Decision ID: e2d6a8c3-82a6-4c0d-8910-a52a21779736
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Die T & Co. AG S wurde im Jahr 1981 gegründet und bezweckte die Verarbeitung
und den Verkauf von Textilien. Sie übernahm Aktiven und Passiven der T & Co.,
Chemiserie, darunter das Grundstück Nr. 001 mit dem Wohn- und Geschäftshaus
Vers.-Nr. 002 an der D-Strasse in S mit einem Buchwert von Fr. 445'000.--. 1986
wurde die Geschäftstätigkeit eingestellt und die Gesellschaft diente einzig der
Verwaltung dieser Liegenschaft. Der Eintrag im Handelsregister wurde 1994 angepasst.
Per 17. Juli 2006 verlegte die Gesellschaft ihren Sitz nach Zürich.
Die 150 Namenaktien der T & Co. AG mit einem Nennwert von je Fr. 1'000.--
wechselten mehrfach die Hand. Im Jahr 1990 kaufte B C, der bereits zwei Namenaktien
besass, von den beiden anderen Aktionären mit Vertrag vom 4. Mai 1990 73
Namenaktien für Fr. 1'209'806.-- und mit Vertrag vom 14. Juni 1990 75 Namenaktien
für Fr. 1'309'806.--. Die S Liegenschaften AG erwarb mit Kaufvertrag vom
25. September 1998 75 Namenaktien zum Preis von Fr. 2'250'000.--. Mit Kaufverträgen
vom 21. Oktober 2003 übernahm sie die übrigen 75 Aktien für Fr. 2'250'000.--. Im Jahr
2006 gingen die Aktien zum Preis von Fr. 5'500'000.-- auf die E GmbH, Q/D, über. Die
damit verbundene wirtschaftliche Handänderung des Grundstücks Nr. 001 löste die
Besteuerung eines Grundstückgewinns von Fr. 787'000.-- (Veräusserungserlös
Fr. 5'500'000.-- abzüglich Erwerbspreis Fr. 4'500'000.--, Abschreibungen während der
Eigentumsdauer Fr. 73'000.-- und Veräusserungskosten Fr. 140'000.--) aus. Die
Veranlagungsverfügung vom 9. August 2006 wurde unangefochten rechtskräftig. Die T
& Co. AG veräusserte das Grundstück am 28. September 2009 an die "A"
Grundvermögen-Kapitalanlagegesellschaft mit beschränkter Haftung mit Sitz in K/D
zum Preis von Fr. 7'400'000.--.
B.- Die Rechnung der T & Co. AG schloss per 31. Dezember 2007 mit einem
Reingewinn von Fr. 183'526.82 und einem Kapital nach Gewinnverwendung von
Fr. 248'417.40. Das Finanzergebnis nach Steuern sowie die mobilen Aktiven und den
quotenmässigen Anteil an den Passiven schied die T & Co. AG dem Sitzkanton zu und
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deklarierte im Kanton St. Gallen einen steuerbaren Reingewinn von Fr. 181'365.-- und
ein steuerbares Kapital von Fr. 118'876.02. Beim steuerbaren Kapital rechnete die
Veranlagungsbehörde den mit der Grundstückgewinnsteuer im Jahr 2006 erfassten
Mehrwert des Grundstücks von Fr. 787'000.-- auf. Für die Steuerperiode 2007 wurde
die T & Co. AG mit einem steuerbaren Kapital von Fr. 2'325'000.-- zum Satz von
Fr. 2'511'000.-- veranlagt. Der Gewinn wurde entsprechend der Deklaration veranlagt.
Gegen die Veranlagung erhob die T & Co. AG Einsprache mit dem Begehren, es seien
nicht lediglich die mit der Grundstückgewinnsteuer im Jahr 2006 erfassten Mehrwerte
von Fr. 787'000.--, sondern sämtliche bis zur Handänderung im Jahr 2006 realisierten
Wertzuwachsgewinne von Fr. 3'286'465.-- aufzurechnen. Das kantonale Steueramt
wies die Einsprache am 12. Mai 2011 ab, soweit es darauf eintrat.
