkeit]). Die
vertraglich festgesetzte Pflicht zur Erbringung von Arbeit und die dafür vorgesehene
Entlöhnung sowie weitere im Rahmen des Arbeitsverhältnisses getroffene
Vereinbarungen sind in der Regel als den realen Gegebenheiten entsprechend zu
werten. Nur bei Vorliegen besonderer Umstände darf die Möglichkeit einer von der
arbeitsrechtlich zu Tage tretenden Situation in Wirklichkeit abweichenden Lage - etwa
in dem Sinn, dass ein Arbeitnehmer zwar zur Erbringung einer vollen Arbeitsleistung
verpflichtet war und auch entsprechend entlöhnt wurde, tatsächlich aber eben doch
keine volle Arbeitsleistung hat erbringen können - in Betracht gezogen werden, wobei
aber äusserste Zurückhaltung geboten ist. Andernfalls bestünde die Gefahr, in
Spekulationen zu verfallen, mit der Folge, dass sich der Versicherungsschutz des
Arbeitnehmers verflüchtigen würde, indem dieser jeweils an die Vorsorgeeinrichtung
des früheren Arbeitgebers verwiesen werden könnte (EVG-Urteil vom 28. Mai 2002, B
73/00, E. 3a/bb). Findet beispielsweise jemand nach langer Arbeitslosigkeit eine neue
Stelle, bei welcher die Entlöhnung geringer als das hochgerechnete Einkommen bei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einem früheren Arbeitgeber ausfällt, lässt allein diese tiefere Besoldung noch nicht auf
eine gesundheitsbedingte Einschränkung des Leistungsvermögens schliessen (EVG-
Urteil vom 21. November 2002, B 23/01, E. 3.4; vgl. auch Entscheid des st. gallischen
Versicherungsgerichts vom 28. November 2005, BV 2004/26, bestätigt durch EVG-
Urteil vom 9. März 2007, B 7/06; Entscheid des st. gallischen Versicherungsgerichts
vom 14. März 2005, BV 2003/25, bestätigt durch EVG-Urteil vom 7. September 2006, B
51/05). Vom 1. Juni bis 31. August 2004 arbeitete der Kläger im Rahmen eines
befristeten Arbeitsvertrages vollzeitlich als Aushilfskoch (IV-act. 17). Nach seiner
Darlegung kam es dort gesundheitsbedingt zu keiner Festanstellung (act. G 1.1/9,
1.1/10). Er habe feststellen müssen, dass er aufgrund der Schulterproblematik nicht
mehr als Koch arbeiten könne (act. G 1 S. 3). Die Arbeitgeberin hatte
Arbeitsunfähigkeiten am 30. Juni, vom 1. bis 16. Juli und vom 5. bis 9. August 2004
bescheinigt (IV-act. 17-2/4). Hierauf war er vom 18. Oktober 2004 bis 7. Januar 2005
vollzeitlich als Staplerfahrer angestellt. Die Arbeitgeberin - ein durch die H._
vermittelter Einsatzbetrieb - hatte das Arbeitsverhältnis aufgelöst mit dem Hinweis,
dass die Arbeit "mittelmässig" und der Kläger oft krank gewesen sei (act. G 1.1/11, act.
G 1.1/12). Sie vermerkte zuhanden der IV Arbeitsunfähigkeiten vom 17. bis 22.
November 2004 und vom 23. Dezember 2004 bis 5. Januar 2005 (IV-act. 8-5/5).
Dr. J._ hielt in diesem Zusammenhang am 31. Mai 2006 fest, ein Versuch als
Staplerfahrer habe nicht lange durchgeführt werden können, da der Kläger in dieser
statischen Haltung massiv Schmerzen bekommen habe. Auch als angelernter Koch, wo
er stets in vornüber gebeugter Haltung habe arbeiten müssen (rühren, zubereiten etc.)
hatten starke Schmerzen eine weitere Arbeit verunmöglicht. Am 7. Februar 2006 hatte
der Arzt bescheinigt, dass trotz Schonung und Arbeitslosigkeit Dauerschmerzen im
Bereich der rechten Schulter, der rechten Halsseite und des rechten Arms bestünden
(act. G 15.1/8, G 1.1/27). Unter den geschilderten Umständen ist überwiegend
wahrscheinlich davon auszugehen, dass es sich bei den beiden je rund drei Monate
dauernden Arbeitsverhältnissen um Arbeitsversuche handelte, welche den zeitlichen
Zusammenhang zwischen den im Jahr 2004 eingetretenen Arbeitsunfähigkeiten und
der später von der IV bescheinigten Invalidität nicht zu unterbrechen vermochten.
Vielmehr traten dabei die beim Kläger bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen
klar zu Tage. Offen bleiben kann damit die Frage der Versicherungsdeckung bei der
Vorsorgeeinrichtung H._ (vgl. act. G 1.1/13; Art. 1k BVV 2). Beim geschilderten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt wird die Beklagte 3 leistungspflichtig, wobei die Fälligkeit der Leistungen
zeitlich mit dem Beginn der IV-Rente (Dezember 2005) zusammenfällt (Art. 14 Abs. 1
Reglement 2005, Vorsorgeplan AN).
Die Beklagte 1 erachtet die Bemessung des Valideneinkommens durch die IV als
unzutreffend, weil von dem im Altersheim E._ vom Kläger als Koch erzielten
Einkommen ausgegangen worden sei (act. G 15 S. 10; IV-act. 87). Dazu ist
festzuhalten, dass bei der Ermittlung des ohne Gesundheitsschaden mutmasslich
erzielten Verdienstes (Valideneinkommen) zu klären ist, was die versicherte Person im
Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit im Gesundheitsfall tatsächlich verdienen würde.
Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer
Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre (BGE 135 V 297 E. 5.1). Das Valideneinkommen beruht also
auf der hypothetischen beruflichen Laufbahn ohne Eintritt des Gesundheitsschadens.
Der Kläger nahm die Tätigkeit bei der F._ GmbH soweit ersichtlich lediglich deshalb
an, weil ihm die angestammte Arbeit als Koch im Altersheim im Rahmen von
Umstrukturierungen gekündigt worden war. Im Jahr 2004 versuchte er denn auch einen
Wiedereinstieg im angestammten Beruf als Koch, was jedoch aus gesundheitlichen
Gründen misslang (vorstehend E. 4.4). Bei diesem Sachverhalt lässt sich nicht
beanstanden, dass die IV bei der Bemessung des Valideneinkommens von dem vom
Kläger als Koch erzielten Einkommen ausging. Weitere Anhaltspunkte für eine
Unrichtigkeit der Bemessung des Erwerbsunfähigkeitsgrades (Einkommensvergleich)
durch die IV werden weder geltend gemacht noch ergeben sich solche aus den Akten
(vgl. dazu bereits vorstehend E. 4.2).
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Klage gegen die Beklagte 1 und 2
abzuweisen. Die Beklagte 3 ist in Gutheissung der gegen sie erhobenen Klage zu
verpflichten, dem Kläger mit Wirkung ab Dezember 2005 Leistungen auf der Basis
eines IV-Grads von 63% auszurichten. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73
Abs. 2 BVG). Im Bereich der beruflichen Vorsorge anerkennt die Rechtsprechung die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/23
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Pflicht zur Entrichtung von Verzugszinsen bei einer verspäteten Überweisung von
Freizügigkeitsleistungen sowie bei verspäteter Auszahlung eines Alterskapitals oder bei
Invalidenrenten (Hans-Ulrich Stauffer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zur
beruflichen Vorsorge, 1996, S. 27). Enthalten die Statuten keine Bestimmung über die
Höhe des Verzugszinses, beträgt dieser 5% (Art. 104 Abs. 1 OR). Der Beginn der
Zinspflicht richtet sich nach Art. 105 Abs. 1 OR (BGE 119 V 133 E. 4 = Pra 83 (1994) Nr.
67), wonach ein Schuldner, der mit der Entrichtung von Renten im Verzug ist, erst vom
Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an Verzugszinsen zu
bezahlen hat. Im vorliegenden Fall hat der Kläger am 30. November 2010 die Klage
eingeleitet; somit schuldet ihm die Beklagte 3 ab diesem Zeitpunkt Verzugszins zu 5%
auf den ausstehenden Leistungen.
5.2 Bei diesem Verfahrensausgang wird die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
gegenstandslos. Der Kläger hat Anspruch auf Parteientschädigung gegenüber der
Beklagten 3. Es rechtfertigt sich, diese - wie in vergleichbaren Verfahren üblich - auf
pauschal Fr. 4'000.-- festzulegen. Die Honorarkürzung um einen Fünftel (vgl. Art. 31
Abs. 3 AnwG [sGS 963.75]) fällt wegen Gegenstandslosigkeit der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung dahin. Die Beklagten 1 und 2 beantragen die Ausrichtung einer
Entschädigung. Als Vorsorgeeinrichtungen haben sie praxisgemäss keinen
diesbezüglichen Anspruch, soweit - wie vorliegend - die Prozessführung der
Gegenpartei nicht als mutwillig oder leichtsinnig zu bezeichnen ist (BGE 112 V 356,
SZS 1995, 114; BGE 126 V 143, 128 V 323). Die Anträge auf Ausrichtung einer
Parteientschädigung sind deshalb abzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP