Decision ID: 03886b7f-25e5-4dd6-87d9-742d66180f31
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war als Sanitärzeichner-Lehrling bei der B._ AG, Chur, angestellt und
dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen
von Unfällen obligatorisch versichert, als er am 27. Mai 1985 bei einem Mofa-Unfall ein
Polytrauma, unter anderem multiple Schädel- und Gesichtsfrakturen, erlitt (Suva-act. 1,
vgl. Suva-act. 9). Die Suva kam für die Folgen des Unfalls auf (Suva-act. 5). Am 10.
September 1986 teilte sie dem Versicherten mit, sie stelle die Leistungen für
Heilbehandlung ein (Suva-act. 32). Mit Verfügung vom 9. Januar 1987 sprach sie dem
Versicherten mit Wirkung ab 1. Mai 1986 eine Invalidenrente bei einer
Erwerbsunfähigkeit von 25% und einem versicherten Jahresverdienst von Fr. 31'526.--
sowie eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 20%
zu (Suva-act. 41).
A.a.
Am 5. Dezember 1995 sprach die IV-Stelle dem Versicherten ab 1. Oktober 1995
berufliche Massnahmen im Sinne einer Neuausbildung zum Krankenpfleger sowie
Taggelder zu (Suva-act. 67, vgl. Suva-act. 71, 74 ff.). Die Suva teilte dem Versicherten
A.b.
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am 20. Dezember 1995 mit, für die Dauer der Taggeldleistungen durch die IV-Stelle
bestehe kein Rentenanspruch (Suva-act. 69). Nachdem die IV-Stelle die
Taggeldleistungen infolge Abbruchs der Neuausbildung per 30. November 1998
eingestellt hatte (vgl. Suva-act. 78, 81), nahm die Suva die Rentenzahlungen am 1.
Dezember 1998 bei einer Erwerbsunfähigkeit von 25% wieder auf (vgl. Suva-act. 82,
190/2). Für den Zeitraum vom 16. April 2000 bis 15. Oktober 2001 sprach die IV-Stelle
dem Versicherten erneut berufliche Massnahmen (Ausbildung zum technischen
Kaufmann) zu und entrichtete Taggelder (Suva-act. 83 f., 87). Die Suva stellte die
Rentenzahlungen für die Dauer derselben ein. Ab 16. Oktober 2001 entrichtete sie dem
Versicherten wieder eine Rente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 25% (Suva-
act. 85, 91, 190/2).
Nach mehreren kürzeren Arbeitsverhältnissen (vgl. Suva-act. 94, 101, 114, 116)
war der Versicherte vom 2. November 2005 bis 31. Dezember 2009 beim C._ tätig
(vgl. Suva-act. 127/1, 127/5). Die Suva hatte ihre Rentenleistungen per 1. November
2005 ohne Mitteilung eingestellt (vgl. Suva-act. 117, 120, 123 f., 190/2). Ab 1. Januar
2010 bezog der Versicherte Leistungen der Arbeitslosenversicherung (Suva-act. 129,
141/3). Mit Verfügung vom 22. Juni 2011 sprach die Suva dem Versicherten
rückwirkend per 1. Januar 2010 wieder eine Invalidenrente basierend auf einer
Erwerbsunfähigkeit von 25% zu. Sie hielt fest, die Rentenleistungen würden weiterhin
auf Basis des versicherten Jahresverdienstes von Fr. 31'526.-- berechnet (Suva-act.
143/1). Die dagegen vorsorglich erhobene Einsprache liess der Versicherte wieder
zurückziehen (Suva-act. 146/1, 148/1).
A.c.
Am 22. August 2014 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (vgl. Suva-act. 178/1). Medizinische
Abklärungen der IV-Stelle ergaben, dass der Versicherte ab 26. September 2014 zu
50% und ab 13. März 2015 zu 100% arbeitsunfähig war. Dies aufgrund eines
hirnorganischen Psychosyndroms nach Schädelhirntrauma im Jahr 1985 (ICD-10:
F07.2), eines sekundären Alkoholabhängigkeitssyndroms (ICD-10: F10.2) und einer
depressiven Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.2; vgl. Suva-act. 178).
Mit Verfügung vom 30. September 2016 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
rückwirkend per 1. September 2015 bei einem Invaliditätsgrad von 100% eine ganze
Invalidenrente zu (Suva-act. 168).
A.d.
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B.
C.
Die Suva leitete am 17. August 2017 eine amtliche Rentenrevision ein (vgl. Suva-
act. 173). Suva-Kreisarzt Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, untersuchte den Versicherten am 23. November 2017. Am 29. November 2017
beurteilte er, als natürlich kausale Folge des Unfallereignisses vom 27. Mai 1985 lägen
ein organisches Psychosyndrom nach Hirnverletzung (ICD-10: F07.2) sowie ein
sekundäres Alkoholabhängigkeitssyndrom (ICD-10: F10.2) vor. Es bestehe eine volle
Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. Selbst bei einer Tätigkeit in einem
geschützten Rahmen wäre der Versicherte stark überfordert (Suva-act. 185). Den
Integritätsschaden schätzte Dr. D._ auf 70%, wovon 20% bereits berücksichtigt und
entgolten worden seien (Suva-act. 186, vgl. auch die kreisärztliche somatische
Beurteilung vom 25. September 2017; Suva-act. 180).
A.e.
Mit Verfügung vom 24. Januar 2018 sprach die Suva dem Versicherten mit Wirkung
ab 1. September 2015 eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von
100% zu. Sie errechnete eine Komplementärrente von monatlich Fr. 961.-- bei einem
versicherten Verdienst von Fr. 31'526.--. Weiter sprach sie dem Versicherten eine
zusätzliche Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 50%
zu (Suva-act. 190).
A.f.
Dagegen liess der Versicherte durch Rechtsanwalt Dr. iur. R. Pedergnana, St.
Gallen, am 26. Januar 2018 Einsprache erheben und die Berechnung der
Komplementärrente beanstanden (Suva-act. 191).
B.a.
Mit Entscheid vom 4. Juli 2018 wies die Suva die Einsprache ab, soweit sie darauf
eintrat (Suva-act. 195).
B.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 4. Juli 2018 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter am 6. September 2018
die vorliegende Beschwerde erheben. Er liess beantragen, der angefochtene
Einspracheentscheid sei aufzuheben und es sei ihm eine "ungekürzte" Rente
auszurichten; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1).
C.a.
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Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem ein Ereignis aus dem Jahr 1985 zur Diskussion steht, grundsätzlich die
bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung. Bezüglich der
Komplementärrenten erfolgte per 1. Januar 1997 eine umfassende Revision. Die neue
Fassung ist anwendbar in Fällen, in welchen der Anspruch auf die Komplementärrente
- wie vorliegend - nach dem 31. Dezember 1996 entstanden ist; nicht massgebend ist
der Zeitpunkt des Verfügungserlasses (Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, 4. Aufl. 2012, S. 147, mit Hinweis auf das Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 15. März 2002, E. 2). Einzelne
Bestimmungen wurden später erneut revidiert, diese (redaktionellen) Änderungen sind
jedoch vorliegend nicht relevant.
Die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 19. Oktober 2018,
die Beschwerde sei abzuweisen und der Einspracheentscheid vom 4. Juli 2018 zu
bestätigen (act. G3).
C.b.
Der Beschwerdeführer liess die (erstreckte) Frist zur Einreichung einer Replik
unbenützt ablaufen (act. G4 ff.).
C.c.
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2.
Der Beschwerdeführer hat unbestritten und aktenmässig ausgewiesen seit dem 1.
September 2015 gegenüber der Beschwerdegegnerin Anspruch auf eine im Sinn einer
Komplementärrente festzulegende Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad
von 100% (vgl. Suva-act. 190, 195). Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend
zu prüfen ist jedoch die Höhe dieser Komplementärrente. Bezüglich der
zugesprochenen Integritätsentschädigung ist mangels Anfechtung in der Einsprache
vom 26. Januar 2018 (Suva-act. 191) bereits die Verfügung vom 24. Januar 2018
(Suva-act. 190) in Teilrechtskraft erwachsen (vgl. Suva-act. 190).
Ist die versicherte Person infolge eines Unfalls mindestens zu 10% invalid, so hat
sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist dabei die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (vgl. Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Ändert sich der Invaliditätsgrad
eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch
hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1
ATSG). Die Invalidenrente beträgt bei Vollinvalidität 80 Prozent des versicherten
Verdienstes; bei Teilinvalidität wird sie entsprechend gekürzt (Art. 20 Abs. 1 UVG). Hat
der Versicherte Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (IV) oder auf eine
Rente der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), so wird ihm eine
Komplementärrente gewährt; diese entspricht [...] der Differenz zwischen 90 Prozent
des versicherten Verdienstes und der Rente der IV oder der AHV, höchstens aber dem
für Voll- oder Teilinvalidität vorgesehenen Betrag. Die Komplementärrente wird beim
erstmaligen Zusammentreffen der erwähnten Renten festgesetzt und lediglich späteren
Änderungen der für Familienangehörige bestimmten Teile der Rente der IV oder der
AHV angepasst (Art. 20 Abs. 2 UVG). Der Bundesrat erlässt nähere Vorschriften,
namentlich über die Berechnung der Komplementärrenten in Sonderfällen (Art. 20 Abs.
3 UVG).
2.1.
Taggelder und Renten werden nach dem versicherten Verdienst bemessen (Art. 15
Abs. 1 UVG). Als versicherter Verdienst gilt für die Bemessung der Renten der innerhalb
eines Jahres vor dem Unfall bezogene Lohn (Art. 15 Abs. 2 UVG, vgl. auch Art. 22
UVV). In Art. 24 UVV hat der Bundesrat die Bestimmung des massgebenden Lohns für
Renten in Sonderfällen geregelt. Bezog der Versicherte wegen beruflicher Ausbildung
am Tage des Unfalles nicht den Lohn eines Versicherten mit voller Leistungsfähigkeit
derselben Berufsart, so wird der versicherte Verdienst von dem Zeitpunkt an, da er die
2.2.
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3.
Zur Berechnung der Komplementärrente ist vorerst die umstrittene Frage zu klären, auf
welcher Basis der versicherte Verdienst festzulegen ist.
Ausbildung abgeschlossen hätte, nach dem Lohn festgesetzt, den er im Jahr vor dem
Unfall als voll Leistungsfähiger erzielt hätte (Art. 24 Abs. 3 UVV). Beginnt die Rente
mehr als fünf Jahre nach dem Unfall oder dem Ausbruch der Berufskrankheit, so ist der
Lohn massgebend, den der Versicherte ohne den Unfall oder die Berufskrankheit im
Jahre vor dem Rentenbeginn bezogen hätte, sofern er höher ist als der letzte vor dem
Unfall oder dem Ausbruch der Berufskrankheit erzielte Lohn (Art. 24 Abs. 2 UVV).
Bei der Festlegung der Berechnungsbasis für Komplementärrenten nach Art. 20
Abs. 2 UVG wird der versicherte Verdienst um den beim erstmaligen Zusammentreffen
gültigen Prozentsatz der Teuerungszulage nach Art. 34 UVG erhöht (Art. 31 Abs. 2
UVV). Laut Art. 34 Abs. 1 UVG erhalten die Bezüger von Invaliden- und
Hinterlassenenrenten zum Ausgleich der Teuerung Zulagen. Diese gelten als
Bestandteil der Rente. Der Bundesrat setzt die Zulagen aufgrund des Landesindexes
der Konsumentenpreise fest (Art. 34 Abs. 2 Satz 1 UVG). Als Grundlage für die
Berechnung der Teuerungszulagen gilt jeweils der für den Monat September
massgebende Landesindex der Konsumentenpreise (Art. 44 Abs. 1 UVV). Für die
erstmalige Berechnung der Teuerungszulagen zu einer Rente, die seit dem Inkrafttreten
des Gesetzes oder seit der letzten Gewährung einer Teuerungszulage entstanden ist,
wird auf den Septemberindex im Unfalljahr und in den Fällen nach Art. 24 Abs. 2 UVV
auf jenen im Vorjahr des Rentenbeginns abgestellt (Art. 44 Abs. 2 UVV).
2.3.
