Decision ID: 2b7cf540-4f66-44d0-a0c0-bfb0b5f23477
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1975 geborene
X._
war
nach einer Ausbildung zur Pflegeassis
tentin bei verschiedenen Arbeitgebern in Teilzeitpensen tätig, dies zuletzt von Mai 2004 bis November 2007 in einem 40 %-Pensum für die Y._ und zudem von August 2001 bis April 2007 für den Z._. Am 29. Oktober 2007 meldete sie sich unter Hinweis auf einen Hyperpa
rathyreoidismus, eine arterielle Hypertonie und psychische Beschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/5/2, Urk. 6/6, Urk. 6/9 und Urk. 6/14). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen, liess die Versicherte insbesondere durch die A._
bidisziplinär
(rheumato
logisch/psychiatrisch) begutachten (Expertise vom 10. Februar 2010; Urk. 6/49) und veranlasste eine Abklärung im Haushalt (Bericht vom 30. Mai 2008; Urk. 6/27). Mit Verfügung vom 26. Juli 2010 (Urk. 6/68; vgl. auch Urk. 6/66) sprach sie ihr gestützt auf eine 72%ige Einschränkung im Erwerbsbereich (hypo
thetische Erwerbstätigkeit 60 %, Teilinvaliditätsgrad 43.2 %) und eine 5.75%ige Einschränkung im Haushalt (Anteil 40 %; Teilinvaliditätsgrad 2.3 %) bei einem Gesamtinvaliditätsgrad von 45 % ab 1. Oktober 2007 eine Viertelsrente zu.
Im Juli 2014 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen ein Revisionsverfahren ein (vgl. Urk. 6/74). Sie tätigte erneut medizinische Abklärungen, liess die Versicherte durch Dr. med. Dr. sc. nat. ETH B._, Innere Medizin FMH spez. Rheumaer
krankungen, und Prof. Dr. med. habil. C._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH und Neurologie FMH,
bidisziplinär
begutachten (Expertisen
vom
7.
Novem
ber und 2
8.
Dezember 2015;
Urk.
6/116 und
Urk.
6/118) und veranlasste eine Ab
klärung im Haushalt (Bericht vom 1
8.
Januar 2016;
Urk. 6/120). Nach durchge
führtem Vorbescheidverfahren (Urk. 6/125,
Urk.
6/132 und
Urk.
6/136) hob sie die Rente mit Verfügung vom
8.
November 2016 bei einer 0%igen Einschränkung im Erwerbsbereich (hypothetische Erwerbstätigkeit neu
100 %) und einem Ge
samtinvaliditätsgrad von 0 % auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgen
den Monats auf (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 9. Dezember 2016 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung vom 8. November 2016 sei aufzuheben und es sei ihr ab September 2014 eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese neu über den Rentenanspruch ent
scheide. Am 30. Januar 2017 (Urk. 5) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Am 25. Oktober 2017 (Urk. 9) und am 16. März 2018 (Urk. 12) reichte die Beschwerdeführerin weitere Berichte (Urk. 10 und Urk. 13) ein, wovon der Beschwerdegegnerin Kenntnis gegeben wurde (Urk. 11 und Urk. 14).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
säch
lichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Ren
tenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer we
sentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Ge
sundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer an
spruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräf
tige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom
8.
November 2016 (Urk. 2) damit, dass sich der psychische Zustand seit der Rentenzusprache verändert habe. Ebenso habe sich die Qualifikation ge
ändert. Ein Revisionsgrund sei damit ausgewiesen. Die Therapie des psychischen Leidens sei nicht ausgeschöpft und es seien zahlreiche Ressourcen vorhanden, weshalb von keinem invalidisierenden Gesundheitsschaden ausgegangen werden könne. Aus rheumatologischer Sicht sei sie in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig. Es bestehe ein IV-Grad von 0
%
, weshalb die Rente aufzuhe
ben sei (S. 2-4).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), ihr sei bei einer Einschränkung im Erwerbsbereich von 72
%
(hypothetische Er
werbstätigkeit von 60
%
) und einer Einschränkung von 5.75
%
im Haushalt (An
teil 40
%
) eine Viertelsrente zugesprochen worden. Im Revisionsverfahren sei festgestellt worden, dass sie bei guter Gesundheit zu 100
%
erwerbstätig wäre. Dies ergebe bei unveränderter medizinischer Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ei
nen IV-Grad von 72
%
und damit Anspruch auf eine ganze Rente (S. 2). Eine revisionstaugliche Veränderung sei nicht ausgewiesen. Sie sei aus psychischen Gründen zu 80
%
arbeitsunfähig, im Gutachten werde keine Veränderung der diesbezüglichen Beschwerden festgehalten. Dass sie die psychiatrisch-therapeuti
schen Massnahmen nicht ausschöpfe, treffe zudem nicht zu. Der somatische Zu
stand sei unverändert, es bestehe weiterhin eine 20%ige Leistungsminderung. Wäre auf das Gutachten abzustellen, bestehe immerhin Anspruch auf eine Drei
viertelsrente (S. 3-5).
3.
3.1
Dr.
med.
D._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und
Dr.
med.
E._
, Chefarzt, sowie
Dr.
med.
F._
, Oberarzt Rheumatologie, von der
A._
, stell
ten in ihrem der ursprünglichen Rentenzusprache zugrundeliegenden Gutachten vom 1
0.
Februar 2010 (
Urk.
6/49) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 18):
-
Mittelgradig depressive Episode mit somatischem Syndrom
-
Episodisch paroxysmale Angst (Panikstörung)
-
Osteitis fibrosa cystica generalisata
-
bei familiärem primärem Hyperparathyreoidismus
-
Erstmanifestation 1998 mit multiplen Knochentumoren und pathologischen Frakturen
-
Status nach Adenomex
s
tirpation linke untere Nebenschilddrüse am
6.
April 1998
-
Status nach Operation eines Oberkiefertumors rechts 1
1.
Dezember 1998 (zemento-ossifizierendes Fibrom)
-
erneute Hyperkalziämie und multiple Knochentumore 2006
-
Status nach totaler (Rest-)Parathyreoidektomie unten und oben rechts sowie oben links am 1
1.
Januar 2007
-
postoperative Hypokalzämie, therapiert mit Calcitriol
-
Status nach Operation eines Unterkiefertumors rechts
8.
Juni 2007 (ze
mento-ossifizierendes Fibrom)
-
Status nach Kieferoperation am 3
0.
Oktober 2008 mit Augmentation des Oberkiefers rechts mit xenogenem Knochenersatzmaterial (Bio-Oss) und Im
plantat in Unterkieferregion 47
-
Periarthropathia humeroscapularis rechts, wahrscheinlich multifaktoriell
-
beginnende AC-Gelenksarthrose
-
minime Ansatzverkalkung Supraspinatus (Röntgen 1
8.
Juni 2009)
-
Status nach konservativer Therapie einer pathologischen Clavikulafraktur rechts bei Diagnose einer Osteitis fibrosa cystica generalisata am 1
2.
März 1998
Zudem hielten sie folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 18):
-
plantarer Fersensporn beidseits
-
Status nach Fasciitis plantaris 03/2009
Weiter stellten sie folgende Aktendiagnosen (S. 19):
-
Arterielle Hypertonie (Erstdiagnose 2002)
-
Primäre Hyperthyreose (Erstdiagnose 03/2007), euthyreot
-
Status nach Angina tonsillaris 12/2008 und 04/2009
-
Status nach Cholezystektomie (10/2005)
-
Status nach Curettage 1
3.
Dezember 2007
-
Status nach Appendektomie 1986
-
Status nach Tonsillektomie 1995
Dazu führten sie aus, aufgrund der führenden psychiatrischen Diagnosen sei die Arbeitsfähigkeit derzeit praktisch aufgehoben und es bestehe eine Einschränkung von 80
%
. Aus somatischer Sicht liege wegen verschiedenen medizinischen Kom
plikationen und Beschwerden im Verlaufe der Jahre und nunmehr mehrjähriger Arbeitsabstinenz eine gewisse Dekonditionierung vor, welche vorübergehend zu einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit führe. Es werde von einer 20%igen Leistungseinschränkung bis zur Rekonditionierung in ungefähr sechs bis zwölf Monaten ausgegangen. Die Einschränkung bestehe wegen einer vermehrten Pau
senbedürftigkeit. Aufgrund der Periarthropathia könne sie aktuell mit dem linken Arm keine Gewichte über 5 kg heben und mit der rechten Hand keine Tätigkeiten über Schulterhöhe ausführen. Diese Einschränkungen seien jedoch nach entspre
chender Abklärung und gezielter Therapie reversibel und würden aus rheumato
logischer Sicht längerfristig nicht zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen (S. 19).
3.2
Im im vorliegenden Revisionsverfahren eingeholten Gutachten vom
7.
November und 2
8.
Dezember 2015 (Urk. 6/116 und
Urk.
6/118) stellten
Dr. B._
und Prof.
Dr.
habil.
C._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (
Urk.
6/116 S. 67 und
Urk.
6/118
/1 und Urk. 6/118/25
):
-
chronifizierte rezidivierende depressive Störung; gegenwärtig leicht bis mittel
gradig
-
verminderte Belastbarkeit und Beschwerden der HWS bei
-
kleiner mediolateraler Diskushernie C5/C6 links ohne Spinalkanalstenose und ohne Neurokompression mit geringer Facettengelenksarthrose C5/C6
-
und geringer bildgebender Grössenzunahme der Diskushernie C5/C6 MRI 08/2014 gegenüber MRI 06/2010
-
ohne radikuläre Zeichen (neurologische Abklärung 11/2015)
-
verminderte Belastbarkeit und Beschwerden der Fersen bei
-
kleinen plantaren Fersenspornen beidseits mit deutlicher Fasciitis plantaris beidseits ohne Kompressions-Neuropathie mit
-
normalen elektrophysiologischen Befunden (09/2014) und
-
spontaner Grössenabnahme der Fersensporne MRI 09/2014 gegenüber Röntgen 02/2009
Zudem hielten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
6/116 S. 67 und
Urk.
6/118 S. 23):
-
Verdacht auf episodische paroxysmale agoraphobische Störung mit Panik
attacken
-
Psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Krankheiten (Schmerzverarbeitungsstörung)
-
Probleme in Verbindung mit ökonomischen Faktoren
-
sonstige belastende Lebensumstände, die Familie und Haushalt negativ beein
flussen (Krankheit des Sohnes)
-
ausgedehnte chronische Schmerzen
-
Adipositas Grad I (BMI 30.1 kg/m
2
)
-
Carpaltunnel-Syndrom rechts mehr als links (Erstdiagnose 11/2015)
-
Arterielle Hypertonie (Erstdiagnose 01/2007) mit
-
medikamentöser Therapie und
-
Mikroalbuminämie (Erstdiagnose 07/2014)
-
Familiärer primärer Hyperparathyreoidismus
-
mindestens 7 Familienangehörige betroffen
-
HPT-JT/HRPT-2-Keimbahnmutation
-
Status nach totaler Parathyreoidektomie
-
6.
April 1998: Adenomexstirpation unten links und
-
1
1.
Januar 2007: Adenomexstirpation oben links sowie rechts oben und unten
-
postoperativ Hypokalzämie, therapiert mit Calcitriol
-
Status nach multiplen braunen Knochentumoren, unter anderem grosse Kallusbildung bei Status nach braunem Tumor mit
-
Fraktur der Clavikula rechts am 1
2.
März 1998 mit konservativer Thera
pie
-
Status nach mehreren Operationen am Unterkiefer rechts
-
8.
Juni 2007: Operation eines zemento-ossifizierenden Fibroms
-
3
0.
Oktober 2008: Augmentation des Oberkiefers mit xenogenem Knochen
ersatz-Material und Zahnimplantat
-
2
4.
Juni 2009: Knochenaufbau
-
2
0.
Januar 2010: Zahnimplantat
-
Status nach Operation am Oberkiefer rechts am 1
1.
Dezember 1998 wegen ei
nes zemento-ossifizierenden Fibroms und Knochenaufbau am 2
4.
Juni 2009
-
Primäre Hyperthyreose (Erstdiagnose 03/2007) mit spontaner Regredienz
Dazu führten sie aus, aus rheumatologischer Sicht beständen bei der Beschwer
deführerin strukturelle Befunde im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) und beider Fersen. Die Befunde im Bereich der HWS seien nicht gravierend. Es bestehe eine kleine mediolaterale Diskushernie C5/C6 links, die 08/2014 gegenüber 06/2010 ein wenig grösser geworden sei. Eine Spinalkanalstenose oder gar eine Neuro
kompression seien bildgebend 08/2014 nicht sichtbar. Radikuläre Ausfälle seien nicht vorhanden. Da die Diskushernie C5/C6 mediolateral links liege, könnten damit höchstens - wenn überhaupt - linksseitige Beschwerden erklärt werden, jedoch nicht Beschwerden auf der rechten Seite des Nackens, wie von ihr ange
geben. Die Fersensporne beidseits seien 09/2014 gegenüber 02/2009 bereits klei
ner geworden. Es bestehe allerdings beidseits eine deutliche Fasciitis plantaris, wie die MRI-Untersuchungen beider oberen Sprunggelenke (09/2014) zeigen wür
den. Es sei zu erwarten, dass diese bessern werde, sodass sie nur vorübergehend eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. Sie sei in ihrer angestammten Tätigkeit als Staff-Front-Office in einem Kino oder als Tagesmutter zu 100
%
arbeitsfähig. Dies ebenso in einer angepassten Tätigkeit mit Lasten hantieren bis zu 12.5 kg. Wegen der plantaren Fasciitis beidseits solle sie nach zwei Stunden gehend/stehender Tätigkeit mindestens eine halbe Stunde lang sitzend arbeiten können. In solchen Tätigkeiten habe nie eine andauernde Arbeitsunfähigkeit be
standen. Eine besonders HWS-belastende Tätigkeit könne sie seit 06/2010 nicht mehr ausüben, damals sei die Diagnose einer kleinen Diskushernie C5/C6 gestellt worden (Urk. 6/116 S. 76 und 82).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe ein seit 2007 weitgehend unveränderter Ge
sundheitszustand. Allerdings sei bemerkenswert, dass die Beschwerdeführerin mit Rentengewährung die psychiatrische Therapie eingestellt und diese erst im Rah
men der angekündigten Rentenrevision wieder
aufgenommen habe. Selbst unter den von ihr geschilderten psychischen Belastungen vor drei beziehungsweise zwei Jahren habe sie offenbar keinen entsprechenden Leidensdruck gehabt, der sie zu einer Wiederaufnahme einer psychiatrischen Behandlung veranlasst hätte. Der Gesundheitsschaden sei aus psychiatrisch-gutachterlicher Sicht als mäs
siggradig einzustufen. Trotz vordergründig unverändertem psychopathologi
schem Bild könne die hohe Arbeitsunfähigkeitseinschätzung des Vorgutachters nicht geteilt werden. Es werde eher von einem mässiggradigen Gesundheitsscha
den ausgegangen. Die Überschätzung mit 80%iger Arbeitsunfähigkeit beruhe wohl darauf, dass die erheblichen auf das psychopathologische Bild einwirkenden psychosozialen Belastungsfaktoren nicht von der Arbeitsunfähigkeit abgezogen worden seien. Dies gelte insbesondere für die Einschätzung durch den behandeln
den Psychiater. Die krankheitsbestimmten Fähigkeitsdefizite würden zwar über
wiegen, die Folgen multipler psychosozialer Probleme aber dennoch sehr auf dem psychopathologischen Bild lasten (
Urk.
6/118/22-24). Seit der Rentenzusprache sei der psychische Gesundheitszustand unverändert.
Es handle sich nachfolgend um eine veränderte Einschätzung eines im Wesentlichen unveränderten Zu
standsbildes.
Es werde in jeglicher Tätigkeit von einer 60%igen Arbeitsunfähig
keit ausgegangen. Psychosoziale Einflüsse seien mit einem Abzug von 20
%
ge
wertet worden. Es sei davon auszugehen, dass das Störungsbild bei einer inten
sivierten psychiatrischen Behandlung besserungsfähig sei (
Urk.
6/118/26).
Aus bidisziplinärer Sicht bestehe in der angestammten und in angepassten Tätig
keiten eine Arbeitsunfähigkeit von 60
%
. Es werde von einem unveränderten Grad der Arbeitsfähigkeit gegenüber der letzten Revision ausgegangen. Aller
dings bestehe eine veränderte Einschätzung des psychischen Störungsbildes, da sich unter anderem die psychosozialen Belastungsfaktoren erhöht hätten und auf das psychopathologische Zustandsbild mit einwirken würden (
Urk.
6/118/1).
4.
Im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache (Vergleichszeitpunkt) wurde die Beschwerdeführerin als zu 60
%
im Erwerbsbereich und zu 40
%
im Haushalt tätig qualifiziert. Im Rahmen des vorliegenden Revisionsverfahrens wurde sie als im Gesundheitsfall neu zu 100
%
Erwerbstätige eingestuft (vgl. dazu Bericht über die Abklärung im Haushalt vom 1
8.
Januar 2016; Urk. 6/120). Die Qualifikation als Vollerwerbstätige ist
gestützt auf die entsprechende Erklärung der Beschwer
deführerin anlässlich der Haushaltabklärung (Urk. 6/120/4)
nachvollziehbar und zwischen den Parteien unbestritten.
Da die Änderung der Qualifikation einen Revisionsgrund darstellt (Urteil des Bun
desgerichts 9C_915/2012 vom 1
5.
Mai 2013 E. 2), hat – unabhängig davon, ob es zusätzlich auch zu einer Veränderung des Gesundheitszustandes gekommen ist – eine umfassende Neuüberprüfung des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin zu erfolgen (BGE 141 V 9 E. 2.3). Bei der Qualifikation als neu zu 100
%
Erwerbs
tätige verstösst eine allfällige Rentenherabsetzung beziehungsweise -aufhebung nicht gegen die EMRK. Denn dabei besteht keine Konstellation mit ähnlicher Aus
gangslage wie im Falle Di Trizio, welchem ein Statuswechsel von „vollerwerbstä
tig“ zu „teilerwerbstätig mit Aufgabenbereich“ zu Grunde lag. Auch ergeben sich bei einer neu 100%igen Erwerbstätigkeit keine
Erschwernisse bezüglich Verein
barkeit von Familienleben und Wahrnehmung beruflicher Interessen. Ebenso we
nig wirken hier die für die gemischte Methode typischen nachteiligen Folgen, die nunmehr mit der per
1.
Januar 2018 in Kraft getretenen Änderung von
Art.
27 und 27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beseitigt werden sollen
(BGE 143 I 50
E. 4.1-2
, 143 I 60
E. 3.3.4
und 144 I 28
E. 4.4
).
5.
5.1
Das bidisziplinäre Gutachten von
Dr. B._
und Prof.
Dr.
habil.
C._
vom
7.
November und 2
8.
Dezember 2015 (E. 3.2 hievor) beruht auf den erforderlichen rheumatologischen und psychiatrischen Untersuchungen, ist für die streitigen Be
lange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorakten erstellt. Die Gutachter legten die medizinischen Zusam
menhänge einleuchtend dar, beurteilten die medizinische Situation überzeugend und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten der Be
schwerdeführerin auseinander. Sie zeigten auf, dass strukturelle Befunde im Be
reich der HWS und beider Fersen beständen, welche jedoch nicht gravierend be
ziehungsweise wohl lediglich vorübergehend seien. Sie begründeten einen aus psychiatrisch-gutachterlicher Sicht als mässiggradig einzustufenden Gesund
heitsschaden und hielten fest, es sei bemerkenswert, dass mit der Rentengewäh
rung die psychiatrische Therapie eingestellt und erst im Rahmen der angekündig
ten Rentenrevision wiederaufgenommen worden sei. Sie wiesen auf psychosozi
ale Belastungsfaktoren hin, welche bei der vorangegangenen Begutachtung nicht von der Arbeitsunfähigkeit abgezogen worden seien, aber ebenso darauf, dass die krankheitsbestimmten Fähigkeitsdefizite dennoch überwiegen würden. Sie gingen von einem unveränderten Grad der Arbeitsfähigkeit gegenüber der letzten Revi
sion aus, ebenso von einer Verstärkung der psychosozialen Belastungsfaktoren seither. Die Gutachter gelangten sodann zum ausführlich begründeten und nach
vollziehbaren Schluss, dass die Beschwerdeführerin sowohl in ihrer angestamm
ten Tätigkeit als Staff-Front-Office in einem Kino und Tagesmutter als auch in einer angepassten Tätigkeit mit Lasten hantieren bis zu 12.5 kg und mindestens halbstündiger Sitzgelegenheit nach jeweils zwei Stunden gehender/stehender Tä
tigkeit zu 40
%
arbeitsfähig ist. Das Gutachten entspricht damit den rechtspre
chungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entschei
dungsgrundlage (vgl. E. 1.4 hievor). Dies wird von den Parteien denn auch grund
sätzlich nicht bestritten.
Die Beschwerdeführerin wies lediglich darauf hin, dass sich ihr Gesundheitszu
stand nicht verändert habe, doch ist dies bei Vorliegen eines Revisionsgrundes aufgrund einer Statusänderung nicht von Relevanz. Zudem bestritt sie eine Zu
nahme der psychosozialen Belastungsfaktoren seit der ursprünglichen Rentenzu
sprache (vgl.
Urk.
1 S. 3-5), was jedoch mit Blick auf die sie stark belastende Erkrankung ihres Sohnes im Jahre 2013 nicht nachvollziehbar ist. Des Weiteren mag es sein, dass aus dem Konkurs des Unternehmens ihres Ehemannes keine Schulden mehr bestehen, doch ist dieser weiterhin selbständig erwerbstätig, ge
mäss Auszug aus dem Handelsregister seit 2012 in einer Einzelunternehmung. Dies bedeutet eine unbeschränkte persönliche Haftung von ihm als Geschäftsin
haber. Aufgrund der Erfahrungen mit dem Konkurs ist die Angabe der Beschwer
deführerin nachvollziehbar, es bestehe die ständige Angst, dass man die Rech
nungen nicht mehr bezahlen könne. Ebenso ist nachvollziehbar, dass dies sie sehr belastet (vgl. Urk. 6/118/13). Diesbezüglich
e
falsche Annahmen des Gutachters sind nicht auszumachen.
