Decision ID: eb682f8a-1b88-4b9f-980b-4a763bfa8611
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Rekurrentin,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse,
Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
individuelle Prämienverbilligung 2014
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend Gesuchstellerin) ersuchte die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen (nachfolgend SVA) am 28. März 2014 um eine individuelle
Prämienverbilligung für sich und ihre beiden Kinder betreffend das Jahr 2014 (act.
G 4.2/3).
A.b In Würdigung des im Berechnungsjahr (Steuerperiode 2012) deklarierten
Einkommens sprach die SVA der Gesuchstellerin mit Verfügung vom 6. Mai 2014 einen
Anspruch auf individuelle Prämienverbilligung ab, bezifferte denjenigen ihres Sohnes
auf Fr. 387.60 und ging auf denjenigen ihrer Tochter aufgrund ausserkantonalen
Wohnsitzes nicht ein (act. G 4.2/4).
B.
B.a Einspracheweise beantragte die Gesuchstellerin am 19. Mai 2014 sinngemäss die
Aufhebung der Verfügung vom 6. Mai 2014 unter Gewährung einer individuellen
Prämienverbilligung für sich und ihre beiden Kinder für das Jahr 2014. Zur Begründung
brachte sie vor, dass sich die Berechnung des Prämienverbilligungsanspruchs infolge
Zuzugs aus einem anderen Kanton auf das steuerbare Einkommen des Vorjahres
(Steuerperiode 2013) zu stützen habe. Seit ihrer Wohnsitznahme im Kanton St. Gallen
sei sie erwerbslos. Aufgrund der Berechnungsgrundlage der Steuerperiode 2012 werde
ihr aber ein ausserkantonales Erwerbseinkommen für sieben Monate angerechnet.
Überdies enthalte die Berechnungsgrundlage die mittlerweile eingestellten
Unterhaltszahlungen ("Alimente") für ihre Tochter. Diese lebe seit Mitte 2013 beim
ausserkantonal wohnhaften und von ihr geschiedenen Vater, der für deren Unterhalt
aufkomme. Aus einer beigelegten Kostenzusammenstellung der Krankenkasse für das
Jahr 2013 gehe aber hervor, dass deren Krankenkassenprämie nach wie vor von der
Gesuchstellerin bezahlt werde (act. G 4.2/5).
B.b Am 22. Mai 2014 wurde die Gesuchstellerin von der SVA schriftlich aufgefordert,
die Veranlagungsberechnungen der Kantons- und Gemeindesteuern betreffend die
Steuerperioden 2012 und 2013 einzureichen. Gleichzeitig wurde sie darauf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hingewiesen, dass ihre Tochter wegen ausserkantonalen Wohnsitzes keinen Anspruch
auf Prämienverbilligung des Kantons St. Gallen habe; es stehe ihr aber frei, diesen im
Wohnsitzkanton geltend zu machen (act. G 4.2/6). Mit Schreiben vom 10. Juni 2014
teilte die Gesuchstellerin mit, dass sie ihre Steuererklärung für das Steuerjahr 2013
noch nicht eingereicht habe, und ersuchte die SVA, die Angelegenheit solange pendent
zu halten (act. G 4.2/7).
B.c Mit Einspracheentscheid vom 13. Juni 2014 wies die SVA die Einsprache der
Gesuchstellerin vom 6. Mai 2014 ab. Begründend verwies sie auf die gesetzlichen
Anspruchsvoraussetzungen der individuellen Prämienverbilligung und führte aus, dass
diese grundsätzlich aufgrund der vorvorjährigen und nur ausnahmsweise aufgrund der
vorjährigen Steuerdaten berechnet werde; sofern sich eine Einsprache aber
abschliessend beurteilen lasse, vertrage der entsprechende Entscheid keinen Aufschub
bis zum Vorliegen der definitiven vorjährigen Steuerveranlagung. Beim Wegfall der
Unterhaltszahlungen für die Tochter handle es sich nicht um eine dauerhafte und
massgebliche Einkommensveränderung im Sinne des Gesetzes, weshalb diese nicht
berücksichtigt werden könne (act. G 4.2/8).
C.
C.a Am 25. Juni 2014 reichte die Gesuchstellerin (nachfolgend Rekurrentin)
Beschwerde (richtig: Rekurs) gegen den Einspracheentscheid vom 13. Juni 2014 ein
und beantragte sinngemäss dessen Aufhebung unter Gewährung einer individuellen
Prämienverbilligung für sich und ihre beiden Kinder für das Jahr 2014. Dabei hielt sie im
Wesentlichen an der bereits in der Einsprache vom 19. Mai 2014 vorgebrachten
Begründung fest. Ergänzend führte sie aus, dass seit dem Stellenverlust keine
Zahlungen mehr in die gebundene Vorsorge erfolgten und keine Berufsauslagen mehr
anfielen, weshalb solche bei der Berechnung des Anspruchs auf die geltend gemachte
Prämienverbilligung nicht berücksichtigt werden könnten. Abschliessend erläuterte sie
die der Eigenmietwertberechnung zugrunde liegenden Eigentumsverhältnisse (act.
G 1).
C.b In ihrer Vernehmlassung vom 19. August 2014 führte die SVA (nachfolgend
Vorinstanz) aus, dass der Stellenverlust der Rekurrentin nicht zu einer dauerhaften
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Veränderung ihrer Einkommensverhältnisse geführt habe, da sie nach eigenen
Angaben weiterhin auf Stellensuche sei. Somit würden sich Weiterungen zur
Massgeblichkeit der Einkommensveränderung erübrigen und es gebe keinen Grund,
von der gewöhnlichen Berechnungsgrundlage abzuweichen und stattdessen auf die
konkreten Verhältnisse am 1. Januar 2014 abzustellen (act. G 4).
C.c Mit Stellungnahme vom 19. September 2014 vervollständigte die Rekurrentin ihre
bisherigen Ausführungen dahingehend, dass die Unterhaltszahlungen für die Kinder
primär zur Bestreitung deren Lebensunterhalts dienen würden. Der Einkommenswegfall
infolge Stellenverlusts bedeute für sie eine Einschränkung ihrer privaten
Vorsorgemöglichkeiten. Im Übrigen erachte sie die Erhöhung der
Berechnungsgrundlage um das fiktive Einkommen des Eigenmietwerts als
"bemerkenswert" (act. G 6).
C.d Nachdem die Vorinstanz mit Schreiben vom 25. September 2014 auf eine weitere
Stellungnahme verzichtet hatte (act. G 8), wurde der Schriftenwechsel am 21. Oktober
2014 abgeschlossen (act. G 9).

Erwägungen:
1.
Nach Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR
832.10) haben die Kantone den Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen
Verhältnissen Prämienverbilligungen zu gewähren. Dazu haben sie nach Art. 97 Abs. 1
KVG Ausführungsbestimmungen zu Art. 65 KVG zu erlassen. Der Kanton St. Gallen ist
dieser Verpflichtung durch die Art. 9 bis 16 des Einführungsgesetzes zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (EG-KVG; sGS 331.11) und die
dazugehörigen Vollzugsvorschriften in Art. 9 bis 38 der Verordnung zum
Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (Vo-EG;
sGS 331.111) nachgekommen, wobei er insbesondere die persönlichen (Art. 10 EG-
KVG) und die einkommensmässigen (Art. 11 EG-KVG) Voraussetzungen sowie die
Höhe der Prämienverbilligung (Art. 12 EG-KVG) festgesetzt hat. Vorliegend sind die
Bestimmungen in der im Jahr 2014 geltenden Fassung massgebend.
ter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
2.1 Im Rekurs vom 25. Juni 2014 wird auf das Prämienverbilligungsgesuch der
Rekurrentin vom 28. März 2014 (act. G 4.2/3) verwiesen und es wird dessen
nachträgliche Gutheissung beantragt (act. G 1; vgl. act. G 6). Dem Sinne nach macht
die Rekurrentin somit einen Prämienverbilligungsanspruch für sich und ihre beiden
Kinder geltend. Die Vorinstanz hingegen hat einen Prämienverbilligungsanspruch der
Tochter der Rekurrentin von vornherein ausgeschlossen (act. G 4.2/4) und dies
nachträglich begründet (act. G 4.2/6). Dieser Ausschluss wurde von der Rekurrentin
beanstandet ("Zudem beantrage ich [...] zwei Kinderprämienverbilliungen [...]" [act.
G 4.2/5]), weil sie nach wie vor die Krankenkassenprämie der Tochter bezahle (vgl. act.
G 4.2/5). Einleitend sind demnach die persönlichen Anspruchsvoraussetzungen für eine
Prämienverbilligung zu erläutern und es ist zu prüfen, ob diese von der Tochter der
Rekurrentin erfüllt werden.
2.2 Eine Prämienverbilligung wird nach Art. 10 Abs. 1 EG-KVG Personen gewährt, die
im Kanton St. Gallen steuerrechtlichen Wohnsitz haben (lit. a) und ein die
Prämienverbilligung auslösendes Einkommen erzielen (lit. b). Der steuerrechtliche
Wohnsitz von Kindern unter elterlicher Sorge befindet sich in Übereinstimmung mit der
entsprechenden Regelung betreffend den zivilrechtlichen Wohnsitz (Art. 25 Abs. 1 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210]) am Wohnsitz der Eltern oder, wenn
die Eltern keinen gemeinsamen Wohnsitz haben, am Wohnsitz des Elternteils, unter
dessen Obhut das Kind steht (StB 13 Nr. 1 E. 1.1). Entsprechend verweist Art. 9 Abs. 1
Vo-EG für die Anspruchsberechtigung auf den zivilrechtlichen Wohnsitz im Kanton und
erklärt die persönlichen und familiären Verhältnisse am 1. Januar des Jahres, in
welchem die Prämienverbilligung beansprucht wird, für massgebend.
2.3 Die Rekurrentin und der Vater der gemeinsamen Tochter sind geschieden und
leben getrennt. Die gemeinsame Tochter wohnt seit 1. September 2013 unter der
Obhut des Vater in B._ im Kanton C._ (act. G 4.2/8; vgl. act. G 4.2/3). Sie hatte
ihren steuerrechtlichen Wohnsitz im für die Prämienverbilligung für das Jahr 2014
relevanten Beurteilungszeitpunkt (1. Januar 2014) demnach ausserhalb des Kantons
St. Gallen und erfüllt die persönlichen Voraussetzungen für einen Anspruch auf eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
individuelle Prämienverbilligung im Kanton St. Gallen nicht. Ein solcher wurde von der
Vorinstanz deshalb zu Recht verneint.
3.
3.1 Bei der Beurteilung des die Prämienverbilligung auslösenden Einkommens stützt
sich die Vorinstanz in ihrem Einspracheentscheid vom 13. Juni 2014 auf die
rechtskräftig veranlagten Steuerdaten der Rekurrentin der Steuerperiode 2012 (act.
G 4.2/8 und G 4.1; vgl. act. G 4.2/7). Die Rekurrentin bringt hiergegen vor, aufgrund
des Zuzugs aus einem anderen Kanton sei auf die Daten der Steuerperiode 2013
abzustellen (act. G 1). Ferner habe sich ihr Einkommen zwischenzeitlich infolge
Stellenverlusts und Wegfalls von Kindesunterhaltszahlungen ("Alimente") dauerhaft und
erheblich verändert, weshalb – eventualiter – auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
am 1. Januar 2014 bzw. im Zeitpunkt des Prämienverbilligungsgesuchs am 28. März
2014 abzustellen sei (act. G 6). Streitig und zu prüfen ist somit im Weiteren, ob die
Vorinstanz bei der Anspruchsberechnung für eine Prämienverbilligung für das Jahr
2014 zu Recht auf das in der Steuerperiode 2012 ermittelte Einkommen abgestellt hat.
3.2 In Bezug auf die einkommensmässigen Voraussetzungen bestimmt Art. 11 EG-
KVG, dass das die Prämienverbilligung auslösende Einkommen unter teilweiser
Berücksichtigung des steuerbaren Vermögens von der Regierung durch Verordnung
festgesetzt wird (Abs. 1). Grundlage des die Prämienverbilligung auslösenden
Einkommens bildet in der Regel die letzte definitive Steuerveranlagung (Abs. 2 in der
bis Ende 2014 in Kraft gewesenen Fassung). Liegt im Zeitpunkt der Anspruchsprüfung
bzw. am Ende des Anspruchsjahres die definitive Veranlagung des vorangehenden
Jahres vor, so ist diese Veranlagung der Anspruchsprüfung zugrunde zu legen. Auf die
Steuerdaten der vorletzten Steuerperiode (vgl. Art. 12 Abs. 1 Vo-EG) kann lediglich
dann abgestellt werden, wenn die definitive Veranlagung des vorangehenden Jahres im
Zeitpunkt der Anspruchsprüfung noch nicht vorliegt (vgl. dazu das vor der Änderung
von Art. 11 Abs. 2 EG-KVG ergangene Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 11. Dezember 2012, B 2011/223, E. 4.2).
3.3 Zieht eine Person aus dem Ausland oder einem anderen Kanton zu, wird gemäss
Art. 12a Abs. 1 Vo-EG auf das massgebende Einkommen des Jahres vor dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bezugsjahr abgestellt, wenn ein nach kantonalem Steuerrecht ermitteltes
Reineinkommen der Steuerperiode des vorletzten Jahres fehlt. Fehlt auch das
massgebende Einkommen des Jahres vor dem Bezugsjahr, wird auf das nach
kantonalem Steuerrecht ermittelte, voraussichtliche Einkommen des Bezugsjahres
abgestellt.
3.4 Nach Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird sodann von der letzten definitiven Steuerveran
lagung abgewichen, wenn das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspricht. Dies stellt eine Abweichung von der
Gleichbehandlung dar, indem als Bemessungsgrundlage die Gegenwartswerte
herangezogen werden. Es bedarf deshalb bestimmter Voraussetzungen, bevor auf die
tatsächlichen aktuellen Verhältnisse abgestellt wird. Mit der Verwendung des Begriffs
"offensichtlich" in Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird zum Ausdruck gebracht, dass nicht jede
Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse massgebend sein kann, um von den
Steuerdaten abzuweichen. Die Diskrepanz zwischen der früheren und der aktuellen
wirtschaftlichen Lage, welche sowohl vom Einkommen als auch vom Vermögen
beeinflusst wird, muss rechtserheblich sein. Praxisgemäss rechtfertigen nur
grundlegende und tiefgreifende Änderungen der Verhältnisse ein Abweichen von der
letzten definitiven Steuerveranlagung. Anders wäre der Vollzug der Prämienverbilligung
in einem einfachen und raschen Verfahren gar nicht zu bewerkstelligen (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. Mai 2005, B 2005/23, E. 2c).
3.5 Gemäss Art. 12 Vo-EG wird auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anstelle
des ermittelten Einkommens abgestellt, wenn sich die Einkommensgrundlagen
dauerhaft verändert haben (Abs.1) und die Abweichung im Bezugsjahr wenigstens
einen Viertel des massgebenden Einkommens des vorletzten Jahres beträgt (Abs. 2).
Nur vorübergehende Änderungen, welche nicht die eigentliche Einkommensgrundlage
betreffen, wirken sich dagegen lediglich auf das (rein rechnerisch ermittelte) steuerliche
Reineinkommen und damit systembedingt erst auf künftige Berechnungen der
Prämienverbilligung aus (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
13. September 2005, KV-SG 2005/1, E. 2c).
3.6 Der Begriff "dauerhaft" beinhaltet gemäss Definition (über einen längeren Zeitraum
bzw. einen langen Zeitraum überdauernd [vgl. http://www.duden.de/, abgerufen am
quater
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
27. Februar 2015]) ein eindeutiges zeitliches Element. Die Dauerhaftigkeit muss jedoch
auch in der Sache selbst bzw. in der veränderten Einkommensgrundlage liegen.
Dauerhaftigkeit ist bei Vorliegen eines unabänderlichen Zustands anzunehmen.
Allerdings kann eine Veränderung auch dauerhaft sein, wenn sie dem Grundsatz nach
nicht unabänderlich ist. Dies wurde vom Versicherungsgericht bei Antritt einer auf drei
Jahre angelegten Weiterbildung bejaht, die eine mindestens auf den entsprechenden
Zeitraum ausgerichtete Umstellung der Lebensverhältnisse in wirtschaftlicher und
organisatorischer Hinsicht bedingte. Sind solche Umstellungen erforderlich, bezwecken
sie nämlich die Etablierung stabiler Verhältnisse auf einem der neuen Situation
angepassten wirtschaftlichen Niveau (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 28. Oktober 2014, KV-SG 2014/1, E. 3.3).
3.7 Gemäss Art. 9 Abs. 1 Vo-EG sind für die Anspruchsberechtigung auf
Prämienverbilligung für Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz oder einer
fremdenpolizeilichen Bewilligung zum Jahresaufenthalt im Kanton die persönlichen und
familiären Verhältnisse am 1. Januar des Jahres massgebend, für das die
Prämienverbilligung beansprucht wird. Dabei handelt es sich um die aktuellsten Daten
(vgl. dazu Art. 65 Abs. 3 KVG). Das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen hat
sodann im Urteil vom 10. Mai 2005 (B 2005/23, E. 2d) festgehalten, dass grundsätzlich
auch Änderungen, die zu Beginn des Anspruchsjahres bzw. im Zeitpunkt des Gesuchs
auf eine grundlegende Veränderung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit deuten,
Berücksichtigung finden könnten.
4.
4.1 Die Rekurrentin ist per 1. Oktober 2012 vom Kanton D._ in den Kanton St.
Gallen zugezogen. Dem steuerrechtlichen Stichtagprinzip entsprechend erfüllte die
Rekurrentin folglich die Voraussetzungen der subjektiven Steuerpflicht während der
Steuerperiode 2012 im Kanton St. Gallen und wurde von diesem in der Folge definitiv
und rechtskräftigt veranlagt. Die entsprechende Veranlagungsberechnung der
Kantons- und Gemeindesteuern (act. G 4.1) lag im Zeitpunkt der Berechnung des
Prämienverbilligungsanspruchs für das Jahr 2014 vor (vgl. act. G 4.2/7), wohingegen in
Bezug auf die Steuerperiode 2013 noch nicht einmal die Steuererklärung eingereicht
worden war (vgl. act. G 6). Unter diesen Umständen gab es für die Vorinstanz keinen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Grund, in Anwendung von Art. 12a Abs. 1 Vo-EG auf eine andere
Berechnungsgrundlage als die Daten der Steuerperiode 2012 abzustellen.
4.2 Zur Beurteilung der geltend gemachten Veränderung der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit ist zu prüfen, ob gestützt auf die Verhältnisse am 1. Januar 2014
eine seit der Steuerperiode 2012 eingetretene dauerhafte Verringerung der
massgeblichen Einkommensgrundlagen um mindestens 25 % bejaht werden kann.
4.3 Es ist gemeinhin bekannt, dass ein Stellenverlust in der Regel unangenehme
finanzielle Folgen hat. Dies wird auch von der Rekurrentin geltend gemacht (vgl. act.
G 1, G 4.2/8 und G 6), obschon sie keine Unterlagen ins Recht gelegt hat, anhand
derer sich die Auswirkungen auf ihre Einkommenssituation auf verlässliche Weise
beurteilen liessen. Ungeachtet dessen vermag jedoch ein Stellenverlust keine
Einkommensveränderung von dauerhafter Art zu begründen, die ein Abweichen von
der ordentlichen Berechnungsgrundlage der Prämienverbilligung rechtfertigen würde.
Einerseits zeigen die von der Rekurrentin unternommenen Bemühungen ("zahlreiche
Bewerbungen" [act. G 4.2/5]) exemplarisch, dass die Arbeitslosigkeit kein grundsätzlich
unabänderlicher, sondern meist ein vorübergehender und weitgehend beeinflussbarer
Zustand ist. Andererseits werden die finanziellen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit
über einen bestimmten Zeitraum hinweg durch den Anspruch auf Ersatzeinkommen
(ALE) weitgehend kompensiert. Die Veränderlichkeit der Erwerbssituation und die
einstweiligen Überbrückungsleistungen bringen es mit sich, dass die vorübergehende
Arbeitslosigkeit in der Regel keine wirtschaftlichen und organisatorischen Umstellungen
bedingt, die auf einen über die jährliche Periodizität der Prämienverbilligung
hinausgehenden Zeithorizont angelegt sind. Das System ist deshalb so konzipiert, dass
solche vorübergehende Änderungen des Reineinkommens erst bei künftigen
Berechnungen der Prämienverbilligung berücksichtigt werden (vgl. Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 13. September 2005, KV-SG
2005/1, E. 2c). Dies gilt selbstredend auch für den Wegfall der
Kindesunterhaltszahlungen ("Alimente" [act. G 4.2/5]), dem im Übrigen immerhin eine
Reduktion der Auslagen für die Tochter auf der Ausgabenseite gegenübersteht.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass keine dauerhafte Veränderung der
Einkommensgrundlage vorliegt und der Anspruch auf Prämienverbilligung anhand der
ordentlichen Berechnungsgrundlage zu beurteilen ist.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
5.1 Entsprechend ist bei der Berechnung der individuellen Prämienverbilligung für das
Jahr 2014 in Anwendung von Art. 12 Abs. 2 Vo-EG auf das in der Steuerperiode 2012
definitiv veranlagte Reineinkommen abzustellen. Diesem sind allfällige Beiträge an die
Gebundene Selbstvorsorge Säule 3a und ein allfälliger Abzug von 30 % auf den
Mietwert des selbstbewohnten Eigenheims gemäss Art. 34 Abs. 3 des st. gallischen
Steuergesetzes (StG; sGS 811.1) hinzuzurechnen. Für jedes in der Schweiz wohnhafte
Kind, für das eine Familienzulage nach dem Bundesgesetz über die Familienzulagen
(FamZG; SR 836.2) bezogen wird, vermindert sich das massgebende Einkommen um
Fr. 7'000.-- (Art. 12 Abs. 2 Ziff. 6 i.V.m. Art. 14 Abs. 2 Vo-EG). Bei getrennt lebenden
Eltern steht die Familienzulage unter Berücksichtigung von Art. 7 Abs. 1 FamZG
vorrangig der erwerbstätigen Person und nur nachrangig der sorge- bzw.
obhutsberechtigten Person zu (vgl. Marco Reichmuth, Familienzulagen bei Scheidung
und weiteren Familienkonstellationen, AJP 2012, S. 746 ff., S. 752).
5.2 Das für die Berechnung massgebende Reineinkommen der Rekurrentin beträgt
Fr. 34'410.--. Diesem sind die Beitragszahlungen an die Säule 3a in der Höhe von
Fr. 1'800.-- sowie die steuergesetzliche Reduktion des Eigenmietwerts in der Höhe von
Fr. 2'088.-- (30 % von Fr. 6'960.--) hinzuzufügen (vgl. act. G 4.1), wobei die den
Wohneigentumsverhältnissen zugrunde liegenden personellen Verflechtungen irrelevant
sind. Vom so ermittelten Betrag von Fr. 38'298.-- ist ein Kinderabzug von Fr. 7'000.--
für den bei der Rekurrentin wohnenden Sohn vorzunehmen, wodurch sich für die
Berechnung der Prämienverbilligung ein massgebendes Einkommen von Fr. 31'298.--
ergibt. Für die ausserkantonal beim erwerbstätigen Vater wohnhafte Tochter hat die
Rekurrentin weder Anspruch auf eine Prämienverbilligung (siehe E. 2) noch auf eine
Familienzulage (vgl. act. G 4.2/5; siehe E. 5.1) des Kantons St. Gallen. Mit Blick auf die
Kohärenz der Rechtsordnung kann sie daher auch bei der Berechnung des
Prämienverbilligungsanspruchs keinen entsprechenden Kinderabzug geltend machen.
5.3 Für das Jahr 2014 beträgt die Belastungsgrenze für Alleinstehende ohne Kinder
15.8 % des massgebenden Einkommens (Art. 5 Abs. 1 lit. c Ziff. 3 des
Regierungsbeschlusses über die Prämienverbilligung 2014 für Personen im Kanton
St. Gallen vom 10. Dezember 2013; sGS 331.538). Für die Rekurrentin ergibt sich damit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bei einem massgebenden Einkommen von Fr. 31'298.-- eine Belastungsgrenze und
somit ein Selbstbehalt von Fr. 4'945.10. Die Referenzprämie, bei deren Nichterreichen
ein Anspruch auf eine Prämienverbilligung besteht, belief sich im Jahr 2014 für eine
erwachsene Person in der Region 2 auf Fr. 3'394.20 (Art. 3 des Regierungsbeschlusses
über die Prämienverbilligung 2014 für Personen im Kanton St. Gallen vom
10. Dezember 2013). Folglich besteht für die Rekurrentin kein Anspruch auf
Prämienverbilligung.
6.
6.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der Rekurs abzuweisen.
6.2 Bei diesem Verfahrensausgang hat gemäss Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) die Rekurrentin als unterliegende Partei die
Verfahrenskosten zu tragen. Diese werden in Anwendung von Art. 7 Abs. 1 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung (sGS 941.12), der einen Rahmen von Fr. 500.-- bis Fr.
15'000.-- vorsieht, wie in gleichartigen Fällen üblich, auf Fr. 600.-- festgesetzt.
6.3 Die Vorinstanz hat als Verwaltungsbehörde keinen Anspruch auf
Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP