Decision ID: c8a5c88a-7a17-43fc-a2da-af51c6f0ff9c
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
K._, geboren 1976 und Bürgerin der Dominikanischen Republik, heiratete in ihrem
Heimatland am 23. Juni 2006 den dort ansässigen Schweizer Bürger R._, geboren
1946. R._ wurde am 27. April 2012 nach einem Suizidversuch in die Schweiz
repatriiert. Nach der chirurgischen Notfallbehandlung trat er zur psychischen
Stabilisierung in die Integrierte Psychiatrie Z._ in G._ ein (Akten des Migrationsamts,
nachfolgend: MA, S. 122). Da eine akute Selbst- und Fremdgefährdung
ausgeschlossen werden konnte, zog er am 8. August 2012 ins Wohnheim Y._ in X._
und meldete sich beim Einwohneramt X._ an (MA, S. 33). K._ reiste am 16. Januar
2015 in die Schweiz ein (MA, S. 38), wo sie in A._ zunächst bei Bekannten lebte (MA,
S. 29). R._, der AHV-Rentner ist und Ergänzungsleistungen bezieht (MA, S. 29), reichte
am 26. März 2015 ein Familiennachzugsgesuch für seine Ehefrau ein (MA, S. 17). Am
1. April 2015 zogen die Eheleute in eine gemeinsame Wohnung in der Stadt A._ (MA,
S. 34). K._ erhielt am 22. Mai 2015 eine bis am 21. Mai 2016 gültige
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Aufenthaltsbewilligung, mit der Aufforderung, sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen
und zum ehelichen Unterhalt beizutragen (MA, S. 37). R._ meldete sich am 18. Juni
2015 von der Stadt A._ nach X._ ab und zog wieder ins Wohnheim Y._ (MA, S. 43).
K._ bezieht seit Juli 2015 finanzielle Sozialhilfe (act. MA, S. 46).
B.
Mit Verfügung vom 29. September 2015 widerrief das Migrationsamt die
Aufenthaltsbewilligung von K._. Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den
dagegen erhobenen Rekurs am 20. Oktober 2016 ab. Die dagegen erhobene
Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht am 28. September 2017 teilweise gut, hob
den Rekursentscheid auf und wies die Angelegenheit zur weiteren Abklärung des

Sachverhalts im Sinne der Erwägungen und zur neuen Entscheidung an das
Migrationsamt zurück (VerwGE B 2016/221). Es sei nicht erstellt, dass die
Unterbringung von R._ im Wohnheim Y._ nicht mehr medizinisch indiziert sei. Liege
für das separate Wohnen eine medizinische Indikation vor, müsse geprüft werden, wie
oft K._ R._ besuchte beziehungsweise mit ihm telefonierte und ob Besuche
beziehungsweise Telefonate allenfalls kontraindiziert waren.
C.
Das Migrationsamt kam nach weiteren Abklärungen zum Schluss, die Ehe von K._ und
R._ werde seit 18. Juni 2015 nicht mehr gelebt. Deshalb verlängerte es die
Aufenthaltsbewilligung von K._ mit Verfügung vom 12. April 2019 nicht mehr (act. 5/1).
Am Ostersonntag, 21. April 2019, fuhr K._ mit ihrem Bekannten E._ nach X._ und
brachte R._ in die gemeinsame Wohnung nach A._, ohne das Wohnheim Y._
vorgängig zu informieren. Der Heimleiter fand gleichentags einen von E._ und R._
unterzeichneten Brief an seiner Bürotür, worin ausgeführt wurde, R._ werde sich
ferienhalber für vier bis fünf Tage in A._ aufhalten. Seine Ehefrau müsse die Schweiz
bald verlassen und er wolle die noch verbleibende Zeit mit ihr zusammen verbringen
(MA, S. 323).
D.
Am 23. April 2019 erhob K._ zusammen mit R._ beim Sicherheits- und
Justizdepartement Rekurs gegen die Verfügung des Migrationsamts vom 12. April 2019
(act. 5/1). Sie machte geltend, ihr Ehemann wohne seit 21. April 2019 wieder bei ihr in
A._ und wolle auf keinen Fall, dass sie die Schweiz verlassen müsse. Sollte es dazu
kommen, rechne sie mit dem Schlimmsten, zumal er in der Dominikanischen Republik
schon einmal versucht habe, sich das Leben zu nehmen.
Aufgrund des Vorfalls vom 21. April 2019 veranlasste der Leiter des Wohnheims Y._
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am 30. April 2019 bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) X._ die
Prüfung von Erwachsenenschutzmassnahmen für R._. Am 11. Mai 2019 fuhr K._ mit
E._ und R._ ins Wohnheim Y._, um die restlichen persönlichen Effekten ihres
Ehemanns abzuholen. Nach Darstellung des Heimleiters hatte R._ stark abgenommen
und wirkte verwirrt und ängstlich. R._ gab an, nicht mit seiner Ehefrau nach A._
zurück zu wollen. Weil es zu einem Streit um seinen Aufenthaltsort kam, zog die
Heimleitung die Kantonspolizei X._ bei. Der Polizei gegenüber gab R._
unmissverständlich zu verstehen, im Wohnheim Y._ bleiben und nicht nach A._
zurückgehen zu wollen. Die Ehe mit K._ existiere nur auf dem Papier. Indem sie ihn
nach A._ bringen wolle, bezwecke sie lediglich, in der Schweiz bleiben zu können. Die
Polizei veranlasste, dass K._ und E._ nach A._ zurückkehrten. R._ blieb in X._
(act. 5/8). Die KESB X._ errichtete am 16. Mai 2019 für R._ eine
Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung. Das Appellationsgericht X._
wies die von K._ dagegen erhobene Beschwerde am 29. Oktober 2019 ab, soweit es
darauf eintrat (act. 5/12).
Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den von K._ gegen die
Nichtverlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung erhobenen Rekurs am 8. Mai 2020 ab.
E.
K._ und R._ (Beschwerdeführer) reichten gegen den am 8. Mai 2020 versandten
Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) am 18. Mai 2020
Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Sie beantragen sinngemäss, der
vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben. Sie machen geltend, der Beschwerdeführer
sei, nachdem er den abschlägigen Rekursentscheid gelesen habe, sofort zu seiner
Ehefrau nach A._ gereist. Die Vorinstanz liess sich am 8. Juni 2020 vernehmen und
beantragte die Abweisung der Beschwerde, zumal keine Angaben gemacht würden,
inwiefern der Umzug nach A._ mit dem Beistand und allenfalls der KESB A._
abgesprochen worden sei. Die Beschwerdeführer verzichteten stillschweigend darauf,
dazu Stellung zu nehmen.
Auf die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführer und der Vorinstanz zur
Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen
eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin
ist Adressatin des angefochtenen Entscheids und hat ein eigenes schutzwürdiges
Interesse an dessen Aufhebung. Das Gleiche gilt für ihren Ehemann, für den zwar eine
Vertretungsbeistandschaft im Sinne von Art. 394 Abs. 1 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) errichtet, dessen Handlungsfähigkeit aber nicht
gestützt auf Art. 394 Abs. 2 ZGB eingeschränkt wurde, und der zusammen mit der
Beschwerdeführerin bei der Vorinstanz Rekurs erhoben hatte (act. 5/1). Beide sind
durch die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin
hinsichtlich der Weiterführung ihrer zumindest formell noch bestehenden Ehe in der
Schweiz besonders berührt und daher zur Beschwerdeerhebung befugt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den am 8. Mai 2020
versandten Entscheid wurde mit Eingabe vom 18. Mai 2020 (Poststempel: 20. Mai
2020) rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
VRP). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Anwendbares Recht
Am 1. Januar 2019 ist die Revision des (vormaligen) Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer ([Ausländergesetz]; SR 142.20, AuG), welches neu
Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration
([Ausländer- und Integrationsgesetz]; SR 142.20, AIG) heisst, in Kraft getreten. Gemäss
Art. 126 Abs. 1 AIG bleibt das bisherige materielle Recht auf Gesuche anwendbar, die
vor Inkrafttreten des neuen Rechts eingereicht worden sind. Ob die Eröffnung des
Verfahrens auf Gesuch hin oder von Amtes wegen erfolgte, ist unerheblich
(M. Spescha, in: Spescha et al., Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 1 zu
Art. 126 AIG). Das Migrationsamt hat das Verfahren betreffend Widerruf der am 22. Mai
2015 erteilten Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin von Amtes wegen an die
Hand genommen, nachdem sich der Beschwerdeführer am 18. Juni 2015 nach X._
abgemeldet hatte. Am 11. September 2015 wurde der Beschwerdeführerin das
rechtliche Gehör gewährt. Demnach sind die materiellen Bestimmungen gemäss
Art. 42 ff. AuG in der vom 1. Juli 2013 bis 31. Dezember 2018 gültig gewesenen
Fassung (AS 2013 S. 1035 ff.) anzuwenden, welche den Anspruch auf eine Bewilligung
bis
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im Familiennachzug beziehungsweise aufgrund der «Integrationsklausel» oder wegen
eines «nachehelichen Härtefalls» regeln (vgl. dazu BGer 2C_314/2019 vom 11. März
2020 E. 4; 2C_21/2019 vom 14. November 2019 E. 3.1).
3. Streitgegenstand
Umstritten ist, ob die Aufenthaltsbewilligung, welche der Beschwerdeführerin am
22. Mai 2015 im Familiennachzug erteilt wurde, zu verlängern ist. Als
Anspruchsgrundlage kommen in erster Linie die Regeln zum Familiennachzug gemäss
Art. 42 und Art. 49 AuG in Frage (dazu E. 4). Sind die Voraussetzungen dafür nicht
(mehr) erfüllt, ist zu prüfen, ob der Anspruch allenfalls aufgrund von Art. 50 AuG weiter
besteht (dazu E. 5).
4. Familiennachzug
4.1. Rechtsgrundlagen
Nach Art. 42 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegatten von Schweizerinnen und
Schweizern Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn
sie mit diesen zusammenwohnen. Ausnahmsweise besteht gemäss Art. 49 AuG das
Erfordernis des Zusammenwohnens nicht, wenn für getrennte Wohnorte wichtige
Gründe geltend gemacht werden und die Familiengemeinschaft weiterbesteht.
Wichtige Gründe für getrennte Wohnorte können gemäss Art. 76 der Verordnung über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE) insbesondere durch
berufliche Verpflichtungen oder durch eine vorübergehende Trennung wegen
erheblicher familiärer Probleme entstehen. Ein freiwilliger Entscheid für ein «living apart
together» ist für sich allein genommen praxisgemäss kein wichtiger Grund. Die Gründe
müssen objektivierbar sein und ein gewisses Gewicht aufweisen, was grundsätzlich
von den Betroffenen darzutun ist. Von einem wichtigen Grund kann desto eher
gesprochen werden, je weniger die Ehegatten auf die Situation des Getrenntlebens
Einfluss nehmen können, ohne einen grossen Nachteil in Kauf nehmen zu müssen (vgl.
BGer 2C_545/2017 vom 8. Juni 2018 E. 4.3.1). Dabei scheint es nicht von vornherein
ausgeschlossen, dass solche wichtigen Gründe gesundheitlicher Natur sein können
(vgl. BGer 2C_1085/2015 vom 23. Mai 2016 E. 3.1 mit Hinweis auf 2C_140/2011 vom
15. Juni 2011 E. 3.2). Wichtige Gründe für das Getrenntleben können allenfalls
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medizinisch begründet sein (vgl. BGer 2C_280/2012 vom 30. August 2012 E. 3.4).
Keine wichtigen Gründe für getrennte Wohnorte liegen vor, wenn sich ein Ehegatte
dafür entscheidet, im Interesse seines Wohlbefindens den ganz überwiegenden Teil
des Jahres in seiner Heimat zu verbringen und dies auch nicht «ärztlich bedingt» ist
(vgl. BGer 2C_231/2011 vom 21. Juli 2011 E. 4.4 f.). Zu berücksichtigen ist, dass
Art. 49 AuG Ausnahmecharakter hat und sich dessen Anwendbarkeit auf besondere
Konstellationen beschränkt (vgl. BGer 2C_314/2010 vom 26. Juli 2010 E. 2.2). Für ein
mehrjähriges, dauerndes Getrenntleben müssen ganz spezielle Verhältnisse gegeben
sein, die auch spezifisch aufzuzeigen sind (vgl. BGer 2C_246/2012 vom 30. März 2012
E. 2.3). Der unbestimmte Rechtsbegriff der wichtigen Gründe im Sinne von Art. 49 AuG
ist verfassungs- und konventionskonform auszulegen, zumal die Nichtanwendung der
genannten Bestimmung allenfalls einen weitreichenden Eingriff in das von Art. 13
Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV)
und Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) geschützte Recht auf Familienleben darstellen kann
(vgl. BGer 2C_432/2016 vom 26. Januar 2018 E. 5.3.1 mit Hinweis auf 2C_50/2010
vom 17. Juni 2010 E. 2.2).
Von einem Fortbestehen der Ehegemeinschaft ist auszugehen, wenn die Ehegatten die
feste Absicht haben, die Ehegemeinschaft weiterzuführen (vgl. BGer 2C_281/2017 vom
26. März 2018 E. 3.2.3). Der Ehewille muss trotz Trennung weiterbestehen (vgl. BGer
2C_845/2019 vom 19. Februar 2020 E. 4.2). Diese Absicht lässt sich mit der Pflege
regelmässiger, intensiver Kontakte nachweisen (Spescha, a.a.O., N 3 zu Art. 49 AuG).
Nicht geschützt ist der Anspruch, wenn er rechtsmissbräuchlich geltend gemacht wird,
namentlich um Vorschriften des Ausländer- und Integrationsgesetzes und seiner
Ausführungsbestimmungen über die Zulassung und den Aufenthalt zu umgehen (vgl.
Art. 51 Abs. 1 lit. a AuG; «Schein- oder Umgehungsehe» BGE 119 Ib 417). Auch wenn
die Ehe nicht bloss zum Schein eingegangen worden ist, heisst dies nicht zwingend,
dem ausländischen Ehepartner müsse der Aufenthalt ungeachtet der weiteren
Entwicklung gestattet werden. Zu prüfen ist diesfalls, ob sich die Berufung auf die Ehe
anderweitig als rechtsmissbräuchlich erweist (BGE 128 II 145 E. 2.1, 127 II 49 E. 5a).
Dies ist der Fall, wenn sich die ausländische Person im Verfahren um Erteilung einer
fremdenpolizeilichen Aufenthaltsbewilligung auf eine Ehe beruft, welche nur (noch)
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formell und ohne Aussicht auf Aufnahme beziehungsweise Wiederaufnahme einer
ehelichen Gemeinschaft besteht (BGE 128 II 145 E. 2.2 mit Hinweisen, 121 II 97 E. 4a).
4.2. Tatsachen
Die Beschwerdeführer heirateten im Jahr 2006 in der Dominikanischen Republik, wo
beide bis 2012 auch lebten. Der Beschwerdeführer wurde aus medizinischen Gründen
nach einem Suizidversuch im Frühjahr 2012 in die Schweiz repatriiert. Die
Beschwerdeführerin blieb in der Dominikanischen Republik zurück. Der
Beschwerdeführer war zunächst in der Psychiatrie, anschliessend in einem Wohnheim
in X._ untergebracht. Bereits im Jahr 2012 konnten aus psychiatrischer Sicht Wahrheit
und Wahn in seinen Schilderungen mangels Erhebung zuverlässiger Fremdanamnesen
nicht klar auseinandergehalten werden (MA, S. 124). Es wurden eine alkoholinduzierte
psychotische und eine leichte kognitive Störung diagnostiziert (MA, S. 125). Die
Beschwerdeführerin reiste anfangs 2015 in die Schweiz. Ob und in welchem Umfang
die Beschwerdeführer die persönlichen Kontakte in den rund drei Jahren zwischen der
Repatriierung des Beschwerdeführers und der Einreise der Beschwerdeführerin in die
Schweiz aufrechterhielten, ist nicht bekannt. Unklar ist, ob die Reise der
Beschwerdeführerin in die Schweiz auch dem Wunsch des Beschwerdeführers
entsprach. Jedenfalls führte er am 27. Juni 2018 in der rechtshilfeweisen polizeilichen
Einvernahme – in Anwesenheit des Leiters des Wohnheims – aus, die
Beschwerdeführerin sei «von sich aus gekommen». Er habe ihr nicht gesagt, «komm in
die Schweiz», sondern sei ganz überrascht gewesen, als sie plötzlich dagestanden sei
(MA, S. 172 f.). Gemäss der Beschwerdeführerin stand es nach ihrer Einreise anfangs
2015 in beider Absicht, künftig in der Schweiz in A._ zusammenzuleben. Der
Beschwerdeführer hat am 26. März 2015 für die Beschwerdeführerin ein
entsprechendes Gesuch um Familiennachzug eingereicht (MA, S. 17) und in diesem
Verfahren auch korrespondiert (MA, S. 36). Dabei fragt sich allerdings, ob er die
betreffenden Briefe und Dokumente selbst verfasst und ausgefüllt oder lediglich
unterzeichnet hat und inwieweit er sich des Inhalts bewusst war (MA, S. 140 und
S. 210). Die Beschwerdeführer bezogen per 1. April 2015 in A._ eine gemeinsame
Wohnung an der B._-gasse 00_ (MA, S. 16). Der Beschwerdeführer meldete sich
bereits am 18. Juni 2015 wieder nach X._ ins Wohnheim Y._ ab (MA, S. 43). Im
Eheschutzverfahren, das die Beschwerdeführer anhoben, stellte das Kreisgericht A._
am 22. September 2015 das Getrenntleben der Eheleute fest. Am 15. Dezember 2015
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teilte der Beschwerdeführer dem Gericht mit, dass er gegen seine Ehefrau «keine
Scheidung ... einreiche», sondern aus gesundheitlichen Gründen ins Wohnheim Y._
zurückgekehrt sei (MA, S. 75). Am 5. Dezember 2017 wurde in einem ärztlichen Attest
festgehalten, aus medizinischer Sicht sei indiziert, dass der Beschwerdeführer bis auf
Weiteres im betreuten Wohnheim Y._ wohnhaft bleibe. Ein Ortswechsel oder
selbständiges Wohnen seien aktuell aus medizinischen Gründen nicht möglich (MA,
S. 120). Am 18. Januar 2018 ging auch der Leiter des Wohnheims davon aus, es sei
nicht möglich, dass der Beschwerdeführer mit seiner Ehefrau zusammenwohne und
von ihr betreut werde. Er bestätigte aber, der Beschwerdeführer habe vor, wieder nach
A._ zu ziehen, um dort gemeinsam mit seiner Ehefrau zu leben. Dies sei allerdings aus
seiner Sicht absolut unrealistisch, weil der Beschwerdeführer Unterstützung im Alltag
brauche, die seine Frau nicht bieten könne (MA, S. 143). Die Umstände, unter denen
der Beschwerdeführer von seiner Ehefrau und einem Bekannten am 21. April 2019 vom
Wohnheim Y._ (angeblich ferienhalber) nach A._ verbracht wurde, sind nicht bekannt.
Am 26. April 2019 kündigte er sein Zimmer im Wohnheim Y._ (act. 5/12, Beilage). Als
die Beschwerdeführerin zusammen mit ihrem Bekannten am 11. Mai 2019 das Zimmer
des Beschwerdeführers im Wohnheim räumen wollte, befand sich der
Beschwerdeführer in einem schlechten gesundheitlichen Zustand – er war geschwächt,
abgemagert und müde – und wollte – entgegen dem Willen der anwesenden
Beschwerdeführerin – in X._ bleiben. Da sich die Auseinandersetzung verbal zuspitzte,
zog der Heimleiter die Kantonspolizei X._ bei. Der Beschwerdeführer brachte vor, die
Ehe bestehe nur auf dem Papier und die Beschwerdeführerin berufe sich einzig darauf,
damit sie in der Schweiz bleiben könne. Der Beschwerdeführer blieb im Wohnheim in
X._. Seine Ehefrau behauptet in der Beschwerde, er habe – nachdem er den
Rekursentscheid vom 8. Mai 2020 selber habe lesen können – das Wohnheim sofort
verlassen und sei zu ihr nach A._ gezogen. Da entsprechende Nachweise fehlen, ist
jedoch davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer weiterhin in X._ wohnt.
4.3. Würdigung
4.3.1. Wichtige Gründe für getrennte Wohnorte
Das Migrationsamt äusserte sich in der Verfügung vom 12. April 2019 nicht
ausdrücklich dazu, ob der Aufenthalt des Beschwerdeführers im Wohnheim Y._
medizinisch indiziert ist und damit ein wichtiger Grund für das Getrenntleben im Sinne
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von Art. 49 AuG vorliegt. Da es zum regelmässigen Kontakt zwischen den
Beschwerdeführern weitere Abklärungen tätigte, ist anzunehmen, dass es implizit von
einer medizinischen Indikation für das Getrenntleben der Ehegatten ausging. Die
Vorinstanz hat das Vorliegen einer medizinischen Indikation für den Aufenthalt des
Beschwerdeführers im Wohnheim Y._ verneint. Sie geht – wie das Appellationsgericht
X._ im Entscheid vom 29. Oktober 2019 – davon aus, auch die Beherbergung des
Beschwerdeführers in der Wohnung der Beschwerdeführerin in A._ könne
gegebenenfalls den persönlichen Umständen des Beschwerdeführers und seinem
Wohl gerecht werden.
Aufgrund der ärztlichen Beurteilungen vom 5. Dezember 2017 (MA, S. 120) und vom
9. Mai 2019 (act. 5/12) sowie der Einschätzung durch den Leiter des Wohnheims Y._
vom 18. Januar 2018 (MA, S. 208) ist davon auszugehen, dass es den
Beschwerdeführern jedenfalls zurzeit nicht möglich ist, ohne Unterstützung durch
Drittpersonen zusammenzuleben. Der Grund dafür liegt in der Betreuungsbedürftigkeit
des Beschwerdeführers. Er braucht zwar keine körperliche, jedoch psychische Pflege
(MA, S. 177), deren Ausmass die Möglichkeiten der Beschwerdeführerin übersteigt.
Das zeigt sich auch darin, dass die für den Beschwerdeführer am 16. Mai 2019
errichtete Beistandschaft aufgrund seiner dementiellen Entwicklung sowohl die
Personensorge (Wohnsituation/Unterkunft, medizinische Betreuung, soziales Umfeld)
als auch die Vermögenssorge und den Rechtsverkehr (mit Behörden, Ämtern, Banken/
Postfinance, Post, [Sozial-]Versicherungen, sonstigen Institutionen und Privatpersonen)
umfasst. Wenn die Beschwerdeführer sich unter diesen Umständen entschlössen,
getrennt zu wohnen, das heisst, den Beschwerdeführer in einer betreuten
Wohneinrichtung unterzubringen, kann nicht ohne Weiteres darauf geschlossen
werden, die Voraussetzungen der wichtigen Gründe für getrennte Wohnorte im Sinne
von Art. 49 AuG seien nicht erfüllt. Indessen kann die Frage offenbleiben, sollte die
zweite Bedingung – das Fortbestehen der Ehegemeinschaft im Sinne dieser
Bestimmung – nicht erfüllt sein.
4.3.2. Fortbestehen der Ehegemeinschaft
Das Migrationsamt hielt fest, die Beschwerdeführerin sei trotz ihrer grossen Liebe zum
Beschwerdeführer noch immer nicht in seine Nähe gezogen. Sie besuche ihn nur
selten, wofür keine nachvollziehbaren Gründe ersichtlich seien. Ihr wöchentliches
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Arbeitspensum von sechs Stunden und die Entfernung zwischen X._ und A._, welche
die Beschwerdeführerin selbst als «Katzensprung» bezeichnet habe, stünden
häufigeren Besuchen nicht entgegen. Trotzdem habe sie ihn weder an Weihnachten
(2017) und Neujahr (2017/2018) noch an seinem Geburtstag (14. Januar 2018) besucht.
Für die angeblichen Telefonate existierten keine Belege. Nach Angaben der
Heimleitung des Wohnheims Y._ spreche der Beschwerdeführer nie von seiner
Ehefrau. Er habe ihr gegenüber eher Angstgefühle. Die Vorinstanz kam – ausgehend
von den Ausführungen der Beschwerdeführer und des Leiters des Wohnheims – zum
Schluss, es bestünden berechtigte Zweifel an den Angaben der Beschwerdeführerin zu
ihren Besuchen, Telefonaten und SMS-Mitteilungen. Allgemein bestehe der Eindruck,
die Beschwerdeführerin strebe mit ihren Handlungen hauptsächlich den Erhalt ihrer
Aufenthaltsbewilligung an und kümmere sich dabei kaum um das Wohl und
insbesondere um die Gesundheit des Beschwerdeführers. Migrationsamt und
Vorinstanz verneinten deshalb das Fortbestehen der Ehegemeinschaft nach der
Aufgabe des gemeinsamen Wohnsitzes.
Der Beschwerdeführer ist aufgrund seines Gesundheitszustands offensichtlich sehr
beeinflussbar und nicht in der Lage, sich gegenüber Drittpersonen und insbesondere
gegenüber seiner Ehefrau abzugrenzen (act. 5/12, Beilage). Die Äusserungen zu seinen
Absichten hinsichtlich des Zusammenlebens mit ihr sind dementsprechend
widersprüchlich. Einerseits kann er sich bei entsprechender Gesundheit zwar ein
Zusammenleben vorstellen. Andererseits ist er aber auch der Auffassung, die Ehe
bestehe nur auf dem Papier und seine Ehefrau berufe sich einzig darauf, um in der
Schweiz bleiben zu können. An seine Aussagen kann er sich oft nicht erinnern. Ob die
ihm zugeschriebenen handschriftlichen Äusserungen, er wolle mit der
Beschwerdeführerin in einer Wohnung in A._ zusammenleben, seinem tatsächlichen,
konstanten Willen entsprechen, ist ebenfalls zweifelhaft. Die mündlichen Aussagen des
Beschwerdeführers schliessen nicht von vornherein aus, dass er an der Ehe – vorerst
allerdings mit getrennten Wohnorten – festhalten möchte. In der polizeilichen
Befragung am 27. Juni 2016 gab er an, er könne sich zwar nicht mehr daran erinnern,
seine Ehefrau am 27. Januar 2016 testamentarisch als Erbin eingesetzt zu haben (MA,
S. 73), das sei aber «okay». Ein Zusammenleben mit der Beschwerdeführerin könne er
sich momentan nicht vorstellen, aber wenn er «mental Fortschritte mache, dann schon
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mal» – allerdings in X._ und nicht in A._. Sie sei ehrlicher und offener geworden. Er
sei hin- und hergerissen (MA, S. 176 f.). Dass die Beschwerdeführerin den
Beschwerdeführer zunächst an Ostern 2019 nach A._ brachte, ohne die Heimleitung
darüber zu informieren, lässt darauf schliessen, dass sie selbst nicht damit rechnete,
der Beschwerdeführer würde ihrer Absicht auch in Anwesenheit des Heimleiters
entsprechen. Offenbar aus eigenem Antrieb hat der Beschwerdeführer anfangs Mai
2019 seinen besten Freund ersucht, ihn in A._ abzuholen und nach X._ zu bringen.
Zumindest in diesem Zusammenhang liegt es nicht nahe, das Verhalten des
Beschwerdeführers sei – wie die Beschwerdeführerin geltend macht – auf den Druck
des Heimleiters zurückzuführen. Wenn der Beschwerdeführer am 11. Mai 2019
anlässlich der beabsichtigten Räumung seines Zimmers im Wohnheim trotz
Anwesenheit der Ehefrau klar zum Ausdruck brachte, in X._ bleiben zu wollen, deutet
dies darauf hin, dass für ihn ein Zusammenleben mit der Beschwerdeführerin nicht von
zentraler Bedeutung ist. Dass der Beschwerdeführer schliesslich im Mai 2020 – zudem
freiwillig und selbständig – von X._ nach A._ reiste, ist eine (unbelegte) Behauptung
der Beschwerdeführerin.
Im Bereich der absolut höchstpersönlichen Rechte, zu denen auch die Absicht gehört,
eine eingegangene Ehe weiterzuführen, dürfen nur tiefe Anforderungen an die
Urteilsfähigkeit gestellt werden (vgl. Bucher/Aebi-Müller, in: Berner Kommentar zum
schweizerischen Privatrecht, 2. Aufl. 2017, N 268 und N 272 ff. zu Art. 19-19c ZGB). Es
ist deshalb nicht auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer – im Rahmen seiner
beschränkten Fähigkeiten zur Bildung eines konsistenten relativ dauerhaften Willens –
die feste Absicht hat, die Ehe mit der Beschwerdeführerin, vorderhand aber ohne
gemeinsame Wohnung, weiterzuführen.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die eheliche Beziehung sei für sie von
Bedeutung. Sie hat denn auch im April 2015, im April 2019 und schliesslich (angeblich)
im Mai 2020 dafür gesorgt, dass der Beschwerdeführer seinen Wohnort im Wohnheim
Y._ in X._ verlassen hat und zu ihr in eine gemeinsame Wohnung nach A._ gezogen
ist. Ebenfalls darf aufgrund der insoweit übereinstimmenden Aussagen der
Beschwerdeführer davon ausgegangen werden, sie hätten anlässlich von Besuchen
der Beschwerdeführerin in X._ persönlichen und zuweilen auch telefonischen
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Gesprächs- und SMS-Kontakt. Darin kommt zumindest punktuell die Absicht der
Beschwerdeführerin zum Ausdruck, an der Ehegemeinschaft mit dem
Beschwerdeführer festzuhalten.
Allerdings standen die Wohnortswechsel des Beschwerdeführers jeweils in einem
nahen zeitlichen Zusammenhang mit wesentlichen Schritten im Verfahren betreffend
das Aufenthaltsrecht der Beschwerdeführerin in der Schweiz und der konkreten
Aussicht, das Land verlassen zu müssen. Der erste Wohnortswechsel war die
Grundlage für die Einreichung des Familiennachzugsgesuchs vom 26. März 2015, der
zweite erfolgte, nachdem das Migrationsamt am 12. April 2019 die
Aufenthaltsbewilligung nicht mehr verlängert hatte, und der dritte (nicht belegte) nach
der Abweisung des Rekurses durch die Vorinstanz am 8. Mai 2020. Auch das weitere
Verhalten der Beschwerdeführerin deutet darauf hin, dass ihr Ehewille weniger mit dem
Bedürfnis nach persönlicher Nähe zu ihrem Ehemann als vielmehr mit der Möglichkeit,
sich weiter in der Schweiz aufhalten zu können, zusammenhängt.
Über die Häufigkeit der Besuche der Beschwerdeführerin im Wohnheim Y._ bestehen
ebenso widersprüchliche Angaben wie über den Umfang der telefonischen Kontakte
zwischen den Beschwerdeführern. Die Angaben des Beschwerdeführers sind nicht
verlässlich, jene der Beschwerdeführerin nicht ausreichend belegt. Weshalb
telefonische Verbindungen und SMS-Verkehr anhand der elektronischen
Kommunikationsmittel nicht nachgewiesen werden können, ist nicht nachvollziehbar.
Wäre es der Beschwerdeführerin ein Anliegen, in der Nähe ihres Ehemanns zu leben,
wäre überdies zu erwarten, sie lasse sich entweder in X._ und Umgebung nieder oder
sie bemühe sich – zusammen mit dessen Beistand – um eine Unterbringung in einer
entsprechenden Einrichtung in der Region A._. Solche Bemühungen sind indes nicht
ersichtlich (act. 5/12, Beilage). Vielmehr weicht die Beschwerdeführerin Begegnungen
mit den Personen, welche sich vorab um das Wohl des Beschwerdeführers kümmern,
namentlich der Leitung des Wohnheims Y._ und dem Beistand, aus. Inwiefern einem
solchen Vorgehen sprachliche Hürden im Verkehr mit Behörden entgegenstehen, ist
nicht ersichtlich, zumal die Beschwerdeführerin sowohl gegenüber den
Migrationsbehörden als auch gegenüber der KESB durchaus in der Lage ist, ihre
Absichten und Auffassungen schriftlich verständlich vorzubringen oder vorbringen zu
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lassen. Ebenso wenig ist die Teilzeitbeschäftigung der Beschwerdeführerin von sechs
Wochenstunden im Reinigungssektor ein Grund, um weiterhin in A._ zu wohnen und
nicht in die Nähe des Ehemanns zu ziehen. Insgesamt weist die Beschwerdeführerin
damit nicht nach, sie hätte ihren Aufenthalt in der Schweiz seit ihrer Einreise anfangs
2015 im Rahmen des ihr Zumutbaren wesentlich auf die Bedürfnisse des
Beschwerdeführers ausgerichtet. Vielmehr scheint ihr Verhalten in erster Linie den
Zweck zu verfolgen, das Aufenthaltsrecht in der Schweiz nicht zu verlieren. Deshalb ist
die Voraussetzung des Fortbestehens der Ehegemeinschaft gemäss Art. 49 AuG –
wovon auch die Vorinstanz ausgegangen ist – zumindest seit Juni 2015 nicht
nachgewiesen. In der Folge hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf
Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 42 AuG und Art. 49 AuG.
5. «Integrationsklausel» / «nachehelicher Härtefall»
Nach Auflösung der Ehegemeinschaft hat der ausländische Ehegatte Anspruch auf
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, sofern die Ehe mindestens drei Jahre
bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht (Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG) oder
– in einem sogenannten nachehelichen Härtefall – wenn wichtige persönliche Gründe
einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG).
Wichtige persönliche Gründe können vorliegen, wenn der Ehegatte Opfer ehelicher
Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG),
wobei diese Aufzählung nicht abschliessend ist (vgl. BGer 2C_1047/2013 vom 24. Juni
2014 E. 2.3). Dem Schutz des Familienlebens nach Art. 8 EMRK und Art. 13 BV ist im
Rahmen von Art. 50 AuG Rechnung zu tragen. Insoweit ist namentlich zu
berücksichtigen, ob die ausländische Person Kinder in der Schweiz hat (vgl. BGer
2C_671/2011 vom 1. November 2011 E. 3.3 mit Hinweis auf BGE 120 Ib 1 E. 3c, 4a
und b). Das geschützte Recht auf Familienleben nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13
Abs. 1 BV ist nur berührt, wenn eine staatliche Massnahme eine nahe, echte und
tatsächlich gelebte familiäre Beziehung beeinträchtigt (vgl. BGer 2C_836/2016 vom
24. November 2016 E. 4.3 mit Hinweis auf BGE 142 II 35 E. 6.1 und 137 I 247 E. 4.1.2).
Da die Beschwerdeführerin nicht glaubhaft dartut, dass sie auf dem Fortbestand der
Ehegemeinschaft aus anderen als ausländerrechtlichen Gründen beharrt und
insbesondere nicht bereit ist, den Wünschen ihres Ehemanns hinsichtlich seiner
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Unterbringung im Wohnheim Y._ entgegen zu kommen, ist – zusammen mit der
Vorinstanz – davon auszugehen, dass die erforderliche in der Schweiz gelebte
Ehedauer von drei Jahren nicht erfüllt ist. Abgesehen davon erscheint die
Beschwerdeführerin in der Schweiz nicht erfolgreich integriert. Dass sie sich in den
vergangenen knapp drei Jahren in der Schweiz weiter sozial und wirtschaftlich
integriert hätte, wird aus den Akten nicht ersichtlich. Die Beschwerdeführerin bringt
trotz ihrer in dieser Hinsicht weitgehenden Mitwirkungspflicht (Art. 90 AuG, vgl. dazu
BGer 2C_2/2015 vom 13. August 2015 E. 2.3) nichts Entsprechendes vor. Trotz
mehrfacher Ankündigung, mit zusätzlicher Beschäftigung die Abhängigkeit von der
finanziellen Sozialhilfe zu verringern, ist die monatliche finanzielle Unterstützung durch
die Sozialhilfe unverändert hoch (rund CHF 1'500) geblieben. Die gesamten Leistungen
bewegen sich mittlerweile in der Höhe von rund CHF 100'000 (MA, S. 289). Daher ist zu
erwarten, dass die Beschwerdeführerin weiterhin auf Leistungen der Sozialhilfe
angewiesen sein wird. Ob sie die deutsche Sprache gut erlernt hat, kann nicht
abschliessend beurteilt werden. Gemäss eigenen Angaben besuchte sie
entsprechende Kurse (MA, S. 53, 78 und 84), was die Sozialen Dienste auch
bestätigten (MA, S. 151). Dass sie in der Befragung vom 27. Juni 2018 (MA, S. 261) auf
einen Dolmetscher angewiesen war, kann ihr nicht vorgehalten werden. In amtlichen
Verfahren sind ausgereifte Sprachkenntnisse erforderlich, über die ausländische
Personen in der Regel nicht verfügen. Gerade in ausländerrechtlichen Verfahren sind
die Aussagen der Betroffenen zentral und können den Verfahrensausgang massgeblich
beeinflussen. Deshalb ist entscheidend, dass die ausländische Person versteht, was
Gegenstand des Verfahrens ist, weil sie nur dann ihre Rechte wahrnehmen und ihren
Vorbringen entsprechende Wirkung verschaffen kann. Es ist daher naheliegend, sich in
einer solchen Situation in seiner Muttersprache verständigen zu wollen. In der
Befragung gab die Beschwerdeführerin an, die Briefe ans Migrationsamt nicht selbst
geschrieben zu haben, da sie ja kein Deutsch könne (MA, S. 264). Die Kantonspolizei
X._ hat in ihrem Bericht vom 11. Mai 2019 zudem festgehalten, die
Beschwerdeführerin habe aufgrund sprachlicher Barrieren keine Angaben zum
Sachverhalt machen können (act. 5/8). Insgesamt bestehen zumindest Zweifel daran,
dass die Beschwerdeführerin die deutsche Sprache gut beherrscht. Da sie sich nicht
glaubhaft auf eine nahe, echte und tatsächlich gelebte eheliche Beziehung berufen
kann, keine Kinder in der Schweiz hat und sich hier auch noch nicht seit zehn oder
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mehr Jahren aufhält (vgl. dazu BGE 144 I 266 E. 3.9), führt auch die Berücksichtigung
ihrer verfassungs- und völkerrechtlichen Ansprüche auf den Schutz des Familien- und
Privatlebens zu keinem anderen Ergebnis.
Schliesslich ist nicht ersichtlich, inwiefern ein nachehelicher Härtefall vorliegen soll. Die
Beschwerdeführerin bringt auch nichts Entsprechendes vor. Diesbezüglich kann auf die
Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden. Zur Behauptung der
Beschwerdeführerin, ohne ihre Anwesenheit in der Schweiz sei der Beschwerdeführer
suizidgefährdet, steht ihr konkretes Verhalten in einem erheblichen Widerspruch.
Würde sich die Beschwerdeführerin nicht nur aus ausländerrechtlichen Gründen auf
den Fortbestand der Ehegemeinschaft berufen, sondern ihr Verhalten danach
ausrichten, entfiele im Übrigen die Notwendigkeit, sich auf die «Härtefallklausel» zu
berufen. Weder hat sie die Ehe unfreiwillig geschlossen, noch wurde sie Opfer
ehelicher Gewalt. Die soziale Wiedereingliederung in der Dominikanischen Republik
erscheint keineswegs stark gefährdet. Die Beschwerdeführerin ist 44 Jahre alt und hält
sich erst seit rund fünfeinhalb Jahren in der Schweiz auf. Die Beziehungen in ihre
Heimat scheinen intakt, zumal sie im Januar 2018 für vier Wochen in die
Dominikanische Republik reiste, um ihre Familie zu besuchen (MA, S. 136). Demzufolge
hat die Vorinstanz einen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung auch
gestützt auf Art. 50 AuG zu Recht verneint.
6. Zusammenfassung
Die Beschwerdeführerin hat weder einen Anspruch auf Verlängerung ihrer
Aufenthaltsbewilligung im Familiennachzug gemäss Art. 42 und Art. 49 AuG noch
besteht ein solcher im Sinne der Integrations- und Härtefallklausel nach Art. 50 AuG
weiter. Besteht kein solcher Anspruch, erübrigt sich die Prüfung der
Verhältnismässigkeit. Gründe, die einer Wegweisung gemäss Art. 83 AuG
entgegenstünden, sind keine ersichtlich. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
7. Kosten
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten den
Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF
2'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS
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941.12). Auf die Erhebung ist angesichts der offenkundig fehlenden wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführer zu verzichten (Art. 97 VRP).