Decision ID: 4e4be9ec-dd2d-4678-a962-e847157fa1d8
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 8. Dezember 2010 (DG090456)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 24. September
2009 (Urk. 43) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Angeklagte A._ ist schuldig
− der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von
Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB;
− der mehrfachen Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung im
Sinne von Art. 164 Ziff. 1 StGB;
− der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB.
2. Der Angeklagte wird freigesprochen vom Vorwurf der ungetreuen Ge-
schäftsbesorgung soweit sich der Vorwurf auf die Steuerrückzahlung be-
zieht; und vom Vorwurf der Urkundenfälschung soweit sich der Vorwurf auf
das Falschbilanzieren von Debitoren bezieht.
3. Der Angeklagte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu
Fr. 250.–, als teilweise Zusatzstrafe zum Strafmandat der Staatsanwalt-
schaft des Kantons Uri vom 18. Juli 2003.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
5. Der Angeklagte wird verpflichtet, den Geschädigten B._ und C._
insgesamt Schadenersatz von Fr. 131'772.90 zu bezahlen. Im Mehrbetrag
wird auf das Schadenersatzbegehren nicht eingetreten.
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6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 771.– Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Angeklagten auferlegt.
8. Der Angeklagte wird verpflichtet, den Geschädigten für das gesamte Verfah-
ren eine Prozessentschädigung von je Fr. 6'000.– zu bezahlen.
Beschluss der Vorinstanz:
1. Die gestützt auf die Verfügung vom 24. Oktober 2007 der Staatsanwalt-
schaft I des Kantons Zürich beschlagnahmten Unterlagen zur Revision der
D._ AG für die Jahre 2000 bis 2002 (act. 12/6/1 - 5) werden dem Ange-
klagten A._ nach Eintritt der Rechtskraft herausgegeben.
2. Der sich bei den Akten befindende Ordner betreffend Flurschaden der Firma
E._ AG (act. 7/25) wird an die F._ SA nach Eintritt der Rechtskraft
herausgegeben.
Berufungsanträge:
a) des Verteidigers des Angeklagten:
(Urk. 91 S. 1)
1. Es sei der Angeklagte in Aufhebung des Urteils des Bezirksgerichtes
Zürich vom 08.12.2010 von allen Anklagepunkten freizusprechen;
2. es seien die Zivilkläger auf den Weg des ordentlichen Zivilprozesses zu
verweisen;
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3. unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWSt) zu Lasten der
Staatskasse.
b) der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis:
(Urk. 76 S. 1 f.)
1. Der Beschuldigte sei im Sinne des erstinstanzlichen Urteiles schuldig
zu sprechen.
2. Der Beschuldigte sei statt mit einer Geldstrafe mit einer Freiheitsstrafe
von 10 Monaten und einer Busse von Fr. 5'000.– zu bestrafen.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei bei einer Probezeit von 2 Jahren
aufzuschieben.
c) des Vertreters der Geschädigten 1 und 2:
(Urk. 90 S. 2)
1. Es sei die Berufung des Angeklagten und Berufungsklägers vollum-
fänglich abzuweisen.
2. Es sei der Angeklagte und Berufungskläger schuldig zu sprechen we-
gen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1
StGB), mehrfacher Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung
(Art. 164 Ziff. 1 StGB) sowie mehrfacher Urkundenfälschung (Art. 251
Ziff. 1 StGB) und angemessen zu bestrafen.
3. Es sei der Angeklagte und Berufungskläger zu verpflichten, den Ge-
schädigten 1 und 2 insgesamt CHF 161'267.80 nebst Zins zu 5% seit
dem 21. Januar 2004 zu bezahlen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Angeklagten
und Berufungsklägers.
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Erwägungen:
I.
Verfahrensgang
1. Was den Gang des erstinstanzlichen Verfahrens betrifft, kann auf die Aus-
führungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 79 S. 3 f.; § 161
GVG ZH). Ergänzend ist zu bemerken, dass mit Verfügung der Staatsanwalt-
schaft I des Kantons Zürich vom 6. Januar 2005 die Strafuntersuchung gegen den
Angeklagten A._ formell eröffnet wurde (Urk. 4/4). Mit dem eingangs im Dis-
positiv wiedergegebenen Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 8.
Dezember 2010 wurde der Angeklagte der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbe-
sorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB, der mehrfachen Gläubi-
gerschädigung durch Vermögensminderung im Sinne von Art. 164 Ziff. 1 StGB
sowie der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB
schuldig gesprochen; freigesprochen wurde der Angeklagte vom Vorwurf der un-
getreuen Geschäftsbesorgung, soweit sich der Vorwurf auf die eingeklagte Steu-
errückzahlung bezieht, und vom Vorwurf der Urkundenfälschung, soweit sich der
Vorwurf auf das Falschbilanzieren von Debitoren bezieht. Der Angeklagte wurde
bestraft mit einer Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu Fr. 250.--, teilweise als Zu-
satzstrafe zum Strafmandat der Staatsanwaltschaft des Kantons Uri vom 18. Juli
2003, wobei dem Angeklagten bei einer Probezeit von zwei Jahren der bedingte
Strafvollzug gewährt wurde. Des Weiteren wurde der Angeklagte verpflichtet, den
Geschädigten B._ und C._ insgesamt Schadenersatz von Fr.
131'772.90 zu bezahlen; im Mehrbetrag wurde auf das Schadenersatzbegehren
nicht eingetreten. Ausserdem wurde der Angeklagte verpflichtet, den Geschädig-
ten für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von je Fr. 6'000.-- zu
bezahlen (Urk. 79, insb. S. 54 f.).
2. Gegen dieses Urteil liess der Angeklagte mit Eingabe vom 14. Dezember
2010 fristgerecht Berufung erklären (Urk. 68, Prot. I S. 12-15; § 414 Abs. 1 StPO
ZH). Die Beanstandungen des Angeklagten gingen mit Eingabe vom 28. Februar
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2011 ebenfalls innert gesetzlicher Frist ein (Urk. 72, Urk. 71/3; § 414 Abs. 4 StPO
ZH). Mit Verfügung vom 8. März 2011 setzte der Vorsitzende der Vorinstanz den
Verfahrensbeteiligten Frist an, um sich der Berufung des Angeklagten anzu-
schliessen (Prot. I S. 16). Ebenfalls fristgerecht erhoben sowohl die Staatsanwalt-
schaft Limmattal / Albis mit Eingabe vom 21. März 2011 als auch die Geschädig-
ten B._ und C._ mit Eingabe vom 5. April 2011 Anschlussberufung
(Urk. 74, Urk. 77, Urk. 75/1+2; § 416 Abs. 1 StPO ZH).
3. Mit Präsidialverfügung vom 21. April 2011 wurde dem Angeklagten, den Ge-
schädigten sowie der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis Frist angesetzt, um
Beweisanträge zu stellen und zu begründen. Ausserdem wurde der Angeklagte
aufgefordert, Unterlagen zu seinen finanziellen Verhältnissen einzureichen
(Urk. 80). Mit Eingabe vom 28. April 2011 erklärte die Vertreterin der Staatsan-
waltschaft Limmattal / Albis und mit Schreiben vom 9. Mai 2011 der Vertreter der
Geschädigten fristgemäss, keine Beweisanträge zu stellen (Urk. 82, Urk. 84,
Urk. 81 und Urk. 83/2). Mit Eingabe vom 11. Mai 2011 liess der Angeklagte durch
seinen Verteidiger diverse Urkunden zu seinen Einkommens- und Vermögens-
verhältnissen einreichen (Urk. 85, Urk. 86/1-7). Ende Mai 2011 wurden die Partei-
en auf den 9. September 2011 zur Berufungsverhandlung vorgeladen (vgl.
Urk. 87). Dazu erschien der Angeklagte in Begleitung seines Verteidigers sowie
die Geschädigten in Begleitung ihres Rechtsvertreters (Prot. II S. 3).
II.
Prozessuales / Umfang der Berufung
1. Gemäss Art. 453 Abs. 1 der per 1. Januar 2011 in Kraft getretenen schwei-
zerischen Strafprozessordnung (StPO) werden Rechtsmittel gegen Entscheide,
die vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes gefällt worden sind, nach bisherigem
Recht von den bisher zuständigen Behörden beurteilt. Demnach ist vorliegend die
erkennende Kammer zuständig, wobei das bisherige Verfahrensrecht (StPO ZH
und GVG ZH) anwendbar ist.
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2. Gemäss § 413 Abs. 3 StPO ZH wird die Rechtskraft des angefochtenen Ur-
teils im Umfang der Anfechtung gehemmt, wobei die Verfahrensbeteiligten, wel-
che sich der Berufung lediglich anschliessen, an die Grenzen ihrer Berufungs-
macht gemäss § 411 StPO ZH gebunden sind (§ 416 Abs. 1 StPO ZH).
2.1. Der Angeklagte verlangt mit seiner Berufung einen vollumfänglichen Frei-
spruch unter entsprechender Berücksichtigung der Kosten- und Entschädigungs-
folgen (Urk. 72).
2.2. Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft richtet sich gegen die Höhe
der Strafe sowie die Sanktionsart (Urk. 76).
2.3. Gemäss § 411 Ziff. 3 StPO ZH ist der Geschädigte lediglich befugt, den
Freispruch und den Entscheid über die Zivilforderung anzufechten. Dabei muss
der Freispruch einen Konnex zum Zivilpunkt aufweisen. Die Geschädigten bean-
tragen neben der Zusprechung einer – im Verhältnis zum vorinstanzlich zuge-
sprochenen Schadenersatz – erhöhten Schadenersatzsumme (zuzüglich Zins) die
Schuldigsprechung des Angeklagten 'wegen mehrfacher ungetreuer Geschäfts-
besorgung (Art. 158 Ziff. 1 StGB), mehrfacher Gläubigerschädigung durch Ver-
mögensminderung (Art. 164 Ziff. 1 StGB) sowie mehrfacher Urkundenfälschung
(Art. 251 Ziff. 1 StGB)' sowie die angemessene Bestrafung (Urk. 77 S. 2, Urk. 90
S. 2). In der Begründung ihrer Anschlussberufung lassen die Geschädigten ledig-
lich Ausführungen zum Schadenersatz vortragen (Urk. 77 S. 5 f., Urk. 90 S. 4-7).
Nachdem die Geschädigten lediglich einen allfälligen Freispruch vom Vorwurf des
betrügerischen Konkurses bzw. der Gläubigerschädigung anfechten könnten,
kann sich ihre Anschlussberufung nicht auf die Teilfreisprüche wegen ungetreuer
Geschäftsbesorgung (bezüglich Steuerrückzahlung) und Urkundenfälschung (be-
züglich des Falschbilanzierens von Debitoren) beziehen. Im Übrigen wäre hier auf
eine entsprechende Berufung mangels konkreter Beanstandungen ohnehin nicht
einzutreten.
2.4. Mit der Berufung nicht angefochten sind demnach der Teilfreispruch (Dispo-
sitiv Ziff. 2) und die Kostenaufstellung (Dispositiv Ziff. 6) des Urteils sowie der Be-
schluss vom 8. Dezember 2010. Somit ist festzustellen, dass das Urteil des Be-
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zirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 8. Dezember 2010 bezüglich Dispositivzif-
fern 2 (Teilfreispruch) und 6 (Kostenaufstellung) sowie der gleichentags ergange-
ne Beschluss hinsichtlich Dispositivziffern 1 und 2 (Aktenherausgabe an den An-
geklagten sowie die F._ SA) in Rechtskraft erwachsen sind.
3. Die dem Angeklagten vorgeworfenen strafbaren Handlungen beschlagen
den Zeitraum Juni 2002 bis Dezember 2003 (vgl. Urk. 43). Die Vorinstanz hat sich
zu den bis 30. September 2002 und den ab 1. Oktober 2002 geltenden Verjäh-
rungsregelungen zutreffend verbreitet und sie hat für die Tatvorwürfe vor dem
1. Oktober 2002 in Anwendung der lex mitior das damals geltende Recht für mas-
sgeblich befunden (Urk. 79 S. 5, Erw. II/1, 1. Abs.; § 161 GVG ZH). Das Bezirks-
gericht kam zu Recht zum Schluss, dass weder die eingeklagten Delikte vor dem
1. Oktober 2002 noch die Taten nach diesem Datum verjährt sind. Die Verjährung
ist auch zum heutigen Zeitpunkt noch nicht eingetreten, was auch von der Vertei-
digung im Berufungsverfahren nicht in Zweifel gezogen wird (die Verjährung wird
lediglich für den subsidiär zu prüfenden Grundtatbestand der ungetreuen Ge-
schäftsbesorgung geltend gemacht, vgl. Urk. 91 S. 9).
4. Die Verteidigung hat vor Bezirksgericht und auch im Berufungsverfahren
bemängelt, die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis habe den Angeklagten nicht
mit den in der aktuellen Anklageschrift – im Gegensatz zu jener vom 1. Septem-
ber 2008 – neu umschriebenen Bereichungs- und Schädigungsabsichten konfron-
tiert und bezüglich des solcherart geänderten Anklagevorwurfes keine
Schlusseinvernahme durchgeführt (Urk. 64 S. 4 und S. 6, Urk. 91 S. 5). Die Vo-
rinstanz hat an sich zutreffend auf den Charakter einer Ordnungsvorschrift von
§ 160 StPO ZH hingewiesen (Urk. 79 S. 5, Erw. II/2). Indessen hat die Staatsan-
waltschaft dem Angeklagten den modifizierten Anklagesachverhalt im Sinne einer
Schlusseinvernahme sehr wohl zur Stellungnahme vorgehalten (Urk. 39 S. 2-6),
weshalb der Einwand der Verteidigung ins Leere zielt.
5. Die Verteidigung bemängelte vor Vorinstanz ihren Ausschluss bei fünf poli-
zeilichen Einvernahmen (Urk. 64 S. 35). Im Untersuchungsverfahren hatte sie
versucht, die entsprechenden Einvernahmen für ungültig erklären zu lassen; der
entsprechende Rekurs wurde von der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich
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abgewiesen (Urk. 18/6). Die fünf aus dem beruflichen Umfeld des Angeklagten
stammenden Personen wurden als polizeiliche Auskunftspersonen befragt (vgl.
Ordner 3: Urk. 18.1 - Urk. 18.5). Dabei hat die Oberstaatsanwaltschaft in ihrem
Rekursentscheid vom 17. Juni 2008 zutreffend ausgeführt, dass die fünf Perso-
nen als polizeiliche Auskunftspersonen, mithin als Auskunftspersonen sui generis,
protokollarisch befragt worden seien, und dem Angeklagten bzw. seinem Vertei-
diger in diesen Befragungen kein Anwesenheitsrecht im Sinne von § 14 StPO ZH
zugestanden habe (Urk. 18/6, insb. S. 3 f.). Auf die entsprechenden einlässlichen
Ausführungen kann analog § 161 GVG ZH verwiesen werden. Festzuhalten ist,
dass die Aussagen dieser Personen verwertbar sind, soweit sie die polizeilich er-
hobenen Angaben als Zeugen – in Wahrung der Rechte des Angeklagten gemäss
§ 14 StPO ZH – bestätigten (vgl. Donatsch/Lieber, in: Donatsch/Schmid, Kom-
mentar zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich, Zürich 2006, N 18 zu § 14
StPO).
6. Die Verteidigung rügt im Berufungsverfahren in mehrfacher Hinsicht eine
Verletzung des Anklageprinzips. Sie macht bezüglich der eingeklagten unge-
treuen Geschäftsbesorgung geltend, die Vorinstanz gehe von einer Überschul-
dung der D._ AG aus, obwohl in der Anklageschrift für keinen Zeitpunkt eine
Überschuldung weder generell noch mit Bilanzzahlen behauptet werde. Des Wei-
teren werde dem Angeklagten vorgeworfen, als Geschäftsführer der E1._ AG
gehandelt zu haben, wohingegen die Vorinstanz davon ausgegangen sei, der An-
geklagte habe den entsprechenden Sachverhalt als Geschäftsführer der D._
AG begangen, wobei der Angeklagte nie Geschäftsführer der D._ AG gewe-
sen sei (Urk. 93 S. 3, Prot. II S. 17). Hinsichtlich des Konkursdeliktes sei vorlie-
gend eine scheinbare Vermögensverminderung eingeklagt, wohingegen die Vo-
rinstanz im Sinne von Art. 164 StGB wegen tatsächlicher Vermögensverminde-
rung schuldig gesprochen habe, was mit dem Anklageprinzip nicht vereinbar sei
(Urk. 93 S. 3).
6.1. Die Anklage bestimmt das Thema der Entscheidung des Gerichtes (§ 185
Abs. 1 StPO ZH, e contrario). Der Gegenstand der Anklage und das Urteil müs-
sen übereinstimmen. Das Gericht darf also keinen Sachverhalt beurteilen, der
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nicht in der Anklage umschrieben ist. Demzufolge müssen in der Anklageschrift
die dem Angeklagten vorgeworfenen Delikte im Sachverhalt so präzis umschrie-
ben sein, dass die erhobenen Vorwürfe im objektiven und subjektiven Bereich hin-
reichend konkretisiert sind. Nur eine derartige Präzisierung der Vorhalte ermög-
licht es dem Angeklagten, auch die in Art. 32 Abs. 2 BV und Art. 6 Abs. 3 lit. a
EMRK garantierten Verteidigungsrechte sachgerecht wahrzunehmen. Der Ankla-
geschrift kommt demnach eine doppelte Funktion zu: zum einen dient sie der Be-
stimmung und Begrenzung des Prozessgegenstandes und zum andern vermittelt
sie dem Angeklagten die zur Verteidigung notwendigen Informationen (vgl. BGE
126 I 18). Im zürcherischen Strafprozess wird das Anklageprinzip in § 162 StPO
konkretisiert. Danach sind – in Übereinstimmung mit den verfassungsrechtlichen
Anforderungen – die dem Angeklagten zur Last gelegten Handlungen oder Unter-
lassungen kurz aber unter Angabe aller Umstände, welche zum gesetzlichen Tat-
bestand gehören, sowie unter möglichst genauer Angabe von Ort und Zeit und
anderen Einzelheiten vorzuhalten, so dass der Angeklagte daraus ersehen kann,
was Gegenstand der Anklage bildet (Abs. 1 Ziff. 2 der zitierten Norm).
Kernstück der Anklage bildet dabei die Darstellung der dem Angeklagten zur
Last gelegten Tat. Aus der Anklageschrift muss eindeutig hervorgehen, welches
historische Ereignis, welcher Lebensvorgang, welche Handlung oder Unterlas-
sung des Angeklagten Gegenstand der Beurteilung bilden soll. Die Darstellung
des tatsächlichen Vorgangs ist auszurichten auf den gesetzlichen Tatbestand, der
nach Auffassung der Anklagebehörde als erfüllt zu betrachten ist, d.h. es ist an-
zugeben, welche einzelnen Vorgänge und Sachverhalte den einzelnen Merkma-
len des Straftatbestandes entsprechen (BGE 120 IV 355 samt Verweisen).
6.2. Eine Verletzung des Anklageprinzips ist nicht auszumachen.
6.2.1. Es trifft wohl zu, dass im Zusammenhang mit der Umschreibung des Ankla-
gevorwurfes der ungetreuen Geschäftsbesorgung die bilanzmässige Situation der
D._ AG nicht angesprochen wird. Solches ist bei der Umschreibung von Un-
treuehandlungen gemäss Art. 158 StGB, da nicht zum Tatbestand gehörend,
grundsätzlich auch nicht erforderlich. Bei der Umschreibung der Urkundendelikte
behauptet die Anklage jedoch sinngemäss eine Überschuldung der D._ AG,
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wenn die Anklageschrift davon ausgeht, entgegen den tatsächlichen Begebenhei-
ten habe die D._ AG bilanzmässig keine Überschuldung ausgewiesen, wes-
halb eine Benachrichtigung des Konkursrichters habe unterbleiben können
(Urk. 43 S. 6). Damit ist eine Überschuldung der D._ AG – implizit und klar
erkennbar auch bezüglich des Vorwurfes der ungetreuen Geschäftsbesorgung –
in der Anklageschrift ausreichend umschrieben. In diesem Sinne nahm der Ange-
klagte denn auch bereits im Untersuchungsverfahren Stellung zur Frage der
Überschuldung (vgl. Urk. 9/31 S. 4, Urk. 9/34 S. 22).
6.2.2. Bezüglich der unter dem Titel 'Verrechnung mit der E1._ AG' einge-
klagten ungetreuen Geschäftsbesorgungen ist aufgrund der Behauptung in der
Anklage, auf diese Weise habe der Angeklagte der D._ AG zumindest
Fr. 175'000.-- entzogen (Urk. 43 S. 4), ohne Weiteres ersichtlich, dass der Ange-
klagte, der gemäss Anklageschrift alleiniger Verwaltungsrat der D._ AG und
Geschäftsführer mit Einzelunterschrift war, zum Nachteil dieser Gesellschaft ge-
handelt haben soll und dass dieses Handeln Gegenstand der Anklage ist. Mit dem
Hinweis, durch sein Verhalten habe der Angeklagte, der gleichzeitig als Vertreter
der D._ AG und der E1._ AG agierte, der E1._ AG einen ihr nicht
zustehenden Vermögensvorteil verschafft (Urk. 43 S. 3), umschreibt die Anklage-
schrift die unrechtmässige Bereicherung bzw. die entsprechende Absicht gemäss
dem qualifizierten Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung. Im Übrigen
hat der Angeklagte nicht substantiiert angezweifelt, dass er nach dem Ausschei-
den von C._ (im November 2000) Geschäftsführer der D._ AG war (Urk.
9/2 S. 1 f., Urk. 9/3 S. 1 f.; vgl. auch den Handelsregisterauszug in Urk. 5/1/1/4.1
und G._ in Urk. 10/2 S. 1).
6.2.3. Unter dem Titel 'betrügerischer Konkurs' verweist die Anklageschrift auf die
beim Vorwurf der ungetreuen Geschäftsführung umschriebenen Handlungen zum
Nachteil der D._ AG (Urk. 43 S. 3 f.). Diesbezüglich behauptet die Anklage
Handlungen (Rechnungsstellungen, Verrechnung, Kontosaldierungen und Über-
weisung der Saldos an die E1._ AG), mittels welchen das Vermögen der
D._ AG tatsächlich vermindert wurde. Es ist demnach – entgegen der An-
sicht der Verteidigung (Urk. 91 S. 4) – keine scheinbare Vermögensverminderung
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eingeklagt. Indem sich der Angeklagte im Berufungsverfahren zu dieser von der
Meinung der Staatsanwaltschaft abweichenden rechtlichen Würdigung durch die
Vorinstanz äussern konnte, wurde der – von der Verteidigung gerügte (Urk. 91
S. 5) – unterbliebene Hinweis auf eine von der Anklage abweichende rechtliche
Qualifikation (vgl. Prot. I S. 3 ff.; dazu im neuen Prozessrecht Art. 344 StPO) ge-
heilt.
III.
Beanstandungen
1. Der Angeklagte beantragt einen vollumfänglichen Freispruch. Er machte in
seinen Beanstandungen und anlässlich der Berufungsverhandlung im Wesentli-
chen geltend, die D._ AG habe auch nach 2001 noch über ein Warenlager
verfügt und sei per Ende 2002 nicht überschuldet gewesen; die diesbezüglich im
Urteil angeführten Beweismittel vermöchten nicht zu überzeugen. Auch den sub-
jektiven Tatbestand, insbesondere die Bereicherungs- oder Schädigungsabsicht,
stellte er in Abrede (Urk. 72, Urk. 91).
2. Die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis beantragt die Schuldigsprechung
im Sinne des erstinstanzlichen Urteils sowie die Bestrafung des Angeklagten mit
einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten und einer Busse von Fr. 5'000.--. Zur Be-
gründung führt sie im Wesentlichen aus, der Angeklagte trage eine erhebliche
Mitverantwortung für die lange Verfahrensdauer, weshalb die angebliche Verlet-
zung des Beschleunigungsgebotes bei der Strafzumessung zu stark berücksich-
tigt worden sei. Die vorinstanzlich ausgesprochene Sanktionsart, d.h. die Geld-
strafe, sei nicht geeignet, den gewünschten Warneffekt zu erzielen, da der Ange-
klagte im Juli 2003 ebenfalls zu einer pekuniären Strafe verurteilt worden sei und
dennoch kurz danach die strafbaren Handlungen begangen habe. Des Weiteren
sei der Angeklagte für den Fall des Vollzuges der Geldstrafe nicht in der Lage,
Fr. 67'500.-- zu leisten, ohne seine Familie massiv in ihren finanziellen Möglich-
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keiten zu beschneiden, zumal er zusätzlich Gerichtskosten zu begleichen und
Schadenersatz zu leisten habe (Urk. 76 S. 2).
3. Die Geschädigten beantragen, den Angeklagten zu verpflichten, ihnen ins-
gesamt Fr. 161'267.80 nebst Zins zu 5% seit dem 21. Januar 2004 zu bezahlen.
Zur Begründung führen sie im Wesentlichen aus, im Konkurs der D._ AG
seien ihnen die Verantwortlichkeitsansprüche (Art. 753 ff. OR) gemäss Art. 260
SchKG abgetreten worden. Die Abtretung dieser 'Rechtsansprüche der Masse'
sei im Umfang 'der Summe der von allen kollozierten Gläubigern zusammen erlit-
tenen Konkursverluste' erfolgt, welche insgesamt Fr. 161'267.80 betragen hätten.
Die Vorinstanz habe, obwohl sie die Haftungsvoraussetzungen von Art. 754
Abs. 1 OR bejaht und den daraus folgenden Schaden mit Fr. 168'400.-- beziffert
habe, den Geschädigten lediglich Fr. 131'772.90 zugesprochen, d.h. der in den
Verlustscheinen ausgewiesene Forderungsbetrag. Durch die Geltendmachung
des von allen kollozierten Gläubigern der D._ AG erlittenen Konkursverlustes
(Fr. 161'267.80 zuzüglich Zinsen) würden sie sich nicht bereichern, da sie gegen-
über der Konkursverwaltung abrechnungspflichtig seien und einen allfälligen
Überschuss der Konkursverwaltung herauszugeben hätten (Urk. 77 S. 5, Urk. 90
S. 4 ff.).
IV.
Schuldpunkt
A. Ungetreue Geschäftsbesorgung zum Nachteil der D._ AG
1. Noch zur Beurteilung stehender Anklagevorwurf
1.1. Dem Angeklagten, Geschäftsführer und Verwaltungsrat der E1._ AG
sowie alleiniger Verwaltungsrat und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift der
D._ AG, werden unter diesem Titel verschiedene ungetreue Handlungen
zum Nachteil der D._ AG, über welche am tt.mm.2004 der Konkurs eröffnet
wurde, zur Last gelegt.
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1.2. Zunächst soll der Angeklagte namens der E1._ AG der D._ AG mit
Schreiben vom 1. Juni 2002 für die Geschäftsjahre 2001 und 2002 verschiedene,
teils überhöhte, teils ungerechtfertigte Aufwendungen (unter dem Titel 'Auslagen-
ersatz / Personal- und Mietauslagen': Management Fee, Lagerkosten, Spesener-
satz, Führen Buchhaltung) im Betrag von Fr. 155'000.-- (2001) bzw. Fr. 90'000.--
(2002) in Rechnung gestellt und diese Beträge mit einer Forderung der D._
AG an die E1._ AG aus einem Darlehen verrechnet und der D._ AG auf
diese Weise mindestens Fr. 175'000.-- entzogen haben, wobei die D._ AG
ab anfangs Mai 2001 kein Warenlager mehr unterhalten und ihre Tätigkeit per 31.
Dezember 2001 eingestellt und lediglich noch Verwaltungs- und Liquidationstätig-
keiten ausgeführt habe (Urk. 43 S. 3 f.).
1.3. Des Weiteren wird dem Angeklagten zur Last gelegt, Kontoguthaben der
D._ AG bei der H._ bzw. der I._ saldiert und die Guthaben im Be-
trag von insgesamt ca. Fr. 6'400.-- zur Überweisung an die E1._ AG ange-
wiesen zu haben, obwohl der E1._ AG gegenüber der D._ AG keine
entsprechende Forderung zugestanden sei (Urk. 43 S. 4).
2. Stellungnahme des Angeklagten
2.1. Der Angeklagte bestritt in der Untersuchung und vor Vorinstanz den Vorwurf
der ungetreuen Geschäftsbesorgung (Urk. 9/2 S. 17, Urk. 9/30 S. 8 ff., Urk. 39
S. 2-6; Prot. I S. 7 f.). Er stellte sich auf den Standpunkt, die mit Schreiben je vom
1. Juni 2002 in Rechnung gestellten Beträge seien gerechtfertigt und angemes-
sen gewesen. Entgegen dem Vorwurf in der Anklage habe die D._ AG in den
Jahren 2001 und 2002 über ein Warenlager verfügt, wobei Teile davon noch heu-
te vorhanden seien. Bezüglich der Kontosaldierungen stellte der Angeklagte nicht
in Abrede, veranlasst zu haben, den Saldo der beiden Konti der D._ AG bei
der H._ und der I._ an die E1._ AG zu überweisen; die Gelder sei-
en jedoch irrtümlich an die E1._ AG geflossen und nicht in der Absicht, diese
oder sich selber zu bereichern. Als der Fehler im Verlaufe des Verfahrens ent-
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deckt worden sei, seien die Gelder wieder der D._ AG zugeführt worden
(Urk. 9/3 S. 8 und S. 12, Urk. 9/30 S. 2 ff.).
2.2. Auch im Berufungsverfahren hielt der Angeklagte an seinem bisherigen
Standpunkt fest, wobei er insbesondere eine Überschuldung der D._ AG in
Abrede stellte (Urk. 91 S. 2-4 und S. 6-8).
3. Erstellung des Anklagesachverhaltes
3.1. Allgemeines
Das Bezirksgericht hat sich zunächst einlässlich zu den Grundsätzen der Be-
weiswürdigung, insbesondere zur Würdigung von Aussagen, geäussert; zwecks
Vermeidung von Wiederholungen kann vollumfänglich auf diese in allen Belangen
zutreffenden Erwägungen, die keiner Weiterung bedürfen, verwiesen werden
(Urk. 79 S. 7-10, Erw. III/A/3.1; § 161 GVG ZH).
3.2. Verrechnung mit der E1._ AG
3.2.1. Die E1._ AG hatte zum Gesellschaftszweck den Handel mit Baumate-
rialien (Urk. 9/5). Im Zusammenhang mit dem Erwerb der D._ AG von der
J0._ AG durch die E1._ AG im Januar 2001 gewährte die D._ AG
der E1._ AG ein Darlehen über Fr. 500'000.--, welches sich per Ende 2002
noch auf ca. Fr. 300'000.-- belief (Urk. 5/1/1/4.4; vgl. auch Urk. 5/1/2/10.1-10.4).
Mit Verfügung des Konkursrichters des Bezirks Zürich vom tt.mm.2004 wurde
über die D._ AG der Konkurs eröffnet (Urk. 65/2). Das entsprechende Inven-
tar wurde am 24. Februar 2004 aufgenommen. Mit Ausnahme der pro memoria
aufgeführten Verantwortlichkeitsansprüche gemäss Art. 753 ff. OR verfügte die
D._ AG gemäss den Angaben des Angeklagten, welche er unterschriftlich
explizit als vollständig und richtig bezeichnete, über keinerlei Vermögenswerte,
insbesondere keinerlei bewegliche Sachen (Urk. 3/9). Unbestritten in diesem An-
klagepunkt ist der äussere Sachverhalt, insbesondere die Funktion des Angeklag-
- 17 -
ten bei der E1._ AG sowie der D._ AG, die urkundenmässig belegten
Rechnungsstellungen der E1._ AG an die D._ bzw. die in den Rech-
nungen enthaltenen Beträge (Urk. 5/1/2/12.5+6). Ebenfalls anerkannt und buch-
halterisch belegt ist die Verrechnung der in Rechnung gestellten Beträge
(Fr. 155'000.-- sowie Fr. 90'000.--) mit einer Darlehensforderung der D._ AG
gegenüber der E1._ AG (vgl. Urk. 5/1/2/10.3 f.) sowie die in der Anklage be-
zifferten Umsätze der D._ AG in den Jahren 2001 und 2002 (Urk. 5/1/1/4.10,
entsprechende Erfolgsrechnung). Ebenfalls unbestritten ist die Aufnahme einer
Position von Fr. 163'000.-- als transitorische Aktiven für zu viel in Rechnung ge-
stellte Aufwendungen der E1._ AG an die D._ AG in die Bilanz 2002 der
D._ AG (Urk. 5/1/2/13.11, Urk. 5/1/4.13, entsprechende Bilanz; dazu auch
unten Erw. IV/C/3.2).
3.2.2. Die Vorinstanz ist zunächst der Frage nachgegangen, ob die D._ AG
per 31. Dezember 2001 ihre Tätigkeit einstellte und nur noch Verwaltungs- und
Liquidationstätigkeiten wahrnahm. Diesbezüglich hat das Bezirksgericht auf ent-
sprechende Aussagen des Angeklagten in der Untersuchung bei der Polizei und
der Staatsanwaltschaft (Urk. 9/2, Urk. 9/3, Urk. 9/4), ein Schreiben der J1._
AG, der Revisionsstelle der D._ AG, an die J2._ AG vom 5. Juni 2003
(Urk. 9/6) sowie auf ein vom Angeklagten unterzeichnetes Schreiben der D._
AG vom 10. Juni 2002 (Urk. 9/12) abgestellt und ist zum Schluss gelangt, es sei
erstellt, dass die D._ AG den Handel mit Baumaterialien per Ende 2001 ein-
gestellt und nur noch Verwaltungs- und Liquidationstätigkeiten ausgeführt habe
(Urk. 79 S. 11-13, Erw. III/A/3.2.2.). Diesen erstinstanzlichen Ausführungen kann
beigepflichtet werden (§ 161 GVG ZH). Die nachfolgenden Erwägungen sind vor
allem präzisierender, teilweise auch ergänzender Natur. So erklärte der Angeklag-
te anlässlich der ersten polizeilichen Befragung am 15. Juni 2005, der Umstand,
dass B._ und C._ bei ihrem Weggang den ganzen Kundenstamm und
verschiedene Innen- und Aussendienstmitarbeiter mitgenommen hätten, habe die
Weiterführung der D._ AG verunmöglicht (Urk. 9/2 S. 2). Ähnlich äusserte
sich der Angeklagte zu den Folgen des Wegganges von B._ und C._,
die in einem Konkurrenzunternehmen tätig wurden, in der polizeilichen Befragung
vom 1. November 2005. Er führte insbesondere aus, es habe nach deren Weg-
- 18 -
gang bei der D._ AG keinen operativen Geschäftsführer mehr gegeben
(Urk. 9/3 S. 1). In diesem Sinne hatte sich der Umsatz der D._ AG von ca.
Fr. 9,6 Mio. im Jahre 2000 auf lediglich noch ca. Fr. 2,6 Mio. im Jahre 2001 redu-
ziert (Urk. 3/3, Anhang; vgl. dazu auch der Angeklagte in Urk. 9/2 S. 18). Die
D._ AG hatte ihren Mitarbeitern B._ und C._ (bereits) mit Schrei-
ben vom 17. November 2000 fristlos kündigen lassen, da diese konkurrenzieren-
de Tätigkeiten innerhalb der Geschäftszeiten ausgeübt haben sollen (vgl.
Urk. 22/1/4 S. 3). In diesen zeitlichen Konnex hinein passt auch die Antwort des
Angeklagten auf die Frage des einvernehmenden Polizeibeamten, weshalb keine
neue Revisionsstelle für die D._ AG bestellt worden sei, nachdem die
J1._ AG ihr Mandat per 17. Oktober 2003 niedergelegt habe (Urk. 9/2 S. 1:
"So wie ich es in Erinnerung habe, hatte die Firma seit zwei Jahren keine Aktivitä-
ten mehr gehabt. Wir wollten diese Firma ordnungsmässig liquidieren"). Auch die-
se Aussage deutet darauf hin, dass die D._ AG ihre operative Tätigkeit ge-
gen Ende 2001 einstellte. Im Einklang dazu steht auch die Angabe des Angeklag-
ten in der polizeilichen Befragung vom 1. November 2005, er habe gegen Ende
2001 den Entschluss gefasst, die D._ AG nicht mehr weiterzuführen (Urk. 9/3
S. 3). Gegenüber dem Staatsanwalt erklärte der Angeklagte, durch den Weggang
von B._ und C._ sei die D._ AG praktisch zum Nonvaleur gewor-
den, weshalb der Verwaltungsrat der E1._ AG beschlossen habe, dass die
D._ AG still und langsam 'obenabä gfahre' werde. Auf Vorhalt eines Schrei-
bens der J1._ AG vom 5. Juni 2003, wonach die D._ AG per 31. De-
zember 2001 ihre Tätigkeit eingestellt habe (und lediglich noch Verwaltungs- und
Liquidationstätigkeiten ausführe, vgl. Urk. 9/6), ergänzte der Angeklagte, der Ver-
kauf von Baumaterialen sei sehr personenbezogen, wobei B._ und C._
die aktivsten Verkäufer gewesen seien. Mit deren Weggang sei der D._ AG
der Boden entzogen worden (Urk. 9/4 S. 3 und S. 4). Auch ein Schreiben der
D._ AG vom 10. Juni 2002, unterzeichnet vom Angeklagten (dazu Urk. 9/4
S. 8), an die J2._ AG deutet unmissverständlich auf eine per Ende 2001 ein-
gestellte Geschäftsaktivität der D._ AG hin. Darin wird mitgeteilt, die D._
AG habe per 31. Dezember 2001 die Handelstätigkeiten an die J3._ AG in
K1._ übergeben (Urk. 9/12). Gegen eine eigentliche operative Geschäftstä-
- 19 -
tigkeit nach 2001 spricht denn auch der Betriebsertrag von lediglich rund Fr.
50'000.-- im Jahre 2002, resultierend aus Zinseinnahmen von Fr. 29'000.-- aus
den der E1._ AG und der J3._ AG gewährten Darlehen und Erträgen
aus Rechnungsstellungen bzw. wohl Verkäufen an die J3._ AG für ca. Fr.
20'000.-- (vgl. Urk. 1 S. 10 f.; Kontoauszug in Urk. 5/1/2/9.3). Damit ohne Weite-
res in Einklang bringen lässt sich die diesbezügliche Aussage von G._, ehe-
maliger Leiter Verkauf Innendienst bei der D._ AG, welcher als Zeuge als
einziger – wohl als letzte Liquidation zu bezeichnende – Baumaterialverkäufe
(Ziegel) erwähnte (vgl. Urk. 10/2 S. 9). G._ war denn auch bereits im Juni
2002 aus der D._ AG ausgeschieden (Urk. 10/2 S. 2 und S. 7). Er gab an,
nach Auflösung und Verkauf des Warenlagers der D._ AG (im Mai 2001: da-
zu unten Erw. IV/A/3.2.4. ff.) bei Kundenanfragen nach Produkten die Kunden an
die E1._ AG verwiesen zu haben, da er gewusst habe, dass die erfragten
Produkte teilweise von der E1._ AG gekauft worden waren (Urk. 5/1/3/18.6
S. 10 i.V.m. Urk. 10/2 S. 8 und S. 10). G._ war gemäss dem Angeklagten ab
1. Januar 2002 ohnehin für die J3._ AG in K1._ tätig (Urk. 9/3 S. 5; dazu
auch G._ in Urk. 5/1/3/18.6 S. 9 i.V.m. Urk. 10/2 S. 8 und S. 10). Wie die Vo-
rinstanz zu Recht bemerkt hat, sind auch keine Aussagen des Angeklagten ak-
tenkundig, wonach die D._ AG auch nach dem 31. Dezember 2001 entspre-
chend ihrem Gesellschaftszweck den Handel mit Baumaterialien betrieb. Letztlich
ging auch die Verteidigung vor Vorinstanz davon aus, die D._ AG habe ihre
aktive Geschäftstätigkeit per 31. Dezember 2001 eingestellt (Urk. 64 S. 4 und
S. 18).
3.2.3. Zusammengefasst kann damit als erstellt gelten, dass die D._ AG per
31. Dezember 2001 ihre Tätigkeit, den Handel mit Baumaterialien, einstellte und
lediglich noch Verwaltungs- und Liquidationstätigkeiten ausführte.
3.2.4. Des Weiteren hat sich das Bezirksgericht mit der Frage befasst, ob die
D._ AG ab Anfang Mai 2001 noch ein Warenlager unterhielt. Der Angeklagte
macht unter Hinweis auf die entsprechenden Unterlagen sowie per 31. Dezember
2001 aufgelöster stiller Reserven auf dem Warenlager geltend, die D._ AG
habe per 31. Dezember 2001 über ein Warenlager im Wert von Fr. 246'000.-- und
- 20 -
per 31. Dezember 2002 über ein solches im Wert von Fr. 135'000.-- verfügt, wel-
ches bei der E1._ AG geführt worden sei (Urk. 9/3 S. 4, Urk. 9/4 S. 10 f.;
Urk. 13/12, Urk. 5/1/1/4.10 und Urk. 5/1/1/4.13; vgl. auch Urk. 9/34 S. 13-19, Urk.
64 S. 11 f.). Das Bezirksgericht ist dabei unter Hinweis auf verschiedene Unterla-
gen sowie die Aussagen des Angeklagten und diverser Personen sowie weiterer
Indizien zum Schluss gelangt, die D._ AG habe ab Ende 2001 kein Warenla-
ger mehr unterhalten. Die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz vermögen
grundsätzlich zu überzeugen, weshalb – um Wiederholungen zu vermeiden –
vorab auf sie verwiesen werden kann (Urk. 79 S. 13-17, Erw. III/A/3.2.3.). Die
nachfolgenden Ausführungen haben präzisierenden, teils auch ergänzenden Cha-
rakter.
3.2.5. Vorab ist zu bemerken, dass entsprechende Inventarlisten betreffend das
Lager der D._ AG aus den beim Konkursamt eingereichten Akten nicht erho-
ben werden konnten, obwohl gemäss glaubhafter Angabe von G._ dieser
solche Listen führte und in einem Ordner ablegte, welcher nach K2._ gezü-
gelt wurde (Urk. 5/1/3/18.6 S. 6 f. i.V.m. Urk. 10/2 S. 10; dazu auch der Angeklag-
te in Urk. 9/4 S. 10 und S. 16). Grundsätzlich zu Recht hat die Vorinstanz ge-
schlossen – vorausgesetzt, das konkursamtliche Inventar vom 24. Februar 2004
sei zutreffend –, die logische Konsequenz sei, dass die D._ AG bereits Ende
2001 über kein Warenlager verfügt habe, da sie auf jenen Zeitpunkt hin ihre ope-
rative Geschäftstätigkeit eingestellt habe. Entsprechend habe sich der Lagerbe-
stand nach dem 31. Dezember 2001 nicht mehr ändern können, da keine Bauma-
terialien mehr verkauft worden seien. Die diesbezüglichen Aussagen des Ange-
klagten erweisen sich als wenig verlässlich. Entgegen seiner klaren Deposition
gegenüber dem Konkursamt behauptete der Angeklagte dann im Verlaufe des
vorliegenden Verfahrens, im Zeitpunkt des Konkurses bzw. danach seien noch
Aktiven der D._ AG vorhanden gewesen (Urk. 9/3 S. 5, Urk. 9/4 S. 13). Auf
die Widersprüchlichkeit seiner Aussagen im Konkurs- und im Strafverfahren hin-
gewiesen gab der Angeklagte zu Protokoll, er habe sich dazumal nicht mehr ge-
nau erinnern können, wahrscheinlich habe er die Unterlagen zu wenig ange-
schaut. Mit zutreffender Begründung hat die Vorinstanz dieses Vorbringen als
Schutzbehauptung qualifiziert. In der ersten (polizeilichen) Einvernahme hatte der
- 21 -
Angeklagte nämlich noch – in Übereinstimmung mit seinen Angaben im Konkurs
– angeführt, er stelle in Frage, ob noch Aktiven vorhanden seien (Urk. 9/2 S. 21).
3.2.6. Bis Ende 2000 bzw. im Mai 2001 unterhielt die D._ AG ein Ziegellager
in K3._ (bei der J4._ AG) sowie ein grösseres Lager in K4._ (...-
Strasse, bei der J5._ AG) sowie drei kleinere Lager in K4._ (...-Strasse,
bei L1._), in K5._ (bei den Geschwistern L2._) und in K6._.
Diese Lagerräumlichkeiten kündigte die D._ AG per Ende 2000 und die klei-
neren Warenlager (bei L1._, den Geschwistern L2._ und in K6._)
waren geräumt und ins Lager bei der J5._ AG überführt, als es – nachdem
die D._ AG das Lager bei der J5._ AG weder fristgerecht geräumt noch
den Mietzins bezahlt hatte – Mitte Februar 2001 zur Retention des Warenlagers
der D._ AG in den Räumlichkeiten der J5._ AG kam (vgl. Urk. 7/13, Urk.
5/1/2/13.5; L3._ in Urk. 10/10 S. 2 f. und Urk. 8/20 S. 2 ff.). Im Mai 2001 wur-
de dann, nachdem die ausstehende Schuld beglichen und die Retention aufgeho-
ben war, das Lager bei der J5._ AG aufgelöst (vgl. Urk. 5/1/2/13.6). Die ent-
sprechende Anweisung kam vom Angeklagten (Urk. 5/1/3/18.6 S. 6 i.V.m.
Urk. 10/2 S. 10; vgl. auch Urk. 5/1/2/13.6). Während der Angeklagte vielsagend
von 'Verteilen des Materials' auf andere Standorte spricht (Urk. 9/4 S. 10 oben),
wurde das gesamte Lager gemäss den grundsätzlich glaubhaften Ausführungen
von G._ an die E1._ AG nach K2._, die J3._ AG in K1._
sowie an die J6._ AG in K7._ verkauft und das Material von K4._
aus an diese Orte geliefert. Auch das Lager in K3._ wurde zeitlich zusam-
men mit den Lagern in K4._ aufgelöst (G._ in Urk. 5/1/2/18.6 S. 7 i.V.m.
Urk. 10/2 S. 8 und S. 10; bezüglich Örtlichkeiten dieser Warenlager auch der An-
geklagte in Urk. 9/3 S. 4). Das (Ziegel-)Lager in K3._ (bei der J4._ AG)
wurde an die J3._ AG in K1._ verkauft und dorthin geliefert (G._ in
Urk. 5/1/3/18.6 S. 5, S. 7 und S. 8 i.V.m. Urk. 10/2 S. 8 und S. 10; vgl. auch die
entsprechenden Lieferscheine und Rechnungen in Urk. 5/1/2/13.7-10). In einem
vom Angeklagten unterzeichneten Schreiben teilt die D._ AG am 10. Juni
2002 der J2._ AG denn auch mit, sie habe die Handelstätigkeit per
31. Dezember 2001 an die J3._ AG in K1._ übergeben und sie werde
im Verlaufe des Jahres stillgelegt (Urk. 9/12).
- 22 -
3.2.7. Die vom Angeklagten für den behaupteten Bestand eines Warenlagers der
D._ AG in K2._ und K7._ per Ende 2001 und 2002 (Urk. 9/4 S. 11
und Urk. 9/34 S. 13 ff., insb. S. 19) angerufenen Personen (vgl. Urk. 9/30 S. 6)
konnten entweder keine sachdienlichen Angaben machen oder die Existenz eines
solchen Warenlagers nicht bestätigen. L4._, ab März 2003 bei der E1._
AG als Lagerleiter und Disponent mit Arbeitsort K7._ beschäftigt, gab wohl
zu Protokoll, es habe im Lager in K7._ seit seinem Stellenantritt eine Ecke
(50-60 Quadratmeter) gegeben, in welcher Material, welches nicht der E1._
AG gehört habe, gelagert gewesen sei. Er habe Anweisung – vermutlich von
A._ – gehabt, das Material nicht anzurühren. Im August 2005 sei dieses Ma-
terial durch das Hochwasser dann ebenfalls zerstört worden, weshalb er es ent-
sorgt habe. Soweit er es gesehen habe, habe es in jener Ecke keine M2._-
Produkte gehabt. Auf entsprechende Frage konnte L4._ indessen nicht an-
geben, wem dieses Material gehört hatte (Urk. 10/6 S. 1 ff.; Urk. 8/26 S. 2-5).
L5._, seit ca. Sommer 2003 Lagerist bei der E1._ AG mit Arbeitsort
K7._, konnte lediglich die Existenz eines Fremdwarenlagers bestätigen, wel-
ches durch das Hochwasser zerstört und dann entsorgt wurde; er wusste nicht,
wem diese Ware gehört hatte (Urk. 10/9 S. 1 ff.; Urk. 8/28 S. 1-5). L6._, zu-
nächst Aussendienstmitarbeiter bei der D._ AG, dann Sachbearbeiter bei der
J6._ AG in K7._, konnte keine sachdienlichen Angaben machen, da er
sinngemäss angab, mit dem Lager nicht viel zu tun gehabt zu haben. Er wusste
lediglich, dass die D._ AG in K4._ ein Lager hatte (Urk. 10/7 S. 2 ff.;
Urk. 8/30 S. 2 ff.). Auch L7._, seit April 2004 von der E1._ mandatierter
Berater, bestätigte die Existenz eines Fremdlagers in K7._, worunter auch
M2._-Produkte gewesen seien. Als Folge des Hochwassers im August 2005
sei auch dieses Material zerstört worden. Er konnte jedoch nicht angeben, wem
das Material gehört hatte (Urk. 10/8 S. 2 ff.; Urk. 8/21 S. 3 und S. 8). L8._,
von 1994 bis ca. 2003 bei der J3._ AG für das Kreditorenwesen zuständig,
konnte keine sachdienlichen Angaben machen; sie wies darauf hin, mit dem Wa-
renlager nichts zu tun gehabt zu haben (Urk. 8/24 S. 2). Auch G._, von dem
der Angeklagte auf Frage, wer Auskunft über das in den Lagern K7._ und
K2._ aufgewahrte Material geben könne, behauptete, er sei 'relativ nahe da-
- 23 -
ran' gewesen (Urk. 9/4 S. 11), schloss aus, dass die D._ AG in K7._
oder K2._ ein Warenlager hatte (Urk. 5/1/3/18.6 S. 5 i.V.m. Urk. 10/2 S. 8
und S. 10). Somit ist davon auszugehen, dass das Warenlager der D._ AG
im Mai 2001 grundsätzlich durch Verkäufe liquidiert wurde.
3.2.8. Auf Vorhalt der vom Angeklagten unterzeichneten Lagerwertliste der
D._ AG per 31. Dezember 2002 (Urk. 5/1/2/13.12) gab G._, der als
Zeuge seine Angaben gegenüber der Polizei als zutreffend bestätigte (Urk. 10/2
S. 10), in der polizeilichen Befragung vom 23. Juli 2005 an, die Position Rolleniso-
lationen habe die D._ AG gar nie am Lager gehabt, weil der Lieferant in der
Region Zürich bzw. im Aargau Filialen oder gar den Sitz gehabt habe und der Ab-
holungsort daher nahe gewesen sei. Auch Glaswolle sei nie am Lager gewesen,
lediglich Steinwolle. Die Glaswolle 'M1._' sei bei der E1._ AG gekauft
worden, da diese Importeurin dieses Produkts gewesen sei. Da die E1._ AG
diese Glaswolle an Lager gehabt habe, habe für die D._ AG kein Grund be-
standen, dieses Produkt ebenfalls an Lager zu nehmen (Urk. 5/1/3/18.6 S. 9 f.).
Auch diese Deposition weist darauf hin, dass die D._ AG zumindest ab Ende
2001 über kein (nennenswertes) Warenlager mehr verfügte.
3.2.9. Gemäss Nachtragsrapport der Kantonspolizei Zürich vom 16. Februar 2006
(ausgedruckt am 20. März 2006) fand der polizeiliche Sachbearbeiter im Lager
K2._ bei einem Augenschein am 10. März 2006 keine Produkte mit Na-
mensbezeichnungen wie 'M2._' oder 'M1._'; auch Rollenisolationen wa-
ren keine vorhanden (Urk. 5/1/1/1.1. S. 9). Auf Vorhalt dieser Feststellungen erwi-
derte der Angeklagte, die M2._-Produkte seien in K7._ gelagert gewe-
sen und im August 2005 zerstört worden. M1._ sei zu einem grossen Teil für
Containertransporte gebraucht worden, die Rollenisolationen seien jetzt noch in
K2._ (Urk. 9/4 S. 13). Diese Ausführungen des Angeklagten erweisen sich
als Schutzbehauptungen. Wie bereits erwähnt, bestand für die D._ AG kein
Grund, M1._ und Rollenisolationen zu lagern (oben Erw. IV/A/3.2.8.). Anläss-
lich der Liquidation des Warenlagers der D._ AG im Mai 2001 wurde
M2._-Material einzig an die E1._ AG nach K2._ verkauft und dort-
hin geliefert (vgl. Urk. 5/1/2/13.9, Lieferschein und Rechnung). An die J6._
- 24 -
AG in K7._ und die J3._ AG in K1._ gingen keine solchen Produkte
(vgl. Urk. 5/1/2/13.7-8, Lieferscheine und Rechnungen). Mithin konnte kein
M2._-Material, geliefert aus dem Lager der D._ AG in K4._, durch
die Überschwemmung im August 2005 im Lager K7._ zerstört werden. Ab-
gesehen davon wäre das entsprechende Material ohnehin im Eigentum der Käu-
ferin gestanden.
3.2.10. In den Akten lassen sich weitere Umstände bzw. Ungereimtheiten finden,
welche auf ein (praktisch) nicht existentes Lager der D._ AG per Ende 2001
sowie Ende 2002 schliessen lassen. In den Unterlagen der Revisionsgesellschaft
der D._ AG, der J1._ AG, finden sich verschiedene Ausdrucke der Bi-
lanz per 31. Dezember 2002 und der Erfolgsrechnung pro 2002 (Druckdatum 12.
Februar 2003 bzw. 13. Mai 2003). Auf Seite 2 der Bilanzen ist das Warenlager für
das Jahr 2002 jeweils auf Null gesetzt (Urk. 12/6/4, 2. blauer Abgriff, sowie An-
hang zu Urk. 9/30). Auch in der Erfolgsrechnung wird unter dem Titel 'Lager und
Transport' kein Aufwand ausgewiesen (ebd.). In einer Bilanz pro 2002 vom 11.
Februar 2003 findet sich beim Warenlager (Fr. 246'000.--) die Handnotiz
'4940/1005' mit dem Hinweis 'Ausbuchen' (d.h. 'diverser Aufwand und Vermin-
derung' an 'Warenlager'; zum Kontorahmen: vgl. z.B. Urk. 12/6/4, 2. Blauer Ab-
griff, Bilanz und Erfolgsrechnung pro 2002 vom 13. Mai 2003), woraus geschlos-
sen werden kann, dass das gesamte Warenlager im Wert von Fr. 246'000.-- aus-
gebucht werden sollte (Urk. 5/1/2/13.1). Eine von L9._, welche die Buchhal-
tung der D._ AG führte (Urk. 10/1 S. 2), verfasste Notiz (Urk. 5/1/2/13.2; Urk.
10/1 S. 8) weist ebenfalls auf die beabsichtigte Ausbuchung des Warenlagers hin.
Dies legt wiederum den Schluss nahe, dass die D._ AG per Ende 2002 über
kein Warenlager verfügte. In einem Zwischenbericht der Revisionsstelle vom 28.
Februar 2001 (recte: 28. Februar 2002; dazu Urk. 10/3 S. 4) betreffend Ge-
schäftsjahr 2001 der D._ AG erwähnt der Revisor L10._, gemäss Aus-
kunft von Frau L9._ bestehe kein Warenlager mehr, eine Liste sei nicht mehr
vorhanden (Urk. 5/1/1/4.8 S. 2). Auch diese Bemerkung ist ein Indiz für ein prak-
tisch nicht mehr vorhandenes Warenlager per Ende 2001. In diesem Bericht er-
wähnt L10._ unter dem Titel 'Stichproben' u.a. Warenlager (Urk. 5/1/14.8
S. 3). Ob es sich dabei um geplante oder – wie es die Verteidigung interpretiert
- 25 -
(Urk. 9/34 S. 4) – bereits durchgeführte Stichproben handelt, muss offen bleiben.
Auch der Angeklagte konnte die Verminderung des (angeblichen) Wertes des
Warenlagers von 2001 auf 2002 angesichts eines Umsatzes im Jahre 2002 von
lediglich ca. Fr. 50'000.-- nicht erklären (vgl. Urk. 9/4 S. 14). Des Weiteren ist nicht
ersichtlich, weshalb das Warenlager der D._ AG in K4._ hätte veräus-
sert werden sollen, wenn für die D._ AG ein bzw. neue Warenlager geplant
waren. Da die D._ AG per Ende 2002 kein Warenlager mehr hatte, erübrigen
sich Ausführungen zu Mengen- und Wertangaben der M2._-Platten in der
Lagerliste per 31. Dezember 2002 (vgl. dazu die Berechnungen der Verteidigung
in Urk. 9/34 S. 16 ff. und Urk. 64 S. 13 ff.). Dass es sich bei dieser Lagerliste um
ein reines Fantasieprodukt (des Angeklagten) handelt, zeigt auch der Umstand,
dass – wird der Argumentation der Verteidigung zur Berechnung gefolgt (vgl. Urk.
9/34 S. 18 f.) – die angeführten M2._-Platten mit der Dimension ...x...x...
mm (6300 Pack à 5 Platten; dazu der Zeuge P1._ in Urk. 10/5 S. 4 f.) allein
einen Wert von ca. Euro 112'500.-- gehabt hätten.
3.2.11. Zusammengefasst ist deshalb erstellt, dass die D._ AG per Ende
2001 lediglich noch ein (Rest-)Lager im Wert von ca. Fr. 20'000.-- hatte (welches
im Verlaufe des Jahres 2002 liquidiert wurde) und Ende 2002 über kein Warenla-
ger mehr verfügte. Der vom Angeklagten erstellte Bericht zuhanden der Revisi-
onsstelle vom 19. August 2003, worin er ein Warenlager der D._ AG per
31. Dezember 2002 bestätigte (Urk. 5/1/2/13.11) oder die vom Angeklagten un-
terzeichnete Inventarliste mit einem Wert des Warenlagers von Fr. 135'000.-- per
Ende 2002 (Urk. 5/1/2/13.12) sind somit inhaltlich nicht richtig.
3.2.12. Mit der Vorinstanz erweisen sich die von der E1._ AG der D._
AG für die Geschäftsjahre 2001 und 2002 in Rechnung gestellten Beträge für
Aufwendungen zu Gunsten der D._ AG im geltend gemachten Umfang als
nicht gerechtfertigt. Auf die entsprechenden einlässlichen Ausführungen des Be-
zirksgerichts kann zwecks Vermeidung von Wiederholungen grundsätzlich ver-
wiesen werden (Urk. 79 S. 17-20, Erw. III/A/3.2.4.; § 161 GVG ZH). Die folgenden
Erwägungen sind teils ergänzender, teils präzisierender Natur. Zwischen der
E1._ AG und der D._ AG bestand offenbar ursprünglich eine Vereinba-
- 26 -
rung über die Abgeltung von Leistungen der E1._ AG zugunsten der
D._ AG. So hatte die E1._ AG Anspruch auf monatlich Fr. 2'200.-- für
Lagerkosten und monatlich Fr. 2'000.-- für das Führen der Buchhaltung der
D._ AG, wobei die Rechnungsstellung jeweils Ende Jahr erfolgen sollte
(Urk. 5/1/2/12.4). Mit Schreiben vom 31. Dezember 2000 stellte die E1._ AG
der D._ AG für ihre Aufwendungen im Geschäftsjahr 2000 Rechnung über
insgesamt Fr. 155'000.--. Für Lagerkosten wurden Fr. 26'400.--, für Spesenersatz
Fr. 6'602.-- und für die Buchführung Fr. 24'000.-- berechnet. Als Management Fee
wurden Fr. 97'998.-- geltend gemacht, was ca. einem Prozent des Jahresumsat-
zes der D._ AG entsprach (Urk. 5/1/2/12.3 und Urk. 5/1/1/4.10, entsprechen-
de Erfolgsrechnung). Mit Schreiben je vom 1. Juni 2002 stellte die E1._ AG
der D._ AG auf Weisung des Angeklagten (vgl. Kürzel '...' für A._ und
'...' für L9._, Urk. 10/1 S. 10) für das Geschäftsjahr 2001 Fr. 155'000.--, d.h.
dieselbe Summe (zusammengesetzt aus denselben Teilbeträgen), und für das
Geschäftsjahr 2002 Fr. 90'000.-- (Fr. 50'000.-- Management Fee, Fr. 19'000.--
Lagerkosten, Fr. 3'000.-- Spesenersatz und Fr. 18'000.-- Buchführungskosten) in
Rechnung (Urk. 5/1/2/12.5+6).
Dass der für das Geschäftsjahr 2002 in Rechnung gestellte Aufwand bar
jeglicher Realität stand, erhellt vorab ohne Weiteres aus der bereits am 1. Juni
2002, d.h. vor Ablauf des Geschäftsjahres, erfolgten Rechnungsstellung, zumal
der Angeklagte angab, die Management Fee werde dem Aufwand angepasst
(Urk. 9/3 S. 7). Auch die für das Geschäftsjahr 2001 gestellte Rechnung, welche
trotz markant veränderten Umsatzzahlen identisch mit jener betreffend das Ge-
schäftsjahr 2000 war, indiziert eine nicht am Aufwand gemessene Rechnungsstel-
lung.
Aufgrund der Tatsache, dass die D._ AG (spätestens) ab Ende 2001
kein nennenswertes Warenlager mehr hatte, erweist sich die dafür 2002 in Rech-
nung gestellte Position von Fr. 19'000.-- vorab als nicht gerechtfertigt, zumal kei-
ne vertraglichen Pflichten aktenkundig sind, die eine fortlaufende Zahlungsver-
pflichtung trotz fehlendem oder massiv reduziertem Warenlager statuieren wür-
den. Auch die im Verhältnis zum Jahr 2000 unveränderten Lagerkosten von
- 27 -
Fr. 26'400.-- für 2001 erscheinen nicht adäquat, nachdem im Mai 2001 das Lager
der D._ AG in K4._ aufgegeben und im Wesentlichen durch Verkäufe li-
quidiert wurde und der Geschäftsumsatz sich 2001 – im Vergleich zum Jahr 2000
– auf ca. einen Viertel reduziert hatte.
Auch die beiden Entschädigungen für das Führen der Buchhaltung erschei-
nen zu hoch. Obwohl sich der Umsatz von 2000 auf 2001 massiv reduzierte, mit-
hin auch der Umfang buchungspflichtiger Geschäftsvorgänge abnahm, wurde für
2001 dieselbe Pauschale in Rechnung gestellt. Da ab Ende 2001 die Geschäfts-
tätigkeit eingestellt wurde, erscheint auch die leicht auf Fr. 18'000.-- reduzierte
Buchführungsentschädigung als deutlich zu hoch. Im Einklang dazu stehen die
Aussagen der für die Buchhaltung der D._ AG zuständigen L9._, Mitar-
beiterin der E1._ AG, die auf die Frage nach dem Aufwand für die Buchfüh-
rung antwortete, sie habe das nebenbei gemacht; am Anfang sei sicher mehr,
schliesslich sei gar nichts mehr gelaufen, die D._ AG sei stillgelegt worden.
Zum zeitlichen Aufwand befragt, gab L9._ zu Protokoll, zunächst vielleicht
eine Stunde pro Woche, danach weniger, vielleicht sei es noch um einen Beleg
pro Woche gegangen (Urk. 10/1 S. 5). Auch wenn L9._ ihren Aufwand in der
Zeitachse nicht genau einordnen konnte, erhellt ohne Weiteres, dass der Umfang
ihrer Tätigkeit keine Entschädigung von Fr. 18'000.-- zu begründen vermag.
Wenngleich sich die Festlegung der Management Fee am Umsatz orientiert
(ca. 1% des Umsatzes; Auskunft einer renommierten Revisionsgesellschaft, vgl.
Urk. 5/1/1/1 S. 25), ist diese Grösse nicht sakrosankt. L10._ erwähnte in die-
sem Zusammenhang, dass ein reduzierter Umsatz nicht zwingend weniger Auf-
wand bedeute (Urk. 10/3 S. 9). Mit anderen Worten muss die Management Fee –
wie vom Bezirksgericht erwogen – angemessen und vertretbar sein. Nach dem
konkreten wirtschaftlichen Hintergrund für die Management Fee gefragt, wich der
Angeklagte aus bzw. antwortete einsilbig, indem er angab, das sei das gesamte
Portefeuille der D._ AG, welches betreut worden sei, beispielsweise die Be-
arbeitung der Schadenfälle (Urk. 9/3 S. 7 f.). Indessen akquirierten gewisse Mitar-
beiter der D._ AG ab 2001 (dazu auch die Verteidigung in Urk. 9/34 S. 4),
obwohl noch bei die D._ AG angestellt (G._ in Urk. 10/2 S. 2; P2._
- 28 -
in Urk. 5/1/3/18.1 S. 6 ff.; P3._ in Urk. 5/1/3/18.2 S. 3-5), Aufträge für die
Muttergesellschaft (E1._ AG) oder die J3._ AG und die J6._ AG.
Daher erscheint eine im Verhältnis zum Geschäftsjahr 2000 unveränderte Ma-
nagement Fee für das Jahr 2001 unangemessen. Auch die Management Fee pro
2002 von Fr. 50'000.--, welcher Betrag im Übrigen in etwa dem Geschäftsumsatz
in jenem Jahr entspricht, erweist sich angesichts mangelnder operativer Ge-
schäftstätigkeit als unangemessen, zumal der Angeklagte angab, die Manage-
ment Fee richte sich nach dem Aufwand (Urk. 9/3 S. 7).
Dass der der D._ AG in Rechnung gestellte Auslagenersatz in keinem
Verhältnis zum tatsächlichen Aufwand der E1._ AG stand, belegt – wie von
der Vorinstanz zutreffend dargelegt – auch ein namens der D._ AG und der
E1._ AG vom Angeklagten unterzeichnetes Schreiben vom 19. August 2003
('Bericht des Verwaltungsrates zuhanden der Revisionsstelle'), worin ausgeführt
wird: "Die Rechnungen der E1._ AG über die Personal etc. Auslagen vom
1.6.2002 über total CHF 245'000.-- betreffen nicht wie in den Rechnungen aufge-
führt die Perioden 1.1.01-31.12.02, sondern decken auch die Auslagen etc. bis
31.12.2004." Transitorisch abgegrenzt würden deshalb per 31. Dezember 2002
Fr. 163'000.-- (Urk. 5/1/2/13.11). Mit anderen Worten war für die Geschäftsjahre
2001 und 2002 – aus Sicht des Angeklagten – ein Auslagenersatz von Fr.
82'000.-- sachgerecht und wurden der D._ AG Fr. 163'000.-- ungerechtfertigt
zu viel in Rechnung gestellt, ohne dass dem Schreiben eine Aufteilung des Betra-
ges von Fr. 82'000.-- auf die beiden Jahre (und eine Aufschlüsselung der einzel-
nen Leistungen) entnommen werden kann.
3.2.13. Das Bezirksgericht hat zutreffend darauf hingewiesen, der Angeklagte
könne nicht argumentieren, der in Rechnung gestellte bzw. von der D._ AG
an die E1._ AG geleistete Auslagenersatz sei in Ordnung gewesen, da die
Rechnungsstellung mit der Revisionsstelle besprochen bzw. von dieser nicht be-
anstandet worden sei, weshalb er sich darauf verlassen habe (Urk. 79 S. 19; vgl.
die Verteidigung in Urk. 9/34 S. 3 f.). Die Revisionsstelle prüft die Jahresrechnung
auf Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorschriften, den Statuten und dem
gewählten Regelwerk (Art. 728a Abs. 1 Ziff. 1 OR). Sie prüft indessen nicht, ob –
- 29 -
in concreto – der geleistete Auslagenersatz gerechtfertigt und angemessen ist,
d.h. einen wirtschaftlichen Hintergrund hat. In diesem Sinne sagte L10._,
Verantwortlicher der Revisionsstelle der D._ AG, aus, er müsse sich auf die
Aussagen der Geschäftsleitung (A._) betreffend Auslagenersatz verlassen
können, die diesbezügliche Festsetzung stehe im Ermessen der Geschäftsleitung
(Urk. 10/3 S. 7, S. 9 f. und S. 11). Ausserdem schliesst die Empfehlung der Revi-
sion an die Generalversammlung, die Jahresrechnung zu genehmigen, nicht aus,
dass strafbare Handlungen seitens der verantwortlichen Geschäftsleitung began-
gen wurden.
3.2.14. Insgesamt erscheint, dass der D._ AG für die Jahre 2001 und 2002
Aufwendungen im Bereich von mindestens ca. Fr. 120'000.-- (2001: ca.
Fr. 40'000.-- bzw. ca. Fr. 6'000.-- bzw. ca. Fr. 10'000.-- zu hohe Management Fee
bzw. Lager- bzw. Buchhaltungskosten; 2002: ca. Fr. 30'000.-- bzw. Fr. 19'000.--
bzw. ca. Fr. 15'000.-- zu hohe Management Fee bzw. Lager- bzw. Buchhaltungs-
kosten) in ungerechtfertigter Weise in Rechnung gestellt und von dieser akzeptiert
bzw. mit ihrer Darlehensforderung gegenüber der E1._ AG verrechnet wur-
den.
3.2.15. Zusammengefasst ist im Sinne dieser Erwägungen der Sachverhalt 'Ver-
rechnung mit der E1._ AG' erstellt.
3.3. Kontosaldierungen
3.3.1. Zutreffend hat das Bezirksgericht den äusseren Sachverhalt gestützt auf
die erhobenen Urkunden als erstellt betrachtet. Zwecks Vermeidung von Wieder-
holungen kann auf diese Erwägungen verwiesen werden (Urk. 79 S. 21,
Erw. III/A/3.3.1.; § 161 GVG ZH). Der Angeklagte hat insbesondere eingestanden,
die entsprechenden Überweisungsaufträge (Urk. 13/5, Urk. 14/11) unterzeichnet
zu haben (Urk. 9/30 S. 4). Einen geschäftsmässig begründeten Vorgang für die
Zahlung konnte er nicht angeben (vgl. Urk. 9/3 S. 12). Der vom Angeklagten über
seinen (damaligen) Verteidiger zu Protokoll gegebene Grund für die Kontosaldie-
- 30 -
rung (Urk. 9/30 S. 6 f.) mag einleuchten. Indessen gab es keinen Grund, das Geld
der E1._ AG zukommen zu lassen.
3.3.2. Das Bezirksgericht hat sich sodann mit dem Einwand des Angeklagten, die
Überweisung der saldierten Beträge auf ein Konto der E1._ AG sei nicht aus
Bereichungsabsicht erfolgt, sondern habe auf einem Irrtum beruht, und die Beträ-
ge seien – nachdem der Fehler im Verlaufe des vorliegenden Verfahrens entdeckt
worden sei – an die D._ AG bzw. das Konkursamt überwiesen worden, ein-
lässlich auseinandergesetzt und die Darstellung des Angeklagten insbesondere
gestützt auf seine Aussagen zu Beginn der Untersuchung, der erst 2007 erfolgten
Überweisung des fraglichen Betrages an das Konkursamt sowie dem Verhalten
des Angeklagten im Zusammenhang mit der Rechnungsstellung des Auslagener-
satzes als nicht glaubhaft verworfen. Auf die in allen Punkten überzeugenden
erstinstanzlichen Ausführungen kann verwiesen werden (Urk. 79 S. 21 f.,
Erw. III/A/3.3.2.-3.3.3.; § 161 GVG ZH). Weiterungen erübrigen sich. Der Sach-
verhalt ist erstellt.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Das Bezirksgericht hat sich ausführlich und zutreffend zum objektiven und
subjektiven Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung verbreitet; zwecks
Vermeidung von Wiederholungen kann auf diese Ausführungen verwiesen wer-
den (Urk. 79 S. 25 f., Erw. III/A/4; § 161 GVG ZH). Zu ergänzen ist, dass ein vo-
rübergehender Vermögensschaden für die Erfüllung des Tatbestandes ausrei-
chend ist (Donatsch, Strafrecht III, 9. Auflage, Zürich 2008, S. 280; Basler Kom-
mentar, Strafrecht II, 2. Auflage, N 113 zu Art. 158 StGB). Des Weiteren kann Er-
satzbereitschaft die Absicht unrechtmässiger Bereichung im Sinne von Art. 158
Ziff. 1 Abs. 3 StGB ausschliessen (Basler Kommentar, Strafrecht II, a.a.O., N 120
zu Art. 158 StGB; Trechsel et al., Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskom-
mentar, Zürich/St. Gallen 2008, N 16 zu Art. 158 StGB).
- 31 -
4.2. Die Vorinstanz hat das eingeklagte Verhalten des Angeklagten zutreffend
als (mehrfache) ungetreue Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1
Abs. 1 und Abs. 3 StGB qualifiziert. Auf die entsprechenden Ausführungen sei
grundsätzlich verwiesen (Urk. 79 S. 27 f., Erw. III/A/4.2.; § 161 GVG ZH).
4.3. Keinem Zweifel unterliegt, dass dem Angeklagten als alleinigem Verwal-
tungsrat und Geschäftsführer der D._ AG die Stellung eines Vermögensver-
walters zukam. Die von ihm veranlassten Kontoüberweisungen und von ihm ak-
zeptierten zu hohen Rechnungen für Aufwendungen lassen sich mit dem Pflichten
eines Geschäftsführers zur sorgfältigen Verwaltung der Geschäfte der Gesell-
schaft (Art. 717 Abs. 1 OR und Art. 722 OR) nicht vereinbaren. Der durch das
Leisten (via Verrechnung) von ungerechtfertigtem Auslagenersatz bewirkte Scha-
den bei der D._ AG beträgt ca. Fr. 120'000.--, zusammen mit den Überwei-
sungen der Kontoguthaben der D._ AG an die E1._ AG ohne Gegen-
leistung ca. Fr. 126'000.--.
4.4. Die vom Angeklagten bereits vor Vorinstanz und auch im Berufungsverfah-
ren (Urk. 64 S. 29, Urk. 91 S. 2) ins Feld geführte bundesgerichtliche Rechtspre-
chung zur ungetreuen Geschäftsführung bzw. -besorgung durch den einzigen
Verwaltungsrat zum Nachteil einer Einmannaktiengesellschaft (BGE 117 IV 259)
besagt im Zusammenhang mit – wie vorliegend grösstenteils geschehen – als
Aufwand zu qualifizierenden Vermögensdispositionen, dass solche Handlungen
dann nicht im Sinne von Art. 158 StGB pflichtwidrig sind, solange das Reinvermö-
gen der Einmannaktiengesellschaft – Aktiven minus Passiven – im Umfang von
Grundkapital und gebundenen Reserven unberührt bleibt (S. 268). Mithin ist nicht
die Herbeiführung einer Überschuldung der fraglichen Gesellschaft durch die
pflichtwidrigen Handlungen erforderlich, sondern es reicht bereits das Bewirken
einer Unterbilanz zur Erfüllung des Tatbestandes aus. Die D._ AG wies per
31. Dezember 2001 in Berücksichtigung des zu hoch ausgewiesenen Warenla-
gers (Fr. 246'000.-- statt ca. Fr. 20'000.--) bei Aktiven von ca. Fr. 1'651'000.-- und
Passiven von ca. Fr. 1'122'000.-- bei einem Aktienkapital von Fr. 300'000.-- und
gesetzlichen Reserven von Fr. 149'000.-- (vgl. Urk. 5/1/1/4.13) noch keine Unter-
bilanz aus. Per 31. Dezember 2002 bestanden in Berücksichtigung des nicht vor-
- 32 -
handenen Warenlagers (Fr. 135'000.--) und der unbegründeten aktiven Rech-
nungsabgrenzung (Fr. 163'000.--; dazu unten Erw. IV/C/3.2) Aktiven von ca.
Fr. 593'000.--. Passiven waren ca. Fr. 629'000.-- vorhanden, weil neben den aus-
gewiesenen Verbindlichkeiten von ca. Fr. 504'000.-- (Urk. 5/1/1/4.13) noch
Fr. 125'000.-- Rückstellungen hätten getätigt werden sollen (dazu unten
Erw. IV/C/3.3). Mithin lag gar eine Überschuldung der D._ AG vor. Eine Un-
terbilanz bei der D._ AG zu diesem Zeitpunkt räumt gar der Angeklagte ein
(Urk. 91 S. 2). Letztlich ist auch darauf hinzuweisen, dass er eigener Angabe zu-
folge erst seit September 2003 alleiniger Aktionär der E1._ AG ist (Urk. 9/2
S. 5), mithin im Tatzeitraum zumindest teilweise keine wirtschaftliche Einheit zwi-
schen dem Angeklagten, der E1._ AG und der D._ AG bestand.
4.5. Wenngleich in der blossen Stellung der beiden überhöhten Rechnungen je
vom 1. Juni 2002 (vgl. Urk. 5/1/2/12.5+6) noch keine strafbare Handlung erblickt
werden kann, so stellt demgegenüber das Akzept der beiden um ca.
Fr. 120'000.-- überhöhten Rechnungen bzw. die Verrechnungserklärung anfangs
Februar 2003 (Urk. 5/1/2/10.3) die Untreuehandlung dar. Zu diesem Zeitpunkt
wusste der Angeklagte auch um die desolate finanzielle Situation der D._
AG.
4.6. Was die unrechtmässige Bereicherungsabsicht anbelangt, welche der An-
geklagte bezüglich der Überweisungen ab den Konti der D._ AG mit Hinweis
auf seine jederzeitige Ersatzbereitschaft und Ersatzfähigkeit (vgl. Urk. 9/34 S. 6 f.,
Urk. 64 S. 20) in Abrede stellt, ist zu bemerken, dass der Angeklagte, obwohl ihm
im Juni 2005 sowie im November 2005 ein entsprechender Vorwurf gemacht wur-
de (Urk. 9/2 S. 17 f., Urk. 9/3 S. 12) und die Forderung mit der Konkurseröffnung
über die D._ AG längst fällig war (vgl. Art. 208 Abs. 1 SchKG), sich erst Ende
Oktober 2007 dazu bequemte, den unrechtmässig bezogenen Betrag namens der
E1._ AG dem zuständigen Konkursamt zukommen zu lassen (vgl. Anhang
zu Urk. 9/30). Damit manifestierte der Angeklagte über längere Zeit einen fehlen-
den Ersatzwillen.
4.7. Zusammengefasst ist er daher der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesor-
gung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB schuldig zu sprechen.
- 33 -
B. Betrügerischer Konkurs
1. Anklagevorwurf
Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, die vorne unter Erw. IV/A/3 geschilderten
Handlungen im Wissen darum vorgenommen zu haben, dass die D._ AG
von zwei früheren Mitarbeitern verklagt worden sei und er spätestens Ende 2002
beabsichtigt habe, die Gesellschaft zu liquidieren. Er habe damit in Kauf genom-
men, dass die ehemaligen Mitarbeiter bei Gutheissung ihrer Forderungen nicht
mehr entschädigt werden könnten, weil der D._ AG die dafür notwendigen
Mittel fehlen könnten. Tatsächlich sei den ehemaligen Mitarbeitern gerichtlich ins-
gesamt über Fr. 125'000.-- zugesprochen worden, welche Beträge nie – auch
nicht im Konkurs der D._ AG – hätten erhältlich gemacht werden können
(Urk. 43 S. 4 f.).
2. Stellungnahme des Angeklagten
2.1. Der Angeklagte bestritt in der Untersuchung und vor Vorinstanz, sich des
betrügerischen Konkurses schuldig gemacht zu haben (Urk. 39 S. 6; Prot. I
S. 10). Das Bezirksgericht hat seine Einwendungen zutreffend zusammengefasst;
darauf kann verwiesen werden (Urk. 79 S. 29, Erw. III/B/2; § 161 GVG ZH).
2.2. Auch im Berufungsverfahren hielt der Angeklagte an seinem bisherigen
Standpunkt fest; er liess insbesondere den subjektiven Tatbestand bestreiten
(Urk. 91 S. 8 f.).
- 34 -
3. Erstellung des Anklagesachverhaltes
3.1. Das Bezirksgericht hat den Anklagevorwurf in objektiver und subjektiver
Hinsicht als erstellt betrachtet. Es hat dabei die als ungetreue Geschäftsbesor-
gung zu qualifizierenden Handlungen wie auch die Verrechnung des Auslagener-
satzes mit dem ausstehenden Darlehen in den zeitlichen Konnex mit der arbeits-
rechtlichen Streitigkeit vor dem Arbeitsgericht Zürich und dem Obergericht des
Kantons Zürich gestellt und gelangte zum Schluss, dass der Einwand des Ange-
klagten, er habe nie die Absicht gehabt, Gläubiger der D._ AG zu schädigen,
nicht glaubhaft sei, zumal die D._ AG zufolge Einstellung der operativen Tä-
tigkeit per Ende 2001 keine Aussicht auf die Generierung von Umsatz (bzw. Ge-
winn) gehabt habe (Urk. 79 S. 29 f., Erw. III/B/3).
3.2. Auf diese überzeugenden Ausführungen kann vorab verwiesen werden
(§ 161 GVG ZH). Ergänzend und präzisierend ist auf Folgendes hinzuweisen:
B._ und C._ machten ihre Klagen im Dezember 2000 beim Arbeitsge-
richt Zürich rechtshängig (Urk. 22/1/4 S. 3, Urk. 5/1/2/9.6 S. 4). Der Angeklagte
wusste eingestandenermassen um diese gerichtliche Auseinandersetzung
(Urk. 9/4 S. 17). Mit Urteil je vom 15. November 2002, versandt am 21. November
2002, verpflichtete das Arbeitsgericht Zürich die D._ AG zur Zahlung von
rund Fr. 40'600.-- zuzüglich Zins an B._ bzw. rund Fr. 52'500.-- zuzüglich
Zins an C._ sowie rund Fr. 7'500.-- bzw. ca. Fr. 9'000.-- Prozessentschädi-
gung (Urk. 22/1/4, insb. S. 15, vgl. Urk. 5/1/2/9.6 S. 3). Die inkriminierten Hand-
lungen (Verrechnungserklärung als Erfüllungshandlung; vgl. Urk. 5/1/2/10.3)
nahm der Angeklagte nach diesem Zeitpunkt vor bzw. liess sie vornehmen, die
Saldierungen und Überweisungen gar erst nach den am 20. Oktober 2003 ver-
sandten Urteilen des Obergerichts des Kantons Zürich vom 16. Oktober 2003, mit
welchen die Urteile des Arbeitsgerichtes bestätigt wurden (Urk. 5/1/2/9.6, insb.
S. 13 f., Urk. 5/1/2/9.7, insb. S. 9 f.). Zu präzisieren ist, dass – wie bereits erwo-
gen – der der D._ AG zu viel in Rechnung gestellte Auslagenersatz ca.
Fr. 120'000.-- ausmachte. Der Umstand, dass die D._ AG Ende 2002 über-
schuldet war, lässt die Beteuerung des Angeklagten, nie mit einem Konkurs der
D._ AG gerechnet zu haben (Urk. 9/3 S. 12 und S. 15), als Schutzbehaup-
- 35 -
tung erscheinen. Ebenso ins Leere zielt seine Behauptung, keinen Vorsatz auf
Gläubigerschädigung gehabt zu haben, da er gestützt auf die Auskünfte des pro-
zessführenden Anwaltes sowie des Hausjuristen der E1._ AG überzeugt ge-
wesen sei, die D._ AG obsiege in den arbeitsrechtlichen Prozessen (u.a.
Urk. 9/34 S. 7 f.). Demgegenüber wurde – wohl als Folge der Urteile des Arbeits-
gerichts Zürich je vom 15. November 2002 – gemäss dem Protokoll der Verwal-
tungsratssitzung vom 13. Februar 2003 das Prozessrisiko auf ca. Fr. 75'000.-- bis
Fr. 100'000.-- eingestuft, wobei an jener Verwaltungsratssitzung neben dem An-
geklagten auch Rechtsanwalt P4._, Verwaltungsrat und Hausjurist der
E1._ AG, teilnahm (Urk. 5/1/2/9.9, entsprechendes Protokoll). Somit kann
ausgeschlossen werden, dass der Angeklagte von Rechtsanwalt P4._ immer
wieder gehört haben soll, die Gewinnchancen seien 100% (so der Angeklagte in
Urk. 9/3 S. 9 und Urk. 9/4 S. 17). Rechtsanwalt P4._ hat den Angeklagten
vielmehr auf die beweismässigen Unwägbarkeiten hingewiesen, da bezüglich des
Prozessgegenstandes nichts Schriftliches vorlag, sondern auf Aussagen von
Zeugen abzustellen war (vgl. Urk. 10/4 S. 3). Es mag sein, dass der Angeklagte
nicht beabsichtigte, die D._ AG in Konkurs gehen zu lassen (vgl. Urk. 9/3
S. 13), insbesondere auch in Anbetracht des Erwerbspreises von Fr. 2,5 Mio. An-
derseits ist festzuhalten, dass der Wert dieser Gesellschaft sich massiv reduzier-
te, nachdem B._ und C._ diese Ende 2000 verlassen hatten, so dass
sich der Angeklagte gar zur Einstellung der Geschäftstätigkeit entschloss. Nach-
dem der Angeklagte über die bereits beschriebenen Handlungen der D._ AG
erhebliche Mittel entzog und diese ab Ende 2001 auch nicht mehr über ein Wa-
renlager verfügte, nahm der Angeklagte, ein erfahrener und gewiefter Geschäfts-
mann, zumindest in Kauf, dass die beiden Gläubiger, falls es zu einem Konkurs
kommen sollte, nicht mehr befriedigt würden. Wie bereits erwähnt wurde schliess-
lich am tt.mm.2004 der Konkurs über die D._ AG eröffnet. In deren Konkurs
erlitten die Gläubiger B._ und C._ einen Verlust (Kapital, Zinsen und
Kosten) über Fr. 58'186.-- bzw. Fr. 73'586.90 (Urk. 23/4 und Urk. 23/7).
- 36 -
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Das Bezirksgericht hat sich zunächst zutreffend zur Abgrenzung des betrü-
gerischen Konkurses im Sinne von Art. 163 StGB von der Gläubigerschädigung
im Sinne von Art. 164 StGB geäussert und geschlossen, dass vorliegend infolge
tatsächlicher Vermindung von Aktiven im Vermögen der D._ AG lediglich die
Erfüllung des Tatbestandes der Gläubigerschädigung zu prüfen sei. Sie hat so-
dann die Voraussetzungen dieses Straftatbestandes korrekt dargelegt und sich
auch zutreffend zur (überschneidenden) Idealkonkurrenz zu Art. 158 StGB (dazu
auch BGE 117 IV 259, Erw. 6) geäussert. Auf diese Erwägungen kann zwecks
Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden (Urk. 79 S. 31 f.,
Erw. III/B/4.1.1.+2.; § 161 GVG ZH).
4.2. Die Vorinstanz hat das Verhalten des Angeklagten (Verrechnung eines
überhöhten Aufwandersatzes mit einer Darlehensforderung der D._ AG ge-
genüber der E1._ AG; unentgeltliche Überweisung von der D._ AG zu-
stehenden Kontoguthaben an die E1._ AG) zu Recht unter den Tatbestand
von Art. 164 Ziff. 1 StGB subsumiert (Urk. 79 S. 32 f., Erw. III/B/4.2.; § 161 GVG
ZH). Der unter Hinweis auf den Kommentator Trechsel gemachte Einwand, es
bedürfe eines endgültigen Vermögensverlustes für den Gläubiger (Urk. 91 S. 5),
kann nicht beigepflichtet werden. Es kann für die Erfüllung des Tatbestandes nicht
darauf ankommen, ob der Geschädigte sich mittels betreibungs- oder konkurs-
rechtlicher Klagen erfolglos gegen seinen Vermögensverlust zur Wehr setzt, zu-
mal sich solche Prozesse über Jahre hinweg ziehen können. Die von Trechsel
angeführte negative Kollokationsklage oder die Widerspruchsklage (Trechsel,
a.a.O., N 1 zu Art. 164 StGB) kam für die geschädigten Arbeitnehmer der
D._ AG ohnehin nicht in Frage (vgl. Urk. 84/2). Somit ist der Angeklagte der
mehrfachen Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung im Sinne von
Art. 164 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
- 37 -
C. Urkundenfälschung
1. Noch zur Beurteilung stehender Anklagevorwurf
1.1. Dem Angeklagten wird in diesem Anklagepunkt zur Last gelegt, am 18. April
2002 für die D._ AG eine Vollständigkeitserklärung unterzeichnet zu haben.
Dabei habe der Angeklagte in der Bilanz der D._ AG per 31. Dezember 2001
ein Warenlager im Wert von Fr. 246'000.-- ausweisen lassen, obwohl er gewusst
habe, dass die D._ AG über kein Warenlager mehr verfügt habe. Gleiches
soll der Angeklagte am 2. Juli 2003 getan haben, indem er in der Bilanz per 31.
Dezember 2002 ein Warenlager im Wert von Fr. 135'000.-- habe ausweisen las-
sen, obwohl er gewusst habe, dass die D._ AG über kein Warenlager mehr
verfügt habe (Urk. 43 S. 5).
1.2. Des Weiteren wird dem Angeklagten vorgeworfen, er habe in die Bilanz der
D._ AG per 31. Dezember 2002 transitorische Aktiven in Höhe von
Fr. 163'000.-- aufnehmen lassen mit der Begründung, die zwei Rechnungen der
E1._ AG je vom 1. Juni 2002 über insgesamt Fr. 245'000.-- würden entgegen
der in diesen aufgeführten Periode [1. Januar 2002 (recte: 2001) bis
31. Dezember 2002] neu auch den Bereich für die Jahre 2003 und 2004 abde-
cken, obwohl er gewusst habe, dass die D._ AG nicht weitergeführt werden
solle und das Rechnungstotal viel zu hoch gewesen sei (Urk. 43 S. 6).
1.3. Weiter habe der Angeklagte – obwohl ihm die Klagen von C._ und
B._ und die Urteile des Arbeitsgerichts, womit diesen zu Lasten der D._
AG insgesamt über Fr. 125'000.-- zugesprochen worden seien, bekannt gewesen
seien – es unterlassen, in der Bilanz 2002 der D._ AG Rückstellungen auf-
nehmen zu lassen (Urk. 43 S. 6).
1.4. Durch all diese Handlungen habe der Angeklagte erreicht, dass die D._
AG entgegen den tatsächlichen Gegebenheiten bilanzmässig keine Überschul-
dung aufgewiesen habe, eine Benachrichtigung des Konkursrichters habe unter-
bleiben und der Wert der D._ AG in der Bilanz der E1._ AG in Schritten
habe abgeschrieben werden können (Urk. 43 S. 6).
- 38 -
2. Stellungnahme des Angeklagten
2.1. Der Angeklagte bestritt in der Untersuchung und vor Vorinstanz, sich der Ur-
kundenfälschung schuldig gemacht zu haben (Urk. 9/3 S. 10 und S. 11 f., Urk. 9/4
S. 21, Urk. 9/30 S. 12, Urk. 9/34 S. 13 ff., Urk. 39 S. 6; Prot. I S. 10). Er räumte
ein, die Vollständigkeitserklärungen vom 18. April 2002 und 2. Juli 2003
(Urk. 5/1/1/4.9+12) unterzeichnet zu haben (Urk. 9/4 S. 18, Urk. 39 S. 1), machte
aber geltend, das Warenlager sei gemäss den bilanzierten Werten vorhanden
gewesen. Die übrigen Einwendungen hat die Vorinstanz zutreffend wiedergege-
ben; darauf kann verwiesen werden (Urk. 79 S. 34, Erw. III/C/2; § 161 GVG ZH).
2.2. Auch im Berufungsverfahren hielt der Angeklagte an seinem bisherigen
Standpunkt fest (Urk. 91 S. 6).
3. Erstellung des Anklagesachverhaltes
3.1. Warenlager
Wie bereits erwogen hatte die D._ AG per Ende 2001 lediglich noch ein klei-
nes Warenlager (Wert ca. Fr. 20'000.--) und Ende 2002 keine Warenlager mehr
und wusste der Angeklagte darum. Entgegen dieser Tatsache wies die Bilanz per
31. Dezember 2001 ein Warenlager im Wert von Fr. 246'000.-- und jene per
31. Dezember 2002 ein solches im Werte von Fr. 135'000.-- aus
(Urk. 5/1/1/4.10+13). Der entsprechende Anklagesachverhalt ist erstellt.
3.2. Transitorische Aktiven
3.2.1. Die Aufnahme transitorischer Aktiven in der Bilanz 2002 der D._ AG im
Umfang von Fr. 163'000.-- sowie das entsprechende Schreiben ('Bericht des
Verwaltungsrates zuhanden der Revisionsstelle Bestätigung') der D._ AG
und der E1._ AG, je vertreten durch den Angeklagten, in welchem ausgeführt
wird, "die Rechnungen der E1._ AG über die Personal etc. Auslagen vom
- 39 -
1.6.2002 über total CHF 245'000.--" würden nicht "wie in den Rechnungen aufge-
führt die Perioden 1.1.01-31.12.02", sondern "auch die Auslagen etc. bis
31.12.2004" decken, transitorisch abgegrenzt würden "deshalb per 31.12.2002
CHF 163'000.-- für die Perioden 1.1.03-31.12.04", sind durch die entsprechenden
Unterlagen belegt (Urk. 5/1/2/13.11; Urk. 5/1/1/4.13). Ebenfalls in den Akten liegt
eine handschriftliche Notiz von L10._, angefertigt anlässlich einer Bespre-
chung zwischen L10._ und dem Angeklagten am 2. Juli 2003, in welchem
dieses Vorgehen skizziert ist (Urk. 5/1/1/4.11 bzw. Urk. 5/1/2/15.1; Original in
Urk. 12.6.4, 1. blauer Abgriff; dazu auch L10._ in Urk. 10.3 S. 4 und S. 11 f.).
3.2.2. Mithin wurden letztlich der tatsächliche Auslagenaufwand der E1._ AG
für die D._ AG für die Jahre 2002 und 2003 mit Fr. 82'000.-- veranschlagt
und der Restbetrag der beiden Rechnungen vom 1. Juni 2002 (Fr. 163'000.--) als
mutmasslicher Auslagenaufwand für die Jahre 2003 und 2004 prognostiziert. Wie
das Bezirksgericht zu Recht festgestellt hat, ist schleierhaft, wie in den Jahren
2003 sowie 2004 Auslagen in dieser Höhe hätten anfallen sollen, nachdem die
D._ AG seit Ende 2001 kein Warenlager mehr unterhielt, sie auf diesen Zeit-
punkt auch ihre Tätigkeit eingestellt hatte und lediglich noch Verwaltungs- und Li-
quidationstätigkeit ausübte (Urk. 79 S. 35). Diese transitorischen Aktiven hatten
mithin keinen wirtschaftlichen bzw. geschäftsmässig begründeten Hintergrund.
Das erhellt um so mehr, als auf die Jahre 2001 und 2002, als die D._ AG
teilweise geschäftlich noch aktiv war, lediglich ein Betreffnis von Fr. 82'000.-- Aus-
lagenersatz, d.h. ca. die Hälfte der Periode 2003/2004 angefallen sein soll. Der
Angeklagte selber sah sich denn auch ausser Stande, den wirtschaftlichen Hin-
tergrund dieser Rechnungsabgrenzung zu erklären (Urk. 9/4 S. 8 f.). Sein Hinweis
auf eine entsprechende Absprache mit der Revisionsstelle, hilft dem Angeklagten
– wie das Bezirksgericht zu Recht bemerkt hat – nicht weiter, hatte er doch ge-
genüber der Revisionsstelle einen Informationsvorsprung und wusste, dass die
E1._ AG 2003 sowie 2004 keine Leistungen im Umfang von Fr. 163'000.--
für die D._ AG würde erbringen können. L10._, Vertreter der Revisions-
stelle der D._ AG, sagte denn auch aus, dass ihm die Abgrenzung von
Fr. 163'000.-- so (vom Angeklagten) mitgeteilt worden sei und er keine Kenntnis
von der beabsichtigten Liquidation der D._ AG gehabt habe (Urk. 10/3
- 40 -
S. 11 f.). Der Angeklagte kann sich deshalb nicht auf mangelnden Vorsatz beru-
fen (vgl. Urk. 9/34 S. 20). Zusammengefasst ist der Anklagesachverhalt erstellt.
3.3. Rückstellungen
3.3.1. Belegtermassen – und vom Angeklagten nicht in Abrede gestellt – wurden
in der Bilanz der D._ AG per 31. Dezember 2002 keine Rückstellungen für
die arbeitsrechtliche Auseinandersetzung mit den ehemaligen Mitarbeitern
B._ und C._, d.h. die mit Urteil des Arbeitsgerichts Zürich vom 15. No-
vember 2002 B._ und C._ zugesprochenen Forderungen, gemacht (vgl.
dazu auch Urk. 5/1/1/4.13, Urk. 22/1/4 S. 15, vgl. Urk. 5/1/2/9.6 S. 3). Rückstel-
lungen sind gemäss den aktienrechtlichen Vorschriften zu bilden, um ungewisse
Verpflichtungen oder drohende Verluste aus schwebenden Geschäften zu decken
(Art. 669 Abs. 1 OR). Sie sind nach dem Vorsichtsprinzip zu bewerten, wobei
sämtliche Risiken, die in Verbindlichkeiten resultieren können, zu bemessen sind
(Neuhaus /Balkanyi in: Honsell/Vogt/Walter, Basler Kommentar Obligationenrecht
II, 3. Auflage, N 22 zu Art. 669).
3.3.2. Der Angeklagte wendet ein, auf Rückstellungen verzichtet zu haben, da ihm
die Juristen (der prozessführende Rechtsanwalt P5._ sowie der Hausjurist,
Rechtsanwalt P4._) erklärt hätten, die D._ AG werde den Rechtsstreit
zu 100% gewinnen; entsprechend liess der Angeklagte einen entsprechenden
Vorsatz zur Urkundenfälschung bestreiten (Urk. 9/3 S. 9, Urk. 9/4 S. 17, Urk. 9/34
S. 20; Urk. 64 S. 33 f.). Die Vorinstanz hat den Einwand des Angeklagten zu
Recht verworfen. Es trifft wohl zu, dass Rechtsanwalt P4._ – wie an anderer
Stelle bereits erwogen – differenziert auf die prozessualen Unwägbarkeiten hin-
wies, da keine schriftlichen Beweismittel vorlagen (Urk. 10/4 S. 3). Immerhin sag-
te er dem Angeklagten, dass für ihn (den Anwalt) – falls die Zeugen die Schilde-
rung des Angeklagten bestätigen würden – ein klarer Fall für eine fristlose Kündi-
gung vorliegen würde. Nach Klageeingang lagen schriftliche Äusserungen von
Betroffenen oder Drittpersonen vor, welche die Darstellung des Angeklagten be-
stätigten (Urk. 10/4 S. 3). Somit durfte der Angeklagte zu Beginn des Prozesses
- 41 -
durchaus von guten Prozesschancen für die D._ AG ausgehen. Spätestens
mit der Kenntnisnahme der Urteile des Arbeitsgerichts vom 15. November 2002,
welche die Position der ehemaligen Mitarbeiter stützten, musste indessen auch
der Angeklagte in einer höheren Instanz mit einem Unterliegen der D._ AG
rechnen. Kommt hinzu, dass – wie an anderer Stelle bereits erwähnt – das Pro-
zessrisiko anlässlich einer Verwaltungsratssitzung der E1._ AG vom 13. Feb-
ruar 2003, an welcher neben dem Angeklagten auch der Hausjurist der E1._
AG, Rechtsanwalt P4._, teilnahmen, mit ca. Fr. 75'000.-- bis Fr. 100'000.--
veranschlagt wurde (Urk. 5/1/2/9.9, entsprechendes Protokoll). Dass es dabei
nicht um eine Verwaltungsratssitzung der D._ AG handelte, ist ohne Belang.
Neben den Forderungen (einschliesslich Zinsen) und Prozessentschädigungen an
die Gegenparteien waren auch die eigenen Anwaltskosten zu berücksichtigen.
Mithin nahm der Angeklagte mindestens in Kauf, dass in der Bilanz durch das Ak-
tienrecht vorgeschriebene Rückstellungen in der Höhe von Fr. 125'000.-- nicht
ausgewiesen wurden. Der Anklagesachverhalt ist erstellt.
3.4. Motivation
3.4.1. In Berücksichtigung der zu korrigierenden Bilanzposten in der Bilanz der
D._ AG per 31. Dezember 2002 (Reduktion der Aktiven um Fr. 135'000.--
Warenlager sowie Fr. 163'000.-- transitorische Aktiven; Erhöhung der Passiven
um die Rückstellungen von Fr. 125'000.--) errechnete die Vorinstanz zutreffend
eine Überschuldung der D._ AG von über Fr. 35'000.-- (Bilanz in
Urk. 5/1/1/4.13; Urk. 79 S. 38, Erw. III/C/3.5; § 161 GVG ZH). Mit dem Bezirksge-
richt ist damit erstellt, dass der Angeklagte – der in der Bilanz der D._ AG
2002 vorsätzlich falsche Zahlen bilanzieren liess und der als alleiniger Verwal-
tungsrat und alleiniger Geschäftsführer die finanzielle Lage der Gesellschaft kann-
te – wusste, er beschönige massiv die finanzielle Situation der D._ AG. Da-
mit nahm er die Umgehung der Benachrichtigung des Richters gemäss Art. 725
Abs. 2 OR in Kauf.
- 42 -
3.4.2. Die Vorinstanz hat ausserdem erwogen, es sei nicht korrekt gewesen, in
der Bilanz der E1._ AG per 31. Dezember 2002 die D._ AG mit einem
Wert von Fr. 1,5 Mio. einzusetzen (Urk. 79 S. 38, Erw. III/C/3.5.). Soweit die Vo-
rinstanz darin einen Vorteil bzw. eine Vorteilsabsicht des Angeklagten sieht, ist
darauf hinzuweisen, dass dieses Moment – obwohl die Bilanzierung des Wertes
der D._ AG in dieser Höhe in der Bilanz der E1._ AG (vgl.
Urk. 5/1/1/7.5) mutmasslich zu hoch war – keinen Eingang in die Anklage gefun-
den hat und damit für die Beurteilung des Anklagevorwurfes unbeachtlich ist (An-
klageprinzip).
3.4.3. Des Weiteren ist festzuhalten, dass die Bilanz der D._ AG per 31. De-
zember 2001 in Berücksichtigung des kleinen Warenlagers von ca. Fr. 20'000.--
(Reduktion der Aktiven um ca. Fr. 226'000.--) keine Überschuldung der Gesell-
schaft auswies (vgl. Urk. 5/1/1/4.10).
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Das Bezirksgericht hat sich einlässlich zum Tatbestand der Urkundenfäl-
schung verbreitet; zwecks Vermeidung von Wiederholungen kann darauf verwie-
sen werden (Urk. 79 S. 38-40, Erw. III/C/4.1.1.+2.; § 161 GVG ZH). Zu ergänzen
ist lediglich, dass das Bundesgericht auch in einem neueren Entscheid der Bilanz
als Bestandteil der Buchhaltung Urkundeneigenschaft im Sinne von Art. 251 StGB
zuerkannt hat (BGE 129 IV 130, Erw. 2.2.).
4.2. Den Bilanzen der D._ AG per 31. Dezember 2001 und 31. Dezember
2002 als Bestandteil der Buchhaltung kommt unzweifelhaft Urkundeneigenschaft
zu. Darin liess der Angeklagte ein lediglich im Wert von ca. Fr. 20'000.-- vorhan-
denes Warenlager als ein solches im Wert von Fr. 246'000.-- (Bilanz 2001) bzw.
ein nicht vorhandenes Warenlager im Wert von Fr. 135'000.-- (Bilanz 2002) aus-
weisen. Darüber hinaus liess er zu Unrecht transitorische Aktiven bzw. keine
Rückstellungen aufnehmen (Bilanz 2002). Damit liess der Angeklagte in den Bi-
lanzen 2001 und 2002 wissentlich erhebliche Tatsachen unrichtig beurkunden.
- 43 -
Der Einwand der Verteidigung, der Angeklagte habe die Bilanzen nicht unter-
zeichnet, weshalb keine Urkunde vorliege (Urk. 91 S. 6), ist unbehelflich, setzt
doch die Anforderung der Erkennbarkeit des Ausstellers nicht notwendigerweise
voraus, dass die Urkunde dessen Namen enthält oder gar von diesem unter-
schrieben worden ist. Das gilt auch für den Fall, dass eine Unterzeichnung an sich
vorgeschrieben ist, beispielsweise für Inventar, Betriebsrechnung und Bilanz
(Art. 961 OR; Donatsch/Wohlers, Strafrecht IV, Delikte gegen die Allgemeinheit,
Zürich 2004, S. 136).
4.3. Die Gegenstand des Anklagevorwurfs der Urkundenfälschung bildenden und
vom Angeklagten unterzeichneten Vollständigkeitserklärungen des Verwaltungs-
rates an die Revisionsstelle vom 18. April 2002 und 2. Juli 2003 (Urk. 5/1/1/4.9
und Urk. 5/1/1/4.12) stuft das Bundesgericht neuerdings nicht mehr als Urkunden
ein (vgl. BGE 132 IV 12, Erw. 9). Der Angeklagte ist daher bezüglich dieser Voll-
ständigkeitserklärungen vom Vorwurf der Urkundenfälschung freizusprechen.
4.4. Des Weiteren ist zu präzisieren, dass die aktenkundige und vom Angeklag-
ten unterzeichnete Inventarliste per 31. Dezember 2002 (Urk. 5/1/2/13.12) sowie
die Bestätigung des Angeklagten betreffend Warenlager per 31. Dezember 2002
vom 19. August 2003 (Urk. 5/1/2/13.11) nicht Gegenstand des Vorwurfes der Ur-
kundenfälschung sind (vgl. Urk. 43 S. 5 f.).
4.5. Der Angeklagte handelte vorsätzlich und in der Absicht, die finanzielle Situa-
tion der D._ AG besser darzustellen als sie war, insbesondere per Ende
2002 keine Überschuldung auszuweisen, um damit den Gang zum Richter zu
verhindern. Wie erwähnt war die D._ AG per 31. Dezember 2001 nicht über-
schuldet. Im Zusammenhang mit der inhaltlich gefälschten Bilanz per 31. Dezem-
ber 2001 lässt sich deshalb keine (unrechtmässige) Schädigungs- oder Vorteils-
absicht erkennen. In der in der Anklageschrift in diesem Zusammenhang ohne
weitere Präzisierung erwähnten schrittweisen Abschreibung des Wertes der
D._ AG in der Bilanz der E1._ AG (vgl. dazu auch Urk. 5/1/1/7.3+4: Ab-
schreiben von Fr. 2,5 Mio. per Ende 2000 auf Fr. 2 Mio. per Ende 2001) kann kei-
ne (unrechtmässige) Vorteilsabsicht gesehen werden, zumal die Anklage nicht
behauptet, die E1._ AG wäre im Falle einer einmaligen Abschreibung der
- 44 -
Beteiligung per Ende 2001 auf null überschuldet gewesen. Bilanzprobleme im Zu-
sammenhang mit einer Stilllegung der D._ AG werden denn auch erst an-
lässlich einer Verwaltungsratssitzung vom 28. August 2002 erwähnt (vgl.
Urk. 5/1/2/9.9, entsprechendes Protokoll S. 3; vom Angeklagten in Abrede gestellt
in Urk. 9/4 S. 19).
4.6. Zusammengefasst ist der Angeklagte mit Bezug auf die Bilanz der D._
AG per 31. Dezember 2002 schuldig zu sprechen der Urkundenfälschung im Sin-
ne von Art. 251 Ziff. 1 StGB. Freizusprechen vom Vorwurf der Urkundenfälschun-
gen ist der Angeklagte mit Bezug auf die Vollständigkeitserklärungen vom
18. April 2002 und 2. Juli 2003 sowie bezüglich der Bilanz der D._ AG per
31. Dezember 2001.
5. Zusammenfassung
Zusammengefasst ist der Angeklagte schuldig zu sprechen der mehrfachen unge-
treuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 StGB,
der mehrfachen Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung im Sinne von
Art. 164 Ziff. 1 StGB sowie der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1
StGB.
Freizusprechen ist der Angeklagte vom Vorwurf der Urkundenfälschung mit Be-
zug auf die Vollständigkeitserklärungen vom 18. April 2002 und 2. Juli 2003 sowie
bezüglich der Bilanz der D._ AG per 31. Dezember 2001.
- 45 -
V.
Sanktion
1. Allgemeines
1.1. Das Bezirksgericht hat sich einlässlich und zutreffend zum anwendbaren
Recht, dem Strafrahmen sowie den Grundsätzen der Strafzumessung verbreitet;
um Wiederholungen zu vermeiden, kann auf diese Ausführungen verwiesen wer-
den (Urk. 79 S. 41-45, Erw. IV/1-3; § 161 GVG ZH). Da auch im Berufungsverfah-
ren – wie noch zu erwägen sein wird – eine Geldstrafe auszufällen sein wird, er-
weist sich das neue Recht als das für den Angeklagten mildere Recht. Zusam-
mengefasst gelangt somit der am 1. Januar 2007 in Kraft getretene revidierte All-
gemeine Teil des Schweizerischen Strafgesetzbuches zur Anwendung, wobei an
sich von einem bis zu siebeneinhalb Jahren Freiheitsstrafe bzw. 360 Tagessätze
Geldstrafe (à maximal Fr. 3'000.--) reichenden maximalen Strafrahmen auszuge-
hen ist. Indessen ist die tat- und täterangemessene Strafe – ausserordentliche
Umstände vorbehalten – grundsätzlich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens
festzusetzen (BGE 136 IV 55, Erw. 5.8).
1.2. Der Angeklagte wurde mit Strafmandat der Staatsanwaltschaft I des Kan-
tons Uri vom 18. Juli 2003 wegen Überschreitens der zulässigen Höchstge-
schwindigkeit auf der Autobahn schuldig erklärt und mit einer Busse von
Fr. 1'400.-- bestraft, wobei die vorzeitige Löschbarkeit der Busse bei einer Probe-
zeit von einem Jahr gewährt wurde (Urk. 57 und Urk. 59). Das Bezirksgericht hat
die ausgefällte Geldstrafe in Anwendung von Art. 49 Abs. 2 StGB als teilweise
Zusatzstrafe zum Strafmandat der Staatsanwaltschaft I des Kantons Uri ausge-
sprochen (Urk. 79 S. 49, Erw. IV/4.4.2.). Das Bundesgericht hat indessen in ei-
nem neueren Entscheid festgehalten, Bedingung für eine Zusatzstrafe sei stets,
dass die Voraussetzungen der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB erfüllt sei-
en; danach seien ungleichartige Strafen kumulativ zu verhängen, weil das Aspe-
rationsprinzip nur greife, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen wür-
den. Die Bildung einer Gesamtstrafe sei bei ungleichartigen Strafen nicht möglich.
Die Bildung einer Gesamtstrafe – und damit einer Zusatzstrafe – sei also nur
- 46 -
möglich, wenn mehrere Geldstrafen, mehrfache gemeinnützige Arbeit, mehrere
Freiheitsstrafen oder mehrere Bussen ausgesprochen würden (BGE 137 IV 57,
Erw. 4.3.1). Unter Hinweis auf diese Erwägungen ist – da vorliegend das Aus-
sprechen allein einer Busse nicht in Frage kommt – eine eigenständige Sanktion
auszufällen.
2. Strafzumessung in concreto
2.1. Die Vorinstanz hat mit dem Hinweis, von den drei relevanten, dieselbe
Strafandrohung enthaltenden Tatbestände dränge sich dies auf, zunächst die
Tatkomponenten betreffend der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung
analysiert, da sich diese zeitlich zuerst abgespielt, über einen längeren Zeitraum
hingezogen und die weiteren Delikte praktisch initiiert hätten, wobei die einzelnen
ungetreuen Geschäftsbesorgungen zusammen zu betrachten seien (Urk. 79
S. 45, Erw. IV/4.1.1.). Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden.
2.2. Bezüglich der objektiven Tatschwere der ungetreuen Geschäftsbesorgung
hat das Bezirksgericht zutreffend berücksichtigt, dass das vom Angeklagten be-
wirkte Ausmass des deliktischen Erfolges beträchtlich ist. Unter Hinweis auf die
entsprechenden Ausführungen ist der von ihm in Verletzung seiner Pflichten be-
wirkte Schaden im Vermögen der D._ AG auf etwas über Fr. 120'000.-- zu
beziffern. Da nicht bereits die Rechnungsstellung am 1. Juni 2002 den Vermö-
gensschaden bei der D._ AG bewirkte, sondern erst die Erfüllung, d.h. die
Verrechnung, ist die Zeitdauer der Delinquenz etwas kürzer als von der Vo-
rinstanz angenommen. Ungeachtet dessen kann mit ihr in Anbetracht der ver-
schiedenartigen Vorgehensweisen die vom Angeklagten aufgewendete kriminelle
Energie als beträchtlich eingestuft werden. Mit der Vorinstanz ist die Tatschwere
innerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens als nicht mehr leicht zu ge-
wichten, so dass eine Einsatzstrafe im Bereich von sieben bis acht Monaten Frei-
heitsstrafe bzw. 210 bis 240 Tagessätzen Geldstrafe angemessen erscheint.
- 47 -
Was das Motiv des Angeklagten anbelangt, ist mit der Vorinstanz anzunehmen,
sein Handeln habe zum Ziel gehabt, die finanzielle Lage der E1._ AG zu
verbessern, um deren Überleben zu sichern, wobei zu beachten ist, dass der An-
geklagte zunächst Teilhaber und seit September 2003 alleiniger Inhaber der
E1._ AG ist. Sein Handeln kam somit mittelbar auch ihm zugute. Die Schädi-
gung der D._ AG war wohl nicht das unmittelbare Ziel des Angeklagten, son-
dern die unausweichliche Folge davon, dass er auf Kosten der D._ AG die
E1._ AG finanziell besser stellen wollte. Dem Bezirksgericht ist beizupflich-
ten, wenn es ausführt, diese subjektive Komponente führe weder zu einer Erhö-
hung noch zu einer Reduktion der hypothetischen Einsatzstrafe (Urk. 79 S. 47).
2.3. Was die Tatkomponenten der weiteren Delikte anbelangt, ist zu bemerken,
dass der im Zusammenhang mit der mehrfachen Gläubigerschädigung bewirkte
Schaden bei den Gläubigern B._ und C._ über Fr. 100'000.-- ausmach-
te. Die Vorinstanz hat indessen zu Recht darauf hingewiesen, dass sich die
D._ AG grösstenteils gerade infolge der Handlungen des Angeklagten im
Rahmen der ungetreuen Geschäftsbesorgung in Schwierigkeiten befunden habe
und schliesslich (auch) deswegen über sie der Konkurs habe eröffnet werden
müssen, weshalb sich die Tatkomponenten der beiden Tatbestände nicht uner-
heblich überschneiden würden. Als Folge davon erachtete das Bezirksgericht für
die Verurteilung wegen mehrfacher Gläubigerschädigung durch Vermögensmin-
derung zu Recht lediglich eine leichte Erhöhung der Strafe wegen ungetreuer Ge-
schäftsbesorgung für angemessen. Bezüglich der Urkundenfälschung ist zu be-
achten, dass die Beträge, welche in der Bilanz 2002 unrichtig oder gar nicht aus-
gewiesen wurden, derart hoch waren, dass eine Überschuldung buchhalterisch
vermieden wurde und als Folge davon die Benachrichtigung des Richters unter-
bleiben konnte. Zutreffend hat die Vorinstanz auch bemerkt, dass durch die Bi-
lanzmanipulation in der Bilanz der E1._ AG die D._ AG tatsachenwidrig
als werthaltige Beteiligung ausgewiesen werden konnte. Als Motiv scheint wiede-
rum ähnlich wie bei der ungetreuen Geschäftsbesorgung das Sichern der Fortfüh-
rung der E1._ AG gewesen zu sein.
- 48 -
2.4. In Berücksichtigung des Asperationsprinzips erscheint für die mehrfache
Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung und die Urkundenfälschung
eine Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe auf ca. neun bis zehn Monate
Freiheitsstrafe bzw. 270 bis 300 Tagessätze Geldstrafe angemessen.
2.5. Hinsichtlich der Täterkomponente kann zunächst auf die Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 79 S. 48, Erw. IV/4.4.1.+2.; § 161 GVG ZH).
Den im Berufungsverfahren eingereichten Unterlagen sowie der persönlichen Be-
fragung anlässlich der Berufungsverhandlung lässt sich entnehmen, dass der An-
geklagte aktuell nach wie vor über ein monatliches Einkommen aus Erwerbstätig-
keit von ca. Fr. 10'000.-- (ohne Kinderzulagen) zuzüglich Fr. 1'000.-- Privatanteil
Benutzung Geschäftsfahrzeug sowie über ein in Immobilien und Gesellschaftsbe-
teiligungen angelegtes Vermögen von netto ca. Fr. 6 Mio. verfügt (Urk. 86/1,
Urk. 86/3; Prot. II S. 6 ff.). Als Liegenschaftenertrag sowie Ertrag aus Beteiligun-
gen resultierte im Jahre 2008 ein zusätzliches Einkommen von netto ca.
Fr. 170'000.-- (Urk. 86/4) und für 2009 von ca. Fr. 300'000.-- (Urk. 86/7). Gemäss
den Angaben des Angeklagten vor Vorinstanz zahlt er jährlich ca. Fr. 40'000.--
Steuern. Die Krankenkassenprämien für die gesamte Familie belaufen sich jähr-
lich auf ca. Fr. 10'000.-- (Prot. I S. 6). Die persönlichen Verhältnisse des Ange-
klagten wirken sich strafzumessungsneutral aus.
2.6. Bezüglich Nachtatverhalten ist mit der Vorinstanz zu bemerken, dass der
Angeklagte den durch die Kontosaldierungen angerichteten Schaden wieder gut
machte, indem er der Konkursverwaltung die seinerzeit der E1._ AG über-
wiesenen Beträge zukommen liess. Dies wirkt sich leicht strafmindernd aus.
2.7. Das Bezirksgericht nahm eine Verletzung des Beschleunigungsgebotes be-
züglich der Untersuchung an und berücksichtigte dies mit einer leichten Strafmin-
derung (Urk. 79 S. 49, Erw. IV/4.4.3.). Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, der
Angeklagte trage für die lange Verfahrensdauer eine erhebliche Mitverantwortung,
weshalb die angebliche Verletzung des Beschleunigungsgebotes bei der Straf-
zumessung zu stark berücksichtigt worden sei (Urk. 76 S. 2).
- 49 -
2.7.1. Gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK hat jedermann Anspruch darauf, dass seine
Sache innert angemessener Frist gehört wird. Das Beschleunigungsgebot ver-
pflichtet die Behörden, das Strafverfahren zügig voranzutreiben, um den Beschul-
digten nicht unnötig über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu
lassen. Es unterscheidet sich vom Institut der Verjährung, welches ausschliesslich
auf die Dauer seit der Tat abstellt, sowie vom Strafmilderungsgrund der seit der
Tat verstrichenen verhältnismässig langen Zeit, welcher voraussetzt, dass zwei
Drittel der Verjährungsfrist verstrichen sind und sich der Täter wohl verhalten hat
(BGE 132 IV 1). Wird eine Verletzung des Beschleunigungsgebotes festgestellt,
ist diesem Umstand angemessen Rechnung zu tragen. Nach der Rechtsprechung
kommen dabei folgende Sanktionen in Betracht: Berücksichtigung der Verfah-
rensverzögerung im Rahmen der Strafzumessung; Einstellung des Verfahrens zu-
folge eingetretener Verjährung; Schuldigsprechung des Täters unter gleichzeiti-
gem Verzicht auf die Strafe; in extremen Fällen als ultima ratio Einstellung des
Verfahrens. Bei der Frage nach der Sanktion einer Verletzung des Beschleuni-
gungsgebotes ist einerseits zu berücksichtigen, wie schwer der Beschuldigte
durch die Verfahrensverzögerung getroffen wurde, andererseits aber auch, wie
gravierend die ihm vorgeworfenen Straftaten sind und welche Strafe ausgespro-
chen werden müsste, wenn keine Verletzung des Beschleunigungsgebotes vor-
liegen würde. Rechnung zu tragen ist schliesslich auch den Interessen der Ge-
schädigten (BGE 117 IV 124, Erw. 4e).
2.7.2. Es ist nicht zu verkennen, dass es sich vorliegend um eine umfangreiche
Untersuchung handelte, die zudem erschwert wurde, weil eine bezüglich der ein-
zelnen Geschäftsvorfälle nachvollziehbare Buchhaltung, für welche der Angeklag-
te verantwortlich war, fehlte und für das Geschäftsjahr 2003 lediglich lückenhafte
Bankbelege und eine nicht unterzeichnete, provisorische Bilanz vorlag (vgl.
Urk. 2/1). Anderseits ist zumindest eine grössere Bearbeitungslücke erkennbar;
so verstrich zwischen dem Nachtrag zum polizeilichen Schlussbericht vom
16. Februar 2006 (Urk. 5/1/1/1.1) und der ersten staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme vom 27. Februar 2007 (Urk. 9/4) ein Jahr. Anschliessend wurde das Ver-
fahren ausreichend gefördert, worauf – nachdem die Anklage vom 1. September
2008 von der Anklagebehörde zurückgezogen worden war (vgl. Urk. 30 und
- 50 -
Urk. 34/1) – am 6. November 2008 erneut Anklage erhoben wurde (vgl. Urk.
34/2). Nach der entsprechenden Aufhebung der Zulassungsverfügung durch das
Obergericht am 6. März 2009 (Urk. 35/4), erhob die Staatsanwaltschaft nach Er-
gänzung der Untersuchung die nunmehr zur Diskussion stehende Anklage am
24. September 2009 (Urk. 43). Die Verzögerung zwischen Anklagezulassung und
Vorladung zur vorinstanzlichen Hauptverhandlung (ca. fünf Monate) hat der An-
geklagte zu vertreten, da er erfolglos einen Rekurs gegen die Anklagezulassung
erhob (vgl. Urk. 53). Insgesamt verstrichen zwischen der Strafanzeige vom
15. September 2004, in welcher die Verdachtsmomente gegen den Angeklagten
dem Grundsatze nach erwähnt wurden, und der Anklageerhebung rund fünf Jah-
re, was mit der Vorinstanz als zu lange zu bezeichnen ist. Der Angeklagte war
während der Untersuchung nicht inhaftiert. Er konnte seine geschäftlichen Aktivi-
täten – wie seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse zeigen – erfolgreich
fortsetzen und wurde insoweit durch das Strafverfahren nicht wesentlich beein-
trächtigt, wenngleich es sich bei den ihm vorgeworfenen Handlungen teilweise um
Verbrechen handelte. Es rechtfertigt sich deshalb eine leichte Strafminderung.
2.8. In Berücksichtigung der erwähnten beiden sich in geringem Umfange aus-
wirkenden Strafminderungsgründe erweist sich eine Strafe von acht Monaten
Freiheitsstrafe bzw. 240 Tagessätzen Geldstrafe angemessen.
2.9. Die Staatsanwaltschaft beantragt mit der bereits wiedergegebenen Begrün-
dung (oben Erw. III/2) die Ausfällung einer Freiheitsstrafe (sowie einer Busse).
Das Bundesgericht hat in einem neueren Entscheid festgehalten, für Strafen von
sechs Monaten bis zu einem Jahr sehe das Gesetz Freiheitsstrafe oder Geldstra-
fe vor, wobei bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen im Regelfall die-
jenige gewählt werde solle, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Be-
troffenen eingreife. Werde im Einzelfall eine Freiheitsstrafe ausgesprochen, sei zu
begründen, weshalb eine Geldstrafe unzweckmässig sei (BGE 6B_839/2009,
Erw. 3.3 und 3.4). Es ist nicht zu verkennen, dass der Angeklagte kurz nachdem
er wegen einer groben Verkehrsregelverletzung mit einer Busse belegt wurde, er-
neut straffällig wurde. Zu beachten ist, dass es sich bei der Verkehrsregelverlet-
zung um ein Vergehen handelte und diese mit einer für die finanziellen Verhält-
- 51 -
nisse des Angeklagten eher geringen Busse geahndet wurde. Die heute auszufäl-
lende Sanktion träfe – im Falle eines Widerrufes – den Angeklagten weit ein-
schneidender, so dass davon auszugehen ist, auch die Ausfällung einer Geldstra-
fe sei ausreichend, um den Angeklagten zu regelkonformem Verhalten anzuhal-
ten. Auch steht zu erwarten, dass der Angeklagte neben allfälligen Schadener-
satzforderungen aus diesem Verfahren – entgegen der Ansicht der Staatsanwalt-
schaft – in Anbetracht seines beträchtlichen Vermögens durchaus in der Lage wä-
re, eine zu widerrufende Geldstrafe ohne wesentliche Beeinträchtigung seiner fa-
milienrechtlichen Unterhaltsverpflichtung zu bezahlen.
2.10. Die durch das Bezirksgericht Zürich unter Hinweis auf die bundesgerichtli-
che Rechtsprechung und der finanziellen Verhältnisse des Angeklagten vorge-
nommene Bestimmung der Tagessatzhöhe erscheint angemessen (Urk. 79 S. 50,
Erw. IV/4.6; § 161 GVG ZH). Die Tagessatzhöhe ist auf Fr. 250.-- festzusetzen.
2.11. Für die Ausfällung einer (Verbindungs-)Busse im Sinne von Art. 42 Abs. 4
StGB besteht mangels 'Schnittstellenproblematik' im SVG-Bereich sowie dem
Umstand, dass es aus spezialpräventiven Überlegungen nicht erforderlich er-
scheint, dem Angeklagten einen 'Denkzettel' zu verpassen (vgl. dazu BGE
6B_520/2007, Erw. 3.2.3), kein Anlass.
3. Zusammengefasst ist der Angeklagte zu bestrafen mit einer Geldstrafe von
240 Tagessätzen zu Fr. 250.--.
VI.
Vollzug
Unter Hinweis auf die vorinstanzlichen Ausführungen ist dem Angeklagten der
bedingte Strafvollzug bei einer minimalen Probezeit zu gewähren (Urk. 79 S. 50 f.,
Erw. V; § 161 GVG ZH).
- 52 -
VII.
Zivilansprüche
1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat sich zutreffend zu den Grundsätzen des Adhäsionsverfahrens
geäussert; zwecks Vermeidung von Wiederholungen kann darauf verwiesen wer-
den (Urk. 79 S. 51 f., Erw. IV/1; § 161 GVG ZH).
2. Schadenersatzansprüche von B._ und C._
2.1. Die Geschädigten B._ und C._ machten vor Vorinstanz wie auch
im Berufungsverfahren gegen den Angeklagten eine Schadenersatzforderung von
Fr. 161'267.80 nebst Zins zu 5% seit 21. Januar 2004 geltend (Urk. 63 S. 2;
Urk. 77 S. 2; Urk. 90 S. 2). Das Bezirksgericht hat den beiden Geschädigten unter
Hinweis auf die Abtretung der Verantwortlichkeitsansprüche gemäss Art. 260
SchKG, die erfüllten Haftungsvoraussetzungen von Art. 754 Abs. 1 OR und dem
erstellten Schaden zum Nachteil der D._ AG Schadenersatz im Umfang von
Fr. 131'772.90, d.h. im Umfang des von ihnen im Konkurs der D._ AG ge-
mäss Verlustausweis (vgl. Urk. 23/4 und Urk. 23/7) erlittenen Verlustes zugespro-
chen. Im Übrigen trat es auf die Forderung der Geschädigten nicht ein (Urk. 79
S. 52 f., Erw. 2.2).
2.2. Die Geschädigten lassen im Berufungsverfahren im Wesentlichen geltend
machen, die Abtretung der 'Rechtsansprüche der Masse' sei im Umfang 'der
Summe der von allen kollozierten Gläubigern zusammen erlittenen Konkursver-
luste' erfolgt; diese Konkursverluste hätten Fr. 161'267.80 betragen. Obwohl das
Bezirksgericht die Haftungsvoraussetzungen von Art. 754 Abs. 1 OR bejaht und
den daraus folgenden Schaden mit Fr. 169'400.-- beziffert habe, habe es lediglich
Fr. 131'772.90 zugesprochen. Bezüglich des darüber hinaus gehenden Betrages
habe das Bezirksgericht ausgeführt, es sei nicht klar, ob sich dieser Betrag aus
einem strafbaren und Gegenstand der Anklage bildenden Sachverhalt herleite
- 53 -
und mit dem Straftatbestand konnex sei. Diese Begründung sei widersprüchlich
und unzutreffend. Sei sowohl eine Pflichtverletzung im Sinne von Art. 754 Abs. 1
OR als auch ein daraus fliessender Schaden von Fr. 169'400.-- erstellt, sei der
adhäsionsweise geltend gemachte Anspruch vollumfänglich gutzuheissen
(Urk. 77 S. 5; Urk. 90 S. 5 ff.).
2.3. B._ und C._ sind Geschädigte bezüglich des unter lit. b) unter dem
Titel 'betrügerischer Konkurs' eingeklagten und als Gläubigerschädigung durch
Vermögensminderung qualifizierten Sachverhaltes. Als Adhäsionskläger im vor-
liegenden Strafverfahren können sie lediglich Forderungen geltend machen, wel-
che einen Bezug zum Anklagesachverhalt haben. Als Folge des strafbaren Ver-
haltens des Angeklagten erlitten sie im Umfang der in ihren Verlustausweisen
ausgewiesenen Forderung (Urk. 23/4 und Urk. 23/7) einen Schaden. Grundlage
der Forderung bildet das strafbare Verhalten des Angeklagten (Art. 41 ff. OR).
Unbehelflich ist, dass sich die Geschädigten von der Masse sämtliche von allen
kollozierten Gläubigern zusammen erlittenen Konkursverluste im Sinne von Art.
260 SchKG abtreten liessen; damit verschafften sie sich allein eine Prozessfüh-
rungsbefugnis für einen allfälligen Zivilprozess gegen den Angeklagten. Unter den
kollozierten Forderungen befinden sich denn auch Forderungen von Personen
(Urk. 84/2 S. 5), zu deren Nachteil die Anklage keine strafbare Handlung des An-
geklagten behauptet. Somit ist der Angeklagte zu verpflichten, C._ Fr.
73'586.90 und B._ Fr. 58'186.-- zu bezahlen.
2.4. Was die Zinsforderung anbetrifft, trifft wohl zu, dass für die im Verlustaus-
weis verurkundete Forderung kein Zins zu zahlen ist (Art. 149 Abs. 4 SchKG). Als
Schadenersatz für unerlaubte Handlung ist indessen – sofern verlangt – analog
Art. 73 Abs. 1 OR (vgl. BGE 122 III 53) ein Schadenszins von maximal 5% ab
schädigendem Ereignis geschuldet (vgl. BGE 129 IV 149, Erw. 4.1). Der verlangte
Zins von 5% ab 21. Januar 2004 ist jedenfalls ausgewiesen.
2.5. Zusammengefasst ist der Angeklagte zu verpflichten, C._ Fr. 73'586.90
nebst 5% Zins seit 21. Januar 2004 und B._ Fr. 58'186.-- nebst 5% Zins seit
21. Januar 2004 zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist auf das Schadenersatzbegehren
der Geschädigten nicht einzutreten.
- 54 -
VIII.
Kosten/Entschädigungen
1. Ausgangsgemäss wird der Angeklagte kosten- und entschädigungspflichtig
(§ 396a StPO ZH). Der Angeklagte obsiegt im Berufungsverfahren bezüglich sei-
ner vorinstanzlichen Verurteilung wegen mehrfacher Urkundenfälschung mit Be-
zug auf die Bilanz der D._ AG per 31. Dezember 2001 sowie die beiden Voll-
ständigkeitserklärungen. Im Übrigen (übriger Schuldpunkt; Sanktion; Schadener-
satz; Kosten- und Entschädigungen) unterliegt er. Die Staatsanwaltschaft unter-
liegt mit ihren Anträgen auf Erhöhung der Strafe und Änderung der Sanktionsart.
Die Geschädigten obsiegen mit ihrer Zinsforderung; indessen unterliegen sie be-
züglich ihrer Anträge um Zusprechung von weitergehendem Schadenersatz.
2. Hinsichtlich der Kosten der Untersuchung rechtfertigt sich keine Kostenaus-
scheidung, da die Punkte, bezüglich welcher der Angeklagte freigesprochen wird,
keinen Einfluss auf den Aufwand der Untersuchung hatten, so dass der Angeklag-
te sämtliche Untersuchungskosten zu tragen hat. Insgesamt rechtfertigt es sich,
die Kosten des erst- und des zweitinstanzlichen Verfahrens zu 3/4 dem Angeklag-
ten aufzuerlegen. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind zu je 1/16 den Ge-
schädigten aufzuerlegen. Die übrigen Kosten der gerichtlichen Verfahren sind auf
die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Entsprechend ist dem Angeklagten für das erst- und das zweitinstanzliche
Verfahren eine reduzierte Umtriebs- und Prozessentschädigung von Fr. 5'000.--
aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
4. Die Geschädigten bemängeln im Berufungsverfahren, die Vorinstanz habe
die ihnen durch die Verletzung des Beschleunigungsgebotes entstandenen Mehr-
aufwendungen unberücksichtigt gelassen (Urk. 77 S. 6, Urk. 90 S. 8). Weder be-
ziffern noch substantiieren die Geschädigten diesen Aufwand, so dass nicht wei-
ter auf ihr Vorbringen einzugehen ist. Im Berufungsverfahren wurde der Zivilpunkt
(mit Ausnahme des für den Streitwert unmassgeblichen Zinses) bestätigt. Somit
- 55 -
ist die vorinstanzliche Entschädigungsregelung zu bestätigen. Im Berufungsver-
fahren unterliegen die Geschädigten zu ca. einem Fünftel. Somit rechtfertigt es
sich, den Angeklagten zu verpflichten, den Geschädigten für das Berufungsver-
fahren eine reduzierte Prozessentschädigung von je Fr. 1'500.-- zu bezahlen.