Decision ID: d4e55db5-87c1-4c46-b9a8-4a32beeb84e3
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend Rekurrentin) war am 17. März 2013 aus B._ zu ihrem
Ehemann in die Schweiz eingereist und hatte am 20. März 2013 im Rahmen des
Familiennachzugs eine Aufenthaltsbewilligung bis 16. März 2014 erhalten. Die
Aufenthaltsbewilligung war letztmals am 18. Februar 2015 bis zum 16. März 2016
verlängert worden. Gemäss dem Eheschutzentscheid des Kreisgerichts C._ vom 29.
September 2015 lebte das Ehepaar seit dem 9. Juli 2015 getrennt. Dem am _ 2015
geborenen Sohn D._ wurde die Aufenthaltsbewilligung analog der Mutter bis am 16.
März 2016 erteilt. Mit Verfügung vom 14. April 2016 entschied das Migrationsamt des
Kantons St. Gallen, die Aufenthaltsbewilligungen für A._ und D._ nicht zu
verlängern. Sie hätten die Schweiz bis spätestens 30. Juni 2016 zu verlassen. Da die
Ehegemeinschaft nicht mindestens drei Jahre gedauert habe und auch keine wichtigen
persönlichen Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz nötig machen würden,
seien die Voraussetzungen für den Beibehalt des Anspruches auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nicht erfüllt (act. G 8.1.1e).
A.b Gegen diese Verfügung liess die Rekurrentin durch Rechtsanwalt lic. iur. B. Züst,
St. Margrethen, Rekurs erheben und für sich die Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung sowie für ihren Sohn die Erteilung der
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Niederlassungsbewilligung beantragen. Im Eventualbegehren ersuchte sie darum, dem
Sohn zumindest die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern (act. G 8.1.1f.).
A.c Am 23. Mai 2016 stellte die Rekurrentin bei der Opferhilfe ein Gesuch um
Übernahme der Anwaltskosten in Bezug auf ihr laufendes migrationsrechtliches
Verfahren. Sie machte geltend, dass sie sich auf Grund von häuslicher Gewalt durch
den Ehemann und dessen Familie vom 9. Juni bis 2. September 2015 ins E._ habe
begeben müssen. Am 29. September 2015 habe die Eheschutzverhandlung
stattgefunden. Sie sei sowohl hinsichtlich der zivilrechtlichen als auch der
aufenthaltsrechtlichen Belange von Rechtsanwalt Züst vertreten worden. Die
Aufenthaltsbewilligung sei ihr nicht verlängert worden und das migrationsrechtliche
Verfahren sei aktuell vor dem Sicherheits- und Justizdepartement hängig. Bis anhin
habe sie die anfallenden Kosten mit Mühe und Not selbst bezahlt, es sei aber unklar,
welche künftigen Anwalts- und Gerichtskosten noch auf sie zukommen würden. Da
davon auszugehen sei, dass die Ehe ohne die erlittene häusliche Gewalt hätte
fortgeführt werden können und ihre Aufenthaltsbewilligung verlängert worden wäre,
ersuche sie nun um Unterstützung durch die Opferhilfe (rückwirkend und allenfalls für
künftige Kosten; act. G 8.1.1).
A.d Mit Schreiben vom 7. Juni 2016 teilte die Opferhilfe der Rekurrentin mit, dass
Anwaltskosten betreffend „Aufenthalt“ grundsätzlich nicht von der Opferhilfe
übernommen würden. Dies begründe sich damit, dass allenfalls der natürliche, nicht
aber der adäquate Kausalzusammenhang gegeben sei. Demgegenüber könne im
Verfahren um die Aufenthaltsbewilligung ein Gesuch um URP (unentgeltliche
Rechtspflege) gestellt werden. Der Rekurrentin wurde dazu das rechtliche Gehör
eingeräumt (act. G 8.1.2).
A.e Die Rekurrentin liess sich mit Stellungnahme vom 9. Juni 2016 vernehmen. Sie
begründete ihr Gesuch damit, dass durch die Kostenübernahme für juristische Hilfe
durch Rechtsanwalt Züst sichergestellt werden solle, dass sie ihre Rechte innerhalb
des aufenthaltsrechtlichen Verfahrens wahren könne. Damit solle es möglich werden,
eine eigenständige Aufenthaltsbewilligung für sich und den kleinen Sohn zu erhalten.
