Decision ID: 468120b7-70b7-4a3f-9886-f85a9893e59a
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Der Referent hält fest, dass:
- die Bundesanwaltschaft unter der Verfahrensnummer SV.15.0775 u. a. ge-
gen die A. SA eine Strafuntersuchung führt wegen des Verdachts der Straf-
barkeit des Unternehmens im Sinne der Art. 102 Abs. 2 i.V.m. Art. 322septies
und 305bis Ziff. 2 StGB;
- sie diesbezüglich am 16. Juli 2015 ein Rechtshilfeersuchen an die brasiliani-
schen Behörden stellte, mit welchem sie u. a. die Entgegennahme von Zeu-
genaussagen oder von anderen Aussagen verlangte;
- sie dieses Ersuchen am 29. Februar 2016 ergänzte (BB.2016.92, act. 1.24);
- die Bundesanwaltschaft mit Verfügung vom 8. April 2016 den Parteien teil-
weise Akteneinsicht (u. a. in die Rechtshilfeersuchen) gewährte, weiterge-
hende Akteneinsichtsgesuche jedoch abwies, und der A. SA Gelegenheit
einräumte, bis 18. April 2016 im Sinne von Art. 148 StPO zuhanden der er-
suchten brasilianischen Behörden Fragen zu formulieren (BB.2016.92,
act. 1.25 und 1.27; vgl. diesbezüglich auch das Schreiben der Bundesan-
waltschaft vom 1. April 2016 [BB.2016.92, act. 1.26]);
- die A. SA u. a. gegen die teilweise verweigerte Akteneinsicht am 14. Ap-
ril 2016 bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde
erhob (BB.2016.92, act. 1.28);
- die A. SA mit Eingabe vom 15. April 2016 der Bundesanwaltschaft bean-
tragte, ihr sei die Möglichkeit zu gewähren, sich an den rechtshilfeweise be-
antragten Einvernahmen durch ihre in der Schweiz domizilierten Vertreter
vertreten zu lassen (BB.2016.92, act. 1.29);
- die Bundesanwaltschaft mit Schreiben vom 18. April 2016 auf dieses Ersu-
chen nicht eintrat bzw. dieses abwies (BB.2016.92, act. 1.1);
- die A. SA hiergegen mit Beschwerde vom 28. April 2016 bei der Beschwer-
dekammer des Bundesstrafgerichts u. a. beantragt, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben «en ce qu’elle refuse de requérir, auprès des
autorités compétentes brésiliennes, que les parties à la procédure
SV.15.0775 et leurs Conseils puissent participer aux auditions qui intervien-
dront au Brésil du 9 au 13 mai 2016»;
- sie darüber hinaus vorsorglich noch den Aufschub der Ausführung der ein-
gangs erwähnten Rechtshilfeersuchen bis zum Entscheid in der Hauptsache
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sowie die Bewilligung ihrer Anwesenheit an allen Einvernahmen im Rahmen
der Strafuntersuchung SV.15.0775 beantragt (act. 1).

Der Referent zieht in Erwägung, dass:
- der Beschwerde, abweichende Bestimmungen der StPO oder Anordnungen
der Verfahrensleitung der Beschwerdekammer vorbehalten, keine aufschie-
bende Wirkung zukommt (Art. 387 StPO);
- die Verfahrensleitung der Beschwerdekammer gegebenenfalls die notwen-
digen und unaufschiebbaren verfahrensleitenden und vorsorglichen Mass-
nahmen trifft (Art. 388 StPO);
- der Verfahrensleitung bei ihren diesbezüglichen Entscheiden ein weiter Er-
messensspielraum zusteht, sie dabei aber sicherzustellen hat, dass ihr Ent-
scheid das Beschwerderecht nicht seines Inhalts beraubt und insbesondere
den Rechtsstreit nicht gegenstandslos werden lässt (Urteil des Bundesge-
richts 1B_271/2013 vom 3. Oktober 2013, E. 2.1);
- die Gesuchstellerin zur Begründung ihres Gesuchs darlegen muss, dass sie
ohne Gewährung der aufschiebenden Wirkung einen nicht wieder gutzuma-
chenden bzw. zumindest einen nur schwer wieder gutzumachenden Nachteil
zu erleiden droht (vgl. u. a. die Verfügung des Bundesstrafgerichts
BP.2014.56 vom 15. Oktober 2014 m.w.H.);
- es der in Brasilien domizilierten und offenbar dort auch vertretenen Gesuch-
stellerin allenfalls offen steht, sich anlässlich der durchzuführenden Einver-
nahmen durch ihren dortigen Anwalt vertreten zu lassen (vgl. hierzu
BB.2016.92, act. 1.1, Ziff. 3);
- keinen Anspruch auf Verschiebung einer Beweiserhebung in der Schweiz
hat, wer sein Teilnahmerecht geltend macht (Art. 147 Abs. 2 StPO);
- dieser Grundsatz auch im vorliegenden Fall zu gelten hat;
- selbst im Falle einer Gutheissung der Beschwerde die Gesuchstellerin eine
Wiederholung der Einvernahmen beantragen oder die Gewährung des recht-
lichen Gehörs in anderer Form verlangen könnte (vgl. Art. 147 Abs. 3 StPO
analog);
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- der Gesuchstellerin auf dem Wege einer vorsorglichen Massnahme grund-
sätzlich nicht zu gewähren ist, was ihr die Vorinstanz verweigert hat und nun
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bildet (vgl. hierzu u. a. die Verfü-
gung des Bundesstrafgerichts BP.2013.50 vom 26. Juni 2013 mit Hinweis);
- deshalb ihrem Antrag auf vorsorgliche Bewilligung einer Teilnahme an den
erwähnten Einvernahmen nicht stattzugeben ist;
- das Gesuch nach dem Gesagten abzuweisen ist;
- die Kosten dieser Verfügung bei der Hauptsache verbleiben;
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