Decision ID: 16490a26-b898-4973-bea7-ff48aa66ee58
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1984 geborene X._ brach kurz vor der Matura das Gymnasium ab und absolvierte hernach eine Ausbildung zur Fotografin und später zur Tanzpädagogin. Zuletzt arbeitete sie bis Mai 2011 sporadisch im Mode-Verkauf und im Fitnesszentrum und erledigt später die Hauswart- und Gartenarbeiten in der Liegenschaft ihrer Eltern bei einem Pensum von circa 30 % (Urk. 11/11).
Nach erfolgter Früherfassung (Urk.
11/4
) meldete sich die Versicherte am
27. Mai 2013 (Eingangsdatum) bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 11/11). Die
IV-Stelle tätigte daraufhin medizinische und erwerbliche Abklärungen und aufer
legte X._ am 17. Juli 2013 eine
Schadenminde-rungs
pflicht
im Sinne einer sechsmonatigen Analgetika-Abstinenz und sistierte das Abklärungsverfahren (Urk. 11/20). Am 11. Februar 2014 erstattete Dr. med. Y._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, seine Stellungnahme zur Analgetika-Abstinenz (Urk. 11/23-24). Daraufhin
liess
die IV-Stelle die Versi
cherte durch Dr. med. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie FMH, psychiatrisch begutachten (psychiatrisches Gutachten vom 26. Mai 2014, Urk. 11/29). Mit Vorbescheid vom 19. August 2014 stellte die
IV-Stelle
X._ die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 11/31), wogegen sie am 4. September 2014 Einwand erhob und zugleich berufliche Massnahmen beantragte (Urk. 11/33). Mit Verfügung vom 29. September 2014 verneinte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch (Rente und berufliche Massnahmen, Urk. 11/37). Dagegen erhob X._ am 24. Oktober 2014 erneut Einwände (Urk. 11/12 und Urk. 11/39-40). Nach dem Standortgespräch (Urk. 11/41-44) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 26. Februar 2015 die Verfügung vom 29. September 2014 wiedererwägungs
weise auf
(Urk. 11/45). Daraufhin tätigte sie weitere medizinische Abklärungen und schloss am 16. Dezember 2015 die Arbeitsvermittlung ab, da der Sozial
dienst
O._
eine Beschäftigungsmassnahme aufgleisen werde (Urk. 11/53). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 11/59-63) verneinte die
IV-Stelle mit Verfügung vom 4. Juli 2016 einen Leistungsanspruch (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob X._ am 11. August 2016 Beschwerde und beantragte sinngemäss die
Zusprechung von Leistungen der Invalidenversi
cherung
(Urk. 1),
wobei die bei der Beschwerdegegnerin direkt eingegangene Beschwerde erst am 30. März 2017 ans hiesige Gericht weitergeleitet wurde (Urk. 4-6). Mit Beschwerdeantwort vom 16. Juni 2017 schloss die Beschwerde
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde und nahm Stellung zum
Bericht des Psychiatriezentrums
A._
der
B._
AG vom 29.
Mai 2016 (Urk. 9, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 10/1-2 und Urk. 11/1-79). Mit Verfü
gung vom 12. Juli 2017 ordnete das hiesige Gericht einen zweiten Schriften
wechsel an und stellte der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort vom 16. Juni 2017 zu (Urk. 12). Am 30. August 2017 nahm das Psychiatriezentrum A._ gegenüber der Beschwerdegegnerin Stellung zu Ziff. 6 der Beschwerdeantwort (Urk. 15). Die Beschwerdegegnerin leitete diese Stellung
nahme am 4. September 2017 ans Gericht weiter. Eine Replik ging innert Frist nicht ein (Urk. 16).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und
Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 %
auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der
untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig
hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung vom
4. Juli 2016
zusammengefasst auf den Standpunkt,
dass zwar eine psychische Erkrankung vorliege, diese aber keinen invalidenversicherungsrechtlich rele
vanten Gesundheitsschaden darstelle
und daher kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung bestehe
(Urk. 2).
Unter Bezugnahme auf
den
seitens der Beschwerdeführerin im
Beschwerde
verfah
ren
eingereichten Bericht des Psychiatriezentrums A._ vom 29.
Mai 2016 (Urk. 10)
äusserte
sich die
Beschwerdegegnerin
überdies dahingehend, dass
es nicht nachvollziehbar sei, dass die darin diagnostizierte
schizophrenieforme
Störung die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit Jugendalter vollständig verhindern solle, weshalb nicht darauf abgestellt wer
den könne (zum Ganzen Urk. 9).
2.2
Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Ansicht, dass sie als Migräne-patien
tin invalid sei und deshalb
Anspruch auf Leistungen der
Invali
denver-sicherung
habe (Urk. 1).
3.
3.1
Im Bericht der Neurologischen Poliklinik des C._ vom 26. Juni 2013 (Urk. 11/19 S. 1-4) zuhanden der Beschwerdegegnerin wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin einmalig (am 24. Juni 2013) am C._ vorstellig gewesen sei. Eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei nicht erfolgt. Im beigelegten Bericht vom 24. Juni 2013 (S. 5-8) wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt:
-
Migräne ohne Aura, seit circa 1999
-
Photo
-, Phonophobie, Nausea und Erbrechen, Zunahme unter
Bewegung
-
gutes Ansprechen auf
Maxalt
-
Analgetikaübergebrauchs
kopfschmerz
(Erstdiagnose
)
-
20 Tabletten
Rizatriptan
(
Maxalt
) pro Monat seit circa 2010
-
Depression (aktenanamnestisch)
Die Kopfschmerzen hätten circa 1999, im Alter von 14 Jahren, begonnen und seien pulsierend stechend mit einer Intensität von bis 10/10 auf der Visuellen Analogskala (VAS). Die Beschwerdeführerin habe vor allem während der Menstruation während 5-6 Tagen starke Kopfschmerzen. Aktuell erleide sie jeden 2./3. Tag eine abgeschwächte Kopfschmerzattacke. Seit der Schulzeit habe sie mehrere Arbeitsversuche unternommen, sei jedoch nicht arbeitsunfähig gewesen. So sei bisher keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden, sie habe aber auch nicht gearbeitet.
3.2
Dr. Y._ nahm in seinem Bericht vom 11. Februar 2014 Stellung zur auferleg
ten Schadenminderungspflicht (Analgetika-Abstinenz) und nannte fol
gende Diagnosen:
-
Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10:
F 60.31) bei persönlichkeitsstrukturellen Defiziten
-
Migräne ohne Aura (Erstdiagnose 1999),
Analgetikaübergebrauchskopfschmerz
(Kopfwehsprechstunde C._, 2013)
-
verschiedene Abhängigkeiten (Kopfwehmedikamente, Cannabis, Cola,
Nikotin, ICD-10: F 19.25)
Die Beschwerdeführerin sei seit dem 27. August 2013 bei ihm in ambulanter Behandlung gewesen, bis sie diese Ende Dezember 2013 abgebrochen habe, nachdem sie mit ihrer süchtigen Verhaltensweise konfrontiert worden sei. Die Beschwerdeführerin sei unter schwierigen, verstrickt-zerstrittenen, inkonsisten
ten familiären Verhältnissen aufgewachsen. So habe es zwischen den Eltern, die seit Jahren getrennt lebten, einen Dauerkonflikt gegeben. Ihre ältere Schwester mit Turner-Syndrom sei 2003 mit 20 Jahren gestorben. Möglicherweise sei die Beschwerdeführerin durch die intensive medizinische Problematik der älteren Schwester zu kurz gekommen. Nach der Primarschule habe sie die Mittelschule besucht und kurz vor der Matura abgebrochen. Die altersentsprechend wir
kende, schlanke, feingliedrige, gepflegte, nach Zigarettenrauch riechende und kooperative Beschwerdeführerin sei im Kontakt freundlich, offen und spontan berichtend. Die Gestimmtheit sei raschen kontextbedingten Wechseln unter
worfen. Oft sei die Stimmung adäquat zur Situation. Daneben trete jedoch je nach Thematik eine emotionale Labilität, verzweifelte Trauer mit Tränen, oder auch Wut auf. Daraus resultiere ein subjektiver Realitätsverlust. Deutlich sei die Angst, etwas an ihren Verhaltensweisen, insbesondere ihrem Suchtmittelkon
sum, zu ändern. Dabei träten deutliche Rationalisierungstendenzen auf. Der Antrieb sei normal. Hinsichtlich der Kognition sei sie bewusstseinsklar und es gäbe keine Hinweise auf Drogenwirkung. Sie sei allseits orientiert und habe keine Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisstörungen. Das formale Denken sei kontextuell unterschiedlich:
teilweise klar und stringent (wenn es um den Alltag gehe), teilweise umständlich, vage, ideenflüchtig, assoziativ, ab und zu in schwindelerregendem Tempo, etwa wenn es um religiöse Inhalte, übersinnliche religiöse Überzeugungen und Wahrnehmungen (zum Beispiel die „Erscheinung“ eines Engels oder die ausgedehnte Internetrecherche auf der Suche nach dem „Antichrist“) gehe. Inhaltlich weise sie missionarische Tendenzen auf und wolle den Menschen ihre Lügen zeigen. Es lägen keine offensichtlichen wahnhaften Elemente vor und Hinweise auf Sinnestäuschungen fehlten. Die Intelligenz sei gemäss klinischer Einschätzung im normalen Bereich.
Die Beschwerdeführerin, welche keinen Berufsabschluss habe, habe er vom 27. August 2013 bis zum 31. Januar 2014 zu 100% arbeitsunfähig geschrieben. Im Rahmen der versicherungsmedizinischen Beurteilung sei festzuhalten, dass aufgrund der emotionalen Labilität, des selbstdestruktiven Umgangs, der Bezie
hungsmuster, der Suchttendenzen diagnostisch eher eine emotional labile Per
sönlichkeitsstörung vorliege. Zudem beständen die häufigen Migräneanfälle. Die süchtigen Verhaltensweisen stabilisierten subjektiv die Befindlichkeit. Objektiv betrachtet verschlimmerten sie aber mit grosser Wahrscheinlichkeit die Migrä
nesituation und blockierten die psychosoziale und berufliche Entwicklung seit Langem, trotz vorhandener Ressourcen. Die Persönlichkeitsstörung entspreche einem Gesundheitsschaden mit Krankheitswert. Die süchtigen Verhaltensweisen stellten einen Symptomkomplex im Rahmen der Persönlichkeitsstörung dar. Die ebenfalls vorliegende Migräne respektive der
Analgetikaübergebrauchskopf
schmerz
stellten ein zusätzliches Hindernis dar. Aufgrund des klinischen Zustandsbildes hätte die funktionelle Leistungsfähigkeit bestenfalls für einen geschützten Arbeitsplatz gereicht. Im ausgeglichenen Arbeitsmarkt sei die Beschwerdeführerin nicht tragbar. Die therapeutischen
Möglichkeiten seien nicht ausgeschöpft. Eine psychiatrische/psychotherapeutische Behandlung (gegebenenfalls sei eine initiale stationäre Entgiftungsbehandlung nötig) würde die gesundheitliche Situation - und damit die Arbeitsfähigkeit - mit grosser Wahrscheinlichkeit verbessern. Berufliche Massnahmen wären zu einem späte
ren Zeitpunkt zu prüfen. Die Prognose hänge davon ab, ob es gelinge, die Beschwerdeführerin in eine verbindliche psychotherapeutische Behandlung ein
zubinden und ob es ihr dabei gelinge, die Emotionen besser zu kontrollieren und neue Copingstrategien für ihre Kopfschmerzen zu erlernen. Damit könnte eine Chronifizierung des Krankheitsbildes mit grosser Wahrscheinlichkeit ver
hindert werden. Es sei ein schwieriges Unterfangen, bei dem Alter, den intel
lektuellen und verbalen Ressourcen der Beschwerdeführerin sei ein Erfolg aber durchaus möglich (Urk. 11/24).
3.3
Das psychiatrische Gutachten von Dr. Z._ vom 26. Mai 2014 nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Verdacht auf emotio
nal instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F 60.31), gegenwärtig grösstenteils kompensiert. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verbleibe ein schädlicher Gebrauch von Nikotin und Cannabis (ICD-10: F 19.1). Aufgrund der anamnes
tischen Angaben könne bei der Beschwerdeführerin von keiner genetischen Vulnerabilität für die Entwicklung psychiatrischer Erkrankungen ausgegangen werden. Die Kindheit der Beschwerdeführerin sei ohne gravierende traumatische Erlebnisse verlaufen, sei jedoch geprägt durch emotionale Instabilität bei den Eltern gewesen, was auch bei ihr zur Bildung emotional instabiler Persönlich
keitszüge geführt habe. Die jahrelangen ungelösten Ehekonflikte ihrer Eltern, offenbar auch nach der Scheidung, weil sie im gleichen Haus wohnten, hätten bei der Beschwerdeführerin bereits im Kindesalter zu einer emotionalen Störung geführt, die
im Rahmen der Migräneattacken verstärkt worden sei und aufgrund der anamnestischen Angaben im Jahr 2002 zu einer depressiven Phase geführt habe. Die Beschwerdeführerin habe aufgrund ihrer psychischen Probleme, die sie allerdings vordergründig auf die Migräne zurückführe, mehrere psychothe
rapeutische Behandlungen in Anspruch genommen, welche aufgrund ihrer emotionalen Instabilität immer wieder abgebrochen worden seien, jedoch eine längere Dekompensation der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung hätten verhindern können. Die Beschwerdeführerin habe im Erwachsenenalter zwar immer versucht, sich beruflich zu positionieren, es sei ihr aber nicht gelungen während einiger Jahre einen festen Arbeitsplatz zu behalten. Aufgrund der anamnestischen Angaben sei die Beschwerdeführerin seit Mai 2011 arbeitslos, wobei sie nicht ganz untätig sei und den Haushalt mit der Mutter zusammen führe und die Gartenarbeiten ums Haus der Eltern erledige. Auch die von der Beschwerdeführerin geschilderten Freizeitaktivitäten deuteten nicht auf einen sozialen Rückzug, Vernachlässigung der sozialen Kontakte und fehlende Hob
bies hin. Die von ihr beschriebenen Aktivitäten seien sicherlich als wichtige Ressourcen anzunehmen. Aufgrund der Persönlichkeitsdefizite sei die Beschwerdeführerin jedoch nicht in der Lage, eine konstante Arbeitsleistung auf dem freien Wirtschaftsmarkt von mehr als 50 % zu erbringen. Die bisherigen therapeutischen Massnahmen, trotz vieler Therapeutenwechsel, hätten aber eine schwere Dekompensation der Persönlichkeitsstörung verhindern können und sollten ihr auch in Zukunft Halt und eine zunehmende emotionale Stabilität verleihen. Dazu brauche sie aber zwecks Verbesserung ihrer allgemeinen Aus
dauer ergänzend zu den etablierten therapeutischen Massnahmen auch ein Arbeitstraining mit fachlicher Unterstützung bei der nachfolgenden Stellensu
che. Gegenwärtig könne ihr seit Mai 2011 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attes
tiert werden, wobei unter Weiterführung der
therapeutischen und Durchführung der vorgeschlagenen beruflichen Massnahmen innerhalb von 6 Monaten mit der Wiedererstellung einer vollen Arbeitsfähigkeit auf dem f
r
eien Arbeitsmarkt zu rechnen sei. Dabei seien für die Beschwerdeführerin Tätigkeiten mit sehr hohen Anforderungen an die psychische Belastbarkeit (beispielsweise mit sehr schnel
len Wechseln der Arbeitsabläufe) nicht geeignet. Bei der Beschwerdeführerin seien gegenwärtig keine Tatbestände festzustellen, welche gegen eine gute Prognose bezüglich Wiederherstellung und Erhaltung der vollen Arbeitsfähig
keit auf dem freien Wirtschaftsmarkt sprächen. Sie verfüge offenbar über viele Ressourcen, weshalb es ihr ab sofort möglich sei, im Rahmen eines Arbeitstrai
nings zu 50 % zu arbeiten (Urk. 11/29).
3.4
Dr. med. D._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, stellte in ihrem Bericht vom 11. April 2015 (Urk. 11/47) zuhanden der Beschwerdegegnerin die Diagnosen einer Persönlichkeitsproblematik (differentialdiagnostisch: kombi
niert) und einer Anpassungsstörung (ICD-10: F 43.22). Sie behandle die Beschwerdeführerin seit März 2014 bis aktuell. Zwischenzeitlich habe sich die Stimmung leicht verbessert und sie sei affektiv stabiler. Ein IV-gestütztes Auf
bautraining, eine Berufsabklärung und hernach die berufliche Integration seien wichtig und sinnvoll. Ziel seien berufliche Integration und Selbständigkeit bei vorhandener Motivation. Im längerfristigen Verlauf könne mit einer weiteren Verbesserung der Affektivität und auch der Sozialkompetenz gerechnet werden. die Beschwerdeführerin sei seit mindestens März 2014 zu 100 % arbeitsunfähig. So leide sie an affektiven Schwankungen, verminderter Belastbarkeit und Aus
dauer. Das Funktionsniveau und die Leistungsfähigkeit seien allgemein vermin
dert. Sie sei rasch erschöpft und ermüdet und habe rezidivierende Migräneatta
cken.
3.5
In ihrem Bericht vom 26. Februar 2016 (Urk. 11/57) zuhanden der Beschwerde
gegnerin konkretisierte Dr. D._ ihre zuvor gestellten Diagnosen folgender
massen:
-
Persönlichkeitsproblematik (ängstlich vermeidende, sensitive Züge)
-
Anpassungsstörung (ICD-10: F 43.22)
-
Migräne seit 1999
Die allgemeine Stimmungslage habe sich aufgehellt und die sozialen Fertigkei
ten hätten sich verbessert. Die Einschränkungen in der Belastbarkeit persistier
ten.
Das Funktionsniveau und die Leistungsfähigkeit
seien allgemein vermindert und es zeige sich eine rasche Erschöpfbarkeit. In einer angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin aktuell maximal 2 Stunden täglich einsetzbar. Sie sei mindestens zu 70-80 % in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt.
3.6
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens gingen zwei weitere Berichte des Psychiat
riezentrums A._ ein, wobei für die richterliche Beurteilung eines Falles grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend sind. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
3.6.1
Im Bericht des Psychiatriezentrums A._ vom 29. Mai 2017 (Urk. 10/1), welcher nach Erhebung der Beschwerde bei der Beschwerdegegnerin einging, wurde als Diagnose eine psychotische
schizophrenieforme
Störung (ICD-10: F 21) aufgeführt, wobei differentialdiagnostisch auch eine paranoide Schizo
phrenie (ICD-10: F 20.0) möglich wäre. In einer ausführlichen somatischen und neuropsychologischen Abklärung inklusive MRI habe eine körperliche Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden können.
Die Beschwerdeführerin befinde sich seit dem 29. August 2016 bei ihm in ambu
lanter Behandlung. Im Gespräch sei sie freundlich bis unterwürfig, sie wirke affektiert, gleichzeitig affektlabil und -inkontinent. Ihre Gedankengänge seien häufig unstrukturiert, sprunghaft und weitschweifig. Häufig bestände Danebenreden, teilweise Neologismen, und chronologisch und inhaltlich seien die Gedankengänge teilweise nicht nachvollziehbar. In der Interaktion habe die Beschwerdeführerin ein mangelndes Distanzgefühl und wirke fragmentiert. Sie schildere ungewöhnliche Wahrnehmungen, einschliesslich Episoden mit intensi
ven, akustischen oder optischen Halluzinationen, teilweise auch taktile Halluzi
nationen.
Bei der Beschwerdeführerin bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit,
wahr-schein
lich
schon seit dem Jugendalter. Denn sie sei nach dem Abbruch des Gymnasiums nicht in der Lage gewesen, eine Berufsausbildung zu machen. Bei verschiedenen kurzfristigen Arbeitseinsätzen sei es immer wieder zum Abbruch oder zur Kündigung gekommen. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der genannten Symptome massiv eingeschränkt in ihrer Fähigkeit zur Anpassung und Anregung und Routine. Das Planen und Strukturieren von Aufgaben sei für sie erschwert. Sie könne sich kaum auf neue Situationen ein- oder umstellen und auf andere Leute eingehen. Äusserer Druck oder Anforderungen führten bei ihr zur Dekompensation und zum Rückzug. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer Durchhaltefähigkeit massiv eingeschränkt. Aufgrund der starken Zurückgezo
genheit in ihre eigene psychotische Welt sei die Kontaktfähigkeit zu Dritten eingeschränkt.
3.6.2
Nachdem die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort vom 16. Juni 2017 auf Abweisung der Beschwerde geschlossen hatte (Urk. 9), nahm das Psy
chiatriezentrum A._ Stellung zum abweisenden Antrag, insbesondere zu Ziff. 6, wonach
es nicht nachvollziehbar sei, dass die
im Bericht vom 29. Mai 2016 (vgl. E. 3.6)
diagnostizierte
schizophreni
e
forme
Störung die Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin seit Jugendalter vollständig verhindern solle, wes
halb nicht darauf abgestellt
werden könne
.
Der erwähnte Cannabiskonsum sei während der gesamten Behandlungszeit bei ihnen nicht behandlungsbedürftig gewesen. Bereits im psychiatrischen Gutachten von Dr. Z._ sei festgehalten worden, dass sich der starke Cannabiskonsum der Beschwerdeführerin auf eine kurze Periode der frühen Jugend beschränkt habe. Die Beschwerdeführerin habe vielmehr während der gesamten Behandlungszeit an keiner Suchtproblematik gelitten. Zudem sei anzufügen, dass sich Krankheiten aus dem schizophrenen Formenkreis typischerweise langsam anbahnen. Es sei oft so, dass sich erst im Nachhinein bereits in der Jugend aufgetretene Auffälligkeiten aufgrund der aktuellen Situation erklären
liessen
. Bei der Beschwerdeführerin sei genau dies der Fall. In ihrer Adoleszenz und im jungen Erwachsenenalter seien vorder
gründig depressive Symptome sichtbar gewesen. Jedoch sei es sehr auffällig, dass ihr eine Ausbildung respektive eine berufliche Integration nie gelungen sei. Die Beschwerdeführerin sei von ihrem
Äusseren
sehr gepflegt, eine umgängli
che, freundliche und zierliche Person. Sie halte eine gewisse Fassade aufrecht und sei aufgrund ihrer intellektuellen Fähigkeiten durchaus in der Lage, sich redegewandt auszudrücken und eine gute Erscheinung zu wahren. Dies erkläre, dass bisher bei kürzeren Kontakten - wie zum Beispiel im Rahmen einer psychi
atrischen Begutachtung - lediglich die Verdachtsdiagnose einer Persönlich
keitsstörung habe gestellt werden können. Erneut sei daher die gestellte Diag
nose einer
schizophrenieformen
Störung, differentialdiagnostisch am ehesten einer paranoiden Schizophrenie zu bekräftigen. Diese habe sich erst in den letzten Monaten in florider Form gezeigt, sei jedoch hochwahrscheinlich schon lange Zeit vorhanden und habe
massgeblich
zur aktuellen Situation der Beschwerdeführerin beigetragen. Die Beschwerdeführerin sei zu 100 % arbeits
unfähig. Sie sei
hinter ihrer zuvorkommenden und redegewandten Fassade for
malgedanklich unstrukturiert, sprunghaft und weitschweifig, es beständen for
male und inhaltliche Denkstörungen. Die Beschwerdeführerin leide
regelmässig
unter wahnhaften Verkennungen der Realität, habe optische und akustische Halluzinationen. Sie sei extrem fragil, wenig belastbar, habe einen verminderten Antrieb, eine erhöhte Erschöpfbarkeit und sei in der Fähigkeit zur Ausführung von Plänen massiv eingeschränkt. Eine aktuelle Suchterkrankung könne mit Sicherheit ausgeschlossen werden.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin bejahte zwar das Vorliegen einer psychischen Erkran
kung, ging jedoch davon aus, dass diese invalidenversicherungsrechtlich irrele
vant sei (Urk. 9 S. 2). V
orliegend ist strittig, ob gestützt auf die vorhandenen medizinischen Unterlagen der psychische Gesundheitszustand und die damit zusammenhängenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im Zeitpunkt der Rentenverfügung am 4. Juli 2016 verlässlich beurteilt werden können.
4.2
Die Beschwerdeführerin meldete sich im Mai 2013 wegen Migräne - welche bereits 1999 erstmals diagnostiziert wurde - zum Leistungsbezug an (Urk. 11/11), doch nach der auferlegten Schadenminderungspflicht im Sinne einer 6-monatigen Analgetika-Abstinenz, nachdem ein solcher Übergebrauch durch das C._ diagnostiziert worden war (vgl. E. 3.1), stellte Dr. Y._ im Februar 2014 erstmals die Verdachtsdiagnose einer emotional instabilen Per
sönlichkeitsstörung (ICD-10: F 60.31) bei persönlichkeitsstrukturellen Defiziten. Dabei schilderte er die schwierigen, verstrickt-zerstrittenen und inkonsistenten familiären Verhältnisse und das variierende kontextuelle Denken, wobei er offensichtlich wahnhafte Elemente und Sinnestäuschungen noch verneinte
(vgl. E. 3.2). Aufgrund der Befundlage attestierte er eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit, da es sich bei der Persönlichkeitsstörung um einen Gesundheitsschaden mit Krankheitswert handle. Auch Dr. Z._ nannte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 26. Mai 2014, welches also zum Zeitpunkt des Verfügungser
lasses bereits 2 Jahre zurücklag (vgl. E.
3.3), die Verdachtsdiagnose einer emoti
onal instabilen Persönlichkeitsstörung. Diese stufte er aber aufgrund der (offen
bar) vorhandenen Ressourcen als grösstenteils kompensiert ein und vermutete, dass die bisherigen psychotherapeutischen Behandlungen eine längere Dekom
pensation der Persönlichkeitsstörung verhindert hätten. Die aktuell feststellbare 50%ige Arbeitsfähigkeit könne innert 6 Monaten auf eine volle Arbeitsfähigkeit gesteigert werden. Die behandelnde Psychiaterin Dr. D._ erachtete bei der Beschwerdeführerin - nebst der Migräne - eine Persönlichkeitsproblematik und eine Anpassungsstörung als vorliegend. Aus den Berichten des Psychiatrie
zentrums A._, welche im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereicht wurden (vgl. E. 3.6), ist die Diagnose einer psychotischen
schizophrenieformen
Störung (ICD-10: F 21) zu entnehmen, wobei differentialdiagnostisch sogar eine paranoide Schizophrenie (ICD-10: F 20) möglich wäre. Aufgrund dieses Stö
rungsbildes bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Beschwerdeführerin habe intensive, akustische oder optische und teilweise sogar taktile Halluzinati
onen. Aufgrund dessen und den weiteren gezeigten Symptomen sei sie massiv eingeschränkt. Weiter wiesen die Ärzte des Psychiatriezentrums A._ darauf hin, dass es gerade typisch sei, dass sich Krankheiten aus dem schizo
phrenen Formenkreis langsam anbahnten und deshalb häufig erst im Nach
hinein früher aufgetretene Auffälligkeiten richtig zugeordnet werden könnten. Tatsächlich fällt auf, insbesondere auf, dass der Beschwerdeführerin weder eine schulische Ausbildung noch eine berufliche Integration
gelang, obwohl sie mit ihrer intellektuellen Fähigkeit in der Lage ist, eine Fassade aufrecht zu halten. Damit gibt es gestützt auf die Ausführungen des Psychiatriezentrums A._ Hinweise darauf, dass sich mittlerweile eine
schizophrenieforme
Störung manifestiert hat, die zuvor noch nicht erkannt worden war
.
4.3
Demnach
erweist sich die medizinische Aktenlage in Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand für eine
abschliessende
Beurteilung des Leistungsanspruchs als unzulänglich. Die Sache ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie den psychischen Gesundheitszustand
, gegebenenfalls die Migränestörung,
und die Arbeitsfähigkeit - auch im zeitlichen Verlauf – durch ein Gutachten abklärt und
anschliessend
über den Leistungsanspruch neu verfügt. In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5.
Die Gerichtskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- und Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorliegend sind die Gerichtskosten auf Fr. 600.-- anzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.