Decision ID: b2d66765-3f8c-5c9e-8e16-5f78dba2252a
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Nachdem ein erstes Leistungsgesuch der 1972 geborenen X._ von der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich, IV-Stelle, mit Verfügung vom 25. Februar 2010 rechtskräftig abgewiesen worden war (Urk. 8/105-107), meldete sich die Versicherte am
2. April 2011
er
neut zum Leistungsbezug an (Urk.
8/115). Mit Ver
fügung vom 6. Dezember 2011 (Urk.
8/139
) trat die IV-Stelle auf das neue Gesuch
mangels Glaubhaftma
chung einer wesentlichen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse
nicht ein.
Von der Versicherten angerufen, hob das hiesige Gericht mit Urteil vom 30. August 2013 (Prozess Nr. IV.2012.00060; Urk. 8/162) die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache an die Verwaltung zurück, damit diese auf die Neuanmeldung vom 2. April 2011 eintrete und darüber materiell entscheide.
Am 22. April 2014 unterzog sich die Versicherte einer Schulteroperation. Darauf
hin gab die IV-Stelle der über SuisseMED@P zugeteilten MEDAS Y._, Begutachtung Z._, eine polydisziplinäre Abklärung in Auf
trag (Gutachten vom 17. April 2015, Urk. 8/259/1-58). Sodann klärte sie die be
einträchtigte Arbeitsfähigkeit im Haushaltsbereich ab (Abklärungsbericht vom 3. Februar 2016; Urk. 8/266). Mit Schreiben vom 3. Februar 2016 (Urk. 8/269) wies sie die Versicherte unter Hinweis auf ihre Schadenminderungspflicht an, die Epilepsie-Therapie zu optimieren und sich weiterhin psychiatrisch betreuen zu lassen. Gleichentags eröffnete sie ihr mit Vorbescheid die beabsichtigte Ab
weisung des Leistungsbegehrens (Urk. 8/271). Nach Eingang von Einwendungen der Versicherten (Urk. 8/274, Urk. 8/311, Urk. 8/313) sowie ihres Rechtsvertre
ters, Rechtsanwalt Stern (Urk. 8/343), verfügte sie am 12. Januar 2017 im ange
kündigten Sinne (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob X._ am 15. Februar 2017 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung. Daneben ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Urk. 1 S. 2)
. Mit Beschwerdeantwort vom 22. März 2017 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Am 28. April 2017 legte die Beschwerde
führerin ihre finanzielle Situation dar (Urk. 10 f.), worauf ihr mit Verfügung vom 3. Mai 2017 ein Doppel der Beschwerdeantwort zugestellt, die unentgeltli
che Prozessführung bewilligt und Rechtsanwalt Stern als unentgeltlichen Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt wurde (Urk. 12).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchs
begründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwer
defall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente mit der Begründung, dass die Beschwerdeführerin im Ge
sundheitsfall zu einem Pensum von 50 % einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 60 % gemäss dem MEDAS-Gutachten vom
17. April 2015
bemass sie die Invalidität im Erwerbsbereich auf 0 %. Im Haushaltsbereich ermittelte sie gestützt auf den
Abklärungsbericht vom 3. Februar 2016
eine Einschränkung von rund 10 % (Urk. 2 S. 2).
2.2
Demgegenüber begründet die Beschwerdeführerin ihren Rückweisungsantrag damit, dass ihre Qualifikation (Aufteilung zwischen Erwerbstätigkeit und Haus
halt) nicht mit den Tatsachen übereinstimme und das MEDAS-Gutachten vom 17. April 2015 in verschiedener Hinsicht Mängel aufweise (Urk. 1 insbes. S. 8 f.).
3.
3.1
Massgebender Vergleichszeitpunkt für die Prüfung einer anspruchsrelevanten Veränderung (vgl. E. 1.3 hievor in fine) ist gemäss E. 3 des Urteils des hiesigen Gerichts vom 30. August 2013 (Urk. 8/162) die rentenabweisende Verfügung vom 25.
Februar 2010 (Urk.
8/107). In medizinischer Hinsicht beruhte die Leis
tungsablehnung auf den Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes der IV-Stelle (RAD) vom 17. August und 26. Oktober 2009 (Urk. 8/104 S. 5 f.).
Zur damaligen Aktenlage führte RAD-Ärztin Dr. A._, Fachä
rzt
in
für
Chirur
gie, am
17.
August
2009
aus, l
aut
dem B
ericht
des B._ vom 8
.
Juli
2009
(vgl. Urk. 8/82
)
werde
ein
chronisches thorako
lumbales
vertebrales
Schmerzs
yndrom bei Haltungsinsuffizienz und
muskuläre
r
Dysbalance be
schrieben. Aus
rheumatologischer Sicht bestehe
keine Einschränkung für leichte bis mittelschwere A
rbeiten in wechselnder Position
. Aus somatischer Sicht
be
ziehungsweise
rheumatologisch
und bezüglich
der
Epilepsie
könne
man auf
grund der medizinischen Akten
von einer 100%
igen
Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit ausgehen
. Aus psychiatrischer Sicht
werde
zur
Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit keine Stellung genommen. Es
werde
eine 50
%
ige
Ar
beitsfähigkeit
in bisheriger Tätigkeit
als Reinigungsfrau attestiert (Urk. 8/104 S. 5).
3.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, hielt in seiner Stellungnahme vom
26.
Oktober 2009 fest, dass a
m 24.
September
2008
(vgl. Bericht des D._ vom 24. September 2008; Urk. 8/70)
psychiatrisch nach wie vor eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
von 50
% wegen Verlangsamung und erhöhter Ermüdbarkeit festgehalten
wor
den sei
. Am 23.
März
2009
habe PD Dr. med. E._, Oberarzt Psychi
atrie/Psychotherapie am D._ (vgl. Urk. 8/78/1-7),
bei einer symptomatischen Epilepsie
(ICD-10
G40.2
)
deshalb eine organische Persönlichkeits- und Verhal
tensstörung
(ICD-10
F07.8
)
diagnostiziert. In fast filigraner Diagnostik
halte
der Psychiater daneben noch e
ine sonstige spezifische Persön
lichkeitsstörung
(ICD-10
F60.8
)
mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
fest. Diese fa
chliche Diffe
renzierung betone
aber die Persönlichkeitsstrukt
ur der Versicherten und ver
weise
auf eine wenig belastbare und
stressanfällige Persönlichkeit.
Unter beruf
licher Belastung sei weiter mit erhöhter Ermüdbarkeit und Konzentrationsstö
rungen zu rechnen. Die neuropsychologischen Defizite seien hirnorganisch be
dingt und therapeutisch nicht wesentlich zu beeinflussen. Auch die Persönlich
keitsstruktur lasse sich kaum mehr verändern. Es bestehe weiterhin eine 50
%
ige
Arbeitsunfähigkeit
. Gemäss
dem psychiatrischen
Bericht von Dr
. E._ vom 24. September 2008 bestehe
diese
50%ige Arbeitsunfähigkeit
im Reinigungs
dienst
seit
dem
15.
Mai 2008.
Die reduzierte
Arbeitsfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht
bestehe für jegliche Tätigkeit. Auch in einer sogenannt
angepassten Tätig
keit
lasse
sich keine höhere
Arbeitsfähigkeit
erzielen.
I
m
B
ericht
von
Dr.
med.
F._, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin,
vom 6.
Oktober
2009
(vgl. Urk. 8/86/5) seien
plötzlich auftretende Arthralgien der Hände und Füsse
sowie
auch einzelner
Finger von nadelstichartigem Charakter und von
zwei bis drei
Minuten Dauer angegeben
worden
. Klinische
Veränderungen
habe der Rheumatologe Dr. F._
nicht feststellen
können
. Bei der La
borab
klärung (Bericht
von Dr.
F._ vom 24. August 2009; vgl. Urk. 8/86/6
)
hätten
Entzündungszeichen
gefehlt. Es ergä
ben sich aus dem
B
ericht
von
Dr.
F._
keine neuen Hinweise für eine Neubeurteilung der A
rbeitsfähig
keit aus somatischer Sicht (Urk. 8/104 S. 5 f.).
4.
4.1
Hinsichtlich der zahlreichen, i
m Rahmen der Neuanmeldung
eingegangenen
medizi
nischen Berichte kann auf die Erwägungen 4.2 bis 4.6 des Urteils des hiesigen Gerichts vom 30. August 2013 (Proz. Nr.
IV
.
2012.00060
; Urk. 8/162) verwiesen werden.
4.2
4.2.1
Im MEDAS-Gutachten vom 17. April 2015 (Urk. 8/259/1-58) wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (S. 52):
1.
Symptomatische Epilepsie mit einfach und komplex fokalen sekundär generali
sierten tonisch-
klonischen Anfällen, ED 1996 mi/
bei (ICD-10 G40)
-
MR-tomographisch mesiale Temporallappensklerose links, DD Hippokam
pussklerose
links
-
Therapie mit Tegretol
2.
Leichte bis mittelschwere neuropsychologische Störung bei
-
Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten (ICD-10 F81.9) des Sprechens und der
Sprache (ICD.10F80.9)
-
Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10 F06) bei Diagnose 1
-
bei Diagnosen 3 & 4
3.
Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2)
4.
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit ängstliche
n
und emotional labilen Zügen (ICD-10
Z73.1)
5.
Status nach anteriorer Schulterluxation im Sommer 2
010 bei Sturz nach epilep
tischem
Anfall
-
Status nach Schulterarthroskopie am 02.03.2012 mit PASTA-Repair und Bi
zeps-Tenodese (2 x 6,
5 Arthrocare-Anker), subacromial
em D
é
bridement mit Acromioplastik und
AC-Resektion
-
Status nach Schulterarthroskopie am 22.04.2014 mit D
é
bridement PASTA-Lä
sion, Lösen
der Bizeps-Tenodese und D
é
bridement des Sulcus bicipitalis, subacromialem D
é
bridement
und AC-Nachresektion
-
Status nach multiplen Schultergelenksinfiltrationen mit partiellem Kurzzeitef
fekt
Folgenden weiteren Diagnosen massen die Gutachter dagegen keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei (S. 52):
1.
Chronisches thorakolumbovertebrales Schmerzsyndrom, Erstmanifestation circa 1999
-
kein Anhalt für höhergradige osteochondrotische Veränderungen oder Band
scheibenprotrusionen
am ehesten bei muskulärer Dekonditionierung
-
MRI 05/2009 BWK5-SWK3 unauffällig
-
Röntgen LWS
B._
03/2009: Kein Hinweis auf Spondylolyse Rö-
Brustwirbelsäule
leichte ventrale Spondylose
2.
Multilokuläre Arthralgien ohne Anhalt für entzündliche oder höhergradige dege
nerative Veränderungen
-
anamnestisch Fin
gergelenksschmerzen beidseits
-
aktuell Schmerzen im Bereich beider Füsse
-
MR-Tomographie
Fuss
re. 23.01.2014 im
G._
: kein Nachweis ei
ner Arthritis
oder einer Osteonekrose, leichtes Oedem im Bereich des M. ab
ductor digiti minimi
Weiter führten die Gutachter aus, dass
die Explorandin
derzeit
zwe
i Haupt
probleme nenne. Erstens bestehe
eine Epilepsie
.
D
iese
sei
aktenmässig seit 2007 anhand eines Berichts des
D._ beschrieben, bestehe
gemäss di
esem Bericht je
doch seit dem 10. Le
bensjahr
,
mit komplexem Anfallsmuster, einerseits im Sinne
von psychischen Auren, anderer
seits von teilweise generalisiert tonisch-klonischen Anfällen. Aufgrund der Aktenlage, der Eigenanamnese sowie der klinisch-neurologischen Untersuchung
liege
aus neurologischer Sicht eine symptomatische Epilepsie mit einfach- und komplex-partiellen sowie sekundär generalisierten tonisch-klon
ischen Anfällen bei magnetresonanz
tomographisch mesialer Temporallappensk
lerose links vor. Bezüglich der Epil
epsie
sei die Ex
plorandin seit vielen Jahren
im D._
angebunden. Die Anfallsfrequenz scheine
un
ter der aktuellen Therapie
-
mit etwa
ein- bis zweimal
im Monat, dabei meist in Serie
n auftretend - weitgehend stabil.
Aufgrund der Anamnese scheine
das Epilepsiesyndrom schon mindesten
s seit der Kindheit zu bestehen.
H
iefür spre
che die verzögerte Entwicklung, wel
che nicht einzig auf die Sprach
barriere nach der Migration aus Angola nach Portugal zurückgeführt werden
könne
. Diese Ent
wicklungsverzögerungen und auch mögliche Schädigungen des Gehirns durch die Epilepsie
beziehungsweise
im Rahmen der nachgewiesenen mesialen Temporallappensklerose links
liessen
sich sowohl klinisch feststellen als auch neuropsychologisch in den Testbefunden abbilden. Neuropsychologisch
liessen
sich leichte bis mittelschwere kognitive Störungen objektivieren, die Testbe
funde
seien
insgesamt als valide einzustufen.
Klinisch wirke
die Explorandin durch die komplexe Erkrankung deutlich überfordert, auch
sei
die Sprache (mit Übersetzung)
a
uffallend
, was anamnestisch be
reits als Störung der Sprachent
wicklung festgehalten
worden sei
. Es
sei
denkbar, dass auch aufg
rund dieser Sprachentwicklungss
törung und der kognitiven Einschränkungen nur
während vier
Jahre
n
die Schule besucht
worden sei. Die Um
stände
seien
jedoch nicht klar. Psychiatrisch äusser
te
n sich diese
Ü
berforderungen in Form von ängstli
chen und leicht depre
ssi
ven Symptomen. Es
sei
von einer komplexen Interak
tion von reaktiven Anteilen, zugrundeliegender Persönlichkeitsproblematik mit unreifen und emotional labilen Zügen (aufgrund der schon in der Kindheit be
st
andenen
einschränkenden Epilepsie) und den eingeschränkten kognitiven Fä
hig
keiten aufgrund der neuropsychol
ogischen Defizite auszugehen. Diagnos
tisch
sei
dies derzeit als Angst und depressive Störung gemischt zu fassen. Eine Persönlichkeitsstörung im engeren Sinne, wie sie im Bericht
von
Dr.
E._
vom 23.
März
2009
(vgl.
Urk. 8/78/1-7
) pos
tuliert
worden sei, liege
nicht vor, wohl aber akzentuierte Persönlichkeitszüge mit un
reifen ängst
lichen
und emotional instabilen Zügen (S. 53 f.).
Ei
n zweites Hauptproblem bestehe
in Bezug auf
die
Sch
ulterschmerzen rechts; diese be
stünden sei
t dem Sturz anlässlich eines epileptischen
Anfalls
im
Juli 201
0.
Eine erste
diesbezügliche Abklärung habe
in der Schultersprechstunde
der H._ vom
7.
Februar
2011
stattgefunden (vgl. Bericht vom 3. März 2011, Urk. 8/124/1-2)
, während im Bericht der
I._
vom 12.
November 2010 (vgl. Urk. 8/124/15) keinerlei Erwäh
nung
d
er Schulter zu finden
sei. E
rwähnt
werde
eine Exostosenabtragung MP l rechts und links, eine Hallux valgus-Fehlstellung und ein
Senk-Spreizfuss
. Durch die
H._ sei
eine posteriore Schulterinstabilität
diagnostiziert, im MRI eine Hill
-Sachs-Läsion festgestellt, und nach seque
ntiellen Infiltrationen am Schul
terge
lenk di
e Indikation für eine Schulter-
Arthroskopie mit PASTA Repair und Bi
zeps-Tenodese sowie subakromialem D
é
bridement mit Akromioplas
tik und AC-Resektion rechts am
2.
März
2012
gestellt worden. Im weiteren Verlauf sei
eine adhäsive Kapsulitis
mit anhaltenden Schulterbe
schwerden
diagnostiziert wor
den
. Ein Verlaufs-
MRI habe
keine Ruptur der Rotato
renmanschette gezeigt. Nach meh
reren Infiltrationen sei
schliesslich am 22.
April
2014 ein Folge
ein
griff mit Nach-Dé
bridement, Lösen der Bizeps-Tenodese und AC-Na
chresektion rechts durchgeführt worden.
Im Bericht
der H._
vom 18. Juli 2014 (Urk. 8/187) sei angenommen worden, dass
die Beschwerdeführerin
die Tätigkeit als Putzfrau
sechs Monate postopera
tiv
zu 100
% ausüben könne
.
I
nsgesamt könnten leichte bi
s mittelschwere Arbeiten bis 15 kg verrichtet werden. Im weite
ren Verlauf persistier
t
en j
edoch die Beschwerden. Im Bericht der H._ vom 21. Oktober
2014
(Urk. 8/275/14-15) sei
eine Frozen Shoulder di
agnostiziert
worden
. Aus aktueller rheumatologischer Sicht
sei
diese Schulter
pro
blematik nach wie vor einschrän
kend im Sinne von qualitativen Limitierun
gen. An der rechten Schulter
lasse
sich eine deutliche schmerzbedingte Bewe
gungseinschränkung vor allem für Abd
uktion und Elevation objektivie
ren. So
wohl die Schmerzen als auch die Funktionseinschränkung
seien
als Restbe
schwerden der adhäsiven Kapsulitis nachvollziehbar. Die Funktionalität
habe
sich trotz Ausschöpfung aller konservativen Massnahmen und schliesslich auch nach einer Rearthroskopie nicht gebessert. Auf G
rund der Dauer der Beschwer
den von
über
vier
Jahre
n
und der fehlenden Besserungstendenz
seien
die Chan
cen auf eine kurz
-
bis mittelfristige deutliche Verbesserun
g eher gering (S. 54).
Darüber hinaus wü
rden Schmerzen an verschiedenen Gelenken
teils von der Explorandin und t
eils auch in den V
orberichten beschrieben. Hier lie
ssen sich bei der aktuellen Untersuchung und auch unter Berücksichtigung der Vorbe
richte keine eind
eutigen rheumatologischen Ursa
chen finden und sie
seien
als multilokuläre Arthralgien ohne Anh
alt für entzündliche oder höher
gradige de
generative Veränderungen zu klassifizieren. Ebenfalls ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit
seien
die beklagten Rückenschmerzen im Sinne eines chronisch thorakolumbovertebralen Schmerzsyndroms ohne radikuläre Beteiligung
(S. 54 f.)
.
4.2.2
Gestützt darauf schätzten die Gutachter die Arbeits
un
fähigkeit in der angestamm
ten Tätigkeit aufgrund der stark einschränkenden Schulterschmerzen auf 100 %. Sodann attestierten sie eine Arbeitsfähigkeit von 60 % für eine an
gepasste Tätigkeit. Dabei sei aufgrund der Epilepsie jede Tätigkeit mit Selbst- und Fremdgefährdung
, insbesondere das Führen von Fahrzeugen und Maschi
nen sowie Schicht- oder Nachtarbeit nicht zumutbar.
Angesichts
der Schulter
problematik rechts
seien
Tätigkeiten ohne
aktiven Einsatz des rechten Ar
mes unter Belastung, insbesondere ohne Heben von Lasten (maximal kurzzeitig 5
kg) sowie ohne Arbeiten über Kopfhöhe
,
möglich. Repetitive Bewegunge
n des rechten Armes sollten ver
mieden werden. Aufgrund der ängstlich depressiven Symptomatik
sei
das
(
funktionelle
)
Niveau sowohl hinsichtlich der mentalen Funktionen als auch der übrigen psychischen Funktionen deutlich einge
schränkt, jedoch nicht aufgehoben. Der Versicherten
falle
es schwer
,
Planung und S
trukturierung von Auf
gaben zu übernehmen, obwohl sie diesbe
züglich auch Ressourcen aufweise
, indem sie
z.B. die Betreuung ihrer zehnjährigen Tochter gewährleiste
.
Weiter seien Tätigkeiten mit h
ohe
n
Anforderungen an die selbständige Arbeitsweise
beziehungsweise
die
kognitive Umstellfähigkeit sowie komplexe Aufgaben
ungeeignet. Eben
so
sei
die Durchhaltefähigkeit, Belastbar
keit, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit beeintr
ächtigt (S. 55).
Die Explorandin verfüge
über ein kognitiv einfaches Bildungsniveau. Der Ent
wicklungsstörung schulischer Fertigkeiten
müsse
durch ein angepasstes berufli
ches Leistungsniveau Rechnung getragen werden. Die Aufgabenbereiche soll
t
en kognitiv einfach und klar strukturiert sein. Die Arbeitsabläufe soll
t
en weitge
hend automatisiert sein, könn
t
en allenfalls aber auch rein repe
titiven Charakter haben. Das Lern
vermögen der Explorandin
sei
deutlich reduziert und mit einem Mehraufwand verbunden, doch erfolgreich Gelerntes
gehe nicht wieder ver
mehrt ver
gessen.
Es gelte h
öhere Anforderungen an die Planung, Organisation, Fehlerkontrolle, Flexibilität und Umstellfähigkeit zu meiden. Auf Grund der er
höhten Ablenkbarkeit soll
ten die Aufgabe
n weitgehend seriell zu erledigen sein.
Weiter gelte
es
,
A
nforderungen an die geteilte Aufmerksamkeit zu meiden. Wünschenswert
sei
eine flexible Pausengestaltung. Aufgrund des tiefen Bil
dungsniveaus und der vielfältigen qualitativen Limitierungen erg
ä
ben sich möglicherweise Schwierigkeiten in der Vermittelbarkeit. Diese
seien in der obi
gen medizi
nisch-theoretischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht berück
sichtigt und müssten von der Verwaltung gewürdigt werden
(S. 55).
Den Beginn der v
oll
ständigen
Arbeitsunfähigkeit für die Tätigkeit im Reinigungs
dienst
setzten die Gutachter auf den letzten dokumentierten Ar
beitstag, den
31
. März 201
1
fest; ebenfalls denjenigen für die 60%ige
Arbeitsfä
higkeit
in einer angepassten Tätigkeit, wobei sie auf befristete Arbeitsunfähig
keiten von jeweils 100 % infolge der Schulteroperationen hinwiesen (S. 55 f.).
4.3
Am 7. Juni 2016 nahmen die Gutachter der MEDAS ergänzend zu verschiede
nen, ihnen im Zeitpunkt der Begutachtung nicht bekannt gewesenen Arztbe
richten Stellung (Urk. 8/330). Dazu gaben sie an, im Bericht vom 13. Dezember 2013 (Urk. 8/176/4) habe Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, ausgeführt, dass die Versicherte seit dem 12. April 2013 bei ihm in Behandlung sei. Der Psychiater gebe Diagnosen an, die sich teilweise mit denen im psychiatrischen Fachgutachten und im Gesamtgutachten der MEDAS deck
ten, so die symptomatische Epilepsie, die Sprachentwicklungsstörung sowie die depressive Symptomatik. Eine Persönlichkeitsstörung hätten sie nicht feststellen können. Sie gingen von einer Persönlichkeitsakzentuierung aus. Im Bericht von Dr. J._ fehle eine Herleitung oder Schilderung
der funktionellen Beein
träch
tigungen der Leistungsfähigkeit
. Aus
fachpsychiatrischer Sicht ändere
sich durch diesen Bericht nichts an der
attestierten Arbeitsfähigkeit.
Die Berichte der
H._
vom 24.
November
und 25.
August
2015
(Urk. 8/275/3-4 und Urk. 8/275/5-6)
attestier
ten keine neu
en Diagnosen
,
und auch symptomatisch
ergebe
sich keine and
ere Situation als in der Be
gutach
tung. Aus orthopädischer Sicht
bestehe
keine Veranlassung
,
von der
Einschät
zung
der Arbeitsfähigkeit
im
Gutachten abzuweichen
.
Aus
einem
Bericht
des G._
vom 20
. Dezember
2015
(Urk. 8/308/22) ergäben
sich unklare heftige Fussschmer
zen bei klinisch unauf
fälligem Befund. Der ambulante Bericht des
K._
,
Klinik für
Rheumatologie, vom 3.
März
2016
(Urk. 8/324) ergebe
Senkfüsse beidseit
s ohne Schwellung, Rötung oder Ü
berwärmung, bei freier Beweglichkeit. Es be
st
ünd
en keine Hinweise auf eine entzündliche Ursache der Fussbeschwerden, weswegen von einem statischen Fussproblem ausgegangen
we
rd
e
. Die weitere Di
agnostik (radiologischer Be
fund vom 26. Juni 2015 und Laborberic
ht
; Urk. 8/308/7-10
)
ergebe
einen weitgehend unauffälligen Befund, jedoch einen schweren Vitamin
D
-Mangel, welcher als möglich
e Ursache
für die statische Fehlhal
tung und die Fussbeschwerden angesehen we
rd
e
. Dieser
sei
durch die Gabe entsprechender Präparate zu kompensieren. Es
seien
auch eine Verord
nung für orthopädische Schuheinlagen sowie für physiotherapeutische Mass
nahmen
erfolgt
(
Verordnungen der H._ vom
18.
November 2015, Urk. 8/308/23-24, und vom 17. Februar 2016, Urk. 8/300). Es bleibe
abzuwar
ten, inwieweit sich die Beschwerden mit diesen Massnahmen besser
te
n.
Es be
stehe keine
Veranlassung
,
von
der Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit
im Gut
achten abzuweichen.
Dem Bericht von Dr.
med.
L._, Fachärztin für Ohren-, Nasen- Halskrankhei
ten, vom 3. Dezember
2015
(Urk. 8/307) sei zu entnehmen, dass die
oto
l
ogische Untersuchung eine praktisch normale Hörkurve und eine
nur
sehr milde Beein
trächtigung des Ge
hörs ergeben habe
, die keiner Hörgeräteversorgung
bedürfe
. Daraus
ergebe
sich mit Sicherheit keine Einschränkung de
r Arbeitsfähigkeit.
Der ambulante Ver
l
aufsbericht der
M._
vom 26.
Oktober
2015
(Urk. 8/262) ergebe
eine clusterartige Häufung von epileptischen Anfällen im Zeitraum vom 20.
April 2015 bis zur Konsultation am 13. Oktober
201
5.
Aus dem Bericht
ergebe
sich, dass die Serumkonzentrationen des
Medikaments
Carbamazepin in der Vergangenheit unter der üblichen Konzentration
gelegen hätten
. Es
sei
festgehalten
worden
, dass die Versicherte die Epilepsiemedika
mente nicht genommen, vergessen oder abgesetzt
habe
.
Es sei davon auszuge
hen
, dass di
es die Anfallshäufigkeit ursäch
lich beeinflusst
habe.
Zusammenfassend
hielten die Gutachter der MEDAS
fest, dass die nachgereich
ten Dokumente keine Anhaltspunkte
dafür böten,
von
der
gesamtmedizinischen
Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit
im Umfang
von 60
% in ang
epasster Tätig
keit abzuweichen.
5.
5.1
Das MEDAS-Gutachten vom
1
7. April 2015 (Urk. 8/259/1-58
; E. 4.2
)
, zusam
men mit der ergänzenden Stellungnahme vom 7. Juni 2016 (Urk. 8/330; E. 4.3),
entspricht den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Exper
tise. Es ist für die streitigen Belange umfassend und beantwortet die Frage nach den gesundheitlichen Beeinträchtigungen und der Arbeitsfähigkeit aus polydis
ziplinärer Sicht. Es beruht auf eingehenden Untersuchungen der Beschwerde
führerin in den Fachgebieten der Inneren Medizin, Psychiatrie, Rheumatologie, Neurologie und Neuropsychologie. Die Gutachter schilderten ausführlich die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden beziehungsweise die Ein
schränkungen und setzten sich detailliert damit auseinander. Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der
wesentlichen, ausserordentlich umfangreichen
Vorakten abgegeben. Schliesslich leuchten die gutachterlichen Ausführungen in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. In diesem Sinne erscheinen ihre Schlussfolgerun
gen als begründet.
5.2
5.2.1
Zu Recht wendet die Beschwerdeführerin zwar ein, dass das MEDAS-Gutachten bei Verfügungserlass am 12. Januar 2017 bald zwei Jahre alt war (Urk. 1 S. 7 f.). Dies schmälert dessen Beweiskraft jedoch nicht. Zu den wesentlichen, seit der Begutachtung ergangenen medizinischen Berichten nahmen die Gutachter am 7. Juni 2016 Stellung (Urk. 8/330; E. 4.3) und hielten an den im Gutachten gezogenen Schlussfolgerungen fest. Den neueren, bei den Akten liegenden Be
richten lassen sich sodann keine Hinweise gegen die Beweiskraft des MEDAS-Gutachtens beziehungsweise gegen die weitere Gültigkeit der gutachterlichen Schlussfolgerungen entnehmen.
5.2.2.
Das von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Fortschreiten ihrer Erkrankun
gen (Urk. 1 S. 8 f.) kann aufgrund der jüngeren medizinischen Be
richte nicht bestätigt werden.
So führten die von Dr. med. N._, Assistenzärztin am K._, veranlassten Abklärungen der Fussbeschwerden zum Ausschluss einer ent
zündlichen Ursache (Bericht vom 3. März 2016, Urk. 8/324); aus der Einladung zu einer erneuten Konsultation am 29. Augst 2016 (Urk. 3/2) im Rahmen der ambulanten rheumatologischen Behandlung kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten.
Mit Bezug auf die rechte Schulter anerkannten die Gutachter eine deutliche schmerzbedingte Bewegungseinschränkung vor allem für Abduktion und Eleva
tion. Infolgedessen erachteten sie nur noch Tätigkeiten ohne aktiven Einsatz des rechten Armes unter Belastung, insbesondere ohne Heben von Lasten sowie ohne Arbeiten über Kopfhöhe, und ohne repetitive Bewegungen als zumutbar (Urk. 8/259/1-58 S. 54 f.). Dem Bericht der
H._
vom 24. November 2015 (Urk. 8/275/3-4 S. 2) lässt sich entnehmen, dass die Be
schwerdeführerin im Dezember 2015 das Vorliegen einer rheumatologischen Er
krankung im
K._
bei Dr. N._
abklären
lassen wollte
.
Als weitere mögliche Ursache für den protrahierten Behandlungsverlauf sahen die berichtenden Ärzte die Malcompliance bezüglich Fortführung der Physiothera
pie. Die Beschwerdeführerin mache keine Physiotherapie, weil sie keine Medi
kamente einnehmen wolle beziehungsweise nach der Physiotherapie immer Schmerzen gehabt habe.
I
m
Bericht vom 3. März 2016 (Urk. 8/324) äusserte sich Dr.
N._
jedoch
wie bereits erwähnt
lediglich zu den Fussbeschwerden und gab an, dass die bisherigen Untersuchungen keine Hinweise auf eine entzündli
che Ursache ergeben hätten
; man gehe weiterhin von einem statischen Fuss
problem aus
.
Damit aber kann eine Verschlechterung der Schulterproblematik seit der MEDAS-Begutachtung infolge einer rheumatischen Erkrankung ausge
schlossen werden, weshalb auch diesbezüglich kein Anlass für weitere Abklä
rungen besteht.
D
ie von der Beschwerdeführerin angegebenen Hüftbeschwerden (Urk. 1 S. 9)
sind nicht
dokumentiert, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
Eine Verschlechterung der Hörproblematik schliesslich lässt sich dem Bericht von Dr. L._ vom 3. Dezember 2015 (Urk. 8/307) nicht entnehmen. Zwar zeigte der Hörtest eine grenzwertige Hörkurve. Diese liegt nach Beurteilung der ORL-Fachärztin jedoch im normalen Bereich, weshalb sie eine Hörgerätversor
gung als „absolut nicht angezeigt“ erachtete. Angesichts der bereits im Juni 2014 erhobenen, nicht therapiebedürftigen, leichtgradigen sensorineuralen Schwerhörigkeit ist die Lage offenbar stabil. Für eine später eingetretene „mas
sive“ Verschlechterung der Hörproblematik (Urk. 1 S. 9) liegen keinerlei An
haltspunkte vor, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht keine weiteren Ab
klärungen veranlasst hatte.
5.2.3
Unter diesen Umständen kann die Beweiskraft des MEDAS-Gutachtens vom 17. April 2015, ergänzt durch die Stellungnahme vom 7. Juni 2016, nicht ledig
lich aufgrund dessen Alters verneint werden.
5.3
Zusammenfassend ist (bei im massgebenden Vergleichszeitraum eingetretener Verschlechterung) davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin die ange
stammte Reinigungstätigkeit aufgrund der Schulterschmerzen nicht mehr mög
lich ist. Eine angepasste Tätigkeit wäre ihr jedoch zu einem Pensum von 60 % zumutbar. Dabei ist von folgendem Anforderungsprofil auszugehen: Kognitiv
einfache, klar strukturierte Tätigkeit ohne höhere Anforderungen an Planung, Organisation und Fehlerkontrolle sowie an selbständige Arbeitsweise bezie
hungsweise kognitive Umstellfähigkeit, ohne
Selbst- und Fremdgefährdung, ohne Einsatz beziehungsweise ohne
repetitive Bewegungen
des rechten Armes unter Belastung (Urk. 8/259 S. 55, Urk. 2 S. 2). Nicht massgebend ist die Ver
mittelbarkeit unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen, sondern einzig, ob die verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich genutzt werden könnte, wenn ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach Arbeitsplätzen bestünde (ausgeglichener Arbeitsmarkt, Art. 16 ATSG; BGE 134 V 64 E. 4.2.1, 110 V 273 E. 4b).
6.
6.1
In erwerblicher Hinsicht ist allein die Statusfrage strittig.
Die Beschwerdegegne
rin qualifizierte die Beschwerdeführerin als je zu 50 % im Erwerbs-
und
im Aufgabenbereich tätig (Urk. 2; vgl. auch den Abklärungsbericht vom 3. Februar 2016, Urk. 8/266 S. 3). Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, dass sie ohne gesundheitliche Einschränkung ein volles Arbeitspensum im Dienstleis
tungsbereich wahrnehmen würde (Urk. 1 S. 3).
6.2
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Be
einträchtigung bestünde. Ent
scheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbs
tätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, das heisst ohne Gesund
heitsscha
den, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
statt vieler un
längst Bundesgerichtsurteil 9C_552/2016 vom 9. März 2017 E. 4.2 mit Hinwei
sen
).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme ei
ner im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er
werbs
tätigkeit ist der im Sozial
versi
cherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erfor
derlich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hin
weisen).
Bei der Beantwortung der entscheiden
den Statusfrage handelt es sich um eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothetische Willens
entschei
dungen der versicherten Person berücksichtigen muss. Dies gilt auch für die Frage, in wel
chem Ausmass die versicherte Person ohne gesund
heitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre. Diese inneren Tatsa
chen sind indessen einer direkten Be
weisführung nicht zugänglich und müssen in aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 9C_287/2013 vom 8. November 2013 E.
3.5
und
8C_511/2013 vom 30. Dezember 2013, je
mit Hinweisen).
6
.3
Vorliegend ist bei der Beurteilung der Statusfrage zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin
seit
der Geburt ihrer Tochter im Jahr 2004 nicht mehr voll erwerbstätig war (
vgl. Auszug aus dem Individuellen Konto;
Urk. 8/322).
Der Grund dafür bestand darin, dass sie und ihr
früher ebenfalls teilzeitlich er
werbstätig gewesener
Ehemann sich bei der Betreuung der Tochter abwech
selten. An dieser Aufteilung hielt die Beschwerdeführerin auch nach Aufgabe der Erwerbstätigkeit seitens des Ehemannes fest (Abklärungsbericht vom 3. Dezember 2009; Urk. 8/91),
weshalb sie bereits bei der ersten Rentenableh
nung im Jahr 2010 als lediglich zu 50 % im Erwerbsbereich
T
ätig
e
qualifiziert wurde (
vgl.
Verfügung vom 25. Februar 2010; Urk. 8/107). Seither ist mit Bezug auf die persönlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin keine Änderung ein
getreten.
Darüber hinaus unterliess es die Beschwerdeführerin, Gründe anzuge
ben, weshalb sie im Gesundheitsfall vollzeitlich erwerbstätig wäre (vgl. Urk. 1 S. 3). U
nter diesen Umständen ist
die von der
Beschwerdegegnerin vorgenom
mene Qualifikation nicht zu beanstanden,
und es können Weiterungen zur In
validitätsbemessung mit dem Ergebnis einer rentenausschliessenden Invalidität unterbleiben (vgl. Bundesgerichtsurteil 9C_645/2015 vom 3. Februar 2016 E. 4.3).
7
.
7.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen, infolge bewilligter
unentgeltlicher
Pro
zessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
7.2
Mit
Verfügung vom 3. Mai 2017 wies das hiesige Gericht die Beschwerdeführe
rin und ihren unentgeltlichen Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Stern, auf die Mög
lichkeit hin, dem Gericht vor Fällung des Entscheides eine detaillierte Zusam
menstellung über den bisherigen Zeitaufwand und die bisher angefallenen Bar
auslagen einzureichen. Sie wurden darüber hinaus darauf aufmerksam gemacht, dass das Gericht im Unterlassungsfall die Entschädigung nach Ermessen fest
setzt, ohne eine Frist für die Einreichung beziehungsweise Ergänzung einer Ho
norarnote anzusetzen (Urk. 12 Dispositiv-Ziffer 3). Bis zum heutigen Tag ist keine Honorarnote von Rechtsanwalt Stern eingegangen, womit der unentgeltli
che Rechtsvertreter für seine Bemühungen im vorliegenden Beschwerdeverfah
ren mit Fr. 2‘300.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
aus der Ge
richtskasse zu entschädigen ist.