Decision ID: 051dba6d-020d-5d8b-868b-4ed799a381b9
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer versuchte am 11. März 2021 papierlos und rechts-
widrig von Italien herkommend in die Schweiz einzureisen, wurde jedoch
von den schweizerischen Grenzwachtbehörden an den Nachbarstaat zu-
rückübergeben. In der Folge reiste er erneut illegal in die Schweiz ein und
stellte am 12. März 2021 im Bundesasylzentrum (BAZ) der Region Zürich
ein Asylgesuch. Am 16. März 2021 mandatierte er die ihm im BAZ zuge-
wiesene Rechtsvertretung zur Vertretung im Asylverfahren. Am 18. März
2021 erfolgte die Personalienaufnahme (PA) und am 26. April 2022 die An-
hörung des Beschwerdeführers zu seinen Asylgründen. Am 5. Mai 2021
wurde der Beschwerdeführer dem erweiterten Verfahren zugeteilt, worauf-
hin die bisherige Rechtsvertretung das Vertretungsmandat als beendet er-
klärte.
Anlässlich der PA und der Anhörung machte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen Folgendes geltend: Er sei ethnischer Hazara, in B._
(Provinz Daikondi) geboren und im Dorf C._ (Provinz Daikondi) auf-
gewachsen. Eine Schule habe er nicht besucht, aber dennoch den Beruf
eines (...) und –(...) erlernt und als solcher drei Jahre lang – bis etwa ein
Jahr vor der Ausreise – in Kabul gearbeitet. In der Folge sei er in sein Dorf
zurückgekehrt. Sein Vater sei ein (...) gewesen und gelte seit mehr als
sechs Jahren als verschollen, weshalb er (Beschwerdeführer) für die Fa-
milie, aber auch für eine Cousine väterlicherseits verantwortlich gewesen
sei, deren Vater schon länger verstorben sei. Letztere sei in der Schule von
einem Lehrer belästigt und beinahe vergewaltigt worden. Er habe sich des-
halb beim Schulleiter beschwert und Anzeige gegen den Lehrer erstattet.
Dem Lehrer sei daraufhin vom Bildungsministerium fristlos gekündigt wor-
den. Sowohl der Schulleiter als auch der Vater des Lehrers seien mächtige
und einflussreiche Männer. Der Lehrer habe die Vorwürfe bestritten und ihn
seinerseits wegen falscher Anschuldigungen bei der Polizei angezeigt. Er
sei seither verschiedenen Beschimpfungen und Beleidigungen ausgesetzt
gewesen. Eine Woche nach der Anzeige sei er auf dem Nachhauseweg
von einer (...) von etwa vier ihm bekannten beziehungsweise unbekannten
beziehungsweise teilweise bekannten Widersachern beschossen, ange-
halten und mit einer Kalashnikov auf den Kopf geschlagen und auch an
den (...) verletzt worden. Sie hätten ihn zu vergewaltigen versucht, alsbald
aber von ihm abgelassen, weil sich ein Auto genähert habe. Dessen Fahrer
habe ihn ins Krankenhaus gebracht, wo er im Bereich des (...) operiert
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worden sei. Während des Krankenhausaufenthalts sei seine Mutter zu-
hause bedroht worden. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus sei
es in Zusammenhang mit der Belästigung seiner Cousine zu einer Ge-
richtsverhandlung gekommen. Da seine Zeugen vom Lehrer und dessen
Familie bedroht worden seien, seien sie nicht an der Gerichtsverhandlung
erschienen. Er selber sei dann vom Gericht zu zwei Jahren Haft verurteilt
worden. Es sei ihm aber eine Verschiebung des Strafantritts um zehn Tage
bewilligt worden. Weiter erklärte der Beschwerdeführer, er sei – wie bereits
sein Vater – Mitglied der Nationalen lslamischen Bewegung Afghanistans
(Junbesh) gewesen. Der Lehrer habe einer gegnerischen Partei angehört
und den Namen seines Vaters in den Dreck ziehen wollen. Aufgrund seiner
Parteizugehörigkeit sei er zudem vom Leiter einer anderen Partei (Ense-
jam) belästigt und zum Parteiübertritt aufgefordert worden. Im Februar
2019 habe er Afghanistan mit einem in Kabul ohne sein Beisein durch Kor-
ruption erhältlich gemachten, echten, auf seinen Namen lautenden und mit
einem (...) Visum versehenen Reisepass kontrolliert und legal auf dem
Luftweg in Richtung D._ verlassen. Via die Türkei, Griechenland
und Italien sei er am 11. März 2021 illegal in die Schweiz gelangt. Nach der
Ausreise sei seine Mutter angegriffen und dermassen geschlagen worden,
dass sie aufgrund der erlittenen (...)verletzung nicht mehr richtig gehen
könne. Seine Brüder seien grundlos von der Schule verwiesen worden. Die
Cousine sei später von seinem Onkel mütterlicherseits in das Dorf seiner
Mutter mitgenommen worden. Schliesslich machte der Beschwerdeführer
auf den Krieg, die Explosionen und die kritische Sicherheitslage in Afgha-
nistan sowie auf psychische Probleme aufmerksam.
Der Beschwerdeführer gab als Beweismittel eine Parteikarte, ein Partei-
büchlein und Fotos der Verletzungen seiner Mutter zu den Akten. Eine
Identitätskarte besitze er nicht und sein Reisepass sei ihm in Griechenland
in einem Camp beziehungsweise in einem Gefängnis abgenommen wor-
den. Er könne keine Identitätsdokumente erhältlich machen.
B.
Gemäss einem am 30. Juni 2021 erstellten und auf einem Telefongespräch
vom 10. Mai 2021 basierenden Gutachten der Fachstelle Lingua des SEM
fand die Hauptsozialisation des Beschwerdeführers eindeutig in der Pro-
vinz Daikondi in Afghanistan statt.
C.
Mit Verfügung vom 21. Januar 2022 – eröffnet am 26. Januar 2022 – stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
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nicht (Dispositiv Ziff. 1), lehnte dessen Asylgesuch ab (Dispositiv Ziff. 2)
und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz an (Dispositiv Ziff. 3). An-
stelle des Vollzugs der Wegweisung ordnete das SEM jedoch infolge Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges seine vorläufige Aufnahme an
(Dispositiv Ziff. 4-6). Mit dem Entscheid wurden ihm zudem die editions-
pflichtigen Akten ausgehändigt (Dispositiv Ziff. 7); diese wurden ihm am
4. Februar 2022 seitens des SEM wunschgemäss erneut zugestellt.
D.
Mit Eingabe seines neu mandatierten und rubrizierten Rechtsvertreters
vom 23. Februar 2022 erhob der Beschwerdeführer gegen diese Verfü-
gung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin beantragt er die
Aufhebung der Dispositivziffern 1 bis 3, die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zur Neubeurteilung nach Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts, eventualiter die Gewährung von Asyl unter Feststellung sei-
ner Flüchtlingseigenschaft sowie in prozessualer Hinsicht die Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses und die Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters
als unentgeltlichen Rechtsbeistand.
E.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
24. Februar 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 6 AsylG
[SR 142.31]).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen von Asylvorbringen
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in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis;
darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11
E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.), soweit nicht in den nachfolgenden
Erwägungen noch spezifisch darauf Bezug zu nehmen ist.
4.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM zu-
nächst aus, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen würden den An-
forderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit nicht genügen. Trotz
mehrfacher Aufforderung zur detaillierten und ausführlichen Schilderung
seiner Erlebnisse seien die Verfolgungsvorbringen insgesamt vage, detail-
arm, oberflächlich, weder substanziiert noch erlebnisecht, arm an Real-
kennzeichen und Konkretheit und daneben undifferenziert ausgefallen. Zu-
dem habe er sich betreffend seine Aussagen, ob er die ihn im Nachgang
der (...) angreifenden Personen gekannt habe, widersprüchlich geäussert.
Den betreffend seine Parteizugehörigkeit vorgelegten Beweismitteln
komme nur eingeschränkter Beweiswert zu, da sie nicht fälschungssicher
und problemlos käuflich erwerbbar seien. Der Parteiausweis datiere abge-
sehen davon vom Jahre (...), wogegen der Beschwerdeführer ausgesagt
habe, erst seit etwa vier Jahren Parteimitglied zu sein. Um Monate diver-
gierten ebenso die Angaben zum Ausreisezeitpunkt, und jene betreffend
die Erhältlichmachung und Ausstellung eines offiziellen Reisepasses seien
unklar und nicht nachvollziehbar. Die Unstimmigkeiten habe er nicht zu-
reichend zu erklären vermocht. Den Einschätzungen des SEM vermöge er
nichts Substanzielles entgegenzuhalten und insbesondere lägen keine Do-
kumente betreffend die angeblichen Gerichtstermine vor. Die geforderte
Qualität seiner Aussagen hätte er im Übrigen auch ohne Erlebnishinter-
grund realisieren können; selbst unter Berücksichtigung seiner fehlenden
Schulbildung wären differenziertere und substanziiertere Angaben zu er-
warten gewesen. Soweit der Beschwerdeführer auf die kriegerischen Er-
eignisse, Explosionen und kritische Sicherheitslage in Afghanistan hin-
weise, komme diesen Vorbringen keine flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit
im Sinne von Art. 3 AsylG zu, da sie auf die allgemeine Situation dort zu-
rückzuführen seien. Die Wegweisung aus der Schweiz sei gemäss Art. 44
AsylG die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs. Die
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festgestellte Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges gründe schliess-
lich hauptsächlich in der prekären Sicherheitslage in Afghanistan und in
den gesamten Umständen.
5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer geltend,
die vom SEM erkannten vagen, substanzarmen, ausweichenden und we-
nig konkreten Aussagen seien vorwiegend auf grössere Verständigungs-
probleme zwischen ihm und dem Dolmetscher in der Anhörung und darauf
basierende Missverständnisse zurückzuführen; solche seien denn auch an
mehreren Stellen im Protokoll festgehalten worden. Betreffend die festge-
stellte Substanzarmut im Zusammenhang mit seiner Parteizugehörigkeit
und –aktivitäten sowie dem Verrat an seinem Vater und dessen Verschwin-
den möchte er festhalten, dass er in erster Linie auf seine Mitgliedschaft
bei der Nationalen Islamischen Bewegung in Afghanistan habe hinweisen
wollen, was er anhand seines Mitgliederausweis auch zu beweisen im-
stande gewesen sei. Das Verschwinden des Vaters habe er nicht mit sei-
nen eigenen Ausreisegründen in Zusammenhang gebracht und es sei ent-
sprechend asylrechtlich nicht bedeutsam. Er habe bloss aufzuzeigen ver-
sucht, wie umfangreich die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei sich
auf das Leben von Personen unterschiedlicher Parteizugehörigkeit in ei-
nem Konfliktfall auswirken könne. Bei der Unglaubhaftigkeitserkenntnis be-
züglich des Angriffs auf ihn verkenne das SEM, dass dieses Erlebnis für
ihn eine bis heute durch (...) nachwirkende traumatische Erfahrung gewe-
sen sei, die er momentan psychiatrisch abklären lasse. Erinnerungsbeein-
trächtigungen und Detailarmut seien dabei eine häufig auftretende Proble-
matik. Das «Istanbul-Protokoll» und medizinische Studien bestätigten denn
auch, dass gewisse Ungereimtheiten in den Aussagen sowie vage oder
oberflächliche Beschreibungen des Erlebten mitunter in der psychischen
Verfassung der betreffenden Person gründeten. Dass er gewisse Tatsa-
chen des Angriffs auf ihn nur oberflächlich wiedergeben könne, liege ent-
sprechend daran, dass er gar nicht alle Ereignisse bewusst habe wahrneh-
men können. Die zurückhaltenden Aussagen zum Angriff seien vielmehr
als ein der Situation angepasstes Verhalten zum Selbstschutz zu betrach-
ten. Der vom SEM erwogene Widerspruch, wonach er gemäss einer ersten
Aussage seine Angreifer nicht erkannt und demgegenüber wenig später
erklärte habe, er habe eine der Personen gekannt, sei sodann eine Falsch-
darstellung; er habe tatsächlich nie ausgesagt, er habe die Angreifer nicht
gekannt, sondern lediglich von der Person gesprochen, die ihm zu Hilfe
gekommen sei. Im Übrigen sei ein Grossteil der aufgetretenen Widersprü-
che auf seinen beeinträchtigten Zustand zurückzuführen. Er sei bis heute
nicht in der Lage seine Asylgründe detailliert und konkret vorzutragen. Dem
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beiliegenden ärztlichen Zeugnis vom (...) Februar 2022 seien starke An-
zeichen einer (...) als Folge von aussergewöhnlichen und belastenden Le-
bensereignissen zu entnehmen; eine qualifizierte Stellungnahme mit ge-
nauer diagnostischer Beurteilung werde er nach Abschluss der Abklärun-
gen nachreichen. Bis zu einer vollständigen psychiatrischen Abklärung und
Behandlung könnten die angeblichen Widersprüche und Unstimmigkeiten
nicht hinreichend eingeschätzt und die protokollierten Aussagen nicht ver-
wertet werden, weshalb eine Rückweisung an die Vorinstanz zur weiteren
Sachverhaltsabklärung angezeigt sei. Das SEM habe den herabgesetzten
Beweisanforderungen gemäss Art. 7 AsylG vorliegend nicht hinreichend
Rechnung getragen und diese zu restriktiv gehandhabt. Bestimmte Unklar-
heiten in seinen Aussagen hätten bei pflichtgemässem Nachfragen durch
die Vorinstanz ausgeräumt werden können, zumal der Dolmetscher die
Antworten teilweise nicht richtig verstanden habe. Die Anhörung habe zu-
dem mehrere Stunden gedauert und bei der Rückübersetzung habe er be-
reits mitgeteilt, dass er sich nicht gut fühle (Kopfschmerzen, Übelkeit) und
sich nur schlecht konzentrieren könne. Ohne Rückweisung an die Vo-
rinstanz müsse die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen bei einer Gesamtbe-
trachtung insgesamt bejaht werden. Da er in seinem Heimatland wegen
seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe und wegen sei-
ner politischen Anschauung an Leib und Leben sowie in seiner Freiheit ge-
fährdet sei, erwiesen sich diese Vorbringen auch als asylrelevant und er
habe mithin Anspruch auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Ge-
währung des Asyls.
6.
6.1
6.1.1 Das SEM ist nach korrekter und vollständiger Sachverhaltsabklärung
und -feststellung mit einlässlicher und überzeugender Begründung sowie
hinlänglicher Akten- und Praxisabstützung zur zutreffenden Erkenntnis ge-
langt, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen würden den Anforde-
rungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit respektive jenen von Art. 3
AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügen, weshalb
kein Anspruch auf Anerkennung als Flüchtling und auf Gewährung des
Asyls bestehe. Diese Erwägungen und die darin enthaltene Beweismittel-
würdigung geben, abgesehen von einer nachfolgend zu erörternden punk-
tuellen Einschränkung, zu keinen Beanstandungen Anlass und es kann in-
soweit zur Vermeidung von Wiederholungen auf den Inhalt der angefoch-
tenen Verfügung (vgl. dort E. II) sowie auf die zusammenfassende Wieder-
gabe oben (E. 5.1) verwiesen werden.
