Decision ID: 431860d5-f95c-421a-864d-61a57572281d
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im April 2020 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu einer
(vorbezogenen) Altersrente der AHV an (EL-act. 65). Mit einer Verfügung vom 24. März
2020 war ihm ab 1. Juli 2020 eine Altersrente zugesprochen worden (act. G 7.1). Im
Anmeldeformular gab er an, dass sich seine Ehefrau, B._, in den letzten Monaten um
eine Arbeitsstelle bemüht habe; sie habe nur persönliche Bewerbungen vorgenommen.
Im Beiblatt 4 (berufliche und private Vorsorge) gab der Versicherte an, seine
Freizügigkeitsleistung BVG sei den Sozialen Diensten "übergeben" worden (EL-
act. 65-10). Seine Ehefrau gab an (EL-act. 65-12), sie habe bis zum 1. Juli 2009
gearbeitet. Anschliessend sei sie zweimal operiert worden, weshalb sie aufgehört habe
zu arbeiten. Der Versicherte reichte folgende Unterlagen ein (EL-act. 66):
Bescheinigung der Sozialen Dienste C._ vom 28. April 2020 betreffend einen
Zahlungseingang am 12. Juli 2017 der Stiftung Auffangeinrichtung BVG D._ im
Betrag von Fr. 98'379.02, Schreiben der Z._ vom 8. April 2020 betreffend den Wert
der Freizügigkeitspolice seiner Ehefrau per 1. Januar 2020 (Altersguthaben
Fr. 14'579.85, Zinsen Fr. 87.--, Todesfallkapital im Jahr 2020 Fr. 14'667.--), drei
Kontoauszüge mit Saldi per 31. Dezember 2019 (Fr. 16.60, Fr. 9.75 und Fr. 1.30),
Mitteilung einer Mietzinserhöhung per 1. November 2013 (Mietzins Fr. 955.--, Heiz- und
Nebenkosten akonto Fr. 190.--, total also Fr. 1'145.--), eine Quittung betreffend eine
Zahlung an die Vermieterin von Fr. 1'175.-- sowie die Krankenkassenpolicen. Am
A.a.
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27. April 2020 reichte ein Sohn des Versicherten, E._, die Nachweise der
Arbeitsbemühungen der Ehefrau des Versicherten in den Monaten Februar bis April
2020 ein (EL-act. 71). Gemäss den eingereichten Übersichtsblättern hatte sich die
Ehefrau des Versicherten im Februar und März 2020 je viermal und im April 2020
dreimal persönlich/telefonisch beworben.
Die EL-Durchführungsstelle teilte dem Versicherten am 18. Mai 2020 mit (EL-
act. 62), dass sich seine Ehefrau mit einem Erwerbseinkommen an den Lebenskosten
zu beteiligen habe (Schadenminderungspflicht). Da sie aktuell keinen Lohn erziele, sei
ihr grundsätzlich ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen. Dieses werde
nicht angerechnet, sofern seine Ehefrau nachweisen könne, dass sie auf dem
Arbeitsmarkt keine zumutbare Stelle finde. Sie bat ihn bzw. dessen Ehefrau um die
Beantwortung von einigen Fragen. Mit einem zweiten Schreiben vom gleichen Tag
teilte die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit (EL-act. 60), dass sie ihm kein
hypothetisches Erwerbseinkommen seiner Ehefrau anrechne, sofern seine Ehefrau trotz
ernsthaften, aktiven und gezielten Arbeitsbemühungen keine Stelle finde. Sie müsse
sich pro Monat mindestens sechsmal auf eine Arbeitsstelle schriftlich bewerben. Davon
müssten mindestens vier Bewerbungen auf ausgeschriebene, tatsächlich freie Stelle
erfolgen. Sie bat ihn, die Arbeitsbemühungen seiner Ehefrau der letzten vier Monate
einzureichen. Mit einem dritten Schreiben vom gleichen Tag (EL-act. 58) bat die EL-
Durchführungsstelle den Versicherten um eine Erklärung dazu, weshalb er einen
Mietzins von Fr. 1'175.-- bezahle, wenn der Mietzins gemäss Mietvertrag Fr. 1'145.--
betrage. Die Ehefrau des Versicherten gab am 3. Juni 2020 im Fragebogen an (EL-
act. 57-5), sie habe keine berufliche Ausbildung absolviert. Sie habe von 1997 bis 2009
auf Abruf (ca. 60%-Pensum) als Produktionsmitarbeiterin gearbeitet. Ab April 2020
habe sie sich um eine Arbeitsstelle bemüht. Einen Grund, weshalb sie keine
Erwerbstätigkeit ausübe, gab sie nicht an. Sie reichte auch kein Arztzeugnis ein. Am
4. Juni 2020 erinnerte die EL-Durchführungsstelle den Versicherten an die "beiliegende
Anfrage" (Beilage nicht ersichtlich) und bat um eine Erledigung bis zum 24. Juni 2020.
Ausserdem bat sie um die Einreichung der Nachweise zu den Arbeitsbemühungen
seiner Ehefrau (EL-act. 55). E._ teilte der EL-Durchführungsstelle am 19. Juni 2020
mit (EL-act. 54), die Differenz beim Mietzinsbetrag bestehe wegen eines von seinen
Eltern gemieteten Privatparkplatzes, der aber von ihm genutzt und bezahlt werde. Am
A.b.
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25. Juni 2020 bat die EL-Durchführungsstelle den Versicherten unter Bezugnahme auf
die am 27. April 2020 eingereichten Übersichtsblätter der Arbeitsbemühungen seiner
Ehefrau um die Einreichung aller Bewerbungsschreiben, der Stelleninserate, der
Antwortschreiben und eines vollständigen Bewerbungsdossiers (EL-act. 53). E._
reichte am 27. Juli 2020 einen Lebenslauf ein und gab an (EL-act. 46), dass seine
Mutter den Lebenslauf bislang stets persönlich vorbeigebracht habe. Deshalb gebe es
keine Bewerbungsschreiben oder Stelleninserate. Am 26. August 2020 stellten die
Sozialen Dienste C._ einen Verrechnungsantrag betreffend eine EL-Nachzahlung für
die Zeit ab 1. Juli 2020 bis 31. August 2020 mit den von ihr im gleichen Zeitraum
erbrachten Vorschussleistungen (EL-act. 40). Sie gab an, dass sie die
Krankenkassenprämien ab dem Jahr 2010 bis September 2020 bevorschusst habe
(EL-act. 40-2).
Mit einer Verfügung vom 27. August 2020 sprach die EL-Durchführungsstelle dem
Versicherten ab 1. Juli 2020 eine Ergänzungsleistung von Fr. 337.-- (ohne einen
Pauschalbetrag für die obligatorische Krankenversicherung) zu (EL-act. 33). In der
Anspruchsberechnung (EL-act. 35) berücksichtigte sie als anerkannte Ausgaben einen
Mietzins von Fr. 13'740.-- und einen Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf von
Fr. 29'175.--. Als anrechenbare Einnahmen berücksichtigte sie eine AHV-Rente von
Fr. 15'168.--, ein hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau des Versicherten von
Fr. 36'928.--, wovon sie den Freibetrag von Fr. 1'500.-- abzog, was ein anrechenbares
Einkommen von Fr. 36'428.-- ergab, von dem sie zwei Drittel, also Fr. 23'618.--
anrechnete, und einen Ertrag aus BVG-Freizügigkeitsguthaben von Fr. 87.--. Das
Vermögen befand sich trotz einer Anrechnung des BVG-Freizügigkeitsguthabens der
Ehefrau des Versicherten von Fr. 14'667.-- unter der Freibetragsgrenze von
Fr. 60'000.--. Zur Begründung gab die EL-Durchführungsstelle an, der EL-Anspruch
beginne mit dem Monat der Rentenberechtigung (Art. 22 Abs. 1 der Verordnung über
die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, ELV,
SR 831.301). Mietzinsausgaben für Wohnräume würden gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. b
des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELG, SR 831.30) berücksichtigt. Kosten für Räume, welche nicht
dem Wohnzweck dienten, wie beispielsweise ein Parkplatz, würden nicht
berücksichtigt. Dem Versicherten werde ein hypothetisches Erwerbseinkommen seiner
A.c.
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Ehefrau von Fr. 36'928.-- angerechnet. Seine Ehefrau habe die Anforderungen, die am
18. Mai 2020 mitgeteilt worden seien, nicht erfüllt. Das Vermögen sei per 31. Dezember
2019 berücksichtigt worden. Die Nachzahlung der Ergänzungsleistung
(Ergänzungsleistung ab 1. Juli 2020 bis 31. August 2020) werde direkt mit der offenen
Schuld beim Sozialamt verrechnet. Da das Sozialamt die Krankenkassenprämien bis
Juli 2020 (recte: September 2020) bereits bezahlt habe, werde die Pauschale für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung für diese Zeit nicht in der
Anspruchsberechnung berücksichtigt. Sie, die EL-Durchführungsstelle, werde diese ab
Oktober 2020 als Ausgabe berücksichtigen und direkt dem Krankenversicherer
auszahlen. Die EL-Durchführungsstelle hatte das hypothetische Erwerbseinkommen
wie folgt berechnet (EL-act. 42): Fr. 54'783.-- (IVG/Anhang 2/Jahreslohn 2017/Frauen)
abzüglich Fr. 5'479.-- (10% Grossregion Ostschweiz) = Fr. 49'304.--, abzüglich
Fr. 3'144.-- (6.375% Sozialversicherungsbeiträge) = Fr. 46'1610.--, abzüglich
Fr. 9'232.-- (20% Alter) = Fr. 36'928.--. Im Blatt "Hypothetisches Einkommen" hatte sie
zudem festgehalten, dass sich die Ehefrau des Versicherten im Jahr 2010 für eine IV-
Rente angemeldet habe. Der Entscheid im Jahr 2011 sei negativ gewesen (IV-Grad
0%).
Der Versicherte erhob am 6. September 2020 eine Einsprache gegen die
Verfügung vom 27. August 2020 (EL-act. 24). Er hielt fest, das erwähnte Schreiben vom
18. Mai 2020 habe er nicht erhalten. Weder die EL-Durchführungsstelle noch die
Sozialen Dienste C._ hätten ihn darüber informiert, dass seine Ehefrau
Arbeitsbemühungen vornehmen müsse und dass es zu einer Kürzung komme. Er habe
seiner Beraterin bei den Sozialen Diensten anfangs Februar 2020 mitgeteilt, er habe
gehört, dass sie ("wir", gemeint wohl: seine Ehefrau) Arbeitsbemühungen vornehmen
sollten. Anschliessend sei "Sie" aktiv geworden und habe ihm angegeben, dass sie
dringend Arbeitsbemühungen vornehmen sollten. Ab dann sei seine Ehefrau
"gefördert" worden, Arbeitsbemühungen vorzunehmen. Hätten sie "diese" nicht
angesprochen, hätten sie gar keine Arbeitsbemühungen "eingebracht". Da seine
Ehefrau sehr lange, seit dem Jahr 2009, nicht mehr arbeite, Analphabetin sei, die
deutsche Sprache nicht beherrsche und keine Ausbildung "besitze", habe sie sich
immer persönlich beworben. Sie könne keine schriftlichen Bewerbungen vornehmen.
Sein Sohn könne sie nicht immer unterstützen. Deshalb seien die Arbeitsbemühungen
A.d.
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"in dieser Darstellung" vorgenommen worden. Momentan würden sie bei den
Arbeitsbemühungen vom Sohn unterstützt. In der Zukunft würden sie monatlich
mindestens sechs schriftliche Bewerbungen versenden und diese belegen. Die
Einsprache war vom Sohn des Versicherten unterzeichnet.
