Decision ID: 83749415-abb7-4907-85ad-14d49ebab7b6
Year: 2020
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

1. Juni 2018 verfügt, ohne den Sachverhalt ausreichend abzuklären. Sie
wäre aufgrund des geringen Einkommens ihres Lebenspartners und
dessen instabilen Gesundheitszustands gezwungen, eine
Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall auszuüben, um die finanzielle
Existenz der Familie angemessen zu sichern. Während einer solchen
Erwerbstätigkeit wären die Rahmenbedingungen für die Kinderbetreuung,
insbesondere durch die beiden Grossmütter oder durch die Kinderkrippe,
ausreichend gegeben. Gestützt auf ihre Angaben anlässlich der
Haushaltsabklärung, wonach sie im Gesundheitsfall zu 60 % arbeiten
würde, sei der Erwerbsbereich mit 60 % zu gewichten, was bei der aus
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medizinischer Sicht fehlenden Arbeitsfähigkeit in bisheriger und
adaptierter Tätigkeit einen Gesamtinvaliditätsgrad von 60 % ab dem
1. Juni 2018 ergebe. Zudem stellte die Beschwerdeführerin die fehlende
Einschränkung im Haushalt in Frage.
8. Die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer
Vernehmlassung vom 10. März 2020 auf Abweisung der Beschwerde und
verwies dabei insbesondere auf die Ausführungen in der angefochtenen
Verfügung. Die Beschwerdeführerin machte von der ihr ausdrücklich
eingeräumten Möglichkeit, eine Replik einzureichen, keinen Gebrauch.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die
angefochtene Verfügung vom 19. Dezember 2019 sowie die weiteren
Akten wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 19. Dezember 2019. Eine solche
Anordnung, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das
Versicherungsgericht am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann
beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als das örtlich und
sachlich zuständige Versicherungsgericht angefochten werden (vgl.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG;
BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formelle und materielle
Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin von der angefochtenen
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Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung. Sie ist somit zur Beschwerdeerhebung
legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Die Beschwerde wurde
zudem frist- und formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60
Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 39 Abs. 1 ATSG sowie Art. 61 lit. b ATSG). Auf
die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Vorliegend ist streitig, ob die Beschwerdeführerin über den 31. Mai 2018
hinaus Anspruch auf eine Invalidenrente hat bzw. ob die Aufhebung der
ab dem 1. Januar 2018 zugesprochenen ganzen Invalidenrente
(Invaliditätsgrad 80 %) auf den Zeitpunkt der Geburt der Tochter der
Beschwerdeführerin rechtmässig ist. Zudem ist zwischen den Parteien die
Gewichtung des Erwerbsbereichs (im Gesundheitsfall) sowie die
Einschränkung im Haushaltsbereich streitig. Unbestritten sind hingegen
die medizinischen Grundlagen und die damit verbundene Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, wonach sie im
Erwerbsbereich vollständig arbeitsunfähig ist.
3. Vorliegen geht es um eine erstmalige rückwirkende Festsetzung einer
Invalidenrente. Der angefochtenen Verfügung vom 19. Dezember 2019 ist
zu entnehmen, dass der Grund für die Befristung der ab dem 1. Januar
2018 zugesprochenen ganzen Invalidenrente per 31. Mai 2018 darin liegt,
dass die Beschwerdeführerin am 30. Mai 2018 eine Tochter gebar.
Gestützt darauf geht die Beschwerdegegnerin davon aus, dass die
Beschwerdeführerin ab diesem Zeitpunkt nur noch zu 20 % ausserhaus
tätig wäre, was gestützt auf eine neue Invaliditätsgradbemessung zur
Aufhebung der ab dem 1. Januar 2018 zugesprochenen ganzen
Invalidenrente führt.
3.1. Im Sinne eines Grundsatzentscheides ist daher vorfrageweise zu klären,
ob diese Vorgehensweise rechtens ist oder aber eine Aufhebung der
Invalidenrente allein aus familiären Gründen (Geburt der Tochter am
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30. Mai 2018) und den damit verbundenen erwerblichen Auswirkungen für
die Beschwerdeführerin aufgrund der Betreuungsaufgaben entfallen muss
(vgl. dazu die entsprechende bundesgerichtliche Rechtsprechung:
BGE 144 I 103, 144 I 21, 143 I 60 und 143 I 50 bzw. Urteil des
Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte [EGMR] vom 2. Februar
2016 [Verfahren 7186/09; Di Trizio gegen Schweiz]). Aus diesem Grund
wurde das vorliegende Urteil in Nachachtung von Art. 43 Abs. 2 lit. c VRG
in Fünferbesetzung gefällt.
3.2. Bei einer erstmaligen rückwirkenden Festsetzung einer Invalidenrente ist
den bereits eingetretenen Tatsachenänderungen, die zu einer Erhöhung,
Herabsetzung oder Aufhebung führen, Rechnung zu tragen. Auch solche
rückwirkend (abgestuften und/oder befristeten) Rentenzusprachen
unterliegen nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dem
Revisionsrecht gemäss Art. 17 ATSG (siehe BGE 145 V 209 E.5.3, 125 V
413 E.2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2019 vom 22. Januar 2020
E.2.2; MEYER/REICHMUTH, in: Stauffer/Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über
die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 30-
31 Rz. 11). Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder
eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder
auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede
(wesentliche) Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit
Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit
den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist daher nicht
nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern
auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen eines an
sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben
oder eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung
gelangt (siehe BGE 144 I 103 E.2.1, 130 V 343 E.3.5; Urteile des
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Bundesgerichts 8C_211/2020 vom 23. September 2020 E.2.1,
9C_297/2016 vom 7. April 2017 E.2.1, nicht publ. in: BGE 143 V 77, aber
in: SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152; MEYER/REICHMUTH, in: Stauffer/Cardinaux
[Hrsg.], a.a.O., Art. 30-31 Rz. 21 ff.). Demgegenüber ist die lediglich
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen
Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (siehe
BGE 144 I 103 E.2.1, 141 V 9 E.2.3 m.H.; MEYER/REICHMUTH, in:
Stauffer/Cardinaux [Hrsg.], a.a.O., Art. 30-31 Rz. 51 ff.).
3.3. Dem Urteil des EGMR vom 2. Februar 2016 (Verfahren 7186/09; Di Trizio
gegen Schweiz) lag der Fall einer Versicherten zugrunde, welcher unter
dem Status einer Vollerwerbstätigen ein Anspruch auf eine Invalidenrente
zukam. Sie verlor diesen allein aufgrund des Umstandes, dass wegen der
Geburt ihrer Kinder und der damit einhergehenden Reduktion des
Erwerbspensums ein Revisionsgrund vorlag und die Versicherte neu als
Teilerwerbstätige mit einem Aufgabenbereich qualifiziert wurde. Bei der
folgenden, durch den Revisionsgrund des familiär bedingten
Statuswechsels ermöglichten umfassenden Prüfung des
Rentenanspruchs in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht ohne Bindung
an frühere Beurteilungen, kam neu für die Berechnung des
Invaliditätsgrades nicht mehr die Berechnungsmethode des
Einkommensvergleichs (Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16
ATSG), sondern diejenige der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG)
zur Anwendung. Der EGMR betrachtete es als Verletzung von Art. 14 der
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(EMRK; SR 0.101; [Diskriminierungsverbot]) i.V.m. Art. 8 EMRK (Recht
auf Achtung des Privat- und Familienlebens), dass die sich aus dem
Statuswechsel ergebende Änderung in den Grundlagen der
Invaliditätsbemessung zur Aufhebung der Invalidenrente führte und sich
damit zu Ungunsten der Versicherten auswirkte (vgl. BGE 144 I 28 E.4.2.1
und E.4.4, 143 V 77 E.3.2.1, 143 I 50 E.3.1 ff.; Urteil des Bundesgerichts
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8C_429/2017 vom 20. Dezember 2017 E.4.2.2, nicht. publ. in: BGE 144 I
28).
