Decision ID: bdbef646-92b1-53b3-bc81-ac70ac47d9ee
Year: 2016
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Mit Entscheid vom 28. März 2013 erteilte die Gemeinde C._ der
Beschwerdeführerin die Baubewilligung für den Neubau einer Tribüne, eines
Schwingerplatzes und die Sanierung des Vordaches des Landgasthofes E._. Die
Parzelle F._ E._ Grundbuchblatt Nr. D._ befindet sich in der
Landwirtschaftszone. Mit Schreiben vom 6. Juni 2013 teilte die Gemeinde C._ der
Beschwerdeführerin mit, sie habe festgestellt, dass in Überschreitung der Baubewilligung
RA Nr. 110/2016/101 2
über der Tribüne und dem Schwingplatz eine grosse Stahlkonstruktion errichtet worden sei.
Die Gemeinde forderte die Beschwerdeführerin auf, bis spätestens 8. Juli 2013 ein
Projektänderungsgesuch einzureichen. Mit Schreiben vom 4. Juli 2013 stellte sich die
Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, die Überdachung der Schwingfesttribüne mit der
Storenkonstruktion sei durch die Baubewilligung abgedeckt. Sie ersuchte die Gemeinde
um nochmalige Prüfung. Die Gemeinde bekräftigte ihre Rechtsauffassung, worauf die
Parteien am 18. Februar 2014 einen Besprechungstermin vor Ort vereinbarten. Mit
Schreiben vom 25. März 2014 stellte die Beschwerdeführerin der Gemeinde ein Doppel der
versprochenen neuen Planunterlagen vom 13. März 2014 zu. Mit Stellungnahme vom 6.
Juni 2014 stellte das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) fest, dass anlässlich
einer Besprechung vereinbart worden sei, ein nachträgliches Baugesuch einzureichen.
Eine Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24 ff. RPG1 könne dafür nicht erteilt werden. Mit
Schreiben vom 12. September 2014 beantragte die Beschwerdeführerin die Sistierung des
Verfahrens unter Hinweis auf die künftige Schaffung einer Hotelzone durch das regionale
Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept (RGSK). Mit Schreiben vom 11. Februar 2016
teilte die Gemeinde der Beschwerdeführerin mit, dass sie das Baubewilligungsverfahren
wieder aufnehme, da sich das Verfahren zur Schaffung einer Hotelzone gemäss
Abklärungen beim AGR noch über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinziehen könnte. Sie
werde daher eine anfechtbare Verfügung beim AGR zur Beurteilung der Projektänderung
einholen. Am 7. April 2016 erliess das AGR eine Verfügung, wonach die Anerkennung der
Zonenkonformität nach Art. 16a RPG sowie die Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG
für das Bauvorhaben verweigert werde. Die Gemeinde verfügte am 15. Juni 2016:
1. Die nachträgliche Projektänderung vom 25. März 2014 (Pläne vom 13. März 2014)
zur Erstellung einer Store über der Tribüne auf der E._ wird aufgrund des
negativen Entscheids des Amtes für Gemeinden und Raumordnung nicht bewilligt
und der Bauabschlag erteilt.
2. Sie werden aufgefordert, die Metallkonstruktion zur Überdachung inklusive
Markisen (gemäss Projektänderung/nachträgliches Baugesuch vom 25. März 2014
und dem Plan ARC_GR_SN_400_10 vom 13. März 2014) bis zu sechs Monaten
nach Inkraftsetzung dieser Verfügung zu entfernen.
3. [Androhung Wiederherstellung]
4. [Strafandrohung]
5. [Kosten]
1 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700)
RA Nr. 110/2016/101 3
6. [Rechtsmittelbelehrung]
2. Gegen diese Verfügung reichte die Beschwerdeführerin am 13. Juli 2016
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
stellt folgende Rechtsbegehren:
1. Die Verfügung der EG C._ vom 15. Juni 2016 sei aufzuheben und es sei
die bestehende Überdachung der Tribüne und des Schwingplatzes auf der
Parzelle Nr. D._ (E._, 3413 F._) zu bewilligen, soweit
diese nicht schon bewilligt ist.
