Decision ID: 722db4dc-ed6c-4cca-833b-c4cd2d5f8e8e
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1956
, meldete sich am
23. Dezember 2004 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 10/4). Nach erwerblichen und medizinischen Abklärungen sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfü
gung
en
vom 7. September 2006 (Urk. 10/2
5
und Urk. 10/2
8
)
mit Wirkung ab
1. Januar 2005 eine ganze
sowie
mit Wirkung ab
1. August 2005
eine halbe Rente der Invalidenversicherung zu
.
1.2
Im
März
2007
leitete
die
IV-Stelle
ein Rentenrevisionsverfahren ein
(Urk. 10/29
)
.
Nach erneuten erwerblichen und medizinischen Abklärungen sprach sie der Ver
sicherten mit
Verfügung
en
vom
3.
und 17.
September 2009 (Urk. 10/
55
und Urk. 10/
58-59
)
mit Wirkung ab dem 1. August 2007 eine ganze Rente zu
.
1.3
Mitte 2012 leitete die IV-Stelle ein weiteres Rentenrevisionsverfahren ein (Urk. 10/64). Nachdem die Versicherte im Revisionsfragebogen ein höheres Ein
kommen als in der Vergangenheit angegeben hatte (Urk. 10/64/2), holte die IV
Stelle einen
aktuellen
IK-Auszug ein (Urk. 10/65)
. Mit Vorbescheid vom
28. August 2012 (Urk. 10/68)
stellte sie der Versicherten in Aussicht, die ganze Rente
rückwirkend per 1. Januar 2008 auf eine halbe Rente sowie ab Januar 2011
auf
eine
Dreiviertelsrente
herabzusetzen
.
Am
14. Dezember 2012
verfügte sie im angekündigten Sinne
(
Urk. 10/70
,
Urk.
10/77,
Urk.
10/80
)
.
Mit Verfügung vom 12.
Oktober
2012 (Urk. 2) forderte die IV-Stelle die für
den Zeitraum von 1. Januar 2008 bis 30. Juni 2012 zu viel ausbezahlten Renten
im Betrag von
Fr. 32‘154.
--
zurück.
2.
M
it Eingabe vom 7. Januar 2013 (Urk. 1) sowie ergänzender Eingabe vom 25. Januar 2013 (Urk. 6)
erhob
X._
gegen die Verfügungen vom 1
2.
und 14. Dezember 2012
Beschwerde
und beantragte sinngemäss
die Aufhe
bung der angefochtenen Verfügungen und die unveränderte Ausrichtung einer ganzen Rente
über den
1. Januar 2008
hinaus (Urk. 6 S. 2). Mit Beschwerde
antwort vom 6. März 2013 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9), was der Beschwerdeführerin am 7. März 2013 mitgeteilt wurde (Urk. 11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in
der
rentenherabsetzenden Verfügung vom 14. Dezember 2012 (
Sachverhalt E. 1.3;
Urk. 10/70), der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich zwar seit der letzten rentenzusprechenden Verfü
gung nicht wesentlich verändert, jedoch habe die Beschwerdeführerin ab dem Jahr 2008 deutlich höhere Einkommen erzielt. Unter Verletzung ihrer Melde
pflicht habe die Beschwerdeführerin dies nicht mitgeteilt. Im Jahr 2008 und 2009 ergebe sich mit Blick auf die erzielten Einkommen noch ein
Invaliditäts
grad
von 57 %, im Jahr 2010 ein solcher
von 58 % und im Jahr 2011 ein sol
cher
von 61,53 %. Aufgrund der Meldepflichtverletzung sei die Rente somit rückwirkend per 1. Januar 2008 auf eine halbe Rente sowie per 1. Januar 2011 auf eine
Dreiviertelsrente
herabzusetzen. Die in diesem Zeitraum zu viel ausbe
zahlten
Rentenbetreffnisse
forderte die Beschwerdegegnerin sodann mit Verfü
gung vom 12. Dezember 2012 zurück (Urk. 2).
1.2
Die Beschwerdeführerin hielt dafür, ihr Gesundheitszustand
habe sich nicht verän
dert
. Die Beschwerdegegnerin habe deshalb die Rente zu Unrecht herab
gesetzt. Das höhere Einkommen basiere lediglich auf einer Anpassung der Besoldungs- und Entschädigungsverordnung
der Gemeinde
; ihr Arbeitspensum
sei
unverändert
geblieben
(Urk.
1 und Urk.
6).
2.
2.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung
der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sionsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
Der Revisionsordnung gemäss
Art.
17 ATSG geht jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E. 2a;
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine
Renten
verfügung
auch dann abändern, wenn die Revisionsvoraussetzungen des
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprüng
lichen Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf
Art.
17
Abs.
1 ATSG gestützte Revisionsverfügung der Verwaltung mit dieser Begrün
dung schützen (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung lässt sich eine allgemein gültige
betragliche
Grenze für die Voraussetzung der Erheblichkeit der Berichtigung nicht festlegen. Massgebend sind vielmehr die gesamten Umstände des Einzelfalles. Bei periodischen Leistungen ist die Erheb
lichkeit der Berichtigung zu bejahen (BGE 119 V 475 E.
1c; Urteil des Bundes
gerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hinweisen.
2.2
Die Herabsetzung oder Aufhebung der Renten erfolgt nach
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an. Eine rückwirkende Aufhebung oder Berichtigung einer laufenden Invalidenrente
greift
dann Platz, wenn der Tatbestand des
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV (
Melde
pflichtverletzung
) erfüllt ist
. In diesem Fall erfolgt die Herabsetzung rückwir
kend vom Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung an
.
2.3
Gemäss
Art. 31 Abs. 1 ATSG haben Leistungsbezüger
dem Versicherungsträger
jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung
massgebenden
Verhältnis
sen zu melden.
2.4
Nach Art. 25 Abs. 1 ATSG sind
unrechtmässig
bezogene Leistungen zurückzuer
statten. Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leis
tung (Art. 25 Abs. 2 ATSG).
2.5
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
3.
3.1
Im Rahmen des ersten Rentenrevisionsverfahrens (Sachverhalt E. 1.2) teilte die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin mit, sie sei als Gemeinderätin tätig und erziele
damit
ein jährli
ches Einkommen von Fr. 12‘650.--
(Fragebogen vom 12. April 2007, Urk. 10/29/2).
In der
daraufhin ergangenen
Verfügung vom
3.
resp. 17. September 2009
(
Sach
verhalt E. 1.2
)
ging die Beschwerdegegnerin von einem
-
im Vergleich zur ersten rentenzusprechenden Verfügung vom 7. September 2006 (Sachverhalt E. 1.1) - unveränderten
Valideneinkommen
von Fr. 58‘196.70
aus
(unter Berücksichti
gung der Nominallohnentwicklung
). Ausgehend von einer noch zumutbaren Restarbeitsfähigkeit von 25 % legte sie dem Einkommensvergleich sodann ein
Inv
alideneinkommen von Fr. 12‘770.50 zugrunde
(Urk. 10/55).
3.2
Im Rahmen des zweiten Rentenrevisionsverfahrens (Sachverhalt E. 1.3) notierte die Beschwerdeführerin auf dem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Fra
gebogen
am 19. Juni 2012
, sie sei weiterhin als Gemeinde
rätin zu
einem Pen
sum von 20-25 % tätig und erziele
dabei
ein jährliches
Einkommen von Fr. 22‘580.--
(Urk. 10/64).
Die
Beschwerdegegnerin
holte daraufhin einen
aktu
ellen
IK-Auszug ein (Urk. 10/65). Aus diesem ergibt sich
, dass die Beschwerde
führerin als Gemeinderätin
bereits
ab dem Jahr 2008
erheblich
mehr
als ursprünglich angegeben (E. 3.1)
verdient hatte, nämlich im
Jahr 2008 Fr. 24‘770.--, im Jahr 2009 Fr. 25‘310.--, im Jahr 2010 Fr. 25‘220.--
sowie
im Jahr 2011 Fr. 22‘580.--
(Urk. 10/65/2)
.
3.3
Wie die Beschwerdeführerin
ausführt
,
hat sich ihr Gesundheitszustand nicht verbessert
, was von der Beschwerdegegnerin denn auch nicht
in Abrede gestellt wird (
Urk.
10/67/3;
E. 1.
1-1.2
)
. Jedoch konnte
die Beschwerdeführerin
als
Gemeinde
rätin
ab dem Jahr 2008 ein höheres Einkommen erzielen
als noch
in den Jahren zuvor
(E. 3.2
und Urk.
10/65
). Mithin haben sich
die
erwerblichen
Auswirkungen ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen
verändert
, was einen Revisionsgrund darstellt (E.
2.1
).
Die Beschwerdegegnerin ist somit zu Recht von einem Revisionstatbestand ausgegangen und hat mit Blick auf die
nunmehr höheren Erwerbse
inkommen
den Invaliditätsgrad neu berechnet.
Die gestützt auf diese ab dem Jahr 2008 erzielten
E
inkommen
von der
Beschwer
degegnerin
errechneten Invaliditätsgrade (Urk. 10/70) wurden nicht bemängelt und geben auch zu keinerlei Beanstandungen Anlass, weshalb im
Jahr 2008 und 2009 von einem Invaliditätsgrad von 57 %, im Jahr 2010 von einem Invaliditätsgrad von
58 % sowie im Jahr 2011 von einem
Invaliditäts
grad
von 61,53
%
auszugehen ist (Urk. 10/70/2) und somit ab dem 1. Januar 2008 noch Anspruch auf eine halbe Rente sowie ab Januar 2011 Anspruch auf eine
D
reiviertelsrente
besteht (E. 2.5
).
3.
4
Haben Leistungsbezüger
dem Versicherungsträger
jede wesentliche Änderung zu
melden
(E. 2.3
) und wurde die Beschwerdeführerin
ausserdem
in der ersten
ren
tenzusprechenden
Verfügung (Sachverhalt E. 1.1) explizit darauf hingewiesen, dass sie
insbesondere
jede
Änderung in den Einkommensverhältnissen mitzu
teilen habe (Urk. 10/25/2-3), liegt vorliegend
eine Meldepflichtverletzung vor.
D
ie Beschwerdeführerin
hat es unterlassen
, der Beschwerdegegnerin mitzuteilen, dass sie ab dem Jahr 2008 ein höheres Einkommen erzielt
e
.
Demnach ist die
Rente rückwirkend
ab Eintritt der für den Anspruch
erheblichen
Verä
nderung
herabzusetzen
(E. 2.2)
,
mithin
ab dem 1. Januar 2008 (E. 3.3-3.4)
, und besteht demzufolge ein Rückerstattungsanspruch (E. 2.4).
3.
5
Ist d
er Rückforderungsanspruch sodann
mit Blick auf die am 12. Dezember 2012 ergangene Rückerstattungsverfügung
nicht verjährt
(E. 2.4
),
hat die Beschwerde
führerin
die
unrechtmässig
bezogene
n
Leistungen zurückzuerstatten.
Deren Höhe von
Fr.
32‘154.-- wurde von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht in Frage gestellt (vgl.
Urk.
10/88/12).
4.
Die rückwirkende Herabsetzung der Invalidenrente
per 1. Januar 2008
respek
tive per 1. Januar 2011
sowie die Rückforde
rung der zu viel ausbezahlten
Ren
tenbetreffnisse
sind somit nicht zu beanstanden
, was zur vollumfänglichen Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
5
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).