Decision ID: a354b830-3921-4a37-a24a-58077c0a2cfe
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Der 1931 geborene B._ (nachfolgend: Versicherter) war seit dem 29. Dezember
1978 bei der C._ in Z._ tätig und bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert. Das Arbeitsverhältnis bestand nach der ordentlichen Pensionierung
weiter. Am 26. Februar 2014 liess er der Suva melden, er sei am 1. Januar 2014
anlässlich eines Aufenthalts im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) im Krankenzimmer
gestürzt (Suva-act. II-3).
A.b Der Versicherte war am 26. Dezember 2013 ins KSSG eingetreten und blieb dort
bis 4. Februar 2014 hospitalisiert. Die Ärzte diagnostizierten mit Bericht vom 5. Februar
2014 (Suva-act. II-7) 1. ein diffuses Subduralhämatom mit Falxbeteiligung nach Sturz-
ereignis vom 1. Januar 2014 unter ASS, Plavix und prophylaktisch Liquemin, 2.
rezidivierende Synkopen ohne Prodromi unklarer Genese, 3. ein Erysipel Unterschenkel
links, 4. eine dialysebedürftige Niereninsuffizienz, 5. eine hypertensive, valvuläre und
koronare Herzkrankheit und 6. ein normokardes Vorhofflimmern (ED: 28. Januar 2013).
Am 4. Februar 2014 war der Versicherte in die Geriatrie des KSSG verlegt worden
(Suva-act. II-7), wo er bis zum 3. April 2014 hospitalisiert blieb (Suva-act. I-8). Danach
wurde er der Rehaklinik Y._ zugewiesen (Suva-act. II-41).
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A.c Die Suva erbrachte für den Sturz vom 1. Januar 2014 die gesetzlichen Leistungen
(Heilbehandlung und Taggeld; Suva-act. II-25).
B.
B.a Wegen eines Sturzes aus dem Rollstuhl mit Kopfanprall in der Rehaklinik Y._ am
14. August 2014 (Schadenmeldung UVG vom 8. September 2014; Suva-act. I-2) war
der Versicherte bis am 16. August 2014 auf der interdisziplinären Intensivstation des
Kantonsspitals X._ hospitalisiert, ehe er wieder nach Y._ verlegt wurde. Die Ärzte
des X._ vermerkten mit Bericht vom 15. August 2014 1. bei Sturz am 14. August
2014 – frischere subdurale Blutungsauflagerungen beidseits parietookzipital –
unveränderte subdurale Subduralhämatome beidseits frontal – eine offene, wenig
dislozierte Nasenbeinfraktur, 2. eine multifaktoriell bedingte Vigilanzminderung – bei
bihemisphärischen Subduralhämatomen mit Falxbeteiligung nach Sturz am 1. Januar
2014 – bei ausgeprägter vaskulärer Leukencephalopathie – bei generalisierter
Hirnathrophie – bei Status nach hyperaktivem Delir (Suva-act. I-9).
B.b Am 27. August 2014 kam es in der Rehaklinik Y._ zu einer plötzlichen und
unerwarteten Verschlechterung des Allgemeinzustands des Versicherten. Man
entschied sich für ein palliatives Vorgehen, stoppte die vorherige Medikation,
verabreichte Morphin und stellte die Peritonealdialyse ein. Am 28. August 2014
verstarb der Versicherte (Suva-act. I-8).
B.c Am 1. Juni 2015 teilte die Suva der Tochter des Versicherten mit, dass aufgrund
der neurologischen Beurteilung von Dr. med. D._, Fachärztin für Neurologie FMH,
Abteilung Versicherungsmedizin der Suva (Suva-act. II-95), die Todesursache nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden könne. Alle möglichen Ursachen
seien schlussendlich rein hypothetisch und wegen der komplexen Erkrankung und des
Alters des Versicherten nicht eindeutig festzulegen. Aus diesem Grund werde keine
Hinterlassenenrente ausgerichtet (Suva-act. I-19). Trotz Einwands von Rechtsanwalt D.
Husmann, Zürich, Rechtsvertreter der Witwe des Versicherten, A._, vom 24. Juni
2015 (Suva-act. I-20) verfügte die Suva am 15. Juli 2015 im Sinne ihrer Mitteilung vom
1. Juni 2015 (Suva-act. I-21).
C.
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Gegen diese Verfügung erhob der Rechtsvertreter von A._ am 14. September 2015
Einsprache (Suva-act. I-22). Mit Entscheid vom 4. Februar 2016 wies die Suva die
Einsprache bei Zustand der Beweislosigkeit ab (Suva-act. I-26).
D.
D.a Gegen diesen Entscheid liess A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit
Eingabe vom 7. März 2016 Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht des Kantons
Zürich erheben (act. G 1). In der Folge wurde die Beschwerde zuständigkeitshalber an
das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen überwiesen (Eingang am 21. April
2016; Suva-act. I-30 f.). Die Beschwerdeführerin liess beantragen, dass der
Einspracheentscheid vom 4. Februar 2016 aufzuheben und die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zu verpflichten sei, die gesetzlichen Leistungen aus der
Unfallversicherung zu erbringen. Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin eine Witwenrente auszurichten. Eventualiter sei ein unabhängiges
Gutachten zur Frage nach der Todesursache des Versicherten einzuholen. Alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1).
D.b In der Beschwerdeantwort vom 25. August 2016 beantragte die
Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt C. Leupi, Luzern, die Abweisung
der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheids. Die Kosten seien bei
Kostenlosigkeit des Verfahrens wettzuschlagen (act. G 7).
D.c Am 6. Januar 2017 reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine Replik
inkl. eines Aktengutachtens von Prof. Dr. med. E._, Facharzt für Neurologie, vom 19.
Juli 2016 ein (act. G 15 und 15. 1). Die Beschwerdegegnerin liess dazu in ihrer Duplik
vom 30. März 2017 Stellung nehmen (act. G 21).
D.d Mit Schreiben vom 4. Oktober 2017 informierte Rechtsanwalt M.B. Graf, St. Gallen,
das Versicherungsgericht dahingehend, dass die Beschwerdeführerin neu und mit
Wirkung ab sofort ihn mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt habe (act. G 23).

Erwägungen
1.
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Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss den Übergangsbestimmungen werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor Inkrafttreten der Änderung ereignet
haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend stehen Unfälle aus dem Jahr 2014 zur
Diskussion. Es finden daher die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen
Anwendung.
2.
2.1 Die Zusprechung von Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung setzt
grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalls, Nichtberufsunfalls oder einer
Berufskrankheit voraus (Art. 6 Abs. 1 UVG). Stirbt eine versicherte Person an den
Folgen eines versicherten Unfalls, so hat – unter anderem – der überlebende Ehegatte
grundsätzlich Anspruch auf eine Hinterlassenenrente (Art. 28 f. UVG). Vorliegend gilt es
deshalb zu prüfen, ob der Tod des Versicherten als Folge der versicherten Unfälle vom
1. Januar 2014 bzw. 14. August 2014 zu qualifizieren ist oder nicht.
2.2 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität,
Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht
zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser
Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht
erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher
Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen
Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person
beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne
dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1,
402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen). Die Leistungspflicht
des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und
dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der
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Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolgs zu gelten,
wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen
Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen
herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als
begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2, 125 V 461 f. E. 5a). Für die Beantwortung
der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der
Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten oder Expertinnen
angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber
eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten
Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181 E. 3.1, 123 III 110, 112). Bei physischen
Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE
134 V 111 f. E. 2.1, 127 V 103 E. 5b/bb).
2.3 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im
Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess
tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der
Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift
allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
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ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen, 138 V 221 f. E. 6).
2.4 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet und
nachvollziehbar sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit
weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder
in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen
Inhalt (BGE 134 V 232 f. E. 5.1, 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
3.
Es ist insbesondere streitig, ob die als Unfälle anerkannten Stürze vom 1. Januar 2014
und 14. August 2014 überwiegend wahrscheinlich als natürlich kausale (Teil)Ursache
für den am 28. August 2014 eingetretenen Tod des Versicherten zu qualifizieren sind.
3.1 Unstrittig haben die Stürze an sich und die damit erlittenen Beeinträchtigungen
(insbesondere die Subduralhämatome) nicht unmittelbar zum Tod des Versicherten
geführt. Nachdem der Unfallversicherer aber auch für indirekte bzw. mittelbare
Unfallfolgen haftet (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 23. Dezember 2008,
8C_444/2008, E. 5), bleibt zu prüfen, ob aufgrund der medizinischen Aktenlage
rechtsgenüglich erstellt ist, dass die Beeinträchtigungen durch die Stürze mittelbar das
Ableben des Versicherten in dem Sinne verursacht bzw. begünstigt haben, dass es
dazu ohne die Unfälle nicht in gleicher Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit gekommen
wäre. Zu dieser Frage äussern sich Dr. med. F._, Chefarzt/Ärztlicher Direktor der
Rehaklinik Y._, mit Berichten vom 11. September und 5. November 2014 (Suva-act.
II-72-3 ff., 79), Dr. D._ mit neurologischer Beurteilung vom 11. Mai 2015 (Suva-act.
II-95) und Prof. E._ mit Aktengutachten vom 19. Juli 2015 (act. G 15.1).
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3.1.1 Dr. F._ führt aus, dass das für den Tod entscheidende Ereignis akut am 27.
August 2014 aufgetreten sei, als der Versicherte einen plötzlichen Schmerz verspürt
und unter Atemnot gelitten habe. Aufgrund des plötzlichen Auftretens dieser
Symptomkombination aus Schmerzen und Dyspnoe sei eine Lungenembolie die
wahrscheinlichste Todesursache. Differentialdiagnostisch komme jedoch ein
Herzinfarkt in Frage. Woher die Schmerzen gekommen seien, habe nicht eindeutig
festgestellt werden können. Eine Verschlechterung infolge einer Hirnblutung könne aus
dem weiteren Verlauf ausgeschlossen werden, da in diesem Fall weitere neurologische
Ausfälle zu erwarten gewesen wären. Aufgrund der Vorgeschichte habe der Dienstarzt
als Todesursache eine Niereninsuffizienz festgehalten. Dies sei durchaus denkbar, da
es bei einer ungenügenden Nierenfunktion früher oder später zu einer Erhöhung von
Elektrolyten, zu Herzrhythmusstörungen und zu einem Herzstillstand komme. Da in
gemeinsamer Absprache mit der Familie des Versicherten nach dem akuten Ereignis
vom 27. August 2014 auf jegliche weitere Abklärung verzichtet worden sei, könne die
unmittelbare Todesursache letztlich nicht geklärt werden. Damit sei auch nicht klar, ob
der Versicherte an den Folgen des Ereignisses vom 27. August 2014 verstorben wäre,
hätte man alle medizinischen Massnahmen ergriffen. Die Frage einer Autopsie sei nach
dieser palliativen Situation nicht im Raum gestanden (Suva-act. II-79).
3.1.2 Dr. D._ führt an, dass mangels Autopsie ihre Erörterungen zur (direkten und
indirekten) Todesursache des Versicherten hypothetisch seien. Dies unter Beachtung
des Aspekts, dass richtungsweisend für das Versterben zu diesem Zeitpunkt der
Entscheid zum palliativen Vorgehen mit Beendigung der Dialyse gewesen sei. Auch sie
gehe eher von einer Lungenembolie als Ursache für die akute Verschlechterung aus
und dass diese vermutliche Lungenembolie letztlich aufgrund der Gesamtkonstellation
nachvollziehbar zum palliativen Vorgehen geführt habe. Ursache der allfälligen
Lungenembolie sei vermutlich das Zusammenspiel der sturzbedingten Beendigung der
oralen Antikoagulation mit Einfluss auf die Blutgerinnung (anzunehmend unabhängig
von der Gabe von low-dose Heparin) und der Immobilisation (Suva-act. II-95).
3.1.3 Prof. E._ führt aus, dass der erste Sturz zu einer richtungsgebenden
Verschlechterung des Gesundheitszustands mit beidseitigen Subduralhämatomen mit
Falxbeteiligung geführt habe. Folge des zweiten Sturzes sei eine erneute leichte
intracranielle Blutung gewesen, welche die Ärzte dazu bewogen habe, die Empfehlung
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abzugeben, die die Lungenembolie verhindernde orale Antikoagulation abzusetzen, um
wahrscheinlich bei weiteren allfälligen Stürzen eine erneute intracranielle Blutung zu
vermeiden. Somit habe das Sturzereignis vom 14. August 2014 zur Folge gehabt, dass
eine wichtige Therapie gegen Lungenembolien abgebrochen worden sei. Im Falle, dass
die Nieren¬insuffizienz bei sistierter Dialyse letztlich zum Tode geführt habe, sei zu
beachten, dass der Entscheid zur Sistierung wegen der Verschlechterung des
Zustands am 27. August 2014 erfolgt sei. Die Verschlechterung wiederum sei durch die
Lungenembolie eingetreten, welche überwiegend wahrscheinlich durch das Absetzen
der oralen Antikoagulation auf Empfehlung der Ärzte verursacht worden sei. Der Sturz
vom 14. August 2014 sei das Initialereignis einer nachfolgenden Kausalkette: Sturz vom
14. August 2014 – erneute intracranielle Blutung als Folge – Sistierung der oralen
Antikoagulation zur Vermeidung weiterer intracranieller Blutungen – als Folge davon
Lungenembolie – als Folge davon Sistierung der Dialyse – Tod durch Niereninsuffizienz
(act. G 15.1).
3.2 Die Berichte der drei verschiedenen Ärzte unterscheiden sich inhaltlich nicht
wesentlich, widersprechen sich gegenseitig nicht und beruhen auf umfassender
Würdigung sämtlicher Umstände. Es kann damit darauf abgestellt werden. Somit ist
erstellt, dass wegen des Unfallereignisses vom 14. August 2014 und der Folgen daraus
(intracranielle Blutung) die indizierte Medikation (orale Antikoagulation) sistiert wurde.
Gemäss den Arztberichten von Prof. E._ und Dr. D._ führte am wahrscheinlichsten
unter anderem diese Sistierung zu einer Lungenembolie (dafür sprechen das akute
Auftreten und die gestauten Halsvenen; Suva-act. II-72), welche letztlich das palliative
Vorgehen und den Tod zur Folge hatte. Damit war das Sturzereignis vom 14. August
2014 überwiegend wahrscheinlich zumindest mittelbar teilursächlich für den am 28.
August 2014 eingetretenen Tod des Versicherten. Ob der Tod letztlich durch eine
Niereninsuffizienz oder eine Lungenembolie eingetreten ist, ist für die Annahme einer
mittelbaren Teilkausalität nicht entscheidend. In dem Sinne ändert auch die lediglich
hypothetisch abgegebene Beurteilung von Dr. D._ in Bezug auf die Todesursache
nichts. Die von Prof. E._ beschriebene Kausalkette an sich hält auch Dr. D._ für die
wahrscheinlichste. Relevant ist, dass der Tod des Versicherten ohne die
Sturzereignisse überwiegend wahrscheinlich nicht in gleicher Weise bzw. im gleichen
Zeitpunkt eingetreten wäre. Anders gesagt können die Unfälle bzw. die damit
verursachten Gesundheitsschäden nicht weggedacht werden, ohne dass auch der am
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28. August 2014 eingetretene Tod des Versicherten entfiele. Der natürliche
Kausalzusammenhang ist damit rechtsgenüglich ausgewiesen, womit sich die Frage,
wer die Folgen einer Beweislosigkeit zu tragen hat, nicht stellt (vgl. vorstehende E. 3.3)
und Weiterungen sich erübrigen (vgl. zur antizipierten Beweiswürdigung nebst vielen
Urteil des Bundesgerichts vom 1. September 2016, 8C_467/2016, E. 3.3). Der
adäquate Kausalzusammenhang spielt rechtsprechungsgemäss bei physischen
Unfallfolgen (praktisch) keine Rolle (vgl. vorstehende E. 3.2) und ist ohne weiteres auch
gegeben. Das gilt grundsätzlich auch im vorliegenden Fall, nachdem die
Unfallfallversicherung auch für seltenste, schwerwiegendste Komplikationen haftet (vgl.
dazu Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007
sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 8. Oktober 2004, U 163/04, E. 2
mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin ist damit gestützt auf Art. 6 Abs. 1 UVG
grundsätzlich leistungspflichtig.
3.3 In der Annahme, dass die Adäquanz zu verneinen wäre, weil die Lungenembolie
und der Tod des Versicherten auch wesentlich aus dem krankhaften Vorzustand heraus
begünstigt wurden bzw. es nicht der allgemeinen Erfahrung entspricht, dass die
unfallkausalen Beeinträchtigungen vorliegende Kausalkette auslösen, entstünde eine
Leistungspflicht gestützt auf Art. 6 Abs. 3 UVG. Gemäss dieser Bestimmung hat die
Versicherung Leistungen für Schädigungen zu erbringen, die dem Verunfallten bei der
Heilbehandlung von Unfallfolgen zugefügt werden. Ein adäquater
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der bei der unfallbedingten
Heilbehandlung aufgetretenen Komplikation ist nicht erforderlich (vgl. ALEXANDRA
RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 85). Die orale Antikoagulation wurde wegen der Folgen des
Sturzereignisses vom 14. August 2014 (intracranielle Blutung) anlässlich der
Heilbehandlung gestoppt. Unter anderem aufgrund dessen kam es während der
Heilbehandlung überwiegend wahrscheinlich zur Lungenembolie bzw. kurze Zeit später
zum Tod des Versicherten. Art. 6 Abs. 3 UVG kommt daher zur Anwendung, selbst
wenn letztlich der Tod auch wesentlich auf krankhafte Vorzustände zurückzuführen ist
(BGE 118 V 286). Die Beschwerdegegnerin hätte damit auch gestützt auf Art. 6 Abs. 3
UVG eine Hinterlassenenrente zu erbringen.
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3.4 Insbesondere die vielen krankhaften Vorzustände (vgl. vorstehend lit. A.b) haben
dazu geführt, dass das Absetzen der indizierten Medikation wegen der Unfälle diese
Folgen bewirken konnten. In diesem Sinne war das Ableben des Versicherten nur teil-
weise auf ein versichertes Risiko zurückzuführen. Damit wird die Beschwerdegegnerin
über eine allfällige Kürzung der Witwenrente im Sinne von Art. 36 Abs. 2 UVG zu
befinden (vgl. ALEXANDRA RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER, a.a.O., S. 193)
und darüber zu verfügen haben. In Betracht fällt bei den gegebenen Verhältnissen auch
eine vergleichsweise Festlegung des Rentenbetrags (Art. 50 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
4.
4.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 4. Februar 2016 gutzuheissen. Die Sache ist
zur Prüfung und Ausrichtung der geschuldeten Leistungen (Hinterlassenenrente) an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.3 Die Beschwerdeführerin hat bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Es rechtfertigt sich, die Entschädigung – wie
in vergleichbaren Fällen üblich – auf pauschal Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzulegen.