Decision ID: 0d34b819-f2af-5917-9d8a-53548fa577f2
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer reichte am 11. Dezember 2014 bei der Gemeinde Sigriswil ein
Baugesuch ein für den Neubau eines Parkplatzes mit Stützmauer aus Naturstein auf
Parzelle Sigriswil Grundbuchblatt Nr. Y._. Die Parzelle liegt in der Wohnzone W1.
Mit Schreiben vom 17. Dezember 2014 bestätigte die Vorinstanz den Eingang des
Baugesuchs und machte den Beschwerdeführer darauf aufmerksam, dass noch diverse
Unterlagen fehlten und dass diese bis am 23. Januar 2015 nachzureichen seien. Mit
Schreiben vom 10. Juni 2015 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mit, dass sie die
nötigen Unterlagen nach wie vor nicht erhalten habe. Sie bat den Beschwerdeführer, die
geforderten Unterlagen bis spätestens am 14. August 2015 nachzureichen, andernfalls
betrachte sie das Baugesuch als zurückgezogen und werde es unter Verrechnung des
Arbeitsaufwandes vom Geschäftsverzeichnis abschreiben. Der Beschwerdeführer teilte der
Vor-instanz mit E-Mail vom 13. Juli 2015 mit, er ziehe das Baugesuch zurück. Mit
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Verfügung vom 20. Juli 2015 schrieb die Vorinstanz das Baubewilligungsverfahren ab und
auferlegte dem Beschwerdeführer die Verfahrenskosten von Fr. 462.50. Daraufhin
verlangte der Beschwerdeführer beim Regierungsstatthalter Thun, ihm sei genau
mitzuteilen, aus welchen Arbeiten sich die 2.5 Stunden Aufwand des Sekretariats und die
0.5 Stunden für den Aufwand der Bauverwaltung zusammensetzten. Auf Anweisung des
Regierungsstatthalters Thun reichte die Vorinstanz mit Schreiben vom 10. August 2015
eine detaillierte Aufstellung der Baugebühren nach.
2. Gegen die Abschreibungsverfügung vom 20. Juli 2015 reichte der Beschwerdeführer
am 17. August 2015 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des
Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die Reduktion der Gebühren und macht
insbesondere geltend, die Arbeitsdauer sei willkürlich und zu hoch eingeschätzt worden.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde Sigriswil beantragt in
ihrer Stellungnahme vom 1. September 2015 die Abweisung der Beschwerde. Auf die
Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer ist Adressat der Verfügung vom 20. Juli 2015
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2. Gebühren der Gemeinde
a) Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, der von der Gemeinde angegebene
Zeitaufwand von drei Stunden sei willkürlich und zu hoch eingeschätzt worden. Aus diesem
Grund beantragt er die Reduktion der Gebühren. Die Gemeinde führt aus, die Berechnung
der Verfahrenskosten sei im Rahmen des Gebührenreglements der Gemeinde Sigriswil
erfolgt und in genügendem Umfang dokumentiert.
b) Gemäss Art. 51 BewD3 kann die Gemeinde für ihre Tätigkeiten im
Baubewilligungsverfahren und für ihre baupolizeilichen Verrichtungen Verfahrenskosten
erheben. Dabei handelt es sich um Verwaltungsgebühren. Diese sind geschuldet, wenn
jemand durch sein Verhalten eine Amtshandlung veranlasst oder verursacht.4 Für die
Erhebung einer Verwaltungsgebühr ist eine hinreichende gesetzliche Grundlage
erforderlich (Legalitätsprinzip).5 Demnach bedürfen öffentliche Abgaben einer generell-
abstrakten Grundlage in einem formellen Gesetz, das den Kreis der Abgabepflichtigen
sowie den Gegenstand und die Bemessungsgrundlage der Abgabe festlegt. Bei der
Bemessung der Abgaben sind zudem das Kostendeckungs- und das Äquivalenzprinzip6 zu
beachten. Art. 51 BewD allein genügt nicht als gesetzliche Grundlage für das Erheben von
Verfahrenskosten für baupolizeiliche Tätigkeiten. Die Gemeinden haben für die Erhebung
ihrer Gebühren einen Gebührentarif zu erlassen (Art. 51 Abs. 3 BewD).
Die Gemeinde Sigriswil hat gestützt auf Art. 69 Abs. 4 Bst. a BauG in Verbindung mit
Art. 51 Abs. 3 BewD ein Gebührenreglement (GebR)7 erlassen, welches zugleich auch
einen Gebührentarif enthält. Die in Rechnung gestellten Dienstleistungen sind in Art. 27 ff.
3 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 4 Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 3. Aufl. Bern 2009, § 57 Rz. 23; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, N. 2627 ff. 5 Tschannen/Zimmerli/Müller, a.a.O., § 59 N 1 ff.; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N. 2693 ff. 6 Vgl. Tschannen/Zimmerli/Müller, a.a.O., § 58 N 10 ff.; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N. 2637 ff. 7 Gebührenreglement, in Kraft seit dem 1. Januar 2010 der Einwohnergemeinde Sigriswil (GebR)
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GebR umschrieben. Damit besteht grundsätzlich eine genügende gesetzliche Grundlage
für die erhobenen Gebühren.
c) Mit Schreiben vom 10. August 2015 hat die Gemeinde dem Beschwerdeführer eine
detaillierte Aufstellung der Gebühren nachgereicht. Ihr sind die einzelnen Amtshandlungen
sowie weitere Kosten für Kopien, Büromaterial sowie Porto genau zu entnehmen. Die
Gemeinde hat folgende Arbeitsstunden in Rechnung gestellt: 1.5 Stunden Sekretariat
(Erfassen Baugesuch, Sortieren und Kopieren der Unterlagen, Erstellen der Baugesuchs-
Mappe), 1.0 Stunde Sekretariat (Eingangsbestätigung, Einfordern der fehlenden
Unterlagen) sowie 0.5 Stunden Aufwand der Bauverwaltung (Durchsicht und Prüfung der
Gesuchsunterlagen). Der berechnete Zeitaufwand erscheint mit Blick auf die aufgelisteten
Tätigkeiten durchaus nachvollziehbar und es ist nicht zu erkennen, inwiefern dieser
willkürlich berechnet worden wäre. Insgesamt 2.5 Stunden Aufwand des Sekretariats,
wobei dieses den Beschwerdeführer nochmals an die Nachreichung der fehlenden
Unterlagen erinnern musste, erscheinen keinesfalls als übermässig. Auch die 0.5 Stunden
der Bauverwaltung bewegen sich im Rahmen des zu Erwartenden. Insgesamt ist somit die
Berechnung des Arbeitsaufwandes als vertretbar und nicht als zu hoch zu bewerten. Im
Übrigen ist die Gemeinde ihrer Begründungspflicht durch die exakte Auflistung der
einzelnen Amtshandlungen sowie der Gebühren nachgekommen.
Die Gebühren für die einzelnen Amtshandlungen lassen sich Art. 27 ff. GebR entnehmen.
Die Gebührentarife für die Aufwandgebühren I und II werden im kommunalen
Gebührentarif8 festgelegt (Art. 49 Abs. 1 GebR). Die genannten Arbeitsstunden werden zu
den im Gebührentarif deklarierten Stundenansätzen von Fr. 75.00 bzw. Fr. 110.00
berechnet. Das Ausstellen einer Abschreibungsverfügung wird pauschal mit Fr. 200.00 in
Rechnung gestellt (Art. 29 Abs. 3 GebR). Die Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 462.50
entsprechen dem Gebührenreglement der Gemeinde Sigriswil und sind nicht zu
beanstanden und insbesondere nicht willkürlich.
Die Kosten des Baubewilligungsverfahrens werden von den Gesuchstellenden getragen
(Art. 52 BewD). Dies ist vorliegend der Beschwerdeführer. Die genannten Gebühren
wurden ihm daher zu Recht auferlegt.
8 Gebührentarif der Gemeinde Sigriswil vom 16. Januar 2012 (Gebührentarif)
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d) In seiner Eingabe vom 23. September 2015 macht der Beschwerdeführer geltend, im
Bauverfahren vor der Gemeinde Sigriswil habe es keine besonderen Untersuchungen,
Gutachten und dergleichen gegeben, es könnten daher keine zusätzlichen Gebühren
gemäss Art. 103 Abs. 1 VRPG9 erhoben werden.
Art. 103 VRPG bezieht sich auf die Kosten des Beschwerdeverfahrens, er ist auf das
Baubewilligungsverfahren der Gemeinde zum Vornherein nicht anwendbar. Die Gemeinde
hat dem Beschwerdeführer denn auch keine Gebühren gestützt auf Art. 103 VRPG in
Rechnung gestellt. Die Rüge ist unbegründet.
Damit ist der Beschwerdeführer mit keinem seiner Vorbringen durchgedrungen. Die
Beschwerde wird abgewiesen.
3. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 600.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV10). Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).