Decision ID: 38333a7a-e7a7-5384-b590-c3cf8445d655
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Gesuchsteller suchte am 25. Januar 2011 in der Schweiz um Asyl
nach. Mit Verfügung vom 22. Februar 2011 wies das Bundesamt für Migra-
tion (heute: SEM) sein Asylgesuch ab, stellte aber gleichzeitig fest, er er-
fülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Artikel 3 Abs. 1 und 2 AsylG (SR
142.31) aufgrund Vorliegens subjektiver Nachfluchtgründe und verfügte die
vorläufige Aufnahme.
B.
Am 20. Juli 2016 ersuchte der Gesuchsteller für seine in Indien lebende
Ehefrau und die gemeinsame Tochter um Einbezug in seine Flüchtlingsei-
genschaft.
C.
C.a Am 5. September 2016 ging bei der zuständigen kantonalen Behörde
ein Schreiben ein, in dem behauptet wurde, der Gesuchsteller habe ge-
genüber den Schweizer Behörden nicht die Wahrheit gesagt. Er sei bereits
im Alter von drei Jahren nach Indien gelangt und anschliessend in
B._ in einer tibetischen Schule eingeschult worden. Nachdem er die
Schule abgebrochen habe, sei er zur indischen Armee gegangen, für die
er als (...) gearbeitet habe. Er verfüge in Indien über die notwendigen Pa-
piere. In der Folge wurde der Gesuchsteller von der kantonalen Behörde
befragt, wobei er bestritt, dass diese Darstellung der Wahrheit entspreche.
C.b Am 22. Juni 2017 ersuchte das SEM die Schweizer Botschaft in New
Delhi, Indien (nachfolgend: Botschaft), um die Vornahme von Abklärungen
bezüglich der ihm übermittelten Informationen. Am 26. September 2017
wurde das SEM über die Ergebnisse der Abklärungen informiert.
C.c Mit Verfügung vom 31. Mai 2018 erkannte das SEM dem Gesuchsteller
die Flüchtlingseigenschaft ab und hob die vorläufige Aufnahme auf. Gleich-
zeitig wurde der Kanton C._ mit dem Vollzug der Wegweisung be-
auftrage und ein Vollzug in die Volksrepublik China ausgeschlossen.
Begründet wurde die Verfügung damit, die Botschaft habe beim Bureau of
his Holiness The Dalai Lama in New Delhi die Personalien des Gesuch-
stellers überprüfen lassen, wobei sich herausgestellt habe, dass er bei der
exiltibetischen Behörde in Indien registriert sei. Er sei im Besitz eines Iden-
tity Certificate sowie eines Residence Certificate. Das Büro habe ebenfalls
bestätigt, dass er in Indien ein anerkannter tibetischer Flüchtling sei und
D-5244/2020
Seite 3
dorthin zurückkehren könne. Die Abklärungen hätten die Angaben in den
Denunziations-Schreiben bestätigt. Es rechtfertige sich somit, ihm auf-
grund seiner Falschangaben die Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen. In
seiner Stellungnahme habe er den Abklärungsergebnissen sodann nichts
entgegenhalten können. Er sei in Indien nicht nur unter dem Namen
D._ registriert, sondern auch sein Geburtsdatum, der Geburtsort
und die Namen seiner Eltern würden mit den im Asylverfahren gemachten
Angaben übereinstimmen. Ausserdem habe er bis heute keine Beweismit-
tel eingereicht, die seine Behauptung, er habe bis 2011 in Lhasa gelebt,
stützen könnten. Ferner habe er keine rechtsgenüglichen Identitätspapiere
eingereicht, die belegen könnten, dass er nicht die in Indien als Flüchtling
registrierte Person sei. Es stehe fest, dass er in Indien anerkannter Flücht-
ling sei, dort über einen geregelten Aufenthaltsstatus verfüge und nach In-
dien reisen könne. Ferner bestehe ein gewichtiges öffentliches Interesse
daran, die zu Unrecht verfügte vorläufige Aufnahme zu beenden. Der Ge-
suchsteller befinde sich seit sieben Jahren in der Schweiz, womit noch
nicht von einem langen Aufenthalt zu sprechen sei. Er habe hier keine An-
gehörigen, weshalb sein privates Interesse am Verbleib in der Schweiz als
gering einzustufen sei. Es bestehe ein gewichtiges öffentliches Interesse,
dem Gesuchsteller die ungerechtfertigt gewährte Rechtsposition wieder zu
entziehen und die vorgesehenen rechtlichen Folgen durchzusetzen. Dies
diene nicht nur der Wiederherstellung der realen Sach- und Tatsachenum-
stände, sondern bezwecke auch die Bestätigung der in überwiegender
Mehrheit rechtskonform handelnden Ausländer. Der Vollzug diene somit
dem Rechtsfrieden und der Rechtstreue der Gesamtheit der Rechtsunter-
worfenen. Insgesamt sei von einem hohen öffentlichen Interesse auszuge-
hen. Die Massnahme sei demnach verhältnismässig.
C.d Mit Eingabe vom 2. Juli 2018 erhob der Gesuchsteller gegen diesen
Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte,
die vorinstanzliche Verfügung vom 31. Mai 2018 sei aufzuheben. Ferner
wurde im Wesentlichen beantragt, es sei eine Expertise einzuholen zwecks
Überprüfung der Echtheit des bei den Verfahrensakten liegenden Führer-
scheins sowie alle entscheidrelevanten Akten, insbesondere die Schreiben
von E._ und die Schreiben der Schweizer Botschaft in Indien seien
zu edieren.
Zur Begründung wurde angeführt, das SEM habe die Identität des Gesuch-
stellers mit jener einer anderen Person verwechselt, wodurch es den
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig festgestellt habe. Seine ehemalige
D-5244/2020
Seite 4
Freundin habe gegen ihn aus Eifersucht eine Intrige in Gang gesetzt. Ge-
mäss den Abklärungen der Botschaft gebe es in Indien eine Person mit
dem gleichen Vornamen wie er, nicht jedoch mit dem gleichen Familienna-
men. F._ und G._ seien verbreitete Namen und die in Indien
lebende Person habe offenbar Eltern mit den gleichen Vornamen wie er.
Die gleichen Geburtsdaten seien erstaunlich, aber kein ausreichender
Identitätsnachweis. Der bei den Akten liegende Führerschein gehöre nicht
ihm, er könne nicht Auto fahren. Seine Ehefrau habe eine behördliche Er-
klärung abgegeben, der zu entnehmen sei, dass er in Tibet geboren sei
und die beiden indischen Ausweise nicht ihm gehörten. Diese Erklärung
erbringe den Beweis, dass er nicht die in Indien registrierte Person sei. Er
habe seine Familie in Tibet gebeten, ihm eine behördliche Wohnsitzbestä-
tigung bis zur Flucht zu senden. Dies sei angesichts der in Tibet herrschen-
den Repression schwierig.
C.e Das Bundesverwaltungsgericht wies diese Beschwerde mit Urteil
D-3824/2018 vom 27. August 2018 ab.
D.
Am 23. September 2020 gelangte der Gesuchsteller an die Vorinstanz und
reichte ein Schulzertifikat und eine persönliche Spitalkarte aus Tibet sowie
ein Referenzschreiben der Tibetergemeinschaft H._ (jeweils mit
Übersetzung) als Beweis für seine tibetische Herkunft ein. Ferner lässt sich
dem Schreiben entnehmen, dass ein Verfahren betreffend Härtefallgesuch
beim Verwaltungsgericht des Kantons C._ hängig sei. Mit Schrei-
ben vom 8. Oktober 2020 bestätigte das SEM den Eingang dieser Eingabe
und stellte fest, es würden daraus keine Rechtsbegehren hervorgehen,
weshalb diese ohne weitere Handlungsschritte zu den Akten genommen
werde.
E.
In der Folge gelangte der Gesuchsteller am 13. Oktober 2020 erneut an
die Vorinstanz und beantragte, die Verfügung vom 31. Mai 2018 sei aufzu-
heben, seine Flüchtlingseigenschaft sei wieder anzuerkennen und ihm sei
die vorläufige Aufnahme zu erteilen. Zur Begründung führte er im Wesent-
lichen an, er habe am 23. September 2020 Beweismittel eingereicht, wel-
che belegen würden, dass er bis im Jahr 2011 in Lhasa gelebt habe und
direkt von dort in die Schweiz gekommen sei. Das Schulzertifikat und die
Spitalkarte seien ihm von seinem Onkel aus Tibet geschickt worden, wobei
er auch das entsprechende Couvert eingereicht habe. Es stehe somit fest,
dass er nicht wie vom SEM behauptet im Alter von dreieinhalb Jahren nach
D-5244/2020
Seite 5
Indien gegangen sei und dort über eine Aufenthaltsbewilligung verfüge. Es
sei nicht richtig, dass er nach Indien gehen könne. Die Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft am 21. Februar 2011 sei zu Recht erfolgt. Ihm sei
daher die vorläufige Aufnahme rückwirkend per 21. Februar 2011 wieder
zu erteilen.
F.
Mit Schreiben vom 22. Oktober 2020 überwies das SEM die Eingabe vom
13. Oktober 2020 mit den gesamten bereits bestehenden Verfahrensakten
zur weiteren Behandlung an das Bundesverwaltungsgericht und stellte
fest, diese sei als Revisionsgesuch zu qualifizieren und falle entsprechend
nicht in die Zuständigkeit des SEM. Die Eingabe beruhe auf Beweismitteln,
die vorbestehende, zum Nachteil des Gesuchstellers unbewiesen geblie-
bene Tatsachen beweisen sollten. Die Beweismittel seien – abgesehen von
dem Bestätigungsschreiben der Tibetergemeinschaft H._ – vor
dem materiellen Beschwerdeurteil entstanden. Zum Bestätigungsschrei-
ben der Tibetergemeinschaft H._ wurde festgehalten, dass es sich
dabei nicht um ein erhebliches Beweismittel im Sinne der Bestimmung von
Art. 111b Abs. 1 AsylG i. V. m. Art. 66 Abs. 1 Bst. a VwVG handle und dieses
nicht geeignet sei, die Verfügung des SEM vom 31. Mai 2018 in Wiederer-
wägung zu ziehen.
G.
Am 26. Oktober 2020 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug per sofort
einstweilen aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG auf
dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Beschwerden gegen
Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Es
ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die es in seiner
Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE 2007/21 E. 2.1).
1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts die Art. 121–128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG
findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67
Abs. 3 VwVG Anwendung.
D-5244/2020
Seite 6
1.3 Der Gesuchsteller versucht mit der Nachreichung von Beweismitteln
den im vorangegangenen Beschwerdeverfahren vorgebrachten Aufenthalt
in Tibet bis im Jahr 2011 zu belegen und macht damit die ursprüngliche
Fehlerhaftigkeit des Beschwerdeentscheids vom 27. August 2018 geltend.
1.4 Der Gesuchsteller ist durch das betreffende Beschwerdeurteil vom
27. August 2018 besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse
an dessen Aufhebung oder Änderung. Er ist daher zur Einreichung des Re-
visionsgesuchs legitimiert (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG in analogiam).
2.
2.1 Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision wird die Unab-
änderlichkeit und Massgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschwerdeent-
scheids angefochten, im Hinblick darauf, dass die Rechtskraft beseitigt
wird und über die Sache neu entschieden werden kann (vgl. BVGE 2012/7
E. 2.4.2 mit Verweis auf BVGE 2007/21).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus
den in Art. 121–123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG).
Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revi-
sion nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte gel-
tend machen können (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG e contrario; sinngemäss
Art. 46 VGG).
2.3 An die Begründung ausserordentlicher Rechtsmittel werden erhöhte
Anforderungen gestellt. Reine Urteilskritik genügt den gesetzlichen Anfor-
derungen an die Begründung eines Revisionsgesuchs nicht. Das Gesetz
umschreibt die Revisionsgründe eng, die Rechtsprechung handhabt sie
restriktiv (vgl. ELISABETH ESCHER, in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger [Hrsg.],
Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2011, Art. 121 N 1;
NICOLAS VON WERDT in: Seiler/von Werdt/Güngerich/Oberholzer, Stämpflis
Handkommentar SHK, Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2015, Art. 121 N 9).
Im Revisionsgesuch ist darzulegen, welcher gesetzliche Revisionsgrund
angerufen und welche Änderung des früheren Entscheids beantragt wird.
Die in Art. 121–123 BGG enthaltene Aufzählung der Revisionsgründe ist
abschliessend (Verletzung von Ausstandspflichten; Nichtbeurteilung von
Anträgen; versehentliche Nichtberücksichtigung von in den Akten liegen-
den Tatsachen; Verletzung der EMRK nach Vorliegen eines Entscheids des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte; nachträgliches Erfahren
von erheblichen Tatsachen oder Auffinden von entscheidenden Beweismit-
teln, unter Ausschluss von Tatsachen oder Beweismitteln, die erst nach
D-5244/2020
Seite 7
dem Entscheid entstanden sind). Für die Zulässigkeit eines Revisionsbe-
gehrens ist es nicht erforderlich, dass der angerufene Revisionsgrund tat-
sächlich besteht, sondern es genügt, wenn der Gesuchsteller dessen Be-
stehen behauptet und hinreichend begründet.
2.4 Der Gesuchsteller ruft mit der Nachreichung von Beweismitteln sinnge-
mäss den gesetzlichen Revisionsgrund von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG an.
Das Revisionsgesuch vom 13. Oktober 2020 ist damit grundsätzlich hinrei-
chend begründet (vgl. E. 2.3).
2.5 Gemäss Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG ist das Revisionsgesuch innert
90 Tagen seit Kenntnis der nachträglich erfahrenen Tatsache oder des auf-
gefundenen Beweismittels einzureichen. Dem mit den Beweismitteln ein-
gereichten Briefumschlag ist zu entnehmen, dass dieser am 31. Juli 2020
aufgegeben wurde. Damit ist besagte Frist von Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG
als gewahrt zu erachten.
3.
3.1 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann in öffentlich-rechtlichen An-
gelegenheiten die Revision eines Urteils verlangt werden, wenn die ersu-
chende Partei nachträglich erhebliche Tatsachen erfährt oder entschei-
dende Beweismittel auffindet, die sie im früheren Verfahren nicht beibrin-
gen konnte, unter Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die erst
nach dem Entscheid entstanden sind.
Der Revisionsgrund der nachträglich erfahrenen Tatsache beinhaltet zum
einen, dass sich diese bereits vor Abschluss des Beschwerdeverfahrens
verwirklicht haben muss; als Revisionsgrund sind somit lediglich soge-
nannte unechte Noven zugelassen. Zum anderen verlangt Art. 123 Abs. 2
Bst. a BGG, dass die gesuchstellende Partei die fragliche Tatsache res-
pektive das entsprechende Beweismittel während des vorangegangenen
Verfahrens, das heisst bis zur Urteilsfällung, nicht gekannt hat und deshalb
nicht geltend machen konnte. Ausgeschlossen sind damit auch Umstände
und Beweismittel, welche die gesuchstellende Partei bei pflichtgemässer
Sorgfalt hätte kennen können, ebenso, wenn die Entdeckung der erhebli-
chen Tatsachen oder Beweismittel auf Nachforschungen beruht, die be-
reits im früheren Verfahren hätten angestellt werden können, denn darin ist
eine unsorgfältige Prozessführung der gesuchstellenden Partei zu erblicken
(vgl. zum Ganzen ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,
Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 306
Rz. 5.47). Dass es einer gemäss Art. 123 BGG um Revision ersuchenden
D-5244/2020
Seite 8
Partei nicht möglich war, Tatsachen und Beweise bereits im früheren Verfah-
ren vor- beziehungsweise beizubringen, ist nur mit Zurückhaltung anzuneh-
men. Der Revisionsgrund der unechten Noven dient nicht dazu, bisherige
Unterlassungen in der Beweisführung wiedergutzumachen (vgl. ELISABETH
ESCHER, a.a.O., Art. 123 N 8). Revisionsweise eingereichte Beweismittel
sind nur dann als neu zu qualifizieren und beachtlich, wenn sie entweder
neue erhebliche Tatsachen erhärten oder geeignet sind, dem Beweis von
Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen,
aber zum Nachteil der gesuchstellenden Partei unbewiesen geblieben
sind, respektive wenn sie bei Vorliegen im ordentlichen Verfahren vermut-
lich zu einem anderen Entscheid geführt hätten. Es genügt nicht, wenn sie
zu einer neuen Würdigung bereits bekannter Tatsachen führen sollen; für
eine andere Würdigung des Sachverhalts besteht im Rahmen eines Revi-
sionsverfahrens kein Raum.
3.2 Vorliegend ist somit zu prüfen, ob der Gesuchsteller nach Erlass des
Beschwerdeurteils vom 27. August 2018 erhebliche Tatsachen erfahren
oder Beweismittel aufgefunden hat, die vor dem Entscheid entstanden
sind, er aber im vorangegangenen Verfahren nicht hatte geltend machen
respektive beibringen können. Weiter ist zu prüfen, ob die neuen Vorbrin-
gen und Dokumente bei zumutbarer Sorgfalt bereits im früheren Verfahren
hätten geltend gemacht respektive beigebracht werden können, und ob sie
für die Tatbestandsermittlung entscheidend sind, das heisst, ob sie geeig-
net sind, die tatbeständliche Grundlage des Beschwerdeurteils vom 27. Au-
gust 2018 zu ändern und zu einem anderen Ergebnis zu führen.
3.2.1 Dem Gesuchsteller ist es im Rahmen des vorangegangenen Verfah-
rens nicht gelungen glaubhaft zu machen, dass es sich bei ihm nicht um
die gemäss Informationen der Botschaft in Indien registrierte Person han-
delt und er bis zu seiner Reise in die Schweiz im Jahr 2011 in Tibet gelebt
hat. Im Hinblick auf die neu eingereichten Beweismittel ist festzuhalten,
dass diese seinen Aufenthalt in Tibet bis ins Jahr 2011 ebenfalls nicht zu
beweisen vermögen. So handelt es sich dabei nicht um behördliche Doku-
mente und sie verfügen über keine Sicherheitsmerkmale. Nach wie vor lie-
gen keine Identitätspapiere des Gesuchstellers vor, die belegen könnten,
dass es sich bei ihm um eine andere als die in Indien registrierte Person
handelt. Ganz im Gegenteil erscheint es als sehr unwahrscheinlich, dass
in Indien eine Person mit fast gleichem Namen und identischem Geburts-
datum existiert, deren Eltern auch noch gleich heissen wie jene des Ge-
suchstellers. Dessen Behauptung, dabei handle es sich um einen sehr er-
staunlichen Zufall, vermag nicht zu überzeugen. Dass die Denunziation
D-5244/2020
Seite 9
aus Eifersucht erfolgt sei, ändert daran ebenfalls nichts. Die eingereichten
Dokumente sind nach dem Gesagten nicht geeignet, die Glaubhaftigkeit
der im vorangegangenen Beschwerdeverfahren als unglaubhaft beurteilten
Vorbringen des Gesuchstellers zu belegen. Die Beweismittel sind nicht als
beweistauglich und somit auch nicht als erheblich (d.h. Beweismittel, wel-
che bei ihrer Berücksichtigung dazu geführt hätten, dass der angefochtene
Entscheid anders ausgefallen wäre) im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a
BGG zu qualifizieren. Mangels revisionsrechtlicher Erheblichkeit im Sinne
von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG vermögen sie somit auch kein Wegwei-
sungshindernis zu begründen.
4.
Dem Gesuchsteller ist es damit nicht gelungen, Gründe darzulegen res-
pektive relevante Beweismittel vorzulegen, die eine Revision des Be-
schwerdeurteils D-3824/2018 vom 27. August 2018 rechtfertigen würden.
Das Revisionsgesuch vom 13. Oktober 2020 ist demzufolge abzuweisen.
Der am 26. Oktober 2020 angeordnete Vollzugsstopp ist damit hinfällig.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1’500.– dem
Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG;
Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
D-5244/2020
Seite 10