Decision ID: 4befd868-a700-4ac8-95c4-4020a9cdc015
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Thomas Bolt, Auerstrasse 2, Postfach 91,
9435 Heerbrugg,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ wurde am 2. April 1987 erstmals aufgrund eines Geburtsgebrechens (totale
Lippen-Kiefer-Gaumenspalte rechts, Lippenspalte links und Choanalatresie links) zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen angemeldet (IV-act. 2).
A.b Mit Verfügung vom 14. Juli 1987 wurden dem Versicherten medizinische Mass
nahmen zur Behandlung der Geburtsgebrechen Nr. 201 und 212 bis zum 31. März
1997 zugesprochen (IV-act. 9).
A.c Mit Verfügung vom 4. November 1998 wurden dem Versicherten medizinische
Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens Nr. 201 bis zum 31. März 2007
zugesprochen (IV-act. 27).
A.d Mit Verfügung vom 6. Januar 2000 wurden dem Versicherten medizinische Mass
nahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens Nr. 411 für den Zeitraum vom
2. September 1998 bis zum 31. März 2007 zugesprochen (IV-act. 35).
B.
B.a Am 29. Januar 2003 teilte Dr. med. B._, Facharzt FMH für Kinder- und
Jugendmedizin, mit, dass es sinnvoll wäre, den Versicherten bei der anstehenden
Berufswahl zu unterstützen (IV-act. 41).
B.b Im Rahmen der Berufsberatung wurde entschieden, den Versicherten bei einer
Ausbildung zum Logistikassistenten zu unterstützen. Aufgrund der schulischen Defizite
des Versicherten wurde ein Vorbereitungsjahr im C._ als sinnvoll erachtet (IV-
act. 43 f.). Mit Verfügung vom 1. Juli 2004 leistete die IV-Stelle Kostengutsprache für
ein Vorlehrjahr im Lager des C._ vom 1. August 2004 bis zum 31. Juli 2005 (IV-
act. 48).
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B.c Mit Verfügung vom 8. Juli 2005 leistete die IV-Stelle Kostengutsprache für die
Übernahme der invaliditätsbedingten Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Aus
bildung zum Logistikassistenten im C._ im Zeitraum vom 1. August 2005 bis zum
31. Juli 2008 (IV-act. 74).
B.d Im Mai 2006 erfolgte eine Kiefer-Korrekturoperation. Der IV-Berufsberater hielt in
einer Notiz vom 5. Juli 2006 fest, die Operation habe beim Versicherten eine massive
psychische Krise ausgelöst; der Versicherte habe sogar wegen akuter suizidaler
Gefährdung vorübergehend in der Klinik Pfäfers behandelt werden müssen. Trotz der
deswegen attestierten Arbeitsunfähigkeit wurde versucht, die Lehre ordentlich weiter
zu führen (IV-act. 85). Im September 2006 beschlossen der Versicherte, dessen Vater,
die Ausbildner des C._, der frühere IV-Berufsberater und der damals zuständige IV-
Berufsberater anlässlich eines gemeinsamen Gesprächs dann allerdings aufgrund der
zwischenzeitlichen Erfahrungen, die Ausbildung vorübergehend zu unterbrechen (IV-
act. 88).
B.e Am 1. November 2006 erstattete Dr. med. D._, Fachärztin FMH für Allgemeine
Innere Medizin, einen Arztbericht, in welchem sie eine akute depressive Reaktion und
Selbstwertstörung diagnostizierte und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 6. Juni
2006 attestierte; der Zustand sei besserungsfähig (IV-act. 92).
B.f Mit Verfügung vom 14. November 2006 wurden die Verfügungen vom 1. Juli 2004
und vom 8. Juli 2005 aufgehoben (IV-act. 95).
B.g Am 26. Januar 2007 erstattete die Fachstelle für Sozialpsychiatrie E._ einen
Arztbericht. Die Ärzte diagnostizierten eine Dysthymia und attestierten eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit für den Zeitraum vom 19. Oktober 2006 bis zum 4. Januar 2007.
Eine ambulante psychotherapeutische Therapie sei wenig sinnvoll; empfohlen werde
eine stationäre Behandlung. Es könne eine Arbeitsfähigkeit von sechs Stunden täglich
bei normalem Arbeitstempo und normaler Arbeitsqualität erwartet werden (IV-act. 100).
B.h In einer Stellungnahme vom 22. Februar 2007 führte Dr. med. F._, Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD)
aus, aufgrund der von den behandelnden Ärzten beschriebenen Symptome einer
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Depression sei eher von einer mittel- bis schwergradig ausgeprägten depressiven
Anpassungsstörung als von einer Dysthymia auszugehen. Berufliche Massnahmen
kämen aufgrund dessen vorerst nicht in Frage. Hingegen sei eine fachärztliche
Behandlung angezeigt, mit dem Ziel, die berufliche Eingliederungsfähigkeit
wiederherzustellen. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit handle es sich bei der zu
unterstellenden depressiven Störung um eine temporäre Störung, weshalb die Zu
sprache einer Rente zumindest vorerst nicht in Betracht falle (IV-act. 101).
B.i Mit Schreiben vom 27. Februar 2007 hielt die IV-Stelle den Versicherten an, eine
medikamentöse Behandlung im ambulanten oder stationären Rahmen aufzunehmen
(IV-act. 103).
B.j Am 26. März 2007 teilte der Versicherte der IV-Stelle telefonisch mit, dass er sich
entschieden habe, die Lehre im Sommer fortzusetzen (IV-act. 105).
B.k Am 16. Mai 2007 teilten die behandelnden Ärzte des Psychiatrie-Zentrums G._
mit, dass der Gesundheitszustand des Versicherten genügend stabil für eine Wieder
aufnahme der beruflichen Ausbildung sei (IV-act. 110).
B.l Von der Berufsberatung und vom RAD wurde eine Zwischenabklärung als Vorbe
reitung für den Wiedereinstieg als sinnvoll erachtet (IV-act. 111 f.). Am 4. Juni 2007 er
teilte die IV-Stelle eine entsprechende Kostengutsprache für den Zeitraum vom 1. Juni
bis zum 31. Juli 2007 (IV-act. 114).
B.m In der Folge wurde beschlossen, den Versicherten zum Logistiker EBA
auszubilden (IV-act. 118 und 121). Diese Ausbildung konnte der Versicherte
termingerecht Mitte 2009 erfolgreich abschliessen. Der Notenschnitt lag bei 4,9; die
Ausbildner des C._ attestierten am 7. September 2009 100%ige Leistungsfähigkeit,
wiesen aber darauf hin, dass der Versicherte etwa an 90 Tagen gefehlt habe, was rund
20 % des Pensums entspreche (IV-act. 140).
B.n Die IV-Berufsberaterin erstattete am 14. Oktober 2009 ihren Schlussbericht. Sie
hielt fest, der Versicherte habe die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, vom Lehr
betrieb seien gute Arbeitsleistungen, Selbständigkeit, Sorgfalt und Ausdauer attestiert
worden, auffallend seien aber die zahlreichen Absenzen. Schwierigkeiten im Arbeits
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kontext hätten sich besonders in Bezug auf das eigene Aussehen gezeigt. Aufgrund
der guten Leistungen werde dem Versicherten aus Sicht des Lehrbetriebs eine
Anstellung in einem Betrieb in der freien Wirtschaft zugetraut. Während je
zweiwöchiger Praktika in zwei verschiedenen Betrieben habe sich die
Arbeitsmarktfähigkeit bestätigt. Der Versicherte fühle sich allerdings nicht ausreichend
belastbar und halte sich für nicht eingliederungsfähig. Vorerst stehe aus seiner Sicht
eine intensive Behandlung der psychischen Schwierigkeiten im Vordergrund, weshalb
er sich überlege, sich in einer Tagesklinik behandeln zu lassen; eine Stelle habe er
deswegen nicht gesucht. Die Berufsberaterin hielt fest, sie könne nicht abschliessend
beurteilen, ob die deutliche Diskrepanz zwischen den Rückmeldungen des
Lehrbetriebs sowie der beiden Praktikumsbetriebe und der Selbsteinschätzung bzw.
dem geringen Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten ausschliesslich durch die
psychische Problematik oder allenfalls durch invaliditätsfremde Gründe begründet
seien (IV-act. 141).
B.o Die beruflichen Massnahmen wurden am 30. Oktober 2009 abgeschlossen (IV-
act. 144).
C.
C.a Am 25. Januar 2010 erstatteten die behandelnden Ärzte des Psychiatrie-Zentrums
G._ einen weiteren Arztbericht. Sie diagnostizierten eine rezidivierende depressive
Störung mit leichter Episode sowie den Verdacht auf eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend ängstlichen und abhängigen Anteilen und
attestierten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit Behandlungsbeginn am 12. November
2009. Derzeit befinde sich der Versicherte in einem Projekt mit aufbauender
Tagesstruktur und zeitlicher Steigerung. Je nach Verlauf solle eine Einbindung in eine
ganze Tagesstruktur (Tagesklinik) erfolgen. Es sei eine Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit zu erwarten, doch sei das Ausmass nicht abschätzbar. Es empfehle
sich eine Neubewertung in etwa sechs Monaten (IV-act. 145).
C.b In einer Stellungnahme führte der RAD-Arzt Dr. F._ am 11. Februar 2010 aus, der
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Versicherte habe trotz der bekannten psychischen Probleme eine erstmalige berufliche
Ausbildung mit guten beruflichen Leistungen absolvieren können, weshalb die
attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit nicht plausibel sei. Aus
versicherungsmedizinischer Sicht lasse sich keine gravierende Arbeitsunfähigkeit nach
Abschluss der erstmaligen beruflichen Ausbildung erkennen; es müsse von einer
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit von 100 % in einem wohlwollenden
Arbeitsumfeld im erlernten Beruf ausgegangen werden. Allerdings sei zu empfehlen,
berufliche Massnahmen zu erwägen (IV-act. 147).
C.c Am 12. April 2010 fand ein Assessmentgespräch statt, an welchem der Versicherte,
eine Eingliederungsberaterin der IV-Stelle, die Psychotherapeutin, die Case Managerin,
die Ergotherapeutin und eine Vertreterin der Sozialhilfe teilnahmen. Anlässlich des Ge
sprächs zeigte sich gemäss Protokoll der Eingliederungsberaterin eine tiefe Selbstein
schätzung des Versicherten. Auf die Frage hin, unter welchen Bedingungen er sich eine
Arbeit vorstellen könnte, habe er zu weinen begonnen, woraufhin die
Psychotherapeutin mit ihm den Raum verlassen habe und das Gespräch vorzeitig
abgebrochen worden sei. Die Eingliederungsberaterin schlug in der Folge vor, die
Arbeitsvermittlung abzuschliessen und eine Rentenprüfung vorzunehmen (IV-act. 151).
C.d Mit Vorbescheid vom 14. Juni 2010 teilte die IV-Stelle mit, dass vorgesehen sei,
dem Versicherten keine Rente zuzusprechen (IV-act. 156).
C.e Dagegen liess der nun anwaltlich vertretene Versicherte am 20. August 2010 Ein
wand erheben. Er liess insbesondere geltend machen, es könne nicht angehen, dass
die IV-Stelle lediglich aufgrund einer Stellungnahme eines RAD-Arztes, der den Ver
sicherten nicht persönlich untersucht habe, nicht auf den Bericht der behandelnden
Ärzte abstelle; es seien die Einholung eines aktuellen Verlaufsberichts sowie eine um
fassende psychiatrische Begutachtung des Versicherten erforderlich, bevor über den
Rentenanspruch entschieden werden könne (IV-act. 161).
C.f Nachdem der RAD-Arzt Dr. F._ am 7. Oktober 2010 in einer weiteren
Stellungnahme ausgeführt hatte, weshalb seines Erachtens keine schwerwiegende
psychiatrische Störung ausgewiesen sei (IV-act. 162), verfügte die IV-Stelle am
22. Oktober 2010 gemäss Vorbescheid vom 14. Juni 2010 (IV-act. 163).
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D.
D.a Dagegen richtet sich die am 25. November 2010 erhobene Beschwerde, mit der
die Zusprache einer ganzen Rente sowie eventualiter die Rückweisung zu weiteren
medizinischen Abklärungen beantragt werden (act. G 1).
D.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde (Beschwerde
antwort vom 26. Januar 2011; act. G 4).
D.c Mit Replik vom 24. März 2011 liess der Beschwerdeführer an seinen mit
Beschwerde vom 25. November 2010 gestellten Anträgen festhalten und eine Be
stätigung eines behandelnden Arztes bezüglich Medikation des Beschwerdeführers
einreichen (act. G 10 und G 10.1).
D.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerde
führers auf eine Rente der Invalidenversicherung zu Recht verneint hat bzw. ob die
Aktenlage die Beurteilung des Anspruchs erlaubt.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) haben versicherte Personen, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmass
nahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können, während mindestens
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch zu mindestens 40 % arbeitsunfähig
gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind,
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Invalidität im Sinne dieser
Bestimmung ist gemäss Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere
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Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung – und im
Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
ärztlichen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
2.3 Verwaltung und Gericht haben aufgrund des im Sozialversicherungsrecht
allgemein geltenden Untersuchungsgrundsatzes von sich aus für die richtige und
vollständige Abklärung des Sachverhalts zu sorgen (vgl. Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c
ATSG). Diese Abklärungspflicht bezieht sich auf den im Rahmen des streitigen
Rechtsverhältnisses rechtserheblichen Sachverhalt. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und
Sozialversicherungsrichter zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hiezu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a
mit Hinweisen).
3.
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Aus den im Recht liegenden medizinischen Akten lässt sich zunächst der Schluss
ziehen, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aufgrund der Lippen-Kiefer-
Gaumenspalte nicht längerfristig beeinträchtigt ist. Dies ist denn auch unbestritten.
Sodann geht aus den Akten übereinstimmend hervor, dass die mit dem Geburts
gebrechen verbundene optische Gesichtsveränderung bereits während der Schulzeit
eine Selbstunsicherheit des Beschwerdeführers zur Folge hatte, die sich mit Beginn der
beruflichen Ausbildung akzentuierte (vgl. IV-act. 25–2, 41–1, 45 und 65–2). Im Zu
sammenhang mit einer Operation im Mai 2006, die offenbar nicht den erwarteten Erfolg
zeitigte, entwickelte der Beschwerdeführer anerkanntermassen eine gravierende
depressive Reaktion, die einen Klinikaufenthalt, eine intensive ambulante Nach
betreuung sowie einen Unterbruch der beruflichen Ausbildung notwendig machte. Der
RAD-Arzt Dr. F._ hat diesbezüglich in seiner Stellungnahme vom 22. Februar 2007
überzeugend ausgeführt, dass die von den behandelnden Ärzten in deren Bericht vom
26. Januar 2007 gestellte Diagnose einer Dysthymia nicht nachvollziehbar sei, sondern
vielmehr von einer mittel- bis schwergradig ausgeprägten depressiven Anpassungs
störung auszugehen sei. Die Ärzte waren sich damals allerdings einig, dass es sich um
eine vorübergehende Störung handelte (vgl. IV-act. 100 f.). Diese Einschätzung erwies
sich denn im Verlauf auch als richtig, konnte der Beschwerdeführer nach dem Unter
bruch doch seine berufliche Ausbildung ohne weitere Unterbrechung mit guten Noten
abschliessen. Der RAD-Arzt Dr. F._ vermutete am 11. Februar 2010 (IV-act. 147),
selbst wenn der Beschwerdeführer tatsächlich an einer relevanten Persönlichkeits
störung leiden sollte, wie dies die behandelnden Ärzte in ihrem Bericht vom 25. Januar
2010 – lediglich verdachtsweise – diagnostiziert haben, wirke sich diese nicht erheblich
auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus, ansonsten er die berufliche Aus
bildung nicht mit dem selben Erfolg hätte abschliessen können. Dies erscheint als
nachvollziehbar und überzeugend. Die von den behandelnden Ärzten in ihrem Bericht
vom 25. Januar 2010 attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit wurde von diesen denn
auch auf die depressive Störung zurückgeführt (vgl. IV-act. 145). Aus dem erwähnten
Bericht vom 25. Januar 2010 geht allerdings einerseits nicht klar hervor, weshalb die
diagnostizierte leichtgradig ausgeprägte depressive Störung eine – im
Berichtszeitpunkt immerhin seit zwei Monaten anhaltende – vollständige
Arbeitsunfähigkeit verursachen sollte. Eine überzeugende Begründung ist dem Bericht
jedenfalls nicht zu entnehmen. Andererseits wiesen die berichterstattenden Ärzte selbst
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darauf hin, dass die medizinischen Massnahmen noch nicht ausgeschöpft seien und
mit einer relevanten Verbesserung des Gesundheitszustandes zu rechnen sei.
Entsprechend empfahlen sie eine Neubeurteilung nach sechs Monaten. Der RAD-Arzt
Dr. F._ führte in seiner Stellungnahme vom 11. Februar 2010 aus, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Ärzte sei nicht überzeugend; es sei
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer unter zumutbarer Willensanstrengung
vollzeitig im erlernten Beruf arbeiten könnte (vgl. IV-act. 147). Vor diesem Hintergrund
stellt sich die Frage, ob entweder auf die Einschätzung der behandelnden Ärzte oder
auf jene des RAD-Arztes Dr. F._ abzustellen ist, oder ob weitere medizinische
Berichte einzuholen sind.
4.
Der RAD-Arzt Dr. F._ hat den Beschwerdeführer zwar tatsächlich nie persönlich
untersucht. Allerdings war er von Beginn der beruflichen Ausbildung des Beschwerde
führers weg mit dem Fall betraut und konnte daher den Verlauf mitverfolgen. Zudem
lagen ihm für die Beurteilung sämtliche relevanten Berichte vor; er verfügt als Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie auch über das notwendige Fachwissen zur
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Obwohl davon auszugehen ist, dass eine persönliche
Untersuchung weitere Erkenntnisse liefern und eine zuverlässigere Beurteilung er
möglichen könnte, ist eine solche nicht zwingend notwendig, um über den Renten
anspruch des Beschwerdeführers befinden zu können. Im Sozialversicherungsrecht
genügt nämlich in der Regel das Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit.
Tatsachen müssen mit anderen Worten nicht mit an Sicherheit grenzender Wahr
scheinlichkeit oder soweit erstellt sein, dass kein vernünftiger Zweifel mehr möglich ist.
Es genügt vielmehr, wenn von mehreren Möglichkeiten eine als wahrscheinlicher als
die andern zu qualifizieren ist. Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass eine
weitere medizinische Untersuchung nur dann als notwendig zu qualifizieren wäre, wenn
entweder mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen wäre, dass eine
relevante Arbeitsunfähigkeit vorliegt, oder wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen wäre, dass die vorhandenen Akten die zuverlässige Beurteilung
nicht erlauben würden. Wäre dagegen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass keine relevante Arbeitsunfähigkeit vorliegt, würden sich im Rahmen
der antizipierten Beweiswürdigung weitere Abklärungen erübrigen. Wie erwähnt, kann
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davon ausgegangen werden, dass der RAD-Arzt Dr. F._ über die notwendigen Fach-
und Sachkenntnisse verfügte, um eine zuverlässige Beurteilung abzugeben. In seiner
Stellungnahme vom 11. Februar 2010 hat er nachvollziehbar und überzeugend dar
gelegt, weshalb die Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Ärzte in deren
Bericht vom 25. Januar 2010 nicht zu überzeugen vermag. Die von Dr. F._
aufgezeigten Zusammenhänge – das Hauptproblem sei das seit Jahren berichtete
schwache Selbstbewusstsein, die verzerrte Selbstwahrnehmung der Kiefer-Gaumen-
Spalte und die dadurch bedingte geringe Akzeptanz gegenüber der körperlichen
Handicaps; zudem stelle sich die Frage, ob bei der im Arztbericht vom 25. Januar 2010
angegebenen antidepressiven Medikation von lediglich 25mg Trimipramin bei einer für
Depressionsbehandlungen üblichen standardmässigen Dosierung von 50–150mg
tatsächlich eine Depression oder allenfalls das Symptom Schlafstörungen behandelt
würden – leuchten ein und erwecken den Eindruck, er habe den gesamten
massgebenden Umständen ausreichend Rechnung getragen. Da auch die
behandelnden Ärzte davon ausgingen, der Zustand des Beschwerdeführers sei
wesentlich besserungsfähig, ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers gesundheitsbedingt
zumindest nicht längerdauernd erheblich beeinträchtigt war. Jedenfalls lässt sich den
Akten kein Anhaltspunkt dafür entnehmen, dass eine relevante Invalidität vorliegen
könnte, weshalb entsprechende weitere Abklärungen nicht notwendig sind. Daran
ändert im Übrigen auch nichts, dass der behandelnde Arzt am 9. März 2011 bestätigte,
der Beschwerdeführer erhalte seit Januar 2010 50mg Trimipramin und 20mg
Escitalopram (vgl. act. G 10.1), denn erstens kann daraus in Bezug auf die
Arbeitsfähigkeit nichts direkt abgeleitet werden, und zweitens nimmt der
Beschwerdeführer lediglich Trimipramin regelmässig ein, und zwar zur Behandlung von
Schlafstörungen (act. G 10.1). Hinzu kommt, dass diese Angaben sich nicht vollständig
mit jenen im Arztbericht vom 25. Januar 2010 decken (vgl. IV-act. 145–3), was
allerdings aufgrund der Geringfügigkeit der Abweichungen keine erheblichen Zweifel an
der Zuverlässigkeit der Angaben erweckt.
5.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen. Die gemäss Art. 69 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) zu erhebenden und an
bis
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gesichts des durchschnittlichen Aufwands auf Fr. 600.-- festzusetzenden
Gerichtskosten von Fr. 600.-- hat der Beschwerdeführer zu bezahlen, wobei ihm der
von ihm geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe angerechnet wird.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP