Decision ID: f42aa70e-4706-5c0c-b008-c73405b50221
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, schloss im August 2006 eine
Berufs
lehre
als Spengler ab (
Urk.
8/6/1) und meldete sich am
9.
Januar 2012 unter Hinweis auf eine Bandscheibenproblematik bei der Invalidenversicherung zum Leistu
ngsbezug an (
Urk.
8/7
Ziff.
6.2
)
.
Am 2
3.
November 2012 erteilte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, Kostengutsprache für eine berufliche Abklärung vom 1
2.
November 2012
bis 1
1.
Februar 2013 (
Urk.
8/36). Diese wurde nach zwei Wochen per 2
4.
November 2012 abgebrochen (
Urk.
8/40; vgl.
Urk.
8/39 S. 1 unten). Vom
2.
bis 3
0.
September 2013 fand eine Abklärung in der BEFAS
Y._
statt (
Urk.
8/69).
1.2
Am 2
1.
Oktober 2013 ersuchte der Versicherte um Kostenübernahme für eine Berufsausbildung zum Sozialbegleiter (
Urk.
8/70 =
Urk.
8/71
=
Urk.
3/1
). Mit Vorbescheid vom 2
5.
Oktober 2013 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/73).
Dagegen erhob der Versicherte am 2
2.
November 2013 (
Urk.
8/77) und am 2
0.
Januar 2014 (
Urk.
8/84)
Einwände.
Mit Verfügung vom
7.
Februar 2014 verneinte die IV-Stelle
- gemäss Betreff -
einen Anspruch auf berufliche Massnahmen (
Urk.
8/86 =
Urk.
2)
. Im
Verfü
gungstext
führte sie aus, das Leistungsbegehren werde vorläufig abgewiesen; wenn der Beschwerdeführer nach einer sechsmonatigen Tätigkeit im Bereich so
ziale Begleitung vom Arbeitgeber eine Bestätigung für die Eignung für dieses Berufsfeld erhalte, könne er ein neues Gesuch bezüglich der Unterstützung einer Umschulung zum Sozialbegleiter einreichen (S. 2 oben).
2.
Der Versicherte erhob gegen die Verfügung vom
7.
Februar 2014 (
Urk.
2) am 1
2.
März 2014 Beschwerde mit dem Antrag, diese sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihn bei der Ausbildung zum
Sozialbe
gleiter
gemäss den gesetzlichen Bestimmungen zu unterstützen (
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
April 2014 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde.
Am 2
0.
Juni 2014 reichte der Beschwerdeführer (
Urk.
13/1-2) und am 2
5.
Juni 2014 die Beschwerdeg
egnerin (
Urk.
15/1-2) weitere Unterlagen ein.
Mit Gerichtsverfügung vom
1.
Juli 2014 wurden antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2 Mitte) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt (
Urk.
16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben gemäss
Art.
8
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Einglie
derungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu er
halten oder zu verbessern; und
b.
die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen er
füllt sind (
Abs.
1).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen in (
Abs.
3):
medizinischen Massnahmen (
lit
. a);
I
ntegrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliede
rung (
lit
.
a
bis
);
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbil
dung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe,
lit
. b);
d
er Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.2
Eine Eingliederungsmassnahme hat neben den in
Art.
8
Abs.
1 IVG ausdrücklich genannten Erfordernissen der Geeignetheit und Notwendigkeit auch demjenigen der Angemessenheit (Verhältnismässigkeit im engeren Sinne) als drittem Teil
gehalt des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes zu genügen. Sie muss demnach unter Berücksichtigung der gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Einzelfalles in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten
Einglie
derungsziel
stehen. Dabei lassen sich vier Teilaspekte unterscheiden, nämlich die sachliche, die zeitliche, die finanzielle und die persönliche Angemessenheit. Danach muss die Massnahme prognostisch ein bestimmtes Mass an
Eingliede
rungswirksamkeit
aufweisen; sodann muss gewährleistet sein, dass der ange
strebte Eingliederungserfolg voraussichtlich von einer gewissen Dauer ist; des Weiteren muss der zu erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der konkreten Eingliederungsmassnahme stehen; schliesslich muss die konkrete Massnahme dem Betroffenen auch zumutbar sein (BGE 132 V 215
ff. E. 3.2.2 und 4.3.1, 130 V 488 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_812/2007 vom 6. Oktober 2008 E. 2.3; Meyer-Blaser, Zum
Verhältnismäs
sigkeitsgrundsatz
im staatlichen Leistungsrecht,
Diss
. Bern 1985, S. 77 ff., ins
bes. S. 83 ff.; Jürg
Maeschi
, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärver
sicherung [MVG] vom 1
9.
Juni 1992, Bern 2000, N 18 f. zu
Art.
33).
1.3
Massnahmen im Sinne von
Art.
17 IVG setzen subjektive und objektive
Ein
gliederungsfähigkeit
voraus (AHI 1997 S. 82 E. 2b/
aa
; ZAK 1991 S. 179 unten f.
E.
3).
1.4
Berufsberatung ist Aufgabe der IV-Stelle und nicht des begutachtenden Arztes oder der Ärztin. Zwischen diesen und den Fachleuten der Berufsberatung ist aber eine enge, sich gegenseitig ergänzende Zusammenarbeit erforderlich. Der Arzt oder die Ärztin sagen, inwiefern die versicherte Person in ihren körperli
chen respektive geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist, wobei es als selbstverständlich gilt, dass sie sich vor allem zu jenen Funktionen äus
sern, welche für die nach ihrer Lebenserfahrung im Vordergrund stehenden Arbeitsmöglichkeiten der versicherten Person wesentlich sind (so etwa, ob diese sitzend oder stehend, im Freien oder in geheizten Räumen arbeiten kann oder muss, ob sie Lasten heben und tragen kann). Die Fachleute der Berufsberatung dagegen sagen, welche konkreten beruflichen Tätigkeiten aufgrund der ärztli
chen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versi
cherten Person in Frage kommen, wobei unter Umständen entsprechende Rück
fragen beim Arzt oder der Ärztin erforderlich sind (BGE 107 V 17 E. 2b; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 1 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 8C_119/2008 vom 22. September 2008 E. 6.2 und I 588/05 vom 27.
April 2006 E. 3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus, die Eignung des Beschwerdeführers für den Beruf des Sozialbegleiters sei nicht gegeben; gemäss dem Bericht über die berufliche Abklärung würden seine sozi
alen Kompetenzen als für eine Umschulung in einen sozialen Beruf zu gering eingeschätzt (
Urk.
2 S. 1)
, was sie i
n der Beschwerdeantwort
(
Urk.
7)
näher aus
führte. Das Leistungsbegehren werde vorläufig abgewiesen; wenn der Be
schwerdeführer nach einer sechsmonatigen Tätigkeit im Bereich soziale Beglei
tung vom Arbeitgeber eine Bestätigung für die Eignung für dieses Berufsfeld erhalte, könne er ein neues Gesuch bezüglich der Unterstützung einer Umschu
lung zum Sozialbegleiter einreichen (
Urk.
2 S. 2 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber in seiner Beschwerde (
Urk.
1) gel
tend, die Beschwerdegegnerin habe seinen Gehörsanspruch verletzt, indem sie nicht auf die von ihm eingereichte psychiatrische Beurteilung eingegangen sei (S. 5
Ziff.
2)
;
vorhandene medizinische Berichte (aus somatischer Sicht) zeigten, dass keine psychischen Auffälligkeiten bestünden (S. 6
Ziff.
4). Der Standpunkt der Beschwerdegegnerin, er sollte sich einer
Traumatherapie
unterziehen, sei nicht medizinisch begründet (S. 6 f.
Ziff.
6) und
komme einer schweren
Persön
lichkeitsverletzung
gleich (S. 7
Ziff.
7). Gemäss dem Bericht des behandelnden Psychiaters sei er psychopathologisch und sozial unauffällig, und eine
Trauma
therapie
wäre kontraindiziert (S. 8 f.
Ziff.
11).
Die Auflage, ein sechsmonatiges Praktikum zu absolvieren, sei angesichts seiner beengten finanziellen Verhält
nisse in hohem Masse willkürlich (S. 9 f.
Ziff.
12).
2.3
Strittig und zu prüfen ist mithin, ob die Beschwerdegegnerin im
Verfügungs
zeitpunkt
zu Recht davon ausging, die (ungenügende) Sozialkompetenz des Beschwerdeführers stehe einer Umschulung zum Sozialbegleiter - vorläufig - entgegen, weshalb sie ihm die Möglichkeit einräumte, die genannte Kompetenz in geeigneter Weise nachzuweisen.
3.
3.1
Gemäss Verlaufsprotokoll der Berufsberatung vom 2
3.
November 2012 absol
vierte der Beschwerdeführer ab 2
2.
Oktober 2012 in der
Z._
ein drei
wöchiges Schnupperpraktikum im Bereich Arbeitsagogik
(vgl. Bericht von
A._
,
Co-Betriebsleiterin der
Z._
,
vom 1
3.
Dezember 2012;
Urk.
13/1 =
Urk.
15/1)
; daran anschliessend war eine dreimonatige Abklärung in der
Z._
vorgesehen,
um die berufliche Eignung, die Belastbarkeit, Leistungsfähigkeit und das Potential für eine Ausbildung als
Arbeitsagoge
oder alternativ als Hauswart genauer zu klären (
Urk.
8/38 S. 1).
Gemäss Verlaufsprotokoll vom 1
4.
Dezember 2012 sah sich der
Beschwerdefüh
rer aus gesundheitlichen Gründen nach zwei Wochen nicht mehr in der Lage, die Abklärung fortzusetzen
(vgl.
Urk.
15/2)
, weshalb diese per 2
4.
November 2012 abgebrochen wurde (
Urk.
8/39 S. 1 unten).
3.2
In der Folge fand unter anderem eine Evaluation der funktionellen Leistungs
fähigkeit (EFL) statt, über welche am 1
8.
März 2013
berichtet wurde (
Urk.
8/45/2-
5).
Dabei wurde ausgeführt, das arbeitsbezogene relevante Problem bestehe in einer verminderten Belastungstoleranz und muskulären Stabilisierung
der
Lendenwir
belsäule
bei längerem Stehen (und Gehen) und vorgeneigtem Stehen, vor allem
in Kombination mit Kraftaufwand und Zwangshaltungen. Zudem bestehe ein Armkraftdefizit in Bezug auf das Hantieren von schweren Gewichten (S. 3
Ziff.
3.1).
Die angestammte berufliche Tätigkeit als
Bauspengler
sei nicht zumutbar (S. 3
Ziff.
3.2). Mittelschwere Arbeit sei ganztags wechselbelastend zumutbar, wobei Stehen vorgeneigt, Sitzen vorgeneigt, Rotation im Stehen sowie Stehen (und Gehen) je bis zu 3 Stunden pro Tag möglich seien (S. 3
Ziff.
3.3).
Offenbar seien die Probleme im Praktikum durch das andauernde Stehen/Gehen sowie beim Arbeiten in vorgeneigter Position
aufgetreten
, also mangels
Wech
selbelastung
. Die Tätigkeit als
Arbeitsagoge
müsse mindestens in den versuch
ten Bereichen
als
eingeschränkt beurteilt werden (S. 4
Ziff.
6.2).
3.3
Laut Schreiben vom 1
4.
Juni 2013 hat sich der Beschwerdeführer von
Gesprächs
terminen
am 2
4.
Mai 2013 (vgl.
Urk.
8/48) und 2
9.
Mai 2013 (vgl.
Urk.
8/53) abgemeldet; zu einem weiteren Termin am 1
4.
Juni
2013
erschien er ohne weitere Mitteilung nicht (
Urk.
8/56). Am
4.
Juli 2013 fand das Gespräch sodann statt (vgl.
Urk.
8/59 S. 6 unten).
3.4
Vom
2.
bis 3
0.
September 2013 weilte der Beschwerdeführer in der
Abklärungs
stätte
Y._
,
worüber am 1
5.
Oktober 2013 berichtet wurde (
Urk.
8/69).
Zum Verlauf wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer habe die Basiswoche durch
laufen, sei dann die zweite und dritte Woche der Büroabteilung zugeteilt gewesen und habe in der vierten Woche in der sozialpädagogisch
betreuten Wohngruppe im Hinblick auf den Beruf als Sozialbegleiter geschnuppert (S. 3
Ziff.
2.1). Das Schlussgespräch habe am
2.
Oktober 2013 stattgefunden; ein
e
Verlängerung der Abklärung wäre nach Ansicht der
berichterstattenden Perso
nen nötig gewesen, doch der Klient habe das Schlussgespräch vorzeitig verlas
sen (S. 3 f.). Weiter wurde ausgeführt (S. 4):
Im
berufsberaterischen
Erstgespräch am Eintrittstag erklärte der Klient, er wisse einfach nicht weiter. Der Beruf des
Arbeitsagogen
sei ja körperlich nicht ideal. Er brauche ja Wechselbelastung. Die Berufsberaterin der IV-Stelle habe ihn falsch beraten. Unsere Erklärung, dass
Arbeitsagogen
je nach
Arbeitsum
feld
durchaus die Möglichkeit haben, wechselbelastend zu arbeiten, schien der Klient nicht
zu
akzeptieren. Er wies auf entsprechende Arztberichte hin. Nach
dem wir ihn darauf aufmerksam machten, dass drei unserer vier BEFAS-Ar
beitsagogen nach eigene
m
Ermessen zwischen sitzend und stehend/gehender Arbeit abwechseln können,
was er selbst während der Abklärung beobachten könne, erklärte [er], er habe sich „den sozialen Bereich sowieso aus dem Kopf geschlagen“. Eine Ausbildung zum Sozialbegleiter hätte ihn auch noch inte
ressiert, doch habe er gehört, man verdiene damit zu wenig. Und schulisch sei er ha
l
t „nicht der Hirsch“ gewesen. Auch sehe er sich durch seine emotionalen Schwierigkeiten aufgrund der Krebserkrankung seiner Partnerin nicht in der Lage, sozial tätig zu sein.
Seine aktuellen Ideen seien:
Goldschmied oder Fitnesstrainer/
-
instruktor
. (...)
Im Folgegespräch (...) brachte der Klient wiederum Schuldzuweisungen gegen
über der IV ein. Er wurde nun mit einigen
Fragwürdigkeiten
in einem an die IV gerichteten Mail sowie in seinen Arbeitszeugnissen konfrontiert. [Er] erklärte, wenn man Bescheid wüsste über seine früheren schlimmen Erlebnisse würde man seine berufliche Laufbahn als erfolgreich anerkennen. Er erwähnte einige frühere Erfahrungen und wurde dabei von intensiven Gefühlen der Traurigkeit überwältigt. Im späteren Verlauf der Abklärung zeigte sich der Klient zuerst dankbar, dass ihm nun in mehreren Gesprächen Zeit und Gelegenheit gegeben wurde, seine sehr persönlichen Erlebnisse einzubringen; später verbot der Kli
ent der Berufsberaterin, die geschilderten negativen Erfahrungen im Bericht zu erwähnen.
Während der dritten Abklärungswoche habe der Beschwerdeführer mitgeteilt, er habe gemerkt, dass es ihn immer wieder zu einem sozialen Beruf hinziehe, und er möchte den Beruf des Sozialbegleiters überprüfen. Daraufhin sei am Mitt
woch der dritten Woche ein
Gespräch an der Schule für Sozialbegleitung ver
anlasst worden. Ob dieses je stattgefunden habe, sei in der Folge unklar geblie
ben. Am Donnerstag sei der Beschwerdeführer nicht zur Arbeit erschienen, und die Nachfrage über das Gespräch bei der Schule für Sozialbegleitung sei vom Klienten sehr vage beantwortet worden (S. 5 Mitte).
Weiter wurde unter anderem ausgeführt (S. 5 f.):
Am Freitag der vierten
Abklärungswoche
zeigte
sich der Klient überzeugt, ein soziales Praktikum in der Wohngruppe des
Y._
im Hinblick auf eine Aus
bildung im Sozialbereich absolvieren zu wollen.
(...)
Als
wir ihm mitteilten, dass wir aufgrund der Gespräche der zweiten Abklärungswoche im
Y._
eine Psychotherapie als unabdingbar erachteten, wenn er einen sozialen Beruf er
greifen will, reagierte der
Klient
verstimmt und Psychotherapien allgemein und eine eigene potentielle Therapie stark abwertend.
Das Schlussgespräch wurde per 2.10.2013 (...) durchgeführt. [Der Beschwer
deführer] sprach sofort seinen Wunsch an, eine Ausbildung zum
Sozialbeglei
ter
machen zu wollen. Nachdem er als Antwort erhielt, dass wir dies nur zu
sammen mit einer Psychotherapie befürworten würden, packte der Klient seine Sachen und verliess das Büro.
Wir hätten ihm und der IV-Stelle vorschlagen wollen, die Abklärung zu verlän
gern, um gezielt Alternativen ausserhalb des Sozialbereichs zu suchen, doch [er] hatte das Gespräch beendet,
bevor dieser Vorschlag eingebracht werden konnte.
Zur Frage der sozialen Kompetenzen des
Beschwerdeführers
führten die
bericht
erstattenden
Personen unter anderem aus, für eine Umschulung in einen sozia
len Beruf erachteten sie diese aus näher dargelegten Gründen als zu gering (S.
10
Ziff.
3.2).
Nach Abbruch des Schlussgesprächs habe sich der
Beschwerdeführer
nicht mehr gemeldet, weshalb seine Stellungnahme nicht bekannt sei (S. 11
Ziff.
4).
3.5
Auf Aufforderung der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
8/68) teilte der Beschwer
deführer dieser am 2
1.
Oktober 2013 mit, er wäre gerne bereit, im
Y._
weiterzumachen; sein Ziel sei, mit der Ausbildung zum Sozialbegleiter so bald wie möglich zu beginnen, zumal er auch festgestellt habe,
dass
sein
Rückenlei
den
sehr gut mit der Ausübung dieses Berufs einhergehen könne (
Urk.
8/70 =
Urk.
8/71
=
Urk.
3/1).
3.6
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, führte in seinem Bericht vom 1
6.
Januar 2014 (
Urk.
8/83
=
Urk.
3/2
) aus, er behandle den Beschwerdeführer seit dem 3
0.
Oktober 201
3.
Der Patient zeige deutlich deprimierte Züge aufgrund der subjektiv erlebten persönlichen Verletzung durch Personen im
Y._
,
seiner Lebenssituation mit zunehmend existentieller Bedrohung, jedoch insbesondere bedingt durch den ablehnenden Entscheid der Beschwerd
egegnerin betreffend berufliche
Massnahmen, die darüber hinaus aus der Sicht des Patienten seine ganz persönlichen biographischen Informationen nicht wie vereinbart vertraulich behandelt und schlussendlich gegen ihn ver
wendet habe
(S. 1
Ziff.
1).
Dr.
B._
führte unter anderem aus, seine ausführliche fachärztliche psychi
atrische Exploration des Beschwerdeführers habe keinerlei psychopathologi
sche
Befunde, die auf das Vorliegen einer posttraumatischen
Belastungsstö
rung
hinweisen würden, ergeben. Auch wenn Erlebnisse in seiner Biographie früher belastend für ihn gewesen seien, so sei festzustellen, dass der Patient psychopathologisch und insbesondere sozial nicht auffällig und in seinen Lebensvollzügen offensichtlich nicht durch irgendeine relevante psychische Beeinträchtigung im Sinne von Langzeitfolgen eines erlittenen psychischen Traumas eingeschränkt gewesen sei und es auch heute nicht sei (S. 2
Ziff.
2).
Aus psychiatrisch-medizinischer Sicht bestünden beim
Beschwerdeführer
keine Hinweise darauf, dass er hinsichtlich seiner sozialen Kompetenz nicht für einen
Beruf im sozialen
Bereich geeignet wäre
beziehungsweise nicht über die dafür notwendigen sozialen Kompetenzen verfügen würde (S. 2
Ziff.
4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ist gestützt auf die Angaben der Fachleute der berufli
chen Abklärungsstätte
Y._
davon ausgegangen, der Beschwerdeführer verfüge zur Zeit nicht über die für die Ausbildung zum Sozialbegleiter erforder
lichen sozialen Kompetenzen; sie eröffnete ihm die Möglichkeit, selbige im Rahmen eines Praktikums unter Beweis zu stellen und sich erneut anzumelden (vorstehend E. 2.1).
4.2
Der von der Beschwerdegegnerin angebrachte Vorbehalt beschlägt mit der Frage,
ob
der Beschwerdeführer die für die in Aussicht genommene Ausbildung nötigen Voraussetzungen mitbringt, die Frage der sachlichen und persönlichen Angemessenheit der fraglichen Ausbildung (vorstehend E. 1.2).
Die Antwort au
f diese
Frage erfordert im Rahmen einer Gesamtschau Kenntnisse über die anvisierte Ausbildung und Informationen über die vom Beschwerde
führer gezeigten Kompetenzen
. Dabei stehen
berufsberaterische
Aspekte gegen
über medizinisch-psychiatrischen Aspekten deutlich im Vordergrund, weshalb d
afür die Fachleute der beruflichen Abklärungsstätte besonders qualifiziert
sind (vorstehend E. 1.4).
Die Beschwerdegegnerin hat somit richtigerweise auf die Beurteilung durch die Fachleute der Abklärungsstätte abgestellt, und es ist vor diesem Hintergrund auch kein gravierender Mangel, dass sie auf den Bericht des seit Ende Oktober 2013 behandelnden Psychiaters (dazu nachstehend E. 4.
5
) nicht näher einge
gangen ist.
4.3
Die im Schlussbericht der Abklärungsstätte (vorstehend E. 3.4) beschriebenen
auch beschwerdeweise nicht bestrittenen - Verhaltensweisen des Beschwerde
führers lassen den Schluss der Beschwerdegegnerin, es hätten ihm im
Verfü
gungszeitpunkt
die erforderlichen sozialen Kompetenzen gefehlt, als vollum
fänglich zutreffend erscheinen.
Nebst der unbefriedigenden Antwort auf die Frage nach dem Verlauf des exter
nen Gesprächs in der dritten Abklärungswoche fällt insbesondere das Verhalten des Beschwerdeführers im Rahmen des Abschlussgesprächs ins Gewicht.
Aus einem Standortgespräch von der hier offensichtlich gegebenen Tragweite und Bedeutung
einfach
davon zu laufen zeugt - abgesehen von der Frage des An
stands - von einer ausgesprochen mangelhaften Belastbarkeit. Dazu kommt, dass sich der Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt für sein inakzeptables Ver
halten entschuldigt hätte; in seinem späteren Schreiben an die
Beschwerdegeg
nerin
(vorstehend E. 3.5) hat er es nicht einmal erwähnt.
4.4
Auch sein Umgang mit möglicherweise unwillkommenen Informationen liess deutlich zu wünschen übrig. So war er nicht bereit, den Hinweis der Fachleute im
Y._
zur Kenntnis zu nehmen, dass
Arbeitsagogen
mehrheitlich
wech
selbelastende
Tätigkeiten ausübten, sondern warf der Berufsberaterin der
Be
schwerdegegnerin
- zu Unrecht - vor, sie habe ihn falsch beraten. Auch darauf ist er nicht mehr zurückgekommen.
Wenig nachvollziehbar erscheint auch, dass er dem behandelnden Psychiater gegenüber angab, die Fachleute im
Y._
hätten seine
ganz persönlichen biographischen Informationen nicht wie vereinbart vertraulich
behandelt, denn eben dies haben sie get
an. In den gesamten Akten findet
sich kein
einziger kon
kreter Hinweis darauf, welche
belastenden biographischen Erlebnisse der Be
schwerdeführer
gesprächsweise anführte, als er mit Fragen zu seiner
Berufs
bio
graphie
konfrontiert wurde; es wurden im Gegenteil nur ganz zurückhaltend „schlimme Erlebnisse“ beziehungsweise „negative Erfahrungen“ genannt. Es ist nicht ersichtlich, warum im Hinblick auf die Eignung des Beschwerdeführers für bestimmte künftige Tätigkeiten ein solcher minimaler Vergangenheitsbezug nicht sollte hergestellt werden dürfen.
4.5
An der Richtigkeit der - vorläufigen - Entscheidung der Beschwerdegegnerin vermag auch der Bericht des behandelnden Psychiaters (vorstehend E. 3.6) nichts zu ändern.
Darin wurde auf die im Schlussbericht der beruflichen Abklärungsstätte beschrie
benen Verhaltensweisen des Beschwerdeführers mit keinem Wort Bezug genommen. Daraus ist zu schliessen, dass der Bericht dem Psychiater nicht vorlag, denn sonst hätte er seine Behauptung, der Beschwerdeführer sei zu kei
ner Zeit sozial auffällig gewesen, entweder unterlassen oder zumindest näher zu begründen versucht.
Die Behandlung wurde rund eine Woche nach Erlass des Vorbescheids aufge
nommen, und
der behandelnde Psychiater interpretierte die von ihm berichteten deutlich deprimierten Züge des Beschwerdeführers als Ausdruck der subjektiv erlebten persönlichen Verletzung durch Personen im
Y._
,
seiner
Lebens
situation
mit zunehmend existentieller Bedrohung, und insbesondere be
dingt durch den ablehnenden Entscheid der Beschwerd
egegnerin betreffend berufliche
Massnahmen.
Ebendies zeigt in eindrücklicher Weise, dass die Beurteilung durch die
Beschwer
degegnerin
im Verfügungszeitpunkt zutreffend war. Wenn eine Person
den im Schlussbericht geschilderten Umgang der Fachleute der beruflichen
Ab
klärungsstelle
subjektiv als persönliche Verletzung erlebt, weist dies auf eine ausgesprochen schwache Frustrationstoleranz hin, zeigten sich die genannten Personen doch verständnisvoll und offen für die Anliegen des Beschwerdefüh
rers; dass sie mitunter seine Sicht der Dinge nicht teilten oder das Einhalten von Regeln anmahnten, kann schwerlich als verletzend bezeichnet werden.
Dass der Beschwerdeführer zur Unterstützung im Umgang mit dem (angekün
digten) negativen Bescheid der Beschwerdegegnerin psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen hat, ist achtenswert (und vereinbar mit den Empfeh
lungen
im
Schlussgespräch im
Y._
,
das der Beschwerdeführer abgebro
chen hat), zeigt aber gleichzeitig, dass seine psychischen Ressourcen in diesem Zeitpunkt in
eben
dem Masse limitiert gewesen sind, wie es die
Beschwerdegeg
nerin
angenommen hat.
4.6
Zusammengefasst ist der Sachverhalt dahin gehend erstellt, dass der Beschwer
deführer im Verfügungszeitpunkt nicht über die für eine Ausbildung zum
Sozi
albegleiter
erforderlichen sozialen Kompetenzen verfügt hat.
Dementsprechend erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
5.
5.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
700.-- festzusetzen, ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
gericht
(
GSVGer
).
5.2
Nach
§
34
Abs.
3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
5.
3
Mit Honorarnote vom
8.
Juli 2014 (
Urk.
19) machte die unentgeltliche
Rechts
vertreterin
einen Aufwand von 9 1⁄2 Stunden und Barauslage
n von
Fr.
12.50 geltend (S. 1)
.
Der Rechtsvertreterin waren die Akten aus dem Verwaltungsverfahren bekannt. Die von ihr eingereichte Beschwerde stimmt über weite Strecken wörtlich mit den gegen
den
Vorbescheid erhobenen Einwänden (
Urk.
8/77,
Urk.
8/84) über
ein. In der angefochtenen Verfügung war nicht mehr von einer
Traum
a
therapie
die Rede, die entsprechenden Ausführungen in der Beschwerde gehen am Streitgegenstand vorbei; umgekehrt betreffen nur wenige Zeilen (
Urk.
1 S. 9 unten) die eigentlich strittige verfügungsweise
Anordnung
. Schliesslich sind auch die nachträglich beschafften Berichte nicht
entscheidrelevant
, sie betreffen einerseits eine frühere Schnupperphase (
Urk.
1
3
/1) und andererseits eine interne Rückmeldung im
Y._
(
Urk.
1
3
/2).
Vor diesem Hintergrund kann der fakturierte Aufwand von 9 1⁄2 Stunden nicht als angemessen bezeichnet werden. Angesichts der dargelegten Umstände und im
Vergleich mit in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträgen ist - nebst den Barauslagen - ein Aufwand von 6 Stunden zu entschädigen. Beim
praxisge
mässen
Stundenansatz von
Fr.
200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die unent
geltliche Rechtsvertreterin somit mit
Fr.
1‘309.50 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.