Decision ID: 4719e592-d096-5d18-8062-49580fe1d18c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach. Am
5. Dezember 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) statt und am
4. November 2019 wurde er vom SEM ausführlich zu seinen Asylgründen
angehört.
Dabei brachte der Beschwerdeführer vor, er sei tamilischer Ethnie hinduis-
tischen Glaubens und in B._ bei C._ geboren und aufge-
wachsen. Er habe die Schule im Jahr (...) mit dem A-Level abgeschlossen.
Im Jahr (...) habe er den (Nennung Person), der bei den Kommunalwahlen
für die D._ kandidiert habe, während des Wahlkampfes unterstützt.
Er sei dabei hauptsächlich als (Nennung Tätigkeit) tätig gewesen und habe
Plakate aufgehängt. Diese Kandidatur habe zu Problemen mit im Gebiet
wohnhaften Singhalesen geführt. Es seien Leute erschossen worden und
auch der (Nennung Person) sei verfolgt worden, weshalb dieser Sri Lanka
im Jahr (...) verlassen habe und nach E._ gegangen sei. In der
Folge habe er (Beschwerdeführer) von (...) bis (...) als (Nennung Tätigkeit)
für eine (Nennung Organisation) gearbeitet. Während dieser Zeit sei er wie-
derholt von Beamten des Criminal Investigation Department (CID) befragt
worden. Sie hätten Informationen zu Militärposten und zu den tamilischen
Dorfbewohnern, etwa ob jemand im Dorf den Wohnort gewechselt habe,
von ihm haben wollen. Er sei deshalb im Jahr (...) nach F._ ausge-
reist. Wegen gesundheitlicher Probleme (...) sei er (Nennung Zeitpunkt)
nach Sri Lanka zurückgekehrt. Er habe danach mehrheitlich bei den (Nen-
nung Verwandte) gelebt und wieder als (Nennung Tätigkeit) gearbeitet.
Während der Wahlzeit habe er wie üblich Plakate aufgehängt und Materi-
alien und Leute transportiert. Nach einer gewissen Zeit hätten die CID-Be-
amten wieder begonnen, ihn zu befragen. Sie hätten von ihm erneut Infor-
mationen zu den Dorfbewohnern und (Nennung Person) verlangt und wis-
sen wollen, ob er plane, wieder ins Ausland zu verreisen. Er sei monatlich
befragt worden. Die Befragungen hätten rund zehn Minuten bis zu einer
halben Stunde gedauert. Er sei jedoch nicht mehr zum Posten mitgenom-
men worden. Er habe damals auch Fahraufträge für (Nennung Institution)
ausgeführt. Eines Tages seien (Nennung Vorfall) worden. Danach habe
man ihn gesucht; so sei einmal sein (Nennung Verwandter) von CID-Be-
amten angehalten und befragt worden, weil sie seinen (Nennung Verwand-
ter) mit ihm verwechselt hätten. Aus Angst vor einer Verfolgung sei er
schliesslich am (...) mit einem gefälschten Reisepass per Flugzeug von
G._ via F._ in die H._ und weiter mit dem Auto nach
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zwei bis drei Tagen am (...) in die Schweiz gelangt. Nach seiner Ankunft in
der Schweiz hätten sich CID-Beamte bei seiner (Nennung Verwandte)
nach ihm erkundigt.
Der Beschwerdeführer reichte (Aufzählung Beweismittel) zu den Akten.
B.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 20. November 2019 – frühestens am
Folgetag eröffnet – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
C.
Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
20. Dezember 2019 (Datum Poststempel) Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht. Er beantragte, es sei die vorinstanzliche Verfügung auf-
zuheben und ihm Asyl in der Schweiz zu gewähren, eventuell sei festzu-
stellen, dass der Wegweisungsvollzug unzumutbar sei und die vorläufige
Aufnahme sei anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Bei-
ordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes und um Feststellung der auf-
schiebenden Wirkung der Beschwerde.
D.
Am 24. Dezember 2019 bestätigte die Instruktionsrichterin dem Beschwer-
deführer den Eingang seiner Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG
[SR 142.31] in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bis-
herige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
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1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Be-
schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur
Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht zum Zeitpunkt
der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit
verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit
ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine
bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen
konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus
einem der vom Gesetz aufgezählten Motive erfolgenden – Benachteiligung
als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch
und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5; Ent-
scheide und Mitteilungen der [ehemaligen] Asylrekurskommission EMARK
2005 Nr. 21 E. 7).
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5.
