Decision ID: 5ff68e08-160e-499f-9e74-648b80ec7964
Year: 2017
Language: de
Court: VS_TC
Chamber: VS_TC_001
Canton: VS
Region: Région lémanique
Law Area: 

in Sachen
U_
und
V_
und
Erbengemeinschaften W_ u. X_ best. aus
Y_
Z_
alle Kläger und Berufungskläger
gegen
STOCKWERTEINTÜMERGEMEINSCHAFT M_, Beklagte und Berufungsbe-
klagte, vertreten durch den Verwalter N_
(Anfechtung Beschluss der Stockwerkeigentümergemeinschaft)
Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts O_ vom 16. Juni 2014
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Sachverhalt und Verfahren
A. Am 30. September 2011 führte die Stockwerkeigentümergemeinschaft
M_ und A_ ihre ordentliche Versammlung der Stockwerkeigentü-
mer durch. Dabei wurden u.a. die Rechnungen des Verwaltungsjahres vom 1. Mai
2010 bis 30. April 2011 sowie der Zwischenperiode vom 1. Mai 2011 bis 31. August
2011, letztere wurden aufgrund der Demission des damaligen Verwalters B_
erstellt, genehmigt.
B. Nach durchgeführtem Schlichtungsverfahren reichten die Erbengemeinschaften
W_ und X_, bestehend aus Y_ und Z_, sowie
U_ und V_ am 12. März 2012 beim Bezirksgericht O_
gegen die Stockwerkeigentümergemeinschaft M_, den demissionierten Ver-
walter B_ und die demissionierte Revisorin C_ eine Klage mit fol-
genden Rechtsbegehren ein:
1. Verfahrensrechtliches: Es wird um Nachfrist bis zum 19. März 2012 ersucht, zwecks Nachreichung der
erforderlichen Anfertigungen der vorliegenden Klage (Ziff. I/6).
2. Die Beschlüsse der Stockwerkeigentümerversammlung (STWEV) M_, A_, vom
30. Sept. 2011, zur Annahme von Jahresbericht, Kassabericht, Revisorenbericht, ordentliche Rech-
nung 2010-2011 (1.5.2010-30.4.2011), ausserordentliche Rechnung zufolge Demission (1.5.2011-
31.08.2011), Verteilung der Kosten unter den Stockwerkeigentümern und Kostenvoranschlag sind auf-
zuheben (Art. 712 m Abs. 2 ZGB i.V.m. Art. 75 ZGB).
3. Den Gesuchstellern/Klägern ist Einsicht in die Belege zu Jahresrechnung 2010/2011 sowie in die Be-
lege der ausserordentlichen Rechnung per 31. August 2011 zu gewähren.
4. Bei entsprechendem Einverständnis der Gegenpartei wird um Sistierung des Verfahrens gemäss Be-
gründung in Ziff. III/2 ersucht.
5. Kosten von Verfahren und Entscheid sind den Gesuchsgegnern/den Beklagten aufzuerlegen.
6. Es ist eine angemessene Parteikostenentschädigung zuzusprechen.
Das Bezirksgericht forderte die Kläger am 15. März 2012 auf, bis zum 23. April 2012
die Klage in der erforderlichen Anzahl Exemplaren und das Protokoll der Stockwerkei-
gentümerversammlung vom 30. September 2011 einzureichen sowie den Streitwert
der Anfechtungsklage zu beziffern (HD S. 52).
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Eine am 20. März 2012 (Postaufgabedatum) eingereichte Eingabe der Kläger (HD
S. 54 f.) sandte das Bezirksgericht unter Hinweis auf sein Schreiben vom 15. März
2012 am 22. März 2012 an diese zurück (HD S. 61).
Nach weiteren Eingaben der Kläger und nachdem diese gegen die Bezirksrichterin ein
Ausstandsverfahren eingeleitet hatten und die betreffende Richterin im April 2012 vom
Bezirksgericht O_ an das Bezirksgericht D_ und E_
wechselte, wies der neu zuständige Bezirksrichter am 6. Juni 2012 die Klageschrift
vom 12. März 2012 zur Korrektur bzw. Ergänzung innert einer einzigen Frist bis zum
29. Juni 2012 zurück (HD S. 71 f.).
Am 29. Juni 2012 ersuchten die Kläger um Fristerstreckung und teilten mit, dass sie
eine Streitgenossenschaft bilden würden und Y_ die gemeinsame Vertreterin
gemäss Art. 72 ZPO sei (HD S. 73). Innert erstreckter Frist nahmen die Kläger am
9. Juli 2012 sodann zur Verfügung vom 6. Juni 2012 Stellung (HD S. 75 ff.).
Mit Verfügung vom 17. September 2012 ernannte der Bezirksrichter Rechtsanwalt
F_ gestützt auf Art. 69 Abs. 1 ZPO zum Vertreter der Stockwerkeigentümer-
gemeinschaft M_, stellte den Beklagten die Klage zu und setzte ihnen Frist
zur Einreichung der Klageantwort (HD S. 82 ff.).
Am 22. Oktober 2012 reichte die Stockwerkeigentümergemeinschaft innert gesetzter
Nachfrist eine Klageantwort (HD S. 86 ff.) mit den folgenden Anträgen ein:
1. Die Klage sei abzuweisen.
2. Den Klägern sei das Recht auf Einsichtgewährung in die Belege und Korrespondenz der Stockwerkei-
gentümergemeinschaft M_ zu gewähren.
3. Die Kläger bezahlen die Kosten von Verfahren und Entscheid.
3. (recte: 4.) Die Kläger haben die Beklagte angemessen gemäss GTar zu entschädigen.
Am 12. November 2012 erliess der Bezirksrichter die folgende Verfügung (HD S. 93
ff.):
1. Die Klageantwort von Rechtsanwalt F_ vom 22. Oktober 2012 für die beklagte Stockwerkei-
gentümergemeinschaft M_ wird Rechtsanwältin Y_ sowie B_ und
C_ zur Kenntnisnahme zugestellt.
2. a) Es wird festgestellt, dass die Stockwerkeigentümergemeinschaft M_ das Recht der Klä-
gerschaft auf Einsichtgewährung in die Belege und Korrespondenzen der Stockwerkeigentümer-
gemeinschaft M_ anerkennt.
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b) Das Verfahren Z1 2012 23 wird in Bezug auf das anerkannte Rechtsbegehren 3 der Klägerschaft in
Bezug auf alle Beklagten abgeschrieben.
c) Die diesbezüglichen Kostenfolgen gehen mit der Hauptsache.
3. Das Verfahren Z1 2012 23 wird in Bezug auf die weiteren Rechtsbegehren sistiert, bis eine der Partei-
en die Wiederaufnahme verlangt.
Gerichtlich dazu aufgefordert, hinterlegte die Beklagte am 19. Februar 2013 die Rech-
nungsunterlagen in vier Bundesordnern.
Mit Verfügung vom 24. Juni 2013 wurde die Sistierung auf Begehren der Beklagten hin
aufgehoben und festgestellt, dass die Stockwerkeigentümergemeinschaft M_
in Zukunft durch den Stockwerkeigentumsverwalter N_ vertreten werde (HD
S. 109).
Am 28. Juni 2013 reichte die Vertreterin der Kläger namentlich ein Gutachten der
G_ AG vom 6. Juni 2013 betreffen Mängel in der Dämmung der Aussenwand
und der Decke der Wohnungen im Attikageschoss ein (HD S. 110 ff.). Ebenfalls wurde
ein bauphysikalischer Bericht der H_ AG vom 13. Juni 2013 hinterlegt (HD S.
120 ff.). Damit sei erwiesen, dass der im Verfahren Z2 11 45 ersuchte Baustopp zur
Dachsanierung bis zur Festlegung koordinierter Massnahmen zur Dachsanierung und
Innenraumsanierung begründet und rechtens gewesen sei. [Das Verfahren Z2 11 45
war Gegenstand eines Revisionsgesuchs, das vom Bezirksrichter mit Entscheid Z2 13
116 vom 13. Februar 2014 abgewiesen wurde. Auf eine dagegen erhobene Beschwer-
de ist das Kantonsgericht mit Entscheid C3 14 70 vom 6. April 2016 nicht eingetreten.
Die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde hat das Bundesgericht mit Urteil
5A_366/2016 vom 21. November 2016 abgewiesen].
Am 4. November 2013 reichten die Kläger ihre Replik ein (HD S. 162 ff.), mit welcher
sie die mit der Klage gestellten Rechtsbegehren 2 (angefochtene Beschlussfassun-
gen), 5 (Verfahrenskosten) und 6 (Parteientschädigung) aufrechterhielten.
Am 5. Dezember 2013 fand vor Bezirksgericht eine Instruktionsverhandlung statt
(s. HD S. 189 ff.), anlässlich welcher die beklagte Stockwerkeigentümergemeinschaft
eine Duplik hinterlegte (HD S. 212 ff.). Die Stockwerkeigentümergemeinschaft erklärte
sich bereit, die in der Replik unter Ziff. 29 und 30 geltend gemachten Berechnungsfeh-
ler (Korrektur Abrechnung Familie V_: Fr. 12.40; Korrektur Abrechnung Fa-
milie I_: Fr. 40.80) und die Eigentümersaldi (Ziff. 32 der Replik) zu korrigie-
ren.
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Nach weiteren Eingaben der Parteien wurden N_ und Y_ am
3. März 2014 im Sinne eines Verweises nach Art. 128 Abs. 1 ZPO aufgefordert, sich
bei ihren Eingaben und Vorbringen vor Gericht verbal zu mässigen. Zudem wurden die
Parteien zur Hauptverhandlung vom 15. Mai 2014 vorgeladen (HD S. 339 ff.). Auf eine
von den Klägern gegen den Verweis erhobene Beschwerde trat das Kantonsgericht mit
Urteil C3 14 79 vom 4. Juni 2014 nicht ein (HD S. 362 ff.).
Anlässlich der Hauptverhandlung vom 15. Mai 2014 hielten die Kläger die Rechtsbe-
gehren Ziff. 2 (angefochtene Beschlussfassungen), 5 (Verfahrenskosten) und 6 (Par-
teientschädigung) gemäss Klage vom 12. März 2012 aufrecht; die übrigen Anträge
seien gegenstandslos geworden. Die beklagte Stockwerkeigentümergemeinschaft be-
antragte die Abweisung der Klage.
C. Nach weiteren Eingaben der Parteien fällte das Bezirksgericht am 16. Juni 2014
das folgende Urteil:
1. Die Klage gegen die Stockwerkeigentümergemeinschaft M_ wird in folgenden Punkten gut-
geheissen:
a) Der Verwalter der Stockwerkeigentümergemeinschaft M_ wird angewiesen, die Warm-
wasserkostenabrechnung der Familie I_ in der Jahresrechnung 1. Mai 2010 bis 30. April
2011 im Sinne von 3.3 der Erwägungen zu korrigieren.
b) Der Verwalter der Stockwerkeigentümergemeinschaft M_ wird angewiesen, die Warm-
wasserkostenabrechnung von V_ in der Abrechnung der Verwaltungsperiode ab dem
1. Mai 2011 im Sinne von Ziff. 3.5 der Erwägungen zu korrigieren.
c) Der Verwalter der Stockwerkeigentümergemeinschaft M_ wird angewiesen, die gemäss
den obigen Ziffern 1a und 1b korrigierten Abrechnungen der nächsten Stockwerkeigentümerver-
sammlung zur formellen Genehmigung zu unterbreiten.
d) Der Verwalter der Stockwerkeigentümergemeinschaft M_ wird angewiesen, die Verwal-
tungsrechnungen für die Zeit vom 1. Mai 2010 bis 31. August 2011 im dem Sinne zu korrigieren
bzw. zu ergänzen, dass die in der betreffenden Zeit über den Erneuerungsfonds verbuchten Auf-
wand- und Ertragspositionen mit einer hinreichenden Bezeichnung sowie der Gesamtumsatz im
Erneuerungsfonds ersichtlich sind.
e) Der Verwalter der Stockwerkeigentümergemeinschaft M_ wird angewiesen, die gemäss
Ziff. 1d ergänzte Abrechnung des Erneuerungsfonds der nächsten Stockwerkeigentümerversamm-
lung zur Genehmigung zu unterbreiten.
2. Im Weiteren, insbesondere gegen den früheren Verwalter und die frühere Revisorin, wird die Klage
abgewiesen.
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3. a) Die Verfahrenskosten von Fr. 5‘000.00 (umfassend die Gerichtsgebühr einschliesslich Auslagen
pauschal) werden zu 6/10 (Fr. 3‘000.00) unter Solidarhaft den Klägern und zu 4/10 (Fr. 2‘000.00)
der beklagten Stockwerkeigentümergemeinschaft M_ auferlegt.
b) Die Verfahrenskosten werden mit dem von den Klägern geleisteten Kostenvorschuss von
Fr. 8‘000.00 verrechnet. Der Überschuss von Fr. 3‘000.00 wird den Klägern zurück erstattet.
4. Die Kläger bezahlen der Beklagten unter Solidarhaft eine Parteientschädigung von Fr. 2‘000.00.
5. Die Beklagte bezahlt den Klägern
- eine Parteientschädigung von Fr. 1‘000.00 und
- eine Entschädigung für geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 2‘000.00.
D. Gegen dieses Urteil reichten die Kläger am 25. August 2014 beim Kantonsgericht
Berufung ein. Sie stellten die folgenden Rechtsbegehren:
1. Die Berufung ist gutzuheissen, insbesondere:
a) Die Beschlüsse der Stockwerkeigentümerversammlung (STWEV) M_, A_, vom
30. Sept. 2011, zur Annahme von Jahresbericht, Kassabericht, Revisorenbericht, ordentliche
Rechnung 2010-2011 (1.5.2010-30.4.2011), ausserordentliche Rechnung zufolge Demission
(1.5.2011-31.08.2011), Verteilung der Kosten unter den Stockwerkeigentümern und Kostenvoran-
schlag sind aufzuheben (Art. 712 m Abs. 2 ZGB i.V.m. Art. 75 ZGB).
b) Die Heizkostenverteilung betr. die 5 1⁄2 ZW im Eigentum der klagenden Erbengemeinschaft im Be-
trage von Fr. 1‘025.60 ist aufzuheben.
c) Die geltend gemachten Bezüge aus und Einlagen in den Erneuerungsfonds sind als rechtswidrig zu
erkennen, in Missachtung des Traktandierungs- und Beschlussfassungserfordernisses, sowie des
Erfordernisses der Zweckgebundenheit.
2. Die Verfahrenskosten und Parteientschädigungen gemäss Ziffn. 3 - 5 des angefochtenen Urteils sind
neu festzulegen, bei Überbindung an die beklagte Stockwerkeigentümergemeinschaft.
3. Kosten von Verfahren und Entscheid sind den der Beklagten aufzuerlegen.
4. Es ist eine angemessene Parteikostenentschädigung zuzusprechen.
In Ziff. 6 zum Formellen führten die Berufungskläger aus, die Nachreichung einzelner
Aktenverweise und die Ergänzung der Berufung werde vorbehalten, wozu um Fristge-
währung bzw. um Fristwiederherstellung bis am 2. September 2014 ersucht werde,
dies gemäss Begründung der Beilage „Auflistung Auslastung Beschwerdeführer ab
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19. Juni 2014“, die aus Daten- und Persönlichkeitsgründen in einzigem Exemplar für
das Gericht eingereicht werde.
Das Kantonsgericht verlangte am 28. August 2014 die Zahlung eines Kostenvorschus-
ses und teilte den Berufungsklägern mit, dass keine Fristerstreckung bzw. Fristwieder-
herstellung gewährt werde.
Die Stockwerkeigentümergemeinschaft nahm am 12. November 2014 zur Berufung
Stellung und stellte die folgenden Begehren:
1. Die Rechtsbegehren
a) abgelehnt
b) abgelehnt
c) Wird gemäss Urteil Bezirksgericht nochmals der Versammlung vorgelegt.
2. Die Verfahrenskosten und Parteientschädigungen sind gemäss Urteil zu belassen.
3. Die Kosten von Verfahren und Entscheid sind den Berufungsklägern aufzuerlegen.
4. Es ist eine erkleckliche Parteientschädigung zu Lasten der Berufungskläger auszusprechen.
Auf Gesuch der Berufungskläger hin wurde das Verfahren am 19. Dezember 2014 bis
zum 18. Januar 2015 und am 22. Januar 2015 bis zum 31. Januar 2015 sistiert. Mit
Entscheid vom 10. Februar 2015 lehnte das Kantonsgericht das Gesuch um eine wei-
tere Verlängerung der Sistierung ab.
Am 23. März 2015 wurde den Berufungsklägern die Berufungsantwort vom 12. No-
vember 2014 zugestellt. Ebenfalls am 23. März 2015 stellten die Berufungskläger er-
neut ein Gesuch um Verfahrenssistierung, das mit Entscheid vom 26. März 2015 ab-
gewiesen wurde.
Mit Schreiben vom 16. April 2015 beantragten die Berufungskläger, es sei ihnen Frist
zur Stellungnahme zur Berufungsantwort anzusetzen, was das Kantonsgericht am
23. April 2015 ablehnte.
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Erwägungen
1.
1.1 Das Kantonsgericht beurteilt als Rechtsmittelinstanz Berufungen, die im neunten
Titel des zweiten Teils der ZPO vorgesehen sind (Art. 5 Abs. 1 lit. b EGZPO). Mit Beru-
fung anfechtbar sind u.a. erstinstanzliche Endentscheide (Art. 308 Abs. 1 lit. a ZPO). In
vermögensrechtlichen Angelegenheiten ist die Berufung nur zulässig, wenn der Streit-
wert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens Fr. 10'000.-- beträgt
(Art. 308 Abs. 2 ZPO). Die Berufungsfrist beträgt 30 Tage (Art. 311 Abs. 1 ZPO).
Das angefochtene Urteil betrifft die Anfechtung von Beschlüssen der Stockwerkeigen-
tümerversammlung (Art. 712m Abs. 2 ZGB). Es handelt sich um eine vermögensrecht-
lichen Angelegenheit (s. etwa Bundesgerichtsurteile 5C.44/2006 vom 27. Juli 2006
E. 1; 5C.23/2005 vom 5. April 2005 E. 1). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung ist bei Klagen auf Anfechtung von Stockwerkeigentümerversammlungsbe-
schlüssen wie im übrigen Gesellschaftsrecht nicht das Interesse des klagenden Stock-
werkeigentümers massgebend, sondern dasjenige der Stockwerkeigentümergemein-
schaft als Gesamtes. Bei der Anfechtung des Beschlusses über die Genehmigung der
Jahresrechnung sind die strittigen Rechnungsposten streitwertbestimmend (Bundesge-
richtsurteil 5A_386/2009 vom 31. Juli 2009 E. 5.1).
Das Bezirksgericht ging von einem Streitwert von rund Fr. 30‘939.55 aus (Heizkosten
V_/J_ Fr. 148.35; Warmwasserkosten I_ Fr. 40.80; Heiz-
kosten Erbengemeinschaften Fr. 1‘210.25; Warmwasserkosten V_ Fr. 12.40;
Einlage Erneuerungsfonds Fr. 20‘000.--; Mittelverwendung Erneuerungsfonds Fr.
9‘527.75). Diese Streitwertberechnung bedarf in Bezug auf die Mittelverwendung aus
dem Erneuerungsfonds der folgenden Korrektur: Die diesbezüglichen Ausgaben belie-
fen sich zwar auf die oben genannten Fr. 9‘527.75, indessen wurden diese Ausgaben
durch die Versicherungsleistung der K_ von Fr. 5‘188.40 und durch eine Re-
tourbuchung F_ Maler Wasserschaden von Fr. 890.20 reduziert (s. S. 203).
Demnach beläuft sich der Streitwert auf Fr. 24‘860.95. Auf die fristgerecht erhobene
Berufung ist demnach einzutreten, wobei ein Einzelrichter zur Behandlung der Beru-
fung zuständig ist (Art. 5 Abs. 2 lit. c EGZPO).
1.2 Mit der Berufung kann die unrichtige Rechtsanwendung - des gesamten kantona-
len und eidgenössischen Rechts (Gehri, in: Gehri/Kramer, ZPO Kommentar, Zürich
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2012, N. 1 zu Art. 310 ZPO) - und die unrichtige Feststellung des Sachverhalts - durch
die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid - geltend gemacht werden (Art. 310 lit. a
und b ZPO). Die Berufung ist entsprechend zu begründen (Art. 311 Abs. 1 ZPO in
fine).
1.3 Im Berufungsverfahren sind neue tatsächliche Vorbringen (Noven) nur unter den
Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO zulässig. Soweit in den Rechtsschriften des
Berufungsverfahrens neu aufgestellte Behauptungen und neu eingereichte Beilagen
(Beleg 1 - 9 der Berufungsantwort) diese Anforderungen nicht erfüllen, müssen sie
unbeachtlich bleiben, sofern sie nicht rein rechtlicher Natur sind.
1.4 Die Anfechtungsklage nach Art. 712m ZGB i.V.m. Art. 75 ZGB ist ihrer Natur nach
auf die Aufhebung des streitigen Beschlusses gerichtet. Sie ist eine Gestaltungsklage
(Riemer, Anfechtungs- und Nichtigkeitsklage im schweizerischen Gesellschaftsrecht,
Bern 1998, N. 210; ders. Berner Kommentar, Die Vereine, Systematischer Teil und Art.
60–79 ZGB, Bern 1990, N. 79 zu Art. 75 ZGB mit weiteren Verweisen). Mit dem An-
fechtungsurteil wird über den resolutiven Schwebezustand des Beschlusses entschie-
den. Heisst das angerufene Gericht die Anfechtungsklage gut, so wird der angefochte-
ne Beschluss ex tunc, d.h. rückwirkend auf den Zeitpunkt der Beschlussfassung, auf-
gehoben (Riemer, Berner Kommentar, a.a.O., N. 79 zu Art. 75 ZGB; Del Fabro, Ein
Streifzug durch die Anfechtungsklage nach Art. 75 ZGB, in: AJP 2015 S. 1150).
Sind sämtliche Voraussetzungen erfüllt, kann das Gericht den angefochtenen Be-
schluss somit lediglich aufheben. Das Urteil ist grundsätzlich kassatorischer Natur
(BGE 131 III 459 nicht publizierte E. 1.3; 118 II 12 E. 1c). Der Richter kann somit den
Beschluss der Stockwerkeigentümergemeinschaft nicht verbessern oder ersetzen. Der
Richter kann der unterlegenen Partei grundsätzlich auch keine Befehle der Anordnun-
gen aussprechen (LGVE 2011 I Nr. 10 E. 3.2). Die Verbesserung des Entscheids steht
nur dem Entscheidungsträger zu, welcher in Anbetracht des Rechtsspruchs einen neu-
en Beschluss fassen kann oder muss, wobei die Gemeinschaft an den Inhalt des er-
gangenen Urteils gebunden ist (Urteil des Kantonsgerichts Wallis C3 10 97 vom
15. November 2011, in: ZWR 2012 S. 166 ff. E. 5a und b; Wermelinger, Das Stockwer-
keigentum, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2014, [nachfolgend: Wermelinger, Stockwerkei-
gentum], N. 234 zu Art. 712m ZGB; ders., in: Kommentar zum schweizerischen Zivil-
recht, Teilband IV 1c, Art. 712a-712t ZGB, Zürich/Basel/Genf 2010 [nachfolgend:
Wermelinger, Zürcher Kommentar], N. 248 zu Art. 712 m ZGB).
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Das Bezirksgericht hat den Verwalter konkret angewiesen, die Warmwasserkostenab-
rechnung der Familie I_ in der Jahresrechnung 1. Mai 2010 bis 30. April
2011 und jene von V_ in der Abrechnung der Verwaltungsperiode ab dem
1. Mai 2011 zu korrigieren und diese korrigierten Abrechnungen der nächsten Stock-
werkeigentümerversammlung zur formellen Genehmigung zu unterbreiten. Zudem hat
es den Verwalter angewiesen, die Verwaltungsrechnungen für die Zeit vom 1. Mai
2010 bis 31. August 2011 im dem Sinne zu korrigieren bzw. zu ergänzen, dass die in
der betreffenden Zeit über den Erneuerungsfonds verbuchten Aufwand- und Ertrags-
positionen mit einer hinreichenden Bezeichnung sowie der Gesamtumsatz im Erneue-
rungsfonds ersichtlich sind und diese ergänzte Abrechnung des Erneuerungsfonds der
nächsten Stockwerkeigentümerversammlung zur Genehmigung zu unterbreiten.
Im Ergebnis wirkt das Urteil des Bezirksgerichts kassatorisch, indem die Genehmigung
der Jahresrechnung 1. Mai 2010 bis 30. April 2011, die Genehmigung der Abrechnung
der Verwaltungsperiode ab 1. Mai 2011 und die Genehmigung der Abrechnung des
Erneuerungsfonds aufgehoben wird. Dass der Bezirksrichter den Verwalter anweist,
die Rechnungen im Sinne seiner Erwägungen anzupassen, ändert an der kassatori-
schen Natur seines Urteils nichts, da die Gemeinschaft ohnehin an den Inhalt des er-
gangenen Urteils gebunden ist (Urteil des Kantonsgerichts Wallis C3 10 97 vom
15. November 2011, in: ZWR 2012 S. 166 ff. E. 5a und b).
2. Ein Beschluss der Stockwerkeigentümerversammlung kann angefochten werden,
wenn er widerrechtlich ist. Aufgrund der anwendbaren vereinsrechtlichen Bestimmung
von Art. 75 ZGB, welche in Art. 712m Abs. 2 ZGB für anwendbar erklärt wird, unterlie-
gen der Anfechtung einerseits Gesetzesverletzungen, andererseits Verstösse gegen
die Statuten. Unter Gesetz ist über das Stockwerkeigentumsrecht im engeren Sinne
hinaus die Gesamtheit der das Stockwerkeigentum betreffenden Normen, geschriebe-
ne oder ungeschriebene (z.B. Gleichbehandlungsprinzip), zu verstehen (Meier-
Hayoz/Rey, Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Bd. IV, 1. Abteilung,
5. Teilband, Art. 712a-712t ZGB, Bern 1988, N. 128 zu Art. 712m ZGB). Wo Gesetz
oder Statuten bzw. das Reglement der Stockwerkeigentümergemeinschaft einen Er-
messensspielraum einräumen, darf das Gericht nicht sein Ermessen an die Stelle des
Ermessens der Stockwerkeigentümergemeinschaft setzen. Eine gerichtliche Überprü-
fung ist auf Rechtsverletzungen beschränkt. Eine Rechtsverletzung liegt (nur) bei Er-
messensmissbrauch und bei Ermessungsüberschreitung, nicht aber bei blosser Unan-
gemessenheit oder fehlender Zweckmässigkeit des Beschlusses vor (Del Fabro, Ein
Streifzug durch die Anfechtungsklage nach Art. 75 ZGB, in: AJP 2015 S. 1148). Als
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Gesetzesverletzung gelten dabei auch Verstösse gegen das Gebot des Handelns nach
Treu und Glauben sowie das Verbot des Rechtsmissbrauchs als Konkretisierungen
von Art. 2 ZGB (vgl. Riemer, Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, Bd.
I, 3. Abteilung, Zweiter Teilband, Art. 60-79 ZGB, Bern 1990, N. 36 zu Art. 75 ZGB).
Den Statuten des Vereinsrechts entsprechen im Stockwerkeigentumsrecht die gesam-
te Gemeinschaftsordnung, also der Begründungsakt, das Reglement und die Hausord-
nung, aber auch etwa die Beschlüsse der Stockwerkeigentümerversammlung (Werme-
linger, Zürcher Kommentar, N. 204 zu Art. 712m ZGB), denn ein gültiger Beschluss ist
für alle Beteiligten - auch und insbesondere für die Stockwerkeigentümergemeinschaft
selbst (vgl. zum Vereinsrecht: Riemer, a.a.O., N. 12 zu Art. 66 ZGB) - verbindlich.
3.
3.1 Mit Berufung machen die Kläger geltend, die 10- bzw. 13-tägige Einladungsfrist für
die ordentliche Jahresversammlung zuzüglich sechs ausserordentlicher und gewichti-
ger Themen (Lifterneuerung; Genehmigung Protokoll a.o. STWEV vom 8. März 2011;
Genehmigung Protokoll a.o. STWEV vom 30. Mai 2011; Orientierung zum Gerichtsver-
fahren Dachsanierung; a.o. Rechnung 1. April 2011 - 31. August 2011 zufolge Demis-
sion von Verwaltung, Protokollführer und Revisorin; Wahl neuer Verwalter) sei unge-
nügend und rechtswidrig.
Diese kurze Frist und das Verhalten des Verwalters habe es ihnen verunmöglicht, vor
dem Versammlungstermin Einsicht in die Rechnungsführung zu nehmen. Sie hätten
dem Verwalter vorgeschlagen, sämtliche Bereinigungen zusammen mit ihm vorzuneh-
men, damit er, wie angekündigt das Verwaltermandat niederlegen könne.
Die fehlende Auseinandersetzung des Bezirksrichters mit ihren entscheidwesentlichen
Vorbringen beinhalte eine Verweigerung des Gehörsanspruchs sowie unrichtige Sach-
verhaltsfestlegung als Beschwerdegrund gemäss Art. 310 Abs. 1 lit. b, die überdies als
aktenwidrige Sachverhaltsfestlegung in Verletzung des Willkürverbots dastehe. Die
Ausführungen des Richters, wonach sich der Interessierte nötigenfalls nach der Ver-
sammlung um die Einsichtnahme zu bemühen habe, wenn vor der Versammlung die
Einsicht in die Rechnungsunterlagen nicht möglich sei, sei absurd und willkürlich.
