Decision ID: 4906311c-4522-4de0-9a3b-1c102ad19b70
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1949 geborene
X._
war als Arbeitsloser bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch unfallversichert, als er am 1
1.
November 2006 beim Gehen ausrutschte und auf sein rechtes Knie fiel.
Dabei erlitt er eine dis
tale
Patellamehrfragmentfraktur
, welche
operativ saniert werden musste. Die Suva stellte mit Verfügung vom 1
1.
Juli 2008 ihre bis
da
hin erbrachten Leistungen per
1.
Juli 2008 ein und sprach ihm eine
Integritätsent
schädigung
von 10 % zu (
Urk.
9/76).
2.
Mit Schadenmeldung vom
8.
Dezember 2008
(vgl.
Urk.
9/315 S. 2)
meldete d
ie
neue Arbeitgeber
in
des als Buschauffeur arbeitenden Versicherten
,
die
Z._
AG (heute
A._
AG), der Suva einen Rückfall.
Die
Suva kam erneut für Heilbehandlung und Taggeld auf.
Nach
dem
X._
die Arbeit wieder aufgenommen hatte,
stellte
s
ie ihre Leistungen
mit Schreiben vom
8.
März 2011 (
Urk.
9/165)
per 3
1.
März 2011 ein.
3.
Am 1
2.
April 2011
(vgl.
Urk.
9/315 S. 3)
erfol
gte erneut eine Rückfallmeldung und die
Suva
erbrachte wiederum die gesetzlichen Leistungen
. Der Kreisarzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für
Chirurgie,
erklärte am 2
3.
März 2012, der medizi
nisch-therapeutische Endzustand sei erreicht. Er erstellte
gestützt auf die Akten, insbesondere
gestützt auf
die Einschätzung der
Klinik C._
vom 2
6.
Januar 2012 (
Urk.
9/272)
ein Zumutbarkeitsprofil, wonach der Versicherte
für die
bisher ausgeübte Tätigkeit als Busch
auffeur nicht mehr,
für
leidens
ange
passte
Tätigkeiten
aber zu 100 % einsatzfähig sei
(
Urk.
9/
276
).
Per 3
1.
Mai 2012 wurde dem Versicherten die Arbeitsstelle gekündigt, weil die
A._
AG keine leidensangepassten Tätigkeit
en
anbieten konnte (
Urk.
9/277 S. 3)
.
Mit Verfügung vom
9.
Juli 2012 (
Urk.
9/299) schloss
die Suva
den Fall per
1.
Juni 2012 ab und sprach dem Versicherten ab diesem Zeitpunkt eine Rente in der Höhe von 18 % zu. Die dagegen erhobene Einsprache
(
Urk.
9/306 und
9/
310)
hiess die Suva mit Entscheid vom 2
8.
Januar 2013 in dem Sinne gut,
dass sie dem Versicherten in Änderung der
angefochtene
n
Verfügung
eine Rente gestützt auf einen
Invaliditätsgrad
von 26 % zusprach
(
Urk.
9/315
=
Urk.
2
).
4.
Dagegen liess der Versicherte, vertreten durch
die
DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG,
MLaw
Y._
, mit Eingabe vom 2
8.
Februar 2013 Beschwerde erheben und die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids
sowie die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die Suva beantragen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
7.
Mai 2013 schloss die Suva auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8).
Der Beschwerdeführer verzichtete in der Folge auf eine Replik (
Urk.
13).
Auf die Begründung der Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwä
gungen Bezug genommen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin sprach dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
9.
Juli 2012 (
Urk.
9/299) und mit
Einspracheentscheid
vom 2
8.
Januar 2013 (
Urk.
9/315 =
Urk.
2) ab
1.
Juni 2012 eine Rente in der Höhe von 26 % zu. Sie stützte sich
dabei auf die kreisärztliche Beurteilung vom 2
3.
März 2012 (
Urk.
9/276) und jene der
Klinik C._
vom 2
6.
Januar 2012 (
Urk.
9/272).
Der Beschwerdeführer beanstandet das von der Beschwerdegegnerin ermittelte Zumutbarkeitsprofil, welches Grundlage für die
Invaliditätsbemessung
bildet.
Alle weiteren Fragen wie der Rentenbeginn und die Berechnung an sich sind unumstritten. Weil keine offensichtlichen Fehler
insbesondere auch nicht hin
sichtlich der Berücksichtigung des Alters des Beschwerdeführers
ersichtlich sind, ist im Folgenden demnach einzig zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin auf die erwähnten Zumutbarkeitsprofile abstellen durfte oder nicht.
2.
2.1
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
; ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung;
UVG
). Invalidität ist die voraus
-
sicht
lich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbs
-
unfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des
Invaliditäts
grades
wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeits
marktlage
erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.2
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
An die Beweiswürdigung versicherungsinterner medizinischer Berichte sind
pra
xisgemäss
strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versiche
rungsinternen
ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vor
zunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4).
3.
Dem Austrittsbericht der
Klinik C._
, vom 26. Januar 2012
, wo der Beschwerdeführer vom
9.
November bis 1
4.
Dezember 2011 stationär behandelt
wurde
,
lässt sich entnehmen, dass d
iese
m
aufgrund der diagnostizierten rechts
seitigen distalen
Mehrfragmentfraktur
der Patella und des Reizknies rechts bei posttraumatischer Sekundärarthrose des
Femoropatellargelenks
die ange
stammte Tätigkeit als Buschauffeur nicht mehr zumutbar sei. Die Anforderun
gen hierfür seien zu hoch. So müsse der Beschwerdeführer ganztags sitzen
,
und
das rechte Knie
sei
beim Bedienen der Pedale
ständig beansprucht
. Andere berufliche, leichte Tätigkeiten seien ihm ganztags zumutbar. Diese müssten wechselbelastend (im Wechsel gehend, stehend und sitzend)
sein
und dürften keine Kniezwangspositionen wie Tätigkeiten in der Hocke oder im Knien
bein
halten
(
Urk.
9/272 S. 1 und 3).
Anlässlich der
kreisärztlichen Beurteilung vom 2
3.
März 2012 wurden die
Diag
nosen Sturz am 1
1.
Novembe
r
2006 auf das rechte Knie mit
Patellafraktur
, Status nach
Zuggurtungs
- und Schraubenosteosynthese, Status nach
Osteosyn
thesematerialentfernung
am 2
6.
Februa
r 2007, Status nach
tra
nsarthrosko
pi
schem
lateralem
Patellashaving
im Mai 2007, Status nach Arthroskopie und Keilektomie am lateralen
Patellarand
rechts,
Débridement
und Infiltration am 2
1.
September 2011, sowie Restbeschwerden retropatellar
erhoben
.
Dr.
B._
hielt fest, beim Beschwerdeführer bestehe als Busfahrer keine Arbeitsfähigkeit mehr. Diese Einschätzung könne allein aufgrund der Skelettveränderungen getroffen werden. Wechselbelastende leichte bis mittelschwere Tätigke
it
en ohne hockende, kniende und kauernde Arbeiten, ohne das Tragen von Lasten auf un
ebenem Gelände, mit einem Gewichtslimit auf ebenem Gelände von repetitiv
10 kg und selten 20 kg
bei
Gehstrecken
von
unter 30 m, ohne das Besteigen von Leitern und Gerüsten, ohne repe
titives Treppengehen unter Last seien
unfallbe
dingt
vollzeitig
zumutbar (
Urk.
9/276 S. 9 – 10).
4.
4.1
Es ist unbestritten, dass die Kniebeschwerden unfallbedingt, die anderen aus den medizinischen Akten ersichtlichen Gesundheitsschäden dagegen
krank
heitsbedingt
sind.
Die zitierten Zumutbarkeitsprofile beziehen sich denn auch nur auf die Knieproblematik, was
einleuchtet
.
Der Bericht der
Klinik C._
beruht auf allseitigen Untersuchungen. Der Beschwerdeführer weilte gut einen Monat in der Klinik und wurde eingehend untersucht. Auch wurde separat ein orthopädisches (
Urk.
9/272 S. 11 f.) und ein neurologisches Konsilium (
Urk.
9/272 S. 14 f.) angeordnet. Der Beschwerdefüh
rer wurde von Fachärzten für Physikalische Medizin und Rehabilitation (so med.
pract
.
D._
, vgl.
Urk.
9/272 S. 6), für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates (so
Dr.
med.
E._
, vgl.
Urk.
9/272 S. 13) und für
Neurologie (so
Dr.
med
.
F._
, vgl.
Urk.
9/272 S. 15) untersucht. Die Fachärzte zeigten in nachvollziehbarer Weise auf, inwiefern das rechte Knie nicht mehr belastbar ist. Ihre Beurteilungen stützten sie aber nicht nur auf die eigenen Er
hebungen, sondern sie bezogen auch die Klagen des Beschwerdeführers und die Anamnese in ihre Beurteilung mit ein. Ihre gezogenen Schlüsse erscheinen logisch und nachvollziehbar. So ist insbesondere nachvollziehbar, dass bei dem offensichtlich stark geschädigten Knie kniebelastende Tätigkeiten nicht mehr, alle anderen leichten Tätigkeiten dagegen
noch
zumutbar sind. Es besteht kein Widerspruch zur restlichen medizinischen Aktenlage, welche sich zur Arbeitsfä
higkeit
allerdings
nicht äussert. Der Bericht ist für die Frage der verbliebenen Restarbeit beweiskräftig.
Dr.
B._
untersuchte den Beschwerdeführer
ebenfalls
persönlich und nicht zum ersten Mal. Er berücksichtigte die Anamnese und die Angaben des Beschwerdeführers ebenso wie bereits die Ärzte in der
Klinik C._
. Auch er ist als Chirurg ausgewiesener Facharzt
und
erhob mit jenen der
Klinik C._
deckungsgleiche Befunde und zog ebenfalls logische Schlüsse. So ist anhand seiner erhobenen Befunde und der bildgebend ersichtli
chen Schädigung des Knies einleuchtend, dass rein auf den Unfall bezogen kniebelastende Tätigkeiten nicht mehr, knieschonende Tätigkeiten dagegen voll zumutbar sind. Als Vertrauensarzt mit entsprechender Erfahrung erstellte er ein noch präziseres Zumutbarkeitsprofil mit quantitativen Angaben zu den Gewichts- und
Lauflimiten
.
S
ein Bericht ist
auch gemessen am für
versiche
rungsinterne
Beurteilungen strengen Massstab für die Frage der
Restarbeitsfä
higkeit
voll beweiskräftig, denn es
besteht kein Zweifel an der Richtigkeit seiner Ausführungen.
Damit hat die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das
kreisärztli
che
Zumutbarkeitsprofil abgestellt.
4.2
Die Einwände des Beschwerdeführers vermögen dieses Ergebnis nicht umzustos
sen.
So ist nicht entscheidend, ob er sich selbst noch teilweise als Busfahrer arbeitsfä
hig erachtet, wie er in seiner Beschwerde wohl mit dem Hinweis auf den Bericht der
Klinik G._
vom 1
8.
September 2012 geltend machen lässt (
Urk.
1 S. 6 und
Urk.
8 S. 4)
.
Diesem ist zu entnehmen, dass eine
Reevalu
ierung
der Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit erwünscht sei, da der Beschwer
deführer sich sehr motiviert zeige, wieder in seinen alten Beruf
reintegriert
zu werden (
Urk.
9/308 S. 2).
Massgeblich ist, dass er eine leidensangepasste Tätig
keit noch zu 100
%
ausüben kann. Abklärungen über seine Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sind daher nicht notwendig, im Übrigen auch des
halb nicht, weil die Fachärzte übereinstimmend die Täti
gk
eit als Busfahrer für
unzumutbar halten. Aus
versicherungs
rechtlicher
Sicht muss er sich die Zumut
barkeit
einer
leidensangepassten Tätigkeit anrechnen lassen
(
Schadenminde
rungspflicht
)
.
Auch der Einwand des Beschwerdeführers, die Einschätzung der
Klinik C._
sei nicht vorbehaltlos erfolgt, verfängt nicht (
Urk.
1 S. 6 und
Urk.
8
S. 4). Es trifft zwar zu, dass dem zitierten Austrittsbericht zu entnehmen ist, die Beurteilun
g der Zumutbarkeit
gelte
unter Vorbehalt der
ausstehende
n
neurolo
gische
n
Beurteilung in der
Klinik G._
(
Urk.
9/272 S. 3 oben). Dem Bericht ist allerdings weiter unten (S. 3 Mitte) zu entnehmen, dass inzwischen (bei Austritt) ein MRI des Knies und eine Zweitmeinung in der Kniesprechstunde der
Klinik G._
eingeholt worden sei
und (S. 4) zwischenzeitlich Berichte
über drei
ambulante Termine in der Kniesprechstunde der
Klinik G._
vorliegen würden. Eine Änderung der Zumutbarkeitsbeurteilung erfolgte
da
raufhin
indes nicht.
Das Zumutbarkeitsprofil der Rehaklinik
wurde
demnach
durch die neuen Untersuchungen und Beurteilungen nicht in Frage gestellt und ist somit definitiv
.
Soweit der Beschwerdeführer auf einen Bericht der
Klinik G._
vom 2
7.
September
2012 verweist (
Urk.
1 S. 6 und
Urk.
8 S. 4), liegt dieser nicht bei den Akten.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
erweist sich als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
Das Gericht erkennt
:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Bundesamt für Gesundheit
4.