Decision ID: 5adc77eb-7c9f-41d3-9cac-77acb990fbaa
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Die Staatsanwaltschaft Baden erhob am 12. Februar 2020 Anklage gegen
den Beschuldigten wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem
Kind sowie mehrfacher Schändung.
2.
Mit Urteil vom 25. August 2020 erkannte das Bezirksgericht Baden:
1. Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf - der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Nachteil von C. (Anklagevorwurf Ziff. 1.2); - der mehrfach sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1
Abs. 1StGB zum Nachteil von C. (Anklagevorwurf Ziff. 1.3); - der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB zum Nachteil von C.
(Anklagevorwurf Ziff. 2).
2. Der Beschuldigte ist schuldig - der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
zum Nachteil von A. (Anklagevorwurf Zif.1.1.); - der mehrfachen Schändung i.S.v. Art. 191 StGB zum Nachteil von A. (Anklagevorwurf
Ziff. 2); - der sexuellen Handlung mit einem Kind i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Nachteil
von D. (Anklagevorwurf Zif.1.4); - der Schändung i.S.v. Art. 191 StGB zum Nachteil von D. (Anklagevorwurf Ziff. 2).
3. Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten Gesetzesbestimmungen sowie Art. 40 StGB, Art. 42 Abs. 4 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 106 StGB mit einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten und einer Busse von Fr. 1'000.00 bestraft.
Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen auszusprechen.
4. Die vorläufige Festnahme von einem Tag (9. Mai 2018) wird dem Beschuldigten gemäss Art. 51 StGB an die Freiheitsstrafe angerechnet.
5. Der Vollzug der ausgefällten Freiheitsstrafe wird gestützt auf Art. 42 i.V.m. Art. 43 StGB im Umfang von 20 Monaten aufgeschoben. Die Probezeit für den bedingten Teil der Strafe wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf 3 Jahre festgesetzt.
6. Gestützt auf Art. 44 Abs. 2 i.Vm. Art. 94 StGB wird dem Beschuldigten für die Dauer der Probezeit die Weisung erteilt, sich im «F.» der G. einer ambulanten persönlichkeits- und sexualitätsorientierten Psychotherapie mit dem Ziel einer Nachreifung, insbesondere im Bereich Sexualität, zu unterziehen.
- 3 -
Der Beschuldigte wird angewiesen, sich halbjährlich, d.h. jeweils Ende Juni und Ende Dezember, beginnend Dezember 2020, bei der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, Frey-Herosé-Strasse 20, 5001 Aarau, über den Verlauf der Behandlung unter Beilage einer Bestätigung des ausführenden Arztes oder Therapeuten auszuweisen.
Bei Nichteinhaltung der Weisung kann ein Widerruf des bedingten Strafvollzugs gemäss Art. 95 Abs. 3 und Abs. 5 StGB erfolgen.
7. Dem Beschuldigten wird gestützt auf aArt. 67 Abs. 3 StGB jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regemässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, für zehn Jahre verboten.
8. 8.1. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 1, D., Schadenersatz in der Höhe von Fr. 312.15 nebst Zins zu 5 % seit 8. Mai 2018 sowie eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 6'000.00 nebst Zins zu 5 % seit 8. Mai 2018 zu bezahlen.
8.2. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 3, A., Schadenersatz in der Höhe von Fr. 350.00 nebst Zins zu 5 % seit 21. Juli 2017 sowie eine Genugtuung von Fr. 15'000.00 nebst Zins zu 5 % seit 21. Juli 2017 zu bezahlen.
8.3. Im Übrigen werden die Schadenersatzansprüche des Zivil- und Strafklägers 3, A., auf den Zivilweg verwiesen.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 3, A., die gerichtlich auf Fr. 14'829.20 (inkl. 7.7 % MwSt. von Fr. 1'060.20) festgesetzten Parteikosten zu ersetzen (Art. 433 Abs. 1 StPO).
10. 10.1. Die Verfahrenskosten bestehen aus:
a) der Gerichtsgebühr Fr. 6'000.00 b) der Anklagegebühr Fr. 2'150.00 c) den Kosten für die amtliche Verteidigung Fr. 13'639.15 d) den Kosten für Übersetzungen Fr. 282.00 e) den Kosten für die das Gutachten Fr. 14'685.35 f) den Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden Fr. 334.70 g) den Spesen (inkl. Raummiete) Fr. 850.00 h) den Spesen für die schriftliche Begründung Fr. 75.00 Total Fr. 38'016.20
10.2. Dem Beschuldigten werden die Gebühren gemäss lit. a und b) sowie die Kosten gemäss lit. e-h) zu 5/6 mithin im Umfang von Fr. 20'079.20 auferlegt. Im Übrigen werden die Kosten auf die Staatskasse genommen.
10.3. Die Kosten für die Übersetzung gemäss lit. d) gehen zu Lasten des Staates (Art. 426 Abs. 3 lit. b StPO).
- 4 -
11. Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten, lic.iur. Peter Fäs, Rechtsanwalt, Q., wird eine Entschädigung von Fr. 13'639.15 (inkl. 7.7 % MwSt. von Fr. 975.15) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen (Kosten gemäss lit. c) und die Gerichtskasse wird angewiesen, die Auszahlung nach Rechtskraft vorzunehmen.
Die Entschädigung wird einstweilen auf der Gerichtskasse Baden vorgemerkt. Der Betrag von Fr. 13'639.15 wird vom Beschuldigten zu 5/6, mithin im Umfang von Fr. 11'365.95, zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).
3.
3.1.
Mit Berufungserklärung vom 2. März 2021 beantragte der Beschuldigte, er
sei vom Vorwurf der mehrfachen Schändung gemäss Art. 191 StGB sowie
der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1
Abs. 1 StGB zum Nachteil von A. freizusprechen. Er sei wegen sexueller
Handlung mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Nachteil
von D. (Anklagevorwurf Ziff. 1.4) schuldig zu sprechen und mit einer
bedingten Geldstrafe von 160 Tagessätzen à Fr. 50.00, Probezeit 2 Jahre,
sowie einer Busse von Fr. 350.00 zu bestrafen. Ihm sei gestützt auf Art. 44
Abs. 2 i.V.m. Art. 94 StGB für die Dauer der Probezeit die Weisung zu
erteilen, sich bei einer Fachperson einer ambulanten persönlichkeits- und
sexualitätsorientierten Psychotherapie zu unterzeihen. Auf ein
Tätigkeitsverbot sei zu verzichten. Weiter sei die von ihm zu bezahlende
Genugtuung an den Privatkläger D. auf Fr. 2'000.00 zu reduzieren und die
Zivilklage des Privatklägers A. sei abzuweisen.
3.2.
Der Beschuldigte reichte am 30. April 2021 vorgängig zur Berufungs-
verhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein.
3.3.
Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 26. Mai 2021 beantragte die
Staatsanwaltschaft Baden die Abweisung der Berufung.
3.4.
Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 7. Juni 2021 beantragte der
Privatkläger A. die Abweisung der Berufung.
4.
Die Berufungsverhandlung fand am 24. Januar 2022 statt.
- 5 -

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Die erstinstanzlichen Freisprüche wurden nicht angefochten. Dasselbe gilt
bezüglich des Schuldspruchs wegen sexueller Handlung mit einem Kind
gemäss Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Nachteil von D.
(Anklageziffer 1.4). Ebenfalls unangefochten blieben die Schadenersatz-
pflicht des Beschuldigten in Bezug auf D. im Umfang von Fr. 312.15 sowie
die Höhe der Entschädigung des amtlichen Verteidigers. Eine Überprüfung
dieser Punkte findet somit – unter Vorbehalt von Art. 404 Abs. 2 StPO –
nicht statt (Art. 404 Abs. 1 StPO). Da nur der Beschuldigte die Berufung
erklärt hat und keine Anschlussberufung erhoben worden ist, ist das
Obergericht an das Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in
peius, Art. 391 Abs. 2 StPO) gebunden.
2. Schändung zum Nachteil von D. (Anklageziffer 2)
2.1.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf den Anklagesachverhalt
Ziff. 2 der (mehrfachen) Schändung schuldig gesprochen. Sie stützte sich
dabei auf das Geständnis des Beschuldigten, welcher die ihm
vorgeworfenen sexuellen Handlungen zum Nachteil von D. anerkannt
hatte. Aufgrund der Tatsache, dass D. zum Tatzeitpunkt erst ca. 4 1⁄2 Jahre
alt war und zudem während der sexuellen Übergriffe schlief, sah die
Vorinstanz den Tatbestand von Art. 191 StGB als erfüllt an.
2.2.
Der Beschuldigte hat die sexuellen Handlungen zum Nachteil von D.
gemäss der Anklageziffer 1.4 – ausser der ihm in der Anklage
vorgeworfenen Dauer des Saugens – anerkannt. Somit ist erstellt, dass der
Beschuldigte am 8. Mai 2018, ca. 12:30 Uhr, den Penis des damals ca.
4 1⁄2 jährigen D. in den Mund genommen, diesen mit seinen Lippen
umschlossen und daran während zwei bis drei Sekunden gesaugt hat.
Unbestritten ist auch, dass D. zuerst schlief und erst wach geworden ist,
als der Beschuldigte an ihm manipulierte.
Der Beschuldigte beanstandet die rechtliche Würdigung und macht
geltend, eine parallele Bestrafung gemäss Art. 191 StGB komme nicht in
Frage. Der Tatbestand der Schändung sei in jenem von Art. 187 Ziff. 1
Abs. 1 StGB enthalten, da die Urteilsunfähigkeit von D. ausschliesslich auf
dessen Kindesalter zurückzuführen sei. Er sei deshalb einzig wegen
Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu verurteilen.
2.3.
Nach Art. 191 StGB macht sich der Schändung strafbar, wer eine
urteilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis
ihres Zustands zum Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer
- 6 -
anderen sexuellen Handlung missbraucht. Nach Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1
StGB macht sich strafbar, wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine sexuelle
Handlung vornimmt. Zwischen Art. 187 und Art. 191 StGB besteht echte
Konkurrenz (BGE 146 IV 153 E. 3.5.2 mit Hinweisen).
Bei kindlichen Opfern ist der Tatbestand der Schändung (Art. 191 StGB)
auf den Fall, in dem ein Kind seinen freien Willen betreffend sexuelle
Handlungen noch nicht bilden kann, zugeschnitten (BGE 146 IV 153
E. 3.5.3 mit Verweis auf BGE 120 IV 194 E. 2 mit Hinweisen). Solange das
Kind mangels Einsichtsfähigkeit noch gar keinen eigenen Willen betreffend
sexuelle Handlungen entwickeln kann, ist von der Urteilsunfähigkeit des
Kindes auszugehen. Für Fälle, in denen ein «Nein» des Kindes zu den
sexuellen Handlungen nicht zu erwarten ist, weil das Kind die
vorgenommenen Handlungen noch gar nicht einordnen kann, ist deshalb
der Tatbestand der Schändung einschlägig (BGE 146 IV 153 E. 3.5.3).
D. war zum Tatzeitpunkt 4 1⁄2 Jahre alt. Grundsätzlich ist in diesem Alter
von Urteilsunfähigkeit betreffend sexuelle Handlungen auszugehen (vgl.
bei einem 7-jährigem Kind: Urteil des Bundesgerichts 6B_1194/2015 vom
3. Juni 2016 E. 1.3.2; bei einem 5-jährigen Kind: Urteil des Bundesgerichts
6B_1310/2016 vom 13. Dezember 2017 E. 11.2). Seine Aussagen zeigen
denn auch offenkundig, dass er nicht in der Lage war, die sexuellen
Handlungen einzuordnen (vgl. Videobefragung vom 21. Mai 2018 [UA act.
166 ff.]). Mit seiner Argumentation verkennt der Beschuldigte, dass gerade
in solchen Fällen der Tatbestand von Art. 191 StGB greift. Abgesehen
davon wäre auch von Widerstandsunfähigkeit von D. auszugehen,
nachdem unbestritten ist, dass dieser schlief, als der Beschuldigte mit den
sexuellen Handlungen an ihm angefangen hat (vgl. Protokoll der
Hauptverhandlung vom 21. Juli 2020, S. 58 [GA act. 143]; Protokoll der
Berufungsverhandlung [Protokoll], S. 9).
Die Berufung erweist sich als unbegründet und ist in diesem Punkt
abzuweisen.
3. Sexuelle Handlungen zum Nachteil von A. (Anklageziffer 1.1)
3.1.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf den Sachverhalt der
Anklageziffer 1.1 der mehrfachen sexuellen Handlung mit einem Kind zum
Nachteil von A. schuldig gesprochen. Sie hat es gestützt auf die Aussagen
von A. als erstellt erachtet, dass der Beschuldigte in einem Zeitraum von
Oktober 2016 bis Ende Juli 2017 dem schlafenden A. die Hosen und
Unterhosen herunterzog und seinen Penis jeweils in dessen Mund führte.
A. sei aufgrund dieser Handlungen jeweils erwacht.
- 7 -
Der Beschuldigte wendet sich mit seiner Berufung gegen die Schuld-
sprüche gemäss Anlageziffer 1.1 und verlangt einen Freispruch. Er
bestreitet den Vorwurf vollumfänglich, indem er ausführt, nie irgendwelche
sexuellen Handlungen an A. vorgenommen zu haben.
3.2.
3.2.1.
Dem Beschuldigten wird in der Anklageziffer 1.1 vorgeworfen, in der Zeit
von ca. Oktober 2016 bis ca. Ende Juli 2017, längstens aber bis am 8. Mai
2018, dem damals 2-jährigen A., während dieser den Mittagsschlaf hielt,
die Hosen und Unterhosen heruntergezogen zu haben und seinen Penis
jeweils in den Mund von A. eingeführt zu haben. Aufgrund der erwähnten
Handlungen sei A. jeweils erwacht (Anklageziffer 1.1).
3.2.2.
Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten
Verfahren gewonnen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StGB). Bestehen
unüberwindbare Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-
setzungen der angeklagten Tat, d.h. solche, die sich nach der objektiven
Sachlage aufdrängen, geht das Gericht von der für den Beschuldigten
günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO; Grundsatz «in dubio pro
reo»). Bloss abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend,
weil solche immer möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt
indes nicht, dass bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf
den für den Beschuldigten günstigeren Beweis abzustellen wäre. Die
Entscheidregel «in dubio pro reo» ist erst anwendbar, nachdem alle aus
der Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und
ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzem
relevante Zweifel bestehen, wobei nur das Übergehen offensichtlich
erheblicher Zweifel eine Verletzung des Grundsatzes «in dubio pro reo» zu
begründen vermag (BGE 144 IV 354 E. 2.2.3.2 ff.; Urteil des
Bundesgerichts 6B_1395/2019 vom 3. Juni 2020 E. 1.1).
Bei Sexualdelikten sind die Aussagen von Opfer und Täter für das
Beweisergebnis von entscheidender Bedeutung. Bei der Würdigung ihrer
Aussagen sind zwei Aspekte zu unterscheiden: Die personenbezogene
Glaubwürdigkeit und die aussagebezogene Glaubhaftigkeit. Die
allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person lässt sich an ihrer Persönlichkeit,
ihren möglichen Motiven und der Aussagesituation abschätzen. Sie bildet
aber lediglich den Randbereich der Aussagenanalyse und darf deshalb nie
alleiniges oder überwiegendes Kriterium für die Überprüfung des
Realitätsgehalts einer Aussage sein. Im Vordergrund steht deshalb die
Glaubhaftigkeit einer konkreten Aussage, die sich nach ihrem Inhalt
bestimmt (BGE 129 I 49 E. 5; BGE 128 I 81 E. 2).
- 8 -
3.2.3.
Die behaupteten Übergriffe liegen relativ weit zurück (2016 bis 2018) und
betreffen einen Zeitraum, in welchem A. mit ca. zwei Jahren noch ein
Kleinkind war. Die Verlässlichkeit von Aussagen von Kindern im Vor- und
Grundschulalter ist beschränkt (Urteil des Bundesgericht 6B_655/2020
vom 7. Oktober 2020 E. 2.4.4 mit Verweis auf 6P.99/2005 vom 10. Januar
2006 E. 4.1.3). Diese können zwar durchaus glaubhafte und
strafprozessual verwertbare Beweisaussagen machen (vgl. Urteil des
Bundesgericht 6B_655/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 2.4.4 mit Verweis auf
Urteil 1P.38/2007 vom 22. Mai 2007 E. 7.1.1 mit Hinweisen; ADRIAN
BERLINGER, Glaubhaftigkeitsbegutachtung im Strafprozess, Beweis-
eignung und Beweiswert, 2014, S. 26). Es ist jedoch davon auszugehen,
dass verlässliche Darstellungen kaum vor Abschluss des vierten Lebens-
jahrs zu erhalten sind (BERLINGER, a.a.O., S. 26; SUSANNA NIEHAUS, Begut-
achtung der Glaubhaftigkeit von Kinderaussagen, in: Die Praxis des
Familienrechts, FamPra.ch, 2010, S. 319). Soweit es um die Beurteilung
der Aussagezuverlässigkeit geht, ist der Gefahr von suggerierten
Aussagen Rechnung zu tragen; insbesondere jüngere Kinder sind unter
bestimmten Bedingungen (z.B. gegenüber Autoritätspersonen) ausge-
sprochen empfänglich für suggestive Beeinflussung (NIEHAUS, a.a.O., S.
319). Aussagen von Kindern, selbst Aussagen über persönlich bedeut-
same, körperliche Beeinträchtigungen umfassende Ereignisse, können so
sehr beeinflusst sein, dass es sich nicht um tatsächliche Erinnerungen
handelt, sondern um bare Erfindungen (BERLINGER, a.a.O., S. 68 ff.;
NIEHAUS, a.a.O, S. 333 ff.; Urteil des Bundesgericht 6B_655/2020 vom 7.
Oktober 2020 E. 2.4.4 und zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts
6B_1109/2019 vom 23. September 2020 E. 2.5.3). Dies ist insofern prob-
lematisch, als dass sich suggestionsbedingte Falschaussagen, deren feh-
lender Realitätsgehalt der aussagenden Person nicht bewusst ist, von er-
lebnisbasierten Schilderungen nicht mehr hinreichend unterscheiden las-
sen. In Fällen mit hohem Suggestionspotential in der Entstehungsgeschich-
te der Aussage besteht damit keine Möglichkeit mehr, die Suggestions-
hypothese mit hinreichender Zuverlässigkeit zu verwerfen. Die Glaub-
haftigkeit der Aussage lässt sich hier nicht mehr überprüfen (Urteil des
Bundesgerichts 6B_655/2020 E. 2.4.4 und Urteil 6B_1109/2019 E. 2.5.3
mit Verweis auf BERLINGER, a.a.O., S. 68 ff., NIEHAUS, a.a.O.; S. 333 ff.).
3.2.4.
Die erste verwertbare Einvernahme vom A. fand am 14. Januar 2019 statt
(UA act. 325 ff.) und damit mehr als zwei Jahre nach dem ersten
behaupteten Übergriff. Aufgrund des langen Zeitablaufs sind die Aussagen
von A. praktisch keiner inhaltlichen Analyse zugänglich. Nicht
auszuschliessen ist, dass seine Erinnerungen durch Befragungen,
Gespräche und Therapien beeinflusst und möglicherweise auch verfälscht
wurden. Anlässlich dieser Einvernahme (UA act. 327 ff.) war A. nicht in der
Lage, irgendwelche Details zu den angeklagten Handlungen zu
- 9 -
beschreiben. Seine Schilderungen sind denn auch sehr sprunghaft und
äusserst knapp. An Vieles vermag er sich nicht mehr zu erinnern, kann
weder Namen noch Aussehen der Person angeben, welche ihn angefasst
haben soll (UA act. 330 f.); einzig, was geschehen sein soll («Kiki in den
Mund gelegt»), wiederholt er an mehreren Stellen. Mit «Kiki» scheint er das
männliche Geschlechtsteil zu meinen (vgl. UA act. 333 sowie Video in UA
act. 342). Dass er damit das männliche Geschlechtsteil bezeichnet, wird
lediglich von seiner Mutter bestätigt (UA act. 278); dagegen verneint die
Betreuerin E., dass A. diesen Ausdruck gebraucht (UA act. 314). Genauere
Angaben kann er nicht mehr machen, was aufgrund des Zeitablaufs nicht
erstaunt und überdies mit seinem Kindesalter ohne Weiteres erklärbar ist.
Schliesslich ist auch der Umstand zu berücksichtigen, dass er von seinen
Eltern über den Zweck der Einvernahme informiert und dass darüber
gesprochen wurde (UA act. 330, 335). Inwiefern hier eine (ungewollte)
Suggestion stattgefunden hat, kann nicht mehr beurteilt werden. Auffallend
ist jedoch, dass er gleich zu Beginn, noch bevor ihm die Polizistin den
Zweck der Einvernahme sowie die Rechtsbelehrungen erläutern konnte,
sagte, jemand habe den «Kiki» in den Mund gelegt (UA act. 327).
Nicht zum Vergleich herangezogen werden darf die (undatierte) Audio-
aufnahme, welche das Gespräch zwischen A. und seiner Mutter wiedergibt
(UA act. 296). Zum einen handelt es sich dabei nicht um eine verwertbare
Einvernahme im Sinne von Art. 147 StPO, zum anderen sind die
Umstände, unter welchen das Gespräch stattfand, nicht bekannt. Aus dem
Transkriptionsprotokoll (UA act. 296 ff.) ergibt sich, dass viele Aussagen
von A. nur bruchstückhaft wiedergegeben werden konnten, da seine
Aussagen oft unverständlich sind. A. erwähnte die angeblichen Übergriffe
gegenüber seiner Mutter nicht spontan, sondern nur auf gezielte Fragen
dieser Autoritätsperson. Das Risiko einer möglichen (ungewollten)
Suggestion kann daher nicht ausgeschlossen werden.
Ob es sich bei den Schilderungen von A. um tatsächlich Erlebtes handeln
könnte, lässt sich damit selbst mittels einer aussagepsychologischen
Begutachtung nicht mehr eruieren, zumal sich – wie dargelegt –
erlebnisbasierte Aussagen nicht hinreichend von suggerierten Aussagen,
welche auf diese Weise verinnerlicht worden sind, abgrenzen lassen. Auch
eine erneute Befragung von A. erscheint folglich zwecklos. Seine
persönliche Befragung würde nicht zur Klärung des Sachverhalts
beitragen.
3.2.5.
Auch die von den Eltern – übereinstimmend – geschilderten Verhaltens-
auffälligkeiten von A. vermögen daran nichts zu ändern. Zwar können sie
ein Indiz für Erlebtes sein, genügen aber für sich allein noch nicht, um den
angeklagten Sachverhalt als erstellt zu betrachten. Die Schilderungen
- 10 -
diesbezüglich sind zu unspezifisch; ungeklärt ist auch, wann diese
Auffälligkeiten begonnen haben.
3.2.6.
Als verzichtbar erweist sich auch die von der Vertreterin von A. verlangte
erneute Einvernahme von den Kindseltern I. und H.. Vorliegend wurden
beide im Verlaufe der Strafuntersuchung mehrfach, zuletzt anlässlich der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 25. August 2020, befragt. Ihre
Aussagen wurden protokolliert und bilden Aktenbestandteil. Von einer
erneuten Befragung sind keine weiterführenden Erkenntnisse zu erwarten,
zumal sie keine direkten Aussagen zu den vorgeworfenen sexuellen
Handlungen machen können.
3.3.
Zusammenfassend besteht keine Möglichkeit mehr, die Suggestions-
hypothese mit hinreichender Zuverlässigkeit zu verwerfen. Die Glaubhaftig-
keit der Aussagen von A. lässt sich nicht mehr überprüfen. Insgesamt
bestehen für das Obergericht mangels objektiver Beweise und
verwertbarer Aussagen von A. nicht nur theoretische Zweifel daran, ob sich
der Anklagesachverhalt, so wie er dem Beschuldigten in Anklageziffer 1.1
vorgeworfen wird, zugetragen hat. Infolgedessen ist der Beschuldigte
gestützt auf den Grundsatz «in dubio pro reo» hinsichtlich der
Anklageziffern 1.1 freizusprechen. Die Berufung des Beschuldigten erweist
sich in diesem Punkt als begründet und ist gutzuheissen.
4. Schändung zum Nachteil von A. (Anklageziffer 2)
Dem Beschuldigten wird unter Anklageziffer 2 vorgeworfen, sich der
mehrfachen Schändung zum Nachteil von A. schuldig gemacht zu haben.
Nachdem dem Beschuldigten keine sexuellen Handlungen zum Nachteil
von A. nachgewiesen werden können, ist er auch hinsichtlich des Vorwurfs
der Schändung in Anklageziffer 2 freizusprechen. Die Berufung erweist sich
in diesem Punkt als begründet und ist gutzuheissen.
5. Strafzumessung
5.1.
Der Beschuldigte hat sich der Schändung gemäss Art. 191 StGB und der
sexuellen Handlung mit einem Kind gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB zum
Nachteil von D. schuldig gemacht, wofür er angemessen zu bestrafen ist.
5.2.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE
144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit
Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden.
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- 11 -
5.3.
5.3.1.
Wie zu zeigen sein wird, kommt aufgrund der jeweiligen Schwere des
Verschuldens sowohl für die Schändung als auch die sexuelle Handlung
mit einem Kind nur eine Freiheitsstrafe infrage. In einem ersten Schritt ist
somit die Einsatzstrafe für die schwerste Tat, vorliegend die Schändung,
festzusetzen. Diese Einsatzstrafe ist um die weitere Straftat, die sexuelle
Handlung mit einem Kind, angemessen zu erhöhen. Schliesslich ist die
Täterkomponente zu berücksichtigen.
5.3.2.
In Bezug auf die Schändung gemäss Art. 191 StGB ergibt sich Folgendes:
Der Tatbestand der Schändung gemäss Art. 191 StGB sieht eine
Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren oder eine Geldstrafe vor. Das
Gericht misst die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens nach dem
Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgangspunkt für die Straf-
zumessung bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen
Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand der Schändung gemäss
Art. 191 StGB schützt – sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern –
die sexuelle Freiheit von Personen, die nicht in der Lage sind, sich gegen
sexuelle Zumutungen zu wehren (BGE 146 IV 153 E. 3.5.2).
Der Beschuldigte zog dem zum Tatzeitpunkt ca. 4 1⁄2 jährigen D., als dieser
den Mittagsschlaf abhielt, die Hosen und Unterhosen herunter, umschloss
dessen Penis mit seinem Mund und sog während mindestens zwei bis drei
Sekunden daran. Der durch den Oralverkehr bewirkte Eingriff in die
sexuelle Integrität von D. ist nicht zu bagatellisieren, selbst wenn der
eigentliche Akt nur sehr kurz dauerte und es sich insgesamt im Vergleich
zu den denkbaren Formen unfreiwilligen Oralverkehrs nicht um die
schwerste Form (z.B. Penetration des Mundes des Opfers mit dem Penis)
handelte. Im breiten Spektrum der bei einer Schändung möglichen und
denkbaren Handlungen handelt es sich um einen vergleichsweise
mittelschweren Eingriff. Entsprechend schwer wiegt der damit
einhergehende Taterfolg.
Verschuldenserhöhend ist die Art und Weise bzw. die Verwerflichkeit der
Tatbegehung zu berücksichtigen. Der Beschuldigte hat seine Funktion als
Betreuer, dem es oblag, die psychische und physische Integrität der ihm
anvertrauten Kinder zu wahren, bewusst ausgenutzt, indem er für den
sexuellen Übergriff gezielt die Mittagspause gewählt hatte, im Wissen
darum, während dieser Zeit weitgehend unbeobachtet zu sein.
Der Schändung ist eine (rein) sexuelle sowie egoistische Motivation
immanent, was für sich allein nicht verschuldenserhöhend zu berück-
sichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.194/2001 vom 3. Dezember
- 12 -
2002 E. 7.4.2). Der Beschuldigte verfügte jedoch über ein sehr hohes Mass
an Entscheidungsfreiheit. Er war weder in seiner Einsichts- noch in seiner
Steuerungsfähigkeit eingeschränkt (vgl. Gutachten, S. 52 [UA act. 426]). Je
leichter es aber für den Beschuldigten gewesen wäre, die sexuelle
Selbstbestimmung von D. zu respektieren, desto schwerer wiegt die
Entscheidung dagegen und damit einhergehend das Verschulden (vgl.
BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114 mit Hinweisen).
Im breiten Spektrum der vom Tatbestand der Schändung erfassten
Sachverhalte ist insgesamt von einem nicht mehr leichten Verschulden und
einer dafür angemessenen Einsatzstrafe von 18 Monaten sowie einer
Verbindungsbusse von Fr. 3'000.00 (siehe dazu unten) als in ihrer Summe
angemessene Sanktion auszugehen.
5.3.3.
Diese Einsatzstrafe ist für die vom Beschuldigten begangene sexuelle
Handlung mit einem Kind, für welche bei isolierter Betrachtung auf eine
Freiheitsstrafe als Einzelstrafe zu erkennen ist, in Anwendung des
Asperationsprinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen.
Dazu ergibt sich Folgendes:
Art. 187 Ziff. 1 StGB schützt die seelische bzw. ungestörte sexuelle
Entwicklung des Kindes, bis es die notwendige Reife erreicht hat, die es
zur verantwortlichen Einwilligung in sexuelle Handlungen befähigt (BGE
146 IV 153 E. 3.5.2).
Der Beschuldigte hat den Penis von D. in den Mund genommen. Es handelt
sich um einen erheblichen Eingriff, wozu auf die obigen Erwägungen zur
Schändung verwiesen werden kann. D. ist dabei wach geworden und hat
in der Folge seinem Vater von diesem Vorfall erzählt hat, auch wenn er den
sexuellen Übergriff aufgrund seines Alters nicht eindeutig als solchen hat
einordnen können. Es wird sich weisen müssen, wie schwer und nachhaltig
dieser Vorfall zu einer Beeinträchtigung der ungestörten sexuellen
Entwicklung von D. führen wird. Es ist denn auch zu berücksichtigen, dass
D. keine nachhaltigen resp. bleibenden Schäden aus dem Erlebten
davontrug. Er benötigt bis heute keine Therapie oder eine ähnliche
Unterstützung (GA act. 114). Verschuldenserhöhend ist zu
berücksichtigen, dass der Beschuldigte als Betreuer von D. seine
Vertrauensstellung bewusst ausnützte und über ein sehr grosses Mass an
Entscheidungsfreiheit verfügte, während sich die sexuellen Beweggründe
als dem Tatbestand der sexuellen Handlung mit einem Kind immanenter
Umstand nicht verschuldenserhöhend auswirken können (siehe dazu
oben).
- 13 -
Vor dem Hintergrund des im Vergleich zur Schändung geringeren
Strafrahmens (Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe) und eines
wiederum nicht mehr leichten Verschuldens erscheint isoliert betrachtet
eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten als Einzelstrafe angemessen. Im
Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, dass ein enger, sachlicher
und zeitlicher Zusammenhang zwischen den zum Nachteil desselben
Opfers begangenen Delikten besteht. Entsprechend geringer erscheint im
Rahmen der Asperation der Gesamtschuldbeitrag der sexuellen Handlung
mit einem Kind, sodass sich gestützt auf Art. 49 StGB eine Erhöhung der
Einsatzstrafe um 6 Monate auf insgesamt 24 Monate rechtfertigt.
5.3.4.
In Bezug auf die Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte
weist keine Vorstrafen auf, was jedoch den Normalfall darstellt und sich bei
der Strafzumessung deshalb grundsätzlich neutral auswirkt (BGE
136 IV 2.6.4). Seine persönlichen Verhältnisse sind stabil. Er arbeitet
aktuell als Logistiker im K. und lebt alleine (Protokoll, S. 3).
Der Beschuldigte zeigte sich hinsichtlich der ihm zum Nachteil von D.
gemachten Vorwürfe in tatsächlicher Hinsicht grundsätzlich geständig und
bezeichnete dieses von sich aus als inakzeptabel (GA act. 141 und 144).
Auch wenn der Beschuldigte den Vorfall nicht von sich aus zur Anzeige
gebracht hatte, erfolgte sein Geständnis bereits anlässlich der zweiten
Einvernahme und damit zu einem frühen Zeitpunkt, was die Strafverfolgung
und Wahrheitsfindung in Bezug auf die Straftaten zum Nachteil von D.
zweifellos erleichterte. Entgegen der Vorinstanz wirkt sich dieser Umstand
erheblich strafmindernd aus, hängt eine Verurteilung bei Sexualdelikten mit
kindlichen Opfern doch zumindest dann, wenn keine objektiven
Beweismittel vorliegen, im Wesentlichen auch von den Aussagen bzw. dem
Geständnis des Täters ab. Der Beschuldigte hat sich noch während des
laufenden Strafverfahrens bei den Eltern von D. mit einem Brief
entschuldigt und hat diese Entschuldigung in ihrer Anwesenheit im Rahmen
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wiederholt (GA act. 141). Er hat
die Schadenersatzforderung im Umfang von Fr. 312.15 anerkannt und ist
weiterhin bereit, D. eine Genugtuung im Betrag von Fr. 2'000.00 zu
bezahlen. Positiv zu berücksichtigen ist sodann, dass er aus eigenem
Antrieb eine ambulante Psychotherapie organisiert hat und diese seit
September 2020 bis heute regelmässig besucht (vgl. Therapiebestätigung
vom 17. Dezember 2021; Schreiben von Dr. med. J., Forensische Praxis
vom 28. Oktober 2020 und 12. März 2021). Zusammenfassend ergibt sich,
dass der Beschuldigte die volle Verantwortung für sein Handeln übernimmt,
sich reuig und einsichtig zeigt. Dass er die Erfüllung des Tatbestands der
Schändung aus rechtlichen Gründen bestritten hat, ändert daran nichts.
Nachdem er von den weiteren ihm vorgeworfenen Straftaten
freigesprochen wird, kann ihm auch nicht zum Nachteil gereichen, dass er
diese stets bestritten hat.
- 14 -
Insgesamt rechtfertigt es sich, die Täterkomponente im Umfang von
8 Monaten strafmindernd zu berücksichtigen.
5.3.5.
Zusammengefasst erscheint dem Obergericht eine (bedingte) Freiheits-
strafe von 16 Monaten zuzüglich einer Verbindungsbusse von Fr. 3'000.00
(siehe dazu unten) in ihrer Summe als dem nicht mehr leichten
Verschulden und den persönlichen Verhältnissen angemessen.
5.4.
5.4.1.
Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe
von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe
nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer
Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Der
Strafaufschub ist die Regel, von der grundsätzlich nur bei ungünstiger
Prognose abgewichen werden darf. Er hat im breiten Mittelfeld der
Ungewissheit den Vorrang (BGE 134 IV 1 E. 4.2.2).
Die Prüfung, ob der Beschuldigte für ein dauerndes Wohlverhalten Gewähr
bietet, setzt eine Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände voraus.
In die Beurteilung mit einzubeziehen sind neben den Tatumständen auch
das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige
Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten auf eine
Bewährung zulassen. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse bis zum
Zeitpunkt des Entscheids miteinzubeziehen.
5.4.2.
Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf. Er lebt alleine in stabilen
Verhältnissen und geht einer geregelten Arbeit nach. Nach der vorläufigen
Festnahme und nach Verlust seiner damaligen Arbeitsstelle in der Kita
bemühte er sich um eine neue Anstellung. Er zeigte sich, wenn auch nicht
von Beginn an, geständig sowie einsichtig und reuig und entschuldigte sich
bei den Betroffenen. Er organisierte aus eigenem Antrieb eine wie vom
Gutachter Dr. med. L. empfohlene Psychotherapie und besucht diese seit
September 2020 regelmässig.
Das über den Beschuldigten eingeholte Gutachten vom 1. Oktober 2019
(UA act. 375 ff.) attestiert ihm eine insgesamt moderate Rückfallgefahr (UA
act. 427). Der Gutachter Dr. med. L. führt bezüglich des Rückfallrisikos aus,
dieses bestehe aufgrund der Persönlichkeitsakzentuierung mit Unreife und
Unsicherheit, insbesondere hinsichtlich der psychosexuellen Entwicklung
bzw. Orientierung. Diese Persönlichkeitsakzentuierung, welche keine
psychische Störung im engeren Sinne sei, bestehe zwar fort, könne jedoch
mittels einer persönlichkeits- und sexualitätsorientierten Psychotherapie
- 15 -
behandelt werden. Dadurch liesse sich die Gefahr neuerlicher Straftaten
erfolgversprechend begegnen (Gutachten, S. 53 und 54 [UA act. 427 und
428]). Im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung führte der
Gutachter aus, der Beschuldigte zeige sich sehr motiviert und interessiert
an einer solchen, von ihm empfohlenen Psychotherapie. Er habe keine
Hinweise darauf, dass der Beschuldigte eine diesbezügliche Weisung nicht
einhalten werde (GA act. 108).
Nach dem Gesagten ist dem Beschuldigte keine Schlechtprognose zu
stellen. Er bedarf im Hinblick auf die Verbesserung seiner Prognose jedoch
einer therapeutischen Unterstützung. Ihm ist deshalb – da die Anordnung
einer (ambulanten) Massnahme aufgrund des Verschlechterungsverbots
nicht infrage kommt – mit der Vorinstanz eine entsprechende Weisung zu
erteilen (siehe dazu unten). Gestützt auf das Gutachten vom 1. Oktober
2019, die ergänzenden Ausführungen des Gutachters im Rahmen der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung sowie unter Berücksichtigung der
gesamten Umstände ist davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte
unter Berücksichtigung der psychologischen Betreuung in Zukunft wohl
verhalten wird. Die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten
Strafvollzugs sind entsprechend erfüllt.
Den noch bestehenden Bedenken an seiner Legalbewährung ist – nebst
der Erteilung einer Weisung – mit einer erhöhten Probezeit von drei Jahren
Rechnung zu tragen (Art. 44 Abs. 1 StGB).
5.5.
5.5.1.
Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten für die Dauer der Probezeit die
Weisung erteilt, sich im «F.» der G. einer ambulanten persönlichkeits- und
sexualitätsorientierten Psychotherapie zu unterziehen.
Diese Weisung wird vom Beschuldigten inhaltlich nicht bestritten. Er
anerkennt ausdrücklich, eine solche persönlichkeits- und sexualitäts-
orientierte Psychotherapie absolvieren zu wollen. Er wendet sich einzig
gegen den durch die Vorinstanz fixierten Behandlungsort in der G. und will
stattdessen die bei Dr. med. J., R., begonnene Therapie fortführen. Dieser
Facharzt sei vom Gutachter, Dr. med. L., empfohlen worden
(Berufungserklärung, S. 30 ff.).
5.5.2.
Gemäss Art. 44 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 94 StGB können dem
Beschuldigten für die Dauer der Probezeit Weisungen erteilt werden.
- 16 -
Es erscheint zweifelhaft, ob die Erteilung einer blossen Weisung zur
Absolvierung einer persönlichkeits- und sexualitätsorientierten
Psychotherapie vorliegend der richtige Weg ist. Denn eine Weisung, sich
einer Therapie zu unterziehen, kommt nur in Betracht, wenn keine
Massnahmenbedürftigkeit besteht (Urteil des Bundesgerichts
6B_652/2016 vom 28. März 2017 E. 3.3.1 f.). Die Frage kann schliesslich
jedoch offen bleiben, da aufgrund des Verschlechterungsverbots die
Anordnung einer (ambulanten) Massnahme nicht infrage kommt. Es bleibt
deshalb mit der Vorinstanz und dem Beschuldigten bei einer Weisung.
Weisungen haben einem spezialpräventiven Zweck zu dienen und sollen
mithelfen, die Bewährungschancen des Verurteilten zu erhöhen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 6B_370/2019 vom 27. Mai 2019 E. 1.3.3). Der
Gutachter Dr. med. L. hat eine persönlichkeits- und sexualitätsorientierte
Psychotherapie mit dem Ziel einer Nachreifung, insbesondere im Bereich
der Sexualität, empfohlen. Diese Behandlung sollte bei einem
Psychotherapeuten erfolgen, welcher über eine Expertise im Bereich
Persönlichkeit und Sexualität verfüge (Gutachten vom 1. Oktober 2019 [UA
act. 375 ff., 428 und 429]). Er hat Dr. med. J., Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, Schwerpunkt Forensische Psychiatrie, in R. (GA act. 106)
empfohlen.
Der Beschuldigte befindet sich seit September 2020 in Behandlung bei Dr.
med. J. (vgl. Bestätigungsschreiben Dr. med. J. vom 12. März 2021,
Beilage 4 zur Berufungsbegründung). Es besteht keine Veranlassung,
diese laufende Therapie zu unterbrechen und damit einen allfälligen
positiven Verlauf zu gefährden. Im Übrigen erscheint es wenig sinnvoll,
einen fixen Behandlungsort vorzuschreiben, ohne dass abgeklärt wurde,
ob diese Institution überhaupt freie Kapazitäten hat und wann mit einer
Behandlung begonnen werden könnte. Zweckmässiger erscheint es, dass
dem Beschuldigten mittels Weisung die Verpflichtung auferlegt wird, sich
einer geeigneten Behandlung, wie sie im Gutachten vom 1. Oktober 2019
von Dr. med. L. beschrieben wurde, zu unterziehen. Diese Behandlung hat
bei einer ausgewiesenen Fachperson zu erfolgen. Die Weisung ist somit
entsprechend anzupassen.
Für die Überwachung der Einhaltung der Weisung ist gemäss § 2 Abs. 2
lit. g Strafvollzugsverordnung (SMV, SAR.253.112) seit 1. Januar 2021 das
Amt für Justizvollzug zuständig und nicht mehr die Oberstaatsanwaltschaft
des Kantons Aargau. Der Beschuldigte ist entsprechend anzuweisen, sich
halbjährlich beim Amt für Justizvollzug über den Verlauf der Behandlung
unter Beilage einer Bestätigung des ausführenden Arztes oder
Therapeuten auszuweisen. Hält sich der Beschuldigte nicht an die
Weisung, kann ein Widerruf des bedingten Strafvollzugs erfolgen (Art. 95
Abs. 3 und 5 StGB).
- 17 -
5.6.
Eine bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe kann mit einer Busse
verbunden werden (Art. 42 Abs. 4 StGB). Vorliegend ist die Verbindung der
bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe mit einer Busse angezeigt, um
dem Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und die Konsequenzen
seines Handelns deutlich vor Augen zu führen. Um dem akzessorischen
Charakter der Verbindungsstrafe gerecht zu werden, erscheint unter
Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse und des Verschuldens
des Beschuldigten eine Verbindungsbusse von Fr. 3'000.00 sachgerecht
(BGE 135 IV 188 E. 3.4.4).
Die im Falle einer schuldhaften Nichtbezahlung zu vollziehende Ersatz-
freiheitsstrafe ist – ausgehend von einem Umwandlungssatz von Fr. 100.00
– auf 30 Tage festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
5.7.
Die vorläufige Festnahme von einem Tag (9. Mai 2018) ist gemäss Art. 51
StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB auf die Freiheitstrafe von 16 Monaten
anzurechnen.
6.
Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten gestützt auf Art. 67 Abs. 3 StGB [in
der im Tatzeitpunkt geltenden Fassung] für die Dauer von 10 Jahren jede
berufliche und organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen
regelmässigen Kontakt mit Minderjährigen umfasst, verboten.
Der Beschuldigte wendet sich mit seiner Berufung gegen das Berufs- und
Tätigkeitsverbot einzig im Zusammenhang mit der Strafzumessung. Er geht
von einer wesentlich tieferen Strafe aus und erachtet deswegen die
gesetzlichen Voraussetzungen als nicht erfüllt (Berufungsbegründung,
S. 33). Nachdem der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten
verurteilt wird, erübrigen sich weitere Ausführungen zum durch die
Vorinstanz zu Recht ausgefällten Berufs- und Tätigkeitsverbot. Ein solches
wurde vom Beschuldigten im Übrigen auch anerkannt (GA act. 140).
7. Zivilforderungen
7.1.
Die Vorinstanz hat die Zivilklage des Privatklägers A. teilweise
gutgeheissen und ihm Schadenersatz in der Höhe von Fr. 350.00 sowie
eine Genugtuung von Fr. 15'000.00, beides nebst Zins zu 5 % ab 21. Juli
2017, zugesprochen.
In tatsächlicher Hinsicht ist nicht erstellt, dass der Beschuldigte die
angeklagten Handlungen zum Nachteil von A. begangen hat, weshalb er
diesbezüglich von Schuld und Strafe freizusprechen ist. Der Sachverhalt ist
gestützt auf das Beweisergebnis auch hinsichtlich der zivilrechtlich
- 18 -
bedeutsamen Frage des widerrechtlich und kausal verursachten Schadens
als Grundlage für eine adhäsionsweise Zivilklage spruchreif. Nachdem es
bei fehlender Täterschaft des Beschuldigten an diesen Grundlagen fehlt,
ist die Zivilklage des Privatklägers A. abzuweisen (Art. 126 Abs. 1 lit. b
StPO).
7.2.
7.2.1.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, dem Privatkläger D.
Schadenersatz in der Höhe von Fr. 312.15 sowie eine Genugtuung in der
Höhe von Fr. 6'000.00, beides nebst Zins zu 5 % seit 8. Mai 2018 zu
bezahlen.
7.2.2.
Der Beschuldigte anerkennt seine Schadenersatzpflicht in der von der
Vorinstanz festgestellten Höhe von Fr. 312.15 zzgl. Zins zu 5 % seit dem
8. Mai 2018. Auch den Genugtuungsanspruch von D. bestreitet er nicht,
wendet sich jedoch gegen die Höhe der zugesprochenen Genugtuung von
Fr. 6'000.00 und verlangt eine Reduktion auf Fr. 2'000.00
(Berufungsbegründung, S. 13 f.).
7.2.3.
Gemäss Art. 49 Abs. 1 OR hat derjenige, der in seiner Persönlichkeit
widerrechtlich verletzt wird, Anspruch auf Leistung einer Geldsumme,
sofern die Schwere der Verletzung es rechtfertigt und diese nicht anders
wiedergutgemacht worden ist. Die Genugtuung bezweckt den Ausgleich für
erlittene Unbill, indem das Wohlbefinden anderweitig gesteigert oder die
Beeinträchtigung erträglicher gemacht wird. Bemessungskriterien sind vor
allem die Art und Schwere der Verletzung, die Intensität und Dauer der
Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen, der Grad des
Verschuldens des Haftpflichtigen, ein allfälliges Selbstverschulden des
Geschädigten sowie die Aussicht auf Linderung des Schmerzes durch die
Zahlung eines Geldbetrags. Die Höhe der Summe, die als Abgeltung
erlittener Unbill in Frage kommt, lässt sich naturgemäss nicht errechnen,
sondern nur schätzen (BGE 132 II 117 E. 2.2.2 mit Hinweisen). Die
Festsetzung der Höhe der Genugtuung ist eine Entscheidung nach
Billigkeit. Das Bundesgericht hat es daher abgelehnt, dass sich die
Bemessung der Genugtuung nach schematischen Massstäben richten soll.
Die Genugtuungssumme darf nicht nach festen Tarifen festgesetzt,
sondern muss dem Einzelfall angepasst werden (BGE 132 II 117 E. 2.2.3
mit Hinweisen).
Vorliegend ist der Beschuldigte wegen einer sexueller Handlung mit einem
Kind und wegen Schändung schuldig zu sprechen. Er griff mit seinen
Handlungen in die psychische und physische Integrität des Privatklägers
D. ein und verletzte ihn dadurch in seinen Persönlichkeitsrechten. Aufgrund
- 19 -
seines Alters konnte D. noch nicht verstehen, welche Handlungen ihm
widerfuhren, er nahm diese jedoch als irritierend wahr (GA act. 114).
Körperliche Verletzungen wurden ihm nicht zugefügt und auch seine
psychische Verfassung scheint stabil zu sein (GA act. 114). Das
Verschulden des Beschuldigten wurde als nicht mehr leicht taxiert. Er
missbrauchte seine Vertrauensstellung als Betreuer in der Kita, um seine
sexuellen Fantasien befriedigen zu können. Es ist nicht zu bagatellisieren,
dass der Beschuldigte dabei den Penis von D. (kurz) in den Mund nahm.
Es handelt sich dabei aber auch nicht um eine besonders schwere oder
eingriffsintensive Form des sexuellen Missbrauchs (wie dies z.B. bei einer
oralen oder analen Penetration der Fall wäre). Es ist sodann auch zu
berücksichtigen, dass D. keine nachhaltigen resp. bleibenden Schäden aus
dem Erlebten davontrug. Er benötigt bis heute keine Therapie oder eine
ähnliche Unterstützung (GA act. 114). Insgesamt rechtfertigt es sich, dem
Privatkläger D. eine Genugtuung von Fr. 2'000.00, wie sie vom
Beschuldigten anerkannt worden ist, zuzusprechen. Diese ist ab dem
schädigenden Ereignis, d.h. ab 8. Mai 2018 mit 5 % zu verzinsen.
8. Kosten- und Entschädigungsfolgen
8.1.
8.1.1.
Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe
ihres Obsiegens bzw. Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei
im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon
ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge
gutgeheissen worden sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom
10. November 2017 E. 4.3).
In teilweiser Gutheissung der Berufung ist der Beschuldigte – zusätzlich zu
den vor Vorinstanz ergangenen Freisprüchen – vom Vorwurf der sexuellen
Handlungen mit einem Kind gemäss Anklageziffer 1.1 und der mehrfachen
Schändung gemäss Anklageziffer 2 (je zum Nachteil von A.)
freizusprechen. Er erwirkt ein gegenüber der vorinstanzlich teilbedingten
Freiheitsstrafe von 32 Monaten günstigeres Ergebnis, indem eine bedingte
Freiheitsstrafe von 16 Monaten auszusprechen ist. Zufolge des
zusätzlichen Freispruchs von den Vorwürfen zum Nachteil von A. ist er
diesem gegenüber weder schadenersatz- noch genugtuungspflichtig. Die
D. zugesprochene Genugtuung ist auf Fr. 2'000.00 zu reduzieren. Im
Übrigen ist die Berufung abzuweisen.
Der Privatkläger A., welcher die Abweisung der Berufung des
Beschuldigten und Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids beantragt
hat, unterliegt mit seinem Antrag vollumfänglich. Dasselbe gilt bezüglich
der Staatsanwaltschaft. Bei diesem Ausgang des Verfahrens rechtfertigt es
sich, die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 6'000.00 (§ 18 VKD)
dem Beschuldigten zu 1⁄4 mit Fr. 1'500.00 und dem Privatkläger A. zu 1/8
- 20 -
mit Fr. 750.00 aufzuerlegen. Der Rest ist auf die Staatkasse zu nehmen.
Dem Privatkläger D., der sich nicht mehr aktiv mit eigenen Anträgen am
Berufungsverfahren beteiligt hat, sind keine Verfahrenskosten
aufzuerlegen.
8.1.2.
Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren aus der
Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und
Abs. 3bis AnwT). Auf die eingereichte Kostennote kann jedoch nur teilweise
abgestellt werden.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist im Rahmen der
amtlichen Verteidigung nicht jeder Aufwand zu entschädigen, der im
Strafverfahren entstanden ist, sondern nur die Aufwendungen für eine
angemessene Ausübung der Verfahrensrechte (BGE 138 IV 197 E. 2.3.4
mit Hinweisen). Entschädigungspflichtig sind mithin nur jene Bemühungen,
die in einem kausalen Zusammenhang mit der Wahrung der Rechte im
Strafverfahren stehen und die notwendig und verhältnismässig sind (BGE
141 I 124 E. 3.1). Als Massstab für die Beantwortung der Frage, welcher
Aufwand für eine angemessene Verteidigung notwendig ist, hat der
erfahrene Anwalt zu gelten, der im Bereich des materiellen Strafrechts und
des Strafprozessrechts über fundierte Kenntnisse verfügt und seine
Leistungen von Anfang an zielgerichtet und effizient erbringen kann (Urteil
des Bundesgerichts 6B_74/2014 vom 7. Juli 2014 E. 1.4.2). Den Kantonen
steht bei der Bemessung des Honorars des amtlichen Anwalts ein weites
Ermessen zu (BGE 141 I 124 E. 3.2).
Der amtliche Verteidiger war mit dem Sachverhalt und den sich in
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht stellenden Fragen bereits aus dem
erstinstanzlichen Verfahren, für das er mit Fr. 13'639.15 entschädigt wurde,
bestens vertraut. Das Berufungsverfahren hat sich auf die Rechtsfrage der
Konkurrenz zwischen Schändung und sexueller Handlung mit einem Kind,
die Schuldsprüche wegen beider Delikte zum Nachteil von A. (in erster
Linie hinsichtlich der Frage, ob überhaupt verwertbare Aussagen
vorliegen), damit einhergehend die Strafzumessung, die Zivilklage des
Privatklägers A. sowie das Tätigkeitsverbot, und weiter (separat) die Höhe
der an den Privatkläger D. zu bezahlenden Genugtuung und hinsichtlich
der Fixierung des Behandlungsorts bei der ausgesprochenen Weisung
beschränkt. Es stellten sich dabei weder in tatsächlicher noch rechtlicher
Hinsicht besonders schwierige Fragen und die zu studierenden Akten
waren weitgehend bekannt. Entsprechend geringer ist der dafür
angemessene Aufwand im Berufungsverfahren zu veranschlagen.
Der geltend gemachte Aufwand von gesamthaft 20 Minuten betreffend E-
Mail mit Dr. J. vom 28. Oktober 2020, Studium Posteingang vom
2. November 2020 sowie nochmals vom 17. Februar 2021 [gemeint
- 21 -
Zustellung des begründeten erstinstanzlichen Urteils], aber auch eine
(erste) Durchsicht des begründeten erstinstanzlichen Urteils samt einer
ersten Einschätzung gehören zum vorinstanzlichen Verfahren und wird
grundsätzlich mit der Entschädigung für das erstinstanzliche Verfahren
abgegolten. Ein solcher Aufwand wurde denn auch bereits vorinstanzlich
geltend gemacht und mit 2 Stunden 15 Minuten für «Aufwendungen nach
Hauptverhandlung (geschätzt, Studium Urteil, Instruktion Klient (schriftlich
und mündlich, Abschlussarbeiten und diverses» entschädigt. Dass der
Aufwand teilweise nur geschätzt werden kann, ändert daran nichts.
Der geltend gemachte Aufwand von 2 Stunden 45 Minuten für die
Berufungserklärung, wozu eine (nochmalige) kurze Auseinandersetzung
mit dem vorinstanzlichen Entscheid notwendig ist, ist überhöht. Der
Beschuldigte hat im Wesentlichen an seiner Verteidigungsstrategie
festgehalten und weitgehend vergleichbare Anträge wie vor Vorinstanz
gestellt. Für die Berufungserklärung ist vorliegend gesamthaft ein um
1 Stunde 15 Minuten reduzierter Aufwand von 1 1⁄2 Stunden angemessen.
Ein Gesuch um Fristerstreckung – vorliegend geltend gemacht am
25. März 2021 mit einem Aufwand von 5 Minuten – ist eine einfache,
regelmässig vorkommende sowie weitgehend standardisierte Eingabe.
Fristerstreckungsgesuche und der diesbezügliche Aufwand sind
grundsätzlich nicht entschädigungspflichtig, da diese regelmässig von der
Rechtsvertretung selbst verursacht sind (vgl. Beschluss des Bundes-
strafgerichts BB.2017.125 vom 15. März 2018 E. 7.7). Eine Kenntnis-
nahme einer gewährten Fristerstreckung – vorliegend geltend gemacht am
29. März 2021 mit einem Aufwand von 10 Minuten (samt «Versand an
Klient», siehe hierzu nachstehend) – gilt als anwaltlicher Kürzestaufwand
und ist grundsätzlich nicht entschädigungspflichtig (vgl. Entscheid des
Kantonsgerichts Basel-Landschaft 470 16 83 vom 5. Juli 2016 E. 2.5.5;
LIEBER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO),
3. Aufl. Zürich 2020, N. 4 zu Art. 135 StPO; Leitfaden für amtliche Mandate
der Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich, Ziff. E. 1.2).
Bei «Versand an Klient» dürfte es sich – da regelmässig im
Zusammenhang mit (eingereichten sowie erhaltenen) Eingaben erfolgt –
um Weiterleitungen an den Beschuldigten zur Kenntnis und damit um
Orientierungskopien, mithin um Sekretariatsarbeit, handeln. Ebenfalls um
Sekretariatsarbeit handelt es sich bei dem geltend gemachten Aufwand von
25 Minuten betreffend die versehentliche Zustellung einer Verfügung eines
anderen Strafverfahrens aufgrund eines Kanzleiversehens («Irrläufer»).
Sekretariatsarbeit ist grundsätzlich nicht separat zu entschädigen, da sie
bereits im Stundenansatz des Verteidigers enthalten ist, ausgenommen die
hierfür notwendigen Auslagen (vgl. Urteil SK.2017.58 des Bundes-
strafgerichts vom 4. Dezember 2018 E. 5.4.2.3 i.V.m. E. 3.1.3). Da der
Aufwand «Versand an Klient» nicht separat ausgewiesen wurde, ist der
- 22 -
Aufwand ermessensweise um 15 Minuten zu kürzen. Ein Aufwand für
«Abschlussarbeiten» von 15 Minuten wird grundsätzlich nicht entschädigt.
Der Aufwand für die Kontakte mit Dr. J. sowie Dritten von gesamthaft
50 Minuten ist um 35 Minuten auf 15 Minuten zu kürzen. Der geltend
gemachte Umfang ist nicht mehr als notwendig im Zusammenhang mit dem
vorliegenden Strafverfahren zu qualifizieren.
Der geltend gemachte Aufwand von 14 Stunden 45 Minuten für die 39-
seitige Berufungsbegründung ist überhöht und um 6 Stunden 45 Minuten
auf angemessene 8 Stunden zu kürzen. Es wurde an der
Verteidigungsstrategie weitgehend festgehalten, so dass grundsätzlich auf
den Ausführungen vor Vorinstanz hätte aufgebaut werden können. Es ging
im Wesentlichen noch um den Sachverhalt zum Nachteil des Privatklägers
A. und dort die Frage, ob dessen Aussagen überhaupt verwertbar sind.
Entsprechend geringer fällt der notwendige und verhältnismässige
Aufwand aus.
Der Aufwand für Vorbereitung Verhandlung und das Plädoyer von gesamt-
haft 2 Stunden 15 Minuten ist um 45 Minuten auf 1 Stunde 30 Minuten zu
kürzen. Es erfolgte im Wesentlichen neu ein Hinweis auf ein Urteil des
Bundesgerichts. Es wurde ein prägnantes Schlussplädoyer mit einer
Zusammenfassung bzw. einer Rekapitulation gehalten. Entsprechend
geringer fällt der notwendige und verhältnismässige Aufwand aus, zumal
auf die Einvernahme des Beschuldigten nur ad hoc reagiert werden und
dies nicht vorbereitet werden konnte.
Der geschätzte Aufwand von 3 Stunden für die Berufungsverhandlung ist
aufgrund der effektiven Verhandlungsdauer von rund 1 Stunde 45 Minuten
um 1 Stunde 15 Minuten zu reduzieren.
Der geltend gemachte Aufwand für Reisezeit von 1 Stunde 50 Minuten ist
überhöht und um 50 Minuten auf 1 Stunde (rund 30 Minuten pro Weg mit
dem öffentlichen Verkehr) zu reduzieren (vgl. auch Urteil des Bundes-
gerichts 1B_385/2021 vom 25. Oktober 2021 E. 4.8). Es ist weiter zu
berücksichtigen, dass dieser Aufwand nicht zu einem reduzierten
Stundenansatz entschädigt wird.
Der geltend gemachte Aufwand für notwendige Besprechungen und
Kontakte mit dem Beschuldigten (ab Berufungserklärung samt 35 Minuten
bei der Berufungsverhandlung) von 3 Stunden 40 Minuten ist überhöht und
– angesichts der weitgehend beibehaltenen Verteidigungsstrategie – um
1 Stunde 40 Minuten auf angemessene 2 Stunden zu reduzieren. Es ist
allein der notwendige Zeitaufwand für das konkrete Strafverfahren zu
vergüten, nicht hingegen z.B. Aufwand für bloss soziale Betreuung (Urteil
- 23 -
des Bundesgerichts 6B_824/2016 vom 10. April 2017 E. 18.4.3, nicht publ.
in: BGE 143 IV 214).
Der geltend gemachte Aufwand für eine Kenntnisnahme des Berufungs-
urteils sowie eine (kurze) Urteilsbesprechung mit Klienten von 2 Stunden
15 Minuten ist überhöht und um 1 Stunde 15 Minuten auf angemessene
1 Stunde zu reduzieren. Es kann nach der Durchsicht des (kurzen) Urteils
nur noch um eine kurze Nachbesprechung gehen.
In Anbetracht der vorstehenden Ausführungen sowie unter Berück-
sichtigung angemessener Honorarnoten in vergleichbaren Fällen – das
Obergericht verfügt bei rund 300 Berufungen pro Jahr über einen grossen
Erfahrungswert – ergibt dies gesamthaft einen um 15 Stunden 50 Minuten
reduzierten Aufwand von 19 Stunden 30 Minuten. Hinzu kommen die
Auslagen von Fr. 578.65 und die gesetzliche Mehrwertsteuer, woraus eine
Entschädigung für das Berufungsverfahren von gerundet Fr. 4'825.00
resultiert.
Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zu 1⁄4 mit Fr. 1'206.25 zurück-
zufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135
Abs. 4 lit. a StPO). Der Beschuldigte hat zudem dem amtlichen Verteidiger
auf dem von ihm zu tragenden Anteil von 1⁄4 die Differenz zwischen der
amtlichen Entschädigung (Stundenansatz Fr. 200.00) und dem vollen
Honorar (Stundenansatz Fr. 220.00 und darauf berechnete Mehrwert-
steuer) zu erstatten, d.h. gerundet insgesamt Fr. 105.00, sobald es seine
wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO).
8.1.3.
Der Privatkläger A. hat seine Parteikosten ausgangsgemäss selber zu
tragen (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 433 Abs. 1 StPO).
8.2.
Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie
darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person
die Kosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie teilweise freigesprochen, so
sind ihr die Verfahrenskosten anteilsmässig aufzuerlegen. Unter Berück-
sichtigung der zusätzlich ergangenen Freisprüche sind dem Beschuldigten
die erstinstanzlichen Verfahrenskosten zu 1/3 aufzuerlegen und im Übrigen
auf die Staatskasse zu nehmen.
Was die Höhe der erstinstanzlichen Verfahrenskosten betrifft, so können
dem Beschuldigten mangels einer gesetzlichen Grundlage weder zusätz-
liche Spesen für die schriftliche Urteilsbegründung noch Infrastrukturkosten
für die Miete von Räumlichkeiten auferlegt werden:
- 24 -
Die Verfahrenskosten sind abschliessend in Art. 422 StPO geregelt.
Infrastrukturkosten fallen klarerweise nicht darunter. Der Staat hat die
geeigneten Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Erfordern es
besondere Umstände, dass ein externer Saal gemietet werden muss,
können diese Kosten nicht dem Beschuldigten überwälzt werden. In
diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass überhaupt
keine Notwendigkeit für die Miete externer Räume bestanden hat. Vielmehr
ist es zulässig, die Allgemeinheit (wegen der Corona-Pandemie) teilweise
auszuschliessen (Art. 70 StPO; BGE 147 IV 297). Da sich aus dem
erstinstanzlichen Urteil nicht ergibt, wie hoch die auszuscheidenden Kosten
für die (unnötige) Miete sind, sind die vom Beschuldigten zu tragenden
Spesen pauschal auf Fr. 40.00 zu reduzieren.
Gemäss Art. 424 Abs. 1 StPO regeln Bund und Kantone die Berechnung
der Verfahrenskosten und legen die Gebühren fest. Massgebend ist
vorliegend das Dekret über die Verfahrenskosten des Kantons Aargau
(Verfahrenskostendekret, VKD). Die Kosten für Strafverfahren vor
Bezirksgericht sind in § 17 Abs. 1 VKD geregelt und betragen Fr. 300.00
bis Fr. 20'000.00. Abgedeckt sind damit auch die Aufwendungen, welche
im Rahmen der Urteilsbegründung anfallen. Ein Vorbehalt analog
zivilrechtlicher Streitigkeiten (vgl. § 13 Abs. 3 VKD) ist für Strafverfahren
nicht vorgesehen. Hinzu kommt, dass die Vorinstanz, nachdem sie eine
Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren ausgesprochen hat, den
Entscheid ohnehin hätte begründen müssen (Art. 82 Abs. 1 lit. b StPO).
Unklar ist, wofür die Kosten für die Übersetzung angefallen sind.
Ausgeschlossen ist, dass diese hinsichtlich Anklagepunkte, in denen der
Beschuldigte schuldig gesprochen wird, angefallen sind. Sie können dem
Beschuldigten deshalb nicht auferlegt werden. Unklar ist sodann, was es
mit den «Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden» auf sich hat und wie
sich diese zusammensetzen. Diese können dem Beschuldigten deshalb
auch nicht auferlegt werden.
Nach dem Gesagten belaufen sich die vorinstanzlichen Verfahrenskosten
(inkl. Anklagegebühr von Fr. 2'150.00, ohne Kosten für die amtliche
Verteidigung und Kosten für die Übersetzung) auf insgesamt Fr. 22'875.35.
Davon sind 1/3, d.h. Fr. 7'625.10, dem Beschuldigten aufzuerlegen.
8.3.
Die Höhe der Entschädigung des amtlichen Verteidigers für das erst-
instanzliche Verfahren von Fr. 13'639.15 ist im Berufungsverfahren
unangefochten geblieben und somit keiner Überprüfung zugänglich (Urteil
des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2).
- 25 -
Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten im Umfang von 1/3 mit
Fr. 4'546.40 zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse
erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte hat zudem dem
amtlichen Verteidiger auf dem von ihm zu tragenden Anteil von 1/3 die
Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung (Stundenansatz
Fr. 200.00) und dem vollen Honorar (Stundenansatz Fr. 220.00 und darauf
berechnete Mehrwertsteuer) zu erstatten, d.h. gerundet insgesamt
Fr. 455.00 sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen (Art. 135
Abs. 4 lit. b StPO).
9.
Tritt das Obergericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es ein
neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO,
Art. 81 StPO).