Decision ID: fca89ca5-fb6b-4b64-a49e-ece276af7365
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch lic. iur. Dagmar Meyer, c/o Glaus & Partner, Obergasse 28,
Postfach 133, 8730 Uznach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a Am 11. Mai 2006 meldete sich die 1963 geborene G._ bei der
Invalidenversicherung zum Bezug von IV-Leistungen an und beantragte
Berufsberatung, Arbeitsvermittlung sowie eine Rente. Sie gab an, sie leide seit Juni
2003 an einer koronaren Herzkrankheit. Vom 28. November 1994 bis 1. November
2005 (letzter Arbeitstag) sei sie bei A._ im Verkauf mit einem Stundenlohn von
Fr. 18.50 tätig gewesen. Des Weiteren gab die Versicherte an, ihr Ehemann beziehe
eine IV-Rente (IV-act. 1). Die Arbeitgeberin bestätigte am 29. Mai 2006, dass die
Versicherte vom 28. November 1994 bis zum 31. August 2006 als Verkäuferin zu 50%
angestellt gewesen sei. Dabei habe sie seit dem 1. Januar 2003 einen Stundenlohn von
Fr. 18.50 erhalten (IV-act. 8). Eine Rückfrage bei der ehemaligen Arbeitgeberin hat im
Juli 2007 ergeben, dass die Versicherte 2007 einen Stundenlohn von Fr. 19.70 erhalten
hätte (IV-act. 28).
A.b Im Austrittsbericht der Klinik für Kardiologie des Universitätsspitals Zürich vom
1. Februar 2006 hielt Prof. Dr. med. B._, Kardiologie und Innere Medizin FMH, bei der
Versicherten als Diagnose eine koronare 3-Gefässerkrankung fest (IV-act. 2). Darauf
gestützt gab der Hausarzt Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, am 1. Juni 2006
an, die Versicherte sei seit dem 10. Oktober 2005 in ihrer angestammten Tätigkeit
100% arbeitsunfähig (IV-act. 12). Im Bericht vom 27. Juni 2006 hielt er fest, der
Versicherten wäre noch z.B. eine Bürotätigkeit mit 30% Leistung zumutbar (IV-act. 15).
A.c Am 24. Oktober 2006 attestierte Dr. med. D._, Kardiologie FMH, des
Universitätsspital Zürich der Versicherten als Verkäuferin eine 70%ige
Arbeitsunfähigkeit seit März 2003. In leichten Tätigkeiten sei ihr eine Arbeitsfähigkeit
von 50% in Teilzeit zumutbar (IV-act. 20). Im Verlaufsbericht des Universitätsspitals
Zürich vom 1. Mai 2007 gab Prof. Dr. med. B._ an, der Gesundheitszustand der
Versicherten sei stationär. Sie sei bei den alltäglichen Lebensverrichtungen seit März
2003 auf Hilfe von Drittpersonen angewiesen (IV-act. 23).
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A.d Mit Stellungnahme des RAD vom 24. Mai 2007 hielt Dr. med. E._ fest, auch nach
erneuter Bypass-Operation am 14. November 2006 (IV-act. 23-4) zeige sich die
Versicherte deutlich eingeschränkt. Mit einer weiteren Verbesserung sei nicht zu
rechnen. In körperlich leichter, sitzender Tätigkeit sei der Versicherten eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit zumutbar (IV-act. 24).
A.e Am 20. Juli 2007 hielt die Eingliederungsberaterin im Schlussbericht fest, die
Versicherte sehe sich aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen nicht
arbeitsfähig und verzichte auf die Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 28).
A.f Bei der Abklärung im Haushalt am 13. September 2007 gab die Versicherte an, sie
wäre heute ohne Behinderung erwerbstätig. Es wäre geplant gewesen, dass sie ab
Februar 2006 ihr Pensum von 50% auf 70% erhöht hätte. Infolge der Krankheit sei dies
dann nicht möglich gewesen. Im Abklärungsbericht wurde am 8. Januar 2008 sodann
eine 16,34%ige Einschränkung der Versicherten und damit ein Invaliditätsgrad im
Haushalt von 4,9% bestimmt (IV-act. 36).
A.g Am 16. Januar 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass weder die
Voraussetzungen für ein Arbeitstraining, eine berufliche Abklärung, Arbeitsvermittlung
noch die realistische Vermittelbarkeit gegeben seien. Deshalb werde die
Arbeitsvermittlung abgeschlossen (IV-act. 38). Mit Vorbescheid gleichen Datums wurde
der Versicherten die Abweisung des Anspruchs auf eine Rente in Aussicht gestellt (IV-
act. 40). Dagegen erhob die Versicherte am 13. Februar 2008 Einwand (IV-act. 41-1).
A.h Mit Verfügung vom 27. Februar 2008 wies die IV-Stelle den Rentenanspruch der
Versicherten aufgrund eines Invaliditätsgrades von 25% ab (IV-act. 42).
B.
B.a Die Beschwerde vom 14. April 2008 des Rechtsvertreters der Versicherten, Dr. iur.
Bruno Glaus, richtet sich gegen die Verfügung vom 27. Februar 2008 (act. G1). Der
Rechtsvertreter beantragt, die Verfügung sei aufzuheben und der Invaliditätsgrad der
Beschwerdeführerin sei auf mindestens 50% festzulegen. Eventualiter sei die
Verfügung aufzuheben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen,
soweit der Referent gestützt auf Art. 6 des Reglements über den Geschäftsgang des
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Versicherungsgerichts bzw. Art. 54 VRP die Streitsache nicht auf dem Weg über einen
Verständigungsversuch erledigen könne. Zur Begründung wird aufgeführt, der
Beschwerdeführerin könne gemäss der familienrechtlichen Gerichtspraxis bei
Trennungen bzw. Scheidungen betreffend die Zumutbarkeit des Eigenverdienstes der
Ehegattin bzw. Mutter ab dem 10. Altersjahr des Kindes eine 50% Stelle und ab dem
16. Altersjahr eine Erwerbstätigkeit von 100% zugemutet werden. Ausserdem habe die
Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente, da laut Mitteilung der IV-Stelle
die Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederhergestellt, erhalten oder verbessert werden könne. Aufgrund der 50%igen
Arbeitsunfähigkeit im Beruf und Haushalt sowie der Auffassung des Hausarztes, liege
bei der Beschwerdeführerin ein Invaliditätsgrad von 50% vor. Auch Prof. Dr. med.
B._ teile diese Auffassung. Deshalb habe sie Anspruch auf eine halbe Rente.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 10. Juni 2008 (act. G4) beantragt die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen. Dabei macht sie geltend, die
Beschwerdeführerin sei als zu 70% erwerbstätig und zu 30% als Hausfrau einzustufen.
Die Invalidität habe deshalb nach der gemischten Methode berechnet zu werden.
Darüberhinaus stelle das Schreiben von Prof. Dr. med. B._ die Einschätzung einer
50%igen Arbeitsunfähigkeit nicht in Frage. Es sei zu vermuten, dass er annehme, eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit müsse sich zwingend in einem Invaliditätsgrad von 50%
abbilden. Sie seien jedoch zu Recht von einer zumutbaren Restarbeitsfähigkeit von
50% ausgegangen. Zum Einkommensvergleich könne auf die angefochtene Verfügung
verwiesen werden, da dieser von der Beschwerdeführerin nicht konkret beanstandet
worden sei. Das Valideneinkommen bei einem 70% Pensum betrage Fr. 22'813.-- und
das Invalideneinkommen belaufe sich gemäss statistischer Tabellenlöhne bei einer
zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50% auf Fr. 16'295.--. Daher resultiere eine
Einschränkung von rund 29%, was einer Invalidität im Erwerb von 20% entspreche. Im
Weiteren begründet die Beschwerdegegnerin, der Abklärungsbericht Haushalt sei
beweiskräftig. Aufgrund der grösseren Freiheit in der zeitlichen Gestaltung der Arbeit
sowie der zumutbaren Mithilfe der 1993 geborenen Tochter, sei eine 16%ige
Einschränkung der Beschwerdeführerin im Haushalt ermittelt worden. Dies ergebe bei
einem Anteil von 30% eine gewichtete Invalidität im Aufgabenbereich von rund 5%.
Insgesamt resultiere somit ein Invaliditätsgrad von 25%, weshalb die angefochtene
Verfügung korrekt sei.
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B.c Am 18. August 2008 hält der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit Replik
(act. G11) an den Rechtsbegehren fest. Er führt dabei an, ein Arzt dürfe und müsse sich
im Sinne einer sachverständigen Stellungnahme auch zum Invaliditätsgrad äussern
können. Diese Stellungnahme müsse von der Beschwerdegegnerin zur Wahrung des
rechtlichen Gehörs gewürdigt werden. Ausserdem stelle der Befund des Arztes
unmissverständlich klar, dass die Beschwerdeführerin in keiner Art und Weise mit
körperlicher Anstrengung verbundene Tätigkeiten ausüben solle. Dies treffe auch für
die Haushaltsführung zu.
B.d Die Beschwerdegegnerin hat am 25. August 2008 auf die Einreichung einer Duplik
verzichtet (act. G13).

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die anlässlich der 5. IV-Revision vorgenommenen
Änderungen des IVG und anderer Erlasse in Kraft getreten. Die angefochtene
Verfügung wurde von der Beschwerdegegnerin am 27. Februar 2008 erlassen. Zu
beurteilen ist ein Sachverhalt, der sich vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision entwickelt
hat. Aufgrund der allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln ist es gerechtfertigt, auf
den vor dem 31. Dezember 2007 zu beurteilenden Sachverhalt die damals geltenden
Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt die neuen Normen anzuwenden (vgl. BGE 130
V 446 E. 1). Für die Invaliditätsbemessung ergeben sich dadurch keine substanziellen
Änderungen. Neu normiert wurde demgegenüber der Zeitpunkt des Rentenbeginns,
der, sofern die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen gegeben sind (neuArt. 28
Abs. 1 IVG), gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens sechs Monate nach
Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach neuArt. 29 Abs. 1 ATSG entsteht. Es
fragt sich, ob und unter welchen Voraussetzungen bei Verfügungen unter neuem Recht
für den Anspruchsbeginn dennoch die bisherigen Bestimmungen anzuwenden sind.
Das Bundesgericht hat gestützt auf das Rundschreiben des Bundesamtes für
Sozialversicherungen (Nr. 253 vom 12. Dezember 2007), wenn der Rentenanspruch vor
dem 1. Januar 2008 entstanden ist, altes Recht angewendet (vgl. Entscheide des
Bundesgerichts vom 28. August 2008, 8C_373/2008, und vom 9. März 2009,
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8C_491/08). Angesichts der IV-Anmeldung im Mai 2006 sowie des Eintritts der
Arbeitsunfähigkeit im Oktober 2005 ist ein allfälliger Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin vor dem 1. Januar 2008 entstanden. Demzufolge können
vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen
angewendet werden.
1.2 Mit Verfügung vom 27. Februar 2008 wurde der Anspruch der Beschwerdeführerin
auf eine Invalidenrente abgewiesen. Die Beschwerdeführerin macht dagegen einen
Anspruch auf mindestens eine halbe Rente geltend. Vorliegend ist somit der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin strittig. Würde sich ohne
Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch ergeben, müsste zudem der
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet werden. Demzufolge muss vor
Zusprechung einer Rente zwingend vorgängig über berufliche Massnahmen
entschieden werden. Somit gehört auch der Anspruch auf berufliche Massnahmen zum
Streitgegenstand.
2.
2.1 Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch einer versicherten Person auf eine
ganze Invalidenrente, wenn sie mindestens zu 70% und auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50%
vor, besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei mindestens 40% Anspruch auf
eine Viertelsrente. Für die Bemessung des Invaliditätsgrades einer erwerbstätigen
versicherten Person wird gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Bei nicht
erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen eine
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG für
die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass für die versicherte
Person eine Unmöglichkeit besteht, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Sind
Versicherte nur zum Teil erwerbstätig oder arbeiten sie unentgeltlich im Betrieb des
Ehegatten oder der Ehegattin mit, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG
bis
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festgelegt. Sind sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, wird die Invalidität für
diese Tätigkeit nach aArt. 28 Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind gemäss der
"gemischten Methode" nach aArt. 28 Abs. 2 IVG der Anteil der Erwerbstätigkeit
sowie der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad
in beiden Bereichen zu bemessen. Ist dabei anzunehmen, dass die Versicherten im
Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig
erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung nach den Grundsätzen für
Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27 IVV).
2.2 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen
unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der
versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, wie das
Versicherungsgericht befürwortet (vgl. z.B. Entscheide des Versicherungsgerichts des
Kanton St. Gallen vom 23. April 2009, IV 2008/86 E. 1.2 oder vom 17. Juli 2008, IV
2008/268 E. 2.2), sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre
(BGE 133 V 507 E. 3.3; Entscheid des Bundesgerichts vom 28. Juli 2008, 9C_49/2008).
Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären,
sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die
Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen.
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis
zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische
Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im
Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erforderlich ist (BGE 130 V 396 E. 3.3; 125 V 150 E. 2c). Nebst dem früheren
Arbeitsverhalten sind im Wesentlichen die Absicht der versicherten Person und ihre
Vorstellungen und Pläne zum Alltag ohne Gesundheitsschaden zu berücksichtigen (vgl.
Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 20. Juni 2003, I 635/02).
Von Bedeutung sind vor allem auch die Verdienstverhältnisse (Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 4. Januar 2002, I 715/00). Die konkrete
Situation und die Vorbringen der Versicherten sind nach Massgabe der allgemeinen
bis
ter
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Lebenserfahrung zu würdigen (Entscheid des Bundesgerichts vom 19. März 2007, I
185/06).
2.3 Im Abklärungsbericht Haushalt vom 11. Dezember 2007 gab die
Beschwerdeführerin an, sie würde heute ohne Behinderung einer Erwerbstätigkeit
nachgehen. Dies begründete sie damit, dass geplant gewesen sei, ihr Pensum ab
Februar 2006 von bisher 50% auf 70% zu erhöhen. Infolge der Krankheit sei dies dann
nicht möglich gewesen. Eine genaue Angabe zum Umfang der hypothetischen
Erwerbstätigkeit kann dem Abklärungsbericht aber nicht entnommen werden. Die
protokollierte Aussage der Beschwerdeführerin beantwortet nämlich die Frage nach
der Ausübung einer Erwerbstätigkeit ohne Behinderung nicht eindeutig. Denn die
Erklärung einer vorgesehenen Erhöhung des Pensums bezieht sich offenbar nicht auf
den hypothetischen "Gesundheitsfall". Die Beschwerdeführerin leidet seit 2003 (erste
Bypassoperation) an ihrer Krankheit (IV-act. 36-12). Im Zeitpunkt der beabsichtigten
Erhöhung des Pensums, im Februar 2006, litt die Beschwerdeführerin somit bereits seit
längerer Zeit an ernsthaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Das damalige
effektive wie auch das geplante Arbeitspensum wurden offensichtlich unter dem
Eindruck der in jenem Zeitpunkt vorliegenden gesundheitlichen Einschränkungen
umschrieben. Für den hypothetischen "Gesundheitsfall" kann deshalb nicht einfach auf
die beabsichtigten Verhältnisse ab Februar 2006 abgestellt werden. Um die Frage nach
der Ausübung einer Erwerbstätigkeit ohne Behinderung beantworten zu können, hätte
die Beschwerdeführerin von der tatsächlichen Situation abstrahieren und sich die
hypothetischen Verhältnisse als Gesunde vorstellen müssen. Es erscheint jedoch als
fraglich, ob sich die Beschwerdeführerin nach dieser langen Leidenszeit überhaupt
noch vorstellen kann, wie es im Gesundheitsfall um ihre ausserhäusliche Erwerbsarbeit
bestellt wäre. Unter den gegebenen Umständen kann deshalb bei der protokollierten
Aussage der Beschwerdeführerin im Abklärungsbericht Haushalt nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass diese auf einer
zuverlässigen hypothetischen Annahme basierte.
2.4 Bei der Frage nach der hypothetischen Erwerbstätigkeit ist daher vorliegend auf
objektiv feststellbare Gegebenheiten abzustellen (wie etwa im Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St.Gallen vom 10. Juni 2008, IV 2007/68, bestätigt
durch den Entscheid des Bundesgerichts 9C_650/2008). Rechtserheblich für den
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Erwerbsstatus ist allein, was die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Prüfung des
Rentenanspruchs ohne gesundheitliche Beeinträchtigung effektiv tun würde (vgl.
Entscheid des Bundesgerichts vom 5. Januar 2007, I 701/06 E. 5.1). Dazu sind neben
den erwerblichen Verhältnissen auch die persönlichen, familiären und sozialen
Verhältnisse sowie die persönlichen Neigungen zu berücksichtigen. Vom 28. November
1994 bis 1. November 2005 arbeitete die Beschwerdeführerin zu 50% als Verkäuferin
bei A._. Trotz der Geburt ihrer Tochter im Jahr 1993 ging die Beschwerdeführerin
während der genannten Zeit stets einer Erwerbstätigkeit von mindestens 50% nach.
Die im IK-Auszug vermerkten AHV-pflichtigen Jahreseinkommen lassen zudem darauf
schliessen, dass die Beschwerdeführerin vor der Geburt ihrer Tochter einer vollen
Erwerbstätigkeit nachgegangen war (IV-act. 7). Mittlerweile ist die Tochter der Familie
aber nicht mehr betreuungsbedürftig, sondern selbständig und hilft nach Möglichkeit
im Haushalt mit. Die familiäre Situation der Beschwerdeführerin liesse demnach eine
volle Erwerbstätigkeit zu. Auch eine Erledigung des Haushalts am Abend und an den
Wochenenden durch die Beschwerdeführerin würde dem nicht entgegen stehen. Da
auch der Ehemann der Beschwerdeführerin herzkrank ist und am 15. Dezember 2004
herztransplantiert werden musste, hatte die Beschwerdeführerin stets den
Familienunterhalt mitzufinanzieren. Trotz begonnener Umschulung des Ehemannes
zum Netzwerkadministrator am 19. März 2007, wird die Beschwerdeführerin auch
weiterhin einen grossen Teil an den Lebensunterhalt der Familie leisten müssen.
Zudem möchte die Tochter der Familie die Kantonsschule besuchen, womit in Zukunft
vermehrte Ausbildungskosten anfallen werden. Die bestehenden Verhältnisse deuten
deshalb insgesamt darauf hin, dass die Beschwerdeführerin im "Gesundheitsfall" eine
weitreichende Erwerbstätigkeit ausüben müsste. Es finden sich denn auch keine
konkreten Anhaltspunkte, die eine volle Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin
verhindern würden. Die wahrscheinlichste Variante des hypothetischen Verhaltens der
Beschwerdeführerin ist somit ein Beschäftigungsgrad von 100%. Die Invalidität der
Beschwerdeführerin ist also anhand eines reinen Einkommensvergleiches zu ermitteln.
3.
3.1 Um die für den Einkommensvergleich massgebende prozentuale Arbeitsfähigkeit
ermitteln zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die der Arzt und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
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Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BGE 125 V 261f. E. 4). Das
Gericht hat den Sachverhalt objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (vgl. BGE 125 V 352 E. 3a). Es ist daher Aufgabe des
Gerichtes anhand der medizinischen Fakten und Einschätzungen der Ärzte den
jeweiligen Invaliditätsgrad zu berechnen. Die Beurteilungen der Ärzte sowie deren
Arbeitsfähigkeitsschätzungen bilden dabei unabdingbare Grundlage.
3.2 Dr. med. C._ gab am 27. Juni 2006 an, der Beschwerdeführerin sei im Moment
eine andere Tätigkeit als die angestammte im Umfang von 30% zumutbar. Es wäre
dabei z.B. eine leidensadaptierte Bürotätigkeit denkbar. Mit Arztbericht des
Universitätsspitals Zürich vom 24. Oktober 2006 attestierte Dr. med. D._ der
Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in körperlich leichten Tätigkeiten.
Diese sei ihr am ehesten in Teilzeit zumutbar. Der Verlaufsbericht des
Universitätsspitals Zürich vom 1. Mai 2007 bestätigte nochmals die gestellte Diagnose
sowie die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Daraufhin hielt der RAD am 25. Mai 2007
in einer Stellungnahme fest, die medizinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin sei in einer körperlich leichten, sitzenden Tätigkeit 50%. Diese
Einschätzung wurde auch von den Parteien nicht angefochten. Insgesamt erscheinen
die vorliegenden Arztberichte medizinisch fundiert und schlüssig. Aufgrund der
gestellten Diagnosen wird nachvollziehbar auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit geschlossen. Damit ist vorliegend von einer zumutbaren
Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 50% in leidensadaptierter Tätigkeit
auszugehen.
4.
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4.1 Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grundsätzlich auf die
Gegebenheiten im Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns abzustellen (BGE 129 V
222). Auf den Beginn des Rentenanspruchs sind vorliegend die bis zum 31. Dezember
2007 gültigen Rechtsnormen anzuwenden. Mit Arztbericht vom 1. Juni 2006 attestierte
Dr. med. C._ der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit ab dem 10. Oktober 2005. Gemäss aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG
ist der Rentenbeginn der Beschwerdeführerin damit auf den 1. Oktober 2006
festzusetzen.
4.2 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird
in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft (BGE 134 V 325f. E. 4.1).
Die Beschwerdeführerin war seit November 1994 bis Ende August 2006 bei A._ zu
50% als Verkäuferin angestellt. Dabei verdiente sie im Jahr 2003 brutto Fr. 18'708.--,
im Jahr 2004 brutto Fr. 21'048.-- und im Jahr 2005 brutto Fr. 15'302.-- (IV-act. 8-5ff.).
Ausgehend vom höchsten Jahreslohn im Jahr 2004 hätte die Beschwerdeführerin im
Jahr 2006 für ihre hypothetische erwerbliche Leistungsfähigkeit von 100% ohne
Gesundheitsschaden einen Jahreslohn von Fr. 43'113.-- verdient.
4.3 Für die Bemessung des Valideneinkommens ist somit grundsätzlich auf das
hypothetische Erwerbseinkommen im Jahr 2006 der Beschwerdeführerin abzustellen.
Bezog jedoch eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe
Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse,
beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen Saisonnierstatus) ein deutlich
unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der
Invaliditätsbemessung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine
Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem
bescheideneren Einkommensniveau begnügen wollte. Diese Parallelisierung der
Einkommen kann praxisgemäss entweder auf Seiten des Valideneinkommens durch
eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder durch
Abstellen auf die statistischen Werte oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens
durch eine entsprechende Herabsetzung des statistischen Wertes erfolgen (BGE 134 V
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326 E. 4.1 mit Hinweisen). Der durchschnittliche Tabellenlohn der LSE im Detailhandel
der Frauen vom Jahr 2006 beträgt unter Berücksichtigung der betriebsüblichen
Arbeitszeit von 41,7 Stunden pro Woche Fr. 49'364.--. Damit liegt das hypothetische
Erwerbseinkommen der Beschwerdeführerin deutlich unter dem Tabellenwert. Da nicht
anzunehmen ist, dass sich die Beschwerdeführerin freiwillig mit einem
unterdurchschnittlichen Einkommen begnügt hat, ist eine Parallelisierung der
Vergleichseinkommen vorzunehmen. Sind demnach Validen- und Invalideneinkommen
ausgehend vom selben Lohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter
Berücksichtigung des sogenannten Leidensabzugs vom Tabellenlohn (vgl. SVR 2008 IV
Nr. 2 S. 3 E. 5.4).
4.4 Nach der Rechtsprechung kann anhand eines allgemeinen behinderungsbedingten
Abzugs dem Umstand Rechnung getragen werden, dass versicherte Personen mit
einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das entsprechende
durchschnittliche Lohnniveau nicht erreichen bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg
verwerten können. Anhand des konkreten Einzelfalles ist dabei zu prüfen, ob und in
welchem Ausmass die Tabellenlöhne gekürzt werden müssen (BGE 126 V 78ff. E. 5a
und 5b). Dies hängt sodann von sämtlichen persönlichen und beruflichen Merkmalen
(namentlich leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad) der versicherten Person ab, wobei der
maximal zulässige Abzug auf 25% festzusetzen ist (BGE 129 V 481 E. 4.2.3). Dabei ist
zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichseinkommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des sogenannten
Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 328 E. 5.2).
Da die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Herzkrankheit auch in einer
leidensangepassten Tätigkeit auf die Rücksichtnahme des Arbeitgebers angewiesen ist
und sie im Vergleich zu den Tabellenlöhnen, welche von gesundheitlich nicht
beeinträchtigten Angestellten erhoben werden, mit einer gewissen Lohneinbusse wird
rechnen müssen, erscheint ein Abzug von 10% vom statistischen
Durchschnittseinkommen angemessen. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50% in
adaptierter Tätigkeit und unter Berücksichtigung eines Abzugs von 10% ergibt sich
somit ein Invaliditätsgrad von 55%.
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4.5 Gemäss Art. 16 ATSG ist der Einkommensvergleich zur Bemessung des
Invaliditätsgrades erst nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen vorzunehmen. Da sich ohne Eingliederungsmassnahmen
ein Rentenanspruch ergibt, muss beurteilt werden, ob vor der Rentenzusprache
zumutbare Eingliederungsmassnahmen in Frage kommen. Die Beschwerdegegnerin
hat die Frage eines Anspruchs auf eine berufliche Wiedereingliederung verneint, da im
Verfügungszeitpunkt die Voraussetzungen für erfolgreiche berufliche Massnahmen
realistischerweise nicht vorlagen (IV-act. 28-1, 30-1, 38-1). Dem kann sich das Gericht
anschliessen.
4.6 Insgesamt ergibt sich für die Beschwerdeführerin somit aufgrund des
Invaliditätsgrades von 55% ein Anspruch auf eine halbe Rente.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde gutzuheissen und
der Beschwerdeführerin eine halbe Rente seit dem 1. Oktober 2006 zuzusprechen.
Allerdings kann die Höhe dieser Invalidenrente vom Gericht nicht ermittelt werden, da
dazu ein Zusammenruf der individuellen Beitragskonten der Beschwerdeführerin
erforderlich ist. Die Sache ist deshalb zur Vervollständigung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Die obsiegende Beschwerdeführerin hat Anspruch auf Ersatz der Parteikosten.
Dieser bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit
des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). In Anwendung dieser Kriterien wird die von der
Beschwerdegegnerin auszurichtende Parteientschädigung auf Fr. 3'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1 IVG). Die vollumfänglich unterliegende
Beschwerdegegnerin hat auch für die Gerichtskosten aufzukommen. Diese bemessen
sich nach dem Verfahrensaufwand. Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- ist dem
Verfahrensaufwand angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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