Decision ID: 2bb26f78-39a3-49d6-851b-8eba7dad07c9
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966,
war seit No
vember 2007 als Sachbearbeiterin Unternehmensberatung
bei der
Y._
AG angestellt. Die Versicherte kündigte das Arbeitsverhältnis per Ende Dezember 2015 (
Urk.
8/8/1-2
Ziff.
2.1, 2.2 und 2.7).
Am
1
1.
April 2016
meldete sie sich
bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (
Urk.
8/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche (
Urk.
8/6,
Urk.
8/8) und medizinische (
Urk.
8/11,
Urk.
8/19,
Urk.
8/22,
Urk.
8/33
,
Urk.
8/37
) Abklärungen, holte ein psychiatrisches Gutach
ten (
Urk.
8/52) ein und zog Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
8/2,
Urk.
8/18
,
Urk.
8/30
) zum Verfahren bei. Am 2
7.
August 2018 erliess die IV-Stelle den Vorbescheid (
Urk.
8/63). Die Versicherte brachte dagegen Einwände (
Urk.
8/64,
Urk.
8/70,
Urk.
8/73) vor.
Mit Verfügung vom
2
7.
November 2018 (
Urk.
8/76 =
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf IV-Leistungen.
2.
Die Versicherte erhob am
7.
Januar 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
7.
November 2018 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
6.
Februar 2019 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
4.
Februar 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9). Mit Gerichtsverfügung vom 2
1.
Juni 2019 wurden der Beschwerdeführerin in Bewilligung des Gesuchs vom
7.
Januar 2019 (vgl.
Urk.
1 S. 2 oben) die unentgeltliche Prozessführung und die unentgel
tliche Rechtsvertretung gewährt (
Urk.
10 Dispositiv
Ziff.
1).
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin reichte am
1.
Juli 2019 (
Urk.
11) die Honorarnote (
Urk.
12) ein.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte im angefochtenen Entscheid fest, nach den erfolgten medizinischen Abklärungen liege bei der Beschwerdeführerin kein schweres psychisches Leiden vor. Das Beschwerdebild sei überwiegend auf inva
liditätsfremde psychosoziale Umstände zurückzuführen. Die Beschwerdeführerin sei im Alltag nicht eingeschränkt. Sie kümmere sich um den Haushalt, ihren Sohn und um drei Hunde
. Weiter habe sie eine neue Wohnung suchen und einen Tei
lumzug organisieren können
(
Urk.
2 S. 2 oben). Aus den Akten würden sich klare Hinweise auf Diskrepanzen zwischen
dem Alltagsverhalten der Beschwerdefüh
rerin
und der subjektiv beschriebenen Situation ergeben (S. 2 unten).
Rechtspre
chungsgemäss liege regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit Leistungseinschränkungen auf Aggravation oder einer ähnlichen Erschei
nung beruhten (S. 2 f.). Die Beschwerdegegnerin verneinte daher einen Leistungs
anspruch.
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor,
es bestünden Fragen, wie der Gutachter zu seinen Erkenntnissen gekommen sei und wie er diese interpretiere (
Urk.
1 S. 3
Ziff.
2 oben). Nach
der Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin könne nicht auf Aggravation geschlossen werden (
Urk.
1 S. 4 oben). Die Beschwerde
gegnerin gehe davon aus, dass kein schweres psychiatrisches Leiden vorliege. Dies entgegen der Meinung
der Psychiaterin
und
ihrer
Diagnosen. Ebenso sei es falsch, wenn
die Beschwerdegegnerin
davon ausgehe, dass das Beschwerdebild überwiegend auf invaliditätsfremde psychosoziale Umstände zurückzuführen sei
. Wäre dem so, würde keine psychische Krankheit vorliegen (
Urk.
1 S. 7
Ziff.
6).
2.3
Streitig ist, ob ein Rentenanspruch besteht.
Zunächst ist zu prüfen, ob auf das vorliegende psychiatrische Gutachten abgestellt werden kann.
3.
3.1
Dr.
Z._
, praktischer Arzt, nannte im Arztzeugnis vom 3
0.
Januar 2016 (
Urk.
8/2/14) als Diagnose eine depressive Episode (
Ziff.
1). Er attestierte für die Zeit vom
9.
November 2015 bis
2.
Februar 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (
Ziff.
6).
3.2
Dr.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, attestierte in einem versicherungspsychiatrischen Konsilium vom 3
0.
März 2016 (
Urk.
8/2/3-4) aus therapeutisch-rehabilitativen Gründen für weitere ein bis zwei Monate eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 2).
3.3
B._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Oberarzt,
Rehazentrum
C._
, berichtete am 1
0.
Juni 2016 (
Urk.
8/38
=
Urk.
8/37
) über
die
stationäre Beh
andlung der Beschwerdeführerin
in der Klinik
vom 2
7.
bis 3
0.
Mai 2016 (S. 1).
B._
nannte als Diagnosen (S. 1):
-
Erschöpfung (ICD-10 Z73) mit Gewichtsverlust
-
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
-
Angststörung mit Panikattacken und sozialer Phobie (ICD-10 F40.0, F41.1)
-
Status nach schwerer Anorexie vor zirka 15-20 Jahren
Er attestierte vom 2
7.
Mai bis 1
2.
Juni 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 2 unten).
3.4
Die Beschwerdeführerin ist seit dem
2.
Februar 2016 bei
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, in ambulanter psychiatri
scher Behandlung (
Urk.
8/11 S. 1
Ziff.
1.2
)
.
D._
nannte
im am
8.
Juli 2016 (
Urk.
8/11)
bei der Beschwerdegeg
nerin
eingegangenen Bericht
als Diagnosen (S. 1
Ziff.
1.1):
-
mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.1)
-
mit ausgeprägtem psychosozialem Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73)
-
akute Belastungsreaktion mit Depression und Angst (ICD-10 F43.0, durch die Vorkommnisse am Arbeitsplatz, die zur akuten Erkrankung geführt haben)
-
Angststörung und soziale Phobie mit Panikattacken (ICD-10 F40/41.1)
-
Status nach schwerer Anorexie in der Jugend
-
somatisch Status nach Discprolaps und Knieoperationen
D._
führte zur Anamnese aus, die Patientin habe vor zirka 15-20 Jahren an einer schweren Anorexie gelitten, die stationär habe behandelt werden müssen. Die Schwester der Patientin habe mit 20 Jahren Suizid begangen (S. 2
Ziff.
1.4 oben).
Die Beschwerdeführerin habe einen Sohn mit einem ausgeprägten ADHD. Die Ämter hätten sie
bezüglich ihres Sohnes
aber
wenig unterstützt.
Des Weiteren habe sie vor
zehn Jahren
ein Burn
out erlitten. Danach habe sie den Job gewechselt. Ab Oktober 2015 habe sich
der
ohnehin leicht
störbare
Schlaf ver
schlechtert und sie habe nur mehr vier Stunden pro Nach
t
schlafen können
. Im November 2015 sei es ihr körperlich immer schlechter gegangen
(S. 2
Ziff.
1.4 unten).
Die Psychiaterin
gab zum Befund an, die Beschwerdeführerin
sei im Gespräch kognitiv nicht eingeschränkt. Im
Alltag
bemerke
sie
aber
eine verminderte Kon
zentrationsspanne und eine stark eingeschränkte Belastbarkeit. Sozial habe sie sich fast vollständig zurückgezogen. Psychotische Symptome
bestünden nicht. Affektiv sei sie niedergestimmt und wenig auslenkbar
. Die Beschwerdeführerin habe Angst, Gefühle auszudrücken. Zwischendurch werde die grosse innere Not aber sichtbar
. Bezüglich der Zukunft sei
sie
rat- und hoffnungslos
(S. 3 Mitte).
Es bestünden eine fast vollständige
Ahedonie
, Appetitlosigkeit und eine Erschöp
fung
. Ein krankheitsbedingter Antriebsmangel sei zwar anzunehmen, aber nicht klar abzugrenzen
(S. 3 unten). Die Patientin komme einmal wöchentlich in die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung (S. 4
Ziff.
1.5 oben).
Die Psychi
aterin habe
das Medikament
Temesta durch Cipralex 10mg ersetzen wollen. Die Patientin habe sich
daraufhin
«wie besoffen» gefühlt und habe
es
nach zwei Ver
suchen von einigen Tagen
wieder
abgesetzt (S. 4
Ziff.
1.5 unten).
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Versicherungsspezialistin bestehe bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 4
Ziff.
1.6).
Die Patientin sei sicher für mindestens weitere sechs Monate zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 3 unten).
Die Psychiaterin gab als Einschränkungen an, die
Patientin sei nicht belastbar und
könne sich nicht ausreichend konzentrieren. Weiter habe sie grosse Angst vor Anfeindungen und einer erneuten Enttäuschung für
einen
jahrelangen Ein
satz. Zudem bestünden starke vegetative Angstsymptome
und es falle ihr zurzeit auch schwer, sich in öffentliche Verkehrsmittel und in Menschengruppen zu begeben
.
Ein
e
behinderungsangepasste Tätigkeit s
ei nicht möglich (S. 5
Ziff.
1.7).
3.5
Im am 1
4.
Juli 2016 (
Urk.
8/18/5-9) eingegangen Bericht gab
D._
e
rgänzend
an
,
die Patientin habe sich seit zwanzig Jahren als alleinerziehende Mutter eines schwer ADHD betroffenen Sohnes
immer
für diesen ei
ngesetzt
. Die Institutionen hätten sie aber hängengelassen. Neue Betreuungsmöglichkeiten
für den Sohn
habe sie selber organisieren müssen
(S. 2 Mitte).
Aktuell
führe
sie
hauptsächlich ihre Hunde aus. Schon diese Lieblingsbeschäftigung sei für sie aber sehr anstrengend. Sie esse kaum, schlafe schlecht und mache sich grosse Sorgen um ihre Zukunft (S. 2 unten).
D._
gab auf die Frage nach krankheitsfremden Faktoren an, Arbeitsplatzprobleme
hätten
zur Erkrankung
geführt
. Weitere Faktoren seien eine stark belastete Vorgeschichte nach
dem
Suizid der Schwester in der Jugen
d, eine schwere Anorexie und eine stark gestörte Beziehung zu den Eltern
(
S. 3
Ziff.
3).
Benzodiazepine würden
der Beschwerdeführerin
am besten helfen. Dies bestätige
die Arbeitsh
ypothese, dass
ihre
Angst
im Rahmen einer Traumatisierung
wohl den
gewichtigsten Faktor darstelle. Zudem bestehe eine gewisse Skepsis gegen
über Antidepressiva
(S. 3
f.
Ziff.
6).
3.6
Die Psychiaterin
gab im
Verlaufsb
ericht vom 1
6.
Januar 2017 (
Urk.
8/22) an, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich leicht verbessert (S. 1
Ziff.
1.1). Sie
stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 1
Ziff.
1.2):
-
depressive Störung, gegenwärtig unter Medikation leicht bis
mittelgradig (ICD-10 F32.01/11)
seit Oktober 2015, im Rahmen der Vorgänge am Arbeitsplatz und bei psychosozialer Erschöpfung
-
subakute Belastungsreaktion (ICD-10 F43.0)
-
Angststörung und soziale Phobie mit Panikattacken (ICD-10
F40/41
.1), seit Beginn
der Behandlung im Februar 2016,
wahrscheinlich schon lange zuvor
-
Status nach schwerer Anorexie in der Jugend (ICD-10 F50.0)
-
Status nach
Discushernien
und Knieoperationen
D._
führte weiter aus, die Patientin könne sich subjektiv etwas besser konzentrieren und sei weniger erschöpft. Es falle ihr aber noch immer schwer, sich unter Leute zu begeben -
abgesehen von
den Hundehalter-Bekannt
schaften, denen sie täglich begegne. Die Stimmung sei leicht aufgehellter
. Affek
tiv sei sie zurückhaltend. Sie wirke meist verbindlich und freundlich und zeige nur selten, wie es ihr wirklich gehe
(S. 2
Ziff.
1.3 oben).
D._
bestätigte für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit eine Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
. Eine angepasste Tätigkeit sei zurzeit noch nicht möglich (S. 2
Ziff.
2.1).
Im November 2016
sei es gelungen, das Antidepressivum
Escitalopram
in
Trop
fenform langsam aufzudosieren. Die Patientin
merke
langsam eine Wirkung und nehme täglich 20mg ein (S. 3
Ziff.
3.2).
Sie
scheine stärker geprägt und beein
trächtigt zu sein, als es zuerst den Anschein gehabt habe
, wohl vor allem durch die frühere Burnout-Erfahrung und
eine
jahrelange psychosoziale Überlastung
(S. 3
Ziff.
3.3).
3.7
D._
führte im Bericht vom 1
4.
September 2017 (
Urk.
8/33)
aus, Mitte Mai 2017 sei es der Beschwerdeführerin wieder schlechter gegangen. Sie habe abgenommen, ohne es zu wollen (S. 1 unten).
D._
gab zum Befund an, die Patientin
habe
sich
am 2
5.
August 2017
psychisch wieder in einem schlechteren Zustand befunden und auch an Gewicht abgenommen.
Sie scheine verzweifelt und von der Situation überfordert zu sein, schlafe sch
lecht und benö
tige oft Temesta. Weiter habe sie keinen Appetit.
Die Aufmerksamkeit und die Konzentration seien im Gespräch erhalt
en. Die Erzählung sei kohärent.
Psychoti
sche Symptome bestünden nicht
. Affektiv sei ihre Not zwar spürbar,
sie sei aber
nicht wirklich erreichbar und
wenig auslenkbar
(S. 3 Mitte). Die Beschwerdefüh
rerin wirke dysphorisch und traue sich nicht, ihre Not wirklich zu zeigen. Sui
zidgedanken
seien ab und zu
vorhanden (S. 3 unten).
Der Zustand der Patientin müsse massiv schlechter sein als während ihrer langen Berufstätigkeit. Sie erscheine nun hilflos, überfordert, geschwächt, ängstlich, nicht mehr belastbar und habe auch grosse Mühe, sich auf einen Therapieprozess einzulassen
, weil sie niemandem mehr vertraue
(S. 3 f.).
Die Psychiaterin
sehe bis auf Weiteres keine Möglichkeit, dass die Patientin an einem Wiedereinglie
derungsprogramm teilnehmen
oder
dass
sie ihre Arbeitsfä
higkeit im ersten Arbeitsmarkt wieder erreichen könne (S. 4).
3.8
3.
8
.
1
Dr.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 1
7.
Januar 2018 (
Urk.
8/52) im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein psychiatri
sches Gutachten.
Die Untersuchung erfolgte am 1
1.
Dezember 2017 (S. 3 oben).
Dr.
E._
führte aus, er habe die Beschwerdeführerin nach der vierstündigen Untersuchung darauf hingewiesen, dass bezüglich der angegebenen psychiatri
schen Medikamente
eine Evaluation des Serumspiegels
durchgeführt werden soll
te
. Sie habe dann laut zu schreien angefangen. Es ging
e
nicht an, dass die Geschichte um ihren Sohn nicht ausreichend gehört
werde
. Es sei notwendig, die gesamte Geschichte mit stationärer Unterbringung und allen Schwierigkeiten des Sohnes mitzuteilen. Sie habe dann angefangen, noch lauter zu schreien. Die Dar
stellung habe inszeniert und nicht nachvollziehbar gewirkt. Die Beschwerdefüh
rerin habe so die Blutabnahme und die Dokumentation eines Serumspiegels umgangen (S. 3).
Der Gutachter gab zu den
Vorakten
an, ein nicht datierter Bericht von
D._
sei wegen fehlender therapeutischer Distanz nicht verwertbar (S. 4 Mitte).
Zum Gesundheitsschaden führte er aus
,
innerhalb der Struktur von Übertragung und Gegenübertragung
habe
die gesamte Darstellung
der Beschwerdeführerin
inszeniert und schauspielhaft
gewirkt.
Wie wenn
sie sich
durchgehend in Szene setze und sie ihre eigene Bühne inszeniere. Die
Aufmerksamkeitsfähigkeit sei gut gewesen
. Sprichw
örter habe sie erklären,
Unterschiede habe sie nicht abstrakt darstellen können. Die Beschwerdeführerin habe die Konzentration auf das Gespräch und die gestellten Fragen gut aufrechterhalten können. Es sei ihr jedoch schwergefallen, auf konkrete Fragen zu antworten. Bei konkretem Nachfragen sei sie grundsätzlich ausgewichen. Bei der Abfrage von Symptomen habe sie nebulös und ungenau geantwortet (S. 5
Ziff.
I.1
oben). Störungen der Konzentration, des Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit hätten sich nicht gezeigt
. Im formalen Denken hätten keine Auffälligkeiten bestanden
(S. 5
Ziff.
I.1
Mitte).
Hinweise
auf einen Wahn
bestünden
nicht und es hätten sich keine Auffälligkei
ten bezüglich Sinnestäuschungen ergeben.
Affektiv habe
die Beschwerdeführerin in der Untersuchungssituation schwingungsfähig gewirkt. Sie sei nur teilweise affektiv auslenkbar
gewesen
und es sei zu ausgeprägt schnellen emotionalen
Umbrüchen
gekommen.
Die
Situation sei nicht
explizit
von Traurigkeit geprägt gewesen
. Innerhalb der
vierstündigen Untersuchung
sei es zu affektiven Zeichen von Wut, Trauer, Ärger und Humor gekommen. Die Beschwerdeführerin habe klare Zeichen setzen, sich durchsetzen und abgrenzen können. Erwartungen
habe sie formulieren und mittels Körpersprache
sowie
emotionaler Betonung habe sie klarmachen können, was ihr wichtig sei und was sie als unwichtig empfinde. Mindestens seit 2015, gemäss eigenen Angaben schon seit 2010, nehme sie re
gelmässige Benzodiazepine in mittlerer bis hoher Dosierung ein.
Nach dem Auf
tritt und der Gestaltung des Untersuchungsgespräches hätten sich Hinweise auf eine eher emotional instabile Persönlichkeitsstruktur ergeben (S. 5
Ziff.
1.1 unten).
Zu den aktuellen Beschwerden sei angegeben worden
, in Menschenmassen und ausserhalb der Wohnung empfinde
die Beschwerdeführerin
teilweise Ängste, die teils zu einem Ver
meidungsverhalten führten.
Die Ängste
würden auch bei Fahr
ten in öffentl
ichen Verkehrsmitteln aktiviert, seien aber zum grossen Teil beherrschbar.
Teilweise fühle sie sich überfordert und traurig (S. 6 oben).
Der
Schlaf
sei
ganz schlecht
.
Es sei jedoch nur sehr
bedingt möglich gewesen, eine genaue Aussage
der Beschwerdeführerin
bezüglich
der
Einschlaf- und Durch
schlafstörungen zu erhalten.
Trotz wiederholtem
Nachfragen habe
sie
nicht angegeben, wann sie durchschnittlich ins Bett gehe. Sie habe
erklärt
, dass sie immer um 3 Uhr morgen
s
aufwache (S. 6 Mitte). Während zehn Jahren habe die Diagnose einer Anorexia nervosa bestanden. Genaue Angaben sei
en
jedoch auch
diesbezüglich
nur schwer zu erfahren.
Sie sei
untergewichtig gewesen
und es habe ein
Gewicht von 42 kg
bestanden
(S. 6 unten).
Die Beschwerdeführerin habe am Ende der Untersuchung ein ausgeprägt aggres
siv-bedrohliches Verhalten gezeigt und sich beleidigend gegenüber dem Unter
sucher geäussert
. Dies lasse sich dahingehend interpretieren,
dass
den Wünschen der Beschwerdeführerin nicht nachgekommen worden sei.
Ihr
Verhalten
stehe
dazu
in einem eindeutigen kausalen Zusammenhang.
Bezüglich des sozialen Kon
textes habe die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie si
ch mit ihren Hunden beschäftige
und sie hier
teilweise mit Menschen interagiere
. Ansonsten sei sie sehr enttäuscht von Menschen
(S.
6 f.
).
3.
8
.2
Die Beschwerdeführerin befinde sich aktuell in einer sehr schwierigen wirtschaft
lichen Lage. Bis November 2017 habe sie Leistungen der Taggeldversicherung erhalten.
Sie habe etwas Geld geerbt und
erwarte eine ganze Rente der Invali
den
versicherung. Soziokulturell
bestimmende Faktoren, die als schwierig anzusehen seien, fänden sich nicht (S. 7
Ziff.
I.2 oben). Im Gegensatz dazu habe die Beschwerdeführerin selber eine erhebliche psychosoziale Belastungssituation durch ihren Sohn angegeben. Durch die Dauerbelastung durch den psychiatrisch schwer erkrankten Sohn seien die letzten 22 Jahre schwierig gewesen. Sie könne nicht mehr, weil ihr Sohn sie vollständig überfordert habe (S. 7
Ziff.
I.2 Mitte).
Die
subjektive Schilderung der Beschwerden
und das Verhalten in der Untersu
chung seien nicht deckungsgleich. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie nicht zu 100
%
arbeiten könne. Im Gegensatz hierzu habe sie
während der Untersuchung
vier Stunden mit zwei kurzen Pausen an einem schwierigen Gespräch teilnehmen und kognitiv adäquate Leistungen erbringen könne
n
. Selber habe sie erst nach vier Stunden angegeben, dass sie nun müde werde. Intensive Beschwerden seien allgemein dargestellt worden. Bei genauer Nachfrage sei eine genaue Abklärung der Intensität der Beschwerden nicht möglich gewesen
.
Trotz erheblicher Therapiemöglichkeiten lehne die Beschwerdeführerin
einen Grossteil der angebotenen psychiatrischen Möglichkeiten ab
(S. 7
Ziff.
I.3 unten).
Weiter könne sie trotz
der subjektiv
en Beeinträchtigung einer
100%igen Arbeitsunfähig
keit den gesamten Haushalt erledigen
und
den
Sohn, den sie selber als Besucher im Hotel Mama beschrieben habe, versorgen
.
Die Beschwerdeführerin gebe an, sich bereits etwa 10 Jahre vor der Erkrankung durchgängig sozial zurückgezogen zu haben
(S. 8 oben). Symptome seien allgemein plakativ und inkonsistent dar
gestellt worden mit wenig
en
Details. Die Korrelation der somatischen Beschwer
den sei nicht adäquat möglich (S. 8 Mitte). In der Gesamtevaluation
fänden
sich schwere Hinweise auf Aggravation. Basierend auf den Aussagen der Beschwer
deführerin seien der Schweregrad der Symptomatik und damit auch die Arbeits
fähigkeit entsprechend zu justieren (S. 8 unten).
Die Beschwerdeführerin nehme gemäss ihren Angaben seit mehr als zwei Jahren Benzodiazepine in hoher Dosierung ein. Es sei eine
Korrelation zwischen der ein
genommenen
Menge an Benzodiazepine
n
und der verweigerten Überprüfung des Serumspiegels
möglich
.
Seit
Jahren
bestehe eine
Persönlichkeitsstörung.
Weiter komme es zu
Schlafstörungen, die teilweise auch psychiatrisch bedingt sein könnten
.
Benzodiazepine würden eine unmittelbare affektive Labilität teilweise ausgleichen.
Es sei
daher
von einer unmittelbaren Korrelation
zwischen den
Symptomen einer vorliegenden psychiatrischen Erkrankung und der Einnahme von Benzodiazepinen
auszugehen
(S. 9
Ziff.
I.4 oben).
Benzodiazepine könnten zu kognitiven Einschränkungen führen. Bei der Beschwerdeführerin komme es nur geringgradig bis gar nicht zu kognitiven Einschränkungen innerhalb der Untersuchungssituation
. Sie wirke nicht sediert und nicht kognit
i
v eingeschränkt
(S. 9
Ziff.
I.5)
.
Die Beschwerdeführerin habe als einzige Ressource ihre drei Hunde angegeben. Ein soziales Umfeld bestehe nicht. Auf Nachfragen bezüglich
möglicher
Ressour
cen habe sie nur Belastungen
angegeben
(S. 10
Ziff.
I.7). Es fänden sich erhebliche Hinweise auf eine Compliance-Problematik bezüglich Antidepressiva und abhän
gig machender Substanzen (S. 10
Ziff.
I.8.2).
3.
8
.3
Dr.
E._
führte zur Anamnese aus,
die Beschwerdeführerin habe zunächst angegeben, dass ihre Schwester Suizid begangen habe.
Wie sie später angegeben habe, glaube sie
jedoch
,
dass die Schwester umgebracht worden sei (S. 11
Ziff.
II.1.1 Mitte). Nachdem die Beschwerdeführerin
von zu Hause ausgezogen sei, habe sie zum ersten M
al an Anorexie gelitten (S. 12
o
ben).
Bereits früh sei klar gewesen, dass
ihr
Sohn an einem schweren Hyperaktivitätssyndrom leide. Ab diesem Zeitpunkt sei ihr Leben durch die Schwierigkeiten mit ihrem Sohn b
estimmt gewesen. Er sei in eine geschlossene
Psychiatrie
gekommen
, wo
schlimme Dinge geschehen seien
(S. 13 Mitte).
Die Beschwerdeführerin
habe zuletzt als
Assistentin im Firmenkundengeschäft einer Versic
herung gearbeitet. Unmittelbare
Kundenkontakt
e
hätten nicht bestanden
. Sie habe zunächst ein Pen
sum von 50
%
und später von 60
%
ausgeübt (S. 13
Ziff.
II.1.2).
Von somatischer Seite
leide sie unter Bulimie und unter Anorexie (S. 15
Ziff.
II.1.3).
Die Beschwerdeführerin sei
seit 2016
bei ihrer Psychiaterin in Behandlung. Sie versuche, einmal die Woche zur Therapie zu gehen. Als der Gutachter sie auf die Medikamente angesprochen habe, sei sie erneut aggressiv geworden und habe gemeint, dass alles in den Akten stehen würde.
Cipralex habe sie beim ersten Mal nicht vertragen.
Das Lieblingsmedikament sei Temesta (S. 14
Ziff.
II.1.4 unten). Die Beschwerdeführerin lebe aktuell wieder mit ihrem Sohn zusammen. Die Haus
arbeiten
erledige sie alleine
(S. 15
Ziff.
II.2.1).
Sie habe
ei
nen verheirateten Part
ner
(S. 16
Ziff.
II.2.2).
Ein Teil der aktuellen Dekompensation und der Arbeitsunfähigkeit seien auf psy
chosoziale Begleitumstände zurückzuführen. Es sei mit zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin langfristig und dauerhaft zwischen 50 und 60
%
habe arbeiten können
. Zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr 2015 sei es auch auf
grund der angegebenen psychosozialen Belastungssituation zu einer Dekompen
sation gekommen.
Es sei
zu
Mobbing einer Kollegin gekommen, was
die Beschwerdeführerin
nicht ertragen habe (S. 16
Ziff.
II.4).
Für eine Therapie und für eine Psychopharmakotherapie
bestehe eine nur sehr geringe
Motivation.
Die
Kommunikation
sei
psychiatrisch bedingt gestört.
Ein soziales Netzwerk bestehe nicht
(S. 17
Ziff.
II.5).
3.
8
.4
Dr.
E._
nannte als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S.
18
Ziff.
III.1):
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typus (ICD-10 F60.31), mittelgradig ausgeprägt
-
Agoraphobie (ICD-10 F40.0), mittel- bis leichtgradig ausgeprägt
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig mit somati
schem Syndrom (ICD-10 F33.11)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte der Gutachter Störung durch Sedativa oder Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom, ständiger Sub
stanzgebrauch (ICD-10 F13.25).
Der Bericht der betreuenden Psychiaterin
D._
sei nur sehr bedingt verwertbar. Diese habe Wertungen objektiviert und
es sei von einer fehlenden
Distanzierung von der Beschwerdeführerin
auszugehen
.
Bei der Arbeitshypothese
der Psychiaterin
einer Traumatisierung sei nicht angegeben worden,
von
welchem Trauma
auszugehen sei und es seien keine Traumafolgestörungen diagnostiziert worden (S. 19 unten).
Zur Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sei zu sagen, dass
die
Beschwerdeführerin seit der Kindheit erhebliche dysfunktionale Muster in Bezug auf Partnerschaft, Beziehung und Leistung zeige. Sie selber habe ange
geben, dass sie unter
der
Problematik leide. Sie könne sie jedoch nicht benennen (S. 20 oben). Es sei die Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstö
rung vom
Borderline
-Typus zu stellen
. Eine
schwerstgradige
Persönlichkeitsstö
rung
liege
aber
nicht vor. Die Beschwerdeführerin habe bis 2015 regelmässig arbeiten können
(S. 20 unten).
Weiter habe sie eine Angststörung angegeben. Sie könne s
chlecht im öffentlichen Verkehr interagieren
und g
rosse Menschenmassen seien schwierig
für sie
. Sie ziehe sich gerne in ihre Wohnung zurück, wo sie sich teilweise sicher fühle.
Nach diesen Angaben
sei von
einem mittelschweren bis leichten
Symptomkomplex
einer
Agoraphobie auszugehen (S. 21 oben).
Die Beschwerdeführerin habe einmalig für drei bis vier Tage eine stationäre The
rapie aufgesucht, die sie ohne nachvollziehbare Gründe abgebrochen habe. Eine weitere stationäre Therapie lehne sie ab (S. 22
Ziff.
IV.1 oben). Seit etwa zwei Jahren
erfolge eine regelmässige
Psychotherapie. Zu einer Besserung sei es explizit nicht gekommen. Alternative Therapiemassnahmen wie Schlafentzug, eine kognitive Verhaltenstherapie oder andere alternative Therapien würden nicht genutzt (S. 22
Ziff.
IV.1 Mitte).
Die Beschwerdeführerin habe zunächst für zwei Tage
Escitalopram
und dann
Valdoxan
eingenommen
.
Es sei
weder
von einer adäquaten Dosierung noch von einem adäquaten Zeitraum
der
medikamentösen
Behandlung
auszugehen. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie schwere Schlafstörungen habe. In diesem Fall sei einzig ein sedierendes Antide
pressivum als sinnvoll anzusehen.
Eine
Therapieresistenz bezüglich der depressi
ven Symptomatik
liege daher nicht vor
. Weiter
fehle eine
adäquate Psychophar
makotherapie
(S. 22
Ziff.
IV.1 unten).
Eine Abstinenz
von jeglichen Benzodiazepinen sei dringend zu empfehlen.
Ein
Entzug
sei stationär
durchzuführen. Dies sei der Beschwerdeführerin zumutbar (S. 23 Mitte). Eingliederungsbemühungen seien nicht durchgeführt worden.
Die Beschwerdeführerin
sehe sich als zu 100
%
arbeitsunfähig und finde nicht, dass Eingliederungsbemühungen notwendig seien. Adäquate Eingliederungsbemü
hungen seien
ihr
jedoch
zumutbar (S. 25
Ziff.
IV.4 und 5).
Der Gutachter führte zur Konsistenz aus,
trotz einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % habe die Beschwerdeführerin innerhalb der letzten zwölf Monate alle Hausarbeiten verrichten, eine neue Wohnung suchen und einen Teilumzug durch
führen können. Dies zeige, dass nicht von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Es bestünden daher erhebliche Diskrepanzen zu den Alltagstätig
keiten der Beschwerdeführerin (S. 27
Ziff.
V.1 oben).
3.
8
.5
Die Beschwerdeführerin könne Termine wahrnehmen, sich in Abläufe einpassen und tägliche Routineabläufe selber strukturieren. Für die Anpassung an Regeln und Routine bestehe eine geringe Beeinträchtigung. Aufgaben könne sie gut strukturieren und planen
. Teilweise müsse sie etwas mehr als die angemessene Zeit aufwenden
.
Für die Planung und Strukturierung von Aufgaben
bestehe eine leichte Beeinträchtigung. Bei der Flexibilität und der Umstellungsfähigkeit bestehe eine mittelgradige Beeinträchtigung
. Eines der zentralen Probleme sei, sich an emotional wechselnde Situationen anzupassen
(S. 30
Ziff.
VI.1 unten). Die Beschwerdeführerin könne nur teilweise spezifische Fähigkeiten aus der Unternehmensberatung und der Versicherung anwenden. Wenn hierzu Anforde
rungen gestellt würden, fühle sie sich narzisstisch gekränkt und überfordert und
reagiere teilweise aggressiv. Bezüglich der Entscheidungsfähigkeit und der Urteilsbildung bestehe eine mittelgradige Beeinträchtigung.
Teilweise seien geringe Beeinträchtigungen der Durchhaltefähigkeit zu finden. Das Leistungsni
veau müsse geringgradig angepasst werden (S. 31 oben). Die Fähigkeit, unmittel
bare soziale Kontak
te mit anderen
Menschen aufzunehmen und dies in adäquater Weise zu tun, sei eingeschränkt. Die unverbindliche Kommunikation sei bis zu einem gewissen Grad möglich (S. 31 unten).
Unter Berücksichtigung der Gesamtlage und der psychosozialen Belastungssitua
tion sei
für die bisherige Tätigkeit
von Dezember 2015 bis August 2017 von einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
auszugehen (S. 33 oben). Ab
September
2017 sei für den angestammten Bereich von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (S. 33 Mitte).
In einer angepassten Tätigkeit sei eine verwertbare Tätigkeit von 70
%
zu erwar
ten. Es soll
e
sich um ein kleines
,
unmittelbares Team von nicht mehr als 10 Kol
legen handeln. Schichtarbeiten seien zu vermeiden. Die Beschwerdeführerin benötige weiter einen unmittelbaren Vorgesetzten, der mittels Coaching
während sechs Monaten
im Umgang mit der Erkrankung unterstützt werde.
Zu vermeiden sei weiter di
e Arbeit in einem Grossraumbüro. Die Arbeit solle weiter einen Anteil
von
home
office
von mindestens 50
%
enthalten
(S. 33
Ziff.
VI.2 unten). Für eine angepasste Tätigkeit habe von Dezember 2015 bis August 2017 ebenfalls eine Arbeitsunfähi
gkeit von 100
%
bestanden. Ab September 2017 sei
diesbezüglich
von einer Arbeitsfähigkeit von 70
%
auszugehen (S. 34 unten).
3.
9
Dr.
F._
, Facharzt für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin
,
nahm am
2.
Februar 2018 (
Urk.
8/62 S. 7 ff.) Stellung zum psychiatrischen Gutachten von
Dr.
E._
.
Er führte aus,
nach dem Gutachten handle es sich bei der diagnostizierten emotional instabilen Per
sönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ nicht um eine
schwerstgradige
Persön
lichkeitsstörung. Die Beschwerdeführerin habe bis 2015 regelmässig arbeiten können. Therapeutische Optionen habe sie nur minimalst wahrgenommen. Sie kooperiere nur sehr eingeschränkt und bedingt.
Eine ausreichende
Kooperation
bestehe nicht
(S. 8 oben).
In der bisherigen Tätigkeit im Büro habe ab Dezember 2015 eine Arbeitsunfähig
keit von 100
%
bestanden. Seit September 2017 bestehe
diesbezüglich wieder
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. In einer angepassten Tätigkeit gemäss Belastungspro
fil habe ab Dezember 2015 eine Arbeitsu
nfähigkeit von 100
%
bestanden. Ab September 2017 bestehe
in einer
solchen
Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
(S. 8 unten).
3.10
D._
nahm im Bericht vom 1
4.
November 2018 (
Urk.
3/4) Stellung zum psychiatrischen Gutachten von
Dr.
E._
.
Sie führte aus, der Gutachter habe die Beschwerdeführerin in einer Marathonuntersuchung befragt und beo
bachtet. In der Wiedergabe und Interpretation der Befunde zeige er eine abwer
tende, der Patientin Aggravation unterstellende Haltung (S. 1
Mitte
).
Das Verhalten der Beschwerdeführerin habe auf den Gutachter innerhalb der Struktur von Übertragung und Gegenübertragung durchgehend als inszeniert und schauspielhaft gewirkt. Dies wirke auf
ihn
so. Er sei hier stark mitbeteiligt (S.1 unten).
Sie
habe
als behandelnde Psychiaterin
ebenfalls
festgestellt, dass die Patientin daneben antworte. Tatsächlich sei die Konzentration deutlich gestört
, aber das Danebenantworten sei ein Ausweichen
. Früher habe sie offenbar gern und viel gelesen. Dies gelinge ihr heute nicht mehr. Durch Gedankenkreisen ver
liere sie beim Lesen den Faden (S. 2 Mitte).
Die Beschwerdeführerin habe jahre
lang sehr tüchtig gearbeitet, unter weitgehender Vernachlässigung der persönli
chen Bedürfnisse, wobei sie zu 70-80
%
erfolgreich berufstätig gewesen sei
. Gleichzeitig habe sie sich
als alleinerziehende Mutter um den durch ein schweres ADHD stark beeinträchtigten Sohn gekümmert
(S. 3 Mitte).
Der Gutachter habe erwähnt, dass die Beschwerdeführerin eine ganze Invaliden
rente erwarte.
D._
vermute
t
, dass dies keine wörtliche Wiedergabe sei, da die Patientin sich nicht so ausdrücke. Nach einer Rückfrage habe sich herausgestellt, dass sie diesen Satz nicht gesagt habe. Sie habe festgestellt, dass sie sich in ihrem sich ständig verschlechternden Zustand zu vielem nicht mehr in der Lage sehe. Dabei werd
e ihr wohl nichts übrig
bleiben als eine Invalidenrente (S. 5
Ziff.
1.2 unten).
Die Patientin gebe sich immer besser, als sie sich eigentlich fühle. Erst, wenn ihre Maske nicht mehr halte - dies sei zum Schluss der vier
stündigen Marathonsitzung der Fall gewesen - zeige sich ihr wahrer Zustand (S. 6
Ziff.
1.3 oben).
Was die Patientin benötige, wäre eine Zeit der Ruhe, der Sicher
heit, damit sie beginnen könne, sich zu regenerieren. Dies sei in diesem Fall nur mit einer IV-Berentung möglich (S. 13 unten).
4.
4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
4.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.
5.1
Die behandelnde Psychiaterin
D._
nannte als Diagnosen
mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine depressive Störung, leicht bis mittelgradig, eine subakute Belastungsreaktion sowie eine Angststörung und eine soziale Pho
bie mit Panikattacken.
Im Juli 2016 diagnostizierte sie noch eine mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom
und
einem ausgeprägten psycho
sozialen Erschöpfungssyndrom
.
Im Juli 2016 und
im
Bericht
vom 1
6.
Januar 2017 attestierte die Psychiaterin
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% (
vorstehend
E. 3.
4
und 3.6
).
In der Folge
ging sie davon aus
, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt
nicht wieder
werde erreichen können
(E.
3.
7
).
Dr.
E._
nannte als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typus, mittelgradig ausprägt, eine Agoraphobie, mittel- bis leichtgradig ausgeprägt, und eine rezidi
vierende depressive St
örung, gegenwärtig mittelgradig
mit somatischem Syn
drom (vorstehend E. 3.
8
.4).
Nach der Einschätzung durch
Dr.
E._
bestand in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit seit Dezember 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Für die angestammte Tätigkeit attestierte er ab September 2017
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
.
Für eine angepasste Tätigkeit attestierte er a
b dem gleichen Zeitpunkt
eine
Arbeitsfähigkeit von 70 % (E. 3.
8
.5).
5.2
Das
psychiatrische
Gutachten beruht auf
der
persönlichen Untersuchung der Beschwerdeführerin.
Auf die geklagten Beschwerden wurde
hinreichend
einge
gangen
und das Gutachten wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt.
Es leuchtet weiter in der Beurteilung der medizinischen Situation und in den Schlussfolgerungen ein.
Die Berichte und die Stellungnahme von
D._
vom 1
4.
November 2018 vermögen keine Zweifel am Beweiswert des Gutachtens von
Dr.
E._
zu begründen. Die unterschiedliche Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist
ins
besondere
vor dem Hintergrund der Unterschiede zwischen therapeutischer Behandlung einerseits und
B
egutachtungsauftrag andererseits zu sehen.
Bezeich
nenderweise wirft
D._
dem Gutachter in der Stellungnahme vom 1
4.
November 2018 fehlende Empathie gegenüber der Beschwerdeführerin vor (vorstehend E. 3.10). Der Gutachter war jedoch gerade zur Erstattung eines unab
hängigen und unparteiischen Gutachtens beauftragt. Sein Leistungsauftrag bestand auch darin, die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin kritisch zu prüfen und zu hinterfragen.
Hinweise auf eine Voreingenommenheit des Gutach
ters liegen entgegen der Kritik von
D._
(vorstehend E. 3.
10
) nicht vor.
D._
stützte sich
für die Annahme einer eingeschränkten Konzent
rationsfähigkeit
beispielsweise
wesentlich auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin, wonach diese im Alltag Einschränkungen bemerkt habe. Eigene Befunde wurden dagegen kaum erhoben (vgl. vorstehend E. 3.4), was gegen die Beurteilung
durch
D._
spricht.
In diesem Zusammenhang ist zudem auf den Grundsatz hinzuweisen, wonach Berichte der behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 313 E. 3b/cc). Dies gilt für einen allge
mein praktizierenden Hausarzt wie auch für einen behandelnden Spezialarzt (Urteil des Bundesgerichts I 803/05 vom
6.
April 2005 E. 5.5). Der abweichenden Beurteilung durch
D._
kann daher nicht gefolgt werden.
Der Vor
behalt ihren Berichten gegenüber, der sich aus der Vertrauensstellung ergibt, kon
kretisiert sich in der Tatsache, dass sie im Bericht vom 1
4.
November 2018 kon
kret für die Zusprache einer Invalidenrente plädiert
e
(vgl. vorstehend E. 3.10).
Auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
E._
kann aufgrund dieser Über
legungen abgestellt werden.
Das von
Dr.
E._
diagnostizierte Abhängigkeits
syndrom ruft vorliegend au
ch mit Blick auf die mit Urteil
des Bundesgerichts 9C_724/2018 vom 1
1.
Juli 2019
geänderte Rechtsprechung
zu Suchterkrankun
gen
nicht nach weiteren Abklärungen.
Dr.
E._
nannte
die
Benzodiazepin
abhängigkeit
als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (E. 3.8.4), erachtete die Suchterkrankung jedoch als sekundär, als
mit der psychiatrischen Erkrankung korrelierend (E. 3.8.4). Er klammerte die Suchterkrankung bei seiner Beurteilung somit nicht
gestützt auf die alte bundesgerichtliche Rechtsprechung aus
– eine sekundäre Sucht war bereits vor Änderung der Rechtsprechung zu berücksichtigen -
, sondern kam in Beurteilung der Auswirkungen der Sucht bei der Beschwerdeführerin zum Ergebnis, dass sie im vorliegenden Fall keine Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit zeitigt (vgl. E. 3.8.2).
5.3
5.3.1
Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Kons
tellation, liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor. Eine solche Ausgangslage ist etwa gegeben, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwi
schen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anam
nese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhal
ten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1).
5.3.2
Dr.
E._
bezeichnete die Darstellung der Beschwerdeführerin, als sie
unter anderem
eine Kontrolle des Serumspiegels verweigerte, als inszeniert und nicht nachvollziehbar (
vorstehend
E.
3
.
8
.1).
Weiter wies er darauf hin, dass die Beschwerdeführerin nach ihrer Auffassung zu 100
%
arbeitsunfähig sei
, während sie der vierstündigen Untersuchung bis gegen Ende gut habe folgen können.
Zudem
war es
ihr
in der Vergangenheit
möglich,
die Hausarbeiten alleine zu erledigen,
einen Wohnungswechsel zu organisieren und sich um ihren psyc
hisch kranken Sohn
zu
kümmern
. Symptome seien sodann plakativ, inkonsistent und mit wenigen Details dargestellt worden
(E. 3.8.2
und 3.8.3
)
Es liegen daher
deut
liche
Anhaltspunkte für
D
iskrepanzen und
Aggravation vor.
Der Gutachter spricht von
einer
«
schwerstgradigen
Hinweislage auf Aggravation» (
Urk.
8/52
S.
8).
Nachfolgend sind die sogenannten Standardindikatoren zu prüfen.
5.3.3
Die Beschwerdegegnerin ist im Rahmen einer Ressourcenprüfung von der durch
Dr.
E._
attestierten Arbeitsfähigkeit abgewichen (
Urk.
8/62 S. 10 f.).
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E.
5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen las
sen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rah
men des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144
V
50 E. 4.3
).
5.3.4
Von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit kann damit aus rechtlicher Sicht abgewichen werden, ohne dass ein - wie vorliegend grundsätz
lich beweiskräftiges - Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom
1.
April 2015 E. 6.3).
Damit bedarf es auch
keine weiteren medizinischen
Abklärungen (vgl.
Urk.
1 S. 8
Ziff.
8).
5.3.5
Dr.
E._
konnte die von der behandelnden Psychiaterin beschriebenen Kon
zentrationsstörungen
im Rahmen der
Begutachtung nicht bestätigen.
Weiter
zeig
ten sich
bei der Untersuchung
weder formale Denkstörungen noch
Sinnestäu
schungen
und es bestanden keine Hinweise auf einen Wahn
(E. 3.
8
.1). Die von
Dr.
E._
angegebenen Befunde erweisen sich somit als nicht schwer
wiegend
ausgeprägt. Der Gutachter wies bezüglich der Symptomatik auf eine fehlende Behandlungsresi
stenz hin und gab an,
dass die
bestehenden
Behandlungsoptio
nen
inklusive einer besseren medikamentösen Therapie
kaum
ausgenützt
würden
.
Weiter
lehnt die Beschwerdeführerin eine erneute stationäre Behandlung o
hne nachvollziehbare Gründe ab (vorstehend E. 3.8.4).
Im Sinne einer Komorbidität ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin neben einer Persönlichkeitsstörung auch an einer Agoraphobie und an einer rezidivierenden depressiven Störung leidet. Nach dem im
psychiatrischen
Gut
achten beschriebenen psychopathologischem Befund erweist sich der Komplex
«Gesundheitsschaden»
jedoch
als eher geringfügig
ausgeprägt.
Die Beschwerdeführerin verfügt über
kein soziales Netz
ausser
der Beziehung
zu ihrem Sohn und einem verheirateten Partner (
E. 3.8.3)
.
Sie selber gab als Res
sourcen
nur
die Bes
chäftigung mit ihren Hunden an
. In diesem Rahmen ist ihr jedoch die Interaktion mit Menschen möglich
(E. 3.8.2)
.
Die soziale Isolation steht nicht in direktem Zusammenhang mit der Erkrankung, gab die Versicherte doch an,
der
Rückzug sei bereits
zehn Jahre vor Erkrankungsbeginn durchgehend gewesen
(E. 3.8.2). Dennoch ist
zu berücksichtigen
, dass
bei der Beschwerdefüh
rerin keine tragenden Beziehungen als Ressource
vorhanden sind
.
Bei der Prüfung der «Konsistenz»
ist erneut darauf hinzuweisen, dass sich die Beschwerdeführerin selber als zu 100
%
arbeitsunfähig betrachtet, während sie
die Hausarbeiten selber erledigen
konnte
und
es ihr möglich war
, einen Woh
nungswechsel zu organisieren und sich um ihren
psychisch kranken
Sohn zu kümmern
(E. 3.8.4)
.
Eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen liegt somit nicht vor
.
Gemäss
Dr.
E._
besteht sodann nur eine geringe Motivation für eine Änderung der psychothera
peutischen und der medikamentösen Behandlung (vorstehend E. 3.8.3). Dies lässt auf einen eher geringen Leidensdruck schliessen.
Nach der Prüfung der Indikato
ren ist daher von einer vollen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszugehen.
Eine l
ang an
dauernde
und erhebliche
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
ist somit nicht ausgewiesen.
5.
4
Zusammenfassend
kann festgehalten werden, dass
bei
der Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit in der Versicherungsbra
n
che
keine lang andau
ernde und erhebliche Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist
.
Die Beschwerdegegne
rin
hat
einen Leistungsanspruch in der angefochtenen Verfügung
daher
zu Recht verneint.
Die Diskrepanz zu der medizinischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Gutachter
Dr.
E._
erklärt sich damit, dass dieser die erhebliche psy
chosoziale Belastungssituation explizit mitberücksichtigt
e
(E. 3.8.5), wogegen – aus rechtlicher Sicht – die ausgewiesene Aggravation und Inkonsistenz der Annahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens entgegenstehen.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demzufolge als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf
Fr.
800.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Pro
zessführung sind die Kosten jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.2
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin reichte dem Gericht am
1.
Juli 2019 (
Urk.
11)
die
Honorarnote in Höhe von
Fr.
1'308.10 (
Urk.
12) ein.
Die Aufwendungen erweisen sich als angemessen.
Die Rechtsvertreterin ist daher mit
Fr.
1'308.10 zu entschädigen.