Decision ID: 71f3080d-d586-4195-986d-88acdb205a1c
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1965 geborene
X._
war zuletzt vom 1. bis 31. März 2016 als Chauffeur im Vollzeitpensum bei der
Y._
angestellt (Urk. 6/30, Urk. 6/37). Am
4. April 2016
meldete er sich
zur Arbeitsvermittlung an (Urk. 6/33) und am 10. Mai 2016
stellte
er
Antrag auf
Arbeitslosenentschä
digung
(Urk. 6/34). Mit Verfügung vom 26. Mai 2016 (Urk. 6/45) verneinte die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich (ALK) – unter Hinweis darauf, dass die Rahmenfrist für die Beitragszeit nicht erfüllt sei – die Anspruchsberechtigung ab dem 4. April 201
6.
Daran hielt sie auf Einsprache des Versicherten (Urk. 6/47, Urk. 6/52) hin am 21. September 2016 fest (Urk. 2).
2.
Gegen diesen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) erhob
X._
am
24. Oktober 2016 mit folgenden Anträgen Beschwerde (Urk. 1 S. 2):
"1.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
Nr. 429 der Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich vom 21. September 2016 sei aufzu
heben
, und es sei dem Beschwerdeführer ab 4. April 2016 die gesetzliche
Arbeitslosenentschä
digung
auszurichten.
2.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerde
gegnerin
.“
Die ALK schloss am
10. November 2016
auf Abweisung der Beschwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk.
5
), was dem
Beschwerdeführer
am
15. November 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Nach Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) gelten - soweit das Gesetz nichts anderes vorsieht - für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit zwei
jährige Rahmenfristen. Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind
(Art. 9 Abs. 2 AVIG), und die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (Art. 9 Abs. 3 AVIG)
.
Eine der gesetzl
ichen Voraussetzungen für den Anspruch auf
Arbeitslosenent
schädigung
besteht darin, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat (Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG).
Nach Art. 13 Abs. 2
lit
. c AVIG werden
unter ande
rem
auch Zeiten angerechnet, in denen der Versicherte zwar in einem Arbeits
ver
hältnis steht, aber wegen Krankheit (Art. 3 des Bundesgesetzes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
)
oder Unfalls (Art. 4 ATSG) keinen Lohn erhält und daher keine Beiträge bezahlt.
Die Rahmenfrist für die
Bei
tragszeit
beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die versicherte Person sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 AVIG).
1.1.2
Nach Art. 11 der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV)
zählt als
Beitragsmonat jeder volle Kalendermonat, in dem der Ve
rsicherte beitragspflichtig ist (Abs. 1).
Beitrags
zeiten
, die nicht einen vollen Kalendermonat umfassen
, werden zusammenge
zählt. Je 30
Kalendertage gelten als ein Beitragsmonat
(Abs. 2)
.
Die den
Bei
tragszeiten
gleichgesetzten Zeiten (
Art.
13
Abs.
2 AVIG) und Zeiten, für die der Versicherte einen Ferienlohn bezogen hat, zählen in gleicher Weise
(Abs. 3)
.
Die Beitragszeit von Teilzeitbeschäftigten wird nach den gleichen Regeln ermittelt wie bei Arbeitnehmern mit Vollzeitbeschäftigung. Übt der Versicherte gleich
zeitig mehrere Teilzeitbeschäftigungen aus, so wird die Beitragszeit nur einmal gezählt
(Abs. 4)
.
1.2
Von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind gemäss Art. 14 Abs. 1
lit
. b AVIG Personen, die innerhalb der Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3) während insgesamt mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeit
sverhältnis standen und die
Bei
tragszeit
nicht erfüllen konnten wegen Krankheit (Art. 3
ATSG
), Unfall (Art. 4 ATSG) oder Mutterschaft (Art. 5 ATSG), sofern sie während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz hatten.
1.3
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht
dürfen
eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mög
lich
keit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht.
Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen mög
lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte den Anspruch auf
Arbeitslosenent
schä
di
gung
ab dem 4. April 2016 mit der Begründung, der Beschwerdeführer sei innert der relevanten Rahmenfrist für die Beitragszeit während lediglich
11,52
Monaten einer beitragspflichtigen Beschäftigung nachgegangen (Urk. 2 S.
3 f., Urk. 5
S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
er
habe
wäh
rend des massgebenden Zeitraums
während
insgesamt
12,663
Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung
ausgeübt
und
sei demnach
durchaus anspruchs
berechtigt
.
D
as Arbeitsverhältnis mit der
Z._
habe nämlich
vom 1. Juni bis
(
mindestens
)
31. August 2014, mithin drei Monate, und nicht lediglich vom 15. Juni bis 22. August 2014
,
gedauert (Urk. 1 S. 3 ff.). Bei de
r
Y._
sei er
in der Folge
vom 10. (und nicht erst
20.) August bis 31. Dezember 2015,
also
4,746
Monate, auf Abruf und daraufhin vom 1. Januar bis 31. März 2016 drei Monate lang i
m festen
Pensum angestellt gewesen
(S. 6 ff.)
.
3.
3.1
Nach Lage der Akten steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer in
der Rahmenfrist für die Beitragszeit
(
4. April 2014 bis 3. April 2016
)
vom 4. April bis 31. Mai 2014 (Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist bei – unge
rechtfertigter – fristloser Entlassung; vgl. etwa
Urk. 6/16,
Urk.
6
/19 S. 2, Urk.
6/25, Urk. 7/72)
, mithin
1,887 Monate
,
bei der
A._
und vom
1. Januar bis 31. März 2016 (3 Monate) bei der
Y._
einer bei
tragspflichtigen Beschäftigung nachgegangen ist
(Urk. 1 S. 3, Urk. 2 S. 3 f., Urk.
6/36 f., Urk. 6/39, Urk. 6/41
). Strittig ist indes, wie lange
der Beschwerde
führer bei der
Z._
beziehungsweise –
vor Beginn der Festanstellung im Januar 2016 im Rahmen des
im Jahr 2015
auf Abruf eingegangenen Arbeitsverhältnis
ses
– bei der
Y._
angestellt war.
3.2
3.2.1
D
ie Anstellung bei der
Z._
(im Zwischenverdienst)
im Sommer 2014
beruhte nach Lage der Akten auf einem mündlichen Arbeitsvertrag und wurde auch durch mündliche Kündigung beendet. D
en Bescheinigungen über
Zwi
schenverdienst
ist
zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer
bei der fraglichen Arbeitgeberin
im Juni (am 15., 1
6.
und 17.; Urk. 6/10), im Juli (am 3., 10., 1
6.
und 21.;
Urk. 6/13) und
im August
2014
(am 18., 2
1.
und 22.; Urk. 6/14)
Arbeitseinsätze auf
Abruf geleistet hat. Zwar reichte
der Beschwerdeführer
mit der Einsprache gegen die
Verfügung vom
26. Mai 2016 (Urk. 6/45)
eine vom 7. August 2016 datierende
, vom
Geschäftsführer der
Z._
, seinem Cousin (
vgl.
Urk. 1 S. 4),
unterzeichnete Bestätigung
ein, gemäss welcher er „in der Zeit vom 01.06.2014“ (bis zu einem nicht gennannten Zeitpunkt) in einem befristeten Arbeitsverhältnis auf Abruf
mit der
Z._
gestanden ha
t
(Anhang 1 zu Urk. 6/52).
Dass der Arbeitsvertrag schon per 1. Juni 2014 abge
schlossen worden war, ist damit indes nicht
rechtsgenüglich
dargetan, erscheint die fragliche Bestätigung doch angesichts der zeitlichen Gegebenheiten
(schrift
liche Bestätigung betreffend den exakten Beginn eines vor über zwei Jahren nur mündlich abgeschlossenen Vertrags auf Abruf mit erstem Einsatz erst Mitte des ersten Monats)
und des Verwandtschaftsverhältnisses zwischen de
m
Beschwer
deführer und dem Geschäftsführer
nicht als glaubhaft.
Anzufügen ist,
dass die Rechtsprechung für den Beginn
und das Ende eines Arbeitsverhält
nisses a
uf Abruf der effektiven Arbeitst
ä
t
igkeit hohes Gewicht beimisst und ein solches Arbeitsverhältnis regelmässig nicht mit formellem Vertragsbeginn, son
der
n
mit dem ersten Einsatz starten lässt (Urteil des Bundesgerichts 8C_20/2008 vom 2
6.
August 2008 E. 4.1, vgl. auch AVIG-Praxis ALE
Rz
B150a).
Insofern ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin erst ab dem ersten
Arbeits
einsatz
am 15. Juni 2014 von einer beitragspflichtigen Beschäftigung ausging.
Dass eine Befragung des Geschäftsführers
der
Z._
(Urk. 1 S. 5) zu einem anderen Ergebnis führte, ist nicht anzunehmen, weshalb darauf verzich
tet werden kann (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d mit Hin
weisen).
Was die Dauer der fraglichen Beschäftigung anbelangt, hielt die Arbeitgeberin auf dem Formular „Bescheinigung über Zwischenverdienst“ am 24. August 2014 – in sich widersprüchlich – fest, die versicherte Person sei (auf unbestimmte Zeit) noch bei ihr weiterbeschäftigt,
beantwortete indes auch die
Frage
nach dem Grund
der
(allfälligen)
Vertragsauflösung
, wobei sie angab
, es habe nie einen Vertrag gegeben (Urk. 6/14 S. 2).
Ob die
Beschäftigung
mit dem let
zten Arbeitsein
satz am 22. August
2014 endete (Beitragszeit von 2,26 Mona
ten)
oder – wie dies der Beschwerdeführer geltend machte (Urk. 1 S. 5) –
noch bis
(
„
mindestens
“)
31. August 2014
dauerte (Beitragszeit von 2,
5
33
Monaten),
kann, wie sich im Folgenden ergibt,
letztlich
offen bleiben.
3.2.2
Bei der
Y._
leistete der Beschwerdeführer zwischen dem 20. August und dem
31. Dezember 2015 jeden Monat Einsätze auf Abruf. Auch diesem Arbeitsverhältnis lag ein mündlicher Vertrag zu Grunde. Dass es schon per 1
0
. August 2015 eingegangen worden war, wie dies der Beschwerdeführer geltend macht
e (Urk. 1 S. 6)
, lässt sich zwar nicht gänzlich ausschliessen, erscheint angesichts des Fehlens
echtzeitlicher
entsprechender Dokumente und des erstmaligen Einsatzes am 21. August 2015 indes nicht als überwiegend wahrscheinlich.
Daran vermag die vom Beschwerdeführer im Rahmen des
Ein
spracheverfahrens
vorgelegte (undatierte) Arbeitgeberbescheinigung, gemä
ss wel
cher der
Arbeitsvertrag
per 10. August 2015 abgeschlossen worden war
(Anhang 2 zu Urk. 6/52)
, nichts zu ändern. Es erscheint nämlich nicht als glaubhaft, dass die fragliche Arbeitgeberin sich noch an das genaue Datum des Beginns des rund zwei Jahre zuvor mündlich geschlossenen Arbeitsvertrags zu erinnern vermochte.
Insofern
ist nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerde
gegnerin
für dieses Arbeitsverhältnis eine Beitragszeit von 4,373 Monaten anrechnete.
3.2.3
Was den am
9. Se
ptember 2014
erlittenen
Unfall
anbelangt (vgl.
Urk. 7/70)
,
stand
d
er
Beschwerdeführer
zum fraglichen Zeitpunkt
(unbestrittenermassen) in keinem Arbeitsverhältnis; eine Anrechnung von Beitragszeit gestützt auf Art. 13 Abs. 2
lit
. c AVIG fällt daher ausser Betracht (vgl. E. 1.1.2).
Da
die
Taggeldzah
lungen
der SUVA
(vgl. Urk. 7/84,
Urk. 7/129
)
nicht beitragspflichtig waren (vgl. AVIG-Praxis ALE des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO,
Rz
. A24) und damit auch
keine Beitragszeit zu begründen vermochten und
die
(
gänzliche
)
Arbeitsunfähigkeit
ab dem 9. September 2014
(vgl. Urk. 7/66
, Urk. 7/75 ff.
)
nach Lage der Akten höchstens bis Ende April 2015 bestand (vgl. Urk. 7/117, Urk. 7/121) und damit
die für eine Befreiung von der Beitragspflicht erforderli
che Mindestdauer von einem Jahr (E. 1.2)
nicht erreichte, ist das Ereignis vom 9. September 2014 für die Anspruchsberechtigung des Beschwerdeführers ab 4. April 2016 nicht von Bedeutung.
3.3
Nach dem Gesagten
hat d
er Beschwerdeführer, selbst
wenn man zu seinen Guns
ten davon ausgeht
, dass
die Beschäftigung bei der
Z._
erst am 31. August 2014
endete
,
in der relevanten Rahmenfrist vom
4. April 2014 bis 3. April 2016
nicht während mindestens zwölf, sondern
lediglich während
11,
793
Monaten
(1,887 Monate + 2,
533
Monate
+ 4,373 Monate
+ 3 Monate
)
eine beitragspflicht
ige Beschäftigung ausgeübt. Die Verneinung der
Anspruchs
be
rechtigung
ab 4. April 2016 erweist sich demnach als rechtens; die Beschwer
de ist folglich abzuweisen.