Decision ID: edd8ee38-283b-4425-9f38-268eeec4e879
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
I._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank,
9313 Muolen,
gegen
AXA Versicherungen AG, General Guisan Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1950 geborene I._ war als Betreuerin bei der Stiftung A._, tätig und
dadurch bei der AXA Winterthur (vormals: "Winterthur" Schweizerische Versicherungs-
Gesellschaft) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie sich am
20. Mai 2004 eine Verletzung an der linken Schulter zuzog. Gemäss Unfallbeschreibung
des Versicherers war die Versicherte nach dem Einsteigen in einen Kleinbus noch mit
einer zu betreuenden Person beschäftigt, als der Bus abrupt anfuhr und sie mit der
linken Schulter frontal auf die Hintertür prallte (act. A1).
A.b Der erstbehandelnde Arzt stellte noch am Unfalltag eine komplikationslose
Prellung der linken Schulter ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (act. M1). Im
ärztlichen Bericht vom 29. September 2004 diagnostizierte Dr. med. B._, Spezialarzt
Innere Medizin FMH, chronische Schulterschmerzen nach Schulterkontusion links und
einen Status nach Kontusion der linken Hüfte am 20. Mai 2004. Seit dem Unfallereignis
bestehe bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. M2). Am 15. Dezember
2004 untersuchte Dr. med. C._, Innere Medizin/Rheumatologie FMH, die Versicherte
und führte am 16. Dezember 2004 eine diagnostische Schulterinfiltration von dorsal
durch. Ergänzend veranlasste sie ein MRI der HWS (18. Januar 2005) sowie ein Arthro-
MRI der Schulter links (15. Februar 2005). Im Bericht vom 7. März 2005 hielt Dr. C._
fest, dass bei der Versicherten seit 10 Jahren wechselnde Beschwerden am
Bewegungsapparat bestehen würden, welche sich zunehmend zu einem
Ganzkörpersyndrom halbseitenartig linksbetont entwickeln würden. Eine
Angstkrankheit sowie eine depressive Verstimmung sei bereits in einem
psychiatrischen Konsilium im Jahr 2001 festgehalten worden. Ebenso seien in den
Akten bereits seit 2001 wechselnd links- und rechtsseitige Cervicobrachialgien
erwähnt. Bezüglich Unfallkausalität der geklagten Beschwerden führte Dr. C._ aus,
dass die linksseitigen Schulter-Armbeschwerden mit grösster Wahrscheinlichkeit auf
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den Unfall vom 20. Mai 2004 zurückzuführen seien. Im Anschluss an die
Schulterkontusion sei es zu einer massiven und anhaltenden Schmerzexazerbation
gekommen, die vereinbar sei mit den auch im Arthro-MRI dokumentierten Befunden
einer fortgeschrittenen Tendinopathie der distalen Supraspinatussehne bei
vorbestehend degenerativem Impingement. Der Unfall mit direkter Schulterkontusion
könne als ausreichende Ursache einer Sehnenschädigung auf vorbestehend
degenerativer Basis angesehen werden. In der angestammten Tätigkeit als Pflegerin sei
die Versicherte 100% arbeitsunfähig. Aufgrund der Sehnenpathologie müsse mit
Schmerzen bis zu einem Jahr, evtl. auch länger, ab Unfalldatum gerechnet werden (act.
M6). Vom 9. bis 28. Mai 2005 erfolgte ein stationärer Aufenthalt in der Klinik Valens. Im
Austrittsbericht vom 17. Juni 2005 wurde u.a. ein Fibromyalgie-Syndrom bei 18
positiven Tender Points nach Unfall vom 20. Mai 2004 diagnostiziert (act. M9). Die IV-
Stelle des Kantons St. Gallen veranlasste beim Ärztlichen Begutachtungsinstitut (ABI),
Basel, eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten, wobei sich die AXA
Winterthur mit Zusatzfragen am Gutachten beteiligte. Das entsprechende Gutachten
datiert vom 23. September 2005 (act. M10).
A.c Mit Schreiben vom 4. Oktober 2005 teilte die AXA Winterthur der Versicherten mit,
dass gestützt auf die im ABI-Gutachten attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit, die Taggeldleistungen per sofort (30. September 2005)
eingestellt würden (act. A22).
A.d Mit Verfügung vom 7. Dezember 2005 verneinte die AXA Winterthur einen
Rentenanspruch, da der Invaliditätsgrad lediglich 4,77% betrage. Die Übernahme von
Heilbehandlungen ende per 31. Dezember 2005. Die zukünftigen Heilungskosten ab 1.
Januar 2006 würden zu Lasten der Krankenversicherung gehen (act. A33). Gegen diese
Verfügung erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am 8. Dezember 2005
Einsprache (act. A35).
A.e Am 12. August 2008 erfolgte eine weitere Untersuchung der Versicherten im ABI
in Basel. Das entsprechende Gutachten datiert vom 11. September 2008 (act. M13).
A.f Mit Einspracheentscheid vom 27. August 2009 wies die AXA Winterthur die
Einsprache ab (act. A50).
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B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die von Rechtsanwalt Krešo Glavaš, Muolen,
eingereichte Beschwerde vom 23. September 2009 mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid vom 27. August 2009 sei aufzuheben, der Beschwerdeführerin
seien sämtliche UVG-Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld, allenfalls Rente nach
Eintritt des definitiven Zustands) nach Massgabe der noch vorzunehmenden
medizinischen Begutachtung zu gewähren und die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, eine Integritätsentschädigung von mindestens 10% für die verbliebenen
Folgen der unfallbedingten Verletzungen, insbesondere der Partialruptur der
Supraspinatussehne, zu gewähren; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten
der Beschwerdegegnerin. Die Beschwerdegegnerin bleibe mindestens für die aus dem
Unfallereignis resultierende Partialruptur der Supraspinatussehne sowie die
beginnende Arthrose des AC-Gelenks leistungspflichtig. Gemäss Auskunft der
ehemaligen Arbeitgeberin würde die Beschwerdeführerin zum heutigen Zeitpunkt einen
Jahreslohn von Fr. 67'952.-- erzielen. Die Beschwerdeführerin selber sei sogar der
Ansicht, sie würde heute mindestens Fr. 70'000.-- verdienen. Der Leidensabzug sei
aufgrund der schwerwiegenden Problematik im linken Schultergelenk auf 10%
festzulegen. Es sei eine medizinische Begutachtung durchzuführen, um daraufhin
mindestens eine 10%ige Integritätsentschädigung zu gewähren.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 14. Januar 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Der Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung sei durch das ABI ausdrücklich verneint worden, da keine
wesentliche Einschränkung des Bewegungsumfangs oder eine fortgeschrittene
Arthrose vorlägen. Hinsichtlich der weiteren Heilbehandlung sei festzuhalten, dass
weder Dr. C._ noch die ABI-Gutachter weitere medizinische Massnahmen
vorgeschlagen hätten, von denen eine namhafte Verbesserung der Beeinträchtigung im
Bereich der linken Schulter zu erwarten wäre. Falls die Beschwerdeführerin für den
Einkommensvergleich von einem Valideneinkommen für das Jahr 2009 von Fr.
67'952.-- ausgehe, sei auch das Invalideneinkommen aus dem Jahr 2004 auf das Jahr
2009 hochzurechnen, wodurch weiterhin ein Invaliditätsgrad von unter 10% resultiere.
Ein Nachweis für ein weitaus höheres Valideneinkommen sei nicht aktenkundig. Ein
Leidensabzug von 5% berücksichtige die objektive gesundheitliche Einschränkung der
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Beschwerdeführerin hinreichend. Die verhältnismässig geringe unfallbedingte
Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit würde
keinen höheren Abzug zulassen.
B.c Mit Replik vom 15. Februar 2010 hielt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
an den gestellten Anträgen fest. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die
Beschwerdegegnerin beim Invalideneinkommen auf das Anforderungsniveau 3
abstelle, da die Beschwerdeführerin höchstens unqualifizierte Arbeiten durchführen
könne. Es sei mindestens ein Leidensabzug von 15% vorzunehmen, da insbesondere
bei Hilfsarbeiten beide Hände gebraucht würden.
B.d Mit Schreiben vom 10. März 2010 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine
Duplik.

Erwägungen:
1.
1.1 Als Anfechtungsgegenstand gilt das Objekt des angefochtenen
Einspracheentscheids. Dieses ist abzugrenzen gegenüber Gegenständen, über welche
im strittigen Entscheid nicht entschieden wurde. Nach der Rechtsprechung kann aus
prozessökonomischen Gründen eine Ausdehnung des Beschwerdeverfahrens auf eine
ausserhalb des Anfechtungsgegenstands liegende Frage erfolgen. Dabei müssen
bestimmte Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein; die neue Frage muss spruchreif sein
und mit dem bisherigen Streitgegenstand eng zusammenhängen, und es muss sich der
Versicherungsträger mindestens in Form einer Prozesserklärung geäussert haben (Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, Art. 61 Rz. 56).
1.2 Mit Schreiben vom 4. Oktober 2005 teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass die
Beschwerdeführerin gemäss ABI-Gutachten in einer leidensangepassten Tätigkeit
100% arbeitsfähig sei und daher die Taggeldleistungen per sofort eingestellt würden
(act. A22). In der Verfügung vom 7. Dezember 2005 ist die Einstellung der
Taggeldleistungen allerdings nicht Bestandteil des Dispositivs und wird im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 27. August 2009 auch nicht abgehandelt. Die
Taggeldeinstellung kann somit nicht zum Anfechtungsgegenstand der vorliegenden
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Beschwerde gezählt werden. Wie die folgenden Erwägungen zeigen werden, kann
offengelassen werden, ob im Rahmen einer Ausdehnung des Beschwerdeverfahrens
über die Einstellung der Taggeldleistungen zu befinden ist. Da im vorliegenden Fall der
Beginn des Rentenanspruchs zu bestimmen ist, enden spätestens zu diesem Zeitpunkt
die Taggeldleistungen ohnehin. In der Verfügung vom 7. Dezember 2005 wurde unter
Punkt 3 erwähnt, dass die medizinischen Voraussetzungen für die Zusprechung einer
Integritätsentschädigung nicht gegeben seien. Im Dispositiv wurde allerdings die
Verneinung einer Integritätsentschädigung nicht explizit genannt. Im angefochtenen
Einspracheentscheid ist ebenfalls lediglich in einem Nebensatz und ohne weitere
Begründung zu lesen, dass keine Integritätsentschädigung geschuldet sei. Die Frage
der Integritätsentschädigung bildet somit streng betrachtet auch nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens. Da die notwendigen Voraussetzungen für die Ausdehnung
des Anfechtungsgegenstands allerdings gegeben sind, kann vorliegend über die
Gewährung einer Integritätsentschädigung entschieden werden.
1.3 Zu prüfen gilt es somit, ob die Beschwerdegegnerin die weiteren
Heilbehandlungen ab 1. Januar 2006 nicht mehr zu übernehmen hat und ob sie zu
Recht einen Rentenanspruch sowie eine Integritätsentschädigung verneinte.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Entscheid die Kriterien für die
Leistungspflicht des Unfallversicherers, insbesondere die Voraussetzung eines
natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und
dem eingetretenen gesundheitlichen Schaden, hinreichend dargelegt. Ebenfalls
zutreffend sind ihre rechtlichen Ausführungen über den Anspruch auf eine
Rentenleistung. Darauf kann verwiesen werden.
2.2 Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige
Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise
arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Der Anspruch
auf Taggeld entsteht nach Art. 16 Abs. 2 UVG am dritten Tag nach dem Unfalltag und
erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer
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Rente oder mit dem Tod der versicherten Person. Der Rentenanspruch entsteht, wenn
von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands des Versicherten mehr erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit
dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19
Abs. 1 UVG).
3.
Dem ABI-Gutachten vom 23. September 2005 ist zu entnehmen, dass zumindest ein
Teil der bestehenden Schulterbeschwerden nach wie vor im natürlichen
Kausalzusammenhang zum Unfall vom 20. Mai 2004 stehen. Die Einschränkungen für
Tätigkeiten im Überkopfbereich dürften weitestgehend unfallbedingt sein. Da vor dem
Unfallereignis keine namhaften Schulterschmerzen bestanden hätten, sei der Status
quo ante nicht erreicht. Es sei davon auszugehen, dass bereits vor dem Unfall gewisse
degenerative Veränderungen an der linken Schulter bestanden hätten, die sich
allerdings nicht durch Schmerzen äusserten. Es könne allerdings nur vermutet werden,
wie sich diese Veränderungen beim natürlichen Verlauf bis heute entwickelt hätten, so
dass auch der Status quo sine nicht erreicht sei. Die übrigen geklagten Beschwerden
seien unfallfremd. Gestützt auf diese Aussagen anerkannte die Beschwerdegegnerin zu
Recht, dass zumindest noch ein Teil der geklagten Schulterbeschwerden auf den Unfall
vom 20. Mai 2004 zurückzuführen sind. Die Schlussfolgerungen der ABI-Gutachter sind
hinreichend begründet und nachvollziehbar. Ausserdem sind den vorliegenden
medizinischen Akten keine widersprechenden Berichte zu entnehmen (vgl. Gutachten
Dr. C._ vom 7. März 2005), weshalb auf die Ausführungen im ABI-Gutachten 2005
abgestellt werden kann. Da die Gutachter im Jahr 2005 explizit
unfallversicherungsrechtliche Fragestellungen beantworteten, im Jahr 2008 hingegen
das Gutachten hauptsächlich für die IV erstellt wurde und ausserdem das Gutachten
aus dem Jahr 2005 zeitlich näher beim zu prüfenden Rentenbeginn (1. Oktober 2005)
liegt, ist mehrheitlich - insbesondere bezüglich Kausalität, unfallbedingter
Arbeitsunfähigkeit und notwendiger Heilbehandlungen - auf das ältere Gutachten
abzustellen.
4.
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4.1 Während die Beschwerdegegnerin die Auffassung vertrat, dass von weiteren
medizinischen Behandlungen keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands zu
erwarten sei und daher einen Rentenanspruch per 1. Oktober 2005 prüfte, ist die
Beschwerdeführerin der Meinung, dass die Beschwerdegegnerin zumindest für die
somatischen Folgen im AC-Gelenk und für die Partialruptur der Supraspinatussehne
leistungspflichtig bleibe.
4.2 Im Gutachten vom 7. März 2005 führte Dr. C._ aus, dass mit einer stationären
Rehabilitation inklusive subakromialer Infiltration unter bildgebender Kontrolle eine
Verbesserung des Gesundheitszustands möglich sei. Unbedingt zu empfehlen sei auch
eine spezialärztliche psychiatrische Betreuung. Nach einem stationären Aufenthalt in
der Klinik Valens wurden im Austrittsbericht vom 17. Juni 2005 eine ambulante
Psychotherapie sowie die Fortführung des instruierten Heimprogramms empfohlen.
Dem ABI-Gutachten aus dem Jahr 2005 ist zu entnehmen, dass grundsätzlich eine
nochmalige detaillierte Evaluation der Situation im Bereich der linken Schulter möglich
wäre und im besten Fall auch zu einer Beschwerdereduktion führen könnte. Allerdings
sei zu bedenken, dass es bereits jetzt zu einer erheblichen Ausweitung der
Symptomatik über das organisch Erklärbare gekommen sei, die sich durch eine weitere
Heilbehandlung wohl nicht beeinflussen lassen dürfte. Somit müsse die Prognose
bezüglich des weiteren Heilverlaufs als offen bezeichnet werden. Selbst bei optimalem
weiterem Verlauf sei nicht mit einer namhaften Steigerung der Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit zu rechnen, wogegen eine angepasste Tätigkeit bereits jetzt
vollumfänglich zumutbar wäre. Diese Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
könne ohne weitere Therapiemassnahmen erhalten werden. Der Vertrauensarzt der
Beschwerdegegnerin, Dr. med. D._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, teilte im
Schreiben vom 7. November 2005 mit, dass sich aufgrund des ABI-Gutachtens keine
Indikationen zu weiteren wirtschaftlich und zweckmässigen medizinischen
Massnahmen bzw. Abklärungen ergeben würden (act. M12). Aufgrund dieser
medizinischen Aktenlage ist somit rechtsgenüglich belegt, dass spätestens Ende
September 2005 keine medizinischen Massnahmen mehr angezeigt waren, welche für
die unfallbedingten Beschwerden an der linken Schulter eine namhafte Verbesserung
bewirken könnten. An dieser Einschätzung vermag auch das Schreiben von Dr. med.
E._, Spezialarzt Orthopädie FMH, vom 16. November 2005 nichts zu ändern. Dr.
E._ führte aus, dass nach erfolgloser konservativer Behandlung nur noch die
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operative Revision der linken Schulter empfohlen werden könne. Eine Begründung oder
wie die Aussichten bezüglich einer namhaften Verbesserung sind, ist dem Schreiben
nicht zu entnehmen. Das ABI-Gutachten aus dem Jahr 2008 führt dazu nachvollziehbar
aus, dass hinsichtlich der linken Schulter im Dezember 2004 die Durchführung einer
subakromialen Infiltration zu einer Beschwerdezunahme geführt habe, sodass von
einem operativen Vorgehen keine Besserung zu erwarten sei.
4.3 Damit hat die Beschwerdegegnerin zu Recht ab 1. Oktober 2005 den Anspruch
auf eine Rente geprüft. Ob zu dieser Zeit noch Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung in Betracht fielen, ist entgegen dem Wortlaut von Art. 19 Abs. 1
UVG nicht relevant für den Zeitpunkt der Rentenprüfung. Denn gestützt auf Art. 30 Abs.
1 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) ist dort, wo nach Abschluss der
ärztlichen Behandlung im Sinn von Art. 19 Abs. 1 UVG der Entscheid der
Invalidenversicherung über die berufliche Eingliederung noch aussteht, eine
Übergangsrente auf der Basis der gegenwärtigen Erwerbsunfähigkeit auszurichten (vgl.
Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Auflage, Bern 1989, S. 371f). Die
Heilkostenübernahme endet grundsätzlich ebenfalls mit einem Rentenanspruch. Die
Beschwerdegegnerin hat die Kosten allerdings noch bis Ende Dezember 2005
übernommen. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, ob in den letzten drei Monaten vor
der Leistungseinstellung tatsächlich noch Kosten für Behandlungen übernommen
wurden. Zu beachten bleibt, dass die Beschwerdegegnerin trotz Prüfung der
Rentenfrage der Beschwerdeführerin noch Heilbehandlungen gemäss Art. 21 Abs. 1
UVG vergüten kann. Mit dem Rentenbeginn endet gemäss Art. 16 Abs. 2 UVG auch der
Anspruch auf Taggeldleistungen. Somit wäre auch die Einstellung der
Taggeldleistungen per Ende September 2005 nicht zu beanstanden. Auf weitere
Ausführungen diesbezüglich kann jedoch verzichtet werden, da wie bereits erwähnt
offengelassen wurde, ob die Einstellung der Taggelder Anfechtungsgegenstand des
vorliegenden Verfahrens bildet. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass spätestens ab
Ende September 2005 von weiteren medizinischen Massnahmen keine namhafte
Besserung mehr erwartet werden konnte und die Beschwerdegegnerin somit
spätestens ab diesem Zeitpunkt die Kosten für weitere Heilbehandlungen nicht mehr
übernehmen musste. Zu prüfen bleibt ein Rentenanspruch ab 1. Oktober 2005.
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4.4 Die Beschwerdeführerin beantragte in der Beschwerde vom 23. September 2009
die Durchführung einer weiteren medizinischen Begutachtung. Da nicht anzunehmen
ist, dass weitere Abklärungen für die Beurteilung des vorliegend relevanten
Sachverhalts neue Erkenntnisse bringen, kann darauf verzichtet werden (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 124 V 94 Erw. 4b; Pra 88 Nr. 117; SVR-UV 1996 Nr.
62.211).
5.
5.1 Gemäss ABI-Gutachten vom 23. September 2005 bestehe für die angestammte
Tätigkeit als Pflegerin in klassischer Form bleibend eine volle Arbeitsunfähigkeit. Für
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, die zudem keine Bewegungen im
Überkopfbereich oder eine übermässige Beanspruchung des linken Armes verlangen
würden, bestehe eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit.
Zu Recht ist zwischen den Parteien grundsätzlich unbestritten geblieben, dass die
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig ist.
5.2 Die Beschwerdegegnerin ermittelte gemäss Einspracheentscheid für das Jahr
2004 ein Valideneinkommen von Fr. 63'349.--, respektive unter Berücksichtigung der
Teuerung von 0.9% für das Jahr 2005 von Fr. 63'920.--. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin teilt in der Beschwerde mit, dass die Beschwerdeführerin gemäss
Auskunft der ehemaligen Arbeitgeberin heute ohne Gesundheitsschaden einen
Jahreslohn von Fr. 67'952.-- erzielen würde. Die Beschwerdeführerin selber sei der
Ansicht, dass sie heute Fr. 70'000.-- verdienen würde, da ihr dies versprochen worden
und sie bis zum Unfall eine gute Mitarbeiterin gewesen sei. Während die
Beschwerdegegnerin für das Valideneinkommen das Einkommen aus dem Jahr 2004,
respektive 2005 heranzieht, verwendet die Beschwerdeführerin den unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung aufgerechneten Wert für das Jahr 2009.
Entscheidend für den Einkommensvergleich ist, dass stets Werte aus derselben
Vergleichsperiode beizuziehen sind. Da somit eine Aufrechnung nicht zwingend zu
erfolgen hat, werden für die Berechnung des Invaliditätsgrads die Werte für das Jahr
2004 berücksichtigt. Die Behauptung der Beschwerdeführerin, wonach sie heute Fr.
70'000.-- verdienen würde, ist durch die vorliegenden Akten nicht ausgewiesen. Allein
der Umstand, dass sie bis zum Unfall eine gute Mitarbeiterin gewesen und ihr eine
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Lohnerhöhung versprochen worden sei, rechtfertigt es nicht, vom ausgewiesenen Lohn
abzuweichen. Gemäss dem Formular "Unfallmeldung UVG" hätte die
Beschwerdeführerin bei der Stiftung A._ im Jahr 2004 ein Jahreseinkommen und
somit ein Valideneinkommen von Fr. 63'349.-- (inkl. 13. Monatslohn) erzielt (act. A1).
5.3 Zu Recht sind sich die Parteien einig, dass für die Berechnung des
Invalideneinkommens auf die Tabellenlöhne der LSE abzustellen ist, da die
Beschwerdeführerin seit Ende November 2004 keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht.
Umstritten ist hingegen, welches Anforderungsniveau innerhalb der Tabellenlöhne
anzuwenden ist. Gemäss ABI-Gutachten vom 23. September 2005 bestehe für die
angestammte Tätigkeit als Pflegerin in klassischer Form bleibend eine volle
Arbeitsunfähigkeit. Für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, die zudem
keine Bewegungen im Überkopfbereich oder eine übermässige Beanspruchung des
linken Armes verlangen würden, bestehe eine zeitlich und leistungsmässig
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Somit wäre der Beschwerdeführerin auch eine reine
Behindertenbetreuung zuzumuten, sofern die genannten Bewegungen und der Transfer
von Patienten nicht durchgeführt werden müssten. Aufgrund dieser Ausführungen war
die Beschwerdegegnerin der Ansicht, dass die Beschwerdeführerin weiterhin als
Betreuerin arbeiten könnte und daher beim Invalidenlohn auf das Anforderungsniveau 3
(Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt) abzustellen sei. Dieser Schlussfolgerung
kann nicht gefolgt werden. Die Beschwerdeführerin war vor dem Unfallereignis als
Pflegerin tätig. Zu ihren Aufgaben gehörten u.a. auch Waschen sowie An- und
Auskleiden von Patienten, Putzen der Wohnungen und Wäsche in die Wäscherei
bringen. Diese Aufgaben kann sie aufgrund ihrer Einschränkungen an der Schulter
nicht mehr ausführen. Ausserdem benötigen die Patienten vielfach Unterstützung beim
Gehen, was der Beschwerdegegnerin ebenfalls nicht mehr möglich ist. Diese
genannten Arbeiten sind wesentliche Tätigkeiten einer Pflegerin. Es erscheint ziemlich
unwahrscheinlich, dass ein Arbeitgeber eine Betreuerin einstellt, welche die genannten
Tätigkeiten nicht ausführen kann und deshalb zusätzlich nochmals eine Pflegerin
einstellen müsste. Doch selbst wenn die Beschwerdeführerin eine solche Stelle als
Betreuerin finden würde, hätte sie bei dieser Tätigkeit sicherlich mit einer ganz
erheblichen Lohneinbusse zu rechnen, da sie die körperlich schwere Arbeit nicht mehr
verrichten könnte. Die Tätigkeit als Betreuerin eignet sich somit nicht für die
Berechnung des Invalideneinkommens. Vielmehr ist für die Ermittlung des
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Invalideneinkommens von einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit im
Anforderungsniveau 4 der Tabellenlöhne auszugehen. Im Jahr 2004 lag der
Durchschnittslohn für eine Frau bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden bei
Fr. 3'893.-- (LSE-Tabelle 1, Privater Sektor, Anforderungsniveau 4). Aufgerechnet auf
die 2004 vorherrschende durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden
ergibt sich ein Jahreseinkommen und somit ein Invalideneinkommen - ohne Abzug -
von Fr. 48'585.--.
5.4 Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Rechtsprechungsgemäss
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - insbesondere auch von
invaliditätsfremden Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (etwa leidensbedingte
Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen
sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25% festzusetzen ist. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt etwa in
AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Aufgrund der Tatsache,
dass die Beschwerdeführerin nur noch körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten,
die zudem keine Bewegungen im Überkopfbereich oder eine übermässige
Beanspruchung des linken Armes (Heben und Tragen von Lasten nicht über 5kg)
verlangen, ausüben kann sowie unter Berücksichtigung des fortgeschrittenen Alters der
Beschwerdeführerin (Jahrgang 1950), erscheint ein Leidensabzug von 10% als
angemessen. Das Invalideneinkommen beläuft sich demnach auf Fr. 43'727.--.
5.5 Aus der Gegenüberstellung des Validen- und des Invalideneinkommens ergibt
sich somit ein Invaliditätsgrad von gerundet 31%.
6.
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6.1 Erleidet eine versicherte Person durch einen Unfall eine dauernde erhebliche
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie Anspruch auf
eine angemessene Entschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Als dauernd gilt ein
Integritätsschaden, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in
gleichem Umfang besteht, und als erheblich, wenn die körperliche oder geistige
Integrität unabhängig von der Erwerbsfähigkeit augenfällig oder stark beeinträchtigt ist
(Art. 36 UVV; vgl. RKUV 1998 Nr. U 303 S. 354). Die Schätzung des Integritätsschadens
ist eine ausschliesslich ärztliche Angelegenheit. Die Skala der Integritätsschäden im
Anhang 3 zur UVV erlaubt es dem Arzt, grundsätzlich jede Integritätsentschädigung
annähernd vergleichbaren Integritätsschäden der Skala zuzuordnen. Trotzdem hat sich
in der Praxis ein Bedürfnis zur differenzierten listenmässigen Erfassung der
Integritätsschäden manifestiert. Der ärztliche Dienst der Suva hat in der Folge,
basierend auf der erwähnten Skala und unter Berücksichtigung dieser absolut
verbindlichen Werte, weitere Schätzungsgrundlagen in tabellarischer Form erarbeitet
(Mitteilungen der Medizinischen Abteilung der Suva Nr. 57 bis 59, Tabellen 1 bis 16).
Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze
dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als Ziffer 1 der Richtlinien im
Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Prozentsatz des
Integritätsschadens für den Regelfall gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach
unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich als Richtwerte angesehen
werden, mit denen die Gleichbehandlung aller versicherten Personen gewährleistet
werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 113 V 218; RKUV 1987
Nr. U 21 S. 328 und Nr. U 31 S. 438).
6.2 Im ABI-Gutachten vom 23. September 2005 äusserten sich die Gutachter zum
Anspruch auf eine Integritätsentschädigung. Gemäss Art. 36 Abs. 2 UVV und Anhang 3
der Verordnung sowie die daran angelehnten Suva-Tabellen 1 und 5 bestehe kein
Integritätsschäden, da weder eine wesentliche Einschränkung des Bewegungsumfangs
noch eine fortgeschrittene Arthrose objektiviert werden könne. Es würden sich keine
Hinweise ergeben, dass in Zukunft mit einer relevanten Verschlimmerung der Situation
gerechnet werden müsste. Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb nicht auf die
Einschätzung der ABI-Gutachter abgestellt werden könnte. Die unfallbedingten
Einschränkungen der Beschwerdeführerin an der linken Schulter, insbesondere die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
Partialruptur der Supraspinatussehne, rechtfertigen keine Ausrichtung einer
Integritätsentschädigung.
7.
7.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde der Einspracheentscheid vom 27. August 2009 - soweit die Invalidenrente
betreffend - aufzuheben und der Beschwerdeführerin ab 1. Oktober 2005 eine
Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrads von 31% auszurichten.
7.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
7.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Es rechtfertigt sich, diese mit Rücksicht auf
die Bedeutung der Streitsache, die Schwierigkeit des Prozesses und den betriebenen
Aufwand des Rechtsvertreters auf Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG