Decision ID: bd0cd2f7-f37c-521e-99a7-a1272fcee9e0
Year: 2019
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1963 geborene A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) meldete
sich am 15. Februar 2013 (Postaufgabe) wegen nicht näher beschriebener gesundheitlicher
Beeinträchtigung nach zweimaliger Operation bei der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden
(nachfolgend: Vorinstanz) zum Leistungsbezug an, nachdem er seit dem 31. Mai 2012 bis
auf weiteres arbeitsunfähig geschrieben gewesen war.
B. Aus dem von der Vorinstanz hierauf bei Dr. B._ eingeholten Arztbericht vom 1. No-
vember 2011 geht hervor, dass beim Beschwerdeführer seit Mitte September 2011
Schmerzen im linken Knie aufgetreten waren. Die daraufhin eingeleiteten Untersuchungen
zeigten fortgeschrittene Knorpelschäden, worauf dem Beschwerdeführer zunächst Physio-
therapie und eine Schuhaussenranderhöhung links verordnet sowie eine Knieinfiltration
durchgeführt wurde (IV-act. 20, S. 30). Am 31. Mai 2012 erfolgte eine erste Knieoperation
links (Tibiakopfvalgisationsosteotomie) in der Klinik Rosenberg, welche allerdings nicht zum
gewünschten Erfolg führte. Am 6. Dezember 2012 musste sich der Beschwerdeführer da-
her einer zweiten Knieoperation unterziehen (Revision Tibiakopf links wegen Pseudarthro-
se, IV-act. 16).
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Beim Assessmentgespräch vom 16. Mai 2013 berichtete der Beschwerdeführer, auch die
zweite Knieoperation sei nicht erfolgreich verlaufen, weshalb ein weiterer Eingriff bevor-
stehe; ausserdem habe er inzwischen seine Arbeitsstelle wegen Geschäftsaufgabe verlo-
ren. Er sei sehr interessiert an fachlicher Unterstützung im Hinblick auf seine berufliche
Wiedereingliederung, es komme nicht darauf an, in welchem Bereich, es müsse einfach
gehen mit dem Knie (IV-act. 22).
Am 29. August 2013 erfolgte eine dritte Knieoperation links (Knorpelglättung femoropatellär
und Meniskusauswalzungsabtragung medial links sowie Metallentfernung medialer Tibia-
kopf links, IV-act. 36). Gemäss Bericht von Dr. C._ zeigten sich auch nach
dieser Operation weiter persistierende Schmerzen, es sei möglich, dass die Operation zu
spät durchgeführt worden sei, so dass keine Verbesserung mehr erzielt werden konnte (IV-
act. 36, S. 3).
Im RAD-Bericht vom 15. November 2013 (IV-act. 37) erachtete Dr. D._ den Be-
schwerdeführer derzeit nicht für eingliederungsfähig. Nachdem Dr. C._ im
Verlaufsbericht vom 8. Januar 2014 (IV-act. 39) festhielt, leider habe sich auch nach der
Metallentfernung keine wesentliche Besserung eingestellt und prognostizierte, früher oder
später werde eine prothetische Versorgung nötig sein, erachtete es Dr. D._
schliesslich als angezeigt, zur Abklärung der versicherungsmedizinischen Anspruchs-
voraussetzungen auf IV Leistungen ein orthopädisches Gutachten einzuholen (IV-act. 40).
C. Dr. E._ kam in dem vom ihm am 2. Mai 2014 abgegebenen orthopädischen Gut-
achten (IV-act. 45) zum Schluss, der Beschwerdeführer sei in der angestammten Arbeit voll
arbeitsunfähig, während ihm in einer adaptierten, vorwiegend sitzenden Tätigkeit aktuell
eine 80%-ige Arbeitstätigkeit zumutbar sei; jedoch könnte die 20%-ige Einschränkung mit
der Implantation einer Prothese auch wegfallen, die tatsächliche Leistungsfähigkeit nach
der Implantation sei nicht abschätzbar.
D. Am 21. Mai 2014 wurde der Beschwerdeführer zum vierten Mal am Knie operiert (Knie-TP
links, IV-act. 49). Im Verlaufsbericht vom 26. November 2014 (IV-act. 55) berichtete Dr.
C._ von einem stationären Gesundheitszustand, derzeit bestehe volle
Arbeitsunfähigkeit, eine definitive Prognose liess er ausdrücklich offen. Hierauf bezeichnete
Dr. D._ den Beschwerdeführer im RAD-Bericht vom 5. Dezember 2014 (IV-act.
56) als in einer leidensadaptierten, d.h. körperlich leichten, mehrheitlich sitzenden und
wechselbelastenden Tätigkeit voll arbeitsfähig, „mit einer kleinen Reduktion der Leistung ist
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noch bis ca. 03/2015 zu rechnen (ca. 75% AF), ab 1 Jahr post OP 100% AF ab 04/2015“
(IV-act. 56, S. 3).
Daraufhin teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer am 9. Dezember 2014 mit, sie ge-
währe ihm Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 58). Beim Standortge-
spräch vom 9. Januar 2015 (IV-act. 60) berichtete der Beschwerdeführer von immer noch
andauernden heftigen Knieschmerzen, woraufhin die Vorinstanz einen erneuten Verlaufs-
bericht bei Dr. C._ anforderte. Dieser teilte im Bericht vom 19. Februar 2015 mit,
der Beschwerdeführer sei nach wie vor zu 100% arbeitsunfähig und es müsse
wahrscheinlich erneut eine Operation (Kniescheibenrückflächenersatzoperation)
durchgeführt werden (IV-act. 62). In einem weiteren Bericht vom 11. März 2015 wies Dr.
C._ auf den langen Leidensweg des Beschwerdeführers hin und erklärte, es sei
noch nicht absehbar, wie lange der sehr arbeitswillige Beschwerdeführer nach der erneuten
Operation arbeitsunfähig bleibe (IV-act. 64). Am 11. Mai 2015 schloss die Vorinstanz die
Eingliederungsbemühungen schliesslich als erfolglos geblieben ab (IV-act. 65).
Nachdem sich die medizinische Situation gemäss Verlaufsbericht von Dr. C._
vom 30. Juni 2015 (IV-act. 68) weiter verschlechtert hatte und erneut eine Operation in Er-
wägung gezogen wurde, ging Dr. D._ vom RAD im Bericht vom 27. Juli 2015
(IV-act. 69) davon aus, es liege eine instabile, aber besserbare gesundheitliche Situation
vor. Mit Schreiben vom 21. September 2015 (IV-act. 73) teilte die Vorinstanz dem
Beschwerdeführer hierauf mit, sein Leistungsgesuch könne wegen seines instabilen
Gesundheitszustands derzeit nicht weiterbearbeitet werden; er wurde aufgefordert, der IV-
Stelle den anstehenden Operationstermin mitzuteilen. Am 14. Januar 2016 musste sich der
Beschwerdeführer schliesslich einer fünften Knieoperation unterziehen (IV-act. 78). Am 18.
März 2016 bot die Hausärztin des Beschwerdeführers, Dr. F._, der Vorinstanz
an, die Angelegenheit am besten unter Beizug des RAD-Arztes zu besprechen, weil sich
die Bearbeitungsdauer des Falls so lange hinziehe. Die Vorinstanz wies das Angebot ab
und erklärte, sie würde den Fall gestützt auf die vorliegenden medizinischen Unterlagen
beurteilen (IV-act. 79). Im RAD-Bericht vom 6. April 2016 (IV-act. 80) erklärte Dr.
D._, es könne mittlerweile von stabilen Verhältnissen ausgegangen werden. Der
Beschwerdeführer sei in einer adaptierten Tätigkeit 3 Monate postoperativ wieder zu 100%
arbeitsfähig zu betrachten.
E. Dieser Einschätzung entsprechend teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mittels Vor-
bescheid vom 18. April 2016 mit, die Abklärungen hätten ergeben, dass ihm eine adaptierte
Tätigkeit voll zumutbar sei und er mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrads so-
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mit keinen Anspruch auf eine Invalidenrente begründe (IV-act. 81). Auf Einwand des Be-
schwerdeführers hin (IV-act. 90) sagte ihm die Vorinstanz zunächst erneut berufliche Mass-
nahmen zu (IV-act. 105).
Im August 2016 erlitt der Beschwerdeführer einen Autounfall mit einer Kniekontusion am
bisher gesunden Knie rechts (IV-act. 96). Dr. D._ ging im RAD-Bericht vom 26.
Oktober 2016 (IV-act. 99) davon aus, diese beim Unfall erlittene Kniekontusion rechts stelle
nur eine vorübergehend verschlechterte Situation dar, es seien keine weiteren Abklärungen
nötig.
Nach einem Standortgespräch am 16. Dezember 2016 (IV-act. 106) trat der Beschwerde-
führer am 9. Januar 2017 ein Belastbarkeitstraining als Küchenmitarbeiter bei
G._ in Rheineck an (IV-act. 115). Im Schlussbericht vom 28. April 2017 (IV-act.
122) wurde dem Beschwerdeführer hohe Zuverlässigkeit und Motivation attestiert und
darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer sehr gerne wieder arbeiten würde. Wegen
anhaltender Kniebeschwerden sei ihm eine Pensenerhöhung über 30% aber nicht möglich
gewesen. Hierauf schloss die Vorinstanz die Eingliederungsbemühungen erneut ab, da
keine Steigerung des Arbeitspensums erreicht werden konnte (IV-act. 124).
F. Dr. D._ vom RAD erachtete schliesslich eine erneute orthopädische Begutach-
tung als nötig zur abschliessenden Klärung des Gesundheitszustands; es stelle sich die
Frage, ob der Beschwerdeführer eine operative Sanierung des Kniegelenks hinausschiebe,
um mit dieser Handicapierung eine Rentenleistung zu erhalten (IV-act. 127). Am 20.
