Decision ID: dfa2b51b-f5cb-4b52-be74-947ba844a9c6
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, arbeitete zuletzt vom 1. Juni bis 30. September 2014 aushilfsweise als Sachbearbeiter Rückversicherung bei der
Y._
AG in einem Pensum von 80 %
(Urk. 9/2/7-12). Am 13. November 2015 meldete er sich aufgrund einer Depres
sion
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
9
/3 S. 5 Ziff. 6.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische sowie erwerbliche Situation ab und sprach dem Versicherten Früh
interventions
massnahmen in Form von Arbeitsvermittlung plus zu (vgl. Mit
teilung vom 5. April
2016, Urk.
9
/24). Im Juli 2016 wurde die Arbeits
ver
mittlung abge
schlossen (Urk.
9
/34). Die IV-Stelle nahm daraufhin weitere Abklärungen vor und veran
lasste insbesondere eine psychiatrische Begut
achtung, über welche am 27. Dezem
ber 2016 berichtet wurde (Urk.
9
/49).
M
it Verfügung vom 5. Mai 2017 (Urk.
9/59
) verneinte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch des Versicherten.
Die dagegen am
29. Mai 2017 (Urk. 9/62/3-11) erhobene Beschwerde hiess das Sozialversiche
rungsgericht mit Urteil vom 28. März 2018 in dem Sinne gut, als es die ange
fochtene Verfügung aufhob und die Sache zur erneuten Abklärung an die IV-Stelle zurückwies (Prozess Nr. IV.2017.00622; Urk. 9/64).
1.2
In Umsetzung dieses Urteils veranlasste die IV-Stelle eine psychiatrische Begut
achtung des Versicherten durch Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, der sein Gutachten am 15. November 2018 erstattete
(Urk.
9/75). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 9/84
; Urk. 9/86-87
) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 18. November 2020 bei einem Invaliditätsgrad von 50 % eine von 1. Mai 2016 bis 28. Februar 2017 befristete halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
40 % eine von 1. März
2017 bis 31.
Juli
2017 befristete Viertelsrente zu (Urk. 9/115; Urk. 9/109 = Urk.
2
/1
).
2.
Am 23. Dezember 2020 erhob der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 18. November 2020 (Urk. 2
/1
) und beantragte deren Aufhebung und die Zusprache einer
unbefristeten
ganzen Invalidenrente. Mit Beschwerdeantwort vom 8. Februar 2021 (Urk. 7) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung
der Beschwerde
, was dem Beschwerdeführer am 12. Februar 2021 mitgeteilt wurde
(Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG)
.
1.3
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestim
mun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
der Verordnung über die Invali
denversicherung,
IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinwei
sen;
Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse ein
getreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revi
sions
grund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl.
BGE
125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts
8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente
von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, he
r
ab
gesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
be
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
ga
benbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
wei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
liche
n gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leis
tung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl.
Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014
, Rn 11 zu Art. 30–31
). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung ins
gesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der ge
richtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prü
fung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise gere
gel
ten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
a
us (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem
weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen
(BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (Urk. 2
/1
) wie folgt: Der Beschwerdeführer sei gemäss Gutachten ab Anfang Oktober 2014 in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen. Ein allfälliger Rentenanspruch sei aufgrund der Anmeldung im November 2015 frühestens ab Mai 2016 zu prüfen. Aus medizinischer Sicht habe im Mai 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % in jeder Tätigkeit bestanden, weshalb ein Invaliditätsgrad von 50 % resultiere. In der Folge habe sich sein Gesundheitszustand verbessert; ab Dezember 2016 sei er in jeder Tätigkeit noch zu 40 % arbeitsunfähig gewesen, womit ab März 2017 eine Viertelsrente geschuldet sei (Verfügungsteil 2 S. 1).
Ab Mai 2017 habe wieder eine volle Arbeitsfähigkeit in jeder Tätigkeit bestanden, weshalb die Viertelsrente
bis Ende Juli 2017 befristet werde. Die Beurteilung durch den behandelnden Psy
chiater stelle eine lediglich andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts dar, jedoch komme auch er zum Schluss, dass die Depression remittiert sei (Verfü
gungs
teil 2 S. 2). Das Gutachten von Dr.
Y._
sei beweiswertig. Soweit der
Beschwerdeführer Korrekturen hinsichtlich verschiedener Lebensereignisse an
bringe
, vermöge dies im Ergebnis nichts zu ändern. Weiter sei das in der Medizin verbreitete bio-psycho-soziale Krankheitsmodell nicht gleichzusetzen mit dem sozialversicherungsrechtlichen Begriff der gesundheitlichen Beeinträchtigung (Urk. 7).
2.2
Der Beschwerdeführer machte sinngemäss geltend (Urk. 1), es sei aus näher dargelegten Gründen auf die Einschätzung durch seinen behandelnden Psychiater abzustellen und er sei bereits seit Mai 2009 in seiner Arbeitsfähigkeit einge
schränkt. Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100 % (S. 3-4). Dr.
Y._
habe ver
schie
dene Angaben falsch wiedergegeben (S. 5). Er habe die Medikation aufgrund der verschiedenen Nebenwirkungen absetzen müssen (S. 7). Seine Symptom
schil
derung, die Anamnese,
die Krankheitsentwicklung
sei
en
nicht korrekt wieder
ge
geben worden (S. 8
ff.
).
Der Rentenentscheid sei verfrüht, da die Eingliede
rungs
massnahmen nicht abgeschlossen seien (S. 13).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Das Sozialversicherungsgericht beurteilte
am 28. März 2018 (Urk. 9/64)
die bis
zum April 2017 ergangenen Arztberichte wie auch das Gutachten von Dr.
A._
(Urk.
9/49) unter anderem aufgrund der seither
geänderte
n Recht
spre
chung des Bundesgerichts zu psychischen Leiden
als nicht genügend beweis
wertig
(vgl. E. 4.2 des genannten Urteils)
, weshalb auf eine erneute Wiedergabe verzichtet wird.
3.2
Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte mit Be
richt vom 26. Juli 2018 (Urk. 9/70) aus, der Beschwerdeführer stehe seit 14. April
2016 bei ihm in Behandlung (Ziff. 1.1)
,
und es fänden im Schnitt einmal wöch
ent
lich psychotherapeutische Gespräche im Einzelsetting statt (Ziff. 1.2). Im Vorder
grund stünden aktuell Zukunfts- und Erwartungsängste sowie seltene aber heftige Panikattacken (Ziff. 2.2). Es erfolge keine Medikation aufgrund der Erfahrung
bezüglich fehlender Wirkung und starker Nebenwirkungen (Ziff. 2.3). Die D
iagnose laute
(soweit leserlich)
ICD-1 F32.1, F
43.1
und Verdacht auf F43.9 (Ziff. 2.5; mittelgradige depressive Episode,
posttraumatische Belastungsstörung,
Verdacht auf
Reaktion auf schwere Belastung, nicht näher bezeichnet). Die Prognose
zur
Arbeitsfähigkeit
sei noch nicht sauber beurteilbar, gefühlsmässig aber immer besser (Ziff. 2.7).
Zu den Ressourcen, die für eine Eingliederung hil
freich sein könnten, hielt Dr. B._
fest, der Beschwerdeführer verfüge über sehr viele Kon
takte und Sozialkompetenz, sei sportlich, liebe Reisen und bilde sich gerne weiter (Ziff. 3.5). Die bisherige Tätigkeit sei für 2 bis 4, eine angepasste Tätigkeit für 2
Stunden täglich zumutbar (Ziff. 4.1-4.2). Eine angstmachende druckvolle Um
ge
bung würden den Beschwerdeführer sicherlich in alte Muster zurückfallen lassen, die Sensibilität sei hoch (Ziff. 5).
3.3
Dr.
Z._
erstattete sein psychiatrisches Gutachten vom 15. November 2018 (Urk. 9/75) unter Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und der Befunde sowie nach Durchführung verschiedener Tests. Er stellte folgende Dia
gnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 12):
-
Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
Anlässlich der Begutachtung sei
en
eine leicht bedrückte Grundstimmung, eine leichte innere Anspannung und eine allgemeine Ängstlichkeit bei allerdings erhaltener affektiver Schwingungsfähigkeit und bei einem erhaltenen Elan vitae festzustellen gewesen. Objektiv habe der Beschwerdeführer keine Störung der mnes
tischen Funktionen, keine Antriebsstörungen und keine Verminderung der Psychomotorik aufgewiesen. Ergänzend zu den anamnestischen Angaben über leichte Ein- und Durchschlafstörungen, eine vollständig erhaltene Tagesstruktur und eine uneingeschränkte Fähigkeit, den Haushalt zu führen, könne gegenwärtig nicht von einer depressiven Symptomatik im Ausmass einer depressiven Episode ausgegangen werden (S. 13).
