Decision ID: 5dcd09d4-4787-535a-a318-7cb49abee287
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am (...) Juli 2019 in der Schweiz um Asyl
nach. Am 22. Juli 2020 wurde er dem erweiterten Verfahren zugewiesen.
Anlässlich der Personalienaufnahme (PA) vom 29. Juli 2019, der Anhörung
vom 21. Juli 2020 und der ergänzenden Anhörung vom 25. August 2020
machte er im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei afghanischer Staatsangehöriger tadschikischer Ethnie und in Kabul
geboren, wo er aufgewachsen sei und – mit kurzen Unterbrüchen – bis zu
seiner Ausreise gelebt habe. Im Rahmen seines Studiums der (...) habe er
im Jahr 2014 eine Frau namens B._ kennengelernt, in die er sich
verliebt habe. Im Jahr 2015 habe er während drei Monaten den Schlüssel
zur Wohnung seiner Tante zur Verfügung gehabt, welche verreist gewesen
sei. Er sei regelmässig mit seiner Partnerin in diese Wohnung gegangen,
um Zeit mit ihr alleine zu verbringen. Eines Tages habe er erfahren, dass
B._ die Tochter eines bekannten Mafioso namens C._ sei.
Dieser (...); sein Haupteinkommen fliesse jedoch aus dem (...). Nachdem
die Beziehung bereits sechs bis sieben Monate angedauert habe, habe
ihm seine Partnerin mitgeteilt, dass sie von ihm schwanger sei. Er habe mit
ihr fliehen wollen, was sie aus Furcht davor abgelehnt habe, dass man im
Falle ihres Verschwindens ihre Mutter töten würde, die von der Schwan-
gerschaft gewusst habe. Er habe dann seiner Mutter von der Beziehung
erzählt. Als sein Vater davon erfahren habe, sei er zunächst wütend gewe-
sen und habe ihn beschimpft. Dann habe er vorgeschlagen, dass er sowie
die Mutter und Tante des Beschwerdeführers mit der Familie von
B._ sprechen würden. Nachdem sie dies getan hätten, sei der Vater
mit mehreren Verletzungen im Gesicht, welche ihm die Familie von
B._ zugefügt habe, zurückgekehrt. Die Familie von B._
habe sowohl ihn (den Beschwerdeführer) als auch seine Schwester be-
droht. Der Beschwerdeführer habe danach – gegen den Willen seines Va-
ters – die Universität wieder besucht. Er habe bemerkt, dass ihn ein
schwarzes Fahrzeug überallhin verfolgt habe. Am dritten Tag nach seiner
Rückkehr an die Universität sei er von drei Unbekannten, welche neben
beziehungsweise in einem schwarzen Fahrzeug auf ihn gewartet hätten,
verprügelt worden. Als die Polizei erschienen sei, habe der Beschwerde-
führer sich geweigert, auf den Polizeiposten mitzugehen, weil er gewusst
habe, dass dies zu nichts führen werde. Einige Tage nach dem Vorfall habe
er wieder die Universität besucht und sei erneut von einem schwarzen
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Fahrzeug verfolgt worden. Er sei in ein Taxi gestiegen, womit ihm die Flucht
gelungen sei. Die Verfolger hätten Schüsse auf das Taxi abgegeben, hätten
aber den Beschwerdeführer nicht getroffen. Nach diesem Angriff habe ihn
der Taxifahrer zur Polizeistation gebracht. Als er das Ereignis erläutert und
den Namen C._ genannt habe, habe ihn der befragende Kriminal-
beamte beschimpft und ihm geraten, so schnell wie möglich zu verschwin-
den. Er könne sich nicht in familiäre Angelegenheiten einmischen. Er habe
dann noch einige Tage zuhause verbracht, bis eines Nachts sein Haus un-
ter Beschuss genommen worden sei. Auf der Polizeistation sei ihm wieder
mitgeteilt worden, dass sich die Polizei nicht in familiäre Angelegenheiten
einmische. Seine Mutter habe später von B._ Mutter erfahren, dass
sie von ihren Brüdern und ihrem Vater getötet worden sei. Danach habe er
sich zu seinem Onkel nach Mazar begeben. Nach ungefähr drei Wochen
seien seine Verfolger auch dort erstmals erschienen. Ihm sei daher be-
wusst geworden, dass sie ihn wohl überall in Afghanistan ausfindig machen
könnten, weshalb er nach Indien gereist sei. Als sein indisches Visum ab-
gelaufen sei, sei er in der Hoffnung, dass sich die Lage beruhigt habe, wie-
der nach Kabul zurückgekehrt. Die Situation habe sich aber noch ver-
schlimmert. Er sei wieder von einem Fahrzeug verfolgt worden und habe
erneut entkommen können. Als er realisiert habe, dass auch seine Famili-
enmitglieder seinetwegen in Gefahr seien, und aus Furcht vor dem eigenen
Tod sei er im (...) 2015 ausgereist.
Als Identitätsnachweis reichte er seine Tazkira, seine Studienbescheini-
gung (jeweils in Kopie), seine Wählerkarte, seinen Sportausweis und seine
Studentenkarte (jeweils im Original) zu den Akten.
Ausserdem legte er zwei medizinische Berichte, verschiedene Unterlagen
aus Deutschland (negativer Asylentscheid, Aufenthaltsbewilligung, medizi-
nische Unterlagen, Schreiben Caritas, Unterlagen vom Verwaltungsgericht
D._), ein Schreiben betreffend seinen Aufenthalt in Schweden, ein
Gerichtsdokument aus der Türkei sowie den UNO-Ausweis seines in
E._ wohnhaften Cousins ins Recht.
B.
Mit Verfügung vom 21. Dezember 2020 – eröffnet am 29. Dezember 2020
– verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete sie wegen Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs seine vorläufige Aufnahme an.
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C.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 28. Januar 2021
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Ausstel-
lung eines Flüchtlingspasses.
D.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
29. Januar 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG).
E.
Mit Verfügung vom 29. Januar 2021 forderte die zuständige Instruktions-
richterin den Beschwerdeführer zur Verbesserung der ungenügend be-
gründeten Beschwerde auf.
F.
Am 5. Februar 2021 reichte der Beschwerdeführer eine Beschwerdever-
besserung ein. Darin beantragte er die Aufhebung der vorinstanzlichen
Verfügung betreffend Flüchtlingseigenschaft und Asyl (Dispositivziffern
1–2), die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung
von Asyl. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Prozess-
führung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie
um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so wie auch vorliegend – end-
gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
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Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet ihren ablehnenden Entscheid damit, dass die
Vorbringen des Beschwerdeführers unglaubhaft seien. Seine Schilderun-
gen enthielten in Bezug auf das Kerngeschehen nur spärliche Realkenn-
zeichen. Es sei nicht glaubhaft, dass er der Familie seiner ehemaligen Part-
nerin habe entkommen können. Auch der Umstand, dass er nach seiner
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Reise nach Indien wieder nach Afghanistan zurückgekehrt sei, spreche ge-
gen die Glaubhaftigkeit seiner dargelegten Asylgründe. Nicht nachvollzieh-
bar sei zudem, dass er trotz der angeblich drohenden Gefahr sein Haus
teilweise aus banalen Gründen, beispielsweise zur Ausstellung einer Stu-
dentenbescheinigung, verlassen habe.
5.2 Der Beschwerdeführer hält dem in seiner Beschwerdeschrift entgegen,
dass seine Schilderungen substanziiert, ausführlich und detailliert ausge-
fallen seien. Er habe bereits in der Anhörung erklärt, dass die Familie sei-
ner Partnerin ihn nicht direkt habe töten wollen. Stattdessen hätten sie ihn
leiden lassen wollen. Er sei aus Indien zurückgekehrt, weil er habe heraus-
finden wollen, was mit B._ geschehen sei und ob sie noch am Le-
ben sei. Ausserdem habe er gehofft, dass sich die Lage inzwischen beru-
higt habe. Der flüchtlingsrelevante Verfolgungsgrund sei das in Afghanistan
herrschende religiöse System, welches aussereheliche Beziehungen
pönalisiere.
6.
6.1 Zunächst ist festzuhalten, dass – wie die Vorinstanz zutreffend festhält
– die Ausführungen des Beschwerdeführers zu erheblichen Zweifeln An-
lass geben. Diesbezüglich kann auf die vorinstanzlichen Erwägungen ver-
wiesen werden, denen der Beschwerdeführer in seinem Rechtsmittel
nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen vermag. Aus den nachfolgenden
Gründen braucht die Frage der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen indessen
nicht abschliessend geklärt zu werden.
6.2 Art. 1A des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 3 Abs. 1 AsylG nennen Rasse, Re-
ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
oder politische Anschauungen als flüchtlingsrechtlich relevante Motive. Die
erwähnten fünf Verfolgungsmotive sind über ihre sprachlich allenfalls en-
gere Bedeutung hinaus so zu verstehen, dass die Verfolgung wegen
äusserer oder innerer Merkmale, die untrennbar mit der Person oder Per-
sönlichkeit des Opfers verbunden sind, erfolgt. Verfolgung im Sinne des
Asylgesetzes und der Flüchtlingskonvention erfolgt immer wegen des
Seins, nicht wegen des Tuns. Zwar kann der Verfolger gleichfalls oder so-
gar vordergründig hauptsächlich auf Handlungsweisen einer Person abzie-
len, bedeutsam für die Flüchtlingseigenschaft wird der Eingriff des Verfol-
gers (oder der mangelnde Schutz vor privater Verfolgung bei Schutzunwil-
ligkeit des Staates) aber nur, wenn dieser die hinter einer Handlungsweise
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steckende Eigenart und Gesinnung der entsprechenden Person treffen will
(vgl. BVGE 2014/28 E. 8.4.1 m.w.H.).
6.3 Ein solches Motiv liegt weder den erwähnten Vergeltungsmassnahmen
durch die Familie der verstorbenen Partnerin des Beschwerdeführers noch
dem fehlenden Schutzwillen der afghanischen Behörden zugrunde. Der
Beschwerdeführer führte die aussereheliche Beziehung nicht wegen seiner
religiösen Überzeugung oder weil er die gesellschaftlichen Konventionen
seines Heimatstaates ablehnte. Der Grund für die behauptete Verfolgung
durch die Familie von B._ liegt darin, dass er eine aussereheliche
Beziehung geführt hat, was die erwähnte Familie beziehungsweise die af-
ghanische Gesellschaft nicht toleriert. Dass – wie auf Beschwerdeebene
zutreffend ausgeführt – die Werte, welche dem afghanischen Gesell-
schaftssystem zugrunde liegen, (auch) religiöser Natur sind, ändert daran
nichts (vgl. dazu mutatis mutandis BVGE 2014/28 E. 8.4.5). Die Verfolgung
wegen der Religion muss darauf abzielen, was die betroffene Person
glaubt (oder gerade nicht glaubt). Der Grund für die Verfolgung muss in
diesem Sinne in der Identität der betroffenen Person liegen, in einem Ele-
ment, das für seine persönliche Identität grundlegend ist (vgl. Urteil des
BVGer
E-3331/2013 vom 3. Juli 2014 E. 8.4.5). Dies ist beim Beschwerdeführer
nicht der Fall. Der Beschwerdeführer führte die Beziehung mit B._
nicht aufgrund seiner Religion. Entsprechend kann die Verfolgung auch
nicht auf seine religiösen Überzeugungen abgezielt haben. Der Grund für
die Verfolgung liegt folglich nicht in der Identität des Beschwerdeführers,
sondern sie zielt lediglich auf sein Handeln ab, nämlich das Führen einer
ausserehelichen Beziehung (vgl. im Ergebnis übereinstimmend Urteil des
BVGer E-1406/2020 vom 26. März 2020 E. 6.1 m.w.H., BVGE 2014/28 E.
8.4.5). Aus seinen Ausführungen ist zu schliessen, dass die Familie seiner
verstorbenen Partnerin durch die Verfolgungsmassnahmen nicht eine Ei-
genart oder Gesinnung von ihm treffen, sondern vielmehr die Weiterfüh-
rung der Beziehung verhindern sowie ihn für das Führen dieser Beziehung
bestrafen wollte. Der Versuch, im Kontext von Afghanistan in der privaten
Verfolgung im Fall von ausserehelichen Beziehungen ein religiöses Motiv
erkennen zu wollen, vermag somit nicht zu überzeugen.
Insgesamt geht aus den Vorbringen des Beschwerdeführers und den Akten
nicht hervor, dass er wegen einer der vorstehend aufgezählten Verfol-
gungsgründe oder eines Merkmals, das ihn als andersartig kennzeichnet
und das untrennbar mit ihm oder seiner Persönlichkeit verbunden ist, ver-
folgt wurde. Bei einem fehlenden asylrelevanten Motiv im Sinne von Art. 3
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Abs. 1 AsylG vermag letztlich auch der Hinweis des Beschwerdeführers, er
habe aufgrund der Machtposition des Vaters seiner ehemaligen Partnerin
keinen staatlichen Schutz in Anspruch nehmen können, nicht zur Asylrele-
vanz der dargelegten Verfolgung zu führen.
6.4 Nach dem Gesagten konnte der Beschwerdeführer nicht überzeugend
darlegen, dass er aus einem asylrelevanten Grund verfolgt wurde.
6.5 Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass der allgemein schwierigen
Lage in Afghanistan seitens der Vorinstanz durch die Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme gestützt auf Art. 83 Abs. 4 AIG (SR 142.20) Rechnung
getragen wurde (vgl. nachfolgend E. 8). Die Drohungen von privaten Dritt-
personen wären allenfalls – würde eine Schutzunfähigkeit oder -unwilligkeit
der afghanischen Behörden festgestellt – im Rahmen der Wegweisungs-
vollzugsprüfung relevant, da aufgrund dessen der Wegweisungsvollzug im
Sinne von Art. 3 EMRK unzulässig erscheinen könnte. Jedoch ist diesbe-
züglich auf die alternative Natur der drei Voraussetzungen für einen Ver-
zicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit,
Unmöglichkeit) zu verweisen. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Voll-
zug der Wegweisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere An-
wesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige
Aufnahme zu regeln (BVGE 2009/51 E. 5.4).
6.6 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat daher sein Asylgesuch zu Recht
abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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8.
Da das SEM in seiner Verfügung vom 21. Dezember 2020 die vorläufige
Aufnahme des Beschwerdeführers angeordnet hat, erübrigen sich praxis-
gemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des
Wegweisungsvollzugs.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und um amtliche Rechtsverbeiständung sind unbesehen
der finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers abzuweisen, da die
Beschwerde gemäss den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu
bezeichnen ist und es daher an einer gesetzlichen Voraussetzung zu deren
Gewährung fehlt.
(Dispositiv nächste Seite)
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