Decision ID: 697438d2-555d-4b37-9de6-5a1a6a786327
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Oktober 2013 wegen eines Bandscheibenvorfalls bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
A.b Mit einer Mitteilung vom 24. April 2015 wies die IV-Stelle das Gesuch um
berufliche Massnahmen ab, weil sich die Versicherte nicht in der Lage fühle, an
Eingliederungsbemühungen mitzuwirken (IV-act. 57).
A.c Im Januar 2016 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle polydisziplinär
durch die PMEDA (Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen) begutachtet (Gutachten
vom 2. März 2016, IV-act. 72). Die Gutachter gaben als Diagnose mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit einen Status nach Bandscheibenersatzoperation HWK 4 bis 7, Mai
2014 mit residuellem Defekt von C7 rechts, an (IV-act. 72-36). Die Gutachter schätzten
die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Servicekraft in einem
Schnellrestaurant, zumindest aber in einer körperlich leichten, wechselbelastend oder
überwiegend sitzend ausgeübten, nicht mit häufigen Zwangshaltungen der
Halswirbelsäule einhergehenden Tätigkeit auf 100 %.
A.d Mit Vorbescheid vom 24. Mai 2016 kündigte die IV-Stelle der Versicherten bei
einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 76). Dagegen
liess die Versicherte am 27. Juli 2016 durch ihren Rechtsvertreter einen Einwand
erheben (IV-act. 83). Trotzdem verfügte die IV-Stelle am 23. August 2016 wie
angekündigt die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 85). Gleichentags reichte der
Rechtsvertreter weitere medizinische Berichte ein (IV-act. 86 ff.). Dr. med. B._,
Physikalische Medizin und Rehabilitation, hatte dem Rechtsvertreter am 2. August
2016 mitgeteilt (IV-act. 87), dass die Versicherte nach wie vor bei kleinsten
Anstrengungen an Schmerzen im Nackengebiet leide und aufgrund der Entwicklungen
"mit der IV" psychisch am Boden sei. Neue Röntgenbilder der HWS in Bewegung
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hätten eine Instabilität zwischen dem 2. und 3. Halswirbel gezeigt. Dies könne die
Beschwerden durchaus erklären. Am 16. August 2016 hatte Dr. B._ dem
Rechtsvertreter berichtet, dass auf der Höhe C6/7 keine Instabilität bestehe. Der
Hauptbefund bleibe also die Instabilität C2/3 (IV-act. 88).
A.e Am 5. September 2016 teilte die Versicherte dem zuständigen IV-Sachbearbeiter
telefonisch mit, dass sie die Rentenabweisungsverfügung von ihrem Rechtsvertreter
erhalten habe (IV-act. 90; Telefonnotiz vom 8. September 2016). Sie verstehe
grundsätzlich, warum das Rentengesuch abgewiesen worden sei und könne den
Entscheid soweit nachvollziehen. Sie bitte aber um Hilfe bei der Stellensuche. Der IV-
Sachbearbeiter versprach, das Gesuch (um berufliche Massnahmen) an die
entsprechende Stelle weiterzuleiten. Er merkte jedoch an, dass er nichts versprechen
könne, da der Anspruch auf berufliche Massnahmen bereits einmal abgewiesen
worden sei.
A.f Derselbe IV-Sachbearbeiter teilte dem Rechtsvertreter der Versicherten am 8.
September 2016 telefonisch mit (IV-act. 91), dass die am Tag des Verfügungserlasses
neu eingereichten medizinischen Berichte nichts am Entscheid änderten und deshalb
an der Abweisung festgehalten werde. Der Rechtsvertreter verzichtete anlässlich
dieses Telefongesprächs auf den Erlass einer neuen Verfügung. Er merkte an, dass die
Versicherte den Entscheid soweit akzeptiert habe. Eine Beschwerde stehe derzeit nicht
zur Diskussion.
A.g Am 30. September 2016 informierte die Versicherte den zuständigen IV-
Sachbearbeiter telefonisch darüber (IV-act. 92), dass das Mandat seitens des
bisherigen Rechtsvertreters per sofort nicht mehr bestehe. Die Korrespondenz sei
künftig direkt an sie zu richten.
A.h Am 4. Oktober 2016 teilte eine (andere) IV-Sachbearbeiterin der Versicherten
telefonisch mit, dass kein Gesuch (um IV-Leistungen) mehr offen sei (IV-act. 94,
Telefonnotiz vom 28. Oktober 2016). Die Versicherte habe keinen Anspruch auf
berufliche Massnahmen. Wenn sie berufliche Massnahmen wünsche, müsse sie sich
erneut anmelden und eine Veränderung ihres Gesundheitszustandes glaubhaft
machen.
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B.
B.a In einem Schreiben vom 3. November 2016 an das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen erklärte die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin), dass sie
sich auf das Schreiben der SVA vom 23. August 2016 (d.h. die
Rentenabweisungsverfügung) beziehe (act. G 1). Sie entschuldigte sich für die
verspätete Stellungnahme. Dr. B._ habe sie wegen ihrer Krankheit und Depression im
September 2016 bei der Klinik C._ angemeldet. Der Klinikaufenthalt sei vom 10. bis
30. Oktober 2016 erfolgt. Unter diesen Umständen sei es ihr nicht möglich gewesen,
die (Beschwerde-)Frist einzuhalten. Ausserdem sei es ihr finanziell nicht möglich
gewesen, so kurzfristig fachmännische Hilfe zu holen. Die Beschwerdeführerin bat um
die Erstreckung (gemeint wohl: Wiederherstellung) der Beschwerdefrist. Dem
Schreiben lag unter anderem ein Kurzaustrittsbericht der Klinik C._ vom 28. Oktober
2016 über eine Hospitalisation vom 10. Oktober bis 30. Oktober 2016 bei (act. G. 1.3;
bzgl. Austrittsdatum siehe Austrittsbericht Physiotherapie, act. G1.2).
B.b Das Gericht räumte der Beschwerdeführerin am 8. November 2016 eine Frist bis
20. November 2016 ein, um eine rechtsgenügliche Beschwerde einzureichen und zu
begründen und nachzuweisen, dass ihr eine rechtzeitige Beschwerdeerhebung nicht
möglich gewesen sei (act. G 3).
B.c Am 11. November 2016 reichte die Beschwerdeführerin einen Bericht von Dr. med.
B._, Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 10. November 2016 ein (act. G 4).
Diese hatte zuhanden des Gerichts berichtet, dass die Beschwerdefrist wegen einiger
Missverständnisse verpasst worden sei. Sie selbst habe den Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin am 2. und 15. August 2016 über einen neuen röntgenologischen
Befund informiert und ihn gebeten, eine Beschwerde zu erwägen. Wegen der
Verschlechterung des Gesundheitszustandes habe sie die Beschwerdeführerin am 13.
September 2016 für eine stationäre Behandlung in der Klinik C._ angemeldet. Leider
habe sie es versäumt, dem Rechtsvertreter eine Kopie der Anmeldung zuzuschicken.
Der Rechtsvertreter habe deshalb nicht genügend Beweise gegen die
Rentenabweisung gehabt. Ab dem 17. September 2016 sei sie (Dr. B._) drei Wochen
in den Ferien gewesen. Wegen ihrer Ferienabwesenheit und weil sie davon
ausgegangen sei, dass der Rechtsvertreter etwas unternommen habe, sei sie selber
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nicht eingeschritten. Die Beschwerdeführerin habe sie offenbar (wegen mangelnder
Sprachkenntnisse) falsch verstanden und in der Hoffnung auf eine Besserung den
Rehabilitationsaufenthalt abgewartet, ohne sich gegen den negativen IV-Entscheid zu
wehren. Wegen der Schmerzen habe die Beschwerdeführerin zu dieser Zeit recht hohe
Dosen Schmerzmedikamente erhalten, die als Nebenwirkung Müdigkeit und
Vergesslichkeit verursachten. Dadurch sei auch ihr Denkvermögen eingeschränkt
gewesen und sie habe nicht bewusst wahrgenommen, dass die Frist "am Ablaufen"
sei. Dem Schreiben von Dr. B._ lag das Überweisungsschreiben an die Klinik
C._ vom 13. September 2016 bei (act. G 4.1).
B.d Die Beschwerdeführerin kritisierte in ihrer Beschwerdeschrift vom 14. November
2016 die angefochtene Verfügung in materieller Hinsicht (act. G 5). Der Eingabe lag der
(definitive) Austrittsbericht der Klinik C._ vom 30. Oktober 2016 bei (act. G 5.2). Das
Gericht bestätigte am 29. November 2016, dass die Beschwerde rechtsgenüglich sei
(act. G 6).
B.e Am 9. Dezember 2016 bat das Gericht die Beschwerdeführerin darum, das
telefonisch gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mit weiteren Unterlagen
zu ergänzen (act. G 7). Die eingeforderten Unterlagen gingen am 12. Januar 2017 beim
Gericht ein (act. G 9).
B.f Die Beschwerdegegnerin beantragte am 27. Januar 2017, nicht auf die
Beschwerde einzutreten (act. G 10). Eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen. Zur
Begründung des Hauptbegehrens hielt sie fest, aufgrund des Telefongesprächs vom 8.
September 2016 mit der Beschwerdeführerin könne davon ausgegangen werden, dass
der Rechtsvertreter bzw. die Beschwerdeführerin spätestens am 8. September 2016
Kenntnis der angefochtenen Verfügung gehabt hätten. Die Beschwerdefrist habe somit
spätestens am 9. September 2016 zu laufen begonnen und habe spätestens am 10.
Oktober 2016 geendet. Am 30. September 2016, also noch vor dem Eintritt in die
Klinik, habe die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin telefonisch mitgeteilt,
dass sie nicht mehr anwaltlich vertreten werde. Bis zum 30. September 2016 hätte also
noch der Rechtsvertreter Beschwerde erheben können, wenn sich die
Beschwerdeführerin gesundheitlich dazu nicht in der Lage gefühlt hätte. Der Einwand
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von Dr. B._, die Beschwerdeführerin habe wegen der hoch dosierten
Schmerzmedikamente nicht bewusst wahrgenommen, dass die Beschwerdefrist "am
Ablaufen" gewesen sei, vermöge deshalb nicht zu überzeugen. Die Beschwerde sei am
4. bzw. 14. November 2016 und somit nicht rechtzeitig erhoben worden. Darüber
hinaus seien keine stichhaltigen Gründe für eine Wiederherstellung der Frist gegeben.
B.g Am 1. Februar 2017 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für das Beschwerdeverfahren (act. G
11).
B.h In ihrer Replik vom 1. März 2017 machte die Beschwerdeführerin Ausführungen in
materiellrechtlicher Hinsicht (act. G 13).
B.i Die Beschwerdegegnerin setzte sich in ihrer Duplik vom 16. März 2017 mit den in
der Replik vorgebrachten materiellrechtlichen Einwänden auseinander (act. G 15).

Erwägungen
1.
1.1 Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin rechtzeitig Beschwerde
erhoben hat.
1.2 Die Beschwerde ist innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung der Verfügung
einzureichen (Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Die angefochtene Verfügung datiert vom
23. August 2016. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Beschwerdeantwort zu Recht
darauf hingewiesen, dass sie die objektive Beweislast für den Zeitpunkt der Zustellung
der Verfügung trage. Die Verfügung ist per A-Post verschickt worden, eine
Sendungsverfolgung ist also nicht möglich. Die Beschwerdeführerin respektive ihr
damaliger Rechtsvertreter, an welchen die Verfügung adressiert gewesen ist, hat nicht
angegeben, wann die Verfügung zugestellt worden ist. Allerdings ist den Akten zu
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin am 5. September 2016 bei der
Beschwerdegegnerin angerufen und dem zuständigen IV-Sachbearbeiter mitgeteilt hat,
dass sie die Rentenabweisungsverfügung erhalten habe. Die diesbezügliche
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Telefonnotiz datiert vom 8. September 2016; die Beschwerdegegnerin ist wohl deshalb
irrtümlicherweise davon ausgegangen, dass das Telefonat erst am 8. September 2016
stattgefunden habe (siehe Beschwerdeantwort, Ziff. III/1.). Würde der Inhalt der
Telefonnotiz als beweiskräftig beurteilt, könnte also davon ausgegangen werden, dass
die angefochtene Verfügung vom 23. August 2016 dem Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin spätestens am 8. September 2016 zugestellt worden sei. Gemäss
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kommt einer Telefonnotiz nur ein
eingeschränkter Beweiswert zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juni 2010,
8C_67/2010 E. 6.5). Der vorliegende Fall ist insoweit speziell, als noch eine zweite
Telefonnotiz im Recht liegt, die bestätigt, dass die Beschwerdeführerin respektive ihr
Rechtvertreter die Verfügung spätestens am 8. September 2016 erhalten haben. Der
zuständige IV-Sachbearbeiter hat nämlich am 8. September 2016 ein Telefonat mit
dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geführt, dessen Gegenstand
insbesondere die angefochtene Verfügung gewesen ist (IV-act. 91). Hinzu kommt, dass
die Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift selber explizit eingeräumt hat, dass
sie die Beschwerdefrist nicht eingehalten habe ("[...] war es mir leider nicht möglich die
Frist einzuhalten."). Vor diesem Hintergrund kommt den Telefonnotizen vom 5. und/
respektive 8. September 2016 somit ausnahmsweise ein ausreichender Beweiswert zu
(vgl. hierzu auch den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
22. Juni 2018, IV 2017/302 E. 1.4). Demnach hat die 30-tägige Beschwerdefrist
spätestens am 9. September 2016 zu laufen begonnen und ist − unter
Berücksichtigung von Art. 38 Abs. 3 ATSG − spätestens am Montag, 10. Oktober 2016
abgelaufen. Die Beschwerdeführerin hat erst am 3. November 2016 und somit
verspätet Beschwerde erhoben.
1.3 Gemäss Art. 41 i.V.m. Art. 60 Abs. 2 ATSG wird die Frist wiederhergestellt, wenn
die gesuchstellende Person oder ihre Vertretung unverschuldeterweise abgehalten
wurden, binnen Frist zu handeln, sofern sie unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen
nach Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die versäumte Rechtshandlung
nachholt. Voraussetzung für die Gewährung einer Fristwiederherstellung ist das
Vorliegen entschuldbarer Gründe oder eines unverschuldeten Hindernisses, d.h. die
Unmöglichkeit rechtzeitigen Handelns. Die Wiederherstellung ist nur bei klarer
Schuldlosigkeit des Gesuchstellers bzw. seines Vertreters zu gewähren. Typischer
Anwendungsfall ist ein Krankheitszustand, der jegliches auf die Fristwahrung
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gerichtetes Handeln wie etwa den Beizug eines (Ersatz-) Vertreters verunmöglicht.
Blosse Unkenntnis von Rechtsregeln (insbesondere verfahrensrechtlicher Natur) bzw.
ein Irrtum über deren Tragweite kann grundsätzlich keinen Anlass zur
Fristwiederherstellung geben, es sei denn der Irrtum sei durch eine behördliche
Auskunft hervorgerufen worden (Urteil vom 23. Februar 2010, 8C_953/2009 E. 6.4.2 mit
Hinweisen).
1.4 Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass es ihr wegen einer
Hospitalisation vom 10. bis 30. Oktober 2016 nicht möglich gewesen sei, rechtzeitig
Beschwerde zu erheben. Die Beschwerdeführerin hat die angefochtene Verfügung
spätestens am 8. September 2016 erhalten. Der Eintritt in die Klinik ist erst am 10.
Oktober 2016 erfolgt. Der Rehabilitationsaufenthalt an sich hat es der
Beschwerdeführerin also nicht verunmöglicht, gegen die angefochtene Verfügung
Beschwerde zu erheben.
1.5 Die behandelnde Ärztin Dr. B._ hat argumentiert, dass die Beschwerdefrist
wegen einiger Missverständnisse verpasst worden sei. Sie selbst sei nicht
eingeschritten, weil sie ab dem 17. September 2016 drei Wochen in den Ferien
gewesen und davon ausgegangen sei, dass der Rechtsvertreter etwas unternommen
habe. Leider habe sie es versäumt, dem Rechtsvertreter eine Kopie der Anmeldung für
den Aufenthalt in der Rehaklinik zuzuschicken. Der Rechtsvertreter habe deshalb nicht
genügend Beweise gegen die Rentenabweisung gehabt. Die Beschwerdeführerin
selber habe sie offenbar (wegen mangelnder Sprachkenntnisse) falsch verstanden und
sich in der Hoffnung, dass sich ihr Zustand durch den Rehabilitationsaufenthalt
verbessere, nicht gegen den negativen IV-Entscheid gewehrt. Hinzu komme, dass die
Beschwerdeführerin im damaligen Zeitpunkt recht hohe Dosen Schmerzmedikamente
erhalten habe. Die dadurch bedingte Müdigkeit und Vergesslichkeit habe das
Denkvermögen der Beschwerdeführerin eingeschränkt, sodass diese nicht bewusst
wahrgenommen habe, dass die Beschwerdefrist "am Ablaufen" sei.
1.6 Die Beschwerdeführerin ist im Zeitpunkt der Zustellung der angefochtenen
Verfügung (spätestens 8. September 2016) noch rechtlich vertreten gewesen. Dies geht
aus der Telefonnotiz desselben Tages bezüglich eines Gesprächs zwischen einem IV-
Sachbearbeiter und dem damaligen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hervor (IV-
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act. 91). Zudem ist der Beschwerdegegnerin die Auflösung des Mandatsverhältnisses
erst am 30. September 2016 angezeigt worden. Daher ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin von ihrem Rechtsvertreter über den Inhalt der angefochtenen
Verfügung, das zur Verfügung stehende ordentliche Rechtsmittel und die
Beschwerdefrist informiert worden ist. Dass die Beschwerdeführerin Kenntnis des
Inhalts der Verfügung gehabt hat, bestätigt auch die Telefonnotiz vom 8. September
2016 (IV-act. 90). Die Beschwerdeführerin hat damals gegenüber dem IV-
Sachbearbeiter erklärt, dass sie grundsätzlich verstehe, warum das Rentengesuch
abgewiesen worden sei, und dass sie den Entscheid soweit nachvollziehen könne.
Ausserdem hat der damalige Rechtsvertreter dem IV-Sachbearbeiter am 8. September
2016 telefonisch mitgeteilt, dass die Beschwerdeführerin den Entscheid soweit
akzeptiert habe und eine Beschwerde derzeit nicht zur Diskussion stehe. Dass kurz
darauf eine gesundheitliche Verschlechterung eingetreten wäre, die die
Beschwerdeführerin zum "Umdenken" veranlasst hätte, geht weder aus den Berichten
von Dr. B._ noch aus denjenigen der Klinik C._ hervor: Der von Dr. B._ erwähnte
neue Röntgenbefund der HWS (Instabilität C2/3) datiert bereits vom 28. Juli 2016 (und
ist dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin schon im August 2016 bekannt
gewesen). Auch aus der Tatsache, dass Dr. B._ die Beschwerdeführerin am 13.
September 2016 für einen Rehabilitationsaufenthalt angemeldet hat, kann für sich allein
nicht geschlossen werden, dass eine gesundheitliche Verschlechterung eingetreten ist.
Ausserdem rechtfertigt die Tatsache, dass der Rechtsvertreter über den anstehenden
Rehabilitationsaufenthalt nicht informiert gewesen ist, keine Fristwiederherstellung.
Denn es ist Sache des Rechtsvertreters bzw. der Beschwerdeführerin gewesen, die für
die Abwägung der Erfolgsaussichten einer Beschwerde relevanten Informationen
einzuholen. Nach dem Gesagten überzeugt auch die Argumentation von Dr. B._,
dass die Beschwerdeführerin wegen der hohen Schmerzmitteldosen kognitiv derart
beeinträchtigt gewesen sei, dass sie in entschuldbarer Weise nicht mehr an die
laufende Beschwerdefrist gedacht habe, nicht. Dies zeigt sich auch darin, dass die
Beschwerdeführerin am 30. September 2016 in der Lage gewesen ist, dem IV-
Sachbearbeiter telefonisch die Auflösung des Mandatsverhältnisses mitzuteilen, und
dass sie am 4. Oktober 2016 ein Telefongespräch mit einer IV-Sachbearbeiterin
bezüglich ihres Gesuchs um berufliche Massnahmen geführt hat. Demnach ist es, wie
Dr. B._ in ihrem Bericht vom 10. November 2016 angetönt hat, am Plausibelsten,
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dass sich der Wille zur Anfechtung der rentenabweisenden Verfügung erst nach Ablauf
der Beschwerdefrist entwickelt hat, weil der Rehabilitationsaufenthalt vom 10. bis 30.
Oktober 2016 nicht die erhoffte Verbesserung gebracht hatte. Möglicherweise hat auch
die Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin anlässlich des
Telefonats vom 4. Oktober 2016 die Hoffnung genommen hat, dass sie von der
Beschwerdegegnerin Hilfe bei der Stellensuche erhalten werde, den Meinungswechsel
mitbeeinflusst. Diese Umstände rechtfertigen jedoch offensichtlich keine
Fristwiederherstellung.
1.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin den Nachweis,
dass sie unverschuldeterweise erst nach Ablauf der Beschwerdefrist Beschwerde
erhoben hat, nicht hat erbringen können. Demnach ist auf die Beschwerde nicht
einzutreten.
2.
2.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die Gerichtsgebühr
in der Höhe von Fr. 600.-- ist der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien.
2.2 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123
der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO, SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP, sGS 951.1]).
2.3 Da die Gerichtsschreiberin krankheitsbedingt verhindert ist, das Urteil zu
unterzeichnen, wird die zweite Unterschrift von der am Entscheid mitwirkenden
Richterin Monika Gehrer-Hug geleistet (art. 39ter Abs. 2 VRP).