Decision ID: 8b01a74d-1294-5a7e-9659-6ea07b28c55e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der aus Deutschland stammende Beschwerdeführer (geb. [...]) gelangte
im November 1983 im Alter von zwölf Jahren im Rahmen des Familien-
nachzugs in die Schweiz. In der Folge erhielt er eine Niederlassungsbewil-
ligung und später eine Niederlassungsbewilligung EU/EFTA (vgl. Akten der
Vorinstanz [SEM act.] 2).
B.
Von 1987 an trat der Beschwerdeführer, anfänglich noch als Jugendlicher,
regelmässig strafrechtlich in Erscheinung, was bis 1998 unter anderem fünf
gerichtliche Verurteilungen hierzulande nach sich zog. In zwei Fällen wur-
den die begangenen Straftaten (worunter banden- und gewerbsmässiger
Diebstahl, teilweise unter Verwendung von Sprengstoff, Sachbeschädi-
gung, Hausfriedensbruch und Widerhandlung gegen die Betäubungsmit-
telgesetzgebung) mit Zuchthausstrafen von drei Jahren bzw. 22 Monaten
geahndet. Am 8. Juni 2004 verurteilte ihn das Obergericht des Kantons
Thurgau wegen Mordes (begangen im Februar 1996), mehrfachen qualifi-
zierten Raubes, gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, Hehlerei, be-
trügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, Gehilfenschaft
zu Betrug, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedens-
bruchs, mehrfacher Gehilfenschaft zur Irreführung der Rechtspflege, Wi-
derhandlung gegen das Sprengstoffgesetz und mehrfacher Widerhandlung
gegen das Betäubungsmittelgesetz schliesslich zu einer Zuchthausstrafe
von vierzehn Jahren und zwei Monaten (SEM act. 1, pag. 117/118).
C.
Am 31. Mai 2005 verweigerte die Migrationsbehörde des Kantons Thurgau
dem Beschwerdeführer den weiteren Aufenthalt hierzulande und verfügte
gestützt auf die damalige ausländerrechtliche Gesetzgebung seine unbe-
fristete Ausweisung aus der Schweiz (SEM act. 2). Da er sich zu diesem
Zeitpunkt noch im Vollzug der Freiheitsstrafe befand, wurde das Ausreise-
datum auf den Tag der Haftentlassung festgesetzt und der Betroffene am
2. Juli 2012 zwecks Verbüssung der Reststrafe nach Deutschland über-
stellt. Die Entlassung aus dem Strafvollzug erfolgte dort am 23. März 2016
(SEM act. 3).
D.
Als zusätzliche Massnahme zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung verhängte die Vorinstanz über den Beschwerdeführer mit Verfü-
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gung vom 11. März 2016 parallel zur kantonalen Ausweisung ein Einreise-
verbot für die Dauer von zehn Jahren und entzog einer allfälligen Be-
schwerde die aufschiebende Wirkung (SEM act. 5). Diese Fernhaltemass-
nahme wurde ihm nicht eröffnet (SEM act. 4).
E.
Nachdem der Beschwerdeführer aufgrund telefonischer Abklärungen bei
der Migrationsbehörde des Kantons Schaffhausen sowie der Vorinstanz
Kenntnis vom Bestehen der ihm gegenüber erlassenen Massnahmen er-
halten hatte, stellte er beim SEM am 4. Dezember 2016 einen Antrag auf
Suspension des Einreiseverbots für die Zeit vom 22. bis 28. Dezember
2016 zwecks Besuchs naher Familienangehöriger (SEM act. 6).
F.
Am 5. Januar 2017 lehnte die Vorinstanz das Suspensionsgesuch ab. Un-
ter Erläuterung der diesbezüglichen Praxis hielt sie ergänzend fest, dass
es dem Beschwerdeführer freistehe, nach Ablauf des ersten Jahres in Frei-
heit ein neues Gesuch um Suspension des Einreiseverbots zu stellen
(SEM act. 7).
G.
Im Wissen um das Einreiseverbot und ohne vorgängigen Suspensionsan-
trag reiste der Beschwerdeführer am 23. September 2018 in die Schweiz
ein und hielt sich bis zu seiner Anhaltung am 23. Januar 2019 illegal hier-
zulande auf (SEM act. 9 – 11). Mit Strafbefehl vom 15. März 2019 verur-
teilte ihn das Untersuchungsamt Uznach wegen Verweisungsbruchs (Art.
291 Abs. 1 StGB) zu einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je
Fr. 30.– (bei einer Probezeit von zwei Jahren) sowie einer Busse von
Fr. 480.– (SEM act. 16). Dieser Strafbefehl erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
H.
Um die rechtliche Situation zu bereinigen, wandte sich das SEM am
6. März 2019 an den Beschwerdeführer und tat ihm gegenüber die Absicht
kund, die altrechtliche unbefristete kantonale Ausweisung durch eine be-
fristete Fernhaltemassnahme abzulösen. Hierzu gewährte es ihm das
rechtliche Gehör. Das entsprechende Schreiben konnte dem Betroffenen
infolge Wegzugs an der damaligen Adresse nicht zugestellt werden (SEM
act. 17 und 18).
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I.
Am 24. Februar 2021 gelangte der Beschwerdeführer an die Vorinstanz
und erkundigte sich nach der Gültigkeitsdauer des Einreiseverbots, welche
wahrscheinlich am 16. März 2021 ende, er sei sich dessen aber nicht ganz
sicher (SEM act. 19).
J.
Mit Schreiben vom 11. März 2021 teilte das SEM dem Beschwerdeführer
erneut mit, dass zwecks Bereinigung der rechtlichen Situation erwogen
werde, die altrechtliche Ausweisung durch ein befristetes Einreiseverbot
abzulösen. Falls er mit diesem Vorschlag einverstanden sei, werde man
ihm das rechtliche Gehör hierzu gewähren. Diese Mitteilung wurde dem
Beschwerdeführer über das Schweizer Generalkonsulat in Stuttgart an das
aktuelle Domizil übermittelt (SEM act. 21).
K.
Am 31. März 2021 begab sich der Beschwerdeführer als Fussgänger zum
Grenzübergang X._ und fragte nach, ob das über ihn verhängte
Einreiseverbot noch gültig sei. Im Anschluss daran wurde ihm das Einrei-
severbot vom 11. März 2016, mit Gültigkeit «ab sofort bis 10. März 2026»,
durch den Grenzwachtposten Y._ nachträglich gegen Unterschrift
eröffnet (SEM act. 22).
L.
Mit Schreiben vom 22. April 2021 gewährte das SEM dem Beschwerdefüh-
rer mit Blick darauf, die altrechtliche unbefristete kantonale Ausweisung
durch ein befristetes Einreiseverbot abzulösen, erneut das rechtliche Ge-
hör. Im Falle der Ablösung werde das Einreiseverbot «für die Dauer von 5
Jahren ab Verfügungsdatum (also im Zeitraum zwischen 2019 bis 2024)»
angeordnet. Die Gehörsgewährung wurde versehentlich an die alte Ad-
resse des Massnahmebelasteten gesandt (SEM act. 24).
M.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 20. April 2021 (Poststempel: 25. April 2021)
ersuchte der Beschwerdeführer um Aufhebung des Einreiseverbots.
Dem Rechtsmittel lagen ein Abschlussbericht der Bewährungs- und Ge-
richtshilfe Baden-Württemberg vom 8. März 2021 und ein Bericht der Fo-
rensischen Ambulanz des Zentrums für Psychiatrie in C._ vom
14. April 2021 bei (BVGer act. 1).
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Seite 5
N.
Am 6. Mai 2021 forderte das Bundesverwaltungsgericht den Beschwerde-
führer unter Hinweis auf die einschlägige gesetzliche Norm dazu auf, für
die Dauer des Rechtsmittelverfahrens ein Zustellungsdomizil in der
Schweiz zu bezeichnen (BVGer act. 2). Dieser Aufforderung kam er am
26. Mai 2021 nach (BVGer act. 5).
O.
Am 15. September 2021 zog das SEM die angefochtene Verfügung im
Rahmen der Vernehmlassung teilweise in Wiedererwägung und begrenzte
das Einreiseverbot auf acht Jahre, bis zum 10. März 2024. Hierbei verwies
es insbesondere auf einen deutschen Strafregisterauszug vom 10. August
2021 sowie die an die alte Adresse des Beschwerdeführers gesandte Ge-
hörsgewährung vom 22. April 2021, worin ihm ebenfalls eine Befristung
des Einreiseverbots bis 2024 in Aussicht gestellt worden war (BVGer
act. 13).
P.
Mit Replik vom 18. Oktober 2021 hält der Beschwerdeführer am einge-
reichten Rechtsmittel, dem gestellten Begehren und dessen Begründung
fest (BVGer act. 15).
Q.
Der weitere Akteninhalt wird, soweit rechterheblich, in den Erwägungen
Berücksichtigung finden.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, sofern keine
Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33
VGG genannten Behörden. Dazu gehört auch das SEM, das mit der An-
ordnung eines Einreiseverbotes eine Verfügung im erwähnten Sinne und
daher ein zulässiges Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme
nach Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
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Seite 6
1.3 Die Vorinstanz ist im Rahmen ihrer Vernehmlassung auf die angefoch-
tene Verfügung zurückgekommen und hat die Dauer des Einreiseverbots
in Anwendung von Art. 58 Abs. 1 VwVG von zehn auf acht Jahre, bis zum
10. März 2024, herabgesetzt (vgl. Sachverhalt Bst. O). Im Umfang der Re-
duktion ist die Beschwerde gegenstandslos geworden.
1.4 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist daher, soweit noch streitig, einzutreten (Art. 49 ff. VwVG).
1.5 Die angefochtene Verfügung datiert vom 11. März 2016, sie wurde dem
Beschwerdeführer indes erst am 31. März 2021 rechtsgenüglich eröffnet
(SEM act. 22). Das diesbezügliche Vorgehen der Vorinstanz wirft Fragen
auf (siehe Sachverhalt Bst. H – L). Gemäss Art. 38 VwVG darf den Parteien
aus mangelhafter Eröffnung kein Nachteil erwachsen. Die mangelhafte Er-
öffnung führt nicht zwingend zur Nichtigkeit der Verfügung, vielmehr genügt
es grundsätzlich, wenn der Zweck der Eröffnungsvorschriften erreicht wird
(vgl. Urteil des BGer 2C_657/2014 vom 12. November 2014 E. 2.4.1). Da-
mit einhergehend, muss eine Partei ab Kenntnisnahme des Eröffnungs-
mangels alles ihr Zumutbare unternommen haben, um diesen zu beheben.
Hierbei darf von ihr insbesondere erwartet werden, dass sie ab Kenntnis-
nahme vom Eröffnungsmangel innert zumutbarer Frist die ordnungsge-
mässe Eröffnung verlangt oder Beschwerde führt (vgl. UHLMANN/SCHWANK,
in: Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 38 N. 8). Weil der Betroffene
vom Bestand des nicht eröffneten Einreiseverbots vom 11. März 2016 auf-
grund mündlich erhaltener Auskünfte bereits im Verlaufe des Jahres 2016
Kenntnis erhalten hatte, sind ihm aus der erst am 31. März 2021 ordnungs-
gemäss ausgehändigten Fernhaltemassnahme faktisch keine Nachteile er-
wachsen, weshalb sich weitere Ausführungen hierzu erübrigen.
2.
Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die Ver-
letzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch
des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden
(vgl. Art. 49 VwVG). Das BVGer wendet das Bundesrecht von Amtes we-
gen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der
Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den
geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist
grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE
2014/1 E. 2 m.H.).
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3.
Der Beschwerdeführer ist Staatsangehöriger Deutschlands und damit ei-
ner Vertragspartei des Abkommens vom 21. Juni 1999 zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Ge-
meinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit
(Freizügigkeitsabkommen, FZA, SR 0.142.112.681). Gemäss Art. 2 Abs. 2
AIG ist daher das ordentliche Ausländerrecht – bestehend aus dem Aus-
länder- und Integrationsgesetz (AIG, SR 142.20) und seinen Ausführungs-
verordnungen – nur soweit anwendbar, als das FZA keine abweichenden
Bestimmungen enthält oder die Bestimmungen des ordentlichen Auslän-
derrechts günstiger sind.
4.
4.1 Das SEM kann Einreiseverbote gegenüber Ausländerinnen und Aus-
ländern verfügen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der
Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden (Art. 67
Abs. 2 Bst. a AIG). Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung liegt insbesondere vor bei einer Missachtung von gesetzlichen Vor-
schriften oder behördlichen Verfügungen (Art. 77a Abs. 1 Bst. a der Ver-
ordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober
2007 [VZAE, SR 142.201]). Von einer Gefährdung der öffentlichen Sicher-
heit und Ordnung ist auszugehen, wenn konkrete Anhaltspunkte dafür be-
stehen, dass der Aufenthalt der betroffenen Person in der Schweiz mit er-
heblicher Wahrscheinlichkeit zu einer Nichtbeachtung der öffentlichen Si-
cherheit und Ordnung führt (Art. 77a Abs. 2 VZAE). Das Einreiseverbot
wird für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verfügt (Art. 67 Abs. 3 erster
Satz AIG). Es kann für eine längere Dauer angeordnet werden, sofern die
betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicher-
heit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG). Die verfü-
gende Behörde kann ausnahmsweise aus humanitären
oder anderen wichtigen Gründen von der Verhängung eines Einreisever-
bots absehen oder ein Einreiseverbot endgültig oder vorübergehend auf-
heben (Art. 67 Abs. 5 erster Satz AIG).
4.2 Eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung i.S.v. Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG setzt eine qualifizierte Gefähr-
dungslage voraus. Sie darf nicht leichthin angenommen werden und kann
sich beispielsweise aus der Hochwertigkeit der deliktisch bedrohten
Rechtsgüter (insbesondere Leib und Leben, körperliche und sexuelle In-
tegrität, Gesundheit), aus der Zugehörigkeit der Tat zur Schwerkriminalität
mit grenzüberschreitendem Charakter (z.B. Terrorismus, Menschen- und
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Drogenhandel, organisierte Kriminalität), aus der mehrfachen Begehung –
unter Berücksichtigung einer allfälligen Zunahme der Schwere der Delikte
– oder aus dem Fehlen einer günstigen Prognose ergeben. Die zu befürch-
tenden Delikte müssen einzeln oder in ihrer Summe das Potenzial haben,
eine aktuelle und schwerwiegende Gefahr zu begründen (BGE 139 II 121
E. 6.3; BVGE 2014/20 E. 5.2).
5.
5.1 Im Anwendungsbereich des Freizügigkeitsabkommens stellt ein Einrei-
severbot nach Art. 67 AIG eine Massnahme dar, welche die Ausübung ver-
traglich zugesicherter Rechte auf Freizügigkeit – hier des Rechts auf Ein-
reise (Art. 3 FZA i.V.m. Art. 1 Abs. 1 Anhang I FZA) – einschränkt. Solche
Massnahmen sind gemäss Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA nur zulässig, wenn
sie aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit ge-
rechtfertigt sind (Ordre-Public-Vorbehalt). Die Konkretisierung des Ordre-
Public-Vorbehalts erfolgt durch die drei Richtlinien 64/221/EWG
(ABl. Nr. 56/850 vom 4.4.1964), 72/194/EWG (ABl. Nr. L 121/32 vom
26.5.1972) und 75/35/EWG (ABl. Nr. L 14/14 vom 20.1.1975) in ihrer Fas-
sung zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Freizügigkeitsabkommens
(Art. 16 Abs. 1 FZA i.V.m. Art. 5 Abs. 2 Anhang I FZA) und die vor diesem
Zeitpunkt bestandene, einschlägige Rechtsprechung des Gerichtshofs der
Europäischen Gemeinschaft (Gerichtshof, EuGH) (Art. 16 Abs. 2 FZA). In
diesem Sinne schränkt das Freizügigkeitsabkommen die ausländerrechtli-
chen Befugnisse nationaler Behörden bei der Handhabung ausländer-
rechtlicher Massnahmen wie des Einreiseverbots ein.
5.2 Abweichungen vom Grundsatz des freien Personenverkehrs sind nach
der Rechtsprechung eng auszulegen. Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA setzt aus-
ser der Störung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, wie sie jede Ge-
setzesverletzung darstellt, eine tatsächliche und hinreichend schwere Ge-
fährdung voraus, die ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt. Ob das
der Fall ist, beurteilt sich gemäss Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 64/221/EWG
ausschliesslich nach dem persönlichen Verhalten der betreffenden Person,
wobei gemäss Abs. 2 der genannten Bestimmung eine strafrechtliche Ver-
urteilung für sich allein nicht genügt. Sie kann nur insoweit herangezogen
werden, als die ihr zugrundeliegenden Umstände ein persönliches Verhal-
ten erkennen lassen, das eine gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen
Ordnung und Sicherheit darstellt. Art. 5 Anhang I FZA steht mit anderen
Worten Massnahmen entgegen, die im Sinne eines Automatismus an ver-
gangenes Fehlverhalten anknüpfen, und solchen, die aus Gründen der Ge-
neralprävention angeordnet werden. Insoweit kommt es im Unterschied
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zum Landesrecht auf das Rückfallrisiko an, wobei die in Kauf zu nehmende
Rückfallgefahr desto geringer ist, je schwerer die möglichen Rechtsgüter-
verletzungen wiegen (vgl. BGE 139 II 121 E. 5.3 m.H.).
5.3 Hingegen stellt Art. 5 Anhang I FZA keine strengeren Anforderungen an
eine Fernhaltemassnahme als das nationale Recht, soweit es um das Er-
fordernis einer schwerwiegenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit und
Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 AIG geht. Liegt eine solche vor, ist ein
Einreiseverbot mit einer Dauer von mehr als fünf Jahren zulässig, unab-
hängig davon, ob der Betroffene sich auf das Freizügigkeitsabkommen be-
rufen kann oder nicht (BGE 139 II 121 E. 6.2; Urteil des BGer 2C_365/2018
vom 1. April 2019 E. 5.1.1 m.H.).
6.
6.1 Das SEM nahm zur Begründung des zehnjährigen Einreiseverbots vor
allem Bezug auf das Urteil des Obergerichts des Kantons Thurgau vom
8. Juni 2004 und hielt – unter Verweis auf noch früher ergangene gerichtli-
che Verurteilungen – fest, dass ein grosses öffentliches Interesse an der
Fernhaltung des Beschwerdeführers bestehe. Damit sei auch die gefor-
derte gegenwärtige und hinreichend schwere Gefahr für die Grundinteres-
sen der Gemeinschaft gegeben. Dass er im relativ langen Strafvollzug zu
keinen Beanstandungen Anlass gegeben habe, sei allgemein zu erwarten.
Ungeachtet dessen könne heute nicht mit abschliessender Sicherheit ge-
sagt werden, dass er sich in Zukunft in Freiheit regelkonform verhalten
werde. Aufgrund der schweren Delinquenz habe er dies vielmehr während
längerer Zeit ausserhalb der Schweiz zu belegen. Dementsprechend
könne eine Wiederholungs- und Rückfallgefahr nicht ausgeschlossen wer-
den. Als EU-Bürger sei es ihm sodann ohne weiteres zuzumuten, sich in
seinem Heimatstaat eine Existenz aufzubauen und zu beweisen, dass er
seine Lehren gezogen habe sowie willens und fähig sei, die volle Verant-
wortung für sein Verhalten zu tragen. Damit könne er sich für die Dauer
des Einreiseverbots mit Bezug auf einen Aufenthalt in der Schweiz nicht
mehr auf das Freizügigkeitsrecht berufen.
In der Vernehmlassung ergänzte die Vorinstanz, selbst in Berücksichtigung
des aktuellen Strafregisterauszugs aus Deutschland und der vor einem hal-
ben Jahr zu Ende gegangenen Führungsaufsicht könne nicht davon aus-
gegangen werden, dass keine Rückfallgefahr bestehe und damit vom Be-
schwerdeführer auch keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung mehr ausgehe. Die Fernhaltemassnahme werde jedoch, wie in der
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Gewährung des rechtlichen Gehörs vom 22. April 2021 in Aussicht gestellt,
bis zum 10. März 2024 befristet.
6.2 Der Beschwerdeführer führte dagegen im Wesentlichen aus, dass die
Straftaten, welche er einst unter Drogen- und Alkoholeinfluss begangen
habe, fast 25 Jahren zurücklägen und er seit über 20 Jahren drogenfrei
lebe. Seit seiner Entlassung aus dem Strafvollzug im Jahre 2016 betreibe
er einen Onlinehandel und programmiere als Software-Engineer einige be-
sondere Applikationen. Hinzu kämen sehr gute Sozialprognosen, weshalb
man bei ihm nach mehr als 20 Jahren nicht automatisch von einer Gefähr-
lichkeit ausgehen könne. Zu bedenken gelte es ferner, dass seine Eltern
und Geschwister, die zum Teil an schweren gesundheitlichen Problemen
litten, in der Schweiz lebten. Das Einreiseverbot verhindere, dass er sich
«legal» um sie kümmern und sie unterstützen könne. In der Replik erklärte
er ausserdem, weshalb er trotz Einreiseverbot mehrmals in die Schweiz
eingereist sei und warf dem SEM vor, sein Verhalten nach der ersten Haft-
strafe im Jahre 2000 unerwähnt gelassen und zu Unrecht die Zeit der Füh-
rungsaufsicht nicht miteinbezogen zu haben.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer gab von 1987 an wiederholt zu Klagen Anlass
und wurde immer wieder straffällig. Bis 2004 erwirkte er sechs gerichtliche
Verurteilungen (deren fünf in der Schweiz, eine in Deutschland). In dieser
Zeit machte er sich insbesondere des banden- und gewerbsmässigen
Diebstahls (teilweise unter Verwendung von Sprengstoff), der mehrfachen
Sachbeschädigung und des mehrfachen Hausfriedensbruchs schuldig,
was Zuchthausstrafen von drei Jahren bzw. 22 Monaten nach sich zog. Am
schwersten wiegt die Verurteilung des Obergerichts des Kantons Thurgau
vom 8. Juni 2004 wegen Mordes, mehrfachen qualifizierten Raubes, ge-
werbs- und bandenmässigen Diebstahls, Hehlerei, betrügerischen Miss-
brauchs einer Datenverarbeitungsanlage, Gehilfenschaft zu Betrug, mehr-
facher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs, mehrfacher
Gehilfenschaft zur Irreführung der Rechtspflege, Widerhandlung gegen
das Sprengstoffgesetz und mehrfacher Widerhandlung gegen die Betäu-
bungsmittelgesetzgebung zu einer Zuchthausstrafe von vierzehn Jahren
und zwei Monaten (vgl. Strafregisterauszug von Deutschland, unter BVGer
act. 13). Im Rahmen des Strafvollzugs wurde er am 2. Juli 2012 zwecks
Verbüssung der Reststrafe nach Deutschland überstellt. Die Entlassung
aus der Justizvollzugsanstalt Z._ erfolgte am 23. März 2016 (SEM
act. 3). Anschliessend unterstand er, entsprechend einem Beschluss der
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Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Freiburg i.Br. vom 17. De-
zember 2015, während fünf Jahren der Führungsaufsicht. Diese endete am
17. März 2021. Laut einem Bericht der Bewährungs- und Gerichtshilfe Ba-
den-Württemberg vom 8. März 2021 hat der Betroffene diesbezüglich alle
Termine eingehalten. Es bestünden keine Anhaltspunkte für einen Sucht-
mittelmissbrauch und es werde von Seiten der Bewährungshilfe von einem
eher geringen Rückfallrisiko ausgegangen (Beschwerdebeilage 2). Ein
weiterer Bericht der Forensischen Ambulanz des Zentrums für Psychiatrie
in C._ vom 14. April 2021 attestierte ihm ebenfalls, die vereinbarten
Gesprächstermine zuverlässig wahrgenommen und sich von seinem frühe-
ren kriminellen Lebensstil und Drogenkonsum glaubwürdig und reflektiert
distanziert zu haben. Insgesamt bewertete die forensische Ambulanz den
Verlauf der Nachsorgephase in ihrer Institution als positiv. Anders als noch
vor der Haftentlassung sei nun nicht mehr von einer negativen Kriminal-
prognose auszugehen. Für eine Fortdauer der Führungsaufsicht bestehe
mithin kein Anlass (Beschwerdebeilage 1).
7.2 Der Beschwerdeführer wurde zu Freiheitsstrafen von insgesamt über
19 Jahren verurteilt. Mit seinen Delikten hat er hochrangige Rechtsgüter
verletzt. Die schwerste Straftat, der im Februar 1996 begangene Mord,
richtete sich gegen Leib und Leben als das höchstwertigste Rechtsgut
überhaupt. Die vom Obergericht des Kantons Thurgau im Urteil vom 8. Juni
2004 vorgenommene rechtliche Würdigung impliziert zum Teil massive
Rechtsverletzungen und damit einhergehend, ein beträchtliches Verschul-
den. Wesentlich ist im Kontext von Art. 5 Anhang I FZA indes das Rückfall-
risiko. Je schwerer die möglichen Rechtsgüterverletzungen, desto niedri-
ger sind allerdings die Anforderungen an die in Kauf zu nehmende Rück-
fallgefahr (BGE 136 II 5 E. 4.2; 130 II 176 E. 4.3.1). Eine solche Konstel-
lation liegt hier zweifellos vor. Besonders ins Gewicht fällt, wie eben ange-
tönt, der Umstand, dass der Beschwerdeführer über eine lange Zeitspanne
delinquiert hat. Im Bericht der Forensischen Ambulanz ist in diesem Zu-
sammenhang die Rede von einem manifesten schwerstkriminellen Le-
bensstil. Zudem stellen Mord wie auch Raub Delikte dar, welche seit dem
1. Oktober 2016 Anlasstaten für eine obligatorische Landesverweisung bil-
den, die unabhängig von der Höhe der Strafe für mindestens fünf bis zu
fünfzehn Jahren auszusprechen ist (vgl. Art. 121 Abs. 3 Bst. a BV und Art.
66a Abs. 1 Bst. a und c StGB). Auch wenn diese Regelung nicht rückwir-
kend auf den Beschwerdeführer Anwendung findet, darf bei einer Interes-
senabwägung berücksichtigt werden, dass der Verfassungs- und Gesetz-
geber Tötungs- und sonstige Gewaltdelikte als besonders verwerflich er-
achtet. Dieser Wertung ist in den Schranken des übrigen Verfassungs- und
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Völkerrechts Rechnung zu tragen (vgl. Urteil 2C_365/2018 E. 5.4.1 m.H.).
Das bedeutet unter anderem, dass die Anforderungen an die Wiederho-
lungsgefahr herabgesetzt sind. Wohl geht die Bewährungs- und Gerichts-
hilfe von Baden-Württemberg inzwischen von einem «eher geringen Rück-
fallrisiko» aus, schliesst ein solches indes nicht gänzlich aus. Überdies en-
dete die Führungsaufsicht erst im Frühjahr 2021. Kommt hinzu, dass der
Beschwerdeführer sich von Mitte September 2018 bis Januar 2019 illegal
in der Schweiz aufgehalten hat. Das Untersuchungsamt Uznach verurteilte
ihn mit Strafbefehl vom 15. März 2019 wegen Verweisungsbruchs zu einer
bedingten Geldstrafe von 80 Tagen à Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 480.-
(siehe Sachverhalt Bst. G), was – wenn auch in verringertem Masse – von
einer fortbestehenden Gleichgültigkeit gegenüber der Rechtsordnung
zeugt. Vor diesem Hintergrund ist nach wie vor von einem rechtserhebli-
chen Rückfallrisiko auszugehen.
7.3 Das Bundesverwaltungsgericht übersieht bei der Bejahung der schwer-
wiegenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von
Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA bzw. Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG nicht, dass
die gravierendsten Taten rund zwanzig Jahre oder mehr zurückliegen. Für
die Berechnung der Dauer des klaglosen Verhaltens ist allerdings nicht auf
die Begehungs- oder Urteilszeitpunkte abzustellen. Von vorrangiger Be-
deutung erscheint stattdessen, wie lange sich eine straffällig gewordene
Person in Freiheit bewährt hat (vgl. BVGE 2014/20 E. 5.4 m.H.). Wie an
anderer Stelle dargetan, befand sich der Beschwerdeführer bis im Frühjahr
2016 im Strafvollzug und im Anschluss daran bis im März 2021 unter Füh-
rungsaufsicht. Die seither verstrichene Zeit erweist sich im Hinblick auf die
Schwere der Delikte als zu kurz, als dass ausländerrechtlich von einem
Wegfall jeglicher Rückfallgefahr ausgegangen werden könnte. Hervorzu-
heben wäre an dieser Stelle, dass er aus dem Wohlverhalten im Strafvoll-
zug nichts Besonderes zu seinen Gunsten abzuleiten vermag. Eine gute
Führung wird von der verurteilten Person im Straf- bzw. Massnahmenvoll-
zug generell erwartet. Angesichts der dort vorhandenen, verhältnismässig
engmaschigen Betreuung lassen sich daraus keine verlässlichen Rück-
schlüsse auf das künftige Verhalten in Freiheit ziehen (vgl. etwa BGE 139
II 121 E. 5.5.2 m.H. oder Urteil des BGer 2C_365/2018 E. 5.4.2). Analoges
gilt für die Zeit unter Führungsaufsicht, während welcher der Beschwerde-
führer nach wie vor gewissen behördlichen Weisungen (worunter einer Vor-
stellungsweisung) unterstand. Letztere Periode darf bei der vorzunehmen-
den Risikoanalyse, entgegen der in der Replik geäusserten Auffassung,
miteinbezogen werden. Unerfindlich bleibt sodann, weshalb das Verhalten
des Beschwerdeführers nach der ersten Haftstrafe im Jahre 2000 zu einer
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für ihn vorteilhaften Einschätzung führen könnte. Im Gegenteil kann der
Ausweisungsverfügung der Migrationsbehörde des Kantons Thurgau vom
31. Mai 2005 entnommen werden, dass er im Februar 2000 aus der Straf-
anstalt Q._ flüchtete und auf der Flucht mit Komplizen Einbruchdieb-
stähle beging. Aktenkundig ist ebenfalls, dass er gegenüber der Migrati-
onsbehörde des Kantons Zürich am 22. Juli 1999 bereits einmal beteuert
hatte, einen Wandel hinter sich zu haben und sich nun einem Studium zum
Programmierer zu widmen (zum Ganzen vgl. SEM act. 2). Hinzu kommt
die bereits erwähnte Verurteilung durch das Untersuchungsamt Uznach
vom 15. März 2019 wegen Verweisungsbruchs. Die Gründe, weshalb er
trotz bestehendem Einreiseverbot rechtswidrig in die Schweiz einreiste und
dort über Monate hinweg illegal verweilte, zeugen von wenig Einsicht
(siehe hierzu das Protokoll der Einvernahme vom 23. Januar 2019 [SEM
act. 9], oder E. 8.4 weiter hinten). Im dargelegten Kontext kann der behaup-
teten Distanzierung vom kriminellen Umfeld und der Phase drogenfreien
Lebens nicht gemäss den Vorstellungen des Betroffenen Rechnung getra-
gen werden. Abgesehen davon nahm das SEM keine automatische Ge-
fährlichkeit an, vielmehr basierte dessen Würdigung, Bezug nehmend auf
konkrete Vorkommnisse, auf einer umfassenderen Abwägung der in Frage
stehenden Interessen. Die replikweise geübte Kritik an den schweizeri-
schen und deutschen Strafvollzugsbehörden schliesslich betrifft Strafvoll-
zugsmodalitäten, die in den entsprechenden Verfahren zu rügen gewesen
wären. Aufgrund dessen erscheint ein die Regelmaximaldauer von fünf
Jahren übersteigendes Einreiseverbot gerechtfertigt. Im Folgenden bleibt
zu prüfen, ob es in der nunmehr auf acht Jahre reduzierten Dauer verhält-
nismässig ist.
8.
8.1 Der Bestand und die Dauer des Einreiseverbots sind unter dem Blick-
winkel der Verhältnismässigkeit staatlichen Handelns (Art. 5 Abs. 2 BV,
Art. 96 Abs. 1 AIG) zu überprüfen. Eine Prognose, für welchen Zeitraum
die Sicherungsmassnahme notwendig sein wird, ist naturgemäss nicht
möglich. Abstufungen betreffend die Dauer ergeben sich aus der werten-
den Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse an der Fernhaltung
und den privaten Interessen, welche die betroffene Person an der zeitli-
chen Beschränkung der Massnahme hat (BVGE 2016/33 E. 9.2; 2014/20
E. 8.1). Ausgangspunkt der Überlegungen bilden die Stellung der verletz-
ten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidri-
gen Verhaltens und die persönlichen Verhältnisse der betroffenen auslän-
dischen Person (Art. 96 AIG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 555 ff.).
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8.2 Wie in E. 7.1 – 7.3 dargelegt, geht vom Beschwerdeführer eine schwer-
wiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung aus. Es be-
steht somit ein erhebliches öffentliches Interesse an seiner langfristigen
Fernhaltung.
8.3 Den vorstehenden Interessen stellt der Beschwerdeführer seine priva-
ten Interessen gegenüber. Er pflege intakte Beziehungen zu seinen in der
Schweiz ansässigen Eltern und Geschwistern, die gesundheitlich zum Teil
sehr angeschlagen seien. Auch Freunde, weitere Bekannte sowie, laut
Replik, seine Lebensgefährtin lebten hierzulande. Diesbezüglich ist zu-
nächst anzumerken, dass dem Beschwerdeführer die Niederlassungsbe-
willigung EU/EFTA entzogen wurde, wodurch er das Aufenthaltsrecht in der
Schweiz verloren hat. Allfällige Einschränkungen des Privat- und Familien-
lebens sind somit in erster Linie diesem Umstand geschuldet und bilden
nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Die Pflege regelmässiger
Kontakte zu in der Schweiz wohnhaften Personen scheitert mithin bereits
am fehlenden Aufenthaltsrecht, weshalb sich hier nurmehr die Frage stellt,
ob die durch das Einreiseverbot zusätzlich bewirkte Erschwernis vor Art. 8
Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV standhält (vgl. zum Ganzen auch BVGE
2013/4 E. 7.4.1 und 7.4.2).
8.4 Bezüglich der Beziehungen zu den Eltern und Geschwistern ist vorab
festzuhalten, dass diese nicht in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK fallen.
Zum geschützten Familienkreis gemäss Art. 8 EMRK gehört in erster Linie
die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjäh-
rigen Kindern (vgl. BGE 144 II 1 E. 6.1 m.H.). Es ist den Familienangehö-
rigen des Beschwerdeführers zuzumuten, sich ausserhalb der Schweiz,
namentlich in Deutschland, zu treffen und über moderne Kommunikations-
mittel in Kontakt zu bleiben, um so die Beziehungen, wenn auch in einge-
schränktem Mass, aufrechtzuerhalten. Ferner kann das Einreiseverbot zur
Wahrnehmung von Besuchen von Familienangehörigen auf begründetes
Gesuch hin für eine kurze Zeit suspendiert werden (Art. 67 Abs. 5 AIG; vgl.
BVGE 2014/20 E. 8.3.4). Des Weiteren wird an die Tatsache erinnert, dass
der Beschwerdeführer, als er sich 2018/19 mehrere Monate illegal hierzu-
lande aufhielt, die meiste Zeit bei einer Bekannten in J._/SG ver-
brachte, was seine Beweggründe für die damalige Missachtung der Fern-
haltemassnahme (er habe die in X._ /SH wohnhaften Eltern unter-
stützen wollen) relativiert (vgl. SEM act. 9, 10 16). Seine Lebensgefährtin
wiederum erwähnte er erstmals in der Replik. Sie wohnt seiner Darstellung
zufolge in der Schweiz; laut der Bewährungs- und Gerichtshilfe Baden-
Württemberg lebt sie in K._ /D. Unabhängig davon konnte das Paar
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nicht damit rechnen, seine Beziehung in naher Zukunft in der Schweiz le-
ben zu können.
8.5 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Interesse des
Beschwerdeführers, ungehindert in die Schweiz einreisen zu können, auf-
grund seiner familiären Verbindungen nicht unbedeutend ist. In Berück-
sichtigung aller relevanten Faktoren (massiv vorbelastetes Vorleben, zu
kurze Bewährungszeit, nicht gänzlich weggefallenes Rückfallrisiko, relati-
viertes Wohlverhalten durch Verweisungsbruch) gelangt das Bundesver-
waltungsgericht jedoch zum Schluss, dass das gegen den Beschwerdefüh-
rer verhängte Einreiseverbot – vom SEM im Vernehmlassungsverfahren
auf acht Jahre reduziert – nicht zu beanstanden ist.
9.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass mit dem auf acht
Jahre befristeten Einreiseverbot Bundesrecht und Freizügigkeitsabkom-
men nicht verletzt werden (Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist deshalb ab-
zuweisen, soweit sie durch die in der Vernehmlassung erfolgte Reduzie-
rung des Einreiseverbots nicht gegenstandslos geworden ist.
10.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die ermässigten Verfah-
renskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und auf Fr. 600.– festzu-
setzen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Eine Parteientschädigung ist
nicht zuzusprechen, da dem anwaltlich nicht vertretenen Beschwerdefüh-
rer keine verhältnismässig hohen Kosten erwachsen sind (Art. 7 Abs. 4
VGKE).
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