Decision ID: 63d8e6b3-9e3b-4386-a84a-160a6876759e
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
gewerbsmässiger Betrug etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 14. September 2015 (DG150059)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 2. März
2015 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 56).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 221 S. 291 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte E._ ist schuldig
− des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB,
− der mehrfachen, teilweise versuchten Urkundenfälschung im Sinne von
Art. 251 Ziff. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB.
2. Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betruges
gemäss Anklageziffer 1.4.18.2 (betreffend obligatorischer Teil der Versicherungs-
leistung in der Höhe von CHF 24'001.10).
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 9 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 264 Tage durch
Haft erstanden sind.
4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den folgenden Privatklägern Schadenersatz in
nachfolgender Höhe zu bezahlen:
− F._ (1), CHF 54'431.15, zuzüglich 5 % Zins ab 2. August 2007;
− G._ (2), CHF 84'109.25, zuzüglich 5 % Zins ab 26. März 2008;
− H._ (4), CHF 13'500.--, zuzüglich 5 % Zins ab 27. Oktober 2008;
− I._ (5), CHF 178'531.55, zuzüglich 5 % Zins ab 22. Mai 2005;
− J._ (6), CHF 231'477.75, zuzüglich 5 % Zins auf CHF 277'316.-- für die Zeit vom 27. Oktober 2007 bis 22. Januar 2009 sowie Zins zu 5 % auf CHF 231'477.75 ab 23. Januar 2009;
− K._ (7), CHF 179'431.95, zuzüglich 5 % Zins ab 2. Oktober 2006;
− L._ (8), CHF 124'044.35, zuzüglich 5 % Zins ab 18. April 2006;
− M._ (9), CHF 97'310.65, zuzüglich 5 % Zins ab 14. Februar 2006;
− N._ (10), CHF 168'803.25, zuzüglich 5 % Zins ab 9. März 2009;
− O._ (11), CHF 38'865.50, zuzüglich 5 % Zins ab 16. Dezember 2008;
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− P._ (12), CHF 115'368.75, zuzüglich 5 % Zins ab 2. Oktober 2008;
− Q._ (14), CHF 60'747.25, zuzüglich 5 % Zins ab 15. Oktober 2007;
− R._ (15), CHF 50'052.65, zuzüglich 5 % Zins ab 1. April 2008;
− S._ (16), CHF 5'000.--, zuzüglich 5 % Zins ab 14. Juni 2007;
− T._ (17), CHF 96'265.85, zuzüglich 5 % Zins ab 18. April 2007;
− U._ (18), CHF 129'601.95, zuzüglich 5 % Zins ab 6. Februar 2003;
− V._ (19), CHF 53'119.95, zuzüglich 5 % Zins ab 20. Oktober 2004;
− W._ (20), CHF 59'371.90, zuzüglich 5 % Zins ab 1. Oktober 2005;
− A._ (21), CHF 133'551.90;
− BA._ (22), CHF 18'000.--, zuzüglich 5 % Zins ab 5. Dezember 2003;
− BB._ (23), CHF 95'869.55, zuzüglich 5 % Zins ab 9. Dezember 2008;
− BC._ (24), CHF 5'060.40, zuzüglich 5 % Zins ab 27. September 2007;
− BD._ (25), CHF 30'178.--, zuzüglich 5 % Zins ab 3. Januar 2005;
− BE._ (26), CHF 99'234.50, zuzüglich 5 % Zins ab 27. Juni 2008;
− BF._ (27), CHF 71'967.55, zuzüglich 5 % Zins ab 2. Mai 2008;
− BG._ (28), CHF 140'129.55, zuzüglich 5 % Zins ab 9. Dezember 2005;
− BH._ (30), CHF 201'131.35, zuzüglich 5 % Zins ab 26. März 2004;
− B._ (32), CHF 91'981.90;
− BI._ (34a), BJ._ (34b), BK._ (34c), insgesamt CHF 202'327.80, zuzüglich 5 % Zins ab 10. März 2009;
− BL._ (35), CHF 151'805.75, zuzüglich 5 % Zins ab 7. November 2002;
− BM._ (37), CHF 93'711.--, zuzüglich 5 % Zins ab 10. Dezember 2008;
− BN._ (38), CHF 228'071.95, zuzüglich 5 % Zins ab 18. April 2006;
− BO._ (39), CHF 109'077.95, zuzüglich 5 % Zins ab 1. Juni 2009;
− BP._ (40), CHF 653'455.80, zuzüglich 5 % Zins ab 24. August 2001;
− BQ._ (42), CHF 66'153.75;
− BR._ (43), CHF 130'516.35, zuzüglich 5 % Zins ab 10. Dezember 2007;
− BS._ (44), CHF 50'436.25, zuzüglich 5 % Zins ab 17. September 2003;
− BT._ (45), CHF 118'174.--, zuzüglich 5 % Zins ab 1. Mai 2011;
− BU._ (46), CHF 19'118.40, zuzüglich 5 % Zins ab 11. Juni 2003;
− BV._ (47), CHF 163'930.20, zuzüglich 5 % Zins ab 30. November 2002;
− BW._ (49), CHF 48'921.95, zuzüglich 5 % Zins ab 1. November 2007;
− CA._ (50), CHF 33'383.80, zuzüglich 5 % Zins ab 26. Oktober 2006;
− CB._ (51), CHF 46'988.15, zuzüglich 5 % Zins ab 28. Februar 2004;
− CC._ (52), CHF 56‘004.25, zuzüglich 5 % Zins ab 6. Dezember 2006;
− D._ (53), CHF 44'656.30;
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− CD._ (55), CHF 21'500.--, zuzüglich 5 % Zins ab 13. März 2002;
− CE._ (56), CHF 103‘460.55, zuzüglich 5 % Zins ab 16. Dezember 2005;
− CF._ (57), CHF 49'917.60, zuzüglich 5 % Zins ab 20. September 2008;
− CG._ (58), CHF 58‘763.90, zuzüglich 5 % Zins ab 14. Januar 2009;
− CH._ (59), CHF 108'015.80, zuzüglich 5 % Zins ab 8. Juni 2005;
− CI._ (61), EUR 11'000.--, zuzüglich 5 % Zins ab 15. Mai 2009;
− CJ._ (62), CHF 150‘934.15, zuzüglich 5 % Zins ab 5. März 2008;
− CK._ (64a), CL._ (64b), insgesamt CHF 68'446.80, zuzüglich 5 % Zins ab 2. Februar 2005.
Im allfälligen Mehrbetrag werden die Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg
verwiesen.
5. Die Schadenersatzbegehren der folgenden Privatkläger werden auf den Zivilweg
verwiesen:
− CM._ (3);
− CN._ (33);
− Freizügigkeitsstiftung der CO._ AG (41);
− CP._ (48);
− CQ._ (60).
6. Auf die Schadenersatzbegehren der folgenden Privatkläger wird nicht eingetreten:
− CR._ (31);
− CS._ (36);
− CT._ (65).
7. Das Schadenersatzbegehren von CU._ (54) wird abgewiesen, soweit darauf
eingetreten wird.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den folgenden Privatklägern Genugtuung in
nachfolgender Höhe zu bezahlen:
- V._ (19), CHF 5'000.--;
- CA._ (50), CHF 4'000.--;
- CC._ (52), CHF 5'000.--.
Im allfälligen Mehrbetrag werden die Genugtuungsbegehren abgewiesen.
9. Die Genugtuungsbegehren der folgenden Privatkläger werden auf den Zivilweg
verwiesen:
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− F._ (1);
− I._ (5);
− J._ (6);
− L._ (8);
− M._ (9);
− Q._ (14);
− T._ (17);
− U._ (18);
− W._ (20);
− A._ (21);
− BA._ (22);
− BB._ (23);
− BC._ (24);
− BD._ (25);
− BE._ (26);
− BF._ (27);
− BG._ (28);
− BH._ (30);
− CR._ (31);
− B._ (32);
− CN._ (33);
− BI._ (34a);
− BJ._ (34b);
− BK._ (34c);
− BM._ (37);
− BP._ (40);
− BQ._ (42);
− BR._ (43);
− BS._ (44);
− BU._ (46);
− BV._ (47);
− BW._ (49);
− CB._ (51);
− D._ (53);
− CF._ (57);
− CG._ (58);
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− CH._ (59);
− CI._ (61);
− CT._ (65).
10. Auf das Genugtuungsbegehren von CS._ (36) wird nicht eingetreten.
11. Das Genugtuungsbegehren von CU._ (54) wird abgewiesen.
12. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 10. August
2010 beschlagnahmte Nettoerlös von CHF 6'358.70 (Verwertung des Personenwa-
gens Alfa Romeo) wird nach Eintritt der Rechtskraft eingezogen.
13. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 10. August
2010 beschlagnahmte Nettoerlös von CHF 13'422.-- (Verwertung der Armbanduh-
ren) wird nach Eintritt der Rechtskraft eingezogen.
14. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 19. Februar
2014 beschlagnahmte Nettoerlös von CHF 112.40 (Verwertung eines Fingerringes)
wird nach Eintritt der Rechtskraft eingezogen.
15. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 5. Dezember
2014 beschlagnahmte Nettoerlös von CHF 1'220.74 (Verwertung NAB-Sparkonto
des Beschuldigten) wird nach Eintritt der Rechtskraft eingezogen.
16. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 4. Februar
2014 beschlagnahmte Nettoerlös von CHF 1'600.-- (Verwertung der Büchersamm-
lung) wird nach Eintritt der Rechtskraft zur Deckung der Verfahrenskosten verwen-
det.
17. Das Guthaben, das sich auf dem Konto Nr. ..., lautend auf "CV._ Inhaber
E._, ... [Adresse]", bei der Aargauischen Kantonalbank befindet, wird
beschlagnahmt und nach Eintritt der Rechtskraft zur Deckung der Verfahrenskosten
verwendet.
Die Aargauische Kantonalbank wird nach Eintritt der Rechtskraft angewiesen, den
Saldo dieses Kontos der Kasse des Bezirksgerichts Zürich zu überweisen.
18. Von der Ausfällung einer Ersatzforderung gegen den Beschuldigten wird abge-
sehen.
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19. Das Tribunale di Catania, Sezione del Giudice per le indagini preliminari, wird nach
Eintritt der Rechtskraft ersucht, die mit Entscheid vom 16. Oktober 2012 (No45/2012
Reg.Rog.) betreffend den Miteigentumsanteil des Beschuldigten am Grundstück in
.../Italien, ... [Adresse], im Erdgeschoss, Blatt ..., Parzelle ..., angeordnete Be-
schlagnahme aufzuheben.
20. Die andere Verfahrensbeteiligte CW._ wird nach Eintritt der Rechtskraft ver-
pflichtet, dem Staat als Ersatz für nicht mehr vorhandenen, widerrechtlich erlangten
Vermögensvorteil CHF 65'000.-- zu bezahlen.
Der von Rechtsanwältin lic. iur. X2._ diesbezüglich gestellte Antrag wird ab-
gewiesen.
Die Kasse des Bezirksgerichts Zürich wird angewiesen, die 9. Abteilung des
Bezirksgerichts Zürich zu informieren, sobald die andere Verfahrensbeteiligte
CW._ den Betrag von CHF 65'000.-- bezahlt hat, damit die Sperre ihres Kon-
tos bei der NAB aufgehoben werden kann.
Sofern die andere Verfahrensbeteiligte CW._ nicht freiwillig bezahlt, so wird
die Kasse des Bezirksgerichts Zürich angewiesen, die Ersatzforderung gegen die
andere Verfahrensbeteiligte CW._ beim zuständigen Betreibungsamt in Be-
treibung zu setzen und die für den Fortgang des Betreibungsverfahrens erforderli-
chen Schritte zu veranlassen. In diesem Fall bleibt die Kontosperre aufrechterhal-
ten bis das zuständige Betreibungsamt in der Betreibung hinsichtlich der Ersatzfor-
derung über die Anordnung von Sicherungsmassnahmen gemäss Art. 98 ff. SchKG
entschieden hat.
21. Der andere Verfahrensbeteiligte DA._ wird nach Eintritt der Rechtskraft ver-
pflichtet, dem Staat als Ersatz für nicht mehr vorhandenen, widerrechtlich erlangten
Vermögensvorteil CHF 12'000.-- zu bezahlen.
Es wird davon Vormerk genommen, dass der andere Verfahrensbeteiligte
DA._ diesen Betrag bereits bezahlt hat. Zur Tilgung der Ersatzforderung wird
der bereits bezahlte Betrag verwendet.
22. Die anderen Verfahrensbeteiligten DB._ und DC._ werden nach Eintritt
der Rechtskraft verpflichtet, dem Staat als Ersatz für nicht mehr vorhandenen, wi-
derrechtlich erlangten Vermögensvorteil CHF 50'000.-- zu bezahlen.
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Der von Rechtsanwältin lic. iur. X2._ diesbezüglich gestellte Antrag wird ab-
gewiesen.
Es wird davon Vormerk genommen, dass die anderen Verfahrensbeteiligten
DB._ und DC._ diesen Betrag bereits bezahlt haben. Zur Tilgung der Er-
satzforderung wird der bereits bezahlte Betrag verwendet.
23. Die andere Verfahrensbeteiligte DD._ wird nach Eintritt der Rechtskraft ver-
pflichtet, dem Staat als Ersatz für nicht mehr vorhandenen, widerrechtlich erlangten
Vermögensvorteil CHF 60'000.-- zu bezahlen.
Die Kasse des Bezirksgerichts Zürich wird angewiesen, die 9. Abteilung des Be-
zirksgerichts Zürich zu informieren, sobald die andere Verfahrensbeteiligte
DD._ den Betrag von CHF 60'000.-- bezahlt hat, damit die Löschung der auf
ihrem Grundstück lastenden Sicherungshypothek veranlasst werden kann.
Sofern die andere Verfahrensbeteiligte DD._ nicht freiwillig bezahlt, so wird die
Kasse des Bezirksgerichts Zürich angewiesen, die für die rechtshilfeweise Zwangs-
vollstreckung der Ersatzforderung gegen die andere Verfahrensbeteiligte DD._
erforderlichen Schritte zu veranlassen.
24. Die andere Verfahrensbeteiligte DE._ wird nach Eintritt der Rechtskraft ver-
pflichtet, dem Staat als Ersatz für nicht mehr vorhandenen, widerrechtlich erlangten
Vermögensvorteil CHF 120'000.-- zu bezahlen.
Der von Rechtsanwältin lic. iur. X2._ diesbezüglich gestellte Antrag wird ab-
gewiesen.
Es wird davon Vormerk genommen, dass die andere Verfahrensbeteiligte
DE._ diesen Betrag bereits bezahlt haben. Zur Tilgung der Ersatzforderung
wird der bereits bezahlte Betrag verwendet.
25. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 4. Februar
2014 beschlagnahmte Nettoerlös von CHF 310.90 (Verwertung einer Goldkette der
anderen Verfahrensbeteiligten DF._) wird nach Eintritt der Rechtskraft einge-
zogen.
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26. Der andere Verfahrensbeteiligte DG._ wird nach Eintritt der Rechtskraft ver-
pflichtet, dem Staat als Ersatz für nicht mehr vorhandenen, widerrechtlich erlangten
Vermögensvorteil CHF 10'000.-- zu bezahlen.
27. Die von Rechtsanwältin lic. iur. X2._ gestellten Anträge betreffend DH._,
DI._ und DJ._ werden abgewiesen.
28. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
24. September 2013 beschlagnahmten Computer Apple, Computer Asus sowie
Computer Sony, je samt Zubehör, werden DK._ (wohnhaft ... [Adresse]) nach
Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben.
Bei Nichtabholung innert drei Monaten seit Eintritt der Rechtskraft werden diese
Computer samt Zubehör vernichtet.
29. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
24. September 2013 beschlagnahmten Computer und Speichergeräte (1 USB Stick
Swissbit 512 MB, 1 Festplatte Maxtor, 2 PC Fujitsu-Siemens), werden dem Be-
schuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben.
Bei Nichtabholung innert drei Monaten seit Eintritt der Rechtskraft werden diese
Computer und Speichergeräte vernichtet.
30. Die mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 17. und 23.
Februar 2015 beschlagnahmten Gegenstände und Schriftstücke werden dem Be-
schuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben.
Bei Nichtabholung innert drei Monaten seit Eintritt der Rechtskraft werden diese
Gegenstände und Schriftstücke vernichtet.
31. Die Kasse des Bezirksgerichts Zürich wird angewiesen, den Reisepass des Be-
schuldigten nach Eintritt der Rechtskraft zu vernichten.
32. Die Kasse des Bezirksgerichts Zürich wird angewiesen, die Summe aus Einziehun-
gen und Ersatzforderungserträgen (Einziehungsbetrag) gemäss den vorstehenden
Dispositivziffern 12-15 und 20-26 wie folgt zu verteilen:
F._ (1): 1,97% des Einziehungsbetrages;
I._ (5): 6,47% des Einziehungsbetrages;
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J._ (6): 8,39% des Einziehungsbetrages;
N._ (10): 6,12% des Einziehungsbetrages;
T._ (17): 3,49% des Einziehungsbetrages;
U._ (18): 4,70% des Einziehungsbetrages;
W._ (20): 2,15% des Einziehungsbetrages;
BB._ (23): 3,48% des Einziehungsbetrages;
BG._ (28): 5,08% des Einziehungsbetrages;
BI._ (34a), BJ._ (34b), BK._ (34c): 7,33% des Einziehungsbetrages;
BM._ (37): 3,40% des Einziehungsbetrages;
BO._ (39): 3,95% des Einziehungsbetrages;
BP._ (40): 23,68% des Einziehungsbetrages;
BS._ (44): 1,83% des Einziehungsbetrages;
BU._ (46): 0,69% des Einziehungsbetrages;
BV._ (47): 5,94% des Einziehungsbetrages;
BW._ (49): 1,77% des Einziehungsbetrages;
CB._ (51): 1,70% des Einziehungsbetrages;
CF._ (57): 1,81% des Einziehungsbetrages;
CG._ (58): 2,13% des Einziehungsbetrages;
CH._ (59): 3,92% des Einziehungsbetrages.
Es wird davon Vormerk genommen, dass die Privatkläger 1, 5, 6, 10, 17, 18, 20,
23, 28, 34a-c, 37, 39, 40, 44, 46, 47, 49, 51, 57, 58 und 59 den ihrem Zuweisungs-
anteil entsprechenden Teil ihrer Forderung an den Staat abgetreten haben.
33. Die Zuweisungsanträge der folgenden Privatkläger werden abgewiesen:
− R._ (15);
− A._ (21);
− B._ (32);
− BQ._ (42);
− D._ (53).
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34. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: Fr. 40'000.-- ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. 15'000.-- Gebühr Anklagebehörde
Fr. 32'221.95 Auslagen Untersuchung
Fr. 108'752.-- amtliche Verteidigung
Fr. 155'403.95 unentgeltliche Verbeiständung der Privatkläger
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
35. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
36. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
37. Die Kosten der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatkläger werden auf die Ge-
richtskasse genommen.
38. Fürsprecher Y._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger des
Beschuldigten (unter Berücksichtigung der bereits erhaltenen Akontozahlungen in
der Höhe von CHF 63'018.80) mit CHF 45'733.20 (inkl. Mwst.) aus der Gerichts-
kasse entschädigt.
39. Rechtsanwältin lic. iur. X2._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsbeistandschaft für die Privatkläger 1, 5, 18, 20, 23, 28, 29, 36, 37, 44, 46, 47,
49, 51, 57 und 58 (unter Berücksichtigung der für die Vertretung der Privatkläger
geleisteten Akontozahlungen in der Höhe von CHF 32'798.45 [und nicht
CHF 34'527.95 wie im ausgehändigten Dispositiv versehentlich aufgeführt]) mit
CHF 47'496.95 (inkl. Mwst.) [und nicht CHF 47'497.05 wie im ausgehändigten Dis-
positiv versehentlich aufgeführt] aus der Gerichtskasse entschädigt.
40. Rechtsanwältin Dr. X3._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsbeistandschaft für die Privatkläger 3, 10 und 48 mit CHF 9'129.15 (inkl.
Mwst.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
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41. Rechtsanwalt lic. iur. X4._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsbeistandschaft für den Privatkläger 6 mit CHF 7'328.-- (inkl. Mwst.) aus der
Gerichtskasse entschädigt.
42. Rechtsanwalt lic. iur. X5._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsbeistandschaft für den Privatkläger 7 mit CHF 5'640.90 (inkl. Mwst.) aus der
Gerichtskasse entschädigt.
43. Rechtsanwalt Dr. X6._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsbeistandschaft für die Privatkläger 12 und 35 mit CHF 5'917.45 (inkl. Mwst.)
aus der Gerichtskasse entschädigt.
44. Rechtsanwalt lic. iur. X7._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsbeistandschaft für die Privatkläger 17, 40, 54 und 59 mit CHF 17'955.70
(inkl. Mwst.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
45. Rechtsanwalt Dr. X1._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsbeistandschaft für die Privatklägerin 21 (unter Berücksichtigung der bereits
erhaltenen Akontozahlung in der Höhe von CHF 6'822.55) mit CHF 242.85 (inkl.
Mwst.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
46. Rechtsanwalt lic. iur. X8._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsbeistandschaft für die Privatklägerin 31 mit CHF 4'432.85 (inkl. Mwst.) aus
der Gerichtskasse entschädigt.
47. Rechtsanwalt Dr. X9._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsbeistandschaft für die Privatklägerinnen 34a-c mit CHF 8'769.60 (inkl. Mwst.)
aus der Gerichtskasse entschädigt.
48. Rechtsanwältin lic. iur. X10._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsbeistandschaft für die Privatkläger 64a und 64b mit CHF 5'983.20 (inkl.
Mwst.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
49. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den folgenden Privatklägern eine Prozessent-
schädigung in nachfolgender Höhe zu bezahlen:
− F._ (1), CHF 13.20;
− K._ (7), CHF 1'841.50;
− R._ (15), CHF 4'792.30.
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Im allfälligen Mehrbetrag werden die Begehren betreffend Prozessentschädigung
abgewiesen.
50. Auf die Anträge der folgenden Privatkläger betreffend Prozessentschädigung wird
nicht eingetreten:
− P._ (12);
− BI._ (34a);
− BJ._ (34b);
− BK._ (34c);
− BL._ (35);
− CA._ (50).
51. Der Antrag der Privatklägerin I._ (5) betreffend Prozessentschädigung wird
abgewiesen.
52. (Mitteilungen)
53. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Privatkläger A._, B._, C._ und D._:
(Urk. 226; Urk. 229; Urk. 232 und Urk. 235)
1. Es sei Dispositiv-Ziff. 33 des Urteils vom 14.09.2015 aufzuheben und die
Berufung gutzuheissen;
2. es sei Vormerk zu nehmen, dass die Berufungskläger die ihnen unter
Urteilsdispositiv Ziff. 4 zugesprochenen Schadenersatzforderungen in dem
Umfang an den Staat abtreten, in dem diese durch die Zuwendungen ge-
mäss Art. 73 StGB gedeckt sind;
3. es sei den Berufungsklägern die ihnen zustehende Forderung gemäss ihrem
Zuweisungsantrag nach Art. 73 StGB zuzusprechen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Berufungsgegners.
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b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 283 S. 1)
1. Ziff. 3 des Dispositivs des Urteils der Vorinstanz vom 14. September 2015
sei aufzuheben und durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:
"Der Beschuldigte wird bestraft mit 5 Jahren Freiheitsstrafe, unter Anrech-
nung der erstandenen Haft."
2. Unter Kostenfolge.
c) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 247, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils, mit Ausnahme der Urteilsziffer 4
betreffend die Privatkläger 21, 32, 42 und 53.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Die dem Beschuldigten zur Last gelegten Taten wurden vor Inkrafttreten der
Schweizerischen Strafprozessordung begangen (Urk. HD 56; 1. Januar 2011).
Nachdem der angefochtene erstinstanzliche Entscheid am 14. September 2015
ergangen ist, gelten die Bestimmungen der schweizerischen Strafprozessordnung
(Art. 448 und Art. 454 Abs. 1 StPO).
2. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
14. September 2015 wurde der Beschuldigte E._ weitgehend anklage-
gemäss des gewerbsmässigen Betrugs, der Urkundenfälschung sowie der Verun-
treuung schuldig gesprochen und mit 9 Jahren Freiheitsstrafe bestraft. Sodann
wurde über die Zivilansprüche zahlreicher Privatkläger entschieden (Urk. 221
S. 291 ff.). Gegen diesen Entscheid liessen der Beschuldigte durch seinen amtli-
chen Verteidiger (Urk. 199) sowie diverse Privatkläger durch ihre Rechtsvertreter
(Urk. 190, 191, 192, 193, 194, 197 und 198) innert gesetzlicher Frist Berufung
anmelden (Art. 399 Abs. 1 StPO). Die appellierende Privatklägerin R._ zog
ihre Berufung anschliessend wieder zurück (Urk. 209), wovon bereits mit Präsidi-
alverfügung vom 27. Januar 2016 Vormerk genommen wurde (Urk. 240). Weitere
Appellanten unterliessen es, eine Berufungserklärung einzureichen, weshalb be-
reits mit Beschluss vom 22. Februar 2016 auf ihre Berufungen nicht eingetreten
wurde (Urk. 249). Die Berufungserklärungen der verbleibenden Appellanten gin-
gen innert gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO;
Urk. 224, 226, 229, 232, 235). Auf Anschlussberufung zu den Hauptberufungen
wurde allseits verzichtet (Art. 400 Abs. 2 f. und Art. 401 StPO). Beweisergän-
zungsanträge wurden im Berufungsverfahren nicht gestellt (Art. 389 Abs. 3 StPO;
Prot. II S. 12). Die Appellanten haben ihre Berufungen in ihren Berufungserklä-
rungen ausdrücklich beschränkt (Urk. 224, 226, 229, 232, 235; Art. 399 Abs. 4
StPO). Die Anklagebehörde beantragt die Bestätigung des angefochtenen Ent-
scheides respektive stellt keine Anträge (Urk. 247).
- 17 -
3. Demnach sind im Berufungsverfahren einzig angefochten:
- das vorinstanzlich ausgefällte Strafmass (Urteilsdispositiv-Ziff. 3) sowie
- die vorinstanzliche Regelung der Zivilansprüche der Privatkläger A._,
B._, C._ und D._ gemäss Urteilsdispositiv-Ziff. 32 und 33.
Betreffend alle übrigen im Dispositiv der Vorinstanz getroffenen Regelungen ist
vorab vom Eintritt der Rechtskraft Vormerk zu nehmen (Art. 404 StPO).
II. Sanktion
1.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten dem Antrag der Anklagebehörde fol-
gend (Urk. 221 S. 9) mit 9 Jahren Freiheitsstrafe bestraft (Urk. 221 S. 291).
1.2. Die Verteidigung beantragt wie schon im Hauptverfahren, es sei der Be-
schuldigte mit 5 Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen (Urk. 221 S. 16; Urk. 224 S. 2;
Urk. 283 S. 1).
2. Die Vorinstanz hat vorab zutreffende Ausführungen zum anwendbaren
Recht und zu den allgemeinen Strafzumessungsregeln angestellt (Urk. 221
S. 101-108), die seitens des appellierenden Beschuldigten nicht gerügt werden
(Urk. 283 S. 2) und auf welche zu verweisen ist (Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.1. Zur Tatkomponente und dort zur objektiven Tatschwere des gewerbsmässi-
gen Betrugs hat die Vorinstanz zusammengefasst erwogen (Urk. 221 S. 108-114),
das betrügerische Tun habe sich über den sehr langen Zeitraum von über acht
Jahren (November 2000 bis Juli 2009) erstreckt. Der Beschuldigte habe mit hart-
näckiger Entschlossenheit auch nach Bekanntwerden des einen Falles (ND 45),
der zu seiner Entlassung bei der CV._ am 19. Januar 2009 geführt hatte,
an seinem "Umlagesystem" festhalten wollen. Auch wenn es zu keiner weiteren
Auszahlung von Vorsorgeguthaben mehr gekommen sei, habe er doch nicht von
seinem früheren Tun Abstand genommen und weiterhin – sogar nach Verfah-
renseröffnung und der ersten Haftentlassung – Geschädigte und Behörden ge-
täuscht. Der Beschuldigte habe zum Nachteil von nicht weniger als 76 Personen,
- 18 -
die sich vertrauensvoll ratsuchend an ihn gewandt hatten, Vorsorge- und teilweise
auch Bankguthaben in der Höhe von insgesamt über CHF12 Mio. auf seine eige-
nen Konti überweisen lassen. Der strafrechtliche Schaden betrage entgegen der
Verteidigung nicht rund CHF 7 Mio., sondern deutlich mehr. Ob und in welcher
Höhe die Geschädigten durch Prozesse gegen Vorsorgeeinrichtungen oder ande-
re Institutionen Gelder "wieder hereinholen" können, sei für die Verschuldensge-
wichtung irrelevant. Entgegen der Schätzung der Verteidigung seien dies ohnehin
deutlich weniger als CHF 3 Mio. Der Deliktsbetrag sei aussergewöhnlich gross.
Erschwerend sei, dass der Beschuldigte gemäss eigenem Bekunden mit fast je-
dem Geschädigten "eine freundschaftliche bis familiäre Beziehung" hatte, was ihn
nicht davon abgehalten habe, sie zu hintergehen. Er habe eine von Eigennutz und
schamloser Perfidie geprägte Gesinnung manifestiert.
Dass sich die Betrugsdelinquenz zum grössten Teil auf Vorsorgeguthaben bezog
und er sich die Alters- bzw. Invalidenleistungen von Geschädigten zu seinen ei-
genen Gunsten überweisen liess, unterstreiche die von Egoismus, Gefühlskälte
und Skrupellosigkeit geprägte Einstellung des Beschuldigten. Er habe nicht ein-
mal davor zurückgeschreckt, sich an den Hinterlassenenleistungen von Geschä-
digten zu bedienen, welche kurz vorher den Tod des Ehegatten bzw. eines Eltern-
teils zu beklagten hatten und deren sozialversicherungsrechtliche Ansprüche er
auf diese Weise vereitelte. Die Geschädigten seien überwiegend um Vorsorge-
gelder gebracht worden, auf die sie nach Eintritt des Versicherungsfalles (Alter,
Tod oder Invalidität) zusammen mit den Leistungen der AHV/IV zur Fortsetzung
der gewohnten Lebenshaltung angewiesen gewesen wären. Der Beschuldigte
habe die meisten Geschädigten seit Jahren gekannt und um ihre finanzielle Situa-
tion gewusst. Dieser Umstand mache das Verhalten des Beschuldigten umso
schäbiger. Im Wissen darum, dass die Geschädigten aufgrund seiner Handlungen
in finanzielle Not geraten würden, zog er sein Vorhaben mit kaltem Kalkül durch.
Verglichen mit Anlagebetrügen, bei denen die Geschädigten um ihre Anlagegel-
der gebracht werden, die sie nicht für die Finanzierung ihres Lebensunterhalts
benötigen und deshalb in der Hoffnung auf lukrative Gewinne investieren, er-
scheine das Verhalten des Beschuldigten deutlich verwerflicher.
- 19 -
Der Beschuldigte habe zudem eine ausgesprochen grosse kriminelle Energie an
den Tag gelegt. Er habe ein ebenso durchtriebenes wie raffiniertes Vorgehen, das
bis ins Detail durchgeplant war und auch den Aspekt der Tarnung nicht unberück-
sichtigt liess, an den Tag gelegt. Seine Hinterlistigkeit suche ihresgleichen. Er ha-
be nichts dem Zufall überlassen, sondern sei für alle Eventualitäten vorbereitet
gewesen. Seine rücksichtslose und kaltblütige Entschlossenheit habe der Be-
schuldigte gerade auch in für ihn heiklen Fällen, welche die Gefahr in sich bargen,
dass sein Tun auffliegen könnte, manifestiert. Dass seine CV._-Tätigkeit
nicht seine Hauptbeschäftigung gewesen sei, sei entgegen der Verteidigung irre-
levant. Schliesslich habe der Beschuldigte auch die ihm von seinem Arbeitgeber
eingeräumte Vertrauensstellung als Leiter der CV._-Geschäftsstelle in Zürich
missbraucht. Weiter sei es entgegen der Verteidigung nicht "dem Beschuldigten
durch das Umfeld der Institutionen leicht gemacht worden".
Mit Blick auf die gesamten Umstände und im Vergleich mit anderen derartigen
Delikten wiege die objektive Tatschwere vorliegend sehr schwer bis ausseror-
dentlich schwer. Die Strafe sei zwingend im obersten Bereich des zur Verfügung
stehenden Strafrahmens anzusiedeln. Von der objektiven Tatschwere her wäre
eine 'Einsatzstrafe' von rund 9 Jahren angemessen.
3.2. Die appellierende Verteidigung rügt diese Erwägungen dahingehend, die
Vorinstanz berücksichtige beim objektiven Tatverschulden die "hartnäckige Ent-
schlossenheit" des Beschuldigten, der auch nach Bekanntwerden des einen Fal-
les, der zu seiner Entlassung bei der CV._ geführt habe, an seinem "Umla-
gesystem" habe festhalten wollen. Dabei blende die Vorinstanz jedoch eine quali-
tative Änderung aus: Der Beschuldigte habe keine weiteren Auszahlungen von
Vorsorgeguthaben mehr veranlasst, vielmehr hätten die Urkundenfälschungen in
diesem Zeitraum dem Zweck gedient, die Geschädigten über den bereits ange-
richteten Schaden zu täuschen und sie entsprechend hinzuhalten. Durch die feh-
lende Differenzierung habe die Vorinstanz die Änderung der Motivationslage des
Beschuldigten nicht wahrgenommen, welche zwar bei der objektiven Tatschwere
nicht ins Gewicht falle, hingegen handle es sich dabei um Beweggründe, die ei-
- 20 -
nerseits bei der subjektiven Tatschwere eine Rolle spielen würden und anderer-
seits betreffend Nachtatverhalten relevant seien (Urk. 283 S. 2 f.).
Weiter habe die Vorinstanz ausgeführt, der strafrechtliche Schaden betrage
Fr. 12 Mio. und nicht bloss Fr. 7 Mio. Unter dem Gesichtspunkt der Schwere der
Verletzung des betroffenen Rechtsguts mache es beim Betrug aber einen Unter-
schied, ob das Vermögen der Geschädigten bloss gefährdet oder tatsächlich weg
sei. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz sei auch nicht irrelevant, ob
durch Prozesse gegen Vorsorgeeinrichtung oder andere Institutionen eine Scha-
densdeckung stattfinde. Dies spiele nämlich im Zusammenhang damit, dass das
Verhalten des Beschuldigten angesichts des sozialen Status der Geschädigten
als deutlich verwerflicher eingestuft werde, als das von "sattsam bekannten Anla-
gebetrügern", eine Rolle, da dieses Argument eben nicht gelte, falls der Schaden
durch Institutionen zu tragen sei (Urk. 283 S. 4 f.).
Die Verteidigung kritisiert weiter, die Vorinstanz habe bei der objektiven Tat-
schwere festgehalten, es sei irrelevant, dass der Beschuldigte im Rahmen seiner
Tätigkeit bei der CV._ nur gerade zu 10% im BVG-Bereich tätig gewesen sei.
Dies sei jedoch in subjektiver Hinsicht relevant (Urk. 283 S. 5).
Die Verteidigung bringt ausserdem vor, sie habe bereits vor Vorinstanz unter-
strichen, dass die kriminellen Machenschaften des Beschuldigten nur deshalb in
diesem Ausmass funktioniert hätten, weil verschiedenste Institutionen mitgewirkt
hätten. Sie hätten es namentlich unterlassen, kritische Fragen zu stellen. Ver-
schiedenste Faktoren im institutionellen Umfeld hätten dazu geführt, dass der Be-
schuldigte bei den einzelnen Tathandlungen keine grosse Energie habe auf-
wenden müssen. Zudem seien bei den meisten Delikten für sich betrachtet keine
Anstrengungen nötig gewesen. Die ganze Deliktserie habe damit begonnen, dass
zunächst ganz legal grössere Geldsummen aus beruflicher Vorsorge von ehema-
ligen Gastarbeitern über das Konto des Beschuldigten zu ihren Destinatären
transferiert worden sei. Die Fortsetzung, dass er das selbe mit krimineller Absicht
getan habe, sei objektiv gesehen ein kleiner Schritt gewesen (Urk. 283 S. 6 f.).
- 21 -
Schliesslich widerspricht die Verteidigung dem Schluss der Vorinstanz, dass die
objektive Tatschwere als sehr schwer bis ausserordentlich schwer zu bezeichnen
und deshalb eine Einsatzstrafe von 9 Jahren angemessen sei. Zwar seien die
Geschädigten zum grössten Teil besonders empfindliche Opfer, jedoch sei auch
der Deliktsbetrag beim gewerbsmässigen Betrug ein gewichtiges Kriterium, wes-
halb die objektive Tatschwere schwer bis sehr schwer wiege bzw. ein Strafmass
von 7 bis 8 Jahren angemessen erscheine (Urk. 283 S. 7 f.).
3.3. Die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich betont in Bezug auf die Scha-
denshöhe, der Beschuldigte habe insgesamt 250 Personen potentiell gefährdet.
Zu beurteilen sei gemäss Anklageschrift ein Schaden von 12 Mio., welcher aus ju-
ristischer Sicht auch eingetreten sei. Dieser Schaden könne nicht auf 7 Mio., wel-
che im Portemonnaie Dritter fehlten, heruntergespielt werden. Sollten Dritte diese
Schäden ausgleichen, könne das nicht dem Beschuldigten zugute gehalten wer-
den (Prot. II S. 14).
Der Beschuldigte habe über tiefe Kenntnisse des ganzen Vorsorgewesens
verfügt, was verschuldenserschwerend zu berücksichtigen sei. Es könne nicht
gesagt werden, die Institutionen und das Umfeld hätten es ihm leicht gemacht. Er
habe die Angreifbarkeit des Systems und die Schwächen der Geschädigten er-
kannt und in direkter Absicht ausgenutzt, weshalb sein Verschulden umso schwe-
rer wiege. Auch die kriminelle Energie des Beschuldigten dürfe nicht unterschätzt
werden. Bereits aus dem Umfang der Anklageschrift sowie den über
300 Urkundenfälschungen ergebe sich, welcher enorme Aufwand der Beschuldig-
te Tag für Tag gehabt habe, um sein Umlageverfahren aufrecht zu erhalten, auch
wenn die meisten Delikte für sich allein keiner allzu grossen Anstrengung be-
durften. Selbst die Verteidigung gehe von einem schweren bis sehr schweren
Verschulden und somit von einer Einsatzstrafe von 7 bis 8 Jahren aus, worin auch
ein Bekenntnis zu sehen sei (Prot. II S. 15).
3.4. Die Verteidigung anerkennt im Rahmen der Berufungsverhandlung, dass der
strafrechtlich relevante Schaden 12 Mio. beträgt, hält aber dafür, dass es unter
dem Gesichtspunkt der Schwere der Verletzung des Rechtsguts eine Rolle spiele,
ob das Vermögen der Geschädigten bloss gefährdet oder tatsächlich weg sei
- 22 -
(Urk. 283 S. 4). In der Tat wirkt das Verschulden des Beschuldigten in Bezug auf
die 7 Mio., welche tatsächlich nicht mehr vorhanden sind, schwerer. Nichtsdesto-
trotz sind aber auch die weiteren 5 Mio., welche durch die Machenschaften des
Beschuldigten gefährdet waren, für die Schadenshöhe relevant. Dass diese bloss
gefährdet waren ist zwar entgegen der Vorinstanz nicht komplett irrelevant, führt
jedoch auch nicht zu einer wesentlichen Entlastung des Beschuldigten. Dement-
sprechend kann dem Beschuldigten mit der Vorinstanz und der Anklagebehörde
(vgl. Urk. 221 S. 110 und Prot. II S. 14) auch nicht zugute gehalten werden, falls
Dritte – Vorsorgeeinrichtungen, Banken, etc. – den Geschädigten den eingetrete-
nen Schaden (teilweise) ersetzen. Dies ändert nämlich entgegen der Verteidigung
nichts daran, dass der Beschuldigte – im Vergleich zu anderen Anlagebetrügern,
welche die Geschädigten um ihre Anlagegelder bringen – bewusst in Kauf ge-
nommen hat, dass die Geschädigten ihre Altersvorsorge verlieren, was sein Ver-
halten umso verwerflicher erscheinen lässt.
Dem Argument der Verteidigung, die kriminellen Machenschaften des Beschuldig-
ten hätten nur in diesem Ausmass funktioniert, weil verschiedene Institutionen
"mitgewirkt" hätten (Urk. 283 S. 6), ist vehement zu widersprechen. Zwar stand
der Beschuldigte in seiner Funktion bei der CV._ mit verschiedenen Instituti-
onen in einer geschäftlichen Beziehung und bezog diese so auch in seine krimi-
nellen Machenschaften mit ein, delinquiert hat er aber alleine. Er kann sein Ver-
schulden nicht auf verschiedene Institutionen abschieben. Betreffend das Argu-
ment der Verteidigung, das institutionelle Umfeld hätte es dem Beschuldigten
leicht gemacht, anerkennt selbst die Verteidigung angesichts der grossen Anzahl
von strafbaren Einzelhandlungen über einen sehr langen Zeitraum, dass die
scheinbare Leichtigkeit, mit welcher der Beschuldigte die vielen Delikte beging,
nicht als schuldmindernder Faktor gelten könne (Urk. 283 S. 7). Sie kritisiert je-
doch, dass die Vorinstanz nur die Quantität der Einzelhandlungen berücksichtigt,
nicht aber die Qualität. Dem ist entgegenzuhalten, dass bei der Qualität dieser
einzelnen Handlungen nicht nur die jeweils notwendige Anstrengung des Be-
schuldigten für die einzelnen Tathandlungen an sich zu berücksichtigen ist. Viel-
mehr ist diesbezüglich auch zu berücksichtigen, welche Personen der Beschuldig-
te mit seinen Handlungen schädigte. Die Verteidigung gibt zu, dass die Geschä-
- 23 -
digten zum grössten Teil besonders empfindliche Opfer waren (Urk. 283 S. 7). In
der Tat handelte es sich um Personen, welche sich im System der beruflichen
Vorsorge nicht auskannten, und welche sich deshalb dem Beschuldigten anver-
trauten. Der Beschuldigte pflegte zu den Geschädigten eine persönliche Bezie-
hung und nutzte sowohl deren Hilflosigkeit als auch die Schwächen des institutio-
nellen Umfelds bewusst aus, was von Skrupellosigkeit sowie erheblicher kriminel-
ler Energie zeugt. Überdies definiert sich die kriminelle Energie nicht alleine durch
die Energie, welche der Beschuldigte für die einzelnen Tathandlungen aufwenden
musste. Diesbezüglich fallen mit der Anklagebehörde neben der erwähnten be-
wussten Ausnützung der Hilflosigkeit der Geschädigten insbesondere auch die
lange Dauer der kriminellen Machenschaften und die zahlreichen einzelnen Hand-
lungen – hierfür waren mehr als 300 Urkundenfälschungen notwendig – ins Ge-
wicht. Dass die einzelnen Handlungen jede für sich keiner grossen Anstrengun-
gen bedurften, ist dabei nicht relevant. Der enorme Aufwand, welcher der Be-
schuldigte betrieb, um sein Umlageverfahren aufrecht zu erhalten, ergibt sich
nämlich erst aus dem Gesamtbild. Dementsprechend bleibt auch das Argument
der Verteidigung, der Beschuldigte sei im Rahmen seiner Tätigkeit bei der
CV._ nur 10% im BVG-Bereich tätig gewesen und habe sich folglich nicht
ständig mit seinen kriminellen Machenschaften beschäftigt (Urk. 283 S. 5 u. 7),
ohne Einfluss auf sein Verschulden, wie dies bereits die Vorinstanz zutreffend
festgehalten hat (Urk. 221 S. 113). Wieviel Zeit der Beschuldigte in seine kriminel-
len Machenschaften investierte, um sein "Umlagesystem" aufrechtzuerhalten, ist
nicht relevant; relevant ist einzig das Resultat.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist mit der Verteidigung und der Staats-
anwaltschaft von einem schweren bis sehr schweren objektiven Tatverschulden,
entgegen der Vorinstanz aber nicht von einem ausserordentlich schweren Tat-
verschulden, auszugehen (vgl. Prot. II S. 14; Urk. 283 S. 8). Dies führt zu einer
hypothetischen Einsatzstrafe im oberen Bereich des zur Verfügung stehenden
Strafrahmens von rund 8.5 Jahren.
4.1. Zur subjektiven Tatschwere wurde zusammengefasst erwogen (Urk. 221
S. 114-117), der Beschuldigte sei tatzeitaktuell in seiner Schuldfähigkeit nicht ein-
- 24 -
geschränkt gewesen. Er habe direktvorsätzlich und nicht nur eventualvorsätzlich
gehandelt.
Seinem Tun habe ein finanzielles Motiv zugrunde gelegen, was angesichts seines
gewerbsmässigen Handelns nicht ein weiteres Mal zum Nachteil gereiche. Er ha-
be sich einen Lebenswandel gegönnt, den er mit seinen legalen Einkünften nicht
finanzieren konnte. Das schamlose Bedienen an Vorsorgegeldern seiner Kunden,
als ob diese sein Eigentum gewesen wären, sei ein Ausdruck von Geldgier und
wiege verschuldenserschwerend. Die Verwendung deliktisch erlangter Gelder zur
Schuldentilgung entlaste ihn nicht. Die Motivlage sei entgegen der Verteidigung
nicht selbstlos gewesen und der Beschuldigte habe auch nicht damit gerechnet,
seinen Verbindlichkeiten nachkommen zu können und "eigentlich niemanden
schädigen" wollen. Verschuldensrelativierend und leicht strafsenkend falle ins
Gewicht, dass rund CHF 5 Mio. und damit etwa zwei Fünftel des vorerwähnten
Deliktsbetrags auf Zahlungen zu Gunsten von Geschädigten entfielen.
Die Auszahlung seines Pensionskassenguthabens im Frühjahr 2009, um einen
Teil des Schadens zu decken, erfülle den Strafmilderungsgrund der Betätigung
aufrichtiger Reue im Sinne von Art. 48 lit. d StGB nicht. Dies sei nicht freiwillig,
sondern vor dem Hintergrund des Strafverfahrens erfolgt. Zudem habe der Be-
schuldigte im Frühjahr 2009 noch längst nicht reinen Tisch gemacht, sondern wei-
terhin Geschädigte hingehalten und besänftigt. Diese Zahlungen seien sodann als
Teil des vorerwähnten Betrages von rund CHF 5 Mio. bereits verschuldens-
relativierend berücksichtigt worden.
Angesichts des erwähnten Deliktszeitraums von November 2000 bis Juli 2009 sei
für gewisse Betrugshandlungen die Verjährung (teilweise sehr) nahe. Von einem
seitherigen Wohlverhalten könne jedoch keine Rede sein, da die Betrugs-
delinquenz erst im Sommer 2009 ein Ende nahm. Der Strafmilderungsgrund von
Art. 48 lit. e StGB sei zu verneinen. Ganz leicht strafmindernd sei dagegen zu be-
rücksichtigen, dass sich der Beschuldigte in den letzten 6 Jahren nichts mehr zu
Schulden kommen liess.
- 25 -
Weitere Strafmilderungsgründe im Sinne von Art. 48 StGB seien weder geltend
gemacht noch ersichtlich.
Insgesamt vermöge die subjektive Komponente die objektive Tatschwere weder
zu erhöhen noch zu relativieren. In Würdigung der objektiven und subjektiven
Tatschwere des gewerbsmässigen Betruges erscheine eine hypothetische Ein-
satzstrafe von etwa 9 Jahren angemessen.
4.2. Die appellierende Verteidigung rügt diese Erwägungen dahingehend, die
Vorinstanz spreche von "Geldgier" des Beschuldigten. Dieser selber habe aber
von "Geldrausch" gesprochen, was zutreffender sei: So habe der Beschuldigte
zwar mit fremdem Geld um sich geworfen, aber weder ein luxuriöses Leben ge-
lebt noch Reichtum für sich selber angehäuft. Vielmehr habe er sich grosszügig
zeigen wollen, was er wahrscheinlich nach einem Lottogewinn in den Neunziger-
jahren noch mit eigenem Geld angefangen habe. Die illegalen Bereicherungen
seien Mittel zum Zweck gewesen, weiterhin grosszügig zu erscheinen. Die Vor-
instanz gehe nicht mit erkennbaren Konsequenzen auf die Tatsache ein, dass der
Beschuldigte einen wesentlichen Teil der Deliktssumme zur Bezahlung von
Rechnungen Dritter verwendet habe. Das passe nicht zum Bild einer Geldgier,
welches die Vorinstanz gezeichnet habe (Urk. 283 S. 8 f.).
Weiter sei zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte seine kriminellen Handlun-
gen nicht mit Schädigungsabsichten begonnen habe, sondern weil er Kunden,
welche nur Anspruch auf Kapitalauszahlung gehabt hätten, eine Rente habe offe-
rieren wollen. Hierfür habe er ursprünglich sein eigenes Konto zur Verfügung ge-
stellt, um nicht ausbezahlte Vorsorgegelder an die Berechtigten in Italien und
Spanien auszahlen lassen zu können (Urk. 283 S. 9).
Zu kritisieren sei auch, dass die Vorinstanz nur leicht strafsenkend berücksichtige,
dass der Beschuldigte vom gesamten Deliktsbetrag (von rund 12 Mio.) rund
5 Mio. und damit etwa zwei Fünftel für Zahlungen zugunsten von Geschädigten
verwendet habe. Ausserdem sei die Strafe leicht – im Umfang von einigen Mona-
ten – zu mindern, weil der Beschuldigte seine eigene Pensionskasse aufgelöst
und sich die vorhandenen Fr. 223'000.– ausbezahlen lassen habe, um damit ver-
- 26 -
schiedene Geschädigte wenigstens teilweise zu befriedigen (Urk. 283 S. 10). Ent-
gegen der Anklagebehörde (vgl. Prot. II S. 15) sei der Bezug der Pensionskasse
auch nicht widerrechtlich erfolgt, denn der Beschuldigte habe sich damals selb-
ständig gemacht, auch wenn er sich später wieder habe anstellen lassen (Prot. II
S. 19).
Schliesslich sei das Fazit der Vorinstanz, die subjektive Tatschwere vermöge die
objektive Tatschwere weder zu erhöhen noch zu relativieren, nicht angemessen.
Vielmehr sie die Strafe aufgrund der seitens der Verteidigung vorgebrachten Dif-
ferenzierung bei der Motivation, wesentlich geringeren Nettoschädigung sowie
Schadensminderung mit eigenem Geld leicht zu reduzieren und die hypothetische
Einsatzstrafe auf 6.5 Jahre festzusetzen (Urk. 283 S. 10).
4.3. Zum Bezug der Pensionskasse führt die Anklagebehörde aus, dieser Bezug
sei in widerrechtlicher Weise, nämlich unter Vorgabe falscher Bedingungen, ge-
schehen und dem Beschuldigten auf keinen Fall als Reuehandlung anzurechnen
(Prot. II S. 15).
Betreffend sein Motiv habe der Beschuldigte sowohl in materieller als auch in im-
materieller Weise von seinen Handlungen profitiert. Er habe eine Art "Allmacht-
Gebaren" an den Tag gelegt, was ihm scheinbar gefallen habe und ein höchst
egoistisches Motiv sei (Prot. II S. 16).
4.4. Die Verteidigung spricht von "Geldrausch" statt "Geldgier". Während der
Geldgierige einzig die Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse bezwecke, werfe
derjenige, der sich im Geldrausch befinde, mit Geld um sich, sei es für sich oder
für andere. Hierbei konzediert aber selbst die Verteidigung, dass der Beschuldigte
hauptsächlich mit fremdem Geld um sich geworfen hat. Ausserdem gesteht die
Verteidigung auch ein, dass der Beschuldigte über seinen Verhältnissen gelebt
hat (Urk. 283 S. 8). Es mag sein, dass dieser Lebensstil mit einem Lottogewinn in
den Neunzigerjahren begonnen hat. Später hat er diesen Lebensstil jedoch durch
seine Delikte und somit mit fremden Geldern finanziert. Somit hat der Beschuldig-
te zweifellos in materieller Hinsicht von seinen Handlungen profitiert, auch wenn
er keinen luxuriösen Lebensstil an den Tag legte. Ausreichend ist, dass der Be-
- 27 -
schuldigte über seinen Verhältnissen lebte. Auch wenn der Beschuldigte vor-
bringt, er habe mit dem Kauf von teuren Uhren einen Werterhalt bezweckt und
diese deshalb auch nie getragen (Urk. 283 S. 8), kann er daraus nichts zu seinen
Gunsten ableiten. Seine Aufgabe wäre einzig und allein gewesen, das Geld an
die Berechtigten weiterzuleiten. Es ist sodann auch nicht zutreffend, dass der Be-
schuldigte nicht egoistisch gehandelt hätte, weil er nicht primär sich selber berei-
cherte oder Geld für sich selber anhäufte, sondern das Geld gerne verschenkte
beziehungsweise damit Rechnungen Dritter bezahlte. Er wollte Dritten gegenüber
weiterhin grosszügig erscheinen, was auch die Verteidigung zugesteht (Urk. 283
S. 8). Auch Geltungsdrang oder das Erkaufen von Prestige sind durchwegs egois-
tische Motive. Wie die Anklagebehörde zutreffend ausführte (Prot. II S. 16), hat
der Beschuldigte auch in immaterieller Weise von seinen Handlungen profitiert,
indem er sich die Bewunderung bzw. Dankbarkeit der Personen, welche er gross-
zügig mit fremden Geldern unterstützte, sicherte. Letztlich bezeichnet der Begriff
"Rausch" gemäss Duden einen emotionalen Zustand übersteigerter Ekstase bzw.
ein intensives Glücksgefühl, das jemanden über seine normale Gefühlslage hin-
aushebt. Mithin profitiert auch von einem Rausch nur die sich in einem solchen
Zustand befindende Person allein; man hat nicht einen Rausch zugunsten Dritter.
Betreffend dem Vorbringen der Verteidigung, der Beschuldigte habe seine krimi-
nellen Handlungen in den Jahren 2000/2001 nicht mit Schädigungsabsichten be-
gonnen (Urk. 283 S. 9) ist festzuhalten, dass das zutreffend ist, dem Beschuldig-
ten aber auch keine Schädigungsabsicht vorgeworfen wird. In der Tat war es wohl
kaum die Absicht des Beschuldigten, die Geschädigten um ihre Altersvorsorge zu
bringen. Nichtsdestotrotz nahm der Beschuldigte dies aber in Kauf und handelte
somit mit Wissen und Willen, weil offensichtlich war, dass durch seine Handlun-
gen die Altersvorsorge diverser Personen geschädigt oder mindestens gefährdet
wurden.
Die Verteidigung kritisiert, die Vorinstanz habe nur leicht strafmindernd berück-
sichtig, dass der Beschuldigte vom gesamten Deliktsbetrag rund 5 Mio. zugunsten
von Geschädigten verwendet habe und spricht in diesem Zusammenhang von ei-
ner "faktischen Schadensminderung" (Urk. 283 S. 10). Von einer Schadensminde-
- 28 -
rung kann aber keine Rede sein, da der Beschuldigte – wie bereits vorstehend bei
der objektiven Tatschwere erwähnt (vgl. vorstehend. Ziff. Ziff. 3.4, S. 24) – einen
strafrechtlich relevanten Schaden in der Höhe von 12 Mio. verursacht hat. Leicht
strafmindernd zu berücksichtigen ist hingegen, dass der Beschuldigte 5 Mio. des
Deliktsbetrags zugunsten von Geschädigten verwendete, mithin sein Verschulden
diesbezüglich geringer ist. Allerdings ist mit der Vorinstanz wiederum relativierend
zu berücksichtigen, dass diese Zahlungen an die Geschädigten nicht bloss aus
altruistischen Gründen erfolgten, sondern einerseits, um seine betrügerischen
Handlungen zu tarnen und andererseits, um Dritten gegenüber grosszügig auf-
treten zu können (vgl. Urk. 221 S. 116).
Auf den Einwand der Verteidigung, die Strafe sei leicht im Umfang von wenigen
Monaten zu mindern, weil der Beschuldigte seine Pensionskasse aufgelöst habe
(Urk. 283 S. 10), ist nicht bei der subjektiven Tatschwere einzugehen, sondern an
späterer Stelle bei der Beurteilung des Nachtatverhaltens.
Zusammenfassend vermag die subjektive Tatschwere die objektive Tatschwere
nicht zu relativieren.
5.1. Zu den weiteren Delikten (Urkundenfälschung, Veruntreuung) hat die Vor-
instanz zusammengefasst erwogen (Urk. 221 S. 117 bis 120), die mehrfache Ur-
kundenfälschung sei als Ganzes zu beurteilen. Der Beschuldigte habe während
des sehr langen Zeitraums von über 8 1/2 Jahren über 300 Urkundenfälschungen
begangen, er habe nicht nur unechte Urkunden, sondern auch unwahre produ-
ziert. Nicht nur diese (für Urkundenfälschungen) ausgesprochen grosse Zahl,
sondern auch sein diversifiziertes und aufwändiges Vorgehen zeige seine sehr
grosse kriminelle Energie. Die objektive Tatschwere falle sehr stark ins Gewicht.
In subjektiver Hinsicht würden die vorstehenden Erwägungen zur subjektiven
Komponente des gewerbsmässigen Betrugs analog gelten. Der subjektive Aspekt
beeinflusse die objektive Tatschwere nicht. Bei isolierter Beurteilung wäre für die
mehrfache Urkundenfälschung angesichts des sehr schweren Verschuldens und
in Relation zum Strafrahmen (Geldstrafe bis fünf Jahre Freiheitsstrafe) eine Frei-
heitsstrafe von etwa 4 Jahren angemessen.
- 29 -
Betreffend Veruntreuung habe der Beschuldigte dass ihm entgegengebrachte
Vertrauen nur eine Woche nach dem Tod des Vollmachtgebers in geradezu
schändlicher Manier missbraucht. Auch wenn es sich um einen einmaligen Vorfall
gehandelt habe und der Deliktsbetrag nicht sehr hoch gewesen sei, sei das Ver-
halten des Beschuldigten schäbig, pietätlos und von kaltem Egoismus geprägt
gewesen. Die objektive Tatschwere wiege insgesamt gerade noch leicht. In sub-
jektiver Hinsicht sei der Beschuldigte im Tatzeitpunkt in seiner Einsichts- und/oder
Handlungsfähigkeit nicht eingeschränkt gewesen und er habe mit direktem Vor-
satz und finanziellem Motiv gehandelt. Ein verschuldensreduzierender Umstand
gemäss Art. 48 StGB liege nicht vor. Die subjektive Komponente erhöhe respekti-
ve reduziere die objektive Tatschwere nicht. Bei isolierter Beurteilung wäre für die
Veruntreuung angesichts des noch leichten Verschuldens und in Relation zum
Strafrahmen (Geldstrafe bis fünf Jahre Freiheitsstrafe) eine Freiheitsstrafe von
etwa 8 Monaten Freiheitsstrafe bzw. 240 Tagessätzen Geldstrafe angemessen.
Die vom Beschuldigten begangenen Delikte stünden in einem Gesamtkontext,
weshalb für sämtliche zu beurteilenden Taten eine Freiheitsstrafe als Gesamt-
strafe unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips auszufällen sei.
Ausgehend von der hypothetischen Einsatzstrafe für das schwerste Delikt (etwa
9 Jahre für den Tatbestand des gewerbsmässigen Betrugs) führten die weiteren
Delikte in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB nur zu einer leichten Strafer-
höhung. Die allermeisten Urkundenfälschungen wiesen einen engen Konnex zum
gewerbsmässigen Betrug auf, als sie zu dessen Begehung oder Vertuschung er-
folgten. Die Veruntreuung falle im Vergleich mit den übrigen vom Beschuldigten
begangenen Delikten verschuldensmässig kaum ins Gewicht. Es resultiere ein
Zuschlag in der Grössenordnung von etwa 1/10 der hypothetischen Einsatzstrafe
für das schwerste Delikt, somit eine hypothetische Einsatzstrafe für alle vom Be-
schuldigten begangenen Straftaten von knapp 10 Jahren Freiheitsstrafe.
5.2. Die appellierende Verteidigung rügt diese Erwägungen dahingehend, eine
Straferhöhung um 10% sei etwas viel, wenn man sich vergegenwärtige, dass das
Unrecht der Urkundenfälschung sowohl objektiv wie subjektiv mit demjenigen des
gewerbsmässigen Betrugs praktisch zusammenfalle. Gerade das schwere Ver-
- 30 -
schulden beim gewerbsmässigen Betrug beinhalte die umfangreichen und um-
triebigen Manipulationen, eben die Urkundenfälschungen. Die hypothetische Ein-
satzstrafe für alle vom Beschuldigten begangenen Straftaten sei somit auf etwa
7 Jahre Freiheitsstrafe festzusetzen (Urk. 283 S. 11).
5.3. Demgegenüber wendet die Anklagebehörde ein, die hypothetische Einsatz-
strafe von 4 Jahren für die Urkundenfälschungen in ca. 300 Fällen sei sicherlich
im unteren Bereich ausgefallen. Allein die Urkundenfälschungen zum Nachteil der
Geschädigten DK._ würden dabei sehr schwer ins Gewicht fallen, da der Un-
rechtsgehalt dieser Taten vom Tatbestand des gewerbsmässigen Betrugs nicht
gedeckt werde, was die Vorinstanz unberücksichtigt gelassen habe. Die Asperati-
on von 1/10 sei deutlich zu mild ausgefallen (Prot. II S. 17).
5.4. Die Ausführungen der Vorinstanz zu den weiteren Delikten sind zutreffend
und werden auch von der Verteidigung nicht beanstandet (vgl. Urk. 221
S. 117-120; Urk. 283 S. 11). Die Vorinstanz erachtete für die zahlreichen Urkun-
denfälschungen eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren und für die Veruntreuung eine
Freiheitsstrafe von 8 Monaten als angemessen (Urk. 221 S. 118 u. S. 120). Die
diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz sind allesamt zutreffend und über-
zeugend. In Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB erhöhte die Vorinstanz die hypo-
thetische Einsatzstrafe um 1/10 bzw. ca. ein Jahr, weil die allermeisten Urkunden-
fälschungen einen engen Konnex zum gewerbsmässigen Betrug hätten, als sie zu
dessen Begehung oder Vertuschung gedient hätten und die Veruntreuung im
Vergleich mit den übrigen Delikten verschuldensmässig kaum ins Gewicht falle
(Urk. 221 S. 120). Mit der Anklagebehörde und entgegen der Verteidigung er-
scheint die Asperation von 1/10 bzw. knapp einem Jahr als deutlich zu mild. Zwar
stehen die meisten Urkundenfälschungen in einem engen Zusammenhang zum
Betrug, jedoch ist die Anzahl von über 300 Urkundenfälschungen beachtlich.
Überdies wurden zwischen Mitte 2001 und Juli 2009 rund 20 Urkunden-
fälschungen zum Nachteil von DK._ begangen, welche nicht vom Unrecht-
gehalt des gewerbsmässigen Betrugs umfasst sind, da DK._ nicht zu den
Geschädigten des gewerbsmässigen Betrugs zählt (Urk. 56 S. 144 bis 151). Hin-
zu kommt die Veruntreuung zum Nachteil der Erben von †DL._ (Urk. 56
- 31 -
S. 151 ff.), welche in keinerlei Zusammenhang mit dem gewerbsmässigen Betrug
steht und für welche allein eine Strafe von 8 Monaten angemessen erscheint. Ins-
gesamt ist die Einsatzstrafe aufgrund der Nebendelikte trotz Asperation um
18 Monate zu erhöhen und für alle Straftaten auf 120 Monate bzw. 10 Jahre fest-
zusetzen.
6.1. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz den Werdegang und die persönli-
chen Verhältnisse des Beschuldigten angeführt (Urk. 221 S. 121-123). An der Be-
rufungsverhandlung wurde aktualisiert, dass sich der Beschuldigte derzeit in der
Strafanstalt Pöschwies im vorzeitigen Strafvollzug befindet. Dort arbeite er in der
...werkstatt als Vorarbeiter der ...abteilung. Er verstehe sich sowohl mit seinen
Mithäftlingen als auch mit den Aufsehern gut. Auch habe er regelmässig Kontakt
zu seiner Lebenspartnerin, welche ihn jeden Sonntag besuche. Auch mit seinen
Eltern und Schwester habe er regelmässig zumindest telefonischen Kontakt. Von
seiner Ehefrau sei er nach wie vor nicht geschieden und mit seiner Tochter habe
er immer noch keinen Kontakt. Er habe eine Niederlassungsbewilligung C der
Gemeinde ..., welche im Februar 2018 ablaufe. Er sei zuversichtlich, dass er sich
beruflich wieder eingliedern könne, wenn er aus dem Gefängnis entlassen werde.
Er habe sich bereits nach der Haftentlassung im Jahr 2010 in einem neuen Gebiet
und einer neuen beruflichen Tätigkeit eingliedern können. Ihm fehle weder die
körperliche noch die geistige Kraft (Urk. 282 S. 2-6). Gemäss dem Vollzugsbericht
der Justizvollzugsanstalt Pöschwies vom 20. Januar 2017 verhält sich der Be-
schuldigte stets freundlich und korrekt, sein Verhalten im Umgang mit anderen
Gefangen sei absolut problemlos und auch seine Zellenordnung einwandfrei. Er
verrichte die ihm zugetragene Arbeit gewissenhaft, zuverlässig und engagiert.
Disziplinarisch sei der Beschuldigte bisher nicht in Erscheinung getreten. Der Be-
schuldigte erhalte regelmässig Besuch von seiner Partnerin und telefoniere re-
gelmässig mit seiner Familie, Partnerin und Freunden. Zusammenfassend könne
dem Beschuldigten ein einwandfreies Vollzugsverhalten attestiert werden
(Urk. 277).
Mit der Vorinstanz wirken sich die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten
sowie seine Vorstrafenlosigkeit strafzumessungsneutral aus und weist der Be-
- 32 -
schuldigte keine gesteigerte Strafempfindlichkeit auf (was auch nicht geltend ge-
macht wird; Urk. 221 S. 122 f., S. 126; Urk. 283 S. 11).
6.2. Die Vorinstanz hat zum Nachtatverhalten des Beschuldigten zusammenge-
fasst erwogen (Urk. 221 S. 123-125), er habe sich bereits zu Beginn des Vorver-
fahrens als "geständig" respektive "vollumfänglich geständig" bezeichnet, was
nicht zutreffe. Eine 'Selbstanzeige' liege nicht vor. Es habe Jahre gedauert, bis
der Beschuldigte sich dazu durchringen konnte, sein ganzes Fehlverhalten zuzu-
geben. Er habe darauf gehofft, dass nicht alles ruchbar werde und er möglichst
glimpflich davon komme. Er habe im Wesentlichen nur das zugegeben, was er im
Ernst nicht mehr habe bestreiten können. Die Urkundenfälschungen habe er erst
ein Jahr bis sogar vier Jahre nach Beginn des Verfahrens gestanden. Auch die
Anzahl Geschädigter, den Deliktszeitraum und die Grösse des Deliktsbetrags ha-
be er "häppchenweise" zugegeben. Zur Verwendung der deliktisch erlangten Gel-
der habe er zu Beginn des Vorverfahrens stark beschönigende Angaben ge-
macht, die er habe korrigieren müssen. Von einem ausgesprochen positiven
Nachtatverhalten könne keine Rede sein. Der Beschuldigte habe sich letztlich
doch noch zu einem weitgehenden Geständnis durchringen können und auch ei-
ne gewisse Kooperationsbereitschaft an den Tag gelegt. Das Geständnis des Be-
schuldigten sei leicht strafsenkend zu gewichten (im Umfang ca. eines Sechstels).
Der Beschuldigte habe sich im Verlauf des Verfahrens mehrfach schriftlich und
mündlich bei Geschädigten entschuldigt. Allerdings habe er entgegen der Ver-
teidigung nicht "von Anfang an Reue bewiesen", da er während laufender Strafun-
tersuchung wiederum delinquiert habe. Erst die zweite Inhaftierung des Beschul-
digten Ende Juli 2009 habe seinem deliktischen Treiben einen Riegel vorzuschie-
ben vermocht.
Reue und Einsicht führten zu einer geringfügigen Strafminderung (im Umfang
ca. eines Zehntels), die an Unbelehrbarkeit grenzende Hartnäckigkeit des Be-
schuldigten in leichtem Masse (im Umfang ca. eines Sechstels) zu einer Strafer-
höhung.
- 33 -
6.3. Die vorinstanzlichen Erwägungen zur Täterkomponente rügt die Verteidi-
gung im Berufungsverfahren dahingehend, die Vorinstanz sträube sich mit Hän-
den und Füssen gegen eine Berücksichtigung der Tatsache, das der Beschuldigte
grundsätzlich ein geständiger Täter sei. Schon vor der ersten Einvernahme habe
die Verteidigung im Namen des Beschuldigten dem zuständigen polizeilichen
Sachbearbeiter fünf Bundesordner mit allen laufenden aktuellen Zahlungsaufträ-
gen und damit den nötigen Hinweisen auf alle Geschädigten und Begünstigten
übergeben. In diesen Bundesordnern würden sich die Bankauszüge der AKB im
Original für die gesamte Periode vom 1. Januar 2005 bis 31. Januar 2009 befin-
den, was fundamental sei. Auch wenn der Beschuldigte in den drei Monaten nach
Übergabe dieser Bundesordner laviert, teilweise beschönigt oder mit Informatio-
nen geklemmt habe, könne nicht bestritten werden, dass er der Polizei so viele
Hinweise auf den gewerbsmässigen Betrug gegeben habe, dass es dieser eher
zu viel als zu wenig gewesen sei (Urk. 283 S. 11 f.; Prot. II S. 18 f.).
Zu kritisieren sei insbesondere, dass die Vorinstanz zum Schluss komme, das
Geständnis sei nur leicht strafsenkend zu berücksichtigen. Die Vorinstanz lege ei-
nen übermenschlichen Massstab an, indem sie vom Beschuldigten fordere, dass
er von einem Tag auf den anderen vom Saulus zum Paulus mutiere. Der Be-
schuldigte sei während zu langer Zeit im Gestrüpp seiner Manipulationen gefan-
gen gewesen, um sich selber sofort daraus zu befreien. Dementsprechend seien
seine Tendenzen zur unbewussten Beschönigung, zur Verdrängung des Unange-
nehmen gross gewesen. Überdies sei es menschlich nachvollziehbar und auch
entschuldbar, wenn ein Delinquent nicht verhaftet werden wolle und aus Angst vor
einer Inhaftierung bzw. aus taktischen Gründen etwas noch nicht auf den Tisch
lege (Urk. 283 S. 13 f.).
Tatsache sei sodann, dass das einzige Sachverhaltselement, wo der Beschuldig-
te lange "geklemmt" habe, die gefälschten Beglaubigungen des ... Konsulats ge-
wesen seien. Dabei sei es ihm allerdings um den Schutz von Drittpersonen ge-
gangen, habe sich doch mindestens eine Person auf dem Konsulat strafbar ge-
macht. Dies sei kein Grund, dem Beschuldigten im Übrigen seine bestehende
Geständnisbereitschaft abzusprechen (Urk. 283 S. 15).
- 34 -
Schliesslich sei es auch unpassend, dem Beschuldigten vorzuwerfen, er habe im
Wesentlichen nur das zugegeben, was er im Ernst nicht mehr habe bestreiten
können. Bereits an der polizeilichen Einvernahme vom 2. Juli 2009 habe der Be-
schuldigte etwa 50 Namen von tatsächlichen oder potentiell Geschädigten ge-
nannt, weshalb der Vorwurf einer "Salamitaktik" pedantisch und sachfremd sei.
Zusammenfassend sei das Geständnis des Beschuldigten mindestens im Umfang
von einem Fünftel (wenn nicht sogar einem Viertel) anzurechnen (Urk. 283 S. 16).
Betreffend die von der Vorinstanz vorgenommene Straferhöhung um ca. einen
Sechstel aufgrund der Delinquenz während laufender Strafuntersuchung bringt
die Verteidigung vor, eine solche Straferhöhung sei völlig unverhältnismässig.
Zwar habe der Beschuldigte noch einzelne Delikte, namentlich Urkundenfäl-
schungen begangen, jedoch handle es sich dabei um sechs Delikte, die sowohl
von den Beweggründen wie vom angerichteten Schaden her nicht mit den vor-
herigen Taten vergleichbar seien, sondern eine untergeordnete Rolle spielen
würden. Deshalb könne sich diese Delinquenz lediglich minimal, im Bereich von
einigen Monaten straferhöhend auswirken (Urk. 283 S. 17 f.).
Schliesslich sei auch das tadellose Verhalten des Beschuldigten im vorzeitigen
Strafvollzug sehr leicht, ebenfalls im Umfang von einigen Monaten, strafmindern
zu berücksichtigen (Urk. 283 S. 18).
Insgesamt rechtfertige sich eine Strafreduktion unter dem Titel des Nachtatverhal-
tens im Bereich von 30-35%. Die hypothetische Einsatzstrafe sei somit auf
5 Jahre zu reduzieren. Dieses Strafmass rechtfertige sich auch mit Blick auf die
Praxis in den letzten Jahren beim Tatbestand des gewerbsmässigen Betrugs
(Urk. 283 S. 18 ff.).
6.4. Die Anklagebehörde wendet in Bezug auf das Geständnis ein, dieses sei
nach der Anzeigeerstattung durch die ehemalige Arbeitgeberin des Beschuldigten
eine Flucht nach vorne gewesen. Das Geständnis erweise sich bei näherer Be-
trachtung als Salamitaktik, weil keine Rede davon sein könne, dass den Strafver-
folgungsbehörden etwas offenbart worden sei, was diese nicht ohnehin bereits
gewusst hätten bzw. leicht und zwingend bald hätten herausfinden können
- 35 -
(Prot. II S. 14). Auch die Anklagebehörde habe vor 1. Instanz betont, dass der
Beschuldigte von Beginn an eine gewisse Kooperation an den Tag legte. Dies
aber in dem Sinne, dass der Beschuldigte sich habe darauf einlassen können, ei-
ne erdrückende Indizienlage anzuerkennen. Es sei nie eine Selbstbelastung er-
wartet worden, jedoch sei das zögerliche Aussageverhalten des Beschuldigten
auch nicht zu belohnen. Dieser sei weit davon entfernt gewesen, eine offene Hal-
tung einzunehmen, zu gestehen und sich reuig zu zeigen (Prot. II S. 16).
Betreffend Nachtatverhalten versuche die Verteidigung, die sechs Delikte als Ba-
gatelldelikte darzustellen. Jedoch sei jedes für sich für erheblicher Schwere und
ziehe eine empfindliche Strafe nach sich. Deshalb habe die Vorinstanz allein für
diese Veruntreuungen eine Einsatzstrafe von 8 Monaten festgelegt (Prot. II
S. 16 f.).
6.5. Die Vorinstanz berücksichtigte das Geständnis des Beschuldigten leicht
strafsenkend, weil er im Wesentlichen nur das zugegeben habe, was im Ernst
nicht mehr habe bestritten werden können, weshalb von einem ausgesprochen
positiven Nachtatverhalten im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung,
das eine erhebliche Strafreduktion nach sich ziehe, keine Rede sein könne
(Urk. 221 S. 123 ff.). In der Tat zeigte sich der Beschuldigte nicht von Beginn an
vollumfänglich geständig, sondern tendierte zum Beschönigen und Ausweichen,
was auch die Verteidigung anerkennt (Urk. 283 S. 12 und 14). Auch anlässlich der
Berufungsverhandlung waren beim Beschuldigten die Tendenzen zur (unbe-
wussten) Beschönigung nach wie vor spürbar (Urk. 282 S. 7 ff.). Nichtsdestotrotz
anerkennt auch die Anklagebehörde, dass der Beschuldigte von Beginn weg eine
gewisse Kooperation an den Tag legte, selbst wenn sie das Geständnis als Sala-
mitaktik bezeichnet. Zutreffend sind sodann die Ausführungen der Verteidigung,
wonach es nicht realistisch wäre, vom Beschuldigten, welcher jahrelang und mit
grossen Aufwand – man denke nur an die über 300 Urkundenfälschungen – sein
"Umlagesystem" aufrecht erhielt, zu erwarten, dass er sämtliche Verfehlungen auf
einmal eingesteht. Mit der Verteidigung ist schliesslich davon auszugehen, dass
diese Kooperation trotz den erwähnten Tendenzen zum Ausweichen und Be-
schönigen die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden erleichtert hat, weshalb das
- 36 -
Geständnis im Unterschied zur Vorinstanz mehr als nur leicht strafmindernd zu
berücksichtigen ist.
Wenn der Beschuldigte heute unumwunden kundtut, dass ihm seine Delinquenz
leid tut, ist ihm dies gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung als Reue und
Einsicht diskussionslos strafmindernd anzurechnen. Die Vorinstanz tut dies nur
"geringfügig", dann aber doch im Umfang rund eines Jahres ("ca. ein Zehntel").
Der Einwand der Vorinstanz, gegen Reue und Einsicht spräche das erneute De-
linquieren während laufender Untersuchung, gilt nur (aber immerhin) bis zur zwei-
ten Inhaftierung; seither ist der Beschuldigte deliktsfrei. Die Vorinstanz erachtet
eine stärkere Reduktion ausserdem als nicht angebracht, weil der Beschuldigte in
seinem Schlusswort habe Selbstmitleid erkennen lassen. Diesen Ausführungen
kann in Übereinstimmung mit der Verteidigung (Urk. 283 S. 16 f.) nicht gefolgt
werden, da das Schlusswort eher so zu verstehen ist, dass der Beschuldigte mit
den Geschädigten mitleidet (vgl. Prot. I S. 45). Auch anlässlich der Berufungsver-
handlung war kein Selbstmitleid erkennbar. Selbst wenn der Beschuldigte nach
wie vor eine gewisse Schuld auch bei den Institutionen sieht, wirkt es glaubwür-
dig, dass er eingesehen hat, dass sein Verhalten falsch war und er dieses sowie
den angerichteten Schaden bereut (vgl. Urk. 282). Dass der Beschuldigte sich zur
Aufarbeitung der Geschehnisse einer Gesprächstherapie unterzieht (vgl. Urk. 283
S. 17) zeugt zwar ebenfalls von einer gewisse Einsicht, ist aber ansonsten nicht
strafmindernd zu berücksichtigen.
Strafmindernd zu berücksichtigen ist hingegen, dass der Beschuldigte seine Pen-
sionskasse aufgelöst und die bezogenen Gelder zur Schadens-Wiedergut-
machung verwendet hat. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die
Auflösung des Pensionskassenvermögens nämlich als Betätigung aufrichtiger
Reue anzusehen (Urteil des Bundesgerichts 6B_714/2012 vom 17. September
2013, E.6.2.4). Entgegen der Anklagebehörde (vgl. Prot. II S. 15) ist es auch nicht
illegal, sich selbständig zu machen und hierfür das Pensionskassenvermögen zu
beziehen, selbst wenn der Beschuldigte sich kurze Zeit später wieder anstellen
liess. Das Pensionskassenvermögen war das Geld des Beschuldigten und
- 37 -
er investierte dieses in die Schadensbegrenzung, was im Sinne der Verteidigung
mindestens wesentlich strafmindernd zu berücksichtigen ist.
Sodann ist die Kritik der Verteidigung für vorgenommene Straferhöhung aufgrund
der Delinquenz während laufender Strafuntersuchung berechtigt. Die erneute De-
linquenz während laufendem Verfahren ("an Unbelehrbarkeit grenzende Hart-
näckigkeit") führt gemäss Vorinstanz zu einer Straferhöhung um einen Sechstel
(Urk. 221 S 125 f.), was 1 2/3 Jahren entspricht. Dies erscheint für die – gemes-
sen an der gesamten Tatdauer – relativ kurze Zeit von lediglich knapp zwei Mona-
ten als zu streng, selbst wenn in diese Zeit auch die Veruntreuung fällt, welche
nicht im Zusammenhang mit dem gewerbsmässigen Betrug steht. Zwar wirkt sich
die Delinquenz während laufender Strafuntersuchung zweifelsfrei straferhöhend
aus, jedoch nicht im Umfang von einem Sechstel.
Entgegen der Verteidigung (vgl. Urk. 283 S. 18) ist schliesslich nicht strafmin-
dernd zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte sich im Strafvollzug wohl ver-
halten hat, da dies der Normalfall ist und entsprechend erwartet werden kann
Lediglich der Vollständigkeit halber ist in Bezug auf die von der Verteidigung vor-
gebrachten Vergleichsfälle (Urk. 283 S. 19 f.) zu bemerken, dass diese insbeson-
dere hinsichtlich der Eigenschaft der Geschädigten nicht vergleichbar sind. Auch
wenn die Deliktssumme vorliegend im Vergleich tiefer ist, so handelte es sich bei
den Geschädigten nicht um vermögende Anleger oder Institutionen, sondern um
wesentlich empfindlichere Personen, die in ihrer existentiellen Altersvorsorge ge-
schädigt wurden.
Zusammenfassend überwiegen bei der Täterkomponente die strafsenkend zu
gewichtenden Umstände (Geständnis, Reue und Auflösung der Pensionskasse
zur Schadensminderung) deutlich. Leicht straferhöhend ist lediglich die Delin-
quenz während laufender Strafuntersuchung zu berücksichtigen. Daher erscheint
eine Strafreduktion von knapp 30% als angemessen. Entsprechend ist der Be-
schuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren und 3 Monaten zu bestrafen.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass davon 767 Tage durch Untersuchungs- und Si-
cherheitshaft sowie vorzeitigen Strafvollzug bis zum heutigen Tag erstanden sind.
- 38 -
III.Zivilforderungen der appellierenden Privatkläger
1.1. Die Vorinstanz hat die Zuweisungsanträge der Privatkläger A._ (21),
B._ (32), C._ (42) und D._ (53) abgewiesen (Urk. 221 S. 301).
1.2. Der Vertreter der Privatkläger 21, 32, 42 und 53 hat gegen die Abweisung
der Zuweisungsanträge der Privatkläger mit Eingaben vom 21. September 2015
Berufung angemeldet (Urk. 190-193) und beantragt im Berufungsverfahren, es sei
Vormerk zu nehmen, dass die genannten Privatkläger die ihnen im Urteilsdisposi-
tiv Ziff. 4 zugesprochenen Schadenersatzforderungen in dem Umfange dem Staat
abtreten würden, in dem diese durch Zuwendungen gemäss Art. 73 StGB gedeckt
seien, weshalb den Privatklägern die ihnen zustehenden Forderungen nach
Art. 73 StGB zuzusprechen seien (Urk. 226 S. 2, 229 S. 2, 232 S. 2 und 235 S. 2).
2. Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, spricht das Gericht dem Ge-
schädigten gemäss Art. 73 Abs. 1 lit. b und c StGB auf dessen Verlangen hin die
eingezogenen Gegenstände und Vermögenswerte oder deren Verwertungserlös
unter Abzug der Verwertungskosten sowie der Ersatzforderungen bis zur Höhe
des Schadenersatzes bzw. der Genugtuung zu, wenn dem Geschädigten durch
ein Verbrechen oder Vergehen ein Schaden entstanden ist, der nicht durch eine
Versicherung gedeckt ist und anzunehmen ist, dass der Täter den Schaden nicht
ersetzen oder eine Genugtuung nicht leisten wird. Gemäss Art. 73 Abs. 2 kann
die Verwendung zugunsten des Geschädigten jedoch nur angeordnet werden,
wenn der Geschädigte den entsprechenden Teil seiner Forderung an den Staat
abtritt (vgl. Urk. 221 S. 270).
3.1. Die Vorinstanz begründet die Abweisung der Zuweisungsanträge der Privat-
kläger 21, 32, 42 und 53 mit der fehlenden Abtretungserklärung im Sinne von
Art. 73 Abs. 2 StGB (Urk. 221 S. 272).
3.2. Der Rechtsvertreter der Privatkläger wendet hiergegen ein, die Privatkläger
21, 32, 42 und 53 hätten am 20. August 2015 im Hinblick auf die Hauptverhand-
lung unter integralem Verweis auf Art. 73 StGB rechtzeitig den Zuweisungsantrag
gestellt (mit Verweis auf Urk. 135/1-4). In diesem Verweis sei auch die Abtre-
- 39 -
tungserklärung nach Abs. 2 dieser Bestimmung enthalten. Überdies – falls das
Berufungsgericht auf einer ausdrücklichen Abtretungserklärung bestehen sollte –
hätten die Privatkläger eine solche Abtretungserklärung nun im Berufungsverfah-
ren ausdrücklich abgegeben, was den Privatklägern als Zedenten der Forderung
nach Art. 164 OR jederzeit möglich sei, solange sie die Verfügungsmacht über die
Forderungen hätten. Ausserdem könne ein entsprechender Antrag selbst nach
Rechtskraft eines Strafurteils noch in einem separaten Verfahren gestellt werden,
weshalb es auch möglich sein müsse, den Antrag erst im Berufungsverfahren zu
stellen (Urk. 226 S. 3 f., 229 S. 3 f., 232 S. 3 f. und 235 S. 3 f.).
4.1. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, hatten die Privatkläger 21, 32, 42 und
53 vor Vorinstanz unter Verweis auf Art. 73 StGB lediglich die Zuweisung der ein-
gezogenen Gegenstände und Vermögenswerte bzw. deren Verwertungserlös be-
antragt, ohne den entsprechenden Teil ihrer Forderung ausdrücklich an den Staat
abzutreten (Urk. 221 S. 272; Urk. 135/1-4). Da Art. 73 Abs. 2 StGB die Abtretung
ausdrücklich verlangt und diese gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts
unbedingt sein sowie erklärt werden muss, bevor das Gericht die Vermögens-
werte dem Geschädigten zuspricht (Entscheid des BGer 6B_190/2010 E. 2.1;
Trechsel/Jean-Richard-dit-Bressel, in: Trechsel/Pieth (Hrsg.), Schweizerisches
Strafgesetzbuch Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 73 N 7;
Schmid, in: Schmid (Hrsg.), Kommentar Einziehung, Organisiertes Verbrechen,
Geldwäscherei, Band i, 2. Aufl., Zürich 2007, Art. 73 N 63), ist die Abweisung des
Zuweisungsantrags durch die Vorinstanz nachvollziehbar, zumal ein allgemeiner
Verweis auf Art. 73 StGB keine Abtretungserklärung darstellt.
4.2. Nichtsdestotrotz ist an dieser Stelle auch auf die herrschende Lehre hinzu-
weisen, wonach die Zessionsvoraussetzung von Art. 73 Abs. 2 StGB keinen Sinn
macht, "wenn die Einziehung gewissermassen stellvertretend für den Zivilaus-
gleich durch den Geschädigten angeordnet wird", mithin die in Frage stehenden
Vermögenswerte "eigentlich ohnehin dem Geschädigten zustehen" (Schmid,
a.a.O., Art. 73 N 60; BSK StGB I-Baumann, Art. 73 N 18). In den Fällen der Aus-
gleichseinziehung nach Art. 73 Abs. 1 lit. b StGB und der Einziehung von Ersatz-
forderungen nach lit. c würde die Durchsetzung der abgetretenen Forderung
- 40 -
durch den Staat zu einer doppelten Belastung des Täters führen, was nicht Sinn
und Zweck der gesetzlichen Bestimmung sein kann. Dementsprechend kann die
Abtretung der Forderung nicht Voraussetzung einer Zuweisung nach Art. 73 StGB
sein, soweit die Ausgleichseinziehung – wie im vorliegenden Verfahren
(vgl. Urk. 221 S. 242 ff.) – die Funktion eines nicht stattgefundenen zivilrechtli-
chen Ausgleichs übernommen hat (BSK StGB I-Baumann, Art. 73 N 18; Bommer,
Offensive Verletztenrechte im Strafprozess, Bern 2006, S. 121; Schmid, a.a.O.,
Art. 73 N 60; Urteil des Obergerichts Zürich SB 130233 vom 22. August 2014,
E. 8.1).
4.3. Folgt man dieser Ansicht, so hätten die Privatkläger 21, 32, 42 und 53 ihre
Schadenersatzforderungen nicht in dem Umfang an den Staat abzutreten,
in welchem sie durch die zugesprochenen Ersatzforderungen getilgt werden. Mit-
hin wäre der Zuweisungsantrag der Privatkläger vom 20. August 2015 auch ohne
ausdrückliche Zessionserklärung zu berücksichtigen.
5. Ohnehin sind aber die Ausführungen des Vertreters der Privatkläger 21, 32,
42 und 53, wonach ein Zuweisungsantrag auch im Berufungsverfahren noch ge-
stellt werden könne, zutreffend. So kann der entsprechende Antrag bereits wäh-
rend der Untersuchung, anlässlich der Gerichtsverhandlung, oder aber – Rechts-
missbrauch oder Verjährung vorbehalten – erst nach dem Einziehungsurteil ge-
sellt werden, sofern noch keine rechtskräftige Zuweisung der Werte an andere
Geschädigte erfolgt ist (Art. 73 Abs. 3 StGB; BSK StGB I-Baumann, Art. 73 N 19;
DIKE-Komm.-Trechsel/Jean-Richard-dit-Bressel, a.a.O., Art. 73 N 3; Schmid,
a.a.O., Art. 73 N 76; Urteil des Obergerichts Zürich SB130459 vom 18. Februar
2015, E.3.3.2.3; Entscheid des BGer 6B_53/2009, E. 2.7). Aufgrund der Berufung
der Privatkläger 21, 32, 42 und 53 ist die Verteilung des Einziehungsbeitrages
noch nicht rechtskräftig. Ferner liegt weder Verjährung noch ein rechtsmiss-
bräuchliches Zuwarten vor, zumal die Privatkläger den Zuweisungsantrag bereits
vor der Hauptverhandlung stellen liessen (Urk. 135/1-4), und wie vorstehend dar-
gelegt die Notwendigkeit einer Abtretungserklärung umstritten ist (vgl. vorstehend
Ziff. III.4.2).
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6. Dass die Voraussetzungen für die Verwendung des Einziehungsbetrages
vorliegend erfüllt sind, hat die Vorinstanz für die Privatkläger 1, 3, 5, 6, 10, 17, 18,
20, 23, 28, 29, 34a-c, 36, 37, 39, 40, 44, 46, 47, 48, 49, 51, 54, 57, 58 und 59 be-
reits dargetan, weshalb sich Ergänzungen hierzu erübrigen (vgl. Urk. 221 S. 271
f.). Auch die Privatkläger 21, 32, 42 und 53 haben durch die Straftaten des Be-
schuldigten einen Schaden erlitten, welcher betragsmässig feststeht (vgl. Urk. 221
Ziff. S. 292 f.). In Bezug auf die Voraussetzungen der fehlenden Versicherungs-
deckung sowie der Annahme, dass der Beschuldigte den Schaden nicht wird er-
setzten können, kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 221 S. 271). Nachdem die Privatkläger 21, 32, 42 und 53 nun im Be-
rufungsverfahren einen Antrag auf Verwendung des Einziehungsbetrages zu ih-
ren Gunsten gestellt und den entsprechenden Teil ihrer Forderung an den Staat
abgetreten haben, erfüllen auch ihre Anträge die Voraussetzungen von Art. 73
StGB. Mithin sind die einzuziehenden Vermögenswerte nicht nur auf die Privat-
kläger 1, 5, 6, 10, 17, 18, 80, 23, 28, 34a-c, 37, 39, 40, 44, 46, 47, 49, 51, 57, 58
und 59 zu verteilen, sondern zusätzlich auch auf die Privatkläger 21, 32, 42 und
53. Somit liegen Zuweisungsanträge in der Höhe von (gerundet) Fr. 3'095'490 vor
(vgl. Urk. 221 S. 273). Mit der Vorinstanz ist der Einziehungsbetrag (inkl. Ersatz-
forderungsertrag) von bestenfalls Fr. 338'424.74 proportional auf die Privatkläger
zu verteilen (Urk. 221 S. 273). Dies führt zu folgendem Verteilungsschlüssel
(in % der Summe aus Einziehungen und Ersatzforderungserträgen):
Privatkläger 1: 1.76% Privatklägerin 5: 5.77% Privatkläger 6: 7.48% Privatkläger 10: 5.45% Privatkläger 17: 3.11% Privatklägerin 18: 4.19% Privatkläger 20 1.92% Privatklägerin 21 4.31% Privatkläger 23 3.10% Privatkläger 28 4.53% Privatkläger 32 2.97% Privatklägerinnen 34a-c 6.54% Privatklägerin 37 3.03% Privatkläger 39 3.52% Privatkläger 40 21.11% Privatklägerin 42 2.14% Privatklägerin 44 1.63% Privatkläger 46 0.62% Privatklägerin 47 5.30%
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Privatklägerin 49 1.58% Privatkläger 51 1.52% Privatklägerin 53 1.44% Privatklägerin 57 1.61% Privatkläger 58 1.90% Privatklägerin 59 3.49%.
Entsprechend ist die Kasse des Bezirksgerichts Zürich anzuweisen, die Summe
aus Einziehungen und Ersatzforderungserträgen nach Massgabe des vorerwähn-
ten Verteilungsschlüssel auf die Privatkläger 1, 5, 6, 10, 17, 18, 20, 21, 23, 28, 21,
34a-c, 37, 39, 40, 42, 44, 46, 47, 49, 51, 53, 57, 58 und 59 zu verteilen. Es ist da-
von Vormerk zu nehmen, dass die Privatkläger 1, 5, 6, 10, 17, 18, 20, 21, 23, 28,
32, 34a-c, 37, 39, 40, 42, 44, 46, 47, 49, 51, 53, 57, 58 und 59 den ihrem Zuwei-
sungsanteil entsprechenden Teil ihrer Forderung an den Staat abgetreten haben.
Im Urteilsdispositiv vom 30. Januar 2017, welches im Rahmen der Urteilseröff-
nung den Parteien mitgeteilt wurde, wurde bei der Aufzählung der Privatkläger,
welche ihren dem Zuweisungsanteil entsprechenden Teil ihrer Forderung an den
Staat abgetreten haben, versehentlich Privatkläger 32 vergessen (Urk. 284 S. 14).
Dies ist nachfolgend im Dispositiv in Anwendung von Art. 82 Abs. 1 StPO zu be-
richtigen.
IV. Kosten
1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 2'400.-- festzu-
setzen. Der Aufwand dieses Verfahrens mit den daraus resultierenden Kosten
bezieht sich mehrheitlich auf die Berufung des Beschuldigten, während der die
Berufung der Privatkläger betreffende Aufwand lediglich nebensächlich war.
2. Im Berufungsverfahren obsiegt der appellierende Beschuldigte mit seinen
Anträgen ungefähr im selben Masse, wie er unterliegt. Die appellierenden Privat-
kläger obsiegen mit ihren Anträgen. Es rechtfertigt sich daher, dem Beschuldigten
die Kosten zur Hälfte aufzuerlegen und zur Hälfte auf die Gerichtskasse zu neh-
men. Die Kosten für die amtliche Verteidigung im Berufungsverfahren sind zur
Hälfte definitiv und zur Hälfte einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter
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Vorbehalt einer Rückforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO betreffend die Hälfte
der Kosten.
3. Der Verteidiger des Beschuldigten, Fürsprecher lic. iur. Y._, reichte mit
Eingabe vom 24. Januar 2017 die Honorarnote für seinen Aufwand im Berufungs-
verfahren ein (Urk. 281). Die geltend gemachten Aufwendungen sind ausgewie-
sen, weshalb der Verteidiger Fürsprecher lic. iur. Y._ mit Fr. 17'146.60 (inkl.
MWSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.
4. Der Vertreter der Privatkläger hat auf die Geltendmachung einer Prozess-
entschädigung verzichtet (Prot. II S. 20).