Decision ID: 9bf4e3da-abe9-4bd6-ab9b-2824148343e5
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1966, meldete sich am 10. Mai 2004 wegen Rücken
beschwerden bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
13
/1)
. Nach Abklärung der
erwerblichen
und medi
zinischen Verhältnisse verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. Januar und Einspracheentscheid vom 2
5.
Oktober 2005 einen Rentenanspruch (Urk.
13
/21,
Urk.
13
/46). Die Versicherte erhob Beschwerde ans Sozialversiche
rungsgericht (Urk.
13
/49/3-7), welche mit Urteil IV.2005.01317 vom 3
1.
Oktober 2006 in dem Sinne gutgeheissen wurde, dass der angefochtene Einsprache
entscheid vom 25. Oktober 2005 aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, um den psychischen Gesundheitszusta
nd der Versicherten weiter abzu
klären (Urk.
13
/64). Die IV-Stelle
liess die Versicherte in der Folge
psychiatrisch
begutachten (Urk. 13/81)
und sprach ihr mit
Verfügung
en
vom 25. Februar 2009
basierend auf
einem Invaliditätsgrad von 78 %
mit Wirkung
ab dem 1
. September 2004 eine ganze Invalidenrente zu
(Urk. 13/97).
1.2
Nach einer ersten revisionsweisen Überpr
üfung des Rentenanspruchs (
Urk. 13/109 ff.) teilte die IV-Stelle der Versicherten am 1
5.
Dezember 2010 mit, sie habe weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente (
Urk.
13/114). Im Dezember 2012 leitete die IV-Stelle erneut e
in Revisionsverfahren ein (
Urk.
13
/119),
in dessen Verlauf sie insbesondere
beim
Y._
,
Z._
GmbH,
das
interdisziplinäre
Gutachten
vom
4
.
Novem
ber
2014
einholte
(Urk.
13
/142).
Gestützt auf das Abklärungsergebnis hob die IV-Stelle mit
Verfü
gung vom
12. Mai
2015
die
Invalidenrente auf Ende des der Zustellung der Ver
fü
gung folgenden Monats auf (Urk.
6/154
). Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil IV.2015.00675 vom 2
9.
Juni 2016 ab (
Urk.
13/171).
1.3
Am 2
9.
Oktober 2018 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
13/182 f.). Die IV-Stelle ordnete in der Folge eine ärztliche Begutachtung der Versicherten in den Fachbereichen Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie und Rheumatologie an (
Urk.
13/
187,
Urk.
13/192). Die Begutachtungsstelle
A._
in
B._
erstattete das Gutachten am
1
2.
Mai 2020 (
Urk.
13/199/1-163). Nachdem die IV-St
elle zum Gutachten eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen
Dienstes eingeholt hatte (Urk.
13/205/2-7)
,
erliess sie am
1.
Juli 2020 den Vorbescheid, mit dem sie der Versicherten in Aussicht stellte, den Leistungsanspruch abzuweisen (
Urk.
13/206). Gegen den vorgesehenen Entscheid erhob die Versicherte
am 1. September und am
9.
Oktober 2020
Einwände (
Urk.
13/208,
Urk.
13/210). Mit
Verfügung vom 2
6.
November 2020
wies
die IV-Stelle das Leistungsbegehren
wie angekündigt
ab (
Urk.
2 =
Urk.
13/212).
2.
Gegen die Verfügung vom 2
6.
November 2020 erhob die Versicherte mit Eingabe vom 1
5.
Januar 2021 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei ihr gegebenenfalls nach weiteren Abklärungen eine ganze Rente zuzusprechen (
Urk.
1).
Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerde
antwort vom 1
2.
April 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
12). Davon wurde der Versicherten mit Verfügung vom 1
5.
April 2021 Kenntnis gegeben und gleichzeitig wurde ihr entsprechend ihrem Ersuchen die unentgeltliche Prozess
führung bewilligt und
Rechtsanwalt
Dr.
Peter F. Siegen, Baden,
al
s unentgelt
licher Rechtsvertreter
bestellt (
Urk.
17).
Mit Eingabe vom
3.
Mai 2021 nahm die Versicherte erneut zur Sache Stellung (
Urk.
19), wovon der IV-Stelle am 2
7.
Mai 2021 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
20).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheides eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind
vorliegend - da der angefochtene Entscheid am 2
6.
November 2020 erlassen wurde -
die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.4
1
.4
.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines
Einkommensvergleich
s
zu bestimmen. Dazu wird
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen k
önnte (sog. Invalideneinkommen)
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4.3
Für die
Durchführung des Einkommensvergleichs
können nach der Rechtspre
chung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch heraus
gegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E
. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach
Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BG
E
142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
1.4.4
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbare Ein
kommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_118/2015 vom 9. Juli 2015 E. 2.1 mit Hinweis).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgegliche
nen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumut
bar ist. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leis
tungs
vermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesund
heitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungs
aufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhan
dene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeits
fähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt
davon ab, welcher Zeitraum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht (BGE 138 V 457 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Gemäss BGE 138 V 457 richtet sich der Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, nach dem Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbs
tätigkeit (E. 3.3). Als ausgewiesen gilt die medizi
nische Zumutbarkeit einer (Teil
)Erwerbs
tätigkeit, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuver
lässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 143 V 431 E. 4.5.
1; vgl. BGE 138 V 457 E. 3.4).
1.5
1.5
.1
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V
396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V
215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
.3
Wie in BGE 145 V 361 dargelegt, ist in allen Fällen durch die Verwaltung bezie
hungsweise das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist
erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befun
den, Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergeb
nisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also substantiiert darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen. Der psychiatrische Sachverständige hat darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeits
fähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person (E. 4.3; vgl. auch das zur Publikation vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2021 vom 17. November 2021 E. 6.2.1 mit Hinweis
).
1.5.4
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschä
digung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähn
lichen Erscheinung beruht. Hinweise auf solche und andere Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinns ergeben sich namentlich, wenn: eine erheb
liche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Ver
halten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charak
terisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sach
verständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im All
tag behaup
tet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, 131 V 49 E. 1.2, je mit Hinweisen). Wann ein verdeut
lichendes Verhalten (nur) verdeutlichend und unter welchen Voraussetzungen die Grenze zur Aggravation und vergleichbaren leistungshindernden Konstellationen überschritten ist, bedarf einer einzelfallbezogenen, sorgfältigen Prüfung auf einer möglichst breiten Beobachtungsbasis auch in zeitlicher Hinsicht (Urteil des Bun
desgerichts 8C_165/2021 vom 2. Juli 2021 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass solche Ausschlussgründe die Annahme einer Gesundheitsbeeinträchtigung verbieten, so besteht von vorn
herein keine Grundlage für eine Invalidenrente, selbst wenn die klassifikato
rischen Merkmale einer Störung gegeben sein sollten (vgl. Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG). Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen ver
selbständigten Gesundheitsschädigung auftreten, sind deren Auswirkungen derweil im Umfang der
Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281 E. 2.2.2, Urteil des Bundesgerichts 8C_165/2021 vom 2. Juli 2021 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Kons
tellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durch
führung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_520/2019 vom 22. Oktober 2019 E. 6.1 und 9C_371/2019 vom 7. Oktober 2019 E. 5.1.2).
2.
2.1
I
n der angefochtenen Verfügung
, worauf die Beschwerdegegnerin auch in der Beschwerdeantwort verwies (
Urk.
12), führte sie
aus,
die psychiatrische Begu
t
achtung habe ergeben, dass sich der psychische Gesundheitszustand zwar ver
schlechtert habe, indem nunmehr die Kriterien für eine depressive Störung mit mittelgradiger Ausprägung erfüllt seien. Eine psychotherapeutische Behandlung finde
aber nur
einmal
monatlich statt und d
ie Dosis der verordneten Medikamente liege
deutlich
unter dem Referenzbereich. Gemäss der rheumatologischen Unter
suchung bestehe aufgrund der bekannten degenerativen Veränderungen ein chro
nisches Panvertebralsyndrom. Anlässlich der Begutachtung sei eine erhebliche Verdeutlichungstendenz
bis hin zur Aggravation
aufgefallen.
Die Gutachter seien zum Schluss gelangt, dass der Beschwerdeführerin in einer angepassten, das heisst körperlich leichten und wechselbelastenden Tätigkeit ein Arbeitspensum von 70
%
zumutbar sei. Mit einer solchen Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin in der Lage, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen.
Auf dem ausge
glichenen Arbeitsmarkt stünden
geeignete Stellen
in ausreichender Anzahl zur Verfügung.
Es sei
nicht
anzunehmen, dass
die Verwertung der
Restarbeitsfähig
keit auf dem ersten Arbeitsmarkt
insbesondere aus Altersgründen erschwert sei
.
Die Beschwerdeführerin habe sei
t
der Rentenaufhebung im Jahr 2015 aus invali
ditätsfremden Gründen auf die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit verzichtet (
Urk.
2 S. 1 ff.).
2.2
2.2.1
Die Beschwerdeführerin macht geltend,
sie sei
seit vielen Jahren
krank. Andern
falls wäre s
i
e
weiterhin vollzeitlich in der Reinigungsbranche tätig
.
Nach der Einstellung der Invalidenrente im Jahr 2015 sei es zu einer gesundheitlichen Ver
schlechterung gekommen, so dass eine erneute Anmeldung zum Leistungsbezug erforderlich geworden sei. Von Anzeichen einer Verschlechterung sei auch die Beschwerdegegnerin ausgegangen
,
indem sie auf das Leistungsgesuch eingetreten
sei.
Gestützt auf das im Abklärungsverfahren eingeholte Gutachten sei die Beschwer
degegnerin zum Schluss gekommen, es bestehe keine rentenrelevante Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit. Tatsächlich aber könne auf das eingeholte Gutachten nicht abgestellt werden. Die Gutachter hätten einen übermässig strengen Massstab angelegt und die schwere Erkrankung als zu wenig erwerbs
relevant gewichtet.
Zu Unrecht seien sie von einer Verdeutlichung ausgegangen. Die deutlichen und zum Teil überdeutlichen Angaben zu den gesundheitlichen Beschwerden rechtfertigten keine solche Schlussfolgerung. Die Art und Weise
,
wie sich eine Person bei der Begutachtung äusser
e
,
könne nicht massgeblich für die Bewertung des Leidens sein. Bei Erwerbstätigen sei die Invalidität mittels eine
s
Einkommensvergleichs zu bestimmen. Die Berechnung der beiden Vergleichsein
kommen durch die Beschwerdegegnerin sei nicht nachvollziehbar. Selbst mit der ungünstigsten Berechnungsvariante resultiere bei korrektem Einkommensver
gleich ein Invaliditätsgrad von 41
%
.
Zum Aspekt der Verwertbarkeit der Rest
arbeitsfähigkeit sei zu beachten, dass sie (die Beschwerdeführerin) zwar erst 54 Jahre alt sei, jedoch bereits früher eine ganze Invalidenrente bezogen habe und auch weiterhin an verschiedenen, insbesondere somatischen Krankheiten leide. Nach der Aufhebung der Rente im Jahr 2015 habe sie keiner Erwerbstätigkeit nachgehen können. Im Gegenteil habe sich ihr gesundheitlicher Zustand sogar verschlimmert. Die genannten Gründe hätten dazu geführt, dass sie seit 2004 nicht mehr in den Arbeitsmarkt integriert sei. Aufgrund dieser langen Absenz sei nicht allein der ausgeglichene Arbeitsmarkt ausschlaggebend, sondern es sei auch der reale Arbeitsmarkt miteinzubeziehen. Insgesamt sei es an der
Beschwerde
gegnerin
zu beweisen, dass effektiv eine verwertbare Restarbeitsfähigkeit bestehe
(
Urk.
1 S. 6 ff. Rz 10 ff.).
2.2.2
In der Stellungnahme vom
3.
Mai 2021
hielt
die Beschwerdeführerin
daran fest, es
obliege hier
der Beschwerdegegnerin
den
Nachweis zu erbringen, dass die Rest
arbeitsfähigkeit verwertet werden könne.
Ebenso hielt die Beschwerdeführerin an der Auffassung fest, das im Abklärungsverfahren eingeholte ärztliche Gutachten sei
aufgrund gravierender Mängel
nicht verwertbar.
Tatsächlich sei sie weit über das von den Gutachtern festgestellte Mass in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Aufgrund ihrer Leiden somatischer und psychischer Art könne sie schlicht nichts mehr tun.
Die von den Gutachtern erwähnten Inkonsistenzen seien Verhaltens
auffälligkeiten im Zusammenhang mit der Persönlichkeitsstörung. Die überdeut
liche Beschreibung der Beschwerden dürfe nicht in dem Sinne nachteilig ausge
legt
werden
, dass sich diese effektiv nicht so gravierend auf die erwerblichen Fähigkeiten auswirkten. Effektiv habe sie keine persönlichen Ressourcen
,
um ihre Beschwerden zu überwinden
(
Urk.
19 S. 3 ff. R
z
3 ff.).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin erachtet das
A._
-
Gutachten
vom 1
2.
Mai 2020
, das die Fachgebiete Innere Medizin, Rheumatologie und Psychiatrie umfasst
,
als beweis
kräftig. Die Beschwerdeführerin hingegen vertritt den Standpunkt, es sei inhalt
lich mangelhaft, weswegen ihr die von den Gutachtern attestierte Restarbeits
fähigkeit nicht entgegengehalten werden könne.
Dieser Aspekt ist demgemäss zu prüfen.
Zusammengefasst kritisiert die Beschwerdeführerin, die Gutachter hätten einen übermässig strengen Massstab angelegt und die schwere Erkrankung als zu wenig erwerbsrelevant gewichtet, die Gutacht
er seien aufgrund
der
subjektiven Angaben zum Leiden
zu Unrecht von ei
ner Verdeutlichung ausgegangen und es sei unberücksichtigt geblieben, dass e
ffektiv keine persönlichen Ressourcen
vor
handen seien,
um
die Beschwerden zu überwinden. Daraus folgert die Beschwer
deführerin, es sei von einer weitaus höheren Beeinträchtigung der Arbeitsfähig
keit auch in einer angepassten Tätigkeit auszugehen.
3.2
Die unterzeichnenden Expertinnen und Experten,
D
res
. med.
C._
und
D._
, Fachärztinnen für Innere Medizin,
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Rheumatologie, sowie
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie (vgl.
Urk.
13/199/63-65), nannten in der inter
disziplinären Gesamtbeurteilung als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivieren
de
depressive Störung, bestehend seit Juli 2017, mit mehrheitlich höchstens mittelgradig ausgeprägten Episoden
(ICD-10 F33-1)
und ein chronisches
Panvert
e
bralsyndrom
mit vorwiegend
zervikospondylogener
Schmerzkomponente rechts bei
plurisegmentalen
degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule (HWS) und der Lendenwirbelsäule (LWS;
Urk.
13/199/57).
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie
das psychiatrische und das rheumatologische Fachgebiet betreffend insbesondere
akzen
tuierte (abhängige, histrionische) Persönlichkeitszüge mit starken Verdeut
lichungstendenzen bis Aggravation (ICD-10 Z73-1), sonstige belastende Lebens
umstände, die Familie und Haushalt negativ beeinflussen (Arbeitslosigkeit Ehe
mann; ICD-10 Z63-7), Probleme in Verbindung mit ökonomischen Verhältnissen (Fürsorgeabhängigkeit nach Aberkennung der Invalidenrente; ICD-10 Z59), chro
nische Schmerzen
respektive eine Halbseitenschmerzproblematik ohne organi
sches Korrelat
, eine Wirbelsäulenfehlhaltung und -
fehlform
(Hyperkyphose der oberen Brustwirbelsäule [BWS] mit
Kopfprotraktion
, Abflachung der LWS, links
konvexe BWS-Skoliose), eine Haltungsinsuffizienz und muskuläre Dysbalance sowie ein generalisi
ertes Fibromyalgiesyndrom (Urk.
13/199/57).
Ferner nannten die Gutachter verschiedene internistische Dia
gnosen, unter ande
rem:
Adipositas per magna
, chronische Obstipation, Status nach Ulcus duodeni (November 2012), Lebersteatose mit Hepatomegalie und Pankreassteatose, Ver
dacht auf eine Hypertonie, Dyslipidämie (seit August 2018), beidseitige
r
Katarakt, Hyperopie, Astigmatismus und Presbyopie,
Nephrolitiasis
(seit August 2017, asymptomatisch), Hämorrhoiden (seit Januar 2019) und latente Tuberkulose (seit
Mai 2019, unter
Isoniazid
-Behandlung mit fraglicher Compliance;
Urk.
13/199/57 f.).
3.3
Zu den
gestellten Diagnosen
hielten d
ie Experten
fest
,
aus internistischer Sicht
habe die Untersuchung
trotz der verschiedenen Diagnosen
keine Hin
weise
auf eine erwerbsrele
vante Beeinträchtigung ergeben
(
Urk.
13/199/58, Urk.
13/199/61)
; mithin verneinten die Gutachter diesbezügliche eine gesund
heitliche Veränderung
.
3.4
A
nders verhä
lt es sich aus rheumatologische Sicht.
Diesbezügliche
kame
n die Gutachter
zum Schluss, aufgrund der gestellten Diagnosen sei von
einer
funkti
onell
en Beeinträchtigung auszugehen, was zur Folge habe, dass folgendes Anfor
derungsprofil zu beachten sei: Die Beschwerdeführerin könne sehr häufig Gewichte bis zu 5 kg
auf Hüfthöhe
heben und tragen, manchmal Gewichte zwischen 5 und 10 kg und selten solche zwischen 10 und 15 kg. Das Heben und Tragen von Lasten über 15 kg sei nicht
mehr
zumutbar. Bis auf Brusthöhe könnten Gewichte bis zu 5 kg gehoben werden und selten solche über 5 kg. Mit Präzisionswerkzeugen könne die Beschwerdeführerin sehr häufig arbeiten und auch mit leichten Geräten könne sie sehr häufig arbeiten. Mit mittelschweren Geräten könne manchmal gearbeitet werden und mit schweren nie.
Die Hand
rotation sei unbeeinträchtigt. Die Beschwerdeführerin könne manchmal Über
kopfarbeiten ausführen und sie könne häufig ein
e
sitzende und
vornübergeneigte
Haltung einnehmen, manchmal eine stehende
vornübergeneigte
und manchmal eine kniende. Kauern könne sie selten. Sitzen sei länger möglich, längeres Stehen sei manchmal möglich, sofern die Möglichkeit bestehe, die Körperposition zu ver
ändern. Längere Gehdistanzen seien manchmal möglich, ebenso das Gehen auf unebenem Gelände. Treppensteigen sei manchmal zumutbar, das Besteige
n von Leitern hingegen gar nicht. In einer Tätigkeit, die diesen Anforderungen gerecht werde
,
sei der Beschwerdeführerin ein vollzeitliches Arbeitspensum zumutbar
(
Urk.
13/199/58 f.
,
Urk.
13/199/61
).
3.5
Auch aus psychiatrischer Sicht wird der Beschwerdeführerin von den
A._
-Gutachtern eine erwerbliche Beeinträchtigung attestiert.
Die Experten hielten fest,
aufgrund des diagnostizierten Leidens sei von eine
r
funktionellen Beeinträch
tigung auszugehen.
Einschränkungen bestünden namentlich hinsichtlich Planung sowie Strukturierung von Aufgaben und Tagesablauf, bei der Anpassung an Regeln und
Routinen, bei der Flexibilität und
der
Umstellungsfähigkeit, bei der Anwendung fachlicher Kompetenzen
,
bei der Entscheidungsfähigkeit
und bei der Spontanaktivität
.
S
ie verstehe viele Sachverhalte, werde aber bei den
Schluss
folgerungen mehrheitlich
durch innerpsychische Faktoren geleitet
, das heisst einerseits von ihren persönlichkeitsbedingten, abhängigen und histrionischen Zügen und andererseits durch den depressiv geprägten Pessimismus. Auch die Durchhaltefähigkeit sei beeinträchtigt. Die Beschwerdeführerin gebe schnell auf, einerseits wegen Ermüdung als Folge von Dekonditionierung und Depressivität, andererseits auch wegen der
seit
L
ange
m
bestehenden Krankheitsüberzeugung. Innerhalb der Familie könne sich die Beschwerdeführerin behaupten, im Arbeits
umfeld hingegen sei sie durch die Einnahme der Krankenrolle stark einge
schränkt. Die Kontaktfähigkeit
sei leichtgradig beeinträchtigt
. In der Gruppen
fähigkeit bestehe eine mittelgradige Einschränkung.
Hinzu komme die Müdigkeit aufgrund eines unregelmässigen Wach- und Schlafr
h
ythmus und
bei
fehlender Motivation infolge Krankheitsüberzeugung. Auch die Verkehrsfähig
keit sei leicht beeinträchtigt
(Urk.
13/199/59
).
Die Beschwerdeführerin sei insgesamt ängstlich, stimmungsl
abi
l und unselb
ständig. Sie brauche viel Rückhalt durch die Familie und zeige stark histrionische Verhaltensweisen. In der Familie setze sie sich mit ihren Bedürfnissen
aber
durch. Die Familienangehörigen näh
m
en ihr alles ab und pflegten sie wie eine körperlich Kranke. Sie sei fixiert auf ihre Krankenrolle und die damit verbunden
e
Schon
haltung in allen Belangen.
Insgesamt sei der Lei
den
sdruck bei der Beschwerde
fü
hrerin aber nicht derart, dass s
ie den Therapieoptionen, die
auch
ihren eigenen Beitrag voraussetzten, Folge geleistet hätte. Dabei verfüge die Beschwerde
führerin
über eine durchschnittliche Intelligenz.
Ihre Behauptung in der Unter
suchung, sie könne sich an verschiedenste Dinge nicht erinnern,
etwa
an das Geburtsjahr ihrer Söhne, seien nicht gla
ubhaft gewesen
. Nach Insistieren seien die Angaben denn auch korrigiert worden
.
Mit mangelnder Intelligenz lasse sich die Unselbständigkeit in allen Belangen nicht erklären. Die Beschwerdeführerin sei
denn auch
in der Lage gewesen, ausser Haus zu arbeiten, einen Haushalt zu führen un
d Kinder aufzuziehen. Ungünstig
seien die unzureichenden Deutsch
kenntnisse. Eine Ressource seien die intakten familiären Beziehungen
. Die Beschwerdeführerin sei sodann in der Lage gewesen, dem mehr als zwei Stunden dauernden Explorationsgespräch zu folgen
,
obschon dieses für sie anstrengen
d
gewesen sei. Sie habe aber über die gesamte Dauer die Gesprächsinhalte und das Geschehen im Untersuchungsraum genau registriert. Die Testung (Mini ICF) habe sodann ergeben, dass die funktionellen Einschränkungen nur teilweise durch die depressive Erkrankung bedingt seien
(
Urk.
13/199/60
,
Urk.
13/199/86
).
Im Laufe der Untersuchung hätten sich zahlreiche Hinweise au
f Inkonsistenzen gezeigt. Die Beschwerdeführerin gebe an, vor Schmerzen kaum gehen zu können, sei aber in der Lage
,
regelmässig mit Auto, Zug oder Flugzeug zu reisen. Die Schmerzäusserungen wirkten teilweise theatralisch und plakativ. Den Weg vom
Bahnhof zur Begutachtungslokalität
(
rund
500 Meter) habe sie zu Fuss zurück
legen können. Trotz angegebener Schmerzen gehe sie immer wieder im gesamten Untersuchungsraum umher
. Den
Weg
durch den Korridor
zur Toilette und zurück
habe sie zurückgelegt, ohne dass die Beschwerden zugenommen hätten. Einerseits stöhne und seufze die Beschwerdeführerin häufig vor Schmerzen, sobald sie allerdings abgelenkt sei, höre dies auf. Inkonsistente und widersprüchliche Angaben seien sodann zur Einnahme verordneter Medikamente gemacht worden, sowohl durch die Beschwerdeführerin selber als auch durch ihren Ehemann. Die Beschwerdeführerin habe sodann angegeben, sie könne die linke Körperhälfte nicht bewegen und dort nichts fühlen. Hingegen sei sie in der Lage gewesen,
sich
ohne Hilfe auszuziehen. Sie halte den linken Arm an den Körper gepresst
,
ohne ihn einzusetzen
;
unterstreiche sie
aber beispielsweise
mittels Körpersprache, dass sie etwas nicht wisse, zucke sie symmetrisch mit beiden Schultern und beiden Armen.
Zeitweise gehe sie hinkend, bei Ablenkung hingegen bewege sie sich völlig normal. Zudem habe sie während der Untersuchung nur einmal eine schmerzentlastende Position eingenommen, indem sie ihre Beine
etwas durch
gestreckt habe. Auch hinsichtlich der depressiven Problematik fänden sich Inkon
sistenzen. Die Beschwerdeführerin gebe an, sie leide an einer schlimmen Depres
sion, gegen die nichts helfe. Im Zeitpunkt der Begutachtung aber habe sie keine antidepressiven Medikamente eingenommen. Bereits 2016 seien anlässlich einer Blutentnahme keine Antidepressiva im wirksamen therapeutischen Bereich nach
weisbar gewesen.
Psychotherapeutische
Gespräche f
änden einmal pro Monat statt.
Zu diesen Sitzungen werde sie aber zu Übersetzungszwecken von einer nahen Verwandten b
egleitet. Auf dieser Basis sei eine effektive Behandlung
jedoch
nicht gewährleistet, da zum Beispiel eine freie Äusserung zu Konflikten in der Familie
nicht möglich sei
. Die Beschwerdeführerin selber bezeichne die Therapie als nutzlos. Die therapeutischen Möglichkeiten seien demnach nicht aus
geschöpft. Von einem Leidensdruck könne in dem Sinne ausgegangen werden,
dass
die Beschwerdeführerin
sich
in ihrer passiven K
rankenrolle und
ihrer
Krank
heitsüberzeugung gefangen fühle, was zu einem Teil ihre Verzweiflung als authentisch erscheinen lasse und insofern auch nicht von einem Krankheits
gewinn gesprochen werden könne. Allerdings sei der Leidensdruck nicht gross genug, dass die Beschwerdeführerin im Lauf der Jahre den Therapievorschlägen gefolgt wäre
(
Urk.
13/199/85 f.).
Aus psychiatrischer Sicht sei die bisherige Tätigkeit grundsätzlich angepasst. Auch in einer solchen Tätigkeit sei von einer Minderbelastbarkeit auszugehen. Die Beschwerdeführerin benötige vermehrte Pausen
aufgrund der verminderten Energie und der ver
minderten Durchhaltefähigkeit. Diese Pausen kö
nnten bis zu einer zusätzlichen Stunde in Anspruch nehmen. Bezogen auf ein Vollpensum könne sie zumutbarerweise ein solche
s
von 70
%
leisten. Da nach der Begutach
tung im Jahr 2014 eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit festgestellt worden sei, sei
insofern
von einer seitherigen Verschlechterung auszugehen. Der psychische Zustand habe sich
verändert
und die Arbeitsfähigkeit sei auf 70 % gesunken
(
Urk.
13/199/87
).
3.6
In der Gesamtwürdigung gelangten die
Experten zum Schluss,
bei der ange
stammten Tätigkeit als Reinigerin sei aus psychiatrischer und aus rheumatolo
gi
scher Sicht von einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
auszugehen
.
Dies
bezüglich
sei von einer Arbeitsfähigkeit von 60
%
auszugehen. In einer adaptier
ten Tätigkeit bestehe lediglich aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung. Diesbezüglich gelte allein die auf diesem Fachgebiet festgestellte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30
%
, mithin sei von einer Restarbeitsfähigkeit von 70
%
auszugehen (
Urk.
13/199/62).
4.
4.1
Formal genügt
das
A._
-Gutachten
den von der Praxis geforderten Grundsätzen
(vgl.
dazu BGE 134 V 231 E. 5.1 und Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen)
, das heisst
insbesondere
,
es
umfasst die im Vordergrund stehenden Fachgebiete Innere Medizin, Rheumatologie und Psychiatrie. Die Gutachter
verfügten über die notwenigen Fachkenntnisse und sie
haben die geklagten Beschwerden berücksichtigt und die Expertise in Kenntnis der Vorakten
und
der anamnestischen
Angaben sowie unter ausführlicher
Erhebung
der Befunde
abgegeben (
Urk.
13/199/6 ff., Urk. 13/199/22 ff.
, Urk.
13/199/66 ff., Urk.
13/199/89 ff.
). Was die qualitativen Aspekte betrifft, erhob die Beschwerdeführer
in
keine konkret substantiierten Einwände. Sie machte
vielmehr
in allgemeiner Weise
geltend, die Gutachter
hätten
einen zu strengen Massstab angelegt
,
und folgert, es sei tatsächlich von einer viel erheb
licheren erwerblichen Beeinträchtigung auszugehen.
Aus internistischer
und rheumatologischer
Sicht
kann dem Einwand
mit Blick auf die gestellten Diag
nosen
, insbesondere
bezüglich der
bei der letztmaligen Begutachtung im Jahr 2014 noch nicht bekannten
(
Urk.
13/142/12,
Urk.
13/142/29,
Urk.
13/199/41 f.,
Urk.
13/199/
57 f.
)
,
nicht gefolgt werden.
Ein funktionell deutlich beeinträchti
gendes Leiden, dass keiner Behandlung zugänglich wäre, liegt aus internistischer Sicht nicht vor. Aus rheumatologischer Sicht fallen
degenerative Abnützungen im Bereich der Wirbelsäule ins Gewicht, wobei den dadurch bedingten Ein
schränkungen mit einer Anpassung der mit einer beruflichen Tätigkeit verbun
denen körperlichen Belastungen begegnet werden
kann
(
Urk.
13/199/58 f. u. U
rk.
13/199/
61
). Für eine leidensangepasste, das heisst körperlich
leichte und wechselbelastende Tätigkeit, wie sie vom rheumatologischen Experten im Detail umschrieben wurde
(Urk.
13/199/1
13 Ziff.
7.4,
Urk.
13/199/1
15
Ziff.
8.2
)
,
ist demnach von einer nicht beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit auszugehen
.
4.2
Anlässlich der Begutachtung durch die Ärzte des
A._
fand im Gegensatz zur Begutachtung durch die Ärzte des
Y._
im Jahr 2014
weder eine neurologische noch
eine neuropsychologische Untersuchung statt (vgl.
Urk.
13/142/25 ff.), was zur Frage führt, ob aus diesem Grun
d von einer Mangelhaftigkeit der
jüngsten
Begutachtung
auszugehen ist. Zum einen ist zu beachten, dass die Ärzte des
Y._
seinerzeit weder aus neurologischer noch aus neuropsychologischer Sicht eine erwerbsrelevante Diagnose
gestellt hatten
(
Urk.
13/142/25
Ziff.
4.3.3, Urk.
13/142/28
Ziff.
4.4.3) und die aktuelle Begutachtung keine Hinweise darauf ergab, dass sich
diesbezüglich
zwischenzeitlich etwas geändert hat.
Dies
macht auch die Beschwerdeführerin nicht geltend. Somit ist es nicht zu beanstanden, dass im Neuanmeldeverfahren
weder die Beschwerdegegnerin bei der Erteilung des Auftrags für die Begutachtung noch hernach die Gutachterstelle, die
abschlies
send darüber entscheidet, welche Fachdisziplinen - neben den von der IV-Stelle gewünschten - im Einzelfall zu begutachten sind
(BGE 139 V 349 E.
3.3),
eine erneute Untersuchung in den Fachgebieten der Neurologie u
nd Neuro
psychologie für erforderlich erachteten.
4.3
Die psychiatrische Begutachtung betreffend macht die Beschwerdeführerin geltend
, die Gutachter hätten aufgrund der subjektiven Angaben zu den Beschwerden zu Unrecht auf
eine Verdeutlichung geschlossen. Z
u beachten sei, dass d
ie von den Gutachtern erwähnten Inkonsistenzen
tatsächlich
Verhaltens
auffälligkeiten im Zusammenhang mit der Persönlichkeitsstörung
darstellten
(
Urk.
1 S. 9 Rz 16,
Urk.
19 S. 4 f. Rz 7)
.
In dieser Hinsicht
fällt in Betracht, dass die Beschwerdeführerin gemäss Gutachten an keiner Persönlichkeitsstörung leidet, sondern
die Gutachter von
akzentuierte
n
Persönlichkeitszüge
n
entspre
chend den Kriterien der Internationalen Klassifikation Psychischer Störungen ICD-10 (Z73-1: Akzentuierte Persönlichkeitszüge
[abhängige und histr
ionische Züge]) ausgingen (Urk.
13/199/57,
Urk.
13/199/83). Z
wischen
eigentlichen
Diag
nosen und
den
Z-codierten Belastungsfaktoren
ist rechtsprechungsgemäss zu unterschei
den. Letztere können zwar den Gesundheitszustand beeinflussen und zu einer Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen, stellen aber
für sich
keine rechtserheblichen
Gesundheitsbeeinträchtigungen dar
(Urteile des Bundes
gerichts 9C-468/2015 vom 2
9.
Januar 2016 E. 3.2 und 8C_663/2010 vom 1
5.
November 2010 E 5.3).
4.4
Zu beachten ist des Weiteren, dass nicht aufgrund der subjektiven Beschwerde
schilderung auf eine Verdeutlichung geschlossen wurde, sondern aufgrund ver
schiedener
konkreter Verhaltensweisen
im Laufe der Begutachtung.
Die psychi
atrische Expertin wies
zusammengefasst
darauf hin, es bestünden erhebliche Diskrepanzen zwischen den angegebenen Beschwerden und den effektiven A
kti
vitäten und Bewegungen. Insbesondere unter Ablenkung
korrelierten
die Bewe
gungsabläufe
nicht mit den Schmerzangaben. Ebenso bestünden inkonsistente und widersprüchliche Angaben zur Einnahme von Medikamenten und den effek
tiv gemessenen Wirkstoffmengen im Blut. Trotz angegebener schwerer Depressi
onen erfolge keine medikamentöse Behandlung und nur eine unzureichende Gesprächstherapie
, die auch von der Beschwerdeführerin selber als nutzlos bewertet werde
. Vor diesem Hintergrund findet sich im Gutachten die
zutreffende
Schlussfolgerung, die therapeutische
n Möglichkeiten seien bezüglich d
es
psychi
sche
n
Leiden
s
noch nicht ausgeschöpft
(vgl. vorstehende E. 3.5
)
. Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass auf diese Darlegungen im Gutachten nicht abge
stellt werden könnte.
4.5
Zur Frage, inwiefern von einer Aggravation auszugehen ist, die die Annahme eines invalidisierenden Leidens verbietet, oder nur von einer Verdeutlichung, was
die Annahme einer
verselbständigten
Gesundheitsschädigung
nicht
von
vorn
herein ausschliesst
(vgl. vorstehende E. 1.5.4
), lässt sich dem Gutachten entneh
men, v
on einem Leidensdruck könne in dem Sinne ausgegangen werden,
dass
die Beschwerdeführerin sich in ihrer passiven Krankenrolle und Krankheitsüber
zeugung gefangen fühle, was zu einem Teil ihre Verzweiflung als authentisch erscheinen lasse und insofern auch nicht von einem Krankheitsgewinn gespro
chen werden könne. Allerdings
scheine
der Leidensdruck nicht
so
gross
zu sein
,
dass die Beschwerdeführerin im Lauf der Jahre den Therapievorschlägen gefolgt wäre (
Urk.
13/199/85 f.)
.
In einem gewissen Umfang wird der Beschwerdeführerin von den Gutachtern
somit
trotz klarer Verdeutlichung ein authentischer Leidens
druck und damit auch eine Limitierung der erwerblichen Ressourcen zuerkannt, die sie mit insgesamt 30
%
bezifferten.
Insofern liegt im Vergleich zur Begutach
tung im Jahr 2014 aus psychiatrischer Sicht eine Verschlechterung vor (vgl. Urk. 13/142/15 f.,
Urk.
13/142/29 f.).
Inwiefern
angesichts der klar ausgewiese
nen therapeutischen O
ptionen von einer dauerhaften Beeinträchtigung auszu
gehen ist, bleibt allerdings offen.
Zu beachten ist
allerdings
, dass
selbst
unter der Annahme der gutachterlich attestierten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30
%
in einer körperlich angepassten Tätigkeit
im Ergebnis kein
rentenrelevanter
Invaliditätsgrad
resultiert
(vgl. nachstehende E.
5
).
Aus Gründen der Verhältnis
mässigkeit
rechtfertigt es sich
daher
, auf
eine Indikatorenprüfung im Rahmen
des strukturierten Beweisverfahrens
und damit eine Validierung der von den Gutach
tern attestierten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
zu verzichten.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stufte die Beschwerdeführerin als Vollerwerbstätige ein (
Urk.
13/211/2), was unbestritten geblieben ist.
In der Folge ermittelte sie sowohl das Valideneinkommen als auch das Invalideneinkommen gestützt auf die Tabellenlöhne der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE). Das
Valideneinkommen bezifferte sie mit
Fr.
50'152.60 und das Invaliden
eikommen mit
Fr.
38'276.8
5.
Die daraus resultierende Ei
nkommenseinbusse von Fr. 11'875.
75 entspricht einem Invaliditätsgrad von 24
%
(
Urk.
2 S. 2, Urk.
13/204/1).
Die Beschwerdeführerin ist der Auffassung, als ungelernte Arbei
terin könnte sie ohne den Gesundheitsschaden ein Durchschnittseinkommen von rund F
r.
65'000.-- erzielen. Das Invalideneinkommen hingegen
betrage
selbst
unter Zugrundelegung der
un
zutreffenden gutachterlichen Einschätzu
ng nicht mehr als Fr.
38'276.8
5.
Somit belaufe sich der Invaliditätsgrad
auch
im ungüns
tigsten Fall auf 41
%
, weswegen sie mindestens Anspruch auf eine Viertelsrente habe (
Urk.
1 S. 10 f. Rz 19).
5.2
Einigkeit besteht zwischen den Parteien dahingehend, dass auch für die Ermitt
lung des Valideneinkommens auf die Tabellenlöhne zurückzugreifen ist. Die
Beschwerdegegnerin
begründet
dies überzeugend damit,
dass die letzte effektive Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin auf das Jahr 2003 zurückgeht (
Urk.
13/204/1).
Während die Beschwerdegegnerin auf den statistischen Lohn nach Berufsg
ruppen gemäss Tabelle T
17 zurückgreift (
Urk.
13/204/1)
,
ist die Beschwerdeführerin der Auffassung, für
das
Valideneinkommen seien die Löhne gemäss Tabelle TA1 der LSE massgeblich (
Urk.
1 S. 11).
Die Angaben der Tabelle
TA1
der LSE geben die
monatlichen Bruttolöhne (Zentral
wert) nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und G
eschlecht wieder, diejenigen der Tabelle T17 die statistischen Löhne nach Berufsgruppen im öffent
lichen und privaten Sektor.
Bis zum Eintritt des Gesundheitsschadens ging die
Beschwerdeführerin einer Beschäftigung in der Reinigungsbranche nach (
Urk.
13/1/5,
Urk.
13/4
) und m
it überwiegender Wahrscheinlichkeit hätte sich ohne den Eintritt des Gesundheitsschadens daran nichts geändert. Auch die Beschwerdeführerin nennt keine Gründe, weswegen nicht davon auszugehen wäre. Somit ist es nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin bei Ermitt
lung des
Valideneinkommens auf die
im Vergleich zur Tabelle TA1 präziseren
Angaben der
Tabelle T17 der LSE 2
0
18
abgestellt hat
, welche die Löhne für Reinigungspersonal und Hilfskräfte
aufführt
(Ziffer 91)
.
Gemäss Beschwerdegegnerin
beträgt der monatliche Lohn der Frauen
im Reini
gungssektor gemäss LSE 2018 T17 Ziffer 91
Fr.
4'009.-- (
Urk.
13/204/1). Effektiv betrug der durchschnittliche Monatslohn (Medianlohn) für weibliche Beschäftigte ab dem 5
0.
Altersjahr im Reinigungssektor gemäss LSE 2018 T17 Ziffer 91 Fr. 4'419.--. Angepasst an die betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41
.
7 Stunden im Jahr 2020 (
vgl.
Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, T03.02.03.01.04.01; abrufbar im Internet) und angepasst an die Nominallohnentwicklung der Frauenlöhne (
vgl.
Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Real
löhne, 2010-2020, T39: 2018: 2'732 u. 2020: 2'784; abrufbar im Internet) ergibt sich ein monatlicher Bruttolohn von Fr. 4'695.-- (
Fr.
4'419.-- : 40 x 41,7 : 2'732 x 2
’
784) respektive von
Fr.
56'340.--
jährlich
(
Fr.
4'695.-- x 12).
5.3
Die Beschwerdegegnerin legte das Inva
lideneinkommen ausgehend von dem
im
A._
-Gutachten festgelegten Anforderungsprofil für eine angepasste Tätigkeit gestützt auf den Zentralwert der Tabelle TA1 der LSE 2018 fest und passte diesen der betriebsüblichen W
ochenarbeitszeit an. S
ie errechnete auf diese Weise ein Einkommen von
Fr.
38'276.85
(
Urk.
13/204/1). Das Abstellen auf den Zentralwert der Tabellenlöhne
von Frauen im Kompetenzniveau 1, das heisst monatlich Fr. 4'371.--,
ist nicht zu beanstanden, da die Beschwerdeführerin aktuell keine
r
Erwerbstätigkeit nachgeht. Auch sie selber stellte dieses Vorgehen nicht in Frage (
vgl.
Urk.
1 S.
11). Angepasst an d
ie Nominallohnentwicklung (vgl.
Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 2010-2020, T39: 2018: 2'732 u. 2020: 2'784; abrufbar im Internet)
,
an
die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden
und an die zumutbare Arbeits
fähigkeit von mindestens 70
%
beläuft sich
das
jährliche
Invali
deneinkommen
auf mindestens
Fr.
39'005.-- (Fr.
4'371.
x 0.7
: 2'732 x 2'784
: 40 x 41.7 x 12
).
Anhaltspunkte für einen Abzug vom Tabellenlohn sind weder ersichtlich noch geltend gemacht.
Die Differenz zwischen dem Valideneinkommen von
Fr.
56'340.-- und dem Invalideneinkommen v
on
Fr.
39'005.-- beträgt Fr.
17'335.--, was einem Invaliditätsgrad von gerundet 31
%
entspricht.
5.4
In erster Linie unter Hinweis auf ihr Alter macht die Beschwerdeführerin geltend, die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit sei nicht mehr zumutbar
(
Urk.
1 S. 11 f
f
. R
z 20-22
). Der
Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird,
richtet sich recht
spre
chungsgemäss
nach dem Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer
Erwerbs
tätigkeit
. Als ausgewiesen gilt die medizinische Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuver
lässige Sachverhaltsfeststellung erlauben
(vgl. vorstehende E. 1.4.4). Die Aufhe
bung der Invalidenrente mit Verfügung vom 1
2.
Mai 2015 erfolgte vor dem Hintergrund, dass weder ein somatischer noch ein psychischer Gesundheits
schaden bestand, der die Arbeits- respektive Erwerbsfähigkeit beeinträchtigte (
Urk.
13/154,
Urk.
13/171/14)
. Damals hatte die 1966 geborene Beschwerde
führerin das 5
0.
Altersjahr noch nicht zurückgelegt. Seither hat sich die gesund
heitliche Situation zwar verändert, jedoch besteht für
eine
körperlich nicht belas
tende Tätigkeit
- wie im Gutachten vom 1
2.
Mai 2020 festgehalten -
weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von
jedenfalls
70
%
(vgl. vorstehende E.
3 f.
).
Im hier mass
gebenden Zeitpunkt
war die Beschwerdeführerin erst 54
Jahre alt und
sie
hat
noch
eine
hinreichend la
nge Erwerbszeit
vor sich
für ihre Selbsteingliederung.
Rechtsprechungsgemäss sind zudem die
Hürden für die Annahme einer Unver
wertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit älterer Menschen
relativ hoch (Urteil des Bundesgerichts
9C_500/2021 vom
9.
Dezember 2021 E. 6.1).
Es ist
vor diesem Hintergrund
nicht ersichtlich, weswegen der Beschwerdeführerin die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit auf dem für die Invalidenversicherung massgeblichen ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht
mehr
zumutbar sein sollte. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin seit der Aufhebung der Rente keiner erwerblichen Tätig
keit mehr nachgegangen ist,
ist aufgrund der gesamten Umstände
invaliditäts
fremden Gründen zuzuschreiben.
5.5
Da der Invaliditätsgrad 31
%
beträgt und die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit aus invalidenrechtlicher Sicht zumutbar ist, besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Die Abweisung des Leistungsbegehrens mit der angefochtenen Verfügung vom 2
6.
November 2020 ist demgemäss nicht zu beanstanden. Dies hat die Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde zur Folge.
6.
6.1
Gemäss
Art.
61 lit.
f
bis
ATSG
in Verbindung mit
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versiche
rungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- fest
gesetzt. Vorliegend erweist si
ch eine Kostenpauschale von Fr. 800
.-- als ange
messen. Ausgangsgemäss
sind die Kosten
der
Beschwerdeführerin
aufzuerlegen, jedoch zufolge gewährter unentgeltlicher Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.2
Nach Einsicht in die Honorarnote vom
8.
Juni 2021
(
Urk.
21)
, die einen der Sache angemessenen Aufwand von 10.2 Stunden und Barauslagen von
Fr.
36.15 aus
weist,
ist
Rechtsanwalt Dr.
Peter F. Siegen, Baden, für
seine Bemühungen als unentgelt
licher Rechtsvertreter
in vorliegendem Verfahren
unter Berücksich
tigung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.--
mit
Fr.
2'455.70 ([
Fr.
220.-- x 10.2 +
Fr.
36.15] x 107.7
%
), inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer,
aus der Gerichtskasse zu entschädigen (Auslagen und Mehrwertsteuer inbegriffen).
6.3
D
ie Beschwerdeführerin ist abschliessend auf
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Entschädigung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.