Decision ID: 6d2cd8da-49f2-49ef-a853-5990f0e11f32
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 24. Oktober 2013 wegen psychischer Beeinträchtigung und
"Blutsenke" bzw. wegen des Todes ihrer Tochter, bei der Invalidenversicherung (IV)
zum Leistungsbezug an (IV-act. 1; Fremdakten, act. 1-1). Gemäss Angaben der
Regionalen Vermittlungsstelle B._ vom 29. November 2013 und 22. September 2016
war die Versicherte seit 1. April 2002 bis zum Übergang der Rechtszuständigkeit an die
Stadt C._ per 31. Dezember 2014 als Tagesmutter angestellt. Die Arbeitgeberin gab
an, nach Eintritt des Gesundheitsschadens ab 1. April 2013 habe das Pensum 50%
betragen. Daneben betreue die Versicherte eine Pflegetochter (IV-act. 10-1 ff. und IV-
act. 71).
A.a.
Die die Versicherte psychiatrisch behandelnde Dr. med. D._, Oberärztin
psychiatrisches Zentrum E._, hatte dem Krankentaggeldversicherer am 31. Januar
2013 berichtet, die Versicherte leide anamnestisch unter dem Tod ihrer Tochter und
dem Wegzug ihres Sohnes zum leiblichen Vater. Sie hatte eine Anpassungsstörung,
längere depressive Reaktion nach Tod der Tochter im März 20_ (ICD-10: F43.21)
diagnostiziert. Deshalb sei die Versicherte nicht arbeitsfähig. Nach Einleitung einer
A.b.
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Gesprächstherapie und einer psychopharmakologischen antidepressiven Therapie
habe sich der Zustand stabilisiert. Es sei eine tagesklinische Therapie während zwei bis
drei Tagen wöchentlich geplant. Ab 1. März 2013 sei von einer Teilarbeitsfähigkeit und
ab 1. April 2013 von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen (Fremdakten,
act. 1-14 ff.).
Die tagesklinische Behandlung im psychiatrischen Zentrum E._ dauerte vom
25. Januar bis 28. Juni 2013. Im Austrittsbericht vom 12. August 2013 wurde als
Diagnose u.a. "Anpassungsstörungen: längere depressive Reaktion nach Tod der
Tochter im März 20_ (ICD-10: F43.21)" festgehalten und zusammengefasst
ausgeführt, die Versicherte verfüge über ein hohes Mass an Merkfähigkeit und
Konzentration sowie über solide handwerkliche Fähigkeiten und vielfältige kreative
Ideen. Diese Ressource habe wesentlich zur Stabilisierung des Befindens beigetragen.
Auffallend sei die gewählte Bewältigungsstrategie der fast übermässigen
Selbstaktivierung gewesen, um schmerzhafte Zustände (Jahrestag des Todes der
Tochter, gesundheitlicher Zusammenbruch des Partners) zu ertragen.
A.c.
Im Auftrag der Krankentaggeldversicherung begutachtete med. pract. F._ die
Versicherte am 3. Dezember 2013 fachpsychiatrisch. Sie diagnostizierte eine
prolongiert verlaufende depressive Anpassungsstörung (ICD-10: F43.21) mit Übergang
in eine anhaltende affektive Störung: Dysthymia (ICD-10: F34.1). Beide Diagnosen
beeinflussten die Arbeitsfähigkeit insofern, dass die Versicherte aufgrund der
depressiven Erschöpfungssymptomatik mit Antriebsstörung sowie der
Stimmungsschwankungen und der nachlassenden Konzentrationsfähigkeit allenfalls in
einem Teilpensum arbeitsfähig sei. Seit dem Tod ihrer Tochter eineinhalb Jahre zuvor
habe die Versicherte nach einer prolongierten Trauerreaktion eine depressive
Anpassungsstörung entwickelt, die noch verstärkt worden sei durch die Diagnose einer
rheumatischen Erkrankung im Sommer 2012. Eine belastungsstabile
Durchhaltefähigkeit habe auch mit regelmässiger ambulanter psychotherapeutischer
Behandlung nicht erreicht werden können. Grundsätzlich könne mit einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Allerdings bestehe die Aussicht auf eine Steigerung
der aktuell auf 50% reduzierten Arbeitsfähigkeit in der Gesamtbewertung der Befunde
nicht vor Ablauf von mindestens vier, eher sechs Monaten. In psychischer Hinsicht sei
die Versicherte eingeschränkt durch die verminderte Konzentrationsspanne bei
A.d.
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konzentrativen, die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität beanspruchenden Tätigkeiten,
die ein hohes Mass an Ausdauer und seelischer Belastung erforderten, in einem
Umfang von mindestens 50% (Zeit, Leistung). Zumutbar seien Tätigkeiten von geringer
körperlicher Beanspruchung mit hohem repetitivem Anteil, nach Möglichkeit mit
geringem Zeit- und Termindruck, geringer Verantwortung für komplexere Abläufe, in
einem zeitlichen Ausmass von 50% bei allenfalls angepasster - reduzierter - Leistung
(ca. 80%; Fremdakten, act. 2-4 ff.).
Die Eingliederungsverantwortliche hielt am 26. Februar 2014 fest, die Versicherte
betreue vollzeitlich ein 11-jähriges Mädchen und zwei weitere Kinder während 6 bis 7
Stunden wöchentlich. Sie bemühe sich nicht mehr um weitere Kinder, sei nicht
vermittelbar (IV-act. 20-4). Mit Mitteilung vom 17. März 2014 wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen ab, da sich die Versicherte aktuell
lediglich in beschränktem Masse arbeitsfähig fühle und im Rahmen eines Teilpensums
weiterhin ihrer angestammten Tätigkeit als Tagesmutter nachgehe (IV-act. 24).
A.e.
Mit Vorbescheid vom 28. März 2014 gewährte die IV-Stelle der Versicherten das
rechtliche Gehör zur beabsichtigten Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 27), worauf
die Versicherte am 25. April 2014 Einwand erheben liess (IV-act. 28). Mit Verfügung
vom 26. Mai 2014 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab, da kein
invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege (IV-act. 31). Dagegen liess die
Versicherte am 23. Juni 2014 beim Versicherungsgericht Beschwerde erheben (IV-
act. 36-2 ff.).
A.f.
Med. pract. F._ führte in einer Verlaufsbeurteilung vom 5. September 2014 als
Diagnose eine anhaltende affektive Störung: Anpassungsstörung depressiv und mit
Mitbeteiligung anderer Gefühle (ICD-10: F43.21) und den Verdacht auf schädlichen
Gebrauch von Alkohol im Sinne einer Selbstmedikation (ICD-10: F10.1) bei lang
anhaltenden Schlafstörungen an. Die affektive Störung sowie die Schlafstörungen
setzten das Durchhaltevermögen, die Konzentrationsfähigkeit sowie die
Gesamtbelastbarkeit nachhaltig herab. Wesentliche neue Erkenntnisse im Vergleich zur
Vorbeurteilung vom Dezember 2013 seien nicht zu erfassen. Es habe nach wie vor
keine belastungsstabile Durchhaltefähigkeit erreicht werden können. In der beruflichen
Tätigkeit als Tagesmutter könne die Arbeitsfähigkeit von 50% bei erkennbarer
A.g.
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Chronifizierung der depressiven Symptomatik trotz regelmässiger psychiatrischer
Behandlung absehbar nicht massgeblich gesteigert werden. Konzentrative Tätigkeiten
(z.B. Computertätigkeiten, Bestellungen aufnehmen, exakte Arbeiten unter zeitlichem
Druck) seien ebenfalls im Umfang von 50% eingeschränkt (Fremdakten, act. 3-10 ff.).
Im Arztbericht vom 6. Oktober 2014 hielt Dr. D._ fest, die Zumutbarkeit der
bisherigen Tätigkeit müsste neu evaluiert werden, da die Versicherte seit Längerem
keine Pflegekinder mehr betreue. Die Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit sei im
Umfang von 50% ab sofort möglich (IV-act. 43). Vom 13. März bis 9. April 2016 war die
Versicherte im Psychiatrischen Zentrum G._, Krisenintervention, hospitalisiert. Es
wurde eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode,
ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F33.10), diagnostiziert. Die Versicherte wurde bei
rückläufiger depressiver Symptomatik entlassen, es wurde ihr aber dennoch eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert (IV-act. 65-2 ff.).
Mit Entscheid vom 27. Juni 2016 hiess das Versicherungsgericht die Beschwerde
teilweise gut und wies die Angelegenheit zur weiteren Abklärung und neuer Verfügung
an die IV-Stelle zurück (Verfahren IV 2014/321, IV-act. 57). Der medizinische
Sachverhalt erweise sich als nicht ausreichend abgeklärt. Erst recht erlaubten die
vorhandenen medizinischen Berichte nicht, auf eine vollständige Überwindbarkeit der
Beschwerden bzw. auf eine vollständige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten zu
schliessen. Die angefochtene Verfügung und die ihr zugrundeliegenden medizinischen
Berichte genügten den Anforderungen des strukturierten Beweisverfahrens (BGE 141 V
281) nicht. Der medizinische Sachverhalt sei weiter abzuklären, sowohl in somatischer
wie in psychiatrischer Hinsicht (E. 3.4, IV-act. 57-10).
A.h.
Dr. med. H._, Facharzt FMH Allgemeine Innere Medizin, erwähnte im Arztbericht
vom 23. August 2016 unter anderem, die Versicherte leide primär an einer schweren
Depression, welche exazerbiert sei nach dem unerwarteten Tod der Tochter im Jahre
20_. Diese stehe deutlich im Vordergrund. Er behandle die Versicherte aufgrund der
Polymyalgie rheumatica, welche unter Dauer-Steroidtherapie fluktuierend verlaufe.
Zudem bestehe ein Status nach Mammakarzinom mit Operation im April 2003.
Schliesslich zeigten sich arthrotische Veränderungen sowohl in der Schulter rechts wie
auch im Knie rechts, welche gelegentlich analgetischer Interventionen bedürften (IV-
act. 67-2). Am 18. November 2018 berichtete Dr. H._, er habe die Versicherte am
A.i.
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1. Juni 2015 arbeitsfähig geschrieben, damit sie sich beim RAV anmelden könne. Im
weiteren Verlauf hätten sich nach wie vor grosse Probleme gezeigt. Die psychiatrische
Erkrankung werde weiterhin vom sozialpsychiatrischen Dienst in E._ behandelt. Aus
hausärztlicher Sicht sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit sicherlich nicht realistisch (IV-
act. 87-2). Dr. med. I._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztin
Psychiatrisches Zentrum E._, notierte im Arztbericht vom 16. Januar 2017 als
Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10:
F33.4), sowie schädlichen Alkoholgebrauch (ICD-10: F10.1). Die Integration auf dem
ersten Arbeitsmarkt sei nicht realistisch und werde von der Versicherten auch nicht
angestrebt (IV-act. 94-2 ff.).
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte durch die MEDAS Zentralschweiz
polydisziplinär begutachtet (Gutachten vom 12. Juli 2017; Dr. med. J._, Innere
Medizin, Dr. med. K._, Rheumatologie, Dr. med. L._, Psychiatrie, lic. phil. M._,
Neuropsychologie; Untersuchungen 16., 18. und 26. Mai 2017; IV-act. 109). Die
Gutachter diagnostizierten im Wesentlichen (1.) eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) mit aktuell nicht eindeutig
zuzuordnenden, eher mechanisch bedingten Oberschenkelschmerzen beidseits bei
insgesamt unwahrscheinlicher Diagnose einer Polymyalgia rheumatica, (2.) eine
Dysthymia und (3.) eine Osteoporose an Lendenwirbeln und Schenkelhals und
Osteopenie im gesamten Hüftbereich bei Corticosteroid-Dauertherapie, starkem
Nikotinabusus, Biphosphonat-Therapie und Status nach fünfjähriger
Oestrogenhemmer-Therapie (Tamoxifen) nach Mammakarzinom (IV-act. 109-26). Die
Arbeitshypothese einer Polymyalgia rheumatica hielt der rheumatologische Gutachter
insgesamt für unwahrscheinlich, fand aber eine beginnende Polyarthrose an den Hüft-,
Knie- und distalen Fingergelenken (IV-act. 109-26). Psychiatrisch bestehe eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie eine
Dysthymie (IV-act. 109-26). Der diese auslösende physiologische Prozess könne aus
den Akten diagnostisch nicht sicher erschlossen werden und es bleibe damit auch in
Bezug auf die Diagnose eine gewisse Unsicherheit (IV-act. 109-46). Weiter lägen
Hinweise auf früheren schädlichen Gebrauch von Alkohol vor. Aus psychiatrischer
Sicht betrage die Arbeitsfähigkeit generell 50% (IV-act. 109-26). Für die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit als Tagesmutter schätzten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit auf
A.j.
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B.
50%, wobei ausschliesslich die psychiatrischen Befunde limitierend wirkten (IV-
act. 109-27). Dies gelte auch für andere körperlich leichte und mittelschwere
Verweistätigkeiten sowie für den Haushalt, während körperliche Schwerarbeit aufgrund
der rheumatologischen Befunde nicht mehr zumutbar sei (IV-act. 109-28). RAD-Arzt Dr.
med. N._, Facharzt für Prävention und Gesundheitswesen, nahm am 18. Juli 2017
Stellung; auf das Gutachten könne abgestellt werden (IV-act. 110).
Mit Vorbescheid vom 12. Dezember 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Zusprache eine halben Rente ab 1. April 2014 bei einem Invaliditätsgrad von 58% in
Aussicht (IV-act. 115). Mit Einwand vom 29. Januar/28. Februar 2018 liess die
Versicherte geltend machen, es sei ihr der maximale Tabellenlohnabzug von 25% zu
gewähren. Damit habe sie Anspruch auf eine Dreiviertelsrente (IV-act. 122).
A.k.
Mit Verfügung vom 27. September 2018 sprach die IV-Stelle der Versicherten ab
1. April 2014 eine halbe Rente zu. Gemäss Gutachten der MEDAS Zentralschweiz
bestehe sowohl in der angestammten als auch in einer anderen vergleichbaren
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Aus dem Einkommensvergleich resultiere ein
Invaliditätsgrad von 58%. Das Zumutbarkeitsprofil sei nicht behinderungsbedingt auf
körperlich leichte Tätigkeiten beschränkt. Eine Mehrfachbehinderung sei nicht
vorhanden. Das fortgeschrittene Alter rechtfertige ebenfalls keinen Abzug vom
Invalideneinkommen und ein teilzeitbedingter Minderverdienst liege nicht vor (IV-act.
130).
A.l.
Gegen die Verfügung vom 27. September 2018 lässt die Versicherte, vertreten
durch Rechtsanwalt lic. iur. R. Baumann, am 10. Oktober 2018 Beschwerde erheben.
Sie beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge
aufzuheben, soweit sie weitergehende Leistungen verneine. Es sei ihr mit Wirkung ab
wann rechtens, allerspätestens ab 1. April 2014, eine ganze Invalidenrente
zuzusprechen und auszurichten. Eventualiter sei die Streitsache in Aufhebung der
angefochtenen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese
weitere Abklärungen und anschliessend eine Neubeurteilung und Neufestsetzung ihrer
Leistungsansprüche vornehme. Aufgrund der mehreren Diagnosen mit wesentlicher
Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit sowie sehr zahlreichen Diagnosen
B.a.
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ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, jedoch auch mit Krankheitswert,
sowie auch aufgrund zahlreicher Nebenbefunde sei von erheblichen Wechselwirkungen
der Leiden auszugehen, so dass die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
ausgeschlossen bzw. sehr unwahrscheinlich sei. Tatsächlich habe sie ihre
Restarbeitsfähigkeit bis zur Pensionierung denn auch nicht mehr verwerten können.
Selbst wenn die 50%ige Restarbeitsfähigkeit verwertet werden könnte, ergäbe sich
zumindest ein Invaliditätsgrad mit Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Als Tagesmutter
sei eine halbtägige Tätigkeit für eine ganztägige Betreuung suchende Mutter mit
zusätzlichem Aufwand verbunden, sodass sie eine Lohneinbusse zu gewärtigen habe.
Gestützt auf das Gutachten sei von einer Mehrfachbehinderung bzw. von
Wechselwirkungen zwischen den körperlichen und psychischen Leiden auszugehen,
die einen Leidensabzug rechtfertigten. Dies gelte umso mehr, als im Gutachten
festgehalten werde, dass nur noch wenige Ressourcen vorhanden und ihre berufliche
Wiedereingliederung illusorisch seien. Auch aufgrund der kurz bevorstehenden
Pensionierung müsse sie mit einer Lohneinbusse rechnen. Sie sei in den letzten zehn
Jahren ihrer Erwerbstätigkeit ausschliesslich als Tages- und Pflegemutter tätig
gewesen und könne in andere Tätigkeitsbereiche, wenn überhaupt, nur schwierig
integriert werden. Insgesamt rechtfertige sich der maximale Tabellenlohnabzug von
25%. Bereits bei einem Abzug von lediglich 15% oder gar 10% ergäbe sich ein
Invaliditätsgrad von 64,4% bzw. 62,3%. Somit sei ihr mindestens eine Dreiviertelsrente
zuzusprechen (act. G 1).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 28. November 2018 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin sei im
massgeblichen Zeitpunkt des Rentenbeginns 59 1/2 Jahre alt gewesen und habe somit
eine verbleibende Aktivitätsdauer von 4,5 Jahren gehabt. Dabei sei zu berücksichtigen,
dass sie in ihrer angestammten Tätigkeit als Tagesmutter 50% arbeitsfähig sei und sie
somit keine neue Tätigkeit aufnehmen oder sich einarbeiten müsse. Auch entspreche
die Restarbeitsfähigkeit von 50% einem durchaus üblichen Arbeitspensum. Somit
könne dem Faktor Alter keine die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
ausschliessende Bedeutung beigemessen werden. Zudem sei den geltend gemachten
Nebenbefunden und Wechselwirkungen bereits bei der gutachterlichen Festsetzung
der Restarbeitsfähigkeit von 50% Rechnung getragen worden. Somit sei die
B.b.
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Erwägungen
1.
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit zu bejahen. Weiter sei auch kein
Tabellenlohnabzug vorzunehmen. Die Teilzeittätigkeit wirke sich auf die zu erwartende
Entlöhnung nicht aus. Auch das fortgeschrittene Alter rechtfertige keinen Abzug.
Überdies betrage die Arbeitsfähigkeit gemäss Gutachten (auch) in der angestammten
Tätigkeit 50%, womit das Invalideneinkommen 50% des Valideneinkommens
ausmache und somit ein Invaliditätsgrad von 50% bestehe, womit ein allfälliger
Tabellenlohnabzug ohnehin keinen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente begründe
(act. G 4).
Mit Replik vom 17. April 2019 trägt die Beschwerdeführerin vor, aufgrund der
Komplexität des Beschwerdebildes bzw. der Wechselwirkungen könne sie die Tätigkeit
als Tagesmutter nicht mehr im 50%-Pensum ausüben. Vor allem aber erfordere diese
Tätigkeit einen ganztägigen Einsatz und sei in einem Pensum von 50% nicht
umsetzbar. Vor Eintritt ihrer Krankheit am 12. November 2012 sei sie einer
Beschäftigung von 100% nachgegangen. Das im Auszug aus dem individuellen Konto
(IK) in den Jahren 2010 bis 2012 aufgeführte Durchschnittseinkommen von
Fr. 32'118.-- sei nicht durch eine 50%ige, sondern durch eine 100%ige Tätigkeit erzielt
worden und entspreche dem Valideneinkommen. Parallel dazu betrage das
Invalideneinkommen bei 50%iger Restarbeitsfähigkeit Fr. 16'059.--, wovon wiederum
der maximale Tabellenlohnabzug von 25% vorzunehmen sei, so dass im Ergebnis ein
Invaliditätsgrad von 62,5% und damit ein Anspruch zumindest auf eine
Dreiviertelsrente resultiere (act. G 13).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 15).B.d.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
1.1.
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ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG). Der als ausgeglichen unterstellte Arbeitsmarkt
umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei
welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen vonseiten des Arbeitgebers
rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung nur dann nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare
Tätigkeit nurmehr in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene
Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteile
des Bundesgerichts vom 28. April 2010, 8C_1050/2009, E. 3.3, mit Hinweisen, und
vom 29. August 2007, 9C_95/2007, E. 4.3).
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
1.3.
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2.
Der angefochtenen Verfügung liegt in medizinischer Hinsicht das Gutachten der
MEDAS Zentralschweiz vom 12. Juli 2017 (IV-act. 109) zugrunde. Zunächst ist dessen
Beweistauglichkeit zu prüfen.
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
1.4.
Die Beschwerdeführerin berichtete den Gutachtern im Wesentlichen,
vorbestehende Knie- und Beckenkammschmerzen hätten sich nach dem Tod der
Tochter verstärkt, im Juni 2012 seien dann noch Rückenschmerzen hinzu gekommen.
Unter der begonnenen Spiricort-Therapie hätten sich die Schmerzen fluktuierend,
während der letzten fünf Jahre etwa stationär verhalten. Am meisten schmerze es von
beiden grossen Trochanteren ausstrahlend in beide Knie beim Aufstehen und nach
längerem Sitzen. Der Schmerz sei ziehend, durchschnittlich 5 - 6 auf der Skala von 0
bis 10. Die Gelenke seien eigentlich nicht betroffen. Ebenausgehen könne sie während
einer halben Stunde. Beim Bergaufgehen komme zu den Schmerzen noch eine
Schwäche hinzu, andererseits könne sie die drei Stockwerke in ihrem Haus noch in
einem Zug bewältigen (IV-act. 102-19 ff., 33 f., 52). Die Besorgung des
Dreipersonenhaushalts, so wie er aktuell existiere, sei für sie mit der vorhandenen
Flexibilität vorläufig noch möglich (IV-act. 109-18 f.). Gemütsmässig erlebe sie
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
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"schaurige Schwankungen" mit Tendenz auf die depressive Seite (IV-act. 109-25). Auf
mentaler Ebene berichtete die Versicherte über schwankende Leistungen und
Fehlleistungen (Vergesslichkeit, Begriff suchen, verzögerte Antwort). Die Konzentration
bei ihrer kreativen Tätigkeit sei hingegen sehr gut, sie könne stundenlang an etwas
dranbleiben. Auch die Konzentration und Reaktion im Strassenverkehr seien gut (IV-
act. 109-52). Invalid sei sie, weil sie seit dem Tod ihrer Tochter nicht mehr belastbar
sei. Sie habe sich davon nicht erholen können. Daneben belasteten sie die
Spannungen mit ihrem Mann, der sie in der schwierigen Situation nicht genügend
unterstützen könne, und mit ihrer pubertierenden Pflegetochter, sowie dass ihre
epilepsiekranke Enkelin bei ihr wohne, die viel Unterstützung benötige und
behinderungsbedingt eine praktische IV-Ausbildung absolviere. Andererseits schlafe
sie acht bis neun Stunden pro Nacht. Ihre Hobbys, Therapie und gemeinsame Ausflüge
täten ihr gut (IV-act. 109-25, 43, 52 f.). Auf der psychischen Ebene leide sie unter einer
ausgeprägten Ermüdbarkeit und Überforderung schon unter Alltagsbelastungen. Der
Antrieb sei vermindert und sie habe ausgeprägte Mühe, sich aufzuraffen. Die
Schlafstörungen hätten sich unter Surmontil und Cipralex deutlich gebessert. Sie stehe
in andauernder ambulanter Psychotherapie, was wesentlich zur Stabilisierung des
Zustandes beitrage (IV-act. 109-43).
Die neuropsychologische Untersuchung ergab eine alters- und
ausbildungsadäquate kognitive Leistungsfähigkeit (IV-act. 109-55). Auch in der
psychiatrischen Untersuchung wirkte die Beschwerdeführerin immer präsent und
aufmerksam, nie müde (IV-act. 44). Der psychiatrische Gutachter hielt fest, aktuell sei
eine Mischung verschiedenster Einflussfaktoren festzustellen, die sich nur schwer unter
eine einheitliche Diagnose bringen liessen (IV-act. 109-45). Er bejahte die Diagnose
einer chronischen Schmerzstörung, obwohl der auslösende physiologische Prozess
aus den Akten nicht sicher erschlossen werden könne. Das Gefühl der Schwäche,
Überforderung und der generellen Einschränkung ordnete er diagnostisch "am
ehesten" der Dysthymie zu und erachtete die durch die Vorgutachterin gestellte
Diagnose einer anhaltenden affektiven Störung im Sinne einer Anpassungsstörung als
nicht ganz klar, aber auch die Schwierigkeit einer eindeutigen diagnostischen
Erfassung aufzeigend (IV-act. 109-46). Er führte aus, die Beschwerden seien im
Vergleich zum Vorgutachten etwa unverändert ausgeprägt. Sie liessen sich nicht in
einer ganz alltäglichen Vorgehensweise einer eindeutigen psychiatrischen Diagnose
zuordnen und seien dennoch relevant für die Arbeitsfähigkeit, namentlich in Anbetracht
des fortgeschrittenen Alters. Unter Berücksichtigung aller Teilaspekte sei die
Bestätigung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ab dem letzten Gutachten angemessen.
Dies gelte auch für eine Verweistätigkeit, wobei allerdings angesichts des Alters der
2.2.
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Einstieg in ein neues Tätigkeitsfeld praktisch ausgeschlossen sei. Die Problematik habe
sich im heutigen Umfang mit dem Tod der Tochter manifestiert und dürfte damit im
festgelegten Umfang bereits etwa fünf Jahre andauern (IV-act. 109-47).
Der rheumatologische Gutachter diagnostizierte eher mechanisch bedingte,
gegenwärtig nicht zuzuordnende Oberschenkelschmerzen beidseits sowie eine
Osteoporose mit deutlich erhöhtem Frakturrisiko (IV-act. 109-26). Die Diagnose einer
Polymyalgia rheumatica sei zumindest retrospektiv in den zur Verfügung stehenden
Unterlagen erschwert reproduzierbar. "Klinikführende" Syndrome (akut auftretende
myalgische Schmerzen, Kopfschmerzen, Kiefer claudicatio, Impingementsymptomatik
im Schulterbereich respektive Bursitis und eine massiv erhöhte BSR) seien nicht
detailliert beschrieben. Der Hausarzt habe im Februar 2014 über die Diagnose
berichtet, ohne die zugrundeliegende Klinik zu erwähnen (IV-act. 109-36). Der
Gutachter erhob einen altersentsprechend völlig unauffälligen rheumatologischen
Status. In Berücksichtigung der Dauersteroideinnahme, welche eine andere
rheumatische oder degenerative Erkrankung "kaschieren" könne, des für eine
Polymyalgie extrem atypischen Verlaufs, der Schmerzlokalisation, des hohen
Steroidbedarfs, der Behandlungsdauer und des erhöhten BSR sei dieses
Krankheitsbild aus rheumatologischer Erfahrung heraus mit grosser Wahrscheinlichkeit
nicht vorhanden, differenzialdiagnostisch aber im Sinne eines Beweises nicht
vollständig auszuschliessen. Aufgrund der Anamnese und des rheumatologischen
Status könne aktuell keine relevante Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Dies gelte
unabhängig der aufgezeigten differentialdiagnostischen Diskussion. Klinisch ergäben
sich weiter gewisse Hinweise auf arthrotische Veränderungen (leichte Coxarthrose
linksbetont, Gonarthrose beidseitig mit leichter Fehlstellung, deutlich ausgeprägte
Fingerpolyarthrose), die aber nicht zu einer weitergehenden Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit führten (IV-act. 109-37). Aus rheumatologischer Sicht sei die
Versicherte 100% arbeitsunfähig für körperliche Schwerarbeit, dagegen 100%
arbeitsfähig für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten inklusive Haushalt und
Kinderbetreuung (IV-act. 109-26, 38).
2.3.
Aus psychiatrischer Sicht wurden keine Diagnosen gestellt, denen eine schwere
Beeinträchtigung der funktionellen Leistungsfähigkeit inhärent wäre. Der Serumspiegel
der Antidepressiva Surmontil (Trimipramin/Nortrimipramin) und Cipralex (Escitalopram)
war laborchemisch stark unterhalb des therapeutischen Rahmens bzw. kaum
nachweisbar (IV-act. 109-26). Der rheumatologische Gutachter schliesst
nachvollziehbar aus, dass die Beschwerdeführerin mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit an einer Polymyalgie leide. An anderer Stelle wird erwähnt, es sei
2.4.
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frappant, dass nach angeblich täglicher Einnahme von 12,5 mg oder mehr Prednisolon
während vier bis fünf Jahren keine Cushing-Stigmata feststellbar seien. Zudem
sprächen die Laborparameter und die angegebene Einnahmezeit gegen die tägliche
Einnahme (IV-act. 109-28). Von einer ins Gewicht fallenden Komorbidität ist auch
deshalb nicht auszugehen, weil Dr. H._ die psychische Erkrankung als deutlich
vordergründig bezeichnete (Bericht vom 23. August 2016, IV-act. 67-2). Der
psychiatrische Gutachter legte weiter dar, die Beschreibung der Trauer über den Tod
ihrer Tochter sei von deutlichen Emotionen begleitet gewesen. Die Ehe habe die
Beschwerdeführerin ebenso wie den weitgehend reduzierten Konsum alkoholischer
Getränke sachlich, überzeugend und plausibel beschrieben. Sie habe einen
anregungsarmen Alltag mit finanziellen Engpässen, mit wirtschaftlichen Begrenztheiten,
aber immer noch mit kleinen Höhepunkten und Freuden dargelegt (IV-act. 109-44, 46).
Ohne Zweifel mitbedingt durch die fehlenden Geldmittel und die fehlende Mobilität
habe ein gewisser sozialer Rückzug stattgefunden (IV-act. 109-44), dieser sei nicht
vollständig (IV-act. 109-46). Es hätten sich keine Hinweise gefunden auf ein aktives
Suchtverhalten oder ein aktives Alkoholabhängigkeitssyndrom zum aktuellen Zeitpunkt,
was durch die Laborwerte, die Neuropsychologie und die Tatsache, dass ihre
Fähigkeit, Pflegekinder zu betreuen, nie in Frage gestellt worden sei, gestützt werde
(IV-act. 109-44 f.). Die Beschwerdeführerin habe ohne Zweifel belastende Umstände in
ihrer Kindheit und Jugend aushalten müssen. Auf der Beziehungsebene habe sie sich
vor der Ehe erfreulich gehalten, was man auch als nachwirkende Ressource für den
aktuellen Alltag ansehen könne. Die Scheidung habe sie mit dem Konsum
alkoholischer Getränke wesentlich erleichtern können und nach dem Tod der Tochter
sei es nicht zu diesem Lösungsweg gekommen, was positiv bewertet werden müsse.
Sie habe immerhin eine kameradschaftlich geführte Ehe aufbauen können, die eine
gewisse soziale Sicherheit vermittle und auch die Bewirtschaftung eines eigenen
Hauses zulasse mit Rückzugsmöglichkeiten für beide Partner (IV-act. 109-45). Kurz vor
dem Erreichen des regulären Pensionsalters seien nur noch wenige Ressourcen
vorhanden. Die Versicherte habe die Trauerarbeit nach dem Tod ihrer Tochter bisher
trotz ambulanter Psychotherapie nur ungenügend leisten können und es sei nicht
anzunehmen, dass sie vor dem AHV-Alter in diesem ganzen Bewältigungspotenzial
noch wesentliche Fortschritte machen könne. Auch eine totale Alkoholabstinenz sei
realistischerweise nach der langen Anamnese nicht mehr zu erreichen (IV-
act. 109-46 f.). Das ganze Leben der Versicherten müsse sich aufgrund der Umstände
und der seelischen und körperlichen Einschränkungen auf einen kleinen Raum
beschränken, sie habe die Mobilität verloren und auch gemäss Mini-ICF seien
Beeinträchtigungen vorhanden, die sich auf alle Lebensaspekte auswirkten (IV-
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3.
act. 109-47). Die Konsistenz sei gegeben, es sei kein Teil ihres Lebens von der
Problematik ausgespart (IV-act. 109-47).
Das Gutachten der MEDAS Zentralschweiz berücksichtigt die geklagten
Beschwerden sowie die medizinischen Vorakten umfassend. Die Begründung des
rheumatologischen Gutachters, weshalb er sich der Diagnose einer Polymyalgia
rheumatica nicht anschliessen könne, erscheint schlüssig. Entsprechend erklärt sich,
dass die beklagten Schmerzen nicht mehr somatisch, sondern psychiatrisch als
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren erfasst
werden. Das Gutachten berücksichtigt die Standardindikatoren gemäss dem
strukturierten Beweisverfahren (BGE 141 V 281). Die Gutachter haben namentlich
berücksichtigt, dass die Compliance der Beschwerdeführerin bei der
Medikamenteneinnahme zumindest fraglich ist. In der Arbeitsfähigkeitsschätzung wird
ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Beschwerden seit dem Verlaufsgutachten
von med. pract. F._ vom 5. September 2014 (Fremdakten, IV-act. 3-10 ff.), bei
allerdings fortschreitender Chronifizierung und einer Zunahme der altersbedingten,
physiologischen Defizite, etwa unverändert ausgeprägt seien (IV-act. 109-46, 47). Dies
leuchtet insofern ein, als bereits im Vorgutachten auf eine Chronifizierung der
depressiven Symptomatik hingewiesen worden war (Fremdakten, act. 3-12). Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist somit medizinisch plausibel begründet und unbestritten.
Im Rahmen der Rechtsanwendung ist jedoch zu berücksichtigen, dass sie "namentlich
auch in Anbetracht des fortgeschrittenen Alters" (IV-act. 109-47) erfolgte und somit ein
eigentlich invaliditätsfremder Faktor eingeflossen ist.
2.5.
Die Beschwerdeführerin meldete sich am 21. Oktober 2013 bei der IV an (IV-
act. 1). Aufgrund der Akten ist von einer mindestens 50%igen Arbeitsunfähigkeit seit
November 2012 auszugehen (Krankentaggeldabrechnung [Fremdakten, act. 7];
Arztzeugnisse [Fremdakten, act. 1-19 ff., 1-24 f.; act. 8-5 f.; act. 8-8 f.]; Gutachten med.
pract. F._ vom 17. Dezember 2013 [Fremdakten, act. 2-4 ff.] und vom 5. September
2014 [Fremdakten, act. 3-10 ff.]), so dass das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG im November 2013 erfüllt war und der Rentenanspruch nach Ablauf der Frist von
Art. 29 Abs. 1 IVG ab 1. April 2014 besteht.
3.1.
Der Auszug aus dem individuellen Konto (IK) der Beschwerdeführerin weist aus der
Tätigkeit als Pflege- bzw. Tagesmutter folgende Einkommen aus: Für das Jahr 2006:
Fr. 10'448.--, 2007: Fr. 15'981.--, 2008: Fr. 22'909.--, 2009: Fr. 36'903.--, 2010:
Fr. 30'856.--, 2011: Fr. 36'782.-- (IV-act. 61-1 f.). Diese Beträge setzten sich zusammen
3.2.
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4.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihre Restarbeitsfähigkeit sei nicht mehr
verwertbar.
aus einem fixen Anteil als Entlöhnung der Tätigkeit als Pflegemutter (vollzeitliche
Betreuung der Pflegetochter) sowie aus einem variablen Anteil für die Tätigkeit als
Tagesmutter (Angabe Arbeitgeberin vom 4. Dezember 2013, IV-act. 10-7). Die
Arbeitgeberin führte aus, die Beschwerdeführerin habe teilweise mehrere Kinder
gleichzeitig oder (zeitlich) versetzt betreut und es sei ihr pro tagesbetreutes Kind ein
Stundenansatz von Fr. 6.-- (einschliesslich Ferienentschädigung) vergütet worden,
womit sich der Lohn nicht linear zu den insgesamt aufgewendeten Betreuungsstunden
errechnen lasse (vgl. Angaben Arbeitgeberin vom 29. November 2013, IV-act. 10-2,
und vom 4. Dezember 2013, IV-act. 10-7). Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die
Beschwerdeführerin als im Gesundheitsfall 100% erwerbstätig (IV-act. 77; IV-act. 85),
ging aber von einem Valideneinkommen von Fr. 64'236.-- aus (IV-act. 113, 130-4). Für
das Jahr 2013 wurden Fr. 18'250.--, für 2014 Fr. 13'160.-- und für 2015 Fr. 9'106.--
abgerechnet (IK-Auszug, IV-act. 61-1; Angaben Arbeitgeberin vom 22. September
2016, IV-act. 71-6).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in
der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren
persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer
versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren
Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist.
Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine
vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
begründet. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene
Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich
nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des
Einzelfalls ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des
Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und
Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur,
vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder
Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (BGE 138 V
460 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts vom 22. März 2012,
9C_153/2011, E. 3.1 und vom 28. Mai 2009, 9C_918/2008, E. 4.2.2 mit Hinweisen).
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
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Massgebend für die Beurteilung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist der
Zeitpunkt des Feststehens der medizinischen Zumutbarkeit einer
(Teil-)Erwerbstätigkeit. Dieser ist gegeben, sobald die medizinischen Unterlagen eine
zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 138 V 461 f. E. 3.3 f.).
Zwar wies das hiesige Versicherungsgericht die Angelegenheit mit Entscheid vom
27. Juni 2016 an die Beschwerdegegnerin zurück, da der medizinische Sachverhalt
nicht ausreichend abgeklärt war (IV-act. 57). Indes war med. pract. F._ im
Verlaufsgutachten vom 5. September 2014 zum Schluss gekommen, gesamthaft bleibe
es bei einer Arbeitsfähigkeit von 50% (Fremdakten, act. 3-12), und Dr. D._ hatte im
Arztbericht vom 6. Oktober 2014 festgehalten, die Wiederaufnahme der beruflichen
Tätigkeit sei im Umfang von 50% ab sofort möglich (IV-act. 43-3). Lediglich nach der
stationären Behandlung vom 13. März bis 9. April 2016 wurde der Beschwerdeführerin
eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert (Austrittsbericht Psychiatrisches Zentrum G._
vom 31. Mai 2016, IV-act. 65-2 ff.). Dr. H._ hatte die Beschwerdeführerin am 1. Juni
2015 im Hinblick auf die Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung zu 100%
arbeitsfähig geschrieben, hielt aber am 18. November 2016 fest, aus hausärztlicher
Sicht sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit nicht realistisch (IV-act. 87-2; Fremdakten,
act. 5-2). Zu einer Teilarbeitsfähigkeit äusserte sich der Hausarzt nicht.
Gesamtbetrachtend war damit immer klar davon auszugehen, dass zumindest eine
Teilarbeitsfähigkeit bestand. Das war auch für die Beschwerdeführerin erkennbar.
Tatsächlich hat sie ihre Pflegetochter unter der Woche auch nach Eintritt der
Erkrankung durchgehend betreut und damit immer ein wenigstens kleines Einkommen
erzielt. Zudem ergibt sich aus echtzeitlichen Akten, dass sie auch nach dem Tod ihrer
Tochter neben ihrer Pflegetochter zumindest zeitweise weitere Tageskinder betreute
(vgl. Bericht Psychiatrisches Zentrum E._ vom 31. Januar 2013, Fremdakten,
act. 1-16; Eintrag FI-Assessmentprotokoll vom 14. Februar 2014, IV-act. 20-4;
Fachpsychiatrisches Verlaufsgutachten med. pract. F._ vom 5. September 2014,
Fremdakten, act. 8-22). Die im Gutachten wiedergegebenen Aussagen der
Beschwerdeführerin, dass sie aufgrund der Erinnerung an ihre verstorbene Tochter (IV-
act. 109-18 f.) bzw. dass sie wegen der Belastung nicht mehr im Stande sei,
Tageskinder zu betreuen (IV-act. 109-52 f.) und dass sie ausschliesslich ihre
Pflegetochter und seit März 2017 ihre Enkeltochter betreue (IV-act. 109-34), können
demnach nicht im absoluten Sinne verstanden werden, dass die Beschwerdeführerin
nach dem Tod ihrer Tochter gar keine Tageskinder mehr betreut hätte. Nähere
Abklärungen dazu würden insgesamt an der grundsätzlichen und hier wesentlichen
Feststellung, dass die Beschwerdeführerin bereits vor der Begutachtung mindestens
zeitweise in der Lage war, weitere Tageskinder zu betreuen, nichts ändern. Bereits vor
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
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5.
Kenntnisnahme des Inhalts des Gutachtens war ihr bewusst, dass sie zumindest
teilweise arbeitsfähig war bzw. entsprechend eingeschätzt würde. Folglich ist nicht zu
beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin für die Prüfung der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit zu Recht vom massgebenden Alter im Zeitpunkt der Entstehung
des Rentenanspruchs von 59 1/2 Jahren ausgegangen ist. Die verbleibende
Erwerbsdauer beträgt somit 4 1/2 Jahre.
Die Beschwerdeführerin hatte nach eigenen Angaben eine Lehre als Technische
Zeichnerin nicht abgeschlossen und war bis zum Jahr 2002 als Mitarbeiterin in der
Produktion und Spedition tätig gewesen. Ab 2001 bis Ende 2014 war sie als
Tagesmutter tätig und ab 2003 betreute sie die Pflegetochter (vgl. IV-act. 109-17). Aus
medizinischer Sicht war der Beschwerdeführerin im Verfügungszeitpunkt ihre bisherige
Tätigkeit als Kinderbetreuerin weiterhin zumutbar, und sie konnte in dieser Tätigkeit
eine mittlerweile langjährige Erfahrung vorweisen. Auch in den Bereichen Produktion
und Spedition verfügt die Beschwerdeführerin über berufliche Erfahrung. Aus
rheumatologischer Sicht sind ihr körperlich schwere Arbeiten nicht mehr zumutbar (IV-
act. 109-28), was eine Tätigkeit in einer Spedition, nicht aber eine körperlich leichte
Lieferdienst-, Überwachungs- oder Produktionstätigkeit ausschliessen dürfte. Die
Auswirkungen der psychischen Beeinträchtigungen sind mit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von 50% vollumfänglich berücksichtigt; es finden sich keine
Anhaltspunkte für beispielsweise akzentuierte Persönlichkeitszüge oder andere
Umstände, die eine besondere Rücksichtnahme durch einen potentiellen Arbeitgeber
erfordern würden. Mit Blick auf die vom Bundesgericht selbst als streng bezeichnete
Rechtsprechung (vgl. dazu M. Weiss, Verwertung der Restarbeitsfähigkeit aufgrund
vorgerückten Alters - Rechtsprechungstendenzen, in: SZS 62/2018, S. 630 ff., mit
Verweis auf Urteil des Bundesgerichts vom 27. September 2010, 8C_482/2010, E. 4.3)
ist vorliegend die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit gegeben.
4.3.
Die Beschwerdeführerin ist nicht nur in einer Verweistätigkeit, sondern gemäss
beweiskräftigem MEDAS-Gutachten auch in der angestammten Tätigkeit als Tages-
bzw. Pflegemutter zu 50% arbeitsfähig (IV-act. 109-27). Dies erscheint plausibel, zumal
bei dieser Tätigkeit eine gewisse Freiheit in der Zeiteinteilung möglich ist. Das
Vorbringern der Beschwerdeführerin, durch einen zeitlichen Einsatz von 50% lasse sich
im Beruf der Tagesmutter nicht ein Einkommen von 50% eines Vollzeitlohnes
generieren, ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
Notorischerweise besteht durchaus auch eine Nachfrage nach Halbtageseinsätzen in
der Kinderbetreuung. Zudem geht aus dem Gutachten nicht hervor, dass die
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
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Beschwerdeführerin ihre 50%ige Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht nicht auch
ganztags verwerten könnte. Auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt könnte sie gewissen
Einschränkungen in ihrer Belastbarkeit überdies in Bezug auf Alter und Anzahl bei der
Auswahl der zu betreuenden Kinder Rechnung tragen (z. B. keine ganz jungen Kinder
und nicht zu viele gleichzeitig). Somit ist es ihr grundsätzlich zumutbar und möglich,
50% des vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten Einkommens zu verdienen.
Ausgehend vom bisherigen tatsächlichen Einkommen als zu 100% tätige Tages- und
Pflegemutter, jedoch unabhängig von dessen konkreter Höhe, ergibt sich bei einer
Arbeitsfähigkeit von 50% ein Invaliditätsgrad von 50% (Prozentvergleich).
Zum selben Ergebnis gelangte man im Übrigen, wenn man davon ausginge, dass
der Beschwerdeführerin die Tätigkeit als Pflege- bzw. Tagesmutter im Umfang von
50% nicht mehr zumutbar sei.
5.2.
Die vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten Einkommen waren stark
schwankend und strukturelle Gründe beziehungsweise das Fehlen eines konstanten
Arbeitspensums lassen die Bestimmung eines sich auf die konkreten Verhältnisse
stützenmden Valideneinkommens nicht zu. Zudem lagen die vor dem Eintritt des
Gesundheitsschadens erzielten Einkommen weit unter dem Durchschnittseinkommen
gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS),
Anforderungsniveau 4 bzw. Kompetenzniveau 1 Frauen (per 2014 Fr. 53'793.--; vgl.
Informationsstelle AHV/IV, IV, Ausgabe 2019, Bern 2019, Anhang 2) sowie unter dem
Ansatz der Empfehlungen der Tagesfamilien Schweiz zur Entlöhnung von Tageseltern
in SVT-Mitgliederorganisationen vom August 2012. Danach entspricht die gleichzeitige
Betreuung von drei Tageskindern einem 100%-Pensum, was bei einem Stundenlohn
von Fr. 7.80 bis Fr. 8.00 pro Stunde und betreutes Kind einen Jahreslohn von
ca. 47'543.-- ergäbe (im Internet abrufbar unter www.kibesuisse.ch/fileadmin/
user_upload/Kibesuisse/Publikationen/DE_SVT_Lohnrichtlinien_Tageseltern_12.pdf.,
eingesehen am 7. Juni 2019). Mangels zuverlässiger Einkommensgrundlage wäre für
die Bemessung des Valideneinkommens deshalb auf den genannten Tabellenlohn als
Hilfsarbeiterin abzustellen. Wie bereits festgehalten (E. 4.3), sind der
Beschwerdeführerin körperlich nicht schwere Verweistätigkeiten zumutbar. Somit ist
sie - vorbehältlich eines allfälligen Tabellenlohnabzugs, vgl. die nachfolgenden
Ausführungen - in der Lage, entsprechend ihrer Arbeitsfähigkeit durch eine
Verweistätigkeit ein Invalideneinkommen in der Höhe von 50% des Tabellenlohnes des
Kompetenzniveaus 1 zu erzielen.
5.2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
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Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn)
allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass
persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung,
Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E.
3b/aa S. 323). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene
Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 880 E. 5b/aa in
fine). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der
Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und
darf 25 % nicht übersteigen (BGE 126 V 80 E. 5b/bb-cc; 134 V 327 f. E. 5.2; Urteil des
Bundesgerichts vom 17. Juli 2009, 9C_368/2009, E. 2.1; zum Ganzen auch Urteil des
Bundesgerichts vom 23. Dezember 2014, 9C_630/2014, E. 2.1 mit weiteren Verweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung können gesundheitliche Einschränkungen, die bereits
bei der Beurteilung des medizinischen Zumutbarkeitsprofils enthalten sind, nicht
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzuges einfliessen und so zu einer
doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunktes führen. Dabei rechtfertigt der
Umstand, dass eine grundsätzlich vollzeitlich arbeitsfähige versicherte Person
gesundheitlich bedingt lediglich reduziert leistungsfähig ist, an sich keinen Abzug vom
Tabellenlohn. Bestehen jedoch über das ärztlich beschriebene Beschäftigungspensum
hinaus zusätzliche Einschränkungen, wie beispielsweise ein vermindertes Rendement
pro Zeiteinheit wegen verlangsamter Arbeitsweise oder ein Bedarf nach
ausserordentlichen Pausen, oder ist die funktionelle Einschränkung ihrer besonderen
Natur nach nicht ohne weiteres mit den Anforderungen vereinbar, wie sie sich aus den
gewöhnlichen betrieblichen Abläufen ergeben, kann dies bei der Bemessung des
leidensbedingten Abzugs vom statistischen Tabellenlohn berücksichtigt werden (Urteil
des Bundesgerichts vom 18. Januar 2018, 8C_552/2017, E. 5.3.1, mit weiteren
Verweisen).
5.2.2.
Würde das Invalideneinkommen gestützt auf den Tabellenlohn für weibliche
Hilfsarbeiterinnen bemessen, käme ein Abzug grundsätzlich in Frage. Diesbezüglich ist
allerdings zu beachten, dass der psychiatrische Gutachter bei seiner
Arbeitsfähigkeitsschätzung dem fortgeschrittenen Alter bereits Rechnung getragen hat
(vgl. IV-act. 109-47). Als Psychiater dürfte er damit nicht (bloss) die körperlichen,
altersbedingten degenerativen Erscheinungen gemeint haben. Das fortgeschrittene
Alter kann daher nicht mehr für die Begründung eines Tabellenlohnabzugs
5.2.3.
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6.