Decision ID: 33102092-3f73-5e9c-934a-e56992a9aa26
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Gesuchsteller suchte am 28. November 2016 in der Schweiz um Asyl
nach.
Er machte im Wesentlichen geltend, er sei tamilischer Ethnie und habe bis
im Jahr (...) in B._ (Distrikt C._, Nordprovinz) gelebt. Er
habe die Schule im Jahr (...) mit dem O-Level abgeschlossen. Nach dem
Tod seines Vaters habe er im Alter von (...) Jahren angefangen, in einem
Nähatelier zu arbeiten. Das habe er nach Schulabschluss noch während
(...) bis (...) Jahren gemacht. Er sei am (...) den Liberation Tigers of Tamil
Eelam (LTTE) beigetreten. Nach seinem Beitritt sei er in einem politischen
Büro der LTTE in D._ registriert und dann nach E._ ge-
schickt worden. Dort habe er ein (...) Training erhalten. Weil er körperlich
nicht fit gewesen sei, sei er versetzt und für Schneiderarbeiten eingesetzt
worden; dafür habe er Lohn erhalten. Am (...) sei er unterwegs bei einer
Raketenexplosion verletzt worden. Er habe für (...) Tage Urlaub erhalten
und sei kurz vor Kriegsausbruch nach C._ gegangen. Er habe
nicht mehr zu den LTTE zurückkehren wollen, weshalb er von diesen ge-
sucht worden sei. Nachdem jedoch die Strassenverbindung ins Vanni-
Gebiet gesperrt worden sei, habe er seitens der LTTE keine Probleme
mehr gehabt. Dann habe aber die sri-lankische Armee (SLA) begonnen,
Leute der LTTE in C._ zu suchen und zu töten. Deshalb sei er im
Jahr (...) per Schiff nach F._ und von dort nach G._ in
H._ gereist, wo er (...) Jahre lang mit einem Visum als Gastarbeiter
gelebt habe. Nach Kriegsende sei er nach Sri Lanka zurückgekehrt und
habe am (...) in I._ (Distrikt C._) geheiratet und in der Folge
dort gelebt. Ab (...) habe er eine eigene Schneiderei betrieben. In den Jah-
ren (...) und (...) seien seine Kinder zur Welt gekommen.
Im Jahr (...) habe das Criminal Investigation Departement (CID; Geheim-
dienst) begonnen, ihn zu suchen. Er habe seinerzeit mit Kollegen zusam-
men bei den LTTE Fotos gemacht. Ein Junge aus J._ der mit ihm
auf einem Foto gewesen sei, sei verhaftet worden; mutmasslich sei er (Ge-
suchsteller) von ihm verraten worden. Der Gesuchsteller führte in diesem
Zusammenhang bei der BzP aus, das CID sei in seiner Abwesenheit am
(...) zu seiner Mutter nach B._ und am (...) zu ihm nach Hause ge-
kommen. Die Behördenvertreter hätten zu seiner Frau gesagt, er habe für
den Geheimdienst bei den LTTE gearbeitet, er werde nun gesucht und sie
kämen wieder. Seine Frau habe ihn nach dem Behördenbesuch nach
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K._ geschickt, von wo aus er das Land am (...) verlassen habe. Er
wisse nicht, was mit dem erwischten Jungen oder seinen anderen Kollegen
passiert sei. Er kenne nur die Person namens L._, die erwischt wor-
den sei. Bei der Anhörung führte der Gesuchsteller diesbezüglich aus, er
sei von unbewaffneten Zivilpersonen am (...) bei seiner Mutter in
B._ und von bewaffneten Zivilpersonen am (...) bei seiner Frau in
I._ gesucht worden. Die Unbekannten hätten seine Frau über ihn
und seine Tätigkeit befragt und ihn beschuldigt, Kontakte zu ehemaligen
LTTE-Mitgliedern und eine enge Beziehung zu einem Mann namens
L._ aus J._ der in der Geheimdienstabteilung tätig gewesen
sei, zu haben. Er kenne aber keinen Mann namens L._. Seine Frau
sei mit Füssen getreten worden und man habe ihr gesagt, dass er in ein
Rehabilitationszentrum gehen müsse. Als er nach Hause gekommen sei,
habe seine Frau ihm geraten, sich zu verstecken. Er habe seine Frau und
Kinder zur Tante seiner Frau geschickt und sei noch am gleichen Abend
nach K._ gegangen, wo er sich versteckt habe und (...) mit Hilfe
eines Schleppers über den Flughafen von F._ ausgereist sei. Nach
seiner Ausreise sei er weiterhin gesucht und seine Frau bedroht worden.
Um weitere Probleme zu vermeiden, lebe diese nicht mehr zu Hause, son-
dern abwechslungsweise bei ihrer Mutter und ihrer Tante.
B.
Mit Verfügung vom 24. September 2019 lehnte das SEM das Asylgesuch
ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und den Wegweisungs-
vollzug an.
Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen an, die Vorbringen
des Gesuchstellers seien unglaubhaft. Zwischen seinen Schilderungen in
der BzP und in der Anhörung, wonach im (...) Behördenvertreter zuerst zu
seiner Mutter und dann zu ihm nach Hause gekommen seien, gebe es
mehrere Widersprüche, so betreffend seine Angaben, ob er die Person na-
mens L._ kenne, warum das CID plötzlich angefangen habe, ihn zu
suchen, zum Inhalt der vom CID seiner Frau gegenüber geäusserten (an ihn
gerichteten) Vorwürfe, zu seinem Entschluss nach K._ zu gehen
und zu den Daten der Suche nach ihm. Ferner wurde auf weitere Unglaub-
haftigkeitselemente in seinen Aussagen hingewiesen.
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C.
Gegen diesen Entscheid erhob er am 25. Oktober 2019 Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht. Diese wurde mit Urteil D-5616/2019 vom
11. Juni 2020 abgewiesen.
Das Gericht erwog, die vom Gesuchsteller vorgebrachte angebliche behörd-
liche Suche nach ihm im Jahr (...) könne ihm nicht geglaubt werden. So
habe der Gesuchsteller an der BzP angegeben, ein Junge namens
L._, der von den sri-lankischen Behörden erwischt worden sei, habe
ihn verraten. L._ sei aus J._. Er kenne nur L._, die
anderen Kollegen kenne er nicht. Anlässlich der Anhörung habe er hinge-
gen ausgeführt, er kenne keinen L._, vermute aber, dass
L._ ein normaler Arbeiter wie er gewesen sei und gleichzeitig als
Informant gearbeitet habe. Dieses widersprüchliche Aussageverhalten sei
nicht nachvollziehbar. Weiter sei nicht plausibel, dass die Behörden ihn an-
geblich zuerst bei seiner Mutter in B._ gesucht haben sollten, ob-
wohl er gemäss eigenen Angaben seit (...) mit seiner Frau und den zwei
Kindern in I._ gelebt habe und dort auch offiziell registriert gewesen
sei. Das Gericht teile im Übrigen die Auffassung der Vorinstanz, dass er die
weiteren Ereignisse an besagtem Abend, als seine Frau ihm von der Be-
hördensuche erzählt habe, sehr kurz und inhaltsleer ausgeführt habe. So
wäre beispielsweise zu erwarten gewesen, dass der Gesuchsteller die Art
und Weise und den Zeitpunkt seiner Kenntnisnahme oder eine mögliche
Besprechung mit seiner Ehefrau beschrieben hätte. Insgesamt entstehe
nicht der Eindruck, dass der Gesuchsteller die behördliche Suche nach ihm
im Jahr (...) tatsächlich erlebt habe. Es sei ihm demnach nicht gelungen,
eine Verfolgung durch das CID glaubhaft darzulegen.
D.
Mit als «Asylgesuch nach Art. 111c AsylG» betitelter Eingabe vom
28. Juli 2020 an das SEM ersuchte der Gesuchsteller erneut um Asyl oder
zumindest die Anordnung der vorläufigen Aufnahme.
Er machte im Wesentlichen geltend, nach dem Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts vom 11. Juni 2020 sei es zu neuen Ereignissen gekommen.
So sei er 2020 bereits zwei Mal vom CID vorgeladen worden. Dies be-
weise, dass der sri-lankische Staat nach wie vor ein Interesse an ihm habe.
