Decision ID: 52e79a17-5976-5f64-b90c-769af40929af
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführer,
gegen
Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegner,
betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (arbeitsmarktliche Massnahmen)
Sachverhalt:
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A.
A.a Im Antrag vom 9. März 2009 erhob H._, gelernter Möbelschreiner, per
19. Februar 2009 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Nach eigenen Angaben
war er in den letzten beiden Jahren als Schreiner für verschiedene Arbeitgeberinnen
tätig (vgl. act. G 3/B224).
A.b Am 16. Februar 2010 wies das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
Oberuzwil den Versicherten für die Dauer vom 8. März bis 31. August 2010 an, am
Einsatzprogramm (Programm zur vorübergehenden Beschäftigung) "Schreiner
integrieren" mit einem Beschäftigungsgrad von 80% teilzunehmen (act. G 3/B236). Da
der Versicherte das Einsatzprogramm nicht antrat, wurde er mit Verfügung vom
15. März 2010 ab 9. März 2010 für 30 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt
(act. G 3/B245).
B.
B.a Dagegen erhob der Versicherte am 23. März 2010 Einsprache und machte
sinngemäss geltend, dass im Rahmen des Einsatzprogramms "Schreiner integrieren"
keine GAV-konforme Entlöhnung vorgesehen gewesen sei (act. G 3/A91).
B.b Im Einspracheentscheid vom 25. März 2010 wies das Amt für Arbeit die Einsprache
ab. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, dass Mindestlohnbestimmungen
eines GAV nicht für arbeitsmarktliche Massnahmen gelten würden. Die Verweigerung
der Teilnahme an der angewiesenen Massnahme sei daher zu Unrecht erfolgt (act. G 3/
B249).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 25. März 2010 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 29. März 2010. Der Beschwerdeführer beantragt darin sinngemäss
dessen Aufhebung. Er stellt sich auf den Standpunkt, dass der allgemeinverbindlich
erklärte GAV für das Schreinergewerbe bezüglich Mindestlohn auch im Rahmen der
angeordneten arbeitsmarktlichen Massnahme zu beachten und der Nichtantritt des
Einsatzprogramms gerechtfertigt sei (act. G 1).
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C.b Der Beschwerdegegner verzichtet am 17. Mai 2010 auf eine begründete
Beschwerdeantwort und beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen (act. G 3).

Erwägungen:
1.
Strittig und zu prüfen ist die im Einspracheentscheid vom 25. März 2010 bestätigte
Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 30 Tagen wegen Nichtantritts einer
arbeitsmarktlichen Massnahme. Der Beschwerdeführer erachtet den Nichtantritt für
gerechtfertigt, da er für das Einsatzprogramm "Schreiner integrieren" keine GAV-
konforme Entlöhnung erhalten hätte (act. G 1).
2.
2.1 Das vorliegend zu beurteilende Programm zur vorübergehenden Beschäftigung
gemäss Art. 64a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist eine
arbeitsmarktliche Massnahme. Diese Massnahmen haben gemäss Art. 59 Abs. 2 AVIG
zum Ziel, die Eingliederung von versicherten Personen, die aus Gründen des
Arbeitsmarkts erschwert vermittelbar sind, zu fördern, indem sie im Hinblick auf die
rasche und dauerhafte Wiedereingliederung die Vermittlungsfähigkeit der versicherten
Personen verbessern (Art. 59 Abs. 2 lit. a AVIG), die beruflichen Qualifikationen
entsprechend den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts fördern (lit. b), die Gefahr von
Langzeitarbeitslosigkeit vermindern (lit. c) oder die Möglichkeit bieten,
Berufserfahrungen zu sammeln (lit. d). Für die Zuweisung von Programmen zur
vorübergehenden Beschäftigung gelten sinngemäss die Kriterien der zumutbaren
Arbeit nach Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG (Art. 64a Abs. 2 AVIG). Gemäss dieser
Bestimmung ist eine Arbeit unzumutbar und von der Annahmepflicht ausgenommen,
wenn sie dem Alter, den persönlichen Verhältnissen oder dem Gesundheitszustand der
versicherten Person nicht angemessen ist.
2.2 Die versicherte Person hat auf Weisung der zuständigen Amtsstelle an
arbeitsmarktlichen Massnahmen teilzunehmen, die ihre Vermittlungsfähigkeit fördern
(Art. 17 Abs. 3 lit. a AVIG). Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG ist die versicherte Person
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in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie Weisungen der zuständigen
Amtsstelle nicht befolgt, namentlich indem sie eine arbeitsmarktliche Massnahme ohne
entschuldbaren Grund nicht antritt.
2.3 Die Programme zur vorübergehenden Beschäftigung im engeren Sinn, dürfen die
Privatwirtschaft nicht unmittelbar konkurrenzieren (Art. 64a Abs. 1 lit. a AVIG). Sie
bezwecken die Arbeitsbeschaffung oder Wiedereingliederung ins Erwerbsleben durch
berufsnahe Tätigkeiten. Wegen des Verbots der direkten Konkurrenzierung müssen die
ausgeübten Beschäftigungen grundsätzlich ausserhalb privatwirtschaftlicher Tätigkeit
liegen, d.h. sie werden vom Angebot der Privatwirtschaft grundsätzlich nicht erfasst
und liegen im öffentlichen Interesse (Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung,
in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV Soziale Sicherheit, 2. Auflage,
Rz 710 mit Hinweisen; A. Leu, Die arbeitsmarktlichen Massnahmen im Rahmen der
Arbeitslosenversicherung in der Schweiz, Zürich 2006, S. 100; vgl. auch die
Begründung der Anweisung ins Einsatzprogramm, act. G 3/B236). Die am
Beschäftigungsprogramm teilnehmenden Versicherten stehen mit dessen Organisator
denn auch nicht in einem Arbeitsverhältnis, sondern in einem Vertragsverhältnis eigener
Art. Bei den im Rahmen von Beschäftigungsmassnahmen ausgeübten Tätigkeiten
handelt es sich nicht um beitragspflichtige Beschäftigungen, sondern die
teilnehmenden Versicherten werden mit Taggeldern und allenfalls mit Auslagenersatz
entschädigt (T. Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, a.a.O., Rz 719 mit Hinweisen).
In einem GAV getroffene Regelungen, die sich auf Arbeitsverhältnisse des sogenannten
ersten Arbeitsmarkts beziehen, finden demnach auf die nicht ein Arbeitsverhältnis
begründenden Vertragsverhältnisse zwischen den Organisatoren von
Beschäftigungsmassnahmen und deren Teilnehmenden keine Anwendung. Dies gilt
auch dann, wenn ein GAV vom Bundesrat für allgemein verbindlich erklärt worden ist.
2.4 Bei seiner Argumentation übersieht der Beschwerdeführer weiter, dass es sich bei
der angeordneten Massnahme (Einsatzprogramm "Schreiner integrieren") nicht um die
Annahme einer zumutbaren Arbeit im Rahmen der den Versicherten obliegenden
Schadenminderungspflicht gemäss Art. 16 Abs. 1 AVIG handelt und der entsprechende
in Abs. 2 lit. a ff. normierte Anforderungskatalog in seiner Gesamtheit vorliegend keine
Anwendung findet. Wie der Beschwerdegegner im Einspracheentscheid zutreffend
bemerkt hat (act. G 3/B249), handelt es sich bei der vorliegenden arbeitsmarktlichen
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Massnahme um ein besonderes Programm (vgl. vorstehende E. 2.3). Kraft Art. 64a
Abs. 2 AVIG und des darin enthaltenen Verweises hat die vorliegend in Frage stehende
arbeitsmarktliche Massnahme einzig die Anforderung gemäss Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG
("dem Alter, den persönlichen Verhältnissen oder dem Gesundheitszustand des
Versicherten angemessen") - sinngemäss - zu erfüllen. Die Bestimmung von Art. 64a
Abs. 2 AVIG sieht namentlich von einem Verweis auf Art. 16 Abs. 2 lit. a AVIG ab, worin
unter anderem die Beachtung gesamtarbeitsvertraglicher Bedingungen gefordert wird.
Dies hat zur Folge, dass die Zumutbarkeit des Einsatzprogramms "Schreiner
integrieren" nicht davon abhängt, ob es gesamtarbeitsvertraglichen Bedingungen
entspricht. Vorliegend besteht daher keine Veranlassung, die Zumutbarkeit des
Einsatzprogramms aufgrund des GAV für das Schreinergewerbe zu verneinen. Der
Beschwerdeführer hat keine weiteren Gründe gegen die Zumutbarkeit der Teilnahme
am Einsatzprogramm vorgebracht. Es mag zwar auf einen ersten Blick fraglich
erscheinen, ob das Einsatzprogramm "Schreiner integrieren" im Fall des
Beschwerdeführers, der eine Ausbildung als Möbelschreiner hat und auch einige Jahre
Berufserfahrung in diesem Gebiet aufweist, geeignet ist. Allerdings war der
Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Zuweisung bald ein Jahr arbeitslos und das
Einsatzprogramm bezweckte u.a. dem Beschwerdeführer einen regelmässigen
Arbeitsrhythmus zu vermitteln und ihn in eine Gruppe zu integrieren (act. G 3/A5). Des
Weiteren entspricht es dem Wunsch des Beschwerdeführers, mit Holz zu arbeiten (act.
G 3/A6), weshalb die Anordnung des Einsatzprogramms "Schreiner integrieren" nicht
zu beanstanden ist. Aus den Akten ergeben sich keine weiteren Gründe gegen das
Einsatzprogramm bzw. dessen Zumutbarkeit, zumal der Beschwerdeführer für die
Teilnahme Taggeldleistungen und - sofern die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt
gewesen wären - Ersatz für Reisekosten sowie eine Verpflegungsentschädigung
erhalten hätte (vgl. act. G 3/B236). Unter diesen Umständen hat der
Beschwerdegegner den Beschwerdeführer zu Recht gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG
in der Anspruchsberechtigung eingestellt.
3. Zu prüfen bleibt noch die Einstelldauer.
3.1 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30
Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei
mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2 der
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Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]).
3.2 Der Beschwerdegegner ist - mit Blick auf eine entsprechende Vorgabe im
Kreisschreiben über die Arbeitslosenentschädigung (KS-ALE vom Januar 2007, Rz
D72) und den Umstand, dass der Beschwerdeführer in der laufenden Rahmenfrist
bereits wiederholt eingestellt werden musste (vgl. hierzu act. G 3/B191 betreffend
ungenügende Arbeitsbemühungen und act. G 3/B234 betreffend Nichtbefolgung einer
Weisung) - von einem mittelschweren Verschulden ausgegangen und hat den
Beschwerdeführer für 30 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt. Diese
Verschuldenszumessung liegt zwar am oberen Rand des angemessenen
Sanktionsrahmens. Es sind aber keine schuldmindernden Gründe ersichtlich. Der
angefochtene Einspracheentscheid ist somit nicht zu beanstanden.
4.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53
GerG entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
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2021-09-19T17:06:46+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen