Decision ID: 0424897b-6129-58f2-b6ea-70c6f04e2cda
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 21. November 2019 stellte A._ (geb. [...] 1979; fortan: Be-
schwerdeführer) bei der Schweizerischen Vertretung in Beirut ein Gesuch
um Erteilung eines nationalen Visums unbestimmter Dauer aus humanitä-
ren Gründen zur Vereinigung mit seiner Familie (Akten der Vorinstanz [vi-
act.] 2/33 ff.). Er wurde am gleichen Tag durch die Vertretung in Beirut zu
seinem Gesuch angehört. Er gab eine Wohnadresse in D._ an und
nannte als künftige Aufenthaltsadresse die seiner Ehefrau in der Schweiz.
Er dokumentierte die Vertretung mit einem mehrseitigen Memorandum
«Zusammenfassung meiner Situation» (vi-act 2/29 ff. resp. 1/4 ff.). Mit For-
mularverfügung vom 29. November 2019 wies die Vorinstanz das Gesuch
ab unter Angabe der Begründungen, «you are staying in a safe third coun-
try» und «you are not in imminent and serious danger of bodily harm in
your country of origin or in your country of residence» (vi-act. 1/6 f.).
B.
Der Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Peter Frei, erhob am
10. Dezember 2019 vorsorgliche Einsprache beim Staatssekretariat für
Migration (SEM, Vorinstanz) gegen diese Verfügung; er beantragte Akten-
einsicht und die Einräumung einer Frist zur Ergänzung der Einsprache.
C.
Mit Zwischenverfügung vom 20. Dezember 2019 gewährte die Vorinstanz
die beantragte Akteneinsicht – unter Berufung auf deren internen Charak-
ter mit Ausnahme der Aktenstücke 2/18-24 –, verfügte eine Frist zur Be-
zahlung eines Kostenvorschusses sowie zur Einreichung der
Einspracheergänzung. Die Vorinstanz teilte mit, nach summarischer Prü-
fung dürften weder die Voraussetzungen für ein erleichtertes Visum für Fa-
milienangehörige, noch für ein humanitäres Visum noch für ein ordentli-
ches Visum erfüllt sein.
D.
Am 17. Januar 2020 ergänzte der Beschwerdeführer die Einsprache. Er
stellte klar, das Gesuch ziele auf die Erteilung eines humanitären Visums
ab. In sachverhaltlicher Hinsicht verwies er auf das genannte Memoran-
dum und die Asylakten seiner Gattin. Er wies darauf hin, dass er sich ent-
gegen der Annahme der Vorinstanz nicht in einem sicheren Drittstaat auf-
halte, sondern nach Gesuchstellung unverzüglich und in Befolgung der
libanesischen Migrationsgesetzgebung zurück nach Syrien begeben habe.
Er halte sich in einem von der kurdischen PYD kontrollierten Quartier von
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D._ auf. Der Aufenthalt sei prekär, nur die fehlende Kontrolle durch
das Regime habe den Beschwerdeführer vor Verhaftung, Einzug ins Militär
oder Strafen bewahrt. Zum längeren Aufenthalt im Rebellengebiet von Idlib
sei zu bemerken, dass die Familie zwischen die Fronten geraten sei. Der
Beschwerdeführer sei am (...) 2019 für ein Jahr verhaftet und sodann am-
nestiert gewesen. Die Ehefrau sei nachrichtenlos gewesen, habe dem
Druck als alleinerziehende Mutter von vier kleinen, teils kranken Kindern
nicht standgehalten, sei mittels eines humanitären Visums in die Schweiz
gelangt. Sie sei mit ihren Kindern vorläufig aufgenommen worden, gleich-
ermassen (Angaben zur Aufenthaltsorten und -Status naher Verwandter).
Letztere Nationen stellten angesichts der familiären und emotionalen Nähe
zur Kernfamilie keine Fluchtalternative dar. Der Beschwerdeführer sei ar-
beitsfähig und gesund; die in der Schweiz lebenden Angehörigen hätten
erhebliche Integrationsbemühungen, insbesondere Bildungsanstrengun-
gen, unternommen und seien teils in den Arbeitsmarkt integriert, entspre-
chende Unterstützung für den Beschwerdeführer sei somit gegeben. Die
verwandtschaftliche Nähe zu den asylberechtigten, in der syrischen Oppo-
sition aktiven Schwagern berge das Risiko einer Reflexverfolgung in sich,
ferner bestehe die Möglichkeit, der Beschwerdeführer werde wegen des
Militärdienstes inhaftiert.
E.
Mit Einspracheentscheid vom 24. Februar 2020 wies das SEM die Einspra-
che ab und auferlegte dem Beschwerdeführer die Verfahrenskosten (vi-act.
6/61 ff.; Beschwerdebeilage 1, angefochtener Entscheid).
F.
Mit Eingabe vom 11. März 2020 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde
gegen diesen Einspracheentscheid. Er beantragte, dieser sei aufzuheben
und die Vorinstanz anzuweisen, ihm ein humanitäres Visum zur Einreise in
die Schweiz zu erteilen. Aus der Begründung der Beschwerde ergibt sich,
dass der Beschwerdeführer zumindest für den Eventualfall eine Rückwei-
sung an die Vorinstanz als geboten erachtete (Beschwerde, Ziff. 8.1, S. 7).
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die unentgeltliche Prozess-
führung und die Beiordnung von Rechtsanwalt Peter Frei als unentgeltli-
chem Rechtsbeistand. Mit Schreiben vom 21. April 2020 reichte Rechtsan-
walt Peter Frei seine Honorarnote zu den Akten.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 5. Juni 2020 wies der Instruktionsrichter das
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Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung ab.
Der folglich eingeforderte Gerichtskostenvorschuss wurde einbezahlt.
H.
In ihrer Vernehmlassung vom 17. August 2020 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde.
I.
Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom 19. September 2020 an den
gestellten Anträgen fest. Er ersuchte um Mitteilung der Zusammensetzung
des Spruchgremiums.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 24. September 2020 teilte der Instruktionsrich-
ter dem Rechtsvertreter die Zusammensetzung des Spruchgremiums mit,
unter Hinweis darauf, dass das Gremium nach dem Zufallsprinzip zusam-
mengesetzt worden sei und künftige Änderungen vorbehalten blieben.
K.
Die Replik des Beschwerdeführers wurde der Vorinstanz am 21. Dezember
2020 zur freigestellten Stellungnahme zugestellt. Sie liess sich nicht weiter
vernehmen.
L.
Eine Sachstandsanfrage des Beschwerdeführers vom 11. März 2021
wurde am 17. März 2021 beantwortet; gleichzeitig wurde eine Änderung
des Spruchgremiums (konkret des Gerichtsschreibers) mitgeteilt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden gegen
Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer in Art. 33 VGG aufge-
führten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen u.a. Verfügungen des
SEM, die im Einspracheverfahren gegen die Verweigerung eines nationa-
len Visums aus humanitären Gründen ergehen. In dieser Materie entschei-
det das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
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1.2 Als Adressat der Verfügung und unterliegender Einsprecher hat der Be-
schwerdeführer ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Änderung; er ist zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die
Beschwerde erfolgte frist- und formgerecht, der Gerichtskostenvorschuss
wurde fristgerecht bezahlt (vgl. Art. 50, Art. 52 Abs. 1 und Art. 63 Abs. 4
VwVG).
1.3 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.4 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – sofern, wie vorliegend, nicht eine kantonale
Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit ge-
rügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im
Beschwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge-
mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht gebun-
den und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemach-
ten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die
Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (BVGE 2014/1 E. 2).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung seines Gehörsanspruchs.
Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen (statt Vieler: Urteil des BGer
2C_257/2018, 2C_308/2018 vom 11. November 2019 E. 2 Ingress m.w.H.).
3.1.1 Der Beschwerdeführer nimmt Bezug auf die Feststellung der Vo-
rinstanz im angefochtenen Entscheid, der Beschwerdeführer sei nach der
Einreichung seines Gesuchs in Beirut nach Syrien zurückgekehrt, «[d]ies
nachdem er dort nicht hätte verbleiben dürfen. Nach unseren Erkenntnis-
sen werden syrische Flüchtlinge [...] dort jedoch geduldet und müssen
keine Angst vor einer zwangsweisen Rückführung nach Syrien haben».
Diese Feststellung stellt der Beschwerdeführer einerseits materiell in Frage
(Beschwerde Ziff. 8.1, S. 9; dazu E. 6.1) anderseits rügt er, diese Erkennt-
nisse würden amtsintern gehalten, nicht belegt und zudem im angefochte-
nen Entscheid erstmals erwähnt.
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3.1.2 Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung dazu fest, das Recht auf
vorgängige Anhörung gebiete nicht, dass sich die Parteien zu jedem mög-
lichen Ergebnis oder einem Entwurf eines Entscheides müssten äussern
können; es beziehe sich primär auf die Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und des Beweisergebnisses – die Behörde sei nicht verpflich-
tet, die angedachte Sachverhalts- oder rechtliche Würdigung zur Stellung-
nahme mitzuteilen. Es bestehe auch kein Anspruch auf mehrmalige Äusse-
rung; es könne nach Treu und Glauben erwartet werden, dass ein Einspre-
cher in der Einsprache die ihm wesentlich erscheinenden Aspekte auf-
zeige. Es bestehe insbesondere kein Anspruch auf mehrmalige Äusse-
rung, wenn sich eine bestimmte Sachverhaltsfrage immer wieder unverän-
dert stelle. Vorliegend gehe es nicht um ein Sachverhaltselement oder ein
Beweisergebnis, das hätte zur Kenntnis gebracht werden müssen. Die Vo-
rinstanz stehe in regelmässigem Austausch mit den Vertretungen und habe
die so gewonnenen Erkenntnisse in die Beurteilung der dem Beschwerde-
führer allenfalls drohenden Gefahr einfliessen lassen. Es gehe um die Wür-
digung des Sachverhalts, die nicht vorgängig mitgeteilt werden müsse. Oh-
nehin habe sich der Beschwerdeführer im Einspracheverfahren äussern
können; am 20 Dezember 2019 sei ihm nach summarischer Prüfung mit-
geteilt worden, dass u.a. wegen des Aufenthaltes in einem sicheren Dritt-
staat die Voraussetzungen für die Erteilung eines humanitären Visums
nicht erfüllt sein dürften. Der Beschwerdeführer habe dazu Stellung ge-
nommen und die Vorinstanz habe den Sachverhalt gestützt auf ihre Kennt-
nisse gewürdigt, die im Übrigen der gängigen Praxis sowohl des SEM wie
auch des Bundesverwaltungsgerichts engsprächen. Das SEM legte mit der
Vernehmlassung ein aktuelles Consulting vom 28. Juli 2020 vor.
3.1.3 Der Beschwerdeführer betont in der Replik, die Annahme, er hätte
nicht nach Syrien zurückkehren müssen, sondern wäre im Libanon als
Flüchtling geduldet worden, sei ein wesentliches Sachverhaltsmerkmal –
und nicht nur eine Würdigung des Sachverhalts – und erstmals im ange-
fochtenen Entscheid angeführt worden.
3.2 Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits
stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines
Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift.
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass ei-
nes solchen Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizu-
bringen und Einsicht in die Akten zu nehmen. Der Anspruch auf rechtliches
Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei
einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam
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zur Geltung bringen kann. Voraussetzung des Äusserungsrechts sind ge-
nügende Kenntnisse über den Verfahrensverlauf, was auf das Recht hin-
ausläuft, in geeigneter Weise über die entscheidwesentlichen Vorgänge
und Grundlagen vorweg orientiert zu werden. Wie weit dieses Recht geht,
lässt sich nicht generell, sondern nur unter Würdigung der konkreten Um-
stände beurteilen. Entscheidend ist, ob dem Betroffenen ermöglicht wurde,
seinen Standpunkt wirksam zur Geltung zu bringen (statt Vieler BGE 144 I
11 E. 5.3, 140 I 99 E. 3.4 je m.w.H.).
Der Anspruch auf rechtliches Gehör bezieht sich grundsätzlich auf den
rechtserheblichen Sachverhalt. Bezüglich Fragen der rechtlichen Beurtei-
lung und Würdigung von Tatsachen hat die Behörde nur dann das rechtli-
che Gehör einzuräumen, wenn sie beabsichtigt, sich in ihrem Entscheid
auf einen völlig unüblichen oder neuen und deshalb nicht vorhersehbaren
Rechtsgrund abzustützen; zu einer Rechtsanwendung, mit der aufgrund
der veröffentlichten Rechtsprechung zu rechnen ist, besteht kein Anspruch
auf vorgängige Anhörung (BGE 140 III 231 E. 3.5 Abs. 3, 145 I 167 E 4.1;
SUTTER, in: Auer/Müller/Schindler (Hrsg.), Kommentar zum Bundesgesetz
über das Verwaltungsverfahren (VwVG), 2019, Rz. 12 zu Art. 29 VwVG;
vgl. auch WALDMANN/BICKEL, in: Waldmann/Weissenberger (Hrsg.), Pra-
xiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Rz. 74 zu Art. 29 VwVG).
3.3 Die Schweizerische Vertretung in Beirut wies das Visumsgesuch des
Beschwerdeführers unter anderem auch mit der Begründung ab, er befinde
sich in einem sicheren Drittstaat. Die Vorinstanz bekräftigte in ihrer Zwi-
schenverfügung vom 20. Dezember 2019, dass nach summarischer Prü-
fung von einem Aufenthalt in einem sicheren Drittstaat auszugehen sein
dürfte. Der Beschwerdeführer hielt dem in der Einsprache-Ergänzung vom
17. Januar 2020 einzig entgegen, dass er sich – in Nachachtung der liba-
nesischen Migrationsgesetzgebung – zurück nach D._ begeben
habe (was er mit einer aktuellen Wohnsitzbescheinigung belegte). Gleich-
zeitig ist aber feststehende Rechtsprechung, dass bei Aufenthalt in einem
sicheren Drittstaat und bei Rückkehr aus demselben und bestehender
Möglichkeit der Wiederausreise in diesen in der Regel eine bestehende
Gefährdung zu verneinen ist (nachstehende E. 4.2); es bestand im Zeit-
punkt der Einsprache dabei auch eine Praxis des Bundessverwaltungsge-
richts zur Situation syrischer Flüchtlinge in sicheren Nachbar- respektive
Drittstaaten (vgl. bspw. die Urteile des BVGer F-1162/2018 vom 22. Feb-
ruar 2019 E. 6.3 und F-662/2018 vom 11. Juni 2019 E. 4.4 bei Rückkehr
aus dem Libanon; F-6332/2018 vom 21. Mai 2019 E. 4.2 bei Aufenthalt im
Libanon, F-1568/2019 vom 30. September 2019 E. 4 bei Aufenthalt in der
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Türkei), die durchaus auch aktuelle Entwicklungen in der Migrationsrechts-
praxis des Libanon abbildet (Urteil F-6724/2018 vom 14. Oktober 2019
E. 5.2 m.w.H.). Es ist nicht Aufgabe der Vorinstanz, auch nicht, wenn sie
eine erste summarische Beurteilung abgibt, anwaltlich vertretene Einspre-
cher auf eine bestehende, publizierte Praxis hinzuweisen und explizit zur
Stellungnahme dazu aufzufordern.
3.4 Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs geht damit fehl.
4.
4.1 Als Staatsangehöriger Syriens unterliegt der Gesuchsteller für die Ein-
reise in die Schweiz der Visumspflicht. Der Gesuchsteller stellte mit der
Einspracheergänzung vom 17. Januar 2020 fest, es gehe ihm um die Er-
teilung eines humanitären Visums. Es ist deshalb nicht die Erteilung eines
Schengen-Visums auf der Grundlage der entsprechenden Übereinkom-
men zu prüfen (was die Vorinstanz subsidiär gleichwohl tat, vgl. E. 6.6),
sondern es gelangt mit Art. 4 der Verordnung vom 15. August 2018 über
die Einreise und die Visumserteilung (VEV, SR 142.204) ausschliesslich
nationales Recht zur Anwendung.
4.2 In Art. 4 Abs. 2 VEV wird festgehalten, dass ein Visum für einen länger-
fristigen Aufenthalt erteilt werden kann, wenn humanitäre Gründe dies ge-
bieten. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betreffende Person
im Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und Leben ge-
fährdet ist. Demnach kann ein nationales Visum aus humanitären Gründen
erteilt werden, wenn bei einer gesuchstellenden Person aufgrund individu-
ell-konkreter Umstände davon ausgegangen werden muss, dass sie sich
im Heimat- oder Herkunftsstaat in einer besonderen Notsituation befindet,
die ein behördliches Eingreifen zwingend notwendig macht. Dies kann
etwa bei akuten kriegerischen Ereignissen oder aufgrund einer konkreten
individuellen Gefährdung, die die betroffene Person mehr als andere be-
trifft, gegeben sein. Befindet sich die gesuchstellende Person bereits in ei-
nem Drittstaat oder ist sie nach einem Aufenthalt in einem solchen freiwillig
in ihr Heimat- oder Herkunftsland zurückgekehrt und hat sie die Möglich-
keit, sich erneut in den Drittstaat zu begeben, ist in der Regel davon aus-
zugehen, dass keine Gefährdung mehr besteht (vgl. dazu BVGE 2018
VII/5 E. 3.6.3; F-4658/2017 vom 7. Dezember 2018 E. 3.2 m.w.H.).
4.3 Das Visumgesuch ist unter Berücksichtigung der aktuellen Gefähr-
dung, der persönlichen Verhältnisse der betroffenen Person und der Lage
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im Heimat- oder Herkunftsstaat zu prüfen. Dabei können auch weitere Kri-
terien wie das Bestehen von Bindungen zur Schweiz und die hier beste-
henden Integrationsaussichten oder die Unmöglichkeit, in einem anderen
Land um Schutz nachzusuchen, mitberücksichtigt werden (vgl. BVGE 2018
VII/5 E. 3.6.3; F-7298/2016 E. 4.2 am Ende; vgl. ferner BVGE 2015/5
E. 4.1.3; je m.H.).
4.4 Das Institut des humanitären Visums hat massgeblich an Bedeutung
gewonnen, nachdem mit der dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom
28. September 2012 (AS 2012 5359) zum 29. September 2012 die Mög-
lichkeit aufgehoben wurde, bei einer Schweizer Auslandsvertretung ein
Asylgesuch einzureichen. Der Bundesrat hielt in diesem Zusammenhang
in seiner Botschaft vom 26. Mai 2010 zur Änderung des Asylgesetzes unter
Hinweis auf die Wahrung der humanitären Tradition der Schweiz ausdrück-
lich fest, dass auch in Zukunft offensichtlich unmittelbar, ernsthaft und kon-
kret gefährdete Personen den Schutz der Schweiz erhalten sollen; dies un-
ter explizitem Verweis auf die bestehende Möglichkeit, um ein Visum "aus
humanitären Gründen" zu ersuchen (vgl. BBl 2010 4455). Dabei sollte die
Bewilligung eines Visums aus humanitären Gründen an restriktivere Vo-
raussetzungen als die im Falle der Auslandsgesuche entwickelten zu knüp-
fen sein (vgl. BBl a.a.O., 4468, 4490, und 4520). Die in diesem Zusammen-
hang gewählte Formulierung der unmittelbaren, ernsthaften und konkreten
Gefahr im Herkunfts- oder Heimatstaat für Leib und Leben, wie sie auch in
Art. 3 AsylG verwendet wird, lässt vermuten, dass das Merkmal der "indi-
viduellen Gefährdung" sich – wie im Falle des Auslandsasylverfahrens –
an der Definition der Schutzbedürftigkeit im Sinne von Art. 3 AsylG orien-
tiert und mithin insbesondere Personen umfassen soll, welche in ihrem Hei-
matstaat wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer
bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen
ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind. Aber auch akute kriegerische Er-
eignisse wurden als Grund für eine Visumserteilung aus humanitären
Gründen genannt. Die angestrebten Restriktionen dürften sich dabei dar-
aus ergeben, dass ernsthafte Nachteile in Bezug auf die Freiheit oder die
einen unerträglichen psychischen Druck bewirken, nicht aufgeführt wer-
den. Ebenso lässt die Formulierung, dass von einer entsprechenden Ge-
fährdung «offensichtlich» ausgegangen werden müsse, den Schluss zu,
dass das Beweismass anzuheben ist (vgl. Urteile des BVGer D-3367/2013
vom 12. Mai 2014 E. 4.2, 4.4 m.w.H; E-5105/2014 vom 13. Oktober 2014
E. 3.4).
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5.
5.1 Die Vorinstanz resümierte im angefochtenen Entscheid die im einge-
reichten Memorandum dargestellte Situation: Der Beschwerdeführer sei
ein 40-jähriger, gesunder arbeitsfähiger Mann, der sich in D._ auf-
halte. Mit der Gattin habe er in B._ (Provinz C._) gelebt. Der
Ehe seien vier Kinder (Jg. [...]) entsprossen. Er sei in der PYD aktiv res-
pektive für sie als Fahrer tätig gewesen. Nach einem radikal-islamistischen
Angriff sei die Familie nach C._ geflüchtet; nachdem die radikal-
islamistische Gruppe die ganze Region kontrolliert habe, seien sie nach
B._ zurückgekehrt, in das zwischenzeitlich zerstörte Haus. Der Be-
schwerdeführer habe die Familie als Taxifahrer respektive durch die Vor-
nahme von Transporten ernähren können. Bei einer Fahrt sei er angehal-
ten, kontrolliert und unter dem Vorwurf, keinen Militärdienst geleistet zu ha-
ben, verhaftet worden. Er sei einen Monat in D._, dann in Damas-
kus im Gefängnis gewesen, bedroht und gefoltert worden. Nach knapp ei-
nem Jahr sei er amnestiert und per 11. Oktober 2019 aus der Haft entlas-
sen worden. Während der Haft habe er die Familie nicht informieren kön-
nen. Er habe als verschollen gegolten. Die Ehefrau sei mit den Kindern
mittels eines humanitären Visums in die Schweiz geflüchtet und habe ein
Asylgesuch gestellt. Dieses sei abgelehnt und die Wegweisung angeord-
net, deren Vollzug aber zugunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgescho-
ben worden. Der Beschwerdeführer begründe sein nunmehriges Gesuch
damit, dass er bei der Entlassung aus der Haft ein Versprechen, sich der
Armee anzuschliessen, unterzeichnet habe. Sich der Armee anzuschlies-
sen sei nun ebenso gefährlich und lebensbedrohlich wie Weigerung oder
Flucht. Auch drohe bei einem Angriff radikal islamistischer Truppen die
Rekrutierung durch die YPD. Ferner sei das Leben fernab der Familie für
ihn bedeutungslos.
Dazu hält die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer sei nach Einreichen
des Gesuchs aus Beirut nach Syrien zurückgekehrt, obwohl er dort als sy-
rischer Flüchtling gemäss ihrer Erkenntnis geduldet worden wäre. Damit
setze er ein starkes Indiz dafür, dass die geltend gemachte Gefährdung für
Leib und Leben aktuell nicht unmittelbar und konkret bestehe; auch stehe
ihm offen, den im Libanon bestehenden Schutz erneut in Anspruch zu neh-
men. Er sei nicht unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und Leben ge-
fährdet, befinde sich weder in einer Situation unmittelbarer individueller Ge-
fährdung noch einer besonderen Notsituation, die ein behördliches Eingrei-
fen zwingend erfordern würde. In erster Linie werde um eine Familienzu-
sammenführung ersucht. Dieser Wunsch sei zwar einsehbar, indessen frü-
hestens drei Jahre nach Gewährung der vorläufigen Aufnahme möglich. Im
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Seite 11
Übrigen seien die Bedingungen für die Ausstellung eines gewöhnlichen Vi-
sums («Schengenvisum») für einen bewilligungsfreien Aufenthalt nicht er-
füllt.
5.2 Der Beschwerdeführer resümiert seinerseits die Situation der Familie,
die in B._, in der nördlich D._s gelegenen Provinz
C._ gelebt habe, welche – mit türkischer Unterstützung – von is-
lamistischen Rebellengruppen erobert und längere Zeit gehalten worden
sei. Er habe die Familie mit Transportaufträgen der PYD durchgebracht,
sei aber von einem solchen im Oktober 2018 nicht zurückgekehrt. Seine
Frau, die seinen Aufenthaltsort nicht habe eruieren können, habe mithilfe
eines in der Schweiz lebenden Bruders ein humanitäres Visum erhalten
und so im Mai 2019 mit den Kindern in die Schweiz gelangen können, wo
sie inzwischen vorläufig aufgenommen seien. Im Oktober 2019 habe sie
erfahren, dass der Ehemann damals wegen des Militärdienstes inhaftiert
und nun aufgrund einer Amnestie entlassen worden sei. Er halte sich im
kurdisch kontrollierten Quartier E._ in D._ auf – versteckt,
weil in Furcht vor einem militärischen Aufgebot. Die Eltern und Geschwister
der Gattin lebten grossmehrheitlich mit Asylstatus, vorläufig aufgenommen
oder in einem hängigen Asylverfahren in der Schweiz (...) und seien gut
integriert.
In der Sache hält der Beschwerdeführer fest, ein «Besuchsvisum» sei nicht
angestrebt, die entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz mithin obso-
let. Aktuell halte er sich im kurdisch kontrollierten Stadtteil E._ in
D._ «unter äusserst prekären Bedingungen versteckt», eine Rück-
kehr nach B._ sei nicht denkbar, da diese Gegend von den syri-
schen Truppen zurückerobert und besetzt, das Haus der Familie im Laufe
des Krieges zerstört worden sei. Die Ersparnisse seien aufgezehrt, einer
legalen Arbeit könne er nicht nachgehen, er werde von im Ausland sich
aufhaltenden Verwandten unterstützt. Die heftig umkämpfte Region Idlib
grenze an das frühere Wohngebiet der Familie, die Kriegsgefahr dort sei
entsprechend gross. Die Region sei faktisch durch das Regime zurückero-
bert; die Spannungen zwischen (dem mit Russland verbündeten) Syrien
und der Türkei eskalierten. Die PYD/YPG-Milizen mobilisierten voll und
griffen auf Seiten des Asad-Regimes in die Kämpfe ein. Ziel der Türkei sei
die Einrichtung einer «terroristen-freien» Pufferzone entlang der Grenze
und die Auslöschung der selbstverwalteten kurdischen Region Rojava.
Folglich versuche die Verwaltung von Rojava, die Rekrutierungsmöglich-
keiten auszuschöpfen, womit die Einberufung des Beschwerdeführers zur
Leistung des «Verteidigungsdienstes» drohe.
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Zu der These der Vorinstanz, der Beschwerdeführer hätte im Libanon blei-
ben können, macht der Beschwerdeführer geltend, die Einreisemöglichkei-
ten für syrische Staatsangehörige in den Libanon würden sich stetig än-
dern, was sich auch bei der Gesuchstellung gezeigt habe. Es sei keines-
wegs sicher, dass er dort geduldet worden wäre, selbst wenn er sich beim
UNHCR angemeldet hätte. Der Libanon habe mehr als eine Million syri-
scher Flüchtlinge aufgenommen und betreibe inzwischen aktiv deren
Rückführung. Die Vorinstanz lasse die Risiken einer Rekrutierung durch
die YPG oder die syrische Armee wie auch einer neuerlichen Inhaftierung
beim Versuch, sich dieser zu entziehen, ebenso ausser Acht wie den Um-
stand, dass er bereits ein Jahr in Haft gehalten worden sei. An den Mass-
stäben eines Asylverfahrens gemessen wären aktuelle Verfolgungsrisiken
wie auch eine bereits erlittene Vorverfolgung festzustellen. Die Lebens-
und Existenzbedingungen des Beschwerdeführers seien mithin mehr als
im Durchschnittsfall der Bewohner Syriens in Frage gestellt.
Schliesslich lasse die Vorinstanz unberücksichtigt, dass die Kernfamilie
des Beschwerdeführers in der Schweiz lebe. Sie verfüge zwar nicht über
ein gefestigtes Aufenthaltsrecht (und damit auch über keinen Anspruch auf
Bewilligung des Familiennachzuges), stelle indes für den Beschwerdefüh-
rer mit der Landesabgängigkeit ein zusätzliches Verfolgungsrisiko dar. Das
familiäre Umfeld in der Schweiz verbessere zudem die Integrationsaus-
sichten. Auch zeige die Vorgeschichte, dass der Beschwerdeführer einen
starken Überlebenswillen gezeigt und alles getan habe, den Unterhalt der
Familie sicherzustellen, was er sicherlich auch in der Schweiz täte, durch-
aus auch zur Entlastung der öffentlichen Sozialhilfe.
Allgemein sei die Gefahr für Leib und Leben in Syrien, und auch Rojava,
allgegenwärtig. Wer dieser Gefahr entrinnen könne, sei grundsätzlich
schutzbedürftig. Es hinterlasse einen schalen Beigeschmack, wenn die
Schweiz die Schutzgewährung an einen Drittstaat delegiere.
5.3 Die Vorinstanz weist in ihrer Vernehmlassung darauf hin, dass dem Be-
schwerdeführer der Nachweis der ernsthaften Gefährdung für Leib und Le-
ben obliege. Sie legt weiter ein aktuelles Consulting vom 28. Juli 2020 vor.
Diesem zufolge seien von Mai bis August 2019 zwangsweise Rückführun-
gen aus dem Libanon nach Syrien registriert worden – danach und damit
auch in der für den Beschwerdeführer relevanten Zeit um den November
2019 nicht mehr. Gemessen an der Zahl der sich im Libanon aufhaltenden
Syrer sei die der Rückgeführten relativ klein. Die Mehrzahl der Rückreisen
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erfolge aus sozioökonomischen Gründen, da im Libanon die Verdienst-
möglichkeiten abnähmen. Der Beschwerdeführer vermöge nicht aufzuzei-
gen, weshalb er sich in seiner jetzigen Situation in einer Situation unmittel-
barer, individueller Gefährdung befinden solle, habe er sich doch bislang
infolge fehlender Kontrolle des Aufenthaltsgebiets durch das syrische Re-
gime dessen Zugriff (Verhaftung, Bestrafung, Rekrutierung) zu entziehen
vermocht. Die Möglichkeit einer Rekrutierung bestehe zwar durchaus, in-
dessen erreichten die Folgen deren Verweigerung in der Regel nicht den
Grad an Intensität, der eine politische Verfolgung befürchten lasse. Indivi-
duell-konkrete Angaben, die den gegenteiligen Schluss vermuten liessen,
lägen nicht vor. Die Vorinstanz anerkenne durchaus die generell schwierige
Lage der Flüchtlinge in Syrien wie auch die persönliche Lage des Be-
schwerdeführers, dessen Familie sich im Ausland aufhalte, bei gleichzeitig
noch nicht bewilligungsfähigem Familiennachzug. Indessen könne auf-
grund der dargetanen Vorbringen und Beweismittel nicht von einer beson-
ders prekären Notlage respektive einer konkreten, unmittelbaren und
ernsthaften Gefahr für Leib und Leben, welche eine Einreise in die Schweiz
zwingend notwendig erscheinen lasse, ausgegangen werden.
5.4 Der Beschwerdeführer bestreitet in seiner Replik, sich bei Gesuchstel-
lung in einem sicheren Drittstaat aufgehalten zu haben; sein Pass erhelle,
dass er sich unkontrolliert in den Libanon begeben habe. Wäre er von Si-
cherheitskräften aufgegriffen worden, wäre er aufgrund der geltenden
Bestimmungen repatriiert worden. Entgegen der vorinstanzlichen Annah-
men sei der Repatriierungsdruck aus dem Libanon anhaltend hoch, res-
pektive ansteigend, da sich die Lage im Libanon infolge von Währungs-
und Regierungskrise, Covid-19-Pandemie und der Explosionskatastrophe
im Hafen von Beirut zunehmend verschlechtere.
In D._ könne sich der Beschwerdeführer nicht frei bewegen, da er
den Zugriff der Behörden fürchte. In solch prekären Verhältnissen leben zu
müssen, stelle eine erhebliche psychische und physische Belastung dar.
Bei einer Einreise in die Schweiz könne davon ausgegangen werden, dass
der Beschwerdeführer innert kurzer Zeit – auch in wirtschaftlicher Hinsicht
– Fuss fassen werde.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer vermochte zur Einreichung seines Gesuchs um
Ausstellung humanitärer Visa in den Libanon zu reisen und kehrte freiwillig
und ohne Restriktionen gewärtigen zu müssen nach Syrien (D._)
zurück. Im Libanon wurden keine Bemühungen unternommen, sich an das
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UNHCR, lokale Hilfsorganisationen oder Behörden zu wenden; der Be-
schwerdeführer verwies in seiner Einspracheergänzung vor der Vorinstanz
auf die geltende Migrationsgesetzgebung des Libanon, der er nachgelebt
habe und in der Beschwerdeschrift auf die zunehmend restriktive Repatri-
ierungspraxis. Erschwernisse für eine solche Registrierung beispielsweise
beim UNHCR, welche der Beschwerdeführer geltend macht, waren im Zeit-
punkt der Gesuchstellung (im November 2019) nicht aktuell, so insbeson-
dere die Covid-19-Situation und die Explosionskatastrophe vom 4. August
2020 in Beirut (einschliesslich der anschliessenden Regierungskrise); ein
Einfluss der Protestwelle von Oktober bis Dezember 2019 auf die Migrati-
onssituation ist nicht erkennbar. Auch kann insbesondere aufgrund der Co-
vid-19-Situation nicht von einer grundsätzlichen Unmöglichkeit eines
Grenzübertritts ausgegangen werden (vgl. Urteil des BVGer F-2247/2020
vom 22. Februar 2021 E. 5.1 m.H.). Insgesamt beruft sich der Beschwer-
deführer auf allgemein gültige Darstellungen der Situation im Libanon, die
für die Situation des Beschwerdeführers im Konkreten nichts aussagen. Es
ist somit festzustellen, dass sich der Beschwerdeführer für die Gesuchstel-
lung in einen sicheren Drittstaat begab, aus diesem in den Heimatstaat zu-
rückkehrte und nicht aus individuellen Gründen gehindert ist, wiederum in
den Libanon zu reisen und sich um eine entsprechende Registrierung zu
bemühen. Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass die Situa-
tion im Libanon an sich und für syrische Flüchtlinge im Besonderen schwie-
rig ist; das Einzelschicksal des Beschwerdeführers hebt sich von jenen der
anderen Flüchtlinge indessen nicht in einem Masse ab, dass es ein be-
hördliches Eingreifen als zwingend erforderlich erscheinen lassen würde.
6.2 Die unproblematische Aus- und Rückreise deutet zudem darauf hin,
dass sich der Gesuchsteller – der angeblich drohenden Rekrutierung zum
Trotz – in der Heimat grundsätzlich nicht an Leib und Leben gefährdet fühlt.
Die von ihm geschilderten Lebensbedingungen in D._ erscheinen
– bei Wahrunterstellung – durchaus als prekär. Indessen ist auch hier nicht
erkennbar, dass sich die Situation des Beschwerdeführers von derjenigen
der unter der Bürgerkriegssituation leidenden Bevölkerung abhebt, respek-
tive dass der Beschwerdeführer im Besonderen konkret und unmittelbar an
Leib und Leben gefährdet wäre. Das gilt auch für die geltend gemachte,
drohende Rekrutierung respektive Bestrafung bei deren Verweigerung.
War der Beschwerdeführer dem Regime nicht bereits als Regimegegner
bekannt, wird eine Dienstverweigerung im syrischen Kontext mit überwie-
gender Wahrscheinlichkeit nicht als Unterstützung einer gegnerischen
Konfliktpartei angesehen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6 f., bestätigt mit Referenz-
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urteil E-2188/2019 vom 30. Juni 2020). Dass der Beschwerdeführer in ir-
gendeiner Hinsicht aus asylrelevanten Gründen verfolgt wurde, wird nicht
geltend gemacht. Auch für die These, es drohe wegen der beiden Schwä-
ger, die den Asylstatus zugesprochen erhielten, dem Beschwerdeführer
eine Reflexverfolgung, fehlen jegliche belastbaren Hinweise oder Belege.
Im Falle der vom selben Rechtsvertreter vertretenen Ehefrau des Be-
schwerdeführers jedenfalls war eine drohende Verfolgung aufgrund der
Nähe zu ihren Brüdern verworfen worden (vgl. Urteil E-3517/2019 vom 26.
November 2019 E. 8.3). Auch in einem Asylverfahren müsste der Be-
schwerdeführer die entsprechenden Verfolgungsrisiken zumindest glaub-
haft machen (vgl. dazu statt Vieler BVGE 2015/3 E. 6.5.1). Mutmassungen
darüber, ob dem Beschwerdeführer der Nachweis von asylrechtlich rele-
vanter Verfolgung gelänge (vgl. Beschwerde, Ziff. 8.2, S. 9 oben), sind rein
spekulativ und an dieser Stelle nicht zu vertiefen.
6.3 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass die Situation für
die Bevölkerung in Syrien – auch für die Angehörige der kurdischen Eth-
nie – im Allgemeinen schwierig ist und die aktuelle Lebenssituation des Be-
schwerdeführers im Besonderen prekär sein mag. Indessen vermag der
Beschwerdeführer den Nachweis nicht zu erbringen, dass seine Lebens-
und Existenzbedingungen – gemessen am Schicksal der restlichen syri-
schen respektive syrisch-kurdischen Bevölkerung – in gesteigertem Masse
bedroht oder derart in Frage gestellt wären, dass ein behördliches Eingrei-
fen als zwingend notwendig erscheint. Soweit die Auswirkungen der allge-
meinen Lage im Rahmen des Asylverfahrens zu prüfen ist, geschieht dies
entgegen der Darstellung in der Beschwerde vornehmlich bei der Prüfung
der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges (vgl. Urteil des BVGer E-
3517/2019 E. 8.4).
6.4 Die Integrationsaussichten des Beschwerdeführers mögen aufgrund
seiner reichen familiären Bindungen in die Schweiz durchaus positiv zu
werten sein. Bei diesem Punkt handelt es sich allerdings um einen Aspekt,
der zusätzlich zur Frage der nachgewiesenen Gefährdung zu prüfen ist
(vgl. BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3 Abs. 2) – günstige Integrationsaussichten
alleine vermögen im Rahmen der restriktive vorzunehmenden Gesuchs-
prüfung (vorne, E. 4.4) dieses zentrale Eingangskriterium nicht zu erset-
zen.
6.5 Letztlich beabsichtigt der Beschwerdeführer eine Bewilligung für den
Familiennachzug (vgl. auch sein Gesuch, vi-act. 2/32 Ziff. 21; Memoran-
dum «Zusammenfassung meiner Situation», vi-act. 1/3, 2/27). Dieser
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Wunsch ist, gerade auch angesichts der Situation im Heimatland, verständ-
lich, jedoch ist das Verfahren zur Erteilung eines nationalen Visums aus
humanitären Gründen nicht das für dieses Anliegen vorgesehene und kann
auch nicht verwendet werden, das zutreffende ausländerrechtliche Verfah-
ren zu umgehen.
6.6 Die Vorinstanz prüfte subsidiär und in knappen Worten die Möglichkeit
der Erteilung eines gewöhnlichen Visums für den bewilligungsfreien Auf-
enthalt (sog. «Schengenvisum»). Der Beschwerdeführer hielt sowohl in der
Einsprache, wie auch in der Beschwerde fest, sein Gesuch ziele nicht auf
ein solches Visum ab, die Ausführungen der Vorinstanz hierzu seien «ob-
solet». Er erübrigt sich aufgrund dieser klaren Stellungnahme, die Ausfüh-
rungen der Vorinstanz hierzu zu prüfen.
7.
Schlussfolgernd ist festzuhalten, dass der Gesuchsteller die Voraussetzun-
gen für die Ausstellung eines nationalen Visums aus humanitären Gründen
nicht erfüllt. Der angefochtene Einspracheentscheid hat den rechtserhebli-
chen Sachverhalt richtig und vollständig festgestellt, verletzt Bundesrecht
nicht und ist angemessen (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese werden in Anwendung
der massgeblichen Grundsätze (vgl. Art. 1 ff. des Reglements über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]) auf Fr. 800.– festgesetzt und dem geleisteten Kostenvor-
schuss in gleicher Höhe entnommen.
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