Decision ID: e7a5ab48-be1b-4af9-90c2-67874854a31d
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1966 geborene
X._
war vom 3
0.
Juni 2003 bis
2
3.
November
2006 als Hilfsgärtner bei der
Y._
tätig (
Urk.
7/13)
. Im Jahre 2009 arbeitete er
ab dem
1.
September vorübergehend
als Möbeltransporter/Chauffeur
bei der
Z._
(
Urk.
7/48
/
60
). Er erlitt
mehrere
Unfälle, so a
m
2
6.
September 2006
(Sturz)
, 2
7.
Februar 2007
(Auffahrunfall)
, 1
5.
September 2009
(Autounfall)
, 12.
Februar 2010
(Auffahrunfall)
,
4.
November 2010
(
Trep
pe
n
sturz
)
, 30
.
/3
1.
Juli 2011
(Treppensturz)
und
9.
Juli 2012
(von Auto angefah
ren)
,
und zog sich dabei HWS-Distorsionstraumata und weitere Verletzungen zu
(
Urk.
7/62
/
26
-27
).
Der Unfallversicherer, die Schweizerische
Unfallversicherungs
anstalt
(
SUVA
)
,
erbrachte
jeweils
die gesetzlichen Leistungen und stellte diese mit
Verfügung
vom
5.
Februar 2007
per
1.
Februar 2007
in Bezug auf den Unfall vom 2
6.
September
2006 (Urk. 7/12
/
9) und mit Verfügungen vom
8.
August 2014
per 3
1.
August
2014
bezüglich der weiteren sechs Unfälle ein (
Urk.
7/62
/
1-8)
mit der
Begründung
,
der Kausalzusammenhang zwischen den Unfällen und den geklagten Beschwerden sei zu verneinen.
Am
4.
März 2008
hatte
sich
der Versicherte
unter Hinweis auf ein
Schleuder
trauma
, psychische Probleme sowie einen Tin
n
itus bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an
gemeldet
(
Urk.
7/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte medizinische und erwerbliche Abklä
rungen und
zog
die Unfallakten (Urk.
7/11,
Urk.
7/12,
Urk.
7/15,
Urk.
7/26,
Urk.
7/48
,
Urk.
7/53
und
Urk.
7/62
)
bei
, beinhaltend das Gutachten der
MEDAS A._
vom 22. Mai 2014 (Urk. 7/62/9-69)
. Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(Urk.
7/64
und
Urk.
7/
71
) wies sie das Rentenbegehren mit Ver
fü
gung vom
1
9.
November 2014
(
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
5.
Januar 2015 Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte, die Verfügung vom 1
9.
November 2014 sei aufzuheben und es sei ihm eine Invalidenrente auszurichten. Am 1
1.
Februar 2015 (
Urk.
6) beantragte die IV-Stelle die Abweisung
der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 2
0.
Februar 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE
130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 1
9.
November 2014 (
Urk.
2) damit, dass der Beschwerdeführer am 2
6.
September
2006 und am 2
7.
Februar 2007 Unfälle erlitten habe. Gemäss Gutachten der
MEDAS A._
vom 2
2.
Mai 2014 lägen keine Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit vor. Der MEDAS hätten die vollständigen SUVA-Akten
mit allen Unfällen
vorgelegen. Es bestünden zudem IV-fremde psychosoziale Belastungsfaktoren
und e
s liege kein IV-relevanter Gesundheitsschaden vor.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), die Beschwerdegegnerin habe nur einen Bruchteil der SUVA-Akten beigezogen. Es seien nur gerade zwei Unfälle aktenkundig. Ohne
Beizug
und Kenntnis der vollständigen SUVA-Akten könne die Beschwerdegegnerin das MEDAS-Gut
achten nicht rechtskonform prüfen und würdigen. D
ie Beschwerdegegnerin habe zudem den Verlauf seit dem ersten Unfall nicht ermittelt, dem Gutachten lasse sich dieser nicht entnehmen. Der Verlauf seit dem im März 2008 einge
reichten Leistungsbegehren sei jedoch rechtserheblich im Hinblick auf zumin
dest temporäre Rentenansprüche. Die SUVA habe wegen vollständiger Arbeits
unfähigkeit seit dem ersten Unfallereignis vom 2
6.
September 2006 nahezu un
unterbrochen bis am 31. August 2014 Taggeldleistungen erbracht. Die
Be
schwerdegegnerin
habe nicht begründet, weshalb sie hiervon abweiche.
3.
3.1
Nach dem Unfall vom 2
6.
September 2006 wurden im Kurz-Austrittsbericht des
B._
vom 2
7.
September 2006 folgende Diagnosen festgehalten
(
Urk.
7/12
/
33):
Commotio cerebri
Schulterkontusion links
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung
.
3.2
Nach dem Unfall vom 2
7.
Februar
2007
in Polen
stellte der Hausarzt
Dr.
med.
C._
im
Arztzeugnis UVG
vom 2
0.
April 2007 folgende Diagnosen (
Urk.
7/11
/
94)
:
HWS-Distorsion mit
Schleudertraumasymptomatik
Commotio cerebri
.
3.3
Nach dem Unfall vom 1
5.
September 2009 in Polen
führte
Dr.
med.
D._
, Spezialarzt FMH für Chirurgie,
im Bericht vom 2
4.
November 2009
folgende Diagno
sen
auf
(
Urk.
7/48
/
23):
Posttraumatisches
cervico-cephales
Schmerzsyndrom mit Begleitschwindel und Verdacht auf neuropsychologische Defizite bei Status nach zweimaliger HWS-Distorsion
(
1.
Unfall am 2
7.
Februar 2007,
2.
Unfall am
1
5.
September 2009
)
.
3.4
Nach dem Unfall vom 1
2.
Februar 2010
stellte das
E._
im Be
richt
vom 1
4.
Februar 2010
folgende Diagnose (Urk.
7/48
/
214
):
HWS-Distorsion, Auffahrunfall am 1
2.
Februar 2010
.
3.5
Nach dem Unfall vom
4.
November 2010
wu
rden im provisorischen
Austrittsbe
richt
des
F._
vom
5.
November
2010
folgende Di
agnosen festgehalten (
Urk.
7/48
/
318):
Leichte traumatische Hirnverletzung
Handgelenkskontusion links
.
3.
6
Nach dem Unfall vom 30./3
1.
Juli 2011
wurde
im ambulanten Bericht des
F._
vom
3.
August
2011
betreffend Behandlung der Folgen
des
Vorunfalles vom 4.
Novem
ber 2010 bei seither geklagten Fussbeschwerden
folgende Diag
nose
auf
geführt
(
Urk.
7/48
/
268)
:
Verdacht auf Gichtarthritis MTP
Dig
. I Fuss rechts
Dazu wurden folgende Nebendiagnosen gestellt:
Status nach Treppensturz vom
4.
November 2010
Processus
spinosi
Fraktur LWK 2 (
rez
. motorische Defizite,
lumboischial
gisch
im linken Bein seit ehedem)
leichte traumatische Hirnverletzung
Handgelenkskontusion links
Status nach Autounfall am 2
7.
Februar 2007
Chronische Nackenschmerzen bei Status nach HWS-Distorsion
Tinnitus bei Hochton-Innenohrstörung links
Der drei Tage zuvor erlitte
ne Unfall fand keine Erwähnung.
3.7
Nach dem Unfall vom
9.
Juli 2012
im Kosovo
hielt
Dr.
D._
im Bericht vom
6.
Oktober 2012 folgende Diagnosen fest (
Urk.
7/53
/
6):
Status nach Trauma mit HWS-Distorsion und multiplen Kontusionen und Prel
lungen (Unfall am
9.
Juli 2012)
Status nach Treppensturz am
4.
November 2010 mit Commotio cerebri, Frak
tur des
Prozessus
Spinosus
LWK 2 und Handgelenkskontusion links
Posttraumatisches
cervico-cephales
Schmerzsyndrom mit Begleitschwindel und Verdacht auf neuropsychologische Defizite bei Status nach
dreimal
iger HWS-Distorsion (
1.
Unfall 2
7.
Februar 2007,
2.
Unfall 1
5.
September 2009,
3.
Unfall 1
2.
Februar 2010)
.
3.8
Im Bericht des
G._
vom 3
1.
Januar 2008 (
erstellt
nach dem zweiten Unfall vom 2
7.
Februar 2007;
Urk.
7/14
/
10-12)
hat
ten med.
pract
.
H._
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und
Dr.
phil.
I._
, Klinischer Psychologe und Supervisor, folgende Diagnosen auf
geführt
:
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
Mittelgradige depressive Episode, DD Anpassungsstörung
Tinnitus bei Hochton-Innenohrstörung links
Status nach HWS-Distorsion
Status nach
commotio
cerebri 2006, 2007
Ergänzend
führten sie aus
, dass der Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht derzeit zu 100
%
arbeitsunfähig sei.
Dasselbe wi
e
d
erholten sie
im
Bericht vom 1
1.
Februar 2010 (
erstellt nach dem dritten Unfall
vom 1
5.
September 2009;
Urk.
7/48
/
165-167)
, wobei zusätzlich die
Diagnose einer leichten Bandscheibendegeneration C5/6 mit Verdacht auf
Anulusriss
, die das Ausmass der angegebenen Beschwerden nicht ausreichend erklären
würden
, gestellt
wurde
.
3.
9
Im polydisziplinären Gutachten der
MEDAS A._
vom 2
2.
Mai 2014
(
Urk.
7/62
/
9-69) hielten
Dr.
med.
J._
, Rheumatologie FMH,
Dr.
med.
K._
,
Fachärztin für Neurologie, und Dr.
med.
L._
, Psychiatrie und Psycho
the
rapie FMH, folgende Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der
Arbeits
fä
higkeit fest (S.
34
):
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
Subsyndromale
Depression, DD
Dysthymia
Verdacht auf medikamenten-induzierte Übergebrauchskopfschmerzen
Hemihypästhesie
links, vermutlich funktioneller Genese
Linksseitiger Tinnitus
Verdacht auf arterielle Hypertonie
Dazu führten sie aus,
dass der
Vater des Beschwerdeführer
s an einem Tumor verstorben sei;
d
er
Beschwerdeführer
spreche nicht gerne darüber. Er
habe fünf
Geschwister
und
sei
in Südserbien aufgewachsen. Die pädagogische Hochschule habe er aus politi
s
chen Gründen vor
dem
Erwerb des Lehrerdiploms abbrechen müssen und sei später nicht mehr als Lehrer tätig gewesen.
Er habe aktiv am Krieg teilgenommen, wolle aber nicht darüber sprechen. Er könne deshalb nicht mehr nach Serbien reisen, weil er sonst verhaftet würde. Mit seiner ersten Frau habe er vier 1991, 1993, 1997 und 2000 geborene Kinder. Mit einer weiteren Frau habe er eine 1997 geborene Tochter.
Diese lebe mit ihrer Mutter
in Polen, er habe zu ihnen immer noch Kontakt. 200
1
bis 2002 sei er mit einer
Landsfrau
verheiratet gewesen, von 2003 bis 2008 mit einer Schweizerin. Mit beiden habe er keine Kinder. Seine vier Kinder aus erster Ehe würden mit ihm in einer 4.5-
Zimmer-
Wohnung
leben
. Die Kinder würden den Haushalt machen (S.
16
f.). Er besorge nur kleine Einkäufe selber. Er schlafe schlecht, stehe morgens zwischen 8 und 9 Uhr auf, gehe etwas an den PC, schaue TV, eigentlich mache er nichts
. E
r treffe Kollegen oder empfange jemanden bei sich zu Hause
, n
achmitta
gs gehe er vielleicht spazieren und treffe manchmal
Kollegen. Abends sei er zu Hause und schaue stundenlang TV, ins Bett gehe er me
ist erst nach Mitternacht (S. 21
).
Sein Vater habe aufgrund seiner Krankheit schwer gelitten, was ihn sehr belas
tet habe. Eine Schwester lebe in Wien, ein Bruder im Kosovo, die weiteren Ge
schwister in der Schweiz. Er habe es gut mit den Geschwistern und den Kindern (S.
16
und
Urk. 7/
6
2/57-69 S.
1
). Im Haushalt mache er nur etwas, wenn die Kinder nicht da seien, manchmal koche er. Er habe Kollegen und Verwandte, die er treff
e. Er lese nur noch wenig (S. 3
).
Die Gutachter führten weiter aus,
dass die Schmerzen
des Beschwerdeführers
zu Beginn vorwiegend Folgen der jeweiligen
U
nfälle gewesen seien. Die psychi
schen Faktoren hätten vor allem zum Verlauf beigetragen. Dabei seien die
un
fallfremden
Belastungen und Konflikte wie chronische Erkrankung eines El
tern
teils, Unmöglichkeit (aus politischen Gründen) die Ausbildung für den Wunsch
beruf abzuschliessen, Kriegserfahrungen, Scheidungen und Trennungen, fehlen
d
e kulturelle und soziale Integration, Kündigung der Stelle vor dem
ersten
Unfall und schwierige finanzielle Situation wahrscheinlich die bedeutenderen Risiko
faktoren als die Verletzungen bei den Unfällen. Soweit retrospektiv noch
eruier
bar
hätten die Unfallereignisse zu einer vorübergehenden, weitgehend so
ma
tisch bedingten Verschlechterung der Schmerzsymptomatik geführt. Dabei lasse sich nicht zuverlässig einschätzen, ob sich auch die chronische
Schmerz
störung
verschlechtert habe. Die depressive Symptomatik sei weitgehend Teil und Folge der Schmerzsymptomatik. Von daher könne die psychiatrische Symptomatik jeweils nur für eine begrenzte Zeit von höchstens zwei Jahren ei
nem
Unfall
ereignis
zugeordnet werden. In jedem Fall sei sie zu einem wesentli
chen Teil den Kriegserfahrungen und der Gesamtheit der Unfallereignisse zuzu
ordnen. Eine genaue oder auch nur einigermassen plausible Zuordnung der psy
chischen Symptomatik auf die einzelnen Unfallereignisse sei nicht möglich.
Am Bewe
gungs
apparat und neurologisch liessen sich keine unfallbedingten strukturellen Läsionen objektivieren, mit denen man eine langdauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen könne.
Gleiches gelte für die festgestellten psychia
trischen Diagnosen
(Urk. 7/62/9-47 S. 35-37)
.
4
.
Das Gutachten der
MEDAS A._
vom 2
2.
Mai 2014 beruht auf den
erforderlichen rheumatologischen, neurologischen und psychi
atrischen Unter
such
ungen und wurde in Kenntnis der und in Auseinanderset
zung mit den
fall
re
levanten
Vorakten
erstellt. Die Gutachter legten die medizi
nischen Zusam
men
hänge einleuchtend dar und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander.
Die Ex
perten gelangten sodann zur Schlussfolgerung, dass weder aus so
matischer noch aus psychia
tri
scher Sicht Einschränkungen in der Arbeitsfähig
keit bestehen
und begrün
deten dies einleuchtend mit dem
F
ehlen struktureller Läsionen sowie einer erheblichen
psychiatrischen Pathologie
.
Das Gutachten entspricht damit den
rechtspre
chung
s
g
emässen
Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische
Entscheidungs
grundlage
(vgl. E. 1.4
hievor
)
, was auch vom Beschwerdeführer nicht bestritten
sondern vielmehr implizit anerkannt
wird
.
Der Beschwerdeführer ist gemäss Gutachter der
MEDAS A._
sowohl in seiner angestammten Tätigkeit als Hilfsgärtner als auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig. Spätestens seit dem Zeitpunkt des letzten MEDAS-Aufenthalts am 1
3.
März 2014
ist damit keine Arbeitsunfähigkeit mehr ausgewiesen.
Zu prüfen bleibt, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine befristete Rente im Zeitraum zwischen
März 2007
(vgl.
Art.
48 A
bs. 2 IVG in der bis 31.
Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung, übergangsrechtlich anwendbar auf Anmeldungen bis 30. Juni 2008, BGE 138 V 475)
und
Juni
2014
(allfällige Ver
besserung plus drei Monate, Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Inva
liden
versicherung, IVV)
hat.
5
.
5.1
Der Beschwerdeführer machte
hierzu
geltend, die Beschwerdegegnerin habe nur einen Bruchteil der SUVA-Akten beigezogen und den rechtserheblichen Sach
verhalt nicht festgestellt. Dazu ist festzuhalten, dass die Akten zum Unfall vom
26. September 2006 in
Urk.
7/12
/1-36
, diejenigen vom Unfall vom 2
7.
Februar 2007 in
Urk.
7/11
/1-96
, vom Unfall vom 1
5.
September 2009, 12. Februar 2010, 4. November 2010 und 30/3
1.
Juli 2011 in
Urk.
7/48
/1-399
und vom Unfall vom 9. Juli 2012 in
Urk.
7/53
/1-25
enthalten sind.
Dass lediglich ein Bruchteil der Akten beigezogen
worden sein soll
, ist damit nicht
ausgewiesen
.
Es mag sein, dass einzelne Unterlagen, die den Gutachtern der
MEDAS A._
vorlagen, nicht in den Akten enthalten sind. Es ist jedoch nicht ersichtlich, inwiefern dies die
Entscheidfindung
der Beschwerdegegnerin oder des hiesigen Gerichts be
einträchtigen oder eine umfassende Würdigung der Akten bzw. des MEDAS-Gutachten
s
verunmöglichen sollte
, sind doch die massgeblichen Akten vorhan
den. Der Beschwerdeführer legte weder dar, welche Akten zusätzlich beizuzie
hen wären, noch inwiefern diese am Ergebnis des beweiskräftigen Gut
achtens etwas ändern könnten.
Solches ist nicht anzunehmen, erkannte doch der Beschwerdeführer in den ihm bekannten Akten der SUVA offenbar keine, welche er zur Stützung
se
iner Vorbringen
auflegen wollte.
Der Einwand ist da
mit unbegründet.
5.2
Der Beschwerdeführer
brachte weiter vor
, dass ihm die SUVA ab dem ersten
Unfall vom 2
6.
September 2006 bis am 3
1.
August 2014 nahezu ununterbro
chen
Taggelder ausgerichtet habe (Urk. 7/12
/
9 und Urk. 7/62
/
1-8). Nach der
bundes
ge
richtlichen
Rechtsprechung besteht jedoch für die Invalidenversiche
rung keine
Bindungswirkung in Bezug auf die Invaliditätsschätzung der Unfall
versicherung (BGE 133 V 549 E. 6). Dasselbe hat
auch
für die Einschätzung der Ar
beits
fähigkeit durch die Unfallversicherung zu gelten. Aus de
m
Umstand
, dass die SUVA dem Beschwerdeführer während dem gesamten vorliegend in Frage ste
henden Zeitraum Taggelder gewährte, kann der Beschwerdeführer damit nichts zu seinen Gunsten ableiten.
5.3
5.3.1
Mit Ausnahme der Fraktur des
Processus
spinosus
LWK2
beim Sturz vom
4.
November 2010
zog
sich der Beschwer
deführer keine Verletzungen
zu
, welche
mit bildgebenden Verfahren objektiviert werden konnten. Zu dieser an
geb
lichen Fraktur ist jedoch
festzuhalten, dass
das
erstbehandelnde
F._
sie
nicht fest
stellte (Bericht vom 5.
November
2010
Urk.
7/48
/
318) und erst
Dr.
D._
sie
im Bericht vom 15.
Juni
2011 diag
nostiziert
e
(Urk. 7/48
/
275). Die Diagnose wurde daraufhin auch im Bericht vom
F._
nach dem Unfall vom 30./3
1.
Juli
2011
(Urk.
7/48
/
268) und im Bericht von
Dr.
D._
vom
6.
Okto
ber 2012 nach dem Unfall vom
9.
Juli
2012 fest
gehalten (
Urk.
7/53
/
6).
Dr.
J._
der
MEDAS A._
legte jedoch
über
zeugend
dar, dass die Diagnose auf
grund der Analyse der Röntgenbilder nicht gestützt werde
n
kann
. Das
Rönt
gen
dossier
lässt
keine
Hinweise auf eine durch
gemachte Querfortsatzfraktur oder gar Wirbelfraktur erkennen (
Urk.
7/62
/37-38
). Eine Beeinträchtigung in der Arbeits
fähigkeit
durch eine Rückenverletzung
ist damit nicht mit
dem
erforder
lichen
Beweisgrad der
überwiegende
n
Wahrscheinlichkeit er
stellt.
5.3.2
Zur
Diagnose einer leichten traumatischen Hirnverletzung beziehungsweise einer Commotio cerebri ist anzumerken, dass diese nicht schon bedeutet, dass eine objektiv nachweisbare Funktionsstörung vorliegt
(vgl. etwa Urteil des Bundes
gerichts 8C_902/2010 vom 6. April 2011 E. 6.1.3 mit Hinweisen)
.
Hiezu
be
darf es einer feststellbaren intrakraniellen Läsion oder eines messbaren
Defekt
zustandes
in For
m neurologischer Ausfälle (
Urteil des Bundesgerichts 8C_101/
20
0
7 vom 1
7.
August
2007 E.
5.1 mit Hinweisen). Daran fehlt es im vor
liegenden Fall
,
neurologische Ausfälle, welche zu einer
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit im von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b und c IVG geforderten Umfang
geführt hätten, sind
in
den Akten nicht
dokumentiert
.
5.3.3
Zum diagnostizierten Tinnitus,
der
nach der Rechtsprechung
nicht als körper
liches Leiden respektive als Leiden, das (zwingend) auf eine körperliche Ursache zurückzuführen ist, be
trachtet werden kann (BGE 138 V 248 E.
5.8.3),
ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer offensichtlich nicht veranlasst sah, diesen ärztlich durch ei
nen ORL-Facharzt behandeln zu lassen. Nach Ansicht der MEDAS-Gutachter schränk
t
dieser die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers nicht wesentlich ein (
Urk.
7/62
/
42). Es liegen keine Anhaltspunkte
dafür
vor, dass der Beschwerde
führer
durch
den
Tinnitus
vor der Begutachtung in einer rechtlich massgebli
chen Intensität beeinträchtigt worden wäre. Auch der Tinnitus führte damit nicht zu einer vorübergehenden
,
rentenrelevanten
Beein
trächtigung der Ar
beitsfähigkeit
.
5.4
5.4.1
In psychiatrischer Hinsicht
wurden eine mittelgradige depressive Episode oder Anpassungsstörung sowie eine
subsyndromale
Depression oder
Dysthymia
diag
nostiziert.
5.4.2
Definitionsgemäss
stellt die Anpassungsstörung ein ledig
lich vorübergehendes Leiden dar
beziehungsweise bildet keine hinreichend ausgeprägte Psychopa
tho
logie. Vielmehr liegt sie im Grenzbereich dessen, was überhaupt noch als
krank
heitswertig
im Sinne des Gesetzes und potenziell invalidisierendes Leiden gel
ten kann (
Urteil des Bundesgerichts
8C_76/2014 vom 30. April 2014 E. 3.2 mit Hinweis auf das Urteil 9C_153/2012 vom 15. Oktober 2012 E. 4.3)
. Auch eine
Dysthymia
ist
regelmässig
nicht invalidisiere
nd (
Urteil des Bundesgerichts 9C_98/2010 vom 28. April 2010 E.
2.2.2 mit weiteren Hin
weisen).
5.4.3
Laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind leichte bis höchstens mittel
schwere
Störungen aus dem depressiven Formenkreis in der Regel therapierbar und füh
ren invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Einschränkung der Ar
beits
fähig
keit (vgl. BGE 140 V 193 E.
3.3; Urteile des Bundesgerichts 9C_836/2014 vom 23. März 2015 E. 3.1; 9C_667/2013 vom 29. April 2013 E. 4.3.2; 9C_917/2012 vom 14. August 2012 E. 3.2 und 9C_736/2011 vom 7. Februar 2012 E. 4.2.2.1; vgl. auch Rahel Sager, Die bun
desgerichtliche Rechtsprechung betreffend De
pres
sionen, in: SZS 2015 S. 308
ff., 317 f. Ziff. 5.2). Daran hat auch BGE 141 V
281 nichts geändert (Urteil des Bundesge
richts 9C_892/2015 vom 22. Januar 20
16 E. 2).
Die invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung ist aller
dings nicht schlechthin auszuschliessen; deren Annahme bedingt nach den höchstrichterlichen Vorgaben jedoch, dass es sich nicht bloss um die Begleiter
scheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbständiges, vom psycho
genen Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden handelt (Urteile des Bun
desgerichts 9C_917/2012 vom 14. August
2013 E.
3.2 und 9C_210/2012 vom 9. Juli 2012 E. 3.1). Im Weiteren ist vorausgesetzt, dass eine konsequente
De
pressionstherapie
befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent aus
weist. Fehlt es daran, ist nach der Rechtsprechung in der Regel keine invalidi
sierende Wirkung des Gesundheitszustandes anzunehmen (Urteil des Bundesge
richts 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E.
4.1). Dabei stellt das Bundesgericht so
wohl an die
Langjährigkeit
(verneint im vorgenannten Urteil 9C_892/2015 bei einer Therapiedauer von weniger als anderthalb Jahren) als auch an die Inten
si
tät der Therapiebemühungen (vgl. etwa das vorgenannte Urteil 9C_454/2013 E.
4.1) hohe Anforderungen.
5.4.4
Die Therapiemöglichkeiten wurden vom Beschwerde
führer während dem vorlie
gend in Frage stehenden Zeitraum von
März 2007
bis März 2014
nicht aus
ge
schöpft.
So sind den Unterlagen zwar sieben psychiatrische Behandlungen zwi
schen dem
5.
Februar und dem 2
2.
April 2010
zu entnehmen (
Urk.
7/48
/
141). Seither sind
jedoch
keine weiteren regelmässigen Konsultatio
nen bei einem
Psychiater
mehr
dokumentiert. Eine solche Behandlungsfrequenz
deutet nicht auf einen
ausgeprägten
Leidensdruck hin.
Von einer konsequenten
Depressions
therapie
, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist, kann je
denfalls nicht gesprochen werden.
Beim Beschwerdeführer bestehen zudem deutlich ausgeprägte psychosoziale
Belas
tungsfaktoren
(
chronische Erkrankung eines Elternteils, Unmöglichkeit
[
a
us
politischen Gründen
]
,
die Ausbildung für den Wunschberuf abzuschliessen,
Kriegs
erfahrungen
, Scheidungen und Trennungen, fehlende kulturelle und soziale
Integration, Kündigung der Stelle vor dem
ersten
Unfall und schwierige fi
nan
zielle Situation
;
Urk.
7/62
/
43
).
Solche Faktoren vermögen medizinisch die Diag
nose einer leichten bis mittelschweren Depression, aber rechtlich keine In
vali
dität zu begründen.
Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren im
Einzel
fall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto
ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein (vgl. zum Ganzen BGE 127 V 294 E. 5a sowie Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E.
2), was vorlie
gend nicht der Fall ist.
5.4
.5
Selbst wenn also
eine depressive Symptomatik angenommen
wird
, so kann
die
ser
aufgrund der lediglich leichten bis höchstens mittelschweren Störung und einer fehlenden konsequenten Depressionstherapie keine invalidisierende Wir
kung zuerkannt werden.
Von
e
ine
r
gar
100%ige
n
Arbeitsunfähigkeit, wie sie vom
G._
festgehalten wurde,
kann unter diesen Um
ständen nicht ausgegangen werden
.
5.5
5.5.1
Beim Beschwerdeführer wurden zudem eine HWS-Distorsion mit
Schleudertrau
masymptomatik
, ein posttraumatisches
cervico-cephales
Schm
erzsyndrom mit Begleitschwindel sowie
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung bezieh
ungs
weise eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak
toren diagnostiziert.
Aufgrund dieser Beschwerden
wurde eine Arbeitsun
fähig
keit von 0
%
(Gutachten der
MEDAS A._
vom 2
2.
Mai
2014;
Urk.
7/62
/
9-69) bis 100
%
(Berichte des
G._
vom 3
1.
Januar 2008 und 11. Februar 2010;
Urk.
7/14
/
10-12 und
Urk.
7/48
/
165-167
sowie Bericht von Hausarzt
Dr.
C._
vom
1.
August 2010;
Urk.
7/48
/
126
) fest
ge
halten.
Hierzu ist festzuhalten, dass die
Diagnose einer mittelgradigen depressiven Epi
sode beziehungsweise
An
passungsstörung
von med.
pract
.
H._
und Dr.
phil.
I._
ebenso wenig begründet
wurde
wie die Einschätzung, dass der Be
schwerdeführer zu 100
%
ar
beitsunfähig ist. Deren Aussagen können damit
nicht schlüssig nachvollzogen werden. Auch gemäss den Gutachtern der
MEDAS A._
ist die sehr hohe Einschränkung der Arbeitsfähigkeit retro
spek
tiv kaum nachvollziehbar (
Urk.
7/62/68). Die rechtsprechungsgemässen Anfor
de
rungen an eine beweis
kräftige medizinische Entscheidungsgrundlage werden von den Berichten des
G._
damit nicht erfüllt.
Die MEDAS-Gutachter
führten weiter aus
, dass die psychiatrische Symptomatik jeweils nur für eine begrenzte Zeit von höchstens zwei Jahren einem
Unfall
ereignis
zugeordnet werden kann (
Urk.
7/62
/
43). Inwiefern diese die Arbeits
fähig
keit des Beschwerdeführers nach den jeweiligen Unfällen konkret beein
träch
tigte, vermochten sie jedoch nicht einzuschätzen. Einzig in Bezug auf den Unfall vom 1
5.
September 2009 gingen sie von einer Einschränkung um 10 bis 30
%
während maximal zwei Jahren
aus (Urk.
7/62
/
68).
5.5.2
Nach der Rechtsprechung ist es in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beein
träch
tigungen, somit auch bei psychischen Störungen, keineswegs allein Sache der mit dem
konkreten Einzelfall (gutachterlich) befassten Arztpersonen, selber abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) ver
bindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer (an
dau
ernden oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe
und Aus
prä
gung) führt. Aufgrund dieser tatsächlichen und rechtlichen Gegebenhei
ten hat die Rechtsprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und
Arzt
per
son
im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt: Sache
des (begut
achtenden) Mediziners ist es erstens, den Gesundheitszustand zu beur
teilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind. Bei der
Fol
genabschätzung
der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende
Beurtei
lungskompetenz
zu (BGE 140 V 193 E. 3.1 und 3.2). Es kann damit von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit aus rechtlicher Sicht abge
wichen werden, ohne dass ein
wie vorliegend grundsätzlich beweiskräftiges
Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom 1. April 2015 E. 6.3).
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd an
schliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen
muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE 130 V 352
begründete Rechtsprechung die Sicherstellung eines gesetzmässigen
Versi
che
rungs
vollzuges
mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.
3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht fest
zuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturier
tes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – aus
schliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchti
gung
und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der
renten
an
sprechenden
Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somatoformer
Schmerz
störung
und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Re
gelfall beacht
liche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien
Schwere
grad
und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatri
schen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Standardindikato
ren
wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zu
sammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vor
gehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Aner
kennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funk
tio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
Anspruchs
grundlage
im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen sind.
Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Nach Aufgabe des Konzepts der Überwindbarkeitsvermutung, welche durch eine ergebnisoffene Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens als zentralem Beweisgegenstand abgelöst wird, scheint der Begriff des Kriteriums nicht mehr geeignet. Das Bundesgericht spricht fortan von Indikatoren, einem Begriff, der massgebliche Beweisthemen bezeichnet, anh
and welcher ein bestimmter Sach
verhalt ermittelt wird (vgl. dazu auch Peter Henningsen, Probleme und offene
Fragen in der Beurteilung der Erwerbsfähigkeit bei Probanden mit funktionellen Körperbeschwerdesyndromen, in: SZS 2014 S. 533 und 541 [Gutachten des Prof.
Dr.
Peter Henningsen, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Technische Universität München, vom Mai 2014 zu Fragen der Schweizer Praxis zur Invaliditätsfeststellung bei somatoformen und ver
wandten Störungen];
BGE 141 V 281
E. 4.1.1 und E. 4.1.2).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs-
und Eingliederungserfolg oder -
resistenz (E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sour
cen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivit
ätenniveaus
in allen ver
gleich
ba
ren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zel
fall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rec
htsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
Die im Bereich der somatoformen Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze werden rechtsprechungsgemäss bei der Würdigung des invalidisierenden Cha
rak
ters von Fibromyalgien (BGE 132 V 65 E. 4), dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen (Urteil des Bundesgerichts 9C_10/2014 vom 20. August 2014 E. 3.3, SVR 2007 IV Nr. 45 S.
150, I 9/07 E. 4 am Ende), und
Konver
sions
störungen
/dissoziativen Bewegungsstörungen (Urteile des Bundesgerichts 8C_810/201
3 vom
9.
April 2014 E. 5.2.2 mit Hinweisen, 9C_903/2007 vom 30. April 2008 E. 3.4) sowie bei
Chronic
Fatigue
Syndrome (CFS; chronisches Müdigkeitssyndrom) und Neurasthenie (Urteile des Bundesgerichts 9C_662/2009 vom 17. August 2010 E. 2.3, 9C_98/2010 vom 28. April 2010 E. 2.2.2 und I 70/07 vom 14. April 2008 E. 5), bei einer HWS-Verletzung (Schleudertrauma) ohne organisch nachweisbare Funktionsfälle (BGE 136 V 279, vgl. auch Urteil
des Bundesgerichts 8C_136/2013 vom 16. Februar
2014 E. 4.1-2) sowie bei nic
ht
organischer
Hypersomnie
(BGE 137 V 64 E. 4.1 und 4.2 mit Hinweisen) analog angewendet
.
5.5.3
Im hier zu beurteilenden Fall sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass unter Berücksichtigung der mittlerweile massgebenden Standardindikatoren eine
(temporäre)
rentenrelevante
Arbeitsunfähigkeit resultieren könnte. Eine wesentliche Einschränkung durch die anhaltende somatoforme Schmerzstörung oder die HWS-Distorsion lässt sich nicht erkennen. So war der Beschwerdefüh
rer
zwischenzeitlich
auch in der Lage, trotz angeblicher Beschwerden aufgrund seiner HWS-Distorsion
eine Stelle als Möbeltransporteur anzutreten.
Ebenso waren ihm die ganzen Jahre stundenlange Autofahrten nach Polen oder in den Kosovo möglich.
Keiner der Unfälle ist zudem als besonders eindrücklich ein
zustufen, selbst nach dem
-
soweit ersichtlich
-
schwersten Unfall vom
9.
Juli 2012 ergaben sich nach Ansicht der MEDAS-Gutachter keine stichhaltigen Gründe für eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/62
/
45). So hat denn auch keiner der Unfälle zu Verletzungen geführt, welche mit bildgebenden Ver
fahren objektiviert werden konnten.
Wie bereits dargelegt, war der Beschwer
deführer lediglich im Jahre 2010 während wenigen Wochen in psychiatrischer
Behand
lung. Weder kann damit von einem konsequenten Angehen der
Schmerz
prob
lematik
mittels einer Therapie noch von einer Behandlungsresistenz ge
sprochen werden.
Ein gravierendes objektivierbares körperliches Leiden besteht
zudem
nicht; dem depressiven Geschehen kommt - wie bereits dargelegt - keine invali
disierende Bedeutung zu.
Was die persönlichen und sozialen Ressourcen des Beschwerdeführers betrifft, so ist dieser Vater von fünf Kindern, wobei vier mit ihm zusammen wohnen und mit welchen er ein gutes Verhältnis hat. Auch zu seinen Geschwistern hat er einen guten Kontakt, drei davon wohnen ebenfalls in der Schweiz. Er hat zudem regelmässigen Kontakt zu Freunden und Verwandten, welche er besucht oder bei sich zu Hause empfängt.
Der Beschwerdeführer
geht regelmässig spa
zieren und macht kleinere Einkäufe selber, surft im Internet und schaut regel
mässig fern, am liebsten Fussball, selten kocht und liest er auch. Das ge
schil
derte Tagesaktivitätsniveau ist damit nicht besonders hoch, mit seinen Kindern, Freunden und
anderen
Verwandten verfügt der Beschwerdeführer jedoch über intakte soziale Ressourcen.
Dass die Kinder
offenbar
erst nach dem 1
1.
Februar 2010 (
Urk.
7/48
/166
) zu ihm
zogen
, ändert daran nichts, ist doch davon aus
zugehen, dass auch vor diesem Zeitpunkt regelmässig Kontakt
zu
weiteren Ver
wandten
und Freunden bestand
.
Die Prüfung der verschiedenen Indikatoren ergibt, dass diese nicht in ausge
prägtem Umfang
gegeben sind. Wohl erfüllt der Beschwerdeführer das Kriterium
der Komorbid
it
äten, doch kommt diesen weder ein
e invalidisierende Bedeutung zu
noch wurden sie therapeutisch konsequent angegangen. Eine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist zudem
während des gesamten
vorliegend
in Frage stehenden
Zeitraums
nur bedingt zu beobachten.
I
n Verbindung mit den intakten sozialen Struktu
ren spricht
dies
dafür, dass insgesamt eine Unüberwindbarkeit der Auswirkungen ei
ner Schmerzproblematik zu verneinen ist.
5.5.4
Der Schmerzstörung und
der HWS-Distorsion
kam
damit
zu keinem Zeitpunkt eine
invalidisierende Wirkung zu.
5.6
Der Beschwerdeführer machte
weiter
geltend,
Dr.
L._
von
der
MEDAS A._
habe ausgeführt, aus psychiatrischer Sicht liege keine wesent
liche, das heisst höher als 10%ige, Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (mehr) vor (
Urk.
7/62
/
67).
Er schloss daraus auf eine vorbestehende,
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit
.
Aus dieser
ärztlichen
Aussage kann nicht geschlossen werden
, dass zuvor eine Arbeitsunfähigkeit
von durchschnittlich min
destens 40
%
wäh
rend mindestens eines Jahres
vorlag
.
Jedenfalls vermag sie nichts daran zu ändern, dass den oben dargelegten psychischen Beschwerden keine invalidisie
rende Wirkung zukommt.
5.7
Es sind den Akten damit keine
Diagnosen
zu entnehmen
, welche
eine
Beein
träch
tigung der Arbeitsfähigkeit im von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b und c IVG gefor
derten Umfang
überwiegend wahrscheinlich
machen
.
Dies führt zur Ab
weisung der Beschwerde.
6
.
Die Kosten des Verfahrens (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) sind auf
Fr.
1‘000.-- festzule
gen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.