Decision ID: 2a42acee-67b2-4e59-81e1-74b690777de0
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die X._ AG (nachfolgend: Beschwerdeführerin) ersuchte das Bun-
desamt für Kultur BAK (nachfolgend: Vorinstanz) am 12. April 2021 zum
zweiten Mal um selektive Filmförderung in der Höhe von Fr. 130'000.– für
die Herstellung des Dokumentarfilms "(...)" von A._, nachdem die
Vorinstanz das erste Gesuch am 24. Juni 2020 abgewiesen hatte.
B.
An einer Sitzung vom 14. bis 18. Juni 2021 prüfte der Ausschuss "Doku-
mentarfilm" des BAK das Dossier. Am 17. Juni 2021 stellten die Regisseu-
rin und der zuständige Produzent dem Ausschuss das Projekt persönlich
vor.
Der Ausschuss empfahl, das Gesuch zurückzustellen, damit es überarbei-
tet werde. Dieser Empfehlung schloss sich die Vorinstanz mit Schreiben
vom 28. Juni 2021 an. Der letzte Abschnitt des Schreibens lautete:
"Wir bitten Sie, uns schriftlich innert 30 Tagen mitzuteilen, ob Sie mit dem
Vorschlag der Überarbeitung des Projekts einverstanden sind.
Das überarbeitete Gesuch ist spätestens auf den Eingabetermin vom Ap-
ril 2022 einzureichen.
Sie haben die Möglichkeit, den Erlass einer begründeten, beschwerdefähigen
Verfügung mit Rechtsmittelbelehrung zu verlangen (Art. 51 Abs. 2 FiFV). In
diesem Fall bitten wir Sie, uns dies schriftlich innert 30 Tagen nach Erhalt die-
ses Schreibens mitzuteilen."
Die Beschwerdeführerin reagierte innert diesen Fristen nicht darauf.
C.
Anlässlich eines Telefonats vom 21. September 2021 teilte die Vorinstanz
der Beschwerdeführerin mit, die Frist für die Einverständniserklärung zur
Überarbeitung des Projekts sei abgelaufen. Daraufhin erklärte die Be-
schwerdeführerin mit E-Mail vom 21. September 2021, sie habe den ge-
setzlichen Teil der Verfügung nicht sorgfältig gelesen und wolle den Vor-
schlag zur Überarbeitung gerne annehmen. Die Erarbeitung einer Drehvor-
lage mit einer klaren Szenenabfolge sei bereits im Gange.
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D.
Mit E-Mail vom 4. Oktober 2021 teilte die Vorinstanz mit, es lägen keine
ausreichenden Gründe vor, welche die verpasste Frist ausreichend erklä-
ren und einen positiven Entscheid rechtfertigen würden, weshalb sie auf
das Gesuch nicht mehr eintreten könne.
E.
Die Beschwerdeführerin machte mit E-Mail vom 6. Oktober 2021 geltend,
das Schreiben vom 28. Juni 2021 sei missverständlich formuliert und die
Frist darin an keine Konsequenz gebunden gewesen, weshalb ihr Ge-
suchsanspruch nicht verwirkt sei. Sollte die Vorinstanz an ihrer Ansicht fest-
halten, bitte sie um eine beschwerdefähige Verfügung.
F.
Mit Verfügung vom 29. November 2021 stellte die Vorinstanz fest, das Ge-
such vom 12. April 2021 um selektive Filmförderung sei am 28. Juni 2021
abgewiesen worden, denn die Gesuchstellerin habe weder den Vorschlag
zur Überarbeitung angenommen, noch eine anfechtbare Verfügung ver-
langt. Das Begehren vom 21. September 2021 mit Ergänzung vom 6. Ok-
tober 2021 wurde als Wiedereinsetzungsgesuch entgegengenommen und
abgewiesen.
G.
Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 13. Januar
2022 Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht mit folgenden
Rechtsbegehren:
"1. Die Verfügung vom 29. November 2021 sei aufzuheben.
2. Die Vorinstanz sei anzuweisen, der Beschwerdeführerin die Möglichkeit
zu gewähren, das überarbeitete Gesuch erneut einzugeben.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
Sie führt insbesondere aus, beim letzten Absatz des letzten Abschnitts im
Schreiben vom 28. Juni 2021 (vgl. Bst. B.) handle es sich um eine behörd-
liche Frist und die Vorinstanz hätte daher Säumnisfolgen androhen und
eine Nachfrist ansetzen müssen. Im dritten Absatz gehe die Vorinstanz
fälschlicherweise davon aus, dieser Passus wiederhole nur die gesetzliche
Regelung aus Art. 51 Abs. 2 der Verordnung des EDI über die Filmförde-
rung (FiFV, SR 443.113), weshalb hinreichend auf die Säumnisfolgen hin-
gewiesen worden sei. Nach Ansicht der Beschwerdeführerin regle dieser
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Artikel aber den Fall, in dem die gesuchstellende Person mit dem Ent-
scheid der Behörde nicht einverstanden ist und sich dagegen wehren
möchte. Im ersten Absatz hingegen gehe es nicht um eine gesetzliche
Frist.
H.
In der Vernehmlassung vom 10. Februar 2022 beantragt die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde und hält im Übrigen an ihren Ausführungen
gemäss der angefochtenen Verfügung fest.
I.
Die Durchführung einer mündlichen Verhandlung ist von keiner Seite be-
antragt worden.
J.
Auf weitere Vorbringen der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen
der Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden ge-
gen Verfügungen der Vorinstanz zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG).
Die Beschwerdeführerin hat als Gesuchstellerin am vorinstanzlichen Ver-
fahren teilgenommen. Sie ist durch die angefochtene Verfügung besonders
berührt und hat als Verfügungsadressatin ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde
wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1
VwVG), der Kostenvorschuss wurde innert Frist bezahlt (Art. 63 Abs. 4
VwVG) und die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen liegen vor (Art. 44 ff.
VwVG).
Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft die vorliegende Beschwerde grund-
sätzlich mit voller Kognition; mit eingeschränkter Kognition prüft es die Be-
schwerde jedoch auf die Übereinstimmung der angefochtenen Verfügung
mit dem Bundesrecht, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des
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Ermessens und richtiger und vollständiger Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts (Art. 32 Abs. 3 des Bundesgesetzes über Filmproduk-
tion und Filmkultur [Filmgesetz, FiG; SR 443.1]; vgl. Urteile B-6886/2018
vom 7. August 2019 E. 3; B-3528/2016 vom 1. März 2017 E. 3). Da sich im
vorliegenden Fall ausschliesslich Verfahrensfragen stellen, hat die Kogni-
tionsbeschränkung hier keine Auswirkungen.
3.
Zu prüfen ist die Feststellung der Vorinstanz in der angefochtenen Verfü-
gung, am 28. Juni 2021 habe sie das Gesuch der Beschwerdeführerin be-
reits abgewiesen.
3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz habe ihr für den
Fall des Stillschweigens auf die 30tägige Antwortfrist keine Säumnisfolge
angedroht. Eine nachteilige Konsequenz ihres Stillschweigens wäre daher
unzulässig.
3.2 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus, sie habe die
Antwortfrist optisch hervorgehoben. Zudem gehe aus dem Schreiben klar
hervor, dass das Gesuch aktuell nicht gefördert werden könne. Den Vor-
schlag der Überarbeitung anzunehmen, würde bedeuten, das Gesuch zu-
rückzuziehen. Nur wenn der Vorschlag nicht angenommen werde, bleibe
das Gesuch hängig. Sollten für die Beschwerdeführerin die Konsequenzen
der Fristansetzung unklar gewesen sein, hätte sie mindestens innert Frist
bei ihr nachfragen müssen.
4.
4.1 Die selektive Filmförderung soll die kulturelle Ausstrahlung, wirtschaft-
liche Leistungsfähigkeit, Kontinuität und Entwicklungsfähigkeit der unab-
hängigen schweizerischen Filmproduktion unterstützen (Art. 3 FiG). Für ei-
nen Beitrag zur selektiven Filmförderung ist der Vorinstanz ein Gesuch mit
allen relevanten Angaben und Belegen einzureichen (Art. 34-35 FiFV).
4.2 Heisst die Vorinstanz ein Fördergesuch nicht vollumfänglich gut, infor-
miert sie den Gesuchsteller in der Regel in Form einer einfachen Mitteilung
und räumt ihm die Möglichkeit ein, eine beschwerdefähige Verfügung zu
verlangen (Art. 51 Abs. 2 FiFV). Hingegen eröffnet sie ihren Entscheid in
der Form einer Verfügung, wenn sie ein Begehren vollständig gutheisst
(Art. 51 Abs. 1 FiFV).
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Eine solche Ankündigung nicht vollständig gutheissender Entscheidungen
ist im Verwaltungsverfahren üblich, da sie den Anspruch auf rechtliches
Gehör des Gesuchstellers wahrt; dieser kann auf die Mitteilung des beab-
sichtigten Vorgehens hin noch Einwände erheben, sein Gesuch ändern,
ergänzen oder einen Wiedererwägungsantrag stellen, bevor die Vor-
instanz, auf sein Verlangen, abschliessend verfügt. Der Anspruch auf
rechtliches Gehör hat Verfassungsrang und schützt insbesondere das
Recht des Betroffenen, sich zu den massgeblichen Punkten der Entschei-
dung vorher zu äussern (Art. 29 Abs. 2 BV; vgl. BGE 146 I 167 E. 4.1;
BGE 141 V 557 E. 3.1, BGE 135 I 279 E. 2.3). Ein weitergehendes Inte-
resse an der Einhaltung von Art. 51 Abs. 2 FiFV, namentlich zum Schutz
von Drittparteien, ist in dieser Bestimmung allerdings nicht zu erkennen.
Sie stellt eine blosse Ordnungsvorschrift dar, von der die Vorinstanz auch
abweichen und unmittelbar eine abweisende Verfügung erlassen kann,
wenn sie dem Anspruch auf rechtliches Gehör auf andere Weise entspricht.
4.3 Anstatt ein Gesuch auf selektive Filmförderung gutzuheissen oder ab-
zuweisen, kann die Vorinstanz ein nicht ausreichendes, aber förderungs-
würdiges Gesuch auch "zurückstellen", damit es vom Gesuchsteller über-
arbeitet werden kann (Art. 45 Abs. 4 FiFV). Wie sie zutreffend ausführt,
entspricht die Zurückstellung nicht vollständig einer Gutheissung. Folglich
ist auch diese, bevor verfügt wird, im Regelfall dem Gesuchsteller in Form
einer einfachen Mitteilung anzuzeigen (Art. 47 Abs. 2 FiFV) und ist dieser
auf die Möglichkeit hinzuweisen, eine beschwerdefähige Verfügung zu ver-
langen (Art. 51 Abs. 2 FiFV). Auf Verlangen ist die Zurückstellung in einer
Zwischenverfügung formell anzuordnen, wofür das Gesuch entgegen den
Ausführungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung nicht abzu-
weisen ist. Ob der Gesuchsteller vorgängig erklären muss, dass er sein
Gesuch – wie von ihm vorgeschlagen – überarbeiten will, braucht hier nicht
entschieden zu werden.
4.4 Hat die Verwaltungsbehörde dem Gesuchsteller in einer konkreten Si-
tuation ihren Entscheid angekündigt und das rechtliche Gehör eingeräumt,
darf sie in der Verfügung nicht zu seinem Nachteil davon abweichen, ohne
ihm die Abweichung wiederum mitgeteilt und eine Möglichkeit zur Stellung-
nahme gewährt zu haben. Der Anspruch des Gesuchstellers, von staatli-
chen Organen nach Treu und Glauben behandelt zu werden (Art. 9 BV)
umfasst insbesondere den Schutz berechtigten Vertrauens in die behördli-
che Zusicherung und das Verbot, sich in diesem Sinn widersprüchlich zu
verhalten (vgl. BGE 143 V 341 E. 5.2.1; BGE 131 II 627 E. 6.1). Ob der
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/expert/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2022&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-II-627%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page627
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Betroffene seinen Gehörsanspruch wahrgenommen oder schweigend auf
das angekündigte Vorgehen reagiert hat, ändert nichts.
5.
5.1 Nach dem Gesagten kann die Vorinstanz im Einzelfall durchaus vom
erwähnten Vorgehen abweichen und ohne vorgängige Mitteilung über ein
Gesuch verfügen, wie sie es vorliegend geltend macht, insbesondere wenn
sie dessen Zurückstellung anordnet und soweit der Anspruch auf rechtli-
ches Gehör des Gesuchstellers dabei gewahrt bleibt.
Im vorliegenden Fall spricht die Formulierung des Schreibens vom 28. Juni
2021 indessen gegen seine Qualifikation als Verfügung, da es selbst eine
Verfügung erst auf Wunsch der Gesuchstellerin in Aussicht stellt und ihr
zugleich das rechtliche Gehör zur Frage der Zurückstellung einräumt. Ver-
fügungen sind behördliche Anordnungen im Einzelfall, die die Feststellung
des Bestehens, Nichtbestehens oder Umfangs von Rechten und Pflichten
des Verfügungsadressaten verbindlich und erzwingbar regeln (vgl.
BGE 131 II 13 E. 2.2; BGE 135 II 38 E. 4.3 m.w.H.), weshalb das Gesuch
schon vor einer Rückäusserung der Beschwerdeführerin erledigt gewesen
wäre, wenn der Feststellung in der angefochtenen Verfügung gefolgt
würde.
Die Gesuchstellerin durfte stattdessen nach Treu und Glauben davon aus-
gehen, die Vorinstanz werde die angekündigte Zurückstellung des Ge-
suchs als Zwischenverfügung anordnen, wenn sie keine Einwände geltend
mache (vgl. E. 4.4). Denn weder ein verbindlicher Verfügungscharakter
noch eine Abweisung des Gesuchs bei Stillschweigen können dem Schrei-
ben entnommen werden. Auch wäre eine Qualifikation als abweisende
Endverfügung mit dem Anspruch auf rechtliches Gehör der Gesuchstellerin
nicht vereinbar (vgl. E. 4.2). Die Ziff. 1 der angefochtenen Verfügung er-
weist sich darum als unzutreffend.
5.2 Folglich sind auch die Anordnungen zum Antrag auf Erlass einer be-
schwerdefähigen Verfügung und zur Beurteilung als Wiedererwägungsge-
such fehlerhaft. Die angefochtene Verfügung ist als Ganzes aufzuheben
und die Sache zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
6.
6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu
erheben (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
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6.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Antrag eine
Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zugesprochen
werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 VKGE). Die Parteient-
schädigung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere not-
wendige Auslagen der Partei und ist anhand der eingereichten Kostennote
oder, falls keine solche eingereicht wurde, aufgrund der Akten festzulegen
(Art. 8 i.V.m. Art. 14 VGKE). Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
hat dem Bundesverwaltungsgericht keine Kostennote eingereicht. Im vor-
liegenden Fall wurde ein einfacher Schriftenwechsel durchgeführt. Bei die-
ser Aktenlage erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 1'350.– (inkl.
MWST) für das Beschwerdeverfahren als angemessen.
7.
Dieser Entscheid kann nicht mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen An-
gelegenheiten an das Schweizerische Bundesgericht weitergezogen wer-
den (Art. 82 i.V.m. Art. 83 Bst. k BGG). Er ist somit endgültig.
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