Decision ID: 224f8a3e-0981-4e5c-b245-6788a700741c
Year: 2023
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte gemeinsam mit seiner Mutter und seinen
Geschwistern (N [...], N [...], N [...] und N [...]), deren Verfahren ebenfalls
am Bundesverwaltungsgericht anhängig gemacht worden sind (Verfah-
rensnummern [...], [...], [...] und [...]), am 3. November 2022 in der
Schweiz um Asyl nach.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit Eurodac) vom 8. November 2022 ergab, dass der Beschwerdeführer
am 24. August 2016 in Bulgarien um Asyl nachgesucht hatte und ihm am
7. Juli 2021 von den bulgarischen Behörden subsidiärer Schutz gewährt
worden war.
C.
Im persönlichen Gespräch vom 23. November 2022 orientierte das SEM
den Beschwerdeführer über den ihm durch die bulgarischen Behörden ge-
währten internationalen Schutz. Auf Nachfrage zu Gründen, warum er Bul-
garien verlassen habe, erklärte er, die bulgarische Bevölkerung habe eine
rassistische Einstellung und behandle Migranten schlecht. So sei er bei
seiner Arbeit in einem bulgarischen Betrieb Lohndiskriminierung ausge-
setzt gewesen und habe bei sportlichen Wettkämpfen seinen Gegnern be-
wusst unterliegen müssen. Bei einem Protest im Jahr 2016 sei er durch die
Polizei geschlagen und verletzt worden. Medizinische Hilfe sei ihm diesbe-
züglich verwehrt worden. Abgesehen von gelegentlichen Schmerzen be-
finde er sich aber bei guter Gesundheit.
D.
Am 9. November 2022 ersuchte die Vorinstanz die bulgarischen Behörden
schriftlich um Rückübernahme des Beschwerdeführers.
E.
Die bulgarischen Behörden stimmten dem Rückübernahmeersuchen des
SEM am 16. November 2022 zu und bestätigten, dass dem Beschwerde-
führer in Bulgarien subsidiärer Schutz ("subsidiary protection") gewährt
worden sei.
D-6030/2022
Seite 3
F.
Mit Stellungnahme vom 16. Dezember äusserte sich der Beschwerdefüh-
rer zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid der Vorinstanz und zur
Wegweisung nach Bulgarien.
Er führte dabei im Wesentlichen aus, dass die geltend gemachten Diskri-
minierungen entgegen der Ansicht des SEM klar systematischer Natur und
durch verschiedenste Quellen belegt seien.
G.
Mit Verfügung vom 19. Dezember 2022 – tags darauf eröffnet – trat das
SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das
Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn aus der Schweiz
weg und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft
dieser Verfügung zu verlassen, ansonsten er in Haft genommen und unter
Zwang nach Bulgarien zurückgeführt werden könne. Ferner beauftragte
das SEM den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und
ordnete die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-
zeichnis an den Beschwerdeführer an.
Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, dem Beschwerdeführer sei in
Bulgarien subsidiärer Schutz gewährt worden und die dortigen Behörden
hätten sich zu seiner Rückübernahme bereit erklärt, weshalb es an einem
schutzwürdigen Interesse an der Behandlung seines Asylgesuches durch
die Schweizer Behörden mangle. Da er in einen Drittstaat reisen könne, in
dem er Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finde,
sei das Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunfts-
staates nicht zu prüfen. Weiter würden weder die in Bulgarien herrschende
Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung in
diesen Staat sprechen. Für ein allfälliges Ersuchen um Wiedererwägung
seines Asylentscheides sei denn nicht die Schweiz, sondern Bulgarien zu-
ständig. Er verfüge in Bulgarien über einklagbare Rechte auf Sozialleistun-
gen, Zugang zu Wohnraum, Ausbildung, Beschäftigung und medizinischer
Versorgung. Personen mit Schutzstatus seien den bulgarischen Staatsan-
gehörigen unter anderem in Bezug auf Zugang zu Sozialhilfe, Krankenver-
sicherung und Arbeitsmarkt gleichgestellt. Zudem würden zahlreiche Hilfs-
organisationen den Schutzbedürftigen ihre Unterstützung anbieten. Bei all-
fälligen Belästigungen oder Übergriffen durch Drittpersonen könne er sich
an die bulgarischen Behörden wenden, die sowohl schutzbereit als auch
schutzfähig seien.
D-6030/2022
Seite 4
H.
Mit Eingabe vom 28. Dezember 2022 erhob der Beschwerdeführer durch
die rubrizierte Rechtsvertretung gegen die vorinstanzliche Verfügung Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte, die angefoch-
tene Verfügung sei aufzuheben und auf sein Asylgesuch sei einzutreten.
Eventualiter sei er vorläufig aufzunehmen. Subeventualiter sei die Sache
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subsubeventualiter seien spezifische
Garantien durch die bulgarischen Behörden einzuholen. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht beantragte er, der Beschwerde sei die aufschiebende
Wirkung zu gewähren, ein superprovisorischer Vollzugsstopp sei zu erlas-
sen und die Akten der Vorinstanz seien zu edieren. Weiter sei ihm die un-
entgeltliche Prozessführung (inklusive Kostenvorschussverzicht) zu ge-
währen und die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin
beizuordnen. Zudem sei sein Verfahren mit denen von B._,
C._, D._ (N [...]), E._ (N [...]), F._ (N [...])
und G._ (N [...]) zu koordinieren.
Zur Begründung führte der Beschwerdeführer unter erneutem Hinweis auf
die allgemein schwierige Situation in Bulgarien aus, es lägen ausreichend
konkrete Hinweise dafür vor, dass Bulgarien ihm im Falle seiner Rückkehr
seine grundlegenden Rechte vorenthalten würde. Trotz seines Schutzsta-
tus sei er völlig auf sich alleine gestellt. Der Zugang zu Sozialleistungen
und Wohnraum sei zwar theoretisch gegeben, unüberwindbare bürokrati-
sche Hürden würden ihm die Beantragung staatlicher Hilfen faktisch aber
verunmöglichen. Eine mangelnde Unterstützung bei der Integration in den
Arbeitsmarkt führe in Verbindung mit einer in Bulgarien allgemein xenopho-
ben Grundstimmung dazu, dass es nur den wenigsten Schutzberechtigten
gelinge, auf dem bulgarischen Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Trotz grund-
sätzlich günstiger rechtlicher Rahmenbedingungen sei die medizinische
und psychiatrische Versorgung von Schutzberechtigten erschwert, da eine
medizinische Behandlung eine Krankenversicherung voraussetze, was
wiederum eine Meldeadresse bedinge. Institutionelle Diskriminierung und
Angriffe aus der Bevölkerung seien zudem weitverbreitet, was der Be-
schwerdeführer respektive seine Familie denn auch eigens hätten erfahren
müssen.
I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
28. Dezember 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
D-6030/2022
Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das vorliegende Beschwerdeverfahren D-6030/2022 wird antragsgemäss
mit jenen der übrigen Familienmitglieder (F._ [N 797 300],
E._ [{...}], G._ [{...}] und B._, C._,
D._ [{...}]) koordiniert. Über deren Beschwerden wird gleichzeitig,
aber in separaten Verfahren befunden (vgl. Verfahrensnummern [...], [...],
[...] und [...]).
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-
deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
– unter Vorbehalt der nachstehenden Erwägung – einzutreten (Art. 108
Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.2 Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung
zu und die Vorinstanz hat diese nicht entzogen (Art. 55 VwVG). Auf das
Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie den Antrag auf
superprovisorische Anweisung der Behörden wird daher mangels Rechts-
schutzinteresses nicht eingetreten.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vor-
instanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2
m.w.H.). Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Vollzugs hat das
SEM eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Gericht diesbe-
züglich volle Kognition zukommt.
D-6030/2022
Seite 6
5.
Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt –
als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu
behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
6.
6.1 In der Beschwerdeschrift wird eine Verletzung der Untersuchungs-
pflicht gerügt, da die Vorinstanz den medizinischen Sachverhalt nicht voll-
ständig abgeklärt und die konkrete Situation des Beschwerdeführers in
Bulgarien nicht rechtsgenüglich analysiert habe.
6.2 Der Beschwerdeführer vermengt mit seiner Kritik an der Einschätzung
der Vorinstanz die Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache. In den Akten fin-
den sich keine Hinweise darauf, dass die Vorinstanz seine Situation in Bul-
garien nicht sorgfältig und ernsthaft geprüft und in der Entscheidfindung
berücksichtigt hätte. Zudem befindet er sich gemäss eigenen Angaben –
abgesehen von gelegentlichen Schmerzen in der Seite – bei guter Gesund-
heit (vgl. A19/3). Bei dieser Sachlage konnte das SEM zu Recht darauf
verzichten, weitere Abklärungen zum Gesundheitszustand des Beschwer-
deführers zu veranlassen. Bezeichnenderweise wird denn auch auf Be-
schwerdeebene dazu weder Näheres vorgebracht noch werden entspre-
chende Arztberichte eingereicht. Eine Verletzung der Untersuchungspflicht
ist nicht ersichtlich. Die formelle Rüge erweist sich demnach als unbegrün-
det und der Rückweisungsantrag ist abzuweisen.
7.
7.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten, wenn die asylsuchende Person in einen sicheren Drittstaat nach
Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem sie sich vorher
aufgehalten hat.
Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellungen
effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG be-
steht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den Be-
schluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche Län-
der der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsasso-
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ziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet. An der Qualifikation Bul-
gariens als sicherer Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG hält
der Bundesrat seither fest.
7.2 Den Akten zufolge wurde dem Beschwerdeführer am 7. Juli 2021 in
Bulgarien subsidiärer Schutz gewährt. Zudem haben die bulgarischen Be-
hörden einer Rückübernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich und
vorbehaltlos zugestimmt (vgl. A8/1 und A15/1). Der Beschwerdeführer be-
streitet dies denn auch nicht. Das Land ist unter anderem Signatarstaat
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) und es bestehen weder objektive Anhaltspunkte noch
substanzielle Hinweise für eine drohende Rückschiebung in seinen Hei-
matstaat unter Verletzung des Refoulement-Verbots.
7.3 Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. a AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten.
8.
8.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück-
sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.3
9.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
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Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
9.3.2 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten – wie
Bulgarien – die Vermutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtun-
gen, darunter im Wesentlichen das Refoulement-Verbot und grundlegende
menschenrechtliche Garantien, einhalten. Es obliegt der betroffenen Per-
son, diese Legalvermutungen umzustossen. Dazu hat sie ernsthafte An-
haltspunkte dafür vorzubringen, dass die Behörden des in Frage stehen-
den Staates im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den not-
wendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensum-
ständen aussetzen würden respektive, dass sie im in Frage stehenden
Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder
gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. etwa
das Referenzurteil BVGer E-3427/2021 und E-3431/2021 vom 28. März
2022 [Griechenland] E. 11.4).
Das Gericht geht davon aus, dass Bulgarien als Signatarstaat der EMRK,
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe
(FoK, SR 0.105) und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom
31. Januar 1967 (SR 0.142.301) seinen entsprechenden völkerrechtlichen
Verpflichtungen nachkommt.
9.3.3 Der Beschwerdeführer hat in Bulgarien einen subsidiären Schutzsta-
tus zugesprochen bekommen. Als Schutzberechtigter kann er sich auf die
Garantien der Richtlinie 2011/95/EU des europäischen Parlaments und des
Rates vom 13. Dezember 2011 (Qualifikationsrichtlinie) berufen – insbe-
sondere die Regeln betreffend den Zugang zu Beschäftigung [Art. 26], Bil-
dung [Art. 27], Sozialhilfeleistungen [Art. 29], Wohnraum [Art. 32] und me-
dizinischer Versorgung [Art. 30]) –, zu deren Einhaltung Bulgarien als EU-
Mitgliedstaat verpflichtet ist. Aus den Akten ergeben sich keine Anhalts-
punkte dafür, dass er für den Fall einer Rückkehr nach Bulgarien mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK ver-
botenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Es ist unbestritten,
dass die Lebensbedingungen in Bulgarien mitunter schwierig sind; den-
noch ist im heutigen Zeitpunkt nicht von einem "real risk" auszugehen, dass
der Beschwerdeführer bei seiner Rückkehr in diesen Staat einer men-
schenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt wäre. Auch unter Berücksich-
tigung der Schwächen des bulgarischen Aufnahmesystems vermag die
blosse Möglichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus nicht voraussehbaren
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Seite 9
Gründen in eine missliche Lebenssituation zu geraten, die einer Ausset-
zung einer existenziellen Notlage und andauernden menschenrechtswidri-
gen Behandlung gleichkäme, die Schwelle eines entsprechenden "real
risk" nicht zu erreichen (vgl. Urteil des BVGer E-3453/2022 vom 27. De-
zember 2022 E. 8.3).
9.3.4 Der Beschwerdeführer macht wiederholt geltend, er sei ver-
schiedentlich diskriminiert und schikaniert sowie bei einer Demonstration
geschlagen worden. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass es bedauerlicher-
weise keinem Staat gelingt, seine Einwohner jederzeit und überall vor
Übergriffen zu schützen. Bulgarien ist indes ein Rechtsstaat, der über ei-
nen funktionierenden Polizei- und Justizapparat verfügt. Der Beschwerde-
führer wäre somit gehalten, in Bulgarien Anzeige gegen allfällige Täter zu
erstatten. Es liegen keine Hinweise vor, dass die zuständigen bulgarischen
Behörden ihm den erforderlichen Schutz oder eine Anzeigeerstattung ver-
weigern würden.
9.3.5 Zusammenfassend erweist sich der Vollzug der Wegweisung somit
als zulässig.
9.4
9.4.1 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht die Vermutung, dass eine
Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist
(vgl. Anhang 2 der Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung
sowie der Landesverweisung von ausländischen Personen [VVWAL,
SR 142.281]). Der Bundesrat ist auf seine diesbezügliche Einschätzung,
welche periodisch zu überprüfen ist (vgl. Art. 83 Abs. 5bis AIG), bisher nicht
zurückgekommen.
9.4.2 Die Vorinstanz hat zutreffend auf die Verpflichtungen Bulgariens ge-
genüber Schutzberechtigten bezüglich Unterbringung, medizinischer Ver-
sorgung, Sozialhilfe und Erwerbstätigkeit hingewiesen, welche sich insbe-
sondere aus der Qualifikationsrichtlinie sowie aus der Flüchtlingskonven-
tion ergeben. Die Schutzberechtigten können sich auf die Garantien in der
Qualifikationsrichtlinie berufen. Es darf vom Beschwerdeführer erwartet
werden, sich bei Unterstützungsbedarf an die bulgarischen Behörden zu
wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzu-
fordern. Mit dem erneut lediglich pauschalen Vorbringen, die Aufenthalts-
bedingungen in Bulgarien seien generell schlecht, hat er keine konkreten
Hinweise für die Annahme dargetan, dieser Drittstaat würde ihm nach Ge-
währung des Schutzstatus dauerhaft die ihm gemäss diesen Richtlinien
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zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Insbesondere
gelingt es ihm damit nicht, die Legalvermutung umzustossen. An dieser
Einschätzung ändern auch die in der Beschwerdeschrift thematisierten all-
gemeinen Länderberichte nichts.
9.4.3 Bei dieser Sachlage besteht auch kein Anlass für die Einholung indi-
vidueller Garantien betreffend die adäquate Unterbringung und den Zu-
gang zu medizinischer Versorgung.
9.4.4 Somit lassen weder die allgemeine Situation in Bulgarien noch indi-
viduelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers im
Falle einer Rückkehr dorthin schliessen. Der Vollzug der Wegweisung er-
weist sich damit auch als zumutbar.
9.5 Schliesslich ist der Vollzug der Wegweisung auch möglich (Art. 83
Abs. 2 AIG), nachdem die bulgarischen Behörden einer Rückübernahme
des Beschwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben und er dort auf-
grund seines Schutzstatus über eine gültige Aufenthaltsbewilligung verfügt.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die
Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
amtlichen Rechtsverbeiständung sind abzuweisen, da die Begehren – wie
sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu be-
zeichnen sind. Angesichts des vorliegenden Direktentscheids wird das Ge-
such um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegen-
standslos.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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