Decision ID: 32756112-f36c-4649-bc15-3830b8249d40
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die 4'245 m grosse Parzelle Nr. xxx, Grundbuchkreis St. Gallen, befindet sich
zwischen Hauptbahnhof und Altstadt im Geviert Webersbleiche, das zwischen der
Brunneggstrasse/Hintere Schützengasse/Adlergasse/Waisenhausstrasse liegt. Nach
dem Zonenplan der Stadt St. Gallen vom 1. November 1980 ist sie der Kernzone,
Bauklasse 3, zugeteilt und gemäss Gestaltungsplan Webersbleiche mit besonderen
Vorschriften (abgekürzt besV) und Beilageplänen vom 29. September 2000 mit einem
Geschäfts- und Wohngebäude überbaut, das über vier Ober- und vier Untergeschosse
verfügt. Eigentümerin des Grundstücks ist die I. AG. Das knapp 110 m grosse
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Grundstück Nr. yyy, das sich ebenfalls im Plangebiet Webersbleiche befindet, gehört
der M. Zu Gunsten dieser Parzelle ist im vierten Untergeschoss ein unterirdisches
Überbaurecht für die Erstellung einer Tiefgarage begründet, das in 101
Miteigentumsanteile mit einer Quote von je 1/101 aufgeteilt ist. Jedem
Miteigentumsanteil ist auf Grund der Nutzungs- und Verwaltungsordnung die
Sondernutzung an einem der insgesamt 101 nummerierten Parkplätze zugewiesen.
Im Zusammenhang mit der Vermietung eines Grossteils der Geschäftsfläche an die
Manor-Gruppe wurde der Gestaltungsplan am 17. Mai 2005 geändert. Unter anderem
legt Art. 4 besV neu fest, dass statt der ursprünglich 270 erlaubten Parkplätze nur noch
maximal 240 erstellt werden dürfen.
Mit Beschluss vom 27. Juni 2005 bewilligte die Baupolizeikommission der Stadt
St. Gallen (heute: Baubewilligungskommission) das entsprechende Baugesuch. Im
Verlauf des Baus sollten die Verkaufsfläche zu Lasten eines Restaurationsbetriebs
vergrössert und zusätzliche Verwaltungs- und Lagerräume ermöglicht werden, weshalb
am 2. Mai 2007 unter anderem die besV ein weiteres Mal angepasst wurden.
Anlässlich der Schlussabnahme vom 16. Oktober 2007 zählte die Baubehörde
insgesamt 240 Parkplätze bzw. 80 im vierten Untergeschoss. Mitte Februar 2008
wurden dort ohne Bewilligung eine Leichtbauwand entfernt und anstelle des
nachträglich am 26. März 2007 bewilligten "Lagers Ost" weitere Parkplätze
eingezeichnet. Eine Nachzählung am 11. März 2008 ergab, dass die Webersbleiche-
Parkgarage dadurch insgesamt zwanzig Parkplätze mehr aufweist als bewilligt. Die zur
Stellungnahme aufgeforderte Baugesuchstellerin H. AG, stellte am 30. Juni 2008 beim
Stadtrat unter anderem den Antrag, Art. 4 besV des Gestaltungsplans erneut zu ändern
und die maximal zulässige Parkplatzanzahl auf 260 zu erhöhen. Der Stadtrat trat mit
Beschluss vom 28. Oktober 2008 auf das Gesuch nicht ein, weil zum Einen die
Zehnjahresfrist des Überprüfungsanspruchs noch nicht abgelaufen und zum Anderen
das Gesuch nicht von den aktuellen Grundeigentümern gestellt worden sei. Zudem
stellte er fest, dass das Gesuch auch aus materiellen Gründen hätte abgewiesen
werden müssen. Die zuständige Baubewilligungskommission verfügte am
14. November 2008 die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands sowie als
vorsorgliche Massnahme, dass innert zehn Tagen seit der Zustellung dieser Verfügung
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zwanzig Parkplätze abgesperrt werden müssten. Wegen der illegalen Schaffung von
zusätzlichen Parkplätzen wurden am 18. März 2009 zwei leitende Mitarbeiter der H. zu
Bussen von Fr. 15'000.-- bzw. Fr. 10'000.-- rechtskräftig verurteilt.
B./ Gegen den Nichteintretensentscheid betreffend Plananpassung erhob die H. am
12. November 2008 durch ihren Rechtsvertreter beim Baudepartement des Kantons
St. Gallen Rekurs. Anfangs Dezember 2008 stimmten die I. AG und zahlreiche
Miteigentümer dem Begehren der H. um Änderung des Gestaltungsplans schriftlich zu
und bevollmächtigten diese, das Begehren auch in ihrem Namen zu stellen. Die
Rekursergänzung vom 15. Dezember 2008 erfolgte dann auch im Namen der I. AG und
der M. Die Rekursinstanz taxierte die nachträgliche Beteiligung der Grundeigentümer
am Rekursverfahren als Antrag auf Beiladung und gab diesem statt. Am 12. Juni 2009
entschied das Baudepartement, dass weder im Zeitpunkt der Einreichung noch der
Überprüfung des Gesuchs um Änderung des Gestaltungsplans die gesetzlichen
Voraussetzungen für den Anspruch auf Überprüfung erfüllt gewesen seien, weshalb die
Vorinstanz auf das Änderungsgesuch zu Recht nicht eingetreten und der Rekurs somit
abzuweisen sei.
Ebenfalls angefochten wurden der angeordnete Rückbau und die einstweilige Sperrung
der zwanzig Parkplätze. Das Rekursverfahren betreffend Wiederherstellung des
bewilligten Zustands hat das Baudepartement bis zum Abschluss des vorliegenden
Rechtsmittelverfahrens betreffend Plananpassung sistiert. Die angeordnete
vorsorgliche Massnahme bestätigte die Rekursinstanz am 17. März 2009, der
Verwaltungsgerichtspräsident des Kantons St. Gallen hob das vorläufige Verbot mit
Entscheid vom 19. August 2009 jedoch mit der Begründung wieder auf, dass das
private Interesse der gutgläubigen Eigentümer an der Nutzung ihrer Parkplätze das
öffentliche Interesse an einer sofortigen Sperrung der zwanzig illegalen Parkplätze
überwiege.
C./ Gegen den Rekursentscheid betreffend Änderung des Gestaltungsplans
Webersbleiche vom 12. Juni 2009 erhoben die H., die I. AG und die M. beim
Verwaltungsgericht am 26. Juni 2009 Beschwerde mit dem Antrag, den angefochtenen
Entscheid kostenpflichtig aufzuheben und die Streitsache zur materiellen Beurteilung
an den Stadtrat bzw. das Baudepartement zurückzuweisen. Zwischenzeitlich hätten
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sich die Verhältnisse erheblich geändert, weshalb sie einen Anspruch darauf hätten,
dass auf ihr Änderungsgesuch eingetreten werde. Das Gericht kam am 24. August
2010 zum Schluss, dass dem Grundeigentümer unabhängig von der zehnjährigen
Sperrfrist nach Art. 33 Abs. 1 des Baugesetzes (sGS 731.1, abgekürzt BauG) ein
Anspruch zukomme, dass ein ihn belastender Planerlass überprüft werde, wenn sich
die Verhältnisse derart geändert haben, dass das öffentliche Interesse an der geltend
gemachten Eigentumsbeschränkung dahingefallen sein könnte. Die Verwaltung habe
somit zu überprüfen, ob sich die massgeblichen Verhältnisse seit der letzten
Gestaltungsplanänderung vom 17. Mai 2005 erheblich geändert hätten und der
Stadtrat deshalb auf das Änderungsgesuch hätte eintreten müssen.
D./ Das Baudepartement nahm in der Folge das Rekursverfahren nochmals an die
Hand und kam dabei am 8. März 2011 zum Schluss, dass die der massgebenden
Planfestsetzung zu Grunde liegenden Umstände nicht dahingefallen und dass seither
auch keine bedeutenden neuen Bedürfnisse entstanden seien. Demgegenüber
bestünde ein nachvollziehbares, von den Fachstellen des Kantons bestätigtes und
unverändertes öffentliches Interesse an der Beibehaltung der verfügten
Parkplatzbeschränkung.
E./ Gegen die erneute Rekursabweisung erhoben die I. AG und die M. am 21. März
2011 wiederum Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, der
Rekursentscheid und der zugrunde liegende Stadtratsbeschluss vom 28. Oktober 2008
seien kostenpflichtig aufzuheben und die Angelegenheit zur materiellen Beurteilung an
den Stadtrat, eventuell an das Baudepartement zurückzuweisen. Mit
Beschwerdeergänzung vom 4. April 2011 machen sie geltend, die Verhältnisse hätten
sich insofern geändert, als sich der Bedarf an Quartierparkplätzen nachträglich als
grösser erwiesen habe, als bei der Änderung des Gestaltungsplans im Jahr 2005 habe
angenommen werden müssen. Die H. sei fälschlicherweise davon ausgegangen, dass
bloss 80 Prozent der Berechtigten ihre Kaufoption ausüben würden. Dazu komme,
dass sich die prognostizierten Fahrtenzahlen nicht bewahrheitet hätten. Der DTV von
rund 1,3 Fahrten pro fest zugeteiltem Quartierparkplatz entspreche nur gut 30 Prozent
des angenommenen Verkehrsaufkommens, das der Festlegung der Höchstzahl der
Parkplätze und der Fahrten im revidierten Gestaltungsplan zugrunde liege. Aber auch
die Annahme des Verkehrs aus den restlichen 159 Parkplätzen (acht Fahrten pro
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Parkplatz) habe sich als falsch erwiesen. Zwanzig weitere Quartierparkplätze in der
Tiefgarage Webersbleiche hätten auf das umliegende Verkehrssystem keinerlei
Einfluss. Mit einem zusätzlichen DTV von 25 seien sie nicht spürbar.
F./ Das Baudepartement beantragt mit Vernehmlassung vom 26. April 2011, die
Beschwerde abzuweisen. Es bestreitet die geltend gemachte "Dominanz privater
Interessen", die es nach Auffassung der Beschwerdeführerinnen im vorliegenden
Zusammenhang zu beachten gelte. Auch stelle die Tatsache allein, dass die
prognostizierten Verkehrszahlen bis jetzt noch nicht erreicht worden seien, keinen
Planungsfehler dar. Davon abgesehen, dass die bewilligte Anzahl Parkplätze wenn
schon tiefer hätte angesetzt werden müssen, wenn die Zahlen der ersten
Verkehrszählung von Anfang an bekannt gewesen wären, verstehe es sich von selbst,
dass kein Anspruch darauf bestehe, die damals geschätzten Verkehrszahlen voll
ausschöpfen zu dürfen.
G./ Die Politische Gemeinde St. Gallen ihrerseits beantragt mit Vernehmlassung vom
12. Mai 2011 die Abweisung der Beschwerde. Streitgegenstand sei nicht, wer für die
im Jahr 2005 falsch eingeschätzte Nachfrage nach Quartierparkplätzen verantwortlich
sei, sondern ob sich die Verhältnisse seither grundlegend geändert hätten. Falsch sei
die Behauptung, dass die Verkehrszahlen in den letzten Jahren konstant geblieben und
eine weitere Steigerung nicht mehr zu erwarten seien. Vielmehr müsse damit gerechnet
werden, dass die damals geplante und zwischenzeitlich beschlossene Aufhebung der
oberirdischen Parkplätze an der benachbarten Poststrasse in der Tiefgarage
Webersbleiche zusätzlichen Verkehr generieren werde. Bereits im Jahr 2010 seien die
in der Baubewilligung festgelegten zulässigen Werte während der Werktags-
Spitzenstunde bei den Zu- und Wegfahrten während sieben Stunden (2,7 Prozent aller
Messungen) respektive acht Stunden (3,1 Prozent aller Messungen) überschritten
worden. Dabei hätten die Überschreitungen sowohl in Bezug auf die Anzahl als auch
bezüglich der Höhe zugenommen.
H./ Auf die weiteren Vorbringen der Beteiligten wird, soweit wesentlich, in den

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Mit der Beschwerde wird verlangt, dass die H. als Nebenintervenientin am Verfahren
beteiligt werde.
2.1. Anstelle der im Zivilprozess vorgesehenen Haupt- bzw. Nebenintervention ist im
Verwaltungsverfahren das Institut der Beiladung bekannt. Diese hat den Zweck, einen
nicht beteiligten Dritten ebenfalls in das Verfahren einzubeziehen und die Rechtskraft
des Entscheids auf diesen auszudehnen. Voraussetzung dafür ist, dass der Dritte
zumindest indirekt vom Verfahren betroffen ist oder sein könnte. Die Beiladung ist im
Gesetz nicht ausdrücklich geregelt, ist aber selbstverständlich. Als Beigeladene
kommen jedoch nur jene in Frage, die sich zwar faktisch (noch) nicht an einem
Verfahren beteiligt haben, kraft eigener Legitimation aber daran teilnehmen könnten
und deren Einbezug aus prozessökonomischen Gründen sinnvoll erscheint (Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 350 f.).
2.2. Die Vorinstanz hat die Rechtsmittellegitimation der H. verneint, weshalb sie auf
ihren Rekurs nicht eingetreten ist. Sowohl die H. als auch die Beschwerdeführerinnen
haben den Nichteintretensentscheid ausdrücklich anerkannt. Gleichwohl verlangen sie,
dass sich die H. weiterhin als Nebenintervenientin am Verfahren beteiligen könne.
Nachdem bereits rechtskräftig entschieden wurde, dass die H. in der vorliegenden
Streitsache selber nicht legitimiert ist, kommt sie nach dem Gesagten als Beigeladene
von Vornherein nicht in Frage. Die beantragte Beiladung der H. ist daher abzuweisen.
3. Streitgegenstand ist die Frage, ob sich die massgeblichen Verhältnisse seit der
letzten Änderung des Gestaltungsplans Webersbleiche mit besonderen Vorschriften im
Jahr 2005 derart geändert haben, dass der Stadtrat auf das Gesuch der betroffenen
Grundeigentümerinnen, mit dem diese die erneute Änderung des Gestaltungsplans
Webersbleiche verlangen, hätte eintreten müssen.
3.1. Nutzungspläne werden nach Art. 21 Abs. 2 des Raumplanungsgesetzes (SR 700,
abgekürzt RPG) überprüft und nötigenfalls angepasst, wenn sich die Verhältnisse seit
der letzten Planfestsetzung erheblich geändert haben. Art. 32 Abs. 1 BauG bildet die
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kantonalrechtliche Ausführungsvorschrift dazu. Die Bestimmung richtet sich an die
zuständige kommunale Behörde als Planungsbehörde (E. David, Ortsplanungsrecht II:
Das Verfahren beim Erlass von Baureglement, Plänen und Schutzverordnungen, in: Das
Nachtragsgesetz zum st. gallischen Baugesetz, Veröffentlichungen des
Schweizerischen Instituts für Verwaltungskurse an der Hochschule St. Gallen, Neue
Reihe Bd. 20, St. Gallen 1983, S. 108). Dabei hat der Grundeigentümer - anders als
Dritte - unabhängig von der zehnjährigen Sperrfrist von Art. 33 Abs. 1 BauG einen
Überprüfungs- und allenfalls Änderungsanspruch, wenn der bestehende Plan sein
eigenes Grundstück betrifft oder für dieses Nutzungsbeschränkungen zur Folge hat
(GVP 2010 Nr. 40 S. 99).
3.2. Beim Begriff "erheblich geänderte Verhältnisse" handelt es sich um einen
unbestimmten Rechtsbegriff (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2010, Rz. 427 ff.). Unbestimmte
Rechtsbegriffe sind dadurch gekennzeichnet, dass die Umschreibung des Tatbestands
unbestimmt ist (BGE 122 III 289 E. 3a; Tschannen/Zimmerli, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 2. Aufl., Bern 2005, § 26 N 25). Durch unbestimmte Rechtssätze
überlässt es der Gesetzgeber in gewissem Umfang den rechtsanwendenden Behörden,
den Tatbestand näher zu bestimmen; der Richter oder die rechtsanwendende Behörde
tun dies durch eine Auslegung bzw. Konkretisierung der unbestimmten Norm im
weiteren Sinn (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 724). Die Auslegung wird als Rechtsfrage
angesehen (BGE 119 Ib 40 E. 3b; Tschannen/Zimmerli, a.a.O., § 26 N 28), weshalb das
in der Kognition grundsätzlich auf die Rechtskontrolle beschränkte Verwaltungsgericht
befugt ist, die Konkretisierung bzw. Auslegung durch die Vorinstanz frei zu überprüfen
(vgl. BGE 119 Ib 40 E. 3b; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 446b; Cavelti/ Vögeli,
a.a.O., Rz. 724). Allerdings gilt es zu beachten, dass das Verwaltungsgericht nicht den
ganzen Bereich des Beurteilungsspielraums, der bei einem unbestimmten
Rechtsbegriff gegeben ist, voll überprüfen soll, wenn die Verwaltungsbehörde zur
Beurteilung der konkreten Umstände besser geeignet ist als das Gericht; dies trifft
insbesondere dann zu, wenn die örtlichen Verhältnisse besonders wichtig, die
aufgeworfenen Fragen technischer Natur oder die Verwaltungsbehörden den
tatsächlichen Verhältnissen näherstehen oder damit vertrauter sind (vgl. Häfelin/Müller/
Uhlmann, a.a.O., Rz. 446c; Tschannen/Zimmerli, a.a.O., § 26 N 29).
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3.3. Der Gestaltungsplan ist ein Sondernutzungsplan. Damit kann die politische
Gemeinde zur Erreichung einer Gesamtüberbauung mit städtebaulich vorzüglicher
Gestaltung die Überbauung einer oder mehrerer Parzellen projektmässig bis in
Einzelheiten regeln, wobei im Rahmen der Grundordnung vom Zonen- oder
Überbauungsplan abgewichen werden kann (Art. 28 Abs. 1 BauG, GVP 1997 Nr. 69 S.
149). Das kantonale Recht gewährleistet nach Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG die volle
Überprüfung von Nutzungsplänen durch wenigstens eine Beschwerdebehörde, zu
denen auch die Überbauungspläne nach kantonalem Recht zu zählen sind. Der
Anspruch umfasst neben der Rechts- und Sachverhaltskontrolle auch die
Ermessenskontrolle (BGE 127 II 242; BGE 118 Ib 397). Diese Funktion ist im kantonalen
Recht dem Rekursverfahren vor dem Baudepartement zugedacht (Art. 46 Abs. 1 VRP).
Demgegenüber ist die Kognition des Verwaltungsgerichts bei der Überprüfung der
Nutzungsplanung beschränkt. Dieses ist lediglich zur Rechtskontrolle befugt (Art. 61
Abs. 1 und 2 VRP). Es hat sich darauf zu beschränken, über die Einhaltung des
Ermessensspielraums zu wachen, und schreitet nur ein, wenn die Vorinstanz das ihr
zustehende Ermessen überschritten oder missbraucht hat (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz.
740; GVP 1996 Nr. 9 S. 22; VerwGE B 2009/111 vom 24. August 2010 E. 2. mit
Hinweisen, in: www.gerichte.sg.ch).
3.4. Gestaltungspläne werden - wie alle Nutzungspläne - geändert oder aufgehoben,
wenn es aus wichtigen öffentlichen Interessen geboten ist, insbesondere wenn sich die
Grundlagen ihres Erlasses wesentlich geändert haben oder wenn wesentliche neue
Bedürfnisse nachgewiesen sind (Art. 32 Abs. 1 BauG). Eine erhebliche Änderung liegt
vor, wenn das Gemeinwesen nach der allgemeinen Erfahrung andere Festlegungen
getroffen hätte, sofern die geänderten Verhältnisse zur Zeit der Ausarbeitung der
Nutzungsplanung massgeblich gewesen wären. Dazu gehören zum Beispiel
tatsächliche Umstände wie etwa die Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung.
Planänderungen haben stets planerisch begründet zu sein und müssen einem
öffentlichen Interesse entsprechen. Wie jede Nutzungsplanung setzt deren Änderung
eine umfassende Interessenabwägung voraus. Dabei darf nicht einfach an die
Interessenabwägung der überholten bzw. anpassungsbedürftigen Planung angeknüpft
werden. Vielmehr hat die Planänderung unter Einbezug aller raum- und
umweltrelevanten Gesichtspunkte und unter Berücksichtigung der Planungsgrundsätze
des RPG und der Ziele und Festlegungen des Richtplans zu erfolgen (Waldmann/
http://www.gerichte.sg.ch
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Hänni, Handkommentar zum Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Rz. 24 zu Art. 21 RPG).
Dazu kommt, dass unter dem Gesichtspunkt der Rechtssicherheit umso höhere
Anforderungen zu stellen sind, je neuer der abzuändernde Plan ist. Allein die
gewandelte Einstellung der Bevölkerung zur Überbauung reichen hierfür nicht aus.
Nötig sind gewichtige Gründe tatsächlicher oder rechtlicher Natur. Je neuer ein Plan
ist, umso mehr darf mit seiner Beständigkeit gerechnet werden, und je einschneidender
sich die beabsichtigte Änderung auswirkt, umso gewichtiger müssen die Gründe sein,
die für die Planänderung sprechen (GVP 1999 Nr. 93 S. 220 f. mit Hinweisen). Bei der
Beurteilung, ob wichtige öffentliche Interessen für eine Änderung vorliegen, ist der
zuständigen kommunalen Behörde ein erheblicher Beurteilungsspielraum eingeräumt
(David, a.a.O., S. 109).
4. Mit der erneuten Änderung des Gestaltungsplans Webersbleiche sollen die
widerrechtlich erstellten Tiefgaragenparkplätze nachträglich legalisiert werden. Die
Beschwerdeführerinnen sehen ihren Anspruch auf eine Änderung darin begründet,
dass sich seit der letzten Planänderung zum Einen ihre privaten Bedürfnisse geändert
hätten und zum Andern darin, dass die Verkehrszahlen unter den Prognosen liegen
würden, die beim Planerlass angenommen worden seien.
4.1. Die Beschwerdeführerinnen untermauern ihren Anspruch mit einem
Privatgutachten, das sie bei Prof. Dr. Martin Lendi, Küsnacht, in Auftrag gegeben
haben. Dieser kommt in seinem Bericht vom 8. Mai 2009 zum Schluss, dass bei
Gestaltungsplänen zugunsten von projektmässigen Bauvorhaben in der Regel private
Interessen dominieren würden, so dass öffentliche Interessen nicht ohne qualifizierte
Gründe Vorrang haben dürften. Bei einer späteren Änderung des Gestaltungsplans
müssten deshalb die relevanten privaten Interessen berücksichtigt werden. Dabei käme
der Plangewährleistung angesichts der Tatsache, dass private Interessen der
Projektnähe wegen überwiegen würden, keine bzw. kaum eine rechtsrelevante
Bedeutung zu. Anders sehe es bezüglich der begleitenden öffentlichen Interessen aus.
Hier würden auch die allgemeinen Regeln der Zulässigkeit von Planänderungen resp.
der Plangewährleistungen gelten. Ergänzend zur Beantwortung der von den
Beschwerdeführerinnen gestellten Expertenfragen weist der Beauftragte auf den
eigentlichen Grund für die vorliegend verlangte Planänderung hin, auf die Herstellung
des rechtmässigen Zustands nämlich. Dabei führt er aus, dass die nachträgliche
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Legalisierung der zu viel erstellten Parkplätze entweder planerisch oder mit dem
Rückbau erreicht werden könne. Bestehe in der Sache selbst ein Planungsermessen
oder berührten die Rechtswidrigkeiten keine oder nur untergeordnete öffentliche
Interessen, dann dränge sich seiner Meinung nach auf, die besV des Gestaltungsplans
anzupassen und von der Schliessung der umstrittenen Parkplätze abzusehen.
4.1.1. Nach Art. 28 Abs. 1 BauG kann die politische Gemeinde zur Erreichung einer
Gesamtüberbauung mit städtebaulich vorzüglicher Gestaltung mit schriftlicher
Zustimmung der Grundeigentümer im Plangebiet Gestaltungspläne erlassen, welche
die Überbauung projektmässig bis in Einzelheiten, beispielsweise durch Festlegung des
Grundrisses, regeln. Auch wenn der Gestaltungsplan damit eine einlässliche Regelung
der vorgesehenen Überbauung trifft und damit die Bodennutzung noch eingehender
regelt als beispielsweise der Überbauungsplan mit besonderen Vorschriften nach
Art. 23 lit. b BauG, darf er nicht derart konkret ausfallen, dass für die Erarbeitung eines
Bauprojekts kein oder kein wesentlicher Spielraum mehr bleibt (B. Heer, St. Gallisches
Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 152). Denn anders als die Baubewilligung
nach Art. 87 BauG hat der Gestaltungsplan kein bis ins Detail festgelegtes Bauprojekt
zum Inhalt, sondern erweitert einzig den rechtlichen Rahmen für eine städtebaulich
vorzüglich gestaltete Überbauung. Die Grenze der zulässigen Abweichungen von der
Regelbauweise ergibt sich dabei einerseits aus dem Erfordernis der städtebaulichen
vorzüglichen Gestaltung und dem damit verbundenen öffentlichen Interesse, anderseits
dem Erfordernis der Wahrung berechtigter Nachbarinteressen. Abweichungen sind mit
anderen Worten nur in dem Masse zulässig, als sie zur Erreichung einer
Gesamtüberbauung mit vorzüglicher Gestaltung nötig sind und die Interessen der
Nachbarn nicht erheblich beeinträchtigen. Massgebend ist dabei eine
Gesamtbeurteilung der Auswirkungen einer Überbauung nach Gestaltungsplan. Bei
besonderen örtlichen Verhältnissen wird die von Art. 28 Abs. 1 BauG geforderte
städtebaulich vorzügliche Gestaltung erreicht, wenn die in Art. 1 und 3 RPG
enthaltenen Planungsziele und -grundsätze so weit eingehalten werden, als dies nach
den konkreten örtlichen Verhältnissen möglich ist. Liegen keine besonderen örtlichen
Verhältnisse vor, so zeichnet sich eine städtebaulich vorzügliche Gestaltung durch
spezifische Vorzüge gegenüber der Regelbauweise aus; diese Vorzüge sind jedoch
ebenso nach den Zielen und Grundsätzen des RPG zu bewerten (Heer, a.a.O.,
Rz. 154).
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4.1.2. Das Planungsziel des Gestaltungsplans liegt somit darin, eine vorzüglich
gestaltete Grossüberbauung zu ermöglichen, die im Rahmen der Regelbauweise nicht
realisierbar wäre. Auch wenn dafür anders als beim Zonenplan der Anstoss für den
Erlass regelmässig von der Bauherrschaft ausgeht, die im Plangebiet ein konkretes
Bauvorhaben verwirklichen will, bleibt die Planhoheit selbst beim projektbezogenen
Sondernutzungsplan allein bei der zuständigen Planungsbehörde. Ihre Aufgabe ist es
dabei, die Interessen des Bauherrn und der betroffenen Nachbarn mit den Zielen und
Planungsgrundsätzen des Raumplanungsrechts so in Übereinstimmung zu bringen,
dass mit dem Plan eine städtebaulich vorzügliche Gestaltung erreicht werden kann.
Der Gestaltungsplan ist also entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerinnen
nicht in erster Linie dafür da, der Bauherrschaft zu ermöglichen, ihr Bauvorhaben ihren
Wünschen und Bedürfnissen entsprechend zu ermöglichen. Er soll die
unterschiedlichen Interessen vielmehr gleichermassen berücksichtigen. Dabei zeigt
sich der projektbezogene Aspekt darin, dass im Rahmen der Grundordnung von der
Regelbauweise abgewichen werden darf (GVP 1997 Nr. 69 S. 149 f.), während der
öffentlich-rechtliche Charakter darin liegt, dass mit dem Plan eine im öffentlichen
Interesse liegende städtebaulich vorzügliche Gestaltung erreicht werde. Dafür kann der
Plan auch gegen den Willen einzelner Grundeigentümer verfügt werden, selbst wenn es
dabei nötig werden sollte, dass diese dafür enteignet werden (Art. 28 Abs. 3 und 4
BauG).
4.1.3. Da sich die Behörde bei der Festlegung der besonderen Bauweise im
Gestaltungsplan an die Ziele und Planungsgrundsätze nach Art. 1 und Art. 3 RPG
halten und eine Gesamtbeurteilung der Auswirkungen einer Überbauung nach
Sondernutzungsplan machen muss, versteht es sich von selbst, dass die
Planungsbehörde grundsätzlich die gleichen Überlegungen anstellen muss, wenn von
dem abgewichen werden soll, was zuvor für eine städtebaulich vorzügliche Gestaltung
als nötig erachtet wurde. Dabei werden wiederum sämtliche massgeblichen Interessen,
die privaten, nachbarschaftlichen und öffentlichen Interessen, gleichermassen
berücksichtigt (Waldmann/Hänni, a.a.O., Rz. 24 zu Art. 21 RPG).
4.2. Die Beschwerdeführerinnen sehen die geänderten Verhältnisse darin begründet,
dass alle ursprünglichen Eigentümer von ihrer Kaufoption Gebrauch gemacht haben
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und damit weniger Parkplätze für die Nutzer und Besucher des Plangebiets übrig
geblieben sind, als sie sich erhofft hatten.
4.2.1. Die Beschwerdeführerinnen übersehen dabei, dass das vorliegende Problem
nicht darin liegt, dass zu viele private Tiefgaragenparkplätze erstellt worden sind,
sondern darin, dass die maximal zulässige Parkplatzanzahl von 240 insgesamt
überschritten wird. Der Entscheid dafür, dass mehr als 80 Plätze dem Quartierparking
zugewiesen wurden, war eine private Entscheidung, worauf die Behörden keinen
Einfluss hatten. Art. 4 besV schreibt lediglich vor, dass mindestens 80 Plätze für die
Quartierbewohner zu reservieren sind.
4.2.2. Im Übrigen stand von Anfang an fest, dass eine gewisse Anzahl Parkplätze an
Dritte vergeben werden musste. Die entsprechenden Kaufoptionen waren
Voraussetzung dafür, dass die ehemaligen Eigentümer überhaupt gewillt waren, ihre
Grundstücke für die Überbauung freizugeben. Dementsprechend stand die Gesamtzahl
von insgesamt 100 Kaufberechtigter schon lange fest. Auf Grund der generell hohen
Nachfrage nach Parkplätzen in der Innenstadt und mit Blick auf die geltenden
Mietpreise für Tiefgaragenplätze von rund Fr. 350.-- pro Monat im Zentrum - selbst im
weniger zentral gelegenen Cityparking Bahnhof unter der Fachhochschule werden
Abstellplätze in der Tiefgargage für Fr. 325.-- pro Monat vermietet - musste ohne
weiteres damit gerechnet werden, dass auch bei einem Marktpreis von Fr. 50'000.--
pro Parkplatz alle Kaufoptionen ausgeübt werden.
4.2.3. Die Beschwerdeführerinnen machen zu Recht nicht geltend, die Behörden hätten
in ihnen das Vertrauen erweckt, die Parkplatzanzahl werde erhöht, wenn mehr als 80
Plätze für die Quartierbewohner eingesetzt werden müssten. Anders als bei der
Planung im Hinblick auf die Neugestaltung des Marktplatzes, des Bohls und des
Blumenmarktes und dem damit zusammenhängenden geplanten Parkhaus
Schibenertor, wobei die Stadtbehörde mit den betroffenen Interessenverbänden einen
sogenannten Parkplatz-Konsens getroffen haben, wurde im Zusammenhang mit der
Überbauung Webersbleiche keine fixe Zahl öffentlich zugänglicher Parkplätze im
Quartier bzw. in der Tiefgarage zugesichert. Bei der Beurteilung des
Sondernutzungsplans und der Parkplatzberechnung floss im Gegenteil bereits ein,
dass im Rahmen der geplanten Sanierung der nahen Poststrasse öffentliche Parkplätze
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ersatzlos aufgehoben werden sollten. Eine spätere Kompensation war damit nicht
verbunden.
4.2.4. Nebstdem, dass der Gestaltungsplan selbst keine Mindestzahl öffentlich
zugänglicher Parkplätze vorschreibt, sondern bloss die Höchstzahl der insgesamt
zulässigen Parkplätze im Plangebiet festlegt, stehen auch sonst in öffentlich-rechtlicher
Hinsicht keine Hindernisse im Weg, die es den Privaten verunmöglichen würde, den
Anteil öffentlich zugänglicher Plätze in der Tiefgarage zugunsten zusätzlicher
Quartierparkplätze zu reduzieren. Die Stadt St. Gallen schreibt anders als andere
Gemeinden im Kanton St. Gallen keine Pflichtparkplätze im Sinn von Art. 72 Abs. 1
BauG vor. Eine bestimmte Mindestzahl Parkplätze für Grundstücke im Plangebiet
ergibt sich auch nicht aus dem Massnahmenplan Luftreinhaltung vom 1. April 1991 und
25. August 1998 (VerwGE B 2010/96 vom 14. Oktober 2010 E. 5, in:
www.gerichte.sg.ch). Das Parkierreglement der Stadt St. Gallen vom 28. November
2006 (sRS 712.2) geht ebenfalls von keiner minimalen Parkplatzanzahl aus, die in
einem bestimmten Stadtgebiet nicht unterschritten werden dürfte, ohne dass
Kompensationsparkplätze geschaffen werden müssten. Es ordnet lediglich das
Abstellen von Fahrzeugen auf öffentlichem Grund, insbesondere die örtliche und
zeitliche Beschränkung und die Bewirtschaftung der entsprechenden Parkplätze.
4.2.5. Die Planungsbehörde hat bereits mit Beschluss vom 27. April 1999 auf die
zentrale Lage der Überbauung Webersbleiche in der Innenstadt hingewiesen und dabei
die entsprechenden Vorteile einer optimalen Anbindung an den öffentlichen Verkehr
und die enge Verknüpfung mit den Geschäftszentren in der Altstadt und im
Bahnhofsgebiet betont. Damit war von Anfang an klar, dass das Plangebiet
überwiegend mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen bzw. zu Fuss erreicht werden
sollte. Allerdings stand die definitive Nutzung damals noch nicht fest, weshalb gemäss
dem ursprünglichen Art. 4 Abs. 1 besV die anfangs vorgesehene Parkplatzzahl von 270
im Rahmen des Bewilligungsverfahrens hätte reduziert werden können. Da der
konkrete Nutzungsmix jedoch bereits vorher feststand, war schon vor der eigentlichen
Baueingabe klar, dass die Verkaufsfläche zulasten der Büronutzung massiv erhöht
werde und dass somit von einem wesentlich höheren Publikumsverkehr und einem
stark erhöhten Verkehrsaufkommen ausgegangen werden musste. Gleichzeitig kam
aber auch dem Hauptzugang für die Fussgänger von der St. Leonhardstrasse her via
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Passerelle über die Adlergasse eine neue Bedeutung zu. Die Erhöhung der
Verkaufsfläche auf über 5'000 m machte zudem zwingend eine
Umweltverträglichkeitsprüfung nötig. Dies alles führte dazu, dass im lufthygienisch
bereits stark belasteten Gebiet verschärfte Massnahmen im Sinn des
Massnahmenplans Luftreinhaltung erlassen werden mussten. So hatte die
Überarbeitung des Projekts insgesamt eine Reduktion von 30 Parkplätzen zur Folge.
4.2.6. Die betroffenen Grundeigentümer haben die daraus folgende Planänderung mit
der entsprechenden Parkplatzreduktion akzeptiert bzw. kein Rechtsmittel dagegen
ergriffen. Die Beschwerdeführerinnen bzw. ihre direkten Rechtsvorgänger, deren
Verhalten sie sich unmittelbar anrechnen lassen müssen, hätten es also im Rahmen
des Planungsverfahrens in der Hand gehabt, sich gegen die Senkung der Parkplatzzahl
von ursprünglich 270 auf neu 240 zu wehren. Dies wurde gemäss ihren eigenen
Ausführungen aber unterlassen, damit beim Baugesuch keine Verzögerung eintrete.
Der Änderungsanspruch nach Art. 21 Abs. 2 RPG und Art. 32 Abs. 1 BauG eröffnet den
Grundeigentümern aber keine weitere Möglichkeit, ein vormals unterlassenes
Rechtsmittel gegen eine vorhergehende Planänderung in einem späteren Zeitpunkt
nachzuholen, wenn es den Betroffenen besser in das Bauprogramm passt.
4.2.7. Selbst wenn für eine Planänderung grundsätzlich verlangt wird, dass sich die
Verhältnisse seit der letzten Planfestsetzung erheblich verändert haben, kann eine
Anpassung auch dann in Frage kommen, wenn sich die Verhältnisse schon vor der
letzten Planfestsetzung geändert haben. Dies gilt aber insbesondere dann nicht, wenn
die Änderungen bei der letzten Planfestsetzung umfassend in die planerische
Abwägung einbezogen worden sind (Waldmann/Hänni, a.a.O., Rz. 16 zu Art. 21 RPG)
bzw. wie vorliegend selbst Anlass und Gegenstand der Planänderung waren. Dazu
kommt, dass eine Planung grundsätzlich auf Dauer angelegt ist und die jederzeitige,
vorbehaltlose Änderung im Widerspruch zum Grundsatz der Planbeständigkeit stünde,
die nicht bloss den Nutzungsinteressen der Grundeigentümer dient, sondern auch im
Interesse der Behörden liegt. Diese müssen sich - wie die Privaten auch - auf eine
gewisse Beständigkeit der Nutzungsplanung verlassen können, insbesondere wenn -
wie vorliegend - davon die Erschliessungsplanung oder eine weitere Konkretisierung
der Nutzungsordnung betroffen ist und auf Seiten der privaten Gesuchsteller einzig
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private Interessen im Vordergrund stehen (Waldmann/Hänni, a.a.O., Rz. 12 zu Art. 21
RPG).
4.3. Die Beschwerdeführerinnen wenden sodann ein, die Annahmen der
Verkehrsprognose hätten sich nicht so erfüllt, wie sie der letzten Planänderung
zugrunde gelegen haben.
4.3.1. Neben den erwähnten erheblich veränderten Verhältnissen kommt als
Anpassungsgrund die Entdeckung eines schwerwiegenden Fehlers in der bisherigen
Nutzungsplanung in Frage (Waldmann/Hänni, a.a.O., Rz. 16 zu Art. 21 RPG). Dabei ist
aber zu bedenken, dass der Planerlass und konkret die Festlegung der maximal
zulässigen Parkplätze im Plangebiet das Ergebnis einer sorgfältigen
Gesamtbetrachtung waren, weshalb es für die erneute Erhöhung der Tiefgaragenplätze
nicht ausreicht, dass sich einer der verschiedenen Faktoren verändert hat bzw. nicht
den Erwartungen entspricht. Es ist vielmehr zu prüfen, ob sich die falsche Annahme im
Rahmen der Gesamtbetrachtung als wesentlich erweist.
4.3.2. Es ist unbestritten, dass der Verkehr, den die Tiefgarage Webersbleiche bis anhin
verursachte, die angenommenen Werte nicht erreicht hat, wenn die Verkehrszählungen
auch gezeigt haben, dass die Tendenz durchaus steigend ist und dass die errechneten
Spitzenstunden-Verkehrsmengen in den Stosszeiten häufiger überschritten wurden als
im Vorjahr. Zudem hat bereits der Umweltverträglichkeitsbericht vom 30. Juni 2004
ausgeführt, dass die Umweltauswirkungen auf Luft und Lärm anfänglich überschätzt
würden, weil die hypothetischen Annahmen davon ausgingen, dass das Kaufhaus
bereits im ersten Betriebsjahr voll genutzt werde. Es versteht sich aber von selbst, dass
ein neues Einkaufszentrum eine gewisse Anlaufzeit benötigt, bis die Kunden das neue
Angebot entdeckt und ihre Einkaufsgewohnheiten entsprechend geändert haben. Dies
gilt namentlich für die neue Lebensmittelabteilung des Manor, die bis anhin in St.
Gallen noch nicht vertreten war und mit ihrer grossen Frischwarenabteilung und dem
Spezialitätenangebot ein Kundensegment anspricht, das bis anhin in der Innenstadt
nicht Zielgruppe eines Grossisten war. Sodann macht der Stadtrat zu Recht geltend,
dass die Betreiber des noch jungen Einkaufzentrums bestrebt sein werden, die
Attraktivität der eingemieteten Verkaufs- und Dienstleistungsbetriebe weiter zu
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steigern, was ebenfalls zu steigenden Besucherzahlen mit entsprechenden Mehrfahrten
in der Tiefgarage führen wird.
4.3.3. Der Stadtrat seinerseits erklärt die geringeren Verkehrszahlen unter anderem
damit, dass er intensiv bemüht sei, Art und Mass des Verkehrs den Bedürfnissen der
Stadt als Ganzes unterzuordnen. Tatsächlich ist es seit langem das erklärte Ziel der
Stadt, Verkehrsmittel wie den öffentlichen Verkehr sowie den Fahrrad- und
Fussgängerverkehr gegenüber dem Individualverkehr zu fördern. Zwischenzeitlich ist
dieser Auftrag verbindlich geworden, nachdem das Stimmvolk das Reglement für eine
nachhaltige Verkehrsentwicklung am 7. März 2010 auf Empfehlung des
Stadtparlaments angenommen hat. Das neue Reglement zielt darauf ab, den
motorisierten Individualverkehr zu beschränken und darauf, dass das künftige
Verkehrswachstum möglichst vollständig durch den öffentlichen Verkehr und den
Langsamverkehr übernommen werde. Wenn geltend gemacht wird, dass sich die
Grundlagen seit der letzten Planänderung verändert hätten, muss folglich nebst den
Verkehrsbewegungen, die im Plangebiet unter den Prognosen geblieben sind, auch
berücksichtigt werden, dass sich seither diese rechtlichen Rahmenbedingungen
massgeblich verändert haben.
4.3.4. Zu den weiteren Faktoren, die für die verlangte Planänderung und insbesondere
für die gerügte Verkehrsprognose massgebend sind, gehört das übergeordnete
Strassennetz. Diesbezüglich ist zu beachten, dass das innerstädtische Verkehrssystem
bereits heute stark aus- und zum Teil überlastet ist. Sodann stehen im Stadtzentrum
weitere verkehrstechnische Änderungen an, welche sowohl die Erschliessung des
Plangebiets, als auch die Fahrtenzahlen im Plangebiet direkt beeinflussen werden. So
wurde Ende des letzten Jahres die Sanierung der benachbarten Poststrasse
abgeschlossen. Dabei wurden die Fahrstreifen zu Gunsten der Fussgänger verengt,
Bäume gepflanzt und die meisten öffentlichen Parkplätze aufgehoben. Die ebenfalls in
unmittelbarer Nähe geplante Tiefgarage Schibenertor/Marktplatz, mit der unter
anderem sämtliche oberirdischen öffentlichen Parkplätze im betroffenen Bereich
ersetzt werden sollen, wird nun definitiv nicht wie ursprünglich geplant mit 400,
sondern höchstens mit 270 Parkplätzen bzw. - nachdem die Stimmberechtigten die
Neugestaltung des zentralen Marktplatzes samt Tiefgarage im Mai 2011 abgelehnt
haben - möglicherweise gar nicht gebaut, wobei diskutiert wird, die oberirdischen
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Parkplätze gleichwohl ersatzlos aufzuheben. Dabei werden die betroffenen
Kurzparkierer auf keine anderen kostengünstige Möglichkeiten ausweichen können,
weil im Stadtzentrum grundsätzlich alle öffentlich zugänglichen oberirdischen
Parkplätze und sämtliche Tiefgaragenplätze bewirtschaftet werden. Daraus folgt, dass
die Tiefgarage im Plangebiet so oder anders an Attraktivität gewinnen wird, was der
gerügten Verkehrsprognose, die der letzten Planänderung zugrunde gelegen hat, eine
neue Bedeutung verleiht.
4.4. Schliesslich erachten die Beschwerdeführerinnen die Plananpassung auch deshalb
als nötig, weil damit der rechtmässige Zustand wiederhergestellt werde könne. Der
Umstand, dass die Parkplätze illegal erstellt worden seien, dürfe dabei keine Rolle
mehr spielen, weil dieser Aspekt bereits strafrechtlich abgegolten worden sei.
4.4.1. Wird eine Baute oder Anlage rechtswidrig errichtet, prüft die Baubehörde vorab,
ob das Bauvorhaben nachträglich bewilligt werden kann. Ist eine nachträgliche
Baubewilligung nicht möglich, gebieten es der allgemeine Vorbehalt der
Rechtsordnung sowie die Grundsätze der Rechtsgleichheit und Rechtssicherheit, dass
die illegale Baute oder Anlage in Anwendung von Art. 130 Abs. 2 BauG wieder entfernt
oder zumindest in einen rechtmässigen Zustand abgeändert werde.
4.4.2. Die grundsätzliche Rückbaupflicht schliesst nicht aus, dass eine rechtswidrig
erstellte Anlage oder Baute nachträglich durch eine planerische Massnahme legalisiert
wird. Eine solche Anpassung ist selbst nach einer relativ kurzen Zeit seit der
Planfestsetzung möglich, sofern es sich bei der Änderung um eine geringfügige
Anpassung handelt, die bestehende Nutzungsplanung dadurch lediglich in
untergeordneten Punkten ergänzt wird und keine gesamthafte Überprüfung der
Planung erforderlich erscheint (Waldmann/Hänni, a.a.O., Rz. 20 zu Art. 21 RPG).
Voraussetzung für die Planänderung ist aber auch in diesem Fall, dass die Anpassung
raumplanerisch begründet ist. Die unrechtmässig erstellte Baute oder Anlage kann mit
anderen Worten nur dann nachträglich durch eine Planänderung genehmigt werden,
wenn an der Beibehaltung der bisherigen Nutzungsordnung kein öffentliches Interesse
mehr besteht (Waldmann/Hanni, a.a.O., Rz. 18 zu Art. 21 RPG). Ob der Strafrichter das
baurechtswidrige Verhalten zwischenzeitlich geahndet hat, ist für das Planverfahren -
wie übrigens auch für das Wiederherstellungsverfahren - unbeachtlich.
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4.4.3. Den Beschwerdeführerinnen ist beizupflichten, dass es einem öffentliches
Interesse entspricht, Planung und Wirklichkeit bei Bedarf wieder in Übereinstimmung
zu bringen (P. Hänni, Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 5. Auflage,
Bern 2008, S. 109). Bei der Frage, ob die illegal erstellten Parkplätze nachträglich
planerisch legalisiert werden sollen, muss aber berücksichtigt werden, dass die
Reduktion auf maximal 240 Tiefgaragenparkplätze Ergebnis einer umfassenden
Gesamtbetrachtung war. Die Parkplatzbeschränkung bildete dabei einen wesentlichen
Hauptbestandteil der letzten Planänderung, womit sich die betroffenen
Grundeigentümerinnen wie gesagt einverstanden erklärt haben. Konkret sind keine
raumplanerischen Gründe ersichtlich, weshalb die bei der letzten Planänderung
reduzierte Parkplatzanzahl bereits kurze Zeit später wieder erhöht werden soll. Auch
wirkt sich der gültige Gestaltungsplan nicht negativ auf die rechtmässigen
Nutzungsmöglichkeiten der Grundstücke aus. Davon abgesehen, dass aus öffentlich-
rechtlicher Sicht nichts dagegen spricht, die an die Quartierbewohner verkauften
Tiefgaragenplätze auf Kosten der öffentlich zugänglichen beizubehalten, können die
eigenmächtig erstellten Parkplätze wiederum als Lagerraum genutzt werden, wofür der
entsprechende Platz ursprünglich vorgesehen war und auch bewilligt wurde.
4.4.4. Nachdem sich gezeigt hat, dass die gültige Nutzungsplanung nach wie vor
sachgerecht und die zuständige und mit den tatsächlichen Verhältnissen besonders
vertraute Planungsbehörde nicht bereit ist, die Parkplatzanzahl im Plangebiet von sich
aus wieder zu erhöhen, wird es an der Baubehörde sein, im Rahmen des
Wiederherstellungsverfahrens über die Verhältnismässigkeit eines allfälligen Rückbaus
der rechtswidrig genutzten Parkplätze bzw. ein allfälliges Nutzungsverbot zu befinden.
5. Zusammenfassend ergibt sich damit, dass der Erlass und die Änderung von
projektbezogenen Gestaltungsplänen wie bei allen Nutzungsplänen planerisch
begründet sein müssen, wobei grundsätzlich eine Gesamtinteressenabwägung
vorzunehmen ist. Konkret sind keine raumplanerischen Gründe ersichtlich, weshalb die
bei der letzten Planänderung reduzierte Parkplatzanzahl bereits kurze Zeit später
wieder erhöht werden müsste. Die Reduktion erfolgte im Rahmen einer
Gesamtbetrachtung und war das Resultat einer Würdigung sämtlicher wichtiger
Faktoren. Die nachträglich gerügte Verkehrsprognose war dabei nur eine von mehreren
Grössen, weshalb die Tatsache allein, dass die Verkehrszahlen die geschätzten
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Höchstzahlen im Plangebiet während der ersten Betriebsjahre noch nicht erreicht
haben, keinen Anspruch auf erneute Überprüfung der Tiefgaragenplätze begründen.
Die weiteren tatsächlichen und rechtlichen Entwicklungen sprechen vielmehr dafür,
dass die Verkehrszahlen im Plangebiet durchaus noch ansteigen werden. Sodann
handelt es sich bei den illegal errichteten Parkplätzen um keine geringfügige
Planergänzung in einem untergeordneten Punkt. Folglich spielt es keine Rolle, dass die
zwanzig zusätzlichen Tiefgaragenplätze auf das ohnehin schon überlastete
Verkehrsnetz der Innenstadt keinen spürbaren Einfluss haben würden. Der
angefochtene Entscheid erweist sich damit insgesamt als rechtmässig, weshalb die
Beschwerde als unbegründet abzuweisen ist.
6. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht