Decision ID: fd873b18-2e7b-52ed-a0b3-7eb857e9cdd6
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass das Beschlussorgan der Interkantonalen Vereinbarung über die
hochspezialisierte Medizin (HSM-Beschlussorgan) mit Beschluss vom
7. März 2013, publiziert im Bundesblatt am 10. September 2013, ent-
schied, die stationäre Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit
bösartigen Krebserkrankungen (pädiatrische Onkologie) schweizweit auf
neun Spitäler zu konzentrieren und diesen Leistungsaufträge zu erteilen
(BBl 2013 6773),
dass das HSM-Beschlussorgan mit fünf Beschlüssen vom 4. Juli 2013,
publiziert im Bundesblatt am 10. September 2013, entschied, medizini-
sche Eingriffe im Bereich der grossen seltenen Viszeralchirurgie (Oe-
sophagusresektion, Leberresektion, Pankreasresektion, tiefe Rektumre-
sektion, bariatrische Chirurgie) schweizweit auf einzelne Leistungserbrin-
ger zu konzentrieren und diesen provisorische oder definitive Leistungs-
aufträge zu erteilen (BBl 2013 6792, 2013 6801, 2013 6809, 2013 6817,
2013 6826),
dass die Regierung des Kantons Graubünden (im Folgenden: Beschwer-
deführerin) mit sechs Eingaben vom 9. Oktober 2013 beim Bundesver-
waltungsgericht Beschwerden gegen die Beschlüsse des HSM-
Beschlussorgans vom 7. März bzw. 4. Juli 2013 erhob (Beschwerdeakten
[im Folgenden: BVGer-act.], jeweils 1 der Verfahren C-5690/2013,
C-5691/2013, C-5692/2013, C-5693/2013, C-5743/2013, C-5744/2013),
dass die Beschwerdeführerin jeweils die Aufhebung der angefochtenen
Beschlüsse, verbunden mit der Anweisung an die Vorinstanz, die pädiat-
rische Onkologie bzw. die betreffenden viszeralchirurgischen Behandlun-
gen nicht dem Bereich der hochspezialisierten Medizin (HSM) zuzuord-
nen, beantragte,
dass das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz mit Verfügung vom
23. Oktober 2013 einlud, zur Frage der Zulässigkeit der Beschwerdefüh-
rung durch die Regierung des Kantons Graubünden (insbesondere hin-
sichtlich Art. 11 der interkantonalen Vereinbarung über die hochspeziali-
sierte Medizin [IVHSM]) Stellung zu nehmen (jeweils BVGer-act. 2 der
Verfahren C-5690/2013, C-5691/2013, C-5692/2013, C-5693/2013,
C-5743/2013, C-5744/2013),
C-5690/2013, C-5691/2013, C-5692-2013, C-5693/2013, C-5743/2013, C-5744-2013
Seite 3
dass die Vorinstanz mit Eingaben vom 25. November 2013 Stellung nahm
und geltend machte, das Beschlussorgan habe vorliegend Spitallisten-
entscheide getroffen; dafür bestehe ein spezieller Rechtsmittelweg wel-
cher dem Streitbeilegungsverfahren nach Art. 11 IVHSM i.V.m. Art. 31 ff.
der Rahmenvereinbarung über die interkantonale Zusammenarbeit mit
Lastenausgleich vom 24. Juni 2005 (IRV) vorgehe (jeweils BVGer-act. 4
der Verfahren C-5690/2013, C-5691/2013, C-5692/2013, C-5693/2013,
C-5743/2013, C-5744/2013),
dass das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz mit Schreiben vom
6. Dezember 2013 einlud, zur Vereinbarkeit des angefochtenen Be-
schlusses mit den im Grundsatzurteil BVGE C-6539/2011 vom 26. No-
vember 2013 dargelegten Verfahrensgrundsätzen Stellung zu nehmen,
dass die Vorinstanz mit Vernehmlassung vom 24. Januar 2014 eine Wie-
dererwägung ihrer Beschlüsse betreffend die Zuteilung der Eingriffe im
Bereich der grossen seltenen Viszeralchirurgie in Aussicht stellte und um
Sistierung der diesbezüglich hängigen Beschwerdeverfahren bis zum
rechtskräftigen Abschluss der Wiedererwägungsverfahren ersuchte
(BVGer-act. 7 in den Verfahren C-5690/2013, C-5691/2013,
C-5692/2013, C-5693/2013, und C-5744/2013, BVGer-act. 8 im Verfahren
C-5743/2013),

und zieht in Erwägung,
dass in den sechs Beschwerdeverfahren C-5690/2013, C-5691/2013,
C-5692/2013, C-5693/2013, C-5743/2013, C-5744/2013 sechs parallele
Beschlüsse der Vorinstanz im Bereich der grossen seltenen viszeralchi-
rurgischen Eingriffe und der pädiatrischen Onkologie angefochten wur-
den,
dass sich in den sechs Beschwerdeverfahren im Wesentlichen die glei-
chen Rechtsfragen stellen und es sich rechtfertigt, diese Beschwerdever-
fahren zu vereinigen und darüber in einem gemeinsamen Urteil zu befin-
den,
dass das Bundesverwaltungsgericht von Amtes wegen und mit freier
Kognition prüft, ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und ob auf ei-
C-5690/2013, C-5691/2013, C-5692-2013, C-5693/2013, C-5743/2013, C-5744-2013
Seite 4
ne Beschwerde einzutreten ist (Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021],
dass gemäss Art. 53 Abs. 1 und Art. 90a Abs. 2 des Bundesgesetzes vom
18. März 1994 über die Krankenversicherung (KVG, SR 832.10) und
Art. 12 Abs. 1 IVHSM gegen Beschlüsse des HSM-Beschlussorgans im
Sinne von Art. 39 Abs. 2 bis
KVG beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde geführt werden kann (BVGE 2012/9 E. 1),
dass die angefochtenen Beschlüsse des HSM-Beschlussorgans einer-
seits die generell-abstrakte Zuordnung eines Bereichs zur HSM und an-
dererseits die individuell-konkrete Zuteilung der Leistungsaufträge an die
Leistungserbringer zum Gegenstand haben (vgl. BVGE C-6539/2011 vom
26. November 2013),
dass das entscheidende Gericht die Frage, ob die Beschwerde ans Bun-
desverwaltungsgericht einzig gegen Zuteilungsentscheide zugelassen
sei, offen liess, seine Zuständigkeit aber bejahte, wenn die Zuordnung im
Rahmen eines angefochtenen Spitallistenentscheides geregelt wurde
(vgl. BVGE C-6539/2011 vom 26. November 2013),
dass sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gemäss
Art. 37 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR
173.32) und Art. 53 Abs. 2 Satz 1 KVG grundsätzlich nach dem Bundes-
gesetz über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG,
SR 172.021) richtet, wobei allfällige Abweichungen des VGG und die be-
sonderen Bestimmungen des Art. 53 Abs. 2 KVG vorbehalten bleiben,
dass im Zusammenhang mit Spitallistenentscheiden Anfechtungsgegen-
stand einer Beschwerde nicht die gesamte Spitalliste sein kann, sondern
nur die Verfügung, welche das individuelle Rechtsverhältnis eines betrof-
fenen Leistungserbringers regelt (BVGE 2012/9 E. 3.3),
dass vorliegend nicht ein betroffener Leistungserbringer Beschwerde
führt, sondern die Regierung eines Kantons, welcher seine Zuständigkeit
zum Erlass der Spitalliste gemäss Art. 39 Abs. 1 Bst. e KVG im Bereich
der HSM an das HSM-Beschlussorgan übertragen hat (Art. 39 Abs. 2 bis
KVG i.V.m. Art. 9 IVHSM), und sich die Frage nach der Legitimation zur
Beschwerdeführung stellt,
C-5690/2013, C-5691/2013, C-5692-2013, C-5693/2013, C-5743/2013, C-5744-2013
Seite 5
dass vorliegend die Regierung im eigenen Namen Beschwerde führte, die
Beschwerdebegründung jedoch darauf hindeutet, dass sie als Vertreterin
des Kantons handelte (vgl. Art. 42 Abs. 4 der Kantonsverfassung des
Kantons Graubünden, BR 131.226),
dass die Vereinbarungskantone im Bereich der HSM ihre ursprüngliche
Kompetenz zum Erlass von Spitallisten an das interkantonale Organ de-
legiert haben (Art. 9 Abs. 1 und 2 IVHSM i.V.m. Art. 39 Abs. 2 bis
KVG),
sich dessen Entscheide daher als eigene Verwaltungsakte anzurechnen
und diese Beschlüsse zu beachten haben (vgl. Art. 48 Abs.4 und 5 der
schweizerischen Bundesverfassung [BV, SR 101]),
dass im Rahmen der vorliegend umstrittenen Zuordnung zur HSM im
Grunde ein Kompetenzkonflikt zwischen dem Kanton der Beschwerdefüh-
rerin und dem HSM-Beschlussorgan betreffend die Spitalplanung in den
angesprochenen Bereichen vorliegt,
dass sich die Vereinbarungskantone in der IVHSM verpflichtet haben,
Meinungsverschiedenheiten auf dem in der Vereinbarung festgelegten
Weg der Streitbeilegung zu regeln (vgl. Art. 11 IVHSM i.V.m. Art. 31 – 34
IRV),
dass es sich bei (Zuständigkeits-)Konflikten zwischen Vereinbarungskan-
tonen und dem interkantonalen Organ um Streitigkeiten staatsrechtlicher
Natur unter Kantonen handelt und als ultima ratio die staatsrechtliche
Klage ans Bundesgericht offensteht (Art. 120 Abs. 1 Bst. b des Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass ein Kanton weder gestützt auf Bundesrecht noch auf Konkordats-
recht dazu legitimiert ist, gegen einen Spitallistenentscheid des HSM-
Beschlussorgans Beschwerde nach Art. 53 Abs. 1 KVG i.V.m. Art. 33
Bst. i VGG an das Bundesverwaltungsgericht zu erheben (C-5634/2013
vom 9. Januar 2014 E. 3.2),
dass gleiches auch für das Exekutivorgan eines Kantons gelten muss,
zumal die Voraussetzungen der Behördenbeschwerde nach Art. 48 Abs. 2
VwVG nicht gegeben sind,
dass die Beschwerdeführerin, soweit sie beschwerdeweise beantragt, die
ausgewählten Behandlungen seien nicht dem Bereich der hochspeziali-
C-5690/2013, C-5691/2013, C-5692-2013, C-5693/2013, C-5743/2013, C-5744-2013
Seite 6
sierten Medizin (HSM) zuzuordnen, dazu nicht legitimiert ist, weshalb auf
die Beschwerden nicht einzutreten ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens auf die in den Beschwerden
gestellten Anträge und erhobenen Rügen der Beschwerdeführerin nicht
näher einzugehen ist,
dass der Antrag auf Sistierung des Verfahrens mit dem Nichteintretens-
entscheid gegenstandslos wird,
dass die unterliegende Partei gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Regel
die Verfahrenskosten trägt, die Verfahrenskosten kantonalen Behörden
jedoch nur auferlegt werden, soweit sich der Streit um vermögensrechtli-
che Interessen von Körperschaften oder autonomen Anstalten dreht (Art.
63 Abs. 2 zweiter Halbsatz VwVG),
dass vorliegend nicht (direkte) Vermögensinteressen des Kantons betrof-
fen sind, weshalb der unterliegenden Beschwerdeführerin keine Verfah-
renskosten aufzuerlegen sind (vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL
BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht, Basel 2008, S. 209, Rz. 4.49 m.w.H.),
dass die Beschwerdeinstanz der ganz oder teilweise obsiegenden Partei
von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwach-
sene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen kann
(Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht, VGKE, SR
173.320.2), Behörden, die als Partei auftreten, jedoch in der Regel keinen
Anspruch auf Parteientschädigung haben (Art. 7 Abs. 3 VGKE), weshalb
der obsiegenden Vorinstanz keine Parteientschädigung zuzusprechen ist
(vgl. BVGE 2012/9, nicht publizierte E. 5.2; Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts C-5305/2010 vom 16. Mai 2013 E. 8.2),
dass die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das
Bundesgericht gemäss Art. 83 Bst. r BGG im vorliegenden Fall unzulässig
und der vorliegende Entscheid endgültig ist.
C-5690/2013, C-5691/2013, C-5692-2013, C-5693/2013, C-5743/2013, C-5744-2013
Seite 7