C.- Gegen den Einspracheentscheid vom 12. Mai 2011 erhob die T & Co. AG durch
ihre Vertreterin mit Eingabe vom 10. Juni 2011 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem – sinngemässen – Antrag, bei der Kapitalsteuer
seien anstelle des besteuerten Mehrwertes von Fr. 787'000.-- sämtliche bis zur
wirtschaftlichen Handänderung im Jahr 2006 erzielten Wertzuwachsgewinne von
Fr. 3'286'465.-- zu berücksichtigen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Mit
zusätzlicher Eingabe vom 1. Juli 2011 reichte sie ihre Rechnungsabschlüsse der Jahre
1990 bis 1994 ein.
Mit Vernehmlassung vom 22. August 2011 beantragte die Vorinstanz, der Rekurs sei
unter Kosten- und Entschädigungsfolge abzuweisen. Dazu nahm die Rekurrentin mit
Eingabe vom 2. September 2011 Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Die Rekurrentin ist – auch wenn sie ein ungünstigeres
Ergebnis bei der Kapitalbesteuerung im Jahr 2007 anstrebt – durch den angefochtenen
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Entscheid beschwert, da sich die unvollständige Ermittlung des steuerbaren Kapitals
ihren Behauptungen nach bei der Berechnung des Gewinns aus der Veräusserung des
Grundstücks im Jahr 2009 zu ihren Ungunsten auswirken und sie dadurch in ihren
steuerlichen Interessen verletzt wird (zur Rechtslage bei der direkten Bundessteuer, die
sich mit jener bei der Staatssteuer deckt, vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 12 zu Art. 132 des Bundesgesetzes über
die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG). Der Rekurs vom 10. Juni 2011
ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1,
abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Zwischen den Verfahrensbeteiligten ist einzig umstritten, in welchem Umfang bei
der Ermittlung des steuerbaren Kapitals stille Reserven auf dem Grundstück zu
berücksichtigen sind. Die Rekurrentin will auf die bis zur letzten Handänderung
realisierten Reserven abstellen. Die Vorinstanz hat lediglich jene Reserven erfasst, die
steuerlich bereits abgerechnet wurden.
a) Gegenstand der Kapitalsteuer ist gemäss Art. 96 StG das Eigenkapital. Bei
Kapitalgesellschaften und Genossenschaften gehören gemäss Art. 97 lit. a StG auch
die aus versteuertem Gewinn gebildeten stillen Reserven dazu. Diese Regelung
entspricht den Vorgaben von Art. 29 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes über
die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (SR 642.14,
abgekürzt: StHG). Dem steuerbaren Eigenkapital dürfen nur die aus versteuertem
Gewinn gebildeten stillen Reserven zugerechnet werden. Damit sind alle jene
handelsrechtlich vorgenommenen Abschreibungen, Rückstellungen und
Wertberichtigungen gemeint, welche anlässlich der Gewinnsteuerveranlagung
steuerlich aufgerechnet worden sind. Die übrigen stillen Reserven, auch wenn sie
kalkulatorisch bekannt sein können, dürfen nicht in die Bemessung des steuerbaren
Kapitals einbezogen werden, weil sie gar nicht realisiert sind (vgl. B. Zwahlen, in:
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. Aufl. 2002, N 12 zu
Art. 29/29a StHG). Die als Eigenkapital zu behandelnden stillen Reserven setzen sich
dementsprechend aus der Summe der in früheren Geschäftsperioden steuerlich nicht
anerkannten Abschreibungen und Rückstellungen zusammen (besteuerte Mehrwerte;
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vgl. Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st. gallische Steuerrecht,
6. Aufl. 1999, S. 319).
b) Bei dem aufgerechneten besteuerten Mehrwert von Fr. 787'000.-- handelt es sich
nicht um steuerlich nicht anerkannte Abschreibungen, Rückstellungen und
Wertberichtigungen. Indessen bezieht der Wortlaut von Art. 97 lit. a StG bei der
Ermittlung des steuerbaren Kapitals alle aus versteuertem Gewinn gebildeten stillen
Reserven mit ein. Dazu gehört auch ein nicht aktivierter Grundstückgewinn, der –
aufgrund des im st. gallischen Steuerrecht geltenden dualistischen Systems der
Besteuerung von Grundstückgewinnen – von der Grundstückgewinnsteuer und nicht
von der ordentlichen Gewinnsteuer erfasst wurde, weil sich bei einer wirtschaftlichen
Handänderung die Aktien im Privatvermögen des Veräusserers befanden. Der klare und
eindeutige Wortlaut umfasst ausdrücklich ausschliesslich bereits versteuerten Gewinn.
Die von der Rekurrentin angeführten Aktienübertragungen haben unbestrittenermassen
– aus welchen Gründen auch immer – nicht zu einer Besteuerung eines realisierten
Grundstückgewinns geführt. Über den Wortlaut von Art. 97 lit. a StG hinausgehend
auch weitere, noch nicht besteuerte stille Reserven dem steuerbaren Kapital
zuzurechnen, besteht kein Anlass, zumal keine triftigen Gründe dafür bestehen oder im
Rekurs angeführt werden, dass der Zweck der Norm in diesem Wortlaut nicht
zutreffend zum Ausdruck kommt. Im Übrigen sollen – eine echte Gesetzeslücke
vorbehalten – nicht durch eine extensive Auslegung bestehender Rechtsgrundlagen
neue Steuerpflichten, neue Steuerregeln oder Steuertatbestände geschaffen werden
(vgl. BGE 136 II 149 E. 5.1).
c) Die Vorbringen im Rekurs vermögen an diesem Ergebnis nichts zu ändern.
Die Rekurrentin leitet zunächst aus den früheren Übertragungen ihrer Aktien
wirtschaftliche Handänderungen des Grundstücks ab und macht im Wesentlichen
geltend, die jeweils realisierten Wertsteigerungen seien aus der Sicht der späteren
Erwerber steuerlich erledigt, auch wenn das Besteuerungsrecht bzw. die
Besteuerungspflicht nicht durchgesetzt worden sein sollte. Auch die Rekurrentin
bestreitet aber nicht, dass Wertvermehrungen auf dem Grundstück bisher lediglich im
Umfang von Fr. 787'000.-- besteuert worden sind, nämlich mit der
Grundstückgewinnsteuerveranlagung vom 9. August 2006. Für die steuerliche
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Behandlung bei der Kapitalsteuer ist einzig dieser Wert massgebend, da er
insbesondere das Ausmass möglicher Abschreibungen beeinflusst. Würden weitere,
nicht besteuerte Mehrwerte erfasst, hätte dies Auswirkungen auf die Höhe der
möglichen künftigen Abschreibungen. Im Zusammenhang mit der Kapitalsteuer für
2007 ist jedoch nicht zu klären, ob bei einer späteren Veräusserung zur Ermittlung des
steuerbaren Gewinns bzw. Grundstückgewinns lediglich auf die veranlagten
Grundstückgewinne abgestellt werden darf oder ob auch frühere, nicht besteuerte,
durch den Verkauf der Aktien der Immobiliengesellschaft realisierte Wertvermehrungen,
erfasst werden müssen.
Im Übrigen wird im Rekurs selbst festgehalten, dass – entsprechend den Absichten der
an der Rekurrentin Beteiligten – mit dem gewählten Modus der Aktienübertragungen
jeweils eine Besteuerung des Grundstückgewinns vermieden werden sollte. Zwar ging
im Ergebnis die wirtschaftliche Verfügungsmacht – sukzessive – auf die neuen
Aktionäre der Rekurrentin über. Die Übertragungen waren jedoch so ausgestaltet, dass
sie keine wirtschaftliche Handänderung im Sinn des Rechts der
Grundstückgewinnsteuer darstellen sollten. Damit geht die Rekurrentin selbst auch
davon aus, dass die – über den Kaufpreis der Aktien – realisierten Wertvermehrungen
des Grundstücks steuerlich nicht abgerechnet, sondern "aufgeschoben" wurden. Auf
welchen Erwerbspreis bei der Ermittlung des steuerbaren Gewinns aus der
Veräusserung des Grundstückes im Jahr 2009 abzustellen ist, entscheidet sich
schliesslich nach dem Recht der Gewinnsteuer bzw. der Grundstückgewinnsteuer und
nicht nach jenem der Kapitalsteuer des Jahres 2007.
3.- Dementsprechend ist der Rekurs abzuweisen. Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 2'000.-- ist zu
verrechnen.