Decision ID: 0bbdb109-4238-4f9d-920d-14df5e98b7ae
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_009
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Handelsgericht entnimmt den Akten:
1.
Die Klägerin ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz in
Q._ (AG). Sie bezweckt im Wesentlichen [...] (Klagebeilage [KB] 1).
2.
Die Beklagte ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz in
R._ (SO). Sie bezweckt hauptsächlich [...] (KB 2).
3.
3.1.
Die Parteien schlossen mündlich einen Vertrag, in dem sich die Klägerin
verpflichtete, für die Beklagte Hagelschäden an 55 Fahrzeugen aus dem
Bestand der Beklagten zu reparieren (Klage Rz. 9 ff.). Die Parteien verein-
barten für die Reparaturen einen Preis von Fr. 79'525.70 (inkl. MwSt.)
(Klage Rz. 17).
3.2.
Die Klägerin führte die Reparaturarbeiten aus und lieferte die reparierten
Fahrzeuge jeweils nach erfolgter Reparatur bei der Beklagten ab (Klage
Rz. 14 f.).
3.3.
Die Beklagte hat am 14. Oktober 2020 eine erste Teilzahlung über
Fr. 30'000.00 und am 10. September 2021 eine weitere Teilzahlung über
Fr. 10'000.00 geleistet (Klage Rz. 18; KB 6 und 7). Die Restschuld in der
Höhe von Fr. 39'525.70 wurde von der Beklagten bislang nicht bezahlt
(Klage Rz. 19).
4.
Die Klägerin liess die Beklagte am 25. März 2022 beim Betreibungsamt
C._ betreiben (Klage Rz. 22; KB 8). Gegen den Zahlungsbefehl vom
Betreibungsamt C._ vom 25. März 2022 (Betreibungs-Nr. D._)
erhob die Beklagte am 5. April 2022 Rechtsvorschlag (Klage Rz. 22; KB 9).
5.
Mit Klage vom 30. September 2022 (Postaufgabe: 30. September 2022)
stellte die Klägerin die folgenden Rechtsbegehren:
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" 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von Fr. 39 525.70, zuzüglich 5% Zins (auf diesen Betrag) seit 13. November 2020, zu bezahlen;
2. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin die Betreibungskosten in der Höhe von 103.30 zu bezahlen;
3. Es sei der Rechtsvorschlag der Beklagten vom 1. April 2022 gegen den Zahlungsbefehl Nr. D._ des Betreibungsamts C._ vom 25. März 2022 zu beseitigen;
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 7.7 % MSWT zu Lasten der Beklagten."
Als Begründung führte die Klägerin im Wesentlichen aus, sie habe für die
Beklagte die Reparaturarbeiten pünktlich und mängelfrei ausgeführt und ihr
die Fahrzeuge nach erfolgter Reparatur abgeliefert. Der Restbetrag von
Fr. 39'525.70 für die Reparaturarbeiten wurde von der Beklagten jedoch
nicht beglichen. Die Klägerin habe daher einen vertraglichen Anspruch ge-
genüber der Beklagten auf Bezahlung dieses noch offenen Betrags und die
Beseitigung des Rechtsvorschlags.
6.
6.1.
Mit Verfügung vom 3. Oktober 2022 bestätigte der Vizepräsident des Han-
delsgerichts den Parteien den Eingang der Klage und setzte der Klägerin
Frist bis zum 14. Oktober 2022 zur Bezahlung eines Gerichtskostenvor-
schusses in der Höhe von Fr. 3'661.55. Da die Klägerin am 14. Oktober
2022 ein Gesuch um Fristerstreckung eingereicht hatte, verlängerte der Vi-
zepräsident des Handelsgerichts die Frist zur Bezahlung des Kostenvor-
schusses mit Verfügung vom 17. Oktober 2022 bis zum 24. Oktober 2022.
6.2.
