Decision ID: 9937d9c3-c011-4604-9622-c904168b3c9c
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970, meldete sich am 2
6.
August 2013
unter Hinweis auf
psychische B
eschwerden
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
an (Urk. 6/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, spr
ach ihr mit Verfügung vom
2.
September 2014 bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente ab
1.
März 2014 zu (Urk. 6/34).
1.2
Nach Eingang eines am 1
9.
Dezember 2014 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 6/40)
gewährte
die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 2
3.
Juni 2015 (
Urk.
6/57)
sowie Mitteilung vom 3
0.
Juni 2015 (
Urk.
6/62) Kostengutspra
che für ECDL-Kurse bei der
Y._
.
Mit Mitteilung vom 2
1.
Juli 2015 (
Urk.
6/65) gewährte die IV-Stelle der Versicherten Kostengutsprache für die Verlängerung eines Arbeitsversuchs via
Z._
(vgl. auch
Urk.
6/78).
1.3
Mit Verfügung vom 2
7.
September 2016 (
Urk.
6/120
-121
)
setzte die IV-Stelle die bisher ausgerichtete ganze Rente infolge einer Festanstellung in einem 50%-Pensum mit Wirkung ab
1.
November 2016 auf eine
Dreiviertelsrente
herab.
Nach
durc
hgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/154-159) h
ob die IV-Stelle mit Verfügung vom
2
4.
Mai 2018
die bisher ausgerichtete Rente auf (Urk.
6/160
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
7.
Juni 2018
Beschwerde (
Urk.
1)
gegen die Verfügung vom
2
4.
Mai 2018
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben (S. 2
Ziff.
1
) und es sei
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr weiterhin die bisherigen Ren
tenleistungen zu gewähren
(
S. 2
Ziff.
2
)
, eventuell sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr eine Rente nach IVG zu gewähren (S. 2
Ziff.
3)
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
5.
September 2018 (
Urk.
5
)
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
7.
Septem
ber 2018
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141
V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281
) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Ab
stellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE
141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im kon
kreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zusammen mit wei
te
ren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der mas
sge
blichen Indikatoren erlauben oder nicht.
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebe
nen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, im Vergleich zur
Zusprache
der Rente im Jahr 2014 liege eine erhebliche Veränderung vor. Aktuell sei eine schwere psychische Erkrankung, wie sie im Gutachten erwähnt werde, in ihrer Schwere nicht nachvollziehbar.
In den psy
chiatrischen Tests liege nie mehr als eine mittelgradige Einschränkung vor. Wes
halb gesamthaft dann eine schwere Einschränkung vorliegen solle, sei nicht nach
vollziehbar. Ebenfalls könne die Beschwerdeführerin ihr aktuelles Pensum sehr gut meistern und betreibe in ihrer Freizeit noch
Linedance
sowie pflege ein privates Pferd.
Zusätzlich sei ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin die Behand
lung nicht in einem ausreichenden Masse wahrnehme. Auch die Medikamente würden nur mangelnd eingenommen. Daher sei davon auszugehen, dass sie durch die Erkrankung nicht stark in der Ausübung einer Tätigkeit eingeschränkt sei. Aus diesen Gründen bestehe kein Anspruch mehr auf weitere Rentenleistungen (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
d
em eingeholten Gutachten komme volle
n
Beweiswert zu, zumal auch der
Regio
nale Ärztliche Dienst der Beschwerdegegnerin (
RAD
)
keine Kritik daran geübt habe. Die Beschwerdegegnerin vermöge keine stichhaltigen Gründe zu nennen, weshalb auf die medizinischen Feststellungen nicht abzustellen wäre
(S.
9)
. Ins
besondere könne es nicht angehen, dass nur die positiven Ressourcen benannt würden. Im Übrigen sei das Aktivitätsniveau rechtsprechungsgemäss stets im Ver
hältnis zur geltend gemachten Arbeitsfähigkeit zu sehen. Eine pflichtgemässe Würdigung der Standardindikatoren nach BGE 141 V 281 beweise, dass auch im rechtlichen Sinne ein invalidisierender Gesundheitsschaden und die im Gutachten postulierte Arbeitsunfähigkeit von 50-60
%
vorliege
(S. 14 f.)
.
2.3
Strittig und zu prüfen
ist,
ob die Beschwerdegegnerin zu Recht von einem ver
besserten Gesundheitszustand ausging und die bisherige Rente einstellte.
3.
3.1
Bei der ursprünglichen
Zusprache
einer ganzen Rente mit Verfügung vom
2.
Septem
ber 2014
(Urk. 6/
34
) lagen im Wesentlichen die folgenden medizini
schen
Beur
teilungen vor:
3.2
Die Ärzte der p
sychiatrischen
K
linik
A._
berichteten am
1
8.
September
2013 (
Urk.
6/9)
und nannten folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2
Ziff.
1.1):
-
paranoide Schizophrenie
(ICD-10
F20.0
)
, bestehend retrospektiv seit min
destens sechs Monaten
Sie führten aus, die Beschwerdeführerin sei
seit dem 2
9.
Juli 2913 bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig in der angestammten Tätigkeit als
Verkaufsunter
stütz
ung
bei der
Firma
B._
(S. 4
Ziff.
1.6).
Eine Arb
eitsfähigkeit in einer behin
de
rungsangepassten Tätigkeit
sei derzeit nicht möglich (S. 5
Ziff.
1.7). Die Sympto
me führten einerseits zu deutlichen Defiziten des planerischen und zielgerichteten Handelns, der Belastbarkeit, des Durchhaltevermögens und der geistigen Flexibi
li
tät sowie andererseits zu Defiziten der kritischen Realitätswahrne
h
mung und –
beurteilung
(S. 5
Ziff.
1.7)
.
3.3
Die Ärzte der
Klinik
C._
berichteten am
5.
November
2013 (
Urk.
6/10)
und nannten folgende Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
1
Ziff.
1.1):
-
rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig
schwere Episode
mit psychotischen Symptomen
(
ICD-10
F33.3)
-
Zustand nach Suizidversuch durch elektrischen Strom
Mai 2013
-
Zustand nach Suizidversuch durch Medikamentenintoxikation mit
Trimi
pramin
Juli 2
013
Sie führten aus, es bestehe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit während
den
statio
näre
n
Aufenthalte
n (S. 5
Ziff.
1.6). Im Anschluss an die letzte stationäre Be
handlung werde die Beschwerdeführerin in eine weitere stationäre Behandlung in die
A._
überwiesen. Dies sei nötig zur weiteren Behandlung und Stabilisierung des psychischen Zustandes. Unter
der genannten Medikation und dem beschrie
benen Zustandsbild
sei die Beschwerdeführerin zum aktuellen Zeitpunkt nicht arbeitsfähig (S. 5
Ziff.
1.8).
3.4
Die Ärzte der
A._
berichteten am
3.
März
2014 (
Urk.
6/19)
und führten aus, es bestehe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit
(S. 1
lit
. a).
Es bestehe bereits eine be
ginnende, jedoch noch nicht ausreichende
Regredienz
der Symptomatik. Unter konsequent und in ausreichender Dosierung durchgeführter antipsychotischer Medikation sowie weiterer psychiatrischer und psychosozialer Behandlung sei ein
weiterer Rückgang der Symptomatik zu erwarten. Inwiefern eine Remission der Symptomatik erzielt werden könne, könne aktuell noch nicht abgeschätzt werden (S. 1
lit
. b).
3.5
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie,
berich
tete am 1
9.
November
2014 (
Urk.
6/36/2-3)
und nannte folgende Diagnosen (S.
1)
:
-
St
atus
n
ach
schwerer depressiver Episode mit psychotischen Symptomen
(ICD-10 F33.3)
-
St
atus nach
rezidivierenden depressiven
Episoden (ICD-10 F33.1)
-
St
atus nach
Suizidversuchen
Sie führte aus,
mit der Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit könne ge
rechnet werden, diese müsse sorgfältig geplant und die Arbeitsfähigkeit Schritt für Schritt aufgebaut werden
. Bei Überforderung oder unter zu viel Druck bestehe ein sehr hohes
Rezidivrisiko
und eine erhebliche Gefährdung de
r
psychischen Gesundheit (S. 1 f.)
.
4.
4.1
Dr.
D._
berichtete am
1
7.
Mai
2016 (
Urk.
6/105)
und führte aus, es bestünden
kognitive Einschränkungen
wie Konzentrationsstörung, Vergesslichkeit und Mer
k
schwierigkeiten vor allem bei geistiger Arbeit
, schnelle Ermüdbarkeit und Erschöpf
barkeit und verminderte Leistungsfähigkeit bei geistiger Tätigkeit. Eine angepasste Tätigkeit
wie diejenige Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Reitleh
rerin, allgemeine Mitarbeiterin im Pferdebetrieb inklusive Bürotätigkeit, welche sie seit Mai 2016 ausübe, könne sie
50
%
ausführen. Die Beschwerdeführerin kenne den Betrieb schon lange, auf dem sie sich durch freiwillige unentgeltliche Tätigkeit nach der Erkrankung wieder einen Lebenssinn und Freude habe ver
schaffen und Ressourcen mobilisieren können. Die neue 50%-Anstellung gebe ihr viel Stabilität und trage zu ihrer Gesundheit wesentlich bei (S. 1 unten).
4.2
Dr.
D._
berichtete erneut am
2
1.
Oktober
2016 (
Urk.
6/124)
und führte aus, die Beschwerdeführerin habe auf dem Betrieb versuchsweise die Möglichkeit, ihre gegenwärtige 50%-Tätigkeit auf 80
%
zu steigern. Es sei offen, ob diese Ver
änderung sich als günstig für die Gesundheit erweise. Weiter sei unklar, wie lange sie über 80
%
arbeiten könnte. Diese Anstellung sei für die Beschwerdeführerin eine einmalige Gelegenheit und als Nischenarbeitsplatz zu betrachten. Ihre 50
%
habe sie hier sehr gut einhalten können, was nicht bedeute, dass sie bei einer anderen Bürotätigkeit auch dazu in der Lage wäre
,
aufgrund
der beschriebenen, nach wie vor anhaltenden Symptomatik (S.
1).
Es bestehe nach wie vor eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit
(S. 2).
4.3
Dr.
D._
berichtete am
2.
März
2017 (
Urk.
6/131)
und führte aus,
seit November 2016 habe die Beschwerdeführerin versuchsweise ihr Pensum auf 80
%
erhöht. Sie sei dabei an ihre obere
psychische
Belastungsgrenze geraten. Diese Grenze manifestiere sich durch Schlafprobleme, Morgentiefs, Alpträume und eine emo
tionale
Dünnhäutigkeit
. Nach wie vor sei es sehr ungewiss, ob sie bei vorhandener grosser Motivation einem definitiven langfristigen Pensum von 80
%
nach
kommen könne.
Deshalb sollte die Erhöhung weiterhin als ein Arbeitsversuch gewertet werden
(S. 1)
.
Es bestehe nach wie vor eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit
(S. 2).
4.4
Dr.
D._
berichtete am 3
1.
Mai
2017 (
Urk.
6/139)
und führte aus,
gemäss der Beurteilung der Arbeitgeberin, der Beschwerdeführerin sowie ihr als Psychiaterin sei beschlossen worden, dass die Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Grün
den den von ihr gewünschten Arbeitsversuch mit Erhöhung des 50%-Pensums auf ein 80%-Pensum per
1.
Mai 2017 beende
(S. 1)
.
Diese versuchsweise Erhöh
ung habe leider nach fünf Monaten abgebrochen werden müssen zum Schutz der psychischen Gesundheit der Beschwerdeführerin. Sie arbeite seit Mai 2017 in einem 60%-Pensum, das zusammen mit der Erhöhung des psychiatrischen Behandlungssettings inzwischen bereits zu einer Entspannung geführt habe. Unter dem zusätzlichen Druck habe die Beschwerdeführerin im Verlauf zuneh
mend unter immer stärker werdenden Schlafstörungen und in der Folge
an zunehmender
Ermüdbarkeit, Kraftlosigkeit und Erschöpfung gelitten. Gleichsam hätten innere Unruhe und Spannungszustände zugenommen. Es seien die Arbeit beeinträchtigende Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen aufgetreten.
Die Beschwerdeführerin habe
in ein engeres psychiatrisches B
ehandlungs-Setting genommen werden müssen, minimal
zwei-wöchentlich
, um ihre emotionale Stabi
li
tät wi
eder aufbauen zu können (S. 2).
4.5
Dr.
med.
E._
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie,
erstat
tete sein psychiatrisches Gutachten am
5.
Oktober
2017 (
Urk.
6/152)
gestützt auf die Akten sowie die Untersuchung der Beschwerdeführerin. Er nannte folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 18)
:
-
rezidivierende depressive Störung (
ICD-10
F33)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge (
ICD-10
Z73.1) mit abhängigen und ängstlichen Anteilen
Er führte aus,
d
ie Intelligenz w
e
rd
e
klinisch als durchschnittlich eingeschätzt und die Introspektionsfähigkeit als ausreichend gut. Die
Beschwerdeführerin
verfolg
e
über die gesamte Untersuchungszeit aufmerksam das Gespräch, die Konzentra
tions
spanne bleib
e
auch ohne eingelegte Pause fokussiert und aufrechterha
lten. Im Hinblick auf Fragen bez
üglich ih
re
s psychotis
c
h
e
n Erlebens wäh
rend
der
Hospitalisation
in
der
A._
zeig
e
sie
jedoch deutliche Anzeichen einer psychischen Überforderung und einer verminderten psychischen Belastbarkeit, weshalb
auf ein detailliertes Nachfragen verzichtet
worden sei
. Die
Beschwerdeführerin habe
w
ä
hrend der Untersuchung deutlich
gemacht
, dass sie die Klinikaufenthalte sub
jektiv traumatisch empfunden ha
be
und dass sie zur Vermeidung einer Dekom
pensation nicht darauf ein
gehen wolle. Darüber hinaus gebe
die
Beschwerde
führerin
ohne Verzögerung klare und präzise Antworten auf die gestellten Fragen. Sie
schilder
e
ihre Lebensgeschichte b
eziehungsweise
die Entwicklung der Be
schwerden
f
liessend und genau, was auf unauffällige mnestische Funktionen hin
deute. Die Überprüfung
des Kurzzeitgedächtnisses zeige keine
A
uffälligkeiten. Im Gespräch fä
nden sich keine Hinweise auf relevante kog
ni
tive Einschränkungen, was auf die begrenzte Untersuchungszeit zurückzuführen
sei
. Trotz der erwähnten Schwierigkeiten bleib
e
die
Beschwerdeführerin dem Gu
tachter gegenüber durchgehend freundlich und koopera
tionsbereit zugewandt. Sie zeige
während der Untersuchung keine Hinweise auf eine Ich-Störung, auf Wahn, Sinnestäu
schungen oder formale Denkstörungen
. Wichtig zu erwähnen sei
noch, dass trotz
Zurückhaltung mit den sonst üblichen Fragen, die behandelnde Ärztin
Dr.
D._
, den Gutachter
zwei
Wochen nach dem Untersuchungstermin telefonisch darüber informiert ha
be
, dass die
Beschwerdeführerin
nach der Untersuchung
in
eine psyc
hische Krise geraten sei (S. 14 f.).
Klinisch fä
nden sich deutliche Hinweise in Richtung auf abhängige und ängst
liche
Persönlichkeitsakzentuierun
gen. Un
ter starker Belastung könne
es, vor dem Hintergrund einer
Traumafolgestörung
, zu eine
r dissoziativen Symptomatik und
/
oder zur psychotischen Entgleisung
kommen (S. 16
Mitte
).
Die
Beschwerdeführerin
zeig
e
starke Motivation
,
ihre angepasste Tätigkeit weiter fortzuführen, auch wenn sie die Erhöhung auf 80
%
nicht
habe
bewältigen k
önnen. Sie betone
glaubhaft, dass die Arbeit ihr Freude bereite, weil sie nicht einseitig ko
pfl
astig
sei
. Die Pferde würden ihr Sicherheit und Zuneigung geben
.
Ihre Chefs
seien
sehr nett und sie habe keinen grossen Zeitdruck. Ausserdem gebe ihr die Arbeit eine
Tagesstruktur, dies sei
ihr sehr wichtig
(S. 16 unten)
.
Die Fähigkeit, sich im Verhalten, Denken und Erleben, wechselnden Situationen anzupassen, sei mittelgradig beeinträchtigt. Auslöser der schweren depressiven Episoden sei eine Umstrukturierung am Arbeitsplatz gewesen. Die Umstellung auf ein erhöhtes Arbeitspensum habe die Beschwerdeführerin während der Mass
nah
me und auch am aktuellen Arbeitsplatz nicht voll bewältigen können.
Die Fähig
keit, hinreichend, ausdauernd und während der üblicherweise erwarteten Zeit im Beruf oder bei sonstigen Aufgaben anwesend zu sein und ein durch
gehendes
Leis
tungsniveau bei einem höher als 50-60
%
liegenden Pensum aufrecht
zuer
hal
ten, sei mittelgradig beeinträchtigt.
Die Fähigkeit, unmittelbare soziale Kon
takte mit anderen Menschen aufzunehmen
,
sei leicht eingeschränkt. Die Be
schwer
deführerin habe nur wenige soziale Kontakte, da sie in ihrer Selbstbe
haup
tungsfähigkeit mittelgradig eingeschränkt sei (S. 17).
In ihren Freizeitaktivitäten wie Spiel und Sport sei sie mittelgradig eingeschränkt, sofern sie in einer Gruppe stattfänden
. Die Wegefähigkeit sei mittelgradig eingeschränkt
(S. 18 oben).
Die Motivation zum Erreichen beruflicher Ziele und zur beruflichen Leistungser
brin
gung sei zweifellos vorhanden. Die behandelnde Psychiaterin
Dr.
D._
weise ausdrücklich darauf hin, dass die Beschwerdeführerin allerdings zur Selbstüber
forderung neige, was sich bereits während der Massnahme zur Wiedereinglie
derung und kürzlich auch an ihrem neuen Arbeitsplatz gezeigt habe. Die Akze
ptanz der eigenen Grenzen falle der Beschwerdeführerin noch schwer, so dass sie dazu neige, ihre Ressourcen zu überschätzen
(S. 18 unten)
.
Sowohl in dem ausführlichen psychiatrischen Interview wie auch bei der test
psychologischen Untersuchung
habe
sich die
Beschwerdeführerin
kooperativ und bemüht
gezeigt
, den Anforderungen so gut wie möglich nach
zukommen. Weder in ihrem Verhalt
en noch in ihrem Bericht w
ä
hrend des Interviews
hätten
sich relevante Hinweise für eine Tendenz zur Aggravation oder Simulation
ergeben
. Es
hätten
sich eher Hinweise
ergeben
, die daran denken lassen
würden
, dass eine Konfrontation mit der Schwere der Erkrankung für die
Beschwerdeführerin
eine zu starke Belastung darstell
e (S. 19)
.
Im Vordergrund der Symptomatik stehe eine massive Beeinträchtigung der Stimmung
, des Antriebs, der Aktivit
ät und der Selbstwertregulation in
Richtung der Depression und aufgrund starker sozialer Ängste ei
ne massive Beein
träch
tigung in der Beziehungsg
estaltung. Im Arbeitsbereich träten in Ü
berford
erungs
situationen auch dissoziat
ive Symptome auf, die auf traumatisierende Erfah
rungen in der Kindheit zurückgeführt werden könn
t
en
(S. 23 oben)
.
Es liege
bei der
Beschwerdeführerin
zweifelsohne eine schwerwiegende psychia
trische Erkrankung vor.
Die
Aktenlage und
der
Untersuch
un
gsbefund spr
ä
chen jedoch nicht für die Diagnose einer
p
ara
noiden Schizophrenie.
Bei der
Beschwer
deführerin
seien
vor Kli
ni
keintritt keine Symptome
,
wie sie häufi
g in einer Pro
dro
malphase aufträ
ten
,
beschrieben worden. Sie
sei
in ihrer Funktionstüchtigkeit bis zum Kli
ni
keintritt nicht eingeschränkt
gewesen
und
sei
bis zuletzt ihrer Berufstätigkeit nachgegangen. Die zeitliche Einschätzung der Dauer d
er wahn
haften Symptomatik stimme
m
it der Aktenlage nicht überein.
Die Wahninhalte s
eien
als stimmungskongruent anzusehen
und nicht als
parathym
wie bei einer schizophrenen
Erkrankung zu erwarten. Ausserdem
sei
noch anzumerken, dass
die
Beschwerdeführerin
zumindest seit Mai 2014 nicht mehr
neuroleptisch
, son
dern ausschliesslich antidepressiv behandelt
werde (S. 23 f.)
. Klinisch fä
nden sich
zudem
deu
t
liche Hinweise in Richtung auf ängstliche und abhängige Persön
lich
keitsakzentuie
ru
ngen, welch
e die dysfunktionalen, manipulat
iven
Beziehungs
mu
ster noch verstärk
t
en
(S. 24 oben)
.
Als aktuell vorliegende Funktionsbeeinträchtigung der
Beschwerdeführerin
sei
insbesondere ein Mangel an Durchhaltefähigkeit zu nennen, das sich bei einem höheren Arbeitspens
u
m und zeitlichem Druck bemerkbar mach
e. Ausserdem liege
eine verminderte Umstellungsfähigkeit und Flexibilität vor
(S. 24 unten)
.
Die bisherige psychiatrische Therapie
sei
leitliniengerecht. Das Behandlungs
kon
zept von
Dr.
D._
schein
e
schlüssig und w
erde
von ihr
in
der Regel wöchentlich durchgeführt. Bei Verschlechterung des Gesundheitszustandes
habe
bisher durch das Angebot 2-3 wöchentlicher Termine eine weitere stationäre
Einweisung ver
mieden und die 50%ige Arbeitsfähigkeit beibehalten werden können
.
Zur weite
ren St
abilis
i
erung und Vorbeugung gegen ein Rezidiv der schweren depressiven Episode
sei
eine Erhöhung der antidepressiven Medikation
notwendig
(S. 25)
.
Die Fähigkeit zur Planung und
Stru
kt
u
rierung von Aufgaben
sei
im Erwerbs
bereich eine wichtige Anforderung, welche die
Beschwerdeführerin
gut erfüllen k
önne
. Auch das Haushaltsbudget teil
e
sie sorgfältig ein und
sei
stolz darauf, keine Schulden zu haben. Diese Fähigkeiten mach
t
en einen wichtigen Teil ihres positiven Selbstbildes a
us. Als Fähigkeit zu ausserberufl
ichen Aktivitäten
sei neben dem Einsatz für das Pfl
egepferd auch ihr Interesse an sportlichen Akti
vi
täten zu nennen. Dieses Interesse
habe
ursprünglich mit der massiven Gewichts
zunahme während der
Hospitalisation
zu tun
gehabt
. Die
Beschwerdeführerin habe
eigenständig Sport betrieben und ihr Gewicht wieder reduzieren können. Das von ihr neu ausgewählte
Linedancing
finde ausserdem in einer Gruppe statt. Hier wag
e
sie sich in ein neues soziales Umfeld und
versuche
, die bestehenden Einschränkungen im interpersonellen Bereich weiter
zu verbessern. Inzwischen habe
sie auch einen Partner finden
können
, von welchem sie sich nicht ausge
nützt fühl
e
, was auch zu einer Stabilisierung ihres
Gesundheitszustandes beige
tragen ha
be (S. 26).
Die gutach
terliche Konsistenzprüfung habe
keine Hinweise auf nicht in geklagt
em Umfang vorhandene Funktionsein
schränkungen
ergeben
. Die vorherrschende Symp
tomatik der Depression und der Angst w
erde
glaubhaft geschildert und zeig
e
sich auch in der Aktenlage weitgehend str
ingent. Die
selbst
un
sicheren, ängstlich-vermeidenden und paranoiden Pe
rsönlichkeitsakzentuierungen seien
im Einklang mit dem subjektiven Gefühl in der Untersuchungssituation. Den All
tag schein
e
die
Beschwerdeführerin
den eigenen Angaben nach gut bewältigen
zu kö
nnen. Rund um den Haushalt bestünd
en keine Einschränkungen. Neben der von räumlicher und emotionaler Distanz geprägten partnerscha
ft
lichen Bezieh
ung pfleg
e
die
Beschwerdeführerin
soziale Kontakte im Arbeitsumfeld. Ausser
halb des Arbeitsumfeldes ha
be
sie intensiven Kontakt zu ihrer Schwester und gelegentlichen Kontakt zu
ihrem Bruder. Zusammenfassend gä
ben die vorliegen
den Befunde nach kritischer Würdigung ein
in
sich schlüssiges, konsistentes Bild (Aktenlage, Eigenanamnese, Beobacht
ung, Untersuchungsbefunde; S. 26 f.).
In der angestammten Tätigkeit
sei die Beschwerdeführerin
auf dem freien Arbeits
markt als nicht mehr arbeitsfähig einzuschätzen, da geistige Arbeit sie sehr schnell
ermüde und unter Zeitdruck die Gefahr einer
psychischen Dekompensation drohe
.
Die Beschwerdeführerin
ha
be
eine Arbeitsfähigkeit von
zirka
50-60
%
in der angepassten Tätigkeit
(S. 30)
.
Der Ges
undheit
szustand der
Beschwerdeführerin sei
seit der
letzten Ren
t
en
ver
fügung
von Juli
2016 als im Wesentlichen unverändert anzusehen mit einer Arbeitsfähigkeit von
zirka
50-60
%
in angepasster Tätigkeit
. A
ktuell
sei
keine stabile 80%
ige
A
rbeitsfähigkeit
gegeben. Das Scheitern der zuletzt durchge
führten Steigerung der A
rbeitsfähigkeit
auf 80
%
im November 2016 ha
be
gezeigt, dass die
Beschwerdeführerin
aktuell noch nicht stabil genug
sei
, um das erhöhte Pensum d
u
rchzuhalten. Es
sei
jedoch als günstig anzusehen, dass sie
habe
60
%
beibehalten
können
und nicht wieder auf das vorherige Pensum von 50
%
zurückgegangen sei (S. 31)
.
4.6
Dr.
med.
F._
,
Facharzt für
Allgemeine
Innere
Medizin,
RAD,
nahm am 2
4.
Oktober
2017 (
Urk.
6/153/
4-
5)
Stellung und führte
aus,
in der angepassten Tätigkeit in einem Pferdetherapiezentrum könne ab dem
1.
April 2016 die 50%ige Arbeitsfähigkeit und ab dem November 2016 die 60%ige Arbeitsfähigkeit gelten (S. 4 unten). Es könne also im Vergleich zur letzten Verfügung von Juli 2016 seit November 2016 eine ganz minime Steigerung von 50
%
auf 60
%
festgestellt werden.
Eine Steigerung der antidepressiven Medikation sollte durch die behan
delnde Psychiaterin in Erwägung gezogen werden. Dies unter Beobachtung ob eventuell dann vermehrt Nebenwirkungen aufträten. Dann müsste dies natürlich wieder reduziert werden. Es sei also keine spezifische Schadenminderungspflicht aufzuerlegen (S. 5 oben).
Seitens des Rechtsdienstes wurde in einer Stellungnahme vom 13. Dezember 2017 (Urk. 6/153/5 unter anderem ausgeführt, aktuell sei eine schwere psychische Erkran
kung, wie sie der Gutachter erwähne, in ihrer Schwere nicht nachvoll
zieh
bar. In den Befunden und psychiatrischen Tests liege nie mehr als eine mittel
gradige Einschränkung vor. Zusätzlich habe die Beschwerdeführerin ein extrem
hohes Aktivitätsniveau. Zusätzlich erwähne der Gutachter auch, das die Beschwer
de
führerin unterbehandelt sei vor allem aufgrund der Medikamente und auch mangelnden Mitwirkungswillen besitze. Abschliessend könne gesagt werden, dass kein IV-relevanter Gesundheitsschaden mehr vorhanden sei.
5.
5.1
Das psychiatrische Gutachten wurde zwar erstattet, bevor die Rechtsprechung die Berück
sichtigung der Standardindikatoren bei allen psychischen Leiden einge
führt hat. Dies schliesst jedoch nicht per se aus, dass es Beweiswert haben könnte (vorste
hend E. 1.4). Dies ist namentlich dann der Fall, wenn darin materiell Fest
stellun
gen zu den Standardindikatoren getroffen wurden und seine Schlussfolge
rungen hinsichtlich des
Leistungsvermögen
s
unter Berücksichtigung
von
Belas
tungs
fak
toren und Ressourcen
- gleichsam als deren Saldo (BGE 141 V 281 E.
3.4.2.1) - gezogen wurden.
Der Gutachter hat sich am Fragenkatalog des IV-Rundschreibens Nr. 339 orien
tiert, der unter ausdrücklicher Bezugnahme auf die Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 verfasst worden ist. Die entsprechende Prüfung ergibt denn auch,
dass
der Gutachter die heute massgebenden Standardindikatoren (vorstehend E.
1.3)
in seine Beurteilung weitestgehend einbezogen hat.
So hat er sich ein
lässlich mit den diagnoserelevanten Befunden und deren Ausprägung auseinan
der
gesetzt
(
Urk.
6/152 S. 14 ff., S. 19 ff.)
, ebenso mit dem Behandlungserfolg
, wobei die antidepressive Behandlung gemäss Gutachter bei der zur Instabilität neigenden Beschwerdeführerin als unterbehandelt anzusehen sei (S. 25 f.).
Zum Aspekt der Persönlichkeit und der persönlichen Ressourc
en wies er insbesondere auf den Mangel an Durchhaltefähigkeit sowie die verminderte Umstellungs
fähig
keit und Flexibilität hin (S. 24 f.), und den sozialen Kontext betreffend wies er namentlich darauf hin, dass die Beschwerdeführerin die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben gut erfüllen könne
,
sie auch das Haushalts
budget sorgfältig
einteile sowie
stolz darauf sei, keine Schulden zu haben
und sich zudem bei ihren ausserberuflichen Aktivitäten in ein neues soziales Umfeld wage und so versuche, die bestehenden Einschränkungen im interpersonellen Bereich weiter zu verbessern
(S. 26).
Schliesslich äusserte er sich auch zur Konsi
stenz
, dass keine
Hinweis
e auf nicht in geklagtem Umfang vorhandene Funk
tions
einschränkungen bestünden
. Die vorherrschende Symptomatik werde glaub
haft geschildert und sei weitgehend stringent. Die vorliegenden Befunde ergäben nach kritischer Würdigung ein in sich schlüssiges, konsistentes Bild
(S. 26 f.).
Schliesslich ist auch die Bestimmung der Arbeits
unfähigkeit (S. 29 f.
) so erfolgt, dass sie sich gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Resso
urcen (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) ergibt.
5.2
Nachdem sich der Gutachter in seiner Beurteilung (auch) an den Standard
indikatoren orientiert hat, ist die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren einge
schätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2
)
, klar zu bejahen. Die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen
(BGE 144 V 50 E. 3.4).
Mithin erfüllt das Gutachten sowohl die praxisgemässen herkömmlichen Anforderungen (vorstehend E. 1.6) als auch diejenigen des strukturierten Beweis
verfahrens (vor
stehend E. 1.2-1.3).
Somit ist betreffend die Diag
nosen wie auch hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten abzustellen.
5.3
Zusammenfassend steht der
Sachverhalt dahingehend fest, dass die Arbeitsfähig
keit der Be
schwerdeführerin krankheitsbedingt in dem gutachterlich attestierten Umfang
(vgl. vorstehend E. 4.5)
eingeschränkt ist, mithin in der
ange
passten
Tätigkeit
um 40
%
seit Mai 201
7.
In der angestammten Tätigkeit sei die Be
schwer
deführerin als nicht mehr arbeitsfähig einzuschätzen.
Die
Arbeitsfähigkeit beträgt damit
60 %
seit Mai 2017
(
Urk.
6/152 S. 30)
.
6.
6.1
Im Vergleich zum Sachverhalt im Zeitpunkt der
Rentenherabsetzung (September 2016
) ist nunmehr eine höhere Arbeitsfähigkeit ausgewiesen. Dies ist eine Ver
änderung, welche einen Revisi
onsgrund (vgl. vorstehend E. 1.5
) dar
stellt.
6.2
Ausgehend von den von der Beschwerdegegnerin verwendeten Vergleichsein
kommen (
vgl.
Urk.
6/113;
Urk.
6/120) – welche zu keinen Beanstandungen Anlass geben - resultiert beim
Valideneinkommen
von Fr. 7
4
'
105
.
15
und dem
auf ein 60%iges Pensum aufgerechnete
n
Invalideneinkommen von Fr.
28
'
800
.-- eine Einkommenseinbusse von Fr.
45
'
305
.
15
,
was einen Invaliditätsgrad von 61
% ergibt.
Damit besteht
nach wie vor
ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
.
Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die dagegen erhobene Beschwerde gutzuheissen.
7.
7.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr. 8
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen
.
7
.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzen
den Ersatz der Parteikosten. Die
obsiege
nde vertretene Beschwerdeführerin
hat Anspruch auf eine Parteientschädigung, die
vorliegend
beim
praxisgemässen
Stundenansatz von
Fr. 220
.--
(zuzüg
l
ich Mehrwertsteuer)
auf Fr.
2
‘
3
00
.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen
ist.