Decision ID: 836f1534-0eff-5cf5-9fd3-0acb122da080
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ S. und N. M., wohnhaft an der B-Strasse 00 in S., haben drei Kinder, A., M. und An.
M. Die drei Kinder befinden sich allesamt in Ausbildung und wohnen mittlerweile
wieder alle zuhause bei ihren Eltern.
A. M. besuchte in den Jahren 2003 bis 2008 die Kantonsschule am Burggraben
St. Gallen. Für die Ausbildung erhielt sie ab dem Wintersemester 2006/2007
Stipendien. Auch für das Soziologiestudium an der Universität Zürich erhielt sie für das
Herbstsemester 2009 und Frühjahrssemester 2010 Stipendien in der Höhe von jeweils
Fr. 6'500.--. Seit September 2010 studiert sie an der Universität St. Gallen und stellte
dafür am 24. August 2010 ein Stipendiengesuch. In der Folge wurde ihr mit Verfügung
der Abteilung Stipendien und Studiendarlehen des Dienstes für Finanzen und
Informatik (nachfolgend Stipendienabteilung) vom 28. September 2010 ein Stipendium
in der Höhe von Fr. 550.-- für das Herbstsemester 2010 gewährt.
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An. M. absolviert seit August 2009 eine Berufslehre als Fachfrau Gesundheit EFZ. Für
das erste Lehrjahr erhielt sie ein Stipendium in der Höhe von Fr. 4'100.--. Für das
zweite Lehrjahr stellte sie am 28. September 2010 erneut ein Stipendiengesuch. Mit
Verfügung vom 29. September 2010 gewährte ihr die Stipendienabteilung für das
Ausbildungsjahr vom 1. August 2010 bis 31. Juli 2011 ein Stipendium in der Höhe von
Fr. 500.--.
M. M. besuchte von August 2008 bis im Sommer 2010 das Untergymnasium der
Kantonsschule am Burggraben in St. Gallen. Mit Verfügung der Stipendienabsteilung
vom 11. September 2008 wurde ein Stipendiengesuch für M. M. abgelehnt, da er sich
noch in der obligatorischen Schulzeit befand. Seit August 2010 besucht M. M. die erste
Klasse des Gymnasiums der Kantonsschule am Burggraben in St. Gallen. Er resp.
seine Eltern reichten am 30. August 2010 ein Stipendiengesuch ein. Für das
Herbstsemester 2010 wurde ihm mit Verfügung der Stipendienabteilung vom
28. September 2010 ein Stipendium in der Höhe von Fr. 900.-- gewährt.
B./ Mit Eingaben vom 9. resp. 10. Oktober 2010 erhoben A. und An. M. sowie N. M. als
gesetzliche Vertreterin von M. M. gegen die Verfügungen der Stipendienabteilung vom
28. resp. 29. September 2010 jeweils einzeln Rekurs beim Bildungsdepartement und
beantragten sinngemäss, die Verfügungen vom 28. resp. 29. September 2010 seien
aufzuheben und die Stipendien für A., An. und M. M. seien neu zu berechnen. Die
Rekurse wurden jeweils im Wesentlichen damit begründet, dass die
Stipendienabteilung bei der Berechnung der Elternleistung von einem Reineinkommen
von Fr. 75'366.-- ausgegangen sei. In diesem Betrag sei eine Rentennachzahlung der
Pensionskasse an S. M. für die Zeit vom 29. Mai 2005 bis 31. Dezember 2009 in der
Höhe von Fr. 43'918.-- enthalten. In der Veranlagungsberechnung der Staats- und
Gemeindesteuern 2009 werde jedoch in der Spalte "veranlagt zum Satz" eine jährliche
Rente von Fr. 9'576.-- aufgeführt. Für die Berechnung der Elternleistung sei deswegen
von einem Reineinkommen von Fr. 41'024.-- auszugehen.
Die Stipendienabteilung machte in ihren Vernehmlassungen vom 29. Oktober 2010 im
Wesentlichen geltend, dass für die Bemessung des Elternbeitrags die
Steuerveranlagung aus dem Jahr 2009 massgebend sei und dass es nicht ersichtlich
sei, weshalb die Rentennachzahlung in der Höhe von Fr. 43'918.-- nicht in den
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Elternbeitrag mit einberechnet werden solle. Mit Eingaben vom 7. November 2010
nahmen A., An. und N. M. jeweils einzeln Stellung zu den Vernehmlassungen der
Stipendienabteilung. Sie brachten dabei hauptsächlich vor, dass das Reineinkommen
der Eltern gemäss der Veranlagung für die Staats- und Gemeindesteuern 2009
Fr. 41'024.-- betrage. Mit Schreiben vom 22. November 2010 nahm die
Stipendienabteilung dazu Stellung und hielt im Wesentlichen fest, dass für die
Berechnung des Elternbeitrags die Spalte "veranlagt steuerbar" in der
Veranlagungsberechnung massgebend sei, weil dort das effektive Einkommen
ausgewiesen werde.
Mit den Entscheiden vom 18. März 2011 lehnte das Bildungsdepartement die Rekurse
von A., An. und N. M. jeweils einzeln und kostenpflichtig ab. Zur Begründung wurde im
Wesentlichen vorgebracht, dass für ein Stipendium nicht die effektiv erbrachte oder
zivilrechtlich geschuldete Unterstützung der Eltern angerechnet werde, sondern die
durch kantonales öffentliches Recht abstrakt festgelegte Leistung der Eltern. Für die
Bemessung der Stipendienbeiträge für das Jahr 2010 sei das Reineinkommen gemäss
Veranlagung der Steuerperiode 2009 massgebend. Die Veranlagungsberechnung der
Staats- und Gemeindesteuern 2009 von S. und N. M. weise in der Spalte "veranlagt
steuerbar" ein Reineinkommen von Fr. 75'366.-- aus und dies sei massgebend.
C./ Mit Eingaben ihrer Rechtsvertreterin vom 2. April 2011 und 5. Juli 2011 erheben A.
und An. M. sowie N. M. als gesetzliche Vertreterin von M. M. je einzeln Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit den jeweiligen Anträgen, die Entscheide des
Bildungsdepartements vom 18. März 2011 seien kosten- und entschädigungspflichtig
aufzuheben; es sei den Berechnungen ein massgebliches Einkommen der Eltern von
Fr. 41'024.-- zu Grunde zu legen; und die Stipendiengesuche von A., An. und M. M.
seien in entsprechender Höhe zu genehmigen. Die Anträge werden allesamt zur
Hauptsache damit begründet, dass die tiefen Stipendien darauf beruhen würden, dass
die Rentennachzahlung der Pensionskasse an S. M. in der Höhe von Fr. 43'918.-- in
der Steuererklärung 2009 zu einem hohen steuerbaren Einkommen und damit zu tiefen
Stipendien geführt habe. Für das Stipendium 2010 dürfe indessen der anzurechnende
Elternbeitrag nur den für diese Periode ausbezahlten Anteil der Nachzahlung
berücksichtigen, denn dieser entspreche der zumutbaren abstrakten Leistungsfähigkeit
der Eltern.
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Das Bildungsdepartement liess sich mit Eingabe vom 3. August 2011 zu den
Beschwerden vernehmen und beantragt deren kostenpflichtige Abweisung. Nach
mehrmaliger Fristerstreckung nahmen A. und An. M. sowie N. M. als gesetzliche
Vertreterin von M. M. mit Eingabe ihrer gemeinsamen Rechtsvertreterin vom
19. September 2011 Stellung zur Vernehmlassung des Bildungsdepartements. Darin
wird an der Gutheissung der Beschwerden festgehalten.
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird – soweit erforderlich – in
den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts können Beschwerden, in denen
Rügen erhoben werden, die denselben Streitgegenstand betreffen und zum Teil ähnlich
bzw. gleich begründet werden, vereinigt werden (vgl. anstatt vieler VerwGE
B 2009/139, 140 vom 11. Mai 2010, E. 2, in: www.gerichte.sg.ch). In den vorliegenden
Beschwerdeverfahren B 2011/68, B 2011/69 und B 2011/70 werden identische Rügen
erhoben, und es stellen sich dieselben Rechtsfragen. In sämtlichen drei
Beschwerdeverfahren ist die Berechnung des Elternbeitrags bei der Bemessung der
Höhe der Stipendien 2010 strittig, während die Höhe der anrechenbaren
Ausbildungskosten und die anrechenbaren Eigenleistungen der
Beschwerdeführerinnen I und II sowie des Sohnes der Beschwerdeführerin III nicht
bestritten werden. Es rechtfertigt sich daher, die Verfahren B 2011/68, B 2011/69 und
B 2011/70 zu vereinigen und die Beschwerden in ein und demselben Urteil zu
behandeln.
3. Die Verfassung des Kantons St. Gallen (sGS 111.1, abgekürzt KV) statuiert in ihrem
Art. 3 Abs. 1 lit. c den grundrechtlichen Anspruch auf Beihilfen für die Aus- und
Weiterbildung über den Grundschulunterricht hinaus nach Massgabe der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der bewerbenden Person und ihrer Eltern. Darin
kommen die Leistungsfähigkeit des Bewerbers sowie seiner Eltern und damit der
Grundsatz der Subsidiarität des st. gallischen Stipendienrechts zum Ausdruck, wonach
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Stipendien unterhaltsergänzende Spezialleistungen darstellen, d.h., dass sie den in
quantitativer Hinsicht mangelnden familiären Unterhalt ergänzen, ohne an dessen Stelle
zu treten (GVP 1998 Nr. 73 mit Hinweis auf M. Müller, Das Stipendienrecht des
Kantons St. Gallen mit Berücksichtigung der Stipendiengesetzgebung des Bundes, S.
16 ff.). Als gesetzliche Ausführung dieses verfassungsrechtlichen Auftrags bestimmt
Art. 1 Abs. 1 des Stipendiengesetzes (sGS 211.5, abgekürzt StipG), dass der Staat in
ausreichendem Masse Stipendien und Studiendarlehen gewährt, soweit die vollen
Kosten der Ausbildung oder Weiterbildung einem Bewerber oder seinen Eltern nicht
zugemutet werden können. Nach Art. 29 der Stipendienverordnung (sGS 211.51,
abgekürzt StipV) werden Stipendien ausgerichtet, wenn ein Fehlbetrag bei
Gegenüberstellung von Kosten der Ausbildung und Lebenshaltungskosten einerseits
und den zumutbaren Eigen- und Elternleistungen andererseits resultiert. Hinsichtlich
der Bemessung der Höhe der Stipendien hält Art. 9 Abs. 1 StipG fest, dass einerseits
die Kosten der Ausbildung oder Weiterbildung, der Reise zum Schul- oder Lehrort, der
Unterkunft und die Kosten der Verpflegung und andererseits die finanziellen und
familiären Verhältnisse des Empfängers und seiner Eltern massgebend sind.
Die in Art. 9 StipG geregelte Bemessung der Stipendien wird in den Art. 15 ff. StipV
konkretisiert (VerwGE B 2005/79 vom 13. September 2005, E. 2b). Nach Art. 25 Abs. 1
StipV wird dem Gesuchsteller ein Elternbeitrag nach dem Anhang zur Verordnung
angerechnet, wobei für diesen Beitrag das Reineinkommen der Eltern nach der
Veranlagung für die Staats- und Gemeindesteuern massgeblich ist. Gemäss Art. 28
Abs. 1 StipV ist jeweils die Steuerveranlagung der Steuerperiode massgebend, die dem
Kalenderjahr vorausgeht, in dem die Bemessungsperiode beginnt.
3.1. Diese Grundsätze des st. gallischen Stipendienrechts bestreiten die
Beschwerdeführerinnen nicht, und sie machen in ihren Eingaben nicht geltend, dass
die Bestimmungen in der StipV über die Bemessung des Elternbeitrags verfassungs-
oder gesetzeswidrig wären. Eine solche Argumentation würde auch nicht überzeugen,
da der Gesetzgeber die Grundsätze der Bemessung in Art. 9 StipG regelt und die
Detailregelung für die konkrete Bestimmung der Stipendienhöhe dem
Verordnungsgeber überlässt und ihm bei der Ausgestaltung der
Anspruchsvoraussetzungen einen Spielraum überlässt. Dabei kann der
Verordnungsgeber auch bis zu einem gewissen Grad schematisch, auf
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Durchschnittserfahrungen abstellende Normen schaffen, die leicht zu handhaben sind.
Die Bemessung des Elternbeitrags in Art. 25 und 28 StipV aufgrund der jährlichen
Steuerfaktoren erweist sich daher als sachgerecht, zumal gemäss Art. 36 StipV
Stipendien in Halbjahres- oder Jahresraten ausbezahlt werden und jedes Jahr von
Neuem festgelegt werden (Art. 35 StipV). Damit wird dem Grundsatz der
Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit wie auch der Verfahrensökonomie Rechnung
getragen.
3.2. Die Beschwerdeführerinnen rügen indessen, dass der Ehemann resp. Vater der
Beschwerdeführerinnen ein IV-Verfahren geführt habe, in welchem ein Anspruch auf
eine IV-Rente abgelehnt worden sei. Aufgrund des festgelegten Invaliditätsgrades von
37 Prozent habe er Anspruch auf eine entsprechende Pensionskassen-Rente, die nach
Abschluss des IV-Verfahrens Ende 2009 rückwirkend ab 2005 ausbezahlt worden sei,
was einen Nachzahlungsbetrag von Fr. 43'918.-- ergeben habe. Die Vorinstanz hätte
der Veranlagungsberechnung der Staats- und Gemeindesteuern von 2009 das
Reineinkommen gemäss Ziff. 24 entnommen, welches sich aus der Kolonne "veranlagt
und steuerbar" ergeben habe und in welcher der gesamte Nachzahlungsbetrag von
Fr. 43'918.-- berücksichtigt worden sei. Dementsprechend habe sich zusammen mit
anderen Einkünften ein Reineinkommen von Fr. 75'366.-- ergeben, woraus sich
gemäss der Tabelle der StipV ein Elternbeitrag von Fr. 15'300.-- ergebe, der auf die
drei Kinder aufgeteilt worden sei. Diese Auslegung des StipG und der StipV sei zwar
eine der möglichen Gesetzesauslegungen, trage aber den Umständen des Einzelfalls
nicht Rechnung. Sie erscheine überspitzt formalistisch und damit verfassungswidrig.
Die Rentennachzahlung sei lediglich insofern zu berücksichtigen, als sie einer
Jahresrente entspreche. Mit der rückwirkenden Nachzahlung der Rente habe sich die
finanzielle Leistungsfähigkeit der Eltern nicht verändert. Deshalb sei dem Elternbeitrag
ein Reineinkommen von Fr. 41'024.-- zugrunde zu legen, das auch für die Steuern 2009
satzbestimmend gewesen sei.
3.2.1. Ein Rechtssatz ist in erster Linie nach seinem Wortlaut auszulegen. Ist dieser
nicht klar und sind verschiedene Auslegungen möglich, so muss nach seiner wahren
Tragweite gesucht werden. Dabei sind alle Auslegungselemente zu berücksichtigen,
namentlich Sinn und Zweck der Norm sowie die ihr zugrunde liegende Wertung,
ebenso der Kontext der Norm mit den übrigen Bestimmungen des Erlasses. Vom
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klaren, d.h. eindeutigen und unmissverständlichen Wortlaut darf nur ausnahmsweise
abgewichen werden, u.a. dann nämlich, wenn triftige Gründe dafür vorliegen, dass der
Wortlaut nicht den wahren Sinn der Bestimmung wiedergibt. Solche Gründe können
sich aus der Entstehungsgeschichte der Bestimmung, aus ihrem Grund und Zweck
oder aus dem Zusammenhang mit andern Vorschriften ergeben (statt vieler BGE 126 V
105 E. 3 mit Hinweisen oder BGE 134 III 277 E. 4).
3.2.2. Vorliegend ist die Auslegung des Art. 9 StipG sowie der Art. 25 und 28 StipV
hinsichtlich der Höhe des Elternbeitrags strittig. Nach dem Wortlaut von Art. 25 Abs. 1
und Art. 28 Abs. 1 StipV ist – wie bereits erwähnt - für den Elternbeitrag das
Reineinkommen der Veranlagung für die Staats- und Gemeindesteuern derjenigen
Steuerperiode massgebend, die dem Kalenderjahr vorangeht, in dem die
Bemessungsperiode für die Stipendien beginnt (Art. 28 Abs. 1 StipV). Es widerspricht
daher dem Wortlaut von Art. 25 Abs. 1 und Art. 28 Abs. 1 StipV, die
Rentennachzahlung von Fr. 43'918.-- bei der Bemessung des Elternbeitrags auf fünf
Jahre zurück umzurechnen und bereits ausgerichtete Stipendien wieder neu zu
berechnen. Eine solche Möglichkeit sieht der Wortlaut des geltenden Stipendienrechts
nicht vor.
In den Gesetzesmaterialien tritt deutlich hervor, dass das geltende Stipendienrecht
nach wie vor von einer eltern-abhängigen Stipendienbemessung ausgeht. Die
Elternleistung sei abstrakt, d.h. unabhängig vom Unterstützungswillen oder von der
faktisch gewährten Unterstützung der Eltern, vorausgesetzt (Botschaft zum II.
Nachtragsgesetz zum Stipendiengesetz, ABl 2001, 73). Darin kommt die bereits
erwähnte verfassungsrechtlich vorgesehene Subsidiarität der staatlichen Aus- und
Weiterbildungsbeiträge zum Ausdruck (Müller, a.a.O., S. 199). Der stipendienrechtlich
den Eltern zumutbare Leistungsbeitrag an die Ausbildung nimmt daher keine Rücksicht
darauf, ob dieser Betrag von den Eltern auch tatsächlich ausgerichtet wird bzw.
aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse im Einzelfall ausgerichtet werden kann (GVP
1998 Nr. 73; Müller, a.a.O., S. 213).
Nach dem Willen des Gesetzgebers fallen bei der Beurteilung der finanziellen und
familiären Verhältnisse nach Art. 9 Abs. 1 StipG das steuerbare Einkommen und
Vermögen des Bewerbers und seiner Eltern in Betracht (Botschaft zum
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Gesetzesentwurf über die staatlichen Stipendien und Studiendarlehen, ABl 1967,
1518). Zur Bestimmung der abstrakt zumutbaren Leistungsfähigkeit ist somit nach dem
Willen des Gesetzgebers das steuerbare Einkommen und Vermögen heranzuziehen. In
Ausführung dazu sieht Art. 28 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 StipV vor, dass
jeweils das Reineinkommen der Staats- und Gemeindesteuer der dem
Stipendiengesuch vorangegangenen Steuerperiode massgebend ist. Aufgrund von
Art. 25 Abs. 1 StipV ist daher die Herkunft resp. Zusammensetzung des massgebenden
Reineinkommens stipendienrechtlich ohne Bedeutung (Müller, a.a.O., S. 202). Deshalb
ist es belanglos, ob der Betrag von Fr. 43'918.-- aus einer Rente oder aus einem
Arbeitserwerb stammt. Das Stipendienrecht enthält keine Möglichkeit, solche
Umstände wie eine einmalige Rentenauszahlung, die die Steuerfaktoren unmittelbar
beeinflusst, bei der Berechnung der zumutbaren Elternleistung zusätzlich zu
berücksichtigen (Müller, a.a.O., S. 202). Die Umstände des Einzelfalls werden im
Stipendienrecht lediglich insofern berücksichtigt, als Art. 26 und 27 StipV Zuschläge
und Abzüge für bestimmte Verhältnisse vorsehen und der Elternbeitrag bei mehreren,
nach erfüllter obligatorischer Schulzeit gleichzeitig in Ausbildung stehenden Kindern im
Verhältnis der Kosten aufgeteilt wird (Müller, a.a.O., S. 213; Wegleitung Stipendien vom
1. Juni 2008). Die übrigen besonderen Umstände eines Einzelfalls sind im Rahmen der
Steuerveranlagung zu berücksichtigen, soweit dies das geltende Recht vorsieht. Das
Stipendienrecht stellt mit Ausnahme der erwähnten Konstellationen nicht noch
zusätzlich auf besondere Umstände des Einzelfalls ab, sondern stützt sich nach dem
Willen des Gesetz- und Verordnungsgebers ausschliesslich auf das steuerliche
Reineinkommen der vorangegangenen Steuerperiode ab.
Der Ratio der erwähnten Subsidiarität der Stipendien und des Grundsatzes des
abstrakt zumutbaren Elternbeitrags entspricht es am besten, wenn der Elternbeitrag
jedes Jahr aufgrund der Steuerveranlagung der vergangenen Steuerperiode neu
festgelegt wird und damit die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse der Eltern seit
der letzten Bemessungsperiode berücksichtigt werden. Daher ist die Frage der
Berücksichtigung der gesamten Rentennachzahlung von Fr. 43'918.-- danach zu
beurteilen, wie das Steuerrecht diese Frage für die Steuerperiode 2009 beantwortet
hat. Nur so wird der Massgeblichkeit der Steuerveranlagung (Art. 25 Abs. 1 StipV) und
dem Grundsatz der Berücksichtigung der abstrakt zumutbaren Leistungsfähigkeit der
Eltern Rechnung getragen. Hinzu kommt, dass die verfahrensökonomische Anwendung
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von Art. 9 Abs. 1 StipG eine gewisse Pauschalisierung bedingt, wie sie Art. 25 Abs. 1
und Art. 28 Abs. 1 StipV vorsehen. Die Abstützung auf die Steuerperiode des Vorjahres
erweist sich auch insofern als sachgerecht, als für jedes Semester resp. Jahr die
Stipendien und damit auch der Elternbeitrag neu berechnet werden, sofern noch
Anspruch auf ein Stipendium besteht.
3.2.3. Aufgrund der genannten Bestimmungen in der StipV und ihrer Auslegung besass
die Vorinstanz resp. die Stipendienabteilung kein Ermessen bei der Festlegung des
Elternbeitrags. Der Wortlaut der fraglichen Bestimmungen in der StipV entspricht also
deren Normsinn. Die Vorinstanz resp. die Stipendienabteilung musste daher für die
Bestimmung des Elternbeitrags für das Jahr 2010 in gesetzeskonformer Anwendung
von der Steuerveranlagung 2009 ausgehen. An diesem Ergebnis ändert auch eine
allfällige Berücksichtigung des von den Beschwerdeführerinnen sinngemäss
angerufenen Art. 51 des Steuergesetzes (sGS 811.1, abgekürzt StG) nichts. Art. 51 StG
hat nicht zur Folge, dass eine einmalige Kapitalleistung auf Jahresrenten aufgeteilt und
in der Steuerperiode 2009 nur die Jahresrente 2009 besteuert wird. Auch
steuerrechtlich wird im Jahr 2009 die gesamte Rentennachzahlung von Fr. 43'918.--
besteuert. Art. 51 StG dient daher nicht der Einkommensumverteilung auf die
entsprechenden Steuerperioden, sondern die steuerrechtliche Korrektur erfolgt
lediglich auf der Ebene des für die Ermittlung des Steuersatzes massgebenden
Einkommens. Für die Bestimmung des stipendienrechtlichen Elternbeitrags ist
deswegen die Spalte "veranlagt steuerbar" aus der Steuerveranlagung 2009 mit einem
Reineinkommen von Fr. 75'366.-- massgebend, da die Spalte "veranlagt zum Satz" mit
einem Reineinkommen von Fr. 41'024.-- lediglich dem Progressionsausgleich bei der
steuerrechtlichen Satzbestimmung dient.
3.2.4. Weiter bringen die Beschwerdeführerinnen vor, dass selbst die Vorinstanz in
Erwägung gezogen habe, im Fall des Sohnes der Beschwerdeführerin III lediglich die
Jahresrente in die Berechnungen mit einzubeziehen, nachdem dieser bisher keine
Stipendien bezogen habe und daher in den Vorjahren auch keine zu hohen Beiträge
habe beziehen können. Die Vorinstanz verwerfe diese Erwägungen danach aber mit
dem Hinweis auf die Gleichbehandlung der Geschwister, welcher Vorrang zu geben
sei.
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Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerinnen hat die Vorinstanz mit der
Äusserung, dass es zu neuen Rechtsungleichheiten führen würde, wenn die Rente nur
dann auf die vergangenen Jahre umgerechnet werden würde, wenn in den früheren
Jahren keine Stipendien ausbezahlt worden seien, nicht in Erwägung gezogen, nur die
Jahresrente bei der Berechnung des Elternbeitrags im Zusammenhang mit den
Stipendien für den Sohn der Beschwerdeführerin III zu berücksichtigen. Mit dieser
Äusserung hielt die Vorinstanz lediglich fest, dass auch in Fällen, in denen allenfalls
eine Rückkorrektur der Stipendien praktisch durchführbar wäre, eine solche aus
Rechtsgleichheitsgründen zu unterbleiben hat.
3.3. Sodann machen die Beschwerdeführerinnen geltend, dass der Betrag der
Rentennachzahlung von Fr. 43'918.-- nicht zu einer Vermögensvermehrung geführt
habe, sondern höchstens zu einer Verringerung der Schulden. Der Einkommensbetrag
aufgrund der Rentennachzahlung stehe nämlich tatsächlich nicht zur Verfügung zur
Deckung der Unterrichtskosten und des Grundbedarfes der Kinder, sondern habe zur
Abzahlung der Schulden beim Sozialamt und der privaten Schulden verwendet werden
müssen. Die Fürsorgeleistungen, die die Grundlage für die Familie der
Beschwerdeführerinnen decken sollten, hätten die höheren tatsächlichen
Bedarfskosten nicht gedeckt, sodass der Vater der Beschwerdeführerinnen I und II ein
Darlehen habe aufnehmen müssen, das nach Eingang der Rentennachzahlung habe
zurückbezahlt werden müssen.
Die Beschwerdeführerinnen verkennen, dass das Stipendienrecht von der abstrakt
zumutbaren Leistungsfähigkeit ausgeht und sich dabei auf die Steuerveranlagung
stützt. Die Einkommensverwendung für Lebensunterhaltskosten und Schuldentilgung
spielt nach geltender Rechtslage für die Steuerberechnung keine Rolle (Art. 47 lit. a und
b StG), und dies gilt aufgrund der Massgeblichkeit der Steuerveranlagung gemäss
Art. 25 Abs. 1 StipV auch im Stipendienrecht. Letzteres sieht selbst keinen Abzug beim
Elternbeitrag für Schuldentilgung und Lebensunterhaltskosten vor. Aufgrund der
Subsidiarität des Stipendienrechts dient dieses im Übrigen nicht dazu, den
Unterhaltsbedarf der Eltern und weiterer Kinder oder die Kosten eines IV-Verfahrens
des Vaters zu decken, sondern höchstens die Lebenshaltungskosten des
Gesuchstellers resp. der Gesuchstellerin im Rahmen von Art. 18 ff. StipV. Die
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Beschwerdeführerinnen rügen nicht, dass die Lebenshaltungskosten nicht korrekt
berechnet worden seien.
Auch in der Vergangenheit wurden Stipendien an die Beschwerdeführerinnen I und II
ausgerichtet, die aufgrund der Einkommens- und Vermögensverhältnisse der
Beschwerdeführerinnen I und II und ihrer Eltern berechnet wurden. Die
Beschwerdeführerinnen weisen nicht konkret nach, inwiefern Darlehen zur Finanzierung
ihrer Schulausbildung aufgenommen werden mussten und die ausbezahlten Stipendien
für die Schulausbildung nicht ausreichten. Wie die Vorinstanz zu Recht festhielt, ist
nicht ersichtlich, dass angesichts der Unentgeltlichkeit des Unterrichts an den
staatlichen Mittelschulen für Schülerinnen und Schüler mit stipendienrechtlichem
Wohnsitz im Kanton St. Gallen (Art. 5 des Mittelschulgesetzes [sGS 215.1]) und der
niedrigen Gebühren (siehe Tarif der Schulgelder und Gebühren der staatlichen
Mittelschulen und der Pädagogischen Hochschule [sGS 215.15]) die Ausbildungs- und
Lebenshaltungskosten der Beschwerdeführerinnen I und II durch die ausgerichteten
Stipendien in der Vergangenheit nicht gedeckt sein sollten. Hinzu kommt, dass die
Beschwerdeführerinnen I und II sowie ihr Vater gemäss einem den Akten beiliegenden
Schreiben vom 5. Dezember 2009 selbst festgehalten haben, dass sie vom Sozialamt
nur für die Gesundheitskosten unterstützt worden seien. Damit ist erstellt, dass die
Sozialhilfeleistungen nicht für die Ausbildung der Beschwerdeführerinnen I und II sowie
des Sohnes der Beschwerdeführerin III verwendet wurden. Deshalb haben für die
Kosten der Schulausbildung keine Darlehen aufgenommen werden müssen. Soweit
diese privaten Darlehen zur Deckung der weiteren allgemeinen Lebenshaltungskosten,
die nicht im Rahmen der anrechenbaren Kosten der Aus- oder Weiterbildung und der
Lebenshaltungskosten berücksichtigt werden, oder für Anschaffungen und Prozesse
verwendet wurden, kann dies im Rahmen des Stipendienrechts nicht berücksichtigt
werden. Dies bedeutet auch, dass die allgemeinen Lebenshaltungskosten der Familie
der Beschwerdeführerinnen ausserhalb von Art. 18 ff. StipV nicht durch das
Stipendienrecht zu decken sind, sondern durch eigene Einkünfte oder die Sozialhilfe.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass es für das Stipendienrecht keine Rolle spielt, wie
das in der massgebenden Steuerperiode zugeflossene Einkommen verwendet wurde.
Massgebend ist alleine die Steuerveranlagung der Staats- und Gemeindesteuern
(Art. 25 Abs. 1 StipV). Das Stipendienrecht dient sodann nicht der Finanzierung der
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gesamten Unterhaltskosten einer Familie, sondern leistet lediglich einen Beitrag an die
Ausbildungs- und Lebenshaltungskosten des Gesuchstellers resp. der Gesuchstellerin.
3.4. Schliesslich erweist sich der Einwand der Beschwerdeführerinnen als unbehelflich,
dass aufgrund des besonderen Härtefalls in casu die Rentennachzahlung beim
Reineinkommen nicht zu berücksichtigen sei. Diesbezüglich ist der Vorinstanz
zuzustimmen, wonach das Stipendienrecht keine allgemeine Bestimmung für
"besondere Härtefälle" kennt. Zudem ist auch in diesem Zusammenhang der
Grundsatz der Subsidiarität des Stipendienrechts gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. c und Art. 1
Abs. 1 StipG zu berücksichtigen. Sodann legen die Beschwerdeführerinnen nicht
genügend dar, inwiefern sich vorliegend eine unter den Gesichtspunkten der
Rechtsgleichheit und des Legalitätsprinzips gesetzeswidrige Praxis rechtfertigen
würde.
3.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht in gesetzeskonformer
Rechtsanwendung für die Bemessung des Elternbeitrags bei den Stipendien für die
Beschwerdeführerinnen I und II sowie für den Sohn der Beschwerdeführerin III im Jahr
2010 auf die Steuerveranlagung aus dem Jahr 2009 abstellte und damit das in der
Spalte "veranlagt steuerbar" festgehaltene Reineinkommen von Fr. 75'366.—- als
massgeblich erachtete. Folglich ist die Beschwerde abzuweisen.
4. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht