Decision ID: 7015b02a-9a10-5121-a768-60c9685f90d3
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1977
,
Mutter von zwei Kindern (Jahrgang 1996 und 1998
), war
zuletzt
seit
November
2007
als Küchenhilfe
im
Imbiss
ihres Eheman
nes und daneben als Hausfrau tätig (
Urk.
7/4
Ziff.
6.3.1 und 6.4.1
; Auszug aus dem individuellen Konto;
vgl.
IK-Auszug;
Urk.
7/9
). Unter Hinweis auf
seit
10 Jahren bestehende Rückenschmerzen, einen Knoche
n
t
umor und seit der Tren
nung
von ihrem Ehemann
bestehende psychische Probleme
,
meldete sich die Versicherte am
11. November 2012
bei der Invalidenversicherung zum
Leis
tungsbezug
an (
Urk.
7/4
Ziff.
7.2-3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und holte bei der
MEDAS Z._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
7. Januar 2015
erstattet wurde (
Urk.
7/39
).
Nach durchgeführtem
Vo
rbescheidverfahren
(
Urk.
7/40;
Urk.
7/44,
Urk.
7
/47
,
Urk.
7/57
) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 21. März 2016 einen Leistungsanspruch
(
Urk.
7/
59
=
Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am 28. April 2016
Beschwerde gegen die Verfügung vom
21. März 2016
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
ab August 2013 eine ganze Invalidenrente
zuzusprechen
(
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
31. Mai 2016
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
1
2.
Juli 2016
wurde
antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Zur Annahme der Invalidität nach Art. 8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127
V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26
Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, die neu postu
lierte Persönlichkeitsstörung
müsste
sich b
ereits früher bemerkbar gemacht
haben,
und
eine frühere
Dysfunktionalität
sei nicht beschrieben. Zudem sei kein traumatisie
rendes Erlebnis in der Kindheit oder
Adoleszenz
der Beschwerdefüh
rerin
bekannt. Dass sich die Persönlichkeitsstörung plötzlich nach der Trennung
vom Ehemann
entwickelt habe, sei nicht plausibel.
Nach wie vor stehe die Schmerzproblematik im Vordergrund. Eine erhebliche, von der Schmerzstörung losgelöste
,
schwere psychische Komorbidität mit star
ker
Dysfunktionalität
sei nicht erkennbar
,
und die Schmerzproblematik gelte als überwindbar.
P
sychische Störungen, welche durch soziale Umstände verursacht würden und bei Wegfall der Belastung wieder verschwänden
, würden
nicht als invalidenv
ersicherungsrelevant gewertet
. Es sei kein Gesundheitsschaden aus
gewiesen, der einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung be
gründe (S. 2).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwer
d
e (
Urk.
1) geltend,
auf das
MEDAS-
Gutachten sei abzustellen. Dies sei auch so vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
zunächst bestätigt worden
. Der Einschätzung der RAD-Ärztin
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Arbeitsmedizin und für All
gemeine Innere Medizin,
könne nicht gefolgt werden. Die Gutachter hätten be
stätigt, dass eine schwere abhängige Persönlichkeitsstörung im Vordergrund stehe und nicht die Schmerzproblematik
(S. 9
f
f
.
Ziff.
5-
6
).
Sie arbeite
derzeit lediglich in einem Pensum von 20
%
. Gemäss Angaben des Arbeitgebers, wel
cher ihr Cousin sei, sei ein höheres Pensum aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich
,
und ihre Leistung sei unterdurchschnittlich (S. 12
Ziff.
7). Zudem habe sie aufgrund eines Aufmerksamkeitsdefizites einen Autounfall erlitten und in der Folge ihren F
ahrausweis abgeben müssen. Es kö
nn
e
sich demnach bei einer Tätigkeit,
welche „hauptsächlich das Führen von Fahrzeugen beinhalten müsste“ - wie es die Gutachter formuliert hätten - nicht um eine optimal ange
passte Tätigkeit handeln (S. 13 unten).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen
Leistungs
anspruch
der Beschwerdeführerin verneint hat.
3.
3.1
Dr.
med.
B._
,
Praktische Ärztin
,
stellte in ihrem
Bericht
vom
18. Januar 2013 (
Urk.
7/12/5-10)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (
Ziff.
1.1)
:
rezidivierende depressive Störung mit psychosomatischer Auswirkung, ICD-10 F33, seit etwa 10 Jahren
unklarer
osteolytischer
Knochentumor im rechten
Acetabulum
mit
Dauer
schmerzen
im lokalisierten Bereich seit etwa 2006
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine
Haus
staubmilbenallergie
, eine
Atopie
, rezidivierende Oberbauchschmerzen, ein chronisch rezidivie
rendes Lendenwirbelsäulen (LWS)
-Syndrom, ein familiäres Kolon-Karzinom und eine Eisenmangelanämie (
Ziff.
1.1).
Dr.
B._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 15. Oktober 2010 bei ihr in Behandlung
,
und die letzte Kontrolle sei am 19. Dezember 2012 erfolgt (
Ziff.
1.2).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit a
ls Küchenhilfe habe vom 9. bis 2
9. April 2011 und vom 1. Oktober
bis 31. Dezember 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Es bestehe keine körperliche und psychische Belastbarkeit. Die bisherige Tätigkeit sei ihr nicht mehr zumutbar, da der Betrieb von ihrem getrennten Ehemann geführt werde und sie derzeit krank sei (
Ziff.
1.6-7).
Eine wechselbelastende Tätigkeit sei nach einer Rehabilitation im Umfang von 20 bis 40
%
möglich (
Ziff.
3).
Dr.
B._
führte aus, die Beschwerdeführerin lebe seit 1994 in der Schweiz, wo
hin
sie als Asylantin gekomme
n sei
.
Sie habe
sich hier integriert
und bisher im Familienbetrieb mit dem Ehemann im Restaurant vollzeitig gearbeitet
.
Ihren Angaben zufolge habe der Ehemann eine chronische Spielsucht und
verspiele
das mühsam
verdiente Einkommen der Familie
. Dadurch sei es in den Jahren zu erfolglosen Dauerkonflikten mit ihm gekommen. In dieser Phase habe die Be
schwerdeführerin ausgeprägte psychosomatische Beschwerden entwickelt und ununterbrochen gearbeitet. Ausweglos habe sie sich von ihrem Ehemann ge
trennt. Da das Restaurant, wo sie bisher gearbeitet habe, von ihrem Ehemann geführt werde, habe sie ihre Arbeit dort verloren
,
und durch die Erschöpfung nach jahrelangen Kämpfen habe sie eine reaktive Depression entwickelt
(
Ziff.
1.4).
3.
2
Dr.
B._
stellte in ihrem Bericht vom
24. Juni 2013 (
Urk.
7/22/1-6)
folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1)
:
depressive Symptomatik mit psychosomatischer Auswirkung, ICD-10 F33
Differenzialdiagnose
:
Burn
-o
ut
chronische Polyarth
r
algien unklarer Genes
e
seit etwa 10 Jahren
Differenzialdiagnose
:
beginnende Kollagenose bei fraglicher
Synovitis
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom rechtsbetont mit rezidi
vierenden Schüben von
Myogelosen
seit etwa 10 Jahren
unklarer
osteolytischer
Knochentumor rechts Os
Ilium
, bestehend seit 2006
Dr.
B._
nannte als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine E
isenmangelanämie, einen Vitamin-
D-M
angel, eine
Atopie
und eine
Haus
staubmilbenallergie
(
Ziff.
1.1).
Dr.
B._
führte aus,
d
ie bisherige Tätigkeit als Küchenhilfe sei der Beschwerde
führerin aufgrund von Schmerzen an multiplen Gelenken und der Wirbelsäule, welche sich bei längerem Stehen und Sitzen sowie schwerem Heben oder Tragen verstärkten, nicht mehr zumutbar
. Zudem sei sie
psychisch labil, emotional nicht belastbar, habe ein erniedrigtes Selbstwertgefühl und es kämen noch
Kon
zentrationsstörungen
hinzu.
Bei der
Arbeit
komme es zu einer
zunehmende
n
Schmerzsymptomatik mit psy
chischer Labilität
.
Nach einer Rehabilitationskur könne ein stufenweiser Wi
e
dereinstieg mit zwei Stunden täglich versucht wer
den (
Ziff.
1.6-7).
3.
3
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin, stellte in ihrem Bericht vom
24. Dezember 2013 (
Urk.
7/25/6-11)
fol
gende Diagnosen (
Ziff.
1.1)
:
chronisches
lumbospon
dylogenes
Schmerzsyndrom rechts
betont
Fehlhaltung, Haltungsinsuffizienz
diffuse
Myogelosen
Iliosakralgelenk
(
ISG
)
-Dysfunktion rechts
MRI-LWS vom 14. März 2013: Unauffällige ISG. Keine entzündlichen oder postentzündlichen Veränderungen an den ISG oder der Wirbel
säule. Keine Kompression neurogener Strukturen
leichte Segmentdegeneration
L4-S1, insbesondere mit Facetten
-
gelenks
arthrose
chronische Polyarthralgien unklarer Genese
Differenzialdiagnose
:
beginnende
rheumatoide Arthritis (
RA
)
, Kollage
nose
fragliche
Synovitis
MCP I rechts
Rheuma- und
Infektserologie
negativ
Röntgen der Hände vom 4. März 2013: Gelenksnahe
Osteopenie
, Ge
lenkspaltverschmälerung MCP
I beidseits, keine Usuren und Erosio
nen, keine Weichteilverkalkungen
MRI-Daumen beidseits vom 1
2.
April 2013: leichter Erguss und leicht vermehrtes
synoviales
Enhancement
MCP I. Arthrose PIP I rechts, links unauffällig
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
C._
ei
nen Knochentumor
am
OS
Ilium
rechts, eine
normochrome
und
normozy
täre
Anämie sowie einen Vitamin-D-
Mangel (
Ziff.
1.1).
Dr.
C._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 4. März 2013 bei ihr in Behandlung
,
und die letzte Kontrolle sei am 1
2.
November 2013 erfolgt (
Ziff.
1.2).
Die Patientin habe bis Ende 2012 im eigenen Imbiss gearbeitet. Für die bisherige Arbeitsunfähigkeit sei Auskunft beim betreuenden Hausarzt einzuholen. Die bisherige Tätigkeit sei noch zumutbar. Das Heben und Tragen von schweren Lasten von mehr al
s 15 kg sollte ver
mieden werden und die Tätigkeit
im Wechsel zwischen Sitzen, Gehen und Stehen stattfinden (
Ziff.
1.6-8). Mit der Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit könne gerechnet werden. Ab wann
,
könne erst nach den geplanten Therapien beziehungsweise nach der
chiroprak
tischen
Behandlung und gegebenenfalls einer stationären Rehabilitation ent
schieden werden (
Ziff.
1.9).
Aus rheumatologischer Sicht bestehe eine gute Diagnose.
Bei Diagnose 2 seien bisher keine weiteren entsprechenden objektiven Befunde für eine entzündliche Systemerkrankung festgestellt worden. Je nach Verlauf, bei Auftreten von
Sy
novitiden
oder
Tendosynovitiden
,
sollte eine erneute Beurteilung der
Patientin erfolgen (
Ziff.
1.4).
3.
4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, und
Psychologe
lic
. phil.
E._
,
stellten in ihrem Bericht vom
1
2.
Februar 2014 (
Urk.
7/26)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1)
:
anhaltende depressive Episode, leicht- bis mittelgradig
(ICD-10 F32.1)
,
be
stehend
seit April 2012
Nacken-,
Schulter-, und Rückenschmerzen
Dr.
D._
und
lic
. phil.
E._
führten aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 15. Juni 2012 bei ihnen in Behandlung
,
und die letzte Kontrolle sei am
28.
Januar 2014 erfolgt (
Ziff.
1.2).
Die Patientin nehme alle zwei Wochen psycho
therapeutische Konsultationen wahr (
Ziff.
1.5).
Seit dem 1. Juli 2012 bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Gastroange
stellte
eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
(
Ziff.
1.6).
Es sei
aktuell für die Patientin unmöglich, eine regelmässige Tätigkeit auszu
üben. Die depressiven Symptome wie Stimmungsschwankungen, Antriebslosig
keit, verminderte Konzentration und beeinträcht
igte Merkfähigkeit verhinderten
,
eine geregelte Arbeit bewältigen zu können. Hinzu komme die körperliche Müdigkeit, welche ihr eine Unsicherheit bereite und ihren Selbstwert beein
trächtige. Die Patientin sei aufgrund der psychischen Bes
chwerden zu 50
%
ar
beitsunfähig
(
Ziff.
1.7).
Die Beschwerdeführerin sei als zweitjüngstes Kind einer neunköpfigen
Bauernfa
milie
im ländlichen Gebiet aufgewachsen und habe die Primarschule besucht.
Ihre Kindheit beschreibe sie als unproblematisch
,
und sie sei von der Familie imm
er geliebt und geschützt worden
.
Von 1995 bis 2007 habe die Pati
entin nicht gearbeitet
,
und von 2007 bis Mai 2011 sei sie in der
Gastrobranche
vollzeitig tätig gewesen. Von Juli 2011 bis 2012 habe sie im Take-
a
way
zu 100
%
gearbeitet.
Seit Juli 2012 habe sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können.
Die
therapieresistenten Rückenbeschwerden
hätten bei ihr eine Depression ausge
löst
,
und sie könne emotional mit den zunehmenden Schmerzen und Be
schwerden nicht mehr umgehen.
Ihre Stimmungsschwankungen
hätten
die Be
ziehungen zu Hause
beeinfluss
t,
und v
or allem in den letzten Jahren habe sie mit dem Ehemann vermehrt Konflikte und finde keinen Ausweg mehr. Er sei auch früher ihr gegenüber gewalttätig gewesen.
Seit der Trennung im Juni 2012 erlebe sie vermehrt innere Konflikte und habe Schuldgefühle.
Sie könne sich das auch nicht erklären.
Sie leide seit April 2012 unter Schlafstörungen, körperli
chen Schmerzen, Antriebslosigkeit, körperlicher Müdigkeit und unter
Aufmerk
samkeitsstörungen
. Sie habe in den letzten Monaten keine Freude im Leben, fühle sich in ihrem Körper gefangen und denke manchmal an den Tod, jedoch verhindere die Existenz ihrer Kinder einen Suizid.
Dr.
D._
und
lic
. phil.
E._
führten aus,
die Beschwerdeführerin
leide stark unter Schmerzstörungen
. Die Stimmungsschwankungen beeinflussten den Grad des Schmerzes. Sie wirke meist antriebsarm und traurig und leide unter ihren impulsiven Handlungen, wie Wut- und Weinanfälle. Zwar sei kein Anzei
chen für akute Suizidalität festzustellen, sie habe aber oft aufgrund der körper
lichen Erschöpfung
eine Lebensmüdigkeit geäussert.
Sowohl die belastenden, negativen Lebensereignisse, als
auch ihr labiler Zu
stand sprächen
nicht für eine schnelle
Genesung des Zustandes
. Es sei weiterhin eine psychotherapeutische Behandlung indiziert. Erst in einem Jahr könne man über den Zustand der Patientin nochmals urteilen (
Ziff.
1.4).
3
.
5
3.5.1
Die Gutachter des
MEDAS-Z._
erstatteten am 7. Januar 2015 ihr polydisziplinäres Gutachten (
Urk.
7/39
/1-19
). Sie stellten
zusammenfassend
fol
gende Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähig
keit (
S. 17
Ziff.
4.1):
abhängige Persönlichkeitsstörung, ICD-10 F60.7
generalisierte Angststörung, ICD-10 F41.1
anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ICD-10 F45.40
leichte depressive Episode, ICD-10 F32.0
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, ab
er mit Krankheitswert
,
nannten sie
chronische Lumbalgien bei altersphysiologischen degenerativen Veränderungen der
Intervertebralgelenke
und Bandscheiben (MRI 14. März 2013) und bei leichter
Kyphoskoliose
der Brustwirbelsäule (
BWS
), eine ungenügende dynamische Stabilisierung der BWS bei Verdacht auf
eine
allge
meine muskuläre
Dekonditionierung
, eine lokalisierte Fibromyalgie im Nacken-Schultergürtelbereich, rechtsbetont, und verkürzte
M
usculi
scaleni
rechts,
Dau
menarthrosen
am IP I rechts sowie am MCP I beidseits (MRI
1
2.
April 2013), ei
nen Vitamin-D-
Mangel, eine anamnestische Hausstaubmilbenallergie und eine rezidivierende Mikrohämaturie, Differenzialdiagnose idiopathisch, bes
tehend seit November 2010 (S. 17
Ziff.
4.2).
Als Nebenbefunde nannte
n
die Gutachter eine
fib
roossäre
Dysplasie im
dorsokrani
al
en
Ac
etabulum
rechts (CT 1
2.
April 2013) sowie einen Status nach Polyar
t
hralgien u
ngeklärter Klassifikation (S. 17
Ziff.
4.3).
D
ie angestammte Tätigkeit als Mitarbeiterin im Döner-Geschäft ihres Eheman
nes wäre
medizinisch-theoretisch noch zu 30
%
der Norm zumutbar.
Limitie
rend erwiesen sich diesbezüglich die psychischen Störungen (Persönlichkeits- und Angststörung sowie Depression und somatoforme Schmerzstörung).
Behin
derungsangepasst
zumutbar zu 40
%
der Norm sei zumindest medizinisch-t
heo
retisch eine Tätigkeit, die h
auptsächlich das Führen eines Fahrzeuges beinhalte; die Explorandin fühle sich im Auto
geschützt und sicher
,
und es sei ihr
Rück
zugsraum
. Ob
sich
durch allfällige Belastungen im Arbeitsalltag das
Auto
zu ei
nem Problem-Ort
entwickeln könnte, müsste dabei eng-therapeutisch begleitet im Auge behalten werden. Aus klinischer Erfahrung heraus wäre ein Begin
n mit
20 bis 30
%
sinnvoll,
um die Explorandin aufzubauen und zu stabilisieren (S. 18
Ziff.
5.1-2).
Die Gutachter führten aus, die von ihnen anlässlich der Schlussbesprechung vom 17. Dezember 2014
festgelegte
Arbeitsfähigkeit gelte ab Datum der jetzigen Begutachtung. Die zuvor
hausärztlicherseits
attestierte 100%ige Arbeitsunfähig
keit ab Juli 2012 erscheine durchaus plausibel zu sein
(S. 18
Ziff.
5.4). Der wei
tere Verlauf
,
insbesondere aus psychiatrischer Sicht
,
sei noch offen. Unter Fortführung der Psycho- und Psychopharmaka-Therapie seien weitere Verbes
serungen im Befinden und damit der Arbeitsfähigkeit durchaus möglich. Eine Kontrolle in
weniger als
12 Monaten mache gemäss psychiatrischer Einschät
zung jedoch kaum Sinn (S. 18
Ziff.
5.5).
Hinsichtlich der
somatoformen Schmerzstörung
führten die Gutachter aus, eine solche liege vor
,
und die erwähnten Kriterien, namentlich eine schwerwiegende psychische Störung, chronische körperliche Begleiterkrankungen, ein ausge
wiesener sozialer Rückzug, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr
angehba
rer
innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlasten
den Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsbeginn), unbefriedigende
Be
handlungsergebnisse
trotz konsequenter Rehabili
tationsmassnahmen und The
rapien, seien alle und teils deutlich erfüllt
. Im Vordergrund der psychischen Be
einträchtigungen stehe jedoch eine schwere abhängige Persönlichkeitsstörung, ICD F60.7 (S. 19
Ziff.
3).
3.5.2
Der rheumatologische Gutachter
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Physikali
sche Medizin und Rehabilitation
und für Rheumatologie,
führte aus, aus rheu
matologischer Sicht könne er eine weiter
e
berufliche Dispensierung aufgrund der somatischen Befunde nicht rechtfertigen. Es bestehe eine volle Arbeitsfähig
keit in der zuletzt ausgeübten Berufstätigkeit als Küchenhilfe, respektive Mitar
beiterin in der
Gastrobranche
(S. 14
Ziff.
2.4.1).
3.5.3
Der psychiatrische Gutachter
pract
. med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und für Psychotherapie, führte in seinem
psychiatrischen Teilg
utachten vom
16. Dezember 2014 (
Urk.
7/39/32-42) aus, es habe sich eine 37-jährige Explorandin gezeigt, die offen wirkend über sich, ihr Leben und ihre Beschwerden berichtet habe (S. 7
Ziff.
4). Ihren Angaben zufolge hätten sie Vater und Mutter sehr gut behandelt. Sie sei daheim auf Händen getragen worden (S. 1
Ziff.
1.2). Das Le
ben bis zu ihrer Heirat habe die Beschwerdeführerin
als unauffällig und ohne relevante Probleme beschrieben. Sie sei nicht direkt
zur Heirat
gezwungen wor
den,
sei
aber auch nicht frei in der Entscheidung gewesen, welchen Mann sie heirate. Mit der Heirat, zu deren Beginn sie bereits mehr als misstrauisch bezüg
lich ihres zukünftigen Ehemannes gewesen sei, habe ihr Leidensweg begonnen. Der Ehemann habe sich als spielsüchtig, eifersüchtig und gewalttätig ihr und den Kindern gegenüber gezeigt und sei auch mehrfach straffällig geworden. Sie sei von ihren Schwestern immer wieder aufgefordert worden, den Mann nicht zu verlassen und habe ihr Leben auf diese Beziehungsumstände eingerichtet (S. 7
Ziff.
4).
Erst 2012 habe sie unterstützt durch ihre Töchter den
Trennungspro
zess
in die Wege leiten können (S. 8 oben).
Pract
.
med.
G._
führte aus, die Depression habe einen
eher geringen Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Relevanter schienen die abhängig-ängstlichen Muster der Explorandin zu sein, die bisher zumindest diagnostisch aus ihm nicht
nachvollziehbaren Gründen noch nicht in den früheren Berichten disku
tiert worden seien.
Bereits vor dem 18. Lebensjahr habe sich die Explorandin den Vorgaben der Eltern gefügt, was noch als normal angesehen werden könne. Aber auch die Schwestern hätten über sie bestimmt. Sie könne nichts alleine
entscheiden und umsetz
en. Sie habe sich in die Beziehung mit dem Ehemann gefügt und sei kaum mehr aus dem Haus gegangen, bis sie sich schliesslich einer Arbeit zu und vom Ehemann mit Hilfe der Tochter habe abwenden kön
nen. Erst als die Schwestern
auf die starken Suizidäusserungen der Explorandin reagiert hätten, habe sie handeln können.
Pract
.
med.
G._
führte aus, d
ie Kriterien für eine abhängige Persönlichkeitsstörung seien klar erfüllt. Für einen Arbei
tsprozess bedeute dies, dass die Beschwerdeführerin
überwiegend kaum unabhängig und selbständig einer Tätigkei
t werde nachgehen können und
sich bei Überforde
rung durch den Arbeitgeber, durch Mitarbeiter oder Kunden nicht selber schüt
zen könne (S. 9 Mitte).
Pract
.
med.
G._
führte aus, auf dieser Basis habe sich im Laufe der Ehe
jahre eine generalisierte Angststörung entwickelt, die zugenommen und sich
chronifiziert
habe. Weiter zu diskutieren seien die Schmerzen der Explorandin, welche gemäss dem rheumatologischen Gutachter nicht ausreichend somatisch erklärbar seien. Die Explorandin sei diversen psychischen Belastungssituationen ausgesetzt gewesen. Im Sinne einer Umleitung dieser psychischen Belastungen im Schmerzerleben habe sich hier ein primärer Krankheitsgewinn entwickelt
,
somit eine psychische Entlastung in somatischen Beschwerden stattgefunden. Damit seien die Kriterien für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung er
füllt (S. 9 unten).
3.
6
Dr.
med.
H._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 15. Januar
2015 (
Urk.
7/49/6-7
)
aus, das MEDAS-Gutachten beruhe auf ei
genen Untersuchungen, erscheine schlüssig und umfassend und berücksichtige die gesamte Aktenlage sowie sämtliche Beschwerden und Symptome der Versi
cherten. Es werde empfohlen
,
darauf abzustellen. Damit sollte psychiatrisch be
dingt s
eit Juli 2012 von einer Arbeitsfähigkeit von 30
%
in der zuletzt ausge
übten Tätigkeit als Küchenhilfe und von 40
%
in angepasster Tätigkeit ausge
gangen werden.
3.
7
Dr.
A._
, RAD, führte in ihrer Stellungnahme vom 16. Januar 2015 (
Urk.
7/49/7-8) aus, dass sich die nun neu postulierte Persönlichkeitsstörung bereits früher bemerkbar gemacht
haben müsste
, aber eine frühere
Dysfunktio
nalität
(ab Adoleszenz
)
nicht beschrieben
sei
. Zudem sei kein traumatisierendes Erlebnis in der Kindheit oder Adoleszenz
der Beschwerdeführerin
bekannt. Dass die Kundin das Haus nicht habe verlassen dürfen und erst 2008 am Wochen
ende aufgrund der Eifersucht des Ehemannes im Geschäft habe mitarbeiten dürfen, sei nicht nachvollziehbar. Dass sich die Persönlichkeitsstörung plötzlich nach der Trennung
vom
gewalttätigen Ehemann entwickelt habe, sei ebenfalls nicht plausibel. Nach wie vor stehe die Schmerzproblematik im Vordergrund und eine erhebliche, von der Schmerzstörung losgelöste
,
schwere psychische Komorbidität mit starker
Dysfunktionalität
sei nicht erkennbar. Es bestünden psychosoziale Belastungsfaktoren wie ungenügende Deutschkenntnisse, feh
lende Integration, ungenügende Bildung, finanzielle Probleme und die Be
schwerdeführerin sei alleinerziehend.
3.
8
Dr.
D._
und
lic
. phil.
E._
stellte in
ihrem
Bericht
vom 3. Juli 2015
(
Urk.
7/50) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.2):
anhaltende depressive Episode, leicht- bis mittelgradig (ICD-10 F32.1), be
stehend seit April 2012
Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen
Dr.
D._
und
lic
. phil.
E._
führte
n
aus,
die Beschwerdeführerin sei von Februar bis Mitte Juni 2015 nicht mehr in die Therapie gekommen, da sie mit der Arbeit begonnen habe und ziemlich im Stress gewesen sei. Die letzte Kon
trolle habe am 26. Juni 2015 stattgefunden (
Ziff.
3.1). Sie
arbeite bei ihrem Cousin in einem Take-
a
way
als Kurierin etwa zwei bis drei Stunden am Tag. Vor etwa zwei Monaten habe sie beim Fahrdienst einen Unfall verursacht,
als
sie
ein
Rotlicht nicht gesehen beziehungsweise missachtet habe und eine Kolli
sion mit einem anderen Auto nicht habe verhindern können. Sie meine, dass sie diesen Unfall aufgrund eines Aufmerksamkeitsdefizites verursacht habe. Sie sei
mit einer Geldstrafe und einem Ausweisentzug für drei Monate bestraft worden. Nun werde sie für diese Zeit in der Küche als Küchenhilfe tätig sein. Eine
kör
perangepasste
leichte Tätigkeit bis
zu
40
%
könne der Patientin zugemutet wer
den (
Ziff.
2.1).
Aktuell sei
sie
sehr empfindlich und könne meistens negative Kritik nicht aushalten. Ihr Selbstwert sei schwach und sie habe kein Selbstver
trauen. Lärm und Körperbelastung beeinträchtigten ihre Kompetenz und Effizi
enz bei der Tätigkeit (
Ziff.
4.4).
4.
4.1
Die
Beschwerdegegnerin ging abweichend von
der
E
inschätzung der MEDAS-Gutachter
vom Januar 2015 (vgl. vorstehend E. 3.5) - namentlich jener des psy
chiatrischen Teilgutachters
pract
. med.
G._
- gestützt auf die Stellung
nahme der
RAD-Ärztin
Dr.
A._
vom Januar 2015 (vgl. vorstehend E. 3.7)
davon aus, dass bei der Beschwerdeführerin kein aus
invalidenversicherungs
rechtlicher
Sicht relevanter Gesundheitsschaden
vorliegt
.
4.2
Betreffend das
psychiatrische Teilgutachten von
pract
. med.
G._
ist vorab
auszuführen, das dieses hinsichtlich der Diagnostik nicht zu überzeugen vermag und daher die beweisrec
htlichen Anforderungen an eine b
eweiskräftige Exper
tise (vgl. vorstehend E. 1.
3
) nicht erfüllt.
Der RAD-Ärztin
Dr.
A._
ist insoweit
beizupflichten
,
al
s sich die Diagnose der Persönlichkeitsstörung
aus dem Gutachten
nicht n
achvollziehbar herleiten läs
st.
Pract
. med.
G._
sah den
Beginn der Persönlichkeitsstörung darin be
gründet, dass die Beschwerdeführerin ihren zukünftigen Ehemann nicht frei
habe wählen können
und in der Folge eine Scheidung von diesem durch
ihre
Schwestern verhindert worden sei. Dass
sich aufgrund dieser Erfahrungen
eine abhängige Persönlichkeitsstörung nach ICD
-10
entwickelt haben
soll, ist nur schwer nachzuvollziehen
, und
pract
. med.
G._
nahm auch keine Abgren
zung
der Krankheit
zu traditionell vorgegebenen familiären und kulturellen Strukturen vor
.
Grundsätzlich beginnen
Persönlichkeitsstörungen bereits in der Kindheit oder Adoleszenz (
Dilling
/
Mambour
/Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychi
scher Störungen: ICD-10 Kapitel V(F): Klinisch diagnostische Leitlinien, 9. Aufl. 2014, S. 274).
Die Beschwerdeführer
in
berichtete
jedoch einerseits durchwegs
von einer unbeschwerten Kindheit
(vgl. vorstehend E.
3.4 und E. 3.5) und an
derer
seits ist zu beachten, dass sie
zwischen 2007 und Sommer 2012 ihren An
gaben zufolge bis zu 100
%
im Imbiss ihres Ehemannes mitgearbeitet hat.
Ge
gen eine abhängige Persönlichkeitsstörung
gemäss
ICD-10 F60.7 spricht auch
der Umstand, dass sich die Beschwerdeführerin trotz des familiären Druckes hat scheiden lassen und nun wieder einer Tätigkeit
im Take-
a
way
ihres Cousins nachgeht
(vgl. vorstehend E. 3.
8
)
.
Vor diesem Hintergrund erstaunt auch nicht, dass der behandelnde Psychologe
lic
. phil.
E._
die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht stellte, jed
och vermag seine Diagnostik
ebenfalls nicht
zu überzeugen. So erscheint die attes
tierte Arbeitsunfähigkeit in Anbetracht der gestellten Diagnosen als zu hoch
,
und es ist unklar,
weshalb er trotz der bereit
s seit Frühjahr 2012 bestehenden depressiven Problematik
in seinem Bericht vom
Juli 2015
nach wie vor von ei
ner depressiven „Episode“ sprach
(vgl. vorstehend E. 3.4 und E. 3.8)
, handelt es sich dabei doch
definitionsgemäss
um ein lediglich vorübergehendes Leiden, in
dem solche Episoden im Mittel etwa sechs Monate, selten länger als ein Jahr dauern, länger dauernde Störungen aber anderweitig zu subsumieren sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 510/06 vom 26. Januar 2007 E. 6.3).
Dem Bericht von
Dr.
D._
und
lic
. phil.
E._
vom Juli 2015 ist
überdies
zu entneh
men, dass die Beschwerdeführerin einen Unfall verursacht hat
,
indem sie ein Rotlicht überfahren hat. Wie die Beschwerdeführerin selbst ausführte
(vgl. vor
stehend E. 2.2), erscheint
daher
fraglich, ob - wie
pract
. med.
G._
- fest
hielt, eine Tätigkeit
, die hauptsächlich
im Führen eines Fahrzeuges besteht
, als angepasst gelten kann.
4.3
Der Umstand, dass die
von
der RAD-Ärztin
Dr.
A._
am Gutachten
von
pract
.
med.
G._
geäusserte Kritik
berechtigt
erscheint
,
ändert
nicht
s
daran, dass es sich bei ihrer Einschätzung der psychiatrischen Situation nicht um eine fachärztliche handelt
, genauso wenig wie bei jener durch den RAD-Arzt
Dr.
H._
vom Januar 2015 (vorstehend E. 3.
6
)
und jener der behandeln
den Hausärztin
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.1-2). Insbesondere ihrem
Bericht vom
Januar 2013
lässt sich eine massive psychosoziale Belastungssituation entneh
me
n, wobei s
ämtlichen in den Akten liegenden
medizin
ischen Berichten
nicht
abschliessend
entnommen werden
kann
, ob
und in welchem
Ausmass
die beste
henden g
esundheitlichen Einschränkungen
auf die psychosoziale Belastungssi
tuation zurückzuführen sind oder ob ein von dieser eigenständiges psychiatri
sches Leiden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit besteht, welches
invali
denversicherungsrechtlich
relevante Auswirkungen haben kann (vgl. vorstehend E. 1.2).
Auch diesbezüglich erweist sich der
entscheidrelevante
Sachverhalt als ungenügend abgeklärt.
Weiter besteht auch hinsichtlich der im MEDAS-Gutachten diagnostizierten so
matoformen Schmerzstörung Unklarheit.
Dass - wie die Beschwerdeführerin geltend machte
(vorstehend E. 2.2)
- alleine die allfällige Persönlichk
eitsstörung im Vordergrund steht
, und der
Schmer
z
störung
keine Bedeutung zukommt
, bestätigt sich so aufgrund der medizini
schen Aktenlage nicht.
So führten
Dr.
D._
und
lic
. phil.
E._
im Feb
ruar 2014 aus, dass die Beschwerdeführerin stark unter der Schmerzstörung leide. Auch die Hausärztin
Dr.
B._
erachtete die Beschwerdeführerin vor allem aufgrund der multiplen Schmerzen für nicht mehr respektive nur noch sehr ein
geschränkt arbeitsfähig (vorstehend E.
3.
2 und E.
3.4
). Die von
Dr.
B._
veran
lassten umfassenden rheumatologischen Abklärungen unter anderem bei
Dr.
C._
(vgl. vorstehend E. 3.
3
) konnten die
geltend gemachten
Beschwerden weder klinisch noch bildgebend erklären. Auch der rheumatol
ogische
Teilgut
achter
der MEDAS
konnte keine rheumatologische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen
(vgl. vorstehend E. 3.5)
.
4.4
Insgesamt
fehlt es vorliegend an verlässlichen medizinischen Grundlagen zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
in psychiatrischer Hinsicht
und damit an der Grundlage für einen
Entscheid. Zur Beurteilung der
invalidenversicherungsrechtlichen Ansprüche
der Beschwerdeführerin
bedarf es daher zusätzlicher medizinischer Grundlagen im Sinne eines psychiatrischen Gutachtens, welches sich zu den offenen Fragen
äussert
.
Sofern sich das Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung bestätigt,
wer
den die Anforderungen an das
Gutachten
gemäss
bundesgerichtliche
m
Urteil vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281)
zu beachten sein.
D
ie angefochtene Verfügung vom 21
.
März 2016
(Urk. 2) ist folglich aufzuhe
ben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägun
gen und zu erneutem Entscheid über den Leistungsanspruch der Beschwerde
führerin an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf
Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.