Decision ID: 4f84e2bb-3dd8-4a1b-bf5c-d93ee75db195
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals im September 2002 aufgrund von Rücken-, Hüft- und
Beinschmerzen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Mit
Verfügung vom 2. April 2003 wurde das Rentengesuch bei einem IV-Grad von 21%
(Haushalt 11.14 %, Erwerb 10 %) abgewiesen (IV-act. 31). Die IV-Stelle wies die
dagegen erhobene Einsprache (IV-act. 32) am 25. Juni 2003 ab (IV-act. 36). Dieser
Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
A.b Am 7. August 2003 machte der Rechtsvertreter der Versicherten eine massive
Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend (IV-act. 37; siehe auch IV-act. 48
f. und 51). Am 15. Dezember 2004 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von
Dr. med. B._, Rheumatologie, Klinik Valens, begutachtet und am 22. Dezember 2004
fand eine Evaluation der arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) statt
(Gutachten vom 18. Januar 2005, IV-act. 76-1 ff.). Als Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit wurden ein primäres Fibromyalgiesyndrom seit 2001 (ICD-10:
M79.0), eine Hyperlaxizität (M35.7), eine allgemeine Dekonditionierung und eine
muskuläre Dysbalance angegeben. Keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten
eine Migräne (seit Jahren) und ungeklärte Arthralgien der Finger. Dr. B._ erklärte, die
Versicherte habe anlässlich der Begutachtung über Schmerzen in der LWS und in den
Unterarmen sowie über Kopfschmerzen geklagt. Er stellte eine diffuse Druckdolenz im
Bereich der Wirbelsäule mit altersentsprechender Beweglichkeit, tendomyotischen
Schmerzen rechtsbetont und Kettentendinosen im Bereich des linken Beines und
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mässig des rechten Armes fest. Er gab an, die Befunde würden über die klassischen
Tenderpoints der Fibromyalgie gemäss ACR 1990 hinausgehen. In den aktuellen
konventionellen bildgebenden Verfahren hätten sich mässige Spondylarthrosen
gezeigt. In den Funktionsaufnahmen sei kein pathologisches Gleiten sichtbar gewesen.
Im Bereich der Hände seien minime degenerative Veränderungen der DIP- und der PIP-
Gelenke, eine minime STT-Arthrose sowie eine minime Radiokarpalarthrose erkennbar
gewesen. Bei der EFL habe die Versicherte im Wesentlichen eine zuverlässige
Leistungsbereitschaft gezeigt. Sie habe in sämtlichen Tätigkeiten deutliche Defizite
gezeigt. Bereits bei geringen Belastungen sei die Herzfrequenz deutlich angestiegen.
Im Verlauf der Testung sei eine immer stärker zunehmende deutliche Ermüdung
beobachtet worden. Aus diesem Grund sei der Versicherten eine leichte Arbeit in
Wechselbelastung nur maximal 2 bis 3 Stunden täglich zumutbar, wobei mehrere
kleine Pausen eingelegt werden sollten. Die bisherige Tätigkeit als kaufmännische
Angestellte in einem Getränkehandel sei der Versicherten vor allem wegen der
zusätzlichen Arbeit im Lager nicht mehr zumutbar. Dr. B._ bemerkte abschliessend,
dass aufgrund des konsistenten Verhaltens und der psychiatrischen Unauffälligkeit auf
eine psychiatrische Abklärung verzichtet worden sei.
A.c Anlässlich einer Abklärung an Ort und Stelle am 19. August 2005
(Abklärungsbericht vom 6. September 2005, IV-act. 87) gab die Versicherte an, dass
sie ohne Gesundheitsschaden seit dem Eintritt der jüngsten Tochter in den
Kindergarten, d.h. seit dem 15. August 2005, zu 100 % erwerbstätig wäre. Die
Abklärungsperson stufte die Versicherte jedoch weiterhin als zu 60 % erwerbstätig und
zu 40 % im Haushalt tätig ein. Im Haushalt wurde für die Zeit ab Juli 2003 eine
Einschränkung von 53 % ermittelt. Mit zwei Verfügungen vom 9. Februar 2006 (IV-act.
95 und 97 f.) sprach die IV-Stelle der Versicherten ab 1. Januar 2004 eine Viertelsrente
und ab 1. April 2004 eine halbe Rente zu. Das Valideneinkommen wurde anhand der
Salärempfehlung des Schweiz. Kaufmännischen Verbandes bemessen und auf Fr.
36‘460.-- festgesetzt. Das Invalideneinkommen wurde gestützt auf den
durchschnittlichen Lohn einer Hilfsarbeiterin im Jahr 2005 gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) berechnet. Dabei wurde ab
Juli 2003 von einer Restarbeitsfähigkeit von 30 % ausgegangen und ein
Tabellenlohnabzug von 10 % gewährt. Der IV-Grad für den Zeitraum 1. Januar bis 30.
Juni 2003 wurde mit 21 % und derjenige für den Zeitraum 1. Juli bis 31. Dezember
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2003 mit 59 % veranschlagt, woraus für den Zeitraum 1. Januar bis 31. Dezember
2003 ein durchschnittlicher IV-Grad von 40 % resultierte. Ab 1. Januar 2004 wurde im
Erwerbteil (60 %-Pensum) ein IV-Grad von 38 % errechnet und im Haushaltsbereich
(40 %-Pensum) ein solcher von 21 %. Hieraus resultierte ein IV-Grad von 59 %. Gegen
die Verfügungen vom 9. Februar 2006 liess die Versicherte eine Einsprache erheben
(IV-act. 104). Am 5. Oktober 2006 (IV-act. 111) informierte der Rechtsdienst der IV-
Stelle den Rechtsvertreter darüber, dass beabsichtigt werde, die IV-Rente
„einzustellen“, da nach der neuen Rechtsprechung des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts die von der Rechtsprechung im Bereich der somatoformen
Schmerzstörung entwickelten Grundsätze bei der Würdigung des invalidisierenden
Charakters einer Fibromyalgie analog anzuwenden seien. Gemäss der neuen
Rechtsprechung habe die Versicherte keinen Anspruch auf eine IV-Rente. Am 17.
Oktober 2006 liess die Versicherte die Einsprache zurückziehen (IV-act. 112). Die
Rentenverfügungen vom 9. Februar 2006 erwuchsen damit in Rechtskraft.
A.d Im Revisionsfragebogen vom 23. April 2008 (IV-act. 120) gab die Versicherte an,
dass sich ihr Gesundheitszustand seit dem Frühjahr 2007 verschlechtert habe. Der
Hausarzt der Versicherten, Dr. med. C._, Facharzt FMH für Allgemeine Innere
Medizin, berichtete der IV-Stelle am 20. Juni 2008 (IV-act. 124), dass sich die
bekannten Beschwerden leicht verschlechtert hätten. Wegen der chronischen
Rückenschmerzen könne die Versicherte nur wenige Stunden pro Tag arbeiten. Am 1.
September 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 127), dass sie
unverändert Anspruch auf eine halbe Rente habe.
A.e Im Revisionsfragebogen vom 5. September 2013 (IV-act. 128) gab die Versicherte
an, ihr Gesundheitszustand sei gleich geblieben. Seit einigen Wochen habe sie aber
starke Schmerzen im rechten Arm und Fuss. Dr. C._ berichtete am 4. November
2013 (IV-act. 132) über einen weitgehend stationären Gesundheitszustand. Als neue
Diagnose gab er eine kleine cervicale Diskushernie mit geringgradiger Kompression der
C6-Nervenwurzel rechts an. Diese habe jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
A.f RAD-Arzt Dr. med. D._ hielt in einer Stellungnahme vom 10. Dezember 2013 fest
(IV-act. 142), dass er die frühere Beurteilung, wonach die Versicherte in ihrer
angestammten Tätigkeit als Büroangestellte zu 70 % arbeitsunfähig sei, nicht
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nachvollziehen könne. Ein organisches Korrelat, mit welchem die Beschwerden erklärt
werden könnten, sei nicht ersichtlich. Ebenso sei nicht nachvollziehbar, weshalb eine
Hyperlaxizität, eine allgemeine Dekonditionierung und eine muskuläre Dysbalance
einen negativen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit im Bürobereich haben sollten. Zudem
sei keine psychiatrische Begutachtung erfolgt. Da es sich beim hauptsächlichen
Beschwerdebild um ein syndromales Leiden handle, sei eine Überprüfung der
Anspruchsvoraussetzungen für IV-Leistungen im Rahmen einer Rentenrevision 6a
angezeigt.
A.g Am 15. Januar 2014 erteilte die IV-Stelle der ABI GmbH den Auftrag, die
Versicherte in den Bereichen allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie und
Psychiatrie zu begutachten (IV-act. 136-1). Die IV-Stelle notierte nachträglich auf
demselben Dokument, dass die ABI GmbH anstatt einer rheumatologischen
Begutachtung eine orthopädische Begutachtung vorsehe. Am 3. Februar 2014 teilte
eine RAD-Sachbearbeiterin der ABI GmbH mit (IV-act. 137), dass der RAD auf die
Durchführung der Begutachtung in den von ihm gewünschten Fachdisziplinen bestehe,
da ihm dies wegen des Grundsatzes der ausreichend umfassenden Abklärung
erforderlich erscheine. Dieselbe Sachbearbeiterin notierte am 17. März 2014 (IV-act.
137), dass RAD-Ärztin Dr. med. E._ Dr. F._ von der ABI GmbH in einer E-Mail
aufgefordert habe, die rheumatologische Begutachtung nachzuholen. Am 27. März
2014 notierte die Sachbearbeiterin, dass das Gutachten nach dessen Eingang Dr.
E._ vorgelegt werden müsse.
A.h Bereits am 7. März 2014 hatte eine Verlaufskontrolle (Kopfschmerzsprechstunde)
bei Dr. med. G._, Spezialärztin Neurologie FMH, stattgefunden (Bericht vom 7. März
2014, IV-act. 144-32 ff.). Als Diagnosen hatte diese eine Migräne mit visuellen
Auraphänomenen seit ca. 2000, bisher unkomplizierter Verlauf, aktuell seit Februar
2014 tägliche Attacken, Schmerzexazerbationen unter zeitgleicher Steroidtherapie und
überlagernd Kopfschmerzen vom Spannungstypus bei bekanntem chronischen HWS-
Syndrom angegeben. Bei der am 19. März 2014 von Dr. G._ durchgeführten
elektrophysiologischen Abklärung (IV-act. 144-35 ff.) fanden sich keine Zeichen einer
Polyneuropathie. Jedoch war ein leichtgradiges sensibel-demyelinisierendes
Carpaltunnelsyndrom bds., linksbetont, erhoben worden.
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A.i Am 25. März und 15. April 2014 wurde die Versicherte von der ABI GmbH
allgemein-internistisch, psychiatrisch, orthopädisch und neurologisch − nicht jedoch
rheumatologisch − begutachtet (Gutachten vom 19. Mai 2014, IV-act. 144). Als
Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein chronisches Zervikalsyndrom
mit intermittierender radikulärer Reizsymptomatik der Wurzel C6 rechts bei
Diskushernie C5/6 laut Angabe MRI 10/13 (M50.1) angegeben. Die Diagnosen ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten (Auszug, alle Diagnosen siehe IV-act. 144-27):
· Leichtgradige sensible demyelinisierende Karpaltunnelsyndrome beidseits (G56.0);
· Migräne; Attacken zum Teil mit visueller Aura (G43.1);
· chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom unter zervikaler und lumbaler
Betonung (M54.80);
· chronisches Lumbovertrebralsyndrom mit pseudoradikulären Irritationen beidseits
bei degenerativen LWS-Veränderungen laut Angabe MRI 11/12 (M51.8); keine
Radikulopathie.
Die Versicherte gab anlässlich der Untersuchung an, an Schmerzen in der LWS, im
Nacken, an einem brennenden Schmerz im rechten Fuss, an Schmerzen in den Hüften
und an Kniebeschwerden rechts zu leiden. Zudem klagte sie über migräneartige
Kopfschmerzen und einen Zustand ständiger Erschöpfung. Ihren Tagesablauf
schilderte sie wie folgt: Sie stehe zwischen 6 und 7 Uhr auf, frühstücke, dusche, mache
die Betten, lüfte die Wohnung und erledige kleinere Einkäufe und administrative
Tätigkeiten. Danach müsse sie sich ausruhen und das Mittagessen für die jüngere
Tochter zubereiten. Gelegentlich mache sie einen kleinen Spaziergang. Gegen 14 Uhr
lege sie sich für 45 Minuten hin. Anschliessend erledige sie Hausarbeiten. Das
Nachtessen bereite der Ehemann zu. Den Abend verbringe sie zuhause vor dem TV.
Hobbies habe sie keine. In unregelmässigen Abständen treffe sie sich mit zwei
Kolleginnen. Dr. med. H._, FMH Allgemeine Innere Medizin, erklärte, dass sich aus
allgemeininternistischer Sicht keine Befunde und Diagnosen hätten finden lassen, die
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen würden. Solche seien auch vom
Hausarzt im Verlaufsbericht vom 4. November 2013 nicht erwähnt worden. Dr. med.
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I._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, erwähnte in seinem Teilgutachten als
einzige Diagnose (ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) einen Verdacht auf eine
Schmerzverarbeitungsstörung mit ansatzweiser algogener Verstimmung (F54; diese
Diagnose fehlt in Ziff. 5, wo alle Diagnosen aufgezählt sind). In seiner Beurteilung hielt
er fest, dass ein multilokuläres Schmerzsyndrom feststellbar gewesen sei. Die
subjektiven Beschwerden liessen sich nicht hinreichend durch organische Befunde
erklären. Eine relevante psychiatrische Komorbidität sei nicht feststellbar gewesen.
Weder lägen eine depressive Störung von klinischem Ausmass noch sonstige relevante
psychopathologische Befunde vor. Als Folge der chronischen Schmerzen könne der
Versicherten eine leichtere algogene Verstimmung attestiert werden, die sich durch
Missmut und Lustlosigkeit äussere. Eine chronische körperliche Begleiterkrankung sei
nicht bekannt. Ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens liege ebenfalls nicht
vor. Ob ein mehrjähriger chronifizierter Verlauf mit unveränderter oder progredienter
Symptomatik resp. ob trotz adäquater therapeutischer Massnahmen eine
Therapieresistenz bestehe, könne aufgrund des versicherungsmedizinischen Anliegens
der Versicherten nicht beurteilt werden. Die Foerster-Kriterien seien daher nicht erfüllt.
Aus rein psychiatrischer Sicht könne der Versicherten deshalb keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Die Versicherte weise zudem einige Ressourcen auf:
Sie lebe in harmonischen Familienverhältnissen, führe regelmässig Ferienreisen in die
Heimat durch, fahre Auto, sei sozial zugewandt, besuche Faustballspiele und
interessiere sich für das Weltgeschehen und Zeitschriften. Dr. med. J._, FMH
Orthopädische Chirurgie, hielt in seiner Beurteilung fest, dass sich die von der
Versicherten beklagten, völlig diffus den gesamten Körper umfassenden Beschwerden
durch die klinischen, radiologischen und laborchemischen Befunde keinesfalls
begründen liessen. Nachvollziehbar sei am ehesten ein gewisser Leidensdruck bei
geringen zervikalen und lumbalen Veränderungen. Allerdings müssten die erheblichen
Inkonsistenzen, das weitgehend fehlende Ansprechen auf wiederholte lokale
Infiltrationen, die anamnestisch weiterhin durchgeführten konservativen
Therapiemassnahmen und die langjährige Arbeitskarenz als klare Hinweise für eine im
Vordergrund stehende nicht-organische Beschwerdekomponente angesehen werden.
Die anamnestische und klinische Präsentation einerseits sowie die negative Rheuma-
Serologie andererseits liessen dabei keinesfalls an eine Erkrankung aus dem
entzündlich-rheumatischen Formenkreis denken. Die Tatsache, dass das anamnestisch
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am Morgen des Untersuchungstages eingenommene Paracetamol im Serum nicht
nachweisbar gewesen sei, lasse zusätzliche Zweifel an den Aussagen der Versicherten
aufkommen. Dr. J._ erklärte weiter, dass für die angestammte Tätigkeit wie auch für
jede andere körperlich leichte und mittelschwere Tätigkeit unter Wechselbelastung eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe. Das wiederholte Heben und Tragen von
Lasten über 25 kg sollte vermieden werden. Der Einschätzung der Klinik Valens könne
angesichts der dokumentierten Befunde samt klaren Hinweisen für eine nicht-
organische Beschwerdeursache sowie aufgrund der heutigen Untersuchung in keiner
Weise gefolgt werden. Sie habe sich offensichtlich massiv auf die subjektiven Angaben
der Versicherten abgestützt. Es sei davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit
bereits im Zeitpunkt der Untersuchung in der Klinik Valens 100 % betragen habe. Dr.
med. K._, FMH Neurologie, hielt in seinem Teilgutachten fest, dass die Symptomatik
funktionell überlagert sei. Es bestehe eine Diskrepanz zwischen den angegebenen
Beschwerden und deren Auswirkungen im Alltag und bei der Arbeit zu den
objektivierbaren Befunden. Zu beachten seien in diesem Zusammenhang auch die
durchschnittliche Intensität der Schmerzen auf der visuellen Analogskala mit 8-10 trotz
der Einnahme von Analgetika und die völlige Therapieresistenz der lumbalen
Symptomatik. In Widerspruch dazu sei die Versicherte offenbar in der Lage, Auto zu
fahren. Auch der klinische Status habe Hinweise auf eine funktionelle Überlagerung
ergeben, so z.B. das Resultat des Finger-Nasen-Versuchs (gezieltes Treffen der
Oberlippe beidseits). Wegen der Diskrepanzen und Inkonsistenzen müsse bei der
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf objektivierbare Befunde abgestützt werden. Aus
neurologischer Sicht sei dies die intermittierende radikuläre Reizsymptomatik der
Wurzel C6 und die verminderte Belastbarkeit des Achsenorgans wegen der
morphologischen Veränderungen zervikal und lumbal. Körperlich schwere und
überwiegend mittelschwere Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten über 10 kg,
solche in Zwangshaltungen (mit der Notwendigkeit von HWS-Reklination wie z.B. über
Kopf und mit der Notwendigkeit des Bückens) seien der Versicherten nicht mehr
zumutbar. Für eine körperlich leichte Tätigkeit, wechselnd belastend mit der
Möglichkeit von Positionswechseln, bestehe zeitlich keine Einschränkung; wegen der
Radikulopathie sei dabei das Rendement um 20 % vermindert. Diese Einschätzung
gelte seit August 2013. Wegen der lumbalen Problematik dürfte aus neurologischer
Sicht nie eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorgelegen haben.
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Bezüglich der medizinischen Situation bestünden zum Bericht von Dr. med. G._,
Neurologie FMH, vom 19. März 2014 (IV-act. 144-32 ff.), keine Diskrepanzen. In
polydisziplinärer Hinsicht schätzten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit für die
angestammte Tätigkeit als kaufmännische Angestellte wie auch für jede andere
körperlich leichte, adaptierte Tätigkeit unter Wechselbelastung auf 100 % mit einem
verminderten Rendement von 20 %. Diese Einschätzung gelte mit Sicherheit ab April
2014. Auf beruflicher Ebene wäre eine rasche Reintegration in den Arbeitsprozess
dringend anzustreben. Aufgrund der vorliegenden Krankheits- und
Behinderungsüberzeugung seien berufliche Massnahmen jedoch nicht
erfolgsversprechend.
A.j Dr. D._ hielt in einer Stellungnahme vom 3. Juni 2014 fest (IV-act. 145), dass es
Hinweise auf ein suboptimales Leistungsverhalten bzw. auf relevante Inkonsistenzen
gebe. Die Versicherte habe bei der Begutachtung viele Zeichen einer
Symptomausweitung aufgewiesen. Die gezeigten Funktionseinschränkungen hätten
grösstenteils nicht objektiviert werden können und entsprächen nicht einem
organischen Befund (Waddell-Test 5/5 positiv). Die Schlussfolgerungen im Gutachten
könnten vom RAD nachvollzogen werden, weshalb darauf abgestellt werden könne. Im
Rahmen dieser Rentenrevision 6a habe die attestierte Arbeitsfähigkeit von 80 % ab
sofort (aktueller Gutachtenszeitpunkt) Gültigkeit.
A.k Die Versicherte gab im Haushaltsfragebogen vom 18. Juni 2014 an (IV-act. 146-2
ff.), dass sie heute ohne Behinderung zu 100 % erwerbstätig wäre. Sie informierte
zudem darüber, dass sie seit gut 3-4 Wochen mit dem rechten Arm/der rechten Hand
fast nichts mehr machen könne. Auch die Schmerzen in Nacken, Schulter und Arm
seien unerträglich.
A.l Mit einem Vorbescheid vom 25. August 2014 (IV-act. 150) kündigte die IV-Stelle
der Versicherten die Aufhebung der Rente an. Zur Begründung führte sie an, dass die
Versicherte mit Sicherheit seit April 2014 in leichten Tätigkeiten zu 80 % arbeitsfähig
sei. Da die jüngere Tochter inzwischen 13 Jahre alt sei, sei davon auszugehen, dass
die Versicherte heute ohne gesundheitliche Einschränkungen zu 100 % erwerbstätig
wäre. Beim Einkommensvergleich sei die Salärempfehlung des KV Schweiz für das
Jahr 2014 als Grundlage hinzugezogen worden (Mittelwert Büroangestellte mit
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zweijähriger Grundausbildung, Alter 45-49). Das Valideneinkommen betrage folglich Fr.
68‘640.-- und das Invalideneinkommen 54‘912.--. Hieraus resultiere ein IV-Grad von 20
%.
A.m Mit Verfügung vom 9. Oktober 2014 (IV-act. 154) hob die IV-Stelle wie
angekündigt die Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden
Monats auf.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 6. November 2014 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte
die Aufhebung der Verfügung und damit die weitere Ausrichtung einer halben Rente.
Eventualiter sei die Angelegenheit zwecks Vornahme weiterer Abklärungen an die IV-
Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Zur Begründung brachte
der Rechtsvertreter vor, dass nicht auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der ABI GmbH
abgestellt werden könne. Die Beschwerdeführerin leide nämlich seit Herbst 2013 an
zunehmenden Beschwerden im Schulter- und Rückenbereich und seit Sommer 2014
an einer zunehmenden depressiven Verstimmung. Diese Beschwerden seien von der
ABI GmbH nicht oder nicht hinreichend gewürdigt worden. Die Beschwerdeführerin
stehe diesbezüglich zurzeit noch in fachärztlicher Abklärung. Sobald neue Erkenntnisse
vorlägen, würden die entsprechenden Belege eingereicht. Dr. C._ hatte in einem
beigelegten Zeugnis vom 31. Oktober 2014 (act. G 1.1.3) angegeben, dass die
Beschwerdeführerin seit Herbst an zunehmenden Beschwerden wegen eines
chronifizierten Schulter-/Nackensyndroms mit hypertropher AC-Arthrose rechts, an
einer Bursitis subakromiale und an einer Tendinitis calcarea im Supraspinatusbereich
leide. Zudem habe eine MRI-Untersuchung eine Diskopathie mit einer Einengung des
Neuroforamens auf der Höhe HWK 5/6 gezeigt. Im Weiteren bestünden seit mehreren
Monaten zunehmend depressive Verstimmungen, die seit Sommer 2014
medikamentös behandelt würden.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 19. Januar 2015 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, dass der Wechsel der
Methodenwahl (von der gemischten Methode zum reinen Einkommensvergleich) einen
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Revisionsgrund darstelle. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung prüfe die
Verwaltung den Rentenanspruch bei Vorliegen eines Revisionsgrundes in tatsächlicher
und rechtlicher Hinsicht umfassend und es bestehe keine Bindung an frühere
Beurteilungen. Das ABI-Gutachten erfülle die von der Rechtsprechung aufgestellten
formellen und materiellen Voraussetzungen an ein lege artis abgefasstes,
beweiskräftiges Gutachten. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin weiterhin in
fachärztlicher Behandlung stehe, erwecke keinen Zweifel am gutachterlichen
Abklärungsergebnis, da im Gutachten ausdrücklich gewisse Behandlungen empfohlen
worden seien. Im Übrigen könne von einer Behandlungsbedürftigkeit nicht auf eine
Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden. Bezüglich der Bemessung des
Valideneinkommens führte die Beschwerdegegnerin aus, dass aufgrund des unsteten
Einkommensverlaufs auf den Durchschnittsverdienst der in der Zeitspanne von 1996
bis 2000 erzielten Einkommen abzustellen sei, wobei vor der Durchschnittsberechnung
jedes Einkommen der Nominallohnentwicklung für Frauen bis 2012 anzupassen sei.
Das Valideneinkommen betrage folglich Fr. 63‘455.--. Das Invalideneinkommen sei
anhand von Tabellenlöhnen zu ermitteln. Da die Beschwerdeführerin die erlernte
Tätigkeit als Büroangestellte weiterhin ausüben könne, sei auf den durchschnittlichen
Bruttolohn für Frauen im Sektor 3 „Dienstleistungen“ im Anforderungsniveau 3
abzustellen (LSE 2010, TA 1). Angepasst an die Normalarbeitszeit von 41.6
Wochenstunden und die Nominallohnentwicklung für Frauen bis 2012 sei von einem
Jahresverdienst von Fr. 65‘454.-- auszugehen. Ein Tabellenlohnabzug sei nicht
gerechtfertigt. Bei einer 80 %igen Arbeitsfähigkeit betrage das Invalideneinkommen Fr.
52‘363.--. Der Invaliditätsgrad betrage folglich abgerundet 17 %. Da die
Beschwerdeführerin bei Verfügungserlass erst 4_-jährig gewesen sei und der
Rentenbezug unter 15 Jahren liege (Anspruchsbeginn ab 1. April 2004), bestehe vor
der Rentenaufhebung kein Anspruch auf die Abklärung bzw. die Durchführung
beruflicher Eingliederungsmassnahmen. Sollte das Gericht davon ausgehen, dass die
Revisionsvoraussetzungen nicht erfüllt seien, wäre die Rentenaufhebung unter dem
Titel von lit. a Abs. 1 SchlBest. zur 6. IV-Revision zu schützen.
B.c In seiner Replik vom 10. Juni 2015 (act. G 12) brachte der Rechtsvertreter vor,
dass zwischenzeitlich weitere medizinische Abklärungen stattgefunden hätten, welche
deutlich machten, dass die Einschätzung der ABI-Gutachter nicht korrekt gewesen sei.
Die ABI-Gutachter hätten in ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung weder die Morton-
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Neuralgie am rechten Vorderfuss noch die von Dr. G._ am 11. Dezember 2014
diagnostizierten Kopfschmerzen vom Spannungstypus und den painkiller-headache
(seit Oktober 2014) berücksichtigt. Wie jemand mit ausgewiesenen
Dauerkopfschmerzen von hoher Schmerzintensität praktisch vollständig arbeitsfähig
sein solle, sei nicht nachvollziehbar. Weiter sei die chronisch reaktive Depression bisher
nicht fachärztlich abgeklärt worden. Dr. G._ hatte in einem der Replik beigelegten
Bericht vom 11. Dezember 2014 angegeben (act. G 12.1.8), dass die
Beschwerdeführerin seit Ende Oktober 2014 zusätzlich an einem painkiller-headache
leide. Es handle sich um einen Dauerkopfschmerz mit z.T. hoher Schmerzintensität,
nächtlich betont mit Ein- und Durchschlafstörungen. Gemäss den Angaben der
Beschwerdeführerin bestehe dieser Kopfschmerz seit ca. Ende Oktober 2014; er stehe
derzeit im Vordergrund. Dr. G._ hatte darauf hingewiesen, dass es offensichtlich
auch im Rahmen der Rentenaufhebung zur Exazerbation der unterschiedlichen
Beschwerden gekommen sei. Die Rentenaufhebung habe zu einer ausgeprägten
psychosozialen Belastung und zu einer Zunahme vorbestehender affektiver Symptome
geführt. Zwar wirke sich dieser „Umstand“ sicherlich schmerzverstärkend aus.
Allerdings wiesen die beklagten Beschwerden auch organische Korrelate auf. Aktuell
bestehe eine deutliche Exazerbation der Befunde. Klinisch-neurologisch habe „ganz
sicher“ ein sensomotorisches radikuläres Syndrom vorrangig L5/S1 bds., deutlich
linksbetont, erfasst werden können. Bevor die Kopfschmerzen behandelt werden
könnten, müsse das neurochirurgische Prozedere hinsichtlich der lumboradikulären
Schmerzsituation festgelegt werden. Dr. med. L._, Neurochirurgie FMH, Klinik M._,
hatte am 14. Januar 2015 berichtet (act. G 12.1.5), dass die Beschwerdeführerin an
einer persistierenden Radikulopathie L5 und L3 links bei cranial luxiertem
Bandscheibenvorfall L3/4 und caudal luxiertem Bandscheibenvorfall L5/S1 sowie
Recessalstenose L4/5 leide. In Anbetracht der nur kurzfristigen Besserung der
Beschwerden auf eine periradikuläre Infiltration am 8. Dezember 2014, des deutlichen
radiologischen Korrelates und der sehr starken Beeinträchtigung selbst in den
Verrichtungen des Alltags könne eine operative Intervention mit Entfernung beider
Bandscheibenvorfälle und mit einer Dekompression des Recessus L5 links angeboten
werden. In Anbetracht der mittlerweile bald 15-jährigen Anamnese sei wegen der
grossen Chronifizierungstendenz von einem Schaden am Nerv selbst auszugehen. Eine
postoperative Besserung der geklagten Beschwerden sei deshalb nur mit Vorsicht in
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Aussicht zu stellen. Die Beschwerdeführerin habe sich bisher nicht für ein operatives
Vorgehen entscheiden können. Dem Bericht von Dr. med. N._ von der Klinik für
Orthopädie vom 25. Mai 2015 (act. G 12.1.2) war zu entnehmen, dass bei der rechten
Schulter unverändert eine diffus schmerzhafte Bewegungsauslenkung in alle
Richtungen (jedoch keine Zeichen einer Rotatorenmanschettenläsion), ein mässiges
Impingement, eine mässige AC-Symptomatik, ein Bizepsanspannungsschmerz sowie
eine Verspannung der gesamten Schultergürtelmuskulatur bestünden. Links hätten sich
eine mässige AC-Symptomatik, eine diffuse Dolenzangabe im ganzen Schulterbereich,
ein Anspannungsschmerz im Supraspinatus, im Infraspinatus und im Subscapularis
sowie ein Bizepsanspannungsschmerz gezeigt; der Impingementtest sei ebenfalls
mässig positiv gewesen. Dr. N._ hatte eine Infiltration ins AC-Gelenk links und eine
BV-Beurteilung rechts zur Bestimmung der Kalkeinlagerungen empfohlen. Laut einem
Operationsbericht vom 3. Juni 2015 (act. G 12.1.7) war die Beschwerdeführerin wegen
eines Morton Neurom MT II-IV rechts von Dr. med. O._, Orthopädie P._, operiert
worden. Dr. C._ hatte am 10. Juni 2015 berichtet (act. 12.1.9), dass in den letzten
Monaten eine deutliche Verschlechterung der bekannten chronisch reaktiven
Depression eingetreten sei. Die Arbeitsunfähigkeit betrage mindestens 50 %.
B.d In ihrer Duplik vom 19. Juni 2015 (act. G 14) führte die Beschwerdegegnerin aus,
dass die vom Rechtsvertreter eingereichten, nach Erlass der angefochtenen Verfügung
erstellten Arztberichte nicht geeignet seien, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses zu beeinflussen.

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdeführerin hat ab 1. Januar 2004 eine Viertelsrente und ab 1. April
2004 eine halbe Rente der Invalidenversicherung bezogen. Die Beschwerdegegnerin
hat die Rentenleistungen mit der angefochtenen Verfügung vom 9. Oktober 2014 per
30. November 2014 aufgehoben. Strittig ist, ob die Beschwerdeführerin weiterhin einen
Anspruch auf eine halbe IV-Rente hat.
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1.2 Die Beschwerdegegnerin hat die Rente mittels einer Revision nach Art. 17 Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) aufgehoben. Als Revisionsgrund hat sie angegeben, dass die
Beschwerdeführerin, wäre sie nicht invalid geworden, inzwischen nicht mehr zu 60 %,
sondern zu 100 % erwerbstätig wäre. Ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass
eine versicherte Person auch ohne den Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig
wäre, ist anhand der hypothetischen Verhaltensweise der versicherten Person zu
prüfen. Namentlich ist abzuklären, ob sie ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht
auf die gesamten Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art)
erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle
Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person und deren
berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen massgebend sein. Die Statusfrage
beurteilt sich nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung
entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 146 E. 2c mit
Hinweisen; vgl. auch BGE 133 V 504 E. 3.3). Die Beschwerdeführerin hat anlässlich der
ersten Abklärung an Ort und Stelle vom 28. Januar 2003 angegeben, dass sie ohne
Gesundheitsbeeinträchtigung aus Rücksicht auf ihre jüngste Tochter nur zu 60 %
erwerbstätig wäre (IV-act. 28-3). Die Beschwerdegegnerin hat den IV-Grad in der Folge
anhand der gemischten Methode (60 % erwerbstätig und 40 % im Aufgabenbereich
tätig) ermittelt. Im Juni 2014 hat die Beschwerdeführerin gegenüber der
Beschwerdegegnerin angegeben, dass sie heute ohne Behinderung zu 100 %
erwerbstätig wäre. Die Beschwerdegegnerin hat diese Angabe aufgrund der Tatsache,
dass die jüngste Tochter inzwischen 13-jährig war, als nachvollziehbar erachtet und
darauf abgestellt. Diese Begründung ist einleuchtend, weil der Betreuungsaufwand für
Kinder mit zunehmendem Alter abnimmt und ein Kind im Alter von 13 Jahren tagsüber
schon weitgehend selbständig ist. Die Beschwerdegegnerin hat die
Beschwerdeführerin deshalb neu zu Recht als zu 100 % erwerbstätig qualifiziert. Somit
liegt ein Revisionsgrund gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG vor.
1.3 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist ein Rentenanspruch in
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu überprüfen, wenn ein
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Revisionsgrund gegeben ist (siehe z.B. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Oktober
2014, 9C_378/2014 E. 4.2). In Anwendung dieser Praxis hat die Beschwerdegegnerin
unter dem Titel eines Revisionsverfahrens nach Art. 17 Abs. 1 ATSG auch den
medizinischen Sachverhalt in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht neu gewürdigt. So
hat sie trotz fehlender Hinweise auf eine relevante Veränderung des
Gesundheitszustandes eine neue Begutachtung durch die ABI GmbH angeordnet und
die Gutachter angewiesen, die „neue“ (inzwischen veraltete) bundesgerichtliche
Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren
syndromalen Leiden bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung zu berücksichtigen (vgl. IV-
act. 134-8). Schliesslich hat sie dann auch auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
neuen Gutachter abgestellt. Entgegen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist
jedoch eine umfassende Prüfung des Rentenanspruchs in tatsächlicher und rechtlicher
Hinsicht gestützt auf Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht zulässig. Denn das Instrument der
Revision bezweckt, eine rechtskräftig verfügte Dauerleistung an eine nachträglich
eingetretene Veränderung des Sachverhalts anzupassen. Ein Revisionsgrund kann
beispielsweise die von der Beschwerdegegnerin angeführte Statusänderung darstellen.
Eine Ausdehnung der revisionsweisen Überprüfungsbefugnis auf die tatsächliche oder
rechtliche Würdigung von unverändert gebliebenen Sachverhaltselementen ist vom
Sinn und Zweck der Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht abgedeckt. Eine solche
käme nämlich einer − gesetzlich nicht vorgesehenen − Wiedererwägung ex nunc gleich
(zum Ganzen siehe Ralph Jöhl, Die Revision nach Art. 17 ATSG, in: Ueli Kieser/Miriam
Lendfers (Hrsg.), Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, S. 153 ff.). Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung hat im vorliegenden Fall daher nicht im Rahmen des
gestützt auf die Statusänderung eröffneten Revisionsverfahrens nach Art. 17 Abs. 1
ATSG in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht überprüft werden können.
1.4 Zu prüfen bleibt, ob die ursprüngliche Arbeitsfähigkeitsschätzung gestützt auf
lit. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen der Änderung des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) vom 18. März 2011 (6. IV-Revision, erstes
Massnahmenpaket) überprüft werden kann bzw. muss. Denn bereits bei der Eröffnung
des diesem Beschwerdeverfahren zugrunde liegenden Verwaltungsverfahrens haben
Hinweise darauf bestanden, dass nicht nur eine Sachverhaltsveränderung eingetreten
ist, sondern dass − betreffend die Diagnose der Fibromyalgie − auch eine
Rechtsänderung vorliegt. Beim Verwaltungsverfahren hat es sich also um ein
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kombiniertes Verfahren (Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG und „6a-Revision“)
gehandelt. Folglich kann im Beschwerdeverfahren auch geprüft werden, ob die
Voraussetzungen für eine „6a-Revision“ erfüllt sind. Gemäss lit. a Abs. 1 der
Schlussbestimmungen der Änderung des IVG vom 18. März 2011 werden Renten, die
bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne
nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren
seit Inkrafttreten dieser Änderungen überprüft. Sind die Voraussetzungen von Art. 7
ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die
Voraussetzungen von Art. 17 Abs. 1 ATG nicht erfüllt sind. Keine Anwendung findet
diese Bestimmung auf Personen, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Änderung
das 55. Altersjahr zurückgelegt haben oder im Zeitpunkt, in dem die Überprüfung
eingeleitet wird, seit mehr als 15 Jahren eine Rente der Invalidenversicherung beziehen
(Abs. 4).
1.5 Als Erstes stellt sich somit die Frage, ob die Rente aufgrund eines Leidens im
Sinne dieser Bestimmung zugesprochen worden ist. Die ursprüngliche
Rentenzusprache ist gestützt auf das Gutachten von Dr. B._ vom 18. Januar 2005
erfolgt. Dieser hat als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein primäres
Fibromyalgiesyndrom, eine Hyperlaxizität, eine allgemeine Dekonditionierung und eine
muskuläre Dysbalance angegeben. Beim Fibromyalgiesyndrom handelt es sich um ein
pathogenetisch-ätiologisch unklares syndromales Beschwerdebild ohne nachweisbare
organische Grundlage (vgl. BGE 139 V 346 E. 2). Es ist davon auszugehen, dass es
sich hierbei um die Hauptdiagnose handelt, die zur von Dr. B._ attestierten 70 %igen
Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Denn inwieweit die Hyperlaxizität einen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit haben sollte, geht aus dem Gutachten nicht hervor. Und die allgemeine
Dekonditionierung und die muskuläre Dysbalance sind als Folge des
Fibromyalgiesyndroms zu bewerten, die für sich alleine keine bleibenden,
invalidisierenden Gesundheitsschäden darstellen. Daraus, dass die von Dr. B._
bescheinigte Arbeitsunfähigkeit weit überwiegend auf die durch das
Fibromyalgiesyndrom bedingten Einschränkungen zurückzuführen ist, kann gefolgt
werden, dass der Beschwerdeführerin die Rente hauptsächlich wegen eines
pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildes ohne
nachweisbare organische Grundlage zugesprochen worden ist.
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1.6 Lit. a der Schlussbestimmungen ist am 1. Januar 2012 in Kraft getreten. Das
Revisionsverfahren ist im September 2013 und damit innerhalb der dreijährigen
Überprüfungsfrist eröffnet worden. Bei Eröffnung des Revisionsverfahrens ist die
Beschwerdeführerin _-jährig gewesen und hat seit 9 Jahren eine IV-Rente bezogen.
Die Voraussetzungen von Abs. 1 und 4 lit a der Schlussbestimmungen sind somit
erfüllt.
1.7 Demnach ist nachfolgend umfassend zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin ab
dem 1. Dezember 2014 weiterhin einen Rentenanspruch gehabt hat. Der IV-Grad ist
dabei anhand des in diesem Zeitpunkt aktuellen Sachverhalts zu prüfen. Massgebend
sind also der Gesundheitszustand resp. die Arbeitsfähigkeit und die erwerbliche
Situation im Gesundheitsfall (Statusfrage) im Zeitpunkt des Erlasses der
Einstellungsverfügung, d.h. am 9. Oktober 2014.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin hat weiterhin einen Anspruch auf eine IV-Rente, sofern
sie im Verfügungszeitpunkt zu mindestens 40 Prozent invalid gewesen ist (Art. 28 Abs.
1 lit. c IVG). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.
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3.1 Wie in Erw. 1.2 dargelegt, ist der IV-Grad anhand eines reinen
Einkommensvergleichs zu ermitteln. Um diesen vornehmen zu können, muss die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Verfügungszeitpunkt feststehen.
Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob anhand der im Recht liegenden Akten mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermittelt werden kann, ob bzw. in
welchem Ausmass die Beschwerdeführerin im Verfügungszeitpunkt arbeitsunfähig
gewesen ist.
3.2 Der Einkommensvergleich der Beschwerdegegnerin basiert auf der
Arbeitsfähigkeitsschätzung der ABI-Gutachter, wonach die Beschwerdeführerin
spätestens seit April 2004 in ihrer angestammten Tätigkeit als kaufmännische
Angestellte zu 80 % arbeitsfähig sei. Somit ist zu prüfen, ob die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der ABI GmbH überzeugt. Die Beschwerdeführerin ist von
der ABI GmbH allgemein-internistisch, psychiatrisch, orthopädisch und neurologisch
begutachtet worden. Eine rheumatologische Begutachtung ist also nicht erfolgt,
obwohl die Beschwerdegegnerin explizit eine solche in Auftrag gegeben und der RAD
mit Verweis auf den Grundsatz der ausreichend umfassenden Abklärung auf einer
solchen insistiert hatte. Die Rentenzusprache ist aufgrund der Diagnose einer
Fibromyalgie erfolgt. Bei der Fibromyalgie handelt es sich um chronische, diffuse
Muskelschmerzen am ganzen Körper (Rheumaliga Schweiz, http://www.rheumaliga.ch/
Symptome, besucht am 27. Oktober 2015). Daher ist nachvollziehbar, weshalb der
RAD auf eine rheumatologische Begutachtung der Beschwerdeführerin bestanden hat.
Hinzu kommt, dass der orthopädische Gutachter nicht erläutert hat, weshalb die
Diagnose einer Fibromyalgie zu Unrecht gestellt worden ist; er hat lediglich erklärt,
dass es sich damals um eine „Zufallsdiagnose“ gehandelt habe (siehe IV-act. 144-20).
Obwohl Dr. E._ gefordert hatte, dass ihr das Gutachten nach dessen Eingang
vorgelegt werde, ist dies offenbar nicht geschehen. RAD-Arzt Dr. D._, welcher
Stellung zum ABI-Gutachten genommen hat, hat sich nicht zur Frage, weshalb keine
rheumatologische Begutachtung erfolgt war, geäussert. In Anbetracht all dieser
Umstände bleiben Zweifel, ob eine rheumatologische Begutachtung für eine
medizinisch umfassende Abklärung im vorliegenden Fall nicht notwendig gewesen
wäre. Diese Frage kann jedoch nur von einer medizinischen Fachperson beantwortet
werden. Kommt diese zum Schluss, dass eine ergänzende rheumatologische
Begutachtung notwendig ist, wird eine solche in Auftrag gegeben werden müssen.
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Erlauben die im Recht liegenden Akten gemäss der medizinischen Fachperson eine
rechtsgenügliche medizinische Einschätzung der Situation, so wird sie diese
Schlussfolgerung begründen müssen.
3.3 Der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin hat mit der Replik weitere
medizinische Berichte eingereicht. Darunter befindet sich auch ein MRI-Befund vom
12. November 2014, gemäss welchem neu eine Kompression der Nervenwurzel L4
links im recessalen Verlauf bei medio-linksrecessaler nach kranial umgeschlagener
Diskushernie aus dem geringgradig chrondrotisch veränderten Bandscheibenfach LWK
3/4 bestehe (act. G 12.1.3). Diese MRI-Aufnahmen sind ca. einen Monat nach
Verfügungserlass erstellt worden. Die ABI-Gutachter haben sich demgegenüber auf
einen älteren MRI-Befund der LWS vom November 2012 gestützt. Ob diese neu
entdeckten Veränderungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bereits im
Verfügungszeitpunkt bestanden haben und ob sie einen zusätzlichen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit zu begründen vermögen, ist durch eine medizinische Fachperson und
nicht durch das Gericht zu beurteilen. Dasselbe gilt für die radiologischen Befunde der
Schultern vom April 2015 (act. G 12.1.2). Des Weiteren ist im Februar 2015 eine
Morton-Neuralgie im rechten Fuss festgestellt worden. Auch bezüglich dieser Diagnose
stellt sich die Frage, ob sie bereits im Zeitpunkt des Verfügungserlasses bestanden hat,
ob die dadurch ausgelösten Beschwerden im Gutachten bereits berücksichtigt worden
sind oder ob sie einen zusätzlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben. Betreffend
die Diagnose eines Painkiller-headache ist darauf hinzuweisen, dass diese
Beschwerden erst nach Verfügungserlass, nämlich Ende Oktober 2014, aufgetreten
sind und deshalb für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Beschwerdeverfahren nicht
relevant sind. Ebenfalls ist festzuhalten, dass die vom Hausarzt in seinem Bericht vom
31. Oktober 2014 angeführten depressiven Verstimmungen nicht geeignet sind, eine
Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Im Übrigen hat bereits der psychiatrische Gutachter
eine algogene Verstimmung festgestellt und eine antidepressive Medikation
vorgeschlagen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aus Sicht eines medizinischen
Laien unklar ist, ob die vom Rechtsvertreter mit der Replik eingereichten Berichte
(insbesondere act. G 12.1.1 - G 12.1.7) etwas an der Arbeitsfähigkeitsschätzung der
ABI GmbH zu ändern vermögen. Diese Berichte müssen deshalb einer medizinischen
Fachperson vorgelegt werden zur Beurteilung, ob diese Beschwerden bereits im
Verfügungszeitpunkt bestanden haben, ob sie im ABI-Gutachten berücksichtigt worden
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sind und ob sie − im Vergleich mit dem ABI-Gutachten − einen zusätzlichen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit haben könnten. Die medizinische Fachperson wird dann
entscheiden müssen, ob weitere Untersuchungen bzw. Begutachtungen notwendig
sind.
3.4 Somit bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin oder das Gericht die
genannten Abklärungen vornehmen muss, d.h. ob die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist oder ob das Gericht die notwendigen
Abklärungen selber durchführen muss. Die Beschwerdegegnerin ist gestützt auf Art. 43
Abs. 1 ATSG verpflichtet, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen
vorzunehmen. Sie hat somit u.a. den medizinischen Sachverhalt soweit abzuklären,
dass die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. Die Beschwerdegegnerin hat die
Arbeitsfähigkeit in somatischer Hinsicht nur ungenügend abgeklärt. Würde das
Versicherungsgericht nun die ergänzend notwendigen Abklärungen vornehmen, würde
es eine der Beschwerdegegnerin obliegende Aufgabe sozusagen „übernehmen“. Dies
wäre jedoch rechtswidrig, da der Gesetzgeber diese Aufgabe, d.h. die
rechtsgenügliche Ermittlung des Sachverhalts, der Beschwerdegegnerin zugewiesen
hat. Zu beachten ist auch, dass der Beschwerdeführerin durch die Vornahme der
ergänzenden Sachverhaltsabklärungen durch das Gericht die Möglichkeit genommen
würde, den Rentenentscheid von zwei Instanzen überprüfen zu lassen. Dies ist
insbesondere auch deshalb problematisch, weil das Bundesgericht nur über eine
eingeschränkte Kognition verfügt, d.h. es kann den vom kantonalen
Versicherungsgericht festgestellten Sachverhalt nur eingeschränkt überprüfen (siehe
Art. 97 des Bundesgerichtsgesetzes, SR 173.110). Im vorliegenden Fall erscheint eine
Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin insbesondere auch deshalb
angezeigt, weil es nicht nur um die Frage geht, ob eine rheumatologische
Begutachtung notwendig ist, sondern weil diverse neue medizinische Berichte zu
würdigen sind.
3.5 Demnach ist die angefochtene Verfügung gestützt auf Art. 43 Abs. 1 ATSG
aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin wird − in Zusammenarbeit mit dem RAD −
abklären müssen, ob eine rheumatologische Begutachtung im vorliegenden Fall
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angezeigt ist. Zudem wird sie dem RAD die mit der Replik eingereichten neuen
medizinischen Berichte vorlegen müssen. Gelangt der RAD zum Schluss, dass eine
rheumatologische Begutachtung und/oder eine Begutachtung in einer oder mehreren
anderen Fachdisziplinen für die rechtsgenügliche Abklärung der Arbeitsfähigkeit
notwendig ist bzw. sind, wird die Beschwerdegegnerin eine ergänzende Begutachtung
in Auftrag geben müssen. Kommt der RAD zum Schluss, dass eine rheumatologische
Begutachtung nicht notwendig und die neuen medizinischen Berichte die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der ABI GmbH nicht in Zweifel zu ziehen vermögen, hat er
diese Einschätzung zu begründen.
4.
4.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu werten (BGE 132 V
215 E. 6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe
wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
4.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten
ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter hat keine Honorarnote
eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.