Decision ID: 5a1ab640-02d3-4e96-8929-2dbef89df182
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Angriff
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom
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4. Dezember 2013 (DG130085)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 16. Septem-
ber 2013 (Urk. 29) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 52 S. 51 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 14 Monaten Freiheitsstrafe.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 8 Monaten aufgeschoben und die
Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (6 Monate) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte aus dem eingeklagten Ereignis vom 30. Mai
2010 gegenüber dem Privatkläger (B._) dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig
ist. Im Übrigen wird das Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg verwiesen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger (B._) eine Genugtuung im Betrag
von Fr. 1'500.–, zuzüglich 5 % Zins ab 30. Mai 2010, zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'500.– Kosten Vorverfahren
Fr. 17'101.05 amtl. Verteidigungskosten
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche
einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse
übernommen werden.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger eine Prozessentschädigung in der
Höhe von Fr. 16'000.– zu bezahlen.
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9. (Mitteilungen.)
10. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge:
a) Der erbetenen Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 57 und 92):
1. Der Beschuldigte sei in Abänderung von Dispositivziffer 2 des Urteils vom
4. Dez. 2013 zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen à CHF 30.- als
Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 11. Juni 2012 zu bestrafen.
Eventualiter sei eine Freiheitsstrafe von 5 Monaten auszusprechen.
2. Der Vollzug der Geld- bzw. eventualiter der Freiheitsstrafe sei in Abände-
rung von Dispositivziffer 3 des Urteils vom 4. Dezember 2013 aufzuschieben
und die Probezeit auf 3 Jahre festzusetzen.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 61, schriftlich):
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Privatklägerschaft (Urk. 76, schriftlich):
1. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger eine Genugtuung
im Betrag von mindestens CHF 7'500.– nebst Zins zu 5% seit dem 30. Mai
2010 zu bezahlen.
2. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger Schadenersatz im
Betrag von CHF 23'218.95 für die ihm zur Geltendmachung seiner
Geschädigtenansprüche und für die Vertretung im erstinstanzlichen Ver-
fahren entstandenen Anwaltskosten zu bezahlen.
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3. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger Schadenersatz im
Betrag von CHF 3'594.65 für die ihm zur Geltendmachung seiner
Geschädigtenansprüche und für die Vertretung im Berufungsverfahren
entstandenen Anwaltskosten zu bezahlen.
Eventualiter seien diese Kosten aus der Staatskasse zu bezahlen.
4. Es sei dem Privatkläger das vollständige Urteil zuzustellen.
5. Alles unter Kostenfolge zu Lasten des Beschuldigten.

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung
1. Vorinstanzliches Urteil und Verfahrensgang
1.1. Mit Urteil vom 4. Dezember 2013 sprach das Bezirksgericht Bülach,
I. Abteilung, den Beschuldigten des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB schuldig.
Der Beschuldigte wurde mit 14 Monaten Freiheitsstrafe bestraft. Der Vollzug der
Freiheitsstrafe wurde im Umfang von 8 Monaten aufgeschoben und die Probezeit
auf 3 Jahre festgesetzt. Im übrigen Umfang von 6 Monaten wurde auf Vollzug der
Freiheitsstrafe erkannt.
Des Weiteren wurde festgestellt, dass der Beschuldigte aus dem eingeklagten
Ereignis vom 30. Mai 2010 gegenüber dem Privatkläger dem Grundsatze nach
schadenersatzpflichtig ist und das Schadenersatzbegehren im Übrigen auf den
Zivilweg verwiesen.
Der Beschuldigte wurde zudem verpflichtet, dem Privatkläger eine Genugtuung im
Betrag von Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 30. Mai 2010 zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wurde das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, mit Ausnahme
derjenigen der amtlichen Verteidigung, wurden dem Beschuldigten auferlegt. Der
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Beschuldigte wurde ausserdem verpflichtet, dem Privatkläger eine Prozess-
entschädigung in der Höhe von Fr. 16'000.– zu bezahlen (Urk. 52 S. 51 f.).
1.2. Gegen das Urteil wurde seitens der Verteidigung sowie seitens der Privat-
klägerschaft rechtzeitig Berufung angemeldet (vgl. Urk. 44 bzw. 47). Ebenfalls
fristgerecht erstatteten die Vertretung der Privatklägerschaft mit Eingabe vom
8. Mai 2014 und die Verteidigung mit Eingabe vom 13. Mai 2014 ihre jeweiligen
schriftlichen Berufungserklärungen (Urk. 55 und 57).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 15. Mai 2014 wurde dem Beschuldigten, dem
Privatkläger sowie der Staatsanwaltschaft, wo erforderlich unter Zustellung einer
Kopie der Berufungserklärungen der Verteidigung und des Privatklägers, Frist
angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die
Berufung zu beantragen. Der Beschuldigte wurde zur Einreichung mehrerer
Unterlagen betreffend seine finanzielle Lage aufgefordert (Urk. 59).
1.4. Mit Eingabe vom 21. Mai 2014 wurde seitens der Staatsanwaltschaft mit-
geteilt, dass die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantragt werde. Gleich-
zeitig wurde auf die Stellung von Beweisanträgen verzichtet und um Dispensation
von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung ersucht (Urk. 61).
1.5. Innert erstreckter Frist reichte die Verteidigung mit Eingabe vom 19. Juni
2014 das Datenerfassungsblatt sowie weitere Unterlagen zu den finanziellen Ver-
hältnissen des Beschuldigten ein (Urk. 64 u. 66/1-6).
1.6. Am 1. Juli 2014 ergingen die Vorladungen an die Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland (fakultativ), den Privatkläger und den Beschuldigten zur heu-
tigen Berufungsverhandlung (vgl. Urk. 68 bzw. 72 u. 73).
1.7. Mit Eingabe vom 8. Juli 2014 stellte der Rechtsvertreter des Privatklägers
das Gesuch um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung
und um Erlaubnis, seine Anträge schriftlich einzureichen und zu begründen
(Urk. 70). Diesem Gesuch wurde mit Präsidialverfügung vom 16. Juli 2014 ent-
sprochen und dem Privatkläger Frist zur schriftlichen Stellung und Begründung
der Berufungsanträge angesetzt (Urk. 74).
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1.8. Mit Eingabe vom 4. August 2014 reichte der Rechtsvertreter des Privat-
klägers daraufhin seine begründeten Berufungsanträge mit Beilagen ein (Urk. 76
u. 77/1-3), welche anschliessend der Verteidigung zur Kenntnisnahme zugestellt
wurden (Urk. 80).
1.9. Mit Eingabe vom 20. August 2014 ersuchte die amtliche Verteidigerin des
Beschuldigten, Rechtsanwältin lic. iur. X1._, um Entlassung aus ihrem Man-
dat, da der Beschuldigte in der Person von Rechtsanwalt Dr. iur. X2._ eine
neue anwaltliche Vertretung mandatiert habe (Urk. 81).
1.10. Mit Präsidialverfügung vom 21. August 2014 wurde Rechtsanwältin lic. iur.
X1._ als amtliche Verteidigerin des Beschuldigten entlassen und Rechtsan-
walt Dr. iur. X2._ aufgefordert, dem Gericht eine durch den Beschuldigten
unterzeichnete Vollmacht einzureichen (Urk. 83).
1.11. Mit Eingabe vom 26. August 2014 liess Rechtsanwalt Dr. iur. X2._ dem
Gericht die angeforderte Vollmacht zukommen (Urk. 86) und liess verlautbaren,
dass sein Mandat im Rahmen einer Wahlverteidigung erfolge (Urk. 85).
1.12. Am 26. August 2014 erging die Vorladung an den neuen (erbetenen) Vertei-
diger des Beschuldigten (Urk. 88).
2. Umfang der Berufung
2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Nach Ablauf der
Rechtsmittelfrist kann der Umfang der Anfechtung nicht mehr ausgedehnt, aber
eingeschränkt werden. Auch wenn das Berufungsgericht nur die angefochtenen
Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein insgesamt neues Urteil, worin die neu
überprüften und die (teil-)rechtskräftigen Punkte bezeichnet werden (vgl. hierzu
EUGSTER in: NIGGLI/ HEER/ WIPRÄCHTIGER [HRSG.], Basler Kommentar, Schweizeri-
sches Strafprozessrechtsordnung, Basel 2011, Art. 399 N 6 u. Art. 402 N 2;
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NIKLAUS SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. A.,
Zürich/St. Gallen 2013, N 1547 und 1549).
2.2. Die Verteidigung hat die Berufung des Beschuldigten auf die Dispositiv-
Ziffern 2 (Strafzumessung) und 3 (Vollzug) beschränkt (vgl. Urk. 57).
2.3. Der Privatkläger hat seine Berufung auf die Dispositiv-Ziffern 5 (Genug-
tuung) und 8 (Prozessentschädigung) beschränkt (vgl. Urk. 55 u. 76).
2.4. Deshalb bilden die zitierten Dispositiv-Ziffern 2, 3, 5 und 8 des erstinstanzli-
chen Urteils Berufungsgegenstand. Die übrigen Dispositiv-Ziffern des erstinstanz-
lichen Urteils (Dispositiv-Ziffern 1, 4, 6 und 7) wurden nicht angefochten und sind
daher in Rechtskraft erwachsen, was vorab mit Beschluss festzustellen ist.
2.5. Auf die Argumente der Verteidigung und der Privatklägerschaft ist im
Rahmen der nachstehenden Erwägungen einzugehen. Dabei muss sich das
Gericht nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtli-
chen Einwand auseinandersetzen; vielmehr kann es sich auf die für die
Entscheidfindung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 138 I 232,
E. 5.1. mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_484/2013 vom 3. März 2014,
E. 3.2.).
II. Prozessuales
Auf die Stellung von Beweisanträgen wurde seitens des Beschuldigten wie auch
seitens der Privatklägerschaft und der Anklagebehörde verzichtet (Urk. 57 S. 2;
Urk. 55 u. 57; Urk. 61; Prot. II S. 8). Ebenso wurden seitens der Verteidigung und
der Privatklägerschaft keine prozessualen Einwendungen vorgebracht (vgl. dazu
Urk. 93 bzw. Urk. 76).
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III. Strafe
1. Strafrahmen
1.1. Für den Tatbestand des Angriffs sieht Art. 134 StGB eine Bestrafung mit
Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. Die tat- und täterange-
messene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens der
anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen. Dieser Rahmen ist vom Gesetz-
geber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um sämtlichen konkreten Umstän-
den Rechnung zu tragen. Zwar ist auch in der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung darauf hingewiesen worden, das Gesetz sehe eine Strafrahmen-
erweiterung vor. Damit sollte aber nur ausgedrückt werden, dass der Richter
infolge eines Strafschärfungs- bzw. Strafmilderungsgrundes nicht mehr in jedem
Fall an die Grenze des ordentlichen Strafrahmens gebunden ist. Der ordentliche
Rahmen ist nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und
die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu
milde erscheint. Der vom Gesetzgeber vorgegebene ordentliche Rahmen ermög-
licht in aller Regel, für eine einzelne Tat die angemessene Strafe festzulegen. Er
versetzt den Richter namentlich in die Lage, die denkbaren Abstufungen des
Verschuldens zu berücksichtigen (BGE 136 IV 55 E. 5.8.).
1.2. Seitens der Vorinstanz wurde zutreffend erwogen, dass vorliegend keine
Umstände vorliegen, welche es erforderlich machen würden, den ordentlichen
Strafrahmen zu verlassen bzw. aufgrund eines Strafmilderungsgrundes herabzu-
setzen, weshalb vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen
werden kann (vgl. Urk. 52 E.V.2.2-2.4.).
2. Strafzumessung
2.1. Innerhalb des Strafrahmens von einem Tag bis fünf Jahren Freiheitsstrafe
oder Geldstrafe von einem Tagessatz bis höchstens 360 Tagessätzen ist die
Strafe nach dem Verschulden des Täters zu bemessen, wobei das Gericht das
Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das
Leben des Täters berücksichtigt. Das Verschulden wird nach der Schwere der
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Verletzungen oder der Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Ver-
werflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie
danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen
in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 StGB).
2.2. Ausgangspunkt für die Strafzumessung ist die objektive Schwere des Delik-
tes (DONATSCH/FLACHSMANN/HUG/WEDER, StGB-Kommentar, 19. A., Zürich 2013,
N 8 zu Art. 47 StGB mit Verweisen). Insbesondere sind hier das Ausmass des
verschuldeten Erfolgs, die Art und Weise des Vorgehens und der Deliktsbetrag zu
berücksichtigen. Von Bedeutung ist auch die kriminelle Energie, wie sie durch die
Tat und Tatausführung offenbart wird (vgl. Urteil des Obergerichts vom 5. Juni
2013 im Verfahren SB130126, E. 5.4.2.).
Ebenso massgeblich ist die subjektive Tatschwere. An dieser Stelle stellt sich die
Frage, wie dem Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Dazu
gehören etwa die Frage der Zurechnungsfähigkeit (wer in seiner Einsichts-
und/oder Handlungsfähigkeit beeinträchtigt ist, den trifft letztlich ein geringerer
subjektiver Vorwurf; sein Verschulden ist minder, was zu einer tieferen Strafe
führen muss), damit im Zusammenhang stehend die Intensität des deliktischen
Willens sowie das Motiv (vgl. Urteil des Obergerichts vom 5. Juni 2013 im Ver-
fahren SB130126, E. 5.4.2.).
Die verschuldensangemessene Strafe kann aufgrund von Umständen, die mit der
Tat grundsätzlich nichts zu tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Mass-
gebend sind hierfür im Wesentlichen täterbezogene Komponenten wie die
persönlichen Verhältnisse, Vorstrafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nach-
tatverhalten (Geständnis, Einsicht, Reue etc.; vgl. Urteil des Obergerichts vom
5. Juni 2013 im Verfahren SB130126, E. 5.4.2.).
2.3.1. In Bezug auf die für die Beurteilung der objektiven Tatschwere beim Straf-
tatbestand des Angriffs wesentlichen Umstände wurden seitens der Vorinstanz
die zutreffenden allgemeinen Erwägungen gemacht (s. Urk. 52 E. V.3.2.1.).
Richtig ist, dass vorliegend der Angriff des Beschuldigten gerade deshalb ein
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beträchtliches Gefahrpotential für das Leben und die körperliche Unversehrtheit
des Privatklägers barg, weil er von mehreren, unter Alkoholeinfluss stehenden
Personen unter Zuhilfenahme von Flaschen und anderen gefährlichen Gegen-
ständen in schlecht beleuchteten Discoräumlichkeiten verübt wurde, wobei die
sich daraus ergebende Möglichkeit unkontrollierter Handlungen ein erhebliches
Risiko darstellte (s. Urk. 50 E.V.3.2.1.3. unter Verweis auf BGer 6S.250/2003).
Die Verwerflichkeit des Handelns bzw. die kriminelle Energie des Beschuldigten
wurde von der Vorinstanz zutreffend ebenfalls als beträchtlich eingestuft, indem er
und seine Mittäter den Privatkläger als geschlossene, zusammenwirkende
Gruppe angriffen und ihn nicht mit blossen Händen, sondern mit Glasflaschen und
weiteren gläsernen Gegenständen attackierten (Urk. 52 E.V.3.2.1.5.). Ebenso zu-
treffend wurde von der Vorinstanz das passive Verhalten des Privatklägers insbe-
sondere vor, aber auch während des Vorfalls gewürdigt. So ist erstellt, dass der
Privatkläger unvermittelt angegriffen wurde, ohne dass dem Angriff eine Provo-
kation seinerseits oder eine Vorwarnung seitens der Täter vorausging, und er sich
weiter passiv und abwehrend verhielt, ohne gegenüber den Tätern seinerseits tät-
lich vorzugehen oder Schläge auszuteilen (vgl. Urk. 52 E.III.9.1. u. E. V.3.2.1.6.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte der Beschuldigte diesbezüglich
zwar zunächst Einwände vor, gemäss welchen der Privatkläger – entgegen der
Vorinstanz – doch durch Drittpersonen unterstützt worden sei, hielt aber im
Verlauf der Verhandlung fest, dass im vorliegenden Berufungsverfahren davon
ausgegangen werden könne, dass keine solche Unterstützung geleistet worden
sei (Urk. 92 S. 6). Der Beschuldigte akzeptierte die ihm vorgehaltene Beweiswür-
digung der Vorinstanz zur Sachverhaltserstellung vollumfänglich (Urk. 92 S. 5).
Demzufolge ist die aus dem beschriebenen Verhalten gezogene Schlussfolgerung
der Vorinstanz, dass die Passivität des Privatklägers verschuldenserhöhend zu
berücksichtigen sei (Urk. 52 E.V.3.2.1.6.), angemessen.
2.3.2. Die Einschätzung der objektiven Tatschwere seitens der Vorinstanz aus-
gehend vom beträchtlichen Ausmass der Gefährdung unter Berücksichtigung des
hohen Grades der Verwerflichkeit als keineswegs leicht ist in casu nicht zu bean-
standen. Die von ihr hierfür festgesetzte Einsatzstrafe von 18 bis 20 Monaten
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Freiheitsstrafe (s. Urk. 52 E.V.3.2.1.7.) erscheint angesichts der konkreten Quali-
fikation des Verschuldens aber eher noch als milde.
2.3.3.1. Vor Vorinstanz wurde seitens der Verteidigung im Zusammenhang mit
der Beurteilung der Verwerflichkeit (wie auch der Vermeidbarkeit) der strafbaren
Handlung des Beschuldigten auf das Psychiatrische Gutachten des Zentrums für
Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich über den Beschuldigten vom
7. August 2008 hingewiesen, welches beim Beschuldigten eine Sozialverhaltens-
störung bei vorhandenen sozialen Bindungen (F91.2), eine Störung der Persön-
lichkeitsentwicklung sowie eine langjährige erzieherische Fehlentwicklung diag-
nostiziere (Urk. 40 S. 12 Rz. 24 unter Verweis auf die Beizugsakten des Verfah-
rens 2012/1703 der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland; Urk. 20/5 S. 25 f.).
Die Störung würde bei einem Erwachsenen mindestens als dissoziale Persönlich-
keitsstörung bewertet. Der Beschuldigte benötige eine strukturierte, qualifizierte
Betreuung, welche in einem Gefängnis gerade nicht umgesetzt werden könne.
Auch setze sich die dissoziale Orientierung unter Haftbedingungen eher durch
(Urk. 40 S. 12 Rz. 24).
2.3.3.2. Das besagte Gutachten, auf welches sich die Verteidigung vor
Vorinstanz bezogen hat, fand im Rahmen der Urteilsbegründung der Vorinstanz
keine Erwähnung (vgl. Urk. 52). Seitens der Vorinstanz wurde bloss festgehalten,
dass keinerlei Hinweise auf das Vorliegen innerer oder äusserer, die Schuldfähig-
keit vermindernder Umstände zum Tatzeitpunkt ersichtlich seien und dass es dem
Beschuldigten ein Leichtes gewesen wäre, von der Tat Abstand zu nehmen
(Urk. 52 E. V.3.2.2.5.). Auffällig ist ebenso, dass das Gutachten im Verfahren vor
dem Bezirksgericht Bülach, in welchem der Beschuldigte mit Urteil vom
4. November 2008 u.a. des mehrfachen bandenmässigen Raubes, des Rauf-
handels, des mehrfachen Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung, des
mehrfachen Hausfriedensbruchs und der Brandstiftung für schuldig erkannt
wurde, nicht im Rahmen der Strafzumessung, sondern ausschliesslich bei der
Frage der offenen oder geschlossenen Unterbringung gemäss Jugendstrafgesetz
berücksichtigt wurde.
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2.3.3.3. Da zwischen Erstellung des Gutachtens - welches am 5. Mai 2008
abgeschlossen wurde (s. Beizugsakten des Verfahrens 2012/1703 der Staatsan-
waltschaft Winterthur/Unterland; Urk. 20/5 S. 35) - und der vorliegend zu beurtei-
lenden Tat vom 30. Mai 2010 bloss rund zwei Jahre liegen, ist der Vollständigkeit
halber hier darauf einzugehen. Aus dem Gutachten geht hervor, dass beim
Beschuldigten - noch unter Anwendung der diagnostischen Klassifikation nach
ICD-10 der Kinder- und Jugendpsychiatrie - eine Störung des Sozialverhaltens bei
vorhandenen sozialen Bindungen diagnostiziert wurde, wobei deren klinische
Ausprägung als höhergradig und deren damals aktuelle Ausprägung als mässig
eingestuft wurde. Weiter wurde dem Beschuldigten eine Störung der Persönlich-
keitsentwicklung beschieden, welche im Falle eines Erwachsenen, bei dem man
von einer weitgehend abgeschlossenen Persönlichkeitsbildung ausgehen würde,
als besonders auffällig und in der Nähe der sog. "psychopathy", mindestens
jedoch als dissoziale Persönlichkeitsstörung bewertet werden würde. Allerdings
sei beim Beschuldigten die Persönlichkeitsbildung eben noch nicht abgeschlos-
sen, weshalb festgehalten wurde, dass mit entsprechend geeigneten Inter-
ventionen eine Fixierung im Bereich der Persönlichkeitsstörungen abgemildert
werden könne. Aus dem Gutachten geht überdies hervor, dass zweifellos richtig
sei, dass beim Beschuldigten eine erhöhte Kränkbarkeit vorliege, und daraus
folgend vermehrt Wut-Affekte, verbunden mit Racheabsichten bei ihm zu
beobachten seien. Jedoch seien daraus abgeleitete Handlungen des Beschuldig-
ten meist mit Verzögerung und einer Vorlauf- oder Planungsphase erfolgt, und
würden weniger das Bild einer typischen oder stärker ausgeprägten Impulsivität
zeigen (Beizugsakten des Verfahrens 2012/1703 der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland; Urk. 20/5 S. 26).
2.3.3.4. In casu ist ebenfalls davon auszugehen, dass der Beschuldigte eine
gewisse Vorlaufzeit hatte, bevor der Angriff auf den Privatkläger durchgeführt
wurde. So wurde seitens der Vorinstanz erstellt, dass der Beschuldigte "kurze Zeit
vor dem Vorfall" von der Zeugin C._ erfahren habe, dass ihn seine damalige
Freundin D._ mit dem Privatkläger betrügen würde (Urk. 50 E.III.9.1.) sowie
dass er nach Kenntnisnahme dieses Umstandes im Vorfeld seine Freundin
D._ verprügelt hatte (Urk. 52 E.III.8.19.), wobei seitens der Vorinstanz offen
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gelassen wurde, ob dem Beschuldigten diese Information bereits rund zwei Wo-
chen vor dem Vorfall oder am selben Abend zuging. Anlässlich der heutigen Beru-
fungsverhandlung führte der Beschuldigte zunächst aus, er wisse nicht, ob es nur
C._ gewesen sei, die ihm vom Betrug erzählt habe, oder ob D._ es ihm
auch selbst noch mitgeteilt habe (Urk. 92 S. 6). Im weiteren Verlauf der Verhand-
lung hielt er dann fest, es sei D._ gewesen, die ihm den Betrug gebeichtet
habe. Es sei nicht unmittelbar vor dem Besuch der Disco ... gewesen. Vielleicht
sei es ein Tag zuvor gewesen, aber genau sagen könne er dies nicht mehr (Urk.
92 S. 9). Insofern ist auch nach den heutigen Aussagen des Beschuldigten von
einer gewissen Vorlaufzeit auszugehen.
2.3.3.5. So oder anders ist im Einklang mit den gutachterlichen Feststellungen
seitens des Zentrums für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich
vom 7. August 2008 aufgrund des erwiesenen, wenn auch allenfalls kurzen
zeitlichen Intervalls zwischen der Kenntnisnahme des Betrogenwerdens und des
Verprügelns seiner Freundin einerseits und der Tatausführung andererseits davon
auszugehen, dass die planende, vorausschauende Komponente des in der
Formation einer mit Glasflaschen und weiteren gläsernen Gegenständen ausge-
statteten Gruppe auftretenden Beschuldigten beim Angriff auf den Privatkläger in
Gegenüberstellung mit dem impulsiven Affekt jedenfalls nicht in den Hintergrund
tritt.
2.3.3.6. Aus diesen Erwägungen erscheint es vorliegend nicht gerechtfertigt,
dem Beschuldigten allenfalls gestützt auf die aus dem Gutachten des Zentrums
für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich vom 7. August 2008
gewonnenen Erkenntnisse eine Verminderung der Schuldfähigkeit zuzuerkennen,
zumal auch das Gutachten die beim Beschuldigten zu verortende Impulsivität
relativiert. Es ist allerdings zu betonen, dass das Gutachten im Tatzeitpunkt nicht
mehr aktuell war und der Beschuldigte im Zeitraum zwischen der Erstellung des
Gutachtens und der heute zu beurteilenden Tat therapeutische Unterstützung
erfahren hat, wobei diese Therapie vom Beschuldigten offenbar erfolgreich abge-
schlossen worden ist. Dies relativiert die aus dem Gutachten gewonnenen
Erkenntnisse doch deutlich. Im Berufungsverfahren wurde eine Verminderung der
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Schuldfähigkeit aber auch Seitens der Verteidigung ohnehin nicht mehr geltend
gemacht (vgl. Urk. 93).
2.3.4. In Bezug auf die übrige Würdigung der subjektiven Tatschwere wurde von
der Vorinstanz zutreffend erwogen, dass der Beschuldigte sich bei der Begehung
der Tat von Eifersucht und Rachegefühlen leiten liess, was als egoistisches und
rücksichtsloses Verhalten verschuldenserhöhend wirkt (Urk. 50 E.V.3.2.2.3. mit
Hinweisen), wobei die impulsive Komponente - wie soeben ausgeführt - sich nicht
zu Gunsten des Beschuldigten auszuwirken vermag. Deshalb ist die Schluss-
folgerung der Vorinstanz, dass die Würdigung der subjektiven Tatschwere
angesichts des direktvorsätzlichen Handelns, der egoistischen Beweggründe und
dem vollen Mass an Entscheidungsfreiheit dazu führt, das Tatverschulden ins-
gesamt als erheblich einzustufen, woraus eine Freiheitsstrafe zwischen 21 und
23 Monaten resultiere (Urk. 52 E.III.3.2.2.6.), nicht zu beanstanden.
2.3.5. Zu den persönlichen Verhältnissen hielt der Beschuldigte anlässlich der
heutigen Berufungsverhandlung fest, dass er die Weiterbildung zum eidgenös-
sisch diplomierten Kundendienstberater absolviert habe und nun plane, vom
Beruf des Automechanikers in den Kundendienst zu wechseln (Urk. 92 S. 1). Im
Übrigen kann zu den persönlichen Verhältnissen auf die Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen werden (Urk. 52 E.V.3.3.3.), zumal der Beschuldigte diese
anlässlich seiner Einvernahme im Rahmen der Berufungsverhandlung weit-
gehend bestätigte (Urk. 92 S. 1 ff.).
2.3.6. Die von der Vorinstanz im Rahmen der Täterkomponente vorgenommene
Würdigung der schwierigen familiären Verhältnisse in der Kindheit und Jugend
des Beschuldigten als Strafminderungsgrund kann nicht übernommen werden.
Die Biographie des Beschuldigten unterscheidet sich nicht wesentlich von der-
jenigen anderer Menschen seiner Generation, die eine – wenn auch schwierig
verlaufende – Scheidung ihrer Eltern zu gewärtigen hatten (vgl. zur konkreten
Situation im Elternhaus des Beschuldigten: Beizugsakten des Verfahrens
2012/1703 der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland; Urk. 20/5 S. 23). Die
Würdigung der Vorinstanz betreffend die teilweise einschlägigen Vorstrafen als
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Straferhöhungsgrund ist demgegenüber nicht zu beanstanden (vgl. Urk. 52
E.V.3.3.4.).
2.3.7. Die Vorinstanz hat des Weiteren das Verhalten des Beschuldigten nach der
Tat sowie im Strafverfahren, dessen mangelnde Kooperationswilligkeit, Reue und
Einsicht als strafzumessungsneutral erachtet (Urk. 50 E.V.3.3.6.). Neu ist in
diesem Zusammenhang strafmindernd zu berücksichtigen, dass sich der
Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung geständig zeigte und den
durch die Vorinstanz erstellten Sachverhalt vollumfänglich anerkannte (Urk. 92
S. 4 ff.). Wenn das Bundesgericht betreffend ein solches positives Nachtatver-
halten eine Strafreduktion im Bereich von einem Drittel bis zu einem Fünftel als
angemessen erachtet (vgl. BGE 118 IV 349 und 121 IV 202; Wiprächtiger in:
BSK-StGB, a.a.O., Art. 47 N. 129 ff.), so kann dieses Ausmass für ein im
Berufungsverfahren abgelegtes Geständnis selbstredend nicht gelten. Das erst
anlässlich der Berufungsverhandlung vorgebrachte Geständnis des Beschuldigten
vermochte das Strafverfahren nur noch marginal zu erleichtern. Dement-
sprechend kann das Geständnis des Beschuldigten im heutigen Zeitpunkt auch
nur noch in marginalem Umfang strafmindernd Berücksichtigung finden.
Ähnliches gilt auch für die durch den Beschuldigten anlässlich der Berufungs-
verhandlung bekundete Reue. Auch diese hat der Beschuldigte erst sehr spät im
Verfahren erstmals gezeigt. Zudem verbleiben in diesem Zusammenhang, trotz
der positiven Entwicklung des Beschuldigten sowohl in sozialer und beruflicher
Hinsicht, gewisse Zweifel, zumal der Beschuldigte anlässlich seiner Einvernahme
während der Berufungsverhandlung eingeräumt hat, dass er sich ohne über-
zeugenden Grund bis heute nicht beim Privatkläger entschuldigt hat und zumal er
bei seinen Ausführungen zur Sache auch immer wieder erwähnte, dass es v.a.
die anderen Beteiligten gewesen seien – und nicht er – welche die Brutalität des
Angriffs verschuldet hätten (Urk. 92 S. 7 ff.). Die spät bekundete Reue des
Beschuldigten kann vor diesem Hintergrund ebenfalls nur marginal berücksichtigt
werden.
2.3.8. Zu Gunsten des Beschuldigten wurde seitens der Vorinstanz sodann der
Umstand gewürdigt, dass sich die Lebensverhältnisse seit dem Strafbefehl der
- 17 -
Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 11. Juni 2012 stabilisiert haben
(s. Urk. 50 E.V.3.3.8.): So schloss der Beschuldigte im Sommer 2012 die im
Rahmen der Unterbringung in der Jugendstätte ... begonnene Lehre ab und arbei-
tet seit Februar 2013 als Automechatroniker. Seine Schulden sind zurückgezahlt
und der Beschuldigte hat sich selbständig die Weiterbildung zum Kundendienst-
berater finanziert. Daraus schliesst die Vorinstanz zutreffend, dass der Beschul-
digte die nötigen Lehren aus den vergangenen Strafverfahren gezogen und einen
Lebenswandel vollzogen hat, über berufliche Ziele und Pläne verfügt und gewillt
ist, einem strukturierten Tagesablauf nachzugehen und im Erwerbsleben Fuss zu
fassen. Auch die anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung getätigten Aus-
sagen des Beschuldigten bekräftigen diesen Eindruck. Er hat die Weiterbildung
zum eidgenössisch diplomierten Kundendienstberater mittlerweile abgeschlossen
und plant derzeit seine nähere berufliche Zukunft. Neben seinem beruflichen er-
scheint dabei auch sein soziales Umfeld stabil, zumal er nach wie vor bei seiner
Mutter wohnt und seit vier Jahren in einer festen Beziehung lebt. Zudem gibt der
Beschuldigte an, keinerlei Kontakt mehr mit seinen Kollegen zu pflegen, die ihn
anlässlich der Begehung des heute zu beurteilenden Delikts umgeben haben
(Prot. 92 S. 1 ff.). Deshalb kann die Einschätzung der Vorinstanz, dass die positi-
ve Entwicklung des Beschuldigten, aus welcher er nicht ohne Not hinaus zu reis-
sen sei, im Sinne einer leicht erhöhten Strafempfindlichkeit zu Gunsten des Be-
schuldigten zu berücksichtigen ist, geteilt werden.
2.3.9. Nicht ausser Acht gelassen werden kann sodann aber der Umstand, dass
der Beschuldigte während des laufenden vorliegenden Verfahrens zweimalig
– wenn auch nicht einschlägig – delinquiert hat und deshalb mit Strafbefehlen
vom 26. Januar und 11. Juni 2012 zu Rechenschaft gezogen werden musste
(vgl. Urk. 54).
2.3.10. Die seitens der Vorinstanz gemachte Erwägung, dass die Täterkompo-
nente die Tatkomponente zu relativieren vermöge, weshalb die im Rahmen der
Tatkomponente festgelegte Strafe auf eine Freiheitsstrafe von 18 bis 20 Monaten
zu reduzieren sei (vgl. Urk. 52 E.V.3.3.9.), ist auch vor dem heutigen Hintergrund
(Nichtberücksichtigung schwieriger familiärer Verhältnisse, Neuberücksichtigung
- 18 -
des anlässlich der Berufungsverhandlung abgelegten Geständnisses und der ein-
geräumten Reue sowie des strafbaren Handelns während des laufenden Straf-
verfahrens) nicht zu beanstanden.
3.3.11. Schliesslich ist die seitens der Vorinstanz vorgenommene Berück-
sichtigung der übermässig langen Verfahrensdauer zu Gunsten des Beschuldig-
ten (Urk. 50 E.V.3.4.) zu bestätigen: Von der Orientierung des Beschuldigten über
die eingeleitete Strafuntersuchung am 8. Juli 2010 (Urk. 5) bis zum Entscheid der
Vorinstanz am 4. Dezember 2013 bzw. dem heutigen Entscheid sind immerhin
rund dreieinhalb bzw. mehr als vier Jahre vergangen.
3.3.12. Die unter Berücksichtigung von Tatkomponente und Täterkomponente
und der überlangen Verfahrensdauer durch die Vorinstanz ausgefällte Freiheits-
strafe von 14 Monaten (s. Urk. 52 E.V.3.5.) erscheint (aufgrund der relativ starken
Gewichtung der langen Verfahrensdauer und der Strafempfindlichkeit) insgesamt
als wohlwollend und ist sicherlich nicht als überrissen zu erachten. Da vorliegend
ohnehin das Verschlechterungsverbot i.S.v. Art. 397 Abs. 2 Satz 1 StPO
zu beachten ist, ist die durch die Vorinstanz ausgefällte Freiheitsstrafe von
14 Monaten vor diesem Hintergrund ohne Weiteres zu bestätigen.
3. Strafart
3.1. Seitens der Verteidigung wurde eine Geld- anstelle einer Freiheitsstrafe für
den Beschuldigten beantragt. Das Prinzip der Verhältnismässigkeit gebietet, dass
bei alternativ zur Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs
äquivalenten Sanktionen im Regelfall jene gewählt werden soll, die weniger stark
in die persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am wenigsten
hart trifft (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2 bzw. BGE 134 IV 82 E. 4.1).
3.2. Bei der Festlegung der Strafart ist zu berücksichtigen, dass bei vorliegender
Strafhöhe von 14 Monaten ausschliesslich die Freiheitsstrafe in Frage kommt
(Art. 34, 37 und 40 StGB), weshalb diese auszufällen ist.
- 19 -
4. Retrospektive Konkurrenz
4.1. Die seitens der Vorinstanz gemachten theoretischen Ausführungen zur
Methodik der Strafzumessung in Bezug auf die Anwendung der retrospektiven
Konkurrenz sind mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht zu
beanstanden. So wurde seitens der Vorinstanz zutreffend festgestellt (vgl. Urk. 52
E.V.1.4.), dass die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 2 StGB
nur bei gleichartigen Strafen möglich ist. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu
verhängen, da das Asperationsprinzip nur greift, wenn mehrere gleichartige
Strafen ausgesprochen werden (BGE 137 IV 249 E. 3.4.; BGer 6B_684/2011
E. 5.2).
4.2. Vorliegend ist der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten zu
verurteilen. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
11. Juni 2012 wurde der Beschuldigte indes zu einer Geldstrafe von 150 Tages-
sätzen zu Fr. 30.– verurteilt (Urk. 25/1). Ergänzend festzuhalten ist, dass im
Hinblick auf die Frage der Anwendung der retrospektiven Konkurrenz - entgegen
der Ansicht der Vorinstanz (s. Urk. 50 E.V.1.3.) - überdies die mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 26. Januar 2012 ausgefällte Geld-
strafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.– relevant ist. Mangels Gleichartigkeit dieser
Geldstrafen mit der heute auszufällenden Freiheitsstrafe ist indes keine Gesamt-
strafe im Sinne von Art. 49 Abs. 2 StGB zu bilden.
5. Ergebnis
Insgesamt ist nach dem Gesagten eine Sanktion von 14 Monaten Freiheitsstrafe
auszufällen.
IV. Vollzug
1. In Bezug auf die formellen und materiellen Voraussetzungen des bedingten
bzw. teilbedingten Vollzuges einer Geld- oder Freiheitsstrafe und die ent-
sprechende Rechtsprechung und Lehre kann vollumfänglich auf die zutreffenden
- 20 -
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Urk. 52 E.V.). Ergänzend ist
festzuhalten, dass die subjektiven Voraussetzungen eines bedingten Strafvoll-
zuges ex nunc nach den Umständen im Zeitpunkt der nachträglichen Beurteilung
geprüft werden (BGE 109 IV 68 E. 3).
2. Die Vorinstanz hat die vorliegend relevanten Umstände korrekt und ange-
messen gewürdigt (vgl. Urk. 52 E.V.4.-6.). So steht in casu die Frage im Zentrum,
ob die stabil scheinenden Lebensumstände des Beschuldigten (s. die seitens der
Vorinstanz unter E.V.4., sowie dazu die zuvor unter E.III.2.3.8. gemachten
Erwägungen) in Bezug auf die Frage, ob beim Beschuldigten besonders günstige
Umstände vorliegen, höher zu gewichten sind als die Tatsache, dass der
Beschuldigte mit vorliegender Tat ein Verhaltensmuster an der Tag legte, welches
mit seinen Vortaten von 2008 vergleichbar ist, indem er damals nebst vielen
anderen Delikten u.a. auch wegen Raufhandels gemäss Art. 133 StGB verurteilt
wurde. In diesem Zusammenhang spricht deutlich gegen den Beschuldigten, dass
er den heute zu beurteilenden Angriff ungeachtet der therapeutischen Bemühun-
gen beging, welchen er sich im Nachgang zum Urteil des Bezirksgerichts Bülach
vom 4. November 2011 unterzog (s. Protokoll der Vorinstanz S. 17 f.). Auch wirkt
sich zu Ungunsten des Beschuldigten aus, dass er im Jahre 2012 - ungeachtet
der laufenden Strafuntersuchung - erneut wiederholt straffällig wurde. Auch
lassen sich die begangenen Delikte angesichts der sich über vier Jahre
erstreckenden wiederholten, teils massiven Delinquenz nicht mehr einfach als
eine Jugendsünde im Sinne eines zu überwindenden Entwicklungsschrittes im
Leben eines jungen Erwachsenen abstempeln. Angesichts dieser Umstände
können die stabil scheinenden Lebensverhältnisse des Beschuldigten und seine
nunmehr über zwei Jahre andauernde Straffreiheit nicht höher gewichtet werden
als die sich in der Vergangenheit wiederholt zeigende Uneinsichtigkeit des
Beschuldigten. Eine besonders günstige Prognose kann dem Beschuldigten des-
halb nicht beschieden werden. Den Bedenken, dass der Beschuldigte sich künftig
nicht gesetzeskonform verhalten könnte, ist einhergehend mit der Einschätzung
der Vorinstanz mit der Warnwirkung eines teilbedingten Vollzuges im Sinne von
Art. 43 Abs. 1 StGB allerdings genügend Rechnung getragen. Es erscheint in
casu wie von der Vorinstanz erwogen als angemessen, den unbedingt zu voll-
- 21 -
ziehenden Teil der Strafe auf 6 Monate festzulegen; bei einer Probezeit von
3 Jahren für den übrigen, aufzuschiebenden Teil der Strafe (s. Urk. 52 E.V.4.-6.).
V. Zivilansprüche (Genugtuung)
1. Die Zusprechung einer Genugtuung im Sinne von Art. 47 ff. OR setzt
voraus, dass der Geschädigte eine immaterielle Unbill, mithin eine Beeinträchti-
gung des Wohlbefindens von gewisser Schwere, erlitt und dass diese auf eine
widerrechtliche Handlung des Anspruchsgegners zurückzuführen ist. Als wider-
rechtlich gilt der Verstoss gegen eine Verbotsnorm und/oder der Eingriff in ein
absolut geschütztes Rechtsgut. Zwischen der widerrechtlichen Handlung und der
immateriellen Unbill muss ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen und der
Anspruchsgegner zudem schuldhaft gehandelt haben. Bei der Bemessung einer
Genugtuungsleistung kommt dem Gericht ein erheblicher Ermessensspielraum
zu. Bemessungskriterien sind vor allem Art und Schwere der Verletzung, Intensi-
tät und Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Opfers sowie der Grad
des Verschuldens des Täters (HEIERLI/ SCHNYDER, in: HONSELL ET. AL. (HRSG.), Ob-
ligationenrecht I, Basler Kommentar, 5. Aufl. Basel 2011, N 14 ff. zu Art. 47 OR,
N 14 ff. zu Art. 49 OR). Die subjektiven Umstände der Betroffenheit beim
Opfer sind naturgemäss von Fall zu Fall verschieden; jede Person reagiert auf die
ihr widerfahrene seelische Unbill unterschiedlich. Gleichzeitig ist nicht zu ver-
kennen, dass die subjektiven Umstände infolge der Komplexität der menschlichen
Natur sehr zahlreich und unterschiedlich sind und praktisch kaum vollständig
erstellt und erfasst werden können. Der Richter kommt daher nicht umhin, sich in
der Regel auf ein paar gängige Kriterien objektiver Natur und auf eine vermutete
durchschnittliche Empfindsamkeit zu beschränken, es sei denn, eine Partei
beweise Umstände, die in erheblichem Mass vom Durchschnitt abweichen und
eine Erhöhung oder Herabsetzung der Genugtuungssumme rechtfertigen (Urteil
des Bundesgerichts 6S.232/2003 vom 17. Mai 2004 E. 2.1.).
2. Seitens des Privatklägers wird das Genugtuungsbegehren vor der
Berufungsinstanz insbesondere damit begründet, dass die völlig überraschend
- 22 -
erfolgten erheblichen Traktierungen seiner Person mit Glasflaschen und
anschliessend mit Faustschlägen und Fusstritten zu einer erheblichen Ver-
schlechterung seines psychischen Zustandes und letztlich dazu geführt hätten,
dass er während mehr als einem Jahr nicht mehr in der Lage gewesen sei, im
...club als DJ zu arbeiten bzw. auch heute noch grosse Mühe bekunde, nachts
auszugehen. Erschwerend komme in psychischer Hinsicht hinzu, dass er wäh-
rend mehreren Monaten weder gewusst habe, wer ihn dermassen verletzt hatte,
noch weshalb er von dem gewalttätigen Mob überhaupt angegriffen worden sei.
Wer neben dem Beschuldigten sonst noch an der vorliegend zu beurteilenden
Straftat als Angreifer beteiligt gewesen sei, werde der Privatkläger zudem wohl
nie erfahren, was ihn auch in Zukunft weiter belasten werde (zumal er die Täter
nicht erkenne, diese aber wohl ihn wieder erkennen würden). Letztlich werde der
Körper des Privatklägers, insbesondere sein Gesicht im Stirnbereich sowie sein
Halsbereich, durch die gut sichtbaren, mehrere Zentimeter langen Narben wohl
sein Leben lang nicht unerheblich entstellt sein. Damit werde er auch jeden Tag
aufs Neue mit der sinnlosen, feigen und äusserst brutalen Straftat konfrontiert
sein, was deren Verarbeitung in psychischer Hinsicht zusätzlich erschweren
dürfte. Die seitens der Vorinstanz angeführte Begründung, dass es vorliegend am
stringenten Nachweis der psychischen Folgen mangle, könne nicht gefolgt
werden, da die Gerichtspraxis einen solchen stringenten Nachweis bei der
Bemessung der Genugtuung grundsätzlich auch nicht verlange. Bei der Bemes-
sung der Genugtuung rechtfertige vorliegend das egoistisch motivierte, rück-
sichtslose und direktvorsätzliche Verhalten des Beschuldigten bei voller Ent-
scheidungsfreiheit einen angemessenen Zuschlag zur Basisgenugtuung. Seitens
der Vorinstanz seien diese Tatumstände nur unzureichend berücksichtigt worden.
Es sei reiner Zufall, dass der Angriff auf den Privatkläger nicht zu einem Schädel-
bruch, dem Verlust eines Auges oder der Durchtrennung seiner Halsschlagader
geführt habe. Gestützt auf seine Ausführungen macht der Privatkläger vor
Berufungsinstanz eine Genugtuung von mindestens Fr. 7'500.– nebst Verzugs-
zins von 5% seit 30. Mai 2010 geltend (Urk. 76).
- 23 -
3. Wie seitens der Vorinstanz zutreffend erwogen, sind in casu die Verletzung
der körperlichen Integrität des Privatklägers durch den Beschuldigten, die Wider-
rechtlichkeit der fraglichen Handlung des Beschuldigten, dessen Verschulden wie
auch der der adäquate Kausalzusammenhang ohne Weiteres als gegeben zu
erachten (s. Urk. 52 E. VI.3.3.).
4. In Bezug auf die für die Höhe der Genugtuung bemessungsrelevanten
Konsequenzen der Tat des Beschuldigten auf das Leben des Privatklägers
verwies die Vorinstanz auf den Umstand, dass aufgrund der Akten erstellt und
belegt sei, dass der Privatkläger durch den Angriff mehrere Schnittwunden und
Kratzer am Kopf und am Hals erlitten habe (vgl. Urk. 10). Diese Verletzungen
seien keinesfalls zu bagatellisieren, indessen seien die physischen Beeinträchti-
gungen vergleichsweise gering und die Behandlungsmethode mit einer Fadenent-
fernung nach siebentägiger Heilungszeit verhältnismässig unkompliziert. Ausser-
dem sei der Privatkläger gemäss seinen Ausführungen in Folge des Angriffs nur
einmal in ärztlicher Behandlung gewesen. Zudem sei der Heilungsprozess
komplikationsfrei verlaufen (Urk. 23 S. 3 f.). Ob die geltend gemachten posttrau-
matischen Belastungsstörungen tatsächlich vorliegen und auf Handlungen des
Beschuldigten zurückzuführen seien, sei nicht stringent nachgewiesen. Eine
Genugtuung von Fr. 1'500.–, nebst Zins zu 5% ab 30. Mai 20010, erachtete die
Vorinstanz deshalb als angemessen (Urk. 52 E.VI.3.4.).
5. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde diese durch die Vorinstanz
zugesprochene Genugtuung durch den Beschuldigten anerkannt (Urk. 93 S. 7).
6. Dem Privatkläger ist beizupflichten, dass die relevanten Tatumstände und
die lange Strafuntersuchung sowie deren Auswirkungen auf den psychischen
Zustand des Privatklägers - im Gegensatz zur angemessenen Würdigung der
physischen Verletzungen - von der Vorinstanz bei der Bemessung der Genug-
tuung nur unzureichend berücksichtigt worden sind. So wurde festgestellt (s. vor-
stehend unter E.III.2.3.1.), dass der Angriff des Beschuldigten gerade deshalb ein
beträchtliches Gefahrpotential für das Leben und die körperliche Unversehrtheit
des Privatklägers barg, weil er von mehreren, unter Alkoholeinfluss stehenden
Personen unter Zuhilfenahme von Flaschen und anderen gefährlichen Gegen-
- 24 -
ständen in schlecht beleuchteten Discoräumlichkeiten verübt wurde, wobei die
sich daraus ergebende Möglichkeit unkontrollierter Handlungen ein erhebliches
Risiko darstellte. Auch ist nachvollziehbar, dass der Umstand, dass der Privat-
kläger vom Beschuldigten unvermittelt und in einer geschlossenen, zusammen-
wirkenden Gruppe angriffen und mit Glasflaschen und weiteren gläsernen
Gegenständen attackiert wurde, auch deshalb beträchtliche Auswirkungen auf
den psychischen Zustand des Privatklägers hatte, da ihm die Mehrzahl der be-
teiligten Personen nach wie vor unbekannt ist. Diese zu Lasten des Beschuldigten
gewürdigten Umstände der Straftat sind im Rahmen der Bemessung der Genug-
tuung klarerweise zu berücksichtigen. Dass der Privatkläger im Nachgang zum
Vorfall vom 30. Mai 2010 keine psychiatrische oder psychologische Begleitung in
Anspruch genommen hat, vermag allerdings nichtsdestotrotz ein Indiz dafür dar-
zustellen, dass die psychischen Einschränkungen weniger gravierend waren als
seitens seines Vertreters dargestellt. Auch hat der Privatkläger gemäss seinen
Angaben nach einem Unterbruch von einem Jahr seine Tätigkeit als DJ im Club
... wieder aufgenommen (s. Urk. 23 S. 4).
7. Die seitens der Vertretung des Privatklägers vorgebrachte Kasuistik
(auch wiedergegeben in: KLAUS HÜTTE/HARDY LANDOLT, Genugtuungsrecht, Bd. 2,
Zürich/St. Gallen 2013) vermag den Standpunkt des Privatklägers mangels
konkreter Vergleichbarkeit mit dem vorliegend zu beurteilenden Vorfall und den
damit verbundenen Folgen für ihn nicht zu stützen, zumal in casu erwiesen ist
(s. dazu die oben gemachten Ausführungen unter Ziffer 1.5.), dass die
physischen Beeinträchtigungen des Privatklägers mit zwei kleinen Schnittwunden
frontal, einer Schnittwunde occipital und mehreren kleinen Kratzern am Schädel
sowie einer ca. 5 cm langen Schnittwunde am Hals (s. Urk. 35/3) trotzdem
vergleichsweise gering erscheinen, insbesondere weil die Behandlung mit einer
Fadenentfernung nach siebentägiger Heilungszeit verhältnismässig unkompliziert
verlaufen ist. Ausserdem hat der Privatkläger selbst angegeben, in Folge des
Angriffs nur einmal in ärztlicher Behandlung gewesen zu sein und dass der
Heilungsprozess komplikationsfrei verlaufen sei.
- 25 -
8. Im Gegensatz dazu erlitt das Opfer gemäss dem Entscheid des Ober-
gerichts des Kantons Zürich vom 2. März 2011 (bzw. des Bundesgerichts vom
29. Oktober 2012; 6B_336/2012) eine Schädel-Hirnverletzung, an deren Folgen
er ohne notfallmässige neurochirurgische Intervention gestorben wäre. Ebenso
ungleich gravierender als im hier zu behandelnden Vorfall waren die Folgen
gemäss dem Entscheid des Bundesgerichts vom 17. Mai 2004 (6S.232/2003),
von welchem das Opfer durch den Gebrauch eines Schweizer Armeemessers
eine zehn Zentimeter lange Schnittwunde, die sich vom linken Mundwinkel leicht
schräg gegen aussen und über den Kieferknochen hin erstreckte, sowie eine
ebenso lange Schnittwunde an der linken Seite des Halses und parallel zum
Kieferknochen davontrug, wobei beide Narben nicht verheilten und auch nicht
mittels plastischer Chirurgie beseitigt werden konnten. Auch im Entscheid des
Bundesgerichts vom 21. Februar 2013 (6B_473/2012) war das Vorgehen der dort
zwei Täter ungleich brutaler und mit der Folge zahlreicher Verletzungen und ins-
besondere einer als potenziell lebensgefährlich einzustufenden tiefen Schnitt-
verletzung im linken Jochbeinbereich ungleich schwerer einzustufen. Die gemäss
dem Entscheid des Obergerichts des Kantons Zürich vom 28. Januar 2010 (bzw.
Bundesgerichts vom 28. August 2010; 6B_275/2010) geschilderten Folgen für das
Opfer von einer ca. neun Zentimeter langen Schnittwunde, die vom linken
Wangenknochen bis zum linken Ohrmuschel bis hinter das linke Ohr führt, wobei
der Täter das Opfer von hinten angegriffen hatte, erscheinen im Vergleich mit
dem hier zu beurteilenden Vorfall ebenso gravierender. Auch die im Entscheid
des Obergerichts des Kantons Zürich vom 11. November 2010 wiedergegebenen
Verletzungen beim Opfer (verschiedene grosse Schnittwunden am Kopf, Gesicht
und Hals sowie ein Nasenbeinbruch) erscheinen schwerer als vorliegend, wobei
die gegen den Täter ausgefällte Strafe wegen versuchter schwerer Körperver-
letzung sowie weiterer, im Verhältnis zu diesem untergeordneten Delikten zu
3 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe auf ein weitaus brutaleres Vorgehen hinweisen.
Schliesslich erscheinen die Folgen gemäss dem im Entscheid des Bezirksgerichts
Zürich vom 3. November 2009 (GG090472) wiedergegebenen Vorfalles, anläss-
lich welchem vier Polizisten von fünfzehn Personen mit Glasflaschen und Stühlen
beworfen wurden und Verletzungen am Hinterkopf, im Gesicht und an den
- 26 -
Zähnen sowie eine Hirnerschütterung resultieren, ebenfalls gravierender als
diejenigen beim Privatkläger.
9. Ungeachtet der mangelnden konkreten Vergleichbarkeit mit den seitens
des Privatklägers angeführten Gerichtsentscheiden ist festzustellen, dass die von
der Vorinstanz zugesprochene Genugtuungssumme von Fr. 1'500.– - auch unter
Berücksichtigung der seitens des Privatklägers angeführten Kasuistik - zu tief an-
gesetzt ist. Unter Verweis auf die bereits erwähnte unzureichende Würdigung der
psychischen Auswirkungen der Straftat einschliesslich der langen Strafunter-
suchung auf das Leben des Privatklägers rechtfertigt sich vorliegend die Zu-
sprechung einer Genugtuung von Fr. 3'000.– nebst Zins zu 5% ab 30. Mai 2010.
Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren abzuweisen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kostenauflage
1.1. Ausgangsgemäss sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzli-
chen Verfahrens dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
1.2. Zudem sind dem im Berufungsverfahren unterliegenden Beschuldigten die
Kosten des Berufungsverfahrens – ausgenommen die Kosten der amtlichen
Verteidigung in Höhe von Fr. 825.40 (Urk. 89 f.) – vollumfänglich aufzuerlegen
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Rückzahlungspflicht für die Kosten der amtlichen
Verteidigung nach Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
1.3. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 2'500.– festzu-
setzen.
2. Prozessentschädigung für Aufwendungen des Privatklägers im vorinstanzli-
chen Verfahren
2.1. Schliesslich wird seitens der Privatklägerschaft geltend gemacht, dass
der ihr von der Vorinstanz als Entschädigung der durch das erstinstanzliche Ver-
- 27 -
fahren und der zur Geltendmachung der Zivilansprüche entstandenen Anwalts-
kosten zugesprochene Betrag von Fr. 16'000.– zu tief sei. Die Vorinstanz habe
bei der Bemessung der Entschädigung übersehen, dass der Rechtsvertreter des
Privatklägers im vorliegenden Strafverfahren bereits seit dem 15. Juni 2010
betraut sei, demgegenüber die amtliche Verteidigerin erst mittels Verfügung vom
4. Oktober 2012 mit Wirkung auf den 18. Juni 2012 – mithin zwei Jahre später –
mit der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten beauftragt worden sei. Bereits
aus diesem Grund lasse sich nachvollziehen, weshalb die Aufwendungen des
Vertreters des Privatklägers höher ausfallen als diejenigen der amtlichen Verteidi-
gerin, welche mit Fr. 17'101.75 entschädigt worden sei. Im Weiteren habe die
Vorinstanz übersehen, dass der Honoraransatz für die Geschädigtenvertretung
mit Fr. 240.–/Stunde bemessen worden sei, welcher anwaltliche Honoraransatz
notabene durchaus üblich bzw. im Kanton Zürich sogar als eher tief bezeichnet
werden müsse. Demgegenüber betrage der Honoraransatz der amtlichen
Vertretung bekanntlich Fr. 200.–/Stunde. Auch deshalb lasse sich nachvollziehen,
weshalb die Anwaltskosten des Vertreters des Privatklägers höher ausfallen als
diejenigen der amtlichen Verteidigung. Weiter sei darauf hinzuweisen, dass für die
durchaus beträchtliche Höhe der entstandenen Anwaltskosten der Geschädigten-
vertretung letztlich weitestgehend der Beschuldigte selbst durch sein unkooperati-
ves Verhalten im Rahmen der Untersuchung gesorgt habe. Zutreffend sei hin-
gegen der Einwand der Vorinstanz, dass dem Privatkläger mit Beschluss des
Obergerichts vom 29. August 2011 bereits eine Entschädigung von Fr. 1'076.– für
seine Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Rekursverfahren gegen die
Einstellungsverfügung vom 17. November 2010 zugesprochen worden sei,
welche deshalb bei der Bemessung der Entschädigung nicht mehr berücksichtigt
werden könne. Nicht zutreffend sei hingegen die Behauptung der Vorinstanz,
dass diese Aufwendungen einen grossen Teil der Aufwendungen ausmachen
würden, da sich der entsprechende Aufwand mit dem Rekursverfahren in der Zeit
vom 13. Dezember 2010 bis am 1. September 2011 auf 6.25 Stunden belaufen
habe. Schliesslich sei zum Einwand der Vorinstanz, dass die im Hinblick auf das
Schadenersatzbegehren entstandenen weiteren Kosten im Zivilverfahren geltend
zu machen seien und nur die unmittelbar für das Strafverfahren notwendigen
- 28 -
Bemühungen zu entschädigen seien, anzumerken, dass lediglich ein verschwin-
dend kleiner Teil der Aufwendungen die letztlich auf den Zivilweg verwiesenen
Zivilforderungen betroffen habe. Von den relevanten in der Zeit vom
27. November 2013 bis am 2. Dezember 2013 angefallenen Aufwendungen von
insgesamt neun Stunden bzw. im Betrag von Fr. 2'160.–, welche die Ausarbeitung
der Eingabe an die Vorinstanz vom 2. Dezember 2013 betroffen hätten, habe
bloss eine halbe von insgesamt neun Seiten die Zivilforderungen betroffen.
Deshalb sei der Aufwand bloss im Umfang von ca. einer Stunde bzw. Fr. 240.– zu
reduzieren (Urk. 76 S. 7 ff.).
2.2. Wie seitens der Vorinstanz zutreffend erwogen wurde (Urk. 52 E.VII.3.), hat
die Privatklägerschaft gegenüber der beschuldigten Person bei Obsiegen
Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im
Verfahren (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO), wobei Obsiegen die Verurteilung der
beschuldigten Person und/oder das Obsiegen der Privatklägerschaft im Zivilpunkt
bedeute (WEHRENBERG/ BERNHARD, in: Niggli et. al. (Hrsg.), Schweizerische Straf-
prozessordnung, Basler Kommentar, Basel 2011, N 6 zu Art. 433 StPO). Ebenso
zutreffend ist, dass der Anspruch nicht ausgeschlossen ist, wenn die Zivilansprü-
che – wie vorliegend – auf den Zivilweg verwiesen wurden (SCHMID, Handbuch
des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl. Zürich 2009, § 99 N 1830).
Wenn der Verteidiger des Beschuldigten vorbringt, dass die Geltendmachung von
Anwaltskosten nicht als Schadensposten in einen Strafprozess eingebracht
werden könne (Urk. 93 S. 7), so ist dies terminologisch korrekt, zumal die
Zusprechung des Kostenersatzes in Form einer Prozessentschädigung und nicht
in Form von Schadenersatz auszugestalten ist. Dies ändert aber letztlich nichts
daran, dass ein entsprechender Anspruch zu prüfen und ein Kostenersatz
gegebenenfalls zuzusprechen ist.
2.3. Seitens der Vorinstanz wurde in Erwägung gezogen, dass sich die
Entschädigungspflicht auf den nötigen Aufwand begrenze und die diesbezüglich
geforderte Summe des Privatklägers (von vor Vorinstanz Fr. 25'098.15) unange-
messen hoch und entsprechend zu kürzen sei. Als Referenzwert zog die
Vorinstanz die amtlichen Verteidigungskosten von Fr. 17'101.05 bei. Ausserdem
- 29 -
berücksichtigte sie den Umstand, dass ohnehin nur die unmittelbar für das Straf-
verfahren notwendigen Bemühungen zu entschädigen seien, weshalb sie insge-
samt eine Prozessentschädigung von Fr. 16'000.– als angemessen erachtete
(Urk. 52 E.VII.3.1.1.).
2.4. Den Einwänden des Privatklägers ist insofern beizupflichten, als dass die
amtliche Verteidigerin von der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Büro
für amtliche Mandate, erst am 4. Oktober 2012 mit Wirkung auf 18. Juni 2012
bestellt worden ist (Urk. 24/8), wohingegen der Rechtsvertreter des Privatklägers
bereits seit dem 15. Juni 2010 für den Privatkläger tätig war (Urk. 77/3 bzw. 35/4).
Deshalb eignet sich die Heranziehung des Entschädigungsbetrags für die
amtliche Verteidigerin nur bedingt als Referenzwert für den Aufwand des Ver-
treters des Privatklägers. Diesbezüglich ist denn auch zu berücksichtigen, dass
der bis zur Einsetzung der amtlichen Verteidigung aufgelaufene Aufwand bereits
mehr als 20 Stunden betragen hat (s. Urk. 77/3 bzw. 35/4), wobei das Aktenstudi-
um bloss den kleineren Teil der Aufwendungen des Rechtsvertreters des Privat-
klägers betraf. Andererseits rechtfertigt sich vorliegend ein Stundenansatz von
Fr. 240.– mangels besonderer Komplexität des Falles nicht, weshalb die Veran-
schlagung des üblichen Stundenansatzes von Fr. 200.– angemessen erscheint.
Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist dem Privatkläger für die im Rahmen
des vorinstanzlichen Verfahren entstandenen Aufwendungen eine Prozess-
entschädigung von Fr. 20'000.– (inkl. MwSt.) zuzusprechen.
3. Prozessentschädigung für Aufwendungen des Privatklägers im Berufungs-
verfahren
3.1. Seitens der Privatklägerschaft wird für die Aufwendungen im Berufungsver-
fahren unter Verweis auf die Honorarnote vom 4. August 2014 (Urk. 78) eine Ent-
schädigung von Fr. 3'954.65 geltend gemacht. Soweit diese Kosten nicht dem
Beschuldigten auferlegt werden könnten, seien sie dem Privatkläger aus der
Staatskasse zu entrichten (Urk. 76 S. 9).
3.2. Aus der Honorarnote des Vertreters des Privatklägers vom 4. August 2014
geht ein Aufwand von insgesamt 12.66 Stunden zu einem Stundenansatz von
- 30 -
Fr. 240.– nebst Auslagen (Fotokopien, Porti, Telefon) von Fr. 290.– zuzüglich
Mehrwertsteuer hervor (Urk. 78). Der in Rechnung gestellte Stundenansatz ist -
gemäss den oben unter Ziffer 2.4. gemachten Ausführungen - auf Fr. 200.– und -
angesichts der Höhe der diesbezüglich geltend gemachten Kosten - der bean-
spruchte Auslagenersatz für Kopien um die Hälfte zu kürzen. Im Übrigen ist der in
Rechnung gestellte Aufwand angemessen. Der Beschuldigte ist deshalb zu
verpflichten, dem Privatkläger für dessen Aufwendungen im Berufungsverfahren
eine Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 2'918.70 (inkl. MwSt.) zu be-
zahlen.