Es ist damit von einer aus somatischer Sicht 100%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszugehen.
An dieser gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vermag die Beschei
nigung des Hausarztes Dr. G._ vom 14. Oktober 2014 nichts zu ändern, da er die von ihm auf etwa drei Stunden pro Tag festgelegte Arbeitsfähigkeit im Haushalt nicht mit Bestimmtheit festlegte, sondern sie lediglich auf etwa drei Stunden pro Tag schätzte. Ferner orientierte er sich in Bezug auf die Erwerbstä
tigkeit an der seitens der Beschwerdeführerin angegebenen Bürotätigkeit von 10
20 % (Urk. 6/82/5), was keiner medizinisch-theoretischen Zumutbarkeitsbe
urteilung entspricht. Der Endokrinologe Prof. Dr. med. H._, Leitender Arzt an der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie & klinische Ernährung, I._, nannte im Bericht vom 27. Oktober 2014 (Urk. 6/86) zur Hauptsa
che die gleichen Diagnosen wie später die Gutachter und hielt dazu zwar fest, die Beschwerdeführerin sei seit Jahren vermindert arbeitsfähig, wobei er auf in Folge der zahlreichen Erkrankungen aufgetretene schwere psychische Beeinträchtigung hinwies. Allerdings erwähnte er ausdrücklich, dass die von ihm behandelten Di
agnosen seiner Ansicht nach nicht zwangsläufig zu einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
führten. Damit übereinstimmend schrieb er den am 16. Novem
ber 2016 (Urk. 3) erneut genannten Diagnosen keine Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit zu, so dass sich letztlich keine Divergenzen zur gutachterlichen Schluss
folgerung ergeben.
Zu prüfen bleibt, wie sich die psychischen Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Prof.
Dr.
habil.
C._
ging in seinem Gutachten von einer diesbe
züglich 60%igen Einschränkung aus.
5.2
Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann die ärztliche Arbeitsfähig
keitsschätzung, zumindest ohne einlässliche Befassung mit den spezifischen nor
mativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, zwar den rechtlich ge
forderten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 2 ATSG) nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medizinisch-psychiatri
schen Sachverständigen abhängt. Die medizinische Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit ist aber eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2). Dabei gilt, dass die versicherte Person als grundsätzlich gesund anzusehen ist und sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen kann (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit haben sich sowohl die medizinischen Sachverständigen als auch die Or
gane der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall gemäss der entsprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsan
wender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten ha
ben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 6). Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechts
anwendern zu überprüfen, ob in concreto ausschliesslich funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbar
keitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (BGE 141 V 281 E. 5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG). Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprü
fung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden (BGE 141 V 281 E. 5.2.3; vgl. auch Andreas Traub, in: Ueli Kieser [Hrsg.], Sozial
versicherungsrechtstagung 2016, S. 142
Ziff.
3.3.3), sondern im Rahmen der Be
weiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizi
nisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen (BGE 141 V 281 E. 6; Ur
teil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.4). Entschei
dend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Stö
rung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus ju
ristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsun
fähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der mass
geblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmi
ges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht ge
leistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 143 V 418 E. 6;
vgl. zur Publikation in der Amtlichen Sammlung bestimm
tes Urteil des Bundesgerichts 8C_409/2017 vom 21. März 2018 E. 4.3).
V
on einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähi
gkeit kann damit aus rechtlicher Sicht abgewichen werden, ohne dass ein
wie vorliegend grundsätz
lich beweiskräftiges
Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom 1. April 2015 E. 6.3).
5.3
5.3.1
Bei der Beschwerdeführerin wurde eine leichte bis mittelgradige chronifizierte rezidivierende depressive Störung diagnostiziert. Beeinträchtigungen der psychi
schen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, wel
cher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hin
dert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
5.3.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung
–
fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018
E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. zur Publikation in der Amtlichen Sammlung bestimmtes Urteil des Bundes
gerichts 8C_409/2017 vom 2
1.
März 2018 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komple
x „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich
entscheidend
ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.4
5.4.1
Was den K
omplex „Gesundheitsschädigung" respektive den Indikator
der „Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde“ angeht, ist festzuhalten, dass
nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Ausschluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung jedoch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen (
vorgenannter BGE 143 V 418
E. 5.2.2). Die Beschwerdeführerin leidet gemäss Prof.
Dr.
habil.
C._
an einer
leicht
en
bis mittelgradigen chronifizierten re
zidivierenden depressiven Störung
.
Insbesondere mit der Erkrankung ihres Soh
nes sowie mit den finanziellen Sorgen liegen jedoch psychosoziale Belastungs
faktoren vor (vgl. dazu E. 5.1 hievor), welche
rechtlich keine Invalidität zu be
gründen vermögen und gemäss dem Gutachter sehr auf dem psychopathologi
schen Bild lasten.
In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Indikator der diagnoserelevanten Befunde damit als höchstens mässiggradig aus
geprägt.
5.4.2
Bezüglich des Indikators
„Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resi
s
tenz“ hat sich der Gesundheitszustand seit der erstmaligen Rentenzusprache nicht verändert. Die Beschwerdeführerin befand sich jedoch während zwei
er
Jahre nicht in psychiatrischer Behandlung und nahm auch ihre Psychopharmaka nicht regelmässig ein (vgl.
Urk.
6/116/59 und 70 und
Urk.
13). Eine Behandlungsresis
tenz ist damit - entgegen der Ansicht ihres behandelnden Psychiaters (
Urk.
13) - nicht
ausgewiesen
. So ging auch
Prof. Dr. habil.
C._
davon aus, dass das Störungsbild bei einer intensivierten psychiatrischen Therapie besserungsfähig sei (E. 3.2 hievor).
Bei gutachterlich festgestellter 20%iger Arbeitsfähigkeit nahm die Beschwerde
führerin vorübergehend eine 20%ige Erwerbstätigkeit auf (vgl. Urk. 6/75/4 und Urk. 6/76), welche sie jedoch nach einem Jahr aufgrund ihrer Beschwerden wieder aufgab. Eingliederungsanamnestisch ist damit ein gewisser Leidensdruck ausge
wiesen. Von einer erheblichen Ausprägung der Symptomatik kann jedoch mit Blick auf die fehlende Behandlungsresistenz nicht gesprochen werden.
5.4.3
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be
deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressour
cen
hemmende Wirkung beizumessen ist (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 8.1). Die Beschwerdeführerin leidet an somatischen
Beeinträchtigungen,
die selbst nach Ansicht des behandelnden Prof. Dr. H._ für sich allein ohne
Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit
bleiben (E. 5.1 hievor)
.
Ihre Schmerzen
stehen
zudem
nicht im Mittelpunkt ihrer Klagen
(vgl. Urk. 6/118/23)
. Es sind damit
höchstens mässiggradige
als „Komorbiditäten“ zu berücksichtigende krankheitswertige Stö
rungen ausgewiesen.
5.4.4
Bei den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ ergibt sich Folgen
des: Die Beschwerdeführerin ist seit 1996 verheiratet und lebt mit ihrem Ehemann und dem gemeinsamen Sohn in einer Wohnung. Das Verhältnis zu ihnen sowie zur volljährigen Tochter ist gut. Sie hat ein gewisses soziales Netzwerk, sich auf
grund ihres Gesundheitszustandes aber bewusst zurückgezogen. Sie kocht gerne und geht gerne spazieren (
Urk.
6/118/10 f.). Sie steht jeden Morgen zwischen 6:45 und 7:00 Uhr auf, erledigt die Morgentoilette und frühstückt mit ihrem Sohn. Am Vormittag erledigt sie die Wäsche und sonstige Hausarbeit, geht spazieren oder einkaufen. Dann bereitet sie das Mittagessen vor,
welches
sie zusammen mit dem Sohn einnimmt. Anschliessend macht sie die Küche sauber. Am Nachmittag be
sucht sie ihre Schwester oder geht spazieren, manchmal liest sie etwas in einer Zeitschrift, sie hat Arzttermine oder begleitet den Sohn zum Arzt. Gegen 16:00 Uhr kehrt sie nach Hause zurück und beginnt das Abendessen zu kochen. Dieses nimmt sie mit der Familie zusammen ein. Abends schaut sie Fernsehen oder liest im Bett. Gegen 22:00 bis 22:30 Uhr geht sie schlafen. Sonntags geht sie zudem in die Kirche (
Urk.
6/118/15 und
Urk.
6/116 S. 58). Durch ihre Einbettung in die Familie und die ihr obliegenden Aufgaben erhält die Beschwerdeführerin eine Tagesstruktur. Ihr
Lebenskontext enthält damit bestätigende, sich potenziell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren.
5.4.5
In der
Kategorie „Konsistenz“ (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezü
gen zu den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ eingehend Michael
E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in: Jusletter vom 11. Juli 2016, S. 28 ff. [nachfolgend: Ein Jahr Schmerzrechtsprechung], vgl. auch Michael
E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, in: Riemer-Kafka/Hürzeler [Hrsg.], Das indikatorenorientierte Abklärungsverfahren, 2017, S. 105-148, S. 136 ff. [nachfolgend: Zwei Jahre Schmerzrechtsprechung]) zielt
der Indikator „gleich
mässige Ein
schränkung des Aktivitäts
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbe
reichen“ auf die Frage ab, ob die dis
kutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonsti
gen Lebensbereichen (z.B. Frei
zeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Verhältnis zur gel
tend gemachten Arbeitsunfähig
keit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Wie bereits dargelegt, hat die Beschwerdeführerin einen geregelten Tagesablauf. Sie kümmert sich um den Haushalt, isst mit der Familie und geht täglich spazie
ren. Im Sommer vor der Begutachtung war sie vier Wochen in ihrem Heimatland in den Ferien.
Zudem ist sie in der Lage, regelmässig alleine Auto zu fahren, so beispielsweise
jeweils
rund 150 km
,
um zu
den beiden
Begutachtung
sterminen
zu gelangen (
Urk.
6/116/58 und 75). Dies
erfordert
physische und kognitive Ressour
cen und
ist
mit den geltend gemachten funktionellen Ein
buss
en nicht vereinbar. Von einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus kann keine Rede sein, nicht im Umfang der gemäss Prof. Dr. habil.
C._
bestehenden Arbeits
unfähigkeit von 60
%
und schon gar nicht
entsprechend der geltend gemachten 80%igen Arbeitsunfähigkeit.
5.4.6
Im Rahmen des Indikators „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus
gewiesener Leidensdruck“ (zur Abgrenzung vom Indikator „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ vgl. Michael E. Meier, Ein Jahr Schmerz
rechtsprechung, S. 25 Rz 60 und Michael E. Meier, Zwei Jahre Schmerzrecht
spre
chung, S. 129) weist d
ie Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben ver
nachlässigt wer
den (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliede
rungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex „Gesundheitsschädigung") auf
den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Einglie
derung. Inkon
sistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend ge
machte Ein
schränkung sei anders begründet als durch eine ver
sicherte Gesund
heitsbeein
trächtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Die Beschwerdeführerin war von Oktober 2007 bis September 2008, mithin wäh
rend eines Jahres
,
alle zwei Wochen in psychiatrischer Behandlung. Anschlies
send reduzierte sie diese auf zunächst monatliche Termine, besuchte daraufhin ihren Psychiater nur noch in grösseren Abständen und unterbrach die Therapie schliesslich für zwei Jahre ganz.
Nach Einleitung des vorliegenden Revisionsver
fahrens im Juli 2014 steht sie seit
Anfang 2015 wiederum in psychiatrischer Be
handlung, dies zunächst in dreiwöchentlichen Abständen, im Jahre 2016 suchte sie ihren Psychiater
hingegen lediglich noch 5 Mal auf (Urk.
6/96/4 und
Urk.
13).
Von einem ausgewiesenen Leidensdruck kann in Anbetracht der geringen Be
handlungsintensität offensichtlich nicht gesprochen werden.
Dass sie die Therapie nach eigenen Angaben aufgrund der vielen Arzttermine ihres Sohnes unterbro
chen habe, ändert daran nichts. Auch ihre
medikamentöse Compliance ist frag
lich.
So nimmt sie ihre
Psychopharmaka lediglich unregelmässig ein, a
nlässlich der Begutachtung konnte bei der Bestimmung der Blutserumspiegel keines der Antidepressiva
nachgewiesen werden (
Urk.
6/116/59 und 70).
5.4.7
Zusammenfassend ist bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indi
katoren und insbesondere mit Blick auf das inkonsistente Verhalten bezüglich der gleichmässigen
Einschränkung des Aktivitätsniveaus sowie des
behandlungs
anamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks
eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur Anerkennung einer Arbeitsunfähigkeit aus psy
chischer Sicht führen könnte, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen.
6.
Die Beschwerdeführerin ist damit aus psychiatrischer und rheumatologischer Sicht in ihrer angestammten Tätigkeit als Kino-Mitarbeiterin und Tagesmutter zu 100
%
arbeitsfähig. Der Einkommensverlust kann folglich rein prozentual festge
legt werden und beträgt bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit 0
%
, womit kein Anspruch auf Ausrichtung einer Invalidenrente mehr besteht. Dies führt zur Ab
weisung der Beschwerde.
7.
Die Kosten des Verfahrens (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) sind auf Fr.
8
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.