3.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV enthaltene Anspruch auf rechtliches Gehör gibt einem
Betroffenen als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht das Recht, sich vor Erlass
eines in seine Rechtsstellung eingreifenden Entscheides zu äussern, erhebliche Be-
weise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen
gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken
- 12 -
oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den
Entscheid zu beeinflussen. Der Grundsatz verlangt weiter, dass die Gerichte die
rechtserheblichen Vorbringen der Parteien anhören und bei der Entscheidfindung be-
rücksichtigen (vgl. BGE 124 V 180 E. 1a m.w.H.). Die Begründung muss kurz die we-
sentlichen Überlegungen nennen, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf
die sich sein Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich der Entscheid
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbrin-
gen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3 m.w.H.).
Im angefochtenen Entscheid werden die zentralen Überlegungen, von denen der Be-
zirksrichter ausgegangen ist, genannt und in jeder Hinsicht verständlich und nachvoll-
ziehbar ausgeführt. Die Vorinstanz legte in ihrem Urteil dar, weshalb sie die Einberu-
fungsfrist als genügend und gewahrt erachtet. Sie berücksichtigte sodann den Um-
stand, dass es den Klägern aufgrund der kurzen Einberufungsfrist und der beidseitigen
fehlenden Verfügbarkeit nicht möglich war, vor der Abhaltung der Stockwerkeigentü-
merversammlung in die Rechnungsunterlagen Einsicht zu nehmen, bei der Kostenver-
teilung. Es kann nicht ernsthaft behauptet werden, die Vorinstanz habe sich nicht mit
der Problematik der Einberufungsfrist befasst. Wie die ausführliche Berufungsschrift
zeigt, waren die Berufungskläger denn auch in der Lage, den Entscheid des Bezirksge-
richts sachgerecht anzufechten. Die Rüge der Verletzung der Begründungspflicht ist
demnach unbegründet. Es ist im Folgenden zu prüfen, ob die vorinstanzlich gezogenen
Schlüsse im Zusammenhang mit der Einberufung zu beanstanden sind.
3.3 Das Vereinsrecht und das Sachenrecht enthalten keine Minimalfrist für die Einbe-
rufung der Stockwerkeigentümerversammlung (Wermelinger, Zürcher Kommentar, N.
49 zu Art. 712n ZGB). Die Fristen des Gesellschaftsrechts sind auf das Stockwerkei-
gentum nicht anwendbar, nicht einmal analog. Enthält die Gemeinschaftsordnung kei-
ne besondere Bestimmung, muss im Streitfall der Richter anhand der allgemeinen
Rechtsgrundsätze bestimmten, ob die angewandte Einberufungsfrist zulässig ist. Dabei
muss er sämtliche Umstände berücksichtigen (geografisches Umfeld, Strukturierung
des Stockwerkeigentums, Wohnort der Stockwerkeigentümer usw.). Allgemein ist die
Einberufungsfrist dann genügend, wenn sie den Stockwerkeigentümern sowohl die
Teilnahme als auch die Vorbereitung der Versammlung in vernünftiger Weise ermög-
licht. In Ausnahmefällen (Dringlichkeit) kann möglicherweise in einem familiären Um-
feld eine Einberufungsfrist von einem Tag oder gar von mehreren Stunden genügen. In
einem Kurort, in dem die Stockwerkeigentümer üblicherweise ihre Ferien verbringen
und sonst zum Teil im Ausland wohnen, kann ausserhalb der Ferienzeit sogar eine
- 13 -
Einberufungsfrist von zwanzig Tagen ungenügend sein (Wermelinger, Stockwerkeigen-
tum, N. 26 zu Art. 712n ZGB m.w.H.).
Die herrschende Lehre stellt sich auf den Standpunkt, dass die reglementarische Ein-
berufungsfrist vernünftigerweise angesichts von Art. 712p Abs. 2 ZGB minimal zehn
Tage betragen sollte (Wermelinger, Stockwerkeigentum, N. 27 zu Art. 712n ZGB;
ders., Zürcher Kommentar, N. 50 zu Art. 712n ZGB; Friedrich, Das Stockwerkeigen-
tum, Reglement für die Gemeinschaft der Stockwerkeigentümer, 2. A., Bern 1972, § 30
N. 4; Meier-Hayoz/Rey, Das Stockwerkeigentum, Berner Kommentar, Bern 1988, N. 18
zu Art. 712n ZGB; Michaud, L’organisation de la communauté des propriétaires par
étages, Diss. Vevey 1975, S. 23; Müller, Zur Gemeinschaft der Stockwerkeigentümer,
Diss. Bern 1973, S. 89; Weber, Die Stockwerkeigentümergemeinschaft, Diss. Zürich
1979, S. 366).
Das Stockwerkeigentümerreglement der Berufungsbeklagten sieht in Art. 20 vor, dass
die schriftliche Einberufung der ordentlichen Jahresversammlung mindestens 10 Tage
vor deren Abhaltung zugestellt wird. Damit wird das Reglement der von der Lehre ge-
forderten Mindestfrist gerecht. Diese Frist wurde vorliegend eingehalten. Gemäss den
Berufungsklägern wurde die Einladung zur Versammlung vom 30. September 2011
den im Haus lebenden Stockwerkeigentümern am 16. September 2011 in den Brief-
kasten gelegt; Z_ sei die Einladung am 19. September 2011 postalisch zu-
gestellt worden (S. 165). Nicht gefolgt werden kann den Berufungsklägern, wenn sie
für die Berechnung der First lediglich die zwischen der Einladung und der Versamm-
lung liegenden Arbeitstage berücksichtigt haben möchten. Es besteht kein Anlass -
anders als bei anderen Fristen - nur die Arbeitstage zu berücksichtigen.
Nun machen die Berufungskläger sodann geltend, es habe sich bei der fraglichen
Stockwerkeigentümerversammlung zwar um eine ordentliche gehandelt, indessen sei-
en sechs weitere, ausserordentliche Themen zur Diskussion gestanden.
In der ordentlichen Stockwerkeigentümerversammlung werden einmal pro Jahr sämtli-
che Beschlüsse gefasst, die für das abgeschlossene und für das anstehende Rech-
nungsjahr von Belang sind. Nebst den Beschlüssen zur Buchhaltung sind dies insbe-
sondere auch die Beschlüsse über Verwaltungshandlungen, namentlich über die bauli-
chen Massnahmen (Wermelinger, Zürcher Kommentar, N. 41 zu Art. 712n ZGB). Bei
der fraglichen Stockwerkeigentümerversammlung handelte es sich um eine ordentli-
che. Daran vermag nichts zu ändern, dass nicht nur über die Verwaltungsperiode vom
1. Mai 2010 bis 30. April 2011, sondern aufgrund der Demission des Verwalters auch
- 14 -
über die Rechnung für die Zwischenperiode 1. Mai 2011 bis zum 31. August 2011 und
zudem über weitere Traktanden zu befinden war. Den Berufungsklägern kann deshalb
nicht gefolgt werden, wenn sie geltend machen, aufgrund der zahlreichen Traktanden
gelte die reglementarisch festgelegte Mindestfrist nicht. Eine längere Mindestfrist ist
weder gesetzlich noch reglementarisch vorgesehen.
Schliesslich ist die Frage zu beurteilen, ob daran der Umstand, dass die Berufungsklä-
ger vor der Durchführung der Versammlung keine Einsicht in die Bücher nehmen konn-
te, etwas zu ändern vermag. Sie berufen sich auf eine angebliche Rechtsprechung,
ohne diese hingegen zu belegen.
Die Vorinstanz hielt diesbezüglich fest, dass zufolge beidseits fehlender Verfügbarkeit
den Klägern eine vorgängige Einsichtnahme in die Unterlagen nicht mehr möglich ge-
wesen sei. Dieser Umstand werde bei der Kostenverteilung zu berücksichtigen sein,
führe aber nicht zum Schluss, dass der gesamte Beschluss bereits aus formellen
Gründen aufzuheben oder gar als nichtig anzusehen sei. Wenn vor der Versammlung
die Einsicht in die Rechnungsunterlagen nicht möglich sei, müsse sich der Interessierte
nötigenfalls unmittelbar nach der Versammlung um die Einsichtnahme bemühen. Vor-
liegend sei bis zur Klageeinreichung am 12. März 2012 noch ausreichend Zeit zur Ver-
fügung gestanden.
Es ist offensichtlich, dass eine Einberufungsfrist von zehn Tagen eine gehörige Vorbe-
reitung des Stockwerkeigentümers nicht massgeblich erschwert oder gar verunmög-
licht. Eine demokratische Willensbildung ist durch die kurze Frist nicht verhindert wor-
den. Zwar war es den Berufungsklägern nicht mehr möglich, vor der Durchführung der
Versammlung Einsicht in die Rechnungsunterlagen zu nehmen. Diesem Umstand wur-
de bei der Kostenregelung im erstinstanzlichen Verfahren Rechnung getragen und die
Berufungskläger konnten im Rahmen dieses Verfahrens in die genannten Unterlagen
Einsicht nehmen, so dass der Bezirksrichter die angefochtenen Beschlüsse zu Recht
nicht bereits aus formellen Gründen aufgehoben hat.
Es ist somit festzuhalten, dass es sich um eine ordentliche Stockwerkeigentümerver-
sammlung handelte und die reglementarische Einberufungsfrist - wenn auch auf einem
rechtlich zulässigen Minimum gehalten - eingehalten wurde. Dem Umstand, dass die
Berufungskläger erst nach abgehaltener Versammlung Einsicht in die Bücher nehmen
konnten, wurde mit der erstinstanzlichen Kostenregelung Rechnung getragen.
- 15 -
4. Auf die Rüge der Kläger, entgegen der Darstellung des Bezirksrichters habe
Y_ an keiner Wohnung Eigentum, ist nicht weiter einzugehen, da dies auf
den Ausgang des Verfahrens keinen Einfluss hat.
5.
5.1 Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Aufteilung der Heizkosten. Gemäss Art. 12 Abs.
1 Ziff. 2 des Stockwerkeigentümerreglements erfolgt die Kostenaufteilung für die Hei-
zung und das Warmwasser nach Kubikinhalt der beheizten Stockwerkanteile und nicht
wie die gemeinschaftliche Kostenregelung nach Massgabe der Wertquote (s. Art. 11
des Reglements).
Das Bezirksgericht führte diesbezüglich aus, es stehe fest, dass zumindest die 5 1⁄2-
Zimmerwohung der klagenden Erbengemeinschaften in der fraglichen Zeit ganz oder
teilweise nicht benutzt worden sei. Weder Gesetz noch das Reglement der beklagten
Stockwerkeigentümergemeinschaft würden explizit regeln, ob die (zeitweise) Nichtbe-
nützung der Wohnungen bzw. die Demontage eines Radiators zu einer Reduktion der
Kostenbeteiligung führen müsse. In der Lehre werde geraten, den Leerstand einer
Wohnung für die Verteilung der gemeinschaftlichen Kosten nicht zu berücksichtigen.
Das Bezirksgericht ist dieser Lehrmeinung gefolgt und hat es abgelehnt, die Heizkos-
ten aufgrund des Leerstandes zu reduzieren.
5.2 Die Berufungskläger machen geltend, die Radiatoren der 5 1⁄2-Zimmerwohnung
seien während fünf von sechs Monaten der Heizperiode des Verwaltungsjahres
2010/2011 abmontiert gewesen, ebenso der Radiator des Duschraumes der 4 1⁄2-
Zimmerwohnung. Die Festlegung des Bezirksrichters, die Räume seien während der
Sanierung der Wohnung „teilweise beheizt geblieben“ sei unpräzise, irreführend und
aktenwidrig. Der Heizölverbrauch sei ihnen mangels Verbrauch in den Wohnungen zu
Unrecht in der Kostenabrechnung der Stockwerkeigentümergemeinschaft angerechnet
worden. Die 5 1⁄2-Zimmerwohnung sei seit dem Tod des Erblassers (W_) am
15. Juli 2010 leer gestanden bzw. unbenutzt geblieben, dies bis Mitte Dezember 2014.
Die richterliche Feststellung, die Kläger würden eingestehen, dass die fragliche Woh-
nung teilweise auch während des Leerstandes reduziert beheizt geblieben sei, sei ak-
tenwidrig. Arbeitsrapporte der L_ AG würden belegen und beweisen, dass
die Wohnung während 5 von 6 Monaten zufolge abmontierter Radiatoren nicht beheizt
worden sei.
- 16 -
Die Feststellung des Bezirksgerichts, dass die Wohnung teilweise beheizt geblieben
ist, ist absolut richtig. Die Berufungskläger sagen selbst, dass die Wohnung während 5
von 6 Monaten nicht beheizt worden sei.
Was die Berufungskläger sodann mit den Ausführungen zum Verbrauchsmessungs-
system der ATA-Zähler, welche sie gemäss eigenen Angaben bereits im Rahmen der
Schlussverhandlungen vor Bezirksgericht vorgebracht haben, zu ihren Gunsten ablei-
ten wollen, erschliesst sich dem Kantonsgericht nicht. Dass entsprechende Zähler in-
stalliert gewesen wären, wird nicht geltend gemacht. Vielmehr werden die Heizkosten
gemäss Art. 12 des Stockwerkeigentümerreglements nach Kubikinhalt der beheizten
Stockwerkanteile aufgeteilt. Der von den Berufungsklägern gestellte Beweisantrag auf
Befragung von P_ und Y_, für den Fall, dass bestritten werde, dass
anlässlich der Hauptverhandlung entsprechende Ausführungen gemacht worden seien,
ist deshalb abzuweisen.
Die Berufungskläger machen unter Berufung auf Art. 712h Abs. 3 ZGB geltend, die
Heizung bzw. die Heizanlage als gemeinschaftlicher Bauteil bzw. gemeinschaftliche
Anlage oder Einrichtung habe in der fraglichen Heizperiode der 5 1⁄2-Zimmerwohnung
nicht bzw. nur in ganz geringem Masse (während 1 von 6 Monaten) gedient. Für das
Beheizen der 5 1⁄2-Zimmerwohung und des Duschraums der 4 1⁄2-Zimmerwohung resul-
tiere kein Erdölverbrauch und damit keine entsprechenden nach Kubatur der Woh-
nungseinheiten berechnete Heizkosten. Der richterlichen Festlegung, es gehe nicht
hierum, sondern darum, „dass die Wohnungen der Erbengemeinschaften X_,
die in deren Sonderrecht stehen, zufolge von Mängeln am Dach sowie der Decken-
und Aussenisolationen zeitweise nur beschränkt brauchbar waren“, könne nicht gefolgt
werden, noch hätten sie dies dargelegt. Die beschränkte Brauchbarkeit der 4 1⁄2-
Zimmerwohnung bzw. die Unbrauchbarkeit der 5 1⁄2-Zimmerwohnung bedingt durch die
von den gemeinschaftlichen Bauteilen ausgehenden Schädigungen würden sich als
Mietzinsausfall zu Buche schlagen, was in einem gesonderten Schadenersatzverfah-
ren geltend zu machen sein werde. Die Kläger hätten sich demnach völlig zu Recht auf
Art. 712h Abs. 3 ZGB berufen, weil die Heizung bzw. die Heizanlage als gemeinschaft-
liche Anlage nur in geringem Masse gedient habe. Die gegenteilige und anderslauten-
de richterliche Begründung, die auf die Unbrauchbarkeit bzw. beschränkte Brauchbar-
keit der Wohnung abstelle, verstosse somit gegen Bundesrecht gemäss Art. 712h Abs.
3 ZGB.
Den vom Bezirksrichter gezogenen Vergleich zu den Wohnungen anderer Eigentümer
bezeichnen die Berufungskläger deshalb auch als „im vorliegenden Kontext gegen-
- 17 -
standslos“. Weiter führen die Berufungskläger aus, dass die Schädigungen der Woh-
nungen der Erbengemeinschaften von den gemeinschaftlichen Bauteilen (Aussenmau-
ern; Dach) ausgehen würden, sei im Kontext der Heizkostenabrechnung bedeutungs-
los.
Andererseits halten die Berufungskläger fest, es sei schlüssig, sachverhaltlich belegt
und aktenkundig und bewiesen, dass die Heizungsradiatoren und damit die Heizung
als gemeinschaftliche Anlage als Folge der Schädigung der 5 1⁄2-Zimmerwohnung
durch die gemeinschaftliche Aussenmauer, somit unabhängig von Wille und Verant-
wortung der Kläger bzw. der Erbengemeinschaften X_, in der hier fraglichen
Heizperiode während 5 von 6 Monaten nicht habe genutzt werden können, weil die
Schädigung der Wohnung durch die Aussenwände eine entsprechende Bauverzöge-
rung zum Umbau der 5 1⁄2-Zimmerwohnung nach sich gezogen habe. Entgegen den
richterlichen Darlegungen und Schlussfolgerungen ergebe sich somit, dass die Nicht-
benutzung der Heizanlage während fünf von sechs Monaten der Heizperiode
2010/2011 zufolge der Schädigung der gemeinschaftlichen Aussenmauern und der
daraus resultierenden Umbauverzögerung für die 5 1⁄2-Zimmerwohnung, somit durch
den Werkeigentümer, die StWEG M_, verursacht sei, dass die Nichtbenut-
zung der Heizanlage für die 5 1⁄2-Zimmerwohung gestützt auf Art. 712h Abs. 3 ZGB bei
der Verteilung der Heizkosten zu berücksichtigen sei, was im vorliegenden Berufungs-
verfahren dem Betrag von Fr. 1‘025.60 entspreche.
5.3 Vorab ist festzuhalten, dass das Stockwerkeigentümerreglement entgegen der
Ansicht der Berufungskläger, die auf den fehlenden Heizölverbrauch verweisen, in Be-
zug auf die Heizkosten keine rein verbrauchsabhängige Kostenregelung enthält. Es
wird zwar - im Unterschied zu den in Art. 11 des Reglements genannten Kosten - nicht
auf die Wertquote abgestellt, sondern auf die Kubikmeter. Indessen wird nicht in dem
Sinne auf den tatsächlichen Verbrauch abgestellt, als dass die Heizkosten entspre-
chend dem individuellen Wärmeverbrauch der einzelnen Parteien der Gemeinschaft
auf diese verteilt würden. Es kann den Berufungsklägern insofern nicht gefolgt werden,
wenn sie geltend machen, sie hätten für eine gewisse Zeit mangels Verbrauchs keine
Heizkosten zu tragen. Im Folgenden ist zu prüfen, ob sich aus Art. 712h Abs. 3 ZGB
eine Kostenbefreiung ergibt.
5.4 Nach Art. 712h Abs. 1 ZGB haben die Stockwerkeigentümer an die Lasten des
gemeinschaftlichen Eigentums und an die Kosten der gemeinschaftlichen Verwaltung
Beiträge nach Massgabe ihrer Wertquoten zu leisten. Solche Lasten und Kosten sind
namentlich die Auslagen für den laufenden Unterhalt, für Reparaturen und Erneuerun-
- 18 -
gen der gemeinschaftlichen Teile des Grundstückes und Gebäudes sowie der gemein-
schaftlichen Anlagen und Einrichtungen (Ziff. 1), die Kosten der Verwaltungstätigkeit
einschliesslich der Entschädigung des Verwalters (Ziff. 2), die den Stockwerkeigentü-
mern insgesamt auferlegten öffentlichrechtlichen Beiträge und Steuern (Ziff. 3) sowie
die Zins- und Amortisationszahlungen an Pfandgläubiger, denen die Liegenschaft haf-
tet oder denen sich die Stockwerkeigentümer solidarisch verpflichtet haben (Ziff. 4).
Der Grundsatz der quotenproportionalen Kosten- und Lastenverteilung gemäss
Art. 712h Abs. 1 ZGB ist dispositiver Natur (BGE 128 III 260 E. 2b). Abweichungen
vom gesetzlichen Verteilschlüssel müssen im Begründungsakt bzw. im Reglement
festgelegt werden (Wermelinger, Zürcher Kommentar, N. 22 zu Art. 712h ZGB). Falls
bestimmte gemeinschaftliche Bauteile, Einrichtungen oder Anlagen einem Stockwer-
keigentümer nicht oder nur in ganz geringem Masse dienen, so ist dies gemäss
Art. 712h Abs. 3 ZGB bei der Kostenverteilung zu berücksichtigen. Welche Kosten im
Einzelfall nicht allen Stockwerkeigentümern auferlegt werden dürfen, bestimmt sich
nach den konkreten Umständen anhand objektiver Kriterien.
In Art. 712h Abs. 2 Ziff. 1-4 ZGB findet sich eine nicht abschliessende Aufzählung der
wichtigsten Kosten und Lasten, welche grundsätzlich von allen Stockwerkeigentümern
anteilsmässig zu tragen sind. Genannt werden Auslagen für den laufenden Unterhalt
sowie für Reparaturen und Erneuerungen (Art. 712h Abs. 2 Ziff. 1 ZGB), Kosten der
Verwaltungstätigkeit (Art. 712h Abs. 2 Ziff. 2 ZGB), öffentlich-rechtliche Beiträge und
Steuern (Art. 712h Abs. 2 Ziff. 3 ZGB) sowie Zins- und Amortisationszahlungen
(Art. 712h Abs. 2 Ziff. 4 ZGB). Weitere, im Gesetz nicht ausdrücklich genannte ge-
meinschaftliche Kosten und Lasten sind etwa (s. dazu Wermelinger, Stockwerkeigen-
tum, N. 22 ff. zu Art. 712h ZGB; ders. Zürcher Kommentar, N. 64 ff. zu Art. 712h ZGB):
Baurechtszins, haftpflichtrechtliche Verbindlichkeiten, Betriebskosten des Gebäudes
bzw. gemeinschaftlicher Anlagen und Einrichtungen (Wasser- oder Energieverbrauch
der gemeinschaftlichen Teile). Folgt man genannter Lehrmeinung, fallen die zur Dis-
kussion stehenden Heizkosten nicht unter die gemeinschaftlichen Kosten und Lasten
im Sinne von Art. 712h ZGB. Das Bundesgericht hat die Frage, ob die Betriebskosten
einer Anlage zu den gemeinschaftlichen Kosten und Lasten einer Stockwerkeigentü-
mergemeinschaft im Sinne von Art. 712h Abs. 2 ZGB zu zählen sind, ausdrücklich of-
fen gelassen.
Art. 712h Abs. 3 ZGB betrifft - wie der Bezirksrichter korrekt festgestellt hat - nur die
gemeinschaftlichen Kosten. Bei der Verteilung von gemeinschaftlichen Heizkosten geht
es um die Aufwendungen in gemeinschaftlichen Teilen wie Korridor, Treppenhaus oder
- 19 -
Eingangshalle (Wermelinger, Zürcher Kommentar, N. 35 zu Art. 712h ZGB). Demge-
genüber sind die Kosten und Lasten, welche auf die Stockwerkanteile anfallen, von
jedem Stockwerkeigentümer selbst zu tragen (Wermelinger, Zürcher Kommentar, N. 2
zu Art. 712h ZGB; s. in diesem Zusammenhang auch Wermelinger, Stockwerkeigen-
tum, N. 71 zu Art. 712h ZGB, wonach die von Kurt Müller ausgearbeiteten Tabellen für
die Verteilung von Heiz- und Wasserkosten nicht den Verbrauch bei gemeinschaftli-
chen Teilen, sondern den Verbrauch bei Stockwerkeinheiten, welche nicht mit individu-
ellen Zählern ausgestattet sind, betreffen).
Es ist somit festzuhalten, dass Art. 712h Abs. 3 ZGB, auf welchen sich die Berufungs-
kläger im Zusammenhang mit den Heizungskosten berufen, nicht anwendbar ist, da es
sich bei den genannten Kosten um solche der einzelnen Stockwerkeinheiten handelt
und nicht um gemeinschaftliche Kosten. Sodann ist festzustellen, dass die Heizkosten
gemäss Reglement nicht nach Verbrauch auf die einzelnen Stockwerkeinheiten verteilt
werden, sondern aufgrund des Volumens der Stockwerkeinheit. Ob und wie hoch ein
Stockwerkeigentümer seine Heizung einstellt bzw. der tatsächliche Verbrauch hat mit
anderen Worten keinerlei Einfluss auf die Heizkostenabrechnung. Die Berufung ist
deshalb in diesem Punkt abzuweisen.
Daran würde aber selbst die Anwendbarkeit von Art. 712h Abs. 3 ZGB nichts ändern.
Diese zwingende Bestimmung ist restriktiv anzuwenden, weil die gemeinsamen Anla-
gen und Einrichtungen normalerweise den Standard der gesamten zu Stockwerkeigen-
tum ausgestalteten Liegenschaft bestimmen (BGE 112 II 312 ff. E. 3b). Eine zu gross-
zügige Anwendung würde zu komplizierten, unübersichtlichen und aufwendigen Kos-
tenverteilungen führen, die weder im Interesse der Stockwerkeigentümer noch im Inte-
resse der Verwaltung liegen (Riesen, Verteilung der Liftkosten unter den Stockwerkei-
gentümern, in: Aktuelles Stockwerkeigentum, Zürich 1984, S. 107) und die Gefahr
dauernder Auseinandersetzungen unter den Stockwerkeigentümern schaffen (Fried-
rich, SJK Blatt 1303 S. 6).
Eine Verminderung oder eine Befreiung von der Kostenbeteiligung ist lediglich dann zu
bejahen, wenn eine bestimmte Anlage oder Einrichtung einem einzelnen Stockwerkei-
gentümer unabhängig von seinen subjektiven Bedürfnissen tatsächlich nur einen ge-
ringen oder keinen Nutzen bringt (Rey/Maetzke, Schweizerisches Stockwerkeigentum,
3. A., Zürich/Basel/Genf 2009, N. 573 ff. mit Beispielen aus der Praxis). Die Anwen-
dung von Art. 712h Abs. 3 ZGB verlangt nämlich primär eine objektive Betrachtungs-
weise (Rey, ZBJV 1988 123). Mithin drängt sich eine Sonderlösung nicht schon beim
kleinsten Unterschied in der Beanspruchung gemeinschaftlicher Teile, Anlagen oder
- 20 -
Einrichtungen auf bzw. infolge einer rein subjektiv begründeten Nichtbenutzung gewis-
ser gemeinschaftlicher Räume, Anlagen oder Einrichtungen auf (z.B. Nichtbenutzung
des Liftes, weil ein Stockwerkeigentümer aus gesundheitlichen Gründen ausschliess-
lich die Treppe benutzt; BGE 112 II 312; Rey, ZBJV 1988 123), sondern erst dann,
wenn diese erheblich vom Anteilsverhältnis abweicht.
Bei der konkreten Anwendung von Art. 712h Abs. 3 ZGB ist demzufolge in erster Linie
von einer objektiven Betrachtungsweise auszugehen. Ein Stockwerkeigentümer kann
sich grundsätzlich nicht dadurch von den Betriebs- und Unterhaltskosten einer ihm
objektiv nützlichen gemeinsamen Anlage befreien, dass er sie aus subjektiven Grün-
den nicht benützt. Dies gilt z.B. für den Eigentümer eines oberen Stockwerkes, der sich
der Beteiligung an den Kosten des Aufzugs unter Hinweis darauf entziehen möchte,
dass er aus gesundheitlichen Gründen immer die Treppe benütze. Nicht der effektive
Gebrauch, sondern die "potentielle Benutzungsmöglichkeit" ist massgebend (Müller,
Der Verwalter von Liegenschaften mit Stockwerkeigentum, Diss. Zürich 1965, S. 124).
Dabei kann es allerdings weniger auf die bloss denkbare Benutzungsmöglichkeit an-
kommen als auf den Nutzen, den die Anlage objektiverweise tatsächlich mit sich bringt.
Der Leerstand einer Stockwerkeinheit wird in der Regel für die Verteilung der gemein-
schaftlichen Kosten und Lasten nicht berücksichtigt (Wermelinger, Stockwerkeigentum,
N. 77 zu Art. 712h ZGB).
Vorliegend bestand die potentielle Benutzungsmöglichkeit der Heizung. Es wäre den
betreffenden Berufungsklägerinnen jederzeit möglich gewesen, die Radiatoren zu mon-
tieren und die 5 1⁄2-Zimmerwohnung zu beheizen. In Bezug auf den Duschraum der
4 1⁄2-Zimmerwohnung käme eine Reduktion der von den betreffenden Berufungskläge-
rinnen zu tragenden Heizkosten ohnehin nicht in Frage, da dieser Raum auch bei ab-
montiertem Radiator durch die übrigen sich in der Wohnung befindlichen Radiatoren
indirekt beheizt wurde.
6.
6.1 Ein weiterer Streitpunkt bildet der Erneuerungsfonds, und zwar sowohl in Bezug
auf die Beiträge (Äufnung) als auch in Bezug auf die Verwendung.
Der Erneuerungsfonds ist ein zweckgebundenes Sondervermögen der Stockwerkei-
gentümergemeinschaft, welches die Finanzierung künftiger grösserer Unterhalts- und
Erneuerungsarbeiten erleichtern soll (Wermelinger, Der Erneuerungsfonds: Fallstricke
bei Einrichtung, Äufnung und Verwendung, in: Luzerner Tag des Stockwerkeigentums
2013, S. 150 [nachfolgend: Wermelinger, Erneuerungsfonds]).
- 21 -
Art. 14 des Stockwerkeigentümerreglements bestimmt für den Erneuerungsfonds Fol-
gendes:
„Zur Verteilung der Kosten grösserer Unterhaltsarbeiten grösserer Unterhaltsarbeiten auf mehrere Jah-
re wird ein Erneuerungsfonds geschaffen, über dessen Verwendung die Eigentümerversammlung be-
schliesst.
In den Fonds ist jährlich eine Einlage, deren Höhe durch die Eigentümerversammlung jeweils be-
schlossen wird, zu machen.
Die Kostenaufteilung der jährlichen Einlage auf die verschiedenen Stockwerkeigentümer geschieht
nach Massgabe des Art. 11 des Reglements.
