Decision ID: c4e9be69-9bfc-4456-b75c-6b01e4d2afba
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 07.02.2018 Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG. Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau des Leistungsansprechers.Streitgegenstand des Einspracheverfahrens. Entgegen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann mit der Einsprache nur angefochten werden, was Gegenstand der angefochtenen Verfügung gewesen ist. Die zukünftige Sachverhaltsentwicklung (d.h. die Zeit zwischen Verfügungserlass und Erlass des Einspracheentscheides) gehört daher nicht zum Streitgegenstand. Teilweise Gutheissung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Februar 2018, EL 2016/55).
Entscheid vom 7. Februar 2018
Besetzung
Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-
Studerus; Gerichtsschreiberin Lea Hilzinger
Geschäftsnr.
EL 2016/55
Parteien
A._,
Beschwerdeführer,
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vertreten durch B._,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse, Brauerstrasse
54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
Gegenstand
Ergänzungsleistung zur AHV
Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im November 2014 bei der EL-Durchführungsstelle des
Kantons St. Gallen zum Bezug von Ergänzungsleistungen an (EL-act. 107). Mit
Verfügung vom 24. Januar 2015 wies die EL-Durchführungsstelle das Gesuch mit der
Begründung, dass weder ein Anspruch auf eine AHV- oder IV-Rente noch auf eine
Hilflosenentschädigung oder IV-Taggelder bestehe, ab (EL-act. 105).
A.b Mit Verfügung vom 19. Mai 2015 sprach die zuständige AHV-Ausgleichskasse
dem Versicherten ab dem 1. Juni 2015 eine Altersrente zu (EL-act. 90-7 ff.). In der
Folge meldete sich der Versicherte am 28. Mai 2015 erneut zum Bezug von
Ergänzungsleistungen an (EL-act. 88 ff.).
A.c Am 22. Juli 2015 informierte die EL-Durchführungsstelle den Versicherten, dass
seine Ehefrau verpflichtet sei, ein zumutbares Erwerbseinkommen zu erwirtschaften
(EL-act. 84). Ansonsten werde ihr ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet.
Auf die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens könne verzichtet
werden, wenn für den Zeitraum des EL-Bezugs genügende Arbeitsbemühungen
vorgewiesen würden. Der Versicherte antwortete am 6. August 2015, dass seine
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Ehefrau seit 2012 arbeitslos sei (EL-act. 82). Dem Schreiben lagen diverse
Absageschreiben bei (EL-act. 83).
A.d Am 8. Oktober 2015 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit (EL-
act. 77), dass aufgrund der eingereichten Arbeitsbemühungen vorerst auf die
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens verzichtet werde. Künftig sei
zu beachten, dass die Arbeitsbemühungen als genügend gälten, wenn monatlich
mindestens fünf ordentliche Bewerbungen auf tatsächlich freie Stellen oder acht
Blindbewerbungen erfolgten. Über die Bewerbungsaktivitäten sei ein Übersichtsblatt zu
führen.
A.e Mit Verfügung vom 10. Oktober 2015 (EL-act. 75) sprach die EL-
Durchführungsstelle dem Versicherten ab 1. Juni 2015 Ergänzungsleistungen von
monatlich Fr. 1'663.-- zu (inkl. Prämienpauschale Krankenversicherung). Bezüglich des
Erwerbseinkommens der Ehefrau bzw. deren Arbeitsbemühungen verwies sie auf das
Schreiben vom 8. Oktober 2015.
A.f Mit Verfügung vom 28. November 2015 (EL-act. 63) erhöhte die EL-
Durchführungsstelle die monatlichen Ergänzungsleistungen wegen des Auszugs des
älteren Sohnes auf Fr. 1'927.--. Ab dem 1. Januar 2016 betrugen die
Ergänzungsleistungen Fr. 1'996.-- pro Monat (Verfügung vom 21. Dezember 2015, EL-
act. 60).
A.g Im Februar 2016 reichte der Versicherte die Bewerbungsbemühungen seiner
Ehefrau vom November und Dezember 2015 und vom Januar und Februar 2016 ein
(EL-act. 50-5 ff., 52, 55). Die Ehefrau hatte im November eine, im Dezember zwei und
im Januar und Februar je drei Bewerbungen getätigt. Für den März 2016 reichte der
Versicherte eine Bewerbungsbemühung ein (EL-act. 49-9).
A.h Am 31. März 2016 informierte die EL-Durchführungsstelle den Versicherten (EL-
act. 48), dass seiner Ehefrau aufgrund der ungenügenden Arbeitsbemühungen ab dem
1. April 2016 ein hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 31'909.30 pro Jahr
angerechnet werde.
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A.i Mit Verfügung vom 1. April 2016 (EL-act. 46) reduzierte die EL-Durchführungsstelle
die Ergänzungsleistungen ab 1. April 2016 auf Fr. 842.-- monatlich (Prämienpauschale
Krankenversicherung). Bei den Ausgaben wurden der Ehefrau des Versicherten keine
Nichterwerbstätigenbeiträge an die AHV mehr angerechnet (Fr. 502.-- pro Jahr). Bei
den Einnahmen wurde neu ein hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau von Fr.
20'272.-- angerechnet ([Fr. 31'909.-- - Fr. 1'500.--] / 3 x 2).
A.j Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 13. April 2016 Einsprache
erheben (EL-act. 43). Seine Vertreterin machte geltend, dass die Ehefrau des
Versicherten wegen einer Zehenoperation voll arbeitsunfähig sei. Sie bat darum, der
Ehefrau vorerst kein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen. Der Einsprache
lag ein ärztliches Zeugnis der Klinik C._ vom 6. April 2016 bei, wonach die Ehefrau
des Versicherten ab dem 4. April 2016 vorerst vier Wochen lang zu 100 %
arbeitsunfähig sei (EL-act. 44-1). Am 20. April 2016 berichtete Dr. med. D._, Facharzt
für Allgemeinmedizin, dass die Ehefrau des Versicherten aus gesundheitlichen Gründen
zurzeit nicht in der Lage sei, sich zu bewerben und sich um eine Arbeitsstelle zu
bemühen (EL-act. 37). Derselbe Arzt berichtete am 8. Juni 2016, dass die Ehefrau des
Versicherten ab Juni 2016 wieder voll arbeitsfähig sei (EL-act. 34).
A.k Am 25. Juli 2016 ging der angeforderte Austrittsbericht der Klinik C._ vom 11.
April 2016 zusammen mit einem Begleitschreiben vom 12. Juli 2016 ein (EL-act. 24).
Die Klinikärzte hatten berichtet, dass die Ehefrau des Versicherten wegen einer
Revision des JP-Gelenks am rechten Fuss vom 4. bis 6. April 2016 hospitalisiert
gewesen sei. In erster Linie bestehe ein Hallux rigidus mit sekundären osteophytären
Ossifikationen im Bereich des I. Strahles am rechten Fuss. Die Beschwerden könnten
naturgemäss sehr hartnäckig und therapieresistent sein. Aus orthopädischer Sicht
seien mehrwöchige entlastende Massnahmen und Therapienotwendigkeiten angezeigt.
Der weitere Verlauf sei noch offen.
A.l Eine EL-Sachbearbeiterin des Fachbereichs hielt am 21. Oktober 2016 fest (EL-
act. 18), dass die Ehefrau des Versicherten im April und Mai 2016 aufgrund ihrer vollen
Arbeitsunfähigkeit keine Arbeitsstelle hätte antreten können und auch kein
Vorstellungsgespräch hätte wahrnehmen können. Es sei daher nachvollziehbar, dass
sie die Stellensuche erst im Juni 2016 wieder aufgenommen habe. Da die Ehefrau des
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Versicherten ab Juni 2016 wieder voll arbeitsfähig gewesen sei, hätte sie frühestens per
Juli 2016 eine Arbeitsstelle antreten können. Für den Zeitraum April bis Juni 2016 sei
daher kein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen. Die Prüfung der
Bewerbungen der Monate Juni bis September 2016 habe ergeben, dass die gestellten
Anforderungen zu keinem Zeitpunkt erfüllt worden seien. Deshalb sei ihr ab Juli 2016
ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen.
A.m Mit Entscheid vom 9. Dezember 2016 hiess die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache insoweit gut, als sie dem Versicherten von April bis Juni 2016 eine
monatliche EL von Fr. 1'996.-- zusprach. Im Übrigen wies sie die Einsprache ab. Zur
Begründung führte sie an, dass aufgrund der Operation und der Krankschreibung
ausgewiesen sei, dass sich die Ehefrau des Versicherten in der Zeit von April bis Juni
2016 nicht um eine Arbeitsstelle habe bemühen können. Für diese Zeit werde ihr daher
kein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet. Ab Juli 2016 hätte die Ehefrau
des Versicherten theoretisch eine Stelle antreten können. Da ihre Arbeitsbemühungen
weder die quantitativen noch die qualitativen Anforderungen an ausreichende
Arbeitsbemühungen erfüllten, sei ihr ab Juli 2016 zu Recht ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet worden.
A.n Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 16. Dezember 2016 Beschwerde erheben (act. G 1). Seine
Vertreterin machte geltend, dass es der Ehefrau des Beschwerdeführers aufgrund ihrer
bescheidenen Schulbildung nicht möglich sei, die gestellten Anforderungen an die
Bewerbungen zu erfüllen. Obwohl die Ehefrau an Weiterbildungen des RAV habe
teilnehmen können, habe sie seit fünf Jahren keine neue Stelle gefunden. Das RAV
habe der Ehefrau des Beschwerdeführers mitgeteilt, dass fünf Bewerbungen (pro
Monat) ausreichten, wobei davon zwei Blindbewerbungen sein dürften. Dass neu nun
acht Bewerbungen nötig seien, habe sie erst durch den Einspracheentscheid erfahren.
Die Ehefrau des Beschwerdeführers sei nach wie vor sehr motiviert, eine neue Stelle zu
finden. Hinderlich seien jedoch ihr Alter, ihre Herkunft, ihre mangelhaften schriftlichen
Deutschkenntnisse und ihr durch die unzähligen Absagen geschrumpftes
Selbstvertrauen.
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A.o Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am
20. Januar 2017 die Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Sie verzichtete auf eine
Beschwerdeantwort.
A.p Am 3. November 2017 informierte das Gericht die Vertreterin des
Beschwerdeführers (act. G 7), bei einer ersten Durchsicht der Akten sei aufgefallen,
dass das ab dem 1. Juli 2016 angerechnete hypothetische Erwerbseinkommen von Fr.
31'909.-- wohl zu tief sein dürfte. Gemäss den vorläufigen Berechnungen des Gerichts
könnte sich das hypothetische Erwerbseinkommen auf Fr. 44'271.-- belaufen. Der
Entscheid des Gerichts könnte folglich zu einer Schlechterstellung des
Beschwerdeführers führen. Das Gericht räumte der Vertreterin des Beschwerdeführers
daher die Gelegenheit ein, die Beschwerde zurückzuziehen. Die Vertreterin des
Beschwerdeführers liess sich nicht vernehmen.

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin hat der Ehefrau des Beschwerdeführers mit der
Verfügung vom 1. April 2016 neu ab dem 1. April 2016 ein hypothetisches
Erwerbseinkommen von Fr. 20'272.-- als Einnahme angerechnet. Bei den Ausgaben
hat sie zudem die AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige gestrichen. Mit dem
angefochtenen Einspracheentscheid vom 9. Dezember 2016 hat die
Beschwerdegegnerin die Einsprache insoweit gutgeheissen, als sie für den Zeitraum 1.
April bis 30. Juni 2016 auf die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
verzichtet hat; im Übrigen hat sie die Einsprache abgewiesen. Damit hat sie
ausdrücken wollen, dass der Ehefrau des Beschwerdeführers ab 1. Juli 2016 ein
hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 20'272.-- angerechnet werde.
1.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird bei der Erhebung einer
Einsprache das Verwaltungsverfahren erst durch den Einspracheentscheid
abgeschlossen, welcher die ursprüngliche Verfügung ersetzt. Für eine spätere
richterliche Beurteilung sind gemäss dem Bundesgericht deshalb grundsätzlich die
tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Erlasses des strittigen Einspracheentscheides
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massgebend (BGE 131 V 407 E. 2.1.2.1 mit Hinweisen). Dieser bundesgerichtlichen
Rechtsprechung kann nicht gefolgt werden: Bei der Einsprache handelt es sich um ein
förmliches Rechtsmittel, mit dem eine Verfügung bei der verfügenden
Verwaltungsbehörde zwecks Neuüberprüfung angefochten werden kann (HÄFELIN/
MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich 2016, N 1194;
BGE 131 V 407 E. 2.1.2.1. mit Hinweisen). Mit einem Rechtsmittel kann ein gerichtlicher
oder behördlicher Entscheid auf seine Rechtmässigkeit hin überprüft werden. Der
Streitgegenstand wird somit durch den Inhalt des angefochtenen Entscheides definiert.
Mit der Einsprache kann folglich nur angefochten werden, was Gegenstand der
angefochtenen Verfügung gewesen ist (H. SEILER, Rechtsfragen des
Einspracheverfahrens in der Sozialversicherung [Art. 52 ATSG], in: Schaffhauser/
Schlauri [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2007, S. 76). Die zukünftige
Sachverhaltsentwicklung, d.h. die Zeit zwischen dem Verfügungserlass und dem Erlass
des Einspracheentscheides, gehört daher nicht zum Streitgegenstand. Gegen eine
Ausdehnung des Streitgegenstandes in zeitlicher Hinsicht sprechen auch weitere
Gründe: Würde die zukünftige Sachverhaltsentwicklung zum Streitgegenstand
gehören, könnte die Beschwerdegegnerin den Streitgegenstand beliebig vergrössern,
indem sie mit dem Erlass des Einspracheentscheides möglichst lange zuwarten würde.
Durch die Ausdehnung des Streitgegenstandes würde der Einsprache erhebenden
Person zudem die Möglichkeit genommen, gegen die Würdigung des Sachverhalts im
Zeitraum zwischen dem Verfügungserlass und dem Einspracheentscheid Einsprache
zu erheben (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 2. März 2015, EL
2012/37 E. 2). Ausserdem müssten alle Verfügungen, die seit der einspracheweise
angefochtenen Verfügung ergangen sind, als nichtig qualifiziert werden.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die bundesgerichtliche Praxis, wonach im
Einspracheentscheid die Verhältnisse bis zum Erlass des Einspracheentscheides zu
berücksichtigen sind, zwar effizient sein mag. Es geht jedoch nicht an, aus rein
verfahrensökonomischen Überlegungen den EL-beziehenden Personen den gesetzlich
vorgesehenen Rechtsmittelweg zu beschneiden.
1.3 Mit der Verfügung vom 1. April 2016 hat die Beschwerdegegnerin die laufende
Ergänzungsleistung revisionsweise (Art. 17 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1 i.V.m. Art. 25 Abs. 2
lit. c der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
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Invalidenversicherung, ELV, SR 831.301) an eine fiktive Sachverhaltsveränderung,
nämlich an die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit durch die Ehefrau bzw. an die
Erzielung eines Erwerbseinkommens angepasst. Hintergrund dieser fiktiven
Sachverhaltsveränderung hat der Umstand gebildet, dass die Ehefrau des
Beschwerdeführers sich nicht mit ausreichender Intensität um eine Arbeitsstelle
bemüht hatte, so dass nicht mehr von einer unverschuldeten Arbeitslosigkeit hatte
ausgegangen werden können. Gegenstand der Revisionsverfügung vom 1. April 2016
hat also nur die Frage gebildet, ob der damalige Sachverhalt die erstmalige
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau des
Beschwerdeführers erlaubt habe. Der Streitgegenstand des Einspracheverfahrens hat
also nur in der Frage bestanden, ob die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens ab 1. April 2016 als Folge der vorausgegangenen ungenügenden
Arbeitsbemühungen rechtmässig sei. Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen
Einspracheentscheid, wie im Folgenden noch zu zeigen sein wird, zu Recht die
Auffassung vertreten, dass die zum Zeitpunkt des Erlasses der Revisionsverfügung
vom 1. April 2016 noch nicht aktenkundige Arbeitsunfähigkeit der Ehefrau des
Beschwerdeführers eine Arbeitsaufnahme und damit die Erzielung eines
Erwerbseinkommens am 1. April 2016 objektiv ausgeschlossen habe, so dass die
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens rechtswidrig gewesen sei.
Obwohl sich der Streitgegenstand des Einspracheverfahrens also in der Frage nach der
Rechtmässigkeit der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens ab 1.
April 2016 zufolge ungenügender Arbeitsbemühungen erschöpft hat, ist die
Beschwerdegegnerin – unter Berufung auf die gesetzwidrige Bundesgerichtspraxis –
weiter gegangen, indem sie geprüft hat, wann die Arbeitsunfähigkeit der Ehefrau des
Beschwerdeführers endete und ob ab jenem Zeitpunkt ein hypothetisches
Erwerbseinkommen anzurechnen war. Als Ergebnis dieser Prüfung hat die
Beschwerdegegnerin dann im angefochtenen Einspracheentscheid ab 1. Juli 2016
erstmals ein hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau des Beschwerdeführers
angerechnet. Damit hat sie eine Sachverhaltsentwicklung (Wegfall der
Arbeitsunfähigkeit per 1. Juni 2016) revisionsrechtlich gewürdigt, die nicht Gegenstand
der einspracheweise angefochtenen Revisionsverfügung vom 1. April 2016 gebildet
hatte. Die Beschwerdegegnerin hat also das Einspracheverfahren in unzulässiger
Weise auf eine ausserhalb des Streitgegenstandes liegende Frage ausgedehnt.
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Diesbezüglich ist der angefochtene Einspracheentscheid ohne weiteres aufzuheben.
Die Beschwerdegegnerin wird über die revisionsrechtliche Konsequenz der
Überwindung der Arbeitsunfähigkeit per 1. Juni 2016 noch verfügen müssen.
Nachfolgend ist lediglich die Anspruchsberechnung für den Monat April 2016 auf ihre
Richtigkeit hin zu überprüfen.
2.
2.1 Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung, ELG, SR 831.30). Die anerkannten Ausgaben und die
anrechenbaren Einnahmen, worin in bestimmtem Umfang auch das Vermögen
einbezogen ist, werden nach den in Art. 10 und 11 ELG sowie den in Art. 11 bis 18 ELV
festgelegten Bestimmungen ermittelt.
2.2 Als Einnahmen anzurechnen sind gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG auch Einkünfte,
auf die verzichtet worden ist. Unter dem Titel des Verzichtseinkommens ist auch ein
hypothetisches Einkommen des Ehepartners eines Leistungsansprechers anzurechnen
(vgl. Art. 9 Abs. 2 ELG), sofern er auf eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder deren
zumutbare Ausdehnung verzichtet. Ist der Ehepartner im rechtlichen Sinne nicht invalid,
sind Art. 14a und Art. 14b ELV weder direkt noch analog anwendbar. Bei der Ermittlung
der zumutbaren Erwerbstätigkeit des Ehepartners ist praxisgemäss auf das Alter, den
Gesundheitszustand, die Sprachkenntnisse, die Ausbildung, die bisherige Tätigkeit, die
konkrete Arbeitsmarktlage sowie gegebenenfalls auf die Dauer der Abwesenheit vom
Berufsleben abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. April 2015,
9C_103/2015 mit Hinweisen). Auf die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens
ist zu verzichten, wenn der Ehepartner trotz ausreichender Arbeitsbemühungen keine
Stelle findet. Diese Voraussetzung gilt unter anderem als erfüllt, wenn er beim RAV zur
Arbeitsvermittlung angemeldet ist sowie qualitativ und quantitativ ausreichende (aber
erfolglose) Stellenbemühungen nachweist (vgl. Rz. 3482.03 der Wegleitung des
Bundesamtes für Sozialversicherungen über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV,
WEL, gültig ab 1. April 2011, Stand 1. Januar 2018).
3.
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3.1 Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat sich am 4. April 2016 einer
Zehenoperation unterzogen, die mehrwöchige entlastende Massnahmen und Therapien
nach sich gezogen hat. Der Hausarzt hat der Ehefrau vom 4. April bis 31. Mai 2016 eine
volle Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Die Ehefrau hätte daher im April 2016 keine neue
Arbeitsstelle antreten können. Zwar sind keine Gründe ersichtlich, weshalb die Ehefrau
wegen der Fussoperation nicht in der Lage hätte gewesen sein sollen, schriftliche oder
telefonische Bewerbungen zu tätigen. Die Bewerbungsbemühungen wären jedoch
sinnlos gewesen, weil es ihr aufgrund der postoperativ notwendigen entlastenden
Massnahmen kaum zumutbar gewesen sein dürfte, im April 2016
Bewerbungsgespräche wahrzunehmen. Auch wenn davon ausgegangen würde, dass
es ihr zumutbar gewesen wäre, im April 2016 an Bewerbungsgesprächen
teilzunehmen, wären die Arbeitsbemühungen nicht erfolgsversprechend gewesen, weil
ein potentieller Arbeitgeber wohl niemanden eingestellt hätte, der im
Bewerbungszeitpunkt (wenn auch nur vorübergehend) voll arbeitsunfähig und darüber
hinaus der weitere Heilungsverlauf noch offen war (EL-act. 24-5). Die
Beschwerdegegnerin hat die Verfügung vom 1. April 2016 mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid daher insoweit richtigerweise korrigiert, als sie für den Monat April
2016 auf die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens verzichtet hat.
3.2 Das Gericht hat dem Beschwerdeführer am 3. November 2017 gestützt auf eine
vorläufige Durchsicht der Akten mitgeteilt, dass der Entscheid des Gerichts zu einer
Schlechterstellung des Beschwerdeführers führen könnte. Das Gericht hat erst bei der
gründlichen Durchsicht der Akten erkannt, dass die Beschwerdegegnerin den
Streitgegenstand in unzulässiger Weise ausgedehnt hat und im vorliegenden Verfahren
daher die Höhe des von der Beschwerdegegnerin angerechneten hypothetischen
Erwerbseinkommens nicht überprüft werden muss. Die Androhung einer reformatio in
peius wäre also nicht notwendig gewesen.
3.3 Demnach ist der angefochtene Einspracheentscheid in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde mit Bezug auf den EL-Anspruch ab 1. Mai 2016 aufzuheben und die
Sache ist zur erstmaligen Verfügung über den EL-Anspruch im Zeitraum 1. Mai 2016
bis 31. Dezember 2016 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Bezüglich des
EL-Anspruchs für April 2016 ist die Beschwerde abzuweisen.
4.
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Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).