5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten, weil die er-
fahrenen Massnahmen als zu wenig intensiv und seine Furcht vor Verfol-
gung als unbegründet einzustufen seien. Aufgrund dieser Beurteilung
könne auf die Prüfung der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen verzichtet wer-
den, es seien jedoch explizit Vorbehalte anzubringen.
Seine Aktivitäten, die lediglich im weitesten Sinne als politisch bezeichnet
werden könnten, hätten sich auf (Aufzählung Tätigkeiten) beschränkt.
Dass er aus Sicht der sri-lankischen Sicherheitsbehörden kein Risiko dar-
stelle, zeige sich auch an seinen Aussagen. Ihm sei zu keinem Zeitpunkt
etwas Konkretes zugestossen, gegen ihn seien keine Vorwürfe erhoben
worden. Die einzigen vorgebrachten Interaktionen mit dem CID würden
sich auf kurze Befragungen beschränken, bei denen sie von ihm Informa-
tionen zu anderen Personen und Neuigkeiten im Dorf verlangt hätten. Er
habe jedoch zu keinem Zeitpunkt geltend gemacht, dass ihm politische Ak-
tivitäten oder anderweitig heikle Tätigkeiten unterstellt worden seien. Vor
diesem Hintergrund ergebe sich kein Anhaltspunkt dafür, dass er im Fokus
der sri-lankischen Behörden gestanden habe, geschweige denn, dass ihm
eine asylrechtlich relevante Verfolgung an Leib und Leben gedroht habe.
Seine diesbezüglich geäusserte Furcht sei folglich als subjektiv empfun-
den, jedoch objektiv nicht nachvollziehbar einzustufen. Weder das Anhal-
ten seines (Nennung Verwandter) noch die Möglichkeit, dass das CID ihn
bezüglich der (Nennung Vorfall) habe befragen wollen, lasse auf eine asyl-
relevante Verfolgungsabsicht schliessen. Viel eher sei davon auszugehen,
dass sich das CID – wie angeblich bereits unzählige Male zuvor – von ihm
zusätzliche Informationen erhofft habe, um die (Nennung Vorfall) einordnen
zu können. Sein Vorbringen erfülle ferner auch das Kriterium der Intensität
an eine asylrelevante Verfolgung nicht. Gemäss seinen Aussagen sei er
monatlich während zehn Minuten bis zu einer halben Stunde befragt wor-
den. Nach seiner Rückkehr von F._ im Jahr (...) hätten die Befra-
gungen nicht im CID-Büro, sondern unterwegs, im Tempel oder bei der
(Nennung Verwandte) stattgefunden. Diese Massnahmen seien nicht der-
art intensiv, als dass ihm deswegen kein geregelter Alltag mehr möglich
gewesen wäre. Bezeichnenderweise habe er denn auch bis zu seiner Aus-
reise gearbeitet.
Der Beschwerdeführer habe nicht geltend gemacht, vor seiner Ausreise
asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein.
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Vielmehr sei er bis (...) in Sri Lanka wohnhaft gewesen; er habe also nach
Kriegsende und seiner Rückkehr aus F._ noch rund (Nennung
Dauer) in seinem Heimatstaat gelebt. Allfällige, im Zeitpunkt seiner Aus-
reise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfolgungsinteresse
seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht. Es sei aufgrund
der Aktenlage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter
Weise verfolgt werden sollte.
5.2 Der Beschwerdeführer wendet in seiner Rechtsmitteleingabe im We-
sentlichen ein, er habe sich während eines Zeitraumes von (...) Jahren auf
dem Radar der Behörden befunden. Es sei offensichtlich, dass das CID ihn
als besonders nahe stehend zu potentiellen Unruhequellen sehe – sei dies
in der Politik oder bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE). Da er
auch noch für (Nennung Personen) gearbeitet habe, sei er wohl noch mehr
verdächtig. Die Befragung seines (Nennung Verwandter) bestätige, dass
er auch mit den (Nennung Vorfall) in Verbindung gebracht werde. Die Be-
fragungen hätten grosse soziale Konsequenzen für ihn gehabt. Er habe in
einem kleinen Dorf gelebt, wo dies schnell zu Gerüchten geführt habe. So
sei für ihn schlussendlich nicht nur der Druck des CID, sondern auch der
Nachbarn unerträglich geworden. Er habe sich für deren Leid verantwort-
lich gefühlt, weshalb bei ihm im Zeitpunkt der Ausreise zumindest das Tat-
bestandselement des unerträglichen psychischen Drucks als erfüllt zu be-
trachten sei. Er habe sich in einer derart erdrückenden Zwangssituation
befunden, dass für ihn das Verbleiben in Sri Lanka als nicht mehr zumutbar
erschienen sei. Doch selbst wenn eine Vorverfolgung mit ausreichender
Intensität nicht einmal in der Variante des unerträglichen psychischen
Drucks angenommen würde, habe er begründete Furcht vor asylrelevanter
Verfolgung. Er sei über Jahre hinweg regelmässig befragt worden, was
nachvollziehbar Angst vor Überwachung und Verdächtigungen ausgelöst
habe. Darauf aufbauend habe sich der (Nennung Vorfall) ereignet, der in
ihm sofort die Angst ausgelöst habe, dass er jetzt dafür verdächtigt werde.
Es sei zudem die allgemeine Menschenrechtssituation in seinem Heimat-
staat zu berücksichtigen. Über willkürliche Misshandlungen, Inhaftierungen
und Tötungen von Tamilen existiere eine grosse Zahl von Berichten. Dafür
würden schon leichte Verdächtigungen aufgrund von Kontakten zu politi-
schen Aktivisten ausreichen.
Als Tamile aus dem Osten werde er bereits bei der Einreise systematisch
ins Visier der Sicherheitskräfte geraten. Angesichts seines Alters und des
Umstandes, dass er tamilisch spreche und aus der Provinz (...) stamme,
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bestehe bereits ein Anfangsverdacht, dass er den LTTE nahestehe. Dies
führe zu intensiveren Befragungen. Zudem gebe es auch keine Anzeichen
dafür, dass sich die Situation bei einer Rückkehr soweit verbessert hätte,
dass er nicht mehr in Gefahr wäre. Es müsse deshalb davon ausgegangen
werden, dass seine Gefährdung auch weiterhin aktuell sei und er bei einer
allfälligen Rückreise asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt sein werde. Das
dreiste und rechtswidrige Vorgehen des Rajapaksa-Clans gegen jegliche
Gegner lasse vermuten, dass dieses Regime auch gegenüber zurückge-
schafften, abgewiesenen Asylbewerbern aus der Schweiz vermehrt vor-
gehe. Erschwerend komme hinzu, dass er sich bereits vor seiner Ausreise
politisch exponiert habe und demnach eine erhöhte Gefahr erneuter asyl-
relevanter Verfolgung bestünde. Das Gericht habe die aktuelle Situation in
Sri Lanka mitzuberücksichtigen.
Soweit seine Schilderungen oberflächlich und unsubstantiiert ausgefallen
seien, sei dies darauf zurückzuführen, dass er bei der BzP aufgefordert
worden sei, sich kurz zu fassen. Bei der Anhörung sei er dann zu nervös
gewesen, um weiter ins Detail zu kommen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu
Recht abgelehnt hat. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene sind nicht
geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu führen.
6.2 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Vorinstanz habe Vor-
behalte zur Glaubhaftigkeit seiner Aussagen geäussert (vgl. Beschwerde-
schrift Ziff. 23 ff.), ist auf diese Beschwerdevorbringen nicht weiter einzu-
gehen. Der Beschwerdeführer übersieht, dass die Vorinstanz sein Asylge-
such wegen fehlender Asylrelevanz abgelehnt hat, was vor dem Hinter-
grund der nachstehenden Ausführungen nicht zu beanstanden ist.
6.3 Die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung erwogen, dass dem
Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt etwas Konkretes zugestossen ist
und dass gegen ihn keine Vorwürfe erhoben worden sind. Der Beschwer-
deführer verneinte dementsprechend an der BzP auch, von den Behörden
gesucht worden zu sein oder jemals persönliche Probleme oder Konflikte
mit den Behörden gehabt zu haben (vgl. SEM act. A6 Ziff. 7.02). Er ver-
neinte auf Nachfrage in der Anhörung zudem explizit, je etwas mit den
LTTE zu tun gehabt zu haben, bevor er im Jahr (...) nach F._ ge-
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gangen sei (vgl. SEM act. A15 F76). Er stellte anlässlich der Anhörung le-
diglich die Vermutung auf, aufgrund der politischen Aktivitäten des (Nen-
nung Person) verfolgt worden zu sein (vgl. SEM act. A15 F47 ff.). Es han-
delt sich demnach bei der Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers ledig-
lich um eine subjektive Befürchtung, die objektiv nicht gerechtfertigt er-
scheint, zumal sich die dargelegte Unterstützung des (Nennung Person)
auf das (Nennung Tätigkeiten und Zeitpunkt derselben), mithin (...) Jahre
vor seiner (erneuten) Ausreise aus Sri Lanka, beschränkte und es sich um
eine blosse Vermutung handelt, dass der (Nennung Vorfall) ihn in den Fo-
kus der Behörden gebracht habe (vgl. dazu Beschwerdeschrift Ziff. 9, 15;
SEM act. A15 F81, 83, 104). Zur gleichen Schlussfolgerung führt der Um-
stand, dass sich der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben zwi-
schen (...) und (...) einen Pass ausstellen liess und es ihm ohne weiteres
möglich war, damit nach F._ auszureisen. Der Beschwerdeführer
vermag auch aus dem dargelegten psychischen Druck infolge Preisgabe
von Informationen über die Dorfbewohner nichts zu seinen Gunsten abzu-
leiten, zumal seine diesbezüglichen Vorbringen nur sehr oberflächlich aus-
gefallen sind (vgl. SEM act. A15 F59, 120 f.). Der Beschwerdeführer setzte
sich insgesamt mit den zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz, auf wel-
che anstelle von Wiederholungen vollumfänglich zu verweisen ist (vgl.
E. 5.1; angefochtene Verfügung Ziff. II 1. S. 3), nicht substantiiert ausei-
nander. Angesichts dessen ist der Vorinstanz ohne weiteren Begründungs-
aufwand darin zuzustimmen, dass kein begründeter Anlass zur Annahme
besteht, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend Gefähr-
dung oder unerträglichen psychischen Druck durch das CID oder Dorfbe-
wohner asylrelevant sind.
6.4 Das SEM hat insgesamt zutreffend festgestellt, dass es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, glaubhaft darzulegen, dass er im Zeit-
punkt seiner Ausreise im (...) in asylbeachtlicher Weise gefährdet war. Die
Ausführungen in der Beschwerde sind nicht geeignet, die vorinstanzlichen
Erwägungen in einem anderen Lichte betrachten zu lassen.
6.5 Im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 (als Referenzurteil publiziert)
hält das Bundesverwaltungsgericht fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag
in die Stop-List, Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten)
seien als stark risikobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Ent-
scheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Be-
jahung einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden
das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respek-
tive durch die IOM begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben
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schwach risikobegründende Faktoren darstellen; dies bedeute, dass diese
in der Regel für sich alleine genommen keine relevante Furcht vor ernst-
haften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft gemach-
ten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwir-
kung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Umstände in einer Ein-
zelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung be-
jaht werden müsse (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 8.5.5).
Die Vorinstanz kam richtigerweise zum Schluss, dass der Beschwerdefüh-
rer keine Faktoren aufweist, die im Falle einer Wiedereinreise ein beson-
deres behördliches Interesse an ihm vermuten liessen. Aus den Akten sind
keine Hinweise darauf ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer über ein
Risikoprofil verfügen sollte, welches auf eine begründete Furcht vor asyl-
rechtlich relevanten Handlungen seitens der sri-lankischen Behörden
schliessen lassen würde. Die Ausreise des Beschwerdeführers im Jahr (...)
und die Wiedereinreise im Jahr (...) über den Flughafen G._ mit
seinem eigenen Reisepass legt zudem die Vermutung nahe, dass er sich
jedenfalls damals nicht verfolgt gefühlt – und sich auch nicht auf einer
"Stop-List" befunden – hat. Alleine aus der tamilischen Ethnie, seiner Her-
kunft aus dem Osten Sri Lankas, seinem Alter und der mittlerweile knapp
(...)jährigen Landesabwesenheit kann der Beschwerdeführer keine Gefähr-
dung ableiten. Es ist somit nicht anzunehmen, dass ihm persönlich im Falle
einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG drohen.
6.6 An dieser Einschätzung vermag auch die aktuelle – als volatil zu be-
zeichnende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern. Das Bundesverwaltungs-
gericht ist sich der Veränderungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die
aktuellen Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner
Entscheidfindung. Weder aus dem Machtwechsel 2019 noch aus dem Vor-
fall betreffend eine Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Sri
Lanka vermag der Beschwerdeführer etwas zu seinen Gunsten abzuleiten.
Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, wonach speziell der Be-
schwerdeführer einer erhöhten Gefahr ausgesetzt wäre. Ebenso gibt es
zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Macht-
wechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfol-
gungsgefahr ausgesetzt wären.
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6.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer auf-
grund des Dargelegten die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt und das
SEM sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar oder unmög-
lich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 und Art. 4 der
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
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8.2.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder
glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden.
Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach
unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-
Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr
("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl.
Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation
in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen
(BVGE 2011/24 E. 10.4). Auch der EGMR hat wiederholt festgestellt, dass
nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine
unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall
vorgenommen werden (Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom
19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Ausführungen des
Beschwerdeführers noch aus den Akten ergeben sich konkrete Anhalts-
punkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach EMRK oder FoK verbote-
nen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre.
8.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich
die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter
Weise auf den Beschwerdeführer auswirken dürften. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt weiterhin nicht als unzulässig erscheinen.
8.2.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
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Seite 12
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 Die Vorinstanz hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs be-
jaht. Ihre Schlussfolgerungen sind im Ergebnis nicht zu beanstanden. Der
bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den LTTE
ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder
Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. An dieser Einschätzung ver-
mögen auch die am Ostersonntag 2019 erfolgten Anschläge auf Kirchen
und Luxushotels nichts zu ändern (vgl. Urteil des BVGer E-868/2020 vom
25. März 2020). Auch unter Berücksichtigung des Vorfalls im Zusammen-
hang mit der Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft und der aktuellen
politischen Situation rund um Präsident Gotabaya Rajapaksa, dessen Auf-
lösung des Parlaments sowie den beabsichtigten Neuwahlen, sieht das
Bundesverwaltungsgericht keine Veranlassung, den Wegweisungsvollzug
sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie als generell unzumut-
bar einzustufen (vgl. Urteil E-1128/2020 vom 17. März 2020). Es besteht
kein Grund zur Annahme, dass sich die jüngsten politischen Entwicklungen
konkret auf den Beschwerdeführer auswirken könnten. Gemäss nach wie
vor gültiger Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug zumutbar, wenn
das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Exis-
tenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie
Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht
werden kann.
8.3.2 Der Beschwerdeführer stammt aus der Ostprovinz, wo er mit einem
Unterbruch von (...) bis (...) auch gelebt, die Schulen bis zum A-Level be-
sucht und anschliessend für (Nennung Organisation) und als (Nennung Tä-
tigkeit) gearbeitet hat (vgl. SEM act. A15 F19 und 24). An seinem Her-
kunftsort wohnen seine nächsten Familienangehörigen und weitere Ver-
wandte, welche Weizen auf dem eigenen Land anbauen (vgl. SEM act. A15
F15, 26 ff.) Es ist somit davon auszugehen, dass sich der Beschwerdefüh-
rer in seiner Heimat beruflich wieder integrieren und auf ein tragfähiges
Beziehungsnetz zurückgreifen kann, welches ihn nach einer Rückkehr im
Bedarfsfall unterstützen kann. Vorliegend sind keine gesundheitlichen
Gründe dargetan oder ersichtlich, die auf eine akute, lebensgefährdende
und im Heimatland schlicht nicht behandelbare Erkrankung schliessen las-
sen würden.
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Seite 13
8.3.3 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich damit als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch
als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten
fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83
Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen
ist (Art. 106 AsylG) ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen,
weshalb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als
gegenstandslos erweist.
10.2 Der Beschwerdeführer beantragt die Beiordnung eines amtlichen
Rechtsbeistandes. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich,
dass seine Begehren als aussichtlos zu gelten haben. Damit ist eine der
beiden kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen gemäss aArt. 110a
Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 65 Abs. 1 VwVG (Bedürftigkeit und Nicht-Aus-
sichtslosigkeit) nicht gegeben, weshalb das Gesuch ungeachtet einer all-
fälligen Bedürftigkeit abzuweisen ist.
10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
D-6801/2019
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