Decision ID: 6a9946f8-5738-52c0-a8f7-fa91d753d886
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. rer. publ. Michael B. Graf, GN Rechtsanwälte,
St. Leonhard-Strasse 20, Postfach 728, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin
betreffend
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St.Galler Gerichte
Rente
Sachverhalt:
A.
A._ stürzte am 15. Januar 2007 auf dem feuchten Boden ihres Badezimmers zu
Boden und zog sich dabei eine ventrale Schulterluxation rechts zu. Am 21. Januar 2007
kam es zu einer erneuten Luxation der rechten Schulter. Beide Verletzungen wurden
am Kantonsspital St. Gallen (KSSG) behandelt. Die Suva als Unfallversicherer kam für
die Unfallfolgen auf (Taggelder, Behandlungskosten). Nach einer ambulanten
Untersuchung durch Dr. med. B._, Oberarzt orthopädische und handchirurgische
Rehabilitation an der Rehaklinik Bellikon, vom 12. November 2010 eröffnete die Suva
der Versicherten mit Verfügung vom 7. Februar 2011, dass ihr eine leichte bis
mittelschwere Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten, Vibrationen und Schläge auf das
Schultergelenk ganztags zumutbar wäre, weshalb sie die Taggeld- und
Heilkostenleistungen per 28. Februar 2011 einstelle. Die Integrationseinbusse bemass
sie auf 12.5%. Auf Einsprache hin bestätigte die Suva ihre Verfügung mit
Einspracheentscheid vom 21. September 2011. Das kantonale Versicherungsgericht
wies mit Urteil vom 21. August 2012, UV 2011/86, den Anspruch auf eine
Invalidenrente ab und bestätigte die Einstellung der Versicherungsleistungen per 28.
Februar 2011, setzte indessen die Integritätsentschädigung auf der Basis eines
Integrationsschadens von 15% fest (vgl. Urteil in Fremdakten).
B.
B.a Am 20. November 2009 meldete sich die Versicherte wegen der Unfallfolgen bei
der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). RAD-Arzt
Dr. C._ verwies in der Aktennotiz vom 6. Januar 2010 auf die ausführlichen Suva-
Akten und ging davon aus, dass die Versicherte an ihrer langjährigen Arbeitsstelle die
Arbeit aktuell mit einer Leistungsfähigkeit von 50% ausüben könne (IV-act. 11). Die
Eingliederungsverantwortliche hielt im Verlaufsprotokoll am 18. Februar 2010 fest, die
Versicherte arbeite sehr gerne (seit 25 Jahren) bei der D._ GmbH. Mehr als 50%
könne sie allerdings nicht arbeiten, weil die Beschwerden nach vier Stunden jeweils
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stark zunehmen würden. Die Verantwortliche bei der Suva gab bekannt, dass der Fall
bei ihnen nun abgeschlossen würde. Die Versicherte sei am Arbeitsplatz optimal
eingegliedert. Sie könne nur eine grosse Maschine wegen der Schmerzen nicht mehr
bedienen. Die übrigen leichteren Arbeiten könne sie alle ausführen. Mehr als 50%
Arbeit falle aber nicht an (IV-act. 14).
B.b Der Hausarzt Dr. med. E._ hielt mit Arztbericht vom 24. Februar 2010 fest, die
Versicherte könne ihre angestammte Arbeit während 4-5 Stunden pro Tag ausüben.
Eine Verbesserung sei nicht mehr zu erwarten. Leichte körperliche Tätigkeiten ohne
Überkopfarbeiten seien der Versicherten ganztags zumutbar (IV-act. 17). RAD-Arzt Dr.
F._ hielt am 7. April 2010 fest, die Suva sei bei reinen Unfallfolgen fallführend,
weshalb jener Entscheid abzuwarten sei. Die berufliche Eingliederung sei
abgeschlossen "(angest.50%)" (IV-act. 19). Am 19. April 2010 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, die Arbeitsvermittlung werde abgeschlossen (IV-act. 21).
B.c Mit Aktenbeurteilung vom 7. März 2011 hielt RAD-Ärztin Dr. G._ aufgrund der
beigezogenen Suva-Akten fest, die Versicherte sei in ihrer angestammten Tätigkeit seit
10. August 2009 arbeitsunfähig. Adaptiert sei sie vom 28. September 2009 bis
9. Dezember 2010 zu 50% arbeitsfähig gewesen, seit dem 10. Dezember 2010 bestehe
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (IV-act. 26). Mit
Vorbescheid vom 2. Mai 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht, vom 1.
Juni 2010 bis 31. Dezember 2010 eine Viertelsrente auszurichten (IV-act. 31). Am 1.
Juni 2011 liess die Versicherte einwenden, auf die Beurteilung durch Dr. B._ von der
Reha-Klinik könne nicht abgestellt werden. Sie könne nur zu 50% arbeiten; mehr sei
nicht möglich bzw. unzumutbar, wie auch der konsiliarisch beigezogene Psychiater Dr.
med. H._ bestätige. Mit einem korrekten Einkommensvergleich resultiere ein
Invaliditätsgrad von 50%, da ihr nicht zumutbar sei, die aktuelle 50% Beschäftigung
bei ihrem langjährigen Arbeitgeber aufzugeben und eine Arbeitslosigkeit zu riskieren
(IV-act. 32). Die IV-Stelle teilte dem Rechtsvertreter der Versicherten auf dessen
Anfrage am 14. September 2012 mit, man warte den rechtskräftigen Entscheid im UV-
Verfahren ab (IV-act. 37 f.). Mit Verfügung vom 15. November 2012 sprach die IV-Stelle
der Versicherten eine Viertelsrente vom 1. Juni 2010 bis 31. Dezember 2010 zu und
verwies in der Begründung auf die Beurteilung im UV-Verfahren (IV-act. 40 und 42).
C.
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C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
vom 7. Januar 2013. Rechtsanwalt lic.rer.publ. HSG M.B. Graf beantragt für die
Beschwerdeführerin unter Kosten- und Entschädigungsfolge die Aufhebung der
Verfügung vom 15. November 2012, die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen,
wobei der Begründung entnommen werden kann, dass die Beschwerdeführerin eine
unbefristete halbe Rente seit Juni 2010 beantragt (act. G 1, Rz 63); eventuell die
Rückweisung zur ergänzenden Abklärung. Das Unfallversicherungsverfahren binde die
IV-Behörde nicht; diese habe vielmehr auch unfallfremde Faktoren zu berücksichtigen.
Das Valideneinkommen stelle sich für 2010 auf Fr. 51'467.55; wie die
Beschwerdegegnerin auf einen Betrag von Fr. 49'372.-- komme, sei nicht
nachvollziehbar. Aktuell arbeite die Beschwerdeführerin zu 50% und erziele damit 50%
des bisherigen Einkommens. Darauf sei abzustellen, da es ihr nicht zumutbar sei, das
langjährige Arbeitsverhältnis aufzugeben. In Anbetracht der konkreten Verhältnisse
(eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, praktisch keine Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit im für die Beschwerdeführerin in Betracht fallenden Arbeitsmarkt)
müsse das effektiv erzielte Einkommen angerechnet werden und kein fiktives
Invalideneinkommen, zumal die behandelnden Ärzte allesamt von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit ausgehen würden. Lediglich Dr. B._ komme zu einem anderen
Ergebnis, sei aber nicht so qualifiziert wie der behandelnde Orthopäde Dr. I._. Zudem
kämen psychische Beschwerden dazu, die die IV abzuklären habe, wenn sie nicht auf
die Beurteilung durch Dr. H._ abstelle (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 18. März
"2012" (richtig 2013) die Abweisung der Beschwerde. Die somatischen Leiden seien
umfassend im UV-Verfahren abgeklärt worden; das von Dr. H._ attestierte Leiden sei
nicht invalidisierend. Weder eine Parallelisierung wegen unterdurchschnittlichem
Valideneinkommen noch ein Tabellenlohnabzug seien zu berücksichtigen, womit im
Ergebnis lediglich vorübergehend eine Viertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 49%
resultiere (act. G 4).
C.c Mit Replik vom 23. April 2013 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest.
Die psychischen Beschwerden seien im UV-Verfahren nicht berücksichtigt worden;
diese müssten im IV-Verfahren abgeklärt werden. Es gehe nicht an, einfach rechtliche
Überlegungen anzustellen, ohne vorhergehende medizinische Abklärung. Zudem werde
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die Überwindbarkeitspraxis des Bundesgerichts in der Lehre zu Recht kritisiert.
Nachdem schon im UV-Verfahren ein Tabellenlohnabzug von 10% zugestanden sei,
müsse im IV-Verfahren mindestens ein Abzug von 20% vorgenommen werden. Damit
stehe der Beschwerdeführerin in der Zeit vom Juni bis Dezember 2010 mindestens eine
halbe Rente zu (act. G 7).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 9).
C.e Am 30. Mai 2013 reichte der Rechtsvertreter seine Honorarnote über Fr. 5'130.20
(wovon 18.27 Stunden à Fr. 250.-- Honorar, act. G 11.1) ein.

Erwägungen:
1.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
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1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet
sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Nach der Rechtsprechung ist es dem
Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die
(versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. In solchen Fällen sind an
die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinn zu stellen, dass bei
auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind. Ein förmlicher Anspruch
auf eine versicherungsexterne Begutachtung besteht nicht (BGE 135 V 465).
2.
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob der medizinische Sachverhalt rechts-
genüglich abgeklärt ist. In medizinischer Hinsicht hält die Beschwerdegegnerin einzig
Unfallfolgen für gegeben, weshalb sie sich auf die Beurteilung der Suva abstützt, wie in
der angefochtenen Verfügung und in der Aktenbeurteilung der RAD-Ärztin Dr. G._
festgehalten wird (Stellungnahme vom 7. März 2011 mit Verweis auf die frühere
Beurteilung vom 7. April 2010, IV-act. 26).
2.1 Mit Urteil vom 21. August 2012, UV 2011/86, bestätigte das Versicherungsgericht
den angefochtenen Einspracheentscheid der Suva vom 21. September 2011 bezüglich
Einstellung der Leistungen per 28. Februar 2011 und wies insoweit die Beschwerde ab.
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Gestützt auf die orthopädischen Beurteilungen durch Dr. B._ und Kreisarzt Dr. J._
ging es davon aus, dass die Beschwerdeführerin trotz vorhandener Restbeschwerden
in einer schulteradaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig ist und diese Fähigkeit auf
dem allgemeinen, hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt auch verwertbar bleibt.
Soweit die Beschwerdeführerin im IV-Verfahren erneut dieselben Rügen gegen die
versicherungsinterne Beurteilung durch die Ärzte der Suva erhebt, kann auf das Urteil
des Versicherungsgerichts vom 21. August 2012 verwiesen werden. In jenem Urteil
wurden diese Rügen eingehend geprüft und insbesondere das Gutachten von Dr. B._
als in allen Teilen beweistauglich erachtet (vgl. E. 2. und 5). Ebenfalls bereits
beantwortet ist in diesem Urteil die Frage, ob die Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt noch verwertbar ist, was ebenfalls bejaht wurde. Dabei
wurde festgehalten, dass es nicht um eine Frage des Stellenwechsels gehe. Es sei der
Beschwerdeführerin freigestellt, ob sie ihre Restarbeitsfähigkeit zusammen mit einer
Zweitstelle oder in einer neuen Anstellung verwerte (E. 5.6). Darauf ist zu verweisen.
2.2 Die Beschwerdeführerin macht grundsätzlich zu Recht geltend, die Beurteilung
durch die Unfallversicherung sei für die IV nicht bindend. Allerdings sind rechtskräftig
abgeschlossene Invaliditätsschätzungen anderer Sozialversicherer nicht unbeachtlich.
Vielmehr sind sie als Indizien für eine zuverlässige Beurteilung zu werten und als
solches in den Entscheidungsprozess des erst später verfügenden Sozialversicherers
miteinzubeziehen (BGE 126 V 288 sowie Urteil des Bundesgerichts vom 17. Februar
2009, 9C_858/2008, E. 2). Soweit der Rechtsvertreter allein aufgrund fehlender
Bindungswirkung eine polydisziplinäre Abklärung verlangt, ist ihm nicht zu folgen. Es
müssen konkrete Anhaltspunkte dafür gegeben sein, dass weitere nicht unfallbedingte
Leiden bestehen. Der Rechtsvertreter weist in somatischer Hinsicht auf Lymphödeme
an den unteren Extremitäten hin. Er führt selber aus, dass diese seit 1986 bestehenden
Beschwerden sich bislang nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten, weil die
Beschwerdeführerin von der Arbeitgeberin angepasste Tätigkeiten zugewiesen erhalten
habe (act. G 1 Rz 61). Dafür dass dies nicht mehr möglich sein sollte, fehlt jeder
Anhaltspunkt, zumal offenbar eine erfolgreiche Behandlung mit Mass-
Kompressionsstrümpfen in der Rehaklinik Bellikon erfolgte (vgl. Austrittsbericht vom
29. September 2009, Fremdakten). Weitere Abklärungen erübrigen sich damit, zumal
der Rechtsvertreter keine Verschlechterung geltend macht und sich eine solche auch
nicht aus den Akten ergibt.
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2.3 Die psychischen Beschwerden wurden als nicht unfallkausal erachtet und im UV-
Verfahren nicht näher betrachtet, wie die Beschwerdeführerin zu Recht geltend macht.
Es fällt allerdings auf, dass sich in den umfangreichen Suva-Akten mit auch
stationärem Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon (10. August bis 24. September 2009)
keine Hinweise auf psychische Auffälligkeiten oder gar eine psychiatrische Erkrankung
finden, während dem beispielsweise die Lymphödeme (mit Erstdiagnose 1982) auch in
der orthopädischen Beurteilung durch Dr. B._ angeführt werden (Gutachten S. 7,
Fremdakten). Die Beschwerdeführerin stand bzw. steht denn auch nicht in
psychiatrischer Behandlung. Dr. H._ hielt in seinem konsiliarischen Bericht vom 8.
März 2011 an den Hausarzt explizit fest, dass bis zum Unfall im Jahr 2007 keine
psychiatrischen Auffälligkeiten eruierbar seien (IV-act. 32-7). Gemäss Dr. H._
beständen chronische Schmerzen in der rechten Schulter und im rechten Arm, was zu
schweren Schlafproblemen geführt habe. Zudem lägen täglich gereizte und aggressive
Zustände vor, was als Persönlichkeitsveränderung bei chronischem Schmerzsyndrom
(F62.80) imponiere. Insgesamt hielt Dr. H._ eine "mindestens" 50%ige Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit für "realistisch". Indessen steht auch nach Dr. H._ die
somatische Behandlung mit Reduktion der Schmerzen im Vordergrund, während die
psychiatrische Symptomatik allein Folge der Schmerzen sei. Dr. H._ hielt
entsprechend keine psychiatrische Behandlung für erforderlich, sondern regte einzig
eine medikamentöse Therapie zur Schlafstabilisierung an. Er ging mit anderen Worten
davon aus, dass dafür eine medikamentöse Behandlung ausreiche. Mit dem Hinweis,
dass ihm eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% realistisch erscheine, brachte er
zum Ausdruck, dass er auf die konkreten Gegebenheiten abstellte und keine
medizinisch-theoretische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vornahm. Dass in der
rechten Schulter nach wie vor Unfallfolgen bestehen, ist nicht streitig. Diesen -
somatischen - Folgen ist indessen mit der Beurteilung einer diesem Leiden
angepassten Tätigkeit Rechnung getragen. Dass darüber hinaus - medizinisch-
theoretisch - quantitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in rententangierendem
Ausmass bestehen (was bei einem Tabellenlohnabzug von 10% eine Arbeitsunfähigkeit
von über 30% für leidensangepasste Tätigkeiten voraussetzt; vgl. nachstehende E.
3.3), kann aufgrund der gegebenen Aktenlage verneint werden. Diese Sichtweise wird
dadurch bestätigt, als Dr. E._ auch nach der Kenntnis des von ihm in Auftrag
gegebenen psychiatrischen Konsiliums weiterhin an der bereits - aufgrund somatischer
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Beschwerden (vgl. dazu Bericht Dr. E._ vom 26. März 2010, Fremdakten) - seit 18.
Juni 2009 bescheinigten 50%igen Arbeitsunfähigkeit festhielt (ärztliches Zeugnis vom
17. Mai 2011, IV-act. 32-10).
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist für die Beurteilung des Rentenanspruchs mit der
Beschwerdegegnerin und dem RAD auf die Beurteilung im UV-Verfahren abzustellen.
Demnach ist die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit seit 10. August
2009 zu 100% arbeitsunfähig (Eintritt in die Reha-Klinik Bellikon); zuvor bestand seit
16. Juni 2009 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Nach dem Austritt aus der Reha-Klinik
war die Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit vom 28. September 2009 bis
9. Dezember 2010 (orthopädische Untersuchung durch Dr. B._) zu 50%
arbeitsunfähig und seit 10. Dezember 2010 besteht angepasst eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit (vgl. Stellungnahme RAD-Ärztin Dr. G._ vom 7. März 2011, IV-act.
26). Bei diesen Gegebenheiten wurde das Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) am 16.
Juni 2009 eröffnet und im Juni 2010 bestanden. Entsprechend hat die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch ab 1. Juni 2010 bejaht, was unbestritten
geblieben ist (vgl. act. G 1 Rz 63). Hingegen hat die Beschwerdegegnerin nicht
beachtet, dass die Verbesserung des Gesundheitszustandes gemäss orthopädischer
Beurteilung ab 10. Dezember 2010 erst nach dreimonatiger Frist zum Anlass für die
Rentenaufhebung genommen werden kann (Art. 88a Abs. 1 IVV), die Rente also statt
bis Ende Dezember 2010 bis Ende März 2011 zu befristen ist.
3.2 Umstritten ist schliesslich der Einkommensvergleich. In der angefochtenen Ver
fügung werden als Valideneinkommen für das Jahr 2009 ein Betrag von Fr. 49'372.--
und ein Invalideneinkommen von Fr. 25'684.-- genommen, was zu einer Erwerbsein
busse von Fr. 23'688.-- bzw. einem Invaliditätsgrad von 48% führt (IV-act. 40-2).
Demgegenüber geht die Beschwerdeführerin für das Jahr 2010 von einem Einkommen
von Fr. 51'467.55 aus (act. G 1 Rz 51) und macht bezüglich des Invalideneinkommens
einen Tabellenlohnabzug von mindestens 20% geltend, sofern nicht vom tatsächlich
erzielten Einkommen beim langjährigen Arbeitgeber ausgegangen werde (act. G 1 Rz
64). Letzteres ist zu verneinen, da bei Verfügungserlass im November 2012
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entsprechend der Beurteilung im UV-Verfahren von einer realen Verwertbarkeit
auszugehen war (vgl. vorstehende E. 2.1 am Schluss).
3.3 Was das Valideneinkommen anbetrifft, so erzielte die Beschwerdeführerin gemäss
IK-Auszug im Jahr 2006 Fr. 48'425.-- (IV-act. 10-3). Unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung beträgt es im Jahr 2010 (möglicher Rentenbeginn) Fr. 51'671.-
(vgl. Nominallohnindex Frauen 2006: 2417, und Nominallohnindex Frauen 2010: 2579).
Dieser Betrag erreicht beinahe das durchschnittliche Einkommen einer Hilfsarbeiterin
im Jahr 2010 von Fr. 52'790.-- (vgl. Anhang 2, IVG der Informationsstelle AHV/IV,
Ausgabe 2012). Im UV-Verfahren wurde beim Einkommensvergleich mit Tabellenlohn
ein Abzug von 10% als gerechtfertigt erachtet (Urteil S. 28, E. 6.3); davon ist auch im
vorliegenden Verfahren auszugehen. Damit ergibt sich folgende Rechnung: Fr.
51'671.-- ./. (0.5 x 0.9 x Fr. 52'790.- = Fr. 23'756.--) = Fr. 27'915.-- Erwerbseinbusse
bzw. ein Invaliditätsgrad von 54% ([Fr. 27'916.-- / Fr. 51'571.--] x 100). Damit hat die
Beschwerdeführerin Anspruch auf eine halbe Rente.
4.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 15.
November 2012 aufzuheben und der Beschwerdeführerin für die Dauer vom 1. Juni
2010 bis 31. März 2011 eine halbe Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und
Ausrichtung der Leistungen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Praxisgemäss erscheint eine Gerichtsgebühr
von Fr. 600.-- als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend - der
Beschwerdeführerin wird nur für beschränkte Zeit eine halbe Rente zugesprochen - ist
sie je zur Hälfte den Parteien aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
600.-- ist der Beschwerdeführerin zur Hälfte zurückzuerstatten.
4.2 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
bis
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ist (Art. 61 lit. g ATSG). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat eine
Honorarnote über Fr. 5'130.20 (wovon Fr. 4'567.40 Aufwand für 18.27 Stunden à Fr.
250.--) eingereicht (act. G 11.1). Darin eingeschlossen ist allerdings auch
vorprozessualer Aufwand. Wird weiter berücksichtigt, dass der Rechtsvertreter die
Beschwerdeführerin bereits im UV-Verfahren vertreten und über weite Strecken
dieselben Rügen vorgetragen hat, kann nicht von einem überdurchschnittlichen
Aufwand ausgegangen werden. Es rechtfertigt sich deshalb nicht, mehr als von einer
üblichen Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) auszugehen. Entsprechend dem Verfahrensausgang ist der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 1'750.-inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP