Decision ID: 6cd60230-331c-520c-a51d-b69abf4e4cb3
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
S._, geb. 1968, ist Staatsbürger von Serbien und hat aus erster Ehe drei mittlerweile
erwachsene Kinder, die im Kosovo leben. Am 16. August 2011 heiratete er im Kosovo
die in der Schweiz aufenthaltsberechtigte D._, geb. 1982. Am 1. Oktober 2011 reiste
er im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein und erhielt eine
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA zum Verbleib bei seiner Ehefrau. Per 1. Januar 2016
zog S._ ohne seine Ehefrau in den Kanton A._. Seine Aufenthaltsbewilligung wurde
vom dortigen Migrationsamt um zwei Jahre bis 10. November 2018 verlängert. Per 1.
Dezember 2017 zog er wieder in den Kanton St. Gallen. Am 6. Dezember 2017
ersuchte er das Migrationsamt des Kantons St. Gallen um Bewilligung des
Kantonswechsels, worauf dieses am 6. Februar 2018 ein Verfahren zwecks Abklärung
des Aufenthalts infolge Trennung eröffnete. Die kinderlos gebliebene Ehe wurde mit
Entscheid des kosovarischen Grundgerichts in P._ vom 15. Februar 2018 geschieden.
B.
S._ wurde im Zeitraum 2014 bis 2019 fünfmal verurteilt (am 8. September 2014 wegen
Parkzeitüberschreitung zu einer Busse von CHF 40, am 17. April 2015 wegen einer
Geschwindigkeitsüberschreitung zu einer Busse von CHF 60, am 21. August 2015
wegen Beschäftigung eines Ausländers ohne Bewilligung zu einer bedingten Geldstrafe
von 60 Tagessätzen zu je CHF 60 und einer Busse von CHF 900, am 21. August 2018
wegen Vergehens gegen das Bundesgesetz über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (SR 831.10, AHVG) zu einer bedingten Geldstrafe von
30 Tagessätzen zu je CHF 60 und einer Busse von CHF 500 sowie am 7. August 2019
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wegen mehrfachen Führens eines Fahrzeugs in nicht fahrfähigem Zustand und
weiteren Verkehrsregelverletzungen zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen
zu je CHF 30 und einer Busse von CHF 400). Am 19. Oktober 2018 erlitt er einen
Berufsunfall, worauf er bis Ende Mai 2019 Unfalltaggeld und anschliessend Sozialhilfe
bezog.
C.
Mit Verfügung vom 5. August 2019 verlängerte das Migrationsamt die
Aufenthaltsbewilligung von S._ nicht und wies ihn aus der Schweiz weg (60 Tage nach
Rechtskraft der Verfügung). Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass
er als Drittstaatsangehöriger nach der Scheidung der Ehe über keinen Rechtsanspruch
auf Aufenthalt in der Schweiz gemäss Freizügigkeitsabkommen mehr verfüge. Er habe
in strafrechtlicher Hinsicht zu Klagen Anlass gegeben und das Gastrecht in der
Schweiz wiederholt in schwerwiegender Weise missbraucht. Aufgrund seines
persönlichen und geschäftlichen Gebarens sei er bis heute beruflich nicht integriert. Da
er momentan keiner Erwerbstätigkeit nachgehe und Sozialhilfe beziehe, sei davon
auszugehen, dass er auch in Zukunft sein Verhalten nicht ändern werde. Die Integration
sei in wirtschaftlicher Hinsicht gescheitert, es liege der Widerrufsgrund von Art. 62 lit. c
AIG vor.
D.
Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den von S._ gegen die
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung erhobenen Rekurs am 5. März 2020
(Entscheiddatum, richtig: 5. März 2021) ab. Zur Begründung wird ausgeführt, der
Ausländer sei sowohl geschäftlich als auch persönlich hoch verschuldet. Er sei seit
längerer Zeit erwerbslos und beziehe Leistungen der Sozialhilfe. Auch in strafrechtlicher
Hinsicht erscheine er unfähig, sich an die geltende Rechtsordnung zu halten. Er
respektiere die Werte der Bundesverfassung nicht. Mangels Erfüllung der
Integrationskriterien und Fehlens von Erleichterungen bestehe kein Anspruch auf
Verlängerung bzw. Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung.
E.
S._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Rekursentscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) vom 5. März 2020 (richtig: 5. März 2021, zugestellt am
8. März 2021) durch seine Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 22. März 2021 und
Ergänzung vom 30. April 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er beantragt,
Rekursentscheid und Verfügung seien unter Kosten- und Entschädigungsfolge
aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern. Der zuständige
Abteilungspräsident entsprach am 3. Mai 2021 dem Gesuch um Gewährung der
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unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung.
Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 6. Mai 2021 auf die Erwägungen im
angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers verzichtete am 21. Mai 2021 auf eine weitere
Stellungnahme.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Nicht einzutreten ist auf
die Beschwerde, soweit damit die Aufhebung der Verfügung des Migrationsamts vom
5. August 2019 beantragt wird. Letztere wurde vom angefochtenen Rekursentscheid
vorläufig ersetzt und kann deshalb nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens sein
(Devolutiveffekt; BGE 125 II 29 E. 1c mit Hinweisen). Im Übrigen sind die
Eintretensvoraussetzungen erfüllt: Der Beschwerdeführer, der mit seinem Antrag, seine
Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern, im Rekursverfahren unterlag, ist zur Erhebung
der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde
gegen den am 8. März 2021 zugestellten Rekursentscheid wurde mit Eingabe vom 22.
März 2021 rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 30. April
2021 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist unter
dem genannten Vorbehalt einzutreten.
2. Anwendbares Recht
Mit der am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Revision des (vormaligen)
Ausländergesetzes (Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer; AuG),
welches neu Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration (AIG, SR 142.20) heisst, erfuhr das Gesetz einige Anpassungen. Art. 126
Abs. 1 AIG bestimmt, dass auf Gesuche, die vor dem Inkrafttreten des AIG eingereicht
worden sind, das bisherige materielle Recht anwendbar bleibt. Das Verfahren richtet
sich demgegenüber nach dem neuen Recht (Art. 126 Abs. 2 AIG). Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts ist das bisherige materielle Recht auf alle
Verfahren anwendbar, die erstinstanzlich vor Inkrafttreten des neuen Rechts eingeleitet
bis
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wurden (M. Spescha, in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/de Weck [Hrsg.], Kommentar
Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 1 zu Art. 126 AIG mit Hinweisen).
Am 1. Dezember 2017 zog der Beschwerdeführer vom Kanton A._ in den Kanton
St. Gallen und ersuchte um Bewilligung des Kantonswechsels. Nach der Trennung der
Ehe eröffnete das Migrationsamt am 6. Februar 2018 ein Verfahren zwecks Erteilung
einer eigenständigen Aufenthaltsbewilligung (Migrationsakten [MA] 347). Das Verfahren
wurde somit vor dem 1. Januar 2019 eingeleitet, weshalb die Angelegenheit
grundsätzlich nach dem bis zum 31. Dezember 2018 geltenden Ausländergesetz (AuG)
in der Fassung vom 1. Januar 2018 zu beurteilen ist. Allerdings haben die
Rechtsmittelinstanzen, nicht zuletzt aus prozessökonomischen Gründen, bei der
Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe neue gesetzliche Konkretisierungen zu
berücksichtigen, so namentlich bei den Integrationskriterien nach Art. 58a AIG
(Spescha, a.a.O., N 1 zu Art. 126 AIG). Genau dies verlangt der Beschwerdeführer
ausdrücklich.
3. Kein Anspruch nach dem Freizügigkeitsabkommen
Der Beschwerdeführer hatte als Ehegatte einer EU-Bürgerin gestützt auf Art. 7 lit. d und
e in Verbindung mit Art. 3 Anhang I des Abkommens zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, FZA) Anspruch
auf eine aus deren Anwesenheit abgeleitete Bewilligung, solange die Ehe formell
andauerte. Mit der Scheidung der Ehe am 15. Februar 2018 entfiel der aus dem FZA
abgeleitete Anspruch auf ein Aufenthaltsrecht des Beschwerdeführers in der Schweiz.
4. Nachehelicher Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
Rechtliches
Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft besteht der Anspruch des
Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
nach den Art. 42 und 43 AuG weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre
bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht (lit. a) oder wichtige
persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b
von Art. 50 Abs. 1 AuG). Die Ansprüche stehen zudem unter dem Vorbehalt der
Widerrufsgründe von Art. 62 Abs. 1 AuG (Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG). Die beiden Kriterien
nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG (Ablauf der Dreijahresfrist und Integration) müssen
kumulativ erfüllt sein, um einen Bewilligungsanspruch zu begründen (BGE 140 II 289 E.
3.5). Eine erfolgreiche Integration nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG und Art. 77 Abs. 4 der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit in der bis zum
4.1.
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31. Dezember 2018 geltenden Fassung (AS 2018 3347, aVZAE) liegt vor, wenn die
Ausländerin oder der Ausländer namentlich die rechtsstaatliche Ordnung und die Werte
der Bundesverfassung respektiert (lit. a) und den Willen zur Teilnahme am
Wirtschaftsleben und zum Erwerb der am Wohnort gesprochenen Landessprache
bekundet (lit. b). Die Integrationsbeurteilung hat im Rahmen einer Gesamtbetrachtung
zukunftsgerichtet im Entscheidzeitpunkt zu erfolgen. Der unbestimmte Rechtsbegriff
der erfolgreichen Integration zielt auf ein grundsätzliches Legalverhalten (keine
erhebliche Straffälligkeit) sowie die grundsätzliche Bereitschaft zur wirtschaftlichen
Integration bzw. zur Bestreitung des Lebensunterhalts ohne Beanspruchung der
öffentlichen Sozialhilfe ab. Bei der Prüfung der Integrationskriterien verfügen die
zuständigen Behörden über einen grossen Ermessensspielraum (vgl. Art. 54 Abs. 2 und
96 Abs. 1 AuG; BGer 2C_329/2013 vom 27. November 2013 E. 2.1; 2C_930/2012 vom
10. Januar 2013 E. 3.1).
Nach der Rechtsprechung ist eine erfolgreiche wirtschaftliche Integration zu bejahen,
wenn die ausländische Person für sich sorgen kann, keine (nennenswerten)
Sozialhilfeleistungen bezieht und sich nicht in nennenswerter Weise verschuldet. Keine
erfolgreiche Integration liegt demgegenüber vor, wenn eine Person kein
Erwerbseinkommen erwirtschaftet, welches ihren Konsum zu decken vermag, und
während einer substanziellen Zeitdauer von Sozialleistungen abhängig ist. Gewisse
geringe Erwerbsunterbrüche schliessen eine erfolgreiche Integration aber nicht aus
(BGer 2C_160/2018 vom 29. Oktober 2018 E. 2.4 und 2C_895/2015 vom 29. Februar
2016 E. 3.1.1). Eine Verschuldung schliesst eine erfolgreiche Integration ebenfalls nicht
aus, sofern die ausländische Person im Begriff ist, die Schulden in wirksamer Weise
zurückzubezahlen. Massgebend sind zudem die Höhe sowie die Ursachen der
Verschuldung (BGer 2C_512/2019 vom 21. November 2019 E. 5.1.1; 2C_364/2017 vom
25. Juli 2017 E. 6.2). Allein aus früheren Betreibungen und Verlustscheinen kann nicht
auf fehlende Integration geschlossen werden. Auch geringfügige Strafen schliessen
eine gelungene Integration nicht notwendigerweise aus. So genannte
Negativindikationen wie Straffälligkeit oder Schulden können durch Positivindikationen
wie Sprachkenntnisse, schulischen oder beruflichen Erfolg, soziale Verankerung,
allenfalls via Kinder, aufgewogen werden (M. Spescha, in: Spescha/Zünd/Bolzli/
Hruschka/de Weck [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, N 5 f. zu Art. 50
AuG).
Nach dem neuen Recht (vgl. Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG) besteht nach Auflösung der Ehe
oder der Familiengemeinschaft der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf
Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach den Art. 42 und 43 AIG
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weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und die
Integrationskriterien nach Art. 58a AIG erfüllt sind. Danach sind die Beachtung der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung (lit. a), die Respektierung der Werte der
Bundesverfassung (lit. b), die Sprachkompetenzen (lit. c) und die Teilnahme am
Wirtschaftsleben oder am Erwerb von Bildung zu berücksichtigen. Die Situation von
Personen, welche die Integrationskriterien von Art. 58a Abs. 1 lit. c und d aufgrund
einer Behinderung oder Krankheit oder anderen gewichtigen persönlichen Umständen
nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen erfüllen können, ist angemessen
Rechnung zu tragen (Art. 58a Abs. 2 AIG). Weitere Konkretisierungen erfolgen in Art. 77
Abs. 4 (Kenntnis einer Landessprache) und Art. 77a sowie Art. 77c bis Art. 77e der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE).
Vorbringen der Beteiligten
Die Vorinstanz hat aufgrund einer Gesamtbeurteilung die erfolgreiche Integration des
Beschwerdeführers verneint. Sie ist der Auffassung, dass er während des Aufenthalts
hohe geschäftliche und private Schulden angehäuft, sich nicht an die geltende
Rechtsordnung gehalten habe, seine Lebenshaltungskosten nicht habe decken können
und von der Sozialhilfe habe unterstützt werden müssen. Ein Anspruch auf
Erleichterung nach Art. 77f Abs. 1 lit. b VZAE liege nicht vor. Das öffentliche Interesse
an der Nichtverlängerung bzw. Nichterteilung der Aufenthaltsbewilligung überwiege
das private Interesse an einem Verbleib in der Schweiz.
Der Beschwerdeführer hält im Wesentlichen dagegen, es liege kein mutwilliges
Verhalten im Bereich der geschäftlichen Schulden vor. Es treffe nicht zu, dass er seiner
Verpflichtung zur Schuldenrückzahlung nicht nachgekommen sei. Im Zeitraum vom 31.
August 2018 bis 29. Mai 2019 habe er insgesamt CHF 19'845.25 an das
Betreibungsamt G._ und zuvor im Jahr 2017 CHF 3'066.60 an das Betreibungsamt
Z._ bezahlt. Dass es ihm nicht gelungen sei, mit seinen Firmen Gewinn zu
erwirtschaften, habe vielfältige Gründe. Ein Stück weit sei er auch überfordert
gewesen. Nach mehreren missglückten Versuchen habe er eingesehen, dass dieser
Weg nicht zum Erfolg führe und spätestens seit 1. November 2016 zu einer
unselbständigen Erwerbstätigkeit gewechselt. Auch nach dem schweren Arbeitsunfall
im Oktober 2018 habe er nochmals den Wiedereinstieg versucht. In jener Zeit, in
welcher er einen angemessenen Lohn für seine Arbeit erhalten habe, sei er
wirtschaftlich überlebensfähig gewesen. Ohne den Unfall im Jahr 2018 hätte er eine
reelle Chance gehabt, wieder auf die Beine zu kommen. Der Herzinfarkt am 16. Februar
2020 habe seine Arbeitskarriere jedoch vorläufig beendet. Die Erkrankung und die
damit zusammenhängende Arbeitsunfähigkeit seien unverschuldet. Das IV-Verfahren
4.2.
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sei hängig. Die Vorinstanz habe sein multiples Krankheitsbild ungenügend
berücksichtigt. Mit der Wegweisung werde ihm die Möglichkeit genommen, das IV-
Verfahren korrekt zu durchlaufen. Im Kosovo könne er sich aufgrund seiner
Mittellosigkeit keine medizinische Behandlung leisten. Allein wegen der strafrechtlichen
Verurteilungen sei eine Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung
unverhältnismässig. Im Ergebnis überwiege das private Interesse an einer guten
medizinischen Behandlung seiner erheblichen gesundheitlichen Beschwerden in der
Schweiz und an einer vollständigen Teilnahme am IV-Verfahren das öffentliche
Interesse an einer Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung.
Erfolgreiche Integration4.3.
Wirtschaftliche Integration
Der Beschwerdeführer lebte seit Oktober 2011 mit seiner Ex-Frau in der Schweiz. Das
erste halbe Jahr war er unselbständigerwerbend. Nachdem das Arbeitsverhältnis per
Ende August 2012 gekündigt worden war, gründete er die Firma E._ GmbH, V._. Per
April 2014 beliefen sich die Betreibungen der Gesellschaft auf knapp CHF 100'000 und
per Juni 2014 bereits auf CHF 122'727 (MA 116 und 124). Seit September 2013 kam es
zu Pfändungen des Reingewinns der Gesellschaft. Der Beschwerdeführer unterliess es
jedoch, die geforderten Abrechnungen einzureichen, sodass keine Gewinne gepfändet
werden konnten (MA 136). Am 16. Juni 2014 wurde der Konkurs über die Gesellschaft
eröffnet und das Konkursverfahren am 1. Juli 2014 mangels Aktiven eingestellt.
Am 8. Juni 2015 wurde der Beschwerdeführer alleiniger Gesellschafter und
Geschäftsführer der F._ GmbH, Z._. Am 21. März 2016 waren auf dem
Betreibungsamt Schulden der Gesellschaft von über CHF 10'000 registriert (MA 217),
per 17. Dezember 2018 gab es 14 Verlustscheine über insgesamt CHF 22'466 nebst
laufenden Betreibungen von CHF 2'985 (MA 388). Da die Gesellschaft über kein
Domizil mehr verfügte, wurde sie am 12. Oktober 2016 von Amtes wegen für aufgelöst
erklärt.
Die privaten Betreibungen des Beschwerdeführers betrugen im April 2014 knapp
CHF 40'000 (vornehmlich Kredit- und Krankenkassenschulden, MA 101), und dies,
obschon er sich im Jahr 2013 von der E._ GmbH einen Lohn von CHF 57'000
auszahlen liess (MA 119). Wegen fehlender finanzieller Mittel wurde das Gesuch um
Familiennachzug seines minderjährigen Sohnes vom Migrationsamt am 13. Oktober
2014 abgewiesen. Im Januar 2016 verlegte der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz
nach U._ im Kanton A._. Er reichte in der Folge keine Quellensteuerabrechnungen
4.3.1.
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ein; wegen ausstehender Krankenkassenprämien war er gar mit einem Leistungsstopp
erfasst (MA 233). Am 1. November 2016 trat der Beschwerdeführer eine
unselbständige Erwerbstätigkeit an, die er per Ende 2016 bereits wieder kündigte (MA
289). Am 9. Februar 2017 gründete er die Einzelfirma B._, die gemäss eigenen
Angaben keinen Umsatz generierte. Am 6. September 2017 wurde der Konkurs über
ihn eröffnet und am 26. Oktober 2017 mangels Aktiven wieder eingestellt (MA 235).
Daraus resultierten gemäss Betreibungsregisterauszug vom 1. Dezember 2017 neun
Verlustscheine in der Höhe von knapp CHF 30'000 nebst laufenden Betreibungen von
rund CHF 17'000 (MA 205). Per 16. Februar 2018 belief sich die Höhe der auf den
Beschwerdeführer lautenden Verlustscheine auf CHF 73'280. Zudem waren drei
erloschene Betreibungen von CHF 18'771 sowie zwei laufende Betreibungen von
CHF 2'613 verzeichnet (MA 246, Z._). Ab Februar 2018 war der Beschwerdeführer
wieder unselbständig erwerbstätig. Vom 20. Oktober 2018 bis Ende Mai 2019 wurden
Unfalltaggelder ausbezahlt. Sein Einkommen wurde am 13. August 2018 gepfändet
(MA 424). Die effektiven Kollokationen zugunsten der betreibenden Gläubiger betrugen
rund CHF 13'000 (act. 7/13 und 14). Mehrmals wurden vom gepfändeten Lohn wieder
Rückzahlungen an den Beschwerdeführer vorgenommen. Ab Juli 2019 bezog der
Beschwerdeführer Sozialhilfe. Vom 18. November 2019 bis 31. Januar 2020 war er im
Stundenlohn unselbständig erwerbstätig. Am 16. Februar 2020 erlitt er einen
Herzinfarkt, musste sich anschliessend einer Bypass-Operation unterziehen und war in
der Folge krankgeschrieben. Anfang Juni 2020 stellte der Beschwerdeführer einen
Antrag auf eine IV-Rente. Das Verfahren ist hängig.
Die Schilderung des beruflichen Fortkommens des Beschwerdeführers zeigt, dass
keine erfolgreiche wirtschaftliche Integration vorliegt. Zwei von ihm beherrschte
Gesellschaften (E._ GmbH und F._ GmbH) hinterliessen Schulden in der Höhe von
zusammen rund CHF 140'000 (vornehmlich Steuern und Versicherungen). Die
Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit im Jahr 2017 scheiterte ebenfalls nach
kurzer Zeit und führte zum Privatkonkurs, der mangels Aktiven allerdings wieder
eingestellt werden musste. Im Rahmen der unselbständigen Erwerbstätigkeit kam es
wiederholt zu Stellenwechseln. Die privaten Schulden des Beschwerdeführers nahmen
ständig zu. Schliesslich summierten sie sich in den vergangenen Jahren bis auf über
CHF 90'000 (ohne die Schulden aus der Sozialhilfe). Der Beschwerdeführer war folglich
nicht in der Lage, seinen Konsum zu decken und seinen finanziellen Verpflichtungen
(inkl. Steuern und Krankenkassenprämien) nachzukommen. Dies erscheint umso
stossender, als er nur für sich selbst zu sorgen hatte, nachdem seine frühere Ehefrau
selbst erwerbstätig war. Konkrete und ernsthafte Bemühungen für eine nachhaltige
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Schuldensanierung sind sodann nicht zu erkennen. Nur auf Betreibungen hin kam es
zur Tilgung von Schulden in der Höhe von rund CHF 13'000. Da vorliegend nicht Art.
62 AuG (Widerruf der Bewilligung) zur Anwendung gelangt, muss für die
Nichtverlängerung der Bewilligung seitens des Beschwerdeführers keine mutwilligen
Nichterfüllung der finanziellen Verpflichtungen in qualifiziert vorwerfbarer Weise
vorliegen; vielmehr genügt die Verneinung einer erfolgreichen wirtschaftlichen
Integration.
Abgesehen von einem kurzen Unterbruch (November 2019 bis Januar 2020) bezieht
der Beschwerdeführer seit Juli 2019 Sozialhilfe. Mittlerweile hat er einen Antrag auf
eine IV-Rente gestellt. Nach gefestigter Rechtsprechung stellen
Sozialversicherungsleistungen unter Einschluss der Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung grundsätzlich keine Sozialhilfe im Sinne von
Art. 63 Abs. 1 lit. c AuG dar (BGE 141 II 401 E. 6.2.3 S. 409; 135 II 265 E. 3.7 S. 272 mit
Hinweis). Da der Beschwerdeführer während seiner zehnjährigen Anwesenheit in der
Schweiz nicht durchgehend und zu eher niedrigen Löhnen erwerbstätig war, würde
eine allfällige IV-Rente betragsmässig begrenzt ausfallen. Er wäre somit auf nicht
unbeachtliche Ergänzungsleistungen angewiesen und könnte keine Schulden mehr
zurückzahlen. Ergänzungsleistungen stellen zwar keine Sozialhilfe im engeren Sinn dar,
sie gehen aber als beitragsunabhängige Sonderleistungen dennoch zu Lasten der
Öffentlichkeit (VerwGE B 2019/131 vom 16. Dezember 2019 E. 4.5). Bei Zusprache
einer Teilrente könnte er seinen Lebensunterhalt nicht decken, was zur Zunahme der
Schulden führen würde. Sollte der IV-Antrag ganz abgelehnt werden, ist davon
auszugehen, dass er weiterhin auf Sozialhilfe angewiesen sein wird. Unter den
geschilderten Umständen kann dem Beschwerdeführer keine positive Prognose
bezüglich der voraussichtlichen Entwicklung seiner finanziellen Situation gestellt
werden.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist es nicht geboten, bei langjähriger und
beträchtlicher Sozialhilfeabhängigkeit mit dem Widerruf bzw. der Nichtverlängerung der
Bewilligung nur deshalb zuzuwarten, weil möglicherweise – ohne dass dies feststeht –
eine (Teil)Invalidenrente verbunden mit Ergänzungsleistungen zugesprochen werden
könnte (BGer 2C_580/2020 vom 3. Dezember 2020 E. 4.4.3). Der Beschwerdeführer
kann den Entscheid der Sozialversicherungsanstalt im Ausland abwarten. Eine Einreise
in die Schweiz für medizinische Abklärungen ist sodann ohne Weiteres möglich. Eine
allfällige Rente wird auch in seine Heimat ausbezahlt. Da der umstrittene
Aufenthaltsanspruch nicht auf dem FZA gründet, spielt die Feststellung einer allfälligen
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Arbeitsunfähigkeit (Invalidität) des Beschwerdeführers für den vorliegenden Entscheid
zudem keine Rolle.
Straffälligkeit
Der Beschwerdeführer wurde insgesamt zu Geldstrafen von 140 Tagessätzen zu je
CHF 30 bis CHF 60 sowie drei Bussen in der Höhe von insgesamt CHF 1'400 verurteilt
(vgl. vorne, Sachverhalt B). Zwar ist ihm zuzustimmen, dass es sich dabei nicht um
schwere Straftaten handelt. Auf der anderen Seite kann aber auch nicht von
Bagatelldelikten und geringfügigen Strafen gesprochen werden. Die erste Verurteilung
aus dem Jahr 2015 hielt ihn offenbar nicht davon ab, erneut straffällig zu werden, was
auf eine Geringschätzung der Rechtsordnung und Unbelehrbarkeit schliessen lässt. Es
ist deshalb davon auszugehen, dass er Mühe hat, sich an die Rechtsordnung zu halten.
Insgesamt besteht ein hohes öffentliches Interesse an der Ausreise des
Beschwerdeführers, welches sich nicht in der Durchsetzung einer restriktiven
Einwanderungspolitik erschöpft.
4.3.2.
Positivindikationen / Erleichterung
Der Beschwerdeführer verfügt über keine näheren Familienangehörige in der Schweiz.
Seine drei erwachsenen Kinder leben im Kosovo. Er ist hier nicht in besonderem Mass
sozial verankert. Wie es um die Kenntnisse der deutschen Sprache steht, geht aus den
Akten nicht hervor. Ein Aufwiegen der negativen Kriterien durch positive Indikatoren
kommt daher vorliegend nicht zur Anwendung. Bis zum Unfall vom 19. Oktober 2018
war der Beschwerdeführer voll arbeitsfähig. Es ist daher nicht so, dass er in jener Zeit,
als die Schulden entstanden, das Integrationskriterium der Teilnahme am
Wirtschaftsleben krankheitsbedingt nicht erfüllen konnte. Eine Erleichterung nach Art.
58a Abs. 2 AIG kommt daher nicht in Frage.
4.3.3.
Ergebnis
Im Ergebnis ist die erfolgreiche Integration des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 50
Abs. 1 lit. a AuG wie auch Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG angesichts der zunehmenden
Verschuldung, der andauernden Sozialhilfeabhängigkeit und des strafrechtlich
relevanten Verhaltens zu verneinen. Folglich kann er aus dieser Bestimmung keinen
Anspruch auf Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung ableiten.
4.3.4.
Verhältnismässigkeit
Der Entscheid der Vorinstanz erweist sich auch als verhältnismässig: Der
Beschwerdeführer reiste im Jahr 2011 im Alter von 33 Jahren in die Schweiz ein und
hält sich damit seit knapp zehn Jahren hier auf. Die persönlichkeitsprägenden Kinder-
und Jugendjahre bis ins junge Erwachsenenalter verbrachte er hingegen in seinem
4.4.
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5. Kosten
Heimatland. Er besuchte dort die Schulen und absolvierte eine Ausbildung. Folglich ist
er mit den dortigen kulturellen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten bestens vertraut.
Wie bereits unter E. 4.3. ausgeführt, besteht sowohl aus wirtschaftlicher (arbeitslos,
Sozialhilfeempfänger und Schulden) als auch aus strafrechtlicher Sicht eine
ungenügende Integration in der Schweiz. Das öffentliche Interesse an einer
Wegweisung des Beschwerdeführers ist gross. Seine privaten Interessen im Bereich
Gesundheit und wirtschaftlicher Absicherung vermögen dieses öffentliche Interesse
nicht aufzuwiegen. Eine Rückkehr ins Heimatland ist ihm zumutbar. Seine drei
erwachsenen Kinder leben dort und können ihm bei einer Wiedereingliederung zur
Seite stehen. Es liegt auch kein nachehelicher Härtefall aufgrund des
Gesundheitszustandes vor. Die medizinische Behandlung der unterschiedlichen
körperlichen wie auch psychischen Krankheiten des Beschwerdeführers ist in seinem
Heimatland hinreichend sichergestellt (vgl. Herkunftsländerinformationen des
Staatssekretariats für Migration zu Serbien und Kosovo, unter: www.sem.admin.ch).
Der Umstand allein, dass in der Schweiz eine bessere oder günstigere medizinische
Behandlung möglich ist, genügt für die Annahme eines nachehelichen Härtefalls nicht
(Spescha, a.a.O., N 31 zu 50 AIG).
Zusammenfassung
Zusammenfassend vermögen im vorliegenden Fall die privaten Interessen des
Beschwerdeführers, sich in der Schweiz medizinisch behandeln zu lassen und das IV-
Verfahren zu durchlaufen, die erheblichen öffentlichen Interessen an seiner Fernhaltung
(Vermeidung weiterer (Sozialhilfe)Schulden und allfälliger Straffälligkeit) nicht zu
überwiegen. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung erweist sich demnach
als verhältnismässig und die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
4.5.
Amtliche Kosten
Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der Beschwerdeführer die Kosten zu tragen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2‘000 ist angemessen (Art. 7
Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Zufolge bewilligter
unentgeltlicher Prozessführung gehen die Kosten zulasten des Staates (vgl. Art. 99
Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 122 Abs. 1 lit. b ZPO). Auf die Erhebung ist zu
verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
5.1.
Ausseramtliche Kosten
Mangels Obsiegens besteht kein Anspruch auf volle Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP). Wird vor Verwaltungsgericht die unentgeltliche
5.2.
bis
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