Die
frühe Kindheit
des Beschwerdeführers
sei ohne gravierende traumatische Ereignisse verlaufen, womit sich keine Hinweise auf die Bildung einer Persön
lichkeitsstörung in der frühen Kindheit ergäben. Die Kindheit sei aber geprägt gewesen durch die fehlende Präsenz des Vaters und dessen Alkoholprobleme, wo
bei der Beschwerdeführer offenbar Halt bei der Mutter gefunden habe.
Er
berichte über sexuelle Übergriffe und einen sexuellen Missbrauch ab dem 11. Lebensjahr, was aber weder anamnestisch noch aktenmässig zu Verhaltensauffälligkeiten oder sonstigen psychischen Problemen mit Krankheitswert während der Kindheit, Pubertät und im frühen Erwachsenenalter geführt habe. Damit könne nicht von der Entstehung einer posttraumatischen Belastungsstörung ausgegangen werden. Der Beschwerdeführer habe im Erwachsenenalter jahrelang ein unauffälliges Leistungsniveau aufgewiesen und es ergäben sich keine Hinweise auf ein anhal
tend auffälliges Verhaltensmuster bezüglich Kognitionen, Wahrnehmungen und
sozialer Interaktionen sowie keine Hinweise auf anhaltende Störungen der Im
puls- und Affektkontrolle, womit sowohl eine Persönlichkeitsstörung als auch eine andauernde Persönlichkeitsänderung
nach Extrembelastung klar ausge
schlos
sen werden könne. Es könne ab 2009 der Ausbruch psychischer Probleme mit Krankheitswert und eine vorübergehende volle Arbeitsunfähigkeit vom 26. Mai bis 30. September 2009 angenommen werden, welche aber aufgrund einer Arbeitsplatzüberlastung und einer belastenden Familiensituation aufgetreten sei und damit einer Anpassungsstörung zugeordnet werden könne. 2009 könne vom Ausbruch einer Angst und depressiven Störung gemischt ausgegangen werden, was aber unter einer etablierten Gesprächspsychotherapie die Arbeitsfähigkeit bis Oktober 2014 nicht nachhaltig beeinträchtigt habe. Seit Oktober 2014 könne auch vom Ausbruch einer Panikstörung sowie einer Akzentuierung sowohl der allge
meinen Ängstlichkeit als auch der depressiven Symptomatik und im Mai 2016 vom Ausbruch einer mittelgradigen depressiven Episode ausgegangen werden. Die psychische Verfassung habe sich aber unter Therapie und stationärer Behand
lung ab spätestens Anfang 2017 objektiv aufgrund der geschilderten Tages
aktivität und dem fehlenden Bedarf nach einer regelmässigen Psychopharma
ko
therapie wieder gebessert. Im Verlauf von 2017 und bis zum Untersuchungs
termin
im Oktober 2018
könne in diagnostischer Hinsicht wiederum von einer gemischten Angst und depressiven Störung sowie von einer Panikstörung aus
ge
gangen werden. Die im Gutachten von Dr.
A._
attestierte 40%ige Arbeits
unfähigkeit könne damit im Längsschnitt nicht mehr bestätigt und dem Be
schwer
deführer seit Anfang 2017 nur vorübergehende Arbeitsunfähigkeiten auf
grund von Panikattacken attestiert werden. Anlässlich der Begutachtung habe der Beschwerdeführer objektiv weitgehend uneingeschränkte psychokognitive Funk
tio
nen aufgewiesen. Bei einer voll erhaltenen Tagesstruktur und trotz geschil
der
tem Verlust von langjährigen Freunden erhaltenen sozialen Interaktionen könne ihm gegenwärtig keine Einschränkung seiner Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Nach längerer Arbeitsunfähigkeit sowie immer noch leicht bis mittelschwer ein
geschränkter psychischer Belastbarkeit aufgrund der diagnostizierten Störungen benötige er bei der Stellensuche eine fachliche Unterstützung (S. 13 unten f.).
Zur Konsistenz hielt Dr.
Z._
fest, die erhobenen Untersuchungsbefunde stimmten mit den anamnestischen Angaben bezüglich des Aktivitätsniveaus überein. Das Ausmass der geschilderten psychischen Beschwerden stimme nicht mit der Inanspruchnahme der therapeutischen Massnahmen überein (fehlende Psychopharmakotherapie).
Die Angaben des Beschwerdeführers würden nicht erheblich von der Aktenlage abweichen. Bei der Anamneseerhebung seien keine
Widersprüchlichkeiten festzustellen. Das Verhalten des Beschwerdeführers wäh
re
nd der Testdurchführung sei konsistent gewesen und die Testergebnisse stimm
ten mit den objektiven Befunden überein (S. 12 Mitte).
Zu den bisherigen Arztberichten, insbesondere zu den Beurteilungen durch Dr.
B._
führte Dr.
Z._
aus, dieser habe mit Bericht vom 7. Juli 2016 eine Angst und depressive Störung gemischt diagnostiziert, die aus Sicht des Referenten als sehr nachvollziehbar angenommen werden könne. Zuvor sei während des Klinik
aufenthaltes eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Eine medikamentöse antidepressive Behandlung sei dabei vom Beschwerdeführer nicht gewünscht worden. Die attestierte volle Arbeitsunfähigkeit zwei Wochen über den Austritt hinaus könne aufgrund der Notwendigkeit einer Therapiepräsenz im Rahmen der stationären Behandlung als plausibel angenommen werden
.
Bei Austritt wäre dem Beschwerdeführer allerdings theoretisch eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren gewesen.
Dr.
B._
habe bei einer Verschlechterung der Symptomatik eine mittelgradige depressive Episode seit Mai 2008 postuliert, wobei es sich um einen Druckfehler handeln müsse und von einer Verschlechterung seit Mai 2016 ausgegangen werden sollte. Die attestierte volle Arbeitsunfähigkeit sei nicht aus
führlich begründet worden, wobei bei einer postulierten mittelgradigen depres
si
ven Symptomatik ohne ersichtlichen Bedarf nach einer Psychopharmako
thera
pie dem Beschwerdeführer höchstens eine 50%ige Arbeitsunfäh
i
gkeit
habe attestiert werden können (S. 6 f.).
Zum Gutachten von Dr.
A._
hielt Dr.
Z._
fest, die attestierte 40%ige
Arbeitsunfähigkeit sei aufgrund der beschriebenen psychopathologischen Befunde
und Funktionseinschränkungen absolut plausibel, nicht jedoch die angenommene rezidivierende depressive Störung. Der Beschwerdeführer habe zwar
bereits 2009 erstmals unter depressiven Symptomen mit Krankheitswert gelitten. Die kurz dauernde Arbeitsunfähigkeit von Mai bis September 2009 und die dokumentierte Überlastung am Arbeitsplatz und belastende Familiensituation sowie vorder
grün
dig die Symptome einer vegetativen Übererregbarkeit und funktionellen Be
schwer
den sowie Panikattacken, Unruhe und Angst deuteten eher auf eine gene
ralisierte Angststörung hin. Auch die bis Oktober 2014 uneingeschränkte Arbeits
unfähig
keit (richtig: Arbeitsfähigkeit) und der fehlende Bedarf nach einer regel
mässigen
Psychopharmakotherapie schliesse den Ausbruch einer eigenständigen und selbst
unter
haltenden depressiven Störung 2009 aus. Damit könne aktenmässig erst im Mai 2016 vom Ausbruch einer ersten depressiven Episode in mittelgradigem Aus
mass ausgegangen werden, womit die von Dr.
A._
diagnostizierte rezidi
vierende depressive Störung nicht bestätigt werden könne. Auch die von Dr.
B._
postulierte posttraumatische Belastungsstörung könne ohne dokumentierte Trau
ma-Exposition in den letzten sechs Jahren nicht bestätigt werden. Eine post
trau
matische Belastungsstörung könne studienmässig sehr selten, aber doch spätes
tens sechs Jahre nach einer Trauma-Exposition auftreten, was beim Beschwerde
führer nicht dokumentiert sei
.
Die Zukunfts- und Erwartungsängste sowie seltene, aber heftigere Panikattacken rechtfertigten die 100%ige Arbeitsunfähigkeit nicht (S. 7).
Der Beschwerdeführer sei in der angestammten Tätigkeit (Treuhand/Buchhaltung; vgl. S. 9 Ziff. 4.5)
wie auch in anderen, dem Bildungsniveau entsprechenden Tätigkeiten zu 100 % arbeitsfähig. Vom 1. Oktober 2014 bis 31. März 2015 habe eine volle, vom 1. April 2015 bis Dezember 2016 eine 50%ige und von Dezember 2016 bis etwa März/April
2017
eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % bestanden.
Seither bestehe weder eine aktenmässig noch anamnestisch ausgewiesene Arbeits
unfähigkeit. Die bisherige Therapie sei in Bezug auf die Gesprächspsychotherapie fachgerecht durchgeführt worden. Es bestehe eine unausgeschöpfte medikamen
töse Behandlungsmöglichkeit. Es sei zumindest eine schlaffördernde Medikation zu empfehlen, womit sowohl die Schlafstörungen als auch die morgendliche Müdigkeit behoben werden könn
t
e
n
(S. 15).
Hinsichtlich Ressourcen führte Dr.
Z._
aus, der Beschwerdeführer verfüge
über eine sicherlich überdurchschnittliche Intelligenz, entsprechende Sprach
kennt
nisse und sehr gute soziale Fertigkeiten. Zudem könne von einem unter
stützenden sozialen Netzwerk ausgegangen werden. Auch der Wunsch nach einem auto
nomen Leben sei festzustellen. Er fühle sich nur teilweise arbeitsfähig, wobei ihm objektiv keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten beruf
lichen Tätigkeit oder im Haushalt attestiert werden könne (S. 17).
3.4
Dr.
B._
nahm am 17.
Dezember
2019 (Urk. 9/86) zum Gutachten von Dr.
Z._
Stellung und führte aus, im Gegensatz zur Darstellung im Gutachten seien beim Beschwerdeführer seit Mai 2009 immer wieder depressive Schübe auf
getreten (S. 1 unten). Es habe immer wieder beschwerdefreie Phasen gegeben, wes
wegen von einer rezidivierenden depressiven Erkrankung auszugehen sei. Es hätten
weiter mehrere Versuche einer antidepressiven Behandlung stattgefunden, von 2009 bis 2016 mit Cymbalta, der Beschwerdeführer habe diese aber aufgrund von sehr starken Nebenwirkungen und nicht ausreichender Wirkung im weiteren Verlauf verständlicherweise nicht mehr eingenommen. Da er vor der Begutach
tung ein Temesta eingenommen habe, sei es schwierig, in einem 80minütige
n
Gespräch festzustellen, dass keine depressive Episode vorliege. Dass er den Haus
halt führen könne, sei nicht mit einer Tätigkeit am Arbeitsplatz gleichzusetzen
(S.
2)
.
Es sei
nicht nachvollziehbar, dass der Gutachter von einer vollen Arbeits
fähigkeit ausgehe. Das soziale Netz bestehe weiter einzig aus dem Ehemann und sporadisch dem Schwager. Er habe seit dem Ausbruch der Krankheit 2009 mehr
fach versucht, Arbeitsstellen anzunehmen, welche er aber aufgrund der depressi
ven Symptomatik und Überlastung nicht habe bewältigen können (S.
3). Nun habe er ein anderes Antidepressivum, welches wesentlich weniger Nebenwir
kungen habe und gut wirke. Eine weitere Aufdosierung und eine Fortführung der Therapie sei geplant (S. 4).
3.5
Mit Bericht vom 8. Juni 2020 (Urk. 9/104) diagnostizierte Dr.
B._
eine gegen
wärtig remittierte rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.4), eine Panik
störung (ICD-10 F41.0) sowie eine kombinierte und
andere Persönlichkeitsstörung
(ängstlich vermeidend und abhängig; ICD-10 F61) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5). Der Beschwerdeführer sei für eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt seit April 2016 bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig (Ziff.
1.3). Unter der neuen Medikation zeige sich eine Stabilisierung des psychi
schen Zustandes mit einer Verbesserung der Stimmung, des Antriebs und des Energieniveaus. Der Beschwerdeführer habe seinen Radius, was Unternehmungen angehe, erweitern können. Weiter habe eine Verbesserung der Ein- und Durch
schlafstörungen erzielt werden können und es träten weniger Panikattacken auf (Ziff. 2.1).
Da der Beschwerdeführer jetzt stabiler geworden sei, seien erneute berufliche Massnahmen zu empfehlen. Es sei davon auszugehen, dass er unter den jetzigen Voraussetzungen in der Lage sei, an der Massnahme teilzunehmen. Ob eine Wiedereingliederung in die angestammte Tätigkeit möglich
sei
, könne aufgrund der Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers nicht abschliessend beurteilt werden (Ziff. 2.7). Eine angepasste Tätigkeit sei ihm 4 Stunden täglich zumutbar (Ziff. 4.2). Aufgrund der ängstlich-vermeidenden und abhängigen Per
sönlichkeitsstruktur seien ein wohlwollendes Arbeitsklima und Team sehr wichtig,
ansonsten die Gefahr bestehe, dass er unter Druck gerate und mit Angst bis hin zu Panikattacken reagiere (Ziff. 4.4).
4.
4.1
Das Gutachten von Dr.
Z._
wurde unter Berücksichtigung der Akten, Erhe
bung der Anamnese und Durchführung einer eigenen Untersuchung inklusive Testung erstattet und enthält eine ausführliche und objektive Beurteilung der medizinischen Situation. Es vermag somit grundsätzlich den Anforderungen an
den Beweiswert einer medizinischen Expertise zu genügen (vgl. vorstehend E. 1.6).
Wie nachfolgend zu zeigen ist, ist es auch inhaltlich nachvollziehbar und schlüssig.
4.2
Dr.
Z._
stellte die Diagnosen einer Angst und depressiven Störung gemischt (ICD-10 F41.2) und einer Panikstörung (ICD-10 F41.0) und hielt fest, dass an
lässlich der Begutachtung objektiv keine Störung der mnestischen Funktionen, keine Antriebsstörung und keine Verminderung der Psychomotorik feststellbar gewesen seien, jedoch eine leicht bedrückte Grundstimmung, eine leichte innere Anspannung und eine allgemeine Ängstlichkeit bei erhaltener affektiver Schwin
gungsfähigkeit und bei einem erhaltenen Elan vitae
. Daraus schloss er, ergänzt durch die anamnestischen Angaben über leichte Ein- und Durchschlafstörungen,
auf
eine vollständig erhaltene Tagesstruktur und eine uneingeschränkte Fähigkeit zur Haushaltführung, auf eine nicht mehr ausgewiesene depressive Symptomatik im Ausmass einer depressiven Episode, was zu überzeugen vermag. Sodann nahm Dr.
Z._
substantiiert Stellung zur Frage einer Persönlichkeitsstörung und einer posttraumatischen Belastungsstörung, wobei er die vom Beschwerdeführer berichteten
belastenden
Erlebnisse in der Kindheit würdigte und - insbesondere angesichts der unauffälligen Erwerbsbiographie und der sozialen Fähigkeiten im Erwachsenenalter - nachvollziehbar darlegte, weshalb beide Diagnosen zu ver
neinen seien. Dass ab
2009 psychische Probleme auftrat
en
,
wurde von Dr.
Z._
bestätigt
, er beurteilte diese jedoch nicht als nachhaltig die Arbeitsfähigkeit be
ein
trächtigend. Welcher Art diese waren und welche Auswirkungen diese zeitig
ten
,
ist vorliegend aufgrund der erst im November 2015 erfolgten Anmeldung bei der Invalidenversicherung
ohnehin
von untergeordneter Bedeutung. Ein Blick in den Auszug aus dem
i
ndividuellen Konto des Beschwerdeführers
(Urk. 9/79)
stützt jedoch
die E
inschätzung von Dr.
Z.._
, wonach die Arbeitsfähigkeit bis Oktober 2014 nicht nachhaltig im Sinne einer langandauernden substantiellen Arbeitsun
fähigkeit beeinträchtigt war. Dass der Beschwerdeführer in diesem Zeitraum be
reits seit längerer Zeit in psychiatrischer Behandlung war, lässt für sich allein nicht auf eine
anspruchsrelevante
Arbeitsunfähigkeit schliessen.
Denn selbst eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist nicht ohne Weite
res mit Invalidität gleichzusetzen; entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. vorstehend. E. 1.5).
4.3
Dr.
Z._
ging aufgrund der ab Mai 2016 zu bestätigenden mittelgradigen de
pressiven Episode
- welche auch Dr.
A._
diagnostizierte (vgl. Urk. 9/49/17)
-
von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % in jeder Tätigkeit aus und begründete dies nebst der
dokumentierten
Symptomatik mit dem fehlenden Bedarf nach einer
regelmässigen Psychopharmakotherapie. Wenngleich nicht in Abrede
gestellt wird
,
dass gemäss Dr.
B._
starke Nebenwirk
ungen und fehlende Wirksamkeit ein
en Grund für den Verzicht auf eine Medikation darstellten, ist nicht nachvollziehbar, weshalb keine anderen medikamentösen Therapien
aufgenommen
wurden. So hätten gemäss Dr.
Z._
zumindest eine schlaffördernde Therapie versucht werden können, um die Müdigkeit und die Schlafstörungen
des Beschwerde
füh
rers
zu bessern. Aus dem Umstand, dass Dr.
B._
nach eigenen Angaben wäh
rend
sieben
Jahren, 2009 bis 2016, Therapieversuche mit lediglich einem ant
i
depressiven Präparat vornahm
(vgl. vorstehend E. 3.4)
, ist auf eine nicht sehr gravierende Symptomatik zu schliessen. Den Akten lässt sich auch entnehmen,
dass der Verzicht auf entsprechende Medikamente
vor allem
auf dem Wunsch des Beschwerdeführers gründete (vgl. Urk. 9/36/2 Ziff. 1.5; Urk. 9/42/2 Ziff. 1.5; Urk.
9/49/8). Entgegen Dr.
B._
(vgl. Urk. 9/56/2) wurden zudem nach Lage der Akten nicht «mehrere», sondern
lediglich
von Hausarzt Dr.
C._
eines, nämlich Escitalopram (vgl. Urk. 9/43/6-7), verschrieben und nicht vertragen.
Verlauf und Ausgang von Therapien stellen wichtige Schweregradindikatoren dar
(vgl. nachfolgend E.
4.
7
)
.
Dass Dr.
Z._
dementsprechend von
einer milden Symp
tomatik
ausging und die Arbeitsfähigkeit höher einschätzte, ist
nicht zu be
anstanden
.
Im Übrigen hat sich gezeigt, dass ein geeignetes Medikament den Zu
stand des Beschwerdeführers erheblich zu verbessern vermag (vgl. vorstehend E.
3.5).
4.4
Dr.
Z._
legte dar, dass spätestens ab Anfang Mai 2017 objektiv aufgrund der geschilderten Tagesaktivität und dem fehlenden Bedarf nach einer regelmässigen Psychopharmakotherapie eine Besserung eingetreten sei und
dem Beschwerde
führer
nur vorübergehende Arbeitsunfähigkeiten aufgrund von Panikattacken zu attestieren seien. Zusammenfassend habe von Oktober 2014 bis März 2015 eine volle, von April 2015 bis Dezember 2016 eine 50%ige und von Dezember 2016 bis etwa März/April 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % bestanden. Seither bestehe weder eine aktenmässige noch eine anamnestisch ausgewiesene Arbeits
unfähigkeit (vorstehend E. 3.3).
4.5
Demgegenüber vermag die Beurteilung durch Dr.
B._
nicht genügend zu über
zeugen. Eine nachvollziehbare Begründung, weshalb der Beschwerdeführer bei Zukunfts- und Erwartungsängsten und seltenen, wenn auch heftigen Panikat
tacken lediglich zu zwei bis vier Stunden täglich in der angestammten Tätigkeit, und in einer behinderungsangepassten
Tätigkeit
, wo
an sich
eine höhere Arbeits
fähigkeit zu erwarten wäre, nur zwei Stunden täglich arbeitsfähig sei
(vgl. vor
stehend E. 3.2), fehlt, ebenso für eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit April 2016 bis auf weiteres (vgl. vorstehend E. 3.5). Zu berücksichtigen ist, dass
die behandelnden Ärztinnen und Ärzte in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur
versicherten Person
stehen
und sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren haben. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objek
tiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte – bezie
hungsweise regelmässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom 2. April 2007 E. 4.2) – mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrecht
liche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aus
sagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 17. Februar 2011 E. 4.1).
Zudem fehlt es den Berichten und Stellungnahmen
von Dr.
B._
an den für die Beurteilung der Auswirkungen von psychischen Gesundheitsschäden beachtlichen Standard
indi
ka
toren (dazu nachfolgend).
4.6
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom 7.
März 2018 E.
4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren
schlüssig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.
7
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
Verlauf und Ausgang von Therapien stellen wichtige Schweregradindikatoren dar. Es ist Aufgabe des medizinischen Sachverständigen, nachvollziehbar aufzu
zeigen, weshalb trotz (leichter bis) mittelschwerer Depression und an sich guter Therapierbarkeit der Störung im Einzelfall funktionelle Leistungseinschrän
kun
gen resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (BGE 143 V 409 E. 4.5.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15. Februar
2018 E. 5.1).
4.8
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechts
anwendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung
aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E.
5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen ge
halten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen
anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen.
Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des struk
turierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweis
würdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andau
ernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als ge
leistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeits
unfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
Ärztlicherseits ist also substanziiert darzulegen, aus welchen medizinisch-psy
chia
trischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsver
mö
gen
und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hin
sicht zu schmälern vermögen (BGE 143 V 418
E. 6). Der psychiatrische Sach
ver
ständige hat somit darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit einge
schränkt ist, und zwar - zu Ver
gleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzweck
en - unter Mit
ein
bezug der sons
tigen persönlichen, familiären und sozial
en Aktivitäten der ren
tenanspre
chenden Person. Kommen die Experten dieser Aufgabe unter Berück
sichtigung der durch BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird, wenn sich daraus ein stimmiges Gesamtbild für die Annahme einer
rechtlich relevanten psychischen Funktionseinbusse ergibt (BGE 145 V 361 E. 3.2
.2 und
E. 4.4
)
, die medizi
nisch-psychiatrische Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des Rechtsanwenders Bestand haben.
4.9
Die Beurteilung
durch Dr.
Z._
vermag diesen Anforderungen zu entsprechen. Sie
umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E.
3.4.2.1) abgeleitet wurde. Der psychiatrische Gutachter ist bei der Beantwor
tung der Frage, wie er das Leistungsvermögen einschätzte, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, er hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und seine versiche
rungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die mass
gebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch
festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Stand
ardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrschein
lichkeit nac
hweisen.
Festzuhalten ist insbesondere, dass Dr.
Z._
die Erlebnisse in der Kindheit und Adoleszenz in keiner Weise in Frage stellte. Bezüglich des Anspruchs auf Leistungen der Invalidenversicherung ist jedoch einzig die objek
tiv zu beurteilende Frage nach der Arbeitsfähigkeit massgeblich (vgl. vorstehend E. 1.5).
5.
5.1
Zusammenfassend
bestand gestützt auf das Gutachten von Dr.
Z._
von Oktober 2014 bis März 2015 eine volle, von April 2015 bis Dezember 2016 eine 50%ige und von Dezember 2016 bis etwa März/April 2017 eine Arbeitsun
fähig
keit von 40 %
, jeweils in der angestammten oder jeder anderen dem Bildungs
niveau entsprechenden Tätigkeit
. Seither besteht
weder eine aktenmässige noch eine anamnestisch ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit
.
Der Rentenanspruch entsteht frühestens 6 Monate nach der Anmeldung (Art. 29 Abs. 1 IVG), vorliegend somit ab Mai 2016. Der Beurteilung durch Dr.
Z._
fol
gend sprach die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
bei einem Inva
liditätsgrad von 50 % eine von 1. Mai 2016 bis 28. Februar 2017 befristete halbe
Rente und bei einem Invaliditätsgrad von 40 % eine von 1. März 2017 bis 31. Juli
2017 befristete Viertelsrente
zu. Dies ist nach dem Gesagten nicht zu bean
stan
den. Im Ü
brigen steht der
Grundsatz
«
Eingl
iederung vor Rente»
der rückwir
ken
den Ausrichtung einer befristeten Rente nicht entgegen.
5.2
Der angefochtene Entscheid ist rechtens. Dies führt zur Abweisung der Be
schwerde.
6.
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 7
00.-- a
nzusetzen und ausgangsgemäss dem
u
nterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen.