Decision ID: 57adc099-d74a-546c-97b2-8b15b0b2bfb6
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die Parzellen Nrn. 002, 003, 004 und 005, Grundbuch Gossau, liegen gemäss
Zonenplan der Politischen Gemeinde Gossau in der Wohn-Gewerbe-Zone WG3. Die
Grundstücke Nrn. 002 und 005 gehören der M.Z. Immobilien AG, Gossau, die
Grundstücke Nrn. 003 und 004 der Garagen Q.-Immobilien AG. Bis auf das Grundstück
Nr. 005 werden alle Parzellen vom Gestaltungsplan A.-strasse 00-001 vom
21. November 1994 überlagert (act. 11/57). Das etwa 1 ha grosse Plangebiet ist
weitgehend überbaut und von den Gebäuden der Garagen Q. AG geprägt. Durch das
Plangebiet bzw. über die Grundstücke Nrn. 004 und 002 verläuft von Osten nach
Westen der eingedolte C.- bzw. B.-bach (act. 11/26).
B. Die Politische Gemeinde Gossau reichte anfangs des Jahres 2008 dem Amt für
Raumentwicklung des Baudepartements des Kantons St. Gallen AREG den Entwurf
des Überbauungsplans A.-strasse 00-001 zur Vorprüfung ein, der den Gestaltungsplan
A.-strasse 00-001 ablösen soll. Der neue Sondernutzungsplan bezweckt die
Sicherstellung der Entwicklung des Garagenbetriebs, wobei dieser das Konzept aus
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den 90-er Jahren im Grundsatz übernimmt. Neu wird davon auch Parz.-Nr. 005 erfasst.
Damit soll insbesondere eine dritte Hauptbaute entlang der B.-strasse und die
Erweiterung des Garagenbetriebs auf das Grundstück Nr. 005 ermöglicht werden.
Weiter ist geplant, den gestiegenen Parkplatzbedarf mit zwei offenen Parkdecks
abzudecken. Der Vorprüfungsbericht datiert vom 21. Mai 2008. Betreffend B.-bach hält
der Bericht fest, dass dieser eingedolt sei und nicht mehr geöffnet werden könne. Zwar
sei im Jahr 1994 eine wasserpolizeiliche Bewilligung in Aussicht gestellt worden, ein
entsprechendes Gesuch sei aber nicht eingegangen. Als Grundlage für den Erlass des
Überbauungsplans seien die hydraulischen Grundlagen für den eingedolten Bach zu
vervollständigen und ein Unterhaltskonzept vorzulegen. Alsdann sei eine
wasserbaupolizeiliche Bewilligung ein- bzw. nachzuholen (act. 11/12 Beilage 5). Am
22. Oktober 2008 beschloss der Stadtrat den entsprechenden Überbauungsplan
(Erläuterungsbericht vom 11. August 2008. Während der Auflagefrist vom 3. November
2010 bis 2. Dezember 2010 erhob die X. Ltd. als Grundeigentümerin der nördlich des
Plangebiets gelegenen Parzelle Nr. 006 Einsprache und verlangte, dass auf den
Überbauungsplan mit besonderen Vorschriften verzichtet werde. Nebst dem, dass der
Sondernutzungsplan dem Zonenzweck widerspreche, sei der Plan auch insofern
rechtswidrig, als er nicht vorsehe, das eingedolte Gewässer zu öffnen.
C.a) Am 2. Februar 2011 erhob die Einsprecherin zudem vorsorglich Rekurs "gegen
jene Baubewilligungen, welche die Stadt Gossau für Bauvorhaben unmittelbar über
dem B.-bach bzw. in einem Gewässerabstand von weniger als 10 m nördlich bzw.
südlich davon" erteilt habe. Mit Rekursergänzung vom 18. Juli 2011 betreffend
"Baubewilligung des Gemeinderates Gossau vom 30. Mai 1996 in Sachen Neubau auf
dem Grundstück Nr. 004, B.-strasse, Gossau; Verlegung und Wiedereindolung des C.-
baches gemäss Bewilligung des Baudepartements und des Finanzdepartements vom
4. April 1996" stellte sie folgende Anträge:
1. Die Baubewilligung des Gemeinderats Gossau Nr. 8780 vom 30. Mai 1996 sei
aufzuheben;
eventualiter sei festzuhalten, dass die damalige Baubewilligung zu Unrecht erteilt
wurde.
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2. Sämtliche Baubewilligungen, die der Gemeinderat Gossau zwischen Mai 1996
und heute für den Bereich für Vorhaben unmittelbar über dem C.-bach bzw. in einem
Gewässerabstand von weniger als 10 m nördlich bzw. südlich davon erteilte, seien
aufzuheben;
eventualiter sei festzustellen, dass die fraglichen Baubewilligungen zu Unrecht erteilt
wurden.
3. Es sei festzustellen, dass die Bewilligung des Baudepartements und des
Finanzdepartements vom 3. April 1996 für die Verlegung und Wiedereindolung des C.-
baches im Bereich Neubau Garage Q. AG, A.-strasse 07-08, verfallen ist;
eventualiter sei der Gemeinderat Gossau anzuweisen, das Baubewilligungsverfahren
gemäss Ziffer 2 der vorgenannten Bewilligung vom 3. April 1996 (bzw. das nach den
heutigen Vorschriften massgebende Verfahren) nachträglich durchzuführen;
subeventualiter sei die genannte Bewilligung des Baudepartements und des
Finanzdepartements aufzuheben, der Rekurrentin seien die massgebenden
Bewilligungsunterlagen zur Einsicht zuzustellen und es sei eine angemessene Frist zur
Einreichung der Rekursbegründung gegen die Bewilligung zur Verlegung und
Wiedereindolung des C.-baches anzusetzen.
4. Nach Eingang der verschiedenen Stellungnahmen der Vorinstanzen und der
Rekursgegnerin sei ein zweiter Schriftenwechsel anzusetzen.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
b) Am 30. September 2011 überwies die Rechtsabteilung des Baudepartements das
Rekursverfahren an das Departement des Innern, soweit der Rekurs gegen die
Baubewilligung der Baukommission Gossau vom 30. Mai 1996 betreffend Neubau auf
GS-Nr. 004 für die Garage Q. AG (act. 11/12 Beilage 6) und die Nebenbewilligung des
Bau- und Finanzdepartements vom 3. April 1996 betreffend Verlegung und
Wiedereindolung des C.-bachs im Bereich der Garage Q. AG (act. 11/12 Beilage 8)
gerichtet war. Darüber hinaus blieb das Rekursverfahren beim Baudepartement hängig,
welches das Verfahren bis auf Weiteres sistierte (act. 11/1).
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b. Mit Beschluss Nr. 393 vom 2. Juli 2013 behandelte die Regierung die Anträge
1. Die Baubewilligung des Gemeinderats Gossau Nr. 8780 vom 30. Mai 1996 sei
aufzuheben;
[...]
3. [...] die Bewilligung des Baudepartements und des Finanzdepartements vom
3. April 1996 für die Verlegung und Wiedereindolung des C.-baches im Bereich Neubau
Garage Q. AG, A.-strasse 07-08, [...]
[...]
subeventaliter sei die genannte Bewilligung des Baudepartements und des
Finanzdepartements aufzuheben, der Rekurrentin seien die massgebenden
Bewilligungsunterlagen zur Einsicht zuzustellen und es sei eine angemessene Frist zur
Einreichung der Rekursbegründung gegen die Bewilligung zur Verlegung und
Wiedereindolung des C.-baches anzusetzen.
und trat darauf kostenpflichtig nicht ein, soweit diese nicht gegenstandslos geworden
waren. Dabei qualifizierte sie Ziffer 2 der Bewilligung des Bau- und des
Finanzdepartements vom 3. April 1996, wonach das Baubewilligungsverfahren nach
Art. 78 ff. des Baugesetzes (sGS 731.1, BauG) vorbehalten bleibe, als Auflage. Ihrer
Meinung nach sei die Nebenbewilligung der Bau- und Finanzdepartemente
rechtskräftig geworden, selbst wenn deren Nebenstimmung nicht erfüllt bzw. das
Bewilligungsverfahren durch die örtliche Baubehörde nicht oder nicht korrekt
durchgeführt worden wäre. Auf Grund der Akten sei aber davon auszugehen, dass ein
Baubewilligungsverfahren für die wasserbaulichen Massnahmen stattgefunden habe.
Als unmittelbarer Nachbar wäre es dem damaligen Eigentümer des Grundstücks der
Rekurrentin zumutbar gewesen, sich im Verlauf der Bauarbeiten nach den
entsprechenden Bewilligungen zu erkundigen und diese, sofern das Gesuch damals
nicht korrekt aufgelegen gewesen wäre, unverzüglich anzufechten.
D. Am 25. Juli 2013 erhob die Rekurrentin gegen den Regierungsbeschluss beim
Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen Beschwerde. Mit Beschwerdeergänzung
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vom 17. September 2013 beantragte sie, den angefochtenen Entscheid und die
Baubewilligung des Gemeinderats Gossau vom 30. Mai 1996 aufzuheben und
hinsichtlich der Bewilligung des Bau- und des Finanzdepartements vom 3. April 1996
festzustellen, dass diese nicht rechtsgültig geworden sei, eventuell sei sie aufzuheben.
Eventuell sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Angelegenheit an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Dabei macht sie geltend, aus der damaligen Bauanzeige
sei nicht ersichtlich gewesen, dass mit dem Abbruch des bestehenden Lagerhauses
und dem Neubau auch eine Verlegung und Wiedereindolung des C.-baches verbunden
gewesen sei. Weder sei die Verfügung des Bau- und des Finanzdepartements eine
untergeordnete Nebenbewilligung noch sei der Vorbehalt des
Baubewilligungsverfahrens nach Art. 78 ff. BauG eine Auflage gewesen. Ohne
vorgängiges Einspracheverfahren oder wenigstens die nachträgliche Eröffnung leide
die Bewilligung des Bau- und Finanzdepartements an einem schweren
Verfahrensmangel. Auch habe die Baubehörde kein Bewilligungsverfahren für die
Wasserbaupläne durchgeführt. Die Bewilligung des Bau- und Finanzdepartements sei
deshalb nichtig bzw. nie rechtswirksam geworden.
E. Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 30. September 2013, die
Beschwerde abzuweisen. Sie bestritt, dass sie die Bewilligung des Bau- und des
Finanzdepartements vom 3. April 1996 als untergeordnete Nebenbewilligung
bezeichnet oder qualifiziert habe. Die Beschwerdebeteiligte beantragte mit Eingabe
vom 22. Oktober 2013 die Abweisung der Beschwerde, verzichtete jedoch auf eine
eigene Stellungnahme.
F. Die Beschwerdegegnerin verlangte mit Vernehmlassung vom 25. November 2013,
auf die Beschwerde kostenpflichtig nicht einzutreten. Eventuell sei die Beschwerde
abzuweisen. Das Grundstück der Beschwerdeführerin liege nicht unmittelbar nördlich
des Betriebsareals der Garagen Q. AG, zwischen den beiden Liegenschaften verlaufe
vielmehr die C.-strasse. Die Distanz zum Wasserkanal betrage zudem fast 60 m, und
der Zwischenraum sei weitestgehend überbaut. Schliesslich sei der C.-bach im
betroffenen Bereich bereits seit circa dem Jahr 1970 eingedolt und überbaut. Von der
grossen Distanz zwischen dem Baugrundstück und der Liegenschaft der
Beschwerdeführerin abgesehen sei auch nicht ersichtlich, worin der praktische Nutzen
der Beschwerde für diese bestehen soll. Ein allgemeines oder theoretisches Interesse
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an der Aufdeckung allfälliger Unregelmässigkeiten einer früheren Bewilligung begründe
keine Beschwerdelegitimation des Nachbarn. Da der Bach bereits seit Jahrzehnten
eingedolt gewesen sei, habe für die Verlegung der Eindolung ohnehin keine Pflicht zur
Publikation bestanden. Das in der Bewilligung des Bau- und des Finanzdepartements
vorbehaltene Baubewilligungsverfahren sei korrekt durchgeführt und mit der
Bewilligung vom 30. Mai 1996 rechtskräftig abgeschlossen worden.
G. Die Beschwerdeführerin replizierte am 10. Januar 2014. Sie bestritt, dass ihr
Interesse rein theoretischer Natur sei. Sie wolle verhindern, dass die bestehende
Überbauung wie geplant im Bereich des eingedolten Gewässers erweitert werden
könne. Für die Bewilligung der Überbauung des eingedolten Baches sei bereits vor
knapp 20 Jahren eine besondere Publikation erforderlich gewesen, was jedoch
unterlassen worden sei. Die Bauherrschaft und die Baubehörde hätten den eingedolten
Bach bewusst als Meteorkanal statt als öffentliches Gewässer bezeichnet, um so
Bundesgesetze und die Zuständigkeit der kantonalen Behörden zu umgehen.
H. Die Beschwerdegegnerin führte dazu am 27. Januar 2014 nochmals aus, die
Beschwerdeführerin sei schon deshalb zur Beschwerde nicht legitimiert, weil sie wegen
der dazwischenliegenden Überbauung von ihrem Grundstück aus gar nicht auf den
eingedolten Bach sehen könne. Der Bach sei im betroffenen Gebiet bei der
Baubewilligung im Jahr 1996 bereits seit fast über dreissig Jahren eingedolt gewesen.
Bei der vorgenommenen geringfügigen Verlegung habe es sich somit von Vornherein
um kein eigentliches Wasserbauvorhaben gehandelt. Eine Pflicht zur separaten
Publikation habe somit nicht bestanden.
I. Auf die weiteren Ausführungen und Anträge der Verfahrensbeteiligten wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, VRP) sachlich zur Behandlung der gegen einen
Entscheid der Regierung erhobenen Beschwerde zuständig. Als Adressatin des
angefochtenen Regierungsbeschlusses ist die Beschwerdeführerin zur Ergreifung des
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Rechtsmittels ohne Weiteres berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
Die Beschwerde entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Voraussetzungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist damit grundsätzlich einzutreten. Nicht einzugehen ist auf
die Anträge der Beschwerdeführerin, soweit damit nebst der Aufhebung des
vorinstanzlichen Entscheids zusätzlich die Aufhebung der angefochtenen
(Bau-)bewilligungen verlangt wird. Diese sind durch den angefochtenen Entscheid
ersetzt bzw. gelten inhaltlich als mitangefochten (sogenannter Devolutiveffekt, VerwGE
B 2013/29 vom 27. August 2013, www.gerichte.sg.ch).
2. Nach Meinung der Beschwerdegegnerin hätte die Vorinstanz auf den Rekurs der
Beschwerdeführerin schon deshalb nicht eintreten dürfen, weil dieser die erforderliche
Beziehungsnähe fehle. Die Regierung liess diese Frage offen, weil ihrer Ansicht nach
die Frist sowohl der Einsprache als auch des Rekurses längst abgelaufen ist.
2.1. Zur Beschwerde bzw. zum Rekurs ist berechtigt, wer vor der Vorinstanz am
Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, durch den
angefochtenen Entscheid besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung besitzt. Verlangt ist neben der formellen Beschwer,
dass die beschwerdeführende Partei über eine spezifische Beziehungsnähe zur
Streitsache verfügt und einen praktischen Nutzen aus der Aufhebung oder Änderung
des angefochtenen Entscheids zieht. Die Nähe der Beziehung zum Streitgegenstand
muss bei Bauprojekten insbesondere in räumlicher Hinsicht gegeben sein. Diese
bestimmt sich nicht nach abstrakten Distanzwerten. Sie wird im Allgemeinen
anerkannt, wenn das Baugrundstück an dasjenige des Einsprechers angrenzt oder -
wie vorliegend - nur durch einen Verkehrsträger davon getrennt ist. Ein schutzwürdiges
Interesse liegt vor, wenn die tatsächliche oder rechtliche Situation der Partei durch den
Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden kann. Das Anfechtungsinteresse braucht
nicht mit dem Interesse übereinzustimmen, das durch die von der
beschwerdeführenden Partei als verletzt bezeichneten Normen geschützt wird. Der
Nachbar kann mithin die Überprüfung eines Bauvorhabens im Lichte all jener
Rechtssätze verlangen, die sich rechtlich oder tatsächlich in dem Sinne auf seine
Stellung auswirken, dass ihm im Falle des Obsiegens ein praktischer Nutzen entsteht.
Nicht zulässig ist hingegen das Vorbringen von Beschwerdegründen, mit denen einzig
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ein allgemeines öffentliches Interesse an der richtigen Anwendung des Rechts verfolgt
wird, ohne dass dem Rechtsuchenden im Falle des Obsiegens ein Vorteil entsteht. Die
Legitimation in kantonalen Verfahren ist zumindest im Ausmass der für das
bundesgerichtliche Verfahren massgeblichen Beschwerdebefugnis zu gewähren.
Unabhängig davon ist eine Partei zur Beschwerde legitimiert, soweit die Verletzung von
Parteirechten gerügt wird, deren Missachtung auf eine formelle Rechtsverweigerung
hinausläuft (BGer 1C_203/2012 vom 18. Januar 2013 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.2. Vorliegend besteht zwischen den unmittelbar nebeneinanderliegenden bzw.
lediglich durch die C.-strasse, Gemeindestrasse 1. Klasse, voneinander getrennten
Grundstücken der Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin zweifelsohne eine
hinreichende räumliche Beziehung. Der praktische Nutzen eines allfälligen Obsiegens
der Beschwerdeführerin läge darin, dass ein Bauvorhaben auf dem südlichen
Nachbargrundstück nicht wie geplant realisiert werden könnte, wenn sich vorliegend
herausstellen sollte, dass der heutige Zustand rechtswidrig wäre und keine Bestandes-
und Erweiterungsgarantie genösse sowie der seit nunmehr über 40 Jahren eingedolte
Bach freigelegt werden müsste, wie die Beschwerdeführerin verlangt. Daran vermag
auch der Einwand der Grundeigentümerin nichts zu ändern, dass man vom Grundstück
der Beschwerdeführerin aus den überdeckten Bach auf dem Nachbargrundstück
wegen der dazwischenliegenden Gebäude nicht sehen kann.
2.3. Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerdeführerin als Eigentümerin des
Nachbargrundstücks von der umstrittenen Bachöffnung bzw. den damit verbundenen
Folgen für die davon betroffenen Gebäude im höheren Ausmass betroffen ist als die
Allgemeinheit. Damit ist ihr schutzwürdiges Interesse am Rekurs auf Grund der
räumlichen Beziehung ihrer Liegenschaft zum Baugrundstück gegeben. Der dazu
beantragte Augenschein erübrigt sich somit.
3. Streitgegenstand sind vorliegend die Baubewilligungen der Baukommission Gossau
vom 30. Mai 1996 betreffend Neubau auf GS-Nr. 004, B.-strasse, sowie die damit
eröffnete Bewilligung des Bau- und des Finanzdepartements des Kantons St. Gallen
vom 3. April 1996 betreffend Verlegung und Wiedereindolung des C.-baches im
Bereich der Garagen Q. AG, A.-strasse 07-08. In formeller Hinsicht stellt sich somit die
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Frage, ob der 17 Jahre später dagegen erhobene Rekurs rechtzeitig erfolgt sei oder
nicht.
3.1. Eine rechtswidrige Verfügung ist im Allgemeinen innerhalb der 14-tägigen
Rechtsmittelfrist gemäss Art. 47 VRP anfechtbar. In Bau- und Planungssachen müssen
Beeinträchtigte ihre Interessen zudem grundsätzlich bereits während der 14- bzw. 30-
tägigen Auflagefrist geltend gemacht und Einsprache erhoben haben (Art. 29 f. und 82
Abs. 3 in Verbindung mit Art. 83 BauG). Eine Baubewilligung, die geltendem Recht
widerspricht, wird sodann auf Rekurs oder Beschwerde hin von der zuständigen
Rechtsmittelbehörde aufgehoben. Wird sie nicht angefochten, wird sie formell
rechtskräftig. Der spätere Widerruf einer rechtskräftigen Baubewilligung ist nur
ausnahmsweise, unter qualifizierten Voraussetzungen, möglich und kann unter
Umständen Entschädigungsfolgen nach sich ziehen.
Von der Anfechtbarkeit zu unterscheiden ist die Nichtigkeit einer Verfügung. Nichtigen
Verfügungen geht jede Verbindlichkeit und Rechtswirksamkeit ab. Die Nichtigkeit ist
jederzeit und von sämtlichen staatlichen Instanzen von Amtes wegen zu beachten.
Nach der Rechtsprechung ist eine Verfügung nur ausnahmsweise nichtig, wenn der ihr
anhaftende Mangel besonders schwer und offensichtlich oder zumindest leicht
erkennbar ist und die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht
ernsthaft gefährdet wird. Als Nichtigkeitsgrund fallen hauptsächlich funktionelle und
sachliche Unzuständigkeit einer Behörde sowie schwerwiegende Verfahrensfehler in
Betracht (139 II 243 E. 11.2 mit Hinweisen). Unter Umständen kann eine Verfügung
auch wegen eines Eröffnungsfehlers nichtig werden. Der Zustellungsfehler muss aber
schwer wiegen, was der Fall ist, wenn den Parteien aus der mangelhaften Eröffnung ein
Nachteil erwächst. So darf die fehlerhafte Zustellung vor allem nicht dazu führen, dass
die Ergreifung eines Rechtsmittels wegen Ablaufs der Rechtsmittelfrist vereitelt wird.
Allerdings kann der entsprechende Mangel durch die nachträgliche Eröffnung
regelmässig geheilt werden. So beginnt die Rechtsmittelfrist für die
empfangsberechtigte Partei grundsätzlich erst mit effektiver Kenntnisnahme zu laufen,
wenn die Verfügung dieser zu Unrecht nicht zugestellt wurde. Erhält die betroffene
Partei jedoch sonst Kenntnis davon, darf sie mit der Geltendmachung ihrer Ansprüche
nicht beliebig lange zuwarten, sondern ist nach Treu und Glauben gehalten, sich bei
der Behörde zu erkundigen und innert angemessener Frist zu reagieren. Die Frist
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beginnt also spätestens dann zu laufen, wenn der Partei die Anordnung oder
zumindest ihr wesentlicher Inhalt bekannt ist oder bei der nach den Umständen zu
erwartenden Sorgfalt hätte bekannt sein müssen (VerwGE B 2014/49 vom
16. September 2014 E. 3.2. mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).
3.2. Das vorliegend umstrittene Bauprojekt, das im Jahr 1996 bewilligt und in der Folge
ausgeführt wurde, beinhaltete einen Ersatzbau im Bereich des bereits damals
eingedolten Gewässers, was schon seinerzeit zusätzlicher kantonaler Bewilligungen
bedurft hatte. Damals war das Gesetz über die Verfahrenskoordination in Bausachen
vom 18. Juni 1998 (sGS 731.2, VKoG) noch nicht in Kraft. Es entsprach vielmehr der
damaligen Praxis, dass die kantonalen Stellen ein Bauvorhaben im Bedarfsfall vorab
prüften und die nötigen kantonalen Bewilligungen unter Vorbehalt des erforderlichen
Bewilligungsverfahrens nach Art. 78 ff. BauG im Rahmen ihres Zuständigkeitsbereichs
erteilten. Ob dieses Vorgehen der Koordinationspflicht gemäss Art. 25a des
Raumplanungsgesetzes (SR 700, RPG) entsprach, kann vorliegend offenbleiben, da
diese Bestimmung damals durch Ziffer I des BG vom 6. Oktober 1995 zwar bereits ins
RPG eingefügt war, jedoch erst am 1. Januar 1997, also nach der vorliegenden
Bewilligung im Jahr 1996, in Kraft gesetzt wurde. Alsdann steht mittlerweile fest, dass
die damals zuständigen kantonalen Stellen, das Bau- und Finanzdepartement,
entgegen den Ausführungen des AREG im Vorprüfungsbericht vom 21. Mai 2008 die
Verlegung und Wiedereindolung des bereits überdeckten öffentlichen Gewässers
geprüft und bewilligt haben, auch wenn insbesondere die Baubehörde das überdeckte
Gewässer immer bloss als (Meteor-)Wasserkanal bezeichnet hat. Dieser Kanal war in
den aufgelegenen Bauplänen aber immerhin eingezeichnet, weshalb potentielle
Einsprecher daraus hätten erkennen müssen, dass vom Bauvorhaben ein
unterirdischer Wasserlauf betroffen war. Zwar bestehen die Bauakten, soweit diese
noch vorliegen, vornehmlich aus Korrekturplänen aus dem Jahr 1996, die - wie die
Beschwerdeführerin zu Recht einwendet - nicht Bestandteil der entsprechenden
Auflage des Bauprojekts Ende des Jahres 1995 sein konnten. Die
"Meteorwasserleitung" bzw. der "Bach => Unterlagen bei Gemeinde" war aber auch
schon in den Plänen des Vorprojekts vom 21. Februar 1994 eingezeichnet (act. 11/6/
Dossier B/17), weshalb davon ausgegangen werden kann, dass der eingedolte Bach
auch in den im Jahr 1995 aufgelegenen Plänen eingezeichnet war. Somit wäre es am
damaligen Eigentümer des Grundstücks der Beschwerdeführerin gewesen, gegen
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jenes Bauprojekt rechtzeitig Einsprache zu erheben und geltend zu machen, dass es
sich beim eingezeichneten Gewässer nicht bloss um einen Kanal mit lediglich
gesammeltem Regenwasser, sondern um ein öffentliches Gewässer handle, dessen
Verlegung und erneute Überdeckung von den kantonalen Stellen geprüft werden
müsse, was diese - wie erwähnt - aber tatsächlich auch getan hatten. Der Rekurs der
Beschwerdeführerin 17 Jahre später erweist sich daher als offensichtlich verspätet.
Unklar ist, weshalb am 7. März 1996 nicht die Baubehörde, sondern die Bauherrschaft
die Gesuchsakten dem Kanton zur Prüfung und wasserbau-, fischerei- und
gewässerschutzrechtlichen Bewilligung geschickt hatte. Dies ist aber heute nicht mehr
nachvollziehbar, aber auch nicht mehr entscheidend, nachdem klar ist, dass die
nötigen kantonalen Bewilligungen vorlagen, bevor die Bauherrin von der kommunalen,
in formelle Rechtskraft erwachsenen Baubewilligung Gebrauch gemacht hatte. Alsdann
macht die Falschbezeichnung des Gewässers im Baugesuch und die damit
verbundene unterlassene separate Auflage des Wasserbauprojekts die kommunale und
kantonale Bewilligung für die längst errichteten Gewerbebauten samt der dafür
ebenfalls bewilligten und ausgeführten Verlegung und Wiedereindolung des Baches
nicht ungültig oder widerrufbar, zumal die damit zusammenhängenden
Verfahrensmängel nicht derart gravierend sind, dass sie die damit einhergehende
Rechtsunsicherheit überwiegen würden, die mit der Nichtigkeitserklärung bzw. der
nachträglichen Aufhebung der Baubewilligung der vor über 17 Jahren erstellten
Überbauung samt damaliger Bachverlegung entstehen würde.
Aus dem Gesagten folgt, dass auf die zwischenzeitlich in formelle Rechtskraft
erwachsenen Bewilligungen vom 3. April 1996 und 30. Mai 1996 nicht mehr
zurückzukommen ist, nachdem die Anfechtungsfrist zwischenzeitlich längst abgelaufen
ist,
3.3. Im Rahmen der Vorprüfung des Überbauungsplans A.-strasse 00-001, der den
gültigen Gestaltungsplan vom 21. November 1994 ersetzen soll, ging das AREG wie
gesagt noch davon aus, dass das Tiefbauamt für das Bauprojekt aus dem Jahr 1996
mit Schreiben vom 6. Mai 1994 zwar eine wasserbaupolizeiliche Bewilligung in Aussicht
gestellt hatte, dass in der Folge aber kein entsprechendes Gesuch eingereicht worden
sei. Nachdem klar ist, dass das damalige Baubewilligungsverfahren mit Beschluss
Nr. 8780 der Baukommission Gossau vom 30. Mai 1996 unangefochten seinen
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rechtskräftigen Abschluss gefunden hatte, worin die Bewilligung für die
Gewässerverlegung inklusiv Neuüberdeckung enthalten war bzw. miteröffnet wurde
und nunmehr auch feststeht, dass das in der kantonalen Bewilligung vorbehaltene
Baubewilligungsverfahren tatsächlich durchgeführt worden war, muss hier nicht mehr
überprüft werden, ob es sich bei der Einschränkung des Beschlusses des Bau- und
Finanzdepartements vom 3. April 1996, dass das Baubewilligungsverfahren nach
Art. 78 ff. BauG vorbehalten sei, tatsächlich um eine Auflage im Sinn von Art. 87 Abs. 2
BauG gehandelt hatte, wie die Vorinstanz meinte. Die als "Nebenbewilligung"
bezeichnete wasserbau-, fischerei- und gewässerschutzrechtliche Bewilligung des
Kantons vom 3. April 1996 wurde mit der kommunalen Baubewilligung jenen eröffnet,
die sich am Verfahren beteiligt hatten (act. 1/12/Beilage 6). Nachdem der
Rechtsvorgänger der Beschwerdeführerin darauf verzichtet hatte, gegen das
Bauprojekt inklusiv dem in den Bauplänen eingezeichneten "Meteorwasserkanal" bzw.
als "C.-kanal" bezeichneten Gewässer Einsprache zu erheben, musste die kantonale
Bewilligung folglich dem damaligen Nachbarn auch nicht separat eröffnet werden.
4. Zusammengefasst ergibt sich, dass die Bewilligung des Bau- und des
Finanzdepartements vom 3. April 1996 gültig und zusammen mit der damit
vorbehaltenen Baubewilligung der Politischen Gemeinde Gossau vom 30. Mai 1996 in
Rechtkraft erwachsen, der Rekurs dagegen verspätet erfolgt und die Vorinstanz
deshalb darauf zu Recht nicht eingetreten ist. Die Beschwerdeführerin wird ihre
Einwände betreffend Gewässerabstand, Gewässerraum und allfälliger Pflicht zur
Aufdeckung des eingedolten Gewässers im Rahmen des neuen Sondernutzungsplan-
bzw. des nachfolgenden Baubewilligungsverfahrens noch vorbringen können. Die
vorliegende Beschwerde ist somit abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
5.5.1. In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die amtlichen Kosten zu tragen, dessen
Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Die Beschwerdeführerin unterliegt, womit sie die amtlichen Kosten zu tragen hat.
Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von Fr. 2'500.-- (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in der Höhe
von Fr. 2'000.-- ist daher anzurechnen, womit die Beschwerdeführerin noch Fr. 500.--
zu bezahlen hat.
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5.2. Die ausseramtliche Entschädigung wird ebenfalls nach Obsiegen und Unterliegen
verlegt (Art. 98bis VRP), womit die Beschwerdeführerin die Beschwerdegegnerin
ausseramtlich zu entschädigen hat. Angemessen erscheint eine Entschädigung von Fr.
2'500.- inklusive Barauslagen (Art. 22 Abs. 1 lit. b und Art. 29 der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO). Die Mehrwertsteuer
wird grundsätzlich dazu gerechnet (Art. 29 HonO). Da die Beschwerdegegnerin aber
selber mehrwertsteuerpflichtig ist, kann sie die der Honorarrechnung ihres Anwaltes
belastete Mehrwertsteuer als Vorsteuer in Abzug bringen. Daher muss die
Mehrwertsteuer bei der Bemessung der ausseramtlichen Entschädigung nicht
zusätzlich berücksichtigt werden (Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.gallischem
Verwaltungspflegesetz, Lachen/St. Gallen 2004, S. 194). Weitere Begehren um
Entschädigung der Parteikosten liegen keine vor, womit es sein Bewenden hat.