Decision ID: 5bcf0cfe-c7b7-435a-9a65-4838b7b313ee
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1969, war von
2001
bis
3
1.
März
2014
bei der
Y._
als
Fachmitarbeiter Warenlogistik
tätig, wobei der letzte Arbeitstag am
2
0.
Juni
2013
war (
Urk.
6/15
)
.
Unter Hinweis auf
eine schwere Depression sowie Rücken- und Herz
beschwerden
meldete sich
der Versicherte
am
1
1.
Dezember
2013
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und zog Akten der
Z._
Kran
ken
v
ersicherung bei (
Urk.
6/4,
Urk.
6/8
).
Am 2
3.
Juli
2015 teilte die IV-Stelle den Abschluss der Arbeitsvermittlung mit (
Urk.
6/38). Mit Schreiben vom 2
7.
August
2015 auferlegte die IV-Stelle dem Ver
sicherten im Rahmen der Schadenminderungspflicht die Durchführung einer stationären Therapie (
Urk.
6/40).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
6/73
;
Urk.
6/82
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
6.
April
2017
einen Rentenanspruch (
Urk.
6/85
=
Urk.
2)
2.
Der Versicherte erhob am
1
1.
Mai
2017
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
6.
April
2017
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
en ihm die gesetzlichen Leistungen
zuzusprechen,
namentlich Eingliederungsmassnahmen
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
6.
Juni 2017
(
Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
4.
Juli 2017
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach der Rechtsprechung führt Drogensucht (wie auch Alkoholismus und Medi
kamentenmissbrauch) als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Geset
zes. Dagegen wird sie im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden ein
getreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Ge
sundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht,
die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbe
gründend sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funk
tionelle Einschränkungen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbständiger Gesundheitsschädigungen darstellen (Art. 6 ff.
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
,
und Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). In
sofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis zwischen psychosozialen oder soziokulturellen Umständen und fachärztlich festgestellten psychischen Störun
gen von Krankheitswert (BGE 127 V 294 E. 5a): Wo die Gutachter im Wesentli
chen nur Befunde erheben, welche in der Drogensucht ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in dieser aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Dies trifft zu, wenn davon auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives Zustandsbild bei einer (angenommenen) po
sitiven Veränderung der suchtbedingten psychosozialen Problematik wesentlich bessern (und die damit verbundene Beeinträchtigung des Leistungsvermögens sich entsprechend verringern) würde (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober
2015 E. 2.2.1 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.1 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.1).
Angesichts der insoweit finalen Natur der Invalidenversicherung (BGE 120 V 95 E. 4c; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014,
Rz
51 zu Art. 4 IVG) ist nicht entscheidend, ob die Drogensucht Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob die Sucht ausserhalb eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsscha
den steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich irrele
vant, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogensucht – einem Symptom gleich – Teil eines Gesundheitsscha
dens bildet (BGE 99 V 28 E. 3b); dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des Rauschmittelkonsums, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund selber zu Arbeitsunfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn daneben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die Betäubungsmittelabhängigkeit auf
recht erhält oder deren Folgen massgeblich verstärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unabhängig von ihrer Genese) wie andere psychosozi
ale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines Gesundheitsschadens beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.2 unter Hinweis auf
8C_580/2014 vom 11. März
2015 E. 2.2.2 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.2).
Im
erwähnten Urteil 8C_582/2015
vom 8. Oktober
2015
E. 4
hat das Bundesge
richt entschieden, dass die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 psychoso
matische Leiden betrifft und auf Suchtproblematiken nicht anwendbar ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_6/2016 vom 3. Februar 2016 E. 4.2.3 mit Hinweis auf die Kritik
von
Liebrenz
/
Uttinger
/Ebner, Sind Abhängigkeitserkrankungen aus höchstrichterlicher Sicht [weiterhin] nicht mit anderen psychischen Störun
gen [z.B. somatoformen Störungen] vergleichbar? - Eine Urteilsbesprechung von BGE 8C_582/2015 im Lichte der theoretischen Anwendbarkeit des ergeb
nisoffenen, strukturierten Beweisverfahrens, in: SZS
2016 S. 96; ferner:
Liebrenz
et
alii
, Das Suchtleiden bzw. die Abhängigkeitserkrankungen - Mög
lich
keiten der Begutachtung nach
BGE 141 V 281
[= 9C_492/2014]
, in: SZS 2016 S.
12).
1.2
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, ein
zig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiesenermas
sen
therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E.
3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung De
pres
sionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich ver
lang
ten Konstellation ist den no
rmativen Anforderungen des Art. 7 Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3
). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht
auszuschliessen
sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stati
onären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nach
haltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3
;
BGE
137 V 64
E.
5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1).
Eine leichte depressive Episode grundsätzlich nicht geeignet, eine leistungsspezi
fische Invalidität zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 9C_337/2015 vom 7. April
2016 E. 4.4.1 mit weiteren Hinweisen).
1.3
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.
4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Un
tersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden ha
ben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wo
zu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere An
sicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober
2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin vertrat im angefochtenen Entscheid die Auffassung,
dass die Arbeitsunfähigkeit vor allem durch ein Abhängigkeitsverhalten be
grün
det sei und deshalb kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Ge
sund
heits
schaden vorliege
. Mit der Durchführung der im Rahmen der Schaden
min
derungs
pflicht auferlegten teilstationären Therapie habe sich der Gesund
heitszustand des Be
schwer
deführers verbessert, und zuletzt habe eine leichte depressive Episode vor
gelegen. Der Substanzkonsum sei ebenfalls reduziert wor
den, sei aber nach wie vor als primäres Suchtgeschehen einzuordnen. Weiter be
stehe aus kardiologischer Sicht keine Einschränkung
, und das rheumatologi
sche Leiden erfordere
keine Behandlung
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer wandte dagegen ein,
dass seinem Suchtleiden eine eigen
ständige psychische Störung zugrunde liege, welcher Krankheitswert zukomme. Ob eine relevante psychiatrische Störung bestehe, sei von der Beschwerdegeg
nerin ungenügend abgeklärt worden, insbesondere genüge die Aktenbeurteilung des RAD vom
9.
November
2016 nicht, da sie die Anamnese nicht vollständig wiedergebe und Wesentliches ausser Acht lasse. So sei er bereits im Kindesalter psychisch belastet gewesen, und habe als Erwachsener zunächst jahrelang ein geregeltes Ehe- und Erwerbsleben geführt. Die vorliegend massgebliche psychi
sche Dekompensation im
J
ahre
2012 sei nicht durch den Drogenkonsum, son
dern durch den Tod der Mutter verursacht worden, welchen er als einschnei
dend erlebt habe
. Die danach gutachterlich festgestellte Depression mittleren Grades sei entgegen der zu optimistischen Prognose bis heute nicht remittiert. In der Folge habe er seine langjährige Arbeitsstelle und damit verbunden seine finanzielle Existenzgrundlage verloren, wodurch er psychisch komplett entgleist sei.
Hervorzuheben sei, dass er zuletzt eine positive Tendenz gezeigt und das
H._
eine günstige Prognose gestellt habe. Weiter seien auch die bestehenden erheblichen somatischen Beschwerden mit klinischem Korrelat noch rechtskonform abzuklären
(
Urk.
1
S.
3 ff.
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invalidenversicherung. Zu prüfen ist insbesondere, ob ein eigenständiger psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht.
3
.
3
.1
Mit Bericht vom 1
0.
November
2013 nannte der Hausarzt des Beschwerdefüh
rers,
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine
Innere
Medizin, als Diagno
sen eine De
p
ression und
ein
lumbovertebrales Syndrom (
Urk.
6/4/2-3
).
3
.2
Die Ä
rzt
e
des
B._
, Klinik für
Rheumatologie,
nann
te
n
in
ihrem
Bericht vom 2
2.
November
2013 (
Urk.
6/41/6-7) als rheumatologi
sche Diagnose ein lumbovertebrales Schmerzsyndrom und als Differentialdiag
no
se eine
Spondylarthropathie
.
Sie
führte
n
aus, dass die Röntgenbilder der Len
den
wirbel
säule und des Beckens leichte degenerative Veränderungen im Sinne einer Osteochondrose des Lendenwirbelkörpers 2/3 gezeigt hätten. Auf eine weitere Ab
klä
rung bezüglich
Spondylarthropathie
mittels MRI sei bei Klaustro
phobie aktuell verzichtet worden. Die durchgeführte HLAB27-Bestimmung sei jedoch ne
ga
tiv ausgefallen.
3
.3
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Orthopädie und Traumatologie des Be
we
gungsapparates,
stellte
in ihrem Gutachten vom 2
0.
Dezember
2013 (
Urk.
6/8/16-23)
folgende Diagnosen (S. 5):
-
seit Jahren chronisch rezidivierende Beschwerden der Lendenwirbelsäule tief lumbal, derzeit rechtsbetont
-
Hyposensibilität am rechten Oberschenkel ventral
-
Fehlstatik der Wirbelsäule, ausgeprägte Haltungsinsuffizienz bei
ver
schmächtigter
Rumpfmuskulatur
-
beidseits erheblich verkürzte
Ischiokruralmuskulatur
-
freie Funktionen der gro
ssen/kleinen Gelenke der oberen
/unteren Extremi
täten
-
Zustand nach zweimaliger Fusskontusion rechts mit konservativer Thera
pie
-
insgesamt eher schmächtiger Habitus
In der Beurteilung hielt sie fest,
dass die vom Beschwerdeführer vorgetragenen Schmerzen tief lumbal klinisch ihr Korrelat fänden. Es dürfe von einer vermin
derten Belastbarkeit der Wirbelsäule ausgegangen werden, aber auch von einer verminderten Belastbarkeit bei eher schmächtigem Habitus. Aus therapeutischer Sicht
sei
es dringend notwendig, dass die verkürzten Muskelstrukturen, speziell der
Ischiokruralmuskulatur
, gedehnt und über eine Haltungskorrektur die Wir
belsäule wieder im Lot belastet würden. Nach muskulärer Kräftigung, geeignet über medizinische Trainingstherapie, sollten wieder regelmässig sportliche Frei
zeitaktivitäten durchgeführt werden. Für Januar
2014 habe der Beschwerdefüh
rer Termine für eine E
valuation der funktionellen Leistungsfähigkeit
.
Weiter führte
Dr.
C._
aus, dass der B
eschwerdeführer
gemäss eigenen Anga
ben bei s
einer Tätigkeit im
Retourenlager
körperlich schwere Arbeiten verrich
ten
müsse
und Durchzug ausgesetzt
sei
.
Aus orthopädischer Sicht sei eine Rückkehr in den Arbeitsprozess ab 1
5.
Januar 2014 möglich mit Pensum 50
%
, wenn gewährleistet sei, dass der Beschwerde
führe
r
körperlich leichte und gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten verrichten könne. Ab
1.
Februar
2014 sei dann für angepasste Tätigkeiten ein volles Pen
sum gegeben. Ab
1.
März
2014 könne der Beschwerdeführer durchschnittlich mittel
schwere und gelegentlich körperlich schwere Tätigkeiten verrichten. Es wäre für ihn gut, wenn längerfristig eine innerbetriebliche Umsetzung erfolgen könnte, sodass er durchschnittlich mittelschwere Tätigkeiten verrichten könne
(S. 5 f.).
3
.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte
in seinem Gutachten vom 2
2.
Dezember
2013 (
Urk.
6/8/3-15
)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
prolongierte Trauer nach dem To
d der Mutter (im Oktober
2012), aktuell noch mittelschwer depressiv
-
D
ifferentialdiagnose:
anhaltende depressive
Rea
ktion/Anpassungs
stö
rung (ICD-10
F43.21)
-
chronisch rezidivierende lumbale Rückenschmerzen
-
Verdacht auf somatoforme Schmerzverarbeitung im Rahmen der prolon
gierten Trauer (ICD-10
F45.4)
Dr.
D._
führte aus, dass die psychiatrische Behandlung bezüglich der erhebli
chen depressiven Symptomatik völlig insuffizient sei. Sie finde zum einen erst seit Herbst
2013 statt (ein Jahr nach dem Tod der Mutter) und lediglich in sechs- bis achtwöchigen Intervallen (bisher erst vier Sitzungen) und dies nur zur Medikamenteneinstellung, ohne die Psychotherapie, die der Beschwerdeführer eigentlich wünschen und brauchen würde. Auch die antidepressive Medikation sei ungenügend. Das verabreichte
Remeron
sei zu hoch dosiert, um die Schlaf
störungen zu beheben und wirke in der Nacht antriebssteigernd, so dass der Beschwerdeführer trotz Müdigkeit oft nicht mehr einschlafen könne. Hier dränge sich dringend ein Medikamentenwechsel auf. Das schlafinduzierende
Remeron
sollte reduziert, dafür am Tag ein antriebssteigerndes und stimmungs
aufhellendes Antidepressivum verschrieben werden (S. 7 f.). Prognostisch sei mit einer vollständigen Wiederherstellung der psychischen Gesundheit zu rech
nen. Bei einer verbesserten antidepressiven Medikation sowie Installierung einer psychotherapeutischen Begleitung könnte rasch eine Remission der depressiven Symptomatik erwirkt werden (S. 10).
Aus psychiatrischen Gründen sei der Beschwerdeführer aufgrund der anhalten
den depressiven Symptomatik (verzögerte Trauerreaktion) zurzeit noch 100
%
arbeitsunfähig
. Bei einem positiven Ansprechen auf den empfohlenen Wechsel der Psychopharmaka auf ein
aktivierenderes
Antidepressivum sowie eine Re
duktion des
Remerons
zur besseren Schlafmodulation wäre ab
1.
Februar ein Wiedereinstieg zu 50
%
denkbar für eine körperlich leichte, rückenadaptierte Tätigkeit mit schrittweisen Steigerungen auf 100
%
im Laufe vom März
2013 (
richtig: März 2014;
S. 11).
3
.5
Die Psychologin des
B._
, Klinik für
Psychiatrie
und Psychotherapie
,
nannte in ihrem Bericht vom 1
7.
März
2014
aufgrund ihres Erstgesprächs mit dem Be
schwerdeführer
(
Urk.
6/16
) folgende Diagnosen:
-
Depression (ICD-10
F32.1)
-
m
ittelgradig depressive Episode
-
p
sychosoziale Belastungssituation
-
Verdacht auf chronische Schmerzstörung mit somatischen u
nd psychi
schen Faktoren (ICD-10
F45.41)
3
.
6
Mit Bericht vom 2
9.
April
2014 (
Urk.
6/21/5-6)
hielt
die
zuständige
Ärztin des
B._
,
E._
, unter Beilage weiterer Berichte (
Urk.
21/7-14)
fest
,
dass
keine kardiologischen
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
bestünden
.
Weiter führte sie aus
, dass aus kardiologischer Sicht eine positive Familienanamnese für eine hypertrophe Kar
diomyopathie bestehe, wobei der
B
eschwerdeführer selber aktuell keinerlei Hin
weise auf die klinische Manifestation einer hypertrophen Kardiomyopathie zeige (EKG, Echokardiographie und auch Herz-MRI seien absolut normal).
3
.
7
Die Ärzte des
F._
, bei wel
chen der Beschwerdeführer seit
8.
Mai
2014 und letztmals am
2.
August 2015 die Einzelgesprächstherapie
besuchte, nannten in ihren Berichten
(unda
tiert;
Urk.
6/31,
Urk.
6/39) folgende Diagnosen:
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide: Abhängigkeitssyn
drom (gegenwärtig Sub
stitution mit Methadon), ICD-10
F11.2
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit Ver
dacht auf psychotische Symptome, ICD-10: F83.2; Differ
entialdiag
nose ICD-10
F33.3
-
posttraumat
ische Belastungsstörung, ICD-10
F43.1
A
ls
die Krankheit aufrechterhaltende Faktoren nannte der Arzt die Suchtproble
matik, die Traumatisierung in der Kindheit, das Aus
lösen von Angstzuständen und den
Tod der
Mutter vor zwei Jahren (
Urk.
6/39
Ziff.
4.4) und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Urk.
6/39
Ziff.
2.1).
3
.
8
Mit Bericht vom
8.
März
2016 (
Urk.
6/56,
Urk.
6/63/2-6) hielt
Dr.
med.
G._
,
H._
,
wo sich der Beschwerdeführer vom 2
0.
Januar bis 2
7.
Februar
2016 zum ersten Mal in stationärer Behandlung befand,
fol
gen
de Diagnosen fest:
-
Hauptdiagnose:
-
psychische und Verhaltensstörung durch Sedative oder Hy
pnotika: Ent
zugssyndrom (ICD-10
F13.3)
-
Nebendiagnosen:
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärti
g mittelgradige Episode (ICD-10
F33.0)
-
psychische und Verhaltensstörung durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen: Abhängigkeitssyn
drom: Kokain,
Heroin, Benzodiazepine (ICD-10
F19.2)
Dr.
G._
hielt in seiner Beurteilung fest, dass der
Benzodiazepinentzug
kom
pli
kationslos gewesen sei und die
Opioidsubstitution
fortgesetzt werde. Es liege eine leichte depressive Störung mit vor allem Antriebsmangel und Rück
zugs
ten
denzen vor, und es erfolge eine tagesklinische Weiterbehandlung zum Auf
bau von Aktivitäten und zur Tagesstrukturierung (S. 4).
3
.
9
Dr.
med.
univ.
I._
,
J._
,
hielt mit Schreiben vom 2
2.
Juni 2016 (
Urk.
6/63/1
) fest, dass der Beschwerdeführer nach dem sta
tionären Aufenthalt im
H._
für einen Monat in der
K._
der
L._
gewesen sei. Zwar sei diese auf Suchterkrankungen spezialisiert, doch habe der Beschwerde
führer dort einen starken Suchtdruck empfunden und habe auch immer wieder mal etwas angeboten bekommen, was ihn auch einmal habe rückfällig werden lassen. Der Beschwerdeführer selber habe daher entschieden, dort nach einem Monat abzubrechen, da er verständlicherweise keinen Fortschritt habe sehen kön
nen.
3
.
10
Mit Bericht vom 2
4.
Oktober
2016 (
Urk.
6/70) hielt
Dr.
med.
M._
,
H._
, wo sich der Beschwerdeführer vom 2
1.
Juli bis zum 1
2.
September
2016 zur zweiten stationären Therapie aufhielt, folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest
(
Ziff.
1.1)
:
-
psychische und Verhaltensstörung durch Sedative oder Hy
pnotika: Ent
zugssyndrom (ICD-10
F13.3)
-
psychische und Verhaltensstörung durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen: Abhängigkeitssyndrom: Kokain,
Heroin, Benzodiazepine (ICD-10
F19.2)
-
rezidivierende depressive Störung, gege
nwärtig leichte Episode (ICD-10
F33.0)
Dr.
M._
führte aus, dass es dem Beschwerdeführer laut seinen Aus
führun
gen seit
dem
letzte
n
Austritt im Februar deutlich
besser gegangen
sei
. E
r habe keine Drogen mehr konsum
i
ert,
habe
sich vermehrt über den Tag akti
vieren
können,
und Kopfschmerzen seien nicht mehr aufgetreten. Anfang Juni habe er die
K._
besucht. Hier habe er sich nicht wohl gefühlt, hinzu seien Spannungen mit seiner
Schwester gekommen, welche für ihn die Haupt
bezugsperson sei. In der
K._
sei ihm durch Mitpatienten vermehrt
Do
r
micum
und andere Drogen angeboten worden, wozu er nicht habe nein sagen können. Etwa drei Tage vor Eintritt habe er letztmalig 0.5 mg Heroin und Kokain konsumiert, und habe zwischen 4-6 Tabletten
Dormicum
pro Tag eingenommen. Der Beschwerdeführer wünsche sich für seinen Aufenthalt, sei
nen
Dormicum
-Konsum auf 0 mg zu reduzieren. Zusätzlich berichte er über eine massive Durchschlafstörung und vermehrte Ängste mit somatischen Symp
tomen bis zum Schweissausbruch (
Ziff.
1.4).
Dr.
M._
hielt fest, dass für die Dauer des stationären Aufenthalts vom 2
1.
Juli bis 1
2.
September
2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestehe (
Ziff.
1.6).
Der Beschwerdeführer sei zurzeit arbeitslos und suche aktiv nach einem neuen Job über das RAV (
Ziff.
1.7).
Durch das Fortführen der psychiatri
schen Medikation und einer regelmässigen
störungsspezifischen psychothera
peutischen Behandlung, wenn möglich Reduktion der PSYCHOPAX-Tropfen auf
n
ull, würden sich die Einschränkungen durch medizinische Massnahmen ver
mindern lassen. Diese Massnahmen würden sich womöglich günstig auf die Ar
beitsfähigkeit auswirken, sodass langfristig mit dem Wiedererlangen einer Ar
beitsfähigkeit unter angepassten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt gerechnet werden könne (
Ziff.
1.8).
4
.
Den medizinischen Berichten lässt sich entnehmen, dass im Zeitpunkt des
letz
ten
Austritts aus dem
H._
aus psychiatrischer Sicht noch eine
depressive Episode leichten Grades
sowie
ein Entzugs
- und
ein Abhängigkeits
syndrom bestand
en
(vgl. vorstehend E. 3.10)
.
Rechtsprechungsgemäss (vorstehend E. 1.2) ist eine leichte depressive Episode grundsätzlich nicht geeignet, eine leistungsspezifische Invalidität zu begründen. Vorliegend ist zudem bei Durchführung der empfohlenen Psychotherapie und
Einnahme der
Medikation eine Verbesserung zu erwarten, weshalb die Thera
pieresistenz zu verneinen ist.
Was das Entzugs- und Abhängigkeitssyndrom angeht, so
trat
aktenkundig
die Suchtproblematik im
Mai
2014
erstmals auf
(E. 3.7)
. Bis
zu diesem Zeitpunkt standen die Rückenbeschwerden und die depressive Reaktion auf den Tod der Mutter im Vordergrund. Bei letzterer handelte es sich vor Auftreten der Sucht
problematik um eine Depression mittleren Grades, wobei der Gutachter von einer völlig ungenügenden medikamentösen und psychotherapeutischen Be
handlung ausging und nach Durchführung der von ihm empfohlenen Therapie von der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit
bereits
im Laufe von rund drei Monaten ausging
(E. 3.4)
.
Angesichts der guten Behandelbarkeit und der günstigen Prognose
der Depression ist davon auszugehen, dass ihr
auch damals
kein Krankheitswert zukam und das danach einsetzende Suchtgeschehen nicht überwiegend wahrscheinlich als dessen Folge anzusehen ist.
Zudem weist der
erste
, erfolgreiche
stationäre Aufenthalt
(E. 3.8)
des Beschwerdeführers
darauf hin
, dass
auch die Suchtproblematik selber behandelbar ist.
Hinzu
kommt, dass der Beschwerdeführer laut dem Austrittsbericht des
H._
aktiv über das RAV auf Stellensuche ist und sich somit offenbar auch selber für
ar
beits
- und vermittlungsfähig hält.
Insgesamt ist damit
in Übereinstimmung mit der Einschätzung des RAD (
Urk.
6/72 S. 8 f.) von einem reinen Suchtgeschehen auszugehen
, welche
s
inva
lidenversicherungsrechtlich irrelevant
ist
.
Aus somatischer Sicht ist ein invalidisierender Gesundheitsschaden ebenfalls zu verneinen.
Nach eingehender fachärztlicher Abklärung wurden beim Beschwer
deführer keine sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkende kardiologische
Diag
nosen gestellt (E. 3.6).
Aus orthopädischer Sicht wurden zwar Einschränkungen festgestellt; die begutachtende
Orthopädin
ging
jedoch
- nach geeigneter mus
kulärer Kräftigung -
von
eine
r
volle
n
Arbeitsfähigkeit für durchschnittlich mit
telschwere und gelegentlich körperlich schwere Tätigkeiten
aus (E. 3.3).
Ob und inwiefern dies von der angestammten Tätigkeit des Beschwerdeführers
- welche er als körperlich schwer beschrieb -
abweicht, kann vorliegend offen bleiben, zumal das Ausmass der Einschränkung jedenfalls nicht so erheblich ist, dass sie eine rentenbegründende Invalidität bewirken könnte.
Wie zudem einer hand
schriftlichen Notiz zu entnehmen ist, wurde der Beschwerdeführer beim
B._
seit Februar
2014
nicht mehr vorstellig
(
Urk.
6/41/1)
und es ist auch nicht ak
tenkundig, inwieweit er die empfohlene medizinische Trainingstherapie durch
führte.
Zu
m zu
nächst noch
aufgeführten Verdacht auf eine somatoforme bezie
hungsweise chronische Schmerzstörung (E. 3.4-3.5) ist zu bemerken, dass dieser
sich in der Folge offenbar nicht
bestätigte
(E. 3.7-3.10)
.
Damit ist das Vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens und infol
ge
dessen ein Leistungsanspruch des Beschwerdeführers zu verneinen.
5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der angefochtene Entscheid zu Recht be
steht, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), auf Fr. 800.-- anzusetzen und ausgangsgemäss dem Be
schwerdeführer aufzuerlegen.