Decision ID: a9991f16-61a7-48f4-a041-417c3d8f6946
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Am 7. Dezember 2012 bewilligte die Gemeinde D._ ein Bauprojekt
auf den Parzellen E._ und F._. Mit Verfügung vom
26. März 2018 wies die Gemeinde D._ das Gesuch der
Bauherrschaft um eine dritte Erstreckung der zweijährigen
Bauvollendungsfrist ab. Sowohl das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden (VGU R 18 27 vom 22. Januar 2019) als auch das
Bundesgericht (Urteil 1C_151/2019 vom 8. Juli 2019) erachteten diese
Verfügung als rechtens.
2. Mit Schreiben vom 4. September 2019 teilte die Gemeinde D._ der
Bauherrschaft mit, dass die Baubewilligung vom 7. Dezember 2012
aufgrund der nicht fristgerecht erfolgten Bauvollendung hinfällig geworden
sei. Für die Realisierung des geplanten Bauprojekts auf den Parzellen
E._ und F._ fehle es somit an der erforderlichen
Baubewilligung. Obwohl einzelne Arbeiten bereits ausgeführt worden
seien, könne und dürfe das geplante Bauprojekt nicht vollendet werden.
Die unvollendeten Bauteile seien somit gemäss Art. 91 Abs. 3 KRG zu
entfernen und es sei der ursprüngliche Zustand wiederherzustellen. Die
Gemeinde D._ informierte die Bauherrschaft darüber, dass sie die
Entfernung der unvollendeten Bauteile verfügen werde und räumte der
Bauherrschaft eine Frist zur Stellungnahme ein.
3. In ihrer Stellungnahme vom 27. September 2019 führte die Bauherrschaft
aus, es sei richtig, dass die Baubewilligung(en) vollständig dahingefallen
sei(en) und die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands sowie die
Entfernung der unvollendeten Bauteile aufgrund von Art. 91 Abs. 3 KRG
gefordert werden könnten. Es sei allerdings vorgesehen, ein neues
Bauprojekt einzugeben, welches mit der Zweitwohnungsgesetzgebung
nicht in Konflikt stehe und die auf den Parzellen E._ und
F._ bereits ausgeführten Arbeiten – mithin insbesondere den
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Baugrubenaushub sowie die Betonfundationen für die Autoeinstellhalle –
mitberücksichtige; diese Bauteile könnten beim künftigen Bauprojekt
umfassend wiederverwendet werden. Dementsprechend wäre es
unverhältnismässig, den Rückbau dieser wiederverwertbaren Bauteile zu
verlangen. Die Erforderlichkeit des Rückbaus sei somit weder in sachlicher
noch in zeitlicher Hinsicht gegeben, weshalb die Verhältnismässigkeit
dieser Massnahme verneint werden müsse.
4. Mit Schreiben vom 30. Oktober 2019 räumte die Gemeinde D._
der Bauherrschaft die Möglichkeit ein, bis am 30. November 2019 ein
Vorprojekt einzureichen. Ausserdem wies sie daraufhin, dass die
Bauherrschaft daraus keinerlei Rechte bzw. Ansprüche ableiten könne. Die
Gemeinde werde nach Vorliegen des Vorprojekts darüber befinden, ob
Wiederherstellungsmassnahmen angeordnet würden oder ob eine Frist zur
Einreichung eines Baugesuchs (inkl. Finanzierungsnachweis) angesetzt
werde.
5. In der Folge reichte die Bauherrschaft der Gemeinde D._ ein
Vorprojekt ein.
6. Mit Schreiben vom 10. März 2020 und unter Hinweis auf eine im Januar
2019 für das gesamte Gemeindegebiet erlassene Planungszone teilte die
Gemeinde D._ der Bauherrschaft mit, dass eine materielle
Beurteilung des Vorprojekts zurzeit nicht möglich und das Vorprojekt
deshalb zurückzuweisen sei. Damit sei ausgeschlossen, dass die bereits
errichteten Tiefgaragenteile innert nützlicher Frist, im Zuge der
Realisierung eines neuen Projekts, fertiggestellt bzw. wiederverwendet
werden könnten. Die Erforderlichkeit des Rückbaus der Betonfundation für
die Autoeinstellhalle sowie die Auffüllung des Baugrubenaushubs sei
deshalb in sachlicher und zeitlicher Hinsicht gegeben. Demgegenüber hielt
die Bauherrschaft in ihrer Stellungnahme vom 27. März 2020 daran fest,
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dass die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands unter keinem der
zu prüfenden Gesichtspunkte auch nur ansatzweise verhältnismässig sei.
Dementsprechend sei bis auf Weiteres auch auf das Verfügen solcher
Rückbaumassnahmen zu verzichten.
7. Mit Verfügung vom 18. Mai 2020 verpflichtete die Gemeinde D._
die A._ AG, die B._ AG und die C._ AG dazu, die
auf den Parzellen E._ und F._ erstellten Bauteile
vollständig zurückzubauen und den ursprünglichen Zustand bis zum
31. August 2020 wiederherzustellen. Begründend hielt sie insbesondere
fest, dass der Rückbau der unvollendeten Bauteile und die Beseitigung des
gesetzeswidrigen Zustandes in jeglicher Hinsicht verhältnismässig sei und
keine Duldungsverfügung erlassen werden müsse, bis ein neues Projekt
auf den Parzellen E._ und F._ realisiert werde. Dies gelte
unabhängig davon, ob das Vorprojekt oder ein entsprechendes Baugesuch
der Planungszone unterstellt werde oder nicht. Ausführungen zur
Rückstellung des Vorprojekts bzw. eines allfälligen Baugesuchs erübrigten
sich deshalb im vorliegenden Zusammenhang. Die Bewilligung für das
ursprünglich geplante Projekt sei bereits vor längerer Zeit erloschen. Davor
habe die Bauherrschaft mehrere Jahre Zeit gehabt, das Projekt zu
realisieren, was jedoch an der Finanzierung gescheitert sei. Selbst wenn
die Baubehörde zeitnah ein neues Projekt bewilligen würde, bestehe keine
Gewissheit, dass die unvollendeten Bauteile in naher Zukunft vollendet
würden. Die Bauherrschaft und die Grundeigentümerinnen hätten keine
verbindlichen Aussagen gemacht oder Zusicherungen abgegeben
hinsichtlich der Projektfinanzierung und -realisierung.
