Decision ID: 7d737965-833e-48ce-b46f-22cf0478b0c0
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1954 geborene
X._
wurde 2006 infolge von Rückenschmerzen und einer Gehbehinderung nach einer Tumorex
s
tirpation in der Wirbelsäule
(
Urk.
6/9/1-2,
Urk.
6/9/7)
von der Invalidenversicherung mit verschiedenen Hilfsmitteln versorgt (Verfügungen vom 30. August 2006 betreffend Kosten
gutsprache für Arbeitsstuhl und Arbeitstisch [Urk. 6/19], vom 31. August 2006 betreffend Kostengutsprache für Änderungen am Motorfahrzeug [Urk. 6/20] sowie vom 15. September 2006 betreffend Kostengutsprache für Fahrschulung [Urk. 6/22]).
Am 13. Februar 2009 meldete sich der Versicherte aufgrund von Hörproblemen zur Hörgeräteversorgung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, an (Urk.
6/23-2
4).
Mit Mitteilung vom 29. Juni 2009 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für ein Hörgerät gemäss der damaligen Indikationsstufe eins im Betrag von Fr. 1‘689.30 (Urk. 6/32).
1.2
Am 1. September 2015 ersuchte der Versicherte um erneute
Hörgeräteversor
gung
(Urk. 6/34).
Durch seinen Hörgeräte
lieferanten machte er geltend, dass die bisherigen Hörgeräte nicht mehr den heutigen akustischen Anforderungen genügten (Urk. 6/33). Nach
Einholung einer
ärztliche
n
Expertise von Dr. med.
Y._
, Facharzt für
Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten
(
Bericht vom 11. September 2015;
Urk. 6/36), stellte die Verwaltung dem Versicherten mit Vor
bescheid vom 29. Oktober 2015 die Ablehnung der Kostengutsprache in Aussicht (Urk. 6/37) und verfügte am 8. Dezember 2015 im angekündigten Sinne (Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 8. Dezember 2015
erhob
X._
am 2. Januar 2016 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Kostengutsprache für eine Hörgerätepauschale (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 2. Februar 2016 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), worüber der Beschwerdeführer am 3. Mai 2016 orientiert wurde (Urk. 7).
Die
Einzelrichterin
zieht

in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Dar
stellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betrof
fene Person ihn gegebenen
falls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbe
ständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Aus der Begründung muss jedenfalls ersichtlich werden, ob und warum die Behörde ein Vorbringen einer Partei für unzutreffend bezie
hungsweise unerheblich hält. Es muss erkennbar sein, ob die Behörde es über
haupt in Betracht gezogen hat. Sie darf sich nicht auf den Hinweis beschränken, die Überlegungen der versicherten Person seien zur Kenntnis genommen und geprüft worden (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3
. Auflage, Zürich/Basel/Genf 20
15
, N
56
zu Art. 49 ATSG, mit Hinweis auf BGE 124 V 180). Die Begründung muss so abgefasst sein, dass eine Anfechtung des Entscheids
möglich ist (
Kieser
, a.a.O., N 220
zu Art. 61 ATSG).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entschei
denden Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann es jedoch nicht der Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass Versicherungsträger sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass sol
che Verfahrensmängel in einem vom durch den Verwaltungsakt Betroffenen allfällig angehobenen Gerichts
verfahren behoben würden.
Von der Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtli
chen Gehörs an die Verwaltung ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnöti
gen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhö
rung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (BGE 120 V 357 E. 2b, 116 V 182 E. 3c und d).
2.2
Mit Vorbescheid vom 29. Oktober 2015 (Urk. 6/37) und gleichlautender Verfügung vom 8. Dezember 2015
(
Urk.
2)
begründete die Beschwerdegegnerin ihren Entscheid wie folgt:
Wir haben den Anspruch auf Hilfsmittel geprüft.
Hörgeräte können bei Schwerhörigkeit abgegeben werden, wenn sie das Hörver
mögen deutlich verbessern und sich die versicherte Person wesentlich besser mit der Umwelt verständigen kann. Der Anspruch muss
fachärztlich begründet sein.
Die Invalidenversicherung kann einen Pauschalbetrag an die Hörgeräteversorgung entrichten, wenn der
binaurale
Gesamt-Hörverlust mindestens
20 % beträgt. Bei einem Gesamt-
Hörverlust zwischen 15 bis 20
%
kann ein Pauschalbetrag entrich
tet werden, sofern zusätzlich die Voraussetzungen „Hochtonabfall oder Verstehen im
Störlärm
>
4
dB" erfüllt sind.
Die erforderlichen Voraussetzungen für eine Kostengutsprache sind nicht erfüllt.
2.3
In dieser allgemein gehaltenen Formulierung kann keine
rechtsgenügliche
Begrün
dung erblickt werden. Mangels einer eigentlichen Auseinandersetzung mit den konkreten Einwänden und den auf den Einzelfall bezogenen Gegeben
heiten
lässt sich
nicht erkennen, mit welchen Überlegungen
der
Anspruch
des Beschwerdeführers
auf Hörgeräteversorgung verworfen worden war
.
Insbeson
dere lässt sich nicht erkennen, aus welchen Gründen der Anspruch des Beschwerdeführers auf
binaurale
Versorgung verneint wurde und ob ein Anspruch auf (erneute) monaurale Versorgung geprüft wurde.
Mithin leidet die angefochtene Verfügung an einem schwerwiegenden
Begrün
dungs
mangel
, welcher eine sorgfältige Meinungsbildung des Beschwerdeführers darüber, ob und gegebenenfalls mit welcher Argumentation er die
Leistungs
ablehnung
anfechten soll, verunmöglichte. Der Beschwerdeführer wurde gewissermassen auf den Gerichtsweg gezwungen, um
allenfalls
die
Entschei
dungsgründe
der Beschwerdegegnerin zu erfahren. Dies kann nicht im Sinne der Verfahrensökonomie liegen und erweist sich
auch unter Berücksichtigung der Kostenpflicht des Beschwerdeverfahrens (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
als
stossend
. Sodann kann es
nicht Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass die Verwaltung sich über den
elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzt und darauf vertraut, dass der Verfahrensmangel in einem etwaigen Prozess behoben werde (vgl. BGE 116 V 182 E. 3c) und das Gericht womöglich anstelle der Versäumnisse im Verwaltung
s
verfahren eine
rechtsgenügliche
Begründung verfasse.
Darüber hinaus
unterliess es die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 2. Februar 2016 die Gründe für ihren negativen E
ntscheid nachzuliefern (Urk. 5). Den aufgelegten Akten liegt auch kein Feststellungsblatt bei, so dass dem Gericht verschlossen bleibt, welche Überlegungen die Beschwerdegegnerin zu ihrem Entscheid bewogen haben. Daher besteht
für das Gericht kein Anlass, die Gehörsverletzung im vorliegenden Verfahren als geheilt zu betrachten
. Demzufolge ist die
angefochtene Verfügung vom
8. Dezember 2015
(Urk. 2)
bereits
aus diesem Grund aufzuheben.
3.
Zur Sache bleibt zu bemerken, dass die aufliegenden Akten ein
e abschliessende Beurteilung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf Hörgeräteversorgung
nicht zulassen.
4
.
4
.
1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit (Abs. 1):
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung
, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
4
.
2
Gemäss
Art.
21 IVG hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbil
dung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedarf (Abs. 1). Die
Ver
sicherung gibt die Hilfsmittel zu Eigentum oder leihweise in einfacher und zweckmässiger Ausführung ab (Abs. 3).
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vorschriften im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 IVG hat der Bundesrat in
Art.
14
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
an das Eidgenössische Departement des Innern übertragen, welches die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit anhangsweise auf
geführter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut
Art.
2 HVI besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fortbewegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge notwendig sind (
Abs.
1). Anspruch auf die in dieser Liste mit *
be
zeichneten Hilfsmittel besteht nur, soweit diese für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für die in der zutreffenden Ziffer des Anhangs ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (
Abs.
2; BGE 122 V 212 E. 2a).
4
.
3
Gemäss Ziff. 5.07
HVI
-Anhang sind Hörgeräte bei Schwerhörigkeit abzugeben, sofern das Hörvermögen durch ein solches Gerät namhaft verbessert wird und die versicherte Person sich wesentlich besser mit der Umwelt verständigen kann. Die versicherte Person hat Anspruch auf eine Pauschalvergütung, die höchstens alle 6 Jahre beansprucht werden kann. Die Pauschale für eine monaura
le Ver
sorgung beträgt Fr. 840.
und für eine
binaurale
Versorgung
Fr. 1‘650.
, jeweils ohne Reparaturen und Batteriekosten. Hörgeräte sin
d durch
Fachperso
nen
abzugeben.
4
.
4
Die Kommission für Audiologie und Expertenwesen der Schweizerischen Gesell
schaft für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie erstellte unter den Vorgaben und im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) Richtlinien für ORL-Expertenärzte zum Abklärungsauftrag zur Vergütung von Hörgeräten durch die Sozialversicherungen IV und AHV (nachfolgend: Richtli
nien für ORL-Expertenärzte)
,
welche ab 1. Juli 2011 gültig erklärt wurden. Darin werden die Anforderungen an den Experten (Arzt/Ärztin) und die tech
nische
Ausrüstung umschrieben (Ziffer
2), die gesetzlichen Grundlagen und weitere Vo
raussetzungen dargelegt (Ziffer
3) sowie Richtlinien für die
Exper
tent
ätigkeit
für Erwachsene (Ziffer
4) sowie
Kinder und Jugendlichen (Ziffer
5) aufgestellt. Unter dem Titel Expertentätigkeit für Erwachsene, Erstexpertise, wird festgehalten, dass die IV einen Pauschalbetrag an die Hörgeräteversorgung entrichten kann, wenn der
binaurale
Gesamt-Hörverlust
mindestens 20 % beträgt (Ziffer
4.1.1
). Der Gesamt-Hörverlust berechnet sich aus dem
Tonaudio
gramm
und dem Sprachaudiogramm. Im Tonaudiogramm wird der Hörverlust pro Ohr nach der CPT-AMA-Tabelle prozentual berechnet. Im
Sprachaudio
gramm
in Ruhe wird der Sprachhörverlust pro Ohr nach Sozialindex (Deutsch) oder Fournier (Französisch) prozentual nach einer im Anhang aufgelisteten Tabelle berechnet. Für den Gesamt-Hörverlust werden die einzelnen Werte für jedes Ohr (rechts und links) addiert
und d
urch vier geteilt (Ziffer 4.1.2
).
Gemäss Ziffer
4.1.3
der Richtlinien für ORL-Expertenärzte wird von der Sozialversiche
rung nur im IV-Alter oder IV-Besitzstand eine
binaurale
Erstversorgung gewährt, wenn mindestens zwei der folgenden audiologischen Bedingungen erfüllt sind:
Der Unterschied des Hörverlustes nach CPT-AMA zwischen rechts und links beträgt weniger als 30 %
.
Der Unterschied des Diskriminationsverlusts im Sprachtest in Ruhe rechts und
links beträgt weniger als 50 %.
Der Unterschied der Sprachhörschwelle (50%ige Verständlichkeit für Zahlen, Zweisilber oder Einsilber) zwischen links und rechts beträgt weniger als 50 dB
.
Ferner st
ehen
die Richtlinie
n
vor, dass bei Nichterreichen des für eine IV-Vergü
tung erforderlichen Hörverlustes (H
V) von 20 % gemäss Ziffer 4.1.1
für Perso
nen, welche auf ein Hörgerät angewiesen sind und einen Gesamthörverlust
zwischen 1
5
%
und 20 % aufweisen, Zusatzkriterien geprüft werden. Das sind Hochtonabfall
und
Verstehen im Störgeräusch
(SNR > 4 dB am zu versorgenden Ohr)
. Liegt eine einseitige Schwerhörigkeit vor, werden die Kosten einer
Hörge
räteanpassung
von der Invalidenversicherung übernommen (monaurale Pau
scha
le), auch wenn der
binaurale
Gesamt-Hörverlust nur 15-20
%
beträgt und sofern der monaurale Hörverlust gemäss CPT-AMA am betroffenen Ohr mehr
als
25
%
beträgt. Es muss im Weiteren eine fachärztliche Begründung für eine solche Hörgeräteversorgung bei einseitiger Schwerhörigkeit vorliegen
(
Zif
fer 4
.1.4
).
Durch den Verweis auf
diese Richtlinien
im
Kreisschreiben des BSV über die Abgabe von
Hilfsmittel
n
durch die Invalidenversicherung (KHMI
), gültig ab 1. Januar 2015 (
Rz
2037 ff.)
,
sind sie
auf Weisungsstufe verankert worden.
4
.
5
Mit dem seit 1. Juli 2011 gültigen Pauschalsystem für die Abgabe von Hörgerä
ten wurde das bis dahin gültige Tarif-System
durch das in drei Kategorien ein
geteilte
Indikationsstufenmodell abgelöst. Die Bedingungen für den Erhalt einer Pauschale sind jedoch, dass ein HNO-Arzt eine Hörstörung über der Anspruchsschwelle der Versicherung feststellt und eine Versorgung mit Hör
geräten empfiehlt, das Gerät von der METAS zugelassen ist, die Versorgung durch eine Fachperson erfolgt und die Rechnungskopien der IV-Stelle mit den
nötigen Angaben zugestellt werden (vgl. Faktenblatt des BSV vom 25. Mai 2011).
4
.
6
Gemäss Schlussbestimmung der HVI gilt das neue Vergütungssystem für Neu- oder Nachfolgeversorgungen mit Hörgeräten, die ab diesem Datum beantragt werden.
5
.
Beschwerdeweise
macht der Beschwerdeführer geltend, als Entwicklungsleiter sei er oft an Gesprächen oder Sitzungen beteiligt, in welchen es für ihn wichtig sei, den technischen Inhalt der Gespräche schnell zu erfassen. Ohne Hörgeräte sei es für ihn sehr anstrengend, die Gespräche akustisch korrekt zu erfassen. Dabei ermüde er zu schnell und sei dann nicht mehr in der Lage, führend am Gespräch teilzunehmen, was von ihm aber unbedingt erwartet werde
. Seine sozialen Kontakte fänden oft an öffentlichen Orten statt, wo der Geräuschpegel so hoch sei, dass er auch direkt gegenübersitzende oder gegenüberstehende Personen nur schwer verstehen könne
(Urk. 1).
6
.
Vorab ist festzuhalten, dass das erstmalige Gesuch um Hörgeräteversorgung vom
13. Februar 2009
(Urk.
6/24
) mit Mitteilung vom
29. Juni 2009
bewilligt wurde (
Urk. 6/32
).
Durch das mehr als sechs Jahre nach erstmaligem Erhalt eines Hör
geräts einge
reichte neue Gesuch des Beschwerdeführers vom 1. September 2015, womit er eine
Neuversorgung und damit
aufgrund einer Verschlechterung seiner
Hörleistung
als Ersatz der bisherigen Versorgung mit einem einzigen Hörgerät
zwei neue Hörgeräte
beanspruchte (Urk. 6/33-34), wurde ein neues Verfahren ausgelöst, womit vorliegend aufgrund der
Übergangsbestimmungsregelung (vgl. vorstehend E.
4.6
) von einer Neuversorgung gestützt auf einen nach dem 1. Juli 2011 eingereichten
Antrag und damit vom Pauschalsystem auszugehen ist.
7
.
7
.1
Laut der ärztlichen Expertise von Dr.
Y._
vom 11. September 2015 (Urk. 6/36)
leidet der Beschwerdeführer an einer Hocht
on-Schwerhörigkeit ohne äussere
Lärmeinwirkung
.
Daraus folg
er
t
e
der Arzt die Empfehlung zur
binaura
len
Versorgung (Ziff. 7).
Der Hörverlust betrage gemäss Reintonaudiogramm rechts 7.8 % und links 22 %, gemäss Sprachaudiogramm rechts 10 % und links 30 % (Ziff. 2
).
Der Gesamt-Hörverlust erreiche einen Wert von 17.5 %, womit er den Schwellenwert von mindestens 20 % nicht erreiche. Hingegen erfülle der Beschwerdeführer die Voraussetzung der Erwerbstätigkeit (Ziff. 2.1
). Der Unter
schied des Hörverlustes nach CPT-AMA zwischen rechts und links betrage
weniger
als 30 %. Der Unterschied des Diskriminationsverlusts im Sprachtest in Ruhe zwischen rechts und links sei
weniger
als 50 %. Den Unterschied der Sprachhörschwelle (50%ige Verständlichkeit für Zahlen, Zweisilber oder Einsil
ber) zwischen links und rechts bezeichnete der Arzt
als unter 50
dB liegend, und die Voraussetzungen für eine
binaurale
Versorgung damit als erfüllt (Ziff. 3).
Von den Spezialfällen mit einem
binauralen
Hörverlust zwischen 15 % und 20 % sei das Verstehen im
Störlärm
(SNR > 4
dB) nicht erfüllt
(
Ziff.
4.2)
.
Zum Hochtonabfall sowie zur
einseitigen Schwerhörigkeit äusserte sich Dr.
Y._
nicht
(
Ziff.
4.1 und
Ziff.
3
)
.
Unter Ziffer 5 der Expertise nannte Dr.
Y._
aller
dings
einen Hochtonabfall als audiologisches Erschwernis für die
Hörgerätean
passung
.
Auf S. 1 des Berichts notierte die
Sachbearbeiterin der
Beschwerdegegnerin
, dass
der Hochtonabfall gemäss telefonischer Nachfrage bei der Arztpraxis nicht erfüllt
sei
.
7
.2
Bei einem Gesamt-Hörverlust von 17.5 % ist es für die Beurteilung des Anspruchs auf eine Hörgerätversorgung
im Rahmen eines Spezialfalles
relevant, ob der Beschwerdeführer einen Hochtonabfall (
bei
binaurale
r
Versorgung)
oder
eine einseitige Schwerhörigkeit von mehr als 25 % (
bei
monaurale
r
Versorgung) aufweist.
Diese beiden Fragen wurden von Dr.
Y._
nicht (eindeutig) beant
wortet.
Die von der Beschwerdegegnerin bei einer Praxismitarbeiterin telefonisch einge
holte Auskunft eines fehlenden Hochtonabfalles widerspricht der Angabe von Dr.
Y._
, wonach ein Hochtonabfall die Hörgerätean
passung audiologisch erschwere (vgl. dazu ferner das dem Bericht vom 11. September 2015 beigelegte Audiogramm, Urk. 6/36/3).
Eine formlos eingeholte und in einer Aktennotiz fest
gehaltene mündliche beziehungsweise telefonische Auskunft stellt nur inso
weit ein zulässiges und taugliches Beweismittel dar, als damit bloss Neben
punkte, namentlich Indizien oder Hilfstatsachen, festgestellt werden. Sind aber
wie vorliegend
Auskünfte zu wesentlichen Punkten des rechtserheblichen Sachverhaltes einzuholen, kommt grundsätzlich nur die Form einer schriftlichen Anfrage und Auskunft in Betracht.
Demzufolge hätte die Beschwerdegegnerin Dr.
Y._
um eine Ergänzung seiner Angaben
ersuchen
oder den medizini
schen Sachverhalt auf anderer geeigneter Weise vervollständigen müssen.
Bei dieser Aktenlage lässt sich über den Anspruch des Beschwerdeführers
im Rahmen eines Spezialfalles
auf Versorgung mit einem oder gar zwei Hörgerä
ten nicht entscheiden, weshalb die angefochtene Verfügung vom 8. Dezember 2015
auch aus diesem Grund
aufzuheben
gewesen wäre
.
7.3
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass der angefochtene Entscheid aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit diese die medizinische Abklärungen ergänze und hernach mittels eines
rechtsgenüglich
begründeten Entscheids neu über den Leistungsanspruch verfüge.
8
.
Die Kost
en des Verfahrens sind auf Fr. 8
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).