Decision ID: b709aa62-294d-4a98-94e5-7700df51100d
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Meilen vom 11. Januar 2016 (EE140003-G)
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Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 11. Januar 2016:
1. [Gewährung unentgeltliche Rechtspflege für Gesuchsgegner] 2. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Parteien zum Getrenntleben
berechtigt sind und seit dem 23. Januar 2014 getrennt leben. 3. Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, dem Gesuchsgegner für sich persön-
lich monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 600.–, zahlbar im Voraus je auf den Ersten eines jeden Monats, zu bezahlen, rückwirkend per 1. Mai 2014.
4. Die eheliche Liegenschaft an der ... [Adresse], samt Hausrat und Mobiliar, wird der Gesuchstellerin für die Dauer des Getrenntlebens zur alleinigen Benutzung zugewiesen.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'000.–.
6. Die Gerichtskosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt, in Bezug auf den Gesuchsgegner jedoch zufolge Bewilligung der unentgeltlichen  einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung im Sinne von Art. 123 ZPO bleibt vorbehalten. Der auf die Gesuchstellerin  Anteil wird mit dem von ihr geleisteten Prozesskostenvorschuss . Ein Restbetrag wird ihr vorbehältlich allfälliger staatlicher  zurückerstattet.
7. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 8. [Schriftliche Mitteilung] 9. [Rechtsmittelbelehrung: Berufung, Frist 10 Tage, ohne Stillstand]
Berufungsanträge des Gesuchsgegners:
"1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichtes Meilen vom 11. Januar 2016 in Ziffer 3 aufzuheben und es sei die Gesuchstellerin zu verpflichten, dem Gesuchsgegner für sich persönliche  von CHF 1'600.-- zu bezahlen, zahlbar im Voraus je auf den Ersten eines jeden Monats, rückwirkend per 1. Mai 2014.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der .
3. Es sei dem Berufungskläger die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und Rechtsanwältin X._ zur unentgeltlichen Rechtsvertreterin zu bestellen."
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Erwägungen:
1. a) Am 11. Januar 2016 hatte das Bezirksgericht Meilen (Vorinstanz)
im seit 22. Januar 2014 hängigen Eheschutzverfahren der Parteien den Endent-
scheid gefällt (Urk. 73 = Urk. 76; Dispositiv eingangs wiedergegeben). Hiergegen
hatte der Gesuchsgegner am 28. Januar 2016 Berufung mit den vorstehend wie-
dergegebenen Berufungsanträgen erhoben (Urk. 75).
b) Auf Wunsch der – in Vergleichsverhandlungen stehenden – Parteien
wurde das Berufungsverfahren mit Verfügung vom 4. Februar 2016 bis 21. März
2016 sistiert (Urk. 80-82). Mit Verfügung vom 18. März 2016 wurde die Sistierung
bis 22. April 2016 verlängert (Urk. 83-85).
c) Am 8. April 2016 (hierorts eingegangen am 11. April 2016) reichte der
Gesuchsgegner eine von beiden Parteien (und dem Beistand des Gesuchsgeg-
ners) unterzeichnete Vereinbarung über die im Berufungsverfahren einzig stritti-
gen Unterhaltsbeiträge ein (Urk. 86-87). Die Vereinbarung hat folgenden Wortlaut
(Urk. 87 S. 2):
"1. Die Gesuchstellerin und Berufungsbeklagte bezahlt dem  und Berufungskläger in Abänderung des Urteils vom 11. Januar 2016, Disp. Ziff. 3., des Einzelgerichtes am Bezirksgericht Meilen (EE140003) Unterhaltsbeiträge wie folgt:
– CHF 600.00 vom 1. Mai 2014 bis 31. Dezember 2015 – CHF 800.00 ab 1. Januar 2016 bis 31. Dezember 2017.
Ab 1. Januar 2018 sind keine Unterhaltsbeiträge mehr geschuldet.
2. Die Parteien übernehmen die Kosten des Berufungsverfahrens je zur Hälfte und verzichten gegenseitig auf Parteientschädigung."
d) Die Vereinbarung beschlägt persönliche Unterhaltsbeiträge, welche der
Disposition der Parteien unterstehen. Die Vereinbarung hat damit die Wirkung ei-
nes rechtskräftigen Entscheides (Art. 241 Abs. 2 ZPO). Das Berufungsverfahren
ist dementsprechend abzuschreiben (Art. 241 Abs. 3 ZPO).
2. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen für das Berufungsverfahren
sind vereinbarungsgemäss zu regeln (Art. 109 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b ZPO; die
vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung ist nicht angefochten).
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3. a) Der Gesuchsgegner hat um die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege samt -verbeiständung ersucht (Urk. 75 S. 5 f.). Dem ist stattzuge-
ben, wenn der Gesuchsgegner nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und
sein Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 117 ZPO).
b) Hinsichtlich der Nicht-Aussichtslosigkeit reicht der Hinweis, dass die
Vorinstanz trotz Vorliegens eines erheblichen Mankos (dem Einkommen der Par-
teien von zusammen Fr. 7'509.-- stehen gemäss dem angefochtenen Urteil Aus-
lagen von insgesamt Fr. 13'051.-- gegenüber; Urk. 76 S. 17) im Bedarf der einen
Überschuss aufweisenden Gesuchsgegnerin Fr. 300.-- für Steuern berücksichtigt
(Urk. 76 S. 12 und 16) und selbst den so resultierenden Überschuss zur Hälfte
der Gesuchsgegnerin belassen hat (Urk. 76 S. 17), obwohl bei Mankofällen re-
gelmässig Steuern nicht im Bedarf zu berücksichtigen sind und der ganze Über-
schuss für Unterhaltsbeiträge zu verwenden ist (vgl. BGE 140 III 337 Erw. 4).
c) Hinsichtlich der Mittellosigkeit ist grundsätzlich von den vorinstanzlich
festgestellten finanziellen Verhältnissen auszugehen, wonach eben die Einkünfte
beider Parteien nicht ausreichen, um deren gesamten Bedarf zu decken (Urk. 76
S. 17). Ergänzend ist aber darauf hinzuweisen, dass die Gesuchstellerin über
Vermögen verfügt – sie ist Eigentümerin der ehemals ehelichen Liegenschaft in ...
(Urk. 68/34) – und die eheliche Beistandspflicht der unentgeltlichen Rechtspflege
vorgeht; der Gesuchsgegner hätte daher grundsätzlich entweder vorab einen An-
trag auf Ausrichtung eines Prozesskostenvorschusses stellen oder aber im Ge-
such um unentgeltliche Rechtspflege darlegen müssen, weshalb auf die Einver-
langung eines Prozesskostenvorschusses verzichtet werden kann (vgl. BGer
5D_83/2015 vom 6.1.2016, Erw. 2.1). Für das vorliegende Berufungsverfahren
kann jedoch darauf verzichtet werden, da die Nichterhältlichkeit eines Prozess-
kostenvorschusses (innert nützlicher Frist) auf der Hand liegt: Die Gesuchstellerin
hat die eheliche Liegenschaft am 26. August 2010 für Fr. 680'000.-- erworben
(Urk. 68/34). Diese Liegenschaft ist sodann mit Fr. 680'000.-- belehnt (Urk. 54/8),
wobei die Lebensversicherung der Gesuchstellerin (Urk. 54/6), welche im Übrigen
kein weiteres Vermögen ausweist, mitverpfändet ist (Urk. 54/5 S. 4). Aufgrund
dieser Umstände konnte der Gesuchsgegner nicht erwarten, von der Gesuchstel-
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lerin innert nützlicher Frist einen Prozesskostenvorschuss erhältlich machen zu
können. Die Mittellosigkeit ist damit ausgewiesen und die unentgeltliche Rechts-
pflege und Rechtsverbeiständung ist demgemäss (auch) für das vorliegende Be-
rufungsverfahren zu gewähren.
d) Der Gesuchsgegner ist bzw. die Parteien sind jedoch darauf hinzuwei-
sen, dass die Mittellosigkeit in einem allfälligen Scheidungsverfahren anders beur-
teilt werden könnte. Von Parteien, welche ihr Vermögen in Immobilien investiert
haben, kann erwartet werden, dass sie dasselbe im Hinblick auf ein bevorstehen-
des Verfahren rechtzeitig realisieren (angesichts der Belehnung mit Fr. 680'000.--
und der notorischen Tatsache, dass seriöse Banken maximal 80 % des Verkehrs-
wertes einer Liegenschaft finanzieren, ist ohne weiteres davon auszugehen, dass
in der Liegenschaft der Gesuchsgegnerin erhebliches Eigenkapital vorhanden ist;
auch deren Lebensversicherung läuft im November 2016 aus, Urk. 54/6). Diese
rechtzeitige Realisierung mag im vorliegenden Verfahren nicht innert nützlicher
Frist erfolgen können, dies wird jedoch in einem Scheidungsverfahren anders zu
beurteilen sein.