Decision ID: 1fd76edb-0c79-5ee6-88ce-e53be5632d0b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden sind gemäss eigenen Angaben am (...) 2020
von G._ mit einem Flugzeug über H._ nach Madrid gereist.
Einen Tag später seien sie in die Schweiz eingereist und suchten gleichen-
tags bei den hiesigen Behörden um Asyl nach. Am 30. März beziehungs-
weise 1. April 2020 wurden sie dem erweiterten Verfahren und Kanton
I._ zugewiesen.
B.
B.a Am 5. März 2020 wurden von A._ (Beschwerdeführerin 1, N
[...]; E-3646/2020) und ihrem minderjährigen Sohn B._ die Perso-
nalien aufgenommen und am 17. März 2020 wurden beide befragt (SEM
Vorhabens-Nr. [...]). Am 18. Juni 2020 wurde die Beschwerdeführerin 1 er-
gänzend angehört.
Die Beschwerdeführerin 1 brachte vor, sie sei in J._ bei K._
(Departamento Cauca) aufgewachsen. Nach ihrer Volljährigkeit habe sie
sich in G._ (Departamento Valle del Cauca) zur Hilfskranken-
schwester ausbilden lassen und später in verschiedenen Spitälern gear-
beitet. Während einer Wirtschaftskrise seien sie und ihr Partner
(L._) – der Vater ihrer beiden Kinder – arbeitslos geworden, wes-
halb dieser nach M._ ausgewandert sei (SEM-Akte A33 F40 ff.; A47
F16 ff.), während sie Ende 2014 respektive anfangs 2015 (A33 F8) mit den
gemeinsamen Kindern in ihren Geburtsort zurückgekehrt sei. Dort habe sie
während fünf Jahren in einer illegalen (...)mine gearbeitet. Dabei habe sie
mit einem Mann namens N._ und fünf (immer wechselnden) Arbei-
tern zusammengearbeitet. Alle (...) Wochen habe sie Schutzgeld bezahlen
müssen. Nachdem am (...) 2019 N._ während der Arbeit erschos-
sen worden sei, habe sie sich zwei Tage zuhause versteckt. Anschliessend
sei sie informiert worden, dass Flugblätter von Dissidenten der FARC
(Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) mit einer Drohung im
Umlauf seien, wonach jeder, der N._ gekannt habe, innert wenigen
Stunden zu verschwinden habe. Die Minenarbeiter hätten dabei je einen
Übernamen erhalten, so sei die Beschwerdeführerin 1 mit «(...)» als ein-
zige Schwarze gemeint gewesen (vgl. Bst. b.c hiernach). Sodann sei sie
am (...) 2019 mit ihren Kindern zu ihrer Schwester aufgebrochen (A33 F5,
28 ff. und 69; SEM-Akten A34 F36 ff. und A47 F23 ff.).
Die Schwester D._ (Beschwerdeführerin 2, N [...], E-3641/2020)
habe mit ihrem Sohn E._ (Beschwerdeführer 3, N [...],
E-3641/2020, E-3643/2020, E-3645/2020, E-3646/2020
Seite 3
E-3645/2020) und ihrem Stiefsohn respektive Adoptivsohn F._ (Be-
schwerdeführer 4, N [...], E-3643/2020) in O._ (Departamento Valle
del Cauca) gelebt (A33 F9 ff.). Am (...) 2019 habe die Beschwerdeführe-
rin 1 – in der Wohnung ihrer Schwester – ein neues Flugblatt mit einer Dro-
hung erhalten. Die Schwestern hätten 72 Stunden Zeit, um die Region zu
verlassen, danach werde die Region von Personen, welche nicht mit den
Dissidenten der FARC zusammenarbeiten würden, gereinigt (vgl. Beweis-
mittel 18). Später hätten sie bei der Staatsanwaltsanwaltschaft («Fiscalía
General de la Nación») in G._ eine Anzeige erstattet (vgl. Beweis-
mittel 7). Sie habe ein Dokument erhalten, welches ihr in O._ Poli-
zeischutz garantiert hätte. Sodann sei ihr auf der Polizeistelle in O._
gesagt worden, sie solle sich telefonisch melden, wenn etwas «Komi-
sches» passieren würde (vgl. Beweismittel 8). Ende (...) 2019 habe sie mit
einem ihrer Arbeiter an ihrem früheren Wohnort Kontakt aufgenommen, der
erzählt habe, es gebe unbekannte "Typen" im Dorf, welche sie suchen wür-
den. Die Schwestern hätten darauffolgend bei verschiedenen Stellen ver-
sucht, Schutz zu erhalten (vgl. Beweismittel 9 bis 17). Im (...) 2020 hätten
sie sich letztlich entschieden im Ausland um Asyl nachzusuchen. Nachdem
sie alle ihre Sachen verkauft hätten, hätten sie am (...) 2020 ein drittes
Drohschreiben der FARC erhalten (vgl. Beweismittel 19). Zwei Tage später
hätten sie Kolumbien verlassen (A33 F70; A47 F48 ff.).
B.b Folgende Beweismittel wurden vom SEM im Aktenverzeichnis aufge-
nommen (alle in Kopie bis auf die Beweismittel 1 bis 6):
 Reispässe und Identitätskarten der Beschwerdeführerin 1 und ihrer
Kinder (Beweismittel 1 bis 6);
 Dokumente bezüglich der Anzeigeerstattung bei der «Fiscalía Ge-
neral de la Nación» vom (...) 2019 und des Polizeischutzes der
«Estación de la Policía O._» (Beweismittel 7 und 8);
 Briefe an verschiedene Staatsanwaltschaften in Bogotá jeweils
vom (...) 2019, samt Antwortschreiben (Beweismittel 9 und 15);
 Brief vom (...) 2019 an die nationale Volksverteidungsbehörde,
samt Antwortschreiben (Beweismittel 10);
 Briefe an das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) und
das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (OHCHR) in Bo-
gotá, samt Antwortschreiben, jeweils vom (...) 2019 (Beweismit-
tel 11 und 16);
E-3641/2020, E-3643/2020, E-3645/2020, E-3646/2020
Seite 4
 Bestätigungsschreiben der Menschenrechtsbehörde der Regie-
rung des Departamento Valle del Cauca (Beweismittel 12);
 Briefe an das kolumbianische Aussenministerium, samt Antwort-
schreiben, sowie an das Innenministerium in Bogotá jeweils vom
(...) 2019 (Beweismittel 13 und 17);
 Brief an die nationale Schutzbehörde vom (...) 2019 (Beweismit-
tel 14);
 drei Drohschreiben der FARC vom (...) 2019, (...) 2019 und (...)
2020 (Beweismittel 18 bis 20; vgl. bezüglich Übersetzung A33 F70).
B.c Mit Eingabe vom 11. Juni 2020 reichte die Beschwerdeführerin 1 eine
Kopie einer WhatsApp-Nachricht mit Datum vom (...) 2019 ein. In dieser
Nachricht warnt die Organisation «Ejército de liberación popular» (ELN) im
Wesentlichen die Bevölkerung von J._ (und Umgebung), dass ge-
wisse Personen (mit Alias-Namen genannt, wie z.B. «[...]»), welche mit
dem verstorbenen N._ zu tun hatten, Schutzgeld im Namen dieser
Organisation einziehen würden. Ab Stunde null werde das «Ejército de
liberación popular» diese Feinde, welche Paramilitärs seien, angreifen und
so die Bevölkerung beschützen (SEM-Akte A45; A47 F22 ff.).
C.
Die Personalien der Beschwerdeführerin 2 (Schwester der Beschwerde-
führerin 1) wurden am 5. März 2020 aufgenommen. Sie sei Witwe und
habe einen Sohn (Beschwerdeführer 3) und einen Stiefsohn (Beschwerde-
führer 4). An der Anhörung vom 18. März 2020 (SEM-Vorhabens-Nr. [...])
brachte sie im Wesentlichen vor, nachdem ihr Ehemann vor einem Jahr
verstorben sei, sei ihr Stiefsohn bei ihr eingezogen (SEM-Akte A19 F21 f.).
Weil ihre Schwester nach dem Tod ihres Geschäftspartners – sie sei Zeu-
gin dieses Mordes gewesen – von bewaffneten Dissidenten der FARC be-
droht worden sei, habe sie mit ihren Kindern bei der Beschwerdeführerin 2
in O._ Schutz gesucht (A19 F63 ff.). Doch sie seien auch in
O._ – das erste Mal am (...) 2019 – bedroht worden (A19 F66 ff.).
Weil sie Angst um ihr Leben gehabt hätten, hätten sie – jedoch erfolglos –
versucht, bei verschiedenen Behörden Schutz zu suchen. Schliesslich
seien sie aus Kolumbien ausgereist (A19 F78 ff.).
Im Aktenverzeichnis wurden von der Vorinstanz der Reisepass, die Identi-
tätskarte und der Führerausweis der Beschwerdeführerin 2 sowie der Rei-
sepass ihres Vaters als Beweismittel aufgenommen. Weitere Unterlagen,
E-3641/2020, E-3643/2020, E-3645/2020, E-3646/2020
Seite 5
welche sie einzureichen habe, seien im Dossier N [...] der Beschwerdefüh-
rerin 1 (A19 F12; vgl. Bst. B.b).
D.
Die Beschwerdeführenden 3 und 4, von welchen am 5. März 2020 die Per-
sonalien aufgenommen wurde und welche am 18. März 2020 einzeln an-
gehört wurden (SEM-Vorhabens-Nr. [...] und [...]), brachten als Ausreise-
grund ebenfalls die Morddrohungen vor, mit welchen sie – seit ihre Tante
(Beschwerdeführerin 1) zu ihnen nach O._ gezogen sei – konfron-
tiert gewesen seien. Diese Drohungen seien von einer paramilitärischen
Gruppe namens ELN («Éjercito de Liberación Nacional») gekommen, wel-
che überall in Kolumbien tätig sei.
Die Beschwerdeführenden 3 und 4 reichten neben bereits erwähnten An-
zeigen (vgl. Bst. B.b) verschiedene Identitätsausweise zu den Akten der
Vorinstanz.
E.
Mit separaten Verfügungen vom 2. Juli 2020 stellte das SEM fest, dass die
Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen würden,
lehnte ihre Asylgesuche ab, wies sie aus der Schweiz weg und ordnete den
Vollzug der Wegweisung an. Auf die Details dieser Verfügungen wird – so-
weit entscheidwesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegan-
gen.
F.
Mit separaten Beschwerdeeingaben vom 16. Juli 2020 an das Bundesver-
waltungsgericht beantragten die Beschwerdeführenden, ihnen sei nach
Aufhebung der Verfügungen ihre Flüchtlingseigenschaft unter Asylgewäh-
rung anzuerkennen. Eventualiter sei ein Vollzugshindernis festzustellen
und sie seien vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei der Entscheid
zwecks Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ein amtlicher
Rechtsbeistand zu bestellen. Auf Details dieser Rechtsmittel wird – soweit
entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen.
G.
Am 14. Juli 2020 bestätigte das Amt für Migration und Zivilrecht I._
die Fürsorgeabhängigkeit der Beschwerdeführenden.
E-3641/2020, E-3643/2020, E-3645/2020, E-3646/2020
Seite 6
H.
Mit Zwischenverfügungen vom 30. Juli 2020 vereinigte das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerdeverfahren der verschiedenen Familienmitglie-
der. Gleichzeitig wies es die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes ab
und erhob im Verfahren der Beschwerdeführerin 1 (E-3646/2020) einen
Kostenvorschuss für die gesamten vereinigten Verfahren. Der Betrag
wurde fristgerecht einbezahlt.
I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
20. Juli 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
4.
4.1 Die Beschwerdeführenden rügten eine Verletzung der vorinstanzlichen
Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts. Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt
von Amtes wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben
a-e aufgelisteten Beweismittel. Diese Rüge ist vorab zu beurteilen, da sie
allenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu
bewirken.
4.2 Die Beschwerdeführenden wiesen darauf hin, dass die Asylgesuche
unter anderem deswegen abgelehnt worden seien, weil die Vorinstanz
fälschlicherweise von einer funktionierenden Schutzinfrastruktur des ko-
lumbianischen Staates ausgehe. Ihnen sei jedoch einzig eine Telefonnum-
mer der Polizei in O._ gegeben worden, was kein effektiver Polizei-
schutz sei. Ausserdem habe das SEM offensichtlich keine Berichte zur ak-
tuellen Lage in Kolumbien konsultiert, weswegen es nicht abschätzen
könne, welchen Gefahren die Bevölkerung ausgesetzt sei.
4.3 Das SEM hat sich in den Verfügungen vom 2. Juli 2020 mit der Schutz-
infrastruktur von Kolumbien auseinandergesetzt und nachvollziehbar und
differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen es sich hat leiten las-
sen. Dadurch war es denn auch den Beschwerdeführenden möglich, den
Entscheid sachgerecht anzufechten. Ausserdem ist eine Konsultation von
Berichten zur Sicherheitslage in Kolumbien im vorliegenden Fall schon aus
dem Grund nicht notwendig, weil nach Ansicht des SEM die Massnahmen
nicht auf einem Motiv gemäss Art. 3 AsylG beruhen würden. Die Argumen-
tation der Beschwerdeführenden, weshalb das SEM den Sachverhalt un-
vollständig und unrichtig festgestellt habe, ist schliesslich eine Vermen-
gung der sich aus dem Untersuchungsgrundsatz ergebenden Frage der
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts mit jener einer rechtli-
chen Würdigung der Sicherheitslage von Kolumbien. Der blosse Umstand,
dass die Beschwerdeführenden die materielle Auffassung der Vorinstanz
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nicht teilen, ist keine Verfahrensverletzung. Die diesbezügliche Rüge
schlägt daher fehl, weshalb der entsprechende Antrag abzuweisen ist.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Das SEM lehnte die Asylgesuche mangels Erfüllung der Flüchtlingsei-
genschaft (Art. 3 AsylG) ab. Im Einzelnen hielt es Folgendes fest:
6.1.1 Bezüglich der Beschwerdeführerin 1 bezweifle es grundsätzlich
nicht, dass sie in Kolumbien aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit in einer
(...)mine einer gewissen Gefahr ausgesetzt gewesen sei. Weil keine offizi-
elle Schürflizenz vorgelegen habe und verschiedene Gruppierungen ein
Interesse an den Einnahmen der Mine hätten, sei davon auszugehen, dass
der vorgebrachte Konkurrenzkampf mit Drohungen und Gewalt geführt
worden sei. Ob diese Drohungen tatsächlich von der FARC stammen wür-
den oder einfach unter deren Namen ausgesprochen worden seien, könne
indes nicht mit abschliessender Sicherheit festgestellt werden.
Indes sei vorliegend von Übergriffen respektive Drohungen durch Dritte
auszugehen. Diesbezüglich sei festzuhalten, dass der kolumbianische
Staat über eine funktionierende Schutzinfrastruktur verfüge. Massnahmen
gegen Leib und Leben könnten bei einer Behörde zur Anzeige gebracht
werden. Diese Erwägung werde durch die zahlreichen Anzeigen und
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Seite 9
Briefe, welche die Beschwerdeführenden als Beweismittel eingebracht hat-
ten, bestätigt. Als Schutzmassnahme sei vorliegend die lokale Polizeistelle
in O._ von der Staatsanwaltschaft instruiert worden, ihnen Schutz
zu gewähren. Diese habe darauffolgend eine Telefonnummer ausgehän-
digt und die Beschwerdeführerenden aufgefordert, sich in Not zu melden.
Dieser Aufforderung seien sie indes nach der letzten Drohung im (...) 2020
nicht nachgekommen, sondern seien aus Kolumbien ausgereist. Folglich
könne nicht gesagt werden, der kolumbianische Staat sei weder fähig noch
willens, Schutz zu bieten. Überdies handle es sich vorliegend um einen
lokal sehr begrenzten Konflikt, an welchen die Beschwerdeführerin 1 durch
ihre illegale Tätigkeit ein Stück weit auch ihre Mitverantwortung trage. Zu
unterstreichen sei, dass sie dieses Risiko bewusst eingegangen sei, da sie
mittels dieser Tätigkeit mehr verdient habe, als wenn sie als Kranken-
schwester gearbeitet hätte.
Letztlich sei auch erwähnt, dass in den Vorbringen kein flüchtlingsrechtli-
ches Motiv erkennbar sei (Art. 3 AsylG).
6.1.2 Bezüglich der Ausreisegründe der Beschwerdeführenden 2 bis 4
stellte die Vorinstanz ebenfalls fest, dass keine Verfolgung wegen Rasse,
Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
oder politischer Anschauung bestehen würde, sondern dass diese Behelli-
gung rein krimineller Natur sei. Folglich seien die Vorbringen nicht asylre-
levant (Art. 3 AsylG). An dieser Einschätzung vermöge auch die Konsulta-
tion der Dossiers der weiteren Familienmitglieder nichts zu ändern.
6.2 Diesen Erwägungen wurde im Wesentlichen entgegengehalten, dass
die Beschwerdeführerin 1 diese illegale Arbeit nur aufgrund einer Wirt-
schaftskrise ausgeübt habe. Ein Umzug zu ihrer Schwester nach
O._ als Fluchtalternative habe sich offensichtlich als unnütz erwie-
sen. Die darauffolgenden ständigen Morddrohungen hätten die ganze Fa-
milie stark belastet und einen enormen psychischen Druck zur Folge ge-
habt. Deshalb hätten sie eine begründete Furcht, bei einer Rückkehr nach
Kolumbien an Leib und Leben gefährdet zu sein. Ferner sei Kolumbien kei-
neswegs als schutzfähig respektive -willig zu bezeichnen, zumal die Über-
reichung einer Telefonnummer keinen Polizeischutz darstelle. Das Ver-
sprechen der Polizei, regelmässig einen Kontrollbesuch abzustatten, sei
überdies nie eingehalten worden. Die Beschwerdeführenden hätten sich
nach dem dritten Drohschreiben nicht an die Polizei gewandt, weil sie darin
als Verräterinnen bezeichnet worden seien, da sie sich im Vorfeld bei der
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Polizei gemeldet hätten (vgl. Beweismittel 19). Daraus hätten sie geschlos-
sen, dass es bei der Polizei undichte Stellen gebe, weshalb es für sie kei-
nen effektiven Schutz durch diese gebe.
Ferner sei generell darauf hinzuweisen, dass auch nach der Unterzeich-
nung des Friedensvertrages gewisse Regionen von Kolumbien immer
noch von Konfliktdynamiken beherrscht würden, welche die Regierung ig-
noriere, sodass es für die Bevölkerung dieser Regionen keinen Schutz sei-
tens des Staates gebe. Auch wenn Schutzmassnahmen zugestanden wür-
den, seien diese nur reaktiv und nicht präventiv ausgestaltet.
7.
7.1 Nach Prüfung der Akten ist festzustellen, dass die Beschwerdeführen-
den die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, weil die dargelegte Gefähr-
dung im Zusammenhang mit der Tötung des Geschäftspartners N._
steht und ihr damit kein asylrelevantes Motiv (Rasse, Religion, Nationalität,
Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische An-
schauung) zugrunde liegt (Art. 3 AsylG).
7.2 Es liegt auch keine Reflexverfolgung der Beschwerdeführenden 2 bis 4
vor. Bei einer Reflexverfolgung erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen
auch auf Familienangehörige und Verwandte der primär betroffenen Per-
son, was vorliegend nur schon deswegen nicht erfüllt ist, weil die Be-
schwerdeführerin 1 nicht von einer asylrelevanten Verfolgung betroffen ist.
7.3 Bei den von den Beschwerdeführenden dargelegten Bedrohungen sei-
tens Guerillaorganisationen handelt es sich um Übergriffe Dritter. Im Sinne
der sogenannten Schutztheorie ist eine nichtstaatliche Verfolgung nur dann
asylrelevant, wenn der Staat unfähig oder nicht willens ist, Schutz vor be-
sagter Verfolgung zu bieten, beziehungsweise trotz allgemeiner Schutzfä-
higkeit und allgemeinem Schutzwillen, die Betroffenen aus einem asyl-
rechtlichen Motiv im Konkreten nicht geschützt werden. Es ist dabei nicht
eine faktische Garantie für langfristigen individuellen Schutz der von nicht-
staatlicher Verfolgung bedrohten Personen zu verlangen, weil es keinem
Staat gelingen kann, die absolute Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bür-
ger jederzeit und überall zu garantieren. Erforderlich ist aber, dass eine
funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, wo-
bei in erster Linie an polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe wie an
ein Rechts- und Justizsystem zu denken ist, welches eine effektive Straf-
verfolgung ermöglicht. Ob das bestehende Schutzsystem als in diesem
Sinne effizient erachtet werden kann, hängt letztlich auch davon ab, dass
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der Schutz die von Verfolgung betroffene Person tatsächlich erreicht (vgl.
BVGE 2011/51 E. 7.3 m.w.H.). Die Inanspruchnahme dieses Schutzsys-
tems muss der betroffenen Person demnach objektiv zugänglich und indi-
viduell zumutbar sein, was jeweils im Rahmen einer Einzelfallprüfung unter
Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes zu beurteilen ist.
7.4 Das SEM hat zu Recht festgestellt, dass im vorliegenden Fall von der
Schutzfähigkeit und -willigkeit der kolumbianischen Strafverfolgungs- und
Justizbehörden auszugehen ist. Im Grossen und Ganzen kann denn auch
auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. Den Beschwer-
deführenden ist in jedem Fall zuzugestehen, dass sie viel unternommen
haben, um einen adäquaten Schutz zu erhalten. Als Folge davon haben
sie eine bestimmte Telefonnummer der Polizeistelle in O._ erhalten,
die sie indes nach der dritten Drohung im (...) 2020 nicht kontaktiert haben.
Dass es bei dieser Polizeistelle eine "undichte Stelle" gebe, kann im Kon-
text von Kolumbien nicht ausgeschlossen werden. Indes ist vorliegend re-
levant, dass die Beschwerdeführenden schon gar nicht versucht haben,
polizeilichen Schutz zu erhalten. Vor diesem Hintergrund bestehen keine
Anhaltspunkte für die Annahme, dass die kolumbianischen Behörden be-
züglich der Beschwerdeführenden nicht schutzwillig gewesen wären.
7.5 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführenden zu Recht verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
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Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
9.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführenden
in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG recht-
mässig.
9.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdefüh-
renden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtsho-
fes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschus-
ses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr («real risk»)
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nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschie-
bung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, § 124 ff. m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation
im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt
nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der
Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Weder die allgemeine Lage in Kolumbien noch individuelle Gründe wirt-
schaftlicher oder sozialer Natur lassen auf eine konkrete Gefährdung der
Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr schliessen. Die Vorinstanz
hat diesbezüglich zu Recht auf das soziale Beziehungsnetz der Familien-
mitglieder und die langjährige Berufserfahrung insbesondere der Be-
schwerdeführerinnen 1 und 2 hingewiesen. Der auf Beschwerdeebene
vertretenen Ansicht, das (...)geschäft der Beschwerdeführerin 2 könne
nicht einfach so wiedereröffnet werden, ist entgegenzuhalten, dass sich
eine sehr gute Freundin um das Geschäft kümmert. Während der (...) und
das Lager mit den (...)produkten vermietet ist, ist der (...) verkauft worden
(Vorhabens-Nr. [...], SEM-Akte A19 F30 und 37). Ausserdem besitzt die
Beschwerdeführerin 2 ein Haus und eine Wohnung in O._ (A19
F23 f. und 34 f.). Überdies ist die Beschwerdeführerin 1 schon immer von
ihrem Lebenspartner, der sich derzeit in M._ aufhalte, finanziell un-
terstützt worden (Vorhabens-Nr. [...], SEM-Akte A33 F41).
Hinsichtlich der vorgebrachten gesundheitlichen Aspekte ist Folgendes
festzuhalten: Der Sohn der Beschwerdeführerin 1 leidet seit seiner Kind-
heit an Asthma, doch nimmt er derzeit keine Medikamente dagegen ein
(Vorhabens-Nr. [...], SEM-Akte A34 F31 ff.). Der Hypothyreoidismus der
Beschwerdeführerin 2, eine mangelhafte Versorgung des Körpers durch
ein Schilddrüsenhormon aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion, kann
auch in Kolumbien mittels Medikamenten behandelt werden (Vorhabens-
Nr. [...], SEM-Akte A19 F8 ff.). Somit ist auch aus gesundheitlicher Sicht
kein Vollzugshindernis erkennbar.
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Folglich erweist sich der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführen-
den auch als zumutbar.
9.4 Im Übrigen könnten die Beschwerdeführenden nach G._ oder
Bogotá umsiedeln und sich dort ein neues Leben aufbauen. In G._
haben die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 schon ein paar Jahre gelebt
und gearbeitet (Vorhabens-Nr. [...], SEM-Akte A33 F5; Vorhabens-Nr. [...],
SEM-Akte A19 F17). Ausserdem leben die biologischen Eltern des Be-
schwerdeführers 4 in G._, wo er, bevor das Geschilderte gesche-
hen sei, beabsichtigte, ein Studium zu beginnen (Vorhabens-Nr. [...], SEM-
Akte A18 F16 und 22 ff.).
9.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, die alle über Reise-
pässe verfügen, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die
für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8
Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug
der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 950.– den Be-
schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher
Höhe geleistete Kostenvorschuss zur Bezahlung der Verfahrenskosten ist
hierfür zu verwenden.
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