Die Beschwerdegegnerin macht mit Verweis auf BGE 119 V 484, E. 4b geltend, im
Rahmen der Revision einer Invalidenrente könne der massgebende Jahresverdienst
nicht überprüft werden. Es bleibe daher bei dem mit der rechtskräftigen Verfügung vom
22. Juni 2011 (vgl. Suva-act. 143) festgelegten versicherten Verdienst (Suva-act. 195).
Diese Rechtsprechung ist jedoch insofern überholt, als das Bundesgericht in jüngerer
Zeit festhielt, bei Vorliegen eines Revisionsgrunds für ein Sachverhaltselement sei der
Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend ("allseitig"), unter
Berücksichtigung sowohl der medizinisch-gesundheitlichen als auch der beruflich-
erwerblichen Situation, zu prüfen, wobei keine Bindungen an frühere Beurteilungen
bestünden (vgl. z.B. BGE 141 V 9, E. 2.3; Urteil vom 21. August 2019, 8C_878/2018, E.
4.5.2). Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb diese neue Rechtsprechung nicht auch
auf den versicherten Verdienst anwendbar sein sollte. Damit ist dieser im vorliegenden
3.1.
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Revisionsverfahren (Änderung des Invaliditätsgrades von 25% auf 100%, Festlegung
einer Komplementärrente) frei überprüfbar.
Die Beschwerdegegnerin hatte dem Beschwerdeführer erstmals mit Wirkung ab 1.
Mai 1986, mithin ein Jahr nach dem Unfall vom 27. Mai 1985, eine Rente basierend auf
einer Erwerbsunfähigkeit von 25% zugesprochen (Suva-act. 41). Aufgrund der von der
IV-Stelle während der beruflichen Massnahmen ausgerichteten Taggelder unterbrach
die Beschwerdegegnerin die Rentenzahlungen vom 1. Oktober 1995 bis 30. November
1998 sowie vom 16. April 2000 bis 15. Oktober 2001 (Suva-act. 69, 82, 85, 91, 190/2).
Zudem stellte sie die Rentenzahlungen auch für den Zeitraum vom 1. November 2005
bis 31. Dezember 2009 ein, da der Beschwerdeführer während dieser Zeit arbeitstätig
war (vgl. Suva-act. 117, 120, 123 f., 190/2). Mit Verfügung vom 22. Juni 2011 sprach
die Suva dem Versicherten rückwirkend per 1. Januar 2010 wieder eine Invalidenrente
basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 25% zu (Suva-act. 143/1). Der Vertreter
des Beschwerdeführers stellte sich in seiner Einsprache auf den Standpunkt, die
Ausnahmeregelung von Art. 24 Abs. 2 UVV sei anwendbar, da die Rentenzahlungen am
1. Januar 2010, also mehr als fünf Jahre nach dem Unfall, begonnen hätten (Suva-act.
191, abweichende Ausführungen in act. G1). Die Beschwerdegegnerin ist hingegen der
Ansicht, ausschlaggebend sei der erstmalige Rentenbeginn im Mai 1986, weshalb der
genannte Artikel nicht einschlägig sei (Suva-act. 195, act. G3).
3.2.
Die Sonderbestimmung von Art. 24 Abs. 2 UVV beabsichtigt der Härte zu
begegnen, dass eine verunfallte Person mit langdauernder Heilbehandlung nicht auf
dem vor dem Unfall erzielten Lohn haften bleibt. Dies kann vor allem dann zu
stossenden Ergebnissen führen, wenn die Löhne während dieses Zeitraums infolge
überdurchschnittlicher Lohnentwicklung stark ansteigen. Art. 24 Abs. 2 UVV soll
verhindern, dass die versicherten Personen zufolge Verzögerung in der
Rentenfestsetzung einen Nachteil erleiden, wenn die Löhne steigen. Bezweckt wird nur
die Anpassung der Rente an die normale Lohnentwicklung im angestammten
Tätigkeitsbereich, wobei auf die allgemeine statistische Nominallohnentwicklung
abzustellen ist (Philipp Geertsen, Das Komplementärrentensystem der
Unfallversicherung zur Koordination von UVG-Invalidenrenten mit Rentenleistungen der
1. Säule, St. Gallen 2011, S. 208 ff.). Nach der Rechtsprechung wird bei Rückfällen, die
mehr als fünf Jahre nach dem Unfall eingetreten sind, für die Berechnung der
Invalidenrente nach Art. 24 Abs. 2 UVV vorgegangen (Urteil des EVG vom 10.
Dezember 2001, U 427/99, E. 3a). Wird eine befristete Rente aufgehoben und später
wiederum eine Rente gewährt, handelt es sich um eine neue Rente, bei welcher
ebenfalls im Sinne von Art. 24 Abs. 2 UVV der im Jahr vor erneuter Rentenzusprechung
3.3.
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erzielte Lohn massgebend ist, sofern dies fünf Jahre oder mehr nach dem Unfall erfolgt
ist (Dorothea Riedi Hunold, in: Marc Hürzlerer/Ueli Kieser [Hrsg.], Kommentar zum
schweizerischen Sozialversicherungsrecht, UVG, Bern 2018, N 33 zu Art. 15, mit
Hinweis auf RKUV 1988 Nr. U 46, E. 4b).
Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin die zuvor mit kurzen Unterbrüchen
während rund 20 Jahren entrichtete Rente für den Zeitraum vom 1. November 2005 bis
31. Dezember 2009 eingestellt (vgl. Suva-act. 117, 120, 123 f., 190/2). Eine
diesbezügliche Verfügung ist nicht aktenkundig, der Sachverhalt ist aber aufgrund der
genannten Akten erstellt und wird auch von den Parteien nicht bestritten. Der
Beschwerdeführer hatte der Beschwerdegegnerin am 25. Oktober 2005 mitgeteilt, er
trete am 2. November 2005 eine bis voraussichtlich Ende 2006 befristete Anstellung
mit einem Pensum von 100% an. Er sei bereit, während dieser Zeit auf eine Rente zu
verzichten, wenn - wie die Beschwerdegegnerin ihm telefonisch bestätigt habe - keine
Schwierigkeiten bei der "Wiederaktivierung" seiner Rente nach einer Unterbrechung
entstünden. Gemäss dem internen Mailverkehr der Beschwerdegegnerin war die
"Sistierung der Rente" Voraussetzung für die Anstellung (Suva-act. 117, vgl. Suva-act.
120). Das am 2. November 2005 angetretene befristete Arbeitsverhältnis beim C._
wurde in der Folge bis zum 31. Dezember 2009 verlängert (vgl. Suva-act. 120 ff.,
127/5). Wie sich den Akten entnehmen lässt, erzielte der Beschwerdeführer während
des genannten Zeitraums ein rentenausschliessendes Einkommen. Gemäss IK-Auszug
beliefen sich die Jahreseinkommen in den Jahren 2006 bis 2008 auf Fr. 70'138.--, Fr.
71'804.-- bzw. Fr. 72'954.-- (Suva-act. 126). Der Lohnabrechnung für November 2009
ist zudem ein Bruttoeinkommen von Fr. 5'980.40 zu entnehmen (Suva-act. 127/6). Die
Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers hat damit für diesen Zeitraum als voll
hergestellt zu gelten bzw. eine Erwerbseinbusse ist nicht gegeben. Da die
Erwerbsfähigkeit das versicherte Gut darstellt, war der Leistungsfall des
Beschwerdeführers als abgeschlossen zu betrachten. Dies unabhängig von allfälligen
damals noch vorliegenden gesundheitlichen Beschwerden. Am 8. November 2009
ersuchte der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin, seine Rente zu überprüfen.
Seine Anstellung ende am 31. Dezember 2009, er sei wegen Gelenkproblemen in
ärztlicher Behandlung und er wisse nicht, wie sich seine Situation entwickeln werde
(Suva-act. 123). Die Beschwerdegegnerin kündigte darauf an, sie werde die
Einkommenssituation und den Rentenanspruch prüfen (Suva-act. 124). Angesichts der
vorstehenden Ausführungen ist die Meldung des Beschwerdeführers als
Rückfallmeldung zu werten.
3.4.
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4.
Gemäss Art. 20 Abs. 2 UVG ist zur Berechnung der Komplementärrente die Differenz
zwischen 90% des versicherten Verdienstes und der Rente der IV festzulegen. Bei
einem versicherten Verdienst von Fr. 77'545.-- pro Jahr bzw. Fr. 6'462.-- pro Monat
resultiert ein Ausgangswert von Fr. 5'816.-- (0.9 x Fr. 6'462.--). Der Beschwerdeführer
bezieht seit September 2015 von der Invalidenversicherung unbestritten eine
monatliche Rente von Fr. 1'842.-- sowie eine Kinderrente von Fr. 737.-- (vgl. Suva-act.
Mit Verfügung vom 22. Juni 2011 sprach die Suva dem Versicherten rückwirkend
per 1. Januar 2010 wieder eine Invalidenrente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit
von 25% zu. Sie hielt fest, die Rentenleistungen würden weiterhin auf Basis des
versicherten Jahresverdienstes von Fr. 31'526.-- berechnet (Suva-act. 143/1). Für den
Anfang 2010 eingetretenen Rückfall wäre jedoch entgegen der genannten Verfügung
der versicherte Lohn gestützt auf Art. 24 Abs. 2 UVV festzulegen gewesen. Da der
versicherte Lohn gemäss vorstehender Erwägung 3.1 frei überprüfbar ist, ist dieser im
vorliegenden Revisionsverfahren nach Art. 24 Abs. 2 UVV zu bestimmen.
Dementsprechend ist zur Festlegung des versicherten Verdienstes der Lohn
massgebend, den der Beschwerdeführer ohne den Unfall im Jahr vor dem erneuten
Rentenbeginn bezogen hätte, sofern dieser höher ist als der letzte vor dem Unfall
erzielte Lohn (Art. 24 Abs. 2 UVV). Der Beschwerdeführer erzielte im November 2009
ein Bruttoeinkommen von Fr. 5'980.40. Darin enthalten ist auch die gemäss Art. 22
Abs. 2 lit. b UVV zu berücksichtigende Kinderzulage von Fr. 200.-- (Suva-act. 127/6).
Daraus ergibt sich für das Jahr 2009, dem Jahr vor dem Rentenbeginn per 1. Januar
2010, ein versicherter Verdienst von rund Fr. 77'545.-- (13 x Fr. 5'780.40 + 12 x Fr.
200). Dieser ist massgeblich, zumal er den von der Beschwerdegegnerin berechneten,
im Jahr vor dem Unfall erzielten Lohn von Fr. 31'526.-- (bzw. bei Berücksichtigung der
Teuerungszulage Fr. 47'190.--) übersteigt (vgl. Suva-act. 41, 190). Entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. Suva-act. 191) ist für die Berechnung der
Komplementärrente nicht das (hypothetische) Einkommen beim erstmaligen
Zusammentreffen der Renten im Jahr 2015 massgeblich, sondern das Einkommen von
2009 ist grundsätzlich um den im Jahr 2015 gültigen Prozentsatz der Teuerungszulage
zu erhöhen (vgl. Art. 31 Abs. 2 UVV). Mit Art. 31 Abs. 2 UVV wird sichergestellt, dass
beim erstmaligen Zusammentreffen der Leistungen die für den Anspruch auf die
Komplementärrente massgebenden Berechnungselemente (Rente der
Unfallversicherung und Rente der AHV oder IV) auf der gleichen zeitlichen Grundlage
beruhen (zeitliche Kongruenz; vgl. BGE 127 V 448, E. 2.a). Für die Jahre nach 2009 hat
sich jedoch keine Teuerung mehr ergeben (vgl. act. G3.1 f.), weshalb es beim
versicherten Verdienst von Fr. 77'545.-- bleibt.
3.5.
https://www.swisslex.ch/doc/aol/d1215698-2e86-4811-8547-c18fc59fd3dc/3edebbf0-1d82-4d0d-b00c-d7aa1a4352e7/source/document-link
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168), insgesamt also Fr. 2'579.--. Er hat damit Anspruch auf eine
unfallversicherungsrechtliche Komplementärrente von Fr. 3'237.-- (Fr. 5'816.-- - Fr.
2'579.--). Dieser Wert ist im Sinne von Art. 20 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. Art. 20 Abs. 1 UVG
massgeblich, da er tiefer ist als der für die Vollrente der Unfallversicherung
vorgesehene Betrag von Fr. 5'170.-- (0.8 x Fr. 6'462.--). Soweit der Beschwerdeführer
vorbringen lässt, die Rente sei ihm "ungekürzt" zu entrichten, da die Bestimmungen
des UVV dem Sinn des Gesetzes widersprächen, ist dies nicht nachvollziehbar. Dies,
zumal der Vertreter des Beschwerdeführers seine Aussage trotz Ankündigung (vgl. act.
G1) im Beschwerdeverfahren nicht weiter begründete.
5.
6.
Da die Gerichtsschreiberin verhindert ist, wird der Entscheid für diese stellvertretend
vom mitwirkenden Richter unterzeichnet (Art. 39 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).