Decision ID: f704561f-8d49-50cc-8e6b-355f1a042ea8
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 15. Mai 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Er
hatte sich, nachdem ihm seine Stelle als Fassadenbaufacharbeiter per 30. April 2002
aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt worden war, ab 1. August 2003 als
Fassadenisoleur selbständig gemacht (IV-act. 21), sein Geschäft jedoch per Ende 2005
wieder eingestellt (IV-act. 41). Am 23. Mai 2008 verfügte die IV-Stelle, dass kein
Anspruch auf Arbeitsvermittlung bestehe (IV-act. 47).
B.
Am 4. Juni 2009 reichte der Versicherte ein Gesuch um Früherfassung ein (IV-act.
53). Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 10. Juni 2009 mit (IV-act. 54), dass die
Prüfung eines Leistungsanspruchs auf der Basis einer IV-Anmeldung erfolgen werde,
da bereits einmal eine IV-Anmeldung erfolgt sei und deshalb die Früherfassung nicht
gesondert bearbeitet werde. Gemäss dem vorläufigen Austrittsbericht der Klinik Valens
vom 27. Februar 2010 war der Versicherte vom 8. bis 27. Februar 2010 in der Klinik
hospitalisiert gewesen (IV-act. 96). Seine körperliche Leistungsfähigkeit hatte ungefähr
im Bereich einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit ganztags mit sicher
zumutbaren Gewichtsbelastungen bis 10kg gelegen. Im ausführlichen Bericht vom
10. März 2010 über den stationären Aufenthalt vom 8. bis 27. Februar 2010 in der Klinik
Valens (IV-act. 113) wurden als Diagnosen ein chronisches lumbospondylogenes
Syndrom links, eine Spondylarthropathie vom Typ Bechterew, ein chronisches
Cervicobrachialsyndrom, eine Periarthropathia humeroscapularis rechts sowie eine
mittelgradige depressive Episode festgehalten. Am 10. Mai 2010 verfügte die IV-Stelle
B.a.
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bei einem Invaliditätsgrad von 17 Prozent die Ablehnung des Rentengesuchs (IV-act.
99). Das Verwaltungsverfahren betreffend die berufliche Eingliederung wurde
weitergeführt. Am 10. Juni 2010 liess der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung
vom 10. Mai 2010 erheben (IV-act. 108), welche vom Versicherungsgericht des
Kantons St.Gallen mit Urteil vom 2. August 2012 (IV 2010/246; IV-act. 172) abgewiesen
wurde. Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Am 15. Juni 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie zur Klärung
des Anspruchs auf berufliche Eingliederung eine umfassende medizinische
Untersuchung (Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Psychiatrie, Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit EFL) als notwendig erachte (IV-act. 167). Die
Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) erstattete am 14. März 2013 ein
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 179). Darin führten die beteiligten
Sachverständigen aus, der Versicherte leide an einem chronischen
lumbospondylogenen Schmerzsyndrom linksbetont, einer Spondylitis ankylosans und
einem chronischen Schulterimpingementsyndrom rechts. Die angestammten
Tätigkeiten als Isoleur und Gipser seien nicht mehr zumutbar. Für selten mittelschwere,
wechselbelastende berufliche Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent.
Körperlich leichte, wechselbelastende berufliche Tätigkeiten seien in einem 75 Prozent-
Pensum unter den folgenden Arbeitsplatzbedingungen zumutbar: Regelmässiges und
selbständiges Wechseln der Arbeitspositionen möglich, aber Vermeiden von Arbeiten
in anhaltend sitzender oder Oberkörpervorneigeposition und von stereotypen
Rotationsbewegungen der Lendenwirbelsäule. Mit der rechten oberen Extremität seien
repetitive Überkopfarbeiten nicht möglich, hingegen bestehe keine Einschränkung für
fein- und grobmanuelle Tätigkeiten in Schulterneutralstellung. Aufgrund der
intermittierenden Kraftverminderung am linken Bein sei das berufsbedingte
regelmässige Gehen auf unebenen Böden oder das Benützen von Gerüsten oder
Leitern nicht möglich. Das Heben, Tragen, Stossen und Ziehen von Lasten bis maximal
15kg bis zur Taille und maximal 10kg bis zur Schulterhöhe sei möglich. Diese
Einschränkungen würden seit Februar 2010 gelten. Am 1. Juli 2012 nahm der
Versicherte eine Teilzeitarbeit als Hauswart auf, wofür er einen pauschalen Monatslohn
von Fr. 533.30 erhielt (IV-act. 182). Am 10. Juni 2013 verfügte die IV-Stelle, dass kein
B.b.
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C.
Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe (IV-act. 190). Diese Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
Am Januar 2014 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 195 und 196). Er gab an, an einer schwergradigen depressiven
Störung zu leiden. Er habe in B._ die Grundschule besucht und im Jahr 1987 eine
Anlehre absolviert; seit 2005 sei er Hausmann.
C.a.
Die Fachärzte der Abteilung Rheumatologie/Rehabilitation des Kantonsspitals St.
Gallen (KSSG) hatten am 26. Dezember 2013 festgehalten, der Versicherte leide an
einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome, einer axialen
Spondyloarthritis, einem chronischen lumboradikulären Schmerzsyndrom links, einem
chronischen zervikospondylogenen Schmerzsyndrom beidseits sowie
Schulterschmerzen beidseits (IV-act. 197). Am 26. Februar/11. März 2014 gaben die
Fachärzte des psychiatrischen Ambulatoriums des Kantonsspitals St.Gallen an (IV-act.
219), der Versicherte leide an einer axialen Spondyloarthritis, einem chronischen
lumboradikulären Schmerzsyndrom links, einem chronischen zervikospondylogenen
Schmerzsyndrom beidseits, Schulterschmerzen beidseits, einem Tinnitus sowie einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Der
psychische Zustand des Versicherten hänge stark mit der Schmerz-, Arbeits- und
finanziellen Situation zusammen. Die C._ GmbH teilte am 13. November 2014 mit (IV-
act. 255), dass der Versicherte vom 10. bis 13. November 2014 im Einsatz gewesen sei
und weiterhin mit einem Arbeitspensum von 30 Prozent zu einem Bruttolohn von Fr.
1'500.-- beschäftigt werde.
C.b.
Die IV-Stelle hielt am 26. Januar 2015 fest, dass keine weiteren beruflichen
Massnahmen angezeigt seien und diese daher abgeschlossen würden (IV-act. 263).
Der Fall werde zur Rentenprüfung weitergeleitet. Mit einer Mitteilung vom 26. Januar
2015 wurde das Begehren um berufliche Massnahmen entsprechend abgewiesen (IV-
act. 264). Die IV-Stelle führte aus, dass aufgrund des Arbeitspensums von 30 Prozent
bei der C._ GmbH und der zusätzlichen Hauswarttätigkeit keine weiteren beruflichen
Massnahmen angezeigt seien.
C.c.
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Am 20. Februar 2015 berichtete der Hausarzt Dr. med. D._, FMH Allgemeine
Innere Medizin, der Versicherte leide an einer axialen Spondylarthritis, einem
chronischen Lumbovertebralsyndrom, einem Status nach Diskushernienoperation,
einer rezessal betonten Spinalkanalstenose, mittelgradigen, teils schweren depressiven
Episoden sowie an Gonarthritis links (IV-act. 267-1 ff.). Aufgrund der somatischen
Situation sei eine berufliche Wiedereingliederung ("was immer es auch sein soll") nicht
mehr denkbar. Am 9. März 2015 berichtete Dr. med. E._ von der Klinik für
Rheumatologie des Kantonsspitals St.Gallen (IV-act. 269), er habe beim Versicherten
ein chronisches intermittierendes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom links betont
sowie einen Status nach Diskushernienoperation diagnostiziert. Für die angestammte
Tätigkeit sei der Versicherte arbeitsunfähig. Für mittelschwere repetitive Tätigkeiten mit
Einnahme von Zwangspositionen bestehe ebenfalls eine volle Arbeitsunfähigkeit. Für
leichte wechselbelastende Tätigkeiten sei mindestens eine Arbeitsfähigkeit von 50
Prozent gegeben. Die Psychiaterin med. pract. F._ von der Psychiatrie G._,
Ambulatorium H._, gab am 24. März 2015 an (IV-act. 272), der Versicherte leide an
einer axialen Spondyloarthritis, einem chronischen lumboradikluären Schmerzsyndrom
links mit Ausstrahlung in das linke Bein, einem Verdacht auf AC-Arthrose beidseits,
einem Tinnitus sowie einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren.
C.d.
Mit einem Vorbescheid vom 9. Juli 2015 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten
die Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 284). Der Versicherte wandte am 15.
September 2015 ein (IV-act. 288), den verschiedenen körperlichen Erkrankungen und
den psychischen Begleitumständen sei nicht genügend Rechnung getragen worden.
Die Psychiaterin werde ihren Arztbericht mit den im Vorbescheid noch nicht
berücksichtigten invalidisierenden Gesundheitseinschränkungen ergänzen, weshalb er
die Einholung eines ergänzenden Arztberichtes beantragte. Am 5. Oktober 2015
berichtete die Psychiaterin med. pract. F._, sie schätze die Arbeitsunfähigkeit des
Versicherten unter einer "Gesamtschau der psychophysischen Symptome mit axialer
Spondylarthritis, Tinnitus und psychischer Begleitsymptome" auf mindestens 40 bis 50
Prozent (IV-act. 294). Der RAD-Arzt Dr. med. I._ notierte am 14. Dezember 2015,
dass diese Arbeitsfähigkeitsschätzung von med. pract. F._ nicht verwertbar sei, da
psychische und somatische Beeinträchtigungen vermischt worden seien (IV-act. 302).
C.e.
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Zudem fehle eine konkrete Beschreibung der Auswirkungen der psychiatrischen
Diagnose auf die Bewältigung des Alltags und der beruflichen Anforderungen. Mit einer
Verfügung vom 15. Januar 2016 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act.
309).
Am 4./29. Februar 2016 liess der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung
vom 15. Januar 2016 erheben (IV-act. 316). Sein Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache einer halben Rente,
eventualiter einer Dreiviertelsrente. Eventualiter sei ein Gutachten in Auftrag zu geben.
Die IV-Stelle verfügte am 18. März 2018 den Widerruf der Verfügung vom 15. Januar
2016 (IV-act. 326). Sie führte aus, dass sie weitere medizinische Abklärungen
durchführen werde. Das Versicherungsgericht des Kantons St.Gallen schrieb das
Beschwerdeverfahren am 29. März 2016 ab (IV 2016/38; IV-act. 329).
C.f.
Am 25. Mai 2016 berichteten die Fachärzte der Klinik für Rheumatologie des
KSSG (IV-act. 335), der Versicherte leide an einem chronischen panvertebralen
degenerativen Schmerzsyndrom, einer Spondyloarthritis mit axialem und peripherem
Befall, einer Fingerpolyarthrose beidseits, einer Hypovitaminose D, einer schweren
depressiven Störung ohne psychotische Symptome, einer mittelgradigen
sensorineuralen Schwerhörigkeit rechts (DD: M. Meniere), einer unklaren
erythematösen makulopapulösen Hautveränderung an der Glans penis und am
Übergang zum Penisschaft (DD: Syphilis, DD: Lichen planus, DD: Psoriasi inversa, DD:
Candida) und einem Status nach einer Hepatitis B Infektion. Med. pract. F._
berichtete am 27. September 2016 (IV-act. 342), dass sie beim Versicherten folgende
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erhoben habe: Spondylarthritis mit
axialem und peripherem Befall, chronisches panvertebrales degeneratives
[Schmerzsyndrom], chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren im Sinne einer mittelgradigen depressiven Störung sowie einer Störung durch
Sedativa und Hypnotika. Weiterhin bestehe eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50
Prozent. Der Versicherte sei verlangsamt und benötige Pausen. Die Fachärzte der
Klinik für Rheumatologie berichteten am 10. November 2016 (IV-act. 346-6 ff.), die
gleichentags durchgeführte Untersuchung habe im Wesentlichen unveränderte
Diagnosen ergeben (vgl. Ausführungen zum Bericht vom 25. Mai 2016, IV-act. 335).
C.g.
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Am 5. Dezember 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie zur
Klärung der Leistungsansprüche eine umfassende medizinische Untersuchung
(Rheumatologie, Psychiatrie) als notwendig erachte (IV-act. 350). Die MEDAS
Zentralschweiz erstattete am 9. März 2017 ein bidisziplinäres (rheumatologisches und
psychiatrisches) Gutachten (IV-act. 357). Die beiden Sachverständigen gaben folgende
Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit an:
Chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom links, seronegative
Spondylarthropathie vom Typ Morbus Bechterew, Gonarthrose links im medialen
Kompartiment, fortgeschrittene degenerative HWS-Veränderungen mit
Osteochondrosen C5/6 und C6/7, multiplen Diskushernien, neuroforaminale Stenose
rechts und Spinalkanalstenose C6/7, aktuell wenig symptomatisch, chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie chronische,
depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom bei komplizierter, protrahierter Trauerreaktion. Ohne
wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert waren
folgende Diagnosen erhoben worden: Periarthropathia humeroscalpularis tendopathica
links, diskrete Fingerpolyarthrose, beginnende Dupuytren Kontraktur Strahl IV
beidseits, Hochtonschwerhörigkeit rechts (versorgt mit Hörgerät), Tinnitus links,
Nikotinabhängigkeit sowie Albträume. Die beiden Sachverständigen führten aus, die
angestammte Tätigkeit als Fassadenisoleur sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar.
