Decision ID: 2addc76f-c6f3-470c-8e94-2906fcbaf36f
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der B._, dem Einzelunternehmen
seiner Ehefrau, tätig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten
obligatorisch versichert. Am 29. Juni 2009 befuhr er mit einem Kleinbagger eine aus
Schaltafeln erstellte Rampe. Als diese nachgab, wurde der Versicherte vom kippenden
Kleinbagger erfasst und zu Boden gedrückt, wo er unter der Kabine zu liegen kam
(Suva-act. 2-2, 87). Die erstbehandelnden Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG),
wo sich der Versicherte vom 29. Juni bis 17. Juli 2009 stationär befunden hatte, listeten
in ihrem Austrittsbericht vom 20. Juli 2009 als Diagnosen eine Fraktur des 12.
Brustwirbelkörpers (BWK), eine Beckenfraktur mit Os ilium-Fraktur links und Os pubis-
Fraktur rechts, eine Lungenkontusion beidseits sowie eine akute Belastungssituation
auf. Sie attestierten ihm vom Unfalltag bis zum 7. August 2009 eine Arbeitsunfähigkeit
von 100%. Der Versicherte hatte sich am 1. Juli 2009 einer dorsalen Spondylodese
Th11-L1 sowie einer Beckenosteosynthese unterzogen (Suva-act. 6 f.).
A.a.
Am 9. Dezember 2009 wurde im KSSG eine Osteosynthesematerialentfernung
(OSME) der dorsalen Spondylodese Th11-L1 durchgeführt. Die behandelnden Ärzte
attestierten dem Versicherten bis zum 23. Dezember 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von
100% (Suva-act. 24 ff.). Der Versicherte war auch nach diesem Datum weiterhin zu
100% arbeitsunfähig geschrieben (vgl. Suva-act. 36, 49).
A.b.
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Vom 28. Juni bis 19. August 2010 befand sich der Versicherte stationär in der
Rehaklinik Bellikon. Die dort behandelnden Ärzte listeten in ihrem Austrittsbericht vom
27. August 2010 als Diagnosen den Unfall vom 29. Juni 2009 sowie eine
Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22)
auf. Bei Austritt hätten noch Flexionsschmerzen im Becken-Hüftbereich links,
Bewegungs- und Belastungsschmerzen am Iliosakralgelenk (ISG) links, ein hinkendes
Gangbild mit Entlastung rechts bei aktuellem Gehen mit zwei Unterarmgehstützen
sowie eine Wetterfühligkeit bestanden. Für die angestammte Tätigkeit als
Innenbauausstatter bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (Suva-act. 64).
A.c.
Die Einzelfirma der Ehefrau des Versicherten wurde per 31. Dezember 2010
aufgelöst (vgl. Suva-act. 120).
A.d.
Die behandelnden Ärzte des KSSG berichteten am 17. Februar 2011 unter
anderem über einen Verdacht auf eine Pseudoarthrose am Os ilium links (Suva-act. 91).
Am 3. März 2011 hielt die zuständige Ärztin des KSSG mit Verweis auf ein am 20.
Februar 2011 erstelltes CT fest, es scheine im Vergleich zu den Voraufnahmen eine
zunehmende Durchbauung stattgefunden zu haben, welche nun mindestens partiell im
Bereich der osteosynthetisch versorgten Fraktur an der Ala ossis ilii bestehe. Somit
könnte doch das ISG für die Beschwerden verantwortlich sein (Suva-act. 98).
A.e.
Aufgrund eines nicht-seminomatösen Keimzelltumors am Hoden links musste sich
der Versicherte am 24. März 2011 einer inguinalen Semicastratio, danach drei
Chemotherapiezyklen und am 22. August 2011 einer retroperitonealen
Lymphadenektomie unterziehen (Suva-act. 111, 119, 126).
A.f.
Durch eine am 21. Oktober 2011 durchgeführte Infiltration am linken ISG (vgl.
Suva-act. 130) konnten die behandelnden Ärzte des KSSG die iliosakrale Region als
Schmerzgenerator objektivieren (Suva-act. 132).
A.g.
Vom 14. Dezember 2011 bis 18. Januar 2012 befand sich der Versicherte erneut
stationär in der Rehaklinik Bellikon. Die dort behandelnden Ärzte hielten in ihrem
Austrittsbericht vom 23. Januar 2012 als Diagnosen den Unfall vom 29. Juni 2009 mit
den entsprechenden Verletzungen, einen nicht seminomatösen Keimzelltumor am
Hoden links sowie eine Anpassungsstörung mit längerer ängstlich-depressiver
A.h.
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Reaktion (ICD-10: F43.21) und eine vollständige Remission der
psychotraumatologischen Symptomatik fest. Sie erachteten die angestammte Tätigkeit
für nicht, eine adaptierte Tätigkeit hingegen für ganztags zumutbar. Es sei davon
auszugehen, dass es sich um einen Endzustand handle (Suva-act. 142).
Am 23. November 2012 wurde im KSSG eine Entfernung der Symphysenplatte und
aufgrund einer festgestellten medialen Inguinalhernie rechts ein Inguinalhernienrepair
beidseits durchgeführt. Die behandelnden Ärzte attestierten dem Versicherten vom 23.
November bis 5. Dezember 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (Suva-act. 181,
185).
A.i.
Dr. med. C._, Orthopädie des Spitals D._, befand am 21. März 2013, es zeige
sich keine wesentliche pathologische Veränderung, welche die geklagten Schmerzen
im Bereich der Beckenfraktur erklären würde. Aus orthopädischer Sicht sei eine leichte
bis sehr leichte Tätigkeit im Rahmen des Zumutbaren. Er sehe keinen Grund für die
geschilderten Beschwerden (Suva-act. 197). Suva-Kreisarzt Dr. med. E._, Facharzt
für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH,
untersuchte den Versicherten am 3. April 2013. Tags darauf berichtete er, die
Untersuchung sei gekennzeichnet gewesen durch eine erhebliche Malcompliance des
Versicherten. Die angegebenen Beschwerden korrelierten nicht mit den
Untersuchungsbefunden. Der Versicherte sei für eine adaptierte Tätigkeit ganztags
vermittelbar (Suva-act. 203).
A.j.
Die Suva teilte dem Versicherten mit Schreiben vom 12. April 2013 mit, spätestens
ab dem 1. August 2013 sei ihm die volle Arbeitsaufnahme in einer leichten Tätigkeit
zumutbar. Sie stelle ihre Taggeldleistungen auf diesen Zeitpunkt ein (Suva-act. 204).
A.k.
Vom 8. April bis 1. Mai 2013 befand sich der Versicherte stationär in den Kliniken
Valens. Die Ärzte hielten in ihrem Austrittsbericht vom 17. Mai 2013 als Diagnosen
unter anderem eine chronische Schmerzsymptomatik inguinal beidseits sowie eine
schmerzbedingte Schwäche des linken Beins fest (Suva-act. 210). Sie attestierten dem
Versicherten für die Dauer des Aufenthalts eine Arbeitsunfähigkeit von 100%. Danach
sei er für eine adaptierte Tätigkeit arbeitsfähig. Es sei der Einstieg mit 50% zu
A.l.
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empfehlen und dann eine allmähliche Steigerung des Pensums unter Aufsicht des
Hausarztes (Suva-act. 223, 234-4 f.).
Mit Verfügung vom 1. September 2014 sprach die Suva dem Versicherten mit
Wirkung ab 1. August 2013 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 14% zu
und verneinte den Anspruch auf eine Integritätsentschädigung (Suva-act. 271, vgl.
Suva-act. 256). Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur.
A. Fiechter, Widnau, am 26. September 2014 Einsprache (Suva-act. 277, vgl. Suva-act.
294). Er reichte unter anderem den Bericht von Dr. med. F._, Facharzt FMH für
Neurologie, vom 24. September 2014 ein. Dieser hatte über eine durch eine
schmerzbedingte Minderinnervation verursachte Schwäche des linken Beins berichtet.
Aus seiner Sicht könnten die in die Glutealmuskulatur hineinragenden
Verankerungsschrauben für die Schmerzsymptomatik verantwortlich sein (Suva-act.
283). Dr. med. G._, FMH Innere Medizin, hatte am 25. September 2014 beurteilt, die
aktuellen Beschwerden des Versicherten seien mit grösster Wahrscheinlichkeit auf die
Osteosynthese der Beckenfraktur zurückzuführen (Suva-act. 284).
A.m.
Suva-Kreisarzt Dr. med. H._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, empfahl gestützt darauf am 26. Juni
2015 die Metallentfernung (Suva-act. 303).
A.n.
Mit Schreiben vom 21. Juli 2015 hob die Suva ihre Verfügung vom 1. September
2014 vollumfänglich auf, da der Abschluss der medizinischen Behandlung zu früh
erfolgt sei. Sie erachtete die Einsprache vom 26. September 2014 als formlos erledigt
(Suva-act. 305). Die Suva forderte den Vertreter des Versicherten sowie Dr. med. I._,
Facharzt für Allgemeinmedizin, am 17. bzw. 25. August 2015 auf, umgehend die
Metallentfernung zu veranlassen (Suva-act. 311, 314). Dr. F._ wies den Versicherten
zur Beurteilung der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates des KSSG zu (Suva-act. 315, 320). Die dort tätigen Dr. med.
J._ und med. pract. K._ befanden am 1. Oktober 2015, eine Metallentfernung im
Bereich der Ala ossis illi wäre möglich und danach wären die Beschwerden gluteal
wahrscheinlich besser. Die Beschwerden im Bereich der Glutealmuskulatur am
lateralen Oberschenkel links würden durch die Metallentfernung wohl eher nicht
beeinflusst (Suva-act. 324). Rechtsanwalt Fiechter kündigte am 23. Oktober 2015 an,
A.o.
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eine Zweitmeinung einholen zu wollen, womit sich Dr. H._ einverstanden erklärte
(Suva-act. 325 f.).
Nachdem Rechtsanwalt Fiechter über eine weitere ausstehende Untersuchung
berichtet hatte (vgl. Suva-act. 331), gewährte die Suva dem Versicherten mit Schreiben
vom 8. Dezember 2015 dafür eine Frist von 30 Tagen. Sollte er sich gegen die
Metallentfernung entscheiden oder den Eingriff weiter hinausschieben, habe er noch
Anspruch auf jene Leistungen, die beim erfolgreichen Eingriff anfangs Januar 2016
wahrscheinlich hätten ausbezahlt werden müssen. Konkret wären dies
Taggeldleistungen bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100% für acht Wochen und von
50% für weitere vier Wochen. Anschliessend würden die Taggelder eingestellt und die
Rente erneut geprüft (Suva-act. 332).
A.p.
Dr. med. L._, Orthopädie M._, hatte den Versicherten am 7. Dezember 2015
erstmals untersucht (Suva-act. 333). Am 4. Januar 2016 beurteilte er, die zwei Platten
am Os ilium links sollten entfernt werden (Suva-act. 334). Rechtsanwalt Fiechter teilte
der Suva mit Schreiben vom 5. Januar 2016 mit, der Versicherte sei bereit sich der
Operation zu unterziehen (Suva-act. 335). Die Suva forderte Rechtsanwalt Fiechter am
22. Januar 2016 letztmals auf, den Eingriff umgehend zu veranlassen (Suva-act. 336).
Nach einem weiteren Untersuch hielt Dr. J._ am 24. März 2016 fest, die OSME sei
technisch sicherlich möglich, er gehe jedoch nach wie vor nicht davon aus, dass der
Versicherte davon wesentlich profitieren werde (Suva-act. 345). Dr. J._ führte die
OSME am Os ilium links am 31. März 2016 durch (Suva-act. 347).
A.q.
Auf Nachfrage der Suva (vgl. Suva-act. 346) äusserte sich Dr. J._ am 11. April
2016 zur Ursache der Glutealinsuffizienz (vgl. Suva-act. 351). Am 23. Mai 2016
berichtete er, die Operation habe das Beschwerdebild des Versicherten wie erwartet in
keinster Weise verbessert. Der Versicherte beschreibe eine störende Anästhesie distal
der Operationsnarbe. Eine vollständige Regredienz des anästhetischen Areals könne
nicht erwartet werden; dies sei wahrscheinlich zugangsbedingt (Suva-act. 352).
A.r.
Am 9. August 2016 wurde der Versicherte durch Kreisarzt Dr. H._ untersucht.
Dieser befand gleichentags, es bestehe als Folge des Unfallereignisses eine weiterhin
glaubhaft geschilderte Beschwerdesymptomatik im Bereich des linken proximalen
A.s.
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B.
Dagegen liess der Versicherte am 21. September 2016 Einsprache erheben (Suva-act.
378-2 ff.). Mit Entscheid vom 4. Oktober 2017 wies die Suva die Einsprache ab (Suva-
act. 402).
C.
Oberschenkels bzw. des linken ISG. Ausserdem liege eine leichte Insuffizienz der linken
Glutealmuskulatur vor. Vier Monate nach der letzten operativen Versorgung sei mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es zu keiner namhaften
Verbesserung des unfallbedingten Gesundheitszustandes des Versicherten mehr
kommen werde. Eine adaptierte Tätigkeit sei ihm vollschichtig zumutbar (Suva-act.
366). Den Integritätsschaden schätzte Dr. H._ auf 14.5% (Suva-act. 367).
Ärzte der Klinik für Neurologie des KSSG berichteten am 11. August 2016 über
eine Meralgia paraesthetica links seit der OSME am Os ilium links am 31. März 2016
sowie belastungsabhängige, krampfartige, von inguinal nach krural ausstrahlende
Schmerzen am linken Bein. Die Sensibilitätsstörung im Bereich des
Versorgungsgebietes des Nervus cutaneus femoris lateralis dürfte am ehesten durch
die im März 2016 stattgehabte Operation bedingt sein (Suva-act. 368).
A.t.
Mit Verfügung vom 30. August 2016 sprach die Suva dem Versicherten mit
Wirkung ab 1. September 2016 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 14%
sowie eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 14.5%
zu (Suva-act. 370).
A.u.
Gegen den Einspracheentscheid vom 4. Oktober 2017 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt Fiechter, die
vorliegende Beschwerde vom 6. November 2017. Darin beantragte er, die
Invalidenrente sei ab 1. September 2016 angemessen zu erhöhen, mindestens aber auf
60% Erwerbsunfähigkeit, respektive eine 60% Rente. Weiter sei die
Integritätsentschädigung aufgrund des Unfalls vom 29. Juni 2009 angemessen zu
erhöhen, mindestens aber auf der Basis einer Integritätseinbusse von 30%. Zudem sei
die Integritätsentschädigung mit 5% ab 1. August 2013 zu verzinsen. Eventualiter sei
ein neutrales orthopädisches Gutachten zu erstellen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G1). Am 23. November 2017 liess der Beschwerdeführer
C.a.
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Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem ein Ereignis aus dem Jahr 2009 zur Diskussion steht, die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
2.
Umstritten und vorliegend zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente sowie die Höhe der Integritätsentschädigung.
einen Bericht von Dr. G._ vom 16. November 2017 sowie Berichte des KSSG
einreichen (act. G3).
Die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 23. Januar 2018 die
Abweisung der Beschwerde. Der Einspracheentscheid vom 4. Oktober 2017 sei
bezüglich der Integritätsentschädigung zu bestätigen und im Rentenpunkt aufzuheben.
Es sei festzustellen, dass dem Beschwerdeführer kein Rentenanspruch zustehe
(reformatio in peius). Eventuell sei die Beschwerde abzuweisen und der
Einspracheentscheid in allen Punkten zu bestätigen (act. G7).
C.b.
Der Beschwerdeführer liess am 23. Februar 2018 seinen Medikationsplan
einreichen (act. G9). In seiner Replik vom 11. April 2018 liess er an seinem
Rechtsbegehren festhalten und zusätzlich eventualiter beantragen, es sei ein
unabhängiges spezialisiertes arbeitsmedizinisches Gutachten zu erstellen (act. G13).
C.c.
Am 16. Mai 2018 nahm die Beschwerdegegnerin Stellung zur Replik (act. G15).C.d.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Sie hat
zudem Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Ist
die versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 Prozent invalid, so hat sie
2.1.
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Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person
durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene
Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die vorübergehenden Leistungen
(Heilbehandlung, Taggeld) sind einzustellen und der Anspruch auf eine Invalidenrente
zu prüfen, wenn allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV)
abgeschlossen sind und von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine
namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet
werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG). Die Integritätsentschädigung wird mit der
Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung
der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). Das Erreichen des
medizinischen Endzustands bildet demgemäss in Nachachtung des
Eingliederungsgrundsatzes die Voraussetzung für die Prüfung der Rentenfrage und der
Integritätsentschädigung.
Angesichts der in Erwägung 2.1 ausgeführten gesetzlichen Bestimmungen besteht
ausserdem eine Leistungspflicht des Unfallversicherers nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG; BGE 129 V 181, E. 3; Alexandra Rumo-
Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Während es Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist, den
natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage
nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 55, 58; BGE 125 V 456; 123 III 110; 112 V 30). Im Bereich klar ausgewiesener
organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren strukturellen Veränderungen spielt
die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle (vgl. BGE 117 V 359, E. 5d/bb, unten, mit Hinweisen auf Lehre und
Rechtsprechung; BGE 118 V 286, E. 3a).
2.2.
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
2.3.
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3.
Vorerst ist zu prüfen, welche organisch objektivierbaren Unfallfolgen per 30. August
2016 noch vorhanden waren. Der Zeitpunkt des Fallabschlusses (Art. 19 Abs. 1 UVG)
wurde vom Beschwerdeführer nicht substantiiert bestritten und ist aufgrund der
medizinischen Akten ausgewiesen (vgl. Suva-act. 366). Der Beschwerdeführer
entwickelte nach dem Unfall zwar eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver
Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22) (Suva-act. 64, 142). Diese hatte im Zeitpunkt des
Fallabschlusses jedoch unbestritten keine relevanten Auswirkungen mehr auf die
Arbeitsfähigkeit.
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet und
nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Den Berichten und
Gutachten, welche die Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren
eigenen bzw. beratenden Ärzten und Ärztinnen einholen, kann rechtsprechungsgemäss
ebenfalls Beweiswert beigemessen werden (BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V 353
f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch
strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen,
sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.7; RKUV 1997 Nr. U
281 E. 1a S. 281 f.).
Der 2011 festgestellte Keimzelltumor am Hoden links ist als unfallfremd zu
betrachten. Für den vom Beschwerdeführer in seinem Schreiben vom 6. September
2013 hergestellten Zusammenhang zwischen der Erkrankung und den aufgrund der
Unfallverletzungen notwendigen Röntgenaufnahmen (vgl. Suva-act. 232) liegen keine
Belege vor. In den medizinischen Akten finden sich keine Hinweise auf einen möglichen
Kausalzusammenhang und auch der Beschwerdeführer brachte einen solchen im
weiteren Verfahren nicht mehr vor.
3.1.
Der Beschwerdeführer erlitt bei seinem Unfall vom 29. Juni 2009 eine BWK12-
Fraktur, eine Beckenfraktur mit Os ilium-Fraktur links und Os pubis-Fraktur rechts
sowie eine Lungenkontusion beidseits (Suva-act. 6). Bezüglich der Lunge ist
entsprechend der Beurteilung von Dr. H._ vom 9. August 2016 von einer
vollständigen Ausheilung auszugehen, obwohl der Beschwerdeführer ihm gegenüber
berichtet hatte, gelegentlich bei Atemnot einen kortisonhaltigen Spray applizieren zu
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/19
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müssen (Suva-act. 366-8). Den weiteren medizinischen Akten sowie den Eingaben des
Beschwerdeführers sind keine bei Fallabschluss noch bestehenden Beeinträchtigungen
der Lunge zu entnehmen. Auch bezüglich der Wirbelsäule bestanden im relevanten
Zeitpunkt mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine erheblichen Beschwerden mehr.
Der zuständige Arzt der Abteilung für Wirbelsäulenmedizin und Schmerztherapie der
Klinik N._ berichtete zwar am 22. September 2010 noch über eine therapieresistente
Lumboischialgie linksseitig bei Status nach Polytrauma mit Wirbelsäulenfrakturen und
anschliessender Spondylodese Th11 bis L1. Er führte aber aus, durch die konservative
Therapie habe sich die Situation in Bezug auf die Rückenschmerzen deutlich
verbessert. Der Versicherte beklage keine lumbalen Beschwerden bei Status nach
Spondylodese und anschliessender Metallentfernung (Suva-act. 66). Bereits damals,
wie auch in den nachfolgenden Berichten, standen die Beschwerden im
Zusammenhang mit der Beckenfraktur im Vordergrund (vgl. u.a. Suva-act. 91, 142,
203, 210, 283). Spätestens anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 3. April
2013 klagte der Beschwerdeführer nicht mehr über Rückenschmerzen (vgl. Suva-act.
203). Dr. H._ führte am 9. August 2016 aus, die Wirbelsäulenfraktur sei nach
operativer Versorgung und Metallentfernung komplikationslos verheilt. Auch die
degenerativ vorgeschädigte Lendenwirbelsäule sei klinisch vollkommen unauffällig und
funktionell frei beweglich (Suva-act. 366). Damit kann offenbleiben, inwiefern der
bereits vor dem Unfall vom 29. Juni 2009 erlittene Bandscheibenvorfall (vgl. Suva-act.
231) die Beschwerden im Bereich des Rückens verursacht hatte.
Bezüglich der Beckenfraktur hielt Kreisarzt Dr. H._ am 9. August 2016 fest, es
bestehe als Folge des Unfallereignisses eine weiterhin glaubhaft geschilderte
Beschwerdesymptomatik im Bereich des linken proximalen Oberschenkels bzw. des
linken ISG bei objektivierbarem Schonverhalten des linken Beines in Form einer
Atrophie der linken Oberschenkelmuskulatur im Vergleich zur Gegenseite und einer
deutlichen Atrophie des Musculus tensor fasciae latae links. Weiterhin bestehe eine
leichte Insuffizienz der linken Glutealmuskulatur, die sich im Vergleich zu den
Voruntersuchungen in den letzten Jahren jedoch deutlich gebessert habe. Die beklagte
Beschwerdesymptomatik korreliere mit der posttraumatischen Störung der
Bewegungskette und einer beginnenden bis fortgeschrittenen Arthrose des linken ISG
nach osteosynthetischer Verblockung und konsekutiver Blockierung (Suva-act. 366-8).
Der Beschwerdeführer beklagt darüber hinaus Beschwerden im Zusammenhang mit
der am 31. März 2016 durchgeführten OSME am Os ilium links, insbesondere eine
völlige Gefühlslosigkeit im Aussenbereich des linken Oberschenkels. Er sei von der
Beschwerdegegnerin zum Eingriff gedrängt worden, obwohl die Erfolgschancen gering
gewesen seien (act. G1). Ausschlaggebend sind grundsätzlich weder die Beweggründe
3.3.
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des Eingriffs, noch dessen Erfolgschancen, sondern einzig allfällige im relevanten
Zeitpunkt noch bestehende operationsbedingte Beschwerden. Dennoch ist
festzuhalten, dass Dr. F._ und Dr. G._ die in die Glutealmuskulatur hineinragenden
Verankerungsschrauben als mögliche Ursache der Schmerzsymptomatik eruierten
(Suva-act. 283 f.). Nachdem auch Dr. H._ sich für die seiner Ansicht nach zumutbare
OSME ausgesprochen hatte (Suva-act. 303), forderte die Suva den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers sowie den behandelnden Hausarzt wiederholt zu einer zeitnahen
Abklärung und Durchführung einer OSME auf (vgl. Suva-act. 311, 314, 332). Dr. L._
empfahl am 4. Januar 2016 die OSME (vgl. Suva-act. 334). Selbst Dr. J._ und med.
pract. K._ hatten am 1. Oktober 2015 noch befunden, nach der OSME wären die
Beschwerden gluteal wahrscheinlich besser. Die Beschwerden im Bereich der
Glutealmuskulatur am lateralen Oberschenkel links würden wohl eher nicht beeinflusst
(Suva-act. 324). Erst am 24. März 2016 äusserte Dr. J._ grundsätzliche Zweifel an
den Erfolgschancen der OSME. Er hielt jedoch fest, der Beschwerdeführer habe nach
eingehender Besprechung den Eingriff gewünscht, so dass die entsprechende
Indikation gestellt werde (Suva-act. 345, betreffend Einverständnis des
Beschwerdeführers vgl. auch Suva-act. 335). Von einem "unter Druck setzen" durch
die Beschwerdegegnerin zu einer nicht erfolgsversprechenden Operation kann damit
nicht gesprochen werden. Dr. J._ berichtete am 23. Mai 2016 über eine störende
Anästhesie distal der Operationsnarbe. Eine vollständige Regredienz des
anästhetischen Areals könne nicht erwartet werden, dies sei wahrscheinlich
zugangsbedingt (Suva-act. 352). Auch die Ärzte der Klinik für Neurologie des KSSG
hielten am 11. August 2016 eine Meralgia paraesthetica links seit der OSME fest. Die
Sensibilitätsstörung im Bereich des Versorgungsgebiets des Nervus cutaneus femoris
lateralis dürfte am ehesten durch die im März 2016 durchgeführte Operation bedingt
sein (Suva-act. 368). Dr. H._ konnte bei seiner Beurteilung vom 9. August 2016 noch
keine Kenntnis vom letztgenannten Bericht des KSSG haben. Er berücksichtigte die
geschilderte Symptomatik jedoch insofern, als er eine circa handtellergrosse
Hypästhesie distal der schräg über dem Beckenkamm verlaufenden Narbe festhielt und
insgesamt von einer glaubhaft geschilderten Beschwerdesymptomatik im Bereich des
linken proximalen Oberschenkels bzw. des linken ISG sprach (Suva-act. 366-6, 366-8).
Er trug den Beschwerden damit genügend Rechnung.
Zusammenfassend waren im Zeitpunkt des Fallabschlusses als unfallkausale
Folgen Beschwerden im Bereich des linken proximalen Oberschenkels bzw. des linken
ISG mit Schonverhalten des linken Beines in Form einer Atrophie der linken
Oberschenkelmuskulatur sowie einer deutlichen Atrophie des Musculus Tensor fasciae
latae links, eine leichte Insuffizienz der linken Glutealmuskulatur und die erwähnte
3.4.
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4.
Weiter ist die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung der
unfallkausalen Beschwerden zu beurteilen. Die vor dem Unfall ausgeübte angestammte
Tätigkeit als Innenbauausstatter ist dem Beschwerdeführer unbestritten nicht mehr
zumutbar. Kreisarzt Dr. H._ beurteilte am 9. August 2016, eine adaptierte Tätigkeit
sei dem Beschwerdeführer vollschichtig zumutbar (Suva-act. 366). Bereits am 23.
Januar 2012 hatten die behandelnden Ärzte der Rehaklinik Bellikon eine adaptierte
Tätigkeit für ganztags zumutbar erachtet (Suva-act. 142). Dr. C._ sowie Kreisarzt Dr.
E._ waren am 21. März bzw. 4. April 2013 gleicher Meinung gewesen (Suva-act. 197,
203). Die behandelnden Ärzte der Kliniken Valens hatten in ihrem Austrittsbericht vom
17. Mai 2013 einen Einstieg mit einem 50%-Pensum empfohlen, gingen dann aber von
einer allmählichen Steigerung des Pensums unter Aufsicht des Hausarztes aus (Suva-
act. 223, 234-4 f.). Ausser der Einschätzung von Dr. H._ sind keine zeitnah zum
Einstellungszeitpunkt erstellten ärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen aktenkundig.
Dr. J._ und med. pract. K._ hatten am 1. Oktober 2015 (vor der OSME)
festgehalten, der Beschwerdeführer wünsche sich, dass er wieder zu 70% arbeiten
könne und möchte auf keinen Fall eine "100%-Rente". Eine eigene Schätzung der
Arbeitsfähigkeit nahmen sie jedoch nicht vor (vgl. Suva-act. 324). Den im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens eingereichten medizinischen Berichten ist zu entnehmen, dass
sich der Beschwerdeführer weiterhin in ärztlicher Behandlung (im Sinne von
Kontrolluntersuchen) befindet. Eine konkrete Arbeitsfähigkeitsschätzung findet sich
darin jedoch nicht (vgl. act. G3.1 f., 13.1, 13.6). Die zuständigen Ärzte des KSSG hielten
am 1. Februar 2018 erneut fest, aufgrund der anhaltenden Schmerzsymptomatik sei
aus Sicht des Beschwerdeführers eine Arbeitsfähigkeit von 100% nicht möglich, am
ehesten ca. 70%. Die Ärzte äusserten sich nicht selbst zur Arbeitsfähigkeit, sondern
befanden, zu einer genauen Beurteilung wäre ein spezialisiertes arbeitsmedizinisches
Gutachten nötig (act. G13.6). Der Beschwerdeführer lässt in seiner Beschwerdeschrift
zwar geltend machen, er sei auch in einer adaptierten Tätigkeit nur noch maximal zu
50% arbeitsfähig. Diese - selbst den erwähnten eigenen Einschätzungen der
Arbeitsfähigkeit von 70% widersprechende - Aussage belegt er jedoch nicht mit
ärztlichen Berichten (vgl. act. G1, S. 4 f.). Zusammenfassend ist entsprechend der
überzeugenden Beurteilung der Kreisärzte von einer Arbeitsfähigkeit von 100% in einer
adaptierten Tätigkeit auszugehen. Mit dem Zumutbarkeitsprofil (wechselbelastende,
leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeit; keine Zwangshaltungen der Wirbelsäule
oder Tragen von Lasten über 15kg; kein repetitives Steigen auf Leitern, Treppen oder
Hypästhesie vorhanden. Diese von Dr. H._ in Kenntnis der Vorakten beschriebenen
Beschwerden stimmen im Wesentlichen mit den Einschätzungen der behandelnden
Ärzte überein (Suva-act. 352, 368, act. G3.1, G13.6).
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Gerüste sowie andere absturzgefährdete Bereiche; kein repetitives Arbeiten auf
unebenem Untergrund oder in widrigen Witterungsverhältnissen; vgl. Suva-act. 366-8)
trug Dr. H._ den Einschränkungen des Beschwerdeführers, insbesondere auch der
lokalen Gefühlslosigkeit, genügend Rechnung. Weitere medizinische Abklärungen
erübrigen sich damit.
5.
Basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 100% in einer adaptierten Tätigkeit ist im
Rahmen eines Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad zu ermitteln.
Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person im
Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige
Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 322 E. 4.1).
Der Beschwerdeführer hatte in seinem Heimatland eine Verkäuferlehre absolviert,
arbeitete danach jedoch nur kurzzeitig in diesem Beruf. Ab 1992 war er als ungelernter
Handwerker bzw. Bauarbeiter beschäftigt (vgl. Suva-act. 21). Zuletzt war er von 2007
bis 2009 für die auf den Namen seiner Ehefrau eingetragene Einzelunternehmung im
Bereich Raumausstattung tätig (Suva-act. 21, 241). Von Januar 2009 bis zu seinem
Unfall vom 29. Juni 2009 erhielt er aufgrund eines Bandscheibenvorfalls Taggelder
seiner Krankenversicherung (vgl. Suva-act. 231-2, 240), so dass der 2009 erzielte
Verdienst für die Festsetzung des Validenlohns nicht massgeblich sein kann. Die
Beschwerdegegnerin hatte erhebliche Schwierigkeiten, die relevanten Unterlagen
bezüglich des Verdienstes des Beschwerdeführers bei der B._ erhältlich zu machen
(vgl. Suva-act. 240 ff.). Als diese schliesslich eingingen, wies die Beschwerdegegnerin
an einem Gespräch vom 6. März 2014, an welchem unter anderem der
Beschwerdeführer und der Treuhänder der Einzelunternehmung teilnahmen, zu Recht
auf diverse Ungereimtheiten hin (vgl. Suva-act. 247). So hatten die Parteien eine
Lohnvereinbarung von Fr. 65'000.-- unterzeichnet und für das Jahr 2008 deklarierte der
Beschwerdeführer gegenüber der Beschwerdegegnerin ein Einkommen in dieser Höhe
(Suva-act. 236, 241-7). Dies weicht aber von den weiteren Angaben ab. Im
aktenkundigen Arbeitsvertrag vom 28. Februar 2007 wurde ein Lohn von Fr. 4'800.--
monatlich mal 12 Monate, entsprechend einem Jahreslohn von Fr. 57'600.--, vereinbart
(act. G15.2). Auf den Erfolgsrechnungen 2007 bzw. 2008 sind Löhne und Gehälter von
lediglich Fr. 17'902.55 bzw. Fr. 7'113.80 aufgeführt (act. G15.3 f.). Auf dem IK-Auszug
findet sich sodann für das Jahr 2007 ein Betrag von Fr. 10'987.--, für das Jahr 2008
5.1.
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fehlt ein Eintrag (vgl. Suva-act. 200). Lohnabrechnungen wurden anscheinend nicht
erstellt (vgl. Suva-act. 247). Im Bericht über das erwähnte Gespräch vom 6. März 2014
sind weitere abweichende Lohnangaben und Ungereimtheiten erwähnt, welche sich
anhand der vorhandenen Akten nur teilweise nachvollziehen lassen (Suva-act. 247). Es
fehlt damit an einer repräsentativen Grundlage für die Bestimmung des
Valideneinkommens, weshalb es sich rechtfertigt, auf die Tabelle TA1 der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik, Total
sämtlicher Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Männer, abzustellen. Der von der
Beschwerdegegnerin angenommene Lohn für das Jahr 2007 von Fr. 57'600.-- (vgl.
Suva-act. 250) ist nicht rechtsgenüglich nachgewiesen.
Art. 16 ATSG umschreibt das Invalideneinkommen als hypothetisches Einkommen.
Nach der ständigen Verwaltungspraxis und Rechtsprechung steht der Beizug von
Tabellen und vergleichbaren Übersichten im Vordergrund (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 3. Auflage, 2015, Art. 4 N 46 ff.). Da dem Beschwerdeführer wie im
Validenfall Hilfsarbeitertätigkeiten zumutbar sind, rechtfertigt es sich, das
Invalideneinkommen ebenfalls gestützt auf die LSE, Total sämtlicher
Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Männer, zu bestimmen.
5.2.
Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten (Hilfsarbeiter)Tätigkeiten behindert
sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Wie Kreisarzt
Dr. H._ festhielt, hat der Beschwerdeführer qualitative Einschränkungen (vgl. E. 4,
Suva-act. 366) und es ist von der Notwendigkeit einer gewissen erhöhten
Rücksichtnahme seitens des Arbeitgebers auszugehen. Er ist im Vergleich zu voll
leistungsfähigen Arbeitnehmern damit lohnmässig benachteiligt und muss mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen (vgl. zum Ganzen Philipp Geertsen, Der
Tabellenlohnabzug, in Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.]: Jahrbuch zum
Sozialversicherungsrecht 2012, S. 139 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Januar
2014, 9C_796/2013, E 3.1.2). Es rechtfertigt sich damit, den Tabellenlohnabzug auf
15% festzusetzen. Für einen weitergehenden Abzug - wie vom Beschwerdeführer
beantragt (act. G1, G13) - besteht keine Grundlage, zumal er weiterhin in einem
5.3.
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6.
Weiter ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Integritätsentschädigung zu
beurteilen. Die Beschwerdegegnerin sprach dem Beschwerdeführer eine solche
basierend auf einem Integritätsschaden von 14.5% zu (Suva-act. 367, 402).
Vollzeitpensum tätig sein kann und bei einer Hilfsarbeitertätigkeit eine fehlende
Ausbildung nicht von Relevanz ist (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2017,
8C_771/2016, E. 5.2.2).
Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
und unter Berücksichtigung eines 15%igen Tabellenlohnabzugs resultiert im Rahmen
eines Prozentvergleichs ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von 15%.
5.4.
Die Integritätsentschädigung wird gemäss Art. 25 Abs. 1 UVG entsprechend der
Schwere des Integritätsschadens abgestuft. Bei gleichem medizinischem Befund ist
der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär
bemessen. Spezielle Behinderungen der betroffenen Person bleiben dabei
unberücksichtigt (BGE 124 V 35 E. 3c, 113 V 221 E: 4b). Die Bemessung des
Integritätsschadens hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalls
ab; es geht vielmehr um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung
der körperlichen und/oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht
zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1). Nach Art. 36 Abs. 2 UVV wird die
Integritätsentschädigung gemäss den Richtlinien des Anhangs 3 zur UVV bemessen.
Dieser Anhang enthält eine als gesetzmässig und nicht abschliessend anerkannte
Skala. Die medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrätlichen Skala zusätzliche Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form
(sogenannte Feinraster) erarbeitet. Diese Tabellen enthalten Richtwerte, mit denen die
Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll; sie sind mit dem
Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32 E. 1c mit Hinweis).
6.1.
Dr. H._ führte am 9. August 2016 mit Verweis auf die Suva-Tabelle 2
"Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an den unteren Extremitäten" aus, eine
Lähmung der Glutealnerven werde mit 10% bewertet. Die vorliegende klinische
Situation entspreche unter analoger Betrachtung einer partiellen Schädigung der
Glutealnerven und sei mit 7.5% zu bewerten. Die bereits eingetretene posttraumatische
Arthrose des linken ISG werde gemäss Tabelle 5 "Integritätsschaden bei Arthrosen" bei
persistierender Störung der Bewegungskette und Funktionsbeeinträchtigung ebenfalls
mit 7.5% bewertet (Suva-act. 367). Während diese Einschätzung überzeugend ist,
unterlief Dr. H._ bei der Bemessung des Gesamt-Integritätsschadens offenbar ein
6.2.
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Rechnungsfehler. So kam er zum Schluss, es liege ein Integritätsschaden von 14.5%
vor, wobei richtigerweise ein solcher von 15% (7.5% + 7.5%) resultieren müsste (vgl.
Suva-act. 367).
Der Beschwerdeführer beanstandet die Schätzung von Dr. H._ nicht
grundsätzlich, macht jedoch geltend, die zugesprochene Integritätsentschädigung
werde seinen Schmerzen und Beeinträchtigungen im Alltagsleben nicht gerecht. Vor
allem die Gefühlslosigkeit in einem sehr hohen Umfang im Bereich des linken
Oberschenkels stelle eine permanente Gefährdung für nicht bemerkte Verletzungen
und Folgeschäden dar. Zudem führten die Unfallverletzungen zu einem gestörten
Gangbild, er könne sich nur hinkend fortbewegen (act. G1). In seiner Replik brachte er
sodann vor, es bestehe eine schwere Instabilität beim Gehen unter starken
Dauerschmerzen, ausgehend von der erfolglosen Operation im Hüftbereich. Aufgrund
dieser Gleichgewichtsstörung sei mit Verweis auf Suva-Tabelle 14 ein
Integritätsschaden von 7.5% ausgewiesen (act. G13). Der erwähnten Tabelle 14
"Integritätsschaden bei Störungen des Gleichgewichtssystems" ist bei leichten
objektivierbaren pathodiagnostischen Systembefunden in Abhängigkeit der subjektiven
Beschwerden eine Integritätsentschädigung zwischen 5 und 20% zu entnehmen. Die
Tabelle bezieht sich auf durch Schwindel bedingte Gleichgewichtsstörungen und
andere Störungen des Gleichgewichtsfunktionssystems (abrufbar unter https://
www.suva.ch/de-CH/material/Dokumentationen/tabelle-14-integritaetsschaden-bei-
stoerungen- des- gleichgewichtssystems, abgerufen am 6. September 2019). Solche
sind beim Beschwerdeführer weder medizinisch ausgewiesen, noch macht er selbst
solche Störungen geltend. Die Tabelle 14 ist damit vorliegend nicht anwendbar und es
besteht auch keine andere Grundlage für die Zusprache einer Integritätsentschädigung
bezüglich der geltend gemachten Instabilität.
6.3.
Weiter lässt der Beschwerdeführer vorbringen, die Ausfallerscheinungen im
Bereich der Beine, herrührend von der Beckenverletzung mit beschädigten Nerven
sowie von der fehlgeschlagenen Operation im Beckenbereich sei vergleichbar mit
einem Integritätsschaden bei Wirbelsäulenaffektionen. Er habe einen Beckenbruch
erlitten, der mit Fixationen einerseits sowie mit der Entfernung derselben andererseits
mit einem völlig unbefriedigenden Ergebnis behandelt worden sei. Er leide unter
Dauerschmerzen, auch in Ruhestellung und nachts. Die Fraktur unterhalb der
Lendenwirbelsäule mit den aktuellen Auswirkungen auf die Schmerzen und auf die
Fortbewegung sei mit einer schweren Wirbelsäulenaffektion gleichzusetzen, was
gemäss Suva-Tabelle 7 eine Integritätsentschädigung von 25% (Mittelwert) rechtfertige
(act. G13). Beim Beschwerdeführer lag eine BWK12-Fraktur vor, welche eine
6.4.
https://www.suva.ch/de-CH/material/Dokumentationen/tabelle-14-integritaetsschaden-bei-stoerungen-%://www.suva.ch/de-CH/material/Dokumentationen/tabelle-14-integritaetsschaden-bei-stoerungen-%://www.suva.ch/de-CH/material/Dokumentationen/tabelle-14-integritaetsschaden-bei-stoerungen-%20des-
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7.
Schliesslich lässt der Beschwerdeführer geltend machen, die Integritätsentschädigung
sei ab 1. August 2013 mit 5% zu verzinsen. Er lässt diesbezüglich ausführen, die
Beschwerdegegnerin habe ihm ursprünglich ab 1. August 2013 eine Rente von 14%
zugesprochen. Somit hätte bereits zu jenem Zeitpunkt auch über die
Integritätsentschädigung verfügt werden können, weshalb ab jener Verfügung ein Zins
von 5% zu leisten sei (act. G1). Die Beschwerdegegnerin sprach dem
Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1. September 2014 mit Wirkung ab 1. August
2013 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 14% zu und verneinte einen
Anspruch auf eine Integritätsentschädigung (Suva-act. 271). Wie die
Beschwerdegegnerin jedoch zu Recht geltend macht (act. G7), stellte sich heraus, dass
der medizinische Endzustand noch nicht erreicht war, weshalb sie ihre Verfügung mit
Schreiben vom 21. Juli 2015 vollumfänglich aufhob und weiter Taggelder ausrichtete
(vgl. Suva-act. 305). Die Integritätsentschädigung wird gemäss Art. 24 Abs. 2 UVG mit
der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der
Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt. Folglich wurde die
Integritätsentschädigung korrekterweise erst nach dem Fallabschluss mit der
Verfügung vom 30. August 2016 festgelegt (Suva-act. 370). Damit besteht keine
Verzugszinspflicht im Sinne von Art. 26 Abs. 2 ATSG.
8.
Spondylodese nötig machte (vgl. Suva-act. 6 f.). Wie in Erwägung 3.2 ausgeführt, lagen
im Zeitpunkt der Leistungseinstellung jedoch keine nennenswerten Beschwerden
bezüglich der Wirbelsäule mehr vor. Die vorgebrachten Einschränkungen im
Zusammenhang mit dem Beckenbruch sind nicht mit einer Wirbelsäulenaffektion
gleichzusetzen. Unter diesen Voraussetzungen sieht die erwähnte Tabelle 7
"Integritätsschaden bei Wirbelsäulenaffektionen" keine Integritätsentschädigung vor
(abrufbar unter https://www.suva.ch/de-CH/material/Dokumentationen/tabelle-07-
integritaetsschaden-bei-wirbelsaeulenaffektionen, abgerufen am 6. September 2019).
Zusammenfassend rechtfertigt sich kein über die - um den Rechenfehler korrigierte
- Schätzung von Dr. H._ von 15% hinausgehender Integritätsschaden.
6.5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass der
angefochtene Einspracheentscheid vom 4. Oktober 2017 aufzuheben und dem
Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. September 2016 eine Invalidenrente
entsprechend einem Invaliditätsgrad von 15% sowie eine Integritätsentschädigung
basierend auf einem Integritätsschaden von 15% zuzusprechen ist. Zur Festsetzung
8.1.
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