Decision ID: e2f4ca97-de75-5f7d-99ce-505549e2162a
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerschaft reichte am 21. Dezember 2018 bei der Gemeinde
Amsoldingen ein Baugesuch ein für die Sanierung der Zufahrtsstrasse zum C._ 2
und den Anschluss der Liegenschaft C._ 2 an die Abwasserreinigungsanlage auf
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den Parzellen Amsoldingen Grundbuchblatt Nrn. D._, E._ und
F._. Die Parzellen liegen in der Landwirtschaftszone und im Perimeter der
Moorlandschaft Nr. G._ von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung
sowie im BLN1-Gebiet H._. Das Vorhaben betrifft zudem die im kantonalen
Sachplan Wanderroutennetz eingetragene Ergänzungsroute I._ und die im
Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) inventarisierte Strecke
"J._" von lokaler Bedeutung mit Substanz.
Mit Fachbericht "Wanderweg und IVS" vom 3. April 2019 beantragte der
Beschwerdeführer, die Bewilligung nicht zu erteilen. Er begründete dies damit, dass mit
dem Vorhaben der Wanderweg auf einer grösseren Strecke mit einem für Wanderer
ungeeigneten Belag versehen werde und ein entsprechender Ersatz gemäss Art. 7 FWG2
fehle. Mit Verfügung vom 29. Mai 2019 bewilligte das AGR das Bauvorhaben als
zonenkonform. Gestützt auf diese Verfügung erteilte die Gemeinde mit Gesamtentscheid
vom 5. Juli 2019 die Baubewilligung.
2. Gegen diesen Entscheid reichte der Beschwerdeführer am 8. August 2019
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er
beantragt die Aufhebung des Entscheids vom 5. Juli 2019. Eventualiter sei die Sache zur
Neubeurteilung an die Baubewilligungsbehörde zurückzuweisen unter gleichzeitiger
Anweisung an die Gemeinde, ihr Wanderroutennetz gemäss den Qualitätsanforderungen
des Sachplans Wanderroutennetz des Kantons Bern zu überprüfen und gesamthaft zu
verbessern.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet3, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Mit Eingabe vom 3. September 2019
stellt die Gemeinde den Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen. Das AGR beantragt mit
Stellungnahme vom 3. September 2019 die Gutheissung der Beschwerde. Von der
Beschwerdegegnerschaft ging keine Beschwerdeantwort ein.
1 Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. 2 Bundesgesetz vom 4. Oktober 1985 über Fuss- und Wanderwege (FWG; SR 704). 3 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191).
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Mit Verfügung vom 18. September 2019 verlangte das Rechtsamt von der Gemeinde
weitere Vorakten und gab den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit zur Einreichung einer
allfälligen weiteren Stellungnahme. Die Gemeinde reichte die Vorakten mit Schreiben vom
26. September 2019 ein. Von der Gelegenheit zur Stellungnahme machten die
Verfahrensbeteiligten nicht Gebrauch.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Der Entscheid der Gemeinde vom 5. Juli 2019 ist ein Gesamtentscheid im Sinne von
Art. 9 Abs. 1 KoG4, die Verfügung des AGR eine weitere Verfügung im Sinne von Art. 9
Abs. 2 Bst. b KoG. Beide sind gestützt auf Art. 11 Abs. 1 KoG in Verbindung mit Art. 5
Abs. 1 KoG mit Beschwerde nach Art. 40 Abs. 1 BauG5 bei der BVE anfechtbar. Diese ist
somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Einspracheberechtigt sind nach Art. 35 Abs. 2 Bst. c BauG die
Behörden der Gemeinden und die Organe von Gemeindeverbindungen, des Kantons und
des Bundes.
Im bernischen Verfassungsrecht ist der Begriff "Organ" weiter gefasst als im Privatrecht
und umfasst jede für den Kanton tätige Person.6 Daraus ist abzuleiten, dass der Begriff
"Organ" auch im Baurecht und damit bei Art. 35 Abs. 2 Bst. c BauG weit auszulegen ist und
4 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 6 Vgl. für den Bereich der Staatshaftung: Art. 71 der Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1) sowie die Ausführungen dazu in Walter Kälin/Urs Bolz, Handbuch des bernischen Verfassungsrechts, 1995, Art. 71 N. 2a. Ebenso Art. 69 Abs. 3 KV für den Bereich der Delegation.
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nicht die Verfügungs- oder Entscheidbefugnis einer Amtsstelle voraussetzt. Eingeschränkt
wird das Einspracherecht der Behörden und Organe vielmehr dadurch, dass diese nur
Rügen zur Wahrung der ihnen anvertrauten öffentlichen Interessen erheben können (Art.
35c Abs. 2 BauG). Diese Voraussetzung ist vorliegend erfüllt: Gemäss Art. 31 SV7 ist das
Tiefbauamt die kantonale Fachstelle für Fuss- und Wanderwege im Sinne des
Bundesrechts. Das TBA ist daher gestützt auf Art. 35 Abs. 2 Bst. c und Art. 35c Abs. 2
BauG zur Einsprache befugt.
c) Vorliegend hat der Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren keine
Einsprache, sondern lediglich einen negativen Fachbericht eingereicht. Es stellt sich
deshalb die Frage, ob er dennoch zur Beschwerde legitimiert ist. Die BVE hat
diesbezüglich in der Vergangenheit die Ansicht vertreten, dass die zuständige Behörde nur
zur Beschwerde legitimiert ist, wenn sie im Baubewilligungsverfahren Einsprache erhoben
hat.8 Diese Haltung erweist sich aufgrund eines neueren Verwaltungsgerichtsentscheids9
als überholt. Darin anerkannte das Verwaltungsgericht des Kantons Bern – entgegen dem
Schluss der BVE – die Beschwerdebefugnis der Kantonalen Denkmalpflege (KDP) und
kam dabei zum Schluss, dass es bei Einreichen des negativen Fachberichts im Verlauf des
Verfahrens innerhalb der Einsprachefrist überspitzt formalistisch wäre, als Voraussetzung
für eine allfällige Beschwerde der Amtsstelle an die BVE zusätzlich eine förmliche
Einsprache zu verlangen. Dieser Rechtsprechung ist auch vorliegend zu folgen. Der
Beschwerdeführer hat in seinem negativen Fachbericht klar zu bekennen gegeben, wieso
das umstrittene Bauvorhaben nicht bewilligt werden kann. Dieser Fachbericht vom 3. April
2019 ging während der Einsprachefrist ein (gemäss angefochtenem Entscheid vom
7. März 2019 bis 8. April 2019). Der Beschwerdeführer ist daher beschwerdelegitimiert. Auf
seine form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. Unter diesen
Umständen kann offen bleiben, ob am Erfordernis des Einreichens des negativen
Fachberichts während der Einsprachefrist festzuhalten ist.10
7 Strassenverordnung vom 29. Oktober 2008 (SV; BSG 732.111.1). 8 BDE 110/2015/128 vom 10. März 2016, auch BDE 11188-99 B1 vom 31. März 2000, E. 2.2, in BVR 2001 S. 128 (in beiden Fällen hat die BVE jedoch den angefochtenen Entscheid aufgrund erheblicher Mängel gestützt auf Art. 40 Abs. 3 BauG von Amtes wegen aufgehoben). 9 VGE 2016/98 vom 5. Dezember 2017, E. 4, bestätigt durch BGer 1C_38/2018 vom 6. September 2018, beide in BVR 2018 S. 469. 10 Vgl. Kommentar Ludwig zu den in der FN 9 erwähnten Entscheiden, in BVR 2018 S. 480.
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2. Streitgegenstand
a) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht
sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand.
Sowohl für das Einleiten eines Beschwerdeverfahrens als auch für dessen Umfang und
eine allfällige vorzeitige Beendigung gilt somit die Verfügungs- oder Dispositionsmaxime
sowie das Rügeprinzip. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des
Verfahrens nicht erweitern, sondern nur einschränken.11
b) Mit dem angefochtenen Entscheid bewilligte die Vorinstanz die Sanierung der
Zufahrtsstrasse zum C._ 2 und den Anschluss der Liegenschaft C._ 2 an
die Abwasserreinigungsanlage. Der Beschwerdeführer beantragt zwar die Aufhebung des
gesamten Bauentscheids. Als kantonale Fachstelle für Fuss- und Wanderwege wehrt er
sich aber einzig gegen die Sanierung der Zufahrtsstrasse. Der Antrag ist daher unter
Zuhilfenahme der Begründung so zu verstehen, dass der Beschwerdeführer bloss die
Aufhebung der Baubewilligung hinsichtlich dieser Sanierung verlangt. Der ebenfalls
bewilligte Anschluss der Liegenschaft C._ 2 an die Abwasserreinigungsanlage,
welcher nichts mit dem hier umstrittenen Bauvorhaben zu tun hat, bildet daher nicht
Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens.
3. Eingriff in Wanderweg
a) Das von der Vorinstanz bewilligte Bauvorhaben umfasst eine vollflächige Betonierung
eines rund 120 m langen Teilstücks des Weges "C._" (im bewilligten
Situationsplan12 grün eingetragen, bezeichnet als "unteres Teilstück"), wobei gemäss den
unbestritten gebliebenen Ausführungen des Beschwerdeführers auf rund 90 m dieses
Teilstücks bereits in einem früheren Verfahren das Einbringen eines Asphaltgranulats
bewilligt wurde.13 Auf diesem Teilstück bewilligte die Vorinstanz damit einen Belagsersatz
auf einer Länge von rund 90 m (von Asphaltgranulat zu vollflächigem Beton) und eine
11 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8. 12 Situationsplan vom 18.12.2018, mit Bewilligungsstempel der Gemeinde vom 5. Juli 2019. 13 Bauentscheid der Gemeinde vom 9. März 2015 zu Baugesuchsnummer 0921.2012.013, vgl. insbesondere den damals bewilligten Plan "Situation 1:1000" vom 10. September 2012 mit Stempel Gemeinde vom 9. März 2015, worin dieses Teilstück auch rund 90 m beträgt.
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vollflächige Neubetonierung auf einer Länge von rund 30 m. Im oberen Teilstück dieses
Weges mit einer Länge von rund 170 m (im bewilligten Situationsplan rot eingetragen,
bezeichnet als "oberes Teilstück") bewilligte die Gemeinde mit dem angefochtenen
Entscheid den Einbau von Beton im Bereich der Fahrspuren.
Der betreffende Weg ist Teil der im kantonalen Sachplan Wanderroutennetz eingetragenen
Ergänzungsroute I._ Die rund 90 m des unteren Wegstücks mit Asphaltgranulat
sind im Sachplan als Ergänzungsroute mit Hartbelag verzeichnet, der Rest des betroffenen
Abschnitts (rund 30 m des unteren Wegstücks, rund 170 m des oberen Wegstücks) als
Ergänzungsroute mit Naturbelag. Der Weg ist zudem Teil der im Bundesinventar der
historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) inventarisierten Strecke J._ von
lokaler Bedeutung mit Substanz.
b) Der Beschwerdeführer rügt, er habe im Fachbericht beantragt, die Bewilligung sei
nicht zu erteilen, da der Wanderweg mit einem für Wanderer ungeeigneten Belag versehen
werden solle und ein entsprechender Ersatz fehle. Die Gemeinde sei auf seine Forderung
nicht eingegangen. Der im FWG beschriebene Zielzustand für das Wanderwegnetz laute,
dass dieses keine grösseren Wegstrecken mit ungeeigneten Belägen enthalten solle. Um
diesen Zielzustand zu erreichen, sei Ersatz auch für kürzere Belagsstrecken erforderlich,
da sonst daraus über die Zeit grössere Belagsstrecken entstünden. Dies zeige sich auch in
Amsoldingen deutlich, wo bereits über 50 % des Wanderwegnetzes mit Hartbelägen
versehen sei. Die Praxis des Kantons Bern wende zwar einen sogenannten
Toleranzbereich an, wonach die Fachstelle dem Belagseinbau zustimme, wenn die
vorgesehene Belagsstrecke bei einem Vorhaben innerhalb des Bereichs von 100 bis 200
m liege und kein angemessener Ersatz realisierbar sei. Vorliegend sei jedoch auch dieser
Toleranzbereich ausgereizt. Indem die Gemeinde das Bauvorhaben ohne Ersatzpflicht
bewilligt habe, habe sie gegen das FWG verstossen.
Die Gemeinde entgegnet in ihrer Stellungnahme vom 3. September 2019, das untere
Wegstück, welches vollumfänglich mit Beton befestigt werden soll, werde im Sachplan
Wanderroutennetz bereits als vollbefestigt geführt. Das obere Teilstück werde bewusst
nicht vollflächig, sondern nur in den Fahrspuren befestigt. In der der Mitte bleibe ein
Grünstreifen. Somit verändere sich gegenüber dem Sachplan Wanderroutennetz nichts.
Der gesamte Abschnitt von K._ bis L._, auf welchem sich der projektierte
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Asphaltweg befinde, werde von den Wanderern extrem selten genutzt, er diene eher als
Biker-Strecke.
Das AGR führte mit Stellungnahme vom 3. September 2019 aus, es habe im
Bewilligungsverfahren keine Kenntnisse vom negativen Fachbericht des
Beschwerdeführers gehabt. Man habe sich hierzu nicht äussern können bzw. keine
abschliessende raumplanungsrechtliche Interessenabwägung nach Art. 34 Abs. 4 RPV14
vornehmen können. Die Verfügung vom 29. Mai 2019 sei somit nicht vollständig; es fehle
die raumplanungsrechtliche Interessenabwägung mitsamt dem ablehnenden Fachbericht
"Wanderweg und IVS". Dem Vorhaben dürfte vorliegend ein überwiegendes Interesse
entgegenstehen und es sei voraussichtlich mit einer negativen Verfügung ihrerseits zu
rechnen. Die Beschwerde sei daher gutzuheissen.
c) Das FWG verpflichtet die Kantone, dafür zu sorgen, dass Fuss- und Wanderwege
angelegt, unterhalten und gekennzeichnet werden, diese Wege frei und möglichst
gefahrlos begangen werden können und der öffentliche Zugang rechtlich gesichert ist (Art.
6 Abs. 1 FWG). Ein wichtiges Anliegen der Gesetzgebung ist es zu verhindern, dass sich
die Lage der Wanderwege verschlechtert.15 Für angemessenen Ersatz durch vorhandene
oder neu zu schaffende Wege ist zu sorgen, wenn die in den Plänen enthaltenen Fuss-
und Wanderwegnetze oder Teile davon aufgehoben werden müssen (Art. 7 Abs. 1 FWG).
Dies gilt beispielsweise, wenn solche Wege auf einer grösseren Wegstrecke mit Belägen
versehen werden, die für die Fussgängerinnen und Fussgänger ungeeignet sind (Art. 7
Abs. 2 Bst. d FWG). Für Wanderwege ungeeignet sind namentlich alle bitumen-, teer- oder
zementgebundenen Deckbeläge (Art. 6 FWV). Gemäss der gängigen Praxis im Kanton
Bern gelten Strecken ab 100 m bei vollflächigen Belägen und Strecken ab 200 m bei nicht
vollflächigen Belägen (Fahrspuren) als grössere Wegstrecken.
d) Die Strecke, welche gemäss dem Baugesuch der Beschwerdegegnerschaft mit
betonierten Asphaltspuren versehen werden soll, beträgt rund 170 m. Auf einer Teilstrecke
von rund 30 m des unteren Teilstücks soll der Naturbelag zudem neu durch einen
vollflächigen Betonbelag ersetzt werden. Bei beiden Strecken handelt es sich unstrittig um
Wegstrecken mit Belägen, die für die Fussgängerinnen und Fussgänger ungeeignet sind.
Rechnet man diese zusammen und berücksichtigt dabei den Umstand, dass die
14 Raumplanungsverordnung des Bundesrats vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1). 15 Botschaft des Bundesrats zu einem Bundesgesetz über Fuss- und Wanderwege vom 26.9.1983, in BBl 1983 IV 1, S. 8.
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vollflächige Betonierung gemäss der erwähnten Praxis doppelt ins Gewicht fällt, so
überschreitet dieses Vorhaben den Toleranzbereich. Dazu kommt, dass eine weitere
Wegstrecke von rund 90 m einen Belagsersatz erfahren soll (von Asphaltgranulat zu
vollflächigem Beton), was für die Fussgängerinnen und Fussgänger und damit aus Sicht
des FWG auch eine Verschlechterung darstellt. Damit löst die geplante Betonierung nach
Art. 7 FWG eine Ersatzpflicht aus. Eine Ersatzroute auf einem anderen Streckenabschnitt
oder einen anderen angemessenen Ersatz sehen die Beschwerdegegnerschaft und die
Gemeinde jedoch nicht vor. Das Bauvorhaben verstösst damit gegen Art. 7 FWG. Es
widerspricht deshalb den Zielen der Fuss- und Wanderweggesetzgebung und stellt einen
erheblichen Eingriff an einem bestehenden Wanderweg dar.
e) Ist ein erheblicher Eingriff an einem bestehenden Wanderweg geplant, so haben die
urteilenden Behörden eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen.16 Eine solche
ist vorliegend im Rahmen der Prüfung der Zonenkonformität des umstrittenen Vorhabens
angezeigt (Art. 16a Abs. 1 RPG17, Art. 34 Abs. 4 Bst. b RPV).
Wie das AGR in seiner Stellungnahme vom 3. September 2019 festhält, hat es – mangels
Kenntnis des negativen Fachberichts des Beschwerdeführers – keine abschliessende
Interessenabwägung vorgenommen. Dies muss daher nachgeholt werden, wobei
Folgendes zu berücksichtigen ist: Zu den wichtigen Anliegen der Raumplanung gehört der
Schutz der Erholungsräume (Art. 3 Abs. 2 Bst. d RPG) und in diesem Zusammenhang die
Erhaltung zusammenhängender Fuss- und Wanderwegnetze (Art. 3 Abs. 3 Bst. c RPG,
Art. 1 FWG). Das FWG will unter anderem dem drohenden Verschwinden von Fuss- und
Wanderwegen durch Teerung, durch Ausbau und Beanspruchung durch den motorisierten
Verkehr und der Unterbrechung bestehender Wegverbindungen durch bauliche
Massnahmen zugunsten Dritter entgegenwirken.18 Bei der Interessenabwägung ist zu
beachten, dass die zunehmende Asphaltierung von Wanderwegen Ausgangspunkt für die
Schaffung von Art. 37quater aBV19 (heute: Art. 88 BV20) war.21 Es darf deshalb nicht leichthin
16 VGE 2012/78 vom 12. November 2012 E. 5.1 mit Hinweisen. 17 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). 18 Heinrich Jud, Rechtsfragen bei Fuss- und Wanderwegen, Aspekte der rechtlichen Sicherung, der Haftung und des Unterhaltes, Arbeitsgemeinschaft Recht für Fussgänger, Zürich 1986. 19 Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 (aBV). 20 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101).
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von der Zielsetzung, die weitere Asphaltierung von Wanderwegen zu verhindern,
abgewichen werden.22 Gleichzeitig ist aber zu berücksichtigen, dass es sich vorliegend
gemäss Sachplan nicht um eine Hauptwanderroute, sondern um eine Ergänzungsroute
handelt, und dass diese auf einem Abschnitt des unteren Teilstücks bereits als Hartbelag
geführt ist. Bei der Interessenabwägung ist auch miteinzubeziehen, dass der umstrittene
Weg durch verschiedene Schutzgebiete führt (geschützte Moorlandschaft, BLN-Gebiet).
Die Interessen am Erhalt des Wanderweges sind den Interessen der
Beschwerdegegnerschaft am Bauvorhaben gegenüberzustellen, welche der BVE mangels
näherer Ausführungen dazu in den Vorakten bzw. in der angefochtenen Verfügung des
AGR und dem angefochtenen Entscheid der Gemeinde nicht bekannt sind.
f) Nach Art. 72 Abs. 1 VRPG23 entscheidet die Beschwerdeinstanz in der Sache oder
weist die Akten ausnahmsweise mit verbindlichen Anordnungen an die Vorinstanz zurück.
Es müssen besondere Gründe dafür sprechen, dass die Vorinstanz noch einmal zum
Entscheid über das streitige Rechtsverhältnis aufgerufen wird. Mangelnde Entscheidreife
der Angelegenheit kann einen solchen Grund abgeben.24
Nach dem Gesagten erweist sich die Angelegenheit als nicht entscheidreif. Es ist nicht
Aufgabe der BVE als Rechtsmittelinstanz, die erwähnte umfassende Interessenabwägung
erstmals im Baubeschwerdeverfahren vorzunehmen. Es rechtfertigt sich daher, die Akten
gestützt auf Art. 72 Abs. 1 VRPG zur Fortsetzung des Verfahrens im Sinne der
Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Die Gemeinde wird dabei eine neue Verfügung beim AGR einholen müssen, welche auf
einer umfassenden Interessenabwägung in Kenntnis aller relevanten
Sachverhaltselemente und Facheinschätzungen beruht.
21 BVR 1992 S. 326 E. 6d/cc; VGE 2011/224 vom 9. Januar 2012, E. 5.3.4, bestätigt in BGer 1C_99/2012 vom 5. Juli 2012, E. 3.2; Botschaft des Bundesrats zu einem Bundesgesetz über Fuss- und Wanderwege vom 26. September 1983, in BBl 1983 IV 1, S. 4. 22 BVR 1992 S. 326 E. 6d/cc; vgl. auch BVR 1991 S. 222 E. 4d; VGE 2012/78 vom 12. November 2012 E. 5.2 mit Hinweisen. 23 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 24 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 3.
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g) Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Bauvorhaben "Anschluss der
Liegenschaft C._ 2 an die Abwasserreinigungsanlage" nicht Streitgegenstand des
vorliegenden Verfahrens bildet. Hinsichtlich des Bauvorhabens "Sanierung der
Zufahrtsstrasse zum C._ 2" ist die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens im Sinne
der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der vorinstanzliche Entscheid vom
5. Juli 2019 ist daher diesbezüglich in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Die
Verfügung des AGR vom 29. Mai 2019, welche sich nur mit der Sanierung der
Zufahrtsstrasse befasst, ist schliesslich vollständig aufzuheben.
4. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf Fr. 800.00 (Art. 103
Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1 GebV25). Laut Art. 108 Abs. 1 VRPG
werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben. Behörden im Sinne von Art.
2 Abs. 1 Bst. a VRPG werden keine Verfahrenskosten auferlegt. Anderen Vorinstanzen
oder beschwerdeführenden und unterliegenden Behörden werden Verfahrenskosten nur
auferlegt, wenn sie in ihren Vermögensinteressen betroffen sind (Art. 108 Abs. 2 VRPG).
Die Beschwerdegegnerschaft hat zwar keine Anträge gestellt, als Bauherrschaft ist sie
jedoch als notwendige Partei am Verfahren beteiligt. Sie kann sich der Kostenpflicht nicht
dadurch entziehen, dass sie oder er auf das Stellen von Anträgen verzichtet.26 Als
unterliegende Partei ist sie deshalb grundsätzlich kostenpflichtig. Die Tatsache, dass die
Gemeinde dem AGR den negativen Fachbericht des Beschwerdeführers im
vorinstanzlichen Verfahren vorenthielt, stellt jedoch einen besonderen Umstand im Sinne
von Art. 108 Abs. 1 VRPG dar. Der Vorinstanz können keine Verfahrenskosten auferlegt
werden, da sie nicht in ihren Vermögensinteressen betroffen ist (Art. 108 Abs. 2 VRPG).
Die Verfahrenskosten trägt daher der Kanton.
25 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 26 BVR 2015 S. 541 E. 8.1.
RA Nr. 110/2019/132 Seite 11 von 13
b) Der Beschwerdeführer hat als Behörde im Sinne von Art. 2 Abs. 1 Bst. a VRPG
keinen Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 104 Abs. 3 VRPG). Parteikosten werden
daher keine gesprochen.
c) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren vor der Vor-
instanz betragen Fr. 2'563.00 (Ziffer 4.3 des angefochtenen Entscheids). Eine nähere
Kostenzusammenstellung findet sich weder im Entscheid noch in den zugestellten
Vorakten, weshalb sich diese Kosten nicht auf die beiden Bauvorhaben aufteilen lassen.
Die Kostenverfügung ist daher trotz der bloss teilweisen Aufhebung des angefochtenen
Entscheids ganz aufzuheben. Die amtlichen Kosten im Zusammenhang mit dem
Bauvorhaben "Anschluss der Liegenschaft C._ 2 an die
Abwasserreinigungsanlage" hat die Gemeinde der Beschwerdegegnerschaft nach
Rechtskraft des vorliegenden Entscheids mittels separater Kostenverfügung in Rechnung
zu stellen. Hinsichtlich des Bauvorhabens "Sanierung der Zufahrtsstrasse zum C._
2" geht die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens zurück an die Gemeinde, so dass sie die
diesbezüglichen Kosten im Rahmen des zu fällenden Entscheides liquidieren kann.