Decision ID: 316eba08-1966-44e9-8dd7-a5347de85ef9
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Vor dem Hintergrund ehelicher Konflikte und häuslicher Gewalt trat die Mutter von
A._, geboren 2015, mit dem Kind im 2017 ins Frauenhaus ein (act. G5.3a). Mit
Eheschutzentscheid vom 20. April 2017 ordnete das Kreisgericht C._ eine
Erweiterung der Beistandschaft um eine Besuchsbeistandschaft an und genehmigte
die Vereinbarung, dass das Kind in der Regel durch die Mutter betreut wird und der
Vater es an jedem Sonntag im Rahmen der begleiteten Besuchstage der
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Familienberatung D._ betreut. Die Organisation der begleiteten Besuche sei der
Beiständin des Kindes zu übertragen (act. G1.7 S. 3). Mit berichtigter Verfügung vom
29. Mai 2017 beauftragte die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde das zuständige
Sozialamt und die Eltern mit der Kostenregelung für die begleiteten Besuchstage (act.
G1.8). Am 29. August 2017 erteilte das Sozialamt E._ subsidiäre Kostengutsprache
für die begleiteten Besuchstage (act. G1.10).
A.b Am 29. August 2017 beantragte das Sozialamt der politischen Gemeinde E._ im
Namen der Mutter als gesetzliche Vertreterin von A._ bei der Opferhilfe SG-AR-AI die
Übernahme der Kosten für begleitete Besuchstage. Es begründete den Antrag damit,
der Vater von A._ habe gegen sie und die Mutter häusliche Gewalt ausgeübt, sodass
die Mutter mit ihr zuerst ins Frauenhaus geflüchtet und später in eine andere Gemeinde
gezogen sei. Die begleiteten Besuchstage seien unmittelbar als Folge einer Straftat
verordnet worden. Durch diese Kindesschutzmassnahme könne eine Stabilisierung des
Gesundheitszustandes des Kindes erlangt werden. Die Kosten für die begleiteten
Besuchstage würden das Kind betreffen. Die Mutter werde vollumfänglich vom
Sozialamt unterstützt. Sie generiere keine anrechenbaren Einnahmen. Opferhilfe gehe
der Sozialhilfe vor (act. G5.1).
A.c Am 12. September 2017 schrieb die Beratungsstelle Opferhilfe, die Kosten eines
Besuchsrechts würden zu Lasten des besuchsberechtigten Elternteils – und nicht des
Kindes – gehen. Sie könne für die dem Täter entstehenden Kosten keine Gutsprache
erteilen (act. G5.2).
A.d Mit Stellungnahme vom 22. September 2017 hielt die Gesuchstellerin an ihrem
Antrag fest. Dem Opfer komme Rekurslegitimation zu, auch wenn es finanziell nicht
belastet sei. Der Anspruch auf Opferhilfe stehe dem Opfer zu. Grundsätzlich habe
sodann die betroffene Person selbst einen Anteil/Kostgeld an Fremdplatzierung oder
sozialpädagogische Familienbegleitung zu leisten. Vorliegend gehe es um das
begleitete Besuchsrecht, welches gesetzlich als soziale Hilfe einzuordnen sei. Die
Gewalttat des Vaters sei Anlass zur Installation der begleiteten Besuchstage gewesen
(act. G5.3).
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A.e Mit Verfügung vom 23. Oktober 2017 wies die Beratungsstelle Opferhilfe das
Gesuch ab. Die Kosten der begleiteten Besuchstage gingen zu Lasten des
besuchsberechtigten Vaters, gerade auch dann, wenn er sie durch sein Verhalten
verursacht habe. Für die Gemeinde habe kein Anlass bestanden, zu Lasten der
Kindsmutter oder des Kindes, welches seit 1. Januar 2017 ohnehin nicht mehr
rückerstattungspflichtig sei, eine Kostengutsprache zu erteilen (act. G5.4).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich der Rekurs vom 6. November 2017 von
Rechtsagent Marc Wiesli als Vertreter der gesetzlichen Vertreterin von A._. Die
Rekurrentin lässt beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Vorinstanz sei zu verpflichten, Kostengutsprache für die begleiteten Besuchstage zu
leisten. Zudem sei der Rekurrentin die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung zu gewähren, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur
Begründung lässt sie ausführen, sie werde als Bedürftige zusammen mit ihrer Mutter
im Rahmen der Asylgesetzgebung durch das Sozialamt finanziell unterstützt. Der
besuchsberechtigte Elternteil habe die Kosten für das begleitete Besuchsrecht nur
dann alleine zu tragen, wenn das Gericht dies angeordnet habe. Da das
Eheschutzgericht die Kosten nicht dem Vater auferlegt habe und dieser ohnehin
bedürftig und somit zahlungsunfähig sei, würden die Kosten nicht zu seinen Lasten
gehen. Das Sozialamt habe subsidiäre Kostengutsprache erteilen müssen, weil
andernfalls das Besuchsrecht mangels Leistungsfähigkeit des Vaters nicht hätte
stattfinden können, was nicht dem Kindeswohl entsprochen hätte. Die Leistungen der
Opferhilfe würden auch die Übernahme der Kosten aller Art von sozialer Hilfe als Folge
der Straftrat, also auch von Kindesschutzmassnahmen und begleiteten Besuchstagen
im Besonderen, umfassen. Gemäss Bericht des Frauenhauses habe der Vater die
Rekurrentin öfters gepackt und auf das Bett oder Sofa geworfen. Die Mutter habe er
seit der Schwangerschaft geschlagen und erniedrigt. Am Abend vor dem Eintritt ins
Frauenhaus habe er der Mutter und der Rekurrentin ein Kissen auf das Gesicht
gedrückt. Aufgrund dieser Gewalttaten, des Drogenkonsums des Vaters und der
konflikthaften Trennung sei ein begleitetes Besuchsrecht zur Sicherheit der Rekurrentin
als dringend notwendig erachtet worden. Die Rekurrentin sei aufgrund der durch die
Übergriffe entstandenen Traumatisierung ausserstande, den Vater unbegleitet zu
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besuchen. Hierfür spreche auch das dem Vater auferlegte Kontaktverbot zur Mutter.
Die begleiteten Besuchstage seien daher direkte Folge der Straftat und somit von der
Opferhilfe zu übernehmen (act. G1).
B.b Mit Vernehmlassung vom 10. Januar 2018 beantragt die Vorinstanz die Abweisung
des Rekurses. Im Eheschutzverfahren sei kein Unterhalt festgesetzt worden, weil beide
Elternteile sozialhilfeabhängig seien. Die Kosten der begleiteten Besuchstage seien
vom besuchsberechtigten Elternteil zu tragen, vorliegend vom Vater, zumal deren
Anordnung allein aufgrund seines Verhaltens erfolgt sei. Wäre der Vater zahlungsfähig,
wäre das überhaupt keine Frage. Aufgrund seiner Sozialhilfeabhängigkeit seien ihm die
Kosten der begleiteten Besuchstage von der Sozialhilfe als Auslagen des
Besuchsrechts zu vergüten. Selbst wenn die Kosten dem Sozialhilfekonto des Kindes
belastet würden, wäre es dafür aufgrund der neuen Gesetzeslage nicht mehr
rückerstattungspflichtig. Die Rekurrentin habe deshalb keinen Schaden. Im Rahmen
einer Gesamtbeurteilung komme der Verarbeitung und Beseitigung der Folgen der
früheren Straftat gegenüber der Mutter der Rekurrentin oder der Gefahr einer
Entführung kein derart ursächliches Gewicht zu, dass der kindesschutzrechtliche
Charakter der Massnahme (fragliche Erziehungsfähigkeit, Drogenkonsum,
Unerfahrenheit des Vaters und Ungeduld im Umgang mit dem Kleinkind, mangelnde
Ordentlichkeit in der eigenen Wohnung, konflikthafte Beziehung zur Kindsmutter) in den
Hintergrund gedrängt werde. Eine Kostengutsprache entfalle daher auch mangels
Kausalität (act. G5).
B.c Am 18. Januar 2018 bewilligt das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung der Rekurrentin (act. G6).
B.d Mit Replik vom 16. Februar 2018 führt die Rekurrentin aus, es bestehe Einigkeit
darüber, dass die Eltern im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit für den
Unterhalt des Kindes aufzukommen hätten. Dass die begleiteten Besuchstage eine
Kindesschutzmassnahme darstellten, sei ebenfalls anerkannt. Die Kosten dafür würden
daher Unterhalt für das minderjährige Kind darstellen. Für die Festlegung von
(strittigen) Unterhaltsbeiträgen sei zwingend das Zivilgericht zuständig. Vorliegend habe
das Eheschutzgericht dem Vater keine Kosten auferlegt. Die notwendige subsidiäre
sozialhilferechtliche Finanzierung von Kindesschutzmassnahmen als Teil des
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Kindesunterhalts stehe direkt dem Kind zu. Die Rekurrentin lebe bei der Mutter, womit
sie in deren Unterstützungseinheit sei und keine eigene Unterstützungseinheit bilde.
Die Mutter sei für die finanzielle Sozialhilfe für sich sowie das Kind, insbesondere für
die Kosten der begleiteten Besuchstage zumindest bis zum Inkrafttreten des neuen
Rechts ab 1. Januar 2018 rückerstattungspflichtig. Die opferschutzrechtlichen
Komponenten würden klar im Vordergrund stehen und seien Hauptgrund für die
Kindesschutzmassnahme. Die Anordnung von begleiteten Besuchstagen sei aufgrund
der strafrechtlich relevanten Traumatisierung zum Schutz der Rekurrentin erforderlich.
Ohne die Gewalttaten des Vaters wären keine begleiteten Besuchstage beantragt und
angeordnet worden (act. G8).
B.e Mit Duplik vom 18. April 2018 hält die Vorinstanz fest, eine Rückerstattungspflicht
der Rekurrentin werde nicht behauptet, sodass kein Schaden vorliege. Es sei nicht
einzusehen, weshalb die Kosten des Besuchsrechts dem Kind aufgebürdet werden
sollten. Die Opferhilfe bezwecke nicht, die Sozialhilfe zu entlasten oder Eltern von ihrer
Unterhaltspflicht zu befreien. Die begleiteten Besuchstage würden nicht der
Bewältigung früherer Straftaten und der Verhinderung von ernsthaften Bedrohungen
oder akuten Entführungsgefahren dienen und seien dazu auch nicht geeignet. Sie seien
angeordnet worden, weil aufgrund der Trennung der Eltern ein Besuchsrecht
festzulegen gewesen sei, nicht weil die Rekurrentin grundsätzlich vor ihrem Vater
beschützt oder versteckt werden müsste. Am vorliegenden Gesuch habe einzig die
Gemeinde ein Interesse. Es gehe um eine Kostenüberwälzung auf den Kanton (act.
G12).
B.f Mit Triplik vom 16. Mai 2018 macht die Rekurrentin unter Verweis auf die
Gesetzeslage geltend, ihre Mutter sei zumindest für die Kosten der begleiteten
Besuchstage bis 31. Dezember 2017 gegenüber der Sozialhilfe rückerstattungspflichtig
(act. G14).

Erwägungen
1.
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Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Rekurrentin als Opfer bzw. Angehörige
eines Opfers im Sinne von Art. 1 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von
Straftraten (OHG; SR 312.5) grundsätzlich Anspruch auf Leistungen der Opferhilfe hat.
Streitig und zu prüfen ist, ob der Rekurrentin aufgrund des angeordneten begleiteten
Besuchsrechts überhaupt ein Schaden entstanden ist.
2.
2.1 Die Eltern sorgen gemeinsam, ein jeder nach seinen Kräften, für den gebührenden
Unterhalt des Kindes und tragen insbesondere die Kosten von Betreuung, Erziehung,
Ausbildung und Kindesschutzmassnahmen. Der Unterhalt wird durch Pflege, Erziehung
und Geldzahlung geleistet. Die Eltern sind von der Unterhaltspflicht lediglich in dem
Mass befreit, als dem Kinde zugemutet werden kann, den Unterhalt aus seinem
Arbeitserwerb oder anderen Mitteln zu bestreiten (Art. 276 ZGB). Übersteigen die
Unterhaltskosten die Kräfte des Einzelnen oder der Familie, so obliegen sie dem
Gemeinwesen, mithin der Sozialhilfe. Das Sozialhilferecht bestimmt auch, ob die
Leistungen später vom Empfänger zurückgefordert werden können (Art. 293 Abs. 1
ZGB; CYRIL HEGNAUER, Berner Kommentar, Kommentar zum schweizerischen
Privatrecht, Band II: Das Familienrecht, 2. Abteilung: Die Verwandtschaft, 2. Teilband:
Die Wirkung des Kindesverhältnisses / Die Unterhaltspflicht der Eltern, Kommentar zu
Art. 270-295, Art. 293 N 10 und 21).
2.2 Vorliegend wurden begleitete Besuchstage angeordnet. Diese stellen, wie sowohl
die Rekurrentin als auch die Vorinstanz anerkennen, eine Kindesschutzmassnahme dar.
Gemäss Art. 276 ZGB handelt es sich bei den Kosten für den Kindesschutz um
Unterhaltskosten, welche grundsätzlich von den Eltern zu tragen sind. Da die
Rekurrentin (wie ihre Eltern) bedürftig ist, ist eine ausnahmsweise Bestreitung dieser
Kosten aus ihren Mitteln (Art. 276 Abs. 3 ZGB) von vornherein ausgeschlossen.
Folgerichtig wird in der Literatur denn auch festgehalten, bei der Anordnung des
begleiteten Besuchsrechts müsse darüber entschieden werden, welcher Elternteil die
Kosten dafür zu tragen habe (FamKomm Scheidung / BÜCHLER/WIRZ, Art. 273 Rz 25).
Unabhängig davon, welcher Elternteil die Kosten der begleiteten Besuchstage tragen
muss, ist die Rekurrentin also nicht belastet. Es ist klar, dass sie als Kind die
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begleiteten Besuchstage nicht finanzieren muss. Demzufolge muss weder die Sozial-
noch die Opferhilfe dem Kind solche Kosten bevorschussen.
3.
Im Weiteren macht die Vorinstanz geltend, dass selbst wenn die Kosten der begleiteten
Besuchstage dem Sozialhilfekonto der Rekurrentin belastet worden wären, die
Rekurrentin aufgrund der neuen Gesetzeslage für diese nicht rückerstattungspflichtig
wäre. Die Rekurrentin ist demgegenüber der Ansicht, dass dies erst für die Kosten ab
1. Januar 2018 gelte.
3.1 Die aktuelle Fassung des Sozialhilfegesetzes des Kantons St. Gallen (SHG; sGS
381.1) ist per 1. Januar 2018 in Kraft getreten. Es hält fest, dass finanzielle Sozialhilfe
nicht zurückerstatten muss, wer für sich während der Minderjährigkeit oder bis zum
Abschluss einer in dieser Zeit begonnenen Ausbildung, längstens jedoch bis zur
Vollendung des 25. Altersjahres, finanzielle Sozialhilfe bezogen hat (Art. 18 Abs. 1bis lit.
c SHG). Im Teil "Schlussbestimmungen" unter dem Titel "Übergangsbestimmungen, a)
laufende Unterstützung" besagt Art. 56 Abs. 2 Satz 1 SHG, dass die Rückerstattung
sich nach neuem Recht richtet. Damit enthält das Gesetz selbst eine Regelung zur
Anwendung des neuen Rechts.
3.2 Soweit die Rekurrentin vorbringt, diese Gesetzesbestimmung gelte ausschliesslich
für die 1999 eingeführte Gesetzesänderung, kann ihr nicht gefolgt werden. Die
genannte Gesetzesbestimmung steht nicht unter einem Vorbehalt, welcher ihre
Anwendung auf die Neuerungen aus dem Jahr 1999 beschränkt. Seit 1999 wurde das
SHG mehrmals angepasst, ohne dass der Gesetzgeber eine neue
Übergangsbestimmung zur Rückerstattung eingefügt hätte. Der IV. Nachtrag zum
Sozialhilfegesetz, der am 1. Januar 2018 in Kraft trat, wurde sorgfältig ausgearbeitet. In
den Materialien dazu wird die Handhabung des intertemporalen Rechts bei der
Rückerstattung nicht thematisiert (siehe www.ratsinfo.sg.ch Geschäfte nach
Schlagwort Sozialhilfe IV. Nachtrag zum Sozialhilfegesetz). Dass sich diesbezüglich
offenbar keine Fragen stellten, indiziert, dass gemäss Gesetzgeber auch für diesen
Nachtrag die Regelung gemäss Art. 56 Abs. 2 SHG gelten soll.
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3.3 Die Gesetzesänderung betreffend Rückerstattung im SHG ist Folge des neuen
Kinderunterhaltsrechts, das auf Bundesebene am 20. März 2015 beschlossen und
bereits per 1. Januar 2017 in Kraft getreten ist. Der Bundesgesetzgeber wollte damit
die Situation eines alleinerziehenden Elternteils, der wegen fehlender Mankoteilung auf
Sozialhilfe angewiesen ist, verbessern (vgl. Botschaft und Entwurf der Regierung zum
IV. Nachtrag zum Sozialhilfegesetz vom 6. September 2016, S. 67 f.). Es entspricht
dem öffentlichen Interesse, dass die vom Bund vorgesehene Mankoteilung und die
damit verbundene Umsetzung in den kantonalen Sozialhilfegesetzgebungen so rasch
wie möglich zur Anwendung gelangen. Die Rückforderung von finanzieller Sozialhilfe,
die für den Zeitraum vor dem 1. Januar 2018 ausgerichtet, aber erst nach diesem
Zeitpunkt zurückgefordert wird, würde diesem Anliegen zuwiderlaufen. So empfiehlt
denn auch, wie die Vorinstanz richtig feststellt, das Amt für Soziales des Kantons St.
Gallen den Gemeinden, für den Rückerstattungsfall rückwirkend auf den 1. Januar
2017 sicherzustellen, dass die Budgets getrennt geführt werden und die entstandenen
Kosten den einzelnen Personen der Unterstützungseinheit zugeordnet werden können
(Kanton St. Gallen, Departement des Inneren, Amt für Soziales: Kindesunterhalt ab 1.
Januar 2017 – Änderungen aus sozialhilferechtlicher Sicht, Ziff. 2.3, abrufbar unter
https://www.sg.ch/home/soziales/sozialhilfe finanzielle Sozialhilfe).
3.4 Wenn versäumt wird, das Übergangsrecht ausdrücklich zu regeln, wird aufgrund
allgemeiner Prinzipien über das anwendbare Recht entschieden. In zeitlicher Hinsicht
sind diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden
oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (IMBODEN/RHINOW,
Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Basel 1986, Band I, Nr. 15, B I S. 95).
Selbst wenn also vorliegend Art. 56 Abs. 2 SHG nicht zur Anwendung käme, wäre
dasjenige Recht heranzuziehen, das zum Zeitpunkt einer allfälligen Rückforderung
Gültigkeit hätte. Rückforderungen gegenüber dem Kind waren in der bis 31. Dezember
2017 geltenden Fassung von Art. 18 Abs. 3 SHG bereits auf den Tatbestand der
Bereicherung aus einer Erbschaft beschränkt. Vorliegend trat bei der Rekurrentin bis
zum Inkrafttreten des neuen SHG offenkundig keine Bereicherung aus Erbschaft ein.
Auch unter diesem Blickwinkel käme also bei einer künftigen Prüfung einer allfälligen
Rückforderung der am 1. Januar 2018 in Kraft getretene Art. 18 Abs. 1bis zur
Anwendung, gemäss welchem die Rekurrentin nicht zur Rückerstattung verpflichtet ist.
4.
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4.1 Nach dem Gesagten hätte die Rekurrentin weder für die Kosten der begleiteten
Besuchstage aufzukommen, noch wäre sie zur Rückerstattung der ihr geleisteten
finanziellen Sozialhilfe verpflichtet. Es fehlt damit an einem durch die Opferhilfe zu
übernehmenden Schaden der Rekurrentin. Der Rekurs ist folglich abzuweisen.
4.2 Die Mutter der Rekurrentin ist im vorliegenden Verfahren lediglich ihre gesetzliche
Vertreterin, nicht jedoch Partei. Ob die Kosten für die begleiteten Besuchstage
tatsächlich ihr angelastet werden könnten, ist aus familienrechtlicher Sicht zweifelhaft,
kann aber wegen der fehlenden Parteistellung im vorliegenden Verfahren offenbleiben.
Am Rande sei angemerkt, dass in Bezug auf ihre Prozesslegitimation Art. 18 Abs. 1bis
lit. b SHG zu beachten wäre, wonach nicht zur Rückerstattung verpflichtet ist, wer sein
Kind betreut, für das kein Unterhaltsbeitrag festgelegt wurde, der den gebührenden
Unterhalt deckt.
5.
5.1 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 30 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Hilfe an Opfer von Straftraten [OHG; SR 312.5]).
5.2 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung der Rekurrentin aufzukommen. Der Rechtsvertreter der
Rekurrentin hat keine Kostennote eingereicht. Die Entschädigung ist auf Fr. 3'000.--
festzulegen und um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes des
Kantons St. Gallen [AnwG; sGS 963.70]). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter der
Rekurrentin mit Fr. 2'400.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Die Kosten für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung sind nicht zurückzuerstatten
(Art. 30 Abs. 3 OHG).