Der Fonds wird auf den Namen der Stockwerkeigentümergemeinschaft angelegt. Zeichnungsberech-
tigt ist der Verwalter kollektiv mit einem Mitglied der Verwaltungsdelegation.“
6.2 Das Bezirksgericht hielt fest, die über den Erneuerungsfonds getätigten Buchun-
gen seien von der Stockwerkeigentümerversammlung mit der Rechnung genehmigt
worden. Dem Reglement könne nicht entnommen werden, dass jede Zahlung über den
Erneuerungsfonds im Voraus von der Versammlung der Stockwerkeigentümer in ei-
nem besonderen Beschluss zu genehmigen sei, ein solches Erfordernis sei nicht prak-
tikabel. Dies werde durch Art. 14 Abs. 5 (recte: Art. 15 Abs. 4) des Reglements zum
Ausdruck gebracht, wonach der Verwalter zusammen mit einem Mitglied der Verwal-
tungsdelegation über den Fonds zeichnungsberechtigt sei. Zutreffend sei allerdings,
dass die Details der über den Erneuerungsfonds getätigten Buchungen der Jahres-
rechnung nicht entnommen werden könnten. Die Kläger seien darüber erst am Ende
des Instruktionsverfahrens im Januar 2014 detailliert informiert worden. Der Umstand,
dass aufgrund der Jahresrechnung nicht erkennbar sei, welche Beträge über den Re-
servefonds verbucht worden seien, stelle eine Verletzung der Buchführungsgrundsätze
gemäss Art. 957 Abs. 2 OR dar. Das Bezirksgericht wies deshalb den Verwalter an, im
Jahresabschluss die gesamten Belastungen des Reservefonds sowie die Details der
grösseren Auslagen aufzuführen und die entsprechend ergänzte Rechnung der Ver-
sammlung erneut zur formellen Genehmigung zu unterbreiten.
6.3 Als zweckgebundenes Sondervermögen darf der Erneuerungsfonds nur für den
ihm zugewiesenen Zweck verwendet werden: Er dient der Finanzierung von baulichen
Massnahmen (Erneuerung, Unterhalt oder Reparatur) an gemeinschaftlichen Teilen.
Der Erneuerungsfonds steht weder für die Bedürfnisse der einzelnen Stockwerkeinhei-
ten noch für die Bedürfnisse eines anderen Grundstücks zur Verfügung. Ebenso wenig
darf der Erneuerungsfonds für Kosten der laufenden Verwaltung oder des laufenden
Unterhaltes gebraucht werden. Er darf, unter Vorbehalt einer anders lautenden Rege-
- 22 -
lung, ausschliesslich für die Finanzierung von notwendigen oder nützlichen baulichen
Massnahmen verwendet werden, die sämtlichen Stockwerkeigentümern zugute kom-
men (keine Massnahmen, welche in den Anwendungsbereich von Art. 647d Abs. 3
ZGB oder Art. 647e Abs. 2 ZGB fallen und auch keine Massnahmen an gemeinschaft-
lichen Teilen, welche dem Anwendungsbereich von Art. 712h Abs. 3 ZGB unterstehen;
Wermelinger, Erneuerungsfonds, a.a.O., S. 163 m.w.H.).
Vorliegend strittig ist, ob es bezüglich der Äufnung und Verwendung des Erneuerungs-
fonds vorgängiger Beschlüsse durch die Stockwerkeigentümerversammlung bedarf
oder ob die Genehmigung der Jahresrechnung genügt. Dabei ist das Reglement aus-
zulegen. Reglemente sind wie Beschlüsse einer Stockwerkeigentümerversammlung
nach dem Vertrauensprinzip auszulegen (vgl. Bundesgerichtsurteile 5A_865/2011 vom
24. Mai 2012 E. 3.2; 5C.246/2005 vom 6. Februar 2006 E. 3.4 und 5C.254/2006 vom
8. November 2007 E. 3.1). Es ist demnach zu ermitteln, wie die hier infrage stehende
Reglementsbestimmung (Art. 14) nach den gesamten Umständen in guten Treuen ver-
standen werden durfte und musste (BGE 130 III 417 E. 3.2 mit Hinweisen). Dabei ist
bezüglich vorformulierter Satzungsbestimmungen einer Stockwerkeigentümergemein-
schaft, die häufig nicht von den ihrer Anwendung Unterworfenen verfasst worden sind,
stets diejenige Auslegung vorzuziehen, die den Text des Reglements gesamthaft er-
fasst und nicht Teile davon überflüssig werden lässt (vgl. BGE 133 III 406 E. 3.3). Im
Rahmen der Auslegung zu berücksichtigen ist sodann dass nicht anzunehmen ist, die
Stockwerkeigentümer hätten eine unangemessene Lösung gewollt (vgl. BGE 126 III
119 E. 2c; 117 II 609 E. 6c; siehe zum Ganzen: Bundesgerichtsurteil 5A_222/2007
vom 4. Februar 2008 E. 3.3, nicht publiziert in BGE 134 III 237). Von Bedeutung für die
Auslegung ist schliesslich allfälliges dispositives Gesetzesrecht. Da das dispositive
Recht in der Regel die Interessen der Parteien ausgewogen wahrt, hat die Partei, die
davon abweichen will, dies mit hinreichender Deutlichkeit zum Ausdruck zu bringen
(BGE 115 II 264 E. 5a; 117 II 609 E. 6c; 119 II 368 E. 4b; 126 III 388 E. 9d). Diese für
die Auslegung Allgemeiner Vertragsbedingungen (AVB) geschaffene Regel gilt auch
für vorformulierte Reglementsbestimmungen einer Stockwerkeigentümergemeinschaft,
die - wie erwähnt - häufig nicht von den ihrer Anwendung Unterworfenen verfasst wor-
den sind (Bundesgerichtsurteil 5A_222/2007 vom 4. Februar 2008 E. 3.3, nicht publi-
ziert in BGE 134 III 237, mit ausdrücklichem Hinweis auf BGE 117 II 609 E. 6c). Die
Anforderungen an die "hinreichende Deutlichkeit" einer Abweichung vom dispositiven
Gesetzesrecht sind im Fall des Reglements für die Stockwerkeigentümergemeinschaft
umso mehr und strenger zu beachten, als die vereinbarte Nutzungs- und Verwaltungs-
ordnung kraft Gesetzes für jeden Erwerber einer Stockwerkeinheit unabhängig davon
- 23 -
verbindlich ist (Art. 649a ZGB), ob der Erwerber die Existenz und den Inhalt des Reg-
lements kennt (vgl. BGE 110 Ia 106 E. 4b; Bundesgerichtsurteile 5C.177/2006 vom
19. Dezember 2006 E. 4.1 und 5A_865/2011 vom 24. Mai 2012 E. 3.2).
6.4 In Bezug auf die Äufnung des Fonds hält das Reglement fest, dass jährlich eine
Einlage, deren Höhe durch die Eigentümerversammlung jeweils beschlossen wird, zu
machen ist. Aus der Formulierung „jeweils“ ergibt sich, dass jedes Jahr über die Höhe
der Einlage zu beschliessen ist. Für die Stockwerkeigentümerversammlung vom
30. September 2011 war die Bestimmung der Höhe der Einlage in den Erneuerungs-
fonds nicht traktandiert. Ebenso wenig ergibt sich aus dem Versammlungsprotokoll,
dass darüber beschlossen worden wäre. Die Berufungsbeklagte hat mit der Beru-
fungsantwort ein Protokoll hinterlegt, wonach die Stockwerkeigentümergemeinschaft
anlässlich der Versammlung vom 17. Juni 2009 beschlossen hat, die Beiträge von ins-
gesamt Fr. 10‘000.-- auf Fr. 20‘000.-- zu erhöhen (Beilage 9 zur Berufungsantwort).
Dass es sich dabei um ein unzulässiges Novum handelt, wurde bereits gesagt. Aber
selbst wenn das Protokoll berücksichtigt würde und es der bisherigen Praxis der
Stockwerkeigentümergemeinschaft entsprach, nicht jährlich über die Höhe der Einlage
zu befinden, ändert dies nichts daran, dass ein solcher eigenständiger Beschluss ge-
mäss Reglement erforderlich ist. Es genügt nicht, dass die Höhe des für den Erneue-
rungsfonds vorgesehenen Betrages im Budget erwähnt wird. Bloch hält bezüglich
dieses Beschlusses fest: «La détermination du montant de la participation est, à notre
avis, comme la création du fonds un acte d’administration courante qui nécessite une
décision de l’assemblée (art. 712m al. 1 ch. 5 CC par analogie). En effet, cette décision
n’a pas un caractère inhabituel, car elle est prise périodiquement (une fois par année)
au même titre que l’approbation du budget» (Bloch, Le fonds de rénovation dans la
propriété par étages, Diss. Lausanne 1988, S. 49). Die Berufung ist somit diesbezüg-
lich gutzuheissen und die Stockwerkeigentümerversammlung hat über die Höhe der
Einzahlung in den Erneuerungsfonds Beschluss zu fassen.
6.5 Auch über die Mittelverwendung aus dem Erneuerungsfonds bedarf es gemäss
dem Wortlaut des Reglements eines formellen Beschlusses der Stockwerkeigentü-
merversammlung. Der vom Bezirksgericht genannte Art. 15 Abs. 4 des Reglements,
wonach der Verwalter zusammen mit einem Mitglied der Verwaltungsdelegation über
den Fonds zeichnungsberechtigt ist, spricht nicht gegen ein Beschlusserfordernis. Dies
betrifft vielmehr das Aussenverhältnis, indem der Verwalter nur kollektiv zu zweien
über die finanziellen Mittel des Reservefonds verfügen kann. In casu liegt kein formel-
ler Beschluss über die Mittelverwendung aus dem Erneuerungsfonds vor. Ein solcher
- 24 -
kann auch nicht in der Genehmigung der Jahresrechnung erblickt werden, zumal je
nach Verwendungszweck unterschiedliche Quoren gelten könnten. So spricht sich
Wermelinger dafür aus, dass der Verwendungsbeschluss einstimmig zu fassen ist,
wenn der Erneuerungsfonds entgegen seiner Zweckbestimmung eingesetzt wird. Wer-
de der Verwendungszweck des Erneuerungsfonds im Reglement klar umschrieben und
treffe ein entsprechender Anwendungsfall ein, dann könne die Mittelverwendung aus
dem Erneuerungsfonds auch mit dem einfachen Mehr nach Köpfen beschlossen wer-
den, sofern das Reglement nicht ein anderes Mehr verlange (Wermelinger, Erneue-
rungsfonds, S. 163 ff.; ders. Zürcher Kommentar, N. 104 zu Art. 712l ZGB m.w.H). Die
Berufung ist somit auch diesbezüglich gutzuheissen und die Stockwerkeigentümerver-
sammlung hat auch über die Verwendung des Erneuerungsfonds Beschluss zu fassen.
7.
7.1 Das Gericht entscheidet in der Regel im Endentscheid über die Prozesskosten, die
einerseits die Gerichtskosten, welche mit den von den Parteien geleisteten Kostenvor-
schüssen verrechnet werden (Art. 98 und Art. 111 ZPO), und anderseits die Parteient-
schädigung umfassen (Art. 104 Abs. 1, Art. 105 Abs. 1 und 95 ZPO). Die Höhe der
Prozesskosten richtet sich nach kantonalem Recht (Art. 96 ZPO und 105 Abs. 2 Satz 1
ZPO); für den Kanton Wallis nach dem Gesetz betreffend den Tarif der Kosten und
Entschädigung vor Gerichts- oder Verwaltungsbehörden (GTar) vom 11. Februar 2009.
Die Verteilung der Prozesskosten richtet sich grundsätzlich nach dem Ausgang des
Verfahrens, indem die Prozesskosten im Allgemeinen der unterliegenden Partei aufer-
legt werden (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Hat jedoch keine Partei vollständig obsiegt, so wer-
den die Prozesskosten nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2
ZPO). Während die Gerichtskosten von Amtes wegen festgesetzt und verteilt werden
(Art. 105 Abs. 1 ZPO), wird eine Parteientschädigung einer Partei nur auf Antrag hin
zugesprochen; sie kann hierfür eine Kostenliste einreichen (Art. 105 Abs. 2 Satz 2
ZPO).
Für die Aufteilung der Kosten ist zu berücksichtigen, dass die Berufungskläger in Be-
zug auf die Frage der Einhaltung der Einberufungsfrist und die Heizkosten unterliegen,
indessen in Bezug auf die Warmwasserkostenabrechung der Familien I_ und
V_ sowie den Erneuerungsfonds obsiegen. Bei diesem Verfahrensausgang
rechtfertigt es sich, die Gerichtskosten erster Instanz zu 2/5 den Berufungsklägern und
zu 3/5 der Berufungsbeklagten aufzuerlegen. Die Gerichtskosten des Berufungsverfah-
rens gehen zu 1/5 zu Lasten der Berufungskläger und zu 4/5 zu Lasten der Berufungs-
beklagten. Dieselbe Aufteilung gilt für die Parteientschädigung.
- 25 -
7.2 Die Gerichtskosten setzen sich zusammen aus Pauschalen, insbesondere für den
Entscheid (Entscheidgebühr), sowie aus bestimmten beim Gericht angefallenen Kosten
(Art. 95 Abs. 2 ZPO; ‚Auslagen‘ nach der Terminologie von Art. 7 ff. GTar). Die Ge-
richtsgebühr wird aufgrund des Streitwerts, des Umfangs und der Schwierigkeit des
Falls, der Art der Prozessführung der Parteien sowie ihrer finanziellen Situation festge-
setzt (Art. 13 Abs. 1 GTar). Sie bewegt sich zwischen einem Minimum und einem Ma-
ximum und wird unter Berücksichtigung des Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzips
festgesetzt (Art. 13 Abs. 2 GTar); besondere Umstände können eine Verdoppelung der
Ansätze oder eine verhältnismässige Kürzung der Gebühr rechtfertigen, Letzteres na-
mentlich, wenn bloss eine Teilfrage entschieden wird (Art. 13 Abs. 3 und Art. 14 Abs. 1
GTar). Die Gerichtsgebühr bewegt sich bei einem Streitwert von Fr. 24‘860.95 zwi-
schen Fr. 1‘800.-- und Fr. 6‘000.-- (Art. 16 Abs. 1 GTar; Fassung laut Dekret über die
Anwendung der Bestimmungen über die Ausgaben- und Schuldenbremse im Rahmen
des Budgets 2015 vom 16. Dezember 2014). Für das Berufungsverfahren gelten die
gleichen Ansätze; dabei kann ein Reduktions-Koeffizient von 60% berücksichtigt wer-
den (Art. 19 GTar).
7.2.1 Die Vorinstanz hat die erstinstanzlichen Gerichtskosten auf Fr. 5‘000.-- festge-
setzt. Die Höhe der Gerichtskosten und Parteientschädigung wurden im Berufungsver-
fahren nicht beanstandet. Da diese im Rahmen des GTar festgelegt wurde, bleibt es
auch bei der Festlegung durch die Vorinstanz. Indessen müssen diese Kosten auf-
grund des Ausgangs des Verfahrens neu verteilt werden und zwar zu 3/5, ausmachend
Fr. 3‘000.--, zu Lasten der Beklagten Stockwerkeigentümergemeinschaft und zu 2/5,
ausmachend Fr. 2‘000.-- zu Lasten der Kläger, welche zwar gegenüber der Stockwer-
keigentümergemeinschaft mehrheitlich durchdringen, nicht hingegen gegenüber den
ursprünglich ebenfalls eingeklagten Verwalter und Revisorin. Die Verfahrenskosten
werden mit dem von den Klägern geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 8‘000.-- ver-
rechnet. Der Überschuss von Fr. 3‘000.-- wird den Klägern zurück erstattet, soweit dies
nicht bereits geschehen ist. Die Beklagte bezahlt den Klägern Fr. 3‘000.-- für geleiste-
ten Kostenvorschuss.
7.2.2 Im Berufungsverfahren wurde ein einfacher Schriftenwechsel ohne mündliche
Verhandlung durchgeführt. Die Berufungskläger und die Berufungsbeklagte legten ih-
ren Standpunkt und ihre Einwände umfassend dar. Das Dossier hatte einen gewissen
Umfang und das Kantonsgericht musste mehrmals über Sistierungsanträge befinden.
Deshalb ist unter Berücksichtigung der vorstehend angeführten Kriterien eine Ge-
richtsgebühr von Fr. 2‘000.-- angemessen. Davon haben die Berufungskläger aufgrund
- 26 -
des Verfahrensausgangs und der Prozessentscheide 1/5, ausmachend Fr. 400.--, und
die Berufungsbeklagte 4/5, ausmachend Fr. 1‘600.--, zu bezahlen. Die Gerichtsgebühr
wird mit dem geleisteten Kostenvorschuss der Berufungskläger in der Höhe von
Fr. 2‘000.-- verrechnet. Die Berufungsbeklagte hat den Berufungsklägern somit
Fr. 1‘600.-- für den geleisteten Kostenvorschuss zu bezahlen.
7.3 Die Parteientschädigung umfasst den Ersatz notwendiger Auslagen, die Kosten
der berufsmässigen Vertretung und, wenn eine Partei nicht berufsmässig vertreten ist,
in begründeten Fällen eine angemessene Umtriebsentschädigung (Art. 95 Abs. 3 lit. a,
b und c ZPO).
Das Honorar des Rechtsbeistands richtet sich in der Regel nach dem Streitwert (Art.
27 Abs. 2 und 28 Abs. 1 GTar). Bei einem Streitwert von Fr. 24‘860.-- beträgt der or-
dentliche Rahmen, Mehrwertsteuer inklusive (Art. 27 Abs. 5 GTar), Fr. 3‘600.-- bis
Fr. 5‘400.-- (Art. 32 Abs. 1 GTar). Für das Berufungsverfahren vor Kantonsgericht mit
einem Reduktions-Koeffizient von 60% bewegt sich das Honorar im Prinzip zwischen
minimal Fr. 1‘440.-- und maximal Fr. 2‘160.-- (Art. 35 Abs. 1 lit. a GTar). Bei ausseror-
dentlicher Arbeit darf ein höheres Honorar zugesprochen werden (Art. 29 Abs. 1 GTar).
Besteht ein offensichtliches Missverhältnis zwischen Streitwert und Prozessinteresse
oder zwischen der Entschädigung gemäss Tarif und der effektiven Arbeit des Rechts-
beistands, darf das erwähnte Minimum des Honorars unterschritten werden (Art. 29
Abs. 2 GTar; vgl. auch Art. 29 Abs. 3 GTar). Innerhalb des vorgegebenen Rahmens
bemisst das Gericht das Honorar mit Rücksicht auf die Natur und Bedeutung des Fal-
les, dessen Schwierigkeit und Umfang sowie der vom Rechtsbeistand nützlich aufge-
wandten Zeit und der finanziellen Situation der Partei (Art. 27 Abs. 1 GTar).
7.3.1 Erstinstanzlich wurden Parteientschädigungen von insgesamt Fr. 3‘000.-- zuge-
sprochen, was in Bezug auf die Höhe von keiner Partei beanstandet wurde. Aus-
gangsgemäss bezahlt die beklagte Stockwerkeigentümergemeinschaft den Berufungs-
klägern für das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 1800.-- (3/5 von
Fr. 3‘000.--), die Berufungskläger bezahlen der Stockwerkeigentümergemeinschaft
unter solidarischer Haftbarkeit eine solche von Fr. 1‘200.-- (2/5 von Fr. 3‘000.--).
7.3.2 Im Berufungsverfahren war auch die Stockwerkeigentümergemeinschaft nicht
mehr anwaltlich vertreten. Es wurde ein einfacher Schriftenwechsel durchgeführt. Eine
mündliche Berufungsverhandlung fand nicht statt. Indessen haben die Parteien - auch
wenn nicht anwaltlich vertreten - einen gewissen Aufwand betrieben, einerseits durch
den Verwalter, andrerseits durch Y_. Es rechtfertigt sich, für das Berufungs-
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verfahren eine Partei- bzw. Unkostenentschädigung von Fr. 500.-- festzusetzen. Aus-
gangsgemäss bezahlt die beklagte Stockwerkeigentümergemeinschaft den Berufungs-
klägern für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 400.-- (4/5 von
Fr. 500.--), die Berufungskläger bezahlen der Stockwerkeigentümergemeinschaft unter
solidarischer Haftbarkeit eine solche von Fr. 100.-- (1/5 von Fr. 500.--).