Decision ID: b64409bb-464b-58ec-8f38-d98495473f29
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
O._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch UNIA Die Gewerkschaft, Lämmlisbrunnenstrasse 41, 9000 St. Gallen,
gegen
UNIA Arbeitslosenkasse, Auerstrasse 25, 9435 Heerbrugg,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Arbeitslosenentschädigung (Beitragszeitbefreiung)
Sachverhalt:
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A.
Der 1958 geborene O._ stellte am 22. Mai 2007 Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung ab dem 11. Mai 2007. Im Antragsformular erklärte er sich
bereit und in der Lage, eine Vollzeittätigkeit (leichte Arbeit) auszuüben (act. G 3.1). Mit
Verfügung vom 11. Juni 2007 eröffnete die Arbeitslosenkasse Unia dem Versicherten,
er habe ab dem 11. Mai 2007 keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, da er
die Beitragszeit nicht erfülle. Ein Befreiungsgrund liege nicht vor, da bereits 2004
festgestellt worden sei, dass er in der angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeiten,
aber in einer anderen Beschäftigung tätig sein könne. Er hätte somit die Möglichkeit
gehabt, mit der Restarbeitsfähigkeit Beitragszeit zu erwerben (act. G 3.8). Die hiegegen
erhobene Einsprache (act. G 3.9) wies die Unia Arbeitslosenkasse mit
Einspracheentscheid vom 25. Juni 2007 ab.
B.
B.a Gegen diesen Entscheid erhob die Gewerkschaft Unia für den Versicherten am
10. August 2007 Beschwerde mit dem Antrag, der Entscheid sei aufzuheben und der
Anspruch auf Arbeitslosentaggelder gutzuheissen. Zur Begründung wurde ausgeführt,
gemäss ärztlichem Zeugnis sei der Beschwerdeführer ab 29. Januar 2005 bis zum
12. Mai 2007 wegen Krankheit zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Auch zum heutigen
Zeitpunkt bestünden noch gesundheitliche Einschränkungen für die Verrichtung einer
Arbeit. Ein Arbeitsversuch der Invalidenversicherung zu Beginn des Jahres 2005 sei
schmerzbedingt abgebrochen worden. Seit dem Abbruch des Arbeitsversuchs habe
der Beschwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen keine Arbeit mehr verrichtet.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 10. September 2007 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie unter
anderem aus, nachdem der IV-Entscheid (Rentenablehnung) gefällt worden sei, stehe
fest, dass der Beschwerdeführer in den letzten zwei Jahren vor Eintritt in die
Arbeitslosenkasse eine Erwerbstätigkeit hätte ausüben können, um Beitragszeit zu
erwerben. Es sei ihm bekannt gewesen, dass er aufgrund der ärztlichen Abklärungen
eine Arbeitsfähigkeit hätte verwerten können.
B.c Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers verzichtete auf eine Replik.
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B.d Das Versicherungsgericht zog die Akten der Invalidenversicherung bei.

Erwägungen:
1.
Zu den Voraussetzungen des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung gehört unter
anderem, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung
der Beitragszeit befreit ist (Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG). Nach Art. 13 Abs. 1 AVIG hat die
Beitragszeit erfüllt, wer innerhalb der zweijährigen Rahmenfrist für die Beitragszeit
(Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige
Beschäftigung ausgeübt hat. Angerechnet werden auch Zeiten, in denen die
versicherte Person zwar in einem Arbeitsverhältnis stand, aber wegen Krankheit (Art. 3
ATSG) oder Unfalls (Art. 4 ATSG) keinen Lohn erhielt und daher keine Beiträge bezahlte
(Art. 13 Abs. 2 lit. c AVIG). Von der Erfüllung der Beitragspflicht ist gemäss Art. 14
Abs. 1 AVIG befreit, wer innerhalb der Rahmenfrist während mehr als zwölf Monaten
unter anderem wegen Krankheit oder Unfall (lit. b) nicht in einem Arbeitsverhältnis
stand und deshalb die Beitragszeit nicht erfüllen konnte. Dabei ist dieser
Befreiungstatbestand nur dann gegeben, wenn es der versicherten Person auch nicht
möglich war, mit einer Teilzeitbeschäftigung die Beitragszeit zu erfüllen (BGE 121 V 342
f. Erw. 5b).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer stellte für die Zeit ab 11. Mai 2007 Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung. Die Rahmenfrist für die Beitragszeit begann demzufolge
am 11. Mai 2005 und endete am 10. Mai 2007 (Art. 9 Abs. 3 AVIG). Es steht fest, dass
der Beschwerdeführer in dieser Rahmenfrist für die Beitragszeit nicht in einem
Arbeitsverhältnis stand und damit die notwendige Beitragszeit von zwölf Monaten nicht
erfüllte. Streitig und zu prüfen ist, ob er gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG von der
Erfüllung der Beitragszeit befreit ist. - Dr. med. A._, Spezialarzt FMH für Innere
Medizin, bestätigte im Bericht vom 22. März 2004 beim Beschwerdeführer die
Diagnose einer rechtsseitigen Diskushernie sowie eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 22.
Mai 2003 bis auf weiteres (act. G 3.7). Die Ärzte der Klinik Valens empfahlen in den
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Berichten vom 6. Mai und 30. Juni 2004 einen langsamen Wiedereinstieg mit 50%iger
Arbeitsfähigkeit und dem Ziel der weiteren Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100%.
Die körperliche Leistungsfähigkeit für eine wechselbelastende Arbeit mit Hantieren von
Lasten bis 25 kg wurde als gegeben erachtet (act. G 3.6). Eine berufliche Abklärung der
Invalidenversicherung in der Eingliederungsstätte Union mit Beginn am 10. Januar 2005
wurde per 28. Januar 2005 abgebrochen (IV-act. 31). Der Beschwerdeführer erhielt in
der Zeit vom 1. März bis 10. Juni 2005 (Erlöschen der Leistungspflicht infolge
Ausschöpfung) Krankentaggelder auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 100% (act.
G 3.2). Eine psychiatrische Abklärung ergab gemäss Gutachten von Dr. med. B._,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 22. Februar 2007 keine die Arbeitsfähigkeit
einschränkende psychiatrische Erkrankung (IV-act. 46). Im Gutachten vom 5. März
2007 kam Dr. med. C._, Spezialarzt FMH Innere Medizin sowie Physikalische Medizin
und Rehabilitation, zum Schluss, somatischerseits bestünden degenerative
Wirbelsäulenveränderungen mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit von 50% und uneingeschränkter Arbeitsfähigkeit in einer
körperlich leichten Tätigkeit (IV-act. 45). Mit Verfügung vom 24. April 2007 verneinte die
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, bei welcher der Beschwerdeführer im Februar 2004
ein Leistungsgesuch gestellt hatte, einen Invalidenrentenanspruch. Zur Begründung
hielt sie fest, der Beschwerdeführer gehe seit Ende Mai 2003 keinem Erwerb mehr
nach. In Berücksichtigung seiner Behinderung wäre es ihm allerdings zumutbar, bei der
früheren schweren Tätigkeit eine 50%ige und bei einer körperlich leichten Arbeit eine
volle Leistung zu erbringen (act. G 3.4; IV-act. 62). Diese Verfügung erwuchs nach
unbestrittener Darlegung in der Beschwerdeantwort in Rechtskraft (act. G 3). Für die
Zeit ab 12. Mai 2007 verneinte Dr. A._ eine Arbeitsunfähigkeit (act. G 3.3.).
2.2 In Anbetracht der in den Berichten der Klinik Valens vom Mai/Juni 2004
festgehaltenen Resultate war dem Beschwerdeführer bekannt, dass eine spezialisierte
Begutachtungsstelle ihn zumindest für teilweise arbeitsfähig erachtete. In der Folgezeit
ergab sich nach Lage der medizinischen Akten jedenfalls keine gesundheitliche
Verschlechterung, zumal die Dres. B._ und C._ im Februar/März 2007 die
Ergebnisse der Abklärung in der Klinik Valens im Wesentlichen bestätigten. Unter
diesen Umständen hätte sich der Beschwerdeführer im Hinblick auf die
Beitragszeiterfüllung nach Art. 13 Abs. 1 AVIG um eine Teilzeit-Stelle bzw. um eine
vollzeitliche leichte Tätigkeit bemühen müssen. Der behandelnde Hausarzt Dr. A._
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hatte in den Jahren 2004 bis 2007 zwar immer wieder volle Arbeitsunfähigkeiten
attestiert (act. G 1.5, 3.3). Dabei bezog sich der Arzt soweit ersichtlich allerdings auf die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit und verwies im übrigen auf die Ergebnisse der Abklärung in
der Klinik Valens (vgl. act. G 3.7). Ab 12. Mai 2007 bescheinigte Dr. A._ denn auch -
bei unveränderten gesundheitlichen Umständen - eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit (act. G 3.3). Folglich muss in Übereinstimmung mit den Feststellungen
zur Arbeitsfähigkeit im IV-Verfahren davon ausgegangen werden, dass der
Beschwerdeführer während der Rahmenfrist vom 11. Mai 2005 bis 10. Mai 2007
teilarbeitsfähig (bezogen auf die angestammte Tätigkeit) bzw. vollarbeitsfähig (für eine
leichte Tätigkeit) war und die erforderliche Beitragszeit mit einer zumutbaren
Beschäftigung hätte zurücklegen können. Demnach fehlt es am Nachweis, dass der
Beschwerdeführer in der Rahmenfrist infolge Krankheit während mehr als 12 Monaten
nicht in einem Arbeitsverhältnis gestanden hatte und deshalb die Beitragszeit nicht
erfüllen konnte. Der angefochtene Einspracheentscheid lässt sich unter diesen
Umständen nicht beanstanden.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht