Decision ID: f84fa2be-d961-5d56-a8bd-911ea3546267
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons
St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Erwerbsausfallentschädigung
Sachverhalt:
A.
Am 29. September 2009 (Eingangsstempel) reichte M._ bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, kantonale Ausgleichskasse, eine
EO-Anmeldung bei Militärdienst ein. Daraus geht hervor, dass er vom 31. August 2009
bis zum 18. September 2009 Militärdienst leistete (act. G 3.1/1). Mit Abrechnung vom
5. Oktober 2009 ermittelte die Sozialversicherungsanstalt für 19 Diensttage à Fr. 68.--
eine Erwerbsausfallentschädigung von total Fr. 1'292.-- (act. G 3.1/2). Auf
entsprechendes Begehren des Versicherten erliess die Sozialversicherungsanstalt am
20. bzw. 26. Oktober 2009 (nun mit richtiger Adresse) eine Verfügung, mit welcher die
Entschädigung ebenfalls auf Fr. 1'292.-- (brutto) festgesetzt wurde (act. G 3.1/6). Mit
Einsprache vom 16. November 2009 machte der Versicherte geltend, der
Erwerbsersatz sei auf Grund des entgangenen Einkommens von Fr. 3'099.60 zu
ermitteln (act. G 3.1/7). Mit Entscheid vom 3. Februar 2010 wies die
Sozialversicherungsanstalt die Einsprache ab, da der Erwerbsersatz mangels
vierwöchiger Arbeitsgelegenheit nicht auf Grund des entgangenen Einkommens zu
berechnen sei. Vielmehr sei auf das in den drei Monaten vor Dienstantritt erzielte
Durchschnittseinkommen von Fr. 2'521.88 abzustellen. Dies ergebe gemäss
Umrechnungstabelle einen Tagesansatz von Fr. 68.-- (act. G 3.1/12).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 4. März 2010 beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung
des Einspracheentscheids vom 3. Februar 2010. Die Erwerbsausfallentschädigung sei
sodann auf Fr. 2'772.--, eventualiter auf Fr. 1'656.80 festzusetzen. Zur Begründung
wird vorgebracht, dass er in der Zeit des Wiederholungskurses vom 31. August 2009
bis zum 18. September 2009 während zwei Wochen und zwei Tagen (= 100,8 Stunden)
gearbeitet hätte. Bei einem Stundenlohn von Fr. 27,50 resultiere ein entgangener
Bruttolohn von Fr. 2'772.--. Gemäss Art. 4 Abs. 2 EOV werde die
Erwerbsausfallentschädigung auf Grund des entgangenen Lohnes berechnet, wenn die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
versicherte Person glaubhaft mache, dass sie während des Dienstes einen wesentlich
höheren Lohn als vor dem Einrücken erzielt hätte. Dies treffe bei ihm zu. Eventualiter
sei vom Tageseinkommen im Juli 2009 auszugehen, wo er ein durchschnittliches
Tageseinkommen von Fr. 109.50 erzielt habe (Fr. 3'066.25 : 28). Gemäss der von der
Beschwerdegegnerin verwendeten Tabelle ergebe dies eine Entschädigung von Fr.
87.20 pro Tag, insgesamt also Fr. 1'656.80 (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 4. März 2010 beantragt die Verwaltung unter Verweis
auf den Einspracheentscheid Abweisung der Beschwerde (act. G 3).

Erwägungen:
1.
1.1 Personen, die in der schweizerischen Armee oder im Rotkreuzdienst Dienst leisten,
haben für jeden besoldeten Diensttag Anspruch auf eine Entschädigung (Art. 1a Abs. 1
EOG). Während Diensten, die nicht unter Art. 9 (Rekrutenschule) fallen, beträgt die
tägliche Grundentschädigung 80 Prozent des durchschnittlichen vordienstlichen
Erwerbseinkommens. Vorbehalten bleiben Mindest- und Höchstbeträge nach Art. 16
Abs. 1 bis 3 EOG (Art. 10 Abs. 1 EOG). Demnach beträgt die Gesamtentschädigung für
kinderlose Dienstleistende im Wiederholungskurs mindestens Fr. 61.25. (25 % des
Höchstbetrages der Gesamtentschädigung von Fr. 245.-- [Art. 16 Abs. 3 in Verbindung
mit Art. 16a Abs. 1 EOG]). Die Grundentschädigung wird gekürzt, soweit sie 80 % des
Höchstbetrages der Gesamtentschädigung von Fr. 245.-- übersteigt (Art. 16 Abs. 4
EOG). Grundlage für die Ermittlung des durchschnittlichen vordienstlichen
Erwerbseinkommens bildet das Einkommen, von dem die Beiträge nach dem
Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) erhoben
werden. Der Bundesrat erlässt Vorschriften über die Bemessung der Entschädigung
und lässt durch das Bundesamt für Sozialversicherungen verbindliche Tabellen mit
aufgerundeten Beträgen aufstellen (Art. 11 Abs. 1 EOG).
1.2 Als Erwerbstätige gelten Personen, die in den letzten zwölf Monaten vor dem
Einrücken während mindestens vier Wochen erwerbstätig waren (Art. 1 EOV). Die
Entschädigung wird auf Grund des letzten vor dem Einrücken erzielten und auf den Tag
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
umgerechneten massgebenden Lohns berechnet (Art. 4 Abs. 1 EOV). Für Personen, die
glaubhaft machen, dass sie während des Dienstes eine unselbstständige
Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufgenommen hätten oder einen wesentlich
höheren Lohn als vor dem Einrücken erzielt hätten, wird die Entschädigung auf Grund
des Lohns berechnet, der ihnen entgangen ist (Art. 4 Abs. 2 EOV). Für Personen, die
kein regelmässiges Einkommen haben, wird für die Ermittlung des vordienstlichen
Durchschnittseinkommens auf das während der drei letzten Monate vor Dienstbeginn
erzielte und auf den Tag umgerechnete Erwerbseinkommen abgestellt. Ist auf diese
Weise die Ermittlung eines angemessenen Durchschnittseinkommens nicht möglich, so
wird das Einkommen einer längeren Zeitspanne berücksichtigt (Art. 6 Abs. 1 und 2
EOV).
2.
2.1 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer als Erwerbstätiger
anzusehen ist, da er in den letzten zwölf Monaten vor dem Einrücken während mehr als
vier Wochen erwerbstätig war (vgl. act. G 3.1/1.2). Im Weiteren ist unbestritten, dass er
vor seinem Wiederholungskurs vom 31. August 2009 bis zum 18. September 2009 bei
der A._ ein unregelmässiges Einkommen erzielte. Umstritten ist dagegen, ob die
Entschädigung nach der ordentlichen Bemessungsmethode gemäss Art. 4 Abs. 1 EOV
in Verbindung mit Art. 6 EOV oder nach der ausserordentlichen Bemessungsmethode
gemäss Art. 4 Abs. 2 EOV vorzunehmen sei.
2.2 Dazu macht der Beschwerdeführer geltend, er hätte ohne den fraglichen
Militärdienst während zwei Wochen und zwei Tagen bei der A._ arbeiten können.
Dazu reichte er eine Bestätigung der Arbeitgeberin ein, wonach er in den ersten drei
Septemberwochen 100 % hätte arbeiten können, womit er in dieser Zeit einen
Erwerbsausfall von Fr. 3'506.25 erlitten habe (3 x 42,5 Stunden x Fr. 27.50; act. G
3.1/1.4). Der Beschwerdeführer selber korrigierte diese Angabe dahingehend, dass er
in der dritten Woche (nach Semesterbeginn) nur noch zu 40 % (zwei Tage) hätte
arbeiten können, womit er einen Erwerbsausfall von Fr. 2'772.-- erlitten habe (2,4 x 42
Stunden x Fr. 27,50; act. G 1).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.3 Zwar erscheint glaubwürdig, dass sich der mutmassliche Erwerbsausfall des
Beschwerdeführers auf diesen Betrag beläuft. Indessen kann nicht davon ausgegangen
werden, dass die Bedingungen gemäss Art. 4 Abs. 2 EOV erfüllt sind. So war der
Beschwerdeführer gemäss Angaben der Arbeitgeberin von Juli 2008 bis August 2009
durchgehend und mit stark schwankendem Einkommen beschäftigt. Beschwerdeführer
und Arbeitgeberin führen dazu übereinstimmend aus, dass der jeweilige
Beschäftigungsgrad sowohl von den freien Kapazitäten des Beschwerdeführers als
auch vom Arbeitsanfall bei der Arbeitgeberin abhängt (act. G 3.1/1.4 und G 1). Mithin
verhält es sich nicht so, dass der Beschwerdeführer ab dem 31. August 2009 für
längere Zeit eine besser bezahlte Arbeitsstelle angenommen oder eine (dauerhafte)
Lohnerhöhung erhalten hätte. Vielmehr liegt der mutmasslich entgangene Verdienst in
der normalen Schwankungsbreite beim innegehabten Arbeitsverhältnis. So war denn
der erzielte Lohn in den Monaten Juli und September 2008 sowie Juli 2009 mit je rund
Fr. 3'500.-- noch deutlich höher, in anderen Monaten mit nur ein paar Hundert Franken
dagegen deutlich tiefer (act. G 3.1/1.2). Im Übrigen wird die Wesentlichkeitsgrenze
gemäss Rz 5066 und 5041 der Wegleitung zur Erwerbsersatzordnung für
Dienstleistende und Mutterschaft (WEO) auf 25 % festgesetzt. Diese Grenze wird
vorliegend nicht erreicht, beträgt doch der geltend gemachte Mehrverdienst während
des Dienstes gegenüber dem Dreimonats-Durchschnitt nur 10 % (Fr. 2'772.-- : Fr.
2'521.88 x 100). Im Weiteren hätte die behauptete Beschäftigung nach eigenen
Angaben des Beschwerdeführers nur 2,4 Wochen betragen. Mithin ist auch nicht
erstellt, dass die geltend gemachte Erhöhung der Entlöhnung von "längerer", das
heisst von mindestens vierwöchiger Dauer gewesen wäre. Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers ist sodann nicht davon auszugehen, dass sich das Erfordernis der
Mindestdauer von vier Wochen nur auf den Fall der Erwerbsaufnahme (Art. 4 Abs. 2
erster Halbsatz EOV) bezieht. Vielmehr ist auch im Fall des Erzielens eines wesentlich
höheren Lohns von der gleichen Mindestanforderung auszugehen. Abgesehen davon,
dass die Formulierung in Art. 4 Abs. 2 EOV wohl nur aus Gründen der besseren
Lesbarkeit gewählt wurde, ist auch sachlich nicht ersichtlich, weshalb im Fall einer
Lohnerhöhung (etwa bei einer Beförderung oder bei Ausweitung eines Teilzeitpensums)
auf das Erfordernis einer Mindestdauer der Änderung verzichtet werden sollte. Der Sinn
der Ausnahmeregelung kann nur darin bestehen, dass nur Änderungen der
Einkommensverhältnisse von einiger Erheblichkeit und Beständigkeit ein Abweichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
von der Regelbemessung rechtfertigen. Indem die WEO diese Erheblichkeit mit 25 %
Mehrverdienst während mindestens vier Wochen festlegt (Rz 5065, 5066 WEO), stellt
sie keine übertriebenen Anforderungen. Es besteht mithin kein Anlass, davon
abzuweichen. Im Übrigen hat die verlangte Mindestdauer der Änderung nichts mit der
Dauer der Dienstleistung zu tun. Es ist nicht erforderlich, dass der mutmassliche
Mehrverdienst ausschliesslich während der Dauer der Dienstleistung hätte erzielt
werden können. Es sind also keineswegs die meisten Dienstleistenden von der
Rechtswohltat der Ausnahmeregelung ausgeschlossen.
2.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass der mutmasslich während des
Wiederholungskurses erzielte Lohn weder wesentlich höher als der in den drei Monaten
vor der Dienstleistung erzielte Lohn gewesen wäre, noch dass die Änderung von
genügender Dauer gewesen wäre. Vielmehr hätte sich der fragliche Verdienst im
Rahmen der normalen Bandbreite des bei der A._ erzielten Einkommens bewegt. Mit
der Beschwerdegegnerin ist somit - bei unbestritten unregelmässigem Einkommen -
das Durchschnittseinkommen während der letzten drei Monate vor der Dienstleistung
heranzuziehen (Art. 6 Abs. 1 EOV). Die Beschwerdegegnerin hat auf die Monate Mai bis
Juli 2009 abgestellt. Dabei handelt es sich um drei überdurchschnittlich gute Monate,
der Juli 2009 stellte sogar den zweitbesten Monat seit Bestehen des
Arbeitsverhältnisses dar (act. G 3.1/1.2). Nachdem der Durchschnittsverdienst der
letzten zwölf Monate vor der Dienstleistung (September 2008 bis August 2009) bei rund
Fr. 1'445.-- lag, wäre auch der Einbezug einer längeren Bemessungsperiode im Sinn
von Art. 6 Abs. 2 EOV und Rz 5032/33 WEO ohne Weiteres möglich gewesen. Die
Beschwerdegegnerin zeigte sich mit der gewählten Lösung grosszügig, so dass sich
auch aus Billigkeitsgründen kein Abstellen auf den entgangenen Lohn während der
Dienstleistung aufdrängt.
2.5 Im Eventualstandpunkt macht der Beschwerdeführer geltend, gemäss Rz 5064
WEO sei das Einkommen vom Juli 2009 von Fr. 3'066.25 durch 28 Tage zu dividieren,
sodass ein Tageseinkommen von Fr. 109.50 resultiere. Dem ist jedoch entgegen zu
halten, dass der Beschwerdeführer gemäss Angaben der Arbeitgeberin seit Juli 2008
durchgehend bei der A._ beschäftigt war (act. G 3.1/1.2 und 3.1/1.4). Mithin hat er
die Mindesterwerbsdauer nicht in unzusammenhängenden Perioden erfüllt. Nachdem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bei ihm der ordentliche Bemessungszeitraum zur Verfügung steht, ist wie oben
beschrieben, darauf abzustellen.
2.6 Das für die Erwerbsausfallentschädigung massgebende Einkommen des
Beschwerdeführers ist somit auf Fr. 2'521.90 festzusetzen. Gemäss Tabelle des
Bundesamtes für Sozialversicherung zur Ermittlung der EO-Tagesentschädigungen
(gültig ab 1. Januar 2009) ergibt dies einen Tagessatz von Fr. 68.--
(www.bsv.admin.ch/vollzug/EO/Weisungen). Nachdem dieser Ansatz den Vorgaben
von Art. 10 Abs. 1 EOG entspricht (80 % des durchschnittlichen vordienstlichen
Erwerbseinkommens; Fr. 2'521.90 : 30 x 80% = Fr. 67.25), ist die Anwendung der
Tabelle nicht zu beanstanden. Bei einer Dienstdauer von 19 Tagen (vgl. act. 3.1/1.1)
ergibt dies eine Entschädigung von Fr. 1'292.--.
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht