Decision ID: 1bbdf270-49d2-4bee-ab14-0648114afaf4
Year: 2022
Language: de
Court: BS_SVG
Chamber: BS_SVG_001
Canton: BS
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: social_law

Tatsachen
I.
a) aa) Beschwerdeführer war bei der B_, [...], angestellt und in dieser Eigenschaft bei der SUVA gemäss dem Bundesgesetz vom 20. März 1981 über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) obligatorisch versichert.
Die Kreisärztin der SUVA hielt in ihrer Stellungnahme vom 8. November 2019 (beigezogene SUVA-Akte 14, sig. C_, Fachärztin Allgemeinchirurgie und Traumatologie) fest, es seien in allen Bildgebungen keine strukturellen Läsionen nachgewiesen. Es sei deshalb von einer Kontusion/Quetschung des Vorfusses auszugehen. Eine vor dem Unfall vom 24. September 2019 vorliegende Beeinträchtigung am linken Fuss wurde verneint. Die Abteilung Orthopädie und Traumatologie des D_spitals [...] (D_) erhob im Bericht vom 29. Oktober 2019 (SUVA-Akte 17) als Diagnose einen Status nach Quetschtrauma am linken Fuss am 25. September 2019. MR-radiologisch bestünden keine akuten Traumafolgen. Elektrophysiologisch bestehe eine mittelgradig ausgeprägte gemischte axonale Schädigung und eine Myelinscheidenschädigung des N. plantaris medialis sowie eine ausgeprägte partielle (der mediale Teil sei betroffen) axonale Schädigung des N. peroneus superficialis linksseitig. Die Beschwerden am linken Fuss dauerten an. Der Beschwerdeführer stand weiter in ärztlicher Behandlung (vgl. u.a. Bericht der Anästhesie/Schmerztherapie des D_ vom 29. November 2019, SUVA-Akte 89, sowie Verlaufsberichte der gleichen Stelle vom 7. Februar 2020, 13. März 2020, 12. Mai 2020, 20. Mai 2020, 11. Juni 2020, 19. Juni 2020, 28. Oktober 2020, 9. Dezember 2020, 16. Februar 2021, SUVA-Akten 92, 93, 95, 96, 76, 97, 130, 152, 166; vgl. ferner Bericht der E_ vom 6. April 2020, sig. F_, Chefarzt SUVA-Akte 68).
bb) Der Versicherte hielt sich vom 25. August 2020 bis 15. September 2020 in der G_klinik [...] (G_) auf (vgl. Austrittsbericht vom 17. September 2020, SUVA-Akte 123 sowie Aktennotiz vom 13. August 2020, SUVA-Akte 98). Aus "unfallkausaler Sicht" bejahte die G_ die Zumutbarkeit für eine ganztags ausgeübte Tätigkeit als Kanalreiniger bzw. für andere sehr schwere Arbeiten. Am 12. November 2020 erfolgte eine Abschlussbeurteilung durch die Kreisärztin (Bericht vom 13. November 2020, SUVA-Akte 134, sig. C_). Die Kreisärztin bejahte "ab sofort" sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine volle Arbeitsfähigkeit ohne Einschränkungen. Schmerztherapien (Analgetika und Verlaufskontrollen) könnten noch bis Ende Jahr übernommen werden. Zwischen dem Aufenthalt in der H_ und der Abschlussbeurteilung der Kreisärztin vom 12. November 2020 stand der Beschwerdeführer weiterhin in Behandlung sowohl bei der E_ (vgl. Bericht vom 6. Oktober 2020 zur Sprechstunde vom 3. April 2020, SUVA-Akte 68, sig. F_, vgl. auch Bericht der Orthopädieklinik am E_ vom 21. Oktober 2020, SUVA-Akte 129, sig. I_, Oberarzt Stv.) als auch bei der Anästhesie/Schmerztherapie des D_ (vgl. Verlaufsbericht vom 28. Oktober 2020, SUVA-Akte 130). Im Rahmen des Einspracheverfahrens (vgl. Empfehlung der Kreisärztin vom 26. März 2021, SUVA-Akte 173) verfasste das Kompetenzzentrum Versicherungsmedizin der SUVA am 17. Juni 2021 eine neurologische Beurteilung (sig. H_, Facharzt für Neurologie, SUVA-Akte 176).
cc) Mit Verfügung vom 20. November 2020 (SUVA-Akte 137) hob die SUVA die Ausrichtung der Taggelder mit Wirkung ab 20. Januar 2021 auf. Die Schmerztherapien (analgesici e controlli) würden noch bis Ende Dezember 2020 übernommen. Der Beschwerdeführer erhob hiergegen am 15. Februar 2021 Einsprache (SUVA-Akte 164, Einsprachebegründung vom 16. März 2021, SUVA-Akte 169). Mit Einspracheentscheid vom 9. August 2021 wies die SUVA die Einsprache ab (SUVA-Akte 179). Hiergegen erhob der Versicherte am 14. September 2021 beim Sozialversicherungsgericht Beschwerde (Verfahren UV 2021 30).
b) aa) Der Beschwerdeführer meldete sich am 17. Februar 2020 zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an (IV-Akte 4). Er gab an, seit dem 24. September 2019 an Fussproblemen zu leiden. Die Beschwerdegegnerin holte erwerbliche (vgl. u.a. Auszug aus dem individuellen Konto vom 27. Februar 2020, IV-Akte 9, Arbeitgeberauskunft vom 10. März 2020, IV-Akte 10) und medizinische (vgl. u.a. Arztbericht von J_, Facharzt Innere Medizin, Akupunktur, Naturheilkunde, vom 15. April 2020, IV-Akte 11, mit beigelegten weiteren Arztberichten) Unterlagen ein. Ferner zog sie die Akten des Versicherten bei der SUVA bei (vgl. IV-Akten 1*, 2*, 12*, 13*, 17*).
bb) Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) nahm am 21. Januar 2021 zur Arbeitsfähigkeit Stellung (IV-Akte 20, sig. E_, Ärztin). Der RAD attestierte ab 24. September 2019 eine Arbeitsfähigkeit von 0% und ab 15. September 2020 eine solche von 100% sowohl für angestammte als auch angepasste Tätigkeiten.
cc) Mit Vorbescheid vom 10. Februar 2021 (IV-Akte 23) kündigte die Beschwerdegegnerin die Ablehnung des Anspruchs auf Eingliederungsmassnahmen sowie auf eine Rente an. Sie verwies auf die gemäss den vorliegenden Unterlagen ausgewiesene Arbeitsfähigkeit in jeder Tätigkeit per 15. September 2020. Am 9. April 2021 erliess sie die dem Vorbescheid entsprechende Verfügung (IV-Akte 26).
II.
a) Mit Beschwerde vom 12. Mai 2021 beantragt der Versicherte die Aufhebung der Verfügung vom 9. April 2021 und die Rückweisung der Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Vorinstanz. Die Vorinstanz sei anzuweisen, Eingliederungsmassnahmen erneut zu prüfen. Eventualiter beantragt der Versicherte die Zusprache einer ganzen Invalidenrente. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wird um Kostenerlass ersucht.
b) Die Instruktionsrichterin bewilligt dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 12. Juli 2021 die unentgeltliche Prozessführung.
c) Mit Eingabe vom 9. August 2021 beantragt die Beschwerdegegnerin die Sistierung des Verfahrens bis zum rechtskräftigen Abschluss des SUVA-Verfahrens. In Anschluss daran sei der Beschwerdegegnerin Frist zur Einreichung einer einlässlichen Beschwerdeantwort anzusetzen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt die Beschwerdegegnerin zudem den Beizug der SUVA-Akten.
d) Die Instruktionsrichterin ordnet mit Verfügung vom 11. August 2021 den Beizug der SUVA-Akten des Beschwerdeführers an. Diese gehen am 23. August 2021 beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Basel-Stadt ein und werden den Parteien zur Einsichtnahme aufgelegt.
e) In Nachachtung der Verfügung der Instruktionsrichterin vom 26. August 2021 teilt der Beschwerdeführer am 17. September 2021 mit, dass er gegen den Einspracheentscheid der SUVA vom 9. August 2021 beim Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt Beschwerde erhoben habe.
f) Mit Verfügung vom 21. September 2021 ordnet die Instruktionsrichterin an, das vorliegende Beschwerdeverfahren werde zusammen mit dem Verfahren UV 2021 30 beurteilt.
g) Mit Beschwerdeantwort vom 18. Oktober 2021 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde.
h) Mit Replik vom 28. Januar 2022 beantragt der Beschwerdeführer die Sistierung des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bis zum Abschluss des unfallversicherungsrechtlichen Verfahrens UV 2021 30.
i) Mit Verfügung vom 1. Februar 2022 lehnt die Instruktionsrichterin den Sistierungsantrag des Beschwerdeführers mit Hinweis auf die Instruktionsverfügung vom 21. September 2021 ab.
j) Mit Duplik vom 23. Februar 2022 hält die Beschwerdegegnerin am Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest.
III.
Die Urteilsberatung der Kammer des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Basel-Stadt findet am 13. April 2022 statt.

Entscheidungsgründe
1.
1.1.
Das Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt ist als einzige kantonale Instanz zuständig zum Entscheid über die vorliegende Streitigkeit (§ 82 Abs. 1 des Gesetzes vom 3. Juni 2015 betreffend die Organisation der Gerichte und der Staatsanwaltschaft [Gerichtsorganisationsgesetz; GOG]; SG 154.100). Die örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ergibt sich aus Art. 69 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20).
1.2.
Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die rechtzeitig erhobene Beschwerde einzutreten.
2.
2.1.
Die Frühinterventionsphase wird (u.a.) beendet mit der Verfügung, dass weder Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen nach Art. 8 Abs. 3 lit. a
bis
und b IVG noch auf eine Rente besteht (Art. 1
septies
lit. c der Verordnung vom 17. Januar 1996 über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
Ihre Verfügung vom 9. April 2021 (IV-Akte 26) hat die Beschwerdegegnerin auf Art. 1
septies
lit. c IVV abgestützt.
Die Beschwerdegegnerin führt in ihrer Verfügung an, Frühinterventionsmassnahmen verfolgten den Zweck, den bisherigen Arbeitsplatz von arbeitsunfähigen Versicherten zu erhalten oder Versicherte an einem neuen Arbeitsplatz innerhalb oder ausserhalb des bisherigen Betriebes einzugliedern. Sinngemäss argumentiert die Beschwerdegegnerin, da ab 15. September 2020 eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe, fehle es an der Grundlage für Frühinterventionsmassnahmen.
Der Rentenanspruch wird mit der Verfügung vom 9. April 2021 unter mit Hinweis auf die Regelung in Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG verneint, wonach Versicherte Anspruch auf eine Rente haben, die u.a. während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) gewesen und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind. Ferner wird auf Art. 29 Abs. 1 IVG verwiesen. Danach entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG. Die Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ist eine materielle Anspruchsvoraussetzung für die Rentenberechtigung, diejenige nach Art. 29 Abs. 1 IVG ist eine solche verfahrensmässiger Natur (formelle Karenzfrist; BGE 142 V 547, 550 E. 3.2).
Der Beschwerdeführer hatte sich am 17. Februar 2020 zum Bezug von Leistungen angemeldet (IV-Akte 4). Die Beschwerdegegnerin begründet implizit den fehlenden Rentenanspruch damit, es habe mit Ablauf der Frist von 6 Monaten gemäss Art. 29 Abs. 1 ATSG eine nicht eingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestanden.
2.2.
Für ihre Annahme, es liege per 15. September 2020 eine volle Arbeitsfähigkeit für jegliche Tätigkeit vor, stützt sich die Beschwerdegegnerin auf die Stellungnahme des RAD vom 21. Januar 2021 (IV-Akte 20, sig. E_). Die Ärztin des RAD stützt ihre Einschätzung ihrerseits auf die in den Akten der SUVA enthaltenen medizinischen Unterlagen. Sie bezeichnet die Beurteilungen und Schlussfolgerungen der G_ (vgl. Austrittsbericht vom 17. September 2020 über den Aufenthalt vom 25. August 2020 bis 15. September 2020, SUVA-Akte 123) und die Abschlussbeurteilung der Kreisärztin der SUVA (vgl. Bericht vom 13. November 2020, SUVA-Akte 134) als plausibel und nachvollziehbar, dies "auch unter Einbezug der restlichen Aktenlage".
Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, der Austrittsbericht der G_ vom 17. September 2020 stelle keine beweisrechtlich taugliche Grundlage für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit dar (vgl. Beschwerde S.10 Ziff. 31, S. 20 Ziff. 64). Entsprechend hätten weder der RAD noch die Beschwerdegegnerin darauf bei Erlass ihrer Verfügung abstellen dürfen.
Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht gestützt auf die ihr vorliegenden Unterlagen den Anspruch auf Leistungen verneint hat. Entscheidwesentlich hierfür ist die Beantwortung der zeitgleich im Verfahren UV 2020 30 zu prüfenden Frage nach der Beweiskraft der von den anstaltsinternen Ärztinnen und Ärzten der SUVA verfassten Berichte. Hierauf ist in den nachstehenden Erw. 3 ff. einzugehen.
3.
3.1.
Mit ihrem Einspracheentscheid vom 9. August 2021 begründet die SUVA die Einstellung der Taggeldleistungen im Wesentlichen damit, dass zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung (20. Januar 2021) kein objektivierbarer unfallkausaler Befund und damit auch keine durch das Ereignis vom 24. September 2019 begründete Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr bestanden habe (vgl. Einspracheentscheid, IV-Akte 179 S. 9 lit. b).
3.2.
Für die Annahme der Arbeitsfähigkeit zum Zeitpunkt der Einstellung der Taggeldleistungen stützt sich die SUVA auf die Einschätzungen anstaltsinterner Ärztinnen und Ärzte ab. Die H_ (vgl. Austrittsbericht vom 17. September 2020, SUVA-Akte 123 sowie Aktennotiz vom 13. August 2020, SUVA-Akte 98) bejahte aus "unfallkausaler Sicht" die Zumutbarkeit für eine ganztags ausgeübte Tätigkeit als Kanalreiniger bzw. für andere sehr schwere Arbeiten. Am 12. November 2020 erfolgte eine Abschlussbeurteilung durch die Kreisärztin (Bericht vom 13. November 2020, SUVA-Akte 134, sig. G_). Die Kreisärztin bejahte "ab sofort" sowohl in der angestammten Tätigkeit wie auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine volle Arbeitsfähigkeit ohne Einschränkungen. Schmerztherapien (Analgetika und Verlaufskontrollen) könnten noch bis Ende Jahr übernommen werden.
Das Bundesgericht anerkennt nach ständiger Praxis den grundsätzlichen Beweiswert solcher versicherungsinterner Abklärungen. Jedoch kommt ihnen praxisgemäss nicht dieselbe hohe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebenen externen Gutachten zu (BGE 125 V 351, 352 E. 3a und BGE 125 V 351, 353 E. 3b/bb). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465, 469 f. E. 4.4).
Im Lichte der angeführten Praxis zum Beweiswert anstaltsinterner Arztberichte sind die für den Entscheid wesentlichen medizinischen Unterlagen nachfolgend zu würdigen.
4.
4.1.
Durch das Unfallereignis vom 24. September 2019 hatte der Beschwerdeführer zwar keine strukturellen Schäden am linken Fuss im Sinne von Weichteil-, Knochen- oder Bänderverletzungen erlitten. Einen Tag nach dem Unfallereignis hatte das D_, Interdisziplinäre Notfallstation, Ambulante Chirurgie, gemäss Austrittsbericht vom 26. September 2019 (SUVA-Akte 10) als Diagnose ein Quetschtrauma am Mittelfuss (Cuniforme I-III, Lisfranc, II-IV, MT I/II) links "nach Quetschtrauma" am 24. September 2019 erhoben. Die Abteilung Radiologie und Nuklearmedizin des D_, hielt in der Beurteilung nach CT am Sprunggelenk bzw. linken Fuss vom 25. September 2019 (SUVA-Akte 13) fest, es liege keine Fraktur des linken Fusses und des oberen Sprunggelenks vor. Auch die Abteilung Orthopädie und Traumatologie des D_ erhob im Bericht vom 29. Oktober 2019 (SUVA-Akte 17) als Diagnose einen Status nach Quetschtrauma am linken Fuss am 25. September 2019 (recte: 24. September 2019). MR-radiologisch bestünden aber keine akuten Traumafolgen.
Die Abteilung Orthopädie und Traumatologie des D_ erhob im Bericht vom 29. Oktober 2019 (SUVA-Akte 17) jedoch eine
Schädigung von Nerven
im Bereich des linken Fusses. Elektrophysiologisch bestehe eine mittelgradig ausgeprägte gemischte axonale Schädigung sowie eine Myelinscheidenschädigung des N. plantaris medialis und eine ausgeprägte partielle (der mediale Teil sei betroffen) axonale Schädigung des N. peroneus superficialis linksseitig.
4.2.
Die Beschwerden am linken Fuss dauerten an. Der Beschwerdeführer stand weiter in ärztlicher Behandlung (vgl. u.a. Bericht der Anästhesie/Schmerztherapie des D_ vom 29. November 2019, SUVA-Akte 89; vgl. die Verlaufsberichte der gleichen Stelle vom 7. Februar 2020, 13. März 2020, 12. Mai 2020, 20. Mai 2020, 19. Juni 2020, 28. Oktober 2020 [Bericht über die Konsultation vom 17. September 2020], SUVA-Akten 92, 93, 95, 96, 97, 130).
Kurz vor der Konsultation im D_ am 17. September 2020 hatte sich der Versicherte noch stationär (vom 25. August 2020 bis 15. September 2020) in der H_ aufgehalten (vgl. Austrittsbericht vom 17. September 2020, SUVA-Akte 123 sowie Aktennotiz vom 13. August 2020, SUVA-Akte 98). Aus "unfallkausaler Sicht" bejahte die H_ die Zumutbarkeit für eine ganztags ausgeübte Tätigkeit als Kanalreiniger bzw. für andere sehr schwere Arbeiten. Am 12. November 2020 erfolgte eine Abschlussbeurteilung durch die Kreisärztin (Bericht vom 13. November 2020, SUVA-Akte 134, G_). Die Kreisärztin bejahte "ab sofort" sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine volle Arbeitsfähigkeit ohne Einschränkungen. Schmerztherapien (Analgetika und Verlaufskontrollen) könnten noch bis Ende Jahr übernommen werden. Die Kreisärztin hielt mit Hinweis auf den Austrittsbericht der H_ fest, über ein Jahr nach dem Unfall finde sich kein objektivierbarer unfallkausaler Befund, der die beklagte ausgeprägte Beschwerdeproblematik des Versicherten erklären könnte. Der Versicherte habe während dem Aufenthalt in der H_ ein auffälliges Schmerz- und Leistungsverhalten auf der Verhaltensebene gezeigt. Ferner finde sich eine erhebliche Symptomausweitung. Der Versicherte habe sich im Rahmen der Abklärungen der G_ sehr schmerzfokussiert präsentiert und er habe sich nicht in der Lage gezeigt, einen besseren Umgang mit dem aktuellen Zustand zu erlernen. Er habe sich auch nicht als in der Lage gezeigt, den 4-Punktegang mit zwei Unterarmgehstöcken selbstständig anzuwenden. Der Versicherte habe eine inkonsistente Entlastung des linken Beines präsentiert. Er habe während den Therapien das linke Bein entlastet, belaste dieses jedoch beispielweise beim Treppabgehen.
Auf Empfehlung der Kreisärztin vom 26. März 2021 (SUVA-Akte 173) verfasste das Kompetenzzentrum Versicherungsmedizin der SUVA am 17. Juni 2021 vor dem Erlass des Einspracheentscheides vom 9. August 2021 eine neurologische Beurteilung (sig. J_, SUVA-Akte 176). J_ verneinte aus neurologischer Perspektive und abgestützt auf die im Heilverlauf dokumentierten Beschwerden und Befunde eine unfallkausale noch bestehende und überdauernde Läsion des peripheren Nervensystems. Er liess offen, ob zumindest vorübergehend unfallbedingte Beschwerden bei einer Läsion peripherer Nerven im Bereich des linken Vorfusses bestanden hätten. Das neurologische Fachgebiet betreffend könne eine unfallkausale Ursache der schmerzhaften Beschwerden des Versicherten nicht mehr mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit angenommen werden.
4.3.
Die Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte beschreiben demgegenüber, ausgehend von der angeführten Schädigung der Nerven im linken Mittelfuss, einen sich chronifizierenden Verlauf.
4.3.1. Das D_ hatte im Bericht vom 29. November 2019 (SUVA-Akte 89) chronische Schmerzen am linken Fuss mit/bei Status nach Quetschtrauma links am 24. September 2019, eine persistierende Dysästhesie Dig. I und II des linkens Fusses mit Verdacht auf eine Läsion des N. peronaeus superficialis diagnostiziert. Aufgrund einer MRI-Untersuchung vom 10. Oktober 2019 zeige sich eine unauffällige Darstellung des Rück- und Mittelfusses mit unauffälliger Sehnendarstellung, ohne Zeichen einer indirekten Nervenläsion. Aufgrund einer neurologischen (neurografischen) Untersuchung am 21. Oktober 2019 (vgl. Bericht der E_ vom 22. Oktober 2019, SUVA-Akte 23) erhob das D_ eine ausgeprägte axonale Schädigung des N. peroneus superficialis links, wobei die medialen Anteile betroffen seien. Die lateralen Anteile stellten sich normal dar. Darüber hinaus bestehe eine mittelgradige axonale und eine Myelinscheidenschädigung des N. plantaris medialis linksseitig, wobei dies die motorischen Anteile betreffe. Die sensiblen Anteile der N. plantaris medialis seien beidseits nicht sicher darstellbar. Zur Schmerzanamnese hatte der Bericht vom 29. November 2019 festgehalten, der Versicherte leide weiterhin an Schmerzen, welche sich vor allem am Fussrücken (Übergang Fussrücken in Schienbein) mit Ausstrahlung zum OSG medial und lateral manifestieren würden. Diese Schmerzen seien seit dem Unfall unverändert an Intensität und Qualität. Am ehesten beschreibe der Versicherte die Beschwerden als drückend sowie pulsierend. Gelegentlich habe er morgens einen elektrisch einschiessenden Schmerz in den Zehen 3-5, eine Hypästhesie wird für den 1. und 2. Zeh ventral und plantar angegeben. Seit knapp 2 Monaten habe er auch Schmerzen, welche vom Fuss aus das gesamte dorsale Bein bis zum Gesäss hoch strahlen würden. Diese Schmerzen würden sich teilweise auch tieflumbal manifestieren und würden vermehrt beim Gehen oder bei Belastung auftreten. Diese Schmerzen stünden aktuell aber nicht im Vordergrund. Im Verlaufsbericht vom 7. Februar 2020 (SUVA-Akte 92) hielt das D_ fest, die Symptomatik sei unverändert. In der Beurteilung notierte der Bericht nunmehr ein chronisches gemischt neuropathisch-nozizeptives Schmerzsyndrom.
4.3.2. Auch im Bericht vom 28. Oktober 2020 (SUVA-Akte 130) über die Verlaufskonsultation vom 17. September 2020 hielt das D_ fest, es liege im Bereich der linken Fussregion "eine weitgehend unveränderte Schmerzsituation" vor. Der Bericht weist auf eine Chronifizierung hin: Die Verlaufskonsultation diene der Festlegung des weiteren Procederes bei chronischem, invalidisierendem, gemischt nozizeptiv-/neuropathischem Schmerzsyndrom im Bereich des linken Fusses. Zum Procedere hielt der Bericht vom 28. Oktober 2020 u.a. fest, es erfolge ein erneuter Versuch einer diagnostisch-prognostischen Infiltration des N. peronaeus superficialis links während einer gesicherten morgendlichen Schmerzepisode. Der Bericht verweist darauf, dass die beiden bisherigen Infiltrationen des N. peronaeus superficialis vom 16. Januar 2020 und 14. April 2020 zwar keine relevante Schmerzreduktion erbracht hätten. Im Nachhinein habe sich jedoch gezeigt, dass diese Versuche nicht während den morgendlichen Schmerzexacerbationen erfolgt seien, sodass die klinische Aussagekraft bei zeitlich begrenzter Wirkdauer des verwendeten Lokalanästhetikums eventuell eingeschränkt gewesen sei.
Sodann sah der Bericht vom 28. Oktober 2020 einen Therapieversuch mit Qutenza vor, sobald die noch pendente, am 11. Juni 2020 beantragte Kostengutsprache der SUVA vorliege.
4.3.3. Mit Bericht der Anästhesie/Schmerztherapie des D_ vom 20. Dezember 2020 (SUVA-Akte 152) äussern sich die Behandler zum Austrittsbericht der H_ vom 17. September 2020. Nochmals wird die bereits gestellte Diagnostik bestätigt. Der Versicherte habe infolge des Unfallereignisses vom 24. September 2019 mit neurographisch nachgewiesenem Nervenschaden ein gemischt nozizeptiv-neuropathisches Schmerzsyndrom entwickelt.
Die aktuelle Symptomatik bzw. die damit einhergehenden körperlichen Einschränkungen seien aus schmerztherapeutischer Sicht im Rahmen des chronischen Schmerzsyndroms plausibel erklärt und nachvollziehbar. Zu erwähnen bleibe, dass die chronische Schmerzerkrankung gemäss den aktuellen international gültigen Richtlinien und Definitionen unter anderem gerade dadurch gekennzeichnet sei, dass oftmals eben kein somatisch eindeutig zu erklärender Befund vorliege. Die Pathologie sei vielmehr im Rahmen maladaptiver zentraler und peripherer Schmerzverarbeitungsprozesse mit konsekutiver Chronifizierung zu sehen (z.B. «zentrale Sensitivierung» bzw. «periphere Sensitivierung»). Auch das erwähnte Phänomen einer sekundären Schmerzausweitung sei in diesem Zusammenhang ein ebenfalls typischer Befund. Aus schmerztherapeutischer Sicht sieht das D_ aktuell den medizinischen Endzustand als noch nicht erreicht an, da sowohl die medikamentösen als auch die nicht-medikamentösen Therapieoptionen noch nicht ausgeschöpft seien. Der Bericht vom 20. Dezember 2020 verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass der Antrag auf einen Therapieversuch mittels Qutenza vom 11. Juni 2020 (SUVA-Akte 76) weiterhin bei der SUVA pendent sei. Dazu ist zu bemerken, dass die entsprechende Kostengutsprache vom 13. August 2020 infolge einer unpräzisen Adressierung bei der zuständigen Stelle des D_ erst am 13. Januar 2021 einging und die SUVA mit E-Mail vom 9. März 2020 (SUVA-Akte 168) nach erneutem Ersuchen des D_ (vgl. Schreiben vom 16. Februar 2021 (SUVA-Akte 167) mit Hinweis auf den Austrittsbericht der H_ vom 17. September 2020 (SUVA-Akte 123) die Übernahme der Therapie mit Qutenza "zum jetzigen Zeitpunkt" abgelehnt hatte.
Ferner verwies das D_ darauf, es sei der Effekt einer erst kürzlich eingeleiteten Lidocain-/Ketamin-Infusionstherapie abzuwarten. Der Versicherte sei mittlerweile auch offen für eine psychologisch/psychosomatische Mitbetreuung, sodass nun auch diesbezüglich eine schmerzfokussierte Therapie möglich sei.
5.
5.1.
Die Aktenlage präsentiert ein Bild sich widersprechender ärztlicher Beurteilungen. Die anstaltsinternen Ärzte (Kreisärztin, Ärzte der H_ sowie der Neurologe J_) verneinen ein noch bestehendes somatisches Substrat als auch die Diagnose neuropathischer Schmerzen für die vom Versicherten beklagten Schmerzen im linken Fuss und attestieren eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte berichten, der Versicherte habe infolge des Unfallereignisses vom 24. September 2019 mit neurographisch nachgewiesenem Nervenschaden ein gemischt nozizeptiv-neuropathisches Schmerzsyndrom entwickelt. Das D_ bezeichnet die von den anstaltsinternen Ärztinnen und Ärzten bejahte volle Arbeitsfähigkeit angesichts des vorliegenden Beschwerdebildes für "nicht realistisch" (vgl. Bericht vom 20. Dezember 2020, SUVA-Akte 152). Im Unfallschein trug das D_ ab Konsultationsdatum vom 25. September 2019 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ein (SUVA-Akte 156, letzter Eintrag: 12. Januar 2021). Der Hausarzt, K_, Facharzt Innere Medizin, Akupunktur, Naturheilkunde, Basel, attestiert ab 21. Januar 2021 bis und mit 31. Dezember 2021 eine Arbeitsunfähigkeit von 80% (Schreiben vom 17. November 2021, Beilage zur Eingabe des Beschwerdeführers vom 2. Dezember 2021).
5.2.
J_, der letztlich die Diagnose der neuropathischen Schmerzen ablehnte, verweist in seiner neurologischen Beurteilung vom 17. Juni 2021 (SUVA-Akte 176) auf Berichte der E_. Am 21. Oktober 2019, also knapp einen Monat nach dem Unfall, sei eine erste neurologische Untersuchung bei der E_ (Bericht der E_ vom 22. Oktober 2019, F_, Chefarzt, SUVA-Akte 23) erfolgt. Anamnestisch habe der Versicherte eine Hypästhesie im Bereich des medialen Anteils des Versorgungsgebietes Nervus peronaeus superficialis sowie im distalen Versorgungsgebiet Nervus plantaris medialis links angegeben. Zudem habe er Schmerzen im linken Fuss angegeben, ohne dass die Ausbreitung der Schmerzen im Bericht vom 22. Oktober 2019 neuroanatomisch näher eingegrenzt worden sei. In der elektrophysiologischen Diagnostik am 21. Oktober 2019 mit motorischer und sensibler Neurographie seien motorisch der Nervus peronaeus und der Nervus tibialis beidseits und sensibel der Nervus peronaeus superficialis medialis und lateralis bds. untersucht worden. Im Bericht sei eine verlängerte distal motorische Latenz N. tibialis links notiert worden. Der Nervus peronaeus superficialis medialis sensorisch links sei nicht ableitbar gewesen. Diagnostisch sei F_ von einer ausgeprägten axonalen Schädigung des Nervus peronaeus superficialis links und einer gemischt axonalen Schädigung und einer Myelonschädigung des Nervus plantaris medialis links ausgegangen. J_ bemerkt hierzu in seiner neurololgischen Beurteilung, abgestützt auf die mitgeteilten Befunde lasse sich diese diagnostische Einschätzung "nicht ohne Zweifel nachvollziehen". Es bleibe unklar, inwieweit technische Rahmenbedingungen einen Einfluss auf den elektrophysiologischen Befund gehabt hätten. Diagnostische Infiltrationen mit einem Lokalanästhetikum hätten die Lokalisation einer ursächlichen Läsion des Nervus peronaeus superficialis links nicht näher eingrenzen können. Diesen Befund einer axonalen Schädigung von Nervenbahnen hat jedoch die H_ ihrerseits in der somatischen Beurteilung ihres Austrittsberichts vom 17. September 2020 nicht in Frage gestellt (SUVA-Akte 123 S. 4).
J_ legt dar, F_ habe mit elektrophysiologischer Verlaufskontrolle vom 3. April 2020 eine gebesserte distal motorische Latenz N. tibialis links dokumentiert (Bericht der F_ vom 6. April 2020, SUVA-Akte 68), In der letzten neurophysiologischen Verlaufsuntersuchung vom 5. Oktober 2020 (Bericht der F_ vom 6. Oktober 2020, SUVA-Akte 113), also etwa ein Jahr nach dem Unfall, habe F_ schliesslich normale Befunde mit korrekter Seitenbenennung mitgeteilt. Trotz neurophysiologisch am 5. Oktober 2020 erhobener normaler Befunde habe der Versicherte jedoch weiterhin therapieresistente Beschwerden beklagt.
Die letzten von J_ angeführten Berichte der E_ vom 6. April 2020 sowie vom 6. Oktober 2020 könnten zwar ein Indiz für Besserung des Zustandes darstellen. Da J_ jedoch bereits die von der E_ mit Bericht vom 22. Oktober 2019 erhobenen Befunde aufgrund elektrophysiologischer Diagnostik anzweifelt, stellt H_ als einziger die ursprüngliche Diagnose für das gemischt nozizeptiv-neuropathische Schmerzsyndrom in Frage, ohne sich etwa mit K_ der F_ auszutauschen. Hinzuweisen ist auch darauf, dass die E_ mit Bericht vom 6. April 2020 in der klinisch-neurologischen Untersuchung Hypästhesien im Bereich des medialen Anteils des Vorsorgungsgebietes des N. peroneus superficialis und im distalen Versorgungsgebiet des N. plantaris medialis Sensibilitätsstörungen erhoben hat. Gemäss Bericht vom 6. Oktober 2020 fanden sich Hypästhesien und eine verminderte Schmerzwahrnehmung im Bereich des medialen Anteils des Versorgungsgebiet des N. peroneus superficialis, proximal bis auf Höhe des Grosszehengrundgelenks, darüber hinaus auch auf gleicher Höhe plantarseitig; die Zehen I und II seien betroffen. Dies weckt ebenfalls Zweifel an der Beurteilung der anstaltsinternen Ärztinnen und Ärzte, es bestehe keine neuropathische Schmerzproblematik.
5.3.
Das D_, Anästhesie/Schmerztherapie, hält in seinen Berichten demgegenüber durchgängig an der Diagnose eines chronischen, invalidisierenden gemischt nozizeptiv-/neuropathischen Schmerzsyndroms fest (vgl. Bericht vom 28. Oktober 2020, SUVA-Akte 130). Mit dem Adjektiv "nozizeptiv" wird die Beteiligung von Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) im Sinne eines somatischen Geschehens angesprochen. In dem mit "Kostengutsprachegesuch" betitelten Schreiben vom 20. Dezember 2021 führt das D_, Anästhesiologie (Beilage 1 zur Eingabe des Beschwerdeführers vom 12. März 2022, sig. I_), aus, die E_ (F_) bestätige mit Schreiben vom 4. November 2021 die Diagnose einer Sensibilitätsstörung am distalen medialen Versorgungsgebiet des Nervus peronaeus superficialis bei elektrophysiologisch normaler Peronaeus superficialis-Neurografie und normaler Tibialis-Neurografie. Zwar habe elektrophysiologisch eine L5-Radikulopathie auf der linken Seite ausgeschlossen werden können. Der neurologische Befund ist nach Einschätzung des D_ zwar günstig, weil keine motorische Läsion nachweisbar sei. Aufgrund der Evaluation sei jedoch auch klar, dass das vorhandene gemischt-nozizeptive-neuropathische Schmerzsyndrom
trotz
fehlendem elektrophysiologischem Nachweis neurologisch gesichert sei und damit auch die unfallbedingte Kausalität aufgezeigt werde. Die sensible Defizitsymptomatik sei fachärztlich bestätigt. Es bestehe eine klare Korrelation zum auslösenden Unfallereignis mit ambulanter konservativer und interventioneller Therapieresistenz. Das Schreiben vom 20. Dezember 2021 bildet somit einen zusätzlichen Hinweis darauf, dass der vom anstaltsinternen Neurologen J_ gezogene Schluss, es könne eine unfallkausale Ursache der schmerzhaften Beschwerden des Versicherten nicht mehr mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit angenommen werden, mit Zweifeln behaftet ist.
Der Bericht der Physiotherapie L_ vom 1. Juni 2021 (Beilage 2 zur Beschwerde) beschreibt aktuell eine fehlende Sensibilität an der Grosszehe sowie der zweiten Zehe. Es sei ein unrundes Gangbild zu verzeichnen, ein starkes Kraftdefizit im gesamten Bein und des Rumpfes. Es würden Unterarmgehstützen zur Entlastung des Fusses verwendet, wobei kürzere Strecken in Haushalt ohne Hilfe möglich, aber schmerzhaft seien. Abschliessend vermerkt der Bericht Muskeldysbalancen in Bein wie Rumpf. Dieses letzte Merkmal muskulärer Dysbalance (Schonzeichen) bildet ein zusätzliches Indiz für eine neurologische Problematik.
5.4.
Einer Telefonnotiz vom 25. August 2020 (SUVA-Akte 106) ist zu entnehmen, dass die H_, M_, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation (Rechtsunterzeichnender im Austrittsbericht der G_ vom 17. September 2020, SUVA-Akte 123 S. 5), schon im Anschluss an das Erstgespräch während des Rehabilitationsaufenthaltes festgehalten hatte, der Versicherte gehe noch an 2 Stöcken, was aus Sicht von M_ nicht nötig sei. Es werde nun versucht, den Versicherten an das Gehen ohne Stöcke zu gewöhnen, jedoch sei M_ "nicht sicher, ob das Weglassen der Stöcke wirklich erreicht werden kann". Sollte durch die Rehabilitation nach 3 Wochen keine wesentliche Verbesserung erzielt worden sein, werde M_ "die Reha abbrechen". Die H_ hat im Abschlussbericht vom 17. September 2020 (SUVA-Akte 123 S. 4) sodann festgehalten, der Versicherte habe ein auffälliges Schmerz- und Leistungsverhalten auf der Verhaltensebene sowie eine erhebliche Symptomausweitung gezeigt. Der abgegebene und retournierte Fragebogen zu Überzeugungen und Rehahindernissen zeige einen hohen Score an ungünstigen Überzeugungen. Die H_ interpretierte die Beschwerdeproblematik am ehesten im Rahmen der erheblichen Symptomausweitung. Die in der Telefonnotiz vom 25. August 2020 festgehaltenen Äusserungen von M_ legen nahe, dass die H_ bereits zu Beginn ihrer Abklärungen den Fokus auf die dann im Schlussbericht notierte Symptomausweitung gelegt hatte. Auch die Kreisärztin sowie der Neurologe J_ haben trotz der zahlreichen Hinweise der behandelnden Stellen keine weitergehenden neurologischen Abklärungen am Versicherten selbst dazu durchgeführt (beim kreisärztlichen Abschlussbericht vom 12. November 2020, SUVA-Akte 134 sowie dem Bericht des Neurologen J_ vom 17. Juni 2021, SUVA-Akte 176 handelt es sich um Aktenbeurteilungen), ob die vom Beschwerdeführer beklagten Schmerzempfindungen nach wie vor auf einer neurologisch-klinischen Grundlage beruhen.
Dies wird die SUVA nachzuholen haben im Rahmen einer neutralen Begutachtung des Beschwerdeführers durch eine Fachärztin oder einen Facharzt der Neurologie. Im Rahmen dieser neurologischen Begutachtung wird die Schmerzproblematik rund um die betroffenen Nerven umfassend abzuklären sein, auch wird der Beizug weiterer Disziplinen sowie die Rücksprache mit den involvierten Schmerztherapeuten zu prüfen sein.
6.
6.1.
Zusammenfassend bestehen gemäss dem heutigen Urteil im Verfahren UV 2020 30 nicht überwindliche Zweifel an der Schlüssigkeit der Beurteilungen der anstaltsinternen Ärztinnen und Ärzte der SUVA hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit. Damit stützt sich nicht nur der Einspracheentscheid der SUVA vom 9. August 2021, sondern auch die vorliegend angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 9. April 2021 auf einen medizinisch nicht ausreichend abgeklärten medizinischen Sachverhalt.
Daraus folgt, dass die Verfügung vom 9. April 2021 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung zurückzuweisen ist.
6.2.
Zum weiteren Vorgehen nach der Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin ist das Folgende zu bemerken.
Mit Bericht der Anästhesie/Schmerztherapie des D_ vom 20. Dezember 2020 (SUVA-Akte 152) äussern sich die Behandler zum Austrittsbericht der G_ vom 17. September 2020. Der Versicherte habe infolge des Unfallereignisses vom 24. September 2019 mit neurographisch nachgewiesenem Nervenschaden ein gemischt nozizeptivneuropathisches Schmerzsyndrom entwickelt. Die aktuelle Symptomatik bzw. die damit einhergehenden körperlichen Einschränkungen seien aus schmerztherapeutischer Sicht im Rahmen des chronischen Schmerzsyndroms plausibel erklärt und nachvollziehbar. Zu erwähnen bleibe, dass die chronische Schmerzerkrankung gemäss den aktuellen international gültigen Richtlinien und Definitionen unter anderem gerade dadurch gekennzeichnet sei, dass oftmals eben kein somatisch eindeutig erklärender Befund vorliege. Die Pathologie sei vielmehr im Rahmen maladaptiver zentraler und peripherer Schmerzverarbeitungsprozesse mit konsekutiver Chronifizierung zu sehen (z.B. «zentrale Sensitivierung» bzw. «periphere Sensitivierung»). Auch das erwähnte Phänomen einer sekundären Schmerzausweitung sei in diesem Zusammenhang ein ebenfalls typischer Befund.
Das D_ spricht sich zwar gemäss seinem Bericht vom 20. Dezember 2020 einerseits für einen ursprünglich durch den Unfall bedingten somatischen Nervenschaden aus. Wie weit sich die neuropathischen Beschwerden erhärten lassen, wird durch das von der SUVA zu veranlassende neurologische Gutachten zu evaluieren sein, das die Problematik umfassend abzuklären und zu beurteilen hat.
Der Bericht vom 20. Dezember 2020 weist aber auch auf ein mögliches psychisches Geschehen im Sinne eines chronischen Schmerzsyndroms hin, das seinerseits der fachgutachterlichen Abklärung bedarf. Der Beschwerdegegnerin bleibt es überlassen, ob und wann sie eine psychiatrische Expertise anordnet. Sofern sich diese weitergehende, von der Beschwerdegegnerin zu veranlassende Begutachtung über zwei oder mehr Disziplinen erstreckt, wird die Beschwerdegegnerin die Konsensbeurteilung unter Einbezug aller involvierten Fachrichtungen sicherzustellen haben.
7.
7.1.
Zusammenfassend ist die Verfügung vom 9. April 2021 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.2.
Entsprechend dem Verfahrensausgang hat die Beschwerdegegnerin die ordentlichen Kosten, bestehend aus einer Gebühr von CHF 800.-- zu tragen (Art. 69 Abs.1
bis
IVG).