Decision ID: 2d1ddefe-b429-5f6b-a7c2-90318d472c69
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1946,
war
ab 30. April 2011
im
Saisonnier
status
als Maurer bei
der
Y._
angestellt und
dadurch
bei der
Schweize
ri
sche
n
Unfallversicherungsanstalt
(SUVA)
gegen die Folgen von Unfällen
obli
ga
to
risch
versichert
.
Am 10.
August 2001 übertrat er sich beim Treppensteigen den rechten Fuss
und konsultierte gleichentags
Dr. med.
Z._
, Fachärztin
für Allgemeine Innere Medizin,
welche
eine
Arbeitsunfähigkeit bis 2
0
. August 2001
attestierte
und die Behandlung
anlässlich der dritten Nachkontrolle vom 25. August 2001 ab
schloss
(Urk.
2/
8/
1-4, Urk.
2/
8/11
, Urk. 2/8/54 S. 2
).
Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen.
1.2
Im Zu
sammenhang mit einem am 25.
Juni 2002 erlittenen Auffahrunf
all war der Versicherte vom 22. April bis 5.
Mai 2004 in der
A._
hospitalisiert, wo auch eine aktivierte Arthrose am oberen Sprunggelenk (OS
G) rechts diagnostiziert wurde
(
Bericht vom 24.
Mai 2004
[
Urk.
2/
8/50/1-3
]
).
Wegen Schmerzen im rechten OSG be
gab sich der Versicherte am 18.
August
2005 in die Fusssprechstunde der
A._
, deren Ärzte
die Dia
gnose einer
fortgeschrittene
n
posttraumatische
n
Arthrose am OSG und am unteren Sprunggelenk (USG
) rechts bei Verdacht auf
Pilon
tibiale
-
Fraktur
stell
ten
(
Bericht vom
7.
September 2005
[
Urk.
2/
8/5
]
). Gleichenorts
wurde
n
am
21.
Mai 2007
eine korrigierende
supramalleoläre
Tibiaosteotomie
mit Einlage
autol
oger
Tibiaspongiosa
und
closing
wedge-
Fibulaosteotomie
rechts, eine per
ku
tane Achillessehnenverlängerung rechts und eine ventrale
Osteophytenabtra
gung
rechts
durchgeführt
(
B
eri
chte vom 29. und 31.
Mai 2007
[
Urk.
2/
8/58,
Urk.
2/
8/61
]
).
Gestützt
auf die
kreisärztliche
Beurteilung
von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chi
rurgie, Spor
tmedizin
–
Phlebologie
, vom 21.
Dezember 2006
(Urk.
2/
8/18)
ver
nein
te
die SUVA mit Verfügung vom 18.
Juli 2007
(Urk.
2/
8/
65
)
, bestätigt durch
E
insprachee
nts
cheid
vom 19. November 2007 (Urk. 2/8/78),
ihre
diesbezügliche
Leistungspflicht mangels eines natürlichen Kausalzusammenhangs zum Unfall vom 10. August 2001.
Die dagegen erhobene Beschwerde des Versicherten hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 16.
November 2009
(Urk. 2/8/81/1
; Prozess
UV.2007.00551
mit Einreichung des von der Invalidenversicherung veranlassten
Gutachten
s
von
Dr. med.
C._
, FMH für orthopädische Chirurgie, Sporttraumatologie, vom
19. September 2008 [
Urk. 2/8/81/4
]
)
in dem Sinne gut, dass
es
die Sache zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung an
die SUVA zurückwies.
1.3
In der
Folge
veranlasste
die SUVA
eine Aktenbeurteilung ihrer Abteilung Ver
sicherungsmedizin, welche
Dr. med.
D._
, Facharzt für Chirurgie FMH und Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappara
tes,
am
2
1.
April 2010 (Urk. 2/8/92)
erstattete.
Gestützt darauf wies
sie
mit Ver
fügung vom 8.
November 2010
(Urk.
2/
8/105)
das Leistungsbegehren des Ver
si
cherten erneut ab und
bestätigte dies auf Einsprache hin mit
E
ntscheid vom 13.
Januar 2011
(
Urk.
2/2
)
, wobei
sie auch
dessen
Gesuch um unentgeltliche
Verbeiständung
wegen Aussichtslosigkeit d
er Einsprache
abschlägig entschied
.
Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich wies
die dagegen erhobene Be
schwerde
(Urk. 2/1)
und
–
wegen Aussichtslosigkeit des Rechtsmittels
–
das mit ihr gestellte Gesuch um unentgeltliche
Verbeiständung
für das
kantonale
Ver
fahren
mit Urteil vom
22.
August 2012
(Urk.
2/
17
; Prozess
UV.2011.00041
) ab.
2.
Mit Urteil 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 (Urk. 1) hob das Bundesgericht den Entscheid des hiesigen Gerichts
vom 22. August 201
2
auf und wies die Sa
che
zur Einholung eines Gerichtsgutachtens und neuer Entscheidung an dieses zurück.
3.
In Nachachtung des bundesgerichtlichen Urteils
gab
das hiesige Gericht
bei
der
E._
, Zentrum für Fusschirurgie, namentlich bei
Dr. med.
F._
, Chefarzt, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Trauma
to
logie des Bewegungsapparates, Dr. med.
G._
, Leitende Ärztin, und prakt.
med.
H._
, Assistenzärztin,
ein
Gutachten in Auftrag
,
wel
che
s
a
m 1
1. März 2015 (Urk. 29)
erstattet
wurde
.
Mit Verfügung vom 11. Mai 2015 (Urk. 37) wies das Gericht das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtsvertretung
für das
vorliegende
Ver
fahren
ab, was unangefochten blieb. Gleichzeitig
gab es den
Parteien Gelegen
heit,
sich
zum G
erichtsg
utachten zu
äussern
.
In diesem Rahmen reichte der Beschwerdeführer m
it Eingabe
n
vom 12.
und 25.
August 2015 (Urk. 41
, Urk. 43
) das in portugiesischer Sprache verfasste
orthopädische
Parteigutachten von Prof. Dr.
I._
vom
30. Juli 2015
samt
deutsche
r
Überset
zung
(Urk. 42/1
-
2)
und Röntgenaufnahmen (Urk. 44/1-3) ein
und beantragte die Anordnung eines
gerichtlichen
Obergutachtens.
Zuvor hatte die SUVA am
12. Juni 2015 (Urk. 39)
auf
Abweisung der Beschwerde
geschlossen
.
Die
se
Ein
gaben wurden der jeweiligen Gegenpartei
am
9
. September 2015
(Urk.
45
)
zur Kenntnis ge
bracht.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die massgeblichen rechtlichen Grundlagen zu
de
m
für die Leistungspflicht des Unfallversicherers nebst anderem vorausgesetzten natürlichen Kausalzusam
menhang zwischen Unfall
ereignis
und Schaden (BGE 129 V 177 E. 3.1
mit Hin
weisen
), insbesondere bei Rückfällen und Spätfolgen (Art. 11 der Verordnu
ng über die Unfallversicherung [
UVV
]
; BGE 118 V 293 E. 2c
mit Hinweisen
), sowie
zu den zu beachtenden Beweisregeln, namentlich
zum Beweiswert eines ärztli
chen Berichts (BGE 125 V 351 E. 3
a, 122 V 157 E. 1c
) und
zum
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1
mit Hinweisen
)
,
wur
den im Urteil des
hiesigen G
erichts
vom 22. August 2012
(Urk. 2/17
, vgl. dort
E. 1.2-1.4
)
dargelegt. Darauf
wird verwiesen
.
1.
2
Ergänzend ist festzuhalten, dass das Gericht
bei
Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute
abweicht
, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerich
tsbar
keit zur Verfügung zu stel
len, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss
folgerungen gelangt. Abweichende Be
urteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusse
rungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüs
sig
keit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprü
fung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für ange
zeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
).
2
.
