Decision ID: 0f068e4a-7cfd-4159-bb56-5e7dc59717ba
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch
gegen Unfälle versichert als er am 8. Februar 2008 bei einer Auffahrkollision ein
Schleudertrauma erlitt. Dabei zog er sich eine Commotio cerebri sowie eine Kontusion
der Halswirbelsäule (HWS) und der Brustwirbelsäule (BWS) zu, was mit Schmerzen im
Nacken- und BWS-Bereich, einer Druckdolenz C4 links sowie eingeschränkter HWS-
Rotation nach links und druckdolenter Paracervicalmuskulatur rechts einherging (UV-
act. 1, 6). Die Suva übernahm die Heilbehandlung und richtete Taggelder aus. Sie
schloss den Fall per März 2009 ab (UV-act. 12).
A.b Am 24. Juni 2010 wurde der Suva ein Rückfall gemeldet (UV-act. 14). Der
Versicherte leide an einer akuten Periarthrosis humeroscapularis (PHS) links. Es läge
eine höhergradige Partialruptur der Supraspinatus-, Infraspinatus- und
Subscapularissehnen vor (UV-act. 17 f.). In der Folge unterbreitete die Suva die Akten
ihrem Kreisarzt, Dr. med. B._, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Allgemein- und
Unfallchirurgie, welcher einen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den
Beschwerden und dem Unfall als "nur möglicherweise" gegeben bezeichnete (UV-act.
19). Gestützt auf diese Beurteilung teilte die Suva dem Versicherten mit Verfügung vom
1. September 2010 mit, sie sei nicht leistungspflichtig (UV-act. 21).
B.
Mit Eingabe vom 25. September 2010 erhob der Versicherte Einsprache gegen die
Verfügung vom 1. September 2010 (UV-act. 27). Nach Vorlage der Einsprache an den
Kreisarzt wies die Suva diese mit Entscheid vom 7. Januar 2011 ab (UV-act. 28, act.
G1.2).
C.
C.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die Beschwerde vom 4. Februar 2011. Der
Beschwerdeführer beantragt sinngemäss, der Entscheid vom 7. Januar 2011 sei
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Leistungen für den
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Rückfall zu erbringen. Er macht geltend, es bestehe ein adäquater
Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden in der linken Schulter und dem
Unfall vom 8. Februar 2008. Vor dem Unfall hätte er nie an Schulterschmerzen oder
Entzündungen gelitten (act. G1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 23. Februar 2011 beantragt die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen und der Entscheid vom
7. Januar 2011 sei zu bestätigen. Sie führt aus, die Schulter sei vom Unfall nicht
betroffen gewesen. Ein natürlicher Kausalzusammenhang sei höchstens möglich und
nicht überwiegend wahrscheinlich. Es sei auf die kreisärztlichen Ausführungen
abzustellen (act. G3).
C.c Mit Replik vom 14. März 2011 hält der Beschwerdeführer an seinem Begehren
fest. Die Schmerzen in der Schulter seien auf Verletzungen zurückzuführen, die durch
das Aufstossen der verklemmten Fahrertür entstanden seien. Sie seien in den Akten
nicht dokumentiert, da sie immer in Zusammenhang mit dem Nacken und Schulterblatt
bzw. Rückenpartie etc. gestellt worden seien. Die Schmerzen hätten immer existiert
(act. G5).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet sinngemäss auf das Einreichen einer Duplik
(act. G6, G7).
C.e Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt
der übrigen Akten wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den nachfolgenden

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht eine
Leistungspflicht für den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Rückfall verneint
hat.
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1.2 Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten gewährt. Die versicherte Person hat Anspruch auf die zweckmässige
Behandlung der Unfallfolgen (vgl. Art. 10 UVG). Verursacht der Unfall eine volle oder
teilweise Arbeitsunfähigkeit, hat sie auch Anspruch auf Taggelder (Art. 16 UVG). Ver
sicherungsleistungen (insbesondere die genannten Heilungskosten und Taggelder)
werden sodann auch für Rückfälle gewährt (vgl. Art. 11 der Verordnung über die
Unfallversicherung [UVV; SR 832.202]).
1.3 Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich
geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu
(weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt. Da der Rückfall begrifflich an ein bestehendes
Unfallereignis anschliesst, kann er eine Leistungspflicht des Unfallversicherers nur dann
auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der
seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher
und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 296 f. E. 2c). Dabei kann
nicht zwingend von der natürlichen Kausalität zwischen Unfall und Grundfall auf die
natürliche Kausalität zwischen Unfall und Rückfall geschlossen werden, denn die
unfallkausalen Faktoren können durch Zeitablauf wegfallen. Vielmehr obliegt es dem
Leistungsanprecher, das Vorliegen eines (leistungsbegründenden) natürlichen
Kausalzusammenhangs zwischen dem neuen Beschwerdebild und dem Unfall (mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit) nachzuweisen. Als Ursachen
im Sinn des natürlichen Kausalzusammenhangs gelten laut der zutreffenden
Darstellung in E. 1b des angefochtenen Einspracheentscheids (auf die verwiesen wird)
alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten
oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit
eingetreten gedacht werden kann. Kann der natürliche Kausalzusammenhang nicht mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden, fällt
der Entscheid zu Lasten des Versicherten aus (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 2b; vgl.
A. Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl., 2003, S. 71 f.).
2.
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Die Beschwerdegegnerin hatte den Grundfall nie formell (mit entsprechender
Verfügung) abgeschlossen. In den Akten findet sich lediglich eine Notiz vom 20. März
2009 über ein Telefongespräch mit dem Beschwerdeführer (UV-act. 12). Dabei führte
dieser aus, er sei zwar noch nicht vollständig beschwerdefrei; es finde aber keine
ärztliche Behandlung mehr statt und der Fall könne jetzt abgeschlossen werden. Da die
Rückfallmeldung vom 24. Juni 2010 deutlich über ein Jahr nach dem formlosen
Abschluss erfolgte, ist nach geltender Praxis von einer Rückfallsituation auszugehen
(vgl. BGE 134 V 145). Entsprechend sind die (in E. 1.3) dargestellten Regeln zu den
Rückfällen anwendbar und hat der Beschwerdeführer das Vorliegen eines natürlichen
Kausalzusammenhangs zwischen dem neuen Beschwerdebild und dem Unfall
darzutun.
3.
3.1 Mit Beschwerde vom 4. Februar 2011 macht der Beschwerdeführer geltend, der
Kausalzusammenhang zwischen den Schulterbeschwerden und dem Unfall vom 8.
Februar 2008 sei gegeben (vgl. act. G1). Er bringt sinngemäss vor, die
Schulterbeschwerden seien unter die Beschwerden im Nacken und Schulterblatt bzw.
in der Rückenpartie etc. zusammengefasst worden und schon seit dem Unfall
vorhanden gewesen (act. G5).
3.2 Gemäss Bericht des Hausarztes des Beschwerdeführers, Dr. med. C._,
Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, vom 22. Februar 2008 erlitt der
Beschwerdeführer im Rahmen der Auffahrkollision vom 8. Februar 2008 eine Commotio
cerebri sowie eine Kontusion der HWS und BWS. Der Beschwerdeführer habe
Schmerzen im Nacken- und BWS-Bereich. Es finde sich eine Druckdolenz C4 links
sowie eine eingeschränkte HWS-Rotation nach links und druckdolente
Paracervicalmuskulatur rechts (UV-act. 6). Im darauffolgenden Zwischenbericht vom
16. Juni 2008 sowie in jenem, der der Beschwerdegegnerin im November 2008
zugestellt wurde, nennt der Hausarzt als Diagnose Verkehrsunfall 8. Februar 2008 mit
Commotio cerebri, cranio-cervicalem Beschleunigungstrauma, Kontusion von BWS
und LWS, posttraumatische PHS links und Kniekontusion rechts (UV-act. 8, 10).
Gemäss dem Bericht vom Juni 2008 sei es bei der Wiederaufnahme sportlicher
Tätigkeit zu einer akuten Verschlechterung des Cervicalsyndroms mit Ausstrahlung in
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=8C_433%2F2007&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-145%3Ade&number_of_ranks=0#page145
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die linke Schulter und Parästhesien bis in die linke Hand gekommen. Es finde sich eine
Druckdolenz C6 links, die Reflexe an den oberen Extremitäten seien symmetrisch und
die Beweglichkeit in der linken Schulter sei allseits eingeschränkt (UV-act. 8).
3.3 Mit Schadenmeldung vom 24. Juni 2010 wurde der Beschwerdegegnerin ein
Rückfall angezeigt (UV-act. 14). Im Arztzeugnis für Rückfall vom 6. August 2010 nennt
der behandelnde Arzt des Beschwerdeführers, Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Allgemeine Innere Medizin, als Diagnose akute PHS links bei Zustand nach Unfall vom
8. Februar 2008 sowie im MRI vom 29. Juni 2010 höhergradige Partialruptur der
Supraspinatus-, Infraspinatus- und der Subscapularissehnen (UV-act. 17). In der Folge
unterbreitete die Beschwerdegegnerin die (medizinischen) Unterlagen Kreisarzt
Dr. B._ zur Beurteilung. Dieser hielt im Bericht vom 18. August 2010 fest, dass in den
echtzeitnahen Dokumenten initial keine Pathologie an der Schulter festgehalten worden
sei. Im Verlauf sei es zu einer Ausstrahlung vom Halsbereich zur Schulter und auch in
den Daumenbereich gekommen. Erstmals Monate später sei die Periarthrosis
humeroscapularis (PHS) links erwähnt worden. Er bezeichnete dies als
"Schulterproblematik unspezifischer Ätiologie und nicht definierte Diagnose". Im
Weiteren zeige das MRI keine gesicherten Unfallfolgen, hingegen nebst der
Acromioclaviculargelenkarthropathie eine kleine Spornbildung am Acromionunterrand
und die interstitiellen Partialrupturen der Sehnen, was insgesamt als degenerativer
Prozess zu werten sei. Somit stünden die aktuellen Beschwerden nur möglicherweise
in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Ereignis vom Februar 2008 und seien
eher wahrscheinlich im Verlauf einer Manifestation degenerativer Veränderungen
aufgetreten (UV-act. 19).
4.
4.1 Den Ausführungen des Kreisarztes ist zu folgen, denn der von ihm erstellte
Bericht erfüllt die Kriterien der Beweistauglichkeit: Er wurde in Kenntnis der Vorakten
erstellt, ist nachvollziehbar und schlüssig (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a). Zwar hatte der
behandelnde Arzt im Arztzeugnis für Rückfall angegeben, es lägen ausschliesslich
Unfallfolgen vor, jedoch fehlt dazu eine Begründung. Wie der Kreisarzt zutreffend
feststellte, wurde beim Beschwerdeführer die posttraumatische PHS links erstmals vier
Monate nach dem Unfall diagnostiziert (vgl. UV-act. 8). Aus den früheren Berichten
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lässt sich nichts dergleichen entnehmen. Es werden einzig Beschwerden im Hals- und
Nackenbereich sowie der BWS erwähnt (vgl. UV-act. 5 f.). Weiter ist zu
berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer nach dem Unfall drei Tage im Spital ver
brachte, wobei ein Röntgen und ein CT durchgeführt wurden. Dem damals erstellten
Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach cranio-cervicalem
Beschleunigungstrauma ist jedoch nicht zu entnehmen, dass Beschwerden im
Schulterbereich vorgelegen hätten (UV-act. 7). Wären die Schulterbeschwerden
tatsächlich durch den Unfall verursacht worden, ist davon auszugehen, dass sich der
Beschwerdeführer während seines dreitägigen Spitalaufenthalts darüber beklagt hätte
und entsprechende Abklärungen vorgenommen worden wären bzw. dass dies im
Dokumentationsbogen erwähnt worden wäre. Denn dieser enthält die Rubrik
"Schmerz / Funktionseinschränkung an anderer Lokalisation", sodass davon
auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer ausdrücklich nach anderen Beschwerden
befragt worden war.
4.2 Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer vor dem Unfall nie Schulterschmerzen
oder Entzündungen hatte und deswegen nie in ärztlicher Behandlung war, bedeutet
nicht, dass die Schmerzen natürlich-kausal auf den Unfall zurückzuführen sind. Denn
die Formel "post hoc ergo propter hoc" ist beweisrechtlich untauglich (vgl. SVR 2009
UV Nr. 13 [8C_590/2007] S. 52 E. 7.2.4 sowie Urteil des Bundesgerichts 8C_979/2010
vom 9. Mai 2011 E. 6.2 mit Hinweisen). Die Schulterbeschwerden weisen laut
kreisärztlicher Beurteilung vom 18. August 2010 "nur möglicherweise" einen
natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom Februar 2008 auf (vgl. UV-act. 19).
Der massgebende Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ist damit nicht
erfüllt. Da eine Partialruptur der Schultersehnen sowohl als Verschleisserscheinung als
auch als Unfallfolge auftreten kann, ändert die Schilderung des Beschwerdeführers, es
sei anlässlich des Unfalls durch das Aufwuchten der verklemmten Tür zu einer
erhöhten Beanspruchung der Schulter gekommen, nichts an diesem Ergebnis. Eine
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin besteht nicht. Die Beschwerde ist
abzuweisen.
4.3 Da der natürliche Kausalzusammenhang zu verneinen ist, erübrigt sich eine
Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs.
5.
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Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 7. Januar 2011 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP