Decision ID: 647fdf38-9690-5c8e-9a32-e3d6ef99eca4
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, eine sri-lankische Staatsangehörige tamilischer
Ethnie aus B._ (Distrikt C._), ersuchte am 16. August 2017
in der Schweiz um Asyl nach.
B.
Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 24. August 2017 gab die
Beschwerdeführerin an, am 19. Mai 2017 sei in D._, dem ehemali-
gen Arbeitsort ihres Ehemannes, auf einen Polizeijeep geschossen wor-
den, weshalb ihr Ehemann wie auch die anderen Leute, die sich auf dem
Weg zur Arbeit befunden hätten, von der Polizei angehalten und befragt
worden seien. Am nächsten Tag sei es zu weiteren Befragungen gekom-
men, worauf ihr Ehemann drei Tage der Arbeit ferngeblieben sei. In der
Folge hätten ihn eines nachts Unbekannte in Zivil zuhause aufgesucht und
mitgenommen. Am nächsten Tag habe sie auf dem Polizeiposten von Ko-
digamam deswegen Anzeige erstatten wollen, sei indessen dazu angehal-
ten worden, am nächsten Tag nochmals auf dem Polizeiposten zu erschei-
nen. Am darauffolgenden Morgen seien zwei Männer in Zivil zu ihr nach
Hause gekommen und hätten sie wegen der beabsichtigten Anzeige be-
droht, worauf sie auf die Einreichung einer solchen abgesehen habe. Zwei
Tage später seien dieselben Männer wieder zu ihr nach Hause gekommen
und hätten von ihr erfahren wollen, ob sie in der Zwischenzeit Anzeige er-
stattet habe. In der Folge habe sie sich auf dem Polizeiposten erneut nach
dem Verbleib ihres Ehemannes erkundigt. Es seien immer dieselben zwei
Personen zu ihr nach Hause gekommen. Sie hätten ihr näher kommen wol-
len und sie angefasst. Sie sei ihnen vor die Füsse gefallen, habe geweint
und sie gebeten, sie in Ruhe zu lassen, sie würde weggehen. Sie hätten
ihr nichts angetan, sie nur angefasst (vgl. SEM-Protokoll A4 S. 8).
C.
Im Rahmen der Anhörung vom 14. Februar 2020 gab die Beschwerdefüh-
rerin erstmals an, beim vierten Besuch seien eine Frau und drei Männer
bei ihr Zuhause erschienen und sie sei vergewaltigt worden (vgl. A12 S. 7).
D.
Zum Nachweis ihrer Identität und zur Stützung ihrer Vorbringen reichte die
Beschwerdeführerin u.a. eine Geburtsurkunde, Schulzeugnisse und einen
Zeitungsartikel zum Vorfall in Pallai ein.
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E.
Mit Entscheid vom 27. Februar 2020 (Eröffnung am 29. Februar 2020) wies
das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin vom 16. August 2017
ab, ordnete deren Wegweisung an und erachtete den Vollzug der Wegwei-
sung als zulässig, zumutbar und möglich.
F.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 30. März 2020 erhob die Be-
schwerdeführerin gegen diesen Entscheid Beschwerde. Sie beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Asylgewährung, eventu-
aliter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen,
subeventualiter die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewähren. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde unter Verzicht auf das Erheben eines
Kostenvorschusses die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 110a Abs. 1 AsylG
(SR 142.31) und die Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde beantragt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bishe-
rige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
– mit nachfolgendem Vorbehalt – einzutreten.
Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu
(vgl. Art. 42 AsylG), weshalb auf das Gesuch in der Beschwerde, der Be-
schwerdeführerin sei zu gestatten, den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abzuwarten, nicht einzutreten ist.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden (Art. 111
Bst. e AsylG). Vorliegend handelt es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um
eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Auf die Durchführung eines Schriften-
wechsels wurde verzichtet (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM erachtete in der angefochtenen Verfügung die geltend ge-
machten Behelligungen durch unbekannte Personen zu Recht als nicht
glaubhaft.
So ist das im Rahmen der Anhörung ohne plausiblen Grund erstmals gel-
tend gemachte Vorbringen der Beschwerdeführerin, anlässlich eines vier-
ten Besuches von drei Männern und einer Frau vergewaltigt worden zu
sein, als nachgeschoben zu erachten. Zwar erscheint verständlich, wenn
jemand vor einer Person des anderen Geschlechts nicht über eine Verge-
waltigung erzählen will, indessen ist nicht nachvollziehbar, weshalb sie ei-
nen sexuellen Übergriff gänzlich verneinen sollte. Entgegen der Auffassung
in der Beschwerde sind die einzelnen Aussagen der Beschwerdeführerin,
wonach sich die Personen «ihr gegenüber hätten ungebührlich verhalten
wollen» beziehungsweise «sie angefasst hätten» im vorliegenden Kontext
nicht als Andeutungen auf einen nachfolgenden sexuellen Übergriff zu deu-
ten, gab die Beschwerdeführerin doch an, die Personen hätten «ihr näher-
kommen wollen» und verneinte die Frage der befragenden Person, ob ihr
etwas zugestossen sei, ausdrücklich (vgl. A4 S. 8: «Nein, sie taten mir
nichts an. Sie fassten mich nur an»). Auch ergeben sich aus dem Protokoll
der BzP entgegen der gegenteiligen Behauptung der Beschwerdeführerin
im Rahmen der Anhörung (vgl. A14 S. 17) keine konkreten Anhaltspunkte
darauf, dass diese in der BzP «immer wieder unterbrochen wurde und nicht
Gelegenheit gehabt hätte, ihre Vorbringen genau zu schildern». Im Weite-
ren ist die Schilderung der geltend gemachten Vorkommnisse auffallend
unbestimmt ausgefallen und enthält entgegen der Auffassung in der Be-
schwerde kaum Realkennzeichen. Das ausweichende Aussageverhalten
der Beschwerdeführerin ist nicht, wie in der Beschwerde geltend gemacht,
mit der Schwierigkeit, über die Vergewaltigung sprechen zu können, zu er-
klären, da die allermeisten Fragen nicht unmittelbar diese und deren Be-
gleitumstände (Beschreibung der Männer, die sie mehrere Male aufge-
sucht hätten, sonstiger Ablauf der Besuche u.ä.) betrafen. Im Weiteren ist
mit dem SEM festzuhalten, dass das erstmals im Rahmen der Anhörung
geltend gemachte Vorbringen der Beschwerdeführerin, ihrem Ehemann sei
unterstellt worden, er habe mit einer Bewegung zusammengearbeitet (vgl.
A12 S. 8), als nachgeschoben zu erachten ist.
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An der Einschätzung der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen vermögen die
eingereichten Länderanalysen zur Situation der Frauen in Sri-Lanka und
zur allgemeinen Situation in Sri-Lanka mangels hinreichendem Sachzu-
sammenhang mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin nichts zu än-
dern.
5.2.
Soweit die Beschwerdeführerin eine allgemeine Gefährdungslage für nach
Sri Lanka zurückkehrende tamilische Asylsuchende geltend macht, kann
unter Berücksichtigung des Referenzurteils E-1866/2015 vom 15. Juli 2016
festgehalten werden, dass die Beschwerdeführerin keine asylrelevante
Verfolgungssituation glaubhaft machen konnte und dass sie, ausser ihrer
tamilischen Ethnie und der Einreichung eines Asylgesuches in der Schweiz
und der damit verbundenen zweieinhalbjährigen Landesabwesenheit,
keine der Risikofaktoren erfüllt. Mit dem blossen Hinweis auf die in der Zwi-
schenzeit eingetretene Tatsache, dass der frühere Militärchef Gotabaya
Rajapaksa die Präsidentschaftswahlen vom 16. November 2019 gewon-
nen hat, kann die Beschwerdeführer keine individuelle Gefahr vor einer
Verfolgung ableiten, zumal ihre Vorbringen für unglaubhaft befunden wur-
den.
Zwar befürchten Beobachter und ethnische / religiöse Minderheiten insbe-
sondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung von Men-
schenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten,
Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische
Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten,
21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapaksa das Parlament
vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident
löst das Parlament auf, 3.3.2020). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich
der genannten Veränderungen in Sri Lanka bewusst. Es beobachtet die
Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheid-
findung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer mög-
lichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszugehen, der Personen mit
einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits
vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsge-
richts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of «Disap-
peard» Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt
keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka
ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt
wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persön-
licher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom
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16. November 2019 beziehungsweise deren Folgen besteht. Ein solcher
Bezug ist, wie sich aus den obenstehenden Erwägungen ergibt, vorliegend
nicht gegeben.
5.3 Das SEM hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und
das Asylgesuch der Beschwerdeführerin abgelehnt.
6.
Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylge-
such hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44
AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die verfügte
Wegweisung steht daher im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen
und wurde von der Vorinstanz zu Recht angeordnet.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von
Ausländerinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundes-
gesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration
AIG, SR 142.20]).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
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7.2.2 Der Vollzug der Wegweisung durch Rückschaffung nach Sri Lanka
ist unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig, weil die Beschwerde-
führerin – wie zuvor dargelegt – dort keinen Nachteilen im Sinne von Art. 3
AsylG ausgesetzt wäre. Aus den Vorbringen der Beschwerdeführerin erge-
ben sich im Weiteren auch keine konkreten und gewichtigen Anhaltspunkte
für die Annahme, dass sie im Falle einer Ausschaffung nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, 2001
Nr. 17 S. 130 f.; aus der Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Men-
schenrechte [EGMR] etwa die Urteile i.S. Bensaid, Rep. 2001-I, S. 303, so-
wie i.S. Saadi vom 28. Februar 2008 [Grosse Kammer], Beschwerde
Nr. 37201/06, Ziff. 124 ff., jeweils m.w.N.). Auch die allgemeine Menschen-
rechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nach Einschät-
zung des Bundesverwaltungsgerichts nicht als unzulässig erscheinen
(BVGE 2011/24 E. 10.4). Ebenso hat der EGMR wiederholt festgestellt,
dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka
eine unmenschliche Behandlung, sondern dass jeweils im Einzelfall eine
Risikoeinschätzung vorzunehmen sei (vgl. Urteil R.J. gegen Frankreich
vom 19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11, Ziff. 37). Weder aus
den Vorbringen der Beschwerdeführerin noch in anderweitiger Hinsicht er-
geben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass sie im Falle einer Ausschaf-
fung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer gemäss
der EMRK oder der FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wäre.
7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat zuletzt im länderspezifischen Refe-
renzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 zur Frage der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs abgewiesener Asylsuchender aus Sri Lanka insbe-
sondere tamilischer Ethnie eine Lageanalyse vorgenommen (ebd.,
E. 13.2–13.4). Das SEM begründete die Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs damit, dass weder die allgemeine Lage in Sri Lanka noch indivi-
duelle Faktoren gegen die Zumutbarkeit sprächen. Die Beschwerdeführe-
rin stamme aus der Nordprovinz und verfüge in Sri Lanka mit mehreren
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Tanten und Onkeln in Sri Lanka über ein familiäres Beziehungsnetz und
mit ihrer Freundin in E._ über einen Anknüpfungspunkt bei ihrer
Rückkehr. Es könne davon ausgegangen werden, dass diese der Be-
schwerdeführerin eine Unterkunft bieten und sie bei der Wiederintegration
unterstützen könne. Diese Ansicht erweist sich als zutreffend. An dieser
Einschätzung vermag die Behauptung in der Beschwerde, wonach die Fa-
milie ihrer Freundin in E._ die Beschwerdeführerin nicht wieder in
ihrem Haus aufnehmen werde, nachdem diese Drohanrufe erhalten habe,
nichts zu ändern, haben sich doch die Asylvorbringen der Beschwerdefüh-
rerin als unglaubhaft erwiesen. Auch ist davon auszugehen, dass die
junge, gesunde Beschwerdeführerin in der Lage sein wird, sich wirtschaft-
lich wieder zu integrieren. Der Grad der Integration der Beschwerdeführe-
rin in der Schweiz ist in diesem Zusammenhang ohne Belang. Somit ist der
Vollzug der Wegweisung auch zumutbar.
7.5 Schliesslich ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung man-
gels aktenkundiger objektiver Hindernisse auch möglich im Sinne von
Art. 83 Abs. 2 AIG ist.
7.6 Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung und deren Vollzug ste-
hen somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmungen und
sind zu bestätigen. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufi-
gen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver-
fügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt rich-
tig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbe-
züglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist folglich abzu-
weisen.
9.
9.1 Aufgrund der angestellten Erwägungen hat sich die Beschwerde als
von vornherein aussichtslos erwiesen. Die mit der Beschwerdeschrift ge-
stellten Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(Art. 65 Abs. 1 VwVG) und der amtlichen Rechtsverbeiständung (Art. 110a
Abs. 1 Bst. a AsylG) sind daher abzuweisen.
9.2 Als Folge der Abweisung der Beschwerde sind die Kosten des Verfah-
rens somit der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5
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VwVG). Die Kosten sind auf Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 16
Abs. 1 Bst. a VGG).
(Dispositiv nächste Seite)
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