Decision ID: 16ac37d4-7d0c-4991-af30-48fa0fa38600
Year: 2007
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965, war seit
1.
Januar
2013 bei
Y._
als Hauswirtschaftsangestellte beschäftigt und damit bei der
Lloyd's
, London, Zweigniederlassung Zürich
, gegen Unfälle versi
chert. Am 2
4.
Juli 2014 rutschte sie beim Reinigen einer Dusche ab und verletzte sich am rechten Zeigefinger
(
tiefgehende
Hautabschürfung,
Urk.
10/51/3
und
Urk.
11/57)
.
In der Folge entwickelte sich ein Weichteilinfekt, worauf am
2
6.
Juli 2014
der Zeigefinger amputiert werden musste (
Urk.
11/M5
1
). Die
Lloyd’s
trat auf den Schaden ein und gewährte Heilbehandlung sowie Taggeld.
Nach weiteren medizinischen Behandlungen, unter anderem einer erneuten Ope
ration am
6.
August 2014 (
Hatchet
Lappen
,
Wundverschluss,
Urk.
11/20/12-13)
erfolgte eine Untersuchung der Versicherten durch den beratenden Arzt der
Lloyd’s
,
Dr.
med.
Z._
,
Chirurgie
FMH, welcher am 3
0.
März 2015 (
Urk.
11/17) Bericht erstattete. M
it Verfügung vom
7.
Juli 201
5 (
Urk.
10/25)
sprach die
Lloyd’s
der Versicherten
basierend auf einer Integritätseinbusse von 10
%
eine Integri
tätsentschädigung in dieser Höhe zu. Sodann
teilte
sie die Weiterausrichtung
des Taggeldes im Umfang von 25
%
ab
7.
April 2015 und die Einstellung
der Leis
tungen per
1.
Juli 2015 m
it. Hiergegen erhob die Versicherte am
6.
August 2015 (
Urk.
10/22) Einsprache. Nach einer weiteren Untersuchung der Versicherten durch
Dr.
Z._
(Bericht vom 2
3.
Oktober 2015,
Urk.
11/3)
erklärte die
Lloyd’s
- im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs (
Urk.
10/16) - die Weiteraus
richtung der Taggelder auf der Basis einer 25%igen
Arbeitsunfähigkeit
bis
3
1.
Oktober 201
5.
Mit Entscheid vom 2
8.
Juni 2019 (
Urk.
2) wies sie die Einspra
che ab, nachdem sie am 1
7.
August 2018 (
Urk.
10/1)
von der Beschwerdeführerin
gemahnt worden war.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am
2.
September 2019 (
Urk.
1) Beschwerde mit dem Antrag auf
Zusp
ra
che
der gesetzlichen Versicherungsleistungen. Die
Lloyd’s
schloss am 1
0.
Dezember 2019 (
Urk.
8) auf Abweisung der Beschwerde. Im Rah
men des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an den gestellten Anträ
gen fest (
Urk.
15 und
Urk.
20).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdeführerin thematisierte vorweg die Rechtspersönlichkeit der betei
ligten Unfallversicherung und deren Berechtigung zur Durchführung der obliga
torischen Unfallversicherung, sei doch im Administrativverfah
r
en die XL Catlin SE Köln, Zweigniederlassung Zürich involviert gewesen, der
Einspracheentscheid
aber im Namen der Beschwerdegegnerin erlassen worden, das
Ganze
auf Briefpa
pier der AXA (
Urk.
1 S. 3 f.). Nachdem die Beschwerdeführerin ihre Berechtigung
zur Durchführung der obligatorischen Unfallversicherung und auch die Vertre
tungsberechtigung der XL Catlin SE Köln, Zweigniederlassung Zürich, nachge
wiesen
hatte (
Urk.
9/2 und
Urk.
21/2-5)
, erneuerte die Beschwerdeführerin ihre Vorbehalte nicht mehr.
2.
2.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
set
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versi
cherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
2
4.
Juli
2014 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
2
.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8
des
Bundesgesetz
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungs
rechts, ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach
Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermit
telt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdif
ferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Ein
kommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Ablehnung einer Erwerbsunfähigkeits
rente damit
(
Urk.
2)
, die Beschwerdeführerin sei gemäss ärztlicher Einschätzung zu 100
%
arbeitsfähig in
einer angepassten Tätigkeit
. Hiervon sei auch die Inva
lidenversicherung ausgegangen
(S. 4
Ziff.
17). Aus jener Verfügung ergebe sich, dass die Beschwerdeführerin
sodann
in einer Verweistätigkeit mehr verdient hätte, als sie ohne Unfall im bisherigen Beruf erzielt hätte (S. 6
Ziff.
26).
Betref
fend Integritätsschädigung sei beim Verlust von mindestens zwei Gliedern eines Langfingers von einer
Entschädigung
von 5
%
auszugehen, die Suva-Tabellen sähen einen Wert von 6
%
vor. Die Entschädigung von 10
%
erweise sich dem
gemäss als sehr grosszügig (S. 7
Ziff.
32 f.).
In ihrer Beschwerdeantwort
ergänzte die Beschwerdegegnerin
(
Urk.
8)
, der Ver
lust eines einzelnen Fingers mit der einhergehenden Kraftverminderung führe nicht per se zu einer
lohnmässigen Benachteiligung. Selbst bei einem Leidensab
zug von 10
%
resultiere indes kein rentenbegründender Erwerbsunfähigkeitsgrad
. Ein Abzug von 20
%
bis 25
%
sei aufgrund der Gesamtumstände viel zu hoch
(S.
15
Ziff.
47).
3
.2
Die Beschwerdeführerin hielt dagegen
(
Urk.
1)
,
der involvierte
Dr.
Z._
sei kein
Handchirurge
, weshalb mit seiner Einschätzung keine fachärztliche Beurteilung und keine rechtsgenügende Sachverhaltsermittlung vorliege. Sodann ergäben sich erhebliche qualitative Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit. Die rechte dominante Hand diene höchstens noch als Hilfshand, weshalb gemäss ständiger Rechtsprechung ein Leidensabzug von 20
%
bis 25
%
vorzunehmen sei (S. 4 f.).
In Bezug auf den Integritätsschaden brachte sie vor, sie habe nich
t
nur den ga
n
zen Zeigefinger eingebüsst, sondern eine
erhebliche Funktionsbeeinträch
t
ig
un
g
der rechten Hand einschliesslich Handgelenk erlitten, weshalb ein Viertel des
Handwertes von 40
%
nicht genüge.
Sodann sei die Integritätsentschädigung zu verzinsen (S. 6).
Replicando
ergänzte die Beschwerdeführerin (
Urk.
15),
hinsichtlich der Taggeld
einstellung sei eine Übergangsfrist zu beachten. Vorerst sei davon ausgegangen worden, dass sie ab
1.
Juli 2015 zu 100
%
in der angestammten Tätigkeit arbeiten könne, womit für sie keine Veranlassung für einen Berufswechsel bestanden habe. Erst im Oktober 2015 sei die Meinung vertreten worden, sie könne nur noch zu 80
%
die angestammte Tätigkeit ausüben. Somit habe erst dannzumal Veranlas
sung zu einem Berufswechsel
beziehungsweise
zur Anmeldung bei der Arb
e
itslo
senkasse bestanden. Die Übergangsfrist habe daher frühestens im Oktober 2015 beginnen können und die Beschwerdegegnerin habe entsprechend über den Oktober 2015 hinaus Taggeldleistungen zu erbringen
(S.
3)
.
4.
4.1
Die Ärzte des Universitätsspitals
A._
, Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, berichteten
mit Austrittsbericht
vom
9.
August 2014 (
Urk.
11/44)
über die vom 2
4.
Juli bis
9.
August 2014 erfolgte
Hospitalisation
, die Beschwer
deführerin habe sich bei ihrer Arbeit als Zimmermädchen am 2
3.
Juli 2014 beim Putzen des Badezimmers eine oberflächliche Verletzung an einer Glastür zugezo
gen. Zunächst habe sie keinerlei Beschwerden verspürt, so dass sie am 2
4.
Juli 2014 noch ihrer Arbeit nachgegangen sei. Im Verlauf des Tages habe sich eine Schwellung am rechten Zeigefinger entwickelt, worauf sich die Beschwerdefüh
rerin bei ihrem Hausarzt vorgestellt habe mit anschliessender Zuweisung ins Spi
tal
B._
. Da sich intraoperativ (
Inzision/Revision
palmar
Dig
. II bzw.
Hohlhand
bis knapp proximal Handgelenk unter Spaltung des Ligamentum
carpi
transver
sum
bzw. Vorderarmfaszie,
Urk.
11/57)
der Finger nicht mehr durchblutet gezeigt habe, sei sie nach Durchführung eines
Débridements
und der offenen Spaltung des
Retinaculum
flexorums
ans
A._
überwiesen worden.
Klinisch und im ICG (
Farbstoffgabe zur Beobachtung des Blutflusses) habe bei intraoperativ
(
Débridement
, Spaltung der
palmaren
Unterarmfaszie, Entlastungs
schnitte dorsal,
Urk.
11/20/8-9)
intakten Gefässen keine Per
f
usion des F
i
ngers distal des pro
ximalen Grundgelenk
es nachgewiesen werden können. Initial sei eine antibiotische Therapie
erfolgt
. Im Rahmen des planmässigen Second
looks
am 2
6.
Juli 2014 sei der Zeigfinger unverändert nicht durchblutet gewesen bei nun klarer Demarkation, so dass die Amputation habe erfolgen müssen. Nach neuer antibiotischer Therapie und weiterem
Débridement
mit Anlage eines Nega
tive
Pressure
Wound
T
h
erapie (NPWT)-Verbandes
am 2
9.
Juli 2014 seien die
laborchemischen
Infektwerte
regredient
gewesen und der lokale Befund habe sich gebessert. Somit habe der verbleibende Weichteildefekt mittels lokaler Lappen
plas
t
ik verschlossen werden können. Beim ersten Verbandwechsel am
8.
August 2014 hätten sich
blande
Wundverhältnisse bei beschwerdefreier Patientin gezeigt. Eine Schiene sei angepasst und die Handtherapie initiiert worden.
Die Beschwerdeführerin habe in gutem Allgemeinzustand am
9.
August 2014 ent
lassen werden können.
4.2
Dr.
Z._
berichtete in seiner medizinischen Einschätzung vom 3
0.
März 2015 (
Urk.
11/17) nach Untersuchung der Beschwerdeführerin am 2
5.
März 2015, sie habe immer noch etwas Probleme mit der rechten Hand, weniger Kraft und ermüde schnell auch am rechten Unterarm. Sie könne die rechte Hand noch nicht richtig schliessen. Zurzeit arbeite sie zu 50
%
als Zimmermädchen, sie sei schon seit 13 Jahren an dieser Stelle. In dieser Funktion müsse sie Betten anziehen,
r
einigen, Toiletten reinigen, staubsaugen, manchmal auch bügeln
(S. 4)
.
Dr.
Z._
schilderte verschiedene sichtbare Narben und führte aus
, d
ie Beschwerdeführerin könne den rechten Daumen bis zur Basis des Kleinfingers bringen wie auf der gesunden linken Seite. Beim Faustschluss fänden sich Sperr
distanzen zwischen den Fingern V, IV und III mit der
Hohlhand
. Die Sperrdistan
zen würden zwischen
Hohlhand
und Finger III 2 cm, Finger IV 1.5 und Finger V 1 cm betragen.
Die Sperrdistanz könne auch passiv nicht überwunden werden. Die Faustschlusskraft betrage für die rechte Hand 0.15 bar verglichen mit 0.4 bar für die linke Hand. Die 2-Punkte-Diskrimination sei für alle Finger normal wie auf der linken Seite. Es bestünden keine Parästhesien, keine vermehrte Schweiss
absonderung,
aber eine verminderte Hauttempe
ratur gegenüber links bei leichter Einschränkung der Beweglichkeit im rechten Handgelenk. Als Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen verminderten Faustschluss und eine verminderte Faustschlusskraft rechts (S. 5 f.).
Subjektiv klage die Beschwerdeführerin immer noch über eine gewisse Kraftlo
sigkeit in der rechten Hand und eine rasche Ermüdbarkeit. Objektiv bestünden zahlreiche, reizlose Narben volar und dorsal. Es fehle der rechte Zeig
f
inger nach Amputation
metacarpophalangeal
II, der F
a
ustschluss
sei unvollständig. Der
Pinch
-Griff sei gut zwischen Daumen und den Fingern III-V. Es finde sich eine leichte Einschränkung der Beweglichkeit des rechten Handgelenkes. Die Dor
salflexion sei um 5 Grad und die
Volarflexion
um 15 Grad eingeschränkt. Die Radialabduktion sei um 50
%
und die
Ulnarabduktion
um rund einen Drittel ein
geschränkt. Die Umfangmasse zeigten Schonungszeichen
des rechten Armes
bei einer Rechtshänderin (S. 6 f.).
Dr.
Z._
verwies auf
eine
immer noch bestehende, unfallkausale Einschränkung der
Beweglichkeit
bezüglich Faustschluss, was irreversibel sei. Gemäss Pflichten
heft könne die Beschwerdeführerin alle ihre Arbeiten in der bisherigen Tätigkeit als Hauswirtschaftsangestellte in Zukunft ausüben, nämlich selbständiges Reini
gen der zugeteilten Zimmer, Reinigung der Wellness-Oase und Waschservice. Zurzeit sei sie noch etwas verlangsamt, es werde mit der Zeit zur Anpassung und Angewöhnung kommen. Er attestierte eine Arbeitsfähigkeit von 75
%
ab
7.
April 2015 und 100
%
ab
1.
Juli 201
5.
In einer den Unfallfolge
n ideal angepassten Tätigkeit,
zum Beispiel
als einfach
e
Bürokraft oder als Rezeptionistin
,
könne sie ab sofort zu 100
%
arbeiten (S. 7).
4.3
Im Bericht über die Sprechstunde vom
9.
April 2015 (
Urk.
11/15) bei Oberarzt
Dr.
med.
C._
,
A._
, wurde ausgeführt, es bestehe neun Monate nach Infekt und Verlust des Zeigfingers ein fast
kompletter
Faustschluss mit aber noch 1 cm Abstand zur
Hohlhand
. Die Kraft betrage rechts einen Drittel von links. Es bestünden leichte neuropathische Schmerzen im Bereich der
1.
Kommissur, es sei aber davon auszugehen, dass es für diese Schmerzen keine chirurgische Indika
tion gebe. Klinisch zeige sich eine leicht
retrahierte
Narbe im Bereich des MCP-Gelenkes mit einem Streckdefizit von 5° im MCP am Mittelfinger.
Die Beschwerdeführerin möchte keine Z-Plastik, weshalb man am Ende der Behandlung sei, da bei dieser Hand jetzt die maximale Erholung erreicht sei. Es bestehe eine deutliche Limitati
o
n bei den täglichen Aktivitäten wie auch bei der Arbeit wegen der sehr verminderten Kraft der Hand und wegen der Amputation des Zeigfingers. Eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
wurde noch bis zum 3
0.
April 2015 attestiert.
4.4
Dr.
med.
D._
, Allgemeine und Innere Medizin FMH
,
Praxis
E._
, berichtete am
4.
August 2015 (
Urk.
11/6) und führte aus, die Beschwerdeführerin bemühe sich stets darum, ihr Arbeitspensu
m auszubauen. Aktuell bestehe n
o
c
h eine Arbeitsunfähigkeit von 25
%
. Gemäss einer Arbeits
platzabk
l
ärung vom Ma
i könne sie alle Arbeiten a
usführen, habe aber einen erhöhten Zeitaufwand mit ihren Einschränkungen, was impliziere, dass aufgrund des fehlenden Handschlusses und reduzierter Kraft noch keine 100%ige Arbeits
fähigkeit für ihre Arbeit zu erwarten sei.
4.5
Am 2
3.
Oktober 2015 (
Urk.
11/3
) berichtete
Dr.
Z._
über die erneute Untersu
chung vom 2
1.
Oktober 201
5.
Er führte aus, die Beschwerdeführerin klage immer noch über die gleichen Schmerzen (weniger Kraft, ermüde schnell am rechten Unterarm, könne Hand nicht schliessen, S. 4). Die Situation habe sich subjektiv
nicht verbessert. Die Beschwerdeführerin habe eine kalte Hand rechts und weni
ger Kraft. Sie habe
weniger
Ausdauer. Nach fünf Stunden Arbeit spüre sie eine deutliche Müdigkeit. Sie mache keine Ergotherapie mehr. Sie nehme gelegentlich Medikamente. Zurzeit arbeite sie höchstens 75
%
.
Objektiv fänden sich zahlreiche, reizlose Narben volar und dorsal, die bis in den Vorderarm ausstrahlten. Der Faustschluss sei unvollständig mit Sperrdistanzen zwischen
Hohlhand
und der Finger V, IV, und III von 1.5 cm, 1.5 cm und 2 cm. Es fehle auch die Über
streckbarkeit der
Metacarpophala
ngealgelenke
V, IV und III mit einem Defizit von 10° im 5-er Gelenk, von 20° im 4-er Gelenk und von 30° im 3-er Gelenk. Die rechte Hand sei etwas livid
. Der
Pinch
-Griff sei gut zw
i
schen Daumen
und den Fingern III, IV und V. Die Faustschlusskraft sei für die rechte Hand
0.15 bar ver
glichen mit 0.5 bar auf der gesunden linken Seite.
Die Beweglichkeit im rechten Handgelenk sei in der Dorsalflexion 15° und die
Volarflexion
30° eingeschränkt, die Radialabduktion 10° und die
Ulnarabduktion
10°
(S. 7)
.
Dr.
Z._
hielt fest, die Beschwerdeführerin nehme immer noch Schmerzmittel, dies aber unregelmässig. Eine spezielle
Behandlung
in Form von Ergotherapie und Physiotherapie bringe zurzeit nichts mehr. Zur Arbeitsfähigkeit führte er aus, die Beschwerdeführerin sei deutlich eingeschränkt beim Anziehen der Betten, was die Haupttätigkeit als Zimmermädchen anbetreffe. Sie sei sicher auch reduziert bei den allgemeinen Putzarbeiten, sei es das Reinigen von Toiletten oder Duschen und das Putzen von Fenstern. Deutlich sei die Ermüdbarkeit. Die rechte Hand sei kä
l
ter, zeige eine vermehrte Schweissabsonderung und sei leicht livid verfärbt.
Die am 2
5.
März 2015 eingeschätzte Arbeitsfähigkeit sei zu optimistisch gewesen. Heute geh
e
er davon aus, dass die Beschwerdeführerin wegen den geschilderten Einschränkungen nur noch zu 80
%
als Zimmermädchen arbeiten könne
. In einer anderen, angepassten Tätigkeit,
zum Beispiel
als einfache Bürokraft,
Rezeptionis
tin
oder als
Postverteilerin
könnte sie mit Sicherheit 100
%
arbeiten.
Zum Integritätsschaden hielt er fest,
d
er fehlende Zeigfinger, der unvollständige Faustschluss sowie die verminderte Beweglichkeit im rechten Handgelenk ent
sprächen einem Viertel eines Integritätsschadens, bei dem die ganze Hand fehle. Eine ganze Hand habe den Integritätswert von 40
%
. Der Schaden bei der Beschwerdeführerin betrage einen Viertel dieses Wertes, also 10
%
(S. 8).
5.
5.1
Vorwegzuschicken ist, dass der Bericht von
Dr.
Z._
vom 2
3.
Oktober 2015 den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert eines Arztberic
htes vollum
fänglich entspricht. So ist er für die Fragen nach weiterem Behandlungsbedarf, der Arbeitsfähigkeit und der Integritätsschädigung
umfassend
, beruht auf den notwendigen persönlichen
Untersuchungen,
berücksichtigt detailliert
die geklag
ten Beschwerden
, wurde
in Kenntnis der
(wenigen)
Vorakten
abgegeben
, leuchtet
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
und die Schlussfolgerungen
des
Experten
erscheinen als
begründet
.
In diesem Sinn legte
Dr.
Z._
unter Verweis auf die
selber erho
benen
objektivierbaren beklagten Beschwerden nachvollziehbar dar, dass die Beschwerdeführerin in der Tätigkeit als Zimmermädchen dauerhaft eingeschränkt bleiben wird, in einer angepassten Tätigkeit mit Rücksicht auf die ermüdende, weniger kräftige
und nicht vollständig schliessbare
rechte Hand
indes vollzeitlich arbeitsfähig ist. Dabei waren
Dr.
Z._
namentlich die Berichte der vorbehan
delnden Ärzte, insbesondere die Operationsberichte, bekannt. Diese Schlussfolge
rung erscheint als schlüssig.
5.2
Die Einwendungen der Beschwerdeführerin gegen die Fachkompetenz
Dr.
Z._
s (
Urk.
1 S. 4 f.) vermögen nicht zu überzeugen. Er ist Facharzt für Chirurgie und demgemäss kompetent, die Folgen einer stattgehabten Operation abzuschätzen. Sodann verfügt er über Kenntnisse in
rekonstruktiver
Chirurgie und Handchirur
gie (
Urk.
9/5), weshalb nicht einzusehen ist,
inwiefern
er nicht in der Lage sein sollte, die vorliegende, überschaubare Problematik zu erfassen.
Soweit die Beschwerdeführerin das allfällige Vorliegen eines CRPS (
Complex
Regional
Pain
Syndrome
) thematisiert
(
Urk.
1 S. 5)
, ist festzuhalten, dass
Dr.
Z._
die Unterkühlung und leichte Verfärbung der Hand durchaus aufgefallen ist. Die funktionellen Einschränkungen respektive die
existierenden
Beschwerden hat er sodann detailliert geschildert. Dass indes ein CRPS vorliegt und darüber hinaus weitere
Beschwerden
bestehen, ist nicht erkennbar. Die Beschwerdeführerin hat ihre
Einschränkungen
geschildert und
Dr.
Z._
hat diese, da objektivierbar, ungekürzt übernommen und seiner Einschätzung
zugrunde gelegt
.
Auch die Beschwerdeführerin selber legte keine entsprechenden Arztberichte auf und machte auch nicht geltend, sich in entsprechenden Abklärungen oder gar Thera
pie zu befinden.
Auffällig ist denn auch, dass weder in den Arztberichten noch von der Beschwerdeführerin unangemessen starke Schmerzen, entzündliche Symptome oder Schwellungen geschildert wurden.
Sodann
machte
sie auch nicht
geltend
, in angepasster Tätigkeit nicht vollzeitlich arbeitsfähig zu sein.
Schliesslich brachte die Beschwerdeführerin auch nicht vor, dass von einer wei
teren Heilbehandlung eine massgebliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten ist. Solches ist nach der Einschätzung von
Dr.
Z._
auszuschliessen.
5.3
Damit
b
estehen
keine
auch nur geringen Zweifel
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen,
weshalb auf
ergänzende Abklärungen
zu verzichten ist.
6.
6.1
Ist
eine versicherte Person
infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat
sie
gemäss
Art.
16
Abs.
1
UVG
Anspruch auf ein Taggeld.
Arbeitsunfähig
keit
ist nach
Art.
6 ATSG
die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geis
tigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen
Beruf
oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen
Beruf
oder Aufgaben
bereich berücksichtigt. Will sich der Versicherungsträger auf
Art.
6 Satz 2 ATSG
berufen, so hat er die versicherte Person rechtsprechungsgemäss zuvor zu einem
Berufswechsel
aufzufordern und ihm eine angepasste
Übergangsfrist
einzuräu
men (Urteil
des Bundesgerichts
8C_443/2016 vom 1
1.
August 2016
E. 2.1). Pra
xisgemäss folgt aus
Art.
19
Abs.
1
UVG, dass dann, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr zu erwarten ist, Heilbehandlungs- und Taggeldleis
tungen einzustellen sind und der Anspruch auf Invalidenrente und Integri
t
äts
entschädigung zu prüfen ist (vgl
.
BGE 134 V 109
E. 4.1).
6.2
Aufgrund der mediz
in
i
schen Akten ist ausgewiesen und von der Beschwerdefüh
rerin auch nicht bestritten, dass
spätestens per
3
1.
Oktober 2015 (Monatsende nach der Abschlussuntersuchung bei
Dr.
Z._
) von weiteren Behandlung
en
keine namhafte Verbesserung des Gesund
heitszustandes mehr zu erwarten war. Es wurde keine Therapie genannt, von welcher noch eine Besserung zu erwarten wäre.
6.3
Ist der Fallabschluss per 3
1.
Oktober 2015 korrekt, bleibt für die von der Beschwerdeführerin thematisierte «Übergangsfrist» von fünf Monaten für einen Berufswechsel (E. 3.2) kein Raum.
Denn mit ihrer
Argumentation übersieht d
i
e Beschwerdeführer
in
, dass ih
r
nicht etwa die Taggelder gestützt auf
Art.
6 Satz 2 ATSG
gekürzt wurden, sondern dass der Anspruch auf ein Taggeld gestützt auf
Art.
19
Abs.
1
UVG
untergegangen ist. Da von einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung über den 3
1.
Oktober
2015 hinaus keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten war, durfte die
Beschwerdegegnerin
somit die Einstellung der Taggeldleistungen
vollziehen
, ohne
die Beschwerdefüh
rerin
zunächst zu einem
Berufswechsel
aufzufordern und eine
Übergangsfrist
zu gewähren.
7.
7.1
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrem
Einspracheentscheid
einen Einkom
mensvergleich durch, indem sie dem
Valideneinkommen
von
Fr.
48'344.70 ein Invalide
ne
inkommen von
Fr.
52'842.40 gegenüberstellte und einen gar
höheren
Verdienst nach Unfall konstatierte (
Urk.
2 S. 6). Bei diesen Werten handelte es sich offenkundig um jene, welche
die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
ihrer Verfügung
vom
4.
September 2017 (
Urk.
10/2)
zugrunde
legte und in der Folge einen Anspruch auf eine Invalidenrente verneinte.
Die Beschwerdeführerin bemängelte dies und schloss namentlich auf einen Abzug vom Tabellenlohn von 20
%
bis 25
%
, da sie die rechte dominante Hand höchs
tens noch als Hilfshand einsetzen könne.
7.2
7.2.1
Nach der Einschätzung von
Dr.
Z._
besteht eine vollumfängliche Arbeitsfä
higkeit «in einer ... angepassten Tätigkeit, z.B. als einfache Bürokraft,
Rezeptio
nistin
oder als
Postverteilerin
» (E. 4.5). Die Beschwerdeführerin zitierte in ihrer Beschwerde die Einschätzung des regionalen ärztlichen Dienstes der IV-Stelle
(RAD)
wie folgt
(
Urk.
1 S. 5)
:
«Einschränkung in Bezug auf
die bisherige Tätigkeit als Mitarbeiter
i
n Hauswirt
schaft: Mittelschwere und schwere Tätigkeiten, insbesondere sol
c
h
e
mit überwie
gender Belastung der rechten Hand und mit erhöhten Anforderungen an die Kraft der rechten Hand sowie mit Kälte-/Nässe-Exposition sollten vermieden werden.
Belastungsprofil: Aus versicherungstechnischer Sicht sind der Versicherten kör
perlich
leichte
(angepasste) Tätigkeiten mit Wechselbelastung ohne erhöhte Anforderungen an die Kraft und die Haltefunkt
i
on der rechten Hand, daher auch ohne Besteigen von Leitern und Gerüsten, ohne Heben und Tragen von Lasten und ohne Arbe
i
ten mit ungüns
t
igen Hebelwirkungen an der rechten Hand (Stiel
werkzeuge, Arbeiten mit ausgestreckten Armen), ohne repetitive Beanspruchung der rechten Hand und ohne erhöhte Anforderungen an das feinmotorische Geschick der rechten Hand weiterhin zu 100
%
zumutbar. Rechte Hand dominant,
Pinzettengr
i
ff
wegen Verlust des
re
. Zeigefingers nicht möglich, Faustschluss auch nicht
möglich
.»
7.2.2
Aus diesen Angaben ist erkennbar, dass die Beschwerdeführerin noch breit ein
setzbar ist. Auch wenn die von
Dr.
Z._
erwähnten Tätigkeit im Büro, an einer
Rezeption
oder im Postdienst wohl an den Sprachkenntnissen der Beschwerde
führerin (Verständigung bei Begutachtung auf Italienisch,
Urk.
11/3 S. 4) schei
tern werden, verbleibt ein genügendes Spektrum an möglichen Tätigkeiten. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, ihre rechte Hand sei
nurmehr
als Hilfshand einsetzbar, ist mit den medizinischen Akten nicht vereinbar. Weder
Dr.
Z._
noch der RAD äusserten sich in dieser Hinsicht. Im Gegenteil kann die Beschwer
deführerin ihre recht
e
Hand durchaus gebrauchen, es fehlen ihr dabei lediglich Kraft, Schliessfunktion und Ausdauer. Eine Einsetzbarkeit der Hand
nurmehr
als Hilfshand und eine faktische verbleibende Arbeitsfähigkeit in
einarmiger Tätig
keit ergibt sich aus den Berichten jedenfalls nicht.
Bei dieser klaren Aktenlage ist nicht erkennbar, welche Erkenntnisse aus dem
Beizug
der vollständigen Akten der Invalidenversicherung zu gewinnen wären, weshalb auf den
Aktenbeizug
(
Urk.
1 S. 5) zu verzichten ist.
7.3
7.3.1
Unbestritten
geblieben
sind sowohl das von der IV-Stelle ermittelte und von der Beschwerdegegnerin übernommen
e
Validen- und Invalideneinkommen mit Aus
nahme eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn.
7.3.2
Bei einem von der Arbeitgeberin im Jahr 2014 bestätigten Lohn von
Fr.
47'866.-- (
Urk.
10/51 S. 3) unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis ins Folgejahr (Fallabschluss) von Index 104.3 auf Index 104.6 (Nominallohnindex Frauen 2011-2018, Bundesamt für Statistik, Tabelle T1.2.10,
Ziff.
55-56 Beher
bergung und Gastronomie)
erscheint
der verwendete Wert von
Fr.
48'344.70 für das
Valideneinkommen
als zu hoch, korrekt wären
Fr.
48’003.70
.
Für eine Parallelisierung besteht kein Raum. Der Medianlohn für Frauen in Bereich Gastgewerbe/Beherbergung und Gastronomie im untersten Anforde
rungsniveau betrug nach Lohnstrukturerhebung (LSE) 2014 des Bundesamtes für Statistik, Tabelle TA1,
Fr.
3'767.--, was angepasst an die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 42.4 Stunden (Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Bundesamt für Statistik, Tabelle T 03.02.03.01.04.01,
Ziff.
55-56) sowie an die Nominallohnentwicklung (Index 103.
9
auf Index 104.
2
, Tabelle T1.2.10,
Ziff.
55/56
)
Fr.
48'054.60 und damit praktisch den von der Beschwerdeführerin erzielten Lohn ergibt.
7.3.3
Nach der
L
SE
2014
,
Tabelle TA1,
belief sich der Medianlohn für Frauen in einfa
chen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art
, welche für die Beschwer
deführerin einzig in Frage kommen, auf
Fr.
4'300.-- bei 40 Wochenstunden. Angepasst an die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Bundesamt für Statis
tik, Tabelle T 03.02.03.01.04.01) sowie an die Nominallohnentwicklung (Index 103.6 auf Index 104.1, Tabelle T1.2.10, Total) ergibt sich ein mögliches Einkom
men von
Fr.
54’052.60.
7.3.4
Selbst bei einem Abzug vom Tabellenlo
h
n von 15
%
resultierte kein rentenbe
gründender Invaliditätsgrad (
Valideneinkommen
Fr.
48'003.70, Invalidenein
kommen 45'944.70 = Invaliditätsgrad von 4.3
%
). Für einen weitergehenden Abzug vom Tabellenlohn besteht kein Raum, da die Beschwerdeführerin die rechte Hand durchaus noch einsetzen kann und diese nicht bloss als
Zudiene
r
- oder Stützhand dient. Dies ist nach der Rechtsprechung Voraussetzung für einen solchen Abzug (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts
9C_363/2017 vom 2
2.
Juni 2018 E. 4.3 mit Hinweisen auf die Praxis).
In der Praxis findet sich demgegenüber eine mit dem vorliegenden Fall vergleich
bare Konstellation eines Versicherten, welchem
Zeige-, Mittel- und Ringfinger der linken
adominanten
Hand gekürzt werden
musste
. Die Funktionalität der drei Langfinger
war
herabgesetzt, sie k
o
nnten lediglich beim Ergreifen von Gegen
ständen eingesetzt werden, wenn die Fingerkuppen dabei nicht wesentlich unter Druck gesetzt würden. Die Kraft
war
in der linken Hand stark vermindert, ebenso die Geschicklichkeit, ein präzises Greifen
war
nur mit Daumen und Kleinfinger möglich. Starke auf die linke Hand wirkende Erschütterungen
waren
zu vermei
den. Das Bundesgericht bestätigte den Tabellenlohnabzug von 10
%
(Urteil 8C_142/2009 vom 1
2.
Juni 2009 E. 3.1 und 4.3.2).
7.3.5
Damit ist erstellt, dass ein 15
%
übersteigender Abzug vom Tabellenlohn nicht statthaft
ist, angemessen wäre ein
solcher
von 10
%
, womit kein Invaliditätsgrad resultiert. Der Beschwerdeführerin stehen demgemäss keine Rentenleistungen der Beschwerdegegnerin zu.
8.
8.1
Die Beschwerdeführerin bemängelte die Höhe der Integritätsentschädigung
(10
%
)
vornehmlich unter Hinweis
darauf, dass sie nicht nur den ganzen Zeigfin
ger eingebüsst habe, sondern eine erhebliche Funktionsbeeinträchtigung der rechten Hand einschliesslich Handgelenk erlitten habe. Nicht entschädigt worden seien auch die zahlreichen Narben (
Urk.
1 S. 6).
8.2
Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schä
digung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht; er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der Erwerbs
fähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs
3.
Fallen mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung festgesetzt. Die Gesamtentschädigung darf den Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und bereits nach dem Gesetz bezogene Entschädigungen werden prozentual angerechnet (Abs. 3). Voraussehbare Verschlimmerungen des Integritätsschadens werden angemessen berücksichtigt. Revisionen sind nur im Ausnahmefall möglich, wenn die Verschlimmerung von grosser Tragweite ist und nicht voraussehbar war (Abs. 4).
Die Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrätli
chen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Feinras
ter) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für das Gericht nicht verbindlich, umso weniger als Ziff. 1 Abs. 1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, der in der Skala angegebene Prozentsatz des Integritätsschadens gelte im Regelfall, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewähr
leistet werden soll, sind sie mit dem Anhang
3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
Gemäss
Anhang
3 zur UVV
führt
der
Verlust von mindestens zwei Gliedern eines Langfingers oder eines Gliedes des Daumens
zu einer Integritätsentschädigung von 5
%
und der Verlust einer Hand zu einer solchen von 40
%
. Gemäss der Suva-Tabelle 3 (
Integritätsschaden bei einfachen oder kombinierten Finger-,
Hand- und Armverlusten
) entspricht der komplette Verlust eines Zeigfingers einem Integritätsschaden von 6
%
(
Ziff.
7).
8.3
Entsprechend dieser Grundlagen hat die Beschwerdeführerin für den Verlust des ganzen Zeigfingers bei Anwendung der für sie günstigeren Suva-Tabelle Anrechte auf eine Integritätsentschädigung von 6
%
. Funktionsstörungen der Hand werden nach der Suva-Tabelle 1 (
Integritätsschaden bei Funktionsstörun
gen an den oberen Extremitäten
) erst dann entschädigt, wenn sie erheblich sind. Genannt werden Steifheit
in Streckstellung und Pro- und Supination
, Steifheit
in Beugung oder Streckung
,
radiocarpale
Arthrodese
,
Handwurzelarthrodese
.
Die verbleibenden Störung
en
sind bei der Beschwerdeführerin weit
entf
ern
t
von
einer derartigen Einschränkung. Eine gewisse Einschränkung der Funktionsfähigkeit ist mit der Entschädigung für den verlorenen Zeigfinger bereits abgegolten. Die wei
teren Einschränkungen (fehlender Faustschluss, eingeschränkte Kraft, Ermüdbar
keit) sind nicht von einer solchen Intensität, dass sie einen zusätzlichen Anspruch begründen würden.
Die verbleibenden Narben sind damit - bei einer Gesamtentschädigung von 10
%
- genügend berücksichtigt. Die Suva-Tabelle 18 (Integritä
t
sschaden bei Schädi
gung der Haut) setzt eine massive Beeinträchtigung voraus und spricht von Der
matosen und Verbrennungen. Die Operationsnarben der Beschwerdeführerin wurden nicht in diesem Ausmass geschildert, aber von der Beschwerdegegnerin doch passend berücksichtigt. Eine höhere Entschädigung würde ein Schaden ähn
lich
der von
Dermatosen am Handrücken voraussetzen, was nicht erstellt ist.
Für eine höhere Integritätsen
t
schädigung besteht nach dem Gesagten keine Ver
anlassung.
8.4
8.4.1
Die Beschwerdeführerin ersuchte sodann um
Zusprache
von Verzugszinsen auf der Integritätsentschädigung (
Urk.
1 S.
6).
Die Beschwerdegegnerin anerkannte
eine grundsätzliche Verzugszinspflicht
nach Ablauf von 24 Monaten nach Entstehung des Anspruchs und ging davon aus, dass diese Frist bei der Rentenfestsetzung beziehungsweise bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung beginnt. Sie anerkannte ebenfalls, dass die bereits
ver
fügte
Integritätsentschädigung in der Höhe von
Fr.
12'600.-- aufgrund «
admi
nistrativer
Probleme» nicht ausbezahlt worden sei. Gleichwohl schloss sie auf vollumfängliche Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8 S. 2 und S. 18).
8.4.2
Nach
Art.
26
Abs.
2 ATSG
werden die Sozialversicherungen für ihre Leistungen nach Ablauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung verzugszinspflichtig
, s
ofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfänglich nachgekommen ist
.
8.4.3
Angesichts des Umstandes, dass grundsätzlich mit Fallabschluss über die Dauer
leistungen zu verfügen ist, entstand der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Integritätsentschädigung am
1.
November 201
5.
Die Festlegung der Dauer
leistungen erfolgte denn auch bereits mit Verfügung vom
7.
Juli 2015 (
Urk.
10/25). Damals ging die Beschwerdegegnerin noch von einem Fallabschluss per
1.
Juli 2015 aus, was nach erneuter Untersuchung der Beschwerdeführerin
im Rahmen des
Einspracheverfahrens
auf den 3
1.
Oktober 2015 verschoben wurde.
Nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs zum neusten Arztbericht am 2
9.
Oktober 2015 (
Urk.
10/16) forderte die Beschwerdegegnerin die Beschwerde
führerin am 2
1.
Januar 2016 (
Urk.
10/14) in unhaltbarer und einer in der Schweiz tätigen obligatorischen Versicherung unwürdigen Art und Weise zum Rückzug der Einsp
r
ache auf, um die Integritätsentschädigung ausrich
t
en zu «können».
Ein Rückzug der Beschwerde war keine Voraussetzung zur Auszahlung der Integri
tätsentschädigung in unbestrittener Höhe und
mit dem Rückzug der Einsprache wäre selbstredend die Verweigerung von Rentenleistungen akzeptiert worden, was mit der Integritätsentschädigung in keinem direkten Zusammenhang steht. Der nächste Verfahrensschritt war - neben einer internen Kostenabsprache (
Urk.
10/12)
-
die Entgegennahme der Verfügung der IV-Stelle vom 2
0.
Septem
ber 2016 (
Urk.
10/11). Als nächstes ersuchte die Beschwerdeführerin um Akten
einsicht (2
4.
Oktober, 1
4.
und 2
1.
Dezember 2016 (
Urk.
10/6,
Urk.
10/8 und
Urk.
10/9). Am 1
7.
August 2018 (
Urk.
10/1) mahnte die Beschwerdeführerin die Beschwerdegegnerin und am
2
8.
Juni 2019 (
Urk.
2) erging der angefochtene
Ein
spracheentscheid
.
Dieser Ablauf zeigt, dass die Beschwerdegegnerin keineswegs mit Abklärungen beschäftigt war, sondern die Beschwerdeführerin zuerst mittels falschen Ausfüh
rungen zum Rückzug der gesamten Einsprache bewegen wollte und hernach das Dossier nicht mehr bearbeitete. Insbesondere rechtfertigte sich das Abwarten der Verfügung der Invalidenversicherung nicht, war doch der medizinische Sachver
halt hinreichend erstellt.
Auch die anschliessende Verzögerung um knapp drei Jahre ist nicht erklärbar.
8.4.4
Ist erstellt, dass der Anspruch auf Integritätsentschädigung am
1.
November 2015 entstanden ist, erwächst eine Verzugszinspflicht in der Höhe von 5
%
(
Art.
7
Abs.
1 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSV) ab
1.
November 2017 bis zu deren Ausrichtung.
9.
Ausgangsgemäss hat die
anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine
gekürzte
Prozessentschädigung
, welche mit
Fr.
500
.-- (inkl. Barauslagen
und
MWSt
)
zu bemessen und
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
ist
.