Decision ID: 26294f85-c43c-5047-9419-ea15162714f6
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 23. Januar 2017 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu
seiner seit dem 1. März 2011 ausgerichteten Altersrente der AHV an (EL-act. 24). Er
gab an, der Mietzins seiner Wohnung belaufe sich auf 1’752 Franken pro Monat (vgl.
EL-act. 28–1). Nebst der Altersrente der AHV im Betrag von 2’106 Franken pro Monat
erziele er keine Einnahmen. Der Stand seines Vermögens belaufe sich auf 20’237
Franken (vgl. EL-act. 26–1). Am 1. März 2011 habe er eine Kapitalauszahlung der
beruflichen Vorsorge von 487’920 Franken erhalten (vgl. EL-act. 25–1). Die EL-
Durchführungsstelle forderte in der Folge beim zuständigen Steueramt die
Steuerveranlagungsverfügungen für die Jahre 2010–2014 ein (EL-act. 17–1). Diesen
liess sich entnehmen (EL-act. 18 ff.), dass der EL-Ansprecher im Jahr 2010 ein
Erwerbseinkommen von 64’884 Franken erzielt und über ein Sparvermögen von 1’777
Franken verfügt hatte; im Jahr 2011 hatte er ein Erwerbseinkommen von 11’798
Franken erzielt, Rentenleistungen der AHV von 20’790 Franken erhalten und – per 31.
Dezember 2011 – über ein Sparvermögen von 333’717 Franken sowie über ein neues
Motorfahrzeug im Wert von 13’000 Franken verfügt; der Stand des Sparvermögens
hatte sich per 31. Dezember 2012 auf 294’435 Franken, per 31. Dezember 2013 auf
202’015 Franken und per 31. Dezember 2014 auf 126’584 Franken belaufen.
A.b Am 12. Mai 2017 forderte die EL-Durchführungsstelle den EL-Ansprecher auf
anzugeben (EL-act. 14), ob er in den vergangenen Jahren Vermögen veräussert habe,
und nachzuweisen, wofür er sein Vermögen ausgegeben habe. Der EL-Ansprecher
antwortete am 24. Mai 2017 (EL-act. 13). Er führte aus, er habe dem Steueramt 64’000
Franken bezahlen müssen. Für 28’000 Franken habe er sich ein neues Auto gekauft.
Den Rest des Geldes habe er für seinen Lebensunterhalt und für eine neue
Wohnungseinrichtung ausgegeben. Er verfüge leider nicht über entsprechende Belege
beziehungsweise Quittungen. Er habe aber nichts verschenkt, sondern alles für sich
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selbst verbraucht. Ein Auto und der Lebensunterhalt kosteten bekanntlich Geld, wenn
man viel auf Reisen sei, aber das habe sich gelegt, da er die schöne Schweiz jetzt
gesehen habe. Am 2. Juni 2017 teilte die EL-Durchführungsstelle dem EL-Ansprecher
mit (EL-act. 12), dass sie bei der EL-Anspruchsberechnung angesichts des erheblichen
Vermögensrückgangs in den Jahren 2011–2016 einen Vermögensverzicht
berücksichtigen werde. Den Betrag des Verzichtsvermögens werde sie wie folgt
berechnen: Sie werde für jedes Jahr von 2011 bis 2016 eine EL-Anspruchsberechnung
durchführen, bei der sie die vom ELG anerkannten Ausgaben und die AHV-Altersrente
als Einnahme berücksichtigen werde. Das jeweilige Ergebnis werde sie um eine
Pauschale von 10’000 Franken pro Jahr erhöhen. Die Differenz zwischen dem Resultat
dieser Berechnung und dem effektiven Vermögensverbrauch im jeweiligen Jahr werde
sie als ein Verzichtsvermögen anrechnen. Der EL-Ansprecher erhalte aber nochmals
die Gelegenheit, seine Ausgaben zu belegen. Am 16. Juni 2017 gingen der EL-
Durchführungsstelle weitere Belege zu (EL-act. 11). Diesen liess sich entnehmen, dass
der EL-Ansprecher für die Kapitalleistung der beruflichen Vorsorge eine Kapitalsteuer
von 34’631 Franken (Kantons- und Gemeindesteuern) plus 10’326 Franken (direkte
Bundessteuer) hatte bezahlen müssen, dass er sich im März 2011 für 18’000 Franken
einen B._ gekauft hatte und dass er diesen im April 2012 gegen einen C._
eingetauscht hatte. Beim Eintausch war für das ältere Fahrzeug ein Wert von 9’700
Franken berücksichtigt worden. Da der Preis für das neuere Fahrzeug 19’700 Franken
betragen hatte, hatte der EL-Ansprecher nochmals 10’000 Franken bezahlen müssen.
A.c Die EL-Durchführungsstelle berechnete den Betrag des Verzichtsvermögens in der
Folge unter Berücksichtigung der zusätzlichen Angaben neu (EL-act. 10). Sie
berücksichtigte für die Jahre 2011–2016 jeweils die Prämien für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung, den effektiven Mietzins sowie die Pauschale für den
allgemeinen Lebensbedarf als Ausgaben und die Altersrente sowie den tatsächlichen
Vermögensertrag als Einnahmen. Den resultierenden Ausgabenüberschuss zog sie
jeweils als „anerkannten Verbrauch“ vom Stand des Vermögens per 31. Dezember des
Vorjahres ab. Als weitere Ausgaben berücksichtigte sie für das Jahr 2011 die
Kapitalsteuern, wobei sie fälschlicherweise den Betrag der einfachen Steuer zu den
Beträgen für die Kantons- und Gemeindesteuer und für die direkte Bundessteuer
hinzurechnete, und den Preis für das im Jahr 2011 gekaufte Motorfahrzeug. Für das
Jahr 2012 berücksichtigte sie den Mehrpreis für das neue Motorfahrzeug als Ausgabe.
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Für jedes Jahr berücksichtige sie eine zusätzliche Ausgabenpauschale von 10’000
Franken. Die Differenz zwischen der Summe dieser Ausgaben und der tatsächlichen
Reduktion des Vermögens rechnete sie als Vermögensverzicht an. Dieses belief sich
auf 61’904 Franken für das Jahr 2011, auf 20’776 Franken für das Jahr 2012, auf
68’370 Franken für das Jahr 2013, auf 49’576 Franken für das Jahr 2014, auf 41’939
Franken für das Jahr 2015 und auf 6’072 Franken für das Jahr 2016. Bei der
Anspruchsberechnung für die Zeit ab dem 1. Januar 2017 (EL-act. 9) berücksichtigte
die EL-Durchführungsstelle die kantonale Durchschnittsprämie für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung, den Maximalbetrag für den Mietzins sowie die Pauschale
für den allgemeinen Lebensbedarf als Ausgaben, was ein Ausgabentotal von 37’362
Franken ergab. Als Einnahmen rechnete sie einen Zehntel des anrechenbaren
Vermögens, die Altersrente der AHV sowie tatsächliche und hypothetische
Vermögenserträge an. Das anrechenbare Vermögen berechnete sie wie folgt: Sie
addierte zum per 31. Dezember 2016 effektiv vorhandenen Vermögen von 20’236
Franken und dem Restwert des Fahrzeugs von 4’800 Franken einen Vermögensverzicht
von 198’636 Franken. Davon zog sie den Freibetrag von 37’500 Franken ab. Das ergab
ein anrechenbares Vermögen von 186’172 Franken und einen anrechenbaren
Vermögensverzehr von 18’617 Franken. Das Einnahmentotal belief sich auf 44’108
Franken. Mit einer Verfügung vom 7. Juli 2017 wies die EL-Durchführungsstelle das
Begehren des EL-Ansprechers um eine Ergänzungsleistung mit der Begründung ab,
die Anspruchsberechnung habe keinen anspruchsbegründenden Ausgabenüberschuss
ergeben (EL-act. 8).
A.d Am 31. Juli 2017 erhob der EL-Ansprecher eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 7. Juli 2017 (EL-act. 6). Er machte geltend, er habe seine damalige
Lebenspartnerin gepflegt, die an Demenz erkrankt sei; bis vor vier Jahren habe er eine
schwere Zeit durchgemacht. Er sei für den gesamten Lebensunterhalt aufgekommen
und habe noch ausserordentliche Ausgaben begleichen müssen. Als die Partnerin in
ein Heim habe eintreten müssen, habe er umziehen und sich eine neue
Wohnungseinrichtung besorgen müssen. Er habe nicht auf Vermögen verzichtet. Seine
finanzielle Situation sei desolat. Er benötige dringend Ergänzungsleistungen. Mit einem
Entscheid vom 13. März 2018 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab (EL-
act. 3). Zur Begründung führte sie aus, da der Verbrauch des Vermögens nicht habe
belegt werden können, müsse das Vermögen gemäss der Rechtsprechung des
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Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen als immer noch vorhanden qualifiziert
werden. In der Verfügung scheine zwar ein falscher Betrag des Verzichtsvermögens auf
(nämlich 248’636 Franken statt 248’626 Franken), aber dieser Fehler falle nicht ins
Gewicht, weil auch bei einer entsprechenden Reduktion des hypothetischen
Vermögensverzehrs um einen Franken noch immer ein Einnahmenüberschuss
resultiere. Im Ergebnis erweise sich die angefochtene Verfügung folglich als
rechtmässig.
B.
B.a Am 19. März 2018 erhob der EL-Ansprecher (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 13. März 2018 (act. G 1). Er
beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheides und
die Zusprache einer Ergänzungsleistung. Zur Begründung führte er an, er könne die
Berechnung nicht nachvollziehen. Mittels eines Postbüchleins könne er belegen, dass
er kein Geld verschenkt, sondern normal gelebt habe. Der Eingabe lagen eine
Rechnung eines Musikhauses vom 20. Februar 2016 für ein „Schwyzerörgeli“ im Betrag
von 4’500 Franken (act. G 1.2), eine Quittung vom 8. März 2011 über den Kauf einer
Digitalkamera samt Zubehör im Betrag von 713.90 Franken (act. G 1.3) und eine
Rechnung vom 9. August 2011 für ein Kameraobjektiv im Betrag von 880.95 Franken
(act. G 1.4) bei.
B.b Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am
29. März 2018 die Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung verwies sie
auf die Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid. Ergänzend machte sie
geltend, auch wenn die erst bei der Beschwerdeerhebung geltend gemachten und
belegten Ausgaben anerkannt würden, würde noch ein Einnahmenüberschuss
resultieren. Es sei „doch etwas verwunderlich“, dass der Beschwerdeführer ein Jahr
vor der Anmeldung zum EL-Bezug noch eine Investition von 4’500 Franken getätigt
habe, obwohl bereits damals absehbar gewesen sei, dass die laufenden Ausgaben die
monatlichen Einnahmen überstiegen.
B.c Der Beschwerdeführer reichte am 11. April 2018 drei Postbüchlein ein und er
führte aus (act. G 5), das Geld für den Kauf des „Schyzerörgeli“ stamme aus dem
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Verkauf eines Autos drei Jahre davor. Es handle sich um eine einmalige Ausgabe; er
habe das seinem „Enkelchen“ schon lange versprochen gehabt. Das erste
Postbüchlein enthielt Quittungen für Überweisungen in der Zeit vom 1. Februar 2011
bis zum 17. Dezember 2012 (act. G 5.4). Die Zahlungen betrafen alltägliche Ausgaben,
kleinere Anschaffungen und Steuerforderungen. Die Summe der quittierten
Überweisungen belief sich für die Zeit vom 1. März 2011 bis zum 31. Dezember 2011
auf 27’820.30 Franken und für das Jahr 2012 auf 20’361.25 Franken. Das zweite
Postbüchlein enthielt Quittungen für Überweisungen in der Zeit vom 24. Dezember
2012 bis zum 10. Juni 2015 (act. G 5.5). Auch die in diesem Büchlein quittierten
Zahlungen betrafen alltägliche Ausgaben, kleinere Anschaffungen und
Steuerforderungen. Die Summe der Überweisungen im Jahr 2012 belief sich auf 447.10
Franken, sodass mit den beiden ersten Postbüchlein zusammen Überweisungen im
Gesamtbetrag von 20’808.35 Franken belegt waren. Für das Jahr 2013 belegte das
Postbüchlein Überweisungen im Gesamtbetrag von 17’783.75 Franken. Der
Gesamtbetrag der Überweisungen im Jahr 2014 belief sich gemäss dem Postbüchlein
auf 16’281.35 Franken. Die Summe der in diesem Postbüchlein belegten
Überweisungen im Jahr 2015 belief sich auf 10’687.05 Franken. Das dritte
Postbüchlein betraf den Zeitraum vom 18. Juni 2015 bis zum 19. März 2018 (act. G
5.6). Die Überweisungen betrafen wiederum alltägliche Ausgaben, kleinere
Anschaffungen und Steuerforderungen. Die Summe der im Jahr 2015 erfassten
Überweisungen belief sich auf 5’325.90 Franken, sodass mit den Postbüchlein für das
Jahr 2015 Überweisungen im Gesamtbetrag von 16’012.95 Franken belegt waren. Der
Gesamtbetrag der Überweisungen im Jahr 2016 belief sich gemäss dem Postbüchlein
auf 14’582.20 Franken.
B.d Die Beschwerdegegnerin machte am 1. Juni 2018 geltend (act. G 8), aus den
Ausführungen des Beschwerdeführers ergebe sich, dass es sich beim
„Schwyzerörgeli“ um ein Geschenk und damit um einen Vermögensverzicht gehandelt
habe. Die in den Postbüchlein ausgewiesenen Ausgaben fielen hauptsächlich unter die
allgemeine Lebensbedarfspauschale. Als ausserordentliche Ausgaben erschienen
lediglich eine Überweisung an einen Optiker im Jahr 2011 über 1’355 Franken, wobei
nicht bekannt sei, in welchem Umfang sich die Krankenkasse an den entsprechenden
Kosten beteiligt habe, eine Überweisung an ein Reiseunternehmen im Jahr 2011 über
1’156 Franken und eine Überweisung im Jahr 2012 über 2’303.10 Franken, deren
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Zweck nicht bekannt sei. Selbst wenn diese Ausgaben vom Verzichtsvermögen
abgezogen würden, würde noch ein Einnahmenüberschuss resultieren.
B.e Der Beschwerdeführer machte am 26. Juni 2018 geltend (act. G 10.1), die
Optikerrechnung betreffe eine Brille, die er sich gekauft habe, als er noch erwerbstätig
gewesen sei. Die Überweisung von 2’303.10 Franken sei an ein Umzugsunternehmen
gegangen. Die Rechnung des Reiseunternehmens habe eine Reise betroffen, die er
damals mit seiner Lebenspartnerin unternommen habe. Die späteren Reisen habe er
ausschliesslich innerhalb der Schweiz unternommen. Er hätte nie gedacht, dass er sich
im _. Lebensjahr noch so mühen müsse, um Ergänzungsleistungen zu erhalten.

Erwägungen
1.
Gegenstand des mit dem angefochtenen Entscheid abgeschlossenen
Einspracheverfahrens ist die Prüfung einer erstmaligen Anmeldung zum
Ergänzungsleistungsbezug gewesen. Die Beschwerdegegnerin hat also im
Einspracheverfahren (wie auch im vorangegangenen Verwaltungsverfahren) umfassend
prüfen müssen, ob und allenfalls in welcher Höhe ein Anspruch des Beschwerdeführers
auf eine Ergänzungsleistung zur Altersrente der AHV bestanden hat. Da dieses
Beschwerdeverfahren die Prüfung des angefochtenen Einspracheentscheides auf
dessen Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand zwingend jenem des
Einspracheverfahrens entsprechen, was bedeutet, dass auch in diesem
Beschwerdeverfahren umfassend zu prüfen ist, ob und allenfalls in welcher Höhe ein
Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Ergänzungsleistung zur Altersrente der AHV
besteht.
2.
Die allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen des Art. 4 ELG sind erfüllt, denn der
Beschwerdeführer hat seinen Wohnsitz und seinen gewöhnlichen Aufenthalt in der
Schweiz (vgl. Art. 4 Abs. 1 ELG) und er bezieht eine Altersrente der AHV (vgl. Art. 4
Abs. 1 lit. a ELG). Da sich der Beschwerdeführer im Januar 2017 zum Bezug einer
Ergänzungsleistung angemeldet hat und da kein Anwendungsfall des Art. 12 Abs. 2
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ELG vorliegt, hätte ein Anspruch auf eine Ergänzungsleistung frühestens am 1. Januar
2017 entstehen können (Art. 12 Abs. 1 ELG). Der Gegenstand des
Einspracheverfahrens als echtes Rechtsmittelverfahren darf gemäss der ständigen
Rechtsprechung des St. Galler Versicherungsgerichtes nicht weiter als der Gegenstand
jenes Verwaltungsverfahrens sein, das mit der im Einspracheverfahren zu
überprüfenden Verfügung abgeschlossen worden ist (vgl. statt vieler den Entscheid
EL 2016/34 vom 21. November 2017, E. 1.1, mit zahlreichen Hinweisen). In diesem
Beschwerdeverfahren ist folglich ausschliesslich zu prüfen, ob der Beschwerdeführer
unter Berücksichtigung der Sachverhaltsentwicklung für die Zeit bis zum Erlass der
(einspracheweise angefochtenen) Verfügung vom 7. Juli 2017 einen Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung zu seiner Altersrente der AHV gehabt hat. Da die allgemeinen
Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind, ist entscheidend, ob die Anspruchsberechnung
für die Zeit bis zum 7. Juli 2017 einen Ausgabenüberschuss ergibt, denn eine allfällige
Ergänzungsleistung würde dem Betrag entsprechen, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG); bei einem
geringen Ausgabenüberschuss würde allerdings ein Anspruch auf die sogenannte
Minimalgarantie bestehen, die der kantonalen Durchschnittsprämie für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung entsprechen würde (Art. 9 Abs. 5 lit. g ELG
und Art. 26 ELV).
3.
Als Ausgaben sind die Pauschale für den allgemeinen Lebensbedarf (Art. 10 Abs. 1 lit.
a Abs. 1 ELG) von 19’290 Franken (vgl. AS 2014 3341), der gesetzliche Maximalbetrag
für den Wohnungsmietzins (Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 ELG) von 13’200 Franken (da der
tatsächliche Mietzins höher ist; vgl. EL-act. 28) sowie die kantonale
Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung (Prämienregion
2) von 4’872 Franken (AS 2016 4176) zu berücksichtigen. Das ergibt ein Ausgabentotal
von 37’362 Franken.
4.
4.1 Als Einnahmen sind die Altersrente der AHV im Betrag von 25’272 Franken, ein
hypothetischer Vermögensverzehr von einem Zehntel des anrechenbaren Vermögens
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und Vermögenserträge anzurechnen. Für die Berechnung des hypothetischen
Vermögensverzehrs von einem Zehntel des anrechenbaren Vermögens (Art. 11 Abs. 1
lit. c ELG) muss zuerst der Betrag des anrechenbaren Vermögens ermittelt werden.
Das per 31. Dezember 2016 effektiv vorhandene Sparvermögen hat sich auf 20’236
Franken belaufen (= 18’144 + 1’892 + 200 Franken; vgl. EL-act. 26). Der
buchhalterische Wert des Motorfahrzeugs des Beschwerdeführers hatte im Jahr 2015
noch 6’000 Franken betragen. Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht eine
Abschreibung von 20 Prozent berücksichtigt und einen Betrag von 4’800 Franken
angerechnet.
4.2 Der Beschwerdeführer hat keine weiteren namhaften Vermögenswerte angegeben.
Aus den Akten ergibt sich aber, dass er im Jahr 2011 eine Kapitalleistung der
beruflichen Vorsorge im Betrag von 487’920 Franken erhalten hat (EL-act. 25), weshalb
sich die Frage stellt, was mit der Differenz zwischen diesem Betrag und dem per 31.
Dezember 2016 noch vorhandenen Vermögen von 20’236 Franken geschehen ist. Der
Beschwerdeführer hat geltend gemacht, er habe dieses Geld – also 467’684 Franken –
in der Zeit zwischen der Auszahlung der Kapitalleistung im März 2011 und dem 31.
Dezember 2016 verbraucht (was einem durchschnittlichen Verbrauch von über 80’000
Franken pro Jahr in dieser Zeit entsprechen würde). Von diesem behaupteten
Verbrauch hat der Beschwerdeführer aber nur einen Teil belegen können. Als
ausserordentliche Ausgaben sind die Steuern für die Kapitalleistung von total 34’631 +
10’326 = 44’957 Franken (EL-act. 11–7 f.), der Kauf zweier Motorfahrzeuge für
insgesamt 18’000 + 10’000 = 28’000 Franken (vgl. dazu aber die nachstehende E. 5.3),
die Anschaffung einer Foto-Ausrüstung für insgesamt 714 + 881 = 1’595 Franken, der
Kauf einer Brille für 1’355 Franken, Ausgaben von 1’156 Franken für eine Reise, die
Kosten von 2’303 Franken für einen Mobiliartransport und der Kauf eines
„Schwyzerörgeli“ für 4’500 Franken (vgl. dazu aber die nachstehende E. 5.3) zu
berücksichtigen. Der Betrag für die einfache Steuer (EL-act. 11–6) darf
selbstverständlich nicht zusätzlich berücksichtigt werden, denn er hat ja nur die Basis
für die Berechnung der Kantons- und Gemeindesteuer von 34’631 Franken gebildet.
Damit ist ein Vermögensverbrauch von 83’866 Franken für ausserordentliche Ausgaben
belegt. Natürlich hat sich der Beschwerdeführer in den Jahren 2011–2016 auch mit
ordentlichen Ausgaben für die Wohnungsmiete, die obligatorische
Krankenpflegeversicherung und den allgemeinen Lebensbedarf (inkl. Steuern)
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konfrontiert gesehen. Diesbezüglich erweist sich die Aktenlage als lückenhaft, denn es
ist nicht bekannt, wie hoch der Mietzins gewesen ist, den der Beschwerdeführer vor
seinem Umzug in die aktuelle Wohnung per September 2012 für seine damalige
Wohnung bezahlt hat. Das schadet allerdings nicht, da sich der Betrag des damaligen
Mietzinses nur dann auf das Gesamtergebnis auswirken könnte, wenn er – als Mietzins
für eine Luxuswohnung - exorbitant hoch gewesen wäre, was unwahrscheinlich ist.
Selbst wenn der Mietzins exorbitant hoch gewesen wäre, würde das nichts ändern, da
die Differenz zwischen einem solchen exorbitant hohen Mietzins und einem
angemessenen Mietzins als ein Verzicht im Sinne des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG zu
qualifizieren wäre. Die Beschwerdegegnerin hat für die Zeit von März 2011 bis und mit
August 2012 den gesetzlichen Maximalbetrag angerechnet. Dieser Betrag ist
überwiegend wahrscheinlich zu tief gewesen, denn der Beschwerdeführer hat bis und
mit August 2012 zusammen mit seiner Lebenspartnerin und ab September 2012 alleine
gewohnt. Der Mietzins vor September 2012 (für eine von zwei Personen bewohnte
Wohnung) ist überwiegend wahrscheinlich mindestens so hoch wie der aktuelle
Mietzins (für eine allein bewohnte Wohnung) gewesen. Für die hypothetische
Verbrauchsberechnung ist folglich für den gesamten Zeitraum der aktuelle Mietzins
anzurechnen. Weiter ist nicht bekannt, wie hoch die effektiven Prämien für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung in der Zeit zwischen März 2011 und
Dezember 2016 gewesen sind. Auch das schadet nicht, da die effektive Prämie für das
Jahr 2017 tiefer als die kantonale Durchschnittsprämie gewesen ist (vgl. EL-act. 29), so
dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass der
Beschwerdeführer auch in den Jahren 2011–2016 keine die jeweilige kantonale
Durchschnittsprämie übersteigenden Prämien bezahlt hat. Wenn der Beschwerdeführer
sich in seiner Lebensführung auf das ergänzungsleistungsrechtliche Existenzminimum
beschränkt hätte, wären ihm also in den Jahren 2011–2016 ordentliche Ausgaben von
43’746 Franken (= 3’912 + 20’784 + 19’050 Franken; Jahr 2011), 43’902 Franken (=
4’068 + 20’784 + 19’050 Franken; Jahr 2012), 44’122 Franken (= 4’128 + 20’784 +
19’210 Franken; Jahr 2013), 44’266 Franken (= 4’272 + 20’784 + 19’210 Franken; Jahr
2014), 44’562 Franken (= 4’488 + 20’784 + 19’290 Franken; Jahr 2015)
beziehungsweise 44’742 Franken (= 4’668 + 20’784 + 19’290 Franken; Jahr 2016)
entstanden. Das hätte ein Total der ordentlichen Ausgaben in der Zeit zwischen März
2011 und Dezember 2016 im Betrag von 258’049 Franken ergeben (von den jährlichen
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Ausgaben für das Jahr 2011 dürfen nur zehn Zwölftel angerechnet werden, da die Zeit
ab März 2011 massgebend ist). Der Beschwerdeführer hat den Wohnungsmietzins und
die Krankenkassenprämie jeweils mittels eines Dauerauftrages bezahlt. Mit den
Postbüchlein hat er für den Zeitraum von März 2011 bis Dezember 2016 Ausgaben von
113’288 Franken (= 27’820 + 20’808 + 17’784 + 16’281 + 16’013 + 14’582 Franken)
belegt, worin allerdings auch die Ausgaben für eine Brille (1’355 Franken), für eine
Reise (1’156 Franken), für einen Mobiliartransport (2’303 Franken) und für den Kauf
eines „Schwyzerörgeli“ (4’500 Franken) enthalten sind, die bereits oben als
ausserordentliche Ausgaben berücksichtigt worden sind. Zieht man diese Beträge ab,
erhält man ein mittels den Postbüchlein belegtes Ausgabentotal von 103’974 Franken.
Dieses erreicht nicht einmal ganz das Total der für diesen Zeitraum massgebenden
Pauschalen für den allgemeinen Lebensbedarf von 111’925 Franken (= 19’050 ÷ 12 ×
10 + 19’050 + 19’210 + 19’210 + 19’290 + 19’290 Franken). Anhand der Postbüchlein
ist damit kein Vermögensverbrauch belegt, der über den Lebensbedarf bei einer sich
auf das ergänzungsleistungsrechtliche Existenzminimum beschränkenden
Lebensführung hinausgehen würde. Da der Beschwerdeführer aber effektiv weit mehr
Vermögen verbraucht hat, als er mit den Postbüchlein hat belegen können, ist für die
Berechnung des als effektiv verbrauchten Vermögens nicht mit dem Total der
Postbüchlein-Quittungen, sondern mit der allgemeinen Lebensbedarfspauschale zu
rechnen (was sich im Ergebnis zugunsten des Beschwerdeführers auswirkt). Insgesamt
ist also für ordentliche Ausgaben ein Betrag von 258’049 Franken und für
ausserordentliche Ausgaben ein Betrag von 83’866 Franken zu berücksichtigen. Einen
Teil dieser Ausgaben hat der Beschwerdeführer mit seiner Altersrente der AHV decken
können. Er hat in der Zeit zwischen März 2011 und Dezember 2016 nämlich
Rentenleistungen von insgesamt 146’610 Franken (= 20’790 + 24’948 + 25’164 +
25’164 + 25’272 + 25’272 Franken) erhalten. Hinzu kommen die effektiven
Vermögenserträge in dieser Zeit, die sich gemäss den Steuerunterlagen auf 2’400 +
2’900 + 2’263 + 2’108 + 1’521 + 21 = 11’213 Franken belaufen haben.
Zusammenfassend ist folglich lediglich ein Vermögensverbrauch von 258’049 + 83’866
– 146’610 – 11’213 = 184’092 Franken nachgewiesen. Effektiv hat sich das
Sparvermögen des Beschwerdeführers gemäss den Bankkontoauszügen aber um
467’684 Franken reduziert. Den Akten lässt sich nicht entnehmen, was mit der
Differenz von 283’592 Franken geschehen ist. Da der Beschwerdeführer wiederholt
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(angesichts der obigen Ausführungen aktenwidrig) behauptet hat, er habe keine
weiteren Ausgaben getätigt, ist in Bezug auf den Verbleib dieses Teils des Vermögens
von weiteren Abklärungen in antizipierender Beweiswürdigung kein wesentlicher
Erkenntnisgewinn zu erwarten. Nach der ständigen Rechtsprechung des
Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen (vgl. statt vieler den Entscheid
EL 2012/43 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 17. Dezember 2013, E. 1.3)
muss dieses Vermögen als effektiv noch vorhanden qualifiziert werden. Die
Beschwerdegegnerin hat zwar offenbar Notiz von dieser Rechtsprechung genommen,
aber sie hat aus nicht nachvollziehbaren Gründen jenen Teil des Vermögens, dessen
Verbrauch nicht nachweisbar war, als – amortisierbares (vgl. Art. 17a ELV) –
Verzichtsvermögen angerechnet. Das ist falsch gewesen, weil nicht mit dem e
forderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, dass der
Beschwerdeführer auf dieses Vermögen verzichtet hätte; es ist ja nicht einmal
überwiegend wahrscheinlich, dass sich dieses Vermögen nicht mehr im Besitz des
Beschwerdeführers befindet, denn er könnte es beispielsweise auf ein anderes (nicht
angegebenes) Bankkonto transferiert oder zuhause in bar aufbewahrt haben. Somit ist
es nicht zulässig, den Betrag des fraglichen Teils des Vermögens als
Verzichtsvermögen zu berücksichtigen und entsprechend jedes Jahr um 10’000
Franken zu reduzieren (vgl. Art. 17a ELV). Richtigerweise muss dieses Vermögen zum
nachgewiesenermassen noch vorhandenen Vermögen addiert werden, das heisst in
der Anspruchsberechnung muss ein effektiv vorhandenes Vermögen von 20’236 +
4’800 + 283’592 = 308’628 Franken berücksichtigt werden.
5.
5.1 Zu prüfen bleibt, ob im Zusammenhang mit der Anschaffung der beiden
Motorfahrzeuge und dem Kauf eines „Schwyzerörgeli“ ein Verzicht auf
Vermögenswerte vorliegt. Zu dieser Frage existiert eine langjährige, konstante
bundesgerichtliche Rechtsprechung, laut der ein Vermögensverzicht im Sinne des Art.
11 Abs. 1 lit. g ELG vorliegt, wenn ein EL-Ansprecher oder ein EL-Bezüger für eine
Vermögenshingabe keinen ökonomisch adäquaten Gegenwert erhalten hat (vgl. etwa
BGE 140 V 267 E 2.2 S. 270 mit Hinweisen). Bei der Beurteilung der vorliegenden
Beschwerde haben sich allerdings neue Gesichtspunkte gezeigt, die zu einer neuen,
besseren Erkenntnis des Gesetzeszwecks geführt haben. Diese muss gemäss der
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entsprechenden bundesgerichtlichen Praxis zu einer Rechtsprechungsänderung führen
(vgl. etwa BGE 140 V 538 E. 4.5 S. 541 mit zahlreichen Hinweisen). Die bisherige
bundesgerichtliche Rechtsprechung zum Vermögensverzicht lässt sich nämlich aus
den nachfolgenden Gründen nicht mehr nur aus teleologischer, sondern auch aus
systematischer Sicht nicht mit dem Regelungsinhalt des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
vereinbaren.
5.2 Die Ergänzungsleistungen entsprechen weitgehend der (wirtschaftlichen)
Sozialhilfe: Zum Einen bezwecken sie – ausschliesslich – die Deckung des
Existenzbedarfs zur Verhinderung des Eintrittes des sozialen Risikos der Armut; zum
Andern werden sie nicht mit Prämien, sondern von der Allgemeinheit mittels Steuern
finanziert. Auf den ersten Blick handelt es sich deshalb bei den Ergänzungsleistungen
nicht um Sozialversicherungsleistungen, sondern vielmehr um eine spezifische Form
von Sozialhilfeleistungen. Nun verfügt der Bundesgesetzgeber aber (mit Ausnahme der
Regelung der Zuständigkeit gemäss Art. 115 BV) über keine verfassungsrechtliche
Kompetenz zum Erlass eines Bundesgesetzes betreffend Sozialhilfeleistungen. Die
Verfassungskonformität des ELG kann also nur bejaht werden, wenn die
Ergänzungsleistungen als Sozialversicherungsleistungen zu qualifizieren sind.
Selbstverständlich reicht es nicht aus, wenn der Gesetzgeber die
Ergänzungsleistungen als Sozialversicherungsleistungen bezeichnet; vielmehr müssen
sie die wesensmässigen Charakteristika von Sozialversicherungsleistungen aufweisen.
Das System der Ergänzungsleistungen muss sich also wenigstens in einem Punkt von
jenem der Sozialhilfeleistungen unterscheiden, das heisst es muss wenigstens in einem
Punkt ein typisches Merkmal einer Versicherungsleistung aufweisen. Tatsächlich
springt ein wesentlicher Unterschied zwischen den Sozialhilfeleistungen und den
Ergänzungsleistungen ins Auge: Das System der Sozialhilfeleistungen deckt nicht nur
einen (versicherungsspezifisch gesprochen) zufällig eingetretenen (Armuts-) „Schaden“,
sondern auch einen selbstverschuldet herbeigeführten (Armuts-) „Schaden“ ab, was
dem Wesen eines Versicherungsverhältnisses völlig widerspricht; die
Ergänzungsleistungen decken dagegen nur einen zufällig respektive unverschuldet
eingetretenen (Armuts-) „Schaden“ ab, was typisch für ein Versicherungsverhältnis ist
(wie beispielsweise der Art. 14 VVG klar zeigt). So wird beispielsweise eine
Hausratsversicherung ihre Leistung verweigern, wenn die geschädigte Person den
Brand in ihrem Wohnzimmer selbst gelegt und sich damit den Schaden selbst zugefügt
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hat. Im Ergänzungsleistungsrecht ergibt sich die Abgrenzung zwischen einem
unverschuldet und einem selbstverschuldet eingetretenen (Armuts-) „Schaden“ aus
dem Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG, der eine sanktionsweise Herabsetzung (oder
Verweigerung) einer Ergänzungsleistung bei einer Verletzung der –
versicherungstypischen – Schadenverhinderungspflicht eines Leistungsbezügers
vorsieht. Mit anderen Worten ist es der Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG, der die
Ergänzungsleistungen wesensmässig zu Sozialversicherungsleistungen macht, denn
nur die darin enthaltene Sanktionsmöglichkeit bei einer Verletzung der
Schadenverhinderungspflicht unterscheidet die Ergänzungsleistungen wesensmässig
von den Sozialhilfeleistungen. Diese für die Definition des Wesens der
Ergänzungsleistungen grundlegende Funktion kann der Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
allerdings nur erfüllen, wenn er so angewendet wird, dass eine Verletzung einer
Schadenverhinderungspflicht auch tatsächlich wirksam sanktioniert wird. Das ist nicht
der Fall, wenn man sich bei der Interpretation des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG nach der
oben erwähnten, langjährigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung richtet. Das lässt
sich anhand eines einfachen Beispiels zeigen (vgl. etwa ZAK 1990 S. 353, mit
Hinweisen): Eine bei der AHV versicherte, aber nicht beruflich vorsorgeversicherte
Person gibt kurz vor dem Erreichen des ordentlichen Rentenalters ihr gesamtes
Sparvermögen von 200’000 Franken für eine Weltreise aus; der Marktwert der
Dienstleistungen, die sie auf dieser Weltreise in Anspruch nimmt, entspricht diesem
Betrag, weil es sich um eine Luxusreise handelt. Kurze Zeit später, nach dem Erreichen
des ordentlichen Rentenalters, meldet sich diese Person zum Bezug einer Altersrente
der AHV und einer Ergänzungsleistung an. Wendet man die bundesgerichtliche
Rechtsprechung an, hat der Verbrauch des gesamten Sparvermögens keinerlei
Auswirkungen auf die Höhe der Ergänzungsleistung. Der Umstand, dass die nun
bestehende Armut (bei einer nicht existenzsichernden Altersrente der AHV als einziger
Einnahme) von der versicherten Person selbstverschuldet herbeigeführt worden ist,
erweist sich damit als irrelevant, was bedeutet, dass die Ergänzungsleistung in diesem
Beispiel vollständig wie eine Sozialhilfeleistung (d.h. ohne eine Sanktion hier in der
Form eines hypothetischen Vermögens) und nicht wie eine Versicherungsleistung
festgesetzt wird. Bei der bundesgerichtlichen Interpretation des Art. 11 Abs. 1 lit. g
ELG fehlt den Ergänzungsleistungen der Versicherungscharakter; es ist ein System,
das sich in nichts von der wirtschaftlichen Sozialhilfe unterscheidet. Mit diesem Aspekt
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hat sich die Rechtsprechung bislang noch nicht auseinandergesetzt. Er erscheint als so
zentral, dass sich eine Rechtsprechungsänderung aufdrängt.
5.3 Die bundesgerichtliche Rechtsprechung zum Vermögensverzicht führt aber nicht
nur in systematischer, sondern auch in teleologischer Hinsicht zu einem unhaltbaren
Auslegungsergebnis. Sie erlaubt es beispielsweise einem EL-Ansprecher oder einem
EL-Bezüger, sein ganzes Vermögen im Wissen darum zu verschwenden, dass er für die
Zukunft auf Kosten der Allgemeinheit (die die Ergänzungsleistungen mit Steuern
finanziert) wird leben können. Dazu muss er für seine Vermögensverschwendung
jeweils nur einen ökonomisch adäquaten Gegenwert erhalten haben. Derjenige, der
einen Familienangehörigen in Not unterstützt hat, muss sich dagegen ein
Verzichtsvermögen anrechnen lassen, weil er für seine Vermögenshingabe keinen
ökonomisch adäquaten Gegenwert erhalten, sondern damit lediglich eine moralisch-
sittliche Pflicht erfüllt hat (vgl. das unveröffentlichte Urteil des Bundesgerichtes P 25,
26/98 vom 21. Oktober 1998). Aus der Sicht des Ergänzungsleistungsrechtes darf es
aber keine Rolle spielen, wofür ein EL-Ansprecher oder ein EL-Bezüger sein Vermögen
verbraucht (sofern es nicht um zwingende Ausgaben geht). Die Allgemeinheit, die die
Ergänzungsleistungen finanziert, interessiert sich natürlich nicht dafür, ob der EL-
Ansprecher oder der EL-Bezüger für seine Luxusreise den Marktpreis oder aber zu viel
bezahlt hat. Ergänzungsleistungsrechtlich massgebend ist nur, dass ein EL-Ansprecher
oder ein EL-Bezüger seine Fähigkeit, seinen zukünftigen Lebensbedarf soweit möglich
aus eigenen Mitteln zu bestreiten, auf eine Art und Weise gemindert hat, die ein
anschliessendes Begehren um eine das entsprechende Manko kompensierende
Ergänzungsleistung als rechtsmissbräuchlich erscheinen lässt (Ralph Jöhl/Patricia
Usinger, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Band XIV Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, Rz. 176 ff. und
200 ff.). Eine solche rechtsmissbräuchliche Geltendmachung von
Ergänzungsleistungen liegt vor, wenn der EL-Ansprecher oder der EL-Bezüger sein
„Vorsorgekapital“ vermindert hat, wobei mit „Vorsorgekapital“ jenes Vermögen gemeint
ist, mit dem der EL-Ansprecher oder der EL-Bezüger – in der Form des
Vermögensverzehrs und des Vermögensertrages – später seinen Existenzbedarf hätte
decken können. Vermögenstransaktionen, bei denen das „Vorsorgekapital“ erhalten
bleibt, fallen also offensichtlich nicht in den Anwendungsbereich des Art. 11 Abs. 1 lit.
g ELG. Vermögenstransaktionen, die zu einer Reduktion des „Vorsorgekapitals“ führen,
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müssen dagegen im Lichte des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG überprüft werden: Hat der EL-
Ansprecher oder der EL-Bezüger notwendige Auslagen finanziert oder hat er sein
Vermögen verschwendet? Die Reduktion des „Vorsorgekapitals“ für notwendige
Auslagen lässt nämlich ein späteres Begehren um eine das entstehende Manko
kompensierende Ergänzungsleistung – anders als eine Verschwendung des Vermögens
– nicht als rechtsmissbräuchlich erscheinen. Da der Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG nur eine
rechtsmissbräuchliche Geltendmachung von Ergänzungsleistungen verhindern will,
muss diese Abgrenzung im Einzelfall zwingend vorgenommen werden. Diese
Abgrenzung kann zwar bisweilen schwierige Rechtsanwendungsfragen aufwerfen, aber
das bedeutet nicht, dass man deshalb auf ein einfacher zu handhabendes, aber dem
Sinn und Zweck des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG nicht gerecht werdendes
Abgrenzungskriterium wie den adäquaten ökonomischen Gegenwert ausweichen
dürfte. Warum einzig die Sanktionierung der Vermögensverschwendung eine die
persönliche Freiheit beeinträchtigende „Lebensführungskontrolle“ sein soll, wie das
Bundesgericht annimmt, lässt sich nicht nachvollziehen. Bei genauer Betrachtung stellt
nämlich jeder mögliche Anwendungsfall des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG eine – allerdings
nur nachträgliche – „Lebensführungskontrolle“ dar, die Verschwendung des
Vermögens ebenso wie beispielsweise der Verbrauch des Vermögens zu sozialen
Zwecken (z.B. zur Unterstützung eines einnahmenlosen erwachsenen Kindes), der
Verzicht auf die Verwertung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit bzw. auf die Erzielung
eines Erwerbseinkommens oder der Verzicht auf die Geltendmachung eines Anspruchs
auf familienrechtliche Unterhaltsbeiträge. Die EL-Ansprecher und EL-Bezüger haben
selbstverständlich die völlige Freiheit, wie sie ihr Leben führen wollen. Nur können sie
die Folgen eines verschwenderischen Lebenswandels nicht auf die Allgemeinheit
überwälzen. Bei der Anwendung des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG geht es offensichtlich
nicht darum, einer bestimmten Lebensführung nachträglich einen „moralischen
Stempel“ aufzudrücken, sondern – wie in jedem anderen Sozialversicherungszweig
auch - die vorwerfbare Schadensherbeiführung soweit als nötig von der
Versicherungsdeckung auszunehmen.
5.4 Der Bundesgesetzgeber hält die bundesgerichtliche Rechtsprechung offensichtlich
ebenfalls für nicht überzeugend, denn er sieht die Schaffung einer neuen Regelung vor
(Art. 11a Abs. 3 E-ELG), wonach ein Verbrauch von mehr als zehn Prozent des
Vermögens pro Jahr ohne einen wichtigen Grund einen Vermögensverzicht darstelle
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(vgl. BBl 2016 7566). Hinter dieser neuen Regelung kann nur der Gedanke stehen, dass
die oben erwähnten systematischen und teleologischen Aspekte zu einer Korrektur der
bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG zwingen.
Mit dem neuen Art. 11a Abs. 3 E-ELG bringt der Bundesgesetzgeber folglich zum
Ausdruck, dass er die systematische und teleologische Interpretation des Art. 11 Abs.
1 lit. g ELG des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen als überzeugender
erachtet als jene des Bundesgerichtes. Bei dieser Interpretation handelt es sich nicht
um eine Vorwegnahme respektive Vorwirkung des neuen Rechts, sondern um die
Korrektur einer falschen Praxis zum noch geltenden Recht.
5.5 Bei der Schenkung eines „Schwyzerörgeli“ an einen Enkel handelt es sich auch
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ganz offensichtlich um einen
Vermögensverzicht. Da die Schenkung im Jahr 2016 erfolgt ist, ist für die
Anspruchsberechnung ab Januar 2017 der volle Schenkungsbetrag von 4’500 Franken
anzurechnen (vgl. Art. 17a Abs. 2 ELV). Nach der oben erwähnten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung dürfte im Zusammenhang mit dem Kauf der beiden Motorfahrzeuge
kein Vermögensverzicht angenommen werden, weil der Beschwerdeführer beide Male
einen ökonomisch adäquaten Gegenwert für sein Geld erhalten hat. Aus
„vorsorgerechtlicher“ Sicht erweist sich der Ersatz des gerade einmal ein Jahr alten
Motorfahrzeugs durch ein praktisch identisches Motorfahrzeug als eine unnötige
Reduktion des „Vorsorgekapitals“, weshalb der Kauf des zweiten Motorfahrzeugs im
Jahr 2012 als ein Vermögensverzicht qualifiziert werden muss. Gemäss dem Art. 17a
Abs. 2 ELV hätte bei der Berechnung eines EL-Anspruchs für das Jahr 2013 der volle
Verzichtsbetrag berücksichtigt werden müssen; für das Jahr 2014 hätte sich der Betrag
um 10’000 Franken verringert; für das Jahr 2015 hätte er sich nochmals um 10’000
Franken verringert. Da das zweite Motorfahrzeug weniger als 20’000 Franken gekostet
hat, hat für die Anspruchsberechnung ab Januar 2017 augenscheinlich kein
entsprechendes Verzichtsvermögen mehr berücksichtigt werden können. Der
Gesamtbetrag des anrechenbaren Verzichtsvermögens beläuft sich damit auf 4’500
Franken.
6.
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Bei der EL-Anspruchsberechnung sind die Altersrente der AHV im Betrag von 25’272
Franken, ein hypothetischer Vermögensverzehr von einem Zehntel des anrechenbaren
Vermögens und Vermögenserträge anzurechnen. Der Gesamtbetrag des
anrechenbaren Vermögens beläuft sich auf 308’628 + 4’500 – 37’500 = 275’628
Franken. Der hypothetische Vermögensverzehr beträgt folglich 27’562 Franken.
Zusammen mit der Altersrente der AHV ergibt sich bereits ein das Ausgabentotal von
37’362 Franken deutlich übersteigendes Einnahmentotal von 52’834 Franken, weshalb
der Betrag der Vermögenserträge nicht berechnet werden muss. Der
Beschwerdeführer hat im Zeitraum ab dem 1. Januar 2017 keinen Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung gehabt, weshalb sich der angefochtene Einspracheentscheid im
Ergebnis als rechtmässig erweist. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
7.
7.1 Rein betragsmässig muss der angefochtene Einspracheentscheid zu Ungunsten
des Beschwerdeführers abgeändert werden. Darin könnte eine sogenannte reformatio
in peius erblickt werden, die dem Beschwerdeführer vom Versicherungsgericht hätte
angedroht werden müssen. Wäre nämlich die aktuelle Anspruchsberechnung auch im
Rahmen einer künftigen Neuanmeldung zum Leistungsbezug massgebend, könnte der
Beschwerdeführer ausgehend von der Berechnung der Beschwerdegegnerin wohl
schon relativ bald unter Umständen einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen haben;
ausgehend von der Berechnung des Versicherungsgerichtes dürfte es dagegen eher
länger dauern, bis die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen
übersteigen. Allerdings kann eine Verfügung, ein Einspracheentscheid oder ein
Gerichtsurteil, deren beziehungsweise dessen Dispositiv sich auf eine blosse
Abweisung eines Leistungsbegehrens beschränkt, nach der ständigen Praxis des
Versicherungsgerichtes keine Dauerwirkung für die Zukunft entfalten (vgl. statt vieler
etwa den Entscheid IV 2010/428 vom 5. November 2012, E. 1.2). Das bedeutet, dass
ein allfälliges künftiges Leistungsbegehren von der Beschwerdegegnerin ohne jede
Bindung an dieses Urteil zu prüfen sein wird, weshalb in der Korrektur der
Anspruchsberechnung zu Ungunsten des Beschwerdeführers keine reformatio in peius
erblickt werden kann.
7.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
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