Aus somatischer Sicht sei eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit
vollschichtig zumutbar. Der Versicherte benötige dabei vermehrt Pausen, sodass die
Leistung bei vollschichtiger Präsenz bei 75 Prozent liege. Aus psychiatrischer Sicht
seien der Antrieb, die Ausdauer, die kognitiven Fähigkeiten, das Selbstvertrauen, das
Arbeitstempo und die Kontakt- und Verkehrsfähigkeit des Versicherten eingeschränkt.
Aufgrund der psychischen Störungen könne er zeitlich nur wenig eingeschränkt
arbeiten, das heisst eine Präsenzzeit von 8.25 Stunden (100 Prozent) sei möglich,
wahrscheinlich wäre die effektiv nutzbare Arbeitszeit durch die vermehrt notwendigen,
kurzen Pausen auf etwa 95 Prozent eingeschränkt. Die Leistungen seien um etwa 25
Prozent eingeschränkt (IV-act. 357-58). Zusammengefasst könne aus psychiatrischer
Sicht in einer Verweistätigkeit von einer Arbeitsunfähigkeit von 30 Prozent
ausgegangen werden. Dabei sei alles, was die Beschwerden verstärke, ungünstig. Der
Versicherte sollte Kontakt haben, allerdings eher mit gesunden als mit kranken
C.h.
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Menschen. Weiter sei er aufgrund der leichten bis mittelgradigen Depression für einen
beruflichen Einsatz nicht mehr fahrtauglich; auch eine Verweistätigkeit mit laufenden
Maschinen und gefährlichen Situationen sei aufgrund einer nicht auszuschliessenden
Selbst- und Fremdgefährdung nicht möglich. Die psychiatrische Einschätzung lehne
sich dabei an der „Mini-ICF-Rating“ an. Demnach sei der Beschwerdeführer in
folgenden Fähigkeiten mittelschwer eingeschränkt: Anpassung an Regeln und
Routinen, Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität und
Umstellungsfähigkeit, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, Proaktivität und
Spontanaktivitäten, Widerstands- und Durchhaltefähigkeit sowie
Selbstbehauptungsfähigkeit. Leicht beeinträchtigt sei er bei der Kompetenz- und
Wissensanwendung, der Konversation und der Kontaktfähigkeit zu Dritten, der
Gruppenfähigkeit, der Fähigkeit zu engen dyadischen Beziehungen und in der Mobilität
und Verkehrsfähigkeit. Keine Einschränkung liege bei der Selbstpflege und
Selbstversorgung vor. Die festgestellten Erkrankungen erreichten damit einen
Schweregrad, der mit deutlichen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in der freien
Wirtschaft verbunden sei (IV-act. 357-34 und 357-58 f.). In einer leidensadaptierten
Erwerbstätigkeit sei der Versicherte deshalb zusammenfassend zu 70 Prozent
arbeitsfähig. Aus somatischer Sicht habe sich der Gesundheitszustand seit dem ABI-
Gutachten vom 14. März 2013 (vgl. IV-act. 179) nicht verändert, aber der
psychiatrische Zustand des Versicherten habe sich seit 2012 verschlechtert. Nach der
Aufnahme der ambulanten Behandlung im Juni 2013 habe der psychiatrische Zustand
etwas geschwankt, wobei die Arbeitsunfähigkeit aber immer in einem Bereich zwischen
15 und 35 Prozent gelegen habe. Die RAD-Ärztin Dr. I._ notierte am 26. April 2017
(IV-act. 358), das MEDAS-Gutachten sei konklusiv und widerspruchsfrei und somit zur
abschliessenden Festlegung der Arbeitsfähigkeit bestens geeignet. Am 15. Mai 2017
liess der Versicherte vorbringen (IV-act. 361), dass er die Arbeitsfähigkeit von 70
Prozent für eine leidensangepasste Tätigkeit gemäss dem MEDAS-Gutachten
bestreite. Selbst wenn von einer Arbeitsfähigkeit von 70 Prozent ausgegangen würde,
würde bei einem Teilzeitabzug von 10 Prozent und einem „Leidensabzug“ von 25
Prozent mindestens eine halbe Invalidenrente resultieren. Der Versicherte liess daher
den Antrag stellen, es sei ihm eine ganze Invalidenrente, eventualiter eine halbe
Invalidenrente zuzusprechen. Am 28. Juni 2017 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten
die Abweisung des Rentenbegehrens an (IV-act. 365). Sie führte aus, sie stütze sich
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D.
lediglich auf die somatische Arbeitsfähigkeitsschätzung im MEDAS-Gutachten von 75
Prozent ab, da die gegen die Schmerzen und gegen die Depression verordneten
Medikamente nicht regelmässig eingenommen würden, was gegen eine
Therapieresistenz spreche. Daher sei davon auszugehen, dass der Leidensdruck nicht
entsprechend hoch sei, womit von einer vollen psychiatrischen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen werden könne. Die somatische Arbeitsfähigkeit von 75 Prozent könne
vollschichtig mit einer Leistungsminderung von 25 Prozent aufgrund vermehrter
Pausen ausgeführt werden, weshalb kein Teilzeitabzug angezeigt sei. Bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung seien die leistungsmindernden Anteile adäquat
berücksichtigt worden, sodass auch kein „Leidensabzug“ möglich sei. Am 30. Juni
2017 liess der Versicherte gegen den Vorbescheid vom 28. Juni 2017 einwenden, ihm
stehe eine Viertelsrente oder eine halbe Rente zu (mit Verweis auf seine Eingabe vom
15. Mai 2017; IV-act. 361). Die IV-Stelle verfügte am 10. Oktober 2017 die Abweisung
des Rentengesuchs (IV-act. 367).
Am 13. November 2017 liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
Beschwerde gegen die Verfügung vom 10. Oktober 2017 der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) erheben. Er liess die Aufhebung der angefochtenen Verfügung,
die Zusprache mindestens einer halben Rente sowie die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung beantragen (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter begründete den Hauptantrag im Wesentlichen damit, dass die
Hörbeschwerden und der Tinnitus entgegen den Angaben im MEDAS-Gutachten einen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Die Psychiaterin med. pract. F._ attestiere
ihm in ihrem Bericht vom 8. November 2017 weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 50
Prozent (act. G 1.1.3). Auch gestützt auf die Ausführungen im Arztbericht von Dr. med.
J._, Spezialarzt FMH für Othorhinolaryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie, vom 11.
März 2015 sei er in einer leidensangepassten Tätigkeit lediglich zu 50 Prozent
arbeitsfähig. Dr. J._ hatte am 11. März 2015 ausgeführt (act. G 1.1.5), der
Beschwerdeführer leide an einem Intervall-Schwindel mit einer Dauer von Sekunden
bis Minuten. Dabei handle es sich um ein Drehgefühl im Kopf mit
"Verschwommensehen", jedoch ohne vegetative Symptomatik. Weiter habe er eine
D.a.
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Labyrinthopathie linksbetont und einen Tinnitus tympano-cochleo-motorischen
Ursprungs festgestellt.
Am 19. Dezember 2017 notierte die RAD-Ärztin K._, dass im Gutachten und
auch in den Vorakten nirgends Verständigungsprobleme mit dem Beschwerdeführer
erwähnt seien (IV-act. 372). Daraus könne gefolgert werden, dass sich die
Hörproblematik in der normalen Alltagskommunikation nicht relevant auswirke. Weder
die Hochtonschwerhörigkeit rechts noch der Tinnitus links wirkten sich relevant auf die
Arbeitsfähigkeit aus. Eine Anpassung des adaptierten Tätigkeitsprofils sei hingegen
sinnvoll; Arbeiten in lärmiger Umgebung oder mit einem hohen Kommunikationsanteil
seien ungünstig.
D.b.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 12. Januar 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Sie begründete diesen Antrag damit, dass das Gutachten vom
9. März 2017 ausführlich abgefasst sei und dass die Schlussfolgerungen zusammen
mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung nachvollziehbar seien. Die Einwände des
Beschwerdeführers könnten das Gutachten nicht erschüttern. Auf dieses Gutachten
könne vollumfänglich abgestellt werden. Mangels einer repräsentativen
Einkommensbasis sei das Valideneinkommen abstrakt, d.h. gestützt auf die
schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik, zu berechnen.
Gemäss Anhang 2 der IV-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, der sich auf die
Tabellenlöhne abstütze, hätten Männer in der Qualifikationsstufe 4 im Jahr 2008 ein
Einkommen von Fr. 59‘979.-- (Zentralwert) erzielt. Weil davon auszugehen sei, dass
sich das Validen- und Invalideneinkommen in etwa gleich entwickelten, könne eine
Aufwertung unterbleiben. Das Valideneinkommen betrage somit Fr. 59‘979.--. Auch
das Invalideneinkommen könne gestützt auf die Tabellenlöhne berechnet werden, da
der Beschwerdeführer nicht im Rahmen seiner Restarbeitsfähigkeit arbeite.
Hilfsarbeitern stünden eine Vielzahl von Stellen im Produktions- und
Dienstleistungssektor offen. Für den Beschwerdeführer geeignet seien etwa leichtere
Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten, leichtere
Arbeiten bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung, eine Beschäftigung an einem
Empfang oder als Telefonist sowie Kurier- und leichtere Lieferdienste. Die
gesundheitlichen Einschränkungen seien bei der attestierten Arbeitsfähigkeit von 70
Prozent in einer adaptierten Tätigkeit bereits grosszügig berücksichtigt worden,
D.c.
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Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 10. Oktober 2017 hat die Beschwerdegegnerin
das Rentenbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen. Da das
weshalb kein „Leidensabzug“ nötig sei. Der Tabellenlohn für 2008 betrage Fr.
59'979.--; dies ergebe ein Invalideneinkommen von Fr. 41'985.-- (70 Prozent von Fr.
59‘979.--), woraus ein Invaliditätsgrad von 30 Prozent resultiere.
Am 30. Januar 2018 bewilligte das Versicherungsgericht des Kantons St.Gallen
dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege (act. G 8).
D.d.
Am 8. März 2018 liess der Beschwerdeführer an seinen Anträgen festhalten (act. G
12). Sein Rechtsvertreter begründete dies im Wesentlichen damit, dass massgebend
sei, ob der Beschwerdeführer mit seinen Hörbeschwerden einer Tätigkeit nachgehen
könne, und nicht wie es allenfalls in der Freizeit aussehe. Die Stellungnahme des RAD
vom 19. Dezember 2017 (IV-act. 372) könne die Ausführungen der Psychiaterin vom 8.
November 2017 (act. G 1.1.3) nicht entkräften bzw. sei nicht ausreichend, um den
Schluss zu ziehen, dass die Hörproblematik keine Relevanz habe. Aufgrund des
adaptierten Tätigkeitsprofils, welches im RAD-Bericht genannt werde, sei der Beruf des
Dolmetschers nicht möglich, da diese Tätigkeit mit einem hohen Kommunikationsanteil
verbunden sei. In den Akten finde sich ein Einkommensvergleich (IV-act. 363), laut dem
sich das Valideneinkommen auf Fr. 76'593.-- belaufe. Dieses Valideneinkommen sei
massgebend. Die Nominallohnentwicklung sei bis 2015 berücksichtigt worden, müsse
jedoch bis zum Verfügungszeitpunkt im Jahre 2017 beachtet werden. Das
Invalideneinkommen könne anhand von Tabellenlöhnen ermittelt werden, wobei die
Arbeitsfähigkeit maximal 70 Prozent betrage. Ein „Leidensabzug“ sei zu gewähren, da
der Beschwerdeführer im Vergleich zu gesunden Mitbewerbern infolge seiner
gesundheitlichen Defizite im Nachteil sei. Der Beschwerdeführer könne die von der
Beschwerdegegnerin vorgeschlagenen Berufe nicht ausüben, woraus der Schluss zu
ziehen sei, dass es wohl keine geeignete berufliche Möglichkeit für den
Beschwerdeführer gebe.
D.e.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 14).D.f.
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Beschwerdeverfahren die Prüfung der Rechtmässigkeit dieser Verfügung zum Ziel hat,
muss es sich auf den in der Verfügung enthaltenen Gegenstand beschränken. Folglich
ist nur zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
gehabt hat.
2.
3.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Eine versicherte Person hat laut
dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung, wenn
sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder
herstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie während eines Jahres ohne einen
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig
gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent
invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in
Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in
Beziehung zu jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie
gesund geblieben wäre.
2.1.
Der Beschwerdeführer hat sich im Januar 2014 erneut zum Leistungsbezug
angemeldet. In seiner bisherigen Tätigkeit als Fassadenisoleur ist er aufgrund der
gesundheitlichen Beeinträchtigungen seit 2005 nicht mehr erwerbstätig gewesen.
Unter Berücksichtigung der Regelungen, dass ein Rentenanspruch frühestens sechs
Monate nach der Anmeldung (Art. 29 Abs. 1 IVG) und erst nach einer einjährigen
Arbeitsunfähigkeitsphase (sog. Wartejahr, Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) entstehen kann, fällt
der potentielle Rentenbeginn auf den 1. Juli 2014. Basis für den Einkommensvergleich
bilden somit die Verhältnisse im Jahr 2014.
2.2.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der
3.1.
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überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat zur
Beantwortung der Frage nach dem Arbeitsfähigkeitsgrad die MEDAS Zentralschweiz
mit der Erstellung eines bidisziplinären (rheumatologischen und psychiatrischen)
Gutachtens beauftragt. Im Gutachten der MEDAS Zentralschweiz vom 9. März 2017 ist
dazu angegeben worden (IV-act. 357), dass die bisherige Erwerbstätigkeit als
Fassadenisoleur sowohl aus somatischer als auch aus psychiatrischer Sicht nicht mehr
möglich sei. Jedoch seien somatisch körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeiten
vollschichtig zumutbar. Der Beschwerdeführer benötige dabei vermehrt Pausen,
sodass die Leistung bei einer vollschichtigen Präsenz etwa 75 Prozent betrage. Aus
psychiatrischer Sicht betrage die Arbeitsunfähigkeit in einer geeigneten
Verweistätigkeit, die keine besonderen Anforderungen an die psychische Belastbarkeit
stelle oder besondere Fähigkeiten (vgl. dazu die vorstehenden Ausführungen im
Sachverhalt in Bst. C.h) verlange, etwa 30 Prozent. Im Folgenden ist zu prüfen, ob dem
MEDAS-Gutachten voller Beweiswert zukommt, das heisst, ob es die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
belegt.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass der psychiatrische Gutachter die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418).
3.2.
Die Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz haben die relevanten Vorakten
gewürdigt (IV-act. 357-2 ff. und 357-60), den Beschwerdeführer persönlich untersucht
und seine subjektiven Klagen aufgenommen und im Rahmen der Anamnese und der
objektiven Befunderhebung die entsprechenden Ergebnisse festgehalten (IV-act.
357-19 ff. und 357- 46 ff.). Die objektiven Befunde sind in ihrer Art und Schwere
gewürdigt worden (IV-act. 357-22 ff. und 357-49 ff.). Diskrepanzen und
Verdeutlichungstendenzen sind ebenfalls aufgezeigt und berücksichtigt worden (IV-act.
357-33, 357-35 und 357-55 ff.). Weiter haben sich die Sachverständigen mit den
bisherigen Behandlungen auseinandergesetzt (IV-act. 357-22 und 357-59 f.) und die
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/22
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erhobenen Diagnosen wiedergegeben (IV-act. 357-35 f.). Abschliessend ist im
Gutachten gestützt auf die umfassenden Untersuchungen eine fundierte bidisziplinäre
Beurteilung über die Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer
leidensadaptierten Tätigkeit abgegeben worden (IV-act. 357-36 ff.). Damit ist im
Gutachten der gutachterliche Fragenkatalog (vgl. auch IV-act. 349), der die vom
Bundesgericht vorgegebenen Standardindikatoren (BGE 141 V 281) mitumfasst,
beantwortet worden. Das Gutachten der MEDAS Zentralschweiz vom 9. März 2017
erfüllt also die Anforderungen an ein medizinisches Gutachten.
Der rheumatologische Gutachter Dr. L._ hat schlüssig aufgezeigt, dass der
Beschwerdeführer nicht in der Lage ist, körperliche Schwerarbeiten und Tätigkeiten,
welche das Heben und Tragen von Lasten von mehr als 15kg erfordern, sowie
prolongierte Arbeiten in ergonomisch ungünstigen Körperpositionen (gebückte
Stellung, kauernd, kniend, auf Leitern) auszuführen. Damit sei auch die Ausübung der
angestammten Tätigkeit als Fassadenisoleur nicht mehr möglich. Vollschichtig
zumutbar seien jedoch körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeiten, wobei der
Beschwerdeführer vermehrt Pausen benötige, sodass seine Leistung bei vollschichtiger
Präsenz 75 Prozent betrage. Weiter hat er nachvollziehbar dargelegt, dass sich der
somatische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Begutachtung durch
das ABI am 14. März 2013 nicht wesentlich geändert hat (IV-act. 357-32 f. und 357-38).
Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung für eine Verweistätigkeit stimmt mit jener aus dem
ABI-Gutachten vom 14. März 2013 (IV-act. 179) überein. Weiter ist entgegen den
Angaben des Beschwerdeführers der „Tinnitus links“ in den Diagnosen ohne
wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgeführt (IV-act. 357-36, oben). Die
rheumatologischen Angaben von Dr. L._ anlässlich der MEDAS-Begutachtung sind
plausibel und frei von Widersprüchen; seine Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugt.
3.4.
Der Bericht von Dr. J._ vom 11. März 2015 (act. G 1.1.5) vermag das
rheumatologische Gutachten von Dr. L._ nicht zu entkräften. Dr. J._ hat darin
angegeben, dass der Beschwerdeführer an einem Intervall-Schwindel mit einer Dauer
von Sekunden bis Minuten, vor allem im Rahmen von Stresssituationen leide. Aufgrund
der Ausführungen von Dr. J._ ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass dem Beschwerdeführer trotz des Schwindels zumindest eine
adaptierte Tätigkeit (z.B. eine Arbeit ohne gefährliche Maschinen und mit der
Möglichkeit, sich bei Schwindelanfällen jederzeit hinzusetzen) uneingeschränkt
zumutbar ist. Weiter hat Dr. J._ in seinem Bericht bezüglich der Hörprobleme des
Beschwerdeführers auf die Ausführungen in seinem Bericht vom 22. Juli 2013
verwiesen (act G. 1.1.4). Darin hatte er folgende Diagnosen gestellt: Labyrinthopathie
3.5.
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links mit peripher-zentraler vestibulärer Funktionsstörung links, visuo-visuo-
oculomotorischer Funktionsstörung, reduzierter neuro-muskulärer Leistung der unteren
Extremitäten, tief- und hochtonbetonter sensori-neuraler Schwerhörigkeit links,
diagonalem sensori-neuralem Hochtonabfall rechts und Tinnitus aurium links. Auch hier
ist anzunehmen, dass der Beschwerdeführer aufgrund der diagnostizierten
Hörprobleme (insbesondere links) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einer
adaptierten Tätigkeit, bei welcher die Hörprobleme (z.B. durch Vermeidung einer
lärmigen Umgebung) berücksichtigt werden, nicht eingeschränkt ist. Dem Bericht von
Dr. J._ vom 22. Juli 2013 lässt sich nichts Gegenteiliges entnehmen; auch hat er in
keinem seiner Berichte eine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Im Übrigen ist bei
der Würdigung der Überzeugungskraft des Berichts von Dr. J._ der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
auszusagen pflegen und dazu neigen, die pessimistischen Beschwerdeschilderungen
ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b.cc;
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2).
