Decision ID: 6cc52a78-cd2a-5632-abfe-961cac9e61c8
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) reichte am 28. Juli
2009 ein erstes Asylgesuch in der Schweiz ein. Dabei machte er geltend,
er sei syrischer Kurde und in C._ geboren und aufgewachsen.
Nachdem er die Schule zehn Jahre lang besucht habe, habe er von 2002
bis kurz vor seiner Ausreise als (...) gearbeitet; auch habe er (...). Er habe
Syrien hauptsächlich wegen des bevorstehenden Militärdienstes und sei-
nes Glaubens verlassen. Nach seinem 18. Lebensjahr habe er die Beam-
ten bestochen, die seinen Namen von der Liste der Dienstpflichtigen hätten
verschwinden lassen. Doch nun sei ein Aufgebot gekommen und sein
Name sei den Grenzstellen gemeldet worden. Seine Grosseltern seien Ar-
menier aus der Türkei, die nach Syrien geflohen seien. Sie und andere
Verwandte seien zum muslimischen Glauben übergetreten. Er wolle zu sei-
nem "Urglauben", dem Christentum, zurückkehren. Falls seine Familie von
dieser Absicht erfahre, sei dies gefährlich. Im Weiteren sei sein Vater Mit-
glied der PYD (Partiya Yekîtiya Demokrat; Demokratische Einheitspartei),
er selbst sei deren Anhänger. Im Jahr 2003 habe er an einer Demonstration
der PYD teilgenommen. Seit 2005 habe er sporadisch Flugblätter der PYD
verteilt, letztmals im August 2008. Da er die Flugblätter heimlich verteilt
habe, habe es keine Probleme gegeben. Sein Vater sei jedoch im Dezem-
ber 2008 festgenommen worden und habe den Behörden gegenüber sei-
nen (des Beschwerdeführers) Namen genannt, damit er an seiner Stelle
verhaftet werde. Danach sei er polizeilich gesucht worden. Er habe einmal
in Spanien und einmal in Frankreich ein Asylgesuch gestellt, sei jedoch
jeweils nach Syrien zurückgeschafft worden.
A.b Mit Verfügung vom 25. März 2010 stellte das damalige Bundesamt für
Migration (BFM) fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Die gegen diese
Verfügung erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit
Urteil D-2815/2010 vom 9. Juni 2010 ab. In der Folge verliess der Be-
schwerdeführer die Schweiz selbständig.
B.
B.a Der Beschwerdeführer reiste am 24. Dezember 2010 erneut in die
Schweiz ein und ersuchte gleichentags ein zweites Mal um Asyl. Dabei
machte er keine neuen Asylgründe geltend.
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B.b Das BFM trat mit Verfügung vom 28. Januar 2011 in Anwendung von
aArt. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein, ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Weg-
weisung an. Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-876/2011 vom 8. Februar 2011 ab,
soweit darauf eingetreten wurde.
C.
C.a Mit Eingabe vom 12. August 2011 reichte der Beschwerdeführer beim
BFM ein Wiedererwägungsgesuch ein.
C.b In der Folge hob das BFM mit Verfügung vom 23. August 2011 die Zif-
fern 2, 3 und 4 seiner Verfügung vom 28. Januar 2011 wiedererwägungs-
weise auf und ordnete die vorläufige Aufnahme infolge Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs an.
D.
Am 24. Mai 2018 erklärte der Beschwerdeführer, freiwillig in sein Heimat-
land zurückzukehren und damit auf die vorläufige Aufnahme zu verzichten.
Nachdem er am 30. Juli 2018 aus der Schweiz ausgereist war, stellte das
SEM am 6. August 2018 fest, die vorläufige Aufnahme sei erloschen.
E.
E.a Am 20. September 2019 reisten die Beschwerdeführenden gemein-
sam in die Schweiz ein. Während die Beschwerdeführerin laut Eintrag in
Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) am 30. September 2019
um Asyl ersuchte, reichte der Beschwerdeführer am 8. Oktober 2019 ein
schriftliches "Zweites Asylgesuch beziehungsweise Mehrfachgesuch" ein
und meldete sich daraufhin am 21. Oktober 2019 im Bundesasylzentrum
D._; sein Asylgesuch wurde mit diesem Datum formell im ZEMIS
erfasst. Die Beschwerdeführenden mandatierten am 8. beziehungsweise
24. Oktober 2019 die Mitarbeitenden des HEKS Rechtsschutz Bundes
asylzentren (...) mit ihrer Rechtsvertretung im Rahmen des Asylverfahrens.
In der Folge fand die Beschwerdeführerin betreffend am 8. Oktober 2019
die Personalienaufnahme (PA) und am 11. Oktober 2019 das Dublin-Ge-
spräch statt. Die Personalien des Beschwerdeführers wurden am 25. Ok-
tober 2019 aufgenommen. Am 2. Dezember 2019 wurden die Beschwer-
deführenden gemäss Art. 29 AsylG vertieft zu ihren Asylgründen angehört.
E.b In seiner Eingabe vom 8. Oktober 2019 führte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen aus, er habe nach seiner Rückkehr nach Syrien per (...)
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2018 begonnen, als (...) für seinen alten Arbeitgeber zu arbeiten. Dieser
heisse E._ (nachfolgend: F._ beziehungsweise Arbeitge-
ber), auch bekannt als G._, und sei ein wichtiger und mächtiger
(...), der im (...) tätig sei. Menschen, die für ihn gearbeitet hätten und hätten
aufhören wollen, seien eliminiert worden, damit seine (...)-Geschäfte un-
enthüllt blieben. Der Arbeitgeber verfüge über sehr enge Beziehungen zu
einflussreichen Personen und Machtzentren. Es sei ihm (dem Beschwer-
deführer) befohlen worden, Leute zu schlagen, zu erschrecken, zu terrori-
sieren und gegebenenfalls auf sie zu schiessen. Weitere Tätigkeitsberei-
che des Arbeitgebers beinhalteten (...). Die Arbeit sei sehr gefährlich ge-
wesen, weshalb er habe aufhören wollen. Da er Angst gehabt habe, um-
gebracht zu werden, habe er im (...) 2019 geheiratet und den Eheurlaub
für die Flucht genutzt.
E.c In der Anhörung machte er ergänzend geltend, er habe nach seiner
Rückkehr nach Syrien vom (...) 2018 bis (...) 2019 in C._ gelebt.
Bereits vor seiner ersten Reise in die Schweiz habe er während vier oder
fünf Jahren für F._ gearbeitet. Nach der Rückkehr habe er für ihn
als (...). Sein Arbeitgeber sei unter anderem im (...) tätig. Er kaufe (...) von
den (...) und verkaufe es weiter an die (...). Daneben sei er auch in andere
Handel involviert und besitze verschiedene Firmen. Er (der Beschwerde-
führer) habe im Auftrag des Arbeitgebers die (...) bringen müssen. Auch
habe der Arbeitgeber vor seinen Augen Menschen geschlagen und von ihm
verlangt, dies auch zu tun. Ihm sei bekannt, dass andere Mitarbeiter vom
Arbeitgeber bedroht und getötet worden seien. Auch seien ehemalige Mit-
arbeiter spurlos verschwunden. Er selber habe für F._ Berichte über
andere geschrieben, damit sie verhaftet würden. Einmal habe der Arbeit-
geber ihm indirekt gedroht, falls er irgendwann untreu und unauffindbar
werde, werde er (der Arbeitgeber) seine Familie finden. Wenn er dortge-
blieben wäre, hätte der Arbeitgeber ihn entweder verschwinden lassen, ihn
getötet oder er (der Beschwerdeführer) hätte jemand anderen töten müs-
sen. Er habe Angst gehabt, dass jederzeit etwas passieren könnte. Nach
der Heirat am (...) 2019 sei (...) 2019 ein Haftbefehl der Militärpolizei gegen
ihn ergangen. Er habe sich daraufhin versteckt gehalten und sei Ende (...)
2019 mit Hilfe eines Schleppers illegal aus Syrien ausgereist. Er sei sicher,
dass F._ diesen Haftbefehl veranlasst habe, weil er überall seine
Finger im Spiel habe und die Regierung durch Bestechung funktioniere.
Der Arbeitgeber habe ihn auf diese Weise unter Druck setzen wollen.
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E.d Die Beschwerdeführerin machte ihrerseits geltend, sie sei syrische
Kurdin und im Dorf H._, Distrikt I._, geboren und aufge-
wachsen. Die Primar- und Mittelschule habe sie im Dorf besucht, die
zehnte bis zwölfte Klasse in J._. Im Jahre 2006 seien sie und ihre
Familie nach K._ gezogen, wo sie bis zum dritten Jahr (...) studiert
habe. Weil sich die allgemeine Lage verschlechtert habe, sei sie nach
J._ zurückgekehrt, wo sie für die Selbstverwaltung "Rojava" von
2013 bis 2018 (...) habe. Wegen dieser Tätigkeit sei sie von den syrischen
Behörden auf die rote Liste gesetzt beziehungsweise mit einem Berufsver-
bot belegt worden. Später habe der (...) des Ortes von allen (...) verlangt,
Militärdienst zu leisten. Weil sie sich geweigert habe, sei ihr gekündigt wor-
den. Nach der Entlassung sei sie zu Hause geblieben, bis der Beschwer-
deführer zurück nach Syrien gekommen sei und sie geheiratet hätten. Kurz
nach der Heirat sei ein Haftbefehl gegen ihren Ehemann ergangen. Es sei
davon auszugehen, dass der Arbeitgeber des Beschwerdeführers in diese
Sache involviert sei. Diejenigen Mitarbeiter, die mit der Arbeit für diesen
Mann aufgehört hätten, seien verschwunden oder getötet worden.
E.e Im Verlaufe des vorinstanzlichen Verfahrens wurden von Seiten der
Beschwerdeführenden folgende Nachweise ihrer Identität und Beweismit-
tel zu den Akten gereicht:
- Identitätskarte der Beschwerdeführerin
- Studentenausweis der Beschwerdeführerin
- Familienbüchlein
- CD mit diversen Fotos und Videos
- Passierschein (in Kopie, mit deutscher Übersetzung)
- Waffenschein (in Kopie, mit deutscher Übersetzung)
- Arbeitsvertrag des Beschwerdeführers (in Kopie, mit deutscher Übersetzung)
- Marschbefehl vom (...) 2010 (in Kopie, mit deutscher Übersetzung)
- Haftbefehl vom (...) 2019 (in Kopie, mit deutscher Übersetzung)
- Deutsche Übersetzung des Militärdienstbüchleins
- Diverse Fotos (mit deutscher Übersetzung des Textes auf Foto 1)
- Drei (...)zutrittskarten (je mit deutscher Übersetzung)
F.
Die Beschwerdeführenden wurden mit Verfügung des SEM vom 9. Dezem-
ber 2019 ins erweiterte Verfahren und am 7. Januar 2020 dem Kanton
L._ zugewiesen. Die Rechtsvertretung der HEKS Rechtsschutz
Bundesasylzentren (...) erklärte am 10. Dezember 2019 die Beendigung
ihrer Mandate.
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G.
Mit Verfügung vom 12. März 2020 – eröffnet am 16. März 2020 – stellte
das SEM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigen-
schaft nicht erfüllen (Dispositivziffer 1), lehnte ihre Asylgesuche ab (Dispo-
sitivziffer 2) und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an (Dispositiv-
ziffer 3), schob jedoch den Vollzug der Wegweisung infolge Unzulässigkeit
zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf (Dispositivziffern 4−6). Gleich-
zeitig wurden die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus-
gehändigt (Dispositivziffer 7).
H.
Mit Eingabe des rubrizierten Rechtsvertreters vom 14. April 2020 liessen
die Beschwerdeführenden gegen diesen Entscheid beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Ver-
fügung sei aufzuheben und ihnen sei in der Schweiz Asyl zu gewähren,
eventualiter sei ihre Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und sie seien als
Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen, eventualiter sei die Sache zur weiteren
Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen, subeventualiter
sei der Beschwerdeführer ergänzend zu den Asylgründen anzuhören. In
prozessualer Hinsicht wurde beantragt, es sei die unentgeltliche Prozess-
führung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu
verzichten.
Der Beschwerde lagen – nebst der angefochtenen Verfügung und einer
Vollmacht – eine Mittellosigkeitsbestätigung der (...), M._, vom
23. März 2020, ein Bericht von "www.alarabiya.net" vom 3. April 2020 so-
wie ein Internet-Ausdruck von "leaks.zamanalwsl.net" vom 21. März 2020
(inkl. deutsche Übersetzung) bei.
I.
Der Eingang der Beschwerde wurde den Beschwerdeführenden mit
Schreiben vom 15. April 2020 bestätigt.
J.
Der Instruktionsrichter hiess mit Verfügung vom 29. April 2020 das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vorbehalt der
Veränderung der finanziellen Lage der Beschwerdeführenden gut. Auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet. Gleichzeitig wurde
das SEM eingeladen, bis zum 13. Mai 2020 eine Vernehmlassung einzu-
reichen.
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Seite 7
K.
Das SEM liess sich am 6. Mai 2020 zur Beschwerde vernehmen.
L.
Am 8. Mai 2020 wurde den Beschwerdeführenden die Vernehmlassung
des SEM zur Kenntnis gebracht und eine Frist zur Einreichung einer Replik
bis 25. Mai 2020 angesetzt.
M.
Die Beschwerdeführenden replizierten mittels Eingabe vom 25. Mai 2020,
welcher diverse Unterlagen über die (...) beilagen.
N.
Mit Zwischenverfügung vom 27. Oktober 2021 forderte der Instruktions-
richter die Beschwerdeführenden auf, bis zum 11. November 2021 ihre al-
lenfalls weiterhin bestehende Bedürftigkeit zu belegen, verbunden mit der
Androhung, im Unterlassungsfall werde vom Wegfall der Bedürftigkeit aus-
gegangen und die gewährte unentgeltliche Prozessführung wiedererwä-
gungsweise aufgehoben.
O.
Die Beschwerdeführenden reichten am 10. November 2021 das ausge-
füllte Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" sowie diverse Un-
terlagen zu ihren finanziellen Verhältnissen zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die
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Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde
ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Die Beschwerdeführenden machen – teilweise sinngemäss – in formel-
ler Hinsicht eine unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtser-
heblichen Sachverhaltes sowie eine Verletzung des rechtlichen Gehörs,
der Begründungspflicht und von Art. 9 BV (Schutz vor Willkür und Wahrung
von Treu und Glauben) geltend.
3.2
3.2.1 Gerügt wird zunächst, die angefochtene Verfügung beruhe auf Mut-
massungen und Spekulationen, womit das SEM seine Sorgfaltspflicht ver-
letzt habe. Die in der Verfügung erwähnten Berichte und Referenzurteile
seien nicht auf dem neusten Stand und entsprächen nicht der Realität. Mit
aktuellen Berichten über die Lage in Syrien und der behördlichen Suche
nach Dienstverweigerern sowie den konkreten Folgen des Militärdienstent-
zuges habe sich das SEM gar nicht auseinandergesetzt. Aus dem Asylent-
scheid gehe hervor, dass das SEM das syrische Militärgesetz kaum kenne
oder dieses absichtlich übersehen habe. In ihrer früheren Praxis hätten das
SEM und das Bundesverwaltungsgericht eine Dienstverweigerung und De-
sertion unabhängig vom politischen Hintergrund als asylrelevant erachtet.
Diese Praxis sei ohne das Vorliegen entsprechender Beweise plötzlich ge-
ändert worden. Das SEM habe keine Untersuchungen zur Rückkehrsitua-
tion von syrischen Staatsangehörigen, die sich dem Militärdienst entzogen
hätten und gesucht würden, und zu den individuellen Umständen des Be-
schwerdeführers angestrengt. Die Risikofaktoren seien nicht klar und kon-
kret definiert worden. Auch habe sich die Vorinstanz nicht zur Verhältnis-
mässigkeit, Art und Länge der dem Beschwerdeführer drohenden Straf-
massnahmen geäussert, sondern diese Frage lediglich in hypothetisch-
spekulativer Weise im Rahmen der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs
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geprüft. Schliesslich sei der enge Kausalzusammenhang zwischen Verfol-
gung und Flucht nicht beachtet beziehungsweise nur oberflächlich und all-
gemein behandelt worden.
3.2.2 Vorliegend ist festzustellen, dass in der angefochtenen Verfügung die
wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers in Bezug auf seine Asyl-
gründe aufgeführt und – was die Wehrdienstverweigerung und illegale Aus-
reise anbelangt – bei der Begründung des Entscheides berücksichtigt wor-
den sind (vgl. zum Thema des Arbeitgebers E. 3.3). Das SEM legte dabei
in der Begründung seiner Verfügung nachvollziehbar dar, weshalb es die
Militärdienstverweigerung und illegale Ausreise des Beschwerdeführers als
nicht asylrelevant einstufte, wobei eine konkrete Würdigung des Einzelfalls
vorgenommen wurde. Wie sich aus den untenstehenden Erwägungen
ergibt (vgl. nachfolgend E. 6.3 ff.), steht die Ablehnung des Asylgesuchs
dabei im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer die Lage in Syrien sowie
die Tragweite einer Wehrdienstverweigerung im Hinblick auf die Asylrele-
vanz anders einschätzt als die Vorinstanz, stellt keine Verletzung des recht-
lichen Gehörs oder der Abklärungspflicht dar. Vielmehr betrifft dies die
rechtliche Würdigung des Sachverhalts, auf die im Rahmen der materiellen
Prüfung einzugehen ist. Schliesslich war es dem Beschwerdeführer auch
ohne weiteres möglich, die vorinstanzliche Verfügung sachgerecht anzu-
fechten. Nachdem das SEM die Wehrdienstverweigerung und illegale Aus-
reise als nicht asylrelevant qualifizierte, bestand für dieses auch keine Ver-
anlassung, auf die Frage des Kausalzusammenhangs einzugehen.
3.3
3.3.1 Weiter wird moniert, das SEM habe sich zur Tätigkeit des Beschwer-
deführers für einen bekannten und mächtigen Mann mit keinem Wort ge-
äussert, obwohl von dieser Tätigkeit eine grosse Gefahr für Leib und Leben
des Beschwerdeführers ausgegangen sei. Auch habe es sich nicht mit den
konkreten Folgen der Arbeitsverweigerung befasst. Das SEM habe die
Rolle und den Einfluss des Arbeitgebers unterschätzt und nicht weiter re-
cherchiert.
3.3.2 Was die Asylrelevanz der Vorbringen den Arbeitgeber des Beschwer-
deführers betreffend anbelangt, findet sich in der Begründung der ange-
fochtenen Verfügung in der Tat lediglich der Hinweis, den befürchteten
Problemen mit F._ werde durch die Anordnung einer vorläufigen
Aufnahme aufgrund der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs Rech-
nung getragen (vgl. SEM-act. [...]-50/9 S. 4). Aus dieser ungenügenden
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rechtlichen Würdigung resultiert eine Verletzung der Begründungspflicht
(als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs) im Zusammenhang mit dem Asyl-
punkt.
3.3.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Eine Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich, das heisst unge-
achtet der materiellen Auswirkungen, zur Aufhebung des daraufhin ergan-
genen Entscheides (vgl. BVGE 2014/22 E. 5.3, 2012/24 E. 3.4; 2009/53
E. 7.3; 2008/47 E. 3.3.4; 2008/14 E. 4.1; 2007/30 E. 8.2; 2007/27 E. 10.1).
Die Heilung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen Gründen
ist auf Beschwerdeebene nur möglich, sofern das Versäumte nachgeholt
wird, die Beschwerdeführenden dazu Stellung nehmen können, die festge-
stellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist, die fehlende Entscheid-
reife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand hergestellt
werden kann und der Beschwerdeinstanz im streitigen Fall die freie Über-
prüfungsbefugnis zukommt (vgl. BVGE 2014/22 E. 5.3 m.w.H.).
3.3.4 Mit Verfügung vom 29. April 2020 gab der Instruktionsrichter dem
SEM die Gelegenheit, zur Beschwerde Stellung zu nehmen und forderte
es ausdrücklich auf, sich zum Umstand zu äussern, dass in der angefoch-
tenen Verfügung die Asylrelevanz der Vorbringen den Arbeitgeber betref-
fend nicht geprüft worden sei. In der Vernehmlassung begründete das SEM
in der Folge, weshalb es eine allfällig drohende Verfolgung seitens des Ar-
beitgebers als nicht asylrelevant erachte. Hinweise, wonach die Vorinstanz
ungenügend recherchiert hätte, bestehen keine. Der Beschwerdeführer
hatte daraufhin die Möglichkeit zu replizieren. Damit wurde der vorinstanz-
liche Verfahrensmangel auf Beschwerdeebene geheilt. Allein der Umstand,
dass das SEM die vom Beschwerdeführer zur Begründung seines Asylge-
suches geltend gemachten Vorbringen anders beurteilt, als von ihm erwar-
tet, bedeutet nicht, dass die Vorinstanz ihrer Untersuchungspflicht nicht
nachgekommen wäre beziehungsweise den rechtserheblichen Sachver-
halt falsch oder unvollständig erstellt hätte.
3.4 Inwiefern die Vorinstanz das Willkürverbot beziehungsweise den
Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 BV) verletzt haben könnte, wird
nicht begründet und ist auch nicht ersichtlich, weshalb darauf nicht weiter
einzugehen ist.
3.5 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der einzige Mangel der ange-
fochtenen Verfügung im Rahmen des Instruktionsverfahrens geheilt wor-
den ist, alle weiteren Rügen formeller Natur unbegründet sind und auch
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kein Bedarf an weiteren Sachverhaltsabklärungen besteht. Somit liegen
keine Gründe vor, die eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz aus
formellen Gründen rechtfertigen würden. Das entsprechende Rechtsbe-
gehren ist abzuweisen. Ebenfalls besteht vor diesem Hintergrund keine
Veranlassung, eine ergänzende Anhörung des Beschwerdeführers durch-
zuführen, und auch dieser Antrag ist abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung die Beschwerdefüh-
rerin betreffend aus, gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts vermöchten die Rekrutierungsbemühungen der YPG
(Yekîneyên Parastina Gel; Volksverteidigungseinheiten) mangels eines
Verfolgungsmotivs im Sinne von Art. 3 AsylG und mangels hinreichender
Intensität keine Asylrelevanz zu entfalten. Es möge sein, dass im Hinblick
auf die Wahrnehmung der Dienstpflicht ein gewisser Erwartungsdruck be-
stehe, hingegen sei nicht davon auszugehen, dass eine Weigerung asylre-
levante Sanktionen nach sich ziehe. Was den Beschwerdeführer anbe-
lange, erfolge im syrischen Kontext eine Bestrafung von Wehrdienstver-
weigerern wegen illegaler Ausreise nur dann aus Gründen im Sinne von
Art. 3 AsylG, wenn zusätzliche einzelfallspezifische Risikofaktoren vorlie-
gen würden. In Fall des Beschwerdeführers würden keine solchen Risiko-
faktoren vorliegen, die ein politisches Profil begründen könnten. Zwar habe
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er im Rahmen seines ersten Asylgesuchs in der Schweiz angegeben, dass
sein Vater Mitglied und er ein Anhänger der PYD seien. Allfällige Befürch-
tungen, die er davon abgeleitet habe, habe er anlässlich seines vorliegen-
den Asylgesuchs hingegen nicht wiederholt. In seinem Falle würden somit
keine relevanten Anknüpfungspunkte vorliegen. Es sei jedoch nicht auszu-
schliessen, dass ihm in Syrien Strafmassnahmen drohen würden, die ge-
gen Art. 3 EMRK verstossen. Diesem Umstand werde durch die Anordnung
einer vorläufigen Aufnahme aufgrund der Unzulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzugs Rechnung getragen. Dies gelte auch in Bezug auf seine Vor-
bringen im Zusammenhang mit den befürchteten Problemen mit seinem
Arbeitgeber.
5.2 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, Syrien sei kein
Rechtsstaat, sondern eine Willkürherrschaft. Der Beschwerdeführer habe
glaubhaft dargelegt, dass er in der Heimat für einen sehr einflussreichen
und mächtigen Mann gearbeitet habe, der in illegale Geschäfte verwickelt
gewesen sei und seine Macht missbraucht habe. Er habe zudem glaubhaft
dargelegt, dass er in der Heimat als Militärdienstverweigerer gelte und zur
Haft ausgeschrieben worden sei. Er sei bei den heimatlichen Behörden als
politischer Gegner registriert und werde bis heute gesucht. Auch aus Sicht
des mächtigen Arbeitgebers gelte er als Abtrünniger beziehungsweise Ver-
räter. Die ethnische Zugehörigkeit könne unter bestimmten Umständen von
grosser Asylrelevanz sein. Der Beschwerdeführer gelte als klassischer
Dienstverweigerer, der sich nicht an den verwerflichen Kampfhandlungen
habe beteiligen und keine Waffen gegen Mitbürger habe tragen wollen, we-
der für die syrischen Behörden noch für seinen Arbeitgeber. Durch seinen
Entzug beziehungsweise seine Verweigerung habe er ein politisches Zei-
chen setzen wollen. Wer sich dem Militärdienst entziehe und nicht mit-
kämpfen wolle, gelte in den Augen der Behörden als Gegner und Verräter
und werde unverhältnismässig streng bestraft. Dienstverweigerung oder
Militärdienstentzug würden in Kriegszeiten mit einer Haftstrafe bis zu fünf
Jahren beziehungsweise von fünf bis zehn Jahren, wenn der Deserteur
das Land verlasse, bestraft, wobei Misshandlung, Folter und Gewalt in der
Haft nicht ausgeschlossen seien. Die syrischen Behörden würden mit gros-
ser Brutalität und erschreckender Gewalt gegen Dienstverweigerer und
Dienstentzieher vorgehen. Die Strafe werde ungeachtet der politischen Zu-
gehörigkeit festgelegt. Es sei bis heute kein einziger Fall bekannt, wonach
ausschliesslich Militärdienstverweigerer und Deserteure mit einem politi-
schen Hintergrund bestraft würden und andere ohne einen politischen Hin-
tergrund unbestraft geblieben seien. Im syrischen Militärgefängnis von
Saydnaya bei Damaskus würden Häftlinge systematisch gehängt und
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durch Folter und Verhungernlassen getötet. Der Name des Beschwerde-
führers könne im Internet auf dem bekannten Internetportal "Zamanalwsl"
abgerufen werden. Er sei in Syrien zur Haft ausgeschrieben und werde bis
heute gesucht. Diese Daten seien von internationalen Sicherheitsexperten
und Geheimdienstkreisen als zuverlässig und äusserst wertvoll einge-
schätzt worden. Viele Dienstverweigerer und Deserteure, die in der
Schweiz Asyl erhalten und über keinen politischen Hintergrund verfügt hät-
ten, seien auf diesem Internetportal nicht zu finden. Zudem habe der Be-
schwerdeführer Syrien im militärdienstpflichtigen Alter illegal verlassen und
damit gegen das Ausreiseverbot verstossen. Wer dies tue, dem werde eine
oppositionelle politische Haltung unterstellt. Es würden somit im Fall des
Beschwerdeführers besondere Risikofaktoren vorliegen und er zähle zwei-
fellos zu der Risikogruppe, welche von der syrischen Regierung besonders
hart bestraft werde. Die Praxis der Schweizer Behörden, Dienstverweige-
rern nur bei einem politischen Hintergrund Asyl zu gewähren, sei völker-
rechtswidrig und ein politischer Entscheid, um statistisch möglichst weni-
gen Dienstverweigerern und Deserteuren Asyl zu gewähren. Syrische
Dienstverweigerer und Deserteure würden vom UNHCR als relevante Ri-
sikogruppe eingestuft. Schliesslich gebiete auch der Grundsatz der
Rechtsgleichheit, dass der Beschwerdeführer als Flüchtling vorläufig auf-
genommen werde, zumal das SEM in anderen Fällen bei identischen Um-
ständen und persönlichen Verhältnissen die Flüchtlingseigenschaft aner-
kannt habe. Was den Arbeitgeber anbelange, seien Menschen, die für ihn
gearbeitet hätten und hätten aufhören wollen, eliminiert worden, damit
seine (...)geschäfte unenthüllt blieben. Die (...)geschäfte seien nicht sau-
ber und hätten viele Morde und Opfer gekostet. Der Arbeitgeber habe sehr
enge Beziehungen zu einflussreichen Personen und Machtzentren. Die Ar-
beit des Beschwerdeführers sei sehr gefährlich gewesen, weshalb er habe
aufhören wollen. Dies sei jedoch nicht ohne Grund möglich gewesen, weil
er Angst gehabt habe, wie seine Vorgänger umgebracht zu werden. Des-
halb habe er im (...) 2019 geheiratet und den Urlaub genutzt, um zu fliehen.
Er habe Angst gehabt, im Falle einer Befehlsverweigerung erschossen zu
werden. Er habe sich von den verwerflichen Handlungen und illegalen Ge-
schäften seines Arbeitgebers distanzieren wollen und deshalb seine Arbeit
niedergelegt, bis er das Land habe verlassen können. Auch habe er Angst
davor gehabt, wegen der illegalen Geschäfte seines Arbeitgebers eines Ta-
ges zur Rechenschaft gezogen zu werden und dessen Handlungen verant-
worten zu müssen.
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5.3 Das SEM entgegnet in seiner Vernehmlassung, ein Vorgehen der hei-
matlichen Behörden gegen den Beschwerdeführer aufgrund dessen Hand-
lungen für F._ wäre ganz offenkundig rechtsstaatlich legitim. Vor
diesem Hintergrund müsse auch der Internet-Ausdruck von "leaks.zam-
analwsl.net" respektive eine behördliche Suche nach dem Beschwerdefüh-
rer gewertet werden. Es sei nicht davon auszugehen, dass es sich dabei
um eine flüchtlingsrechtlich relevante Strafverfolgung respektive ein flücht-
lingsrechtlich relevantes Beweismittel handle. Die Vermutung liege nahe,
dass der Name des Beschwerdeführers aufgrund seiner kriminellen Hand-
lungen auf diesem Internetportal auftauche. Es obläge zudem grundsätz-
lich dem Beschwerdeführer, eine von ihm behauptete flüchtlingsrechtlich
relevante Verfolgung respektive Verfolgungsgefahr aufgrund dieses Na-
menseintrages glaubhaft zu machen. Eine allfällig drohende Verfolgung
seitens des Arbeitsgebers würde sodann ganz offensichtlich ebenfalls nicht
unter einen der unter Art. 3 AsylG genannten Gründe fallen. Bei F._
handle es sich um eine kriminelle Drittperson, die – obgleich mächtig und
einflussreich – in keiner Weise mit dem syrischen Staat oder einem Behör-
denvertreter gleichzusetzen sei. Von einer Reaktion auf die "Arbeitsverwei-
gerung" des Beschwerdeführers könnte deshalb keine Asylrelevanz abge-
leitet werden. Das SEM habe jedoch dem Umstand Rechnung getragen,
dass sich der Beschwerdeführer derzeit wohl nicht auf eine vollumfängliche
Schutzfähigkeit der lokalen Behörden verlassen könnte. Schliesslich sei
hinsichtlich der Militärdienstverweigerung festzuhalten, dass der Be-
schwerdeführer keinen politischen Hintergrund aufweise. Der eingereichte
Bericht von "www.alarabiya.net" ändere nichts daran, dass allfällige Straf-
massnahmen keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen wür-
den.
5.4 In der Replik wird ausgeführt, dass Personen, welche die Glaubwürdig-
keit und Glaubhaftigkeit zu beurteilen hätten, über eine entsprechende
Ausbildung verfügen sollten. Zudem sei nicht klar, auf welche Grundlagen
der Beweiswürdigung und Glaubhaftigkeitsbeurteilung sich die Vorinstanz
stütze. Im Weiteren werde daran festgehalten, dass Desertion und Wehr-
dienstverweigerung vom syrischen Staat regelmässig als Ausdruck eines
politischen Dissenses und einer fehlenden Bereitschaft zur Verteidigung
des Heimatlandes betrachtet würden. Zahlreiche Quellen würden dies be-
stätigen. Besonders relevant erscheine der Aspekt, dass die syrische Ar-
mee in einem Bürgerkrieg gegen verschiedene Rebellengruppen im eige-
nen Land kämpfe. Wer sich daran nicht beteilige, offenbare damit sichtbar
seine Illoyalität gegenüber der syrischen Regierung. Gemäss zahlreichen
Quellen genüge es häufig schon, im "falschen" Gebiet zu leben oder "zur
D-2002/2020
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falschen Zeit am falschen Ort" zu sein, um festgenommen zu werden. Nicht
nur der Verdacht einer oppositionellen Haltung sei ausschlaggebend, son-
dern bereits die Annahme "unzureichender Loyalität". Die Annahme der
Vorinstanz, das syrische Regime nehme ausgerechnet bei Wehrdienstver-
weigerern eine differenzierte Haltung ein und mache sich die Mühe, deren
Motivationslage zu würdigen, sei alles andere als plausibel. Nach Syrien
Zurückkehrende, insbesondere Wehrdienstentzieher, seien grundsätzlich
aufgrund von drei Faktoren von Verfolgung bedroht: Illegale Ausreise im
wehrdienstpflichtigen Alter, Asylantragstellung im Ausland und längerer
Aufenthalt in einem westlichen Land. Das Zusammenwirken dieser Fakto-
ren führe dazu, dass den Betroffenen eine regimefeindliche Gesinnung un-
terstellt werde oder werden könnte. Es sei davon auszugehen, dass Wehr-
dienstverweigerern in Syrien extralegale Strafen drohen oder sie schlecht
vorbereitet an die Front geschickt würden. Zudem hätten sie eine Beteili-
gung an Kriegsverbrechen zu befürchten. Zum Internetportal "Zamanal-
wasl" habe sich das SEM kaum geäussert. Der Beschwerdeführer, der per
Zufall vom Eintrag erfahren habe, sei von den heimatlichen Behörden auf
die Liste der gesuchten Personen gesetzt worden. Diese Tatsache spreche
klar dafür, dass die heimatlichen Behörden ein sehr starkes Interesse an
seiner Verhaftung und Bestrafung hätten und dass er auf dieser Liste
bleibe, bis er verhaftet werde, was wohl beim ersten physischen Kontakt
geschehen würde. Die Haftbedingungen in Syrien seien unmenschlich und
Folter sowie Misshandlungen könnten nicht ausgeschlossen werden. Der
Beschwerdeführer sei in seiner Heimat grossen Gefahren ausgesetzt, so-
lange das jetzige Regime an der Macht bleibe. Sodann habe die Vorinstanz
die Rolle und den Einfluss des Arbeitgebers des Beschwerdeführers unter-
schätzt und nicht weiter recherchiert. Zu seinen wichtigsten und mächtigs-
ten Geschäftspartnern habe die (...) gezählt, welche bis heute (...). Den
diversen Unterlagen über die (...) könne entnommen werden, welche Rolle
und welchen Einfluss diese in Syrien habe und weshalb sie von (...) wor-
den sei. Der Arbeitgeber und seine Geschäftspartner seien bis heute im-
mer noch sehr wichtige Männer für (...). Deshalb seien sie bewaffnet und
hätten ihre Männer auch mit Waffen und Kriegsmaterialien ausgerüstet. Es
müsse von zwei bewaffneten Kräften ausgegangen werden, wovon die (...)
aktiv sei. Untreue Männer und Mitarbeiter beziehungsweise Abtrünnige
seien einfach eliminiert worden. Die Macht und der Einfluss des Arbeitge-
bers seien unendlich gross und der Beschwerdeführer sei deshalb weiter-
hin grossen Gefahren ausgesetzt. Zudem gebe es einen engen Kausalzu-
sammenhang zwischen Verfolgung und Flucht.
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Seite 16
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Be-
schwerdeführenden verneint hat. Die Ausführungen im Beschwerdeverfah-
ren sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen.
6.2 Soweit in den Rechtsschriften auf die Aussagepsychologie bezie-
hungsweise auf das Thema der Glaubhaftigkeit Bezug genommen wird, ist
darauf zu verweisen, dass das SEM in seiner Verfügung nicht etwa mit der
Unglaubhaftigkeit der Vorbringen argumentierte. Vielmehr sprach es den
vorgebrachten Fluchtgründen die Asylrelevanz ab.
6.3 Das Bundesverwaltungsgericht stellte in seinem als BVGE 2015/3 E. 5
publizierten Urteil fest, dass auch nach der Einführung von Art. 3 Abs. 3
AsylG die bisherige Rechtspraxis in Bezug auf Personen, die ihr Asylge-
such mit einer Wehrdienstverweigerung oder Desertion im Heimatstaat be-
gründen, weiterhin gültig bleibe. Demnach vermag eine Wehrdienstverwei-
gerung oder Desertion nicht allein, sondern nur verbunden mit einer Ver-
folgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zu be-
gründen. Mit anderen Worten muss die betroffene Person aus einem in
dieser Norm genannten Grund (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörig-
keit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen)
wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu
gewärtigen haben, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG
gleichkommt. Im syrischen Kontext ist dies dann der Fall, wenn zusätzliche
exponierende Faktoren gegeben sind, welche darauf schliessen lassen,
dass eine Person als Regimegegner angesehen wird und damit aus politi-
schen Gründen eine unverhältnismässige Bestrafung zu gewärtigen hätte.
Hingegen droht Wehrdienstverweigerern und Deserteuren, die nicht zu-
sätzlich politisch exponiert sind, nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit
eine Strafe, welche die Schwelle der Asylrelevanz erreichen würde (vgl.
BVGE 2020 VI/4 E. 5 f., insbes. E. 6.2.4).
6.4 Das SEM qualifizierte die Wehrdienstverweigerung des Beschwerde-
führers im Einklang mit dieser Rechtsprechung als nicht asylrelevant.
Wenn in der Beschwerde und Replik in ausführlichen Erwägungen diese
Praxis in Frage gestellt und behauptet wird, Wehrdienstverweigerer hätten
auch ohne politischen Hintergrund eine asylrelevante Bestrafung zu erwar-
ten, vermag dies nicht zu überzeugen. Diesbezüglich ist auf die ausführli-
chen Erwägungen in der publizierten Praxis zu verweisen, die nach wie vor
Geltung hat. Die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist
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durch zahlreiche unabhängige Berichte breit abgestützt. Auf die entspre-
chenden Vorbringen in den Rechtsschriften ist deshalb nicht weiter einzu-
gehen.
6.5 Nicht bezweifelt wird, dass sich der Beschwerdeführer durch die Aus-
reise aus Syrien dem Militärdienst entzog. Von einer flüchtlingsrechtlich re-
levanten Motivation für eine allfällige Bestrafung wegen Militärdienstver-
weigerung ist im Fall des Beschwerdeführers jedoch nicht auszugehen, zu-
mal keine zusätzlichen exponierenden Faktoren gegeben sind, welche da-
rauf schliessen lassen, dass er als Regimegegner angesehen wird. Aus
dem Vorbringen, der Beschwerdeführer habe mit seiner Verweigerung ein
politisches Zeichen setzen wollen, lässt sich keine Konstellation besonde-
rer Exponiertheit ableiten. Die alleinige Wehrdienstverweigerung reicht da-
für gemäss oben zitierter Rechtsprechung nicht aus. Zur Vermeidung von
Wiederholungen kann vorab auf die weitgehend zu bestätigenden Ausfüh-
rungen des SEM in der angefochtenen Verfügung und der Vernehmlas-
sung verwiesen werden (vgl. E. 5.1 und 5.3). Präzisierend ist festzuhalten,
dass dem Eintrag im Internetportal "leaks.zamanalwsl.net" der Tatvorwurf
"wehrdienstpflichtig, vom Marsch ferngeblieben" zu entnehmen ist. Allein
aus dem Umstand, dass den Behörden bekannt ist, dass sich eine dienst-
pflichtige Person dem Militärdienst entzogen hat, und diese behördlich –
etwa durch Ergehen eines Haftbefehls – gesucht wird, lässt sich jedoch
nicht auf einen Politmalus schliessen. Insgesamt kann unter Berücksichti-
gung aller Umstände nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
ausgegangen werden, der Beschwerdeführer werde aufgrund seiner
Wehrdienstverweigerung durch die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte
als Regimegegner betrachtet und habe als solcher eine politisch motivierte
Bestrafung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten.
6.6 Soweit moniert wird, das SEM schliesse einerseits nicht aus, dass dem
Beschwerdeführer in Syrien gegen Art. 3 EMRK verstossende Strafmass-
nahmen drohen könnten, verneine jedoch andererseits die Flüchtlingsei-
genschaft des Beschwerdeführers, ist Folgendes festzuhalten: Das in der
angefochtenen Verfügung angewandte Vorgehen des SEM, bei einem
Asylsuchenden syrischer Staatsangehörigkeit, bei dem eine Entziehung
von der Dienstpflicht in der staatlichen syrischen Armee als glaubhaft er-
achtet worden ist, wegen drohender Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle
einer Rückkehr in den Heimatstaat zwar auf die Unzulässigkeit des Weg-
weisungsvollzugs zu schliessen, zugleich jedoch das Vorliegen der Flücht-
lingseigenschaft und die Asylrelevanz regelmässig zu verneinen, wurde in
einem neueren Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. BVGE
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2020 VI/4 E. 5 f.) bereits als nicht mit der asylrechtlichen Dogmatik und der
geltenden Rechtsprechung zu Art. 3 AsylG vereinbar zurückgewiesen. An-
gesichts dessen erübrigt es sich, diese Fragestellung im vorliegenden Fall
erneut zu erörtern, und es ist diesbezüglich auf den soeben erwähnten Ent-
scheid zu verweisen.
6.7 Dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Syrien eine Ver-
folgung durch seinen ehemaligen Arbeitgeber drohen könnte, wird nicht in
Abrede gestellt. Auch erscheint grundsätzlich glaubhaft, dass F._
über einen grossen Einfluss und ein weitreichendes Beziehungsnetz ver-
fügt. Gleichwohl handelt es sich beim Arbeitgeber auch unter Berücksich-
tigung von dessen Rolle und Kontakten um eine Drittperson und nicht etwa
um den verlängerten Arm der staatlichen Behörden. Die Flüchtlingseigen-
schaft setzt aber auch bei einer Verfolgung durch Dritte voraus, dass der
geltend gemachten Verfolgung oder der staatlichen Schutzverweigerung
ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv gemäss Art. 3 Abs. 1 AsylG
(Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen
Gruppe, politische Anschauungen) zugrunde liegt (vgl. Urteile des BVGer
E-1635/2020 vom 6. August 2020 E. 6.2; D-5968/2017 vom 3. Juli 2019
E. 3.2). Der befürchteten Verfolgung durch den kriminellen Arbeitgeber be-
ziehungsweise den durch diesen praktizierten Eliminationen von "untreuen
Männern und Mitarbeitern beziehungsweise Abtrünnigen" (vgl. Replik S. 6)
mangelt es offensichtlich an einem asylrelevanten Verfolgungsmotiv. Aus
dem Vorbringen in der Beschwerde, der Beschwerdeführer habe sich nicht
an Kampfhandlungen beteiligen und keine Waffen gegen Mitbürger tragen
wollen, weder für die syrischen Behörden noch für seinen Arbeitgeber, lässt
sich ebenfalls kein solches Motiv ableiten. Sodann wird nicht weiter ausge-
führt, inwiefern die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur kurdischen
Ethnie von Bedeutung wäre (vgl. Beschwerde S. 4). In einer allfälligen
Schutzunfähigkeit beziehungsweise einem allfälligen mangelnden Schutz-
willen der staatlichen Behörden aufgrund der Machtposition des Arbeitge-
bers wäre gleichermassen kein asylrechtlich relevantes Motiv zu erkennen.
Der vom Arbeitgeber ausgehenden Gefährdung des Beschwerdeführers
wurde indessen durch die Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Un-
zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen (vgl. SEM-act.
[...]-50/9 S. 4). Übereinstimmend mit dem SEM ist ferner festzuhalten,
dass ein allfälliges Vorgehen der heimatlichen Behörden gegen den Be-
schwerdeführer aufgrund dessen Handlungen für den Arbeitgeber recht-
staatlich legitime Massnahmen darstellen würden.
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Seite 19
6.8 Schliesslich führt eine illegale Ausreise aus Syrien nicht zur Annahme,
dass einer syrischen Person bei einer Rückkehr in ihr Heimatland mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung
droht. Zwar ist aufgrund der illegalen Ausreise und der längeren Landes-
abwesenheit davon auszugehen, dass bei einer Wiedereinreise nach Sy-
rien eine Befragung durch die heimatlichen Behörden stattfindet. Da der
Beschwerdeführer aber keine Vorverfolgung erlitten hat und nicht davon
auszugehen ist, dass er vor dem Verlassen Syriens als regimefeindliche
Person ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten ist, kann mit hinrei-
chender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass er als staatsge-
fährdend eingestuft würde. Ferner ist auch nicht aktenkundig, dass er sich
seit seiner Ausreise exilpolitisch exponiert hätte. Somit ist nicht davon aus-
zugehen, er könnte nach einer (hypothetischen) Rückkehr – anders als bei
seiner Einreise nach Syrien im Jahr 2018 – nunmehr als regimefeindliche
Person ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten (vgl. Urteil des BVGer
D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.3 [als Referenzurteil publiziert];
bestätigt etwa im Urteil des BVGer E-2791/2019 vom 22. Juni 2020 E. 6.5).
6.9 Hinsichtlich des Einwandes, das SEM habe in anderen Fällen asylsu-
chende syrische Staatsangehörige bereits aufgrund der illegalen Ausreise
aus ihrem Heimatstaat oder aufgrund des Umstandes, dass sie sich im
dienst- und reservedienstpflichtigen Alter befinden, als Flüchtlinge aner-
kannt, weshalb dem Beschwerdeführer aus Gründen der Rechtsgleichheit
ebenfalls die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen sei, ist festzuhalten,
dass die Verwaltungsbehörde stets Einzelfälle zu beurteilen hat. Der Um-
stand, dass in Fällen mit ähnlich erscheinenden Eckdaten unterschiedliche
Entscheide getroffen wurden, lässt noch nicht auf eine Ungleichbehand-
lung schliessen.
6.10 Zusammenfassend ergibt sich, dass keine asylrechtlich relevanten
Verfolgungsgründe ersichtlich sind, weshalb das SEM zu Recht die Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführenden verneint und deren Asylgesu-
che abgelehnt hat.
7.
Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Die Be-
schwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die
Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9).
D-2002/2020
Seite 20
8.
Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes-
recht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist demnach
abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen, jedoch aufgrund des zu Recht gerügten und
auf Beschwerdeebene geheilten Verfahrensmangels in Anwendung von
Art. 63 Abs. 1 VwVG zu ermässigen. Vorliegend wurde indes der Antrag
auf unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit
Verfügung vom 29. April 2020 gutgeheissen. Aufgrund der mit Eingabe
vom 10. November 2021 eingereichten Unterlagen ist nach wie vor von der
Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden auszugehen, weshalb keine Ver-
fahrenskosten zu erheben sind.
9.2 Hinsichtlich der berechtigten formellen Rüge (vgl. E. 3.3) ist den Be-
schwerdeführenden eine angemessene (reduzierte) Parteientschädigung
für die ihnen aus der Beschwerdeführung im Rahmen des festgestellten
Verfahrensmangels erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen.
Eine Kostennote wurde nicht eingereicht. Der diesbezüglich notwendige
Vertretungsaufwand lässt sich aber aufgrund der Akten hinreichend zuver-
lässig abschätzen (Art. 14 Abs. 2 in fine des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]; VGKE). In Anwendung der genannten Be-
stimmung und unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfak-
toren (vgl. Art. 8–13 VGKE) ist das SEM anzuweisen, den Beschwerdefüh-
renden eine Entschädigung für die berechtigte Geltendmachung der for-
mellen Rüge in der Höhe von Fr. 150.– auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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