Decision ID: 4aec99cd-4975-4f22-a171-673cde77524e
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 18. April 2011 wegen koronarer Herzkrankheit und
Depression zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Am 9. Januar 2012 teilte die
IV-Stelle dem Versicherten mit, da er seit 18. Oktober 2010 keine gültige
Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz besitze, könnten keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen durchgeführt werden. Es werde der Anspruch auf
Rentenleistungen geprüft (IV-act. 24).
A.b Der behandelnde Dr. med. B._, Praxis für Kardiologie und Innere Medizin, gab in
den Berichten vom 19., 25. und 30. April 2012 an, der Versicherte leide an einer
koronaren Herzkrankheit mit/bei NSTEMI der Vorderwand am 28.08.08 und einem
anterioren STEMI bei Spät-Stentthrombose im Bereich des proximalen RIVA am
23.12.09 mit Ballondilatation. Aktuell bestehe eine schlechte linksventrikuläre Funktion
bei anteroseptaler Narbe und Herzspitzen-Aneurysma mit wandständigem
Herzspitzenthrombus. Aufgrund der schweren Herzerkrankung sei er kaum mehr
arbeitsfähig (IV-act. 27). Zusätzlich leide der Versicherte unter einer Depression (IV-
act. 28-7; vgl. auch den Bericht vom 11. Mai 2012, IV-act. 28). Der behandelnde
Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, bescheinigte dem Versicherten ab
23. Dezember 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit als
Versicherungsberater (Bericht vom 25. Mai 2012, IV-act. 30). Dr. med. D._,
Spezialärztin für Psychiatrie/Psychotherapie FMH, die den Versicherten seit 18. Februar
2010 behandelt, diagnostizierte eine seit 2010 bestehende Anpassungsstörung,
längere depressive Reaktion (ICD-10: F43.21) sowie Merkmale einer
Persönlichkeitsstörung Clustergruppe B (ICD-10: F60.8). Aus psychiatrischer Sicht sei
dem Versicherten eine leidensangepasste Tätigkeit während vier Stunden pro Tag mit
einer Leistungsminderung von 30% zumutbar (Bericht vom 18. Juni 2012, IV-act. 32).
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A.c In Würdigung der Aktenlage gelangte RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, zum Schluss, der Versicherte habe ein schweres Herzleiden, das ihn
körperlich stark limitiere. Konsekutiv habe er psychisch stark reagiert und sei zurzeit
nachvollziehbar in der psychischen Leistungsfähigkeit und Stressresistenz
eingeschränkt. Mit der heutigen Aktenlage sei seit Februar 2010 eine 30%ige
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten (körperlich sehr leichte Tätigkeiten
ohne Stress und höhere Anforderungen an die psychische Belastung wie z.B.
Kundenkontakte) nachvollziehbar. Die psychische Situation sei verbesserbar. Müsse
aktuell über einen Rentenanspruch entschieden werden, sei in Anbetracht des Alters
des Versicherten wohl eine kardiologisch-internistische und psychiatrische
Begutachtung angezeigt (Stellungnahme vom 20. Juli 2012, IV-act. 33). Der
Gutachtensauftrag wurde über die Verteilplattform "med@p" der ABI Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH zugeteilt (vgl. Mitteilung vom 5. Oktober 2012, IV-act. 38).
A.d Am 5. November 2012 wurde der Versicherte in der ABI polydisziplinär
(allgemeininternistisch, kardiologisch und psychiatrisch) untersucht. Im Gutachten vom
19. März 2013 gaben die Experten an, der Versicherte leide mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit an einer koronaren Herzkrankheit (ICD-10: I25.1). Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit bestünden ein Status nach Anpassungsstörung mit längerer
depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21), ein Burn-out Zustand (ICD-10: Z73.0) sowie ein
muskulär bedingtes Zerviko-Lumbovertebralsyndrom. Aus kardiologischer Sicht könne
eine deutliche körperliche Leistungseinschränkung bestätigt werden. Körperlich nicht
belastende Büroarbeiten seien in einem ganztägigen Pensum mit einem erhöhten
Pausenbedarf möglich (75%ige Arbeitsfähigkeit). Für körperlich schwere und
mittelschwere Tätigkeiten bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Diese Beurteilung
gelte ab Dezember 2009. Aus psychiatrischer Sicht habe der Versicherte nach der
Stentthrombose eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion entwickelt.
Diese habe eine vorübergehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für jegliche
Tätigkeiten von 20% bedingt. Die genaue Dauer dieser Arbeitsunfähigkeit könne nicht
festgelegt werden. Sicher habe sie bei der Untersuchung in der ABI nicht mehr
bestanden. Es habe in dieser Zeit keine additive Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bei
kardiologisch vorgegebenem Pausenbedarf bestanden (IV-act. 41). RAD-Arzt Dr. med.
F._, u.a. Facharzt für Innere Medizin, gelangte in Würdigung des ABI-Gutachtens
zum Schluss, dieses weise einige Mängel auf. Er ersuchte deshalb, die Fragen und
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Einwände des RAD an die ABI zur Stellungnahme weiterzuleiten (Stellungnahme vom
23. April 2013, IV-act. 42). Der fallführende Gutachter sowie der ärztliche Leiter der ABI
antworteten auf die Anfrage der IV-Stelle wie folgt: "Wir nehmen die verschiedenen
kleinen Bemängelungen Ihres RAD [...] zur Kenntnis. Wir können darin jedoch nichts
erkennen, was wesentliche Fragen zu den Schlussfolgerungen des Gutachtens wären.
Es stellt sich grundsätzlich die Frage, wie sinnvoll derartige Ausführungen des RAD's in
den Akten sind, wie sie nicht akribischer ein Anwalt der untersuchten Person hätte
anfertigen können, um ohne Not das ganze Gutachten zu diskreditieren" (Schreiben
vom 3. Mai 2013, IV-act. 44). Daraufhin hielt RAD-Arzt Dr. F._ in der Stellungnahme
vom 25. Juli 2013 fest, es erstaune, dass zu keiner der Fragen/Kritiken des RAD habe
Stellung von Seiten der ABI genommen werden können. Die entsprechenden
Sachverhalte müssten als ungeklärt betrachtet werden. Trotz der beschriebenen
Mängel und fehlenden Auseinandersetzung schlage er vor, auf das Gutachten
abzustellen (IV-act. 63).
A.e Ausgehend von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
ermittelte die IV-Stelle einen 25%igen Invaliditätsgrad und stellte dem Versicherten im
Vorbescheid vom 20. August 2013 die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-
act. 66). Dagegen erhob der Versicherte am 3. September 2013 Einwand. Unter
Hinweis auf die von RAD-Arzt Dr. F._ dargestellten Mängel machte er geltend, das
ABI-Gutachten sei nicht beweiskräftig (IV-act. 67). Hierzu bemerkte dieser, leider seien
die kritischen Rückfragen des RAD an die ABI nicht beantwortet worden. Die
Verwertbarkeit des Gutachtens hätte dadurch sicher gesteigert werden können. Der
RAD sei aber nicht der Ansicht, dass der medizinische Sachverhalt durch das
vorliegende Gutachten nicht ausreichend abgeklärt/beurteilt worden sei. Gesamthaft
könnten die gutachterlichen Befunde und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen
bezüglich der Leistungsfähigkeit des Versicherten nachvollzogen werden
(Stellungnahme vom 8. Oktober 2013, IV-act. 70). Am 10. Oktober 2013 verfügte die IV-
Stelle die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 71).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 10. Oktober 2013 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 11. November 2013. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter
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Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung. Es sei ihm eine ganze
Invalidenrente ab wann rechtens, spätestens ab November 2011, zuzusprechen.
Eventualiter sei die Prozedur an die Beschwerdegegnerin zwecks Vornahme weiterer
Abklärungen zurückzuweisen. Zur Begründung stellt er sich im Wesentlichen auf den
Standpunkt, dass das ABI-Gutachten an verschiedenen Mängeln leide und daher nicht
beweiskräftig sei (act. G 1; siehe ferner auch die Beschwerdeergänzung vom 9. Januar
2014, act. G 5).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 21. März 2014
die Abweisung der Beschwerde. Sie vertritt die Auffassung, dass das ABI-Gutachten
die rechtsprechungsgemässen Kriterien der Beweistauglichkeit erfülle. Sollte das
Gericht dieser Sichtweise wider Erwarten nicht folgen, so werde beantragt, dass es die
nötigen Auskünfte selbst einhole (act. G 11).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 27. März 2014 wird dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen (act. G 12).
B.d In der Replik vom 18. August 2014 hält der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 23).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act.
G 25).
B.f Nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Parteien hat das
Versicherungsgericht die MEDAS Zentralschweiz am 20. Mai 2015 mit der Erstellung
eines polydisziplinären (allgemeinmedizinischen, kardiologischen und psychiatrischen)
Gerichtsgutachtens beauftragt (act. G 33). Mit Eingabe vom 22. September 2015 hat
der Beschwerdeführer dem Gericht mitgeteilt, er habe seinem Rechtsvertreter das
Mandat per sofort entzogen (act. G 37; vgl. auch act. G 39). Im Gerichtsgutachten vom
7. Oktober 2015 erwähnen die Experten als Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine koronare Herzkrankheit mit/bei: Status nach akutem
Vorderwandinfarkt (STEMI) am 28. August 2008; Status nach NSTEMI am
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23. Dezember 2009; aktuell Anstrengungsdyspnoe II+, stark eingeschränkter globaler
Pumpfunktion, grosser anteroseptaler Narbe mit aneurysmatischer Ausweitung der
Ventrikelspitze, kein Thrombus, diastolischer Funktionsstörung II, kein
Ischämienachweis; mittelgradiger depressiver, eher atypischer Episode ohne
somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10); komplizierter, protrahierter Trauerreaktion
(ICD-10: F38.8). Vor allem aufgrund der kardialen Minderbelastbarkeit sei die
angestammte Tätigkeit als selbstständiger Versicherungs- und Finanzberater dem
Beschwerdeführer unverändert und anhaltend nicht mehr zumutbar (Arbeitsfähigkeit
0%). Gegenwärtig bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche berufliche
Tätigkeit. Medizinisch-theoretisch zumutbar zu 50% der Norm sei dem
Beschwerdeführer - nach einer vorgängigen, erneuten und erfolgreich zu verlaufenden
kardialen Rehabilitation mit begleitenden beruflichen Massnahmen - eine körperlich
und psychisch (Stress) nicht belastende, vorwiegend sitzend auszuübende und nicht
besondere Fähigkeiten verlangende Tätigkeit. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte
auch rückwirkend ab dem Datum des zweiten Myokardinfarktes vom 23. Dezember
2009 (act. G 40, insbesondere S. 20 f. [Hervorhebung gemäss Quelle]; zum Honorar im
Umfang von Fr. 9‘863.65 siehe act. G 40.1). Die Parteien haben die für eine
Stellungnahme zum Gerichtsgutachten gesetzte Frist unbenützt verstreichen lassen
(vgl. act. G 41 und G 43).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
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Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
Zu prüfen ist vorab die Frage, ob das Gerichtsgutachten vom 7. Oktober 2015 (act.
G 40) eine rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
erlaubt.
2.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
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zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Bezüglich Gerichtsgutachten hat
die Rechtsprechung ausgeführt, das Gericht weiche "nicht ohne zwingende Gründe"
von den Einschätzungen der medizinischen Experten ab. Auch der Europäische
Gerichtshof für Menschenrechte hat diesbezüglich erwogen, der Meinung eines von
einem Gericht ernannten Experten komme bei der Beweiswürdigung vermutungsweise
hohes Gewicht zu (BGE 135 V 469 f. E. 4.4 mit Hinweisen).
2.2 Zunächst ist festzuhalten, dass die Parteien weder in tatsächlicher noch rechtlicher
Sicht Mängel an der gerichtsgutachterlichen Beurteilung vorgebracht haben.
2.3 Bei der Würdigung des Gerichtsgutachtens fällt ins Gewicht, dass es auf
eigenständigen gründlichen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange
umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Die vom
Beschwerdeführer geklagten Leiden wurden berücksichtigt und nachvollziehbar
gewürdigt. Die darin vorgenommene Arbeitsfähigkeitsschätzung leuchtet in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation ein. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv
wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Aus medizinischer Sicht ist
deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seit dem 23. Dezember 2009
für jegliche Tätigkeiten zu 100% arbeitsunfähig ist (act. G 40, S. 21). Im Vordergrund
der erwerblichen Beeinträchtigung steht eine schwere koronare Herzkrankheit (act.
G 40, S. 20). Die aus psychiatrischer Sicht bescheinigte 50%ige Arbeitsfähigkeit ist
aufgrund der kardiologischen Einschätzung vor der Durchführung medizinischer
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Massnahmen, die mit beruflichen Massnahmen zu begleiten sind, nicht verwertbar (act.
G 40, S. 20). Der psychiatrische Gerichtsgutachter hat ausführlich dargelegt, dass die
Ressourcen des Beschwerdeführers erheblich durch das schwere Herzleiden
beeinträchtigt sind (act. G 40, S. 7 ff. des psychiatrischen Teilgutachtens), weshalb kein
Zweifel an der invalidenversicherungsrechtlichen Erheblichkeit des psychischen
Leidens besteht. Dies gilt umso mehr als der psychiatrische Gutachter die Konsistenz
der psychischen Beschwerden in Nachachtung der Rechtsprechung (BGE 141 V 281)
geprüft und in allen Teilen bejaht hat (act. G 40, S. 11 des psychiatrischen
Teilgutachtens), worauf vollumfänglich verwiesen wird. Aus rechtlicher Sicht bestehen
keine Gründe, vom Gerichtsgutachten abzuweichen. Im Übrigen schloss der
psychiatrische Gutachter die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung mit
ausführlicher Begründung aus (act. G 40, S. 10 des psychiatrischen Teilgutachtens).
3.
Ausgehend von einer seit 23. Dezember 2009 bestehenden vollständigen
Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten kann die Höhe der Vergleichseinkommen
offen bleiben, da offensichtlich ein 100%iger Invaliditätsgrad und damit ein Anspruch
auf eine ganze Rente resultiert. Der Beschwerdeführer hat sich am 18. April 2011 zum
Leistungsbezug angemeldet (IV-act. 1), weshalb der Rentenbeginn in Nachachtung von
Art. 29 Abs. 1 IVG auf den 1. Oktober 2011 festzusetzen ist. Eine allfällige zukünftige,
von den Gerichtsgutachtern lediglich für „möglich“ gehaltene Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit (act. G 40, S. 21; zur als „ungewiss“ bezeichneten Prognose siehe act.
G 40, S. 22) wird die Beschwerdegegnerin zu gegebener Zeit im Rahmen eines
Revisionsverfahrens (Art. 17 Abs. 1 ATSG) zu prüfen haben.
4.
4.1 In Gutheissung der Beschwerde vom 11. November 2013 ist die Verfügung vom
10. Oktober 2013 aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Oktober
2011 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung des Rentenbetrags und zur
Ausrichtung der geschuldeten Leistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
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4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Aufgrund der Einholung eines
Gerichtsgutachtens und des damit verbundenen Zusatzaufwands erscheint eine
Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als
angemessen. Der vollständig unterliegenden Beschwerdegegnerin sind die
Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 1'000.-- aufzuerlegen.
4.3 Die Kosten des Gerichtsgutachtens von Fr. 9‘863.65 (act. G 40.1) hat die
Beschwerdegegnerin zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2).
4.4 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier
zu beurteilenden Fall erscheint für die bis zum 22. September 2015 ausgeübte
Rechtsvertretung (act. G 37) eine Parteientschädigung Fr. 3'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Bei diesem Ausgang erübrigt sich
eine Entschädigung aus der gewährten unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.