Decision ID: cd220006-d90b-5504-b3ed-44b84dd5d028
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1979, arbeitete im Alterszentrum
Y._
als
Nacht
wachenpfleger
(Krankenpflege) und war dadurch bei der Unfallversicherung Stadt Zürich
(im Folgenden: Versicherung)
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtbe
rufsunfällen versichert
.
A
m 25. November 2018
wurde er
beim
Bahnhof
Z._
von einem Zug erfasst und schwer verletzt (Urk.
8/G1)
.
Mit Verfügung vom 21. März 2019 kürzte die Versicherung die Geldleistungen aufgrund eines aus
sergewöhnlichen Wagnisses um 50 % (Urk. 8/G19).
Dagegen erhob der Versi
cherte am 16. April 2019 und 3. Mai 2019 Einsprache und beantragte d
ie
Aufhe
bung
der Verfügung
und die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen (Urk. 8/J1 und Urk. 8/J3)
.
Die Versicherung holte daraufhin
bei der p
sychiatrischen
K
linik
A._
ein psychiatrisches Gutachten ein, welches am
22. Januar 2020
erstattet wurde
(
Urk. 8/M23 =
Urk. 8/M46).
Am 18. Februar 2020 teilte die Ver
sicherung dem Versicherten mit
,
dass sie das
A._
-Gutachten als nicht schlüssig erachte und
sie
beabsichtige
,
bei
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychia
trie und Psychotherapie,
ein psychiatrisches Gegengut
achten einzuholen (Urk. 8/J14).
Mit der Einholung eines Gegengutachtens erklärte sich der Versi
cherte am 2. März 2020 nicht einverstanden
(Urk. 8/J15).
Am 4. März 2020 schlug die Versicherung
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, als Gegengutachter vor (Urk. 8/J16),
was
der Versicherte
erneut ablehnte
(Urk. 8/J17). Mit Zwischenverfügung vom 16. März 2020
hielt
die Versicherung
an der psychiatrischen
Begutachtung durch
Dr.
C._
fest
(Urk. 8/G4
2
= Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom
16. März 2020 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 28. April 2020 Beschwerde und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm die ungekürzten Leistungen auszurichten (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 13. Mai 2020 schloss die Versicherung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Mit Replik vom
11. August 2020 (Urk. 13) und Duplik vom 25. August 2020 (Urk. 16) hielten die Parteien an ihren Rechtsbegehren fest.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand ist vorliegend die Zwischenverfügung vom 16. März 2020 (
Urk.
2), mit welcher die Beschwerdegegnerin an der Begutachtung des Beschwerdeführers durch
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, festgehalten hat. Hierbei handelt es sich um eine Zwischenver
fügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
i.V.m
. Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
), welche bei Bejahung des nicht
wiedergutzumachenden
Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93 E. 6.1) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
1.2
Bei der Beurteilung des Merkmals des nicht
wiedergutzumachenden
Nachteils im Kontext der Gutachtenanordnung ist gemäss der Rechtsprechung (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7) die
Eintretensvoraussetzung
des nicht
wiedergutzumachenden
Nach
teils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren zu bejahen, zumal die nicht sachgerechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken wird.
Beschwerdeweise geltend gemacht werden können materielle Einwendungen beispielsweise des Inhalts, die in Aussicht genommene Begutachtung sei nicht notwendig, weil sie - mit Blick auf einen bereits umfassend abgeklärten Sachver
halt
-
bloss einer Zweitmeinung entspreche (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7). Sodann können personenbezogene
Ausstandsgründe
gerügt werden.
1.3
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversicherungsrechts hat der Versiche
rungsträger den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären. Er ist nach dem in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, die not
wendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen. Die Verfahrensleitung liegt dabei beim Versicherungs
träger, dessen Ermessensspielraum in Bezug auf Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen gross ist (Urteil des Bundes
gerichts 8C_481/2013 vom 7. November 2013 E. 3.4). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann. Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amtes wegen durch
zuführenden Abklärungen im Sinne von Art. 43 ATSG beinhalten indessen recht
sprechungsgemäss nicht das Recht des Versicherungsträgers, eine „
second
opinion
“ zum bereits in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen,
wenn ihm dieser nicht passt (BGE 138 V 271 E. 1.1; Urteil des Bundesgerichts U
571/06 vom 2
9.
Mai 2007 E. 4.2). Entscheidend dafür, ob weitere Abklärungen angeordnet werden können und müssen, ist, ob die bereits vorliegenden Gut
achten die praxisgemässen inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen erfüllen (Urteil des Bundesgerichts U 571/06 vom 29. Mai 2007 E. 4.2).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Gestützt auf Art. 39 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) kann der Bundesrat aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse bezeichnen, die in der Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung sämtlicher Leistungen oder zur Kürzung der Geldleistungen führen. Die Verweigerung oder Kürzung kann er in Abweichung von Artikel 21 Absätze 1-3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) ordnen. Von dieser Kompetenzdelegation hat der Bundesrat in Art.
49 (betreffend aussergewöhnliche Gefahren) und 50 (betreffend Wagnisse) der Verordnung über die Unfallversiche
rung
(
UVV
)
Gebrauch gemacht. Bei Nichtberufsunfällen, die auf ein Wagnis zurückgehen, werden die Geldleistungen um die Hälfte gekürzt und in besonders schweren Fällen verweigert (Art.
50 Abs.
1 UVV). Wagnisse sind Handlungen, mit denen sich der Versicherte einer besonders grossen Gefahr aussetzt, ohne die Vor
kehren zu treffen oder treffen zu können, die das Risiko auf ein vernünftiges Mass beschränken
.
Rettungshandlungen zugunsten von Personen sind indessen auch dann versichert, wenn sie an sich als Wagnis zu betrac
hten sind (Art.
50 Abs.
2 UVV).
2.
2
Kein zu einer Leistungskürzung berechtigendes Wagnis liegt vor, wenn die ver
sicherte Person im massgebenden Zeitpunkt vollständig urteilsunfähig war, wobei dies in Bezug auf die in Frage stehende konkrete Handlung und unter Würdigung der bei ihrer Vornahme herrschenden objektiven und subjektiven Verhältnisse zu prüfen ist (zum Begriff der Urteilsfähigkeit vgl. Art.
16 ZGB; BGE 124 III 5 E.
1a
S.
7 f.; Urteile
des Bundesgerichts
9C_934/2009 vom 2
8.
April 2010 E.
5.3 und U
223/02 E.
1.2). Eine bloss teilweise Urteilsunfähigkeit führt nicht dazu, dass die versicherungsrechtlichen Konsequenzen des Wagnisses ausbleiben würden (
Urteil des Bundesgerichts
8C_274_2012 E.
4.2, 98 V 144 E.
4a
; Urteil
des Bundesge
richts
8C_683/2010 vom 5.
November 2010 E.
6). Die Urteilsfähigkeit wird ver
mutet, solange keine Anzeichen für das Gegenteil
bestehen (BGE 129 I 173 E. 3.1
, 127 V 237 E.
2c).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der Verfügung vom 16. März 2020
(Urk. 2), betreffend Gutachter existiere kein Wahlrecht und die Entscheidungshoheit
liege bei ihr
. Da der Beschwerdeführer keine substanziellen
Ausstandsgründe
habe vor
bringen können, halte sie an der Begutachtung durch
Dr.
C._
fest (S. 3 Ziff. 2.2). Aufgrund der Kurzbeurteilung durch
Dr.
B._
vom 15. Februar 2020 vermöge das psychiatrische Gutachten der
A._
nicht mit der notwendigen Qualität die vollkommene Aufhebung der Urteilsfähigkeit im Hinblick auf das
f
ragliche Wagnis zu beweisen.
3.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer vor (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin lege keinen einzigen Punkt dar, weshalb das Gutachten der
A._
hinsichtlich der rechtsrelevanten Frage der Urteilsfähigkeit nicht schlüssig sein soll
e
. Vielmehr entspreche es den rechtsprechungsgemässen Anforderungen (S. 5 Ziff. 12).
Die Kurzbeurteilung durch
Dr.
B._
vermöge das
A._
-Gutachten nicht ernsthaft in Zweifel zu ziehen, konkrete und objektive Indizien lägen nicht vor (S. 6 Ziff. 13). Aus näher dargelegten Gründen vermö
ge die Stellungnahme
von
Dr.
B._
an der Schlüssigkeit des
A._
-Gutachte
ns nichts zu ändern (S.
7 ff.).
3.3
Streitig und zu prüfen ist, ob
dem von der Beschwerdeführerin eingeholten
A._
Gutachten Beweiswert zukommt, mithin ob
mit dem Gutachten überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen ist, dass der Beschwerdeführer
im Zeitpunkt des Unfalls
urteilsunfähig war,
oder ob
sich der Beschwerdeführer einer erneuten psychiatrischen Begutachtung zu unterziehen hat.
4.
4.1
Summarisch zu prüfen ist, ob es sich bei der angeordneten
psychiatrischen
Begutachtung um das Einholen einer unzulässigen „
second
opinion
“ handelt, beziehungsweise ob eine genügende Beweislage vorliegt. Um diese Frage beant
worten zu können, müsste die vorliegende Aktenlage auf ihre Vollständigkeit und
Schlüssigkeit hin überprüft werden. Eine eingehende Überprüfung der medizini
schen Aktenlage würde aber dazu führen, dass der Endentscheid im Hinblick auf die Beurteilung der medizinischen Sachlage weitgehend präjudiziert würde. Da die Verfahrenshoheit bis zum Abschluss des Verwaltungsverfahrens bei der Beschwerdegegnerin liegt und ihr deshalb im Rahmen der Verfahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweck
mässigkeit von medizinischen Erhebungen zukommt, muss im vorliegenden Ver
fahren die richterliche Prüfung bei einer knappen Beurteilung der Aktenlage im Sinne einer Plausibilitäts- respektive Missbrauchskontrolle ihr Bewenden haben. Entscheidend ist, ob die Gründe, die die Beschwerdegegnerin für die Notwendig
keit einer weiteren
psychiatrischen
Abklärung anführt, plausibel erscheinen.
4.2
Laut pharmakologisch-toxikologischem Gutachten des Instituts für Rechts
medizin an der Universität
D._
vom 7. März 2019 (Urk. 8/G22) stand der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Ereignisses deutlich unter der Wirkung von Ethylalkohol (Trinkalkohol; S. 1). Im Zeitpunkt der Blutentnahme hätten sich 2.37
bis 2.61 Gewichtspromille Ethylalkohol im Blut befunden. Der Mittelwert betrage 2.49 Gewichtspromille (= g/kg). Das Trinkende sei unbekannt, weshalb eine Rück
rechnung der Blutalkoholkonzentration auf den Ereigniszeitpunkt nicht möglich sei (S. 2 unten f).
4.3
M
ed.
pract
.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
Leitende Ärztin der Gutachtenstelle
F._
,
und
Dr.
med.
G._
, Assistenzarzt,
p
sychiatrische
K
linik
A._
,
kamen im Gutachten vom 22. Januar 2020 (
Urk. 8/M23 =
Urk. 8/M46) zum Schluss,
dass sich
kurz vor dem Unfall Auffälligkeiten in Bezug auf die kognitiven Fä
higkeiten des Beschwerdeführers
, also der Sinn, die Zweck
mässigkeit und Wirkung einer bestimmten Handlung zu erkennen,
erkennen liessen,
dies unter anderem, da geplant gewesen sei, mit dem Zug nach Hause zu fahren und dann jedoch ein Taxi genommen worden s
ei. Nach dem Einsteigen ins Taxi
sei nur der Ort und keine Adresse genannt worden.
Dort
ange
kommen, sei entschieden worden, nach Zürich z
u
fahren, wobei dem Beschwerde
führer nicht klar sei, warum er und sein Kollege sich
umentschieden
hätten. Neben der Alkoholintoxikation seien vor allem Übermüdung zu nennen, die sich durch rasches Einschlafen im Taxi gezeigt habe, sowie die psychomotorischen Unsicherheiten, die der Beschwerdeführer nach der Taxifahrt beim Zusammen
suchen des Geldes aufgewiesen habe.
Der Taxifahrer habe klar benennen können, dass die beiden Passagiere stark alkoholisiert gewesen seien, weshalb er die Weiterfahrt mit ihnen abgelehnt habe. Dementsprechend
habe
es
neben einer Blutalkoholkonzentration zwischen 2.74
und 2.99
Gewichtspromille
,
was einem schweren Rausch entspreche
, und einer Übermüdung
Zeichen von kognitiven und
voluntativen Einschränkungen
gegeben
, die eine Einschränkung der Urteilsfähig
keit überwiegend wahrscheinlich darstellen liessen. Additiv kämen die Witterungsverhältnisse mit eingeschränkter Sicht hinzu
(
S. 24 unten f.).
Auch ohne beobachtbare psychopathologische Auffälligkeiten könne es bei Alkoholintoxikationen
zu Gedächtnisstörungen, sogenannte
n
«Blackouts»
,
kommen, wobei die Betroffenen noch normal zu funktionieren scheinen, aber keine Erinnerung an die vergangenen 5-10 Minuten hätten. Als Ursache für diese Störung werde eine Beeinträchtigung der Konsolidierung neuer Informationen i
m
Gedächtnis vermutet. Dass die Ehefrau
den Beschwerdeführer
beim Telefonat kurz vor dem Ereignis als nicht so stark alkoholisiert beschrieben habe, könnte hiermit zusammenhängen, oder sei dem geschuldet, dass es ein Telefonat gewesen sei. Der Taxifahrer, welcher den Beschwerdeführer persönlich gesehen habe, habe dies anders gewertet (S. 25 oben).
Der Beschwerdeführer gebe seit seinem Erwachen im Krankhaus Erinnerungs
lücken in Bezug auf die Zeit kurz vor dem Unfall an. Diese könnten natürlich auch als Folge des Schädelhirntraumas entstanden sein
(S. 25 Mitte)
.
4.4
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erach
tete
in seiner Kurzbeurteilung vom
1
5. Februar 2020 (Urk. 8/M47)
die Schlussfol
gerungen im
A._
-Gutachten
als nicht stichhaltig
. Zur Begründung führte er an, b
is zum Ausstieg aus dem Taxi seien Erinnerungen (u.a. Fahrpreis, Ankunftsort, die Geschehnisse des Abends) durch den Beschwerdeführer abrufbar. Der Beschwerdeführer sei beim Ausstieg aus dem Taxi offenbar in der Lage gewesen, sich selbständig fortzubewegen und zumindest bis zum Gleis zu gehen. Für die Zeit nach dem Ausstieg habe er angegeben, keine Erinnerung zu haben. Er ver
möge sich
allerdings
an verschiedene Details während des Abends (Anzahl Teil
nehmer, Art der getrunkenen Getränke, Spielgewinn) und der Taxifahrt (Ziel und
Fahrpreis) erinnern. Somit müsse
also in den le
tzten 30 Minuten vor dem Unfall
plötzlich eine massive Zunahme des Rauschzustandes erfolgt sein. Es falle sch
wer, sich vorzustellen, dass in
nerhalb dieser kurzen Zeit eine entsprechende Ver
stärkung des Rausc
hzustands
habe
erfolgen könne
n
, ohne dass weiter getrunken
worden sei
. Die
A._
-
Gutachter bauten ihre Schlussfolgerung jedoch genau auf dieser Möglichkeit auf, ohne dies jedoch plausibel darzustellen. Obwohl
sie
in ihren Überlegungen eingeräumt hätten, dass die beklagten Erinnerungslücken auch als Folge des Schädelhirntraumas hätten entstanden sein können, und somit die Erinnerungslücke nicht als Beweis für die durch eine intoxikationsbedingte Störung gewichtet werden könne, blendeten sie in der Schlussfolgerung diese Möglichkeit aus und gingen - trotz augenfälliger Widersprüche - von einer
intoxikationsbedingten prätraumatischen vollständigen Aufhebung der Urteils
fähigkeit aus (S. 4 oben).
4.5
Insoweit
Dr.
B._
den
A._
-Gutachtern vorwirft, es sei ihnen nicht gelungen, einen nachvollziehbaren Tathergang zu rekonstruieren
, ist ihm
darin
zuzu
stimmen, dass die
A._
-
Gutachter nicht versucht haben, beim Kollegen des Beschwerdeführers, mit welchem dieser
im Unfall
zeitpunkt unterwegs war, Aus
künfte zum Tathergang
einzuholen
. Zwar
waren
dessen Schilderungen unmittel
bar nach dem Unfall gemäss Polizeirapport
wirr
(vgl. Urk
. 8/G16 S. 3 unten f.)
,
woraus jedoch nicht
zum Vornherein
geschlossen
werden darf, dass
nach Abklingen des Rausches eine Amnesie vorgelegen hat und
er zur Klärung des Unfallgeschehens und der strittigen Frage
, ob beim Beschwerdeführer hinsichtlich des Überquerens der Gleise und des damit verbundenen Risikos
eine Urteilsun
fähigkeit vorlag
oder nicht,
nichts beitragen k
önnte
.
Indem
der Beschwerdeführer vorbrachte, dass sich die wahren Geschehnisse
ver
lören, nachdem sie das Taxi verlassen hätten,
weil er und sein Kollege derart betrunken waren und die Realität nicht mehr erkannt hätten,
und die abrufbaren Erinnerungen allesamt Hören-Sagen-Aussagen seien, verk
annte
er, dass er
gemäss
A._
-Gutachter
die Geschehnisse
bis zur Bezahlung der Taxifahrt ziemlich detailliert
schildern
k
onnte und erst
für den Zeitraum danach
und das Unfall
ereignis selber angab, keine Erinnerungen mehr zu haben
.
Die Gutachter setzten sich
allerdings
nicht
damit
auseinander, aus welchen Gründen Erinnerungslücke
n
erst für den Zeitraum nach der Bezahlung des Taxis eingesetzt haben könnte
n
, zumal davon auszugehen ist, dass die Alkoholintoxikation
im Zeitpunkt des Unfallereignisses nicht höher
war
als am Ende der Taxifahrt
.
Zwar
gaben
die Gutachter
zu bedenken, dass die Erinnerungslücken auch als Folge des beim Unfall erlittenen Schädelhirntraumas entstanden sein könnten, verwarfen diese Möglichkeit in ihren Schlussfolgerungen jedoch wieder, ohne zu erklären,
aus welche
n Gründen
.
N
icht nachvollziehbar
ist ausserdem
,
welche Schlüsse
die Gutachter über die von ihnen angenommene Blutalkoholk
onzentration im Unfallzeitpunkt
und den weiter
entscheidenden
Faktoren (S. 22 f.) zogen, mithin, welche Faktoren neben der Alkoholintoxikation welchen Einfluss auf die Urteilsfähigkeit hatten.
Schliesslich wurde nicht erklärt
, weshalb die Gutachter aus den Aussagen des Taxifahrers anlässlich der polizeilichen Befragung auf psychomotorische Unsicherhe
iten schlossen
.
Der
Aussage
des Taxichauffeurs
kann
nämlich
lediglich entnommen werden,
dass seine beiden Fahrgäste
,
in
Z._
angekommen
,
weiter nach Zürich gefahren werden wollten, was er abgelehnt habe. Er habe die beiden gebeten auszusteigen
,
und es habe sehr lange gedauert, bis sie dies taten. Dann
hätten sie aus allen Taschen das Geld für die Fahrt zusammengesucht (Urk.
8/G16 S. 5 oben).
Weshalb die
A._
-Gutachter angesichts dieser Aussage auf eine
psychomot
o
rische Unsicherheit
schlossen, ist nicht nachvollziehbar,
b
eschrieb doch der Taxifahrer
keineswegs
ein mühevolles
Aussteigen
. Seine Aus
sage könnte ebenso gut darauf hindeuten,
dass
seine Fahrgäste
nicht aussteigen wollte
n
und daher
am Fahrziel
länger
als gewöhnlich
sitzen blieb
en
.
Auch die Suche nach dem Fahrgeld in verschiedenen Taschen allein lässt nicht auf eine psychomotorische Unsicherheit schliessen.
4.6
N
ach dem Dargelegten
kann
die Herleitung einer überwiegend wahrscheinlich vollkommenen Aufhebung der Urteilsfähigkeit durch die
A._
-Gutachter nicht
schlüssig nachvollzogen werden
. Die Beschwerdegegnerin hat daher zu Recht eine erneute Begutachtung des Beschwerdeführers angeordnet.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.