So wäre der Zustand, wie er sich vor dem Erleiden der häuslichen Gewalt präsentiert
habe, annähernd wieder hergestellt. Die Aufenthaltsbewilligung stehe einzig deshalb in
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Frage, weil die eheliche Gemeinschaft nicht drei Jahre gelebt worden sei. Einzig auf
Grund des Erleidens der häuslichen Gewalt sei ihr das Fortführen der Ehe nicht mehr
möglich gewesen. Die häusliche Gewalt habe den Erfolg, nämlich das Nicht-Erfüllen
der vorgeschriebenen Zeit der ehelichen Gemeinschaft und damit das Nicht-Verlängern
der Aufenthaltsbewilligung, massgeblich begünstigt. Da die Rekurrentin schliesslich
seit 1. Juni 2016 wieder in einem 100%-Pensum arbeite, fehle es ihr am Kriterium der
Bedürftigkeit für eine URP (act. G 8.1.3).
A.f Am 5. Oktober 2016 verfügte die Stiftung Opferhilfe sinngemäss die Abweisung
des Gesuchs um Übernahme der Kosten für juristische Hilfe. Zur Begründung führte sie
erneut aus, dass Anwaltskosten betreffend Aufenthalt grundsätzlich nicht von der
Opferhilfe übernommen würden. Dies stütze sich auf die Tatsache, dass solche
Bemühungen wie auch z.B. diejenigen betreffend Unterhalt nicht in unmittelbarem
Zusammenhang mit einer Straftat stünden. Das Verfahren betreffend Aufenthalt beim
Migrationsamt sei nicht wegen der Straftat durchzuführen, sondern weil nach der
Trennung vom Ehemann die Voraussetzungen für die Verlängerung der
fremdenpolizeilichen Aufenthaltsbewilligung zu prüfen gewesen seien. Ein adäquater
Kausalzusammenhang sei nicht gegeben. Zudem habe die Gesuchstellerin ihre
aktuellen finanziellen Verhältnisse nicht belegt (act. G 3.1.4)
B.
B.a Dagegen richtet sich der vorliegende Rekurs vom 19. Oktober 2016, worin die
Rekurrentin die Aufhebung der Verfügung und die Übernahme der Anwaltskosten in
Bezug auf das migrationsrechtliche Verfahren im Sinne von längerfristiger Hilfe
verlangt. Diese Kosten seien aktuell noch nicht abschliessend bezifferbar. Die
Begründung deckt sich im Wesentlichen mit den vorangegangenen Stellungnahmen
(act. G 1).
B.b Mit Vernehmlassung vom 7. Dezember 2016 beantragt die Vorinstanz die
vollumfängliche Abweisung des Rekurses (act. G 8). Sie macht geltend, dass gestützt
auf die vorliegenden Akten - wobei Unterlagen zur finanziellen Situation der Rekurrentin
fehlten - sowohl zu Beginn des migrationsrechtlichen Verfahrens als auch später mit
grosser Wahrscheinlichkeit ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gutgeheissen
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worden wäre. Da aber offenbar nie ein Gesuch gestellt worden sei, gehe das
Versäumnis zu Lasten der Rekurrentin. Schliesslich sei irrelevant, inwiefern die
vorgebrachten Straftaten für die Trennung ursächlich gewesen seien. Sie könnten
allerhöchstens einen natürlichen, nicht aber einen adäquaten Kausalzusammenhang
begründen (act. G 8).
B.c Mit Replik vom 9. Januar 2017 hält die Rekurrentin an ihrem Antrag fest (act. G
10).
B.d Die Vorinstanz verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act. G 12).

Erwägungen
1.
1.1 Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Frage, ob die
Rekurrentin im Rahmen der Opferhilfe Anspruch auf Übernahme der Kosten für die
durch ihren Rechtsvertreter in Bezug auf das migrationsrechtliche Verfahren geleistete
und noch zu leistende - betragsmässig somit noch unbezifferte - juristische
Unterstützung hat.
1.2 Nach Art. 1 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG; SR
312.5) hat jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder
sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer), Anspruch auf
Unterstützung nach dem Gesetz (Opferhilfe). Als Straftat gemäss OHG gilt ein im Sinne
des schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) tatbestandsmässiges und
rechtswidriges Verhalten, unabhängig davon, ob die Täterin oder der Täter ermittelt
worden ist, sich schuldhaft verhalten und vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat (Art.
