Decision ID: 61796424-4e20-43d5-ae3e-71adcf439d99
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 16. Februar 2009 bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an.
A.b Anlässlich einer arbeitsmedizinischen Abklärung hielt RAD-Arzt Dr. med. B._,
Facharzt für Arbeitsmedizin, am 7. Juli 2009 fest, im September 2008 habe sich die
Versicherte einer transvaginalen Hysterektomie bei gesehenem Karzinoma in situ des
Uterus unterziehen müssen. Intraoperativ sei es zur Komplikation mit Verletzung der
Harnblase gekommen, weshalb eine Erweiterung der Operation notwendig geworden
sei. Postoperativ sei es zur arteriellen Nachblutung, Sepsis und Lungenembolie
gekommen (vgl. auch Operationsberichte und Austrittbericht des Kantonsspitals St.
Gallen [KSSG], IV-act. 81-5 f., IV-act. 81-1 und IV-act. 81-7 f.). Im Januar 2009 habe
mit der Entfernung der Double-J-Katheter im Harnleiter das urologische bzw.
gynäkologische Problem abgeschlossen werden können. Bezüglich des Uterus-
Karzinoms zeige sich eine prinzipiell abgeschlossene Behandlung mit günstiger
Prognose. Im Zentrum der subjektiven Beschwerdeproblematik stünden ständig
vorhandene Schmerzen im Bereich des Bauchraumes und der linken Flanke. Der
medizinische Zustand sei noch instabil (IV-act. 22).
A.c Die Eingliederungsverantwortliche hatte im Assessmentprotokoll vom 3. Juli 2009
festgehalten, da sich die Versicherte momentan nicht arbeitsfähig fühle, seien aktuell
keine Eingliederungsmassnahmen möglich. Es stünden noch medizinische
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Abklärungen offen (IV-act. 24-1 ff). Dies teilte die IV-Stelle der Versicherten am
14. August 2009 mit (IV-act. 25).
A.d Am 3. August 2009 wurde die Versicherte durch den Vertrauensarzt des
Krankentaggeldversicherers untersucht. Dieser hielt fest, die Schmerzsymptomatik im
Bereiche der Lenden- und Halswirbelsäule lasse sich nicht objektivieren. Er schätzte
die Versicherte für leichte bis mittelschwere Arbeiten zu 100 % arbeitsfähig
(Fremdakten, Bericht von Dr. med. C._ vom 26. August 2009).
A.e Der RAD nahm am 19. Januar 2010 Stellung, eine somatisch begründete Zunahme
der Schmerzsituation sei nicht nachvollziehbar, da die körperliche Erkrankung als
geheilt zu betrachten sei. Eine psychiatrische fachärztliche Diagnose einer vergeblich
therapierten psychiatrischen Erkrankung liege nicht vor. Insofern sei eine 100 %ige
adaptierte Arbeitsfähigkeit „noch“ ausgewiesen (IV-act. 33).
A.f Mit Vorbescheid vom 19. Februar 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 38). Dagegen erhob die
Versicherte am 6./20. April 2010 Einwand (IV-act. 44, 48). Die am 26. März 2010 innert
gewährter Frist für die Begründung des Einwands (IV-act. 41) erlassene
rentenabweisende Verfügung (IV-act. 42) widerrief die IV-Stelle am 15. April 2010 (IV-
act. 47).
A.g Dr. med. D._, Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im Arztbericht vom
11./14. Oktober 2010 fest, sie behandle die Versicherte seit dem 7. Mai 2010. Die Ver
sicherte beklage sich über seit der Operation vorhandene massive Bauchschmerzen,
Unterleibsschmerzen, sehr schnelles Ermüden und Kraftlosigkeit. Es zeige sich seit der
Operation zunehmend eine depressive Symptomatik mit Niedergeschlagenheit,
Freudlosigkeit, Insuffizienzgefühlen sowie einem massiven sozialen Rückzug. Die
Versicherte mache einen sehr traurigen Eindruck, es bestehe keine
Schwingungsfähigkeit. Sie sei in sich gekehrt, affektiv niedergestimmt, freudlos,
perspektivenlos. Sie „grüble“ sehr viel und gehe nicht mehr alleine von zu Hause fort,
weil sie mehrmals ohnmächtig geworden sei. Es bestehe eine Anpassungsstörung mit
längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21). Aufgrund der immer noch bestehenden
depressiven Symptomatik könne die Versicherte keiner Arbeit nachgehen (IV-
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act. 56-1 f., 5). Im Verlaufsbericht vom 24. Januar 2011 berichtete Dr. D._ von einer
Besserung nach einer Änderung der antidepressiven Medikation und der Verordnung
eines Östrogenpflasters (IV-act. 59).
