Decision ID: e9d525d6-bc26-46ae-ab93-400ff165128d
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend schwere Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 13. September 2012 (DG120232)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 16. Juli 2012 (Urk.
28) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
- der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 254
Tage durch Haft sowie 4 Tage durch die Ersatzmassnahme erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 15 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (15 Monate, ab-
züglich 254 Tage, die durch Untersuchungshaft, sowie 4 Tage, die durch die
Ersatzmassnahme erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
4. Für die Dauer der Probezeit wird dem Beschuldigten folgende Weisungen
erteilt: Der Beschuldigte hat sich ärztlich betreuen zu lassen (Art. 44 Abs. 2
i.V.m. Art. 94 StGB), d.h. bei Doktor B._ oder einem anderen geeigne-
ten Psychiater oder Psychotherapeuten an einer deliktorientierten Therapie
teilzunehmen.
5. Die von der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat anlässlich der Schlusseinver-
nahme des Beschuldigten vom 11. Juli 2012 formlos beschlagnahmten und
beim Forensischen Institut Zürich lagernden Kleidungsstücke
- Shirt grau (Asservaten-Nr. 1)
- Herrenjacke schwarz (Asservaten-Nr. 2)
- Herrenhose Blue Jeans (Asservaten-Nr. 3)
- Shirt schwarz (Asservaten-Nr. 4)
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werden nach Eintritt der Rechtskraft dem Privatkläger C._ auf erstes
Verlangen hin herausgegeben.
6. Die von der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat anlässlich nämlicher Einver-
nahme formlos beschlagnahmten und beim Forensischen Institut Zürich la-
gernden Kleidungsstücke
- Herrenhose Blue Jeans (Asservaten-Nr. 5)
- Shirt rot (Asservaten-Nr. 6)
- Sportschuhe Nike mehrfarbig (Asservaten-Nr. 7)
werden nach Eintritt der Rechtskraft dem Beschuldigten auf erstes Verlan-
gen hin herausgegeben.
7. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung des
Privatklägers C._ im Betrag von Fr. 1'924.35 anerkannt hat.
Im Übrigen wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privat-
kläger C._ aus dem eingeklagten Ereignis vom 4. Juni 2011 dem
Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des
Umfanges eines weiteren Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger
C._ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._ Fr. 30'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab 4. Juni 2011 als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
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9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 8'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 23'795.65 Auslagen Untersuchung
Fr. 20'514.90 amtliche Verteidigung Untersuchung
Fr. 12'763.80 amtliche Verteidigung
Fr. unentgeltliche Verbeiständung Privatklägerschaft (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Ver-
tretung der Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt.
11. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO. Über die Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung wird separat
entschieden.
12. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers C._ wer-
den auf die Gerichtskasse genommen. Über die Höhe der Kosten der un-
entgeltlichen Vertretung des Privatklägers C._ wird separat entschie-
den.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 75 S. 1 f.)
1. Es sei der Beschuldigte mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30
Monaten zu bestrafen, wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang
20 Monaten aufzuschieben und die Probezeit auf 4 Jahre festzusetzen
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sei. Im Übrigen (10 Monat abzüglich 254 Tage, die durch Untersu-
chungshaft, sowie 4 Tage, die durch Ersatzmassnahme erstanden
sind) sei der Vollzug der Freiheitsstrafe anzuordnen.
2. Eventualiter sei der Vollzug der Freiheitsstrafe mindestens im Umfang
von 16 Monaten aufzuschieben (um dem Beschuldigten die Verbüs-
sung der unbedingt zu vollziehenden Reststrafe in Halbgefangenschaft
zu ermöglichen).
3. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger maximal
Fr. 15'000.– zuzüglich Zins ab dem 4. Juni 2011 als Genugtuung zu
bezahlen.
4. Unter ausgangsgemässer Regelung der Kostenfolge.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(vgl. Urk. 71)
Keine Anträge
c) Des Vertreters des Privatklägers:
(mündlich, Prot. II S. 13)
Bestätigung der vorinstanzlich zugesprochenen Genugtuung.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil vom 13. September
2012 sprach das Bezirksgericht Zürich, 3. Abteilung, den Beschuldigten der
schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB schuldig (Urk. 55
S. 50, Dispositivziffer 1). Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit 30 Mona-
ten Freiheitsstrafe, unter Anrechnung von 254 Tagen Untersuchungshaft und 4
Tagen Ersatzmassnahme (Urk. 55 S. 50, Dispositivziffer 2). Den Vollzug der Frei-
heitsstrafe schob die Vorinstanz im Umfang von 15 Monaten auf, unter Ansetzung
einer Probezeit von 4 Jahren. Im Übrigen (15 Monate, abzüglich 254 durch Unter-
suchungshaft erstandene und 4 durch Ersatzmassnahme erstandene Tage) ord-
nete sie den Vollzug der Freiheitsstrafe an (Urk. 55 S. 50, Dispositivziffer 3). Für
die Dauer der Probezeit wurde dem Beschuldigten die Weisung erteilt, sich ärzt-
lich betreuen zu lassen, d.h. bei Dr. B._ oder einem anderen geeigneten
Psychiater oder Psychotherapeuten an einer deliktsorientierten Therapie teilzu-
nehmen (Urk. 55 S. 50, Dispositivziffer 4). Ferner entschied die Vorinstanz über
die Herausgabe diverser beschlagnahmter Gegenstände (Urk. 55 S. 50, Disposi-
tivziffern 5 und 6), merkte sie vor, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforde-
rung des Privatklägers im Betrag von Fr. 1'924.35 anerkannt habe (Urk. 55 S. 50,
Dispositivziffer 7 Abs. 1), stellte sie fest, dass der Beschuldigte gegenüber dem
Privatkläger aus dem eingeklagten Ereignis vom 4. Juni 2011 dem Grundsatze
nach schadenersatzpflichtig sei, wobei sie diesen zur genauen Feststellung des
Umfangs eines weiteren Schadenersatzanspruchs auf den Weg des Zivilprozes-
ses verwies (Urk. 55 S. 50, Dispositivziffer 7 Abs. 2) und verpflichtete sie den Be-
schuldigten, dem Privatkläger eine Genugtuung in Höhe von Fr. 30'000.– zuzüg-
lich 5 % Zins ab 4. Juni 2011 zu bezahlen; im Mehrbetrag wies sie das Genugtu-
ungsbegehren des Privatklägers ab (Urk. 55 S. 50, Dispositivziffer 8).
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2. Gegen das mündlich eröffnete Urteil liess der Beschuldigte mit Eingabe vom
14. September 2012 fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 46). Das vollständig
begründete Urteil wurde von der Verteidigung des Beschuldigten am 5. Dezember
2012 entgegengenommen (Urk. 54/2). Mit Eingabe vom 12. Dezember 2012 er-
stattete der Verteidiger innert Frist die Berufungserklärung und erklärte, das vor-
instanzliche Urteil werde vollumfänglich angefochten (Urk. 56 S. 2). Zudem stellte
er den Beweisantrag, es sei bei Dr. B._ rechtzeitig vor der Berufungsver-
handlung ein aktueller Bericht über den Therapieverlauf betreffend die deliktsori-
entierte ambulante Psychotherapie einzuholen (Urk. 56 S. 2). Mit Präsidialverfü-
gung vom 7. Januar 2013 wurde dem Privatkläger sowie der Staatsanwaltschaft
Zürich-Limmat Frist angesetzt um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben
oder Nichteintreten auf die Berufung beantragt werde (Urk. 57). Die Anklagebe-
hörde erhob mit Eingabe vom 29. Januar 2013 fristgerecht Anschlussberufung,
wobei sie diese nicht beschränkte (Urk. 59); der Privatkläger liess sich nicht ver-
nehmen. Mit Präsidialverfügung vom 6. Februar 2013 wurde der Anklagebehörde
Frist angesetzt, um ihre Anschlussberufung zu verdeutlichen und insbesondere
anzugeben, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils sie verlange (Urk.
60). Mit Eingabe vom 11. Februar 2013 teilte die Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat mit, dass sie die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils mit Ausnahme
der Dispositivziffern 2 und 3 beantrage und verlange, dass der Beschuldigte mit
einer Freiheitsstrafe von drei Jahren bestraft werde (Urk. 62). Am 7. Juni 2013
wurde Dr. B._ schriftlich um Ausstellung eines aktuellen Berichts über den
Therapieverlauf betreffend die deliktsorientierte ambulante Psychotherapie er-
sucht (Urk. 67). Mit Eingabe vom 13. Juni 2013 teilte der Verteidiger des Beschul-
digten mit, dass die Berufung nunmehr auf die Bemessung des unbedingt zu voll-
ziehenden Teils der Freiheitsstrafe von 30 Monaten sowie auf die Bemessung der
Genugtuungssumme beschränkt werde und stellte die eingangs genannten An-
träge (Urk. 69). Mit Eingabe vom 14. Juni 2013 zog die Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat ihre Anschlussberufung zurück (Urk. 71). Dem Staatsanwalt wurde am
27. Juni 2013 das persönliche Erscheinen erlassen. Der Therapiebericht von Dr.
B._ ging am 2. Juli 2013 (per Fax) ein (Urk. HD 74). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung stellte der unentgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers den
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Antrag auf Bestätigung der vorinstanzlich zugesprochenen Genugtuung (Prot. II
S. 13).
II. Prozessuales
Gemäss Art. 402 i.V.m. Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des angefochtenen Ur-
teils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nach dem Teilrückzug der Berufung
des Beschuldigten und dem Rückzug der Anschlussberufung der Anklagebehörde
sind die Dispositivziffern 1 (Schuldspruch betreffend schwere Körperverletzung im
Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB), 2 (Strafzumessung), 4 (Weisung), 5 und 6 (Her-
ausgabe beschlagnahmter Gegenstände), 7 (Schadenersatzanspruch des Privat-
klägers) sowie 8 bis 11 (Kosten- und Entschädigungsdispositiv) in Rechtskraft er-
wachsen, was vorab festzustellen ist. Als mitangefochten hat die Festlegung der
Dauer der Probezeit gemäss Dispositivziffer 3 des vorinstanzlichen Urteils zu gel-
ten, da diese bei Anordnung eines teilbedingten Vollzugs vom Umfang des aufge-
schobenen Teils der Strafe abhängig sein kann.
III. Strafvollzug
1. Die Vorinstanz schob den Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang von 15 Mona-
ten auf und ordnete für deren übrigen Umfang (15 Monate, abzüglich 254 durch
Untersuchungshaft und 4 durch Ersatzmassnahme erstandene Tage) den Vollzug
an. Damit werde der Warnwirkung genügend Gewicht verschafft (Urk. 55 S. 45).
2.1. Bei der teilbedingten Strafe darf der unbedingt vollziehbare Teil die Hälfte der
Strafe nicht übersteigen (Art. 43 Abs. 2 StGB) und muss sowohl der aufgescho-
bene als auch der zu vollziehende Teil mindestens sechs Monate betragen (Art.
43 Abs. 3 StGB). Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise
auf, so setzt es eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren an (Art. 44 Abs. 1 StGB).
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2.2. Der zu vollziehende Teil muss einerseits verschuldensangemessen sein. An-
dererseits ist die Prognose zu berücksichtigen (BSK StGB I-Schneider/Garré, Art.
43 N 15 f.).
3.1. Dass die Vorinstanz den Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang von 15 Mona-
ten aufschob und für deren übrigen Umfang (15 Monate, abzüglich 254 durch Un-
tersuchungshaft und 4 durch die Ersatzmassnahme erstandenen Tage) den Voll-
zug anordnete, ist in Anbetracht der konkreten Umstände im Ergebnis nicht zu
beanstanden. Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte den
subjektiven Tatbestand noch vor Vorinstanz bestritt, was sich negativ auf die
Prognose auswirkte. Nach dem vorinstanzlichen Urteil ist es beim Beschuldigten
offenbar insofern zu einem Sinneswandel gekommen, als er seine ursprünglich
nicht beschränkte Berufung insbesondere mit Bezug auf den Schuldpunkt und die
Strafzumessung nicht aufrecht erhielt. Dies lässt erkennen, dass der Beschuldigte
sich nach Erhalt des begründeten Urteils der Vorinstanz mit seiner Tat auseinan-
dergesetzt hat und er nunmehr bereit ist, zu seinem Verhalten in der Tatnacht zu
stehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Diese Einschätzung wird
durch den vom 1. Juli 2013 datierenden Therapiebericht des Psychiaters Dr.
