Decision ID: 6c0b2f65-1359-430b-96a1-071a637f9567
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1951
, mit
der 1964
geborenen
Y._
verheiratet
, stellte
als
B
ezüger einer Altersrente (Urk.
8/31)
am 25. August 2020 (Urk.
8
/39)
einen Antrag auf
Zusatzleistungen zur AHV/IV
, nachdem
er
seinen
zuvor ausserkantonalen Wohnsitz nach
Z._
verlegt und früher schon Zusatzleistungen bezogen hatte
(Urk.
8/37
). Die Durchführungsstelle für Zusatz
leistungen zur AHV/IV der Stadt
Z._
(nachstehend: Durchführungsstelle
)
teilte de
n
Versicherten mit Verfügung vom 13. Oktober 2020 (Urk. 8/42) mit, dass ab dem 1. September 2020 ein Anspruch auf Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr.
29’796.-- pro Jahr bestehe
(S. 2)
.
Der A
nspruchsberechnung hatte sie
ein
hypothetisches
Erwerbseinkommen
der Ehefrau
von Fr.
17'666.--
zugrunde ge
legt
(S. 1).
Die dagegen am 5. Dezember 2020 erhobene Einsprache (Urk. 8/50
) wies di
e Durchführungsstelle
mit
Einspracheentscheid
vom 18.
Dezember 2020 ab (Urk. 8/52 = Urk. 2).
2
.
Am 27. Januar 2021 erhoben die Versicherten Beschwerde gegen den
Einspra
cheentscheid
vom 18. Dezember 2020 (Urk. 2) und beantragten, ihnen seien die Ergänzungsleistungen um Fr. 17'666.-- zu erhöhen
und
es sei der Versicherten kein hypothetisches Einkommen anzurechnen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerde
ant
wort
vom 18. Februar 2021
beantragte die Durchführungsstelle die Abweisung der
Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin mit
V
erfügung vom 22. Februar 2021 (Urk. 9) mitgeteilt wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2021 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG
) und der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenversicherung (ELV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Da der Leistungsan
spruch ab
September 2020
Gegenstand des Verfahrens bildet, finden die bis 31.
Dezember 2020 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung und werden in dieser Fassung zitiert.
1.2
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Voraus
setzungen nach Art. 4-6 ELG erfüllen, Zusatzleistungen zur Deckung ihres Exi
stenzbedarfs (Art. 2 Abs. 1 ELG; §§ 1, 13 und 20 Abs. 1 des Gesetzes des Kantons Zürich über die Zusatzleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenver
sicherung, ZLG).
1.3
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG).
Die anerkannten Ausgaben sowie die anrechenbaren Einnahmen von Ehegatten werden zusammengerechnet (Art. 9 Abs. 2 ELG).
1.4
Die anrechenbaren Einnahmen werden nach Art. 11 ELG ermittelt. Zu den anre
chenbaren Einnahmen gehören unter anderem zwei Drittel der Erwerbseinkünfte, soweit sie bei alleinstehenden Personen jährlich Fr. 1'000.-- und bei Ehepaaren Fr. 1'500.-- übersteigen (Art. 11 Abs. 1
lit
. a ELG).
Als Einkommen anzurechnen sind unter anderem auch Einkünfte und Vermö
genswerte, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG).
1.5
Bei der Anspruchsermittlung auf Ergänzungsleistungen sind neben den tatsäch
lich erwirtschafteten auch sogenannte hypothetische Erwerbseinkommen zu be
rücksichtigen. Ein
derartiger Verzicht auf Erwerbseinkommen liegt vor, wenn eine in der EL-Berechnung berücksichtigte Person freiwillig von der Ausübung einer möglichen und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht. Diese Verpflichtung ergibt sich aus der Subsidiarität der Ergänzungsleistungen. Die Subsidiarität be
sagt nicht nur, dass andere Sozialversicherungsleistungen den Ergänzungs
leis
tungen vorgehen, sondern auch, dass die eigene Leistungsf
ähigkeit ausgenützt werden muss. Das Bundesgericht begründet die Anrechnung eines Einkommens
verzichts mit dem allgemeinen Grundsatz der Schadenminderungspflicht im Sozialversicherungsrecht, welcher bei der Leistungsfestsetzung regelmässig und zwingend zu berücksichtigen sei. Demnach hätten praxisgemäss nicht nur die EL-Bezüger und EL-Bezügerinnen, bei welchen sich das von den Ergänzungs
leis
tun
gen abgedeckte Risiko bereits verwirklicht hat, sondern auch deren nicht invalide, im gemeinsamen ehelichen Haushalt lebende Ehegatten sämtliche ihnen verblei
benden
Einkunftsmöglichkeiten
tatsächlich zu realisieren (Urteil 8C_380/2008
vom 17. September 2008 E. 3.2;
Carigiet
/Koch, Ergänzungs
leistun
gen zur AHV/
IV, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2021, S. 211 mit Verweisen).
1.6
Bei der Ermittlung der zumutbaren Erwerbstätigkeit ist auf das Alter, den Gesund
heitszustand, die Sprachkenntnisse, die Ausbildung, die bisherige Tätigkeit, die konkrete Arbeitsmarktlage sowie gegebenenfalls auf die Dauer der Abwesenheit vom Berufsleben abzustellen. Dabei ist zu vermuten, dass es dem Ehegatten
grundsätzlich möglich und zumutbar ist, seine Erwerbsfähigkeit zu verwerten (BGE 134 V 53 E. 4.1, 117 V 287 E. 3b; Urteil des Bundesgerichts 9C_12/2013 vom 19. November 2013 E. 3.1).
Gemäss Randziffer 3482.03 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversi
che
rungen über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV (WEL), Stand 1. Januar 2020, ist nicht invaliden Ehegatten kein hypothetisches Einkommen anzurech
nen, wenn die versicherte Person beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung angemeldet ist sowie qualitativ und quantitativ ausreichende Stellenbemühungen nachweist (so auch das Urteil des Bundesge
richts 9C_759/2017 vom 29. November 2017 E. 2.2 mit Hinweis). Bemüht sich der Ehegatte trotz
zumutbarerweise
verwertbarer Arbeitsfähigkeit nicht um eine Stelle, verletzt er dadurch die ihm obliegende Schadenminderungspflicht (Urteile des Bundesgerichts 9C_103/2015 vom 8. April 2015 E. 2.2 und 9C_916/2011 vom 3. Februar 2012 E. 3.2).
Mit Bezug auf die invaliditätsbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit
haben sich EL-Organe und Sozialversicherungsgerichte grundsätzlich an die Inv
a
liditätsbemessung durch die Invalidenversicherung zu halten. Sofern und soweit sich die Invalidenversicherung mit dem Ehegatten eines EL-Ansprechers, der sich auf eine dauerhafte teilweise oder vollständige Arbeitsunfähigkeit beruft, noch nicht befasst hat, haben die EL-Organe bei der Frage nach der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens den Gesundheitszustand im Rahmen des Beweis
grades der überwiegenden Wahrscheinlichkeit selbständig zu prüfen (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_172/2007 vom 6. Februar 2008 E. 7.1-2 sowie 8).
1.7
Für nicht invalide Ehegatten gibt es keine analoge Regelung zu Art. 25 Abs. 4 ELV, wonach die Herabsetzung von laufenden Ergänzungsleistungen wegen An
rechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens erst nach sechs Monaten wirksam wird. Dem Ehegatten ist aber im Einzelfall gleichwohl eine realistische Übergangsfrist für die zumutbare Aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder Aus
dehnung des Arbeitspensums einzuräumen, was sowohl für laufende als auch für erstmals beantragte Ergänzungsleistungen gilt. Einer vorgängigen Abmahnung in irgendeiner Form bedarf es nicht. Im Fall
einer rückwirkenden EL-Zusprechung beginnt die Übergangsfrist nicht erst ab Verfügungserlass zu laufen, sondern bereits ab seinerzeitigem Anspruchsbeginn (vgl. BGE 142 V 12 E. 3.2 und 5.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_630/2013 vom 29. September 2014 E. 5.2).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
berücksichtigte bei der Berechnung des Ergänzungs
leistungsanspruchs von
X._
ab
1.
September 2020
ein hypo
thetisches Erwerbsei
nkommen der Ehefrau Y._
von Fr.
17'666.-- pro Jahr (Urk. 2 S. 2
Rz
1, Urk. 2 S. 4
Rz
15
). Dies begründete sie damit,
der nicht
invaliden Ehefrau sei trotz ihres Alters und ihrer fehlenden Ausbildung, Berufs
tätigkeit sowie Sprachkenntnisse die Aufnahme einer Arbeitstätigkeit zumutbar. Aufgrund der persönlichen Umstände v
on Y._
erweise sich eine Auf
nahme einer Tätigkeit gemäss errechnetem hypothetischen Einkommen als zu
mutbar. Da bis heute jedoch keine Anmeldung beim RAV erfolgt sei und eine dokumentierte Suche ebenfalls nicht nachgewiesen worden sei, sei es den Be
schwerdeführenden nicht gelungen, diese Vermutung zu widerlegen (S. 5
Rz
18). In der Einsprache vom 5. Dezember 2020 sei erwähnt worden, dass eine IV-An
meldung erfolgt sei. Den gleichzeitig eingereichten ärztlichen Zeugnissen könnte
n nur teilweise bis keine detaillierten Angaben zur Diagnose und dem Gesund
heitszustand entnommen werden
(S. 4
Rz
17).
So lange die Invalidenversicherung nicht über einen allfälligen Rentenanspruch entschieden habe, fielen die Prüfung der Frage der Arbeitsfähigkeit und deren Verwertbarkeit den EL-Organen zu (S. 5 Ziff. 19, Urk. 7 S. 2).
Eine Arbeitsunfähigkeit sei nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt (S. 5
Rz
19).
2.2
Die Beschwerdeführenden machten in ihrer
Beschwerde (Urk. 1) geltend,
sie hätten
vor dem Umzug nach
Z._ jahrelang in A._
gelebt
. Dort sei auf eine Anrechnung eines hypothetischen Einkommens aufgrund fehlender Vermit
tel
barkeit bewusst verzichtet worden. Eine Anmeldung bei der Arbeitslosenkasse führe zu nichts (S. 3 f.
Rz
3). Prof. Dr. m
ed. B._
bestätige, dass die Beschwerdeführerin arbeitsunfähig sei (S. 5
Rz
5). Am 2.
Januar 2020 habe eine Schultergelenksoperation rechts stattgefunden. Der Operationsverlauf sei aller
di
ngs sehr unbefriedigend gewesen
(S. 5
Rz
7). Die Wahrscheinlichkeit
,
erfolg
reich eine Invalidenrente geltend zu machen sei relativ gering (S. 6
Rz
9).
Die fehlenden Sprachkenntnisse und die fehlende Ausbildung stünden einer Erwerbs
tätigkeit unter Einbezug des Gesundheitszustands klar entgegen. Auch das Alter von bald 57 Jahren stehe einer erneuten Erwerbstätigkeit entgegen. Die lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt komme nochmals erschwerend hinzu (S. 7
Rz
11).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
somit
der Anspruch der Beschwerdeführe
nden
auf Zusatzleistungen ab
1. September 2020
, wobei namentlich
die
Anrechnung eines hypothetischen Er
werbseinkommens von Y._
zu prüfen ist.
3.
3.1
Für die Ermittlung einer allfälligen zumutbaren Erwerbstätigkeit ist mit Blick auf die massgeblichen Kriterien (vorstehend E. 1.
6
) Folgendes bekannt: Die
Be
schwer
deführerin
wurde am 21. März 1964
geboren und war demnach im Zeitpunkt der erstmaligen und hier umstrittenen Anrechnung eines hypothetischen Erwerbsein
kommens (
Oktober
2020) 57 Jahre
alt. Sie reiste im
Oktober 1995
in die Schweiz ein,
besitzt die Niederlassungsbewilligung C (vgl. Urk.
8/39 S. 2
).
Sie und ihr Ehe
mann sind
Flüchtlinge aus dem Iran (
vgl.
Urk. 8/38).
Sie verfügt
gemäss
Angaben
ihres Ehemannes kaum
über
Deutschkenntnisse (vgl. Urk.
8/38
).
Sie wohnt
zu
sam
men mit ihrem Ehemann
im s
elben Haushalt (Urk. 8/39 Ziff.
6)
, wobei ein
erwachsener Sohn ein Zimmer der Wohnung tagsüber als Büro benutzt (Urk.
8/38).
Nach Lage der Akten verfügt die
Beschwerdeführerin
über keine
Schul- und keine Berufsbildung (vgl. Urk.
8
/29 S. 1).
Der Beschwerdeführer habe hinsichtlich der Abklärung des hypothetischen Einkommens ausgesagt, seine Frau sei gesund
heitlich angeschlagen und sie habe seit der Einreise in die Schweiz nie gearbeitet und spreche kaum Deutsch (
vgl.
Urk. 8/38).
Gemäss IK-Auszug war sie 1998, 2001, von 2003 bis 2006 sowie 2009 jeweils kurzzeitig bei diversen Arbeitgebern tätig, und das maximale jährliche Einkommen belief sich dabei auf Fr. 13'114.-- im Jahr 2003 (vgl. Urk. 8/24).
3.2
3.2.1
Hinsichtlich der gesundheitlichen Situation ist aktenkundig, dass die
Anmeldung der
Beschwerdeführerin
zum Leistungsb
ezug
bei der Invalidenversicherung
an
fangs Dezember 2020
eingegangen ist
(vgl. Urk. 8/54).
Zudem liegen die folgen
den Bericht
e
bei den Akten:
3.2.2
Dr. med. C._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Trauma
to
logie des Bewegungsapparates
, Praxis D._
, nannte mit Bericht vom 27. Mai
2020 (
Urk. 8/50
/3
=
Urk. 3/7) folgende, hier gekürzt aufgeführte Diagnosen (S. 1):
-
persistierende Schulterbeschwerden Schulter rechts
-
Bursektomie
und Dekompression rechts
-
Anterolisthesis
von
Lendenwirbelkörper (LWK)
3
bei bekannter
Spondy
lolyse
,
Bandscheibenprotrusion
L3/4 rechts mit Enge Wurzel L3 rechts
-
Ausschluss Thrombose Unterschenkel rechts 2. Januar 2020
-
unklare rechts betonte Fussschmerzen
B
ei persistierenden Beschwerden empfehle er die Physiotherapie weiter
und
als
erstes
eine Infiltration mit Cortison. F
alls es dann nicht
besser
gehen
würde, w
ürde er die Beschwerdeführerin gerne zu einer Zweitmeinung schicken. Die Beschwer
deführerin sei relativ frustriert vom momentanen Verlauf, weswegen sie sämtliche Behandlungen auf ihren Wunsch abbreche. Sie wolle somit keine Infiltration, keine Zweitmeinung und keine Physiotherapie mehr
(S.
1)
.
3.2.3
Dr. med. E._
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
, führte mit Bericht vom 21. Oktober 2020 (
Urk. 8/50
/2
=
Urk. 3/6) aus, aus medizinischen Gründen, diversen Vorerkrankungen und wiederkehrenden Beschwerden sei es der Beschwerdeführerin in den letzten Jahren
wohl nicht möglich gewesen, einer
Beschäftigung nachzugehen. Diese körperlichen Beschwerden bestünden seit Jahren
und dauerten an, weswegen sie sich bei verschiedenen Fachärzten in Be
treuung und Behandlung befinde. Aus diesem Grunde sei es ihr hier nicht mög
lich, immer wieder zu arbeiten. Bisher habe
er
,
Dr.
E._
,
aber deswegen keine Bescheinigung ausstellen müssen. Durch diverse Eingriffe sei es dazu gekommen, dass
die Beschwerdeführerin
über mehrere Wochen arbeitsunfähig gewesen sei.
3.2.4
Prof. Dr. med.
B._
, Facharzt für
Anästhesiologie
, führte mit Be
richt vom 15. November 2020
(
Urk. 8/50
/1
=
Urk. 3/5)
aus, die Beschwerde
füh
rerin sei zurzeit nicht arbeitsfähig.
3.2.5
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.
2.2
) nannte mit Bericht vom
19. Januar 2021 (
Urk. 8/55 =
Urk. 3/8)
folgende, hier gekürzt aufgeführte Diagnosen (S. 1):
-
persistierende Schulterbeschwerden Schulter rechts
-
laterale Überlastung oberes Sprunggelenk (
OSG
)
und Fuss rechts
-
Hallux
valgus
links
-
Anterolisthesis
von
Lendenwirbelkörper (LWK)
3
bei bekannter
Spondylolyse
,
Bandscheibenprotrusion
L3/4 rechts mit Enge Wurzel L3 rechts
-
unklare rechts betonte Fussschmerzen
Aufgrund einer Zunahme der Schultergelenksbeschwerden sei eine Re-MRI-Untersuchung in die Wege geleitet worden, welche nun praktisch eine vollstän
dige Ruptur der
Rotatorenmanschette
zeige. Es sei versucht worden, die Situation mit Physiotherapie zu lindern, schlussendlich sei ihr die Re-Operation empfohlen worden, was sie jedoch letzten Sommer abgelehnt habe. Nun sei sie erneut in die Sprechstunde gekommen, einerseits wegen medizinischen Problemen, anderer
seits aufgrund der sozialen Probleme. Vor der Operation an der Schulter rechts habe sie ebenfalls keine feste Stelle gehabt und sei Gelegenheitsjobs wie der
Reinigung nachgegangen. Diese Gelegenheitsjobs seien momentan nicht mehr möglich, da sie in der Reinigung nicht mehr arbeiten könne.
3.3
Zunächst ist festzuhalten, dass bei Hilfsarbeiten – wie sie hier zur Diskussion stehen – rechtsprechungsgemäss grundsätzlich weder (gute) Kenntnisse der deutschen Sprache noch eine Schul- oder andere Ausbildung erforderlich sind. Daher steht eine Häufung der für die Verwertung einer verbleibenden Arbeits
fähigkeit ungünstigen Faktoren wie die fehlende Schul- und Ausbildung, man
gelnde Deutschkenntnisse und fehlende Berufserfahrung einer Anrechnung eines hypothetischen Einkommens nicht entgegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_717/2010 vom 26. Januar 2011 E. 5.1). Auch die Beschwerdeführer
in
fand in der Vergangenheit trotz geringer Deutschkenntnisse und fehlender Ausbildung
diverse
Anstellungen.
Weiter trifft es zwar zu, dass die
Beschwerdeführer
in
im Zeitpunkt der Anrechnung bereits
57
Jahre alt und schon seit
11
Jahren nicht mehr erwerbstätig war. Im Rahmen der Schadenminderungspflicht ist jedoch kein Grund ersichtlich, weshalb sich nicht auch eine über
55
Jahre alte Person bis zur ordentlichen Pensionierung um eine Arbeitsstelle bemühen sollte.
Es fällt auf, dass sich die
Beschwerdeführer
in
seit der letzten Anstellung nicht mehr um eine ausserhäusliche Beschäftigung bemüht hat. So wurden insbesondere keine Belege über erfolglose Stellenbemühungen eingereicht und nach Lage der Akten unterblieb bisher auch eine Anmeldung
beim
RAV. Soweit geltend gemacht wird,
e
ine Anmeldung bei der Arbeitslosenkasse führe zu nichts
(vorstehend E. 2.2
)
, wird dies in keiner Weise belegt, hat sie doch überhaupt keine Anstrengungen unternommen, eine ihr zumutbare Arbeit zu suchen. Unter diesen Umständen fehlen somit objektive Anhaltspunkte, dass es aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder der unzureichenden Fähigkeiten zu keinem Anstellungsverhältnis kommen könnte.
Was den Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
und eine allenfalls daraus resultierende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit anbelangt, ist auf die grund
sätz
liche Bindung der Invaliditätsbemessung durch die Invalidenversiche
rung hinzuweisen (vorstehend E.
1.
6
).
Da sich die Beschwerdeführerin vorliegend erst im Dezember 2020
, und demnach kurz vor Erlass des angefochtenen
Ein
spra
cheentscheids
,
zum Leistungsbezug bei der
Invalidenversicherung
angemeldet hat (vgl.
vorstehend E. 3.2.1
)
und sich letztere somit noch nicht mit der Beschwer
deführerin befasst hat, konnte die Durchführungsstelle
bei der Frage nach der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens den Gesundheitszustand im Rah
men des Beweisgrades der überwiegenden Wahrscheinlichkeit selbständig
prüfen.
Die Beschwerdegegnerin kam
aus näher dargelegten Gründen (Urk. 2 S. 4 f.
Rz
17
)
zum Schluss,
a
us den vorgelegten ärztlichen Zeugnissen sei in medizinischer Hinsicht eine Arbeitsunfähigkeit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Ein ausführliches aktuelles Arztzeugnis liege nicht vor, lediglich rudi
mentäre Zeugnisse ohne detaillierte Angaben. Aus den eingereichten Belegen sei nicht von einer Invalidisierung und einer längerdauernden Erwerbsunfähigkeit respektive einer bereits vor Jahren vorliegenden körperlichen Einschränkung auszugehen (S. 5
Rz
19).
Tatsächlich
wurden keine hinreichenden Belege beigebracht,
um von einer dauerhaften, vollständigen Arbeitsunfähigkeit in jedweder Tätigkeit auszugehen. So
nahm Dr.
C._
im Mai 2020 keine Stellung zur Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin
(vorstehend E.
3.2.2
), sondern empfahl weitere Massnahmen wie Phy
sio
therapie
und eine Infiltration. Auch Dr.
E._
im Oktober 2020 (vorstehend E.
3.2.3
) und Prof. Dr.
B._
im November 2020 (vorstehend E. 3.2.4) gaben keine nach
vollziehbar begründete und durch Befunde
untermauerte medizinisch-theore
tische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ab
.
Entgegen der Ankündigung in der Beschwerde wurde kein weiterer ausführlicher Bericht von Prof.
B._
nachgereicht (vgl. Urk. 1 S. 5
Rz
5).
Dr.
C._
(vorstehend E.
3.2.5
) führte im
Januar 2021
aus,
Gelegenheitsjobs
wie in der Reinigung
seien momentan nicht mehr möglich, da
die Beschwerdeführerin
in der Reinigung nicht mehr arbeiten könne.
Dabei bleibt unklar, ob
er die Angaben der Beschwerdeführerin wi
e
dergibt oder ob er, Dr.
C._
,
der Ansicht ist, dass die Beschwerdeführerin in der Reini
gung nicht arbeiten könne. Jedoch kann dies offenbleiben, da Dr.
C._
keine Stellung
dazu
nahm, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit verhält und wie eine solche auszusehen hätte.
Die
angeführten gesund
heitlichen Gründe
sprechen jedenfalls
nicht gegen eine
vollständige
Arbeitstätig
keit
in jedweder Tätigkeit
. Es wurden keine hinreichenden Belege beigebracht, welche angesichts des Gesundheitszustandes begründete Zweifel an
einer voll
stän
digen Arbeitsfähigkeit auch in einer angepassten Tätigkeit
zu wecken ver
mögen
.
Angesichts dieser medizinischen
Aktenlage
ist es nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ohne weitergehende medizinische Abklärungen auf eine
vollständige Arbeitsfähigkeit ge
schlossen hat.
3.4
Gegen die Höhe des angerechneten Verzichtseinkommens von Fr.
17'666
.-- ist ebenfalls nichts einzuwenden.
Die Beschwerdegegnerin
stützte sich bei der Ermittlung des hypothetischen Einkommens
auf
den statistischen Lohnrechner des Bundesamtes für Statistik und ging von einem Monatslohn von Fr. 3'414.-- aus. Sie berücksichtigte einen
m
aximalen leidensbedingten Abzug
von 25 % in
folge der persönlichen Umstände, womit ein Monatslohn von Fr. 2'560.50 und
ein Jahreslohn von Fr. 30'726.-- resultierte. Abzüglich 6.375 % Sozialver
siche
rungsbeträge ergab dies Fr. 28'000.--.
Zudem nahm die Beschwerdegegnerin korrekterweise auch den festen Abzug i
n der Höhe von Fr.
1‘500.-- vor und rechnete
lediglich zwei Drittel davon an (vgl. vorstehend E. 1.
4
). So
resultierte ein hypothetisches Einkommen von
jährlich
Fr.
17'666.--
(vgl.
Urk. 8/29 S. 3, Urk. 8/42,
Urk. 2 S.
4
Rz
15
), was einem hypothetischen
monatlichen
Einkommen von rund Fr
. 1
’
472.--
entspricht
.
Der von der Beschwerdegegnerin angenommene Ausgangswert von Fr. 3'414.-- fällt im Vergleich zu den Einkommen gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) deut
lich tiefer aus. So betrug d
as
von Frauen für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art durchschnittlich erzielte E
inkommen (
LSE 2018, TA1_triage_skill_level, Total Frauen, Kompetenzniveau 1)
im Jahr 201
8
für Frauen Fr. 4‘3
71
.--.
Der Beschwerdeführerin
stehen in erster Linie einfache Hilfs
arbeiten in den unterschiedlichsten Branchen offen. Auf ein Jahr umgerechnet sowie der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 41.7 Stunden und der Nominallohnentwicklung bei den Frauen von 201
8
(Index:
2732
) bis 20
20
(Index:
2784
) angepasst, ergibt dies ein hypothetisches
monatliches
Bruttoeinkommen v
on rund
Fr. 4'644.--
(Fr. 4‘371
.
--
:
40.0 x 41.7 :
2732
x
2784
).
Damit steht bereits fest, dass
die Beschwerdegegnerin von einem deutlich tieferen Ausgangsw
ert
ausgegangen ist.
Zu Gunsten der Beschwerdeführerin ist das tiefere hypothetische Einkommen
als massgeblich zu betrachten
.
Vorliegend zu würdigen ist zudem, dass die Beschwerdegegnerin
eine
n
maxi
ma
len leidensbedingten Abzug
von 25
%
gewährt hat, was angesichts der medi
zini
schen Unterlagen grosszügig erscheint.
Die von der Beschwerdeführerin gel
tend gemachten
persönliche
n
und berufliche
n
Merkmale
sowie allfällige
n
Ein
schrän
kungen in der Leistungsfähigkeit selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsar
beitertätigkeit s
ind damit - entgegen den Ausführungen in der Beschwerde (vgl. Urk. 1 S. 8
Rz
13)
-
genügend berücksichtigt.
3.5
Es stellt
sich zuletzt die Frage, ob der
Beschwerdeführer
in
eine angemessene Übergangsfrist einzuräumen ist (vorstehend E. 1.
8
).
Vorliegend
verhält es sich so, dass die Ehegatten
vor ihrem Umzug in den Kanton Zürich
bis August 2020
im Kanton
Basel
-Stadt
wohnhaft waren (
vgl.
Urk. 8/37
).
Einem
vorliegenden Berech
nungsbl
att
der damals zuständi
gen Sozialversicherungsanstalt
kann entnommen werden, dass im Rahmen der Festlegung des Anspruchs auf Ergänzungsleistungen kein hypothetisches Erwerbseinkommen der E
hefrau angerechnet wurde (vgl. Urk. 8
/3
6/7
). Soweit ersichtlich erfolgte dies somit erstmals mit
Verfü
gung vom 13. Oktober 2020 (Urk.
8/42)
durch die Beschwerdegegnerin, nachdem die Ehe
gatten ihren Wohnsitz in den Kanton Zürich verlegt hatten.
Für die
Beschwerdeführerin
bestand unter diesen Umständen bis zum Erlass der Verfügung vom
13. Oktober 2020
keine Veranlassung, sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen. Die Ehegatten hatten bis zu diesem Zeitpunkt Ergänzungsleistungen bezogen, ohne dass der
Beschwerdeführerin
ein hypothetisches Einkommen ange
rechnet worden war. In Nachachtung der zitierten bundesgerichtlichen Praxis
(vorstehend E. 1.7
)
hätte ihr daher seitens der Beschwerdegegnerin eine ange
messene Übergangsfrist für die Aufnahme einer zumutbaren Erwerbstätigkeit eingeräumt werden müssen. Damit geht einher, dass der Ehefrau auch keine
Verletzung der Schadenminderungspflicht zur Last gelegt werden kann (vgl. Urk.
2
S.
5
), da sie
soweit ersichtlich
weder von der Beschwerdegegnerin noch von den früheren Leistungserbringern aufgefordert worden war, eine Erwerbstätigkeit auf
zunehmen, und entsprechend darauf vertrauen durfte, dass dies von ihr auch nicht erwartet wird.
Es
ist anzunehmen, dass
die Beschwerdeführerin
innerhalb von sechs Monaten
ab Anspruchsbeginn (vgl. vorstehend E. 1.7)
eine
Tätigkeit hätte aufnehmen kö
nnen.
Damit ist bei der Ergänzungsleistungsberechnung
ab Datum des An
spruchs am 1. September 2020
bis Ende Februar 2021 noch kein hypothetisches Einkommen
der
Beschwerdeführer
in
zu berücksichtigen. Mit dieser Feststellung ist der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 18. Dezember 2020 aufzuheben.
3.6
Zusammenfassend erfolgte die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbsein
kommens der nicht invaliden
Beschwerdeführerin
in der Höhe von Fr.
17'666.-- pro Jahr
grundsätzlich
zu Recht. Der
Beschwerdeführerin stand aber eine Über
gangsfrist
für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
bis Ende Februar 2021 zu.
Die Beschwerdegegnerin wird den Anspruch unter Berücksichtigung dieser Feststel
lung neu zu berechnen haben.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
18. Dezember 2020 (Urk.
2)
ist dem
entsprechend in teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben.
4
.
Nach Art. 61
lit
. g
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
in Verbindung mit § 34 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro
zesses sowie dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Die
anwaltlich vertretene
n
Bes
chwerdeführenden
obsieg
en
insoweit, als
eine Übergangsfrist für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit einzuräumen ist, bevor ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen ist.
Unter Berücksichtigung
der oben genannten Kriterien ist
i
hnen
daher zu Lasten der Beschwerdegegnerin eine um
3/4
reduzierte Prozessentschädigung von Fr.
500
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.