Decision ID: 296affd3-1625-554e-bca0-3131b05fd859
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1973 geborene und als kaufmännische Angestellte tätig gewesen
e
X._
meldete sich am 13
. Oktober 2014 unter Hinweis auf eine Depression bei der
Invalidenversicherung
zum Bezug von Leistungen an (Urk. 6/10).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte Auskünfte über die erwerbliche und medizinische Situation ein
, veranlasste
insbesondere
eine poly
disziplinäre medizinische Begutachtung (Urk. 6/79)
und teilte der Versi
cherten am
22.
November 2017 mit, dass keine beruflichen Eingliede
rungs
mass
nahmen möglich seien (Urk. 6/93).
Mit
erstem
Vorbes
cheid vom 10. Januar 2018 (Urk.
6/98) stell
t
e sie der Versicherten in Aussicht, das Begehren abzuweisen. Nach erhobenem Einwand vom 12. Februar 2018 (Urk. 6/103) tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen. Nach Durchführung
ein
es zweiten
Vorbescheidverfahrens
(
Urk. 6/111-116) verneinte sie mit Verfügung vom 15. November 2018 den An
spruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 2).
2.
Dagegen er
hob die Versicherte mit Eingabe
vom 18. Dezember 2018
(Urk. 1
) Be
schwerde und beantragte, die Verfü
gung vom 20.
Oktober
2014 (richtig
: 15.
Novem
ber
2018) sei aufzuheben (1.), es sei der Beschwerdeführerin von Januar 2015 bis Dezember 2018 eine ganze Invalidenrente und im Anschluss daran eine halbe Invalidenrente zuzusprechen (2.); unter Kosten- und Entschä
digungsfolge (S. 2).
Die IV-Stelle schloss am 15. Januar 2019 (Urk. 5) auf Abweisung der Beschwerde,
die Beschwerdeführerin reichte am 16. Januar 2019 (Urk. 7) weitere Unterlagen ein (Urk. 8/3-4). Dies wurde den Parteien
mit Verfügung vom 29. November 2019 (Urk. 9)
gegenseitig zur Kenntnis gebracht
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versi
cherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Mass
gabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in
BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren
einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
be
n, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E.
2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamt
haft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E.
4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom 7. März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen
)..
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.6
Zur Annahme der Invalidität nach Art. 8 ATSG ist – auch bei psychischen Er
krankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das
(fach-)
ärzt
licherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zu
kunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vor
dergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beein
träch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, be
stehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu um
fassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unter
scheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokultu
rellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
stän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähig
keit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden
kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt
, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychi
scher Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesge
richts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
li
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselb
ständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen ver
schlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stell
t
e
sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) im Wesentlichen auf den Standpunkt, dass die einzelnen fachspezifischen Bereiche des eingeholten polydisziplinären Gutachtens vom März 2017 medizinisch ausge
wertet und rechtlich beurteilt worden seien. Die im Gutachten beschriebenen objek
tiven Befunde seien von leichter Ausprägung. Es bestehe laut psychia
tri
schem Gutachten kein sozialer Rückzug. Der von der Beschwerdeführerin be
schrie
bene Tagesablauf zeige mehrfach Diskrepanzen. Einerseits bestehe ein Tages
ablauf und andererseits gebe die Beschwerdeführerin an, dass es ohne den Partner gar nicht gehe. Der Partner gehe einer Vollzeittätigkeit nach und könne dem
zufolge nicht stetig anwesend sein. Gleichzeitig könne die Beschwerdeführerin ihr Kind von der Kindertagesstätte abholen und mit den öffentlichen Verkehrs
mitteln zur Gutachterstelle fahren. Die Termin
e
beim RAV würd
en ebenfalls wahrgenommen
.
