Decision ID: 8bd3a499-72be-4b2e-8b56-0e264305c917
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1960 geborene und als
Lagerist
erwerbstätig gewesene
X._
mel
dete
sich am 11. November 2011 unter Hinweis auf eine
am 4.
September 2011
erlittene akute
Aortendissektion
mit multiplem Organversagen bei der
So
zial
versicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/2)
. Nach Durchführung von Abklärungen in erwerblicher und medizini
scher Hinsicht teilte die IV-Stelle dem Versicherten
am 31. Januar 2012 mit, dass
zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 8/13). M
it Vorbescheid vom 17. August 2012
stellte sie sodann
die beab
sichtigte
Ab
wei
sung des Anspruchs auf eine
Invalidenrente
in Aussicht
(Urk. 8/23). Nach Eingang des Einwands des Versicherten vom 24. August 2012 (Urk. 8/26)
ver
fügte sie am 1. Oktober 2012 im angekündigten Sinne (Urk. 2)
.
2.
Dagegen
erhob
X._
Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Zu
spre
chung einer Invalidenrente, eventualiter um Durchführung zusätzlicher med
i
zinischer Abklärungen.
Ferner
ersuchte er um Gewährung der unentgelt
lichen
Rechtspflege (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 27. November 2012 schloss
die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Am 6. Dezem
ber
2012 dokumentierte der Beschwerdeführer seine finanzielle Be
dürftigkeit (Urk. 9
und Urk.
10/1-2), worauf ihm mit Verfügung vom 10. Dezember 2012 die unent
geltliche Prozessführung gewährt und Rechtsan
wältin
Ursula
Reger-
Wyttenbach
als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt wurde (Urk. 11).
Mit Replik vom 27. Februar 2013
konkretisierte der Beschwerdeführer sein
Hauptbegehren da
hingehend,
dass
er
d
ie
Zusprechung
einer
ganzen Invalidenrente beantrage
.
Im Übrigen
hielt
er an den gestellten Anträgen fest (Urk. 14).
Am 26. März 2013 teilte die Beschwerdegegnerin ihren Verzicht auf Duplik
mit
(Urk. 18), was dem Be
schwerdeführer am
darauffolgenden Tag
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 19).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 des Bun
desg
e
setzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2
ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen
Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Per
son sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hin
wei
sen).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG)
sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente,
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent An
spruch auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein
tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung
und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander ge
genübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invalidi
tätsgrad
bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozial
versicherungsgericht die Ge
setzmässigkeit des angefochtenen Entscheids in der Regel nach dem Sachver
halt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tat
sachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Ge
gen
stand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243; 121 V 362 E.
1b S.
366).
Sie können indessen, unter Wahrung des rechtli
chen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des ange
fochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus
prozess
öko
nomischen
Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar festste
hen (BGE 105 V 156 f. E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, d
ie Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 99 V 98
E. 4 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneint
e
den Rentenanspruch des Beschwerdeführers
mit der Begründung
, dass er die angestammte Tätigkeit als Lagerist zwar nicht
mehr ausüben könne, ihm
jedoch
eine angepasste sehr leichte Tätigkeit ohne Heben,
Tragen oder Transportieren von La
sten über 5 kg und ohne erhöhtes
Ver
letzungspotential
zu
einem Pensum von
100 % zumutbar sei (Urk. 2 S. 2). Eine allfällige psychische Beeinträchtigung wäre im Rahmen einer
"
Revision
"
zu prüfen (Urk. 7).
2.2
Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass
er nach
wie vor unter den Folgen der operativen Eingriffe
nach
der
erlittenen
akuten
Aor
ten
dissektion
leide und in seiner Arbeitsfähigkeit stark eingeschränkt sei.
Insbesondere seien zusätzliche Untersuchungen der starken Rückenschmer
zen im
Gange. Zudem warte er auf den Beginn einer
Psychot
herapie, da er unter grossen
Ängsten leide (Urk. 1 S. 4 f.).
Aus den im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens
ein
gereichten medizinischen Berichten liessen sich klar
e
Rück
schlüsse auf den
vorliegend massgebenden Beurteilungszeitpunkt, Oktober 2012
,
ziehen. A
nge
sichts
des aktenkundigen schweren Verlaufs sei seit 4. September 2011 von einer
vollen Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten aus
zugehen
. Allenfalls
seien zu
sätzliche medizinische Abklärungen vorzunehmen
. Bei der
Invaliditäts
be
messung
sei schliesslich
dem Umstand
Rechnung zu tragen, dass ge
mäss den Angaben des
Arbeitgebers möglicherweise ein unterdurchschnittliche
s
Einkommen erzielt
wor
den
sei
(Urk. 14 S. 3 f
f
.).
3.
3.1
Infolge
einer
akuten
Aortendissektion
, Stanford Typ A, wurde der Beschwerde
führer vom 4. September bis 18. Oktob
er 2011 in der
Klinik für Herz- und Ge
fässchirurgie des
Y._
behandelt.
Wegen
eines postope
ra
tiven Nierenversagens mit anhaltender dialysepflichtiger
Nierenisuffizienz
und
ischämischer
Gastro
-/
Duodenopathie
mit postoperativen Dumpingsyndrom
wurde
er anschliessend
in die Klinik für Nephrologie zur weiteren Therapie ver
legt. Am 14. November 2011
wechselte
er
sodann
in die
Z._
zur Rehabilitation
, wo
rauf
er am 12.
Dezember 2011
wegen
problemati
scher
Ileos
to
miepflege
in ein Pflegezentrum
übertrat (Urk. 8/1, Urk. 8/9, Urk. 8/10).
3.2
Am 10. Januar 2012
fand eine Verlaufskontrolle in der
Klinik für Herz- und Gefässchirurgie des
Y._
statt
.
Im Bericht vom gleichen Tag (Urk. 8/17 S. 6 f.) wurden folgende Diagnosen gestellt:
1.
St. n. akuter
Aortendissektion
, Stanford Typ A am 04.09.2011 im Rahmen der Di
agnose:
-
St. n.
Aortenwurzelersatz
d
urch Implantation eines 23 mm me
chanischen
Conduits
und Reimplantation der Koronararterie (ATS AVG Modell 502AG23, S/N 358072; 05.09.2011
)
-
St
. n.
Hemibogenersatz
durch Impl
antation einer 24 mm
Haemashield
-Pro
these am 05.09.2011
-
Komplikationen:
-
akutes Leberversagen
-
akutes Nierenversagen
-
CVVHDR respektive CFFHD 05.09.2011 - 20.09.2011
-
intermittierende
Hämodialyse
ab 21.09.2011 bis 25.10.2011
-
Postdialysesyndrom 14.10.2011 (TIA während HD)
-
Harnwegsinfekt mit pansensibler E. coli
-
ischämische
Gastro
/
Duodenopathie
-
Magenblutung postoperativ
-
Dünndarm-Ischämien
-
abdominales
Kompartmentsyndrom
am 05.09.2011
-
zweimalige Dünndarmsegmentrese
k
tion und terminale
Ileostomie
am 05.09.2011
-
open
abdomen
treatment
05.09.2011 - 12.09.2011
-
Anastomoseni
n
suffizienz
Ileum am 12.09.2011
-
aktuell: postoperatives Dumping-Syndrom
-
Perikardtamponade
04./05.09.2011
-
open
chest
treatment
04.09.2011 - 09.09.2011
-
cvRF
: arterielle Hypertonie,
Nikotinabusus
(ca. 60
py
)
2.
Normorege
neratorische
normochrome
normozy
täre
Anämie
-
DD postoperativ, dialysepflichtige Niereni
nsuf
fizienz, nutritiv
3.
Paroxysmales
tachyk
ardes
Vorhofflimmern am 09./10.09.2011
-
Cordarone
10. - 27.09.2011
4.
Teilthrombosierte
V.
jugularis
interna
rechts 12.09.2011
Weiter führten die berichtende
n
Ärzte aus, d
er Beschwerdeführer
habe angege
ben
, beschwerdefrei zu sein. Insbesondere
habe er
Bauchschmerzen, Angina
pec
toris
und eine
Claudicatio
-Symptomatik verneint. Es seien weder Schwindel noch Synkopen bekannt. Der Beschwerdeführer
habe
über
Parästhesien
in der linken Hand und
über eine
Atrophie des
Musculus
bizeps
des rechten Armes
be
richtet
.
Laut Beurteilung der untersuchenden Ärzte bef
and
er sich in or
dent
li
chem
Allgemein- und Ernährungszustand
. Er sei
kardiopulmonal kom
pensiert und die Narbenverhältnisse
seien
reizlos. Die Fuss- und Leistenpulse seien seitengleich palpabel. Die Sensibilität und Kraft der
unteren Extremität
en
sei
en
seitengl
e
ich intakt.
3
.3
Am 8. Februar 2012 wurde in der Klinik für Neurologie des
Y._
eine elektrodiagnostische Untersuchung zur Beurteilung der
Armbe
schwerden
durchgeführt
. Im Bericht vom gleichen Tag
(Urk. 8/25 S. 18 f.)
wur
den die bereits bekannten Diagnosen übernommen
.
Als Befund erhoben die be
richtenden Ärzte eine Atrophie und Parese des rechten
Musculus
biceps
brachii
sowie
Kribbelparästhesien
in der radialen Seite des rechten Unterarms bis zum Ha
ndgelenk und
in den Fingerspitzen I, II und III, weniger
in
der Fingerspitze
IV. Klinisch-neurologisch seien die Atrophie
und Parese des rechten
Musculus
biceps
brachii
und
die
Kribbelparästhesien
in der radialen Seite des Unterarms bis zum Handgelenk
einer Läsion des
Nervus
musculocutaneus
rechts zuzuord
nen
. Elektroneurographisch sei eine mässig ausgeprägte Karpaltunnelsyndrom-Konstellation links aufgefallen. Zudem zeigten sich an beiden Nervi
ulnares
und
N
ervi
mediani
leicht reduzierte sensible Nervenleitgeschwindigkeiten und leicht verlängerte distal-motorische
Latenzen
, die als Zeichen
ei
ner distal-betonten
axon
al-demyelinisierenden
, sensomoto
rischen Polyneuropathie leichter Ausprä
gung zu wer
t
en seien.
3.4
V
om 27.
Februar bis 7. März
2012 war der Beschwerdeführer in der
Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie des
Y._
zwecks
Rückverlagerung des Stomas und Wiederherstellung der normalen Magen-/Darm
tätigkeit hospitalisiert. Bei der Entlassung befand er sich laut Spitalbericht vom 6. März 2012 (Urk. 8/25 S. 3 f.) in gutem Allgemeinzustand und subjekti
vem Wohlbefinden mit reizlosen Wundverhältnissen.
3.5
Am 20. April 2012 berichtete
der
Hausarzt
Dr. med.
A._
, Facharzt für Allge
mein
medizin, (Urk. 8/17)
, dass
sich
der Beschwerdeführer
v
on den mehrfachen Ope
rationen und
Hospitalisationen
zwischenzeitlich wieder sehr gut erholt
habe
.
Nach anfänglicher Betreuung in einem
Pflegezentrum
wohne er zwischenzeit
lich
wieder selbständig in einer Wohnung
. Insgesamt habe er sich nach der
le
bens
bedrohlichen
Erkrankung erfreulich gut erholt. Die ersten radiologischen Kon
trollen im Januar 2012 hätten
im Vergleich zu den direkten postoperativen Be
funden
eine Verbesserung gezeigt. Insgesamt sei der Beschwerdeführer selb
ständi
g und in einem entsprechend guten Allgemeinzustand. Die Behandlung be
stehe nun in der Einstellung der Blutverdünnung und der weiteren kardiovas
kulären Risikofaktoren. Seit der ersten
Hospitalisation
bestehe eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit
Zurzeit bestünden keine geistige
n
und psychische
n
Einschrän
kungen.
