Decision ID: 0d5b8697-1573-4236-bf0c-41a0fcb58c8a
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 3. Dezember 2012 beim RAV zur Arbeitsvermittlung per 3.
Juni 2013 an, nachdem er bis 31. Mai 2013 bei B._ als Finanzberater im
Aussendienst beschäftigt gewesen war (act. G 4.1/294). In der Zeit vom 10. August
2011 bis zum 28. Februar 2013 bezog er ein Krankentaggeld der Versicherung X._
(100 %, ab 18. Februar 2013 50 % [vgl. act. G 4.1/208]). Die Arbeitgeberin gab für 2011
(ab April) einen ahv-pflichtigen Verdienst von Fr. 46‘266.60, für 2012 einen solchen von
Fr. 34‘591.05 und für 2013 (bis Mai) schliesslich einen solchen von Fr. 3‘801.75 an (act.
G 4.1/225). Unter Berücksichtigung eines Bemessungszeitraums vom 1. Juni 2012 bis
zum 31. Mai 2013 errechnete die Kantonale Arbeitslosenkasse zunächst einen
versicherten Verdienst von Fr. 4‘247.-- (act. G 4.1/186 f.). Nach entsprechender
Intervention des Versicherten berechnete die Arbeitslosenkasse den versicherten
Verdienst neu auf Grund des Krankentaggeldes. Dabei ging sie von einem Ansatz von
Fr. 131.50 aus und ermittelte einen versicherten Verdienst von Fr. 5‘000.-- (Fr. 131.50 x
365 : 12 = Fr. 4‘000.-- [entsprechend 80 % des versicherten Verdienstes; act. G.
4.1/174, 178 und 181]). Mit Abrechnungen vom 2., 19. und 27. September 2013 sprach
die Arbeitslosenkasse dem Versicherten Arbeitslosentaggelder für die Monate Juni bis
September 2013 zu (versicherter Verdienst: Fr. 5‘000.--, 80 % [act. G 4.1/161, 165, 175
und 177]).
A.b Am 7. Oktober 2013 verlangte der Versicherte sinngemäss eine anfechtbare
Verfügung betreffend den versicherten Verdienst, da dieser ohne die
Sonderbonifikation (die ihm jeweils im Sommer ausbezahlt wurde) berechnet worden
sei (act. G 4.1/158). Am 21. Oktober 2013 erliess die Arbeitslosenkasse die
gewünschte Verfügung. Dabei legte sie den versicherten Verdienst auf Fr. 5‘000.-- fest.
Es sei davon auszugehen, dass sich auch die Krankentaggeldversicherung auf ein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Durchschnittseinkommen stütze, das bei vollständiger Arbeitsfähigkeit im Schnitt
erreicht werde. Da der Versicherte vom 10. August 2011 bis zum 17. Februar 2013 zu
100 % arbeitsunfähig gewesen sei, sei davon auszugehen, dass er keine
Provisionszahlungen und Sonderbonifikationen habe erarbeiten können. Es gelte das
Entstehungsprinzip, weshalb die Berücksichtigung von Provisionszahlungen, die er
bereits vor Eintritt der Krankheit erarbeitet, aber erst später ausbezahlt erhalten habe,
nicht korrekt wäre (act. G 4.1/150 ff.).
A.c Die dagegen gerichtete Einsprache vom 28. Oktober 2013 mit Ergänzung vom 29.
November 2013 - die jährlich ausgerichtete Sonderbonifikation in Höhe von Fr.
23‘793.-- sei zu Unrecht nicht berücksichtigt worden - wies die Kasse nach weiteren
Abklärungen mit Entscheid vom 5. Januar 2015 ab. Für die Bemessung des
versicherten Verdienstes sei der Zeitraum vom 3. Juni 2012 bis zum 2. Juni 2013
massgebend. Für das Jahr 2012 wäre ein Sonderbonus im Juli 2013 berechnet
worden. Da im Zeitpunkt des Austritts der Sonderbonus nicht berechnet war, sei dieser
gemäss Vertrag dahingefallen. Somit entfalle der Einbezug des Bonus in die
Berechnung des versicherten Verdienstes. Entgegen den Vorbringen des Einsprechers
sei unerheblich, wann der Sonderbonus ausbezahlt worden sei. Ausschlaggebend sei
der Zeitraum, in welchem der Sonderbonus erarbeitet worden sei. Bei der Berechnung
des versicherten Verdienstes werde die Zeitspanne berücksichtigt, in welcher die zu
Grunde liegende Arbeit effektiv erfolgt sei (Entstehungsprinzip). Dies habe zur Folge,
dass Provisionszahlungen lediglich für den Zeitraum, in welchem die Arbeit geleistet
worden sei, berücksichtigt werden könnten (act. G 4.1/51).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 6. Februar
2015 mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids. Der
versicherte Verdienst sei sodann neu auf Fr. 83‘793.-- festzulegen. Dabei sei als
Bemessungszeitraum die Zeit vom 17. März 2012 bis zum 16. März 2013 zu
berücksichtigen. Eventualiter seien dem Beschwerdeführer die Taggeldleistungen auf
der Basis eines versicherten Verdienstes von Fr. 68‘908.80 zu erbringen.
Subeventualiter sei die Streitsache zur Durchführung weiterer Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Als versicherter Verdienst gelte der im Sinn der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
AHV-Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines Bemessungszeitraums
aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt worden sei;
eingeschlossen seien die vertraglich vereinbarten regelmässigen Zulagen, soweit sie
nicht Entschädigung für arbeitsbedingte Inkonvenienzen darstellten. Zum
massgebenden Lohn gehörten unter anderem die Provisionen und Bonuszahlungen.
Diese seien somit dem versicherten Verdienst klarerweise zuzurechnen. Der
Beschwerdeführer habe in den Jahren 1999 bis 2012 ein durchschnittliches ahv-
pflichtiges Einkommen von Fr. 75‘135.80 (ahv-pflichtige Provisionen) pro Jahr erzielen
können, wobei die ahv-pflichtigen Jahreslöhne für die Jahre 2011 und 2012 auf Grund
der Erkrankung schon wesentlich geringer ausgefallen seien. Ab dem Jahr 2012 habe
das Einkommen des Beschwerdeführers mehrheitlich aus dem Krankentaggeld
bestanden. In dem oben genannten Einkommen nicht eingerechnet seien die
Sonderbonifikationen, die dem Beschwerdeführer als ordentlicher Lohnbestandteil
jeweils in den Monaten Juli oder August ausbezahlt worden seien. Die
Sonderbonifikationen hätten in den Jahren 1999 bis 2012 durchschnittlich knapp Fr.
32‘000.-- pro Jahr betragen. Zusammen mit dem durchschnittlichen Jahreslohn von Fr.
75‘135.80 ergebe dies für die Jahre 1999 bis 2012 ein durchschnittliches ahv-
pflichtiges Gesamtsalär von mehr als Fr. 107‘000.--, worauf der Beschwerdeführer
auch die AlV-Beiträge bezahlt habe. Die im Juli 2012 ausbezahlte Sonderbonifikation
sei beim versicherten Verdienst zu berücksichtigen; letzterer betrage somit mindestens
Fr. 83‘793.-- (Fr. 60‘000.-- + Fr. 23‘793.--). Zum Eventualantrag wird ausgeführt, dass
dem Beschwerdeführer am 15. März 2013 gekündigt und er danach freigestellt worden
sei. Er sei somit ab 16. März 2013 vermittlungsfähig gewesen. Der
Bemessungszeitraum sei damit nicht vom 3. Juni 2012 bis zum 2. Juni 2013
festzulegen, sondern vom 17. März 2012 bis zum 16. März 2013. Sollte das
Versicherungsgericht zum Schluss kommen, dass der am 31. Juli 2012 ausbezahlte
Bonus nicht vollständig angerechnet werden könne, sei er zumindest anteilsmässig für
die Zeit vom 17. März 2012 bis zum 31. Juli 2012 zu berücksichtigen, was einen
anrechenbaren Bonus von Fr. 8‘908.80 und zusammen mit dem von der
Beschwerdegegnerin errechneten versicherten Verdienst von Fr. 60‘000.-- einen
solchen von mindestens Fr. 68‘908.80 ergebe (act. G 1).
B.b Mit einer weiteren Eingabe vom 9. Februar 2015 reicht der Rechtsvertreter ein
Schreiben des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO gleichen Datums ein, wonach
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gemäss Art. 39 AVIV für die Berechnung des versicherten Verdienstes derjenige Lohn
massgebend sei, den die versicherte Person normalerweise erzielt hätte. Dies sei in der
Regel derjenige Lohn, den die versicherte Person vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
erzielt habe (act. G 2.2). Der Rechtsvertreter beantragt nunmehr, es sei von einem
versicherten Verdienst von Fr. 90‘717.60, eventualiter von einem solchen von Fr.
72‘095.70 und subeventualiter von einem solchen von Fr. 71‘288.35 auszugehen. Der
versicherte Verdienst hätte nämlich nicht anhand des Krankentaggeldes, sondern
anhand des Einkommens des Beschwerdeführers vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit,
d.h. vor August 2011 bemessen werden müssen. Auf Grund der Lohnschwankungen
rechtfertige es sich, auf einen Durchschnittslohn der letzten 10 Jahre abzustellen. Der
Beschwerdeführer habe von 2001 bis 2010 ein durchschnittliches jährliches ahv-
pflichtiges Einkommen (inkl. Sonderbonifikation) von Fr. 90‘717.60 erzielt. Nehme man
den Durchschnitt der letzten zwei Jahre vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit (2009 und
2010) ergebe sich ein Durchschnittseinkommen von Fr. 72‘095.70, wobei diese
Einkommen bereits von der sich abzeichnenden Burnout-Krankheit beeinträchtigt
gewesen seien. Das letzte Einkommen vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit habe im Jahr
2010 Fr. 71‘288.35 betragen (act. G 2).
B.c Mit Beschwerdeantwort vom 23. März 2015 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Der versicherte Verdienst sei neu auf Fr. 3‘542.-- zu setzen. Der
Bemessungszeitraum für den versicherten Verdienst bemesse sich grundsätzlich nach
dem Durchschnittslohn der letzten 6 bzw. 12 Monate vor Beginn der Rahmenfrist für
den Leistungsbezug (Art. 37 Abs. 1 und 2 AVIV). Gemäss Art. 37 Abs. 3 AVIV beginne
der Bemessungszeitraum am Tag vor dem Eintritt eines anrechenbaren
Verdienstausfalls, wenn an diesem Tag mindestens 12 Beitragsmonate innerhalb der
Rahmenfrist für die Beitragszeit lägen. Gemäss AVIG-Praxis sei ein Verdienstausfall
anrechenbar, wenn er anspruchsbegründend sei. Dies sei der Fall, wenn die versicherte
Person auf Grund einer Änderungskündigung oder eines Stellenwechsels einen
unzumutbaren Lohn erziele. Nicht anspruchsbegründend und daher nicht anrechenbar
sei dagegen ein Verdienstausfall, der auf eine in der Anstellung übliche
Lohnschwankung, z.B. bei Arbeit auf Abruf oder bei erfolgsabhängiger Entlöhnung
zurückzuführen sei. Der Beschwerdeführer habe offensichtlich in einer solchen
erfolgsabhängigen Entlöhnung gestanden. Da der Beschwerdeführer bis 31. Mai 2013
in einem Arbeitsverhältnis gestanden habe, sei der geltend gemachte Verdienstausfall
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nicht anspruchsbegründend. Daraus ergebe sich, dass der versicherte Verdienst von
der Arbeitslosenkasse nicht korrekt berechnet worden sei. Richtigerweise könnten nur
Fr. 5‘000.-- während 8,5 Monaten anerkannt werden (1. Juni 2012 bis Januar 2013
Krankentaggelder zu 100 % und Februar 2013 zu 50 %. In der restlichen Zeit bis Ende
Mai 2013 habe der Beschwerdeführer kein Einkommen mehr erzielt. Somit ergebe sich
ein versicherter Verdienst von Fr. 3‘542.-- (Fr. 5'000.-- x 8,5 : 12). Zum Nachtrag zur
Beschwerde sei die Anfrage des Beschwerdeführers so allgemein gehalten, dass eine
entsprechend allgemeine Antwort durch das SECO erfolgt sei. Das SECO habe
festgehalten, massgebend sei in der Regel derjenige Lohn, der vor Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit erzielt worden sei. Auf Grund der Erklärung der Arbeitgeberin vom
24. Juli 2013 entspreche der von der Beschwerdegegnerin berechnete versicherte
Verdienst ohne weiteres diesem Grundsatz. Das Abstellen auf einen Durchschnittslohn
der letzten zehn Jahre, oder selbst der letzten zwei Jahre, rechtfertige sich aus keiner
bekannten gesetzlichen oder rechtsprechungsgemässen Grundlage (act. G 4).
B.d Mit Replik vom 24. April 2015 hält der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest.
Die Beschwerdegegnerin bestreite nicht, dass der Beschwerdeführer ab März 2013
vermittlungsfähig gewesen sei. Sie wolle aber mit Verweis auf AVIG-Praxis ALE C 22
weismachen, dass der Beschwerdeführer in einer erfolgsabhängigen Entlöhnung
gestanden und damit bis am 31. Mai 2013 keinen Verdienst- bzw. Arbeitsausfall erlitten
habe. Der Beschwerdeführer habe jedoch in den Monaten März bis Mai 2013 kein
Arbeitseinkommen mehr erzielt. Die Einkünfte hätten lediglich noch aus
Krankentaggeldern, Bestandesprovisionen sowie Kinderzulagen bestanden. Damit
werde klar, dass die deutlich geringeren Einkünfte des Beschwerdeführers ab März
2013 nicht auf allgemeine Leistungslohnschwankungen zurückzuführen seien. Damit
stehe fest, dass der Beschwerdeführer spätestens ab 1. März 2013 einen
anrechenbaren Verdienst- bzw. Arbeitsausfall im Sinn von Art. 11 Abs. 1 AVIG erlitten
habe. Der Bemessungszeitraum sei deshalb vom 17. März 2012 bis am 16. März 2013
festzusetzen (act. G 7).

Erwägungen
1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Als versicherter Verdienst gilt der im Sinne der AHV-Gesetzgebung massgebende
Lohn, der während eines Bemessungszeitraumes aus einem oder mehreren
Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt wurde; eingeschlossen sind die vertraglich
vereinbarten regelmässigen Zulagen, soweit sie nicht Entschädigung für
arbeitsbedingte Inkonvenienzen darstellen (Art. 23 Abs. 1 Satz 1 AVIG). Zum
massgebenden Lohn gehören namentlich Provisionen und Bonuszahlungen (AVIG-
Praxis Arbeitslosenentschädigung C2). Der versicherte Verdienst bemisst sich nach
dem Durchschnittslohn der letzten sechs Beitragsmonate (Art. 11) vor Beginn der
Rahmenfrist für den Leistungsbezug (Art. 37 Abs. 1 AVIV). Er bemisst sich nach dem
Durchschnittslohn der letzten zwölf Beitragsmonate vor Beginn der Rahmenfrist für den
Leistungsbezug, wenn dieser Durchschnittslohn höher ist als derjenige nach Absatz 1
(Abs. 2). Der Bemessungszeitraum beginnt, unabhängig vom Zeitpunkt der Anmeldung
zum Taggeldbezug, am Tag vor dem Eintritt eines anrechenbaren Verdienstausfalls.
Voraussetzung ist, dass vor diesem Tag mindestens zwölf Beitragsmonate innerhalb
der Rahmenfrist für die Beitragszeit liegen (Abs. 3).
2.
2.1 Vorliegend ist zunächst der Bemessungszeitraum für den versicherten Verdienst
festzulegen. In der Anmeldung zur Arbeitsvermittlung gab der Beschwerdeführer an,
der Stellenantritt sei ab 1. Juni 2013 möglich (act. G 4.1/294). Die Rahmenfrist für den
Leistungsbezug wurde alsdann per 3. Juni 2013 (Montag) eröffnet, was vom
Beschwerdeführer nicht beanstandet wurde. Die Rahmenfrist für die Beitragszeit dauert
damit korrekt vom 3. Juni 2011 bis zum 2. Juni 2013 (vgl. act. G 4.1/186). Zudem
erwuchs die Verfügung vom 30. Juli 2013, wonach der Beschwerdeführer ab 1. Juni
2013 zu 100 % vermittlungsfähig sei (act. G 4.1/203), soweit ersichtlich, unangefochten
in Rechtskraft. Der Beschwerdeführer war somit zwar während der Kündigungsfrist
nicht vermittlungsfähig. In Anwendung des vorzitierten Art. 37 Abs. 3 AVIV kann jedoch
der „Beginn“ (eigentlich das Ende) des Bemessungszeitraums auf den 28. Februar
2013 gelegt werden, nachdem der Beschwerdeführer ab dem 1. März 2013 einen
anrechenbaren Verdienstausfall erlitten hat und davor mindestens zwölf
Beitragsmonate innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit liegen. Entgegen der
Ansicht der Beschwerdegegnerin erzielte der Beschwerdeführer nach der faktisch
fristlosen Entlassung per 16. März 2013 (bzw. eben bereits ab der Einstellung der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Krankentaggelder per Ende Februar 2013) ausser den vernachlässigbar geringen
Bestandesprovisionen kein übliches Einkommen mehr. Der tatsächliche
Verdienstausfall während der Kündigungsfrist vom 16. März bis zum 31. Mai 2013
(bzw. ab Anfang März 2013) ist somit nicht auf ein üblicherweise schwankendes
Einkommen zurückzuführen. Es scheint mithin gerechtfertigt, den Fall analog zu AVIG-
Praxis ALE C22 1. Beispiel zu behandeln. Damit ist der Bemessungszeitraum auf den
Zeitraum vom 1. September 2012 bis zum 28. Februar 2013 bzw. vom 1. März 2012 bis
zum 28. Februar 2013 festzulegen.
2.2 Während dieses ganzen - auch während des längeren - Zeitraums war der
Beschwerdeführer arbeitsunfähig und bezog ein Taggeld der Krankenversicherung.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist als Ausgangspunkt für die
Berechnung des versicherten Verdienstes nicht auf dieses Krankentaggeld abzustellen
(vgl. Art. 6 Abs. 2 lit. b AHVV, vgl. auch WML Rz 2065, wonach Krankentaggelder nicht
zum massgebenden Erwerbseinkommen gehören). Vielmehr ist für Zeiten, die nach Art.
13 Abs. 2 Bst. b - d AVIG als Beitragszeiten angerechnet werden, derjenige Lohn
massgebend, den die versicherte Person normalerweise erzielt hätte (Art. 39 AVIV, vgl.
auch AVIG-Praxis ALE Ziff. C3). Der Beschwerdeführer beantragt, es sei dazu auf das
Durchschnittseinkommen der Jahre 2001 bis 2010, eventualiter auf jenes der Jahre
2009 und 2010 und subeventualiter auf jenes im Jahr 2010 abzustellen. Dem ist jedoch
entgegen zu halten, dass das Bundesgericht in seinem neueren Entscheid
8C_218/2014 vom 9. Februar 2015 festgehalten hat, es rechtfertige sich in einem
solchen Fall, analog zur Regelung von Art. 37 Abs. 1 und 2 AVIV auf das höhere des in
den letzten sechs bzw. zwölf Monaten vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit erzielte
Durchschnittseinkommen abzustellen (E. 5.2.2).
2.3 Gemäss Angaben der Versicherung X._ und der Arbeitgeberin trat die 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit am 10. August 2011 ein (vgl. act. G 4.1/208 und 212). Den
Kumulativjournalen ist indes zu entnehmen, dass das Einkommen des
Beschwerdeführers bereits seit Anfang 2011 deutlich gesunken war. Ein eigentlicher
Einkommenseinbruch ist insbesondere ab Februar 2011 erkennbar (act. G 4.1/62).
Nachdem der Beschwerdeführer unter einer Burnout-Erkrankung gelitten hatte,
erscheint plausibel, dass die erfolgsabhängige Entlöhnung bereits einige Zeit vor der
„offiziellen“ Krankschreibung durch die Versicherung zurückgegangen war. Es
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erscheint damit gerechtfertigt, ähnlich dem Subeventualantrag auf den Zeitraum von
August 2010 bis Januar 2011 (6 Monate) bzw. auf jenen von Februar 2010 bis Januar
2011 (12 Monate) abzustellen. Im 6-Monats-Zeitraum ergibt sich damit ein
durchschnittlicher monatlicher Verdienst von Fr. 4‘811.--. So erzielte der
Beschwerdeführer in den Monaten August 2010 bis Januar 2011 ahv-pflichtige
Provisionen von Fr. 2‘140.85, Fr. - 979.80, Fr. 4‘526.30, Fr. 4‘262.75, Fr. 2‘030.60 und
Fr. 4‘163.25. Zusätzlich ist gemäss dem Entstehungsprinzip die im Juli 2011
ausbezahlte Sonderbonifikation für 2010 (abzüglich 25 % AHV-Freibetrag) anteilmässig
zu berücksichtigen, nachdem der Sonderbonus gemäss Angaben der Arbeitgeberin
eine Vergütung auf den Bestand der historisch getätigten Geschäfte bis zum 31.
Dezember des jeweiligen Vorjahres ist (act. G 4.1/80). Bei der 6-monatigen
Bemessungsperiode ist somit die Hälfte der Sonderbonifikation 2010, mithin ein Betrag
von Fr. 12‘721.50 (Fr. 33‘924.--: 2, abzüglich 25 % AHV-Freibetrag [vgl. act. G 4.1/62
f.]) anzurechnen. Die nach dem gleichen Prinzip durchgeführte Vergleichsrechnung mit
dem 12-monatigen Bemessungszeitraum von Februar 2010 bis Januar 2011 (nunmehr
mit ganzer Sonderbonifikation 2010) ergibt ein durchschnittliches ahv-pflichtiges
Einkommen von Fr. 6‘091.-- pro Monat und stellt damit den massgebenden
versicherten Verdienst dar. So erzielte der Beschwerdeführer zusätzlich zu den
vorgenannten Einkommen in den Monaten Februar bis Juli 2010 folgende ahv-
pflichtige Provisionen: Fr. 2‘137.30, Fr. 3‘018.40, Fr. 2‘289.20, Fr. 6‘418.15, Fr. 4’331.--
und im Juli 2010 Fr. 13‘313.80 (Fr. 800.-- + Fr. 16‘951.75, abzüglich AHV-Freibetrag
von 25 %). Als Sonderbonifikation ist hier ein Betrag von Fr. 25‘443.-- anzurechnen (Fr.
33‘924.-- abzüglich 25 % AHV-Freibetrag).
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und der
angefochtene Entscheid ist aufzuheben. Der versicherte Verdienst ist auf Fr. 6‘091.--
festzusetzen.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
3.3 Da der Beschwerdeführer teilweise obsiegt, hat er einen reduzierten Anspruch auf
eine Parteientschädigung. Diese wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Der Rechtsvertreter
reichte am 20. August 2015 eine Kostennote über Fr. 6‘579.15 (inkl. Barauslagen und
Mehrwert-steuer) ein (act. G 10.1). Praxisgemäss wird bei Fällen im Bereich der
Arbeitslosenversicherung (bei vollem Obsiegen) eine durchschnittliche
Parteientschädigung von Fr. 3‘000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zugesprochen. Selbst unter Annahme eines leicht überdurchschnittlichen
Schwierigkeitsgrades des vorliegenden Prozesses erscheint die eingereichte
Kostennote als überhöht. Sie ist deshalb - auf Basis eines vollständigen Obsiegens -
auf Fr. 3‘500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu reduzieren. Da der
Beschwerdeführer nur teilweise obsiegt, erscheint eine Parteientschädigung von Fr.
2'400.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.