Decision ID: f02a1416-ea41-4bc3-835e-ab481bdcba02
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1956, seit Juni 2002
neben ihrer Tätigkeit im Aufgabenbereich Haushalt
als Dentalassistentin bei ihrem Ehemann zu einem Pensum von 50 % erwerbstätig (Urk. 8/3/4
), meldete sich
am 18. Februar 2014
unter Hinweis auf
eine
Fingergelenksarthrose
bei der
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/
3
).
Die IV-Stelle tä
tigte medizinische und erwerbli
che Abklärungen, wobei
sie insbesondere
die Akten des Krankentaggeldversicherers
beizog (Urk. 8/13
, 8/18
)
und
ihren Abklärungsdienst mit der Abklärung der beein
trächtigten Arbeitsfähigkeit der Versicherten im Haushalt beauftragte (
Abklä
rungsbericht
vom 14. Januar 2015, Urk. 8/22)
.
Nach durchgeführtem
Vor
bescheid
verfahren
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
23. Dezember 2015
einen Rentenanspruch (Urk. 2 [= 8/
38
]).
2.
D
agegen erhob die
Versicherte mit Eingabe vom
22. Januar 2016
Beschwerde und beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und es sei ihr eine ganze Rente zuzusprechen
(Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
24. Februar 2016
schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was de
r
Beschwerdeführer
in
mit Verfügung vom
25. Februar 2016
mitgeteilt wurde (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibend
e ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI
2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog im angefochtenen Entscheid, die Beschwerdeführerin sei
seit dem 29. August 2013
in ihrer
Leistungs
fähigkeit
erheblich
eingeschränkt.
Die Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin ohne
Gesund
heitsschaden
weiterhin zu einem Pensum von
50
%
als Dentalassistentin
arbeiten würde und zu 50 % im Haushalt tätig wäre. Die bisherige Tätigkeit sei noch in einem Umfang von 33 % möglich, was im Erwerbsbereich zu einer Einschränkung von 34 % führe. Im Haushaltsbereich sei die Beschwer
deführerin zu 24 % eingeschränkt.
Damit ergebe sich nach Gewichtung der Tätigkeitsbereiche ein
rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von 29
% (Erwerbsbereich:
17
%, Haushaltsbereich
:
12
%;
Urk. 2).
2.2
Demgegenüber wird beschwerdeweise im Wesentlichen vorgebracht,
die Beschwerdeführerin
habe ihr Pensum nicht auf 33 % steigern können,
sondern
das Pensum bereits
im Juli 2014 auf zirka 10 %
reduziert
.
Bei der Tätig
keit als Dentalassistentin handle es sich
sodann
um eine rein manuelle Tätig
keit, welche mit grosser Präzision ausgeführt werden müsse
; in der ange
stammten Tätigkeit als Dentalassistentin sei die Beschwerdeführerin daher überhaupt nicht mehr arbeitsfähig,
was auch vom behandelnden Arzt attestiert worden sei.
Mit einem möglichen Pensum von 10 % bis maximal 20 % in einer angepassten Tätigkeit werde die
Beschwerdeführerin, welche im Verfügungszeitpunkt 59-jährig gewesen sei, auf dem Arbeitsmarkt
keine
Anstellung mehr finden.
Die Tatsache, dass sie bei ihrem bisherigen Arbeit
geber weiterhin punktuell und in einem Umfang von zirka 10 % arbeiten könne, sei allein dem Umstand zu verdanken, dass es sich um die Praxis des Ehemannes der Beschwerdeführerin handle und die Beschwerdeführerin motiviert sei, weiterhin zu arbeiten.
Eine verwertbare Restarbeitsfähigkeit könne somit nicht mehr angerechnet werden, weshalb im Erwerbsbereich eine Einschränkung von 50 % vorliege.
Im Haushaltsber
eich
seien sodann
entgegen den Angaben im Abklärungsbericht
in den Bereichen
Ernährung und Wohnungspflege
je eine Einschränkung von
50
%
und
im Bereich
Wäsche/Kleiderpflege
eine Einschränkung von 40 % zu berücksichtigen
, womit sich
im Haushaltsbereich
insgesamt
eine Einschränkung von 45 %
ergebe
, respektive
eine gewichtete Einschränkung
von
22,5 %.
Schliesslich sei anzufügen, dass die Berechnung des IV-Grades im angefochtenen
Ent
scheid
offensichtlich falsch sei, da bei einer 33%igen Arbeitsfähigkeit eine Einschränkung von 67 % resultiere, was einen IV-Grad von 33,5 % ergebe
, womit ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
bestünde
(Urk. 1).
3.
3.1
Mit Bericht zuhanden des Krankentaggeldversicherers vom 18. März 2014 (Urk. 8/18/15-16) hielt Dr.
med.
Z._
, L
eitender Arzt Orthopä
die/Handchirurgie der
A._
, f
est,
die Ursache der Arbeitsunfä
higkeit liege in der ausgeprägten Fingergelenksarthrose der Mittel- und
End
gelenke
begründet.
A
m 29. August 2013
sei
ein Kunstgelenk
ersatz am Zeigefinger-Mittelgelenk rechts sowie Versteifungen (DIP-
Arthrodesen
) der
End
gelenke
III und IV rechts mit gleichzeitigem CTS
Release rechts durch
geführt worden. Die ausgeprägte Fingerpolyarthrose habe sich an sämtlichen Fingern beider Hände etabliert, weshalb die Beschwerdeführerin manuell und funktionell erheblich eingeschränkt sei (Urk. 8/18/15).
A
ls Dentalassistentin
sei
die Beschwerdeführerin
mehrheitlich
für
feinm
otorische manuelle Tätig
keiten
gefordert
. Aufgrund der Fingerpolyarthrose bestehe
für solche Tätig
keiten
langfristig eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit. Die Arbeit als Dentalassistentin beinhalte aber auch organisatorische Tätigkeiten in der Praxisführung und Einteilung. Dementsprechend bestehe ab dem 6. März 2014 eine Teilarbeitsfähigkeit von 33 %, wobei er davon ausgehe, dass lang
fristig die Arbeitsunfähigkeit von 66 % bestehen bleiben werde.
Dr.
Z._
hielt weiter dafür, d
urch eine adaptierte Tätigkeit, in der weitgehend auf den manuellen Einsatz der Hände verzichtet werden könne (telefonieren, organi
satorische Tätigkeiten), könne eine vermehrte Arbeitsfähigkeit erreicht wer
den. Solche Tätigkeiten wären sicherlich ab sofort möglich.
3.2
Die Hausärztin der Beschwerdeführerin, Dr. med.
B._
, Fachärztin für Innere Medizin FMH, hielt m
it Bericht vom 14. Juli 2014 zuhanden des Krankentaggeldversicherers (Urk. 8/18/
4
-7)
bezüglich der Tätig
keit als Dentalassistentin
dafür
,
o
rganisatorische Arbeiten (Telefon,
Steri
lisierung der Instrumente, eingeschränkt Computerarbeit) seien in redu
ziertem Umfang möglich.
Es bestehe eine signifikante Einschrä
nkung von Kraft und Feinmotorik
insbesondere der rechtsdominanten Finger. Aktuell bestehe für administrative Tätigkeiten eine 33%ige Arbeitsfähigkeit. Mit einer relevanten Besserung sei nicht zu rechnen. Zur Frage, ob durch eine Verla
gerung der beruflichen Tätigkeit auf andere Arbeiten eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erzielen sei, hielt die Ärztin fest, die Beschwerdeführerin
habe ihre Tätigkeit bereits verlagert.
4.
4.1
Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung setzte sich ihre Arbeit in der Zahnarztpraxis vor Eintritt des
Gesundheits
schadens
zu
durchschnittlich 30 %
aus Tätigkeiten
im administrativen und personellen Bereich und zu durchschnittlich 70 %
aus Tätigkeiten am
Patienten
zusammen, wobei die Beschwerdeführerin erklärte, vorwiegend bei Operationen assistiert zu haben
(Urk. 8/22/4;
vgl. auch
das
Protokoll über das Standortgespräch vom 19. März 2014, anlässlich welchem die
Beschwer
deführerin ebenfalls angab, vorwiegend bei Operationen assistiert zu haben [Urk. 8/8/1]).
Aus den medizinischen Akten ergibt sich,
dass d
er
Beschwer
deführerin
diese bisherige
Tätigkeit
– welche somit sowohl administrative Aufgaben als auch Tätigkeiten am Patienten beinhaltete
–
so nicht mehr zumutbar ist
, da
ihr
die Ausübung von
feinmotorische
n
manuelle
n
Tätigkei
ten nicht mehr möglich
ist
(E. 3.1; siehe auch Bericht von Dr.
Z._
vom 7. März 2014, wonach für die Arbeit als Dentalassistentin am Patienten eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit bestehe [Urk. 8/18/10 f.]).
Der
IV-Stelle
kann
daher
nicht gefolgt werden, wenn sie bei der
Invaliditätsbemessung
von einer
zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 33% in der angestammten
Tätigkeit
ausg
ing
und
zur Ermittlung des Invalideneinkommens
das
vor Eintritt des Gesundheitsschadens in einem 50%-Pensum erzielte
Einkommen
auf ein 33
%-Pensum
umrechnet
e
(vgl. Urk. 2)
.
4.2
Zur Ermittlung des Invaliditätsgrades stellt sich vorliegend
somit
die Frage nach der zumutbaren Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten.
Gestützt auf die medizinische Aktenlage
kann die Arbeitsfähigkeit in
leidens
angepassten
Tätigkeiten jedoch nicht beurteilt werden
, da klare, nachvoll
ziehbare medizinische Beurteilungen hierzu fehlen. Dr.
B._
hielt bezüglich angepassten Tätigkeiten einzig fest, dass die Patientin ihre Tätigkeit bereits verlagert habe
(vgl. E. 3.2)
; zu anderen als in der Zahnarzt
praxis auszuführenden Tätigkeiten äusserte sich die Ärztin nicht
.
Dr.
Z._
hielt
sodann
fest
, in einer adaptierten Tätigkeit
, in der weitge
hend auf den manuellen Einsatz der Hände verzichtet werden könne (telefo
nieren, organisatorische Tätigkeiten)
,
könne eine vermehrte Arbeitsfähigkeit erzielt werden
(vgl. E. 3.1)
.
In seinem Bericht fehlt jedoch sowohl ein
genaue
s
Belastungsprofil als auch
die
Angabe, zu wieviel Prozent eine optimal ang
e
passte Tätigkeit möglich wäre.
Diese Arztberichte lassen somit eine Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten nicht zu.
4.3
D
ie Sache
ist daher für ergänzende Abklärungen
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die noch zumutbare Arbeitsfähigkeit in angepass
ten Tätigkeiten abkläre.
Dabei wird sie auch allfällige Verschlechterungen zu berücksichtigen haben (vgl.
den
Bericht
der
C._
vom
16. Februar 2015, wonach es zu einer Prothesenkomponentenlockerung kam, Urk. 8/33/1, 4)
.
Je nach Ausgang der weiteren medizinischen Abklärungen sind auch die Einschränkungen im Haushalt erneut zu prüfen. In diesem Sinne ist die Beschwerde in Aufhebung der Verfügung vom 23. Dezember 2015 gutzuheissen.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und
ausgangsge
mäss
von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend i
st
eine Entschädi
gung von Fr. 1‘
0
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und
Baraus
lagen
) angemessen.