Laut psychiatrischem Teilgutachten entspreche die Therapie nur teilweise den Leitlinien der Fachgesellschaften. Die verordneten Medikamente seien aus eigener Entscheidung heraus während der Schwangerschaft nicht ein
genommen worden. Dennoch sei eine Verordnung durch den Behandler als sinn
voll erachtet worden. Zusätzlich
würden
persönliche Sorgen (Burnout am Arbeits
platz, ungeklärter Tod des Bruders, Trennung und Scheidung vom Ehemann)
bestehen
. Deren gesundheitliche Folgen seien nicht über die IV versichert. Gesamt
haft sei aus objektiven Gesichtspunkten eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar. Die Beurteilung, ob die durch die Gutachter festgelegte Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar sei, sei eine Rechtsfrage. Es sei richtig, dass nicht ausgeschöpfte therapeutische Massnahmen kein Ausschlusskriterium für den Bezug von IV-Leistungen für sich alleine darstellen würden. Allerdings werde dieser Punkt nach wie vor im strukturierten Beweisverfahren berücksichtigt. Ähnlich verhalte es sich mit den sogenannten psychosozialen Faktoren wie die oben erwähnten persönlichen Sorgen. Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass die Einschränkungen nicht mehr von diesen Faktoren aufrechterhalten werden, so seien
trotzdem genügend Ressourcen erkennbar, dass eine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar sei.
2.2
Dagegen macht
e
die Beschwerdeführerin geltend (Urk. 1),
das eingeholte Gut
achten äussere sich klar zur Arbeitsfähigkeit. Sowohl das neuropsychologische als auch das psychiatrische Gutachten würden sie in ihrer bisherigen Tätigkeit als Bankerin in einer Kaderposition zu 100 % beziehungsweise 80 % arbeitsunfähig erachten. In einer adaptierten Tätigkeit sei sie vom Neuropsychologen zu 70 % und vom Psychiater zu 67 % arbeitsunfähig eingeschätzt worden. Im Teilgut
ach
ten Psychiatrie werde ausgeführt, es handle sich um eine depressive Störung, zu
mindest mittel- bis
schwergradig
, möglicherweise mit psychotischen Symptomen, welche relevante Funktionseinschränkungen zur Folge habe. Sie sei seit dem 13.
Januar 2014 vollumfänglich arbeitsunfähig. Aufgrund ihrer Arbeitsfähigkeit
und
nach Vornahme eines
Einkommmensvergleichs
habe die Beschwerdeführerin nac
h Ablauf des Wartejahres Anspruch auf eine ganz
e IV-Rente. Der Bericht von Dr.
Y._
vom 2. Februar 2017 sei nicht in die Beurteilung der Beschwer
degegnerin eingeflossen. Eine Auseinandersetzung mit diesem Bericht habe auf keinen Fall stattgefunden. Es werde wiederholt, persönliche Sorgen als Ursachen der gesundheitlichen Einschränkung seien nicht über die IV versichert. Es sei unzutreffend, dass die gesundheitlichen Folgen persönlicher Sorgen nicht über die IV versichert seien. Gerade ein Burnout am Arbeitsplatz oder auch Persön
lich
keitsstörungen kombiniert mit grossen Belastungen seien häufige Auslöser für Depressionen, welche zu einer Arbeitsunfähigkeit und allenfalls zu einer Invalidi
tät führen.
Es gehe nicht an, dass die Beschwerdegegnerin ein polydisziplinäres Gutachten einhole, sich aber mit dessen Inhalt und Schlussfolgerungen nicht auseinandersetze. Bei Beginn ihrer Arbeitsunfähigkeit sei sie schwanger gewesen. Am 4. September 2014 sei ihr Sohn geboren worden. Danach habe sie ca. neun Monate gestillt. In dieser Zeit habe sie aufgrund der expliziten Warnungen in den Beipackzetteln keine Psychopharmaka eingenommen. Die Therapieversuche mit verschiedenen Medikamenten seien an den sehr starken Nebenwirkungen ge
schei
tert. Offensichtlich gehöre die Beschwerdeführerin zu der doch grossen Gruppe von Patienten, welche schlecht auf
Psychopharmaka anspreche
. Sie habe in den letzten Jahren eine Fülle von Therapien in Anspruch genommen. Sie habe kein einziges Mal eine empfohlene Therapieform abgelehnt.
Das eingeholte poly
disziplinäre Gutachten bestätige klar die 100%ige Arbeitsunfähigkeit s
ei
t
dem 13.
Januar 2014 bis auf W
eiteres. Aufgrund ihrer Einschränkung habe sie ab Januar 2015 Anspruch
auf
eine ganze Rente der Invalidenversicherung. Per 1.
Januar 2019
könne auf eine halbe Rente reduziert werden, obschon das tat
sächliche Arbeitspensum der Beschwerdeführerin tiefer als 50 % sei. Erklärtes mittelfristiges Ziel der Beschwerdeführerin sei es, wieder ganz ohne Rente aus
zukommen.
3.
3.1
Dr. med.
Z._
, Chefarzt Psychosomatik sowie Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie bei der
A._
, nannte in seinem Bericht vom 20. April 2015 (Urk. 6/27) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine de
pressive Störung, gegenwärtig mittelgradig ausgeprägt (ICD-10: F32.1). Als Diag
nose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte er eine Schwangerschaft im 1.
Trimenon
, den Verlust eines nahen Angehörigen bei V.a. Suizid 2011 sowie die Trennung vom Ehepartner im Jahr 2012 auf (S. 1). Zudem führte er aus, der klinische Aufenthalt habe vom 13. Januar 2014 bis 14. Februar 2014 gedauert. Die Beschwerdeführerin habe berichtet, dass ihr Leben seit dem Tod ihres Bruders vor 3 Jahren wie verändert sei. Dieser sei bei unklarer Todesursache in der eigenen Wohnung aufgefunden worden. In der Familie habe man nicht über den Verlust gesprochen und sie habe keine Zeit für die eigene Trauer gefunden.
Kurz darauf sei es zur Trennung von ihrem Ehepartner gekommen. Sie habe sich nachfolgend erschöpft, depressiv und schuldig gefühlt und eine ambulante psychothera
peu
tische Behandlung begonnen, um sich zu stabilisieren und die beiden Ereignisse zu verarbeiten. Seit knapp einem Jahr sei nun ein neuer Mann in ihr Leben getreten von dem sie schwanger sei, was sie unmittelbar vor Eintritt festgestellt habe. Zur
Hospitalisation
habe die ausgeprägte Erschöpfung und affektive Insta
bilität geführt. Sie fühle sich nicht in der Lage
,
Entscheidungen zu treffen oder ihrer Arbeit nachzugehen (S. 2). Weiter hielt Dr. med.
Z._
fest, die Beschwerde
führerin sei aufgrund der inneren Unruhe, der depressiven Stimmungslage, der Affektlabilität und der mit der Depression einhergehenden kognitiven Störung aktuell nicht in der Lage
,
ihren anspruchsvollen Beruf auszuüben. Erst nach Abklingen der depressiven Symptome könne eine schrittweise Wiederein
gliede
rung erfolgen (S. 3).
3.2
In ihrem Arztbericht vom 2. Februar 2017 (Urk. 6/71
/7-11
) stellte Dr. med.
Y._
, Oberärztin und Leiterin
B._
,
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 1):
-
schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen, ICD-10: F32.30
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen, ICD-10: F61.0
-
andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung, ICD-10: F62
.0
Dazu führte sie aus, die Beschwerdeführerin stehe seit Februar 2014 bei ihr in Behandlung.
Anamnestisch bestehe sei der Kindheit eine depressive Symptomatik und ein tiefer Selbstwert auf dem Boden von Gewalt, Abwertung und emotionaler Vernachlässigung in der Kindheit. Ab 2007 Beginn einer schweren depressiven Episode, einer bis heute anhaltenden mittelgradigen bis schweren depressiven Symp
tomatik mit intermittierendem Auftreten von psychotischen Symptomen auf dem Boden einer kombinierten Persönlichkeitsstörung als Folge von komp
lexen Beziehungstraumata in der Kindheit. Vor dem Hintergrund einer schwie
rigen Ehe und immer
höheren Anforderungen im Beruf
sei es zur Abnahme der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit mit Kündi
gung und Freistellung im Jahr
2010 und erstmaliger sechsmonatiger Krankschreibung gekommen. Im Jahr 2011 sei es dann zur einer Aggravation der Symptomatik nach dem Suizid des Bruders und der Trennung vom Ehemann gekommen (S. 2).
Die psychosoziale Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei minim. Die Be
treu
ung ihres Kindes sei zu 100 % durch externe Kinderbetreuung und das
C._
abgedeckt sowie am Wochenende durch den Kindsvater. An besseren Tagen sei die Beschwerdeführerin in der Lage, alleine einen Ausflug mit dem Kind zu unternehmen.
Der Haushalt werde vollumfänglich durch den Kindsvater über
nom
men. Die Beschwerdeführerin traue sich unter Mobilisierung aller Kräfte zu, maximal einen Tag für das Kind zu sorgen (S. 2 f.)
Eine Prognose sei zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich, da dies verlaufsab
hängig sei. Die gegenwärtige Behandlung sei eine integriert psychiatrisch-psy
chotherapeutische Behandlung, wobei die Konsultationen ca. alle zwei Wochen unter Fachaustausch mit anderen Experten stattfänden (S. 3). Für die Tätigkeit als promovierte Betriebswirtschafterin bestehe seit 28. Februar 2014 eine Arbeits
unfähigkeit von 0 % (S. 3
; richtig wohl 100 %
). Im angestammten Beruf scheine eine Wiederaufnahme der Berufstätigkeit nicht realistisch, zumal die Beschwerde
führerin bereits in der Vergangenheit nur knapp kompensiert gewesen sei (S. 4).
3.3
Die für das polydisziplinäre Gutachten der
D._
vom 12. April 2017
ver
ant
wortlichen Fachärzte stellten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die f
ol
genden Diagnosen (Urk. 6/79 S. 28
):
-
Mittelschwere Auffälligkeiten bei den Lern- und Frischgedächtnis
funk
tionen, bei der Umstellfähigkeit und im Aufmerksamkeitsbereich
-
Depressive Episode ICD-10: F32, über Jahre als mittelgradig beschrieben, gegenwärtig als mittel- bis
schwergradig
zu beschreiben, fremdanam
nes
tisch sogar darüberhinausgehend
Zudem stellten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
:
-
Leichtes
lumbovertebrales
Syndrom rechts
-
Hinweise auf auffällige Persönlichkeitszüge Z73, möglicherweise aber auf eine Persönlichkeitsstörung F6, nach Bericht der
Behandlerin
im Sinne einer kombinierten Persönlichkeitsstörung, wobei wir auf eine inhaltliche Darstellung und damit diagnostische Absicherung verzichten. Auffällige Persönlichkeitszüge Z73 werden in der Regel nicht mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit verstanden
Aus neuropsychologischer Sicht bestehe in der angestammten Tätigkeit seit dem Jahre 2014 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und in einer angepassten Tätigkeit von 70 %. Aus psychiatrischer Sicht bestehe in der bisherigen Tätigkeit eine
Arbeits
fähigkeit von maximal 20 %. In einer angepassten Tätigkeit sei die Arbeit
s
fähigkeit für das Jahr 2014 ebenso gering anzusetzen, das heisst mit nicht mehr als 20 %, für das Jahr 2015 mit einem Drittel (33 %), für das Jahr 2016 mit der Hälfte (50 %), gegenwärtig, das heisst ab 2017, nicht mehr als einem Drittel, also 33 % (vgl. S. 29).
Im Teilgutachten zur allgemeinen Inneren Medizin (Urk. 6/79/42-59) w
u
rd
e
der Tagesablauf der Beschwerdeführerin wie folgt beschrieben
(S. 8)
: Sie stehe gegen
0
7.30 Uhr auf, versorge ihren Sohn, mache den Schoppen und bereite das Früh
stück vor. Anschliessend laufe sie 20 Minuten zur Kita oder fahre mit dem Auto. Gegen
0
9.30 Uhr sei sie wieder zurück und räume das Frühstücksgeschirr weg. Später dusche sie und lege sich wieder ins Bett. Manchmal schaffe sie es gegen 11.30 Uhr
,
etwas für das Mittagessen vorzubereiten. Gegen 12.00 Uhr komme jeweils der Mann und koche weiter, wobei er gegen 13.30 Uhr das Haus wieder verlasse. Sie lese anschliessend etw
a
s in der Zeitung, lege sich ins Bett, gehe in der Bäckerei einen Kaffee trinken, führe Telefonate oder wasche sich die Haare. Der Sohn werde gegen 14.30-17.00 Uhr aus der Kita abgeholt. Zudem habe sie Babysitter, welche sich um den Sohn kümmern würden. Das Abendessen werde gegen 18.30 Uhr eingenommen, welches der Mann koche
. Gegen 20.00-22.00 Uhr gehe sie ins Bett.
Im psychiatrische
n
Te
ilgutachten (Urk. 6/79/69-97) wu
rd
e
der Tagesablauf (ein
Sonntag) der Beschwerdeführerin wie folgt dargestellt: Sie sei zwischen
0
7.00 un
d 08.00 Uhr aufgestanden und habe gemeinsam mit dem Mann und Sohn gefrüh
stückt. Anschliessend habe sie mit dem Sohn im Haus gespielt und der Mann habe mittags eine Pasta vorbereitet. Anschliessend habe man einen Ausflug nach Appenzell
unternommen. Zu Hause habe sie sich etwas hingelegt, ausgeruht und dann habe es das Abendritual mit dem Kind gegeben. Ihr Mann habe gekocht und schliesslich sei sie dann ins Bett gegangen
(S. 8)
.
Des Weiteren wu
rd
e
festgehalten, dass sich gewisse Diskrepanzen ergeben wü
rden. So etwa die Angabe, ohne den Mann ge
he es
gar nicht, dann aber wiederum
der
Bericht, dass dieser zu 100 % einer Arbeit nachgehe oder die Angabe, das Haus nicht verlassen zu können, dann aber alleine mit den öffentlichen Verkehrs
mitteln von St. Gallen die Gutachtensstelle in
E._
aufsuchen zu können.
So auch die Angabe, das Haus nicht verlassen zu können, etwa um eine Tagesklinik aufzusuchen, dann aber wiederum das tägliche Abholen des Kindes in der Kita, das Aufsuchen des RAV, das Schreiben von Bewerbungen etc. Eine Compliance bezüglich Medikamenten sei nicht gegeben, da die Beschwerdeführerin solche von Anfang an abgelehnt habe, erstmalig während des stationären Aufen
thal
tes 2014 während der Schwangerschaft mit der Angabe, so etwas könne man Kindern nicht zumuten, aber auch danach, dann jeweils mit der Begründung von Neben
wirkungen oder Wirkungslosigkeit. Die Compliance auf psychiatrischem Gebiet scheine für die Beschwerdeführerin ohnehin eine Schwierigkeit darzustellen. Im Jahr 2010 habe sie bereits psychische Probleme gehabt, sich sechs Monate krank
schreiben lassen, habe aber nicht in psychiatrischer Behandlung sein wollen und deswegen privat einen Coach bezahlt, der wiederum die Krankschreibung veran
lasst habe. Eine Bereitschaft zur Veränderung sei verbal gegeben, die Beschwer
deführerin formuliere klar, zurück in ihren alten Beruf zu wollen. Eine konkrete Veränderungsmotivation, etwa es doch noch mal mit einem Mehr an Therapie zu
versuchen (Tagesstrukturierung, ambulante psychiatrische Spitex etc.) finde bis
lang
nicht statt. Auch sei keine konkrete Leistungsmotivation zu erkennen
,
in den Arbeitsprozess zurückzukehren, wobei dies auch damit zusammenhänge, dass objektiv momentan eher medizinische Massnahmen im Vordergrund stünden. Der Leidensdruck sei hoch, dies sei erkennbar auf der Ebene Mimik, Gestik und im Verhalten. Es werde ja auch bei der Psychiaterin oder beim Ehemann Hilfe ge
sucht. Die Konsistenzparameter nach Widder seien teilweise positiv. Es werde angegeben
,
3 Stunden zu brauchen, um sich die Haare zu waschen, andererseits selbständige Anreise von St. Gallen nach
E._
, die karzinomerkrankte Mutter werde zu Besuch eingeladen (Herbst 2016) und die Mutterrolle aus Sicht der Be
schwer
deführerin sei gegenüber ihrem 2.5-jährigen Sohn durchaus erfüllt. Es wür
den insbesondere Therapiemassnahmen fehlen. Zumindest eine Therapie ent
sprechend den Leitlinien der Fachgesellschaften, insbesondere in Bezug auf die depressive
Störung, die bei diesem Schweregrad wohl mit 14-tägigen ambulanten Gesprächen schwer zu bekämpfen sei und letztlich seit Erstmanifestation im Jahr 2014 sich eher verschlechtert habe
, von Fachkräften immer wieder für mittel
gradig gehalten worden sei, inzwischen von der
Behandlerin
für
schwergradig
, ohne
Settingwechsel
und ohne Hinzunehmen von Pharmakotherapie (S. 13).
Weiter hielt der Gutachter fest, dass eine Abgrenzung der Funktionsein
schrän
kungen, welche auf die Gesundheitsschädigung zurückzuführen sind, von den (direkten) Folgen nicht versicherter Faktoren nicht im Vordergrund st
eh
e. Die Art und der Umfang der Therapie weiche bezüglich der depressiven Störung deutlich
von den Leitlinien der Fachgesellschaften, zum Beispiel Leitlinie Depression SGPP
,
ab.
Die Pharmakotherapie
fehle vollständig, was bei einer mehrjährigen depressi
ven Störung, entstanden im Rahmen einer Schwangerschaft
,
als sehr ungünstig bezeichnet werden dürfe. Es finde sich keine Soziotherapie, was ebenfalls als gravierender Mangel eingeschätzt werden dürfe und es würden relevante
Setting
formen
offen bleiben
(S. 25 und 27).
4.
4.1
Hinsichtlich der rentenabweisenden Verfügung vom 15. November 2018 (Urk. 2) steht zunächst in Frage, ob zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachter der
D._
vom 12. April 2017 (vgl. E. 3.3 hiervor) abgestellt werden kann.
Das eingeholte Gutachten wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt und beruht grundsätzlich auf den erforderlichen Untersuchungen. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge ein
leuch
tend dar und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhal
ten der Beschwerdeführerin auseinander. Im Gutachten
wurden als Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mittelschwere Auffälligkeiten bei den Lern- und Frischgedächtnisfunktionen, bei der Umstellfähigkeit und im Aufmerksamkeitsbereich sowie eine depressive Episode über Jahre als mittel
gradig beschrieben, gegenwärtig als mittel- bis
schwergradig
beschrieben
. Aus neuro
psycho
logischer Sicht wurde
zudem
eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % und aus psychiatrischer Sicht eine von 66 % attestiert.
Sowohl in den Arztberichten als auch im Gutachten kommt zum Ausdruck, dass
gewisse psychosoziale Belastungsfaktoren wie etwa
der ungeklärte Tod des Bruders
, die Scheidung vom Ehemann, die Schwangerschaft sowie Überforde
rungssituationen
am Arbeitsplatz im Vordergrund der depressiven Symptomatik stehen. Die Verbindung zwischen der psychosozialen Belastungssituation und der
depressiven Symptomatik wird bereits durch den ersten Arztbericht von Dr.
Z._
vom 20. April 2015 (vgl. E. 3.1 hiervor) deutlich. So schildert
e
die Beschwerde
füh
rerin selbst, dass sich ihr Leben seit dem Tod des Bruders verä
ndert habe. Ausserdem beschrieb
sie die Beziehung und Trennung zum Ex-Ehemann und die darauffolgenden Erschöpfungssymptome, welche zur ambulanten psychothera
peu
tischen Behandlung geführt haben.
Die damals erhobenen Befunde finden somit in den psychosozialen Umständen ihre hinreichende Erklärung. Es stellt sich jedoch die Frage, ob sich das Krankheitsbild der Beschwerdeführerin seither verselbständig
t
hat und auch mit Wegfall der Belastungsfaktoren bestehen bleibt. Zu dieser Frage kann weder den vorliegenden Arztberichten noch dem Gutachten eine Antwort entnommen werden. Vielmehr hält der Gutachter im psychia
tri
schen Teilgutachten zum Punkt «Abgrenzung der Funktionseinschränkungen, welche auf diese Gesundheitsschädigun
g zurückzuführen sind, von den
(direkten) Folgen nicht versicherter Faktoren (invaliditätsfremde Faktoren wie z.B. Arbeits
losigkeit, schwierige wirtschaftliche Lage, mangelnde Sprachkompetenzen, Alter, niedriges Bildungsniveau oder soziokulturelle
Faktoren)»
fest, dass dies n
icht im Vordergrund stehe (Urk. 6/79/93 S. 25). Den psychosozialen Faktoren und damit auch den psychischen Beschwerden kann mithin eine invalidisierende Wirkung somit weder zu- noch abgesprochen werden. Im Ergebnis mangelt es an einer objektiven Befunderhebung und zureichenden Abgrenzung zur dargelegten psy
chosozialen Belastungssituation, welche im Gutachten seinen Ausdruc
k hätte finden müss
en. Ohne eine entsprechende Auseinandersetzung sind zwar Hinweise vorhanden, dass die psychosozialen Faktoren für die Verschlechterung des Ge
sundheitszustandes ursächlich waren, doch fehlt es weiterhin an
einer Stellung
nahme zur Verselbständigung der vorliegenden psychischen
Erkrankung
.
Auf das polydisziplinäre Gutachten vom 12. April 2017 (vgl. E. 3.3 hiervor) kann zur Beantwortung dieser massgeblichen Frage
damit
nicht abgestellt werden.
4.2
Die Beschwerdeführerin bringt in ihrer Beschwerde vor, die Beschwerdegegnerin hätte ein Beweisverfahren anhand des für psychosomatische Leiden eingeführten
Indikatorenkatalogs
durchführen müssen (Urk.
1 S.
4). Die Beschwerdegegnerin vertritt hingegen die Ansicht, dass eine solche
Indikatorenprüfung
durchgeführt
worden sei (Urk.
2 S.
2).
Das Bundesgericht hat mit BGE 143 V 418 vom 30. November 2017 erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkran
kung
en einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unter
zieh
en
sind (vgl.
E. 1.4
),
wo
zu insbesondere auch depressive
Erkrankung
en
zählen. Gestützt auf diese bundesgerichtliche Rechtsprechung ist das strukturierte Be
weisverfahren daher auch auf den vorliegenden Fall anwendbar.
Da es
jedoch
bereits an einer ausreichenden Auseinandersetzung mit den psychosozialen Be
las
tungsfaktoren fehlt, kann vorliegend von einer
Indikatorenprüfung
abgesehen werden.
Dennoch ist zu bemerken, dass die von der Beschwerdegegnerin durch
geführte
Indikatorenprüfung
als unzureichend
zu betrachten ist
.
Die
Standardindikatoren
(E. 1.5)
erlauben - unter Berücksichtigung leistungshin
dern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im
Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit
(zu
mindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es dar
an, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
In der rentenabweisenden Verfügung der Beschwerdegegnerin (Urk. 2) lassen sich nur kurze Anmerkungen zu bestimmten Indikatoren finden, womit ein schlüssiger und widerspruchsfreier Nachweis fehlt.
4.
3
Nach dem Gesagten bestehen zwar Hinweise darauf, dass
die Beschwerdeführerin
in
ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt sein könnte. In welchem Umfang all
fällig funktionelle Auswirkungen zu berücksichtigen sind, ist aber insbesondere mangels
Auseinandersetzung mit den psychosozialen Belastungsfaktoren sowie einer schlüssigen
Darlegung der hierzu notwendigen Standardindikatoren nicht abschliessend festzustellen. Es ist daher unabdingbar, ein psychiatrisches Gut
achten einzuholen, welches
sich zur Frage der
psychosozialen Faktoren äussert und
die Beurteilung der medizinisch-theoretischen Arbeitsunfähigkeit
der Be
schwer
deführerin
im Einklang mit der geltenden Rechtslage nach Massgabe der im Regelfall heranzuziehenden Standardindikatoren ermöglicht.
Unter diesen Umständen kann zumindest einstweilen offenbleiben, ob und in welchem Umfang in Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand der Be
schwer
deführerin von einer Arbeits
un
fähigkeit ausgegangen werden kann.
4.
4
Die Sache ist
zur Vornahme ergänzender medizinischer Abklärungen und an
schliessendem Neuentscheid
unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 15. November 2018 (Urk. 2) an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen
.
5
.
5
.1
Die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur
weiteren Abklärung und
neuen Verfügung gilt rechtsprechungsgemäss für die Frage der Auferlegung der Ge
richtskosten wie auch der Parteientschädigung
als vollständiges Obsiegen (BGE
141 V 281 E.
11.1, 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E.
2.2).
5
.2
Die Kosten des Verfahrens
(Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
)
sind auf
Fr.
800.-- festzusetzen und entsprechend dessen Ausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.3
Ausgangsgemäss steht der
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer
in
gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG und
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
) eine Prozessentschädigung zu, welche ohne Rück
sicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr. 2’200.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
setzen ist.