Decision ID: e2ab4bd7-fe22-5d63-bc02-298ab45709a2
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 1950, meldete sich am 23. Januar 2006 wegen „Atemnot,
Leberkrankheit, Schwindel“ und Rückenbeschwerden zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1).
A.b Am 7. Februar 2006 reichte die ehemalige Arbeitgeberin des Versicherten der IV-
Stelle den von ihr ausgefüllten Arbeitgeberfragebogen ein. Sie gab an, das
Arbeitsverhältnis habe vom 1. September 2001 bis 28. Februar 2005 angedauert und
sei krankheitsbedingt gekündigt worden; der letzte effektive Arbeitstag sei der
8. September 2004 gewesen. Der Versicherte habe als angelernter
Produktionsmitarbeiter gearbeitet und dafür Fr. 20.47 pro Stunde erhalten. Die
betriebsübliche Arbeitszeit liege bei 42,5 Stunden pro Woche; der Versicherte habe in
diesem Pensum gearbeitet. Krankheitsbedingte Absenzen dokumentierte die
ehemalige Arbeitgeberin „ab 2003“, erstmals für eine Woche im März 2003 (IV-act. 11).
A.c Nachdem die IV-Stelle diverse medizinische Berichte eingeholt hatte, beauftragte
sie die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz mit der Erstellung eines
polydisziplinären Gutachtens. Dieses wurde am 7. Juni 2007 erstattet. Die Gutachter
diagnostizierten im Wesentlichen eine leichte bis mittelgradige depressive Episode
ohne somatische Symptome, ein amnestisches Syndrom leichteren Grads, einen
Schwindel multifaktorieller Genese sowie chronische, analgetikainduzierte
Kopfschmerzen und attestierten eine Arbeitsfähigkeit von 50 % für körperlich leichte
Arbeiten, welche keine starke Konzentrationsfähigkeit und keinen hohen Balanceakt
erfordern, bei denen keine gefährlichen Maschinen bedient werden müssen und bei
denen keine Sturz- und Verletzungsgefahr droht, gültig ab Juli 2004 (IV-act. 31).
A.d Auf Anfrage der IV-Stelle führte die ehemalige Arbeitgeberin des Versicherten am
11. Februar 2008 aus, der Stundenlohn habe einschliesslich 8,33 % Gratifikation,
12,25 % Ferienentschädigung, 4,9 % Feiertagsentschädigung und 2,45 % für
Kurzabsenzen bei Fr. 20.47 gelegen, und der Versicherte hätte als Schichtmitarbeiter
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mit einer wöchentlichen Sollzeit von 42,5 Stunden 2’218,5 Stunden pro Jahr arbeiten
können (IV-act. 43). Am 23. Juni 2008 sandte die ehemalige Arbeitgeberin sodann
Präsenzlisten für den Zeitraum vom 1. Oktober 2002 bis 28. Februar 2005 zu (IV-
act. 45 f.).
A.e Mit Vorbescheid vom 13. Februar 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass bei einem
Invaliditätsgrad von 21 % die Abweisung des Rentengesuchs vorgesehen sei. Bei der
Berechnung des Invaliditätsgrads waren das an die Nominallohnentwicklung 2003–
2007 angepasste, im Auszug aus dem Individuellen Konto (IV-act. 5) für das Jahr 2003
ausgewiesene Jahreseinkommen als Valideneinkommen und die Hälfte des an die
Nominallohnentwicklung 2006–2007 angepassten statistischen Tabellenlohns (IV-
act. 38) als Invalideneinkommen berücksichtigt worden (IV-act. 49).
A.f Dagegen erhob der Versicherte am 6. April 2009 diverse Einwände. Er beantragte
die Zusprache einer Dreiviertelsrente mit Wirkung ab 1. Oktober 2005 und führte zur
Begründung im Wesentlichen aus, die Vergleichseinkommen seien zu parallelisieren,
da er unfreiwillig stark unterdurchschnittlich verdient habe, und es sei angesichts der
leidensbedingten Einschränkungen, des Alters, der Dienstjahre, der Nationalität, der
Aufenthaltskategorie und des Beschäftigungsgrads der maximale Abzug von 25 % vom
statistischen Tabellenlohn vorzunehmen (IV-act. 61).
A.g Mit Verfügung vom 22. Juni 2009 wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei einem
ermittelten Invaliditätsgrad von 21 % ab. Da der Versicherte freiwillig auf ein höheres
Erwerbseinkommen verzichtet habe – er hätte sehr viel mehr Stunden pro Jahr arbeiten
können –, sei keine Parallelisierung der Vergleichseinkommen vorzunehmen; ein Abzug
vom Tabellenlohn rechtfertige sich ebenfalls nicht (IV-act. 63).
B.
B.a Dagegen richtet sich die vom Beschwerdeführer am 12. August 2009 erhobene
Beschwerde, mit der die Ausrichtung einer Dreiviertelsrente mit Wirkung ab 1. Oktober
2005 beantragt und zur Begründung im Wesentlichen dieselben Gründe wie in der
Eingabe an die Beschwerdegegnerin vom 6. April 2009 (IV-act. 61) angeführt werden
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sowie ergänzend geltend gemacht wird, er habe bereits 2003 krankheitsbedingt
teilweise der Arbeit fernbleiben müssen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt die teilweise Gutheissung der Beschwerde
bzw. die Zusprache einer Viertelsrente ab September 2005 und führt zur Begründung
im Wesentlichen an, die Berechnung des Valideneinkommens sei leicht anzupassen,
doch sei nach wie vor von einem erheblichen Einkommensverzicht auszugehen, und es
sei ein Abzug vom Tabellenlohn von 10 % zu berücksichtigen, womit gesamthaft ein
Invaliditätsgrad von 45 % resultiere (Beschwerdeantwort vom 28. September 2009;
act. G 7).
B.c Der Beschwerdeführer hält an seinem mit Beschwerde vom 12. August 2009
gestellten Antrag fest und verweist ergänzend auf das Arztzeugnis seines Hausarztes,
in dem krankheitsbedingte Absenzen für die Jahre 2002 und 2003 attestiert werden
(Replik vom 10. November 2009; act. G 12 und act. G 12.1.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin lässt sich nicht ergänzend vernehmen (act. G 14).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist in erster Linie der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers,
nachdem sowohl er als auch die Beschwerdegegnerin die Zusprache einer
Invalidenrente beantragen. Zu prüfen ist aber auch, ob die Beschwerdegegnerin
Eingliederungsmassnahmen zuverlässig geprüft hat.
2.
2.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten.
Obwohl der hier zu beurteilende Sachverhalt teilweise den Zeitraum vor deren
Inkrafttreten ereignet hat, sind grundsätzlich die neuen Bestimmungen anzuwenden
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(vgl. Ralph Jöhl, Übergangsrechtliche Probleme im Leistungsrecht der
Sozialversicherung, Diss., St. Gallen 1996, S. 2 f.). Hinsichtlich der hier einzig
relevanten Änderung bezüglich des Beginns des Rentenanspruchs ginge damit
indessen eine erhebliche Schlechterstellung und stossende Ungleichbehandlung
gegenüber Versicherten, deren Leistungsgesuch vor Inkrafttreten der neuen
Bestimmungen beurteilt wurde, einher. Dass es angesichts dessen an einer
übergangsrechtlichen Regelung fehlt, wird zu Recht als auslegungsbedürftige Lücke
angesehen (vgl. den Entscheid IV 2009/5 des Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen vom 28. Oktober 2009, E. 2). Diesbezüglich ist deshalb vorliegend altes
Recht anzuwenden (vgl. auch das Rundschreiben Nr. 253 des Bundesamtes für
Sozialversicherungen vom 12. Dezember 2007 sowie den Entscheid 8C_312/2009 des
Bundesgerichts vom 1. Dezember 2009, E. 5.1, mit zahlreichen Hinweisen); im Übrigen
kommt neues Recht zur Anwendung.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), das heisst der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
3.
3.1 In medizinischer Hinsicht erweist sich die Aktenlage insofern als klar, als davon
auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in
leidensadaptierten Tätigkeiten zu 50 % arbeitsfähig ist (vgl. IV-act. 31 und 34). Gestützt
darauf ist der Invaliditätsgrad zu bemessen.
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3.2 Da von beruflichen Eingliederungsmassnahmen keine erhebliche Steigerung der
Erwerbsfähigkeit erwartet werden kann (vgl. IV-act. 34 und 38), hat die
Beschwerdegegnerin zu Recht von solchen abgesehen. Der Grundsatz „Eingliederung
vor Rente“ wurde mithin nicht verletzt.
3.3 Der Beschwerdeführer musste der Arbeit ab 8. September 2004
krankheitsbedingt definitiv fernbleiben (vgl. IV-act. 1 und 11). Der Versicherungsfall ist
in diesem Zeitpunkt eingetreten, was bedeutet, dass ein allfälliger Rentenanspruch am
1. September 2005 entstanden wäre (vgl. Art. 28 Abs. 1 IVG), und dass die
Vergleichseinkommen bezogen auf diesen Zeitpunkt zu ermitteln sind.
3.4 Das bedeutet aber nicht zugleich, dass für die Ermittlung des Valideneinkommens
unbesehen auf das im Jahr 2003 erzielte Einkommen abgestellt werden kann, denn den
Akten lässt sich ohne Weiteres entnehmen, dass der Beschwerdeführer bereits im Jahr
2003 erhebliche krankheitsbedingte Absenzen, die nur teilweise entschädigt wurden,
aufwies (IV-act. 11–2). Auch für das Jahr 2002 sind krankheitsbedingte Absenzen
ausgewiesen (act. G 12.1.1). Gesamthaft ergibt sich aus den erwähnten Unterlagen,
dass der Beschwerdeführer im Jahr 2003 während fünf Wochen krankheitsbedingt der
Arbeit fernbleiben musste (17.–24. März, 14.–25. April, 7.–11. Juli und 11.–
14. November; vgl. IV-act. 11–2). Davon wurde ihm aber nur eine Woche entschädigt
(vgl. IV-act. 46). Auf das entsprechende Einkommen hat der Beschwerdeführer
selbstverständlich nicht freiwillig verzichtet. Was die übrigen Wochen betrifft, so hat der
Beschwerdeführer offensichtlich noch rund sechs Wochen Ferien bezogen
(Weihnachts-/Sommerferien), wofür er ja auch einen entsprechenden Zuschlag zum
Stundenlohn erhielt (vgl. IV-act. 43 und 46). In den verbleibenden Wochen hat der
Beschwerdeführer durchschnittlich 41,7 Stunden pro Woche gearbeitet (vgl. IV-act. 46),
was nicht wesentlich unterhalb der vereinbarten Arbeitszeit von 42,5 Stunden pro
Woche (vgl. IV-act. 11) liegt und deshalb nicht zur Annahme berechtigt, der
Beschwerdeführer habe regelmässig – also auch in den Jahren davor – wesentlich
weniger gearbeitet als vertraglich vereinbart. Dass der Beschwerdeführer ein im
Vergleich zu den statistischen Werten stark unterdurchschnittliches Einkommen erzielt
hat, kann mithin keineswegs auf einen irgendwie gearteten „Verzicht“ des
Beschwerdeführers zurückgeführt werden.
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3.5 Es ist auch nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer, der
als ungelernter Arbeiter in die Schweiz gekommen war und zunächst während einigen
Jahren in der Gastronomie gearbeitet hatte, die stark unterdurchschnittlich entlöhnte
Arbeit angetreten hätte, wenn er die Möglichkeit gehabt hätte, anderswo wesentlich
mehr zu verdienen. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
diese Tätigkeit mangels anderweitiger günstigerer konkreter Angebote angenommen
hat, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Da er somit nicht aus freien
Stücken unterdurchschnittlich verdient hat, kann für das Valideneinkommen und für
den Ausgangspunkt zur Bestimmung des Invalideneinkommens vom selben Wert
ausgegangen werden. Der Invaliditätsgrad entspricht demnach dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzugs vom Tabellenlohn (vgl.
Entscheid I 552/04 des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 8. Juni 2005,
E. 3.4).
3.6 Mit dem erwähnten Abzug vom Tabellenlohn wird berücksichtigt, dass die
Tabellenlöhne auf der Grundlage der Daten gesunder Arbeitnehmer ermittelt werden
und dass konkrete Umstände vorliegen können, aufgrund derer eine gesundheitlich
beeinträchtigte Person ihre verbliebene Resterwerbsfähigkeit nicht mit demselben
Erfolg verwerten kann wie eine gesunde Person (BGE 126 V 75). Solche Umstände
liegen hier vor: Der Beschwerdeführer kann einzig noch Arbeiten, welche keine starke
Konzentrationsfähigkeit erfordern, ausüben, darf keine gefährlichen Maschinen
bedienen und muss Sturz- und Verletzungsgefahren vermeiden, was ihn bei der
Ausübung der üblichen Hilfsarbeitertätigkeiten behindert. Zudem sind verminderte
Flexibilität (z.B. in Bezug auf Überstunden; vgl. auch den Entscheid 9C_650/2008 des
Bundesgerichts vom 25. November 2008, E. 5.4), erhöhtes Krankheitsrisiko und
verminderte Belastbarkeit als erhebliche Konkurrenznachteile zu berücksichtigen. Da
der Beschwerdeführer schliesslich so zu stellen ist, als könnte er lediglich noch in
einem 50%igen Pensum tätig sein (vgl. hierzu den Entscheid 9C_708/2009 des
Bundesgerichts vom 19. November 2009, E. 2.5.2), fällt als weiterer Konkurrenznachteil
die Teilarbeitsfähigkeit in Betracht. Denn statistisch gesehen werden
teilzeiterwerbstätige Männer unterdurchschnittlich entlöhnt: In einem Pensum von 50–
74 % Erwerbstätige erhalten – umgerechnet auf ein volles Pensum – lediglich knapp
90 % des Lohnes vollzeitig Erwerbstätiger (BFS, LSE 2006, T2*). Gesamthaft
rechtfertigt sich somit ein Abzug von 15 % vom massgebenden Tabellenlohn.
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3.7 Der Invaliditätsgrad beträgt mithin 100 % – 50 % × 85 % = 57,5 %, womit der
Beschwerdeführer Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung hat. Der
Rentenanspruch besteht, wie oben ausgeführt, ab 1. September 2005.
4.
4.1 Vor diesem Hintergrund ist die Beschwerde vom 12. August 2009 teilweise
gutzuheissen und dem Beschwerdeführer unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung eine halbe Rente mit Wirkung ab 1. September 2005 zuzusprechen.
4.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor
dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1’000.-- festgelegt. Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Da sich
der Beschwerdeführer veranlasst sah, die Verfügung 22. Juni 2009 als rechtswidrig zu
beanstanden und ihre Aufhebung zu beantragen, und er insofern mit seinem Antrag
vollumfänglich durchgedrungen ist, ist bei der Verlegung der Gerichtskosten – in
Analogie zur Rechtsprechung zur Verlegung der Parteientschädigungen – dem
„Überklagen“ nicht (wie etwa in einem zivilprozessualen Klageverfahren) Rechnung zu
tragen bzw. nicht auf das Ausmass des Obsiegens abzustellen (vgl. den Entscheid IV
2007/359 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. Januar 2009, E. 5,
mit Hinweisen). Angesichts des in diesem Sinne vollen Unterliegens der
Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten gesamthaft
aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen. Die
Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung wird damit obsolet.
4.3 Der teilweise obsiegende Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Die Parteikosten werden vom Gericht ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). In einem Fall mit
mittlerem Aufwand und Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine
Pauschalentschädigung von Fr. 3’500.-- ausgerichtet. Die Beschwerdegegnerin hat
bis
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den Beschwerdeführer entsprechend mit Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP