Decision ID: 521d90be-ca5f-54ff-b6a4-cdbc25ee2715
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Anga-
ben (...) 2018 von B._ aus und reiste auf dem Luftweg nach
C._, wo er sich rund (...) Monate bei einem Freund aufgehalten
habe. Seine dortigen Kollegen hätten ihm geraten, abzuwarten und erst
später ein Asylgesuch einzureichen. Am 17. November 2018 sei er in die
Schweiz eingereist. Hier suchte er am 22. November 2018 um Asyl nach.
Am 20. Dezember 2018 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Die
Vorinstanz hörte den Beschwerdeführer am 17. Januar 2019 einlässlich zu
seinen Asylgründen an.
Dabei gab der Beschwerdeführer an, er sei kurdischer Ethnie, alawitischen
Glaubens und stamme aus dem Dorf D._, Provinz E._.
Seine Eltern und zwei seiner vier Geschwister würden weiterhin dort leben.
Er habe das Gymnasium abgeschlossen und danach an der Universität
studiert. Seinen Abschluss habe er im Jahr 2015 in F._ gemacht.
Danach habe er verschiedene Arbeiten ausgeführt, unter anderem sei er
als (...) in einem (...) tätig gewesen. Seiner Familie gehe es finanziell gut.
Er habe mehrere Verwandte in der Schweiz.
Zu seinen Asylgründen führte der Beschwerdeführer aus, die Gendarmerie
sei an den Dorfvorsteher gelangt und habe sich nach seinem Wohnort er-
kundigt. Er habe politische Aktivitäten für die Demokratische Partei der Völ-
ker (HDP) ausgeübt und immer wieder das Parteibüro besucht. Er sei nicht
Parteimitglied gewesen. Zusammen mit Kollegen habe er an Demonstrati-
onen teilgenommen und Flaggen getragen. Er sei mehrmals in Polizeige-
wahrsam genommen worden. Die letzte Festnahme sei im (...) 2017 ge-
wesen und habe einen Tag gedauert. Er sei ständig von den Behörden un-
ter Druck gesetzt worden. Nach seiner Ausreise habe er erfahren, dass im
(...) 2018 ein Strafverfahren wegen Unterstützung einer Terrororganisation
gegen ihn und seine Kollegen eingeleitet worden sei. Sein Anwalt in der
Türkei werde versuchen, Dokumente dazu zu beschaffen. Aufgrund der
Vorbereitung der Wahlen sei dies jedoch derzeit schwierig. Sodann habe
er den Militärdienst bis (...) 2017 verschieben können. Seither sei er
Dienstverweigerer. Schliesslich würden die Bewohner in seinem Dorf auf-
grund ihrer alawitischen Konfession von den Behörden unter Druck ge-
setzt.
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Anfangs des Jahres 2018 sei er nach B._ gereist und habe sich dort
einen Pass auf seinen Namen ausstellen lassen. Sein Schlepper habe ihm
mit gefälschten Unterlagen ein echtes Visum für G._ besorgt.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine Identitätskarte im Ori-
ginal ein.
B.
Mit Verfügung vom 7. Februar 2020 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab und
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Den zuständigen Kanton be-
auftragte sie mit dem Vollzug der Wegweisung.
C.
Mit Eingabe vom 11. März 2020 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene Verfü-
gung sei aufzuheben und zur Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter
sei die Verfügung aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren. Subeven-
tualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig so-
wie unzumutbar sei und es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Es
sei festzustellen, dass er den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-
warten könne. Prozessual sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu ge-
währen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer zwei Ausdrucke von Fotos und
diverse Zeitungsartikel zu den Akten.
D.
Am 17. März 2020 bestätigte das Gericht dem Beschwerdeführer den Ein-
gang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
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1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden wird.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
Der Beschwerdeführer rügt zunächst eine Verletzung des Untersuchungs-
grundsatzes. Er sei weder während der BzP noch anlässlich der Anhörung
zu den geltend gemachten Festnahmen und deren Umständen befragt
worden.
5.1 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen
des Verwaltungs- respektive Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m.
Art. 6 AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige
und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu
sorgen, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die
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rechtlich relevanten Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber
Beweis zu führen. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn
nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt
wurden, unrichtig, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger
Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa weil die Rechtserheblichkeit einer
Tatsache zu Unrecht verneint wird, so dass diese nicht zum Gegenstand
eines Beweisverfahrens gemacht wird, oder weil Beweise falsch gewürdigt
worden sind. Der Untersuchungsgrundsatz gilt nicht uneingeschränkt, er
findet seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8
AsylG; Art. 13 VwVG, vgl. zum Ganzen BVGE 2012/21 E. 5.1 m.w.H.).
5.2 Dem Beschwerdeführer wurden in der BzP mehrere Fragen zu seinen
polizeilichen Anhaltungen gestellt. Namentlich wurde er zum Ort, der Dauer
und dem Grund dieser befragt (vgl. SEM-Akten A6/13 Ziff. 7.02). Anlässlich
der Anhörung wurde er mehrmals aufgefordert, seine Asylgründe ausführ-
lich darzulegen (A10/17 F58 ff.). Ferner wurde er zu seinem politischen
Engagement befragt, welches angeblich zu den polizeilichen Anhaltungen
geführt hat (vgl. a.a.O. F71 ff.). Insgesamt wurden dem Beschwerdeführer
demnach ausreichend Fragen zu den geltend gemachten polizeilichen An-
haltungen gestellt. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ist
nicht ersichtlich. Die Rüge erweist sich als unbegründet. Der Antrag auf
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz ist abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst
geschaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl.
Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings-
eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach
Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls. Stattdessen werden Personen,
welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen
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können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu BVGE 2009/28
E. 7.1 S. 352, m.w.H.).
7.
7.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten.
Der Beschwerdeführer habe bis dato keine Belege für die Einleitung eines
Strafverfahrens eingereicht. Da weder belegt sei, ob ein solches Verfahren
eingeleitet worden sei, noch ob die türkischen Behörden überhaupt auf der
Suche nach ihm seien, sei eine asylrelevante Verfolgung zu verneinen. Da-
ran vermöge auch der Umstand nichts zu ändern, dass die Polizei einmal
bei der Dorfverwaltung nach ihm gefragt habe oder dass er im (...) 2017
einige Stunden auf dem Polizeiposten festgehalten worden sei. Seine le-
gale Ausreise mit seinem Reisepass spreche ebenfalls dagegen, dass die
Behörden nach ihm suchen würden. Zudem habe er anlässlich der Anhö-
rung erklärt, seine Familie habe diesbezüglich nichts erwähnt. Gegen die
vom Beschwerdeführer dargelegte Gefährdungslage spreche ferner, dass
er sich monatelang in C._ aufgehalten habe, ohne ein Asylgesuch
zu stellen. Seine Begründung, er habe sich überlegt in die Türkei zurück-
zukehren, deute darauf hin, dass er sich selbst keiner asylrelevanten Ver-
folgung ausgesetzt gesehen habe. Umso unverständlicher sei, dass er da-
raufhin ein Asylgesuch in der Schweiz gestellt habe, obwohl seither nichts
mehr geschehen sei. Es sei demnach davon auszugehen, dass er aus rein
wirtschaftlichen Gründen in die Schweiz eingereist sei und zwecks Legali-
sierung seines Aufenthaltes um Asyl nachgesucht habe.
Bezüglich des nicht geleisteten Militärdienstes und der Befürchtung des
Beschwerdeführers, deshalb gesucht zu werden, sei festzustellen, dass
Bürger eines Landes grundsätzlich militärdienstpflichtig seien. Eine asylre-
levante Verfolgungsmotivation im Sinne von Art. 3 AsylG liege nicht vor,
wenn staatliche Massnahmen der Durchsetzung bürgerlicher Pflichten
dienten. Der Beschwerdeführer selbst habe keine solchen Nachteile gel-
tend gemacht, so dass auch nicht klar sei, ob er überhaupt dienstpflichtig
sei.
7.2 In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer geltend, er
habe bisher noch keine Dokumente bezüglich seines Strafverfahrens ein-
reichen können, da sein Anwalt Angst habe, die Behörden zu kontaktieren.
Sodann habe er nachvollziehbar dargelegt, weshalb er nicht in C._,
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sondern erst in der Schweiz ein Asylgesuch eingereicht habe. Zudem habe
er sich in der Schweiz politisch betätigt und an diversen Protestaktionen
gegen Erdogan teilgenommen. Der türkische Geheimdienst beobachte die
Aktivitäten von im Exil lebenden Kurden genau. Es seien zahlreiche Per-
sonen in der Türkei inhaftiert worden, weil sie an Demonstrationen gegen
Erdogan in Europa teilgenommen hätten.
8.
8.1 Die vorinstanzliche Beweiswürdigung ist nicht zu beanstanden. Die
Vorinstanz hat einlässlich begründet, weshalb die Vorbringen des Be-
schwerdeführers nicht asylrelevant sind. Die Erklärung des Beschwerde-
führers, sein Anwalt habe bisher aus Angst vor Repressalien keine Doku-
mente bezüglich des Strafverfahrens erhältlich machen können, ist als
Schutzbehauptung zu werten. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Be-
schwerdeführer seit (...) 2018 keine konkreten Hinweise auf ein ihn betref-
fendes hängiges Strafverfahren hätte erhalten sollen, wäre ein solches ge-
gen seine Person tatsächlich eingeleitet worden. Mit der Vorinstanz ist fer-
ner festzustellen, dass der monatelange Aufenthalt in C._, ohne
dort um Asyl nachzusuchen, gegen eine asylrelevante Gefährdung im Hei-
matland spricht. Die diesbezüglichen Erklärungen des Beschwerdeführers,
wonach ihm seine Freunde davon abgeraten hätten, da die Bedingungen
in C._ für Asylsuchende nicht gut seien und er im Besitz eines (...)
Visums gewesen sei, vermögen bei tatsächlichem Vorliegen einer Gefähr-
dung nicht zu überzeugen. Sodann hat sich der Beschwerdeführer kurz vor
seiner Ausreise in B._ einen Pass auf seinen Namen ausstellen las-
sen, mit welchem er die Türkei legal verliess, was kaum möglich gewesen
wäre, wenn die türkischen Behörden tatsächlich ein Interesse an ihm hät-
ten. Schliesslich verneinte der Beschwerdeführer die Frage, ob die Behör-
den seine Familienangehörigen, welche nach wie vor im selben Dorf woh-
nen, nach seinem Verbleib gefragt hätten (vgl. SEM-Akten A10/17 F118 ff.).
Vor diesem Hintergrund, war die Vorinstanz nicht gehalten, mittels Bot-
schaftsanfrage abzuklären, ob der Beschwerdeführer im türkischen Daten-
system GBTS eingetragen ist. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann
auf die weiteren Erwägungen der Vorinstanz verweisen werden.
8.2 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, er habe sich in der
Schweiz exilpolitisch betätigt, womit subjektive Nachfluchtgründe gemäss
Art. 54 AsylG vorliegen würden.
8.3 Es ist davon auszugehen, dass die Aktivitäten kurdischer Exilorganisa-
tionen oder einzelner Exponentinnen eines gewissen Formats seitens der
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Türkei beobachtet werden. Dieser Umstand reicht indessen für sich allein
genommen nicht aus, um eine tatsächliche Gefährdung im Falle der Rück-
kehr in die Türkei als hinreichend wahrscheinlich erscheinen zu lassen.
Vielmehr müssten konkrete Anhaltspunkte – nicht nur die abstrakte oder
rein theoretische Möglichkeit – dafür vorliegen, dass der Beschwerdeführer
tatsächlich das Interesse der heimatlichen Behörden auf sich gezogen
hätte. Massgebend ist dabei nicht primär das Hervortreten im Sinne einer
optischen Erkennbarkeit und Individualisierbarkeit, sondern eine öffentli-
che Exponierung, die aufgrund der Persönlichkeit der asylsuchenden Per-
son, der Form des Auftritts und des Inhalts der in der Öffentlichkeit abge-
gebenen Erklärungen den Eindruck erweckt, dass der Asylsuchende zu ei-
ner Gefahr für den Bestand des türkischen Regimes wird (vgl. z.B. Urteil
des BVGer D-5125/2015 vom 30. Mai 2018 E. 9.3 m.w.H.). Um eine tat-
sächliche Gefährdung im Falle der Rückkehr in die Türkei als wahrschein-
lich erscheinen zu lassen, müssen konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen,
dass exilpolitisch aktive Staatsangehörige der Türkei tatsächlich das Inte-
resse der heimatlichen Behörden auf sich gezogen haben respektive als
regimefeindliche Personen namentlich identifiziert und registriert wurden
(vgl. z.B. Urteil des BVGer D-705/2018 vom 18. Februar 2019 E. 6.1.1
m.w.H.).
8.4 In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer geltend, er
habe im Jahr 2019 an fünf Demonstrationen in drei verschiedenen Städten
der Schweiz teilgenommen. Als Beleg reichte er zwei Fotos von ihm bei
einer dieser Kundgebungen ein. Auf den eingereichten Aufnahmen ist der
Beschwerdeführer – soweit er überhaupt identifizierbar ist − als einfacher
Kundgebungsteilnehmer zu erkennen. Dass er sich besonders und über
das Mass der gewöhnlichen Teilnehmer hinaus exponiert oder gar eine her-
ausragende Funktion inngehabt hätte, ist nicht ersichtlich und wurde von
ihm auch nicht geltend gemacht. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass
seitens des türkischen Regimes ein besonderes Interesse an ihm bestehen
könnte, da es sich bei ihm nicht um eine Persönlichkeit handelt, die mit
Blick auf Art und Umfang ihrer exilpolitischen Tätigkeiten als ausseror-
dentlich engagierter und exponierter Regimegegner aufgefallen sein
könnte. Dies umso mehr, als der Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen
konnte, vor seiner Ausreise aufgrund eines politischen Engagements ins
Visier der heimatlichen Behörden gelangt zu sein. Das exilpolitische Enga-
gement des Beschwerdeführers übersteigt die Schwelle der massentypi-
schen Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste türkischer Staatsange-
höriger nicht.
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8.5 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine
relevante Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 respektive Art. 54 AsylG
darzutun. Die Vorinstanz hat demnach die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
9.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord-
net (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
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EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da der Besch-
werdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in die
Türkei ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in der Türkei lässt
den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er-
scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
10.4.1 Zur Zumutbarkeit der Wegweisung führte die Vorinstanz aus, weder
die in der Türkei herrschende politische Situation noch andere Gründe wür-
den gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung sprechen. Der Beschwerde-
führer sei jung und gesund. Er verfüge über eine gute Schulbildung und ein
Universitätsdiplom im (...). Zudem habe er Arbeitserfahrung als (...). Seine
Eltern würden nach wie vor in D._ leben und es gehe ihnen wirt-
schaftlich gut. Bei einer Rückkehr verfüge er somit über eine gesicherte
Wohnsituation und mit seinen vier Geschwistern über ein breites Bezie-
hungsnetz. Zudem sei es ihm möglich gewesen, 8'000 Euro für ein Visum
aufzubringen.
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10.4.2 Das Gericht schliesst sich vollumfänglich den Erwägungen der
Vorinstanz zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs an, zumal der Be-
schwerdeführer diesen in der Rechtsmitteleingabe nichts entgegensetzt.
Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach als zumutbar.
10.5 Der Beschwerdeführer verfügt über eine türkische Identitätskarte (Nü-
fus) und es obliegt ihm, soweit erforderlich, sich bei der zuständigen Ver-
tretung des Heimatstaates weitere für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass
seine Begehren als aussichtslos zu gelten haben, weshalb dem Gesuch
nicht stattzugeben ist.
12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Besch-
werdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
12.3 Mit dem vorliegenden Urteil wird der Antrag auf Verzicht auf Erhebung
eines Kostenvorschusses gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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