1 Abs. 3 OHG; DOMINIK ZEHNTNER, in: Kommentar zum Opferhilfegesetz, PETER
GOMM/DOMINIK ZEHNTNER (Hrsg.), 3. Aufl. Bern 2009, Rz 3 zu Art. 1). Die Opferhilfe
umfasst Beratung und Soforthilfe, längerfristige Hilfe der Beratungsstellen,
Kostenbeiträge für längerfristige Hilfe Dritter, Entschädigung, Genugtuung, Befreiung
von Verfahrenskosten (Art. 2 OHG). Die Beratungsstellen leisten dem Opfer und dessen
Angehörigen u.a. soweit nötig zusätzliche Hilfe, bis sich der gesundheitliche Zustand
der betroffenen Person stabilisiert hat und bis die übrigen Folgen der Straftat möglichst
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beseitigt oder ausgeglichen sind (sog. längerfristige Hilfe; Art. 13 Abs. 2 OHG). Gemäss
Art. 14 Abs. 1 OHG umfassen die Leistungen die angemessene medizinische,
psychologische, soziale, materielle und juristische Hilfe in der Schweiz, die als Folge
der Straftat notwendig geworden ist. Bei Bedarf besorgen die Beratungsstellen dem
Opfer oder seinen Angehörigen eine Notunterkunft.
1.3 Wird anwaltliche Hilfe benötigt, können die Anwaltskosten ausschliesslich als
Soforthilfe oder längerfristige Hilfe geltend gemacht werden (Art. 19 Abs. 3 OHG i.V.m.
Art. 5 der Verordnung über die Hilfe an Opfer von Straftaten [OHV; SR 312.51]). Ein
Anspruch auf Kostenvergütung besteht dabei gegenüber der Beratungsstelle. Diese hat
unabhängig von anderen Leistungsverpflichteten, die möglicherweise für
Anwaltskosten aufzukommen haben, Kostengutsprache zu leisten, soweit solche Hilfe
erforderlich ist. Diese Kostengutsprache hat den Sinn einer Ausfallgarantie. Sobald sich
der Anwalt mit der Sache befasst, ist er verpflichtet, andere Kostenträger zu suchen. Es
gilt abzuklären, ob ein gewerkschaftlicher Rechtsschutz oder Anspruch auf Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege besteht. Auf Grund der Subsidiarität der
opferhilferechtlichen Leistungen (Art. 4 OHG) sind Anwaltskosten nur so lange zu
übernehmen, als kein anderer Leistungsträger gefunden ist (DOMINIK ZEHNTNER, in:
Kommentar zum Opferhilfegesetz, PETER GOMM/DOMINIK ZEHNTNER (Hrsg.), 3.
Aufl. Bern 2009, Rz 26 zu Art. 14).
2.
2.1 Die Rekurrentin macht geltend, sie sei Opfer von häuslicher Gewalt durch ihren
Ehemann und dessen Familie geworden. Dies habe dazu geführt, dass sie sich von
ihrem Ehemann habe trennen und im Frauenhaus St. Gallen habe Zuflucht suchen
müssen. Infolge der Trennung sei ihr das Aufenthaltsrecht in der Schweiz nicht mehr
verlängert worden, weshalb sie nun zu dessen Erhalt die Unterstützung eines
Rechtsanwalts benötige und daher längerfristige Hilfe beantrage.
2.2 Hinsichtlich der geltend gemachten Straftaten im Sinne von häuslicher Gewalt ist
den Akten zu entnehmen, dass die Rekurrentin vorwiegend Beschimpfung (Art. Art. 177
StGB) und Drohung (Art. 180 StGB) und damit vorwiegend psychische Einwirkungen
durch den Ehemann und seine Eltern geltend macht. Demgegenüber habe sie im
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Rahmen der Befragung beim Kreisgericht C._ am 29. September 2015 angegeben,
sie habe keine körperliche Gewalt erfahren (vgl. act. G 8.1.1e S. 5). Wie dem Bericht
der Sozialarbeiterin F._ vom E._ zu entnehmen ist, habe die Rekurrentin erzählt,
dass das Klima zu Hause zunehmend von Druck, Kontrolle und Erniedrigung geprägt
gewesen sei. Vor allem die Schwiegermutter habe stets versucht, sie in ihrem
Selbstwertgefühl zu treffen. So habe sie einmal auf ihren Bauch gedeutet und gesagt,
dass sie „da unten“ kaputt und gebärunfähig sei und somit keinen Wert für die Familie
besitzen würde. Als sie dann doch überraschend schwanger geworden sei, habe ihr
Ehemann von ihr verlangt, das Kind abzutreiben. Der Schwiegervater habe ihr gedroht,
sie selber und ihre Herkunftsfamilie zu töten, wenn sie ohne Erlaubnis weggehen und
dieses Kind gebären würde. Diese Drohungen seien wiederholt ausgesprochen worden
und sie habe daher immer grössere Angst bekommen, dass ihr und dem ungeborenen
Kind etwas angetan werden könnte. Auf Grund dieser Situation habe sie in den ersten
Wochen der Schwangerschaft viel Körpergewicht verloren. Die Sozialarbeiterin
schilderte bezüglich des Aufenthalts im Frauenhaus aus eigener Sicht, dass die
Gesundheit des ungeborenen Kindes auf Grund des mangelhaften Ernährungszustands
der Rekurrentin gefährdet gewesen sei, weshalb jene medizinisch habe vernetzt
werden müssen (act. G 1.1.3). Es liegen zwar keine Arztberichte vor, worin die geltend
gemachten psychischen Leiden der Rekurrentin und deren körperliche Folgen gestützt
würden. Dennoch ist auf Grund des hier aufgezeigten Sachverhalts davon auszugehen,
dass durch die Behandlung von Ehemann und Schwiegereltern eine wesentliche
Beeinträchtigung der psychischen Integrität der Rekurrentin stattgefunden hat und eine
Straftat glaubhaft erscheint.
3.
3.1 Die Opferhilfe übernimmt ausschliesslich Leistungen, die als unmittelbare Folge
der Straftat notwendig geworden sind. Damit wird ein kausaler Zusammenhang
zwischen der Straftat und dem Bedarf an der beanspruchten Leistung gefordert. Auch
im Opferhilfegesetz gilt der Grundsatz, wonach eine Entschädigung (bzw. Hilfe) nur
dann geschuldet ist, wenn ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem vom
Opfer erlittenen Schaden (bzw. der Notsituation) und der Straftat besteht. Wie im
Haftpflichtrecht handelt es sich dabei um eine unabdingbare Voraussetzung für die
Leistungspflicht (vgl. AJP 2003 Nr. 12 S. 1487). Das Erfordernis des adäquaten
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Kausalzusammenhangs besteht darin, zu erfahren, ob das eine Haftung auslösende
Element - die Straftat - nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des
eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolges also durch das Ereignis
allgemein als begünstigt erscheint (vgl. BGE 123 lll 112).
3.2 Vorliegend bleibt unbestritten, dass das aufenthaltsrechtliche Verfahren eine Folge
des Getrenntlebens und dieses eine Folge der problematischen Beziehung zwischen
der Rekurrentin und ihrem Ehegatten bzw. dessen Eltern ist. Damit ist der natürliche
Kausalzusammenhang zu bejahen. Demgegenüber ist die Adäquanz zwischen der
häuslichen Gewalt und der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung mit der
Vorinstanz zu verneinen. Die Opferhilfe bezweckt, unmittelbar mit der Opferstellung
zusammenhängende Schutzmassnahmen zu erbringen. Dazu soll beispielsweise bei
häuslicher Gewalt sichergestellt werden, dass das oder die Opfer vor den Tätern in
Sicherheit gebracht werden, sie nicht mehr weiteren Straftaten ausgesetzt sind und sie
u.a. hinsichtlich der unmittelbar notwendigen juristischen Vorgehensweisen beraten
werden. Obgleich nach dem Erleiden von häuslicher Gewalt eine Ehescheidung
ebenfalls natürliche und nachvollziehbare Folge sein kann, wird auch hier die
Unmittelbarkeit zu verneinen sein. So ist es nicht mit dem Sinn und Zweck der
Opferhilfe zu vereinbaren, dass bei einer Scheidung die Anwaltskosten eines früheren
Opfers von der Opferhilfe zu übernehmen wären. Nichts anderes kann daher für die
noch weiter hinten in der Kausalitätskette anfallenden Anwaltskosten für ein
aufenthaltsrechtliches Rekursverfahren gelten, da hier kein unmittelbarer
Zusammenhang mehr mit der Straftat besteht. Lediglich die Tatsache, dass häusliche
Gewalt ursprünglich zum Getrenntleben führte, vermag die Folgen betreffend den
Aufenthaltsstatus bzw. das mit der Ehe verbundene Aufenthaltsrecht nicht ebenfalls
weiterhin der Opferhilfe anzubinden. Anders könnte es sich allenfalls betreffend der
Einleitung von Ehe- und Kindesschutzmassnahmen verhalten, sofern diese als Folge
der Straftat (unmittelbar) nötig würden (vgl. DOMINIK ZEHNTNER, a.a.O., Rz 25 zu Art.
14).
3.3 Was die von der Rekurrentin vorgebrachte Lehrmeinung von Dominik Zehntner
(vgl. DOMINIK ZEHNTNER, a.a.O., Rz 4 zu Art. 14) betrifft, wonach es sich rechtfertige
im Rahmen der Hilfeleistungen auf eine Adäquanzprüfung zu verzichten und das
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Vorliegen der natürlichen Kausalität als genügende Voraussetzung für eine
Leistungserbringung zu erachten, kann dieser nicht als Grundsatz für sämtliche
Hilfeleistungen gefolgt werden. So scheint sie sich auf Grund ihrer Herleitung mit
Verweis auf Art. 13 Abs. 2 OHG auch lediglich auf jene Fälle zu beziehen, bei welchen
sich der gesundheitliche Zustand der betroffenen Person zuerst noch stabilisieren
muss und bei denen auch die übrigen Folgen der Straftat noch zu beseitigen oder
auszugleichen sind bzw. diese offenbar auch noch nicht von Beginn weg absehbar
sind. Demgegenüber erholte sich die Rekurrentin im vorliegenden Fall relativ schnell
von den gesundheitlichen Folgen und im Zeitpunkt des Leistungsgesuchs waren die
Folgen der Straftat längst absehbar. Daher rechtfertigt sich ein Verzicht auf die Prüfung
des adäquaten Kausalzusammenhangs vorliegend nicht. Das Versicherungsgericht ist
denn auch schon bisher bei der längerfristigen Hilfe vom Erfordernis eines adäquaten
Kausalzusammenhangs ausgegangen (vgl. Urteile vom 9. Mai 2017, OH 2015/4, E. 2.3,
und vom 15. November 2013, OH 2013/1, E. 5.1).
3.4 Des Weiteren ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass selbst bei einer Bejahung
des adäquaten Kausalzusammenhangs die Frage der Notwendigkeit bisher ungeklärt
blieb. Die von der Opferhilfe zu erbringende Leistung muss einer Notwendigkeit
entsprechen. Diese Voraussetzung ist nicht erfüllt, wenn das Opfer eine den gleichen
Zweck erfüllende Leistung von einem Dritten beanspruchen kann, was dem
Subsidiaritätsprinzip gemäss Art. 4 OHG entspricht (DOMINIK ZEHNTNER, a.a.O., Rz 5
zu Art. 14). So bleibt denn nach wie vor unklar, weshalb der Rechtsvertreter der
Rekurrentin am 2. Mai 2016 im Rahmen des Rekurses kein Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege gestellt hat, obwohl die Rekurrentin damals noch Sozialhilfe bezog (act. G
8.1.16). Nachdem der adäquate Kausalzusammenhang allerdings zu verneinen ist,
erübrigen sich weitere Abklärungen hierzu.
3.5 Zusammenfassend fehlt es auf Grund des Gesagten an einem adäquaten
Kausalzusammenhang zwischen der von der Rekurrentin geltend gemachten Straftat
und den für sie entstandenen und noch entstehenden Kosten für das
aufenthaltsrechtliche Rekursverfahren. Die Vorinstanz hat damit zu Recht das Gesuch
um Übernahme von Anwaltskosten im Sinne längerfristiger Hilfe abgelehnt.
4.
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Nach dem Gesagten ist der Rekurs abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben
(Art. 30 Abs. 1 OHG).