Decision ID: 96666465-dbe0-49b4-bd50-3230316124c1
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Drohung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Strafgericht, vom 17. Oktober 2019 (DG190014)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 14. Juni 2019
(Urk. 14) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte, A._, ist schuldig
− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 und Abs. 2
lit. a StGB.
2. Vom Vorwurf der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB wird der Be-
schuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 7 Monaten Freiheitsstrafe (welche vollum-
fänglich durch Haft erstanden sind).
4. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von
Art. 59 Abs. 1 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet.
5. Dem Beschuldigten wird keine Genugtuung zugesprochen.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'000.–.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert
sich die Gerichtsgebühr um einen Drittel.
7. Die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.– Gebühr für das Vorverfahren Fr. 12'033.70 Auslagen (Gutachten)
8. Die Entscheidgebühr und die weiteren Kosten werden dem Beschuldigten
auferlegt.
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9. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Bemühungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten mit Fr. 29'200.– (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung beim Beschuldigten ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 88 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen Drohung freizuspre-
chen.
2. Der Beschuldigte sei unverzüglich aus der Sicherheitshaft zu entlas-
sen.
3. Dem Beschuldigten sei für die erstandene Untersuchungs- und Sicher-
heitshaft eine angemessene Genugtuung zuzusprechen.
4. Die Kosten des Untersuchungs- und Hauptverfahrens sowie des Beru-
fungsverfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung, seien
auf die Staatskasse zu nehmen, soweit sie nicht ohnehin ausser An-
satz fallen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 78, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Strafgericht, vom
17. Oktober 2019 der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 und
Abs. 2 lit. a StGB schuldig gesprochen, vom Vorwurf der Tätlichkeit im Sinne von
Art. 126 Abs. 1 StGB wurde er freigesprochen. Er wurde bestraft mit einer Frei-
heitsstrafe von 7 Monaten, welche vollumfänglich durch Haft erstanden ist, und es
wurde eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1
StGB angeordnet.
Der Beschuldigte hat gegen das Urteil fristgerecht Berufung angemeldet. Mit Prä-
sidialverfügung vom 6. Februar 2020 wurde die Fortdauer der Sicherheitshaft an-
geordnet (Urk. 73). Innert Frist hat der Beschuldigte mit Eingabe vom 7. Februar
2020 die Berufungserklärung eingereicht (Urk. 75). Seine Berufung richtet sich
gegen den Schuldspruch (Dispositiv-Ziffer 1), den Strafpunkt (Dispositiv-Ziffer 3),
die Anordnung einer stationären Massnahme (Dispositiv-Ziffer 4), die Abweisung
seiner Genugtuungsforderung (Dispositiv-Ziffer 5) und die Kostenfolgen (Disposi-
tiv-Ziffern 8 und 9).
Die Staatsanwaltschaft hat auf Anschlussberufung verzichtet und beantragt Be-
stätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 78). Die Privatklägerin erhob ebenfalls
keine Anschlussberufung (Urk. 76 und Urk. 77/3).
Vorab ist daher festzuhalten, dass das vorinstanzliche Urteil betreffend Dispositiv-
Ziffern 2 (Freispruch betreffend Tätlichkeiten), 6 und 7 (Kostenfestsetzung) sowie
9 Absatz 1 (Honorar amtliche Verteidigung) in Rechtskraft erwachsen ist.
Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde das Urteil mündlich eröffnet und der
Präsident teilte den Parteien mit, dass die Referentin und die Gerichtsschreiberin
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eine abweichende Meinung im Sinne von § 124 GOG ZH zu Protokoll geben
(Prot. II S. 39; Urk. 91).
2. Beweisanträge
Die mit der Berufungserklärung eingereichten Beweisanträge des Beschuldigten
um Beizug der Akten betreffend den Klinikaufenthalt der Privatklägerin in der Kli-
nik B._, Beizug der Personalakte über die Privatklägerin bei ihrer Arbeitgebe-
rin C._ AG, Befragung der Privatklägerin als Auskunftsperson und eventuali-
ter Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens über die Privatklägerin, wurden
mit Präsidialverfügung vom 3. April 2020 einstweilen abgewiesen. Die Beweisan-
träge wurden vom Beschuldigten in der Berufungsverhandlung erneuert, und es
wurde beantragt, die eingereichten Unterlagen als Beweismittel zuzulassen (Urk.
86). Diesem Antrag wurde stattgegeben und die eingereichten Unterlagen zu den
Akten genommen (Prot. II S. 35; Urk. 87/1-7). Die Beweisanträge zielen darauf
ab, darzulegen, dass die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin aufgrund einer psy-
chischen Erkrankung eingeschränkt sei und insbesondere an der Glaubhaftigkeit
ihrer Aussagen zu zweifeln sei. Da erst nach eingehender Würdigung der Aussa-
gen beurteilt werden kann, ob Anlass dazu besteht, Abklärungen bezüglich der
psychischen Gesundheit der Privatklägerin zu treffen, ist auf die Beweisanträge
nachfolgend im Rahmen der Erwägungen zur Sachverhaltserstellung einzugehen.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kan-
tons Zürich vom 14. Juni 2019 vorgeworfen, er habe die Privatklägerin bei drei
Vorfällen bedroht, sie durch seine Drohungen in grosse Angst versetzt und sie be-
fürchten lassen, dass er ihr etwas antun, namentlich sie töten oder physische
Gewalt anwenden könnte. Er habe am 22. Dezember 2018 auf ihre Mitteilung hin,
dass sie sich von ihm trennen wolle, mitgeteilt, das werde sie nicht mehr erleben,
sie könne sich nicht von ihm trennen, weil er sie bis dann umgebracht haben wer-
de, er werde sie aufschlitzen. Am 24. Dezember 2018 sei der Beschuldigte mit
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erhobener Faust auf die auf dem Sofa sitzende Privatklägerin zu gerannt und ha-
be gesagt, er bringe sie jetzt um, er bringe sie jetzt wirklich um. Am 25. Dezember
2018 habe er der Privatklägerin das Staubsaugerkabel um den Hals gelegt und
leicht daran gezogen, ohne dieses zuzuziehen. Im späteren Verlauf des Tages
habe er, nachdem die Privatklägerin ihm mitgeteilt habe, sie könne nicht mehr so
weitermachen, gesagt, sie werde nicht gehen, sonst bringe er sie um.
Der Beschuldigte bestreitet den Sachverhalt vollumfänglich. Nachfolgend ist da-
her zu prüfen, ob sich dieser erstellen lässt.
2. Sachverhaltserstellung
2.1. Übersicht Beweismittel
Bei allen vorgeworfenen Drohungen waren nur die Privatklägerin und der Be-
schuldigte anwesend. Es handelt sich um Vieraugendelikte. Als einzige Beweis-
mittel stehen die Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin zur Verfü-
gung.
2.2. Beweismittel im Einzelnen
2.2.1. Aussagen der Privatklägerin
2.2.1.1. Zusammenfassung
a) Polizeiliche Einvernahme vom 25. Dezember 2018
In der polizeilichen Einvernahme vom 25. Dezember 2018 (Urk. 3/1) sagte die
Privatklägerin aus, vor 4 bis 5 Jahren sei beim Beschuldigten Schizophrenie diag-
nostiziert worden. Seither sei es regelmässig zu Klinikaufenthalten gekommen.
Wenn er Medikamente eingenommen habe, sei es zwischen ihnen besser gegan-
gen. Jetzt würden die Medikamente nicht mehr helfen. Irgendwann habe sie ihm
gesagt, dass sie sich trennen wolle. Da hätten die Drohungen angefangen. Sie
habe immer mehr Angst bekommen und habe im Frühling 2016 die Polizei einge-
schaltet. Der Beschuldigte sei in Haft gekommen und anschliessend in eine Klinik.
Das gemeinsame Kind habe seinen Vater vermisst, und sie habe ihn nach dem
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Klinikaufenthalt wieder bei sich aufgenommen. Zwischendurch sei es zu einer Kli-
nikeinweisung im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung gekommen. Der
Versuch mit einem geschützten Arbeitsplatz habe ca. ein halbes Jahr sehr gut
funktioniert. Dann müsse der Beschuldigte die Medikamente abgesetzt haben und
sei nicht mehr zur Arbeit gegangen, habe eine Psychose erlitten und sei im Okto-
ber in die PUK gekommen. Von dort sei er zweimal abgehauen, letztmals vor
5 Wochen.
Der Beschuldigte besuche Swingerclubs, was sie gar nicht gut finde. Am Samstag
(22.12.2018) habe sie ihn auf den Besuch solcher Clubs angesprochen, worauf er
völlig ausgeflippt sei. Er habe sie beschimpft und bedroht (Urk. 3/1 S. 2). Sie habe
während dieser Auseinandersetzung gesagt, dass sie sich von ihm trennen wolle.
Er habe gesagt, sie werde das eh nicht mehr erleben, sie könne sich gar nicht
trennen, weil er sie bis dann umgebracht haben werde, er werde sie aufschlitzen
(Urk. 3/1 S. 2). Der Beschuldigte möchte auf keinen Fall gehen, sie denke, er
bleibe bei ihr, da er sonst nirgendwohin gehen könne. Sie glaube, er hasse sie,
und in solchen Momenten komme der ganze Hass heraus (Urk. 3/1 S. 3). Er habe
mit leicht erhöhter Stimme gesprochen voller Hass. Er habe vor ihr gestanden, sei
ihr aber in diesem Moment nicht nahe gekommen (Urk. 3/1 S. 3).
Am Sonntag (23.12.2018) habe sie ihn erneut darauf angesprochen, wie es wei-
tergehen solle und wie er sich dies vorstelle. Er sei extrem wütend geworden. Sie
wisse nicht mehr, ob er sie in jenem Zeitpunkt direkt bedroht habe, teilweise ma-
che er dies auch beiläufig (Urk. 3/1 S. 3).
Am Montag (24.12.2018) habe sie auf dem Sofa gesessen und habe etwas gele-
sen. Er sei in der Küche gewesen. Zuvor hätten sie diskutiert gehabt. Der Be-
schuldigte sei auf einmal aus der Küche gekommen, sei mit erhobener Faust auf
sie zugekommen, habe sich über sie gebeugt und zu ihr gesagt, jetzt bringe er sie
um, jetzt bringe er sie wirklich um. Sie habe ihn angesehen und das Gefühl ge-
habt, wie wenn er erwachen würde. Sie habe das Gefühl gehabt, er sei in einem
Wahn gewesen. Sie sei erschrocken, habe ihm aber nicht geglaubt, denn sie ha-
be dies schon so oft gehört. Es sei ihr mittlerweile fast gleichgültig (Urk. 3/1 S. 3).
Sie sei nach diesem Vorfall mit dem Sohn zu ihrer Schwester gegangen und erst
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spät abends nach Hause gekommen. Sie habe sehr grosse Angst vor dem Be-
schuldigten, sie wisse nicht, was passiert wäre, wenn sie heute nicht die Polizei
gerufen hätte (Urk. 3/1 S. 4).
Am 25. Dezember 2018 sei der Beschuldigte schon am Morgen sehr angespannt
gewesen. Sie habe gemerkt, dass irgendetwas in ihm gebrodelt habe. Am Nach-
mittag habe sie Staub gesaugt, und er habe ihr dabei geholfen. Sie habe ihm ge-
sagt, er solle das Kabel auf die andere Seite tun. Das habe er gemacht, habe es
ihr aber zweimal um den Hals gewickelt, habe sich vor sie hingestellt und das Ka-
bel gehalten. Er habe ihr zeigen wollen, dass er es nun in der Hand habe. Er habe
nicht zugezogen, sie habe normal Luft gehabt. Sie habe Angst gehabt und ge-
dacht, sie stehe einfach da und warte und hoffe, dass er wieder loslasse. Eigent-
lich habe sie gar nichts gefühlt. In diesem Moment sei es ihr schlichtweg egal ge-
wesen. Dann habe er sie wieder losgelassen und es sei einfach weitergegangen
(Urk. 3/1 S. 4). Sie seien spazieren gegangen und sie habe zu ihm gesagt, sie
könne nicht mehr. Zu Hause habe er gesagt, dass sie nicht gehe, sonst bringe er
sie um. Sie hätten noch etwas gegessen. Die Anspannung sei aber einfach zu
hoch gewesen. Die Angst sei nicht mehr aushaltbar gewesen. Sie habe so eine
Angst davor gehabt, was wohl als Nächstes passieren würde (Urk. 3/1 S. 4).
Den Sohn habe der Beschuldigte noch nie bedroht, deshalb sei sie auch bei ihm
geblieben (Urk. 3/1 S. 4). Der Beschuldigte habe nie Gewalt gegen sie angewen-
det ausser diese Tätlichkeiten. Der Beschuldigte sei krank, sie glaube nicht, dass
er grundsätzlich gewalttätig sei. Er sei einfach krank. Die Krankheit beherrsche
ihn, und er wisse selber nicht mehr, was er mache (Urk. 3/1 S. 5).
b) Staatsanwaltschaftliche Einvernahme als Auskunftsperson vom 23. Januar
2019
In dieser Einvernahme sagte die Privatklägerin aus, die Probleme mit dem Be-
schuldigten seien vor 4 oder 5 Jahren richtig schlimm geworden. Zuerst habe der
Beschuldigte einen Wahn gehabt, der nicht sie betroffen habe. Dann habe er an-
gefangen mit Beschuldigungen, habe ihr vorgeworfen, fremdzugehen. Als sie ihm
gesagt habe, dass sie ihn verlassen werde, hätten die Drohungen angefangen.
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Heute tue ihr der Beschuldigte leid, sie könne aber nicht mehr auf ihn schauen.
Sie habe es versucht, bis es nicht mehr gegangen sei. Sie sei einfach traurig,
dass es so weit gekommen sei (Urk. 3/2 S. 4).
Der Beschuldigte habe schon länger Swingerclubs besucht und habe nach sei-
nem Klinikaufenthalt im November 2018 gesagt, es gehe jetzt besser und er ma-
che das nicht mehr. Er habe dann aber doch im Internet mit anderen Frauen ge-
schrieben. Sie habe ihn am 22. Dezember 2018 darauf angesprochen. Es sei wie
eine Aggression hervorgekommen. Von dem Moment an sei es nicht mehr gut
gewesen. Sie habe ihn gefragt, wie es weitergehen solle, ob sie sich trennen soll-
ten. Sie habe ihm gesagt, dass sie nicht mehr könne. Er habe gesagt, das würde
sie gar nicht mehr erleben, er werde sie vorher umbringen. Auf entsprechenden
Vorhalt erklärte sie, es könne sein, dass er am 22. Dezember 2018 auch etwas
von Aufschlitzen gesagt habe, sie könne es nicht mehr sagen (Urk. 3/2 S. 5). Sie
habe schon ein ungutes Gefühl gehabt und habe befürchtet, dass der Beschuldig-
te unberechenbar werde, wenn sie wirklich gehe und sie sich trennen. Auf die
Frage, ob sie befürchtet habe, dass er ihr etwas antun könnte, antwortete sie, sie
wisse nicht, was er dann mache, sie habe es noch nie durchgezogen (Urk. 3/2 S.
6).
An einem der darauf folgenden Tage, sie wisse nicht mehr genau, welcher Tag es
gewesen sei, habe sie auf dem Sofa gesessen. Er sei aus der Küche auf sie zu-
gestürmt gekommen, habe die rechte Faust gehoben und gesagt, er bringe sie
jetzt wirklich um (Urk. 3/2 S. 6). Seit dem 22. Dezember sei es nicht mehr gut ge-
wesen. Sie wisse nicht, was dann in seinem Kopf vorgehe. Es habe unmittelbar
vorher keinen Streit gegeben (Urk. 3/2 S. 6). Sie sei erschrocken, sei zusammen-
gezuckt und habe ihn angeschaut. Sie habe Angst gehabt, habe nicht gewusst,
was er jetzt tun würde. Sie sei nicht davon ausgegangen, dass er ihr etwas tun
werde, er habe ja schon gestoppt. Er habe einfach eine unglaubliche Aggression
und einen Hass gehabt (Urk. 3/2 S. 7).
Am 25. Dezember 2018 habe ihr der Beschuldigte beim Staubsaugen geholfen,
indem er die Möbel verschoben habe. Plötzlich habe sie das Kabel zweimal um
den Hals gehabt. Er habe sie angeschaut und leicht am Kabel gezogen, wie wenn
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er ihr hätte sagen wollen, dass er jetzt zuziehen könnte und sie dann tot wäre. Sie
wisse nicht mehr, ob er dabei etwas gesagt habe (Urk. 3/2 S. 7). In diesem Mo-
ment wäre es ihr egal gewesen, wenn er zugezogen hätte, sie habe einfach nicht
mehr gekonnt, es sei wirklich schlimm gewesen. Irgendwann habe der Beschul-
digte wieder losgelassen und sie habe weiter Staub gesaugt. Im Verlauf des
Nachmittags habe der Beschuldigte dann geäussert, dass er sie umbringen würde
(Urk. 3/2 S. 8). Auf Vorhalt ihrer Aussage bei der Polizei bestätigte die Privatklä-
gerin, es stimme, dass sie dem Beschuldigten auf einem Spaziergang gesagt ha-
be, dass sie nicht mehr so weitermachen könne und er ihr anschliessend zu Hau-
se gesagt habe, sie gehe nicht, sonst bringe er sie um. Ihr Sohn habe ihr gesagt,
dass der Beschuldigte ihm auch mal gedroht habe (Urk. 3/2 S. 9). Das habe ihr
D._ erst erzählt, nachdem alles eskaliert sei.
Im November 2018 als der Beschuldigte in der Klinik gewesen sei, habe sie eine
Therapie angefangen und habe gelernt, dass sie sich nicht so behandeln lassen
müsse. Vorher habe er ihr immer Schuldgefühle gemacht. Sie habe gedacht, sie
könne ihm helfen oder ihn ändern und dass sie wie ein Märtyrer alles ertragen
müsse (Urk. 3/2 S. 10). Der Beschuldigte tue ihr sehr leid (Urk. 3/2 S. 11).
c) Einvernahme als Auskunftsperson vor Vorinstanz am 17. Oktober 2019
In der Befragung vor Vorinstanz sagte die Privatklägerin aus, vor vier oder fünf
Jahren habe beim Beschuldigten der Verfolgungswahn begonnen und sei er in ei-
ne Klinik gekommen. Ab diesem Zeitpunkt sei es in der Ehe schlimm geworden.
Der Beschuldigte habe angefangen, sie zu hassen. Sie wisse nicht, ob dies an
seiner Krankheit gelegen habe (Prot. I S. 8). Sie selber habe im Jahr 2012 oder
2013 auch einmal psychische Probleme gehabt. Sie habe einen sehr anstrengen-
den Job gehabt und es sei viel zusammen gekommen. Sie sei für zwei Wochen in
einer Klinik in Behandlung gewesen. Sie habe eine Psychose gehabt bzw. einen
Zusammenbruch erlitten. Heute sei sie gesund. Natürlich habe sie sich wegen der
Umstände Hilfe gesucht. In dieser psychologischen Behandlung werde analysiert,
weshalb sie in einer solchen Beziehung gewesen sei. Sie beanspruche diese Hilfe
nicht wegen einer Psychose oder Ähnlichem (Prot. I S. 9 f.). Wegen ihrem Glau-
ben habe sie das Gefühl gehabt, dass sie sich nicht von ihrem Ehemann trennen
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könne. Sie habe bis zum Schluss daran festhalten wollen und habe stets ver-
sucht, bei sich etwas zu ändern. Nun habe sie erkannt, dass es nicht mehr gehe
(Prot. I S. 13).
Sie könne sich nicht mehr erinnern, an welchem Datum, was vorgefallen sei. Sie
könne sich an den Vorfall erinnern, an welchem der Beschuldigte auf sie zu ge-
rannt sei und gesagt habe, er bringe sie jetzt wirklich um. Diese Situation habe
sich bei ihr eingebrannt. Dann sei der Vorfall gekommen mit dem Staubsaugerka-
bel, welches er ihr um den Hals gelegt habe und gesagt habe, er bringe sie um.
An Details könne sie sich nicht erinnern (Prot. I S. 10). Sie könne die verschiede-
nen Vorfälle nicht auf die jeweiligen Tage festlegen. Diese seien nicht an einem
Tag erfolgt. Die Situation habe sich innerhalb zwei bis drei Tagen zugespitzt
(Prot. I S. 11). Sie bestätigte, dass sie sich in jener Zeit vom Beschuldigten habe
trennen wollen. Sie habe ihm gesagt, dass sie nicht mehr könne. Dies sei auch
meistens der Anlass gewesen, dass er mit den Drohungen angefangen habe. Er
habe dann gesagt, sie könne nicht gehen, vorher bringe er sie einfach um, bevor
sie gehe (Prot. I S. 11). Bei dem Vorfall auf dem Sofa sei sie schon erschrocken
und beim Vorfall mit dem Staubsaugerkabel hätte er einfach zuziehen können.
Sie habe sich auch hilflos gefühlt (Prot. I S. 12). Auf die Frage, ob sie gedacht ha-
be, dass der Beschuldigte ihr mehr antun könnte als zu drohen, antwortete sie,
sie wisse es nicht, er sei unberechenbar gewesen. Sie habe sich unwohl gefühlt
und habe Angst gehabt, sonst hätte sie nicht die Polizei angerufen (Prot. I S. 12).
2.2.1.2. Würdigung
a) Glaubwürdigkeit der Privatklägerin
Die Privatklägerin hat als Verfahrensbeteiligte ein direktes Interesse am Ausgang
des Verfahrens. Sie könnte daher versucht sein, die Geschehnisse in einem für
sie günstigen Licht darzustellen. Es liegen jedoch keine Anhaltspunkte vor, wel-
che an ihrer allgemeinen Glaubwürdigkeit zweifeln liessen. Dabei ist zu unter-
streichen, dass eine psychische Erkrankung, wie sie beim Beschuldigten diagnos-
tiziert wurde (er leidet unbestrittenermassen an paranoider Schizophrenie), nicht
per se dazu führt, dass die Glaubwürdigkeit der betreffenden Person in Frage ge-
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stellt würde. Dies gilt denn auch bezüglich der vom Beschuldigten geltend ge-
machten psychischen Erkrankung der Privatklägerin. Soweit er geltend macht, sie
leide an Wahnvorstellungen oder Wahrnehmungsstörungen (Urk. 75 S. 4), ist ihm
entgegenzuhalten, dass - wie bei ihm selber - Anhaltspunkte dafür vorliegen
müssten, dass eine solche Erkrankung sich auf die Wahrnehmung in der konkre-
ten Situation ausgewirkt haben könnte. Dies wird bei der Beurteilung der Glaub-
haftigkeit der Aussagen zu prüfen sein. Entscheidend ist, ob sich aus ihren Aus-
sagen Hinweise für wahnhaftes Erleben oder fehlenden Realitätsbezug ergeben.
Darauf ist im Rahmen der Aussagenwürdigung einzugehen.
Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die Argumentation des Beschuldigten, es
könne nicht auf die Aussagen der Privatklägerin abgestellt werden, da sie an
Wahnvorstellungen leide und die von ihr geschilderten Vorfälle nicht der Realität
entsprechen, nicht vereinbar ist mit seinem Vorbringen, wonach die Privatklägerin
die Vorfälle erfunden habe, um ihn möglichst rasch aus der Wohnung zu bringen,
was ein gezieltes, gerade nicht durch Wahn gesteuertes Vorgehen implizieren
würde.
Die Privatklägerin hat ferner keine finanziellen Ansprüche geltend gemacht. Ein
wirtschaftliches Interesse am Ausgang des Verfahrens ist nicht ersichtlich. Es ist
auch sonst nicht erkennbar, dass die Privatklägerin einen Vorteil aus einer Verur-
teilung des Beschuldigten ziehen könnte. Insbesondere erleichtert eine Verurtei-
lung ihre Position hinsichtlich der von ihr angestrebten Ehescheidung nicht. Wie
bereits die Vorinstanz ausgeführt hat (Urk. 66 S. 10), hätte es auch keiner Straf-
anzeige bedurft, wenn die Privatklägerin hätte bewirken wollen, dass der Be-
schuldigte die eheliche Wohnung verlässt. Mit der Einleitung eines Eheschutzver-
fahrens, allenfalls verbunden mit einem Gewaltschutzverfahren, hätte dieses Ziel
ohne Weiteres erreicht werden können. Ausser dem aus ihrer Verfahrensstellung
fliessenden allgemeinen Interesse daran, dass ihren Aussagen Glauben ge-
schenkt wird, ist kein weitergehendes Interesse am Ausgang des Verfahrens er-
kennbar.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass seitens der Privatklägerin keine An-
haltspunkte für eine eingeschränkte Glaubwürdigkeit vorliegen.
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b) Aussagewürdigung
Die Vorinstanz hat die Regeln für die Aussagewürdigung zutreffend dargelegt, es
kann vorab darauf verwiesen werden (Urk. 66 S. 7 ff.).
Die Privatklägerin hat in allen drei Einvernahmen konstant und im Kerngehalt
gleichbleibend ausgesagt. Der abnehmende Detaillierungsgrad ihrer Schilderun-
gen und die geltend gemachten Erinnerungslücken entsprechen der Erfahrung,
dass die Erinnerung zeitnah zu den Vorfällen am zuverlässigsten ist, um dann mit
zunehmendem Zeitablauf zu verblassen. Entsprechend waren die ersten Aussa-
gen der Privatklägerin am detailliertesten, in der letzten Einvernahme machte sie
dann geltend, sie könne sich nicht mehr erinnern, welcher Vorfall an welchem Da-
tum stattfand. Dies weist darauf hin, dass die Privatklägerin nicht einfach Ange-
lerntes wiedergab und ist vereinbar mit im Zeitablauf nachlassender Erinnerung.
Die Privatklägerin räumte offen ein, wenn sie sich nicht erinnern konnte und be-
stätigte auch nicht unbesehen Vorhalte aus früheren Aussagen. Dies zeigt sich
beispielsweise darin, dass sie in der ersten Einvernahme noch ausgesagt hatte,
der Beschuldigte habe gesagt, sie werde es nicht erleben, sich von ihm zu tren-
nen, da er sie bis dann umgebracht haben werde oder ihr mit Aufschlitzen gedroht
habe (Urk. 3/1 S. 2). In der zweiten Einvernahme erwähnte sie diese Drohung mit
Aufschlitzen nicht mehr. Auf Vorhalt ihrer entsprechenden Aussage in der ersten
Einvernahme bestätigte sie diese nicht einfach pauschal, sondern erklärte, sie
könne nicht mehr sagen, ob er dies gesagt habe. Entsprechend ist dieser Teil des
Sachverhaltes (Drohen mit Aufschlitzen) mangels klarer Bestätigung durch die
Privatklägerin nicht erstellt. Die Aussagen der Privatklägerin weisen zudem kei-
nerlei Tendenz zu Übertreibungen auf, insbesondere nicht zu übertriebener Be-
lastung des Beschuldigten. So sagte sie gleichbleibend aus, der Beschuldigte ha-
be das Staubsaugerkabel, welches er um ihren Hals gewickelt habe, nicht zuge-
zogen, sie habe normal atmen können. Der Beschuldigte habe ihr gegenüber nie
Gewalt angewendet. Sie stellte auch keine Mutmassungen darüber an, was der
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Beschuldigte alles hätte tun können, um seine Drohung umzusetzen, sondern er-
klärte, sie habe einfach nicht gewusst, was in ihm vorgegangen sei, er sei unbe-
rechenbar gewesen. Mehrfach betonte sie auch, der Beschuldigte tue ihr leid, er
sei krank, sie glaube nicht, dass er grundsätzlich gewalttätig sei. Sie sei einfach
traurig, dass es so weit gekommen sei. Solche Äusserungen deuten nicht auf ein
Interesse an einer wahrheitswidrigen Belastung des Beschuldigten hin. Den von
ihr geschilderten Situationen adäquat und ohne Aggravationstendenz schilderte
sie authentisch ihre Gefühlslage anlässlich der ausgesprochenen Drohungen, ihre
Angst, Hilflosigkeit und Erschöpfung. Sie differenzierte auch eindeutig hinsichtlich
der Auswirkungen der einzelnen Drohungen auf sie. So erklärte sie, beim Vorfall
als er mit erhobener Faust auf sie zugekommen sei und gesagt habe, jetzt bringe
er sie wirklich um, sei sie erschrocken, habe ihm aber nicht geglaubt, denn sie
habe dies schon oft gehört. Es sei ihr mittlerweile fast gleichgültig (Urk. 3/1 S. 3).
Ganz anders schilderte sie ihren Zustand als er ihr am folgenden Tag das Staub-
saugerkabel um den Hals gewickelt habe. Eindrücklich ist ihre Schilderung, sie
habe mit dem Staubsaugerkabel um den Hals einfach dagestanden, habe gewar-
tet und gehofft, dass er loslasse. In diesem Moment wäre es ihr egal gewesen,
wenn er zugezogen hätte, sie habe einfach nicht mehr gekonnt, es sei wirklich
schlimm gewesen (Urk. 3/1 S. 4; Urk. 3/2 S. 8). Dies zeigt deutlich, in welcher
psychischen Erschöpfung sich die Privatklägerin befand. Der von ihr geschilderte
Zustand ist ohne Weiteres vereinbar mit der von ihr geltend gemachten Häufung
und Steigerung der Drohungen seitens des Beschuldigten.
Die Privatklägerin hat ferner nachvollziehbar erklärt, dass sie sich trotz früherer
Drohungen nicht vom Beschuldigten getrennt habe, weil sie aufgrund ihres Glau-
bens das Gefühl gehabt habe, sich nicht von ihrem Ehemann trennen zu können
und stets versucht habe, bei sich etwas zu ändern. Sie habe bis am Schluss an
der Ehe festhalten wollen (Prot. I S. 13). Vor diesem Hintergrund vermag denn
auch der Umstand, dass sie über die Weihnachtstage trotz verbaler Drohungen
weiterhin beim Beschuldigten blieb und mit ihm spazieren ging, die Glaubhaf-
tigkeit ihrer Darstellung nicht in Frage zu stellen. Dass die Zuspitzung der Situati-
on aufgrund der Drohung mit dem Staubsaugerkabel geeignet war, ihre Angst zu
verstärken, ist ohne Weiteres nachvollziehbar. Dasselbe gilt für ihren Gedanken,
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was noch kommen werde und zu was der Beschuldigte fähig sein könnte und der
daraus entstandenen unaushaltbaren Angst, die sie dazu führte, die Polizei her-
beizurufen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin durch-
wegs glaubhaft erscheinen. Hinweise auf wahnhaftes Erleben ergeben sich dar-
aus nicht. Daher sind auch die Beweisanträge des Beschuldigten auf Beizug der
Akten betreffend Klinikaufenthalte der Privatklägerin, ihrer Personalakte bei der
C._ AG, eventualiter Einholung eines psychiatrischen Gutachtens über die
Privatklägerin, abzuweisen, wie auch der Antrag auf Einvernahme der Privatklä-
gerin durch die Berufungsinstanz, zumal eine Befragung durch die Vorinstanz er-
folgte und eine erneute gerichtliche Befragung nicht erforderlich erscheint.
2.2.2. Aussagen des Beschuldigten
2.2.2.1. Zusammenfassung
a) Polizeiliche Einvernahme vom 25. Dezember 2018
Der Beschuldigte sagte aus, das Zusammenleben mit der Privatklägerin sei schön
gewesen, sie hätten eigentlich keine Eheprobleme gehabt, manchmal habe es
Streit gegeben aber immer im normalen Rahmen (Urk. 2/1 S. 1). Er erklärte, er
fühle sich "verarscht", denn seine Frau wolle ihn loswerden. Sie wolle die Woh-
nung alleine. Sie wolle sich schon länger trennen. Er wolle keine Trennung und
liebe seine Frau (Urk. 2/1 S. 3). Weil sie sich trennen wolle, habe sie die Polizei
angerufen. Er habe die Privatklägerin nicht bedroht, habe weder gesagt, er werde
sie aufschlitzen noch gesagt, dass sie es nicht mehr erleben werde, wenn sie sich
von ihm trenne. Es stimme nicht, dass er mit erhobener Faust auf sie zu gerannt
sei und gesagt habe, er bringe sie nun wirklich um (Urk. 2/1 S. 3 f.). Es treffe zu,
dass sie heute Staub gesaugt hätten. Es habe aber keinen Vorfall gegeben. Es
stimme nicht, dass er der Privatklägerin das Staubsaugerkabel zweimal um ihren
Hals gewickelt habe (Urk. 2/1 S. 5).
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b) Hafteinvernahme vom 27. Dezember 2018
Auf Vorhalt seiner anklagegegenständlichen Äusserungen gegenüber der Privat-
klägerin führte der Beschuldigte aus, es stimme nicht, dass er das gesagt habe.
Sie seien spazieren gegangen. Das Problem sei, dass er eigentlich machtlos sei.
Sie könne gleich die Polizei anrufen, und dann sei er weg. Sie habe ihm auf dem
Spaziergang gesagt, dass sie sich trennen wolle. Er sei aber IV-Empfänger und
könne nicht von einem Tag auf den anderen weg. Sie wolle einfach die Wohnung
für sich ohne ihn. Er sage immer, dass das Zeit brauche. Er könne nicht einfach
weg (Urk. 2/2 S. 2).
Auf entsprechenden Vorhalt betreffend das Staubsaugerkabel gab der Beschul-
digte weiter zu Protokoll, er habe das Kabel gehalten. Sie hätten zusammen
Staub gesaugt. Er habe das Kabel in der Hand gehalten, ihr dieses aber nicht um
den Hals gelegt. Er habe dieses einfach in der Hand gehalten (Urk. 2/2 S. 3). Auf
die Frage, warum die Privatklägerin lügen sollte, führte er aus, sie wolle einfach,
dass er weg sei. Sie habe jetzt ihr Ziel erreicht. Sie wolle ihn aus der Wohnung
haben, deswegen habe sie die Polizei gerufen. Er sei dann weg. Er sei machtlos
dagegen. Wenn sie so etwas erzähle, dann könne er nichts machen (Urk. 2/2
S. 3).
Auf Vorhalt, dass sich die Privatklägerin schon lange hätte scheiden lassen kön-
nen, wenn sie ihn hätte loswerden wollen, gab der Beschuldigte zu Protokoll, sie
mache das über die Polizei mit Verfahren und Anzeigen (Urk. 2/2 S. 3). Auf Fra-
ge, ob es allenfalls sein könnte, dass er sich infolge seiner paranoiden Schizo-
phrenie nicht daran erinnere, die Privatklägerin bedroht zu haben, verneinte er
dies und machte geltend, sich gut zu erinnern, dass ihre Vorwürfe nicht zutreffen
(Urk. 2/2 S. 3 f., Antw. auf Frage 16).
Der Beschuldigte bestätigte, dass er Medikamente nehme und führte dazu aus, er
habe im Sommer einmal weniger genommen. Er habe vor drei Wochen einen Kli-
nikaufenthalt gehabt, seitdem nehme er die Medikamente wieder regelmässig. Er
sei vor ca. einem Monat in der PUK gewesen, vor drei Wochen aber wieder ent-
lassen worden. Vorher sei er immer in der B._ gewesen. In der PUK hätten
- 17 -
sie ihm viele verschiedene Medikamente auf einmal gegeben. Er habe nicht mehr
gekonnt und sei dann einfach gegangen (Urk. 2/2 S. 4).
c) Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 23. Januar 2019
Der Beschuldigte sagte aus, dass die Privatklägerin missbraucht worden sei. Dies
habe sie ihm unter Tränen immer wieder erzählt. Sie habe immer wieder gesagt,
dass ihr Vater ihre Mutter schlecht behandelt habe, nicht nur betrogen. Die Privat-
klägerin zahle ihm alles zurück, was sie als Kind erlebt habe (Urk. 2/3 S. 5 und
S. 4). Auf die Frage, was der Grund sei, dass er sich noch nicht getrennt habe,
erklärte er, er sei mittellos, und sie könne alles mit ihm machen. Er habe keine
Chance, wenn er die Polizei rufen würde, dann würden diese ihn auslachen
(Urk. 2/3 S. 5, Antw. auf Frage 4).
Er bestritt, der Privatklägerin gedroht zu haben und machte geltend, das seien al-
les Tatbestände, die keine Spuren hinterlassen. Er warf die Frage auf, ob es ir-
gendeinen Tatbestand gebe, den man beweisen könne. Die Privatklägerin könne
ihn mit ihren Aussagen fertig machen (Urk. 2/3 S. 5, Antw. auf Frage 5).
d) Befragung vor Vorinstanz am 17. Oktober 2019
Der Beschuldigte erklärte, die Privatklägerin belaste ihn, obwohl er unschuldig sei.
Er denke, sie tue dies wegen ihrer gestörten Kindheit. Sie sei von ihrem Grossva-
ter sexuell missbraucht worden. Zudem habe ihr Vater ihre Mutter schlecht be-
handelt. Nun zahle sie es ihm zurück. Sie verarbeite ihre gestörte Kindheit an ihm
(Prot. I S. 23). Auf Vorhalt der anklagegegenständlichen Vorkommnisse vom
22. Dezember 2018 bestätigte der Beschuldigte, dass die Privatklägerin das be-
züglich der Trennung gesagt habe. Er habe dann gesagt, dass er nicht vom einen
auf den anderen Tag ausziehen könne. Er habe keine finanziellen Mittel. Nach ihr
hätte er sofort ausziehen müssen, innerhalb einer Stunde (Prot. I S. 26). Auf ent-
sprechende Frage, ob die Vorwürfe der Todesdrohungen erfunden seien, antwor-
- 18 -
tete er, diese seien nicht richtig. Sie hätten einfach gestritten und diskutiert. Er
habe ihr aber nicht gedroht (Prot. I S. 26). Und auf die Frage, ob es zu Beleidi-
gungen gekommen sei, verneinte er und erklärte, sie hätten diskutiert. Es habe
keine Drohung gegeben. Sie seien spazieren gewesen und sie behaupte nun,
dass er sie bedroht habe (Prot. I S. 26).
Auf die Frage, weshalb die Privatklägerin ihn fälschlicherweise belasten sollte,
gab er zu Protokoll, der einzige Grund sei, dass sie sich von ihm trennen und die
Wohnung allein für sich und ihren Sohn haben wolle. So würde sie ihn los wer-
den. Dies sei auch der Grund für ihre Anzeige gegen ihn. Damit er im Gefängnis
sei und sie die Wohnung für sich alleine habe. Er sei machtlos. Sie habe die Ar-
gumente deswegen so gebracht, damit sie ihn loswerde (Prot. I S. 26 f.).
Auf Vorhalt der anklagegegenständlichen Vorkommnisse vom 24. Dezember
2018 sagte der Beschuldigte weiter aus, dies stimme nicht. Sie hätten diskutiert,
und sie habe immer gewollt, dass er weggehen würde. Er habe ihr gesagt, dass
er nicht innerhalb einer Stunde aus der Wohnung weggehen könne. Es sei auch
seine Wohnung. Er könne nicht auf der Strasse schlafen (Prot. I S. 27).
Er verneinte, der Privatklägerin zu diesem Zeitpunkt etwas Böses gesagt zu ha-
ben, und bestätigte, seine Medikamente im Zeitraum vom 22. bis 25. Dezember
2018 regelmässig eingenommen zu haben (Prot. I S. 27). Er könne die Dosis et-
was variieren (Prot. I S. 28). Auf die Fragen, ob es möglich wäre, dass er damals
einen schizophrenen Anfall gehabt habe, und ob er damals voll da gewesen sei
oder Psychosen gehabt habe, erwiderte er, es habe einfach immer wieder Dis-
kussionen gegeben. Wenn das Gericht bezüglich der Schizophrenie Fragen habe,
dann müsse es mit einem Psychiater sprechen. Er sei kein Mediziner (Prot. I
S. 28).
Weiter führte er aus, dass es einfach Streit und Diskussionen gegeben habe. Auf
Nachfrage, ob diese Streitereien durch seine Krankheit begünstigt oder verstärkt
worden sei, erklärte er, das glaube er nicht. Es sei das Zusammenleben in der
gleichen Wohnung gewesen. Er sei nicht dafür gemacht, mit einer Person längere
Zeit in einem Raum zu verbringen (Prot. I S. 28). Und auf die Frage, ob er die Pri-
- 19 -
vatklägerin nie in grosse Angst versetzt habe, führte er aus, dies habe er nie ge-
tan. Wenn er dies gemacht hätte, wäre sie nicht noch mit ihm spazieren gegan-
gen (Prot. I S. 28 f.).
Auf Vorhalt des Anklagevorwurfs betreffend den 25. Dezember 2018 sagte der
Beschuldigte aus, sie hätten zusammen Staub gesaugt, und er habe das Kabel
gehalten. Sie habe ihm die Anweisung dazu gegeben. Auf entsprechende Fragen,
ob er das Kabel um den Hals der Privatklägerin gelegt habe, bestritt er dies. Sie
habe bei der Strafanzeige immer nur Argumente vorgebracht, welche man nicht
beweisen könne. Wenn man wegen einem Staubsaugerkabel um den Hals To-
desangst habe, dann gehe man nachher nicht gemeinsam spazieren und verbrin-
ge den Tag zusammen. Es sei nie passiert. Sie behaupte dies, um ihn loszuwer-
den (Prot. I S. 29 f.).
e) Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung
Der Beschuldigte führte zu den anklagegegenständlichen Vorfällen befragt erneut
aus, er habe der Privatklägerin nie gedroht, und es sei auch nie etwas passiert.
Sie hätten einfach immer wieder Diskussionen gehabt; praktisch wegen nichts.
Danach sei es aber immer wieder gut gewesen. Auf Vorhalt, dass die Privatkläge-
rin ihm an Weihnachten 2018 gesagt haben soll, dass sie sich von ihm trennen
wolle, führte der Beschuldigte aus, sie seien oft miteinander spazieren gegangen.
Die Privatklägerin habe ihm dann gesagt, dass sie die Wohnung für sich alleine
haben wolle. Auf entsprechende Frage bestätigte der Beschuldigte, dass die Pri-
vatklägerin ihm mehrmals gesagt habe, er solle ausziehen. Er habe ihr dann ge-
sagt, dass er dies nicht könne, da er die finanziellen Mittel nicht habe. Auch auf
den Vorfall mit dem Staubsaugerkabel befragt, bestritt der Beschuldigte, der Pri-
vatklägerin gedroht oder ihr das Staubsaugerkabel um den Hals gelegt zu haben.
Er führte aus, dass sie an diesem Tag grosse Diskussionen gehabt hätten. Beim
Staub saugen habe er aber nur das Kabel gehalten und nichts weiter gemacht. Es
stimme nicht, dass er ihr das Staubsaugerkabel um den Hals gelegt habe, an-
sonsten es bei ihr Abdrücke hätte geben müssen. Er verstehe auch nicht, wie die
Privatklägerin mit ihm in der Dunkelheit habe spazieren gehen können, wenn er
ihr angeblich gedroht habe. Wenn ihm so gedroht worden wäre, wäre er sicher
- 20 -
nicht mehr im Dunkeln spazieren gegangen. Auch auf dem Spaziergang habe es
wieder Diskussionen gegeben, weil sie die Wohnung alleine für sich und das Kind
haben wollte. Sie habe dann die Polizei gerufen, um ihn loszuwerden. Das habe
sie schon drei Mal so gemacht. Er sei dann machtlos (Prot. II S. 29 ff.).
2.2.2.2. Würdigung
a) Glaubwürdigkeit des Beschuldigten
Der Beschuldigte hat aufgrund seiner Verfahrensstellung ein Interesse daran, die
Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht erscheinen zu lassen.
Hinsichtlich der möglichen Auswirkungen einer psychischen Erkrankung auf die
Glaubwürdigkeit einer Person kann auf die Erwägungen betreffend die Privatklä-
gerin verwiesen werden. Es ist festzuhalten, dass der Umstand, dass der Be-
schuldigte an paranoider Schizophrenie leidet, nicht per se Rückschlüsse auf sei-
ne Glaubwürdigkeit zulässt. Vielmehr ist entscheidend, ob aufgrund seiner Aus-
sagen und den gesamten Umständen Anhaltspunkte für ein wahnhaftes Erleben
oder eine Beeinträchtigung des Realitätsbezugs bestehen. Darauf ist im Rahmen
der Aussagenwürdigung einzugehen.
Es liegen auch seitens des Beschuldigten keine Hinweise vor, welche an seiner
Glaubwürdigkeit zweifeln liessen.
b) Aussagenwürdigung
Die Aussagen des Beschuldigten beschränken sich im Wesentlichen auf die Be-
streitung des Anklagevorwurfs. Er macht geltend, die Privatklägerin beschuldige
ihn falsch, damit sie ihn möglichst rasch aus der gemeinsamen Wohnung heraus-
bringe. Ferner argumentiert er, es sei mit den vorgeworfenen Drohungen nicht
vereinbar, dass die Privatklägerin nach dem behaupteten Vorfall mit dem Staub-
saugerkabel mit ihm noch spazieren gegangen sei.
- 21 -
Die Bestreitung der Vorwürfe erfolgte zwar konstant über alle Einvernahmen hin-
weg, jedoch blieben seine Aussagen sehr pauschal. Vor diesem Hintergrund stellt
die Konstanz der Bestreitung kein besonderes Realitätskennzeichen dar. Seinen
Aussagen sind jedoch keine Hinweise für wahnhaftes Erleben zu entnehmen,
vielmehr wirkt seine Darstellung plausibel und normalpsychisch nachvollziehbar.
Der Beschuldigte sagte vor Vorinstanz aus, dass er ein Einzelgänger sei und aus-
ser zu seiner Mutter keine sozialen Kontakte unterhalte (Prot. I S. 24 f.). Ferner
konnte er keine genaueren Angaben zu seinen finanziellen Verhältnissen machen
und erklärte, er habe diesbezüglich keinen Überblick, da die Privatklägerin alles
verwaltet und gemacht habe (Prot. I S. 21 f.). Angesichts der wichtigen Funktion
der Privatklägerin im sozialen Netz des Beschuldigten erscheint es nachvollzieh-
bar, dass der von ihr im anklagerelevanten Zeitraum unbestrittenermassen ge-
äusserte Trennungswille bei ihm Verunsicherung ausgelöst und ihn aufgrund sei-
ner Hilflosigkeit zu den angeklagten Drohungen veranlasst haben könnte. Das
vom Beschuldigten angeführte Motiv der Privatklägerin für eine Falschbelastung,
ihn sofort aus der ehelichen Wohnung zu entfernen, ist zwar theoretisch denkbar,
jedoch finden sich in den Akten keine Anhaltspunkte dafür. Ganz im Gegenteil
neigte die Privatklägerin – wie bereits vorstehend erwähnt – in keiner Weise dazu,
den Beschuldigten unnötig zu belasten. Vielmehr betonte sie, sie sei traurig, dass
es so weit gekommen sei, der Beschuldigte sei krank, er tue ihr leid, und sie glau-
be nicht, dass er gewalttätig sei. Er sei ihr gegenüber auch nie gewalttätig gewor-
den. Sie habe lange Zeit versucht, sich mit der schwierigen Situation zurechtzu-
finden, wobei ihr Bemühen in den Weihnachtstagen des Jahres 2018 zur totalen
psychischen Erschöpfung geführt habe. Eindrücklich schilderte sie ihre Gemüts-
verfassung, als der Beschuldigte ihr das Staubsaugerkabel um den Hals gelegt
habe. Ferner räumte sie auch ein, der Beschuldigte spreche Drohungen teilweise
auch beiläufig aus (Urk. 3/1 S. 3). Als er am 24. Dezember 2018 mit erhobener
Faust auf sie zugekommen sei und gesagt habe, jetzt bringe er sie wirklich um,
habe sie es ihm nicht geglaubt, denn sie habe dies schon so oft gehört, dass es
ihr mittlerweile fast gleichgültig sei (Urk. 3/1 S. 3). Diese Aussagen zeigen ganz
klar, dass die Privatklägerin keine Tendenz hat, die Geschehnisse zu dramatisie-
ren und erklären auch, weshalb sie trotz verbaler Drohungen nicht sogleich zu-
- 22 -
sammen mit dem Kind die eheliche Wohnung verlassen oder sofort die Polizei
alarmiert hat. Entgegen der Argumentation der Verteidigung und des Beschuldig-
ten ist ihr Verhalten nachvollziehbar. Es spricht nicht gegen die Glaubhaftigkeit ih-
rer Darstellung, dass sie mit dem Beschuldigten nach den ausgesprochenen Dro-
hungen noch spazieren ging. Die Privatklägerin hat plausibel geschildert, dass ih-
re Angst sich nach dem Vorfall mit dem Staubsaugerkabel vergrössert habe, die
Anspannung sei hoch gewesen. Die Angst sei nicht mehr aushaltbar gewesen, sie
habe sich gefragt, was wohl als Nächstes passiere (Urk. 3/1 S. 4). Hinzu kommt,
dass die Privatklägerin glaubhaft darlegte, dass sie die Situation so lange ausge-
halten habe, da sie wegen ihres Glaubens das Gefühl gehabt habe, sie könne
sich nicht vom Beschuldigten trennen und bis am Schluss versucht habe, an der
Ehe festzuhalten (Prot. I S. 13). Auch vor diesem Hintergrund lassen ihr Zuwarten
mit einer Anzeigeerstattung und das Verbleiben beim Beschuldigten keine Zweifel
an ihrer Darstellung aufkommen.
Aus allen diesen Gründen vermögen die pauschalen Bestreitungen des Beschul-
digten keine ernsthaften Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privat-
klägerin zu begründen. Der Sachverhalt ist mit einzelnen Einschränkungen ge-
stützt auf ihre glaubhafte Darstellung erstellt, wobei sich auch die Einschränkun-
gen aus ihren Aussagen ergeben. Nicht erstellt ist, dass der Beschuldigte ihr am
22. Dezember 2018 mit Aufschlitzen drohte und dass die Privatklägerin bereits
am 22. Dezember 2018 und am 24. Dezember 2018 in grosse Angst versetzt
wurde. Betreffend den 25. Dezember 2018 dagegen schilderte die Privatklägerin
eindrücklich, dass sie während des Vorfalls mit dem Staubsaugerkabel Angst ge-
habt habe, einfach gehofft habe, dass er wieder loslasse (Urk. 3/1 S. 4). Am
25. Dezember 2018 sei ihre Angst einfach nicht mehr aushaltbar gewesen, sie
habe Angst davor gehabt, was als Nächstes wohl passieren werde (Urk. 3/1 S. 4).
Sie habe Angst, dass er sie umbringe, bzw. nicht mehr wisse, was er mache,
wenn sie sich von ihm trenne (Urk. 3/1 S. 5). Eingebrannt hätten sich bei ihr die
Aussage mit erhobener Faust und das Kabel um ihren Kopf (Urk. 3/2 S. 9; Prot. I
S. 12). Somit ist erstellt, dass die Privatklägerin durch die Drohungen des Be-
schuldigten spätestens am 25. Dezember 2018 nachhaltig in ihrem Sicherheitsge-
fühl beeinträchtigt wurde.
- 23 -
Auf die subjektive Seite der Sachverhaltserstellung, welche sich mit der Frage des
subjektiven Tatbestandes überschneidet, ist im Rahmen der nachfolgenden Aus-
führungen zur rechtlichen Würdigung einzugehen.
III. Rechtliche Würdigung
Gemäss Art. 180 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
bestraft, wer jemanden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt.
Hinsichtlich der allgemeinen Ausführungen zum Tatbestand der Drohung im Sin-
ne von Art. 180 StGB ist auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu ver-
weisen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 66 S. 22 f.).
Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der Beschuldigte die Privatklägerin am
22., am 24. und am 25. Dezember 2018 verbal mit dem Tod bedroht, indem er ihr
drohte, er werde sie umbringen. Am 24. Dezember 2018 unterstrich er die verbale
Drohung mittels erhobener Faust und am 25. Dezember 2018 legte er ihr das
Staubsaugerkabel zwei Mal um den Hals.
Die verbale Drohung mit dem Tod, teilweise unterstützt mit der Geste der erhobe-
nen Faust und die konkludente Todesdrohung mit dem Staubsaugerkabel stellen
zweifellos schwere Drohungen dar.
Zu prüfen bleibt, ob diese Drohungen aufgrund der gesamten Umstände geeignet
waren, die Privatklägerin in Angst und Schrecken zu versetzen und ob diesbezüg-
licher Vorsatz des Beschuldigten zu bejahen ist.
Wie bereits im Rahmen der Sachverhaltserstellung dargelegt, führte die Privatklä-
gerin in der ersten Einvernahme aus, die ersten beiden verbalen Drohungen hät-
ten sie nicht in Angst und Schrecken versetzt, da der Beschuldigte dies oft beiläu-
fig gesagt habe, er habe dies schon so oft gesagt, dass es ihr fast gleichgültig sei.
Zugunsten des Beschuldigten ist davon auszugehen, dass ihm beim Ausstossen
dieser Drohungen bewusst war, dass solche bisher nicht geeignet waren, die Pri-
vatklägerin in Angst und Schrecken zu versetzen. Eine weitere Stufe der Drohung
bedeutete jedoch das Erheben der Faust gegen die Privatklägerin, und eine klar
- 24 -
neue Dimension hat sein drohendes Verhalten im Zusammenhang mit dem
Staubsaugerkabel erreicht. Diese Steigerung zusammen mit der Häufung der
verbalen Drohungen in kurzen Abständen über 4 Tage verteilt haben denn auch
nach Darstellung der Privatklägerin bewirkt, dass sie am 25. Dezember 2018 in
nicht mehr aushaltbare Angst geriet. Demzufolge ist es die Gesamtheit der Dro-
hungen, deren Häufung und Steigerung, welche dazu führten, dass das Sicher-
heitsgefühl der Privatklägerin schwer beeinträchtigt wurde, sie in Angst und
Schrecken versetzt wurde. Aufgrund der gesamten Umstände insbesondere der
Kadenz und gezielten Steigerung des drohenden Verhaltens ist auch davon aus-
zugehen, dass der Beschuldigte die Privatklägerin mit Wissen und Willen in einen
Zustand grosser Angst versetzte, zumal es auch Ziel der Drohungen war, die Pri-
vatklägerin durch Einschüchterung davon abzuhalten, sich von ihm zu trennen.
Somit ist der Vorsatz des Beschuldigten zu bejahen. Die Verteidigung macht zwar
geltend, dass dem Beschuldigten kein eventualvorsätzliches, geschweige denn
ein direktvorsätzliches Vorgehen vorgeworfen werden könne, da dieser im Tat-
zeitpunkt an einer schwergradigen Einschränkung der Steuerungsfähigkeit gelit-
ten habe. Es sei gar nicht möglich, dass er gewusst und gebilligt oder nur schon
in Kauf genommen habe, dass er die Privatklägerin mit seinen Worten und sei-
nem Agieren in Todesangst versetzen und sie massiv in ihrem Sicherheitsgefühl
beeinträchtigen würde, wenn er die angeblichen verbalen Drohungen unter
schwergradiger Einschränkung seiner Steuerungsfähigkeit von sich gegeben ha-
be (Urk. 88 S. 18). Dieser Argumentation der Verteidigung ist nicht zu folgen. Die
Frage der Schuldfähigkeit ist zu unterscheiden von der Frage, ob der Beschuldig-
te mit Wissen und Willen im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB gehandelt hat.
Schuldunfähigkeit bedeutet nicht, dass der Täter keinen tatbestandsmässigen
Vorsatz bilden könnte. Vielmehr kann auch der völlig Schuldunfähige vorsätzlich
handeln, da es beim Vorsatz um die Umsetzung eines Handlungsentschlusses in
die Wirklichkeit auf der Grundlage von sinnlich wahrgenommenen oder vorgestell-
ten Tatumständen geht, was grundsätzlich auch bei fehlender Einsicht in das Un-
recht möglich ist, weil es dazu des entsprechenden Wertungsaktes nicht bedarf
(BOMMER/DITTMANN, in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar, Strafrecht I,
4. Aufl., Basel 2019, N 19 zu Art. 19 StGB).
- 25 -
Der Tatbestand der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB ist vollendet, wenn das
Opfer tatsächlich in seinem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt wird (Delnon/Rüdy
BSK, Strafrecht II, N 31 zu Art. 180 ). Da eine solche Beeinträchtigung des Si-
cherheitsgefühls aufgrund der Aussagen der Privatklägerin mit rechtserheblicher
Sicherheit erst für den 25. Dezember 2018 erstellt werden kann und das Ergebnis
der vorangehenden verbalen Drohungen, des Erhebens der Faust unter Ausspre-
chen von verbaler Todesdrohung sowie in erster Linie der Todesdrohung im Zu-
sammenhang mit dem Einsatz des Staubsaugerkabels ist, liegt keine mehrfache
Tatbegehung vor. Der Beschuldigte ist daher der Drohung im Sinne von Art. 180
Abs. 1 und Abs. 2 lit. a StGB schuldig zu sprechen.
IV. Sanktion
1. Allgemeine Strafzumessungsregeln
Hinsichtlich der allgemeinen Strafzumessungsregeln kann auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 66
S. 26 ff.), wobei gemäss vorliegendem Schuldspruch im Gegensatz zur vor-
instanzlichen Beurteilung keine mehrfache Tatbegehung vorliegt.
Auszugehen ist somit vom Strafrahmen gemäss Art. 180 StGB von Geldstrafe bis
zu drei Jahren Freiheitsstrafe. Es liegen keine Gründe vor, welche dazu führen
würden, dass der ordentliche Strafrahmen verlassen werden müsste. Insbesonde-
re kann der Strafmilderungsgrund der verminderten Schuldfähigkeit angemessen
innerhalb des ordentlichen Strafrahmens berücksichtigt werden.
2. Strafzumessung in concreto
2.1. Tatkomponente
2.1.1. Objektive Tatschwere
Der Beschuldigte drohte der Privatklägerin die Tötung an, was einen der schwers-
ten denkbaren Nachteile darstellt. Es handelte sich nicht um einen einmaligen
emotionalen Ausbruch, vielmehr baute der Beschuldigte die Intensität seiner Dro-
hung über mehrere Tage hinweg zuerst nur mit Worten, dann mit konkludentem
- 26 -
Verhalten auf. Mit den Handlungen (Faust erheben und Umwickeln mit dem
Staubsaugerkabel) unterstrich er seine Bereitschaft, die verbalen Drohungen in
die Tat umzusetzen. Seine Drohungen erfolgten über die Weihnachtstage, in de-
nen auch der gemeinsame Sohn anwesend war und die angespannte Situation
mitbekam und – wie bereits die Vorinstanz ausführte (Urk. 66 S. 29) – eine erhöh-
te Verletzlichkeit der Familienmitglieder bestand. In objektiver Hinsicht wiegt das
Verschulden nicht mehr leicht und führt zu einer hypothetischen Einsatzstrafe im
Bereich von 12 Monaten.
2.1.2. Subjektive Tatkomponente
Es ist festzuhalten, dass der Beschuldigte das Sicherheitsgefühl der Privatkläge-
rin beeinträchtigte, nachdem sie ihre Absicht geäussert hatte, sich von ihm zu
trennen. Das Tatmotiv ist in seiner Angst vor einer Trennung und einem Gefühl
der Machtlosigkeit zu erblicken.
Gemäss der Einschätzung der Gutachterin Dr. E._ im Gutachten vom
22. Mai 2019 (Urk. 8/33) war die Einsichtsfähigkeit des Beschuldigten im Zeit-
punkt der Taten trotz der diagnostizierten paranoiden Schizophrenie nicht einge-
schränkt, da sein drohendes Verhalten in der Vergangenheit zu einer Beibehal-
tung des ehelichen Status und damit zum Erfolg geführt habe. In den vorgeworfe-
nen Delikten könne kein von Wahn oder Halluzinationen getriebenes Verhalten
erkannt werden (Urk. 8/33 S. 47). Jedoch sei die schizophrene Symptomatik allei-
ne schon geeignet, die Freiheitsgrade des Denkens und Handelns des Beschul-
digten erheblich einzuschränken, da deutliche Beeinträchtigungen (Auffassungs-
störungen, inadäquate Affekte, Desorganisiertheit, aggressive Handlungsbereit-
schaft und Anpassungsstörungen) durch die psychische Erkrankung vorliegen
(Urk. 8/33 S. 40). Hinzugekommen sei eine Überforderung, die für ihn ggf. von
existenzieller Bedeutung gewesen sei. Aus forensisch-psychiatrischer Sicht werde
die Schuldfähigkeit im Deliktszeitraum als mittel- bis schwergradig reduziert be-
wertet (Urk. 8/33 S. 40 und S. 47). Abstellend auf die schlüssige Beurteilung der
Gutachterin wird die Tatschwere aufgrund der verminderten Schuldfähigkeit deut-
lich relativiert und wiegt insgesamt leicht.
- 27 -
2.1.3. Fazit
Dem insgesamt leichten Tatverschulden angemessen erscheint eine Strafe von
8 Monaten.
2.2. Täterkomponente
Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf und ist nicht geständig. Beides wirkt
sich bei der Strafzumessung neutral aus.
Hinsichtlich der Darlegung der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann
vorab auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 66 S. 33). Der
Beschuldigte ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Nach Abschluss der
Schule hat er eine Lehre im Detailhandel absolviert und ein Handelsdiplom er-
worben. Er arbeitete nie auf dem erlernten Beruf. Ende September 2006 heiratete
er die Privatklägerin. Mit ihr hat er einen gemeinsamen Sohn (geboren tt. Januar
2007). Der Beschuldigte betätigte sich als Hausmann, während die Privatklägerin
einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachging. Der Beschuldigte bezieht seit
August 2017 eine IV-Rente von monatlich Fr. 1'400.--. Er verfügt über kein weite-
res Einkommen. Anlässlich der Berufungsverhandlung gab er ergänzend zu Pro-
tokoll, dass eine Scheidung zwischen ihm und der Privatklägerin kein Thema sei.
Es sei allerdings ein Eheschutzverfahren durchgeführt worden, und gemäss ehe-
schutzrichterlicher Verfügung müsse ihm die Privatklägerin Alimente bezahlen,
sobald er aus der Haft entlassen werde. Er wisse nicht genau, wie hoch die mo-
natlichen Unterhaltszahlungen seien, er glaube ca. Fr. 1'000.– (Prot. II S. 9 ff.).
Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sich aus den persönlichen Verhältnissen
keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ergeben.
3. Fazit Sanktion
Die Täterkomponente wirkt sich bei der Strafzumessung neutral aus, daher er-
weist sich eine Strafe im Bereich von 8 Monaten unter Berücksichtigung aller
Strafzumessungsfaktoren als angemessen. Da eine Erhöhung der von der Vor-
instanz ausgefällten Strafe aufgrund des Verschlechterungsverbots ausser Be-
tracht fällt (Art. 391 Abs. 2 StPO), ist der Beschuldigte in Bestätigung des vor-
- 28 -
instanzlichen Urteils mit einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten zu bestrafen. Es ist
davon Vormerk zu nehmen, dass sich der Beschuldigte seit 25. Dezember 2018
in Haft befindet und die ausgefällte Freiheitsstrafe durch Haft erstanden ist.
V. Massnahme
1. Allgemeine Voraussetzungen für die Anordnung einer Massnahme
Die Vorinstanz hat die allgemeinen Voraussetzungen für die Anordnung einer
Massnahme, insbesondere die Anordnung einer stationären Massnahme, zutref-
fend dargelegt (Urk. 66 S. 35 f.). Es kann vollumfänglich darauf verwiesen werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Anordnung einer stationären Massnahme in concreto
2.1. Begehung eines Verbrechens oder Vergehens
Der Beschuldigte wird der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB schuldig gespro-
chen. Damit hat er ein Vergehen begangen.
2.2. Vorliegen einer schweren psychischen Störung
Gemäss der gutachterlichen Diagnose litt er im Zeitpunkt der Delinquenz und lei-
det auch heute noch an paranoider Schizophrenie. Diese von der Gutachterin
schlüssig nachvollziehbar begründete Diagnose wurde bereits im Vorgutachten
von Dr. F._ aus dem Jahre 2016 gestellt (Urk. 8/6 S. 58). Das Vorliegen ei-
ner paranoiden Schizophrenie wird denn auch vom Beschuldigten nicht in Frage
gestellt. Damit ist auch die Voraussetzung des Vorliegens einer schweren psychi-
schen Störung erfüllt.
2.3. Zusammenhang zwischen psychischer Störung und Delinquenz
Gestützt auf das Gutachten steht auch ausser Frage, dass die Delinquenz des
Beschuldigten in einem Zusammenhang zur diagnostizierten Störung steht. Damit
sind die Voraussetzungen gemäss Art. 59 Abs. 1 lit. a StGB erfüllt.
- 29 -
2.4. Rückfallgefahr und Massnahmeindikation
2.4.1. Rückfallgefahr
Hinsichtlich der Rückfallgefahr führte die Gutachterin aus, die beim Beschuldigten
zu den Deliktszeitpunkten vorliegenden schizophrenen Symptome hätten krank-
heitsbedingt seine Anpassungsfähigkeit, seine Ressourcen, mit Problemen kon-
struktiv umzugehen, erheblich herabgesetzt und sein situatives Überforderungs-
gefühl gefördert. Auf dem Boden einer krankheitsbedingten inadäquaten Affektivi-
tät mit aggressiver Handlungsbereitschaft und Impulsivität könne es zu aggressiv-
gewalttätigem Verhalten kommen, selbst wenn die Handlungen an und für sich
nicht durch einen Wahn oder Halluzinationen hervorgerufen werden. Legalprog-
nostisch positiv einzuschätzen sei, dass der Beschuldigte über keine dissozialen
Einstellungen verfüge, seine Grundintelligenz als zumindest durchschnittlich ein-
zuschätzen sei, es ihm gelungen sei, eine langjährige Ehe/Beziehung zu führen
und er keinen Suchtmittelabusus betreibe (Urk. 8/33 S. 43). Schwerwiegend für
die aktuelle Beurteilung wirke sich der Verlauf der ambulanten Massnahme aus.
Die behandelnden Therapeuten würden die Kooperationsbereitschaft des Be-
schuldigten als mangelhaft und unzureichend beschreiben. Er habe die Medikati-
on nach eigenem Gutdünken reduziert bzw. sistiert, obwohl ihm die Wichtigkeit
der regelmässigen Einnahme erläutert worden sei. Es sei von keiner stabilen
Krankheitseinsicht und keiner tragfähigen Behandlungsbereitschaft auszugehen.
Zudem sei es zu einer Progression des aggressiven Verhaltens gekommen. Das
Umschlingen des Halses mit einem Kabel könne als Probehandlung gewertet
werden. Die Ausführungsgefahr werde als hoch beurteilt. Die vom Beschuldigten
ausgehende Wiederholungs- und Ausführungsgefahr sei als hoch einzuschätzen,
sollte der Beschuldigte nicht einer längeren, intensiven psychiatrischen Therapie
zugeführt werden (Urk. 8/33 S. 44).
Die Ausführungen der Gutachterin sind differenziert, beruhen auf einer Einzelfall-
analyse und der Verwendung standardisierter Prognoseinstrumente. Ihren
schlüssigen Darlegungen kann gefolgt werden. Die Rückfallgefahr ist daher ohne
Massnahme als hoch zu bewerten.
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Allerdings ist festzuhalten, dass der Beschuldigte schon in seiner frühen Kindheit
unter der paranoiden Schizophrenie gelitten hat und gemäss seinen Ausführun-
gen damals auch die ersten Symptome wie Verfolgungswahn aufgetreten seien
(Prot. II S. 11). Dennoch ist es in der Vergangenheit zu keinen Gewalttätigkeiten
oder Ausführungshandlungen gekommen, sondern es ist bei Drohungen gegen-
über der Privatklägerin geblieben. Der Beschuldigte weist auch keine Vorstrafen
auf (Urk. 68; vorstehend, Erw. IV.2.2.). Zudem befindet der Beschuldigte sich seit
rund 11⁄2 Jahren in Haft. Es ist davon auszugehen, dass während dieser Zeit eine
kontinuierliche Medikation gewährleistet war, was Auswirkungen auf seinen ge-
sundheitlichen Allgemeinzustand und die schizophrene Symptomatik hat. So führ-
te der Beschuldigte selber aus, er nehme 800 mg Sequase, unter dieser Medika-
tion gehe es ihm sehr gut, und dies sei das einzige Medikament, welches ihm gut
tue (Prot. II S. 13 f. und S. 23).
2.4.2. Massnahmeindikation
Nach Einschätzung der Gutachterin ist zur Eindämmung der Rückfallgefahr die
Anordnung einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 59 erforderlich, bedarf
der Beschuldigte einer längerfristigen, intensiven psychiatrischen Behandlung und
einer antipsychotischen Medikation, damit das Rückfallrisiko vermindert werden
kann (Urk. 8/33 S. 45). Während einer ambulanten Massnahme habe der Be-
schuldigte eine schlechte Medikamenten-Compliance und nur bedingte Abspra-
chefähigkeit gezeigt. Trotz ambulanter Behandlung sei es zu den vorliegenden
Delikten gekommen, was zeige, dass das Ziel, die Rückfallgefahr zu reduzieren,
verfehlt worden sei (Urk. 8/33 S. 45). Erstes therapeutisches Ziel einer stationären
Therapie sei die Remission der akuten schizophrenen Symptomatik. Der Be-
schuldigte bedürfe einer ausführlichen Psychoedukation um Frühwarnzeichen zu
erkennen und einen Krisen- bzw. Rückfallpräventionsplan zu erarbeiten. Die In-
stallation eines antipsychotischen Depot-Präparates wäre gemeinsam mit dem
Beschuldigten zu erwägen, um eine kontinuierliche Medikation zu gewährleisten
(Urk. 8/33 S. 45). Die empfohlene stationäre Massnahme könne dem Beschuldig-
ten die Behandlung und Unterstützung bieten, die er benötige, um straffrei einen
neuen Lebensabschnitt zu beginnen (Urk. 8/33 S. 45).
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Eine Massnahme hat zu unterbleiben, wenn eine gleich geeignete, aber mildere
Massnahme für den angestrebten Erfolg ausreichen würde. Dieses Kriterium trägt
dem Aspekt des Verhältnisses zwischen Strafe und Massnahme beziehungswei-
se der Subsidiarität von Massnahmen Rechnung. Schliesslich muss zwischen
dem Eingriff und dem angestrebten Zweck eine vernünftige Relation bestehen
(Urteil des Bundesgerichtes 6B_596/2011 vom 19. Januar 2012, E. 3.2.3). Vorlie-
gend lässt sich unter dem Aspekt der Verhältnismässigkeit eine stationäre Mass-
nahme nicht rechtfertigen. Ein langfristiger Freiheitsentzug wie er praxisgemäss
mit einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB einhergeht, erscheint
in Bezug auf das geringe Anlassdelikt der Drohung, aufgrund der auszufällenden
Strafe von 7 Monaten Freiheitsstrafe sowie im Hinblick auf die Rückfallgefahr,
welche insofern relativiert wird, als der Beschuldigte in der Vergangenheit bisher
durch keine effektive Gewaltanwendung auffällig geworden ist (vgl. vorstehend,
Erw. V. 2.4.1.), nicht verhältnismässig. Es ist eine ambulante Behandlung im Sin-
ne von Art. 63 StGB anzuordnen, zumal ein Behandlungsbedürfnis des Beschul-
digten zweifelsohne besteht und die Notwendigkeit einer ambulanten Massnahme
damit gegeben ist.
Der Beschuldigte erklärte sich im Rahmen der Begutachtung grundsätzlich bereit
zu einer stationären Massnahme (Urk. 8/33 S. 48). In der Befragung vor Vor-
instanz erklärte er, er wisse, dass ihm eine stationäre Massnahme helfen könnte.
Er stelle jedoch kein Gesuch um vorzeitigen Massnahmeantritt, da er den Ein-
druck habe, dass er damit faktisch zugebe, was ihm vorgeworfen werde (Prot. I
S. 30 f.). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus,
er wehre sich nicht generell gegen eine stationäre Massnahme. Wenn die Anord-
nung einer Massnahme aber eine Verurteilung voraussetze, dann komme dies
nicht infrage. Sollte er freigesprochen werden, werde er sich nach seiner Haftent-
lassung selbst in Behandlung begeben. Eine Massnahme im Sinne von Art. 59
StGB sei ihm nicht egal, überhaupt nicht, aber bei einer Verurteilung könne er ja
nichts dagegen machen (Prot. II S. 26 ff.). Es ist daher zwar davon auszugehen,
dass seitens des Beschuldigten grundsätzliche Massnahmewilligkeit vorliegt.
Die Gutachterin beurteilt seine Behandlungsbereitschaft aber krankheitsbedingt
als fragil und weist darauf hin, dass sie möglicherweise zurückgezogen werden
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könnte. Die Massnahme könne bei diesem Krankheitsbild aber auch ohne vorhe-
rige Zustimmung des Patienten erfolgsversprechend durchgeführt werden
(Urk. 8/33 S. 48). Wenn es zur Einleitung der ambulanten Behandlung gebo-
ten ist, kann diese stationär eingeleitet werden (Art. 63 Abs. 3 StGB). Das Ziel
der vorübergehenden stationären Behandlung muss immer die Herstellung der
therapeutischen Ansprechbarkeit des Betroffenen sein (Urteil des Bundesgerich-
tes 6B_1213/2013 vom 8. März 2017; HEER, in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER, Basler
Kommentar, Strafgesetzbuch I, a.a.O., N 78 zu Art. 63 StGB). Vorliegend ist die
stationäre Einleitung nicht nur erforderlich zur Herstellung der therapeutischen
Ansprechbarkeit des Beschuldigten, sondern darüber hinaus auch für die Einstel-
lung seiner medikamentösen Behandlung und die Organisation einer geeigneten
Wohnsituation, zumal er nach seiner Haftentlassung nicht in die bisherige Woh-
nung zusammen mit der Privatklägerin und dem gemeinsamen Sohn zurückkeh-
ren kann. Für die Dauer der Behandlung ist zudem eine Bewährungshilfe anzu-
ordnen (Art. 62 Abs. 2 zweiter Satz StGB).
3. Fazit
Entgegen den Schlussfolgerungen gemäss Gutachten, welche die Eignung einer
stationären Massnahme grundsätzlich darlegen, ist aus Verhältnismässigkeits-
gründen eine ambulante Behandlung des Beschuldigten mit stationärer Einleitung
im Sinne von Art. 63 Abs. 1 und 3 StGB (Behandlung psychischer Störungen) an-
zuordnen. Für die Dauer der Behandlung wird eine Bewährungshilfe angeordnet.
VI. Genugtuungsforderung
Der Beschuldigte beantragt die Zusprechung einer Genugtuung für die erstande-
ne Untersuchungs- und Sicherheitshaft (Urk. 75 S. 2 in Verbindung mit Urk. 56 S.
1 und S. 18; Urk. 88 S. 18 f.).
Da ein Schuldspruch ergeht, entfällt die Zusprechung einer Genugtuung gestützt
auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO.
Wie bereits die Vorinstanz zutreffend unter Hinweis auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung festgehalten hat (Urk. 66 S. 41), ist Untersuchungs- und Sicher-
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heitshaft an freiheitsentziehende Massnahmen gemäss Art. 56 ff. StGB anzu-
rechnen. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist Untersuchungs- und
Sicherheitshaft, welche während des Strafverfahrens, das zum Massnahmenent-
scheid führte, verbüsst wurde, auf eine ambulante Massnahme nach Art. 63 StGB
anzurechnen, soweit dieser im konkreten Einzelfall freiheitsentziehende Wirkung
zukommt. Eine Genugtuung kann diesbezüglich nur in Frage kommen, wenn sich
ex post zeigen sollte, dass das Gesamtmass des mit der ambulanten Behandlung
einhergehenden Freiheitsentzugs von der Dauer her im Einzelfall kürzer ist, als
die erstandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft (Urteil des Bundesgerichtes
6B_375/2018 vom 12. August 2019, E. 2.7 f.). Zwar kommt der ambulanten Be-
handlung durch die stationäre Einleitung freiheitsentziehende Wirkung zu, ge-
genwärtig steht aber noch nicht fest, zu welchem Gesamtmass an Freiheitsentzug
dies führen und wie lange die angeordnete ambulante Behandlung insgesamt an-
dauern wird. Entsprechende Feststellungen lassen sich erst nach Aufhebung oder
Beendigung der ambulanten Massnahme unter Berücksichtigung der konkreten
Ausgestaltung treffen, weshalb die Frage, ob Überhaft vorliegt, welche nach
Art. 431 Abs. 2 StPO zu entschädigen ist, im Rahmen eines selbständigen nach-
träglichen Verfahrens im Sinne von Art. 363 StPO nach Ablauf der ambulanten
Massnahme zu entscheiden sein wird (vgl. Urteil des Bundesgerichtes
6B_375/2018 vom 12. August 2019, E. 2.9). Zum jetzigen Zeitpunkt entfällt damit
ein Entschädigungsanspruch, und dem Beschuldigten ist derzeit keine Genugtu-
ung zuzusprechen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenregelung (Dispositiv-Ziffern 8 und
9 zweiter Absatz) zu bestätigen.
Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen
Verteidigung, sind dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428 StPO). Die Kosten
der amtlichen Verteidigung in der Höhe von Fr. 15'000.– (nach Berücksichtigung
der längeren – von der Verteidigung noch nicht einberechneten – Dauer der Beru-
fungsverhandlung; Urk. 89) sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen un-
ter Vorbehalt der Rückforderung gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO.
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