Decision ID: 20d10a38-bbe4-40cc-ac8d-cc25bfadc8d8
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 10.03.2017 Art. 52 ATSG, Art. 14b lit. c ELV. Streitgegenstand der Einsprache und Anrechnung eines Mindesteinkommens für nichtinvalide Witwen.Im Einspracheentscheid ist lediglich der Sachverhaltsentwicklung bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung Rechnung zu tragen. Ungenügende Arbeitsbemühungen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom10. März 2017, EL 2015/41).
Entscheid vom 10. März 2017
Besetzung
Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin
Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Annemarie Haase
Geschäftsnr.
EL 2015/41
Parteien
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Margrit Fässler Aydin, Sonnenhalden 627, 9230 Flawil,
gegen
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Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse, Brauerstrasse
54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
Gegenstand
Ergänzungsleistung zur AHV (Witwenrente)
Sachverhalt
A.
A.a A._ bezog seit längerem Ergänzungsleistungen (nachfolgend EL) zu ihrer AHV-
Witwenrente. Die EL-Durchführungsstelle hatte der Versicherten, die keiner
Erwerbstätigkeit nachging, in den EL-Berechnungen kein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet (act. G 7.1/29 f., 31 f., 38 f., 42 ff., 75 f.). Im Rahmen
der periodischen Überprüfung der Ergänzungsleistungen im Mai 2014 wurde die EL-
Durchführungsstelle darauf aufmerksam, dass die Versicherte keine minderjährigen
Kinder mehr hatte. Am 5. Juni 2014 teilte sie dieser daher mit, dass bei nichtinvaliden
Witwen ohne minderjährige Kinder ein hypothetisches Einkommen angerechnet werden
müsse. Somit würden die Ergänzungsleistungen unter Berücksichtigung des
gesetzlichen Mindesteinkommens reduziert. Sollte die Versicherte trotz ernsthafter,
aktiver und gezielter Arbeitsbemühungen keine Stelle finden, seien die Nachweise der
getätigten Arbeitsbemühungen der EL-Durchführungsstelle bis zum 10. November
2014 zuzustellen. Über alle Bewerbungsaktivitäten sei ein Übersichtsblatt mit Datum
der Bewerbung, Name des Ansprechpartners und Direktwahl zu führen (act. G 7.1/19
f.).
A.b Am 17. Juli 2014 ging bei der EL-Durchführungsstelle ein Schreiben von Dr. med.
B._, Fachärztin FMH Innere Medizin, ein, in dem diese festgehalten hatte, dass die
Versicherte zurzeit krank und zu 100% arbeitsunfähig sei. Seit Mitte Juni 2014 sei sie
bei Herrn lic. theol. C._, Psychotherapeut, in psychotherapeutischer Behandlung (act.
G 7.1/11). Auf Nachfrage der EL-Durchführungsstelle ging am 18. September 2014 u.a.
der Bericht des behandelnden Psychotherapeuten C._ ein, in dem dieser der
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Versicherten eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F 43.1), eine
Panikstörung (ICD-10 F 41.0) sowie Angst und eine depressive Störung gemischt
(ICD-10 F 41.2) diagnostizierte. Dazu führte er aus, dass die Versicherte schwer
traumatisiert sei, da sie die Ermordung ihres Ehemanns im Jahr 1993 während eines
Besuches bei Freunden, auf den sie damals gedrängt habe, miterlebt habe. Die
Versicherte leide unter lähmenden Schulgefühlen und grossen Ängsten (Flashbacks).
Sie wage sich kaum aus dem Haus (Sozialphobie) und erwarte, da der Täter nie gefasst
worden sei, dass dieser auftauche und auch ihre Söhne oder sie selber ermorde. Da
die Versicherte seit einigen Wochen ein Rezidiv mit grosser Angst erleide, sei sie jetzt
auf keinen Fall, in seinem Ermessen aber überhaupt nicht arbeitsfähig, sodass aus
psychotherapeutischer Sicht von einer 100%igen dauernden Arbeitsunfähigkeit
auszugehen sei. In Bezug auf eine leidensangepasste Tätigkeit sei festzuhalten, dass
die Versicherte früher in kleinen Pensen geputzt habe und es ihr zugemutet werden
könne, für einige Stunden pro Woche Putzarbeiten zu übernehmen. Demgegenüber sei
es ihr nicht zumutbar, Arbeit zu suchen und zu finden. Dies sei nur mithilfe eines
Coaches der IV möglich. Bewerbungen könne die Versicherte nicht schreiben (act. G
7.1/8).
A.c Am 22. November 2014 berechnete die EL-Durchführungsstelle unter
Berücksichtigung eines hypothetischen Erwerbseinkommens in Höhe des
Mindesteinkommens für nichtinvalide Witwen unter 60 Jahren von jährlich Fr. 12'806.--
die Ergänzungsleistungen der Versicherten ab dem 1. Dezember 2014. Dazu gab sie
an, dass das angerechnete Einkommen mit einer gemäss dem Arztzeugnis in kleinem
Pensum zumutbaren Reinigungstätigkeit relativ gut zu erreichen sei. Ab dem 1.
Dezember 2014 hatte die Versicherte somit einen Anspruch auf ordentliche
Ergänzungsleistungen in Höhe von monatlich Fr. 2'241.-- (act. G 7.1/4 f.).
A.d Gegen diese Verfügung liess die Versicherte am 5. Januar 2015 durch ihren
damaligen Rechtsvertreter eine Einsprache erheben und beantragen, dass ihr über den
30. November 2014 hinaus die bisher gesetzlichen Ergänzungsleistungen, zumindest
aber monatlich Fr. 3'928.--, auszurichten seien. Zur Begründung liess sie festhalten,
dass sie gemäss den ärztlichen Zeugnissen aus gesundheitlichen Gründen
vollumfänglich bzw. zu 100% arbeitsunfähig sei (act. G 7.2/25). Nachdem das Mandat
des Rechtsvertreters der Versicherten erloschen gewesen war, teilte diese der EL-
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Durchführungsstelle innert der bis zum 27. März 2015 erstreckten Einsprachefrist mit,
dass sie sich beim RAV angemeldet habe (act. G 7.2/18, 20, 22). Auf die Frage der EL-
Durchführungsstelle, ob sie aus gesundheitlichen Gründen oder trotz genügender
Arbeitsbemühungen unverschuldet arbeitslos gewesen sei, erklärte sie, gerne arbeiten
zu wollen, jedoch gesundheitlich eingeschränkt zu sein. Sie sei nicht bereits seit Juni/
Juli 2014 arbeitssuchend, weil sie damals gemäss Arztzeugnis krank gewesen sei (act.
G 7.2/15 f.). Anschliessend informierte sich der für die Versicherte zuständige
Mitarbeiter der EL-Durchführungsstelle telefonisch bei der zuständigen RAV-
Personalberaterin über die Arbeitsbemühungen der Versicherten, wodurch sich für
diesen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Arbeitsbemühungen der Versicherten
erhärteten. Die Personalberaterin habe ihm nämlich mitgeteilt, dass die Versicherte
durchgehend Blindbewerbungen tätige. Dabei sei nicht klar, ob sie bei den
angegebenen Firmen persönlich vorbeigehe oder eine Hilfsperson schicke. Von der
Teilnahme an einem Deutschkurshabe habe abgesehen werden müssen, da die
Versicherte nicht bereit sei, mehr als 30% zu leisten und die angebotenen Kurse
mindestens halbtags dauern würden. Im Juli 2015 habe sich die Versicherte
ungenügend beworben, da sie längere Zeit im Ausland gewesen sei und nur vier
persönliche bzw. telefonische Blindbewerbungen getätigt habe. Im August 2015 habe
sie sich zwar angeblich sechs Mal und zum Teil schriftlich beworben, doch habe sie
hierfür keine entsprechenden Nachweise eingereicht (act. G 7.2/5, 7, 11 f., 14).
A.e Im Einspracheentscheid vom 29. September 2015 wies die EL-Durchführungsstelle
die Einsprache der Versicherten gegen die Verfügung vom 22. November 2014 ab.
Dazu führte sie aus, dass die Versicherte zunächst eine gesundheitliche
Beeinträchtigung geltend gemacht und ein entsprechendes Arztzeugnis eingereicht
habe. Im beigelegten Bericht habe der behandelnde Psychotherapeut eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit der Versicherten bestätigt und gleichzeitig Reinigungsarbeiten in
einem niederen Pensum für zumutbar erklärt. Bis dato sei bei der IV-Stelle keine
Anmeldung wegen anhaltender Erwerbsunfähigkeit eingegangen. Da zur Bemessung
der Arbeitsunfähigkeit jedoch auf die Einschätzung der IV-Stelle abzustellen sei, könne
das vorliegende ärztliche Attest nicht zu einer Ausscheidung des hypothetischen
Einkommens aus der EL-Anspruchsberechnung führen, wobei die Versicherte selbst
bei einer Berücksichtigung des Berichtes ihres Psychotherapeuten dem möglichen
Teilpensum entsprechend eine Arbeit aufzunehmen habe. Trotzdem habe sie es
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zunächst unterlassen, Arbeitsbemühungen zu tätigen. Mit der Einspracheergänzung
habe die Versicherte jedoch mitgeteilt, arbeiten zu wollen und sich beim RAV
angemeldet zu haben, woraufhin ihre Arbeitsbemühungen beim RAV überprüft worden
seien. Die telefonischen Rücksprachen mit der zuständigen RAV-Sachbearbeiterin
hätten ergeben, dass sich die Versicherte seit April 2015 ungenügend beworben habe
und hätten zudem zu Zweifeln an der Ernsthaftigkeit deren Arbeitsbemühungen
geführt. Die Versicherte habe daher die Vermutung der Verwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit nicht widerlegen können, weshalb das hypothetische
Erwerbseinkommen zu Recht angerechnet worden sei (act. G 7.2/4).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess die Versicherte (nachfolgend
Beschwerdeführerin) am 28. Oktober 2015 Beschwerde erheben und beantragen, dass
auf die Anrechnung des hypothetischen Erwerbseinkommens zu verzichten sei. Sie
leide an einer Sozialphobie, Panikattacken sowie einem Diabetes, sei gehemmt im
Kontakt mit fremden Menschen, ertrage Menschenansammlungen schlecht und sei
daher im täglichen Leben, im Kontakt mit den Behörden und auch bei der Stellensuche
eingeschränkt. Sie sei bereits vor 15 Jahren und im Jahr 2014 abermals regelmässig
während eines halben Jahres bei Psychotherapeut C._ in Therapie gewesen.
Nachdem Herr C._ pensioniert worden sei, habe sie jedoch nicht den Mut gefunden,
sich einer neuen Fachperson anzuvertrauen. Als ihr im Jahr 2014 mitgeteilt worden sei,
dass ihr ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet werde, habe sie sich
zusammen mit ihrer Vertreterin an die SVA St. Gallen gewandt und nach
Unterstützungsmöglichkeiten gefragt. Schliesslich befinde sie sich in einer speziellen
Situation, indem sie seit 20 Jahren in der Schweiz lebe, dabei aber keinen Kontakt mit
der Arbeitswelt gehabt habe. Der Angestellte der SVA habe ihnen nicht weiterhelfen
können, da es entsprechende Unterstützungsangebote nur für Bezüger einer IV-Rente
gebe. Auch die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) sei nie auf
die Aussage von Herrn C._, sie brauche bei der Stellensuche die Hilfe eines
Coaches, eingegangen. Aufgrund der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens
habe sie empfindlich weniger EL erhalten und erwogen, sich bei der IV anzumelden.
Nach verschiedenen Gesprächen u.a. mit ihrem Arzt und ihrem Anwalt habe sie diesen
Gedanken jedoch aufgrund des lang dauernden und psychisch belastenden Verfahrens
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mit ungewissem Ausgang wieder verworfen. Stattdessen habe sie sich entschieden,
auf die gesunden Anteile ihrer Persönlichkeit zu vertrauen, sich beim RAV anzumelden
und eine Arbeit zu suchen. Dass ihre Bewerbungen ungenügend gewesen sein sollten,
sei unverständlich (act. G 1).
B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 23. November 2015 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus,
dass die Unterstützung von Versicherten bei der Stellensuche ein Leistungsangebot
der Invalidenversicherung und nicht der Hinterlassenenversicherung bzw. der
Ergänzungsleistungen sei. Die Information über die Anrechnung des hypothetischen
Einkommens sei frühzeitig erfolgt. Die Beschwerdeführerin habe u.a. ab März 2015 die
Arbeitsvermittlung des RAV in Anspruch genommen. Gemäss der Auskunft der RAV-
Personalberaterin seien die verlangten Nachweise der Arbeitsbemühungen nicht
ausreichend gewesen und zudem seien zu wenige Bemühungen getätigt worden (act.
G 3).

Erwägungen
1.
1.1 Streitgegenstand der Verfügung vom 22. November 2014 bildet die Anpassung der
Ergänzungsleistungen an die Tatsache, dass der Beschwerdeführerin neu ein
hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet worden ist. Sie beinhaltet eine
rechtliche Würdigung der Sachverhaltsentwicklung bis zum Tag ihres Erlasses. Der
Streitgegenstand des mit der Beschwerde angefochtenen Einspracheentscheids deckt
sich damit (act. G 7.1/4, 7.2/4). Die durch die Beschwerdeführerin eingereichten
Arztzeugnisse und Unterlagen, die sich auf deren Arbeitsunfähigkeit seit Sommer 2014
bezogen haben, haben daher berücksichtigt werden müssen. Dasselbe gilt jedoch
nicht für die Abklärungen der Beschwerdegegnerin in Bezug auf die
Arbeitsbemühungen der Beschwerdeführerin im Jahr 2015. Diese haben nämlich eine
Sachverhaltsentwicklung betroffen, die nach dem Erlass der Verfügung vom 22.
November 2014 eingetreten ist und somit keinen Einfluss auf die Frage haben können,
ob der Beschwerdeführerin ab dem 1. Dezember 2014 zu Recht ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet worden ist oder nicht.
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1.2 Die höchstrichterliche Rechtsprechung geht allerdings davon aus, dass ein
Einspracheentscheid die angefochtene Verfügung korrigiert und somit an deren Stelle
tritt. Im konkreten Fall hätte die Sachverhaltsentwicklung demnach bis zum Erlass des
Einspracheentscheids am 29. September 2015, der somit quasi eine
"Korrekturverfügung" der angefochtenen Verfügung vom 22. November 2014 darstellen
würde, berücksichtigt werden müssen. Damit hätten die Abklärungen der
Beschwerdegegnerin betreffend die Arbeitsbemühungen der Beschwerdeführerin von
April bis August 2015 einbezogen werden müssen. Das Einspracheverfahren weist als
Rechtsmittelverfahren, anders als das Verwaltungsverfahren, das mit dem Erlass einer
einsprachefähigen Verfügung endet, Züge eines kontradiktorischen Verfahrens auf. Da
es sich beim Einspracheverfahren also wesensmässig um ein "streitiges" Verfahren
handelt, muss ihm - ebenso wie einem Beschwerdeverfahren - ein zum Vornherein klar
definierter Streitgegenstand zugrunde liegen. Eindeutig bestimmt ist der
Streitgegenstand des Einspracheverfahrens nur, wenn er sich mit jenem der
angefochtenen Verfügung deckt. Würde der Streitgegenstand des
Einspracheverfahrens nicht nur die Sachverhaltsentwicklung bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung, sondern auch die weitere Sachverhaltsentwicklung bis zum
Tag des Erlasses des Einspracheentscheids umfassen, könnte er sich im Laufe des
Verfahrens ständig verändern bzw. vergrössern. Im Umfang dieser nachträglichen
Vergrösserung wäre der Einspracheentscheid nun nicht mehr Rechtsmittelentscheid
sondern wesensmässig Verfügung, da diesem Teil des Streitgegenstandes weder eine
formelle Verfügung noch eine Einsprache zugrunde läge. Damit bestünde der
Einspracheentscheid wesensmässig aus zwei Teilen: Für die Sachverhaltsentwicklung
bis zum Erlass der einspracheweise angefochtenen Verfügung aus einem
Rechtsmittelteil und für die spätere Sachverhaltsermittlung aus einem Verfügungsteil
(gegen den es - systemwidrig - keine Einsprachemöglichkeit, sondern nur noch das
Rechtsmittel der Beschwerde an das kantonale Versicherungsgericht gäbe). Die
höchstrichterliche Rechtsprechung scheint sich dieser Problematik durchaus bewusst
gewesen zu sein, da sie den Einspracheentscheid durchaus als Rechtsmittelentscheid
qualifiziert. Die Zulässigkeit der Ausdehnung des Gegenstandes des
Einspracheverfahrens auf die Sachverhaltsentwicklung nach dem Erlass der
angefochtenen Verfügung begründet sie ausschliesslich mit der durch diese
Ausdehnung erreichten Verfahrensbeschleunigung. Damit unterstellt sie, dass das
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Interesse des Verfügungsadressaten/Einsprechers an einer Beurteilung auch der
späteren Sachverhaltsentwicklung im Einspracheentscheid immer überwiege, weshalb
er für diesen Teil des Sachverhalts gerne auf das Rechtsmittel der Einsprache verzichte
und somit ohne weiteres in Kauf nehme, dass ihm gegen den "Verfügungsteil" des
Einspracheentscheides nur noch das Rechtsmittel der Beschwerde an das
Versicherungsgericht offenstehe. Diese Fiktion ist jedoch unhaltbar, weil sie das
Rechtsmittel der Einsprache im Ergebnis als unnötige Verzögerung und damit als
praktisch überflüssig qualifiziert. Das Argument der Verfahrensbeschleunigung vermag
diese Fiktion demnach nicht zu rechtfertigen, weshalb es dabei bleiben muss, dass der
Gegenstand des Einspracheverfahrens nicht weiter sein kann als der Gegenstand der
angefochtenen Verfügung. Damit fehlt der Behörde auch die Möglichkeit, den
Gegenstand des Einspracheverfahrens dadurch zu manipulieren, dass sie den
Entscheidzeitpunkt ihrem subjektiven Interesse entsprechend wählt. Ein seiner Natur
nach streitiges Verfahren kann auch deshalb nicht über einen sich immer wieder
verändernden Gegenstand geführt werden, weil jede Veränderung im Zeitablauf neue
Sachverhalts- und Rechtsfragen stellt, die jeweils wieder zum Gegenstand der
Auseinandersetzung gemacht werden müssten, bevor der Einspracheentscheid
ergehen könnte. Zusammenfassend steht fest, dass sich der Streitgegenstand des mit
dem angefochtenen Entscheid des abgeschlossenen Einspracheverfahrens auf die
Sachverhaltsentwicklung bis zum 22. November 2014 beschränken muss (vgl. zum
Ganzen: Entscheid des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 2. März 2015, EL
2012/37).
2.
2.1 Der angefochtene Entscheid vom 29. September 2015 behandelt die Einsprache
gegen die Verfügung vom 22. November 2014, mit der die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin ab dem 1. Dezember 2014 neu ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet hat. Gemäss Art. 17 Abs. 2 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; ATSG) kann eine
formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben werden, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich
erheblich verändert hat. Eine Änderung der jährlichen Ergänzungsleistung kann nach
Art. 25 Abs. 1 lit. c der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-,
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Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (SR 831.301; ELV) beim Eintritt einer
voraussichtlich längere Zeit dauernden Verminderung oder Erhöhung der vom
Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (SR 831.30; ELG) anerkannten Ausgaben und anrechenbaren
Einnahmen erfolgen. Die neue Verfügung hat dabei gemäss Art. 25 Abs. 2 lit. c ELV
spätestens ab dem Beginn des Monats zu wirken, der auf die neue Verfügung folgt;
vorbehalten bleibt die Rückforderung bei der Verletzung einer Meldepflicht. Im Rahmen
der periodischen Überprüfung der Ergänzungsleistungen vom Frühjahr 2014 hat die
Beschwerdegegnerin verspätet festgestellt, dass die Beschwerdeführerin keine
minderjährigen Kinder mehr hat und ihr somit nach Art. 14b ELV ein
Mindesteinkommen für nichtinvalide Witwen angerechnet werden muss. Diese
Sachverhaltsveränderung ist zwar bereits früher eingetreten, doch liegt keine
Meldepflichtverletzung vor, weshalb gemäss Art. 25 Abs. 2 lit. c ELV nicht der
Zeitpunkt des Eintritts der Sachverhaltsveränderung sondern der Verfügungszeitpunkt
den Wirkungszeitpunkt der Revision bestimmt. Da somit ab dem 1. Dezember 2014 ein
hypothetisches Erwerbseinkommen in der EL-Anspruchsberechnung hat berücksichtigt
werden müssen, ist eine Sachverhaltsänderung eingetreten, an die die
Ergänzungsleistungen anzupassen gewesen sind. Dies hat die Beschwerdegegnerin
mit der Verfügung vom 22. November 2014 getan, indem sie die ordentlichen
Ergänzungsleistungen unter der erstmaligen Berücksichtigung eines hypothetischen
Einkommens der Beschwerdeführerin per 1. Dezember 2014 auf monatlich Fr. 2'241.--
herabgesetzt hat (act. G 7.1/4). Bei der Verfügung vom 22. November 2014 muss es
sich deshalb um eine Revision der Ergänzungsleistungen gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG
gehandelt haben.
2.2 Zu prüfen ist also, ob sich der leistungserhebliche Sachverhalt massgeblich
verändert hat und ob die Ergänzungsleistungen deshalb gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG
haben herabgesetzt werden dürfen. Gemäss Art. 9 Abs. 1 ELG entspricht die
Ergänzungsleistung dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren
Einnahmen übersteigen. Nichtinvaliden Witwen vom 51. bis 60. Altersjahr ohne
minderjährige Kinder ist gemäss Art. 14b lit. c ELV ein hypothetisches
Erwerbseinkommen im Umfang von zwei Drittel des Höchstbetrags für den
Lebensbedarf (Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG) anzurechnen. Im Rahmen der
periodischen Überprüfung der Ergänzungsleistungen im Frühjahr 2014 ist die
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Beschwerdegegnerin darauf aufmerksam geworden, dass der jüngste Sohn der
Beschwerdeführerin längst nicht mehr minderjährig gewesen ist (Geburtsdatum: 31.
Dezember 19_, vgl. act. G 7.1/19 f.). Am 5. Juni 2014 hat sie die Beschwerdeführerin
darauf hingewiesen, dass ihr gemäss Art. 14b lit. c ELV ab Dezember 2014 ein
Mindesteinkommen angerechnet werden müsse, wenn sie bis dahin keine Stelle
gefunden oder sich nicht genügend um Arbeit bemüht habe. Daraufhin hat die
Beschwerdeführerin Arztzeugnisse eingereicht, in denen ihr von Dr. B._ eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit bzw. gestützt auf den Bericht des behandelnden
Psychotherapeuten C._, eine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden war (act. G 7.1/8 S.
3, 10, 19). Dem Bericht von Herrn C._ vom 15. September 2014 ist zu entnehmen,
dass die Beschwerdeführerin an einer posttraumatischen Belastungsstörung, an einer
Panikstörung sowie an Angst und an einer depressiven Störung gemischt leide und aus
psychotherapeutischer Sicht zu 100% dauernd arbeitsunfähig sei. Allerdings könne ihr,
da sie früher in kleinen Pensen geputzt habe, im Sinne einer leidensangepassten
Tätigkeit zugemutet werden, einige Stunden pro Woche Putzarbeiten zu übernehmen
(act. G 7.1/8 S. 1 f.). Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin mit der
Verfügung vom 22. November 2014 trotzdem gestützt auf Art. 14b ELV ein
hypothetisches Erwerbseinkommen in Höhe von Fr. 12'806.-- angerechnet. Zur
Begründung hat sie ausgeführt, dass die Beschwerdegegnerin jahrelang nicht in
psychotherapeutischer Behandlung gewesen sei und der behandelnde
Psychotherapeut Putztätigkeiten in einem geringen Pensum für zumutbar halte. Daher
sei davon auszugehen, dass es der Beschwerdeführerin trotz ihrer schwierigen
gesundheitlichen und psychischen Situation möglich und zumutbar sei, einer
Teilzeittätigkeit nachzukommen und somit ein Erwerbseinkommen im angerechneten
Pauschalbetrag zu erzielen (act. G 7.1/4). Die Beschwerdeführerin hat hingegen
sinngemäss geltend machen lassen, dass sie zu 100% arbeitsunfähig und deshalb
ausser Stande sei, ein Erwerbseinkommen zu erzielen (act. G 7.1/25).
2.3 Zunächst stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin mit den eingereichten
Arztzeugnissen bzw. dem Behandlungsbericht die Vermutung des Art. 14b lit. c ELV in
Bezug auf die vorliegende volle Arbeitsfähigkeit hat wiederlegen können. Gemäss Art. 6
ATSG ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im
bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer
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wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich
berücksichtigt. Der Arbeitsfähigkeitsschätzung des behandelnden Psychotherapeuten
ist zu entnehmen, dass es der Beschwerdeführerin zugemutet werden könne, "einige
Stunden pro Woche" Putzarbeiten zu übernehmen. Dr. B._ hat daraufhin in ihrem
Arztzeugnis vom 17. September 2014 bis auf weiteres zwar eine Arbeitsunfähigkeit
attestiert, diese jedoch nicht mehr, wie noch im Arztzeugnis von 15. Juli 2014, auf
100% gesetzt. Stattdessen hat sie auf den Bericht von Herrn C._ vom 15. September
2014 verwiesen (act. G 7.1/8, 11). Somit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Sommer 2014
zwar eingeschränkt gewesen ist, ihr aber eine Teilzeitbeschäftigung von einigen
Stunden pro Woche durchaus zumutbar und möglich gewesen wäre. Auch die
Beschwerdeführerin hat aufgrund des vorliegenden Berichts von Herrn C._ davon
ausgehen müssen, dass sie zumindest teilweise arbeitsfähig gewesen ist und sich
demzufolge entsprechend um Arbeit hätte bemühen müssen. In Bezug auf den
verbleibenden Arbeitsfähigkeitsgrad in einer adaptierten Tätigkeit hat der behandelnde
Psychotherapeut dagegen keine genauen Angaben gemacht ("einige Stunden pro
Woche). Gemäss den Ausführungen in der Beschwerde hat sich der psychische
Zustand der Beschwerdeführerin seit Sommer 2014 offenbar kaum verändert. In
Vertrauen auf ihre "gesunden Anteile" habe sie sich jedoch entschieden, eine Arbeit zu
suchen und sich beim RAV anzumelden (vgl. act. G 1). Diese Anmeldung erfolgte für
ein Pensum von 30% (act. G 7.2/11). Ein Pensum von 30% entspricht wöchentlich 12,6
Arbeitsstunden (42h x 30%), was durchaus mit dem von Herrn C._ offen formulierten
möglichen Pensum von "einigen Stunden pro Woche" in Einklang gebracht werden
kann. Da zudem die übrigen Arztberichte und Akten dieser durch die
Beschwerdeführerin selbst zugestandenen Arbeitsfähigkeit nicht entgegenstehen, ist
es überwiegend wahrscheinlich, dass sie tatsächlich in einem Pensum von 30%
arbeitsfähig gewesen ist.
2.4 Demnach bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin seit der Mitteilung der
Beschwerdegegnerin am 5. Juni 2014 bis zum Erlass der Verfügung vom 22. November
2014 genügende Arbeitsbemühungen getätigt hat. Schliesslich enthält Art. 14b lit. c
ELV eine weitere Vermutung, nach welcher eine nichtinvalide Witwe eine Arbeitsstelle
finden kann, wenn sie sich genügend darum bemüht. Laut der EL-spezifischen
Schadenminderungspflicht muss ein EL-Ansprecher nämlich seinen Existenzbedarf
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soweit möglich und zumutbar aus eigener Kraft finanzieren. Kommt eine Person dieser
Pflicht nicht oder nur unzureichend nach, indem sie beispielsweise keiner
Erwerbstätigkeit nachgeht, obwohl ihr dies möglich und zumutbar wäre, oder ist sie
ohne zwingenden Grund zu einem zu tiefen Lohn oder unentgeltlich erwerbstätig, sieht
Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG die Anrechnung fingierter Erwerbseinkünfte – in der Praxis als
hypothetisches Erwerbseinkommen bezeichnet – als Reaktion darauf vor (vgl. JÖHL,
a.a.O. Rz 125 f.). Gelingt es der betroffenen Person hingegen trotz qualitativ und
quantitativ ausreichender Stellenbemühungen nicht, eine geeignete Arbeitsstelle zu
finden, ihre Arbeitskraft zu verwerten und Erwerbseinkünfte zu erzielen, hat die
betreffende Person nachgewiesen, dass sie unverschuldet arbeitslos ist und somit die
Vermutung nach Art. 14b lit. c ELV widerlegt (JÖHL, a.a.O., Rz 131 f.). Ein Verzicht auf
ein Erwerbseinkommen liegt dann nicht vor. Dieser Nachweis kann allerdings nicht ein
für alle Mal, sondern muss dauernd geführt werden, da sich die Art und die Zahl der
offenen Arbeitsstellen ständig ändert und sich die Frage nach der Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens somit Monat für Monat neu stellt. Der
behandelnde Psychotherapeut hat festgehalten, dass es der Beschwerdeführerin nicht
zumutbar sei, ohne die Hilfe eines Coaches (z.B. der IV) eine passende Arbeitsstelle zu
suchen und zu finden. Wenn die Beschwerdeführerin tatsächlich nicht dazu in der Lage
gewesen sein sollte, Stellen zu suchen und mit potenziellen Arbeitgebern Kontakt
aufzunehmen, so hätte sie sich aufgrund der ihr obliegenden
Schadenminderungspflicht um Hilfe bemühen müssen, um die ihr verbliebene
Arbeitskraft nutzen zu können. Es wäre ihr beispielsweise zumutbar gewesen, ihren bei
ihr lebenden Sohn um Hilfe zu bitten, wie sie es offenbar ab April 2015 auch getan hat
(vgl. act. G 1). Bis zum Verfügungserlass am 22. November 2014 liegen jedoch weder
Arbeitsbemühungen noch Hinweise auf sonstige Bemühungen vor, die zeigen würden,
dass die Beschwerdeführerin sich um Hilfe beim Bewerbungsprozess bemüht hätte. Da
die Beschwerdeführerin es also trotz vorliegender teilweiser Arbeitsfähigkeit
unterlassen hat, sich im zumutbaren Umfang um Arbeit zu bemühen, hat sie auf
Einnahmen verzichtet. Die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens ab
Dezember 2014 ist demnach grundsätzlich gerechtfertigt gewesen.
2.5 In Bezug auf die Höhe des angerechneten hypothetischen Erwerbseinkommens ist
jedoch fraglich, ob die Beschwerdeführerin überhaupt in der Lage gewesen wäre, die
ihr nach Art. 14b lit. c ELV angerechneten Fr. 12'806.-- unter Einsatz der ihr
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verbliebenen Arbeitskraft zu verdienen. Schliesslich ist die Beschwerdegegnerin im
konkreten Fall fälschlicherweise von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin ausgegangen. Um prüfen zu können, ob die Beschwerdeführerin
bei einem Pensum von 30% als Putzhilfe das angerechnete Erwerbseinkommen
tatsächlich hätte erzielen können, muss auf den für die Grossregion Ostschweiz
geltenden Zentralwert abgestellt werden (vgl. Ergänzungsleistungen zur AHV/IV,
ERWIN CARIGIET/ UWE KOCH, 2. Auflage 2009, S. 159). Gemäss den Ergebnissen der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2012 des Bundesamtes für Statistik
(nachfolgend LSE 2012) haben Hilfsarbeiterinnen im Jahr 2014 im schweizerischen
Durchschnitt einen Lohn von durchschnittlich Fr. 3'610.-- bzw. Fr. 3'665.-- pro Monat
erzielt (TA1, Kompetenzniveau 1, Wirtschaftszweige 55-56 und 96). Im Allgemeinen ist
das Lohnniveau in der Grossregion Ostschweiz jedoch um rund 10% tiefer als das
gesamtschweizerische Lohnniveau gewesen (vgl. LSE 2012, K1: [5'600.-- + {6'099.-- –
5'600.--} ÷ 2] ÷ 6'439.-- = 0,908). Demnach hätte eine vollzeitbeschäftigte
Hilfsarbeiterin in der Ostschweiz monatlich Fr. 3'277.88 bzw. Fr. 3'327.82 verdient
(ausgehend von TA1, Kompetenzniveau 1, Wirtschaftszweige 55-56, 96). Für die
bevorstehenden Berechnungen wird zunächst auf den niedrigeren Lohn von Fr.
3'277.88 im Wirtschaftszweig "sonstige persönliche Dienstleistungen" abgestellt.
Dieser Lohn gilt allerdings für eine 40h-Arbeits¬woche, während in den für die
Beschwerdeführerin in Frage kommenden Branchen die 42h-Arbeitswoche üblich ist.
Der Betrag ist daher entsprechend anzupassen (Fr. 3'277.88 ÷ 40 × 42 = Fr. 3'441.77;
vgl. PHILIPP MÜLHAUSER, Das Lohnbuch, Zürich 2012, S. 311, 316, 590).
Anschliessend ist er an das für die Beschwerdeführerin mögliche Pensum von 30%,
also 12,6h/Woche, anzupassen, sodass sie monatlich Fr. 1'032.53 hätte verdienen
können. Abzüglich der Sozialversicherungsbeiträge von pauschal 9% (vgl. zum
Ganzen: Urteil des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 26. April 2016, EL 2014/46, E
4.8) sowie eines Tabellenlohnabzuges von 5% aufgrund des fortgeschrittenen Alters
der Beschwerdeführerin (vgl. hierzu EL 2014/53, E 2.3) hätte sie somit mindestens
einen durchschnittlichen jährlichen Lohn von Fr. 10'711.-- erwirtschaften können.
Dieser Lohn basiert zwar auf einem Zentralwert und entspricht demnach lediglich
einem Richtwert. Doch kann anhand dieses Richtwertes abgeschätzt werden, wie viel
die Beschwerdeführerin ungefähr verdienen könnte. Die Differenz zum von der
Beschwerdegegnerin angerechneten Mindestlohn gemäss Art. 14b lit. c ELV beträgt Fr.
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2'095.--. Auch im Wirtschaftszweig "Gastgewerbe/Beherbergung und Gastronomie"
könnte die Beschwerdeführerin als Hilfsarbeiterin in der Ostschweiz bei einem Pensum
von 30% in einer 42h-Woche abzüglich der Sozialversicherungsbeiträge und unter
Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzuges von 5% durchschnittlich lediglich Fr.
10'875.-- verdienen ({[Fr. 3'327.82 ÷ 40 × 42] × 30%} - 9% - 5% = Fr. 906.22 × 12).
Damit ist nachgewiesen, dass die nur zu 30% arbeitsfähige Beschwerdeführerin mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht in der Lage wäre, den von der
Beschwerdegegnerin angerechneten, in Art. 14b lit. c ELV für voll erwerbsfähige
Witwen vorgesehenen Lohn von Fr. 12'806.-- zu generieren. Unter Berücksichtigung
der individuellen Situation der Beschwerdeführerin ist ihr demnach stattdessen ein
hypothetisches Erwerbseinkommen in Höhe von Fr. 10'793.-- ([möglicher Lohn in
Wirtschaftszweig 96 Fr. 10'711.-- + möglicher Lohn in Wirtschaftszweig 55-56 Fr.
10'875.--] ÷ 2) anzurechnen.
2.6 Bei ansonsten gleichbleibenden Ausgaben und Einnahmen ergibt sich damit ab
dem 1. Dezember 2014 ein monatlicher Anspruch auf Ergänzungsleistungen in Höhe
von Fr. 2'352.--.
3.
Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin
möglicherweise ihre Schadenminderungspflicht verletzt, wenn sie auf eine Anmeldung
bei der IV-Stelle verzichtet. Schliesslich hätte sie als Witwe, sofern sie die
Anspruchsvoraussetzung für eine Invalidenrente erfüllen würde, gemäss Art. 43 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (SR 831.20; IVG) einen Anspruch
auf eine ganze Invalidenrente, die höher ausfallen würde als ihre bisherige Witwenrente.
Die Beschwerdeführerin leidet offenbar seit dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1993
unter psychischen Beeinträchtigungen, die spätestens seit Mitte Juni 2014 ihre
Arbeitsfähigkeit tangiert haben (vgl. act. G 7.1/8, 10). Eine Anmeldung bei der IV-Stelle
hätte sie jedoch spätestens ab dem Zeitpunkt vornehmen können, ab dem ihr hat
bewusst sein müssen, dass ihre psychischen Beschwerden sie dauernd in ihrer
Arbeitsfähigkeit beschränken. Dies ist wohl frühestens Mitte Juni 2014 und spätestens
nach Erhalt des Berichtes von Herrn C._ im September 2014 der Fall gewesen. Eine
allfällige Invalidenrente wäre ihr in jedem Fall - insbesondere unter Berücksichtigung
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des Wartejahres - erst nach Dezember 2014 zugesprochen worden. Als
sozialversicherungsrechtlicher Laie hat die Beschwerdeführerin jedoch nicht erkennen
können, dass sie mit einer IV-Rente allenfalls höhere Rentenleistungen erhalten würde
als bisher. Allerdings wird die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin gestützt
auf Art. 21 Abs. 4 ATSG veranlassen, sich für den Bezug einer Invalidenrente
anzumelden. Sollte die IV-Rente tatsächlich höher sein als die Witwenrente, können die
entsprechenden Einnahmen erst in der Zeit nach dem 1. Dezember 2014 angerechnet
werden, d.h. sie tangieren den vorliegenden strittigen EL-Anspruch nicht.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom 29.
September 2015 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und der
Beschwerdeführerin sind die ihr zustehenden, in E. 2.6 aufgeführten
Ergänzungsleistungen zuzusprechen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).