Decision ID: a0708550-9b8f-5971-949c-5cf7ec373fdf
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
19
6
3 geborene
X._
,
Mutter
dreier
Töchter
(Jahrgang
1989,
1992 und 1996
),
absolvierte die Ausbildung zur Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin. Sie
arbeitete
vom
1.
Mai 1985 bis am 3
0.
April 1987 in einem 80%-Pensum als Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin im
Z._
der Stadt
A._
und vom
1.
Juni 1987 bis am 3
0.
Juni 1989 in
einem
65.5%
-Pe
nsum als Hauspflegerin im
B._
in Zürich. Seit dem
1.
Juli 1989
war
sie Hausfrau
(Urk. 7/48
-49
)
.
Am
27.
November 2013 (Eingangsdatum) beantragte die Versicherte
unter Hinweis auf ihre Neuropathie sowie auf den Morbus Bechterew
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, den Bezug eines Rollhockers für die Küche (
Urk.
7
/1-3). Mit Verfügung vom
11. Februar 2014
verneinte die IV-Stelle wie vorbeschieden die Kostengutsprache für einen Rollhocker (Urk. 7/12).
Nachdem ihr die IV-Stelle
diverse Kostengutsprachen für verschiedene Hilfsmittel gewährt hatte (Urk.
7/
14,
Urk.
7/17,
Urk.
7/26
,
Urk.
7/30
,
Urk.
7/35
), meldete sie sich a
m 18.
Juli 2017
(Eingangsdatum)
zum
Rentenbezug a
n (Urk.
7/
4
8
-49
).
Zur Abklärung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse zog die IV-Stelle einen Auszug aus
dem
individuellen Konto bei
(Urk.
7/53),
holte Berichte der
behandelnden
Ärzte ein (Urk.
7/
60
und Urk.
7/
76
) und führte am
6.
Februar 2018 eine Haushaltsabklärung durch
(Urk.
7
/86)
.
Daneben
gewährte sie weitere Kosten
gutsprachen für Hilfsmittel (
Urk.
7/57
,
Urk.
7/
68
,
Urk.
7/
79
und Urk.
7/
81).
In der Folge verneinte die IV-Stelle mit
Vorbescheid vom
19. Februar 2018 einen Rentenanspruch (Urk. 7/8
9). Dagegen erhob
die Versicherte
Einwände
(
Urk. 7/90
, Urk. 7/
93
und Urk. 7/
98)
. M
it Verfügung vom 24. September
2018
wies die IV-Stelle das Rentenbegehren
ab
(Urk. 2)
.
2.
Die Versicherte erhob am 2
3.
Oktober 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
4.
September 2018 (
Urk.
2) und beantragte, ihr sei in Aufhebung der ange
fochtenen Verfügung eine ganze Invalidenrente auszurichten, eventualiter sei ihr mindestens eine Viertelrente zuzusprechen und
subeventualiter
seien er
gänzende medizinische Abklärungen auf Kosten der
Beschwerde
geg
nerin
anzu
ordnen (
Urk.
1
). Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
November 2018 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was de
r
Beschwerdeführer
in
mit Ver
fügung vom 2
9.
November 2018 angezeigt wurde (
Urk.
8).
3.
Auf
die
Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Ver
waltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur
teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurtei
lung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beur
teilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfü
gung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massge
bende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medi
zini
schen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1).
Nicht zwingend er
forderlich ist, dass die versicherte Person untersucht wird, so
fern es im Wesent
lichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen Sachver
halts geht (Urteil des Bundesgerichts vom
2
7.
Oktober 2015
,
9C_309/2015
, E.
1 mit Hinweis auf
Urteil des Bundesgerichts vom 1. Mai 2015 9C_25/2015 E. 4.1
).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu na
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückwe
isung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Ver
waltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweis
erhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformatorisch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen mög
lich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig unge
klärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesge
richts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3)
.
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen,
die Beschwerdeführerin wäre ge
mäss den Abklärungen an Ort und Stelle ohne gesundheitliche Beeinträchtigung in einem Pensum von 35
%
im Haushalt und in einem Pensum von 65
%
im Bereich hauswirtschaftliche Betriebsleitung erwerbstätig. Die bisherige Erwerbs
tätigkeit sei ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich. Eine ange
passte Tätigkeit sei ihr zumutbar, wobei ein invaliditätsbedingter Abzug von 25
%
gewährt werde, da der Arbeitsweg aufgrund der gesundheitlichen Einschränkun
gen mehr Zeit in Anspruch nehme.
Ein zusätzlich
er
leidensbedingter Abzug von 25
%
sei daher nicht möglich
. Der
Invaliditätsgrad
betrag
e
31
%
, womit kein Rentenanspruch
be
stehe
(Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend
,
d
ass ihr der
Regionale
M
edizinische Dienst (
RAD
)
nach einer Aktenbeurteilung
eine
sitzende Tätigkeit
zumute. Dabei habe er nicht berücksichtigt, dass diese
nicht uneingeschränkt
möglich sei, da sie wegen ihrer
entzündlichen Erkrankungen schnell ermüde. Gleichzeitig
sei eine
Wechselbelastung
nicht möglich, weil sie an
Gl
e
ichgewichts
störung
en
mit Fallneigung
leide
. Die Ermüdungsneigung sei
somit bei der sitzen
den
Tätigkeit
als zusätzliche
Einschränkung des
theoretisch möglichen angepass
ten Leistu
n
gsprof
i
l
s zu berücksichtigen.
Die Beschwerdegegnerin habe es trotz
Untersuchungsgrund
satz
unterlas
s
en, dies genau abzuklären.
Zudem habe die
Beschwerdegegnerin trot
z
entsprechender Empfehlung des RAD nicht abgeklärt, ob die Verweistätigkeit im genannten Arbeitsprofil im 5
4.
Lebensjahr auf dem ersten Arbeitsmarkt realistisch umsetzbar und somit zumutbar wäre (
Urk.
1 S. 3).
Eine
solche Verweistätigkeit
mit erschwertem Arbeitsweg dürfte
nur auf dem sekun
dären Arbeitsmarkt oder bei einem sehr grossen Entgegenkommen eines Arbeit
gebers zu finden sei
n
. Es
sei
daher von
der
Unzumutbarkeit der angepassten Tä
tigkeit auszugehen.
Sollte das Gericht eine solche Verweistätigkeit als zumut
bar erachten, sei auch für die erhöhte Ermüdungsneigung bzw. dem
damit
einherge
henden Pausenbedarf eine über die angenommenen 20
–
30
%
hinausge
hende Leistungseinschränkung anzunehmen. Weiter
sei
hinsichtlich
des fortge
schritte
nen Alters, der längeren Abwesenheit vom Arbeitsmarkt und der anhal
tenden Schmerzen ein leidensbedingter Abzug zu gewähren. Dieser se
i
auf mindestens 15
%
festzulegen. Zudem sei es überwiegend wahrscheinlich, das
s
sie
heut
e
min
destens
in einem
80%
-Pensum a
r
b
e
i
ten würde, da die Kinder mittler
weile voll
jährig
seien
und teilweise
sogar
im Ausland studieren
würden
(
Urk.
1
S. 4)
.
D
ie
Haushaltsabklärung
sei
in verschiedener Hinsicht
zu kritisieren
(
Urk.
1
S.
5
).
3.
3.1
In den Berichten
der Klinik für Neurologie,
C._
,
vom
22. April und
vom
28.
Mai 2013 wurden folgende Diagnosen genannt (
Urk.
7/1/2
und Urk. 7/8/1
):
-
Gangataxie
bei sensomotorischer axonaler Neuropathie unklarer Ätiologie, übe
r
1
Jahr progredient mit Einschränkung der Tiefensensibili
tät seit Sommer 2011 (DD funikuläre
Myelose
bei normalen B12-Spiegeln und normaler LP 8/2012, negative Neoplasma-Suche und immunologi
schen Parametern, Ausschluss einer Small-Fiber-Polyneuropathie)
-
In den letzten Monaten Tendenz zur Besserung, keine Progredienz
-
MRI HWS 01/2012: keine Läsion
-
MRI BWS 01/2012: V.
a. T2-hyperintense
myeläre
Läsionen (unzu
reichende Bildqualität)
-
MRI BWS 30.01.2013:
keine sicheren
myelären
Läsionen, MRI Schädel 30.01.2013: kleine unspezifische Herde, MRI LWS 30.01.2013: degene
rative Veränderungen ohne Einengung des Spinalkanals oder der Ner
venwurzeln
-
ANA, SS-A und SS-B unauffällig, LP o.B., Kälte-Agglutinine, Borrelien-Suchtest, Lues-Screen,
Methylmalonsäure
, Immunelektro
phorese o.B.
-
St. n
. parenteraler Vitamin B12-Substitution
-
Klinisch links- und
distalbetonte
Paraparese der Beine mit
Arreflexie
, hochgradiger Lagesinnstörung,
Pallhypästhesie
und neuropathischen Schmerzen
-
Morbus Bechterew
-
Therapie mit Methotrexat seit ca. 2004
Die Zuweisung der
Beschwerdeführerin
zur s
tationären Neurorehabilitation sei wegen einer progredienten
Gangataxie mit Einschränkung der Tiefensensibilität seit
dem
Sommer 2011
erfolgt
. Vo
m
4.
März bis am 2
8.
März 2013
habe e
in
stationäre
r
Aufenthalt statt
gefunden
(
Urk.
7/8/1).
3.
2
Dr.
med.
D._
,
Oberarzt an der
Klinik für Neurologie,
E._
, stellte in seinem Bericht vom
22. Dezember 2016
folgende Diagnosen (Urk.
7/60/
6
):
-
V.a. chronisch-progrediente Multiplex-Neuropathie unklarer Zuordnung
-
MRI HWS 1/12, BWS 1/12, BWS 1/13: keine Läsionen
-
MRI Schädel 1/13 und 2/15: kleine
a.e
. unspezifische Marklagerläsio
nen mit Progredienz im Verlauf
-
Motorische Neurographie:
N.
medianus /
N.
ulnaris
normal;
N.
peronae
us
und
N.
tibialis
mit Amplitudenreduktion,
N.
suralis
normal
-
EMG: M. iliopsoas, M. gastrocnemius, M.
tibialis
anterior mit
pSA
-
SEPs
N.
ulnaris
: Normalbefund
-
Labor: Borreliose / Lues negativ, HIV / CMV / EBC / T.
whipplei
negativ
ANA, ANCA, Anti-CCP,
lgA
,
lgG
,
lgM
, Rheumafaktor, Anti-MAG, Anti-ZNS-A
Ks,
Gangliosid
-AKs unauffällig
Bei der
Beschwerdeführerin
bestehe eine schmerzlose sensomotorische chronisch progrediente Multiplex-Neuropathie mit Zeichen axonaler Degeneration im ENMG.
Differenzial
diagnostisch käme eine MADSAM in Frage
(
Urk.
7/60/8).
3.3
Am
1
6.
Februar 2017
fügte
Dr.
D._
seinen Diagnosen hinzu, dass aufgrund der Rektum-Biopsie kein Anhalt für
Amyloidose bestehe und die Beschwerdefüh
rerin
an
einer geringen Schrankenstörung
, LP 10/16
, leide
(Urk.
7/60/
4
).
Weiter berichtete er,
dass bei der Beschwerdeführerin
die klinischen Kriterien für eine
asymmetrische
CIDP bzw. MADSAM gemäss EFNS/PNS
erfüllt seien
. Zusätzlich liege mindeste
ns ein
Supportivkriterium
vor (V
.a. entzündliche
Neuropathie
im Plexus-MRI). Im
n
euromuskulär
en Ultraschall fänden sich fokal
e
Vergrösserun
gen
des Nervenquerschnitts des
N.
medianus a
x
illär, des
N.
tibialis
und
N.
peronaeus
in der Kniekehle und der Nervenwurzel C6 im
Längsschnitt
. Der elekt
r
o
physiologische Nachweis von Leitungsblöcken
sei aufgrund der Adipositas insbesondere p
roximal
erschwert
. Insgesamt
sprächen
die Befunde aber
für
eine
MADSAM. Anhalt für eine Infektion oder eine Vaskulitis habe sich laborchemisch nicht gefunden. Die
Beschwerdeführerin
werde mit einem Zyklus intravenöser Immunglobuline
therapiert
,
diese
r
werde durch eine
Physiotherapie
zu Hause be
gleitet
und im Anschluss
soll
te
eine stationäre Rehabilit
at
ion
erfolgen
(
Urk.
7/
60/5)
.
3.4
Am 1
6.
Juni 2017
ergänzte
Dr.
D._
die bestehenden Diagnosen
durch die folgenden MR-Neurographien
(Urk. 7/60/1)
:
-
MR-Neurograp
h
ie
Plexus brachialis: Linksseitiger Plexus brachialis mit
Kaliberauftreibungen
, Nervenödemen und fraglich flauen Kontrastmit
telanreicherungen in nahezu allen Anteilen sowie der aus ihm entsprin
genden Nerven. Rechtsseitiger Plexus brachialis mit unauffälliger Dar
stellung
-
MR-Neurographie
Plexus
lumbos
acralis
: Pathologische, alle Faszikel ein
schliessende
Kaliberauftreibung
e
n
mit korrelierenden T2-Signalan
hebung des
Nervus
ischiadicus beidseits, des
Nerv
u
s
genitof
e
moralis
(rechts mehr als
links
) und des
Nervus
obturatorius rechts
Weiter
hielt
er fest, dass d
ie Beschwerdeführerin nach 3x1 Woch
e Immunglobu
line
zur Verlaufsbeurteilung
gekommen
sei
.
Schon in der ersten Th
erapiewoche habe sie die Beine viel besser
bewegen können. Die Kraft
und die Beweglichkeit in den Beinen und Armen sei viel besser. Sie sei weniger steif und mit der linken Hand könne sie besser greifen und Gläser öffnen. Beim Treppensteigen sei sie weniger erschöpft.
Die Schmerzen in den Füssen hätten jedoch zugenommen
und das Gleichgewicht sei noch nicht gut. Längere Distanzen könne sie wegen der Schwäche nicht zurücklegen. Anamnetisch sowie klinisch liege eine klare Besse
rung der Paresen und des Gleichgewichts infolge der Immunglobulin-Therapie vor. Die Beschwerdeführerin fühle sich noch etwas unsicher und benutze daher den Rollstuhl im Aussenbereich und im Haus einen Rollator. Es sei ausführlich besprochen worden, dass durch eine Physiotherapie eine weitere Besserung er
reicht werden könnte. Ziel sei eine kontinuierliche Steigerung der Belastbarkeit (
Urk.
7/60/3).
3.5
Dr.
med. F._
, Facharzt für Innere Medizin und Ultraschall,
G._
,
erhob
in seinem Bericht
vom
1.
November
2017
(Eingangsdatum)
, dass die Beschwerdeführerin an einer progredienten Proble
matik, nämlich einer inflammatorischen Neuropathie vom Typ MADSAM leide
,
und verwies
auf den aktuellen Bericht des
E._
vom
14.
September 201
7.
Es sei der Beschwerdeführerin nicht zumutbar
,
in ihrer
bis
herige
n
Tätigkeit als Hauswirtschaftsleiterin
zu arbeiten. Sie habe nach dem Grosswerden ihrer Kinder wieder als Hauswirtschaftsleiterin ar
b
eiten wollen, habe diesen Plan wegen ihrer progredienten Erkrankung leider nicht verwirklichen können. Die Prognose sei leider nicht günstig, weswegen ein Wiedereinstieg nicht möglich sei.
Zur Arbeitsfähigkeit in einer
angepasste
n
Tätigkeit
äusserte er sich nicht
(
Urk.
7/
76/3-5)
.
3.
6
Im Bericht
der Klinik für Neurologie
des
E._
vom 14.
September 2017 wurden die vor
genannten
Diagnosen
wiederholt
.
Es
wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin deutlich mehr Kraft habe
,
d
as Gleich
gewicht
jedoch
noch nicht ideal
sei
(
Urk.
7/76/6).
3.
7
Am 1
3.
November 2017 nahm PD
Dr.
med. univ.
H._
, Facharzt für Neurologie,
für den RAD
Stellung
(
Urk.
7/88/2-3)
. In Zusammenfassung der vor
liegenden Befunde bestehe mit dem
Verdacht auf
eine
inflammatorische Neuro
pathie (DD asymmetrische CIDP/MASDAM; ES 2011) ein namhafter Gesundheits
schaden. Die
Beschwerdeführerin
leide an einer deutlichen Gangunsic
herheit und einer Gehbeeinträchtigung. Fü
r die oberen Ext
remitäten und den Hirnnerven
ber
e
i
c
h seien zuletzt keine klinische
n
Manifestationen beschrieben
worden
. Die bisherige Tätigkeit als Hauswirtschaftsleiterin
könne die Beschwerdeführerin nachvollziehbar
nicht mehr
ausüben
. Es liege eine 100
%
-
ige
Arbeitsunfähigkeit vor.
Retrospektiv
könne diese ab spätestens Anfang 2017 angenommen werden. In angepasster Tätigkeit (sitzend, körperlich leicht, keine gesteigerten Anforde
rungen an die Feinmotorik der Finger und Hän
d
e, rollstuhl
gängiger
Arbeitsplatz) könne medizinisch-theoretisch von einer Restarbeitsfähigkeit ausgegangen wer
den. Bei deutlich erschwerte
n Arbeitswegen sei
diesbezüglich ein Abzug
von 20
%
bis 30
%
anzunehmen. Ob
ihr ein
70-80%
-Pensum
im genannten Arbeitsprofi
l
im 5
4.
Lebensjahr zumutbar und auf dem
1.
Arbei
tsmarkt realistisch umsetzbar s
e
i
, werde dem Kundenbetreuer zur Beurteilung empfohlen. Eine
ren
ten
tangierende Besserung des Gesundheitszustands sei nicht zu erwarten.
4.
4.1
Unstrittig ist, dass
bei der
Beschwerdeführerin – laut den Angaben der behan
delnden Ärzte
sowie der Stellungnahme des RAD
– in somatischer
Hinsicht
eine
Neuropathie besteht
,
aufgrund welcher die Beschwerdeführerin
an einer deutli
chen Gangunsicherheit und Gehbeeinträchtigung leidet.
Strittig und zu prüfen ist hingegen, ob und in welchem Umfang sich diese
s
Leiden –
in einer angepassten Tätigkeit – auf
ihre
Arbeitsfähigkeit auswirk
t
. Dies kann anhand der im Recht liegenden Akten nicht beurteilt werden.
4.2
Die Ärzte der neurologischen Klinik der
C._
und des
E._
äusserte
n
sich
nicht
zur
Arbeitsfähigkeit (E. 3.1-3.3
und E. 3.5
)
.
Im Schreiben des
E._
vom 16. August 2017 wurde die Beschwerdegegnerin darauf hingewiesen, dass die Beurteilung der Arbeitsfähig
keit jederzeit im Rahmen eines Gutachtens angefragt werden könne (
Urk.
7/61).
Ein
zig d
er Hausarzt Dr.
F._
hielt fest, dass die Beschwerdeführerin
in ihrer bisherigen Tätigkeit
als Hauswirtschaftsleiterin
voll
arbeitsunfähig
sei
(E. 3.4)
. Er machte
jedoch
keine Angaben zu
einer
angepasste
n
Tätigkeit
, da
er
diese wohl als unzumutbar erachtet
e
.
Die Beschwerdegegnerin holte in der Folge einzig eine interne Beurteilung des RAD ein
(E. 3.6)
.
Ohne die Beschwer
deführerin zu unter
suchen, kam
der
RAD-Arzt
zum
Schluss, dass die Beschwerdeführerin
in
ange
passte
r
Tätigkeit
(sitzend, körperlich leicht, keine gesteigerten Anforderungen an die Feinmotorik der Finger und Hände
,
r
ollstuhlgängiger Arbeitsplatz
)
infolge
eines Abzug
s
von 20
%
- 30
%
für einen erschwerten
Arbeitsweg
in einem 70-80%-Pensum arbeiten könnte
.
Er führte jedoch nicht aus,
inwiefern
der
Beschwerdeführerin optimal angepasste – insbesondere in sitzender Position
bzw. im
R
ollstuhl
sitzend
zu verrichtende Arbeitstätigkeiten –
aufgrund
einer allfällig
erhöhten Ermüdungsneigung zumutbar wären.
Diesb
ezüglich fehlt es
ebenfalls
an einer fachärztlichen Beurteilung
.
Vorliegend geht es somit nicht
um die Beurteilung eines bereits klar feststehenden medizinischen Sachverhalts
,
womit die direkte ärztliche Befassung mit der versi
cherten Person in den Hintergrund rücken würde
.
Vielmehr hinterlassen die bis
lang vorhandenen medizinischen Akten eine ungesicherte Beweislage
. Insgesamt kann demnach
nicht gesagt werden, dass keinerlei Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der RAD-Stellungnahme bestehen
. Zudem ist
das
Vorgehen
der Beschwerdegegnerin
mit Blick auf den im Verwaltungsverfahren der Invaliden
versicherung geltenden Untersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde gehalten ist, den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären (
Art.
43 ATSG, BGE 130 I 180 E. 3.2), nicht statt
haft.
5.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass
hinsichtlich
der gegebenen Aktenlage das Vorliegen eines Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin weder verneint noch bejaht werden kann. Die angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den medizinischen Sachverhalt rechtsgenüglich abkläre und gestützt darauf neu über den Renten
anspruch der Beschwerdeführerin verfüge.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1bis IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen.
Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
Überdies hat
die
obsiegende Beschwerdeführer
in
Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (
§
34
Abs.
1
GSVGer
in Verbindung mit
Art.
61
lit
. g ATSG). Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Somit
erweist sich eine Parteientschädigung von
Fr.
1’000
.-- (inkl. Barauslage und Mehrwertsteuer) als angemessen.