Decision ID: 8f34abdb-b34f-4345-8bd7-d8190a75b7ae
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A._ (geb. 1976), serbische Staatsangehörige, heiratete am 12. Januar 1995 in X._,
Südserbien, ihren Landsmann M._, welcher bereits am 11. Oktober 1992 in die
Schweiz eingereist war, wo ihm eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seinen
Eltern erteilt wurde. Am 4. September 1996 stellte er ein Einreise- und
Familiennachzugsgesuch für seine Ehefrau. Mit Verfügung vom 3. Oktober 1996
verweigerte das Migrationsamt (ehemals: Fremdenpolizei) A._ die Erteilung einer
Einreise- und Aufenthaltsbewilligung. Nach ihrer Einreise in die Schweiz am
1. Januar 1998 wurde ihr im Familiennachzug zu ihrem Ehemann der Aufenthalt
bewilligt. Aus ihrer Ehe ging eine Tochter, K._ (geb. 2001), ebenfalls serbische
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Staatsangehörige, hervor, welcher eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei den
Eltern erteilt wurde.
Das Migrationsamt (ehemals: Ausländeramt) verlängerte die Aufenthaltsbewilligungen
von M._ und A._ mehrmals, letztmals am 10. Januar 2012, jedoch jeweils nur unter
der Bedingung, die bestehenden Schulden zu tilgen, keine neuen Schulden zu
verursachen, einer geregelten Erwerbstätigkeit nachzugehen, sämtlichen Melde- und
Mitwirkungspflichten nachzukommen und sich wohl zu verhalten. Mit Verfügungen vom
27. März 2014 verweigerte das Migrationsamt M._, A._ und K._ die Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligungen und ordnete ihre Wegweisung aus der Schweiz unter
Ansetzung einer Ausreisefrist bis zum 5. Juni 2014 an. Die dagegen erhobenen
Rechtsmittel wurden vom Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid vom
10. April 2015 und vom Verwaltungsgericht mit Entscheid vom 28. Juni 2016
abgewiesen. Auf ein am 25. Oktober 2016 gestelltes Wiedererwägungsgesuch trat das
Migrationsamt mit Verfügung vom 3. November 2016 nicht ein. Die dagegen erhobenen
Rechtsmittel blieben ebenfalls erfolglos. Unter Hinweis auf den in Rechtskraft
erwachsenen Entscheid des Verwaltungsgerichts setzte das Migrationsamt M._, A._
und K._ eine Ausreisefrist bis 2. November 2016, welche aufgrund besonderer
Umstände bis zum 25. November 2016 erstreckt wurde. Am 26. November 2016
reisten A._ und K._ zurück nach Serbien. Im Dezember 2016 wurde die Ehe zwischen
M._ und A._ geschieden und die elterliche Sorge für K._ der Mutter übertragen. Der
Vater wurde zu Unterhaltszahlungen verpflichtet, und ihm wurde ein Besuchsrecht
eingeräumt.
B. Am 7. März 2017 liessen A._ und K._ durch ihre Rechtsvertreterin ein Gesuch um
Gewährung einer Härtefallbewilligung einreichen. Mit Verfügung vom 27. April 2017
wies das Migrationsamt das Gesuch ab und verweigerte die Unterbreitung des Falls an
das Staatssekretariat für Migration (SEM). Dagegen rekurrierten A._ und K._ durch
ihre Rechtsvertreterin beim Sicherheits- und Justizdepartement. Dieses wies den
Rekurs mit Entscheid vom 22. Januar 2018 ab. Es begründete seinen Entscheid im
Wesentlichen damit, A._ habe offene Verlustscheine in der Höhe von CHF 44‘705.60,
sodass sie es während ihres langen Aufenthalts in der Schweiz von Januar 1998 bis
November 2016 offensichtlich nicht geschafft habe, schuldenfrei zu leben. Unbestritten
sei, dass die Eingliederung von K._ im Heimatland mit Schwierigkeiten verbunden sein
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könnte. Die geltend gemachten gesundheitlichen Probleme seien jedoch im Heimatland
behandelbar. Bei den geschilderten Schwierigkeiten handle es sich um allgemeine
Konsequenzen, die für einen Grossteil von Ausländern und deren Kinder gälten, die in
ein Land zurückkehren müssten, das ihnen nicht dieselben finanziellen und sozialen
Möglichkeiten bieten könne wie die Schweiz. Es bestehe kein Anspruch auf eine
Aufenthaltsbewilligung in demjenigen Land, in welchem der höchste Standard der
finanziellen bzw. sozialen Unterstützung oder medizinischen Behandlung gewährleistet
sei. Es sei K._ ausserdem zuzumuten, die geltend gemachten sprachlichen Defizite im
Heimatland mit entsprechenden Bildungsangeboten zu beseitigen. Gesamthaft
überwiege das öffentliche Interesse an einer restriktiven Einwanderungspolitik die
privaten Interessen von A._ und K._ an der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung.
Zusammenfassend seien die Voraussetzungen eines schwerwiegenden persönlichen
Härtefalls nicht erfüllt.
C. A._ und K._ (Beschwerdeführerinnen) erhoben gegen den Entscheid des
Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin
vom 6. Februar 2018 und Ergänzung vom 30. April 2018 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Sie beantragten, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben und das Migrationsamt anzuweisen, das Gesuch
um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung wegen Vorliegens eines schwerwiegenden
persönlichen Härtefalls gutzuheissen bzw. das Gesuch dem SEM zur Zustimmung zu
unterbreiten; ausserdem sei ihnen die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Mit Vernehmlassung vom 14. Mai 2018 schloss
die Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge
und die Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die
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Beschwerdeeingabe vom 6. Februar 2018 erfolgte rechtzeitig und erfüllt zusammen mit
der Ergänzung vom 30. April 2018 formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Die
Beschwerdeführerin 2 ist knapp 17 Jahre alt und damit unmündig (Art. 14 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, ZGB). Unabhängig davon, ob das
Einreichen eines Härtefallgesuchs nach Art. 30 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über
die Ausländerinnen und Ausländer (Ausländergesetz, SR 142.20, AuG) ein
höchstpersönliches Recht im Sinn von Art. 19c Abs. 1 ZGB darstellt und es dafür
überhaupt einer Zustimmung des gesetzlichen Vertreters bedarf, kann im konkreten
Fall von der stillschweigenden Zustimmung der allein sorgeberechtigten Mutter der
Beschwerdeführerin 2 ausgegangen werden (vgl. Art. 19a Abs. 1 ZGB), nachdem das
Härtefallgesuch vom 7. März 2017 gemeinsam von Mutter – der Beschwerdeführerin 1
– und der Tochter gestellt worden ist. Die Beschwerdeführerinnen sind damit zur
Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Ausländerinnen und Ausländer können grundsätzlich nur bei Vorliegen von
bestimmten Zulassungsvoraussetzungen eine Aufenthaltsbewilligung beantragen (vgl.
Art. 18 ff. AuG). Ausnahmsweise kann eine Aufenthaltsbewilligung ohne deren
Vorliegen erteilt werden, insbesondere wenn schwerwiegenden persönlichen
Härtefällen oder wichtigen öffentlichen Interessen Rechnung zu tragen ist (Art. 30
Abs. 1 lit. b AuG). Das Bundesgericht hat bis zum Inkrafttreten des AuG eine
umfangreiche Praxis zum Vorliegen eines Härtefalls entwickelt, die gemäss dem Willen
des Gesetzgebers weiterentwickelt werden soll (Botschaft des Bundesrates zum
Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3786).
Danach liegt ein Härtefall vor, wenn sich die betroffene Person in einer persönlichen
Notlage befindet. Ihre Lebens- und Daseinsbedingungen müssen, gemessen am
durchschnittlichen Schicksal von anderen ausländischen Personen, in gesteigertem
Mass in Frage gestellt sein (siehe BGE 130 II 39 E. 3; BGE 128 II 200 E. 4). Der Begriff
des schwerwiegenden persönlichen Härtefalls ist dabei restriktiv auszulegen. Bei der
Prüfung der nicht abschliessenden Kriterien in Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE; vgl. BVGE C 930/2009
vom 5. Dezember 2012 E. 4.1), das heisst der Integration, der Respektierung der
Rechtsordnung, der Familienverhältnisse, des Zeitpunkts der Einschulung und der
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Dauer des Schulbesuchs der Kinder, der finanziellen Verhältnisse sowie des Willens zur
Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung, der Dauer der
Anwesenheit in der Schweiz, des Gesundheitszustands, der Möglichkeit für eine
Wiedereingliederung im Herkunftsland sowie der Offenlegung der Identität, ist deshalb
ebenfalls ein strenger Massstab anzulegen (VerwGE B 2016/47 vom 26. Oktober 2017
E. 2 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Die Tatsache, dass der Ausländer sich seit
längerer Zeit in der Schweiz aufhält, hier sozial und beruflich gut integriert ist und sein
Verhalten zu keinen Klagen Anlass gegeben hat, begründet für sich allein keinen
schwerwiegenden persönlichen Härtefall. Die Beziehung des Ausländers zur Schweiz
muss derart eng sein, dass man von ihm nicht verlangen kann, in einem anderen Land,
insbesondere seinem Heimatland, zu leben. Berufliche, freundschaftliche sowie
nachbarschaftliche Beziehungen, welche die betroffene Person während ihres
Aufenthalts in der Schweiz knüpfen konnte, genügen normalerweise nicht für die
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung (BVGE C 188/2014 vom 15. März 2016 E. 5.2;
VerwGE B 2016/101 vom 23. August 2016 E. 3.2, www.gerichte.sg.ch). Immerhin
werden bei einer sehr langen Aufenthaltsdauer weniger hohe Anforderungen an das
Vorliegen besonderer Umstände, wie etwa eine überdurchschnittliche Integration oder
andere Faktoren, gestellt, welche die Rückkehr ins Heimatland als ausgesprochen
schwierig erscheinen lassen (BVGE C 3770/2011 vom 3. Januar 2013 E. 4.2 mit
weiteren Hinweisen). Bei Härtefallgesuchen von Familien darf die Situation einzelner
Familienmitglieder nicht isoliert betrachtet werden, da das Schicksal der Familie eine
Einheit darstellt (BVGE C 3770/2011 vom 3. Januar 2013 E. 4.3). Die familiäre Situation
ist also gesamthaft zu beurteilen und die Lebenslage der Gesuchsteller muss
gesamthaft betrachtet die Annahme einer Härtefallsituation der ganzen Familie
rechtfertigen. Den Kindern ist dabei besonderes Augenmerk zu widmen, das heisst
deren fortgeschrittener sozialer und schulischer Integration wird besonderes Gewicht
beigemessen (BVGE C 930/2009 vom 5. Dezember 2012 E. 4.4). Ein Anspruch auf
Erteilung einer Härtefallbewilligung besteht nicht. Nach der kantonalen Praxis ist eine
dauerhafte wirtschaftliche Existenz anzustreben; berücksichtigt werden dabei die
Prognose hinsichtlich Sozialhilfeabhängigkeit und Arbeitswillen. Im Weiteren bedarf die
Erteilung einer Härtefallbewilligung der Zustimmung des SEM (vgl. Art. 30 Abs. 2 und
Art. 99 AuG, Art. 85 Abs. 1 und 2 VZAE und Art. 5 lit. d der Verordnung des EJPD über
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die dem Zustimmungsverfahren unterliegenden ausländerrechtlichen Bewilligungen
und Vorentscheide, SR 142.201.1).
2.1. Die Beschwerdeführerin 1 reiste im Januar 1998 im Rahmen eines
Familiennachzugs zu ihrem damaligen Ehemann in die Schweiz und erhielt eine
Aufenthaltsbewilligung (vgl. vi-act. 13 Dossier Beschwerdeführerin 1 S. 1). Bis zu ihrer
Ausreise im November 2016 hielt sie sich somit knapp 19 Jahre in der Schweiz auf.