Daraufhin passte das Bundesgericht seine Rechtsprechung an. In
BGE 143 I 50 E.4.1 und 4.2 sowie BGE 143 I 60 E.3.3.4 entschied es,
dass zwecks Herstellung eines konventionskonformen Zustandes in
derartigen Konstellationen, in welchen allein familiäre Gründe (die Geburt
von Kindern und die damit einhergehende Reduktion des
Erwerbspensums) für einen Statuswechsel von vollerwerbstätig zu
teilerwerbstätig mit Aufgabenbereich sprächen, fortan auf die (alleine
darauf beruhende) revisionsweise Aufhebung oder Herabsetzung der
Invalidenrente im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG zu verzichten sei (vgl.
auch IV-Rundschreiben Nr. 355 des Bundesamtes für
Sozialversicherungen [BSV] vom 31. Oktober 2016, aktualisiert per
26. Mai 2017 und aufgehoben per 1. Januar 2018 gemäss IV-
Rundschreiben Nr. 372 des BSV vom 9. Januar 2018). Weiter entschied
das Bundesgericht, dass auch diejenigen Fälle von den vorgenannten
EMRK-Garantien als erfasst gelten, bei denen rein familiär bedingt
(Reduktion des Betreuungsaufwandes) ein Wechsel von nicht
erwerbstätig zu teilerwerbstätig vorgenommen werde (BGE 144 I 21
E.4.5). Hingegen wurde der Wechsel von teilerwerbstätig zu nicht
erwerbstätig vom Bundesgericht namentlich mangels Erschwernissen
hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familienleben und Wahrnehmung
beruflicher Interessen nicht als vom Schutzbereich von Art. 14 EMRK
i.V.m. Art. 8 EMRK erfasst beurteilt (BGE 144 I 28 E.4.6). Schliesslich hielt
das Bundesgericht fest, dass auf eine revisionsweise Aufhebung bzw.
Herabsetzung der Invalidenrente in den Fällen zu verzichten sei, in denen
eine Di Trizio-ähnliche Ausgangslage vorliegt, d.h. wenn es um eine
Rentenrevision oder eine erstmalige Rentenzusprache mit gleichzeitiger
Abstufung oder Befristung der Rente gehe und wenn kumulativ ein familiär
bedingter Grund (Betreuungspflichten gegenüber minderjährigen Kindern)
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für die Reduktion der Arbeitszeit gegeben ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_233/2017 vom 19. Dezember 2017 E.3.3.2 m.H.a.
BGE 143 I 50 E.4.4, 143 V 77 E.3.2.2 und 144 I 21 E.4.2 sowie Urteile des
Bundesgerichts 9C_553/2017 vom 18. Dezember 2017 E.5.1 f. und
9C_525/2016 vom 15. März 2017 E.4.2.2; siehe zudem IV-Rundschreiben
Nr. 355 des BSV vom 31. Oktober 2016, aktualisiert per 26. Mai 2017 und
aufgehoben per 1. Januar 2018 gemäss IV-Rundschreiben Nr. 372 des
BSV vom 9. Januar 2018 sowie FLEISCHANDERL, Anwendung der sog.
gemischten Invaliditätsbemessungsmethode nach dem Urteil des EGMR
Nr. 7186/09 vom 2. Februar 2016 in Sachen Di Trizio gegen die Schweiz,
SZS/RSAS 62/2018, S. 513 f.).
Eine unter die bundesgerichtliche Di Trizio-Rechtsprechung fallende
Konstellation läge vorliegend also vor, zumal die Ausrichtung einer ganzen
Invalidenrente im Rahmen einer erstmaligen Rentenzusprache (...) allein
aufgrund des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin (im
Gesundheitsfalle) eine familiär bedingte Reduktion des Arbeitspensums
vorgenommen hätte, befristet werden soll, wobei (...) die gemischte
Methode für die Bemessung des Invaliditätsgrades zur Anwendung käme.
3.4. Vorliegend stellt sich somit die Frage, ob die Pensumsreduktion aufgrund
des mit der Geburt der Tochter am 30. Mai 2018 einhergehenden
Betreuungsaufwands tatsächlich ein anerkannter Rückkommenstitel im
Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG darstellt, so dass die mit Verfügung vom
19. Dezember 2019 ab dem 1. Januar 2018 zugesprochene ganze Rente
per 31. Mai 2018 gestützt darauf aufgehoben werden durfte.
3.5. Das streitberufene Gericht hatte bisher einzig zu vor Ende 2017, d.h. noch
unter der alten Berechnungsmethode gemäss Art. 28a Abs. 3 IVG,
eingetretene Statuswechsel aus familiären Gründen Stellung zu beziehen.
Mit Urteil vom 29. Januar 2020 im Verfahren S 18 107 entschied es, dass
im Rahmen einer erstmaligen rückwirkenden Rentenzusprache die vor
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dem 1. Januar 2018 erfolgte Geburt eines Kindes mit entsprechenden
Betreuungsaufgaben kein zu berücksichtigender Revisionsgrund darstellt
und die Beschwerdegegnerin somit zu keiner Herabsetzung der für den
vorherigen Zeitraum (als Vollerwerbstätige in Anwendung der allgemeinen
Methode des Einkommensvergleichs) zugesprochenen ganzen
Invalidenrente in Anwendung der (neuen, ab 1. Januar 2018 in Kraft
stehenden) gemischten Methode auf eine Viertelsrente berechtigt ist
(siehe Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU]
S 18 107 vom 29. Januar 2020 E.3.4 und 4; vgl. auch VGU S 19 63 vom
14. Juli 2020 E.4.3).
3.6. Im Nachgang zur vorstehend erwähnten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zum Di Trizio-Urteil (siehe vorstehende Erwägung 3.3)
beschloss der Bundesrat am 1. Dezember 2017 eine Änderung der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201). Dabei
wurden insbesondere die Absätze 2 bis 4 in Art. 27bis IVV eingefügt, um
ein die EGMR-Rechtsprechung berücksichtigendes Berechnungsmodell
für die gemischte Methode betreffend teilerwerbstätige Versicherte (mit
Aufgabenbereich) festzulegen (vgl. erläuternder Bericht des BSV zur
Vernehmlassung der Änderung der Verordnung vom 7. Januar 1961 über
die Invalidenversicherung, Invaliditätsbemessung für teilerwerbstätige
Versicherte [gemischte Methode], S. 4 ff. und 10 ff.). Nach dem revidierten
Art. 27bis Abs. 2 bis 4 IVV wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads
von Teilerwerbstätigen, die sich zusätzlich im Aufgabenbereich nach Art. 7
Abs. 2 IVG und Art. 27 IVV betätigen, zwar wie bisher der entsprechend
dem Status (Anteil Erwerbsbereich/Anteil Aufgabenbereich) gewichtete
Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und in Bezug auf die
Betätigung im Aufgabenbereich addiert. Geändert wurde jedoch die
Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätigkeit vor der
Gewichtung. Während bisher das Valideneinkommen lediglich in dem
Umfang herangezogen wurde, in welchem die versicherte Person
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tatsächlich noch tätig wäre (also dem Anteil Erwerbsbereich; vgl. BGE 137
V 334 E.4.1, 131 V 51 E.5.1.1 und 125 V 146 E.2b), wird gemäss neuem
Art. 27bis Abs. 3 lit. a IVV das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet.
Sodann wird die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des
Beschäftigungsgrades, den die Person hätte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre, gewichtet (Art. 27bis Abs. 3 lit. b IVV).
Das BSV hielt gestützt darauf nunmehr im IV-Rundschreiben Nr. 372 vom
9. Januar 2018 fest, zukünftig gelte der Wechsel des Status einer
versicherten Person wieder als möglicher Revisionsgrund, weil mit dem
neuen Berechnungsmodell Teilerwerbstätige mit Aufgabenbereich nun
grundsätzlich nicht mehr schlechter gestellt würden.
Während die neue Berechnungsmethode in der Lehre zum Teil begrüsst
wird (vgl. z.B. konkret zur Wechselwirkung: LEUZINGER,
Invaliditätsbemessung für teilerwerbstätige Versicherte mit
Aufgabenbereich, in: Kieser/Lendfers [Hrsg.], Jahrbuch zum
Sozialversicherungsrecht 2017, Zürich/St. Gallen 2017, S. 155 ff. S. 181
ff.), treten andere der Anwendbarkeit der (neuen) gemischten Methode auf
nach dem 1. Januar 2018 erfolgte (anspruchsrelevante)
Sachverhaltsänderungen im Sinne der Geburt eines Kindes und die einzig
daraus folgende hypothetische Teilerwerbstätigkeit kritisch gegenüber
(vgl. dazu RENKER, Die neue "gemischte Methode" der
Invaliditätsbemessung, in: Jusletter vom 22. Januar 2018, S. 18 f.). Dabei
wird bemängelt, dass auch die neue gemischte Methode tendenziell zu
einer Schlechterstellung der versicherten Person führt, wenn es zu einem
familiär bedingten Statuswechsel kommt. Auch der vorliegende Fall zeigt
auf, dass die für den Gesundheitsfall angenommene tiefere
Teilerwerbstätigkeit aus rein familiären Gründen zu einer
Rentenaufhebung und somit zu einer Schlechterstellung führen kann. Ob
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dies jedoch generell so ist, so dass von einer EMRK-widrigen indirekten
Diskriminierung ausgegangen werden müsste, kann mangels empirischer
Studien bzw. einer genügend hohen Anzahl von Beispielfällen nicht
abschliessend beurteilt werden.
3.7. Der EGMR scheint in seinem Di Trizio-Urteil aber nicht darauf geschlossen
zu haben, dass jede Berechnungsmethode aufgrund eines familiär
bedingten Statuswechsels von "voll- zu teilerwerbstätig", die zu einer
Reduktion bzw. einer Aufhebung des Rentenanspruchs führen kann, eine
EMRK-widrige Diskriminierung darstellt. Vielmehr wies er darauf hin, dass
alternative Berechnungsmethoden ("d'une méthode plus favorable")
denkbar seien, die die Wahl der Teilzeitarbeit von Frauen nach der Geburt
eines Kindes besser berücksichtigten, und dass es somit möglich wäre,
das Ziel der Geschlechtergleichstellung zu verfolgen, ohne das Ziel der
Invaliditätsversicherung zu gefährden (siehe Urteil des EGMR vom
2. Februar 2016 [Verfahren 7186/09; Di Trizio gegen Schweiz] § 100 f.;
vgl. auch BGE 144 I 28 E.4.4 f.).
Mit dem neuen Berechnungsmodell gemäss Art. 27bis Abs. 2 und 3 IVV (in
Kraft seit 1. Januar 2018) wird der Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich für
Teil- wie auch Vollerwerbstätige gleich berechnet. Im Aufgabenbereich
erfolgte bereits bisher keine Unterscheidung bei der Berechnung zwischen
Teilerwerbstätigen und Nichterwerbstätigen. Damit fällt insbesondere die
an der bisherigen gemischten Methode kritisierte doppelte Gewichtung der
teilzeitlichen Erwerbstätigkeit weg (siehe Urteil des EGMR vom 2. Februar
2016 [Verfahren 7186/09; Di Trizio gegen Schweiz] § 98). Die neue
Berechnungsmethode beinhaltet weder in ihren Einzelberechnungen
(Einkommensvergleich für den Anteil Erwerb und Betätigungsvergleich für
den Anteil Aufgabenbereich) noch in der Addition der Teilinvaliditätsgrade
eine Ungleichbehandlung zu "Vollerwerbstätigen" bzw.
"Nichterwerbstätigen" (vgl. nunmehr das zur Publikation vorgesehene
Urteil des Bundesgerichts 9C_82/2020 vom 27. Oktober 2020 E.6.1). Sie
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scheint daher dem vom EGMR festgehaltenen Ziel der
Geschlechtergleichstellung zuträglich und trägt zudem den
eingeschränkten Ressourcen der Invalidenversicherung Rechnung, wobei
eine abschliessende Beurteilung mangels empirischer Werte nicht
vorgenommen werden kann. Immerhin wird auf die vom EGMR gerügte
doppelte Berücksichtigung der erwerblichen Teilzeitlichkeit verzichtet.
Hinzuzufügen bleibt, dass es den Kindseltern nach der Geburt ihres
Kindes selbstredend freisteht, wie sie die Kinderbetreuung untereinander
regeln und/oder ob sie eine Dritthilfe (Kindertagesstätte, Tagesmutter,
Grosseltern etc.) in Anspruch nehmen wollen. Zu bedenken ist zudem,
dass bei einer Weitergeltung der Di Trizio-Rechtsprechung bei zunächst
gesunden Personen, die ihren Status aus familiären Gründen von voll- zu
teilerwerbstätig wechselten, bei einem späteren Eintritt der Invalidität der
Invaliditätsgrad nach der gemischten Methode berechnet würde,
wohingegen bei (hypothetisch) Vollerwerbstätigen mit einem
Statuswechsel (bzw. in ähnlich gelagerten Fällen) bei bereits bestehender
Invalidität die bisherige Berechnungsmethode (Einkommensvergleich)
beibehalten würde. Zudem könnte sich bei einer Fortführung der
bisherigen Rechtsprechung in Di Trizio-ähnlichen Fällen eine neue
Ungleichbehandlung daraus ergeben, dass der Statuswechsel von Voll-
zu Teilerwerbstätigkeit als Revisionsgrund anders zu behandeln wäre als
derjenige von Voll- zu Nichterwerbstätigkeit, da bei Letzterer im Rahmen
der spezifischen Methode die Invalidität einzig danach ermittelt wird, in
welchem Ausmass die Person unfähig ist, sich im Aufgabenbereich zu
betätigten (Art. 28a Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 3 ATSG) und es dabei
zum Vornherein an den vom EGMR kritisierten Erschwernissen bezüglich
Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben fehlt (vgl. nunmehr das zur
Publikation vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 9C_82/2020 vom
27. Oktober 2020 E.6.3). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der
EGMR in seinem Urteil vom 2. Februar 2016 selbst anerkannt hatte, dass
die (verhältnismässig) unterschiedliche Ausgestaltung der
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Invalidenleistungen je nach Status der versicherten Person dem Zweck
bzw. Ziel der Invalidenversicherung – Ersatz für den
gesundheitsbedingten Erwerbsausfall und/oder die gesundheitsbedingte
Leistungseinbusse im bisherigen Aufgabenbereich zu bieten – dient (vgl.
für den Erwerbsausfallversicherungszweck der Invalidenversicherung:
BGE 135 V 58 E.3.4.1 und 126 V 461 E.2). Dementsprechend stellte sich
der EGMR auch nicht per se gegen eine differenzierte Ausgestaltung der
für sich konventionskonformen Kombination der Einzelberechnungen in
Anwendung des Einkommens- und Betätigungsvergleichs, soweit die
unterschiedliche Ausgestaltung sich noch als verhältnismässig erweist.
Dass die Einschränkungen im Aufgabenbereich häufiger tiefer liegen als
im Erwerbsbereich liegt darüber hinaus in der Natur der Sache, weil für
den Aufgabenbereich bei der Bemessung der Invalidität stets mittels
Abklärung an Ort und Stelle auf den konkreten Einzelfall abgestellt wird,
während im Erwerbsbereich abstrakt auf den hypothetischen,
ausgeglichenen Arbeitsmarkt abgestellt wird. Somit vermag auch der
Umstand, dass bei einem Statuswechsel hin zur gemischten Methode im
Revisionsfall ein ungünstigeres Resultat für die versicherte Person
resultieren kann, nichts am vorstehend Dargelegten zu ändern (vgl. Urteil
des EGMR vom 2. Februar 2016 [Verfahren 7186/09; Di Trizio gegen
Schweiz] § 92 ff.; siehe nunmehr auch das zur Publikation vorgesehene
Urteil des Bundesgerichts 9C_82/2020 vom 27. Oktober 2020 E.6.1 f.).
3.8. Das streitberufene Gericht kommt aufgrund der aktuell bekannten
Umstände somit zum Schluss, dass nach der konventionskonformen
Anpassung der Berechnungsmethode infolge des per 1. Januar 2018 in
Kraft getretenen, revidierten Art. 27bis IVV kein Anlass mehr dafür besteht,
dem EGMR-Urteil Di Trizio gleich oder ähnlich gelagerte Fälle generell von
einer Revision auszunehmen (vgl. dazu auch Urteile des
Verwaltungsgericht des Kantons Bern 200 20 65 IV vom 14. April 2020 E.3
und 200 19 687 IV vom 5. Februar 2020 E.3.2 f.; Urteil der
- 16 -
sozialversicherungsrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts Basel-
Landschaft 720 19 129/224 vom 5. September 2019 E.7 f. und Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons Aargau VBE.2018.385 vom
12. Dezember 2018 E.2.7 ff, auszugweise publiziert in: AGVE 2018 3;
siehe nunmehr auch das zur Publikation vorgesehene Urteil des
Bundesgerichts 9C_82/2020 vom 27. Oktober 2020 E.3.1 ff.). Im
Folgenden ist daher die Gewichtung des Erwerbbereichs und allenfalls die
Einschränkung im Haushaltsbereich näher zu prüfen.
4. Zwischen den Parteien ist streitig, wie der (hypothetische) Erwerbsbereich
im Gesundheitsfalle zu gewichten ist. Während die Beschwerdegegnerin
diesen aufgrund der Geburt der Tochter der Beschwerdeführerin am
30. Mai 2018 auf 20 % veranschlagt, bringt die Beschwerdeführerin vor,
dass sie ohne gesundheitlich Einschränkungen in einem 60%-Pensum
erwerbstätig wäre.
4.1. Die Methode der Invaliditätsbemessung im (hypothetischen)
Gesundheitsfall richtet sich praxisgemäss danach, welche Tätigkeit die
versicherte Person ausüben würde, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
Die für die Methodenwahl entscheidende Statusfrage (vollzeitliche,
teilzeitliche Erwerbstätigkeit oder Nichterwerbstätigkeit bzw. Tätigkeit in
anerkanntem Aufgabenbereich) beurteilt sich also danach, was die
versicherte Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn
keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen bestünden. Entscheidend ist
also nicht, welches Ausmass an Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall
zumutbar wäre, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch
erwerbstätig wäre. Insbesondere bei im Haushalt tätigen Versicherten sind
die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse sowie
allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das
Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die
persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen.
Massgebend sind die Verhältnisse wie sie sich bis zum Erlass der
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angefochtenen Verfügung entwickelt haben und die hypothetische
Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit hat
überwiegend wahrscheinlich zu sein. Die zwangsläufig hypothetischen
Beurteilungen (des Geschehensablaufes), die auch hypothetische
Willensentscheidungen der versicherten Person berücksichtigen, sind
wesensgemäss keiner direkten Beweisführung zugänglich und müssen in
der Regel aus äusseren Indizien sowie allenfalls Schlussfolgerung auf
Basis der allgemeinen Lebenserfahrung abgeleitet werden. Dabei kann
auch auf die Beweisregel hingewiesen werden, wonach Aussagen der
ersten Stunde in der Regel beweistauglicher sind als spätere Aussagen,
welche eher von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher
oder anderer Art beeinflusst sein können (siehe BGE 144 I 28 E.2.3 f., 141
V 15 E.3.1 f. und 137 V 334 E.3.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_29/2020
vom 19. Februar 2020 E.5.3.2, 9C_161/2019 vom 28. Juni 2019 E.5.2 f.
und 5.4.3, 8C_145/2018 vom 8. August 2018 E.5.1, 9C_671/2017 vom
12. Juli 2018 E.3.3.1 und 9C_92/2018 vom 12. April 2018 E.2.1 m.H.a.
BGE 133 V 504 E.3.3). Mithin sind für die Beantwortung der Statusfrage
im Gesundheitsfall verschiedene Aspekte zu berücksichtigten, wozu
neben dem Vorgenannten und der finanziellen Notwendigkeit namentlich
auch die Erwerbskarriere zu zählen ist. Die in jedem Fall hypothetische
Frage nach dem (Erwerbs-)Status einer versicherten Person – unter
Berücksichtigung der sich bis zum Verfügungserlass verwirklichten
Gegebenheiten – ist also aufgrund einer umfassenden Betrachtungsweise
zu beurteilen (vgl. VGU S 19 63 vom 14. Juli 2020 E.3.1 und 3.4 f.).
4.2.1. Die Beschwerdegegnerin stütze sich bei ihrer Gewichtung des
Erwerbbereichs mit 20 % auf die Aussagen der Beschwerdeführerin
anlässlich der psychiatrischen Begutachtung vom 26. Juni 2019 ab. Dem
Gutachten der PDGR vom 13. August 2019 ist diesbezüglich zu
entnehmen, die Beschwerdeführerin würde nach eigenen Angaben, wenn
sie gesund wäre, nur einen Tag pro Woche arbeiten und sonst zu Hause
- 18 -
die Tochter versorgen. Sie würde das Arbeitspensum erst erhöhen, wenn
die Tochter zur Schule gehe. Im Moment könne sie sich eine Arbeit nicht
vorstellen. Das Kind könne wegen dessen psychischer Instabilität nicht
vom Freund gehütet werden und für eine Kinderkrippe fehle das Geld. Sie
habe kürzlich eine Stelle in der Kinderkrippe, bei welcher sie anderthalb
Jahre lang gearbeitet habe, angeboten bekommen, wohin sie ihre Tochter
mitnehmen könne. Dies sei aktuell aber "keine Lösung" (siehe IV-act. 75
S. 17).
4.2.2. Dass die Beschwerdeführerin sich momentan bzw. im Zeitpunkt der
Begutachtung nicht als arbeitsfähig erachtete, obwohl sie eine Stelle bei
ihrer ehemaligen Arbeitgeberin in der Kinderkrippe mit
Betreuungsmöglichkeit für ihre Tochter angeboten erhalten hatte, ist
verständlich, lag damals wie heute doch eine gutachterlich ausgewiesene
100%ige Arbeitsunfähigkeit wegen erheblicher psychischer
Beeinträchtigungen vor (vgl. dazu psychiatrisches Gutachten vom
13. August 2019 [IV-act. 75 S. 25 f.] und RAD-Abschlussbeurteilung vom
28. August 2019 [IV-act. 102/13 f.]). Dass die Beschwerdeführerin aber in
symptomfreien Phasen in der Vergangenheit durchaus in der Lage war,
ihre beruflichen Tätigkeiten erfolgreich auszuüben, attestierten ihr nicht
nur die psychiatrischen Gutachterinnen Dr. med. D._ und Dr. med.
E._ (siehe IV-act. 75 S. 14 und 24). Vielmehr bestätigten auch ihre
ehemaligen Arbeitgeberinnen – das Alters- und Pflegeheimheim B._
für die Tätigkeit als Pflegehelferin im Zeitraum vom 1. November 2014 bis
zum 20. März 2017 und die Kinderkrippe J._ für die Tätigkeit als
Praktikantin im Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis zum 31. August 2014 –,
dass sie als hilfsbereite und motivierte Mitarbeiterin geschätzt worden sei,
welche die Bedürfnisse der Kinder wahrgenommen habe und liebevoll
darauf eingegangen sei (siehe IV-act. 72) bzw. einen freundlichen und
angenehmen Umgang mit den Altersheimbewohnerinnen und -bewohner
gepflegt habe (siehe IV-act. 78). Auch der Hausarzt der
- 19 -
Beschwerdeführerin, Dr. med. G._, führte aus, dass er die
Beschwerdeführerin aus der Zeit im Altersheim kenne und sie ihm einen
guten, ruhigen, zurückhaltenden und pflichtbewussten Eindruck gemacht
habe (vgl. dazu die fremdanamnestischen Angaben im psychiatrischen
Gutachten vom 13. August 2019 [IV-act. 75 S. 20]). Dies deckt sich mit
den eigenen Angaben der Beschwerdeführerin, wonach sie ihre Arbeit
sehr gerne ausgeübt und dabei 150 % gegeben habe, wobei sie auch viele
Komplimente erhalten habe (vgl. Evaluationsgespräch Eingliederung vom
8. August 2017 [IV-act. 11 S. 2] und psychiatrisches Gutachten vom
13. August 2019 [IV-act. 75 S. 14]). Dies spricht überwiegend
wahrscheinlich dafür, dass sie ohne Eintritt der gesundheitlichen
Einschränkungen weiterhin einer solchen Erwerbstätigkeit, welche sie vor
Eintritt des Gesundheitsschadens und der Geburt ihrer Tochter durchaus
in einem höheren Pensum ausgeübt hatte, nachgegangen wäre. Davon
geht denn auch die Beschwerdegegnerin sinngemäss in der
angefochtenen Verfügung aus.
4.2.3. Ebenfalls als nachvollziehbar erweist sich, dass der Lebenspartner der
Beschwerdeführerin wegen seiner eigenen psychischen Erkrankung ihre
gemeinsame Tochter nur beschränkt betreuen kann (vgl. dazu
Haushaltsabklärungsbericht vom 12. Dezember 2018 [IV-act. 50 S. 3] und
IV-act. 75 S. 17). So ergibt sich aus dem psychiatrischen Gutachten vom
13. August 2019, dass er an einer paranoiden Schizophrenie leidet mit
psychotischen Phasen (siehe IV-act. 75 S. 15), wofür er ebenfalls
Leistungen der IV beantragt hat (vgl. dazu auch die im Rahmen des
Gesuches um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege eingereichte
Verfügung der Gemeinde C._ betreffend öffentliche Unterstützung
vom 3. Dezember 2019 sowie die Ausführungen in der Beschwerde vom
3. Februar 2020 auf S. 4 [act. A1]). Seine begrenzten Kapazitäten für die
Kinderbetreuung sind aber insoweit zu relativieren, als die
Beschwerdeführerin in der Beschwerde ausführt, ihr Partner gehe einmal
- 20 -
die Woche mit seiner Tochter zu seiner Mutter bzw. diese hole ihre Enkelin
ab, so dass er sie doch insoweit bei der Kinderbetreuung unterstützen
kann (siehe act. A1 S. 4). Dies erscheint insoweit plausibel, als bereits aus
dem Haushaltsabklärungsbericht vom 12. Dezember 2018 hervorgeht,
dass ein regelmässiger Kontakt zur Familie des Lebenspartners bestehe
(siehe IV-act. 50 S. 2).
4.2.4. Ohnehin scheint die Sicherstellung der Betreuung ihrer Tochter ein
wesentliches Element dafür gewesen zu sein, welches die
Beschwerdeführerin anlässlich des gutachterlichen
Explorationsgesprächs dazu bewog anzugeben, dass sie im
Gesundheitsfalle nur einen Tag pro Woche arbeiten gehen würde. So
führte sie insbesondere aus, sich eine Arbeit nicht vorstellen zu können,
da der Kindsvater wegen seiner psychischer Instabilität nur eingeschränkt
die Kinderbetreuung übernehmen könne und für eine Kinderkrippe das
Geld fehle bzw. das Arbeitspensum erst erhöhen zu wollen, wenn die
Tochter zur Schule gehe (siehe IV-act. 75 S. 17). Dasselbe geht aus dem
Haushaltsabklärungsbericht vom 12. Dezember 2018 hervor, wobei dort
zusätzlich geäussert wurde, dass die Kinderbetreuung aufgrund der
damaligen, vom Lebenspartner der Beschwerdeführerin ausgeübten,
vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nicht gewährleistet sei (siehe IV-act. 50 S. 3
und Beschwerde vom 3. Februar 2020 S. 4 [act. A1]). Zudem stellte sich
auch RAD-Arzt Dr. med. F._ in seiner Beurteilung vom 15. Januar
2019 gestützt auf den Haushaltsabklärungsbericht vom 12. Dezember
2018 und den Bericht vom 23. November 2018 von Dr. med. K._,
PDGR, auf den Standpunkt, dass der Wiederaufnahme einer
Arbeitstätigkeit bzw. dem Wunsch der Beschwerdeführerin, aus familiären
Gründen 60 % zu arbeiten, namentlich die mangelnde Kinderbetreuung
sowie die langen berufsbedingten Abwesenheiten des Partners
entgegenstünden (siehe IV-act. 102 S. 12). Schliesslich ging auch die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung davon aus, dass
- 21 -
ein 60%-Pensum im Gesundheitsfalle "nicht realisierbar" sei und gab zur
Begründung namentlich die Aussage der Beschwerdeführerin wieder, der
Lebenspartner könne nicht für mehrere Stunden am Stück auf die
gemeinsame Tochter aufpassen. Dies sei ihm zu stressig. Ferner hätten
ihre Abklärungen ergeben, dass die Mutter der Beschwerdeführerin zu
mindestens 70 % in der Pflege und die Schwester in einem 100%-Pensum
arbeite. Die Mutter des Lebenspartners der Beschwerdeführerin wohne
nicht in der Nähe. Zudem könnte die Beschwerdeführerin das Kind nicht
zur Arbeit als Pflegerin mitnehmen, wo sie während Jahren tätig gewesen
sei und mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder tätig wäre (siehe Akten der
Beschwerdeführerin [Bf-act.] 1).
4.2.5. Dem hielt Beschwerdeführerin in der Beschwerde vom 3. Februar 2020
entgegen, die Kinderbetreuung wäre an den Tagen, an welchen sie im
Gesundheitsfall einer 60%igen Tätigkeit nachgehen würde, insbesondere
durch die beiden Grossmütter ihrer Tochter oder durch die Kinderkrippe
abgedeckt. So habe ihre ebenfalls in C._ wohnhafte Mutter entgegen
den Abklärungen der Beschwerdegegnerin kein Anstellungsverhältnis in
der Pflege von mind. 70 %, sondern beziehe ein Krankentaggeld und
werde wahrscheinlich nicht mehr in ihren angestammten Beruf
zurückkehren. Sobald sie wieder arbeitsfähig sei, suche sie eine
Anstellung in einem Pensum von max. 35 %, wobei sie sich gerne um ihre
Enkelin kümmern würde (act. A1 S. 5). Tatsächlich finden sich in den
Akten keine Belege, welche im Sinne der Angaben die
Beschwerdegegnerin auf eine Anstellung der Mutter der
Beschwerdeführerin im Umfang von mindestens 70 % in der Pflege
schliessen liessen. Auch im Case Report wird lediglich angeführt, dass
dies "laut unseren Abklärungen" so sei (siehe IV-act. 102 S. 17). Diese
Annahme findet denn auch keine Stütze in den übrigen Unterlagen.
Vielmehr geht aus dem Gutachten vom 13. August 2019 hervor, dass die
Mutter der Beschwerdeführerin nach deren Angaben nur wenig arbeite
- 22 -
(siehe IV-act. 75 S. 16). Anhaltspunkte dafür, an den Angaben der
Beschwerdeführerin anlässlich der Exploration zu zweifeln, gab es für die
Gutachterinnen keine, wirkte diese gemäss deren Eindruck doch
authentisch und kohärent (siehe IV-act. 75 S. 17 und 25). Da die
Beschwerdeführerin laut Gutachten täglichen Kontakt zu ihrer Mutter
pflege (siehe IV-act. 75 S. 13), auch mit ihrer Tochter oft zu ihr spaziere
(siehe IV-act. 75 S. 16) und ihre Mutter sie schon immer sehr unterstützt
habe (siehe IV-act. 75 S. 12), erscheint es plausibel, dass diese an Tagen,
an denen die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit einer
Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre, die Kinderbetreuung übernommen
hätte. Dasselbe gilt mit Blick auf die Mutter des Lebenspartners der
Beschwerdeführerin, bringt Letztere diesbezüglich doch vor, dass diese
entgegen den Abklärungen der Beschwerdeführerin durchaus in der Nähe,
nämlich in H._, wohne und auch angesichts ihres geringen
Arbeitspensums bereits momentan ihre Enkeltochter einmal pro Woche
betreue (siehe act. A1 S. 5). Da keine Gründe bestehen, an diesen
Angaben zu zweifeln, stellt die Distanz zwischen C._ und H._,
welche in einer halbstündigen Autofahrt überwindbar ist, tatsächlich kein
unüberwindbares Hindernis für die Sicherstellung der Kinderbetreuung
dar. Dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung vom
5. Dezember 2018 angab, über keinen Führerausweis zu verfügen und im
Bedarfsfall von ihrer Mutter oder ihrem Partner gefahren werde (siehe IV-
act. 50 S. 7 f.), vermag daran nichts zu ändern, wurde doch in der
Beschwerde vom 3. Februar 2020 ausgeführt, dass die Mutter des
Lebenspartners der Beschwerdeführerin ihr Enkelkind einmal pro Woche
abhole oder der Lebenspartner der Beschwerdeführerin ihre Tochter nach
H._ bringe (siehe act. A1 S. 5).
Schliesslich bestünde im Gesundheitsfall auch die Möglichkeit, die Tochter
in einer Kinderkrippe (fremd-)betreuen zu lassen. Dazu legt die
Beschwerdeführerin ein Schreiben vom 3. Februar 2020 ihrer ehemaligen
- 23 -
Arbeitgeberin (Kinderkrippe I._, vormals Kinderkippe J._) ins
Recht, in welchem bestätigt wird, dass sie der Beschwerdeführerin bei
guter Gesundheit eine Anstellung zu 60 % anbieten würden und für ihre
Tochter ein Betreuungsplatz an einem ihrer drei Standorte zur Verfügung
stünde (siehe Bf-act. 4). Dies deckt sich grundsätzlich mit der bereits im
Haushaltsabklärungsbericht vom 12. Dezember 2018 wiedergegebenen
Aussage, dass die Beschwerdeführerin ihre Tochter allenfalls zur Arbeit in
einer Kinderkrippe mitbringen könnte (siehe IV-act. 50 S. 3). Wie die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung darauf schliessen
konnte, die Beschwerdeführerin könnte das Kind nicht zur Arbeit
mitnehmen, erschliesst sich aus den vorliegenden Akten somit nicht.
Vielmehr scheint die Beschwerdegegnerin dabei ausschliesslich auf eine
Pflegetätigkeit im Alters- und Pflegeheimsektor zu fokussieren und die
nach der Geburt der Tochter der Beschwerdeführerin (konkret) in Aussicht
gestandene Tätigkeit in einer Kinderkrippe mit einer möglichen
Betreuungsmöglichkeit für ihre Tochter ausser Acht zu lassen.
4.2.6. Dasselbe gilt mit Blick auf die beschwerdegegnerische Feststellung in der
Verfügung vom 19. Dezember 2019, eine finanzielle Notwendigkeit einer
ausserhäuslichen Tätigkeit sei nicht gegeben. Soweit sie dabei auf den
Umstand abstellte, dass der Lebenspartner ab Frühling 2020 eine 80%-
Stelle als Landschaftspfleger antreten werde, ist ihr entgegenzuhalten,
dass rechtsprechungsgemäss – wie oben dargelegt auch bei der Frage
der hypothetischen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfalle – die
Verhältnisse massgebend sind, wie sie sich bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung am 19. Dezember 2019 entwickelt haben. Zwar
trifft es zu, dass der Lebenspartner der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt
der Haushaltsabklärung am 5. Dezember 2018 und des gutachterlichen
Explorationsgesprächs am 26. Juni 2019 noch einer (vollen)
Erwerbstätigkeit nachging und die Familie anscheinend vom seinem
Einkommen leben konnte (vgl. IV-act. 50 S. 3 und IV-act. 75 S. 15). Die
- 24 -
finanziellen Verhältnisse haben sich seither indes wesentlich verändert.
Bereits im Einwandverfahren brachte die Beschwerdeführerin vor, ihr
Lebenspartner erziele aufgrund seiner psychischen Erkrankung kein
Einkommen mehr und sie seien als junge Familie auf Sozialhilfe
angewiesen (vgl. dazu Einwand vom 26. November 2019 S. 3 [IV-
act. 98]). Dies ergibt sich denn auch aus der von der Beschwerdeführerin
beigebrachten Verfügung der Gemeinde C._ betreffend öffentliche
Unterstützung vom 3. Dezember 2019, aus welcher hervorgeht, dass
sowohl die Beschwerdeführerin wie auch ihr Lebenspartner zurzeit
arbeitsunfähig seien und ein IV-Verfahren am Laufen sei, so dass die
Familie seit dem 1. November 2019 mit öffentlichen Fürsorgeleistungen
unterstützt werde (act. E1). Insofern lag bereits im Verfügungszeitpunkt
eine finanzielle Notwendigkeit für eine Erwerbstätigkeit im hypothetischen
Gesundheitsfall vor, zumal in der vorliegenden Situation keine
Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Beschwerdeführerin in vollem
Besitz ihrer gesundheitlichen und beruflichen Fähigkeiten sich mit der
Erzielung eines (Gesamt-)Einkommens im Bereich des Existenzminimums
begnügen würde.
4.3. Aufgrund der dargelegten Umstände, mithin ihrer bisherigen
Erwerbskarriere, während welcher sie in gesundheitlich stabilen Phasen
durchaus in der Lage war, in einem hohen Arbeitspensum zu arbeiten,
ihrer Freude und Motivation für ihre Tätigkeiten im Alters- und Pflegeheim
und in der Kinderkrippe, der während ihrer hypothetischen
Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall gewährleisteten Kinderbetreuung
durch die Grosseltern oder die Kinderkrippe sowie der ausgewiesenen
finanziellen Notwendigkeit, erscheint es überwiegend wahrscheinlich,
dass sie ohne gesundheitliche Beschwerden einer 60%igen
Erwerbstätigkeit nachginge. Dies gab sie denn auch so im Formular
"Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" vom 5. Dezember 2018
an, als sie erstmals und somit gewissermassen im Sinne einer "Aussage
- 25 -
der ersten Stunde" dazu befragt wurde (siehe IV-act. 49). Damit stimmt
auch die im Haushaltsabklärungsbericht vom 12. Dezember 2018
wiedergegebene Aussage der Beschwerdeführerin überein, wonach für
sie ohne gesundheitliche Einschränkungen eine Erwerbstätigkeit im
Umfang von maximal 60 % bzw. an drei Tagen pro Woche denkbar wäre,
wenn die Rahmenbedingungen optimal wären (siehe IV-act. 50 S. 3).
Dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung vor Ort
vom 5. Dezember 2018 einerseits und der psychiatrischen Begutachtung
vom 26. Juni 2019 anderseits zur hypothetischen Erwerbstätigkeit im
Gesundheitsfalle widersprüchliche Angaben gemacht hat, lässt sich
schliesslich mit ihren psychischen Leiden hinreichend erklären.
Abgesehen davon, dass es für die Beschwerdeführerin ohnehin nicht
einfach sein dürfte, mit ihrer psychischen Prädisposition diese
hypothetische Frage in ihrer Situation mit einem ebenfalls psychisch
erkrankten Lebenspartner und der angespannten finanziellen Situation zu
beantworten, wiesen die psychiatrischen Gutachterinnen im Gutachten
vom 13. August 2019 aus, dass sich die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt
der Exploration in einer Akutphase befunden habe, wobei die Zwangs- und
Panikstörung im Vordergrund stünden (vgl. IV-act. 75 S. 18 f. und 24 ff.).
Diese manifestierten sich insbesondere durch Probleme bei der
Handlungsplanung und Organisation sowie im Sinne einer
Entscheidungsschwäche (siehe IV-act. 75 S. 19 und 26). Als weiteren
ungünstigen Faktor nannten die Gutachterinnen, dass es bei der
Beschwerdeführerin bei der Vorstellung einer Fremdbetreuung der
Tochter und den finanziellen Folgen zu einer Angstverstärkung komme
(siehe IV-act. 75 S. 24). Wenn nun die Beschwerdeführerin anlässlich der
Begutachtung noch angab, im Gesundheitsfalle lediglich zu 20 %
erwerbstätig zu sein, ist ihre Aussage angesichts der (seinerzeitigen)
akuten Zwangs- und Paniksymptomatik (verbunden mit der die
Fremdbetreuung ihrer Tochter anbelangenden Angstverstärkung) insoweit
- 26 -
zu relativieren, als dass die genannten psychischen Beeinträchtigungen
genau diejenigen Fähigkeiten beschlagen, welche benötigt werden, um
die ohnehin schwierige Frage nach der hypothetischen Erwerbstätigkeit
ohne gesundheitliche Einschränkung möglichst akkurat zu beantworten
und sich als erwerbstätiger Elternteil mit einem betreuungsbedürftigen
Kleinkind entsprechend zu organisieren.
4.4. In Würdigung der gesamten Sachlage ist somit entgegen der Auffassung
der Beschwerdegegnerin überwiegend wahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall einer teilzeitlichen
Erwerbstätigkeit im Umfang von 60 % nachgehen würde. Daneben wäre
sie zu 40 % im anerkannten Aufgabenbereich tätig.
5. Folglich ist die unter den Parteien umstrittene Einschränkung im
anerkannten Aufgabenbereich bzw. Haushalt zu prüfen.
5.1. Namentlich für die Beurteilung des Gesundheitszustandes, die Tätigkeit
sowie die Arbeits- und Eingliederungsfähigkeit können Berichte und
Auskünfte verlangt, Gutachten eingeholt, Abklärungen an Ort und Stelle
vorgenommen sowie Spezialisten der öffentlichen oder privaten
Invalidenhilfe beigezogen werden (vgl. Art. 69 Abs. 2 Satz 2 IVV). Die zu
eruierende Einschränkung in einem anerkannten Aufgabenbereich i.S.v.
Art. 7 Abs. 2 IVG und Art. 27 IVV bzw. die konkreten Auswirkungen eines
Gesundheitsschadens sind im nichterwerblichen Bereich grundsätzlich
durch eine Abklärung vor Ort festzustellen. Massgebend ist, wie sich der
(versicherte) Gesundheitsschaden in der nichterwerblichen Betätigung
konkret auswirkt. Die Abklärung erstreckt sich dabei auch auf den
zumutbaren Umfang der Mithilfe von Familienangehörigen. Für den
Beweiswert eines derartigen Abklärungsberichts ist wesentlich, dass er
von einer qualifizierten Person in Kenntnis der örtlichen und räumlichen
Verhältnisse sowie der sich aus den medizinischen Diagnosen ergebenen
Beeinträchtigungen und Behinderungen verfasst wird. Der Bericht muss
- 27 -
plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen
Einschränkungen sein und in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle
erhobenen Angaben stehen (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_728/2019 vom 10. Juni 2020 E.5.1 m.H.a. BGE 133 V 504 E.4.2,
9C_295/2018 vom 26. Juli 2018 E.4.1 f. und 9C_373/2017 vom
6. September 2017 E.3; MEYER/REICHMUTH, in: Stauffer/Cardinaux [Hrsg.],
a.a.O., Art. 28a Rz. 174).
5.2. Die Beschwerdegegnerin stellte auf den Haushaltsabklärungsbericht vom
12. Dezember 2018 ab, welcher gestützt auf die von der zuständigen
Abklärungsperson am 5. Dezember 2018 durchgeführten Abklärung vor
Ort verfasst wurde. Daraus geht hervor, dass die Beschwerdeführerin an
verschiedenen psychischen Beschwerden leide, diese sie aber in den
verschiedenen Haushaltsarbeiten nicht einschränken würden. Hinsichtlich
der Pflege und Betreuung von Kindern merkte die Abklärungsperson zwar
an, es sei schwierig abzuschätzen, ob die Beschwerdeführerin ihre
Betreuungs- und Erziehungsaufgaben trotz ihrer psychischen Erkrankung
uneingeschränkt wahrnehmen könne. Die Beschwerdeführerin gab dazu
aber selbst an, dass sie in der Betreuung ihrer Tochter nicht eingeschränkt
sei. Auch die Abklärungsperson vermerkte, dass die Beschwerdeführerin
immer wieder betone, dass sie für ihre Tochter alles mache, ihr
Wohlergehen an erster Stelle stehe und sie auch in schwierigen
Momenten stets auf die Bedürfnisse ihrer Tochter eingehen könne (siehe
IV-act. 50 S. 8 f.). RAD-Arzt Dr. med. F._ erachtete den
Abklärungsbericht, welcher die volle Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin im Haushalt und als Mutter einer kleinen Tochter
nachvollziehen lasse, als plausibel und umfassend (siehe IV-act. 102
S. 6).
5.3. Angesichts des Umstands, dass selbst die Beschwerdeführerin nichts
Konkretes gegen die Einschätzung der Leistungsfähigkeit im
Haushaltsbereich vorbringt, erscheint diese nachvollziehbar. Die
- 28 -
Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde diesbezüglich lediglich
pauschal geltend, es könne nicht abschliessend beurteilt werden, ob bei
der Pflege und Betreuung des Kindes durch die Beschwerdeführerin
tatsächlich keine Einschränkungen bestünden, weshalb nicht
ausgeschlossen werden könne, dass auch im Haushaltsbereich eine
gewisse Einschränkung vorliege. Mit diesem Vorbringen gelingt es ihr
nicht, Zweifel an der Einschätzung im Haushaltsbericht vom 12. Dezember
2018 zu wecken, weshalb bei der Invaliditätsbemessung darauf abgestellt
werden kann. Auch finden sich in den Akten keine abweichenden (fach-
)ärztlichen Einschätzungen dazu. Daher ist davon auszugehen, dass im
Haushaltsbereich keine massgebliche Einschränkung besteht.
6. Im Zusammenhang mit der Bestimmung des Invaliditätsgrades macht die
Beschwerdeführerin schliesslich geltend, dass in der angefochtenen
Verfügung vom 19. Dezember 2019 bei der Ermittlung des
Gesamtinvaliditätsgrades Wechselwirkungen im Sinne von BGE 134 V 9
unberücksichtigt geblieben seien, weil sie bei der Verwertung ihres
erwerblichen Leistungsvermögens infolge der Verteilung der
Haushaltsarbeit über den ganzen Tag zusätzlich eingeschränkt sei.
Zudem bestünden bei ihr mit den psychischen Belastungen im Beruf sowie
im Haushalt infolge eines kranken (Lebens-)Partners gleichartige
Belastungen in beiden Bereichen. Dazu ist zu bemerken, dass gemäss
BGE 134 V 9 den unterschiedlichen Gegebenheiten der in den beiden
Tätigkeitsbereichen Erwerb und Haushalt vorhandenen Belastungen
Rechnung zu tragen ist. Die versicherte Person ist im Rahmen ihrer
Schadensminderungspflicht gehalten, im Umfang ihrer noch vorhandenen
Leistungsfähigkeit eine dem Leiden angepasste erwerbliche Tätigkeit
auszuüben. Es ist also eine erwerbliche Tätigkeit zu wählen, in welcher
sich die gesundheitliche Beschränkung minimal auswirkt. Bezüglich der
häuslichen Verrichtungen ist die Wahl des Tätigkeitsgebietes gemäss
Bundesgericht hingegen eingeschränkter. Andererseits bestehen in
- 29 -
diesem Bereich grössere Freiheiten in der zeitlichen Gestaltung und
Familienangehörigen ist eine gewisse Mithilfe zuzumuten. Eine
gegenseitige Beeinflussung erscheint umso geringer, je komplementärer
die Anforderungsprofile der beiden Tätigkeitsgebiete ausgestaltet sind.
Die sich durch eine schlechte Vereinbarkeit der beiden Tätigkeitsbereiche
ergebenden negativen gesundheitlichen Auswirkungen müssen
offenkundig und unvermeidbar sein. Von einer vermeidbaren
Wechselwirkung ist demgegenüber auszugehen, wenn durch eine
zumutbare Wahl einer anderen Erwerbstätigkeit solche
Wechselwirkungen ausgeschlossen werden können. Schliesslich sind
Wechselwirkungen nur dann zu berücksichtigen, wenn sich aus den Akten
ergibt, dass die Arzt- und (Haushalts-)Abklärungsberichte nicht bereits in
Kenntnis der im jeweils anderen Aufgabenbereich vorhandenen
Belastungssituation erstellt worden sind (siehe zum Ganzen BGE 134 V 9
E.7.2 und 7.3.1 f.). Solche Wechselwirkungen in der Ausprägung von
gesundheitlichen Auswirkungen vom Erwerbs- in den Haushaltsbereich
können gemäss Bundesgericht nur angenommen werden, wenn die
verbleibende Restarbeitsfähigkeit im erwerblichen Tätigkeitsgebiet voll
ausgenützt wird. Zudem kann ein allfällig reduziertes Leistungsvermögen
im erwerblichen Bereich infolge einer Beanspruchung im Haushalt nur in
denjenigen Fällen berücksichtigt werden, in denen Betreuungspflichten,
insbesondere gegenüber Kindern, bestehen (siehe BGE 134 V 9
E.7.3.3 f.). Allfällige Wechselwirkungen sind stets vom anteilsmässig
bedeutenderen zum weniger bedeutenderen Bereich zu berücksichtigen,
wobei der ungewichtete Maximalsatz für eine solche Berücksichtigung von
Wechselwirkungen gemäss Bundesgericht 15 % beträgt (siehe BGE 134
V 9 E.7.3.5 f.; vgl. zum Ganzen auch VGU S 17 162 vom 18. Dezember
2018 E.8.1). Hinzu kommt, dass das BSV davon ausgeht, dass mit dem
per 1. Januar 2018 revidierten Art. 27bis IVV die
Wechselwirkungsproblematik als behoben zu betrachten ist (siehe VGU
S 18 52 vom 19. März 2019 E.7.4; erläuternder Bericht des BSV zur
- 30 -
Vernehmlassung der Änderung der Verordnung vom 7. Januar 1961 über
die Invalidenversicherung, Invaliditätsbemessung für teilerwerbstätige
Versicherte [gemischte Methode], S. 5 und 12; siehe auch LEUZINGER,
Invaliditätsbemessung für teilerwerbstätige Versicherte mit
Aufgabenbereich, Auslegeordnung und Lösungsvorschlag, in:
Kieser/Lendfers [Hrsg.], a.a.O., S. 155 ff. S. 172 ff. und 181 ff.). Vorliegend
muss die Frage der Relevanz von Wechselwirkungen im Rahmen der
neuen gemischten Methode aber nicht abschliessend beantwortet werden,
weil selbst unter Berücksichtigung des maximal zulässigen, ungewichteten
Prozentsatz von 15 % gemäss BGE 134 V 9 die Wechselwirkung keinen
Einfluss auf die Höhe des Rentenanspruches hätte. Denn bei einem
Valideneinkommen per Ende Mai 2018 von Fr. 47'130.26 (Fr. 2'886.40 x
13; aufgerechnet auf 100 % in Anwendung von Art. 27bis Abs. 3 lit. a IVV;
angepasst an die Nominallohnentwicklung bis 2018 [0.4824 %]), einem
Invalideneinkommen von Fr. 0.-- infolge einer Arbeitsunfähigkeit von
100 % in der angestammten und einer adaptierten Tätigkeit, resultiert eine
Erwerbseinbusse per Ende Mai 2018 von Fr. 47'130.26 und somit eine
ungewichteter Invaliditätsgrad für den Erwerbsbereich von 100 %. Wird
dieser mit dem hypothetischen Arbeitspensum von 60 % im
Gesundheitsfall gewichtet (siehe vorstehende Erwägungen 4.3 f.),
resultiert für den Erwerbsbereich ein Teilinvaliditätsgrad von 60 %.
Gemäss vorstehenden Erwägungen 5.2 f. resultiert für den Bereich des
anerkannten Aufgabenbereichs bzw. des Haushaltsbereichs eine
(ungewichtete) Einschränkung von 0 % und somit ein Teilinvaliditätsgrad
für den Haushaltsbereich (Gewichtung zu 40 %) von ebenfalls 0 %.
Addiert man diese (gewichteten) Teilinvaliditätsgrade für den Bereich
Erwerb von 60 % und den Bereich Haushalt von 0 % im Anwendung von
Art. 27bis Abs. 2 IVV, resultiert ein Gesamtinvaliditätsgrad von 60 %.
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60 % ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Würde man
entgegen der Ansicht des BSV und zugunsten der Beschwerdeführerin –
- 31 -
trotz attestierter, vollständiger Arbeitsunfähigkeit im Erwerbsbereich – im
Haushaltsbereich noch Wechselwirkungen mit den maximal zulässigen,
ungewichteten 15 % berücksichtigen, erhöhte sich bei gleichbleibender
Gewichtung des Haushaltsbereiches mit 40 % der Teilinvaliditätsgrad im
Bereich Haushalt auf 6 % und der Gesamtinvaliditätsgrad somit auf 66 %.
Ein solcher Invaliditätsgrad berechtigt aber gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG
weiterhin nur zum Bezug einer Dreiviertelsrente. Insofern hat die
Beschwerdeführerin ab dem 1. Juni 2018 in jedem Fall Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente.
7. Die Beschwerde erweist sich damit als begründet und ist gutzuheissen.
Die angefochtene Verfügung vom 19. Dezember 2019 ist insoweit
aufzuheben, als dass der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Invalidenrente sowie die dazugehörige Kinderrente ab dem 1. Juni 2018
verneint wurde. Der Beschwerdeführerin ist ab dem 1. Juni 2018 eine
Dreiviertelsrente sowie die dazugehörige Kinderrente auszurichten.
8. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei
Streitigkeiten über Leistungen der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend sind die Kosten auf
Fr. 700.-- festzusetzen und im Anwendung von Art. 73 Abs. 1 VRG der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Bei diesem Verfahrensausgang wird
das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gegenstandslos. Der nicht
(anwaltlich) vertretenen Beschwerdeführerin steht praxisgemäss keine
Parteienschädigung zu (siehe etwa VGU S 19 63 vom 14. Juli 2020 E.6,
S 18 123 vom 7. Juli 2020 E.5.3, S 19 22 vom 7. April 2020 E.6.3; vgl.
auch KIESER, ATSG-Kommentar, ATSG-Kommentar, 4. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 61 Rz. 215 und 217).