Decision ID: 07c34915-d97d-484f-8d4b-e5b0089a2b67
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. oec. Hermann Grosser, Kriessernstrasse 40,
9450 Altstätten,
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St.Galler Gerichte
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilfsmittel (Autoumbau; Servolenkung verringern)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ leidet an fortschreitender Multipler Sklerose und stellte am 28. April 2010
(Eingang Sozialversicherungsanstalt St. Gallen) das Begehren für den Umbau eines
Fahrzeugs VW Caddy Life Automat im Umfang von Fr. 50'001.70. Gemäss Offerte der
Firma B._ vom 1. April 2010 war insbesondere der Einbau eines Rollstuhllifts,
elektrischer Heckklappe mit Fernbedienung, 6-Weg-Fahrersitzunterbaus mit
orthopädischem Fahrersitz Recaro sowie einer Standheizung vorgesehen (IV 2012/108;
act. G 6.1/333). Das Hilfsmittel-Zentrum C._ erachtete die Positionen Recaro-Sitz
und Standheizung für unnötig, schlug aber zusätzlich die Übernahme einer
Kostenbeteiligung für das Automatikgetriebe in Höhe von Fr. 1'300.--, insgesamt Fr.
41'902.85, vor (act. G 6.1/337). Mit Verfügung vom 2. November 2010 sprach die IV-
Stelle St. Gallen der Versicherten eine Kostenbeteiligung von Fr. 25'000.-- zu. Die
gewünschte Ausführung sei nicht einfach und zweckmässig. Vielmehr stelle diese die
bestmögliche Variante dar, um eine komplette Selbständigkeit zu ermöglichen (act.
G 6.1/353).
A.b Die dagegen erhobene Beschwerde vom 6. Dezember 2010 wurde vom hiesigen
Gericht mit Entscheid vom 30. Juni 2011 teilweise gutgeheissen und die Angelegenheit
zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückgewiesen. Dabei ordnete das Gericht an,
es sei – nebst der Abklärung der Fahreignung – zu prüfen, wie die Fortbewegung der
Versicherten konkret ausgestaltet sei, namentlich inwieweit eine selbständige
Fortbewegung tatsächlich und aus medizinischer Sicht möglich sei, oder ob die
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Versicherte von vornherein – trotz eines zur selbständigen Benützung umgebauten
Fahrzeugs – auf Dritthilfe angewiesen sei. Zusätzlich sei die medizinische
Notwendigkeit eines Recaro-Sitzes sowie einer Standheizung abzuklären, ebenso die
zeitliche Nutzung des Fahrzeugs und die Möglichkeit der Beschwerdeführerin, die
Fahrzeugscheiben mit mechanischen oder chemischen Hilfsmitteln selber zu enteisen
(E. 4.5; act. G 6.1/357).
A.c In der Folge gelangte die IV-Stelle an den Hausarzt der Versicherten, Dr. med.
D._, Facharzt für Allgemeinmedizin. Dieser erklärte in seiner Antwort vom 15. August
2011 auf die entsprechenden Fragen, die Versicherte könne das Auto weiterhin
selbständig benützen. Der Einkauf sei ebenfalls ohne Dritthilfe möglich. Sie könne
leichte Sachen selbständig einkaufen und den Verlad selber vornehmen. In die
Arztpraxis gelange sie selbständig mit dem Auto, die Fensterscheiben könne sie da
gegen nicht selbständig enteisen, da sie nicht aus dem Rollstuhl aufstehen könne. Für
die Beantwortung der Frage nach dem Recaro-Sitz verwies er auf einen nicht näher
bezeichneten Bericht (wohl vom 1. September 2010 [act. G 6.1/351]) des
behandelnden Neurologen, Dr. med. E._, Facharzt Neurologie, Uniklinik Balgrist (act.
G 6.1/362). Am 9. September 2011 fand sodann eine amtsärztliche Untersuchung der
Fahrtauglichkeit statt. Diese ergab, dass die Versicherte in Bezug auf ein
behinderungsgerecht umgebautes Fahrzeug fahrtauglich ist (act. G 6.1/363.3). Am 18.
Oktober 2011 fand schliesslich eine (telefonische) Abklärung der Benützung des
Fahrzeugs statt. Dabei gab die Versicherte an, sie benötige das Auto, um den Einkauf
selbständig zu bewältigen sowie für Arzt- und Therapiebesuche. Auch zur Pflege
gesellschaftlicher Kontakte sei sie auf das Auto angewiesen. Dieses werde mindestens
drei bis vier Mal pro Woche benützt (act. G 6.1/364). Mit Stellungnahme vom 30.
November 2011 führte der RAD-Arzt, Dr. F._, aus, die Versicherte könne ohne
Zweifel die Scheiben nicht selbständig enteisen. Ob eine Standheizung leistungsfähiger
sei als die Standardheizung, sei aber keine medizinische Frage. Der Bedarf für eine
speziell ergonomische Fahrersitzversion sei dagegen in Anbetracht der kurzen
Benützungszeiten nicht nachvollziehbar (act. G 6.1/365.2).
A.d Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens sprach die IV-Stelle St. Gallen der
Versicherten mit Verfügung vom 16. Februar 2012 erneut einen Kostenbeitrag von
Fr. 25'000.-- zu. Die darüber hinaus gehenden Kosten seien dagegen nicht mehr
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verhältnismässig, da diese lediglich dazu dienten, gewisse Einkaufs- und
Therapiefahrten durchzuführen. Es sei zumutbar, die Einkäufe mit dem Elektrorollstuhl
oder via Bestellservice zu erledigen oder Fahrdienste wie Tixi Taxi in Anspruch zu
nehmen. Für die Kontaktpflege sei ein Auto nicht notwendig. Es sei der Versicherten
sogar möglich, bei normalen Verhältnissen öffentliche Verkehrsmittel zu benützen. Da
an den bestehenden Rollstühlen keine speziellen Sitzanpassungen hätten
vorgenommen werden müssen, bestehe auch keine Notwendigkeit für die Abgabe
eines Recaro-Sitzes, zumal die Fahrdauer individuell an den Gesundheitszustand
angepasst werden könne. Die Versicherte sei sodann in körperlich kräftigem Zustand,
so dass eine Enteisung der Scheiben mittels Enteiser-Spray möglich sei. Zudem
verfüge sie über einen Garagenplatz, sodass ein Enteisen der Scheiben praktisch
entfalle. Eine Standheizung sei deshalb nicht gerechtfertigt (act. G 6.1/374).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 22. März
2012 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Der
Beschwerdeführerin seien sodann die gesamten Umbaukosten in Höhe von effektiv Fr.
44'150.-- (vgl. act. G 4) zu erstatten. Mit dem inzwischen vorgenommenen Umbau
könne die Beschwerdeführerin Verrichtungen wie Einkaufen, Pflege sozialer Kontakte,
Teilnahme am gesellschaftlichen Leben sowie Arzt- und Therapiebesuche ohne
Begleitung einer Drittperson vornehmen. Die Eingliederungswirksamkeit sei damit
gegeben. Ebenso sei die Verhältnismässigkeit gewahrt. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin sei der Elektrorollstuhl nicht das ganze Jahr über im Freien
einsetzbar. Fahrdienste mit Tixi Taxi oder mit Dritten müssten meistens längere Zeit im
Voraus gebucht werden und liessen in vielen Fällen keinen zeitlichen Spielraum offen.
Die Notwendigkeit eines Recaro-Sitzes sei mit den medizinischen Beurteilungen
hinreichend begründet und nachvollziehbar. Ebenso sei eine Standheizung notwendig.
Sowohl der Haus- als auch der RAD-Arzt hätten bestätigt, dass die
Beschwerdeführerin die Scheiben nicht selbständig enteisen könne. Dies könne nur,
wer in der Lage sei aufzustehen und einige wenige Schritte zu gehen, was der
Beschwerdeführerin jedoch nicht möglich sei (act. G 1).
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2012 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung müssten die Kosten
und Nutzen einer Massnahme in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Für
die geltend gemachten Zwecke könnten auch andere Lösungen gefunden werden. In
Bezug auf die Standheizung sei festzuhalten, dass es einer versicherten Person
angesichts des Ausnahmecharakters der angenommenen Situation (vereiste Scheiben)
zuzumuten sei, die Mithilfe von Drittpersonen in Anspruch zu nehmen. Bezüglich des
Recaro-Sitzes stehe die seit Jahren bestehende Rollstuhlversorgung, die ohne
Anpassungen auskomme, im Widerspruch zum attestierten Bedarf einer aufwändigen
ergonomischen Sitzversorgung im Fahrzeug (act. G 6).
B.c Mit Replik vom 10. Juli 2012 beantragt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin zusätzlich eine öffentliche (mündliche) Gerichtsverhandlung. Dabei
könne sich das Gericht davon überzeugen, dass die Beschwerdeführerin nicht in der
Lage sei, die Fahrzeugscheiben mit mechanischen oder chemischen Hilfsmitteln von
Eis und Schnee zu befreien. Von der Beschwerdeführerin könne sodann nicht verlangt
werden, dass sie bei jedem Einkauf oder Besuch auf die Wetterverhältnisse Rücksicht
nehmen und bei schlechtem Wetter zu Hause bleiben müsste. Verfehlt sei zudem die
Behauptung der Beschwerdegegnerin, für die Pflege sozialer Kontakte sei kein Auto
notwendig. Damit würde der Beschwerdeführerin ein unverhältnismässig enger
Aktionsradius gesetzt, was nicht zumutbar sei (act. G 10). Die Beschwerdegegnerin
verzichtet auf eine Duplik (act. G 12).
C.
C.a Am 23. November 2012 gelangte die Beschwerdeführerin erneut an die
Beschwerdegegnerin. Es sei infolge einer Verschlechterung des Gesundheitszustands
zu vermehrten Schmerzen im rechten, bislang noch funktionsfähigen Arm gekommen.
Da damit ein gewisser Kraftverlust verbunden sei, müsse die Servolenkung des Autos
um 50 % verringert werden. Die Kosten von Fr. 2'862.-- seien von der IV zu
übernehmen (IV 2013/43; act. G 6.1/409). Mit Verfügung vom 12. Dezember 2012 wies
die IV-Stelle das Leistungsgesuch mit der Begründung ab, der Kostenrahmen von Fr.
25'000.-- sei bereits ausgeschöpft, weshalb kein Anspruch auf eine weitere
Kostenbeteiligung bestehe (act. G 6.1/413).
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C.b Mit dagegen erhobener Beschwerde vom 30. Januar 2013 beantragt die
Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die
Übernahme der geltend gemachten Kosten. Zudem wird die Vereinigung mit dem
Verfahren IV 2012/108 beantragt. Ohne die nun durchgeführte Abänderung des
Fahrzeugs wäre die Beschwerdeführerin nicht mehr in der Lage gewesen, das Auto
ohne übermässige Kraftanstrengung zu lenken und insbesondere Parkmanöver
durchzuführen oder in langsamer Fahrt einen engen Kurvenradius zu fahren (act. G 1).
Am 4. März 2013 reicht der Rechtsvertreter ein ärztliches Zeugnis der Uniklinik Balgrist
vom 28. Januar 2013 ein, wonach der Umbau auf eine leichtere Servolenkung wegen
der eingeschränkten Armfunktion notwendig sei (act. G 4).
C.c Mit Beschwerdeantwort vom 2. April 2013 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Abänderungen an Neuwagen könnten höchstens alle zehn Jahre oder
alle 200'000 Kilometer, an Occasionsfahrzeugen höchstens alle sechs Jahre geltend
gemacht werden (Rz 2096 KHMI). Da der Maximalbetrag von Fr. 25'000.-- bereits mit
der Verfügung vom 16. Februar 2012 zugesprochen worden sei, könne eine erneute
Anpassung erst wieder nach sechs Jahren übernommen werden (act. G 6).
C.d Mit Replik vom 8. Mai 2013 macht der Rechtsvertreter geltend, die
Verwaltungsweisung KHMI weise keinen Gesetzescharakter auf. Auf dem Weg der
Verwaltungsweisung könne keine Beschränkung des materiellen Rechtsanspruchs
eingeführt werden. Im Einzelfall seien alle relevanten Faktoren zu berücksichtigen.
Nachdem die Armkraft abgenommen habe, sei die Erleichterung der Servolenkung
notwendig (act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 12).
C.e Am 23. Januar 2014 verzichtet der beschwerdeführerische Rechtsvertreter auf die
Durchführung einer mündlichen Verhandlung (act. G 14) und reicht auf entsprechende
Aufforderung am 29. Januar 2014 die Rechnung der B._ GmbH vom 27. September
2010 betreffend die durchgeführten Umbauten ein (act. G 15.1).

Erwägungen:
1.
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Die Beschwerdeführerin beantragt die Vereinigung der beiden Verfahren IV 2012/108
und IV 2013/43. In beiden Verfahren stehen sich dieselben Parteien gegenüber und es
geht um gleichartige Ansprüche. Da die Streitgegenstände der beiden Verfahren somit
eng zusammenhängen, sind diese zu vereinigen.
2.
2.1 Gemäss Art. 21 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste
Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der
Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit,
für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwecke der funktionellen
Angewöhnung bedarf. Ferner bestimmt Art. 21 Abs. 2 IVG, dass Versicherte, die infolge
ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt
oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, im Rahmen einer vom
Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf
solche Hilfsmittel haben. Als Hilfsmittel gelten laut Ziffer 10.05 Anhang HVI auch die
invaliditätsbedingten Abänderungen von Motorfahrzeugen.
2.2 Die Abänderungen an einem Motorfahrzeug müssen einfach und zweckmässig
sein; bei Unklarheiten ist eine neutrale Fachstelle (C._) beizuziehen (Rz 10.05.3
KHMI). Bei Abänderungskosten von mehr als Fr. 25'000.-- kann in der Regel nicht mehr
von einer einfachen und zweckmässigen Versorgung ausgegangen werden, weshalb
eine spezielle Begründung erforderlich ist (Rz 10.05.4 KHMI).
2.3 Bei einem Kreisschreiben handelt es sich um eine von der Aufsichtsbehörde für
richtig befundene Auslegung von Gesetz und Verordnung. Die Weisung ist ihrer Natur
nach keine Rechtsnorm, sondern eine im Interesse der gleichmässigen
Gesetzesanwendung abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen
Aufsichtsbehörde. Solche Verwaltungsweisungen sind wohl für die
Durchführungsorgane, nicht aber für die Gerichtsinstanzen verbindlich (BGE 118 V 210
E. 4c, vgl. auch 123 II 30 E. 7, 119 V 259 E. 3a mit Hinweisen). Das Gericht soll sie bei
seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und
gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen.
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Es weicht anderseits insoweit von den Weisungen ab, als sie mit den anwendbaren
gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 123 V 72 E. 4a mit Hinweisen).
3.
3.1 Mit Urteil vom 30. Juni 2011 (IV 2010/473) ordnete das hiesige Gericht weitere
Abklärungen betreffend Eingliederungswirksamkeit an. Dabei interessierte nebst der
Fahreignung der Beschwerdeführerin vor allem, wie die konkrete Fortbewegung der
Beschwerdeführerin ausgestaltet ist, namentlich, ob ein selbständiger Einsatz des
Fahrzeugs tatsächlich und medizinisch überhaupt möglich ist, oder ob die
Beschwerdeführerin von Vornherein auf Dritthilfe angewiesen ist. Zudem ordnete es die
Abklärung der medizinischen Notwendigkeit eines Recaro-Sitzes und einer
Standheizung sowie des zeitlichen Einsatzes des Fahrzeugs an (E. 4.5). In Bezug auf
die finanzielle Verhältnismässigkeit hielt das Gericht unter Hinweis auf die einschlägige
Rechtsprechung fest, dass eine vom BSV festgelegte Preislimite die
Beschwerdeführerin nicht generell vom Anspruch auf das anbegehrte Hilfsmittel
ausschliesse (E. 5.2).
3.2 Die von der Beschwerdegegnerin inzwischen durchgeführten Abklärungen
ergeben folgendes Bild: Der Amtsarzt, Dr. med. G._, Allgemeine Medizin, bestätigte
die Fahrtauglichkeit der Beschwerdeführerin für ein wie beantragt umgebautes Auto
(Bericht vom 19. September 2011 [act. G 6.1/363.2 f.]). Der Hausarzt Dr. D._
bestätigte am 15. August 2011, dass der Beschwerdeführerin die Benützung des Autos
aus medizinischer Sicht weiterhin selbständig - ohne Dritthilfe - möglich sei. Sie könne
leichte Sachen selbständig einkaufen und verladen. Sie komme jeweils mit dem Auto,
aber ohne Begleitung in die Arztpraxis. Bezüglich der Frage nach der Notwendigkeit
eines Recaro-Sitzes verwies er auf einen Bericht des behandelnden Neurologen der
Uniklinik Balgrist, Dr. E._, vom 1. September 2010. Darin führte dieser aus, die
Beschwerdeführerin sei seit Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen und bedürfe einer
speziellen ergonomischen Anpassung dieses Rollstuhls an ihre Bedürfnisse. Aus
diesem Grund seien auch bei anderen, längerfristig zu benützenden Sitzgelegenheiten
ergonomische Anpassungen erforderlich, um Folgeschäden und der Zunahme der
schmerzhaften Beschwerden und Deformität entgegen zu wirken (act. G 6.1/351).
Schliesslich wies Dr. D._ darauf hin, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage
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sei, mit mechanischen oder chemischen Hilfsmitteln aus dem Rollstuhl heraus die
Fahrzeugscheiben zu enteisen (act. G 6.1/362). Im gleichzeitig eingereichten
Verlaufsbericht vom 15. August 2011 gab Dr. D._ zudem an, der Gesundheitszustand
sei stationär, der Verlauf habe sich nicht geändert (act. G 6.1/361). Die
Beschwerdeführerin selber gab anlässlich der Befragung durch die
Beschwerdegegnerin vom 18. Oktober 2011 an, sie benütze das Auto mindestens drei
bis vier Mal in der Woche. Sie könne selbständig einkaufen, wobei sie die
Einkaufstasche in den Rollstuhl legen könne. Der Einstieg vom Elektrorollstuhl ins Auto
könne mit den vorgenommenen Änderungen selbständig erfolgen. Die Tixi-Dienste
nehme sie nicht in Anspruch, da diese jeweils im Voraus angemeldet werden müssten.
Ohne Auto wäre ihre Lebensqualität in Bezug auf Mobilität und Spontaneität massiv
eingeschränkt (act. G 6.1/364). Die von den befragten Personen gemachten
Ausführungen erscheinen glaubhaft und plausibel. Es ist somit davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin nach wie vor in der Lage ist, das Auto ohne Dritthilfe zu
benützen und kleinere Einkäufe sowie Arzt- oder Therapiebesuche selbständig
vorzunehmen.
3.3 Nach dem Dargelegten – und im Zusammenhang mit dem rechtskräftigen Urteil
vom 30. Juni 2011, das die Bejahung der Eingliederungswirksamkeit zumindest implizit
von der nunmehr zu bejahenden Frage der selbständigen Benützung des Fahrzeugs
abhängig machte - ergibt sich, dass das gesetzlich anerkannte Eingliederungsziel der
Erhaltung der selbständigen Fortbewegung zur Selbstsorge, die Möglichkeit,
selbständig mit der Umwelt in Kontakt zu treten und am gesellschaftlichen Leben
teilzunehmen (Art. 21 Abs. 2 IVG), mit dem beantragten Umbau erreicht werden kann
und die Eingliederungswirksamkeit damit erstellt ist. Wäre das Gericht damals der
Meinung gewesen, die Beschwerdeführerin könne ihr Mobilitätsbedürfnis anderweitig
abdecken (Einkauf per Rollstuhl, Tixi-Taxi, öffentlicher Verkehr, Bestellservice), und
dass es für die Kontaktpflege keines Motorfahrzeugs bedürfe, wären die angeordneten
Abklärungen obsolet gewesen (vgl. zur Bindungswirkung eines
Rückweisungsentscheids auch SVR 2013, IV Nr. 43, S. 131 ff., E. 3.5). Aus diesem
Grund können die entsprechenden, im vorliegenden Verfahren gemachten Vorbringen
der Beschwerdegegnerin nicht mehr gehört werden. Würden diese Vorbringen der
Beschwerdegegnerin zutreffen, wäre im Übrigen auch kein Beitrag von Fr. 25'000.-- zu
gewähren.
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3.4 Zu prüfen ist indessen die Frage, ob der beantragte Umfang des Umbaus einfach
und zweckmässig ist. Diesbezüglich bezweifelt die Beschwerdegegnerin insbesondere
den Einbau eines Rollstuhllifts, eines Recaro-Sitzes und einer Standheizung. Wie
bereits im Urteil vom 30. Juni 2011 unter Hinweis auf BGE 131 V 167 E. 3 ausgeführt,
kann auch ein Hilfsmittel, das die Limiten nach KHMI übersteigt, noch einfach und
zweckmässig sein (E. 5.2). Der Einbau eines Rollstuhllifts ist gemäss Angaben des
fachtechnischen Dienstes C._ erforderlich bei aktiven Rollstuhlfahrern (act.