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6.1.2 Die Beschwerde befasst sich mit diesen Erwägungen nur partiell und
führt zu keiner anderen Betrachtungsweise. Soweit sich der Beschwerdein-
halt nicht in blossen Wiederholungen, Bekräftigungen, Gegenbehauptun-
gen, Mutmassungen oder offensichtlich unbehelflichen Erklärungsversu-
chen erschöpft, gibt sie zu folgenden Erwägungen Anlass: Dass es anläss-
lich der Anhörung vereinzelt zu Verständigungsproblemen und dadurch be-
dingten Missverständnissen gekommen ist, geht aus dem Protokoll tat-
sächlich hervor. Sie gründen aber in erster Linie im Durcheinanderbringen
von (...) und (...) Dialektvarianten durch den Beschwerdeführer selber (vgl.
Protokoll F156 f.) und konnten seitens der Befragerin und der überaus auf-
merksam agierenden Dolmetscherin durch entsprechende Nachfragen
ausgeräumt werden. Zudem ist auf die Aussagen des Beschwerdeführers
in F1 zu verweisen, wonach er die Dolmetscherin «sehr gut» verstehe, und
mit seiner Unterschrift unter das Protokoll hat er auch dessen Richtigkeit
und Vollständigkeit bestätigt. Weiter ist zu betonen, dass er selber die
Rückübersetzung abgebrochen und das Angebot einer andermaligen Fort-
setzung der Rückübersetzung ausgeschlagen hat. Der Einwand, wonach
(nicht näher spezifizierte) «bestimmte Unklarheiten» in seinen Aussagen
bei pflichtgemässem Nachfragen durch die Vorinstanz hätten ausgeräumt
werden können, ist unbegründet. Die Betrachtung des zahllose Nachfra-
gen beinhaltenden Protokolls belegt vielmehr das Gegenteil. Die Annahme
einer Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör oder der Abklä-
rungspflicht liegt daher offensichtlich fern. Daran ändert auch der Umstand
nichts, dass die Anhörung insgesamt über acht Stunden gedauert hat,
denn darin sind zahlreiche Pausen und insbesondere eine solche von über
zwei Stunden vor der Rückübersetzung enthalten.
Aus dem Anhörungsprotokoll ergeben sich keine konkreten Hinweise da-
rauf, dass die Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers anlässlich der Befra-
gung derart eingeschränkt gewesen wäre, dass dessen Prozessfähigkeit
in Frage hätte gestellt werden müssen. Die Protokolle sind somit verwert-
bar und für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz besteht auch
angesichts des vorgelegten ärztlichen Zeugnisses vom (...) Februar 2022
kein Anlass. Laut diesem befindet sich der Beschwerdeführer seit dem
(...) Januar 2022 im (...) in psychiatrischer Abklärung nach Zuweisung
durch den Hausarzt bei (...). Zwar liegen gemäss Arztzeugnis «starke Hin-
weise auf eine (...)» vor. Es ergibt sich aber daraus nicht, dass die psychi-
schen Probleme des Beschwerdeführers sein Aussageverhalten und Erin-
nerungsvermögen in massgeblicher Weise hätten beeinflussen können. Im
Übrigen ist auch nicht ersichtlich, dass die als abklärungsbedürftig einge-
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stufte gesundheitliche Beeinträchtigung als solche zu einem über die vor-
läufige Aufnahme hinausgehenden Aufenthalts- oder Schutzstatus führen
könnte. Ein ausführlicher psychiatrischer Bericht ist daher nicht abzuwar-
ten. Dessen ungeachtet erstaunt es, dass der zeitweise rechtsvertretene
Beschwerdeführer angesichts der angeblich auf die Erlebnisse in der Hei-
mat zurückzuführenden und gravierend dargestellten psychischen Beein-
trächtigungen fast ein Jahr mit der Inanspruchnahme professioneller Hilfe
zugewartet hat.
In Anbetracht der relevanten Protokollstelle (F158) durchaus berechtigt ist
hingegen der Einwand des Beschwerdeführers betreffend den vom SEM
erkannten Widerspruch, wonach er seine Angreifer nicht erkannt bezie-
hungsweise eine der Personen gekannt habe (vgl. Beschwerde S. 6 Mitte).
Die Erklärung, bei der ihm unbekannten Person habe es sich um den ihm
zu Hilfe gekommenen Passanten gehandelt, ist korrekt. Damit ist indessen
noch nicht geklärt, weshalb er im Anschluss an besagte Aussage behaup-
tete, eine einzige der ihn angreifenden Personen gekannt zu haben (F162),
demgegenüber aber zuvor in F115 noch unmissverständlich zu Protokoll
geben konnte: «Ich kenne die Personen. Sie kommen aus einem anderen
Dorf».
Am Rande bleibt darauf hinzuweisen, dass neben den bislang erwähnten
Unglaubhaftigkeitselementen verschiedene weitere Ungereimtheiten im
Sachvortrag aufgetreten sind, so beispielsweise betreffend die Umstände
des Passverlustes, die Bewältigung einer Berufsausbildung als (...) trotz
angeblich gänzlich fehlender Schulbildung oder die Informationsquelle der
angeblichen Bedrohung seiner Zeugen. Das Gericht gelangt gesamthaft
zur klaren Auffassung, dass es sich beim deponierten persönlichen Verfol-
gungssachverhalt um ein Konstrukt handeln muss.
6.1.3 Rechtslogisch konsequent verzichtete das SEM nach seiner zu stüt-
zenden Feststellung der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen auf eine Prü-
fung deren Asylrelevanz nach Massgabe der gesetzes- und praxisgemäs-
sen Anforderungen von Art. 3 AsylG, zumal es nunmehr an einem unter
diese Bestimmung subsumierbaren und der Würdigung der flüchtlings-
rechtlichen Beachtlichkeit zugänglichen Sachverhalt fehlt. Unter Bezug-
nahme auf die betreffenden Ausführungen in der Beschwerde (dort S. 8
oben) bleibt dennoch ein gewisses Erstaunen über die Behauptung, das
Verfolgungsmotiv sei seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten – aber nicht
näher benannten – sozialen Gruppe beziehungsweise seine politische An-
schauung; letzteres Motiv hat er noch zuvor (S. 5 der Beschwerde) verneint
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und bloss als allgemeinen Hintergrund seiner angeblichen Verfolgungser-
lebnisse dargestellt. Die weiteren vorinstanzlichen Erwägungen zur fehlen-
den Asylrelevanz der allgemeinen Lage in Afghanistan bleiben in der Be-
schwerde im Übrigen unbestritten und sind zu bestätigen. Der Vollständig-
keit halber ist schliesslich klarzustellen, dass weder die Eltern des Be-
schwerdeführers noch dessen Cousine Parteien des vorliegenden Verfah-
rens sind und deren Verfolgungs- oder Gefährdungssituationen nicht Ge-
genstand einer Prüfung durch die schweizerischen Asylbehörden bilden.
6.1.4 Das SEM hat somit das Bestehen einer Verfolgungssituation des Be-
schwerdeführers und mithin dessen behauptungsgemässe Ansprüche auf
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des Asyls nach
rechtsgenüglicher Abklärung des relevanten Sachverhalts und unter Wah-
rung der dem Beschwerdeführer zustehenden Verfahrensrechte zu Recht
verneint.
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird
in der Beschwerde substanziell auch nicht bestritten.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Es erübrigt sich, auf den
weiteren Inhalt der Beschwerde näher einzugehen, da er am Ergebnis
nichts zu ändern vermag. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
Angesichts der aus den vorstehenden Erwägungen hervorgehenden Aus-
sichtslosigkeit der Beschwerde ist das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung mit amtlicher Beiordnung des rubrizierten
Rechtsvertreters als unentgeltlicher Rechtsbeistand abzuweisen, da es so-
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mit an einer zwingenden Voraussetzung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG man-
gelt. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
wird mit dem vorliegenden, instruktionslos ergehenden Direktentscheid in
der Sache hinfällig.
(Dispositiv nächste Seite)
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