Ihre Tochter – die Beschwerdeführerin 2 – kam am 20. August 2001 in der Schweiz zur
Welt und verbrachte ihr gesamtes Leben in der Schweiz und hat hier die Schulen
besucht (vgl. vi-act. 13 Dossier Beschwerdeführerin 2 S. 158 ff.). Sie ist daher im
Wesentlichen in der Schweiz sozialisiert worden. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung kann zwar nicht von einer bestimmten Aufenthaltsdauer an
schematisierend eine besondere, einen Anspruch auf die Erteilung eines
Anwesenheitsrechts begründende Verwurzelung in den hiesigen Verhältnissen
angenommen werden. Die relativ lange Anwesenheit der Beschwerdeführerinnen in der
Schweiz erscheint aber als ein gewichtiger Umstand, welcher für die Erteilung der
anbegehrten Aufenthaltsbewilligung sprechen kann. Diese ist bei der Beurteilung des
konkreten Falls hinsichtlich der Anforderungen an das Vorliegen besonderer Umstände
wie etwa einer überdurchschnittlichen Integration oder anderer Faktoren zu
berücksichtigen, welche die Rückkehr bzw. eine Wiedereingliederung ins Heimatland
als ausgesprochen schwierig erschienen lassen (vgl. VerwGE B 2016/47 vom
26. Oktober 2017 E. 2.2, www.gerichte.sg.ch).
2.2. Vor der Geburt der Tochter arbeitete die Beschwerdeführerin 1 knapp zwei Jahre
als Raumpflegerin (vgl. vi-act. 13 Dossier Beschwerdeführerin 1 S. 40); ab August 2000
war sie arbeitslos (vgl. vi-act. 13 Dossier Beschwerdeführerin 1 S. 49). Am 7. Februar
2005 trat sie sodann eine Teilzeit-Arbeitsstelle als Reinigerin an (vgl. vi-act. 13 Dossier
Beschwerdeführerin 1 S. 68). Ab Dezember 2013 bezog sie Arbeitslosentaggelder,
wobei der versicherte Verdienst lediglich CHF 841 betrug (vgl. vi-act. 13 Dossier
Beschwerdeführerin 1 S. 183). Nachdem die Rahmenfrist für den Bezug von
Arbeitslosentaggeldern am 1. Dezember 2015 abgelaufen war, trat die
Beschwerdeführerin 1 im. Januar 2016 eine Teilzeitarbeitsstelle an (vgl. vi-act. 13
Dossier Beschwerdeführerin 1 S. 335, 390). Bereits im November 2010 beliefen sich die
Verlustscheine zulasten der Beschwerdeführerin 1 auf einen offenen Betrag von
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insgesamt CHF 42‘293.90 (vgl. vi-act. 13 Dossier Beschwerdeführerin 1 S. 103 f.). Am
10. Januar 2012 wurde die Aufenthaltsbewilligung letztmals erneuert, wegen ihrer
Verschuldung jedoch lediglich unter der Bedingung, dass sie sich klaglos verhalte, die
bestehenden Schulden nach ihrer Möglichkeit tilge, keine neuen Schulden verursache
und einer geregelten Erwerbstätigkeit nachgehe (vgl. vi-act. 13 Dossier
Beschwerdeführerin 1 S. 128). Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Frauenfeld vom
31. Mai 2013 wurde sie der einfachen Verkehrsregelverletzung schuldig gesprochen
und zu einer Busse von CHF 260 verurteilt, nachdem sie auf der Autobahn die
zulässige Höchstgeschwindigkeit um 23 km/h überschritten hatte (vgl. vi-act. 13
Dossier Beschwerdeführerin 1 S. 148 f.). Bereits mit Entscheid vom 28. Juni 2016
stellte das Verwaltungsgericht fest, trotz ihrer langen Aufenthaltsdauer in der Schweiz
seien keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass sie sich in der Schweiz beruflich oder sozial
gut integriert hätte (vgl. VerwGE B 2015/62 vom 28. Juni 2016 E. 4.2,
www.gerichte.sg.ch). Dass sich daran mit der Zusicherung des ehemaligen
Arbeitgebers, der Beschwerdeführerin 1 Hand zu bieten für eine neuerliche
Beschäftigung, etwas ändern sollte, erscheint zweifelhaft. Hinzu kommt, dass die
Zusicherung äusserst vage formuliert ist und zurzeit offensichtlich keine offenen Stellen
zu besetzen sind (vgl. act. 10). Die Beschwerdeführerin 1 verbrachte sodann die
prägenden Kinder- und Jugendjahre in ihrem Heimatland. Sie anerkennt denn auch,
vom Wegweisungsentscheid weniger hart betroffen zu sein wie ihre Tochter, da sie
effektiv in ihr Herkunftsland zurückkehre und nicht einen vollständigen Neuanfang in
einem ihr fremden Land leisten müsse. Weshalb sich ihre Situation aufgrund der
Scheidung von ihrem Ehemann massgeblich verändert haben soll, legt sie nicht näher
dar. Die Beschwerdeführerin 1 erfüllt folglich die Voraussetzungen für die Erteilung
einer Härtefallbewilligung nicht. Es ist jedoch notwendig, ihre Situation in Bezug auf
diejenige ihrer Tochter zu untersuchen (vgl. BGer 2A.679/2006 vom 9. Februar 2007
E. 4.2).
2.3. Die Beschwerdeführerin 2 ist im August 2001 in der Schweiz geboren und lebte bis
zu ihrer Ausreise im November 2016 in der Schweiz. Bereits bei der Prüfung der
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung war unbestritten und ist nach wie vor
nachvollziehbar, dass ihr die Ausreise nach Serbien wesentlich schwerer fallen werde
bzw. schwergefallen ist. Das Verwaltungsgericht hielt jedoch weiter fest, dass es ihr
nicht unzumutbar sei, mit ihrer Familie nach Serbien zurückzukehren. Nach eigenen
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Angaben habe sie die Beziehung zu den dort lebenden Verwandten und Bekannten
gepflegt. Auch sei sie der albanischen oder serbischen Sprache mächtig und durch
ihre Eltern mit der Kultur in deren Herkunftsland vertraut (vgl. VerwGE B 2015/62 vom
28. Juni 2016 E. 4.2, www.gerichte.sg.ch). Daran hat sich nichts geändert.
Insbesondere lebt ihr Vater in Serbien, welchem bei der Scheidung das Recht
eingeräumt wurde, jedes zweite Wochenende mit seiner Tochter zu verbringen (vgl. vi-
act. 13 Dossier Beschwerdeführerin 1 S. 425). Dass in der Schweiz ebenfalls
Verwandte leben, begründet noch keine Annahme eines Härtefalls. Weiter wäre die
Beschwerdeführerin 2 – auch wenn sie gewillt ist, in der Schweiz eine Ausbildungsstelle
zu suchen und später am Wirtschaftsleben teilzuhaben – finanziell von ihrer Mutter
abhängig, deren finanziellen Verhältnisse – wie dargelegt – nicht gesichert sind. Wie die
Vorinstanz zu Recht erkannt hat, handelt es sich bei den geschilderten Schwierigkeiten,
sich im Heimatland einzugliedern, um allgemeine Konsequenzen, die für einen Grossteil
von Ausländern und deren Kinder gelten, die in ein Land zurückkehren müssen, das
ihnen nicht dieselben finanziellen Möglichkeiten bieten kann wie die Schweiz. Und es
handelt sich dabei letztlich um eine ähnliche Art von Schwierigkeiten, die gleichaltrige
Kinder bei einem Familiennachzug oder sonstiger Einreise in die Schweiz zu
überwinden haben, ohne dass dies als unüberwindbares Hindernis wahrgenommen
würde (vgl. BGer 2F_21/2017 vom 11 Juni 2018 E. 5. 3). Es ist verständlich, dass
Personen wie die Beschwerdeführerin 2, welche in der Schweiz geboren sind, hier die
Schule besucht haben und aufgrund ihrer Minderjährigkeit bei Rückkehr der Eltern ins
Heimatland diesen folgen müssen, zunächst mit ihrem Schicksal hadern. Es wäre
jedoch am Gesetzgeber gelegen gewesen, für solche Fälle eine generelle
Ausnahmeregelung zu treffen. Die Bestimmung von Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG kann
hierfür jedoch nicht angerufen werden; wie dargelegt, sind die Voraussetzungen des
persönlichen Härtefalls restriktiv handzuhaben. Zwar ist gestützt auf Art. 3 Abs. 1 des
Übereinkommens über die Rechte des Kindes (SR 0.107, KRK) das Kindeswohl bei
allen Massnahmen, die Minderjährige betreffen, ein Aspekt von vorrangiger Bedeutung.
Die verfassungs- und staatsvertragsrechtliche Pflicht zur Wahrung des Kindeswohls
gibt jedoch keinen Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung in demjenigen Land, in
welchem der höchste Standard der finanziellen bzw. sozialen Unterstützung oder
medizinischen Behandlung gewährleistet ist. Schliesslich ist das Kindeswohl im
Herkunftsland gewährleistet und nicht gefährdet (VerwGE B 2016/101 vom 23. August
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2016 E. 3.1 und 3.3, a.a.O.; T. Hugi Yar, Von Trennungen, Härtefällen und Delikten –
Ausländerrechtliches rund um die Ehe- und Familiengemeinschaft, in: Achermann/
Amarelle/Caroni/Epiney/Kälin/Uebersax [Hrsg.], Jahrbuch für Migrationsrecht
2012/2013, S. 31 ff., S. 128; BGE 139 I 315 E. 2.4). Was die gesundheitlichen Probleme
der Beschwerdeführerin 2 anbelangt, so ist deren Behandlung gemäss dem
eingereichten ärztlichen Fachbericht und nach ständiger Rechtsprechung auch in
Serbien gewährleistet (vgl. vi-act. 13 Dossier Beschwerdeführerin 2 S. 313; BVGer
D-503/2014 vom 12. März 2015 E. 7.3.2, E-3868/2014 vom 19. August 2014 E. 7.3.2,
E-1723/2008 vom 20. März 2012 E. 8.4.5). Weiter stehen die aufgezeigten
medizinischen Probleme der Beschwerdeführerin 2 vor allem im Zusammenhang mit
dem Verlust von Lebensperspektiven in der Schweiz und der vollzogenen Wegweisung
(vgl. vi-act. 13 Dossier Beschwerdeführerin 2 S. 312). Die dargelegten Probleme der
Beschwerdeführerin 2 erscheinen damit nicht als Ausdruck einer vorbestehenden
schweren Krankheit, welche die Rückkehr ins Heimatland unzumutbar erscheinen
liessen. Es ist vielmehr zu erwarten, dass sich die Situation nach Wegfall der
Ungewissheit nach der ersten Eingewöhnung allmählich wieder normalisieren wird (vgl.
BVGE C-3743/2012 vom 4. Juni 2014 E. 7.5).
2.4. Gesamthaft betrachtet erscheint der Schluss der Vorinstanz, die Voraussetzungen
zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG seien bei
den Beschwerdeführerinnen nicht erfüllt, nicht als rechtsfehlerhaft. Der Vorinstanz kann
weder ein Ermessensmissbrauch noch eine ungenügende Feststellung des
Sachverhalts vorgeworfen werden. Damit fehlt es auch an einem Anlass, dem SEM ein
Gesuch um Zustimmung zu einer Härtefallbewilligung für die Beschwerdeführerinnen
zu unterbreiten. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
3.
3.1. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten den
Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2‘000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Auf die Erhebung ist angesichts der ausgewiesenen prozessualen
Bedürftigkeit der Beschwerdeführerinnen in Anwendung von Art. 97 VRP zu verzichten.
Damit ist ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne eines Verzichts auf
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amtliche Kosten gegenstandslos. Kostenvorschüsse sind keine zurückzuerstatten. Eine
ausseramtliche Entschädigung an die Beschwerdeführerinnen fällt bei diesem
Verfahrensausgang ausser Betracht (Art. 98 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 98 VRP).
3.2. Die Beurteilung eines Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege zusammen mit
dem Endentscheid ist insbesondere in denjenigen Fällen nicht zu beanstanden, in
denen das Gesuch mit der Eingabe in der Hauptsache verbunden wird und, wie
vorliegend (vgl. Beschwerdeergänzung vom 30. April 2018, act. 9), keine weiteren
Vorkehren der Rechtsvertreterin erforderlich sind (vgl. BGer 4A_20/2011 vom 11. April
2011 E. 7.2.2 mit Hinweis). Die unentgeltliche Rechtsverbeiständung wird gewährt,
wenn der Gesuchsteller bedürftig und das von ihm angestrebte Verfahren nicht
aussichtslos ist (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 117 ZPO, und Art. 29 Abs. 3
erster Satz BV). Eine Person gilt dann als bedürftig, wenn sie die Kosten eines
Prozesses nicht aufzubringen vermag, ohne jene Mittel anzugreifen, die für die
Deckung des eigenen notwendigen Lebensunterhalts und desjenigen ihrer Familie
erforderlich sind (vgl. BGE 141 III 369 E. 4.1 mit Hinweisen und Richtlinie zur
unentgeltlichen Rechtspflege im Zivilprozess und für die Privatklägerschaft im
Strafprozess des Kantonsgerichts vom Mai 2011, www.sg.ch). Als aussichtslos sind
Begehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als
die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können.
Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und
Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese.
Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger
Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Eine Partei soll einen Prozess, den
sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen
können, weil er sie nichts kostet. Diese vom Bundesgericht zum Begriff der
Aussichtslosigkeit gemäss Art. 29 Abs. 3 BV entwickelte Praxis ist auch für die
Auslegung von Art. 117 Ingress und lit. b ZPO zu berücksichtigen (vgl. BGE 138 III 217
E. 2.2.4 mit Hinweis). Weiter muss die unentgeltliche Verbeiständung im Sinne von
Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO und Art. 29 Abs. 3 zweiter Satz BV zur gehörigen
Wahrnehmung der Parteiinteressen notwendig sein (BGE 128 I 225 E. 2.3 mit
Hinweisen). Die bedürftige Partei hat Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung,
wenn ihre Interessen in schwerwiegender Weise betroffen sind und der Fall in
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bietet, die den Beizug eines
bis
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Rechtsvertreters erforderlich machen. Droht das in Frage stehende Verfahren
besonders stark in die Rechtsposition der betroffenen Person einzugreifen, ist die
Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters grundsätzlich geboten, sonst nur
dann, wenn zur relativen Schwere des Falles besondere tatsächliche oder rechtliche
Schwierigkeiten hinzukommen, denen der Gesuchsteller auf sich alleine gestellt nicht
gewachsen wäre (BGE 130 I 180 E. 2.2 mit Hinweisen).
Die prozessuale Bedürftigkeit der Beschwerdeführerinnen ist ausgewiesen. Hingegen
waren die Gewinnaussichten des von ihnen angestrebten Verfahrens – zum Zeitpunkt
der Gesuchseinreichung (vgl. BGE 140 V 521 E. 9.1 mit Hinweisen) – beträchtlich
geringer als die Verlustgefahren. Das Verwaltungsgericht hat sich mit Entscheid vom
28. Juni 2016, welcher unangefochten in Rechtskraft erwachsen ist, eingehend mit den
Schwierigkeiten, welchen die Beschwerdeführerinnen bei einer Rückkehr in ihr
Heimatland konfrontiert sind, auseinandergesetzt. Unter Berücksichtigung, dass der
Begriff des schwerwiegenden persönlichen Härtefalls restriktiv auszulegen ist,
vermögen die neu vorgebrachten Gründe offensichtlich nichts daran zu ändern. Dem
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im
Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht kann dementsprechend wegen
Aussichtslosigkeit nicht entsprochen werden (vgl. hierzu BGer 2C_336/2015 vom
21. April 2016 E. 4).