3
.6
Laut
dem
Bericht
der
Klinik für Herz- und Gefässchirurgie des
Y._
vom 15. Mai
2012 (Urk. 8/20 S. 5 f.) klagte
der Beschwerdeführer, unter Belastung an Dyspnoe zu leiden, jedoch ohne th
orakales
Engegefühl
. Im Bereich
der
Sternotomienarbe
habe
er von keinem Instabilitätsgefühl oder
von
Schmer
zen
berichtet
.
Gestützt darauf
und auf dem Befund von reizfreien Narben attestierten die
Spi
tal
ärzte
i
m IV-Bericht
vom 21. Mai 2012
(Urk. 8/20 S. 1-4)
eine 100%ige Ar
beits
unfähigkeit als Lagerist und
empfahlen
eine rein
sitzende Tätigkeit ohne schwere
körperl
iche
Anstrengung und ohne Heben von Lasten von mehr als 5
kg
.
Stehen,
Bücken, Kauern, Knien
seien
nicht
länger
als
vier
Stunden pro Tag
zumutbar.
Eine solche Tätigkeit
erachteten sie
als
dem Beschwerdeführer ab sofor
t zu 100 %
zumutbar.
3.7
Anlässlich der Verlaufskontrolle
in der
Klinik für Herz- und Gefässchirurgie
des
Y._
vom 10. Juli 2012 gab der Beschwerdeführer laut dem Bericht
vom
gleichen Tag
(Urk. 8/25 S. 1 f.)
an, weitgehend beschwerdefrei zu sein. Die Untersuchung mittels Computertomographie des T
horax
und des Ab
domens
habe
stationäre Verhältnisse
ergeben
. Das Sternum sei
noch nicht
knö
chern konsolidiert. Bei der klinischen Untersuchung sei eine Instabilität nicht sicher nachweisbar. Anamnestisch ergäben sich jedoch Hinweise auf eine Insta
bilität, welche den Beschwerdeführer aber aktuell nicht beeinträchtige. Auf
grund
der vorliegenden Erkrankung dürfe der Beschwerdeführer
keine
Lasten von mehr
als 5 kg heben.
3
.
8
Am 29. August 2012 wurde in der
Klinik für Neurologie des
Y._
eine erneute elektrodiagnostische Untersuchung zur Kontrolle des
Kar
paltunnelsyndroms
(CTS)
und der Läsion des
Nervus
musculocutaneus
rechts durchgeführt. Im Bericht vom gleichen Tag (Urk. 3/4) wurden folgende neurolo
gische Diagnosen gestellt:
-
Läsion des
N.
musculocutaneus
rechts
-
Atrophie des M
.
biceps
femoris
(
richtig
wohl
:
brachii
;
vgl. unter Ziff. 2 der Beurteilung auf S. 2
des Berichts
)
-
Kar
paltunnelsyndrom (CTS)
bds
.
-
milde distal-betonte
axonal-demyelinisierende
sensomotorische
Polyneuropa
thie
Weiter gaben die berichtenden Ärzte an, d
er Beschwerdeführer habe über eine
persistierende Hypästhesie im Bereich der radialen Seite des
rechten
Unterarms
geklagt. Die früher angegebenen
Sensibilitätsstörungen im Bereich der Finger
spitzen
I bis III seien
nicht mehr vorhanden
. Trotz Remission der Beschwerden finde sich weiterhin eine
CTS
-Konstellation. Des Weiteren bestünden weiterhin Zeichen einer klinisch nicht imponierenden, sehr milden, distal-betonten
Poly
neuropathie
. Hinsichtlich der Sensibilitätsstörung im Unterarm zeige sich wei
terhin das klinisch-neurologische Bild einer Läsion des
Nervus
musculocuta
neus
. Es sei eine leichte Besserung der Muskelkraft zu dokumentieren
. Hinsicht
lich dieser neurologischen Diagnosen sei ein abwartendes Verhalten besprochen worden. Abschliessend gaben die berichtenden Ärzte an, der Beschwerdeführer wünsche eine
psychiatrische Betreuung, da ihn die Gesamtsituation mit fehlen
der
voller Arbeitsfähigkeit belaste.
3.9
Anl
ässlich der Verlaufskontrolle in der
Klinik für Herz- und Gefässchirurgie des
Y._
vom 9. Oktober 2012 gab der Beschwerdeführer laut
B
ericht vom gleichen Tag (Urk. 3/3)
thorakale Schmerzen und Druckgefühl beim Stuhlgang
und beim Liegen
,
Schwindel
bei tiefem Blutdruck
sowie eine
Ge
dächtnis- und Angststörung
an.
Die klinische und computertomographische Un
ter
suchung von Thorax und Abdomen ergab eine im Vergleich zur Vorun
tersuchung vom 10. Juli 2012 leicht progrediente
Thrombosierung
des falschen
Lumen
der
Aorta
descendens
bei i
m Übrigen stationären Verhältnissen. Auf
grund der Angststörung sei ein psychiatrisches
Konsil
angemeldet worden. In
folge
des noch nicht abgeheilten Sternums dürfe der Beschwerdeführer Lasten von mehr als 5 kg weder anheben noch ziehen.
3.10
Laut
Bericht der
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
Y._
vom 8. November 2012 (Urk. 15/2)
wünschte der Beschwerdeführer Unterstützung in seiner schwierigen psychosozialen Situation
,
Behandlung sei
ner Angstzustände
und
eine Beurteilung seines psychischen Zustandes. Mög
licherweise bestünde dann somatisch und psychisch zusammen eine 40%ige Ar
beitsunfähigkeit, so dass er Anspruch auf eine Invalidenrente hätte, was sein Leben erheblich verbessern würde.
Die berichtenden Spitalärzte stellten
folgende
psychiatrische
Diagnosen:
-
Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion, gemischt (IF43.22) mit/bei:
-
St. n. akuter
Aortendissektion
am 04.09.2011 mit potentiell
lebensbedrohli
cher
Situation und schwerem, komplikationsreichem Verlauf
-
psychosozialer Problematik (reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit, er dürfe nur 5 kg tragen; Abhängigkeit vom Sozialamt; Familie mit den zwei Kindern lebe in Süditalien; Arbeitslosigkeit, weil er bislang keine Anstel
lung mit reduzierter Belastbarkeit gefunden habe)
-
Störungen durch Nikotin, Abhängigkeitssyndrom mit ständigem
Substanzge
brauch
(ICD-10 F17.25)
Weiter führten
sie
aus, differenzialdiagnostisch sollte im Verlauf die Entwick
lung einer depressiven Episode abgegrenzt werden.
Konzentration, Merkfähig
keit,
Auffassungsfähigkeit und Aufmerksamkeit seien objektiv unauffällig be
zieh
ungs
weise teilweise sprachbedingt leicht reduziert. Im formalen Gedanken
gang sei der Beschwerdeführer auf die schwierige psychosoziale Situation und die Angst, dass erneut eine
Aortendissektion
oder ein Herzinfarkt auftreten könnte und er alleine und hilflos in eine lebensgefährliche Situation kommen könnte, einge
engt
. Abgesehen von einem gelegentlichen Depersonalisations- und
Dereali
sa
tionserleben
bestünden keine Ich-Störungen. Ein affektiver Rap
port sei gut her
stellbar. Dabei wirke der Beschwerdeführer reduziert
schwin
gungsfähig
. Aufgrund
der reduzierten körperlichen Belastbarkeit sei er im An
trieb reduziert. Weiter
wurden
reduziertes Freudeerleben, Durchschlafstörungen,
ein starker
Appetit und
gelegentliche Suizidgedanken ohne akute
Selbstgefährlich
keit
angegeben. Ge
stützt
darauf empfahlen die untersuchenden Ärzte die Auf
nahme einer ambu
lanten psychiatrischen und insbesondere psychotherapeuti
schen
Weiterbe
hand
lung
zur Verbesserung der depressiven Symptome und Ängste und zum Erarbei
ten von Ressourcen und Lösungsmöglichkeiten. Im weiteren Verlauf gehe es auch darum, eine Tages
s
truktur zu erarbeiten und die Reintegration in den Ar
beitsmarkt zu unterstützen (Urk. 15/2).
4.
4.1
Aus
gefässchirurgischer Sicht
ist gestützt auf
die
Angaben der behandelnden Ärzte
des
Y._
davon auszugehen
, dass dem Beschwerde
führer infolge der erlittenen a
kute
n
Aortendissektion
, Stanford Typ A, am 4. Sep
tember 2011 mit Operationskomplikationen (akutes Leber- und Nieren
versagen, ischämische
Gastro
/
Duodenopathie
,
Perikardtam
ponade
am 4.-5. Sep
tember 2011) und
t
eilthrombosierte
r
Vena
jugularis
interna
rechts am 12. Sep
tember 2011
die
zuletzt ausgeübte
Tätigkeit als Lagerist nicht mehr zu
mutbar
ist. In einer rein sitzenden Tätigkeit ohne schwere körperliche Anstren
gung, ohne
Heben von Lasten von mehr als 5 kg
, ohne
Stehen, Bücken, Kauern
oder
Knien länger als vier Stunden pro Tag
ist er spätestens ab 21. Mai 2012
zu 100 %
arbeitsfähig (Urk. 8/20).
Die computertomographische
n
Untersuchung
en
von Thorax
und Abdomen
am
10. Juli 2012
und
am
9. Oktober 2012
er
gab
en
weit
geh
end
stationäre Verhältnisse
(Urk. 3/3
, Urk. 8/25 S. 1 f.
)
, weshalb für die An
nahme einer nach der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Mai 2012 einge
tre
tenen Verschlechterung des Gesundheitszustandes aus gefässchirurgischer Sicht
keine Anhaltspunkte vorliegen.
4.2
Die am 28. Februar 2012 erfolgte Rückverlagerung des Stomas
beziehungsweise
Wiederher
stellung der
Darmkontinuität
verlief
komplikationslos
(Urk. 8/25 S. 3
f.),
weshalb aus
viszeralchirurgischer
Sicht k
eine
weitere
Einschränkung
an
zunehmen ist
.
4.3
Aus neurologischer Sicht
waren nach der Verlaufskontrolle vom 29. August 2012
im
Y._
keine Kontrollen oder Therapien
mehr
vorge
sehen (Urk. 3/4), was darauf schliessen lässt, dass
die nach Besserung der CTS-Symp
tomatik und der Muskelkraft im rechten Arm verbleibende Hypästhesie im rech
ten
Unterarm
beziehungsweise die klinisch nicht imponierende, sehr milde,
distal-betonte Polyneuropathie
die Ausübung einer
(aus gefässchirurgischer Sicht
angepassten) Erwerbstätigkeit nicht
wesentlich
ein
schränkt
.
4.4
Selbst der über sämtliche Leiden des Beschwerdeführers informierte Hausarzt Dr.
A._
sah sich am 20. April 2012 nicht mehr in der Lage, dem Beschwer
de
führer eine weiterdauernde Arbeitsunfähigkeit zu attestieren, weshalb er auf die ausstehende Empfehlung der Gefässchirurgen des
Y._
hin
wies.
Für die Zeit nach der
Aortendissekti
on
am 4. September 2011 bis z
um
21. Mai 2012
ist angesichts der
zahlreichen
Hospitalisa
tionen
und operativen Eingriffe
gestützt auf
die
Angaben des
Haus
arzt
es
Dr.
A._
(Urk. 8/17
S. 3
)
von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
für jegliche Tätigkeit
auszugehen.
4.
5
Aus psychiatrischer Sicht war beim Erlass der rentenablehnenden Verfügung vom
1. Oktober 2012 eine
beginnende
psychische
Belastung
des Beschwerde
führers
infolge der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit
aktenkundig
(Urk. 3/4). Wenige Tage
danach wurde
bei
Verdacht auf eine Angststörung ein psychiatri
sches
Konsil
an
gemeldet (Urk. 3/3). Dieses ergab zwar eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion.
Die berichtenden Fachärzte
der Sprech
stunde für Angst
störungen des
Y._
nahmen jedoch zur Arbeitsfähigkeit nicht
abschliessend
Stellung, obwohl sie darüber
orientiert
waren
, dass sich der Beschwerdeführer aus der psychiatrischen Untersuchung die Attestierung einer weitergehenden Arbeitsunfähigkeit erhoffte, um seinen Anspruch auf eine Inva
lidenrente zu begründen. Vielmehr
gaben sie als Ziel der psychiatrisch-psycho
therapeutischen Behandlung unter anderem die Unterstüt
zung der Reintegration in den Arbeitsmarkt an (Urk. 15/2)
.
Daraus ist zu schliessen, dass
sich
die be
ginnende psychische Dekompensation
jedenfalls
zur Zeit des
Konsils
nicht in relevantem Ausmass
auf die Arbeitsfähigkeit
auswirkte.
Die den Beschwerdeführer seit dem 6. November 2012 behandelnde Psychiate
rin,
Dr. med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapi
e,
bestä
tigte
im Bericht vom 12. Februar 2013
(Urk. 15/3)
die
in der
Sprechstu
e
nde
für Angst
störungen des
Y._
(Urk. 15/2) gestellte Diagnose
und er
gänzte sie mit derjenigen von
persistierenden Panikattacken (ICD-10 F41.0)
. Auch der von ihr beschriebene Psychostatus entspricht weitgehend demjenigen
,
der
von den Fachkollegen im
Y._
erhoben wurde. Hin
sicht
lich der Wiedereingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt machte sie
eben
falls
nur vage, nicht abschliessende Aussagen und empfahl
schliesslich
ei
nen Integrationsversuch im geschützten Rahmen.
Daraus darf nicht auf eine Arbeits
unfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt geschlossen werden. Vielmehr ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass
sich
Dr.
B._
als be
handelnde
Psychiaterin
in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren
hat
.
Ihr Bericht verfolgt
somit
nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Ver
sicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Ge
sundheits
zu
standes. Sodann ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass
behan
delnde
Ärzte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stell
ung im Zw
eifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen
(BGE 135 V 46
5 E. 4.5).
Dem
nach Erlass der angefochtenen Verfügung erstatteten
Bericht von Dr.
B._
lässt sich
somit
ebenfalls keine bei Erlass der angefochtenen Ver
fügung bereits bestandene
, relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in ei
ner a
ngepassten Tätigkeit entnehmen.
5.
In
e
rwerblicher Hinsicht
ging die Beschwerdegegnerin bei der Bemessung des hy
pothetisch erzielbaren
Valideneinkommens
mangels einer
Festanstellung
vor Eintritt des Gesundheitsschadens
(infolge
langer
Erwerbslosigkeit
mit temporä
ren Anstellungen
) von den statistischen Daten der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung (LSE 20
10
, Tabelle TA1, Ziff. 1-93, Anforderungsniveau 4;
Männer
) aus. Auch das Invalideneinkommen ermittelte sie anhand des gleichen Tabellenlohnes unter Vornahme eines
leidensbedingten Abzuges von 15
% (Urk.
8/21
, Urk. 2). Dieses Vorgehen beziehungsweise der errechnete rentenausschliessende Invaliditätsgrad (von
15
%)
trägt
dem
unter
durchschnittlichen Verdienst des Beschwerdeführers vor Eintritt des
Gesund
heitsschadens
Rechnung
und
ist
daher
nicht zu beanstanden.
Der
rentenableh
nende
Entscheid vom
1. Oktober 2012
erging somit zu Recht.
Dem Beschwerdeführer bleibt es allerdings unbenommen, sich bei der Inva
liden
versicherung erneut zum Leistungsbezug anzumelden.
6.
Ausgangsgemäss werden die Gerichtskosten von Fr.
800.
dem Beschwerdefüh
rer auferlegt, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Zudem ist die unentgeltliche Rechtsvertreterin Rechtsanwältin
Ursula
Reger-
Wyttenbach
für ihre Bemüh
ungen
g
e
mäss der Honorarnote vom
18. Oktober 2013
(Urk.
20
) mit Fr.
2‘167.70
(inklu
sive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.