Decision ID: 87dde37c-0de3-4b31-96d8-4ac2ea5c0572
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X lenkte am Samstag, 21. August 2010, ca. 20.00 Uhr, seinen Personenwagen (Audi
A4) auf der Autobahn A1 von St. Gallen in Richtung St. Margrethen. Auf der
Stadtautobahn im Rosenbergtunnel überholte er gemäss Polizeirapport ein ziviles
Polizeifahrzeug mit "massiv überhöhter Geschwindigkeit". Aufgrund des Verkehrs in
den Tunnels schloss der Polizeiwagen erst beim Zubringer Neudorf, ausgangs des
Stefanshorntunnels, zum Personenwagen von X auf. Bei der Nachfahrkontrolle bis zum
Goldachviadukt zeigte der ungeeichte Tachometer des Polizeiwagens eine
Spitzengeschwindigkeit von 180 km/h an. Auf dem Goldachviadukt hielt der Polizist X
an und befragte ihn zum Vorfall.
B.- Mit Verfügung vom 4. Oktober 2010 büsste das Untersuchungsamt St. Gallen X
wegen mehrfacher Missachtung der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit auf
Autobahnen mit Fr. 350.--. Mit Schreiben vom 25. November 2010 informierte ihn das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt (nachfolgend: Strassenverkehrsamt) über das
Administrativmassnahmeverfahren und gab ihm Gelegenheit zur Stellungnahme. Mit
Schreiben vom 3. Dezember 2010 beantragte die Y als Vertreterin von X, dass von
einem Führerausweisentzug abgesehen und höchstens eine Verwarnung
ausgesprochen werde. Mit Verfügung vom 10. Dezember 2010 entzog ihm das
Strassenverkehrsamt den Führerausweis wegen mehrfacher Missachtung der
allgemeinen Höchstgeschwindigkeit für die Dauer eines Monats.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
10. Januar 2011 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge, die Aufhebung der Verfügung vom
10. Dezember 2010, eventualiter eine Verwarnung anstelle des Entzugs, und
subeventualiter die Rückweisung der Angelegenheit zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz. Die Vorinstanz verzichtete am 3. Februar 2011 auf eine Vernehmlassung.
Die Verwaltungsrekurskommission zog das Protokoll der polizeilichen Befragung bei
und gab den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme; davon machte der
Rekurrent mit Eingabe vom 8. März 2011 Gebrauch.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung seiner Anträge und die Akten

wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 10. Januar 2011 ist unter
Berücksichtigung der Gerichtsferien vom 18. Dezember 2010 bis 2. Januar 2011
rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47, 48 und 58 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 30 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP;
Art. 90 des bis 31. Dezember 2010 geltenden Gerichtsgesetzes, nGS 44-53; Art. 405
Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03, abgekürzt:
OBG) ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine
Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a
SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG).
Eine leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes
Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob
und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder
in Kauf genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine
mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a
SVG). Von einer mittelschweren Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn
nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer
schweren Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
3.- Die Vorinstanz hat den Führerausweisentzug wegen mehrfacher Missachtung der
allgemeinen Höchstgeschwindigkeit ausgefällt. In tatsächlicher Hinsicht stellte sie fest,
der Rekurrent sei am 21. August 2010 auf der Autobahn mit "massiv überhöhter
Geschwindigkeit" gefahren. Das Ausmass der Überschreitung hat sie nicht genau
quantifiziert; insoweit ist die angefochtene Verfügung unvollständig. In der rechtlichen
Würdigung ging sie von einer mittelschweren Widerhandlung gemäss Art. 16b Abs. 1
bis
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lit. a SVG aus. Nachfolgend ist somit zu prüfen, wie schwer die durch den Rekurrenten
hervorgerufene Gefährdung (nachfolgend lit. a) und sein Verschulden (lit. b) zu
gewichten sind.
a) Gemäss Art. 32 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 4a Abs. 1 lit. d der
Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11) beträgt die allgemeine Höchstgeschwindigkeit
für Fahrzeuge unter günstigen Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen auf
Autobahnen 120 km/h. Zur Sanktionierung von Geschwindigkeitsüberschreitungen hat
die Praxis im Interesse der rechtsgleichen Behandlung Grenzwerte festgelegt
(vgl. Heimgartner/ Schönknecht, Administrativmassnahmen bei
Geschwindigkeitsüberschreitungen nach bisherigem und neuem Recht – Eine
Übersicht, in: Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2005,
St. Gallen 2005, S. 225 ff.). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung gelten auf
Autobahnen folgende Grenzwerte: Geschwindigkeitsübertretungen von 35 km/h und
mehr stellen schwere (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG; BGE 124 II 259 E. 2b), solche
zwischen 31 und 34 km/h mittelschwere (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG; BGE 128 II 131
E. 2a) und solche zwischen 25 und 30 km/h leichte Widerhandlungen dar (Art. 16a
Abs. 1 lit. a SVG; BGE 124 II 475 E. 2a). Bei Geschwindigkeitsübertretungen bis zu
25 km/h kommt das OBG zur Anwendung (Ziff. 303.3 der Ordnungsbussenverordnung,
SR 741.031).
aa) Die Strafbehörde quantifizierte das Ausmass der Geschwindigkeitsüberschreitung
nicht und stützte die Verurteilung wegen mehrfacher Missachtung der allgemeinen
Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen auf Art. 90 Ziff. 1 SVG (act. 9/2). Hierzu
bemerkte sie, dass die Nachfahrt nicht mittels eines geeichten Tachometers
durchgeführt wurde, weshalb dem Angeschuldigten nach dem Toleranzabzug lediglich
eine einfache Verkehrsregelverletzung angelastet werden könne. Eine Verurteilung nach
Art. 90 Ziff 1 SVG kann im Massnahmerecht einer einfachen oder einer mittelschweren
Widerhandlung entsprechen. Deshalb lässt ein Schuldspruch wegen Art. 90 Ziff. 1 SVG
keine Rückschlüsse darauf zu, ob die Strafbehörde von einer
Geschwindigkeitsüberschreitung ausging, welche administrativrechtlich als
mittelschwere Widerhandlung oder als leichte Widerhandlung einzustufen ist. Der
Rekurrent bringt vor, er sei mit höchstens 150 km/h gefahren (act. 1, act. 13). Der
Polizeirapport erwähnt eine Spitzengeschwindigkeit von 180 km/h (act. 9/1). Zu prüfen
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ist demnach, von welcher Geschwindigkeit im Administrativmassnahmeverfahren
auszugehen ist.
bb) Gemäss Art. 9 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die Kontrolle des Strassenverkehrs
(Strassenverkehrskontrollverordnung; SR 741.013, abgekürzt: SKV) sind bei der
Überwachung der Geschwindigkeit nach Möglichkeit technische Hilfsmittel
einzusetzen. In der Verordnung des Bundesamtes für Strassen zur SKV (SR 741.013.1,
abgekürzt: VSKV-ASTRA) werden die Messarten für die Geschwindigkeitskontrollen
geregelt (Art. 6 VSKV-ASTRA). Nach Art. 7 VSKV-ASTRA sind andere Feststellungen
von Geschwindigkeitsüberschreitungen, wie Aufzeichnungen von Fahrt- und
Restwegschreibern sowie Datenaufzeichnungsgeräten, zulässig. Nachfahrmessungen
ohne kalibriertes Nachfahrmesssystem sind auf Fälle massiver
Geschwindigkeitsüberschreitungen zu beschränken (Art. 7 Abs. 3 VSKV-ASTRA). Sie
können demnach als Beweismittel zur Ermittlung des Sachverhalts grundsätzlich
beigezogen werden.
cc) Aus der in Art. 32 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101) und Art. 6 Ziff. 2 der Europäischen Konvention zum
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101) verankerten
Unschuldsvermutung wird die Rechtsregel "in dubio pro reo" abgeleitet (vgl. dazu BGE
127 I 38 E. 2a; 124 IV 86 E. 2a; 120 Ia 31 E. 2c). Als Beweislastregel bedeutet die
Maxime, dass es Sache der Anklagebehörde ist, die Schuld des Angeklagten zu
beweisen, und nicht dieser seine Unschuld nachweisen muss (vgl. BGE 127 I 38 E. 2a).
Als Beweiswürdigungsregel besagt der Grundsatz, dass sich der (Straf-)Richter nicht
von einem für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalt überzeugt erklären darf, wenn
bei objektiver Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht
hat (vgl. BGE 127 I 38 E. 2a mit Hinweisen). Die Maxime ist verletzt, wenn der
Strafrichter an der Schuld des Angeklagten hätte zweifeln müssen. Dabei sind bloss
abstrakte und theoretische Zweifel nicht massgebend, weil solche immer möglich sind
und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche und
nicht zu unterdrückende Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven
Sachlage aufdrängen (Urteil des Bundesgerichts 6B_111/2007 vom 4. Juni 2007, E.
2.1).
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Bei Nachfahrkontrollen ohne kalibriertes Nachfahrmesssystem wird für die Beweiskraft
eine genügend lange Messstrecke sowie die Einhaltung des Abstandes zum vorderen
Fahrzeug vorausgesetzt (Ziff. 10 der Weisungen des Bundesamts für Strassen über
polizeiliche Geschwindigkeitskontrollen und Rotlichtüberwachung im Strassenverkehr
vom 22. Mai 2008, abgekürzt: Weisungen ASTRA). Massgeblich ist die
Durchschnittsgeschwindigkeit als arithmetischer Mittelwert aller
Geschwindigkeitswerte über die ganze Messstrecke. Nachfahrkontrollen ohne
justierten Messapparat sind weniger genau als solche mit einem derartigen Gerät.
Diesem Umstand wird mit einem entsprechend höheren Sicherheitsabzug Rechnung
getragen (Art. 8 Abs. 1 lit. g Ziff. 2 VSKV-ASTRA). Die Beweiskraft kann durch eine
nachträgliche Eichung des Tachometers des Polizeifahrzeugs erhöht werden (Urteil des
Bundesgerichts 1P.305/2006 vom 25. September 2006). Weniger beweiskräftig ist eine
Nachfahrmessung durch einen einzelnen Polizeibeamten bei hohen Geschwindigkeiten,
da dies die Einhaltung eines gleichmässigen Abstands bei gleichzeitiger Beobachtung
des Tachometers erschwert (RBOG 1999 Nr. 32, publiziert auf: http://ogbuch.tg.ch;
PVG 1985 115 N. 42, in: Schultz, Rechtsprechung und Praxis zum
Strassenverkehrsrecht in den Jahren 1983-1987, Bern 1990, S. 200). Eine grobe
Verkehrsregelverletzung kann jedoch dann als nachgewiesen gelten, wenn ein
Polizeifahrzeug bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf einer
Autobahn und einer abgelesenen Geschwindigkeit von 170 km/h zunächst nicht in der
Lage war, das verfolgte Fahrzeug einzuholen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1P.
90/2006 vom 13. April 2006; vgl. auch 6P.79/2003 und 6S.214/2003 vom 29. August
2003, E. 4.2).
dd) Die Nachfahrkontrolle wurde von einem einzelnen Polizisten bei Geschwindigkeiten
von ungefähr 150 km/h vorgenommen (act. 9/1). Die Geschwindigkeit von 180 km/h
wurde als Spitzengeschwindigkeit angegeben, womit die gemessene
Durchschnittsgeschwindigkeit unter diesem Wert liegen muss. Den Angaben des
Polizisten ist nicht zu entnehmen, ob der Abstand zum Rekurrenten gleichbleibend war,
grösser oder gar kleiner wurde (act. 9/1, act. 11). Die Geschwindigkeit von 180 km/h
kann somit nicht als erwiesen im Sinne des Ausgeführten gelten. Es ist folglich von
einer tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit von 150 km/h auszugehen, welche vom
Rekurrenten auch selbst zugestanden wurde (act. 1, act. 11). Dies entspricht einer
Geschwindigkeitsüberschreitung von 30 km/h, welche unabhängig von den konkreten
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Umständen als leichte Widerhandlung im Sinne von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG gilt. Ein
besonders leichter Fall, in welchem auf jegliche Massnahme verzichtet wird (Art. 16a
Abs. 4 SVG), ist bei einer solchen Geschwindigkeitsüberschreitung nicht gegeben.
Entsprechend wurde das Strafverfahren auch nicht im Ordnungsbussenverfahren
abgewickelt.
b) Die Vorinstanz ging davon aus, dass den Rekurrenten ein schweres Verschulden
treffe, da er die Höchstgeschwindigkeit vorsätzlich und über eine Distanz von zwei
Kilometern massiv überschritt (act. 2).
aa) Trifft den Rekurrenten subjektiv ein schweres Verschulden, so kann auch bei
objektiv leichter Gefährdung eine mittelschwere Widerhandlung im Sinne von Art. 16b
Abs. 1 lit. a SVG vorliegen. So wurde vom Bundesgericht bei einer
Geschwindigkeitsüberschreitung von 20 km/h ein mittelschwerer Fall bestätigt, da das
Verschulden erheblich sowie der Leumund erheblich belastet war (Urteil des
Bundesgerichts vom 2. Juni 1987, zusammengefasst in: Schaffhauser, Grundriss des
schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III: Die Administrativmassnahmen,
S. 215 N 2332). Ebenfalls eine mittelschwere Widerhandlung stellte eine
Überschreitung um 24 km/h bei erheblichem Verschulden und getrübtem Leumund dar
(GVP 1987 Nr. 11 S. 30).
bb) Vorliegend bestehen keine genügenden Hinweise für die Annahme eines zumindest
mittelschweren Verschuldens. Aus der Bussenverfügung vom 4. Oktober 2010
(act. 9/2) ergeben sich keine Anhaltspunkte hierfür, befindet sich doch die Busse von
Fr. 350.-- unter dem Schwellenwert von Fr. 400.-- gemäss den Empfehlungen der
Konferenz der Strafverfolgungsbehörden der Schweiz vom 3. November 2006. Zum
Zeitpunkt der Geschwindigkeitsübertretung waren die Fahrbahn trocken, das
Verkehrsaufkommen mässig und die Sicht gut (act. 11). Bei der
Geschwindigkeitsüberschreitung im Tunnel herrschte mehr Verkehr, jedoch kann auf
dieser Strecke nur eine Geschwindigkeit von 110 km/h als erwiesen erachtet werden
(act. 11). Ein Vorsatz bezüglich der Geschwindigkeitsüberschreitung wird jeweils
angenommen, da nicht aus Versehen so viel zu schnell gefahren wird (Schaffhauser,
a.a.O., S. 196). Der Vorsatz kann daher nicht verschuldenserschwerend beigezogen
werden. Ebenso wenig kann auf die Distanz der Geschwindigkeitsüberschreitung
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abgestellt werden, muss doch jede Nachfahrkontrolle über eine genügende Distanz
erfolgen (Ziff. 10 Weisungen ASTRA). Vorliegend sind somit keine Elemente gegeben,
welche zumindest ein mittelschweres Verschulden indizieren.
c) Der Rekurrent hat gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu
Geschwindigkeitsüberschreitungen auf Autobahnen eine leichte Widerhandlung im
Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG begangen. Es liegen keine besonderen äusseren
Umstände (wie z.B. schlechte Sicht, hohes Verkehrsaufkommen, ungünstige
Strassenverhältnisse) vor, welche ein Abweichen von dieser Qualifizierung rechtfertigen
würden. Da in den letzten zwei Jahren weder der Ausweis entzogen noch eine andere
Administrativmassnahme verfügt worden war (act. 9/2), ist der Rekurrent gemäss
Art. 16a Abs. 3 SVG zu verwarnen.
4.- Ziff. 206.02.1 des Verkehrsgebührentarifs (sGS 718.1) sieht im Fall eines
Ausweisentzugs einen Gebührenrahmen von Fr. 100.-- bis Fr. 800.-- vor. Für eine
Verwarnung liegt dieser bei Fr. 70.-- bis Fr. 250.-- (Ziff. 206.01 des
Verkehrsgebührentarifs).
Die Vorinstanz bezifferte die Verfahrenskosten auf Fr. 275.-- und bewegte sich damit in
der für den Entzug von Führerausweisen vorgesehenen Bandbreite. Nachdem nun aber
feststeht, dass die Geschwindigkeitsüberschreitung als leichte Widerhandlung im Sinne
von Art. 16a Abs. 1 SVG zu betrachten ist, müssen auch die vorinstanzlichen
Verfahrenskosten entsprechend reduziert werden. Besteht für die Gebühr ein Mindest-
und ein Höchstansatz, so ist sie innerhalb dieses Rahmens nach dem Wert und der
Bedeutung der Amtshandlung, dem Zeit- und Arbeitsaufwand und der erforderlichen
Sachkenntnis zu bemessen (Art. 11 der Verordnung über Kosten und Entschädigungen
im Verwaltungsverfahren, sGS 821.1, abgekürzt Verwaltungsgebührenverordnung). Die
Geschwindigkeitsüberschreitung lässt sich nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung schematisch behandeln, da keine weiteren Gefährdungs- oder
Verschuldenselemente zu berücksichtigen sind. Insofern stellen sich keine erhöhten
Anforderungen an den Zeit- und Arbeitsaufwand oder die Sachkenntnis. Eine gewisse
Komplexität erhält der Fall allerdings durch die Frage der Beweisführung. Es ist
deshalb angebracht, die vom Rekurrenten zu bezahlenden Kosten für das
vorinstanzliche Verfahren auf Fr. 150. - festzulegen.
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5.- Dementsprechend ist der Rekurs gutzuheissen. Entgegen der Bezeichnung im
Rechtsbegehren ist der Antrag auf Aussprechung einer Verwarnung anstelle eines
Entzuges nicht als Eventual- sondern als Hauptantrag zu betrachten. Aus dem
Rechtsbegehren und der Rekursbegründung ergibt sich, dass der Rekurrent keinen
Antrag auf gänzliches Absehen von Administrativmassnahmen stellen wollte; denn im
Rekurs wird eine beweisbare Geschwindigkeit von höchstens 150 km/h angegeben,
was aber zumindest eine Verwarnung zur Folge haben muss. Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem
Rekurrenten den Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang hat der Rekurrent Anspruch auf volle Entschädigung
der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP und Art. 98 VRP; GVP 1983 Nr. 56),
soweit diese aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und angemessen
erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Im Rekursverfahren war der Beizug eines
Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht,
weshalb das Honorar ermessensweise festzusetzen ist. Unter Berücksichtigung des
geringen Aktenumfangs, der geringen Komplexität und der Vorarbeit der
Rechtsschutzversicherung des Rekurrenten, auf welche der Rechtsvertreter
zurückgreifen konnte, erscheint ein Honorar von Fr. 1'400.-- (Barauslagen und
Mehrwertsteuer inbegriffen) als angemessen (vgl. Art. 19, 22 Abs. 1 lit. b, 28 und 29
der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt:
HonO). Kostenpflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).