Dementsprechend können die Berichte von Dr. J._ keine berechtigten Zweifel an den
gemachten Ausführungen im MEDAS-Gutachten erwecken.
Der psychiatrische Sachverständige Dr. med. M._ hat in seinem Teilgutachten
vom 17. Februar 2017 angegeben, dass die bisherige Tätigkeit aus somatischer Sicht
nicht mehr zumutbar sei und daher eine isolierte Beurteilung aus psychiatrischer Sicht
keinen Sinn mache. Zu Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit hat Dr. M._
folgendes ausgeführt: Infolge der psychischen Störungen könne der Beschwerdeführer
zeitlich nur wenig eingeschränkt arbeiten; eine Präsenzzeit von 8.25 Stunden (100
Prozent) sei möglich, die effektiv nutzbare Arbeitszeit belaufe sich durch die vermehrt
notwendigen, kurzen Pausen auf 95 Prozent. Weiter seien die Leistungen im Ausmass
von etwa 25 Prozent eingeschränkt. Zusammengefasst resultiere aus psychiatrischer
Sicht in einer Verweistätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von (etwa) 30 Prozent. Dr. M._
hat keine näheren Angaben darüber gemacht, welche Leistungseinschränkungen
konkret eine Einschränkung von 25 Prozent bewirken sollen. Weiter hat Dr. M._, wie
bereits der rheumatologische Sachverständige, einen erhöhten Pausenbedarf des
Beschwerdeführers beschrieben. Aus der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. M._
wird allerdings nicht klar, wie sich dieser erhöhte Pausenbedarf von 5 Prozent zum
rheumatologisch begründeten erhöhten Pausenbedarf verhält. Konkret wird nicht
erklärt, ob es dem Beschwerdeführer möglich ist, sich in den somatisch bedingten
Pausen auch in psychischer Hinsicht zu erholen. Ohne diese Angaben kann jedoch
nicht eruiert werden, ob neben den somatisch bedingten Pausen zusätzlich
3.6.
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psychiatrisch bedingte Pausen notwendig sind (Kumulation) für die Erholung des
Beschwerdeführers oder ob in den somatisch bedingten Pausen auch die psychiatrisch
notwendige Erholung möglich ist (keine Kumulation). Bei der von Dr. M._
abgegebenen Arbeitsfähigkeitsschätzung besteht damit Klarstellungs- und
Ergänzungsbedarf. Der psychiatrische Teil dieses Gutachtens vermag somit die
verbleibende Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Aber auch der Bericht vom 8.
November 2017 (act. G 1.1.3), in welchem med. pract. F._ eine Arbeitsunfähigkeit
von 50 Prozent angegeben hat, vermag die verbleibende Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers aus psychiatrischer Sicht nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Zum einen hat med. pract. F._ in
ihren Beurteilungen die für psychische Leiden massgebenden Standardindikatoren
nicht berücksichtigt, was aus der Sicht eines behandelnden Psychiaters
nachvollziehbar ist. Zum anderen fehlt es den von ihr abgegebenen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen an einer Begründung. Sie hat nämlich nicht näher
ausgeführt, aus welchen Gründen sie zu einer verbleibenden Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers von 50 Prozent gelangt ist und wie sich diese Einschränkung
konkret auf die Leistungen des Beschwerdeführers auswirkt (z.B. erhöhter
Pausenbedarf oder verlangsamtes Arbeitstempo). Weiter ist wiederum der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
auszusagen pflegen und dazu neigen, die pessimistischen Beschwerdeschilderungen
ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b.cc;
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2).
Dazu kommt noch, dass für die richterliche Beurteilung grundsätzlich die tatsächlichen
Verhältnisse massgebend sind, wie sie bis zum Zeitpunkt der angefochtenen
Verwaltungsverfügung - hier vom 10. Oktober 2017 - bestanden haben (BGE 121 V 362
E. 1b; BGE 125 V 150 E. 2c). Tatsachen, die sich erst später verwirklicht haben, sind
nur dann zu berücksichtigen, wenn sie mit dem Streitgegenstand in einem engen
Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses zu beeinflussen (Bundesgerichtsentscheid vom 4. Juli 2012,
9C_67/2012; vgl. BGE 99 V 98). Vorliegend ist ein enger Sachzusammenhang zu
bejahen, da med. pract. F._ den Beschwerdeführer bereits vor Erlass der Verfügung
vom 10. Oktober 2017 behandelt hat. Jedoch geht aus dem Bericht vom 8. November
2017 nichts hervor, das die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu
beeinflussen vermöchte, denn med. pract. F._ hat keine neuen Symptome und
Diagnosen genannt und auch keine abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben. Zudem hat med. pract. F._ nicht begründet, wieso sie die Ansicht
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4.
vertreten hat, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung im MEDAS-Gutachten vom 9. März
2017 nicht korrekt sei. Der Bericht von med. pract. F._ vom 8. November 2017
enthält folglich nichts, das die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses
beeinflussen würde. Auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung von med. pract. F._ kann
daher nicht abgestellt werden.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auf das MEDAS-Gutachten vom 9. März
abgestellt werden kann, soweit darin aus rheumatologischer Sicht eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung für die angestammte und für eine zumutbare adaptierte
Tätigkeit abgegeben worden ist. Aus psychiatrischer Sicht vermag das MEDAS-
Gutachten jedoch die verbleibende Arbeitsfähigkeit nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Die Beschwerdegegnerin hätte die
unklaren Ausführungen zur psychiatrischen Arbeitsfähigkeitsschätzung (insbesondere
bezüglich der Frage, inwieweit und weshalb die somatischen und psychiatrisch
abgegebenen Arbeitsfähigkeitsschätzungen zu kumulieren sind oder eben nicht) klären
müssen. Indem sie dies nicht getan hat, hat sie Art. 43 Abs. 1 ATSG verletzt, der sie
verpflichtet, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen. Da eine
Ergänzung bzw. Klarstellung im Sinne der obigen Ausführungen bislang nicht erfolgt
ist, ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Nach der Auffassung
des Bundesgerichts ist die Rückweisung in diesem Fall zulässig (vgl. BGE 137 V 210,
E. 4.4.1.4, wonach eine Sache zurückgewiesen werden kann, wenn lediglich eine
Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich
ist; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 15. November 2019, 8C_525/2019, E. 3.3).
Die Beschwerdegegnerin wird damit die verbleibende Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht im Sinne der Erwägungen ergänzend abzuklären haben (mittels
Rückfrage bei der Gutachterstelle MEDAS Zentralschweiz). Die Sache ist daher zur
Gutachtensergänzung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.7.
Für das Valideneinkommen ist entscheidend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen und persönlichen Umstände im massgebenden Zeitpunkt des
allfälligen Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16
ATSG; BGE 135 V 59 E. 3.1 und 139 V 30 E. 3.3.2, je mit Hinweisen).
4.1.
Die Beschwerdegegnerin ist in ihrer Verfügung vom 10. Oktober 2017 (IV-act.
367) zu Recht davon ausgegangen, dass die Validenkarriere des Beschwerdeführers in
der Tätigkeit als Fassadenisoleur besteht. Die Arbeitgeberin, bei welcher der
Beschwerdeführer zuletzt rund 4.5 Jahre als Fassadenisoleur tätig gewesen war, hatte
4.1.1.
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in ihrem Arbeitszeugnis vom 1. März 2002 nämlich vermerkt (IV-act. 12-2), dass der
Beschwerdeführer dort als Facharbeiter für die Erstellung von Kompaktfassaden
eingesetzt worden sei. Er habe seine Aufgaben jeweils sehr selbständig, zuverlässig
und fachlich einwandfrei erledigt. Er sei auch in der Lage gewesen, eine kleine Gruppe
selbständig zu führen. Im Jahre 2003 hatte sich der Beschwerdeführer schliesslich im
Bereich Isolationen selbständig gemacht (IV-act. 21), aufgrund seiner gesundheitlichen
Probleme hatte er diese selbständige Erwerbstätigkeit jedoch per Ende 2005 wieder
beenden müssen. Auch der psychiatrische Sachverständige der MEDAS
Zentralschweiz hatte in seinem Teilgutachten vom 17. Februar 2017 angegeben, dass
der Beschwerdeführer zwar keine Berufsbildung absolviert habe, gemäss den Akten
aber handwerkliches Geschick aufweise und auch in seinem früheren Beruf als
Fassadenisoleur grosse Erfahrung habe (IV-act. 357-49). Im ABI-Gutachten vom 14.
März 2013 (IV-act. 179) hatten die Sachverständigen als angestammte Tätigkeit jene
als Isoleur (bzw. Gipser) angenommen. Gestützt auf die vorangehenden Ausführungen
ist es überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer ohne die
gesundheitliche Beeinträchtigung als qualifizierter Fassadenisoleur tätig wäre
(Validenkarriere), obwohl er darin keine formale berufliche Ausbildung vorweisen kann.
Er hat nämlich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch seine langjährige Tätigkeit
als Fassadenisoleur vertiefte Kenntnisse in diesem Beruf erlangt, womit es ihm ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung möglich wäre, diesen Beruf wie ein ausgebildeter
Fassadenisoleur und damit mit dem notwendigen Fachwissen auszuüben. Die
Beschwerdegegnerin hat damit bezüglich des Valideneinkommens in ihrer
Beschwerdeantwort vom 12. Januar 2018 zu Unrecht auf den Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne abgestellt. Vielmehr ist als Valideneinkommen das durchschnittliche
Einkommen heranzuziehen, welches der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt des
potentiellen Rentenbeginns als Fassadenisoleur hätte verdienen können.
Bei der Berechnung des Valideneinkommens kann nicht auf das Einkommen
abgestellt werden, das die (ehemalige) N._ AG als Arbeitgeberin des
Beschwerdeführers zwischen 1997 und 2002 abgerechnet hat. Denn das abgerechnete
Jahreseinkommen hat stark geschwankt, wobei allerdings eine steigende Tendenz
erkennbar ist. Auf das zuletzt im Jahr 2002 von Januar bis April erwirtschaftete
Einkommen abzustellen und dieses auf ein Jahresbruttoeinkommen umzurechnen wäre
deshalb willkürlich, zumal sich damit ein nicht erklärbarer Lohnsprung gegenüber den
Vorjahren ergeben würde, wobei auch nicht auszuschliessen ist, dass sich das
Einkommen auch in Zukunft weiter erhöht hätte und der zuletzt angegebene Lohn
damit nicht dem durchschnittlichen Einkommen eines qualifizierten Fassadenisoleurs
4.1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/22
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entsprochen hatte. Da die N._ AG nicht mehr existiert (Löschung am _, vgl. die im
Handelsregister des Kantons St.Gallen unter der Firmennummer _ erfolgte
Eintragung), ist auch eine konkrete Nachfrage, wie diese Lohnsprünge zustande kamen
und wieviel der Beschwerdeführer als qualifizierter Fassadenisoleur im Jahr 2014
(potentieller Rentenbeginn Juli 2014, vgl. E. 2.2) durchschnittlich verdient hätte, nicht
mehr möglich.
Auch auf das vom Beschwerdeführer als Selbständigerwerbender abgerechnete
Einkommen (von August 2003 bis Juni 2005) kann für die Berechnung des
Valideneinkommens nicht abgestellt werden (IV-act. 207-2). Es kann nämlich nicht
ausgeschlossen werden, dass das Einkommen bereits damals von den
gesundheitlichen Einbussen des Beschwerdeführers beeinflusst worden ist, da dieser
die selbständige Tätigkeit krankheitsbedingt bereits nach nicht einmal drei Jahren
wieder hat aufgeben müssen. Zudem dürfte sich das Unternehmen noch in der
Aufbauphase befunden haben, so dass der Gewinn schon aus diesem Grund nicht das
durchschnittliche Einkommen eines qualifizierten Fassadenisoleurs widerspiegelt hat.
4.1.3.
Ab Oktober 2014 hat der Beschwerdeführer bei der C._ GmbH gearbeitet,
dessen Gesellschafter und Geschäftsführer sein Sohn gewesen ist (IV-act. 256 und
257). Ab November 2014 ist der Beschwerdeführer dort unbefristet in einem 30-
Prozent-Pensum angestellt gewesen, er hat einen monatlichen Bruttolohn von Fr.
1'500.-- erhalten. Obwohl die Firma auch im Bereich Fassadenisoliation tätig gewesen
ist, ist der Beschwerdeführer dort nicht als Fassadenisoleur tätig gewesen; er hat
behinderungsadaptierte Hilfsarbeiten ausgeführt (z.B. Installation von Steckdosen
installiert oder Verlegung von Kanälen für elektrische Leitungen, IV-act. 257-3). Der bei
der C._ GmbH abgerechnete Lohn kann daher bereits aus diesem Grund nicht als
Basis für die Bermessung des Valideneinkommens herangezogen werden. Auch ist
aufgrund der Verwandtschaft zwischen dem Arbeitgeber und dem Beschwerdeführer
nicht auszuschliessen, dass IV-fremde Faktoren (z.B. ein Soziallohnanteil) in das
abgerechnete Einkommen eingeflossen sind. Dementsprechend kann für die Ermittlung
des Valideneinkommens nicht auf das bei der C._ GmbH erwirtschaftete Einkommen
abgestellt werden.
4.1.4.
Das Valideneinkommen des Beschwerdeführers als qualifizierter Fassadenisoleur
kann also anhand der dem Gericht vorliegenden Akten nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eruiert werden. Da die
Beschwerdegegnerin über die berufsberaterische Fachkompetenz verfügt, das
entsprechende durchschnittliche Erwerbseinkommen ab 2014 als Fassadenisoleur zu
4.1.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/22
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bestimmen, ist die Sache auch diesbezüglich an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
Als Fassadenisoleur ist der Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig. Diese
Tätigkeit kann also offensichtlich nicht seine Invalidenkarriere sein. Der
Beschwerdeführer kann seine Restarbeitsfähigkeit nur noch in einer der
Gesundheitsbeeinträchtigung angepassten Erwerbstätigkeit umsetzen. Das bedeutet,
dass er seine beruflichen Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen nicht mehr
verwerten kann. Deshalb steht ihm nur noch eine (adaptierte) Hilfstätigkeit offen. Seine
Invalidenkarriere besteht also in einer Hilfstätigkeit, wobei keine Beschränkung auf eine
bestimmte Branche besteht, da eine Hilfstätigkeit definitionsgemäss keine berufliche
Neuausbildung, sondern höchstens eine kurze Einarbeitung am konkreten Arbeitsplatz
erfordert. Der Beschwerdeführer kann seine Restarbeitsfähigkeit also nicht nur in der
Baubranche verwerten. Der Ausgangswert zur Ermittlung des Invalideneinkommens
entspricht demnach praxisgemäss dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne
aller Branchen im Jahr 2014; er beträgt Fr. 66'453.-- (vgl. den Anhang 2 der von der
Informationsstelle AHV/IV herausgegebenen Textausgabe des IVG, 10. Aufl. 2019). Die
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) enthält keinen Hinweis
darauf, dass der konkreten Gesundheitsbeeinträchtigung angepasste Hilfstätigkeiten
generell unterdurchschnittlich entlöhnt würden. Trotzdem kann nicht direkt auf den
Zentralwert der Löhne für die Hilfsarbeiter aller Branchen abgestellt werden. Würde
man nämlich dieser Zentralwert nur um den (hier noch zu ermittelnden)
Arbeitsunfähigkeitsanteil reduzieren, würde notwendigerweise – zum Nachteil des
Beschwerdeführers – ein Soziallohnanteil in das Invalideneinkommen einfliessen, d.h.
der Einkommensvergleich würde nicht den massgebenden Invaliditätsgrad des
Beschwerdeführers liefern. Auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt würde ein sich
strikt betriebswirtschaftlich-ökonomisch verhaltender potentieller Arbeitgeber, der
selbstverständlich nicht bereit wäre, einen Soziallohnanteil auszurichten, dem
Beschwerdeführer nur unter der Bedingung den lediglich um den
Arbeitsunfähigkeitsgrad reduzierten Zentralwert von Fr. 66'453.-- als Lohn ausrichten,
wenn der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit in jeder Hinsicht so verwerten
könnte, dass der Wert seiner Arbeitsleistung betriebswirtschaftlich-ökonomisch
betrachtet jenem eines gesunden, durchschnittlich leistungsfähigen Hilfsarbeiters
entsprechen würde, der im selben Pensum angestellt wäre. Besteht bei einem nur
teilsarbeitsfähigen Hilfsarbeiter aber die Gefahr, dass die Arbeitsleistung dauernd oder
auch nur phasenweise krankheits- oder unfallbedingten Schwankungen unterliegen
könnte, ist der nur teilsarbeitsfähige Hilfsarbeiter also nicht in der Lage, seine
Arbeitsleistung konstant zuverlässig und damit im Voraus planbar zu erbringen, oder
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/22
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5.
Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 10. Oktober 2017 in teilweiser
Gutheissung der Beschwerde wegen der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
nach Art. 43 Abs. 1 ATSG aufzuheben und die Sache ist zur Vornahme weiterer
Abklärungen und zur anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der (gemäss Art. 56
Abs. 2 Satz 2 VRP verbindlichen) Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.
besteht sogar das Risiko von vermehrten unerwarteten krankheitsbedingten Absenzen,
entstehen dem Arbeitgeber indirekte Kosten. Dasselbe gilt, wenn es dem nur
teilarbeitsfähigen Hilfsarbeiter nicht möglich ist, bei einem entsprechenden
betrieblichen Bedarf vorübergehend über das zumutbare Mass hinaus zu arbeiten, d.h.
Überstunden zu leisten, oder vorübergehend an einem anderen, nicht adaptierten
Arbeitsplatz tätig zu sein, oder wenn der nur teilarbeitsfähige Hilfsarbeiter besondere
Rücksichtnahme seitens der Vorgesetzten, der Kollegen usw. benötigt, so dass sich
deren Arbeitsleistung reduziert. Berücksichtigt der Arbeitgeber diese indirekten Kosten
bei der vertraglichen Festsetzung des Lohns des nur teilarbeitsfähigen Hilfsarbeiters
nicht, verhält er sich nicht konsequent betriebswirtschaftlich-ökonomisch, d.h. er
richtet einen Soziallohnanteil aus. Ein derartiger lohnrelevanter Konkurrenznachteil
eines nur teilarbeitsfähigen Hilfsarbeiters lässt es nicht zu, das zumutbare
Invalideneinkommen dadurch zu ermitteln, dass der Zentralwert nur um den
Arbeitsunfähigkeitsanteil reduziert wird. Der Zentralwert resultiert nämlich aus der
Summe der Löhne gesunder Hilfsarbeiter. Der Zentralwert muss also um den
Konkurrenznachteil der nur teilsarbeitsfähigen Hilfsarbeiter reduziert werden, wobei zu
beachten ist, dass dieser Nachteil einzelfallspezifisch ist, d.h. das Ausmass der
Reduktion entspricht dem konkreten Konkurrenznachteil des betreffenden nur
teilarbeitsfähigen Hilfsarbeiters, hier des Beschwerdeführers. In der Praxis wird diesem
einzelfallspezifischen Konkurrenznachteil durch den sogenannten Tabellenlohnabzug
Rechnung getragen. So wird verhindert, dass zum Nachteil der versicherten Person ein
Soziallohnanteil in die Invaliditätsbemessung einfliesst. Welcher Tabellenlohnabzug im
Fall des Beschwerdeführers notwendig ist, wird die Beschwerdegegnerin nach dem
Abschluss der noch nachzuholenden Sachverhaltsabklärungen zu bestimmen haben.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
6.1.
bis
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