Oktober 2017 gab hierauf Dr. H._ ein weiteres orthopädisches Gutachten (IV-
act. 136) ab. Sie diagnostizierte beim Beschwerdeführer eine Instabilität im Knie links (mit
Status nach diversen OP’s) sowie eine Varusgonarthrose im Knie rechts und betonte
ausdrücklich, momentan sei anstatt erneuten Operationen bezüglich beider Knie eine
konservative Therapie angezeigt. Sie erachtete den Beschwerdeführer als angestammt
nicht mehr arbeitsfähig; in einer adaptierten Arbeit sei er seit 16. Juni 2016 zu 60% arbeits-
fähig einzuschätzen; bis 21. Mai 2014 habe eine 80%-ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Dr.
H._ wies darauf hin, dass sich die Problematik beider Knie gegenseitig negativ
beeinflusse, Hinweise auf Aggravation oder Inkonsistenzen habe sie keine festgestellt.
G. Nachdem die Vorinstanz das Gutachten dem RAD zur Beurteilung überliess, nahm Dr.
D._ im Bericht vom 9. November 2017 dazu Stellung und erklärte, gestützt auf
das umfassende und widerspruchsfreie orthopädische Gutachten sei beim
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Beschwerdeführer von einer 60%-igen Arbeitsfähigkeit adaptiert (bei 100% zeitlicher
Anwesenheit) seit Juni 2016 auszugehen; zuvor habe die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers 80% betragen. Die IV-Sachbearbeitung war mit dieser RAD-
Stellungnahme nicht einverstanden und hielt es nicht für einleuchtend, dass der
Gesundheitszustand nach der Operation im Jahr 2016 schlechter sein soll; insbesondere
wurde hinterfragt, weshalb der Beschwerdeführer in einer sitzenden Tätigkeit nicht voll
arbeitsfähig sei (IV-act. 146, S. 1). Hierauf schlug Dr. D._ vor, zunächst bei der
Hausärztin nachzufragen, inwieweit die gutachterlich empfohlenen therapeutischen Mass-
nahmen inzwischen umgesetzt worden seien; wahrscheinlich werde, wie schon von Dr.
H._ angetönt, für die definitive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eine erneute Be-
gutachtung nötig sein (IV-act. 146, S. 3 unten).
H. In der Folge ersuchte die Vorinstanz Dr. H._, zur Besprechung der
Angelegenheit mit der behandelnden Hausärztin direkt Kontakt aufzunehmen (IV-act. 149).
Aus dem daraufhin erfolgten Telefongespräch ergab sich eine inzwischen veränderte
Situation: Es stehe eine erneute Operation am Knie rechts an, danach sei eine 3-wöchige
Rehabilitation geplant. Dr. H._ hielt zu Handen der Vorinstanz fest (IV-act. 153):
„Von einem gutachterlichen Standpunkt muss unbedingt geschaut werden, dass die KK
dieses Vorgehen unterstützt da es durch die Knie-TP rechts zu einer Überbelastung des
problematischen Knies links kommen wird und die Gefahr sehr gross ist, dass ohne eine
stationäre Reha das Ganze dann vollständig aus dem Ruder läuft. Zur OP des rechten
Knies möchte ich nicht Stellung nehmen, da die Situation während meiner Begutachtung
eine andere war. Ein Folgegutachten wäre allenfalls angezeigt ca. 6 Monate nach der Knie-
TP rechts. In Anbetracht der neuen Info erachte ich die Prognose punkto AF als
problematisch.“
Am 21. Juni 2018 wurde der Beschwerdeführer am rechten Knie operiert (IV-act. 160, S. 9).
Im RAD-Bericht vom 20. September 2018 (IV-act. 162) bezeichnete Dr. D._ den
Beschwerdeführer als angestammt seit 05/2012 zu 100% arbeitsunfähig; adaptiert sei er
nun endgültig zu 30% arbeitsunfähig: Die gutachterlich gesehene 40%-ige Arbeitsunfähig-
keit könne durch die erfolgreiche Intervention vom Juni 2018 nun nach unten korrigiert wer-
den; ausserdem werde im „Handbuch der orthopädisch-unfallchirurgischen Begutachtung“
für eine Knieversteifung ebenfalls eine 30%-ige Arbeitsunfähigkeit zugestanden. Damit sei
eine dritte teure und langwierige Begutachtung nicht notwendig.
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I. Mit neuem Vorbescheid vom 10. Oktober 2018 (IV-act. 163) teilte die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer hierauf mit, er habe bei einem IV-Grad von 25% keinen Rentenanspruch.
Auf Einwand des Beschwerdeführers hin hielt die Vorinstanz mit Verfügung vom 15. No-
vember 2018 an der Rentenabweisung fest (IV-act. 171).
J. Gegen diese Verfügung richtet sich die vom Beschwerdeführer am 17. Dezember 2018 er-
hobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1). Mit Vernehmlassung vom 24. Januar 2019
(act. 6) verlangte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde und führte zur Begründung
an, „die höchste Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund eines kaputten Knies liegt iv-
rechtlich bei 30%. Wobei dies beim konkreten Versicherten eigentlich zu hoch ist, da das
Knie nicht versteift wurde und noch eingesetzt werden kann, wenn auch nicht mehr voll.“
Am 22. Februar 2019 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein und wies darauf hin,
dass der Begriff „kaputtes Knie“ nicht nachvollziehbar sei; auch sei die Behauptung, wo-
nach bei einem „kaputten Knie“ die iv-rechtliche Arbeitsfähigkeit 30% betragen soll,
schlichtweg falsch. Es sei auf die konkreten Umstände des Beschwerdeführers abzustellen;
insgesamt sei nicht klar, ob die Vorinstanz den Beschwerdeführer nicht ernst nehme oder
sich der Tragik des Falles nicht bewusst sei; jedenfalls sei die Vernehmlassung geradezu
respektlos. Mit Duplik vom 7. März 2019 liess die Vorinstanz verlauten, „mit einem vollstän-
dig versteiften (vollständig unbrauchbaren und somit kaputten) Knie ist eine Arbeitsunfähig-
keit von 30% erreichbar. Der Versicherte hat ein Knie, das noch teilweise beweglich ist, al-
so nicht vollständig versteift. Seine Arbeitsunfähigkeit würde also vermutlich zwischen 20
und 30% liegen, in keinem Fall aber über 30%. Daraus folgt, dass kein Rentenanspruch be-
steht. Auch die langatmigsten Ausführungen und phantasievollsten Begründungskonstrukte
ändern daran nichts.“ Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer weiteren
Stellungnahme, worauf der Schriftenwechsel abgeschlossen werden konnte.
Am 17. September 2019 wurde die Sache in der dritten Abteilung des Obergerichts in Ab-
wesenheit der Parteien abschliessend beraten und darüber entschieden. Das Obergericht
hob die angefochtene Verfügung der Vorinstanz auf und wies die Sache zu ergänzenden
Abklärungen und anschliessender Neubeurteilung an die IV-Stelle zurück. Die Begründung
für das Urteil ergibt sich aus den nachfolgenden Erwägungen.
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Erwägungen
1. Formelles
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. Ge-
mäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes (JG, bGS 145.31)
beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Da eine Verfügung der
IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden angefochten ist, ist die örtliche Zuständigkeit gegeben
(Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]).
Das Gesamtgericht hat Beschwerden in Sozialversicherungssachen mit medizinischen Fra-
gestellungen (unter Vorbehalt der hier nicht betroffenen Zuständigkeiten des Einzelrichters)
der 3. Abteilung zur Beurteilung zugewiesen (so publiziert im aktuellen Staatskalender Ap-
penzell Ausserrhoden, abrufbar unter https://staatskalender.ar.ch/organizations/pdf, Ziff.
2.6.1.2), weshalb diese zur Beurteilung der Beschwerde zuständig ist.
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen er-
gibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung auf Seiten des Beschwer-
deführers als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf die Be-
schwerdeschrift erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1
und Art. 61 lit. b ATSG).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
2.1
a. Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt voraus, dass die versi-
cherte Person invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Als Invalidität gilt gemäss
Art. 4 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG die durch einen körperlichen oder geistigen Ge-
sundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, vor-
aussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit.
b. Gemäss Art. 28 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn
sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens
zu 40% invalid sind. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG
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das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (sog. Valideneinkommen). Das Ausmass der Invalidität ist somit durch einen Einkom-
mensvergleich zu ermitteln. Die einer Person medizinisch attestierte Arbeitsunfähigkeit
kann also nicht direkt dem Invaliditätsgrad dieser Person gleichgesetzt werden, sondern
beim Invaliditätsgrad handelt es sich um eine rechnerische Grösse, bei der die medizinisch
attestierte Arbeitsunfähigkeit für die Ermittlung des der Berechnung zu Grunde gelegten
Invalideneinkommens eine Rolle spielt.
c. Die Vorinstanz argumentiert - offensichtlich gestützt auf die Ausführungen im RAD-Be-
richt vom 20. September 2019 (IV-act. 162), wo auf das „Handbuch der orthopädisch-
unfallchirurgischen Begutachtung“ verwiesen wird, in welchem bei einer Versteifung des
Knies bzw. einer Bewegungseinschränkung starken Grades eine 30%-ige Arbeitsunfähig-
keit zugestanden werde - der Beschwerdeführer verfüge nicht über einen rentenbegründen-
den Invaliditätsgrad, weil er mit seinem „kaputten Knie“ höchstens eine Arbeitsunfähigkeit
von 30% erreiche. Der Beschwerdeführer ist dagegen der Ansicht, gestützt auf die medizi-
nischen Unterlagen sei von einer höheren Arbeitsunfähigkeit und damit sehr wohl von einer
rentenbegründenden Invalidität auszugehen; die Vorinstanz missachte, dass beim Be-
schwerdeführer kein isoliertes Problem im linken Kniegelenk bestehe, sondern er habe
auch Probleme im rechten Knie. Um ihrer Abklärungspflicht nachzukommen, hätte aus
Sicht des Beschwerdeführers eine weitere orthopädische Begutachtung angeordnet werden
müssen, um die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer adaptierten Tätigkeit über-
haupt abschliessend beurteilen zu können.
2.2
Bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit stützt sich die Verwaltung und im Beschwerdefall
das Gericht auf Unterlagen, welche von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen Fach-
leuten zur Verfügung zu stellen sind. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Ge-
sundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeits-
leistungen der Person noch zugemutet werden können. Hinsichtlich des Beweiswertes ei-
nes Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizini-
schen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-
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folgerungen der Experten begründet sind (vgl. anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts
8C_134/2019 vom 27. Juni 2019, E. 2.2, m.w.H.). Den im Rahmen des Verwaltungsverfah-
rens eingeholten Berichten von externen Spezialärzten ist bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien dagegen sprechen (Urteil des
Bundesgerichts 9C_823/2018 vom 11. Juni 2019, E. 2, m.w.H.). In Bezug auf Berichte von
Hausärzten bzw. behandelnden Ärzten darf und soll der Richter der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens-
stellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen, was auch mit der unter-
schiedlichen Natur von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag zusammenhängen mag
(vgl. anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_187/2019 vom 7. Juni 2019, E. 6.1,
m.w.H.). Gleichwohl hat der Richter zu prüfen, ob eine von einer Partei eingeholte ärztliche
Stellungnahme in rechtserheblichen Fragen die Auffassungen und Schlussfolgerungen des
von der Verwaltung oder vom Gericht bestellten medizinischen Sachverständigen derart zu
erschüttern vermögen, dass davon abzuweichen ist.
2.3
Der Beschwerdeführer hat mit der Beschwerde einen Bericht von Dr. I._ vom 2.
Dezember 2018 eingereicht (act. 2/5). Die Vorinstanz hat zu diesem Bericht im
vorliegenden Verfahren weder Stellung genommen noch, soweit ersichtlich, ihn dem RAD
zur Beurteilung vorgelegt. Aus folgenden Gründen ist dieser Bericht im vorliegenden
Verfahren allerdings von erheblicher Bedeutung:
a. Dr. I._, Fachärztin FMH Allg. Chirurgie, MAS Versicherungsmedizin, ist keine
behandelnde Ärztin des Beschwerdeführers, sondern wurde von ihm bzw. seinem Rechts-
vertreter für eine chirurgische Triage-Beurteilung gestützt auf die vorhandenen
medizinischen Akten angefragt. Es besteht kein Anlass, die medizinische Fachkompetenz
von Dr. I._ in Frage zu stellen, so dass ihrer Einschätzung, da diese die
Anforderungen an die Beweistauglichkeit grundsätzlich erfüllt, durchaus Gewicht zukommt.
b. Im nachvollziehbar begründeten Bericht von Dr. I._ heisst es:
„Folgende objektivierbaren Fakten gehen aus den vorliegenden Dokumenten hervor:
- Knieinstabilität links, seitlich und nach vorne, insbesondere in 90° Beugung
- Endzustand, aufgrund des medizinisch noch jungen Alters ist aktuell keine weitere Operation in-
diziert
- Belastbarkeitstraining in Rheineck von Januar bis April 2017 in leichter wechselseitiger Arbeit
erreichte eine Arbeitsfähigkeit von 30-40%. Das Training wurde vorzeitig abgebrochen wegen
Schwellungszuständen am linken Knie.
Diese beiden ersten Punkte sprechen gegen die Beurteilung der IV, der Zustand habe sich seit der
gutachterlichen Beurteilung durch Frau Dr. H._ vom 20.10.2017 gebessert. Ebenso kann
eine Knie-Instabilität nicht mit einer Knie-Versteifung (Arhrodese) verglichen werden bezüglich Leis-
Seite 11
tungsbeurteilung, wie dies Herr Dr. D._ macht. Ein versteiftes Knie ist nicht mehr beweg-
bar, das Knie ist fix eingestellt = versteift, ob der Mensch sitzt oder geht. Ein instabiles Knie sublux-
iert die ganze Zeit, beim Sitzen oder im Stehen; mit anderen Worten, das Kniegelenk bleibt nicht
kongruent. Dies ergibt eine mechanische Reizung, die in nachvollziehbarer Weise immer wieder zu
Schwellungszuständen führt. Da nachgewiesenermassen objektiviert ist, dass diese Instabilität ins-
besondere und gerade in 90° Beugung ihre Wirkung entfaltet und damit das Knie seitlich und nach
vorne wegrückt, ist eine vorwiegend sitzende Tätigkeit in einem zeitlichen Rendement von 70%, wie
die IV das vorsieht, nachvollziehbar nicht mit den objektivierbaren klinischen Befunden vereinbar.“
c. Auch der den Beschwerdeführer behandelnde Dr. C._ hat bereits im Bericht
vom 31. Oktober 2018 (IV-act. 175,S. 23) darauf hingewiesen, dass die Begründung einer
Rentenabweisung mit einem Verweis auf das Handbuch der orthopädischen-unfallchirurgi-
schen Begutachtung, wo bei einer Versteifung des Kniegelenks eine 30%-ige Arbeitsunfä-
higkeit zugestanden werde, im konkreten Fall nicht überzeugt. Beim Beschwerdeführer lie-
ge nämlich eine andere Situation vor: Es bestehe gerade nicht eine eingeschränkte Beweg-
lichkeit oder eine Versteifung. Es bestehe vielmehr eine überdurchschnittliche Beweglich-
keit, welche zum Problem geworden sei. Es sei dadurch zu einer sekundären Bandinstabili-
tät gekommen, wie dies gelegentlich nach prothetischen Versorgungen der Fall sein könne.
Diese Instabilität bewirke, dass das Knie bei jedem Schritt aktiv muskulär gehalten werden
müsse, um ein Wegsinken seitlich oder auch in Gangrichtung zu verhindern. Dies wieder-
um bewirke eine Überlastung der Sehnen der entsprechenden Muskeln sowie des Bandap-
parats. Dadurch würden die Sehnen sowie die Kapselschleimhaut gereizt, was schmerzhaft
sei, vor allem bei statischen Belastungen wie langem Sitzen oder Stehen. Deshalb seien
zwischenzeitliche Bewegungseinheiten sehr wichtig, allerdings könnten diese aufgrund der
muskulären Limiten nicht lange anhaltend und nicht unter Belastungen vorgenommen wer-
den. Offenbar nahm die Sachbearbeitung der Vorinstanz diesen Bericht von Dr.
C._ nicht zum Anlass, nochmals eine medizinische Beurteilung beim RAD
einzuholen; der letzte in den Akten der Vorinstanz enthaltene RAD-Bericht datiert vom 20.
September 2018 (IV-act. 162), so dass nicht bekannt ist, ob Dr. D._ nach diesen
klärenden Einwendungen von Dr. C._ überhaupt weiterhin an der im Bericht
vom 20. September 2018 vertretenen Ansicht, beim Beschwerdeführer sei pauschal von
einer höchstens 30%-igen Einschränkung auszugehen, festgehalten hätte. Nachdem auch
der Bericht von Dr. I._ die Vorinstanz nicht veranlasste, zumindest einen
zusätzlichen Bericht beim RAD einzufordern, ist nicht bekannt, wie der RAD die
medizinische Situation gestützt auf diese zusätzlichen Unterlagen beurteilen würde.
d. In den beiden oben zitierten Berichten von Dr. I._ und Dr. C._ ist
nachvollziehbar und schlüssig dargelegt, dass die Probleme des Beschwerdeführers eben
gerade nicht einfach schematisch mit einer Knie-Versteifung gleichgesetzt werden können.
Damit ist aber der Schluss im RAD-Bericht vom 20. September 2018 (IV-act. 162), wo Dr.
Seite 12
D._ dem Beschwerdeführer ausdrücklich in Analogie zur schematischen
Einordnung von Knieversteifungen in der medizinischen Literatur eine endgültige 30%-ige
Arbeitsunfähigkeit zugesteht, nicht überzeugend. Hinzukommt, dass die im Bericht vom 20.
September 2018 ebenfalls vertretene Ansicht des RAD, wonach die gutachterlich
attestierten 60% Arbeitsfähigkeit für die Rentenprüfung auch „durch die erfolgreiche
Intervention von 06/2018 nun nach unten korrigiert werden“ könne, der Einschätzung im
Gutachten von Dr. H._ sogar ausdrücklich entgegensteht, heisst es doch dort:
„Entsprechend könnte auch eine Knie-TP rechts die Arbeitsfähigkeit des Versicherten [...]
nicht verbessern“ (IV-act. 136, S. 15). Zusammengefasst ist somit bei näherer Betrachtung
weder die Ansicht, wonach sich die Situation nach der Knieoperation rechts im Juni 2018
im Vergleich zur Einschätzung von Dr. H._ vor dieser Operation automatisch um
10% verbessert haben soll, überzeugend, noch der Verweis auf die angeführte
medizinische Literatur. Nachdem Dr. C._ zudem die Anforderungen an eine für
den Beschwerdeführer im Rahmen seiner verbleibenden Arbeitsfähigkeit adaptierten Arbeit
im Schreiben vom 15. August 2018 (IV-act. 161) konkret definiert hat und dabei
ausdrücklich einen Wechsel zwischen sitzenden und stehenden Tätigkeiten mit
zwischenzeitlichen Pausen für erforderlich hielt, kritisiert der Beschwerdeführer zudem zu
Recht die nicht weiter begründete Einschätzung im RAD-Bericht vom 20. September 2018
(IV-act. 162), wonach eine adaptierte Tätigkeit für den Beschwerdeführer im Wesentlichen
mehrheitlich sitzend sein soll und hält dem die zusätzliche Notwendigkeit einer
Wechselbelastung entgegen, da er bei instabilem Knie eine ständige muskuläre
Stabilisierung aufbringen müsse, um das Kniegelenk zu zentrieren (schon Dr.
H._ hatte im Gutachten vom 20. Oktober 2017 auf diese Instabilität und die
Notwendigkeit einer Stabilisierung hingewiesen, siehe IV-act. 136, S. 11 und 15). Die Rüge
des Beschwerdeführers, die Vorinstanz stelle in der Begründung der leistungsabweisenden
Verfügung gar nicht auf die konkreten Umstände des Beschwerdeführers ab, erscheint
insgesamt durchaus berechtigt. Es überzeugt unter den gegebenen Umständen nicht, mit
der von der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung bzw. im vorliegenden Beschwerde-
verfahren vorgebrachten Begründung pauschal von einer 30%-igen Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers auszugehen, wenn es darum geht, im Rahmen der Prüfung eines allfäl-
ligen Rentenanspruchs seinen Invaliditätsgrad konkret zu ermitteln. Die angefochtene Ver-
fügung ist dementsprechend aufzuheben.
2.4
Bereits im Gutachten vom 20. Oktober 2017 wies Dr. H._ ausdrücklich auf die
Notwendigkeit hin, zu gegebener Zeit eine Neubeurteilung der Situation des
Beschwerdeführers vorzunehmen (IV-act. 136, S. 16). Nachdem Dr. H._
bekannt gegeben wurde, dass sich der Beschwerdeführer inzwischen seit ihrer Begut-
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achtung auch noch einer Knieoperation rechts unterzogen hatte, hielt sie ein Fol-
gegutachten ca. 6 Monate nach der Operation für angezeigt und wies bereits damals darauf
hin, sie erachte die Prognose punkto Arbeitsfähigkeit unter den gegebenen Umständen für
problematisch (IV-act. 153). Im Schreiben vom 15. August 2018 an die IV-Sachbearbeitung
(IV-act. 161) erklärte Dr. C._, bezüglich der Arbeitsfähigkeit sei das linke Knie
entscheidend; dort sei der Beschwerdeführer höchstens zu 30% in einer leichten Tätigkeit
belastbar. Obwohl sich somit die gesundheitliche Situation im Vergleich zu früheren
Angaben des Behandlers deutlich verschlechtert hatte, hielt Dr. D._ im RAD-
Bericht vom 20. September 2018 (IV-act. 162) eine „teure und langwierige Begutachtung“
zur abschliessenden Klärung der dem Beschwerdeführer verbleibenden Arbeitsfähigkeit
nicht für nötig. Das Gericht ist dagegen zum klaren Schluss gekommen, ein Folgegutachten
dränge sich unter den gegebenen Umständen geradezu auf, nicht zuletzt, weil auch die
frühere Gutachterin Dr. H._ selbst ein solches für angezeigt erachtet hatte und
im Übrigen auch Dr. D._ vom RAD im Bericht vom 8. Februar 2018 (IV-act. 146)
noch ausdrücklich festhielt: „Wahrscheinlich wird denn eine erneute Begutachtung
notwendig werden, wie die Gutachterin bereits antönte.“
Die Vorinstanz hat somit für die definitive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerde-
führers im Rahmen ihrer gesetzlich vorgesehenen Abklärungspflichten (Art. 43 ATSG) ein
Verlaufsgutachten einzuholen, wobei es zweckmässig erscheint, hierfür Dr. H._
anzufragen, die sich mit der Situation des Beschwerdeführers bereits befasste. Im Folge-
gutachten sollte auch der (rückwirkende) Verlauf der Arbeitsfähigkeit möglichst genau ab-
geklärt und begründet werden, nachdem sich der Beschwerdeführer bereits im Januar 2013
für IV-Leistungen angemeldet hat. Im Gutachten vom 20. Oktober 2017 (IV-act. 136) hatte
Dr. H._ für die Zeit bis zum 21. Mai 2014 bereits eine Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers abgegeben (IV-act. 136, S. 19); für die Beurteilung
eines allfälligen Rentenanspruchs wird somit vor allem die Zeit danach entscheidend sein,
so dass, soweit möglich, eine retrospektive Einschätzung ab Juni 2014 von Interesse sein
wird. Im Rahmen des einzuholenden Gutachtens wird zudem insbesondere auch (erneut)
die Frage zu klären sein, welche konkreten Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit zu
stellen sind.
Gestützt auf die vorhandenen Unterlagen ist offensichtlich davon auszugehen, dass die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in erster Linie von seinen Kniebeschwerden ab-
hängt, womit anzumerken bleibt, dass das Vorgehen der Vorinstanz entgegen der in der
Beschwerdeschrift angeführten Kritik, es wären auch noch weitere Abklärungen im Zusam-
menhang mit einer erfolgten CPAP-Therapie vorzunehmen gewesen, jedenfalls gestützt auf
die vorliegenden Akten nicht zu beanstanden ist: Bereits im Bericht vom 19. März 2013 hielt
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Dr. J._ ausdrücklich fest, die behandelte obstruktive Schlafapnoe bedeute „auf
jeden Fall keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit“ (IV-act. 15, S. 1 unten). Da Dr.
J._ auf Nachfrage der Vorinstanz hin angab, es seien keine weiteren
Behandlungen mehr erfolgt (vgl. IV-act. 172), bestand für die Vorinstanz entgegen der
Argumentation des Beschwerdeführeres kein Anlass, hierzu weitere Abklärungen zu
treffen. Sollte der Beschwerdeführer aktuell wegen einer Schlafapnoe in Behandlung sein,
wäre es an ihm, dies der Vorinstanz unter Angabe der behandelnden Ärzte be-
kanntzugeben, die unter diesen Umständen auch dort allenfalls noch ergänzende
Abklärungen zu treffen hätte, bevor sie über den Rentenanspruch definitiv verfügt.
2.5
Da die Vorinstanz somit zunächst weitere Abklärungen in medizinischer Hinsicht vorzuneh-
men hat, bevor sie gestützt auf die so ermittelte Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
erneut über einen allfälligen Rentenanspruch des Beschwerdeführers verfügt, erübrigt es
sich an dieser Stelle, bereits im Einzelnen zur in diesem Zusammenhang erst noch durch
die Vorinstanz vorzunehmenden Berechnung des Invaliditätsgrads Stellung zu nehmen. Es
sei an dieser Stelle einzig bereits darauf hingewiesen, dass sich bei der Rentenprüfung im
konkreten Fall des Beschwerdeführers auch die Frage nach einem Leidensabzug stellen
wird und zu erwarten ist, dass die Vorinstanz im Rahmen der neuen Verfügung über den
Rentenanspruch auch diese Frage sachlich prüft und konkret Stellung dazu nimmt. Aus den
Akten geht mehrfach hervor, dass der Beschwerdeführer gerne wieder arbeiten würde, ent-
sprechend in der Vergangenheit stets motiviert an den beruflichen Eingliederungsbemüh-
ungen mitgewirkt und ausdrücklich sehr positiv ausgeprägte Arbeitsgrundvoraussetzungen
mitgebracht hat, letztlich aber die Wiedereingliederung bisher wegen seinen gesundheitli-
chen Einschränkungen gescheitert ist. Mit einem Leidensabzug kann unter anderem der
Tatsache Rechnung getragen werden, dass die Art und das Ausmass einer Behinderung
bzw. damit namentlich auch die konkreten Anforderungen, die an eine adaptierte Tätigkeit
zu stellen sind, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung
eine bei der IV versicherte Person deswegen eine medizintheoretisch verbliebene
adaptierte Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt letztlich nur mit
unterdurchschnittlichem Erfolg verwerten kann (vgl. dazu anstelle vieler: Urteil des
Bundesgerichts 9C_225/2019 vom 11. September 2019, E. 4.2.2, m.w.H.). Die Vorinstanz
wird im Rahmen einer erneuten Verfügung über den Rentenanspruch auch in dieser Hin-
sicht die Umstände des konkreten Einzelfalls nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft
zu berücksichtigen haben.
3. Kosten und Entschädigung
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3.1.
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Weil die
Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen rechtspre-
chungsgemäss als Obsiegen gilt (anstelle vieler: BGE 137 V 57, E. 2.1), sind dem Verfah-
rensausgang entsprechend beim obsiegenden Beschwerdeführer keine Kosten zu erheben
(Art. 19 Abs. 3 e contrario i.V.m. Art. 53 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechts-
pflege [VRPG, bGS 143.1]). Die Gerichtskasse hat dem Beschwerdeführer den einbezahl-
ten Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 800.-- zurückzuerstatten.
3.2.
Die IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden hat dem Beschwerdeführer dem Verfahrensausgang
entsprechend eine Parteientschädigung auszurichten (Art. 61 lit. g ATSG). Diese ist
gemäss Art. 61 lit. g ATSG ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen. Darüber hinaus ist
die Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Satz 1 ATSG eine Angelegenheit
des kantonalen Rechts (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 9C_321/2018 vom
16. Oktober 2018, E. 6.1, m.w.H.). Eine Kostennote liegt nicht vor.
In Sozialversicherungsfällen wird das Honorar gemäss den einschlägigen kantonalen
Bestimmungen pauschal festgelegt (Art. 53 Abs. 3 VRPG i.V.m. Art. 28 lit. b JG i.V.m. Art.
13 Abs. 1 lit. c der Verordnung über den Anwaltstarif [bGS 14.53]). Im vorliegenden Fall
handelt es sich bezogen auf die Akten um ein umfangmässig durchschnittliches Verfahren,
wobei allerdings im Rahmen der vorliegenden Beschwerde in sachverhaltsmässiger Hin-
sicht durch den Beschwerdeführer wichtige eigene Abklärungen getätigt werden mussten,
nachdem die Vorinstanz sich im Wesentlichen darauf beschränkte, nicht einschlägige Lite-
ratur zu zitieren. Sowohl für den Beschwerdeführer als auch für die Vorinstanz hat die
Streitsache grundsätzlich eine hohe Bedeutung. Unter Berücksichtigung dieser Umstände
erscheint - auch im Vergleich zu anderen, in vergleichbaren Fällen zugesprochenen Ent-
schädigungen - eine Entschädigung von pauschal Fr. 3‘500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.
Unter zusätzlicher Hinzurechnung einer Barauslagenpauschale von praxisgemäss 4% so-
wie der Mehrwertsteuer von 7.7% ergibt sich somit eine Parteientschädigung von insge-
samt Fr. 3‘920.30, welche dem Beschwerdeführer von der Vorinstanz auszurichten ist.
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