Decision ID: fca8081c-dca3-4be1-af59-72c779c973ba
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X und Y U, wohnhaft in W, sind Mitglieder der Freikirche Gemeinde für Christus
(GfC), vormals Evangelischer Brüderverein, mit Sitz in Bern. 2009 deklarierten sie ein
steuerbares Einkommen von Fr. 96'070.--. Dabei machten sie freiwillige Zuwendungen
von Fr. 26'830.-- abzüglich Selbstbehalt von Fr. 500.-- bzw. den maximalen Abzug von
20% des Nettoeinkommens, entsprechend Fr. 25'217.--, geltend. Die freiwilligen
Zuwendungen gingen an die Schweizerische Rettungsflugwacht (Fr. 130.--), den Verein
E (Fr. 600.--) sowie an die GfC (Fr. 26'100.--). Die Veranlagungsbehörde anerkannte die
freiwilligen Zuwendungen an die GfC nicht und veranlagte die Steuerpflichtigen für die
direkte Bundessteuer 2009 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 105'800.--. Eine
gegen diese Veranlagung erhobene Einsprache wies das kantonale Steueramt mit
Entscheid vom 1. Dezember 2010 ab.
B.- Mit Beschwerde vom 30. Dezember 2010 beantragten X und Y U, dass Klarheit zu
schaffen sei, welche früheren und aktuellen Einzahlungen wirklich abzugsberechtigt
seien. Damit beantragen sie sinngemäss die Zulassung der freiwilligen Zuwendungen
an die Missionszweige der GfC zum Abzug. Die Vorinstanz beantragte mit
Vernehmlassung vom 28. März 2011 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge
zu Lasten der Beschwerdeführer. Dazu nahmen die Beschwerdeführer mit Eingabe
vom 27. Mai 2011 Stellung. Die Verfahrensbeteiligte verzichtete stillschweigend auf
eine Stellungnahme. Die Verwaltungsrekurskommission zog die Verfügung der
Steuerverwaltung des Kantons Bern über die Steuerbefreiung des Evangelischen
Brüdervereins vom 6. Januar 2004 bei und gab den Verfahrensbeteiligten mit
Schreiben vom 13. September 2011 Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Vorinstanz
verzichtete am 19. September 2011 auf eine Stellungnahme und hielt an ihren Anträgen
fest. Die Beschwerdeführer liessen sich mit Eingabe vom 8. Oktober 2011 dazu
vernehmen.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit

notwendig, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom 30. Dezember 2010 ist
rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte
Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz
über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
Die Beschwerde enthält keinen förmlichen Antrag, jedoch ist inhaltlich ersichtlich, dass
die Beschwerdeführer die Zulassung der freiwilligen Leistungen an die GfC zum Abzug
anstreben. Dies ist daher als Antrag zu verstehen. Dabei richtet sich die Beschwerde
gegen den von der Vorinstanz getroffenen Einsprache-Entscheid betreffend der
Steuerperiode 2009, eine Überprüfung der Spenden an die GfC in den Jahren 2010
und 2011 kann daher nicht Streitgegenstand vor der Verwaltungsrekurskommission
sein; ebenso wenig können die rechtskräftigen Veranlagungen der früheren Jahre
überprüft werden. Auf die Beschwerde ist somit im Antrag zur Zulassung der
freiwilligen Leistungen an die GfC 2009 zum Abzug einzutreten.
2.- Streitig ist, ob die freiwilligen Leistungen der Beschwerdeführer an den Verein GfC
im Jahr 2009 zum Abzug zuzulassen sind.
a) Die Vorinstanz führt in der Veranlagungsbegründung, dem Einsprache-Entscheid
sowie der Vernehmlassung im Wesentlichen aus, dass der Verein GfC gemäss
Auskunft der Steuerverwaltung des Kantons Bern wegen Verfolgung von
Kultuszwecken steuerbefreit sei, nicht wegen Verfolgung von gemeinnützigen
Zwecken. Auch bei Zuwendungen für Missionszwecke müssten die allgemeinen
Voraussetzungen der Freiwilligkeit und der Steuerbefreiung aufgrund gemeinnütziger
Zweckverfolgung gegeben sein. Sei der Empfänger aufgrund der Verfolgung von
Kultuszwecken wie auch aufgrund gemeinnütziger Zweckverfolgung steuerbefreit, so
seien Zuwendungen zum Abzug zulässig, soweit getrennte Rechtsträger oder
zumindest getrennte Rechnungen mit separaten Einzahlungskonti beständen und
soweit der Steuerpflichtige den Nachweis erbringe, dass seine Zuwendung
gemeinnützigen Zwecken diene.
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Die Beschwerdeführer bringen vor, dass es um die Zuwendungen an die Mission des
Vereins GfC gehe. Es sei ihnen bewusst, dass Zuwendungen an den Verein selbst
sowie an die Schriftenmission nicht abzugsfähig seien, deshalb hätten sie diese auch
nicht deklariert. Gemäss Steuerbuch 46 Nr. 6 würden missionarische Zwecke als
gemeinnützig gelten; somit könnten Zuwendungen an die Mission abgezogen werden.
Zudem hätten sie die Zuwendungen an die Mission 2007 und 2008 abziehen können.
Im Übrigen sei SGE 2006 Nr. 8 massgebend, bei welchem ebenfalls Abzüge an die
Mission einer Freikirche zugelassen worden seien.
b) Gemäss Art. 33a DBG werden die freiwilligen Leistungen von Geld und übrigen
Vermögenswerten an juristische Personen mit Sitz in der Schweiz, die im Hinblick auf
ihre öffentlichen oder gemeinnützigen Zwecke von der Steuerpflicht befreit sind, von
den Einkünften abgezogen. Vorausgesetzt wird somit, dass es sich um eine freiwillige
Leistung handelt und dass der Empfänger aufgrund der öffentlichen oder
gemeinnützigen Zwecksetzung von der Steuerpflicht befreit ist.
aa) Freiwilligkeit bedeutet, dass keine Rechtspflicht zur Bezahlung dieser Leistungen
bestehen darf. Das heisst nicht, dass die Freiwilligkeit dem zivilrechtlichen
Schenkungsbegriff entspricht. Vielmehr liegt Freiwilligkeit vor, wenn die ausschliesslich
gemeinnützigen Zwecken dienende Leistung aus frei gewählter Opferbereitschaft
heraus erfolgt (GVP 1973 Nr. 3). Diese Voraussetzung ist vorliegend unbestritten. Es
sind keine Anzeichen irgendwelcher Verpflichtungen der Beschwerdeführer zur
Leistung der zum Abzug geltend gemachten Geldleistungen gegenüber der GfC
ersichtlich.
bb) Die Steuerbefreiung des Empfängers muss aufgrund seiner öffentlichen oder
gemeinnützigen Zwecksetzung erfolgen. Diese hat die Veranlagungsbehörde, welche
die Abzugsfähigkeit zu beurteilen hat, vorfrageweise zu prüfen. Hat die sachzuständige
Behörde jedoch bereits entschieden, ist die Veranlagungsbehörde an diesen Entscheid
gebunden (StE 2005 B 27.4 Nr. 16; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, Rz 72). Nur dadurch kann die Gleichbehandlung aller
Spenden an eine bestimmte Institution sichergestellt werden. Mit Verfügung vom
6. Januar 2005 hat die Steuerverwaltung des Kantons Bern festgehalten, dass die GfC
wegen Verfolgung von Kultuszwecken von der Steuerpflicht befreit ist (act. 18). Die GfC
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hat ihren Sitz in Herbligen im Kanton Bern. Damit ist die Steuerverwaltung des Kantons
Bern die sachzuständige Behörde, deren Entscheid die Verwaltungsrekurskommission
bindet. Es steht somit fest, dass die GfC wegen der Verfolgung von Kultuszwecken
steuerbefreit ist. Die GfC wurde hingegen von der Steuerverwaltung des Kantons Bern
nicht – auch nicht teilweise – wegen der Verfolgung gemeinnütziger Zwecke
steuerbefreit.
Die Beschwerdeführer führen an, SGE 2006 Nr. 8 sei massgebend zur Beurteilung ihrer
Leistungen an die GfC. Die dort betroffene Schweizerische Pfingstmission wurde
jedoch von der Finanzdirektion des Kantons Zürich (Sitzkanton) wegen Verfolgung von
Kultus- und gemeinnützigen Zwecken von der Steuer befreit (sog. zweigeteilte
Steuerbefreiung, vgl. SGE 2006 Nr. 8, E. 3c/bb; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 91 zu Art. 56 DBG). Dies im Gegensatz zur
GfC, welche allein wegen Verfolgung von Kultuszwecken von der Steuer befreit ist. Der
vorliegende Sachverhalt unterscheidet sich somit in einem grundlegen Aspekt von
demjenigen in SGE 2006 Nr. 8. Einzig wenn eine zweigeteilte Steuerbefreiung vorliegt,
können Spenden an den wegen der Verfolgung von gemeinnützigen Zwecken befreiten
Teil abgezogen werden (SGE 2006 Nr. 8 E. 3d). Liegt jedoch wie hier allein eine
Befreiung wegen der Verfolgung von Kultuszwecken vor, so können Spenden an die
Institution nicht abgezogen werden, unabhängig davon, an welchen Teil der Institution
sie erfolgen.
Zutreffend sind die Ausführungen der Beschwerdeführer, dass missionarische Zwecke
als gemeinnützig gelten (StB 46 Nr. 4 Ziff. 7). Dies ist vorliegend jedoch nicht
ausschlaggebend, da die Empfängerin der Spende nur aufgrund der Verfolgung von
Kultuszwecken steuerbefreit ist; wie oben ausgeführt liegt weder eine vollständige noch
eine teilweise Befreiung wegen Verfolgung gemeinnütziger Zwecke vor. Die Prüfung, ob
die Verfolgung von missionarischen Zwecken im Fall der GfC als gemeinnützig
einzustufen ist, ist von der sachzuständigen Behörde beim Entscheid über die
(teilweise) Steuerbefreiung zu beurteilen und kann vorliegend von der
Verwaltungsrekurskommission nicht erneut überprüft werden.
Die Duldung der Abzüge an die Missionen der GfC in den Jahren 2007 und 2008
binden die Steuerbehörde bei der Beurteilung des Jahres 2009 nicht. Die in einer
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früheren Steuerperiode getroffenen Verfügungen entfalten grundsätzlich keine
Verbindlichkeit für spätere Veranlagungen. Die Steuerbehörde kann vielmehr im
Rahmen jeder Neuveranlagung eines Steuerpflichtigen sowohl die tatsächliche als auch
die rechtliche Ausgangslage vollumfänglich überprüfen und, soweit erforderlich,
abweichend würdigen (VRKE I/1 2010/67 vom 17. Februar 2011, in.
www.gerichte.sg.ch, E. 3.c; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 6 zu Art. 131
DBG). Der Veranlagungsbehörde war es somit nicht verwehrt, die Spenden an die
Missionen der GfC im Jahr 2009 anders zu beurteilen als in den Jahren 2007 und 2008.
c) Zusammenfassend sind somit die Spenden an die Missionen der GfC nicht zum
Abzug zuzulassen. Zwar erfolgten die Leistungen freiwillig, jedoch ist die GfC einzig
wegen der Verfolgung von Kultuszwecken steuerbefreit und nicht (auch nicht
zumindest teilweise) wegen der Verfolgung gemeinnütziger Zwecke. Der Abzug wurde
von der Vorinstanz somit zu Recht verweigert und die Beschwerde ist daher
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Verfahrens den
Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 600.-- ist angemessen (vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG in Verbindung mit Art. 7 Ziff. 122
der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist zu
verrechnen.