Sein Risikoprofil sei deshalb neu einzuschätzen. Die Vorladung stamme
aus der Zeit nach der Wahl von Gotabaya Rajapaksa, weshalb die neue
politische Situation einen Einfluss auf ihn habe. Ausgehend von seinem
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Risikoprofil müsse angenommen werden, dass er bei einer allfälligen Rück-
kehr nach Sri Lanka unter den heutigen Gegebenheiten erhebliche und
konkrete Gefahr laufen würde, asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt zu
sein.
Als Beweismittel reichte er Kopien von zwei Vorladungen des CID in engli-
scher Übersetzung vom 9. Januar und vom 3. Februar 2020 zu den Akten
und führte aus, die Originale hätten ihm aufgrund von Problemen mit der
Post noch nicht gesendet werden können. Weiter reichte er die Kopie des
Briefumschlags ein, in welchem eine der Vorladungen gesendet worden
sei, sowie ein Schreiben seines Anwalts vom 14. Februar 2020.
E.
Mit Schreiben vom 7. August 2020 überwies das SEM die Eingabe vom
28. Juli 2020 an das Bundesverwaltungsgericht und führte aus, der Ge-
suchsteller mache keine Gründe geltend, die erstinstanzlich im Rahmen
eines Wiedererwägungsverfahrens oder erneuten Asylverfahrens zu beur-
teilen wären. Er reiche zwei Vorladungen vom Januar und Februar 2020
sowie ein Schreiben seines Anwalts vom 14. Februar 2020 in Fotokopie zu
den Akten. Damit reiche er neue erhebliche Beweismittel bezüglich vorbe-
stehender, zum Nachteil des Gesuchstellers unbewiesen gebliebener Tat-
sachen ein. Dabei handle es sich um Revisionsgründe, weshalb das Bun-
desverwaltungsgericht für die Beurteilung zuständig sei.
F.
Am 10. August 2020 wurde der Vollzug der Wegweisung im Sinne einer
vorsorglichen Massnahme einstweilen ausgesetzt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG
(SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Be-
schwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die
es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE
2007/21 E. 2.1).
1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts die Art. 121–128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG
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findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuchs Art. 67 Abs. 3
VwVG Anwendung.
1.3 Der Gesuchsteller versucht mit der Nachreichung von Beweismitteln
die im vorangegangenen Beschwerdeverfahren vorgebrachte Verfolgung
durch die heimatlichen Behörden zu belegen und macht damit die ur-
sprüngliche Fehlerhaftigkeit des Beschwerdeentscheids vom 11. Juni 2020
geltend.
1.4 Der Gesuchsteller ist durch das betreffende Beschwerdeurteil vom
11. Juni 2020 besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung. Er ist daher zur Einreichung des Revi-
sionsgesuchs legitimiert (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG in analogiam).
2.
2.1 Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision wird die Unab-
änderlichkeit und Massgeblichkeit eines rechtskräftigen Beschwerdeent-
scheids angefochten, im Hinblick darauf, dass die Rechtskraft beseitigt
wird und über die Sache neu entschieden werden kann (vgl. BVGE 2012/7
E. 2.4.2 mit Verweis auf BVGE 2007/21).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus
den in Art. 121–123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG).
Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revi-
sion nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte gel-
tend machen können (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG e contrario; sinngemäss
Art. 46 VGG).
2.3 An die Begründung ausserordentlicher Rechtsmittel werden erhöhte
Anforderungen gestellt. Reine Urteilskritik genügt den gesetzlichen Anfor-
derungen an die Begründung eines Revisionsgesuchs nicht. Das Gesetz
umschreibt die Revisionsgründe eng, die Rechtsprechung handhabt sie
restriktiv (vgl. ELISABETH ESCHER, in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger [Hrsg.],
Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2011, Art. 121 N 1;
NICOLAS VON WERDT in: Seiler/von Werdt/Güngerich/Oberholzer, Stämpflis
Handkommentar SHK, Bundesgerichtsgesetz, 2. Aufl. 2015, Art. 121 N 9).
Im Revisionsgesuch ist darzulegen, welcher gesetzliche Revisionsgrund
angerufen und welche Änderung des früheren Entscheids beantragt wird.
Die in Art. 121–123 BGG enthaltene Aufzählung der Revisionsgründe ist
abschliessend (Verletzung von Ausstandspflichten; Nichtbeurteilung von
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Anträgen; versehentliche Nichtberücksichtigung von in den Akten liegen-
den Tatsachen; Verletzung der EMRK nach Vorliegen eines Entscheids des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte; nachträgliches Erfahren
von erheblichen Tatsachen oder Auffinden von entscheidenden Beweismit-
teln, unter Ausschluss von Tatsachen oder Beweismitteln, die erst nach
dem Entscheid entstanden sind). Für die Zulässigkeit eines Revisionsbe-
gehrens ist es nicht erforderlich, dass der angerufene Revisionsgrund tat-
sächlich besteht, sondern es genügt, wenn der Gesuchsteller dessen Be-
stehen behauptet und hinreichend begründet.
2.4 Der Gesuchsteller ruft mit der Nachreichung von Beweismitteln sinnge-
mäss den gesetzlichen Revisionsgrund von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG an.
Das Revisionsgesuch vom 28. Juli 2020 ist damit grundsätzlich hinrei-
chend begründet (vgl. E. 2.3).
2.5 Gemäss Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG ist das Revisionsgesuch innert
90 Tagen seit Kenntnis der nachträglich erfahrenen Tatsache oder des auf-
gefundenen Beweismittels einzureichen. Der Gesuchsteller macht keine
konkreten Angaben, an welchem Datum er Kenntnis von den eingereichten
Beweismitteln erlangt habe und wann ihm diese Beweismittel zugegangen
seien. Somit erscheint es grundsätzlich fraglich, ob das Revisionsgesuch
rechtszeitig eingereicht wurde. Im Hinblick auf die nachfolgenden Erwä-
gungen ist jedoch zu Gunsten des nicht vertretenen Gesuchstellers vorlie-
gend die besagte Frist von Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG als gewahrt zu er-
achten.
3.
3.1 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann in öffentlich-rechtlichen An-
gelegenheiten die Revision eines Urteils verlangt werden, wenn die ersu-
chende Partei nachträglich erhebliche Tatsachen erfährt oder entschei-
dende Beweismittel auffindet, die sie im früheren Verfahren nicht beibrin-
gen konnte, unter Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die erst
nach dem Entscheid entstanden sind.
Der Revisionsgrund der nachträglich erfahrenen Tatsache beinhaltet zum
einen, dass sich diese bereits vor Abschluss des Beschwerdeverfahrens
verwirklicht haben muss; als Revisionsgrund sind somit lediglich soge-
nannte unechte Noven zugelassen. Zum anderen verlangt Art. 123 Abs. 2
Bst. a BGG, dass die gesuchstellende Partei die fragliche Tatsache res-
pektive das entsprechende Beweismittel während des vorangegangenen
Verfahrens, das heisst bis zur Urteilsfällung, nicht gekannt hat und deshalb
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nicht geltend machen konnte. Ausgeschlossen sind damit auch Umstände
und Beweismittel, welche die gesuchstellende Partei bei pflichtgemässer
Sorgfalt hätte kennen können, ebenso, wenn die Entdeckung der erhebli-
chen Tatsachen oder Beweismittel auf Nachforschungen beruht, die be-
reits im früheren Verfahren hätten angestellt werden können, denn darin ist
eine unsorgfältige Prozessführung der gesuchstellenden Partei zu erblicken
(vgl. zum Ganzen ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,
Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 306
Rz. 5.47). Dass es einer gemäss Art. 123 BGG um Revision ersuchenden
Partei nicht möglich war, Tatsachen und Beweise bereits im früheren Verfah-
ren vor- beziehungsweise beizubringen, ist nur mit Zurückhaltung anzuneh-
men. Der Revisionsgrund der unechten Noven dient nicht dazu, bisherige
Unterlassungen in der Beweisführung wiedergutzumachen (vgl. ELISABETH
ESCHER, a.a.O., Art. 123 N 8). Revisionsweise eingereichte Beweismittel
sind nur dann als neu zu qualifizieren und beachtlich, wenn sie entweder
neue erhebliche Tatsachen erhärten oder geeignet sind, dem Beweis von
Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen,
aber zum Nachteil der gesuchstellenden Partei unbewiesen geblieben
sind, respektive wenn sie bei Vorliegen im ordentlichen Verfahren vermut-
lich zu einem anderen Entscheid geführt hätten. Es genügt nicht, wenn sie
zu einer neuen Würdigung bereits bekannter Tatsachen führen sollen; für
eine andere Würdigung des Sachverhalts besteht im Rahmen eines Revi-
sionsverfahrens kein Raum.
3.2 Vorliegend ist somit zu prüfen, ob der Gesuchsteller nach Erlass des
Beschwerdeurteils vom 11. Juni 2020 erhebliche Tatsachen erfahren oder
Beweismittel aufgefunden hat, die vor dem Entscheid entstanden sind, er
aber im vorangegangenen Verfahren nicht hatte geltend machen respek-
tive beibringen können. Weiter ist zu prüfen, ob die neuen Vorbringen und
Dokumente bei zumutbarer Sorgfalt bereits im früheren Verfahren hätten
geltend gemacht respektive beigebracht werden können, und ob sie für die
Tatbestandsermittlung entscheidend sind, das heisst, ob sie geeignet sind,
die tatbeständliche Grundlage des Beschwerdeurteils vom 11. Juni 2020
zu ändern und zu einem anderen Ergebnis zu führen.
3.2.1 Dem Gesuchsteller ist es im Rahmen des vorangegangenen Asyl-
und Beschwerdeverfahrens nicht gelungen, eine flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgung oder eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG wegen
des Bestehens eines Risikoprofils nachzuweisen oder zumindest glaubhaft
zu machen. Im Hinblick auf die neu eingereichten Beweismittel ist grund-
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sätzlich nicht ersichtlich, weshalb der Gesuchsteller entsprechende Nach-
forschungen nicht schon früher in die Wege geleitet hat, kommt ihm hin-
sichtlich seiner Asylvorbringen doch die entsprechende Substanziierungs-
last zu. Aber unabhängig von der Frage der verspäteten Geltendmachung
vermag der Gesuchsteller mit der nun auf Revisionsebene neu vorgebrach-
ten Existenz zweier Vorladungen in Kopie und eines Bestätigungsschrei-
bens eines Anwaltes nicht glaubhaft zu machen, er würde bei einer Rück-
kehr nach Sri Lanka seitens der heimatlichen Behörden in flüchtlingsrecht-
lich relevantem Ausmass verfolgt. Für die Echtheit der besagten Doku-
mente besteht keine Gewähr, zumal diese nur in Kopie vorliegen. Kopien
wie die vorliegenden vermögen grundsätzlich nur eine geringe Beweiskraft
zu entfalten. Zudem ist nicht ersichtlich, wer wann und wie in den Besitz
dieser Dokumente gelangt sein soll. Der Gesuchsteller machte hierzu kei-
nerlei Angaben. Das Schreiben des Anwaltes muss ferner als Gefälligkeits-
schreiben beurteilt werden und verfügt somit ebenfalls nur über einen sehr
geringen Beweiswert. Die eingereichten Dokumente sind daher nicht ge-
eignet, die Glaubhaftigkeit der im vorangegangenen Beschwerdeverfahren
als unglaubhaft qualifizierten Fluchtvorbringen zu bewirken respektive eine
flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung des Gesuchstellers seitens der
heimatlichen Behörden zu belegen. Die Beweismittel sind nicht als beweis-
tauglich und somit auch nicht als erheblich (d.h. Beweismittel, welche bei
ihrer Berücksichtigung dazu geführt hätten, dass der angefochtene Ent-
scheid anders ausgefallen wäre) im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG
zu qualifizieren. Mangels revisionsrechtlicher Erheblichkeit im Sinne von
Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG vermögen sie somit auch kein Wegweisungs-
hindernis zu begründen.
4.
Dem Gesuchsteller ist es damit nicht gelungen, Gründe darzulegen res-
pektive relevante Beweismittel vorzulegen, die eine Revision des Be-
schwerdeurteils D-5616/2019 vom 11. Juni 2020 rechtfertigen würden. Das
Revisionsgesuch vom 28. Juli 2020 ist demzufolge abzuweisen. Der am
10. August 2020 angeordnete Vollzugsstopp ist damit hinfällig.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1'500.– dem
Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG;
Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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