Decision ID: 528b9331-54bd-54b5-8e91-77a7220eb153
Year: 2019
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. A_ (nachfolgend auch: Beschwerdeführer) wurde am 16. Juni 2018 von der Polizei
angehalten, als er mit seinem Motorrad ausserorts nach Abzug des Toleranzwertes mit
einer Geschwindigkeit von 154 km/h anstatt mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von
80 km/h gefahren war. Sein Motorrad wurde sichergestellt und der Beschwerdeführer, dem
der Führerausweis abgenommen wurde, zum Polizeikommando nach Herisau verbracht.
B. Die Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden (nachfolgend auch: Staatsanwaltschaft
bzw. Beschwerdegegnerin) eröffnete eine Untersuchung wegen
Geschwindigkeitsüberschreitung und führte am 16. Juni 2018 in Herisau die erste
Einvernahme mit dem Beschwerdeführer als beschuldigter Person durch. Da der
Beschwerdeführer keinen Anwalt nennen konnte, wurde von Amtes wegen eine
Verteidigung bestellt und Pikettverteidiger RA C_ aufgeboten. RA C_ gab einen
Antrag um Gewährung der amtlichen Verteidigung zu Protokoll.
C. Am 19. Juni 2018 teilte RA AA_ der Beschwerdegegnerin mit, in Absprache mit dem
Beschwerdeführer und mit RA C_ würde er das Mandat für den Beschwerdeführer gerne
weiterführen und ersuche entsprechend um Gewährung der amtlichen Verteidigung,
während sich Kollege RA C_ aus der Pikettentschädigung bezahlt mache. Der Grund für
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den Anwaltswechsel sei, dass der Beschwerdeführer ohne Fahrbewilligung neben seiner
Familie mit zwei Kindern schlichtweg keine zeitlichen Ressourcen für die Wege zum Büro
von RA C_ nach Wil und zurück zu seinem Wohnort in Buchs habe.
D. Mit Verfügung vom 22. Juni 2018 teilte die Staatsanwalt hierauf mit, es bestehe kein
Vorbehalt gegen den Anwaltswechsel, dieser sei in der konkreten Situation
nachvollziehbar. Es liege zwar ein Fall einer notwendigen Verteidigung vor, aber aufgrund
des festgestellten Sachverhalts könne davon ausgegangen werden, dass die rechtliche
Beurteilung des Vorfalls und die Festlegung des Strafmasses keine Schwierigkeiten bieten
würden. Es sei nicht abschliessend geklärt, ob der Beschwerdeführer als bedürftig gelten
könne. Jedoch sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer, der sich bisher den Betrieb
eines Motorrades geleistet habe, nach Ansicht der Staatsanwaltschaft angesichts der zu
erwartenden Einsparungen nach dem Einzug des Motorrades in der Lage sei, seine
Verteidigung ohne unzumutbare Einschränkungen selber zu finanzieren. Deshalb werde
das Gesuch um amtliche Verteidigung abgewiesen.
E. Gegen diese Verfügung richtet sich die vom Beschwerdeführer am 28. Juni 2018 beim
Obergericht eingereichte Beschwerde, mit welcher die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung verlangt und um die Gewährung der amtlichen Verteidigung im
Untersuchungsverfahren SV 18 1219 ersucht wird. Das gleichzeitig eingereichte Gesuch
um amtliche Verteidigung im vorliegenden Beschwerdeverfahren vor Obergericht wurde
vom Einzelrichter mit Verfügung vom 25. Juli 2018 gutgeheissen und RA AA_ als
amtlicher Verteidiger im Beschwerdeverfahren eingesetzt. Am 11. Juli 2018 reichte die
Staatsanwaltschaft eine Vernehmlassung zur Beschwerde ein und beantragte deren
Abweisung. Es wurde kein weiterer Schriftenwechsel durchgeführt und keine mündliche
Verhandlung angeordnet.
F. Am 12. März 2019 fand in Abwesenheit der Parteien eine Beratung des Gerichts statt. Die
Beschwerde wurde gutgeheissen. Das Gericht entschied, die angefochtene Verfügung der
Staatsanwaltschaft sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei im
Untersuchungsverfahren SV 18 1219 die amtliche Verteidigung zu gewähren. Seinem
Antrag entsprechend wurde RA AA_ zum amtlichen Verteidiger im
Untersuchungsverfahren SV 18 1219 ernannt.
Der begründete Beschluss wird hiermit eröffnet.
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Erwägungen
1. Formelles
1.1 Gegen die angefochtene Verfügung der Staatsanwaltschaft ist das Rechtsmittel der
Beschwerde gegeben (Art. 393 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen Strafprozessordnung
[StPO, SR 312.0]). Ausschlussgründe gemäss Art. 394 StPO bestehen nicht.
1.2 Beschwerdeinstanz in Strafsachen ist im Kanton Appenzell Ausserrhoden gestützt auf Art.
26 Justizgesetz (JG, bGS 145.31) eine Abteilung des Obergerichts und somit ein
Kollegialgericht. Das Gesamtgericht hat strafrechtliche Beschwerdefälle der 2. Abteilung
zur Beurteilung zugewiesen (publiziert im Staatskalender Appenzell Ausserrhoden für das
Amtsjahr 2018/2019, S. 83). Somit ist die 2. Abteilung des Obergerichts zur Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
1.3 Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung
eines Entscheides hat, kann ein Rechtsmittel ergreifen (Art. 382 Abs. 1 StPO). Der
Beschwerdeführer ist als Beschuldigter im Untersuchungsverfahren SV 18 1219
offensichtlich zur Beschwerde legitimiert; eine gültige Vollmacht seines Rechtsvertreters
zur Vertretung des Beschwerdeführers im vorliegenden Beschwerdeverfahren liegt vor.
1.4 Die Beschwerdefrist beträgt 10 Tage (Art. 396 Abs. 1 StPO) und beginnt mit dem der
Mitteilung folgenden Tag (Art. 90 Abs. 1 StPO). Die angefochtene Verfügung wurde am
22. Juni 2018 verschickt. Die am 28. Juni 2018 der Post übergebene Beschwerde erweist
sich somit als rechtzeitig.
1.5 Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt somit,
dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung auf Seiten des
Beschwerdeführers als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf
die Beschwerdeschrift erfüllt sind.
Auf die Beschwerde ist entsprechend einzutreten.
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2. Materielles
2.1 Zunächst ist festzuhalten, dass im vorliegenden Fall die Voraussetzungen einer sog.
notwendigen Verteidigung im Sinne von Art. 130 StPO klar erfüllt sind:
a. Der Begriff der notwendigen Verteidigung drückt aus, dass unter bestimmten Umständen
eine beschuldigte Person zwingend verteidigt sein muss, damit ein Strafverfahren
überhaupt durchgeführt werden kann (anstelle vieler: BGE 131 I 350, E. 2.1). Der Zwang
zur Verteidigung ergibt sich zum einen aus der Fürsorgepflicht des Staates gegenüber
jenen Personen, die er in Pflicht nimmt und andererseits aus der allgemeinen Auffassung,
dass eine griffige Verteidigung letztlich der Wahrheitsfindung dient und damit im
öffentlichen Interesse liegt (NIKLAUS RUCKSTUHL, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014,
N. 1 zu Art. 132 StPO).
b. Art. 130 StPO legt fest, in welchen Fällen eine notwendige Verteidigung angezeigt ist.
Gemäss Art. 130 lit. b StPO muss eine beschuldigte Person u.a. dann zwingend verteidigt
werden, wenn ihr eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr droht.
c. Dem Beschwerdeführer wird eine massive Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit im
Sinne von Art. 90 Abs. 4 lit. c des Strassenverkehrsgesetzes (SVG, SR 741.01)
vorgeworfen. Art. 90 Abs. 3 SVG sieht für ein solches sog. Raserdelikt eine Freiheitsstrafe
von einem bis zu vier Jahren vor.
d. Aufgrund der Strafandrohung in Art. 90 Abs. 3 SVG sind die Voraussetzungen für die
notwendige Verteidigung gemäss Art. 130 lit. b StPO somit im Fall des Beschwerdeführers
offensichtlich erfüllt, was denn auch zu Recht von keiner der Parteien bestritten wird.
2.2 Liegt ein Fall einer notwendigen Verteidigung vor, so achtet die Verfahrensleitung drauf,
dass unverzüglich eine Verteidigung bestellt wird (Art. 131 Abs. 1 StPO). Bestellt die
beschuldigte Person nicht von sich aus einen Verteidiger (sog. Wahlverteidigung), hat die
Verfahrensleitung - im Untersuchungsverfahren SV 18 1219 die Staatsanwaltschaft - von
Amtes wegen eine amtliche Verteidigung anzuordnen (Art. 132 Abs. 1 lit. a StPO). Diese
amtliche Verteidigung bei notwendiger Verteidigung ist die logische Konsequenz aus den
Überlegungen, die hinter der notwendigen Verteidigung stehen (vgl. zum Ganzen NIKLAUS
RUCKSTUHL, a.a.O., N. 1 ff. zu Art. 132 StPO, m.w.H.): Sind die Voraussetzungen einer
notwendigen Verteidigung erfüllt, muss die Strafverfolgung auch dann sicherstellen, dass
eine Verteidigung vorhanden ist, wenn die beschuldigte Person nicht von sich aus eine
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Verteidigung bestellt bzw. kein Verteidiger ein Mandat als Wahlverteidiger der
beschuldigten Person übernimmt.
a. Es steht fest, dass der Beschwerdeführer bei der ersten Einvernahme am 16. Juni 2018
nicht von sich aus einen Verteidiger bestimmte, sondern den von der Staatsanwaltschaft
aufgebotenen RA C_ als Vertreter akzeptierte. RA C_ stellte bereits anlässlich dieser
ersten Einvernahme ausdrücklich das Gesuch, es sei die amtliche Verteidigung zu
gewähren (act. B8, Einvernahmeprotokoll, Frage 20). Dass sich der Beschwerdeführer
damit einverstanden erklärte, dass RA C_ als Verteidiger bei der ersten Einvernahme
beigezogen wurde, bedeutet nicht, dass dieser damit automatisch über ein Mandat als
privater Wahlverteidiger des Beschwerdeführers verfügte. Nicht der Beschwerdeführer,
sondern die Staatsanwaltschaft hatte RA C_ in seiner Funktion als Pikettverteidiger
aufgeboten. Gemäss Art. 12 lit. g des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit der
Anwältinnen und Anwälte (BGFA, SR 935.61) sind Anwältinnen und Anwälte grundsätzlich
verpflichtet, (gerade als Pikettverteidiger) amtliche Pflichtverteidigungen zu übernehmen.
Ein Anwalt, der von einer notwendig zu verteidigenden Person für eine Vertretung
angefragt wird, muss aber, damit ihm das Pflichtmandat zuzumuten ist, zwingend die
Möglichkeit haben, den Antrag auf Einsetzung als Offizialverteidiger zu stellen, sei es, dass
die Finanzierung nicht privat sichergestellt werden kann oder dass die Verteidigung eine
private Finanzierung aus anderen Gründen nicht annehmen will. RA C_ hat im
vorliegenden Fall nachweislich ein solches Gesuch gestellt. Die Voraussetzungen, diesem
Gesuch um Gewährung der amtlichen Verteidigung zu entsprechen, sind unter den
gegebenen Umständen klar erfüllt, nachdem aufgrund der dem Beschwerdeführer
drohenden Strafe für das ihm vorgeworfene Raserdelikt unbestrittenermassen ein Fall einer
notwendigen Verteidigung vorliegt.
b. Eine formelle Verfügung, wonach dem Beschwerdeführer die amtliche Verteidigung durch
RA C_ gewährt worden bzw. allenfalls später widerrufen worden wäre (vgl. dazu Art. 134
StPO), liegt nicht in den Akten. RA AA_ ersuchte - in Absprache mit RA C_ und dem
Beschwerdeführer - noch vor einem formellen Entscheid der Staatsanwaltschaft über das
von RA C_ eingereichte Gesuch um Gewährung der amtlichen Verteidigung mit
Schreiben vom 19. Juni 2018 darum, ihn statt RA C_ als amtlichen Verteidiger
einzusetzen, damit er das Verfahren anstelle von RA C_ weiterführen könne (act. B8,
Schreiben von RA AA_ an die Staatsanwaltschaft vom 19. Juni 2018): „In Absprache mit
Herrn RA C_ und meinem Klienten würde ich das Mandat für Herrn A_ betreffend den
Vorwurf der Geschwindigkeitsüberschreitung am 16. Juni 2018 gerne weiterführen. [...] Wir
stellen entsprechend namens und im Auftrag unseres Klienten das Gesuch die amtliche
Verteidigung zu gewähren und den unterzeichnenden Rechtsvertreter als amtlichen
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Verteidiger einzusetzen.“ Die Staatsanwaltschaft verfügte hierauf am 22. Juni 2018 eine
Abweisung des Gesuchs um amtliche Verteidigung. Diese Verfügung kann aus folgenden
Gründen nicht bestätigt werden:
• Wie bereits erwähnt, bestand im Zeitpunkt, als RA C_ das Gesuch um amtliche
Verteidigung einreichte, offensichtlich kein Grund, diesem Gesuch nicht stattzugeben.
Der Beschwerdeführer hatte in jenem Zeitpunkt keinen Wahlverteidiger bestellt, auch
nicht in der Person von RA C_, der vielmehr von der Staatsanwaltschaft selbst als
Pikettverteidiger aufgeboten worden war. Im Einvernahmeprotokoll verweist die
Staatsanwalt unter Frage 2 selber ausdrücklich auf Art. 132 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 StPO (vgl.
act. B8, Einvernahmeprotokoll); zu Recht ging sie somit davon aus, dass jedenfalls
während dieser Befragung die Voraussetzungen dieser Bestimmung erfüllt waren und
somit gestützt auf Art. 132 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 StPO eine amtliche Verteidigung
anzuordnen war.
• In zeitlicher Hinsicht ist im konkreten Fall nun entscheidend, dass sich RA AA_ bei der
Staatsanwaltschaft meldete, noch bevor diese bereits über das Gesuch von RA C_
vom 16. Juni 2018, ihn als amtlichen Verteidiger einzusetzen, formell entschieden hätte.
RA AA_ reichte bereits am 19. Juni 2018 ausdrücklich ein weiteres Gesuch um
Gewährung der amtlichen Verteidigung ein und legte in seinem Schreiben an die
Staatsanwaltschaft dar, dass er in Rücksprache mit RA C_ und dem
Beschwerdeführer das Mandat als amtlicher Verteidiger gerne „weiterführen“ möchte
(act B8, Schreiben von RA AA_ vom 19. Juni 2018). Die Staatsanwaltschaft scheint
sinngemäss davon auszugehen, damit habe der Beschwerdeführer einen privaten
Wahlverteidiger bestellt, was aber bei genauerer Betrachtung nicht zutrifft: Hätte RA
AA_ am 19. Juni 2018 als privater Wahlverteidiger des Beschwerdeführers gehandelt,
so hätte offensichtlich kein Anlass dazu bestanden, das Gesuch um Gewährung der
amtlichen Verteidigung ausdrücklich zu erneuern. Es besteht unter den gegebenen
Umständen schlichtweg keine Grundlage, um anzunehmen, der Beschwerdeführer habe
mit RA AA_ einen Wahlverteidiger bestimmt, so dass sich die im vorliegenden Fall
gestützt auf Art. 132 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 StPO anzuordnende amtliche Verteidigung
(nachträglich) allenfalls erübrigen würde. Im Rahmen des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens stellte RA AA_ zusätzlich explizit klar, er habe nie ein Mandat
als blosser Privatverteidiger angenommen und würde er ansonsten sofort niederlegen
(Beschwerde, S. 3 unten). Würde das bei der Staatsanwaltschaft bereits am 16. Juni
2018 von RA C_ gestellte und am 19. Juni 2018 von RA AA_ wiederholte Gesuch
um amtliche Verteidigung somit nicht bewilligt, stünde der Beschwerdeführer ohne
Anwalt da, was angesichts der Tatsache, dass im Untersuchungsverfahren SV 18 1219
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unbestrittenermassen eine notwendige Verteidigung angezeigt ist, gar nicht zulässig
wäre.
• Bei der Bestellung der amtlichen Verteidigung sind nach Möglichkeit die Wünsche der
beschuldigten Person zu berücksichtigen (Art. 133 Abs. 2 StPO). Dass und aus welchen
Gründen der Beschwerdeführer RA AA_ als Rechtsbeistand wünscht, ergibt sich
bereits aus dessen Schreiben an die Staatsanwaltschaft vom 19. Juni 2018 und wurde
im vorliegenden Beschwerdeverfahren erneut dargelegt. Die Staatsanwaltschaft räumt
selbst ein, dass im konkreten Fall durchaus nachvollziehbare Gründe bestehen, weshalb
der Beschwerdeführer RA AA_ zum Vertreter haben möchte. Es besteht denn auch
aus Sicht des Gerichts kein sachlicher Grund, welcher dagegen sprechen würde, ihn
zum amtlichen Verteidiger zu ernennen.
• Daran ändert auch nichts, dass der Beschwerdeführer bei der ersten Einvernahme keine
Einwendungen gegen den Beizug von RA C_ erhoben hat, sondern „mit RA C_ als
Verteidiger einverstanden“ (act. B8, Einvernahmeprotokoll, Frage 2) war. Dies kann
unter den gegebenen Umständen nicht automatisch zum Verlust seines gesetzlich
gewährleisteten Vorschlagsrechts im Sinne von Art. 133 Abs. 2 StPO führen (vgl. dazu
Urteil des Bundesgerichts 6B_500/2012 vom 4. April 2013, E. 1.2.3): Im
Befragungsprotokoll ist ausdrücklich festgehalten, dass die Staatsanwaltschaft gestützt
auf Art. 132 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 StPO von Amtes wegen eine Verteidigung bestellt habe,
da der Beschwerdeführer „im Moment“ keinen Anwalt nennen konnte (act. B8,
Einvernahmeprotokoll, S. 1, Frage 2). Der Beschwerdeführer musste unter diesen
Umständen nicht davon ausgehen, er habe mit der blossen Einverständniserklärung,
den von der Staatsanwaltschaft aufgebotenen Pikettverteidiger für die Befragung zu
akzeptieren, bereits sein ihm gesetzlich zustehendes Wahlrecht bei der Bestimmung
eines amtlichen Verteidigers wahrgenommen.
2.3. Aus den dargelegten Gründen ist die Beschwerde gutzuheissen und dem
Beschwerdeführer im Untersuchungsverfahren SV 18 1219 die amtliche Verteidigung durch
RA AA_ zu gewähren. Es versteht sich von selbst, dass RA C_, der als Pikettanwalt
anstelle von RA AA_ an der ersten Einvernahme teilgenommen hat, im Rahmen der dem
Beschwerdeführer zu gewährenden amtlichen Verteidigung ebenfalls zu entschädigen sein
wird.
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2.4 Immerhin bleibt auf Folgendes hinzuweisen: Wird einem Beschuldigten deshalb, weil die
Voraussetzungen einer notwendigen Verteidigung im konkreten Fall erfüllt sind, die
amtliche Verteidigung mangels Vorliegen eines Mandatverhältnisses zu einem
Wahlverteidiger gewährt, bedeutet dies nicht automatisch, dass der Beschuldigte für die
Vertretungskosten (letztlich) nicht selbst aufzukommen hat. Die amtliche Verteidigung
bedeutet lediglich, dass deren Kosten vorweg vom Staat übernommen werden: Schuldner
der Entschädigung der amtlichen Verteidigung ist einzig der Staat und zwar unabhängig
von einer allfälligen Bedürftigkeit der beschuldigten Person. Im - vorliegend gegebenen -
Fall einer notwendigen Verteidigung setzt die Bestellung eines amtlichen Verteidigers daher
auch keinen Nachweis einer finanziellen Bedürftigkeit des Beschuldigten voraus (vgl. dazu
BGE 139 IV 113, m.w.H.). Die Ausführungen der Staatsanwaltschaft, wonach der
Beschwerdeführer in der Lage sei, seine Verteidigung selbst zu finanzieren, sind daher im
Zusammenhang mit der im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu beantwortenden Frage,
ob dem Beschwerdeführer die amtliche Verteidigung zu gewähren sei oder nicht, (noch)
nicht entscheidend.
Die Staatsanwaltschaft oder das urteilende Gericht wird die Entschädigung des amtlichen
Verteidigers aber am Ende des Verfahrens festzulegen haben (Art. 135 Abs. 2 StPO).
Entsprechend wird die Staatsanwaltschaft nach Abschluss des Verfahrens SV 18 1219
(wobei im vorliegenden Fall u.U. eine Erledigung des Verfahrens im abgekürzten Verfahren
in Frage kommen wird, vgl. angefochtene Verfügung vom 22. Juni 2018, Ziff. 4) im Rahmen
der Anträge betreffend Kosten- und Entschädigungsfolgen ans urteilende Gericht darüber
zu befinden haben, ob die Kosten des amtlichen Verteidigers letztlich vom
Beschwerdeführer zu tragen sein werden oder nicht (vgl. zum Ganzen auch NIKLAUS
RUCKSTUHL, a.a.O. N. 10 zu Art. 135 StPO). Im Rahmen der verfahrensabschliessenden
Festlegung der Entschädigung des amtlichen Verteidigers bzw. dem Entscheid über die
definitive Auflage der Verfahrenskosten wird dann zu klären sein, ob der Beschwerdeführer
bedürftig ist oder nicht. Sollte sich am Ende des Verfahrens herausstellen, dass der
Beschwerdeführer gar nicht bedürftig ist bzw. sollte er später wirtschaftlich dazu in der Lage
sein, muss er dem Staat die angefallenen Kosten für die amtliche Verteidigung
selbstverständlich zurückzahlen und zudem seinem Rechtsbeistand die Differenz zwischen
der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar erstatten (Art. 135 Abs. 4 StPO).
Diese Überlegungen stellen aber keinen zulässigen Grund dar, dem Beschwerdeführer die
aufgrund der erfüllten Voraussetzungen einer notwendigen Verteidigung im konkreten Fall
zu gewährende amtliche Verteidigung bereits im Vornherein als solche zu verweigern.
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3. Kosten und Entschädigung
3.1.
Art. 428 StPO regelt die Kostentragungspflicht im Beschwerdeverfahren. Gemäss dessen
Abs. 1 tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens. Die Beschwerde wurde gutgeheissen und es rechtfertigt sich
daher, die Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gerichtsgebühr in der Höhe von CHF
500.-- (Art. 29 Abs. 1 lit. a Gebührenordnung, bGS 233.3) vollumfänglich auf die
Staatskasse zu nehmen.
3.2
Art. 436 Abs. 1 StPO hält fest, dass sich Ansprüche auf Entschädigung und Genugtuung im
Rechtsmittelverfahren nach den Art. 429-434 StPO richten. Dazu ist festzuhalten, dass den
Art. 429-434 StPO keine Bestimmung im Sinne von Art. 428 Abs. 1 StPO zu entnehmen ist,
wonach sich der Anspruch auf Entschädigung nach Massgabe des Obsiegens oder
Unterliegens richtet. Das muss jedoch - wie bei der Kostenauflage - auch hier gelten (vgl.
dazu PATRICK GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung,
2011, Rz. 578). Da der Beschwerdeführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren obsiegt
hat, ist er für die Kosten seiner Verteidigung zu entschädigen.
Dem Beschwerdeführer wurde bereits mit Verfügung des Einzelrichters vom 25. Juli 2018
die amtliche Verteidigung im Verfahren O2S 18 10 gewährt. Sieht der anwendbare
Anwaltstarif ein reduziertes Honorar für die Entschädigung der amtlichen Verteidigung vor,
so gelangt dieses unabhängig vom Prozessausgang zur Anwendung (BGE 139 IV 261). In
der zum Zeitpunkt der Gewährung der amtlichen Verteidigung gültigen Fassung der im
Kanton Appenzell Ausserrhoden anwendbaren Verordnung über den Anwaltstarif
(Anwaltstarif, bGS 145.53) war für die amtliche Verteidigung gemäss Art. 24 Abs. 1
Anwaltstarif ein reduziertes Honorar im Betrag von CHF 170.-- pro Stunde festgelegt.
Gemäss Schlussbestimmungen ist das im Zeitpunkt der Bewilligung der amtlichen
Verteidigung geltende Recht massgebend, was bedeutet, dass im vorliegenden Fall dieser
bis Ende 2018 gültige Stundensatz von CHF 170.-- anzuwenden ist (vgl. Art. 27 Abs. 3
Anwaltstarif).
RA AA_ reichte am 18. Juli 2018 eine Honorarnote ein und machte gestützt darauf eine
Entschädigung im Betrag von CHF 1‘491.90 geltend (act. B10). Dem ausgewiesenen
Zeitaufwand von 5 Stunden und 55 Minuten entsprechend zuzüglich der geltend
gemachten Barauslagen ergibt sich damit folgende Entschädigung, welche angesichts der
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erwartungsgemäss angefallenen Aufwendungen im Zusammenhang mit der Eingabe, die
im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereicht wurde, auch im Vergleich mit anderen
Fällen insgesamt gerade noch als angemessen betrachtet werden kann:
5 Stunden 55 Minuten à Fr. 170.-- CHF 1‘005.85
Barauslagen CHF 56.10
Mehrwertsteuer 7.7% CHF 81.75
Gesamthonorar CHF 1‘143.70
Entsprechend ist RA AA_ für seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger im
Beschwerdeverfahren O2S 18 10 mit CHF 1‘143.70 (inkl. Barauslagen und MWSt) aus
der Staatskasse zu entschädigen.
Der Beschwerdeführer wird darauf hingewiesen, dass er verpflichtet ist, sobald es ihm die
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben, dem Kanton Appenzell Ausserrhoden diese
Entschädigung zurückzuzahlen und seinem Rechtsbeistand die Differenz zwischen der
amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten.
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