G 6.1/339). Nachdem Sinn und Zweck des vorliegend zu beurteilenden Hilfsmittels
gerade die Ermöglichung einer weitgehend autonomen Fortbewegung ist, erscheint der
Einbau des Rollstuhllifts geradezu zwingend. Dessen Fehlen würde bedingen, dass für
Ein- und Ausstieg sowie Ein- und Auslad des Rollstuhls am Start- bzw. Zielort jeweils
eine Hilfsperson anwesend ist (vgl. Auskunft C._ vom 5. Juli 2010 [act. G 6.1/339]).
Ein solches Erfordernis würde die beabsichtigte Unabhängigkeit der
Beschwerdeführerin stark beeinträchtigen und – nachdem eine ohnehin anwesende
Hilfsperson wohl auch die Fahrdienste übernehmen könnte – den gesamten Umbau für
die Beschwerdeführerin als Selbstfahrerin eher überflüssig werden lassen. Mithin
erscheint der Rollstuhllift auch unter diesem Blickwinkel als zweckmässig. Anders sieht
es in Bezug auf die Standheizung aus. Die Beschwerdeführerin verfügt zu Hause
unbestrittenermassen über einen Tiefgaragenplatz, der von der Wohnung aus mit dem
Lift erreichbar ist (vgl. act. G 6.1/266.2 und 364). Das Fahrzeug ist also nicht der
Witterung ausgesetzt und zumindest bei der Wegfahrt weder mit Schnee und Eis
bedeckt noch sehr kalt. Die Beschwerdeführerin macht indessen geltend, das Auto
stehe bei Klinikterminen bis zu drei Stunden im Freien. Stehe es dann bei Schnee in der
Kälte, habe sie keine Chance, den Schnee vom Auto wegzubekommen. Ausserdem sei
ein kaltes Auto für die Muskeln sehr mühsam und wegen der Spastik sei ein
selbständiges Fahren dann beinahe unmöglich. Dem ist jedoch mit der
Beschwerdegegnerin entgegen zu halten, dass es sich dabei um eine
Ausnahmesituation handelt, die wohl nicht häufiger als ein paar Mal im Jahr eintritt. Es
ist der Beschwerdeführerin zuzumuten, dass sie in einem solchen Fall doch das Tixi-
Taxi bestellt oder eine Hilfsperson um Fahr- oder Schneebefreiungsdienste bittet. Die
Beschränkung auf eine einfache und zweckmässige Ausführung des Hilfsmittels
verbietet es vorliegend, das Fahrzeug für sämtliche denkbaren Eventualitäten
auszurüsten. Dies trifft auch für den Recaro-Sitz zu. Dr. E._ sprach zwar in seinem
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Attest vom 1. September 2010 von notwendigen ergonomischen Anpassungen bei
längerfristig zu benützenden Sitzgelegenheiten. Er unterstütze "daher" die Ausstattung
des Fahrzeugs mit einer speziellen Fahrersitzversion (act. G 6.1/351.2). Dem ist jedoch
entgegen zu halten, dass die Beschwerdeführerin das Auto nach eigenen Angaben
vornehmlich für den Einkauf sowie für Arzt- und Therapiebesuche benötigt. Solche
Fahrten sind typischerweise Kurzstreckenfahrten, die selten länger als 10 Minuten
dauern (Uniklinik Balgrist gemäss Google ca. 30 Min.). Etwas anderes macht auch die
Beschwerdeführerin nicht geltend. Nach eigenen Angaben benötigt sie das Auto 3 bis
4 Mal die Woche (act. G 6.1/364). Es ist somit nicht davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin längere Zeit am Stück auf dem Fahrersitz verbringen muss. Ein
Recaro-Sitz erscheint damit nicht mehr als einfach und zweckmässig, weshalb ein
solcher nicht von der IV zu übernehmen ist.
3.5 Im vereinigten Verfahren zu prüfen ist sodann die erneute Einstellung der
Servolenkung vom 12. November 2012 (act. G 6.1/410). Die Beschwerdegegnerin
lehnte die Übernahme dieser Abänderung des Fahrzeugs mit der Argumentation ab,
der Kostenrahmen von Fr. 25'000.-- sei bereits ausgeschöpft, weshalb innert 6 Jahren
keine erneuten Beiträge ausgerichtet werden könnten. Dem ist jedoch entgegen zu
halten, dass - nachdem das Lenken einen zentralen Bestandteil des Führens eines
Motorfahrzeugs darstellt - der Umbau der Servolenkung erforderlich und geeignet ist,
der Beschwerdeführerin die selbständige Benützung des Autos zu ermöglichen und
damit vom Eingliederungszweck erfasst und eingliederungswirksam ist. Es stellt sich
sodann die Frage, ob sich eine nochmalige Anpassung als nicht mehr einfach und
zweckmässig erweist. Dies ist zu verneinen. Die behandelnden Ärzte Dr. E._ und
H._, Fachärztin Neurologie, Uniklinik Balgrist, bestätigen mit Zeugnis vom 28. Januar
2013, dass eine (weitere) Erleichterung der Servolenkung erforderlich sei (act. G 4.1).
Der Betrag von Fr. 2'862.-- (vgl. act. G 6.1/410) ist demnach nochmals von der IV zu
übernehmen. Sollte sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin weiter
verschlechtern, wäre allenfalls erneut die Fahreignung zu prüfen.
3.6 Der Umbau des Fahrzeugs kann damit im Umfang, wie er von der Fachstelle C._
berechnet wurde, als eingliederungswirksam und zweckmässig betrachtet werden.
Davon in Abzug zu bringen sind die gemäss effektiver Rechnungsstellung nicht
realisierten Kosten für die linke Armlehne (Fr. 585.--, vgl. Position 0100) sowie den EZ-
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Lock (Differenz Fr. 1'035.--, vgl. Position 0160 und 0170). Demgegenüber ist zu
berücksichtigen, dass die erste Anpassung der Servolenkung effektiv Fr. 2'500.-- - und
nicht Fr. 2'250.-- wie veranschlagt - kostete (Position 0070). Hinzu kommen die
Umbaukosten für die zweite Anpassung der Servolenkung von Fr. 2'862.-- sowie die
Kostenpauschale für das Automatikgetriebe von Fr. 1'300.--, womit sich ein
Gesamtbetrag von Fr. 43'258.45 ergibt (Fr. 36'335.-- zuzügl. MwSt. 7.6 % Fr. 2'761.45
+ Fr. 2'862.-- + Fr. 1'300.-- [act. G 6.1/338 ff., IV 2013/43 act. G 6.1/410 und act.
G 15.1]).
3.7 In einem weiteren Schritt ist sodann die Verhältnismässigkeit im engeren Sinn,
namentlich die finanzielle Verhältnismässigkeit des beantragten Umbaus zu prüfen. Die
Gesamtkosten des Hilfsmittels müssen demnach in einem vernünftigen Verhältnis zum
angestrebten Eingliederungsziel stehen. Vorliegend kommt der eingliederungswirksame
Umbau auf gut Fr. 43'000.-- zu stehen. Dies liegt zwar erheblich über der in Ziff. 2098
KHMI genannten Limite von Fr. 25'000.--. Nachdem jedoch dem Eingliederungsziel
einer möglichst grossen Selbstständigkeit in der Fortbewegung und der Selbstsorge
grosse Bedeutung zukommt, erscheint die finanzielle Verhältnismässigkeit vorliegend
(gerade) noch gewahrt.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde IV 2012/108 teilweise gutzuheissen und
die Beschwerde IV 2013/43 gutzuheissen. Die Beschwerdeführerin hat demnach
Anspruch auf Übernahme der Kosten des beantragten Hilfsmittels durch die
Beschwerdegegnerin im Umfang vom Fr. 43'258.45.
4.2 In Bezug auf die Kostenfolge ist von einem vollständigen Obsiegen der
Beschwerdeführerin auszugehen. Die Grundsatzfrage, ob nur eine Kostenpauschale
gemäss KHMI oder aber die tatsächlichen Kosten durch die IV zu übernehmen sind,
kann die Beschwerdeführerin für sich entscheiden. Die Tatsache, dass zwei der
anbegehrten Elemente des Umbaus (Recaro-Sitz und Standheizung [rund 15 % der
beantragten Umbausumme]) sich als nicht einfach und zweckmässig erweisen,
rechtfertigt keine Reduktion der Parteientschädigung bzw. teilweise Übernahme der
Gerichtskosten durch die Beschwerdeführerin.
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4.3 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin hat diese die
Gerichtskosten zu übernehmen, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig
vom Streitwert festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 800.-- erscheint angemessen. Die von der Beschwerdeführerin bezahlten
Kostenvorschüsse von insgesamt Fr. 900.-- sind ihr zurückzuerstatten.
4.4 Die Beschwerdeführerin hat bei vollem Obsiegen Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Der Bedeutung der Streitsache und dem
Aufwand angemessen erscheint eine Parteientschädigung für das vereinigte Verfahren
von Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP