Decision ID: 55527e64-6f41-4c93-9eac-756566e3cd65
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
war vom 2
7.
November 2007
bis
7. August 2008 (
Tage
buchein
trag
)
einziger
Verwaltungsrat der im Handelsregister des Kantons
Y._
eingetragen gewesenen
A._
AG. Gleichentags trat
Z._
als Mitglied in den Verwaltu
ngsrat der Gesellschaft ein (Internet-Aus
zug
-
Handelsregister des Kantons
Y._
). Die Gesellschaft verlegte
sodann
ihren Sitz am 15. September 2008 (Tagebucheintrag) in den Kanton Zürich, wo sie ins Handels
register eingetragen wurde
. Mit Verfügung vom 11. August 2009 des Konkursrichters des Bezirksgerichts
B._
wurde über die Gesellschaft der Kon
kurs eröffnet. Das Konkursverfahren wurde mit Verfügung desselben Rich
ters vom 11. Januar 2010 mangels Aktiven eingestellt
(Internet-Auszug
-
Han
dels
register des Kantons Zürich)
.
Mit Verfügung vom 24. November 2010 forderte die Ausgleichskasse
Y._
von
X._
in solidarischer Haftung mit
Z._
Scha
denersatz für entgangene bundes- und kantonalrechtliche Sozialversicherungs
beiträge der
A._
AG für die Periode vom 1. Januar bis 30. September 2008 in der Höhe von Fr. 20‘154.45 (Urk. 2/5/
9
/
8). Die dagegen gerichtete Ein
sprache von
X._
vom 22. Dezember 2010 (Urk. 2/5/
9
/
10) wies sie mit Entscheid vom 24. Mai 2011 ab, soweit sie darauf eintrat (Urk. 2/
2
).
2.
2.1
Hiergegen erhob
X._
beim Verwaltungsgericht des Kantons
Y._
B
eschwerde und beantragte sinnge
mäss die ersatzlose Aufhebung des
Ein
spracheentscheids
(Urk. 2/
1/1-2
). Das Verwaltungsgericht des Kantons
Y._
trat auf die Beschwerde
,
soweit sie bundesrechtliche Sozialversiche
rungs
beiträge zum Inhalt hat
te
,
nicht ein und überwies die Sache zuständig
keitshalber mit Ent
scheid vom 26. September 2011 an das hiesige
Sozialversi
cherungsgericht
(Urk. 1/2). Bezüglich der kantonalrechtlichen Beiträge an die Familienaus
gleichskasse
Y._
hiess sie die Beschwerde mit Entscheid vom 6. Oktober 2011 teilweise gut und reduzierte die Schadenersatzforderung auf Fr. 149.-- (Urk. 1/3).
Mit Verfügung vom 11. Februar 2013 hat das hiesige Gericht d
ie
von der
Be
schwerdegegnerin
als Solidarschuldnerin mitverpflichtete
Z._
zum vorliegende
n Prozess beigeladen (Urk. 5). Die Beigeladene
liess sich innert angesetzter Frist nicht vernehmen.
2.2
Mit Gerichtsverfügung vom 2. April 2013 wurde das Verfahren bis zum Ab
schluss der Strafuntersuchung gegen
C._
betreffend Betrug etc. sis
tiert (Urk. 7).
Die Staatsanwaltschaft
D._
orientierte das hiesige Gericht mit Schreiben von 29. September 2015 über den Stand des Strafverfahrens gegen
C._
(Urk. 12). Diesem Schreiben legte sie insbesondere Doku
mente aus der Strafuntersuchung gegen
C._
(Urk. 13/1-7) bei.
2.3
In der Folge wurde die Verfahrenssistierung mit Verfügung vom
9.
November 2015 aufgehoben und den Verfahrensbeteiligten Frist angesetzt, um zu den von der Staatsanwaltschaft
D._
eingereichten Akten (Urk. 13/1-7) Stellung zu nehmen. Während der Beschwerdeführer und die Bei
geladene sich jeweils mit ihren Stellungnahmen vom 2
9.
Februar 2016 (Urk. 21, Urk.
22) ver
nehmen liessen, reichte die Beschwerdegegnerin innert Frist keine Stellung
nahme ein. Mit Schreiben vom
8.
März 2016 wurden die Stellung
nahmen des Beschwerdeführers und der Beigeladenen vom 2
9.
Februar 2016
(Urk. 21, Urk. 22) den übrigen Verfahrensbeteiligten zur Kenntnis gebracht (Urk. 23).
3.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinter
lassenenversi
cherung
(AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften einen Schaden verschuldet, diesen der Ausgleichskasse zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Per
son, so können subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe in Anspruch ge
nommen werden (BGE 123 V 12 E. 5b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5). Haben mehrere Arbeitgeber oder mehrere Organe einer juristischen Person einen Schaden ver
ursacht, haften sie solidarisch (BGE 114 V 213 E. 3 mit Hin
weisen; vgl. auch
Art.
52
Abs.
2 AHVG in der ab
1.
Januar 2012 gültigen Fas
sung).
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenver
sicherungs- (
Art.
66 des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung),
Er
werbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenz
entschädigung
)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
. c). Gleiches gilt für die bis 3
1.
Dezember 2008 nach kantonalem Recht erhobenen FAK-Beiträge (
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung bzw.
§
33 des ab
1.
Januar 2008 bis 3
0.
Juni 2009 gültig gewesenen Kinderzulagengesetzes; nicht publiziertes Urteil des Bundes
gerichts 2P.251/19
96 vom 3
0.
Juni 1997).
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach
Art.
52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
deter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E.
3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in
Art.
14
Abs.
1 AHVG normierte Beitrags- und
Abrechnungs
pflicht
des Arbeitgebers gehören auch die
Arbeitge
berbeiträge
zum massgeb
lichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.2
2.2.1
Mit angefochtenem
Einspracheentscheid
vom 2
4.
Mai 2011 beziffert
e
die Beschwerdegegnerin den Schaden mit
Fr.
21‘143.2
5.
Dieser Betrag setzt sich aus unbezahlt gebliebenen Lohnbeiträgen (inkl. Nebenkosten) für die Monate Januar bis März 2008 (
Fr.
8‘310.60), April 2008 (
Fr.
2‘700.80), Mai 2008 (
Fr.
2‘314.30)
, Juni 2008 (
Fr.
7‘581.60)
sowie
Juli 2008 (
Fr.
8‘053.45), abzüglich der Teil
zah
lung vom 1
9.
September 2011 im Betrag von
Fr.
7‘817.50
,
mithin total Fr. 21‘143.25
zusammen (Urk.
2/2 S. 5
Ziff.
3.2).
Gegenüber dem Beschwerde
führer macht
e
sie
indes
– wie mit Schadenersatzverfügung vom 2
4.
November 2010 (Urk. 2/5/
9
/8) – einen Schaden von
Fr.
20‘154.45 geltend
(Urk. 2/2 S. 5
Ziff.
3.3)
. Sie
verzichtete
mit angefochtenem
Einspracheentscheid
vom 2
4.
Mai 2011 (
Urk.
2/2)
mithin auf eine Abänderung zu Ungunsten des Beschwerde
führers (vgl. hierzu Marco
Reichmuth
, Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach
Art.
52 AHVG,
Diss
. Freiburg 2008, S. 241
mit Hinweis
).
Der Scha
den wurde von der Beschwerdegegnerin mit den einge
reichten Akten
-
ins
be
s
ondere
de
m
Einspracheentscheid
vom 20.
Juli 2009 be
tref
fend die
Lohn
bei
träge
und Neben
kosten für die Monate
Januar bis Mai 2008 (
Urk.
2/5/
9
/
3)
sowie de
m
Kontoaus
zug vom
8.
August 2011 betreffend die Lohnbeiträge und Neben
kosten für die Monate Juni und Juli 2008 sowie die Teilzahlung vom 1
9.
September 201
1 (
Urk.
2/5/
9/1
)
-
substantiiert (vgl.
Urteil des Bundes
gerichts 9C_325/2010 vom 1
0.
Dezember 2010 E. 7.1.1).
Der Schaden wird vom Beschwerdeführer in
mass
liche
r
Hinsicht nicht bestritten.
2.2.2
In diesem im
Einspracheentscheid
vom 2
4.
Mai 2011 aufgelisteten Schaden sind indes sowohl die kantonalrechtlichen FAK-Beiträge enthalten als auch die zur Verrechnung anstehenden Guthaben für Kinderzulagen berücksichtigt. Hin
sichtlich der zu Schaden gekommenen FAK-Beiträge ist das hiesige Gericht nicht zuständig, sondern über diesen Schaden hat das Verwaltungsgericht des Kantons
Y._
mit Entscheid vom
6.
Oktober 2011 (
Urk.
1/3) rechtskräftig geurteilt. Diesem Urteil ist zu entnehmen (E. 6.2 und E. 4.2), dass die Guthaben der
konkursiten
Arbeitgeberin für von ihr effektiv direkt ausbezahlte Kinderzu
lagen allesamt mit offen gebliebenen FAK-Beiträgen verrechnet werden konn
ten, so dass für die hier als Schaden zu berücksichtigenden bundesrechtlichen Beiträge keine Verrechnungsforderung mehr verbleibt bzw. abzuziehen ist.
2.2.3
Ferner ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer nur bis zu seinem effek
tiven Austritt aus dem Verwaltungsrat über das Vermögen der
Konkursitin
verfügen konnte. Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdegegnerin (Urk. 2/2 S. 3) war der Be
schwerde
führer im Handelsregister des Kantons
Y._
nicht bis 1
3.
August 2008, sondern nur bis 7. August 2008 (Tagebucheintrag) als Verwaltungsrat der
Konkursitin
ein
getragen. Am 13. August 2008 erfolgte die
für die Haftung des Beschwerdeführers nicht massgebende
Publikation der Löschung des
Handels
registereintrags
im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) [Internet-Auszug - Handelsregister des Kantons
Y._
]. Zwar dauert nach der
bundesgericht
lichen
Rechtsprechung die Verantwortlichkeit eines Verwaltungs
rates in der Regel bis zum Moment seines tatsächlichen Austritts aus dem Verwaltungs
rat, und nicht bis zum Zeitpunkt der Löschung seiner Funktion im Handels
register (BGE 126 V 61 E. 4a, Urteil des Bundesgerichts 9C_824/2014 vom 21. Oktober 2015 E. 4.2, je mit weiteren Hinweisen). Dafür, dass der Beschwer
deführer über den 7. August 2008 hinaus als Verwaltungsrat der
Konkursitin
amtete, finden sich vorliegend indes keine Hinweise. Am 7. August 2008 ist die Beigeladene Verwaltungsrätin der
Konkursitin
geworden (Internet-Auszug - Handelsregister des Kantons Zürich). Nach seinem Rücktritt per 7. August 2008 hatte der Be
schwerdeführer keine Möglichkeit mehr, Zahlungen an die
Beschwerdegeg
nerin
zu veranlassen. Es bestehen keine Anhalts
punkte dafür, dass er grobfahrlässig eine Zahlungsun
fähigkeit der
A._
AG, welche die Bezahlung der Forderungen innert den Zahlungsfristen zum vornherein verun
möglicht hätte, verursacht hat (BGE 112 V 1 E. 1.3d mit Hinweis). Der Beschwerdeführer haftet mithin nicht für die nach seinem Austritt
aus dem Ver
waltungsrat per 7. August 2008 fällig ge
worden Betreibungskosten (Zahlungsbefehle jeweils vom
1.
September 2008) betreffend
Akontobeiträge
für das 1. Quartal 2008 (Fr. 70.--), betreffend
Akontobeiträge
April 2008 (Fr. 70.--) und be
treffend
Akontobeiträge
Mai 2008 (Fr. 70.--), die Mahngebühren (erho
ben am
7.
August bzw.
4.
September 2008) betreffend
Akontobeiträge
Mai 2008 (
Fr.
20.--) und Juni 2008 (Fr. 20.--) sowie die – bis 10. August 2008 (vgl. Art. 34 Abs. 3 AHVV) zu be
zahlenden –
Akontobeiträge
Juli 2008 inklu
sive Neben
kosten (Urk. 2/5/9/1, Urk. 2/5/9/2, Urk. 2/5/9/3 S. 3).
2.2.4
Demzufolge berechnet sich gestützt auf den rechtskräftigen
Veranlagungsent
scheid
betreffend Beiträge Januar bis Mai 2008 (
Urk.
2/5/9/3) und den Konto
auszug für Juni 2008 (
Urk.
2/5/9/1) der hier zu beurteilende Schaden wie folgt:
Beiträge
1.
Quartal 2008
AHV/IV/EO
Fr.
9'932.35
Verwaltungsbeiträge
Fr.
297.95
ALV-Beiträge
Fr.
1'966.80
Mahngebühr vom
4.
Juli 2008
Fr.
20.--
Beiträge April 2008
AHV/IV/EO
Fr.
3'902.65
Verwaltungsbeiträge
Fr.
117.10
ALV-Beiträge
Fr.
772.80
Mahngebühr vom
4.
Juli 2008
Fr.
20.--
Beiträge Mai 2008
AHV/IV/EO
Fr.
3'623.90
Verwaltungsbeiträge
Fr.
108.70
ALV-Beiträge
Fr.
717.60
Beiträge Juni 2008
AHV/IV/EO
Fr.
5'454.--
Verwaltungsbeiträge
Fr.
163.60
ALV-Beiträge
Fr.
1'080.--
Total Forderungen aus Bundesrecht
Fr.
28'177.45
Abzüglich Zahlung PTT vom 19.9.08
Fr.
7'817.50
Schaden aus Bundesrecht
Fr.
20'359.95
2.2.
5
Damit liegt der von der Beschwerdegegnerin mit
Einspracheentscheid
vom 24. Mai 2011 (
Urk.
2/2) geltend gemachte Schaden von
Fr.
20‘154.45 jedenfalls unter den entgangenen bundesrechtlichen Lohnbeiträgen bis und mit Juni 2008
samt Nebenkosten, so dass es bei dem rechtzeitig verfügten Schaden von Fr. 20‘154.45 sein Bewenden hat.
3.
3.1
Art.
14
Abs.
1 AHVG und die
Art.
34 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusam
men mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine ge
setz
lich vorgeschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vor
schrif
ten im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Den von der Beschwerdegegnerin aufgelegten Akten kann entnommen werden, dass die
Konkursitin
für den vorliegend massgebenden Zeitraum von Januar bis J
uni
2008 für die
Akontobeiträge
jeweils
gemahnt
und
betrieben werden musste (
Urk. 2/5/
9
/
1, Urk. 2/5/
9
/
2
).
Es blieben
Lohnbeiträge (inkl. Neben
kosten) im Betrag von
total
Fr. 2
0
‘
359
.
95
unbezahlt
(E. 2.2
.
4
)
. Damit ist die Kon
kursitin ihren Pflichten als Arbeitgeberin nicht nachgekommen und hat
öffent
lich
rechtliche
Vorschriften missachtet.
Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit der dadurch entstandene Schaden auf quali
fi
ziert schuldhaftes Verhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen ist.
4.
4.1
4.1.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadener
satz
pflicht besteht nach dem Wortlaut des
Art.
52 AHVG darin, dass der Arbeit
geber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens.
Art.
52 AHVG statuiert demnach eine
Verschuldens
haftung
, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffent
lichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann be
gründet, wenn nicht Umstände gegeben sind,
welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatz
pflichtig wird, wenn beson
dere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
4.1.2
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorg
faltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss (BGE 112 V 156 E. 4 mit Hinweisen; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.1.3
Nicht jedes einer Fir
ma als
solcher anzulastende Ver
schulden
muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfa
chen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktienge
sell
schaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in
Organ
stellung
zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesent
lichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befug
nisse weitgehend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Dele
gation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einzi
ges Verwaltungsorgan an den Geschäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
4.1.4
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
ist b
ei den nicht geschäfts
füh
ren
den Verwaltungsratsmitgliedern von Aktiengesellschaften entschei
dend, ob sie den ihnen obliegenden Kontroll- und Aufsichtspflichten nachge
kommen sind. Nach Art. 716
a
Abs. 1 Ziff. 5
des Obligationenrechts
(OR)
obliegt dem Verwal
tungs
rat die Oberaufsicht über die mit der Geschäftsführung betrauten Per
sonen, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten, Regle
mente und Weisungen. Gemäss dieser Bestimmung hat das
Verwaltungs
rats
mitglied
nicht nur die Pflicht, an den Verwaltungsratssitzungen teilzu
nehmen,
sondern sich perio
disch über den Geschäftsgang zu informieren und bei Unregelmässig
keiten ein
zuschreiten (Urteil des Bundes
gerichts 9C_651/2012 vom 15. Mai 2013 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen).
Zwar ist der nicht ge
schäfts
führende Ver
waltungsrat nicht ver
pflichtet, jedes e
inzelne Geschäft der mit der Ge
schäfts
führung und Vertretung Beauftragten zu über
wachen, sondern darf sich auf die Überprüfung der Tätig
keit der Geschäftsleitung und des Ge
schäftsganges be
schränken. Dazu gehört, dass er sich laufend über den Ge
schäftsgang infor
miert, Rapporte ver
langt, sie sorg
fältig studiert, nötigenfalls ergänzende Aus
künfte einzieht und Irrtümer abzuklären versucht. Ergibt sich aus diesen In
for
mationen der Ver
dacht falscher oder unsorgfältiger Ausübung der delegierten Geschäftsführungs- und
Vertre
tungsbefugnisse
, ist der Verwal
tungsrat ver
pflichtet, sogleich die erforderlichen Abklärungen
und
Massnahmen
zu treffen (nöti
genfalls durch
Beizug
von Sach
ver
ständigen) und eine genaue und strenge Kon
trolle hinsicht
lich der Beobach
tung gesetzlicher Vor
schriften auszuüben (BGE
114 V 219 E.
4a; Urteil des Bundesgerichts 9C_461/2009 vom 31. Dezem
ber 2
010 E. 5.3, je mit weiteren Hin
weisen).
4.2
D
er Beschwer
de
führer
war
in der Zeit
, als die
in E. 2.2.
3
aufgelisteten
Akonto
bei
träge
und Nebenkosten zu bezahlen ge
wesen wäre
n
,
als
einziges
Verwal
tungs
rat
smitglied
formelles Organ der
Konkursitin
.
Aus den
von der Staatsan
waltschaft
D._
beigezogenen Akten (Urk. 13/1-7)
ist
zu schliessen
, dass
C._
die
Konkursitin
faktisch beher
rschte und auch deren
Geschäft
e führte
(vgl.
Urk.
13/3 S. 6,
Urk.
13/4 S. 6)
.
Nebst anderen
gra
vierenden
Versäumnissen
(vgl.
Urk.
13/2 S. 12)
hat er
es
auch
unterlassen,
in den Jahren 2007 und 2008 eine
Buchhaltung
zu führen
(
vgl.
Urk.
13/2 S.
8
9, Urk.
13
/7 S.
4
)
,
wovon
der Beschwerdeführer
Kenntnis hatte
(Urk. 21 S.
1)
.
Zu den unübertragbaren und
unentziehbaren
Aufgaben
des
Ver
waltungsrates ge
hört
die Ausgestaltung des Rech
nungswesens, der Finanz
kontrolle sowie der Finanz
planung, sofern dies für die Führung der Ge
sellschaft not
wendig is
t (Art. 716a Abs. 1
Ziff.
3 OR).
Es wäre mithin am Be
schwerde
führer gelegen,
bei der Kon
kursitin
nachhaltig
für eine geor
dnete Buchhaltung zu sorgen (vgl. Urteil des Bundes
gerichts H 88/01 vom 10.
Dezember 2001 E. 3b).
Gemäss
seinen Aussagen
ha
t
er
un
mittelbar nach Auf
nahme seiner Tätigkeit als Ver
waltungsrat mit der
–
von der
A._
AG
mit der Buchhaltung
beauftrag
ten (vgl.
Urk.
13/
5 S. 4
) –
E._
AG Kontakt aufgeno
m
men, um Klarheit über die Buch
haltung zu erhalten
(Urk. 21 S. 1).
Es genügt indes nicht, einfach pauschal ein funktionsfähiges und richtig er
stelltes Rechnungswesen
zu verlangen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts H 384/98 vom 2
6.
Mai 2000 E. 4b), ohne dass entsprechende Kontrollen und Konsequenzen folgen.
Die Bemühun
gen des Beschwerdeführers waren nicht zielführend,
ha
t
doch
die
E._
AG
während seiner Zeit als Verwaltungsrat
keine abschliessend
e
Buch
haltung vorgelegt (Urk. 21 S. 1).
Er
kann sich
sodann
nicht damit entlasten
, dass die Buchhaltung Sache des Geschäftsfüh
rers
C._
und der
E._
AG gewesen sei und er von diesen nicht genügend infor
miert be
ziehungsweise gar ausgeschlossen worden sei (Urk. 21 S. 1).
Ebenso wenig vermag er sich dadurch
zu entschulden
, dass
-
ge
mäss seinen Angaben
-
zu seiner Zeit im Ver
waltungsrat diverse Rechnun
gen ordnungs
gemäss bezahlt
und
andere zur Zahlung fällig
gewesen seien
, aber keine letzte Mahnung oder Be
treibung vorgelegen hätten (Urk.
21 S.
2).
Hätte der
Beschwerdeführer
die Führung einer ordentlichen Buchhaltung bei der
Konkursitin
durchgesetzt, hätte er einen
verlässlichen Überblick über
deren
finan
zielle Situation
erhalten
.
So
hätte er
auch
erkennen können
, dass die
Sozial
versiche
rungsbeiträge
überhaupt
nicht
bezahlt
wurden
.
Dadurch, dass er
C._
mündlich auf die Pflicht zur Bezahlung der So
zialver
siche
rungsbeiträge hinge
wiesen (
Urk.
21 S. 1) und
C._
ihm
nach seinem Rücktritt aus dem Ver
waltungsrat
-
bestätigt habe
, dass die Sozial
versiche
rungs
beiträge bezahlt worden seien (
Urk.
21 S. 2), vermag sich d
er
Be
schwerde
führer nicht zu ent
lasten
(vgl. SVR
2008
AHV Nr. 5 S. 14 E.
4.2.3)
.
E
r hat keine Belege, wie namentlich Protokolle zu
Verwaltungs
ratssitzung
en
oder Schreiben, mit welchen er
C._
zur Einhaltung der Pflichten im
Bei
tragswesen
abgemahnt hat, einge
reicht.
Aus de
n
Akten der Staatsanwalt
schaft
D._
geht zudem
hervor, dass
C._
die an einen sorg
fältigen und gewissenhaften Ge
schäftsführer gestellten Erwartungen bei weitem nicht erfüllte.
Unter diesen Um
ständen hätte der Be
schwerdeführer unverzüglich selbst zweckdien
liche Handlungen, welche die Beitragsbezahlung sichergestellt hätten, veran
lassen
oder als Verwaltungsrat demissionieren
müssen (vgl. Urteile des Bundes
gerichts 9C_328/2012 vom 11. Dezember 2012 E. 5.3, 9C_461/2009 vom 31.
Dezember 2010 E. 5.4).
Schliesslich
ist da
rauf hinzuweisen, das
s
ein Unter
nehmen nur so viel Lohn aus
zahlen darf, dass auch die darauf ent
fallen
den Sozialversiche
rungsbeiträge noch gedeckt sind (Urteil des Bundes
ge
richts H
90/00 vom 20. Juni 2001 E. 4d mit Hinweis).
Demnach ist
dem Beschwerde
führer
– während seiner
Zeit als Ver
waltungsrat –
die Nichterfüllung der Zahlungs
pflich
ten durch die
Konkursitin
als qualifiziert schuldhaftes Unter
lassen
anzu
rechnen.
5.
5.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52
Abs.
1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre,
103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereig
nis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hin
wei
sen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
5.2
Das vorwerfbare Verhalten führte zum Schaden der Beschwerdegegnerin. Wäre die
Konkursitin
unter der
V
erantwortung de
s
Beschwerdeführer
s
ihren
Zahlungs
pflichten rechtzeitig
und vollständig
nachgekommen und wären nur so
weit Löhne ausbezahlt worden, als die darauf geschuldeten Abgaben bei Fällig
keit hätten beglichen werden können, wäre der Schaden nicht eingetreten.
6.
Nach diesen Erwägungen
ist die Beschwerde abzuweisen.