Decision ID: 927003c3-1b07-4e75-8a9e-cd2f3d731c79
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfachen, teilweise versuchten Raub etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 30. August 2012 (DG120011)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 10. Februar
2012 (Urk. 40) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des mehrfachen, teilweise versuchten Raubes im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
sowie
− der Widerhandlung gegen das Ausländergesetz im Sinne von Art. 115
Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. d AuG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von
5 1⁄2 Jahren, wovon 211 Tage (gerechnet vom 20. April 2011 bis
17. November 2011) durch Haft erstanden sind, als Zusatzstrafe zum Straf-
befehl der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 4. März 2011.
Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte seit dem
17. November 2011 im vorzeitigen Strafvollzug befindet.
3. a) Der Beschuldigte wird unter solidarischer Haftung der Beschuldigten
B._, C._ und D._ sowie allfälliger weiterer Mittäter ver-
pflichtet, dem Privatkläger E._ für seine anwaltlichen Aufwendun-
gen eine Entschädigung von Fr. 1'980.50 sowie eine Genugtuung von
Fr. 5'000.– nebst Zins zu 5 % seit 22. Oktober 2010 zu bezahlen.
Im Übrigen wird festgestellt, dass der Beschuldigte unter solidarischer
Haftung der Beschuldigten B._, C._ und D._ sowie allfäl-
liger weiterer Mittäter für den Ersatz des durch das Ereignis vom
22. Oktober 2010 erlittenen Schadens haftet.
- 3 -
b) Der Beschuldigte wird unter solidarischer Haftung der Beschuldigten
B._, C._ und D._ sowie allfälliger weiterer Mittäter ver-
pflichtet, der F._, ... [Adresse], als Versicherung des Privatklägers
E._, G._ GmbH, Schadenersatz in der Höhe von
Fr. 175'820.– zu bezahlen.
c) Der Privatkläger H._ wird mit seinem Schadenersatz- und Genug-
tuungsbegehren auf den Zivilweg verwiesen.
4. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'950.00 Kosten Kantonspolizei
Fr. 1'827.50 Auslagen Vorverfahren
Fr. 8'000.00 Gebühr für das Vorverfahren (§ 4 GebV StrV)
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-
lich derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auf-
erlegt, diejenigen der amtlichen Verteidigung indessen einstweilen auf die
Gerichtskasse genommen. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 80, S. 1 f.)
1. A._ sei vom Vorwurf der Mittäterschaft zum mehrfachen Raub im
Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB freizusprechen.
- 4 -
2. A._ sei der Gehilfenschaft zu einem versuchten Raub (ND ...) und
der Gehilfenschaft zu einem vollendeten Raub (HD ...) schuldig zu
sprechen.
3. Es sei davon Kenntnis zu nehmen, dass der Schuldspruch betreffend
Widerhandlung gegen das Ausländergesetz nicht angefochten wurde
und in Rechtskraft erwachsen ist.
4. Für die zweimalige Gehilfenschaft und der Widerhandlung gegen das
BG ANA sei Herr A._ mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten zu
bestrafen, als Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 4. März 2011.
5. Die bis heute verbüsste Haft von schon mehr als 2 Jahren sei an die
Strafe anzurechnen.
6. A._ sei aus der Haft zu entlassen und dem Migrationsamt zuzu-
führen.
7. Im Zivilpunkt sei A._ aus der Solidarhaftung zu entlassen und alle
Forderungen gegen ihn seien abzuweisen oder auf den Zivilweg zu
verweisen.
8. Die erst- und zweitinstanzlichen Kosten sowie die Kosten der amtlichen
Verteidigung seien unabhängig vom Ausgang des Verfahrens auf die
Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 81, S. 1)
Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von
6 1⁄2 Jahren als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft IV des
Kantons Zürich vom 4. März 2011.
- 5 -

Das Gericht erwägt:
I.
Anklagesachverhalt
Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
10. Februar 2012 werden dem Beschuldigten mehrfacher, teilweise versuchter
bandenmässiger Raub sowie Vergehen gegen das Ausländergesetz vorgeworfen,
weil er sinngemäss zusammengefasst Folgendes getan habe:
Einige Tage vor dem 14. Oktober 2010 sei der Beschuldigte trotz gegen ihn
verhängter Fernhaltemassnahme in die Schweiz eingereist, wo er sich dann mit
B._, D._ und C._ getroffen habe, um sich mit diesen zu bespre-
chen und in der Folge in gleichmassgeblichem Zusammenwirken und jeder mit
den Tathandlungen des anderen einverstanden unter Androhung von Waffenge-
walt einen Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft zu verüben. Dabei sei vereinbart
worden, dass D._ und C._ die Tat unter Zuhilfenahme einer (mutmass-
lich) unechten Schusswaffe ausführen, die Beute anschliessend dem Beschuldig-
ten und B._ übergeben und diese die Beute zur Verwertung nach I._
[osteuropäische Stadt] bringen sollten.
Nachdem der Beschuldigte und B._ am 13. Oktober 2010 den ortsun-
kundigen D._ und C._ in J._ die Bijouterie "K._" als geeigne-
tes Überfallobjekt gezeigt hätten, seien letztere am 14. Oktober 2010 zur Tat ge-
schritten, indem sie die Geschäftsführerin L._ und den Juwelier H._ mit
Körperkraft und unter Verwendung der erwähnten Schusswaffe zu überrumpeln
versucht hätten, um anschliessend die vorhandenen Wertgegenstände zu behän-
digen. Dabei sei es ihnen jedoch nicht gelungen, den sich heftig wehrenden
H._ zu überwältigen, weshalb sie nach ca. drei Minuten von ihrem Vorhaben
abgelassen hätten und geflüchtet seien. In dieser Zeit hätten sich der Beschuldig-
te und B._ in unmittelbarer Nähe der Bijouterie aufgehalten, um die erwartete
Beute übernehmen zu können.
- 6 -
Nachdem die vier Komplizen am 20. Oktober 2010 in M._ die Bijouterie
"G._ E._" ausgekundschaftet hätten, habe am 22. Oktober 2010 zu-
nächst D._ die Bijouterie betreten und sich mit dem Geschäftsführer E._
unterhalten, worauf auch C._ Einlass begehrt, E._ den sich anbahnen-
den Überfall jedoch realisiert und ihm den Einlass verwehrt habe. In der Folge
habe D._ die erwähnte Schusswaffe gezückt und E._ damit mehrmals
auf den Schulter-/Halsbereich geschlagen, bis dieser schliesslich verraten habe,
wo sich der Türöffner befinde, so dass auch C._ habe eingelassen werden
können. Daraufhin sei E._ gefesselt und seine Angestellte N._ aufge-
fordert worden, den Safe zu öffnen, was diese getan habe, bevor auch sie gefes-
selt worden sei. Schliesslich hätten D._ und C._ Schmuck im Wert von
ca. Fr. 250'000.– behändigt, das Geschäft verlassen und die Beute dem während
des Überfalls in der Nähe wartenden Beschuldigten und B._ kurz darauf
übergeben. Diese hätten die Beute dann wenige Tage später nach I._ ge-
bracht, wo sie dafür von unbekannter Seite entschädigt worden seien, wobei der
Beschuldigte auch die Entschädigungen für D._ und C._ von je
EUR 4'000.– erhalten und sie diesen in der Folge weitergegeben habe.
Im Februar 2011 seien der Beschuldigte, D._ und C._ abermals in
die Schweiz eingereist, um zusammen mit dem hier lebenden B._ einen wei-
teren Raubüberfall zum Nachteil näher nicht bekannter Geschädigter zu organi-
sieren und durchzuführen, wobei sie aber noch vor der Tatausführung hätten ver-
haftet werden können (näher dazu Urk. 40, S. 4 ff.).
II.
Prozessgeschichte
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur erging am 30. August 2012
und wurde dem Beschuldigten sogleich mündlich und schriftlich im Dispositiv er-
öffnet (Urk. 57). In der Folge meldete er mit Eingabe vom 7. September 2012,
eingegangen am 10. September 2012, innert Frist Berufung an (Urk. 60). Das
vollständig begründete Urteil wurde dem Beschuldigten am 2. Oktober 2012 zu-
gestellt (Urk. 64). Diesbezüglich reichte er mit Eingabe vom 16. Oktober 2012,
- 7 -
eingegangen am 19. Oktober 2012, schliesslich fristgemäss seine Berufungser-
klärung ein, wobei er die Berufung auf die Dispositivziffern 1 teilweise (Schuld-
spruch wegen mehrfachen, teilweise versuchten Raubs), 2 (Strafpunkt), 3 teilwei-
se (Zivilpunkt mit Ausnahme der Verweisung des Privatklägers H._ auf den
Zivilweg) und 5 (Kostenauflage) des angefochtenen Urteils beschränkte (Urk. 67).
Von Seiten der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerschaft wurde keine selb-
ständige Berufung erhoben. Mit Verfügung vom 7. November 2012 überwies die
Vorinstanz deshalb die Akten ans Obergericht des Kantons Zürich, damit dieses
die Berufung des Beschuldigten behandle (Urk. 65 bzw. 69).
2. Mit Verfügung des Präsidenten der Berufungskammer vom
22. November 2012 wurde der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerschaft Frist
angesetzt, um Anschlussberufung zu erklären oder Nichteintreten zu beantragen
(Urk. 71). In der Folge erhob die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 14. Dezem-
ber 2012, eingegangen am 17. Dezember 2012, innert Frist auf die Strafzumes-
sung beschränkte Anschlussberufung (Urk. 74); von Seiten der Privatklägerschaft
wurde explizit (Urk. 73) oder implizit darauf verzichtet. Mit Präsidialverfügung vom
20. Dezember 2012 wurde schliesslich dem Beschuldigten und der Privatkläger-
schaft Kenntnis von der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft gegeben
(Urk. 75).
3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in
Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin sowie der Staatsanwalt. Es wurden die
eingangs genannten Anträge gestellt (Prot. II, S. 4 f.).
III.
Prozessuales
Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). E contrario erwachsen die nicht von der Berufung erfassten
Punkte in Rechtskraft (SCHMID, StPO-Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2009,
Art. 402 N 1; vgl. auch Art. 437 StPO).
- 8 -
Entsprechend ist vorab mit Beschluss festzustellen, dass das Urteil des Be-
zirksgerichts Winterthur vom 30. August 2012 bezüglich der Dispositivziffern 1
teilweise (Schuldspruch wegen Widerhandlung gegen das AuG), 3 teilweise
(Verweisung des Privatklägers H._ auf den Zivilweg) und 4 (Kostenfestset-
zung) in Rechtskraft erwachsen ist.
IV.
Sachverhaltserstellung
1. Der Grundsatz der freien richterlichen Beweiswürdigung besagt, dass
das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonne-
nen Überzeugung würdigen soll (Art. 10 Abs. 2 StPO).
Entsprechend hat das Gericht seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrun-
de zu legen, den es aufgrund aller ihm vorliegenden Beweise und seiner daraus
resultierenden Überzeugung als gegeben erachtet. Ist ein Sachverhalt umstritten,
ist es demzufolge Aufgabe des Gerichts, nur den vorliegenden Fakten verpflichtet
und ohne Bindung an gesetzliche Regeln zu prüfen, ob es sich von einer be-
stimmten Sachverhaltsdarstellung überzeugt zeigen kann. Bestehen nach so vor-
genommener Beweiswürdigung erhebliche und unüberwindbare Zweifel an der
Täterschaft des Beschuldigten, so sind diese aufgrund der Unschuldsvermutung
und dem aus ihr fliessenden Grundsatz "in dubio pro reo" zu seinen Gunsten zu
werten (Art. 10 Abs. 1 und 3 StPO).
Wenngleich in einem Strafprozess an den Beweis von Täterschaft und
Schuld besonders hohe Anforderungen zu stellen sind, kann ein Schuldspruch
somit auch dann erfolgen, wenn hinsichtlich der Tatsachenfeststellung keine ab-
solute Sicherheit besteht. Denn bloss abstrakte und theoretische Zweifel sind im-
mer möglich. Es sind mithin – wie vorstehend erwähnt – nur erhebliche und un-
überwindbare Zweifel zu Gunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen. Als sol-
che gelten Zweifel dann, wenn sie sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen
und sich jedem kritischen und vernünftigen Menschen stellen (HAUSER/SCHWERI/
HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, Basel 2005, 6. Aufl., S. 247 f.;
BGE 127 I 40; BGE 124 IV 87 f.; BGE 120 Ia 38).
- 9 -
Ein Freispruch in Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" hat mit
anderen Worten also nur dann zu ergehen, wenn das Gericht nach pflichtgemäs-
ser Beweiswürdigung unter Einbezug aller im Einzelfall relevanten Umstände vor-
handene Zweifel nicht überwinden und sich demzufolge von einer bestimmten
Sachverhaltsdarstellung nicht überzeugt zeigen kann. Die Anforderungen an die
gerichtliche Überzeugung dürfen dabei aber freilich auch nicht überspannt wer-
den. Überzeugung ist erreicht, wenn vernünftigerweise und nach der Erfahrung
des Lebens ein gegenteiliger Sachverhalt keine oder nur eine geringe Wahr-
scheinlichkeit für sich hat und erhebliche Zweifel demzufolge nicht oder nicht
mehr bestehen. Bei der Beweiswürdigung muss sich das Gericht also zu einer
subjektiven Gewissheit und Wahrheit durchringen können (HOCHULI, In dubio pro
reo, SJZ 50 [1954], S. 255; ZR 72, Nr. 80; ZR 71, Nr. 110; ZR 71, Nr. 7).
Sind Personalbeweise zu würdigen, so ist anhand sämtlicher sich aus den
Akten ergebenden Umstände zu prüfen, ob die einzelnen bzw. welche der Sach-
verhaltsdarstellungen überzeugen. Dabei kommt es vorwiegend auf den inneren
Gehalt der einzelnen Aussagen an, verbunden mit der Art und Weise, wie sie er-
folgen. Es darf also nicht einfach auf die Persönlichkeit oder die allgemeine
Glaubwürdigkeit der aussagenden Person abgestellt werden, sondern es ist vor
allem die Glaubhaftigkeit ihrer konkreten, sachverhaltsrelevanten Aussagen zu
berücksichtigen. Diese sind einer Analyse und einer kritischen Würdigung zu un-
terziehen. Sie sind insbesondere auf das Vorhandensein von Realitätskriterien
oder Lügensignalen zu überprüfen (BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung
vor Gericht, Bd. I, 3. Aufl., München 2007, S. 68 ff.; BENDER, Die häufigsten Feh-
ler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, SJZ 81 [1985], S. 53 ff.; HAUSER,
Der Zeugenbeweis im Strafprozess, Zürich 1974, S. 316).
2. In seiner Berufungserklärung macht der Beschuldigte geltend, es treffe
nicht zu, dass er bei den ihm vorgeworfenen Anklagesachverhalten als Mittäter
fungiert habe bzw. dass er als solcher zu qualifizieren sei. Entsprechend sei er
des in Mittäterschaft begangenen mehrfachen, teilweise versuchten Raubs nicht
schuldig und von diesem Vorwurf freizusprechen. Eventualiter sei er lediglich der
Gehilfenschaft dazu schuldig zu sprechen.
- 10 -
Zur Begründung führt er sinngemäss zusammengefasst an, die Vorinstanz
habe sich lediglich und einseitig auf die belastenden Aussagen der Mitbeschuldig-
ten abgestützt, insbesondere auf diejenigen von B._, der sie anlässlich der
Konfrontationseinvernahmen aber nicht wiederholt habe, womit sie "gar nicht ver-
wertbar sein dürften". Ferner sei die Vorinstanz auf diverse Widersprüche nicht
näher eingegangen, weil sie unzutreffenderweise davon ausgegangen sei, es sei
rechtlich nicht relevant, wer was genau getan habe, bzw. ein stimmiges Gesamt-
bild über den Beschuldigten angenommen habe. In Tat und Wahrheit lasse sich
seine mittäterschaftliche Beteiligung aber nicht rechtsgenügend nachweisen und
ein entsprechender Schuldspruch somit nicht begründen (Urk. 67, S. 2 f.).
Dieselben Vorbringen wiederholte er anlässlich der Berufungsverhandlung,
wo er indes keinen vollumfänglichen Freispruch mehr forderte, sondern einen
Schuldspruch wegen Gehilfenschaft zu mehrfachem, teilweise versuchtem Raub
(Urk. 80, S. 1 ff.).
3. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten und der Mitbe-
schuldigten hinsichtlich dessen Tatbeitrags im Wesentlichen wiedergegeben und
sie sowohl einzeln als auch in ihrer Gesamtheit nachvollziehbar gewürdigt. Soweit
nachfolgend nicht davon abgewichen wird bzw. Ergänzungen vorgenommen wer-
den, kann vorab auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO; Urk. 66, S. 14 ff.).
a) Mittäterschaft wird definiert als gleichwertiges koordiniertes Zusam-
menwirken bei der Begehung einer Straftat, so dass als Mittäter erscheint, wer bei
der Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Delikts vorsätzlich und in
massgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Haupt-
beteiligter dasteht (TRECHSEL/PIETH, StGB-Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich/
St. Gallen 2013, Vor Art. 24 N 10 ff.; BGE 108 IV 92).
Von Gehilfenschaft im Sinne von Art. 25 StGB spricht man, wenn eine Per-
son in bloss untergeordneter Stellung die Vorsatztat eines Anderen vorsätzlich
fördert (TRECHSEL/PIETH, a.a.O., Art. 25 N 1).
b) Der Beschuldigte bestreitet nicht, vor den Raubüberfällen mit den Mit-
beschuldigten in Kontakt gestanden zu haben sowie bei der Ausführung der
Raubüberfälle an den Tatorten bzw. in deren Nähe gewesen zu sein. Er gibt zu,
- 11 -
die Mitbeschuldigten mehrmals getroffen und herumchauffiert zu haben sowie bei
der Planung der Raubüberfälle dabei gewesen zu sein und um deren Ausführung
gewusst zu haben. Auch stellt er nicht in Abrede, kurz nach dem Raubüberfall in
M._ zusammen mit B._ nach I._ gefahren zu sein und dort von die-
sem Geld erhalten bzw. je EUR 4'000.– als Gaunerlohn an D._ und C._
weitergegeben zu haben. Er macht jedoch geltend, lediglich "eine Art Chauffeur"
für die Mitbeschuldigten gewesen zu sein und dass er von den Raubüberfällen ei-
gentlich nichts hätte hören und wissen wollen. Auch habe er nicht geahnt, dass
sich die Beute aus dem Raubüberfall in M._ im Auto befunden habe, als er
kurz danach zusammen mit B._ nach I._ gefahren sei. Dort angekom-
men, habe er selbst auch keinen Gaunerlohn erhalten. Entsprechend sei er
höchstens bzw. nur ein Gehilfe, aber sicher kein Mittäter gewesen (Urk. 56/1, S. 8
ff.; Urk. 79, S. 9 ff.; Urk. 80, S. 2 ff.).
ba) Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten als unglaubhaft
qualifiziert, da sie widersprüchlich seien und der Beschuldigte seine Angaben im
Verlaufe der Untersuchung dem jeweiligen Beweisergebnis angepasst habe
(Urk. 66, S. 14).
Dem kann ohne Weiteres gefolgt werden: Stritt der Beschuldigte anlässlich
der beiden Hafteinvernahmen und vor dem Zwangsmassnahmengericht noch ka-
tegorisch ab, irgendetwas von Raubüberfällen zu wissen bzw. damit zu tun zu ha-
ben (Urk. 5/1, S. 5 ff.; Urk. 5/2, S. 3 f.; Urk. 5/4, S. 2 ff.), gab er in der Folge – mit
den Aussagen bzw. Belastungen der Mitbeschuldigten und den Ergebnissen der
Mobiltelefonauswertungen konfrontiert – sinngemäss zusammengefasst zu Proto-
koll: Er sei immer mit den Mitbeschuldigten zusammen im Auto unterwegs und
gewissermassen ihr Chauffeur gewesen, wofür er dann auch EUR 1'000.– erhal-
ten habe. Es sei deshalb möglich bzw. es sei so, dass er sich zu den Tatzeiten in
der Nähe der Tatorte befunden habe. Er habe gewusst, dass D._ und
C._ "etwas" geplant und durchgeführt hätten, jedoch habe es ihn nicht weiter
interessiert bzw. habe er es nicht hören und wissen wollen. Auch sei ihm vor den
Taten gesagt worden, dass eine Schreckschusspistole benutzt würde. Es könne
sein bzw. es sei so, dass er bei der Übergabe der Beute dabei gewesen sei, ge-
sehen habe er sie aber nie. In I._ habe er von B._ möglicherweise aus
- 12 -
dem Verkauf des Schmucks stammendes, aber sicher deliktisch beschafftes Geld
erhalten und dieses dann an D._ und C._ weitergegeben. Die übrigen
Belastungen, namentlich dass schon in ... bzw. bei der Einreise in die Schweiz
klar gewesen sei, dass D._ und C._ im Auftrag des Beschuldigten
Raubüberfälle verüben sollten, oder dass der Beschuldigte der Tippgeber hin-
sichtlich der zu überfallenden Bijouterien gewesen sei, stimmten nicht (Urk. 5/6,
S. 1 ff.; Urk. 5/7, S. 3 ff.; Urk. 5/8, S. 2 ff.; Urk. 79, S. 9 ff.). Darauf angesprochen,
ob es denn Zufall sei, dass der Beschuldigte schliesslich im Februar 2011 zu-
sammen mit D._, C._ und B._, also mit genau derselben "Crew"
der Raubüberfälle vom Oktober 2010 verhaftet worden sei, gab der Beschuldigte
eine ausweichende, nichtssagende Antwort bzw. machte er geltend, das habe
sich zufällig so ergeben (Urk. 5/8, S. 9 f.; Urk. 79, S. 13).
bb) Darüber hinaus erweisen sich die Aussagen des Beschuldigten aber
auch anderweitig als unglaubhaft:
So wurde der Beschuldigte etwa nicht müde, zum Ausdruck zu bringen, wie
sehr ihn seine früheren Gefängnisaufenthalte geprägt hätten und wie sehr er sich
vor einem neuerlichen Gefängnisaufenthalt fürchte, weshalb er sich ganz sicher
nichts zu Schulden kommen lassen und mit den Raubüberfällen der Mitbeschul-
digten nichts zu tun habe (Urk. 5/6, S. 6 f.; Urk. 5/8, S. 3). Nichtsdestotrotz gab er
in denselben Einvernahmen zu Protokoll, mit den Mitbeschuldigten in engem Kon-
takt gestanden zu haben, bei der Planung der Raubüberfälle dabei gewesen zu
sein, die Mitbeschuldigten die ganze Zeit herumchauffiert und sich bei der Ausfüh-
rung der Raubüberfälle an den Tatorten bzw. in deren Nähe aufgehalten zu ha-
ben, obschon er um die deliktischen Absichten und die entsprechenden Umset-
zungen in die Tat wusste. Hätte der Beschuldigte tatsächlich vermeiden wollen,
abermals mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten und eine erneute Freiheitsstrafe
zu riskieren, hätte er sich mit Sicherheit anders verhalten, von den Mitbeschuldig-
ten Abstand genommen und nicht für angeblich blosse EUR 1'000.– Fahrdienst-
entschädigung (was von D._ und C._ freilich bestritten wird, vgl.
Urk. 5/7, S. 16) ein derart grosses Risiko für eine weitere Verurteilung auf sich
genommen. Wenn der unter anderem wegen gewerbs- und bandenmässigen
Vermögensdelikten vorbestrafte Beschuldigte (vgl. Urk. 36/3) sein Verhalten mit
- 13 -
den Worten zu rechtfertigen versuchte "Ich war sehr naiv und dachte so, dass ich
mich so nicht strafbar mache" (Urk. 5/8, S. 4), so handelt es sich dabei also frag-
los um eine – geradezu absurde – Schutzbehauptung.
Realitätsfremd erscheint sodann die Darstellung, wonach der Beschuldigte,
obschon er lediglich eine Art Chauffeur gewesen sei, der mit den Straftaten der
Mitbeschuldigten nichts zu tun gehabt habe, bei deren Planung jeweils zugegen
gewesen und dabei auch über Details hinsichtlich der Tatausführung informiert
worden sei (z.B. "Ich habe es [gemeint: die Schreckschusspistole] nicht gesehen,
aber sie haben mir das vor der Tat gesagt"; Urk. 5/6, S. 10). Eine solche Offenheit
in Umgang und Kommunikation zwischen dem Beschuldigten, D._, C._
und B._ spricht nicht dafür, dass es sich beim Beschuldigten lediglich um ei-
nen grundsätzlich unbeteiligten Dritten handelt, der den Mitbeschuldigten gegen
ein kleines Entgelt einfach seine Fahrdienste anbot, wie er glauben machen will.
Zusammen mit der ständigen Präsenz des Beschuldigten bei Vorbereitungs- und
Ausführungshandlungen spricht dieser Umstand aber auch gegen die Annahme
blosser Gehilfenschaft, fehlt es vorliegend doch insbesondere an einem Subordi-
nationsverhältnis zwischen dem Beschuldigten einerseits und den Mitbeschuldig-
ten andererseits. Dass sich der Beschuldigte im Rahmen der Tatausführung nicht
selbst die Finger schmutzig machte und bezüglich des Tatablaufs über keine Tat-
herrschaft verfügte, wie von der Verteidigung geltend gemacht (Urk. 80, S. 7 f.),
vermag daran nichts zu ändern, liegt es doch gerade im Wesen der Mittäterschaft,
dass sich Mittäter die gegenseitigen Handlungen zuschreiben lassen müssen, so-
lange sich diese im Rahmen der vereinbarten Delikte bewegen, was vorliegend
der Fall war.
c) Im Verlaufe des vorliegenden Strafverfahrens legten sowohl D._
als auch C._ und B._ ein Geständnis ab, wobei sie alle in der einen
oder anderen Form aussagten, die Initiative für die Begehung der gegenständli-
chen Raubtaten sei vom Beschuldigten ausgegangen und dass er in diesem Zu-
sammenhang eine jedenfalls nicht unmassgebliche Rolle gespielt habe.
Gemäss D._ sei er in I._ vom Beschuldigten auf "unkonkrete Art
und Weise" angesprochen worden, und bereits bei der Einreise in die Schweiz sei
klar gewesen, dass "im weitesten Sinn im Auftrag" des Beschuldigten ein Raub
- 14 -
habe verübt werden sollen. Der Beschuldigte und B._ hätten ihm und
C._ die Tatorte gezeigt, und es sei gemeinsam darüber gesprochen worden,
wie die Raubüberfälle ablaufen sollten. Beide Male sei der Beschuldigte zugegen
bzw. in der Nähe der Tatorte gewesen. Nach dem gescheiterten Raub in J._
habe man zu viert entschieden, einen weiteren Raub – den in M._ – zu verü-
ben. Am Schluss habe er in I._ vom Beschuldigten Geld erhalten (Urk. 3/3,
S. 3 ff.).
Gemäss C._ hätten der Beschuldigte und B._ ihm und D._
vorgeschlagen, einen Raub zu begehen. Der Beschuldigte sei sowohl in J._
als auch in M._ beim Auskundschaften der Tatorte dabei gewesen. Am
Schluss habe er in I._ von ihm Geld erhalten (Urk. 2/3, S. 8 ff.).
Gemäss B._ sei er vom Beschuldigten informiert worden, dass "die bei-
den Jungen" (gemeint: D._ und C._) einen Raub begehen würden, wo-
rauf er (B._) sich zur Mitwirkung bereit erklärt habe. Sie hätten dann gemein-
sam nach geeigneten Objekten Ausschau gehalten, wobei der Beschuldigte ge-
fahren sei. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass der Beschuldigte und er die
Beute nach I._ bringen sollten. Für Februar oder März 2011 sei sodann das-
selbe nochmals vorgesehen gewesen (Urk. 4/5, S. 3 ff.).
ca) Wie bereits erwähnt, legten D._, C._ und B._ unabhän-
gig voneinander ein Geständnis ab, womit sie sich selbst erheblich belasteten.
Soweit sie dabei auch den Beschuldigten belasteten, erscheinen diese Bela-
stungen durchweg als zurückhaltend. Es ist denn auch kein Motiv ersichtlich,
wieso sie den Beschuldigten zu Unrecht belasten oder ihn sonst wie "in die Pfan-
ne hauen" sollten. Entgegen der Ansicht der Verteidigung kann überdies keine
Rede davon sein, dass sich die geständigen Mitbeschuldigten widersprechen
würden. Zwar mögen sich gewisse Abweichungen hinsichtlich ihrer Aussagen im
Detail ergeben, jedoch stimmen ihre Schilderungen betreffend die Rolle des Be-
schuldigten im Grossen und Ganzen überein.
cb) Fehl geht sodann das Argument, dass insbesondere die Aussagen von
B._, welche er anlässlich der Konfrontationseinvernahmen nicht wiederholt
habe (was im Übrigen auch für etliche Aussagen von D._ und C._ gilt),
"gar nicht verwertbar sein dürften". Wie die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat
- 15 -
(Urk. 66, S. 15 f.), reicht es für die Verwertbarkeit der fraglichen Aussagen näm-
lich aus, dass die entsprechenden Fragen bei den Konfrontationen nochmals ge-
stellt und weder anders beantwortet, noch die Antworten verweigert oder widerru-
fen wurden (SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, Zü-
rich/St. Gallen 2009, Rz. 823; ZR 98 [1999] Nr. 63). Dass insbesondere B._,
aber auch D._ und C._ des Öfteren dergestalt antworteten, dass sie auf
ihre früher gemachten – der Verteidigung bekannten – Aussagen verwiesen und
diese als wahrheitsgemäss und zutreffend bezeichneten, führte zu keiner wesent-
lichen Beschränkung des Konfrontations- und Fragerechts des Beschuldigten,
umso weniger, als der Beschuldigte vorliegend nicht bloss von einer Person, son-
dern gleich von drei Personen belastet wurde. Es hätte der Verteidigung im Übri-
gen auch offen gestanden, dahingehend Ergänzungsfragen zu stellen, wovon je-
doch kein Gebrauch gemacht wurde (Urk. 5/7, S. 22).
d) Zusammenfassend ergibt sich also, dass die Aussagen des Beschul-
digten wenig glaubhaft, oft widersprüchlich und bisweilen realitätsfremd erschei-
nen, während kein Anlass besteht, an der Glaubhaftigkeit der grundsätzlich plau-
siblen und übereinstimmenden Sachverhaltsdarstellungen der Mitbeschuldigten
zu zweifeln. Entsprechend bestehen keine unüberwindbaren Zweifel daran, dass
sich die Sachverhalte hinsichtlich der Raubüberfälle in J._ und M._ so
ereignet haben, wie sie in der Anklageschrift beschrieben werden. Der diesbezüg-
liche Anklagesachverhalt ist somit als erstellt zu betrachten.
e) Zur Sachverhaltserstellung hinsichtlich weiterer geplanter Raubüberfäl-
le im Februar oder März 2011 kann vollumfänglich auf die überzeugenden vor-
instanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 66,
S. 17 ff.).
Der diesbezügliche Anklagesachverhalt ist somit als erstellt zu betrachten.
Mangels näherer Umschreibung bzw. Subsumierung im Rahmen der Anklage ist
darauf jedoch weder bei der rechtlichen Würdigung (als strafbare Vorbereitungs-
handlung im Sinne von Art. 260bis Abs. 1 lit. d StGB) noch bei der Strafzumessung
abzustellen.
4. Abschliessend ist deshalb festzuhalten, dass keine unüberwindbaren
Zweifel an der mittäterschaftlichen Beteiligung des Beschuldigten an den gegen-
- 16 -
ständlichen, teilweise versuchten Raubüberfällen bestehen, womit der gesamte
Anklagesachverhalt als erstellt zu betrachten ist.
V.
Rechtliche Würdigung
Zur rechtlichen Würdigung betreffend den Grundtatbestand des Raubs im
Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB kann vollumfänglich auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 66,
S. 21 ff.).
Nachdem im Berufungsverfahren auch die Staatsanwaltschaft zu Recht kei-
ne Verurteilung wegen eines qualifizierten Raubtatbestands mehr gefordert hat
(Prot. II, S. 8), ist der Beschuldigte somit – nebst dem bereits rechtskräftigen
Schuldspruch wegen Widerhandlung gegen das AuG (vgl. vorstehend III.) – ferner
des mehrfachen, teilweise versuchten Raubs im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1
StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
VI.
Strafzumessung und Vollzug
1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe
von 5 1⁄2 Jahren, unter Anrechnung von 211 Tagen Untersuchungshaft, als Zu-
satzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
4. März 2011 (Urk. 66, S. 34 bzw. 44).
2. Das Gericht misst die Strafe innerhalb des sich ergebenden Strafrah-
mens nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und
die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des
Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verlet-
zung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des
Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie
- 17 -
weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die
Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB).
Der Begriff des Verschuldens bezieht sich also auf den gesamten Unrechts-
und Schuldgehalt der konkreten Straftat, wobei zwischen Tat- und Täterkompo-
nente zu unterscheiden ist: Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des ver-
schuldeten Erfolgs, die Art und Weise der Herbeiführung dieses Erfolgs, die Wil-
lensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, und dessen Beweggründe zu be-
achten. Weiter bedeutsam sind das Mass der Entscheidungsfreiheit beim Täter
und die Intensität seines deliktischen Willens; je leichter es für den Täter gewesen
wäre, die verletzte Norm zu respektieren, desto schwerer wiegt seine Entschei-
dung gegen diese. Die Täterkomponente berücksichtigt demgegenüber etwa den
strafrechtlichen Leumund des Täters, sein Verhalten nach der Tat und während
des Strafverfahrens, namentlich gezeigte Einsicht, Reue und Kooperation, sowie
seine individuelle Strafempfindlichkeit. Als Ausgangspunkt für die Qualifikation
des Verschuldens ist zunächst die objektive Tatschwere zu bestimmen. Als
Gradmesser dient dabei das Mass der Beeinträchtigung des strafrechtlich ge-
schützten Rechtsguts. Es lässt sich am Ausmass des Erfolgs hinsichtlich Delikts-
betrag, Gefährdung, Sachschaden etc. sowie anhand der Art und Weise des Vor-
gehens des Täters bemessen (ähnlich DONATSCH ET AL., StGB-Kommentar,
18. Auflage, Zürich 2010, Art. 47 Rz. 6 ff.).
3. Zur Bestimmung des abstrakten Strafrahmens ist die Vorinstanz zutref-
fend vom vorliegend schwersten Delikt, nämlich vollendetem Raub im Sinne von
Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, ausgegangen, womit sich ein Strafrahmen von min-
destens 180 Tagessätzen Geldstrafe bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe ergibt.
Aufgrund der mehrfachen Tatbegehung (Raub) und der Tatmehrheit (Wider-
handlung gegen das AuG) liegt ein Strafschärfungsgrund vor, welcher zu einer
Erweiterung des abstrakten Strafrahmens nach oben bis zu 15 Jahren Freiheits-
strafe führt (Art. 49 Abs. 1 StGB).
Im Lichte der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der ordentliche Straf-
rahmen jedoch nur dann zu verlassen, wenn ausserordentliche Gründe für ein
Über- oder Unterschreiten desselben sprechen (BGE 136 IV 63), was vorliegend
nicht der Fall ist.
- 18 -
4. a) Tatkomponente: Zur objektiven und subjektiven Tatschwere hin-
sichtlich der beiden, teilweise versuchten Raubüberfälle kann auf die grundsätz-
lich zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 66,
S. 29 ff.).
Dass die Vorinstanz den versuchten Raubüberfall von J._ und den voll-
endeten Raubüberfall von M._ zusammen abgehandelt hat, erscheint vorlie-
gend vertretbar. Zur Verdeutlichung ist jedoch festzuhalten, dass einerseits sich
die mehrfache Tatbegehung deutlich straferhöhend auszuwirken hat, zeigte sich
darin doch eine erhebliche kriminelle Energie und Entschlossenheit, und dass an-
dererseits der Versuch nur eine marginale Strafminderung zur Folge haben kann,
brachen D._ und C._ den Überfall in J._ doch nicht aus eigenem
Antrieb ab, sondern nur deshalb, weil Juwelier H._ sich aufgrund seiner hef-
tigen Gegenwehr nicht überwältigen liess und überdies für die beiden Räuber
hörbar den Alarm ausgelöst hatte.
Zu korrigieren ist sodann, dass selbstredend nicht im Rahmen der Sachver-
haltserstellung die Darstellungen des Beschuldigten sowie von D._ und
C._ verworfen werden können, wonach sie im Februar 2011 erneut in die
Schweiz eingereist seien, um Autos bzw. Fernseher zu kaufen, um dann gestützt
auf diese Aussagen eine finanzielle Notlage zu verneinen (vgl. Urk. 66, S. 31). An
deren Fehlen ändert sich dadurch indes nichts.
Was den Beschuldigten selbst betrifft, so wurde bereits bei der Sachver-
haltserstellung festgestellt, dass er sich bei der Tatausführung zwar jeweils im
Hintergrund hielt, keinen direkten Kontakt zu den Geschädigten hatte und entge-
gen der Ansicht der Staatsanwaltschaft (Urk. 81, S. 2) auch nicht als treibende
Kraft betrachtet werden kann (vgl. vorstehend IV. 3. b), nichtsdestotrotz aber den-
noch nicht unmassgeblich an den Raubstraftaten mitwirkte und die Art und Weise
der Tatausführung durch D._ und C._ jedenfalls implizit guthiess.
Im Ergebnis ist deshalb mit der Vorinstanz hinsichtlich der beiden, teilweise
versuchten Raubüberfälle von einem mittelschweren Verschulden auszugehen.
Unter Beachtung des Asperationsprinzips rechtfertigt es sich deshalb, eine hypo-
thetische Einsatzstrafe von 5 Jahren festzusetzen.
- 19 -
Straferhöhend zu berücksichtigen ist sodann die vorliegende Tatmehrheit
aufgrund der beiden Widerhandlungen gegen das AuG, welche der Beschuldigte
einzig zum Zwecke der Verübung von Straftaten in der Schweiz beging. Unter
Beachtung des Asperationsprinzips ist die hypothetische Einsatzstrafe somit um
1⁄2 Jahr zu erhöhen.
b) Täterkomponente: Vom Beschuldigten ist unter anderem bekannt, dass
er ... Staatsbürger ist und zusammen mit seiner Frau in I._ wohnt. Im Sep-
tember 2011 wurde dem Paar eine Tochter geboren. Der Beschuldigte ist gelern-
ter Flugzeugtechniker und war zuletzt als Filmemacher tätig. In den Jahren 2008
und 2009 verbüsste er in ... eine knapp zweijährige Haftstrafe wegen Beteiligung
an einem Bombenanschlag und von Diebstahldelikten (Urk. 56/1, S. 11 f.; Urk. 79,
S. 1 ff., insb. S. 5 f.).
Der Beschuldigte ist in der Schweiz mehrfach einschlägig vorbestraft
(Urk. 36/3): mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
18. Februar 2005 wegen Widerhandlung gegen das ANAG (60 Tage Gefängnis
bedingt, Probezeit 2 Jahre); mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau vom 13. Sep-
tember 2006 wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls etc. (3 1⁄2 Jahre
Zuchthaus, teilweise vollzogen, bedingte Entlassung am 27. März 2008, Probezeit
bis 15. Juni 2009). Diese Vorstrafen sind deutlich straferhöhend zu gewichten,
umso mehr, als ihn bereits erstandene, mehrjährige Haftstrafen offensichtlich
nicht zu beeindrucken und zu künftigem Wohlverhalten zu bewegen vermochten.
Die hypothetische Einsatzstrafe ist somit auf 6 1⁄2 Jahre anzuheben.
Wie schon die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk 66, S. 33), legte
der Beschuldigte im Verlaufe des Strafverfahrens zwar schrittweise ein Teilge-
ständnis ab, jedoch ist augenscheinlich, dass sich seine Zugaben stets am jewei-
ligen Beweisstand orientierten. Die hypothetische Einsatzstrafe ist deshalb nur
leicht zu mindern und auf 6 Jahre zu reduzieren.
Die Vorinstanz hat sodann eine weitere Strafminderung vorgenommen, weil
der Beschuldigte als Familienvater besonders strafempfindlich sei. So sei er der
Familie gegenüber unterhaltspflichtig und habe sein im September 2011 gebore-
nes Kind noch gar nie gesehen (Urk. 66, S. 33). Dem kann nicht gefolgt werden.
Zum einen ist mit Lehre und Rechtsprechung festzuhalten, dass die Verbüssung
- 20 -
einer langjährigen Freiheitsstrafe für jeden in ein familiäres oder soziales Umfeld
eingebetteten Beschuldigten eine gewisse Härte darstellt, weshalb diese Konse-
quenz nur zurückhaltend und bei aussergewöhnlichen Umständen strafmindernd
zu berücksichtigen ist (BASLER KOMMENTAR, Strafrecht I, 2. Auflage, Basel 2007,
Art. 47 N 118). Zum anderen ist gerade dem Beschuldigten der Vorwurf zu ma-
chen, dass er trotz Ehefrau wiederholt in die Schweiz reiste, um hier Straftaten zu
begehen, zuletzt zu einem Zeitpunkt, als seine Ehefrau bereits schwanger war.
Damit hat er bewusst in Kauf genommen, im Falle einer Verhaftung und Verurtei-
lung für längere Zeit von Frau und Kind getrennt zu sein, was ihm nicht noch zu-
gute gehalten werden kann. Im Übrigen ist zu bedenken, dass der Beschuldigte
selbst angetönt hat, seine Ehefrau hege Trennungsabsichten (Urk. 56/1, S. 12;
Urk. 79, S. 7), und dass er seine Tochter noch gar nie gesehen hat, womit auch
keine psychosoziale Bindung zu ihr besteht. Eine besondere Strafempfindlichkeit
ist somit nicht auszumachen.
c) In der Erwägung, dass die auszufällende Strafe als Zusatzstrafe zum
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 4. März 2011 aus-
zusprechen ist, wo der Beschuldigte wegen Widerhandlung gegen das AuG be-
reits zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 4 Monaten verurteilt wurde
(Urk. 36/3), erscheint demzufolge im Ergebnis eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren
und 8 Monaten tat- und täterangemessen, wovon 211 Tage durch Untersu-
chungshaft bereits erstanden sind (Urk. 29/3+16; Urk. 20).
Es ist davon Vormerk zu nehmen, dass sich der Beschuldigte seit dem
17. November 2011 im vorzeitigen Strafvollzug befindet (Urk. 59).
5. Bei einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 8 Monaten ist ein bedingter
oder teilbedingter Vollzug von Gesetzes wegen nicht möglich. Die Strafe ist somit
zu vollziehen.
- 21 -
VII.
Zivilansprüche
Nachdem der Beschuldigte der ihm vorgeworfenen Delikte schuldig zu spre-
chen ist, sind auch die noch nicht in Rechtskraft erwachsenen Zivilpunkte zu beur-
teilen, namentlich die geltend gemachten Zivilansprüche des Privatklägers
E._ und der F._. Diesbezüglich kann sowohl hinsichtlich der theoreti-
schen Ausführungen als auch bezüglich der Subsumtion vollumfänglich auf die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 66, S. 38 ff.).
Zu bemerken ist einzig, dass der vom Privatkläger E._ als Entschädi-
gung für seine anwaltlichen Aufwendungen geltend gemachte Betrag von
Fr. 1'980.50 korrekterweise nicht im Rahmen der Zivilansprüche, sondern bei den
Entschädigungsfolgen abzuhandeln gewesen wäre, was jedoch ohne Konse-
quenzen bleibt.
Entsprechend ist festzustellen, dass der Beschuldigte unter solidarischer
Haftung der Mitbeschuldigten D._, C._ und B._ dem Privatkläger
E._ dem Grundsatz nach für den Ersatz des aus dem Ereignis vom
22. Oktober 2010 entstandenen Schadens haftet. Zur genauen Feststellung die-
ses Schadenersatzanspruchs ist der Privatkläger auf den Zivilweg zu verweisen.
Sodann ist der Beschuldigte unter solidarischer Haftung der Mitbeschuldig-
ten D._, C._ und B._ zu verpflichten, dem Privatkläger E._ ei-
ne Genugtuung von Fr. 5'000.– nebst Zins von 5 % seit dem 22. Oktober 2010 zu
bezahlen.
Schliesslich ist der Beschuldigte unter solidarischer Haftung der Mitbeschul-
digten D._, C._ und B._ zu verpflichten, der F._ Schadener-
satz von Fr. 175'820.– zu bezahlen.
- 22 -
VIII.
Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren: Beim vorliegenden Verfahrensausgang ist
die vorinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 5) ohne Weiteres zu bestätigen
(Art. 428 Abs. 3 StPO).
2. Zweitinstanzliches Verfahren: Die Kosten des Berufungsverfahrens
tragen die Parteien nach Massgabe ihre Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428
Abs. 1 Satz 1 StPO).
Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich, während die
Staatsanwaltschaft mit ihrem Antrag auf Erhöhung der Strafe obsiegt, wenn auch
nicht im geforderten Ausmass. Bei diesem Verfahrensausgang rechtfertigt es
sich, die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtli-
chen Verteidigung, zu vier Fünfteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und sie im
Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung
sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei das Rückforderungsrecht des Staa-
tes gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
3. Entschädigung: Wie sich aus den obigen Erwägungen zu den Zivilan-
sprüchen ergibt (vgl. vorstehend VII.), ist der Beschuldigte unter solidarischer Haf-
tung der Mitbeschuldigten D._, C._ und B._ zu verpflichten, dem
Privatkläger E._ für seine anwaltlichen Aufwendungen eine Entschädigung
von Fr. 1'980.50 zu bezahlen.