Decision ID: c0789af2-a789-55f5-b07c-facc77103a12
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Die im Jahr Y._ geborene A._ arbeitete vom 1. Juni 2001 bis 28. Februar 2011
bei der B._ AG (act. G 7.23). Aufgrund dieses Arbeitsverhältnisses war sie seit 1.
Januar 2006 bei der Bâloise-Sammelstiftung für die obligatorische berufliche Vorsorge
(nachfolgend: Bâloise) versichert. Per 1. Januar 2010 reduzierte A._ ihr volles
Pensum auf 80% (act. G 1.9). Per 28. Februar 2011 kündigte sie das Arbeitsverhältnis
mit der B._ AG (act. G 7.24).
A.b Ab 1. März 2011 arbeitete A._ mit einem Pensum von 80% bei der C._ AG und
war im Rahmen der beruflichen Vorsorge bei der Swiss Life Sammelstiftung BASIS
(nachfolgend: Swiss Life) versichert (act. G 10.1, 3, 5).
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A.c Im November 2011 meldete sich A._ aufgrund von Beschwerden durch Multiple
Sklerose zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1, act. G
1.13-5). Mit Verfügung vom 12. Februar 2014 sprach die IV-Stelle St. Gallen A._ ab 1.
Juni 2013 bis 31. August 2013 bei einem Invaliditätsgrad von 41% eine Viertelsrente
und ab 1. September 2013 bei einem Invaliditätsgrad von 50% eine halbe Rente zu
(act. G 1.2). Diese Verfügung blieb unangefochten.
A.d Mit Schreiben vom 20. Februar 2015 verneinte die Swiss Life ihre Leistungspflicht
gegenüber A._. Eine relevante Arbeitsunfähigkeit, welche zur Invalidität geführt habe,
habe bereits bestanden, als A._ bei der Bâloise versichert gewesen sei (act. G 1.12).
Am 30. Juli 2015 gelangte A._ durch ihre Rechtsvertretung an die Bâloise und
beantragte eine Prüfung der Leistungsansprüche (act. G 1.8). Die Bâloise verneinte mit
Schreiben vom 26. November 2015 einen Anspruch mangels zeitlicher Deckung (act. G
1.6). Trotz Einwand von A._ vom 4. Januar 2016 (act. G 1.9) hielt die Bâloise an ihrer
abschlägigen Mitteilung fest (act. G 1.10).
B.
B.a Mit Klageschrift vom 17. Oktober 2016 gelangte der Rechtsvertreter von A._
(nachfolgend: Klägerin), Rechtsanwalt Dr. iur. Ronald Pedergnana, St. Gallen, an das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen. Er beantragte, dass die Bâloise
(nachfolgend: Beklagte 1) der Klägerin die ihr aus Gesetz und Reglement zustehenden
Rentenleistungen zuzüglich 5% Verzugszins zu zahlen habe. Eventualiter sei die Swiss
Life (nachfolgend: Beklagte 2) zu verpflichten, die Rentenleistungen zu erbringen. Aus
den Akten ergebe sich, dass die Klägerin bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren
Ursache zur Invalidität geführt habe, bei der Beklagten 1 versichert gewesen sei (act. G
1).
B.b Mit Klageantwort vom 13. Dezember 2016 beantragte die Beklagte 1 Abweisung
der Klage. Da während des Vorsorgeverhältnisses mit ihr keine massgebliche
Arbeitsunfähigkeit der Klägerin ausgewiesen sei, entfalle eine Leistungspflicht (act. G
7).
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B.c Die Beklagte 2 reichte am 25. Januar 2017 ihre Klageantwort ein. Sie beantragte
die Abweisung der Klage, soweit sie betroffen sei. Die für die Leistungspflicht
massgebliche Arbeitsunfähigkeit der Klägerin sei vor Antritt der neuen Arbeitsstelle bei
der C._ AG eingetreten (act. G 10).
B.d Replizierend liess die Klägerin am 22. März 2017 an ihren Anträgen vollumfänglich
festhalten (act. G 19). Die Beklagte 2 verzichtete mit Eingabe vom 29. März 2017 auf
das Einreichen einer Duplik (act. G 21). Die Beklagte 1 hielt mit Duplik vom 31. Mai
2017 vollumfänglich an ihrem Antrag und deren Begründungen fest (act. G 24). Am 14.
Juli 2017 reichte der Rechtsvertreter der Klägerin eine Ergänzung zur Replik ein (G 26).
Die Beklagte 1 nahm am 29. August 2017 dazu Stellung (act. G 30).

Erwägungen
1.
Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ist gegeben (vgl.
Art. 73 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge [BVG; SR 831.40] in Verbindung mit Art. 65 Abs. 1 lit. ebis des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beklagte 1 oder die Beklagte 2 eine Invalidenrente aus
beruflicher Vorsorge auszurichten hat. In diesem Zusammenhang ist einzig die Frage zu
klären, wann die relevante Arbeitsunfähigkeit der Klägerin, deren Ursache
unbestrittenermassen zur Invalidität geführt hat, eingetreten ist.
2.1 Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss Art. 23 lit. a BVG Personen, die im
Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40% invalid sind und bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach
Art. 23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der relevanten
Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse
daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versicherteneigenschaft
muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht
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notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der
Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der
Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern
Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus
dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetretene Arbeitsunfähigkeit geschuldete
Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn
sich nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert.
Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein
Erlöschungsgrund (Art. 26 Abs. 3 BVG e contrario; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E.
5). Art. 23 BVG kommt auch die Funktion zu, die jeweilige Haftung mehrerer
Vorsorgeeinrichtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit
bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die
Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversicherung
zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach Art. 23 BVG entsteht in
diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber
derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden
Arbeitsunfähigkeit angehörte (BGE 130 V 275 E. 4.1). Der Zeitpunkt des Eintritts der
berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch
nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. Juni 2013, 9C_91/2013, E. 4.1.2).
2.2 Die Arbeitsunfähigkeit ist relevant, wenn sie mindestens 20% beträgt und sich auf
das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat (vgl. HANS-ULRICH
STAUFFER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Die
berufliche Vorsorge, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2013, S. 74 mit Hinweisen). Es muss
arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf
an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit
entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch
gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle (Urteil des Bundesgerichts vom 11.
September 2008, 9C_368/2008, E. 2).
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2.3 Eine Reduktion des Arbeitspensums aus gesundheitlichen Gründen ist ein
gewichtiges Indiz für das Vorliegen einer berufsvorsorgerechtlich relevanten
Arbeitsunfähigkeit (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1.
Januar 2007 sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 10. Oktober 2001,
B 27/00, E. 5), genügt allein in der Regel jedoch nicht für den Nachweis einer
funktionellen Leistungseinbusse. Dies gilt insbesondere, wenn die Reduktion aus einem
subjektiven Krankheitsgefühl heraus erfolgt oder wenn konkurrierende Gründe
bestehen, wie mehr Zeit für bestimmte (Freizeit-)Aktivitäten zu haben oder eine
berufsbegleitende Weiterausbildung zu absolvieren (Urteil des EVG vom 8. Juni 2006, B
34/05, E. 3.2). Es braucht grundsätzlich eine echtzeitliche ärztliche Bestätigung, dass
die Pensenreduktion gesundheitlich bedingt notwendig ist (Urteil des Bundesgerichts
vom 11. September 2008, 9C_368/2008, E. 3.1 und 4.3), u.a. wenn die weitere
Verrichtung der Berufsarbeit nur unter der Gefahr der Verschlimmerung des
Gesundheitszustands möglich ist (BGE 130 V 345 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts
vom 6. Oktober 2010, 9C_452/2010, E. 4.1 f.). Davon kann nur abgesehen werden,
wenn aufgrund anderer Umstände, etwa krankheitsbedingter Absenzen vor der
Arbeitszeitreduktion, davon auszugehen ist, dass dieser Schritt auch objektiv
betrachtet aus gesundheitlichen Gründen erfolgt und insoweit eine arbeitsrechtlich in
Erscheinung getretene (sinnfällige) Leistungseinbusse zu bejahen ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2010, 9C_340/2010, E. 5.2.2). In diesem Sinne
verlangt die Rechtsprechung nicht zwingend eine echtzeitlich ärztlich attestierte
Arbeitsunfähigkeit zum rechtsgenüglichen Nachweis einer berufsvorsorgerechtlich
relevanten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 11. Juni 2008, 9C_96/2008, E. 3.2.2).
3.
3.1 Eine echtzeitliche ausdrückliche Bestätigung, dass es sich bei der
Pensenreduktion per 1. Januar 2010 von 100% auf 80% (vgl. u.a. act. G 1.9) um eine
aus ärztlicher Sicht notwendige Massnahme handelte, liegt nicht vor. Ebenso liegt
keine (echtzeitlich) attestierte Arbeitsunfähigkeit im Ausmass der Pensenreduktion im
Recht. Nach Auskunft der damaligen Arbeitgeberin hatte diese weder bei der
Pensenreduktion noch beim Austritt Kenntnis von einem Gesundheitsschaden. Auch
würden sich keine krankheitsbedingten Absenzen aus dem Protokoll der Zeiterfassung
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ergeben (act G 7.26). Eine relevante Arbeitsunfähigkeit während des
Versicherungsverhältnisses der Klägerin und der Beklagten 1 ergibt sich gestützt auf
diese Ausführungen nicht.
3.2 Zu prüfen bleibt, ob aufgrund einer Gesamtwürdigung der medizinischen
Aktenlage objektiv betrachtet dennoch überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen ist,
dass die erwähnte Pensenreduktion aus gesundheitlichen Gründen erfolgte bzw.
spätestens per 28. Februar 2011 von einer zumindest 20%-igen Leistungseinbusse
auszugehen ist. Die Klägerin äussert sich in diesem Sinne, in dem sie anlässlich eines
Gesprächs mit der IV-Stelle vom 6. Dezember 2011 ausführte, dass die
Pensenreduktion per 1. Januar 2010 erfolgt sei, um trotz ihrer Beschwerden die Arbeit
erledigen zu können (act. G 19.1). Diese Aussage ist nicht in Zweifel zu ziehen.
Finanzielle Überlegungen sind auszuschliessen, nachdem nicht davon ausgegangen
werden kann, dass sie im Zeitpunkt, in welchem sie diese Aussagen tätigte, davon
wusste, dass eine Rente von der Beklagten 1 höher ausfallen würde als von der
Beklagten 2. Weitere Gründe, weshalb sie eine Rente von der Beklagten 1 präferieren
würde, sind nicht erkennbar. Ferner sind keine konkurrenzierenden Gründe, welche für
eine Pensenreduktion sprechen, ersichtlich. Das Einkommen war auch nicht derart
hoch, dass ohne weiteres auf 20% Lohn verzichtet werden konnte. Im Übrigen hat die
Klägerin glaubhaft ausgeführt, dass sie ihre jeweiligen Arbeiten – sowohl am alten als
auch am neuen Arbeitsort – gerne verrichtete (act. G 7.1, 19.1), weshalb sich auch
deshalb eine Reduktion nicht erklären lässt.
3.3 Medizinisch dokumentiert sind Beschwerden seit dem Jahr 2003. Die Klinik Z._
erwähnte mit Bericht vom 17. Juli 2003 seit rund zwei Jahren bestehende
intermittierende myalgiforme und arthralgische Schmerzen im Bereich der Vorderarme,
wobei diese Schmerzen nicht konkludent zugeordnet werden konnten (act. G 7.1). Dr.
med. D._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, berichtete am 15. November 2005
über seit zwei Jahren bestehende stechende Kopfschmerzen der Klägerin, wobei auch
deren Ätiologie nicht geklärt wurde (act. G 7.2). Am 2. März 2009 suchte die Klägerin
Dr. med. E._, Augenarzt, auf, weil sie gemäss eigenen Aussagen eine gewisse Zeit
nur noch verschwommen sehen konnte. Dr. E._ äusserte den Verdacht auf eine
Multiple Sklerose (act. G 26.1 f.). Am 23. April 2009 diagnostizierten die Ärzte der Klinik
für Neurologie des KSSG eine Migräne mit Aura sowie Spannungskopfschmerzen. Eine
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eindeutige Zuordnung der Beschwerden erfolgte wiederum nicht (act. G 7.4). Im Mai/
Juni 2009 litt die Klägerin gemäss eigenen Aussagen für eine Woche an Schwindel (act.
G 7.6). Mit Bericht vom 3. Juli 2009 der Klinik für Neurologie des KSSG wurde
differentialdiagnostisch eine Multiple Sklerose erwähnt (act. G 1.4). Mit Stellungnahme
derselben Klinik vom 19. April 2010 wurde ausgeführt, dass die Klägerin über teils
wandernde Athralgien und eine gewisse Adynamie berichtet habe. Insgesamt könnte
die Diagnose einer entzündlichen Systemerkrankung derzeit nicht gestellt werden (act.
G 7.7). Diese Ausführungen zeigen, dass die Klägerin bereits viele Jahre vor der
definitiv gestellten Diagnose an grösstenteils Multiple Sklerose-typischen Beschwerden
(u.a. Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel, Adynamie/Müdigkeit,
Gelenkschmerzen) litt (vgl. ROCHE LEXIKON, Medizin, 5. Aufl. München 2003, S. 1251;
vgl. ferner https://www.multiplesklerose.ch/de/ueber-ms/multiple-sklerose/symptome
und http://news.doccheck.com/de/37360/ms-zusammenhang-kopf-schmerz-
aufgedeckt, aufgerufen am 22. Mai 2018). Diese Umstände belegen zwar noch keine
relevante Leistungseinbusse in dieser Zeit; sie zeigen indes immerhin, dass
Beeinträchtigungen bestanden und diese sich progredient entwickelten.
3.4 Die definitive Diagnose einer Multiplen Sklerose erfolgte erstmals mit Bericht der
Klinik für Neurologie des KSSG vom 15. Februar 2011 (act. G 1.16). Zuhanden der IV-
Stelle reichte die behandelnde Neurologin des KSSG, med. pract. F._, am 23. Juni
2012 einen Bericht ein. Darin diagnostizierte sie eine Multiple Sklerose mit
schubförmiger Verlaufsform. Aufgeführt werden folgende Schübe: 2004, Februar 2010,
Mai 2010, Februar 2011, Dezember 2011 sowie Juni 2012. Im Februar 2011 sei es zu
einer neuerlichen Hospitalisation der Klägerin bei seit drei Tagen bestehenden
Missempfindungen des linken Unterarms sowie am rechten Oberschenkel gekommen.
Das MRT des Schädels und der Wirbelsäule hätten im Vergleich zum Vorbefund
progrediente Demyelinisierungsherde gezeigt. Die visuell evozierten Potentiale seien
rechtsseitig zwischenzeitlich pathologisch gewesen. Bei der zuletzt 80%-igen Tätigkeit
scheine die Klägerin an ihre Grenzen zu kommen. Eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit sei
auch zukünftig nicht mehr realistisch. Im Hinblick auf die, zumindest vor dem aktuellen
Schubereignis bestehende, alltagsrelevante Fatigue-Symptomatik habe eine reduzierte
Arbeits- und Leistungsfähigkeit bestanden. Eine 70%-ige Arbeitsfähigkeit scheine
zumindest vor dem letzten Schub realistisch (act. G 7.10). Die Stellungnahme von med.
pract. F._ basiert auf dreijähriger Behandlung der Klägerin und wird seitens der
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Parteien nicht in Frage gestellt. Der Beurteilung lag die Krankengeschichte seit April
2009 zugrunde und die Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar begründet.
Entsprechend kann grundsätzlich darauf abgestellt werden. Med. pract. F._ äussert
sich nicht ausdrücklich über den Beginn einer relevanten Leistungseinschränkung
aufgrund der Beschwerden der Klägerin. Ihre Ausführungen legen aber nahe, dass die
Klägerin bereits seit langem in ihrer Leistungsfähigkeit erheblich eingeschränkt
gewesen ist. Zum einen führt sie aus, die Klägerin scheine bei der zuletzt ausgeübten
80%-igen Tätigkeit an ihre Grenzen zu kommen; realistisch sei, zumindest vor dem
letzten Schub, eine 70%-ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. G 7.10). Zum anderen spricht sie
davon, dass sich die Klägerin zwar von den Schüben jeweils erholt habe, geblieben
seien jedoch die alten Beschwerden und die Fatigue-Symptomatik (vgl. dazu die
Ausführungen im Verlaufsbericht von med. pract. F._ vom 13. November 2011; IV-
act. 46-2). Sie stellt damit nicht in Frage, auch wenn sie sich dazu nicht explizit zu
äussern hatte, dass die Pensenreduktion per 1. Januar 2010 aus gesundheitlichen
Gründen erfolgt ist. Damit ergibt sich, dass auch nach den Schüben – zumindest nach
jenen während der Behandlung in der Neurologie des KSSG (ab dem Jahr 2009) – eine
relevante Leistungseinbusse von zumindest 20% zurückgeblieben ist. Dies leuchtet
gerade auch mit Blick auf die in E. 3.3 erwähnten Leiden der Klägerin ein.
3.5 Dass der damaligen Arbeitgeberin – wie in E. 3.1 ausgeführt – während des
Arbeitsverhältnisses mit der Klägerin bis am 28. Februar 2011 keine
gesundheitsbedingten Leistungseinbussen auffielen und auch keine
krankheitsbedingten Absenzen zu verzeichnen waren, lässt sich zum einen gerade
damit erklären, dass die Klägerin auf eigene Kosten ihr Arbeitspensum reduziert hat.
Zum andern war die Klägerin, wie der regionale ärztliche Dienst der IV-Stelle in seiner
Stellungnahme vom 19. Dezember 2012 ausführt, stets bestrebt, nach den Schüben,
trotz zunehmender Fatigue-Symptomatik und entgegen dem Rat der behandelnden
Neurologin, die Arbeit wieder zur vollen Zufriedenheit des Arbeitgebers aufzunehmen
und in Kauf zu nehmen, die Grenzen ihrer Fähigkeiten zu überschreiten (IV-act. 51-2).
Aufgrund dieser Persönlichkeitsmerkmale verwundert es nicht, wenn eine
eingeschränkte Leistungsfähigkeit vor dem Hintergrund des reduzierten Pensums für
die Arbeitgeberin nicht ohne weiteres erkennbar war.
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3.6 Gestützt auf vorerwähnte Ausführungen erfolgte damit auch bei objektiver
Betrachtungsweise die Pensenreduktion per 1. Januar 2010 überwiegend
wahrscheinlich gesundheitlich bedingt. Damit ist (überwiegend wahrscheinlich) noch
während des Versicherungsschutzes bei der Beklagten 1 eine zumindest 20%-ige
Leistungseinbusse der Klägerin eingetreten.
4.
4.1 Die Beklagte 1 wandte gegen die Festsetzung des Eintritts der relevanten
Arbeitsunfähigkeit vor dem 1. März 2011 ein, dass gemäss den Feststellungen der IV-
Stelle die einjährige Wartezeit am 1. Juni 2012 begonnen habe. Es gebe keinen Grund,
von dieser Einschätzung, welche weder von der Klägerin noch von der Beklagten 2
angefochten worden sei, abzuweichen. Somit sei die relevante Arbeitsunfähigkeit am 1.
Juni 2012 eingetreten und eine Leistungspflicht der Beklagten 1 entfalle (act. G 7 S. 10
f.).
4.2 Tatsächlich setzte die IV-Stelle in der Verfügung vom 12. Februar 2014 den Beginn
der Wartezeit auf den 1. Juni 2012 fest (act. G 1.2). Daraus kann die Beklagte 1 aber
nichts zu ihren Gunsten ableiten. Die Kriterien, die vorliegend betreffend Eintritt der
relevanten Arbeitsunfähigkeit sowie in Bezug auf die (zeitliche) Konnexität zur
Anwendung kommen, und diejenigen, die den Beginn der Wartezeit (in relevantem
Ausmass) im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) bestimmen, sind nicht deckungsgleich. Der
Rentenanspruch im Sinne des IVG setzt unter anderem voraus, dass die versicherte
Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig war. Dem¬gegenüber wurde im Bereich der
beruflichen Vorsorge in Art. 23 lit. a BVG legislatorisch nicht definiert, welches
Ausmass die relevante Arbeitsunfähigkeit haben muss. Praxisgemäss genügt allerdings
– wie in E. 2.2 erwähnt – eine Arbeitsunfähigkeit von 20%. Daraus ergibt sich in
bestimmten Konstellationen (Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20%, aber weniger als
durchschnittlich 40% [während eines Jahres]), dass eine berufsvorsorgerechtlich
relevante Arbeitsunfähigkeit gegeben ist und die invalidenversicherungsrechtliche
Wartezeit grundsätzlich zu laufen begonnen hat, das Wartejahr jedoch mangels
Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit nicht vollendet werden kann.
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4.3 Im vorliegenden Fall ist diese Konstellation gegeben. Aus gesundheitlichen
Gründen reduzierte die Klägerin ihren Beschäftigungsgrad ab 1. Januar 2010 auf 80%.
Die Arbeitsunfähigkeit von 20% ab 1. Januar 2010 reichte zur Begründung und zum
Andauern der berufsvorsorgerechtlichen Relevanz (sowie auch der sachlichen und
zeitlichen Konnexität), nicht aber zur Erfüllung des invalidenversicherungsrechtlichen
Wartejahrs, denn dazu hätte es einer durchschnittlich mindestens 40%-igen
Arbeitsunfähigkeit bedurft. Dazu ist es aber gemäss Sachverhaltsermittlung der IV-
Stelle erst später, ab 1. Juni 2013, gekommen (vgl. zur Berechnung das Kreisschreiben
über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], Rz. 2017 f. bzw.
Anhang II]). Der Einwand der Beklagten 1 ist demzufolge nicht stichhaltig und sie kann
aus der Verfügung der IV-Stelle betreffend Eintritt der berufsvorsorgerechtlich
relevanten Arbeitsunfähigkeit nichts zu ihren Gunsten ableiten. Insbesondere entfällt
bei dieser Konstellation eine Bindung an die Feststellung der IV-Stelle in Bezug auf den
Beginn des Wartejahrs. Die Frage, ab wann eine Arbeitsunfähigkeit von 20% bestand,
hatte keinen Einfluss auf den IV-Rentenbeginn, da erst ab 15. Januar 2013 eine
andauernde 50%-ige Arbeitsunfähigkeit bestand (IV-act. 65-2) bzw. davor eine
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch bestehende durchschnittliche
40%-ige Arbeitsunfähigkeit der Klägerin für die IV-Stelle nicht zur Diskussion stand
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 30. Mai 2014, 9C_12/2014, E. 2.3). Nur am
Rande sei bemerkt, dass der von der IV-Stelle auf 1. Februar 2012 intern terminierte
Beginn der 20%-igen Arbeitsunfähigkeit der Klägerin (IV-act. 65-2) mit Blick auf die
medizinischen Akten nicht überzeugt (vgl. dazu die vorstehenden Erwägungen) und
auch deshalb eine Bindungswirkung fraglich erscheint. Die Beklagte 1 ist
leistungspflichtig. Die Klage gegen die Beklagte 2 ist abzuweisen.
5.
Das Klagebegehren lautet zum einen dahingehend, dass die Beklagte 1 dem Grundsatz
nach zu verpflichten sei, der Klägerin die ihr gemäss Gesetz und Reglement
zustehenden Rentenleistungen zu zahlen. Dieses Begehren ist – wie erwähnt –
gutzuheissen. Zum anderen beantragt die Klägerin monatliche Mindestleistungen und
beziffert den Rentenanspruch damit nicht genau. Praxisgemäss sind die kantonalen
Berufsvorsorgegerichte nicht gehalten, die Rentenberechnung detailliert vorzunehmen,
sondern es reicht aus, wenn sie nur dem Grundsatz nach über den Leistungsanspruch
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entscheiden und die Sache zur Ermittlung des Rentenbetrags an die zuständige
Vorsorgeeinrichtung überweisen. Dies hat das Bundesgericht insbesondere mit
Hinweis auf die Gebote der Einfachheit und Raschheit des Verfahrens nach Art. 73
Abs. 2 BVG begründet, wobei es auch die Nähe zum Sozialversicherungsprozess
betont hat (BGE 129 V 450 E. 3.4). Die Sache ist damit zur genauen Festsetzung der
Rentenbeträge an die Beklagte 1 zu überweisen.
6.
6.1 Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich Art.
105 Abs. 1 des Obligationenrechts (OR; SR 220) anwendbar ist (BGE 119 V 131 E. 4).
Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der
gerichtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5%, sofern das Reglement der
Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c).
6.2 Das Vorsorgereglement der Beklagten 1 (Ausgabe Januar 2011) legt in Ziff. 7.6
fest, dass sich der Verzug bei Rentenleistungen nach Art. 105 OR richtet und der
Zinssatz dem BVG-Mindestzins entspricht (act. G 7.28a). Damit ist der Verzugszins
vom Tag der gerichtlichen Klage an geschuldet. Der Klägerin sind folglich für die bis zur
Klageerhebung am 17. Oktober 2016 (act. G 1) fällig gewordenen Rentenbetreffnisse
ab diesem Zeitpunkt und für die weiteren Rentenleistungen ab deren jeweiligen
Fälligkeitsdatum Verzugs¬zinsen von 1.25% (für das Jahr 2016) und 1% (für das Jahr
2017 und 2018) zuzu¬sprechen (Art. 12 lit. i und h der Verordnung über die berufliche
Alters-, Hinterlassenen und Invalidenvorsorge [BVV 2; SR 831.441.1]; vgl. ferner https://
www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/publikationen-und-service/medieninformationen/nsb-
anzeigeseite.msg-id-68579.html; aufgerufen am 22. Mai 2018).
7.
7.1 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG).
7.2 Dem Verfahrensausgang entsprechend sind der obsiegenden Klägerin in
Anwendung von Art. 98 Abs. 1 und Art. 98bis des st. gallischen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) die Parteikosten von der unterliegenden
Beklagten 1 zu erstatten. Der Vertreter der Klägerin hat eine nach Streitwert
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bemessene Honorarnote über Fr. 16‘357.10 (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) eingereicht (act. G 33). Ein Honorar nach Streitwert sieht die
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten des Kantons St. Gallen (HonO;
sGS 963.75) im Verfahren vor dem Versicherungsgericht aber nicht vor. Es beträgt
nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen spricht in BVG-Prozessen gestützt auf
vorgenannte Bestimmung regelmässig eine (ungekürzte) pauschale Entschädigung
zwischen Fr. 2'500.-- und Fr. 4'500.-- zu. Vorliegend war einzig der Zeitpunkt des
Eintritts der relevanten Arbeitsunfähigkeit der Klägerin streitig. In diesem
Zusammenhang erweist sich das Verfahren bei überschaubarer medizinischer
Aktenlage als eher unterdurchschnittlich aufwändig. Bei doppeltem Schriftenwechsel,
einer Ergänzung zur Replik und zwei Beklagten ist aber insgesamt von einem
durchschnittlichen Aufwand auszugehen, weshalb das Honorar auf Fr. 3‘500.--
festzusetzen ist. Die obsiegende Beklagte 2 hat rechtsprechungsgemäss keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung zulasten der Klägerin (BGE 126 V 150 f. E. 4.b).