2.1
Strittig und zu prüfen ist die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die
rückfallweise geltend gemachten
Beschwerden am rechten
Sprunggelenk
und dabei namentlich die Frage, ob diese in einem natürlichen Kausalzusammen
hang zu
de
m bei ihr versicherten Unfall
ereignis
vom 10. August 2001 stehen.
2.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 13.
Januar 2011
(Urk. 2/2) die
Rück
fallkausalität und stützte sich dabei
mass
ge
blich
auf die Aktenbeurteilung des in ihrer Abteilung Versicherungsmedizin tätigen Dr.
D._
vom 21. April 2010
(Urk. 2/8/92)
.
Dieser Entscheid wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 22.
August 2012
(Urk. 2/17) bestätigt.
2.3
Das Bundesgericht
hat
im
hierauf ergangenen
Urteil 8C_815/2012 vom 21. Okto
ber 2013
(Urk. 1
, vgl. dort E. 3.3
)
erwogen,
unter der vom hiesigen
Gericht
mit
E
ntscheid vom 16. November 2009 (Urk. 2/8/81/1
, vgl. dort S. 6 Mitte
)
angeordneten Beweismassnahme, wonach „eine umfassende, präzise und nach
vollziehbare medizinis
che Beurteilung“ einzuholen sei,
habe kein
versiche
rungs
in
terner
Bericht ohne Untersuchung des Versi
cherten verstanden werden kön
nen, wie ihn Dr.
D._
am 21. April 2010
erstellt habe. Aber auch ein
ver
si
che
rungsexternes
Aktengutachten hätte
– so das Bundesgericht –
nicht genügt
. Vernünftigerweise könne der
Rückweisungse
ntscheid des hiesigen Gerichts nur so verstanden werden, dass der Unfallversicherer damit gehalten wor
den sei, eine versicherungsexterne, eine Untersuchung des Versicherten ein
schliesse
nde Begutachtung zu veranlassen.
Infolge dessen
hob
das Bundesge
richt
den Ent
scheid des hiesigen Gerichts vom 22. August 2013 (Urk. 2/17)
auf und wies die Sache zur Einholung eines Gerichtsgutachtens und neuer Ent
scheidung an
die
ses
zurück.
3.
3.
1
Im hernach durch das Gericht eingeholten Gutachten der
E._
vom
11. März 2015 (Urk. 29)
stellten
die Sachverständigen
von fussorthopädischer Seite die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 71):
Schwere posttraumatische Arthrose oberes Sprunggelenk rechts
Posttraumatischer fixierter
Pes
equinus
(Spitzfuss) von etwa 10° rechts
Subtalar
-Arthrose rechts mit/bei
Zustand nach dislozierter mehrfragmentärer intraartikulärer
Sprung
gelenksfraktur
rechts unbekannten Datums (Ereignis
vor
dem
10.
08.
2001)
mit Beteiligung der distalen Tibia und der distalen Fibula sowie Beteiligung der
tibialen
Gelenkfläche, in zirka 12°
Varus
- und leichter
Recurvatio
-Fehlstellung konsolidiert
St. n. Distorsionstrauma oberes Sprunggelenk rechts vom 10.08.2001 mit Verdacht auf laterale Kapselbandläsion oberes Sprunggelenk
St. n.
supramalleolärer
Umstellungsosteotomie oberes Sprunggelenk rechts vom 21.05.2007 (Tibia-Osteotomie [open
wedge
] mit
Platten
osteo
syn
these
[
Osteosynthesematerial
in situ], Fibula-Osteotomie [
clo
sing
wedge
], Abtragung ventraler
Osteophyten
oberes Sprunggelenk,
percu
ta
ne
Achillessehnenverlängerung)
D
ie Gerichtsgutachter
führten
in ihrer
„Zusammenfassung und Beurteilung“ (S. 55
ff.) insbesondere
aus,
das ihnen zur Verfügung stehende Röntgenbild des rechten Sprunggelenks vom Unfalltag zeige eine vorbestehende
Varus-Fehlstel
lung
des Rückfusses
mit Knickbildung
supramalleolär
, ausserdem
eine
vorbeste
hende
posttraumatische Arthrose des oberen Sprunggelenks.
Ursache
sowohl der Fehlstellung als auch der Arthrose
sei eine
ebenfalls auf diesem Röntgenbild er
kennbare
konsolidierte
mehrfragmentäre, intraartikuläre Sprun
ggelenksfraktur älteren Datums.
Dass sich die Fraktur längere Zeit
vor dem Unfall vom 10. August 2001 ereignet habe, sei anhand der abgeschlossenen
Knochenhei
lung
mit Ausbildung eines definitiven periostalen Kallus an der
medialseitigen
Tibia zum Ausgleich ihrer statisch ungünstigen
Varus
-Feststellung belegbar.
Entgegen den Angaben des Beschwerdeführers müsse sich – vom
Röntgenbe
fund
her mindestens ein Jahr, möglicherweise auch viele Jahre, zumal die Progression von
Osteoarthrosen
bei
varischem
gegenüber
valgischem
Rückfuss
(
X
Rück
fuss
) in geringerem Masse stattfinde
– vor dem Unfall vom 10. August 2001 eine Sprunggelenksfraktur rechts ereignet haben.
Den Notizen
von
Dr.
Z._
lasse sich entnehmen, dass sie von einer Ver
let
zung des Aussenbandapparates des oberen Sprunggelenks mit Beteiligung vor
allem des mittleren der drei Aussenbänder (Ligamentum
fibulocalcaneare
) aus
gegangen sei. Aussenbandverletzungen würden meist durch
Supinations
trau
mata
(Umknicken nach aussen) verursacht, wobei ein
Rückfuss
varus
(O-för
mige Fehlstellung des Rückfusses) mit vermehrter Belastung der lateralen
Fuss
säule
als prädis
ponierender Faktor gelte.
Im Nachhinein sei es ihnen – so die Gutachter der
E._
– anhand der vorliegenden Unterlagen nicht möglich zu bestimmen, welche Strukturen des lateralen Kapselbandapparates in welchem Ausmass beim Unfall vom 10. August 2001 verletzt worden seien – ob es beispielsweise zu einer Ruptur oder nur zu einer Zerrung des Kapselbandapparates gekommen sei. Hinsichtlich der Erholungszeit sei nach Distorsionen unter adäquater Therapie (abschwel
lende Massnahmen mit Hochlagerung und Kühlung,
nichtsteroidale
Antiphlo
gistika, OSG-Schnürbandage, Physiotherapie) damit zu rechnen, dass die
Lauf
fähigkeit
nach acht bis zwölf Wochen wieder gegeben sei. Erfahrungsgemäss gäben sich Restbeschwerden innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Der Beschwerdeführer habe die Arbeit auf der Baustelle bereits elf Tage nach dem Unfall wieder aufgenommen, vier Tage danach habe eine weitere (letzte) Kon
trolle stattgefunden. Da hierbei keine weiteren Massnahmen in die Wege gelei
tet worden seien, sei es eher unwahrscheinlich, dass es bei der Distorsion zu einer massgeblichen Verletzung des oberen Sprunggelenks gekommen sei.
Frakturen wie auch Kapselbandzerreissungen im Sprunggelenksbereich
gingen in der überwiegenden Zahl der Fälle mit schmerzhaften Weichteilschwellungen einher, wobei Schwellungen des Weichteilmantels – je nach Projektion – auch radiologisch zur Darstellung kommen würden. Eine signifikante Schwellung des Weichteilmantels sei auf der vorliegenden Unfallaufnahme aber nicht beweis
bar. Darüber hinaus würde eine ausgeprägte Schwellung, wie sie in der Regel
mit einer knöchernen Verletzung oder instabilen Bandverletzung einhergehe, das Tragen des auf der Baustelle erforderlichen Schuhwerks kaum erlauben. B
ei
Arbeiten im Sitzen – in diesem Fall auf einem Gerüst mit herabhängendem Fuss (vgl. dazu Gutachten S. 31 f.)
–
nehme die Schwellung zudem im Tagesverlauf zu.
Wann die Arbeit auf der Baustelle nach zunächst leichter Tätigkeit im Sitzen im Verlauf wieder im normalen Umfang habe aufgenommen werden können, sei bei der Befragung des Beschwerdeführers nicht
eruierbar
gewesen. Weitere Arztbesuche wegen der Sprunggelenksverletzung vom 10. August 2001 hätten nach Abschluss der Behandlung bei Dr.
Z._
am 25. August 2001 zu
nächst nicht stattgefunden. Indirekte Hinweise, dass Beschwerden im Bereich des rechten Sprunggelenks vorgelegen hätten, seien erst wieder im
Austritts
be
richt
der
J._
(vgl. Urk. 2/8/36/17-22 S. 6)
zu finden, wo sich der Beschwerdeführer nach einem Auffahrunfall mit Distorsionstrauma der Halswirbelsäule vom 22. Ok
tober bis 27. November 2002 aufgehalten habe
.
Unter Zusammenfassung sämtlicher Überlegungen und vor allem auf der Grund
lage des Röntgenbefundes vom
Unfalltag
habe
sich
der Beschwerdeführer am
10. August 2001
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
eine Distorsion des oberen Sprunggelenks rechts mit Verletzung des lateralen Kapselbandapparates zugezogen. Aufgrund des weiteren Verlaufs mit einer Arbeitsunfähigkeit von nur zehn Tagen nach dem Unfall und auf Grundlage des fast unveränderten Röntgenbefundes vom 28. April 2004 sei es unwahrscheinlich, dass es damals zu einer massgeblichen Verletzung gekommen sei, welche den vorbestehend posttraumatischen Vorzustand richtungsgebend beeinflusst habe. Vorbestehend habe eine posttraumatische
Varus
-Fehlstellung des Rückfusses von etwa 12° mit fortgeschrittener posttraumatischer Arthrose des oberen Sprunggelenks vorgele
gen.
Ursache dieser posttraumatischen Veränderungen
sei
eine in
Varus-Fehl
stellung
konsolidierte Sprunggelenksfraktur älteren Datums
gewesen
.
Der Unfall habe lediglich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des
Vor
zu
standes
geführt (S. 74), wobei der Status quo sine zwei bis drei Monate nach dem Unfall, das heisst spätestens Ende Oktober 2001, erreicht gewesen sei (S. 75). Die ab April 2004 bis aktuell aufgetretenen gesundheitlichen Beein
träch
tigungen seien sicher nicht auf den Unfall vom 10. August 2001 zurück
zuführen (S. 76).
3
.
2
Prof. Dr.
I._
führte im orthopädischen Parteigutachten vom 30. Juli 2015 (Urk. 42/1-2)
unter dem Titel
„Erläuterung“ (S. 4 f.)
zu
r Unfallkausalität
aus,
der
Beschwerdeführer
habe beim
E
reignis
vom
10. August 2001 eine
n
auf der Röntgenaufnahme vom selben Datum deutlich sichtbare
n
schwere
n
Trümmerbruch des rechten Fussgelenks
(
Trümmerfraktur des rechten
Tibiotalargelenks
respektive
Pilon
tibiale
-Fraktur
; vgl. Parteigutachten S. 1)
erlitten
,
deren
unsachgemäss
e Behandlung
(für die Schwere des erlittenen Bruchs zu kurze Ruhigstellung im Gips und anschliessende Mobilisation mit Gehhilfen ohne Belastung des gebrochenen Gliedmasses; vgl. Parteigutachten S. 1 f.)
eine schwere posttraumatische und bewegungseinschränkende Arthrose des rechten Sprunggelenks zur Folge gehabt habe.
Es
bestünden keine Zweifel
im Hinblick auf den
Kausalzusammenhang
zwi
schen dem
am 10. August 2001 erlittenen
Trauma
beziehungsweise
der damals erlittenen Fraktur und der
aktuell vorliegenden Arthrose des rechten Sprungge
lenks. De facto sei der Beschwerdeführer stets bei guter Gesundheit gewesen und habe immer ohne jegliche Einschränkung in seinem Beruf im Baugewerbe gearbeitet bis
zum Unfall vom 10. August 2001.
Erwartungsgemäss sei es
zu einer Verzögerung des Heilungsprozesses gekom
men
, wobei sich
mit der Zeit eine Fehlstellung mit leichter
Varumstellung
des Sprunggelenks und eine deutliche
tibio-peroneale
Diastase konsolidiert
hätten
. Da der Beschwerdeführer nach dem 10. August 2001 nicht operiert worden sei, habe sich die klinische Situation nach der Fraktur zu einer
tibio-peronealen
Arthrose am Sprungbein entwickelt. Die relativ spät erfolgte Operation vom 21. Mai 2007 habe die Entwicklung einer schweren posttraumatischen Arthrose des rechten Sprunggelenks nicht verhindern können. Diese sei somit direkt und in vollem Umfang der schweren Fraktur zuzuschreiben, welche sich der Be
schwer
deführer am 10. August 2001 zugezogen habe.
4
.
4.1
Das Gutachten der
E._
vom 11. März 2015
erfüllt die
praxisge
mässen
Anforderungen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a) an eine beweiskräftige medi
zinische Entscheidungsgrundlage. Es
ist für die strittige
Frage der
Rückfallkau
salität
umfassend, erging in Kenntnis der relevanten medizinischen
Vorakten
sowie
unter Berücksichtigung
sowohl
der ge
klagten Beschwerden als
auch der Ergebnisse der eigenen klinischen und bildgebenden Untersuchungen
, welche im Beisein einer Dolmetscherin stattfanden
. Sodann vermag es in der Darlegung der medizinischen Verhältnisse
und
in den Schlussfolgerungen zu überzeugen
.
Namentlich setzten sich d
ie Gerichtsgutachter sorgfältig mit de
n
medizinischen Akten, insbesondere mit der von ihnen
selber
eingehend
befundeten
Rönt
gen
aufnahme vom Unfalltag
(
vgl.
G
utachten
S. 48 f
.
)
auseinander und legten
mit
ausführlicher und in allen Teilen einleuchtender Begründung dar
(vgl. E. 3.1
hiervor), das
s
zum
Z
eitpunkt
des Unfalles vom 10. August 2001 am rechten oberen Sprunggelenk ein
erheblicher Vorzustand
in Form einer
in
Varus-
Fehl
stellung
verheilten Fraktur älteren Datums mit
dadurch verursachter
fortge
schrittener
posttraumatischer Arthrose
vorlag
, welcher
indes
durch das fragliche Ereignis
nur vorübergehend, während zwei bis drei Monaten,
verschlimmert wurde.
Damit werden die
vom 21. Dezember 20
06 (Urk.
8/18)
und 21. April 2010 (
Urk. 8/92
) datierenden ärztlichen Einschätzungen der
Dres
.
B._
und
D._
, welche ebenfalls von einer vorbestehenden
, in Fehlstellung verheilten
Fraktur
mit nachfolgender Ausbildung einer Arthrose
ausgingen,
im Wesentli
chen
bestätigt (vgl.
G
utachten
S. 61 f. und S. 65 f.).
Ob es sich dabei um eine
Pilon
tibiale
-Fraktur
–
mithin
um
eine Sonderform der Sprunggelenksfraktur, bei welcher es zu einem intraartikulären Stauchungsbruch der distalen Tibia komm
t
und welche mit einer ausgedehnten Gelenkzerstörung einhergeht (vgl. Gutach
ten S. 60)
–
handelt, ist nicht
entscheidrelevant
, weshalb sich
entspre
chende
Weiterungen erübrigen.
Sodann
nahmen
die Gerichtsgutachter (
vgl. Gutachten
S. 63-65) auch in der gebotenen Weise
zu
den
Berichte
n
der Ärzte der
A._
insbesondere
vom
29. und 31. Mai 2007 (Urk. 2/8/58
,
Urk. 2/8/61) sowie
zu
de
m
im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren er
gangenen
Gutachten
von
Dr.
C._
vom 19. September 2009 (Urk. 2/8/81/4)
Stellung, wobei sie plausibel und schlüssig aufzeigten
, dass und weshalb diese keine gegenteilige Betrachtungsweise zulassen.
4.2
Zwingende Gründe, welche
nach der Rechtsprechung
(vgl. E. 1.2 hiervor)
ein Abwei
chen von
der Einschätzung der Gerichtsgutachter gebieten
würden
,
sind nicht er
sichtlich und wurden auch vom Beschwerdeführer (Urk. 41, Urk. 43) nicht auf
g
ezeigt.
I
nsb
esondere
ergeben sich solche nicht aus der von
ihm
ins Recht gelegten
ortho
pädischen
Expertise des Prof. Dr.
I._
vom
30. Juli 2015 (vgl. E. 3.2 hiervor)
. Die vergleichsweise kurz gehaltenen Ausführungen des Parteigutachters lassen eine hinreichende
Auseinandersetzung mit den
rele
vanten medizinischen
Vorakten
und insbesondere mit dem Gerichtsgutachten vermissen, sodass der Eindruck besteht, er habe davon keine Kenntnis genom
men. Dass
Prof. Dr.
I._
jedenfalls die unfallnahe Akten
lage nicht
hinlänglich
bekannt war, zeigt sich darin, dass er von einer da
nn
zu
mal
durchgeführten
Gipsbehandlung ausging, welche jedoch in den Akten nicht dokumentiert ist und laut Darstellung des Beschwerdeführers gegenüber den
Sachverständigen der
E._
(vgl. G
erichtsg
utachten S. 31 f.)
in jener Zeit
auch nicht statt
gefunden hat
.
Die Röntgenaufnahme vom Unfalltag lag dem Parteigutachter – offensichtlich in Form eines Papierausdrucks anstelle des Originals (Urk. 44/4) – zwar vor, jedoch fehlt es seiner Befundung an einer
Erläuteru
ng der getroffenen
Folgerungen
, weshalb sie nicht prüfend nachvollzo
gen werden kann.
Auch de
m
Umstand, dass die Beschwerden am rechten Fuss nur kurze Zeit nach dem Ereignis vom 11. August 2001 insoweit abgeklungen waren, dass die Arbeit auf dem Bau (wenn auch zunächst mit gewissen Ein
schränkungen) wieder aufgenommen (21. August 2001) und die ärztliche Be
handlung bei Dr.
Z._
nach insgesamt vier Konsultationen ohne
weitere Massnahmen
abgeschlossen (25. August 2001
; Urk. 8/54
) wurde,
trug
Prof.
Dr.
I._
keine Rechnung.
Speziell
legte er nicht dar
, wie sich dies mit der als Unf
allfolge postulierten schweren Gelenksfraktur ver
einbaren lässt.
Soweit er schliesslich die Unfallkausalität bejaht mit der Begrün
dung, der Beschwerdeführer sei bis zum Ereignis vom 10. August 2001 stets bei guter Ge
sundheit gewesen und habe ohne jegliche Einschränkung in seinem Beruf im Baugewerbe gearbeitet
(vgl. jedoch Urk. 8/49)
, läuft seine
Argumenta
tion auf den beweisrechtlich
nicht verwertbaren
Schluss
„
pos
t
hoc, ergo
propter
hoc“ hi
naus
, nach dessen Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetr
eten ist (vgl. BGE 119 V 335 E.
2b/
bb
).
Zusammengefasst erscheint das Parteigutachten nicht als hinreichend stichhal
tig,
um
die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens anzuzweifeln.
Es besteht weder Anlass für die vom Beschwerdeführer (Urk. 41 S. 2 und S. 4) beantragte Anord
nung eines Obergutachtens noch dazu, ohne Einholung eines solchen vom Er
geb
nis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zu ziehen.
4.3
Nach dem Ausgeführten
bleibt es bei der Feststellung, dass die rückfallweise geltend gemachten Beschwerden am rechten Sprunggelenk
keine Folge des
Unfall
ereignisse
s vom
10. August 2001 darstellen und die Beschwerdegegnerin keine Leistungspflicht trifft.
Folglich
erweist sich der angefochtene
Einsprache
entscheid
vom 13. Januar 2011 (Urk. 2/
2
) – nun unter Berücksichtigung der ergänzenden Beweismassnahmen – als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
5.1
Mit BGE 139 V 496 E. 4.4
hat das Bundesgericht für den Bereich der Invaliden
versicherung Kriterien aufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage zu berück
sichtigen sind, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferlegt wer
den können. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem
Unter
suchungsmangel
seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine
Ge
richts
expertise
anzuordnen. Dies sei namentlich in folgenden Konstellationen der Fall: Wenn ein manifester Widerspruch zwischen den verschiedenen, ak
ten
mässig belegten ärztlichen Auffassungen bestehe, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründete Argumente entkräftet h
abe (BGE 135 V 465 E. 4.4
; siehe
auch BGE 139 V 225 E. 4
und Urteil
des Bundesgerichts
8C_71/2013 vom 27
.
Juni 2013 E.
2) oder wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise abgestellt habe, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilu
ngsgrundlage nicht erfülle (BGE
125
V 351 E. 3a
). Wenn die Verwal
tung dagegen den Untersuchungsgrundsatz respektiert und ihre Auffassung auf objektive konvergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer
rechtsgenügli
chen
Expertise gestützt habe, sei die Überbindung der Kosten des erstinstanzli
chen Gerichtsgutachtens an sie nicht gerechtfertigt, aus welchen Gründen dies auch immer erfolge (zum Beispiel aufgrund der Einreichung neuer Arztberichte oder eines Privatgutachtens). Diese Kriterien sind auch im Bereich der Unfall
versicherung
anzuwenden (BGE
1
40 V 70 E. 6; 139 V 225; zum Ganzen vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_719/2014 vom 27. Februar 2015 E. 2.1).
5.2
Laut verbindlicher Feststellung des Bundesgerichts (vgl. E. 2.3 hiervor) war der Sachverhalt mit der dem angefochtenen
Einspracheentscheid
zu Grunde liegen
den versicherungsinternen Aktenbeurteilung des Dr.
D._
vom 21. April 2010
unzureichend abgeklärt, galt es doch ein auf einer persönlichen Untersuchung
des Beschwerdeführers basierendes
Gutachten eines auswärtigen Sachverständi
gen einzuholen. Entsprechend kann nicht gesagt werden, die
Beschwerdegegne
rin
sei ihrer Pflicht zur Vornahme der notwendigen Abklärungen (vgl. Art. 43 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
[ATSG]
) hinreichend nachgekommen.
Mithin
wurde
die Einholung eines Gerichts
gutachtens
erforderlich, weil die Ergebnisse der medizinischen Erhe
bungen aus dem Verwaltungsverfahren in einem rechtserheblichen Punkt nicht ausreichend beweiswertig waren.
Damit sind die praxisgemässen Kriterien (vgl. E. 5.1 hiervor) für die
Überbin
dung
der Gutachtenskosten an die Beschwerdegegnerin erfüllt.
Dass
die gericht
lich angeordnete Expertise
de
re
n Standpunkt bestätigt, ist für die Auferle
gung der Gutachtenskosten ebenso wenig relevant wie der Umstand, dass
die
Abklä
rungsbedürftigkeit
letztinstanzlich
und nicht durch das
hiesige
Gericht festge
stellt worden ist (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts 8C_61/2013 vom 25. Juni 2013 E. 4.3 und 8C_159/2014 vom 26. August 2014 E. 5.2.2). Folglich hat die Beschwerdegegnerin
die Kosten für das Gerichtsgutachten
im Gesamtbetrag von Fr. 13‘467.
20 (Urk. 33,
Urk.
36) zu tragen.