Decision ID: 0a6303b7-aac1-47af-aeaf-5af7973134c8
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ meldete sich erstmals im Juni 1993 zum Bezug von IV-Leistungen an. Nach
vertieften Abklärungen mit einer MEDAS-Begutachtung im Juli 1996 (IV-act. 31) lehnte
die IV-Stelle das Gesuch mit Verfügung vom 22. Januar 1997 ab (IV-act. 43). Am
20. November 2007 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen an
(IV-act. 45), woraufhin sie im August 2008 wiederum in der MEDAS Ostschweiz
untersucht und begutachtet wurde (IV-act. 82). Die Sachverständigen hielten fest, aus
somatischer Sicht leide die Versicherte unter einer gastroösophagealen
Refluxkrankheit, einer klassischen Migräne mit Aura und Spannungstyp-
Kopfschmerzen, welche möglicherweise analgetikainduziert akzentuiert seien. Im
Vordergrund stehe aber die somatoforme autonome Funktionsstörung des oberen und
unteren Gastrointestinaltraktes und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Die
rezidivierende depressive Störung sei zum grössten Teil auf die psychosoziale
Belastungssituation zurückzuführen und erfülle deshalb die Kriterien für die Diagnose
einer schweren psychischen Komorbidität nicht. Mit einer Verfügung vom 5. Januar
2009 lehnte die IV-Stelle das Rentengesuch ab (IV-act. 94). Sie hielt fest, aus
medizinischer Sicht sei der Versicherten eine leidensangepasste Tätigkeit zu 75%
zumutbar; der Invaliditätsgrad betrage 31%. Am 4. Februar 2009 liess die Versicherte
dagegen Beschwerde beim Versicherungsgericht erheben (IV-act. 97). Das Gericht
hiess die Beschwerde mit Entscheid vom 9. Februar 2011 teilweise gut. Es wies die
Sache zur weiteren medizinischen Abklärung an die IV-Stelle zurück (Entscheid des
Versicherungsgerichts St. Gallen vom 9. Februar 2011, IV 2009/28, für eine ausführliche
Darstellung des Sachverhalts sei darauf verwiesen; IV-act. 109). Das Gericht erachtete
insbesondere die psychiatrische Beurteilung als nicht aussagekräftig genug, um
gestützt darauf den Rentenanspruch zu beurteilen. Die Frage nach der verbleibenden
Restarbeitsfähigkeit sei unter Beizug der gesamten medizinischen Aktenlage zu
beantworten.
A.b Im April 2011 leitete die IV-Stelle zu diesem Zweck eine weitere medizinische
Abklärung in der MEDAS-Ostschweiz in die Wege (IV-act. 113). Die Versicherte wurde
am 11. und 13. Juli 2011 untersucht und begutachtet. Das Gutachten datiert vom
17. Februar 2012 (IV-act. 120). Der psychiatrische Gutachter hielt fest, der
psychopathologische Zustand der Versicherten habe sich seit der letzen Beurteilung im
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Juli 2008 trotz der vorhandenen psychosozialen Belastungen gebessert. Eine
depressive Störung könne weder im Verlauf noch bei der jetzigen Untersuchung
objektiviert werden. Der Gutachter hatte mit der Versicherten diverse Tests zur
Objektivierung der häufigsten depressiven Symptome durchgeführt. Er war der Ansicht,
dass u.a. die Hamilton-Depressionsskala, bei der die Beschwerdeführerin 8 Punkte
erreicht hatte, eine depressive Störung im Sinne der ICD-10 Klassifikation
ausschliesse, weshalb die Kriterien der Diagnose einer depressiven Störung derzeit
nicht erfüllt seien. Im Vergleich zu den Untersuchungen von 1996 und 2008 könne
festgestellt werden, dass sich die Somatisierungsstörung zwar auf weitere
Körperfunktionen ausgeweitet, die Beschwerdeschilderung aber an Dramatik
abgenommen habe. Die vielen innerseelischen Konflikte und die psychosozialen Be
lastungen prägten insgesamt das psychopathologische Zustandsbild der Versicherten.
Dabei bestehe eine Tendenz, solche Konflikte in körperliche Symptome umzuwandeln.
Die Versicherte zeige in mitmenschlichen Beziehungen Verhaltensauffälligkeiten,
weshalb bereits 2008 die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung mit histrionischen,
passiv-aggressiven und paranoiden Zügen gestellt worden sei (ICD-10: F60.8). Zudem
bestehe eine Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0) ohne ausgewiesene mitwirkende
psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer.
Derzeit lägen bei der Versicherten weder kognitive Störungen noch schwere
psychiatrische Erkrankungen aus dem depressiven oder schizophrenen Formenkreis
oder eine schwere Persönlichkeitsstörung vor, die es als der Versicherten nicht
zumutbar erscheinen liessen, mit genügender Willensanspannung die
Somatisierungsstörung zu überwinden (IV-act. 120-12). Gesamthaft hielten die
Gutachter fest, unter Berücksichtigung aller gesundheitsbeeinträchtigenden Aspekte
könne keine Arbeitsunfähigkeit in den von der Versicherten früher und aktuell
ausgeübten beruflichen Tätigkeiten attestiert werden. Kurzfristige Arbeitsausfälle seien
aufgrund der rezidivierenden Migräne möglich. Tätigkeiten mit wiederholtem Bücken
seien aufgrund der gastroösophagealen Refluxkrankheit zu vermeiden. Da der
Verdacht auf einen Triptan-Abusus bestehe, sollte die Versicherte einen
Schmerzkalender führen und die Triptan-Medikation reduzieren. Psychiatrischerseits
wären die subjektiven Befindlichkeitsstörungen bei geeigneter psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung überwindbar, sofern die Versicherte im
therapeutischen Prozess aktiv mitwirken würde. Aufgrund des chronifizierten
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Beschwerdebildes könne im Verlauf nicht mit einer Besserung der subjektiven
Befindlichkeit gerechnet werden (IV-act. 120-15).
A.c Gestützt auf diese medizinische Einschätzung kündigte die IV-Stelle der
Versicherten mit Vorbescheid vom 22. März 2012 an, dass sie das Rentengesuch bei
einem Invaliditätsgrad von 0% abweisen werde (IV-act. 125). Dagegen liess die
Versicherte am 14. Mai 2012 einen Einwand erheben (IV-act. 126). Sie liess beantragen,
es sei ihr eine Rente auszurichten und der Fall sei zur weiteren Bearbeitung an die
zuständige IV-Stelle im Kanton Bern zu übertragen. Mit Verfügung vom 18. Juni 2012
entschied die IV-Stelle (St. Gallen) gemäss ihrem Vorbescheid (IV-act. 129). Zur
Begründung hielt sie fest, gemäss Art. 55 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) sei diejenige IV-Stelle zuständig, in deren
Kantonsgebiet die versicherte Person im Zeitpunkt der Anmeldung ihren Wohnsitz
gehabt habe. Zur medizinischen Begründung erwog sie, es könne zwar wegen der
Migräne kurzzeitige Arbeitsausfälle geben, eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit sei aber
nicht ausgewiesen. Seit der Begutachtung im August 2008 sei eine Besserung des
Gesundheitszustandes eingetreten. Aktuell habe kein depressives Leiden mehr
diagnostiziert werden können. Die Somatisierungsstörung und die spezielle
Persönlichkeitsstruktur der Versicherten begründeten versicherungsmedizinisch keine
Arbeitsunfähigkeit.
B.
B.a Dagegen richtete sich die Beschwerde vom 14. August 2012 (act. G 1). Die nun
nicht mehr anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin beantragte, weiterführende
Abklärungen im Kanton Bern vorzunehmen. Durch die Einnahme von diversen
Medikamenten sei ein normaler (Arbeits-) Alltag unmöglich. Sie leide an Appetitverlust,
Schlafstörungen, Müdigkeit am Arbeitsplatz bis hin zu Blitzschlaf,
Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Schwächeanfällen und Schmerzen beim
Berühren von Gegenständen. Zudem benötige sie längere Sitz- und Ruhepausen.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 4. Oktober 2012 beantragte die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen (act. G 4). Zur Begründung
führte sie an, es könne auf die Einschätzung der MEDAS-Gutachter abgestellt werden.
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Mit der polydisziplinären Untersuchung sei sichergestellt worden, dass keiner
medizinischen Einzeldisziplin bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung ein zu grosses
Gewicht zugekommen sei. Die Beschwerdeführerin leide entgegen ihrer eigenen
Ansicht nicht an erheblichen objektivierbaren Beschwerden, die eine Dauerbehandlung
bei diversen Ärzten notwendig machen würden. Sporadische Besuche beim Hausarzt
sollten ausreichend sein. Dabei sei es der Beschwerdeführerin zumutbar, diese
ausserhalb der Arbeitszeit vorzunehmen. Ein Einfluss der Medikamente auf die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei dem Gutachten nicht zu entnehmen.
Weitere medizinische Abklärungen seien unnötig, da die MEDAS-Sachverständigen die
geltend gemachten Einschränkungen der Beschwerdeführerin ausführlich abgeklärt
hätten. Da die Beschwerdeführerin in sämtlichen Tätigkeiten, in denen sie sich nicht
bücken müsse, voll arbeitsfähig sei, sei sie nicht invalid im Sinne von Art. 8 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG,
SR 830.1), weshalb gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG kein Rentenanspruch gegeben sei.
B.c Die Beschwerdeführerin replizierte am 28. Januar 2013, sie könne ihre derzeit
ausgeübte Tätigkeit nur schwer ausführen. Jeder Handgriff, sei er auch noch so leicht,
sei mit Schmerzen verbunden. Zum Beweis legte sie Fotos ihrer Fingernägel bei. Sie
leide aktuell an starkem Haarausfall, was ihr ein repräsentatives Aussehen, welches sie
für den Umgang mit Kunden brauche, verunmögliche. Sie legte zum Beweis im
Zeitraum einer Woche ausgefallene Haare bei und verwies auf Herrn Dr. B._, bei dem
Abklärungen im Gange seien (act. G 10).
B.d Am 6. Februar 2013 verzichtete die Beschwerdegegnerin sinngemäss auf eine
Duplik (act. G 12).

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die Beschwerdegegnerin
verfügte erstmals im Januar 2009, also unter Geltung des neuen Rechts. Allerdings ist
vorliegend zu berücksichtigen, dass sich die Beschwerdeführerin bereits im November
2007 zum Bezug von Leistungen bei der IV-Stelle angemeldet hatte.
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Intertemporalrechtlich ist daher für einen allfälligen Beginn des Rentenanspruchs nicht
die seit dem 1. Januar 2008 geltende Regelung in Art. 29 Abs. 1 IVG, sondern die
altrechtliche Lösung in aArt. 29 Abs. 1 IVG (allenfalls in Verbindung mit aArt. 48 Abs. 2
IVG) anwendbar (vgl. die IV-Rundschreiben Nr. 253 und Nr. 300 des Bundesamtes für
Sozialversicherungen). Ein allfälliger Rentenanspruch wäre demnach – unabhängig vom
Anmeldedatum – mit dem Ablauf des Wartejahres entstanden.
1.2 Der Hausarzt der Beschwerdeführerin attestierte ab dem 18. Dezember 2006 eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit. Es ist daher zu prüfen, ob der damalige
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin das Wartejahr hat beginnen lassen. Die
erste ablehnende Verfügung ist vom Versicherungsgericht aufgehoben und die Sache
ist zur weiteren medizinischen Abklärung an die IV-Stelle zurückgewiesen worden. Die
IV-Stelle hat deshalb am 18. Juni 2012 neu über einen allfälligen Rentenanspruch ab
dem Ablauf des Wartejahres verfügt. Es gilt somit, den Sachverhalt (und den
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin) von Dezember 2006 bis zum Zeitpunkt
der angefochtenen Verfügung vom 18. Juni 2012 zu beurteilen.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), das heisst der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Bei einem Invaliditätsgrad von
weniger als 40 % besteht kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
(Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG).
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2.2 Für die Bemessung des Invaliditätsgrades sind die zuständige Behörde und später
das Gericht auf von den Ärzten zur Verfügung zu stellende Unterlagen angewiesen.
Aufgabe der Ärzte ist es denn auch, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit weiteren Hinweisen). Im
Rahmen der freien Beweiswürdigung dürfen sich Verwaltung und Gericht weder über
die medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen, noch sind die ärztlichen
Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer sozialversicherungsrechtlichen
Tragweite zu übernehmen. Die rechtsanwendende Behörde hat sorgfältig zu prüfen, ob
die ärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt,
welche vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus, unbeachtlich sind (BGE
130 V 356 E. 2.2.5).
2.3 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation und deren
Zusammenhängen einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 125 V 352 E. 3a). So weicht denn auch das Gericht nach der Praxis nicht
ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen
Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um
einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen (BGE 125 V 352 E. 3b/aa).
3.
3.1 Das Versicherungsgericht hat seinen Rückweisungsentscheid vom 9. Februar 2011
damit begründet, dass eine erhebliche Abweichung zwischen den Angaben von
Dr. C._ in dessen Gutachten zuhanden der Krankentaggeldversicherung und den
Angaben des psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS sowohl in Bezug auf die
Diagnosen als auch in Bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung bestehe. Dr. C._
habe eine mittelschwere bis schwere depressive Episode mit somatischem Syndrom
und eine Somatisierungsstörung angegeben und daraus auf eine aktuelle vollständige
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin geschlossen, wobei mittelfristig eine
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Arbeitsfähigkeit von 50% erreicht werden könne. Der psychiatrische Sachverständige
der MEDAS habe eine mittelschwere depressive Störung angegeben, die allerdings
variabel und reversibel sei. Er habe zwar eine Arbeitsunfähigkeit angenommen, diese
aber gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung und auf die Verursachung
durch psychosoziale Belastungsfaktoren als vollständig überwindbar qualifiziert. Das
Versicherungsgericht hat weder die Einschätzung von Dr. C._ noch diejenige des
Sachverständigen der MEDAS als überzeugend betrachtet, wobei in Bezug auf die
psychiatrische Abklärung im Rahmen der Begutachtung durch die MEDAS wohl die
Überlegung mitgewirkt hat, dass der Sachverständige die bundesgerichtliche
Rechtsprechung falsch interpretiert und deshalb auch falsch angewendet habe. In
dieser Situation hat die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur weiteren
Abklärung des psychischen Gesundheitszustandes und der daraus allenfalls
resultierenden Arbeitsunfähigkeit nur den Zweck gehabt, eine dritte, nun aber
überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung für die Zeit ab Dezember 2006 zu erhalten.
3.2 Der Begutachtungsauftrag an die MEDAS (vgl. IV-act. 114-2) hat zwar den
üblichen vollständigen Fragenkatalog enthalten, zusätzlich ist die MEDAS aber mit der
Aufgabe betraut worden, sich zu den "Beanstandungen" im Rückweisungsentscheid
des Versicherungsgerichts zu äussern. Hätte die Beschwerdegegnerin die Intention des
Versicherungsgerichts im Rückweisungsentscheid konsequent umgesetzt, hätte sie im
Begutachtungsauftrag den üblichen Fragenkatalog entweder weglassen müssen, d.h.
sie hätte den Abklärungsauftrag klar auf das Thema der "Beanstandungen"
beschränken müssen. So ist der entsprechende Teil des Begutachtungsauftrags
anscheinend nicht verstanden worden, denn im psychiatrischen Teil des Gutachtens
von 2012 findet sich – trotz eines entsprechenden Hinweises des psychiatrischen
Sachverständigen – keine Auseinandersetzung mit dem Gesundheitszustand und der
daraus allenfalls resultierenden Arbeitsunfähigkeit ab Dezember 2006. Die im
Gutachten von 2008 gestellte Diagnose wird als rezidivierende depressive Störung
mittelschweren Ausmasses mit somatischem Syndrom wiedergegeben. Dies wird als
Faktum betrachtet und zur Grundlage der Beurteilung der Entwicklung des
psychischen Gesundheitszustandes seit 2008 gemacht. Der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin soll sich seither "etwas gebessert" haben (vgl. IV-act. 120-12), was
dazu geführt habe, dass neu keine depressive Störung mehr habe objektiviert werden
können. Damit bestehe aus psychiatrischer Sicht eine uneingeschränkte
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Arbeitsfähigkeit. Das eigentliche Abklärungsziel, nämlich die Frage nach der
Arbeitsfähigkeit seit Dezember 2006, ist also nicht thematisiert worden. Trotzdem liefert
das MEDAS-Gutachten 2012 Informationen, die es erlauben, die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu
belegen: Der psychiatrische Sachverständige der MEDAS hatte im Jahr 2008
angegeben, die Beschwerdeführerin habe ihre Beschwerden – in einem durchwegs
kraftvoll anklagenden Unterton – recht konsistent geschildert. Diese Beschwerden
seien in einer Art vorgebracht worden, die weder ein Hinterfragen noch Hinweise auf
eigene Anteile zugelassen habe. Die Beschwerdeführerin habe von einem
Psychotherapeuten erwartet, dass er sie "abhöre", letztlich also in ihrer Opferrolle
bestärke. Klinisch hätten sich weder eine affektive Einengung noch eine spontane
Schmerzreaktion oder vegetativ-vitale Zeichen geäussert, die eine verminderte
Leistungsfähigkeit aufgezeigt hätten. Die relativ hohen Resultate in den Depressions-
Fremdbeurteilungsskalen seien hauptsächlich durch die anamnestischen Angaben
zustande gekommen. Es habe eine grosse Diskrepanz zwischen den im Gespräch
objektivierbaren Befunden und dem zu diagnostizierenden Syndrom bestanden. Wenn
man sich aber stur an die ICD-10 F-Diagnostik halte, müsse die Diagnose einer
mittelschweren depressiven Störung mit somatischem Syndrom gestellt werden. Die
RAD-Ärztin habe diese Diagnose, wohl gestützt auf den Mangel an objektivierbaren
Befunden und auf die Verdeutlichungstendenz, nicht stellen wollen. Deshalb habe sie
eine schwere psychische Erkrankung ausgeschlossen. Die Beschwerdeführerin leide
auch an einer Persönlichkeitsstörung mit einem passiv-aggressiven und histrionischen
Einschlag, ohne deswegen aber für Dritte unzumutbar zu sein, wie die mehrjährige
Tätigkeit als Gastwirtin gezeigt habe. Der Schweregrad der depressiven Störung sei
wegen der Verdeutlichungstendenz kaum zu objektivieren. Das depressive
Zustandsbild dürfte zum grössten Teil auf die psychosoziale Belastungssituation
zurückzuführen sein, weshalb keine schwere psychische Beeinträchtigung bestehe.
3.3 Damit hat der psychiatrische Sachverständige im Jahr 2008 erklärt, warum er
einerseits eine mittelschwere depressive Störung angegeben und andererseits eine
Arbeitsunfähigkeit verneint hat: Die Diagnose ist das Ergebnis des Ausgangs
verschiedener standardisierter Tests gewesen, wobei eine deutliche Diskrepanz zur
klinischen Untersuchung aufgefallen ist, d.h. die Diagnose ist auf die Verdeutlichung
zurückzuführen gewesen, während die Arbeitsfähigkeitsschätzung auf das Ergebnis der
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klinischen Abklärung abgestellt hat. Der psychiatrische Sachverständige hat also im
Jahr 2008 die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung aktuell
mittelschweren Ausmasses angegeben, ist aber eigentlich davon ausgegangen, dass
nur eine leichtgradige Ausprägung der depressiven Störung vorliege, die keine
Arbeitsunfähigkeit zur Folge habe, weil es der Beschwerdeführerin bei einer
zumutbaren Willensanstrengung möglich und zumutbar gewesen wäre, zu 100% einer
adaptierten Erwerbstätigkeit nachzugehen (zumal keine die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigende affektive Einengung oder kognitive Beeinträchtigung vorlag).
3.4 Durch das MEDAS-Gutachten 2012 ist nun erkennbar geworden, dass die Ab
weichung zwischen der Diagnose und der Arbeitsfähigkeitsschätzung im Jahr 2008
insbesondere auf eine Diagnose zurückzuführen ist, die sich einzig auf die
standardisierte Testung und nicht auf die klinische Untersuchung gestützt hat. Die
psychiatrische Begutachtung von 2012 hat das Abklärungsresultat des Jahres 2008
vollumfänglich bestätigt. Die Beschwerdeführerin hat erneut jene
Verhaltensauffälligkeiten gezeigt, die für eine Persönlichkeitsstörung mit histrionischen,
passiv-aggressiven und paranoiden Zügen typisch sind. Die Anpassungsstörung hat
sich auf weitere Körperfunktionen ausgeweitet, aber die angegebenen Schmerzen
haben an Dramatik abgenommen. Wie schon im Jahr 2008 ist auch im Jahr 2012
daraus keine Arbeitsunfähigkeit abzuleiten gewesen. Ausschlaggebend ist nun aber,
dass keine depressive Störung hat objektiviert werden können. Diese Einschätzung
beruht nicht nur auf dem Ergebnis der klinischen Untersuchung im Gespräch, sondern
auch auf Testungen. Eine dieser Testungen hat zwar eine hohe Punktzahl ergeben,
aber der psychiatrische Sachverständige hat diesmal, anders als 2008, das Ergebnis
kritisch beleuchtet und da es weder mit der Anamnese noch mit dem klinischen Befund
korrelierte, nicht als Basis für seine Einschätzung herangezogen. Eine andere Testung
hat sogar eine depressive Störung ausgeschlossen.
3.5 Die Aussage des psychiatrischen Sachverständigen, es sei seit 2008 eine leichte
Verbesserung eingetreten, muss nach dem oben Ausgeführten relativiert werden, da
sie sich an einer Diagnose orientiert, die nach dem oben Ausgeführten damals nicht mit
Überzeugung gestellt worden ist. Daraus folgt, dass die – überzeugende –
Einschätzung im MEDAS-Gutachten von 2012 (uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit) die
gleichlautende Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten des Jahres 2008
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vollumfänglich bestätigt. Für die Zeit ab der Begutachtung von 2008 ist also davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit nicht
arbeitsunfähig gewesen ist. Da nichts darauf hindeutet, dass dies vor der
Begutachtung von 2008 anders gewesen sein könnte (und da für die massgebende
Periode keine überzeugende Abklärung mehr möglich ist), ist davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin bei objektiver Betrachtung ab Dezember 2006 – entgegen den
Angaben des behandelnden Arztes – aus psychiatrischer Sicht nicht arbeitsunfähig
gewesen ist.
3.6 Das MEDAS-Gutachten vom 18. August 2008 erweist sich, soweit es sich auf die
somatischen Beschwerden bezieht, auch bei nochmaliger Würdigung als
nachvollziehbar und überzeugend, weshalb es diesbezüglich eine ausreichende
Grundlage für die Beurteilung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit der
Beschwerdeführerin darstellt. Das Gericht ist denn auch in seinem Entscheid vom
9. Februar 2011 lediglich in Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin zur Auffassung gelangt, dass dieses Gutachten nicht zu
überzeugen vermöge. Das neue MEDAS-Gutachten vom 17. Februar 2012 ist deshalb
nicht nur ein Verlaufsgutachten, mit dem die Entwicklung der somatischen und
psychischen Gesundheit der Beschwerdeführerin seit 2008 erhoben worden ist. Es ist
in Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und in
Bezug auf die daraus allenfalls resultierende Arbeitsunfähigkeitsschätzung auch eine
Ergänzung des MEDAS-Gutachtens von 2008, d.h. es sollte die Antwort auf die Frage
liefern, ob die Beschwerdeführerin aufgrund einer Beeinträchtigung ihrer psychischen
Gesundheit ab Dezember 2006 in einem rentenerheblichen Ausmass arbeitsunfähig
gewesen ist.
3.7 Wie gezeigt, ist es überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin
andauernd über die nötigen Ressourcen verfügt hat, um mit ihrer belastenden Situation
adäquat umzugehen. Zumindest ist es ihr stets zumutbar gewesen, die nötige
Willensanstrengung aufzubringen und ihre im Zusammenhang mit der
Somatisierungsstörung stehenden Beschwerden zu überwinden. Durch die Migräne hat
es zwar zu kurzfristigen Arbeitsausfällen kommen können, diese Beeinträchtigung
konnte aber nie eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben. Tätigkeiten mit
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wiederholtem Bücken zu vermeiden, sollte der Beschwerdeführerin ohne weiteres
möglich gewesen sein.
3.8 Während bei der Verfügung vom 5. Januar 2009 auf einen IV-Grad von 31%
abgestellt worden ist, stützt sich die Verfügung vom 18. Juni 2012 auf einen
Invaliditätsgrad von 0%. Ob weiterhin auf die im MEDAS-Gutachten 2008 festgestellte
Arbeitsunfähigkeit von maximal 25% abzustellen ist oder ob sich der
Gesundheitszustand so verbessert hat, dass keine Arbeitsunfähigkeit mehr besteht,
kann offen bleiben, da auch bei der Annahme einer unveränderten 25%igen
Arbeitsunfähigkeit kein Invaliditätsgrad von mindestens 40% resultieren würde.
4.
4.1 Es ist damit zusammenfassend festzustellen, dass der Beschwerdeführerin
durchgehend seit 2006 eine 100%ige Arbeitstätigkeit zumutbar war. Weitere
Ausführungen erübrigen sich, da bei dieser Ausgangslage kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad von mindestens 40% entstehen konnte. Damit hat die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht
verneint. Folglich ist die Beschwerde unter Bestätigung der Verfügung vom 18. Juni
2012 abzuweisen.
4.2 Falls die Beschwerdeführerin der Ansicht ist, ihr Gesundheitszustand habe sich
nach Erlass der Verfügung (vom 18. Juni 2012) massgeblich verschlechtert, steht es ihr
frei, dies im Rahmen einer Wiederanmeldung gegenüber der (zuständigen) IV-Stelle
geltend zu machen.
5.Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be
willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
Sie sind ermessensweise auf Fr. 600.-- zu veranschlagen. Nachdem die
Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren unterlegen ist, hat sie die
Gerichtskosten zu tragen. Die Gerichtskosten sind durch den bezahlten
Kostenvorschuss in gleicher Höhe gedeckt.
bis
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht