Decision ID: 094f6470-b5a2-4c8f-825b-e0358d93f6ca
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a.
Am 16. August 2004 (act. G 2/3) erteilte das Departement des Innern des Kantons
St. Gallen (DI) der A._ Stiftung (nachfolgend: Stiftung) als privater
Behinderteneinrichtung die Bewilligung zur Führung der stationären Wohnangebote
und der Tagesstrukturen für Menschen mit Behinderung; am 8. Februar 2006 wurde die
Bewilligung bestätigt (vgl. act. G 18/94 S. 1). Gestützt auf Art. 14 ff. des Gesetzes über
die soziale Sicherung und Integration von Menschen mit Behinderung (sGS 381.4,
BehG) und Art. 19 der Verordnung über die soziale Sicherung und Integration von
Menschen mit Behinderung (sGS 381.41, BehV) sowie der Interkantonalen
Vereinbarung für soziale Einrichtungen (sGS 381.31, IVSE) anerkannte das DI die
Stiftung mit Verfügung vom 21. Februar 2014 als beitragsberechtigt und verpflichtete
sie unter anderem, für Beschaffungen im Zusammenhang mit anerkannten Angeboten
die Vorgaben des öffentlichen Beschaffungswesens einzuhalten (act. G 18/94). Im
Rahmen der zwischen dem DI und der Stiftung abgeschlossenen
Leistungsvereinbarungen (Art. 16 BehG; act. G 18/95-97) zeigte die Stiftung dem Amt
für Soziales im März 2017 den geplanten Ersatzbau A._ mit geschätzten
Investitionskosten von 5 Mio. CHF (Investitionsplanung 2018 bis 2021) sowie jährlichen
Mietkosten von CHF 480'000 (Investitionsplanungen 2020 bis 2023 bzw. 2021 bis
2024) an (act. G 18/92). Am 18. August 2017 fand im A._ mit Vertretern des Amtes für
Soziales eine erste Besprechung betreffend den geplanten Ersatzbau statt (act. G
18/88). In der Folge wurden dem Amt für Soziales eine Kostenschätzung des
Architekturbüros C._ AG vom 15. Februar 2018 sowie weitere Unterlagen zugestellt
(act. G 18/78-80). Mit E-Mail vom 11. Mai 2018 gab das Amt für Soziales der Stiftung
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bekannt, welche weiteren Unterlagen es für eine Beurteilung benötige (act. G 18/76). Im
Nachgang zu einer E-Mail-Anfrage der Stiftungsratspräsidentin vom 17. Januar 2019
(act. G 18/72) teilte ihr das Amt für Soziales im Schreiben vom 30. Januar 2019 mit,
dass die von der Stiftung geplante "Public Private Partnership" mit einem privaten
Investor dem öffentlichen Beschaffungsrecht unterstehe (act. G 18/69).
b.
Nachdem das Amt für Soziales die Stiftung anlässlich des Jahresgesprächs vom 12.
Juli 2019 unter anderem darauf hingewiesen hatte, dass es über die öffentliche
Ausschreibung zu informieren sei (act. G 18/63 Anhang), erhielt es am 9. Dezember
2019 eine Einladung zur Präsentation des Projektes am 8. Januar 2020 (vgl. act. G
18/56). Mit E-Mail vom 6. Januar 2020 teilte das Amt für Soziales mit, dass es auf eine
Teilnahme verzichte und die Zustellung der Prüfungsunterlagen zum Vorprojekt erwarte
(act. G 18/50). Mit Schreiben vom 14. Februar 2020 erkundigte sich das
Architekturbüro C._ AG beim Amt für Soziales nach der Planausschreibung betreffend
den Ersatzbau A._ (act. G 18/49). Am 5. Februar 2020 gab das Amt für Soziales der
Stiftung bekannt, der Zeitung vom 9. Januar 2020 sei zu entnehmen gewesen, dass die
Architekturplanung des Ersatzbaus dem Architekten K._, V._ AG, übertragen worden
sei (act. G 18/45). Am 20. Februar 2020 stellte die kantonale Koordinationsstelle
"Baugesuche" des Baudepartementes dem Amt für Soziales das durch das
Architekturbüro V._ AG beim Bauamt R._ eingereichte Vorprojekt zu (act. G 18/42).
Hierauf liess das Amt für Soziales die Anfrage der C._ AG vom 14. Januar 2020 der
Stiftung zur Auskunftserteilung nach Öffentlichkeitsgesetz (sGS 140.2, OeffG)
zukommen (act. G 18/40 und 41). Mit Schreiben vom 27. Februar 2020 teilte
Rechtsanwalt lic. iur. Roger Lippuner, D._, als Vertreter der Stiftung dem Amt für
Soziales mit, dass aus seiner Sicht eine Anwendbarkeit des OeffG nicht gegeben sei
und daher das Auskunftsersuchen vom 14. Januar 2020 nicht beantwortet werde. Es
sei zwar Aufgabe des Staates, ein bedarfsgerechtes Leistungsangebot zu planen und
sicherzustellen. Hingegen sei es nicht Aufgabe des Staates, ein derartiges
Leistungsangebot selber zu erbringen. Demnach sei der Stiftung auch keine solche
Aufgabe delegiert bzw. übertragen worden. Erfülle die Stiftung aber keine
Staatsaufgabe, könne sie auch nicht aufgrund von Art. 1 Abs. 3 OeffG öffentlichen
Organen gleichgestellt sein. Im Zusammenhang mit dem geplanten Ersatzbau A._
würden die Vorgaben des öffentlichen Beschaffungswesens eingehalten (act. G 18/35).
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c.
Im Schreiben vom 26. März 2020 stellte sich das Amt für Soziales auf den Standpunkt,
dass der Leistungsauftrag der Stiftung als Übertragung einer Staatsaufgabe zu
qualifizieren sei (act. G 18/31). Am 12. Mai 2020 räumte es dem Rechtsvertreter der
Stiftung Gelegenheit ein, sich zu dem in diesem Zusammenhang vorgesehenen Erlass
einer Feststellungsverfügung zu äussern (act. G 18/22). Im Schreiben vom gleichen
Datum hielt es fest, dass eine vorläufige bauliche und finanzielle Beurteilung des
Vorprojektes durch das Amt für Soziales erst erfolgen könne, wenn die Frage der
Erfüllung von Staatsaufgaben durch die Stiftung geklärt, die Einhaltung der Vorschriften
des öffentlichen Beschaffungswesens belegt und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung
beim Amt für Soziales eingegangen sei (act. G 2/23). Von der ihm eingeräumten
Gelegenheit zur Stellungnahme machte Rechtsanwalt Lippuner mit Eingabe vom 26.
Mai 2020 Gebrauch (act. G 18/20). Am 27. Mai 2020 äusserte sich die Stiftung
dahingehend, dass keine öffentliche Ausschreibung für eine Investorenlösung
stattgefunden habe. Die Vergabe für die Ausarbeitung von Vorprojektplänen und
Kostenzusammenstellungen sei im freihändigen Verfahren erfolgt, weil der Betrag sich
unter der Limite für das öffentliche Beschaffungswesen bewege. Der geplante
Ersatzbau solle durch die in Gründung befindliche "A._-Immobilienstiftung" erstellt
werden (act. G 18/19). Mit Verfügung vom 18. Juni 2020 (act. G 18/1) stellte das DI fest,
dass die Stiftung im Auftrag des Kantons St. Gallen eine Staatsaufgabe erfülle und
einen Ersatzbau zur Erfüllung des bestehenden Leistungsauftrags plane (Ziffer 1). Die
Stiftung werde angewiesen, gegenüber dem Amt für Soziales sämtliche erforderlichen
Nachweise über die erfolgten und künftigen Beschaffungen für den Ersatzbau A._ zu
erbringen (Ziffer 2).
B.
a.
Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Lippuner für die Stiftung am 6. Juli 2020
Beschwerde mit den Rechtsbegehren, die Verfügung sei aufzuheben, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1).
b.
Am 30. September 2020 sistierte der zuständige Abteilungspräsident des
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Verwaltungsgerichts das Verfahren aufgrund laufender Einigungsverhandlungen (act. G
11). Letztere führten zu keinem Ergebnis (act. G 13; G 18/101), weshalb die Sistierung
am 6. November 2020 aufgehoben wurde (act. G 14). In der Vernehmlassung vom 30.
November 2020 beantragte die Vorinstanz Abweisung der Beschwerde. Zur
Begründung verwies sie auf die angefochtene Verfügung und äusserte sich zur
Beschwerde (act. G 17).
c.
Mit Eingabe vom 23. Dezember 2020 bestätigte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin seinen Standpunkt (act. G 21). Die Vorinstanz verzichtete auf eine
weitere Stellungnahme (act. G 24).
d.
Auf die Darlegungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit für den Entscheid relevant,

in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Sodann ist die
Beschwerdeführerin als Adressatin der angefochtenen Verfügung zur Beschwerde
legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Weiter entspricht ihre
Beschwerdeeingabe vom 6. Juli 2020 (act. G 1) zeitlich, formal und inhaltlich den
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
VRP). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
bis
Gemäss Art. 2 des Bundesgesetzes über die Institutionen zur Förderung der
Eingliederung von invaliden Personen (SR 831.26, IFEG) gewährleistet jeder Kanton,
dass invaliden Personen, die Wohnsitz in seinem Gebiet haben, ein Angebot an
Institutionen zur Verfügung steht, das ihren Bedürfnissen in angemessener Weise
entspricht. Nach Art. 12 BehG stellt der Kanton ein bedarfsgerechtes Leistungsangebot
nach den Bestimmungen des IFEG sicher. Nach Art. 13 BehG ermittelt das zuständige
Departement periodisch den Bedarf an stationären Wohnangeboten und
2.1.
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Tagesstrukturen. Es erstellt gestützt darauf die kantonale Angebotsplanung. Nach Art.
14 BehG werden Einrichtungen vom Kanton als beitragsberechtigt anerkannt, wenn sie
zur Sicherstellung eines bedarfsgerechten Angebots notwendig sind (lit. a), über eine
Betriebsbewilligung (Art. 9 BehG) verfügen, die Voraussetzungen nach Art. 5 des IFEG
erfüllen (lit. c) sowie einen gemeinnützigen Zweck verfolgen und ihre Mittel
zweckgebunden verwenden (lit. d). Das zuständige Departement schliesst mit den
anerkannten Einrichtungen befristete Leistungsvereinbarungen ab (Art. 16 BehG). Die
Angebote der Beschwerdeführerin (stationäre Wohnangebote und Tagesstrukturen für
Menschen mit Behinderung) bzw. die Leistungsabgeltung unterstehen gemäss Art. 17
BehG der Interkantonalen Vereinbarung für soziale Einrichtungen IVSE (sGS 381.31,
IVSE).
Die zuständige Stelle des Kantons (Amt für Soziales) beaufsichtigt die
beitragsanerkannten Einrichtungen für Menschen mit Behinderung (vgl. Art. 11 Abs. 2
BehG). Ihr obliegt die wirtschaftliche Aufsicht (vgl. Art. 7 f. der Verordnung zu
interkantonalen Vereinbarung für soziale Einrichtungen IVSE (sGS 387.21, V-IVSE).
Gemäss Anhang (DI.A 19) zur Ermächtigungsverordnung (sGS 141.41, ErmV) handelt
die Amtsleitung für das Departement.
In der angefochtenen Verfügung hielt die Vorinstanz unter anderem fest, dass das
Vorhaben der Beschwerdeführerin für einen Ersatzbau im Zusammenhang mit der
Mehrjahres- und Investitionsplanung und somit mit Blick auf eine künftige
Leistungsvereinbarung nach Art. 16 BehG angezeigt worden sei. Mit der beabsichtigten
Erbringung von beitragsanerkannten Leistungsangeboten habe die Beschwerdeführerin
bislang keine Zweifel aufkommen lassen, dass sie Staatsaufgaben erfülle und die
Vorgaben des öffentlichen Beschaffungswesens im Zusammenhang mit dem geplanten
Ersatzbau einhalte. Die mutmasslichen Kosten zu Lasten der öffentlichen Hand habe
die Beschwerdeführerin seit 2017 jährlich in der Mehrjahres- und Investitionsrechnung
angeführt. In den Mehrjahres- und Investitionsplanungen für 2020 bis 2023 und 2021
bis 2024 würden mutmassliche Mietkosten von jährlich CHF 480'000 zu Lasten der
öffentlichen Hand vermerkt. Im Schreiben vom 27. Mai 2020 habe die
Beschwerdeführerin ausgeführt, dass der Auftrag zur Erarbeitung der erforderlichen
Pläne und Kostenberechnungen im freihändigen Verfahren vergeben würde. Ob diese
Vergabeform zulässig sei, sei nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung. Aus
welchem Grund das Architekturbüro C._ AG nicht über die freihändige Vergabe des
Auftrags an ein anderes Architekturbüro informiert worden sei, sei nicht
nachvollziehbar. Auch habe der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin auf eine
2.2.
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weitere Stellungnahme zur Qualifikation des Auftrags verzichtet. Vor diesem
Hintergrund sei das Amt für Soziales zur Erfüllung seiner Aufgaben im Zusammenhang
mit der künftigen Bewilligung der neuen Räumlichkeiten sowie der wirtschaftlichen
Aufsicht berechtigt, die erforderlichen Nachweise im Zusammenhang mit
Beschaffungen zu verlangen. In welcher Weise sich die von der Beschwerdeführerin
angedachte Teilung der Stiftung auf die Beurteilung auswirke, sei ebenfalls nicht
Gegenstand der angefochtenen Verfügung, sondern werde im Rahmen der
Bewilligungs- und Anerkennungsgrundlagen zu überprüfen sein (act. G 18/1).
Die Beschwerdeführerin rügt in verschiedenen Punkten einen unvollständig
festgestellten Sachverhalt (act. G 1 S. 3-6). In materieller Hinsicht legt sie unter
anderem dar, die Vorinstanz habe die Rechtsgrundlagen für ihr Handeln mit Bezug auf
die behauptete Anwendbarkeit des OeffG ebenso wenig substantiiert wie jene für die
unterstellte Zuständigkeit zur Überwachung der Einhaltung der Bestimmungen des
öffentlichen Beschaffungswesens. Entgegen der Darstellung der Vorinstanz erfülle sie
keine Staatsaufgaben, weshalb auch das OeffG nicht anwendbar sei. Sie habe eine
Betriebsbewilligung (act. G 2/3 und 2/5) als private Behinderteneinrichtung erhalten.
Weder dieser Bewilligung sowie der Anerkennungsverfügung vom 21. Februar 2014
(act. G 2/6) noch der Leistungsvereinbarung (act. G 2/26) seien eine Delegation von
Staatsaufgaben an sie zu entnehmen. Die von der Vorinstanz angenommene Erfüllung
von Staatsaufgaben bedürfte nicht nur eines Gesetzes im formellen Sinn, sondern
überdies einer ausdrücklichen Delegation an die Beschwerdeführerin. Keines von
beidem liege vor. Wäre die Erbringung von Leistungen im Bereich spezialisierter
Angebote für Menschen mit Behinderung Staatsaufgabe, müsste dies ausdrücklich in
einem Gesetz festgehalten sein. Die Staatsaufgabe erschöpfe sich jedoch in der
Planung und Sicherstellung eines behindertengerechten Angebots. Von einer
Leistungserbringung durch die Kantone könne keine Rede sein. Im Weiteren sei
unbestritten, dass die Beschwerdeführerin für Beschaffungen im Zusammenhang mit
anerkannten Angeboten die Vorgaben des öffentlichen Beschaffungswesens
einzuhalten habe. Indes fehle es an der rechtlichen Grundlage, aufgrund derer die
Vorinstanz Nachweise betreffend Einhaltung der Bestimmungen des öffentlichen
Beschaffungswesens verlangen könnte. Die Verfügung vom 21. Februar 2014 enthalte
keine Aufsichtskompetenz. Es sei nicht ersichtlich, weshalb die vom Amt für Soziales
ausgeübte wirtschaftliche Aufsicht (Art. 7 V-IVSE) eine Überwachung der
Bestimmungen des öffentlichen Beschaffungswesens beinhalten könnte (act. G 1 und
21).
2.3.
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3.
Streitig ist die Rechtmässigkeit der Feststellung, wonach die Beschwerdeführerin im
Auftrag des Kantons eine Staatsaufgabe erfülle und die Planung des Ersatzbaus im
Rahmen der Erfüllung der bestehenden Leistungsvereinbarung (im Sinn von Art. 16
BehG; act. G 18/95) erfolge. Zu klären ist im Weiteren, ob die Anweisung der
Vorinstanz gegenüber der Beschwerdeführerin, dem Amt für Soziales Nachweise über
Beschaffungen für den geplanten Ersatzbau zu liefern, zu Recht erfolgte. Auslöser des
Streits war der Umstand, dass das Amt für Soziales die Anfrage der C._ AG vom 14.
Januar 2020 der Beschwerdeführerin zur Auskunftserteilung nach OeffG zustellte (act.
G 18/40 und 41), worauf diese mit Schreiben an das Amt für Soziales vom 27. Februar
2020 eine Anwendbarkeit des OeffG verneinte und daher das Auskunftsersuchen vom
14. Januar 2020 nicht beantwortete. Zur Begründung ihrer Weigerung wies sie darauf
hin, dass sie keine Staatsaufgabe erfülle, weshalb sie auch nicht gestützt auf Art. 1
Abs. 3 OeffG öffentlichen Organen gleichgestellt sein könne (act. G 18/35). - Es geht
mithin unter anderem um die Auslegung des Begriffs der Staatsaufgabe im Sinn von
Art. 1 Abs. 3 OeffG. Angesichts des vorstehend geschilderten Hergangs hätte an sich
die Beschwerdeführerin das Auskunftsersuchen gegenüber der C._ AG formell
ablehnen müssen, worauf letztere den Rechtsmittelweg (Beschwerde an das
Verwaltungsgericht) hätte beschreiten können. Nachdem jedoch die
Beschwerdeführerin grundsätzlich - d.h. nicht nur mit Bezug auf Auskunftsgesuche von
Dritten - den Standpunkt vertritt, dass sie im Rahmen der Leistungsvereinbarung keine
Staatsaufgabe erfülle, war die Vorinstanz bzw. das Amt für Soziales als Bewilligungs-
und Aufsichtsbehörde (Art. 11 Abs. 2 BehG, Art. 7 f. V-IVSE) zuständig und befugt, sich
hierzu im Rahmen der angefochtenen Verfügung mit den hier streitigen Feststellungen
zu äussern.
3.1.
Der Umstand allein, dass die von der Beschwerdeführerin betriebene private
Einrichtung bewilligungspflichtig ist und die Bewilligung erteilt wurde, vermag die
Frage, ob die Beschwerdeführerin Staatsaufgaben erfüllt, nicht zu beantworten, zumal
sowohl private als auch (vom Staat übertragene) öffentliche Tätigkeiten von privaten
Einrichtungen der Bewilligungspflicht unterliegen können. Hieraus lässt sich somit
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (act. G 1 S. 3) keine unvollständige
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ableiten. Zutreffend sind
demgegenüber die Hinweise der Beschwerdeführerin (act. G 1 S. 4), dass der
Vorinstanz (bzw. dem Amt für Soziales) am 18. August 2017 die verlangten Baupläne
3.2.
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bereits zugestellt worden seien (act. G 2/12) und sie im Schreiben vom 26. Januar 2018
(act. G 2/13) eine "Zwischenbeurteilung relevanter Aspekte" vorgenommen habe. Von
der Vorinstanz bestritten (act. G 17 S. 2) wird indes das Vorbringen der
Beschwerdeführerin, wonach sie die Vorinstanz bereits am 12. Juli 2019 darüber
informiert habe, dass voraussichtlich von einem Investorenmodell Abstand genommen
und neu das Architekturbüro V._ AG das Bauvorhaben planen und koordinieren
werde. Dies habe sie erst aus der Zeitung vom 9. Januar 2020 erfahren (act. G 18/46).
Das entgegenstehende Vorbringen der Beschwerdeführerin ist in den Akten in dieser
Form nicht schriftlich belegt, weshalb es als beweislos zu gelten hat. Richtig ist einzig,
dass die Beschwerdeführerin mit E-Mail vom 5. Februar 2020 vermerkte, die
Auftragsvergabe an die V._ AG sei bereits an der gemeinsamen Sitzung in St. Gallen
erläutert worden (act. G 2/15 f.). Wie nachstehend aufzuzeigen sein wird, haben diese
Gegebenheiten keine ausschlaggebende Bedeutung für die Klärung der Streitfragen.
Gegenstand der Leistungsvereinbarung bildet die Festlegung des Leistungsumfangs
(stationäre Wohnangebote und Schaffung einer Tagesstruktur ohne Lohn) und der
Leistungsabgeltung (vgl. act. G 18/95 S. 2). In materieller Hinsicht zu klären ist, ob es
mit der Leistungsvereinbarung zur Auslagerung einer Staatsaufgabe an die
Beschwerdeführerin gekommen ist. Vorweg ist hierzu rechtsvergleichend festzuhalten,
dass etwa im Vergaberecht der Begriff der öffentlichen Aufgabe tendenziell weit
ausgelegt wird. Namentlich können auch Tätigkeiten darunter fallen, die zwar einem
öffentlichen Interesse dienen, ihrerseits aber - etwa mangels konkreter
Erfüllungsverpflichtung des Staates - keine öffentlichen Aufgaben im engeren Sinne
("des tâches publiques à proprement parler") darstellen (BGE 135 II 49 E. 5.2.2 S. 58
mit Hinweis). Sodann erkannte die Rechtsprechung zum Mehrwertsteuerrecht in Fällen,
wo der Staat gesetzlich oder vertraglich zur Erfüllung einer bestimmten Aufgabe
verpflichtet war, dass mit der Auslagerung dieser Aufgabe an einen Privaten eine
Staatsaufgabe übertragen worden sei (vgl. BGer 2C_585/2017 vom 6. Februar 2019 E.
4.2 mit vielen Hinweisen und Fallkonstellationen). In BGer 2C_196/2012 vom 10.
Dezember 2012 erwog das Bundesgericht, die Eidgenossenschaft sei gesetzlich
verpflichtet, gegen eine konkrete (Tier-) Seuche vorzugehen. Indem die Universität X.
zur Führung des dazu notwendigen Referenzlaboratoriums beauftragt worden sei, sei
eine dem Bund originär obliegende Aufgabe ausgelagert worden. Mit einem solchen
Outsourcing verfolge der Bund die Bekämpfung der Tierseuche, wie wenn er selbst ein
solches Laboratorium führen würde (BGer 2C_196/2012 a.a.O. E. 3.2.5). Hätte m.a.W.
die betreffende Institution oder der Private die übertragene Aufgabe nicht für ihn erfüllt,
hätte der Staat die betreffende Tätigkeit selbst ausüben müssen.
3.3.
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So verhält es sich auch vorliegend: Wie dargelegt (E. 2.1) hat der Kanton zu
gewährleisten, dass invaliden Personen, die Wohnsitz in seinem Gebiet haben, ein
Angebot an Institutionen zur Verfügung steht (Art. 2 IFEG). Das BehG war unter
anderem gestützt auf das IFEG sowie in Ausführung von Art. 12 und 14 der
Kantonsverfassung (sGS 111.1, KV), mit welchen sich der Staat die soziale Sicherung
der Bevölkerung und die soziale Integration zum Ziel setzt, erlassen worden. Art. 12
BehG verpflichtet den Kanton, ein bedarfsgerechtes Leistungsangebot nach den
Bestimmungen des IFEG sicherzustellen. Da er diese Aufgabe nicht selbst, d.h. durch
staatliche Einrichtungen, erfüllen kann, muss er sie auf geeignete private Institutionen
übertragen. Nach Art. 25 Abs. 3 KV regelt das Gesetz die Voraussetzungen für die
Übertragung der Erfüllung von Staatsaufgaben an Private sowie den Rechtsschutz und
die Aufsicht. In Fällen wie dem vorliegenden lagert der Kanton mit einer
Leistungsvereinbarung eine staatliche Aufgabe an private Einrichtungen aus, wobei Art.
16 BehG die gesetzliche Grundlage im Sinn von Art. 25 Abs. 3 KV darstellt. Die
Einrichtungen erfüllen mithin im Rahmen der vereinbarten Leistung eine öffentliche
Aufgabe (vgl. Botschaft der Regierung vom 10. Januar 2012 zum BehG, ABl 2012 425
ff., S. 440 Ziffer 3.6). Im Kontext der Erfüllung öffentlicher Aufgaben durch private
Einrichtungen steht auch die Zusammenarbeitsvereinbarung vom 26. September 2017
zwischen dem Branchenverband der Behinderteneinrichtungen und dem Amt für
Soziales (act. G 18/98). Der Umstand, dass es sich bei der Beschwerdeführerin um
eine privatrechtliche Stiftung handelt, vermag an der Tatsache der Auslagerung einer
öffentlichen Aufgabe an sie nichts zu ändern. Private sind bei der (durch öffentliche
Gelder unterstützten; act. G 18/99) Wahrnehmung von Verwaltungsaufgaben an die
Grundrechte gebunden, auch wenn sie in privatrechtlicher Form handeln.
Privatautonomie kommt ihnen im Bereich der ihnen unmittelbar zur Erfüllung
übertragenen staatlichen Aufgaben nicht zu. Ihr Handeln muss am öffentlichen
Interesse orientiert sein und rechtsstaatlichen Prinzipien (namentlich dem
Rechtsgleichheitsgebot [Art. 8 BV] und dem Willkürverbot [Art. 9 BV]) Rechnung tragen
(Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, S. 417 Rz. 854).
Die Übertragung von Staatsaufgaben im erwähnten Sinn hat indes entgegen der
Auffassung der Beschwerdeführerin (act. G 1 S. 10 Ziffer 17) nicht zur Folge, dass die
öffentliche Hand auch die Liegenschaften der Beschwerdeführerin zu übernehmen
hätte. Die Bereitstellung der Liegenschaften zur Wahrnehmung der übertragenen
Aufgaben ist (im Rahmen der Richtlinien zur Infrastruktur vom 30. September 2017; act.
G 2/27) vielmehr deren Aufgabe, wobei dies von Seiten des Kantons gegebenenfalls
(mit Darlehen) unterstützt wird (vgl. Art. 22 ff. BehG). Im Weiteren umfasst die
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Auslagerung der staatlichen Aufgabe entgegen der diesbezüglichen Folgerung der
Beschwerdeführerin (act. G 21 S. 6) auch nicht die Kompetenz zum Erlass von
Verfügungen durch sie. Im Fall von Streitigkeiten aus der Leistungsvereinbarung erlässt
die Vorinstanz nach vorgängigem Einigungsversuch eine Verfügung (vgl. act. G 18/95
Ziffer 4.3), für welche der Rechtsmittelweg nach VRP gilt. Unzutreffend ist schliesslich
die Feststellung der Beschwerdeführerin, wonach sie mit der Übertragung von
Staatsaufgaben ein Teil der Staatsverwaltung (im Sinn von Art. 1 Abs. 2 lit. b
Staatsverwaltungsgesetz, sGS 140.1) geworden wäre (act. G 21 S. 7 zweitletzter
Absatz am Schluss): Die Auslagerung von staatlichen Aufgaben an die
Beschwerdeführerin ändert nichts an ihrer Organisationsform als privatrechtliche
Stiftung.
Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin als nicht gegeben gerügten
Aufsichtskompetenz der Vorinstanz betreffend Einhaltung der Vorgaben des
öffentlichen Beschaffungswesens verweist die Vorinstanz auf Art. 19 der
Interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (sGS 841.32;
rlVöB), wonach die Kantone die Einhaltung der Vergabebestimmungen zu überwachen
haben. Zutreffend ist in diesem Zusammenhang die Anmerkung der
Beschwerdeführerin, dass letzteres vorderhand durch die Gerichte bzw. die
Zurverfügungstellung des entsprechenden Rechtsmittelweges geschieht (act. G 21 S. 4
Ziffer 1 am Schluss). Zu beachten ist indes, dass dem Amt für Soziales mit Bezug auf
Investitionsvorhaben die wirtschaftliche Aufsicht obliegt (Art. 7 lit. c V-IVSE). In diesem
Rahmen bestand für das Amt - auch mit Blick auf die Feststellungen des
Hochbauamtes vom 27. August 2020 (act. G 18/100 S. 1 und 5) und den Entscheid der
Beschwerdeführerin, die Planung nicht mit dem Sieger des Projektwettbewerbs
fortzusetzen (act. G 1 S. 13) - Anlass und Berechtigung für eine Nachfrage betreffend
Einhaltung der Normen des öffentlichen Beschaffungswesens. Dies umso mehr, als die
Vergabeentscheide der Beschwerdeführerin sich unmittelbar auf (zu einem erheblichen
Teil staatlich finanzierte; act. G 18/25 und 18/99) Bau- und künftige Betriebskosten
einschliesslich Mietzinsen auswirken. Was im Übrigen die Feststellung des Amtes für
Soziales im Schreiben vom 26. März 2020 betrifft, wonach die Fortführung der
Zusammenarbeit und die Verhandlungen zum Leistungsauftrag und dessen Abgeltung
durch die Verweigerung der Auskunftserteilung "erschwert, wenn nicht verhindert"
werde (act. G 2/25 S. 2), ist festzuhalten, dass eine solche Feststellung unter den
gegebenen Umständen möglicherweise nicht zielführend-sachbezogen oder auch
überflüssig erscheinen mag; ein unzulässiges In-Aussicht-Stellen von Nachteilen bei
3.4.
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4.