Decision ID: 8d1b47a9-ea0f-47e7-9dfa-5ea0f808dc9f
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Raufhandel
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht, vom 21. Juni 2012 (GG110033)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 10. Juni
2011 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 24).
Entscheid der Vorinstanz: (Urk. 70)
"Es wird erkannt:
1. a) Der Beschuldigte B._ ist schuldig des Raufhandels im Sinne von
Art. 133 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 StGB.
b) Der Beschuldigte C._ ist schuldig des Raufhandels im Sinne von
Art. 133 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 StGB.
c) Der Beschuldigte A._ ist schuldig des Raufhandels im Sinne von
Art. 133 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 StGB .
d) Der Beschuldigte D._ ist schuldig des Raufhandels im Sinne von
Art. 133 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 StGB.
e) Der Beschuldigte E._ ist schuldig des Raufhandels im Sinne von
Art. 133 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 StGB.
2. a) Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu
Fr. 70.–, wovon 28 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.
b) Der Beschuldigte C._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à
Fr. 45.–, wovon 28 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten, als Zusatzstrafe zu der
mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Bischofszell vom 18. August 2011 ausgefällten
Strafe.
c) Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à
Fr. 35.–, wovon 28 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.
d) Der Beschuldigte D._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à
Fr. 200.–, wovon 28 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.
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e) Der Beschuldigte E._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à Fr.
30.–, wovon 28 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten, als Zusatzstrafe zu der mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen vom 30. September 2011 ausgefällten
Strafe.
3. a) Der Vollzug der Geldstrafe des Beschuldigten B._ wird aufgeschoben und die
Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
b) Der Vollzug der Geldstrafe des Beschuldigten C._ wird aufgeschoben und die
Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
c) Der Vollzug der Geldstrafe des Beschuldigten A._ wird aufgeschoben und die
Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
d) Der Vollzug der Geldstrafe des Beschuldigten D._ wird aufgeschoben und die
Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
e) Der Vollzug der Geldstrafe des Beschuldigten E._ wird aufgeschoben und die
Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.
4. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 5'000.–; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 5'000.– Gebühr Anklagebehörde (Art. 374 StPO, § 4 GebStrV;
jeweils Fr. 1'000.–)
Fr. 817.75 Untersuchungskosten betreffend B._
Fr. 3'287.35 Kosten amtliche Verteidigung B._
Fr. Kosten amtliche Verteidigung B._ (ausstehend)
Fr. 451.40 Kosten amtliche Verteidigung C._
Fr. 543.40 Kosten amtliche Verteidigung A._
Fr. 1'254.50 Kosten amtliche Verteidigung E._
Total
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
5. a) Die Entscheidgebühr wird den Beschuldigten 1-5 unter solidarischer Haftung zu
gleichen Teilen auferlegt.
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b) Die Gebühr der Anklagebehörde im Umfang von Fr. 1'000.–, die Untersuchungs-
kosten von Fr. 817.75 sowie die Kosten für die amtliche Verteidigung für den
Beschuldigten B._ von derzeit Fr. 3'287.35 werden dem Beschuldigten B._
auferlegt, die Kosten der amtlichen Verteidigung indessen einstweilen auf die
Gerichtskasse genommen. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
c) Die Gebühr der Anklagebehörde im Umfang von Fr. 1'000.– sowie die Kosten für die
amtliche Verteidigung für C._ von Fr. 451.40 werden dem Beschuldigten
C._ auferlegt, die Kosten der amtlichen Verteidigung indessen einstweilen auf
die Gerichtskasse genommen. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
d) Die Gebühr der Anklagebehörde im Umfang von Fr. 1'000.– sowie die Kosten für die
amtliche Verteidigung für A._ von Fr. 543.40 werden dem Beschuldigten
A._ auferlegt, die Kosten der amtlichen Verteidigung indessen einstweilen auf
die Gerichtskasse genommen. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
e) Die Gebühr der Anklagebehörde wird im Umfang von Fr. 1'000.– dem Beschuldigten
D._ auferlegt.
f) Die Gebühr der Anklagebehörde im Umfang von Fr. 1'000.– sowie die Kosten für die
amtliche Verteidigung für E._ von Fr. 1'254.50 werden dem Beschuldigten
E._ auferlegt, die Kosten der amtlichen Verteidigung indessen einstweilen auf
die Gerichtskasse genommen. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
6. (Mitteilungen)
7. (Rechtsmittelbelehrung)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 115 S. 2)
8. Das mit der Berufung angefochtene Urteil des Bezirksgerichts
Winterthur vom 21. Juni 2012 (GG110033) sei in Bezug auf den
Beschuldigten Nr. 3, Herrn A._, aufzugeben.
9. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf des Raufhandels im Sinne von
Art. 133 Abs. 2 StGB von Schuld und Strafe freizusprechen.
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10. Der Beschuldigte sei für die ihm entstandenen Kosten und Umtriebe
vollumfänglich zu entschädigen.
11. Es sei ihm eine Genugtuung in Höhe von Fr. 4'000.– zuzusprechen.
12. Die Kosten der Untersuchung und der gerichtlichen Verfahren seien
auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 91)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit vorinstanzlichem Urteil vom 21. Juni 2012 wurden die fünf
Beschuldigten B._, C._, A._, D._ und E._ je des
Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1
StGB schuldig gesprochen und mit bedingten Geldstrafen von 70 (B._ und
E._) bzw. 90 Tagessätzen (C._ und A._ sowie D._) bestraft,
unter anteilsmässiger Auflage der Verfahrenskosten. Im Einzelnen kann der Inhalt
des Urteils dem vorstehend wiedergegebenen Dispositiv entnommen werden (vgl.
Urk. 70 S. 49 ff.).
1.2. Gegen dieses Urteil liessen alle Beschuldigten ihre Verteidiger fristgerecht
Berufung anmelden (Urk. 58 bis 62). Eine Berufungserklärung reichten in der
Folge - je ebenfalls fristgerecht - aber nur der erbetene Verteidiger von E._
(Urk. 72), die amtliche Verteidigerin von B._ (Urk. 74) und der erbetene
Verteidiger von A._ (Urk. 76) ein. Mit Beschlüssen vom 7. November 2012
wurde deshalb auf die Berufungen von C._ und D._ je unter Kostenfolge
nicht eingetreten (Urk. 88 und 89). Gleichentags wurden auch die drei
Berufungserklärungen in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO den
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jeweiligen Gegenparteien übermittelt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu
erheben oder Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Die im Verfahren
verbliebenen Beschuldigten wurden zudem aufgefordert, zu ihren wirtschaftlichen
Verhältnissen verschiedene Auskünfte zu erteilen und durch Unterlagen zu
belegen (Urk. 86).
1.3. Am 12. November 2012 teilte die Staatsanwaltschaft mit, auf die Erhebung
einer Anschlussberufung zu verzichten und die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils zu beantragen (Urk. 91). Unterm 15. November 2012 gingen verschiedene
Unterlagen zu den finanziellen Verhältnissen von A._ ein (Urk. 92; Urk. 94)
und am 13. Dezember 2012 folgten jene von B._ (Urk. 99; Urk. 101).
1.4. Am 29. November 2012 liess E._ seine Berufung zurückziehen
(Urk. 97). Mit Präsidialverfügung vom 17. Dezember 2012 wurde deshalb das
Verfahren insoweit und unter entsprechender Kostenfolge als erledigt
abgeschrieben (Urk. 102).
1.5. Sodann liess der Beschuldigte B._ am 19. März 2013 seine Berufung
zurückziehen (Urk. 109). Mit Beschluss vom heutigen Datum wurde das
Verfahren insoweit und unter entsprechender Kostenfolge abgeschrieben (Urk.
113).
1.6. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der
Beschuldigte A._ und sein erbetener Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur.
X._
erschienen sind, waren weder Vorfragen zu entscheiden noch Beweise
abzunehmen (Prot. II S. 14 f.). Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die
Berufungsverhandlung (Prot. II S. 16 ff.).
2. Umfang der Berufung
Angesichts der vorstehend dargestellten Verfahrensentwicklung bleibt
ausschliesslich die Berufung des Beschuldigten A._ zu beurteilen. Er lässt
das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich anfechten und einen Freispruch
beantragen (Urk. 76 bzw. 115). Berufungsgegenstand bilden somit die
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vorinstanzlichen Dispositivziffern 1c (Schuldspruch A._), 2c (Sanktion
A._), 3c (Vollzug der Sanktion A._), 5a und d (Kostenverlegung, soweit
A._ betreffend). Im restlichen Umfang ist das Urteil in Rechtskraft erwachsen
(Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO), was vorab
vorzumerken ist.
3. Objektive Strafbarkeitsbedingung (Körperverletzung F._)
3.1. Im Sinne einer objektiven Strafbarkeitsbedingung ist Voraussetzung für
eine Verurteilung wegen Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB, dass
bei der Auseinandersetzung mindestens eine der beteiligten Personen zumindest
eine (einfache) Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB erleidet (vgl. dazu
die Vorinstanz in Urk. 70 S. 29 f.). Nachdem der Eintritt dieser Bedingung
zumindest noch vor Vorinstanz von den Beschuldigten bestritten wurde (Urk. 56/1
S. 4;
Urk. 56/3 S. 4; Urk. 56/6 S. 2-5; Urk. 56/9 S. 4; Prot. I S. 14), ist vorab darauf
einzugehen.
3.2. Der Geschädigte F._ begab sich am Tattag, dem 9. Oktober 2010, ins
Spital G._ und wurde dort während 24 Stunden neurologisch überwacht. Es
wurde ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma sowie eine Thoraxkontusion links
diagnostiziert. Nach der neurologischen Überwachung konnte F._ in gutem
Allgemeinzustand und unter Mitgabe von Schmerzmitteln für den Bedarfsfall nach
Hause entlassen werden (Urk. 1 Anhang 1 und 2). Am 10. Oktober 2010 wurde
F._ sodann verhaftet (im Rahmen einer dem vorliegend zu beurteilenden
Geschehen folgenden Auseinandersetzung hatte er B._ mit einem Messer
verletzt; separates Verfahren: Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, II.
Strafkammer, vom 8. Juni 2012, SB120081), und es wurden seine Verletzungen
fotografisch dokumentiert. Auf den entsprechenden Bildern sind insbesondere
erhebliche Schürfungen und Blutergüsse an der linken Stirn sowie am linken
Arm/Ellbogen sichtbar (Urk. 6/4 S. 1; Urk. 1 S. 4 und Anhang 3). Gemäss den
Feststellungen des befragenden Polizeibeamten wies der Beschuldigte sodann
offenbar auch Schürfungen/Prellungen an den Beinen auf (Urk. 6/4 S. 2).
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3.3. Der Verteidiger von A._ erachtete als nicht erstellt, wann sich F._
die fotografisch dokumentierten Verletzungen zugezogen hat. Es sei darum "in
dubio pro reo" davon auszugehen, dass diese Verletzungen bereits vor dem
Eingreifen von A._ bestanden hätten und die nachher erfolgten Schläge nur
noch Tätlichkeiten gewesen seien (Urk. 56/9 S. 4).
3.4. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung sagten alle fünf
Beschuldigten aus, bei F._ am zur Diskussion stehenden Abend keine Ver-
letzungen gesehen zu haben (Urk. 56/1 S. 4; Urk. 56/2 S. 4; Urk. 56/3 S. 4;
Urk. 56/4 S. 4; Urk. 56/5 S. 4). Diese Aussagen sind allerdings - nicht nur wegen
der offensichtlichen Interessenlage - mit einem grossen Vorbehalt zu versehen;
immerhin hatten nämlich die Beschuldigten in der Untersuchung
grossmehrheitlich noch anderslautend ausgesagt: So räumte E._ in der
polizeilichen Befragung vom 17. November 2010 ein, die fotografierten
Verletzungen von F._ müssten entstanden sein, als man diesen zu Boden
gedrückt habe; die Schürfungen ergäben sich so, wenn man auf dem Teer
schürfe (Urk. 4/1 S. 7). In der gleichentags erfolgten Hafteinvernahme anerkannte
E._, F._ "die Faust gegeben" zu haben; zu dessen fotografierten
Verletzungen denke er, dass diese durch die anderen von der Security gemacht
worden seien (Urk. 4/2 S. 2). B._ blieb über das ganze Verfahren hinweg bei
seiner grundsätzlichen Aussage, bei F._ an jenem Abend keine
Verletzungen gesehen zu haben. Auf Vorhalt der Videoaufzeichnung des
Geschehens und der fotografisch dokumentierten Verletzungen von F._
relativierte er dann aber in der polizeilichen Befragung vom 16. November 2010
immerhin, er könne nicht sagen, ob F._ diese Verletzungen von jenem
Abend habe (Urk. 4/5 S. 7), und er anerkannte, dass die von der
Überwachungskamera aufgenommene Vorgehensweise die bei F._
festgestellten Verletzungen zur Folge haben könne. Er denke aber nicht, dass er
diese Verletzungen mitverursacht habe, konnte es aber auch nicht definitiv
ausschliessen (Urk. 4/5 S. 10). Ähnlich sagte er in der gleichentags
durchgeführten Hafteinvernahme aus (Urk. 4/6 S. 2). C._ räumte in der
Untersuchung ein, sie - also alle Beschuldigten, welche B._ zu Hilfe
gekommen seien -, hätten F._ die Verletzungen zugefügt (Urk. 4/8 S. 2). Und
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D._ anerkannte in der Hafteinvernahme vom 16. November 2010
schliesslich, sie hätten F._ "wohl etwas brutal auf dem Boden fixiert". Das
schliesse er daraus, weil dieser auf den Fotos Kratzer im Gesicht habe (Urk. 4/12
S. 2, 3).
3.5. Vor dem Eingang des Clubs "H._" war eine Überwachungskamera
angebracht, welche den eingeklagten Vorfall aufzeichnete. Insgesamt ist die
Szene recht gut zu sehen, auch wenn teilweise Personen die Sicht auf das
Geschehen verdecken und sich dieses ab dem Zeitpunkt, in welchem F._ am
Boden fixiert ist, zur Hälfte ausserhalb des Kamerabereichs abspielt (Urk. 3).
Wenn man nun diese Bilder betrachtet, ist mit der Vorinstanz auszuschliessen,
dass F._ die Auseinandersetzung überstanden haben könnte, ohne
zumindest einen grossen Teil der fotografisch dokumentierten Verletzungen
erlitten zu haben (Urk. 70 S. 27/28). Das Ganze spielt sich - durch F._ initiiert
- sehr aggressiv und temporeich ab: Nach dem unvermittelten Angriff von F._
auf B._ reagiert dieser umgehend und die beiden gehen in einem höchst
dynamischen, schnellen Geschehen sich gegenseitig haltend/umklammernd zu
Boden. Dabei gewinnt F._ vorübergehend die Oberhand, wird dann aber
durch C._ und A._ (insbesondere durch den "Nasengriff" des letzteren,
vgl. Urk. 4/15 S. 1, 2; Urk. 4/16 S. 3; Urk. 56/3 S. 4) nach hinten weggezerrt, und
die drei Männer gehen ihrerseits zu Boden. Sehr aggressiv stürzt sich B._
ebenfalls wieder darauf bzw. "hängt" sich den Fallenden "an" und schlägt dabei
zweimal mit der Faust auf F._ ein. Danach liegen/kauern die Beschuldigten
(ausser E._) auf F._ und sichtbar ist, dass B._ diesem mit dem
Knie mindestens zwei Stösse versetzt. Wie dies letztlich im Verlauf der
Untersuchung grossmehrheitlich auch die Beschuldigten eingeräumt haben,
stimmen damit die in Urk. 1 Anhang 3 fotografisch festgehaltenen Verletzungen
von F._ absolut zwanglos mit dem filmisch festgehaltenen Geschehen
überein. Insbesondere die verschiedenen Schürfwunden sind schon nahezu
zwingend dabei entstanden, als F._ mit den Beschuldigten - mehrfach - auf
dem asphaltierten Boden aufschlug, dortselbst fixiert sowie verschiedene Male
geschlagen wurde. Zwar ist möglich, dass F._ einen Teil der Blessuren
anlässlich des zweiten Aufeinandertreffens mit B._ erlitten haben könnte. Mit
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der Vorinstanz ist dazu aber festzuhalten, dass gemäss den eigenen Aussagen
des letzteren sich dessen Einwirkungen auf F._ anlässlich dieses zweiten
Geschehens in einem sehr moderaten Rahmen gehalten hätten (Urk. 70 S. 28): In
der polizeilichen Einvernahme im Spital am 12. Oktober 2010 sprach er von
einem Schlagabtausch, der nicht länger als ca. 10 Sekunden gedauert habe (Urk.
4/4 S. 3/4). In der Einvernahme vom 16. Oktober 2010 sagte B._ aus, er sei
beim zweiten Vorfall von F._ angegriffen worden und habe sich lediglich
gewehrt und geschützt; aktiv geschlagen habe er ihn dagegen nie. Er könne nicht
sagen, ob sich dieser dabei verletzt habe (Urk. 4/5 S. 4). Später räumte er dann
ein, es sei möglich, dass er auf F._ eingeschlagen habe; sie hätten sich
gegenseitig geprügelt. B._ wiederholte aber, dass das Ganze nur wenige
Sekunden gedauert habe (Urk. 4/5 S. 9). Gleich sagte er auch in der
Hafteinvernahme vom 16. November 2010 aus (Urk. 4/6 S. 3). Anlässlich eines so
kurzen Geschehens, bei welchem sich die Handlungen von B._ gemäss
dessen eigenen Aussagen auf einige abwehrende Schläge innert weniger
Sekunden beschränkt haben, können die dokumentierten Verletzungen von
F._ nicht entstanden sein - schon gar nicht die typischerweise mit Stürzen
auf den Asphalt verbundenen Schürfwunden an Kopf und Ellbogen.
3.6. Es steht damit zweifelsfrei fest, dass F._ zumindest den grossen Teil
der in Urk. 1 Anhang 3 ersichtlichen Verletzungen beim zur Anklage gebrachten
Geschehen erlitten hat.
3.7. Die Vorinstanz hat die Verletzungen F._s als einfache Körper-
verletzung qualifiziert und die Auffassung der Verteidiger verworfen, es sei
lediglich von Tätlichkeiten zu sprechen. Den entsprechenden Erwägungen ist
vollumfänglich zuzustimmen. Die Vorinstanz hat die einschlägige Rechtsprechung
richtig gewürdigt und die vorliegend gegebene Sachlage zutreffend verortet (Urk.
70
S. 30/31). Ergänzend können vergleichend auch die folgenden Urteile des
Bundesgerichts herangezogen werden, in welchen jeweils das Vorliegen einer
einfachen Körperverletzung bejaht wurde: 6S.386/2003 vom 18. Mai 2004 E. 3
(harter Faustschlag ins Gesicht, Schmerzen, Schwindelgefühl), 6B_499/2008 vom
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12. November 2008 E. 2.3 (Hodenkontusion), 6B_610/2011 vom 20. März 2012
E. 2.4 (Kehlkopftrauma als Folge eines Schlags, Druckschmerzen, Schluck-
störungen, Blutauswurf und Atemnot), 6B_706/2011 vom 3. April 2012 E. 4.4.2
(zwei Schläge mit der flachen Hand ins Gesicht, leichte Schwellung und Rötung
des Gesichts, Schmerzen am Fortsatz des Schläfenbeins, Blutungen im
Trommelfell, kleine Schleimhautplatzwunde an der Oberlippe). Auch vorliegend
hatten nur schon die fotografisch dokumentierten Schürfungen und Prellungen
mehr als eine bloss vorübergehende harmlose Störung des Wohlbefindens zur
Folge, weshalb eine einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs.
1 StGB vorliegt. Damit kann auch offen bleiben, wann F._ die im Spital
diagnostizierte Hirnerschütterung und Brustkorbprellung erlitten hat.
3.8. Mithin ist die objektive Strafbarkeitsbedingung gemäss Art. 133 StGB
eingetreten und von daher eine Verurteilung von A._ grundsätzlich möglich,
wenn er sich denn tatbestandsmässig verhalten hat. Das ist im Folgenden zu
prüfen.
4. Sachverhalt/rechtliche Würdigung
4.1. A._ machte über das ganze Verfahren hinweg zu seinem persönlichen
Tatbeitrag konstante und bestimmte Aussagen. Als er den Kampf zwischen
B._ und F._ wahrgenommen habe und dazugetreten sei, habe er
zunächst einen Kollegen von F._ geheissen, Abstand zu nehmen, was dieser
auch gemacht habe. F._ sei auf B._ gesessen und habe auf diesen
eingeschlagen. Da sei er - A._ - von hinten gekommen und habe F._ mit
einem Nasengriff von seinem Arbeitskollegen (B._) weggenommen und zu
Boden geführt. Neben F._ liegend, habe er diesen sodann beruhigt und ihm
gesagt, er solle aufhören. Beteiligt gewesen sei das ganze Security-Team -
B._, C._, D._ und er selbst -, was der "Abräumer" E._
gemacht habe, wisse er nicht. Ebenso wisse er nicht, wer F._ wo gehalten
habe. Mit Bestimmtheit stellte A._ aber in Abrede, F._ geschlagen zu
haben. Er habe diesen sicher nicht geschlagen, das müsse auch auf dem Video
ersichtlich sein. Dass - den Zeugenaussagen entsprechend - "die Security"
F._ geschlagen habe, könne sein. Er selbst habe dies aber ganz sicher nicht
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gemacht (Urk. 4/15 S. 1-3; Urk. 4/16 S. 3; Urk. 56/3 S. 4; Urk. 115 S. 6 ff.). In der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung darauf angesprochen, ob er sein Vorgehen
gegen F._ als angemessen bezeichne oder im Nachhinein der Auffassung
sei, er hätte anders reagieren müssen, antwortete A._, er wüsste nicht, was
sie hätten anders machen können. Er habe sich viele Gedanken darüber gemacht
und sei zu keinem Schluss gekommen. Er befinde sich in psychiatrischer
Behandlung, weil er das alles nicht verstehe (Urk. 56/3 S. 4).
Entsprechend lässt A._ geltend machen, er habe durch sein professionelles
und überlegtes Vorgehen verhindert, dass der Vorfall zu einer Massenschlägerei
ausgeartet sei. Seine Aktion sei kurz und präzise und nicht unverhältnismässig
gewesen; er habe geradezu exemplarisch F._ vom darunter liegenden
B._ weggezogen und damit die Streitenden geschieden. Entsprechend habe
er - wenn denn sein Eingreifen überhaupt im Sinne von Art. 133 StGB
tatbestandsmässig sei - im Sinne von Art. 133 Abs. 2 StGB straflos zu bleiben.
Jedenfalls aber würde ein Fall von Notwehrhilfe zugunsten von B._
vorliegen, als Kollege und Security habe er geradezu eine Garantenstellung
gehabt. Schliesslich sei er auch gegenüber seinem Arbeitgeber verpflichtet
gewesen, Ruhe und Ordnung auf dem Privatgelände aufrecht zu erhalten (Urk.
56/9 S. 3 ff.; vgl. auch Urk. 76 S. 2; ebenso Urk. 115 S. 8 ff.).
4.2. Die Videoaufnahme bestätigt die Aussagen von A._. So ist zu sehen,
dass er - als einziger Security-Mitarbeiter mit Brille gut erkennbar - im Moment,
als er die heftige Auseinandersetzung zwischen F._ und B._
wahrnimmt, sich sofort und als erster der Security-Kollegen von B._ zum Ort
des Geschehens begibt. Die ebenfalls beim Eingang stehenden C._ (mit
Glatze/kurzem Haar) und D._ (als einziger mit einer Jacke mit der Aufschrift
"Security") folgen dann allerdings sogleich, offensichtlich durch A._ auf die
Szene aufmerksam geworden. Hernach wird deutlich sichtbar, dass A._
umsichtig und überlegt interveniert; im Gegensatz etwa zu seinem Cousin
C._, der sich hektisch zu den Kämpfenden begibt und sogleich F._ zu
schlagen beginnt. So ist A._ offensichtlich - mit der Verteidigung (Urk. 115 S.
8 ff.) - darauf bedacht, weitere Personen vom Eingreifen abzuhalten und sich
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zunächst einen Überblick zu verschaffen: Er analysiert zunächst einen Moment
lang das Kampfgeschehen, drängt dabei den Begleiter von F._ weg, gebietet
sodann gar dem ziemlich unüberlegt auf F._ einwirkenden C._ Einhalt
und setzt hernach gezielt zum von ihm mehrfach genannten "Nasengriff" an, um
F._ von B._ wegzuziehen. C._ greift offenbar auch zu, und so
gelingt es, F._ von B._ wegzuziehen. Die drei Männer gehen
zusammen zu Boden und ihnen praktisch "angehängt" erhebt sich B._ mit
zum Faustschlag ausgeholtem Arm. Ab diesem Zeitpunkt spielt sich das
Geschehen teilweise ausserhalb des Kamerabereichs ab und ist F._ sowie
die auf bzw. neben ihm liegenden Security-Angestellten, zu welchen sich in
diesem Zeitpunkt auch D._ gesellt, nur noch bis ca. zur Mitte von F._s
Körper sichtbar. Entsprechend ist nicht klar ersichtlich, wohin die zwei
Faustschläge von B._ treffen - angesichts der Ausgangslage kann aber
ausgeschlossen werden, dass B._ jemanden anderen als F._
geschlagen hat. Im weiteren Verlauf des Geschehens wird dann F._ von den
Beschuldigten zu Boden gedrückt und ist ersichtlich, wie B._ diesem mit dem
Knie zwei Stösse versetzt, bevor er sich erhebt und zum Eingang des "H._"
zurückgeht. Dass A._ geschlagen hätte, ist demgegenüber nicht zu
erkennen.
4.3. Dieses Bild wird bestätigt durch die Aussagen zweier Zeugen, die in
besagter Nacht als Gäste im "H._" gewesen sind und vor dem Eingang
stehend das Geschehen verfolgen konnten: I._ habe gesehen, wie die
Securitys F._ von B._ weggerissen und zu Boden gedrückt hätten, wo
F._ "noch ein paar Schläge abbekommen" habe (Urk. 5/4 S. 3). In der im
Beisein der Beschuldigten durchgeführten staatsanwaltschaftlichen Befragung
vom 13. Dezember 2010 präzisierte I._ dann, dass es B._ gewesen sei,
der auf den am Boden liegenden F._ eingetreten habe (Urk. 5/5 S. 3). In
beiden Einvernahmen äusserte I._ auch seinen Eindruck, dass die Stimmung
von Seiten des Security-Personals sehr aggressiv gewesen sei. Insbesondere
B._ habe schon sehr aggressiv auf den Vorfall kurz vorher reagiert, wo ihm
ein abgewiesener Gast eine Zigarettenkippe an die Hand geworfen habe (Urk. 5/4
S. 3; Urk. 5/5 S. 3, 4). J._ sagte aus, drei der Türsteher hätten den Täter
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(F._) festgehalten und der verletzte Türsteher (B._) habe den am Boden
Liegenden mehrmals mit dem Knie traktiert, ohne dass sich dieser habe wehren
können (Urk. 5/6 S. 2). In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme bestätigte
dies J._ und ergänzte, es sei der Umstand gewesen, dass F._ schon
am Boden gelegen sei, welcher sie - J._ und dessen Kollegen I._ -
veranlasst habe, den Securitys zuzurufen, sie sollten aufhören. Auf
entsprechende Frage bestätigte J._, dass einzig B._ den am Boden
Liegenden geschlagen oder getreten habe. B._ sei "sehr in Rage" gewesen
und die anderen hätten F._ einfach festgehalten (Urk. 5/7 S. 3). Auch
J._ hatte schliesslich schon die Stimmung im Vorfeld des Ereignisses als
aggressiv in Erinnerung (Urk. 5/6 S. 3; Urk. 5/7 S. 3). Damit bleibt festzuhalten,
dass beide Zeugen glaubhaft aussagten, einzig B._ habe auf den am Boden
liegenden F._ eingeschlagen; die anderen Security-Mitarbeiter (und damit
auch A._) hätten F._ lediglich festgehalten (Urk. 5/5 S. 3; Urk. 5/6 S. 2;
Urk. 5/7 S. 3).
4.4. A._ wird sodann auch von den anderen Beschuldigten nicht belastet
(vgl. Urk. 4/1 S. 5; Urk. 4/2 S. 2; Urk. 4/11 S. 2, 5, 6; Urk. 4/12 S. 2). Einzig
C._, der selbst anerkannte, geschlagen und getreten zu haben, sagte in der
Einvernahme vom 16. November 2010 aus: "Wir schlugen alle drein, ich,
A._, D._ und E._" (Urk. 4/8 S. 2). Auch in der tags darauf
folgenden Hafteinvernahme blieb er grundsätzlich bei dieser Aussage ("wir waren
alle gegen F._ dabei"), musste dann aber einräumen, er könne nicht sagen,
"wer genau ganz genau wie schlug". Er sei jedenfalls nicht alleine für die
Verletzungen von F._ verantwortlich (Urk. 4/9 S. 2). F._ schliesslich hat
pauschal ausgesagt, "von jedem der Beteiligten" Tritte erhalten zu haben (Urk.
4/17 S. 4).
4.5. Es steht damit fest, dass A._ - wie von der Videoaufnahme
dokumentiert - besonnen reagiert hat. Er stürzte sich nicht etwa - ähnlich C._
- blind ins Kampfgeschehen, sondern bemühte sich zunächst darum, Dritte vom
Eingreifen abzuhalten und sich einen Überblick zu verschaffen, bevor er gezielt
eingriff, F._ von B._ wegzog und zu Boden brachte. F._ wurde
- 15 -
sodann unter weiterer Beteiligung von C._ und D._ am Boden fixiert und
erhielt jedenfalls von B._ Schläge versetzt. Dass auch A._ auf F._
eingeschlagen hätte, kann ihm angesichts seiner konstanten und bestimmten
Bestreitungen sowie der Videoaufzeichnung, welche seine Aussagen nicht als
unglaubhaft erscheinen lassen, nicht nachgewiesen werden. Dass F._ das
Gefühl hatte, "von allen" geschlagen worden zu sein, ist nachvollziehbar, vermag
aber einen diesbezüglich konkreten Vorwurf an A._ nicht in genügendem
Masse zu erhärten. Und auch die - später überdies abgeschwächte - Belastung
von A._ durch seinen Cousin C._ erscheint zuwenig konkret, als dass
daraus ein Beweis abgeleitet werden könnte. Im Übrigen ist nicht
auszuschliessen, dass C._s Aussage nicht unmassgeblich unter dem
Eindruck seines eigenen Handelns stand und er - der reichlich unüberlegt und
hektisch intervenierte - von sich auf andere schloss.
4.6. In rechtlicher Hinsicht ist damit auch bei A._ klar, dass er sich im
Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB am Raufhandel beteiligt hat (vgl. dazu im Übrigen
die Vorinstanz in Urk. 70 S. 32 ff.).
4.7. Die Vorinstanz hat sodann ziemlich kurz und pauschal hinsichtlich aller
Beschuldigten verneint, dass eine rein abwehrende oder scheidende Situation im
Sinne von Art. 133 Abs. 2 StGB oder aber eine Notwehr- bzw.
Notwehrhilfesituation vorgelegen habe (Urk. 70 S. 34/35). Zurecht rügt hier der
Verteidiger
berufungsweise, dass sich die Vorinstanz - gerade hinsichtlich A._s - nicht
bzw. nur unzureichend mit der Frage auseinander gesetzt hat, ob von einer
Straflosigkeit gemäss Art. 133 Abs. 2 StGB auszugehen sei (Urk. 70 S. 34; Urk.
76
S. 2; Urk. 115 S. 8 f.). Bei dieser Frage können nicht alle Beschuldigten "über
einen Leist geschlagen" werden, sondern sind ihre Handlungen gesondert zu
betrachten. Auch wenn der Raufhandel im Sinne von Art. 133 StGB ein
Gefährdungsdelikt ist und die Teilnahme als Solche unter Strafe stellt, ohne dass
nachgewiesen werden müsste, wer wen verletzt hat, muss der individuelle
Tatbeitrag beachtet werden. So ist etwa klar, dass derjenige, der sich wild
- 16 -
schlagend an einem Raufhandel beteiligt, nicht gleich beurteilt werden darf wie
derjenige, der nur durch Hilfereichungen oder gar psychische Unterstützung
seinen Teil beisteuert (vgl. dazu BSK Strafrecht II-Aebersold, N. 1, 8 zu Art. 133).
4.7.1. Gemäss Art. 133 Abs. 2 StGB bleibt straflos, wer als Teilnehmer an einem
Raufhandel ausschliesslich abwehrt oder die Streitenden scheidet. Entscheidend
ist mithin, dass als einziges Ziel des Betreffenden erkennbar sein muss, sich oder
einen Dritten zu verteidigen oder Streitende zu trennen. Dabei darf er durch sein
Verhalten den Kampf weder provozieren noch fördern und muss so versuchen,
die einem Raufhandel immanenten Risiken wenigstens nicht zu erhöhen, wenn
nicht gar zu beseitigen (BGE 131 IV 150 E. 2.1.2). Im zitierten Entscheid hat das
Bundesgericht einen kantonal letztinstanzlichen Freispruch geschützt, der mit der
Begründung ergangen war, dass das Verhalten des am Raufhandel
teilnehmenden zwar aktiv, aber rein defensiv daraus ausgerichtet gewesen sei,
einen Angriff abzuwehren (a.a.O. E. 2.2). Im kurz darauf ergangenen Urteil
6S.349/2005 vom 27. Oktober 2005 verneinte das Bundesgericht dann jedoch
das Vorliegen eines rein schlichtenden Eingreifens einer Ehefrau, die sich in
einen von ihrem Ehemann dominierten Zweikampf mit dem Nachbar dahingehend
einmischte, als sie sich dem Nachbarn, auf dem bereits ihr Ehemann kniete, auf
den Kopf gesetzt hatte. Das Bundesgericht befand, dieses Handeln erscheine
weder als Abwehrhandlung noch als Versuch, die Streitenden zu trennen (E. 2.2).
4.7.2. Vor diesem Hintergrund kann A._ kein strafbares Verhalten
vorgeworfen werden. Aus seiner vorstehend erstellten Handlungsweise (Erw.
4.5.) geht deutlich und entscheidend hervor, dass er ausschliesslich
deeskalierend eingegriffen und so darauf hingewirkt hat, die Risiken des
Raufhandels zu minimieren sowie dessen Ausweitung zu verhindern. Wie
gesehen, ging er überlegt und besonnen vor, war zunächst darauf bedacht, das
Eingreifen Dritter zu verhindern bzw. gar seinem Cousin C._ Einhalt zu
gebieten, bevor er gezielt eingriff und den Aggressor F._ mit einem
"Nasengriff" von B._ wegzog und zu Boden führte. Gemäss erstelltem
Sachverhalt ist sodann davon auszugehen, dass A._ F._ am Boden
fixierte und so zu beruhigen versuchte. Dabei wurde er von den Mitbeschuldigten
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unterstützt, aus deren Reihen F._ allerdings mehrere Schläge versetzt
erhielt. Dies kann A._ indessen nicht vorgeworfen werden, zumal angesichts
des raschen Verlaufs des Geschehens nicht davon auszugehen ist, er habe
F._ festgehalten, damit die weiteren Beschuldigten auf diesen einschlagen
könnten. Nachdem F._ sodann nicht einmal eine Minute lang am Boden
fixiert war (Urk. 3), könnte auch nicht gesagt werden, A._ habe diesen über
Gebühr lange und insbesondere über das für ein Trennen und Schlichten
erforderliche Mass hinaus festgehalten. Dies muss zur Straflosigkeit A._s im
Sinne von Art. 133 Abs. 2 StGB führen.
4.8. Der Beschuldigte A._ ist damit vom Vorwurf des Raufhandels
freizusprechen.
5. Kosten- und Entschädigungsfolgen
5.1. Wird eine beschuldigte Person verurteilt, so trägt sie die Verfahrenskosten
(Art. 426 Abs. 1 StPO). Wird sie freigesprochen, können ihr die Verfahrenskosten
ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die
Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat
(Art. 426 Abs. 2 StPO).
Ausgangsgemäss - der Beschuldigte A._ ist vollumfänglich freizusprechen -
ist der gemäss vorinstanzlichem Urteil auf A._ entfallende Kostenanteil,
eingeschlossen der für seine amtliche Verteidigung aufgelaufenen Fr. 543.40, auf
die Gerichtskasse zu nehmen. Es kann ihm vorliegend nicht vorgeworfen werden,
das Verfahren rechtswidrig und schuldhaft verursacht oder erschwert zu haben.
5.2. Im Berufungsverfahren erfolgt die Kostenauflage an die Parteien nach
Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Da der
Beschuldigte A._ - wie dargelegt - obsiegt, sind die Kosten des
Berufungsverfahrens vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.3. Wird eine beschuldigte Person freigesprochen, so hat sie Anspruch auf
Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Ver-
fahrensrechte, Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die aus ihrer
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notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind und Genugtuung für
besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere
bei Freiheitsentzug (Art. 429 Abs. 1 lit. a-c StPO). Es geht damit einerseits um
den (vollen) Ausgleich des Schadens im haftpflichtrechtlichen Sinn sowie
andererseits um Genugtuung für immaterielle Nachteile (Schmid, Handbuch des
Schweizerisches Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 2009, N. 1803 f.).
5.4. Zu den Entschädigungen für Aufwendungen zur Wahrung der
Verfahrensrechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO) gehören primär die Kosten der frei
gewählten Verteidigung, wenn die Verbeiständung angesichts der tatsächlichen
oder rechtlichen Komplexität des Falls geboten war (Schmid, Handbuch, N.
1810). Vorliegend war der Beizug einer anwaltlichen Verteidigung für A._
zweifellos gerechtfertigt. Mit Verfügung vom 19. November 2010 wurde ihm denn
auch vom Präsidenten der Vorinstanz ein amtlicher Verteidiger bestellt (Urk.
17/2). Nur gerade drei Tage später zeigte indessen Rechtsanwalt lic. iur. Z._
an, dass er die erbetene Verteidigung des Beschuldigten A._ übernehme
(Urk. 17/3-5).
5.4.1. Die einem freigesprochenen Beschuldigten zuzusprechenden Anwalts-
kosten bemessen sich nach dem kantonalen Anwaltstarif und müssen
verhältnismässig sein (Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 429 N. 7). Die
Verteidigungskosten müssen mithin in einem vernünftigen Verhältnis zur
Schwierigkeit des
Falles bzw. zur Wichtigkeit der Sache stehen; unnötige und übersetzte Kosten
sind nicht zu entschädigen (BSK StPO-Wehrenberg/Bernhard, Art. 429 N. 15).
5.4.2. Im Vorverfahren bemisst sich die Anwaltsgebühr nach dem notwendigen
Zeitaufwand der Verteidigung (§ 16 Abs. 1 AnwGebV), wobei die Ansätze gemäss
§ 3 AnwGebV gelten (Fr. 150.– bis Fr. 350.– pro Stunde). Für die Führung eines
Strafprozesses einschliesslich Vorbereitung des Parteivortrags und Teilnahme an
der Hauptverhandlung vor einem Einzelgericht beträgt die Grundgebühr in der
Regel Fr. 600.– bis Fr. 8'000.– (§ 17 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Im Berufungs-
verfahren wird die Gebühr grundsätzlich nach den für die Vorinstanz geltenden
- 19 -
Regeln bemessen, wobei zu berücksichtigen ist, ob ein Urteil vollumfänglich oder
nur teilweise angefochten worden ist (§ 18 Abs. 1 AnwGebV).
5.4.3. Der Beschuldigte A._ erklärte anlässlich der heutigen
Berufungsverhandlung, dass er für die anwaltliche Verteidigung im
Untersuchungs- und erstinstanzlichen Verfahren insgesamt Fr. 3'000.– bezahlen
musste (Prot. II S. 15). Dieser Betrag erscheint unter Berücksichtigung der
Komplexität und Schwierigkeit des Falles sowohl in tatsächlicher als auch in
rechtlicher Hinsicht angemessen und ist damit dem Beschuldigten A._
zuzusprechen.
Der Verteidiger von A._ macht sodann für das Berufungsverfahren - ohne
Berücksichtigung der Berufungsverhandlung - einen Aufwand von 17.5 Stunden
zu Fr. 200.– zuzüglich Auslagen von Fr. 364.– geltend. Auch dieser Aufwand
erscheint unter Berücksichtigung aller Umstände angemessen und ist nicht zu
beanstanden. Dem Beschuldigten ist somit für das gesamte
Berufungsverfahrensverfahren - einschliesslich einer Entschädigung für die
Berufungsverhandlung samt Hin- und Rückweg von 3 Stunden - Fr. 4'821.10
(20.5 Stunden zu Fr. 200.–, zuzüglich Barauslagen von Fr. 364.– sowie 8 %
Mehrwertsteuer von Fr. 357.10) zuzusprechen.
Damit ist dem Beschuldigten A._ für das Untersuchungsverfahren sowie die
beiden gerichtlichen Verfahren eine Prozessentschädigung von insgesamt
Fr. 7'821.10 (Fr. 3'000.– für das vorinstanzliche Verfahren; Fr. 4'821.10 für das
Berufungsverfahren) zuzusprechen.
5.5. Bei besonders schweren Verletzungen in den persönlichen Verhältnissen
im Sinne von Art. 28 ZGB und Art. 49 OR sichert Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO der
beschuldigten Person bei Einstellung oder Freispruch eine Genugtuung zu, wobei
das Gesetz als Anwendungsfall ausdrücklich den Freiheitsentzug nennt. Mit
Bezug auf Untersuchungs- oder Sicherheitshaft ist denn auch regelmässig eine
Genugtuung geschuldet (Schmid, a.a.O., N. 1816 ff., mit vielen Verweisen).
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5.5.1. A._ befand sich vom 16. November 2010 bis zum 13. Dezember 2010
während 28 Tagen in Haft. Der Verteidiger fordert dafür eine Genugtuung von Fr.
4'000.– (Urk. 115 S. 10 f.).
5.5.2. Die beantragte Genugtuung für die zu unrecht erlittene Untersuchungshaft
erscheint angemessen. Dem Beschuldigten A._ ist deshalb eine Genugtuung
von Fr. 4'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 30. November 2010 (mittlerer Zinsverfall)
aus der Gerichtskasse zuzusprechen.