8. Hiergegen erhoben die A._ AG, die B._ AG und die
C._ AG (nachfolgend: Beschwerdeführerinnen) am 17. Juni 2020
Beschwerde / Rechtsverweigerungsbeschwerde beim Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden. Sie stellten folgende Anträge:
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"Materielle Anträge
1. Die Verfügung vom 18. Mai 2020 sei vollumfänglich aufzuheben.
2. Der Beschwerdegegner sei zu verpflichten, das Vorprojekt der Beschwerdeführerinnen vom 28. November 2019 der Baubehörde der Gemeinde D._ zur materiellen Prüfung zu unterbreiten.
Prozessuale Anträge
3. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
4. Das Verfahren bezüglich Antrag 1 sei bis nach dem rechtskräftigen Befinden über die Rechtsverweigerungsbeschwerde (Antrag 2) bzw. bis nach der Prüfung des Vorprojektes und dem anschliessenden Abschluss des Baubewilligungsverfahrens zu sistieren.
5. Es seien vom Beschwerdegegner die Vorakten beizuziehen.
6. Die Kosten des Verfahrens seien dem Beschwerdegegner aufzuerlegen und dieser sei zu verpflichten den Beschwerdeführerinnen eine angemessene Parteientschädigung (zzgl. MWST) zu entrichten."
Den Antrag um Aufhebung der Verfügung vom 18. Mai 2020 begründeten
sie im Wesentlichen wie folgt: Einerseits habe es die Gemeinde
unterlassen, das einer Wiederherstellungsverfügung zwingend
vorangehende Baubewilligungsverfahren für die formell vorschriftswidrig
gewordenen Gebäudeteile durchzuführen. Andererseits verstosse die
Gemeinde mit ihrem Verhalten gegen den Grundsatz von Treu und
Glauben bzw. den Vertrauensschutz, indem sie ihnen zuerst die
Möglichkeit zur Einreichung eines Vorprojekts gewähre, um dieses dann
ohne erkennbaren Grund und ohne Begründung abzulehnen. Schliesslich
sei die Wiederherstellungsverfügung weit davon entfernt, verhältnismässig
zu sein, zumal es schlicht nicht erforderlich sei, die bestehenden Bauteile
komplett zurückzubauen, da es mildere Möglichkeiten gäbe.
9. Mit Schreiben vom 3. Juli 2020 ersuchte die Gemeinde D._
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) das streitberufene Gericht um
Gewährung einer Fristerstreckung zur Stellungnahme in der Sache selbst.
Mit Bezug auf das Gesuch der Beschwerdeführerinnen um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung stellte sie folgende Anträge:
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1. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung sei vollumfänglich abzuweisen, da die öffentlichen Interessen die privaten Interessen klar überwiegen.
2. Eventualiter sei dem Gesuch um aufschiebende Wirkung nur teilweise zu entsprechend, d.h. für all jene vom Gemeindevorstand verfügten Massnahmen, welche Bauteile betreffen, die in einem allfälligen Neubau integriert werden können.
10. Mit Verfügung vom 10. Juli 2020 gewährte der Instruktionsrichter der
Beschwerde R 20 67 die aufschiebende Wirkung betreffend den Rückbau
des bereits erstellten Tiefgaragenteils (gesamte Fundamentkonstruktion
mit Isolierungen, Entwässerungsleitungen usw.; angefochtene Verfügung
Ziff. III.1.1), die Entfernung der oberirdischen Teile der Erdsonden und der
Markierung der Erdsondenpunkte durch einen Geometer (angefochtene
Verfügung Ziff. III.1.2), die Auffüllung der Baugrube mit geeignetem
Füllmaterial, die Angleichung des Terrains ans ursprünglich gewachsene
Terrain und die Begrünung der Baugrundstücke (angefochtene Verfügung
Ziff. III.1.5) sowie die Entfernung jener Baustelleninstallationen, die der
Sicherung der Baustelle dienen (vgl. angefochtene Verfügung Ziff. III.1.3).
Im Übrigen wurde der Beschwerde R 20 67 keine aufschiebende Wirkung
zuerkannt und es wurde festgehalten, dass die Auferlegung von Kosten
sowie allfälliger Entschädigungen dem Entscheid in der Hauptsache
vorbehalten bleibe.
11. Am 28. August 2020 reichte die Beschwerdegegnerin eine
Vernehmlassung zur Sache selbst ein. Darin beantragte sie die
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde /
Rechtsverweigerungsbeschwerde, sofern darauf eingetreten werden
könne, unter Kosten- und Entschädigungsfolge inkl. MWST gemäss
Gesetz.
12. Mit Schreiben vom 2. Oktober 2020 hielten die Beschwerdeführerinnen
replicando an ihren bisherigen Rechtsbegehren fest und sie ergänzten und
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vertieften ihre bisherige Argumentation. Auch die Beschwerdegegnerin
hielt mit Duplik vom 15. Oktober 2020 an ihren bisherigen Rechtsbegehren
fest und ergänzte und vertiefte ihre bisherige Argumentation.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das
Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von Gemeinden,
soweit diese nicht bei einer anderen Instanz angefochten werden können
oder nach kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind. Der
vorliegend angefochtene Entscheid der Beschwerdegegnerin vom 18. Mai
2020, zugestellt am 20. Mai 2020, worin die Beschwerdeführerinnen zur
Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands auf den Parzellen
E._ und F._ verpflichtet wurden, ist weder endgültig noch
kann er bei einer anderen Instanz angefochten werden. Folglich stellt er
ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Als Adressatinnen des
angefochtenen Entscheids sind die Beschwerdeführerinnen davon
überdies berührt und sie haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen
Aufhebung oder Änderung, weshalb sie zur Beschwerdeerhebung
legitimiert sind (vgl. Art. 50 VRG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (vgl. Art. 52 VRG).
2.1. In formeller Hinsicht beantragen die Beschwerdeführerinnen, das
Verfahren bezüglich Antrag 1 (vollumfängliche Aufhebung der Verfügung
vom 18. Mai 2020) sei bis nach dem rechtskräftigen Befinden über die
Rechtsverweigerungsbeschwerde (Antrag 2) bzw. bis nach der Prüfung
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des Vorprojekts und dem anschliessenden Abschluss des
Baubewilligungsverfahrens zu sistieren. Begründend halten sie im
Wesentlichen fest, die Sistierung sei anzuordnen, wenn ein anderes
Verfahren hängig sei, dessen Ausgang von präjudizieller Bedeutung für
das andere Verfahren sei bzw. sein könne, was vorliegend der Fall sei.
Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, trifft dies vorliegend allerdings
gerade nicht zu (vgl. insbesondere nachstehende Erwägung 5.2.3.2). Der
Sistierungsantrag ist folglich abzulehnen (zur Sistierung im Allgemeinen:
vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] R 20
73 vom 1. Dezember 2020 E.4).
2.2. Angesichts der nachstehenden Erwägungen erübrigt es sich, den
kommunalen Zonenplan sowie den kantonalen Richtplan Siedlung (KRIP-
S) beizuziehen, wie dies die Beschwerdeführerinnen beantragen. Die
Verfahrensakten R 18 27 (Beschwerde vom 1. Juni 2018) wurden
beigezogen.
3. In materieller Hinsicht streitig und nachfolgend zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands
auf den Parzellen E._ und F._ (Rückbau des bereits
erstellten Tiefgaragenteils [gesamte Fundamentkonstruktion mit
Isolierungen, Entwässerungsleitungen usw.], Entfernung der
oberirdischen Teile der Erdsonden und Markierung der Erdsondenpunkte
durch einen Geometer, Entfernung sämtlicher Baustelleninstallationen
[Absperrungen, Container, Baustellenzufahrt usw.], Abtransport des
gesamten Bauschutts und der Baureste, welche sich auf den Bauparzellen
befinden, Auffüllung der Baugrube mit geeignetem Füllmaterial und
Angleichung des Terrains ans ursprünglich gewachsene Terrain sowie
Begrünung der Baugrundstücke) zu Recht angeordnet hat.
4.1. Wird ein Bauvorhaben nicht vollendet, sind unvollendete Bauteile zu
entfernen und der ursprüngliche Zustand wieder herzustellen (Art. 91
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Abs. 3 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden [KRG;
BR 801.100]). Gemäss Art. 94 Abs. 1 KRG sind jedoch nur materiell
vorschriftswidrige Zustände zu beseitigen, gleichgültig, ob für deren
Herbeiführung ein Bussverfahren durchgeführt wurde (vgl. auch VGU R
10 73 vom 14. Dezember 2010 E.1a, R 10 39 vom 19. Oktober 2010 E.2
und R 09 93 vom 12. April 2010 E.2a, wonach der Gesetzgeber mit Art. 94
Abs. 1 KRG die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts zum alten KRG,
nach welcher bloss formelle Baurechtsverletzungen keine
Wiederherstellungsverfügung rechtfertigten, nachvollzogen hat).
Unabdingbare Voraussetzung für die Anordnung einer
Wiederherstellungsverfügung ist mithin das Vorliegen eines materiell
vorschriftswidrigen Zustands. Dies bedeutet, dass dem Erlass einer
Wiederherstellungsverfügung grundsätzlich ein nachträgliches
Baubewilligungsverfahren vorauszugehen hat, in dessen Rahmen vorab
die Rechtswidrigkeit des fraglichen Zustands zu prüfen ist. Von einem
separaten Sachentscheid über die nachträgliche
Bewilligungsverweigerung kann aus prozessökonomischen Gründen
jedoch abgesehen werden, wenn die Sach- und Rechtslage klar und die
Verletzung von materiellen Vorschriften offensichtlich ist und von
vornherein feststeht, dass eine nachträgliche Baubewilligung nicht erteilt
werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1A.17/2004 vom 19. Mai
2004 E.2.2.5; VGU R 19 82 vom 1. Dezember 2021 E.3.1, R 19 24 vom
12. Mai 2020 E.2.2, R 18 92 vom 21. April 2020 E.3.1, R 14 65 vom
6. Oktober 2015 E.3a, R 13 227 vom 1. Juli 2014 E.4c m.w.H.). Laut
Art. 94 Abs. 3 KRG obliegt die Pflicht zur Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands sowohl den Eigentümerinnen oder Eigentümern
als auch den Personen, die den rechtswidrigen Zustand herbeigeführt
haben.
4.2.1. In der angefochtenen Verfügung vom 18. Mai 2020 hielt die
Beschwerdegegnerin fest, dass auf den Parzellen E._ und
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F._ bereits einige bauliche Massnahmen getroffen worden seien
(Abbruch des Hotels G._, Baugrubenaushub,
Erdsondenbohrungen, Betonfundation für die Autoeinstellhalle). Die
vorgenommenen Terrainveränderungen und die erstellten Bauteile
(Betonfundation für die Autoeinstellhalle) könnten für sich alleine jedoch
nicht bewilligt werden. In Bezug auf die ausgeführten
Terrainveränderungen sei Art. 72 des kommunalen Baugesetzes (BauG)
massgebend. Die auf den Baugrundstücken vorgenommenen
Terrainveränderungen erfüllten keine der in Art. 72 BauG aufgeführten
Voraussetzungen. Die aufgrund der Aushubarbeiten vorgenommenen
Abgrabungen und Aufschüttungen seien dem umgebenden natürlichen
Gelände nicht angepasst. Ferner beeinträchtigten sie das Orts- und
Landschaftsbild, zumal die Parzellen E._ und F._ gut
einsehbar seien und an zentraler Stelle lägen. Zu einer Beeinträchtigung
des Orts- und Landschaftsbildes führe ferner auch die Betonfundation für
die Autoeinstellhalle. Die als Bauruine in Erscheinung tretende Baute
vermöge den kantonalen Gestaltungsvorschriften gemäss Art. 73 Abs. 1
KRG in keiner Weise zu genügen. Die Betonelemente ragten aus dem
Erdreich und stellten fremdkörperartig wirkende Bauteile dar. Es sei
offensichtlich, dass diese Bauteile mit der Umgebung und der Landschaft
keine gute Gesamtwirkung abgäben. Damit stehe fest, dass die Situation
mit den unvollendeten Bauteilen und den vorgenommenen
Aushubarbeiten auf den Parzellen E._ und F._ nicht
bewilligungsfähig und daher materiell rechtswidrig sei. Die Anordnung der
Beseitigung des vorschriftswidrigen Zustandes durch die Baubehörde
erweise sich daher in Anwendung von Art. 91 Abs. 3 sowie Art. 94 Abs. 1
und 2 KRG im Grundsatz als verhältnismässig.
4.2.2. Die Beschwerdeführerinnen rügen in ihrer Beschwerde, dass man im
Dispositiv der Wiederherstellungsverfügung vom 18. Mai 2020 vergebens
nach einer das Baubewilligungsverfahren abschliessenden Anordnung
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bzw. einem Entscheid über die Bewilligungsfähigkeit der strittigen Bauteile
suche. Zu einem Baubewilligungsverfahren sei es vorliegend offensichtlich
nicht gekommen. Die Beschwerdegegnerin begnüge sich einzig damit,
hervorzuheben, dass die unvollendeten Bauteile als solche nicht
bewilligungsfähig seien, zumal weder die vorgenommenen
Terrainveränderungen noch die erstellten Bauteile für sich allein bewilligt
werden könnten. Nicht geprüft worden sei hingegen, ob der Zustand
dereinst bewilligungsfähig sei. Es liege also weder eine Baubewilligung
noch eine Bauverweigerung vor. Die Gemeinde habe ihre Pflicht zur
Durchführung eines Baubewilligungsverfahrens verletzt, zumal sie nicht
geprüft habe, ob der aktuelle und vorschriftswidrig gewordene bauliche
Zustand dereinst bewilligungsfähig sei. Da vor der Durchführung des
Restitutionsverfahrens zwingend ein Baubewilligungsverfahren
durchgeführt werden müsse und dies vorliegend nachweislich
unterblieben sei, hätte die Verfügung über die Rückbau- und
Wiederherstellungsmassnahmen vom 18. Mai 2020 nicht erlassen werden
dürfen und diese sei nur schon deshalb antragsgemäss aufzuheben.
4.3.1. Vorliegend steht fest, dass sich die Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung vom 18. Mai 2020 mit der Bewilligungsfähigkeit
der unvollendeten Bauteile auseinandergesetzt hat. Dabei ist – soweit
ersichtlich – unbestritten, dass die unvollendeten Bauteile als solche bzw.
die vorgenommenen Terrainveränderungen und die erstellten Bauteile
(Betonfundation für die Autoeinstellhalle) für sich alleine nicht bewilligt
werden können. Diesbezüglich scheint die Sach- und Rechtslage klar und
die Verletzung von materiellen Vorschriften offensichtlich (vgl. Art. 72
BauG sowie Art. 73 Abs. 1 KRG), weshalb die Beschwerdegegnerin
insoweit von einem separaten Sachentscheid über die nachträgliche
Bewilligungsverweigerung aus prozessökonomischen Gründen absehen
durfte (vgl. dazu vorstehende Erwägung 4.1).
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4.3.2. Umstritten ist allerdings die Frage, ob die Beschwerdegegnerin im
Rahmen des der Wiederherstellungsverfügung vorauszugehenden
nachträglichen Baubewilligungsverfahrens auch die dereinstige
Bewilligungsfähigkeit des vorschriftswidrigen baulichen Zustands bzw. die
Bewilligungsfähigkeit des die unvollendeten Bauteile integrierenden
Vorprojekts der Beschwerdeführerinnen hätte prüfen müssen. Bei der
Beantwortung dieser Frage gilt es zu beachten, dass Art. 94 KRG i.V.m.
Art. 60 f. der Raumplanungsverordnung für den Kanton Graubünden
(KRVO; BR 801.110) auf jene Fälle zugeschnitten ist, in denen ein
Bauvorhaben ohne Baubewilligung in Angriff genommen oder abweichend
von bewilligten Plänen oder Auflagen in der Baubewilligung ausgeführt
wird (vgl. Art. 60 Abs. 4 KRVO sowie die Arbeitshilfe des Departements
für Volkswirtschaft und Soziales [DVS] zum KRG, Kommentar zu Art. 94
KRG). Dies ist vorliegend nicht der Fall; vielmehr ist eine zuvor erteilte
Baubewilligung zufolge Nichteinhaltung der Bauvollendungsfrist von
Gesetzes wegen erloschen (vgl. Art. 91 Abs. 2 KRG; Urteil des
Bundesgerichts 1C_154/2017 vom 1. November 2017 E.4; VGU R 18 27
vom 22. Januar 2019 E.5.1, R 14 57 vom 1. Februar 2017 E.3c, R 16 52
vom 6. Dezember 2016 E.4a m.w.H.). Die Wichtigkeit der Begrenzung der
Geltungsdauer einer Baubewilligung folgt nicht nur aus der Kurzlebigkeit
von Sachverhalt und Rechtsordnung, sondern auch aus der faktischen
Bedeutung von Bauprojekten (vgl. VGU R 18 27 vom 22. Januar 2019
E.5.1, R 16 52 vom 6. Dezember 2016 E.4a m.w.H.). So können nicht
vollendete Bauten und Anlagen das Orts- und Landschaftsbild
verunstalten und sie bergen nicht selten ein Gefahrenpotenzial in sich (vgl.
Arbeitshilfe des DVS zum KRG, Kommentar zu Art. 91 Abs. 3 KRG). Nach
Auffassung des streitberufenen Gerichts widerspräche es somit der ratio
legis von Art. 91 Abs. 2 und 3 KRG, wenn im Rahmen des der
Wiederherstellungsverfügung vorauszugehenden nachträglichen
Baubewilligungsverfahrens nicht nur die Bewilligungsfähigkeit der
unvollendeten Bauteile als solche, sondern (erneut) auch die
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Bewilligungsfähigkeit eines die unvollendeten Bauteile integrierenden
Bauprojekts geprüft werden müsste. Damit würde einzig dem Aspekt der
Kurzlebigkeit der Rechtsordnung Rechnung getragen, nicht aber den
übrigen, der Begrenzung der Geltungsdauer einer Baubewilligung
zugrunde liegenden Aspekten.
4.3.3. Im Ergebnis hat die Beschwerdegegnerin ihre Pflicht zur Durchführung
eines der Wiederherstellungsverfügung vorauszugehenden
nachträglichen Baubewilligungsverfahrens somit nicht verletzt.
5. Nach dem Gesagten war die Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 91
Abs. 3 i.V.m. Art. 94 Abs. 1 und 2 KRG grundsätzlich zuständig und
befugt, den materiell vorschriftswidrigen Zustand (vorgenommene
Terrainveränderungen und erstellte Bauteile [Betonfundation für die
Autoeinstellhalle]) mittels einer Wiederherstellungsanordnung zu
beseitigen. Das Vorliegen einer materiellen Gesetzesverletzung (vgl. dazu
vorstehende Erwägung 4.3.1) genügt für den Erlass einer
Wiederherstellungsverfügung indes noch nicht. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Anordnung der
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands im Einzelfall nämlich
unzulässig, wenn sie allgemeinen Prinzipien des Verfassungs- und
Verwaltungsrechts entgegensteht. Dazu gehören namentlich die in Art. 5
Abs. 2 und 3 sowie Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) festgehaltenen Grundsätze der
Verhältnismässigkeit und des Schutzes des guten Glaubens (vgl. BGE
136 II 359 E.6; Urteile des Bundesgerichts 1C_709/2020 vom 24. August
2021 E.4.1, 1C_344/2017 vom 17. April 2018 E.5.1). Im Einklang mit
dieser Rechtsprechung statuiert Art. 94 Abs. 4 KRG, dass von der
Anordnung einer Wiederherstellungsmassnahme abzusehen und
stattdessen eine Duldungsverfügung zu erlassen ist, wenn dies aus
Gründen des Vertrauensschutzes oder der Verhältnismässigkeit
angezeigt ist. Anhand dieser beiden Aspekte wird nachfolgend zu prüfen
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sein, ob die Wiederherstellungsverfügung der Beschwerdegegnerin zu
Recht ergangen ist oder ob diese – dem Antrag der
Beschwerdeführerinnen folgend – aufzuheben und auf eine
Wiederherstellungsanordnung zu verzichten wäre (zum Ganzen VGU R
19 82 vom 1. Dezember 2021 E.3.2, R 19 24 vom 12. Mai 2020 E.2.4, R
18 92 vom 21. April 2020 E.4.1).
5.1.1. Die Beschwerdeführerinnen berufen sich auf den Vertrauensschutz und
halten fest, sie hätten sich aufgrund der Ansetzung einer Frist für die
Einreichung eines Vorprojekts darauf verlassen dürfen, dass die
Beschwerdegegnerin zuerst über das Vorprojekt und erst dann über die
unvollendeten Bauteile entscheiden würde. Ihr Vertrauen sei in Bezug auf
die Überprüfung des Vorprojekts verletzt worden, indem die
Beschwerdegegnerin nach Aufforderung zur Einreichung eines
Vorprojekts dessen Überprüfung aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt
habe (vgl. Replik Ziff. 53). So habe am 30. Oktober 2019 längst
festgestanden, dass sich die Parzellen E._ und F._ in der
das ganze Gemeindegebiet umfassenden Planungszone befänden.
Dementsprechend seien sie davon ausgegangen, dass sich die
Beschwerdegegnerin dieses Umstands bewusst war und sie die Haltung
vertrat, ein Vorprojekt müsse im Rahmen der geltenden Vorschriften
grundsätzlich zulässig sein. Sodann habe es für die Beschwerdegegnerin
zu diesem Zeitpunkt anscheinend keine Rolle gespielt, dass der angeblich
rechtswidrige Zustand noch bis nach Abschluss des
Baubewilligungsverfahrens weiterbestehen würde. Gestützt auf dieses
Vertrauen hätten sie das im Recht liegende Vorprojekt entworfen, welches
sie am 29. November 2019 fristgerecht bei der Beschwerdegegnerin
eingereicht hätten. Die Beschwerdegegnerin habe mit ihrem Verhalten bei
den Beschwerdeführerinnen ein berechtigtes Vertrauen erweckt, das
geschützt werden müsse. Die Beschwerdegegnerin müsse sich
anrechnen lassen, dass sie sich auf ihren Entscheid verlassen hätten. Der
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Kausalzusammenhang zwischen dem Vertrauen und den getätigten
Dispositionen sei offensichtlich. Hätten sie nicht auf die Möglichkeit
vertraut, die bestehenden Bauteile in ein neues Projekt aufgehen zu
lassen, hätten sie ihre Bemühungen, der Beschwerdegegnerin ein neues
Bauprojekt zu präsentieren, schon längst aufgegeben. Die
Wiederherstellungsverfügung sei damit antragsgemäss vollständig
aufzuheben; an deren Stelle hätte eine Duldungsverfügung erlassen
werden müssen (vgl. zum Ganzen Beschwerde Ziff. 21 ff.).
5.1.2. Der in Art. 9 BV verankerte Grundsatz von Treu und Glauben verleiht einer
Person Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche
Zusicherungen oder in sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes
Verhalten der Behörden, sofern sich dieses auf eine konkrete, den
betreffenden Bürger berührende Angelegenheit bezieht. Verlangt wird,
dass die Person, die sich auf den Vertrauensschutz beruft,
berechtigterweise auf diese Grundlage vertrauen durfte und gestützt
darauf nachteilige Dispositionen getroffen hat, die sie nicht mehr
rückgängig machen kann. Schliesslich scheitert die Berufung auf Treu und
Glauben, wenn ihr überwiegende öffentliche Interessen entgegenstehen
(Urteil des Bundesgerichts 1C_151/2019 vom 8. Juli 2019 E.4 m.w.H.).
5.1.3. Vorliegend steht fest, dass die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführerinnen trotz der im Januar 2019 über das gesamte
Gemeindegebiet erlassenen zweijährigen Planungszone mit Schreiben
vom 30. Oktober 2019 eine Frist bis am 30. November 2019 einräumte,
um ein Vorprojekt einzureichen (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-
act.] 8). Die Beschwerdeführerinnen begründen die Verletzung des
Vertrauensschutzes damit, dass die Beschwerdegegnerin die
Überprüfung bzw. die materielle Beurteilung des Vorprojekts aus
fadenscheinigen Gründen, d.h. unter Hinweis auf die im Januar 2019 über
das gesamte Gemeindegebiet erlassene Planungszone, abgelehnt habe
(vgl. Bf-act. 9). Dabei verkennen sie allerdings, dass die
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Beschwerdegegnerin die Frage der Unterstellung des Vorprojekts unter
die Planungszone letztlich offengelassen und die Nicht-Beurteilung des
Vorprojekts wie folgt begründet hat (vgl. angefochtene Verfügung [Bf-
act. 4 Ziff.II.15 und 17] sowie Vernehmlassung Rz. 54): "Selbst wenn die
Baubehörde zeitnah ein neues Projekt bewilligen würde, besteht keine
Gewissheit, dass die unvollendeten Bauteile in naher Zukunft vollendet
werden. Die Bauherrschaft und die Grundeigentümerinnen haben keine
verbindlichen Aussagen gemacht oder Zusicherungen abgegeben
hinsichtlich der Projektfinanzierung und -realisierung." Dass die
Projektfinanzierung und -realisierung im Hinblick auf die materielle
Beurteilung des Vorprojekts relevant sein würden, musste den
Beschwerdeführerinnen aufgrund des Schreibens der
Beschwerdegegnerin vom 30. Oktober 2019 klar sein. So wurde darin
festgehalten, dass das Vorprojekt u.a. detailliert darüber Auskunft zu
geben habe, in welchem zeitlichen Rahmen das Projekt realisiert werde
und wie es um die Finanzierung des geplanten Projektes stehe. Zudem
wurde darauf hingewiesen, dass die Baubehörde unverzüglich über den
Rückbau der unvollendeten Bauteile entscheiden und eine entsprechende
Verfügung erlassen werde, sofern dem Gemeindevorstand bis am
30. November 2019 kein detailliertes Vorprojekt vorliege (vgl. Bf-act. 8).
Vor diesem Hintergrund durften die Beschwerdeführerinnen somit nicht
darauf vertrauen, dass die Beschwerdegegnerin zuerst über das
Vorprojekt und erst dann über die unvollendeten Bauteile entscheiden
würde. Schliesslich änderte die vorgängige Prüfung des Vorprojekts
(ausserhalb des der Wiederherstellungsverfügung vorauszugehenden
nachträglichen Baubewilligungsverfahrens) im Ergebnis ohnehin nichts,
zumal die Anordnung der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands
auch dann verhältnismässig wäre, wenn das Vorprojekt gutgeheissen
worden wäre (vgl. dazu nachstehende Erwägung 5.2.3.2).
- 17 -
5.2.1. Die Beschwerdeführerinnen rügen weiter, dass der Erlass der
Wiederherstellungsverfügung den Grundsatz der Verhältnismässigkeit in
grober Art und Weise verletze. Das vorliegend zu verwirklichende, im
öffentlichen Interesse liegende Ziel sei die Beseitigung des
vorschriftswidrigen Zustands. Darüber, dass der aktuelle Zustand nicht
haltbar sei, seien sich die Parteien einig. Ausserdem eigne sich der Erlass
der Wiederherstellungsverfügung zwar zur Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands; das schützenswerte öffentliche Interesse
(Ortsbild und Umweltschutz) könne allerdings auch mittels einer milderen
Massnahme verwirklicht werden. Wie im Schreiben vom 27. September
2019 ausführlich dargetan, würde der rechtmässige Zustand mit der
Integrierung der strittigen Bauteile in das neue Bauvorhaben ohne
Weiteres wiederhergestellt. Die Beschwerdegegnerin vermöge keine
stichhaltigen Argumente vorzubringen, weshalb sich die Verwirklichung
des Vorprojekts nicht eignen sollte, den rechtmässigen Zustand
wiederherzustellen. Mit Schreiben vom 28. November 2019 sei der
Beschwerdegegnerin zugesichert worden, dass das neue Bauvorhaben
fremdfinanziert und das Vorhaben innert den gesetzlichen Fristen realisiert
werde. Mit diesen Angaben habe sich die Beschwerdegegnerin zu
begnügen, zumal kein Anspruch der Öffentlichkeit auf Einsicht in die
internen Angelegenheiten und die Geschäftsgeheimnisse der
Bauherrschaft bestehe. Sie hätten verbindlich zugesichert, dass sowohl
die Finanzierung als auch die zeitliche Komponente eingehalten würden,
das Projekt mithin fristgerecht verwirklicht werden könne.
5.2.2. Dem hält die Beschwerdegegnerin entgegen, es müsste Gewähr dafür
bestehen, dass die bauliche Integration der Bauruine unverzüglich erfolge,
damit die von den Beschwerdeführerinnen als mildere Massnahme
erwähnte Möglichkeit überhaupt in Betracht gezogen werden könnte.
Gemäss Rechtsprechung müssten Wiederherstellungsmassnahmen nach
Art. 91 Abs. 3 KRG nämlich sofort vorgenommen werden, denn die
- 18 -
Baubehörde sei von Gesetzes wegen gehalten, auch beim Vollzug von
Baubewilligungen – wozu die Beseitigung unvollendeter Bauteile nach
Ablauf der Bauvollendungsfrist gehöre – einheitlich und rechtsgleich
vorzugehen, um effizient Bauruinen verhindern zu können (vgl. VGU R 05
26 vom 27. September 2005 E.2 und 3). Vorliegend bestehe keine
Gewissheit, dass ein neues Bauprojekt möglichst schnell realisiert und die
Bauruine somit endlich beseitigt werde. Die Ausführungen der
Beschwerdeführerinnen überzeugten nicht und es reiche angesichts der
Vorgeschichte bei Weitem nicht aus, wenn – ohne jegliche Beweise –
behauptet werde, dass sowohl die Finanzierung als auch die zeitliche
Komponente eingehalten würden und das Projekt fristgerecht verwirklicht
werde. Solche Zusicherungen hätten die Beschwerdeführerinnen in den
vorangehenden Verfahren immer wieder abgegeben und kein einziges
Mal hätten sich die Zusicherungen bewahrheitet.
5.2.3.1. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit umfasst gemäss Lehre und
Rechtsprechung folgende drei Elemente, die kumulativ zu beachten sind:
Die Eignung, die Erforderlichkeit und die Zumutbarkeit einer Massnahme.
Gemäss dem Gebot der Erforderlichkeit einer Massnahme, welche
vorliegend umstritten ist, muss diese im Hinblick auf das im öffentlichen
Interesse angestrebte Ziel erforderlich sein; sie hat zu unterbleiben, wenn
eine gleich geeignete, aber mildere Massnahme für den angestrebten
Erfolg ausreichen würde (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 8. Aufl., Zürich/St.Gallen 2020, Rz. 527). Es ist das
mildestmögliche Mittel zu ergreifen, welches als ebenso wirksam
hinsichtlich der Zielerreichung wie die getroffene Massnahme zu
beurteilen ist (WIEDERKEHR/RICHLI, Praxis des allgemeinen
Verwaltungsrechts, Eine systematische Analyse der Rechtsprechung,
Band I, Bern 2012, Rz. 1793).
5.2.3.2. Angesichts der Vorbringen der Beschwerdeführerinnen gilt es also zu
prüfen, ob die Integration der unvollendeten Bauteile in ein neues
- 19 -
Bauvorhaben im Hinblick auf das im öffentlichen Interesse angestrebte
Ziel der Beseitigung des vorschriftswidrigen Zustands (Bauruine; Schutz
von Ortsbild und Umwelt) als ebenso wirksam zu beurteilen ist wie die
erlassene Wiederherstellungsverfügung. Wie die Beschwerdegegnerin zu
Recht festhält, wäre dies von vornherein nur dann der Fall, wenn die
Integration der unvollendeten Bauteile in ein neues Bauvorhaben
unverzüglich bzw. zeitnah erfolgen würde. Dies setzte insbesondere
voraus, dass hinsichtlich des neuen Bauvorhabens keine
Finanzierungsprobleme bestehen. Zwar trifft es zu, dass der
Beschwerdegegnerin im Begleitschreiben zum Vorprojekt vom
28. November 2019 Folgendes zugesichert wurde (vgl. Bf-act. 6): "Das
Projekt wird fremdfinanziert und dieses wird innert den gesetzlichen
Fristen realisiert." Angesichts dessen, dass der vorliegend zu beseitigende
vorschriftswidrige Zustand darauf zurückzuführen ist, dass das
ursprüngliche Bauprojekt aufgrund von Finanzierungsproblemen nicht
fristgerecht vollendet werden konnte (vgl. VGU R 18 27 vom 22. Januar
2019 sowie Urteil des Bundesgerichts 1C_151/2019 vom 8. Juli 2019), ist
es allerdings nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin die
erwähnte Zusicherung nicht als hinreichend erachtet und zum Schluss
gelangt, dass die Integration der unvollendeten Bauteile in ein neues
Bauvorhaben im Hinblick auf das im öffentlichen Interesse angestrebte
Ziel der Beseitigung des vorschriftswidrigen Zustands (Bauruine; Schutz
von Ortsbild und Umwelt) nicht als ebenso wirksam zu beurteilen ist wie
die erlassene Wiederherstellungsverfügung. Nach Auffassung des
streitberufenen Gerichts liegt damit keine Verletzung des
Verhältnismässigkeitsgrundsatzes vor, selbst wenn das neue
Bauvorhaben bewilligungsfähig wäre.
Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht festhält, haben die
Beschwerdeführerinnen auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren
keine über die erwähnte Zusicherung hinausgehenden, detaillierteren
- 20 -
Angaben zur Finanzierung und Projektrealisierung gemacht. Der
Umstand, dass die Beschwerdeführerinnen nach eigenen Angaben eine
neue Bauherrschaft aufgetrieben haben und ein neues Vorprojekt
ausarbeiten liessen (vgl. Replik Rz. 39), schliesst allfällige
Finanzierungsprobleme im Zusammenhang mit der Realisierung des
neuen Bauvorhabens nicht aus. So weicht das Vorprojekt nach Angaben
der Beschwerdeführerinnen nur minimal vom alten (unvollendeten) Projekt
ab bzw. es entspricht zu grossen Teilen dem ursprünglich geplanten
Projekt (vgl. Replik Rz. 34 und 5); die Ausarbeitung des Vorprojekts dürfte
damit nicht mit einem grossen finanziellen Aufwand – jedenfalls nicht im
Vergleich zu einer allfälligen Bauausführung – verbunden gewesen sein.
Schliesslich gilt es darauf hinzuweisen, dass die Auskunft über die
Finanzierung des neuen Projekts nicht im Zusammenhang mit der Frage
der Bewilligungsfähigkeit des Bauvorhabens (als Voraussetzung für die
Erteilung einer Baubewilligung), sondern der Verhältnismässigkeit der
Wiederherstellungsverfügung verlangt wurde. Vor diesem Hintergrund
erübrigt sich die Beantwortung der Frage, ob die Zusicherungen der
Beschwerdeführerinnen zur sichergestellten Finanzierung und der
Einhaltung des Zeitplans die entsprechenden Anforderungen an ein
Vorprojekt erfüllen bzw. ob es eine Rechtsgrundlage für die Einsicht in die
Finanzen der Bauherrschaft sowie die Finanzen ihrer Investoren gibt (vgl.
Replik Rz. 58 f.).
5.3. Im Ergebnis ist die Wiederherstellungsverfügung somit zulässig, d.h. die
Beschwerdegegnerin hat die Wiederherstellung des ursprünglichen
Zustands auf den Parzellen E._ und F._ zu Recht
angeordnet. Die Beschwerde gegen die Wiederherstellungsverfügung
erweist sich somit als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist. Die
Beschwerdegegnerin wird angewiesen, den Beschwerdeführerinnen ab
Rechtskraft des vorliegenden Gerichtsurteils eine (neue) angemessene
Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands anzusetzen,
- 21 -
zumal die angesetzte Wiederherstellungsfrist (bis 31. August 2020) in der
angefochtenen Verfügung vom 18. Mai 2020 bereits abgelaufen ist.
6. Neben der Beschwerde gegen den Entscheid der Beschwerdegegnerin
vom 18. Mai 2020 (Wiederherstellungsverfügung) reichten die
Beschwerdeführerinnen mit Eingabe vom 17. Juni 2020 auch eine
Rechtsverweigerungsbeschwerde ein. Darin rügen sie, dass die
Beschwerdegegnerin die materielle Prüfung des Vorprojekts verweigert
habe.
6.1. Von der allgemeinen Verwaltungsgerichtsbeschwerde unterscheidet sich
die gegen eine Gemeinde gerichtete Rechtsverzögerungs- und
Rechtsverweigerungsbeschwerde insofern, als in diesem Fall kein
anfechtbarer Entscheid vorliegt, weil eine Gemeinde untätig bleibt oder
das gebotene Handeln über Gebühr hinauszögert, obgleich sie zum
Tätigwerden verpflichtet wäre. Solche behördlichen Unterlassungen setzt
Art. 49 Abs. 3 VRG den beim Verwaltungsgericht anfechtbaren
Entscheiden gleich. Durch diese gesetzliche Fiktion wird für formelle
Rechtsverweigerungen sowie Rechtsverzögerungen im Sinne von Art. 29
Abs. 1 BV ein taugliches Anfechtungsobjekt geschaffen, jedoch nur für
den Fall, dass der verweigerte bzw. verzögerte Entscheid beim
Verwaltungsgericht angefochten werden könnte (VGU U 19 18 vom
6. August 2020 E.1.2, U 16 36 vom 16. August 2016 E.1b, V 13 6 vom
4. November 2014 E.1b m.w.H.). Wird Art. 49 Abs. 3 VRG in diesem Sinne
als reine Verfahrensregel zum Anfechtungsobjekt verstanden, ergibt sich
daraus, dass die Rechtsverzögerungs- bzw.
Rechtsverweigerungsbeschwerde ansonsten grundsätzlich den gleichen
Anforderungen wie alle anderen Verwaltungsbeschwerden zu genügen
hat. Sie ist allerdings im Regelfall nicht an eine Rechtsmittelfrist gebunden.
Nur wenn die angegangene Behörde den Erlass eines anfechtbaren
Entscheids ausdrücklich ablehnt, ist der Beschwerdeführer gehalten,
seine Beschwerde innerhalb einer nach Treu und Glauben zu
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bestimmenden Frist einzureichen (VGU U 16 36 vom 16. August 2016
E.1b, V 13 6 vom 4. November 2014 E.1b m.w.H.).
6.2.1. Gemäss Art. 50 VRG ist zur Beschwerde legitimiert, wer durch den
angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an
seiner Aufhebung oder Änderung hat [...]. Zu einer Beschwerde wegen
Rechtsverweigerung ist berechtigt, wer ein schutzwürdiges Interesse
daran hat, dass die Instanz, welche der Vorwurf trifft, in der ihr
unterbreiteten Sache entscheidet. Ein Interesse ist i.d.R. nur
schutzwürdig, wenn es sich nicht nur bei der Beschwerdeeinreichung,
sondern auch noch im Zeitpunkt der Urteilsfällung als aktuell und praktisch
erweist (VGU R 14 82 vom 16. Dezember 2014 E.3 m.H.a. PVG 2009
Nr. 21 E.3a). Fällt eine Prozessvoraussetzung während der
Rechtshängigkeit weg, so ist das Verfahren grundsätzlich als
gegenstandslos abzuschreiben (vgl. BERTSCHI, in: GRIFFEL [Hrsg.], VRG-
Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Vorbemerkungen zu §§ 19-
28a Rz. 50 ff.). So sieht Art. 20 Abs. 1 VRG vor, dass die Behörde das
Verfahren als erledigt abschreibt, wenn im Laufe des Verfahrens das
rechtserhebliche Interesse am Erlass eines Entscheids in der Sache
wegfällt (vgl. auch Art. 9 Abs. 2 des Gerichtsorganisationsgesetzes [GOG;
BR 173.000]; zum Ganzen V 16 9 vom 13. Februar 2018 E.3a).
6.2.2. Den Ausführungen der Beschwerdeführerinnen ist zu entnehmen, dass sie
(nur) deshalb an einer materiellen Prüfung des Vorprojekts interessiert
sind, weil sie die Auffassung vertreten, dass bei einer Gutheissung des
Vorprojekts der Rückbau der unvollendeten Bauteile mangels
Verhältnismässigkeit nicht angeordnet worden wäre (vgl. etwa Replik
Rz. 52 f.). Wie den vorstehenden Erwägungen 5.2.1 bis 5.2.3.2 zu
entnehmen ist, wäre die Wiederherstellungsverfügung allerdings auch
dann verhältnismässig, wenn das neue Bauvorhaben bewilligt worden
wäre. Selbst wenn also die Rechtsverweigerungsbeschwerde
gutgeheissen und dem Antrag der Beschwerdeführerinnen um materielle
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Prüfung des Vorprojekts vom 28. November 2019 stattgegeben würde, so
erwüchse ihnen daraus kein praktischer tatsächlicher Nutzen, zumal dies
nichts an der Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung vom 18. Mai
2020 änderte (vgl. auch Vernehmlassung Rz. 55). Aufgrund des
Entscheids über die Beschwerde gegen die Wiederherstellungsverfügung
besteht somit kein Interesse mehr an einem Entscheid über die
Rechtsverweigerungsbeschwerde, weshalb das Verfahren insoweit als
gegenstandslos geworden abzuschreiben ist. Damit erübrigt es sich, die
weiteren Prozessvoraussetzungen sowie die materielle Begründetheit der
Rechtsverweigerungsbeschwerde zu prüfen.
6.2.3. Fällt das rechtserhebliche Interesse an einem Entscheid nicht wegen
Rückzugs, Anerkennung oder Vergleichs, sondern – wie vorliegend – aus
anderen Gründen weg (vgl. Art. 20 Abs. 1 VRG sowie Art. 9 Abs. 2 GOG),
wird der Prozess formell erst mit dem gerichtlichen
Abschreibungsbeschluss beendet. Da es unter Umständen unklar und
streitig sein kann, ob der Gegenstand des Rechtsstreits oder das
Rechtsschutzinteresse weggefallen ist, bedarf es diesbezüglich einer
entsprechenden gerichtlichen Feststellung (vgl. KILLIAS, in: Berner
Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Bd. II, Bern 2012,
Art. 242 Rz. 21 m.w.H.). Diesfalls ist der Abschreibungsbeschluss als
solcher anfechtbar (vgl. Urteile des Bundesgerichts 4A_223/2019 vom
16. Oktober 2019 E.1, 4A_249/2018 vom 12. Juli 2018 E.1.1).
7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens rechtfertigt es sich, die Kosten zu je
einem Drittel und unter solidarischer Haftung den (unterliegenden)
Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen (vgl. Art. 73 und Art. 72 Abs. 2
VRG; vgl. auch Art. 107 Abs. 1 lit. e der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272]). Gestützt auf Art. 75 Abs. 2 VRG
rechtfertigt es sich zudem, die Staatsgebühr auf CHF 4'500.-- festzulegen
(CHF 4'000.-- für den Endentscheid zzgl. CHF 500.-- für die Verfügung
vom 10. Juli 2020). Der in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegenden
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Beschwerdegegnerin steht gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG keine
Parteientschädigung zu.
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