B._, bei dem sich der Beschuldigte seit 17. Februar 2012 in einer ambulan-
ten deliktsorientierten Therapie befindet, bestätigt. Dieser hielt insbesondere fest,
dass der Beschuldigte regelmässig und pünktlich zu den Therapiestunden er-
schienen sei und sich engagiert in der Selbstreflektion gezeigt habe. Der Be-
schuldigte könne sich glaubhaft von Gewalt als Konfliktlösungsstrategie distanzie-
ren und habe in den zurückliegenden Monaten in schwierigen Situationen neue
Verhaltensmuster ausprobiert und zunehmend gefestigt. Über den gesamten The-
rapiezeitraum lasse sich beim Beschuldigten ein deutlich zunehmendes Verant-
wortungsgefühl gegenüber anderen Menschen und bezüglich der eigenen Hand-
lungen im Sinne eines sich in verschiedenen Lebensbereichen zeigenden Reife-
prozesses konstatieren. Es sei dem Beschuldigten gelungen, seine vorbestehen-
de Bagatellisierungstendenz kritisch zu überprüfen, daraus Schlussfolgerungen
für sein Verhalten zu ziehen und dies auch in schwierigen Momenten wiederholt
umzusetzen, was wiederum sein Selbstvertrauen gestärkt habe. Aus seiner Sicht
sei ein Ermöglichen zumindest der teilweisen Alltagsfortführung für die Entwick-
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lung des Beschuldigten sinnvoll und hilfreich. Er halte aus therapeutischer Sicht
einen erneuten Gefängnisaufenthalt nicht für entwicklungsförderlich (Urk. HD 74
S. 1 f.).
3.2. Der Gutachter D._ hatte im psychiatrischen Gutachten vom 19. Januar
2012 eine deliktorientierte Behandlung des Beschuldigten als sinnvoll erachtet,
um das bestehende Rückfallrisiko zu senken, wobei das Delikt im Zentrum des
therapeutischen Prozesses stehe, um hierüber deliktpräventiv wirksame Hand-
lungsalternativen bei allenfalls neuerlich aufkommenden und deliktfördernd wir-
kenden Stimuli zu erarbeiten (Urk. 15/13 S. 52). Da die Auseinandersetzung mit
der Tat und die vollumfängliche Übernahme der Verantwortung dafür wichtige
Schritte in Richtung des vom Gutachter aufgezeigten Ziels sind, wirkt sich die
nunmehr eingetretene Entwicklung positiv auf die Prognose aus. Bei Belassung
der Probezeit auf vier Jahre kann dem insoweit Rechnung getragen werden, als
der vollziehbare Teil der Freiheitsstrafe reduziert wird, indem der Vollzug der
Freiheitsstrafe im Umfang von 17 Monaten aufzuschieben und für deren übrigen
Umfang (13 Monate, abzüglich 254 durch Untersuchungshaft und 4 durch die Er-
satzmassnahme erstandene Tage) der Vollzug anzuordnen ist.
IV. Genugtuung
1. Die Verteidigung beantragt, es sei die dem Privatkläger von der Vorinstanz zu-
gesprochene Genugtuung in Höhe von Fr. 30'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 4. Juni
2011 auf höchstens die Hälfte zu reduzieren (Urk. 69 S. 2).
2. Die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zur Zusprechung und Bemes-
sung einer Genugtuung sind korrekt, weshalb darauf verwiesen werden kann
(Urk. 55 S. 48).
3. Der Privatkläger erlitt neben einer Schädel-Hirnverletzung mit akuter Hirnblu-
tung vorne rechts und vorne unten beidseits einen Schädelbruch rechtsseitig so-
wie eine Anosmie, bedingt durch die teilweise und irreparable Zerstörung des ers-
ten Hirnnervs (Urk. 7/11; Urk. 7/13). Auch wenn beim Privatkläger keine weiteren
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Folgeschäden eintreten sollten, wird er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bis
an sein Lebensende mit dem Verlust des Riechsinns zurechtkommen müssen
(Urk. 7/13 S. 3). Es versteht sich von selbst, dass dieser Verlust eine erhebliche
Einbusse der Lebensqualität des Privatklägers mit sich bringt, und zwar unabhän-
gig davon, ob der Privatkläger den Riechsinn für die Ausübung seines Berufs be-
nötigt oder nicht.
Die Verteidigung vermag mit ihren Ausführungen, weshalb die vorinstanzlich fest-
gelegte Genugtuungssumme zu hoch angesetzt sei (Urk. 75 S. 10 ff.), nicht zu
überzeugen. Abgesehen davon, dass Präjudizien aufgrund der nötigen Einzelfall-
betrachtung sowie des weiten richterlichen Ermessensbereichs schon grundsätz-
lich nur beschränkt vergleichbar und aussagekräftig sind, lassen sich die vom
Verteidiger zitierten vier Gerichtsurteile, mit welchen Genugtuungssummen zwi-
schen Fr. 2'500.– und Fr. 10'000.– zugesprochen wurden (vgl. Urk. HD 75 S. 11
f.), mit dem vorliegenden Fall auch schon deshalb nicht vergleichen, weil sie über
10 Jahre, bzw. grösstenteils gar über 15 Jahre zurückliegen. Hinzu kommt, dass
diesen Fällen eine ganze Anzahl von anderen Fällen gegenübersteht, in denen
weit höhere Genugtuungssummen zugesprochen wurden (vgl. Hütte/Ducksch,
Die Genugtuung - eine tabellarische Übersicht über Gerichtsentscheide, 3. A., Zü-
rich 1996, VIII/24 ff.). Weiter übersieht der Verteidiger (Urk. HD 75 S. 11; Prot. II
S. 15), dass tätige Reue zwar unter Umständen zu einer Reduktion der Genugtu-
ung führen kann, diese aber jedenfalls einen über blosse Worte hinausgehenden,
persönlichen und aktiven Beitrag des Täters zur Bewältigung der Folgen des
schädigenden Ereignisses voraussetzt (vgl. Hütte/Ducksch, a.a.O., I/55). Ein Be-
reuen der Tat vor den Strafverfolgungsbehörden (Urk. 38 S. 12; Prot. II S. 15),
aber auch eine (gemäss den Angaben des Beschuldigten, vgl. Urk. 55 S. 43) per-
sönliche Entschuldigung gegenüber dem Privatkläger genügt hiezu nicht. Dass
sodann eine "rechte" (Urk. HD 75 S. 11; Prot. II S. 15) bzw. gerechte Bestrafung
eines Täters einen genugtuungsreduzierenden Effekt haben kann, ist höchstens
im Falle leichter, nicht vorsätzlich verübter Beeinträchtigungen vorstellbar (vgl.
Hütte/Ducksch, a.a.O.), fällt somit hier ebenfalls ausser Betracht. Schliesslich
kann entgegen der Auffassung des Verteidigers (Urk. HD 75 S. 12) ein genugtu-
ungsverminderndes Mitverschulden des Privatklägers selbst dann nicht bejaht
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werden, wenn von einer verbalen Provokation von dessen Seite auszugehen wä-
re, stehen doch die mehrfachen, unvermittelt und brutal ausgeführten Fusstritte
des Beschuldigten in keinem Verhältnis dazu.
Unter den gegebenen Umständen ist die von der Vorinstanz festgelegte Höhe der
Genugtuung nicht zu beanstanden, weshalb sie zu bestätigen ist.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
2. Der Beschuldigte obsiegt im Berufungsverfahren insoweit, als seinem Antrag,
es sei der vollziehbare Teil der vorinstanzlich gegen ihn ausgesprochenen Frei-
heitsstrafe zu reduzieren, teilweise stattzugeben ist. Diese Reduktion beruht in-
dessen nicht darauf, dass dem vorinstanzlichen Urteil in diesem Punkt nicht ge-
folgt werden könnte, sondern liegt einzig darin begründet, dass beim Beschuldig-
ten nach dem Erlass des vorinstanzlichen Urteils eine Entwicklung eingetreten ist,
die eine günstigere Prognose zulässt. Die Kosten des Berufungsverfahrens, ein-
schliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, aber exklusive derjenigen der
unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklägers, sind daher ihm aufzuerlegen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind unter Vorbehalt des Rückforderungs-
rechts des Staates auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 Abs. 4 StPO). Das
urteilende Gericht legt die Entschädigung am Ende des Verfahrens im Urteil fest
(Art. 135 Abs. 2 StPO; Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2013,
6B_611/2012, Erw. 5.3. ff., zur Publikation vorgesehen). Entsprechend ist der
amtliche Verteidiger für das Berufungsverfahren gemäss seinen Honorarnoten
(Urk. 73 und 76), ergänzt um den Aufwand für die Berufungsverhandlung (2 Stun-
den und Weg), mit Fr. 7'402.75 (inkl. MWSt) aus der Gerichtskasse zu entschädi-
gen.
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Die Kosten des unentgeltlichen Rechtsvertreters des Privatklägers sind auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Er ist gemäss seiner Honorarnote (in welcher der Auf-
wand für die Berufungsverhandlung bereits zutreffend veranschlagt wurde, vgl.
Urk. 77) mit Fr. 1'639.45 zu entschädigen.