Mit einer Verfügung vom 8. September 2020 (EL-act. 29) sprach die EL-Durch
führungsstelle dem Versicherten Ergänzungsleistungen ab 1. Oktober 2020 von
Fr. 1'199.-- (inklusive einen Pauschalbetrag für die obligatorische Krankenversicherung
von Fr. 862.--) zu. Der an den Versicherten ausbezahlte Betrag belief sich unverändert
auf Fr. 337.--. Gleichentags reichte E._ das Übersichtsblatt mit den
Arbeitsbemühungen im August bis und mit 6. September 2020 ein (EL-act. 25, 26). Die
Ehefrau des Versicherten hatte sich im August 2020 zweimal schriftlich und im
September 2020 viermal schriftlich beworben.
A.e.
Die EL-Durchführungsstelle bat den Versicherten am 11. September 2020, die
Einsprache zu unterzeichnen oder eine auf den Sohn, E._, ausgestellte Vollmacht
einzureichen (EL-act. 21). Am 15. September 2020 ging die vom Versicherten
unterzeichnete Einsprache ein (EL-act. 18). Am 1. Oktober 2020 reichte E._ ein
Übersichtsblatt mit den Arbeitsbemühungen ab 6. September bis und mit 1. Oktober
2020 ein (EL-act. 16). Die Ehefrau des Versicherten hatte sich im September 2020
zweimal schriftlich und im Oktober 2020 zweimal, wovon einmal schriftlich, beworben.
Am 1. November 2020 reichte die Ehefrau des Versicherten ein Übersichtsblatt mit den
Arbeitsbemühungen ab 26. Oktober 2020 ein (EL-act. 14). Sie hatte sich im Oktober
2020 sechsmal, wovon einmal schriftlich, beworben.
A.f.
Mit einem Entscheid vom 9. Dezember 2020 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache gegen die Verfügung vom 27. August 2020 ab (EL-act. 13). Zur Begründung
gab sie an, es sei sehr unwahrscheinlich, dass der Versicherte das Schreiben vom
18. Mai 2020 nicht erhalten habe, denn der Brief sei nicht als "unzustellbar"
gekennzeichnet zurückgekommen. Ausserdem sei die restliche Post angekommen, so
auch das Schreiben vom 25. Juni 2020, in welchem ebenfalls von
Bewerbungsschreiben die Rede gewesen sei und welches der Sohn des Versicherten
am 27. Juli 2020 beantwortet habe. Spätestens ab Erhalt dieses Schreibens hätte dem
Versicherten klar sein müssen, dass seine Ehefrau schriftliche Arbeitsbemühungen zu
A.g.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/18
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tätigen habe, und er hätte allenfalls bei der EL-Durchführungsstelle Rückfragen stellen
müssen. Auf der EL-Anmeldung werde ebenfalls nach Bewerbungsschreiben,
Stelleninseraten etc. gefragt. Auch daraus hätte er schliessen müssen, dass
grundsätzlich schriftliche Arbeitsbemühungen verlangt würden. Der Versicherte habe
vorgebracht, dass seine Ehefrau Analphabetin sei und kein Deutsch spreche, weshalb
schriftliche Arbeitsbemühungen nicht möglich seien und daher solche nur durch
persönliche Vorsprache vorgenommen worden seien. Aus dem am 31. Juli 2020
eingereichten Lebenslauf sei jedoch ersichtlich, dass die Ehefrau F._ schriftlich sehr
gut beherrsche und in Deutsch Grundkenntnisse besitze. Damit gelte sie nicht als
Analphabetin. In der Vergangenheit sei es ihr gelungen, eine Stelle zu finden. Für eine
Anstellung als Hilfsarbeiterin sei weder die fehlende Ausbildung noch das Alter oder die
längere Abwesenheit vom Arbeitsmarkt ein Hindernis. Der Versicherte sei der
deutschen Sprache mächtig und könne seine Ehefrau bei der Stellensuche
unterstützen, ebenso ihr Sohn. Weiter fänden sich im Internet oder in der
Kantonsbibliothek St. Gallen zahlreiche frei verfügbare Vorlagen für
Bewerbungsschreiben. Auch das RAV unterstütze Stellensuchende bei der Erstellung
von Bewerbungen. Der Ehefrau des Versicherten wäre es deshalb bereits ab Beginn
der Stellensuche möglich gewesen, schriftliche Bewerbungen zu tätigen. Bis zum
Verfügungszeitpunkt habe sie aber nicht einmal eine schriftliche Bewerbung
vorgenommen. Mangels eines vorhandenen Nachweises für qualitativ und quantitativ
genügende Arbeitsbemühungen habe die EL-Durchführungsstelle somit zu Recht ein
hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet. Die Berechnung der Höhe des
hypothetischen Erwerbseinkommens sei bis auf den Altersabzug von 20% korrekt.
Dieser wäre nicht zu berücksichtigen, denn das durchschnittliche Einkommen für
Hilfsarbeiterinnen berücksichtige alle Altersgruppen auf dem Arbeitsmarkt. Mögliche
tiefere Einkommen im Alter seien darin also enthalten. Aus Kulanz und
verwaltungsökonomischen Gründen werde jedoch auf eine Korrektur, die nach einer
vorgängigen Androhung (Art. 13 Abs. 2 [recte: Art. 12 Abs. 2] der Verordnung über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSV, SR 830.11) eine Reduktion der
Ergänzungsleistung zur Folge hätte, verzichtet.
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B.
Der Versicherte reichte am 18. Januar 2021 bei der EL-Durchführungsstelle eine
als "Einsprache Rechtsvorschlag" bezeichnete Eingabe ein (act. G 1.1). Er machte
geltend, seine Ehefrau sei seit 2009 vollständig arbeitsunfähig; deshalb würden alle
Arbeitsbemühungen und Anforderungen, welche die EL-Durchführungsstelle stelle,
"verfallen". Er reichte ein ärztliches Zeugnis des Hausarztes dipl. med. G._, Facharzt
Allgemeine Innere Medizin FMH, vom 15. Januar 2021 ein (act. G 1.1.1). Dipl. med.
G._ hatte angegeben, die Ehefrau des Versicherten sei aufgrund chronischer
Erkrankungen nicht in der Lage zu arbeiten, dies insbesondere wegen eines lumbalen
Schmerzsyndroms mit Bandscheibenvorfällen, die bereits 2009 operiert worden seien,
allerdings ohne eine Besserung der Symptome. Der Versicherte brachte vor, seit der
Operation habe seine Ehefrau aufgehört zu arbeiten. Bis jetzt habe es keine
Verbesserung gegeben. Gerne erteile er eine Vollmacht, damit die EL-
Durchführungsstelle direkt Unterlagen einholen könne. Er bitte darum, die
"hypothetische Berechnung rückwirkend aufzuheben" und die Zahlungen umgehend zu
tätigen. Der Sohn unterstütze sie bei den Bewerbungen. Dieser habe den Lebenslauf
jedoch nicht sauber nachgeführt. Seine Ehefrau sei Analphabetin und er beherrsche die
deutsche Sprache nicht gut. An dieser Aussage halte er fest. Die EL-
Durchführungsstelle könne alle Informationen und Gespräche direkt mit seinem Sohn,
E._, durchführen. Ein Rechtsdienstmitarbeiter hielt am 26. Januar 2021 in einer
Telefonnotiz fest (act. G 1.4), E._ habe in einem Telefonat am Vortag angegeben,
seine Eltern seien mit dem Einspracheentscheid vom 9. Dezember 2020 nicht
einverstanden. Er bzw. sie wünschten die Weiterleitung des Schreibens vom 18. Januar
2021 als Beschwerde an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen. Am
28. Januar 2021 leitete die EL-Durchführungsstelle die Eingabe vom 18. Januar 2021
an das Versicherungsgericht weiter (act. G 1).
B.a.
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am
25. Februar 2021 unter Verweis auf die Erwägungen im Einspracheentscheid die
Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Ergänzend machte sie geltend, gemäss den
Ausführungen des Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführer) in der Beschwerde
und des von ihm eingereichten ärztlichen Zeugnisses von dipl. med. G._ sei
unstrittig, dass der Gesundheitszustand der Ehefrau des Beschwerdeführers seit dem
B.b.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/18
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Jahr 2009 stabil sei und keine Änderung erfahren habe. Die IV-Stelle des Kantons
St. Gallen habe am 9. Mai 2011 über eine mögliche IV-Rente der Ehefrau rechtskräftig
entschieden. Sie habe der Ehefrau eine IV-Rente abgesprochen, dies unter
Berücksichtigung des seit dem Jahr 2009 bestehenden lumbalen Schmerzsyndroms
mit Bandscheibenvorfällen. Die IV-Stelle habe entschieden, dass die Ehefrau in ihrer
angestammten Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin eingeschränkt sei, jedoch einer
rückenadaptierten Arbeit zu 100% nachgehen könne. Daran sei die
Beschwerdegegnerin gebunden (Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juni 2017,
9C_680/2016, E. 3.4.2). Auf dem für die EL massgebenden tatsächlichen
Hilfsarbeiterinnenmarkt bestünden genügend Stellen mit rückenadaptierten Tätigkeiten.
Die Ehefrau des Beschwerdeführers fühle sich trotz der objektiv festgestellten
Möglichkeit einer Erwerbstätigkeit seit dem Beginn des EL-Bezugs nicht in der Lage,
einer Arbeitstätigkeit nachzugehen. Damit seien allfällige getätigte Arbeitsbemühungen
lediglich "pro forma" gemacht worden, denn die Ehefrau hätte keine Arbeitsstelle
angenommen. Auch unter Berücksichtigung der in der Beschwerde vorgebrachten
Argumente ändere sich im Ergebnis nichts an der Anrechnung des hypothetischen
Erwerbseinkommens. Die Beschwerdegegnerin reichte dem Gericht die IV-Akten der
Ehefrau des Beschwerdeführers (inklusive die Akten des Krankentaggeldversicherers)
ein. Die IV-Stelle hatte mit einer Verfügung vom 9. Mai 2011, die unangefochten in
Rechtskraft erwachsen war, das Gesuch der Ehefrau des Beschwerdeführers um eine
Invalidenrente abgewiesen (IV-act. 78). Zur Begründung hatte sie angegeben, die
Abklärungen hätten ergeben, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers seit dem
23. Juni 2009 in der angestammten Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin/
Hilfsarbeiterin eingeschränkt sei. Eine rückenadaptierte Tätigkeit sei ihr zu 100%
zumutbar. In medizinischer Hinsicht hatte die IV-Stelle ihre Verfügung auf zwei
Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 24. August 2010 und
vom 9. Mai 2011 (IV-act. 49, 77) sowie auf die Arztberichte, insbesondere die Berichte
der Klinik Y._ vom 29. Mai 2010 und des Hausarztes Dr. med. H._ vom 30. März
2011, und auf eine vom Krankentaggeldversicherer am 9./10. August 2010
durchgeführte Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) gestützt. Ein
Facharzt der Klinik Y._ hatte am 29. Mai 2010 die Diagnosen eines lumboradikulären
Schmerzsyndroms L5 rechts (St. n. Operationen L5/S1 8/2009 und 11/2009), eines
Diabetes mellitus Typ 2, einer Adipositas und einer Hypercholesterinämie angegeben
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/18
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Erwägungen
1.
Zunächst ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer mit seiner als "Einsprache
Rechtsvorschlag" bezeichneten Eingabe vom 18. Januar 2021 bei der
Beschwerdegegnerin eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom
(IV-act. 42). Für die angestammte Tätigkeit hatte er eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
attestiert. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit hatte er
festgehalten, dass für eine objektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zwingend eine
EFL durchzuführen sei. Im Bericht vom 11. August 2010 betreffend die EFL war
angegeben worden (Fremdakten-act. 2), infolge erheblicher Symptomausweitung,
Selbstlimitierung und Inkonsistenz seien die Resultate der ergonomischen Tests für die
Beurteilung der zumutbaren Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. Es sei davon
auszugehen, dass bei gutem Effort eine bessere Leistung erbracht werden könnte, als
bei den Tests gezeigt worden sei. Das Ausmass der demonstrierten physischen
Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden nur zum
Teil erklären. Eine leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit sei der
Versicherten vollständig zumutbar. Dr. H._ hatte am 30. März 2011 die Diagnosen
einer Diskushernie L4/5 rechts mit Spinalkanalstenose, einer Diskushernie L5/S1 (St. n.
Operationen 08/09 und 11/09), einer Chondrose BWK10-LWK2, aktuell: Persistierendes
lumbovertebrales Schmerzsyndrom, eines Diabetes mellitus Typ 2, einer Adipositas
und einer Psoriasis vulgaris angegeben (IV-act. 73). Zur Arbeitsfähigkeit hatte er
festgehalten, eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne Zwangshaltungen,
Gewichte bis maximal 5-10 kg, sei zu 30-50% zumutbar. Die EFL könne er nicht
beurteilen, da er die Durchführungs-Umstände nicht kenne. Ein RAD-Arzt hatte gestützt
darauf am 24. August 2010/9. Mai 2011 festgehalten, die Versicherte sei in einer
rückenadaptierten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig. Die Versicherte habe in der EFL
ihre scheinbare subjektive Invalidität demonstriert. Die mangelnde Leistungsfähigkeit
habe nicht auf ein gesundheitliches Gebrechen zurückgeführt werden können. Der
Hausarzt habe keine neuen medizinischen Erkenntnisse geliefert, welche die
objektivierte EFL-Leistungseinschätzung erschüttern könnte.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Replik (act. G 5).B.c.
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9. Dezember 2020 erhoben hat und ob diese rechtzeitig gewesen ist. Gemäss Art. 61
lit. b des Bundesgesetzes über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) muss eine Beschwerde eine gedrängte Darstellung des Sachverhalts,
ein Rechtsbegehren und eine kurze Begründung enthalten. Die zu einer Beschwerde
berechtigte Person muss erkennbar zum Ausdruck bringen, dass sie mit dem
Einspracheentscheid nicht einverstanden ist und diesen durch die Rechtsmittelinstanz
überprüft haben will (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 24. November 2021,
8C_362/2021, m.w.H.). Aus einer Beschwerde muss also der Anfechtungswille
hervorgehen. Gelangt eine rechtzeitig erhobene Beschwerde an eine unzuständige
Behörde, ist sie von dieser ohne Verzug dem zuständigen Versicherungsgericht zu
überweisen (Art. 58 Abs. 3 ATSG); die Beschwerdefrist gilt als gewahrt (Art. 60 Abs. 2
i.V.m. Art. 39 Abs. 2 ATSG). Der Beschwerdeführer ist mit dem Einspracheentscheid
vom 9. Dezember 2020 offenkundig nicht einverstanden gewesen, denn er hat in der
Eingabe vom 18. Januar 2021 darum gebeten, die "hypothetische Berechnung
rückwirkend aufzuheben" und die Zahlungen umgehend auszurichten. Er hat also
sinngemäss beantragt, ihm seien die Ergänzungsleistungen ohne eine Anrechnung
eines hypothetischen Erwerbseinkommens seiner Ehefrau auszurichten. Zur
Begründung hat er geltend gemacht, dass seine Ehefrau vollständig arbeitsunfähig sei.
Er hat seinen Sohn E._ zum Informationsaustausch mit der Beschwerdegegnerin
ermächtigt. Da für die Beschwerdegegnerin unklar gewesen sein dürfte, ob er eine
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid oder ein Wiedererwägungsgesuch
(Art. 53 Abs. 2 ATSG) hat erheben wollen, hat ein Rechtsdienstmitarbeiter der
Beschwerdegegnerin am 25. Januar 2021 mit E._ telefoniert. E._ hat mitgeteilt,
dass er bzw. seine Eltern eine Weiterleitung der Eingabe vom 18. Januar 2021 als
Beschwerde an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wünschten. Er hat
damit den Anfechtungswillen erklärt. Die Eingabe vom 18. Januar 2021, welche die
Beschwerdegegnerin am 19. Januar 2021 erhalten und am 28. Januar 2021 dem
Versicherungsgericht zuständigkeitshalber weitergeleitet hat, ist deshalb als
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 9. Dezember 2020 zu qualifizieren.
Der Beschwerdeführer hat nicht angegeben, wann ihm der Einspracheentscheid
zugestellt worden ist. Dieser ist gemäss der Adressierung mit A-Post Plus versandt
worden. Selbst wenn ihm der Einspracheentscheid bereits am 10. Dezember 2020
ordnungsgemäss zugestellt worden ist, ist die 30-tägige Beschwerdefrist unter
Berücksichtigung des Fristenstillstands vom 18. Dezember 2020 bis 2. Januar 2021
(Art. 60 i.V.m. Art. 38 Abs. 4 ATSG) mit dem Versand der Beschwerde am 18. Januar
2021 gewahrt gewesen. Die Beschwerde ist damit rechtzeitig erhoben worden. Da die
weiteren Eintretensvoraussetzungen offenkundig erfüllt sind, ist auf die Beschwerde
einzutreten.
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2.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen. Die anerkannten Ausgaben
sowie die anrechenbaren Einnahmen von Ehegatten werden zusammengerechnet
(Art. 9 Abs. 1 und 2 ELG in der bis 31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung,
aELG). Die anerkannten Ausgaben sind in Art. 10 aELG geregelt, die anrechenbaren
Einnahmen in Art. 11 aELG. Da eine erstmalige Leistungszusprache strittig ist, muss –
anders als insbesondere in einem Revisionsverfahren nach Art. 17 Abs. 2 ATSG – die
gesamte Anspruchsberechnung auf ihre Rechtmässigkeit geprüft werden, um dem
Untersuchungsgrundsatz und dem Prinzip der Rechtsanwendung von Amtes wegen
Rechnung zu tragen.
3.
Als Einnahmen werden Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden
ist, angerechnet. Die Erwerbseinkünfte werden zu zwei Dritteln angerechnet, soweit sie
bei Ehepaaren Fr. 1'500.-- übersteigen (Art. 11 Abs. 1 lit. g i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. a
aELG). Ein Einkommensverzicht liegt vor, wenn eine EL-beanspruchende oder eine in
die Anspruchsberechnung mit einbezogene Person von der Ausübung einer ihr
möglichen und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht. Diese Regelung beruht auf der
EL-spezifischen Schadenminderungspflicht, welche darin besteht, dass eine EL-
beanspruchende oder eine in die Anspruchsberechnung mit einbezogene Person ihren
Existenzbedarf soweit möglich und zumutbar aus eigener Kraft zu finanzieren hat. Die
Suche nach einer geeigneten offenen Arbeitsstelle ist daher nichts anderes als die
notwendige Vorstufe zur Erfüllung der Schadenminderungspflicht in der Form der
Erzielung eines Erwerbseinkommens (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 31. Oktober 2018, EL 2017/47, E. 2.1 f.). Die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens setzt voraus, dass die Arbeitsfähigkeit der
Person, der die Schadenminderungspflicht obliegt, mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit feststeht. Denn erst dann können sowohl die Fähigkeit, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen, als auch die Höhe eines allfällig anzurechnenden
hypothetischen Erwerbseinkommens beurteilt werden (vgl. Ralph Jöhl/Patricia Usinger-
Egger, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Soziale Sicherheit, SBVR Band XIV,
3. Auflage, Basel 2016, S. 1681 ff., N 131). Ist einer EL-beanspruchenden oder einer in
die Anspruchsberechnung mit einbezogenen Person die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit möglich und zumutbar, ist auf die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens zu verzichten, wenn diese trotz ernsthafter Arbeitsbemühungen
3.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/18
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keine Stelle findet, die Arbeitslosigkeit also nicht selbstverschuldet ist. Diese
Voraussetzung ist unter anderem dann erfüllt, wenn qualitativ und quantitativ
ausreichende, aber erfolglose Stellenbemühungen nachgewiesen sind (vgl. Rz 3424.07
und 3482.03 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die
Ergänzungsleistungen zur AHV und IV, WEL, Stand 1. Januar 2020).
Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat im Jahr 2010 um die Zusprache einer
Invalidenrente ersucht, nachdem sie sich im August und November 2009 zwei
Diskushernien-Operationen unterzogen hatte und ihr im November 2009 die Anstellung
als Hilfsarbeiterin in der Produktion gekündigt worden war (IV-act. 20, 32, 42). Die IV-
Stelle hat das Rentengesuch mit einer Verfügung vom 9. Mai 2011 abgewiesen (IV-
act. 78). Sie ist von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer rückenadaptierten
Tätigkeit ausgegangen. In den Berichten der Klink Y._ vom 29. Mai 2010 und des
(damaligen) Hausarztes Dr. H._ vom 30. März 2011 sind nebst der Diagnose eines
lumbovertebralen Schmerzsyndroms die Diagnosen einer Chondrose BWK10-LWK2,
eines Diabetes mellitus Typ 2, einer Adipositas, einer Psoriasis vulgaris und einer
Hypercholesterinämie angegeben worden (IV-act. 42, 73). Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung hat einzig auf einer Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) basiert, in welcher sich die Ehefrau des Beschwerdeführers
selbstlimitiert hatte. Im Bericht betreffend die EFL ist über eine Symptomausweitung
und Inkonsistenzen berichtet und festgehalten worden, dass bei einem guten Effort
eine bessere Leistung hätte erbracht werden können. Die Ehefrau des
Beschwerdeführers hat damals also nur eingeschränkt mitgewirkt. Selbst wenn mit
einer EFL allein die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ermittelt werden
könnte, ist die Überzeugungskraft der Einschätzung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit
in einer leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit aufgrund der
mangelhaften Mitwirkung der Ehefrau des Beschwerdeführers vorliegend eher fraglich
gewesen; dies ist an dieser Stelle aber offenzulassen, da keine Bindung an diese
Beurteilung der IV-Stelle besteht (vgl. unten). Der (aktuelle) Hausarzt dipl. med. G._
hat am 15. Januar 2021 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit der Ehefrau des
Beschwerdeführers attestiert. Seine Angabe, die Patientin sei aufgrund chronischer
Erkrankungen nicht in der Lage zu arbeiten, kann nur so verstanden werden, dass er
jegliche Erwerbstätigkeiten, also auch leidensadaptierte Tätigkeiten, gemeint hat. Auch
wenn dipl. med. G._ die vollständige Arbeitsunfähigkeit insbesondere mit den
Bandscheibenvorfällen im Jahr 2009 begründet hat, welche die IV-Stelle in die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit beim Erlass der rentenabweisenden Verfügung
einbezogen hat, kann entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin daraus nicht
der Schluss gezogen werden, der Gesundheitszustand der Ehefrau des
3.2.
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4.
Beschwerdeführers habe sich seit dem Jahr 2011 nicht verschlechtert. Dipl. med.
G._ hat sich nämlich nicht dazu geäussert, ob sich der Gesundheitszustand der
Ehefrau des Beschwerdeführers seit der rentenabweisenden Verfügung vom 9. Mai
2011 verändert hat. Aktuelle Berichte über den Gesundheitszustand der Ehefrau des
Beschwerdeführers liegen nicht vor. Auch der Beschwerdeführer hat sich dazu nicht
geäussert; er hat lediglich angegeben, der Gesundheitszustand seiner Ehefrau habe
sich nicht verbessert. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die IV-Stelle in der
Verfügung vom 9. Mai 2011 ist deshalb zu lange her, um gestützt darauf mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf eine im vorliegend zu
beurteilenden Zeitraum vollständige Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des
Beschwerdeführers in einer leidensadaptierten Hilfsarbeiterinnentätigkeit zu schliessen.
Da der Gesundheitszustand der Ehefrau des Beschwerdeführers für den vorliegend zu
beurteilenden Zeitraum nicht abgeklärt worden ist, besteht entgegen der Auffassung
der Beschwerdegegnerin auch keine Bindung an die Bemessung des Invaliditätsgrades
durch die IV-Stelle vom 9. Mai 2011, zumal eine solche Bindung praxisgemäss nur im
Anwendungsbereich von Art. 14a ELV besteht (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts
vom 12. April 2021, 9C_754/2020, E. 4). Die Arbeitsfähigkeit und damit die Fähigkeit,
einer (Teil-)Erwerbstätigkeit nachzugehen, steht damit noch nicht mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Die Beschwerdegegnerin hat die
Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) objektiv verletzt. Die Sache ist deshalb zur
Abklärung des medizinischen Sachverhalts inklusive der Arbeitsfähigkeit der Ehefrau
des Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Da im Bereich
der Invalidenversicherung für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit in der Regel eine medizinische Begutachtung erforderlich ist und da im EL-
Bereich dasselbe Beweismass wie im IV-Bereich gilt, wird die Beschwerdegegnerin
eine Begutachtung in Auftrag geben müssen. Ob sich die Ehefrau des
Beschwerdeführers ernsthaft um eine Arbeitsstelle hat, muss deshalb offenbleiben.
Als Ausgaben werden der Mietzins einer Wohnung und die damit
zusammenhängenden Nebenkosten anerkannt; der jährliche Höchstbetrag beträgt bei
Ehepaaren Fr. 15'000.-- (Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 aELG).
4.1.
Die Beschwerdegegnerin hat in der Anspruchsberechnung einen Mietzins von
Fr. 13'740.-- (Fr. 1'145.-- x 12) berücksichtigt. Die Differenz von Fr. 30.-- zum
tatsächlich bezahlten Mietzins von Fr. 1'175.-- monatlich hat sie zu Recht nicht
berücksichtigt, da die Fr. 30.-- für die Miete eines Parkplatzes anfallen, der Parkplatz
aber vom (erwachsenen und nicht in die Anspruchsberechnung mit einbezogenen)
4.2.
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5.
Sohn des Beschwerdeführers benutzt und bezahlt wird. Im Übrigen stellen die Kosten
für einen gemieteten Parkplatz EL-rechtlich keine Wohnkosten dar, weil die Nutzung
eines Parkplatzes nicht direkt aus dem Wohnbedürfnis resultiert. Der in der
Anspruchsberechnung zu berücksichtigende Mietzins dient nämlich nur der Deckung
des existentiellen Wohnbedürfnisses (Jöhl/Usinger-Egger, a.a.O., N 63 und 72).
Würden dem Beschwerdeführer diese Kosten anfallen, wären diese deshalb aus dem
Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf zu decken. In den Mietkosten von
Fr. 1'145.-- monatlich sind Heiz- und Nebenkosten von Fr. 190.-- akonto enthalten. In
der Regel stellt der Vermieter seinen Mietern die Gebühren für einen Radio- und
Kabelfernsehanschluss in Rechnung. Aus dem vom Beschwerdeführer eingereichten
Formular betreffend eine Mietzinserhöhung per 1. November 2013 ist nicht ersichtlich,
ob in den Nebenkosten Gebühren für einen Radio- und Kabelfernsehanschluss
enthalten sind. Die Beschwerdegegnerin hat dies nicht abgeklärt. Sie hat
dementsprechend auch keinen Abzug vorgenommen. Sofern in den Nebenkosten
Gebühren für einen Radio- und Kabelfernsehanschluss enthalten sind, wären diese von
den Heiz- und Nebenkosten von Fr. 190.-- abzuziehen, denn ein Kabelanschluss deckt
nicht das existentielle Wohnbedürfnis, sondern die kulturellen Bedürfnisse eines
Mieters ab. Die dafür anfallenden Kosten stellen deshalb EL-rechtlich keine
Wohnnebenkosten dar, sondern sind vom Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf zu
decken (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
27. März 2019, EL 2018/8, E. 3.2, mit Hinweisen; Jöhl/Usinger-Egger, a.a.O., N 72
Fn 285). Die Sache ist deshalb zur Abklärung, ob und gegebenenfalls in welcher Höhe
in den Nebenkosten Gebühren für einen Radio- und Kabelfernsehanschluss enthalten
sind, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Bei Altersrentnerinnen und Altersrentnern ist ein Zehntel des Reinvermögens,
soweit es bei Ehepaaren Fr. 60'000.-- übersteigt, als Einnahme anzurechnen (Art. 11
Abs. 1 lit. c aELG). Zu den anrechenbaren Einnahmen zählen auch die
Vermögenserträge (Art. 11 Abs. 1 lit. b aELG). Angerechnet werden auch Einkünfte und
Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1 lit. g aELG).
5.1.
Die Beschwerdegegnerin hat in der Anspruchsberechnung das
Freizügigkeitsguthaben der Ehefrau des Beschwerdeführers mit einem Betrag von
Fr. 14'667.-- als Vermögen und einen Ertrag aus dem Freizügigkeitsguthaben von
Fr. 87.-- als Einnahme berücksichtigt. Sie hat damit die Auszahlung des
Freizügigkeitsguthabens fingiert, denn gemäss dem Schreiben der Z._ vom 8. April
2020 ist die Altersleistung bis zu diesem Zeitpunkt nicht ausbezahlt worden. Die
5.2.
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Ehefrau des Beschwerdeführers ist im Zeitpunkt des Beginns der EL-
Anspruchsberechtigung am 1. Juli 2020 _ Jahre alt gewesen (vgl. EL-act. 51).
Altersleistungen von Freizügigkeitspolicen und Freizügigkeitskonten dürfen frühestens
fünf Jahre vor Erreichen des Rentenalters nach Art. 13 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG, SR 831.40)
ausbezahlt werden (Art. 16 Abs. 1 der Verordnung über die Freizügigkeit in der Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge, FZV, SR 831.425). Gemäss Art. 13 Abs. 1 BVG
haben Frauen, die das 64. Altersjahr zurückgelegt haben, Anspruch auf
Altersleistungen. Aus dem Schreiben der Z._ vom 8. April 2020 ist ersichtlich, dass
die Ehefrau des Beschwerdeführers die Freizügigkeitspolice vorzeitig hätte auflösen
können (EL-act. 66, ankreuzbares Feld: "Ich mache vom Recht auf vorzeitige
Pensionierung Gebrauch [5 Jahre vor Ablauf der Police möglich]"). Sie hätte also eine
vorzeitige Auszahlung des Freizügigkeitsguthabens erwirken können. Da
Kapitalleistungen aus der 2. Säule ab dem Zeitpunkt beim Vermögen anzurechnen
sind, in dem die Möglichkeit besteht, diese zu beziehen (Rz 3443.03 WEL), hat die
Beschwerdegegnerin das Freizügigkeitsguthaben und den entsprechenden Ertrag
daher zu Recht gestützt auf Art. 11 Abs. 1 lit. g aELG als (hypothetisches) Vermögen
respektive als (hypothetischen) Vermögensertrag angerechnet. Hinsichtlich des
Betrages wären jedoch Fr. 14'579.-- (Altersguthaben per 1. Januar 2020) und nicht
Fr. 14'667.-- (Todesfallkapital im Jahr 2020) anzurechnen gewesen. Der angerechnete
Vermögensertrag von Fr. 87.-- entspricht dem Zins aus der Altersleistung per 1. Januar
2020. Bei der Anrechnung eines hypothetischen Vermögensertrags ist jedoch der
Zinssatz gemäss WEL anzuwenden. Dieser hat im Jahr 2019 0.11% betragen
(Rz 3524.01 WEL, Stand 1. Januar 2021). Der hypothetische Vermögensertrag beträgt
deshalb lediglich Fr. 16.--. Die Beschwerdegegnerin wird die Beträge des
hypothetischen Vermögens und des hypothetischen Vermögensertrags entsprechend
zu korrigieren haben. Darauf hinzuweisen bleibt, dass die Freizügigkeitsleistung des
Beschwerdeführers im Jahr 2017 von der Vorsorgeeinrichtung direkt den Sozialen
Diensten C._ überwiesen worden ist (EL-act. 66). Möglicherweise wird das
Freizügigkeitsguthaben der Ehefrau des Beschwerdeführers ebenfalls direkt den
Sozialen Diensten C._ ausbezahlt. Die Beschwerdegegnerin wird deshalb abzuklären
haben, ob eine entsprechende Auszahlung an die Sozialen Dienste C._ erfolgt ist.
Sollte dies zutreffen, wären die entsprechenden Positionen aus der
Anspruchsberechnung zu entfernen.
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6.
Als Ausgabe wird ein jährlicher Pauschalbetrag für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung anerkannt; der Pauschalbetrag hat der regionalen
Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung (inkl.
Unfalldeckung) zu entsprechen (Art. 10 Abs. 3 lit. d aELG).
6.1.
Die Beschwerdegegnerin hat in der Anspruchsberechnung ab 1. Juli 2020 keinen
Betrag für die obligatorische Krankenpflegeversicherung berücksichtigt. Erst mit der
Revisionsverfügung vom 8. September 2020 betreffend den Anspruch auf
Ergänzungsleistung ab 1. Oktober 2020 hat sie einen Betrag von Fr. 10'344.-- (2 x
Fr. 5'172.--) angerechnet. In der Verfügung vom 27. August 2020 hat sie zur
Begründung angegeben, das Sozialamt habe die Krankenkassenprämien bis Juli 2020
(recte: September 2020) bereits bezahlt, weshalb die Pauschale für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung für diese Zeit nicht berücksichtigt werde. Diese Ansicht
überzeugt nicht, denn die von der Beschwerdegegnerin berücksichtigten Aspekte
betreffen nicht den materiellen Ergänzungsleistungsanspruch, sondern nur dessen
Vollzug in der Form der Drittauszahlung. Der Vollzug richtet sich aber nach dem
materiellen Anspruch und nicht umgekehrt. Zudem würde das Vorgehen der
Beschwerdegegnerin dazu führen, dass Fürsorgeleistungen in Verletzung von Art. 11
Abs. 3 lit. b aELG der Ergänzungsleistung vorgehen würden. Das richtige Vorgehen
besteht deshalb darin, den Ergänzungsleistungsanspruch – Art. 10 Abs. 3 lit. d aELG
folgend – unter Berücksichtigung des Betrags für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung zu berechnen und den entsprechenden Teilbetrag einer
allenfalls resultierenden Ergänzungsleistung in Anwendung von Art. 21a aELG direkt an
die obligatorische Krankenpflegeversicherung auszubezahlen (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. September 2021, EL 2019/18,
E. 3.1). Wie der Krankenversicherer und die Sozialen Dienste C._ dieser Situation
gerecht werden, ist nicht Gegenstand dieses Entscheides. Der Beschwerdeführer und
seine Ehefrau wohnen in C._ und damit in der Prämienregion 2 des Kantons
St. Gallen (vgl. Verordnung des EDI über die Prämienregionen, SR 832.106). Die
Durchschnittsprämie für diese Prämienregion hat im Jahr 2020 Fr. 5'172.-- betragen
(vgl. Verordnung des EDI vom 30. Oktober 2019 über die Durchschnittsprämien 2020
der Krankenpflegeversicherung für die Berechnung der Ergänzungsleistungen,
SR 831.309.1). In Anwendung von Art. 56 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege des Kantons St. Gallen (sGS 951.1) hält das
Versicherungsgericht deshalb verbindlich fest, dass die Beschwerdegegnerin nach der
Durchführung der weiteren Abklärungen (vgl. E. 2 und 3) bei der Neuberechnung des
6.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/18
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7.
In Bezug auf die weiteren Berechnungspositionen ergeben sich keine Hinweise darauf,
dass die angerechneten Beträge falsch sein könnten.
8.
Die Sache ist zur Weiterführung des Verwaltungsverfahrens im Sinne der Erwägungen
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
9.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos (vgl. Art. 61 lit. f ATSG).