2. Eventualiter: Es sei auf die Wiederherstellung zu verzichten,
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, edierte die
Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde und das AGR beantragen
beide die Abweisung der Beschwerde. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Angefochten sind ein Bauentscheid und eine Wiederherstellungsverfügung. Nach Art. 40
Abs. 1 und Art. 49 Abs. 1 BauG3 können Bauentscheide und baupolizeiliche Verfügungen
innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Die
Beschwerdeführerin ist als Adressatin des vorinstanzlichen Entscheids beschwert und
daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde wird eingetreten.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191). 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
RA Nr. 110/2016/101 4
2. Ursprünglich bewilligtes Bauvorhaben
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Überdachung des Schwingplatzes sei als
Teil des ursprünglichen Bauprojekts mit der Baubewilligung vom 28. März 2013 bewilligt
worden. Die Gemeinde habe die konkrete Ausgestaltung und Materialisierung der
Bodenkonstruktion und der Überdachung der Gebäudeversicherung Bern (GVB)
übertragen. Die Beschwerdeführerin bringt zudem vor, sie habe die Konstruktion und
Materialisierung im Vertrauen auf die Geltung der Baubewilligung zusammen mit der GVB
festgelegt und wie von der GVB bewilligt ausgeführt.
b) Auf dem Schnitt- und dem Grundrissplan zur Baubewilligung vom 28. März 2013
findet sich ein Symbol für Storen. Auf dem Grundrissplan wurde das Symbol zudem
beschriftet ("Store"), jedoch weder vermasst noch umschrieben. Sowohl der Grundrissplan
als auch der Grundbuchplan enthalten zudem eine Strichpunktlinie, welche eine
Überdachung vermuten lässt. Weitere Hinweise für eine Überdachung finden sich
hingegen im Baugesuch keine. Eine Unterkonstruktion wurde weder in den Plänen
eingezeichnet noch im Baugesuch umschrieben. Die Gemeinde fragte zudem vor Erteilung
der Bewilligung per E-Mail nach detaillierten Angaben zur Materialisierung, und erwähnte
dabei den Schwingplatz (Rasen?), die Verkehrsfläche (Beton/Belag?) und das Vordach
(Metall/Holz/Dach-material?), wobei es sich beim erwähnten Vordach um dasjenige des
Restaurants handeln musste. Auch hier hätte die Beschwerdeführerin die Möglichkeit
gehabt, nähere Angaben zur Store und einer allfälligen Unterkonstruktion zu machen. Sie
beantwortete die Frage nach der Materialisierung jedoch mit "Rasen" beim Schwingplatz,
"Betongittersteine/Rasen" für die Verkehrsfläche und "Holz/Dachziegel" für das Vordach.
Sie erwähnte damit auch bei dieser Gelegenheit weder eine Überdachung noch eine
Unterkonstruktion.4
c) Aus den Plänen vom 13. März 2014 ist ersichtlich, dass für die Store/Überdachung
eine massive Unterkonstruktion gebaut wurde. Diese besteht aus insgesamt 22 Pfosten,
und zwar in der Höhe von 2.43 m bis 5.97 m. Gemäss den Feststellungen der Gemeinde
handelt es sich um eine Metallkonstruktion5 und gemessen ab Plan haben die Pfosten eine
4 Pag. 91 Vorakten 5 Vgl. Ziff. 2 der angefochtenen Verfügung
RA Nr. 110/2016/101 5
Grundfläche von 20 cm auf 20 cm. Es sind Pfosten an den vier Ecken und zusätzlich je vier
Pfosten an der Breit- und je drei Pfosten an den Längsseiten eingezeichnet. Dazu kommen
vier zusätzliche Pfosten in der Mitte, wo auch ein zweites Storensymbol eingezeichnet ist.
Diese Pfosten sind zumindest teilweise zusätzlich miteinander verbunden: Die fünf Pfosten
gemäss Schnitt A-A beispielsweise über die höchsten Punkte und zusätzlich waagrecht
miteinander.
d) In den bewilligten Plänen finden sich – wie oben ausgeführt – einzig ein
Storensymbol und eine Strichpunktlinie als Hinweis auf eine Begrenzung dieser
Store/Überdachung. Damit existieren zwar Andeutungen einer Store/Überdachung, welche
offenbar sowohl die Gemeinde als auch die GVB dazu veranlassten, von einer
Überdachung auszugehen bzw. eine solche in Erwägung zu ziehen.6 Das Baugesuch und
die dazugehörenden Pläne enthalten hingegen keinen einzigen Hinweis auf eine
Unterkonstruktion. Insbesondere sind die 22 Pfosten und deren Verbindungen
untereinander weder eingezeichnet noch vermasst. Bauarbeiten, die nicht aus der
Baubewilligung und den genehmigten Plänen hervorgehen, sind nicht bewilligt.7 Die
massive Tragkonstruktion, wie sie die Beschwerdeführerin nun ausgeführt hat, ist in den
Plänen zum Baugesuch nicht eingezeichnet und im Baugesuch nicht umschrieben und
daher auch nicht bewilligt. Dass das ausgeführte Projekt weit über das geplante
hinausgeht, zeigt sich im Übrigen auch an der von der Beschwerdeführerin geltend
gemachten Investition für die Überdachung von Fr. 500'000.--, welche die geschätzten
Baukosten gemäss Baugesuch von Fr. 100'000.--8 für das gesamte Projekt um Fr.
400'000.-- überschreitet. Dass eine Überdachung mit einer Store dieses Ausmasses eine
Unterkonstruktion benötigt, leuchtet zwar ein. Es ist jedoch Sache der Bauherrschaft,
vollständige und widerspruchsfreie Pläne einzureichen.9 Sie muss also im Baugesuch
darlegen, ob und wenn ja, welcher Unterbau für die Store geplant ist. Es ist nicht die
Aufgabe der Bewilligungsbehörde, nachzuforschen, ob eine Unterkonstruktion notwendig
ist. Soweit die Pläne unvollständig und missverständlich sind, fallen die Mängel auf die
Beschwerdeführerin zurück und sie kann daraus später nichts zu ihren Gunsten ableiten.10
6 Vgl. Stellungnahme der Gemeinde vom 18. August 2016, S. 2, und Umschreibung Bauvorhaben durch die GVB (Vorakten pag. 82) 7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9b Bst. c 8 Pag. 98 Vorakten 9 VGE 2011.291 vom 08.06.2012, E. 3.3.3 10 VGE 22473 vom 25.01.2006, E. 5.2; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 34 N. 19a
RA Nr. 110/2016/101 6
Aus einem Vergleich der genehmigten Pläne mit den Plänen vom 13. März 2014 ergibt sich
eindeutig, dass die heute vorhandene Überdachung mit massiver Unterkonstruktion nicht
genehmigt wurde.
e) Die Baubewilligung vom 28. März 2013 erklärt die Brandschutzbedingungen der
Gebäudeversicherung zum integrierenden Bestandteil der Baubewilligung und verlangt die
genaue Einhaltung aller in den Bewilligungen und Amtsberichten enthaltenen
Bedingungen, Auflagen, Vorschriften und Weisungen sowie Brandschutzauflagen. Die
GVB verlangte in ihrem Fachbericht vom 30. Januar 2013 insbesondere die folgenden
Brandschutzauflagen:
"Auflagen
1. Die Bodenkonstruktion (Materialisierung) muss rechtzeitig vor Baubeginn mit der
Gebäudeversicherung noch festgelegt werden und ist wie vereinbart im
Brandschutzkonzeptplan darzustellen und zu beschreiben. Sie muss nicht unterfeuerbar
ausgeführt werden.
Vor Baubeginn
2. Die Bauherrschaft bzw. der Architekt erstellt vor Bauausführung einen Brandschutzplan
und legt diesen der GVB vor. Der Plan muss folgende Angaben enthalten:
- Fluchtweg inklusive Bemassung (siehe Brandschutzrichtlinie Flucht- und
Rettungswege)
- Boden und Bedachungskonstruktionsart
- Sicherheitsbeleuchtung
- Löscheinrichtungen
Während dem Bau
3. Eine allfällige Bedachung (Store/Steildach) muss mindestens eine Brandkennziffer BKZ
5.2 – 200 (schwer brennbar und nicht brennend abtropfend) aufweisen. Sie muss so
konstruiert sein, dass ein grossflächiges Herunterfallen ausgeschlossen werden kann.
Eine Dokumentation der Materialisierungsanforderungen übereinstimmend mit der zur
Ausführung gelangenden Konstruktion ist rechtzeitig vor der Ausführung von der GVB
genehmigen zu lassen."
Die Brandschutzauflagen haben den Zweck, die Brandsicherheit zu gewährleisten. Die in
der Bewilligung enthaltenen Auflagen aus dem Bericht der GVB erfüllen genau diesen
Zweck. Aus dem Wortlaut dieser Auflagen lässt sich – entgegen den Ausführungen der
RA Nr. 110/2016/101 7
Beschwerdeführerin – nicht ableiten, dass die Kompetenz zur Bewilligung der Store und
ihrer Unterkonstruktion oder die Bewilligung zur Genehmigung einer diesbezüglichen
Projektänderung an die GVB delegiert worden ist. Eine solche Delegation wäre aufgrund
der Kompetenzordnung auch nicht zulässig. Zuständig für Baubewilligungen und
Projektänderungen für das Bauen ausserhalb der Bauzone sind von Gesetzes wegen die
Gemeinde und das AGR.11 Gestützt auf die Brandschutzauflagen durfte die
Beschwerdeführerin daher nicht von einer Übertragung der Bewilligungskompetenz auf die
GVB ausgehen. Das gilt umso mehr, als bei der Beschwerdeführerin als Architektur- und
Ingenieurbüro ein gewisses Fachwissen über die Kompetenzen der
Baubewilligungsbehörden und der Gebäudeversicherung vorausgesetzt werden darf.
f) Die Vorinstanz ist daher zu Recht davon ausgegangen, dass die von der
Beschwerdeführerin umgesetzte Dachkonstruktion nicht bewilligt worden ist. Der
Sachverhalt erscheint hinreichend klar, so dass keine weiteren Beweismassnahmen nötig
sind. Der Antrag auf einen Augenschein wird daher abgewiesen.
3. Bauabschlag/materielle Rechtswidrigkeit
a) Die Gemeinde begründet den Bauabschlag damit, dass das AGR das Bauvorhaben
als nicht zonenkonform erachtet und keine Ausnahmebewilligung erteilt hat. Die
Beschwerdeführerin äussert sich dazu nicht. Sie hat im Verlaufe des Verfahrens auch kein
förmliches nachträgliches Baugesuch gestellt, sondern nur aktualisierte Pläne eingereicht.
Dieses hat die Gemeinde als nachträgliches Baugesuch entgegengenommen und
behandelt. Im Beschwerdeverfahren bestreitet die Beschwerdeführerin, dass es sich dabei
um eine Projektänderung oder um ein nachträgliches Baugesuch handelt.12 Gleichzeitig
beantragt sie in ihren Rechtsbegehren die Bewilligung der bestehenden Überdachung,
soweit diese nicht schon bewilligt ist. Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts gilt es als
unverhältnismässig, eine an sich bewilligungsfähige Baute oder Anlage bloss wegen
Fehlens der Baubewilligung beseitigen zu lassen. Die Rechtsmittelinstanzen haben
deshalb auch beim Fehlen eines nachträglichen Baugesuchs wenigstens summarisch zu
prüfen, ob das Vorhaben gegen einschlägige Vorschriften verstösst (sog. materielle
11 Art. 84 Abs. 1 BauG; Art. 108a Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1); Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band II, Bern 2010, Art. 84 N. 2 12 Beschwerde Rz 33
RA Nr. 110/2016/101 8
Rechtswidrigkeit).13 Aufgrund des Ergebnisses dieses Verfahrens kann vorliegend offen
bleiben, ob die Prüfung im Rahmen eines nachträglichen Baugesuches oder nur als
summarische Prüfung erfolgt.
b) Das Vorhaben ist nicht zonenkonform, da es weder zur landwirtschaftlichen
Bewirtschaftung noch für den produzierenden Gartenbau nötig ist (Art. 16a RPG). Eine
Ausnahmebewilligung für nicht zonenkonforme Bauten kann gestützt auf Art. 24 RPG nur
dann erteilt werden, wenn deren Zweck einen Standort ausserhalb der Bauzone erfordert
und keine überwiegenden Interessen entgegenstehen. Wie das AGR nachvollziehbar
ausführt, ist eine Überdachung für den Schwingbetrieb nicht erforderlich, da regionale und
kantonale Schwingfeste traditionell vom Frühsommer bis in den Herbst im Freien
abgehalten werden. Gemäss Verfügung des AGR vom 13. März 2013 darf die Bestuhlung
der Tribüne deshalb auch nur während der Saison von April bis September erfolgen. Auch
die Beschwerdeführerin begründet nicht, weshalb ihr Vorhaben standortgebunden sein
sollte. Weitere Ausnahmegründe werden weder geltend gemacht, noch sind solche
ersichtlich. Die Überdachung der Tribüne und des Schwingplatzes kann daher nicht
bewilligt werden.
4. Wiederherstellung
a) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung ausgeführt, so verfügt die zuständige
Baupolizeibehörde darüber, ob und inwieweit der rechtmässige Zustand wiederherzustellen
ist und setzt dafür gegebenenfalls eine neue Frist (Art. 46 Abs. 2 Bst. e BauG). Dabei sind
die allgemeinen verfassungs- und verwaltungsrechtlichen Grundsätze von Art. 5 Abs. 2
BV14 zu berücksichtigen.15 Die Wiederherstellungsmassnahme muss im öffentlichen
Interesse liegen, verhältnismässig sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen.16
13 BVR 2000 S. 416 E. 3a; vgl. ferner die weiteren Hinweise bei Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 15a 14 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 15 BGer 1C_157/2011 vom 21.07.2011, E. 5.1 16 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1
RA Nr. 110/2016/101 9
b) Für die vorliegend gebaute Überdachung liegt keine Bewilligung vor. Diese kann
auch nachträglich nicht erteilt werden (vgl. E. 3). Die Überdachung ist somit formell und
materiell rechtswidrig.
c) Steht die Widerrechtlichkeit einer Baute oder Anlage fest, so ist darüber zu
entscheiden, ob die Wiederherstellungsverfügung das bundesrechtliche Prinzip der
Verhältnismässigkeit nicht verletzt. Die Anordnung darf deshalb nicht weiter gehen, als zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes notwendig, und die mit der
Wiederherstellung verbundene Belastung des Pflichtigen muss durch ein genügendes
öffentliches Interesse gerechtfertigt sein.17 Die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands kann unterbleiben, wenn die Abweichung vom Erlaubten nur unbedeutend ist
oder die Wiederherstellung nicht im öffentlichen Interesse liegt, ebenso, wenn der Bauherr
in gutem Glauben angenommen hat, die von ihm ausgeübte Nutzung stehe mit der
Baubewilligung im Einklang.18
d) Die Beschwerdeführerin wird in der angefochtenen Verfügung aufgefordert, die
Metallkonstruktion zur Überdachung inklusive Markisen innert sechs Monaten nach
Rechtskraft zu entfernen. Mildere Massnahmen, mit denen dasselbe Ziel erreicht werden
könnte, sind nicht ersichtlich.
e) Gutgläubig kann eine Bauherrschaft sein, wenn sie bei zumutbarer Aufmerksamkeit
und Sorgfalt annehmen durfte, sie sei zur Bauausführung berechtigt, z.B. aufgrund einer
mangelhaften Bewilligung oder Auskunft. Die Auskunft muss aber von der zuständigen
Amtsstelle ausgegangen sein oder der Bürger muss sie zumindest als zuständig betrachtet
haben dürfen. Im Übrigen wird aber vorausgesetzt, dass die Bewilligungspflicht für
Bauvorhaben bekannt ist. Wer bauen und nutzen will, muss sich um die Zulässigkeit seines
Tuns kümmern.19 Wie oben ausgeführt, fallen die Mängel der Pläne auf die
Beschwerdeführerin zurück. Diese führen nicht zu einer Gutgläubigkeit. Gleiches gilt für die
Prüfung und Genehmigung der Ausführungspläne durch die GVB, auch wenn die
Brandschutzauflagen in Zusammenarbeit mir ihr umgesetzt wurden.20 Aufgabe der GVB ist
der Brandschutz und die Einhaltung der entsprechenden Auflagen. Ihr obliegt nicht die
17 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1 18 BGE 132 II 21 E. 6 19 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9b Bst. a mit Hinweisen 20 Vgl. Beschwerdebeilage 10
RA Nr. 110/2016/101 10
Kontrolle, ob das Bauen im Übrigen gemäss Bewilligung erfolgt. Sie ist auch nicht
zuständig für die Erteilung von Baubewilligungen oder Projektänderungen. Die
Genehmigung der Ausführungspläne durch die GVB aus Gründen des Brandschutzes
machte eine Projektänderung daher nicht überflüssig. Weder war die GVB dafür zuständig
noch durfte die Beschwerdeführerin sie als zuständig betrachten, zumal sie als Architektur-
und Ingenieurbüro bestens fachlich bewandert ist. Die Beschwerdeführerin gilt daher nicht
als gutgläubig im baurechtlichen Sinn.
f) Auch eine Bauherrschaft, die nicht gutgläubig gehandelt hat, kann sich auf den
Verhältnismässigkeitsgrundsatz berufen. Sie muss aber in Kauf nehmen, dass die
Behörden aus grundsätzlichen Erwägungen, namentlich zum Schutz der Rechtsgleichheit
und der baulichen Ordnung, dem Interesse an der Wiederherstellung des gesetzmässigen
Zustandes erhöhtes Gewicht beimessen und die der Bauherrschaft allenfalls
erwachsenden Nachteile nicht oder nur in verringertem Mass berücksichtigen.21 Nach
ständiger Gerichtspraxis besteht – insbesondere in der Landwirtschaftszone – ein
erhebliches öffentliches Interesse an der Wahrung der Zonenkonformität.22 Demgegenüber
stehen Vermögensinteressen der Beschwerdeführerin. Dabei handelt es sich um den
geltend gemachten Verlust von Investitionskosten über Fr. 500'000.--, Abbruchkosten
sowie allfällige Einbussen für Anlässe, bei welchen die Veranstalter in der Saison von April
bis September auf eine Storenanlage angewiesen sind. Nach der Rechtsprechung haben
wirtschaftliche Interessen alleine bei einer bösgläubigen Bauherrschaft kaum je
ausschlaggebendes Gewicht. Dies selbst dann, wenn die nutzlosen aber bösgläubig
getätigten Investitionskosten und Abbruchkosten zusammen sehr hoch sind.23 Trotz der
hohen Investitionskosten überwiegt daher vorliegend das öffentliche Interesse an der
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands die Nachteile, die der Beschwerdeführerin
durch die Wiederherstellung entstehen. Die von der Gemeinde verfügte Wiederherstellung
erweist sich daher als verhältnismässig und ist zu bestätigen.
g) Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin sind vorliegend allfällige
Bestrebungen zur Schaffung einer Hotelzone im Rahmen des Regionalen
Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept (RGSK) nicht zu berücksichtigen. Gemäss Lehre
und Rechtsprechung kann eine Sistierung angezeigt sein, wenn eine Rechtsänderung, die
21 BVR 2006 S. 444 E. 6.1 22 BGE 132 II 21 E. 6.4; VGE 2011/257 vom 11.01.2013, E. 6.4 mit Hinweisen 23 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9c Bst. c mit Hinweisen
RA Nr. 110/2016/101 11
für den Verfahrensausgang wesentlich ist, kurz bevorsteht. Neue Vorschriften müssen aber
beschlossen sein oder zumindest öffentlich aufliegen.24 Wesentlich für den
Verfahrensausgang wäre vorliegend einzig eine Hotelzone mit Erweiterungsmöglichkeiten
in einem Nutzungsplan. Da es sich vorliegend um die Schaffung eines Richtplanes handelt,
bestehen nur allzu vage Aussichten auf eine mögliche künftige Rechtsänderung. Diese
rechtfertigen auch nicht die Einholung eines Mitberichts beim RGSK. Der entsprechende
Antrag wird daher abgewiesen. Da der Sachverhalt in Bezug auf die Wiederherstellung
ebenfalls hinreichend klar erscheint, wird auch der Antrag auf einen Augenschein
abgewiesen.
5. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG25). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.-- (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV26).
Behörden haben keinen Anspruch auf Parteikostenersatz. Parteikosten werden deshalb
keine gesprochen (Art. 104 Abs. 3 VRPG).