Decision ID: c093d7ef-e0e8-40fa-9853-0ec0df66206d
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1979 geborene
X._
war
zuletzt bis Dezember 2018
in einem Pensum von rund 60
%
als Reinigungsmitarbeiterin bei der Stiftung
Z._
angestellt (Urk. 8/18). Am 1
1.
April 2017 (
Urk.
8/2) meldete sie sich unter Hinweis auf Rückenschmerzen
zur
Früherfassung
und am 3
1.
Mai
2017 zum Leistungsbezug (
Urk.
8/7)
bei der Invalidenversicherung
an
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen, erteilte Kostengutsprachen für ein Job Coaching (
Urk.
8/20,
Urk.
8/38 und
Urk.
8/59) sowie
eine
Potenzialabklärung (Urk.
8/
33) und schloss mit Mitteilung vom 30. Januar 2019 (
Urk.
8/60) die Eingliederung ab
, da eine Fortführung auf
grund des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin nicht mehr möglich erschien
. Nach Einholung weiterer medizinischer Unterla
gen führte die IV-Stelle am 18.
Dezember 2019 (
Urk.
8/88) eine Abklärung im Haushalt durch. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/92,
Urk.
8/94 und
Urk.
8/100) wies sie das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 3
0.
Oktober 2020 (
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
2.
Dezember 2020 (
Urk.
1)
unter Beilage
des
Schlussberichts der
A._
vom
9.
Oktober 2020 (
Urk.
3) über die Beurteilung der Arbeitsmarktfähigkeit
Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihre eine Rente zuzusprechen. Eventualiter sei der Fall zur N
eubeurteilung und
weiteren
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
1.
Februar 2021 (
Urk.
7) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
2.
Februar 2021 (
Urk.
9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
08.2018
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 30. Okto
ber 2020 (
Urk.
2) damit, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der Haushalts
abklärung angegeben habe, aus finanziellen Gründen wieder 100
%
arbeiten
zu wollen
. In der bisherigen Tätigkeit als Reinigungskraft bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Eine angepasste Tätigkeit sei ihr seit Juni 2019 wieder zumutbar.
Bei
dieser
sollte es sich um eine körperlich leichte, wechsel
belastende Arbeit handeln, ohne Zwangshaltungen und ohne Tätigkeiten über Kopf und sel
ten auf Schulterhöhe. Die Arbeit sollte in wohltemperierten Räumen, ohne Ein
fluss von Nässe, Kälte und Zugluft ausgeführt werden.
Aufgrund einer leichten
Leistungsminderung sei
das gestützt auf statistische Werte zu ermittelnde Invali
deneinkommen um 22.5
%
reduziert
. Aus dem Einkommensvergleich gehe ein Invaliditätsgrad von 24
%
hervor (S. 1 f.)
, weshalb kein Leistungsanspruch bestehe
.
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ein (
Urk.
1),
die Beschwerdegegnerin sei davon ausgegangen, dass sie zu 100
%
arbeiten würde. Aus ökonomischen Gründen würde sie dies gerne tun, aus gesundheitlichen Gründen sei dies jedoch nicht möglich.
Dies habe auch die Arbeitsmarktabklärung ergeben. In angepasster Tätigkeit sei ihr ein Pensum von 50 bis maximal 60
%
zumutbar.
Zudem müsste aufgrund der reduzierten Leistungsfähigkeit ein Abzug von 20
%
bis 25
%
vorgenommen werden. Damit ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 52
%
bis 72.5
%
, was mindesten einen Anspruch auf eine halbe Rente eröffne (S. 4).
3.
3.1
3.1
.1
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Rheumatologie FMH,
von der Klinik
C._
nannte
in seinem Bericht vom 1. Juni 2018 (
Urk.
8/31/1-6)
als Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
cervicoradikuläres
Syndrom C7 rechts (S. 4).
Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin in einem Rahmen von 50
%
zumutbar (S. 6).
3.1.2
In einem weiteren Bericht vom 1
0.
August 2018 (
Urk.
8/67/23-34) hielt
Dr.
B._
folgende Diagnosen fest (S. 1):
-
Chronisch rezidivierende
Cervicocephalgie
-
Chronisch rezidivierende
Cervicobrachialgie
beidseits
-
Bei
Osteochondrose
C6/7 im MRI von 2013
-
Chronisch rezidivierende
thoracovertebrale
Schmerzen
-
Alte Deckplattenimpression LWK 1 (Unfall vor Jahren)
Zudem gab er an, es bestehe die Indikation für eine Operation mit Stabilisierung C6/7, falls die konservativen Therapien mit Infiltrationen versagen würden. E
ine
Wurzelinfiltration C7 rechts
(1
7.
März 2018) habe keine wesentliche Besserung gebracht (S. 1). Ab Ende August 2018 sei die Arbeitsfähigkeit in einer anderen Tätigkeit höher, insbesondere bei einer
weniger belastenden Arbeit sollte eine mindestens 50%ige Tätigkeit möglich sein. Allenfalls sei später eine Erhöhung des Pensums möglich (S. 2).
3.2
Fachärztin
D._
,
Neurologin
am Zentrum
E._
nannte in ihrem Bericht vom 28. September 2018 (
Urk.
8/53) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Radikulopathie
C7 recht
s
bei:
-
Mehrsegmentalen degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule mit
Diskusprotrusion
C4/5 mit
foraminaler
Kompression C5 links, asymptomatisch;
Diskusprotrusion
C5/C6 mit Kontakt zur Wurzel der C6 rechts;
Diskusprotrusion
C6/7 mit Kontakt zur Nervenwurzel C7 rechts
-
Status nach Grand-Mal-Anfall 2006, Prophylaxe mit
Lamictal
Nach Ausschöpfung der konservativen Therapiemassnahmen seien chirurgische Massnahmen in Erwägung zu ziehen, um die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin wiederherzustellen (S. 2).
3.3
PD
Dr.
med.
F._
, Fach
arzt Wirbelsäulenchirurgie und Neurochirurgie,
von der Klinik
C._
hielt
in seinem Bericht vom 2
2.
Januar 2019 (
Urk.
8/71)
fol
gende Diagnosen fest (S. 1):
-
Progrediente
Zervikobrachialgie
beidseits (rechtsbetont)
-
Beginnende Segmentdegeneration C5/6 und C6/7 bei leicht
kyphoti
schem
Sagittalprofil der HWS
-
Beginnende
Osteochondrose
mit
breitbasigen
Diskusprotrusionen
C5 bis C7, geringer auch C4/5, Diskusprolaps C5/6 rechts mit
foraminaler
Enge der Nervenwurzel C6 rechts, Diskusprolaps C6/7 mit
foraminaler
Enge der Nervenwurzel C7 rechts, Diskusprolaps C4/5 mit
foraminaler
Enge der Nervenwurzel C5 links
-
Status nach Nervenwurzelinfiltration C6 rechts am
9.
September 2018
-
Status nach Nervenwurzelinfiltration C7 recht
s
am
1
7.
März 2018
Dr.
F._
führte
aus, die Beschwerden hätten sich seit der Reduktion des Arbeits
pensums deutlich zurückgebildet. Bildmorphologisch seien die Beschwerden der Beschwerdeführerin sehr gut zu erklären. Korrespondierend dazu habe sie auf die Nervenwurzelinfiltration C6 angesprochen. Die Beschwerdeführerin wünsche kein operatives Vorgehen, es werde daher eine ventrale Diskektomie, Dekompres
sion und Fusion der Etagen C5 bis C7 empfohlen. Es bestehe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit. Falls sich in den kommenden
sechs
Monaten keine deutliche Beschwerdebesserung abzeichne, werde dringend ein operatives Vorgehen
empfohlen. Es sei insgesamt davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin wiederhergestellt werden könne. Generell sei eine berufliche Tätigkeit mit geringer
er
körperlicher Belastung anzustreben (S. 3).
3.4
RAD-Arzt
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie hielt in seiner Stellungnahme vom 2
1.
März 2019 (
Urk.
8/90/4-5) fest, bei der Beschwerdeführerin sei ein somatischer Gesundheitsschaden einschliesslich der sich daraus ableitenden Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit ausgewiesen. Der Gesundheitsschaden sei instabil, da weitere Untersuchungen und wohl auch Behandlungen in der Klinik
C._
geplant seien. Der akten
kundige Verlauf der Arbeitsunfähigkeit für die bisherige bzw. ausgeübte Tätigkeit sei aus versicherungsmedizinischer Sicht nachvollziehbar, da diese Tätigkeit laut Anforderungsprofil körperlich relativ stark belastend sei. Angaben zur theoreti
schen Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten gebe es derzeit nicht, aber medizintheoretisch sei auch dafür mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur von einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit (ca. 50-60
%
) auszugehen. Gegebenenfalls werde eine polydisziplinäre Begutachtung unausweichlich werden.
3.
5
Neurologin
Dr.
med.
H._
von der Klinik
C._
stellte
in ihrem Bericht vom 9. Juli 2019 (
Urk.
8/
8
3/4-6) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Chronische
Zervikobrachialgien
beidseits
rechtsbebtont
, Differential
diagnose
spondylogen
,
myofaszial
,
radikulär
mit/bei
-
Anamnestisch
:
seit 2013
Zerviko-Brachialgie
re
chts
, Kribbel
parästhe
sien
Digitus
(
Dig
.
)
I und II re
chts
, seit 2 Monaten
Dig
. III u. IV re
chts
-
Klinisch-neurologisch: negative Nervendehnungszeichen,
myofas
z
iale
Befunde, keine sensomotorischen
myeloradikulären
Defizite
-
Elektrophysiologisch, 2
4.
Juni
2019: Normale Armneurographien re
chts
und
N
ervu
s
ulnaris
li
nks
, normale semiquantitative
Elektro
myographie
(
EMG
)
der
Kennmuskulatur C5-C7 re
chts
-
Nervensonografie 1
2.
Juli
2019, Normalbefund
N
ervus
ulnaris
und
N
ervus
medianus
li
nks
-
MRI HWS 1
0.
September
2019,
Rodiag
Diagnostikzent
rum
I._
: mehrheitlich vorbestehende
Osteochondrose
mit
breitbasigen
Diskusprotrusionen
der Niveaus C4/C5, C5/C6 und C6/C7, progrediente fokale Diskusextrusion des Niveaus C5/C6 rechts paramedian mit ent
sprechend
progredienter Kompression der Nervenwurzel C6 rechts. Vorbestehend Kompression der Nervenwurzel C7 recht
s
bei rechtsbe
tonter
Diskusprotrusion
-
Status nach Nervenwurzelinfiltration C6 rechts vom
9.
September
2018
(
fecit
Dr.
B._
)
mit deutlicher Beschwerdebesserung
-
Status nach Nervenwurzelinfiltration C7 rechts am 1
7.
März
2018
(
fecit
Dr.
B._
)
ohne Beschwerdebesserung
-
Status nach weiterer zervikaler Infiltration, Lokalisation nicht über
liefert,
Juli
2018, keine Beschwerdereduktion
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit gab
Dr.
H._
an,
sie selber habe
bislang keine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die
Zervikobrachialgien
beidseits rechtsbetont seien durch die letzte berufliche Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Hauswirt
schafterin verstärkt worden (S. 2).
3.6
Der beratende Arzt des Krankentaggeldversicherers,
Dr.
med.
J._
, ging in seiner Einschätzung vom 2
1.
August 2019 (
Urk.
8/83/2-3) davon aus, dass bei der Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit eine vollständige Arbeits
unfähigkeit bestehe. Für eine adaptierte Tätigkeit würden sich keine Befunde ergeben, welche eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erklären würden. Zu
dem sei die psychosoziale Situation unklar (S. 2).
3.
7
Die behandelnde Hausärztin der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
K._
, Ärztin für Allgemeine Medizin FMH, gab in ihrem Bericht vom 1
9.
Sep
tember 2019 (Urk. 8/83/1) an, im
letzten Jahr seien mehrere Nervenwurzelinfiltrationen C6 und C7 rechts durchgeführt worden,
jedoch
ohne anhaltende Beschwerde
besserung. Im weiteren Verlauf habe die Beschwerdeführerin über Nacken-Schul
ter-Armschmerzen links mit Schmerzen im Bereich des Ellbogens mit Aus
strahlung in die
ulnare
Vorderarmseite geklagt. Eine Reizung des
Nervus
ulnaris
im
Cubitatunnel
sei nicht auszuschliessen gewesen. Im Vordergrund stehe aber ein
m
yofas
z
iales
S
yndrom. Eine Arbeitsunfähigkeit zu 100
%
sei von ihr vom
1.
Juli bis 1
1.
August 2019 ausgestellt worden. Die weitere Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit finde durch die Wirbelsäulenchirurgie und Neurochirurgie in der
Klinik C._
statt.
In
einer beruflichen Tätigkeit mit geringerer körperli
cher Belastung und ohne
Überkopf
-A
rbeiten
sei die Beschwerdeführerin sicher arbeitsfähig.
3.8
In einer weiteren Stellungnahme vom
5.
November 2019 (
Urk.
8/90/7-8) führte
Dr.
G._
aus, die Einschätzung
en
der Hausärztin
Dr.
K._
sowie des bera
tenden Arztes des Krankentaggeldversicherers
,
Dr.
J._
,
sei
en
uneingeschränkt nachvollziehbar. Demnach bestehe in der bisherigen Tätigkeit als Reinigungskraft eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, da dies
e
zwangsläufig mit Zwangshaltungen des Rumpfes und speziell der Halswirbelsäule, aber auch mit häufigen und längeren Arbeiten in Schulterhöhe und darüber verbunden sei. In einer ange
passten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin vollschichtig/ganztägig arbeitsfähig, allerdings mit einer leichten Leistungsminderung von etwa 20-25
%
, da
häufigere Erholungspausen zur Auslockerung der Muskulatur, speziell der Arme und Schultern
, notwendig seien
.
K
örperlich leichte, wechselbelastende Arbeiten ohne Zwangshaltungen, nicht über Kopf und nur selten über Schulterhöhe, in
w
ohl
temperierten Räumen ohne Einfluss von Nässe, Kälte oder Zugluft
würden dem Belastungsprofil einer adaptierten Tätigkeit entsprechen
. Diese Beurteilung gelte retrospektiv überwiegend wahrscheinlich seit Juni 2019 (letzte Konsultation Klinik
C._
).
3.9
Dr.
B._
gab in seinem Bericht vom
8.
Oktober 2020 (
Urk.
8/105/1-2) an, die Beschwerdeführerin sei im angestammten Beruf im Reinigungsdienst seit Januar 2019 nicht mehr arbeitsfähig. Auch andere Tätigkeiten mit Gewichtsbelastungen seien zu vermeiden. Für eine leidensangepasste Tätigkeit bestehe eine Arbeitsun
fähigkeit von 50
%
. Dies beziehe sich auf Tätigkeiten ohne körperliche Belastungen, ohne
Nachvorneneigen
des Körpers und Dauerflexion der Halswir
belsäule. Die Gewichtsbelastung betrage maximal 10
%
. Es sollte sich um Tätig
keit
en
mit der Möglichkeit zum Positionswechsel handeln,
also
ohne dauerndes Stehen oder dauerndes Sitzen (S. 1).
3.10
Dem Schlussbericht Praxis
L._
vom
9.
Oktober 2020 (
Urk.
3) kann ent
nommen werden,
dass die Beschwerdeführerin vom 1
4.
September bis
9.
Oktober 2020 an einem
Programm zur Beurteilung der Arbeitsmarktfähigkeit
teilge
nommen und
bei einem geplanten Pensum von 70
%
eine Anwesen
heits
quote von 54 % erreicht
hat
(S. 1).
Durch Zwischenverdienst
einsätze und danach aufgetretenen Schmerzen sei es zu krankheitsbedingten Ausfällen und Arzt
terminen gekommen.
Aufgrund der interdisziplinären Beobachtungen
und
unter
Berücksichtigung der
bestehende
n
Befunde sei ein Verbleiben im hausdienstna
hen Umfeld/Reinigung/Betriebsunter
halt nicht mit einem gesund
heitsförderli
chen Verhalten vereinbar. Die Beschwerdeführerin habe keine Aufgabe ohne entsprechende Hilfsmittel
(Steh-Sitz, Arbeitsplatzerhöhung, Einnehmen von Wech
selpositionen, Luftkissen)
bewältigen können
.
Zudem habe sie
sich
zum Ausgleich regelmässig bewegen müssen
, um eine entsprechen
de
Entlastung zu erzielen
.
Rein sitzende Tätigkeiten, inklusive Überkopf-Arbeiten
sowie
neigende und beugende Haltungen
,
seien nicht möglich.
Potentielle
Arbeitgebende
müssten diese Rahmenbedingungen sicherstellen können, damit sich die Beschwerde
führerin als eine pflichtbewusste, engagierte und motivierte Mitarbeitende mit ausgeprägten sozialen Kompetenzen einbringen könne.
Die Beschwerdeführerin überschreite regelmässige ihre Belastungsgrenze und wolle selbst unter starken Schmerzen Leistungen erbringen.
Dies
berge eine zusätzliche Gefahr von gesundheitsschädi
gendem Verhalten. Sie sei sich dessen bewusst, wolle aber weiterhin einen Beitrag zur finanziellen Entlastung der Familie leisten (S. 5).
4.
4.1
Unbestritten und im Einklang mit der Aktenlage steht fest, dass die Beschwerde
führerin aufgrund
eines
ärztlicherseits einheitlich umschriebenen Rückenleidens in der angestammten, körperlich anspruchsvollen Tätigkeit als Reinigungs
mitarbeiterin/Hauswirtschafterin
spätestens seit
Mai
2016
(Beginn des Warte
jahres,
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG)
vollständig arbeitsunfähig ist.
Unklar und umstritten ist hingegen, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit verhält.
Die Beschwerdegegnerin stützte
die angefochtene Verfügung auf die medizinische Einschätzung von RAD-Arzt
Dr.
G._
.
4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben.
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts
9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
g
emässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.3
Während RAD-Arzt
Dr.
G._
in seiner Stellungnahme vom 2
1.
März 2019 (E. 3.4) noch davon ausging, dass bei der Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit in Zukunft auch unter Berücksichtigung der noch anstehenden Behandlungen in angepassten Tätigkeiten von einer eingeschränkten Arbeitsfä
higkeit (ca. 50 bis 60
%
) auszugehen sei, hielt er am
5.
November 2019 (E. 3.8) fest,
dass
sie
in einer Tätigkeit mit angepasstem P
rofil ganztäg
ig arbeitsfähig sei, wobei aufgrund von Erholungspausen eine leichte Leistungsminderung von 20
bis 25
%
bestehe.
Dr.
G._
stützte sich dabei nicht auf eine eigene Unter
suchung der Beschwerdeführerin, sondern auf die Einschätzungen der Hausärztin
Dr.
K._
sowie des beratenden Arztes des Krankentag
geldversicherers
Dr.
J._
, die seiner Ansicht nach ohne Weiteres nachvollziehbar seien
.
Das von
Dr.
G._
umschriebene Leistungsprofil findet sich jedoch bei keinem der beiden Ärzte
wieder
.
Dr.
K._
gab am 1
9.
September 2019 (E. 7) lediglich an, dass die Beschwerdeführerin in angepasster Tätigkeit sicher arbeitsfähig sei, ohne weitere quantitative oder qualitative Angaben zur Leistungsfähigkeit zu machen.
Insbesondere verwies sie für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf die behan
delnden Fachspezialisten der Klinik
C._
.
Ihre hausärztliche Einschätzung ist damit als Grundlage für die Beurteilung des vorliegenden Leistungsanspruchs nicht geeignet.
Dr.
J._
wiederum stellte aufgrund der ihm vorgelegten Akten
in
seiner
Kurznotiz
vom 2
1.
August 2019 (E. 3.6)
einzig fest, dass
für die ange
stammte Tätigkeit wahrscheinlich eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe,
sich
aber
keine Befunde ergäben, die eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit in angepasster Tätigkeit erklären würden.
Auch diese Stellungnahme bildet keine fundierte Grundlage für die vorliegende Streitfrage.
Der b
ehandelnde Rheumatologe
Dr.
B._
wiederum erachtete
die Beschwerde
führerin in angepasster Tätigkeit als zu 50
%
arbeitsfähig. Zum Anforderungs
profil führte er aus, dass es sich um eine wechselbelastende Tätigkeit mit einer Gewichtsbelastung von maximal 10
%
handeln dürfe.
Warum
Dr.
G._
in diesem Zusammenhang
die Einschätzungen von
Dr.
K._
und
Dr.
J._
als nach
vollziehbar erachtete und den Bericht
des
behandelnden
Facharztes
in seiner ver
sicherungsmedizinischen Beurteilung gänzlich
unberücksichtigt liess,
ist
ohne weitere Begründung
nicht plausibel.
Zwar können RAD-Stellungnahmen nicht einfach
immer dann in Frage gestellt werden, wenn die behandelnden Ärzte eine abweichende Meinung zur Arbeits
unfähigkeit
äussern
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_668/2015 vom 17. Februar 2016 E. 3).
Die
Einschätzung von
Dr.
G._
entspricht aber nicht den rechtssprechungsgemässen Vorgaben (E. 4.2),
lässt
sie doch
zum einen
eine Aus
einandersetzung mit dieser abweichenden Beurteilung vermissen und
ist
sie
zum anderen
in der Festlegung des Anspruchsprofils mangels differenzierter Begrün
dung nicht nachvollziehbar
.
Sein Hinweis, dass eine «andere Beurteilung desselben medizinischen Sachverhalts» bestehe (
Urk.
8/106/4), ist vorliegend nicht zielführend, weil kein Revisionssachverhalt gegeben ist.
Damit bestehen
erhebliche Zweifel an
der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
seines Berichts
,
so dass
die Beschwerdegegnerin bei ihrem Leistungsentscheid nicht auf das ver
si
cherungs
interne
Untersuchung
sergebnis
hätte
abstellen dürfen, sondern weitere Abklärungen
hätte
veranlassen müssen.
Anhaltspunkte für eine ein
geschränkte Leistungsfähigkeit auch in an sich angepassten Tätigkeiten
ergeben sich
zum einen
aus der Einschätzung des behandelnden Rheumatologen und
zum anderen
aus dem mit der Beschwerde eingereichten Bericht über die Abklärung der Arbeitsmarktfähigkeit (E. 3.10)
, zu welchem sich die Beschwerde
gegnerin
in
ihrer
Beschwerdeantwort nicht vernehmen liess
. Die Fachleute beobachteten während der vier Abklärungswochen bei den verschiedenen Arbeitsposten, dass trotz hoher Motivation der Beschwerde
führerin bereits vielfach leichte Arbeiten zu Beschwer
den geführt hätten
, was die Notwendigkeit eines differenzierten Anforderungs
profil
s
nahelegt.
Eine solche umfassende Beurteilung der Arbeits
fähigkeit findet sich auch in den Berichten der behandelnden Fachspezialisten (E. 3.1, E. 3.2, E.
3.3, E.
3.5, E. 3.9) nicht.
4.4
Der Sachverhalt erweist sich somit als nicht genügend abgeklärt. Die
angefoch
tene Verfügung vom 30. Oktober 2020 (
Urk.
2)
ist deshalb aufzuheben und die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
damit diese die Arbeitsfähig
keit der Besc
hwerdeführerin
im Längsverlauf
umfassend abkläre
,
hernach darüber entscheide
, wie die verbliebene Restarbeitsfähigkeit erwerblich verwertet werden kann
,
und gestützt darauf über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge
. Neben einer Begutachtung durch die einschlägigen Fachdisziplinen wird sie dazu
allenfalls
auch eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL)
zu
veranlassen
haben
.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens steht der Beschwerdeführerin eine Prozess
entschädigung zu, welche in Anwendung von § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes
über das Sozial
versicherungsgericht mit Fr. 1’3
00.-- (inkl. Barauslagen und
M
WSt
) zu bemessen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.