Decision ID: bcd46ad8-fe08-47b3-b1a3-3ac1bb5cf394
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. Der 1969 geborene A._ ist gelernter Maurer und war zuletzt bei
der B._ AG in C._ als Baupolier tätig. Nach einer
Auseinandersetzung mit einem Vorgesetzten dekompensierte
A._ und wurde ab dem 5. Juli 2020 durch seinen behandelnden
Psychiater, Dr. med. D._, zu 100 % krankgeschrieben. Mit
Erstbericht vom 13. Oktober 2020 diagnostizierte dieser neben einer
lymphomatoiden Papulose insbesondere eine mittelgradige depressive
Episode.
2. Vom 11. September 2020 bis zum 14. Oktober 2020 befand sich
A._ zur stationären psychosomatischen Rehabilitation in der
Hochgebirgsklinik Davos. Im Austrittsbericht vom 12. November 2020
diagnostizierte Dr. med. E._ hauptsächlich eine
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10: F43.21),
sowie eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.1). Zur
Arbeitsfähigkeit hielt er namentlich fest, dass eine Rückkehr an den
bisherigen Arbeitsplatz aufgrund der Leistungsfähigkeit wenig realistisch
erscheine.
3. Im November 2020 meldete sich A._ bei der IV-Stelle des
Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) zum Leistungsbezug an.
Diese traf in der Folge erwerbliche und medizinische Abklärungen und
holte die Akten der zuständigen Krankentaggeldversicherung
(F._ Versicherungen AG) ein. Diese liess A._ durch Dr.
med. G._ psychiatrisch begutachten, welcher seine Beurteilung
am 8. Januar 2021 erstattete. Darin diagnostizierte er eine leichte bis
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.0/1) und attestierte
A._ eine Arbeitsunfähigkeit in jedweder Tätigkeit bis zum
Abschluss der vorgesehenen teilstationären Behandlung in einer
Tagesklinik der Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDGR).
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4. In pneumologischer Hinsicht wurde mit Bericht vom 13. Januar 2021 des
Kantonsspitals Graubünden eine COPD Gold 1 ausgewiesen, wobei eine
medizinisch-theoretische Ateminvalidität verneint wurde.
5. Im Februar 2021 nahm A._ die tagesklinische Therapie bei den
PDGR auf, bevor er am 14. Juni 2021 wiederum zur stationären
Behandlung in die Hochgebirgsklinik Davos eintrat. Dabei wurde eine
rezidivierende depressive Störung, aktuell leichtgradig (ICD-10: F33.1),
diagnostiziert. Der Aufenthalt musste infolge eines Konflikts mit einer
Mitpatientin vorzeitig abgebrochen werden.
6. In der Folge bot die Krankentaggeldversicherung A._ erneut für
eine psychiatrische Begutachtung auf. In seinem Kurzgutachten vom
30. August 2021 hielt Dr. med. H._ fest, der Psychostatus von
A._ sei ohne pathologischen Befund. Zum
Untersuchungszeitpunkt lägen keine psychiatrischen Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vor. A._ sei aus psychiatrischer
Sicht derzeit nicht eingeschränkt. Daraufhin stellte die
Krankentaggeldversicherung ihre Leistungen per 20. September 2021 ein.
7. Nach Einholung der Abschlussbeurteilung der Ärztin des Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD) Ostschweiz, Dr. med. I._, und
ablehnendem Vorbescheid vom 21. September 2021 wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 2. November 2021 ab. Zum
Abklärungsergebnis hielt sie fest, dass A._ gemäss den
fachärztlichen Expertisen der Krankentaggeldversicherung weder aus
psychiatrischen noch aus somatischen pneumologischen Gründen in der
Arbeitsfähigkeit als Baupolier eingeschränkt sei. Da kein
Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vorliege,
sei eine Invalidität im Sinne des Gesetzes nicht ausgewiesen.
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8. Dagegen liess A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 1.
Dezember 2021 beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
Beschwerde erheben und neben der Aufhebung der Verfügung vom 2.
November 2021 beantragen, die Sache sei zur Einholung eines
psychiatrischen Gutachtens und zur erneuten Leistungsprüfung an die IV-
Stelle zurückzuweisen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus,
das psychiatrische Gutachten von Dr. med. H._ berücksichtige
nicht die vollständige Aktenlage, lasse infolge tendenziöser Bemerkungen
und reinen Spekulationen Zweifel an der Schlüssigkeit aufkommen,
genüge den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an ein
strukturiertes Beweisverfahren nicht und werde durch die (im Gutachten
unberücksichtigte) fachärztliche Einschätzung des behandelnden
Psychiaters in Zweifel gezogen.
9. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer
Vernehmlassung vom 20. Januar 2022 auf Abweisung der Beschwerde
und vertiefte die bereits in der angefochtenen Verfügung angeführte
Begründung anhand der beschwerdeführerischen Vorbringen.
10. Der Beschwerdeführer replizierte am 31. Januar 2022 bei unveränderten
Rechtsbegehren.
11. Am 10. Februar 2022 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer Duplik.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die weiteren Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 2. November 2021, worin das
Leistungsbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen wurde. Gemäss
Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor
dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Als kantonales
Versicherungsgericht ist das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde sowohl
örtlich als auch sachlich zuständig (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Der
Beschwerdeführer ist Adressat der angefochtenen Verfügung, weshalb er
durch diese unmittelbar betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung hat. Er ist demnach zur
Beschwerdeführung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Auf
die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 und
Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf
Leistungen der Invalidenversicherung hat. Zu beachten ist dabei, dass der
Beschwerdeführer im Rechtsbegehren die Rückweisung der
Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur Einholung eines
psychiatrischen Gutachtens und anschliessendem neuen Entscheid
beantragt. Dies bezweckt, einen als nicht rechtsgenüglich abgeklärt
gerügten Sachverhalt zu vervollständigen. Mit anderen Worten ist nach
Ansicht des Beschwerdeführers im Gutheissungsfall nicht reformatorisch,
sondern bloss kassatorisch zu entscheiden, indem die Angelegenheit zur
Einholung eines monodisziplinären Gutachtens an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird. Streitig ist somit, ob das
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Vorliegen eines Gesundheitsschadens mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit hinreichend abgeklärt worden ist.
3.1. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die
Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (vgl. BGE 140 V 193 E.3.2, 132 V 93 E.4
m.w.H.; Urteile des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E.2.4,
8C_347/2015 vom 20. August 2015 E.4.1).
3.2. Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den
Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel
– frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von
wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische
These abstellt (vgl. BGE 125 V 351 E.3a). Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
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(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten
begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a; Urteile des
Bundesgerichts 8C_173/2021 vom 25. Oktober 2021 E.4.1, 8C_225/2021
vom 10. Juni 2021 E.3.2, 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E.2.4).
Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten
oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (vgl.
BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c).
3.3. Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für
die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche
Zusammenstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E.3b mit
zahlreichen Hinweisen). So kommt den Berichten und Gutachten
versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen. Die Tatsache
allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum
Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität
und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer
Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung
objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche
Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger
Massstab anzulegen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 122 V 157 E.1c).
Bestehen auch bloss geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.3.2 und
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E.4.4; Urteile des Bundesgerichts 9C_168/2020 vom 17. März 2021 E.3.2,
8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.3).
4. Zur Beurteilung des Gesundheitszustands bzw. der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers sind im Wesentlichen die folgenden medizinischen
Unterlagen zu berücksichtigen:
4.1. Mit psychiatrischem Erstbericht vom 13. Oktober 2020 diagnostizierte Dr.
med. D._ neben einer lymphomatoiden Papulose insbesondere
eine mittelgradige depressive Episode, welche sich nach einer am 2. Juni
2020 erlittenen Commotio cerebri entwickelt habe. Als funktionelle
Einschränkungen nannte er namentlich eine Antriebsstörung, Müdigkeit
und Konzentrationsschwäche (vgl. beschwerdegegnerische Akten [Bg-
act.] 33).
4.2. Mit Austrittsbericht vom 12. November 2020 zur stationären
psychosomatischen Rehabilitation des Beschwerdeführers im Herbst
2020 wies Dr. med. E._ als Hauptdiagnosen eine
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10: F43.21),
sowie eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.1) aus.
Ausserdem stellte er eine lymphomatoide Papulose, eine beginnende
COPD mit V.a. Emphysem sowie ein cervicocephales bis
cervicobrachiales Schmerzsyndrom bei ausgeprägtem muskulärem
Hartspann als somatische Diagnosen. Zu den Hauptdiagnosen führte er
namentlich aus, der Beschwerdeführer habe im Verlauf des
therapeutischen Prozesses einen tiefen Zugang zu seinen Emotionen
geschaffen. Zudem habe er die Ursprünge seiner Schwierigkeiten mit der
Impulskontrolle eruiert und einige Strategien erlernt, um mit
aufkommenden Emotionen anders umzugehen, als aggressiv
auszubrechen. Zu merken, dass er seinen Impulsen nicht ausgeliefert sein
müsse, habe das Gefühl der Selbstwirksamkeit erhöht, was wiederum zu
einer Verringerung der depressiven Symptomatik beigetragen habe. Im
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Stations- und Therapiealltag habe es Hinweise auf Probleme in der
Beziehungsgestaltung in Verbindung mit der Impulskontrolle gegeben (vgl.
Bg-act. 30 S. 1 f.). Der Verlauf sei insgesamt positiv, auch wenn immer
noch eine grosse Anspannung in Abhängigkeit von äusseren
Begebenheiten zu beobachten sei. Zudem beeinträchtigten Ängste um die
finanzielle und berufliche Zukunft die seelische Verfassung. Durch die
Psychotherapie hätten aber einige Strategien im Umgang damit gefunden
werden können, so dass die depressive Symptomatik und der Gesamtwert
für die Angst insgesamt etwas tiefer seien (vgl. Bg-act. 30 S. 7).
Als Symptome der Erkrankung nannte Dr. med. E._ grosse
Erschöpfung, Gereiztheit, Dünnhäutigkeit, Ängste in Bezug auf die
Zukunft, unterschwellige Wut, sowie – parallel dazu – Motivationsverlust,
Gewichtszunahme und Hautprobleme (vgl. Bg-act. 30 S. 2). Auch erhob
Dr. med. E._ einen Psychostatus, gemäss welchem namentlich
im formalen Denken Grübeln und Gedankenkreisen genannt würden, der
Beschwerdeführer umständlich eingeengt sei auf Situationen, in denen
ihm Unrecht passiert sei, und er Ängste vor allem in Zusammenhang mit
seiner finanziellen Zukunft angebe. Zudem sei der Beschwerdeführer
affektivarm, gereizt, dysphorisch, deprimiert, antriebsarm sowie gehemmt
und habe Insuffizienzgefühle sowie Ein- und Durchschlafstörungen. Indes
bestehe kein Hinweis auf eine Störung von Auffassung, Konzentration und
Gedächtnis (vgl. Bg-act. 30 S. 4). Dr. med. E._ attestierte dem
Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab Klinikeintritt bis
Ende Oktober 2020 und hielt zudem fest, dass eine Rückkehr an den
bisherigen Arbeitsplatz aufgrund der Leistungsfähigkeit wenig realistisch
erscheine (vgl. Bg-act. 30 S. 8).
4.3. Mit Verlaufsbericht vom 10. Dezember 2020 wies Dr. med. D._
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aus:
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10: F43.21), DD
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mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), undifferenzierte
Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.1), beginnende COPD mit Verdacht
auf Emphysem (ED 10/2020) sowie eine lymphomatoide Papulomatose
(ED 3/2019). Dazu führte er aus, der Beschwerdeführer sei aufgrund einer
Reihe von privaten und beruflichen Rückschlägen in einer
Erschöpfungsdepression, die vermutlich aufgrund der
zwischenmenschlich schwierigen Situation am Arbeitsplatz sowie des
zusätzlichen leichten Schädel-Hirn-Traumas exazerbiert sei. Zu den
bestehenden Funktionseinschränkungen führte Dr. med. D._ aus,
aktuell lägen vor allem Antriebsstörungen sowie Einschränkungen in der
Belastbarkeit, Konzentration und dem für Führungsfunktionen
notwendigen Selbstvertrauen (innere Sicherheit) vor. Ebenso sei der
Beschwerdeführer durch verschiedene körperliche Funktionsstörungen,
wie juckende Hautkrankheit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, verminderte
Belastbarkeit und Unausgeruhtheit wegen Schlafstörungen,
eingeschränkt. Zudem erhob Dr. med. D._ einen Psychostatus,
wonach der Beschwerdeführer kognitiv weitgehend unauffällig sei bis auf
leichte Konzentrationsstörungen und eine gewisse Fahrigkeit. Die
Grundstimmung sei depressiv mit eingeschränkter Perspektive,
Freudlosigkeit, diversen vegetativen Beschwerden gastrointestinaler Art,
Kopfschmerzen, Müdigkeit mit ausgeprägter Antriebsstörung und
schnellen Überforderungs- und Insuffizienzgefühlen. Im formalen Denken
bestünden Grübeln und Gedankenkreisen. Insgesamt sei der
Beschwerdeführer eher gehemmt in Bezug auf die Entwicklung von
Perspektiven. Der Beschwerdeführer berichte auch über Affektlabilität und
impulsive Aggressionstendenzen. Dr. med. D._ erachtete die
bisherige Tätigkeit als aktuell nicht zumutbar; leidensangepasst seien nur
Tätigkeiten im geschützten Bereich bzw. im Praktikumsbereich zumutbar
(vgl. Bg-act. 35).
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4.4. In der zuhanden der Krankentaggeldversicherung erstatteten
psychiatrischen Beurteilung vom 8. Januar 2021 diagnostizierte Dr. med.
G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine leichte bis
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.0/1). In befundlicher
Hinsicht hielt er namentlich fest, es liege eine leichte bis mittelgradige
Verschiebung der Stimmungslage zum depressiven Pol vor. Die affektive
Resonanz sei leicht- bis mittelgradig eingeschränkt. Der
Beschwerdeführer wirke im Affekt stark gekränkt. Die Konzentration,
Auffassung, Merkfähigkeit und Erinnerung seien im Gespräch intakt. Das
formale Denken sei deutlich weitschweifig und unstrukturiert, dennoch
insgesamt nachvollziehbar. Dr. med. G._ erachtete den
Beschwerdeführer in jedweder Tätigkeit – ob angestammt oder angepasst
– bis zum Abschluss der damals vorgesehenen teilstationären
Behandlung in einer Tagesklinik der PDGR für arbeitsunfähig (vgl. Bg-act.
42).
4.5. In pneumologischer Hinsicht wurde mit Bericht vom 13. Januar 2021 des
Kantonsspitals Graubünden eine COPD Gold 1 diagnostiziert und dazu
ausgeführt, aktuell lasse sich eine leichtgradige obstruktive
Ventilationsstörung feststellen. Das abgeschwächte Atemgeräusch weise
auf das Vorliegen eines Lungenemphysems hin, welches im CT des
Thorax habe nachgewiesen werden können. Ein absoluter
Tabakrauchstopp sei anzustreben. Von pneumologischer Seite her sei ein
Weiterarbeiten als Polier grundsätzlich möglich. Es liege keine
medizinisch-theoretische Ateminvalidität vor (vgl. Bg-act. 45).
4.6. Mit Bericht vom 14. Juli 2021 zum stationären psychosomatischen
Rehabilitationsaufenthalt des Beschwerdeführers in der Hochgebirgsklinik
Davos vom 14. Juni 2021 bis zum 23. Juni 2021 wies Dr. med. E._
hauptsächlich eine rezidivierende depressive Störung, aktuell leichtgradig
(ICD-10: F33.1), aus. Als aktuelle Symptome der Erkrankung wurden
grosse Erschöpfung, Schlafschwierigkeiten, sehr hohe Anspannung und
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Ängste in Bezug auf seine Gesundheit und seine berufliche Zukunft
genannt. Zum allgemeinen psychischen Befund hielt Dr. med. E._
namentlich fest, der Beschwerdeführer sei im Kontakt angespannt, aber
äusserst auskunftsbereit. Konzentrationsprobleme seien im Verlaufe des
Gesprächs immer deutlicher sichtbar gewesen. Im formalen Denken
würden Grübeln und Gedankenkreisen genannt. Der Beschwerdeführer
sei gehemmt, umständlich, affektarm und -starr sowie deprimiert bis
gelegentlich hoffnungslos. Er gebe Ängste in Zusammenhang mit der
Entwicklung der Gesundheit und mit seiner beruflichen Zukunft an.
Innerlich sei er sehr angespannt, gereizt (tendenziell aggressiv),
phasenweise eu- bzw. dysphorisch, antriebsgehemmt, psychomotorisch
unruhig und logorrhoisch. Es bestünden Ein- und Durchschlafstörungen,
Erschöpfung sowie Probleme mit der Haut, dem Magen, der Lunge und
den Zähnen. Dr. med. E._ attestierte dem Beschwerdeführer eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit bis zum 11. Juli 2021. Zudem merkte er an,
dass die Perspektiven einer beruflichen Reintegration aufgrund des
vorzeitigen Austritts nicht hätten erarbeitet werden können (vgl. Bg-act.
57).
4.7. In seinem Kurzgutachten vom 30. August 2021 zuhanden der
Krankentaggeldversicherung hielt Dr. med. H._ fest, der
Psychostatus des Beschwerdeführers sei ohne pathologischen Befund.
Die von ihm beklagten Beschwerden schneller Erschöpfbarkeit und
Konzentrationsprobleme hätten nicht festgestellt werden können.
Während der gesamten Länge des Untersuchungsgesprächs sei er wach,
redselig und konzentriert mit eigentlich einer guten Gedächtnisfunktion
gewesen. Zum Untersuchungszeitpunkt lägen keine psychiatrischen
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vor. Hingegen dürften bei
ihm höchstwahrscheinlich akzentuierte narzisstische Persönlichkeitszüge
(ICD-10: Z73.1) vorliegen. Diese zeigten sich insbesondere in einer
starken Kränkbarkeit und einem Bedürfnis nach übermässiger
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Bewunderung und einer Anspruchshaltung besonders günstiger
Behandlung. Der Beschwerdeführer selbst berichte von mehreren solcher
Ereignisse mit Kränkung und impulsivem Handeln seinerseits. Die aktuelle
Krankschreibung sei auch nach einer Kränkung erfolgt, wobei er sich jetzt
in die Opfer-/Krankenrolle hineingesteigert habe, was die entsprechende
Anspruchshaltung in die Umgebung, Versicherung und Arbeitgeber
darstelle. Der Beschwerdeführer sei nicht mehr "trainiert" und wegen
längerer Abwesenheit vom Arbeitsprozess auch bequem mit geringer
Tagesstruktur gewesen. Dies sei aber keine Erkrankung und könnte mit
seinen Fähigkeiten durchaus auch ohne externe Hilfe bewältigt werden,
nicht aber während einer kontraproduktiv wirkenden, nicht gerechtfertigten
Krankschreibung. Aus somatischer Sicht liege beim Beschwerdeführer ein
leichtgradiges COPD vor ohne medizinisch-theoretische Ateminvalidität.
In der pneumologischen Sprechstunde sei ein Weiterarbeiten als Polier
aus pneumologischer Sicht grundsätzlich für möglich erachtet worden.
Ebenso liege beim Beschwerdeführer eine lymphomatoide Papulose vor,
die keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe (vgl. Bg-act. 60 S. 16 f.).
Auf die Frage nach den Befunden führte Dr. med. H._
präzisierend aus, aus psychiatrischer Sicht lägen beim Beschwerdeführer
eigentlich keine relevanten Befunde vor. Er habe aber eine derzeit
offenbar verinnerlichte Fehleinstellung und -überzeugung, dass er sofort
in ein "Loch" falle, wenn er sich überfordere, und stelle deswegen den
Anspruch äusserst behutsam und sehr langsam arbeitswiederintegriert zu
werden. Ein nicht-wesentlicher Teil dieser Fehlhaltung und -überzeugung
dürfte iatrogen indoktriniert worden sein. Es sei zwar gut gemeint von
den Psychiatern, eine möglichst langsame, behutsame Integration zu
fordern. Doch bei den Fähigkeiten des Beschwerdeführers und bei dem
sich Hineinsteigern in die Opfer- und Krankenrolle sei es kontraproduktiv.
Ein zügiger Wiederarbeitseintritt wäre absolut möglich und würde dem
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Beschwerdeführer sehr viel besser tun als sein gegenwärtiges Vermeiden
und Verharren in der Krankenrolle (vgl. Bg-act. 60 S. 17).
Des Weiteren hielt Dr. med. H._ zu den durchgeführten Therapien
fest, der Beschwerdeführer sei in stationärer psychiatrischer
(abgebrochen wegen einer Auseinandersetzung mit einer Mitpatientin)
und teilstationärer psychiatrischer und schliesslich ambulant
psychiatrischer Behandlung gewesen. Es sei von einer
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion ausgegangen
worden. Medikamentös antidepressiv sei nicht behandelt worden, sondern
hauptsächlich psychotherapeutisch und tagesstrukturierend. Der Erfolg
sei bisher kaum festzustellen aus den oben genannten Gründen: Der
Beschwerdeführer befinde sich nach einer Kränkung in der Krankenrolle,
die er nur ungern verlassen wolle. Insofern seien die Krankschreibungen
entsprechend kontraproduktiv und auch die langsame
Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess durch die IV werde daran
scheitern (vgl. Bg-act. 60 S. 17).
Zu den funktionellen Auswirkungen auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Baupolier führte Dr. med. H._ aus, der Beschwerdeführer sei aus
psychiatrischer Sicht derzeit nicht eingeschränkt. Er sei einfach nicht mehr
trainiert und schon länger nicht mehr im Arbeitsprozess, aber sonst könnte
er gut wieder seine Arbeit als Baupolier aufnehmen. Es fehle ihm
gegenwärtig die richtige Einstellung dazu und dies habe mit seiner
Persönlichkeit, seiner Reaktion auf Kränkungen und den
kontraproduktiven Krankschreibungen zu tun (vgl. Bg-act. 60 S. 18). Ob
ihm eine Angewöhnungszeit "gegönnt" werde, müsse die Versicherung
entscheiden. Es sei wie nach langen Ferien, wenn man wieder voll in den
Arbeitsprozess einsteigen müsse (vgl. Bg-act. 60 S. 19).
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4.8. In seiner Stellungnahme vom 30. November 2021 zum Kurzgutachten von
Dr. med. H._ führte Dr. med. D._ aus, dieses werde der
gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers nicht gerecht und
weise verschiedene gravierende Mängel auf. Der aktuelle psychische
Zustand sei die Folge einer jahrelangen Kette von Misserfolgen (Leitung
und schliesslich Konkurs eines Festivals, seit Jahren berichtete
Überforderungssituationen und -gefühle, Trennung von seiner Partnerin,
Auszug aus dem gemeinsamen und in Eigenregie renovierten Haus,
Versuch eines Existenzaufbaus als Polier mit mehreren Stellenverlusten,
teilweises Angewiesensein auf das Sozialamt, kurzfristige Absage einer
Anstellung im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojekts, zuletzt
Auseinandersetzung mit einem Vorgesetzten mit verletzenden
Äusserungen) vor dem Hintergrund einer seit Jugend bestehenden
Persönlichkeitsakzentuierung mit hoher Kränkbarkeit und starker
Impulsivität. Die Commotio am 2. Juni 2020 habe quasi "das Fass zum
Überlaufen" gebracht. Der Beschwerdeführer habe noch einige Tage
gearbeitet und sei dann rasch in eine depressive Stimmung verfallen, die
übereinstimmend von allen Behandlern/Untersuchern diagnostiziert
worden sei. Diese sei einhergegangen mit zahlreichen somatischen
Symptomen, die meist psychisch überlagert erschienen, so dass die
Diagnose einer somatoformen Störung dazugekommen sei. Er habe die
Diagnose einer mittelschweren depressiven Episode im psychiatrischen
Erstbericht vom 13. Oktober 2020 gestellt, die später vom Vertrauensarzt
der Krankentaggeldversicherung, Dr. med. G._, bestätigt worden
sei. Der Beschwerdeführer sei von Anfang an regelmässig in die Therapie
gekommen und habe aktiv mitgearbeitet. Er habe eine Therapie mit
Rebalance akzeptiert, welche bei einer mittelschweren Depression lege
artis sei.
Als Diagnosen führte Dr. med. D._ ein St. n. mittelschwerer
depressiver Episode, aktuell leichte depressive Episode mit
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persistierendem Burnout-Syndrom (ICD-10: F32.0/Z73.0), eine
undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.10) sowie
akzentuierte Persönlichkeitszüge narzisstischer und impulsiver Natur
(ICD-10: Z73.1) auf. Dazu hielt er fest, übereinstimmend mit dem
Gutachter sei die depressive Symptomatik nicht mehr durchgehend
vorhanden. Es bestehe aber weiterhin eine starke Antriebsstörung und
schnelle Ermüdbarkeit. Bei mehr als einem Termin am Tag fühle sich der
Beschwerdeführer überfordert und ausgelaugt. Es bestehe eine erhöhte
Vulnerabilität und Reizbarkeit. Bereits bei kleineren Anforderungen
reagiere der Beschwerdeführer mit Aufregung, Nervosität und innerer
Unruhe. Bei Konflikten verliere er schnell die Fassung, reagiere impulsiv.
Er sei beeinträchtigt durch verschiedene somatische Beschwerden (immer
wieder flakere bei Belastung die lymphomatoide Papulomatose auf, eine
stark juckende und Papeln bildende Hautkrankheit am ganzen Körper,
ebenso Magen-Darm-Beschwerden). Bei belastenden Vorfällen reagiere
er affektlabil, weine am Telefon und habe auch starke aggressive
Emotionen. Übereinstimmend mit der Einschätzung des IV-Beraters
bestehe für seine Arbeit auf dem Bau, schon gar nicht in einer
Führungsposition, eine aktuelle Arbeitsfähigkeit. Sowohl für
verantwortungsvolle Arbeiten als auch bei alltäglichen
zwischenmenschlichen Konflikten sei der Beschwerdeführer weiterhin
eingeschränkt. Die Arbeit in einem Einsatzprogramm könnte aber jederzeit
begonnen und schrittweise gesteigert werden.
Das Kurzgutachten von Dr. med. H._ kritisierte Dr. med.
D._ dahingehend, dass drei unabhängige und erfahrene
Fachärzte für Psychiatrie, darunter ein Gutachter von der Versicherung,
übereinstimmend die Diagnose einer depressiven Episode gestellt hätten.
Die Klinik habe attestiert, dass dem Beschwerdeführer die bisherige
Tätigkeit nicht mehr zugemutet werden könne. Der Gutachter befinde, es
lägen keine relevanten Befunde vor und insinuiere, ein Teil der
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"Fehlhaltung des Beschwerdeführers dürfte iatrogen indoktriniert sein."
Der Gutachter würdige die Kette schwerwiegender Ereignisse des
Beschwerdeführers, die über Jahre zu einem Zustand von Entmutigung
und Erschöpfung sowie Perspektivenlosigkeit geführt habe, in keiner
Weise. Deshalb entgehe ihm auch die persistierende Burnout-
Symptomatik, die beim Beschwerdeführer zu einer Schwächung der
gesamten Persönlichkeit mit depressiven, psychosomatischen und
Erschöpfungssymptomen geführt habe. Eine solche langjährige
Entwicklung mit der Beurteilung "es fehle ihm gegenwärtig die richtige
Einstellung dazu" und "es sei, wie nach langen Ferien, wenn man wieder
voll in den Arbeitsprozess einsteigen müsse" zu apostrophieren, werde
dem Beschwerdeführer nicht gerecht und verfehle deutlich den
Schweregrad der Störung. Natürlich spielten in dem komplexen
Beschwerdebild auch Kränkungen eine wesentliche Rolle, wie das ja bei
vielen Burnout-Situationen der Fall sei, was jedoch keine Begründung sei,
eine vollständige Arbeitsfähigkeit anzunehmen. Der Gutachter habe es
unterlassen, die vorliegenden Berichte des behandelnden Arztes
überhaupt zu erwähnen, geschweige denn habe er versucht, mit ihm das
Gespräch zu suchen (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 3).
5.1. Vorliegend verneinte die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung vom 2. November 2021 einen Anspruch auf Leistungen der
Invalidenversicherung namentlich mit der Begründung, der
Beschwerdeführer sei weder aus psychiatrischen noch aus somatischen
pneumologischen Gründen in der Arbeitsfähigkeit als Baupolier
eingeschränkt. Da kein Gesundheitsschaden mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit vorliege, sei eine Invalidität im Sinne des Gesetzes nicht
ausgewiesen. Die Beschwerdegegnerin stützte sich dabei insbesondere
auf die Abschlussbeurteilung der RAD-Ärztin Dr. med. I._,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, Psychosomatische
Medizin, vom 13. September 2021 ab (vgl. Bg-act. 82 S. 9 ff.). Diese führte
- 18 -
namentlich aus, aus medizinischer Sicht habe sich der Beschwerdeführer
scheinbar bei einem Sturz am 2. Juni 2020 eine Commotio zugezogen.
Zudem leide er an Hautausschlägen. Im Verlauf sei jedoch klar die
psychische Beeinträchtigung in den Vordergrund getreten. Gemäss
Austrittsbericht der Hochgebirgsklinik Davos vom 12. November 2020
lägen folgende Diagnosen vor: Anpassungsstörung, längere depressive
Reaktion (ICD-10: F43.21), undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-
10: F45.1), lymphomatoide Papulose, beginnende COPD mit V.a.
Emphysem und ein cervicocephales/-brachiales Schmerzsyndrom.
Ausdrücklich erwähnt würden die finanzielle Belastung und die Angst vor
der beruflichen und finanziellen Zukunft. Am 8. Januar 2021 habe die
Krankentaggeldversicherung ein psychiatrisches Gutachten eingeholt, in
welchem eine leichte bis mittelgradige depressive Episode festgestellt und
die Arbeitsunfähigkeit bis zum geplanten stationären/ teilstationären
Aufenthalt in den PDGR ausgewiesen worden sei. Der Beschwerdeführer
habe die dringend indizierte tagesklinische Therapie im März verweigert,
ebenso die vollständige pneumologische Abklärung. Wohl habe er im
Verlauf am tagesklinischen Programm teilweise partizipiert, jedoch
scheinbar ohne Motivation für eine aktive Mitwirkung. Einen erneuten
stationären Aufenthalt in der Hochgebirgsklinik habe der
Beschwerdeführer nach kurzer Zeit abgebrochen. Erneut sei beschrieben
worden, dass er sich geweigert hätte, den Grund genauer auszuführen
oder an Lösungsvorschlägen zu arbeiten. Auffällig im Lebenslauf seien die
häufigen Stellenwechsel, die Vielfältigkeit der Tätigkeiten sowie die kurzen
Anstellungsdauern. Aufgrund des schwierigen Verlaufs sei seitens der
Krankentaggeldversicherung (erneut) ein psychiatrisches Gutachten in
Auftrag gegeben worden. Darin habe Dr. med. H._ einen
Psychostatus ohne pathologischen Befund erhoben bzw. keine
psychiatrischen Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt bei
V.a. akzentuierte narzisstische Persönlichkeitszüge. Aus Sicht des
Gutachters wäre ein zügiger Wiederarbeitseintritt absolut möglich und
- 19 -
auch wichtig, um ein "Verharren in der Krankenrolle" zu vermeiden. Somit
sei weder aus psychiatrischen noch aus somatischen pneumologischen
Gründen ein Gesundheitsschaden ausgewiesen, welcher die
Arbeitsfähigkeit längerfristig einschränke. Aus Sicht des RAD werde der
Fallabschluss empfohlen bei voller angestammter Arbeitsfähigkeit (vgl.
Bg-act. 82 S. 10).
5.2. Im Folgenden ist insofern zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
auf die RAD-Abschlussbeurteilung vom 13. September 2021 abgestellt hat
oder ob die übrige Aktenlage daran auch nur geringe Zweifel zu wecken
vermag. Während die Beschwerdegegnerin die insbesondere auf der
Kurzbeurteilung von Dr. med. H._ vom 30. August 2021
beruhende RAD-Abschlussbeurteilung in ihren Ergebnissen für praktisch
schlüssig, nachvollziehbar und widerspruchsfrei hält, erachtet der
Beschwerdeführer den medizinischen Sachverhalt in psychiatrischer
Hinsicht für ungenügend abklärt.
6. Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der
Untersuchungsgrundsatz, wobei die Auskunfts‐ und Mitwirkungspflicht der
Leistungen beanspruchenden Person zu berücksichtigen ist. Die Behörde
hat, wo notwendig, den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen
abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein (vgl.
Art. 43 Abs. 1 und 3 ATSG; KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl.,
Zürich/Basel/ Genf 2020, Art. 43 Rz. 13 ff. und 96 ff.). Die
Untersuchungspflicht gilt sowohl im Verwaltungsverfahren wie auch
grundsätzlich im kantonalen Gerichtsverfahren (vgl. Art. 61 lit. c ATSG).
Die Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung
des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit
besteht. Wenn der Versicherungsträger oder das kantonale
Sozialversicherungsgericht im Rahmen einer umfassenden, sorgfältigen,
objektiven und inhaltsbezogenen Beweiswürdigung zur Überzeugung
- 20 -
gelangt, dass ein bestimmter Sachverhalt überwiegend wahrscheinlich
sei, steht dies einer antizipierten Beweiswürdigung nicht entgegen.
Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder
Richtigkeit der getroffenen Tatsachenfeststellungen bestehen, ist weiter
zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue
wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_398/2018 vom 5. Dezember 2018 E.3.1,
8C_616/2013 vom 28. Januar 2014 E.2.1; KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 18 ff.
und 29 f.). Kommt die Verwaltung ihrer Abklärungspflicht nicht oder nicht
genügend nach, kann die Sache aus diesem Grund an die Verwaltung
zurückgewiesen werden (vgl. BGE 132 V 368 E.5).
7. Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden
(vgl. BGE 140 V 8 E.2.2.1.3) oder depressive Störungen (BGE 143 V 409
und 418), so sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte
Indikatoren (Beweisthemen und Indizien) beachtlich, die es – unter
Berücksichtigung von leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren
wie auch von Kompensationspotentialen (Ressourcen) – erlauben, das
tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 145 V
361 E.3.1, 141 V 281 E.2, E.3.4-3.6 und E.4.1). Demnach beurteilt sich die
Frage, ob eine psychische Störung zu einer Arbeitsunfähigkeit führt,
welche auch rechtlich bedeutsam ist, in Nachachtung von Art. 7 Abs. 2
ATSG grundsätzlich auf der Grundlage eines strukturierten
Beweisverfahrens (vgl. BGE 145 V 361 E.3, E.4.1 und E.4.3, 144 V 50
E.4.3; Urteile des Bundesgerichts 9C_475/2019 vom 15. November 2019
E.4.2.2, 9C_547/2019 vom 14. Oktober 2019 E.6.1). Ein solches bleibt
entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine
Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und
allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher
Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen
- 21 -
werden kann. Namentlich in Fällen, bei denen nach bestehender
Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen
depressiven Störung auszugehen ist, die ihrerseits nicht schon als
chronifiziert gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht,
bedarf es daher in aller Regel keiner Weiterungen in Form eines
strukturierten Beweisverfahrens (vgl. BGE 145 V 215 E.7, 143 V 409
E.4.5.3; Urteile des Bundesgerichts 8C_62/2020 vom 22. September 2020
E.4.3, 8C_415/2018 vom 12. Dezember 2018 E.4.2). Eine solche
Konstellation ist vorliegend – wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird –
allerdings nicht gegeben.
8.1. Im hier zu beurteilenden Fall beruhte die RAD-Abschlussbeurteilung vom
13. September 2021 – wie bereits dargelegt – insbesondere auf dem
Kurzgutachten von Dr. med. H._ vom 30. August 2021. Dieser
konnte beim Beschwerdeführer im Rahmen der Erhebung des
Psychostatus keine relevanten Befunde feststellen (vgl. Bg-act. 60 S. 13
und S. 16 f.), weshalb er entsprechend keine psychiatrische Diagnose mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auswies (vgl. Bg-act. 60 S. 16). Damit
setzte er sich jedoch in Widerspruch zu allen bisherigen Beurteilungen des
psychischen Gesundheitszustands des Beschwerdeführers durch den
stationär behandelnden Chefarzt für Psychosomatik der Hochgebirgsklinik
Davos Dr. med. E._, den Vertrauensarzt der
Krankentaggeldversicherung und Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie Dr. med. G._ sowie den behandelnden
Psychiater Dr. med. D._, ebenfalls Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie. Abgesehen davon, dass ihm die Berichte von Letzterem
nicht bekannt waren (vgl. Aktenauszug im Kurzgutachten vom 30. August
2021 [Bg-act. 60 S. 3 ff.]) und ihm somit nicht alle wesentlichen Vorakten
vorlagen, unterliess es Dr. med. H._, sich im Kurzgutachten vom
30. August 2021 mit den vorbefundlichen Diagnosen
auseinanderzusetzen und seine abweichende Einschätzung in
- 22 -
nachvollziehbarer Weise zu begründen. Insbesondere befasste er sich
weder mit der aktenkundigen, sich nach Einschätzung der genannten
Fachärzte auf die Arbeitsfähigkeit auswirkenden undifferenzierten
Somatisierungsstörung noch mit der ebenfalls funktionelle Auswirkungen
zeitigenden Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion, der
leichten bis mittelgradigen depressiven Episode bzw. der rezidivierenden
depressiven Störung, aktuell leichtgradig (vgl. Austrittsbericht der
Hochgebirgsklinik Davos vom 12. November 2020 [Bg-act. 30],
Verlaufsbericht von Dr. med. D._ vom 10. Dezember 2020 [Bg-
act. 35], psychiatrische Beurteilung von Dr. med. G._ vom 8.
Januar 2021 [Bg-act. 42], Bericht von Dr. med. E._ vom 14. Juli
2021 [Bg-act. 57]). Hierzu finden sich im Kurzgutachten vom 30. August
2021 – genauso wenig wie in der RAD-Abschlussbeurteilung vom
13. September 2021 – keine schlüssigen (und damit überprüfbaren)
Angaben, obwohl die zwischen den gutachterlichen und den vorgenannten
fachärztlichen Beurteilungen bestehenden Divergenzen unmittelbar für die
zu klärenden Belange bedeutsam sind (vgl. BGE 137 V 210 E.6.2.4). So
wurden denn auch namentlich die beklagte Überforderung und die
eingeschränkte Belastbarkeit des Beschwerdeführers von Dr. med.
H._ als von diesem verinnerlichte, zu einem nicht unwesentlichen
Teil iatrogen indoktrinierte Fehleinstellung und -überzeugung abgetan (vgl.
Bg-act. 60 S. 16 ff.), obschon diese neben anderen, für eine depressive
Störung sprechenden Symptome (wie z.B. Antriebsvermindung, rasche
Ermüdbarkeit, vermindertes Selbstvertrauen, Schlafstörungen,
Zukunftsängste, Konzentrationsschwierigkeiten, innere Unruhe und
Anspannung, deprimierte bis gelegentlich hoffnungslose Stimmung) auch
noch kurz vor und nach der Begutachtung im August 2021 die Grundlage
für die Diagnose einer leichten depressiven Episode (im Rahmen einer
rezidivierenden depressiven Störung) bildeten (vgl. oben wiedergegebene
Befundungen, insbesondere im Bericht von Dr. med. E._ vom 14.
Juli 2021 [Bg-act. 57] und in der Stellungnahme von Dr. med. D._
- 23 -
vom 30. November 2021 [Bf-act. 3]; vgl. ferner Protokoll vom 13.
September 2021 zu den im Einsatzprogramm absolvierten Schnuppertage
am 27. und 30. August 2021, in welchem namentlich von einer grossen
Ermüdung berichtet wurde [Bg-act. 63]). Hinzu kommt, dass es dem
Kurzgutachten von Dr. med. H._ an einer nachvollziehbaren
Diagnosestellung hinsichtlich der von ihm als höchstwahrscheinlich
vorliegend bezeichneten akzentuierten narzisstischen
Persönlichkeitszüge fehlt (vgl. Bg-act. 60 S. 16), welche es den
Rechtsanwendenden erlauben würde zu beurteilen, ob die
klassifikatorischen Vorgaben – vorliegend insbesondere in Abgrenzung zu
einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten Störung mit
Krankheitswert – eingehalten worden sind (vgl. dazu BGE 145 V 215
E.5.1, 143 V 418 E.8.1, 143 V 124 E.2.2.2, 142 V 106 E.3.3, 141 V 281
E.2.1 ff., 130 V 396 E.5.2 ff.; Urteile des Bundesgerichts 9C_80/2020 vom
15. September 2020 E.3.2, 8C_41/2019 vom 9. Mai 2019 E.7.2,
8C_376/2018 vom 9. Oktober 2018 E.3.2). Entsprechende eingehende(re)
Ausführungen hätten sich nur schon deshalb aufgedrängt, weil die RAD-
Ärztin Dr. med. I._ in ihrer Beurteilung vom 15. Juli 2021 die
häufigen Stellenwechsel des Beschwerdeführers, die Vielfältigkeit der
Tätigkeiten sowie die kurzen Anstellungsdauern als auffällig bezeichnete
(vgl. hierzu auch undatierter Lebenslauf [Bg-act. 12] und IK-Auszug vom
19. November 2020 [Bg-act. 31]) und die Frage nach einer
Persönlichkeitsproblematik aufwarf (vgl. Bg-act. 82 S. 6). Auch Dr. med.
D._ sprach in seiner Stellungnahme vom 30. November 2021 von
einer jahrelangen Kette von Misserfolgen mit Kränkungen (Leitung und
schliesslich Konkurs eines Festivals, seit Jahren berichtete
Überforderungssituationen und -gefühle, Trennung von seiner Partnerin,
Auszug aus dem gemeinsamen und in Eigenregie renovierten Haus,
Versuch eines Existenzaufbaus als Polier mit mehreren Stellenverlusten,
teilweises Angewiesensein auf das Sozialamt, kurzfristige Absage einer
Anstellung im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojekts, zuletzt
- 24 -
Auseinandersetzung mit einem Vorgesetzten mit verletzenden
Äusserungen) (vgl. Bf-act. 3), welche mit der im Kurzgutachten vom 30.
August 2021 wiedergegebenen Lebensgeschichte übereinstimmt, und aus
welcher zudem hervorgeht, dass der Beschwerdeführer bereits als
Jugendlicher das Gymnasium verlassen musste, als sich seine
Schulnoten nach dem Tod seines Vaters stark verschlechtert hatten und
ihn das fehlende Verständnis des Rektors gekränkt hatte (vgl. Bg-act. 60
S. 8 ff. und S. 15).
8.2. Insgesamt stellt das Kurzgutachten von Dr. med. H._ somit keine
beweiswertige fachärztliche Beurteilung dar, mit welcher eine
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in nachvollziehbar begründeter
Weise verneint worden wäre. Insbesondere liegen – wie bereits dargelegt
– dem Kurzgutachten widersprechende fachärztliche Diagnosen mit davon
abweichenden Beurteilungen zu deren Auswirkungen auf das tatsächlich
erreichbare Leistungsvermögen des Beschwerdeführers im Recht. Diesen
Einschätzungen kann der Beweiswert nicht von vornherein abgesprochen
werden; insbesondere mangelt es den Dres. med. D._,
E._ und G._ als Fachärzte für Psychiatrie und
Psychotherapie bzw. als Chefarzt für Psychosomatik nicht an der nötigen
fachärztlichen Qualifikation. Zudem erhoben sie die psychischen Befunde
(im Rahmen des Psychostatus), würdigten die sich daraus ergebenden
Einschränkungen und setzten sich mitunter ausdrücklich mit dem
Kurzgutachten vom 30. August 2021 auseinander (vgl. psychiatrischer
Erstbericht von Dr. med. D._ vom 13. Oktober 2020 [Bg-act. 33],
Austrittsbericht von Dr. med. E._ vom 12. November 2020 [Bg-
act. 30], Verlaufsbericht von Dr. med. D._ vom 10. Dezember
2020 [Bg-act. 35], psychiatrische Beurteilung von Dr. med. G._
vom 8. Januar 2021 [Bg-act. 42], Bericht von Dr. med. E._ vom
14. Juli 2021 [Bg-act. 57], Stellungnahme von Dr. med. D._ vom
30. November 2021 [Bf-act. 3]).
- 25 -
8.3. Aufgrund der von der RAD-Abschlussbeurteilung vom 13. September
2021 und vom Kurzgutachten vom 30. August 2021 abweichenden
fachärztlichen Einschätzungen mit die Arbeitsfähigkeit beeinflussenden
Diagnosen und dem Vorliegen von psychischen und somatischen
Komorbiditäten (vgl. dazu auch nachstehende Ausführungen; ferner
psychiatrischer Erstbericht von Dr. med. D._ vom 13. Oktober
2020 mit folgender somatischer Diagnose: lymphomatoide Papulose [Bg-
act. 33 S. 1], Austrittsbericht der Hochgebirgsklinik Davos vom 12.
November 2020 mit folgenden somatischen Diagnosen: lymphomatoide
Papulose, beginnende COPD mit V.a. Emphysem und cervicocephales bis
cervicobrachiales Schmerzsyndrom bei ausgeprägtem muskulärem
Hartspann [Bg-act. 30 S. 1 f.], Verlaufsbericht von Dr. med. D._
vom 10. Dezember 2020 mit folgenden somatischen Diagnosen:
beginnende COPD mit Verdacht auf Emphysem (ED 10/2020) und
lymphomatoide Papulomatose (ED 3/2019) [Bg-act. 35 S. 3], Bericht des
Kantonsspitals Graubünden vom 13. Januar 2021 mit folgenden
somatischen Diagnosen: COPD Gold 1, lymphomatoide Papulose und
cervicocephales bis cervicobrachiales Schmerzsyndrom bei
ausgeprägtem muskulärem Hartspann [Bg-act. 45 S. 1], Bericht von Dr.
med. E._ vom 14. Juli 2021 mit folgenden somatischen
Diagnosen: lymphomatoide Papulose, beginnende COPD mit V.a.
Emphysem und cervicocephales bis cervicobrachiales Schmerzsyndrom
bei ausgeprägtem muskulärem Hartspann [Bg-act. 57 S. 1]; siehe auch
die im Kurzgutachten von Dr. med. H._ vom 30. August 2021
unter dem Titel "Aktenauszüge" aufgeführten Berichte vom 12. und 19.
Januar 2021 [Bg-act. 60 S. 4 f.]) geht es nicht an, wenn die
Beschwerdegegnerin ohne weitere medizinische Abklärungen annahm, es
liege keine psychische Erkrankung mit funktionellen Auswirkungen vor.
Vielmehr wäre bei den aktenkundigen psychischen
Gesundheitsbeeinträchtigungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers ein strukturiertes Beweisverfahren nach
- 26 -
Massgabe von BGE 141 V 281 durchzuführen gewesen (vgl. BGE 143 V
409 E.4.5.2, 143 V 418 E.6). Dies hätte sich auch insoweit aufgedrängt,
als den von Dr. med. H._ ausgewiesenen akzentuierten
narzisstischen Persönlichkeitszügen (ICD-10: Z73.1) als Z-Diagnose nicht
von vornherein eine ressourcenhemmende Wirkung abgesprochen
werden darf (vgl. BGE 144 V 50 E.5.2.1, 143 V 418 E.8.1; Urteile des
Bundesgerichts 9C_146/2021 vom 25. Juni 2021 E.5.4.1 f., 9C_899/2017
vom 9. Mai 2018 E.4.2.3) und diese somit nicht nur im Komplex
Persönlichkeit, sondern auch im Rahmen des Indikators Komorbiditäten
zu untersuchen sind (BGE 141 V 281 E.4.3.1). Eine Auseinandersetzung
mit den massgeblichen Beweisthemen ist vorliegend weder im
Kurzgutachten vom 30. August 2021 noch in der RAD-
Abschlussbeurteilung vom 13. September 2021 erfolgt, weshalb das aus
psychiatrischer Sicht tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen nicht
zuverlässig eingeschätzt werden kann. Da auch die in den Akten
liegenden fachärztlichen Berichte keine umfassende Beurteilung anhand
der systematisierten Indikatoren erlauben, präsentiert sich – wie vom
Beschwerdeführer zu Recht vorgebracht – der rechtserhebliche
Sachverhalt als ungenügend abgeklärt.
9. Im Ergebnis ist die Beschwerde somit gutzuheissen, die angefochtene
Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach externer
ergänzender sachverständiger bzw. fachärztlicher Abklärung des
medizinischen Sachverhalts in psychiatrischer Hinsicht gestützt auf die
dannzumal vollständigen medizinischen Unterlagen neu über den
Leistungsanspruch des Beschwerdeführers entscheide.
10.1. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
- 27 -
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest. Die Rückweisung zu weiteren Abklärungen gilt praxisgemäss als
vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei bezüglich der
Verteilung der Gerichtskosten und der Zusprache einer
Parteientschädigung (vgl. BGE 141 V 281 E.11.1, 137 V 210 E.7.1, 132 V
215 E.6.2). Infolge des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens sind die
Gerichtskosten von CHF 700.-- demnach der Beschwerdegegnerin zu
überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).
10.2. Der Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die
Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig
von der Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird
die Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Ingress ATSG
nach dem kantonalen Recht bestimmt (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 E.9.2, 9C_321/2018 vom 16.
Oktober 2018 E.6.1, 9C_688/2009 vom 19. November 2009 E.3.1.1 f.).
Gemäss Art. 78 VRG i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die Bemessung
des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
(Honorarverordnung, HV; BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach
Ermessen des Gerichts festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der
Honorarnote geltend gemachten (und als angemessen zu betrachtenden)
Aufwand sowie (üblichen) Stundenansatz ausgeht. Die Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers reichte trotz entsprechender Aufforderung durch
das Gericht mit Schreiben vom 21. Januar 2022 keine Honorarnote ein.
Dem Beschwerdeführer ist deshalb unter Berücksichtigung des
- 28 -
praxisgemäss bei fehlender Honorarvereinbarung geltenden
Stundenansatzes von CHF 240.-- (vgl. statt vieler Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden R 17 86 vom 17. April 2018
E.5.2) eine pauschale Parteientschädigung in der Höhe von CHF 3'000.--
(inkl. Spesen und MWST) zuzusprechen. In diesem Umfang hat die
Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer aussergerichtlich zu
entschädigen.