Decision ID: 01d5ab53-9380-428d-8dc6-e6fb2c42ac60
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die Eidgenössische Spielbankenkommission (nachfolgend «ESBK») gegen
A. ein Verwaltungsstrafverfahren Nr. 62-2022-076 wegen Verdachts der Wi-
derhandlungen gegen das Bundesgesetz vom 29. September 2017 über
Geldspiele (Geldspielgesetz, BGS; SR 935.51), konkret Art. 130 Abs. 1 lit. a
BGS, führt;
- die Kantonspolizei Aargau im Rahmen einer Hausdurchsuchung am 21. Au-
gust 2022 u.a. ein Mobiltelefon Apple iPhone (polizeiliche Sicherstellungs-
nummer 13) U53796 sicherstellte;
- A. gemäss Beilage zum Durchsuchungsprotokoll und Formular-Protokoll
über die vorläufige Sicherstellung vom 21. August 2022 die Siegelung ver-
langte (act. 1.2, Beilage zum Durchsuchungsprotokoll und Formular-Proto-
koll über die vorläufige Sicherstellung);
- die ESBK mit Gesuch vom 26. August 2022 an die Beschwerdekammer des
Bundesstrafgerichts gelangt und beantragt, sie sei unter Kostenfolge zu Las-
ten von A. zu ermächtigen, das von der Kantonspolizei Aargau bei ihm am
21. August 2022 sichergestellte Mobiltelefon Apple iPhone (polizeiliche Si-
cherstellungsnummer 13) zu entsiegeln und die sich auf dem Gerät befindli-
chen Daten zu durchsuchen (act. 1);
- die Beschwerdekammer auf entsprechendes Gesuch der ESBK am 30. Au-
gust 2022 die Erstellung einer forensischen Sicherungskopie (Spiegelung)
der sich auf dem Mobiltelefon befindlichen Daten anordnete unter Sicherstel-
lung der Stromversorgung und Abschirmung des Gerätes vor drahtlosen
Kommunikationsverbindungen (act. 3);
- die Beschwerdekammer A. mit Schreiben vom 30. August 2022 eine Frist bis
zum 12. September 2022 zur Einreichung einer allfälligen Gesuchsantwort
ansetzte (act. 2);
- das Schreiben vom 30. August 2022 A. gemäss Sendungsverfolgung der
Schweizerischen Post am 1. September 2022 am Schalter in Baden zuge-
stellt wurde (act. 2.1);
- A. keine Gesuchsantwort einreichte;
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- die Beschwerdekammer den Auftrag zur Erstellung einer forensischen Si-
cherungskopie (Spiegelung) der sich auf dem Mobiltelefon befindlichen Da-
ten widerrief, nachdem sich gemäss dem verantwortlichen Sachverständi-
gen der Scuola Universitaria Professionale della Svizzera Italiana (SUPSI)
abzeichnete, dass es zu Verzögerungen kommen würde (act. 16, 17).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- nach Art. 134 Abs. 1 BGS bei Widerhandlungen im Zusammenhang mit
Spielbankenspielen im Sinne von Art. 3 lit. g BGS und bei Hinterziehung der
Spielbankenabgabe das Bundesgesetz vom 22. März 1974 über das Ver-
waltungsstrafrecht (VStrR; SR 313.0) anwendbar ist, wobei das Sekretariat
der ESBK verfolgende und die ESBK urteilende Behörde ist (Art. 134 Abs. 2
BGS);
- die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts über die Zulässigkeit der
Durchsuchung von Papieren und Datenträgern zu entscheiden hat (vgl.
Art. 50 Abs. 3 VStrR);
- der Inhaber von zu Durchsuchungszwecken sichergestellten Papieren und
Datenträgern die Geheimnisse glaubhaft zu machen hat, die seiner Ansicht
nach dem öffentlichen Interesse an der Aufklärung und Verfolgung von mut-
masslichen Straftaten vorgehen; mit der Substanziierungsobliegenheit ver-
mieden wird, dass das Entsiegelungsverfahren rechtsmissbräuchlich oder
trölerisch in Anspruch genommen wird (Urteil des Bundesgerichts
1B_637/2012 vom 8. Mai 2013 E. 3.6, nicht publ. in: BGE 139 IV 246; vgl.
Beschluss des Bundesstrafgerichts BE.2015.11 vom 20. Oktober 2016
E. 3.4);
- der Gesuchsgegner mit der Erklärung, die Siegelung zu verlangen, keine
Geheimnisrechte als betroffen anrief (act. 1.2, Beilage zum Durchsuchungs-
protokoll und Formular-Protokoll über die vorläufige Sicherstellung);
- sich der Gesuchsgegner im Entsiegelungsverfahren innert Frist und bis
heute nicht vernehmen liess, mithin auch im Entsiegelungsverfahren keine
Geheimnisrechte anruft;
- mangels substanziierter Vorbringen des Gesuchsgegners für die Beschwer-
dekammer kein Anlass besteht, ein förmliches Entsiegelungsverfahren
durchzuführen;
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- nach dem Gesagten auf das Entsiegelungsgesuch nicht einzutreten ist (vgl.
hierzu Urteil des Bundesgerichts 1B_464/2019 vom 17. März 2020) und die
Gesuchstellerin ohne Weiteres die Durchsuchung, Triage und allfällige Be-
schlagnahme der Daten des Mobiltelefons vornehmen kann;
- das Gesuch der Gesuchstellerin um Anordnung vorsorglicher Massnahmen
(Nebenverfahren BP.2022.59) mit dem Entscheid in der Hauptsache gegen-
standslos wird und entsprechend abzuschreiben ist;
- rein formal gesehen die Gesuchstellerin unterliegt, indem auf ihren Antrag
nicht eingetreten wird, materiell indessen der Gesuchsgegner, fällt doch die
von ihm angestrebte Unterlassung einer Durchsuchung ausser Betracht;
- die Gerichtskosten in analoger Anwendung von Art. 66 BGG (vgl. hierzu TPF
2011 25 E. 3) mithin dem Gesuchsgegner aufzuerlegen sind;
- die Gerichtsgebühr auf Fr. 1’000.– festzusetzen ist (Art. 25 Abs. 4 VStrR
i.V.m. Art. 73 StBOG und Art. 5 sowie 8 Abs. 1 des Reglements des Bun-
desstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Ent-
schädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]); bei die-
sem Ausgang des Verfahrens keine Parteientschädigung zuzusprechen ist;
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