Decision ID: b32001c3-c7f2-51d6-b570-583afc0fbe0b
Year: 2019
Language: de
Court: FR_TC
Chamber: FR_TC_011
Canton: FR
Region: Espace_Mittelland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. A._, geboren im Jahr 1956, verheiratet, Vater von zwei volljährigen Kindern (Jahrgänge 1989 und 1991), wohnhaft in B._, ist ausgebildeter Bauschreiner mit  Fähigkeitsausweis. Seit dem Jahr 1983 arbeitete er als Küchenmonteur bei der C._ AG in B._.
Am 1. Juni 2006 meldete sich A._ bei der Invalidenversicherungsstelle des Kantons Freiburg (nachfolgend: IV-Stelle) zum Leistungsbezug (Umschulung; Hilfe bei der ) an. Zu seiner Gesundheitsbeeinträchtigung gab er an, aufgrund von Rückenbeschwerden (Diskopathie C5/6 mit beidseitiger Foramenstenose und Impingement der Wurzel C6) seit dem Jahr 2005 in Behandlung zu sein. Von Mitte Januar 2006 bis Mitte März 2006 sei er zu 100 Prozent arbeitsunfähig gewesen, seit Mitte März 2006 bestehe eine 50-prozentige .
Da dem Versicherten innerhalb seines Betriebs keine angepasste Tätigkeit angeboten werden konnte, wurden berufliche Massnahmen durchgeführt und der Versicherte vom 6. November 2006 bis 31. Oktober 2008 bei der Stiftung D._ zum Sachbearbeiter/AVOR-Mitarbeiter mit CAD- /CNC- und Verkaufs-Kenntnissen umgeschult. Im Anschluss an diese Umschulung fand der Versicherte per 1. Januar 2009 eine Anstellung als AVOR-Mitarbeiter bei der Schreinerei E._ AG in F._.
Mit Verfügung vom 19. Januar 2009 wurde das Mandat zur beruflichen Eingliederung .
B. Nachdem dem Versicherten die Stelle bei der Schreinerei E._ AG in F._ bereits wenige Monate später aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt worden war, meldete er sich am 23. Oktober 2009 erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug (Hilfe bei der ) an. Dieses Mandat konnte am 8. Februar 2010 abgeschlossen werden, nachdem der  eine neue Festanstellung bei der G._ gefunden hatte.
C. Am 26. bzw. 30. November 2018 meldete sich der Versicherte ein drittes Mal bei der  zum Leistungsbezug (berufliche Integration; Rente) an. Er gab an, aufgrund von  Problemen vom 17. Mai 2018 bis 15. August 2018 zu 100 Prozent und seit dem 16. August 2018 zu 50 Prozent arbeitsunfähig zu sein. Die Arbeitsunfähigkeit belegte er mit einem Arztzeugnis seiner Hausärztin, Dr. med. H._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, und diversen Arztzeugnissen des Freiburger Netzwerks für Psychische Gesundheit (FNPG).
Mit Vorentscheid vom 8. Januar 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, auf sein neues Leistungsbegehren nicht einzutreten. Dies mit folgender Begründung: Mit Verfügung vom 19. Januar 2009 sei sein Leistungsbegehren rechtskräftig abgewiesen worden. Eine erneute Prüfung sei deshalb nur möglich, wenn der Versicherte glaubhaft darlege, dass sich die  Verhältnisse nach diesem Datum in einer für den Anspruch erheblichen Weise verändert haben. Eine andere Beurteilung des unveränderten Sachverhalts sei nicht möglich.
Gegen diesen Vorentscheid erhob der Versicherte am 11. Februar 2019 schriftliche Einwände. Er machte geltend, sowohl sein physischer wie auch sein psychischer Gesundheitszustand hätten sich in den letzten zehn Jahren erheblich verschlechtert. Namentlich sei auch eine Pleuraplaques festgestellt worden, welche von der SUVA als Berufskrankheit anerkannt worden sei. Zur Begrün-
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dung seiner Einwände legte er weitere Arztzeugnisse des FNPG zu den Akten, welche eine seit dem 17. Mai 2018 anhaltende Arbeitsunfähigkeit bescheinigen (100 Prozent vom 17. Mai 2018 bis 15. August 2018, 50 Prozent vom 16. August 2018 bis 30. November 2018 und 100 Prozent vom 1. Dezember 2018 bis 28. Februar 2019). Ab wann wieder eine 100-prozentige Arbeitsfähigkeit bestehen werde, sei derzeit noch unbekannt. Die IV-Stelle werde ersucht, bei den behandelnden Ärztinnen, Dres. med. H._ (Hausärztin) und I._ (stellvertretende Oberärztin FNPG), entsprechende Arztberichte einzuholen.
Mit Verfügung vom 21. Februar 2019 bestätigte die IV-Stelle ihren Vorentscheid und trat auf das Leistungsbegehren des Versicherten nicht ein.
D. Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte mit Eingabe vom 27. März 2019 Beschwerde an das Kantonsgericht Freiburg. Er beantragt sinngemäss, es sei die Beschwerde gutzuheissen und die Angelegenheit an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie auf sein Leistungsbegehren eintrete. Zur Begründung der Beschwerde wird ausgeführt, es sei nicht ersichtlich und werde in der angefochtenen Verfügung auch nicht dargelegt, weshalb mit den eingereichten Unterlagen eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht glaubhaft gemacht worden sei. Zudem wird darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer wegen einer psychischen Dekompensation vom 5. bis 14. März 2019 im FNPG hospitalisiert gewesen sei und weiterhin eine 100-prozentige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Als Nachweis reichte der Beschwerdeführer weitere Arztzeugnisse des FNPG zu den Akten.
Der mit Verfügung vom 29. März 2019 auf CHF 400.- angesetzte Kostenvorschuss wurde am 10. April 2019 geleistet.
In ihrer Stellungnahme vom 3. Mai 2019 schliesst die Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde, weist aber darauf hin, dass mit den mit der Beschwerde eingereichten Arztzeugnissen ein  auf die Neuanmeldung „neu prüfbar“ wäre.
Ein zweiter Schriftenwechsel wurde nicht durchgeführt.

E. Die weiteren Elemente des Sachverhalts ergeben sich, soweit sie für die Urteilsfindung massgebend sind, aus den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen.
Erwägungen
1.
Die Beschwerde vom 27. März 2019 gegen die Verfügung vom 21. Februar 2019 ist durch den Beschwerdeführer frist- und formgerecht bei der sachlich und örtlich zuständigen  eingereicht worden. Der Beschwerdeführer hat ein schutzwürdiges Interesse daran, dass das Kantonsgericht, zweiter Sozialversicherungsgerichtshof, prüft, ob die Vorinstanz auf das neue Leistungsbegehren hätte eintreten und dieses materiell hätte prüfen müssen.
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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2.
Im Sinne von Art. 8 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), welches hier aufgrund von Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) zur  kommt, ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Gemäss Art. 4 Abs. 1 IVG kann Invalidität die Folge von , Krankheit oder Unfall sein.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Versicherte haben gemäss Art. 28 IVG Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 Prozent, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 Prozent, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 Prozent, oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 Prozent invalid sind.
3.
Vorliegend streitig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz auf das Leistungsbegehren des  vom 26. bzw. 30. November 2018 hätte eintreten und dieses materiell hätte prüfen müssen.
3.1. Vorab ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer die Vorinstanz erstmals mit  vom 26. bzw. 30. November 2018 um die Zusprache einer Rente ersucht hat. Dies  er am 1. Juni 2006 ein Gesuch um Umschulung bzw. Hilfe bei der Arbeitsvermittlung  und am 23. Oktober 2009 erneut ein Gesuch um Hilfe bei der Arbeitsvermittlung gestellt hatte.
Folglich fehlt es auch an einer rechtskräftigen Verfügung, welche – nach rechtskonformer , Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei  für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes) – den Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneinte (vgl. BGE 133 V 108 E. 5.3 und 5.4; 130 V 71 E. 3.2.3). So wurde mit der von der Vorinstanz angerufenen Verfügung vom 19. Januar 2009 weder eine Würdigung der medizinischen Akten noch ein Einkommensvergleich vorgenommen, sondern, weil nach erfolgreicher Umschulung zum AVOR-Mitarbeiter keine weiteren Massnahmen beruflicher Art notwendig waren, das Mandat zur beruflichen Eingliederung abgeschlossen.
Die von der Vorinstanz angerufene Bestimmung von Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201), welche vorsieht, dass, wenn eine Rente, eine Hilflosenentschädigung oder ein Assistenzbeitrag wegen eines zu geringen , wegen fehlender Hilflosigkeit oder weil aufgrund des zu geringen Hilfebedarfs kein Anspruch auf einen Assistenzbeitrag entsteht, verweigert worden war, glaubhaft zu machen ist, dass sich der Grad der Invalidität oder Hilflosigkeit oder die Höhe des invaliditätsbedingten Betreu-
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ungsaufwandes oder Hilfebedarfs der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat, kommt damit vorliegend nicht zur Anwendung.
Entsprechend ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit an die  zurückzuweisen, damit diese auf das Leistungsbegehren vom 26. bzw. 30. November 2018 eintritt und dieses materiell prüft.
3.2. Eine Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zur materiellen Prüfung des  rechtfertigt sich auch unter folgendem Aspekt:
Zum Zeitpunkt der von der Vorinstanz angerufenen Verfügung vom 19. Januar 2009 war der Beschwerdeführer in der Lage, vollzeitig zu arbeiten und ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen. Dies nachdem zuvor aus somatischen Gründen (Rückenprobleme) ab Mitte Januar 2006 vorübergehend eine Arbeitsunfähigkeit bestanden hatte und der Beschwerdeführer, da er seine bisherige Tätigkeit als Küchenmonteur nicht mehr ausüben konnte und ihm innerhalb seines Betriebs keine angepasste Tätigkeit angeboten werden konnte, umgeschult werden musste. Hinweise auf allfällige psychische Probleme, welche bereits zu diesem Zeitpunkt bestanden hätten, finden sich in den Akten nicht.
Als sich der Beschwerdeführer am 26. bzw. 30. November 2018 erneut bei der Vorinstanz zum Leistungsbezug anmeldete, berief er sich einerseits auf neu aufgetretene somatische  (Pleuraplaques), andererseits auf psychische Beschwerden, welche seit dem 17. Mai 2018 eine fachärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 100 Prozent begründen. Die  belegte er mit ärztlichen Zeugnissen seiner Hausärztin sowie seiner behandelnden Psychiaterin.
Unter diesen Umständen ist nicht nachvollziehbar, wie die Vorinstanz zum Schluss kommen kann, der Beschwerdeführer habe eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes nicht glaubhaft dargelegt. Auch wenn sich die vor der Vorinstanz zu den Akten gereichten Zeugnisse nur zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers äussern, nicht aber zu deren Ursache (Diagnose), und die Zeugnisse auch nicht weiter begründet sind, so ist offensichtlich, dass (neue) psychische Beschwerden aufgetreten sind, welche eine sowohl in ihrem Ausmass (50 bis 100 Prozent) als auch in ihrer Dauer (9 Monate bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung) doch bedeutende, von einer Fachärztin der Psychiatrie bestätigte Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben.
Bleibt darauf hinzuweisen, dass seit der letzten Verfügung vom 19. Januar 2009 über zehn Jahre verstrichen sind, weshalb an die Glaubhaftmachung einer massgeblichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes sowieso auch keine zu hohen Anforderungen gestellt werden dürfen (Urteil BGer 9C_616/2010 vom 12. Oktober 2010 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
3.3. Abschliessend ist die IV-Stelle noch auf Art. 3a ff IVG betreffend die Früherfassung , wonach durch die frühzeitige Erfassung von arbeitsunfähigen Versicherten bei diesen Personen – gegebenenfalls mit Hilfe von Massnahmen der Frühintervention (Art. 7d IVG) – der Eintritt einer Invalidität verhindert werden soll (Art. 3a Abs. 1 IVG).
4.
Die Beschwerde vom 27. März 2019 ist daher gutzuheissen und die angefochtene Verfügung vom 21. Februar 2019 aufzuheben. Die Angelegenheit ist an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie auf das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers vom 26. bzw. 30. November 2018 eintritt und dieses materiell prüft.
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5.
5.1. Es werden Gerichtskosten in der Höhe von CHF 400.- zu Lasten der Vorinstanz erhoben. Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss von CHF 400.- zurückerstattet.
5.2. Der Beschwerdeführer hat sich im vorliegenden Verfahren nicht anwaltlich vertreten lassen, weshalb auch kein Anspruch auf Parteientschädigung besteht.