Decision ID: 2bcb194d-d2a2-4332-9085-565fb5ce8397
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit dem Schreiben vom 13. März 2019 (ergänzt am 27. Juni 2019, 4. Juli
2019 bzw. am 15. Juli 2019) ersuchte das Zollfahndungsamt Berlin-Bran-
denburg, Dienstsitz (Ort) (nachfolgend: ZFA Berlin), die Eidgenössische
Zollverwaltung (nachfolgend: EZV; seit 1. Januar 2022: Bundesamt für Zoll
und Grenzsicherheit; BAZG), insbesondere gestützt auf einen Beschluss
des Amtsgerichts Potsdam vom 8. Februar 2019 bzw. vom 19. Juni 2019
bzw. vom 8. Juli 2019 um Amtshilfe im Rahmen eines Verfahrens der ge-
werbs- und bandenmässigen Steuerhinterziehung in besonders schwerem
Fall. Im Ersuchen wird ausgeführt, dass gegen die G._ GmbH
(nachfolgend: G GmbH) mit Sitz in (Ort) (Deutschland), bei welcher
A._ (nachfolgend: beschuldigte Person) umfangreiche Handelsbe-
fugnisse innehabe, ermittelt werde. Das Ermittlungsverfahren sei eingelei-
tet worden, weil diverse Unregelmässigkeiten und grosse Mengen unver-
steuerter Zigaretten aufgefunden worden seien. Die Rechnungslegung und
der Zahlungsverkehr sei in vielen Fällen über die von der beschuldigten
Person betriebenen Briefkastenfirmen E. _ und S. _ mit Sitz
in (Ort) sowie die T. _ abgewickelt worden.
Das ZFA Berlin ersuchte basierend auf den oben genannten Beschlüssen
des Amtsgerichts Potsdam im Wesentlichen um folgende Massnahmen:
- Durchsuchung der Wohn- und Geschäftsräume sowie aller anderen
Räume der beschuldigten Person (einschliessIich der regelmässig be-
nutzten Fahrzeuge und der Person),
- Beschlagnahmung von unversteuerten Zigaretten und Tabakwaren,
Mobiletelefone, die der Planung und Durchführung von illegalen Ziga-
rettengeschäften gedient haben, Geldbeträge die aus diesen Geschäf-
ten resultieren,
- Sicherstellung von fallrelevanten Unterlagen (auch elektronische Da-
ten), insbesondere: Rechnungen, Bankbelege, Liefer- und Beförde-
rungsdokumente über den Verkauf von Zigaretten der G GmbH im Zu-
sammenhang mit den im Ersuchen erwähnten Gesellschaften ab dem
Jahr 2015,
- Belege und Unterlagen zu Lieferungen der G GmbH, welche über die
beschuldigte Person in anderen Ländern als die Schweiz abgewickelt
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wurden, insbesondere zu namentlich im Ersuchen genannten weiteren
Gesellschaften,
- Erhebung jeglicher Kommunikationsunterlagen schriftlicher und elekt-
ronischer Art zu den vorgängig genannten Geschäftsvorfällen, insbe-
sondere mit den im Ersuchen namentlich genannten Personen,
- Unterlagen zu Finanztransaktionen der beschuldigten Person im Zu-
sammenhang mit den obgenannten Geschäftsvorfällen,
- Einvernahme der beschuldigten Person im Anschluss der Durchsu-
chung,
- Teilnahme von Vertretern des ZFA Berlin bei den Vollzugsmassnahmen
in der Schweiz,
- Übermittlung der Unterlagen an die ersuchende Behörde.
B.
Mit der Zwischenverfügung vom 12. April 2019 prüfte die EZV das Amtshil-
feersuchen und stellte fest, dass die inhaltlichen und formellen von Art. 18
des Abkommens vom 26. Oktober 2004 über die Zusammenarbeit zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europä-
ischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits zur Bekämp-
fung von Betrug und sonstigen rechtswidrigen Handlungen, die ihre finan-
ziellen Interessen beeinträchtigen (Betrugsbekämpfungsabkommen,
[BBA, SR 0.351.926.81]), erfüllt sind. Die EZV bewilligte die im Ersuchen
verlangten Massnahmen unter anderem basierend auf Art. 15 BBA sowie
Art. 115 ff. des Zollgesetzes vom 18. März 2005 (ZG, SR 631.0) und be-
auftragte die Sektion Zollfahndung Basel (nachfolgend: ZFA Basel) mit
dem Vollzug der ersuchten Massnahmen.
C.
Am 14. August 2019 erfolgte an der Wohnadresse der beschuldigten Per-
son eine Hausdurchsuchung, bei welcher verschiedene Unterlagen und
IT-Geräte sichergestellt wurden. Der dazugehörige Untersuchungsbericht
sowie das Einvernahmeprotokoll datieren ebenfalls vom 14. August 2019.
D.
Am 14. August 2019 erhob die beschuldigte Person sodann Einsprache
gegen die Durchsuchung der sichergestellten Unterlagen und verlangte die
Versiegelung.
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E.
Mit den Sicherstellungsbeschlüssen und den Sicherstellungsverzeichnis-
sen vom 14. August 2019 bzw. vom 19. August 2019 erfolgte die Siegelung
der sichergestellten Unterlagen.
F.
Bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts wurde mit dem
Schreiben der EZV vom 3. September 2019 das Gesuch auf Entsiegelung
beantragt.
G.
Mit dem Entscheid RR.2019.220 vom 25. Mai 2020 hiess das Bundesstraf-
gericht die Entsiegelung gut und ermächtigte, die am 14. August 2019 bzw.
19. August 2019 sichergestellten Unterlagen sowie Daten zu entsiegeln
und zu durchsuchen.
H.
Am 14. September 2020 wurde in Anwesenheit der beschuldigten Person
und seines Rechtsvertreters die Entsiegelung der im Verfahren sicherge-
stellten Unterlagen und Daten vorgenommen sowie diese gesichtet und
ausgewertet. Einige nicht verfahrensrelevante Unterlagen wurden ausge-
schieden und der beschuldigten Person vor Ort ausgehändigt.
I.
Am 18. September 2020 wurden die Datenträger an die beschuldigte Per-
son übergeben sowie die Beschlagnahmeprotokolle unterzeichnet.
J.
Am 20. Mai 2021 eröffnete die EZV (nachfolgend auch: Vorinstanz) der
beschuldigten Person (nachfolgend auch: betroffene Person) die Schluss-
verfügung, in der die Amtshilfeleistung begründet und der Umfang der zu
übermittelnden Informationen, Unterlagen, Gegenstände oder Vermögens-
werte bestimmt wurden (Art. 115h ZG). Zusammenfassend kam die Vo-
rinstanz zum Schluss, dass die Voraussetzungen für die Gewährung der
Amtshilfe erfüllt sind und dementsprechend dem Amtshilfeersuchen ent-
sprochen wird.
K.
Mit der Eingabe vom 30. Juni 2021 erhob die betroffene Person (nachfol-
gend auch: Beschwerdeführer) Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt. Sie beantragt die Aufhebung der Schlussverfügung und die Abwei-
sung des Amtshilfeersuchens vom 13. März 2019. Eventualiter beantragt
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sie die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz unter der Auflage der
vollständigen und uneingeschränkten Akteneinsicht. Die Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen seien zu Lasten der Vorinstanz zu sprechen. Zur Be-
gründung macht der Beschwerdeführer insbesondere geltend, sämtliche
Daten, welche nun mittels Amtshilfe an die deutschen Behörden überge-
ben werden sollten, seien in rechtswidriger Weise und ohne gesetzliche
Grundlage erlangt worden, indem eine im Amtshilfeverfahren weder vorge-
sehene noch zulässige Verhaftung des Beschwerdeführers vorgenommen
worden sei. Im Weiteren sei die von der Vorinstanz beim Bundesamt für
Polizei (nachfolgend: fedpol) in Auftrag gegebene Entsperrung der Daten-
träger rechtswidrig gewesen. Im Übrigen sei ihm keine vollumfängliche Ak-
teneinsicht gewährt worden.
L.
Mit der Vernehmlassung vom 9. September 2021 beantragt die Vorinstanz
die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
M.
Mit der Eingabe vom 24. September 2021 nimmt der Beschwerdeführer
Stellung und ersucht insbesondere um Akteneinsicht und um Edition von
Unterlagen.
N.
Am 6. Oktober 2021 heisst das Bundesverwaltungsgericht das Aktenein-
sichtsgesuch des Beschwerdeführers gut.
O.
Mit der Verfügung vom 8. Dezember 2021 stellt das Bundesverwaltungs-
gericht dem Beschwerdeführer ein Doppel der eingereichten Stellung-
nahme der Vorinstanz vom 30. November 2021 mit zusätzlichen Unterla-
gen zu.
P.
Mit den Eingaben vom 4. Januar 2022 und vom 31. Januar 2022 sowie
vom 14. März 2022 hält der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest.
Auf die einzelnen Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Un-
terlagen wird – soweit entscheidwesentlich – im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden
gegen Schlussverfügungen des BAZG betreffend Vornahme von Ermittlun-
gen gestützt auf Art. 15 BBA zuständig (Art. 31 f. und Art. 33 Bst. d des
Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsgericht vom 17. Juni 2005
[VGG, SR 173.32] i.V.m. Art. 115i Abs. 3 ZG; vgl. Urteile des BVGer A-
2898/2019 vom 12. August 2020 E. 1, A-7596/2016 vom 23. Februar 2018
E. 1, A-1531/2015 vom 26. Juni 2015 E. 1.4 ff., A-1735/2011 vom 21. De-
zember 2011 E. 1.1). Das Verfahren richtet sich nach den Vorschriften des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968
(VwVG, SR 172.021), soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist zur Erhebung der vorliegenden Beschwerde
berechtigt (Art. 115i Abs. 3 ZG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG), hat diese frist-
und formgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) und
den verlangten Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet (vgl. Art. 21 Abs. 3
VwVG).
Auf die vorliegende Beschwerde ist demnach einzutreten.
2.
2.1 Grundlage der hier angefochtenen Schlussverfügung vom 20. Mai
2021 bildet das Amtshilfeersuchen des ZFA Berlin vom 13. März 2019, wel-
ches sich auf Art. 15 BBA stützt.
2.2 Die Schweiz als ersuchte Vertragspartei und Deutschland als ersu-
chende Vertragspartei haben das BBA am 23. Oktober 2008 bzw. 29. Sep-
tember 2008 ratifiziert und am 8. Januar bzw. 9. Januar 2009 die gegen-
seitige Anwendbarkeit nach Art. 44 Ziff. 3 BBA notifiziert. Folglich findet das
BBA zwischen diesen beiden Staaten seit dem 9. April 2009 Anwendung
(vgl. Art. 44 Ziff. 3 Satz 2 BBA; Urteile des BVGer A-2898/2019 vom 12. Au-
gust 2020 E. 2.2, A-6205/2018 vom 23. September 2019 E. 2.2.1).
2.3 Beim BBA handelt es sich um einen völkerrechtlichen Vertrag im Sinn
von Art. 2 Abs. 1 Bst. a des Wiener Übereinkommens vom 23. Mai 1969
über das Recht der Verträge (VRK, SR 0.111; in Kraft getreten für die
Schweiz am 6. Juni 1990), welcher vorliegend direkt zur Anwendung ge-
langt (ohne Transformation ins Landesrecht; Urteile des BVGer
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A-2898/2019 vom 12. August 2020 E. 2.3, A-6205/2018 vom 23. Septem-
ber 2019 E. 2.2.2, A-1531/2015 vom 26. Juni 2015 E. 1.3).
2.4 Die Behörden der Vertragsparteien wenden die Bestimmungen der
Amtshilfe im Rahmen der Zuständigkeiten an, die ihnen auf der Grundlage
ihres internen Rechts übertragen worden sind (vgl. betr. Zuständigkeiten
Art. 9 BBA). Jede Vertragspartei benennt die zentrale Dienststelle, welche
für die Bearbeitung der Amtshilfeersuchen zuständig ist (vgl. Art. 11 BBA;
siehe hierzu die Urteile des BVGer A-2898/2019 vom 12. August 2020
E. 2.4, A-1531/2015 vom 26. Juni 2015 E. 3.1.2.2; ANNA SKVARC, Bekämp-
fung von strafbaren Verhaltensweisen nach dem Betrugsbekämpfungsab-
kommen zwischen der Schweiz und der EU, 2010, S. 178 ff.).
2.5 Der räumliche Geltungsbereich des BBA umfasst das Gebiet der
Schweizerischen Eidgenossenschaft und die Gebiete, in denen der Vertrag
zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft angewandt wird (Art. 43
BBA; Urteil des BVGer A-2898/2019 vom 12. August 2020 E. 2.5).
2.6 Der zeitliche Geltungsbereich des BBA ist in Art. 46 BBA geregelt. Da-
nach gilt das BBA nur für Ersuchen, die Straftaten betreffen, die mindes-
tens sechs Monate nach der am 26. Oktober 2004 erfolgten Unterzeich-
nung des BBA, d.h. ab dem 26. April 2005, begangen wurden (Urteile des
BVGer A-2898/2019 vom 12. August 2020 E. 2.6 und A-1531/2015 vom
26. Juni 2015 E. 3.1.7; SKVARC, a.a.O., S. 15).
2.7 Der sachliche Anwendungsbereich des BBA umfasst nach Art. 2 Ziff. 1
Bst. b BBA die Beschlagnahme und Einziehung geschuldeter oder zu Un-
recht vereinnahmter Beträge, die sich aus den in Art. 2 Ziff. 1 Bst. a BBA
genannten rechtswidrigen Handlungen ergeben (Urteil des BVGer
A-2825/2019 vom 12. August 2020 E. 2.7). Als rechtswidrige Handlungen
gelten nach Art. 2 Ziff. 1 Bst. a BBA die verwaltungs- und strafrechtliche
Verhinderung, Aufdeckung, Untersuchung, Verfolgung und Ahndung von
Betrug und sonstigen rechtswidrigen Handlungen, welche die finanziellen
Interessen der Vertragsparteien beeinträchtigen, unter anderem in Bezug
auf den Waren- und Dienstleistungsverkehr, der gegen steuerrechtliche
Vorschriften auf dem Gebiet der Mehrwertsteuer, der besonderen Ver-
brauchssteuern und der Verbrauchssteuern verstösst (Art. 2 Ziff. 1 Bst. a
Lemma 2 BBA, worunter auch die Tabaksteuer fällt; Botschaft vom 1. Ok-
tober 2004 zur Genehmigung der bilateralen Abkommen zwischen der
Schweiz und der Europäischen Union, einschliesslich der Erlasse zur Um-
setzung der Abkommen, Bilaterale II, Bundesblatt [BBl] 2004 5965 ff.,
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6002; Urteile des BVGer A-2825/2019 vom 12. August 2020 E. 2.7 sowie
auch A-6205/2018 vom 23. September 2019 E. 2.3.1, A-1735/2011 vom
21. Dezember 2011 E. 1.1.2). Der Begriff «Betrug und sonstige rechtswid-
rige Handlungen» gemäss BBA wird weit ausgelegt und umfasst grund-
sätzlich die Gefährdung bzw. Schädigung öffentlicher Haushalte durch fis-
kalisch oder strafrechtliche Handlungen (vgl. Urteil des BVGer
A-6205/2018 vom 23. September 2019 E. 2.3.1 sowie betreffend eine Um-
satzsteuerhinterziehung: Urteil des BVGer A-7596/2016 vom 23. Februar
2018 E. 2.3.1 und E. 3.1.1, teilweise publiziert in BVGE 2018 III/1; SKVARC,
a.a.O., S. 31 ff., insb. S. 56 ff. und S. 83 ff. mit weiteren Literaturhinweisen;
HERMAN KÄSTLI, Betrugsbekämpfung im Rahmen der bilateralen Abkom-
men II mit der EU, ASA 74 S. 177-199, insb. S. 182 f.). Die direkten Steuern
sind vom Anwendungsbereich des BBA ausgeschlossen (Art. 2 Ziff. 4
BBA).
2.8 Gemäss Art. 4 BBA kann die ersuchte Vertragspartei die Zusammenar-
beit ablehnen, wenn die Erledigung des Ersuchens nach Auffassung der
ersuchten Vertragspartei geeignet ist, die Souveränität, die Sicherheit, die
öffentliche Ordnung oder andere wesentliche Interessen der ersuchten
Vertragspartei zu beeinträchtigen (Urteil des BVGer A-2898/2019 vom
12. August 2020 E. 2.8).
2.9 Art. 10 BBA sieht sodann unter dem Titel «Verhältnismässigkeit» vor,
dass die ersuchte Behörde ein Amtshilfeersuchen ablehnen darf, wenn der
Verhältnismässigkeitsgrundsatz verletzt wird (vgl. Urteile des BVGer
A-2898/2019 vom 12. August 2020 E. 2.9, A-1531/2015 vom 26. Juni 2015
E. 3.1.5, A-1735/2011 vom 21. Dezember 2011 E. 3.1; SKVARC, a.a.O.,
S. 180). Namentlich hält Art. 10 Bst. b BBA fest, dass die Behörde der er-
suchten Vertragspartei ein Ersuchen um Zusammenarbeit ablehnen kann,
wenn sich eindeutig ergibt, dass die Behörde der ersuchenden Vertrags-
partei die üblichen Informationsquellen nicht ausgeschöpft hat, die sie un-
ter den gegebenen Umständen zur Erlangung der erbetenen Informationen
hätte nutzen können, ohne die Erreichung des angestrebten Ergebnisses
zu gefährden.
Art. 4 und 10 BBA stellen sog. «Kann-Bestimmungen» dar. Die ersuchte
Vertragspartei verfügt im Anwendungsbereich dieser Bestimmungen daher
über Ermessen (Urteile des BVGer A-2825/2019 vom 12. August 2020
E. 2.9 und A-1531/2015 vom 26. Juni 2015 E. 3.1.5).
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Amtshilfeersuchen sind schriftlich zu stellen und die zu ihrer Erledigung
erforderlichen Unterlagen sind beizufügen. In dringenden Fällen sind
mündliche Ersuchen zulässig, die jedoch so bald wie möglich schriftlich zu
bestätigen sind (Art. 18 Ziff. 1 BBA). In Art. 18 Ziff. 2 BBA sind die Angaben
aufgeführt, die ein Amtshilfeersuchen nach dem BBA im Allgemeinen ent-
halten muss, nämlich die ersuchende Behörde (Bst. a); die Massnahme,
um die ersucht wird (Bst. b); den Gegenstand und Grund des Ersuchens
(Bst. c); die betroffenen Rechts- und Verwaltungsvorschriften und sonsti-
gen rechtlichen Elemente (Bst. d); möglichst genaue und umfassende An-
gaben zu den natürlichen oder juristischen Personen, gegen die sich die
Ermittlungen richten (Bst. e) sowie eine Zusammenfassung des Sachver-
halts und der bereits durchgeführten Massnahmen, ausser in Fällen von
Art. 14 BBA (Bst. f). Das Ersuchen sollte klar und logisch aufgebaut sein.
Zudem muss die Sachverhaltsdarstellung von den verlangten Amtshilfe-
massnahmen abgegrenzt sein. Unrichtige oder unvollständige Ersuchen
können berichtigt oder ergänzt werden (Art. 18 Ziff. 4 BBA; zum Ganzen:
Urteile des BVGer A-2898/2019 vom 12. August 2020 E. 2.10, A-6205/2018
vom 23. September 2019 E. 2.4.1, A-7596/2016 vom 23. Februar 2018
E. 2.4.1, A-1531/2015 vom 26. Juni 2015 E. 3.1.6, A-249/2012 vom 2. April
2012 E. 3.6.2 und A-1735/2011 vom 21. Dezember 2011 E. 3.2; SKVARC,
a.a.O., S. 181 f.).
2.10 Nach Art. 15 BBA kann ein Amtshilfeersuchen auch ein Ermittlungser-
suchen umfassen (Urteil des BVGer A-7596/2016 vom 23. Februar 2018
E. 2.3.2). Art. 15 Ziff. 1 BBA erklärt, dass auf Ersuchen der ersuchenden
Vertragspartei von der ersuchten Vertragspartei zweckdienliche Ermittlun-
gen über Vorgänge oder Verhaltensweisen durchgeführt oder veranlasst
werden, die rechtswidrige Handlungen im Sinne dieses Abkommens dar-
stellen oder die bei der ersuchenden Behörde den begründeten Verdacht
erwecken, dass solche rechtswidrigen Handlungen begangen worden sind
(Urteil des BVGer A-7596/2016 vom 23. Februar 2018 E. 2.3.2). Die er-
suchte Vertragspartei nutzt alle Ermittlungsmittel, die ihr nach ihrer Rechts-
ordnung zur Verfügung stehen, als ob sie in Erfüllung eigener Aufgaben
oder auf Ersuchen einer anderen Behörde der eigenen Vertragspartei han-
deln würde, auch durch Einschaltung oder gegebenenfalls mit Genehmi-
gung der Justizbehörden (Art. 15 Ziff. 2 Satz 1 BBA). Der Begriff «Ermitt-
lungsmittel» umfasst dabei die Einvernahme von Personen, den Augen-
schein und die Durchsuchung von Räumen und Beförderungsmitteln, das
Kopieren von Unterlagen, das Ersuchen um Auskunft und die Beschlag-
nahme von Gegenständen, Unterlagen und Vermögenswerten (s. Urteile
des BVGer A-7596/2016 vom 23 Februar 2018 E. 2.3.2, A-249/2012 vom
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2. April 2012 E. 3.4.2; SKVARC, a.a.O., S. 191). Das Ergebnis der Ermittlun-
gen des Amtshilfeverfahrens ist der ersuchenden Vertragspartei mitzutei-
len, wobei Art. 12 Ziff. 2 BBA entsprechende Anwendung findet (Art. 15
Ziff. 2 Satz 3 BBA). Die Behörde der ersuchten Vertragspartei dehnt die
Amtshilfe auf alle Umstände, Gegenstände und Personen aus, die in einem
offensichtlichen Zusammenhang mit dem Gegenstand des Amtshilfeersu-
chens stehen, ohne dass ein ergänzendes Ersuchen erforderlich ist
(Art. 15 Ziff. 3 Satz 1 BBA).
2.11 Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung muss sich die voraussicht-
liche Erheblichkeit von geforderten Informationen bereits aus dem Amtshil-
feersuchen ergeben und hat die Steuerverwaltung des ersuchten Staates
nach der Edition der verlangten Unterlagen zu prüfen, ob die betreffenden
Informationen für die Erhebung der Steuer voraussichtlich erheblich sind.
Dem «voraussichtlich» kommt dabei nach dieser Rechtsprechung eine
doppelte Bedeutung zu, indem der ersuchende Staat die Erheblichkeit vo-
raussehen und deshalb im Amtshilfeersuchen geltend machen muss und
der ersuchte Staat nur solche Unterlagen übermitteln darf, welche voraus-
sichtlich erheblich sind (BGE 143 II 185 E. 3.3.2 und 141 II 436 E. 4.4.3;
DANIEL HOLENSTEIN, in: Zweifel/Beusch/Matteotti [Hrsg.], Internationales
Steuerecht, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 2015, Art. 26
OECD-MA N. 93 ff.). Würde nicht verlangt, dass sich die voraussichtliche
Erheblichkeit der verlangten Informationen bereits aus dem Amtshilfeersu-
chen ergibt, könnten Ersuchen aufs Geratewohl gestellt werden und die
ersuchte Behörde müsste die Informationen bzw. Unterlagen auch dann
zur Verfügung stellen, wenn sie erst nach deren Erhebung deren voraus-
sichtliche Erheblichkeit feststellen würde. Der ersuchte Staat darf sodann
mit Blick auf das Kriterium der voraussichtlichen Erheblichkeit nur Unterla-
gen von der Amtshilfe ausschliessen, deren Erheblichkeit für die Aufklä-
rung der Steuerangelegenheiten bestimmter Steuerpflichtiger unwahr-
scheinlich ist (vgl. zum Ganzen: Urteile des BVGer A-6102/2016 vom 15.
März 2017 E. 2.4 und A-6666/2014 vom 19. April 2016 E. 2.3).
Im Gegensatz zu diversen Doppelbesteuerungsabkommen (DBA), welche
regelmässig Rechtsgrundlage der Amtshilfe in Steuersachen bilden, er-
wähnt das BBA das Kriterium der voraussichtlichen Erheblichkeit der Infor-
mation nicht explizit. Dennoch wird in Art. 15 Ziff. 1 BBA der allgemeine
Verhältnismässigkeitsgrundsatz präzisiert, indem die Amtshilfe auf
«zweckdienliche» Ermittlungen, d.h. solche die der Aufklärung und Verfol-
gung von rechtswidrigen Handlungen im Sinne des BBA dienen, be-
schränkt ist. Zudem sieht Art. 75a Abs. 2 MWSTG i.V.m. Art. 115h
https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=BGE-143-II-185 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=BGE-141-II-436 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=15-03-2017-A-6102-2016 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=19-04-2016-A-6666-2014
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Abs. 2 ZG vor, der das ordentliche (innerstaatliche) Verfahren der interna-
tionalen Amtshilfe im Bereich der Mehrwertsteuer regelt, dass Informatio-
nen, Unterlagen, Gegenstände oder Vermögenswerte, die voraussichtlich
nicht erheblich sind, nicht übermittelt werden dürfen. Es besteht somit kein
Grund für das Bundesverwaltungsgericht, die erwähnte Rechtsprechung
nicht auch im Bereich des BBA heranzuziehen (Urteil des BVGer
A-7596/2016 vom 23. Februar 2018 E. 2.6).
2.12 Soweit im Bereich der Amtshilfe gestützt auf ein DBA die Behörden
des ersuchenden Staates verpflichtet sind, den massgeblichen Sachver-
halt darzulegen, kann von ihnen nicht erwartet werden, dass sie dies be-
reits lückenlos und völlig widerspruchsfrei tun. Dies wäre mit Sinn und
Zweck der Amtshilfe (wie mit jenem der Rechtshilfe) nicht vereinbar, sollen
doch aufgrund von Informationen und Unterlagen, die sich im ersuchten
Staat befinden, bisher im Dunkeln gebliebene Punkte erst noch geklärt
werden (vgl. statt vieler: BGE 142 II 161 E. 2.1.1, 139 II 404 E. 7.2.2 und
128 II 407 E. 5.2.1). Daher verlangt die Rechtsprechung von der ersuchen-
den Behörde nicht den strikten Beweis des Sachverhalts, doch muss sie
hinreichende Verdachtsmomente für dessen Vorliegen dartun (statt vieler:
BGE 139 II 451 E. 2.1 und E. 2.2.1 sowie 139 II 404 E. 7.2.2 und E. 9.5
und Urteile des BVGer A-846/2018 vom 30. August 2018 E. 2.3.1 und A-
6102/2016 vom 15. März 2017 E. 2.5 mit weiteren Hinweisen). Auch diese
Rechtsprechung wird im Bereich des BBA angewendet (Urteile des BVGer
A-6205/2018 vom 23. September 2019 E. 2.7 und A-7596/2016 vom
23. Februar 2018 E. 2.7).
2.13 Ein wichtiges Element der internationalen Behördenzusammenarbeit
bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmissbrauch
oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit dem Schutz des
schweizerischen oder internationalen ordre public prinzipiell – kein Anlass
besteht, an Sachverhaltsdarstellungen und Erklärungen anderer Staaten
zu zweifeln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprinzip; vgl. Art. 4 BBA;
vgl. BGE 144 II 206 E. 4.4, 142 II 218 E. 3.3, 142 II 161 E. 2.1.3 f.; Urteil
des BVGer A-4992/2016 vom 29. November 2016 E. 4.3, für das BBA:
Urteile des BVGer A-6205/2018 vom 23. September 2019 E. 2.8,
A-7596/2016 vom 23. Februar 2018 E. 2.8). Auf diesem Vertrauen gründet
letztlich das ganze Amtshilfeverfahren. Dementsprechend ist der ersuchte
Staat an die Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen insoweit gebun-
den, als diese nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken oder Widersprü-
che sofort entkräftet werden kann (vgl. statt vieler: BGE 128 II 407 E. 5.2.1;
Urteil des BVGer A-381/2018 vom 21. November 2018 E. 4.2 mit weiteren
https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=BGE-142-II-161 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=BGE-139-II-404 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=BGE-128-II-407 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=BGE-139-II-451 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=BGE-139-II-404 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=30-08-2018-A-846-2018 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=15-03-2017-A-6102-2016 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=15-03-2017-A-6102-2016 https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=23-02-2018-A-7596-2016
A-3054/2021
Seite 12
Hinweisen). Gleiches gilt für die vom ersuchenden Staat abgegebenen Er-
klärungen. Werden diese sofort entkräftet, kann der ersuchte Staat ihnen
nicht mehr vertrauen (Urteile des BVGer A-6205/2018 vom 23. September
2019 E. 2.8, A-3716/2015 vom 16. Februar 2016 E. 3.5 mit weiteren Hin-
weisen).
3.
3.1 Der verfassungsrechtliche Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne
von Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) verleiht dem Betroffenen insbe-
sondere das Recht, vor Erlass eines in seine Rechtsstellung eingreifenden
Entscheids Einsicht in die Akten zu nehmen (Art. 26 und 29 VwVG; siehe
BGE 133 I 270 E. 3.1, 132 V 368 E. 3.1; Urteil des BVGer A-2549/2016
vom 31. Oktober 2017 E. 4.1).
3.2 Die Wahrnehmung des Akteneinsichtsrechts durch den von einer Ver-
fügung Betroffenen setzt eine Aktenführungspflicht der Verwaltung voraus.
Die Behörden haben alles in den Akten festzuhalten, was zur Sache gehört.
Daraus resultiert die Pflicht, beispielsweise die Abklärungen, Befragungen,
Zeugeneinvernahmen und Verhandlungen zu protokollieren, diese zu den
Akten zu nehmen und aufzubewahren (BGE 130 II 473 E. 4.2;
BVGE 2011/37 E. 5.4.1 und Urteil des BVGer A-4876/2019, A-4877/2019
vom 27. Oktober 2020 E. 2.1.2). Diese Aktenführungspflicht ergibt sich
nicht nur aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (vgl. BVGE 2011/37 E.
5.4.1), sondern jedenfalls im Verwaltungsbeschwerdeverfahren auch aus
der in diesem Verfahren (mit Einschränkungen) geltenden Untersuchungs-
maxime, wonach die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen festzu-
stellen hat (vgl. Art. 12 VwVG sowie Urteil des BVGer A-7503/2016 und A-
7513/2016 vom 16. Januar 2018 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).
Nicht der Aktenführungspflicht unterliegen Schriftstücke, die einzig für den
internen Gebrauch bestimmt sind und keinen Einfluss auf die Sachverhalts-
feststellung sowie Entscheidfindung haben (Urteile des BVGer
A-4876/2019, A-4877/2019 vom 27. Oktober 2020 E. 2.1.3 und B-616/2012
vom 11. Juli 2012 E. 2.2.2).
3.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt als persönlichkeitsbezo-
genes Mitwirkungsrecht, dass die Behörde die Vorbringen der Parteien tat-
sächlich hört, prüft und in ihrer Entscheidfindung berücksichtigt. Damit
hängt die Pflicht der Behörde zusammen, ihre Verfügung zu begründen, da
sich meist nur anhand der Verfügungsbegründung feststellen lässt, ob die
A-3054/2021
Seite 13
Behörde ihrer Prüfungs- und Berücksichtigungspflicht nachgekommen ist
(vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG; BGE 135 V 65 E. 2.4; Urteil des BGer
2A.377/2000 vom 13. Februar 2001 E. 2b/bb; Urteil des BVGer
A-4876/2019, A-4877/2019 vom 27. Oktober 2020 E. 2.1.4 und Teilurteil
und Zwischenentscheid des BVGer A-592/2016 vom 22. Juni 2017 E. 5.5).
3.4 Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann eine obere
Instanz die Verletzung des rechtlichen Gehörs einer unteren Instanz heilen,
wenn die Verletzung nicht besonders schwer wiegt und die Rechtsmitte-
linstanz sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei zu überprüfen
vermag. Selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung ist von einer Rück-
weisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs abzusehen,
wenn diese lediglich einen formalistischen Leerlauf darstellen und zu einer
unnötigen Verfahrensverlängerung führen würde (zum Ganzen: BGE 137 I
195 E. 2.3.2, 133 I 201 E. 2.2, 132 V 387 E. 5.1; Urteil des BVGer
A-4876/2019, A-4877/2019 vom 27. Oktober 2020 E. 2.1.5).
4.
Im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist die Bundesrechtskonformität der
angefochtenen Schlussverfügung der Vorinstanz vom 20. Mai 2021 zu
überprüfen.
4.1 Die amtshilfeweise Ermittlung der Vorinstanz und die darauf folgende
Übermittlung der erlangten Informationen ist möglich bei zweckdienlichen
Ermittlungen über Vorgänge oder Verhaltensweisen, die rechtswidrige
Handlungen im Sinne dieses Abkommens darstellen und damit in den
(sachlichen) Anwendungsbereich des BBA fallen (vgl. E. 2.7 und E. 2.10).
Dem Ersuchen des ZFA Berlin und dem damit eingereichten Beschluss des
Amtsgerichts Potsdam vom 8. Februar 2019 bzw. vom 19. Juni 2019 bzw.
vom 8. Juli 2019 an die Vorinstanz kann sachverhaltlich entnommen wer-
den, dass gegen den Beschwerdeführer wegen gewerbs- und bandenmäs-
siger Steuerhinterziehung in besonders schwerem Fall aufgrund von diver-
sen Unregelmässigkeiten und grossen Mengen unversteuerter Zigaretten
ermittelt wird. Aus diesem Ersuchen ist ebenfalls ersichtlich, dass diese all-
fälligen Straftaten Ausgangspunkt der streitgegenständlichen Ermittlung
sind. Damit wird im vorliegenden Fall um amtshilfeweise Ermittlung mit Be-
zug auf eine in Deutschland geführte Untersuchung betreffend Tabaksteuer
ersucht. Der vorliegend im Ersuchen vom 13. März 2019 zugrundeliegende
Sachverhalt bzw. die anbegehrten Ermittlungen fallen somit grundsätzlich
sowohl in den räumlichen als auch in den sachlichen Anwendungsbereich
A-3054/2021
Seite 14
des BBA. Dies ist zwischen den Parteien zu Recht unbestritten (vgl. Sach-
verhalt Bst. A und E. 2.5 sowie E. 2.7).
4.2 Ebenfalls unbestritten ist, dass das Amtshilfeersuchen den formellen
Anforderungen von Art. 18 BBA genügt. So sind im vorliegend in Frage
stehenden Amtshilfeersuchen des ZFA Berlin die erbetenen Massnahmen
sowie die Personen, gegen die sich die Ermittlungen richten, detailliert be-
schrieben und in formeller Hinsicht rechtsgenügend der Steuerzweck er-
läutert, für den die entsprechenden Informationen verlangt werden. Das
ZFA Berlin erklärt nämlich ausdrücklich, es brauche die Informationen für
die Verfolgung der unter das BBA fallenden (geltend gemachten) gewerbs-
und bandenmässigen Steuerhinterziehung in besonders schwerem Fall
aufgrund von diversen Unregelmässigkeiten und grossen Mengen unver-
steuerter Zigaretten. Das Ersuchen ist klar und stringent aufgebaut und
grenzt die Sachverhaltsdarstellung von den verlangten Amtshilfemassnah-
men ab. Es bestehen auch keine Anhaltspunkte, dass die ersuchende Be-
hörde die eigenen Ermittlungsmöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft hätte
(vgl. E. 2.9). Das Amtshilfeersuchen erfüllt die formellen Voraussetzungen
gemäss Art. 18 BBA und die Vorinstanz ist zu Recht darauf eingetreten
(Sachverhalt Bst. A und Bst. B).
4.3 Neben den formellen Anforderungen muss überdies geprüft werden, ob
das Amtshilfeersuchen des ZFA Berlin Informationen betrifft, die voraus-
sichtlich erheblich sind. Gleiches muss danach auch für die nach der an-
gefochtenen Schlussverfügung zu übermittelnden Angaben und Unterla-
gen gelten (vgl. E. 2.11).
Dem Ersuchen des ZFA Berlin vom 13. März 2019 ist zu entnehmen, dass
gegen den Beschwerdeführer wegen gewerbs- und bandenmässiger Steu-
erhinterziehung in besonders schwerem Fall aufgrund von diversen Unre-
gelmässigkeiten und grossen Mengen unversteuerter Zigaretten ermittelt
wird. Das ZFA Berlin führt in seinen Ersuchen auch aus, um welche Mass-
nahmen ersucht wird (s. Sachverhalt Bst. A). Von den Behörden des ersu-
chenden Staates kann im Übrigen nicht erwartet werden, dass sie den
massgeblichen Sachverhalt bereits lückenlos und völlig widerspruchsfrei
darlegen (vgl. E. 2.12). Der im Ersuchen genannte Sachverhalt hängt mit
den verlangten Informationen sowie den ersuchten Dokumenten vorlie-
gend rechtsgenügend zusammen. Es ist grundsätzlich Sache des ersu-
chenden Staates zu bestimmen, welche Informationen voraussichtlich er-
heblich sind. Die ersuchten Informationen sind demnach dazu geeignet, im
A-3054/2021
Seite 15
ausländischen Verfahren gegen den Beschwerdeführer verwendet zu wer-
den. Damit ist in casu – in Übereinstimmung mit den Erwägungen in der
Schlussverfügung der Vorinstanz – die voraussichtliche Erheblichkeit von
grundsätzlich sämtlichen Informationen gegeben. Zudem muss nicht der
strikte Beweis des Sachverhalts dargetan werden, sondern lediglich hinrei-
chende Verdachtsmomente für dessen Vorliegen. Solange der Sachverhalt
nicht offensichtliche Fehler, Lücken oder Widersprüche enthält bzw. die be-
troffene Person sofort beweisen kann, dass die Vorbringen des ersuchen-
den Staates falsch sind, ist auf den im Ersuchen dargestellten Sachverhalt
aufgrund des im Völkerrecht geltenden Vertrauensprinzips abzustellen
(E. 2.13). Es wäre damit am Beschwerdeführer, sofort zu belegen, dass die
Sachverhaltsdarstellung des ZFA Berlin offensichtlich fehlerhaft, lückenhaft
oder widersprüchlich ist. In der Beschwerde vom 30. Juni 2021 und den
weiteren Stellungnahmen vom 4. Januar 2022 und vom 14. März 2022 fehlt
eine Begründung, weswegen es den verlangten Daten an der voraussicht-
lichen Erheblichkeit mangle. Damit ist vorliegend insofern zu Recht unbe-
stritten, dass die zu übermittelnden Informationen voraussichtlich erheblich
sind.
4.4 Zu prüfen ist nachfolgend, ob sich die vorliegenden Ermittlungen bzw.
Zwangsmassnahmen — namentlich die vorgenommene Hausdurchsu-
chung und die Sicherstellungen, die gerügte Anhaltung sowie der Einsatz
von GPS Überwachungsgeräten — als bundesrechtskonform erweisen.
4.4.1 Die ersuchte Vertragspartei nutzt bei Ermittlungsersuchen alle Ermitt-
lungsmittel, die ihr nach ihrer Rechtsordnung zur Verfügung stehen, als ob
sie in Erfüllung eigener Aufgaben oder auf Ersuchen einer anderen Be-
hörde der eigenen Vertragspartei handeln würde (vgl. E. 2.10 sowie Art. 15
Ziff. 2 Satz 1 BBA). Das BAZG darf folglich zum Zwecke der Herausgabe
von Informationen, Unterlagen, Gegenständen oder Vermögenswerten,
Massnahmen durchführen, welche im schweizerischen Recht vorgesehen
sind und die im Zollrecht oder in den nichtzollrechtlichen Erlassen des Bun-
des angewendet werden können (Art. 115c ZG). Art. 115e ZG führt für die
Zwangsmassnahmen ausdrücklich aus, dass diese angeordnet werden
können, wenn das schweizerische Recht oder das Völkerrecht deren
Durchführung vorsieht und erklärt insbesondere Art. 45 bis 60 des Bundes-
gesetzes über das Verwaltungsstrafrecht vom 22. März 1974 (VStrR,
SR 313.0) für anwendbar (Art. 115e Abs. 2 ZG). Auf die Rechtsgrundlagen
von Art. 115e ZG sowie Art. 45 bis 60 VStrR stützt sich explizit die Vo-
rinstanz in ihrer Vernehmlassung und in der Schlussverfügung. Gemäss
der Botschaft vom 6. Juli 2011 zum Erlass eines Steueramtshilfegesetzes
A-3054/2021
Seite 16
(nachfolgend: Botschaft StAhiG), welche auch die Änderung von Art. 115e
ZG in der nun geltenden Fassung umfasste, wollte der Gesetzgeber mit
Art. 115e ZG die Arten möglicher Zwangsmassnahmen nicht einschränken
(vgl. BBl 2011 6193 ff., 6227).
4.4.2
4.4.2.1 Für die im vorliegenden Fall relevante Vornahme einer Durchsu-
chung von Grundstücken, Einfriedungen und Bauten verweist auch
Art. 107 Abs. 3 ZG auf Art. 48 VStrR. Art. 48 VStrR erlaubt die Durchsu-
chung von Wohnungen und andere Räume sowie unmittelbar zu einem
Hause gehörende umfriedete Liegenschaften, wenn es wahrscheinlich ist,
dass sich die beschuldigte Person darin verborgen hält oder dass sich Ge-
genstände oder Vermögenswerte, die der Beschlagnahme unterliegen, o-
der Spuren der Widerhandlung darin befinden (Art. 48 Abs. 1 VStrR). Die
Durchsuchung erfolgt dabei aufgrund eines schriftlichen Befehls des Direk-
tors oder Chefs der beteiligten Verwaltung (Art. 48 Abs. 3 VStrR). Im vor-
liegenden Fall wurde der schriftliche Hausdurchsuchungsbefehl am 26.
Juni 2019 korrekt vom Chef der Hauptabteilung Zollfahndung und Vizedi-
rektor des BAZG (digital) signiert.
Die beschuldigte Person darf nach Art. 48 Abs. 2 VStrR im Rahmen einer
Hausdurchsuchung nötigenfalls ebenfalls durchsucht werden und nach
Art. 51 VStrR in Verbindung mit Art. 52 VStrR auch vorläufig festgenommen
werden. Daneben nennt das Zollgesetz weitere Zwangsmassnahmen. Als
zulässige Massnahmen zum Zweck der Herausgabe von Informationen,
Unterlagen, Gegenständen oder Vermögenswerten dürfen nach dem Zoll-
gesetz diejenigen Massnahmen durchgeführt werden, die im schweizeri-
schen Recht vorgesehen sind und die im Zollrecht oder in den nichtzoll-
rechtlichen Erlassen des Bundes angewendet werden können (Art. 115c
ZG). Das BAZG darf demnach insbesondere auch Anhaltungen und Ab-
tastungen von Personen vornehmen (Art. 101 ZG), die Identität einer Per-
son festhalten (Art. 103 ZG), die vorläufige Sicherstellung sowie Rückgabe
und Einziehung von Gegenständen vornehmen (Art. 104 ZG), die Abfüh-
rung und vorläufige Festnahme einer Person veranlassen (Art. 105 ZG),
Waffen tragen und Waffen gebrauchen (Art. 106 ZG).
Nach Art. 108 ZG ist auch der Einsatz von Bildaufnahme-, Bildaufzeich-
nungs- und anderen Überwachungsgeräten zulässig. Das BAZG kann
nach Art. 108 Abs. 1 ZG ausdrücklich automatische Bildaufnahme- und
Bildaufzeichnungsgeräte sowie andere Überwachungsgeräte einsetzen,
https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2007/249/de#art_101 https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2007/249/de#art_101
A-3054/2021
Seite 17
um unerlaubte Grenzübertritte oder Gefahren für die Sicherheit im grenz-
überschreitenden Verkehr frühzeitig zu erkennen (Bst. a) oder namentlich
zur Fahndung sowie zur Überwachung von Räumen mit Wertsachen, von
Räumen mit abgeführten oder vorläufig festgenommenen Personen und
von Zollfreilagern (Bst. b). Nach Art. 108 Abs. 2 ZG regelt der Bundesrat
die Einzelheiten, welche wiederum in der Verordnung vom 4. April 2007
über den Einsatz von Bildaufnahme-, Bildaufzeichnungs- und anderen
Überwachungsgeräten durch das BAZG niedergeschrieben sind (SR
631.053). Gemäss Art. 4 Abs. 1 Bst. b i.V.m Art. 2 Abs. 1 Bst. c dieser Ver-
ordnung kann das BAZG zur Fahndung Geräte einsetzen, die Fahrzeuge
und Gegenstände lokalisieren und den jeweiligen Standort aufzeichnen
(Funkpeilung, Ortung oder GPS-Ortung).
4.4.2.2 Mit Bezug auf die ersuchten Ermittlungsmittel verfügte das BAZG
demnach über ausreichende gesetzliche Grundlagen. Damit erschliesst
sich dem Bundesverwaltungsgericht nicht, inwieweit der Beschwerdeführer
die Erlangung sämtlicher Daten, Informationen und Unterlagen, insbeson-
dere die durchgeführte Hausdurchsuchung, als rechtswidrig erblicken kann
und eine entsprechende Rechtsgrundlage fehlen könnte, wäre doch neben
den soeben genannten einschlägigen Zwangsmitteln von Art. 45 ff. VStrR
und denjenigen von Art. 101 ff. Zollgesetz nach bundesgerichtlicher Recht-
sprechung — entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers — oh-
nehin die Schweizerische Strafprozessordnung (StPO, SR 312) analog an-
wendbar und damit insbesondere die in Art. 196 ff. geregelten Zwangs-
massnahmen, soweit das VStrR einzelne Fragen im Rahmen der Zwangs-
massnahmen nicht abschliessend regelt (BGE 139 IV 246 E. 1.2 und Ur-
teile des BGer 1B_91/2019 vom 11. Juni 2019 E. 2.1, 1B_487/2018 vom
6. Februar 2019 E. 2.1 sowie das Urteil des BVGer A-5306/2019 vom
24. November 2021 E. 3.3).
Bezüglich des Einsatzes von GPS-Peilsender an den Fahrzeugen vom Be-
schwerdeführer stütze sich die Vorinstanz zu Recht auf Art. 4 Abs. 1 Bst. b
i.V.m Art. 2 Abs. 1 Bst. c der Verordnung vom 4. April 2007 über den Einsatz
von Bildaufnahme-, Bildaufzeichnungs- und anderen Überwachungsgerä-
ten. Die vom Beschwerdeführer beantragte Einholung der von der Vor-
instanz erhobenen GPS-Daten bei der Vorinstanz kann in antizipierter Be-
weiswürdigung unterbleiben (zur antizipierten Beweiswürdigung siehe statt
vieler: Urteil des BVGer A-2292/2019 vom 6. November 2019 E. 1.5 [das
BGer ist auf eine dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil 2C_1013/2019
vom 16. Dezember 2019 nicht eingetreten]), weil daraus kein Erkenntnis-
gewinn für das vorliegende Amtshilfeverfahren erzielt werden könnte.
https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2010/267/de#art_196 https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2010/267/de#art_196
A-3054/2021
Seite 18
4.4.2.3 Im Übrigen erweist sich die vom Beschwerdeführer erhobene Rüge
betreffend die fehlende Rechtsmittelbelehrung beim Durchsuchungsbefehl
ebenfalls als unbegründet. Lässt die fehlende Rechtsmittelbelehrung doch
die Hausdurchsuchung nicht als unrechtmässig erscheinen. Zum einen
war der Beschwerdeführer bereits zu diesem Zeitpunkt anwaltlich vertre-
ten. Das zur Verfügung stehende Rechtsmittel ergibt sich ohne Weiteres
aus dem Gesetz, das dem Anwalt bekannt sein musste (Urteil des Bundes-
gerichts 1P.279/2002 vom 6. November 2002 E. 2). Zum anderen konnte
der Beschwerdeführer die Rügen bezüglich des Durchsuchungsbefehls —
wie er selber ausführt — in der Beschwerde an das Bundesstrafgericht im
Rahmen des Entsiegelungsverfahrens vorbringen (s. hierzu auch BGE 119
IV 330 E. 1c). Damit ist ihm aus der fehlenden Rechtsmittelbelehrung inso-
weit kein erkennbarer Rechtsnachteil erwachsen.
4.4.3
4.4.3.1 Jede Zwangsmassnahme muss auch verhältnismässig sein und
nicht weiter gehen, als es das öffentliche Interesse erfordert (Art. 36 Abs.
2 und Abs. 3 BV sowie auch Art. 45 Abs. 1 VStrR; vgl. auch den Beschluss
des BStGer BV.2011.12 vom 8. November 2011 E. 2.2). Im Untersuchungs-
bericht vom 14. August 2019 wurde festgehalten, dass der Beschwerde-
führer nach erfolgter Anhaltung durch Mitarbeiter des BAZG an das Wohn-
domizil überführt wurde und ihm der Grund der Vorsprache sowie die ent-
sprechende Eintretensverfügung eröffnet wurde. Im Einvernahmeprotkoll
vom 14. August 2019 antwortet der Beschwerdeführer auf entsprechende
Frage der Vorinstanz ausdrücklich, dass es ihm gut gehe.
4.4.3.2 Aufgrund der Akten ist nicht erstellt, dass das BAZG unverhältnis-
mässig vorging. Die Behauptung des Beschwerdeführers, dass die Anhal-
tung vor der durchgeführten Hausdurchsuchung als «Exzess» zu bezeich-
nen und dass das Vorgehen der Vorinstanz rechtswidrig und strafrechtlich
relevant sei, ist nicht weiter belegt. Es fehlen sowohl im Untersuchungsbe-
richt als auch im Einvernahmeprotokoll vom 14. August 2019 diesbezügli-
che Anhaltspunkte.
Ohnehin wären diese Vorbringen nicht im Rahmen des Amtshilfeverfah-
rens zu prüfen, sondern allenfalls über ein zu führendes Strafverfahren,
allerdings sind entsprechende Strafanzeigen oder Strafanträge weder ak-
tenkundig noch durch den Beschwerdeführer in irgendeiner Form geltend
gemacht. Das vorliegende Amtshilfeverfahren ist nicht nur vom Ausgang
des eingeleiteten Verfahrens des ZFA Berlin unabhängig, sondern eben
https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=08.11.2011_BV.2011.12
A-3054/2021
Seite 19
auch von einem allfälligen anderen zu führenden Strafverfahren. Ein Amts-
hilfe- und ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren weisen nämlich ver-
schiedene Zwecke auf. Während es sich beim Ermittlungsverfahren um ein
Verfahren handelt, dessen Ziel es ist, den für eine Straftat relevanten Sach-
verhalt festzustellen (vgl. das Urteil des BGer 6B_810/2017 vom 9. Novem-
ber 2017 E. 2.4.2), soll die Amtshilfe den Informationsaustausch mit Hin-
blick auf die Durchführung des innerstaatlichen Rechts der Vertragsstaaten
ermöglichen (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.3). Damit erübrigen sich im vorlie-
genden Amtshilfeverfahren weitere Abklärungen und auch die beantragten
Zeugeneinvernahmen, da die umfassende Beweiswürdigung nicht Auf-
gabe des Amtshilfeverfahrens bildet. Vom Sachrichter kann nämlich nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung erwartet werden, dass er in der Lage
ist, die unzulässigen Beweise von den zulässigen zu unterscheiden und
sich bei der Würdigung ausschliesslich auf Letztere zu stützen (vgl. BGE
141 IV 289 E. 1.2). Dies muss auch für den zuständigen Sachrichter in
Deutschland gelten, denn der Beschwerdeführer macht weder geltend
noch belegt er, dass der Einwand der Unverwertbarkeit eines Beweises
nicht im deutschen Strafverfahren vorgebracht werden könnte bzw. ihm auf
krasse Weise im ausländischen Verfahren ein ausreichender Rechtsschutz
vorenthalten würde (s. hierzu auch das Urteil des BVGer A-1883/2021 vom
22. Februar 2022 E. 3.7.2 und E. 4.8.3 sowie Art. 4 BBA). Damit hat der
eigentliche Sachrichter in Deutschland die entsprechende Beweiswürdi-
gung vorzunehmen und allenfalls das vom Beschwerdeführer vorge-
brachte Beweisverwertungsverbot zu prüfen (vgl. BGE 143 IV 387 E. 4.4
und das Urteil des BGer 1B_351/2012 vom 20. September 2012 E. 2.3.2 f.
sowie DAMIAN K. GRAF, in: Frank/Eicker/Markwalder/Achermann (Hrsg.),
Basler Kommentar Verwaltungsstrafrecht, 2020, Art. 51 N. 95; s. hierzu
auch Art. 339 Abs. 2 Bst. d StPO).
4.5 Schliesslich ist dem Beschwerdeführer hinsichtlich seiner Rügen be-
treffend den Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2019.220 vom 25. Mai
2020 entgegen zu halten, dass das Bundesverwaltungsgericht nicht zu-
ständig ist zur Überprüfung des genannten Entscheids. Das Bundesstraf-
gericht hatte als Entsiegelungsgericht in einem internationalen Amtshilfe-
verfahren nach dem BBA nicht darüber zu befinden, ob dem Amtshilfeer-
suchen zu entsprechen ist oder nicht, sondern ausschliesslich zu beurtei-
len, ob Geheimhaltungsinteressen gegenüber dem Ermittlungsinteresse
des ersuchenden Staates überwiegen (Entscheid des BStGer
RR.2019.220 vom 25. Mai 2020 E. 3.4). Es ist daher auf die Rügen des
Beschwerdeführers, welche sich mit dem genannte Urteil des Bundesstraf-
gerichts befassen, nicht weiter einzugehen.
https://entscheide.weblaw.ch/cache.php?link=25.05.2020_RR.2019.220
A-3054/2021
Seite 20
4.6 Eventualiter beantragt der Beschwerdeführer schliesslich die Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz unter der Auflage der vollständigen und
uneingeschränkten Akteneinsicht. Die Vorbringen des Beschwerdeführers
sind jedoch nicht stichhaltig. Dem Beschwerdeführer ist nämlich nicht nur
im vorinstanzlichen Verfahren mit den Schreiben vom 27. August 2019 und
vom 4. September 2019 Akteneinsicht und die Möglichkeit zur Stellung-
nahme gegeben worden, sondern es ist ihm ebenfalls im vorliegenden Be-
schwerdeverfahren vollumfängliche Akteneinsicht gewährt worden. Richtig
ist, dass der Beschwerdeführer vor der Vorinstanz keine Einsicht in das
Ergänzungsersuchen vom 27. Juni 2019 (act. 07.01.07) und die Mitteilung
des Forensikers des fedpol vom 20. November 2019 erhalten hat. Ob es
sich dabei um ein Versehen der Vorinstanz respektive um interne Akten
gehandelt hat, kann offen bleiben, hat doch der Beschwerdeführer im vor-
liegenden Beschwerdeverfahren u.a. Einsicht in die vorgenannten Unterla-
gen erhalten. Eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs wäre damit
ohnehin geheilt, weil die allfällige Verletzung nicht besonders schwer wiegt
und das Bundesverwaltungsgericht sowohl den Sachverhalt als auch die
Rechtslage frei zu überprüfen vermag (E. 3.4).
4.7 Zusammenfassend ist die Schlussverfügung der Vorinstanz als recht-
mässig zu bestätigen und die Amtshilfe zu erteilen. Die Beschwerde ist mit-
hin abzuweisen.
5.
5.1 Ausgangsgemäss hat der unterliegende Beschwerdeführer die Verfah-
renskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf CHF 5’000.-
festzusetzen (vgl. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Die allfällige geringfügige Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs vor der Vorinstanz rechtfertigt keine andere Kostenverlegung. Der ein-
bezahlte Kostenvorschuss in derselben Höhe ist zur Bezahlung der Ver-
fahrenskosten zu verwenden.
5.2 Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1
VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3
VGKE).
6.
Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet der internatio-
nalen Amtshilfe im Bereich der Zölle und der Mehrwertsteuer endgültig,
A-3054/2021
Seite 21
wenn die Amtshilfe wie im vorliegenden Fall ihre völkerrechtliche Grund-
lage im BBA hat (Art. 115i Abs. 3 ZG; vgl. auch Art. 83 Bst. h des Bundes-
gesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110];
Urteile des BVGer A-6205/2018 vom 23. September 2019 E. 6,
A-7596/2016 vom 23. Februar 2018 E. 6, A-1531/2015 vom 26. Juni 2015
E. 5; vgl. Botschaft StAhiG, BBl 2011 6193 ff., 6228 sowie Beusch/Imstepf,
in: Zweifel/Beusch/Glauser/Robinson [Hrsg.], Kommentar zum Schweize-
rischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, 2015,
Art. 75a MWSTG N. 5, 12 und 16).
Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.
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