A.h Am 6./8. Juni 2012 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle durch die
Ärztliches Begutachtungsinstitut Basel GmbH (ABI) polydisziplinär
(allgemeininternistisch, psychiatrisch, rheumatologisch, gynäkologisch) begutachtet
(Gutachten vom 11. September 2012, IV-act. 94). Die Gutachter gelangten zur
Einschätzung, zusammenfassend könnten der Versicherten schwere sowie anhaltend
mittelschwere Tätigkeiten bleibend nicht mehr zugemutet werden. Demgegenüber
bestehe für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwer belastende Tätigkeiten
und somit auch für die von der Versicherten früher durchgeführten Tätigkeiten eine
uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100 % (IV-act. 94-21). Auf
Aufforderung der IV-Stelle (IV-act. 95 f.) hin fanden am 19. Dezember 2012 und am
22. Mai 2013 zusätzlich urologische, viszeralchirurgische und pneumologische
Untersuchungen statt. Im ergänzten Gesamtgutachten vom 25. November 2013
bestätigten alle Gutachter die Beurteilung im Gutachten vom 11. September 2012 (IV-
act. 108).
A.i Mit Vorbescheid vom 7. Februar 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 112). Dagegen erhob die
Versicherte am 4. März 2014 Einwand, das Gutachten sei aufgrund des seit den
Untersuchungen eingetretenen Zeitablaufs von eingeschränktem Beweiswert. Seit der
letzten Untersuchung in der ABI habe sich ihr Gesundheitszustand erheblich
verschlechtert (IV-act. 114).
A.j Dr. med. E._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bestätigte am 21. März 2014
gegenüber dem Rechtsvertreter, die Beschwerdeführerin sei seit 26. September 2012
in der Klinik F._ in regelmässiger ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer
Behandlung. Sie leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
leichte bis mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F33.1/11). Es
bestehe der Verdacht auf Persönlichkeitsänderung nach andauernder emotionaler
Belastung aufgrund der Urininkontinenz bzw. Scham- und Schuldgefühle und
ausgelöschter Sexualität im mittleren Alter (ICD-10: F62.0). Es könne von einer
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erheblichen Verschlechterung des psychischen Zustandes seit Juni 2012 ausgegangen
werden, welche die Arbeitsfähigkeit seit der Therapieaufnahme mindestens zu 50 %
einschränke (IV-act. 118-2). Im Arztbericht vom 28. April 2014 an die IV-Stelle führt
Dr. E._ aus, trotz der regelmässigen therapeutischen Massnahmen habe sich der
Zustand der Versicherten zusätzlich verschlechtert, wobei gegenwärtig sowohl die
depressive Symptomatik als auch die psychophysische Erschöpfung im Vordergrund
stünden. Die Versicherte sei durch anhaltende körperliche Müdigkeit, rasche geistige
Ermüdung, reduzierte Konzentrationsdauer, reduzierte geistige Flexibilität und
reduzierte allgemeine psychische Belastbarkeit in der bisherigen Tätigkeit
eingeschränkt und zu 50 % arbeitsunfähig (IV-act. 119). In einem weiteren Bericht vom
19. August 2014 an den Rechtsvertreter hielt Dr. E._ fest, es bestehe eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen
Symptomen (ICD-10: F33.11). Der Versicherten könne höchstens eine 50 %ige
Arbeitsfähigkeit im freien Wirtschaftsmarkt attestiert werden (IV-act. 130-4 f.).
A.k Mit Verfügung vom 5. September 2014 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab.
Gemäss dem Gutachten der ABI sei eine volle Arbeitsfähigkeit in einer körperlich
leichten bis intermittierend mittelschweren Tätigkeit ausgewiesen. Nach gängiger
Rechtsprechung vermöge eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen, sowie eine
Persönlichkeitsänderung keine rentenbegründende Einschränkung zu bewirken (IV-
act. 132).
B.
B.a A._ erhebt gegen die Verfügung vom 5. September 2014 am 9. Oktober 2014
Beschwerde. Sie beantragt, die angefochtene Verfügung vom 5. September 2014 sei
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben. Es seien ihr die gesetzlichen
Leistungen aus der Invalidenversicherung, jedoch mindestens eine halbe
Invalidenrente, auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung
und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Weiter ersucht die
Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege. Das ABI-
Gutachten sei (aufgrund seiner Entstehung) keine zuverlässige
Entscheidungsgrundlage (act. G 1).
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 12. Februar 2015 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Die beiden ABI-Gutachten seien ausführlich abgefasst
und deren Schlussfolgerungen zusammen mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung schienen
begründet. Die Beschwerdeführerin erhebe auch keine substantiierten Einwendungen
gegen die beiden ABI-Gutachten. Eine medizinische Administrativexpertise könne
durch die andere Ansicht eines behandelnden Arztes lediglich in Frage gestellt werden,
wenn dieser objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringe, die im Rahmen einer
Begutachtung unbekannt geblieben und geeignet seien, zu einer abweichenden
Beurteilung zu führen. Die Berichte von Dr. E._ enthielten keine solchen
Gesichtspunkte, weshalb ohne Abstriche auf das erste und das zweite ABI-Gutachten
abzustellen sei (act. G 9).
B.c Mit Entscheid vom 18. Februar 2015 heisst die Verfahrensleitung das Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und
unentgeltliche Rechtsverbeiständung) gut (act. G 10).
B.d In ihrer Replik vom 19. Juni 2015 macht die Beschwerdeführerin geltend, die ABI-
Gutachten hätten aufgrund formeller und materieller Mängel keinen oder nur
beschränkten Beweiswert. Die Überwindbarkeit der Beschwerden sei nach neuer
Rechtsprechung des Bundesgerichts in jedem Einzelfall zu prüfen und bei ihr nicht
gegeben. Es sei auf die Beurteilung von Dr. E._ abzustellen und ihr mindestens eine
halbe Rente der Invalidenversicherung auszurichten. Eventualiter werde im Lichte der
geänderten Praxis des Bundesgerichts die Begutachtung der Beschwerdeführerin
beantragt (act. G 18). Mit der Replik vom 19. Juni 2015 reicht die Beschwerdeführerin
einen weiteren Bericht von Dr. E._ vom 9. Dezember 2014 ein. Danach könne die
Beschwerdeführerin wegen einer mittelschweren Beeinträchtigung der
Konzentrationsdauer, rascher allgemeiner Ermüdbarkeit und vermehrtem
Erholungsbedarf, eingeschränkter geistiger Flexibilität aufgrund der formalen
Denkstörungen, Antriebsstörungen nach einem belastenden Lebensereignis und
verlangsamter Psychomotorik höchstens eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit attestiert
werden (act. G 18).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 20).

Erwägungen
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1.
1.1 Umstritten und zu prüfen ist die Beweiskraft des ABI-Gutachtens vom 11.
September 2012 (IV-act. 94)/25. November 2013 (IV-act. 108-1 ff.), auf das sich die
angefochtene Verfügung vom 5. September 2014 (IV-act. 132) in medizinischer
Hinsicht stützt.
1.2 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Im Sinne einer Richtlinie ist den im
Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227
E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb). Sofern ein Gutachten lege artis erstellt wurde,
besteht nur Anlass, dieses in Frage zu stellen und weitere Abklärungen zu treffen, wenn
die behandelnden Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, welche im
Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben und die geeignet sind, zu einer
abweichenden Beurteilung zu führen. Kein Grund dafür besteht, wenn die
behandelnden Ärzte zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig
geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2 mit Verweis).
2.
2.1 Der allgemeininternistische Gutachter hielt fest, aus seiner Sicht könnten lediglich
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Bei Zustand nach
Lungenembolie gebe die Beschwerdeführerin eine persistierende
Anstrengungsdyspnoe an. Die anlässlich der Untersuchung durchgeführte
Lungenfunktion könne mangels Kooperation nicht beurteilt werden. Eine restriktive
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Pneumopathie, welche im Kontext der stattgehabten Lungenembolie auftreten könne,
könne nicht definitiv ausgeschlossen werden. Aufgrund der angegebenen
Anstrengungsdyspnoe könnten der Beschwerdeführerin körperlich schwere und
anhaltend mittelschwere Tätigkeiten nicht mehr zugemutet werden (IV-act. 94-9). Der
rheumatologische Gutachter befand, klinisch seien sämtliche Spontanbewegungen
unauffällig. Die Untersuchung der Gelenke zeige keine Auffälligkeiten. Aus
rheumatologischer Sicht könne das Beschwerdebild nur deskriptiv als chronifiziertes
diffuses Schmerzsyndrom eingeordnet werden; es fänden sich keine Hinweise für eine
Erkrankung des Bewegungsapparates und auch keine Anhaltspunkte für eine
rheumatologische Systemaffektion. Funktionell lasse sich keine relevante
Einschränkung der physischen Belastbarkeit begründen (IV-act. 94-15). Bei der
Beurteilung des Hausarztes vom 11. Februar 2011, welcher der Beschwerdeführerin
eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert habe, handle es sich nicht um objektive Befunde;
es werde lediglich eine anamnestische Schilderung bzw. die subjektive Einschätzung
der Beschwerdeführerin angeführt. Aus rein rheumatologischer Sicht lägen keine
Befunde vor, welche eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen würden (IV-
act. 94-16). Die gynäkologische Expertin hielt fest, die von der Beschwerdeführerin
beklagten Beschwerden im Unterbauch seien schwierig zu objektivieren. Anhaltende
Unterbauchschmerzen nach Laparatomien träten erfahrungsgemäss selten auf. Auf
keinen Fall passend zu den abgelaufenen Operationen seien die gürtelförmigen
Ausstrahlungen in den Rücken sowie in die Hüfte vor allem links und ins Bein.
Insgesamt entstehe der Eindruck einer deutlich gesteigerten Schmerzempfindlichkeit.
Die angegebene Urgeinkontinenz sei eine sehr häufige Problematik in der
Postmenopause und sei aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin von
untergeordneter Bedeutung. Aufgrund der erhobenen gynäkologischen Anamnese und
der klinischen Befunde sei die Arbeitsfähigkeit für leichte und mittelschwere Tätigkeiten
nicht eingeschränkt. Die Beschwerdeführerin leide sehr unter den
Unterbauchbeschwerden und den rezidivierenden Vaginalinfekten, was auch ihre
psychische Integrität beeinträchtige. Aus diesem Grund wäre eine Fortsetzung der
Betreuung durch eine albanisch sprechende psychiatrische oder psychosomatische
Kollegin sehr wünschenswert (IV-act. 94-18 f.). Der urologische Gutachter verneinte
aufgrund der urologischen Problematik mit Urge- und Belastungsinkontinenz einen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Harnblasenentzündungen seien bei Frauen drei- bis
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viermal im Jahr zu tolerieren und führten zu einer vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit
für einige Tage. Für die Unterbauchschmerzen könne kein urologisches Korrelat
gefunden werden. Eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit bestehe aus urologischer
Einschätzung rückwirkend für ca. sechs Monate nach durchgeführter
Harnblasenrekonstruktion (IV-act. 108-3). Auch der viszeralchirurgische Gutachter
konnte das - auch in der Wahrnehmung der Beschwerdeführerin - offensichtlich
psychisch überlagerte lumbo-abdominale Schmerzsyndrom keiner organischen
Ursache zuschreiben. Bei der medianen Narbenhernie im Unterbauch handle es sich
um eine breitbasige Bauchwanddefizienz, welche für sich genommen keine
Schmerzursache darstelle. Eine körperlich leichte, allenfalls intermittierend
mittelschwere Tätigkeit sei uneingeschränkt zumutbar (IV-act. 108-5). Der
pneumologische Gutachter hielt fest, dass die aktuellen Untersuchungsbefunde eine
normale Lungenfunktion und ein unauffälliges Thoraxröntgen zeigten. Auch beim
Treppensteigen zeige sich keine Belastungshypoxämie. Die von der
Beschwerdeführerin geschilderten Atembeschwerden mit Dyspnoe bereits in Ruhe
könnten mit den erhobenen Befunden nicht erklärt werden und seien wahrscheinlich
auf eine Dekonditionierung zurückzuführen (IV-act. 108-7). Gesamtbeurteilend hielten
die Gutachter fest, dass für körperlich schwere und anhaltend mittelschwere
Tätigkeiten bleibend eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe. Für körperlich leichte bis
intermittierend mittelschwere Tätigkeiten bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit
von 100 % (IV-act. 108-7). Die Beurteilungen der somatischen Fachdisziplinen beruhen
auf umfassenden Untersuchungen, berücksichtigen die geschilderten Beschwerden
und sind schlüssig und nachvollziehbar. Der Umstand, dass die urologische, die
viszeralchirurgische und die pneumologische Abklärungen nachträglich vorgenommen
wurden, vermag den Beweiswert nicht grundsätzlich zu schmälern, auch wenn
einzuräumen ist, dass dieser Ablauf der Begutachtung einer gesamthaften Beurteilung
nicht förderlich ist (vgl. nachfolgend E. 3.2. a. E.).
3.
3.1 Näher einzugehen ist auf die von der Beschwerdeführerin konkret gerügte
psychiatrische Begutachtung. Der psychiatrische Gutachter untersuchte die
Beschwerdeführerin am 6. Juni 2012. Sie gab dabei an, sie könne wegen der
Schmerzen und wegen allgemeiner Schwäche im Körper nicht mehr arbeiten. Unter
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den Befunden notierte der Gutachter, die Aufmerksamkeit, die Auffassung und das
Gedächtnis seien nicht beeinträchtigt. Diagnostisch bestehe eine leichte depressive
Episode mit leichten depressiven Verstimmungen, erhöhter Ermüdbarkeit,
Antriebsstörung und Schlafstörungen sowie eine Schmerzverarbeitungsstörung mit
ausgeweiteten Schmerzen, deren Ausmass sich durch die somatischen Befunde nicht
hinreichend objektivieren lasse. Es bestehe ein Migrationshintergrund. Nach einer
laparoskopischen Hysterektomie sei die Beschwerdeführerin arbeitsunfähig geblieben.
Ansonsten bestünden keine lebensgeschichtlich schweren Belastungen mit einer
deutlichen Relevanz für die Gesundheitsentwicklung. Die finanzielle Situation sei aber
angespannt, indem die Beschwerdeführerin vom Ehemann abhängig sei. Der Verlauf
sei chronisch und werde durch eine deutlich ausgeprägte Krankheitsüberzeugung
wesentlich mitbedingt. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit durch die
leichte depressive Störung ohne das Vorliegen einer deutlichen psychiatrischen
Komorbidität nicht eingeschränkt. Es bestehe eine psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung, jedoch sei auf der Medikamentenliste kein Antidepressivum aufgeführt.
Die Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin, nicht mehr arbeiten zu können, lasse
sich mit den psychiatrischen Befunden nicht objektivieren. Die Beschwerdeführerin
habe trotz subjektiv starker Beschwerden angegeben, über normale Kontakte zu
verfügen, jeweils mit dem Bus in die Heimat zu reisen und im Untersuchungsgespräch
ohne Zeichen einer akuten Schmerzwahrnehmung sitzen können (IV-act. 94-11 f.).
Aufgrund der Untersuchung könnten die Diagnosen einer leichten depressiven Episode
und einer Schmerzverarbeitungsstörung gemäss ICD-10-Diagnosekriterien gestellt
werden. Auch unter Berücksichtigung des positiven Leistungsprofils und der täglichen
Aktivitäten, die der Beschwerdeführerin möglich seien, lasse sich aus psychiatrischer
Sicht eine Arbeitsunfähigkeit nicht begründen. Bei der von Dr. D._ diagnostizierten
Anpassungsstörung handle es sich um eine leichte psychische Störung nach ICD-10,
die nicht das Ausmass einer depressiven Episode annehme und keine
Arbeitsunfähigkeit begründen könne (IV-act. 94-13).
3.2 Die Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, auf das psychiatrische
Teilgutachten könne nicht abgestellt werden. Sie beruft sich dabei auf Berichte des
behandelnden Dr. E._. Dieser hielt am 21. März 2014 fest, die Beschwerdeführerin
sei in der Klinik F._ seit 26. September 2012 in regelmässiger ambulanter
psychiatrischer-psychotherapeutischer Behandlung. Es sei von einer erheblichen
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Verschlechterung des psychischen Zustands der Beschwerdeführerin (erst) seit Juni
2012 auszugehen. Die Arbeitsfähigkeit sei seit der Therapieaufnahme mindestens zu
50 % eingeschränkt (IV-act. 118-2). Auch der Arztbericht vom 28. April 2014 (IV 119)
und die Stellungnahmen vom 19. August 2014 (IV-act. 130-4 f.) und vom 9. Dezember
2014 (act. G 18.1) enthalten keine weiter zurückreichende Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit. Dr. E._ stellt die Beurteilung durch den psychiatrischen Gutachter
weder hinsichtlich der Befunde noch hinsichtlich der Schätzung der Arbeitsfähigkeit in
Frage. Damit sind seine Ausführungen nicht geeignet, die Beweiskraft des
psychiatrischen ABI-Teilgutachtens in Zweifel zu ziehen. Auch das psychiatrische ABI-
Gutachten erscheint schlüssig und nachvollziehbar und berücksichtigt die
angegebenen Beschwerden und die vorhandenen Akten. Auf die beiden ABI-Gutachten
ist daher insgesamt abzustellen. Die Gutachter kamen zum Schluss, für körperlich
leichte bis intermittierend mittelschwer belastende Tätigkeiten und somit auch für die
von der Beschwerdeführerin früher durchgeführten Tätigkeiten bestehe ab Februar
2009 eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 94-21). Gemäss urologischem Teilgutachten
bestand indes eine volle Arbeitsfähigkeit erst ca. sechs Monate nach durchgeführter
Harnblasenrekonstruktion (IV-act. 108-3). Diese fand am 15. September 2008 statt,
womit aus urologischer Sicht erst ab 1. April 2009 von einer vollen Arbeitsfähigkeit für
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten auszugehen ist.
4.
4.1 Es bleibt zu prüfen, ob die geltend gemachte Verschlechterung des psychischen
Zustandes nach der Begutachtung bis zum für die richterliche Überprüfung
massgeblichen Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom
5. September 2014 (BGE 131 V 243 E. 2.1; BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis) einen
invalidenversicherungsrechtlichen Anspruch zu begründen vermag. Dabei gilt der
Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und Sozialversicherungsgericht haben von sich
aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu
sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a). Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren
Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden
ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
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Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a).
Weitere Abklärungen erübrigen sich mithin nur, falls die geltend gemachte
Verschlechterung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann.
4.2 Der psychiatrische Gutachter befand, die affektive Modulation sei eingeschränkt
und die Stimmung leicht depressiv gewesen. Hinweise auf manifeste Ängste mit
vegetativen Symptomen und Zwänge hätten nicht bestanden. Aufmerksamkeit,
Auffassung und Gedächtnis seien nicht beeinträchtigt gewesen. Hinweise auf eine
deutlich verminderte Affektsteuerung oder Impulskontrollstörung hätten nicht
bestanden. Der Antrieb sei eher herabgesetzt gewesen bei erhöhter Ermüdbarkeit (IV-
act. 94-11). Demgegenüber erhob Dr. E._ im Befund, das formale Denken sei zwar
geordnet, aber verlangsamt und stark eingeengt auf ihre Ängste und Befürchtungen. Im
Affekt sei die Beschwerdeführerin deprimiert, die affektive Schwingungsfähigkeit sei
reduziert, affektiv sei sie modulierbar (IV-act. 119-3, Arztbericht vom 28. April 2014).
Am 19. August 2014 berichtete er, im Affekt habe die Beschwerdeführerin deprimiert
und ängstlich gewirkt. Die affektive Schwingungsfähigkeit sei reduziert gewesen.
Affektiv sei die Beschwerdeführerin modulierbar gewesen, ein affektiver Rapport sei
knapp herstellbar gewesen. Im Antrieb sei sie vermindert und motorisch wenig lebhaft
gewesen (IV-act. 130-5). Am 9. Dezember 2014 - lediglich rund drei Monate nach
Erlass der angefochtenen Verfügung - hielt Dr. E._ eine eingeschränkte
Konzentrationsdauer, eingeschränkte geistige Flexibilität aufgrund formaler
Denkstörungen, Antriebsstörungen und eine verlangsamte Psychomotorik fest
(act. G 18.1). In allen Berichten schloss er aufgrund der Verschlechterung auf eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 %. Bei dieser Ausgangslage kann nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass die geltend gemachte
Verschlechterung tatsächlich eingetreten ist und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
angenommen werden, es handle sich bloss um eine abweichende Beurteilung eines
gleich gebliebenen medizinischen Sachverhalts. Der medizinische Sachverhalt erweist
sich daher aus psychiatrischer Sicht ab Juni 2012 als unzureichend abgeklärt. Es ist
eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung vorzunehmen, welche zu den Berichten von
Dr. E._ Stellung nimmt.
5.
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5.1 Zusammenfassend ist gemäss ABI-Gutachten in der bisherigen und in adaptierten
Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 15. September 2008 bis 1. April
2009 ausgewiesen. Das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b des
Invalidenversicherungsgesetzes (IVG; SR 831.20) war mithin im Zeitpunkt der
Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit noch nicht bestanden. Aufgrund der von
Dr. E._ seit 26. September 2012 attestierten Arbeitsunfähigkeit von 50 % kann ein
allfälliger Rentenanspruch frühestens im September 2013 entstanden sein. Die
Beschwerde ist demnach insoweit teilweise gutzuheissen, als die angefochtene
Verfügung aufzuheben und die Sache zu weiterer medizinischer Abklärung und zur
Prüfung eines Rentenanspruchs ab September 2013 an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen ist. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6). Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat deshalb
die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
5.3
5.3.1 Ist das Quantitative einer Leistung streitig, rechtfertigt eine "Überklagung" eine
Reduktion der Parteientschädigung nur, wenn das Rechtsbegehren den
Prozessaufwand beeinflusst hat. Bei Streitigkeiten um die Höhe einer Invalidenrente
darf die Parteientschädigung daher nicht allein deswegen reduziert werden, weil der
Beschwerde führenden Person nicht die beantragte ganze oder höhere Rente, sondern
eine geringere Teilrente zugesprochen wird (SZS 2011 S. 74, 9C_580/2010 E. 4.1; vgl.
auch Urteil 8C_471/2007 vom 1. Februar 2008 E. 3.2 mit Hinweisen). Indessen kommt
die Zusprechung einer vollen Parteientschädigung bei teilweisem Obsiegen nur in
Frage, wenn die Beschwerde führende Person im Grundsatz obsiegt und lediglich im
Masslichen (teilweise) unterliegt (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2016,
9C_288/2015, E. 4.2). Vorliegend ist in diesem Sinn von einem grundsätzlichen
Obsiegen auszugehen, weil von der Rückweisung ein Zeitraum von rund zwei Jahren
bis
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betroffen ist, nämlich vom Beginn der Behandlung durch Dr. E._ im September 2012
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 5. September 2014.
5.3.2 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im vorliegenden
Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen. Bei diesem Ergebnis erübrigt sich die Festsetzung
einer Entschädigung aus der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.