Decision ID: 7089a57e-b04a-4f6d-a16b-d1a82f2a2dc3
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Das Bundesamt für Justiz (nachfolgend "BJ") verfügte am 14. Novem-
ber 2014 die provisorische Auslieferungshaft gegen A. zur Auslieferung
nach Frankreich (Haftbefehl vom 30. Juni 2014 des Gerichts in Mulhouse).
Der Haftbefehl wurde A. am 17. November 2014 eröffnet (in act. 4).
B. Dagegen liess A. mit Eingabe vom 27. November 2014 Beschwerde erhe-
ben. Die Eingabe ging der Beschwerdekammer per Fax am 27. No-
vember 2014, 15:57 Uhr, zu (act. 1).
Den Rechtsvertretern von A. wurde gleichentags (16:28 Uhr) mitgeteilt,
dass Eingaben per Fax die Beschwerdefrist nicht wahren. Vielmehr sei
massgeblich, wann eine Eingabe namentlich der Schweizerischen Post zu-
gegangen sei (act. 2).
Per Post ging dem Gericht die Eingabe vom 27. November 2014 am 1. De-
zember 2014 zu. Gemäss Poststempel auf dem Couvert (act. 4.1) wurde
die Eingabe am 27. November 2014 der deutschen Post übergeben. Immer
noch gemäss Stempel sortierte die deutsche Post die Sendung am 28. No-
vember 2014 in einem ihrer Briefzentren.
Es wurde kein Schriftenwechsel durchgeführt (Art. 57 Abs. 1 VwVG und
Art. 390 Abs. 2 StPO e contrario i. V. m. Art. 48 Abs. 2 IRSG).
Auf die Ausführungen des Beschwerdeführers und die eingereichten Akten
wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen
Bezug genommen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für den Auslieferungsverkehr und die vorläufige Auslieferungshaft zwi-
schen der Schweiz und Deutschland sind primär das Europäische Ausliefe-
rungsübereinkommen vom 13. Dezember 1957 (EAUe; SR 0.353.1), das
zu diesem Übereinkommen am 17. März 1978 ergangene zweite Zusatz-
protokoll (2. ZP; SR 0.353.12), welchem beide Staaten beigetreten sind,
sowie der zwischen der Schweiz und Deutschland abgeschlossene Zusatz-
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vertrag über die Ergänzung des EAUe und die Erleichterung seiner An-
wendung vom 13. November 1969 (Zusatzvertrag; SR 0.353.913.61)
massgebend. Ausserdem gelangen die Bestimmungen der Art. 59 ff. des
Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkom-
mens von Schengen vom 14. Juni 1985 (Schengener Durchführungsüber-
einkommen, SDÜ; ABI. L 239 vom 22. September 2000, S. 19–62) zur An-
wendung (BGE 136 IV 88 E. 3.1), wobei die zwischen den Vertragsparteien
geltenden weitergehenden Bestimmungen aufgrund bilateraler Abkommen
unberührt bleiben (Art. 59 Abs. 2 SDÜ).
1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln,
findet auf das Verfahren der Auslieferung ausschliesslich das Recht des er-
suchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das Bundes-
gesetz vom 20. März 1981 über die internationale Rechtshilfe in Strafsa-
chen (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die dazugehörige Verord-
nung vom 24. Februar 1982 (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11;
Art. 1 Abs. 1 lit. a IRSG; BGE 136 IV 82 E. 3.1; 130 II 337 E. 1). Das inner-
staatliche Recht gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur An-
wendung, wenn dieses geringere Anforderungen an die Auslieferung stellt
(BGE 137 IV 33 E. 2.2.2; 136 IV 82 E. 3.1; 135 IV 212 E. 2.3; 122 II 140
E. 2; ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en matière
pénale, 3. Aufl., Brüssel/Bern 2009, N. 229). Vorbehalten bleibt die Wah-
rung der Menschenrechte (BGE 139 II 65 E. 5.4 letzter Absatz; 135 IV 212
E. 2.3; 123 II 595 E. 7c; TPF 2008 24 E. 1.1; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 211
ff., 223 ff., 680 ff.).
2.
2.1 Die Beschwerde erweist sich aus folgenden Gründen als verspätet:
2.2 Wenn das IRSG nichts anderes bestimmt, wenden die Bundesverwal-
tungsbehörden das Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren an. Für Prozesshandlungen gilt das in Strafsachen
massgebende Verfahrensrecht (Art. 12 Abs. 1 IRSG; zum letzten Satz
BGE 120 IV 60 E. 1a). Für das Beschwerdeverfahren gegen den Ausliefe-
rungshaftbefehl gelten die Artikel 379–397 StPO sinngemäss (Art. 48
Abs. 2 IRSG).
Die Beschwerdefrist beträgt 10 Tage (Art. 80k IRSG). Die Rechtsmittelfrist
beginnt mit der Zustellung des Entscheids (Art. 384 lit. b StPO). Fristen, die
durch eine Mitteilung ausgelöst werden, beginnen am folgenden Tag zu
laufen (Art. 90 StPO i. V. m. Art. 379 StPO). Schriftliche Eingaben müssen
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spätestens am letzten Tag der Frist der schweizerischen Post übergeben
werden (Art. 91 Abs. 2 StPO i. V. m. Art. 379 StPO).
2.3 Vorliegend wurde der Auslieferungshaftbefehl dem Beschwerdeführer am
17. November 2014 eröffnet. Die Beschwerdefrist lief ihm somit bis Don-
nerstag, 27. November 2014. Gemäss Poststempel befand sich die Be-
schwerde bis zum 28. November 2014 in den Händen der deutschen Post.
Sie kann damit bis zum 27. November 2014 nicht der Schweizerischen
Post übergeben worden sein. Die Beschwerdefrist wurde damit offensicht-
lich (Art. 390 Abs. 2 StPO e contrario) nicht gewahrt und die Beschwerde
verspätet erhoben.
2.4 Auf eine verspätete Beschwerde ist nicht einzutreten.
3. Aufgrund geringen Aufwands ist vorliegend ausnahmsweise von der Erhe-
bung von Gerichtsgebühren abzusehen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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