Decision ID: be1f82bb-3ac6-5f01-b1c9-01fd83ae7d81
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein ethnischer Somali islamischen Glaubens mit
somalischer Staatsangehörigkeit und Zugehörigkeit zur Clanfamilie (...),
Clan (...) (Provinz Somaliland) – verliess gemäss eigenen Angaben am
(...) 2016 seine Heimatstadt in Richtung Bossaso, wo er für ungefähr einen
Monat in einem Hotel als Tellerwäscher arbeitete, bevor er in einem
Schlepperboot in Richtung Jemen sein Heimatland verlassen habe. Er sei
über Jemen und Sudan nach Lybien gereist und habe sich dort ungefähr
neun Monate aufgehalten, bevor er am 20. Dezember 2017 illegal in die
Schweiz einreiste.
B.
Gleichentags stellte er im Empfangs- und Verfahrenszentrum des Staats-
sekretariats für Migration (SEM) in Basel ein Asylgesuch. Am 8. Januar
2018 befragte ihn das SEM im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ)
Basel zur Person (BzP), wobei er angab, minderjährig zu sein (Geburtsda-
tum (...) 2001). Eine vorgängige Handknochenanalyse im Rahmen des
SEM-Verfahrens ergab ein Mindestalter von 19 Jahren, weshalb sein Ge-
burtsdatum auf den 1. Januar 1999 festgesetzt wurde.
Bei der BzP gab er unter anderem an, dass er in Janalé in Somalia geboren
sei und aus der Provinz Shabelado Hosse stamme. Er habe mit drei Brü-
dern und einer Schwester im gleichen Haushalt gelebt, welche alle 2012
zerstreut geflohen seien, nachdem sein Vater ums Leben gebracht worden
sei. Er wisse nicht, wo seine ebenfalls mit dem jüngsten Geschwister ge-
flohene Mutter sei. Als Fluchtgrund gab er in der BzP an, dass er seit der
Ermordung seines Vaters auf sich alleine gestellt gewesen sei. Dieser habe
sich nicht Al Shabaab anschliessen wollen und der Beschwerdeführer habe
nach seines Vaters Tod von ihnen Drohungen erhalten, dass ihm dasselbe
passiere, wenn er sich nicht mit ihnen verbünde.
C.
Am 11. Oktober 2018 wurde der Beschwerdeführer erstmals einlässlich zu
seinen Asylgründen angehört. Dabei wiederholte er die Angaben, welche
er in der BzP gemacht hatte, und konkretisierte, dass sein Vater am (...)
2012 getötet worden sei. Der Beschwerdeführer sei damals von der Schule
nach Hause gekommen, seine Familie sei weg gewesen und das Haus
beschlagnahmt worden. Er kenne keine anderen Verwandten und habe
nachts bei Ziegen geschlafen und tagsüber gebettelt, bis er genügend für
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die Reise gespart gehabt habe. Als Fluchtdatum nannte er in dieser Anhö-
rung den (...) Monat des Jahres 2015. Zum Fluchtgrund ergänzte er, ein-
mal im (...) Monat des Jahres 2013 von Maskierten der Al Shabaab mit
dem Tode bedroht worden zu.
D.
Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätspapiere ein und könne diese
auch nicht beschaffen.
E.
Mit Zuweisungsentscheid vom 21. März 2018 wurde der Beschwerdeführer
dem Kanton Luzern zugewiesen.
F.
Mit Schreiben vom 8. Januar 2019 zeigte die Caritas Schweiz die Rechts-
vertretung des Beschwerdeführers an und teilte mit Eingabe vom 3. April
2019 mit, dass dieser ihr erhebliche neue Tatsachen anvertraut habe. Der
Beschwerdeführer machte geltend, er sei homosexuell, weswegen er in
Somalia beschimpft worden sei und Gewalt erlebt habe.
G.
Am 8. Juli 2019 reichte der Beschwerdeführer ein Unterstützungsschreiben
von Queeramnesty Amnesty International sowie Fotos von sich ein.
H.
Die Vorinstanz veranlasste am 10. Januar 2020 eine Identitätsabklärung
mittels einer linguistischen Analyse und der Prüfung der landeskundlich-
kulturellen Kenntnisse des Beschwerdeführers. Seine bisher zur Herkunft
gemachten Aussagen stimmten nicht mit dem Gutachtensergebnis über-
ein. Es stellte sich heraus, dass der Beschwerdeführer aus der Stadt Laas
Caanood, Provinz Sool, im Norden von Somalia stammt, wo er gemäss
eigenen Angaben sein ganzes Leben bis zur Ausreise verbracht habe.
I.
Eine ergänzende Zweitanhörung fand am 25. Juni 2020 statt und wurde
am 11. August 2020 fortgesetzt. Der Beschwerdeführer räumte ein, bisher
unwahre Angaben gemacht zu haben. Zur Familiensituation erklärte er
neu, er habe nur eine Schwester und seine Mutter habe in Laas Caanood
eine Strohhütte mit Gemüse auf dem Hauptmarkt (...). Er sei am (...) 2016
geflohen, weil er homosexuell sei. Es habe im (...) Monat des Jahres 2016
einen bestimmten Vorfall gegeben. Er sei mit seinem ersten Freund
B._, welchen er sechs Monate gekannt habe, zusammen gewesen
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und sie seien von einem Mann durch dessen Fenster beobachtet worden,
wie sie sich geküsst hätten. Der Mann habe geschrien, woraufhin andere
Leute, ungefähr vier Männer, deren Anzahl er an den Stimmen erkannt
habe, herbeigeeilt seien. Der Beschwerdeführer habe schneller wegrennen
können, als sein Freund. Dieser sei verprügelt und alsdann verhaftet wor-
den. Der Beschwerdeführer sei etwa dreissig Minuten weggerannt und als-
dann wegen Zurückschauens in der Nähe seines Wohnhauses gestürzt. Er
habe sich verletzt und viel Blut verloren. Eine Nachbarin habe ihn gesehen
und seine Schwester und seine Mutter informiert. Er sei bewusstlos gewe-
sen und man habe seine Wunde in einer Apotheke resp. einem Minispital
genäht. Seine Mutter habe am darauffolgenden Tag auf dem Markt gehört,
dass ein homosexueller Junge verhaftet worden sei, weil er beim Küssen
mit einem anderen Jungen erwischt worden sei. Er sei deswegen gefoltert
und mit dem Tod bedroht worden, um zur Preishabe der Information ver-
anlasst zu werden, wer der andere Junge gewesen sei. Seine Mutter hätte
gesagt, sie sei froh, dass ihr Sohn nicht homosexuell sei. Als konkreten
Ausreisegrund nannte der Beschwerdeführer alsdann, dass seinem
Freund am (...) 2016 oder (...) 2016 eine Gerichtsverhandlung bevorge-
standen hätte, bei welcher er wegen Homosexualität zum Tode verurteilt
worden wäre. Er habe befürchtet, sein Freund würde ihn dann verraten.
Das Geld für die Reise habe er von seiner Mutter gestohlen. Während der
Flucht auf der Ladefläche eines LKWs nach Bossaso sei er unterwegs vom
Chauffeur vergewaltigt worden. Dies habe er niemandem sagen können.
Der Chauffeur habe ihn mit dem Tod bedroht. Mit dem Chauffeur sei er
alsdann in die Stadt gereist, wo er diesen um Hilfe gebeten habe, eine Ar-
beitsstelle zu finden. Mit dem Boot sei er ungefähr einen Monat später nach
Jemen geflohen und, in Lybien angekommen, habe er seine Mutter kon-
taktiert, um sie vergeblich um Geld für die Weiterreise mit dem Boot zu
bitten. Der Beschwerdeführer sei neun Monate in Lybien geblieben und
habe dort in einem Flüchtlingslager gearbeitet (gekocht).
Der Beschwerdeführer erzählte betreffend Homosexualität, dass Homose-
xuelle in seinem Heimatland verfolgt würden und man viele Probleme in
der Gesellschaft habe. In der Öffentlichkeit, Gesellschaft und Schule sei er
mit Fragen, warum er wie eine Frau laufe oder rede, gedemütigt worden.
Seine Schwester habe ihm wegen seiner sexuellen Orientierung Fragen
gestellt, welche er jedoch nicht beantwortet habe. Es werde als eine
Schande angesehen, eine homosexuelle Person in der Familie zu haben.
Er habe bereits als Kind gewusst, dass er kein männliches Verhalten habe,
ihn ein solches störe und er damit auch nichts zu tun haben wolle. Als Ju-
gendlicher sei er feminin gewesen. Da er die Konsequenzen eines Coming
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Outs gekannt habe, habe er nie versucht, seine Homosexualität bekannt
zu machen. Erst nach einer Weile in der Schweiz habe er sich durch einen
Landsmann (Internetbekanntschaft) bestärkt dazu entschieden, sich zu ou-
ten. Dieser Landsmann habe ihn auch zur «LGBTIQ-Community» gebracht
und der Beschwerdeführer habe gelernt, dass jeder in der Schweiz Rechte
habe und sich «outen» könne, ohne Angst zu haben. In der Schweiz lebe
er mit seinem Partner, C._, zusammen.
Der Beschwerdeführer brachte in der Anhörung vor, dass er ums Leben
gebracht würde, wenn er in sein Heimatland zurückkehre, weil Homosexu-
alität verboten und ein Tabu sei.
J.
Das SEM verneinte mittels Verfügung am 28. September 2020 die Glaub-
haftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers und damit die Flücht-
lingseigenschaft (Ziffer 1), lehnte dessen Asylgesuch vom 20. Dezember
2017 ab (Ziffer 2) und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz an (Zif-
fer 3), wobei er infolge unzumutbaren Vollzugs vorläufig aufgenommen
wurde (Ziffer 4).
K.
Mit Eingabe vom 27. Oktober 2020 reichte der Beschwerdeführer gegen
diese Verfügung mittels seiner Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde ein. Dabei beantragte er die Aufhebung von Ziffer 1, 2
und 3 des angefochtenen Entscheides sowie die Feststellung der Flücht-
lingseigenschaft und Gewährung des Asyls. Eventualiter sei der Sachver-
halt zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
sowie um Beiordnung seiner Rechtsvertreterin als amtlichen Rechtsbei-
stand.
Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, dass das SEM die
Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen verneine, weil er diese erst im Nach-
hinein eingebracht habe. Falsche Angaben zu seinem Herkunftsort habe
er aber aus nachvollziehbaren Gründen gemacht, weil kein Dolmetscher
bei der damaligen Rechtsberatung anwesend gewesen sei. Die Kommuni-
kation sei allgemein schwierig verlaufen.
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Der Beschwerdeführer bekräftigte zur Flüchtlingseigenschaft hauptsäch-
lich sein Vorbringen, dass er aufgrund seiner sexuellen Identität sowie ho-
mosexuellen Orientierung bei einer Rückkehr nach Somalia flüchtlings-
rechtlich verfolgt würde. In Somalia könne er seinen Lebensstil nicht aus-
leben. Es bestehe auch kein Schutzmechanismus.
Allfällige Zweifel an der Homosexualität des Beschwerdeführers seien un-
begründet. Er lebe seit über einem Jahr mit seinem Partner in einer Bezie-
hung und er definiere seine sexuelle Identität «nach freiem Wohlbefinden»,
nicht nach männlichem oder weiblichem Geschlecht. In der LGBTIQ-Com-
munity könne er sich frei ausleben.
Die Beschwerde verweist auf verschiedene Quellen zur Thematik Homo-
sexualität in Somalia (www.ecoi.net; gesetzliche Strafe für gleichge-
schlechtlichen Geschlechtsverkehr, [Länder- und Einzelfall-] Berichte).
Der Beschwerde lagen – nebst einer Kopie der angefochtenen Verfügung
und einer Vollmacht vom 19. Dezember 2018 – Fotos des Beschwerdefüh-
rers, ein Bestätigungsschreiben seines Partners vom 4. Mai 2020, Berichte
des Hilfswerks der evangelischen Kirche Schweiz (HEKS) vom 25. Juni
2020 und 11. August 2020, eine Bescheinigung wirtschaftlicher Sozialhilfe
vom 22. Oktober 2020 sowie eine Liste der Aufwendungen der Rechtsver-
tretung bei.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Mai 2021 stellte der Instruktionsrichter
fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten. Gleichzeitig wies er die Gesuche um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung ab
und forderte den Beschwerdeführer unter Androhung des Nichteintretens
im Säumnisfall auf, bis zum 31. Mai 2021 einen Kostenvorschuss von
Fr. 750.00 zu leisten.
M.
Am 25. Mai 2021 ging der Kostenvorschuss fristgerecht beim Bundesver-
waltungsgericht ein.
N.
Mit Schreiben vom 2. Juni 2021 reichte der Beschwerdeführer ergänzende
Ausführungen ein, insbesondere mit Hinweis auf ein Urteil des Europäi-
schen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 17. November 2020 sowie
unter Beilage von Fotos von sich.
http://www.ecoi.net/
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Seite 7

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer Vo-
rinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das
Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt.
Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung
von Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls
und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend
– endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt –
als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG),
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln. Es
wurde auf einen Schriftenwechsel verzichtet (Art. 111a Abs. 1 und 2
AsylG).
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4.
4.1 In der Beschwerde werden indirekt formelle Rügen erhoben, welche
vorab zu beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassa-
tion der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer
rügt (sinngemäss) eine Verletzung der Pflicht zur vollständigen und richti-
gen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes und des Anspruchs
auf rechtliches Gehör.
4.2 Die Rüge der Verletzung der Pflicht zur vollständigen und richtigen Ab-
klärung des rechtserheblichen Sachverhaltes ist unbegründet. Der Be-
schwerdeführer vermengt dabei die sich aus dem Untersuchungsgrund-
satz ergebende Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhal-
tes mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, welche die mate-
rielle Entscheidung über die vorgebrachten Asyl- und Wegweisungsgründe
betrifft. Alleine der Umstand, dass der Beschwerdeführer die Auffassung
und Schlussfolgerungen der Vorinstanz nicht teilt, stellt mithin keine unrich-
tige beziehungsweise unvollständige Sachverhaltsfeststellung dar.
4.3 Ebenso unbegründet ist die sinngemässe Rüge der Verletzung des An-
spruchs auf rechtliches Gehör. Der Vorwurf, die befragende Person sei zu
wenig auf geschlechtsspezifische bzw. LGBTIQ Vorbringen geschult gewe-
sen, da ihr die Abkürzung LGBTIQ nicht gängig gewesen sei und sie sie
falsch wiederholt habe, vermag nicht zu überzeugen. Selbst wenn die Ab-
kürzung (auf Anhieb) nicht korrekt ausgesprochen wird, heisst dies nicht,
dass die Bedeutung dahinter verkannt wird. Dass Verständnis und Sensi-
bilität zur Thematik sowie eine vertrauenswürdige Atmosphäre während
der Anhörung ausgeblieben wären, erschliesst sich weder aus den Anhö-
rungsprotokollen noch den Unterschriftenblättern der Hilfswerkvertretung
(HWV) noch aus den der Beschwerde beiliegenden HEKS-Berichten (Be-
schwerdebeilage 6, jeweils Ziff. 1.7). Anhörungen zur sexuellen Identität
und Homosexualität sind wohl allgemein unangenehm und belastend,
nichtsdestotrotz ist die Erforschung des Sachverhaltes notwendig, um ei-
nen Entscheid fällen zu können. Betreffend Anhörungsatmosphäre wird auf
dem Unterschriftenblatt der HWV vom 25. Juni 2020 ([...]) einzig auf die
COVID-19-Situation hingewiesen und auf jenem vom 11. August 2020
([...]) nichts dazu gesagt. Hauptsächlich – und ergänzend auch nur einzig
– wird von der HEV festgehalten, dass der Beschwerdeführer ihrer Ansicht
nach homosexuell sei.
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Seite 9
4.4 Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Der entsprechende Eventualantrag ist abzuwei-
sen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli-
chen aus, der Beschwerdeführer habe zugegebenermassen in der BzP
und der ersten Anhörung unwahre Angaben über seinen Herkunftsort
(Janalé im Süden von Somalia), die Fluchtgründe (einmalige Drohung und
Verfolgung 2013 von Al-Shabaab; Ausreise aufgrund fehlender finanzieller
Möglichkeiten zweieinhalb Jahre später) und die Familiensituation (z.B.
Geschwister, Mutter) gemacht. Deswegen bestünden in Verletzung der
Wahrheits- und Mitwirkungspflicht schwerwiegende Gründe an der Glaub-
würdigkeit seiner Person. Die Antworten in den ergänzenden Anhörungen
betreffend den nachgeschobenen Grund der Homosexualität sowie zur Be-
ziehung seines ersten Freundes seien alsdann allgemein und unpräzise
ausgefallen und seine Schilderungen zum Kernvorbringen vom (...) 2016
(Entdeckung beim Küssen) seien betreffend Ort und Ablauf unsubstantiiert
und widersprüchlich. Im Weiteren seien sowohl die Angaben zur Ausreise
wie auch die Kommunikation mit resp. Informationen der Mutter konstruiert.
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Seine subjektiv empfundene Furcht infolge seiner Homosexualität resp. se-
xuellen Orientierung flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile erlitten zu ha-
ben, seien nicht glaubhaft begründet. Da seine Vorbringen der Glaubhaf-
tigkeit nach Art. 7 AsylG nicht standhalten würden, müsse deren Asylrele-
vanz nicht geprüft werden. Er erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, so-
dass sein Asylgesuch abzulehnen sei.
6.2 In der Beschwerde wird betreffend falsche Angaben zum Herkunftsort
im Wesentlichen entgegnet, die damalige Rechtsberatung sei durch den
Landsmann, welchen er aus dem Internet kenne, via Telefon erfolgt. Die
Kommunikation sei allgemein schwierig verlaufen, was aufgrund der Spra-
che und kulturellen Gegebenheiten grundsätzlich nicht einfach sei.
Der Beschwerdeführer führt aus, seine Flüchtlingseigenschaft sei mit den
Angaben in den ergänzenden Anhörungen nachgewiesen oder zumindest
glaubhaft gemacht. Es habe eine Vorverfolgung stattgefunden. Er macht
betreffend die nachgeschobenen Fluchtgründe geltend, es benötige Zeit,
bevor man mit seiner sexuellen Identität und Orientierung im Reinen sei.
Er lebe seit über einem Jahr in einer homosexuellen Beziehung. Im Weite-
ren würden subjektive Nachfluchtgründe vorliegen. Eine Rückkehr nach
Somalia führe aufgrund des Verhaltens des Beschwerdeführers zu einer
realen flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung. In Somalia könne er sei-
nen Lebensstil nicht ausleben und würde mit höchster Wahrscheinlichkeit
bestraft, mithin sogar hingerichtet werden. Es gebe kaum konkrete Infor-
mationen zur Lage von LGBTIQ in Somalia, da Sexualität und LGBTIQ ext-
rem tabuisiert würden. LGBTIQ-Personen seien durch ihre Familien (Eh-
renmorde) und Al Shabaab (Tötungen) sehr gefährdet. Homosexualität sei
per Gesetz verboten und werde mit bis zu drei Jahren Haft verurteilt. Vor
allem im Süden des Landes könnten von Sharia Gerichten Todessstrafen
oder Auspeitschungen verhängt werden. Es bestehe kein staatlicher
Schutz.
7.
7.1 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet im Ge-
gensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durch-
aus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Be-
schwerdeführers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit
der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist
auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Vorausset-
zung für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die
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Seite 11
eigenen Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen wider-
spruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse.
Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung
ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision
und innere Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Er-
lebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten
oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftma-
chung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstim-
mung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und
Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder
gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdar-
stellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftma-
chung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar
möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und
überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung
sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E.6.5.1).
7.2 Die Begründungen des Beschwerdeführers, weshalb er sowohl in der
BzP vom 8. Januar 2018 als auch an der ersten Anhörung vom 11. Oktober
2018, damit auch nach zehn monatigem Aufenthalt in der Schweiz, nicht
nur betreffend Herkunft sondern auch bezüglich des gesamten Sachver-
halts unwahre Aussagen machte, lässt erhebliche Zweifel an der Glaub-
würdigkeit seiner Person aufkommen.
Er wurde auf die Wahrheits- und Mitwirkungspflicht aufmerksam gemacht,
eine Dolmetscherin übersetzte und eine Hilfswerkvertreterin war anwe-
send, über deren Aufgabe er ebenfalls aufgeklärt wurde. Dennoch wieder-
holte er die unwahren Angaben auch auf mehrfaches Nachfragen. In der
Beschwerde begründet er seine falsche Angabe betreffend Herkunftsort
weder überzeugend noch überhaupt nachvollziehbar. Denn es erschliesst
sich nicht, weshalb seine Internetbekanntschaft, welche gleichzeitig ein
Landsmann ist, einen falschen Herkunftsort übersetzen sollte oder was ein
Dolmetscher an seiner Ortsangabe hätte ändern oder richtigstellen kön-
nen. Auch relativiert der angegebene Grund allgemeiner Kommunikations-
schwierigkeiten mit Asylsuchenden diese mehrfache, konkrete Falschan-
gabe nicht. Auffällig ist zudem, dass seine anderen unwahren Angaben be-
treffend Alter, Familiensituation und sein Alltagsleben vor der Flucht in der
Beschwerde mit keinem Wort erklärt oder begründet werden (vgl. [...]), zu-
mal diese wie der Herkunftsort in keinem direkten (oder nicht) im Zusam-
menhang mit Homosexualität stehen. Damit bestehen auch auf Beschwer-
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Seite 12
deebene grundsätzlich Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Person des Be-
schwerdeführers, unabhängig davon, ob er Fluchtgründe nachgeschoben
hat oder er homosexuell ist.
7.3 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in ma-
terieller Hinsicht zum Schluss, dass die Vorinstanz überzeugend festgehal-
ten hat, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen
der Glaubhaftigkeit nach Art. 7 AsylG insgesamt nicht genügen. Auf die zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz kann mit nachfolgenden Ergänzun-
gen verwiesen werden. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene führen zu
keiner anderen Betrachtungsweise.
7.3.1 Der Beschwerdeführer nennt keine Details zu persönlichen Charak-
tereigenschaften des Freundes B._ und führt hauptsächlich nur all-
gemeine Kriterien aus, welche ihm an einem Menschen wichtig seien ([...]).
Die erste feste Liebesbeziehung ([...]), welche sechs Monate gedauert
habe, darf als eine wesentliche Zeitperiode im Leben eines Menschen an-
gesehen werden und dabei dürften mindestens gewisse Augenblicke und
dazugehörige Umstände in guter Erinnerung bleiben. Jedoch fehlt eine an-
schauliche Auswahl an Orten oder nur eines Ortes ihrer Treffpunkte wäh-
rend der Beziehung praktisch gänzlich resp. der Beschwerdeführer schil-
dert solche nur allgemein (wechselnde, abgelegene Orte unter freiem Him-
mel; nicht auf dem Markt; [...]). Solche allgemeinen Beschreibungen für
Stadtviertel (Quartierläden mit Süssigkeiten) und Treffpunkte/Orte (auf ei-
ner Mauer eines noch nicht fertig gebauten Hauses) vermögen nicht zu
überzeugen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum er nach dem offenbar auf-
wühlenden Kernereignis im (...) 2016 von Sorgen um seine erste Liebe,
welche gemäss Angaben des Beschwerdeführers dabei inhaftiert worden
und gar getötet werden sollte, nichts erwähnt. Er erzählt hingegen (teil-
weise) sinngemäss, er habe wegen dieses Vorfalls unter Schock gestan-
den und aus Furcht, seine Mutter könnte auf dem Markt erfahren, dass er
der andere Junge beim Küssen gewesen und damit auch er homosexuell
sei, den Appetit verloren ([...]). Nach dem Ereignis habe er gemäss eige-
nen Angaben keinen Kontakt mehr zu B._ gehabt. Es ist nicht
glaubhaft, dass er dennoch gewusst haben soll, dass B._ ihn nicht
verraten resp. der Polizei konkret gesagt habe, das (Küssen) sei bei die-
sem Treffen das erste und letzte Mal gewesen und er habe die andere Per-
son vorher nicht gekannt ([...]). Zudem spricht der Beschwerdeführer in
den Anhörungen davon, dass B._ getötet worden sei auf Beschwer-
deebene ist alsdann von Misshandlungen die Rede ([...]). Die Schilderun-
gen betreffend die Zeit nach dem Vorfall (seine Art zu gehen und zu reden;
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Seite 13
Beleidigungen in der Öffentlichkeit) sind alsdann allgemein gehalten und
könnten auch auf einen anderen Abschnitt des Lebens des Beschwerde-
führers zutreffen ([...]).
7.3.2 Auch seine Angaben betreffend die Gespräche mit seiner Mutter sind
unglaubhaft und nicht nachvollziehbar ([...]). Er habe seine Mutter auf der
Flucht aus Libyen angerufen, um sie um Geld (für die Weiterreise) zu bitten
([...]), obwohl sie seines Wissens arm sei und keines habe. Dabei begrün-
dete er diesen Anruf einzig damit, dass er damit vielleicht Glück gehabt
hätte ([...]). Zudem soll sie bis heute nicht wissen, weswegen er geflohen
sei ([...]), obwohl sie den Beschwerdeführer eines Zusammenhangs mit
dem Vorfall vom (...) 2016 verdächtigt habe und er von der Schweiz aus
ungefähr alle drei Monate Kontakt zu seiner Mutter gehabt habe. Er erklärte
explizit, sie habe zwar erfahren, dass er das Land verlassen habe, aber sie
kenne den Grund dafür nicht ([...]).
7.4 Die Angaben des Beschwerdeführers wirken konstruiert, sind wider-
sprüchlich, in wesentlichen Punkten zu wenig begründet und nicht nach-
vollziehbar. Der Beschwerdeführer vermochte keine konkrete und ernst-
hafte Bedrohungslage seitens der somalischen Behörden resp. Vorflucht-
gründe im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. Sein Sachverhalts-
vortrag als Ganzes ist unglaubhaft. Es ist demnach davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatstaat bisher keine flüchtlings-
rechtlich relevanten Nachteile erlitten hat.
8. Es bleibt die Frage zu prüfen, ob der Beschwerdeführer – insbesondere
wegen seiner angeblichen Homosexualität – begründete Furcht vor zu-
künftiger asylrelevanter Verfolgung hat.
8.1 Die Annahme einer begründeten Furcht setzt nach konstanter Praxis
unter anderem voraus, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr er-
hebliche Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft zu gewärtigen hätte (vgl. etwa
BVGE 2013/11 E. 5.1 und 2011/51 E. 6.1, je m.w.H.).
8.1.1 Der Beschwerdeführer hat bisher in Somalia keine erheblichen Nach-
teile im Zusammenhang mit seiner angeblichen Homosexualität glaubhaft
machen können. Er ist in der Schweiz vorläufig aufgenommen, womit die
Frage seiner Rückkehr nach Somalia hypothetisch ist. Faktisch hat er an-
gesichts der mutmasslichen Dauer seines Aufenthaltsrechts in absehbarer
Zukunft jedenfalls keine Verfolgung zu befürchten. De jure ist allerdings
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von einer fiktiven Rückkehr auszugehen und im Folgenden die Frage des
Vorliegens einer begründeten Furcht vor diesem Hintergrund zu prüfen.
8.1.2 Angesichts der Regelvermutungen, die bei der Beurteilung der Frage
einer begründeten Furcht vor Verfolgung zu beachten sind (vgl. hierzu etwa
BVGE 2009/51 E. 4.2.5 S. 744 f.), erweist sich zunächst die Annahme nicht
als naheliegend, dass sich die Verfolgungssituation des Beschwerdefüh-
rers in Zukunft anders als in der Vergangenheit präsentieren sollte. Der
Beschwerdeführer räumte ein, weder von den somalischen Behörden ge-
sucht zu werden noch sei ein Verfahren gegen ihn eingeleitet worden. Eine
lediglich abstrakte Gefahr der Verfolgung genügt zur Annahme der Flücht-
lingseigenschaft nicht.
8.1.3 Was allfällige Einschränkungen aufgrund eines unter Umständen er-
forderlichen diskreten Lebensstils betrifft, gilt gemäss bisheriger Recht-
sprechung des Bundesverwaltungsgerichts, dass gewisse Einschränkun-
gen im öffentlichen Auftreten und im Privatleben für sich noch keinen ernst-
haften Nachteil im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen und namentlich
nicht per se zu einem unerträglichen psychischen Druck führen (vgl. Urteil
des BVGer E-2109/2019 vom 28. August 2020 E. 10.2 m.w.H.).
8.1.4 Ferner besteht gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts im
Heimatland des Beschwerdeführers keine Kollektivverfolgung von Homo-
sexuellen festgestellt. Die Anforderungen an die Feststellung einer Kollek-
tivverfolgung sind gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-
gerichts sehr hoch (zu den Voraussetzungen für die Annahme einer Kol-
lektivverfolgung vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2, 2013/21 E. 9.1, 2013/12 E. 6,
2013/11 E. 5.4 oder 2011/16 E. 5) und sie sind im konkreten Fall für Soma-
lia nicht gegeben. Daran vermögen die Quellenverweise in der Beschwer-
deschrift nichts zu ändern ([...]). Das vom Beschwerdeführer angerufene
Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ([...]); EGMR,
B. und C. gegen Schweiz, Gambia, 17. November 2020, Nr. 889/19) ist
vorliegend nicht einschlägig, da es sich nicht auf die Frage der Flüchtlings-
eigenschaft bezieht, sondern auf Art. 3 EMRK und höchstens im Vollzugs-
punkt zu prüfen wäre.
8.1.5 Nach dem Gesagten kann das Vorliegen der Homosexualität offen-
gelassen werden. Sie gibt indes zu folgenden Zweifeln Anlass:
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Der Beschwerdeführer hält in seiner Beschwerde fest, dass er sich in der
Schweiz ausserhalb der LGBTIQ-Community nicht geoutet habe. Intole-
ranz und Diskriminierung bestünden nicht nur im Heimatland, sondern
auch in der hiesigen somalischen Community ([...]). Merkwürdig ist so-
dann, dass der Beschwerdeführer rund acht Monate nach der ersten An-
hörung mit stark verändertem Aussehen zum Termin der zweiten Anhörung
erschien. Im Wissen, dass er in der folgenden Anhörung zu seinen nach-
geschobenen Asylgründen, nämlich der Homosexualität, befragt werden
würde, erklärte er auf sein verändertes Aussehen angesprochen als erstes,
er sei älter geworden. Erst als Zusatz meinte er dazu, dass man bei «dieser
Veranlagung» anders aussehe, als gleichgeschlechtliche Leute ([...]).
Es bestehen insgesamt berechtigte Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner
Person, was auch seine angebliche Homosexualität betrifft, Hierfür kann
auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden. Seine
Ausführungen auf Beschwerdeebene und seine Fotos, welche ihn unter
anderem geschminkt zeigen, sowie das eingereichte private Bestätigungs-
schreiben vom (...) 2020 führen zu keiner anderen Betrachtungsweise.
8.2 Zusammenfassend ist aufgrund der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen
sowie persönlichen Unglaubwürdigkeit des Beschwerdeführers festzustel-
len, dass beim Beschwerdeführer bei einer Rückkehr keine begründete
Furcht – weder individuell konkret noch als Gruppenzugehörigkeit – vor
ernsthaften Nachteilen nach Art. 3 Abs. 2 AsylG oder die Gefahr eines un-
erträglichen psychischen Drucks gegeben sind. Die Vorinstanz hat sein
Asylgesuch somit zu Recht abgelehnt.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich ist, ist gemäss Art. 83 AIG die vorläufige Aufnahme anzuord-
nen.
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Seite 16
Im Sinne einer Klarstellung ist an dieser Stelle festzuhalten, dass sich aus
den zuvor angestellten Erwägungen nicht der Schluss ergibt, der Be-
schwerdeführer sei zum heutigen Zeitpunkt in seinem Heimatstaat nicht
gefährdet. Indessen ist eine generelle Gefährdung aufgrund der allgemei-
nen prekären Sicherheitslage praxisgemäss ausschliesslich unter dem As-
pekt von Art. 83 Abs. 4 AIG einzuordnen. Dieser generellen Gefährdung
aufgrund der aktuellen Situation in Somalia wurde durch das SEM mit der
Anordnung der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers wegen Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in seiner Verfügung vom 28. Sep-
tember 2020 hinreichend Rechnung getragen. Demnach erübrigen sich
praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglich-
keit des Wegweisungsvollzugs.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.00
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Begleichung
der Verfahrenskosten verwendet.
(Dispositiv nächste Seite)
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