Nachdem die Klägerin den Kostenvorschuss bezahlt hatte, stellte der Vize-
präsident der Beklagten mit Verfügung vom 18. Oktober 2022 das Doppel
der Klage inkl. Beilagen zu und setzte ihr Frist bis zum 18. November 2022
zur Erstattung einer schriftlichen Antwort.
6.3.
Da die Beklagte innert der angesetzten Frist keine Antwort erstattete, setzte
ihr der Vizepräsident mit Verfügung vom 21. November 2022 eine letzte,
nicht erstreckbare Frist von 10 Tagen für die Erstattung einer schriftlichen
Antwort an. Damit war die Androhung verbunden, dass bei erneuter Säum-
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nis das Gericht einen Endentscheid fällt, sofern die Angelegenheit spruch-
reif ist, oder zur Hauptverhandlung vorlädt (Art. 223 Abs. 2 ZPO). Die Be-
klagte blieb auch innert der angesetzten Nachfrist mit der Antwort säumig.
7.
Mit Verfügung vom 7. Dezember 2022 wurde die Streitsache an das Han-
delsgericht überwiesen.

Das Handelsgericht zieht in Erwägung:
1. Zuständigkeit
Das Gericht prüft die Prozessvoraussetzungen von Amtes wegen (Art. 60
ZPO). Darunter fallen insbesondere die örtliche und die sachliche Zustän-
digkeit des angerufenen Gerichts (Art. 59 Abs. 2 lit. b ZPO).
1.1. Örtliche Zuständigkeit
Für Klagen aus Vertrag ist das Gericht am Wohnsitz oder Sitz der beklagten
Partei oder an dem Ort zuständig, an dem die charakteristische Leistung
zu erbringen ist (Art. 31 ZPO). Es ist vorliegend unbestritten, dass die Klä-
gerin die Reparaturarbeiten als charakteristische Leistung in S._ (AG)
erbracht hat, so dass die örtliche Zuständigkeit der aargauischen Gerichte
gegeben ist.
1.2. Sachliche Zuständigkeit
Die sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts ergibt sich aus Art. 6
Abs. 2 ZPO, wenn die geschäftliche Tätigkeit mindestens einer Prozess-
partei betroffen ist, gegen den Entscheid die Beschwerde in Zivilsachen an
das Bundesgericht offen steht und die Prozessparteien im Handelsregister
eingetragen sind.
Diese Voraussetzungen sind vorliegend alle erfüllt, da sowohl die geschäft-
liche Tätigkeit der Klägerin als auch diejenige der Beklagten betroffen ist,
der Streitwert über dem geforderten Betrag von Fr. 30'000.00 (Art. 6 Abs. 2
lit. b ZPO i.V.m. Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG) liegt und beide Parteien im Han-
delsregister eingetragen sind (KB 1 und 2).
1.3. Objektive Klagehäufung
Ist das gleiche Gericht für mehrere Ansprüche gegen dieselbe Partei sach-
lich zuständig und die gleiche Verfahrensart anwendbar, kann die klagende
Partei diese Ansprüche in einer Klage vereinen (Art. 90 ZPO). Gemäss
Art. 93 Abs. 1 ZPO werden die Ansprüche für die Berechnung des Streit-
werts zusammengerechnet, ausser sie schliessen sich gegenseitig aus.
Zur Erstellung einer streitwertabhängigen sachlichen Zuständigkeit genügt
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es, wenn die so zusammengerechneten Ansprüche die Streitwertgrenze
erreichen.1
Vorliegend sind keine Hinweise vorhanden, wonach die objektive Klage-
häufung der Klägerin unzulässig sein sollte.
2. Säumnis der Beklagten
Die Beklagte ist mit der Erstattung einer Klageantwort auch innert der ihr
angesetzten Nachfrist gemäss Art. 223 Abs. 1 ZPO säumig geblieben. Bei
zweimaliger Säumnis erlässt das Gericht entweder einen Endentscheid,
sofern die Angelegenheit spruchreif ist, oder es lädt zur Hauptverhandlung
vor (Art. 223 Abs. 2 ZPO).
Die in der Klageschrift vorgebrachten Tatsachenbehauptungen blieben von
der Beklagten unbestritten und gelten daher als zugestanden. Daraus kann
jedoch noch keine Anerkennung der klägerischen Rechtsbegehren abge-
leitet werden. Gemäss Art. 153 Abs. 2 ZPO kann das Gericht bei erhebli-
chen Zweifeln an der Richtigkeit einer nicht streitigen Tatsache, d.h. bei
fehlender Spruchreife, von Amtes wegen Beweis erheben. In diesem Fall
hat das Gericht in der Regel eine Verhandlung anzusetzen.2
Ist die Angelegenheit hingegen spruchreif, trifft das Gericht direkt einen En-
dentscheid (Art. 223 Abs. 2 ZPO). Hierzu muss die Klage soweit geklärt
sein, dass auf diese mangels Prozessvoraussetzungen nicht eingetreten
oder die Klage durch Sachurteil erledigt werden kann. Letzteres setzt vo-
raus, dass die Vorbringen der Klägerin nicht unklar, widersprüchlich, unbe-
stimmt oder offensichtlich unvollständig sind, denn andernfalls hat das Ge-
richt seine Fragepflicht auszuüben (vgl. Art. 56 ZPO).3
3. Forderung der Klägerin
3.1. Klägerin
Die Klägerin bringt vor, sie habe mit der Beklagten mündlich einen Vertrag
geschlossen, worin sie sich verpflichtet habe für eine Pauschalsumme von
Fr. 79'525.70 (inkl. MwSt.) die Hagelschäden an 55 Fahrzeugen aus dem
Bestand der Beklagten zu reparieren (Klage Rz. 9 ff.). Die Hagelschäden
seien durch die Versicherung der Beklagten, der E._, übernommen
worden (Klage Rz. 10 f.). Der Gesamtbetrag sei der Beklagten von den
E._ bereits überwiesen worden (Klage Rz. 20).
Die Klägerin habe die 55 Fahrzeuge der Beklagten sukzessive im Septem-
ber und Oktober 2020 rechtzeitig und sorgfältig repariert und diese jeweils
1 BGE 142 III 788 E. 4.2.3. 2 LEUENBERGER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger (Hrsg.), Kommentar zur Schweizeri-
schen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, Art. 223 N. 7. 3 Zum Ganzen: LEUENBERGER (Fn. 2), Art. 223 N. 5 und 6a; BSK ZPO-WILLISEGGER, 3. Aufl. 2017,
Art. 223 N. 18 ff.
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nach erfolgter Reparatur abgeliefert bzw. diese wurden von der Beklagten
abgeholt (Klage Rz. 14 f.). Die Beklagte habe zu keinem Zeitpunkt eine
Mängelrüge erhoben und die Reparaturarbeiten bzw. dessen Ergebnis da-
mit genehmigt (Klage Rz. 16).
Nachdem die Beklagte am 14. Oktober 2020 eine Teilzahlung über
Fr. 30'000.00 und am 10. September 2021 eine weitere Teilzahlung über
Fr. 10'000.00 geleistet habe, sei der Restbetrag in der Höhe von
Fr. 39'525.70 nicht beglichen worden (Klage Rz. 18 f.; KB 6 und 7).
3.2. Rechtliches
Durch den Werkvertrag verpflichtet sich der Unternehmer zur Herstellung
eines Werkes und der Besteller zur Leistung einer Vergütung (Art. 363 OR).
Die Herstellung eines Werks kann nicht nur darin bestehen, eine neue Sa-
che zu schaffen, sondern auch darin, eine bestehende Sache umzuändern,
zu vergrössern, zu verbessern, zu renovieren oder ihr neue Eigenschaften
zu verleihen. Damit sind vom Begriff der Herstellung eines Werks grund-
sätzlich auch Montage-, Reparatur-, Reinigungs- und Überprüfungsarbei-
ten erfasst.4
Wurde die Vergütung im Werkvertrag zum Voraus genau bestimmt, so ist
der Unternehmer verpflichtet, das Werk zu dieser Summe fertigzustellen
und darf keine Erhöhung fordern, selbst wenn er mehr Arbeit oder grössere
Auslagen gehabt hat, als vorgesehen war (Art. 373 Abs. 1 OR; Festpreis).
Zum Festpreis gehören unter anderem der Pauschalpreis, der Globalpreis
und die Einheitspreise.5
Der Besteller hat die Vergütung bei der Ablieferung des Werkes zu zahlen
(Art. 372 Abs. 1 OR). Ist das Werk in Teilen zu liefern und die Vergütung
nach Teilen bestimmt, so hat die Zahlung für jeden Teil bei dessen Abliefe-
rung zu erfolgen (Art. 372 Abs. 2 OR). Ist die Vergütung hingegen nicht auf
die Teillieferungen ausgerichtet, so wird die gesamte Vergütung erst bei
der Ablieferung des letzten Werkteils fällig.6 Die Ablieferung des vollende-
ten Werkes bewirkt somit gemäss dispositivem Recht die Fälligkeit des Ver-
gütungsanspruchs.7 Den Unternehmer trifft daher eine Vorleistungspflicht
im Umfang der gesamten Werkherstellung – erst Arbeit, dann Lohn.8
4 BGE 130 III 458 E. 4 = Pra 2005 Nr. 41, 113 II 421 E. 1 = Pra 1988 Nr. 110 je m.w.N. 5 GAUCH, Der Werkvertrag, 6. Aufl. 2019, N. 900 ff.; SCHUMACHER/KÖNIG, Die Vergütung im Bauwerk-
vertrag, 2. Aufl. 2017, N. 157 ff. 6 BSK OR I-ZINDEL/SCHOTT, 7. Aufl. 2020, Art. 372 N. 8 m.w.N. 7 BSK OR I-ZINDEL/SCHOTT (Fn. 6), Art. 372 N. 2; GAUCH (FN. 5), N. 1152 ff.; KOLLER, Schweizeri-
sches Werkvertragsrecht, 2015, N. 198. 8 BSK OR I-ZINDEL/SCHOTT (Fn. 6), Art. 372 N. 3.
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3.3. Würdigung
Es ist vorliegend unbestritten, dass die Parteien einen Vertrag über die Re-
paratur von Hagelschäden an 55 Fahrzeugen der Beklagten zu einem pau-
schalen Preis von Fr. 79'525.70 geschlossen haben. Es ist damit vom Be-
stehen eines Werkvertrags mit einer festen Vergütung i.S.v. Art. 373 Abs. 1
OR auszugehen.
Die Klägerin kam ihren Pflichten aus dem Werkvertrag nach, indem sie die
55 Fahrzeuge mängelfrei reparierte und diese der Beklagten rechtzeitig
zwischen September und Oktober 2020 ablieferte (Klage Rz. 14 f.). Der da-
mit entstandene Werklohnanspruch in der Höhe von Fr. 79'525.70 forderte
die Klägerin mittels Rechnung vom 30. Oktober 2020 (KB 5) bei der Be-
klagten ein.
Die Beklagte kam ihrer Pflicht zur Bezahlung des Werklohns in der Höhe
von Fr. 79'525.70 indes nicht vollständig nach: Sie leistete am 14. Oktober
2020 und am 10. September 2021 je eine Teilzahlung über Fr. 30'000.00
bzw. über Fr. 10'000.00 (KB 6 und 7), womit noch ein ausstehender Betrag
in der Höhe von Fr. 39'525.70 geschuldet ist. Daraus folgt, dass der Kläge-
rin gegenüber der Beklagten der eingeklagte Anspruch in Höhe von
Fr. 39'525.70 zusteht.
4. Verzugszinsen
4.1. Klägerin
Die Klägerin bringt vor, die vereinbarte Vergütung in der Höhe von
Fr. 79'525.70 sei gemäss Rechnung vom 30. Oktober 2020 am
11. [recte: 12.] November 2020 zur Zahlung fällig gewesen (Klage Rz. 20;
KB 5). Nach der Leistung der beiden Teilzahlungen am 14. Oktober 2020
und am 10. September 2021 befinde sich die Beklagte mit der Leistung des
Restbetrags in der Höhe von Fr. 39'525.70 in Verzug und schulde der Klä-
gerin einen Verzugszins von 5% seit dem 13. November 2020 (Klage
Rz. 21).
4.2. Rechtliches
Nach Art. 104 Abs. 1 OR hat der Schuldner Verzugszinsen zu leisten, wenn
er sich mit der Zahlung der Geldschuld im Verzug befindet. Der gesetzliche
Verzugszins beträgt 5 % p.a. (Art. 104 Abs. 1 OR). Bei der Berechnung des
Verzugszeitpunktes wird analog zu Art. 77 Abs. 1 Ziff. 1 OR der Tag, an
dem der Verzug eintritt, nicht mitberechnet.9
Der Schuldner einer fälligen Forderung gerät entweder durch Mahnung
(Art. 102 Abs. 1 OR) oder, sofern die Parteien einen bestimmten Verfalltag
9 SCHENKER, Die Voraussetzungen und die Folgen des Schuldnerverzugs im schweizerischen Obli-
gationenrecht, 1988, N. 376.
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verabredet haben, schon mit dessen Ablauf (Art. 102 Abs. 2 OR), in Ver-
zug. Praxisgemäss gerät er auch mit Ablauf einer in einer Rechnung ge-
setzten Zahlungsfrist, wie „zahlbar 30 Tage netto“, ohne weitere Mahnung
in Verzug.10 Wird nach Ablauf der in einer Rechnung gesetzten Zahlungs-
frist eine neue "Mahnung" unter Ansetzen einer neuen Nachfrist angesetzt,
ist in dieser Willensäusserung ein bedingter Verzicht auf die seit dem Ver-
fallszeitpunkt angelaufenen Verzugszinsen zu sehen.11 Wird die Schuld je-
doch mit Ablauf der weiteren Frist nicht beglichen, sind die aufgelaufenen
Verzugszinsen geschuldet.12
4.3. Würdigung
In der von der Klägerin ausgestellten Rechnung vom 30. Oktober 2020
über den gesamten Werklohn in der Höhe von Fr. 79'525.70 findet sich der
Hinweis "Zahlbar bis: 12.11.2020" (KB 5). Damit liegt eine sog. befristete
Mahnung vor. Nachdem die Beklagte am 14. Oktober 2020 und am
10. September 2021 Teilzahlungen in der Höhe von insgesamt
Fr. 40'000.00 geleistet hat, stellte die Klägerin am 22. Februar 2022 eine
Rechnung über Fr. 40'000.00 mit dem Hinweis "Zahlbar bis 7. März 2022"
aus (KB 6). Darin ist ein bedingter Verzicht der Klägerin auf die angelaufe-
nen Verzugszinsen zu erblicken, sofern innert der angesetzten Frist bis
zum 7. März 2022 bezahlt wird. Da dies indes unbestrittenermassen nicht
erfolgt ist, schuldet die Beklagte der Klägerin den gesetzlichen Verzugszins
von 5 % p.a. ab dem Tag, der auf den letzten Tag der Frist gemäss Rech-
nung vom 30. Oktober 2020 folgt. Folglich stehen der Klägerin Verzugszin-
sen in dem von ihr behaupteten Umfang zu.
5. Betreibungskosten
5.1. Klägerin
Die Klägerin beantragt in Rechtsbegehren Ziff. 2 den Ersatz der Betrei-
bungskosten in der Höhe von Fr. 103.30.
5.2. Rechtliches
Gemäss Art. 68 Abs. 1 SchKG trägt der Schuldner die Betreibungskosten;
der Gläubiger hat diese lediglich vorzuschiessen. Der Gläubiger ist berech-
tigt, von den Zahlungen des Schuldners die Betreibungskosten vorab zu
erheben (Art. 68 Abs. 2 SchKG). Diese Bestimmung ist so zu verstehen,
dass diese Kosten im Ergebnis zur Schuld geschlagen werden und vom
Schuldner zusätzlich zu dem dem Gläubiger zugesprochenen Betrag zu
bezahlen sind. Da die Betreibungskosten dem Gläubiger bei erfolgreicher
Betreibung von Gesetzes wegen zustehen, bedarf es zur Durchsetzung der
10 AGVE 2003, S. 38; BK OR I-WIDMER LÜCHINGER/WIEGAND, 7. Aufl. 2020, Art. 102 N. 9b m.w.N.;
VETTER/BUFF, Verzugszinsen bei «zahlbar innert 30 Tagen», SJZ 2019, S. 150 f. m.w.N. 11 VETTER/BUFF (Fn. 10), S. 153. 12 VETTER/BUFF (Fn. 10), S. 153.
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Kostenersatzpflicht weder eines Urteils noch eines Rechtsöffnungsent-
scheids.13
5.3. Würdigung
Entsprechend steht der Klägerin kein Anspruch auf Ersatz der Betreibungs-
kosten zu, den sie mittels Klage durchsetzen könnte. Rechtsbegehren
Ziff. 2 der Klage ist demnach abzuweisen.
6. Beseitigung Rechtsvorschlag
6.1. Klägerin
Schliesslich beantragt die Klägerin in Rechtsbegehren Ziff. 3 die Beseiti-
gung des von der Beklagten in der Betreibung Nr. D._ des Betrei-
bungsamts C._ erhobenen Rechtsvorschlags (KB 9).
6.2. Rechtliches
Ein Gläubiger, gegen dessen Betreibung Rechtsvorschlag erhoben worden
ist, hat – sofern er wie vorliegend weder über einen definitiven noch einen
provisorischen Rechtsöffnungstitel verfügt – seinen Anspruch im Zivilpro-
zess geltend zu machen. Er kann die Fortsetzung der Betreibung nur auf-
grund eines vollstreckbaren Entscheids erwirken, der den Rechtsvorschlag
ausdrücklich beseitigt (sog. Anerkennungsklage; Art. 79 SchKG).
6.3. Würdigung
Die Klägerin hat die Beklagte in der Betreibung Nr. D._ des Betrei-
bungsamts C._ für eine Forderung in der Höhe von Fr. 40'000.00 be-
trieben (KB 8). Der in Betreibung gesetzte Betrag entspricht dabei nicht
dem mittels Klage geforderten und vorliegend gutgeheissenen Betrag von
Fr. 39'525.70. Der Rechtsvorschlag ist nur im Umfang der Gutheissung der
Klage zu beseitigen.
7. Kosten
Abschliessend sind die Kosten entsprechend dem Verfahrensausgang zu
verlegen (Art. 106 Abs. 1 und 2 ZPO). Sie bestehen aus den Gerichtskos-
ten und der Parteientschädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO). Die Klägerin obsiegt
mit ihrer Klage mit Ausnahme der Betreibungskosten und der (vollständi-
gen) Beseitigung des Rechtsvorschlags in der Betreibung Nr. D._ des
Betreibungsamts C._ vollumfänglich, weshalb es sich rechtfertigt, die
Prozesskosten vollumfänglich der Beklagten aufzuerlegen.14
7.1. Gerichtskosten
Die Gerichtskosten bestehen vorliegend einzig aus der Entscheidgebühr
(Art. 95 Abs. 2 lit. b ZPO). Der Grundansatz für die Entscheidgebühr be-
trägt bei einem Streitwert von Fr. 39'525.70 (Zinsen und Betreibungskosten
13 BSK SchKG I-EMMEL, 3. Aufl. 2021, Art. 68 N. 16 i.f. m.w.N. 14 Vgl. JENNY, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger (Fn. 2), Art. 106 N. 9 m.w.N.
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werden nicht mitgerechnet [Art. 91 Abs. 1 ZPO]) gemäss § 7 Abs. 1 Zeile 9
VKD gerundet Fr. 3'661.55. Hiervon ist gemäss § 13 Abs. 1 VKD bei wie
hier nicht vollständig durchgeführtem Verfahren ein angemessener Abzug
vorzunehmen. Unter Berücksichtigung des verursachten gerichtlichen Auf-
wandes werden die Gerichtskosten deshalb auf total Fr. 2'500.00 festge-
setzt. Sie werden der Beklagten auferlegt und mit dem von der Klägerin
geleisteten Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 3'661.55 verrechnet (Art. 111
Abs. 1 ZPO). Der Überschuss steht der Klägerin zu. Die Beklagte hat der
Klägerin die von ihr zu tragenden Gerichtskosten von Fr. 2'500.00 direkt zu
ersetzen (Art. 111 Abs. 2 ZPO).
7.2. Parteientschädigung
Die Parteientschädigung bemisst sich nach § 3 Abs. 1 lit. a Ziff. 6 AnwT.
Die Grundentschädigung beträgt rund Fr. 7'333.10. Damit sind gemäss § 6
Abs. 1 AnwT unter anderem eine Rechtsschrift und die Teilnahme an einer
Verhandlung abgegolten. Für die nicht durchgeführte Verhandlung ist pra-
xisgemäss ein Abschlag von 20 % gerechtfertigt (vgl. § 6 Abs. 2 AnwT).
Davon ist ein weiterer Abzug von 25 % aufgrund der geringen Aufwendun-
gen vorzunehmen (§ 7 Abs. 2 AnwT). Mit der Kleinkostenpauschale von
praxisgemäss 3 % (vgl. § 13 Abs. 1 AnwT) resultiert damit eine Parteient-
schädigung von gerundet Fr. 4'530.00.
Dem Antrag der Klägerin auf Zusprechung des Mehrwertsteuerzuschlags
ist nicht zu entsprechen. Die Klägerin ist gemäss UID-Register15 selber
mehrwertsteuerpflichtig. Sie kann die ihrem Anwalt bezahlte Mehrwert-
steuer als Vorsteuer von ihrer eigenen Mehrwertsteuerrechnung in Abzug
bringen (Art. 28 MWSTG).16 Die Mehrwertsteuer stellt somit keinen zusätz-
lichen Kostenfaktor dar und ist bei der Bemessung der Parteientschädigung
deshalb nicht zu berücksichtigen.
15 Vgl. https://www.uid.admin.ch/[...] (zuletzt besucht am 20. Dezember 2022). 16 Vgl. Merkblatt zur Frage der Berücksichtigung der Mehrwertsteuer bei der Bemessung der Partei-
entschädigung der Gerichte des Kantons Aargau vom 11. Januar 2016: https://www.ag.ch//kanton-aargau/jb/dokumente/obergericht/handelsgericht/merkblatt-mwst.pdf (zuletzt besucht am 20. Dezember 2022).
https://www.ag.ch/media/kanton-aargau/jb/dokumente/obergericht/handelsgericht/merkblatt-mwst.pdf https://www.ag.ch/media/kanton-aargau/jb/dokumente/obergericht/handelsgericht/merkblatt-mwst.pdf
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