Decision ID: 8f453909-ad2d-519a-84af-c96c35bc2c43
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Der gemäss eigenen Angaben aus F._, Provinz G._, stammende Beschwerdeführer, ein irakischer Staatsangehöriger  Volkszugehörigkeit und sunnitischen Glaubens mit letztem Wohnsitz in F._ im Nordirak, verliess seinen Heimatstaat im Juni des Jahres 2005 und gelangte auf dem Landweg in H._, wo er in I._ während rund zweier Jahre im Gastgewerbe arbeitete. Am 21./22. oder 23. Mai 2007 sei er auf dem Landweg über ihm unbekannte Länder am 29. Mai 2007 unter Umgehung der Grenzkontrolle in die Schweiz gelangt, wo er gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum J._ ein Asylgesuch einreichte.
Nach der Kurzbefragung vom 6. Juni 2007 wurde der  mit Entscheid vom 27. Juni 2007 für den weiteren Aufenthalt  des Asylverfahrens dem Kanton K._ zugewiesen. Am 23. August 2007 wurde er von der kantonalen Behörde zu seinen Asylgründen befragt.
Zu seinen Fluchtgründen führte der Beschwerdeführer anlässlich der Befragungen im Wesentlichen an, sein Bruder H. habe mit zwei  Probleme gehabt, weshalb dieser im Jahre 1997 und ein Jahr  auch seine beiden anderen Brüder wegen der gleichen Probleme den Irak verlassen hätten. Später seien diese Leute zu ihm gekommen und hätten nach dem Aufenthaltsort seiner Brüder gefragt, den er  nicht gekannt habe. Etwa im Mai 2005 sei er eines Nachts Brot kaufen gegangen, als plötzlich ein Auto gekommen sei, worin sich zwei Personen befunden hätten. Er sei ins Auto gesetzt und an einen unbekannten Ort in der Nähe von F._ gebracht worden. Dort habe man ihm ein Natel ausgehändigt und ihn aufgefordert, seinen Bruder H. anzurufen und diesen aufzufordern, sich sofort nach F._ zurück zu begeben. Da er aber dessen Telefonnummer nicht gekannt habe, sei er von den Unbekannten geschlagen und nach zwei Stunden wieder nach F._ zurückgebracht worden. Zirka drei Tage später hätten die unbekannten Leute seine Mutter und seine Schwester aufgesucht, diese beschimpft und nach seinem Bruder H. gefragt. Auch hätten seine Mutter und Schwester nun Bruder H. anrufen und zur Rückkehr bewegen sollen. In der Folge hätten die beiden Männer erneut versucht, ihn mit einem Auto zu entführen,
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wobei ihm jedoch die Flucht geglückt sei. Über einen Freund habe er dann seine Ausreise organisieren können. Gleichzeitig hätten sich seine Mutter sowie seine Schwester aus Angst vor weiteren Behelligungen zum Onkel seiner Mutter begeben. Auf die weiteren Ausführungen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das BFM liess am 7. Juni 2007 eine Analyse des Knochenalters des Beschwerdeführers vornehmen. Diese ergab, dass dieser ein  von 19 Jahren aufweise. Am 14. Juni 2007 wurde der  zu seinem Gesundheitszustand befragt und am gleichen Tag wurde ihm das rechtliche Gehör zur Knochenalteranalyse gewährt.
B. Mit Verfügung vom 30. Oktober 2007 - eröffnet am 31. Oktober 2007 - stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die  nicht, wies sein Asylgesuch ab und ordnete seine  aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Die Vorinstanz führte zur Begründung an, die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht stand, so dass ihre  nicht geprüft werden müsse, und bejahte die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzuges.
C. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 29.  2007 Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht, beantragte, es sei der vorinstanzliche Entscheid bezüglich der Dispositivziffern 1 und 2 aufzuheben, es sei die Unzumutbarkeit sowie die Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen, und ersuchte in formeller Hinsicht um Gewährung der  Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des  vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die Erhebung eines . Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
D. Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 6. Dezember 2007 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, er könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Ferner werde ohne Gegen-
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bericht des Beschwerdeführers bis zum 21. Dezember 2007 davon ausgegangen, dass er nicht die Dispositivziffern 1 und 2, sondern die Dispositivziffern 4 und 5 (Vollzug der Wegweisung) anzufechten gedenke. Für den Fall einer Anfechtung der Dispositivziffern 1 und 2 der angefochtenen BFM-Verfügung habe der Beschwerdeführer bis zum 21. Dezember 2007 eine entsprechende Beschwerdebegründung nachzuliefern, wobei im Unterlassungsfall lediglich die Frage des Wegweisungsvollzuges geprüft werde. Weiter wurde für den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet.
Der Beschwerdeführer liess die ihm eingeräumte Frist unbenutzt verstreichen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht  gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine Ausnahme, was das Sachgebiet , ist nicht gegeben (Art. 32 VGG). Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen  und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht; der  ist legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten.
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1.4 Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper; vgl. Art. 21 Abs. 1 VGG). Das  kann auch in solchen Fällen auf die Durchführung des  verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
2.
2.1 Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 6. Dezember 2007 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass ohne seinen  innert angesetzter Frist davon ausgegangen werde, dass er nicht die Dispositivziffern 1 und 2, sondern die Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung (Vollzug der Wegweisung) anzufechten gedenke. Der Beschwerdeführer liess die ihm eingeräumte Frist  verstreichen.
2.2 Die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft und die Ablehnung des Asylgesuchs blieben somit vorliegend unangefochten und sind mit  der Beschwerdefrist in Rechtskraft erwachsen. Da die  als solche nur aufgehoben werden kann, wenn eine  vorliegt oder ein Anspruch auf Erteilung einer solchen  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  [EMARK] 2001 Nr. 21), diese Voraussetzungen  nicht erfüllt sind, bildet - wie in der Zwischenverfügung vom 6. Dezember 2007 für den Fall des unbenutzten Fristablaufs  - Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens somit  die Frage, ob die Wegweisung zu vollziehen ist oder ob anstelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahme anzuordnen ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V m. Art. 83 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).
3.
3.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das  nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige  von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG).
3.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche  der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat  (Art. 83 Abs. 3 AuG).
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So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie  läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des  vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere , unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4.  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
3.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. MARIO GATTIKER, Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non- im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach  dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des  noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher  einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des  Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine  Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche  drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren ; EGMR, Bensaid gegen Grossbritannien, Urteil vom 6. Februar 2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Auch die  Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegwei-
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sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung  im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
3.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder  auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG - die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in den publizierten Urteilen BVGE 2008/4 und BVGE 2008/5 ausführlich mit der Sicherheitslage im Nordirak auseinandergesetzt. Im zweitgenannten Urteil befasste es sich insbesondere mit der Frage der Zumutbarkeit des  in die drei kurdischen Provinzen des Nordiraks. Es kam zum Schluss, dass in den kurdischen Nordprovinzen keine Situation  Gewalt herrsche und die dortige politische Situation nicht  angespannt sei, als dass eine Rückführung dorthin als  unzumutbar betrachtet werden müsste (vgl. BVGE 2008/5 E. 7.5.8 S. 72). Die Anordnung des Wegweisungsvollzugs setze jedoch voraus, dass die betreffende Person ursprünglich aus der Region stammt oder eine längere Zeit dort gelebt hat und über ein soziales Netz (Familie, Verwandtschaft oder Bekanntenkreis) oder über Beziehungen zu den herrschenden Parteien verfügt. Andernfalls dürfte eine soziale und wirtschaftliche Integration in die kurdische Gesellschaft nicht gelingen, da der Erhalt einer Arbeitsstelle oder von Wohnraum weitgehend von gesellschaftlichen und politischen Beziehungen abhängt.  sei die Anordnung des Wegweisungsvollzugs für , gesunde und junge kurdische Männer, die ursprünglich aus der Region stammen und dort nach wie vor über ein soziales Netz oder Parteibeziehungen verfügen, in der Regel zumutbar. Für  Frauen und für Familien mit Kindern, sowie für Kranke und Betagte sei bei der Feststellung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs grosse Zurückhaltung angebracht.
Der Beschwerdeführer stammt aus F._ in der Provinz G._, wo er sein ganzes bisheriges Leben verbrachte und wo er
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über ein bestehendes soziales Beziehungsnetz verfügt (vgl. Protokoll Empfangszentrum, S. 2 und 4 f.; kant. Protokoll, S. 3 ff.). Angesichts der vorbestehenden Kontakte in der Provinz G._, des familiären Rückhalts und der in H._ gewonnenen Berufserfahrungen des jungen Beschwerdeführers kann vorliegend davon ausgegangen werden, dass sich dieser aus eigenen Kräften eine (erneute) selbstständige Existenzgrundlage wird erarbeiten können, ohne die damit allenfalls verbundenen Schwierigkeiten  zu wollen. Überdies dürften Hilfeleistungen von lokal tätigen Hilfsorganisationen und - teilweise auch in der Schweiz wohnhaften - Verwandten die Wiedereingliederung in zusätzlicher Weise .
Demnach sind, entgegen der anderslautenden Ansicht in der , keine Gründe ersichtlich, welche gegen die  eines Wegweisungsvollzugs sprechen könnten.
3.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der  Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr  Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
4. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der  zu bestätigen. Die Vorinstanz hat den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem  fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).
5. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  ist nach dem Gesagten abzuweisen.
6. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist gutzuheissen, da die Beschwerdebegehren nicht als aussichtslos zu qualifizieren waren und von der Bedürftigkeit des  auszugehen ist. Es sind somit keine Verfahrenskos-
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ten aufzuerlegen.
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