Decision ID: 73bd53e6-1105-4aae-baa9-c54d4a125499
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Krauter, S-E-K Advokaten,
Zürcherstrasse 310, 8500 Frauenfeld,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Arbeitgeberkündigung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 13. September 2010 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Oberuzwil zur Arbeitsvermittlung an (act. G 4.1.19)
und stellte bei der Kantonalen Arbeitslosenkasse Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung (act. G 4.1.5), nachdem die Arbeitgeberin das
Arbeitsverhältnis am 7. bzw. 9. Juli 2010 wegen unentschuldigtem Fernbleiben für
aufgelöst erklärt hatte (act. G 4.1.4, 4.1.13). Im Rahmen einer von der
Arbeitslosenkasse durchgeführten Abklärung zum Kündigungsgrund reichte der
Versicherte verschiedene Arztzeugnisse und Korrespondenzen (act. G 4.1.8-20) sowie
die ehemalige Arbeitgeberin ebenfalls Korrespondenzen und Lohnabrechnungen ein
(act. G 4.1.4-28). Aus den Unterlagen ging hervor, dass sich der Versicherte auf den
Standpunkt stellte, bis mindestens 9. August 2010 auch für leichte Tätigkeiten
arbeitsunfähig gewesen zu sein, während die Arbeitgeberin angab, ihm am 7. Juli 2010
im Lager einen PC-Arbeitsplatz mit angepasster und vor allem Knie schonender
Tätigkeit zugewiesen zu haben, welchen der Versicherte - entgegen seiner dafür
bestehenden Arbeitsfähigkeit - abgelehnt habe (act. G 4.1.8, 4.1.9, 4.1.13, 4.1.20,
4.1.27).
A.b Mit Verfügung vom 12. Oktober 2010 stellte die Arbeitslosenkasse den
Versicherten wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit ab 7. Juli 2010 für 45 Tage in
der Anspruchsberechtigung ein. Zur Begründung führte sie aus, dass das
Arbeitsverhältnis von der Arbeitgeberin am 7. Juli 2010 per sofort gekündigt worden
sei, weil der Versicherte die ihm zugewiesene Arbeit verweigert habe. Da er Anlass zur
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Arbeitgeberkündigung gegeben habe, müsse ihm ein schweres Verschulden an der
Arbeitslosigkeit angelastet werden (act. G 4.1.30).
A.c Am 18. Oktober 2010 erhob der Versicherte Einsprache gegen diese Verfügung.
Er beantragte deren Aufhebung und wies darauf hin, dass zwischen ihm und seiner
Arbeitgeberin bezüglich der Kündigung eine Arbeitsstreitigkeit hängig sei (act.
G 4.1.32). Mit Einspracheergänzung vom 2. November 2010 beantragte er als
Eventualbegehren die Sistierung des Verfahrens bis zum rechtskräftigen Abschluss der
arbeitsrechtlichen Streitigkeit mit der früheren Arbeitgeberin. Entgegen der Behauptung
der Arbeitgeberin sei er auf Grund eines Arztzeugnisses des Spitals Wil in guten Treuen
nicht zur Arbeit erschienen. Aus dem Zeugnis gehe hervor, dass er bis einschliesslich
am 20. August 2010 zu 100% arbeitsunfähig eingeschätzt worden sei. Daher habe das
Arbeitsverhältnis am 9. Juli 2010 nicht gekündigt werden dürfen bzw. sei die
Kündigung nichtig. Im Übrigen habe das Arbeitsverhältnis auch nicht auf Grund einer
angeblichen Arbeitsverweigerung aufgelöst werden dürfen, da er davon ausgegangen
sei, auf Grund seiner Krankheit nicht am Arbeitsplatz erscheinen zu müssen (act.
G 4.1.43).
A.d Am 3. Februar 2011 sistierte die Arbeitslosenkasse das Einspracheverfahren bis
zum rechtskräftigen Abschluss des arbeitsrechtlichen Verfahrens (act. G 4.1.51).
A.e Mit Schreiben vom 9. Dezember 2011 reichte der Versicherte der Arbeitslosen
kasse eine Kopie der Abschreibungsverfügung der Vizepräsidentin des Obergerichts
des Kantons Thurgau vom 7. Dezember 2011 ein. Dazu hielt er fest, aus dem dieser
Verfügung zu Grunde liegenden Vergleich vom 2. Dezember 2011 gehe hervor, dass
die Kündigung des Arbeitsverhältnisses auf einem Missverständnis der Parteien beruht
habe. Demzufolge treffe den Versicherten kein oder höchstens ein ganz leichtes
Verschulden am Verlust seines Arbeitsplatzes (act. G 4.1.53, 54).
A.f Mit Einspracheentscheid vom 26. Januar 2012 wies die Arbeitslosenkasse die
Einsprache ab und bestätigte die Verfügung vom 12. Oktober 2010. Zur Begründung
hielt sie fest, gemäss dem ärztlichen Zeugnis der Spitalregion Fürstenland vom 16. Juli
2011 (wohl 2010) sei die Arbeitsunfähigkeit auf die Tätigkeit eines Lageristen
beschränkt gewesen und habe Raum für angepasste Tätigkeiten gelassen. Die
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Arbeitgeberin habe daher in guten Treuen davon ausgehen dürfen, dass eine
Arbeitsfähigkeit für angepasste Arbeit bestehe. Dies gelte umso eher, als im
Arztzeugnis vom 21. Mai 2011 (wohl 2010) stehe, ab dem 3. Juli 2011 (wohl 2010) sei
eine Arbeitstätigkeit in Absprache mit dem Hausarzt oder Orthopäden möglich. Wenn
nun der Versicherte unbestrittenermassen jegliche Arbeitstätigkeit verweigert und sich
nicht um eine arbeitsmedizinische Abklärung bemüht habe, um der Arbeitgeberin die
Unmöglichkeit der verlangten Tätigkeit zu beweisen, so sei er seiner
arbeitsvertraglichen Treuepflicht nicht in genügendem Masse nachgekommen. Indem
er es unterlassen habe, die geeigneten Informationen zur Klärung der Situation bei
seinen Ärzten einzuholen, habe er eventualvorsätzlich in Kauf genommen, dass sein
Verhalten zur Kündigung führe. Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung sei daher
zu Recht erfolgt (act. G 4.1.55).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 27. Februar
2012. Darin beantragte der Beschwerdeführer die vollumfängliche Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 26. Januar 2012. Eventualiter sei die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung gemäss dem Einspracheentscheid auf 31 Tage zu reduzieren.
Zudem sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, den Beschwerdeführer
vollumfänglich ausserrechtlich zu entschädigen. Zur Begründung machte der
Beschwerdeführer geltend, dass die ihm am 7. Juli 2010 zugewiesene Arbeit
unzumutbar gewesen sei. Trotz Krücken hätte er dieselbe körperlich schwere Arbeit
wie vor seiner Knieoperation verrichten müssen. Es werde bestritten und sei auch
keineswegs belegt, dass ihm von der ehemaligen Arbeitgeberin eine Knie schonende
Arbeit zugewiesen worden sei. Wie aus dem vor dem Obergericht des Kantons
Thurgau geschlossenen Vergleich hervorgehe, habe die Auflösung des
Arbeitsverhältnisses auf Missverständnissen beruht, weshalb keiner Partei ein
Verschulden vorgeworfen bzw. nachgewiesen werden könne. Es gelte zu
berücksichtigen, dass insbesondere die verweigerte Abnahme von Beweismitteln durch
das Bezirksgericht Münchwilen zum Berufungsverfahren und schliesslich zum
Vergleich geführt habe. Damit basiere der angefochtene Einspracheentscheid auf
Tatsachen, die beweismässig gar nicht erstellt seien. Schliesslich sei vor dem
Hintergrund, dass die Krankentaggeldversicherung Leistungen erbracht habe, davon
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auszugehen, dass er sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten
Tätigkeit arbeitsunfähig gewesen sei. Sofern wider Erwarten dennoch von einer
selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit ausgegangen werde, sei das Verschulden auf
Grund der geschilderten Ausführungen am untersten Rand für schweres Verschulden
anzusiedeln und auf 31 Tage zu reduzieren (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 10. Mai 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie führte an, aus den Akten sei ersichtlich, dass der
Beschwerdeführer angewiesen worden sei, leichte Bürotätigkeiten auszuführen. Seine
treuwidrige Weigerung zur Arbeitsaufnahme habe schliesslich zur Beendigung des
langjährigen Arbeitsvertrags geführt, weshalb die Einstellung korrekt erfolgt sei (act. G
4).
B.c Mit Replik vom 13. Juni 2012 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen und
Begründungen fest. Zusätzlich führte er aus, er habe von Anfang an geltend gemacht,
dass er mit Krücken am Arbeitsplatz erschienen und von seinem Vorgesetzten an
gewiesen worden sei, weiterhin seine ursprüngliche, körperlich schwer belastende
Tätigkeit als Lagerist auszuüben. Da die Arbeitgeberin gar nicht über genügend Stellen
mit leichter Bürotätigkeit verfüge, hätte sie ihm auch gar keine solche zuweisen können
(act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet.

Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Selbstverschuldet ist die Arbeitslosigkeit namentlich dann,
wenn die versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung
arbeitsvertraglicher Pflichten, dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des
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Arbeitsverhältnisses gegeben hat (Art. 44 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR
837.02]). Zu den arbeitsvertraglichen Verpflichtungen eines Arbeitnehmers gehört es,
die allgemeinen Anordnungen des Arbeitgebers und die ihm erteilten besonderen
Weisungen nach Treu und Glauben zu befolgen (Art. 321d Abs. 2 des Schweizerischen
Obligationenrechts [OR; SR 220]).
1.2 Am 17. Oktober 1991 ist für die Schweiz das Übereinkommen Nr. 168 der
Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung und den
Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend Übereinkommen; SR
0.822.726.8) in Kraft getreten. Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens können
Leistungen verweigert, entzogen, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden, wenn die
zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vorsätzlich zu ihrer
Entlassung beigetragen hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und
klar ist, ist sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht damit allfällig widersprechendem
Landesrecht vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung setzt somit voraus, dass die versicherte Person vorsätzlich zu
ihrer Entlassung beigetragen hat (Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 26.
April 2006, C 6/06, E. 1.1 und C 11/06, E. 1, je mit Hinweisen auf BGE 124 V 236 E.
3b). Im Sozialversicherungsrecht handelt vorsätzlich, wer eine Tat mit Wissen und
Willen begeht, oder mindestens im Sinn des Eventualvorsatzes in Kauf nimmt
(Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998,
S. 52). Eine zumindest eventualvorsätzliche Herbeiführung der Arbeitslosigkeit liegt
beispielsweise dann vor, wenn die versicherte Person auf Grund einer Verwarnung
weiss, dass ein bestimmtes Verhalten vom Arbeitgeber nicht - oder nicht mehr -
toleriert und zu einer Kündigung führen wird, sie aber dennoch die ihr nach den
persönlichen Umständen und Verhältnissen zumutbare Anstrengung zu einer Änderung
des beanstandeten Verhaltens nicht aufbringt (vgl. BVR 1999 S. 379 E. 5c). Hat eine
versicherte Person nur grob fahrlässig zur Kündigung durch den Arbeitgeber
beigetragen, ist eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 20 lit. b des
Übereinkommens nicht zulässig.
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1.3 Beim Einstellungsgrund nach Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV genügt der im Sozialver
sicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht,
sondern das der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten muss klar feststehen
(vgl. Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV Soziale Sicherheit, 2. Auflage, Rz 829 mit Hinweisen).
Bei Differenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vermögen blosse
Behauptungen des Arbeitgebers den Nachweis für ein schuldhaftes Verhalten der
versicherten Person nicht zu erbringen, wenn sie von dieser bestritten werden und
nicht durch andere Beweise oder Indizien bestätigt erscheinen (BGE 112 V 245 E. 1 mit
Hinweisen; ARV 1993/94 Nr. 26 S. 183 f. E. 2a; Nussbaumer, a.a.O., Rz 831 mit
Hinweisen).
2.
Bezüglich des Sachverhalts machte der Beschwerdeführer vorab geltend, es könne
nicht von einer fristlosen Kündigung per 7. Juli 2010 ausgegangen werden. Er
begründete dies im Wesentlichen durch Verweis auf das in den Akten nicht enthaltene
Urteil des Bezirksgerichts Münchwilen vom 31. Mai 2011, worin der Arbeitgeberin des
Beschwerdeführers ausdrücklich widersprüchliches Verhalten vorgeworfen worden sei
(vgl. act. G 1 Abs. IV E. 2). Dies überzeugt indessen nicht, beendet die fristlose
Kündigung doch selbst im Falle, dass sie nicht berechtigt war, das Arbeitsverhältnis
auch rechtlich (vgl. Art. 337c des Obligationenrechts [OR; SR 220], Streiff/vonKaenel,
Arbeitsvertrag, 6. Aufl. Zürich 2006, N24 zu Art. 337). Auch Nichtigkeit der Kündigung
auf Grund einer Sperrfrist infolge von Krankheit gemäss Art. 336c OR kommt
vorliegend nicht in Frage, da eine fristlose Kündigung selbst während Krankheit oder
Militärdienst ausgesprochen werden kann (vgl. Streiff/vonKaenel, a.a.O., N4 zu Art.
337). Bei der Kündigung handelt es sich um eine einseitige, empfangsbedürftige
Willenserklärung (vgl. BGE 113 II 259). Vorliegend trat ihre Wirkung daher am 7. Juli
2010 ein, sofern sie an diesem Tag auch mündlich erfolgte, spätestens aber mit
Eingang des Schreibens der Arbeitgeberin vom 9. Juli 2010 beim Beschwerdeführer
(vgl. auch act. G 4.1.4, 4.1.13). Da die
Rahmenfrist für den Leistungsbezug aber erst am 13. September 2010 begonnen hat
(act. G 4.1.40), braucht der genaue Zeitpunkt der Auflösung des Arbeitsverhältnisses
vorliegend nicht weiter eruiert zu werden.
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3.
3.1 Vorliegend strittig und zu beurteilen ist die Frage, ob der Beschwerdeführer durch
ein vorwerfbares Verhalten vorsätzlich zu seiner Entlassung beigetragen bzw. eine
solche Entlassung zumindest in Kauf genommen hat. Die Beschwerdegegnerin geht
davon aus, dass die Vorwürfe der ehemaligen Arbeitgeberin an den Beschwerdeführer
bezüglich dessen Verhaltens zutreffen.
3.2 Fest steht, dass der Beschwerdeführer vom 19. bis 21. Mai 2010 im Spital Wil
hospitalisiert war. Dr. med. B._, Assistenzärztin Chirurgie, Spital Wil, attestierte ihm
im ärztlichen Zeugnis vom 21. Mai 2010 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
voraussichtlich mindestens bis einschliesslich dem 2. Juli 2010. Als Bemerkung hielt
sie fest: "Weitere Arbeitsunfähigkeit ggf. gemäss Hausarzt oder gemäss dem
behandelnden Orthopäden" (act. G 4.1.8). Am 28. Juni 2010 fand bei Dr. med. C._,
Leitender Arzt Orthopädie am Spital Wil, eine ambulante Nachkontrolle statt; ein
entsprechender Arztbericht ist in den Akten nicht enthalten (vgl. act. G 4.1.8, Aufgebot
vom 27. Mai 2010). Hingegen attestierte der Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr.
med. D._, Wil, gegenüber der Arbeitgeberin mit ärztlichem Zeugnis vom 6. Juli 2010
ab 19. Mai 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 100%. Weiter führte er aus, der
Beschwerdeführer sei auf Grund des Berichts von Dr. C._ vom 28. Juni 2010 für Knie
belastende Tätigkeiten für weitere sechs Wochen (bis ca. 9.08.2010) arbeitsunfähig, da
die Gefahr eines erneuten Einrisses des Meniskus zu gross sei. Es sei also Geduld
gefragt, wenn man das Operationsresultat nicht gefährden wolle (act. G 1.3). Im
ärztlichen Zeugnis der Chirurgischen Klinik des Spitals Wil vom 16. Juli 2010 wurde
eine Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf als Lagerist zu 100% bis
einschliesslich 20. August 2010 attestiert (act. G 4.1.8). Wie die Arbeitgeberin im
Kündigungsschreiben vom 9. Juli 2010 festhielt, habe sie dem Beschwerdeführer im
Lager einen PC-Arbeitsplatz zugewiesen, wo er ausschliesslich leichte Tätigkeiten hätte
verrichten müssen, welche absolut Knie schonend gewesen wären (act. G 4.1.13). Dies
bestritt der Beschwerdeführer vehement. Im Schreiben an die Arbeitgeberin vom 13.
Juli 2010 gegen die "ungerechtfertigte fristlose Kündigung" machte er geltend, bis
mindestens 9. August 2010 zu 100% arbeitsunfähig zu sein. Diese Arbeitsunfähigkeit
würde auch für leichte Tätigkeiten gelten (act. G 4.1.9). Am 30. August 2010 hielt er
schliesslich fest, er habe auf Grund von Ferienabwesenheiten des zuständigen
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Orthopäden nicht vor dem 13. August 2010 ein differenziertes fachärztliches Zeugnis
erhältlich machen können. Nach Eingang dieses Zeugnisses (vgl. act. G 4.1.12) habe er
seine Arbeitskraft jedoch zur Verfügung gestellt. Die Arbeitgeberin habe diese aber mit
der Begründung abgelehnt, keinen "Job" mehr für ihn zu haben (act. G 4.1.15).
Anlässlich des vorliegenden Beschwerdeverfahrens stellte sich der Beschwerdeführer
sodann auf den Standpunkt, dass ihn die Arbeitgeberin bei seinem Erscheinen am
Arbeitsplatz am 7. Juli 2010 mit Krücken zur Aufnahme seiner angestammten,
körperlich schweren Tätigkeit aufgefordert habe. Eine Möglichkeit zur Ausübung einer
Knie schonenden Tätigkeit habe nicht bestanden (act. G 1).
3.3 Aus dem Arztzeugnis von Dr. D._ vom 6. Juli 2010, wonach der
Beschwerdeführer ab 19. Mai 2010 zu 100% arbeitsunfähig und gemäss dem Bericht
von Dr. C._ für Knie belastende Tätigkeiten für weitere sechs Wochen (bis ca. 9.
August 2010) arbeitsunfähig sei, wird offensichtlich nicht klar, ab wann konkret eine
Arbeitsfähigkeit in Knie schonenden Tätigkeiten bestand (act. G 1.3). Zudem wäre
gemäss dem Bericht von Dr. C._ vom 13. August 2010 erst nach acht Wochen
100%iger Arbeitsunfähigkeit (ab Operationsdatum vom 20. Mai 2010), d.h. ab ca. 15.
Juli 2010 eine Teilarbeitsfähigkeit von ca. 50% möglich gewesen, dies
leistungsbezogen (act. G 4.1.12). Ausserdem geht aus den Akten hervor, dass die
Krankentaggeldversicherung bis zum 20. August ein 100%-Taggeld erbrachte (act.
G 4.142). Daraus folgt, dass es auf Grund der medizinischen Unterlagen nicht klar
erstellt ist, ab wann der Beschwerdeführer wieder einer Knie schonenden Tätigkeit
hätte nachgehen können. Ebenfalls umstritten bleibt, ob die Arbeitgeberin dem
Beschwerdeführer am 7. Juli 2010 tatsächlich eine seinem Knieleiden angepasste
Tätigkeit angeboten hat. Nachdem sich der Beschwerdeführer und seine ehemalige
Arbeitgeberin vor dem Obergericht des Kantons Thurgau darauf einigten, dass die
Kündigung des Arbeitsverhältnisses auf einem Missverständnis beider Parteien beruhte
und sich keiner Partei konkret ein Verschulden zuordnen lasse (act. G 4.1. 54), ist dem
Beschwerdeführer kein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen. Da es somit am Beweis
einer zumindest eventualvorsätzlichen Herbeiführung der Arbeitslosigkeit durch den
Beschwerdeführer fehlt, entfällt eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung gestützt
auf Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV.
4.
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Nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens war die Frage, ob der
Beschwerdeführer durch den Abschluss des Vergleichs vom 2. Dezember 2011 vor
dem Obergericht des Kantons Thurgau zu Lasten der Arbeitslosenversicherung auf
Lohn- oder Entschädigungsansprüche gegenüber der bisherigen Arbeitgeberin
verzichtet hat (vgl. Art. 30 Abs. 1 lit. b AVIG). Nachdem diese Frage jedoch weder
vorgängig von der Beschwerdegegnerin geprüft noch auf Grund der vorliegenden
Akten eine diesbezüglich abschliessende Beurteilung (insbesondere auf Grund des
fehlenden Urteils des Bezirksgerichts vom 31. Mai 2011) möglich wäre, erübrigen sich
weitere Ausführungen.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 26. Januar 2012 gutzuheissen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verzichtete auf das
Einreichen einer Kostennote. Im vorliegenden Fall erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP