Decision ID: a2dc7b8b-8415-5086-8d04-9da065ce59ed
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 16.02.2015 Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV. Art. 25 Abs. 4 ELV. Einer versicherten Person, die nach der Aussteuerung aus der Arbeitslosenversicherung trotz verwertbarer Restarbeitsfähigkeit keine genügende Stellenbemühungen tätigt, ist ab dem Folgemonat ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen: Die sechsmonatige Wartefrist nach Art. 25 Abs. 4 ELV ist in diesen Fällen nicht anwendbar, da diese Bestimmung gemäss dem Verordnungsgeber einzig bezweckt, der versicherten Person die Möglichkeit einzuräumen, sich auf die neue Situation ‒ Anrechnung eines Mindesteinkommens ‒ einzustellen und nach einer Erwerbstätigkeit Umschau zu halten. (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. Februar 2015, EL 2013/57).Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug undKarin Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Lea LocherEntscheid vom 16. Februar 2015in SachenA._Beschwerdeführerin,vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. E. Ronald Pedergnana, Rorschacher Strasse 21, Postfach 27, 9004 St. Gallen,gegenSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,betreffendErgänzungsleistung zur IVSachverhalt:
A.
A.a A._, Bezügerin einer halben Invalidenrente, meldete sich am 25. September
2007 bei der EL-Durchführungsstelle zum Bezug von Ergänzungsleistungen an (EL-act.
89). Im Anmeldeformular gab sie u.a. an, ein Erwerbseinkommen von jährlich Fr.
10'304.-- zu erzielen. Mit Verfügung vom 11. Oktober 2007 (EL-act. 87) sprach die EL-
Durchführungsstelle der Versicherten mit Wirkung ab 1. August 2007 eine jährliche EL
zu. In der Berechnung wurde ein Erwerbseinkommen von Fr. 10'304.-- berücksichtigt
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(vgl. EL-act. 87-3). Auch in den auf die Erstverfügung folgenden An
passungsverfügungen (vgl. EL-act. 70, 73, 77, 80, 82 f. und 84) wurde jeweils ein
Erwerbseinkommen von Fr. 10'304.-- berücksichtigt. Es erfolgte demnach keine An
passung an das jeweils effektiv erzielte Einkommen des Vorjahres.
A.b Am 11. August 2011 informierte die AHV-Zweigstelle St. Gallen die EL-Durch
führungsstelle, dass die Versicherte ihre Arbeitsstelle als Teilzeitmitarbeiterin im
Reinigungsdienst per Ende Juni 2011 gekündigt hatte (EL-act. 54).
A.c Mit Verfügung vom 28. Dezember 2011 passte die EL-Durchführungsstelle die EL
per 1. Januar 2012 an (EL-act. 48). Sie berücksichtigte in der Berechnung weiterhin ein
Erwerbseinkommen von Fr. 10'304.-- (EL-act. 46).
A.d Mit Verfügung vom 2. Februar 2012 passte die EL-Durchführungsstelle die EL per
1. März 2012 an (EL-act. 44). Das hypothetische Einkommen betrug neu Fr. 11'419.--,
was dem im Jahr 2010 erzielten Nettoeinkommen entsprach (EL-act. 45, vgl. EL-act.
59-1). In der Verfügungsbegründung hielt die EL-Durchführungsstelle fest, dass das
Mindesterwerbseinkommen gemäss Art. 14a ELV bei einem IV-Grad von 50 % zurzeit
Fr. 19'050.-- pro Jahr betrage. Sie bat die Versicherte, ihr den Entscheid der IV-Stelle
betreffend das pendente Rentenerhöhungsgesuch nach Erhalt zuzustellen. Sollte der
IV-Grad weiterhin zwischen 50 und 59 % betragen, würde ihr ein hypothetisches
Einkommen von Fr. 19'050.-- angerechnet werden.
A.e Da die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. Juli 2012 die Rente per 31. August 2012
aufgehoben hatte (EL-act. 42), stellte die EL-Durchführungsstelle mit Verfügung vom
25. Juli 2012 auch die EL per 1. September 2012 ein (EL-act. 40). Einer allfälligen
Einsprache gegen diese Verfügung entzog sie die aufschiebende Wirkung.
A.f Gegen diesen Entscheid liess die Versicherte Einsprache erheben (EL-act. 39). Ihr
Rechtsvertreter erklärte, dass es sich um eine vorsorgliche Einsprache handle, da die
Versicherte gegen die Renteneinstellungsverfügung Beschwerde erhoben habe. Mit
Verfügung vom 21. September 2012 sistierte die EL-Durchführungsstelle das
Einspracheverfahren bis zum rechtskräftigen Abschluss des IV-Rentenverfahrens (EL-
act. 35).
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A.g Mit Verfügung vom 9. Oktober 2012 widerrief die IV-Stelle die Aufhebungsver
fügung vom 5. Juli 2012 und sprach der Versicherten ab 1. September 2012 weiterhin
eine halbe IV-Rente zu (EL-act. 34-1). Zur Begründung führte sie an, dass die Durch
führung von Eingliederungsmassnahmen angesichts des fortgeschrittenen Alters der
Versicherten unverhältnismässig wäre, weshalb darauf verzichtet werde.
A.h Am 14. Dezember 2012 forderte die EL-Durchführungsstelle die Versicherte auf,
sich für den EL-Bezug neu anzumelden (EL-act. 33). Die Neuanmeldung erfolgte am
28. Dezember 2012 (EL-act. 25). Am 7. Mai 2013 teilte die EL-Durchführungsstelle dem
Rechtsvertreter der Versicherten mit, dass aufgrund des Widerrufs der
Renteneinstellungsverfügung die Sistierung des Einspracheverfahrens aufgehoben
werde (EL-act. 22).
A.i Mit Verfügung vom 14. Mai 2013 sprach die EL-Durchführungsstelle der
Versicherten rückwirkend ab 1. September 2012 eine jährliche EL zu (EL-act. 14). Zur
Begründung führte sie an, dass diese Verfügung die einspracheweise angefochtene
Verfügung vom 14. September 2012 ersetze. Für die Periode vom 1. September 2012
bis 31. Dezember 2012 berücksichtigte sie in der Berechnung kein Erwerbseinkommen,
dafür ein Taggeld der Arbeitslosenversicherung (nachfolgend: ALV-Taggeld) von Fr.
7'826.-- (EL-act. 11 f.). Für die Zeit ab 1. Januar 2013 berücksichtigte sie ein
hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 19'210.--, dafür kein ALV-Taggeld mehr
(EL-act. 16).
A.j Am 5. Juni 2013 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Rechtsvertreter mit, sie
gehe davon aus, dass sie die Einsprache gegen die aufgehobene Verfügung vom
14. September 2012 als gegenstandslos betrachten könne (EL-act. 10). Ohne Gegen
bericht innert Frist werde sie das Einspracheverfahren abschliessen. Der Rechtsver
treter antwortete am 6. Juni 2013, das Sozialamt sei der Meinung, dass die Versicherte
ihre Restarbeitsfähigkeit unmöglich verwerten könne (EL-act. 7). Die Versicherte habe
zuletzt als Reinigungsfachfrau gearbeitet. In diesem Beruf sei sie aber wegen der
fortgeschrittenen Arthrose zu 100 % arbeitsunfähig. Aufgrund ihrer gesundheitlichen
Probleme, des fortgeschrittenen Alters und da sie keine Berufsausbildung habe, werde
die Versicherte keine Arbeit mehr finden. Das hypothetische Einkommen sei daher aus
der Berechnung zu nehmen. Am 12. Juni 2013 teilte die EL-Durchführungsstelle dem
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Rechtsvertreter mit, dass sie sein Schreiben vom 6. Juni 2013 als Anschluss-
Einsprache gegen die Verfügung vom 14. Mai 2013 im Einspracheverfahren gegen die
Verfügung vom 25. Juli 2012 behandeln werde (EL-act. 9). Am 21. Juni 2013 berichtete
der zuständige Sachbearbeiter des Sozialamts der Stadt B._ der EL-
Durchführungsstelle, dass die Versicherte keine Arbeitsbemühungen tätige, weil sie
wegen einer Arthritis und seiner Meinung nach auch aus psychischen Gründen nicht in
der Lage sei, eine Stelle anzutreten. Hinzu komme, dass ihre Chancen auf dem
Arbeitsmarkt aufgrund ihres angeschlagenen gesundheitlichen Zustandes und ihres
Alters gleich null seien. Arbeitsbemühungen würden nichts bringen.
B.
Mit Einspracheentscheid vom 9. August 2013 (EL-act. 4) schrieb die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache gegen die Verfügung vom 25. Juli 2012 infolge
Gegenstandslosigkeit ab. Die Einsprache gegen die Verfügung vom 14. Mai 2013 wies
sie ab. Zur Begründung brachte sie vor, dass die Verfügung vom 25. Juli 2012
vollständig durch die Verfügung vom 14. Mai 2013 ersetzt worden sei. Die Versicherte
sei gemäss dem ABI-Gutachten in einer mehrheitlich sitzenden, wechselbelastenden
und körperlich mittelschweren Tätigkeit voll arbeitsfähig. Es sei ihr daher zumutbar,
sich um eine Arbeitsstelle für eine Hilfstätigkeit bei einem vollen Arbeitspensum zu
bemühen. Diese Vorkehr müsse die Versicherte aufgrund ihrer Selbsteingliederungs-
und Schadenminderungspflicht treffen. Hilfstätigkeiten erforderten definitionsgemäss
keine berufliche Ausbildung. Die Versicherte sei zudem bis Ende Juni 2011 stets in
Teilzeitpensen erwerbstätig gewesen. Diese Erfahrungen im Arbeitsmarkt würden ihr
die Stellensuche erleichtern. Auch ihr fortgeschrittenes Alter von 5_ Jahren sei für eine
Arbeitsaufnahme kein unüberwindbares Hindernis. Es sei verwaltungsnotorisch, dass
auch Arbeitsstellen für Hilfsarbeiterinnen im Alter der Versicherten vorhanden seien.
Der Versicherten sei lediglich das in Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV vorgesehene
Minimaleinkommen von Fr. 19'210.-- angerechnet worden. Ein solches Einkommen
könnte sie ohne Weiteres z.B. im Bereich von leichteren Maschinenbedienungs-,
Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten oder im Bereich der Lager- und
Ersatzteilbewirtschaftung erzielen. Damit auf die Anrechnung eines hypothetischen
Einkommens verzichtet werden könne, müsse sie deshalb genügende
Arbeitsbemühungen tätigen.
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C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 12. September 2013 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheides, den Verzicht
auf die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens und die Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Beschwerdeverfahren. Der Rechtsvertreter
machte geltend, dass die Versicherte gemäss dem ABI-Gutachten alle stehenden oder
gehenden Tätigkeiten, worunter auch ihre frühere Tätigkeit im Reinigungsdienst falle,
wegen einer Kniegelenkspathologie nicht mehr ausüben könne. In einer sitzenden
Tätigkeit sei zu jedoch zu 100 % arbeitsfähig. Sie müsse ihre sitzende Position
regelmässig wechseln können. Grobmanuelle verarbeitende Tätigkeiten und das
repetitive Heben, Ziehen, Stossen und Tragen von Lasten über 10 kg sei aufgrund der
Arthrose zu vermeiden. Die Depression und die Hypothyreose seien im ABI-Gutachten
nicht berücksichtigt worden, obwohl diese relevante Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit hätten. Aufgrund der oben genannten Einschränkungen würde kein
Arbeitgeber die inzwischen 5_-jährige Beschwerdeführerin einstellen. Sollte sie wider
Erwarten doch eine Stelle finden, wäre ihre Arbeitsleistung durch die Depression derart
schwankend, dass ihr gekündigt werden würde. Auch die Feststellung, dass genügend
Arbeitsstellen für Hilfsarbeiterinnen auf dem ersten Arbeitsmarkt vorhanden seien, sei
realitätsfremd. Da schon gesunde Personen ohne Berufsausbildung ab dem Alter von
40 Jahren Mühe hätten, eine Stelle zu finden, wären Arbeitsbemühungen der
Beschwerdeführerin mit ihrem Handicap aussichtslos. Auch das Sozialamt habe
bestätigt, dass die Beschwerdeführerin die Restarbeitsfähigkeit nicht verwerten könne.
Zudem habe die IV-Stelle angesichts des fortgeschrittenen Alters auf
Eingliederungsmassnahmen verzichtet, da sie diese als unverhältnismässig und
aussichtslos erachtet habe. Und schliesslich habe die EL-Durchführungsstelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) der Beschwerdeführerin die vorgeschriebene
sechsmonatige Frist zur Stellensuche nicht eingeräumt.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte die Abweisung der Beschwerde und verwies
zur Begründung auf die Erwägungen im Einspracheentscheid (act. G 4).
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C.c Am 11. Oktober 2013 teilte das Versicherungsgericht dem Rechtsvertreter mit,
dass er bis am 31. Oktober 2013 Gelegenheit habe, die Vorakten anzufordern und
gegebenenfalls dazu Stellung zu nehmen (act. G 7). Nach unbenütztem Fristablauf
werde der Schriftenwechsel abgeschlossen. Der Rechtsvertreter verzichtete auf eine
Akteneinsicht und eine Stellungnahme.
C.d Am 14. November 2013 bewilligte das Versicherungsgericht das Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Beschwerdeverfahren (act. G 9).
C.e Auf Anfrage des Versicherungsgerichts (act. G 10) teilte die Arbeitslosenkasse des
Kantons St. Gallen am 15. Dezember 2014 mit (act. G 11), dass die Rahmenfrist für den
Leistungsbezug von ALV-Taggeldern vom 1. September 2012 bis 31. August 2014
gedauert habe. Die Beschwerdeführerin habe Anspruch auf 90 Taggelder gehabt und
sei per 11. Januar 2013 ausgesteuert worden.

Erwägungen:
1.
1.1 Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung, ELG, SR 831.30). Die anerkannten Ausgaben und die
anrechenbaren Einnahmen, worin in bestimmtem Umfang auch das Vermögen
einbezogen ist, werden nach den in Art. 10 und 11 ELG sowie Art. 11 bis 18 der
Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) festgelegten Bestimmungen ermittelt. Als
Einnahmen anzurechnen sind nach Art. 11 Abs. 1 ELG unter anderem Einkünfte, auf die
verzichtet worden ist (lit. g). Eine Verzichtshandlung liegt vor, wenn die versicherte
Person ohne rechtliche Verpflichtung auf Vermögen verzichtet hat, wenn sie einen
Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte und Vermögenswerte hat, davon aber
faktisch nicht Gebrauch macht bzw. ihre Rechte nicht durchsetzt oder wenn sie aus
von ihr zu verantwortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen und
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zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht (Urteil des EVG vom 9. Juli 2002, P 18/02, E. 1b
mit Hinweisen; BGE 121 V 204, E. 4a mit Hinweisen).
1.2 Basierend auf Art. 9 Abs. 5 lit. c ELG betreffend die Anrechnung von Einkünften
aus einer zumutbaren Erwerbstätigkeit bei teilinvaliden Personen sieht Art. 14a ELV vor,
dass Invaliden als Erwerbseinkommen grundsätzlich der Betrag angerechnet wird, den
sie im massgebenden Zeitabschnitt tatsächlich verdient haben (Abs. 1). Invaliden
Personen unter 60 Jahren ist bei einem Invaliditätsgrad von 50 bis 60 Prozent als
Erwerbseinkommen jedoch mindestens der Höchstbetrag für den Lebensbedarf von
Alleinstehenden nach Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziffer 1 ELG anzurechnen (Art. 14a Abs. 2 lit. b
ELV). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann im Hinblick auf die
berechtigten Interessen der Vereinfachung und der rascheren Behandlung von
Einzelfällen grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass es einer teilinvaliden
versicherten Person vermutungsweise möglich und zumutbar ist, im Rahmen ihres von
den Organen der Invalidenversicherung festgestellten verbliebenen
Leistungsvermögens die in Art. 14a Abs. 2 ELV festgelegten Grenzbeträge zu erzielen.
Die gesetzliche Vermutung kann durch den Beweis des Gegenteils umgestossen
werden, indem der EL-Ansprecher auch Umstände geltend machen kann, welche bei
der Bemessung der Invalidität ohne Bedeutung waren, ihm jedoch verunmöglichen,
seine theoretische Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich zu nutzen (BGE 117 V 153, E. 2c).
So kann der EL-Ansprecher beispielsweise durch den Nachweis, dass er sich gezielt,
jedoch erfolglos auf geeignete Stellen beworben hat, eine unverschuldete
Arbeitslosigkeit beweisen.
1.3 Die Beschwerdegegnerin hat die Einsprache gegen die Verfügung vom 25. Juli
2012 zu Recht infolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben, da diese Verfügung durch
die Verfügung vom 14. Mai 2013 aufgehoben und ersetzt worden ist. Umstritten ist
vorliegend einzig, ob die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin ab 1. Januar
2013 zu Recht ein hypothetisches Einkommen in der Höhe von Fr. 19'210.--
angerechnet hat. Das Vorliegen eines Revisionsgrundes im Sinne von Art. 17 Abs. 2
ATSG i.V.m. Art. 25 Abs. 1 lit. c ELV ist zu bejahen, da die Beschwerdeführerin per 11.
Januar 2013 bei der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert worden ist.
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1.4 Gemäss Art. 17 Abs. 1 des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (AVIG, SR 837.0)
muss eine versicherte Person, die Arbeitslosentaggelder beanspruchen will, mit
Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um die
Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflichtet,
Arbeit zu suchen. Sie muss ihre Bemühungen nachweisen können (vgl. auch Art. 26
Abs. 1 der Arbeitslosenversicherungsverordnung, AVIV, SR 837.02). Die zuständige
Amtsstelle überprüft die Arbeitsbemühungen der versicherten Person monatlich (Art. 26
Abs. 3 AVIV). Eine versicherte Person erhält demnach nur ein ALV-Taggeld, wenn sie
genügende Arbeitsbemühungen vorweisen kann. Deshalb kann davon ausgegangen
werden, dass die Beschwerdeführerin während der Zeit des Taggeldbezugs
ausreichende Stellenbemühungen getätigt hat. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb
ab Beginn des Bezugs der ALV-Taggelder, d.h. ab dem 1. September 2012,
richtigerweise auf die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens in der EL-
Berechnung verzichtet. Für die Monate September bis Dezember 2012 hat die
Beschwerdegegnerin in der EL-Berechnung ein ALV-Taggeld in der Höhe von Fr.
7'826.-- berücksichtigt. Das ALV-Taggeld hat pro Tag Fr. 32.65 betragen (vgl. EL-
act. 26). Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin das anzurechnende
Taggeld wie folgt berechnet hat: Fr. 30.-- (Taggeld pro Tag abzüglich AHV/IV/EO-
Abzüge) x 21.7 (Anzahl durchschnittlicher Arbeitstage pro Monat) x 12 Monate =
7'840.--. Die Art der Berechnung der Taggeldhöhe durch die Beschwerdegegnerin ist
nicht zu beanstanden. Zwar beläuft sich das von der Beschwerdegegnerin errechnete
Taggeld auf Fr. 7'826.-- pro Jahr und nicht auf Fr. 7'840.--. Aber es ist davon
auszugehen, dass es sich hierbei um einen vernachlässigbaren ‒ und im Übrigen der
Beschwerdeführerin zugutekommenden ‒ mathematischen Rundungsfehler handelt.
Die Beschwerdegegnerin hat allerdings übersehen, dass der ALV-Taggeldanspruch
nicht per 31. Dezember 2012, sondern erst per 11. Januar 2013 geendet hat. Für den
Monat Januar 2013 ist der Beschwerdeführerin daher weiterhin das ALV-Taggeld in der
Höhe von Fr. 7'826.-- anzurechnen. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der
Beschwerdeführerin in der EL-Berechnung für die Monate September 2012 bis Januar
2013 ein ALV-Taggeld von jährlich Fr. 7'826.--, nicht jedoch ein hypothetisches
Einkommen anzurechnen ist.
1.5 Schliesslich ist noch zu prüfen, ob es der Beschwerdeführerin zumutbar gewesen
wäre, ab Februar 2013 die Stellenbemühungen weiterzuführen. Zusammengefasst hat
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der Rechtsvertreter zunächst geltend gemacht, dass der Beschwerdeführerin eine
Arbeitstätigkeit aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht mehr
zumutbar sei. Dem ist entgegen zu halten, dass sich die EL-Organe und die
Sozialversicherungsgerichte mit Bezug auf die invaliditätsbedingte Beeinträchtigung
der Erwerbsfähigkeit grundsätzlich nach der Invaliditätsbemessung durch die
Invalidenversicherung zu richten haben. Fraglich kann lediglich sein, wie EL-rechtlich
vorzugehen ist, wenn gegenüber den EL-Organen eine erhebliche Verschlechterung
des Gesundheitszustandes geltend gemacht wird, die nach der letzten Beurteilung
durch die Invalidenversicherung eingetreten sein soll (BGE 117 V 202, E. 2b.). Im
vorliegenden Fall kann diese Frage offen bleiben, denn einerseits ist die letzte
materielle Rentenüberprüfung im Juli bzw. Oktober 2012 und somit zeitnah erfolgt und
andererseits hat der Rechtsvertreter keine gesundheitliche Verschlechterung seit der
letzten Rentenüberprüfung geltend gemacht, sondern argumentiert, dass die ABI-
Sachverständigen, auf deren Gutachten sich der Rentenentscheid stütze, die
Auswirkungen der Depression und der Hypothyreose nicht richtig eingeschätzt hätten
(vgl. EL-act. 2-25). Demzufolge haben sich die Beschwerdegegnerin und damit auch
das Versicherungsgericht an den von der IV-Stelle ermittelten Grad der
Arbeitsunfähigkeit zu halten. Das weitere Argument des Rechtsvertreters, die
Beschwerdeführerin habe keine Berufsausbildung, geht an der Sache vorbei: Bei den
für die Beschwerdeführerin noch zumutbaren Tätigkeiten handelt es sich um
Hilfsarbeitertätigkeiten, für die keine Berufsausbildung vorausgesetzt wird. Das
fortgeschrittene Alter der Beschwerdeführerin hätte die Stellensuche sicherlich
erschwert, jedoch nicht verunmöglicht. Zu beachten ist auch, dass die
Beschwerdeführerin jahrelang einer Teilzeittätigkeit als Raumpflegerin nachgegangen
ist und diese Stelle Ende Juni 2011 von sich aus gekündigt hat (vgl. 54-2). Zwar ist sie
als Raumpflegerin nicht mehr arbeitsfähig; durch die jahrelange Arbeitstätigkeit im
ersten Arbeitsmarkt dürften ihre Chancen auf eine Anstellung jedoch auch in einem
anderen Tätigkeitsbereich gewahrt sein. Abschliessend ist festzuhalten, dass keine
Gründe ersichtlich sind, weshalb es der Beschwerdeführerin nicht zumutbar gewesen
sein sollte, nach der Aussteuerung aus der Arbeitslosenversicherung weiterhin
ausreichende Arbeitsbemühungen zu tätigen. Daran ändert nichts, dass ihre Chancen
auf dem Arbeitsmarkt, eine Anstellung zu finden, aufgrund ihrer gesundheitlichen
Beeinträchtigungen, der fehlenden branchenspezifischen Berufserfahrung sowie des
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fortgeschrittenen Alters als eher gering einzustufen sind. Denn da die
Beschwerdeführerin keine Belege über Arbeitsbemühungen vorgelegt hat, kann sie
nicht nachweisen, dass sie trotz genügender Stellenbewerbungen keine Arbeitsstelle
gefunden hätte und somit ihrer Schadenminderungspflicht, d.h. der Verwertung ihrer
Restarbeitsfähigkeit, unverschuldet nicht nachgekommen ist. Der Beschwerdegegnerin
hat der Beschwerdeführerin somit zu Recht gestützt auf Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV ein
hypothetisches Einkommen angerechnet.
1.6 Zu prüfen bleibt der Zeitpunkt der Anrechnung eines hypothetischen
Einkommens. Gemäss Art. 25 Abs. 4 ELV wird die Herabsetzung einer laufenden
Ergänzungsleistung infolge der Anrechnung eines Mindesteinkommens nach Art. 14a
Abs. 2 ELV erst sechs Monate nach Zustellung der entsprechenden Verfügung
wirksam. Sinn und Zweck dieser sechsmonatigen Wartefrist ist es, der EL-beziehenden
Person die Möglichkeit zu geben, sich auf die neue Situation, d.h. die erstmalige
Anrechnung eines Mindesteinkommens, einzustellen und nach einer Erwerbstätigkeit
Umschau zu halten (Erläuterungen zur Änderung der ELV, ZAK 1987 S. 546). Da davon
auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin bereits während des ALV-Taggeldbezugs
genügende Arbeitsbemühungen getätigt hat, hat sich für sie durch das Ende des
Taggeldanspruchs nichts geändert, d.h. sie hätte sich nur weiterhin ernsthaft um eine
Arbeitsstelle bemühen müssen, um eine Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens zu vermeiden. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführerin
bereits ab 1. Juli 2011 ein hypothetisches Einkommen in der Höhe des zuletzt erzielten
tatsächlichen Erwerbseinkommens angerechnet worden war. Auch hat die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin mit der Anpassungsverfügung vom 2.
Februar 2012 darauf hingewiesen, dass ihr für den Fall, dass sich ihr Invaliditätsgrad im
Rahmen des Rentenrevisionsverfahrens nicht ändern sollte, ein hypothetisches
Einkommen in der Höhe von Fr. 19'050.-- angerechnet würde. Die Beschwerdeführerin
hat also spätestens im Februar 2012 Kenntnis vom Institut des hypothetischen
Erwerbseinkommens gehabt. Sie hat somit wissen müssen, dass ihr ‒ für die Zeit nach
dem ALV-Taggelbezug ‒ ohne den Nachweis genügender Arbeitsbemühungen wieder
ein hypothetisches Einkommen angerechnet werden würde. Dies würde auch für den
Fall gelten, dass das RAV im Zeitraum des Taggeldbezugs wider Erwarten von der
Beschwerdeführerin keine Arbeitsbemühungen einverlangt hätte. Denn die
Beschwerdeführerin ist spätestens seit dem 14. September 2012 anwaltlich vertreten
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gewesen (vgl. EL-act. 39) und muss sich das Wissen ihres Rechtsvertreters in Bezug
auf die Voraussetzungen der Berücksichtigung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens anrechnen lassen. Zumindest ihr Rechtsvertreter hätte wissen
müssen, dass ein allfälliger Entscheid der Arbeitslosenversicherung (wie auch des
Sozialamtes), von der Beschwerdeführerin keine Arbeitsbemühungen mehr zu
verlangen, für die EL-Durchführungsstellen nicht verbindlich sein konnte.
Zusammengefasst liegt somit kein Anwendungsfall von 25 Abs. 4 ELV vor. Die
Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin ab 1. Februar 2013 zu Recht ein
hypothetisches Einkommen angerechnet. Das angerechnete hypothetische Einkommen
von Fr. 19'210.-- entspricht dem Mindestbetrag nach Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV und ist
betragsmässig korrekt.
1.7 Zusammengefasst ist festzuhalten, dass in der EL-Berechnung für die Monate
September 2012 bis Januar 2013 ein ALV-Taggeld in der Höhe von Fr. 7'826.-- zu
berücksichtigen ist. Ab 1. Februar 2013 ist in der EL-Berechnung ein hypothetisches
Erwerbseinkommen in der Höhe von Fr. 19'210.-- anzurechnen. Die übrigen
Berechnungspositionen sind korrekt. Den EL-Anspruch für die Monate September bis
Dezember 2012 hat die Beschwerdegegnerin richtig berechnet; er beträgt monatlich Fr.
1'138.--. Für den Monat Januar 2013 beträgt die EL demgegenüber Fr. 1'110.-- und
nicht wie von der Beschwerdegegnerin errechnet Fr. 751.-- (Ausgaben: Fr. 32'014.--;
Einnahmen neu Fr. 18'698.-- [Einnahmen alt Fr. 23'012.-- minus hypothetisches
Einkommen von Fr. 12'140 plus ALV-Taggeld von Fr. 7'826.--). Der EL-Anspruch ab 1.
Februar 2013 beträgt wie von der Beschwerdegegnerin festgelegt Fr. 751.--.
2.
2.1 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
2.2 Wird die angefochtene Verfügung bzw. der angefochtene Einspracheentscheid
aufgehoben, so liegt in Bezug auf die Verfahrenskosten immer ein vollumfängliches
Obsiegen vor, d.h. die Verwaltung bezahlt eine volle Parteientschädigung sowie die
gesamten Gerichtskosten (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 1. Juli 2010, IV 2010/256, E. 2). Die Beschwerdeführerin hat somit Anspruch auf
eine volle Parteientschädigung. Diese Parteientschädigung wird ohne Rücksicht auf
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den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Streitig ist
vorliegend nur die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens ab 1. Januar 2013
gewesen. Der Aufwand des Rechtsvertreters ist daher im Vergleich mit einem
durchschnittlichen EL-Verfahren als unterdurchschnittlich einzustufen. Dies
widerspiegelt sich auch in der inhaltlich kurz gefassten Beschwerdeschrift. Im
vorliegenden Fall erscheint deshalb eine pauschale Parteientschädigung von Fr.
2'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht