Decision ID: e6b01ff4-7559-40c6-8326-083be37a8f17
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit 1. April 1991 als Entwicklungsingenieur
bei der B._ AG tätig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(Suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert (Suva-act. 2).
A.a.
Am 19. Dezember 2008 meldete die Arbeitgeberin der Suva einen Unfall des
Versicherten vom 31. Mai 2006. Dieser habe sich beim Einladen des Gepäcks in ein
Mietauto (Beinahesturz an Auto) einen Bandscheibenvorfall und einen Muskelriss am
rechten Oberarm zugezogen (Suva-act. 2). Mit Verfügung vom 25. März 2009 lehnte die
Suva ihre Leistungspflicht mangels eines sicheren oder wahrscheinlichen
Kausalzusammenhangs zwischen den gemeldeten Rückenbeschwerden und dem
Unfallereignis vom 31. Mai 2006 ab (Suva-act. 11). Aufgrund der Schilderung eines
Sturzes in der Einsprache vom 31. März 2009 (Suva-act. 12) änderte sie mit
Einspracheentscheid vom 9. Juli 2009 in teilweiser Gutheissung der Einsprache die
Verfügung vom 25. März 2009 ab und anerkannte einen Anspruch auf die gesetzlichen
Versicherungsleistungen bis zum 31. Mai 2007 (Suva-act. 20). Der Einspracheentscheid
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.b.
Am 19. Dezember 2018 meldete die Arbeitgeberin des Versicherten bei der Suva
einen Rückfall (Rückfalldatum vom 17. November 2018) zum Unfall vom 31. Mai 2006
mit einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit vom 26. November bis 2. Dezember 2018 an
(Suva-act. 51, eingeordnet nach Suva-act. 23). Auf dem Beiblatt zur Schadenmeldung
UVG (Suva-act. 51-2) gab die Arbeitgeberin den Rückfall irrtümlicherweise zu einem
A.c.
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Unfall vom 27. Juli 2015 (vgl. zu diesem Unfall bzw. dem dazugehörigen Rückfall vom
20. Mai 2016 den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17.
Oktober 2019, UV 2018/30, Suva-act. 47) an, was der Versicherte mit Schreiben vom
14. Januar 2019 richtigstellte (Suva-act. 24). Er hielt ausserdem fest, dass vom Unfall
von 2006 sowohl die Schulter als auch die Bandscheibe betroffen gewesen seien. Das
Ereignis sei heftig genug gewesen, sowohl den Muskelabriss an der Schulter zu
verursachen als auch unter der drehenden Bewegung die Bandscheibe zu
beeinträchtigen (Suva-act. 24). Mit Schreiben vom 21. Januar 2019 machte der
Versicherte geltend, eine Revision sei dann gültig, wenn ein neues Beweismittel
eingereicht werde. Als neuer Beweis sei der Muskel(ab)riss vom 31. Mai 2006
eingereicht worden. Er ersuche um eine einsprachefähige Verfügung (Suva-act. 26; vgl.
zum Ganzen Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 1.
September 2020, UV 2019/58, Sachverhalt A.e, Suva-act. 67 S. 3 f.).
Mit Verfügung vom 28. Januar 2019 lehnte die Suva eine "Revision" des
Einspracheentscheids vom 9. Juli 2009 bzw. das Revisionsgesuch vom 21. Januar
2019, mit welchem der Versicherte in Bezug auf das Ereignis vom 31. Mai 2006 einen
seinerzeit nicht berücksichtigten Muskelabriss geltend mache, ab (Suva-act. 28). Die
vom Versicherten gegen diese Verfügung am 24. Februar 2019 erhobene Einsprache
(Suva-act. 35 und 40) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 15. Juli 2019 ab
(Suva-act. 44). Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte mit Eingabe
vom 13. September 2019 (Suva-act. 45) Beschwerde beim Versicherungsgericht (vgl.
zum Ganzen Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 1.
September 2020, UV 2019/58, Sachverhalt A.f ff., Suva-act. 67 S. 4).
A.d.
Am 10. März 2020 meldete die Arbeitgeberin des Versicherten einen weiteren
Rückfall (Rückfalldatum vom 22. Februar 2020) zum Unfall vom 31. Mai 2006 mit einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit vom 22. bis 25. Februar 2020 an (Suva-act. 55).
A.e.
Mit Entscheid vom 1. September 2020 wies das Versicherungsgericht die
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der Suva vom 15. Juli 2019 betreffend
Revisionsgesuch (vgl. oben Sachverhalt A.c und A.d) ab, wies die Suva jedoch im
Sinne eines obiter dictums darauf hin, dass sie das mit der Rückfallmeldung vom 19.
A.f.
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B.
C.
Dezember 2018 verbundene Leistungsgesuch zu prüfen und darüber eine anfechtbare
Verfügung zu erlassen habe (Suva-act. 67).
In der Folge tätigte die Suva weitere Abklärungen (vgl. Suva-act. 68 ff.). Mit
Verfügung vom 19. Februar 2021 eröffnete die Suva dem Versicherten nach Einholung
kreisärztlicher Beurteilungen der Kausalität zwischen den Rücken- und
Schulterbeschwerden sowie dem Unfall vom 31. Mai 2006 (Suva-act. 86 und 89), dass
sie keine Leistungen im Zusammenhang mit den von ihm veranlassten
Rückfallmeldungen vom 19. Dezember 2018 (Suva-act. 51, eingeordnet nach Suva-act.
23) und 10. März 2020 (Suva-act. 55) erbringen werde, da zwischen den gemeldeten
Rücken- und Schulterbeschwerden rechts und dem Unfallereignis vom 31. Mai 2006
kein sicherer oder überwiegend wahrscheinlicher Kausalzusammenhang bestehe
(Suva-act. 94).
A.g.
Gegen die Verfügung vom 19. Februar 2021 erhob der Versicherte am 21. März
2021 Einsprache (Suva-act. 99).
B.a.
Diese Einsprache wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 27. September
2021 ab (Suva-act. 107).
B.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 27. September 2021 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 29. Oktober 2021 Beschwerde mit
folgenden Rechtsbegehren: "1. Die Kosten für die bisherige Untersuchung sei von Suva
zu übernehmen. 2. Es sei eine bessere Diagnose mittels MRI durchzuführen auf Kosten
von Suva. 3. Es sei eine Therapie anzuordnen bis sämtliche Folgen geheilt sind auf
Kosten von Suva" (act. G 1 S. 1). Am 29. November 2021 reichte der Beschwerdeführer
eine ergänzende Beschwerdebegründung ein (act. G 3 und 3.1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 6. Dezember 2021 beantragte die Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde vom 29. Oktober
2021 und die Bestätigung des Einspracheentscheids vom 27. September 2021
(act. G 5).
C.b.
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Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G 6 f.).C.c.
Hinsichtlich des Anfechtungsgegenstands ist zu beachten, dass im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren grundsätzlich lediglich
Rechtsverhältnisse zu überprüfen bzw. zu beurteilen sind, zu denen die zuständige
Verwaltungsbehörde oder Versicherung vorgängig verbindlich - in Form einer
Verfügung bzw. eines Einspracheentscheids - Stellung genommen hat. Insoweit
bestimmen die Entscheide der Beschwerdegegnerin den beschwerdeweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und
insoweit kein Entscheid ergangen ist (BGE 131 V 164 f. E. 2.1 mit Hinweis).
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit der
Einspracheentscheid vom 27. September 2021 (Suva-act. 107). Diesem liegt die
Verfügung vom 19. Februar 2021 zugrunde (Suva-ct. 94).
1.1.
In der Verfügung vom 19. Februar 2021 hat die Beschwerdegegnerin eine
Leistungspflicht hinsichtlich der vom Beschwerdeführer veranlassten
Rückfallmeldungen vom 19. Dezember 2018 (Suva-act. 51, eingeordnet nach Suva-act.
23) und 10. März 2020 (Suva-act. 55) mangels Kausalzusammenhangs zwischen den
gemeldeten Rücken- und Schulterbeschwerden sowie dem Unfallereignis vom 31. Mai
2006 verneint (Suva-act. 94). Im Einspracheentscheid vom 27. September 2021 hat die
Beschwerdegegnerin die Verfügung vom 19. Februar 2021 bestätigt (Suva-act. 107).
Allerdings ist die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid hinsichtlich der vom
Beschwerdeführer ursprünglich geltend gemachten, in der Einsprache jedoch nicht
mehr explizit erwähnten Rückenbeschwerden, von einer Teilrechtskraft der Verfügung
vom 19. Februar 2021 ausgegangen (Suva-act. 107-4). Entsprechend hat sie die
geltend gemachten Rückenbeschwerden im Einspracheentscheid nicht mehr geprüft,
sondern ist lediglich noch auf die Schulterbeschwerden eingegangen.
1.2.
Die Verfügung eines Unfallversicherers ist gemäss bundesgerichtlicher Praxis
insbesondere in Bezug auf einen Renten- und/oder Integritätsentschädigungsanspruch
der Teilrechtskraft zugänglich. Denn es handelt sich um unterschiedliche
Streitgegenstände (vgl. BGE 144 V 358 f. E. 4.3). Vorliegend hat die
Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 19. Februar 2021 ihre Leistungspflicht
jedoch nicht für einzelne, klar trennbare Ansprüche wie eine Rente oder eine
1.3.
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2.
Integritätsentschädigung abgelehnt. Vielmehr hat sie ihre Leistungspflicht für sämtliche
gesetzlichen Versicherungsleistungen in Bezug auf die in den beiden
Rückfallmeldungen vom 19. Dezember 2018 und 10. März 2020 geltend gemachten
Rücken- und Schulterbeschwerden als Ganzes verneint. Aus dem Umstand, dass der
(nicht anwaltlich vertretene) Beschwerdeführer in seiner Einsprache (Suva-act. 99) nur
auf die Schulterbeschwerden eingegangen ist, kann somit noch keine Teilrechtskraft in
Bezug auf die Rückenbeschwerden abgeleitet werden. Dies gilt umso mehr, als der
Beschwerdeführer in der Einsprache auch nicht explizit zu verstehen gegeben hat,
dass die Rückenbeschwerden nicht mehr auf den Unfall vom 31. Mai 2006
zurückzuführen seien. Die Ablehnung einer Leistungspflicht für die im Rahmen der
beiden Rückfallmeldungen geltend gemachten Schulter- und Rückenbeschwerden
bildete demnach (weiterhin) gesamthaft Gegenstand des Einspracheverfahrens und ist
somit der Überprüfung im vorliegenden Beschwerdeverfahren zugänglich.
Indem der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 29. Oktober 2021
nunmehr wiederum explizit auf seine Rückenbeschwerden (Bandscheibe) eingeht (vgl.
G 1 S. 1 "Sachverhalt"), bringt er sodann zum Ausdruck, dass er mit seiner
Beschwerde auch eine allfällige Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin im
Zusammenhang mit seinem Rückenleiden geprüft haben will. Diese bildet somit auch
Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens.
1.4.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist demnach der Leistungsanspruch des
Beschwerdeführers auf die gesetzlichen Versicherungsleistungen gestützt auf die
beiden Rückfallmeldungen vom 19. Dezember 2018 (Suva-act. 51, eingeordnet nach
Suva-act. 23) und 10. März 2020 (Suva-act. 55) zum Unfallereignis vom 31. Mai 2006,
in welchen er Rücken- und Schulterbeschwerden geltend gemacht hat. Soweit der
Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 29. Oktober 2021 (act. G 1) einen Sturz
von einer Leiter und einen weiteren Unfall erwähnt bzw. seinen Leistungsanspruch auf
anderweitige Unfallereignisse stützen will, kann darauf im vorliegenden
Beschwerdeverfahren nicht eingetreten werden.
1.5.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet somit die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht
demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem
2.1.
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versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre
Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer
[Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl.
2012, S. 53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (André Nabold,
N 53 zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018;
Irene Hofer, N 65 f. und N 74 zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/
Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 54 f., 58).
Gemäss Art. 11 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202)
werden Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt, wobei
Rückfälle und Spätfolgen besondere revisionsrechtliche Tatbestände darstellen (vgl.
BGE 118 V 297 E. 2d; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 2). Praxisgemäss handelt es sich
bei einem Rückfall um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit
bzw. vermeintlich geheilter Unfallfolgen, sodass es erneut zu ärztlicher Behandlung und
möglicherweise zu einer weiteren Arbeitsunfähigkeit kommt. Von Spätfolgen wird dann
gesprochen, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische
oder psychische Folgen bewirkt, die zu einem andersgearteten Krankheitsbild führen
können. Rückfälle und Spätfolgen schliessen somit begrifflich an ein bestehendes
Unfallereignis an. Dementsprechend können sie eine Leistungspflicht des (damaligen)
Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den erneut vorgebrachten
Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen
Gesundheitsschädigung ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht (BGE 118 V 296 f. E. 2c; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 f. E. 2; SVR 2003 UV Nr.
14 S. 43 E. 4 Ingress).
2.2.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a und 121 V 210 E. 6c). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsrecht tragen mithin die Parteien in der
2.3.
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3.
Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 S.
327 E. 1). Bei einem Rückfall trägt der Leistungsansprecher hinsichtlich der Kausalität
des als Rückfall postulierten Beschwerdebildes die Beweislast (vgl. Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichtes vom 20. Februar 2006, U 249/05, E. 1).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechtes [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.4.
In der Unfallmeldung vom 19. Dezember 2008 zum Unfallereignis vom 31. Mai
2006 wurden ein Muskelriss am rechten Oberarm und ein Bandscheibenvorfall als
Verletzungen angegeben (Suva-act. 2). Die Beschwerdegegnerin hat im rechtskräftig
gewordenen Einspracheentscheid vom 9. Juli 2009 den am 26. November 2008
radiologisch objektivierten Bandscheibenvorfall L5/S1 (Suva-act. 5-3) als kausalen
strukturellen Schaden am Rücken zum Unfall vom 31. Mai 2006 verneint und
hinsichtlich der Rückenbeschwerden lediglich eine vorübergehende Verschlimmerung
eines vorbestehenden degenerativen Rückenleidens angenommen (Suva-act. 20). Zum
Muskelriss am rechten Oberarm hat sich die Beschwerdegegnerin im
Einspracheentscheid vom 9. Juli 2009 nicht geäussert. Jedoch hatte der
Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Unfallmeldung, d.h. mehr als zwei Jahre nach dem
Unfallereignis, gemäss den der Beschwerdegegnerin damals vorliegenden Akten keine
Beschwerden betreffend den rechten Arm angegeben. Auch fanden sich in den Akten
keine Hinweise auf erfolgte Behandlungen oder Ähnliches betreffend den Arm,
namentlich wurden auch keine Einschränkungen oder Schmerzen am Arm im
Arztzeugnis UVG vom 12. Januar 2009 betreffend die Erstbehandlung vom 24.
3.1.
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November 2008 durch Dr. med. C._, Ärztin für Allgemeinmedizin, damals SWICA
Gesundheitszentrum D._, heute E._, erwähnt (vgl. Suva-act. 5-1). Entsprechend ist
davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid vom 9. Juli
2009 auch betreffend Arm – wenn überhaupt – von einer bloss vorübergehenden
Verletzung/Beeinträchtigung ausgegangen ist. Durch die Weichteilsonographie (der
Schulter) vom 29. Dezember 2006 (diese liegt der Beschwerdegegnerin jedoch erst seit
2020 vor; Suva-act. 61-10), welche keine Anhaltspunkte für einen objektivierbaren
Schaden geliefert hat, hat sich diese Annahme zumindest für die linke und rechte
Schulter – im Bereich letzterer verortet der Beschwerdeführer den Muskelabriss –
nachträglich bestätigt. Hinsichtlich der vorübergehenden Verletzungen ist die
Beschwerdegegnerin von einer Heilung bzw. von einem Status quo sine bzw. ante (vgl.
dazu Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54; Urteil des Bundesgerichts vom 6. August
2008, 8C_101/2008, E. 2.2 mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b mit
Hinweisen) spätestens per 31. Mai 2007 ausgegangen.
Elf Jahre später, nämlich am 19. Dezember 2018 (Rückfalldatum vom 17.
November 2018; Suva-act. 51, eingeordnet nach Suva-act. 23), erging die erste der
beiden vorliegend zu beurteilenden Rückfallmeldungen. In der Regel zeigt sich eine
Beschwerdesymptomatik unmittelbar nach dem Unfall oder zumindest in zeitlicher
Nähe am stärksten. Nachfolgend schliesst der Heilungsprozess an, was bei normalem
Verlauf zu einer stetigen Beschwerdeabnahme führt (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. April 2022, UV 2021/54, E. 4.7.4).
Grundsätzlich weist nach Gesagtem bereits die Entwicklung der Beschwerden
(plötzliches Wiederauftauchen von Beschwerden nach mehreren Jahren) darauf hin,
dass diese auf unfallfremde Ursachen zurückzuführen sind.
3.2.
Aus den vom Beschwerdeführer erwähnten bzw. sich bei den Akten befindlichen
medizinischen Unterlagen lässt sich ebenfalls keine sichere oder überwiegend
wahrscheinliche Rückfallkausalität der Rücken- und Schulter-/Armbeschwerden zum
Unfallereignis vom 31. Mai 2006 ableiten.
3.3.
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Der Beschwerdeführer hat in seiner E-Mail vom 31. Januar 2021 an die
Beschwerdegegnerin (Suva-act. 85) auf die Krankengeschichte der E._,
insbesondere die Einträge vom 21. August 2009 und 26. März 2018 (Suva-act. 85-5 f.),
hingewiesen. Ebenso hat er auf das "Unfallprotokoll vom 20. Juli 2009" und "den
dazugehörigen Bericht", den "Bericht des Kantonsspitals" sowie die
"Zusammenstellung vom Sehnen- oder Muskelabriss" (Suva-act. 85-7) verwiesen.
3.4.
Der Behandlungseintrag der E._ vom 21. August 2009 (Suva-act. 85-5 f.)
betrifft offensichtlich einen Unfall vom 20. Juli 2009 und somit nicht das vorliegend
relevante Unfallereignis vom 31. Mai 2006 bzw. die Rückfälle dazu. Gleiches gilt für das
vom Beschwerdeführer in seiner E-Mail vom 31. Januar 2021 (Suva-act. 85)
angesprochene, in den Akten nicht enthaltene, Unfallprotokoll vom 20. Juli 2009 (mit
angeblich dazugehörigem Bericht). Im Übrigen sind im Eintrag der E._ vom
21. August 2009 als Unfallfolge ausser dem Verdacht auf eine leichte Muskelzerrung
ohnehin keine Verletzungen aufgeführt (Suva-act. 85-5 f.). Die Diagnose hat sich zudem
auf die linke Extremität bezogen, wohingegen der Beschwerdeführer anlässlich des
Unfallereignisses vom 31. Mai 2006 gemäss Unfallmeldung einen Muskelriss im
rechten Oberarm erlitten hat (Suva-act. 2) und in der Rückfallmeldung vom 10. März
2020 ebenfalls ein rechtsseitiger "Riss" an der Schulter angegeben worden ist (Suva-
act. 55). Ein Zusammenhang zwischen den geklagten rechtsseitigen Beschwerden und
dem erwähnten Verdacht auf eine Muskelzerrung linksseitig ist nicht erkennbar.
Entsprechend ergibt sich aus dem Eintrag vom 21. August 2009 kein Hinweis auf einen
wahrscheinlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 31. Mai
2006 und den aktuellen Beschwerden.
3.4.1.
Aus dem vom Beschwerdeführer ebenfalls erwähnten Eintrag der E._ vom 26.
März 2018 ist weder ersichtlich, ob es sich dabei um eine krankheits- oder
unfallbedingte Konsultation gehandelt hat noch welche Beschwerden bestanden oder
welche Beurteilung derselben durch den behandelnden Arzt erfolgt ist (Suva-act. 85-5).
Dem entsprechenden Eintrag können für das vorliegende Verfahren demnach keine
relevanten medizinischen Informationen entnommen werden.
3.4.2.
Die übrigen Behandlungseinträge der E._ betreffen, soweit ersichtlich,
Krankheiten oder administrative Angelegenheiten im Zusammenhang mit vor den
vorliegend strittigen Rückfällen erlittenen Unfällen (Suva-act. 85-5 f.). In jedem Fall
lassen sich ihnen für das vorliegende Verfahren betreffend die am 19. Dezember 2018
und 10. März 2020 gemeldeten Rückfälle zum Unfall vom 31. Mai 2006 keine
relevanten medizinischen Informationen entnehmen.
3.4.3.
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Bei den Akten befindet sich schliesslich der Untersuchungsbericht des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 1. April 2019. Dieser hält als Diagnosen
persistierende Schmerzen über dem ventralen Schultergelenk rechts sowie eine
unklare Raumforderung im delto-pectoralen Intervall fest. Zwar wird diagnostisch auch
angeführt, es handle sich um einen Status nach dem Unfallereignis vom 31. Mai 2006.
Der Zusatz "Status" zeigt jedoch lediglich an, dass dem aktuellen Zustand ein
bestimmter Umstand bzw. eine Gesundheitsschädigung vorausgegangen ist. Zudem
basiert dieser Zusatz offensichtlich auf den anamnetischen Angaben des
Beschwerdeführers (vgl. Suva-act. 61-19). Auch die gestellten Diagnosen
("persistierende Schmerzen", "unklare Raumforderung") lassen keine konkrete Ätiologie
zu. Die im Bericht in Aussicht gestellten weiteren Abklärungen, welche eine allfällige
Rückfallkausalität hätten belegen können, wurden sodann nicht getätigt (vgl. Suva-act.
74-1). Nach Gesagtem ergibt sich auch aus dem Bericht des KSSG vom 1. April 2019
kein Beweis einer sicheren oder überwiegend wahrscheinlichen Rückfallkausalität
zwischen den festgestellten Schulterbeschwerden und dem Ereignis vom 31. Mai 2006.
3.4.4.
Bei der vom Beschwerdeführer eingereichten "Zusammenstellung vom Sehnen-
oder Muskelabriss" handelt es sich nicht um einen Bericht eines Mediziners, sondern
um ein vermutlich von ihm selbst erstelltes Dokument, in welchem Informationen
sowohl über Muskelbündel /Muskelfaserrisse sowie über Rupturen der
Rotatorenmanschette zu finden sind (Suva-act. 85-7). Das Dokument enthält lediglich
allgemeine Informationen, aus welchen sich nichts für den vorliegenden, konkreten Fall
ableiten lässt. Entsprechend vermag der Beschwerdeführer aus dieser
"Zusammenstellung" nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
3.4.5.
Sodann hat die Suva bei dem auf der Rückfallmeldung vom 19. Dezember 2018 als
behandelnden Arzt angegebenen Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeine Innere
Medizin, die Krankengeschichte des Beschwerdeführers eingeholt (Suva-act. 87).
3.5.
Aus dieser geht hervor, dass der Beschwerdeführer seit dem 20. Dezember 2016
bei Dr. F._ in Behandlung gestanden hat. Wie sich aus den Einträgen ergibt, sind die
Konsultationen bei Dr. F._ zumeist wegen Infektionen bzw. anderweitiger
Krankheiten erfolgt. Einzig der Eintrag vom 30. November 2018 hält "starke
Rückenschmerzen lumbal" fest (Suva-act. 88-1). Der erwähnte Eintrag vom 30.
November 2018 betreffend Rückenbeschwerden passt zeitlich zwar zur ersten
Rückfallmeldung bzw. zur darin gemeldeten Arbeitsunfähigkeit vom 26. November bis
2. Dezember 2018 (Suva-act. 51, eingeordnet nach Suva-act. 23; zur Arbeitsunfähigkeit
vgl. ferner Arztzeugnis UVG, Suva act. 84). Aus diesem Umstand kann jedoch nicht
3.5.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/13
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ohne Weiteres abgeleitet werden, dass die damals aufgetretenen Rückenbeschwerden
und die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit auf den Unfall vom 31. Mai 2006
zurückzuführen waren. Daran ändert auch die E-Mail des Beschwerdeführers vom 12.
Dezember 2018 an Dr. F._, wonach die Rückenschmerzen auf den Unfall
zurückzuführen seien (vgl. dazu Suva-act. 84), nichts. Dabei handelt es sich lediglich
um die subjektive Wahrnehmung des Beschwerdeführers, woraus er nichts zu seinen
Gunsten ableiten kann. Festzuhalten ist zudem, dass Rückenschmerzen ganz
unterschiedliche Ursachen haben können. Gerade Diskushernien treten
charakteristisch in Beschwerdeschüben auf (vgl. dazu Hans U. Debrunner/Erich W.
Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden in der schweizerischen sozialen
Unfallversicherung, 1990, S. 54 ff.), wobei diese Ausdruck des natürlichen
Fortschreitens einer bestehenden degenerativen Erkrankung sein können. Folglich ist
es durchaus möglich, dass die im Jahr 2018 und 2020 jeweils als Rückfall gemeldeten
Rückenbeschwerden im Sinne eines solchen Beschwerdeschubes auf das rechtskräftig
festgestellte degenerative Leiden des Beschwerdeführers (vgl. E. 3.1 und Suva-act. 20)
zurückzuführen waren. Dr. F._ hat in seinem Arztzeugnis UVG vom 22. Dezember
2020 zudem die Diagnose einer akuten Lumbago gestellt (Suva-act. 84). Die Lumbago
ist insbesondere typisch für degenerative Gesundheitsschäden (vgl. dazu Alfred M.
Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. 2002, S: 848 ff.).
Entsprechend geht Dr. F._ auch nicht von einem Zusammenhang der geklagten
Rückenschmerzen und dem Unfallereignis vom 31. Mai 2006 aus bzw. hält er einen
solchen nicht für plausibel (vgl. Suva-act. 84-1 Ziff. 6). Zu dieser Einschätzung passt
auch, dass er gemäss seiner Auskunft gegenüber der Beschwerdegegnerin keine
Röntgenuntersuchung veranlasst hatte (Suva-act. 84-1 Ziff. 4), welche allenfalls einen
unfallkausalen Schaden hätte belegen können.
Nach Gesagtem kann auch aus den Berichten bzw. Einträgen von Dr. F._ kein
sicherer oder überwiegend wahrscheinlicher Kausalzusammenhang zwischen den in
den Rückfallmeldungen geklagten Beschwerden und dem Unfallereignis vom 31. Mai
2006 abgeleitet werden.
3.5.2.
Übereinstimmend mit der soeben dargelegten medizinischen Aktenlage hat auch
der von der Beschwerdegegnerin beigezogene Versicherungsmediziner Dr. med. G._,
Facharzt für Chirurgie, spez. Unfallchirurgie, in seinen Aktenbeurteilungen die
Unfallkausalität der als Rückfall gemeldeten Rücken- und Schulterbeschwerden
wiederholt verneint (Suva-act. 86, 89 und 104). So wies Dr. G._ in seiner Beurteilung
vom 17. Februar 2021 nochmals darauf hin, dass das Unfallereignis vom 31. Mai 2006
keine strukturellen Unfallfolgen bzw. zusätzliche strukturelle Schädigung zum
3.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.