Decision ID: 17d17a79-f682-49ee-abe0-561cd6390817
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war am 7. Februar 2013 in eine Auseinandersetzung mit zwei Mitarbeitern
der B._ auf dem Bahnhofsgelände C._ verwickelt. Dabei zog er sich
Schnittverletzungen im Gesicht (auf dem Nasenrücken, oberhalb des linken Auges/
Augenbraue, Ohrmuschel) zu, die in der Notaufnahme genäht werden mussten
(act. G 3.9e). Am 11. März 2013 erhob er Strafanzeige gegen Unbekannt. Sein
Rechtsvertreter ersuchte am selben Tag bei der Stiftung Opferhilfe um
Kostengutsprache für eine bereits erfolgte erste anwaltliche Beratung und um
Kostenübernahme für das in Gang gesetzte Strafverfahren (act. G 3.1).
A.b Am 23. August 2013 erliess die Staatsanwaltschaft
Nichtanhandnahmeverfügungen gegen die beiden B._-Mitarbeiter, da kein
Straftatbestand erfüllt sei und sich ein strafbares Verhalten nicht nachweisen lasse
(act. G 3.3a, 3.3b). Dagegen erhob der Rekurrent am 6. September 2013 je
Beschwerde bei der Anklagekammer (act. G 3.4d, 3.4e).
A.c In der Zwischenzeit (am 30. August 2013) hatte der Rechtsvertreter die Nicht
anhandnahmeverfügungen der Stiftung Opferhilfe zur Kenntnisnahme zugestellt
(act. G 3.3). Mit Schreiben vom 9. September 2013 reichte er das ausgefüllte Gesuch
um Übernahme der Anwaltskosten samt Beilagen ein (act. G 3.4-3.4c). Am 10. Oktober
2013 teilte die Stiftung Opferhilfe mit, dass eine Opferstellung des Rekurrenten nicht
genügend ersichtlich sei und sie deshalb aktuell keine Kostengutsprache erteilen und
das Gesuch sistieren würde (act. G 3.6). Der Rechtsvertreter gelangte erneut an die
Stiftung Opferhilfe und machte geltend, dass sowohl die Strafanzeigen als auch die
Beschwerden gegen die Nichtanhandnahmeverfügungen aufgrund seiner
Informationen angebracht gewesen seien (act. G 3.7, Schreiben datiert vom 8. Oktober
2013, offenbar erst am 11. November 2013 bei der Stiftung Opferhilfe eingegangen,
vgl. dazu auch act. G 8). Die Stiftung Opferhilfe teilte am 12. Dezember 2013 mit, dass
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bis zur Klärung des Sachverhalts weiterhin mit einer Kostengutsprache zugewartet
werde, da Zweifel an der Opfereigenschaft des Rekurrenten bestünden (act. G 3.8).
A.d Die Anklagekammer wies die Beschwerden betreffend die Nichtanhandnahmen
am 13. November 2013 ab (act. G 3.9d). Der Rechtsvertreter orientierte die Stiftung
Opferhilfe am 19. Dezember 2014 über diesen Entscheid und ersuchte erneut um
Übernahme der entstandenen Anwaltskosten in der Höhe von Fr. 1‘887.-- (act. G 3.9h).
A.e Nach Einräumung des rechtlichen Gehörs (act. G 3.10 f.) verfügte die Stiftung
Opferhilfe am 10. Februar 2015 die Abweisung des Gesuchs um Übernahme der
Kosten für juristische Hilfe (act. G 3.12). Zur Begründung führte sie an, aufgrund der
eingereichten Unterlagen sei bereits am Anfang eine Opferstellung des Rekurrenten
nicht in Betracht gefallen. Diese Beurteilung habe sich auch mit den später
eingereichten Unterlagen nicht geändert. Es sei nicht entscheidend, ob der
Rechtsvertreter berechtigterweise von einer Opfereigenschaft habe ausgehen dürfen.
Das OHG schütze nicht die Ansprüche des Rechtsvertreters, sondern unterstütze nur
das Opfer selbst. Für die Ausrichtung von OHG-Leistungen sei daher erste
Voraussetzung, dass überhaupt eine Opferstellung gegeben sei. Dem Rechtsvertreter
entstehe kein direkter Anspruch auf Entschädigung durch die Opferhilfe. Die vom
Rechtsvertreter erwähnte U-Haft des Rekurrenten spreche ebenfalls gegen seine
Opfereigenschaft. Deshalb könne dem Gesuch um Übernahme der Anwaltskosten
nicht entsprochen werden.
B.
B.a Dagegen richtet sich der vorliegende Rekurs vom 24. Februar 2015, worin der
Rechtsvertreter die Aufhebung der Verfügung und die Kostengutsprache im
"angefragten Rahmen" verlangt (act. G 1). Zur Begründung führt er an, der Rekurrent
habe die Vorinstanz am 11. März 2013 um Kostengutsprache für Soforthilfe bzw. für
die bereits erfolgte erste Beratung und das in Gang gesetzte Strafverfahren ersucht.
Für die Entscheidung betreffend Übernahme der Kosten für Soforthilfe sei folglich der
Stand der Erkenntnisse in diesem Zeitpunkt relevant. Aus den detaillierten
Ausführungen in der Strafklage/Strafanzeige ergebe sich eindeutig, dass
tatbestandsmässige, rechtswidrige Straftaten in Betracht fallen würden. Der Rekurrent
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sei von zwei Sicherheitsmitarbeitern gegen eine Wand gedrückt worden, es sei ihm ein
Pfefferspray vor Augen gehalten und sein Arm überraschend nach oben gedrückt
worden, so dass er sich reflexartig abrupt mit dem Kopf nach unten habe beugen
müssen und dabei mit dem Gesicht gegen ein Fenster gestossen sei. Damit seien
Straftatbestände zum Schutz von Leib und Leben gesetzt worden, welche zur
Anwendung des OHG führten. Durch den Angriff sei der Rekurrent unmittelbar in seiner
körperlichen Integrität beeinträchtigt worden. Er habe zwei grosse Wunden (am
Nasenrücken und oberhalb des linken Auges) erlitten, die im Spital hätten genäht
werden müssen. Der Rekurrent werde aufgrund dieses Vorfalls zeitlebens im Gesicht
mit einer grossen Narbe entstellt sein. Damit sei die Opfereigenschaft für die
Inanspruchnahme von Soforthilfe zweifellos genügend glaubhaft gemacht worden und
eine die Opferstellung begründende Straftat habe zumindest in Betracht fallen müssen.
Wenn erst nach Abschluss eines Strafverfahrens über die Übernahme der Kosten der
bereits geleisteten Beratungshilfe entschieden werde, dürfe nicht einfach auf den
Ausgang des Straf- bzw. Ermittlungsverfahrens abgestellt werden, sondern es müsse
berücksichtigt werden, ob im Zeitpunkt der Inanspruchnahme der Beratungshilfe vom
Vorliegen einer Straftat auszugehen gewesen sei. Sei dies zu bejahen, bestehe
grundsätzlich Anspruch auf unentgeltliche Beratungshilfe, auch wenn sich
zwischenzeitlich ergeben habe, dass keine tatbestandsmässige und rechtswidrige Tat
vorliege. Dementsprechend habe im vorliegenden Fall zumindest bis zum Zeitpunkt
des Entscheids der Anklagekammer betreffend Nichtanhandnahme davon
ausgegangen werden müssen, dass der Rekurrent Opfer einer Straftat gewesen sei.
Allein die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft nach Erhebung der Strafanzeige die
Kantonspolizei mit weiteren Ermittlungen beauftragt habe, sei ein wesentlicher Hinweis
darauf, dass gegenüber dem Rekurrenten strafbare Handlungen vorgenommen worden
seien. Es treffe zwar zu, dass die Staatsanwaltschaft schliesslich eine
Nichtanhandnahmeverfügung erlassen habe. Dieser Entscheid sei aber in mehrerer
Hinsicht schwer nachvollziehbar. Nach Art. 14 OHG umfassten die Leistungen auch
angemessene juristische Hilfe in der Schweiz, die als Folge einer Straftat notwendig
geworden seien. Der Rekurrent sei nicht in der Lage, für die aufgelaufenen
Anwaltskosten aufzukommen. Die anrechenbaren Einnahmen des Rekurrenten
überstiegen den doppelten massgebenden Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf
nach Art. 10 Abs. 1 lit. a ELG nicht (Art. 6 OHG i.V.m. Art. 16 lit. a OHG); er gehe keiner
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Erwerbstätigkeit nach. Dem Rekurrenten stehe demnach gestützt auf Art. 1 Abs. 1
i.V.m. Art. 13 f. OHG gegenüber der Vorinstanz ein Anspruch auf Kostenübernahme der
Soforthilfe und längerfristige Hilfe im angefragten Rahmen von Fr. 1‘887.-- zu.
B.b Mit Vernehmlassung vom 9. April 2015 beantragt die Vorinstanz die
vollumfängliche Abweisung des Rekurses (act. G 3). Sie macht geltend, eine
Kostengutsprache nur aufgrund der Ausführungen in der ersten Eingabe vom 11. März
2013 sei nicht möglich gewesen. Zum Einen sei das Gesuch unvollständig gewesen,
zum Anderen genüge es auch bei der Soforthilfe nicht, eine Straftat und die
Opfereigenschaft lediglich zu behaupten. Dies sei zumindest glaubhaft zu machen. Aus
dem Vorliegen einer körperlichen Verletzung könne nicht automatisch auf eine Straftat
und/oder auf eine Opferstellung geschlossen werden. Zudem hätten die
Beschreibungen in der Strafanzeige gegen ein tatbestandsmässiges und
rechtswidriges Verhalten der B._-Mitarbeiter gesprochen. Aus der Kostennote sei
ausserdem ersichtlich, dass sich die anwaltlichen Bemühungen in den ersten fünf
Monaten bis zu den Nichtanhandnahmeverfügungen im August 2013 auf rund drei
Stunden (erster Kontakt Jugendanwalt, Erstgespräch Klient, Gesuch an Opferhilfe)
beschränkt hätten. Damit könne nicht von dringend notwendiger (Sofort-) Hilfe
gesprochen werden. Weiter sei nicht klar, ob diese drei Stunden im Rahmen der
Verteidigung des Rekurrenten notwendig geworden seien, nachdem der
Rechtsvertreter das Mandat offenbar auf „Bestreben des Jugendanwaltes
angenommen“ und den Rekurrenten als Beschuldigten in der Untersuchungshaft
besucht habe. Kosten der Verteidigung könnten von Vornherein nicht durch die
Opferhilfe finanziert werden. Nicht entscheidend sei, ob der Rechtsvertreter von einer
Opfereigenschaft ausgehen durfte, da das OHG nur das Opfer selbst unterstütze und
nicht die Ansprüche des Rechtsvertreters schütze. Nachdem die Opferhilfe bereits
mangels Opferstellung zu verweigern gewesen sei, sei auf die weiteren
Voraussetzungen nicht eingegangen worden. Weitere Gründe für eine Abweisung seien
die vor allem zu Beginn fehlende Notwendigkeit der anwaltlichen Vertretung sowie die
Aussichtslosigkeit des Verfahrens.
B.c Mit Replik vom 12. Mai 2015 (act. G 6) macht der Rechtsvertreter geltend, eine
Straftat sei vorliegend ganz offenkundig in Betracht gekommen. Die Verletzungen des
Rekurrenten seien erheblich gewesen und medizinisch behandelt worden. Danach
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habe rasch gehandelt werden müssen. Um eine Strafanzeige einzureichen sei eine
einlässliche Besprechung vor Ort inkl. Beiständin notwendig gewesen. Die Leistung
einer Kostengutsprache aufgrund der Ausführungen der ersten Eingabe sei nicht nur
möglich, sondern geboten gewesen und die Angaben im Gesuch bzw. in der
beigelegten Strafanzeige seien dafür ausreichend gewesen. Der unterzeichnende
Rechtsanwalt habe die erheblichen Verletzungen des Rekurrenten persönlich
wahrnehmen können. Zudem sei die Vorinstanz telefonisch darauf hingewiesen
worden, dass der Jugendanwalt, der gegen den Rekurrenten ein Strafverfahren in einer
anderen Angelegenheit geführt habe, diesen als sehr glaubwürdig und gerade aufgrund
dieser speziellen Situation als besonders schutzbedürftig erachtet habe. Es sei nicht
ersichtlich, welche Informationen der Vorinstanz gefehlt hätten. Der Rekurrent habe
sich gezwungen gesehen, vorsorglich Beschwerde gegen die
Nichtanhandnahmeverfügungen zu erheben. Im Rahmen dieser knappen Frist sei ein
Abwarten des Entscheids der Vorinstanz, welche ohnehin den Verlauf des Verfahrens
habe abwarten wollen, nicht möglich gewesen. Auch die für den Rekurrenten im
Zusammenhang mit dem Beschwerdeverfahren vorgenommenen Handlungen müssten
daher als im Rahmen der Soforthilfe erbracht betrachtet werden. Die anwaltlichen
Bemühungen bis zum Vorliegen der Akten der Staatsanwaltschaft beinhalteten
dringend notwendige Soforthilfe. Der unterzeichnende Rechtsanwalt habe den
Rekurrenten nie verteidigt und die eingereichte Kostennote enthalte keine
Verteidigungskosten. Ohne die Fürsprache des leitenden Jugendanwaltes, über welche
die Vorinstanz informiert worden sei, hätte der unterzeichnende Rechtsanwalt dieses
Mandat nicht angenommen. Der Rekurrent sei vorliegend als Jugendlicher von einem
augenscheinlich gewalttätigen Übergriff von Sicherheitskräften betroffen gewesen. Ob
und wieweit sich diese auf rechtmässiges Handeln abzustützen vermochten, sei bis
zuletzt unklar gewesen. Von einer Aussichtslosigkeit der Bemühungen könne nicht die
Rede sein. Die notwendigen Massnahmen für den Rekurrenten seien zu Recht
vorgenommen worden (act. G 6).
B.d Mit Duplik vom 19. August 2015 (act. G 10) hält die Vorinstanz fest, sie sei bei
ihrer Beurteilung von demjenigen Sachverhalt ausgegangen, den der Rekurrent in der
Strafanzeige selbst beschrieben habe. Eine tatbestandsmässige und rechtswidrige
Straftat sei für sie damit nicht glaubhaft gemacht worden. Aufgrund der beschriebenen
Umstände sei nicht einmal von einem fahrlässigen Vorgehen, allenfalls von Notwehr der
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B._-Mitarbeiter, auszugehen gewesen. Die späteren Entscheide hätten bestätigt,
dass diese Beurteilung richtig gewesen sei. Die anspruchsberechtigte Person sei der
Rekurrent persönlich (und nicht sein Rechtsvertreter). Er müsse im Gesuchsverfahren
trotz Untersuchungsmaxime die notwendigen Informationen und Unterlagen
einbringen, andernfalls das Gesuch wegen Verletzung der Mitwirkungspflicht
abgewiesen werden könne. Offenbar sei der Rekurrent für seinen Rechtsvertreter nicht
erreichbar gewesen, so dass dieser die Angaben bei der Familienbegleitung einzuholen
versucht habe. Dieser Aufwand stelle aus Sicht der Opferhilfe unnötige Bemühungen
dar, die nicht von der Opferhilfe finanziert würden. Ausserdem würden in der Regel
anwaltliche Bemühungen im Zusammenhang mit dem Stellen eines Gesuches bei der
Opferhilfe nicht übernommen (Richtlinien zur Übernahme von Anwaltskosten durch die
Opferhilfe SG-AR-AI gemäss Art. 13 und Art. 16 OHG, Januar 2010, „Kausaler
Zusammenhang mit einer Straftat“, S. 3), da das Opfer das von der Opferhilfe auf ihrer
Homepage angebotene Formular selbst ausfüllen oder sich dabei durch die
Beratungsstelle unterstützen lassen könne. Im vorliegenden Fall hätte dies die Mutter,
die das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ausgefüllt habe, tun können. Erste
Voraussetzung für Opferhilfe sei, dass es sich bei der gesuchstellenden Person um ein
Opfer im Sinne des OHG handle. Allein die Dringlichkeit einer Beschwerde, eine späte
Aktenherausgabe oder die Verletzung von Verfahrensrechten würden den Rekurrenten
aber nicht zum Opfer machen. Auch das Opfer trage ein gewisses Kostenrisiko und
müsse bei seinem Vorgehen Gewinn-/Verlustrisiken abwägen. Das Opferhilfegesetz
befreie das Opfer nicht unbesehen von sämtlichen Kosten. So verweigere die
Opferhilfe ihre Leistungen z.B. bei Aussichtslosigkeit von Verfahren oder einzelnen
Schritten, bei Verletzung der Schadenminderungspflicht oder bei fehlender
Notwendigkeit einer Vertretung. Gerade bei diesem Punkt sei nicht ersichtlich, weshalb
sich der Rekurrent – unter Verzicht auf die Anwesenheit seines Anwalts – als
Beschuldigter habe vernehmen lassen, für die Strafanzeige dann aber auf einen
anwaltlichen Beistand angewiesen gewesen sein solle, obwohl im
Einvernahmeprotokoll bereits alle notwendigen Informationen zum Sachverhalt
enthalten gewesen seien. Dass er später für seinen Anwalt nicht mehr erreichbar
gewesen sei, zeige, dass er selbst kein Interesse an einer Weiterverfolgung der
Angelegenheit gehabt habe. Mit der Sistierung des Verfahrens habe die Opferhilfe dem
Rekurrenten sinngemäss die Leistung auf Soforthilfe verweigert. Die Sistierung bzw.
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Ablehnung der Soforthilfe hätte daher schon damals angefochten werden müssen
(act. G 10).
B.e Am 17. März 2016 ersuchte das Gericht bei der Staatsanwaltschaft um Einsicht
in die gesamten in dieser Angelegenheit angefallenen Akten (act. G 12). Die Akten
wurden dem Gericht am 24. März 2016 zugestellt, woraufhin den Parteien Gelegenheit
zur Einsichtnahme in die Akten gegeben wurde (act. G 14). Der Rechtsvertreter des
Rekurrenten verzichtete am 31. März 2016 auf eine Einsichtnahme (act. G 15) und die
Vorinstanz beschränkte sich auf Einsichtnahme in die Akten (vgl. act. G 18). Die
Vorinstanz machte am 21. April 2016 geltend, die Einvernahmeprotokolle
verdeutlichten, dass der Rekurrent nicht Opfer einer Straftat geworden sei (act. G 19).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist, ob der Rekurrent im
Rahmen der Opferhilfe Anspruch auf Übernahme der Kosten für die durch seinen
Rechtsvertreter geleistete juristische Unterstützung hat.
1.1 Die angefochtene Verfügung stützt sich auf das Bundesgesetz über die Hilfe an
Opfern von Straftaten (Opferhilfegesetz, OHG [SR 312.5]). Verfügungen der
Beratungsstelle über Sofort- oder längerfristige Hilfe gemäss Art. 13 OHG können beim
Versicherungsgericht innert 14 Tagen angefochten werden (Art. 32 des
Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Straf- und Jugendstrafprozessordnung [sGS
962.1] in Verbindung mit Art. 42 Abs. 1 lit. e und Art. 47 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1]). Die Verfügung datiert vom 10. Februar 2015. Mit
Postaufgabe des Rekurses vom 24. Februar 2015 erfolgte dieser rechtzeitig.
1.2 Opfer im Sinn des Art. 1 OHG ist eine Person, die durch eine Straftat in ihrer
körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden
ist. Als Straftat gemäss OHG gilt ein im Sinne des Schweizerischen Strafgesetzbuches
(StGB; SR 311.0) tatbestandsmässiges und rechtswidriges Verhalten, unabhängig
davon, ob die Täterin oder der Täter ermittelt worden ist, sich schuldhaft verhalten und
vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat (Art. 1 Abs. 3 OHG; Dominik Zehntner, in:
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Kommentar zum Opferhilfegesetz, Peter Gomm/Dominik Zehntner (Hrsg.), 3. Aufl. Bern
2009, Rz 3 zu Art. 1). Das Gesetz enthält keine Aufzählung, welche Straftaten Anspruch
auf Opferhilfe begründen. Der strafrechtlichen Qualifikation der Tat kommt denn auch
keine entscheidende Bedeutung zu. Viel wesentlicher ist die Wirkung der Straftat auf
das Opfer und dessen durch das Gesetz geschützte Integrität. Es gilt ein opfer- und
nicht ein täterbezogener Ansatz, was die Subsumtion einer Handlung unter einen
bestimmten Tatbestand zweitrangig erscheinen lässt, solange das Kriterium der
Unmittelbarkeit der Beeinträchtigung der Integrität erfüllt ist. Die Anforderungen an den
Nachweis einer die Opferstellung begründenden Straftat sind je nach dem Zeitpunkt
sowie nach Art und Umfang der beanspruchten Hilfe unterschiedlich hoch. Für die
Gewährung der Soforthilfe genügt es, wenn ein Straftatbestand in Betracht fällt.
Ausschlaggebend für die Beurteilung des Anspruchs ist somit, ob die Opfereigenschaft
glaubhaft gemacht werden kann (Zehntner, a.a.O., Rz 6 zu Art. 1; BGE 125 II 265 E. 2).
1.3 Die Beratungsstellen leisten dem Opfer und seinen Angehörigen sofort Hilfe für
die dringendsten Bedürfnisse, die als Folge der Straftat entstehen (Soforthilfe; Art. 13
Abs. 1 OHG). Sie leisten dem Opfer und dessen Angehörigen soweit nötig zusätzliche
Hilfe, bis sich der gesundheitliche Zustand der betroffenen Person stabilisiert hat und
bis die übrigen Folgen der Straftat möglichst beseitigt oder ausgeglichen sind
(längerfristige Hilfe; Art. 13 Abs. 2 OHG). Die Beratungsstellen können die Soforthilfe
und die längerfristige Hilfe durch Dritte erbringen lassen (Art. 13 Abs. 3 OHG). Die
Leistungen der Beratungsstellen umfassen die angemessene medizinische,
psychologische, soziale, materielle und juristische Hilfe in der Schweiz, die als Folge
der Straftat notwendig geworden ist.
2.
2.1 Der Rechtsvertreter des Rekurrenten stellt sich auf den Standpunkt, dass nach
dem Vorfall vom 7. Februar 2013 sofort gehandelt werden musste. Für die
Entscheidung über das Kostengutsprachegesuch sei der Stand der Erkenntnisse zu
diesem Zeitpunkt relevant. Er habe zusammen mit dem Ersuchen um
Kostengutsprache die Strafanzeige eingereicht. Aus den dortigen detaillierten
Ausführungen ergebe sich eindeutig, dass eine die Opferstellung begründende Straftat
zumindest in Betracht gefallen sei. In der Strafanzeige schilderte der Rechtsvertreter
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den Ablauf folgendermassen: „[...] Auf diese Provokation hin machte der Strafkläger
den B._-Mitarbeitern verbal Vorwürfe. Er „rief aus“. Daraufhin wurde er aggressiv
angegangen, gegen eine Wand gedrückt. Gleichzeitig wurde ihm ein Pfefferspray vor
die Augen gehalten. Der Strafkläger stiess die ihn bedrängende Person zurück, worauf
beide Mitarbeiter auf ihn losgingen. Eine Person drehte seinen Arm kräftig und
überraschend nach oben, so dass sich A._ reflexartig abrupt mit dem Kopf nach
unten bücken musste. Dabei stiess er mit der Nase an ein Fenster. Folge davon waren
starke Blutungen. [...]“.
2.2 Die Vorinstanz wendet ein, sie habe sich bei ihrer Beurteilung auf diese
Schilderungen in der Strafanzeige gestützt. Entgegen der Ansicht des Rechtsvertreters
sei für sie damit aber keine tatbestandsmässige und rechtswidrige Straftat glaubhaft
gemacht worden. Aufgrund der beschriebenen Umstände sei nicht einmal von einem
fahrlässigen Vorgehen der B._-Mitarbeiter auszugehen gewesen. Die späteren
Entscheide hätten bestätigt, dass diese Beurteilung richtig gewesen sei.
2.3
2.3.1 Die Tatbestände der einfachen und schweren Körperverletzung setzen voraus,
dass jemand einen Menschen lebensgefährlich verletzt, (eventual-)vorsätzlich den
Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein
wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend
arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg
und bleibend entstellt, eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der
körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht (Art. 122 StGB)
oder einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Gesundheit schädigt (Art. 123
StGB). Wer einen Menschen fahrlässig am Körper oder an der Gesundheit schädigt,
wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bestraft. Ist die Schädigung
schwer, so wird der Täter von Amtes wegen verfolgt (Art. 125 StGB).
2.3.2 Einer Straftat nach Art. 134 StGB macht sich schuldig, wer sich an einem Angriff
auf einen oder mehrere Menschen beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung
eines Angegriffenen oder eines Dritten zur Folge hat.
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2.3.3 Eine Freiheitsberaubung nach Art. 183 StGB begeht, wer jemanden
unrechtmässig festnimmt oder gefangen hält oder jemandem in anderer Weise
unrechtmässig die Freiheit entzieht.
2.4 Nachfolgend ist zu prüfen, ob der Vorfall unter einen der genannten
Straftatbestände subsumiert werden kann.
2.4.1 Für die Darstellung des massgeblichen Sachverhaltes stehen sich
widersprechende Aussagen gegenüber. Der Rekurrent führte in der Einvernahme vom
15. März 2013 zum Tathergang aus, er sei von einem B._-Mitarbeiter angerempelt
worden. Er sei dann etwas ausgerastet und sei gegenüber den B._-Mitarbeitern auch
frech geworden. Der eine B._-Mitarbeiter habe ihm den Pfefferspray gezeigt, habe
ihn aber nicht eingesetzt. Er sei dann zunehmend aggressiver geworden, weil er das
Gefühl gehabt habe, ungerecht behandelt worden zu sein. In seiner Aggression habe er
sich zur Wehr gesetzt und den „Typen“ zurück gestossen. Beide seien dann auf ihn los
gekommen und hätten seine Hände auf den Rücken drücken wollen, woraufhin es eine
Rangelei gegeben habe. Er gebe zu, dass er während der Rangelei einen Security mit
dem Kopf geschlagen habe. Dieser habe ihn aber auch geschlagen. Irgendwie seien sie
dann auf die Seite gekommen, auf welcher sich die Fenster befänden. Die beiden
[B._-Mitarbeiter] hätten ihm die Arme dermassen auf den Rücken gedrückt, dass er
starke Schmerzen gehabt habe und er auch das Gefühl gehabt habe, dass sie ihn
dabei verletzt hätten. Während sie ihm die Arme mit grosser Gewalt auf den Rücken
gedrückt hätten, habe er sich leicht vorbeugen müssen und sei mit dem Kopf gegen
das dortige Fenster geschlagen, das dann zerbrochen sei. Dabei habe er sich die
Schnittwunden im Gesicht zugezogen. Es sei sicher nicht seine Absicht gewesen, das
Fenster absichtlich mit dem Kopf einzuschlagen. Es sei so gewesen, dass die beiden
[B._-Mitarbeiter] ihn in einer ungewohnten Art hätten fixieren wollen, und diese Art
habe ihm grosse Schmerzen verursacht. Um dem Druck nachgeben zu können, habe
er sich nach vorne beugen müssen und sei dabei mit Kopf gegen das Fenster
gestossen, welches zerbrochen sei und ihn verletzt habe (act. G 3.9g S. 4 ff.,
Einvernahme vom 15. März 2013). Auch in der Einvernahme vom 30. Juli 2014 hielt der
Rekurrent daran fest, dass er sich als Folge der Festnahme [durch die B._-
Mitarbeiter] am Kopf verletzt habe (E 28 S. 6).
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2.4.2 Einer der beiden B._-Mitarbeiter schilderte, der Rekurrent habe ihn im Vorfeld
der Festnahme versucht anzurempeln, dann lautstark beschimpft und ihm gedroht.
Sein Kollege habe den Rekurrenten zurückgestossen und ihn aufgefordert, Abstand zu
wahren. Dennoch sei der Rekurrent erneut auf ihn zugegangen, da hätten sie ihn beide
am Arm genommen und hätten ihn an der Fensterseite körperlich arretiert an der
Wand. Sie hätten versucht, ihn zu beruhigen. Dennoch habe der Rekurrent seinem
Kollegen einen Kopfstoss verpasst, er selber habe ausweichen können. Sie hätten
dann den Rekurrenten mit Körpergewalt gegen die Wand/Radiator gedrückt und ihm
Handfesseln angelegt, weil er sich partout nicht beruhigt hätte. Mit den Handfesseln sei
der Rekurrent einen Moment ruhig gestanden, so dass sein Kollege sich entfernt und
einen Streit bei den übrigen Jugendlichen geschlichtet habe. Er selber habe dann kurz
in die Richtung seines Kollegen geschaut. In diesem Moment sei der Rekurrent aus
dem Stand mit beiden Beinen aufgesprungen und habe seinen Kopf gegen die
Fensterscheibe gestossen, so dass diese geborsten sei. Er habe keine Ahnung,
weshalb der Rekurrent selbständig in die Scheibe gesprungen sei (E 9 S. 3 f.). Der
andere B._-Mitarbeiter sagte aus, der Rekurrent habe im Vorfeld der Festnahme
insbesondere seinen Kollegen beschimpft und sei aggressiv gewesen, weshalb sie sich
entschlossen hätten, ihm Handfesseln anzulegen. Der Rekurrent habe wild mit den
Armen um sich geschlagen. Sein Kollege habe dann den rechten Arm des Rekurrenten
ergreifen können, er habe den Kollegen unterstützen wollen und schliesslich den linken
Arm erfasst. Der Rekurrent habe dennoch versucht, weiter nach ihnen zu schlagen. Ihn
habe er auch mit einem Kopfstoss (Schwedenkuss) getroffen. Er habe aber eine
Schutzweste getragen. Sein Kollege habe den Rekurrenten dann mit Handfesseln auf
dem Rücken fixieren können, worauf sich dieser kurz beruhigt habe. Währenddessen
seien die anderen Jugendlichen in einen verbalen Streit geraten, den er mit einem
Dazwischengehen geschlichtet habe. In diesem Moment sei der Rekurrent gegen die
Fensterfront hochgesprungen und habe seinen Kopf gegen die Fensterverglasung
geschlagen (analog Schwedenkuss). Der Rekurrent habe seinen Kollegen angeschrien,
dieser sei schuld, wenn er sich umbringe. Er töte ihn. Jetzt sehe er, was er davon habe
(E10 S. 3 f.).
2.5 Aus diesen verschiedenen Darstellungen des Geschehens geht einerseits klar
hervor, dass die Gesichtsverletzungen im Rahmen einer Festnahme des Rekurrenten
durch die B._-Mitarbeiter erfolgten. Anderseits liegen diametral gegensätzliche
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Aussagen darüber vor, wer für diese (nicht unerheblichen) Verletzungen verantwortlich
ist. Während der Rekurrent geltend macht, er habe sich bei der Arretierung
zwangsläufig am Kopf verletzt, weil er sich wegen des Hochreissens seines Arms am
Rücken durch einen B._-Mitarbeiter reflexartig nach vorne habe bücken müssen und
dabei den Kopf in das Fenster eingeschlagen habe, erklären die B._-Mitarbeiter, der
Rekurrent sei nach der Arretierung in einer kurzen ruhigen Phase von sich aus in das
Fenster gesprungen. Welche der beiden Darstellungen zutraf, blieb zunächst offen
bzw. wurde im Rahmen der erfolgten Strafanzeige weiter abgeklärt. Anfänglich konnte
jedenfalls entgegen der Vorinstanz nicht von vornherein gesagt werden, es falle nicht
einmal eine fahrlässige Körperverletzung durch die B._-Mitarbeiter in Betracht. Erst
nachdem auch zwei der von den B._-Mitarbeitern angegebenen Zeugen deren
Version ausdrücklich bestätigten (E 12 und 15, zwei Zeugen äusserten sich dazu
entweder nicht bzw. gaben an, der Rekurrent habe sich wahrscheinlich selber verletzt,
E 13 und 14), wurde klar, dass die Sachverhaltsdarstellung des Rekurrenten wohl nicht
zutraf bzw. beweislos bleiben würde. Das bedeutet für das Opferhilferecht, dass erst
nach den polizeilichen Vorermittlungen eine Straftat kaum mehr in Betracht fiel und
insoweit eine Opferstellung des Rekurrenten nicht mehr glaubhaft gemacht war.
3.
Nachdem feststeht, dass die Möglichkeit einer Straftat zum massgebenden Zeitpunkt
zumindest in Betracht fiel, stellt sich die Frage, in welchem Umfang Soforthilfe
(Anspruch auf Übernahme der Kosten für die durch den Rechtsvertreter geleistete
juristische Unterstützung) zu gewähren war.
3.1 Der Rechtsvertreter des Rekurrenten stellt sich auf den Standpunkt, die von ihm
erbrachten Leistungen seien dringend notwendig gewesen und hätten der Abklärung
des Sachverhalts sowie allfälliger Ansprüche gedient. Zu klären sei auch gewesen, ob
das Einleiten eines Strafverfahrens in Anbetracht der Unbekanntheit der Täter Sinn
mache. Zudem seien Beweise zu sichern gewesen, um zu verhindern, dass Ansprüche
des Opfers unter Umständen unwiederbringlich verloren gehen würden. Der Rekurrent
sei nicht in der Lage gewesen, seine Rechte in dieser Angelegenheit selbst zu
vertreten. Er sei der deutschen Sprache nur sehr eingeschränkt mächtig und mit der
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hiesigen Rechtsordnung nicht vertraut. Der Rechtsvertreter macht insgesamt einen
Aufwand von Fr. 1'887.-- geltend (act. G 1.16).
3.2 Wie in E. 2.5 ausgeführt, ist vorliegend davon auszugehen, dass es sich bei den
anfänglichen Bemühungen des Rechtsvertreters um Soforthilfe gemäss Art. 13 Abs. 1
OHG gehandelt hat. Dies kann längstens bis zum 6. September 2013 gelten, als der
Rechtsvertreter erstmals die Akten über das Strafverfahren erhalten hat. Mit Studium
der Strafakten und damit der Protokolle der Zeugeneinvernahmen musste dem
Rechtsvertreter des Rekurrenten klar sein, dass eine die Opferstellung begründende
Straftat kaum mehr in Betracht fallen konnte. Eine weitere juristische Unterstützung
erschien damit als Soforthilfe oder längerdauernde Hilfe nicht mehr ausreichend
begründet. Die ursprünglichen Bemühungen musste der Rechtsvertreter erbringen,
damit der Rekurrent seine Rechte überhaupt wahrnehmen konnte. Diese Unterstützung
war sowohl notwendig wie angemessen, denn der Rekurrent wäre zweifellos nicht in
der Lage gewesen, eine Strafanzeige/Strafklage einzureichen, wie sie sein
Rechtsvertreter am 11. März 2013 gemacht hat. Erst und nur aufgrund dieser Anzeige/
Strafklage hat die Strafverfolgungsbehörde ein Vorermittlungsverfahren aufgenommen.
Ohne juristischen Beistand wäre wohl ohne Weiteres von vornherein allein auf die
Darstellung der B._-Mitarbeiter abgestellt worden, was sich u.a. auch darin zeigt,
dass im Rahmen der Vorermittlung die beiden B._-Mitarbeiter polizeilich als
Auskunftspersonen befragt wurden, während der Rekurrent als Beschuldigter
einvernommen wurde. Der Rekurrent hat damit Anspruch auf Übernahme der Kosten
für diese juristische Unterstützung. In seiner Kostennote führte der Rechtsvertreter bis
und mit Studium der Strafakten (Vorermittlung) einen Aufwand von 3.25 Stunden auf.
Dem Rekurrenten steht dementsprechend ein Anspruch auf Soforthilfe in Form
juristischer Unterstützung einzig im Rahmen von 3.25 Stunden zu. Bei einem Aufwand
von 3.25 Stunden und einem Ansatz von Fr. 200.-- entspricht dies Kosten von
Fr. 650.--. Zuzüglich Barauslagen von 4% und Mehrwertsteuer von 8% ergibt sich ein
geschuldeter Betrag aus Soforthilfe in der Höhe von Fr. 730.10.
3.3 Der Rekurs ist insofern teilweise gutzuheissen, als die Verfügung vom
10. Februar 2015 aufzuheben und dem Rekurrenten Opferhilfe (Soforthilfe) in der Höhe
von Fr. 730.10 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen ist.
3.4 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 30 Abs. 1 OHG).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
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St.Galler Gerichte
3.5 Da der Rekurrent teilweise obsiegt, hat er Anspruch auf eine reduzierte
Parteientschädigung. Anspruch auf Entschädigung besteht nur beim Beizug eines
berufsmässigen Vertreters (Rechtsanwalt oder Rechtsagent) gemäss Art. 10 f. des
Anwaltsgesetzes (AnwG; sGS 963.70). Die Parteientschädigung ist vom Gericht
ermessensweise festzusetzen, wobei insbesondere Art und Umfang der Bemühungen,
der Schwierigkeit des Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten
Rechnung zu tragen ist. Bei vollständigem Obsiegen wäre eine Parteientschädigung
von Fr. 2'000.-- angemessen (Art. 1 i.V.m. Art. 22 lit. b HonO, sGS 963.75). Nachdem
vorliegend dem Rekurrenten grundsätzlich ein Anspruch auf Soforthilfe zuzusprechen
ist und er Rekurs erheben musste, um diesen Anspruch zu erhalten, erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 1'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
gerechtfertigt.
3.6 Die Voraussetzungen zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Bedürftigkeit, Notwendigkeit anwaltlicher Unterstützung und fehlende
Aussichtslosigkeit) sind vorliegend gegeben. Dem Gesuch um unentgeltlichen
Prozessführung (vgl. Rekurs S. 11 mit Beilage 19) ist zu entsprechen. Demzufolge hat
der Staat den Rechtsvertreter des Rekurrenten im unterliegenden Teil mit Fr. 800.--
(80% von Fr. 1'000.--, vgl. Art. 31 Abs. 3 AnwG) zu entschädigen.