Decision ID: 1f648d8a-5bd7-47df-bdfd-5a8a12e88b40
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1982 geborene
X._
begann nach Abschluss der Realschule eine Ausbildung zur Musiklehrerin, welche sie wegen des Konkurses der Schule im Jahr 2001 abbrechen musste.
Vom
19. August 2002
bis 31. Oktober 2004
arbeitete sie
für die
Firma
Y._
AG als
Ba
rista
(
Urk. 6/1, Urk. 6/2
).
U
nter Hinweis auf eine am 10. Mai 2004 erlittene
Verletzung des rechten Knies
im Zustand nach mehreren Operationen
meldete sie sich am 17. März 2005
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
6/2)
. Nach Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht verneinte die
So
zialversicherungs
anstalt
des Kantons
Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), mit Verfügung vom 26. Mai 2005 ei
nen Rentenanspruch
(Urk. 6/17
).
1.2
Nachdem bei
ihr
im
April 2006
erstmals
eine
M
ultiple
Sklerose
diagnostiziert
worden war
(
Urk.
6/31 S. 8)
und zu den Beeinträchtigungen auf der rechten Seite auch noch linksseitige Knieschmerzen hinzugetreten waren
(
Urk.
6/19/2 ff.),
ersuchte
die Versicherte
die IV-Stelle mit Schreiben vom 9. Mai 2006, ihren An
spruch auf eine Invalidenrente
wegen der anhaltenden Kniebeschwerden
erneut
zu
prüfen
(Urk. 6/23
).
Nach weiteren Abklärungen und gestützt auf eine Würdigung der medizini
schen
Akten durch den
Regionalen Ärztlichen Dienst
RAD
(
U
rk. 6/59
) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügungen vom 12. September 2007 sowie vom 7. Januar 2008 ab 1. Mai 2005 eine halbe Inva
lidenrente zu (Urk.
6/63,
Urk.
6/75
).
Die von der
Versicherten dagegen erhobene Beschwerde hiess das Sozialversicherungs
-
gericht des Kantons Zürich mit dem Urteil IV.2007.01314 vom 31. Oktober 2008 in dem Sinne gut, dass es die angefochtenen Rentenverfügungen
aufhob und die Sache zur weiteren Abklä
rung des medizinischen Sachverhalts, vorzugs
-
weise durch eine multidisziplinäre Begutachtung,
und erneutem Entscheid über den Rentenanspruch an die IV-Stelle zurückwies (
Urk.
6/96
).
1.3
In Nachachtung des Gerichtsurteils veranlasste die IV-Stelle die Begutachtung
der
Versicherten im
Z._
GmbH
(
Urk.
6/107)
. Gestützt auf das
interdi
s
ziplinäre
Gutachten
vom 2
2.
September 2009 (
Urk.
6/113)
stellte sie
ihr
mit Vorbescheid vom 15. Oktober 2009 die Zuspre
chung einer befristeten ganzen
Rente im Zeitraum Mai 2005 bis November
200
6 in Aussicht (
Urk.
6/116).
Dagegen erhob
die Versicherte unter Hinweis auf
die ander
s
lautende
Beurteilung
ihrer
Arbeitsfähigkeit
durch
die
behandelnden Ärzte
Einwände (
Urk.
6/123). In der Folge
holte die IV-Stelle bei den Gutachtern des
Z._
eine
ergänzende
Stellungnahme ein (
Urk.
6/131)
und
liess die Versicherte am 26
.
März
2010 durch den RAD untersuchen
. D
ieser
empfahl
zur
Beurteilung des zumutbaren
Belastungsprofils
im Hinblick auf die Ausübung einer
leidens
angepassten
Tätigkeit
eine Evaluation der funktio
nellen Leistungsfähigkeit (EFL;
Urk.
6/133
-134
)
,
worauf
die IV-Stelle
das
rheumatologische
Gutachten
mit EFL
des
Inselspital
s
A._
vom 14. März 2011 einholte
(
Urk.
6/145)
. Zu diesem Gut
achten
nahm d
ie Versicherte am 21. Juni 2011 Stellung
und
verlangte
den
Bei
zug
aktueller Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk.
6/156). Nach Eingang dieser Berichte (
Urk.
6/155,
Urk.
6/161) liess die IV-Stelle die Gutachter des Inselspitals
A._
hierzu
Stellung nehmen (
Urk.
6/163)
und gewährte der Versi
cherten das rechtliche Gehör zur Stellungnahme
des Inselspitals
A._
vom
20. Dezember 2011 (
Urk.
6/168).
Mit neuem Vorbesc
heid vom 24. Oktober 201
2 stellte sie der Versicherten die
Ablehnung ihres Rentenbegehrens
in Aussicht (
Urk.
6/173).
Auf erneuten Einwand de
r Versicherten hin (
Urk.
6/176)
holte die IV-Stelle
aufs Neue aktuelle Verlaufsber
ichte der behan
delnden Ärzte ein (
Urk.
6/186,
Urk.
6/192) und legte diese
dem RAD zur
versicherungsmedizini
schen
Würdigung vor (
Urk.
6/197/4 f.). N
ach
nochmaliger
Durchführung des
Vor
bescheidverfahrens
(
Urk.
6/199,
Urk.
6/
205
)
sprach die IV-Stelle der
V
ersi
cherten schliesslich
mit Verfügung vom 9. Oktober
2013 ab 1. November 2013 eine halbe Rente zu (
Urk.
2).
Mit einer weiteren Verfügung vom 1
2.
November 2013
sprach
sie
der Versicherten
für den vorangegangenen
Zeit
raum
vom
1. Juni 2012 bis 31. Oktober 2013
ebenfalls eine halbe Rente zu
und v
errechnete einen Teil
dieser
Rentennachzahlung mit Vorschussleistungen Dritter (
Urk.
7/2).
2.
Gegen die Verfügung
en
vom 9. Oktober
und vom 1
2.
November 2013
erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
, mit Eingabe
n
vom 1
2.
und 19.
November 2013 Beschwerde und beantragte, es sei ihr nach Ablauf der Wartefrist eine ganze Rente
zuzusprechen; ferner sei die Beschwerde
-
gegnerin zu verpflichten, die ihr im Rahmen des Abklärungsverfahrens entstandenen Rechtswahrungskosten angemessen zu entschädigen (
Prozesse Nr. IV.2013.01027 und IV.2013.01058;
Urk.
1 S. 2
,
Urk.
7/1
).
Mit
Beschwerdeant
wort
vom 17. Dezember 2013 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerden und die Vereinigung der beiden Beschwerdeverfahren (
Urk.
5,
Urk.
7/4). Mit Verfügung vom 30. Dezember 2013
vereinigte das Gericht die beiden Beschwerdeverfahren und führte sie unter Prozess Nr. IV.2013.01027 weiter (
Urk.
7/5,
Urk.
8)
.
Mit Eingabe vom 28. Januar 2014 nahm die Beschwerdeführerin zur
Beschwerde
antwort
Stellung (
Urk.
11), was der IV-Stelle durch Zustellung einer Kopie mitgeteilt wurde (
Urk.
12).
Mit weiteren Eingaben vom 21. Februar (
Urk.
13,
Urk.
14/1-6), 8. Septemb
er (
Urk.
18,
Urk.
19/1-9) sowie vom
5. November 2014 (
Urk.
22,
Urk.
23/1-2)
reichte die Beschwerdeführerin aktuelle
medizinische Berichte ins Recht. Die IV-Stelle verzichtete jeweils nach Kennt
nisnahme dieser Eingaben auf eine Stellungnahme (
Urk.
16,
Urk.
21,
Urk.
26
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Vorab
zu prüfen
ist der Antrag der Beschwerdeführerin, es sei ihr für das dem Erlass der angefochtenen Verfügung vorangegangene Verwaltungsverfahren eine Parteien
t
schädigung zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2 und 6).
1.2
Unabhängig davon, dass
für die Zusprechung einer
Parteientschädigung – und nicht
einer Entschädigung für die Tätigkeit als
unentgeltliche
r
Rechtsvertret
er
– im
Vorbescheidverfahren
der Invalidenversicherung
keine gesetzliche Grundlage besteht (BGE 140 V 1
16
)
, ist F
olgendes zu beachten:
Im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfah
ren
sind grund
sätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beur
teilen, zu denen die zuständige Verwaltungs
behörde vorgän
gig verbindlich - in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
- Stellung genom
men hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den
beschwerdewei
se
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer
Sach
urteilsvoraussetzung
, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
er
gangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
1.3
D
ie IV-Stelle
hat
den Antrag der Beschwerdeführerin auf Zusprechung einer Parteientschädigung im
Vorbescheidverfahren
in der angefochtenen Verfügung nicht behandelt
(
Urk.
2)
. Hierzu bestand mangels eines entsprechenden Antrags im
Vorbescheidverfahren
(vgl.
Urk.
6/176,
Urk.
6/205) auch kein Anlass. Auf
dieses
erstmals im sozialversicherungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren g
estellte
Rechtsbegehren
ist deshalb mangels eines Anfechtungsobjekts nicht einzutreten.
2.
2.1
In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhaltes Geltung haben (BGE 127 V 466 E. 1). Die angefochtene
n
Verfügung
en
sind
am
9. Oktober und 1
2.
November 2013
ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der bis
ins Jahr 2004 zurückreicht
. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporal
rechtlichen
Regeln der materielle Anspruch auf eine Invalidenrente für die Zeit
bis 31. Dezember 2007
aufgrund der damals geltenden Bestimmungen zu prü
fen.
Ab 1. Januar 2008 und ab 1. Januar 2012 sind die im Zuge der Revisionen 5 und 6a geänderten und am 1. Januar 2008 respektive 1. Januar 2012 in Kraft getretenen Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
, der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
und des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) mass
geblich.
2.2
Die
für die Zeit bis 31. Dezember 2007
massgeblichen
rechtlichen Grundlagen zum strittigen
Rentenanspruch
wurden bereits im Rückweisungsurteil des Soz
ialversicherungsgerichts IV.2007.01314 vom 31. Oktober 2008, E. 1-2
, dar
gelegt. Darauf kann verwi
esen werden (
Urk.
6
/
96/3-5
).
Anzufügen ist, dass
gemäss Art. 88a
Abs.
1
IVV bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen ist, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich
längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird.
Gemäss Art. 88a
Abs.
2 IVV ist bei einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit die anspruchsbeeinflussende Änderung zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat
.
Wenn gleichzeitig rückwirkend erstmals eine Invalidenrente zugesprochen und eine Abstufung oder Befristung angeordnet wird, ist für die zeitlichen Wirkun
gen des eingetretenen Revisionsgrunds einzig Art. 88a IVV massgeblich
(
Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bun
desgesetz über die Invalidenversicherung,
3
. Auflage, Zürich 201
4
,
Art. 30-31
Rz
110
mit Hinweisen).
2.3
Die ab 1. Januar 2008 gültigen Rechtsgrundlagen zum Rentenanspruch
und dessen Entstehung
(Art. 28 IVG) sowie zur Bestimmung des Invaliditätsgrades mittels eines Einkommensvergleichs
(Art. 16 ATSG) sind, ebenso wie die neue Regelung zum Beginn des Rentenanspruchs (Art. 29 IVG), in der angefochtenen Verfügung vom 9. Oktober 2013 zutreffend wiedergegeben. Auch darauf wird verwiesen (
Urk.
2
).
Zu ergänzen ist folgendes:
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von
statistischen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende
Aus
gangswert
allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich
berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach Eintritt des
Gesund
heitsschadens
auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsar
beiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen
behinderungsbe
dingten
Abzug, wobei die Rechtsprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben kön
nen. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnitt
lichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das
Invalideneinkom
men
unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Gan
zen BGE 126 V 75).
3
.
3
.1
Im (Rückweisungs-)Urteil IV.2007.01314 vom 31. Oktober 2008 erwog das hiesige Gericht, die IV-Stelle habe zur Festsetzung der zumutbaren Arbeitsfä
higkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ab Mai 2005 auf den Bericht der Hausärztin
Dr.
med.
B._
vom 11. Juli 2006 abgestellt (
Urk.
6/31
). Auf die der Beschwerdeführerin in diesem Bericht attestierte Restarbeitsfähigkeit von 50
%
in einer leidensangepassten Tätigkeit könne aber nicht abgestellt werden, da
Dr.
B._
die Aufnahme einer solchen
Tätigkeit
ohne nachvollziehbare Gründe von einer Umschulung abhängig gemacht habe
(
Urk.
6/31/4)
. Sodann komme ihrer
summarisch
begründeten Einschätzung angesichts des komplexen Beschwerdebildes mit psychischen und körperlichen Anteilen ohne bestätigende fachärztliche Stellungnahmen keine hinreichende Beweiskraft zu.
Trotz Hin
weisen auf eine psychische
Komorbidität
fehle eine fachärztlich-psychiatrische Stellungnahme zur zumutbaren Arbeitsfähigkeit. Hinsichtlich
der gesicherten Diagnose einer
M
ultiplen Sklerose mit dokumentierter Verschlimmerung der neurologischen Symptome
sei
ebenfalls
k
eine fachärztliche Stellungnahme zur Auswirkung dieser Symptome auf die Arbeitsfähigkeit im zeitlichen Verlauf
vorhanden
. Die noch offenen Fragen seien vorzugsweise
durch eine multidis
ziplinäre Begutachtung mit Beteiligung rheumatologischer/orthopädischer, neurologischer
sowie psychiatrischer Fachärzte zu klären
. Hernach werde die IV-Stelle erneut über den Rentenanspruch zu verfügen haben (
Urk.
6/96/10-12
).
Diese Erwägungen sind
sowohl für die Verwaltung wie auch
für das Gericht verbindlich (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2010 vom 15. Februar 2011
E. 7.1.1 mit Hinweisen unter anderen auf BGE 135 III 334 E. 2).
3.2
3.2.1
In Nachachtung des Rückweisungsurteils holte die IV-Stelle das interdisziplinäre Gutachten des
Z._
vom 2
2.
September 2009 ein, welches auf den Akten der IV-Stelle, nachträglich bei der Gutachtensstelle eingegangenen Unterlagen
, der fachärztlich-orthopädischen, -neurologischen sowie
-
psychiatrischen Untersu
chung der Beschwerdeführerin
am
24. August 2009, einer Fallbesprechung mit einem Facharzt für Innere Medizin sowie einem abschliessenden multidiszipli
nären Konsensus der beteiligten Gutachter
basiert
(vgl.
Urk.
6/113/2-14)
.
Als Diagnose
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
wird
im Gutachten
zunächst
eine
Encephalomyelitis
disseminata
(
M
utliple
Sklerose
, MS
)
mit schubförmigem Verlauf
und
dis
kre
ten, vorwiegend sensiblen
Residuen
(
bestehend bleibende Restsymptome nach Abklingen der akuten Phase der Erkrankung;
aktueller
Schweregrad der Behinderung 2.0
[minimale Behinderung in einem funktionel
len System]
gemäss der von 0.0 [keine neurologischen Defizite] bis 10
.0
[Tod infolge MS] reichenden
Leistungsskala nach
Ex
panded
Disability
Status
Scale
[
EDSS
]
;
h
ttp://
de
.
wikipedia.
org/wiki/Expanded_Disability_Status_Scale
)
er
wähnt, welche
seit Mai 2009 mit dem immunmodulierenden
Medikament
Avonex
behandelt werde
.
Weiter diagnostizierten die Gutachter
chronische Knieschmerzen beidseits bei Sta
tus nach mehreren Arthroskopien, welche sich ebenfalls auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten
.
Ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
blieben
nach Einschätzung der
Z._
-Gutachter ein
lumbover
tebrales
Schmerzsyndrom ohne
radikuläre
Symptomatik, episodische
Span
nungstyp-Kopfschmerzen
, eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit infantil-asthenischen Zügen (ICD-10: F60.4 und F60.7), Treppenangst als
Anpassungs
störung
mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (ICD-10: F43.23), eine Schmerzverarbeitungsstörung und Symptomausweitung sowie
eine
Adipositas mit Body
-
Mass
-
Index 35,6
(
Urk.
6/113/32)
.
In anamnestischer Hinsicht hielten die Gutachter fest, die Beschwerdeführerin habe angegeben, seit dem Unfall vom 10. Mai 2001 unter Knieschmerzen
und seit etwa einem Jahr zusätzlich unter lumbalen Rückenschmerzen zu leiden. Zudem sei seit einiger Zeit die Multiple
Sklerose bekannt. Da sie sich von den erstbehandelnden Neurologen unfair behandelt gefühlt habe, habe sie bisher zweimal den Arzt
gewechselt. Seit dem Unfall habe sich ihr Körpergewicht um etwa 15 kg gesteigert. Sie lebe nun zusammen
mit ihrer Mutter, welche eine ganze Invalidenrente erhalte, in einer Art Wohngemeinschaft. Wegen der MS müsse sie täglich mindestens 12 Stunden schlafen. Gelegentlich helfe sie ihrer Mutter im Haushalt und begleite sie zum Einkaufen (
Urk.
6/113/15-17).
Bezüglich
der Multiplen Sklerose hielt der neurologische Gutachter fest, die Krankheit habe sich erstmals Ende Juni 2005 mit dem Sehen von Doppelbildern manifestiert. Im März 2006 habe eine Verschlechterung der visuell evozierten Potenziale (VEP) des linken Auges festgestellt werden können, womit die örtli
che und zeitliche Dissemination dokumentiert gewesen seien und die Diagnose einer Multiplen Sklerose als gesichert habe gelten können
. In der Folge sei es noch zu zwei leichteren Schüben gekommen, einmal Ende 2007 mit einer
vorübergehenden
Taubheit an beiden Beinen, welche offenbar ohne Therapie zurückgegangen sei, und zuletzt Ende Februar 2009 mit einer Taubheit im unteren Rumpf- und Oberschenkelbereich rechts, welche noch anhalte (
Urk.
6/113/27-31).
Der psychiatrische Gutachter wies in seinem Teilgutachten darauf hin,
die Beschwerdeführerin habe in der Untersuchung einen auffälligen Eindruck gemacht. Sie habe kindlich, unreif und unselbständig gewirkt, viel geweint und im Gespräch thematisch ihr
Überfordertsein
und ihre Hilflosigkeit in den Vor
dergrund gestellt. E
r habe psychopathologische Entwicklungsrückstände im Sinne einer infantilen und asthenischen Persönlichkeitsstörung erhoben.
Sodann bestehe eine Angst vor Treppen, welche diagnostisch als
Anpassungs
störung
einzuordnen sei, vergleichbar mit der von der Psychiaterin
Dr.
med.
C._
im Bericht vom 5. Oktober 2005 gestellten Diagnose einer Angst und depressiven Reaktion im Rahmen von chronischen Schmerzen
(vgl.
Urk.
6/19/7-8).
Diese
Diagnosen
bewirkten aber keine Arbeitsunfähigkeit. Das Hauptproblem der Beschwerdeführerin bestehe sicherlich darin, dass sie sich im Leben als zu wenig durchsetzungsfähig erweise und deshalb wieder Zuflucht bei ihrer Mutter suche. Die Kniebeschwerden wirkten dabei wie eine helfende Rechtfertigung (
Urk.
6/113/19-20).
In ihrer
abschliessenden multidisziplinären
Gesamtbeurteilung gelangten die Gutachter zur Einschätzung, die Beschwerdeführerin sei in der angestammten, stehenden Tätigkeit als
Barista
wegen der Kniepathologie
seit dem Unfall vom 10. Mai 2004
vollständig arbeitsunfähig. Aus orthopädischer Sicht bestehe
für körperlich leichte Tätigkeiten in wechselnd
er Position, welche vorwiegend s
itzend und ohne Zwangshaltungen der Knie ausgeüb
t werden könnten, eine 100%ige A
rbeitsfähigkeit.
Aus psychiatrischer und internistischer
Perspektive
könne keine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt werden.
Aus neurologischer
Fach
warte
bestünden
wegen der
M
ultiplen Sklerose Einschränkungen.
Aufgrund
des bei heissem Wetter und bei Anstrengungen auftretenden
Schwindel
s
und
der bei Müdigkeit vorhandenen Doppelbilder
seien der Beschwerdeführerin
Aktivitäten mit höheren Ansprüchen an das Gleichgewichtssystem
nicht zumutbar. Wegen der konstant vorhandenen ausgeprägten Müdigkeit im Sinne einer bei MS häu
fig vorhandenen
Fatigue
-Problematik
bestehe
zudem ein erhöhter Pausenbedarf, welcher
– arbit
r
är beurteilt – zu einer 20%igen Einschränkung der
Arbeitsfähig
keit in einer angepassten Tätigkeit
führe
. Die aus interdisziplinärer Sicht resul
tierende Restarbeitsfähigkeit von 80
%
gelte vor allem für
administrative Tätig
keiten
. In zeitlicher Hinsicht gelte die Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten rückwirkend ab August 2006, da
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, der Beschwerdeführerin in seinem Gutachten über die Kniebeschwerden vom 19. August 2006 eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit attestiert habe,
wie es
bereits zuvor von den Rheumatologen der Uniklinik
E._
geäussert worden sei,
und aus neurologischer und psychiatrischer Sicht keine Hinweise bestünden, dass die Arbeitsfähigkeit in der Vergangenheit jemals während längerer Zeit in wesentlich höherem Ausmass eingeschränkt gewesen wäre, als dies heute der Fall sei. In ihrer Sel
bsteinschätzung gehe die Beschwer
deführerin zwar
von einer nicht mehr verwertbaren Restarbeitsfähigkeit aus.
Dies
könne aber durch
krankheitsfremde
psychische Faktoren wie eine Selbst
-
limitierung und mangelhafte Eigenmotivation erklärt werden. In diesem Zusam
m
enhang sei auch zu erwähnen, dass im Rahmen der
Serumspiegelbestimmun
gen
kein
Dafalgan
habe nachgewiesen werden können, obwohl die Beschwer
deführerin angegeben habe, dieses Analgetikum regelmässig einzunehmen. Dies stelle das Vorhandensein der von ihr angegebene
n
ausgeprägten Schmerzen in Frage (
Urk.
6/113/32-36).
3.2.2
Der behandelnde Rheumatologe
Dr.
med.
F._
äusserte sich in einer Stellung
nahme vom 13. November 2009 zum
Z._
-Gutachten und hielt fest, die Festsetzung der
zumutbaren Restarbeitsfähigkeit sei aufgrund des komplexen Beschwerdebilds schwierig und lasse einen gewissen Spielraum offen. Er selbst gehe von einer Restarbeitsfähigkeit von 50
%
in einer leidensangepassten Tätig
keit mit dem im Gutachten beschriebenen Profil aus (
Urk.
6/122/1).
Med.
pract
.
G._
, welche die Beschwerdeführerin nach
Dr.
B._
seit August 2009 hausärztlich betreute, hielt in ihrem Bericht vom 13. November 2009 fest, die Beschwerdeführerin befinde sich aufgrund der schubweise auftretenden MS und der orthopädischen Begleiterkrankungen in einer physisch sehr wechsel
haften Situation. Zusätzlich bestünden erhebliche Stimmungsschwankungen. Dadurch werde ihr Alltag derart belastet, dass die momentane Arbeitsfähigkeit unter drei Stunden liege (
Urk.
6/122/2-3).
Am 1.
Dezember 2009 berichtete die behandelnde Neurologin
Dr.
me
d
.
H._
, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, über eine im Vorder
grund stehende mittelschwere depressive Episode. Sie habe der Beschwerdefüh
rerin deshalb dringend empfohlen, eine psychotherapeutische Behandlung zu beginnen.
Jeweils nach der
Avonex
-Injektion zur Behandlung der MS komme es zu starken Kopfschmerzen und einer Überempfindlichkeit der Haut.
Da die Beschwerdeführerin momentan in keiner Weise belastbar sei, sei sie 100%ig arbeitsunfähig
(
Urk.
6/12
2/4-5).
Zur Plausibilisierung der von den behandelnden Ärzten erhobenen Befunde un
tersuchte
Dr.
med.
I._
, Praktische Ärztin vom RAD, die Beschwerdeführe
rin am 26. März 2010 (vgl.
Urk.
6/170/1-3). Im entsprechenden Untersuchungs
bericht
diagnostizierte die RAD-Ärztin eine mittelgradige Depression, eine Gangstörung mit Schwindel und Orientierungsstörung, mitbedingt durch eine Augenmuskellähmung sowie einen Status nach beidseitigen Knie-Operationen. Weiter hielt
Dr.
I._
fest, im Rahmen der Untersuchung hätten keinerlei Hinweise auf eine Aggravation oder Simulation vorgelegen. Gestützt auf die Untersuchung
s
befunde
sei zu schliessen, dass
die
medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit etwa
bei
50
%
liegen könnte. Das für eine solche Tätigkeit geltende zumutbare Belastungsprofil sollte durch eine EFL objektiviert werden (
Urk.
6/133-134).
In einer ergänzenden Stellungnahme
vom 26. Mai 2010
zu den
Verlaufsberich
ten
der behandelnden Ärzte hielten die
Z._
-Gutachter fest,
die abweichenden Einschätzungen der zumutbaren Arbeitsfähigkeit durch die
Dres
.
F._
und
H._
seien spärlich begründet beziehungsweise beschränkten sich auf die Wiedergabe der subjektiven Klagen der Beschwerdeführerin
. Deshalb sei eher davon auszugehen, dass die Diskrepanz in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf die Mitberücksichtigung krankheitsfremder Faktoren
-
wie etwa des im Gut
achten thematisierten selbstlimitierenden Verhaltens
-
durch die behandelnden Ärzte zurückzuführen sei (
Urk.
6/131).
3.2.3
Im Auftrag der IV-Stelle erstellte das Inselspital
A._
gestützt auf die A
kten der Invalidenversicherung,
die am 13. und 14. Dezember 2010 durchgeführte EFL
sowie
die fachärztlich-rheumatologische Untersuchung vom 20. Januar 2011
das Gutachten vom 14. März 2011. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erwähnten die Gutachter chronische Knieschmerzen beidseits sowie ein chronisches
lumbovertebrales
Syndrom bei
Dekonditionierung
,
Fehl
haltung
, Symptomausweitung, fehlendem organischem Korrelat sowie einer
Hyperlaxität
(
Urk.
6/145/23)
.
Die EFL habe eine Symptomausweitung,
Selbstli
mitierung
und Inkonsistenz ergeben. Die Selbsteinschätzung der eigenen Leis
tungsfähigkeit durch
die Beschwerdeführerin sei erheblich zu tief, und eine ausreichende Eigenmotivation zur Eingliederung in den Arbeitsprozess sei frag
lich. Es sei davon auszugehen, dass sie bei gutem
Effort
eine bessere Leistung hätte erbringen können (
Urk.
6/145/32,
Urk.
6/145/
40).
Anlässlich der
rheuma
tologischen Exploration seien linksseitige Kniebeschwerden im Vordergrund gestanden, welche gemäss Angaben der Beschwerdeführerin nach der EFL auf
getreten seien. D
ie Beschwerdeführerin
sei
depressiv verstimmt gewesen und habe oft geweint, es hätten aber weder psychische noch geistige Einschränkun
gen festgestellt werden können.
Sie habe angegeben, bei einer Psychiaterin einen ersten Termin für eine Psychotherapie vereinbart zu haben. Weiter habe sie berichtet, im Februar 2010 einen vierten MS-Schub durchgemacht zu haben mit Sensibilitätsverlust im ganzen linken Oberschenkel und den Genitalien und erhöhter Empfindlichkeit im rechten Oberschenkel (
Urk.
6/145/18-21,
Urk.
6/145/30).
Aus rheumatologischer Sic
ht sei die Beschwerdeführerin in einer körperlich leichten bis mittelschweren, nicht die Knie
belastenden Tätigkeit zu 100
%
a
rbei
ts
fähig
(
Urk.
6/145/22 ff.)
.
3.2.4
Der
die Beschwerdeführerin ab März 2011
behandelnde
Neurologe
Dr.
J._
berichtete am 15. April 2011 über einen erneuten Krankheitsschub der MS mit einer linksseitigen neurologischen Ausfallsymptomatik
. Die Abklärungen hätten einen durch den Schub bedingten
frischen
Entmark
ungsherd
im zervikalen Rückenmark ergeben. Zurzeit werde eine spezielle Schub-Behandlung durchge
führt. Während des akuten Krankheitsschubs sei die Beschwerdeführerin nicht arbeitsfähig (
Urk.
6/154).
Med.
pract
.
G._
erwähnte in ihrem Verlaufsbericht vom 18. April 2011 eben
falls den
aktuellen MS-Schub. Zudem stehe zurzeit die psychische Symptomatik mit grosser Angespanntheit und Traurigkeit im Vordergrund. Deswegen sei die Beschwerdeführerin seit 1. April 2011 zu 100
%
krankgeschrieben (
Urk.
6/155).
In einem weiteren Bericht vom 9. November 2011 berichtete der Neurologe
Dr.
J._
über
den Verlauf seit dem letzten Krankheitsschub
im April 2011 mit Beeinträchtigung der Feinmotorik und Sensibilität am Arm und an der Hand links. Demnach behandelte
Dr.
J._
diesen Schub mit einer 5tägigen
Solu
-
Medrol
-Infusion, worauf es zu einer leichten Besserung der Symptome gekom
men sei. Eine Umste
llung der medikam
entösen Therapie auf
Thysabri
sei wegen einer schweren allergischen Reaktion gescheitert. Die anschliessende Medikation mit
Copaxone
habe wegen Unverträglichkeit ebenfalls abgebrochen werden müssen. Geplant sei, nach einer aktuellen Therapie-Karenz von 3-6 Monaten, eine Therapie mit
Gilenya
. Die Arbeitsfähigkeit sei wegen der durch die MS bedingten erhöhten Ermüdbarkeit eing
e
schränkt. Ferner könne es in bestimmten Arbeitssituationen (Kälte-Wärme-Disposition) zu einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit kommen. Für eine Tätigkeit mit mässiger körperlicher
Belas
tung
gehe er von einer Arbeitsunfähigkeit
von etwa 20
%
aus, in einer Arbeit ohne körperliche Belastung könne gar mit einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ge
rechnet werden (
Urk.
6/161).
Vom 20. bis 2
2.
März
2012
war die
Beschwerdeführerin
zwecks stationärer Über
wachung der Ersteinnahme des Medikaments
Gilenya
hospitalisiert.
Nach problemlosem
Verlauf konnte s
ie nach Hause entlassen werden
(
Urk.
6/175/1-2).
Wegen des Verdachts auf einen
Hinterhornriss
medialseits
im Bereich des linken Meniskus erfolgte am 9. August 2012 im Stadtspital
K._
eine Kniearthroskopie des linken Knies mit
Meniskusdébridement
des
Hinterhorn
s
medialseits
. Im Austrittsbericht vom 11. August 2012 diagnostizierten die Chirurgen eine umschriebene
Chondromalazie
Grad II
I im
dorsolateralen
Komparti
ment sowie oberflächliche Meniskuseinrisse rechts im Meniskus-
Hinterhorn
medialseits
des linken Knies. Der intra- und postoperative Verlauf sei komplikationslos gewe
sen, die Beschwerdeführerin habe frühzeitig mobilisiert
und in gutem
Allge
meinzustand
entlassen werden
können. Für eine Woche sei ihr die
Vollbelas
tung
des Knies erlaubt, angezeigt sei ferner eine physiotherapeutische Nachbe
handlung für acht Wochen (
Urk.
6/175/3-4).
Gemäss Verlaufsbericht von
Dr.
J._
vom 4. April 2013
war
es etwa drei Wochen zu
vor zu
einem neuen MS-Schub
gekommen
mit Kribbeln in der rech
ten Hand, elektrisierenden
Dysästhesien
beim Nicken des Kopfes, einem
unge
richteten
Schwindelgefühl sowie dem Sehen von Doppelbildern. Die klinische Untersuchung ergab neu ein positives
Lhermitte
-Zeichen.
Dies sei mit einem erneuten zervikalen
Demyelinisierungsherd
vereinbar, welcher morphologisch auf den MRI-Bildern des Schädel
s
und der Halswirbelsäule vom 1
2.
März 2013 deutlich nachgewiesen sei. Im Übrigen werde die Beschwerdeführerin nun schon seit einiger Zeit mit
Gilenya
therapiert, was bisher nicht zu Nebenwirkungen
geführt habe. Zur Zeit sei s
ie nur zu 50
%
arbeitsfähig in einer
leidensange
passten
, teilweise sitzenden Tätigkeit ohne grosse Temperaturschwankungen.
In prognostischer Hinsicht sei zunächst eine Rückbildung der mit dem neuen Krankheitsschub aufgetretenen Symptome zu erwarten. Möglicherweise blieben Residuen zurück, zudem sei mit einer erhöhten Ermüdbarkeit zu rechnen (
Urk.
6/186).
In ihrem weiteren Verlaufsbericht vom 26. Mai 2013 erwähnte die Hausärztin als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nebst der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose depressive Episoden sow
ie das chronisch rezidivierende
Panvertebralsyndrom
. Nicht auf die Arbeitsfähigkeit wirkten sich unter anderem die Kniebeschwerden, die
Adipositas, Schlafstörungen und eine
seit
Februar 2010 bekannte Uteruszyste aus. Gegenwärtig sei die Beschwerde
führerin in einer leichten, rückengerechten Arbeit,
etwa einer Arbeit im Büro am PC mit wenig
zwischenmenschlichem
Kontakt, Konflikt-Situationen und Stress zu 40-50
%
arbeitsfähig (
Urk.
6/192).
3.2.5
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie vom RAD, sowie
seine
Teamleiterin
Dr.
med.
M._
gelangte
n
in
ihrer
versiche
rungsmedizinischen
Stellungnahme vom 14. Juni 2013 zu
Handen
der IV-Stelle gestützt auf die medizinischen Akten zur Beurteilung, dass
die Beschwerdefüh
rerin
aufgrund der
Multiplen Sklerose
, der chronischen Knieschmerzen beidseits und des chronischen
lumbovertebralen
Syndroms bei degenerativen Verände
rungen in einer körperlich leichten, überwiegend sitzenden Tätigkeit ohne grosse Temperaturschwankungen, mit wenig zwischenmenschlichem Kontakt, Konflikt-Situationen und Stress a
b Mai 2005 – nach Ablauf der Wartezeit - zu 80
%
arbeitsfähig
sei
. Nach der Umstellung der Medikation der Multiplen Sklerose auf das Medikament
Gilenya
bestehe ab dem 21. März 2012 noch
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer leidensangepassten Tätigkeit
(
Urk.
6/197/2-5; vgl. auch
Urk.
6/170/7-9)
.
4.
4.1
Die IV-Stelle begründet
e
die Zusprechung der halben Invalidenrente
ab 1. Juni 2012 in der angefochtenen Verfügung sowie in ihrer Beschwerdeantwort damit,
aufgrund des
Z._
-Gutachtens
vom
2
2.
September 2009, des Gutachtens des Inselspitals
A._
vom 14. März 2011 sowie der Verlaufsberichte der behandeln
den Ärzte
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Neurologie, sowie med.
pract
.
G._
, praktische Ärztin und Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation, stehe fest, dass die Beschwerdeführerin
seit dem 10. Mai 2004 in der bisherigen Tätigkeit erheblich eingeschränkt sei. Ab Mai 2005 – nach Ablauf der Wartezeit -
sei sie in einer körperlich leichten Tätigkeit
zu 80
%
arbeitsfähig gewesen
. Nach der Umstellung
der
Medikation der
M
ultiple
n Sklerose
auf das Medika
ment
Gilenya
habe
in einer leidensangepassten Tätigkeit
ab dem 21. März 2012 noch eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestanden
. Der Vergleich der Validen- und Invalideneinkommen ergebe für die
Zeit ab Mai 2005 einen rentenausschlies
senden Invaliditätsgrad von 29
%
sowie ab Juni 2012 – drei Monate nach der Verschlechterung der
Erwerbs
fähigkeit – einen Invaliditätsgrad von 57
%
, welcher zum Anspruch auf die zugesprochene halbe Rente führe
(
Urk.
2,
Urk.
5,
Urk.
6/170/7-9,
Urk.
6/197/2-5).
4.2
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend,
sie sei nach Ablauf der Wartezeit dauerhaft zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Dies werde auch durch das
Scheitern beruflicher Massnahmen untermauert. D
ie von der
M
ultiple
n Sklerose und insbesondere deren schubweisem Verlauf ausgehenden Beein
trächtigungen seien von der IV-Stelle nicht korrekt abgeklärt worden
. Während im Rahmen der Begutachtung
im
Inselspital
A._
gar keine Auseinandersetzung mit dieser Erkrankung stattgefunden habe,
sei der schubweise Verlauf der
M
ultiplen Sklerose durch die
Z._
-Gutachter bei der Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit völlig ausgeklammert worden. Zudem hätten sich diese Gutachter nicht damit auseinandergesetzt, dass die behandelnde Neurologin
Dr.
H._
in ihrem Verlaufsbericht vom 1. Dezember 2009
eine psychotherapeutische Behandlung empfohlen habe
,
weil
eine schwere depressive Symptomatik im Vordergrund
gestanden
und sie unter Nebenwirkungen der verordneten Medi
kation
gelitten habe.
Schliesslich
seien die beiden Gutachterstellen wegen ihrer finanziellen Abhängigkeit von der Invalidenversicherung bei der Erstellung der Gutachten befangen gewesen.
Die Einschätzung des
RAD, dass sie ab Mai 2005 zu 80
%
arbeitsfähig gewesen sei, widerspreche der Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit
im Anschluss an
die
RAD-Untersuchung im Jahr 2010, als der RAD noch von einer Restarbeitsfähi
gkeit von lediglich 50
%
ausgegangen sei
.
Bezüglich der
vom RAD
angenommenen Verschlechterung des Gesundheitszu
standes per 21. März 2012
sei zu beachten, dass
die Verlaufsberichte
von
Dr.
J._
und med.
pract
.
G._
einen früheren Zeitpunkt der
gesundheitliche
n
Veränderung
nahelegten -
wegen der Unverträglichkeit der Behandlung mit den Medikamenten
Tysabri
und
Copaxone
, welche teilweise Notfallbehandlungen erfordert
hätten
.
Gehe man wie
der RAD
von einer Stabilisierung des Gesund
heitszustandes im Nachgang zur Behandlung mit dem Medikament
Gilenya
aus, erschiene es angesichts des Krankheitsverlaufs logischer, für die Zeit davor
nicht von einer besseren, sondern
von einer schlechteren gesundheitlichen Verfassung und damit einer geringeren Arbeitsfähigkeit als die ab der Umstel
lung angenommene Einschränkung von 50
%
auszugehen.
Die vom RAD vor
genommene Einschätzung des Verlaufs der zumutbaren Arbeitsfähigkeit sei folglich inkonsistent und widersprüchlich.
Im Übrigen sei sie
wegen
ihrer ver
schiedenen Beschwerden und
der im relevanten Zeitraum erlittenen verschiede
nen MS-Schübe
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt gar nicht vermittelbar
gewesen
, was von der IV-Stelle ebenfalls nicht berücksichtigt worden sei. Selbst wenn von einer Restarbeits- und Vermittlungsfähigkeit ausgegangen
würde
, habe sie Anspruch auf eine höhere Rente
. Beim Einkommensvergleich müsste
solchenfalls
nämlich ein leidensbedingter Abzug vom Invalideneinkommen
vorgenommen werden, der höher sei
als die von der IV-Stelle berücksichtigten 10
%
,
weil sie steter Behandlung bedürfe, eine schlechte Prognose bestehe, und sie über keinen beruflichen Leistungsausweis verfüge
(
Urk.
1
,
Urk.
11
)
.
5.
5.1
5.1.1
Das Gutachten des
Z._
vom 2
2.
September 2009 ist
für d
ie streitigen Belange umfassend
;
insbesondere legten die Gutachter die gemäss dem
Rückweisungs
u
rteil
IV.2007.01314 vom 31. Oktober 2008
fragliche Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus fachärztlich-psychiatrischer und –neurologischer Sicht fest. Ferner
beruht
das Gutachten
auf allseitigen Untersuchungen
,
berücksichtigt
die
geklagten Beschwerden
,
ist
in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden
,
leuchtet
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
und
enthält begründete
Schlussfolgerungen
. Dem Gutachten kommt also grundsätzlich beweiswert zu
(BGE 12
5 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.1.2
Was die Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, überzeugt nicht.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, auf das Gutachten des
Z._
könne nicht abgestellt werden, weil das
Z._
von der IV-Stelle finanziell abhängig
und damit befangen
sei, ist auf BGE 137 V 210 hinzuweisen; in diesem Entscheid vom 28. Juni 2011 hat das Bundesgericht die Medizinischen Abklärungsstellen der Invalidenversicherung als verfassungskonform und der Europäischen
Men
schenrechtskonvention
entsprechend qualifiziert.
Der Kritik der Beschwerdeführerin, die Gutachter hätten den schubweisen Ver
lauf der MS bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ausser Acht gelassen, kann ebenfalls nicht
gefolgt
werden.
Die Gutachter hielten nämlich ausdrücklich
fest,
aus neurologischer (und psychiatrischer) Sicht bestünden keine Hinweise, dass die Arbeitsfähigkeit in der Vergangenheit jemals während längerer Zeit in wesentlich höherem Ausmass eingeschränkt gewesen wäre, als dies heute der Fall sei
(
Urk.
6/113/33)
. In diesem Zusammenhang ist
die höchstrichterliche Rechtsprechung massgeblich, wonach
bei s
chubförmig verlaufenden Krankhei
ten eine Verbesserung oder Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit in der
Regel zu berücksichtigen ist, wenn sie im Sinne von Art. 88a
Abs.
1 und 2 IVV mehr als drei Monate anhält (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_768/2013 vom 1
2.
Mai 2014, E. 3.2.2 mit Hinweisen).
In den Akten fehlen Anhaltspunkte dafür, dass die anlässlich der Begutachtung bekannten akuten Krankheitsschübe – nicht zu verwechseln mit allfälligen danach bestehen bleibenden
Restsymp
tomen
(Residuen) -
jeweils zu einer länger als drei Monate dauernden Ver
schlechterung der Erwerbsfähigkeit geführt hatten.
Mit der Wortwahl „arbiträr“ (synonym: nach Ermessen) bei der Begründung der Festsetzung der prozentualen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
als Folge der
Multiplen Sklerose
(auf 20
%
;
Urk.
6/113/31
)
wiesen die Gutachter im Übrigen lediglich auf die auch von der höchstrichterlichen Rechtsprechung anerkannte Tatsache hin, dass die ärztliche Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit notwendigerweise Ermessenszüge aufweist (vgl. etwa das Urteil des Bundesge
richts 9C_401/2014 vom 26. November 2014, E. 2). Für die Angemessenheit der attestierten Arbeitsunfähigkeit von 20
%
spricht auch, dass der behandelnde Neurologe
Dr.
J._
in seinem Bericht vom 9. November 2011
(
Urk.
6/161/4) die prozentuale Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gleich einschätzte.
Zwar tr
ifft es zu, dass die behandeln
d
e
Neurologin
Dr.
H._
, welche auch über einen psychiatrischen Facharzttitel verfügt,
der Beschwerdeführerin
in
ihrem Bericht vom 1. Dezember 2009 wegen im Vordergrund stehender schwe
rer depressiver Symptome im Rahmen einer mittelschweren depressiven Episode eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte
(
Urk.
6/122/4-5). Zudem führte der behandelnde Rheumatologe
Dr.
F._
in seiner Stellungnahme vom
13. November 2009 zum
Z._
-Gutachten aus, er gehe aufgrund einer
gesamt
heitli
chen
medizinischen Einschätzung davon aus, dass die Beschwerdeführerin wegen der somatischen und psychischen Symptome in einer leidensangepassten Tätigkeit nur zu 50
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
6/122/1), und die Hausärztin
M
ed.
pract
.
G._
erwähnte erhebliche Stimmungsschwankungen und
ging in ihrem Bericht vom 13. November 2009 von einer momentanen Arbeitsfähigkeit von weniger als drei Stunden (pro Tag) aus (
Urk.
6/122/3). Zu beachten ist aber, dass die Hausärztin der Beschwerdeführerin im
nächsten
Verlaufsbericht vom
18. April 2011 wegen eines akuten MS-Schubes eine 100%ige Arbeits
-
unfähigkeit
und
im übernächsten
Verlaufsbericht vom 26. Mai 2013 bei damals stabiler MS-Symptomatik eine 40-50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert hatte, die Arbeitsfä
higkeit aus Sicht der Hausärztin also Schwankungen unterlag. Es ist durchaus möglich, dass die Beschwerdeführerin Ende 2009 wegen einer verstärkten depressiven Symptomatik
in
höherem Masse arbeitsunfähig war als anlässlich der
Z._
-Begutachtung. Anhaltspunkte dafür, dass diese
psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 88a IVV länger als drei Monate anhielt und insofern invaliditätsrechtliche Bedeutsamkeit erhielt, fehlen aber.
Im Übri
gen erhoben bereits die
Z._
-Gutachter auffällige psychische Befunde, unter anderem häufiges Weinen, schlossen daraus aber nicht auf das Vorliegen einer eigentlichen Depression.
Dafür, dass damals keine schweren und anhaltenden depressiven Symptome bestanden, spricht auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin sich trotz wiederholter
Empfehlung seitens
der
behandeln
den Ärzte
für
lange Zeit nicht in
eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
begeben hatte
(vgl.
Urk.
6/39/10,
Urk.
6/113/18). Erst im Jahr 2014 wurde sie vorübergehend (2-3 Mal) psychotherapeutisch behandelt und nahm Antidepressiva ein (
Urk.
23/1 S. 2,
Urk.
23/2 S. 2).
Auch hinsichtlich der von der MS ausgehenden Beeinträchtigungen ist nicht von einer längerdauernden oder anhaltenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes auszugehen, da der später behandelnde Neurologe
Dr.
J._
in seinem Verlaufsbericht vom
9. November 2011 wieder – gleich wie die
Z._
-Gutachter – von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten ausging (
Urk.
6/161).
Sodann ist mit
den
Z._
-Gutachtern
(in der ergänzenden Stellungnahme vom 16. Mai 2010 zu den Berichten der drei behandelnden Ärzte [
Urk.
6/131])
festzustellen, dass
die abweichenden Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit
der
Dres
.
F._
,
H._
und
von
Med.
pract
G._
spärlich begründet sind und
die entspre
chenden
Berichte sich auf die Wiedergabe der subjektiven Klagen der Beschwerdeführerin beschränken.
Es
ist
deshalb
davon auszugehen, dass die Diskrepanz in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auch auf die Mitberücksich
tigung der von den
Z._
-Gutachtern beobachteten
krankheits- beziehungsweise invaliditäts
fremden
psychischen
Faktoren (Selbstlimitierung und mangelhafte Eigenmotivation) zurückgeht. Insgesamt sind die Berichte der
Dres
.
F._
und
H._
sowie der Verlaufsbericht von Med.
pract
.
G._
vom
13. November 2009 deshalb nicht geeignet, die Glaubwürdigkeit der gutachterlichen Einschät
zung der zumutbaren Restarbeitsfähigkeit zu erschüttern.
5.1.3
Aufgrund der nach dem Gesagten überzeugenden Beurteilung der
Z._
-Gutach
ter steht fest, dass
die Beschwerdeführerin spätestens ab August 2006 und min
destens bis zur Begutachtung im
Z._
Ende August 2009
in einer
leidensange
passten
Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig war.
5.2
Die IV-Stelle ging gestützt auf die Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr.
L._
vom
vom
14. Juni 2013
davon aus, dass die Beschwerdeführerin auch im Zeitraum vom Abl
auf der einjährigen Wartezeit im Mai 2005
bis Ende Juli 2006
in einer leidensangepassten Tätigkeit z
u 80
%
arbeitsfähig
war
(
Urk.
6/197/5
; vgl. auch
Urk.
6/170/5,
Urk.
6/170/9
).
Die
Z._
-Gutachter gaben für diesen Zeitraum keine Stellungnahme zur Arbeitsfä
higkeit ab, verwiesen aber auf die gutachterlichen Berichte von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
(
Urk.
6/113/33)
.
Im ersten Gutachten vom 9. Mai 2005 führte
Dr.
D._
aus, wegen der Befunde im rechten und linken Knie sei nun dringend eine konsequente und intensive Therapie in einer orthopädischen Spezialklinik angezeigt, wobei das linke Knie
gelenk zudem unbedingt nochmals
arthroskopiert
werden müsse. Momentan sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in
der b
isherigen Tätigkeit auszugehen. Nach Behandlungsabschluss und Sanierung der beiden Kniegelenke könne von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ausge
gangen werden (
Urk.
6/39/55-59).
Im zweiten Gutachten vom 19. August 2006 gelangte
Dr.
D._
zur Beurteilung, die von ihm vorgeschlagene, zwischen
zeitlich erfolgte intensive Therapie habe den erhofften Erfolg nicht erbracht
. Die Beschwerdeführerin sei aber in einer leidensangepassten, wechselbelastenden oder vorwiegend sitzenden Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
6/39/11-15).
Der behandelnde Arzt
Dr.
N._
, stellvertretender Chefarzt Rheumatologie der Uniklinik
E._
, gab in seinen Stellungnahmen vom 1
2.
und 16. Juni 2006 an, aus rein rheumatologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin in einer vor
wiegend sitzenden Tätigkeit im kaufmännischen Bereich 100%ig arbeitsfähig (
Urk.
6/39/19-20).
Gestützt auf diese Beurteilungen ist davon auszugehen
, dass die Beschwerde
-
führe
rin
aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht ab
Mai 2005
auch in einer leidensangepassten Tätigkeit lediglich zu 50
%
arbeitsfähig war, da damals hinsichtlich der Knie noch ein labiler Gesundheitszustand, der inten
siver Behandlung bedurfte, vorlag. Nach Beendigung dieser Therapiephase
war sie aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht spätestens ab
Juni 2006
in leidens
-
angepassten Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsfähig
.
Unter zusätzlicher Berück
-
sichtigung
der von den
Z._
-Gutachtern festgestellten 20%igen Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit wegen der Multiplen Sklerose ist von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit ab Juni 2006 auszuge
hen.
5.3
5.3.1
Zu prüfen bleibt die zumutbare Arbeitsfähigkeit
in
der Zeit nach der Begutach
tung im
Z._
Ende August 2009.
5.3.2
Die Berichte der
Dres
.
F._
und
H._
vom 11. November und
1. Dezem
ber 2009 sowie der Verlaufsbericht von Med.
pract
.
G._
vom
13. November 2009
(
Urk.
6/122/1-5)
sind, wie bereits zuvor dargelegt (E. 5.1.2), nicht geeignet, eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Verschlechterung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit zu belegen.
Auf die Beurteilung der RAD-Ärztin
Dr.
I._
vom 30. Juli 2010, welche gestützt auf
die
Untersuchung vom 26. März 2010 zur Beurteilung gelangte, die Beschwerdeführerin
„
könnte
“
medizinisch-theoretisch in einer
leidensange
passten
Tätigkeit zu etwa 50
%
arbeits
tätig
sein, kann nicht abgestellt werden. Zunächst ist diese
Einschätzung
, wie RAD-Kollege
Dr.
L._
in seiner Stellung
nahme vom
1
2.
Juli 2012
zu Recht bemerkte,
zu
wenig genau und
bestimmt (
Urk.
6/170/9). Sodann muss mit Blick auf den Untersuchungsbericht vom
30. Juli 2010 und die Schlussfolgerung von
Dr.
I._
, zur Beurteilung des zumutbaren Belastungsprofils
seien weitere Abklärungen mittels
EFL
vorzu
nehmen, davon ausgegangen werden, dass die RAD-Ärztin das ausführliche interdisziplinäre
Z._
-Gutachten vom 2
2.
September 2009, in welchem auch ein zumutbares Belastungsprofil definiert wird (
Urk.
6/113/34), in ihrer Beurteilung gar nicht berücksichtigt hat. Da
Dr.
I._
über keinen Facharzttitel verfügt und ihre klinische Untersuchung vergleichsweise oberflächlich war
, kann auch nicht auf die von ihr gestellte Diagnose einer mittelschweren depressiven Epi
sode abgestellt werden, zumal sie im Gegensatz zu den
Z._
-Gutachtern und den Gutachtern des Inselspitals
A._
keine Hinweise auf eine Aggravation und andere invaliditätsfremde psychische Faktoren entdeckte (
Urk.
6/133/1 ff.).
Das auf einer rheumatologischen Exploration sowie einer EFL beruhende Gutach
ten des Inselspitals
A._
vom 14. März 2011 ist grundsätzlich beweis
kräftig.
Dem Argument der Beschwerdeführerin, die Gutachtensstelle sei
von der IV-Stelle finanziell abhängig und die Gutachter
deshalb
befangen gewesen, kann, wie bereits zuvor dargelegt (
vorstehende
E. 5.1.2), nicht gefolgt werden. Selbst wenn die den Gutachtern gegenüber geäusserte Behauptung der Beschwerdeführerin, sie habe im Rahmen der EFL eine weitere Knieverletzung erlitten (
Urk.
6/145/
2-3,
Urk.
6/145/
22)
, zutreffen sollte
, besteht noch kein Grund, nicht auf die gutachterlichen Schlüsse abzustellen. Insbesondere standen die
vom rheumatologischen Gutachter anlässlich seiner Exploration
beobachte
ten Inkonsistenzen, etwa das fast normale
Gangbild
in vermeintlich unbeo
bachteten Momenten
(
Urk.
6/145/20), in keinem Zusammenhang zur angebli
chen
Verletzung während der EFL.
Es kann
mithin
auf die - lediglich aus fach
ärztlich-rheumatologischer Sicht abgegebene – Beurteilung im Gutachten des Inselspitals
A._
, dass die Beschwerdeführerin damals in einer leidens
-
angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig war, abgestellt werden
(
Urk.
6/145/22-27). Aus rheumatologische
r
Sicht ist
damit davon auszugehen, dass sich die Arbeitsfähigkeit seit der
Z._
-Begutachtung nicht geändert hat.
In Verlaufsberichten vom
15. und 18. April 2011
attestierten der behandelnde Neurologe
Dr.
J._
und die Hausärztin Med.
pract
.
G._
der Beschwerde
führerin
wegen eines akuten Schubs der Multiplen Sklerose
und einer verstärkten psychischen Symptomatik
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
6/154-155)
. Die Spezialbehandlung dieses Schubs dauerte, wie sich dem späteren
Ver
laufsbericht
von
Dr.
J._
vom
9. November 2011
entnehmen lässt, fünf Tage. Am 9. November 2011 attestierte
Dr.
J._
der Beschwerde
-
führerin wieder eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit
(
Urk.
6/161)
.
Hinsichtlich der Psyche kann zwar von gewissen Schwankungen des Gesund
heitszustandes ausgegangen werden, wie bereits vorstehend dargelegt (
vorste
hende
E. 5.1.2) ist
aber
nicht ausgewiesen, dass diese Symptomatik zu einer längerdauernden, erheblichen und invaliden
-
versicherungsrechtlich relevanten Verschlechterung der zumutbaren Arbeits
-
fähigkeit führte.
Es kann folglich davon ausgegangen werden, dass
der Schub nicht zu einer
invalidenversiche
rung
s
rechtlich
relevanten, länger als
drei Monate
dauernden gesundheitlichen Verschlechterung führte. Daran ändern
, entgegen der Ansicht der Beschwerde
führerin,
auch die von
Dr.
J._
am
9. November 2011 erwähnten Probleme bei der Um
stellung der Medikation nichts, da bereits anlässlich der Begutach
tung im
Z._
Nebenwirkungen der damaligen medikamentösen Behandlung bekannt waren (
Urk.
6/113/28)
.
A
ufgrund der Arbeitsfähigkeitseinschätzung des behandelnden Neurologen vom 9. November 2011, welche mit derjenigen der
Z._
-Gutachter übereinstimmt,
ist
davon auszugehen, dass sich Gesundheitszu
stand und Arbeitsfähigkeit bis zu diesem Zeitpunkt nicht wesentlich geändert hatten.
5.3.3
Seit dem 20. März 2012 wurde die Multiple Sklerose mit dem Medikament
Gilenya
therapiert (
Urk.
6/175).
Gemäss Bericht von
Dr.
J._
vom
4. April 2013
war der Verlauf der
medikamentösen Behandlung frei von
Nebenwirkun
gen
.
Wegen eines
drei Wochen zuvor
aufgetretenen
neue
n
MS-Schub
s
attes
tierte er ihr
aber
nur noch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer
leidensange
passten
Tätigkeit (
Urk.
6/186). Da auch die Hausärztin Med.
pract
.
G._
in ihrem
Verlaufsbericht vom 26. Mai 2013
von einer Arbeitsfähigkeit von 40-50
%
in einer leidensangepassten Tätigkeit ausging (
Urk.
6/192), ist nicht zu beanstanden, dass
Dr.
L._
vom RAD in seiner versicherungsmedizinischen Stellungnahme vom
14. Juni 2013
auf diese Berichte abstellte und
die zumut
bare Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten
fortan
auf 50
%
bezif
ferte
(
Urk.
6/197/4-5).
Zu Recht
bemängelt die Beschwerdeführerin
, dass die Beurteilung von
Dr.
L._
insofern
nicht nachvollziehbar ist,
als
darin der
Beginn der
50%igen Arbeitsfä
higkeit auf den
21. März 2012
veranschlagt
wird
. Die Begründung von
Dr.
L._
, dass damals die Medikation mit
Gilenya
begonnen habe, überzeugt nicht. Diese Therapie hatte nämlich zu einer gewissen Stabilisierung der MS geführt, wes
halb zu erwarten gewesen wäre, dass eine dadurch bewirkte Veränderung des Gesundheitszustandes sich positiv auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt hätte. Mangels anderer Anhaltspunkte ist davon auszugehen, dass der Beginn der 50%igen Arbeitsfähigkeit mit dem im März 2013 aufgetretenen neusten MS-Schub zusammenfällt.
Zu beachten ist, dass
Dr.
J._
gemäss Bericht vom 4. April 2013 aufgrund des Schubs zwar mit einer erhöhten Ermüdbarkeit und möglicherweise bleibenden Residuen rechnete, gleichzeitig aber auch von einer gewissen Rückbildung der mit dem Krankheitsschub neu aufgetretenen Symptome
ausging
(
Urk.
6/186)
. Unter diesen Umständen wirkt sich das Abstellen auf die vom behandelnden Rheumatologen noch während des Krankheitsschubs attestierte Arbeitsfähigkeit
eher zu Gunsten
der Beschwerdeführerin aus.
5.
3.
4
Die Beschwerdeführerin reichte dem Sozialversicherungsgericht im Februar 2014 medizinische Berichte über zwei am 7. und 15.
Januar 2014 stattgehabte gynäkologische Operationen (
laparoskopische
E
ntfernung
einer Follikel-Zyste im rechten und eines zystischen Teratoms im linken Eierstock
, abdominaler
Hernienverschluss
) ein. Grund für die operativen Eingriffe waren offenbar Unterbauchschmerzen, und ärztlicherseits wurde die Beschwerdeführerin vom
3. Januar bis
2.
Februar 2014 zu 100
%
krank geschrieben
. S
ie machte in ihrer Eingabe vom 21. Februar 2014 geltend, die Unterbauchschmerzen wirkten sich auf ihre Leistungsfähigkeit aus
(
Urk.
13,
Urk.
14/1-6)
, und reichte am 8. Sep
tember 2014
Verlaufsberichte über postoperative Komplikationen ein (
Urk.
18,
Urk.
19/1-5,
Urk.
19/8-9)
.
Aus
den eingereichten
Berichten lassen sich keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür entnehmen, dass die gynäkologische Problematik im relevanten
Beurtei
lungszeitraum
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügungen vom 9. Oktober und 1
2.
November 2013 zu einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit führte
, auch wenn
bereits im August 2013 ein Verdacht auf ein Teratom im linken Ovar bestand, wie die Beschwerdeführerin geltend macht (
Urk.
13)
. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Hausärztin med.
pract
.
G._
in ihrem Verlaufsbericht vom 26. Mai 2013
eine seit Februar 2010 bekannte Uteruszyste unter den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte
(
Urk.
6/192/2).
Mit Eingaben vom 8. September 2014 (
Urk.
18,
Urk.
19/6-7) sowie vom
29. Okto
ber 2014 (
Urk.
22,
Urk.
23/1-2)
reichte die Beschwerdeführerin
weitere
B
erichte
über
den Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose ein. Aus dies
en Berichten ergibt sich, dass s
ie in der Zwischenzeit offenbar erneut den Hausarzt und den behandelnden Neurol
ogen gewechselt
, sich der Zustand unter der Medikation mit
Gilenya
stabilisiert
hatte
und seit dem letzten Krankheitsschub im Jahr 2013 k
ein neuer Schub aufgetreten
war
(
Urk.
19/6-7,
Urk.
23/1)
.
Der von der Beschwerdeführerin seit Anfang Oktober 2014 wahrgenommene
Dreh
schwindel
, welcher eine Schwindelabklärung und Behandlung nach sich
ge
zo
g
en hatte
(
Urk.
23/1), ist ausserhalb des massgeblichen Beurteilungszeitraums bis zum Erlass der angefochtenen Verfügungen eingetreten und deshalb im vor
liegenden Verfahren unbeachtlich.
Die auf Veranlassung der neuen Neurologin
Dr.
med.
O._
zur Abklärung der erhobenen verminderten kognitiven und physischen Belastbarkeit (
Urk.
19/7)
durchgeführte
neuropsychologische Ab
klärung vom 25. August 2014
ergab zwar in allen Funktionsbereichen Auffäl
ligkeiten. Die Untersucherin wies aber darauf hin, dass Inkonsistenzen in ein
zelnen Testverfahren Hinweise auf eine schwankende Beteiligung,
Leistungsbe
reitschaft
und Leistungsmotivation gäben und die Validität der Testergebnisse in Frage stellten. Das erhobene kognitive Leistungsprofil könne nicht allein mit der MS-Erkrankung erklärt werden (
Urk.
23/2). Insgesamt ergeben sich aus die
sen Berichten keine neuen Erkenntnisse hinsichtlich der zumutbaren Arbeitsfä
higkeit im relevanten Beurteilungszeitraum.
5.4
Zusammenfassend ist aufgrund der wiedergegebenen medizinischen Akten festzu
stellen, dass die Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit
vom Ablauf der Wartezeit im Mai 2005 bis Ende Mai 2006 zu 50
%
, von Juni 2006 bis
Februar 2013 zu 80
%
und ab März 2013 wieder zu
50
%
a
rbeitsfähig war.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die
Arbeitsunfähigkeit aus
medizinisch-theoretische
r Sicht
in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
6.2
Die Beschwerdeführerin behauptet,
wegen der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 ATSG) gar nicht vermittelbar zu sein.
Diese
– subjektive -
Einschätzung
wurde von
der Beschwerdeführerin
nicht wei
ter substantiiert
.
Aus den Akten
ergibt sich
, dass die von der IV-Stelle
Ende Januar 2013
eingeleiteten beruflichen Massnahmen wegen der subjektiven Einschätzung der Beschwerdeführerin, nicht
eingliederungs- beziehungsweise
arbeitsfähig zu sein, beendet
werden mussten
(
Urk.
6/180,
Urk.
6/187
-188
).
D
ie aktenmässig belegten MS-Schübe
sind
nicht derart zahlreich und die davon ausgehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in zeitlicher und umfangmässi
ger Hinsicht nicht der
massen
gravierend, dass von fehlender
Vermittlungsfähig
keit
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt auszugehen wäre.
Auch
stehen medi
zinische Erfahrungswerte
der Einschätzung der Beschwerdeführerin
entgegen. So wird nach der EDSS etwa erst bei einem Behinderungsgrad von 5.0 von der Unmöglichkeit, ohne besondere Vorkehrungen ganztägig zu arbeiten,
ausge
gangen (vgl. vorstehend E. 3.2.1). Zudem sind aus der höchstrichterlichen Praxis zahlreiche MS-Fälle
– auch bei schubförmigem Verlauf -
bekannt, bei welchen eine zumindest teilweise Vermittlungs- und Arbeitsfähigkeit angenommen wurde (vgl. etwa das Urteil des Bundesgerichts 8C_450/2009 vom 20. August 2009, E. 5.1).
Mangels hinreichender Anhaltspunkte in den Akten ist
folglich
nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
im relevanten Zeitraum nicht vermittelbar war.
6.3
6.3.1
Beim Einkommensvergleich vom 3. Januar 2007 ermittelte die IV-Stelle für das Jahr 2005 ein
Va
lideneinkommen
von
Fr.
51‘207.--
, wobei sie vom zuletzt in der Tätigkeit
als
Barista
erzielten Jahresverdienst, angepasst an die seitherige Nominallohnentwicklung, ausging.
Für die Festsetzung des zumutbaren
Invali
deneinkommens
stellte sie
auf den Tabellenlohn für Hilfsarbeiten
gemäss
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 200
4
ab, und
berücksichtigte einen behinderungsbedingten Abzug von diesem Lohn
(
Fr.
24‘535.50 für das noch zumutbare 50%-Pensum)
von 10
%
, was zu einem Invalideneinkommen von
Fr.
22‘082.-- führte.
Verglichen mit dem
Valideneinkommen
resultierte so bei einer invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse von
Fr.
29‘125.-- ein
Invalidi
tätsgrad
von aufgerundet 57
%
(
Urk.
6/48). Dies ist nicht zu beanstanden.
Auf dieser Basis hat die Beschwerdeführerin für die Zeit vom 1. Mai 2005 bis
31.
August 2006 (drei Monate nach
Eintritt der gesundheitlichen Besserung Anfang Juni 2006 [vgl. vorstehend E. 2.2]) Anspruch auf eine halbe Rente.
6.3.2
Für die Zeit ab August 2006 kann grundsätzlich, unter Berücksichtigung der ab dann geltenden höheren Arbeitsfähigkeit von 80
%
in leidensangepassten Tätigkeiten, auf die Einkommenszahlen des Einkommensvergleichs vom
3. Januar 2007 abgestellt werden. D
ie
seit dem Jahr 2005
eingetretene
Nominal
lohnentwicklung
in Prozenten
müsste nämlich
ohnehin bei beiden
Vergleichs
einkommen
berücksichtigt werden
;
eine solche
parallele
Aufrechnung beim Validen- und Invalideneinkommen
würde sich
im Rahmen des
Einkommensver
gleichs
neutralisieren und hätte keinen Einfluss auf den Invaliditätsgrad.
Es kann also von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
51‘207.-- ausgegangen wer
den. Beim noch zumutbaren Arbeitspensum von 8
0
%
ergibt sich aus der LSE 2004
für Hilfsarbeiten ein Jahreslohn von
Fr.
39‘256.80. Unter Berücksich
tigung eines leidensbedingten Abzugs von 10
%
resultiert ein
Invalidenein
kommen
von
Fr.
35‘331.10. Gemessen am
Valideneinkommen
von
Fr.
51‘207.00 ergibt sich bei einem invaliditätsbedingten Minderverdienst von
Fr.
15‘875.90
ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 31
%
für die Zeit ab August 2006.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin rechtfertigt sich die Berücksichti
gung eines leidensbedingten Abzugs von mehr als 10
%
beim
Invalidenein
kommen
nicht. Die von der Multiplen Sklerose ausgehenden Behinderungen wurden bereits grossmehrheitlich durch die Anerkennung einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in behinderungsangepassten Tätigkeit von 20
%
wegen erhöhter Müdigkeit
bei ganztägigem Arbeitseinsatz (vgl. vorstehend E. 3.2.1) berücksichtigt. Ferner fehlen Anhaltspunkte dafür, dass sich die medizinische Behandlung zusätzlich negativ auf die Verwertbarkeit des verbliebenen berufli
chen Leistungsvermögens auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt auswirkt.
Dass die schlechte Prognose
eine
lohnmindernd
e
Wirkung hat
, ist ebenfalls nicht anzunehmen, zumal sich der Gesundheitszustand st
abilisiert hat und zumindest auf kurze
Sicht nicht von einer allzu schlechten Prognose auszugehen ist.
Dem fehlenden beruflichen Leistungsausweis
der Beschwerdeführerin
w
urde sod
ann durch das Heranziehen der Tabellenlöhne für Hilfsarbeiten
Rechnung getrag
en,
wobei die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer bisherigen Tätigkeit als
Barista
bereits über
eine
gewisse Berufserfahrung verfügt.
6.3.3
Für die Zeit ab März 2013 kann grundsätzlich auf den von der IV-Stelle a
m
21. Juni 2013
für das Jahr 2012 vorgenommenen
Einkommensvergleich
(
Urk.
6/196,
Urk.
6/197/6), welcher auch der angefochtenen Verfügung zu
grunde liegt (
Urk.
2 S.
3), abgestellt werden. Auch hier gilt, dass auf eine Hochrechnung der Vergleichseinkommen auf das Jahr 2013 unter Berücksichti
gung der zwischenzeitlich erfolgten Nominallohnentwicklung verzichtet werden kann (vorstehende E. 6.3.2).
Es kann also von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
55‘767.10 ausgegangen werden. Beim noch zumutbaren Arbeitspensum von 50
%
ergibt sich aus der LSE 200
4
für Hilfsarbeiten ein Jahreslohn von
Fr.
26‘893.90. Unter Berücksich
tigung eines leidensbedingten Abzugs von 10
%
resultiert ein
Invalidenein
kommen
von
Fr.
26‘204.5
2.
Gemessen am
Valideneinkommen
von
Fr.
55‘767.10 resultiert bei einem invaliditätsbedingten Minderverdienst von
Fr.
31‘562.60 ein Invaliditätsgrad von aufgerundet 57
%
und damit der Anspruch auf eine halbe Rente ab März 2013.
Auch für diesen Zeitraum besteht entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin kein Grund, beim Invalideneinkommen einen höheren leidensbedingten Abzug zu berücksichtigen. Zur Begründung kann auf die diesbezüglichen Ausführun
gen in der vorstehenden Erwägung verwiesen werden. Zusätzlich fällt ins Gewicht, dass
sich
die Anerkennung einer 50%igen Arbeitsu
nfähigkeit in leidensangepasster
Tätigkeit wie bereits
dargelegt (vorstehend E.
5.3.3)
eher zu Gunsten der Beschwerdeführerin auswirkt
,
da die Arbeitsunfähigkeit vom behandelnden Neurologen attestiert wurde, als noch Symptome des akuten Krankheitsschubs bestanden.
Auch aus diesem Grund
kann davon ausgegangen werden
, dass
von
der
progredienten
MS
ausgehenden
Behinderungen, welche sich negativ auf die erwerbliche Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt auswirken, bei der Invaliditätsbemessung
hinrei
chend Rechnung getragen wurde.
6.3.4
Aufgrund des Gesagten hat die Beschwerdeführerin vom 1. Mai 2005 bis
31. August 2006 sowie erneut ab 1. März 2013 Anspruch auf eine halbe Rente.
M
it den
angefochtenen Verfügung
en
war für die 16 Monate vom 1. Mai 2005 bis 31. August 2006 keine Rente zugesprochen worden. Dafür ist nach dem Gesag
ten die für die 9 Monate dauernde Periode vom 1. Juni 2012 bis
28. Februar 2013 zugesprochene Rente aufzuheben. D
ieses Resultat
entspricht
einem teil
weisen Obsiegen der Beschwerdeführerin.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen
(Art. 69
Abs.
1
bis
IVG)
.
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
), wobei allerdings bei einem Überklagen die
Pro
zessentschädigung
nur unter der Voraussetzung reduziert werden kann, dass das ziffernmässig bestimmte Rechtsbegehren den Prozessaufwand beeinflusst hat (vgl. Zünd/Pfiffner, Kommentar zum Gesetz über das
Sozialversicherungs
gericht
des Kantons Zürich,
2.
Auflage, Zürich 2009, N 8 zu
§
34).
7
.2
Die Beschwerdeführerin beantragte die Zusprechung einer ganzen Rente ab Mai 2005
und die Zusprechung einer Parteientschädigung für das
Verwaltungsver
fahren
(
Urk.
1 S. 2).
Gemessen an ihrem Rechtsbegehren obsiegt sie nur zu einem Bruchteil
, soweit überhaupt auf die Beschwerde eingetreten werden kann
. Zudem
betrifft
n
ur ein kleiner Teil ihrer Ausführungen in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1) und den weiteren Eingaben die Gründe, die zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde führen, und dies zusätzlich nur am Rande. Es rechtfertigt sich deshalb, die Verfahrenskosten von
Fr.
1
‘
000.-- den Parteien je hälftig aufzuerle
gen. Die
ermessensweise
auf
Fr.
3‘000.--
zu veranschlagende
Prozessentschädi
gung
der Beschwerdeführerin ist um die Hälfte auf
Fr.
1‘500.--
(inkl. Mehrwert
steuer und Barauslagen)
zu kürzen
.