Decision ID: ce8abadc-98e0-4185-a442-a0e35de2b486
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war seit März 2016 mit einem Pensum von zuletzt
49 % als PRO agent professionnel bei der B._ tätig und dadurch bei der Vaudoise
Allgemeine, Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Vaudoise), gegen die Folgen
von Unfällen versichert (UV-act. 1). Am 1. Juli 2016 erlitt sie einen Verkehrsunfall. Sie
sass als angegurtete Beifahrerin in einem auf dem Pannenstreifen der Autobahn
stillstehenden Mercedes-Benz Viano mit Anhänger, welcher von hinten von einem mit
einem Tempo von über 80 km/h fahrenden Lastwagen gerammt wurde (UV-act. 7, 19).
Nach Einholung diverser medizinischer Untersuchungsberichte und einer
versicherungsinternen Beurteilung von Dr. med. C._, Facharzt Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, beratender Arzt der Vaudoise,
stellte die Unfallversicherung mit Verfügung vom 8. März 2017 die
Versicherungsleistungen per 1. Januar 2017 ein, da der Status quo nach sechs
Monaten erreicht gewesen und die natürliche Kausalität damit nicht mehr gegeben sei
(UV-act. 55). Die dagegen erhobene Einsprache wies die Vaudoise – nach weiteren
medizinischen Abklärungen – mit Entscheid vom 30. Mai 2017 ab (UV-act. 61; vgl. zum
Ganzen den Sachverhalt in UV 2017/54).
A.a.
Die gegen den Einspracheentscheid vom 30. Mai 2017 erhobene Beschwerde
vom 27. Juni 2017 (UV-act. 65) wurde mit Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 1. April 2019 (UV 2017/54) dahingehend gutgeheissen, als der
Einspracheentscheid vom 30. Mai 2017 aufgehoben und die Streitsache zu
ergänzenden Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu neuer Verfügung an die
A.b.
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1. eine Halswirbelsäulen-Beschleunigungsverletzung Quebec-Task-Force Grad II
(ICD-10: S13.4),
2. eine mild traumatic tissue brain injury Kategorie 2 (ICD-10: S06-8) mit
a. postconcussion syndrom (ICD-10: F07.81) mit
b. anhaltendem Kopfschmerz, zurückzuführen auf eine traumatische Verletzung des
Kopfes (ICD-10: G44.3),
3. einen mittelgradig kompensierten Tinnitus beidseits, linksbetont.
Als möglich unfallbedingt diagnostizierten sie:
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wurde. Das Versicherungsgericht kam zum
Schluss, dass der (medizinische) Sachverhalt per Fallabschluss am 1. Januar 2017
bezüglich natürlicher Kausalität der noch bestehenden Beschwerden und einer
dadurch allenfalls resultierenden Behandlungsbedürftigkeit und Arbeitsunfähigkeit nicht
rechtsgenüglich abgeklärt worden sei. Dasselbe gelte für die Beurteilung der Frage, ob
von weiteren medizinischen Massnahmen eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands erwartet werden könne. Es bedürfe im Sinne von BGE 134 V 124
ff. E. 9.4 f. eines polydisziplinären Gutachtens (mit psychiatrischer Exploration), das
sich zu den erwähnten Punkten inkl. allfälliger psychischer Überlagerung zu äussern
habe (UV-act. 72).
In der Folge aktualisierte die Vaudoise die medizinische Aktenlage (UV-act. 76 f.)
und veranlasste in Absprache mit dem Rechtsvertreter der Versicherten, Rechtsanwalt
Marco Büchel, Oberuzwil, bei der asim Begutachtung (nachfolgend: asim), Universität
Basel, ein Gutachten in den Disziplinen Neurologie, Innere Medizin, Rheumatologie,
Neuropsychologie, Psychiatrie und Otorhinolaryngologie (UV-act. 74, 78 ff., 100 S. 5).
Die Versicherte wurde im Dezember 2019 sowie Februar 2020 an mehreren Tagen
untersucht (inklusive Zusatzuntersuchungen; UV-act. 100 S. 5); die Expertise selbst
datiert vom 31. Dezember 2020 (UV-act. 100). Im Konsens stellten die Gutachter und
die Gutachterin als unfallbedingte Diagnosen:
A.c.
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1. eine mögliche, aufgrund der Gesamtschau nicht valider Testergebnisse, nicht
quantifizierbare neuropsychologische Störung,
2. diskrete Zeichen einer zentral-vestibulären Funktionsstörung mit zusätzlichen
Verdeutlichungszeichen.
Im Weiteren qualifizierten sie als unfallfremd:
1. ein Impingement-Syndrom der linken Schulter,
2. ein myotendinotisches zervikovertebrales Schmerzsyndrom,
3. ein intermittierendes lumbovertebrales Schmerzsyndrom,
4. eine leichtgradige hochtonbetonte sensorineurale Hörminderung beidseits,
5. einen Verkehrsunfall vor mehr als 10 Jahren ohne gesundheitliche Folgen,
6. einen Mamma-Tumor (UV-act. 100 S. 13 f.).
Es bestehe kein Integritätsschaden. Bei führender neurologischer
Beschwerdesymptomatik mit funktioneller Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei der
Endzustand spätestens per Ende Januar 2019 erreicht gewesen (Status quo sine). Die
bisherige Tätigkeit als Sicherheitsangestellte könne ab diesem Zeitpunkt aus
unfallkausaler Sicht wieder mit einer Leistungsfähigkeit von 100 % ausgeführt werden.
Der als unfallkausal beurteilte Tinnitus führe nur insofern zu einer theoretischen
qualitativen Einschränkung, als Tätigkeiten, bei denen ein Hörschutz getragen werden
müsse, und Tätigkeiten mit hoher Lärmbelastung ausgeschlossen seien. Aus
rheumatologischer Sicht seien unfallfremd nur körperlich leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten möglich, ohne Notwendigkeit, Lasten über 10 Kilogramm zu heben, zu
tragen oder zu stossen, ohne Notwendigkeit, Überkopfarbeiten zu verrichten bzw. ohne
Notwendigkeit, mit dem linken Arm Arbeiten über der Horizontalen zu verrichten (UV-
act. 100 S. 12).
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A.d. Mit Verfügung vom 1. April 2021 stellte die Vaudoise die Versicherungsleistungen
(Heilbehandlung und Taggeldleistungen) per 8. Mai 2018 ein. Gemäss Gutachten des
asim sei aus rheumatologischer Sicht der Status quo sine/ante spätestens per 12. Juli
2017 erreicht. Die Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen seien bis Mai 2018
dokumentiert und würden dann als komplett remittiert und ohne Residuen gelten (UV-
act. 105). Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 7. Mai 2021 Einsprache
erheben. Die Vaudoise sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen aus dem
Unfallereignis vom 1. Juli 2016 bis und mit 31. Januar 2019 zu erbringen (UV-act. 106).
Mit Entscheid vom 2. Juni 2021 wies die Vaudoise die Einsprache ab (UV-act. 107).
B.
B.a. Gegen den Einspracheentscheid vom 2. Juni 2021 liess die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin), weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Büchel, am
16. Juni 2021 Beschwerde erheben und folgendes beantragen: Die Verfügung vom 1.
April 2021 und der Einspracheentscheid vom 2. Juni 2021 seien aufzuheben. Die
Vaudoise (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sei zu verpflichten, die gesetzlichen
Leistungen aus dem Unfallereignis vom 1. Juli 2016 bis und mit 31. Januar 2019 zu
erbringen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (act. G 1).
B.b. In der Beschwerdeantwort vom 10. August 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 2. Juni 2021. Zur Begründung verwies sie insbesondere auf
die Ausführungen im Einspracheentscheid (act. G 3).
B.c. Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G 5).
B.d. Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen
1.
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Streitig und zu prüfen ist einzig, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die temporären
Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und Taggeldleistungen), begründend aus
dem Unfall vom 1. Juli 2016, auf den 8. Mai 2018 eingestellt hat oder ob darüber
hinaus ein Anspruch bis längstens 31. Januar 2019 bestanden hätte.
1.1. Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht
demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem
versicherten Unfallereignis zusammenhängen (André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar
zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018; Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in:
Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.],
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich
Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4.
Aufl. 2012, S. 53 ff.).
1.2. Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen, so entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, sobald der
Unfall nicht mehr die natürliche (und adäquate) Ursache des Gesundheitsschadens
darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen
beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (allenfalls krankhafte)
Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo
ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf
eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte
(Status quo sine) erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich
fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich dabei um
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eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast –
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht beim Versicherten, sondern beim
Unfallversicherer (vgl. Rumo-Jungo/ Holzer, a.a.O., S. 54; vgl. ferner nebst vielen Urteil
des Bundesgerichts vom 4. November 2016, 8C_594/2016, E. 2.2).
1.3. Bei anhaltender Kausalität der Unfallfolgen hat der Unfallversicherer solange die
temporären Versicherungsleistungen zu erbringen, als von der Fortsetzung der
ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes
erwartet werden kann (vgl. dazu Art. 19 Abs. 1 UVG) bzw. der medizinische Endzustand
noch nicht erreicht ist. Das Kriterium bestimmt sich namentlich nach Massgabe der zu
erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese
unfallbedingt beeinträchtigt ist. Es bedarf dabei einer ins Gewicht fallenden Besserung
durch die ärztliche Behandlung. Eine allfällige blosse Verbesserung allein des Leidens
an sich, eine nur kurzfristige Linderung, eine blosse Verbesserung der Befindlichkeit
oder dass die versicherte Person etwa von Physiotherapie profitieren kann, genügt
nicht. Auch ärztliche Verlaufskontrollen, die Einnahme von Medikamenten sowie
manualtherapeutische Behandlungen gelten nicht als kontinuierliche, mit einer
gewissen Planmässigkeit auf eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes
gerichtete ärztliche Behandlung im Sinne der Rechtsprechung (Urteil des
Bundesgerichts vom 22. September 2016, 8C_306/2016, E. 5.3, mit Hinweisen; vgl.
ferner Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen, UV 2019/17, E.
4.1).
1.4. Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Bezüglich Beweiswert eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
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abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E.
3a mit Hinweisen). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist
bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4).
Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der Verwaltung bei externen
Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu
beachten (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 18. April 2006,
I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht zulässig, ein medizinisches Administrativ- oder
Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu
nehmen, wenn die behandelnden Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten.
Vorbehalten bleiben aber Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt,
weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher
Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai
2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2).
2.
Es wird zu Recht nicht bestritten, dass dem umfassenden und schlüssigen asim-
Gutachten volle Beweiskraft zuzuerkennen ist. Es ist einzig strittig, ob gestützt darauf
der Status quo sine/ante (im Sinne von vorstehender E. 1.2) oder der medizinische
Endzustand mit Einstellung/Dahinfallen der temporären Leistungen (im Sinne von
vorstehender E. 1.3) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit per 8. Mai 2018, wie es die
Beschwerdegegnerin vertritt, oder per 31. Januar 2019, was die Beschwerdeführerin
beantragt, erreicht war.
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2.1. Mit Verweis auf das asim-Gutachten erlitt die Beschwerdeführerin beim Unfall vom
1. Juli 2016 ein Halswirbelsäulen-Beschleunigungstrauma und ein leichtes Schädel-
Hirn-Trauma. In der Folge litt sie aufgrund dessen an einem postkommotionellen
Syndrom, anhaltenden Kopfschmerzen und einem mittelgradig kompensierten Tinnitus
(UV-act. 100 S. 11, 13).
2.2. In rheumatologischer Hinsicht führten die asim-Gutachter in Würdigung der
medizinischen Aktenlage und der eigenen Untersuchung aus, dass sich die initiale
Schmerzintensität und die Ausdehnung (vom Nacken bis zum Becken) der
myotendinotischen Verspannungen allmählich verbessert hätten. Anlässlich einer
orthopädischen Begutachtung am 12. Juli 2017 habe es keine Auffälligkeiten im
Bereich der Schultergelenke beidseits gegeben, so dass der Status quo sine aus
rheumatologischer Sicht per dann festzulegen sei (UV-act. 100 S. 17). Diese
Einschätzung ist unbestritten und nachvollziehbar begründet, womit ihr ohne weiteres
gefolgt werden kann. Aus Hals-Nasen-Ohren-ärztlicher Sicht sei eine Verbesserung
des Umgangs mit dem Tinnitus denkbar, andere spezifische Massnahmen seien indes
nicht möglich (UV-act. 100 S. 17). Auch diese Beurteilung ist nicht in Frage zu stellen.
Nachdem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine – im Sinne der
Rechtsprechung – namhafte Besserung des Tinnitus mehr erwartet werden konnte,
stand dieser Gesundheitsschaden einer Einstellung resp. einem Dahinfallen der
temporären Versicherungsleistungen nicht entgegen. Lediglich möglich unfallkausal
und damit nicht überwiegend wahrscheinlich mit dem Auffahrunfall zusammenhängend
sind die diskreten Zeichen einer zentral-vestibulären Funktionsstörung (UV-act. 100 S.
13, 100f. S. 6 ff.). Dieser Gesundheitsschaden führt damit ebenfalls nicht dazu, dass
die temporären Versicherungsleistungen länger als bis am 8. Mai 2018 hätten
ausgerichtet werden müssen. Psychiatrische Diagnosen wurden keine gestellt (UV-act.
100b S. 13), womit sich Ausführungen dazu erübrigen.
2.3.
2.3.1. Umstritten ist einzig, wie lange die nicht objektivierbaren neurologischen
Beeinträchtigungen aufgrund des postkommotionellen Syndroms und der HWS-
Beschleunigungssymptomatik, namentlich die geklagten kognitiven Defizite und die
anhaltenden Kopfschmerzen, dem Unfall vom 1. Juli 2016 angelastet werden können
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resp. einen Anspruch auf temporäre Versicherungsleistungen begründen.
Diesbezüglich wird im neurologischen Teilgutachten zusammengefasst ausgeführt,
dass in der Gesamtschau der verfügbaren Akten davon auszugehen sei, dass das
postkommotionelle Syndrom und aus neurologischer Sicht auch die HWS-
Beschleunigungssymptomatik gegenüber einer statistischen Durchschnittsannahme
unter Berücksichtigung der erheblichen Unfallheftigkeit und des durch das Hämatom
belegten Kopfanpralles in Kombination mit der relativ frühen, belastenden
Arbeitswiederaufnahme medizinisch nachvollziehbar und klinisch dokumentiert einen
prolongierten Verlauf genommen habe. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seien
diese Unfallfolgen am 1. Januar 2017 (zum Zeitpunkt der strittigen
Leistungseinstellung) noch vorhanden gewesen, hätten sich dann aber in der Folge
schrittweise verbessert. Eine präzise rückschauende Beurteilung sei naturgemäss
schwierig. Aufgrund der Dokumentation sei davon auszugehen, dass wahrscheinlich
per Mai 2018 aus neurologischer Sicht der Status quo sine erreicht gewesen sei,
sicherlich spätestens aber im Januar 2019, als die aus neurologischer Sicht
vordergründigen Kopfschmerzen klar in den Hintergrund getreten seien. Für die
kognitiven Beschwerden der Beschwerdeführerin könne aktuell keine
neuropsychologische Störung valide erhoben werden und es liege nach August 2016
keine andere neuropsychologische Testung vor. Die kognitiven Beschwerden wären
aber mit dem postkommotionellen Syndrom vereinbar und müssten gleichermassen
spätestens per Januar 2019 als nicht mehr durch den Unfall erklärbar beurteilt werden
(UV-act. 100d S. 15). Im Konsens führen die asim-Gutachter aus, dass
neurologischerseits von einem deutlich prolongierten Heilungsverlauf auszugehen sei.
Auch wenn sich statistisch gesehen die Beschwerden im Zusammenhang mit einem
Halswirbelsäulenbeschleunigungstrauma Grad II nach der Quebec-Task-Force
Klassifikation in Kombination mit einer mild traumatic brain injury (MTBI) Kategorie 2
mit einem postkommotionellen Syndrom in den meisten Fällen innert Monaten nach
dem Ereignis sukzessive zurückbildeten, sei bei einer kleineren Anzahl von Verunfallten
eine Rückbildung der Kopfschmerzproblematik auch erst über einen weit längeren
Zeitraum feststellbar. Bei der Beschwerdeführerin liege ein Unfall mit zweifelsfrei
dokumentierter hoher Auffahrgeschwindigkeit und Kopfbeteiligung vor. Bei initial
rascher Rückkehr an den Arbeitsplatz mit (zu) langen Schichten im Herbst 2016 sei die
Leistungsfähigkeit nicht stabil erreichbar gewesen und es sei unter Belastung zu
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deutlichen, medizinisch gut nachvollziehbaren Exazerbationen in den Monaten nach
dem Unfallereignis gekommen. Erst die stationäre multimodale Schmerztherapie im
März 2017 habe eine gewisse Stabilisierung der Schmerzsituation mit dem stabilen
Erreichen einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit gebracht. Infolge der weiterhin
persistierenden Kopfschmerzen und Konzentrationseinschränkungen, die bis Mai 2018
in den Berichten des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) dokumentiert seien, sei
gutachterlich davon auszugehen, dass die Folgen des postkommotionellen Syndroms
wahrscheinlich erst dann, überwiegend wahrscheinlich aber spätestens ab Januar
2019, als die Kopfschmerzen nicht mehr als Diagnose geführt und von der
Beschwerdeführerin auch nicht mehr beklagt worden seien, als komplett remittiert und
ohne Residuen zu bewerten seien (UV-act. 100 S. 17).
2.3.2. Die Beweislast (mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit) für
das Erreichen des Status quo sine/ante resp. den Zeitpunkt des Wegfalls jeglicher
Unfallkausalität liegt bei der Beschwerdegegnerin (vgl. vorstehende E. 1.2). Gestützt
auf das vorstehend Ausgeführte gehen die Gutachter des asim von einem aus
neurologischer Sicht wahrscheinlichen Status quo sine ab Mai 2018 und von einem
überwiegend wahrscheinlichen Status quo sine im Januar 2019 aus (UV-act. 100 S.
17). Mit dem lediglich wahrscheinlichen Erreichen des Status quo sine ab Mai 2018
misslingt der Beschwerdegegnerin der hinlängliche Beweis des Wegfalls jeglicher
Unfallkausalität ab diesem Zeitpunkt. Vielmehr ist dieser mit dem vorausgesetzten
Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erst per Januar 2019 erreicht.
Entsprechend dauerte die Leistungspflicht bezüglich der temporären Leistungen bei
anhaltender, zumindest teilkausaler neurologischer Problematik grundsätzlich bis
Januar 2019 an.
2.3.3. Zu prüfen bleibt indes ein früheres Dahinfallen der temporären
Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und Taggeldleistungen) gestützt auf Art. 19
Abs. 1 UVG bei Erreichen des medizinischen Endzustands (vgl. vorstehende E. 1.3) der
neurologischen Problematik. Dabei entspricht der medizinische Endzustand nicht
zwangsläufig dem Status quo sine/ante, wie es das asim-Gutachten vermuten liesse
(UV-100 S. 12). Der medizinische Endzustand kann ohne weiteres auch bei anhaltender
Kausalität erreicht sein. Diesfalls stehen allenfalls unfallversicherungsrechtliche
Dauerleistungen (Rente und Integritätsentschädigung) zur Diskussion, welche im
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vorliegenden Verfahren aber nicht im Streit liegen. Wie im Gutachten ausgeführt kam
es durch die stationäre multimodale Schmerztherapie im KSSG im März 2017 (UV-act.
65 Beilage 12) zu einer Stabilisierung und Verbesserung im Verlauf (UV-act. 100 S. 17).
Im Rahmen der ersten Konsultation nach der stationären Schmerztherapie am 29. Mai
2017 berichtete die Beschwerdeführerin, dass sie von der Therapie sehr habe
profitieren können. Sie habe das Erlernte in den Alltag übernehmen können. Auf
neurologischem Fachgebiet wurden durch Dr. med. D._, Leitender Arzt,
Schmerzzentrum KSSG, Kopfschmerzen und kognitive Funktionsstörungen
diagnostiziert und weiterhin eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (UV-act. 77b).
Bei gleicher Diagnosestellung berichtete Dr. D._ am 21. September 2017 (bei
Verlaufskonsultation gleichentags), dass sich die Beschwerdeführerin aktuell in einem
stabilen Zustand präsentiere. Sie habe alle Analgetika, ausser lokale Anwendungen,
absetzen können. Trotz der guten Fortschritte sei festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin eingeschränkt, zu 50 %, leistungsfähig bleibe (UV-act. 77c). Am 8.
November 2017 klagte die Beschwerdeführerin weiterhin über Schmerzen im Bereich
des Nackens und des Rückens. Sie zeige anhaltend Zeichen einer schnellen
Überforderung (UV-act. 77d). Mit Berichten vom 17. Januar und 13. März 2018
attestierte Dr. D._ der Beschwerdeführerin eine 60%-ige Arbeitsfähigkeit, fünf
Stunden ohne Schichtarbeit (UV-act. 77f, 77h). Mit Verlaufsbericht vom 8. Mai 2018
führte Dr. D._ aus, dass die Beschwerdeführerin die bekannten Beschwerden im
Hals-, Nacken- und Armbereich beschreibe. Mit physiotherapeutischen Massnahmen
könne sie diese gut kontrollieren und sie sei mit der Beschwerdesituation zufrieden. In
Absprache mit der Beschwerdeführerin sehe man keinen Handlungsbedarf und habe
eine Verlaufskonsultation in drei Monaten vereinbart (UV-act. 77i). Der beschriebene
Verlauf seit der stationären Schmerztherapie im KSSG im März 2017 zeigt eine
langsame, aber stetige Besserung der unfallkausalen Beschwerdesymptomatik. Die
Analgetika konnten im September 2017 ganz abgesetzt werden, wobei ein stabiler
Zustand festgehalten wurde (UV-act. 77c). Seit der Verlaufsuntersuchung vom 8.
November 2017 wurden Kopfschmerzen zwar noch diagnostiziert, indes nicht mehr
beschrieben. Geklagt wurde über die "bekannten Schmerzen im Bereich des Nackens
und des Rückens" (UV-act. 77d). Auch im Bericht vom 8. Mai 2018 wurden die
"bekannten Beschwerden im Hals-, Nacken- und Armbereich" beschrieben, wobei
diese mit physiotherapeutischen Massnahmen gut kontrolliert werden könnten. Ein
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(weiterer) Handlungsbedarf wurde ausdrücklich verneint (UV-act. 77i). Zu diesem
Zeitpunkt und auch über den Januar 2019 hinaus wurde der Beschwerdeführerin von
Dr. D._ zwar noch immer lediglich eine Teilarbeitsfähigkeit von 60 % bescheinigt (vgl.
dazu UV-act 77g). Entsprechend der obigen Dokumentation standen ab dem 8. Mai
2018 indes keine ärztlichen Massnahmen mehr an, welche auf eine namhafte
Besserung zielten, auch nicht auf eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit. Es wurde
lediglich eine stabilisierende Physiotherapie verordnet. Im Lichte der Rechtsprechung
(vgl. vorstehende E. 1.3) war demnach ab dem 8. Mai 2018 überwiegend
wahrscheinlich von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte
Besserung des (unfallkausalen) Gesundheitszustandes mehr zu erwarten. Damit fielen
bei nachgewiesenem medizinischem Endzustand auch der neurologischen Problematik
die temporären Leistungen (Heilbehandlung und Taggeldleistungen) am 8. Mai 2018 in
Anwendung von Art. 19 Abs. 1 UVG dahin bzw. stellte die Beschwerdegegnerin im
Ergebnis zu Recht ihre Versicherungsleistungen auf diesen Zeitpunkt ein.
3.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 2. Juni 2021 nicht
zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind mangels gesetzlicher Grundlage im UVG keine zu erheben (vgl. dazu Art. 61 lit. f
ATSG). Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).