Decision ID: 1fd938f1-d5eb-4f59-bec4-9bec8bddb2ff
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch MLaw Véronique Dumoulin, c/o Glaus & Partner Anwaltspraxis,
Obergasse 28, Postfach 133, 8730 Uznach,
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gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur AHV
Sachverhalt:
A.
A.a G._, Jahrgang 1917, hält sich seit dem 22. März 2010 im Alters- und
Pflegezentrum A._ auf. Im Mai 2010 meldete sie sich zum Bezug von
Ergänzungsleistungen (EL) zur Altersrente an (EL-act. 16). Die EL-Durchführungsstelle
verneinte mit Verfügung vom 17. Juni 2010 einen EL-Anspruch. In der Berechnung
berücksichtigte sie ein anrechenbares Vermögen von Fr. 323'400.-, woraus ein
Vermögensverzehr von Fr. 64'680.- jährlich resultierte (EL-act. 8). Das angerechnete
Vermögen beinhaltete neben dem in der Steuerveranlagung 2009 ausgewiesenen
Vermögen von Fr. 104'600.- (EL-act. 21) einen Vermögensverzicht wegen
Schenkungen an zwei Söhne in der Höhe von Fr. 148'800.- (Fr. 123'500.- + Fr. 35'300.-
abzüglich Fr. 10'000.- Vermögensminderung gemäss Art. 17a Abs. 1 ELV; EL-act. 9;
18-3; 18-11) und einer als Vermögensverzicht behandelten Vermögenshingabe gestützt
auf einen Betrug in der Höhe von Fr. 95'000.- (EL-act. 18-2). Diesen Betrag hatte die
Versicherte Mittelsmännern einer Person übergeben, die sich telefonisch als ein
Verwandter namens B._ ausgegeben und um die vorübergehende Überlassung von
Geld gebeten hatte (vgl. die Protokollierung der Aussagen der Versicherten gegenüber
der Kantonspolizei C._ am 22. Juli 2009, act. G 1.1.8).
A.b Gegen die abweisende EL-Verfügung liess die Versicherte am 15. Juli 2010
Einsprache erheben. Das anrechenbare Vermögen belaufe sich auf höchstens
Fr. 98'400.-, sodass sich der Vermögensverzehr auf Fr. 19'680.- reduziere. Dadurch
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entstehe ein Ausgabenüberschuss von Fr. 19'770.- (EL-act. 5-5/6). Der Rechtsdienst
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) wies die Einsprache in
Vertretung der EL-Durchführungsstelle mit Entscheid vom 19. Oktober 2010 ab (EL-act.
25). Die Versicherte bzw. ihr 1996 verstorbener Ehemann hätten zwei Söhnen Darlehen
über insgesamt Fr. 158'800.- gewährt. Diese seien in den Steuererklärungen bis Ende
2008 entsprechend deklariert worden. Es sei nicht davon auszugehen, dass dieser
Betrag den Söhnen geschenkt worden sei. Dagegen spreche auch klar der Umstand,
dass jeweils abgemacht worden sei, die Darlehen marktkonform mit 4% zu verzinsen.
Demnach seien die Darlehen bis Ende 2008 als Vermögen in der EL-Berechnung zu
berücksichtigen. Weil ab 2009 offenbar feststehe, dass die Söhne diese Darlehen nicht
zurückzahlen könnten, könne ab jenem Zeitpunkt von einem Vermögensverzicht
ausgegangen werden. Der Betrag sei per 2010 um Fr. 10'000.- auf Fr. 148'800.- zu
reduzieren. Weiter wird ausgeführt, die Versicherte habe ihr unbekannten Personen
Fr. 95'000.- ausgehändigt. Sie habe diesbezüglich nicht diejenige Vorsicht walten
lassen, die von ihr habe erwartet werden können (act. G 1.1.2).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von MLaw Véronique
Dumoulin in Vertretung der Versicherten erhobene Beschwerde vom 18. November
2010. Sie beantragte unter Kosten- und Entschädigungsfolge die Aufhebung des
Entscheids und die Gewährung einer jährlichen EL von mindestens Fr. 19'770.-. Die
Schenkungen im Umfang von Fr. 158'800.- an die Söhne stammten aus den Jahren vor
1996 (vor dem Tod des Ehemanns der Beschwerdeführerin) und seien bereits vom
Ehemann übertragen worden und nicht von der Beschwerdeführerin selbst. Zudem
seien die Beträge aus Unkenntnis als Darlehen und nicht als Schenkungen versteuert
worden, obwohl sich die Parteien spätestens seit 1996 einig gewesen seien, dass das
Geld nicht zurückbezahlt werden müsse. Bereits nach dem Tod des Ehemanns 1996
sei anlässlich einer Besprechung betreffend Erbteilung beschlossen worden, auf die
(gemeint wohl: Rückzahlung der) Darlehen an die beiden Söhne zu verzichten und
diese folglich in Schenkungen umzuwandeln. In den schriftlichen Bestätigungen der
Söhne vom 16. Mai 2010, die Beträge erhalten zu haben, sei aus Unkenntnis von
Darlehen die Rede und nicht, weil damit die rechtlichen Wirkungen eines Darlehens
hätten erzielt werden wollen. Die Verminderung des Vermögensverzichts um
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Fr. 10'000.- jährlich gemäss Art. 17a ELV habe bereits 1996 einzusetzen, sodass 2010
lediglich noch höchstens Fr. 18'800.- (Fr. 158'800.- minus [14 x Fr. 10'000.-])
angerechnet werden dürften. Betreffend das durch Betrug verlorene Vermögen von
Fr. 95'000.- sei beachtlich, dass die Beschwerdeführerin nicht aus freien Stücken
gehandelt habe, sondern richtiggehend vom Anrufer unter Druck gesetzt worden sei,
ihm bzw. seinem Mittelsmann das Geld zu übergeben. Dabei könne nicht von
grobfahrlässigem Handeln der Beschwerdeführerin ausgegangen werden, sei sie doch
wohl in Anbetracht ihres schon sehr hohen Alters und der gezielten Manipulation und
unter Drucksetzung durch die Täter in ihrer freien Willensbildung massiv eingeschränkt
gewesen. Für die Qualifizierung einer pflichtwidrigen Unvorsichtigkeit seien die
persönlichen Verhältnisse zu berücksichtigen. Zudem hätten die Täter den Umstand,
dass die Beschwerdeführerin eine sehr grosse Familie mit vielen Kindern und Enkeln
habe, und es im familiären Umfeld tatsächlich einen B._ gebe, der Hochdeutsch
spreche, massgeblich ausgenützt (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. November 2010 die Abweisung der
Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen im angefochtenen
Einspracheentscheid (act. G 3).

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG;
SR 831.30) ist Personen mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz,
die eine Altersrente der AHV beziehen, ein Anspruch auf EL einzuräumen, wenn die von
diesem Gesetz anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen. Die
anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen, worin in bestimmtem
Umfang auch das Vermögen einbezogen ist, werden nach den Art. 10 und 11 ELG und
Art. 11 bis Art. 18 der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) festgelegten
Bestimmungen ermittelt. Als Einkommen anzurechnen sind unter anderem Einkünfte
und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG). Eine
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Verzichtshandlung liegt etwa vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche
Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung auf Vermögen verzichtet hat oder
wenn sie einen Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte und Vermögenswerte hat,
davon aber faktisch nicht Gebrauch macht bzw. ihre Rechte nicht durchsetzt (BGE 121
V 205 neues Fenster E. 4a, 131 V 330). Klassische Beispiele für Verzichtshandlungen
sind etwa Schenkungen, Zuwendungen oder gewährte Erbvorbezüge (Erwin Carigiet/
Uwe Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2. Aufl., 2009, S. 175). Anrechnung und
Amortisation von Verzichtsvermögen sind in Art. 17a ELV geregelt. Nach dieser
Bestimmung vermindert sich der anzurechnende Betrag von Vermögenswerten, auf die
verzichtet wurde, grundsätzlich jährlich um Fr. 10'000.- ("10'000 Franken-Regel").
1.2 Zu prüfen ist vorliegend einerseits, ob die Vermögenshingaben an die Söhne
Schenkungen oder Darlehen darstellen. Sollte von Schenkungen auszugehen sein,
wäre der Zeitpunkt der Gewährung zu überprüfen. Andererseits ist zu beurteilen, ob
das durch Betrug verlorene Vermögen von Fr. 95'000.- als Verzicht anzurechnen ist. Je
nach Ergebnis dieser Abklärungen könnte auch eine Veränderung in der
Einnahmenposition der Vermögenszinsen auftreten (vgl. Rz. 2091.1 der vom
Bundesamt für Sozialversicherungen herausgegebenen Wegleitung über die EL zur
AHV und IV [WEL; Stand 1. Januar 2010]). Die übrigen Positionen der EL-Berechnung
(EL-act. 8-2) sind unbestritten und nicht zu beanstanden.
2.
2.1 Bei den Akten befinden sich Darlehensverträge zwischen dem verstorbenen
Ehemann der Beschwerdeführerin und dem Sohn D._ vom 30. Januar 1987 über
Fr. 30'000.- und vom 20. Juli 1993 über Fr. 5'300.- (EL-act. 18-12, 18-13). D._
anerkannte am 16. Mai 2010 unterschriftlich, Darlehen über insgesamt Fr. 35'300.- von
seinen Eltern erhalten zu haben (EL-act. 18-11/13). Mit dem Sohn E._ schloss der
Ehemann der Beschwerdeführerin am 1. Januar 1988 einen Darlehensvertrag über
Fr. 50'000.- und am 20. Mai 1989 einen solchen über Fr. 5'000.- ab. Vom
letztgenannten Datum besteht ein weiterer Darlehensvertrag zwischen der
Beschwerdeführerin und E._ über Fr. 10'000.- (EL-act. 18-6/13, 18-7/13, 18-8/13). In
allen Verträgen wurde festgehalten, es stehe dem Darlehensnehmer frei, das Darlehen
in Raten zurückzubezahlen. Der Restanspruch der Darlehen werde mit dem
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dannzumalen Erbanspruch verrechnet. Des Weiteren ist eine Erklärung vom 18. April
1995 aktenkundig, gemäss welcher ein Verwandter eine Forderung von Fr. 15'500.-
gegenüber E._ per 30. April 1995 an den Ehemann der Beschwerdeführerin abtrat
(EL-act. 18-4/13). Einschliesslich weiterer Darlehen vom Januar 1992 und vom
10. Oktober 1996 hatte E._ einen Betrag von insgesamt Fr. 111'246.60 von seinen
Eltern erhalten, was er am 16. Mai 2010 unterschriftlich bestätigte. Zusätzlich seien per
6. Oktober 1996 Zinsen über Fr. 12'253.40 aufgelaufen (EL-act. 18-3/13).
2.2 Unbestritten ist, dass den beiden Söhnen D._und E._ bis zum Zeitpunkt des
Todes des Ehemanns der Beschwerdeführerin im November 1996 (act. G 1.1.10)
Darlehen über insgesamt Fr. 146'546.60 (Fr. 35'300.- + Fr. 111'246.60) gewährt worden
waren. Bei den meisten dieser Darlehen war ein Jahreszins von 4% vereinbart worden.
Ob, allenfalls wann und in welchem Ausmass diese Zinsen bezahlt wurden, lässt sich
den Akten nicht entnehmen, sodass unklar ist, auf welchen Betrag sich die gesamte
Forderung beim Tod des Ehemanns der Beschwerdeführerin belief. Eindeutig ist, dass
das Geld jeweils nicht schenkungsweise übergeben wurde, sondern der Rückzahlung
bzw. in erbrechtlicher Hinsicht der Ausgleichung unterliegen sollte.
2.3 Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin macht in der Beschwerde geltend,
nach dem Tod des Ehemanns im Jahr 1996 sei anlässlich einer Besprechung
betreffend Erbteilung beschlossen worden, auf die Darlehen an die beiden Brüder zu
verzichten und (diese) folglich in eine Schenkung umzuwandeln. Auch in der
schriftlichen Bestätigung vom 16. Mai 2010 sei aus Unkenntnis von einem Darlehen die
Rede und nicht, weil damit die rechtlichen Wirkungen eines Darlehens hätten erzielt
werden wollen.
2.4 Dass die Darlehen bereits im Zeitpunkt des Todes des Ehemanns der
Beschwerdeführerin 1996 effektiv in Schenkungen an zwei der Söhne umgewandelt
wurden, ist weder belegt noch plausibel. Eine solche Vereinbarung hätte nicht nur die
Beschwerdeführerin und die beiden Söhne, die die Darlehen erhalten haben, sondern
auch die übrigen sechs Kinder der Beschwerdeführerin betroffen. Deren gesetzliche
Erbteile wären durch solche Schenkungen nämlich gegebenenfalls geschmälert
worden bzw. sie hätten sich damit einverstanden erklären müssen, dass der
Schulderlass nicht zur Ausgleichung gebracht werde (vgl. Art. 626 ZGB). Derartiges
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belegt die juristisch vertretene Beschwerdeführerin nicht. Einen Erbteilakt oder eine
sonstige Vereinbarung, aus der entsprechendes zu entnehmen wäre, lässt sie nicht
einreichen. Vielmehr hat sie die Darlehen offenbar bis und mit dem Jahr 2008 effektiv
als gewährte Darlehen versteuert (vgl. EL-act. 18-1/13 samt dort aufgedruckter Notiz
der Beschwerdegegnerin vom 10. Juni 2010). Ein einem dritten Sohn (F._) gewährtes
Darlehen über Fr. 35'000.- wurde von diesem gemäss Angaben der Tochter der
Beschwerdeführerin im Jahr 2009 zurückbezahlt (EL-act. 18-1/13). Wären die Darlehen
an die anderen beiden Söhne bereits 1996 in Schenkungen umgewandelt worden, wie
die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin behauptet, wären sie überdies
steuerpflichtig gewesen – die Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuer für
direkte Nachkommen wurde im Kanton St. Gallen erst in der Volksabstimmung vom
8. Juni 1997 gutgeheissen (Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st.
gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 360). Zudem hätten D._ und E._ am 16. Mai
2010 wohl kaum bestätigt, Darlehen von den Eltern erhalten zu haben, ohne auf den
Schulderlass durch die behaupteten Schenkungen im Jahr 1996 hinzuweisen. Es kann
ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass der Unterschied zwischen Schenkung
und Darlehen auch einem juristischen Laien bekannt ist. Für die beiden Söhne war die
Frage, ob nun eine Schuld gegenüber der Mutter bestehe, zudem während all der
Jahre auch steuerlich relevant. Es ist folglich davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin effektiv erst im Jahr 2009 auf die Rückzahlung der Darlehen
verzichtete und dadurch Schenkungen vornahm. Dies steht denn auch im Einklang mit
der langjährigen Steuerdeklaration der Beschwerdeführerin.
2.5 Die Beschwerdegegnerin hat nicht erhoben, in welchem Betrag die Zinsen
aufliefen, die bei fast allen Darlehen bei Gewährung vereinbart wurden. Sollte die
Beschwerdeführerin auf diese Zinszahlungen verzichtet haben, wären die im Jahr 2009
erfolgten Schulderlasse bzw. Schenkungen – und damit der anrechenbare
Vermögensverzicht – allenfalls betragsmässig entsprechend höher. Auf weitere
Abklärungen dazu kann jedoch verzichtet werden, wie sich nachfolgend ergibt.
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin hat den Betrag von Fr. 95'000.-, um den die
Beschwerdeführerin durch betrügerische Handlungen gebracht wurde, als
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Vermögensverzicht angerechnet mit der Begründung, die Beschwerdeführerin habe
nicht diejenige Sorgfalt walten lassen, die von ihr habe erwartet werden können. Zum
einen sei sie sich über die Identität des angeblichen Enkels nicht im Klaren gewesen
und hätte sich angesichts des auf dem Spiel stehenden Geldbetrags Klarheit
verschaffen müssen. Zum anderen hätte die Beschwerdeführerin misstrauisch werden
müssen, weil es nicht einleuchte, weshalb eine Person für einen Wohnungskauf von
einer Privatperson einen grösseren Geldbetrag benötigen sollte. Es sei allgemein
bekannt, dass solche Geschäfte über Banken abgewickelt würden und allfällige
Eigenmittel vom Käufer selbst beigebracht werden müssten. Die Beschwerdeführerin
habe in grobfahrlässiger Weise zwei ihr unbekannten Personen einen erheblichen
Geldbetrag gegeben, ohne sich entsprechend abzusichern. Es sei nicht Sache der EL,
ein solches Verhalten mit Leistungen zu alimentieren.
3.2 Die Beschwerdeführerin hatte gegenüber der Kriminalpolizei zu Protokoll
gegeben, sie sei sich sicher gewesen, am Telefon die Stimme ihres Bekannten B._
(der Vater der Frau eines ihrer Enkel; vgl. act. G 1.1.10) zu erkennen. Offenbar sollte sie
ihm kurzfristig Geld ausleihen, weil er angeblich in H._ eine Wohnung kaufen und
gewinnbringend gleich wieder verkaufen wollte. Die ersten Telefonate hatten am
Mittwoch, 15. Juli 2009, stattgefunden. Der Täter sicherte der Beschwerdeführerin
offenbar zu, ihr das Geld bis zum kommenden Montag wieder auf ihr Bankkonto zu
überweisen. Offensichtlich war die Beschwerdeführerin also nicht gewillt, dem
vermeintlichen Bekannten Geld zu verschenken. Von einer freiwilligen
Vermögenshingabe ist also nicht auszugehen.
3.3 Ein Vermögensverzicht ist etwa dann gegeben, wenn Vermögenswerte entäussert
werden, ohne dass eine adäquate Gegenleistung vereinbart wurde. Dies ist vorliegend
nicht der Fall: Die Beschwerdeführerin gab das Geld hin im Glauben, es nur wenige
Tage später vollständig zurückzuerhalten; die vereinbarte (schliesslich allerdings
ausgebliebene) Gegenleistung war folglich gleichwertig.
3.4 Grundsätzlich wird die Gewährung eines Darlehens an einen Dritten dann als
Vermögensverzicht gewertet, wenn von Anfang an konkrete Anhaltspunkte vorliegen,
dass die Rückzahlung gefährdet ist. Dies kann etwa dann der Fall sein, wenn der
Darlehensnehmer ein früheres Darlehen schon nicht zurückbezahlt hat (Carigiet/Koch,
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a.a.O., S. 175). Nach der neueren Rechtsprechung entscheidet über den
Verzichtscharakter einer Vermögensverminderung im Rahmen einer Vermögensanlage
nicht in erster Linie das Fehlen einer Rechtspflicht und einer adäquaten Gegenleistung,
sondern das Ausmass des Risikos, welches im Zeitpunkt der Investition eingegangen
wird (Urteil P 55/05 des Eidg. Versicherungsgerichts [seit 2007: Bundesgericht,
sozialrechtliche Abteilungen] vom 26. Januar 2007, E. 3.2). Das Bundesgericht hielt in
neueren Urteilen allerdings fest, dass eine auf strafbare Handlungen (z.B. Betrug)
zurückzuführende Vermögensverminderung nicht als Vermögensverzicht qualifiziert
werden könne. Der auf einen Betrug zurückzuführenden Vermögensverminderung sei
eben gerade eigen, dass sich das Opfer der strafbaren Handlung des Ausmasses des
Risikos der getätigten Investition nicht bewusst sei bzw. darüber arglistig getäuscht
werde (vgl. Art. 146 StGB). Es sei somit für die Abklärung eines allfälligen
Vermögensverzichts von ausschlaggebender Bedeutung, ob die
Vermögensverminderung durch eine strafbare Handlung bewirkt worden sei.
Entsprechend hat das Bundesgericht auch der Einleitung und Durchführung eines
Strafverfahrens Relevanz eingeräumt (Urteil 8C_567/2007 vom 2. Juli 2008, E. 6.5; vgl.
auch 9C_180/2010 vom 15. Juni 2010, E. 5.2).
3.5 Im vorliegenden Fall dürfte der Betrugsversuch grundsätzlich wohl erkennbar
gewesen sein. Freilich wäre eine erhöhte Sorgfalt der Beschwerdeführerin, etwa durch
einen Anruf beim echten B._, wünschbar gewesen. Allerdings sagte die
Beschwerdeführerin gegenüber der Polizei aus, sie habe keine Zweifel an der Identität
des Anrufers gehabt. Er habe wie B._ eine etwas raue Stimme gehabt und
Hochdeutsch gesprochen. Zu beachten ist im Weiteren, dass die Beschwerdeführerin
im Zeitpunkt des Betrugs über 92 Jahre alt war. Notorischerweise sind gerade ältere
Menschen häufig leichte Opfer für derartige Trickbetrüger. Der mit der
Strafuntersuchung betraute Polizist hielt in seinem Bericht fest, dass mit dem gleichen
Vorgehen schon zahlreiche Betrugstatbestände erfüllt und mehrere Versuche dazu
verübt worden seien. In der Wohnregion der Beschwerdeführerin seien im Jahr 2009
diesbezüglich mehrere Meldungen an die Polizei gegangen. Besonders viele
Meldungen seien am 5. Mai 2009 bei der Polizeistation I._ eingegangen. Mehrfach
habe die Täterschaft gegenüber den Geschädigten davon gesprochen, Geld für den
Erwerb einer Wohnung zu benötigen. Es sei deswegen gut möglich, dass es sich bei
einigen Tatbeständen um die gleiche Täterschaft und somit auch um eine gewerblich
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agierende Betrügerbande handle (act. G 1.1.8. S. 9). Auch aus den Medien ist bekannt,
dass der sog. Enkeltrick oder Enkelbetrug ein verbreitetes Problem ist, mit dem viele
insbesondere ältere Menschen um grosse Geldsummen gebracht werden. Seitens der
Polizei wurden auch schon Präventionskampagnen durchgeführt, damit die meist
raffinierten Täter nicht mehr so leicht zum Ziel gelangen (vgl. etwa www.nzz.ch/zuerich/
rhetorisch_ raffinierte_verfuehrer_1.3290984.html; www.tagesanzeiger.ch/zuerich/
stadt/Rentnerin-verliert- neues Fensterihr-ganzes-Vermoegen/story/14316668). Unter
Berücksichtigung der gesamten Umstände erscheint es im vorliegenden Fall nicht
angezeigt, das durch den Betrug verlorene Vermögen von Fr. 95'000.- in der EL-
Berechnung der Beschwerdeführerin unter dem Titel Vermögensverzicht anzurechnen
(vgl. auch Carigiet/Koch, die den Enkeltrick von den Vermögensverzichtstatbeständen
ausnehmen, a.a.O., S. 175, Fn. 541).
4.
4.1 Das anrechenbare Vermögen ist gemäss den vorstehenden Erwägungen um
Fr. 95'000.- zu reduzieren. Dennoch ergibt sich in der EL-Berechnung ein
Einnahmenüberschuss – dies auch ohne Berücksichtigung eines allfälligen durch den
Verzicht auf Darlehenszinsguthaben erhöhten Schenkungsbetrags. Die
Beschwerdegegnerin hat einen EL-Anspruch der Beschwerdeführerin ab 1. März 2010
folglich zu Recht verneint. Der angefochtene Einspracheentscheid ist demnach im
Ergebnis nicht zu beanstanden.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP