Decision ID: 0da5e8a8-bbb9-4488-9992-1924e7c3e685
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Regelung der Scheidungsnebenfolgen
Berufung gegen ein Teilurteil des Einzelgerichtes (3. Abteilung) des Bezirksgerichtes Zürich vom 19. März 2020; Proz. FE140545
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Rechtsbegehren der Parteien:
vgl. act. 460 S. 2-21
Teilurteil und Verfügung des Einzelgerichtes:
vgl. act. 460 S. 135-144
Berufungsanträge:
des Klägers: (act. 458 S. 2-4)
1. Das angefochtene Teilurteil FE140545-L/U der 3. Abteilung (Einzelgericht) des Bezirksgerichts Zürich vom 19. März 2020 sei im Rahmen der nachstehenden Berufungsanträge 2 bis 8 aufzuheben;
2. die in Disp. Ziff. 4 des angefochtenen vorinstanzlichen Teilurteils festgelegte Betreuungszeit des Klägers für die Tochter C._ sei durch eine zusätzliche Übernachtung C._s beim Kläger in den Wochen ohne anschliessendes Wochenendbesuchsrecht zu ergänzen, mit folgender neuer Formulierung von Disp. Ziff. 4 Abs. 1:
- jeweils in denjenigen Wochen, an welche sich eine Wochenendbetreuung C._s durch den Kläger anschliesst (beginnend ab Rechtskraft in einer geraden Kalenderwoche) jeden Dienstag ab Schulbeginn (falls C._ keine Schule hat ab 09.00 Uhr) bis 19.30 Uhr (verköstigt)
- jeweils in denjenigen Wochen, an welche sich keine Wochenendbetreuung C._s durch den Kläger anschliesst (beginnend ab Rechtskraft in einer ungeraden Kalenderwoche) jeden Dienstag ab Schulbeginn bis Mittwochmorgen Schulbeginn (falls C._ keine Schule hat ab Dienstag 09.00 Uhr resp. bis Mittwoch 09.00 Uhr);
- jeweils an jedem zweiten Wochenende ... (Text ab hier bis Ende von Disp. Ziff. 4 wie bisher);
3. in Aufhebung von Disp. Ziff. 10 und 11 des angefochtenen  Teilurteils seien die Unterhaltsbeiträge für die Beklagte und für die Tochter C._ (zusätzlich zur Gewährung des Wohnrechts in der Liegenschaft D._-strasse ... und der Übernahme sämtlicher Zins-/Unterhaltskosten dieser Liegenschaft
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in der Höhe von rund CHF 25'000.00 pro Monat durch den Kläger) wie folgt festzusetzen:
10. a) Der Kläger sei zu verpflichten, der Tochter C._, geb. tt.mm.2011, bis zum 31. Oktober 2023 einen Barunterhaltsbeitrag in der Höhe von CHF 1'567.00 pro Monat zuzüglich allfälliger Familienzulagen zu bezahlen, zahlbar jeweils monatlich zum Voraus an die Beklagte; b) Der Kläger sei zu verpflichten, der Tochter C._ ab 1. November 2023 bis zur Volljährigkeit bzw. bis zum Abschluss einer angemessenen Erstausbildung (solange das Kind im Haushalt der Beklagten lebt und keine eigenen Ansprüche gegenüber dem Kläger stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger bezeichnet) einen Barunterhaltsbeitrag in der Höhe von CHF 1'627.00 pro Monat zuzüglich allfälliger Familienzulagen zu bezahlen, zahlbar jeweils monatlich zum Voraus an die Beklagte.
11. Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten jeweils monatlich zum Voraus die folgenden persönlichen Unterhaltsbeiträge zu leisten:
- bis zum 31. Oktober 2023 CHF 2'473.00; - ab dem 1. November 2023 bis zum 31. Oktober 2027
CHF 803.00; 4. Disp. Ziff. 12 des angefochtenen vorinstanzlichen Teilurteils sei
aufzuheben, und es sei der Tochter C._ und der Beklagten kein zusätzlicher Barunterhaltsanspruch/persönlicher Unterhaltsanspruch unter dem Titel "Zeit ab Auszug aus der Liegenschaft D._-strasse ..., ... Zürich" zuzusprechen;
5. Disp. Ziff. 13 des angefochtenen vorinstanzlichen Teilurteils sei aufzuheben und es seien die finanziellen Eckdaten durch das Obergericht neu festzulegen;
6. Disp. Ziff. 16 des angefochtenen vorinstanzlichen Teilurteils sei aufzuheben und durch folgendes Dispositiv zu ersetzen:
16. a) Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten und der Tochter C._ mit Wirkung bis 31. Oktober 2029 ein nicht in das Grundbuch einzutragendes Wohnrecht in der Liegenschaft D._-strasse ..., ... Zürich (mit sämtlichen dazu gehörenden Nebenräumen, Garten, Garage und Parkplätzen) zu gewähren. b) Der Kläger wird verpflichtet, bis zum 31. Oktober 2029 sämtliche Hypothekar- und Baurechtszinsen sowie Unterhalt und Versicherung der Liegenschaft D._-strasse ... direkt zu bezahlen, wobei es dem Kläger in diesem Zusammenhang gestattet ist, die Auswahl aller für den
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Unterhalt beizuziehenden Unternehmer/Handwerker selbst vorzunehmen;
7. Disp. Ziff. 19 des angefochtenen vorinstanzlichen Teilurteils sei aufzuheben, und es seien die erstinstanzlichen Gerichtskosten vollumfänglich der Beklagten aufzuerlegen;
8. Disp. Ziff. 20 des angefochtenen vorinstanzlichen Teilurteils sei aufzuheben und es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger für die erstinstanzlichen Verfahrensteile "Kinderbelange" und "Scheidungspunkt" eine Parteientschädigung in Höhe von CHF 91'545.00 (inkl. MWST) zu bezahlen; für den erstinstanzlichen Verfahrensteil "Unterhaltsbeiträge" habe das Obergericht in Nachachtung der Ergebnisse des vorliegenden Berufungsverfahrens die erstinstanzliche Parteientschädigung festzulegen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten/Berufungsbeklagten.
Anschlussberufungsanträge
der Beklagten: (act. 476 S. 2-4)
Das Teilurteil des Einzelgerichtes (3. Abt.) des Bezirksgerichts Zürich vom 19. März 2020; Proz. FE140545 sei bezüglich der Dispositivziffern, 2, 4, 8b, 10, 11, 12 und 13 aufzuheben und durch folgende Bestimmungen zu ersetzen: 2. Die Tochter C._, geboren, tt.mm.2011, wird unter die
alleinige Obhut der Mutter gestellt. 4. Der Kläger ist berechtigt und verpflichtet, die Tochter C._ wie
folgt auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen:
- Jeweils an jedem zweiten Wochenende von Freitag ab Schulschluss bis Sonntagabend 19.30 Uhr (verköstigt), beginnend ab Rechtskraft in einer geraden Kalenderwoche. Eventualiter, für den Fall, dass das Wochenendbesuchsrecht nicht gemäss obigem Antrag auf Sonntagabend limitiert wird.
- Jeden zweiten Dienstag nach einem Wochenende ohne Besuchsrecht des Vaters, ab Schulbeginn (falls C._ keine Schule hat ab 09:00 Uhr) bis 19:30 Uhr (verköstigt).
- Während insgesamt vier Ferienwochen pro Kalenderjahr jeweils eine Woche in einer der Schulferien (Sport-,
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Frühlings-, Sommer-, Herbst- und 2. Woche der Weihnachts-/Neujahrsferien), jeweils von Montagmorgen 08:00 Uhr bis Sonntagabend 18:00 Uhr. (Betreuungsregelung an Ostern und Pfingsten, unverändert gemäss Entscheid Vorinstanz).
- In Jahren mit ungerader Jahreszahl vom 25. bis zum 26. Dezember jeweils ab und bis 14:00 Uhr und in Jahren mit gerader Jahreszahl vom 24. bis zum 25. Dezember jeweils ab und bis 14:00 Uhr. (Übrige Regelungen [Absprache der Parteien betr. Ferien, Sechseläuten- oder Knabenschiessenmontag und Zuständigkeit der Beklagten für die übrige Zeit], unverändert gemäss Entscheid Vorinstanz.)
8. b) Der Kläger wird verpflichtet den durch die Beklagten organisierten Unterhalt, nach Vorlage der Rechnungen und Rapporte zu bezahlen. Im Unterhalt sind insbesondere auch die Kosten für folgende Leistungen enthalten: Betrieb und Unterhalt der Heizung (Kaminfeger, Feuerungskontrolle, Serviceabonnement Heizung. Gasrechnungen), Unterhalt und Reparaturen der Alarmanlage, Stromkosten, Kosten für Wasser/Abwasser/Klärgebühr/Meteorwasser, regelmässiger Gartenunterhalt (Rasenmähen/Hecken/Sträucher/ Bäume schneiden, Ersatz von Gartenpflanzen).
10. a) Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten für die Tochter C._ die folgenden Kinderunterhaltsbeiträge zzgl. Familienzulagen zu bezahlen:
- CHF 10'599.– (davon CHF 999.– Betreuungsunterhalt) ab Rechtskraft des Teilurteils bis 31. August 2024 bzw. längstens bis zum Eintritt in die 1. Sekundarstufe
- CHF 8'571.– ab 1. September 2024 bzw. ab Eintritt in die 1. Sekundarstufe
- CHF 5'381.– ab 1. November 2027 bis 31. Oktober 2029 - CHF 9'787.– ab 1. November 2029 bis zum Abschluss einer
angemessenen Erstausbildung zahlbar an die Beklagte im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats. (Geltungsdauer und Regelung der Zahlungsmodalitäten über die Volljährigkeit hinaus, unverändert gemäss Entscheid Vorinstanz.) b) bisherige Bestimmung (Betreuungsunterhalt nicht geschuldet) streichen. Stattdessen: b) Ausserordentliche Kosten für die Tochter (z.B. für Zahnkorrekturen, schulische Fördermassnahmen, etc.) sind vom
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Kläger nach Vorlage der entsprechenden Rechnungen zu drei Viertel zu übernehmen, soweit nicht Dritte, insbesondere Versicherungen, für diese Kosten aufkommen und sofern eine Fachperson diese Auslagen als notwendig erachtet.
11. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten wie folgt nachehelichen Unterhalt zu bezahlen:
- CHF 19'694.– ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis 31. August 2024 bzw. bis zum Eintritt von C._ in die 1. Sekundarstufe
- CHF 17'742.– ab 1. September 2024 bzw. ab Eintritt von C._ in die 1. Sekundarstufe bis 31. Oktober 2027
- CHF 11'358.– ab 1. November 2027 bis 31. Oktober 2029. Die Unterhaltsbeiträge sind an die Beklagte zahlbar und zwar monatlich im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats.
12. a) Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten zusätzlich zur Ziff. 11 ab einem allfälligen Auszug aus der Liegenschaft D._-strasse ... im Rahmen von nachehelichen Unterhalt Wohnkosten in Höhe von CHF 8'300.– (inkl. Mehrsteuern und NK) zu bezahlen, im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats, längstens bis Ende Oktober 2029. b) Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten zusätzlich zu Ziff. 10 für die Tochter C._ ab einem allfälligen Auszug aus der Liegenschaft D._-strasse ... im Rahmen von Kinderunterhalt Wohnkosten in Höhe von CHF 4'400.– (inkl. Mehrsteuern und NK) zu bezahlen, im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats bis zur Volljährigkeit, solange das Kind im Haushalt der Beklagten lebt und keine eigenen Ansprüche gegenüber dem Kläger stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger bezeichnet.
13. Die Festsetzung der Unterhaltsbeiträge gemäss Ziff. 10 und Ziff. 11 vorstehend basiert auf folgenden Grundlagen:
Einkommen: - Kläger: leistungsfähig (unverändert gemäss Entscheid
Vorinstanz) - Beklagte: CHF 3'587.– bis 31. August 2024 bzw. bis Eintritt
1. Sekundarstufe (50 % Pensum) CHF 5'739.– ab 1. September 2024 bzw. ab
Eintritt C._ in die 1. Sekundarstufe (80 % Pensum)
CHF 7'174.– ab 1. November 2027 - C._ CHF 200.– (Familienzulage) bis August 2024 CHF 250.– (Familienzulage) ab September 2024
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Vermögen: - Kläger: CHF 88'500'000 (Steuerausweis 2017) - Beklagte CHF 626'000 (Steuerrechnung 2018) - C._ unbekannt
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt. zulasten des Klägers, Berufungsklägers und Anschlussberufungsbeklagten.

Erwägungen:
I. Ausgangslage und Verfahrensgang
1. Die Parteien heirateten am tt. März 2009. Am tt.mm.2011 kam die
gemeinsame Tochter C._ zur Welt. Der Kläger leitete am 5. Oktober 2012
ein Eheschutzverfahren ein. Die Scheidungsklage datiert vom 4. Juli 2014. Mit
Urteil des Bundesgerichtes vom 14. Mai 2018 wurde die Ehe der Parteien
geschieden (act. 285, Dispositiv-Ziff. 2.1. [BGer, 5A_623/2017]; vgl. act. 460 S. 39
E. I/3). Ungeregelt blieben sämtliche Nebenfolgen der Scheidung.
2. Mit Verfügung vom 19. März 2020 verwies die Vorinstanz die Anträge der
Parteien zum Güterrecht in ein separates Verfahren (act. 460 S. 35 und 135,
Dispositiv-Ziff. 1). Gleichzeitig entschied die Vorinstanz über die Kinderbelange
(elterliche Sorge, Obhut, Betreuungszeiten des Klägers, vgl. a.a.O. S. 136-137,
Dispositiv-Ziff. 1-4), erteilte den Parteien die Weisung zum Besuch einer
Familientherapie (a.a.O. S. 137 f., Dispositiv-Ziff. 5 lit. a), errichtete für C._
eine Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 2 ZGB und wies die KESB der Stadt
Zürich an, einen Beistand/eine Beiständin zu ernennen (a.a.O. S. 138, Dispositiv-
Ziff. 5 lit. b und 5 lit. c). Ferner regelte die Vorinstanz die Anrechnung der
Erziehungsgutschriften und traf Anordnungen betreffend die eheliche
Liegenschaft (a.a.O. S. 138 ff., Dispositiv-Ziff. 7-8, 16-17) und den
Vorsorgeausgleich (a.a.O. S. 141, Dispositiv-Ziff. 15). Sie regelte die
Unterhaltspflicht des Klägers gegenüber C._ und der Beklagten (a.a.O. S.
139 ff., Dispositiv-Ziff. 10-14) und entschied schliesslich über die Kosten- und
Entschädigungsfolgen (a.a.O. S. 143, Dispositiv-Ziff. 18-20).
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3. Der Kläger erhob mit Eingabe vom 18. Mai 2020 Berufung (act. 458). Darauf
wurden die Akten der Vorinstanz beigezogen (act. 1-456), und dem Kläger wurde
mit Verfügung vom 28. Mai 2020 Frist für die Leistung eines Kostenvorschusses
angesetzt (act. 461). Dieser wurde fristgerecht bezahlt (act. 463).
4. Mit Teilurteil vom 3. Juli 2020 wies die Kammer die Berufung des Klägers,
soweit sie sich gegen die Betreuungszeit für die Tochter C._ unter der
Woche richtete, ab (act. 460 S. 136, Dispositiv-Ziff. 4 Spiegelstriche 1 und 2;
act. 464). Gleichentags wurde der Beklagten Frist für die Berufungsantwort
angesetzt (act. 466). Die Beklagte erstattete am 14. September 2020 die
Berufungsantwort (act. 473-474/1-10) und erhob gleichzeitig Anschlussberufung
(act. 476-470/1-25).
5. Mit Beschluss vom 17. September 2020 wurde auf die Anschlussberufung,
soweit sie sich gegen die Betreuungszeit für C._ unter der Woche richtete
(a.a.O. S. 136, Dispositiv-Ziff. 4 Spiegelstriche 1 und 2), nicht eingetreten und
dem Kläger wurde eine Frist für die Beantwortung der Anschlussberufung
angesetzt (act. 480). Der Kläger stellte daraufhin am 28. September 2020 ein
Begehren um Erläuterung oder Berichtigung des Beschlusses vom 17. September
2020 (act. 482). Dieses Begehren wurde mit Beschluss vom 30. September 2020
abgewiesen (act. 484). Die Beschwerde der Beklagten gegen den Beschluss der
Kammer vom 17. September 2020 wies das Bundesgericht am 21. Oktober 2020
ab (act. 490).
6. Mit Eingabe vom 21. Oktober 2020 erstattete der Kläger die
Anschlussberufungsantwort und nahm sein "Recht auf das letzte Wort" wahr
(act. 488-489). Diese Eingabe wurde der Klägerin mit Verfügung vom 27. Oktober
2020 zugestellt und ihr wurde Frist angesetzt, um eine mündliche Verhandlung
zur Wahrung des Replikrechts zu verlangen, falls sie von ihrem Replikrecht
Gebrauch machen wolle. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass das Verfahren
mit Ablauf der angesetzten Frist ins Stadium der Beratung übergehe, falls keine
Verhandlung verlangt werde (act. 491). Die Klägerin ersuchte mit Schreiben vom
16. November 2020 um Vorladung zur Verhandlung (act. 493), worauf die
Parteien auf den 17. Dezember 2020 zur Verhandlung betreffend Ausübung des
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Replikrechts vorgeladen wurden (act. 494/1-2). Das vom Kläger am 16.
Dezember 2020 gestellte Verschiebungsgesuch (act. 496-497) wurde
gleichentags gutgeheissen und die Verhandlung wurde auf den 13. Januar 2021
verschoben (act. 498/1-2). Anlässlich der Verhandlung, zu welcher der Kläger in
Begleitung von Rechtsanwalt Dr. iur. X._ sowie Rechtsanwalt lic. iur.
E._ namens und in Vertretung der Beklagten erschienen (Prot. S. 12),
nahmen die Parteien ihr Replikrecht wahr.
7. Mit Schreiben vom 30. März 2021 teilte Rechtsanwalt lic. iur. E._ mit,
dass er das Mandat altershalber beende (act. 502). Tags darauf zeigte
Rechtsanwalt lic. iur. Y._ unter Beilage einer Vollmacht die
Mandatsübernahme an (act. 503-504). Der Kläger reichte mit Eingabe vom 27.
April 2021 eine Noveneingabe unter Beilage der zwischenzeitlich verschickten,
begründeten Ausfertigung des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung,
vom 19. November 2020 ins Recht (act. 505 und 506). Das Verfahren erweist sich
als spruchreif.
II. Prozessuales
1. Gegenstand des Berufungsverfahrens
1.1. Mit Bezug auf die Betreuungsregelung in Dispositiv-Ziff. 4 Abs. 1
Spiegelstriche 1 und 2 ist das Teilurteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 19. März
2020 wie erwähnt rechtskräftig und vollstreckbar geworden, nachdem die
Berufung des Klägers gegen die genannten Bestimmungen mit Teilurteil der
Kammer vom 3. Juli 2020 abgewiesen wurde (act. 464 S. 9 und 10, Dispositiv-Ziff.
1). Entsprechend wurde dem Kläger diesbezüglich in der Zwischenzeit eine
Rechtskraftbescheinigung ausgestellt (act. 471) bzw. mit Beschluss vom 17.
September 2020 auf die Anschlussberufung der Beklagten, soweit sie die
erstinstanzliche Betreuungsregelung gemäss Dispositiv-Ziff. 4 Abs. 1
Spiegelstriche 1 und 2 zum Gegenstand hat, nicht eingetreten (act. 480).
1.2. Nicht angefochten wurde das erstinstanzliche Teilurteil hinsichtlich
Dispositiv-Ziff. 1 (gemeinsame elterliche Sorge), Dispositiv-Ziff. 3 (Absehen von
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der Erstellung eines Erziehungsfähigkeitsgutachtens), Dispositiv-Ziff. 5 und 6
(Weisung betreffend Familientherapie und Anordnung einer Beistandschaft),
Dispositiv-Ziff. 7 (Erziehungsgutschriften), Dispositiv-Ziff. 8 lit. a und c (Bezahlung
Baurechtszinsen und Kosten), Dispositiv-Ziff. 9 (Noveneingabe betreffend
nachehelichen Unterhalt), Dispositiv-Ziff. 15 (Vorsorgeausgleich) und Dispositiv-
Ziff. 17 (Übernahme von Steuern im Zusammenhang mit Wohnrecht). Davon ist
Vormerk zu nehmen.
1.3. Die Berufung des Klägers richtet sich gegen die Dispositiv-Ziff. 10, 11, 12
und 13 bzw. gegen die Höhe der Kinderunterhaltsbeiträge und der nachehelichen
Unterhaltsbeiträge sowie die Festsetzung der finanziellen Grundlagen der
Unterhaltsberechnung (act. 458 S. 2-5, Berufungsanträge 3-5). Weiter ficht der
Kläger Dispositiv-Ziff. 16 betreffend Eintragung des Wohnrechts an der
Liegenschaft D._-strasse ... in ... Zürich im Grundbuch sowie Dispositiv-Ziff.
8 lit. b betreffend Auswahl der für den Unterhalt beizuziehenden Unternehmer und
Handwerker an (a.a.O. S. 3 f. Berufungsantrag 6). Schliesslich beantragt der
Kläger eine Korrektur der Dispositiv-Ziff. 19 und 20, indem die erstinstanzlichen
Gerichtskosten vollumfänglich der Beklagten aufzuerlegen seien und diese ihm
für das erstinstanzliche Verfahren für die Kinderbelange und den
Scheidungspunkt eine Parteientschädigung von Fr. 91'545.– (inkl. MWST) zu
bezahlen habe; für die Regelung der Unterhaltsbeiträge sei die erstinstanzliche
Parteientschädigung nach dem Ausgang des vorliegenden Berufungsverfahrens
festzulegen (a.a.O. S. 4, Berufungsanträge 7 und 8).
1.4. Mit der Anschlussberufung verlangt die Beklagte die alleinige Obhut für die
Tochter C._ (act. 476 S. 2, Antrag 2), eine Reduktion und Präzisierung der
Ferienzeiten sowie eine Änderung der Betreuung über die Weihnachtstage
(a.a.O., Antrag 4). Weiter beantragt sie eine Präzisierung der Unterhaltskosten für
die Liegenschaft (a.a.O. S. 2 f., Antrag 8 lit. b), eine Erhöhung der Kinder- und
nachehelichen Unterhaltsbeiträge, inkl. Wohnkosten nach Auszug aus der
ehelichen Liegenschaft (a.a.O. S. 3 f., Anträge 10-12), sowie eine Korrektur der
Grundlagen für die Unterhaltsberechnung (a.a.O. S. 4, Antrag 13).
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2. Rechtsmittelvoraussetzungen
2.1. Nach Eingang der Berufung prüft die Rechtsmittelinstanz von Amtes wegen,
ob die Rechtsmittelvoraussetzungen erfüllt sind. Die Berufung richtet sich gegen
einen erstinstanzlichen Endentscheid (Art. 308 Abs. 1 lit. a ZPO) und wurde
rechtzeitig, mit einer Begründung und mit Anträgen versehen beim Obergericht
eingereicht (Art. 311 ZPO). Dasselbe gilt für die Anschlussberufung.
2.2. Der Kläger ist ohne weiteres zur Stellung der obgenannten
Berufungsanträge legitimiert, die Beklagte ihrerseits zur Stellung der aufgeführten
Anschlussberufungsanträge. Mit Ausnahme des Antrags 4, Spiegelstrich 1 und 2,
der Anschlussberufung, auf den bereits mit Beschluss vom 17. September 2020
nicht eingetreten wurde, ist auf die Rechtsmittelanträge der Parteien einzutreten.
3. Überprüfung durch die Berufungsinstanz
3.1. Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung sowie die
unrichtige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden (Art. 310
ZPO). Dabei hat sich die Berufung führende Partei mit der Begründung des
erstinstanzlichen Entscheides auseinanderzusetzen und aufzuzeigen, inwiefern
sie den angefochtenen Entscheid als fehlerhaft erachtet. Die Begründung muss
hinreichend genau und eindeutig sein, was voraussetzt, dass die vorinstanzlichen
Erwägungen, die angefochten werden, im Einzelnen bezeichnet werden und die
Aktenstücke genannt werden, auf denen die Kritik beruht. Blosse Hinweise auf die
Vorakten und pauschale Kritik am ergangenen Entscheid sowie Wiederholungen
des bereits Vorgebrachten genügen nicht. Soweit Rügen konkret vorgebracht
worden sind, wendet die Berufungsinstanz das Recht von Amtes wegen an (Art.
57 ZPO). Insbesondere wird nicht verlangt, dass die Berufung führende Partei
explizit verletzte Gesetzesartikel nennt.
3.2. Die Berufungsinstanz überprüft den angefochtenen Entscheid sowohl in
rechtlicher als auch in tatsächlicher Hinsicht frei. Sie verfügt über volle Kognition
(Art. 310 ZPO) und ist weder an die Argumente der Parteien noch an die
Begründung des vorinstanzlichen Entscheides gebunden (vgl. BGE 133 II 249 E.
1.4.1. und 130 III 136 E. 1.4.). Sie kann sich aber darauf beschränken, die
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Beanstandungen zu beurteilen, welche die Parteien in ihren schriftlichen
Begründungen gegen das erstinstanzliche Urteil erheben (BGer, 5A_635/2015
vom 21. Juni 2016 E. 5 unter Hinweis auf BGer, 4A_619/2015 vom 25. Mai 2016
E. 2.2.4 mit weiteren Hinweisen; REETZ/THEILER, ZK ZPO, 3. Aufl., Art. 310 N 5
und 6; BGE 138 III 374 E. 4.3.1.; OGer ZH NQ110031 vom 9. August 2011, E.
2.2.1. = ZR 110/2011 Nr. 80, S. 246).
3.3. Gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO werden neue Tatsachen und Beweismittel
(Noven) im Berufungsverfahren nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug
vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz
vorgebracht werden konnten. Art. 317 Abs. 1 ZPO regelt die Voraussetzungen,
unter denen Noven ausnahmsweise vorgebracht werden können, abschliessend,
ohne danach zu differenzieren, ob ein Verfahren in den Anwendungsbereich der
Verhandlungs- oder Untersuchungsmaxime fällt. Zu beachten bleibt jedoch trotz
des Ausschlusses von Art. 229 Abs. 3 ZPO für das Berufungsverfahren, dass das
Gericht und damit auch die Rechtsmittelinstanz den Sachverhalt bei
Kinderbelangen in familienrechtlichen Angelegenheiten von Amtes wegen zu
erforschen hat (Art. 296 Abs. 1 ZPO) und daher auch im Rechtsmittelverfahren
von sich aus noch Untersuchungen anstellen kann bzw. muss (vgl. BGer,
5A_528/2015 vom 21. Januar 2016 E. 2). Dies führt dazu, dass in Kinderbelangen
Noven in Abweichung von Art. 317 Abs. 1 ZPO grundsätzlich auch noch im
Berufungsverfahren unbeschränkt bis zum Beginn der Urteilsberatung zuzulassen
sind (BGE 144 III 349, E. 4.2.1; OGer ZH, LC130019 vom 8. Mai 2013, E. 3.1;
LY150026 vom 4. März 2016, E. II.4; LY160035 vom 14. Dezember 2016, E. 2.3;
LY160050 vom 18. April 2017, E. II.3.2). Ferner sind die kraft der
uneingeschränkten Untersuchungsmaxime – und damit einhergehend in
Anwendung des auch in der Berufung geltenden unbeschränkten Novenrechts –
für den Kindesunterhalt gewonnen Erkenntnisse auch für den im gleichen
Entscheid zu beurteilenden ehelichen bzw. nachehelichen Unterhalt zu beachten
und lassen sich im Rahmen der vorzunehmenden Unterhaltsberechnung für
Letzteren nicht gewissermassen "ausblenden" (BGer, 5A_800/2019 vom 9.
Februar 2019, E. 2.2 [zur Publ. vorgesehen]). Soweit also bestimmte Tatsachen
sowohl für den Kindesunterhalt als auch für den nachehelichen Unterhalt relevant
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sind, schlagen das in Bezug auf Ersteren geltende unbeschränkte Novenrecht
und die strenge Untersuchungsmaxime auf Letzteren durch. Sofern den neuen
Tatsachen mit Blick auf das Kindesinteresse nur sehr untergeordnete Bedeutung
zukommt, kann diesen vom Bundesgericht aufgestellten Grundsätzen zum
uneingeschränkten Novenrecht indessen nicht ausnahmslos gefolgt werden,
insbesondere soweit dies in erster Linie zu einer bloss finanziellen Begünstigung
eines Ehegatten im Rahmen des nachehelichen Unterhalts führen würde.
4. Noveneingabe des Klägers vom 27. April 2021
4.1. Mit Verfügung vom 27. Oktober 2020 (act. 491) wurde der Beklagten eine
Frist von 10 Tagen angesetzt, um zu erklären, ob sie eine Verhandlung zur
Wahrung des Replikrechts verlange, mit dem Hinweis, andernfalls gehe die
Sache mit Ablauf der Frist ins Stadium der Beratung über. Nachdem die Beklagte
am 16. November 2020 um Ansetzung einer Verhandlung ersucht hat und diese
Verhandlung am 13. Januar 2021 durchgeführt worden ist (Prot. S. 12 ff.), ist das
Verfahren anschliessend automatisch in die Beratungsphase übergegangen.
4.2. Nach Beginn der Urteilsberatung können weder echte noch unechte Noven
ins Verfahren eingebracht werden; es sind nur Tatsachen und Beweismittel zu
berücksichtigen, die bis zum Beginn der oberinstanzlichen Beratung entstanden
sind und die bis dann ins Recht gereicht wurden. Denn in der Phase der
Urteilsberatung muss der Prozessstoff abschliessend so fixiert sein, dass das
Gericht die Berufungssache gestützt darauf sorgfältig beraten und zügig ein Urteil
ausfällen kann. In dieser Phase soll es nicht möglich sein, mit weiteren
Noveneingaben eine Wiederaufnahme des Beweisverfahrens und damit den
Unterbruch der Urteilsberatung zu erzwingen (BGE 142 III 413, E. 2.2.3-6). Dies
gilt selbst in Kinderbelangen. Tatsachen und Beweismittel, die erst nach Beginn
der Beratungsphase entstanden sind, wie vorliegend die vom Kläger eingereichte
begründete Ausfertigung des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung,
vom 19. November 2020, können alsdann nur noch im Rahmen einer neuen
Klage – bzw. hier im Rahmen eines Abänderungsgesuchs – vorgebracht werden.
Sie werden von der Rechtskraft des zwar erst später gefällten, sich aber bereits
zuvor in Beratung befindenden Entscheids nicht erfasst (BGE 142 III 413, E.
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2.2.6). Die neu vorgebrachten Tatsachen und das Beweismittel sind folglich nicht
mehr zu berücksichtigen.
5. Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz
5.1. Der Kläger macht im Berufungsverfahren geltend, die Vorinstanz habe vor
Erlass des Teilurteils vom 19. März 2020 auf den Erlass einer Beweisverfügung
und auf die Durchführung der gemäss Art. 232 ZPO zwingend gebotenen
Schlussvorträge verzichtet mit der Begründung, die Parteien hätten sich
anlässlich der nach der Hauptverhandlung vom 5./6. Juli 2018 durchgeführten
Verhandlung betreffend vorsorgliche Massnahmen vom 12. Juni 2019
ausreichend äussern können. Die Vorinstanz wäre aber zwingend verpflichtet
gewesen, die Ergebnisse der vsM-Verhandlung und der an dieser durchgeführten
Parteibefragung der Beklagten in ihrem Teilurteil zu berücksichtigen. Die
Vorinstanz habe sich in ihrem Urteil aber nirgends mit den Aussagen der
Beklagten und mit ihrem diffusen Aussageverhalten auseinandergesetzt, weshalb
der Berufungsgrund der unrichtigen Sachverhaltsfeststellung im Sinne von Art.
310 lit. b ZPO gegeben sei (act. 458 S. 36). Die Parteien seien nicht zu
Schlussvorträgen zugelassen worden, anlässlich derer er (der Kläger) die
Lückenhaftigkeit der Aussagen der Beklagten zu ihren Bedarfspositionen und
insbesondere auch deren Unterlassung, aktuelle Belege dazu einzureichen, im
Detail und substantiiert hätte rügen können. Die Verweigerung des rechtlichen
Gehörs durch die Vorinstanz könne im Berufungsverfahren geheilt werden,
weshalb er keine Rückweisung an die Vorinstanz beantrage (a.a.O. S. 37).
5.2. Die Vorinstanz wies darauf hin, sie habe den Parteien mit Verfügungen vom
25. Juli 2018 und 6. September 2018 unter Verweis auf Art. 232 ZPO mitgeteilt,
dass sie nach Abschluss des Beweisverfahrens zum Protokoll der
Hauptverhandlung bzw. zum Protokoll der Kinderanhörung Stellung nehmen
könnten. In der Folge sei den Parteien keine formelle Frist angesetzt worden.
Allerdings seien sowohl der Unterhalt als auch die Betreuung Gegenstand der
nach der Hauptverhandlung und der Kinderanhörung durchgeführten Verhandlung
betreffend vorsorgliche Massnahmen gewesen. In deren Rahmen hätten die
Parteien genügend Gelegenheit gehabt, sich zur persönlichen Befragung sowie
- 15 -
zur Kinderanhörung zu äussern. Es sei ihnen deshalb nicht erneut Gelegenheit
zur schriftlichen Stellungnahme einzuräumen. Sie hätten sich zu den im Streit
liegenden Themen im Haupt- oder den diversen Massnahmenverfahren stets
ausführlich mündlich und schriftlich äussern können, weshalb keine Verletzung
des rechtlichen Gehörs vorliege (act. 460 S. 36 f.).
5.3. Auch die Beklagte kritisiert, dass den Parteien zwingend das Recht
einzuräumen sei, sich zum Beweisergebnis zu äussern. Dies habe die Vorinstanz
unterlassen, indem sie den Parteien nicht die Gelegenheit eingeräumt habe, sich
zu den Parteibefragungen anlässlich der Hauptverhandlung und zur
Kinderanhörung von C._ zu äussern (act. 476 Rz. 73).
5.4. Die Rüge der Parteien, die Vorinstanz hätte ihnen das Recht einräumen
müssen, zu den Parteibefragungen anlässlich der Hauptverhandlung und zur
Kinderanhörung Stellung zu nehmen, ist berechtigt. Tatsächlich wurden die
Parteien anlässlich der Fortsetzung der Hauptverhandlung vom 6. Juli 2018 (Prot.
Vi S. 183 ff.) sowohl zu den Kinderbelangen als auch zum Thema Unterhalt
persönlich befragt (Prot. Vi S. 240 ff.). Ihnen wurde jedoch in der Folge vor Erlass
des Teilurteils vom 19. März 2020 nie formell Gelegenheit eingeräumt, zu den
Ausführungen in der persönlichen Befragung und in der Kinderanhörung Stellung
zu nehmen. Soweit die Vorinstanz festhielt, die Parteien hätten im Rahmen des
Massnahmenverfahrens zu den Ausführungen in der Hauptverhandlung bzw. in
der Kinderanhörung Stellung nehmen können, übersieht sie, dass das
Hauptverfahren von den Massnahmenverfahren getrennt zu führen und den
Parteien in beiden Verfahren das rechtliche Gehör zu gewähren ist. Die
Auffassung der Vorinstanz, sie müsse den Parteien nicht formell Frist für die
Schlussvorträge ansetzen, ist auch deshalb unzutreffend, weil die Vorinstanz den
Parteien mit Verfügungen vom 25. Juli 2018 und 6. September 2018 in Aussicht
gestellt hatte, sie könnten zu den Äusserungen in der Hauptverhandlung und zur
Kinderanhörung noch Stellung nehmen. Demnach hat die Vorinstanz mit ihrem
Vorgehen das rechtliche Gehör der Parteien verletzt, was jedoch – auch nach
Ansicht der Parteien (act. 458 S. 37 [sinngemäss], act. 476 Rz. 73) – im
vorliegenden Berufungsverfahren geheilt werden kann.
- 16 -
5.5. Wenn der Kläger darüber hinaus geltend macht, die Vorinstanz hätte die
Ergebnisse der Verhandlung betreffend vorsorgliche Massnahmen zwingend im
Teilurteil berücksichtigen müssen, vermischt auch er das Massnahmenverfahren
mit dem Hauptverfahren. Seine Rüge, er habe sich zu den Aussagen der
Beklagten in der Verhandlung betreffend vorsorgliche Massnahmen vom 12. Juni
2019 betreffend ihren Bedarf nicht äussern können, hätte im entsprechenden
Massnahmenverfahren vorgebracht werden müssen. Lediglich soweit die
Untersuchungsmaxime greift, sind Tatsachenbehauptungen und Aussagen der
Parteien in persönlichen Befragungen unbeschränkt zu berücksichtigen. Im
Anwendungsbereich der Verhandlungsmaxime (Art. 55 Abs. 1 ZPO), welche
insbesondere beim nachehelichen Unterhalt der Beklagten zum Tragen kommt
(vgl. aber oben, E. II.3.3 und BGer, 5A_800/2019 vom 9. Februar 2019, E. 2.2
[zur Publ. vorgesehen]), sind die Parteien – unter Vorbehalt von Noven im Sinne
von Art. 229 ZPO – an die zwei Schriftenwechsel im Hauptverfahren gebunden.
Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs mit Bezug auf die persönliche Befragung
der Beklagten vom 12. Juni 2019 hätte somit im Massnahmenverfahren gerügt
werden müssen, welches mit Urteil der Vorinstanz vom 12. August 2019 bzw. mit
Urteil der Kammer vom 9. April 2020 erledigt wurde (Verfahrens-Nr. LY190039;
act. 45).
III. Obhut und Betreuung
1. Obhut
1.1. Die Beklagte beantragt im Berufungsverfahren, C._ sei unter ihre
alleinige Obhut zu stellen. Unbestritten habe sie bis anhin die alleinige Obhut über
C._ gehabt. Die alternierende Obhut bedeute eine Veränderung der
bisherigen Obhuts- und Betreuungsregelung (act. 473 Rz. 20 ff.).
1.2. Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid zunächst die divergierenden
Ansichten der Parteien zu den Kinderbelangen ausführlich wiedergegeben
(act. 460 S. 45-54 E. 2.1-2.2). Weiter legte sie die Kriterien dar, nach denen der
Richter zu prüfen hat, ob die alternierende Obhut dem Kindeswohl entspricht
- 17 -
(a.a.O. S. 69-71 E. 6.1). Hierauf kann an dieser Stelle verwiesen werden. Die
Vorinstanz wies insbesondere darauf hin, dass die alternierende Obhut in jedem
Fall die Erziehungsfähigkeit beider Eltern voraussetzt und die weiteren
Beurteilungskriterien voneinander abhängig und je nach den konkreten
Umständen von unterschiedlicher Bedeutung sind (a.a.O. S. 71). Im
Zusammenhang mit der Erziehungsfähigkeit des Klägers hielt die Vorinstanz fest,
die Beklagte habe die Vorwürfe betreffend Verletzung der Intimsphäre von
C._ nicht glaubhaft machen, geschweige denn beweisen können. Sie habe
zwar ausführlich begründet, weshalb sie den Vorwurf zu einem solch späten
Zeitpunkt in das Verfahren eingebracht habe. Es sei jedoch schwerlich
nachvollziehbar, weshalb sie zuerst die Konsequenzen einer Anzeige abgewogen
habe. Auch die geschilderte Angst C._s vor Männern sei als blosse
Parteibehauptung der Beklagten anzusehen (a.a.O. S. 58 f.). Beide Parteien
seien erziehungsfähig und pflegten einen persönlichen und emotionalen Kontakt
zu ihrem Kind (a.a.O. S. 71 f. E. 6.2.1). Mit Bezug auf die Kommunikation erwog
die Vorinstanz, die Parteien hätten zeitweise Schwierigkeiten, miteinander
persönlich und vorwurfsfrei zu kommunizieren. Bei langjährigen Verfahren sei es
nachvollziehbar, dass es auch ausserhalb des Gerichtsverfahrens zu
Streitigkeiten kommen könne. Notorisch sei, dass die Kommunikation jeweils
nach dem Einreichen von Rechtsschriften oder vor anstehenden
Gerichtsverhandlungen erschwert werde. Dazwischen scheine aber die
Kommunikation in Teilbereichen, insbesondere auch bezüglich der
Übergabemodalitäten, zu funktionieren. Es seien – abgesehen von der
Weiterführung der kinderpsychiatrischen Therapie für C._ – keine weiteren
Anhaltspunkte aktenkundig, dass sich die Parteien in grundsätzlicher und
unüberwindbarer Weise über die Kinderbelange gestritten hätten. Ein
Mindestmass an Übereinstimmung und das Vermögen, wenigstens im Ansatz
einvernehmlich zu handeln, seien gegeben (a.a.O. S. 64 f. E. 5.2.2 und 5.2.3).
Dass die Parteien bei den sich in der alltäglichen Pflege und Erziehung stellenden
Fragen – Themen wie Trocknen der Haare, Reitunterricht, Angemessenheit von
Geschenken, Essgewohnheiten, Höhe des Sackgeldes – nicht immer gleicher
Meinung seien, sei nicht aussergewöhnlich und komme auch bei ungetrennten
- 18 -
Eltern vor. Aus derartigen Unstimmigkeiten könne nicht geschlossen werden,
dass eine zureichende Kommunikation nicht möglich sei. Zwar wäre ein direkter
verbaler Austausch der Parteien über Kinderbelange zu bevorzugen, zur
Gewährleistung des Informationsflusses sei aber auch die Kommunikation per E-
Mail sinnvoll. Bei beiden Parteien bestehe in Bezug auf ihre Fähigkeiten, mit dem
anderen Elternteil in Kinderbelangen zusammenzuarbeiten, ein eindeutiger
Verbesserungsbedarf. Insbesondere gehe es nicht mehr an, um einzelne Stunden
oder Tage Betreuungszeit zu streiten. Die diversen im Recht liegenden E-Mails
würden auch manifestieren, dass zwischen den Parteien durchaus eine
Kommunikationsbasis bestehe (a.a.O. S. 72 f. E. 6.2.2 und 6.2.3). Die Übergaben
– so die Vorinstanz weiter – würden grundsätzlich funktionieren. Probleme
entstünden jeweils, wenn Gerichtsentscheide Interpretationsspielraum offen
liessen. Dass sich die Eltern bei den Übergaben nicht grüssten, scheine C._
nicht allzu sehr zu belasten, obwohl es verständlich und nachvollziehbar sei, dass
die Beklagte das Nichtbegrüssen als Missachtung verstehe. Das Wohl von
C._ werde dadurch aber nicht tangiert. Mit fortschreitendem Zeitablauf,
Festigung der anzuordnenden Betreuungsregelung und fortschreitendem Alter der
Tochter sei davon auszugehen, dass sich die Kooperation der Parteien
verbessere und sie auch unter Berücksichtigung des Kindeswillens in
Kinderbelangen zusammenarbeiten könnten. Da C._ schulpflichtig sei, seien
an die Organisation der alternierenden Obhut grundsätzlich etwas höhere
Anforderungen zu stellen, was durch die geringe Entfernung der Wohnorte der
Eltern aber relativiert werde. In C._s Alter umfasse die
Betreuungsorganisation das schulische Fortkommen, Freizeitaktivitäten und bei
Krankheit allenfalls Medikamenteneinnahme und Besuche beim Kinderarzt. Dafür
reiche die Weiterleitung der Elternbriefe und Informationen betreffend die Hobbies
sowie das Inkenntnissetzen über allfällige Termine beim Arzt. Die Notwendigkeit
von weiteren organisatorischen Massnahmen sei nicht ersichtlich. Insbesondere
die geografische Situation erfordere keine weitere Organisation und ermögliche
es, notwendige Utensilien – sofern diese im einen Haushalt vergessen gegangen
seien – innert Kürze erhältlich zu machen (a.a.O. S. 73 ff. E. 6.2.4. und 6.2.5.). Mit
Bezug auf die Stabilität der Verhältnisse hielt die Vorinstanz dafür, dass nicht
- 19 -
einfach darauf abgestellt werden könne, welcher Elternteil die Obhut während der
oft langen Dauer eines Verfahrens ausgeübt habe. Dass die Beklagte seit der
Geburt C._s deren Hauptbezugsperson sei, was auch dem Willen C._s
entspreche, sei bei der Ausgestaltung der Betreuungsanteile zu berücksichtigen.
Beide Parteien lebten in stabilen Lebensverhältnissen und das soziale Umfeld
bleibe bei einer alternierenden Obhut unverändert (a.a.O. S. 75 E. 6.2.6. und
6.2.7.). Aufgrund dieser Überlegungen kam die Vorinstanz zum Schluss, dass die
Anordnung der alternierenden Obhut unter den konkreten Umständen möglich
und mit dem Kindeswohl vereinbar sei (act. 460 S. 76 E. 6.3.).
1.3. Vorab ist festzuhalten, dass die alternierende Obhut zwar eine substanzielle
Beteiligung beider Eltern an der Betreuung voraussetzt, eine streng hälftige
Aufteilung der Betreuungsanteile aber nicht erforderlich ist (BGer, 5A_139/2020
vom 26. November 2020, E. 3.2 und 3.3 [zur Publ. vorgesehen]). Ob an der
bisherigen Praxis festzuhalten ist, wonach hierfür Betreuungsanteile im Umfang
rund eines Drittels zu verlangen sind (vgl. etwa OGer ZH LC170015 vom 23.
Februar 2018 E. II.2.4; GLOOR, FamPra.ch 2015 S. 321 ff., S. 343; LEUENBERGER,
FamPra.ch 4/2019, S. 1100), oder ob dieser Richtwert im Einzelfall auch etwas
tiefer angesetzt werden kann, braucht hier, wie sich nachfolgend zeigen wird,
nicht abschliessend entschieden zu werden.
Da die in Dispositiv-Ziff. 4 Abs. 1 Spiegelstriche 1 und 2 festgelegte
Betreuungsregelung zwischenzeitlich rechtskräftig geworden ist (vgl. act. 484),
sind die Vorbringen der Beklagten gegen die Anordnung der alternierenden Obhut
auf der Grundlage dieser Betreuungsregelung zu prüfen. Auf die einzelnen
Kritikpunkte der Beklagten wird nachfolgend soweit relevant näher einzugehen
sein (act. 473 Rz. 20 ff.).
1.3.1. Die Beklagte stellt zunächst die Erziehungsfähigkeit des Klägers in Frage
und weist auf dessen grenzüberschreitendes Verhalten beim Waschen von
C._ hin. Dass sie damals auf eine Anzeige verzichtet habe, sei einzig zum
Wohl von C._ gewesen, der sie die zu erwartende Eskalation nicht habe
zumuten wollen. Nur weil sie auf diesen Schritt verzichtet habe, bedeute dies
nicht, dass die Sache nicht wahr sei, zumal der Kläger die Tathandlung als solche
- 20 -
eingestanden habe (act. 476 Rz. 22). Diese Vorbringen der Beklagten im
Berufungsverfahren ändern nichts an der Feststellung der Vorinstanz, die
Beklagte habe ihre Vorwürfe nicht beweisen können. Mit ihren Ausführungen im
Berufungsverfahren begründet die Beklagte, weshalb sie ihre Vorwürfe
gegenüber dem Kläger erst später ins Verfahren eingebracht hat. Dass der Kläger
tatsächlich die Intimsphäre von C._ verletzte, ist aber damit nicht
nachgewiesen. Inwiefern sich aus dem von der Beklagten erwähnten Schreiben
vom 20. Dezember 2019, welches notabene von ihrem eigenen Rechtsvertreter
im Verfahren LY190039 verfasst wurde (Verfahrens-Nr. LY190039 act. 35), ein
Geständnis des Klägers ergeben soll, ist nicht nachvollziehbar. Im genannten
Massnahmenverfahren wurde im Urteil der Kammer vom 9. April 2020 zur
fraglichen Problematik ausgeführt, es scheine der Beklagten darum zu gehen,
nicht eingestehen zu müssen, dass sie bezüglich der von ihr erhobenen Vorwürfe
sexueller Übergriffe vor den verschiedenen Gerichtsinstanzen unterlegen sei
(Verfahrens-Nr. LY190039 act. 45 S. 34 E. 4.4.6). Die Beklagte bringt nichts vor,
was an diesen Erwägungen etwas zu ändern vermöchte. Somit kann die Beklagte
mit ihren Ausführungen in der Berufung die Feststellung der Vorinstanz, sie (die
Beklagte) habe ihre Vorwürfe nicht beweisen können, nicht entkräften.
1.3.2. Die Beklagte nennt weitere Defizite des Klägers bei der Kindererziehung,
auf welche sie schon mehrfach hingewiesen habe, so der Umstand, dass er
C._ bis vor kurzer Zeit bei sich zu Hause – trotz der veränderten
Zahnstellung der zweiten Zähne – immer einen Nuggi habe lutschen lassen. Die
Zahnstellung sei nun derart, dass C._ eine Zahnspange tragen müsse.
Dasselbe gelte bezüglich des Tragens von Windeln. Der Kläger habe C._
noch bis Januar 2020 zu Hause Kleinkinderwindeln tragen lassen (act. 476 Rz. 24
f.). Der Kläger bestreitet diese Vorwürfe (act. 488 S. 10).
Aus den pauschalen Vorwürfen der Beklagten kann, selbst wenn sie
zuträfen, nicht geschlossen werden, dass der Kläger erziehungsunfähig wäre. Mit
Bezug auf das Windelntragen ist festzuhalten, dass Bettnässen auch bei älteren
Kindern durch psychosoziale Faktoren ausgelöst oder begünstigt werden kann.
Auch aus dem Vorwurf der Beklagten, der Kläger habe C._ bis vor kurzem
- 21 -
noch den Nuggi gegeben, lässt sich mangels genauer Angaben zur Dauer und
den Umständen der Nuggi-Verwendung nichts hinsichtlich der
Erziehungsfähigkeit des Klägers ableiten. Da die Beklagte keinerlei konkrete
Umstände schildert, kann insbesondere nicht gesagt werden, angesichts von
C._s Alter deute das Erlauben eines Nuggis darauf hin, dass der Kläger
C._s Wünschen nachgebe bzw. ihr keine Grenzen setzen könne. Mit ihren
pauschalen Vorbringen vermag die Beklagte die Erziehungsfähigkeit des Klägers
nicht in Frage zu stellen.
1.3.3. Die Beklagte macht sodann geltend, die Vorkommnisse im Zusammenhang
mit dem Besuchsrecht, über die sie sich schon sehr viele Male vor Gericht beklagt
habe, seien einzeln gesehen nicht aussergewöhnlich, die Summe sei es
allerdings schon. Vor allem der Vorwurf, wonach sich der Kläger anlässlich der
Betreuungszeiten oft gar nicht um C._ kümmere, sondern deren Betreuung
delegiere, und die Besuchstage oft einzig dafür genutzt habe, seine Geliebte
heimlich treffen zu können, wiegten schwer. In diesem Zusammenhang erwähnt
die Beklagte ein Wochenende im Juni 2020, welches der Kläger mit C._ in ...
[Ortschaft] verbracht habe, wobei dessen Geliebte F._ ebenfalls dabei
gewesen sei und mit ihm im Doppelbett übernachtet habe, während C._ im
gleichen Zimmer daneben in einem anderen Bett geschlafen habe. Aus ihrem
Tagebucheintrag ergäben sich auch der Ärger und die Umtriebe, die mit jedem
Aufenthalt der Tochter beim Kläger verbunden seien. Praktisch jedes Mal fehlten
Kleidungsstücke, C._ komme trotz richterlichen Ermahnungen bis heute
praktisch zu jeder Jahreszeit mit nassen Haaren nach Hause und sei öfters krank
(act. 476 Rz. 26 ff.). Seit der Umsetzung der erweiterten Betreuungsregelung
lasse der Kläger C._ am Dienstag nicht früher als 19.30 Uhr nach Hause,
ohne dass sie die Hausaufgaben gemacht oder ihre langen Haare nach ihrem
Aufenthalt im Pool geföhnt habe (a.a.O. Rz. 41). Zudem habe sie (die Beklagte)
nach der Sommerferienwoche, die C._ zusammen mit dem Kläger und
dessen geschiedener Frau im Tessin verbracht habe, festgestellt, dass C._
während dieser Ferienwoche täglich drei Stunden und 12 Minuten am iPad
gewesen sei. Dabei habe sie meistens Tiktok angeschaut. Diese App sei gemäss
den Betreibern für Jugendliche ab einem Mindestalter von 13 Jahren vorgesehen
- 22 -
(a.a.O. Rz. 29 f.). Der Kläger führt diesbezüglich aus, die Vorwürfe der Beklagten
offenbarten ihre Haltung, wonach ihre gute und heilige Welt gegen seine
inkarnierte Welt des Bösen verteidigt werden müsse. Hierzu werde C._,
wenn sie zur Beklagten heimkomme, richtiggehend verhört und durchsucht und
es werde inquisitorisch nach Sachverhalten geforscht, die ihm in der nächsten
Rechtsschrift vorgehalten werden könnten. In diesem Zusammenhang habe ihr
das Obergericht im Beschluss vom 29. November 2017 bereits gesagt, dass die
Verunsicherung von C._ vor und nach den Besuchen beim Vater
wahrscheinlicher die negative Haltung der Mutter widerspiegle als ein
Fehlverhalten des Vaters. Es sei offensichtlich – so der Kläger weiter – dass die
Parteien unterschiedliche Erziehungsstile hätten, es sei aber nicht abgeklärt
worden und müsse durch das Gericht auch nicht geklärt werden, welcher
Erziehungsstil für C._ besser sei (act. 488 S. 11 f.). Es sei völlig unwahr,
dass er nie allein Zeit mit C._ verbringe und nicht kindergerecht mit ihr
umgehe. Er unterstütze sie auch bei der Erledigung der Hausaufgaben und
fördere ihr schulisches Fortkommen optimal. Er würde gerne noch mehr
erzieherische Verantwortung übernehmen, aber die Beklagte habe ihn bisher mit
allen Mitteln daran gehindert (a.a.O. S. 14 f.).
Der Vorwurf der Beklagten, der Kläger kümmere sich anlässlich der
Betreuung oft gar nicht um C._, ist in dieser Allgemeinheit nicht geeignet,
Zweifel an der Erziehungsfähigkeit des Klägers zu begründen, zumal die Beklagte
nicht behauptet, dass C._ während ihres Aufenthalts beim Kläger jeweils
längere Zeit nicht betreut bzw. allein sei. Der Kläger bestreitet den Vorwurf der
Beklagten, er habe im Juni 2020 ein Wochenende in einem Hotel in ... [Ortschaft]
zusammen mit seiner Geliebten und C._ im gleichen Zimmer verbracht (act.
476 Rz. 27), nicht (act. 488 S. 10). Dieses Novum ist in Anwendung der
Untersuchungsmaxime im vorliegenden Berufungsverfahren zu beachten. Sollte
diese Darstellung der Beklagten tatsächlich zutreffen, so könnte ein derartiges
Vorkommnis allenfalls auf ein nicht kindsgerechtes und egoistisches Verhalten
hindeuten und die Frage aufwerfen, ob der Kläger in der Lage ist, seine eigenen
Bedürfnisse dem Wohl von C._ unterzuordnen. Als einmaliger Vorfall und
dazu ohne genaue Kenntnis der Umstände und Hintergründe kann dem Kläger
- 23 -
daraus aber kein Nachteil erwachsen. Mit Bezug auf fehlende Kleidungsstücke
und das Trocknen von C._s Haaren kommt es zwischen den Parteien schon
seit Jahren regelmässig zu Unstimmigkeiten. Dass sie hierzu unterschiedliche
Auffassungen haben und die Dinge nicht gleich angehen, spricht nicht gegen die
Erziehungsfähigkeit des einen oder des andern. Mit dem zunehmendem Alter
C._s wird sie sowohl das Haare Trocknen als auch das Packen ihrer
Kleidungsstücke selbständig übernehmen können, so dass in absehbarer Zukunft
mit weniger Auseinandersetzungen dazu zu rechnen ist. Mit Bezug auf den von
der Beklagten gerügten Konsum nicht altersgerechter digitaler Medien durch
C._ während der Sommerferien ist darauf hinzuweisen, dass die
Verantwortung des Klägers mit der Ausdehnung der Betreuungszeiten
zugenommen hat. Beschränkt sich die Kinderbetreuung nicht nur auf jedes zweite
Wochenende ist vom betreuenden Elternteil auch zu erwarten, dass er sich den
unangenehmen Seiten der Kindererziehung stellt. In diesem Sinne wird sich der
Kläger in Zukunft auch mit den unschönen und anstrengenden Seiten der
Erziehungsverantwortung auseinander zu setzen haben, worauf auch die
Vorinstanz hingewiesen hat (act. 460 S. 78). Dabei wird er C._ in Zukunft
auch bezüglich des Konsums digitaler Medien kontrollieren und ihr Grenzen
setzen müssen, zumal ein uneingeschränkter Zugang zu digitalen Medien
bekanntlich zu einer Gefährdung des Kindeswohls führen kann, weshalb eine
Beschränkung der Bildschirmzeit und des Konsums auf altersgerechte Inhalte
zweifellos angezeigt ist. Ein durchschnittlicher Medienkonsum von gut drei
Stunden täglich während der Ferien ist für sich allein noch nicht als problematisch
zu werten, hängt doch die gesunde Entwicklung eines Kindes nicht allein von der
Bildschirmzeit, sondern auch vom übrigen Freizeitverhalten ab. Angesichts seiner
ausgedehnteren Betreuung unter der Woche wird der Kläger auch die Erledigung
der Hausaufgaben durch C._ am Dienstag – soweit nötig – überwachen und
ihr nötigenfalls dabei behilflich sein müssen, was er nach eigenen Angaben auch
tut (act. 488 S. 14). Insgesamt bestätigen die Kritikpunkte der Beklagten, dass die
Parteien unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Kindererziehung haben.
Möglicherweise musste sich der Kläger mit der Ausdehnung der Betreuung von
C._ auch an neue Aufgaben gewöhnen. Nach dem Gesagten sprechen die
- 24 -
Vorbringen der Beklagten indessen nicht gegen die Anordnung einer
alternierenden Obhut.
1.3.4. Die Beklagte sieht weiter die Kommunikationsprobleme der Parteien als
Hindernis für die alternierende Obhut. Der Kläger mache sie bewusst schlecht vor
der gemeinsamen Tochter und vor anderen Leuten. Dass er sie seit Jahren vor
der Tochter nicht begrüsse, sie absichtlich übersehe und nicht mit ihr spreche, sei
ein deutliches Zeichen, dass er nicht in der Lage sei, seinen Teil für eine
Verbesserung der Kommunikation beizutragen. Die Darstellung des
Kommunikationsverhaltens des Klägers durch die Vorinstanz sei einseitig und
verharmlosend (act. 476 Rz. 36 ff.). Die Vorinstanz setzte sich sehr detailliert mit
der unzulänglichen Kommunikation unter den Parteien auseinander und ortete
auch einen eindeutigen Verbesserungsbedarf in der Zusammenarbeit der
Parteien in Kinderbelangen (act. 460 S. 73). Die Vorinstanz erachtete es
insbesondere als verständlich und nachvollziehbar, dass die Beklagte das
Nichtbegrüssen durch den Kläger als Missachtung versteht, nur sah sie darin
keine Belastung für C._ (act. 460 S. 74). Die Einschätzung der Vorinstanz
basiert auf den Aussagen von C._ in der Kinderanhörung und kann nicht als
verharmlosend bezeichnet werden. Es ist verständlich, dass die Beklagte einen
respektvollen Umgang seitens des Klägers erwartet und es ist in der Tat
bedauerlich, dass sich der Kläger nicht dazu durchringen kann. Gerade auch mit
Blick auf das Wohl von C._ wäre es wünschenswert, dass die Parteien
einander respektvoll behandeln würden und ein direkter verbaler Austausch
zwischen ihnen möglich wäre. Dennoch ist der Austausch und Informationsfluss
per E-Mail auch in der gegenwärtigen Situation gewährleistet und es ist zu hoffen,
dass im Rahmen der erteilten Weisung zum Besuch einer Familientherapie, deren
Schwerpunkt auf dem Kommunikationsverhalten der Parteien liegen soll, eine
Verbesserung in der Kommunikation erzielt und auch wieder ein direkter verbaler
Austausch zwischen den Parteien aufgebaut werden kann. Die Hoffnung, dass
die Familientherapie zu einer verbesserten Kommunikation unter den Eltern
führen könnte, ist umso berechtigter, nachdem die Parteien die von der
Vorinstanz angeordnete Weisung nicht angefochten haben. Die Beklagte hat
Recht, wenn sie das Nichtgrüssen und das "Wie-Luft-Behandeln" durch den
- 25 -
Kläger als grobe Verletzung der Anstandsregeln und als unerhörte
Respektlosigkeit sieht. Darüber hinaus kann aber nicht gesagt werden, dass das
Verhalten und die Äusserungen des Klägers alleinige Ursache für die
Kommunikationsprobleme der Parteien seien (act. 476 Rz. 36 ff.). Auch die
Beklagte hat ihren Teil dazu beigetragen, dass das vorliegende
Scheidungsverfahren, welches vom Bundesgericht als Rosenkrieg bezeichnet
wurde (BGer, 5A_6/2018 vom 23. März 2018), auch mit Bezug auf die
Kinderbelange äusserst kontrovers und hochstrittig geführt wurde. Sie hat im
Scheidungsverfahren insbesondere keine Zurückhaltung darin geübt, den Kläger
als Vater im Umgang mit C._ zu kritisieren. Wenn sie allein die Äusserungen
des Klägers als Ursache für die Kommunikationsprobleme sieht, unterschätzt sie
offenbar die Wirkungskraft der von ihr im Prozess gewählten Worte. Soweit sich
die Auseinandersetzungen der Parteien in der Vergangenheit häufig um
zusätzliche Betreuungsstunden oder -tage des Klägers drehten, hat die
Vorinstanz zutreffend darauf hingewiesen, dass es inskünftig nicht mehr angeht,
um einzelne Stunden oder Tage Betreuungszeit zu streiten (act. 460 S. 73). Trotz
des eindeutigen Verbesserungspotenzials in der Kommunikation unter den
Parteien kann der Auffassung der Beklagten, angesichts der stark gestörten
Kommunikation sei nicht an eine alternierende Obhut zu denken, nicht gefolgt
werden. Die alternierende Obhut setzt in jedem Fall die Erziehungsfähigkeit
beider Eltern voraus und die weiteren Beurteilungskriterien sind voneinander
abhängig und je nach den konkreten Umständen von unterschiedlicher
Bedeutung. Darauf hat auch die Vorinstanz hingewiesen und dabei zu Recht
festgehalten, dass der Austausch und der Informationsfluss über wichtige
Vorkommnisse wie Krankheiten, Unfälle, schulische Angelegenheiten, Arzttermine
und Freizeitaktivitäten per E-Mail funktioniert. Angesichts der optimalen
geografischen Voraussetzungen – C._ kann die Distanz zwischen den
Wohnorten der Parteien ohne weiteres zu Fuss zurücklegen – kommt der
Kooperationsfähigkeit der Parteien kein überdurchschnittliches Gewicht zu, auch
wenn C._ nun schulpflichtig ist (vgl. act. 460 S. 71-74). Weiter ist mit der Vor-
instanz davon auszugehen, dass sich nach der Umstellung an die neuen
Betreuungszeiten, mit dem Absolvieren der angeordneten Familientherapie, mit
- 26 -
dem Abschluss des Scheidungsverfahrens und nicht zuletzt auch mit dem
zunehmenden Alter von C._ die Kommunikation und Kooperation der
Parteien verbessern wird (vgl. act. 460 S. 74).
1.3.5. Bezüglich der Argumentation der Beklagten, die alternierende Obhut werde
für den Kläger Anreiz sein, in Zukunft noch mehr Betreuungszeit zu verlangen
(act. 476 Rz. 34), ist darauf hinzuweisen, dass eine alternierende Obhut nicht eine
streng hälftige Aufteilung der Betreuungsanteile unter den Eltern voraussetzt. Die
rechtskräftig geregelte Betreuungszeit des Klägers entspricht in etwa einem Anteil
von 30 %, womit die für eine Anordnung der alternierenden Obhut erforderliche
substanzielle Betreuungsbeteiligung des Klägers erreicht wird (vgl. BGer,
5A_139/2020 vom 26. November 2020, E. 3.2 und 3.3 [zur Publ. vorgesehen]).
Allein aufgrund der Anordnung der alternierenden Obhut drängt sich eine
Ausdehnung der Betreuung durch den Kläger deshalb nicht auf. Mit Teilurteil der
Kammer vom 3. Juli 2020 wurden denn auch die Berufungsanträge des Klägers,
die auf eine weitergehende Betreuung unter der Woche abzielten, abgewiesen
(act. 464). Entgegen dem diesbezüglichen Hinweis der Beklagten (act. 476 Rz.
33) spricht auch die konkrete Ausgestaltung der Betreuungszeiten des Klägers
nicht gegen die Anordnung einer alternierenden Obhut.
1.3.6. Im Zusammenhang mit dem Kriterium der Stabilität macht die Beklagte
geltend, sie sei seit 9 Jahren die Hauptbezugsperson von C._ und für
sämtliche wichtigen Belange in deren Leben verantwortlich. Mit der alternierenden
Obhut und der massiven Erweiterung der Betreuungsanteile des Klägers solle
dies nun erheblich verändert werden. Die wenigen Wochen seit der Durchsetzung
der erweiterten Betreuung durch den Kläger würden bereits zeigen, dass es nicht
gut kommen würde (act. 476 Rz. 42). Diesbezüglich ist der Beklagten
entgegenzuhalten, dass sie nach wie vor den Hauptteil der Betreuung von
C._ mit einem Betreuungsanteil von rund 70 % übernimmt. Wenn sie von
einer massiven Erweiterung der Betreuung durch den Kläger und von einer
erheblichen Veränderung spricht, so ist dies insofern zu relativieren, als die
erweiterte Betreuungszeit unter der Woche – jeden Dienstag ab Schulbeginn bis
19.30 Uhr anstatt ab Schulschluss bis 17.30 Uhr wie auch jeden zweiten Freitag
- 27 -
ab Schulbeginn statt ab Freitagabend 18.00 Uhr (vgl. act. 460 S. 136 Dispositiv-
Ziff. 4 Spiegelstriche 1 und 2; act. 262) – mehrheitlich in die Schulzeit von
C._ fällt. Auch wenn mit der ausgedehnteren Betreuungszeit des Klägers –
wie bereits festgehalten – auch dessen Erziehungsverantwortung im Alltag erhöht
wird und insofern beide Eltern in die Alltagsbetreuung von C._ einbezogen
sind, ändert dies nichts daran, dass die Beklagte weiterhin mit einem
Betreuungsanteil von rund 70 % Hauptbezugsperson für C._ ist.
1.3.7. Nach dem Gesagten dringt die Beklagte mit ihrer Kritik an der Anordnung
der alternierenden Obhut nicht durch - wobei hier noch einmal festzuhalten ist,
dass sie die konkrete Ausgestaltung der Betreuungsanteile in einer "normalen"
Woche nicht mehr in Frage stellen kann, weil der Teil-Entscheid der Kammer vom
3. Juli 2020 rechtskräftig geworden ist. Ihre diesbezügliche Anschlussberufung ist
abzuweisen und Dispositiv-Ziff. 2 des angefochtenen Teilurteils zu bestätigen.
2. Ferien- und Feiertagsbetreuung
2.1. Die Beklagte möchte die Ferienbetreuung durch den Kläger auf vier
Ferienwochen pro Kalenderjahr reduzieren (jeweils eine Woche in einer der
Schulferien [Sport-, Frühlings-, Sommer-, Herbst- und 2. Woche der Weihnachts-
/Neujahrs-ferien], jeweils von Montagmorgen 08:00 Uhr bis Sonntagabend 18:00
Uhr). Zur Begründung führt sie aus, sie habe nichts gegen eine angemessene
Ausdehnung des Ferienbesuchsrechts auf vier Wochen, aber fünf Wochen seien
definitiv des Guten zu viel. Auch die Ferien seien regelmässig Anlass zu
Streitigkeiten zwischen den Parteien. Insbesondere brauche es eine sehr exakte
Ferienregelung, um keinen zusätzlichen Streitpunkt zu verursachen. In diesem
Zusammenhang erscheine die Erwägung der Vorinstanz, eine Ferienwoche
könne durchaus acht Tage bzw. zwei Ferienwochen 15 Tage dauern,
kontraproduktiv. Sie schlage eine Regelung von Montagmorgen 08:00 Uhr bis
Sonntagabend 18:00 Uhr vor. Zudem solle die zweite Ferienwoche der
Weihnachts-/Neujahrsferien als eine der möglichen Ferienwochen zur Verfügung
stehen (act. 476 Rz. 54 f.).
- 28 -
2.2. Die Vorinstanz räumte dem Kläger ein Ferienbetreuungsrecht von fünf
Wochen pro Kalenderjahr ein, aufgeteilt in einmal zwei Wochen und je drei
einzelne Wochen (act. 460 S. 137, Dispositiv-Ziff. 4 Spiegelstrich 3). Damit
entsprach die Vorinstanz dem diesbezüglichen Antrag des Klägers mit der
Begründung, es spreche unter den gegebenen Umständen nichts gegen eine
Ausdehnung des Ferien- und Feiertagsbesuchsrechts (a.a.O. S. 79).
2.3. Mit ihrer Begründung, "fünf Wochen seien definitiv des Guten zu viel", liefert
die Beklagte keine nachvollziehbare Erklärung, weshalb 4 Ferienwochen dem
Kindeswohl und den konkreten Verhältnissen besser gerecht würden als 5
Wochen, zumal C._ – wie jedes andere schulpflichtige Kind – 12 Wochen
Schulferien hat. Aus den Ausführungen der Beklagten ergeben sich keine
konkreten Gründe, weshalb sie grundsätzlich eine Ausdehnung der
Ferienbetreuung durch den Kläger auf 4 Wochen befürwortet, weshalb aber
5 Wochen zu viel sein sollen. Wenn die Beklagte in diesem Zusammenhang
anführt, auch die Ferien seien regelmässig Anlass zu Streitigkeiten zwischen den
Parteien (act. 476 Rz. 54), so kann daraus nicht abgeleitet werden, dass bei
5 Wochen Ferien mehr Anlass für Streitereien entsteht als bei 4 Wochen, zumal
die angefochtene Regelung der
Vorinstanz – anders als noch im Massnahmenverfahren – vorsieht, dass zwei
Ferienwochen pro Kalenderjahr am Stück liegen können. Die von der Beklagten
neu vorgebrachte Behauptung, der Kläger habe die geplanten Skiferien mit
C._ kurzfristig abgesagt und die Weihnachtsferien mit ihr zu Hause
verbracht, wobei er für die Betreuung von C._ Unterstützung bei seiner
ersten Ehefrau bzw. während deren Abwesenheit bei seiner Geliebten geholt
habe (act. 500 Rz. 16), bestreitet der Kläger mit dem Hinweis, er habe der
Beklagten gesagt, dass er die Weihnachten mit C._ in Zürich verbringen
werde. C._ habe sich einige Tage in seinem Betrieb, namentlich in der ...,
umsehen können, was ihr ausserordentlich gut gefallen habe (Prot. S. 15 f.). Die
Parteien sind zweifellos in der privilegierten Lage, dass sie ihre Ferien an
Feriendestinationen ihrer Wahl verbringen können. Es ist aber kein Grund
ersichtlich, weshalb sich Ferien zu Hause zum Nachteil von C._ auswirken
würden, schon gar nicht während der Corona-Pandemie. Aus der Anwesenheit
- 29 -
der ersten Ehefrau bzw. der Geliebten des Klägers kann und muss – entgegen
der Darstellung der Beklagten – nicht darauf geschlossen werden, dass der
Kläger nicht in der Lage sein soll, sich während der Ferien persönlich um C._
zu kümmern. Angesichts des Alters von C._ und angesichts der
Betreuungsanteile der Parteien erscheint ein Ferienbesuchsrecht von 5 Wochen
ohne weiteres als angemessen. Mit der Regelung, dass C._ zwei
Ferienwochen am Stück und drei einzelne Ferienwochen mit dem Kläger
verbringen kann, ist zudem sichergestellt, dass sie nicht zu lange von der
Beklagten als Hauptbezugsperson getrennt ist. Aufgrund des Gesagten ist der
Antrag der Beklagten betreffend Reduktion der Ferienbetreuung durch den Kläger
auf 4 Wochen abzuweisen.
2.4. Allerdings ist der Beklagten zuzustimmen, dass eine möglichst klare
Regelung anzustreben ist, die keinen Spielraum für Interpretationen zulässt. Die
Beklagte schlägt vor, dass eine Ferienwoche von Montagmorgen 8.00 Uhr bis
Sonntagabend 18.00 Uhr dauert (act. 476 Rz. 55), während der Kläger für ein
Ferienende am Sonntagabend um 19.30 Uhr (verköstigt) plädiert (act. 488 S. 19).
Tatsächlich ist die Erwägung der Vorinstanz, eine Ferienwoche könne durchaus
acht Tage bzw. zwei Ferienwochen 15 Tage dauern (act. 460 S. 79), etwas
unklar. Eine Ferienwoche dauert eine Woche bzw. 7 Tage. Wenn die Ferien an
ein Betreuungswochenende des Klägers anschliessen, beginnt die
Betreuungszeit des Klägers aber bereits am Freitag. Schliessen die Ferien nicht
an ein Betreuungswochenende an, ist der Ferienbeginn entsprechend dem Antrag
der Beklagten auf Montag 8.00 Uhr festzulegen. Das Ende der Ferienbetreuung
ist so festzulegen, dass die Regelung auch dann, wenn das Ende der
Ferienbetreuung durch den Kläger auf das Ende der Schulferien fällt, sinnvoll ist.
Diesfalls ist es wichtig, dass C._ in Ruhe zu Hause ankommen und sich für
den ersten Schultag nach den Ferien vorbereiten kann. Daher ist das Ferienende
auf Sonntag 18.00 Uhr festzulegen. Enden die Ferien an einem
Betreuungswochenende des Klägers, endet die Ferienbetreuung am
Montagmorgen 9.00 Uhr (vgl. act. 460 S. 136 Dispositiv-Ziff. 4 Spiegelstrich 2).
Die Erwägungen der Vorinstanz sind in diesem Sinne zu präzisieren. Zur
Eliminierung von Diskussionen scheint es sodann im Sinne der von der Beklagten
- 30 -
beantragten Formulierung angezeigt, die Schulferien explizit zu erwähnen und
insbesondere auch die zweite Ferienwoche der Weihnachts-/Neujahrsferien
aufzuführen. Der Kläger erklärt sich damit ausdrücklich einverstanden (act. 488
S. 19). Da die zweite Ferienwoche der Weihnachts-/Neujahrsferien für Ferien zur
Verfügung stehen soll, ist die Feiertagsregelung für Sylvester und Neujahr –
entsprechend den übereinstimmenden Anträgen der Parteien (act. 476 Rz. 56,
act. 488 S. 19) – aufzuheben.
2.5. Die Beklagte beantragt weiter, die Weihnachtsbetreuung sei so zu regeln,
dass die Betreuung jeweils ab und bis 14.00 Uhr dauere (act. 476 S. 2 Antrag 4
Spiegelstrich 4), in der Begründung lässt sie aber ausführen, für die
Weihnachtsfeiertage sei die vorinstanzliche Regelung bezüglich der beiden
Weihnachtstage 24. und 25. Dezember zu belassen (act. 476 Rz. 56). Somit
bleibt es diesbezüglich bei der Regelung der Vorinstanz.
IV. Unterhaltsbeiträge
1. Kinderunterhaltsbeiträge
1.1. Grundsätze für die Berechnung des Kindesunterhalts
1.1.1. Gemäss Art. 276 Abs. 1 ZGB haben die Eltern gemeinsam für den
Unterhalt ihrer Kinder aufzukommen, inklusive der Kosten für Erziehung,
Ausbildung und Kindesschutzmassnahmen. Sie haben den gebührenden
Unterhalt der Kinder in natura oder in Form von Geldleistungen zu decken
(Art. 276 Abs. 2 ZGB). Der Unterhaltsbeitrag soll den Bedürfnissen des Kindes
sowie der Lebensstellung und Leistungsfähigkeit der Eltern entsprechen; dabei
sind das Vermögen und die Einkünfte des Kindes zu berücksichtigen (Art. 285
Abs. 1 ZGB).
1.1.2. Seit dem 1. Januar 2017 gilt das neue Kinderunterhaltsrecht. Gemäss
Art. 285 Abs. 1 und 2 ZGB soll der Unterhaltsbeitrag den Bedürfnissen des
Kindes sowie der Lebensstellung und Leistungsfähigkeit der Eltern entsprechen;
dabei sind das Vermögen und die Einkünfte des Kindes zu berücksichtigen. Unter
- 31 -
neuem Recht ist der Unterhaltsanspruch des Ehegatten nach Art. 163 ZGB klar
vom Unterhaltsanspruch der Kinder nach Art. 276 i.V.m. Art. 285 ZGB zu
unterscheiden. Unabhängig vom Schicksal der Beziehung der Eltern sind
weiterhin beide Elternteile für den Unterhalt des Kindes gemeinsam
verantwortlich. Bevor die Eltern die wirtschaftlichen Folgen ihres
Auseinandergehens unter sich regeln, müssen sie sich vor allem anderen um die
Unterhaltspflicht gegenüber ihrem minderjährigen Kind kümmern und für den
gebührenden Unterhalt des Kindes sorgen. Die sogenannten direkten
Kinderkosten sind für jedes Kind separat auszuweisen und können nebst
Grundlegendem wie Nahrung, Kleidung, Wohnen und Krankenkassenprämien in
besseren finanziellen Verhältnissen auch Positionen wie Freizeit und Ferien
enthalten je nach sportlicher, künstlerischer oder kultureller Tätigkeit des Kindes.
Sind die Eltern finanziell gut gestellt, werden die Bedürfnisse des Kindes
grosszügiger beurteilt, als wenn die Eltern in bescheidenen Verhältnissen leben.
Wenn die Eltern über die nötigen Mittel verfügen, decken sie den gebührenden
Unterhalt mit ihren Leistungen in natura und in Form von Geld. Die Geldleistung
deckt alle finanziellen Bedürfnisse des Kindes (Botschaft zum neuen
Kinderunterhaltsrecht, BBl 2014 S. 573). Die Eltern haben für den Barbedarf
(direkte Kinderkosten) des gemeinsamen Kindes mit Einschluss sämtlicher
Betreuungskosten durch Dritte (Fremdbetreuungskosten) aufzukommen.
Kinderzulagen sind vom Barbedarf des Kindes in Abzug zu bringen und separat
zu leisten.
1.1.3. Bestandteil der Unterhaltspflicht sind auch die indirekten Kinderkosten
(Betreuungsunterhalt), welche durch die Eigenbetreuung durch einen Elternteil
entstehen (vgl. Botschaft Kindesunterhalt, BBl 2014 529 S. 551). Unter
Betreuungsunterhalt fallen jene Kosten, für die der betreuende Elternteil wegen
der Kinderbetreuung nicht selber aufkommen kann (GMÜNDER in: Kren
Kostkiewicz/Wolf/Amstutz/Fankhauser [Hrsg.], OFK ZGB, 3. Aufl., Zürich 2016,
Art. 285 N 19). Diese Betreuungskosten bilden ebenfalls Gegenstand des
Kindesunterhalts (Art. 276 Abs. 2 und Art. 285 Abs. 2 ZGB) und nicht des
Ehegattenunterhalts (BGE 144 III 481 E. 4.3).
- 32 -
1.1.4. Den mit dem neuen Kinderunterhaltsrecht eingeführten
Betreuungsunterhalt hat das Bundesgericht zum Anlass genommen, im
Unterhaltsrecht eine einheitliche Methodik zu entwickeln und verbindlich
festzulegen. In einem kürzlich gefällten Grundsatzentscheid (BGer, 5A_311/2019
vom 11. November 2020 [zur Publ. vorgesehen]) hielt das Bundesgericht zur
Berechnung des Kindesunterhalts fest, der gebührende Unterhalt des Kindes sei
eine von den konkreten Mitteln abhängige dynamische Grösse, indem auch es
von einer überdurchschnittlichen Leistungsfähigkeit profitieren und an einer
gehobenen Lebensstellung der Eltern teilhaben soll (a.a.O. E. 5.4). Stehe das
Kind unter der alternierenden Obhut der Eltern, so seien die finanziellen Lasten
bei ähnlicher Leistungsfähigkeit umgekehrt proportional zu den
Betreuungsanteilen zu tragen, bei je hälftigen Betreuungsanteilen proportional zur
Leistungsfähigkeit und bei gleichzeitig asymmetrischem Betreuungsumfang und
Leistungsgefälle entsprechend der sich daraus ergebenden Matrix, wobei es sich
dabei nicht um eine rein rechnerische Operation handle, sondern die
vorgenannten Grundsätze in Ausübung von Ermessen umzusetzen seien (a.a.O.
E. 5.5). Weiter setzte sich das Bundesgericht mit der Methodik für die Berechnung
des Barunterhalts auseinander und gab mit Bezug auf die einstufig-konkrete
Methode zu bedenken, diese Methode stelle auf den individuellen Nachweis des
bisher konkret gelebten Standards ab; ein solcher lasse sich bei Neugeborenen
und meist auch bei kleineren Kindern gar nicht eruieren, sondern nur bei etwas
älteren Kindern, und auch dort nur, wenn die Eltern zuvor einen gemeinsamen
Haushalt gebildet hätten (a.a.O. E. 6.5). Ausgehend von der weiten Verbreitung
der zweistufigen Methode und der für den Betreuungsunterhalt entwickelten
Praxis legte das Bundesgericht die zweistufig-konkrete Methode als einheitliche
Methodik für die Berechnung des Barunterhalts eines Kindes fest. Allerdings wies
das Bundesgericht darauf hin, dass in besonderen Situationen, namentlich bei
aussergewöhnlich guten Verhältnissen, anders vorgegangen oder auch ganz von
einer konkreten Rechnung abgesehen werden könne, weil in diesen Fällen
letztlich nur noch die Frage zentral sei, wo der Kinderunterhalt aus erzieherischen
oder aus den konkreten Bedarfsgründen seine Grenze finden müsse (a.a.O.
- 33 -
E. 6.6; vgl. zudem für den nachehelichen Unterhalt auch BGer, 5A_891/2018 vom
2. Februar 2021, E. 4.5 [zur Publ. vorgesehen]).
1.1.5. Im Lichte der vom Bundesgericht festgelegten Grundsätze ist im
vorliegenden Fall von einem asymmetrischen Betreuungsumfang und
Leistungsgefälle auszugehen. Angesichts der ausserordentlich stark
divergierenden Leistungsfähigkeit der Parteien ist die alleinige Unterhaltspflicht
des Klägers – welche auch von ihm selbst nicht konkret in Frage gestellt wird –
trotz der alternierenden Obhut mit Betreuungsanteilen von rund 70 % bzw. 30 %
nicht zu beanstanden. Aufgrund der weit überdurchschnittlichen finanziellen
Verhältnisse des Klägers rechtfertigt sich im konkreten Fall trotz der neuen
Vorgaben des Bundesgerichts eine einstufig-konkrete Berechnung des
Barunterhalts von C._. Hinzu kommt, dass die Parteien im erstinstanzlichen
wie auch im Berufungsverfahren den Sachverhalt basierend auf der einstufig-
konkreten Berechnungsmethode vorgetragen haben. Entsprechend unterblieb die
Ermittlung der konkreten Leistungsfähigkeit des Klägers und seines gebührenden
Bedarfs. Vor diesem Hintergrund würde eine Änderung der Berechnungsmethode
auch aus prozessökonomischen Gründen schlicht keinen Sinn ergeben. Bei der
einstufig-konkreten Berechnung des Barunterhalts von C._ wird jedoch mit
Blick auf die konkreten Verhältnisse zu berücksichtigen sein, dass C._ beim
Auszug des Klägers aus dem gemeinsamen Haushalt noch ein kleines Baby war.
In diesem Zusammenhang ist in Erinnerung zu rufen, dass das Gericht bei
Kinderbelangen in familienrechtlichen Angelegenheiten den Sachverhalt von
Amtes wegen erforscht und ohne Bindung an die Parteianträge entscheidet
(Art. 296 Abs. 1 und 3 ZPO). Als Ausfluss davon dürfen Noven auch noch im
Rechtsmittelverfahren berücksichtigt werden (vgl. vorstehend E. II. 3.3).
1.1.6. Da aufgrund des Gesagten eine einstufig-konkrete Berechnung des
Barunterhalts für C._ im vorliegenden Fall mit der neuen bundesgerichtlichen
Praxis vereinbar ist, ist der Barunterhalt von C._ gleichzeitig mit dem
gebührenden Bedarf der Beklagten zu berechnen (nachfolgend E. III. 3).
- 34 -
2. Nachehelicher Unterhalt
2.1. Prozessuales
2.1.1. Der Kläger rügt mit der Berufung, die Vorinstanz sei von einer
lebensprägenden Ehe ausgegangen und habe zur Begründung auf die (knappen)
Erwägungen in der Verfügung betreffend vorsorgliche Massnahmen vom 14. Juni
2018 verwiesen. Diese Verfügung sei vom Obergericht mit Urteil vom
26. September 2018 wegen Verweigerung des rechtlichen Gehörs aufgehoben
worden; die fraglichen Erwägungen der Vorinstanz in der Verfügung vom 14. Juni
2018 seien deshalb vom Obergericht gar nicht überprüft worden. Die Vorinstanz
hätte sich vertieft und substantiiert mit seinen ausführlichen Überlegungen zur
Frage des Vorliegens bzw. Nichtvorliegens einer lebensprägenden Ehe anlässlich
der Hauptverhandlung vom 5. Juli 2018 und anlässlich der Verhandlung zu den
vorsorglichen Massnahmen vom 12. Juni 2019 auseinandersetzen müssen.
Indem sie dies nicht getan habe, sondern einfach auf einen früheren Entscheid
verwiesen habe, der durch die Rechtsmittelinstanz aufgehoben worden sei, habe
sie ihm das rechtliche Gehör verweigert (act. 458 S. 14).
2.1.2. Diese Vorbringen des Klägers gehen an der Sache vorbei. Richtig ist zwar,
dass die Verfügung betreffend vorsorgliche Massnahmen vom 14. Juni 2018 vom
Obergericht aufgehoben wurde. Dies bedeutet indessen nicht, dass die Vor-
instanz in ihrem Urteil nicht (teilweise) auf frühere Überlegungen bei der
Beurteilung der Lebensprägung hätte verweisen dürfen. Eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs würde nur dann vorliegen, wenn die Vorinstanz im Rahmen
ihrer Erwägungen nicht auf die prozessrechtskonform vorgetragenen und rechtlich
relevanten Argumente der Parteien eingegangen wäre. Dies wird bei der
nachfolgenden Prüfung der klägerischen Rügen im Einzelnen zu klären sein.
Soweit der Kläger seine Behauptungen anlässlich der Hauptverhandlung vom 5.
Juli 2018 und der Verhandlung zu den vorsorglichen Massnahmen vom 12. Juni
2019 gehört haben will, ist festzuhalten, dass die Novenschranke – wie der
Rechtsvertreter der Beklagten zutreffend ausführt (act. 473 Rz. 30 ff.) – zu jenem
- 35 -
Zeitpunkt schon längst gefallen war. Das Prozessrecht sieht zwei
Schriftenwechsel vor (Art. 221 ff. ZPO), anschliessend tritt die Novenschranke ein
(Art. 229 ZPO). Im vorliegenden Hauptverfahren wurde der Schriftenwechsel mit
der Stellungnahme der Beklagten vom 27. März 2017 (act. 214 A) zur
Novenstellungnahme und Widerklageduplik des Klägers vom 25. Oktober 2016
(act. 158) abgeschlossen. Inwiefern es sich bei den Ausführungen des Klägers
anlässlich der Hauptverhandlung oder der Verhandlung betreffend vorsorgliche
Massnahmen vom 12. Juni 2019 um zulässige Noven im Sinne von Art. 229 ZPO
gehandelt haben soll, legt der Kläger nicht dar. Zudem ist erneut darauf
hinzuweisen, dass ein Massnahmenverfahren vom Hauptverfahren zu
unterscheiden ist und die Parteivorträge und Rechtsschriften nur im jeweiligen
Verfahren zu berücksichtigen sind (vgl. vorstehend E. II. 5.3). Aufgrund des
Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass sich die Vorinstanz bei der Beurteilung
der Lebensprägung nicht mit den Ausführungen des Klägers anlässlich der
Hauptverhandlung vom 5. Juli 2018 bzw. der vsM-Verhandlung vom 12. Juni 2019
auseinandersetzte. Eine Gehörsverletzung liegt nicht vor.
2.2. Lebensprägung
2.2.1. Der Kläger macht unter Hinweis auf BGE 144 III 481 geltend, die Ehe habe
in den letzten Jahrzehnten ihren Charakter als "Versorgungsinstitut" stark
eingebüsst. Somit seien an die Annahme einer vertrauensbildenden
Lebensprägung der Ehe fortan höhere Anforderungen zu stellen. Weitere
Entscheide seien vom Bundesgericht im Hinblick auf die Neuausrichtung seiner
Rechtsprechung in Aussicht gestellt worden, stünden aber aktuell noch aus.
Obwohl die Vorinstanz richtigerweise darauf hingewiesen habe, Art. 125 ZGB
vermittle keinen Anspruch darauf, dass die Ehegatten in finanzieller Hinsicht
lebenslang gleichgestellt seien, habe sie die Konsequenzen aus den Erwägungen
des Bundesgerichts im vorerwähnten Entscheid nicht korrekt gezogen. Damit sei
sie nicht von einem den aktuellen Gegebenheiten entsprechenden Verständnis
von Art. 125 Abs. 1 ZGB ausgegangen und habe diese Bestimmung verletzt.
Schon die ältere Bundesgerichtspraxis verstehe den "gebührenden Unterhalt"
nicht als "Teilhabe am Luxus eines sehr wohlhabenden Partners, die den vollen
- 36 -
Lebensbedarf übersteige" (act. 458 S. 15 ff.). Nach Ansicht des Klägers habe die
Vorinstanz die Lebensprägung nicht anhand der drei vom Bundesgericht dafür
entwickelten, kumulativen Kriterien geprüft: Lebensprägung, schützenswertes
Vertrauen, vereinbarte Aufgabenteilung. Lebensprägung werde in der Regel bei
einer Ehe bejaht, wenn sie 10 Jahre und mehr gedauert habe, unter fünf Jahren
werde die Lebensprägung dagegen grundsätzlich verneint. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung mache ein gemeinsames Kind eine Ehe
nicht immer zu einer lebensprägenden Ehe. Bei der Ehe der Parteien handle es
sich um eine ausgeprägte Kurzehe. Ausserdem hätten der Eheabschluss und die
Geburt C._s am vorehelichen Lebensplan der Beklagten, eine aktive, das
Berufs- und Familienleben kombinierende Frau zu sein, nichts geändert.
Insbesondere treffe die Behauptung der Beklagten, er (der Kläger) habe jegliche
Fremdbetreuung C._s abgelehnt, nicht zu. Dass er mit der beruflichen
Verwirklichung der Beklagten sehr einverstanden gewesen sei und diese auf
solche Betreuungsangebote zurückgegriffen habe, werde durch die im
Eheschutzverfahren eingereichten Rechnungen für Kinderhüte- und
Kinderbetreuungskosten belegt. Nach dem gemeinsamen Plan der Parteien hätte
die Beklagte nach einem kurzen Mutterschaftsurlaub wie vor der Ehe intensiv
berufstätig sein sollen, und dies habe sie auch ausdrücklich so gewollt. Er habe
die entsprechenden Beweisofferten anlässlich der Hauptverhandlung genannt (mit
Verweis auf act. 7/19-20 und 75/32a). Auch das Obergericht habe im Urteil vom
9. April 2020 festgestellt, dass die Beklagte nach der Geburt C._s weiterhin
erwerbstätig gewesen sei. Somit habe die Geburt C._s keinen
lebensprägenden Einfluss auf die persönliche und berufliche Situation der
Beklagten gehabt (a.a.O. S. 18 ff.). Selbst wenn aufgrund der Geburt C._s
eine Lebensprägung gegeben wäre, so hätte diese kein schützenswertes
Vertrauen begründet. Die Ehe sei schon vor dem 1. Juni 2012 und vor der Geburt
C._s unheilbar zerrüttet gewesen. Bereits im November 2010 habe er der
Beklagten mitgeteilt, dass er die andauernden ehelichen Streitigkeiten nicht mehr
aushalte und ausziehen werde. Die Parteien hätten auch weiterhin, jedoch sehr
selten intime Beziehungen unterhalten und am tt.mm.2011 habe die Beklagte ihm
eröffnet, dass sie in der sechsten Woche schwanger sei. Nach einem erfolglosen
- 37 -
Versuch, die Ehe zu retten, sei er wegen der schweren Zerrüttung Mitte Mai 2011
aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen. Am tt.mm.2011 sei er im Hinblick auf
C._s Geburt vergeblich nochmals zurückgekehrt. Am 1. Juni 2012 sei die
definitive Trennung erfolgt. Angesichts dieser nach sehr kurzer Zeit eingetretenen
unheilbaren Zerrüttung habe für die Beklagte keine Vertrauensbasis für eine lange
Fortdauer der Ehe bestanden (a.a.O. S. 22). Ausserdem würden längere, gewollte
Trennungszeiten bis zur Ehescheidung in aller Regel die lebensprägende
Wirkung der auf das Zusammenleben zurückzuführenden Aufgabenteilung
hemmen. Auch der Umstand, dass die Parteien vorehelich ein Eigenheim
erworben hätten, ändere – entgegen der Vorinstanz – an der fehlenden
Vertrauensbasis nichts. Das Materielle vermöge am Emotionalen nichts zu ändern
(a.a.O. S. 23). Mit Bezug auf die während der Ehe vereinbarte Aufgabenteilung
falle ins Gewicht, dass die Beklagte auch während der Ehe und insbesondere
auch noch nach der Geburt C._s als Geschäftsleitungsmitglied der G._
("G._") und als Unternehmerin tätig gewesen sei. Die Kündigung des
Arbeitsverhältnisses durch die G._ im Juni 2012 sei nach der Ehetrennung
erfolgt und ändere am vereinbarten Aufgabenkatalog der Beklagten nichts, zumal
sie auch danach weiter gearbeitet habe. Die Vorinstanz habe die Lebensprägung
auch aus dem Umstand abgeleitet, dass die Beklagte ihre PR-Agentur praktisch
zu 95 % auf die Mandate der G1._-Firmen ausgerichtet habe und ihr diese
im Dezember 2012 entzogen worden seien. Dabei habe die Vorinstanz ausser
Acht gelassen, dass die G1._-Unternehmungen der Beklagten eine
Überbrückungsleistung von Fr. 240'000.– in monatlichen Tranchen zu Fr.
20'000.– offeriert hätten, die Beklagte deren Annahme jedoch abgelehnt habe.
Durch diesen Verzicht habe die Beklagte die aktuelle Situation ihrer Agentur
selbst verursacht. Da aus den genannten Gründen die Lebensprägung zu
verneinen sei, könne bei der Unterhaltsberechnung nicht auf den ehelichen
Lebensstandard abgestellt werden. Zudem habe die Beklagte seit Ende
November 2010 gewusst, dass Ehe und Zusammenarbeit nicht mehr nachhaltig
sein würden und sie hätte für einen schrittweisen Abbau der Mandatslastigkeit bei
G._ sorgen können bzw. müssen (a.a.O. S. 23 ff.).
- 38 -
2.2.2. Die Beklagte verweist bezüglich der Lebensprägung auf ihre Ausführungen
anlässlich der Verhandlung zu den vorsorglichen Massnahmen vom 12. Juni
2019, wo sie ausführte, die Parteien hätten seit Dezember 2007 zusammen
gewohnt und seien bis zur offiziellen Trennung am 1. Juni 2012 nahezu fünf Jahre
zusammen gewesen. Ihre Ehe habe über 9 Jahre gedauert. Sie hätten am tt.
März 2009 geheiratet, und C._ sei am tt.mm.2011 geboren worden. Sie selbst
sei bei der Geburt von C._ 43 Jahre, der Kläger sogar 63 Jahre alt gewesen.
C._ sei ein Wunschkind gewesen, eine Entscheidung, die im Alter der
Parteien nicht leichtfertig, sondern im Vertrauen auf den Fortbestand der Ehe
getroffen worden sei. Dies gelte insbesondere auch für sie in Anbetracht des
medizinischen Risikos, welches mit einer Schwangerschaft in ihrem Alter
einhergegangen sei. Ausserdem seien der erfolgreichen Schwangerschaft zwei
Fehlgeburten vorausgegangen. Zudem hätten die Parteien noch vor der
Eheschliessung ein Eigenheim erworben, wobei sie gemeinsam ein bis 31.
August 2068 dauerndes Baurecht an der Liegenschaft erworben hätten. Der
Kläger habe sie schon im Zeitpunkt des Erwerbs der Liegenschaft unentgeltlich in
das Eigentum eintreten lassen wollen. Auch mit dem Abschluss einer
Lebensversicherung mit einer Prämie von über Fr. 100'000.– pro Jahr habe der
Kläger bezweckt, bei seinem Ableben die gesamte Liegenschaft sowie die untere
Gartenparzelle zu ihren Gunsten abzusichern. Diese langfristigen Investitionen
zeigten eindeutig die Absicht der Parteien, eine Vertrauensbasis in die Fortdauer
der Ehe zu schaffen. Sie sei auch Mitglied des Verwaltungsrates in mehreren
Unternehmungen des Klägers gewesen. Darüber hinaus sei der Umsatz ihrer
Agentur ab dem Jahre 2009 grossmehrheitlich und am Schluss fast
ausschliesslich durch Mandate der Unternehmensgruppe des Klägers
erwirtschaftet worden. Diese Einbindung sei ein weiteres Indiz für das Bestehen
einer Vertrauensbasis in den Fortbestand der Ehe. Der Kläger habe nach der
Trennung alle Mandate per Ende 2012 gekündigt. Sie bestreite, dass die Ehe
schon vor der Geburt von C._ zerrüttet gewesen sei. Die diversen
Bundesgerichtsentscheide, auf welche der Kläger verweise, seien für die
Lebensprägung im konkreten Fall nicht einschlägig (act. 473 Rz. 29-42).
- 39 -
2.2.3. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach denen über nachehelichen
Unterhalt zu entscheiden ist, korrekt und ausführlich wiedergegeben (act. 460 S.
86 f. E. 3.3 ff.). Sie kam zum Schluss, dass die Ehe der Parteien lebensprägend
sei. Dabei berücksichtigte sie, dass die Parteien seit Dezember 2007 zusammen
gelebt hatten, bevor sie am tt. März 2009 heirateten. Der Kläger sei offiziell am
1. Juni 2012 ausgezogen. Aufgrund der Dauer der Ehe von drei Jahren könne die
Ehe als Kurzehe bezeichnet werden. Allerdings hätten die Parteien im Hinblick
auf das künftige Zusammenleben noch vor der Eheschliessung ein Eigenheim
erworben. Hinzu komme, dass C._ zweieinhalb Jahre nach der
Eheschliessung geboren sei. Den vom Kläger eingereichten Unterlagen sei zu
entnehmen, dass eine Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit im ursprünglichen
Umfang seitens der Beklagten nach der Geburt nicht geplant gewesen sei. Der
von ihm vorgebrachten Tatsache, dass eine Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit
durch die Beklagte in reduziertem Umfang vorgesehen gewesen sei, sei bei der
Beurteilung ihrer Eigenversorgungskapazität durch Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens Rechnung zu tragen. Weiter berücksichtigte die
Vorinstanz, dass der Umsatz der von der Beklagten geführten PR-Agentur
H._ AG ab dem Jahre 2009 grossmehrheitlich und im Jahre 2012 fast
ausschliesslich durch Mandate der G1._-Gruppe erwirtschaftet worden sei.
Am 22. Dezember 2012 seien alle G1._-Mandate per Ende 2012 gekündigt
worden. Dadurch sei die Agentur der Beklagten von einem Tag auf den anderen
ohne Kunden dagestanden und die berufliche Situation der Beklagten habe sich
grundlegend verändert. Sie hätte die Agentur quasi neu aufbauen müssen zu
einem Zeitpunkt, als sie alleinerziehende Mutter einer gut einjährigen Tochter
gewesen sei. Damit sei für die Beklagte in finanzieller Hinsicht nicht nur die
Geburt der gemeinsamen Tochter, sondern auch der Wegfall der G1._-
Aufträge für ihre PR-Agentur einschneidend gewesen (act. 460 S. 87 f.).
2.2.4. Mit der vorstehend wiedergegebenen Argumentation schildert der Kläger
erneut seinen Standpunkt, wobei er nur vereinzelt auf die Erwägungen der Vor-
instanz eingeht. Nachfolgend ist auf seine Vorbringen nur soweit einzugehen, als
er sich mit den Überlegungen der Vorinstanz – wie dies im Berufungsverfahren
erforderlich ist – auseinandersetzt.
- 40 -
2.2.5. Für oder gegen die Annahme der Lebensprägung spielen nach der
bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung verschiedene Vermutungen eine
Rolle. Bei einer Ehe von weniger als fünf Jahren wird vermutet, dass keine
Lebensprägung vorliegt, wenn aus ihr keine gemeinsamen Kinder
hervorgegangen sind (BGE 135 III 59 E 4.1, 141 III 465 E. 3.1, BGer,
5A_907/2018 vom 3. November 2020 E. 3.4.1). Die Vorinstanz bezeichnete die
Ehe der Parteien als Kurzehe (act. 460 S. 87), was die Parteien im
Berufungsverfahren nicht beanstanden. Der Kläger bringt erneut vor, die Ehe sei
schon vor der Geburt von C._ unheilbar zerrüttet gewesen und er habe der
Beklagten bereits im November 2010 eröffnet, dass er die andauernden ehelichen
Streitigkeiten nicht mehr aushalte und daher ausziehen werde (act. 458 S. 21 f.).
Diese Darstellung wird von der Beklagten bestritten, weshalb es am Kläger
gewesen wäre, einen Nachweis dafür zu liefern. Der Kläger bringt im
Berufungsverfahren nicht vor, die Vorinstanz habe den von ihm für seine
Behauptungen erbrachten Beweis nicht berücksichtigt. Damit erübrigen sich
Weiterungen hierzu. Ohnehin kommt den Behauptungen des Klägers keine
massgebende Bedeutung zu, zumal die Dauer der Ehe nicht allein
ausschlaggebend ist, weil aus ihr ein gemeinsames Kind hervorgegangen ist.
Damit ist auch die Tatsache, dass der Kläger am tt.mm.2011 und damit noch vor
der Geburt von C._ den gemeinsamen Haushalt ein erstes Mal verlassen
hatte (act. 7/14), für die Frage der Lebensprägung nicht wesentlich.
2.2.6. Ein voreheliches Konkubinat darf in qualifizierten Ausnahmefällen bis zu
einem gewissen Grad als lebensprägendes Element berücksichtigt werden
(BGE 135 III 59 E. 4.4). Dies ist der Fall, wenn schon vor der Ehe ein berechtigtes
und schutzwürdiges Vertrauen in die Ehe bestand, indem ein Ehepartner auf
einen eigenen Erwerb verzichtete oder seine Erwerbstätigkeit aufgab (BGE 135 III
59 E. 4.4; BGer, 5A_778/2018 vom 23. August 2019 E. 4). Der Kläger
beanstandet, dass die Vorinstanz den Erwerb des Eigenheims durch die Parteien
vor der Heirat als vertrauensbildendes Kriterium wertete (act. 458 S. 23).
Tatsächlich ist dem Kläger darin zuzustimmen, dass der Erwerb des Eigenheims
nach den Kriterien der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in der vorliegenden
Konstellation kein berechtigtes Vertrauen in die Ehe und deren Fortbestand
- 41 -
begründete. Die Beklagte war bei Aufnahme des Zusammenlebens im Dezember
2007 39 Jahre alt. Sie war unbestrittenermassen bis zur Heirat und darüber
hinaus bis zur Geburt von C._ im Jahr 2011 eine erfolgreiche Geschäftsfrau
und Leiterin einer PR-Agentur. Das Konkubinat änderte weder an ihrer
Erwerbstätigkeit noch an ihrem Arbeitspensum etwas, weshalb sich aus dem
Konkubinat nichts im Hinblick auf die Lebensprägung der Ehe ableiten lässt.
2.2.7. Nach der bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird eine Ehe,
aus der gemeinsame Kinder hervorgegangen sind, in der Regel unabhängig von
der Ehedauer zur lebensprägenden. Das Bundesgericht hat im bereits zitierten
Entscheid (BGer, 5A_907/2018 vom 3. November 2020) darauf hingewiesen,
dass die Unterteilung in lebensprägende und nicht lebensprägende Ehen nicht die
Funktion eines "Kippschalters" haben dürfe, sondern die Frage der
Lebensprägung im Einzelfall kritisch zu prüfen sei. Die Sichtweise, dass sich der
gebührende Unterhalt am ehelichen Status ausrichten soll, sei jedenfalls nur dort
gerechtfertigt, wo der eine Ehegatte aufgrund eines gemeinsamen Lebensplanes
sein Erwerbsleben und damit seine ökonomische Selbständigkeit zugunsten der
Besorgung des Haushaltes und der Erziehung der Kinder aufgegeben habe und
es ihm zufolge dieser gemeinsamen Entscheidung nach langjähriger Ehe nicht
mehr möglich sei, an seiner früheren beruflichen Stellung anknüpfen oder einer
anderen Erwerbstätigkeit nachzugehen, welche ähnlichen ökonomischen Erfolg
verspreche. Inwiefern die Vermutung, bei einer mindestens zehnjährigen Ehe
oder gemeinsamen während der Ehe geborenen Kindern liege eine
Lebensprägung vor, noch zeitgemäss sei, musste das Bundesgericht im
konkreten Fall jedoch nicht entscheiden (BGer, 5A_907/2018 vom 3. November
2020 E. 3.4.2 f.). Bereits in früheren Entscheiden hatte das oberste Gericht in
besonderen Konstellationen aus der Tatsache des gemeinsamen Kindes keine
Lebensprägung abgeleitet (BGer, 5A_167/2007 vom 1. Oktober 2007 E. 4;
5A_177/2010 vom 8. Juni 2010 E. 6.5.3). Die Frage der Lebensprägung ist im
konkreten Fall demnach auf der Basis der bisherigen Kriterien vor dem
Hintergrund der neusten Rechtsprechung des Bundesgerichts zu würdigen.
- 42 -
2.2.8. Der Kläger bringt im Berufungsverfahren vor, der Eheabschluss und die
Geburt C._s hätten am vorehelichen Lebensplan der Beklagten, eine aktive,
das Berufsleben mit dem Familienleben kombinierende Frau zu sein, nichts
verändert (act. 458 S. 20 ff.). Mit diesem Vorbringen geht der Kläger jedoch nicht
auf die Erwägung der Vorinstanz ein, wonach eine Wiederaufnahme der
Erwerbstätigkeit durch die Beklagte im ursprünglichen Pensum nicht geplant
gewesen sei. Auch aus dem Urteil der Kammer vom 9. April 2020, in dem davon
ausgegangen wurde, die Beklagte sei nach der Geburt C._s weiterhin
erwerbstätig gewesen, kann der Kläger nichts zu seinen Gunsten ableiten. Die
Kammer stellte im besagten Entscheid gerade nicht fest, was für ein
Arbeitspensum die Beklagte nach der Geburt von C._ ausübte. Der Kläger
macht im Berufungsverfahren geltend, er habe vor Vorinstanz diverse
Beweisofferten für seine Behauptung offeriert, es sei der gemeinsame Plan der
Parteien gewesen, dass die Beklagte nach einem kurzen Mutterschaftsurlaub
wieder gleich intensiv hätte berufstätig sein sollen wie vor der Geburt (act. 458
S. 21). Dabei verweist er auf die von ihm eingereichte E-Mail der Beklagten an
I._ mit Kopie an ihn vom 2. September 2011, worin die Beklagte erklärte, sie
arbeite zur Zeit noch 100 % und werde nach der Geburt "reduzieren anfangs und
dann wieder arbeiten, flexibel – so wie es passt und stimmt" (act. 7/19). Die
weitere Beweisofferte betrifft die Antwortmail des Klägers darauf, in der er
festhielt: "B._ arbeitet jetzt etwa 180 %. Wenn sie später auf 50 % reduziert.
Sind das immer noch fast 100 %. Oder rechne ich etwa nicht so ganz richtig?"
(act. 7/20). Die dritte Beweisofferte betrifft Unterlagen im Zusammenhang mit
Verwaltungsratssitzungen der G._ SA im Zeitraum zwischen dem 25. März
2011 und dem 22. Juni 2012, aus denen hervorgeht, dass die Beklagte an den
etwa monatlich standfindenden Sitzungen regelmässig teilnahm (act. 75/32a). Der
Kläger vermag mit diesen Beweismitteln nicht nachzuweisen, dass die Beklagte
nach der Geburt wieder im gleichen Rahmen arbeitete wie vorher. Damit ist die
Feststellung der Vorinstanz, eine Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit durch die
Beklagte im ursprünglichen Pensum sei nicht geplant gewesen, nicht zu
beanstanden. Allerdings lässt sich daraus noch kein schützenswertes Vertrauen
der Beklagten auf den Fortbestand der Ehe ableiten, zumal nicht feststeht, wie
- 43 -
hoch das Arbeitspensum der Beklagten tatsächlich war. Die Beklagte bringt
hinsichtlich ihrer Erwerbstätigkeit nach der Geburt C._s vor, der Kläger habe
in der persönlichen Befragung vor Vorinstanz bestätigt, es sei für ihn
selbstverständlich gewesen, dass vor allem sie sich nach der Geburt um die
Tochter kümmern würde. Man habe über das Ausmass einer Berufstätigkeit nicht
gesprochen (act. 473 Rz. 39, Prot. Vi S. 241). Aus diesen Aussagen des Klägers
kann nicht geschlossen werden, dass sich die Parteien ausdrücklich oder
stillschweigend auf ein gewisses Arbeitspensum der Beklagten geeinigt hätten.
Vielmehr scheint das genaue Arbeitspensum der Beklagten zwischen den
Parteien kein Thema gewesen zu sein. Die Beklagte macht in diesem
Zusammenhang geltend, der Kläger habe eine Fremdbetreuung C._s und
damit eine Erwerbstätigkeit ihrerseits kategorisch abgelehnt. Andererseits lässt
sie aber ausführen, manchmal Hilfe bei der Betreuung des Kleinkindes gehabt zu
haben, was "für eine erwerbstätigte Mutter in solch ausgezeichneten finanziellen
Verhältnissen nichts Aussergewöhnliches" sei (act. 473 Rz. 41). Mit diesen
widersprüchlichen Ausführungen gesteht die Beklagte zumindest ein, weiterhin
erwerbstätig gewesen zu sein. Ausserdem muss eine Fremdbetreuung nicht
zwingend in einer Krippe stattfinden. Wenn sich der Kläger gegen eine Krippen-
oder Hortbetreuung von C._ aussprach, lässt sich daraus nicht ableiten, dass
er mit dem Beizug von Hilfspersonen für die Kinderbetreuung nicht einverstanden
war (act. 458 S. 20 f.; Prot. Vi S. 241). Das Gegenteil kann die Beklagte nicht
nachweisen. Insbesondere lässt sich entgegen der Darstellung der Beklagten
nicht feststellen, dass die Parteien für die Zeit nach der Geburt eine klassische
Rollenverteilung planten und lebten und die Beklagte ihre Erwerbstätigkeit
vollumfänglich aufgab (act. 473 Rz. 43 f.). Vielmehr ist davon auszugehen, dass
die Beklagte auch nach der Geburt von C._ mit einem ungeklärten Pensum
als Leiterin ihrer PR-Agentur und in den Unternehmungen des Klägers arbeitete.
Angesichts des Alters der Beklagten im Zeitpunkt der Geburt, ihrer bis dahin
erfolgreichen Berufskarriere und der unklaren Reduktion ihres Arbeitspensums
nach der Geburt ist die Geburt der gemeinsamen Tochter nicht als allein
ausschlaggebendes Kriterium für die Lebensprägung der Ehe zu sehen.
- 44 -
2.2.9. Die Parteien sind sich einig, dass sich die von der Beklagten geführte PR-
Agentur H._ AG nach der Heirat im Jahr 2009 mehr und mehr in eine
Abhängigkeit der vom Kläger beherrschten G1._-Gruppe begab und im
Zeitpunkt der Trennung der Parteien im Jahr 2012 zu 95 % auf die Mandate der
G1._-Gruppe ausgerichtet war (act. 458 S. 24, act. 473 Rz. 34). Obwohl die
Beklagte auch während der Ehe und nach der Geburt von C._ weiterhin eine
beruflich erfolgreiche Geschäftsfrau war, begründete die enge Zusammenarbeit
der Parteien und die dadurch begründete Abhängigkeit der von ihr geführten PR-
Agentur einen objektiv berechtigten Schutz in den Fortbestand der Ehe. Die vom
Kläger angegebene Begründung, er habe sich zur Kündigung aller PR-Mandate
gezwungen gesehen, weil er in der durch die ehelichen Streitigkeiten vergifteten
Atmosphäre nicht mehr eng mit der Beklagten habe zusammenarbeiten können
(act. 458 S. 24), ist durchaus nachvollziehbar. Dieser Umstand wie auch die
Rechtmässigkeit der Kündigungen ändern indessen nichts an den enormen,
geradezu existentiellen Auswirkungen derselben auf die berufliche Situation der
Beklagten. Beide Parteien mussten sich bewusst sein, dass eine plötzliche
Aufhebung der Zusammenarbeit einschneidende Konsequenzen für die
beruflichen Perspektiven der Beklagten haben würde. Vor diesem Hintergrund
genoss die enge berufliche Zusammenarbeit der Ehegatten und die
wirtschaftliche Abhängigkeit der von der Beklagten geführten PR-Agentur von den
Unternehmungen des Klägers einen erhöhten Vertrauensschutz. Der Kläger
bringt in diesem Zusammenhang vor, die Beklagte hätte seit Ende November
2010 damit rechnen müssen, dass die Ehe und die Zusammenarbeit nicht
nachhaltig sein würden. Sie hätte deshalb rechtzeitig betrieblich disponieren und
für einen schrittweisen Abbau der einseitigen Mandatslastigkeit ihrer PR-Agentur
sorgen müssen (act. 458 S. 25). Dass die Ehe bereits Ende November 2010
gescheitert war, steht nicht fest. Allein der Auszug des Klägers aus dem
gemeinsamen Haushalt am 14. Mai 2011 genügt als Beweis dafür nicht
(act. 7/14). Darüber hinaus ist seine Schlussfolgerung verfehlt. Wenn er die Ehe
und die berufliche Zusammenarbeit mit der Beklagten Ende November 2010 als
gescheitert betrachtete, hätte es ihm oblegen, für einen schrittweisen,
- 45 -
verträglichen Abbau der Mandatslastigkeit zu sorgen. Die Verantwortung dafür auf
die Beklagte zu schieben, mutet geradezu zynisch an.
2.2.10. Tatsächlich veränderte sich die berufliche Situation der Beklagten nach
der Kündigung aller Mandate durch die vom Kläger beherrschten G1._-
Unternehmen per Ende 2012 grundlegend. Die diesbezügliche Feststellung der
Vorinstanz wird auch vom Kläger nicht in Abrede gestellt (act. 458 S. 24). Dem
Kläger ist zwar zuzustimmen, dass die der Beklagten angebotene
Überbrückungsleistung bzw. "Abgangsentschädigung" in der Höhe von
Fr. 240'000.– den Mandatsverlust abgefedert und ihr Zeit für die Akquisition neuer
Mandate verschafft hätte (act. 458 S. 24). Die angebotene Entschädigung hätte
die Beklagte aber nicht davor entbunden, den Kundenkreis von Grund auf neu
aufzubauen. Als alleinerziehende Mutter einer damals gut einjährigen Tochter
stand sie mit ihrer Agentur im Zeitpunkt der Trennung ohne Kunden da. Es wäre
ihr – entgegen ihrer eigenen Auffassung (act. 473 Rz. 45) – zwar grundsätzlich
möglich gewesen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Allerdings hätte der
Wiederaufbau ihrer Agentur von ihr einen überdurchschnittlichen Einsatz verlangt.
Aufgrund der Verantwortung gegenüber ihrer einjährigen Tochter war ihre
Verfügbarkeit Ende 2012 limitiert und ihr der notorisch äusserst aufwendige
Wiederaufbau ihres Unternehmens nicht zumutbar. Vor diesem Hintergrund ist ein
objektiv schützenswertes Vertrauen der Beklagten in den Fortbestand der Ehe
und damit eine Lebensprägung zu bejahen. Dabei fällt in der vorliegenden
Konstellation neben der wirtschaftlichen Abhängigkeit der von der Beklagten
geführten PR-Agentur ins Gewicht, dass sich die Beklagte im Zeitpunkt der
Trennung als alleinerziehende Mutter eines Kleinkindes um den Wiederaufbau
ihrer Unternehmung hätte kümmern müssen. Dies hätte mehrere Jahre gedauert
– die Beklagte selbst ging damals von rund 2 Jahren aus (act. 5/16) – und wäre
mit einem reduzierten Arbeitspensum nicht realisierbar gewesen.
2.2.11. Zusammenfassend ist deshalb festzuhalten, dass die Ehe der Parteien als
Kurzehe zu bezeichnen ist. Die Beklagte war im Zeitpunkt der Geburt der
gemeinsamen Tochter 43 Jahre alt und ging seit langem einer erfolgreichen
Erwerbstätigkeit nach, auch nach der Ehe und über die Geburt der Tochter
- 46 -
hinaus. Der genaue Umfang ihrer Erwerbstätigkeit nach der Geburt konnte im
vorliegenden Verfahren nicht festgestellt werden. Angesichts dieser Umstände ist
die Geburt der gemeinsamen Tochter nicht als allein ausschlaggebendes,
vertrauensbildendes Kriterium zu werten. Allerdings hatte sich die Beklagte mit
der von ihr geführten PR-Agentur durch die enge Zusammenarbeit der Parteien in
eine wirtschaftliche Abhängigkeit zu der vom Kläger beherrschten G1._-
Gruppe begeben, was seitens der Beklagten einen Vertrauensschutz in den
Fortbestand der Ehe begründete. Tatsächlich akzentuierte sich die wirtschaftliche
Abhängigkeit der Beklagten vom Kläger, als die Trennung der Parteien zur
Kündigung sämtlicher Mandate durch die G1._-Gruppe führte und sie sich
als alleinerziehende Mutter eines Kleinkindes für den zeitintensiven Wiederaufbau
ihrer Unternehmung hätte einsetzen müssen. Daran ändert das (grosszügige)
Angebot für eine in Raten zu zahlende Abfindung nichts Grundsätzliches.
Insgesamt ist somit von einer lebensprägenden Ehe auszugehen und bei der
Berechnung der Unterhaltsansprüche grundsätzlich an den ehelichen
Lebensstandard anzuknüpfen.
2.3. Gebührender Unterhalt
2.3.1. Der nacheheliche Unterhalt ist auf der Basis des gebührenden Unterhalts
festzulegen (Art. 125 ZGB). Da die Ehe der Parteien als lebensprägend zu
qualifizieren ist, ist für den gebührenden Unterhalt grundsätzlich an den ehelichen
Lebensstandard anzuknüpfen und der Unterhaltsanspruch in drei Schritten zu
prüfen: Vorab ist der gebührende Unterhalt zu bestimmen, wofür die
massgebenden Lebensverhältnisse der Parteien festzustellen sind. Der
gebührende Unterhalt bemisst sich grundsätzlich an dem in der Ehe zuletzt
gemeinsam gelebten Standard. Auf dessen Fortführung haben bei genügenden
Mitteln beide Teile Anspruch; gleichzeitig bildet der betreffende Standard aber
auch die Obergrenze des gebührenden Unterhalts (nachfolgend E. III. 3). Sodann
ist zu prüfen, inwiefern die Ehegatten diesen Unterhalt je selber finanzieren
können. Der Vorrang der Eigenversorgung ergibt sich direkt aus dem Wortlaut
von Art. 125 Abs. 1 ZGB (vgl. nachfolgend E. III. 4). Ist sie einem Ehegatten
vorübergehend oder dauerhaft nicht möglich bzw. zumutbar, so dass er auf
- 47 -
Unterhaltsleistungen des anderen angewiesen ist, muss in einem dritten Schritt
dessen Leistungsfähigkeit ermittelt und ein angemessener Unterhaltsbeitrag
festgesetzt werden; dieser beruht auf dem Prinzip der nachehelichen Solidarität
(vgl. nachfolgend E. IV. 4.2 und 5.3.5; BGE 141 III 465 E. 3.1 S. 468 = FamPra.ch
2016, 280, 283; BGE 137 III 102 E. 4.2; 135 III 158 E. 4.3 S. 160; 134 III 145 E.
4).
2.3.2. Der Kläger macht im Berufungsverfahren unter Verweis auf einen bereits
vor Vorinstanz zitierten Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen vom 14. Juni
2007 erneut geltend, selbst wenn von einer Lebensprägung ausgegangen werde,
müsste auf den aktuellen effektiven Bedarf der Beklagten auf zwar
hochstehendem, aber vernünftigem angemessenem Niveau abgestellt werden.
Die Vorinstanz habe sich mit den Erwägungen des Kantonsgerichts St. Gallen mit
keinem Wort auseinandergesetzt und sich damit der Tatsache verschlossen, dass
Barunterhaltsbeiträge von Fr. 21'600.– zusätzlich zur unentgeltlichen Nutzung der
Villa D._-strasse ... – wie von der Vorinstanz zugesprochen – "das in einer
objektivierten Betrachtungsweise noch als angemessen oder irgendwie sinnvoll
Erscheinende" bei Weitem überstiegen. Die Vorinstanz sei auf diesen
wesentlichen Gesichtspunkt nicht eingegangen und habe ihm so das rechtliche
Gehör verweigert. Zudem habe die Vorinstanz bei der konkreten
Bedarfsberechnung im Wesentlichen auf die von der Beklagten eingereichten
Belege zu den vor der Trennung, d.h. vor Juni 2012, getätigten Ausgaben
abgestellt, anstatt die einzelnen Bedarfspositionen auf der Grundlage des
ehelichen Standards in Nachachtung der heutigen Begebenheiten zu
aktualisieren. Indem es die Vorinstanz unterlassen habe, bezüglich der
Bedarfspositionen der Beklagten und C._s die aktuellen Verhältnisse zu
ermitteln bzw. die Beklagte zur Vorlage aktueller Belege anzuhalten, habe sie den
massgeblichen Sachverhalt unrichtig festgestellt (act. 458 S. 34 f.).
2.3.3. Der Kritik des Klägers ist zunächst entgegenzuhalten, dass die Vorinstanz
auf der Basis einer lebensprägenden Ehe zu Recht auf den ehelichen
Lebensstandard abstellte und entsprechend nur vereinzelt auf aktuelle Belege
angewiesen war. Mit Ausnahme der Kosten für den Kinderhütedienst (act. 458
- 48 -
S. 35; nachfolgend E. IV 3.4) fällt die Kritik des Klägers denn auch völlig
unsubstantiiert aus und bleibt unklar, welche Positionen er damit im Einzelnen
anspricht. Dem Kläger ist zwar grundsätzlich zuzustimmen, dass der eheliche
Standard wohl nicht den Ausgaben des Ehepaares während der zweieinhalb
Jahre vor C._s Geburt entspricht, unter Hinzurechnung der Kinderkosten, die
ab dem Zeitpunkt der Geburt von C._ anfielen. Denn es ist notorisch, dass
sich die Lebensumstände und -gewohnheiten mit der Geburt eines Kindes
ändern, was sich auf den Familienbedarf auswirkt. Auch die Tatsache, dass
C._ im Zeitpunkt der Trennung der Parteien erst knapp 9 Monate alt war,
spricht dafür, dass sich nach der Geburt von C._ noch kein gefestigter
ehelicher Lebensstandard etablierte. Es wäre jedoch am Kläger gelegen, im
erstinstanzlichen und im Berufungsverfahren konkret zu behaupten bzw. zu
bestreiten, welche von der Beklagten geltend gemachten Bedarfspositionen aus
welchen Gründen nicht dem ehelichen Standard entsprachen bzw. welche der
von der Beklagten geltend gemachten Bedarfspositionen in welchem Umfang den
ehelichen Lebensstandard als oberste Grenze des gebührenden nachehelichen
Unterhalts überstiegen. Mit seinem pauschalen Vorbringen im
Berufungsverfahren kommt der Kläger den Begründungsanforderungen nicht
nach, zumal er auch nicht darlegt, dass bzw. wo er im erstinstanzlichen Verfahren
konkrete Bestreitungen vorgetragen hat. Sein Hinweis, er habe bereits in der
Replik vom 19. Januar 2016 die Edition der aktuellen Bankkontoauszüge der
Beklagten beantragt, ändert nichts daran, dass ihn in diesem Punkt die
Bestreitungslast trifft (act. 458 S. 39, act. 74 S. 86). Schliesslich macht der Kläger
auch nicht geltend, die Vorinstanz hätte für den nachehelichen Unterhalt aufgrund
des langen Getrenntlebens der Parteien nicht mehr auf den während der
Ehedauer gelebten Lebensstandard, sondern auf die Situation der Ehegatten
während der Trennungszeit abstellen sollen. Damit kann die Frage, ob die
diesbezügliche Rechtsprechung, welche ab einer Trennungsdauer von rund 10
Jahren zur Anwendung kommen kann, vorliegend zu berücksichtigen wäre, offen
gelassen werden (vgl. FamPra.ch 2006, S. 717 ff.; BGE 130 III 537 ff., E. 2; BGer,
5C.230/2003 vom 17. Februar 2004, E. 4.2.).
- 49 -
2.3.4. Der Kläger bringt im Zusammenhang mit dem Bedarf der Beklagten vor, die
Vorinstanz habe sich mit den Aussagen der Beklagten und ihrem diffusen
Aussagenverhalten nicht auseinandergesetzt und darüber hinaus auf den Erlass
einer Beweisverfügung und die gemäss Art. 232 ZPO zwingend gebotenen
Schlussvorträge verzichtet, mit der Begründung, die Parteien hätten sich
anlässlich der Hauptverhandlung ausreichend äussern können. Die Vorinstanz
wäre indessen verpflichtet gewesen, die Ergebnisse der Verhandlung zu den
vorsorglichen Massnahmen und der gleichzeitig durchgeführten Parteibefragung
in ihrem Teilurteil zu berücksichtigen (act. 458 S. 36 f.). Zweifellos hätte den
Parteien zwingend das Recht eingeräumt werden müssen, zum Beweisergebnis
im Rahmen der Schlussvorträge Stellung zu nehmen (vgl. vorstehend E. II. 5.4).
Soweit der Kläger die Aussagen der Beklagten im Massnahmenverfahren
berücksichtigt haben will, ist erneut darauf hinzuweisen, dass die persönliche
Befragung der Beklagten anlässlich der Verhandlung betreffend vorsorgliche
Massnahmen vom 12. Juni 2019 keine Beweisabnahme im Hauptverfahren
darstellte. Vor diesem Hintergrund durfte die Vorinstanz – mit Ausnahme der der
Untersuchungsmaxime unterstehenden Kinderbelange – im Hauptverfahren nicht
auf die von der Beklagten anlässlich dieser Verhandlung gemachten Aussagen
abstellen und sie musste sich insbesondere auch nicht mit dem Aussageverhalten
der Beklagten im Massnahmenverfahren auseinandersetzen. Die diesbezügliche
Rüge des Klägers geht fehl. Aus den gleichen Gründen kann der Kläger auch
nichts aus dem von ihm im besagten Massnahmenverfahren gestellten Antrag
ableiten, die Beklagte sei zur Edition von Belegen zu ihrem aktuellen Bedarf zu
verpflichten und sie sei zu ihrem Bedarf detailliert persönlich zu befragen (act. 458
S. 37 ff., act. 394).
2.3.5. Die Vorinstanz hat aufgrund der aussergewöhnlich guten finanziellen
Verhältnisse die einstufig-konkrete Methode für die Unterhaltsberechnung
angewendet (act. 460 S. 97), was von den Parteien nicht kritisiert wird. Das
Bundesgericht hat nun kürzlich die zweistufig-konkrete Methode auch im Bereich
des nachehelichen Unterhalts als verbindlich erklärt, soweit nicht ausnahmsweise
eine Situation vorliege, bei welcher diese schlicht keinen Sinn ergebe,
insbesondere bei aussergewöhnlich günstigen finanziellen Verhältnissen (BGer,
- 50 -
5A_891/2018 vom 2. Februar 2021 E. 4.5). Vorliegend ist von aussergewöhnlich
günstigen finanziellen Verhältnissen im Sinne der vom Bundesgericht
vorgesehenen Ausnahmeklausel auszugehen. Darüber hinaus haben die Parteien
vor Vorinstanz wie auch im Berufungsverfahren stets basierend auf der einstufig-
konkreten Methode plädiert, so dass die Grundlagen für eine
Unterhaltsberechnung nach der zweistufig-konkreten Methode im vorliegenden
Berufungsverfahren gar nicht bekannt wären. Die Berechnungsmethode nach
einer Prozessdauer von rund 6 1⁄2 Jahren zu ändern, wäre weder
prozessökonomisch noch sinnvoll. Es ist somit an der einstufig-konkreten
Methode festzuhalten. Nachfolgend ist auf die Bedarfspositionen der Beklagten
und von C._ einzugehen.
3. Gebührender Bedarf der Beklagten und C._s
3.1. Unstrittige Positionen
Die folgenden, von der Vorinstanz angerechneten Bedarfspositionen sind im
Berufungsverfahren unbestritten geblieben: Kommunikation im Betrag von Fr.
200.– für die Beklagte und von Fr. 100.– für C._ (Position 3), Kosten von Fr.
60.– für Wäscherei und chemische Reinigung (Position 5), Versicherungskosten
von Fr. 638.– und Hausratsversicherung von Fr. 350.– ab Auszug aus der
Liegenschaft D._-strasse ... (Positionen 7.1 und 7.2), Fr. 200.– für
Anschaffungen Haushalt (Position 18), Fr. 84.– für Schuhmacher/Schneider
(Position 20), Kurse/Weiterbildungen Fr. 0.– (Position 28), Anschaffungen
Sportgeräte im Betrag von Fr. 270.– für die Beklagte und Fr. 130.– für C._
(Positionen 29-30; vgl. act. 460 S. 98 ff., act. 458 S. 42, 45 ff., act. 473 Rz. 93 ff.,
act. 476 Rz. 71 ff.).
3.2. Wohnkosten
3.2.1. Die Vorinstanz rechnete der Beklagten und C._ nach dem Auszug aus
der Liegenschaft an der D._-strasse ... Wohnkosten von Fr. 7'200.– (inkl.
Steuern und Nebenkosten) monatlich an (act. 460 S. 98). Sie führte aus, der
Wohnstandard bestimme sich unter Berücksichtigung der konkreten
- 51 -
Einzelfallumstände nach qualitativen Kriterien und nicht quantitativ aufgrund der
derzeitigen effektiven Wohnkosten. Die aktuellen Kosten würden sich gemäss
dem Kläger auf Fr. 25'000.– monatlich belaufen, was den Rahmen offensichtlich
sprengen würde. Deshalb könnten sie höchstens als grobes Indiz für die gelebte
Wohnqualität herangezogen werden. Auf dem Immobilienportal J._ (Stand
12. März 2020) seien eine luxuriöse 7.5-Zimmerwohnung in ... Zürich für
Fr. 7'800.– pro Monat, eine 5.5-Zimmerwohnung für 5'295.– (je inkl. Nebenkosten)
zu finden. Im K._-Quartier sei eine dem luxuriösen Standard entsprechende
6.5-Zimmerwohnung für Fr. 8'200.–, im Zürcher L._ eine 5.5
Zimmerwohnung für Fr. 5'800.– (je inkl. Nebenkosten) ausgeschrieben. In
Anbetracht dieser Angebote und unter Berücksichtigung der bei einem Auszug
anfallenden Steuererhöhung erschienen Wohnkosten von Fr. 7'200.– (inkl.
Nebenkosten und Steuern) als angemessen (act. 460 S. 100 f.).
3.2.2. Der Kläger verlangt mit der Berufung, dass der Beklagten für die Zeit ab
Auszug aus der Liegenschaft D._-strasse ... in Zürich kein zusätzlicher
Barunterhaltsbeitrag zuzusprechen sei (act. 458 S. 3, Berufungsantrag 4). Er
bringt diesbezüglich vor, wenn er der Beklagten und C._ schon das schöne
Haus zur Verfügung stelle und es klarerweise nicht im Kindeswohl liege, C._
aus dem geborgenen Wohnambiente mit grossem Garten und aus ihrem
vertrauten lokalen Beziehungsnetz herauszureissen, könne es nicht in Frage
kommen, für die Beklagte durch einen zusätzlichen Unterhaltsbeitrag einen Anreiz
zu schaffen, umzuziehen und die Umsetzung der alternierenden Obhut zu
erschweren. Es sei gerichtsnotorisch und könne jederzeit auf J._ überprüft
werden, dass eine luxuriöse grosse 4.5 Zimmerwohnung, welche für einen Zwei-
Personen-Haushalt absolut ausreiche, an bester Lage ohne weiteres für
Fr. 5'000.– gefunden werden könne (act. 458 S. 43 f.).
3.2.3. Die Beklagte macht in diesem Zusammenhang geltend, es gehe nicht an,
dass der Kläger ihr vorschreibe, wo sie zu leben habe. Es stehe ihr – unter
Beachtung der alternierenden Obhut – frei, ihren Wohnort beliebig zu bestimmen.
Eine dem ehelichen Lebensstandard entsprechende Wohnung müsse mehr als
4.5 Zimmer haben, Mietkosten würden deshalb den vom Kläger vorgeschlagenen
- 52 -
Betrag von Fr. 5'000.– bei weitem übersteigen, zumal auch die Lage
berücksichtigt werden müsse (act. 473 Rz. 95). Bei der Zimmeranzahl handle es
sich nicht um das einzige qualitative Merkmal. Ausgehend vom ehelichen
Standard habe sie Anspruch auf eine Wohnung mit grosszügiger Wohnfläche mit
mindestens 5.5 Zimmern, einem sehr gehobenem Ausbaustandard, viel Platz und
einem Garten mit Pool. Zudem habe sie Anspruch, dass ihre 5 Autos in einer
Garage in ihrer Nähe untergebracht seien, wobei von Kosten von Fr. 250.– pro
Monat pro Parkplatz auszugehen sei. Die Garagenkosten seien bereits in der
Klageantwort mitenthalten gewesen. Aufgrund der genannten Kriterien und
aufgrund der in den
vorinstanzlichen Feststellungen wohl unberücksichtigt gebliebenen Garagen-
kosten rechtfertige es sich, Wohnkosten von Fr. 7'200.– inkl. Nebenkosten,
jedoch ohne Steuern anzurechnen. In Abweichung zum angefochtenen Urteil sei
nicht von einer pauschalen Steuererhöhung auszugehen, sondern es sei eine
zusätzliche, separate Steuerberechnung vorzunehmen. Da die Wohnkosten auch
direkte Auswirkungen auf den Barbedarf von C._ hätten, erfolge die
beantragte Erhöhung der Steuerbelastung rechtzeitig. Wie sich aus den
detaillierten Ausführungen zur Steuerberechnung ergebe, würden die Steuern auf
den Wohnkosten deutlich über dem Betrag von Fr. 2'500.– liegen, welcher in der
Klageantwort pauschal beantragt worden sei. Ausserdem habe die Vorinstanz der
Beklagten einen Betrag von Fr. 350.– pro Monat für die Hausratversicherung
zugesprochen (act. 460 S. 107), diese Bedarfsposition aber in Dispositiv-Ziff. 12
nicht berücksichtigt (act. 476 Rz. 89-96). Der Kläger bestreitet diese
Ausführungen der Beklagten in der Anschlussberufung. Er macht geltend, die
Darstellung der Beklagten sei nicht nachvollziehbar und werde im Quantitativ
bestritten. Soweit es um Unterhaltsbeiträge für die Beklagte gehe, seien darin
auch unzulässige neue Behauptungen zu sehen (act. 488 S. 37).
3.2.4. Wohnkosten sind praxisgemäss in jeder Bedarfsberechnung zu
berücksichtigen, es sei denn, dem Unterhaltsberechtigten fallen tatsächlich keine
Kosten dafür an. Das zu Recht als grosszügig bezeichnete Angebot des Klägers,
weiterhin für die Wohnkosten der Liegenschaft an der D._-strasse ...
aufzukommen, ändert nichts daran, dass die Beklagte nach ihrem Auszug aus der
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ehelichen Liegenschaft Anspruch auf die Anrechnung von Wohnkosten hat. Der
Standpunkt des Klägers, es sei auf eine Erhöhung des Unterhaltsbeitrags nach
dem Auszug aus der ehelichen Liegenschaft zu verzichten, missachtet das Recht
der Beklagten, unter den mit der alternierenden Obhut einhergehenden
Einschränkungen frei über ihren Wohnort entscheiden zu können. Der Kläger
erachtet für eine luxuriöse, grosse 4 1⁄2-Zimmerwohnung Wohnkosten von Fr.
5'000.– als angemessen. Er geht aber nicht darauf ein und übersieht damit, dass
für die Beklagte nach ihrem Auszug aus der Liegenschaft D._-strasse ...
zusätzlich zu den eigentlichen Wohnkosten Nebenkosten und eine erhöhte
Steuerbelastung anfallen werden. Damit vermag seine Kritik am erstinstanzlichen
Entscheid nicht zu überzeugen.
3.2.5. Die Beklagte verlangt erstmals im Berufungsverfahren eine separate
Steuerberechnung für die Zeit nach ihrem Auszug aus der Liegenschaft an der
D._-strasse ... in Zürich. Im Rahmen der Klageantwort schätzte sie die
zusätzliche Steuerbelastung bei beantragten Wohnkosten von Fr. 11'000.– (inkl.
Nebenkosten) auf Fr. 2'500.– (act. 31 Rz. 278). Es trifft zwar zu, dass die
Vorinstanz den Parteien keine Gelegenheit einräumte, zu den Ausführungen in
der persönlichen Befragung anlässlich der Hauptverhandlung Stellung zu
nehmen, und dadurch ihr rechtliches Gehör verletzte (vgl. oben E. II. 5.4). Die
Stellungnahme zum Beweisergebnis hätte es den Parteien ermöglicht, ihre im
Rahmen des Behauptungsverfahrens vorgetragenen Sachdarstellungen unter
Berücksichtigung der Ergebnisse des Beweisverfahrens zu ergänzen. Es wäre
aber mit der Novenschranke nicht vereinbar gewesen, im Rahmen der
Schlussvorträge eine neue Argumentationslinie zu verfolgen oder die im
Behauptungsverfahren gemachten Ausführungen nachzubessern oder zu
substantiieren. Auch die Untersuchungsmaxime (vgl. Art. 229 Abs. 3 ZPO) bzw.
der Umstand, dass gleichzeitig über nachehelichen Unterhalt und Kinderunterhalt
zu entscheiden ist, kann im Rahmen der vorliegenden einstufig-konkreten
Berechnungsmethode nicht dazu führen, dass erstmals im Berufungsverfahren
eine separate Steuerberechnung für die zusätzliche Steuerbelastung nach dem
Auszug aus der Liegenschaft an der D._-strasse ... verlangt werden kann,
nachdem dies in erster Linie zu einer Begünstigung der Beklagten im Rahmen der
- 54 -
nachehelichen Unterhaltsbeiträge führen würde und die Beklagte im
erstinstanzlichen Verfahren auf einen geschätzten Steuerbetrag abstellte (act. 31
Rz. 278 f., act. 133 Rz. 295; vgl. auch act. 31 Rz. 403, act. 133 Rz. 334). Anders
verhielte es sich nur, wenn die Beklagte ihren Ausführungen in der Klageantwort
oder in der Duplik eine separate, detaillierte Steuerberechnung für die Zeit nach
ihrem Auszug aus der Liegenschaft zugrunde gelegt hätte. Diesfalls könnte sie
diese mit den Ergebnissen des Beweisverfahrens oder mit (echten) Noven
ergänzen. Da die Beklagte im erstinstanzlichen Verfahren aber auf einen
geschätzten Steuerbetrag abstellte, erfolgt ihr Hinweis auf eine separate
Steuerberechnung im Berufungsverfahren verspätet.
3.2.6. Die Beklagte machte in der Klageantwort wie erwähnt Wohnkosten von
Fr. 10'000.– zuzüglich Nebenkosten von Fr. 1'000.– geltend, wobei sie erwähnte,
aufgrund der auf dem Markt befindlichen Objekte, die annäherungsweise dem
Wohnstandard (wenn auch nicht ganz so luxuriös und z.B. ohne Schwimmbad
und grossem Garten) entsprächen, müsse mit Mietkosten in der genannten Höhe
gerechnet werden (act. 31 Rz. 276). Wenn die Beklagte nun im
Berufungsverfahren die Ansicht vertritt, ihr stehe weiterhin ein Garten mit Pool zu
(act. 476 Rz. 90, 92, act. 500 Rz. 60), so handelt es sich dabei um eine neue
Behauptung, welche im Berufungsverfahren unbeachtlich ist. Die Wohnkosten
betreffen zwar auch den Bedarf von C._, weshalb Noven aufgrund der
strengen Untersuchungsmaxime nach der bundesgerichtlichen Praxis
grundsätzlich uneingeschränkt zu berücksichtigen wären (vgl. oben, E. II.3.3).
Das uneingeschränkte Novenrecht würde vorliegend aber im Rahmen der
einstufig-konkreten Berechnungsmethode in erster Linie zu einer Anpassung des
gebührenden Bedarfs der Beklagten und damit vor allem zu einer Begünstigung
ihrerseits führen. Mit Bezug auf das Kindesinteresse und damit den Kerngehalt
der Untersuchungsmaxime kommt den neu vorgebrachten Tatsachen (luxuriöser
Wohnstandard inkl. grossem Garten und Pool) keine achtenswerte Bedeutung zu.
Es ist zwar richtig, dass die Beklagte im erstinstanzlichen Verfahren auf die
eheliche Wohnsituation hingewiesen hat, dabei räumte sie aber ein, dass der
Wohnstandard nicht zwingend einen grossen Garten oder ein Schwimmbad
umfassen müsse. Darauf ist sie zu behaften. Richtig ist jedoch, dass jedes der
- 55 -
von der Beklagten mit der Klageantwort eingereichten J._-Inserate zwei
Garagenplätze umfasste, allerdings – darauf weist der Kläger zutreffend hin (act.
488 S. 38) – nicht deren fünf, wie die Beklagte nunmehr in der Anschlussberufung
ebenfalls verspätet vorbringt. Nach dem Gesagten vermag die Beklagte mit ihren
Argumenten die Angemessenheit der von der Vorinstanz angerechneten
Wohnkosten nicht in Zweifel zu ziehen. Somit überzeugt weder die Kritik des
Klägers noch diejenige der Beklagten, weshalb es bei den erstinstanzlich
festgesetzten Wohnkosten von insgesamt Fr. 7'200.– (inkl. Nebenkosten und
Steuern) zu bleiben hat.
3.2.7. Da der Kläger den Betrag für die Hausratsversicherung nicht substantiiert
bestritten hat, ist er ausserdem ab Auszug der Beklagten zu verpflichten, die
Kosten für die Hausratsversicherung von Fr. 350.– pro Monat zu bezahlen (vgl.
vorstehend E. IV. 3.1, act. 460 S. 98, 107, act. 476 Rz. 95, act. 488 S. 39).
3.3. Haushälterin
3.3.1. Die Vorinstanz berücksichtigte im Bedarf der Beklagten einen Betrag von
Fr. 3'200.– für eine Haushälterin mit der Begründung, der Kläger habe nicht
bestritten, dass während des Zusammenlebens Kosten von Fr. 3'000.– zuzüglich
Sozialabgaben für eine Haushälterin mit 80 %-Pensum angefallen seien (act. 460
S. 98, 102 f.).
3.3.2. Der Kläger bringt diesbezüglich vor, die Annahme der Vorinstanz, dass die
Beklagte in Fortführung des ehelichen Standards eine Haushälterin mit einem
80 %-Pensum benötige, sei im Rahmen des heute massgeblichen nachehelichen
Bedarfs nicht mehr richtig. Bei einem Arbeitspensum von 50-60 % blieben der
Beklagten 40-50 % übrig, um C._ zu betreuen und den Haushalt zu führen,
was ihr auf der Basis eines hohen Lebensstandards durchaus zuzumuten sei (act.
458 S. 44 f.). Im Berufungsverfahren erachtet der Kläger Kosten von Fr. 2'100.–
monatlich als ausreichend (act. 458 S. 45). Die Beklagte ihrerseits beruft sich auf
den gemeinsam gelebten Standard und führt aus, sie habe substantiiert dargelegt
- 56 -
und bewiesen, dass dafür Kosten von monatlich Fr. 3'200.– anfallen würden. Der
Kläger habe es jedoch im Rahmen der Berufung unterlassen, substantiiert
vorzutragen, weshalb er lediglich Fr. 2'100.– anerkenne bzw. wie sich diese
Summe zusammensetze (act. 473 Rz. 100).
3.3.3. Der Standpunkt der Beklagten, der Kläger begründe nicht, wie er auf den
Betrag von Fr. 2'100.– komme, trifft so nicht zu. So machte der Kläger geltend,
der Beklagten stünde ein Pensum von 40-50 % zur Verfügung, um sich um den
Haushalt zu kümmern (act. 458 S. 44). Ausgehend von den von der Vorinstanz
berücksichtigten Kosten von Fr. 3'200.– bei einem Pensum von 80 % entspricht
der vom Kläger anerkannte Betrag von Fr. 2'100.– einem Pensum von rund 50 %.
3.3.4. Dass sich der gebührende Unterhalt grundsätzlich an dem in der Ehe
zuletzt gemeinsam gelebten Standard orientiert, bedeutet nicht, dass
zwischenzeitlich eingetretene Veränderungen nicht angemessen zu
berücksichtigen sind. Der Kläger kritisiert zu Recht, dass die während des
ehelichen Zusammenlebens unbestrittenermassen angefallenen Kosten für eine
Haushälterin unter anderen Umständen angefallen sind, nämlich als beide
Parteien zu 100 % (und mehr) arbeitstätig waren. Die Vorinstanz wies in ihrer
Begründung auf die Ausführungen des Klägers in der Replik hin (act. 460 S. 102
mit Hinweis auf act. 74 S. 89 f.). Dort machte der Kläger geltend, die Beklagte
halte das gleiche Betreuungssetting aufrecht wie in der Zeit, als beide Parteien
voll arbeitstätig gewesen seien. Solange die Beklagte Hausfrau und Mutter sei,
sei höchstens ein Drittel-Einsatz im Betrag von Fr. 1'200.– pro Monat
gerechtfertigt. Er erwähnte dabei ausdrücklich, bei
einer 50 %-Erwerbstätigkeit der Beklagten könnten auch höhere Beträge
gerechtfertigt sein (act. 74 S. 89 f.).
3.3.5. Da sich die Verhältnisse seit dem ehelichen Zusammenleben infolge des
Wegfalls bzw. Reduktion der Erwerbstätigkeit der Beklagten sowie der Betreuung
von C._ weitgehend verändert haben, ist der während der vollen
Erwerbstätigkeit der Parteien gelebte Standard in Anwendung der
Untersuchungsmaxime auf die neuen Verhältnisse anzupassen. Zweifellos hat die
Beklagte weiterhin Anspruch auf eine Haushaltshilfe. Wie nachfolgend zu zeigen
- 57 -
sein wird, hat C._ – entgegen der Auffassung des Klägers – auch Anspruch
auf eine Fremdbetreuung während der Erwerbstätigkeit der Beklagten (vgl.
nachfolgend IV. 3.14). Angesichts des Arbeitspensums von 60 % (vgl.
nachfolgend E. IV. 4.2.1), dem Betreuungsanteil der Beklagten von rund 70 %
und dem Alter von C._ erscheint es sinnvoll, dass Kinderbetreuung und
Haushaltsarbeit durch eine Person erbracht werden, zumal dies der Kläger im
Zusammenhang mit der Kinderbetreuung so vorbringt und die Beklagte keine
konkreten Einwände gegen die Umsetzung einer solchen Betreuung äussert (act.
458 S. 31, act. 473 Rz. 63). Auch mit Blick auf das Kindeswohl ist es angezeigt,
eine Haushaltshilfe zu suchen, die C._ nach der Schule empfangen und sich
um sie kümmern kann. Gleichzeitig wird dadurch die Flexibilität der Beklagten bei
ihrer Erwerbstätigkeit erhöht. Der Lohn für eine Nanny, die gleichzeitig den
Haushalt macht, orientiert sich zweifellos am höheren Lohnniveau für Nannys. Die
Vorinstanz ging von einem Bruttolohn für eine Nanny von Fr. 4'500.– (bei einem
100 % Pensum) aus (act. 460 S. 120). Der Kläger wehrt sich in der Berufung zwar
gegen die Berücksichtigung von Fremdbetreuungskosten an sich, gegen die Höhe
des von der Vorinstanz angerechneten Bruttolohns wendet er indessen nichts
Konkretes ein (act. 458 S. 28 ff.). Somit sind auf dieser Basis bis zur Vollendung
des 16. Lebensjahres von C._ entsprechende Kosten je zur Hälfte im Bedarf
der Beklagten und im Barbedarf von C._ zu berücksichtigen. Auf das
Pensum der Kinderfrau und Haushaltshilfe ist im Einzelnen unter Erwägung IV.
3.14 einzugehen.
3.4. Kinderhütedienst
3.4.1. Die Vorinstanz gab mit Bezug auf die Kosten für Babysitter zunächst die
Darstellung der Beklagten in der Klageantwort wieder, wonach sie ab und zu auf
einen Babysitter angewiesen sei und ihr dabei Fr. 750.– anfallen würden (act. 31
S. 96). Zudem verwies die Vorinstanz auf die Aussagen der Beklagten in der
persönlichen Befragung zu den Kinderbelangen anlässlich der Fortsetzung der
Hauptverhandlung vom 6. Juli 2018, wonach sie einmal pro Woche abends weg-
gehe und auch manchmal etwas erledigen müsse und sich dabei nicht um
C._ kümmern könne (Prot. Vi S. 249). Gestützt auf die von der Beklagten
- 58 -
eingereichten Belege für die Zeit zwischen dem 11. Januar bis 28. Juni 2012
erachtete die Vorinstanz Kosten in der Höhe von rund Fr. 650.– für ausgewiesen
(act. 460 S. 103).
3.4.2. Der Kläger kritisiert, die Vorinstanz habe bei der Position Kinderhütedienst
auf Kostenbelege für die Zeit von Januar bis Juni 2012 abgestellt, aus einer Zeit,
als C._ als Kleinkind noch auf einen Babysitter angewiesen gewesen sei. Die
einzelnen Bedarfspositionen seien auf der Grundlage des ehelichen Standards in
Nachachtung der heutigen Gegebenheiten zu aktualisieren. C._ sei nun bald
9-jährig und kein Baby mehr, weshalb die besagten Rechnungen für den
Kinderhütedienst in der heutigen Zeit offensichtlich nicht aussagekräftig bzw.
beweiskräftig seien (act. 458 S. 35).
3.4.3. Die Beklagte macht geltend, die Kosten für den Kinderhütedienst seien
ausgewiesen, zudem habe die Vorinstanz auf einen Zeitpunkt abgestellt, als sie
nicht mehr voll erwerbstätig gewesen sei. Dass ein noch nicht 9-jähriges Kind
eine Betreuung brauche und abends nicht alleine sein könne, sei offenkundig und
werde auch vom Kläger nicht bestritten. Die Bestreitung des Klägers falle
unsubstantiiert und pauschal aus und könne nicht als rechtsgenügende
Bestreitung angesehen werden, weshalb die von der Vorinstanz eingesetzten
Kosten für den Kinderhütedienst als anerkannt zu gelten hätten (act. 473 Rz. 74,
101).
3.4.4. Die Vorinstanz stellte wie erwähnt für die Höhe der Babysitter-Kosten von
Fr. 650.– auf Belege der Beklagten aus dem Jahr 2012 ab. Substantiierte
Behauptungen der Beklagten zur Höhe der Kosten bzw. zu deren
Aufschlüsselung lagen der Vorinstanz nicht vor. Vor diesem Hintergrund erweist
sich die klägerische Bestreitung, mit Belegen aus dem Jahr 2012 könnten die
Kosten für den Kinderhütedienst für die heute 9-jährige C._ nicht
nachgewiesen werden, als genügend substantiiert. Dass ein 9-jähriges Kind nicht
mehr in gleichem Masse auf einen Babysitter angewiesen ist wie ein wenige
Monate altes Baby, bedarf keiner weiteren Erörterung. Der Kläger weist damit
sinngemäss auf die Problematik hin, wonach bei Neugeborenen und kleinen
Kindern mit der einstufig-konkreten Berechnungsmethode auf einen Standard
- 59 -
abgestellt wird, der nur über relativ kurze Zeit tatsächlich gelebt wurde. In
Anwendung der Untersuchungsmaxime drängt sich deshalb ein Blick auf die
aktuellen Verhältnisse auf. Diesbezüglich gab die Beklagte anlässlich der
persönlichen Befragung in der Hauptverhandlung vom 6. Juli 2018 zu Protokoll,
wenn man einmal in der Woche einen Abend weggehe, könne man ein
sechsjähriges Kind nicht unbetreut lassen. Sie gehe etwa einen Abend pro Woche
aus, und vielleicht einmal, wenn sonst etwas sei. Auch dann, wenn sie nebenher
etwas erledige, bei dem sie sich nicht um C._ kümmern könne (Prot. Vi S.
249). Neben den Aussagen der Beklagten ist weiter zu berücksichtigen, dass
C._ im Unterschied zum Jahr 2012 nunmehr tagsüber die Schule besucht
und die Betreuung durch den Kläger zwischenzeitlich ausgeweitet wurde. So hält
sich C._ jeden Dienstag, ab Schulbeginn bis 19.30 Uhr, sowie jedes zweite
Wochenende von Freitag, ab Schulbeginn, bis Montag, Schulbeginn, beim Kläger
auf. Ausserdem ist gestützt auf die unbestrittenen Angaben des Klägers (act. 458
S. 31, act. 473 Rz. 58 ff.) davon auszugehen, dass C._ gut integriert ist und
wie jedes andere 9-jährige Kind hin und wieder Zeit bei Freunden verbringt. In
Würdigung dieser Umstände ist anzunehmen, dass sich die effektiven
Betreuungszeiten der Beklagten und entsprechend der Bedarf an einer
Babysitter-Betreuung seit dem Jahr 2012 erheblich reduziert haben. Unter diesen
Umständen wäre es die Aufgabe der Beklagten gewesen, konkret darzulegen,
inwieweit C._ aktuell tatsächlich noch durch einen Babysitter betreut wird.
Ihre diesbezüglichen Aussagen anlässlich der Hauptverhandlung fielen so vage
aus, dass sich daraus nicht ableiten lässt, wie häufig sie unter den veränderten
Umständen noch auf einen Babysitter angewiesen ist. Mangels konkreter
Angaben ist durchaus denkbar, dass aufgrund von C._s Schulzeiten, der
Betreuung durch den Kläger und der Fremdbetreuung durch eine Nanny
(während den durch die Erwerbstätigkeit bedingten Abwesenheiten der
Beklagten) kein Bedarf an einer Betreuung durch einen Babysitter mehr besteht.
Gerade die Betreuung durch eine Nanny, die gleichzeitig Haushaltsarbeiten
erledigt (dazu im Einzelnen nachfolgend E. IV. 3.14), können auch
weitergehende, kürzere Abwesenheiten der Beklagten aufgefangen werden. In
- 60 -
Würdigung dieser Umstände sind im Bedarf von C._ keine Kosten für
Kinderhütedienst mehr zu berücksichtigen.
3.5. Gesundheitskosten
3.5.1. Die Vorinstanz rechnete der Beklagten für die Krankenkassenprämien
Fr. 645.70, für Selbstbehalt Fr. 60.–, für Zahnarzt und DH Fr. 30.–, für
Optiker/Brille Fr. 152.– und für diverse Therapien Fr. 300.– an (act. 460 S. 98, 104
ff.). Der Kläger rügt in der Berufung, für eine gesunde Frau lägen monatliche
Gesundheitskosten (inkl. Therapien) in der Höhe von Fr. 550.– pro Monat an der
oberen Grenze (act. 458 S. 45). Den pauschalen Ausführungen des Klägers lässt
sich nicht entnehmen, welche Positionen er um wie viel und weshalb für übersetzt
hält. Insbesondere bleibt unklar, ob er auch die Höhe der Krankenkassenprämien
kritisiert. Da sich die übrigen Gesundheitskosten (ohne Krankenkassenprämien)
auf insgesamt Fr. 542.– belaufen und den vom Kläger anerkannten Betrag somit
nicht übersteigen, ist zu vermuten, dass ihn auch die Höhe der
Krankenkassenprämien stört. Mangels einer nachvollziehbaren, substantiierten
Begründung ist auf die Kritik des Klägers jedoch nicht weiter einzugehen.
3.5.2. Die Beklagte macht mit der Anschlussberufung neu Zahnarztkosten für
C._ in der Höhe von Fr. 340.– pro Monat geltend. Zur Begründung führt sie
an, in der persönlichen Befragung anlässlich der Hauptverhandlung habe sie
ausgeführt, die Zahnarztkosten für C._ seien noch nicht abschätzbar, da sich
C._ gerade im Zahnwechsel befinde. In der – von der Vorinstanz nicht
eingeräumten – Stellungnahme zum Beweisergebnis hätte sie Zahnarztkosten
geltend machen wollen. Dass für Kinder Kosten für den Zahnarzt bzw. für die
Zahnkorrektur anfallen, sei notorisch. Ausgehend von den in der Zürcher
Kinderkosten-Tabelle genannten Beträgen von Fr. 50.– (bis zum 12. Lebensjahr)
bzw. Fr. 185.– (ab dem 13. Lebensjahr) sei angesichts der ausgezeichneten
finanziellen Verhältnisse der Parteien zusätzlich zu dem von der Vorinstanz
angerechneten Betrag von Fr. 30.– ein solcher von Fr. 340.– zu berücksichtigen
(act. 476 Rz. 76). Der Kläger stellt sich diesbezüglich auf den Standpunkt, die
Ausführungen der Beklagten seien verspätet. Auch im Anwendungsbereich der
Untersuchungsmaxime könne es nicht angehen, dass eine Partei im
- 61 -
erstinstanzlichen Verfahren weder in den Rechtsschriften noch in den
Parteibefragungen Ausführungen mache und erst im Berufungsverfahren mit
konkreten Angaben aufwarte. Die neu geltend gemachten Kosten würden zudem
bestritten (act. 488 S. 40 f.).
3.5.3. Wie erwähnt räumte die Vorinstanz den Parteien keine Gelegenheit für
Schlussvorträge ein und verletzte dadurch ihr rechtliches Gehör (vgl. oben E. II.
5.4). Darüber hinaus kann im Berufungsverfahren in Anwendung der
Untersuchungsmaxime wesentlichen Sachverhalten von Amtes wegen
nachgegangen werden. Folglich ist auf die im Berufungsverfahren neu geltend
gemachten Behauptungen der Beklagten zu den Zahnarztkosten einzugehen.
Allerdings entbindet die Untersuchungsmaxime die Beklagte nicht davon, die
Kosten konkret zu beziffern und zu belegen. Dass die entsprechenden Kosten –
wie die Beklagte geltend macht – anlässlich der persönlichen Befragung im Juli
2018 nicht abschätzbar waren, weil sich C._ gerade im Zahnwechsel befand
(Prot. Vi S. 249), erklärt nicht, weshalb sie nun, über zwei Jahre später, die
Zahnarztkosten nicht konkret beziffert und keinerlei Belege dafür einreicht. Auch
wenn notorisch ist, dass Kinder zahnärztliche Behandlungen in Anspruch
nehmen, so ist die Höhe der entsprechenden Kosten keineswegs notorisch. Ob
Kosten entstehen und, falls ja, in welcher Höhe, hängt einerseits von der
entsprechenden Disposition des Kindes ab und andererseits davon, ob die
jährliche Kontrolle und allfällige Behandlungen durch die Schulzahnklinik erfolgen
und/oder ob kieferorthopädische Massnahmen indiziert sind. Insbesondere
letztere können sehr kostenintensiv sein, werden aber – bei entsprechender
Versicherungsdeckung durch eine Zusatzversicherung – zum überwiegenden Teil
durch Versicherungsleistungen gedeckt. Den Versicherungspolicen aus dem Jahr
2015 lässt sich nicht entnehmen, dass eine entsprechende Zusatzversicherung
für C._ abgeschlossen wurde (act. 32/43-46); allerdings ist auch ein späterer
Abschluss – meistens unter Beibringung eines Attests – durchaus möglich.
Entgegen den Ausführungen der Beklagten kann im Rahmen der einstufig-
konkreten Methode nicht auf einen abstrakten Betrag abgestellt werden. Ohnehin
kann der Argumentation der Beklagten, angesichts der guten finanziellen
Verhältnisse sei insgesamt der doppelte Ansatz der Kinderkosten-Tabelle zu
- 62 -
veranschlagen, nicht gefolgt werden. Die notwendigen Zahnarztkosten richten
sich nicht nach den finanziellen Verhältnissen der Eltern. Auch wenn
Zahnarztkosten grundsätzlich im Bedarf von C._ zu berücksichtigen wären,
fehlen vorliegend konkrete Angaben und Belege hierzu, weshalb der geltend
gemachte Betrag von Fr. 340.– nicht im Bedarf von C._ anzurechnen ist.
Entsprechend sind im Bedarf von C._ Krankenkassenprämien in Höhe von
Fr. 140.60 und ein Selbstbehalt von Fr. 30.– anzurechnen.
3.5.4. Die Parteien sind sich ausserdem einig, dass ab dem 1. November 2023 im
Bedarf von C._ ein Betrag von insgesamt Fr. 280.– für Gesundheitskosten zu
berücksichtigen ist (act. 458 S. 45, act. 476 Rz. 7). Entsprechend dem Antrag der
Beklagten sind die höheren Gesundheitskosten ab 1. September 2024 (Phase 2)
im Bedarf von C._ zu berücksichtigen (act. 476 Rz. 71, vgl. nachstehend
E. IV. 3.17).
3.6. Steuerberatung
3.6.1. Die Vorinstanz ging davon aus, dass der Kläger Kosten für die
Steuerberatung in der Höhe von Fr. 315.– anerkannt habe. Sie verwies auf die
Ausführungen des Klägers in der Replik und in der Stellungnahme zur Duplik (act.
74 S. 92, act. 158 S. 30). Der Kläger hatte in der Replik ausgeführt, er anerkenne
im Sinne der Erwägungen im Eheschutzentscheid den Betrag von Fr. 315.–; in
der Stellungnahme zur Duplik verwies er auf diese Ausführungen. In der Berufung
macht der Kläger nun geltend, er habe anlässlich der Verhandlung vom 12. Juni
2019 im Detail dargelegt, dass die Beklagte keinen Steuerberater mehr brauche
(act. 458 S. 46).
3.6.2. Wie bereits mehrfach erwähnt, kann der Kläger aus den Ausführungen
anlässlich der Verhandlung betreffend vorsorgliche Massnahmen vom 12. Juni
2019 – Kinderbelange ausgenommen – nichts für das Hauptverfahren ableiten.
Es kann diesbezüglich auf die vorstehenden Ausführungen (vgl. E. IV. 2.1.2 und
2.3.4) verwiesen werden. Folglich durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass
der Kläger die Ausgaben im Betrag von Fr. 315.– anerkannt hatte. Wenn die
Vorinstanz ausführt, die diesbezüglichen Ausführungen des Klägers anlässlich
- 63 -
der Hauptverhandlung (act. 306 S. 55) seien unbegründet geblieben, so hat sie
wohl übersehen, dass die dortigen Behauptungen des Klägers nach Aktenschluss
erfolgt sind und daher – unter Vorbehalt von Art. 229 ZPO – nicht zu
berücksichtigen waren. Der Kläger macht auch im Berufungsverfahren nicht
geltend, dass und weshalb seine neuen Behauptungen von der Vorinstanz nach
Art. 229 ZPO oder von der Berufungsinstanz nach Art. 317 Abs. 1 ZPO zu
berücksichtigen wären. Seine Kritik an der vorinstanzlichen Feststellung ist
folglich unbegründet.
3.7. Mobilität
3.7.1. Die Vorinstanz berücksichtigte Mobilitätskosten in der Höhe von Fr. 700.–
im Bedarf der Beklagten und Fr. 79.– im Bedarf von C._ (act. 460 S. 98, 107
ff.). Mit Bezug auf die von der Beklagten in diesem Zusammenhang geltend
gemachten Kosten in der Höhe von Fr. 2'865.– hielt die Vorinstanz fest, die
Beklagte habe nicht behauptet, dass ihr der Audi S4 während der Ehe zur
Verfügung gestanden sei. Sie habe deshalb keinen Anspruch auf einen
entsprechenden Ersatz im Sinne von Leasingkosten, jedoch darauf, dass ihr die
Kosten für Versicherung, Strassenverkehrsabgabe, Unterhalt und Benzin
angerechnet würden. Dafür werde ein Betrag von Fr. 300.– anerkannt, im darüber
hinaus gehenden Betrag habe die Beklagte den Nachweis nicht erbringen
können. Diesen Betrag erhöhte die Vorinstanz auf Fr. 450.– pro Monat mit der
Begründung, aufgrund der Erwerbstätigkeit der Beklagten sei von einem leicht
erhöhten Gebrauch auszugehen. Für den Unterhalt des der Beklagten vom Kläger
geschenkten Porsches 911, Jahrgang 1972, rechnete die Vorinstanz der
Beklagten einen Betrag von Fr. 200.– pro Monat an. Für Taxifahrten
berücksichtigte die Vorinstanz zudem einen Betrag von Fr. 50.– monatlich, so
dass ein Gesamtbetrag von Fr. 700.– resultierte.
3.7.2. Die Beklagte macht mit der Anschlussberufung geltend, aus ihrer Aussage,
dass ihr seit der Trennung der Audi S4 zur Verfügung gestanden sei, könne nicht
der Umkehrschluss gezogen werden, dass dies während der Ehe nicht der Fall
gewesen sei. Sie habe in der Klageantwort ausgeführt, dass ihr auch vor und
während der ganzen Dauer der Ehe mehrere Autos zur Verfügung gestanden
- 64 -
seien. Sie besitze mehrere eigene Fahrzeuge, allesamt Oldtimer. Es sei
notorisch, dass Oldtimer weder als Alltags- noch als Familienfahrzeuge dienten.
Kindersitze liessen sich in Oldtimern nicht korrekt befestigen. Aus der Aussage,
dass ihr mehrere Autos zur Verfügung gestanden seien, erschliesse sich daher,
dass ihr zumindest auch ein kindertaugliches Fahrzeug zur Verfügung gestanden
sei. Die vorinstanzliche Erwägung grenze an überspitzten Formalismus. Dass es
sich beim alltags- und kindertauglichen Fahrzeug um den Audi S4 gehandelt
habe, ergebe sich aus dem Eheschutzentscheid vom 1. Dezember 2014. Der
Audi S4 sei also das von ihr benutzte Auto gewesen. Dieses Auto sei während
des Zusammenlebens das Familienauto gewesen, das von ihr im Hinblick auf den
Nachwuchs ausgesucht worden sei. Da die Benutzung des Audi auch vor der
Trennung nachgewiesen sei, seien ihr Leasingkosten in der Höhe von Fr. 1'380.–
monatlich im Bedarf zu berücksichtigen (act. 476 Rz. 78-82 mit Hinweis auf act.
31 Rz. 321). Die Beklagte reichte mit der Anschlussberufung verschiedene
Urkunden zum Nachweis ihrer Behauptungen ein (act. 477/16-29). Der Kläger
macht geltend, die Ausführungen der Beklagten und die von ihr eingereichten
Unterlagen seien neu und daher im Berufungsverfahren unzulässig. Die Beklagte
habe im erstinstanzlichen Verfahren nie behauptet, dass ihr der Audi S4 zur
Verfügung gestanden sei. Sie könne diese Behauptung nicht neu im
Berufungsverfahren anbringen (act. 488 S. 43).
3.7.3. Entgegen der Darstellung der Beklagten können die vorinstanzlichen
Erwägungen nicht als überspitzter Formalismus abgetan werden. Die Darstellung
der Beklagten in der Replik, ihr sei seit der Trennung ein Audi S4 zur Verfügung
gestanden (act. 31 Rz. 324), kann gerade nicht so verstanden werden, dass sie
dieses Fahrzeug schon vorher, während des ehelichen Zusammenlebens,
benutzte. Auf die von ihr im Berufungsverfahren hierzu eingereichten Urkunden
kann nicht abgestellt werden, da nicht ersichtlich ist und auch nicht geltend
gemacht wird, dass es sich dabei um zulässige Noven im Sinne von Art. 317 Abs.
1 ZPO handeln würde. Gleiches gilt für die Erklärung der Beklagten in der
Anschlussberufung, wie ihre in der Replik vorgetragene Behauptung, ihr seien vor
und während der Ehe mehrere Autos zur Verfügung gestanden, zu verstehen
wäre: Diese Präzisierung ihrer erstinstanzlichen Behauptungen erfolgt im
- 65 -
Berufungsverfahren zu spät. Insbesondere ihre Begründung, alle Fahrzeuge, die
sie besitze, seien Oldtimer, ist neu. In der Replik hatte sie zwar ausgeführt, sie
habe vier Oldtimer (act. 31 Rz. 329). Dass damit aber alle Fahrzeuge gemeint
waren, die sie unter dem Begriff "mehrere Autos" (act. 31 Rz. 322) erwähnt hatte,
wird aus ihren Ausführungen in der Replik nicht klar. Selbst wenn die Beklagte
behauptet hätte, dass sie nur über Oldtimer-Fahrzeuge verfüge, hätte daraus
nicht abgeleitet werden können, dass sich keines davon als Alltags- oder
Familienfahrzeug eignet. Jedenfalls kann dergleichen nicht als gerichtsnotorisch
bezeichnet werden. Mangels detaillierter, substantiierter Angaben der Beklagten
im erstinstanzlichen Verfahren ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz die beantragten Leasingkosten in Höhe von Fr. 1'380.– pro Monat im
Bedarf der Beklagten nicht berücksichtigt hat.
3.7.4. Im Übrigen werden die von der Vorinstanz auf Fr. 700.– und Fr. 79.–
veranschlagten Kosten vom Kläger in der Berufung anerkannt (act. 458 S. 47),
weshalb es bei der vorinstanzlichen Festsetzung der Mobilitätskosten bleibt.
3.8. Kultur
3.8.1. Die Vorinstanz führte zu den Kulturausgaben zunächst aus, die geltend
gemachten Kosten im Betrag von Fr. 350.– würden vom Kläger im Umfang von
Fr. 304.50 anerkannt. Gestützt auf die Aussagen der Beklagten anlässlich der
Hauptverhandlung ging die Vorinstanz von einem Betrag von Fr. 60.– monatlich
für Kino und Theater aus und rechnete der Beklagten den von ihr geltend
gemachten Betrag von Fr. 347.– an, wobei sie einen Drittel der Kosten im Bedarf
von C._ berücksichtigte (act. 460 S. 98, 109 f.).
3.8.2. Der Kläger macht geltend, er habe bereits in seiner Replik ausgeführt, dass
die Beklagte keine Opernliebhaberin sei. Schon während der Ehe habe sie zu
seinem Leidwesen die Opernvorstellungen vorzeitig nach dem ersten Akt
verlassen, soweit sie überhaupt in solche gegangen sei. Ein
Prestigeüberlegungen dienendes Jahresabonnement der Luxusklasse für die
Oper im Betrag von Fr. 2'900.– habe in ihrem aktuellen Bedarf deshalb nichts
mehr zu suchen. Die Kosten für Kultur seien deshalb auf Fr. 105.– pro Monat zu
- 66 -
reduzieren (act. 458 S. 47). Die Beklagte bestreitet die Ausführungen des Klägers
und macht geltend, als vielseitig interessierte Frau wisse sie eine
Opernvorstellung zu schätzen und würde keineswegs grundlos die Vorstellung
vorzeitig verlassen. Der Kläger selbst habe in der Replik den Betrag von Fr.
304.50 für Kulturkosten anerkannt (act. 473 Rz. 110 mit Verweis auf act. 74 S. 93
und act. 158 S. 30). Hierzu führt der Kläger aus, die Beklagte habe nie behauptet,
dass sie aktuell ein Opernhausabonnement nutze und Vorstellungen besuche. Ein
Abonnement, das nicht genutzt werde, habe im massgeblichen Bedarf nichts zu
suchen (act. 488 S. 43 f.).
3.8.3. Der von der Beklagten geltend gemachte Betrag für Kultur von Fr. 347.–
(bzw. gerundet Fr. 350.–) setzt sich wie folgt zusammen: Fr. 45.– für diverse
Mitgliedschaften, Fr. 242.– für die Oper, Fr. 10.– fürs Kino und Fr. 50.– für
Konzerte (act. 31 Rz. 342). Der Kläger anerkannte in der Replik den Betrag von
Fr. 304.50, wobei er bezüglich dessen Zusammensetzung auf den
Eheschutzentscheid vom 1. Dezember 2014 verwies (act. 71 S. 93). Im besagten
Entscheid wurden der Beklagten unter der Bedarfsposition Kultur Fr. 45.– für
diverse Mitgliedschaften, Fr. 242.– für die Oper, Fr. 5.– für Kinobesuche und Fr.
12.50 für Konzerte angerechnet. Wenn der Kläger nun die Opern-Ausgaben im
Betrag von Fr. 242.– pro Monat nicht mehr berücksichtigt haben will, so weicht er
von seiner in der Replik vertretenen Auffassung ab. Sein neuer Standpunkt erfolgt
im Berufungsverfahren jedoch verspätet (Art. 317 Abs. 1 ZPO), weshalb nicht
näher darauf einzugehen ist..
3.8.4. Der Kläger rechnet im Bedarf von C._ keine Kulturausgaben an
(act. 458 S. 42). Da er hierfür aber keinerlei Begründung anführt (act. 458 S. 47),
bleibt es beim Entscheid der Vorinstanz und bei einem Betrag von Fr. 232.– im
Bedarf der Beklagten und von Fr. 115.– im Bedarf von C._ (act. 460 S. 98).
3.9. Haushalt (Positionen 11 bis 17)
3.9.1. Mit Bezug auf die Position Getränke/Wein/Champagner/Öle (Position 11.1)
ging die Vorinstanz von dem vom Kläger in der Replik insgesamt anerkannten
Betrag von Fr. 300.– aus und berücksichtige einen Drittel davon im Bedarf von
- 67 -
C._ (act. 460 S. 98, 110 f.; act. 74 S. 93 ff.). Betreffend die Ausgaben für
Lebensmittel (Position 11.2) stellte die Vorinstanz auf die eingereichten Belege
der Beklagten ab und kam auf einen ausgewiesenen Betrag von Fr. 730.–, den
sie im Umfang von zwei Dritteln (Fr. 480.–) im Bedarf der Beklagten und einem
Drittel (Fr. 250.–) im Bedarf von C._ berücksichtigte (act. 460 S. 98, 111).
Ausserdem rechnete die Vorinstanz im Bedarf der Beklagten Fr. 25.– für
Kehrichtgebühren (Position 11.3) und Fr. 60.– für Cheminéeholz (Position 11.4)
an. Betreffend die Ausgaben für Drogerie/Apotheke/Toilettenartikel/Parfümerie
(Positionen 12 und 13) stellte die Vorinstanz auf den vom Kläger in der Replik
anerkannten Pauschalbetrag von Fr. 517.– pro Monat ab und rechnete einen
Drittel davon, nämlich Fr. 175.–, in C._s Bedarf an (act. 460 S. 98, 112; act.
74 S. 93 ff.). Zudem wurden für Blumen (Position 14) Fr. 200.–, für Papeterie
(Position 15) Fr. 120.– und für Fotos Ladekarten (Position 17) Fr. 37.50 pro Monat
berücksichtigt (act. 460 S. 98 f., 113). Unter Position 16, div. Haushalt, wurden
der Beklagten unter Verweis auf Position 18, Anschaffungen Haushalt, keine
Kosten angerechnet (act. 460 S. 98).
3.9.2. Der Kläger macht in der Berufung mit Bezug auf die Positionen 11 bis 17
geltend, der Bedarf sei heute definitiv nicht mehr derselbe wie im Jahr 2012, da
die hohen Ausgaben für Babynahrung und Babyprodukte angesichts des Alters
von C._ entfielen. Da die Beklagte ihren aktuellen Bedarf nicht angebe, sei
auf die neusten statistischen Angaben zu den schweizerischen Haushalten
abzustellen; das Median-Budget des durchschnittlichen schweizerischen
Haushalts für Lebensmittel und alkoholische Getränke liege bei Fr. 741.– pro
Monat. Unter Berücksichtigung des gehobenen Lebensstandards und der
Annahme, dass die Beklagte Produkte in Bioqualität kaufe und auf Nachhaltigkeit
achte, sei der doppelte Betrag von Fr. 1'500.– angemessen (act. 458 S. 47 f.).
3.9.3. Die vorstehenden Ausführungen des Klägers beziehen sich auf die
Bedarfspositionen 11-17. Damit will der Kläger eine Korrektur der Positionen
Getränke/Wein/Champagner/Öle, Lebensmittel, Kehrrichtgebühren,
Cheminéeholz, Drogerie/Apotheke/Toilettenartikel/Parfümerie, Blumen, Papeterie,
Diverses Haushalt und Fotos Ladekarten erreichen. Er nimmt in seiner
- 68 -
Begründung mit dem Hinweis auf Babynahrung und Babyprodukte sinngemäss
jedoch lediglich auf die Positionen Getränke/Wein/Champagner/Öle im
Gesamtbetrag von Fr. 300.–, Lebensmittel im Betrag von Fr. 730.– und
Drogerie/Apotheke/Toilettenartikel/Parfümerie im Betrag von Fr. 517.– Bezug.
Zudem erklärt er nicht, weshalb er sich nicht mehr auf seiner im Rahmen der
Replik erfolgten Anerkennung im Umfang von Fr. 2'200.– behaften lässt. C._
war im Zeitpunkt der Einreichung der Replik Anfang 2016 gut 4 Jahre alt und
bedurfte damit bereits damals keiner Babynahrung und Babyprodukte mehr.
Damit erfüllen die Ausführungen des Klägers weder die Anforderungen an eine
Berufungsbegründung noch handelt es sich mit Blick auf Art. 317 Abs. 1 ZPO um
zulässige, neue Behauptungen. Darüber hinaus liegt kein wesentlicher
Sachverhalt mit Bezug auf C._ vor, der nach der Praxis von Amtes wegen zu
berücksichtigen wäre. Folglich ist auf die Darstellung des Klägers in diesem Punkt
nicht weiter einzugehen.
3.9.4. Die Beklagte beantragt ihrerseits eine Erhöhung der Position Getränke/
Wein/Champagner/Öle mit der Begründung, sie habe in der Klageantwort die
Bedarfspositionen "Getränke" und "Wein/Champagner/Öle" je separat mit
Fr. 300.– beziffert und substantiiert und, soweit es ihr möglich gewesen sei,
belegt. Die Vorinstanz habe sich nicht mit ihren Vorbringen auseinandergesetzt
und die beiden Positionen unbegründet in einer Position zusammengefasst. Aus
dem Entscheid sei zudem nicht ersichtlich, ob sich die Anerkennung durch den
Kläger im Umfang von Fr. 300.– aus dem Hinweis in der Replik, sämtliche
Haushaltspositionen seien im Eheschutzentscheid auf Fr. 2'200.– bemessen
worden, ergebe. Der Kläger habe es in der Replik unterlassen, sich substantiiert
zu den einzelnen Positionen zu äussern und pauschal, unter Hinweis auf den
Eheschutzentscheid, alles bestritten. Im Rahmen der Hauptverhandlung habe er
sodann pauschal und begründungslos Fr. 3'000.– anerkannt. Der Kläger wäre
jedoch gehalten gewesen, sich substantiiert zu jeder Bedarfsposition zu äussern.
Sie habe ihrerseits Belege eingereicht, welche zeigten, dass Mineralwasser
geliefert worden sei. Aus den Belegen (act. 32/76) ergäben sich Kosten von Fr.
225.75 für Mineralwasser und Fr. 574.– für Wein. Die während der Ehe
angefallenen Kosten für Getränke, Wein etc. habe grundsätzlich der Kläger direkt
- 69 -
bezahlt. Diese Belege lägen ihr nicht vor. Die Vorinstanz sei ihrem Begehren nicht
gefolgt und habe auf die Edition der Unterlagen durch den Kläger verzichtet. Es
habe von Anfang an zu ihren Gewohnheiten gehört, viele Gäste einzuladen und
zu bewirten, natürlich auch mit Wein (act. 476 Rz. 83 ff.). Der Kläger entgegnet
hierzu, die Beklagte habe im erstinstanzlichen Verfahren keinerlei Angaben zu
ihren aktuellen Haushaltsausgaben gemacht und keinerlei Belege vorgelegt.
Angaben zu den Ausgaben in den Jahren 2009 bis 2012 würden nicht genügen,
da der eheliche Standard an die aktuellen Verhältnisse adaptiert werden müsse.
Kosten für Babynahrung hätten beispielsweise im heutigen Zeitpunkt im Bedarf
der Beklagten nichts mehr zu suchen. Im Übrigen verweist er auf die
Berufungsschrift, der Vorwurf der Beklagten, er sei seiner
Bestreitungsobliegenheit nicht nachgekommen gehe fehl, weil er mangels
konkreter Bedarfszahlen gar nichts bestreiten könne (act. 488 S. 44). Ausserdem
seien die Behauptungen der Beklagten neu und daher im Berufungsverfahren
unzulässig (act. 488 S. 45).
3.9.5. Richtig ist, dass die Beklagte in der Klageantwort die Kosten für Getränke
einerseits und Wein/Champagner/Öle andererseits auf je Fr. 300.– pro Monat
schätzte (act. 31 Rz. 343 f.). Allerdings unterliess sie es, diese Kosten auch nur
ansatzweise zu substantiieren. Die von ihr eingereichten Einzelquittungen
(act. 32/76), auf die sich ihr Rechtsvertreter im Rahmen der Anschlussberufung
bezieht, betreffen einen Tee-Einkauf im Betrag von Fr. 101.20 vom 27. März 2012
und zwei Rechnungen für Weinlieferungen vom 24. November 2011 und
25. Januar 2010 in der Höhe von Fr. 296.– und Fr. 278.40. Diese Belege sind
nicht geeignet, die unsubstantiierten und (wenn auch nur pauschal) bestrittenen
Behauptungen der Beklagten zu präzisieren. Es ist deshalb nicht zu beanstanden,
dass die Vorinstanz die pauschalen Schätzangaben der Beklagten nicht zum
Beweis verstellte und keine Belege vom Kläger edieren liess, sondern auf den
vom Kläger anerkannten Betrag abstellte. Der Kläger bezog sich in der Replik auf
den Eheschutzentscheid vom 1. Dezember 2014 und den dort unter der Position
Haushalt berücksichtigten Betrag von Fr. 2'200.–. Im Eheschutzverfahren wurde
davon ausgegangen, dass die Beklagte unter dem Titel "Haushalt" für die
Positionen (1) Getränke, Weine, Champagner und Öle Fr. 300.–, (2) Lebensmittel
- 70 -
Fr. 670.–, (3) Drogerieartikel, Apotheke, Babyprodukte (inkl. Windeln),
Toilettenartikel, Kosmetika, Parfumerie Fr. 517.–, (4) Blumen Fr. 200.–, (5)
Papeteriebedarf Fr. 118.–, (6) Fotos Fr. 37.50, (7) kleinere Anschaffungen Fr.
200.– sowie (8) Kinderkleider, Kinderbrille, Spiele Fr. 119.–, und damit einen
monatlichen Betrag von insgesamt Fr. 2'161.50 glaubhaft gemacht habe. Da der
Kläger unter dem Titel Haushalt einen gerundeten Betrag von Fr. 2'200.–
anerkannt hatte, wurde dieser Betrag im Bedarf der Beklagten angerechnet
(Geschäfts-Nr. EE130458, act. 151 S. 50-53). Da die Eheschutzakten im
Scheidungsverfahren von Amtes wegen beizuziehen waren, sich beide Parteien
im Scheidungsverfahren auf gewisse, im Eheschutzverfahren geltend gemachte
Beträge bezogen und mit einem Blick in den Entscheid klar war, welche
Einzelpositionen unter dem Titel Haushalt enthalten waren, stellt der Verweis des
Klägers in der Replik auf den Eheschutzentscheid entgegen der Auffassung der
Beklagten eine genügend substantiierte Behauptung dar. Wie erwähnt geht aus
dem Eheschutzentscheid ohne weiteres hervor, dass der Beklagten insgesamt für
Getränke, Weine, Champagner und Öle ein Betrag von Fr. 300.– angerechnet
wurde (a.a.O. S. 50 f.). Die anlässlich der Hauptverhandlung nach den Worten der
Beklagten pauschale und "begründungslose" Anerkennung durch den Kläger in
der Höhe von Fr. 3'000.– (act. 306 S. 55), konnte, auch wenn sie möglicherweise
einem Zugeständnis des Klägers entsprochen hätte, von der Vorinstanz deshalb
nicht berücksichtigt werden, weil – wie von der Beklagten bemängelt – völlig
unklar blieb, welche Positionen der Kläger unter diesem Pauschalbetrag
anerkannte. Der mit der Anschlussberufung gestellte Antrag der Beklagten ist
demnach abzuweisen. In Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils ist unter der
Position Getränke/Wein/Champagner/Öle ein Betrag von Fr. 200.– im Bedarf der
Beklagten und ein solcher von Fr. 100.– im Bedarf von
C._ anzurechnen.
3.9.6. Weiter macht die Beklagte in der Anschlussberufung geltend, die Vor-
instanz habe neben den M._-Rechnungen im Betrag von Fr. 550.– monatlich
zusätzliche Kosten für Lebensmittel in den Monaten Januar bis Mai 2012 im
Betrag von Fr. 882.– angerechnet, wobei unleserliche und undatierte
Kaufquittungen nicht berücksichtigt worden seien. Bereits aus allen leserlichen
- 71 -
und datierten Quittungen ergebe sich aber für die Monate Dezember 2011 bis
März 2012 ein Durchschnitt von Fr. 224.63 und nicht – wie von der Vorinstanz
berechnet – von Fr. 180.–. Zudem beziehe sich die Unleserlichkeit der Belege
meist lediglich auf das Datum und nicht auf die Beträge. Sie habe demnach
weitaus höhere Kosten belegen können, die lediglich in zeitlicher Hinsicht nicht
mehr genau eruierbar gewesen seien. Aus den Quittungen selbst ergebe sich
zudem, dass die belegten zusätzlichen Kosten nur sie betroffen hätten. Dafür
spreche auch die Tatsache, dass C._ damals gerade erst geboren sei.
Offenkundig sei für C._ aufgrund ihres Alters heute ein höherer Betrag zu
bemessen. Trotz der Anwendung der individuell konkreten Methode sei eine
Pauschalisierung nötig, da der Bedarf von C._ betreffend Lebensmittel im
Hauptverfahren aufgrund ihres jungen Alters noch sehr gering gewesen sei und
deshalb nicht detailliert habe belegt werden können. Angesichts der finanziellen
Verhältnisse sei vom doppelten Betrag gemäss Kinderkosten-Tabelle und damit
von Fr. 700.– auszugehen. Somit sei im Bedarf für Lebensmittelkosten ein Betrag
von Fr. 775.– für sie und Fr. 500.– für C._ zu berücksichtigen (act. 476 Rz.
88). Der Kläger bringt hierzu vor, die Beklagte anerkenne nun bei einem Thema,
bei dem es ihr zum Vorteil gereichen könnte, auch, dass es auf die aktuellen
Zahlen und nicht auf diejenigen der Ehejahre 2009-2012 ankomme. So sei es,
aber nicht nur bei dieser Bedarfsposition, sondern auch bei allen anderen. Aber
die Beklagte habe es unterlassen, ihre massgeblichen aktuellen Angaben für
Lebensmittel zu substantiieren und zu belegen. Es genüge nicht, einfach auf die
Kinderkostentabelle zu verweisen. Im Übrigen seien die Behauptungen neu und
im Berufungsverfahren unzulässig (act. 488 S. 45 f.).
3.9.7. Die Beklagte hält lediglich pauschal fest, den leserlichen und datierten
Quittungen könne ein Betrag von Fr. 224.63 statt Fr. 180.– pro Monat entnommen
werden. Sie spezifiziert nicht, welche Quittungen mit welchem Datum und
welchen Beträgen sie für leserlich hält, und wie sich der von ihr geltend gemachte
Betrag von Fr. 224.63 zusammensetzt. Damit kann nicht nachvollzogen werden,
wie sie auf den genannten Betrag kommt. Allein aufgrund der im Recht liegenden
Quittungen ist dies nicht möglich (vgl. act. 32/78). Dabei ist insbesondere
festzuhalten, dass bei einem unleserlichen Datum auf der Quittung nicht eruierbar
- 72 -
ist, wann bzw. in welchem Zeitraum die Kosten angefallen sind, und sich deshalb
der monatliche Gesamtbetrag nicht ermitteln lässt. Was die Beklagte aus ihrer
Feststellung, meistens sei lediglich das Datum und nicht der Betrag unleserlich,
ableiten will, bleibt deshalb unklar. Aufgrund des Gesagten ist die Begründung der
Beklagten in diesem Punkt zu wenig substantiiert, weshalb darauf nicht näher
einzugehen ist.
3.9.8. Soweit die Beklagte aufgrund des Alters von C._ eine Erhöhung der
Bedarfsposition für Lebensmittel verlangt, ist Folgendes festzuhalten: Die
Anrechnung höherer Lebensmittelkosten ist gestützt auf die
Untersuchungsmaxime grundsätzlich möglich. Da der Bedarf der Beklagten und
von C._ vorliegend nach der einstufig-konkreten Methode zu berechnen ist,
wären die erhöhten Kosten jedoch konkret, durch entsprechende Belege
nachzuweisen. Es ist nicht ersichtlich und von der Beklagten werden auch keine
Gründe hierfür geltend gemacht, weshalb es ihr nicht möglich sein soll, Belege für
den erhöhten Bedarf für Lebensmittel einzureichen. Wird – wie vorliegend – der
Bedarf nach der individuell-konkreten Methode berechnet und dabei bei den
einzelnen Budgetposten auf die nachgewiesenen Kosten abgestellt, ist die
Berücksichtigung von einzelnen Pauschalbeträgen grundsätzlich nicht
sachgerecht und verfälschend. In Anwendung der Untersuchungsmaxime ist auch
zu berücksichtigen, dass die Vorinstanz für die Lebensmittelkosten auf die
Ausgaben für M._ im Mai 2012 und auf weitere Ausgaben während der
Monate Januar bis Mai 2012 abstellte. Diese Zeitperiode betrifft die Zeit kurz vor
der Trennung der Parteien; der Kläger zog nach übereinstimmender Darstellung
der Parteien am 1. Juni 2012 definitiv aus dem ehelichen Haushalt aus (act. 458
S. 20, act. 473 Rz. 34). Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die
von der Beklagten eingereichten Belege die Lebensmittelkosten für zwei
erwachsene Personen abdeckten. Weiter ist in Anwendung der
Untersuchungsmaxime festzuhalten, dass unter der Position Toilettenartikel und
Parfümerie – vom Kläger gestützt auf den Eheschutzentscheid im Betrag von
Fr. 517.– (Fr. 342.– im Bedarf der Beklagten, Fr. 175.– im Bedarf von C._)
anerkannt – Ausgaben für Babynahrung und Windeln berücksichtigt wurden und
damit Positionen, die zwischenzeitlich zweifellos weggefallen sind. Schliesslich ist
- 73 -
mit der ausgedehnteren Betreuung von C._ durch den Kläger auch eine
gewisse Reduktion der Lebensmittelausgaben im Bedarf von C._ verbunden.
In Würdigung all dieser Umstände drängt sich bezüglich der Position Lebensmittel
im Bedarf von C._ keine Korrektur auf. Darüber hinaus würde es am
Nachweis der konkreten Kosten fehlen, weshalb es bei den Beträgen von Fr.
480.– im Bedarf der Beklagten und Fr. 250.– im Bedarf C._s zu bleiben hat.
3.10. Bekleidung/Accessoires/Schuhe
3.10.1. Der Kläger macht diesbezüglich geltend, obwohl die Vorinstanz die
vorgelegten Belege kritisch betrachtet habe, habe sie der Beklagten unter diesem
Titel Fr. 2'084.– pro Monat für sich und C._ zugestanden. Dabei sei fraglich,
ob die Beklagte ihrer Substantiierungspflicht rechtsgenügend nachgekommen sei.
Viel entscheidender sei aber, dass die Beklagte keine aktuellen Belege für diese
Bedarfsposition eingereicht habe, weshalb die Median-Ausgaben von monatlich
Fr. 202.– als Anhaltspunkt genommen werden müssten. Mit dem fünffachen
Betrag von Fr. 1'000.– könne sich die Beklagte jederzeit elegante Kleider, schöne
Schuhe und attraktive Accessoires für sich und C._ leisten (act. 458 S. 48).
3.10.2. Wie bereits mehrfach erwähnt, ging die Vorinstanz bei der Festsetzung
des gebührenden Bedarfs zu Recht vom ehelichen Lebensstandard aus (vgl.
oben E. IV. 2.3). Diesbezügliche, substantiierte Bestreitungen hätte der Kläger im
erstinstanzlichen Verfahren vorbringen müssen. Die neuen Behauptungen des
Klägers im Berufungsverfahren sind mit Blick auf Art. 317 Abs. 1 ZPO unzulässig,
weshalb nicht näher darauf einzugehen ist. Zudem ist gerade mit Bezug auf die
Bedarfsposition Bekleidung/Accessoires/Schuhe nicht ersichtlich, weshalb vom
ehelichen Lebensstandard abzuweichen und nicht auf die Belege aus den Jahren
2010 bis 2012 abzustellen sein soll. Der Kläger macht auch keinen konkreten
Grund geltend. Somit sind die von der Vorinstanz angerechneten Beträge von
Fr. 1'500.– für die Beklagte und Fr. 500.– für C._ zu bestätigen.
3.11. Freizeit, diverse Interessen, Restaurantbesuche, Soziales (Positionen 21
bis 27)
- 74 -
3.11.1. Der Kläger stört sich auch bei diesen Positionen daran, dass die Vor-
instanz auf die Ausgaben der Jahre 2010 bis 2012 abstellte. Ein Betrag von
Fr. 240.– für Geschenke an Dritte sprenge sogar auf hohem Niveau jeden
vernünftigen Rahmen, Fr. 100.– seien ausreichend. Die Kosten für Bücher und
Tonträger sowie Zeitschriften – auf der Basis des Eheschutzentscheides vom 1.
Dezember 2014 – seien völlig übersetzt. Da die Beklagte einer 50-60 %
Erwerbstätigkeit nachgehen und für C._ sorgen müsse, sei es sehr fraglich,
ob sie noch Zeit für die Lektüre von Büchern und diversen Zeitungen habe. Weiter
gebe die Beklagte mit einem Kind im Primarschulalter für Restaurantbesuche
nicht einen Betrag von Fr. 1'000.– pro Monat aus, da sie weder Hochpreis-
Restaurants besuchten noch mehrfach pro Woche auswärts essen würden.
Monatliche Kosten von Fr. 300.– seien angemessen (act. 458 S. 49 f.).
3.11.2. Die Vorinstanz hat der Beklagten die folgenden Beträge im Bedarf
angerechnet: Fr. 42.– Freizeit/Diverses (Position 21), Fr. 1'000.– auswärts Essen
(Fr. 650.– + Fr. 350.–, Position 22), Fr. 240.– Geschenke an Dritte (Position 23),
Fr. 92.– Coiffeur (Position 24), Fr. 210.– Maniküre/Pediküre/Kosmetik (Position
25), Fr. 267.– Bücher/Tonträger (Position 26) und Fr. 130.–
Zeitungen/Zeitschriften (Position 27).
3.11.3. Auch zu diesem Punkt hätte der Kläger im erstinstanzlichen Verfahren
substantiierte Ausführungen vorbringen müssen. Er macht im Berufungsverfahren
nicht geltend, er habe bereits im erstinstanzlichen Verfahren einen reduzierten
Betrag geltend gemacht und darauf hingewiesen, dass sich die
Lebensgewohnheiten der Beklagten nach der Geburt von C._ geändert
hätten und deshalb bei der Bedarfsposition Freizeit, diverse Interessen,
Restaurantbesuche und Soziales nicht auf Belege aus der Zeit vor der Geburt
C._s abgestellt werden könne. Damit handelt es sich bei den Vorbringen des
Klägers im Berufungsverfahren um unzulässige Noven (Art. 317 Abs. 1 ZPO).
Darüber hinaus unterlässt es der Kläger, sich mit den Erwägungen der Vorinstanz
auseinanderzusetzen, und aus seinen Ausführungen wird auch nicht klar, wie sich
der Gesamtbetrag von Fr. 1'100.– für die Positionen 21-27 für die Beklagte und
C._ zusammensetzen soll. Da er lediglich die Positionen auswärts Essen,
- 75 -
Geschenke an Dritte, Bücher/Tonträger und Zeitungen/Zeitschriften bestreitet,
wäre von folgenden Beträgen auszugehen: Fr. 42.– Freizeit/Diverses, Fr. 300.–
auswärts Essen, Fr. 100.– Geschenke an Dritte, Fr. 92.– Coiffeur, Fr. 210.–
Maniküre/Pediküre/Kosmetik und Fr. 0.– Bücher/Tonträger und
Zeitungen/Zeitschriften, was einen Gesamtbetrag von Fr. 744.–, und nicht Fr.
1'100.– ergäbe. Demnach wäre auf die ohnehin unzulässigen Noven auch
deshalb nicht einzutreten, weil die Anforderungen an die Berufungsbegründung
nicht erfüllt sind. Entsprechend sind die von der Vorinstanz festgelegten Beträge
für die Positionen von Fr. 42.– für Freizeit/Div., Fr. 650.– und Fr. 350.– für
auswärts Essen, Fr. 240.– für Geschenke an Dritte, Fr. 92.– für Coiffeur, Fr. 210.–
für Maniküre/Pediküre/Kosmetik, Fr. 267.– für Bücher/Tonträger und Fr. 130.– für
Zeitungen/Zeitschriften zu bestätigen.
3.12. Ferien
3.12.1. Bezüglich der Bedarfsposition Ferien rügt der Kläger, der Beklagten werde
aufgrund der vor der Geburt C._s durchgeführten Luxus-Ferien, wie
Fernreisen nach Namibia, auf die Malediven und auf eine Privatinsel auf den
Seychellen, ein Betrag von Fr. 1'900.– pro Monat bzw. Fr. 22'800.– pro Jahr
angerechnet. Dies entspreche der aktuellen Situation der Beklagten mit C._
in keiner Weise. Mit Kindern im Alter von C._ mache man keine solchen
Luxusferien. Kinder würden es vorziehen, ihre Ferien zusammen mit Vater oder
Mutter in der Schweiz oder maximal im nahen Ausland, in den Bergen oder
vielleicht in Italien zu verbringen, ohne lange, die Bewegungsfreiheit
einschränkende Flugreisen. Dies habe die Beklagte anlässlich ihrer persönlichen
Befragung vom 12. Juni 2019 auch bestätigt. Unter diesem Gesichtspunkt sei es
angemessen, diese Position auf Fr. 600.– pro Monat bzw. Fr. 7'200.– pro Jahr zu
reduzieren. Die Beklagte habe sich in ihrer persönlichen Befragung vom 12. Juni
2019 geweigert, irgendwelchen Detailangaben zu ihren aktuellen Ferienkosten zu
machen. Eine konkrete Überprüfung ihrer Ausgaben habe nicht stattfinden
können, da die Vorinstanz seinem Beweisantrag betreffend Edition der aktuellen
Kontoauszüge der Beklagten nicht entsprochen habe (act. 458 S. 50 f.). Die
Beklagte bringt vor, die Vorinstanz habe mehrfach darauf hingewiesen, dass sich
- 76 -
der Bedarf am gemeinsam gelebten Lebensstandard bestimme, und damit
begründet, weshalb auf aktuelle Belege verzichtet werden könne. Der Kläger
erkläre, dass die genannten Luxus-Reisen vor der Geburt von C._
stattgefunden hätten, eine substantiierte Begründung fehle hingegen. Es werde
bestritten, dass Luxus-Reisen nach der Geburt von C._ aufgehört hätten. Im
Übrigen unterlasse es der Kläger, die von ihm genannte Position für Ferien von
Fr. 600.– substantiiert zu begründen (act. 473 Rz. 119).
3.12.2. Erneut ist darauf hinzuweisen, dass die Verhandlung betreffend
vorsorgliche Massnahmen vom 12. Juni 2019 und die damaligen Aussagen der
Beklagten in der persönlichen Befragung für das Hauptverfahren ohne Belang
sind (vgl. vorstehend E. II. 5.5). Die Vorinstanz hielt im Zusammenhang mit den
Ferienausgaben fest, die Beklagte habe (auch im Hauptverfahren) keine
Ferienkosten für
C._ geltend gemacht. Dass solche anfielen, sei notorisch, aber eine
Erhöhung der Kosten sei nicht angebracht, da die Beklagte angegeben habe, mit
C._ keine luxuriösen Reisen zu unternehmen (act. 460 S. 118). Somit stellte
die Vorinstanz zwar auf die Ferienausgaben vor der Geburt von C._ ab,
berücksichtigte aber keine zusätzlichen Ausgaben für C._, weil die Ferien
weniger luxuriös ausfielen. Auf diese Erwägungen der Vorinstanz geht der Kläger
nicht ansatzweise ein und darüber hinaus erfüllen die neuen Vorbringen die
Voraussetzungen für Noven nach Art. 317 Abs. 1 ZPO nicht. Aufgrund des
Gesagten sind die Erwägungen der Vorinstanz zu bestätigen und für Ferien
Fr. 1'200.– im Bedarf der Beklagten und Fr. 700.– im Bedarf von C._
anzurechnen.
3.13. Zusatzkosten C._/Anschaffungen/Kleider/Spiele
Der Kläger berücksichtigte in der Berufung in der Bedarfsaufstellung unter der
Position Zusatzkosten C._ keine Kosten (act. 458 S. 43). Da er seinen
diesbezüglichen Standpunkt jedoch nicht ansatzweise begründet (act. 458 S. 51),
hat es bei dem von der Vorinstanz festgelegten Betrag von Fr. 120.– zu bleiben
(act. 460 S. 99, 119).
- 77 -
3.14. Fremdbetreuung Nanny / Haushälterin mit Kinderbetreuung
3.14.1. Der Kläger beanstandet die Anrechnung der Kosten für Kinderbetreuung
im Betrag von Fr. 1'800.– im Bedarf von C._. Er führt aus, wenn die Beklagte
in einem Pensum von 50-60 % in einem Homeoffice-Job tätig sei, würden keine
zusätzlichen Kinderbetreuungskosten anfallen. Das Obergericht habe im Urteil
betreffend vorsorgliche Massnahmen vom 9. April 2020 angenommen, die
Beklagte könne sich auch in einem Homeoffice-Job nicht um die Betreuung von
C._ kümmern, da sie sich vollumfänglich der beruflichen Teilzeit-Tätigkeit
widmen müsse. Das stimme so nicht, da gerade die Corona-Krise die Eltern
gezwungen habe, Erwerbs- und Familienarbeit im Homeoffice zu kombinieren,
was sich bei sehr vielen als absolut praktikabel erwiesen habe. Die bald 9-jährige
C._ brauche nicht mehr pausenlos die Aufmerksamkeit ihrer Eltern, sondern
sie könne sich auch mit sich selbst beschäftigen. Die Beklagte könne sich zur
Essenszeit über Mittag so organisieren, dass sie C._ das Mittagessen
zubereiten könne. Auch wenn die Beklagte eine Teilzeitstelle annähme, die nur
zum Teil oder gar nicht im Homeoffice ausgeübt werden könnte, wäre keine
Kinderfrau oder Nanny notwendig. C._ könnte das Mittagessen problemlos
an einem Mittagstisch im Schulkreis einnehmen. Sie könnte aber auch jederzeit
über Mittag zu ihm oder zu N._ gehen. Nach der Nachmittagsschule blieben
zwei bis drei Stunden, bis die Beklagte nach Hause komme. In dieser Zeit
brauche C._ eine erwachsene, vor Ort anwesende Ansprechperson. Das
könnten er (der Kläger), N._, C._s Grossmutter, eine Nachbarin oder
die Haushälterin sein. Jedenfalls sei eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung für
C._ völlig unverhältnismässig (act. 458 S. 29 ff.).
3.14.2. Die Beklagte hält dagegen, die Vorinstanz habe zu Recht festgehalten,
dass die Ausübung einer 50-70 % Erwerbstätigkeit ausschliesslich während der
Schulzeit des Kindes oder mittels Homeoffice unrealistisch sei. Auch das
Obergericht habe im Urteil vom 9. April 2020 festgehalten, dass sie (die Beklagte)
die Tochter nicht betreuen könne, während sie arbeite, auch wenn sie im
Homeoffice tätig sei. Der vom Kläger dargestellte Tagesablauf möge seinen
Wunschvorstellungen entsprechen, entbehre jedoch jeglicher Lebenserfahrung.
- 78 -
Auch wenn die Corona-Pandemie einige Eltern dazu gezwungen habe,
Familienarbeit und Homeoffice zu kombinieren, könne daraus nicht abgeleitet
werden, dass es ihr zuzumuten sei, Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit
gleichzeitig zu bewältigen. Unzutreffend sei, dass sich eine solche Kombination
bei sehr vielen Leuten als absolut praktikabel erwiesen habe. Es werde bestritten,
dass durch die Corona-Pandemie eine notorische Neugestaltung der
Arbeitsprozesse und damit eine Förderung der Tendenz der Homeoffice-Jobs
einhergehe. Gerade für Wiedereinsteigerinnen könne bei einer Neuanstellung
nicht von zu Hause aus gearbeitet werden. Richtig sei, dass ein bald 9-jähriges
Kind nicht die pausenlose Aufmerksamkeit der Eltern benötige. Dennoch sei die
Kinderbetreuung zeitintensiv, ihr sei nicht Genüge getan, wenn die Tochter mit
dem iPad sich selbst überlassen werde, wie dies der Kläger tue. Die Vorinstanz
habe die Betreuungszeit bewusst so geregelt, dass sie (die Beklagte) die Tochter
selbst betreuen könne. Das Argument, dass die Tochter den Mittagstisch an drei
Tagen besuchen soll bzw. sie zum Kläger oder zu seiner geschiedenen Frau
gehen könne, gehe demnach fehl. Das Obergericht habe auch festgehalten, dass
es schwierig sein dürfte, eine Kinderbetreuerin zu finden, welche nur punktuell die
Betreuung übernehme und sich damit abfinde, dass sie in den einzelnen Stunden
während der Abwesenheit C._s keine bezahlte Arbeit ausüben könne. Der
Kläger habe nicht dargetan, inwiefern die von ihm vorgeschlagenen Personen die
Randzeitenbetreuung von C._ tatsächlich übernehmen würden. Die
Vorinstanz sei richtigerweise so vorgegangen, dass die Beklagte weiterhin die
Hauptbetreuung von C._ übernehme. Mit Blick auf die Kontinuität und
Stabilität der Betreuung von C._ und damit auf das Kindeswohl dränge sich
eine Fremdbetreuung durch eine Nanny und entsprechende Kosten von Fr.
1'800.– auf (act. 473 Rz. 58-64).
3.14.3. Es trifft durchaus zu, dass die Corona-Krise dazu geführt hat, dass die
Erwerbstätigkeit vermehrt im Homeoffice ausgeübt wird und aktuell stark
verbreitet ist. Allerdings wird sich erst in den kommenden Monaten und Jahren
zeigen, ob damit eine eigentliche Trendwende eingesetzt hat, welche dauerhaft
zu vermehrter Homeoffice-Arbeit führt. Auch wenn die in gewissen Branchen
gemachten, positiven Erfahrungen darauf hindeuten, dass die Tätigkeit im
- 79 -
Homeoffice auch nach dem Abklingen der Corona-Pandemie verbreiteter sein
wird als vorher, kann im heutigen Zeitpunkt nicht angenommen werden, dass es
der Beklagten ohne weiteres möglich sein wird, mit einer Teilzeiterwerbstätigkeit
im Homeoffice wieder ins Berufsleben einzusteigen. Das Angebot an
Teilzeitstellen ist ohnehin begrenzt; durch eine Beschränkung auf Homeoffice-
Jobs würde der Wiedereinstieg für die Beklagte an allzu einschränkende
Bedingungen geknüpft.
3.14.4. Soweit der Kläger geltend macht, C._ könnte über Mittag am
Mittagstisch betreut werden, handelt es sich um eine neue Behauptung. Der
Kläger zeigt nicht auf, dass bzw. wo er diesen Standpunkt bereits im
erstinstanzlichen Verfahren vertreten hat. Es ist denn auch aufgrund der Akten
davon auszugehen, dass die Parteien im erstinstanzlichen Verfahren
übereinstimmend davon ausgingen, C._ solle weder in einem Hort noch in
einer Krippe betreut werden. Jedenfalls äusserte sich der Kläger anlässlich der
Fortsetzung der Hauptverhandlung vom 6. Juli 2018 dahingehend, dass es für ihn
nie eine Variante gewesen wäre, das Kind in einen Kinderhort zu geben (Prot. Vi
S. 241). Der Kläger ist deshalb mit seinem im Berufungsverfahren neu
vorgebrachten Vorschlag nicht zu hören.
3.14.5. Richtig ist, dass eine punktuelle Betreuung C._s morgens, mittags
und abends für einzelne Stunden nur schwierig zu organisieren wäre, wobei die
Abdeckung der Erwerbstätigkeit der Beklagten bedingt, dass eine Nanny längere
Arbeitszeiten als die Beklagte leisten muss. Dem Kläger ist dahingehend
zuzustimmen, dass eine Nanny während der Schulzeiten C._s mit der
Zubereitung der Mahlzeiten nicht ausgelastet wäre. Angesichts des Alters von
C._ ist deshalb mit dem Kläger davon auszugehen, dass die
Kinderbetreuung sinnvollerweise durch eine Haushälterin übernommen wird. Dies
würde nicht nur die Flexibilität bei der Kinderbetreuung, beispielsweise bei
Krankheit oder schulfreien Tagen, erhöhen, sondern auch sinnvolle Synergien
zwischen Kinderbetreuung und Haushaltsarbeit und eine höhere Flexibilität für die
Teilzeitarbeit der Beklagten schaffen. Die Beklagte hat keine stichhaltigen
Argumente vorgebracht, die gegen eine solche Lösung sprechen.
- 80 -
3.14.6. Die Vorinstanz hat im Bedarf von C._ für Fremdbetreuung einen
Betrag von Fr. 1'800.– angerechnet, basierend auf einem Pensum von 40 %
(act. 460 S. 99, 119). Angesichts der ausgedehnteren Betreuung von C._
durch den Kläger am Dienstag ist davon auszugehen, dass sich eine
Fremdbetreuung an diesem Tag erübrigt. Es ist durchaus realistisch, dass die
Beklagte ihre Arbeitszeiten so legt, dass sie jeweils am Dienstag arbeitet, wenn
C._ vom Kläger betreut wird. Damit sind noch zwei Arbeitstage der
Beklagten durch Fremdbetreuung abzudecken. Zudem ist zu berücksichtigen,
dass C._ jedes zweite Wochenende von Freitag ab Schulbeginn bis
Montagmittag nach der Schule nicht von der Beklagten betreut wird. Insgesamt
scheint ein Pensum von 70 % für die Kombination von Kinderbetreuung und
Haushaltsarbeit und damit ein Betrag von Fr. 3'150.– brutto angemessen. Dieser
Betrag ist je zur Hälfte auf die Beklagte und auf C._ aufzuteilen. Die
Vorinstanz hat die Ausgaben für Kinderbetreuung bis Ende Oktober 2027 im
Bedarf von C._ berücksichtigt (act. 460 S. 99).
3.15. Steuern
3.15.1. Die Vorinstanz ging von einem Barbedarf der Beklagten und C._ von
insgesamt Fr. 18'121.80 pro Monat bzw. Fr. 217'461.60 pro Jahr aus. Bei
geschätzten Steuern von Fr. 5'000.– monatlich belaufe sich der Jahresbedarf auf
Fr. 277'461.60. Die Beklagte habe weder behauptet, dass sie Kirchensteuern
bezahle noch habe sie ihr Vermögen beziffert. Für die Beiträge an die 3. Säule,
die Krankenkassenprämien sowie den Kinderabzug seien Abzüge von rund
Fr. 20'000.– zu machen, was ein steuerbares Einkommen von rund Fr. 260'000.–
ergebe. Gemäss Steuerrechner des Kantons Zürich resultierten daraus Staats-,
Gemeinde- und Bundessteuern für das Jahr 2020 von rund Fr. 5'400.– pro Monat.
Diesen Betrag rechnete die Vorinstanz im Bedarf der Beklagten für Steuern an
(act. 460 S. 123).
3.15.2. Der Kläger geht bei einer reduzierten Bedarfsbasis von Steuern in Höhe
von Fr. 2'000.– pro Monat aus (act. 458 S. 51).
- 81 -
3.15.3. Nach Darstellung der Beklagten in der Anschlussberufung sei es zwar
richtig, dass sie nicht geltend gemacht habe, sie müsse Kirchensteuern bezahlen.
Ihr Vermögen habe sie aber sehr wohl beziffern lassen, zum ersten Mal in der
Klageantwort mit Fr. 3 Mio. (mit Hinweis auf act. 31 Rz. 668). Die Vorinstanz habe
denn auch bei den Bemessungsfaktoren ein Vermögen von Fr. 3 Mio. vermerkt.
Im Jahr 2018 habe sich ihr Vermögen noch auf Fr. 626'000.– belaufen. Seither sei
es noch weiter gesunken. Von einem Vermögen von Fr. 626'000.–, welches durch
die Schlussrechnung der Staats- und Gemeindesteuern 2018 belegt sei, könne
bei der Berechnung der aktuellen Steuern ausgegangen werden, zumal sie sich
auch auf die Kinderunterhaltsbeiträge auswirken würden, weshalb diese vom
Gericht von Amtes wegen zu ermitteln seien. Die Vorinstanz habe ohne
entsprechenden Hinweis in der Begründung auf Zahlen aus dem Jahr 2012
abgestellt, was falsch sei. Die Noven seien gemäss Art. 317 Abs. 1 lit. b ZPO
zuzulassen, zumal die genaue Bezifferung der Steuerbelastung in der
Klageantwort explizit für nach dem Beweisverfahren vorbehalten worden sei (mit
Hinweis auf act. 31 S. 129). Wie bereits aufgezeigt, hätten die Parteien nie
Gelegenheit erhalten, nach dem Beweisverfahren Stellung zu nehmen. Die
Berechnung der Steuerbelastung unter Berücksichtigung der Iteration sei
demnach ohne Weiteres zulässig. Die Steuerbelastung der Beklagten habe für
jede Phase ohne Berücksichtigung der Kinderunterhaltsbeiträge für C._
sowie ohne resp. mit Wohnkosten im Falle eines Auszuges zu erfolgen. Dabei
werde unter Berücksichtigung des Bedarfs und des Vorsorgeunterhalts ein
Gesamteinkommen berechnet und auf dieses wiederum die Steuern und die
darauf anfallenden Steuern. Daraus ergäben sich folgende Steuerbelastungen: in
Phase 1 (ab Rechtskraft bis 31. August 2024 bzw. bis Eintritt von C._ in die I.
Sekundarstufe) ohne Wohnkosten Fr. 5'782.–, mit Wohnkosten Fr. 9'106.25; in
Phase 2 (ab 1. September 2024 bzw. ab Eintritt von C._ in die I.
Sekundarstufe) ohne Wohnkosten Fr. 5'485.–, mit Wohnkosten Fr. 8'753.75 und
in Phase 3 (ab 1. November 2027) ohne Wohnkosten Fr. 3'696.–, mit
Wohnkosten Fr. 6'692.80. Die Vorinstanz habe es unterlassen, die
Steuermehrbelastungen, welche durch die Kinderunterhaltszahlungen entstehe,
zu berücksichtigen, und habe dies auch nicht begründet. Lediglich in der
- 82 -
3. Phase, in der gemäss der Vorinstanz nur noch Kinderunterhalts-, jedoch keine
nachehelichen Unterhaltszahlungen mehr anfallen würden, rechne die Vorinstanz
einen "geschätzten Betrag" von Fr. 200.– für Nachsteuern aufgrund von
Kinderunterhalt an. Die Berücksichtigung von Steuern sei jedoch lediglich in
engen Verhältnissen ausgeschlossen. In den übrigen Fällen sei gemäss
Bundesgericht darauf zu achten, dass dem Kind unter dem Strich nicht weniger
verbleibe, als es zur Deckung seines Bedarfes benötige (mit Hinweis auf BGer,
5A_926/2019 E. 4.4.3). Das Bundesgericht halte denn auch klar fest, dass der
Leitfaden des Obergerichts des Kantons Zürich nicht bindend sei. Folglich sei in
den vorliegenden guten Verhältnissen die Steuerbelastung auf den
Kinderunterhaltsbeiträgen von Amtes wegen zu berücksichtigen, zumal die
Steuerbelastung massgebend ins Gewicht falle (act. 476 Rz. 102-117). Nach
Auffassung des Klägers sind die Steuerberechnungen der Beklagten schon
deshalb falsch, weil sie von falschen Bedarfszahlen ausgingen. Im Übrigen seien
sie neu und daher im aktuellen Verfahrensstadium unzulässig und nicht zu hören.
Die Beklagte hätte die entsprechenden Ausführungen im erstinstanzlichen
Verfahren vorbringen müssen (act. 488 S. 46 f.).
3.15.4. Nach dem neuen Kinderunterhaltsrecht ist im Barbedarf des Kindes ein
Steueranteil auszuscheiden (BGer, 5A_311/2019 vom 11. November 2020
E. 7.2). Die Vorinstanz hat zwar sowohl den persönlichen Unterhalt der Beklagten
als auch den Kinderunterhalt für C._ in die Steuerberechnung miteinbezogen
(act. 460 S. 123). Den so ermittelten Steuerbetrag hat sie aber nicht anteilsmässig
auf die Beklagte und C._ verteilt, sondern vollumfänglich im Bedarf der
Beklagten berücksichtigt (act. 460 S. 99). Dies ist im Berufungsverfahren in
Anwendung der Untersuchungsmaxime bzw. des Grundsatzes der
Rechtsanwendung von Amtes wegen (Art. 57 ZPO) zu korrigieren. Mit Bezug auf
die Steuerberechnung als solche verlangt die Beklagte im Berufungsverfahren
erstmals eine detaillierte Steuerberechnung. Wie bereits vorstehend im
Zusammenhang mit den Wohnkosten festgehalten (vgl. E. IV. 3.2.5), ist die
Verweigerung des rechtlichen Gehörs im erstinstanzlichen Verfahren – die
Parteien hätten zum Beweisergebnis Stellung nehmen und ihre im Rahmen des
Behauptungsverfahrens vorgetragenen Sachdarstellungen unter Berücksichtigung
- 83 -
der Ergebnisse des Beweisverfahrens ergänzen können – im Berufungsverfahren
zu heilen. Es ist aber mit dem Novenrecht nicht vereinbar, im Rahmen der
Stellungnahme zum Beweisergebnis eine neue Argumentationslinie zu verfolgen
und die im Behauptungsverfahren gemachten Ausführungen nachzubessern.
Auch aus der Untersuchungsmaxime (vgl. Art. 229 Abs. 3 ZPO) bzw. aus dem
Umstand, dass gleichzeitig über nachehelichen Unterhalt und Kinderunterhalt zu
entscheiden ist, kann die Beklagte nichts zu ihren Gunsten ableiten, nachdem sie
im erstinstanzlichen Verfahren durchwegs auf einen geschätzten Steuerbetrag
abstellte (vgl. auch act. 31 Rz. 403, act. 133 Rz. 334). Somit ist auf die von der
Beklagten im Berufungsverfahren vorgebrachte detaillierte Steuerberechnung
nicht näher einzugehen.
3.15.5. Mit Bezug auf das der Steuerberechnung zugrunde gelegte Vermögen ist
der Auffassung der Beklagten zu folgen. Der Entscheid der Vorinstanz ist
diesbezüglich widersprüchlich, basiert doch die Unterhaltsberechnung auf einem
Vermögen der Beklagten von Fr. 3. Mio., aber im Rahmen der Steuerberechnung
wurde kein Vermögen berücksichtigt (act. 460 S. 123, 141). Mit der Beklagten ist
davon auszugehen, dass der Vermögenswert, welcher Grundlage der
Unterhaltsberechnung ist, auch der Steuerberechnung zugrunde zu legen ist. Die
von der Beklagten geltend gemachte, seit dem Jahr 2012 eingetretene
Vermögensreduktion auf Fr. 626'000.– ist durch die im Berufungsverfahren
eingereichte Schlussrechnung vom 10. August 2020 betreffend die Staats- und
Gemeindesteuern 2018 (act. 477/22) ausgewiesen. Der Kläger hat diese
Ausführungen der Beklagten als unzulässige Noven bezeichnet, aber inhaltlich
nicht bestritten (act. 488 S. 46 f.). Um ein echtes Novum im Sinne von Art. 317
Abs. 1 lit. a ZPO handelt es sich beim Vermögensstand der Beklagten per Ende
2018 nicht, war ihr doch derselbe zweifellos schon damals bekannt und nicht erst
seit Erhalt der Schlussrechnung vom 10. August 2020. Wie sich aus den
nachstehenden Erwägungen ergibt, kommt dem Vermögen der Beklagten für die
Festsetzung des nachehelichen Unterhalts keine Bedeutung zu, da der Kläger im
erstinstanzlichen Verfahren explizit auf die Anrechnung eines Vermögensertrages
verzichtet hat (vgl. nachstehend E. IV. 4.2.3). Das Vermögen der Beklagten hat
somit einzig Einfluss auf die Berechnung der Steuern. Insofern verursacht der
- 84 -
Vermögensschwund eine Reduktion der im Bedarf zu berücksichtigenden
Steuerkosten und kommt einem entsprechenden Zugeständnis der Beklagten
gleich. Ein solches Zugeständnis ist jederzeit im Verfahren möglich, weshalb
nachfolgend vom aktuellen Vermögen der Beklagten von Fr. 626'000.–
auszugehen ist.
3.15.6. Bis zum Eintritt von C._ in die I. Sekundarstufe ergibt sich ein
Gesamtbedarf der Beklagten und C._ von Fr. 15'622.–. Legt man der
Steuerberechnung einen provisorischen Steuerbetrag von Fr. 4'000.– pro Monat
zugrunde, beläuft sich der Gesamtbedarf auf Fr. 19'622.– pro Monat bzw. auf
Fr. 235'462.– pro Jahr. Unter Berücksichtigung von Steuerabzügen von rund
Fr. 20'000.–, wovon sowohl die Vorinstanz (act. 460 S. 123) als auch die Beklagte
in ihren detaillierten Steuerberechnungen ausgingen (vgl. act. 477/23-24),
resultieren steuerbare Einkünfte von Fr. 215'462.–. Unter Berücksichtigung eines
steuerbaren Vermögens von Fr. 626'000.– führt dies aktuell zu Staats- und
Gemeindesteuern im Betrag von Fr. 34'753.– und zu Bundessteuern von Fr.
14'313.–. Die Steuerbelastung von insgesamt Fr. 49'066.– ergibt einen
monatlichen Steuerbetrag von
Fr. 4'089.–, welcher verhältnismässig auf die Beklagte und C._ aufzuteilen
ist. Entsprechend ist im Bedarf der Beklagten ein Betrag von Fr. 2'944.– und im
Bedarf C._s von Fr. 1'145.– zu berücksichtigen.
3.15.7. Ab 1. September 2024 bzw. ab Eintritt in die I. Sekundarstufe steigt
C._s Bedarf aufgrund der erhöhten Gesundheitskosten um rund Fr. 109.40
pro Monat an. Diese geringfügige Veränderung verlangt keine Anpassung der
Steuerberechnung.
3.15.8. Ab 1. November 2027 reduziert sich C._s Bedarf um die
Kinderbetreuung im Betrag von Fr. 1'575.–; hinzu kommen Kosten für eine
Haushaltshilfe im Betrag von Fr. 788.– (vgl. nachstehend E. IV. 3.18). Damit
ändert sich auch der Steuerbetrag in C._s Bedarf. Gleichzeitig endet die
Unterhaltspflicht des Klägers gegenüber der Beklagten (vgl. nachfolgend E. IV.
5.3.5). Folglich sind der Steuerberechnung einzig das Erwerbseinkommen der
Beklagten ab 1. November 2027 (vgl. nachfolgend E. IV. 4.2.1.9 f.) und die
- 85 -
Kinderunterhaltsbeiträge für C._ zuzüglich Kinderzulagen (inkl. eines
provisorischen Steueranteils von Fr. 500.–, vgl. nachfolgend E. IV. 3.18) zugrunde
zu legen. Dies führt zu Gesamteinkünften von Fr. 11'447.– pro Monat bzw. Fr.
137'364.– pro Jahr. Ausgehend von einem steuerbaren Einkommen von Fr.
117'364.– resultieren Staats- und Gemeindesteuern von rund Fr. 13'754.– und
Bundessteuern von rund Fr. 2'750.–. Die Einkünfte von C._ machen rund 37
% der Gesamteinkünfte aus, so dass ein Steueranteil von Fr. 509.– im Bedarf von
C._ zu berücksichtigen ist.
3.16. Bedarfsübersicht (Phase 1) Beklagte C._
1) Wohnkosten ab Auszug (inkl. Steuern und NK) Fr. 4'800.– Fr. 2'400.–
2) Unterhalt Liegenschaft direkt bezahlt
3) Kommunikation Fr. 200.– Fr. 100.–
4.1) Haushälterin Fr. 0.–
4.2) Kinderhütedienst Fr. 0.–
5) Wäscherei/Chemische Reinigung Fr. 60.–
6.1) Krankenkasse (KVG/VVG) Fr. 645.70 Fr. 140.60
Selbstbehalte Fr. 60.– Fr. 30.–
6.2) Zahnarzt/DH Fr. 30.–
6.3) Optiker/Brille Fr. 152.–
6.4) Diverse Therapien Fr. 300.–
7.1) Versicherungen allg./Unfall/Vorsorge Fr. 638.–
7.2) Hausrat ab Auszug Fr. 350.–
8) Steuerberatung Fr. 315.–
9) Mobilität inkl. Taxi Fr. 700.– Fr. 79.–
10) Kultur Fr. 232.– Fr. 115.–
11.1) Getränke/Wein/Champagner/Öle Fr. 200.– Fr. 100.–
11.2) Lebensmittel Fr. 480.– Fr. 250.–
11.3) Kehrichtgebühren Fr. 25.–
11.4) Cheminéeholz Fr. 60.–
12-13) Drogerie/Apotheke/Toilettenart./Parfümerie Fr. 342.– Fr. 175.–
14) Blumen Fr. 200.–
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15) Papeterie Fr. 120.–
16) Div. Haushalt (siehe Ziff. 18)
17) Fotos Ladekarten Fr. 37.50
18) Anschaffungen Haushalt Fr. 200.–
19) Bekleidung/Accessoires/Schuhe Fr. 1'500.– Fr. 500.–
20) Schuhmacher/Schneider Fr. 84.–
21) Freizeit/Div. Fr. 42.–
22) Auswärts Essen Fr. 650.– Fr. 350.–
23) Geschenke an Dritte Fr. 240.–
24) Coiffeur Fr. 92.–
25) Maniküre/Pediküre/Kosmetik Fr. 210.–
26) Bücher/Tonträger Fr. 267.–
27) Zeitungen/Zeitschriften Fr. 130.–
28) Kurse/Weiterbildung Fr. 0.–
29-30) Anschaffungen Sportgeräte Fr. 270.– Fr. 130.–
31) Ferien Fr. 1'200.– Fr. 700.–
32) Zusatzkosten C._ etc. Fr. 120.–
33) Nanny und Haushälterin Fr. 1'575.– Fr. 1'575.–
Zwischentotal (ohne Steuern): Fr. 11'257.20 Fr. 4'364.60
34) Steuern Fr. 2'944.00 Fr. 1'145.00
Total Fr. 14'201.20 Fr. 5'509.60
Total ab Auszug aus Liegenschaft D._-str. Fr. 19'001.20 Fr. 7'909.60
3.17. Bedarf ab 1. September 2024
Ab 1. September 2024 erhöht sich der Bedarf von C._ um rund Fr. 110.–, da
anstelle der Krankenkassenprämien im Betrag von Fr. 140.– und des
Selbstbehaltes von Fr. 30.– Gesundheitskosten von insgesamt Fr. 280.–
anzurechnen sind (vgl. vorstehend E. IV. 3.5.4). C._s Bedarf beträgt
demnach ab 1. September 2024 rund Fr. 5'620.–.
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3.18. Bedarf ab 1. November 2027
Ab 1. November 2027 reduziert sich C._s Bedarf um die Kinderbetreuung.
Gleichzeitig ist aber davon auszugehen, dass Ausgaben für eine Haushaltshilfe
zum gehobenen Lebensstandard von C._ gehören. Es scheint in Anwendung
der Untersuchungsmaxime angemessen, weiterhin einen Betrag von Fr. 788.–
monatlich im Bedarf von C._ hierfür zu berücksichtigen. Der Steueranteil
reduziert sich in dieser Phase infolge des Wegfalls der Kinderbetreuungskosten
und beträgt ab diesem Zeitpunkt Fr. 509.– (vgl. vorstehend E. IV 3.15.8). Damit
beläuft sich C._s Bedarf ab 1. November 2027 auf rund Fr. 4'200.–. Eine
explizite Regelung des Kinderunterhaltsbeitrags nach dem 18. Geburtstag von
C._ erübrigt sich, da die Verpflichtung des Klägers zur Bezahlung der
Wohnkosten gemäss Dispositiv-Ziff. 12 lit. b über die Volljährigkeit hinaus gilt.
4. Einkommen
4.1. Leistungsfähigkeit des Klägers
4.1.1. Die Vorinstanz hat die Einkommens- und Vermögenszahlen des Klägers
aus dem Jahr 2012 rekapituliert und weiter festgehalten, er habe seine
grundsätzliche Leistungsfähigkeit nie in Frage gestellt. Entsprechend hielt die
Vorinstanz den Kläger für leistungsfähig (act. 460 S. 90).
4.1.2. Der Kläger macht im Berufungsverfahren geltend, neu müsse berücksichtigt
werden, dass seine ...- und ...-Unternehmung durch die Corona-Notmassnahmen
des Bundesrates massiv betroffen und geschwächt werde. Für das Jahr 2020
werde ein Verlust in zweistelliger Millionenhöhe resultieren, für das Geschäftsjahr
2021 sei keine wesentliche Verbesserung zu erwarten. Zur vorsorglichen
Sicherung der Liquidität habe sich die Gruppe im Umfang von 15 Mio. zusätzlich
verschulden müssen. Bis diese Kredite zurückgezahlt werden könnten, dürften
keine Dividendenzahlungen an ihn mehr erfolgen. Die Sperrfrist werde fünf bis
acht Jahre dauern. Praktisch sein ganzes Vermögen von rund 60 Mio. sei in die
G1._-Gruppe investiert. Da mit einer längerdauernden Krise zu rechnen sei,
- 88 -
werde eine erhebliche Vermögensminderung in ungewissem Ausmass eintreten.
Daher könnten heute keine apodiktischen Aussagen zu seiner Leistungsfähigkeit
und zu seinem Vermögen gemacht werden. Schon heute stehe fest, dass er
aufgrund der Folgen der Corona-Krise grosse Mühe haben werde, die Kosten der
Liegenschaft D._-strasse ... und die beantragten reduzierten
Unterhaltsbeiträge mit Bezügen aus der Unternehmung zu finanzieren. Offen sei
auch, wie lange er mit nun 72 Jahren seine Erwerbstätigkeit noch fortsetzen
könne (act. 458 S. 26 f.). Mit der Anschlussberufungsantwort reicht der Kläger
eine Liste der Bankverbindlichkeiten per 29. September 2020 ein, aus welcher
sich ergebe, dass seine Unternehmungen Corona-Kredite in vielfacher
Millionenhöhe hätten in Anspruch nehmen müssen (act. 488 S. 25 f., 489).
4.1.3. Die vom Kläger in der Berufungsschrift vorgetragenen Ausführungen
betreffend die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf seine Leistungsfähigkeit
und stellen echte Noven im Sinne von Art. 317 Abs. 1 lit. a ZPO dar; sie sind
folglich zuzulassen. Die Beklagte bestreitet die Behauptungen des Klägers zu
seiner reduzierten Leistungsfähigkeit (act. 473 Rz. 49 ff., act. 500 Rz. 20 ff.). Sie
bemängelt zu Recht, dass die Darstellung des Klägers sehr vage ausfällt. Er
unterlässt es, konkrete und substantiierte Angaben zu seiner aktuellen
Leistungsfähigkeit und zu seinem Vermögen zu machen und diese Angaben zu
belegen. Soweit er dies mit der zusammen mit der Anschlussberufungsantwort
eingereichten Liste der Bankverbindlichkeiten nachholen will (act. 489), handelt es
sich um eine verspätete Beweisofferte. Es ist kein Grund ersichtlich und der
Kläger macht auch keinen geltend, weshalb es ihm nicht schon im Zeitpunkt der
Einreichung der Berufungsschrift möglich gewesen wäre, seine Behauptungen zu
belegen. Mit seiner Erklärung, er habe nicht damit rechnen müssen, dass die
Beklagte notorische Fakten bestreite (act. 488 S. 25), ist er nicht zu hören.
Allerdings würde auch die verspätet eingereichte Liste der Bankverbindlichkeiten
– wenn sie denn zu berücksichtigen wäre – keine aussagekräftigen Angaben zum
klägerischen Vermögen bzw. zu seiner Leistungsfähigkeit ermöglichen. Bei der
Liste handelt es sich um eine Zusammenstellung der Bankverbindlichkeiten per
29. September 2020 der G1._-Unternehmungen, welche auch im Umfeld der
G1._-Unternehmungen erstellt wurde (act. 489). Darüber hinaus liesse diese
- 89 -
Aufstellung auch keine zuverlässigen Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit des
Klägers oder dessen Vermögen zu. Damit bleibt es bei der vorinstanzlichen
Feststellung, dass der Kläger leistungsfähig ist bzw. sein Vermögen Fr. 60 Mio.
beträgt.
4.2. Einkommen der Beklagten
4.2.1. Erwerbseinkommen
4.2.1.1. Die Vorinstanz rechnete der Beklagten ab Rechtskraft des
Scheidungsurteils ein hypothetisches monatliches Nettoeinkommen von Fr.
4'835.– bei einem 50-60 %-Pensum, ab 1. November 2023 bzw. ab Eintritt von
C._ in die I. Sekundarstufe ein solches von Fr. 6'445.– bei einem 80 %-
Pensum und ab Vollendung des 16. Lebensjahres von C._ ein solches von
Fr. 8'060.– bei einem 100 %-Pensum an (act. 460 S. 96 f.).
4.2.1.2. Der Kläger nimmt im Zusammenhang mit dem der Beklagten
anrechenbaren Pensum Bezug auf das Urteil der Kammer betreffend vorsorgliche
Massnahmen vom 9. April 2020 und beanstandet, dass die Kammer dort zum
Schluss gekommen sei, dass der Beklagten für die erste Phase bis zum Übertritt
von C._ in die I. Sekundarstufe lediglich ein Arbeitspensum von 50 %
zuzumuten sei, anstatt wie von der Vorinstanz im Teilurteil vom 19. März 2020
angenommen 50-60 %. Bei einem hochwertigen Job, der zumindest teilweise im
Homeoffice oder mit kurzem Arbeitsweg ausgeübt werden könne, und bei der
Unterstützung der Haushaltsführung durch eine Haushälterin sei auch schon im
Primarschulalter des Kindes ein Erwerbspensum von mehr als 50 % angezeigt.
C._ weile während drei ganzen und zwei halben Tagen in der Schule und
werde jeden Dienstag und jeden zweiten Freitag sowie während fünf Wochen
Ferien von ihm betreut (act. 458 S. 29). Demgegenüber vertritt die Beklagte die
Auffassung, gestützt auf das Urteil der Kammer vom 9. April 2020 sei ihr aktuell
eine 50 %-Tätigkeit zuzumuten. Die Vorinstanz habe es im angefochtenen
Teilurteil vom 19. März 2020 unterlassen aufzuzeigen, inwiefern
ausserordentliche Umstände vorlägen, die es rechtfertigen würden, von den vom
Bundesgericht vorgeschlagenen Prozentsätzen abzuweichen. Ab dem Eintritt
- 90 -
C._s in die I. Sekundarstufe – was im August 2024 und nicht im Jahr 2023
der Fall sein werde – sei ihr eine 80 % Berufstätigkeit zumutbar (act. 476 Rz. 62).
Die Beklagte bestreitet die Ausführungen des Klägers, wonach sie in der Lage
sei, einen hochwertigen Job im Homeoffice oder mit kurzem Arbeitsweg
auszuüben. Zudem blende der Kläger die Zeit am Morgen, über Mittag, am
Nachmittag nach Schulende bzw. an schulfreien Nachmittagen sowie bei
Krankheit der Tochter oder des Lehrers vollkommen aus (act. 473 Rz. 57).
4.2.1.3. Die Vorinstanz erachtete – nach einer Übergangsfrist – ein Pensum von
50-60 % für die Beklagte als zumutbar. Tatsächlich legte die Vorinstanz der
Unterhaltsberechnung in der 1. Phase ein Pensum von 60% zugrunde (act. 460
S. 96, Fr. 4'835.– entsprechen 60 % von Fr. 8'060.–).
4.2.1.4. Mit Bezug auf das der Beklagten anrechenbare Arbeitspensum hielt die
Kammer im Urteil betreffend vorsorgliche Massnahmen vom 9. April 2020
Folgendes fest:
"C._ ist heute acht Jahre alt, schulpflichtig und muss nicht mehr im selben Umfang
betreut werden wie ein Kleinkind. Zudem wurde die Betreuung durch den Kläger im
Vergleich zur Situation nach der Trennung ausgeweitet, C._ verbringt nun jedes
zweite Wochenende und einen Nachmittag pro Woche mit ihm (vgl. E. III.1.1). Aus den
von der Vorinstanz korrekt dargelegten Grundsätzen des Schulstufenmodells (vgl. act.
3/1 E. III.4.3.1) folgt angesichts des Alters und der Betreuung von C._ grundsätzlich
die Zumutbarkeit einer Tätigkeit im 50 % Pensum – nicht 60 %, wie die Vorinstanz
annimmt – respektive 80 % ab dem Eintritt C._s in die I. Sekundarstufe. Inwiefern
ausserordentliche Umstände vorliegen sollten, welche es rechtfertigen würden, von den
vom Bundesgericht vorgeschlagenen Prozentsätzen abzuweichen, ist nicht ersichtlich.
Zwar ist es richtig, dass bei einer Berufstätigkeit der Beklagten eine Fremdbetreuung
C._s nötig würde (act. 19/2 Rz 18; vgl. auch E. IV.3.6.1-3). Es liegen jedoch keine
Umstände vor, welche grundsätzlich gegen eine solche sprechen würden (vgl. auch act.
23 S. 31). Die von der Beklagten angesprochene wichtige Kontinuität ist, wie sie selbst
auch ausführt (act. 19/2 Rz 18), vor allem vor dem Hintergrund der hochstrittigen
Scheidung der Parteien und damit für das Betreuungsverhältnis unter den Parteien
relevant. Andererseits beträgt die Schulzeit C._s – und damit die betreuungsfreie
Zeit der Beklagten – entgegen der Darstellung des Klägers (vgl. act. 23 S. 21) nicht "drei
- 91 -
ganze und zwei halbe Tage" im Sinne von Arbeitstagen. Schultage sind in der
Primarschulzeit notorisch deutlich kürzer als Arbeitstage und zudem durch eine
Mittagspause unterbrochen. Auch vom Nachmittag, den C._ beim Kläger verbringt,
kehrt sie bereits um 17.30 Uhr zurück. Die Beklagte hat während C._s Anwesenheit
präsent zu sein, daran ändert auch eine Haushaltshilfe (vgl. act. 23 S. 21) nichts, sodass
ihr keine über das vom Bundesgericht vorgesehene Pensum hinausgehende
Berufstätigkeit zumutbar ist."
4.2.1.5. Das vom Bundesgericht entwickelte Schulstufenmodell basiert auf der
Überlegung, dass der obhutsberechtigte Elternteil mit der obligatorischen
Einschulung des Kindes in verbindlicher Weise während der betreffenden Zeit von
der persönlichen Betreuung entbunden ist. Die Ausdehnung der schulischen
Betreuung im Verlauf der Jahre und die allgemeine Entwicklung des Kindes
führen zu einer Ausdehnung der zumutbaren Erwerbsquote nach den Schulstufen
des Kindes. Mit Blick auf die reale Situation auf dem Arbeitsmarkt legte das
Bundesgericht aus Gründen der Praxistauglichkeit die besagten Stufen (50 % ab
der obligatorischen Beschulung, 80 % ab Eintritt in die I. Sekundarstufe und 100
% ab Vollendung des 16. Lebensjahres) fest (BGE 144 III 481 E. 4.7.6). Im
genannten Grundsatzentscheid wies das Bundesgericht aber auch explizit darauf
hin, dass im Sinne einer Richtlinie für die Aufnahme oder Ausdehnung der
Erwerbsquote in erster Linie von den Schulstufen auszugehen sei und in zweiter
Linie nach richterlichem Ermessen auch weitere Entlastungsmöglichkeiten durch
freiwillige schulische oder ausserschulische Drittbetreuung zu berücksichtigen
seien (a.a.O. E. 4.7.8). Entsprechend dieser Rechtsprechung ist der Beklagten
ausgehend von C._s Alter und ihrer Schulstufe eine Tätigkeit mindestens mit
einem 50 %-Pensum zumutbar. Im Zeitpunkt des Urteils betreffend vorsorgliche
Massnahmen vom 9. April 2020 verbrachte C._ jedes zweite Wochenende
und den Dienstagnachmittag (bis 17.30 Uhr) beim Kläger. Zwischenzeitlich hat
sich die Betreuungszeit der Beklagten weiter reduziert. C._ wird nun
während der Woche jeden Dienstag ganztags bis 19.30 Uhr und jeden zweiten
Freitag ganztags vom Kläger betreut. Damit kommen unter der Woche zusätzlich
zu den Schulzeiten eineinhalb Tage betreuungsfreie Zeit hinzu. Zu
berücksichtigen ist in der vorliegenden Konstellation auch, dass die Drittbetreuung
- 92 -
von C._ nicht im Rahmen eines schulergänzenden Betreuungsangebotes
stattfindet, sondern durch eine Nanny im Haushalt der Beklagten, was die
Beklagte entlastet (vgl. vorstehend E. IV. 3.14). Da C._ nach der Rückkehr
von der Schule im eigenen Haushalt betreut wird und sich die Nanny auch um die
Zubereitung der Mahlzeiten kümmern kann, reduziert sich die Betreuungs- und
Haushaltslast der Beklagten. Somit erscheint der Beklagten infolge der
ausgedehnten Betreuung durch den Kläger und des Beizugs einer Nanny aktuell
ein 60 %-Pensum zumutbar. Angesichts der guten beruflichen Qualifikationen der
Beklagten und ihrer langjährigen Berufserfahrung ist davon auszugehen, dass
sich ein solches Arbeitspensum positiv auf ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt
auswirken wird, doch wird bei qualifizierten Stellen erfahrungsgemäss ein höheres
Arbeitspensum vorausgesetzt oder zumindest bevorzugt.
4.2.1.6. Somit ist die Würdigung der Vorinstanz im Ergebnis zu bestätigen und der
Beklagten aktuell ein Erwerbseinkommen in einem 60 %-Pensum anzurechnen.
Mit Bezug auf die Erhöhung des Arbeitspensums auf 80 % hat die Vorinstanz als
Stichtag den 1. November 2023 bzw. den Eintritt von C._ in die I.
Sekundarstufe als Ausgangspunkt festgelegt (act. 460 S. 95, 129). Gestützt auf
die übereinstimmende Darstellung der Parteien wird C._ erst im Sommer
2024 in die I. Sekundarstufe übertreten (act. 476 Rz. 63, 69, act. 488 S. 28).
Somit ist der Beklagten nach dem vom Bundesgericht entwickelten
Schulstufenmodell ab dem 1. September 2024 bzw. ab dem Eintritt von C._
in die I. Sekundarstufe ein 80 %-Pensum anzurechnen. Nach Vollendung des
16. Lebensjahres von C._, ab 1. November 2027, ist ihr ein 100 %-Pensum
zumutbar.
4.2.1.7. Das von der Vorinstanz der Unterhaltsberechnung zugrunde gelegte
Einkommen der Beklagten wird vom Kläger im Berufungsverfahren nicht bestritten
(act. 458 S. 32). Die Beklagte hält demgegenüber dafür, es sei auf die
verbindlichen Feststellungen der Kammer im Urteil betreffend vorsorgliche
Massnahmen vom 9. April 2020 abzustellen. Es könne nicht von den
festgestellten Umsätzen der Agentur aus dem Jahr 2007 ausgegangen werden,
sondern davon, was sie in einer Anstellung verdienen würde. Gestützt auf die im
- 93 -
Urteil vom 9. April 2020 festgestellten Eckwerte sei von einem Einkommen von
Fr. 3'587.– bis 31. August 2024 bzw. von einem solchen von Fr. 5'739.– ab 1.
September 2024 bzw. ab dem Eintritt von C._ in die 1. Sekundarstufe und
von einem solchen von Fr. 7'174.– ab 1. November 2027 auszugehen (act. 476
Rz. 65 f.). Der Kläger entgegnet, die Vorinstanz habe die
Einkommensmöglichkeiten der Beklagten durch detaillierte Recherchen in den
schweizerischen Lohnstatistiken unter der Hypothese einer Tätigkeit in einem
Anstellungsverhältnis in den Bereichen Public Relations und
Unternehmensberatung verifiziert. Weshalb diese Recherchen und Feststellungen
der Vorinstanz falsch sein sollen, erkläre die Beklagte in ihrer Anschlussberufung
nicht substantiiert (act. 488 S. 28 f.).
4.2.1.8. Das Argument der Beklagten, es könne nicht auf die festgestellten
Umsätze ihrer PR-Agentur aus dem Jahr 2007 abgestellt werden, trifft zu. Die im
Urteil vom 9. April 2020 gemachten Überlegungen, wonach die H._ AG
inaktiv ist und der Beklagten der Wiederaufbau einer selbständigen
Erwerbstätigkeit mit einem reduzierten Arbeitspensum nicht zumutbar erscheint,
haben auch im Rahmen des nachehelichen Unterhalts Gültigkeit.
4.2.1.9. Die Vorinstanz stellte jedoch bei der Festsetzung der Höhe des
hypothetischen Einkommens nicht einzig auf den Gewinn der PR-Agentur im Jahr
2007 ab. Vielmehr ermittelte sie parallel dazu – im Sinne einer
Alternativbegründung – den Lohn, den die Beklagte in einem
Angestelltenverhältnis im Bereich Public Relations und Unternehmensberatung in
einer Stelle ohne Kaderfunktion erzielen könnte. Die Recherchen der Vorinstanz
basierten auf dem Salarium, dem statistischen Lohnrechner des Bundes, und
ergaben einen monatlichen Nettolohn von Fr. 8'114.–. Unter Berücksichtigung der
im Alter etwas höheren Sozialabgaben erachtete die Vorinstanz in der Folge ein
monatliches Nettoeinkommen von Fr. 8'060.–, welches dem Gewinn der
Beklagten im Jahre 2007 entspreche, als angemessen (act. 460 S. 96). Auf diese
Alternativbegründung der Vorinstanz geht die Beklagte in ihrer Anschlussberufung
nicht ein. Das angefochtene Urteil ist im Berufungsverfahren anhand der
vorgebrachten Rügen zu überprüfen (vgl. vorstehend E. II. 3.1). Mit dem Verweis
- 94 -
auf das Urteil der Kammer vom 9. April 2020 kommt die Beklagte ihrer Rügepflicht
nicht nach. So erklärt sie mit keinem Wort, inwiefern die von der Vorinstanz im
Rahmen der Alternativbegründung gemachten Überlegungen und die
verwendeten Parameter zur Ermittlung des hypothetischen Einkommens als
Angestellte, nicht zutreffend sein sollen. Die Beklagte bestreitet insbesondere
nicht, dass ihr eine Tätigkeit in der Branche 70 "Verwaltung und Führung von
Unternehmen und Betrieben, Unternehmensberatung" möglich ist. Auch die
übrigen Eckdaten, welche die Vorinstanz der Ermittlung des Einkommens
zugrunde legte, werden von der Beklagten nicht bestritten. Mangels einer
hinreichenden Beanstandung der erstinstanzlichen Entscheidgründe ist auf die
Anschlussberufung der Beklagten in diesem Punkt nicht einzutreten.
4.2.1.10. Rechtsfrage ist mit Bezug auf das hypothetische Einkommen nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts, welche Tätigkeit aufzunehmen als
zumutbar erscheint. Tatfrage bildet hingegen, ob die als zumutbar erkannte
Tätigkeit möglich und das angenommene Einkommen effektiv erzielbar ist (BGE
137 III 118 E. 2.3). Wie erwähnt wurden die von der Vorinstanz verwendeten
Parameter von der Beklagten nicht konkret bestritten. Allerdings sind die von der
Vorinstanz angerechneten 15 Dienstjahre offensichtlich falsch, werden doch unter
diesem Titel lediglich die Dienstjahre im selben Unternehmen berücksichtigt. Da
die Höhe des Einkommens der Beklagten (auch) für den Betreuungsunterhalt
relevant ist, ist dieser Fehler in Anwendung der Untersuchungsmaxime zu
korrigieren. Bei einer Tätigkeit in der Region Zürich, in der Branche 70
"Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben;
Unternehmensberatung", Berufsgruppe 24 "Betriebswirtschafterin und
vergleichbare akademische Berufe", Stellung im Betrieb "Stufe 5 ohne
Kaderfunktion", Wochenstunden "42 ", Ausbildung "Universitäre Hochschule",
Alter "52", Dienstjahre "0", Unternehmensgrösse "weniger als 20 Beschäftigte",
13. Monatslohn, Sonderzahlungen "nein", Monatslohn, resultiert ein monatlicher
Median-Bruttolohn von Fr. 8'545.– für Frauen. Die Vorinstanz brachte
Sozialabgaben von ca. 15 % vom Bruttolohn in Abzug (act. 460 S. 96, Fn 1), was
im Berufungsverfahren nicht bemängelt wird. Nach Abzug von Sozialabgaben von
15 % resultiert ein monatlicher Nettolohn von gerundet Fr. 7'260.– bei einem
- 95 -
100 %-Pensum. Bei einem 60%-Pensum beläuft sich das Nettoeinkommen auf
Fr. 4'356.– und bei einem 80 %-Pensum auf Fr. 5'808.–.
4.2.1.11. Die Beklagte verlangt in der Anschlussberufung, ihr sei für den
Wiedereinstieg ins Berufsleben eine Frist von sechs Monaten ab Zustellung des
Berufungsentscheids anzusetzen. Das Urteil der Kammer vom 9. April 2020, mit
dem ihr eine sechsmonatige Übergangsfrist angesetzt worden sei, sei ihr am 22.
April 2020 und damit mitten im Lockdown zugestellt worden. In der Branche, in
der ihr nach den Erwägungen im genannten Entscheid eine Tätigkeit möglich und
auch zumutbar wäre, seien im jetzigen Zeitpunkt praktisch keine Stellen
ausgeschrieben. Weiter gebe es in der Kommunikationsbranche praktisch keine
Teilzeitstellen, worauf sie aber aufgrund der Betreuung von C._ angewiesen
sei. Zudem bestehe in der Kommunikationsbranche aufgrund der Corona-Krise
eine hohe Arbeitslosigkeit, und es würden sich viele andere Personen ebenfalls
auf die ausgeschriebenen Stellen bewerben (act. 476 Rz. 66 f.). Der Kläger
besteht darauf, dass der Beklagten gemäss dem Entscheid der Vorinstanz ab
Rechtskraft des Teilurteils ein Einkommen in der Höhe von Fr. 4'830.–
angerechnet wird (act. 488 S. 29).
4.2.1.12. Zweifellos hat sich die Wirtschaftslage in der Schweiz seit dem
Ausbruch der Corona-Pandemie in verschiedenen Wirtschaftszweigen
verschlechtert. Es trifft sicher zu, dass infolgedessen die Situation auf dem
Arbeitsmarkt, mutmasslich auch in der Kommunikationsbranche, angespannt ist.
Allerdings kann die Beklagte aus der von ihr geschilderten, allgemeinen
Wirtschaftslage nichts zu ihren Gunsten ableiten, zumal sie nicht einmal im
Ansatz behauptet, geschweige denn Belege dafür einreicht, dass sie sich um eine
Stelle bemüht hat. Sie hat keine einzige Bewerbung oder Absage eingereicht.
Eine Verlängerung der Übergangsfrist für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ist
deshalb nicht angezeigt.
4.2.1.13. Der Kläger macht mit der Anschlussberufungsantwort neu geltend, das
Verhalten der Beklagten (er qualifiziert es als "arbeitsscheu") verstosse gegen
Treu und Glauben und müsse in Nachachtung von Art. 125 Abs. 3 Ziff. 2 ZGB zu
einer erheblichen Kürzung ihres Unterhaltsanspruches führen, soweit sie damit
- 96 -
ihren Unterhaltsanspruch nicht sogar grundsätzlich in Frage stelle. Mit
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens sei Art. 125 Abs. 3 Ziff. 2
ZGB keineswegs Genüge getan (act. 488 S. 27). Der Kläger führt keine Gründe
dafür an, weshalb er mit diesem Vorbringen erst im Berufungsverfahren aufwartet.
Mit Blick auf Art. 317 Abs. 1 ZPO ist demnach von unzulässigen Noven
auszugehen. Darüber hinaus übersieht der Kläger, dass für die Erzielung eines
hypothetischen Einkommens nach der Praxis des Bundesgerichts in aller Regel
eine Übergangsfrist eingeräumt werden muss (BGE 129 III 417 E. 2.2, vgl. auch
BGer, 5A_907/2018 vom 3. November 2020 E. 3.5.3). In der Regel beträgt die
Übergangsfrist drei bis sechs Monate und sie beginnt frühestens mit der
erstmaligen richterlichen Eröffnung der Umstellungsfrist zu laufen (OGer ZH
LE150008 vom 26. Oktober 2015 E. III.4.2; OGer ZH LE180018 vom 16. Oktober
2018 E. III.2.2). Der Beklagten wurde zwar mit Urteil der Vorinstanz betreffend
vorsorgliche Massnahmen vom 12. August 2019 ab dem 1. November 2018 ein
hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet (act. 426 S. 19). Dieses Urteil
wurde vom Kläger mit Berufung an die Kammer weitergezogen und mit Urteil vom
9. April 2020 aufgehoben. Dabei ging die Kammer davon aus, dass der Beklagten
mit einer Übergangsfrist von sechs Monaten ab Eröffnung des Berufungsurteils
ein hypothetisches Einkommen von Fr. 3'587.– netto anzurechnen wäre. Die nach
Abzug der damit einhergehenden Kosten (auswärtige Verpflegung, Mobilität und
Kinderbetreuung) in der Zeit bis zum Eintritt von C._ in die I. Sekundarstufe
resultierende Leistungsfähigkeit der Beklagten wurde mit Blick auf die
ausserordentlichen finanziellen Verhältnisse der Parteien als derart gering
gewertet, dass eine erhebliche Veränderung verneint wurde. Damit behielt die
Unterhaltsregelung gemäss Urteil vom 18. August 2015 weiterhin ihre Gültigkeit
(Verfahrens-Nr. LY190039 act. 45). Für eine Verneinung oder Kürzung des
Unterhaltsanspruchs gestützt auf Art. 125 Abs. 3 ZGB besteht bei dieser Sach-
und Rechtslage kein Anlass.
4.2.2. Vermögensertrag
4.2.2.1. Der Kläger vertritt sodann die Auffassung, der Beklagten sei zusätzlich
zum hypothetischen Erwerbseinkommen ein hypothetischer Vermögensertrag
- 97 -
anzurechnen. So gehe die Vorinstanz von einem Vermögen der Beklagten von
Fr. 3.0 Mio. aus. Auf der Basis des derzeit geltenden Referenzzinssatzes von
1.25 % resultiere daraus ein hypothetischer Vermögensertrag von Fr. 3'125.– pro
Monat (act. 458 S. 32). Bei diesem Vorbringen handle es sich um ein zulässiges
Novum im Sinne von Art. 317 Abs. 1 lit. b ZPO, da die Vorinstanz das Vermögen
der Beklagten erstmals in ihrem Teilurteil vom 19. März 2020 auf Fr. 3.0 Mio.
beziffert habe. Ausserdem betreffe die Einkommenskapazität der Beklagten
zumindest zum Teil auch die Kinderbelange, für welche ohnehin die
uneingeschränkte Offizial- und Untersuchungsmaxime gelte (act. 458 S. 33). Die
Beklagte lässt diesbezüglich ausführen, ihr Vermögen sei bereits in der
Klageantwort auf rund Fr. 3.0 Mio. beziffert worden. Der Kläger könne sich
deshalb nicht darauf berufen, dass die Vorinstanz ihr Vermögen erstmals im
Teilurteil vom 19. März 2020 auf Fr. 3.0 Mio. – ohne diesen Betrag in der
Begründung zu erläutern – beziffert habe (act. 473 Rz. 67).
4.2.3. Die Vorinstanz nannte die Steuererklärung aus dem Jahr 2012 als
Grundlage für das Vermögen der Beklagten in der Höhe von 3.0 Mio. (act. 480 S.
141, Dispositiv-Ziff. 13). Wenn der Kläger im Berufungsverfahren behauptet, die
Zulässigkeit des Novums ergebe sich daraus, dass die Vorinstanz das Vermögen
der Beklagten erstmals im Teilurteil vom 19. März 2020 beziffert habe, übersieht
er, dass es nicht auf die diesbezügliche Feststellung der Vorinstanz ankommt,
sondern darauf, ob bzw. ab wann ihm diese Vermögenszahl bekannt war. Die
Beklagte weist zutreffend darauf hin, dass sie in der Klageantwort vom 9. Februar
2015 ihre Vermögenswerte per 5. Oktober 2012 auf Fr. 3'031'097.81 bezifferte
(act. 31 S. 210). Der Kläger hatte Kenntnis von der Klageantwort und es ist kein
Grund ersichtlich, weshalb ihm die von der Beklagten dort angegebenen
Vermögenszahlen nicht bekannt gewesen sein sollen. Der Hinweis des Klägers,
das Einkommen der Beklagten beschlage zumindest zum Teil auch die
Kinderbelange, trifft zwar zu. Er vermag daraus allerdings nichts zu seinen
Gunsten abzuleiten. Der Kläger hat im bisherigen Verfahren, das bezüglich der
nachehelichen Unterhaltsansprüche der Verhandlungsmaxime untersteht, nicht
nur keinerlei Vermögenserträge der Beklagten behauptet, sondern er hat seinen
Antrag, die güterrechtliche Auseinandersetzung sei in einem separaten Verfahren
- 98 -
vorzunehmen, damit begründet, dass die Unterhaltsbeiträge nach der einstufigen
Methode berechnet würden und der Vermögensertrag in diesem Zusammenhang
keine Rolle spiele. Dabei hielt er explizit fest, er habe nie geltend gemacht, der
Beklagten müsse im Zusammenhang mit der Deckung ihres Lebensbedarfs (und
desjenigen der Tochter C._) irgendein Vermögensertrag angerechnet
werden (act. 323 S. 4). Mit diesen Ausführungen hat der Kläger auf die
Anrechnung eines Vermögensertrages seitens der Beklagten verzichtet, weshalb
sein anderslautender Standpunkt im Berufungsverfahren – nota bene unter
Berufung auf die Untersuchungsmaxime – dem Grundsatz von Treu und Glauben
widerspricht. Gleiches gilt für seine Auffassung, falls der Beklagten güterrechtliche
Ansprüche zugesprochen würden, würden die daraus resultierenden zusätzlichen
Vermögenserträge bezüglich der von ihm geschuldeten Unterhaltsbeiträge einen
Abänderungsgrund darstellen (act. 458 S. 33).
4.2.4. Aufgrund des Gesagten handelt es sich bei der Anrechnung eines
hypothetischen Vermögensertrags um ein unzulässiges Novum des Klägers.
4.3. Einkommen C._
Die Kinderzulage in Höhe von Fr. 200.– ist als Einkommen von C._
anzurechnen. Mit Vollendung des 12. Altersjahres, ab November 2023, beträgt
die Kinderzulage Fr. 250.–.
5. Unterhaltsberechnung
5.1. Betreuungsunterhalt
5.1.1. Die Beklagte geht davon aus, dass zur Deckung der Differenz zwischen
den Lebenshaltungskosten im Betrag von Fr. 4'586.– und ihrem Einkommen ein
Betreuungsunterhalt geschuldet sei (act. 476 Rz. 97). Der Kläger hält dafür, die
anerkannten Lebenshaltungskosten der Beklagten im Betrag von Fr. 4'586.–
könnten mit einem hypothetischen Erwerbseinkommen von Fr. 4'835.– schon in
der ersten Phase gedeckt werden (act. 488 S. 50).
- 99 -
5.1.2. Die Vorinstanz bezifferte die Lebenshaltungskosten der Beklagten auf
Fr. 4'586.– (act. 460 S. 122). Dieser Betrag wird im Berufungsverfahren nicht in
Frage gestellt. Ausgehend von einem Nettoeinkommen von Fr. 4'356.– (vgl.
vorstehende E. IV. 4.2.1.9) ist bis 31. August 2024 bzw. dem Eintritt C._s in
die I. Sekundarstufe ein Betreuungsunterhalt von Fr. 230.– geschuldet. Der
Kläger ist entsprechend zu verpflichten, der Beklagten bis 31. August 2024 einen
Betreuungsunterhalt im Betrag von Fr. 230.– zu bezahlen.
5.2. Vorsorgeunterhalt
5.2.1. Der Kläger bringt in der Berufung vor, er könne nach Eintritt ins Rentenalter
nicht mehr zu Leistungen an die Vorsorge seiner geschiedenen Ehegattin
verpflichtet werden. Die Beklagte besitze mit ihren 52 Lebensjahren als ehemals
erfolgreiche Unternehmerin und Akademikerin optimale Optionen für das aktive
Erwerbsleben. Das hypothetische Gesamteinkommen der Beklagten belaufe sich
auf Fr. 7'960.– (Phase 1) bzw. Fr. 9'570.– (Phase 2) bzw. Fr. 11'175.– (Phase 3).
Sie bezahle bis 31. Oktober 2029 keine Wohnkosten, indem er ihr mit
monatlichen Kosten von rund Fr. 25'000.– gratis die schöne Villa an der D._-
strasse ... zur Verfügung stelle. Zusätzlich seien die von ihm geschuldeten
Barunterhaltsbeiträge zu berücksichtigen. In Anbetracht all dieser Einkünfte sei es
der Beklagten zuzumuten, für ihre Altersvorsorge selbst aufzukommen, zumal sie
nach der Vorinstanz über ein Vermögen von Fr. 3 Mio. verfüge und es jeder
Plausibilität widerspreche, dass sie die von ihm bisher bezahlten
Barunterhaltsbeiträge im Betrag von Fr. 2.116 Mio. für den Lebensunterhalt
verbraucht habe. Die von der Vorinstanz angestellten Berechnungen seien schon
deshalb falsch, weil sie von einer lebensprägenden Ehe ausgegangen sei und der
gebührende Unterhalt der Beklagten sich lediglich auf Fr. 10'000.– belaufe. Aus
all diesen Gründen schulde er der Beklagten keinen Vorsorgeunterhalt (act. 458
S. 52 ff.).
5.2.2. Die Beklagte führt unter Verweis auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung aus, sie habe für den Zeitraum, in welchem sie infolge der
Kinderbetreuung keiner bzw. bloss einer Teilzeit-Tätigkeit nachgehen werde,
einen Vorsorgeunterhalt beantragt. Auch der Kläger anerkenne ihre
- 100 -
Teilzeiterwerbstätigkeit. Aus seinem Alter könne er nichts ableiten. Im Zeitpunkt,
ab welchem ihr ein 100 %-Pensum angerechnet werde, würden ihr nur noch
wenige Jahre für die Äufnung ihrer Vorsorge verbleiben. Dies würde ihrem
gebührenden Bedarf im Sinne von Art. 125 Abs. 1 ZGB, welcher eine
angemessene Altersvorsorge miteinschliesse, nicht entsprechen. Es werde
bestritten, dass sie – auch basierend auf den korrekten Zahlen – mit ihrem
Einkommen und der Unterhaltszahlung eine angemessene Vorsorge äufnen
könnte. Zudem habe sich ihr Vermögen per Ende 2018 noch auf Fr. 626'000.–
belaufen, wobei es sich aufgrund von hohen Rechtskosten laufend weiter
reduziert habe. Im Übrigen würden die Behauptungen des Klägers bestritten (act.
473 Rz. 123 ff.).
5.2.3. Die Vorinstanz verwies betreffend die Grundsätze zur Festsetzung des
Vorsorgeunterhalts auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach der
Bemessung der Altersvorsorge die für die Ehegatten massgebende
Lebenshaltung zugrunde zu legen und auf dieser Basis ein fiktiver Bruttolohn zu
errechnen sei. Sie ging vom gebührenden Bedarf der Beklagten von Fr. 18'280.–
und dem ihr angerechneten hypothetischen Nettoeinkommen von Fr. 4'835.–
(Phase 1), Fr. 6'445.– (Phase 2) und Fr. 8'060.– (Phase 3) aus. Unter
Anrechnung von Sozialabzügen von rund 13 % errechnete die Vorinstanz ein
fiktives Bruttoeinkommen von Fr. 21'011.– pro Monat bzw. Fr. 252'132.– pro Jahr.
Unter Berücksichtigung des Koordinationsabzuges von Fr. 24'885.– gelangte die
Vorinstanz auf ein fiktives Bruttoeinkommen von Fr. 227'247.– pro Jahr. Nach
Abzug des hypothetischen Bruttoeinkommens resultierte ein Einkommensdefizit
von Fr. 185'448.– (Phase 1) bzw. von Fr. 163'236.– (Phase 2). Dies führe in der
Alterskategorie der Beklagten zu einem Verlust an beruflicher Vorsorge von 15 %
bzw. Fr. 27'817.– (Phase 1) und Fr. 24'485.– (Phase 2) pro Jahr. Aufgrund dieser
Überlegungen errechnete die Vorinstanz ein monatliches 2. Säule-Defizit von Fr.
2'318.– (Phase 1) und Fr. 2'040.– (Phase 2) und ein monatliches AHV-Defizit von
Fr. 815.– (Phase 1) und Fr. 718.– (Phase 2). Auf der Basis dieser Berechnungen
setzte die Vorinstanz den Vorsorgeunterhalt auf Fr. 3'133.– (Phase 1) und
Fr. 2'758.– (Phase 2) fest. Aufgrund der Befristung des nachehelichen Unterhalts
- 101 -
bis 31. Oktober 2027 (Ende der Phase 2) erübrigten sich weitere Berechnungen
(act. 460 S. 125 f.).
5.2.4. Wie festgehalten, handelt es sich vorliegend um eine lebensprägende Ehe
(vgl. IV. 2.2). Die Argumentation des Klägers geht deshalb fehl. Er setzt sich denn
auch mit den vom Bundesgericht entwickelten Grundsätzen und mit den
Berechnungen der Vorinstanz nicht auseinander. Im Sinne des klägerischen
Antrags sind der Berechnung des Vorsorgeunterhalts jedoch die im
Berufungsverfahren eruierten Zahlen zugrunde zu legen (vgl. nachstehend E.
5.2.7).
5.2.5. Die Beklagte beantragt mit der Anschlussberufung aufgrund der zu
berücksichtigenden Bedarfszahlen einen Vorsorgeunterhalt von Fr. 3'662.– in der
Phase 1 und einen solchen von Fr. 3'160.– in der Phase 2 (act. 476 nach Rz. 98).
Nach ihrer Ansicht sei ihr Vorbringen zulässig, auch wenn der Vorsorgeunterhalt
der beschränkten Untersuchungsmaxime unterliege und Noven nur noch nach
Art. 317 ZPO zulässig seien, da sie mit der Klageantwort den Vorsorgeunterhalt
auf mindestens Fr. 2'500.– ab Rechtskraft und auf mindestens Fr. 1'500.– ab
1. November 2021 bis Ende Oktober 2027 beziffert habe. Diese
Mindestbezifferung sei unter dem Hinweis auf Art. 85 Abs. 2 ZPO erfolgt und die
Bezifferung nach Abschluss des Beweisverfahrens in Aussicht gestellt worden.
Da es die Vor-instanz unterlassen habe, den Parteien nach dem Beweisverfahren
das rechtliche Gehör zu gewähren, sei es in Heilung des rechtlichen Gehörs
zulässig, die in der Klageantwort gestellten Mindestbegehren genau zu beziffern
(act. 473 nach Rz. 98). Der Kläger stellt sich auf den Standpunkt, die Vorbringen
der Beklagten seien neu und deshalb im aktuellen Prozessstadium nicht mehr
zulässig. Im Übrigen seien ihre Berechnungen nicht nachvollziehbar und würden
bestritten (act. 488 S. 51).
5.2.6. Wie gesehen, verletzte die Vorinstanz das rechtliche Gehör der Parteien,
indem sie ihnen keine Gelegenheit bot, zum Beweisergebnis Stellung zu nehmen.
Damit sind Behauptungen und Berechnungen zum Vorsorgeunterhalt zwecks
Heilung des rechtlichen Gehörs im vorliegenden Berufungsverfahren zulässig,
soweit sie sich auf die Ergebnisse der persönlichen Befragungen abstützen. Dies
- 102 -
ist jedoch nicht der Fall. Die Beklagte legt ihren Berechnungen in der
Anschlussberufung ein fiktives Nettoeinkommen von Fr. 19'301.– bzw. ein fiktives
Bruttoeinkommen von Fr. 22'185.– zugrunde (act. 476 Rz. 100). Mit der
Klageantwort beantragte die Beklagte einen nachehelichen Vorsorgeunterhalt von
Fr. 2'500.– bis 31. Oktober 2021 und von Fr. 1'500.– ab 1. November 2021. Ihre
Berechnungen basierten auf einem fiktiven Bruttoeinkommen von Fr. 25'000.–
(berechnet Fr. 20'000.– / 80 x 100) (act. 31 Rz. 408). Daraus erhellt, dass die
Beklagte – entgegen ihrer Darstellung – nicht die Ergebnisse des
Beweisverfahrens in ihre Berechnung einfliessen lässt, sondern sie korrigiert –
basierend auf den Berechnungen im angefochtenen Urteil – die in der
Klageantwort angewendete Berechnungsmethode für den Vorsorgeunterhalt und
legt eine neue Berechnung vor. Dies ist nicht zulässig (Art. 317 Abs. 1 ZPO). Der
Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass die Beklagte in der Klageantwort den
Vorbehalt nach Art. 85 Abs. 2 ZPO damit begründete, dass sie erst in der Lage
sein werde, ihre Ansprüche aus Vorsorge definitiv zu beziffern, wenn das
Ergebnis der güterrechtlichen Auseinandersetzung vorliege (act. 31 Rz. 412). Da
die Vorinstanz über die güterrechtliche Auseinandersetzung in einem getrennten
Verfahren entscheidet und dieser Entscheid noch aussteht, liegt das Ergebnis der
güterrechtlichen Auseinandersetzung noch nicht vor. Aus all diesen Gründen ist
auf die neuen Berechnungen der Beklagten zum Vorsorgeunterhalt nicht weiter
einzugehen.
5.2.7. Nachfolgend ist der Vorsorgeunterhalt aufgrund des ermittelten
gebührenden Unterhalts der Beklagten und ihres anrechenbaren Einkommens
wie folgt zu berechnen, wobei bereits an dieser Stelle darauf hinzuweisen ist,
dass aufgrund der Befristung des nachehelichen Unterhalts bis. 31. Oktober 2027
für die Zeit danach kein Vorsorgeunterhalt geschuldet ist (vgl. nachstehend E IV.
5.3):
fiktives Nettoeinkommen (87%) 14'200 zuzügl. Sozialabzüge (rund 13%) 2'122 fiktives Bruttoeinkommen (100%) 16'322
Phase 1 ab Rechtskraft bis August 2024 bzw.
Phase 2 ab 1. September 2024 bzw. ab Eintritt
- 103 -
Eintritt C._ in die I. Sekundarstufe
von C._ in die I. Sekundarstufe bis 31. Oktober 2027
effekt./zumutbares Nettoeinkommen (87%) 4'356 5'808 zuzügl. Sozialabzüge (rund 13%) 651 868 effekt./zumutbares Bruttoeinkommen (100%) 5'007 6'676
Defizit 2. Säule fiktives Bruttoeinkommen p.a. 195'864 195'864
minus Koordinationsabzug (Stand 2021) 25'095 25'095 Total pro Jahr (T1) 170'769 170'759
effektiv./zumutbares Bruttoeinkommen p.a. 60'084 80'112 minus Koordinationsabzug (Stand 2021) 25'095 25'095 Total pro Jahr (T2) 34'989 55'017
Einkommensdefizit (T1 - T2) p.a. 135'780 115'742 Verlust berufl. Vorsorge p.a.:
45 - 54-jährig 15% 20'367 17'361
pro Monat: Fr. 1'697 Fr. 1'447
Daraus resultiert ein AHV-Defizit von Fr. 600.– (5.3 % von Fr. 135'780.– =
Fr. 7'196.– / 12) in der Phase 1 und von Fr. 511.– (5.3 % von Fr. 115'742.– =
Fr. 6'134.– / 12) in der zweiten Phase. Somit ist der Beklagten ab Rechtskraft des
Teilurteils bis 31. August 2024 bzw. bis zum Eintritt von C._ in die
I. Sekundarstufe ein Vorsorgeunterhalt von Fr. 2'297.– und ab 1. September 2024
bzw. ab Eintritt von C._ in die I. Sekundarstufe bis 31. Oktober 2027 ein
solcher von Fr. 1'958.– zuzusprechen.
5.3. Dauer der Unterhaltspflicht
5.3.1. Für die Beurteilung der Dauer der Unterhaltspflicht zog die Vorinstanz die
Dauer der gelebten Ehe von rund dreieinhalb Jahren, den rund acht Jahre
zurückliegenden Trennungszeitpunkt sowie allfällige ehebedingte Nachteile in
Betracht. Mit Bezug auf die ehebedingten Nachteile hielt sie fest, wie sich die
Selbständigkeit der Beklagten ohne die Mandate des Klägers entwickelt hätte, sei
nicht aufgezeigt worden und lasse sich nicht eruieren. Entsprechend sei kein
ehebedingter Nachteil nachgewiesen. Insgesamt erscheine es angemessen, dass
der Anspruch der Beklagten auf Partizipation am gebührenden Unterhalt mit
- 104 -
Vollendung des 16. Lebensjahres von C._ und mit der Aufnahme eines
100%-igen Arbeitspensums ende (act. 460 S. 128).
5.3.2. Die Beklagte bestreitet in der Anschlussberufung, dass kein ehebedingter
Nachteil ausgewiesen sei. Unbestritten sei, dass sämtliche Aufträge der H._
AG vom Kläger erteilt worden seien, diese mit Mandaten völlig ausgelastet
gewesen sei und er diese kurz nach der Trennung abrupt beendet habe. Der
Feststellung der Vorinstanz, sie (die Beklagte) habe nicht aufgezeigt, wie sich ihre
Selbständigkeit ohne Mandate des Klägers entwickelt hätte, und dies liesse sich
auch nicht eruieren, sei nicht zuzustimmen. Der Kläger selbst habe in der Klage
ausgeführt, dass sie vor der Ehe ein Einkommen von Fr. 16'000.– bis Fr. 20'000.–
pro Monat generiert und einen Lebensstandard von Fr. 10'000.– bestritten habe.
Bereits in der Klageantwort habe sie den Kläger auf diese Ausführungen behaftet.
Es sei daher von einem monatlichen Einkommen ihrerseits von Fr. 18'000.–
auszugehen. Unabhängig davon, von welchem hypothetischen Einkommen im
Scheidungsurteil ausgegangen werde, sei klar ersichtlich, dass sie nicht auf den
vom Kläger zugestandenen, vorehelichen Lebensstandard von Fr. 10'000.–
komme. Der ehebedingte Nachteil sei daher klar ausgewiesen. Die
Unterhaltszahlungen seien deshalb um zwei Jahre zu verlängern und damit mit
der Vollendung des 18. Lebensjahres von C._ und vor allem auch mit dem
Ablauf des Wohnrechtes in der Liegenschaft des Klägers abzustimmen. Ihr sei
daher der nacheheliche Unterhalt bis am 31. Oktober 2029 zuzusprechen (act.
476 Rz. 118 ff.).
5.3.3. Der Kläger entgegnet darauf, die Beklagte versuche, die Unterlassung
irgendwelcher Behauptungen zum Thema "ehebedingter Nachteil" im
Berufungsverfahren mit neuen Ausführungen zu korrigieren; überdies seien sie
auch inhaltlich nicht stichhaltig. Er sei lediglich im Zusammenhang mit der
Behauptung der Beklagten, sie habe vorehelich, d.h. 2008 und Anfang 2009, mit
ihrem Verdienst Lebenshaltungskosten von Fr. 10'000.– decken können, davon
ausgegangen, dass dafür wohl ein Bruttoertrag der H._ AG von rund
Fr. 16'000.– bis Fr. 20'000.– notwendig gewesen wäre. Entscheidend sei aber,
dass H._ AG bereits im Zeitraum von 2008/Anfang 2009 von den Aufträgen
- 105 -
seiner Unternehmen profitiert habe. Wäre die Ehe nicht geschlossen worden bzw.
hätten sich die Parteien bereits vorehelich getrennt, so wären diese Mandate
bereits vorehelich gekündigt worden. Ein ehebedingter Nachteil liege deshalb
nicht vor; die H._ AG wäre einfach schon vorehelich auf den Stand vor der
Auftragserteilung seiner Unternehmen zurückgefallen. Wie sich die
Unternehmung der Beklagten ohne seine Aufträge entwickelt hätte, lasse sich
nach den zutreffenden Feststellungen der Vorinstanz nicht eruieren und die
Beklagte liefere hierzu auch in der Berufung keinerlei (verspätete) Behauptungen
(act. 488 S. 47 ff.). Die Beklagte erachtet ihrerseits die Behauptungen des Klägers
für verspätet. Da der Kläger im Nachgang der Trennung sämtliche Mandate
gekündigt habe, sei ein ehebedingter Nachteil entstanden (act. 500 Rz. 49 ff.).
5.3.4. Nach der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichts ist der
nacheheliche Unterhalt in jedem Fall zeitlich auf ein "angemessenes Mass" zu
beschränken. Das Bundesgericht zieht auch im Zusammenhang mit der zeitlichen
Limitierung des Unterhalts die in Art. 125 Abs. 2 ZGB aufgelisteten Kriterien
heran, die es im Einzelfall sorgfältig abzuwägen gilt. Ins Gewicht fallen dabei
insbesondere eine allfällige Erwerbshinderung durch Kinderbetreuung sowie die
Ehedauer, ferner aber auch das Vermögen und anderweitige finanzielle
Absicherungen. Bei langjährigen Hausgattenehen, zumal wenn sich der eine
Ehegatte vollständig der Kinderbetreuung gewidmet hat, kann die nacheheliche
Solidarität auch in Zukunft zu längeren Unterhaltsrenten führen, welche bis zum
Erreichen des AHV-Alters des Leistungspflichtigen andauern können. Die
nacheheliche Solidarität beruhe auf einem Fortwirken der ehelichen Gemeinschaft
und ein allfälliger nachehelicher Unterhalt müsse sich folglich an dem ausrichten,
was die konkrete Ehe ausgemacht habe (BGer, 5A_907/2018 vom 3. November
2020 E. 3.4.5). Die Vorinstanz kam wie erwähnt zum Schluss, dass die Beklagte
ab dem Zeitpunkt der Aufnahme eines 100 %-Pensums keinen ehebedingten
Nachteil nachgewiesen habe. Unter ehebedingten Nachteilen werden die
aufgrund der ehelichen Aufgabenteilung entstandenen Nachteile verstanden. Das
Vorliegen ehebedingter Nachteile führt regelmässig zur Annahme einer
Lebensprägung. Vorliegend wurde bei der Beurteilung der Lebensprägung
berücksichtigt, dass die Beklagte im Zeitpunkt der Geburt von C._ 43 Jahre
- 106 -
alt war, seit langem einer erfolgreichen Erwerbstätigkeit nachging und auch nach
der Ehe und über die Geburt der Tochter hinaus mit einem unklaren
Arbeitspensum erwerbstätig geblieben war. Da sie sich mit der von ihr geführten
PR-Agentur in eine wirtschaftliche Abhängigkeit zu der vom Kläger beherrschten
G1._-Gruppe begeben hatte und sich im Zeitpunkt der Kündigung aller
Mandate Ende 2012 als alleinerziehende Mutter eines Kleinkindes für den
zeitintensiven Wiederaufbau ihrer Unternehmung hätte kümmern müssen, wurde
die Lebensprägung der Ehe bejaht (vgl. vorstehend E. IV. 2.2).
5.3.5. In der gegebenen Konstellation wäre ein ehebedingter Nachteil nach
Vollendung des 16. Lebensjahres von C._ zu prüfen, wenn die Beklagte
aufzeigen könnte, dass sie mit einem 100 %-Pensum nicht mehr an ihre
vorehelich erzielten Einkünfte wird anknüpfen können. Die Beklagte zeigt im
Berufungsverfahren nicht auf, dass sie im erstinstanzlichen Verfahren
entsprechende Behauptungen aufgestellt und insbesondere dargelegt hat, wie
sich ihre Agentur ohne den Einfluss des Klägers entwickelt hätte. Wenn sie für
den Nachweis eines ehebedingten Nachteils auf die Zahlen der Jahre 2008 und
Anfang 2009 abstellt, übersieht sie, dass der Umsatz ihrer Agentur nach den
unbestrittenen Angaben des Klägers ab dem Jahre 2007 grossmehrheitlich durch
Mandate der G1._-Unternehmungen erwirtschaftet wurde (act. 488 S. 48,
act. 500 Rz. 49 ff., vgl. auch act. 31 Rz. 65). Vor diesem Hintergrund lässt sich
auch aus ihrem Verweis auf die Behauptungen des Klägers, die Agentur müsse
zwischen Fr. 16'000.– und Fr. 20'000.– erwirtschaftet haben, nichts zu ihren
Gunsten ableiten. Es versteht sich von selbst, dass die im Zuge der
Zusammenarbeit mit den G1._-Unternehmungen erfolgte Umsatzsteigerung
der Agentur bei der Ermittlung ihrer vorehelichen Einkünfte nicht berücksichtigt
werden kann. Ob bei der Beklagten mit der Aufnahme eines 100 %-Pensums
noch ein ehebedingter Nachteil besteht, ist anhand der Hypothese zu
beantworten, wie sich ihr Einkommen entwickelt hätte, wenn sie ihre Agentur nicht
auf die Unternehmensgruppe des Klägers ausgerichtet hätte. Die Vorinstanz hat
diesbezüglich zutreffend festgehalten, dass die Beklagte nicht aufgezeigt hat, wie
sich ihre Agentur ohne die Mandate der G1._-Gruppe entwickelt hätte,
entsprechend sei mit Aufnahme eines 100 %-Pensums kein ehebedingter
- 107 -
Nachteil dargetan. Wie erwähnt muss sich der nacheheliche Unterhalt an dem
ausrichten, das die konkrete Ehe ausgemacht hat. Da für die Zeit nach dem
31. Oktober 2027 nicht feststeht, dass die Beklagte noch an einem ehebedingten
Nachteil leiden wird, nimmt die nacheheliche Solidarität des Klägers hier ein
Ende. Der Antrag der Beklagten, die Pflicht des Klägers zur Bezahlung
nachehelichen Unterhalts sei zu verlängern, ist aufgrund des Gesagten
abzuweisen. Folglich endet die Unterhaltspflicht des Klägers am 31. Oktober
2027.
5.4. Konkrete Unterhaltsberechnung
5.4.1. Nachehelicher Unterhalt der Beklagten
Phase 1 ab Rechtskraft bis 31. August 2024 bzw. Eintritt von C._ in die I. Sekundarstufe
Phase 2 ab 1. September 2024 bzw. ab Eintritt von C._ in die I. Sekundarstufe bis 31. Oktober 2027
Bedarf 14'201 14'201 Vorsorgeunterhalt 2'297 1'958 Betreuungsunterhalt - 230 Einkommen - 4'356 - 5'808 Unterhaltsbeitrag (gerundet) Fr. 11'910 Fr. 10'350
5.4.2. Barunterhalt C._
Phase 1 ab Rechtskraft bis 31. August 2024 bzw. Eintritt von C._ in die I. Sekundarstufe
Phase 2 ab 1. September 2024 bzw. ab Eintritt von C._ in die I. Sekundarstufe bis 31. Oktober 2027
Phase 3 ab 1. November 2027 bis zur Volljährigkeit bzw. zum Abschluss einer angemessenen Erstausbildung
Bedarf (gerundet) 5'510 5'620 4'200 Betreuungsunterhalt + 230 Einkommen - 200 - 250 - 250 Unterhaltsbeitrag (gerundet) Fr. 5'540 Fr. 5'370 Fr. 3'950
- 108 -
Betreffend den Beginn der Phase 2 ist zu bemerken, dass die Erhöhung der
Kinderzulagen von Fr. 200.– auf Fr. 250.– mit Vollendung des 12. Lebensjahres
von C._ ab 1. November 2023 und der Eintritt in die I. Sekundarstufe ab
September 2024 zeitlich nicht zusammen fallen. Aufgrund der höheren
Kinderzulagen, die zusätzlich zum Unterhaltsbeitrag zu leisten sind, ergibt sich in
den letzten zehn Monaten der Phase 1 (November 2023 bis August 2024) ein
Plus auf C._s Seite von insgesamt Fr. 500.– (10 x Fr. 50.–). Angesichts der
finanziellen Verhältnisse des Klägers ist dieser Betrag so geringfügig, dass sich
die Festlegung einer zusätzlichen Unterhaltsphase erübrigt.
Der Unterhaltsbeitrag für C._ in der Phase 3 erhöht sich mit dem Auszug aus
der Liegenschaft an der D._-strasse ... in Zürich, spätestens ab dem
1. November 2029, um die Wohnkosten im Betrag von Fr. 2'400.– auf insgesamt
Fr. 6'350.–.
5.5. Grundlagen der Unterhaltsberechnung
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen sind die folgenden Grundlagen der
Unterhaltsberechnung festzuhalten:
Einkommen: netto pro Monat
- Kläger: unbekannt (jedenfalls leistungsfähig) - Beklagte (hypothetisch): Fr. 4'356.– bis 31. August 2024 bzw. bis
zum Eintritt von C._ in die I. Sekundarstufe (60%-Pensum)
Fr. 5'808.– ab 1. September 2024 bzw. ab Eintritt von C._ in die I. Sekundarstufe (80%-Pensum)
Fr. 7'260.– ab 1. November 2027 - C._: Fr. 200.– bis 31. Oktober 2023 Fr. 250.– ab 1. November 2023 Vermögen:
- Kläger: Fr. 60 Mio. - Beklagte: Fr. 626'000.– - C._: unbekannt
- 109 -
6. Ausserordentliche Kinderkosten
6.1. Die Beklagte bringt mit der Anschlussberufung vor, bei C._ handle es
sich um ein bald neunjähriges Kind. Kosten, die vor einigen Jahren angefallen
seien, fielen heute nicht mehr an, dafür andere. Der von der Vorinstanz
bemessene Barbedarf C._s belaufe sich auf Fr. 2'789.60 ohne
Drittbetreuungskosten, mithin auf knapp das Doppelte des Betrages gemäss
Zürcher Kinderkosten-Tabelle. Ab dem 13. Lebensjahr entspreche der von der
Vorinstanz festgelegte Bedarf nicht einmal mehr der Hälfte des in der Zürcher
Kinderkosten-Tabelle enthaltenen Betrages. Vorliegend handle es sich aber
unbestrittenermassen nicht um einen Fall von Durchschnittseinkommen bzw.
durchschnittlicher Bedarfspositionen. Ausserordentliche Kinderkosten, wie
grössere Zahnbehandlungen oder schulische Fördermassnahmen, könnten daher
nicht aus dem ordentlichen Kindesunterhalt bezahlt werden. Sie beantrage
gestützt auf Art. 286 Abs. 3 ZGB, dass die Parteien zu verpflichten seien,
ausserordentliche Kinderkosten im Verhältnis 3⁄4 durch den Kläger und 1⁄4 durch
die Beklagte zu bezahlen, wobei Zahlungen von Dritten, wie z.B.
Versicherungsleistungen, anzurechnen seien. Im Streitfall gelte die Empfehlung
einer Fachperson. Kinderbelange seien von Amtes wegen zu berücksichtigen,
was auch betreffend diesen neuen Antrag um Übernahme der ausserordentlichen
Kosten gelte (act. 476 Rz. 77). Der Kläger setzt sich diesbezüglich auf den
Standpunkt, auch im Rahmen der Untersuchungsmaxime könne es nicht
angehen, dass eine Partei im erstinstanzlichen Verfahren zu einer bestimmten
Kostenposition keine Ausführungen mache und keine Anträge stelle und dies erst
im Berufungsverfahren nachhole. Auf den neu gestellten Antrag sei deshalb nicht
einzutreten, eventualiter sei er abzuweisen. Der Vollständigkeit halber sei zu
bemerken, dass die Beklagte nicht selbständig über allfällig notwendige
Sondermassnahmen entscheiden könne. Wenn sie der Auffassung sei, dass bei
C._ irgendeine Sondermassnahme notwendig sei, habe sie sich damit in
Nachachtung des gemeinsamen elterlichen Sorgerechts an ihn zu wenden und
die Sache mit ihm zu besprechen. Wenn beide Parteien die betreffende
Sondermassnahme gemeinsam beschlössen, werde er selbstverständlich auch
- 110 -
gerne bereit sein, den von der Beklagten gewünschten Anteil von 3⁄4 zu
übernehmen (act. 488 S. 41 f.).
6.2. Ausserordentliche Kinderkosten nach Art. 286 Abs. 3 ZGB fallen zweifellos
in den Anwendungsbereich der Untersuchungsmaxime. Demnach dürfen Noven
auch noch im Rechtsmittelverfahren berücksichtigt werden, wenn es sich um
wesentliche Sachverhalte handelt, denen das Gericht im Rahmen der
Untersuchungsmaxime von Amtes wegen mit eigenen Untersuchungen
nachzugehen hat (vgl. vorstehend E. II. 3.3). Gerade bei der Berechnung des
Kinderunterhalts stösst die einstufig-konkrete Methode an ihre Grenzen, wenn
das Kind bei der Trennung der Eltern noch klein war. Diesfalls sind die neuen
Verhältnisse in Anwendung der Untersuchungsmaxime – im Interesse des Kindes
– zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund ist auf den neuen Antrag der
Beklagten nachfolgend näher einzugehen.
6.3. Unter dem Titel "Veränderung der Verhältnisse" sieht Art. 286 Abs. 3 ZGB
vor, dass das Gericht bei nicht vorhergesehenen ausserordentlichen Bedürfnissen
des Kindes die Eltern zur Leistung eines besonderen Beitrags verpflichten kann.
Art. 286 Abs. 3 ZGB ist systematisch bei der Abänderung des Kinderunterhalts
eingeordnet. Er stellt eine Sonderregel für nicht vorhergesehene,
ausserordentliche Bedürfnisse dar, welche nicht durch die laufenden
Unterhaltsbeiträge, die beide Eltern zu leisten haben, gedeckt werden (BGer,
5C.240/2002 vom 31. März 2003 E. 5.1). Es muss sich bei diesen Bedürfnissen
nicht um strikt einmalige, aber doch lediglich vorübergehende und nach
absehbarer Zeit voraussichtlich wieder entfallende Bedürfnisse handeln, welche
zudem im Zeitpunkt der Festlegung des Unterhaltsbeitrags nicht in Betracht
gezogen wurden und auch nicht in Betracht gezogen werden konnten (BSK ZGB
II-FOUNTOULAKIS/BREITSCHMID, 6. Aufl. 2018, Art. 286 N 15, AESCHLIMANN,
FamKomm. Scheidung, 3. Aufl. 2017, Art. 286 N 20 ff.).
6.4. Der vorliegend zu beurteilende Antrag der Beklagten
(Anschlussberufungsantrag 10 lit. b) bezieht sich nicht auf konkrete Kosten,
welche durch die laufenden Kinderunterhaltsbeiträge des Klägers nicht gedeckt
würden. Sie strebt vielmehr eine generelle Regelung im Hinblick auf künftig
- 111 -
entstehende, ausserordentliche Kinderkosten an. In der Praxis kommt es häufig
vor, dass Eltern eine generelle Regelung im Sinne von Art. 286 Abs. 3 ZGB
vereinbaren hinsichtlich der von ihnen zu tragenden Anteile an
unvorhergesehenen, ausserordentlichen Kinderkosten. Liegt jedoch keine
generelle Einigung der Eltern vor, haben sie sich im Einzelfall gestützt auf Art. 286
Abs. 3 ZGB über die Tragung von ausserordentlichen Kosten zu verständigen und
im Streitfall das Gericht anzurufen. Die Praxis geht davon aus, dass im Streitfall
gestützt auf Art. 286 Abs. 3 ZGB eine Regelung mit Bezug auf konkrete Kosten
angestrebt werden kann, nicht jedoch eine generelle Regelung, wie von der
Beklagten gewünscht. Der Kläger hat sich im Berufungsverfahren bereit erklärt,
ausserordentliche Kinderkosten, denen er vorgängig ausdrücklich zugestimmt hat,
im Umfang von 3⁄4 zu übernehmen (act. 488 S. 42). In diesem Umfang liegen
übereinstimmende Anträge der Parteien vor, weshalb der Kläger nach
vorgängiger Zustimmung zur Übernahme entsprechender Kosten im Umfang von
3⁄4 zu verpflichten ist. Darüber hinaus ist der Anschlussberufungsantrag der
Beklagten abzuweisen, und sie ist im Einzelfall auf die Klagemöglichkeit nach Art.
286 Abs. 3 ZGB zu verweisen.
7. Eintragung des Wohnrechts im Grundbuch
7.1. Mit Bezug auf die Eintragung des Wohnrechts im Grundbuch bringt der
Kläger in der Berufung vor, er habe der Beklagten bis 31. Oktober 2029 freiwillig
ein Wohnrecht in der ehelichen Villa an der D._-strasse ... in ... Zürich
eingeräumt, um seiner Tochter C._ für ihre Jugendzeit ein schönes Ambiente
mit grosszügigem Garten zu gewährleisten. Er lehne jedoch die von der
Beklagten beantragte Eintragung des Wohnrechts im Grundbuch ab. Die
Vorinstanz habe dem Antrag der Beklagten entsprochen und neben dem
Wohnrecht mit Wirkung bis 31. Oktober 2029 auch die Verpflichtung des
Grundeigentümers zur Übernahme des gewöhnlichen und aussergewöhnlichen
Unterhalts sowie sämtlicher weiterer damit zusammenhängender Kosten wie
Hypothekar- und Baurechtszinsen, Amortisationen, Steuern etc., zur Eintragung
im Grundbuch vorgesehen. Eine solche im Grundbuch eingetragene, nicht nur ihn
persönlich, sondern den jeweiligen Grundeigentümer belastende Verpflichtung zur
- 112 -
Übernahme sämtlicher Kosten würde im Falle seines Todes seine Erben als neue
Eigentümer der Villa D._-strasse ... belasten. Dies verstosse gegen den
Grundsatz, dass nacheheliche Unterhaltsansprüche passiv nicht vererblich seien
(Art. 130 Abs. 1 ZGB). Die Beklagte habe gar keine Ausdehnung der
Kostentragungspflicht auf seine Erben beantragt, weshalb eine Verletzung der
Dispositionsmaxime nach Art. 58 Abs. 1 ZPO vorliege. Auch die vom Antrag der
Beklagten abgedeckte Grundbucheintragung des Wohnrechts als solches
verstosse gegen den Grundsatz, dass Unterhaltsansprüche passiv nicht
vererblich seien. Für seine Erben bestehe im Falle seines Todes vor dem 31.
Oktober 2029 unter keinem Titel eine Verpflichtung, weiterhin die
Wohnbedürfnisse der Beklagten abzudecken (act. 458 S. 54 f.).
7.2. Die Beklagte hält den Ausführungen des Klägers entgegen, die Eintragung
des Wohnrechts im Grundbuch solle sie und C._ in erster Linie vor einem
allfälligen vorzeitigen Verkauf der Liegenschaft schützen (mit Verweis auf ihre
Ausführungen in act. 31 S. 59, act. 133 S. 74 und act. 214A S. 21). Der Kläger
habe sich ohne Wenn und Aber bereit erklärt, ihr und der Tochter die
Liegenschaft unentgeltlich zur Bewohnung zur Verfügung zu stellen. Als
Dienstbarkeit sei das Wohnrecht an ein Grundstück und nicht an eine Person
geknüpft. Neben dem unentgeltlichen Wohnrecht hätten die Parteien auch die
Unterhaltskostentragung durch den Kläger vereinbart. Entsprechend habe sie die
Eintragung des Wohnrechts und die Tragung der Unterhaltskosten durch den
Kläger beantragt, weshalb kein Verstoss der Dispositionsmaxime vorliege, sofern
diese Frage überhaupt unter diese Maxime falle, denn das Wohnrecht tangiere
den Aufenthaltsort von C._ und den Wohnkostenanteil in ihrem Bedarf. Der
in Art. 130 ZGB enthaltene Grundsatz, dass Unterhaltsansprüche passiv nicht
vererblich seien, sei nur auf Renten anwendbar. Das Wohnrecht im Sinne von Art.
121 ZGB falle nicht unter Art. 130 ZGB. Selbiges gelte für das ihr und der Tochter
vom Kläger freiwillig eingeräumte unentgeltliche Wohnrecht (act. 473 Rz. 130 ff.).
7.3. Die Vorinstanz wies darauf hin, es sei in der Lehre umstritten, ob eine
Eintragung des Wohnrechts im Sinne von Art. 121 ZGB im Grundbuch zwingend
erforderlich sei. Vorliegend rechtfertige sich eine Eintragung, da das Wohnrecht
- 113 -
noch bis Ende Oktober 2029 dauere und es der Beklagten und der Tochter
C._ möglich sein solle, das Wohnrecht den Rechtsnachfolgern des Klägers
entgegen halten zu können (act. 460 S. 43).
7.4. Gehört die Wohnung der Familie einem Ehegatten, so kann das Gericht dem
anderen "unter den gleichen Voraussetzungen" (Bezug nehmend auf Abs. 1: dazu
sogleich) und gegen angemessene Entschädigung oder unter Anrechnung auf
Unterhaltsbeiträge ein befristetes Wohnrecht einräumen. Wenn wichtige neue
Tatsachen es erfordern, ist das Wohnrecht einzuschränken oder aufzuheben
(Art. 121 Abs. 3 ZGB). Das Einräumen eines Wohnrechts durch das Gericht fällt
in Betracht, wenn ein Ehegatte wegen der Kinder oder aus anderen wichtigen
Gründen auf die Wohnung der Familie angewiesen ist (Art. 121 Abs. 1 ZGB). Die
Dauer des Wohnrechts richtet sich in erster Linie nach dessen Zweck bzw. nach
den für dessen Einräumung massgebenden Interessen. Bei der Festsetzung der
Dauer ist auch zu berücksichtigen, dass sich die Verhältnisse der beiden
Ehegatten weiterentwickeln. Gemäss der gesetzlichen Konzeption erfolgt die
Einräumung des Wohnrechts zwingend gegen eine angemessene Entschädigung.
Die Höhe der geschuldeten Entschädigung bemisst sich nach Marktkriterien und
objektiven Gesichtspunkten, ist aber von Gesetzes wegen auf das Angemessene
beschränkt. In der Lehre ist – wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten –
umstritten, ob die Eintragung im Grundbuch zwingend ist oder nicht. Zweifellos
schützt die Eintragung im Grundbuch die Interessen des Wohnrechtsberechtigten,
indem sie dem Wohnrecht dingliche Wirkung verleiht und den gutgläubigen
Erwerb durch Dritte verhindert (zum Ganzen BÜCHLER, FamKomm Scheidung,
3. Aufl. 2017 Art. 121 N 19 ff., BREITSCHMID, Handkommentar zum Schweizer
Privatrecht, 3. Aufl. 2016, Art. 121 N 8, BSK ZGB I-GLOOR 6. Aufl. 2018, Art. 121
N 12 ff.).
7.5. Die Beklagte beantragte in der Klageantwort, ihr sei ein unentgeltliches
Wohnrecht an der Liegenschaft D._-strasse ... einzuräumen, sie sei für
berechtigt zu erklären, das Wohnrecht im Grundbuch einzutragen (act. 31 S. 5,
Antrag 5), und der Kläger sei zu verpflichten, während der Dauer des Wohnrechts
sämtliche mit der Liegenschaft und deren Unterhalt verbundenen Kosten zu
- 114 -
bezahlen (act. 31 S. 6, Antrag 5.4). Da die Beklagte mit dem zuletzt genannten
Antrag keine Vormerkung der Unterhaltspflicht im Grundbuch verlangte, liegt
diesbezüglich – wie vom Kläger gerügt – eine Verletzung der Dispositionsmaxime
im Sinne von Art. 58 ZPO vor. Die Vormerkung der Unterhaltspflicht im
Grundbuch ist deshalb aufzuheben. Da die Beklagte die Eintragung des
Wohnrechts im Grundbuch jedoch verlangt hat, liegt diesbezüglich keine
Verletzung der Dispositionsmaxime vor.
7.6. Die Einräumung des Wohnrechts durch den Kläger erfolgte freiwillig, ohne
dass das Gericht eine Interessenabwägung im Sinne von Art. 121 Abs. 1 i.V.m.
Abs. 3 ZGB hätte vornehmen müssen. Gegen den Willen des Klägers wäre die
Einräumung eines Wohnrechts und entsprechend auch dessen Eintragung im
Grundbuch lediglich in Frage gekommen, wenn im Rahmen einer nach Art. 121
Abs. 1 ZGB vorzunehmenden Interessenabwägung ein wichtiger Grund vorläge.
Da sich das Einverständnis des Klägers auf die Einräumung eines
(obligatorischen) Wohnrechts ohne Grundbucheintrag beschränkt, müssen nach
der gesetzlichen Konzeption wichtige Gründe im Sinne von Art. 121 Abs. 1 ZGB
vorliegen, damit das freiwillig eingeräumte Wohnrecht im Grundbuch eingetragen
werden kann. Die Vorinstanz hat die Eintragung des Wohnrechts im Grundbuch
wie erwähnt damit begründet, dass das Recht bis Ende Oktober 2029 befristet sei
und der Kläger wiederholt auf sein fortschreitendes Alter hingewiesen habe. Der
Beklagten und der Tochter C._ solle es aber möglich sein, das Wohnrecht
den Rechtsnachfolgern des Klägers entgegen halten zu können. Im Vordergrund
steht gemäss Angaben des Klägers das Interesse von C._, ihre Jugendzeit
in einem schönen Haus mit grosszügigem Garten zu verbringen. Die Beklagte
beruft sich für die Eintragung des Wohnrechts im Grundbuch darauf, dass
C._ und sie vor einem allfälligen vorzeitigen Verkauf der Liegenschaft zu
schützen seien, wobei auch sie anerkennt, dass der Kläger ihr das Wohnrecht
freiwillig und unentgeltlich eingeräumt hat. Bei der Liegenschaft an der D._-
strasse ... handelt es sich um ein Luxusobjekt. Die Beibehaltung eines derart
gehobenen Wohnstandards stellt keinen wichtigen Grund im Sinne von Art. 121
Abs. 1 ZGB dar. Ein wichtiger Grund wäre vielmehr darin zu sehen, dass C._
in der gewohnten Umgebung bleiben kann. Mit Blick auf C._s Interessen
- 115 -
wäre es bedauerlich, wenn sie ihre gewohnte Umgebung vor dem Übertritt in die
I. Sekundarstufe ohne Not verlassen müsste. Indes gilt es zu bedenken, dass sich
C._s Lebensumfeld mit zunehmendem Alter und im Speziellen mit dem
Übertritt in die Oberstufe verändern und erweitern wird. Zudem ist es mit den
angerechneten Wohnkosten von Fr. 7'200.– bzw. mit C._s Wohnkostenanteil
von Fr. 2'400.– (inkl. Nebenkosten und Steuermehrbelastung) durchaus möglich,
dass die Beklagte und C._ eine Mietwohnung am O._ beziehen und
C._ zumindest im näheren Umfeld ihrer gewohnten Umgebung bleiben kann.
Wie erwähnt sieht die gesetzliche Konzeption von Art. 121 Abs. 3 ZGB vor,
dass das Wohnrecht – als Ausgleich für die Einschränkung des Eigentums –
gegen eine angemessene Entschädigung eingeräumt wird. Im Unterschied zur
gesetzlichen Regelung erfolgt die freiwillige Einräumung des (obligatorischen)
Wohnrechts durch den Kläger im vorliegenden Fall im überwiegenden Umfang
unentgeltlich, kostet doch die Liegenschaft nach Angaben des Klägers monatlich
rund Fr. 25'000.– und der zusätzliche Unterhaltsbeitrag für die Wohnkosten bei
einem Auszug würde sich nur auf Fr. 7'200.– belaufen. Der Kläger weist darauf
hin, dass das Wohnrecht bei einer Eintragung im Grundbuch im Falle seines
Todes seine Erben belasten würde. Er erachtet das als unzulässig, weil die
nacheheliche Unterhaltspflicht mit seinem Tod erlösche. Dem ist
entgegenzuhalten, dass die Einräumung eines Wohnrechts nach Art. 121 Abs. 3
ZGB gegen angemessene Entschädigung erfolgt. Folglich haben die Erben des
Grundeigentümers grundsätzlich Anspruch auf eine angemessene
Entschädigung, weshalb das Thema der passiven Vererblichkeit der
Unterhaltspflicht durch die Einräumung eines Wohnrechts nach Art. 121 Abs. 3
ZGB nicht beschlagen wird. Der Kläger hat es jedoch vorliegend unterlassen,
seinen diesbezüglichen Anspruch zu beziffern und einen entsprechenden
Eventualantrag zu stellen. Im Anwendungsbereich der Dispositionsmaxime bleibt
deshalb für die Zusprechung und Festsetzung einer Entschädigung kein Raum.
Mit Blick auf die vorstehend erwähnten Interessen von C._ ist zu
verhindern, dass sie – im Falle des Ablebens des Klägers oder bei einer
Veräusserung der Liegenschaft – vor ihrem Übertritt in die I. Sekundarstufe aus
- 116 -
ihrem Zuhause ausziehen muss. Insgesamt rechtfertigt es sich deshalb, das
unentgeltliche Wohnrecht bis Ende August 2024 im Grundbuch einzutragen.
Entsprechend ist in teilweiser Gutheissung der Berufung die Eintragung des
Wohnrechts im Grundbuch bis 31. August 2024 zu befristen und Dispositiv-Ziff. 16
des angefochtenen Teilurteils entsprechend zu korrigieren. Ab September 2024
ist der Kläger bzw. sind seine Rechtsnachfolger berechtigt, die Löschung des
Wohnrechts im Grundbuch zu verlangen. Ab dem 1. September 2024 bis Ende
Oktober 2029 besteht das Wohnrecht der Beklagten weiter im Sinne eines
obligatorischen Rechts.
8. Unterhaltskosten der ehelichen Liegenschaft
8.1. Die Vorinstanz verpflichtete den Kläger in den Dispositiv-Ziff. 8 lit. a und b,
einerseits die Unterhaltskosten für die Liegenschaft an der D._-strasse ... in
... Zürich direkt zu bezahlen und andererseits den durch die Beklagte
organisierten Unterhalt gemäss Dispositiv-Ziff. 8 lit. a nach Vorlage der
Rechnungen und Rapporte zu bezahlen (act. 460 S. 138 f.).
8.2. Der Kläger beantragt in der Berufung gegen Dispositiv-Ziff. 16 des
angefochtenen Teilurteils (Wohnrecht an der Liegenschaft D._-strasse ...),
diese Dispositivziffer sei dahingehend zu ergänzen, dass es ihm zu gestatten sei,
die Auswahl aller für den Unterhalt beizuziehender Unternehmer/Handwerker
selbst vorzunehmen (act. 458 S. 4, Berufungsantrag 6). Damit richtet sich dieser
Antrag sinngemäss gegen Dispositiv-Ziff. 8 lit. b des angefochtenen Teilurteils,
worin der Kläger verpflichtet wurde, den durch die Beklagte organisierten
Unterhalt nach Vorlage der Rechnungen zu bezahlen (act. 460 S. 139).
8.3. Zur Begründung führt der Kläger aus, es liege auf der Hand, dass er
berechtigt sein müsse, im Rahmen seiner Finanzierungspflicht und seines dafür
äusserst geeigneten professionellen Beziehungsnetzes Unterhalt und Erneuerung
der Liegenschaft organisatorisch und personell selbst auszuführen bzw. die
entsprechenden Aufträge zu erteilen (act. 458 S. 44, act. 488 S. 36). Die Beklagte
bringt diesbezüglich vor, der Kläger hätte sich mit der Begründung des
erstinstanzlichen Entscheides auseinandersetzen und aufzeigen müssen,
- 117 -
inwiefern er diese als fehlerhaft erachte. Pauschale Kritik und Wiederholungen
des bereits Vorgebrachten genügten nicht. Die Vorinstanz habe zutreffend
festgestellt, dass der Kläger nicht bestimmen könne, wem Zutritt zur Liegenschaft
gewährt werde und wem nicht, da ihr das Wohnrecht zustehe (act. 473 Rz. 98).
Wenn der Kläger selbst über Vorkehrungen in dem von ihr bewohnten Haus
bestimmen könne, nutze er das leider zur Schikane und bestimme selber, wie
lange sie und die Tochter mit kaputten Geräten etc. zu leben hätten (act. 500 Rz.
46).
8.4. Die Argumentation des Klägers richtet sich nicht gegen die tatsächlichen
Erwägungen der Vorinstanz, so dass sich konkrete Verweise auf seine im
erstinstanzlichen Verfahren vorgebrachten Behauptungen erübrigen. Vielmehr
richtet sich die Kritik des Klägers, er müsse im Rahmen seiner
Finanzierungspflicht berechtigt sein, Unterhalt und Erneuerung der Liegenschaft
selbst auszuführen und die entsprechenden Aufträge zu erteilen, gegen die von
der Vorinstanz vertretene Rechtsauffassung, er (der Kläger) könne nicht
bestimmen, wem Zutritt zur Liegenschaft zu gewähren sei. Angesichts der sich
auf diesen Satz beschränkenden Begründung der Vorinstanz (act. 460 S. 101)
genügt der klägerische Einwand im Berufungsverfahren den
Begründungsanforderungen. Da eine genügend konkrete Rüge vorliegt, hat die
Kammer auf den Punkt einzutreten; im Rahmen der Vorbringen ist das
massgebende Recht von Amtes wegen anzuwenden (Art. 57 ZPO).
8.5. Aufgrund der diesbezüglich übereinstimmenden Parteianträge (act. 1 S. 3,
act. 31 S. 6, Antrag 5.4) verpflichtete die Vorinstanz den Kläger zur Übernahme
sämtlicher Unterhaltskosten für die Liegenschaft D._-strasse .... Materiell-
rechtlich ging damit eine entsprechende Vereinbarung einher. In dieser
Vereinbarung betreffend Übernahme der Unterhaltskosten haben die Parteien
über die Frage, wer die Handwerker und Unternehmer für Unterhaltsarbeiten
auswählen darf, keine – jedenfalls keine ausdrückliche – Einigung erzielt. Darüber
ist folglich im Sinne einer Vertragsergänzung zu entscheiden.
8.6. Zur Vertragsergänzung kann das dispositive Gesetzesrecht herangezogen
werden. Nach der dispositiven Regelung von Art. 778 Abs. 1 ZGB trägt der
- 118 -
Berechtigte, dem ein ausschliessliches Wohnrecht zusteht, die Lasten des
gewöhnlichen Unterhaltes. Daraus folgt e contrario, dass Kosten für den
ausserordentlichen Unterhalt vom Eigentümer zu tragen sind. Auch alle übrigen
Lasten, die nicht den Unterhalt betreffen, wie Hypothekarzinsen, Versicherungen
und Gebühren, hat der Eigentümer zu übernehmen (BGE 52 II 124 E. 2). Nach
einhelliger Lehre ist Art. 764 Abs. 2 ZGB, der das Nutzniessungsrecht betrifft,
auch auf das Wohnrecht anwendbar. Demnach muss der Wohnrechtsberechtigte
die Vornahme von Arbeiten, die nicht unter den gewöhnlichen Unterhalt fallen,
gestatten (BK-Baumann, 3. Aufl. 1999, Art. 776 N 35 und Art. 778 N 19, BSK ZGB
I-ISLER/ GROSS, 6. Aufl. 2019, Art. 779 N 10 f.).
8.7. Die Vorinstanz und die Parteien unterscheiden – anders als die gesetzliche
Regelung – nicht zwischen gewöhnlichem und ausserordentlichem Unterhalt.
Nach der gesetzlichen Regelung ist der gewöhnliche Unterhalt, wie gesehen,
durch den Wohnrechtsberechtigten zu tragen. Entsprechend hat der
Wohnrechtsberechtigte den gewöhnlichen Unterhalt selber zu erledigen und kann
dafür Hilfspersonen unter seiner Verantwortung beiziehen. Im umgekehrten Fall,
wenn der Grundeigentümer für den gewöhnlichen Unterhalt aufzukommen hat,
kann er seinerseits Hilfspersonen unter seiner Verantwortung für die
entsprechenden Arbeiten beiziehen. Dies schliesst selbstredend das Recht des
Grundeigentümers ein, Hilfspersonen zu bestimmen, die er mit den
Unterhaltsarbeiten betrauen will. Diese Überlegungen führen dazu, dass die
Tragung sämtlicher Unterhaltskosten durch den Kläger mit seinem Recht
einhergeht, die betreffenden Handwerker und Unternehmer auszuwählen. Dies
ergibt sich e contrario aus Art. 778 Abs. 1 ZGB bzw. aus der Duldungspflicht des
Wohnrechtsberechtigten nach Art. 764 Abs. 2 ZGB für den ausserordentlichen
Unterhalt und muss – bei entsprechender Parteivereinbarung – auch für den
gewöhnlichen Unterhalt gelten. Demnach ist Dispositiv-Ziff. 8 lit. b des
erstinstanzlichen Teilurteils in Gutheissung des klägerischen Berufungsantrages
aufzuheben, und es ist festzuhalten, dass der Kläger berechtigt ist, die für den
Unterhalt beizuziehenden Unternehmer und Handwerker auszuwählen.
Ergänzend ist festzuhalten, dass diese Regelung im Rahmen einer analogen
Anwendung der genannten Gesetzesbestimmungen auch für die Dauer des
- 119 -
obligatorischen Wohnrechts vom 1. September 2024 bis Ende Oktober 2029
Geltung haben wird.
8.8. Für den Fall, dass der Kläger seiner Unterhaltspflicht trotz entsprechender
Anzeige nicht nachkäme, stünde der Beklagten gestützt auf Art. 764 Abs. 3 ZGB
ein Selbsthilferecht auf Kosten des Klägers zu.
8.9. Die Beklagte macht mit der Anschlussberufung geltend, sie habe in der
Klageantwort verlangt, dass die Unterhaltskosten für die Liegenschaft D._-
strasse ... präzisiert werden (mit Verweis auf act. 31 S. 6, 60). Da der Kläger ihre
Präzisierung stillschweigend anerkannt habe, habe es für die Vorinstanz keine
Veranlassung gegeben, von der Präzisierung der durch den Kläger zu
bezahlenden Unterhaltskosten abzusehen. Nicht nur mit Bezug für das
Besuchsrecht, sondern auch für die vom Kläger zu bezahlenden
Unterhaltszahlungen gelte, dass unter den Parteien Probleme auftauchen
würden, wenn Gerichtsentscheide Interpretationsspielraum böten (act. 476 Rz. 57
ff. m.H.). Der Kläger entgegnet, es gebe im Prozessrecht keine stillschweigenden
Anerkennungen. Die Vorinstanz habe richtigerweise geprüft, ob überhaupt ein
Anlass für eine Präzisierung bestehe, und dabei festgestellt, dass zwischen den
Parteien über die Kostenarten des Liegenschaftenunterhalts noch nie
irgendwelche Differenzen entstanden seien. Die Beklagte bringe nichts vor, was
die Überlegungen der Vorinstanz entkräften würde (act. 488 S. 36). Nach
Auffassung der Beklagten ist das vom Kläger in der Anschlussberufungsantwort
neu vorgebrachte Argument nicht zu hören. Der Kläger mache zu Recht nicht
geltend, sie habe jemals den Umstand, dass sie seit der Trennung und bis heute
die Handwerker der G1._-Unternehmungen direkt aufbieten könne,
missbraucht (act. 500 Rz. 46).
8.10. Richtig ist, dass die Beklagte in der Klageantwort beantragte, die einzelnen
Unterhaltskosten der ehelichen Liegenschaft seien aufzulisten (act. 31 S. 6,
Antrag 5.4). An der von ihr in der Anschlussberufung angegebenen Stelle in der
Klageantwort (vgl. act. 31 S. 60) lieferte sie aber keine Begründung für diesen
Antrag. Es ist nicht Aufgabe der Berufungsinstanz, in den umfangreichen
Rechtsschriften der Beklagten im erstinstanzlichen Verfahren zu suchen, ob die
- 120 -
Beklagte ihren Antrag auf Präzisierung der Unterhaltskosten allenfalls
begründete. Da die Beklagte im Berufungsverfahren nicht darlegt, an welcher
Stelle in ihren Rechtsschriften die Begründung des Antrags um Präzisierung der
Unterhaltskosten erfolgte, ist davon auszugehen, dass es sich bei ihren im
Berufungsverfahren vorgebrachten Argumenten um unzulässige Noven handelt
(Art. 317 Abs. 1 ZPO). Auf ihren Antrag ist deshalb nicht einzutreten.
9. Kosten- und Entschädigungsregelung
9.1. Die Vorinstanz setzte die Entscheidgebühr auf Fr. 15'000.– fest und
auferlegte die Gerichtskosten zu 2/5 dem Kläger und zu 3/5 der Beklagten. Die
Beklagte wurde im Zusammenhang mit dem Teilurteil zum Scheidungspunkt
verpflichtet, dem Kläger eine Parteientschädigung von Fr. 1'500.– (inkl.
Mehrwertsteuer) zu bezahlen (act. 460 S. 143, Dispositiv-Ziff. 18-20).
9.2. Der Kläger verlangt im Berufungsverfahren, die erstinstanzlichen
Gerichtskosten seien vollumfänglich der Beklagten aufzuerlegen. Nach der Praxis
der Zürcher Gerichte seien die Kosten betreffend Kinderbelange – unabhängig
vom Ausgang – den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen und die
Parteientschädigungen wettzuschlagen, sofern die Parteien unter dem
Gesichtspunkt des Kindesinteresses gute Gründe zur Antragstellung gehabt
hätten. Die Vorinstanz habe ohne weitere Untersuchung bzw. Begründung in
einem Halbsatz ausgeführt, das Vorliegen guter Gründe beider Parteien für ihre
jeweilige Antragstellung zu den Kinderbelangen sei zu bejahen. Diese Darstellung
sei nicht nur falsch, sondern in derart krassem Masse unrichtig, dass Willkür
vorliege. Die Beklagte habe für ihre Anträge auf Entzug der gemeinsamen
elterlichen Sorge, Verweigerung der alternierenden Obhut und eines
Übernachtungs- und Ferienbesuchsrechts sowie für den Antrag auf Einräumung
eines begleiteten Besuchsrechts bis zum Vorliegen eines
Erziehungsfähigkeitsgutachtens keinerlei guten Gründe gehabt. Die Vorinstanz
habe denn auch richtig festgestellt, dass seine Erziehungsfähigkeit gegeben sei,
eine ausreichende Kommunikation über mit den alltäglichen Themen der Pflege
und Erziehung C._s zusammenhängende Fragen bestehe, das
Besuchsrecht grundsätzlich funktioniere, C._ gerne ihre Zeit mit beiden
- 121 -
Elternteilen verbringe und stabile Verhältnisse bestünden. All das wisse die
Beklagte, und habe sie ganz genau gewusst, und trotzdem habe sie ihre
erwähnten Anträge gestellt, um ihn als Vater in die Ecke zu drängen und ihn
gegen Zugeständnisse in der Besuchsrechtsfrage zu einer Abfindungszahlung in
Millionenhöhe zu bewegen (mit Hinweis auf act. 242). Dies ergebe sich ganz klar
aus ihrem prozessualen Verhalten nach dem Motto "Kind gegen Geld". Dieses
egoistische Motiv der Beklagten habe mit den geforderten guten Gründen für die
Antragstellung nichts zu tun. Vielmehr habe sie das Kindeswohl in krasser Weise
missachtet. Noch schlimmer sei es gekommen, als sie ungerechtfertigte Vorwürfe
betreffend angebliche sexuelle Übergriffe gegen ihn erhoben habe, nachdem ihm
ein Übernachtungs- und Ferienbesuchsrecht gewährt worden sei. Diese Vorwürfe
seien bekanntlich von allen angegangenen Instanzen als vollständig unzutreffend
zurückgewiesen worden. Diese widerlichen Vorwürfe habe die Beklagte wider
besseres Wissen erhoben und sie seien – gemäss den Erwägungen der Kammer
im Entscheid betreffend vorsorgliche Massnahmen vom 9. April 2020 – "ein
Versuch..., das Besuchsrecht des Klägers einzuschränken..." gewesen. Aus
diesen Gründen sei von der gängigen obergerichtlichen Praxis betreffend hälftige
Kostentragung abzuweichen; massgeblich sei vielmehr das Ausmass des
jeweiligen Obsiegens und Unterliegens. Gemäss dem erstinstanzlichen Urteil
habe er mit seinen Anträgen zu den Kinderbelangen (gemeinsame elterliche
Sorge, alternierende Obhut, Betreuungsanteile mit Übernachtungen und Ferien)
zu 100 % obsiegt. Neben den Kinderbelangen habe er auch im liquiden
Scheidungspunkt zu 100 % obsiegt. Dringe er auch mit Bezug auf die
Unterhaltsbeiträge mit seinen Berufungsanträgen durch, so ergebe sich ein
Obsiegen zu 100 %. Würde er mit Bezug auf die Unterhaltsbeiträge nicht
durchdringen bzw. bliebe es diesbezüglich bei den Ergebnissen des
erstinstanzlichen Teilurteils, so würden beide Parteien teilweise unterliegen, was
für das erstinstanzliche Verfahren zu einer Kostenauflage von maximal 1/5 zu
seinen Lasten und mindestens 4/5 zu Lasten der Beklagten führen würde (act.
458 S. 55 ff.).
9.3. Die Beklagte beantragt die Abweisung des vom Kläger gestellten Antrags
und lässt ausführen, der Vorinstanz sei es unbenommen, in familienrechtlichen
- 122 -
Verfahren gestützt auf Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO eine Kostenverteilung nach
Ermessen vorzunehmen, auch unbesehen der Gerichtspraxis, dass bei
Kinderbelangen auf eine hälftige Kostentragung erkannt werde, sofern gute
Gründe zur Antragstellung bestanden hätten. Die Kostenverteilung nach
Ermessen erlaube insbesondere, in familienrechtlichen Prozessen auch
Billigkeitsgesichtspunkte – wie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit – in den
Entscheid über die Kostenverlegung einzubeziehen. Es werde vehement
bestritten, dass die Vorinstanz betreffend Kostenverteilung "in derart krassem
Masse unrichtig" liege, "dass sogar Willkür gegeben" sei. Wenn der Kläger eine
Abweichung vom Grundsatz der hälftigen Kostentragung in familienrechtlichen
Verfahren verlange, habe er darzulegen, weshalb keine guten Gründe für die
Antragstellung vorgelegen seien. Solche habe er nicht vorgebracht und es gebe
sie auch nicht. Entgegen der Auffassung des Klägers gehe es nicht darum, dass
die Parteien unterschiedliche Anträge gestellt hätten und wer damit obsiegt habe,
sondern ob die Partei gute Gründe dafür gehabt habe, eigene Anträge zu stellen.
Daraus, dass die Vorinstanz die Erziehungsfähigkeit des Klägers bejaht habe,
ergebe sich nicht, dass sie keine guten Gründe für ihre Antragstellung gehabt
habe. Auch er habe ihre Erziehungsfähigkeit in Frage gestellt (mit Hinweis auf act.
460 S. 60). Auch aus seiner Aufzählung zu den Feststellungen der Vorinstanz
betreffend Kinderbelange vermöge er das Fehlen guter Gründe für ihre
Antragstellung bezüglich der Kinderbelange nicht zu begründen. Die haltlosen
Vorwürfe des Klägers, sie habe mit ihren Anträgen versucht, ihn zu
Abfindungszahlungen in Millionenhöhe zu bewegen, sie habe klar egoistische
Motive nach dem Motto "Kind gegen Geld" verfolgt, sie habe die Tochter dazu
missbraucht, um möglichst viel Geld aus ihm herauszuholen, und dadurch das
Kindeswohl in krasser Weise missachtet, würden eindrücklich zeigen, dass sie
aus guten Gründen veranlasst gewesen sei, eigene Anträge zu stellen. Der
Kläger habe durch sein Verhalten massgebend zur Stellung ihrer Anträge
beigetragen. Die Vorwürfe betreffend die körperlichen Berührungen hätten einen
konkreten Hintergrund gehabt. Aus der Tatsache, dass sie diese Vorwürfe
erhoben habe und diese durch die Gerichte – zum Teil in nicht nachvollziehbarer
Weise – abgetan worden seien, lasse sich nicht ableiten, dass keine guten
- 123 -
Gründe für die Antragstellung vorgelegen hätten. Bestritten werde auch, dass der
Kläger bezüglich der Kinderbelangte zu 100 % obsiegt habe. Bereits aus dem
Umstand, dass der Kläger seine Begehren betreffend Unterhalt erneut
abgeändert habe, liege unabhängig vom Ausgang des Berufungsverfahrens kein
100 %-iges Obsiegen des Klägers vor (act. 473 Rz. 138-152).
9.4. Vorab ist festzuhalten, dass die Höhe der erstinstanzlich festgelegten
Entscheidgebühr nicht umstritten und deshalb zu bestätigen ist.
9.5. Nach ständiger Zürcher Praxis können den Eltern bei Kinderbelangen im
engeren Sinn unabhängig vom Ausgang des Verfahrens gestützt auf Art. 107
Abs. 1 lit. c ZPO die Kosten je zur Hälfte auferlegt werden, sofern keine Hinweise
dafür vorliegen, dass ein Elternteil nicht im Kindesinteresse handelte. Das
vorliegende Verfahren wurde auch mit Bezug auf die Kinderbelange hochstrittig
und äusserst kontrovers geführt. Aus dem Umstand, dass die Beklagte mit ihren
Anträgen um alleinige elterliche Sorge und alleinige Obhut unterlag und auch die
Betreuung von C._ durch den Kläger entgegen ihren Anträgen ausgedehnt
wurde, kann nicht abgeleitet werden, dass sie nicht im Kindesinteresse handelte.
Es liegt gerade in der Natur hochstrittiger Elternkonflikte, dass jeder Elternteil der
Auffassung ist, seine Ansicht zu Erziehungs- und Betreuungsfragen sei die
richtige und diejenige des anderen Elternteils völlig falsch. Die Beklagte
argumentierte zur Begründung der von ihr gestellten Anträge mit Blick auf das –
ihrem Verständnis entsprechende – Wohl von C._. Auch der Kläger
behauptet nicht, die Beklagte habe Argumente vorgebracht, die keinen Bezug
zum Kindeswohl gehabt hätten. Dass er – und mitunter auch die Vorinstanz – die
von der Beklagten vertretene Auffassung nicht teilte, bedeutet nicht, dass für die
Beklagte nicht die Kindesinteressen im Vordergrund standen bzw. sie nach ihrer
Wahrnehmung nicht im Kindeswohl handelte. Auch wenn die Beklagte finanzielle
Ansprüche in namhafter Höhe stellte, liegen keine konkreten Anhaltspunkte dafür
vor, dass sie mit ihren Anträgen zu den Kinderbelangen vom Kläger finanzielle
Zugeständnisse erwirken wollte. Die Begründung der Beklagten für ihre
finanziellen Forderungen basiert auf der lebensprägenden Ehe mit dem Kläger
und seiner ausserordentlich günstigen Einkommens- und Vermögenssituation.
- 124 -
Wenn sich der Kläger in diesem Zusammenhang auf ein im Rahmen von
vertraulichen Vergleichsgesprächen erstelltes Dokument beruft, würde sich
allenfalls die Frage nach standesrechtlichen Verstössen stellen, ein Nachweis für
ein unredliches Vorgehen der Beklagten kann er daraus nicht ableiten (act. 242).
Damit hat die Vorinstanz die Kosten mit Bezug auf die Kinderbelange im Ergebnis
zu Recht gestützt auf Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO den Parteien je zur Hälfte
auferlegt. Ob auch Billigkeitsüberlegungen zu einer hälftigen Kostentragung
geführt hätten, braucht deshalb nicht geklärt zu werden. Lediglich der
Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die Kosten im Zusammenhang
mit den vorausgegangenen Massnahmebegehren in den jeweiligen
Massnahmeentscheiden geregelt wurden.
9.6. Mit Bezug auf die finanziellen Nebenfolgen beantragt der Kläger für den Fall,
dass er im Berufungsverfahren mit seinen Anträgen nicht obsiegt, eine
Kostenauflage von maximal 1/5 zu seinen Lasten und mindestens 4/5 zu Lasten
der Beklagten (act. 458 S. 60). Die Beklagte bestreitet die Kostenauflage im
Verhältnis 1/5 : 4/5; angemessen sei eine hälftige Kostenverteilung (act. 473 Rz.
152).
9.7. Im Rahmen der finanziellen Nebenfolgen waren neben den
Unterhaltsbeiträgen für C._ und die Beklagte (inkl. Wohnkosten nach dem
Auszug aus der ehelichen Liegenschaft) die Eintragung des Wohnrechts ins
Grundbuch und der Ausgleich der beruflichen Vorsorge zu regeln. Der Antrag der
Beklagten, das Wohnrecht sei im Grundbuch einzutragen, verursachte im
erstinstanzlichen Verfahren keinen grossen Aufwand, mit Bezug auf das
Streitinteresse kam ihm im Rahmen der vermögensrechtlichen Nebenfolgen
jedoch ein bedeutender Anteil zu. Der Ausgleich der beruflichen Vorsorge fällt
nicht massgeblich ins Gewicht, zumal sich die Parteien über die hälftige Teilung
einig waren. Es rechtfertigt sich daher, bei der Regelung der Kosten- und
Entschädigungsfolgen des erstinstanzlichen Verfahrens die Kinderbelange mit
einem Anteil von 50 %, die Unterhaltsbeiträge (Kinderunterhalt und nachehelicher
Unterhalt, inkl. Wohnkosten nach Auszug) mit 40 % und die Eintragung des
Wohnrechts ins Grundbuch mit 10 % zu gewichten. Mit dem vorliegenden Urteil
- 125 -
werden die vorinstanzlichen Unterhaltsbeiträge reduziert, womit der Kläger mit
seinen erstinstanzlich gestellten Anträgen zu den Unterhaltsbeiträgen (inkl.
zusätzliche Wohnkosten nach dem Auszug aus der Liegenschaft D._-strasse
...) zu 40 %, die Beklagte zu 60 % unterliegt. Mit Bezug auf die Eintragung des
Wohnrechts obsiegt die Beklagte überwiegend. Insgesamt rechtfertigt es sich, die
Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens dem Kläger zu 45 % und der Beklagten
zu 55 % aufzuerlegen.
9.8. Der Kläger verlangt allein für den Verfahrensteil "Kinderbelange" für das
erstinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 80'000.– (act. 458
S. 61). Aus der hälftigen Kostenauflage bezüglich der Kinderbelange folgt jedoch,
dass die Parteientschädigungen diesbezüglich wettzuschlagen sind. Auf die
klägerische Argumentation ist deshalb nicht näher einzugehen.
9.9. Im Zusammenhang mit der Parteientschädigung für die Regelung des
Scheidungspunktes bezeichnet der Kläger die erstinstanzliche Festsetzung der
Parteientschädigung auf Fr. 1'500.– als geradezu provokativ niedrig. Zwar sei die
Hauptarbeit seines Rechtsvertreters in diesem Punkt in den Rechtsmittelverfahren
vor Obergericht und vor Bundesgericht geleistet worden, aber mit Rücksicht auf
die Bedeutung der Sache und den erforderlichen Aufwand vor der ersten Instanz
dränge sich eine Parteientschädigung von mindestens Fr. 5'000.– auf (act. 458
S. 62). Mit diesen Ausführungen kommt der Kläger den Anforderungen an eine
substantiierte Begründung seiner Rüge nicht nach. So wäre zumindest zu
erwarten gewesen, dass er mit Blick auf § 5 Abs. 1 AnwGebV nähere Angaben zu
dem von seinem Rechtsvertreter betriebenen Aufwand macht. Dies ist nicht der
Fall, weshalb auf den Antrag des Klägers mangels hinreichender Begründung
nicht einzutreten ist. Die Festsetzung der Parteientschädigung auf Fr. 1'500.–
hinsichtlich des Scheidungspunktes im erstinstanzlichen Urteil (act. 460 S. 143,
Dispositiv-Ziff. 20) ist demnach zu bestätigen.
9.10. Im vorliegenden Berufungsverfahren waren nur noch wenige Punkte zu den
Kinderbelangen strittig, wobei der damit verbundene Zeitaufwand überschaubar
war und den sich stellenden Rechtsfragen keine besondere Schwierigkeit zukam.
Bei den finanziellen Nebenfolgen lagen Unterhaltsbeiträge in der Höhe von rund
- 126 -
Fr. 2.6 Mio. im Streit. Dem Antrag des Klägers, es sei der Beklagten und C._
für die Zeit nach dem Auszug aus der Liegenschaft D._-strasse ... ... Zürich
kein zusätzlicher Barunterhalt für Wohnkosten zuzusprechen, kommt kein
erkennbarer finanzieller Wert zu. Denn die mutmasslichen Einkünfte des Klägers
aus der Liegenschaft würden die für den Fall des Auszuges angerechneten
Wohnkosten in der Höhe von Fr. 7'200.– pro Monat übersteigen. Was den Antrag
des Klägers betreffend Nichteintragung des Wohnrechts im Grundbuch betrifft, ist
bei der Festlegung des Streitwerts aufgrund der Angaben des Klägers davon
auszugehen, dass der Weiterbestand des Wohnrechts die Rechtsnachfolger des
Klägers monatlich mit rund Fr. 25'000.– belasten würde (act. 458 S. 7, 53, 54).
Dies macht ab Einreichung der Berufung bis Ende Oktober 2029 einen
kapitalisierten Streitwert von rund Fr. 2.8 Mio. aus. Damit betrug der Streitwert der
finanziellen Nebenfolgen im Berufungsverfahren rund Fr. 5.4 Mio. Bei der
Regelung der vermögensrechtlichen Nebenfolgen fiel der weitaus grösste
Aufwand für die Berechnung des nachehelichen Unterhalts und der
Kinderunterhaltsbeiträge an. Der Aufwand im Zusammenhang mit der Eintragung
des Wohnrechts ins Grundbuch fiel gering aus. Insgesamt entfällt ein Zeitaufwand
von einem Sechstel auf die Kinderbelange und fünf Sechstel auf die Regelung der
finanziellen Nebenfolgen. Wie erwähnt gestaltete die Regelung der
Unterhaltsbeiträge das vorliegende Berufungsverfahren aufwendig. Gestützt auf
§ 12 Abs. 1 und 2 i.V.m. § 6 Abs. 1 i.V.m. § 5 Abs. 2 GebV OG ist die
Entscheidgebühr vorliegend deshalb bis zum Betrag zu erhöhen, der für die
vermögensrechtlichen Rechtsbegehren allein hätte erhoben werden können. Da
es sich bei den Unterhaltsbeiträgen um wiederkehrende Leistungen im Sinne von
§ 4 Abs. 3 GebV OG handelt, ist eine Ermässigung der Grundgebühr von rund Fr.
74'800.– um einen Drittel angezeigt. Die Entscheidgebühr ist folglich auf Fr.
50'000.– festzusetzen.
9.11. Auch im Berufungsverfahren liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der
Kläger oder die Beklagte nicht im Kindesinteresse gehandelt hätten.
Entsprechend ist diesbezüglich gestützt auf Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO auf eine
hälftige Kostentragung zu erkennen. Mit Bezug auf die finanziellen Nebenfolgen
unterliegt der Kläger mit seinen Anträgen betreffend Reduktion der
- 127 -
Unterhaltsbeiträge mit rund Fr. 1.108 Mio. und damit in etwa im gleichen Masse
wie die Beklagte mit ihren in der Anschlussberufung gestellten Anträgen um deren
Erhöhung (Fr. 1.201 Mio.). Der Kläger unterliegt mit seinem Antrag, der Klägerin
seien im Falle eines Auszugs keine Wohnkosten anzurechnen, während die
Beklagte mit ihrem Antrag um Eintragung des Wohnrechts im Grundbuch inkl.
Unterhaltspflicht unterliegt. Insgesamt rechtfertigt es sich, den Parteien die Kosten
des Berufungsverfahrens je zur Hälfte aufzuerlegen und die
Parteientschädigungen wettzuschlagen.