Decision ID: 1501c4bd-36a5-5d3b-a927-a7822b5898cc
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. C._ ist italienischer Staatsangehöriger. Seit seiner Geburt in Z._ 1967 lebt er in der
Schweiz. Er ist – wie seine 1992 geborene Tochter D._ – in der Schweiz
niederlassungsberechtigt. Wegen zahlreicher strafrechtlicher Verurteilungen unter
anderem wegen Drogenhandels einerseits und wegen schlechter wirtschaftlicher
Verhältnisse anderseits, die mit seiner langjährigen schweren Drogenabhängigkeit – die
auch zu einer Multimorbidität insbesondere mit einer HIV- und einer Hepatitis-C-
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Infektion führte – zusammenhingen, widerrief das kantonale Migrationsamt am
30. November 2011 seine Niederlassungsbewilligung. Die von C._ gegen diese
Verfügung beim Sicherheits- und Justizdepartement, beim Verwaltungsgericht (VerwGE
B 2012/248 vom 12. März 2013, www.gerichte.sg.ch) und beim Bundesgericht
(2C_408/2013 vom 15. November 2013) erhobenen Rechtsmittel blieben erfolglos. Der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erklärte eine gegen das
Bundesgerichtsurteil erhobene Beschwerde am 4. März 2014 als unzulässig (vgl.
Dossier Migrationsamt Seite 749).
B. Das Sicherheits- und Justizdepartement hiess ein von C._ während des
bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahrens am 17. Mai 2013 eingereichtes und am
23. Dezember 2013 ergänztes Gesuch um Wiedererwägung am 3. November 2014 gut.
Es stützte sich auf neue Berichte des Beistandes vom 19. April 2013, des Chefarztes
und des Sozialdienstes der Infektiologie des Kantonsspitals St. Gallen vom 22. April
2013, vom 24. April 2013 und vom 13. Dezember 2013, Ausführungen der Tochter vom
23. Dezember 2013 sowie den Schlussbericht der Bewährungshilfe vom 30. April 2014,
welche C._ – und seiner damaligen langjährigen Lebensgefährtin – seit rund drei
Jahren eine positive Entwicklung und Stabilisierung im persönlichen Verhalten, im
sozialen und familiären Umfeld sowie in Bezug auf ihre gesundheitliche Situation
attestierten und erstmals detailliert die gesundheitliche und soziale Situation und die
Wichtigkeit der langjährigen und engmaschigen Betreuung in der HIV-Sprechstunde
darlegten. Sein Verschulden bei der neuerlichen Verurteilung wegen Erwerb und Besitz
von Heroin zum Eigenkonsum vom 25. April 2014 relativierte es vor dem Hintergrund
seiner langjährigen schweren und anhaltenden Drogensucht insofern, als keine
Anzeichen für erneuten Drogenhandel vorlagen. Mit der Begründung, der Widerruf
erscheine angesichts der neuen Umstände als unverhältnismässig, wurde C._ „die
Niederlassungsbewilligung belassen“. Er könne aber insbesondere nicht mehr mit einer
wohlwollenden Beurteilung rechnen, falls er sich erneut des Drogenhandels schuldig
mache (Dossier Migrationsamt Seiten 719 ff.).
C. Das Untersuchungsamt verurteilte C._ mit Strafbefehl vom 9. Dezember 2015
wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie mehrfacher
Beschimpfung zu einer – unbedingten – Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 30
(Dossier Migrationsamt Seite 777 ff.). In der Folge eröffnete das Migrationsamt am
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14. Januar 2016 ein Verfahren zur Prüfung des Aufenthaltsverhältnisses (Dossier
Migrationsamt Seite 782 ff.). Am 4. März 2016 wurde C._ wegen Übertretung des
Betäubungsmittelgesetzes mit CHF 150 gebüsst. Am 7. Juni 2016 widerrief das
Migrationsamt die Niederlassungsbewilligung von C._.
Den gegen die Verfügung des Migrationsamts erhobenen Rekurs wies das
Finanzdepartement – der Vorsteher des Sicherheits- und Justizdepartements, der in
seiner früheren anwaltlichen Tätigkeit C._ vertreten hatte, war in den Ausstand
getreten – am 30. August 2017 ab. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt,
C._ könne sich nicht auf das Freizügigkeitsabkommen mit den EU-Staaten berufen,
weil ein allfälliges aus der Niederlassungsbewilligung seines Vaters, der die Schweiz im
Mai 1996 verlassen und bis zu seinem Tod im Januar 2014 in Spanien gelebt habe,
längst erloschen sei. Der Wiedererwägungsentscheid vom 3. November 2014 ändere
nichts daran, dass ein gesetzlicher Widerrufsgrund erfüllt sei. Zu prüfen sei deshalb
einzig die Verhältnismässigkeit des Widerrufs mit Blick auf das Ausländergesetz und
die Europäische Menschenrechtskonvention. Eine neuerliche schwere Gefährdung
könne nicht allein aus den „alten“ Ereignissen hergeleitet werden. Indem der
Strafrichter C._ am 9. Dezember 2015 wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte bestraft habe, habe er dessen Verhalten nicht als harmlosen Schubs,
sondern als „tätlichen Angriff“ gegen die Polizeibeamten und damit als strafbare
Handlung gegen die öffentliche Gewalt bewertet. Die Verurteilung vom 4. März 2016
zeige, dass er trotz Opiat- und Benzodiazepin-Substitutionsprogramm erneut (oder
weiterhin) illegale Drogen konsumiere und erheblich gefährdet sei, in alte Suchtmuster
zurückzufallen. Damit bestehe ein erhebliches Risiko, dass er auch wieder in den
Drogenhandel einsteigen oder sich andere Formen der Beschaffungskriminalität
zuschulden kommen lassen werde, weil der regelmässige Konsum von Heroin nicht
allein aus der IV-Rente und den Ergänzungsleistungen finanziert werden könne. Die
Trennung von der langjährigen Lebenspartnerin wirke sich offensichtlich negativ auf
sein Verhalten aus. Der soziale Rückhalt sei auf die Beziehung zu seiner Tochter
reduziert worden. Die abschreckende Wirkung eines Entzugs der
Aufenthaltsberechtigung würde deutlich beeinträchtigt, wenn bei C._ der Konsum
illegaler Drogen, der zwingend mit dem Kontakt zum illegalen Drogenhandel verbunden
sei, weiterhin toleriert würde. Bei den persönlichen Interessen wies die Vorinstanz
darauf hin, das Verhältnis zur Tochter falle nicht in den Schutzbereich des
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Familienlebens. Auch der Umstand, dass er die Schweiz ohne seine ehemalige
Lebenspartnerin verlassen müsse, habe keinen wesentlichen Einfluss. Die Annahme
des Verwaltungsgerichts, er und seine Partnerin würden sich mit Hilfe ihrer vor Ort
lebenden Eltern beziehungsweise staatlicher Stellen eine neue Existenz aufbauen
können, sei wenig realistisch gewesen, weil unwahrscheinlich erscheine, dass die
Eltern nicht nur ihre drogensüchtige Tochter, sondern auch deren ebenfalls
drogensüchtigen Lebenspartner massgeblich unterstützt hätten. Die Aktenlage
schliesse aus, dass C._ das Schädel-Hirn-Trauma sowie die Rippen- und die
Unterarmfraktur rechts beim Polizeieinsatz vom 21. November 2015 erlitten habe. Der
Widerruf der Niederlassungsbewilligung sei deshalb verhältnismässig.
D. C._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid des Finanzdepartements
(Vorinstanz) vom 30. August 2017 durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
14. September 2017 und Ergänzung vom 12. Oktober 2017 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und vom Widerruf der
Niederlassungsbewilligung abzusehen, eventuell die Angelegenheit zu neuen
Abklärungen und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Mit Vernehmlassung vom 25. Oktober 2017 beantragte die Vorinstanz die Abweisung
der Beschwerde.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird – soweit wesentlich – in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Die Niederlassungsbewilligung kann widerrufen werden, wenn der Ausländer zu einer
längerfristigen Freiheitsstrafe, das heisst zu einer solchen von mehr als einem Jahr,
verurteilt worden ist oder wenn er in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung verstossen hat oder diese gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. a in
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Verbindung mit Art. 62 Abs. 1 lit. b und Art. 63 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über
die Ausländerinnen und Ausländer; Ausländergesetz, SR 142.20, AuG). Dass diese
Widerrufsgründe, die auch bei ausländischen Personen, die sich seit mehr als 15
Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten, zur
Anwendung kommen (Art. 63 Abs. 2 AuG), beim Beschwerdeführer offensichtlich erfüllt
sind, hat das Bundesgericht bereits im rechtskräftigen Urteil vom 15. November 2013
festgestellt (2C_408/2013 vom 15. November 2013). Von dieser damaligen Beurteilung
heute abzuweichen, besteht kein Anlass.
3. Zu prüfen bleibt, ob der Widerruf unverhältnismässig ist und Art. 96 AuG und Art. 8
der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(SR 0.101, EMRK) – der das Recht auf Achtung der Familien- und des Privatlebens
umfasst – nicht verletzt. Erweist sich der Widerruf bereits mit Blick auf diese
Bestimmungen als unverhältnismässig, kann offen bleiben, ob sich der
Beschwerdeführer zu Recht auch auf Art. 5 Anhang I des Abkommens zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft
und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen;
SR 0.142.112.681, FZA) beruft.
3.1. Nach der Praxis des Bundesgerichts, welche sich sowohl auf Art. 96 AuG als auch
auf Art. 8 EMRK stützt, muss der Widerruf der Niederlassungsbewilligung
verhältnismässig sein. Dabei sind praxisgemäss namentlich die Schwere des Delikts
und des Verschuldens des Betroffenen, der seit der Tat vergangene Zeitraum, das
Verhalten des Ausländers während diesem, der Grad seiner Integration
beziehungsweise die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie die ihm und seiner
Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen. Die Niederlassungsbewilligung eines
Ausländers, der sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll nur mit Zurückhaltung
widerrufen werden. Bei wiederholter beziehungsweise schwerer Straffälligkeit ist dies
jedoch selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn der Ausländer hier geboren ist und
sein ganzes bisheriges Leben im Land verbracht hat. Bei schweren Straftaten, wozu
namentlich Drogendelikte aus finanziellen Motiven gehören, und bei Rückfall
beziehungsweise wiederholter Delinquenz besteht regelmässig ein wesentliches
öffentliches Interesse, die Anwesenheit eines Ausländers zu beenden, der dermassen
die öffentliche Sicherheit und Ordnung beeinträchtigt (BGE 139 I 31 E. 2.3.2f.). Dabei
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ist auch auf Art. 121 Abs. 3-6 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) hinzuweisen, wonach Ausländerinnen und Ausländer
unabhängig von ihrem ausländerrechtlichen Status ihr Aufenthaltsrecht sowie alle
Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz verlieren, wenn sie unter anderem
wegen Drogenhandels rechtskräftig verurteilt worden sind. Nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichts ist diese Bestimmung zwar nicht unmittelbar anwendbar, doch ist
den darin enthaltenen verfassungsrechtlichen Wertentscheidungen Rechnung zu
tragen, soweit dies zu keinem Widerspruch zu übergeordnetem Recht führt (vgl. BGer
2C_408/2013 vom 15. November 2013 E. 3.1 mit zahlreichen Hinweisen).
3.2. Im rechtskräftigen, nach dem bundesgerichtlichen Urteil vom 15. November 2013
ergangenen Wiedererwägungsentscheid vom 3. November 2014 kam das Sicherheits-
und Justizdepartement unter Berücksichtigung neuer Tatsachen zum Schluss, der
Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers erweise sich als
unverhältnismässig. Ob damit die mit der Abweisung der Beschwerde durch das
Bundesgericht am 15. November 2013 rechtskräftig widerrufene
Niederlassungsbewilligung wieder auflebte oder dem Beschwerdeführer eine neue
Bewilligung erteilt wurde, kann offen bleiben. So oder anders ist davon auszugehen,
dass er zurzeit über eine gültige Niederlassungsbewilligung verfügt.
Das Sicherheits- und Justizdepartement hat zur Begründung ausgeführt, die letzten
gravierenden Verurteilungen wegen Heroinhandels (März 2011) und die zugrunde
liegenden Straftaten (Oktober 2009) lägen fünf Jahre zurück. Seither sei der
Beschwerdeführer lediglich wegen Bunkerns von sieben Minigrip Heroin zum
Eigengebrauch bestraft worden. Vor dem Hintergrund der langjährigen schweren
Drogensucht sei das Verschulden insofern zu relativieren, als keine Anzeichen für
erneuten Drogenhandel vorlägen. Sämtliche Berichte attestierten ihm seit rund drei
Jahren eine positive Entwicklung und Stabilität im persönlichen Verhalten. Erstmals
werde auch detailliert die gesundheitliche und soziale Situation dargelegt und die
Wichtigkeit der langjährigen und engmaschigen Betreuung in der HIV-Sprechstunde für
die Stabilisierung der chronischen Infektionserkrankungen betont. Von fachärztlicher
Seite werde die Gewährleistung einer vergleichbaren Behandlung in Italien verneint.
Hervorgehoben werde mit Blick auf die langjährige Gesundheitsprävention auch der
bisher nicht berücksichtigte Aspekt der öffentlichen Gesundheit. Eine abweichende
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Beurteilung wurde in Aussicht gestellt, sollte sich der Beschwerdeführer erneut des
Drogenhandels schuldig machen.
3.3. Das Verschulden des Beschwerdeführers bei den Straftaten, welche zum Widerruf
führten, wiegt ausländerrechtlich nach wie vor erheblich. Zu berücksichtigen ist
allerdings, dass der Beschwerdeführer die zugrunde liegenden Straftaten vor
mittlerweile mehr als achteinhalb Jahren begangen hat. Seither ist er – trotz offenbar
anhaltendem oder erneutem Konsum illegaler Drogen – strafrechtlich nicht mehr als
Drogenhändler in Erscheinung getreten. Soweit der Beschwerdeführer nach dem
Wiedererwägungsentscheid vom 3. November 2014 strafrechtlich wegen Übertretung
des Betäubungsmittelgesetzes belangt wurde, lag ihm der Besitz eines
„Gassenbriefchens“ Heroin für den Eigenkonsum am 27. Februar 2016 zugrunde. Er
wurde deswegen mit CHF 150 gebüsst. Das Verschulden erscheint angesichts der
geringfügigen Busse strafrechtlich – vor dem Hintergrund der chronischen
Suchterkrankung des Beschwerdeführers und der Trennung von seiner langjährigen
Lebenspartnerin – als leicht. Andere strafrechtliche Verurteilungen wegen Verstössen
gegen das Betäubungsmittelgesetz wurden nach dem Wiedererwägungsentscheid
nicht aktenkundig.
Der Beschwerdeführer wurde sodann am 9. Dezember 2015 wegen Drohung und
Gewalt gegen Behörden und Beamte sowie mehrfacher Beschimpfung zu einer
unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 30 verurteilt. Zu beurteilen war
ein Vorfall vom 21. November 2015. Der Beschwerdeführer hämmerte in betrunkenem
Zustand – mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,3 Gewichtspromille – an die
Haustüre der Liegenschaft, in welcher seine frühere Lebenspartnerin wohnte. Die
beiden alarmierten Polizeibeamten bezeichnete er als „Scheissbullen“ und
„Arschlöcher“. Er weigerte sich, die Örtlichkeit zu verlassen, streckte seine rechte Hand
aus und stiess einen Polizeibeamten von sich weg. Er liess sich auch von seiner
Tochter nicht beruhigen, warf seine Brille auf den Boden, öffnete seine Jacke und sagte
„Chömed nur, ich mach eu fertig!“. Der Polizeibeamte, auf den der Beschwerdeführer
in der Folge plötzlich und schnell zuschritt, wich zurück, um „dem Angriff“
auszuweichen. Selbst nach dem zweimaligen Einsatz des Pfeffersprays beruhigte sich
der Beschwerdeführer nicht – er versuchte, sich aus dem Griff der Polizisten
herauszuwinden und leistete unter Weiterführung der Beschimpfungen Widerstand –
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und musste „kontrolliert zu Boden geführt und arretiert“ werden (vgl. Darstellung des
Sachverhalts im Polizeirapport und im Strafbefehl, Dossier Seiten 760 f. und 777). Für
die Würdigung des Verschuldens des Beschwerdeführers – dazu sind dem Strafbefehl
keine besonderen Ausführungen zu entnehmen – fällt in Betracht, dass sein Verhalten
mit dem Scheitern der Beziehung mit seiner langjährigen Lebensgefährtin und Mutter
der 1992 geborenen Tochter zusammenhing. Dass diese Trennung geeignet war, eine –
weitere – existenzielle Krise im Leben des Beschwerdeführers auszulösen, ist unter
Berücksichtigung seiner Biografie und seiner Lebensumstände nachvollziehbar.
Insofern erscheint das Verschulden des Beschwerdeführers bei diesem einmaligen
Vorfall in einem etwas milderen Licht. Unklar ist zudem, ob und inwieweit die am
23./24. November 2015 diagnostizierten zu einer längeren Behandlung auf der
Intensivstation führenden Verletzungen des Beschwerdeführers nach einer
„Schlägerei“ (vgl. act. 6/2) – Schädel-Hirntrauma, Schädelfrakturen und Hirnblutungen
mit Pneumokokkensepsis und Hirnhautentzündung – auf die handgreifliche
Auseinandersetzung mit der Polizei am 21. November 2015 zurückzuführen waren.
Dem Bericht des Chefarztes der Klinik für Infektiologie/Spitalhygiene vom 13. Juli 2016
(act. 6/2) lässt sich sodann entnehmen, dass der Beschwerdeführer weiterhin die
verschiedenen Betreuungsangebote zuverlässig wahrnimmt. Insoweit ist davon
auszugehen, dass sich die Entwicklung des Beschwerdeführers trotz dieser
strafrechtlichen Verurteilungen hinsichtlich der Stabilisierung und Therapierung der
Suchterkrankung und der verschiedenen damit zusammenhängenden
Folgeerkrankungen weiterhin günstig zeigt. Jedenfalls konnte die Beistandschaft auf
Antrag des Beistandes im Schlussbericht vom 17. August 2015, in welchem dem
Beschwerdeführer für die vergangenen vier Jahre eine grundsätzliche Verbesserung
der persönlichen und gesundheitlichen Situation attestiert und ihm die selbständige
Erledigung seiner finanziellen und administrativen Angelegenheiten zugetraut wurde,
am 17. September 2015 zunächst aufgehoben werden (Dossier Seiten 784 ff.). Der
Beschwerdeführer hat sodann auf die Destabilisierung seiner Lebenssituation aufgrund
der Trennung von seiner langjährigen Lebenspartnerin reagiert und am 1. September
2016 bei der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde einen Antrag auf
freiwillige Beistandschaft eingereicht (vgl. act. 9/7, Akten Rekurrent 5), dem am 15. Juni
2017 entsprochen wurde (act. 6/4). Gemäss Bericht der Beiständin vom 2. Oktober
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2017 verläuft die Beistandschaft positiv und wirkt für den Beschwerdeführer entlastend
und stabilisierend.
Nach wie vor wird aber dem Beschwerdeführer eine insgesamt erfreuliche Entwicklung
attestiert. Er hält sich an das Substitutionsprogramm und die Arzttermine und nimmt
die Medikamente zuverlässig ein. Insgesamt ist davon auszugehen, dass das
öffentliche Interesse an der Beendigung des Aufenthalts des Beschwerdeführers in der
Schweiz im Vergleich zu den Verhältnissen, wie sie im Wiedererwägungsentscheid vom
3. November 2014 beurteilt wurden, nicht erheblich gewichtiger wurde.
3.4. Der Beschwerdeführer hat mittlerweile weitere viereinhalb Jahre in der Schweiz
verbracht. Seine gesundheitliche Situation hat sich in dieser Zeit zwar stabilisiert. Er
leidet jedoch – unter anderem – an einer langjährigen Drogen- und
Medikamentenabhängigkeit sowie an HIV- und Hepatitis C-Infektionen und damit unter
chronischen Erkrankungen ohne Aussicht auf Heilung. Die Stabilität seines
Gesundheitszustandes und seiner sozialen Situation hängen – nach wie vor – von einer
umfassenden medizinischen und sozialen Betreuung ab, die sich in der Schweiz
während vieler Jahre entwickelt und gefestigt hat. Aus medizinischer Sicht bleibt es
wichtig, dass der Beschwerdeführer regelmässig ärztlich und psychosozial betreut wird
und dass – lebenslänglich – auf die regelmässige Einnahme der Medikamente geachtet
wird (Dossier Seite 962 f.). Nach der Trennung von seiner langjährigen Lebenspartnerin
hat sich die Bedeutung der Beziehung zu seiner – wenn auch mittlerweile volljährigen
und von ihm nicht in besonderem Ausmass abhängigen in der Schweiz
niederlassungsberichtigten Tochter – verstärkt. Die privaten Interessen des
Beschwerdeführers daran, nicht aus diesem Betreuungs- und Beziehungsnetz zu
fallen, wiegen dementsprechend weiterhin erheblich und haben – angesichts der weiter
fortgeschrittenen Dauer des Aufenthalts in der Schweiz und der mit zunehmendem
Alter auch zunehmenden Bedeutung einer zuverlässigen Fortführung der medizinischen
und sozialen Betreuung des Beschwerdeführers – an Gewicht eher noch zugenommen.
Im Vergleich zu den Verhältnissen, wie sie dem bundesgerichtlichen Urteil vom
13. November 2013 und dem Wiedererwägungsentscheid vom 3. November 2014
zugrunde lagen, haben sich die Schwierigkeiten, welchen der Beschwerdeführer bei
einer Ausweisung nach Italien ausgesetzt wäre, zudem verstärkt. Eine Ausreise
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zusammen mit seiner langjährigen Lebensgefährtin steht nicht in Frage. Eine
gegenseitige Unterstützung bei der Begründung einer Existenz in Italien fällt damit
ebenso dahin wie die – von der Vorinstanz selbst bei einer gemeinsamen Wegweisung
als unrealistisch beurteilten – Unterstützung durch deren Familie. Die Eltern des
Beschwerdeführers lebten, nachdem sie die Schweiz 1996 verlassen hatten, in
Spanien. Aus den Akten ist keinerlei familiärer Bezug des Beschwerdeführers in Italien
ersichtlich. Ob und wie häufig er sich in seinem Heimatland aufgehalten hat, ob und
wie gut er die italienische Sprache beherrscht, lässt sich den Akten ebenfalls nicht
entnehmen. Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in Italien auf sich
allein gestellt wäre. Der Aufbau eines wirtschaftlich und sozial tragenden Netzes wäre
insbesondere vor dem Hintergrund seiner schweren Suchterkrankung und den
zahlreichen Folgeerkrankungen mit beinahe unüberwindbar erscheinenden
Hindernissen verbunden. Das private Interesse des Beschwerdeführers, nicht im Land
seiner Staatsangehörigkeit, im Alter von über fünfzig Jahren erstmals eine eigene
Existenz aufbauen zu müssen, erscheint unter diesen Umständen ebenfalls als
erheblich.
3.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer seit dem
Wiedererwägungsentscheid vom 3. November 2014 strafrechtlich nicht erneut als
Drogenhändler verurteilt werden musste. Eine latente Gefahr, dass er erneut wegen
eines solchen Delikts ins Recht gefasst würde, bestand in jenem Zeitpunkt ebenso wie
sie heute besteht. Indessen hat sich diese Gefahr bisher nicht verwirklicht. Eine
Beurteilung des Widerrufs der Niederlassungsbewilligung als verhältnismässig wurde
indessen im Wiedererwägungsentscheid vom 3. November 2014 ausdrücklich
insbesondere mit einer erneuten deliktischen Tätigkeit als Drogenhändler verknüpft. Die
Lebensumstände des Beschwerdeführers haben sich nach der Trennung von seiner
langjährigen Lebenspartnerin – die ihn nach seinem eigenen Empfinden, welches sich
in seinem strafrechtlich relevanten Verhalten am 21. November 2015 widerspiegelt, aus
der Bahn geworfen hat (vgl. act. 9/7, Akten Rekurrent 5) – wieder stabilisiert. Dem mit
Blick auf das strafrechtlich relevante Verhalten des Beschwerdeführers und die nicht
von der Hand zu weisende Gefahr einer erneuten deliktischen Tätigkeit insbesondere
als Händler illegaler Drogen erheblichen öffentlichen Interesse an der Beendigung der
Anwesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz stehen allerdings seine
gewichtigen privaten Interessen daran, sein Leben, das mit seiner Geburt 1967 in der
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Schweiz seinen Anfang nahm und das er seither – mithin seit über fünfzig Jahren – in
der Schweiz verbracht hat, weiterhin hier führen zu können. Der Widerruf der
Niederlassungsbewilligung erweist sich deshalb als unverhältnismässig. Die
Beschwerde ist dementsprechend gutzuheissen, und der angefochtene Entscheid der
Vorinstanz ist aufzuheben.
4. (...).
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