Decision ID: 8b5ce4ef-5d10-431d-b6fb-12becfb1d91e
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführenden im Bundesasylzentrum (BAZ) der Region
(...) am 31. Mai 2022 ein Gesuch um vorübergehenden Schutz einreichten
und dazu am 9. Juni 2022 befragt wurden,
dass sie ihr Gesuch dahingehend begründeten, sie würden aus F._
stammen, jedoch seit 2017 (zunächst) mit dem ältesten Kind in
G._/Ukraine leben, entsprechend seien sie im Besitz gültiger Auf-
enthaltsbewilligungen,
dass die beiden jüngeren Kinder in der Ukraine geboren seien und die uk-
rainische Staatsangehörigkeit besitzen würden,
dass sie sich im Zeitraum vom 20. März 2021 bis 24. Mai 2022 in ihrem
Heimatstaat aufgehalten hätten,
dass sie am 24. Mai 2022 aus dem Nordirak in die Ukraine ausgereist
seien, von wo aus sie aufgrund der dortigen Kriegssituation am Tag nach
ihrer Ankunft Richtung Schweiz gereist seien,
dass sie in ihren Heimatstaat nicht zurückkehren wollen, da seit den 80er-
Jahren bezüglich eines Cousins eine ungelöste familiäre Fehde bestehe
und sie sich im Irak nicht wohl fühlen würden,
dass das SEM das Gesuch der Beschwerdeführenden um vorüberge-
hende Schutzgewährung in der Schweiz mit Verfügung vom 29. Juni 2022
– eröffnet am 30. Juni 2022 – ablehnte sowie die Wegweisung aus der
Schweiz und den Vollzug anordnete,
dass die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 26. Juli 2022 gegen die-
sen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhoben und
dabei beantragten, die Verfügung vom 29. Juni 2022 sei aufzuheben, sie
seien zu der vom Bundesrat definierten Gruppe der schutzberechtigten
Personen zu zählen und ihnen sei vorübergehender Schutz zu gewähren,
eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig
und unzumutbar sei und sie in der Schweiz vorläufig aufzunehmen, sub-
eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung und rechtsgenügenden Be-
gründung an die Vorinstanz zurückzuweisen,
E-3244/2022
Seite 3
dass sie in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung, um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses sowie um Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistandes ersuch-
ten,
dass den Beschwerdeführenden am 27. Juli 2022 der Eingang der Be-
schwerde bestätigt wurde,

und zieht in Erwägung,
dass es gemäss Art. 31 VGG zur Beurteilung von Beschwerden gegen Ver-
fügungen nach Art. 5 VwVG zuständig ist und auf dem Gebiet des Asyls in
der Regel – und auch vorliegend – endgültig entscheidet (Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG; Art. 72 i.V.m. Art. 105 AsylG [SR 142.31]),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen haben, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise
Änderung haben und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
sind (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 72 i.V.m. Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb das Urteil
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
E-3244/2022
Seite 4
dass der Bundesrat am 11. März 2022 gestützt auf Art. 66 Abs. 1 AsylG
eine Allgemeinverfügung zur Gewährung des vorübergehenden Schutzes
im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine erlassen hat (BBl 2022
586),
dass gemäss dieser Allgemeinverfügung den folgenden Personengruppen
vorübergehender Schutz in der Schweiz gewährt wird:
a) schutzsuchenden ukrainischen Staatsbürgerinnen und -bürgern
und ihren Familienangehörigen (Partner, minderjährige Kinder und
andere enge Verwandte, welche zum Zeitpunkt der Flucht ganz oder
teilweise unterstützt wurden), welche vor dem 24. Februar 2022 in
der Ukraine wohnhaft waren,
b) schutzsuchenden Personen anderer Nationalitäten und Staaten-
losen sowie deren Familienangehörigen, welche vor dem 24. Feb-
ruar 2022 einen internationalen oder nationalen Schutzstatus in der
Ukraine hatten,
c) Schutzsuchenden anderer Nationalität und Staatenlosen sowie ih-
ren Familienangehörigen, welche mit einer gültigen Kurzaufenthalts-
oder Aufenthaltsbewilligung belegen können, dass sie über eine gül-
tige Aufenthaltsberechtigung in der Ukraine verfügen und nicht in Si-
cherheit und dauerhaft in ihre Heimatländer zurückkehren können,
dass das SEM zur Begründung der angefochtenen Verfügung vom 29. Juni
2022 ausführte, Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführen-
den nicht zu der vom Bundesrat definierten Gruppe der schutzberechtigten
Personen gehören würden,
dass A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) und B._ (nach-
folgend: Beschwerdeführerin) sowie ihr ältestes Kind irakische Staatsan-
gehörige seien und nach F._/Nordirak, wo sie bis im Jahre 2017
gelebt hätten, in Sicherheit und dauerhaft zurückkehren könnten,
dass dies auch für die beiden jüngeren Kinder gelte, welche die ukrainische
Staatsangehörigkeit innehätten, da für diese die irakische Staatsangehö-
rigkeit beantragt werden könne,
dass in Bezug auf die von den Beschwerdeführenden vorgebrachte Fami-
lienfehde im Heimatstaat aus den Akten nicht hervorgehe, dass sie dies-
bezüglich bei ihren jeweiligen Aufenthalten im Nordirak Probleme gehabt
hätten, zumal sie mehrfach von der Ukraine in den Nordirak und wieder
zurückgereist seien,
E-3244/2022
Seite 5
dass mithin nicht anzunehmen sei, dass die Beschwerdeführenden in die-
ser Hinsicht internationalen Schutz benötigen würden,
dass überdies in der Autonomen Region Kurdistan (ARK) dank der gut do-
tierten Sicherheitsbehörden und des Rechts- und Justizsystems eine funk-
tionierende Schutzinfrastruktur bestehe,
dass sodann vorliegend keine Gründe ersichtlich seien, die gegen die Zu-
lässigkeit des Vollzugs sprächen, da sich aus den Akten keine Anhalts-
punkte dafür ergeben würden, dass den Beschwerdeführenden im Falle
einer Rückkehr in ihren Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe,
dass sich der Vollzug der Wegweisung vorliegend auch als zumutbar im
Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG (SR 142.20) erweise, da trotz festzustellender
Volatilität der Situation in der ARK nicht von einer Situation allgemeiner
Gewalt im Sinne der genannten Bestimmung auszugehen sei,
dass im vorliegenden Fall anzunehmen ist, dass es den Beschwerdefüh-
renden gelingen werde, sich eine tragfähige Existenz im Heimatstaat auf-
zubauen, weil gestützt auf die Akten davon auszugehen sei, dass die Be-
schwerdeführenden in der ARK über ein familiäres Beziehungsnetz verfü-
gen würden, seien sie während ihres Aufenthalts in der Ukraine doch im-
mer wieder nach F._ gereist und hätten zuletzt über ein Jahr lang
dort gelebt,
dass in Bezug auf die Kinder festzustellen sei, dass diese bereits zwischen
März 2021 und Mai 2022 im Nordirak gelebt hätten und dort die (...) Schule
besucht hätten,
dass aufgrund des jungen und anpassungsfähigen Alters der drei Kinder
anzunehmen sei, dass sie im Nordirak kulturell, sprachlich und sozial stär-
ker verankert sein dürften als in der Schweiz,
dass die Beschwerdeführenden den vorinstanzlichen Erwägungen auf Be-
schwerdeebene entgegneten, zur Gruppe der schutzberechtigten Perso-
nen würden zum einen ukrainische Staatsangehörige und ihre Familienan-
gehörigen zählen, wobei letztere die ukrainische Staatsangehörigkeit nicht
besitzen müssten, zum anderen würden Personen anderer Nationalitäten
unter den Schutzstatus fallen, die über eine gültige Kurzaufenthalts- oder
Aufenthaltsbewilligung der Ukraine verfügen würden und nicht in Sicherheit
und dauerhaft in ihren Heimatstaat zurückkehren könnten,
E-3244/2022
Seite 6
dass der Beschwerdeführer über eine unbefristete Aufenthaltsbewilligung
verfüge, während die Beschwerdeführerin und das älteste Kind im Besitz
einer bis ins Jahr 2029 gültigen, verlängerbaren Aufenthaltsbewilligung
seien,
dass die beiden jüngeren Kinder über die ukrainische Staatsangehörigkeit
verfügen würden,
dass sie seit dem Jahre 2017 in der Ukraine leben würden und lediglich für
Familienbesuche in den Irak zurückgekehrt seien, so auch im März 2021,
dass sich der letzte Besuch aufgrund von familiären Verpflichtungen der
kranken Eltern gegenüber verlängert habe und die Mutter der Beschwer-
deführerin verstorben sei,
dass sie am 24. Mai 2022 für einen Tag in die Ukraine zurückgekehrt seien,
ihre Wohnung in G._ jedoch zerstört worden sei und sie alles ver-
loren hätten,
dass sie im Übrigen nicht in Sicherheit und dauerhaft in den Irak zurück-
kehren könnten, weil die Familie des Beschwerdeführers seit den 80er-
Jahren mit einer anderen Familie verfeindet sei und sie stetig in Gefahr
seien, von Mitgliedern dieser Familie getötet zu werden, wobei der iraki-
sche Staat nicht im Stande sei, sie vor solchen Übergriffen zu schützen,
dass ihnen aufgrund der Familienfehde im Irak unmenschliche Behandlung
drohe, weswegen auch der Vollzug der Wegweisung unzulässig sei,
dass sich ausserdem ihr gesamtes soziales Umfeld in der Ukraine befinde
und sie zu den im Irak lebenden Verwandten – ausser mit den noch leben-
den Elternteilen – keine enge Beziehung hätten,
dass sie auch über keine Ersparnisse verfügen würden und ihre Kinder im
Irak keine Zukunft hätten,
dass die Vorinstanz nicht begründet habe, wieso Bst. a der Allgemeinver-
fügung nicht auf sie anzuwenden sei und ihnen bloss wenige Fragen zu
ihrer Ausbildung, beruflichen Tätigkeit, finanziellen Lage und Familiensitu-
ation im Irak gestellt worden seien, womit es der Vorinstanz nicht möglich
sei, ihre Situation zu beurteilen,
E-3244/2022
Seite 7
dass die Vorinstanz den entscheidrelevanten Sachverhalt mithin nicht er-
mittelt habe, den Entscheid nicht ausreichend begründet und sowohl den
Untersuchungsgrundsatz als auch den Anspruch auf rechtliches Gehör
verletzt habe und die Sache zur Neubeurteilung an diese zurückzuweisen
sei,
dass der (Sub)Eventualantrag auf Rückweisung des Verfahrens zur weite-
ren Abklärung des Sachverhalts und weiteren Begründung abzuweisen ist,
zumal keine Verfahrenspflichtverletzungen des SEM in Bezug auf die Er-
stellung des relevanten Sachverhalts feststellbar sind, die durchgeführten
Anhörungen hinsichtlich Detaillierungsgrad als genügend erscheinen und
das SEM seinen Entscheid auch hinreichend begründet hat,
dass das Bundesverwaltungsgericht in materieller Hinsicht nach Durch-
sicht der Akten feststellt, dass die vorinstanzliche Verfügung zu bestätigen
ist und die Beschwerdeschrift keine Vorbringen enthält, welche geeignet
sind, die Einschätzung der Vorinstanz in Frage zu stellen,
dass die Anwendung von Bst. a der Allgemeinverfügung im Falle der Be-
schwerdeführenden bereits ausgeschlossen ist, weil sie vor dem 24. Feb-
ruar 2022 nicht in der Ukraine gelebt haben, sondern sich im Zeitraum vom
20. März 2021 bis 24. Mai 2022 in ihrem Heimatstaat Irak aufgehalten ha-
ben,
dass sie eigenen Angaben zufolge am 24. Mai 2022 den Nordirak über die
Türkei verlassen haben und lediglich einen Tag in der Ukraine verblieben
sind, bevor sie über Deutschland in die Schweiz einreisten,
dass mithin die Frage offenbleiben kann, wie Bst. a der Allgemeinverfügung
in Bezug auf die Schutzberechtigung von Eltern mit lediglich irakischer
Staatsangehörigkeit auszulegen ist, deren minderjährige Kinder die ukrai-
nische Staatsangehörigkeit besitzen,
dass die Beschwerdeführenden ferner nicht über einen Schutzstatus in der
Ukraine verfügen, was auch die Anwendung von Bst. b der Allgemeinver-
fügung ausschliesst,
dass eine Anwendung von Bst. c der Allgemeinverfügung unter anderem
voraussetzt, dass die Beschwerdeführenden nicht in Sicherheit und dauer-
haft in ihren Heimatstaat zurückkehren könnten,
dass aus den Ausführungen der Beschwerdeführenden geschlossen wer-
den kann, dass eine dauerhafte Rückkehr in den Heimatstaat unter dem
E-3244/2022
Seite 8
Aspekt der Sicherheit grundsätzlich möglich ist, zumal sie sich seit ihrem
Wohnortwechsel im Jahr 2017 in die Ukraine als Familie mehrfach in den
Heimatstaat begeben haben, der letzte Aufenthalt im Zeitraum vom
20. März 2021 bis 24. Mai 2022 aktenkundig ist,
dass sie nach eigenen Angaben während ihrer jeweiligen Aufenthalte im
Nordirak keinerlei Schwierigkeiten mit den Behörden hatten und auch nicht
davon auszugehen ist, dass sie aufgrund der vorgebrachten Familien-
fehde, die die Familie eines Cousins betrifft, in ihrem Heimatstaat in rele-
vanter Weise gefährdet wären, zumal sie keine genaueren Angaben zu die-
ser in den 80er-Jahren zurückliegenden Familienfehde machen konnten
(SEM-Akten [...]-6/5 S. 3 f.),
dass ein vorübergehender Schutz in der Schweiz nur dann gewährt werden
soll, wenn auch eine tatsächliche Schutzbedürftigkeit in der Schweiz be-
steht, die Subsidiarität der Schutzgewährung auch in diesem Kontext gilt
(vgl. auch Art. 78 Abs. 1 Bst. d AsylG),
dass das SEM daher gesamtwürdigend zu Recht das Gesuch um Gewäh-
rung des vorübergehenden Schutzes in der Schweiz abgelehnt und die Be-
schwerdeführenden auf ihren Heimatstaat verwiesen hat,
dass die Ablehnung des Gesuchs um Gewährung des vorübergehenden
Schutzes in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat
(Art. 44 AsylG), vorliegend insbesondere der Kanton keine Aufenthaltsbe-
willigung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen
besteht (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.), weshalb die
verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen
steht und demnach vom Staatssekretariat ebenfalls zu Recht angeordnet
wurde,
dass das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollzug der Weg-
weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG),
dass Wegweisungsvollzugshindernisse gemäss Praxis des Bundesverwal-
tungsgerichts zu beweisen sind, wenn der strikte Beweis möglich ist, und
andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen sind (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.),
dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des
E-3244/2022
Seite 9
Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AIG),
dass die Beschwerdeführenden in der Schweiz kein Asylgesuch gestellt
haben und den Akten keine Hinweise auf eine Verletzung des flüchtlings-
rechtlichen Refoulement-Verbots (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33
Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) zu entnehmen sind,
dass im Falle der Beschwerdeführenden keine Anhaltspunkte für eine in
der ARK drohende menschenrechtswidrige Behandlung im Sinne von
Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK ersichtlich sind, und auch die allgemeine Menschenrechtssituation
in der ARK den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un-
zulässig erscheinen lässt (vgl. den als Referenzurteil publizierten Ent-
scheid des BVGer E-3737/2015 vom 14 Dezember 2015 E. 6.3.2 sowie
u.a. E-5024/2021 vom 12. Mai 2022 E. 8.2.2, je m.w.H.), womit sich der
Vollzug als zulässig erweist,
dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar
erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage
konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG),
dass die Sicherheitslage- und Menschenrechtslage im Nordirak anerkann-
termassen volatil ist, das SEM in der angefochtenen Verfügung einlässlich
die Situation im kurdischen Nordirak und die entsprechende bundesver-
waltungsgerichtliche Rechtsprechung erörtert hat, weshalb auf diese Er-
wägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. ebd.
Ziff. IV, Punkt 2),
dass im Einklang mit der Wegweisungspraxis des Bundesverwaltungsge-
richts sowie diverser EU-Staaten davon auszugehen ist, dass der Wegwei-
sungsvollzug in die Region ARK dann zumutbar ist, wenn die betreffenden
Personen ursprünglich aus der Region stammen oder eine längere Zeit
dort gelebt haben sowie über ein soziales Netz (Familie, Verwandtschaft
oder Bekanntenkreis) oder aber über Beziehungen zu den herrschenden
Parteien verfügen (vgl. Referenzurteil des BVGer E-3737/2015 vom
14. Dezember 2015 E. 7.3 und 7.4, je m.H.),
E-3244/2022
Seite 10
dass der Vollzug der Wegweisung von Familien mit Kindern in die ARK-
Region ebenfalls nicht als grundsätzlich unzumutbar qualifiziert wird (vgl.
Urteil des BVGer E-7174/2018 vom 14. Februar 2020 E. 8.3.5 m.H.),
dass diese Einschätzung grundsätzlich nach wie vor Gültigkeit hat, wobei
den begünstigenden individuellen Faktoren – hauptsächlich denjenigen ei-
nes tragfähigen familiären Beziehungsnetzes – angesichts der Belastung
der behördlichen Infrastrukturen durch im Irak intern Vertriebene besonde-
res Gewicht beizumessen ist (vgl. unter vielen Urteile des BVGer
D-5972/2016 vom 7. April 2022 E. 8.1 und E-5024/2021 vom 12. Mai 2022
E.8.2.2 je m.H.),
dass das SEM in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hinge-
wiesen hat, dass im Falle der Beschwerdeführenden keine individuellen
Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges sprechen,
dass der Beschwerdeführer und die Beschwerdeführerin eigenen Angaben
gemäss aus F._ stammen, wo sie bis zu ihrem Umzug in die Ukra-
ine im Jahr 2017 gelebt und damit einen Grossteil ihres Lebens verbracht
haben,
dass beide Familien des Beschwerdeführers und der Beschwerdeführerin
nach wie vor in der betreffenden Region ansässig sind, weshalb – entge-
gen der nicht näher substanziierten Angaben auf Beschwerdeebene – von
einem familiären Beziehungsnetzwerk auszugehen ist, welches auch ge-
lebt wird,
dass der Beschwerdeführer zu seiner beruflichen Tätigkeit «(...)» angab,
die Beschwerdeführerin «(...)», mithin davon auszugehen ist, dass es sich
bei beiden um gut ausgebildete Personen handelt, und sie in der Lage sind,
sich im Heimatstaat beruflich und damit wirtschaftlich zu reintegrieren,
dass die Beschwerdeführenden bei der Frage nach allfälligen Rückkehr-
hindernissen denn auch keine wirtschaftlichen Gründe geltend machten,
sondern zum Ausdruck brachten, dass sie sich eine Ausbildung ihrer Kin-
der in der Ukraine, wo sie sehr gut integriert sind, allenfalls in der Schweiz,
wünschten,
dass unter dem Aspekt des Kindeswohls im Sinne von Art. 3 Abs. 1 des
Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes
(KRK, SR 0.107) keine Vollzugshindernisse ersichtlich sind,
E-3244/2022
Seite 11
dass die drei Kinder mit den Jahrgängen (...), (...) (...) noch in einem stark
von der Familie geprägten Alter sind und bei einer Rückkehr zusammen
mit ihren Eltern daher nicht aus dieser Beziehung herausgerissen werden,
dass sich auch die Annahme rechtfertigt, dass sie aufgrund ihres noch jun-
gen Alters in ihrem Heimatland werden (re)integrieren können, und in die-
sem Zusammenhang auch festzuhalten ist, dass sie erst bis vor Kurzem
während mehr als eines Jahres in ihrem Heimatstaat gelebt und dort die
(...) Schule besucht haben,
dass sie mithin mit den dortigen Gegebenheiten und dem Umfeld vertraut
sind,
dass auch aufgrund des verhältnismässig kurzen Aufenthalts in der
Schweiz eine Reintegration im Heimatstaat nicht gefährdet ist,
dass auch die gesundheitliche Verfassung der Beschwerdeführenden ei-
nem Wegweisungsvollzug nicht entgegensteht,
dass mithin weder die allgemeine Lage im Heimatstaat der Beschwerde-
führenden noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung im Fall
einer Rückkehr schliessen lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung in
den Nordirak zumutbar ist,
dass der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführenden in den Hei-
matstaat schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen
(Art. 83 Abs. 2 AIG) und die Beschwerdeführenden – die im Übrigen bei
der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken hätten (vgl. Art. 8
Abs. 4 AsylG) – über gültige irakische Reisepässe verfügen,
dass nach dem Gesagten auch der vom SEM verfügte Vollzug der Weg-
weisung zu bestätigen ist,
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1
AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist, weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unbe-
sehen der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführenden abzuweisen
ist, da die Beschwerde gemäss den vorstehenden Erwägungen als aus-
sichtslos zu bezeichnen ist und es daher an einer gesetzlichen Grundlage
zu deren Gewährung fehlt,
E-3244/2022
Seite 12
dass damit auch das Gesuch um eine unentgeltliche Rechtsverbeistän-
dung abzuweisen ist (vgl. Art. 102m Abs. 1 AsylG),
dass das Gesuch um Verzicht auf die Kostenvorschusserhebung mit dem
vorliegenden Entscheid in der Hauptsache gegenstandslos geworden ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
den Beschwerdeführenden aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
E-3244/2022
Seite 13