Decision ID: 67546935-a8f4-462c-8217-13a2d4549c53
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964,
hat eine Lehre als Lastwagenmechaniker abgeschlo
s
sen und war von Juni 1999 bis November 2017
bei der
Y._
als
Mitarbeiter a
m Empfang angestellt
(
Urk.
6/10/5 f.,
6/19
und 6/142/1
)
.
Unter Hin
weis auf degenerative Veränderungen an der Halswirbelsäule meldete er sich am 2
6.
Januar 2010 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/10). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte nebst einem Arbeitgeberbericht (
Urk.
6/19)
insbesondere
diverse Arztberichte ein (
Urk.
6/17 f., 6/25 f., 6/35, 6/37 f., 6/42 f. und 6/47/6 ff.).
Überdies gab sie bei der
Z._
ein rheu
matologisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag (
Z._
-Gutachten vom 2
6.
Oktober 2011,
Urk.
6/52 f.). Mit Verfügungen vom
9.
Januar 2012 sprach sie dem Versicherten von Juli 2010 bis September 2011 eine ganze und ab Oktober 2011 eine halbe Rente der Invalidenversicherung zu (
Urk.
6/
68 f.).
1.2
Mit Schreiben vom 2
3.
Januar 2015 ersuchte der Versicherte
unter Hinweis auf einen verschlechterten Gesundheitszustand
um eine Rentenrevision (
Urk.
6/81).
Nach Eingang mehrerer Arztberichte (
Urk.
6/83, 6/86 f., 6/95, 6/98, 6/101/5 ff. und 6/103) veranlasste die IV-Stelle bei der MEDAS
A._
eine polydisziplinäre Begutachtung (MEDAS-Gutachten vom 1
1.
März 2016,
Urk.
6/113).
Mit Vorbe
scheid vom 1
8.
April 2016 stellte sie dem Versicherten die Aufhebung der Rente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats in Aussicht (
Urk.
6/115), wogegen jener Einwand erhob (
Urk.
6/119, 6/124).
Nachdem die IV-Stelle bei den MEDAS-Gutachtern eine ergänzende Stellungnahme eingeholt hatte (
Urk.
6/134)
,
wozu sich der Versicherte äussern konnte (
Urk.
6/140)
, ver
fügte sie am
2.
Juni 2017 im angekündigten Sinne, wobei sie einer allfällig da
gegen erhobenen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzog (
Urk.
6/144 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
4.
Juli 2017 Beschwerde mit folgenden Rechtsbe
gehren (
Urk.
1 S. 2):
„
1.
Es sei dem Beschwerdeführer die seit 01.10.2011 ausgerichtete
halbe Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 50
%
, unter
Aufhebung der angefochtenen Verfügung, ab Eintritt der
gesundheitlichen und erwerblichen Verschlechterung angemessen
zu erhöhen.
2.
Eventualiter sei die bisherige Invalidenrente bei einem 50%igen
Invaliditätsgrad über den verfügten Aufhebungszeitraum hinaus
weiterhin zu erbringen.
3.
Subeventualiter
sei eine ergänzende polydisziplinäre Begutachtung
in orthopädischer, neurologischer und neurochirurgischer Hinsicht
durch die Beschwerdegegnerin durchzuführen.
“
Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
September 2017 (
Urk.
5) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde, worüber der Versicherte mit Verfügung vom 1
3.
September 2017 (
Urk.
7) in Kenntnis gesetzt wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl
massgeblichen
(hypothetischen) Sachverhalts bestehen
(
BGE
144 I 28 E.
2.2,
130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen
). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin zog in der angefochtenen Verfügung vom
2.
Juni 2017 (
Urk.
2)
zusammengefasst
in Erwägung, dass dem Versicherten gemäss den poly
disziplinären medizinischen Abklärungen seit der Implantation einer
Morphin
p
umpe eine angepasste Tätigkeit in einem Pensum von 100
%
mit einer Leis
tungsminderung von 10
%
zumutbar sei. Ausgehend von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
86'878.55 sowie einem Invalideneinkommen von
Fr.
59'959.35 resultiere ein Invaliditätsgrad von 31
%
, weshalb kein Rentenan
spruch mehr be
stehe.
2.2
Der Versicherte machte in seiner Beschwerdeschrift vom
4.
Juli 2017 (
Urk.
1) im Wesentlichen geltend,
die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die MEDAS-Gutachter erweise sich sowohl mit Blick auf die Ergebnisse der früheren
bidisziplinären
Untersuchung durch die
Z._
, als auch angesichts der
ausführlichen Berichte
der ehemaligen Arbeitgeberin
sowie der behandelnden Ärzte
als völlig realitätsfern.
An eine irgendwie geartete Invalidentätigkeit im Rahmen eines optimal adaptierten Arbeitsplatzes in der freien Wirtschaft
sei nicht mehr zu den
ken. So habe er
letztlich selbst die leichte und
körperlich abwechslungsreiche Tätigkeit
als Mitarbeiter a
m Empfang nicht mehr ausüben können, weshalb das Arbeitsverhältnis schliesslich seitens der Arbeitgeberin auch aufgelöst worden sei.
Die Morphinpumpe verbessere zwar allgemein die Lebensqualität, führe jedoch aufgrund der regelmässigen Verabreichung der Opiate zu Erschöpfung und de
pressiven Verstimmungen. Im Übrigen basiere die Beurteilung der Arbeitsfähig
keit durch die MEDAS-Gutachter nicht auf tatsächlich veränderten Verhältnissen, sondern bewerte lediglich den seit dem Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenver
fügung bis heute unverändert geblieben
en
Zustand neu. Ein zur Rentenaufhe
bung berechtigender Revisionsgrund liege daher nicht vor (
Urk.
1 S. 7 ff.).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin sprach dem Versicherten mit Verfügungen vom
9.
Januar 2012 eine Rente der Invalidenversicherung zu (
Urk.
6/68 f.). Diesem
als Vergleichsbasis heranzuziehenden
Entscheid lag das rheumatologisch-psy
chiatrische
Z._
-Gutachten vom 2
6.
Oktober 2011 zu Grunde, welchem die fol
gen
den Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen sind (
Urk.
6/53/9):
-
Chronisches
cervikal
e
s
Schmerzsyndrom bei/mit:
-
Status nach ventraler,
interkorporeller
Spondylodese
C5/C6 und C6/C7
a
m
8.
Juni 2009 mit
autologem
Beckenspan,
-
Status nach dorsaler Dekompression C3/C4 mittels
Laminektomie
, Sta
bilisation von C2-C6 mittels
Zervifix
und
posterolaterale
Spondylodese
mittels
autologem
Knochen
am
1
3.
Dezember 2010 bei Subluxations
stenose des Spinalkanals,
-
Chronisches
lumbovertrebrales
Syndrom bei/mit:
-
ausgeprägten degenerativen Veränderungen der Lenden- und Brust
wir
belsäule,
-
radiologisch Status nach Morbus Scheuermann,
-
Morphinabhängigkeit (ICD-10 F11.25), iatrogen.
Gegenüber
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, habe
der Versicherte
angegeben, seit über zehn Jahren unter Verspannungen im Nackenbereich zu leiden. Auch nach einer ersten Operation im Juni 2009 seien diese noch vorhanden gewesen. Nach einer weiteren operativen Behandlung im Dezember 2010 seien die Schmerzen zwar ein wenig zurückgegangen; er müsse jedoch weiterhin Schmerzmittel wie unter anderem Morphin einnehmen. Diesbe
züglich habe er 2011 einen Entzug durchgeführt, da er unter einer extremen Müdigkeit gelitten habe. In der Folge
habe er
aufgrund der Schmerzen
jedoch wieder Morphin
zu sich nehmen müssen. Abgesehen von Entzugserscheinungen habe er a
ber
nie besondere psychische Probleme gehabt. Existenzängste seien
jedoch
vorhanden und auch die Abklärungen der Invalidenversicherung seien belastend. Auf seine Hobbys müsse er wegen der Schmerzen verzichten; zu Hause mache er auch nicht mehr viel (
Urk.
6/52/3 f.).
Anlässlich der Exploration sei der Versicherte bewusstseinsklar und allseits orientiert gewesen. Auffälligkeiten hin
sichtlich der mnestischen Funktionen oder des formalen und inhaltlichen Den
kens hätten sich nicht ergeben. Der affektive Rapport sei bei erhaltener Schwin
gungsfähigkeit gut herstellbar gewesen. Der Antrieb sei leicht vermindert
und die Motorik wenig lebhaft gewesen. Hinweise auf eine Selbst- oder Fremd
gefährdung hätten sich nicht ergeben (
Urk.
6/52/4).
Aus psychiatrischer Sicht
könne insbe
sondere keine depressive Störung diagnostiziert werden. Im Vorder
grund
stehe gegenwärtig eine iatrogene Morphinabhängigkeit, welche die geistige Leistungs
fähigkeit um circa 30
%
einschränke. Dies
e Beeinträchtigung
sei Folge der
wäh
rend der Testuntersuchung festgestellten
raschen Ermüdung beziehungs
weise der Konzentrationsabfälle mit konsequent vermehrtem Erholungsbedarf.
Die einge
schränkte Arbeitsfähigkeit von 70
%
bestehe seit mindestens Februar 2010 und gelte für jegli
che Tätigkeit (
Urk.
6/52/6 f.).
Im Rahmen der Untersuchung durch
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation,
habe der Beschwerdeführer ebenfalls von Schmerzen im Nackenbereich - vorwiegend rechts - berichtet. Bei Intensivie
rung der Schmerzen müsse er teilweise erbrechen, was sich etwa drei bis vier Mal pro Monat ereigne. Seit der zweiten Operation verspüre er zudem eine Kribbel
sensation in den Fingern der linken Hand, vor allem, wenn er den Kopf senke.
Die Beschwerden seien im Liegen am geringsten ausgeprägt. Morgens habe er auf einer visuellen Analogskala von 1-10 Schmerzen bei 2-3, die sich nach einer halben Stunde nach dem Aufstehen intensivieren würden. Aktuell lägen die Be
schwerden bei 5-6, maximal bei 9, wobei er dann erbrechen müsse (
Urk.
6/53/5).
Anhand der Röntgenaufnahmen
sei eine progrediente Degeneration der Lenden
wirbelsäule mit multisegmentalen
Osteochondrosen
nachgewiesen. Bei der aktu
ellen klinischen Untersuchung sei auch eine steife Lendenwirbelsäule beim
Bücken aufgefallen.
Vor diesem Hintergrund sei eine Minderbelastbarkeit der Lendenwirbelsäule
nachvollziehbar
. Subjektiv und objektiv stünden diesbe
zügli
che Beschwerden jedoch nicht im Vordergrund. Für die belastungs- und tages
zeitabhängigen Beschwerden intensiverer Art im Nackenbereich habe sich
keine mögliche Schmerzquelle eruieren lassen. Weder für ein sensomotorisches zervi
kales oder lumbales
radikuläres
Ausfallsyndrom, noch für eine zervikale Myelo
pathie hätten sich entsprechende Hinweise ergeben (
Urk.
6/53/7 f.).
Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit am Empfang sowie in der Schu
lung, Instruktion und Organi
sation mit Heben und Tragen, Stossen und Ziehen von Tischen und Stühlen sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar.
Auf rein organisatorische
und überwa
c
hende
Aufgaben
reduziert sei diese Tätigkeit
allein
basierend auf den Resultaten der ergänzend durchgeführten Evaluation der arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL, vgl.
Urk.
6/53/13 ff.) aus rheumatologisch-orthopädi
scher Sicht
ganztägig zumutbar.
Gemäss interdis
ziplinärem Konsens
sei
jedoch
unter Mitberücksichtigung der chronischen Schmerzproblematik - obwohl eine zervikale Schmerzquelle bisher nicht habe objektiviert werden können - sowie der verminderten Belastbarkeit der Lenden
wirbelsäule, der fehlenden Hinweise auf ein dysfunktionales Schmerzverhalten und unter Einbezug der psychiatrisch verminderten Arbeitsfähigkeit
insgesamt
seit Juli 2011
eine halbtägige Arbeits
fähigkeit gegeben.
Dies gelte auch für anderweitige, körperlich leichte bis knapp mittelschwere Tätigkeiten (
Urk.
6/53/10 f.).
3.2
Dem im Zuge des zu beurteilenden Rentenrevisionsverfahrens eingeholten poly
disziplinären MEDAS-Gutachten
vom 1
1.
März 2016
sind die folgenden Diagno
sen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (
Urk.
6/113/
30):
-
c
hronisches
Zervikalsyndrom
mit weitgehend aufgehobener Funktion der Halswirbelsäule bei Zustand nach ventraler
interkorporeller
Spondylodese
C5-C7 mit
autologem
trikortikalem
Beckenspan sowie Plattenosteo
syn
these C5-C7 am
9.
Juni 2009,
-
Zustand nach Subluxationsstenose des zervikalen Spinalkanals C2-C4 mit nachfolgender dorsaler Dekompression C3/C4 mittels
Laminektomie
, Sta
bilisation von C2-C6 mittels
Cervifix
und
posterolateraler
Spondylo
dese
am 1
3.
Dezember 2010
,
-
chronisches Lumbal-Dorsal-Syndrom bei deutlichen degenerativen Ver
änderungen und einem alten Morbus Scheuermann,
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41).
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien demgegenüber namentlich:
-
Fehlhaltung der Wirbelsäule mit muskulärer
Dysbalance
bei einem Rund
rücken und Hohlkreuz sowie leichter Skoliose,
-
Persönlichkeitsakzentuierung mit
anankastischen
Zügen (ICD-10 Z73.1),
-
Status nach Implantation einer
intrathekalen
Morphinpumpe auf Höhe L3/4 und Entfernung des Neurostimulators bei einem chronisch persistie
renden Schmerzsyndrom hoch zervikal.
Im Rahmen der Begutachtung durch
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, habe der Versicherte von weiterhin bestehenden Schmerzen im Bereich der Halswirbel
säule, speziell der Kopfgelenke, berichtet. Durch die jetzt durchgeführte medika
mentöse Behandlung
habe sich die Schmerzsymptomatik gebessert und sei nun stabil. Störend sei jedoch die weiterhin bestehende starke Müdigkeit
, welche täg
lich längere Ruhezeiten erfordere
. Er sei insgesamt nicht mehr so belastbar wie früher, könne nicht mehr so schwere Gegenstände heben und tragen. Manchmal komme es auch zu Ausstrahlungen in den Schultergürtelbereich
bis in die Hände
.
Darüber hinaus
habe er Probleme beim Bücken
, da sich zunehmend Kreuzschmer
zen eingestellt hätten
.
Es komme zu Verspannungen sowie Funktionseinschrän
kungen der Brust- und Lendenwirbelsäule.
Auch seine psychische Situation sei nicht zufriedenstellend, da sich aufgrund der Chronizität der Erkrankung leichte depressive Störungen eingestellt hätten (
Urk.
6/113/16
, 6/113/21 f.
).
Aus ortho
pädischer Sicht
sei nachvollziehbar, dass Tätigkeiten ausserhalb des Körperlotes sowie über Kopfhöhe, welche speziell auch eine Überstreckung der Halswirbel
säule erfordern, nicht mehr möglich seien. Glaubhaft sei zudem, dass es bei Über
forderung der Kopfgelenke zu einer Verstärkung der Kopfschmerzen und Schwin
delneigung mit negativer Auswirkung auf die Funktionsfähigkeit der Augen kommen könne. Die weitgehende Versteifung der Segmente der Halswir
belsäule könne nicht mehr vom
zervikothorakalen
Übergang kompensiert werden und ver
ursache erhebliche Verspannungen im Bereich des Schultergürtels mit
pseudoradikulärer
Symptomatik in beide Arme. Durch die deutlichen degenerati
ven Ver
änderungen der Lendenwirbelsäule seien zusätzliche Einschränkungen mit Schmerzverstärkung beim häufigen Bücken und Drehen sowie bei ruckartigen Bewegungen nachvollziehbar. Auch die Entwicklung einer
pseudoradikulären
Symptomatik in beide
n
Beine
n
sei möglich.
Gesamthaft sei der Versicherte in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit im Logistikbereich für eine leichte bis teilweise mittelschwere Arbeit noch einsetzbar, wobei bei einer ganztätigen Präsenzzeit eine um 50
%
reduzierte Leistungsfähigkeit bestehe. Für eine leidensadaptierte, insbesondere leichte und wechselbelastende Tätigkeit bestehe
demgegenüber
eine
90%ige Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/113/22 ff.).
Auf seine psychischen Beschwerden angesprochen habe der Beschwerdeführer gegenüber
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zum einen Probleme mit der Geduld, der Konzentration sowie der Durchhalte
fä
higkeit geschildert. Zum anderen ermüde er rasch, fühle sich erschöpft und müsse sich
im T
agesverlauf mehrfach hinlegen.
Ein- und Durchschlafstörungen
seien
meistens
nicht vorhanden. Abhängig von der Schmerzsymptomatik bestehe eine zeitweise Traurigkeit. Der Appetit sei zwischenzeitlich wieder gestiegen. Die Le
bensfreude, die Motivation und die sozialen Kontakte hätten nachgelassen. Suizidale Gedanken seien mittlerweile nicht mehr vorhanden (
Urk.
6/113/38 f.).
Im Rahmen der Exploration sei der Versicherte bewusstseinsklar und sowohl zeit
lich als auch örtlich, situativ und zur eigenen Person voll orientiert gewesen. Auffälligkeiten hinsichtlich Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis
funktionen hätten sich nicht ergeben. Affektiv sei der Beschwerdeführer auslenk
bar, freundlich und beherrscht gewesen. Es hätten weder eine Affektlabilität, noch eine eindeutige depressive Herabgestimmtheit eruiert werden können.
Die Pri
märpersönlichkeit sei
anankastisch
geprägt. Der motorische Handlungsantrieb sei allenfalls leicht reduziert; die Willensbildung und die Realitätsorientierung seien ungestört (
Urk.
6/113/40 f.).
Aus psychiatrischer Sicht seien allenfalls leichte,
astheniform
anmutende Störungen vorhanden, welche offensichtlich mit der pri
mär
anankastischen
Persönlichkeitsakzentuierung korrelieren würden. Die vom Versicherten geschilderte
Deprimiertheit
, innere Unruhe und reduzierte Lebens
freude könne nur im Kontext mit der somatischen Erkrankung und der Medika
menteneinnahme gesehen werden. Eine eigenständige psychiatrische Ursache der beschriebenen subjektiven Einschränkungen im Alltag könnten nicht ausgemacht werden.
Allenfalls sei von einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) auszugehen.
Insgesamt sei der Versi
cherte in der Lage, sich an Routinen und Regeln zu halten und sich an diese anzupassen. Es bestünden ferner gute Fähigkeiten hinsichtlich Planung und Strukturierung von Aufgaben. Die Flexibilität,
die Umstellungsfähigkeit sowie der Umgang mit Stress könnten gegenwärtig reduziert sein. Die Durchhal
tefähigkeit erscheine ebenfalls defizitär.
Der Versicherte berichte von einer Ver
minderung des Selbstwertgefühls und einer eingeschränkten Kontaktfähigkeit zu Dritten. Die Gruppenfähigkeit sei jedoch erhalten, ebenso wie die
Selbstversor
gungs
- und Wegefähigkeit.
Vor diesem Hintergrund sei aus rein psychiatrischer Sicht sowohl für die angestammte Tätigkeit als auch für eine Verweistätigkeit von einer allen
falls leicht eingeschränkten Leistungsfähigkeit auszugehen.
Es bestehe rückwir
kend seit Juli 2010
eine Arbeitsfähigkeit von 90
%
(
Urk.
6/113/42 ff.).
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
hielt in seiner
Teil
expertise
fest, die vom Beschwerdeführer geschilderten Beschwerden
würden
den orthopädischen, neurologischen und psychiatrischen Fa
chbereich betreffen
. Die zeitweise Übelkeit und das Erbrechen seien am ehesten als Folge der Medika
menteneinnahme (Analgetika und Morphin) zu interpretieren. Weitere internisti
sche Beschwerden oder Diagnosen seien nicht vorhanden, weshalb in dieser Hin
sicht medizinisch-theoretisch von einer uneingeschränkten Leistungs
fähigkeit für jegliche Tätigkeit auszugehen sei (
Urk.
6/113/48 f.).
Dem neurologischen Teilgutachten von
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Neurologie, ist zu entnehmen, dass der Versicherte hauptsächlich über eine kon
stant bestehende Schmerzsymptomatik, eine vorbestehende Bewegungsein
schränkung der kompletten Halswirbelsäule sowie Nebenwirkungen der Medika
tion - in erster Linie in Form von Müdigkeit, verminderter Belastbarkeit und abnehmender Konzentrationsleistung - geklagt habe (
Urk.
6/113/55).
Aus rein neu
rologischer Sicht hätten sich nur geringfügige Auffälligkeiten gezeigt. Eine Ein
schränkung der Beweglichkeit der Halswirbelsäule
sei infolge der Ver
steifungs
operation nachvollziehbar. Dies gelte ebenso für die Einschränkungen in Bezug auf das Heben und Tragen schwerer Lasten und die Nebenwirkungen der Mor
phintherapie.
Gesamthaft
bestehe für die angestammte Tätigkeit als Lo
gistikmit
arbeiter in einer Bank, die bereits optimal leidensangepasst sei,
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/113/56 f.).
Im interdisziplinären Konsens gelangten die Gutachter zur Auffassung, die ur
sprünglich angestammte Tätigkeit als Lastwagenmechaniker sei dem Versicherten aufgrund der orthopädischen Befunde nicht mehr zumutbar.
Für d
ie zuletzt aus
geübte Tätigkeit im Logistikbereich
, welche zum Teil auch die Wirbelsäule belas
tende Arbeiten beinhaltet habe, bestehe nur mehr eine 50%ige Leistungsfähigkeit bei ganztägiger Präsenzzeit. Eine gut angepasste Verweistätigkeit, wozu auch die vom Versicherten bereits im Logistikbereich ohne die körperlich belastenden Funktionen ausgeübte Tätigkeit zähle, könne dagegen bei ganztägiger Präsenzzeit mit einer um 10
%
reduzierten Leistungsfähigkeit ausgeübt werden (
Urk.
6/113/31).
Diese Beurteilung bestätigten die Gutachter
überdies
mit Stel
lungnahme vom 2
5.
Oktober 2016 (
Urk.
6/134/4).
4.
Dem Beschwerdeführer wurde mit Verfügung vom
9.
Januar 2012 ab Oktober 2011 eine halbe Rente der Invalidenversicherung zugesprochen (
Urk.
6/69).
An
lass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Ver
hältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen.
Namentlich
ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar
(vgl. E. 1.3). In die
sem Zusammenhang ist der Beschwerdegegnerin beizupflichten, dass anhand der Aktenlage mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer zwischenzeitlichen Besserung des Gesu
ndheitszustandes auszugehen ist, die geeignet ist, den Ren
tenanspruch zu beeinflussen.
Dies bestätigen
nicht nur
die Gutachte
r mit dem
Hinweis darauf, dass
sich seit der Implantation der Morphinpumpe im
Juni 2015 (vgl.
Urk.
6/103) das Abhängigkeitspotential weitgehend reduziert habe
, was
auch mit Blick auf die vom Versicherten täglich
zugeführte
Opiat-Dosi
s
deutlich
wird
(vgl.
Urk.
6/52/4
, 6/53/5
[10
0 Milligramm]
und 6/1
26/3 [2.747 Milligramm]).
Darüber hinaus
wiesen die Gutachter auf eine Abnahme der Schmerzsymptomatik hin
(
Urk.
6/113/36), welche der Beschwerdeführer
sowohl gegenüber
ihnen
(
Urk.
6/113/
16
), als auch gegenüber der behandelnden Ärztin
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Neurochirurgie
,
bestätigt hatte.
Jene
ging
von einer massiven Verbesserung der Lebensqualität des Versicherten aus
(
Urk.
6/126/2 f.).
5.
5
.1
Da nach
dem Gesagten
Anlass zur Überprüfung des Rentenanspruchs besteht
, ist
dieser
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend und ohne Bindung an frühere Beurteilungen neu zu prüfen (vgl. E. 1.3).
Im
MEDAS-Gutachten vom 1
1.
März 2016 wurde festgehalten, dass
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Logistikbereich, welche teilweise auch die Wirbelsäule belastende Arbeiten bein
haltet habe, nur mehr eine 50%ige Leistungsfähigkeit bei ganztägiger Präsenzzeit bestehe.
Eine gut angepasste Verweistätigkeit, wozu auch die vom Versicherten bereits im Logistikbereich ohne die körperlich belastenden Funktionen ausgeübte Tätigkeit zähle, könne dagegen bei ganztägiger Präsenzzeit mit einer um 10
%
reduzierten Leistungsfähigkeit ausgeübt werden (
Urk.
6/113/31
, 6/134/4
).
5.2
Da das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 1
1.
März 2016 als medizinische Grundlage für die angefochtene Verfügung diente, ist zunächst auf dessen Be
weiswert einzugehen. Die Expertise basiert auf umfassenden orthopädischen, psy
chiatrischen, internistischen sowie neurologischen Untersuchungen und wurde in detaillierter Kenntnis der
Vorakten
erstellt (
Urk.
6/113/5 ff.). Der Beschwerdefüh
rer konnte gegenüber den einzelnen Gutachtern seine Beschwer
den schildern und wurde von diesen - soweit fachspezifisch erforderlich - eingehend befragt (
Urk.
6/113/15 ff., 6/113/37 ff., 6/113/45 ff. und 6/113/50 ff.). Die geklagten Leiden wurden im Rahmen der Feststellung der Diagnosen berücksichtigt, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dargelegt und erläu
tert wurden (
Urk.
6/113/24 f., 6/113/30 ff., 6/113/44, 6/113/49 und 6/113/56 f.). Soweit möglich setzten sich die Gutachter ausserdem mit vorangegangenen ärzt
lichen Beurteilungen aus
einander (
Urk.
6/113/23 f., 6/113/29 f., 6/113/43 f. und 6/113/56). Gesamthaft erfüllt das polydisziplinäre Gutachten somit die praxis
gemässen formalen Krite
rien für eine beweiswerte medizinische Expertise (vgl. E. 1.4). Soweit ersichtlich wird dies auch seitens der Parteien grundsätzlich nicht bestritten.
5.3
Soweit
d
er
Beschwerdeführer
Widersprüche zum
Z._
-Gutachten vom 2
6.
Oktober 2011 (
Urk.
6/52 f.) geltend macht (
Urk.
1 S. 6 f.), ist hervorzuheben, dass frühere medizinische Beurteilungen keine Bindungswirkung entfalten,
falls
ein Revisionsgrund
vorliegt
.
Davon abgesehen steht d
ie seitens der MEDAS-Gutachter
festgelegte
Arbeitsfähigkeit von 50
%
für teilweise die Wirbelsäule belastende Tätigkeiten (
Urk.
6/113/31)
in keinem
Widerspruch zur Einschätzung
der
Z._
-Gutachter, welche
2011 für die bisher vom Versicherten ausgeübte Tätigkeit am Empfang einer Bank eine
ebensolche
Arbeitsfähigkeit attestierten (
Urk.
6/53/11). Zu jenem Zeitpunkt umfasste diese Tätigkeit
gemäss Angaben des Beschwerdeführers
nebst
eigentlichen Empfangsarbeiten
auch solche in Bezug auf die Schulungsorganisation und die Bereitstellung der Infrastruktur (
Urk.
6/53/4 f.). Dementsprechend beinhaltete sie mit Wirbelsäulenbelastung ver
bundene Arbeiten wie das Heben und Tragen mittelschwerer
Gegenstände (
Urk.
6/19/8).
5.4
Die von den MEDAS-Gutachtern attestierte Arbeitsfähigkeit von 90
%
für Tätig
keiten ohne körper
lich belastende Funktionen ist
nicht in Frage zu stellen. Zwar ging der Versicherte zuletzt bis zur Kündigung durch die Arbeitgeberin nur noch allgemeinen Empfangstätigkeiten, PC-Arbeiten, Sitzungszimmerkontrollen und technischem Support nach, und war in diesem Zusammenhang gemäss
deren
Ein
schätzung
nur zu circa 25
%
leistungsfähig (
Urk.
6/123/1).
Mit dem Hinweis auf die Auffassung der Arbeitgeberin lässt sich die Beurteilung der MEDAS-Gutachter nicht entkräften (vgl.
Urk.
1 S. 7). Dieser kommt keine Beweiseignung zu und es ist aus den Ausführungen der Arbeitgeberin nicht ersichtlich, welche Gesichts
punkte diesen im Einzelnen zu Grunde gelegt wurden. Die vom
Z._
-Gutachten vom 2
6.
Oktober 2011 deutlich abweichende Beurteilung ist sodann nicht nur mit Blick auf die eingetretene Verbesserung nachvollziehbar und begründet. Die da
malige Einschätzung ist widersprüchlich.
So wurde aus rein rheumatologisch-orthopädischer Sicht
basierend auf den Ergebnissen der Evaluation der funk
tio
nellen Leistungsfähigkeit (EFL) ein volles Arbeitspensum für zumutbar erach
tet. Infolge der Morphinabhängigkeit und den damit verbundenen Nebenwirkun
gen attestierte
Dr.
B._
auf psychiatrischer Ebene eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
.
Weshalb im Ergebnis unter Berücksichtigung der chronischen Schmerz
problematik eine
bloss 50%ige Arbeits
fähigkeit
resultierte
,
bleibt unklar, zumal die Schmerzquelle nicht objektiviert werden konnte und sich keine Hinweise für ein dysfunktionales Schmerzverhalten ergeben hatten (
Urk.
6/53/10 f.).
Vor die
sem Hintergrund und
in Anbetracht
der zwischenzeitlich ei
n
getretenen
Besserung des Gesundheitszustandes des Versichert
en (vgl. E. 4.2) ist die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die MEDAS-Gutachter jedenfalls nicht in Zweifel zu zie
hen.
5.5
Dies ist
e
benso wenig mit Blick auf die Berichte der behandelnden Ärzte angezeigt
(vgl.
Urk.
1 S. 8 f.)
.
In diesem Kontext ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass behandelnde Arztpersonen und Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Dementsprechend ist ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten nicht stets in Frage zu stellen, wenn die behandelnden Fachpersonen zu anderslautenden Ein
schätzungen gelangen.
Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab
wei
chende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige
–
und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende
–
Aspekte be
nennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil
des Bundesgerichts
8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2
mit Hin
weisen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]
).
Eben solche
objektiven
Gesichtspunkte gehen namentlich aus den Berichten von
Dr.
H._
vom 2
2.
Juni 2016 (
Urk.
6/126) und 2
0.
Januar 2017 (
Urk.
6/139/1 ff.) nicht her
vor.
So enthalten sie einerseits Ausführungen zum langjährigen Krankheitsver
lauf, welche den Gutachtern bereits aufgrund
ihres
detaillierten Aktenstudiums bekannt waren.
Andererseits sind den Berichten weder in Bezug auf die gestellte Diagnose, noch hinsichtlich der objektiven Befunde Aspekte zu entnehmen, wel
che im Rahmen der Begutachtung unberücksichtigt geblieben sind.
5.6
Schliesslich bleibt in Anbetracht der von
Dr.
E._
diagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
auf das
in d
iesem Zusammenhang
anwendbare
s
trukturierte Beweisverfahren
einzu
gehen
(vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1 ff.)
.
In
Bezug auf die vom Bundesgericht festgelegte Kategorie
„
funktioneller Schweregrad
“
ist
insbesondere von Relevanz, dass
anlässlich der
psychiatrischen Untersuchung
bloss
„
allenfalls
“
leichte psy
chische Störungen festgestellt werden
konnten. Entsprechend geringfügige Ein
schränkungen finden sich auch im individuellen Fähigkeitsprofil (
Urk.
6/113/40 ff.).
Im Weiteren ist anzumerken, dass
hinsichtlich der psychischen Störungen keine Behandlungsresistenz erstellt ist. Eine Intensivierung der medikamentösen Behandlung und der psychiatrischen Betreuung wird
berechtigterweise
als mög
lich erachtet (
Urk.
6/113/43 f.).
Zum Indikator der Persönlichkeit ist festzuhalten, dass
Dr.
E._
zwar
anankastische
Persönlichkeitszüge, jedoch keine Persönlich
keitsstörung feststellen konnte. Diese vermögen
keinen rechtserheblichen Gesundheitsschaden zu begründen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_558/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 4.2.4 mit Hinweis
)
und sind daher nicht als wesentlich res
sourcen
mindernd einzu
stufen
.
Be
treffend das soziale Umfeld
ist zu berücksich
ti
gen, dass der Versicherte
gemäss eigenen Angaben zwar nicht viele Kontakte nach aussen pflegt. Eine soziale Isolation liegt allerdings nicht vor, da er volle
Unterstützung von seiner Ehefrau und
der übrigen
Familie erhält. Zudem steht er in Kontakt mit einem Kollegen und der Nachbarschaft (
Urk.
6/113/18, 6/113/38).
Sodann ist hinsichtlich der Kategorie
„
Konsistenz
“
einerseits
festzuhalten, dass keine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichba
ren Lebensbereichen besteht.
Obschon der Beschwerdeführer auch tagsüber Ruhepausen
zur Entlastung der Wirbelsäule
einlegt, ist durchaus eine geregelte Tagesstruktur vorhanden. Er übernimmt
unter anderem
kleinere Aufgaben im Haushalt und im Garten, tätigt kleinere Besorgungen, nimmt Behandlungstermine wahr, pflegt Kontakt
e
zur Nachbarschaft und kümmert sich um die Haustiere (
6/113/17 f., 6/113/40)
.
Andererseits
nimmt der Versicherte nur alle sechs bis sieben Wochen Termine bei einer Psychologin wahr (
Urk.
6/139/2), was
in Bezug auf die
psychischen Beschwerden auf einen geringen Leidensdruck hindeutet.
In Würdigung der genannten Indikatoren kann gesamthaft festgehalten werden
, dass die aus psychiatrischer Sicht attestierte
geringfügige
Arbeits
unfähigkeit von 1
0
%
für jegliche Tätigkeit (
Urk.
6/113/44)
namentlich in Anbetracht der
leicht
gradig
ausgeprägten objektiven Befunde
, des intakten sozialen Umfelds sowie
des vorhandenen Aktivitätsniveaus
nachvollziehbar ist
.
Überdies
kann eine
Behand
lungsresistenz der psychischen Beschwerden
mit überwiegender Wahrscheinlich
keit ausgeschlossen werden
.
6
.
6
.1
Nach dem Gesagten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit in einer dem individuellen Belastungsprofil angepassten Erwerbstätigkeit auszugehen.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin den Invaliditätsgrad des Versicherten korrekt bemessen hat.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6
.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Valideneinkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Ausgehend von den Angaben im Arbeitgeberbericht vom 2
5.
Februar 2010
(vgl.
Urk.
6/19) und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung legte die IV-Stelle das
Valideneinkommen
für 2015
(Zeitpunkt des Revisionsgesuchs)
auf
Fr.
86'878.55 fest
(
Urk.
6/114), was unbestritten blieb und keinen Anlass für Beanstandungen gibt.
6
.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statisti
schen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der
Beizug
der Lohnstatistik erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkre
ten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
, IVG, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hin
weisen auf die Rechtsprechung).
Die Beschwerdegegnerin hat zwecks Festlegung
des Invalideneinkommens auf den Lohn für Hilfsarbeiten gemäss LSE 2012 zurückgegriffen (
TA1
_tirage_skill_level
, Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschafts
zweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor, Total, Kompetenz
niveau 1, Männer
). Angesichts des Umstandes, dass das Arbeitsverhältnis
seitens der Arbeitgeberin des Versicherten
mit Schreiben vom
6.
April 2017 per 3
0.
November 2017 aufgelöst worden war (
Urk.
6/142/1 f.), und der Beschwerde
führer in der Folge keine anderweitige Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, er
weist sich dieses Vorgehen als korrekt.
Das für das Jahr 2015 berechnete Invali
deneinkommen von
Fr.
59‘959.35 ist ebenfalls nicht zu beanstanden, zumal
dabei die Nominallohnentwicklung, die durchschnittliche betriebsübliche Arbeitszeit
sowie die
von den Gutach
tern attestierte
90%
ige
Arbeitsfähigkeit
Berücksichti
gung fanden
(
Urk.
6/114)
.
Einen Leidensabzug vom Invalideneinkommen hat die IV-Stelle zu Recht nicht vorgenommen
,
da
allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs
einfliessen
und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_833/2017 vom 2
0.
April 2018 E. 2.2 mit Hinweis).
Hinzu kommt, dass unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden können, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als
ausserordentlich
zu bezeichnen sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_61/2018 vom 2
3.
März 2018 E. 6.5.2). Derartige Umstände sind im konkreten Fall nicht ersichtlich und werden vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht.
Soweit der Versicherte sinngemäss vorbringt, seine Restarbeitsfähigkeit nicht mehr verwerten zu können (vgl.
Urk.
1 S. 8), kann ihm nicht beigepflichtet wer
den.
So ist
e
ine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
einzig
in denjenigen Fällen anzunehmen, in denen die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt
(vgl.
Art.
16 ATSG)
praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer ent
sprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erschein
t (Urteil des Bundesgerichts 9C_
485/2014 vom 28.
November 2014 E.
3.3.1 mit Hinweisen)
.
Massgebend können
in diesem Zusammenhang
die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Ein
arbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch
die
Persönlichkeitsstruk
tur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werde
gang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (Urteil des Bundesgerichts 9C_734/2013 vom 13. März 2014 E. 2.1 mit Hin
weisen).
Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es sich
um eine theoretische Grösse, so
dass nicht leichthin angenommen werden kann, die verbliebene Leis
tungsfähigkeit sei unverwertbar.
An der Massgeblichkeit des theoretisch ausge
glichenen Arbeitsmarkt
s
vermag selbst der Umstand nichts zu ändern, dass es für die versicherte Person im Einzelfall schwierig oder gar unmöglich ist, im tatsäch
lichen Arbeitsmarkt eine entsprechende Stelle zu finden (vgl. Urteil
des Bundes
gerichts
8C_237/2011 vom 1
9.
August 2011 E. 2.3).
Diese hohen Anforderungen an die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sind angesichts der konkreten persönlichen Verhältnisse nicht erfüllt. So war der
über langjährige Berufserfah
rung verfügende
Beschwerdeführer im Zeitpunkt, da die medizinischen Unterla
gen eine zuverlässige Feststellung des Sachverhalts erlaubten (vgl. BGE 138
V 457 E. 3.4) - was mit der MEDAS-Begutachtung vom 1
1.
März 2016 der Fall
war - erst rund 52 Jahre alt. Der Gesundheitsschaden ist ferner nicht derart beschaf
fen, dass das Spektrum möglicher Hilfsarbeiten
erheblich
eingeschränkt wird. Dem Versicherten sind
leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne körperlich be
lastende Funktion
en
in temperierten Räumen
sowie
ohne Zeitdruck
zumutbar. In psychischer Hinsicht bestehen ebenfalls nur geringfügige Einschränkungen
(
Urk.
6/113/30 f.).
Mit Blick auf die Persönlichkeitsstruktur lassen allein die diagnostizierten
anankastischen
Persönlichkeitszüge (
Urk.
6/113/44) ebenfalls nicht auf erhebliche Schwierigkeiten bei der Verwertung der Restarbeitsfähigkeit schliessen.
Jedenfalls finden sich keine Hinweise darauf, dass sich dies
e Persön
lichkeitsakzentuierung
im Rahmen des letzten Anstellungsverhältnisses a
ls prob
lematisch erwiesen hätte
(vgl.
Urk.
6/123/1).
6
.4
Auf der Grundlage eines
Valideneinkommens
von
Fr.
86'878.55 sowie eines Invalideneinkommens von
Fr.
59'959.35 hat die IV-Stelle
somit
den Invaliditäts
grad zutreffend auf 31
%
festgelegt ([
Fr.
86'878
.
55 .
/.
Fr.
59'959.35] * 100 /
Fr.
86'878.55; zu den Rundungsregeln vgl. BGE 130 V 121), weshalb kein Ren
tenanspruch mehr besteht (vgl. E. 1.2).
7
.
Zusammenfassend
hat die Beschwerdegegnerin die halbe Rente des Versicherten zu Recht auf den ersten Tag des zweiten Monats nach Zustellung der Verfügung aufgehoben (vgl.
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a der Verordnung über die Invalidenver
sicherung [IVV])
, da kein rentenanspruchsbegründender Invaliditätsgrad
von mindestens 40
%
mehr vorliegt
.
Von weiteren medizinischen Abklärungen sind im Übrigen
keine anderen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon
-
entgegen dem Eventualantrag des Versicherten -
abzusehen ist (antizi
pierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b, 12
2 V 157 E. 1d, 136 I 229 E. 5.3).
Da sich der angefochtene Entscheid (
Urk.
2) somit als korrekt erweist, ist die da
gegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
8
.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Prozessaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.