Decision ID: 7666b446-9cd4-5538-bc02-a581dca7ebcb
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1983, meldete sich am 23. November 2006 unter Hinweis auf gesundheitliche Einschränkungen wegen eines am 23. Februar 2006 erlitte
nen Arbeitsunfalles mit Schädelhirn
trauma
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/1; Urk. 6/
4/18). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Verfügung vom
24. Januar 2011 bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente ab 1. Februar 2007 zu (Urk. 6/63).
Am
22. Juli 2011
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, der Rentenansp
ruch sei unverändert (Urk. 6/70).
1.2
Nach Eingang eines
am 27. Oktober 2016 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 6/75)
zog die IV-Stelle die Akten der Unfallversicherung bei (Urk. 6/80) und veranlasste
unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten, das am 22. Juni 2017 erstattet wurde (Urk. 6/96). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/
98; Urk. 6/102) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 29. Dezember 2017 die bisher ausgerichtete Rente auf (Urk. 6/112 = Urk. 2).
2.
Der
Versicherte erhob am
22. Januar 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
29. Dezember 201
7
(Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm weiterhin eine angemessene Invalidenrente zuzusprechen. Ferner sei
en
eine er
gänzende multidisziplinäre Begutachtung durch die Beschwerdegegnerin durch
zuführen sowie die Akten der Suva beizuziehen
(Urk. 1 S.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
26. Februar 2018 (Urk. 5)
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
21. März 2018
zur Kenntnis geb
racht (Urk. 8)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Da
bei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit. f
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachver
halt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts
9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete in ihrer Verfügung (Urk. 2) die Einstellung der Invalidenrente damit, dass gestützt auf das eingeholte polydisziplinäre Gut
achten und
die Einschätzung ihres
Regionalen Ärztlichen Dienst
es
(RAD) von einer Besserung des Allgemeinzustandes beziehungsweise
von
eine
r
vollständi
ge
n
Ausheilung der gesundheitlichen Beschwerden auszugehen sei. Sämtliche Tätigkeiten seien dem Beschwerdeführer wieder zumutbar (S. 1).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (Urk. 1) geltend, auf das von der Beschwerdegegnerin veranlasste Gutachten könne – aus näher dar
gelegten Gründen (vgl. S. 4 ff.) – nicht abgestellt werden. Welche beweismässig relevante Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer invalidisierenden Erkran
kung in welchem prozentualen Ausmass vorliege, werde von den Gutachtern nicht ausgeführt. Interpretationsmöglichkeiten würden allesamt zuungunsten des Beschwerdeführers getroffen. Auch die Empfehlung einer stationären Entgiftung und Entwöhnung der Medikamente zeige immer noch eine vorhandene Behand
lungsbedürftigkeit. Er sei nach wie vor vollständig arbeitsunfähig in allen Tätig
keiten (S. 7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die Einstellung der Invalidenrente
, mithin ob ein Revi
sionsgrund vorliegt.
3.
3.1
Die mit Verfügung vom 24. Januar 2011 mit Wirkung ab 1. Februar 2007 erfolgte
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente erging im We
sentlichen gestützt auf die
folgend
en
Ber
icht
e
(vgl. Urk. 6/51)
:
3.2
Vom 18. September bis 15. November 2006
liess sich
der Beschwerdeführer in der Rehaklinik
Y._
behande
ln
,
wo er unter anderem neuropsychologisch
(Urk. 6/14/20-23) und psychosomatisch (Urk. 6/14/24-26) untersucht wurde
. Mit Austrittsbericht vom 4. Dezember 2006 (Urk. 6/14/8-10) nannten die Ärzte die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
traumatische
Hirnverletzung mit
Subarachnoidalblutung
-
a
usgedehnte
Frontobasis
- und Mittelgesichtsfraktur
-
Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialver
halten (ICD-10 F43.25)
De
r Beschwerdeführer sei sieben Monate nach einem Sturz vom Baugerüst mit traumatischer Hirnverletzung und ausgedehnten Gesichtsfrakturen, welche operative Versorgungen erforderten, zur stationären Neuro-Rehabilitation zuge
wiesen worden.
Bei Eintritt seien persistierende starke Kopfschmerzen im Vorder
grund gestanden, ferner eine reduzierte psychophysische Belastbarkeit und Lumbalgien. Der Beschwerdeführer habe über häufiges Schwarzwerden vor den Augen, insbesondere beim Aufstehen, berichtet. Bei der klinischen Untersuchung hätten sich keine Hinweise auf eine fokale Schädigung des zentralen oder peri
pheren Nervensystems ergeben. Auch bei subjektiv angegebener
Hyposmie
hätten sich klinisch eher inkonsistente Befunde ergeben. Die neuropsychologische Test
batterie habe eine schmerzbedingte Einschränkung der Kooperations- und Leis
tungsfähigkeit ergeben. Bei beeinträchtigter Kooperationsbereitschaft,
dysphori
scher
Stimmung unter Leistungsanforderung und kontinuierlichen Angaben von höchsten Schmerzwerten hätten die Testergebnisse keine validen Schlüsse auf den Schweregrad neuropsychologischer Einschränkungen zugelassen (S. 2). Trotz der eingeschränkten Kooperation könne festgehalten werden, dass die Aufnah
mefähigkeit für neue Informationen, die Lernfähigkeit und das Frischgedächtnis im sprachlichen und visuell-räumlichen Bereich einigermassen adäquat seien. In einem psychosomatischen Konsilium sei eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten diagnostiziert worden (S. 3 oben).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit bestehe eine mindestens leicht bis mittelschwere Leistungsminderung infolge einer psychischen Störung mit Krankheitswert. Als Bauarbeiter sei eine Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht zumutbar, ebenso bestehe keine Arbeitsfähigkeit für andere beruflichen Tätigkeiten (S. 2 Mitte).
3.3
Am 19. Dezember 2006 (Urk. 6/10/1-2) berichteten die Ärzte der Klini
k und Poly
klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Z._
, von einem Schädelhirntrauma und Jochbeinfraktur rechts nach Sturz vom Baugerüst am 23. Februar 2006 und erachteten den Beschwerdeführer bis auf Weiteres als zu 100 % arbeitsunfähig (S. 1).
Der Beschwerdeführer weise ein depressives Zu
standsbild auf und sei unruhig und klage über rezidivierende Schwindelattacken, Spannungskopfschmerzen und Konzentrationsstörungen. Aus ihrer Sicht seien
die klinisch
e
und radiologische Nachkontrolle unauffällig. Bezüglich Prognose stünden die psychische Komponente im Vordergrund und die gelegentlichen Schwindelanfälle im Zentrum des weiteren therapeutischen Geschehens (S. 2).
3.
4
Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, ergänzte mit Bericht vom 20. Dezember 2006 (Urk. 6/12/1-4) die bekannten Diagnosen um ein chronisches
Lumbo
- bis
Panvertebralsyndrom
bei Haltungsinsuffizienz und muskulärer
Dekonditionierung
(Ziff. A) und attestierte dem Beschwerdeführer eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit dem 23.
Februar
2006 (Ziff. B). Hinsicht
lich Prognose führte sie aus, diese sei als sehr schwierig zu beurteilen. Der durch
geführte Rehabilitationsaufenthalt habe zu einer deutlichen Verschlechterung der Symptomatik geführt und aktuell sei kaum eine therapeutische Intervention mög
lich. Es bleibe zu hoffen, dass die psychiatrische Therapie eine Verbesserung der Situation bringe (Ziff. D).
3.5
Die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums
A._
berichteten am 12. Januar 2007 über die ambulante Behandlung vom 5. bis 12. Januar 2007 (Urk. 6/17/13-15).
Die Schlussfolgerungen des psychosomatischen
Konsils
der Rehaklinik
Y._
ent
sprächen auch ihren Befunden. Der Beschwerdeführer brauche eine engmaschige Tagesstruktur, um eine weitere
Chronifizierung
der Symptomatik zu vermeiden. Eine Behandlung in ihrem Ambulatorium würde diesen Anforderungen nicht ge
recht werden (S. 2).
3.6
Der Beschwerdeführer weilte vom 26. Juli bis 9. August 2007 in der Klinik
B._
zur stationären Therapie (Behandlungsprogramm für Schmerzkranke). Die Ärzte berichteten am 22. August 2007 (Urk. 6/24/9-12) von einem Beschwerdeführer, welcher nur für Momente offen und in der Therapie schwierig zu motivieren
ge
wesen sei
(S. 3) und dass die Ziele nicht erreicht
worden seien
(S. 4).
3.7
Die von de
n
Versicherungsmedizineri
nne
n der Suva, Dr. med.
C._
, Fachärztin für Neurologie,
und Dr. med.
D._
, Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
am
28. Mai 2008
durch
geführte
n
Untersuchung
en
des Beschwerdeführers
(Bericht
e
vom 1. Juli 2008, Urk. 6/29/8-35
) ergab
en
aus neurologischer Sicht ein
en chronischen
posttraumatische
n
Kopf
schmerz sowie einen Verdacht auf Störung des Geruchssinns. Aus psychiatrischer Sicht liege eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten vor. Im Weiteren bestehe aufgrund der vorliegenden Frontalhirn
läsion die Diagnose einer organischen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F07.0). Eine Behandlung des Beschwerdebildes mit tagesstrukturierenden Massnahmen sei dringend indiziert (Urk. 6/29/35).
3.8
Die Ärzte des
E._
diagnostizierten in ihrem Bericht vom 12. Januar 2009
(
Urk.
6/77/5-7)
unter anderem eine schwere depres
sive Episode (ICD-10 F32.2);
Differentialdiagnose: organische depressive Störung (ICD-10 F06.32) und empfahlen dem Beschwerdeführer ihr ambulantes Therapie
konzept für Depression und Schädel-Hirntrauma (S. 1 ff.).
Am 30. April 2009 (Urk. 6
/42/42-44) ergänzten die Ärzte, der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 24. November 2008 bei ihnen in Behandlung
(S. 1)
. Da er nicht zu einer aktiven Teilnahme in der Schmerzgruppe fähig gewesen sei,
wür
den
Einzelpsychotherapien durchgeführt (S. 2 am Schluss).
3.9
Die am 18. Mai 2009 von der Suva durchgeführte kreisärztliche Untersuchung (Bericht vom 3. Juni 2009, Urk. 6/38/2-12) ergab eine komplexe Problematik, deren orthopädisch-
traumatologischer
Anteil nur von untergeordneter Bedeutung sei. Wesentliche und vor allem nachvollziehbare pathologische Befunde
hätten
nicht erhoben werden
können
, weshalb eine Beurteilung auf neurologischem und psychiatrischem Fachgebiet empfohlen wurde (S. 11 Ziff. 5).
3.10
Die
E._
-Ärzte berichteten der Unfallversicherung am 10. Februar 2010 (Urk. 6/50/23). Als Hauptdiagnose nannten sie erneut eine schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2) und
hielten fest, der Beschwerdeführer sei gedanklich an seine
n
starken Einschränkungen und das Erleben der grossen Abhängigkeit sowie
an
die fast immer anhaltenden Kopfschmerzen sowie den Drehschwindel gebun
den (S. 1).
4.
4.1
Nach Erlass der Rentenverfügung sind im Rahmen der ersten Rentenrevision (vgl. Urk. 6/
66
) unter anderem fo
lgende Arztberichte eingegangen:
4.2
Die Ärz
te des
E._
hielten in ihrem Bericht vom 14. März 2011 (Urk. 6/80/31-32) an ihrer bislang gestellten Diagnose einer schweren depressiven Episode (ICD-10 F32.2) fest (S. 1) und führten aus, die gegenwärtige Behandlung des Beschwer
deführers bestehe aus ambulanten psychotherapeutischen Sitzungen, welche der Beschwerdeführer liegend verbringe, denn sitzend sei nicht möglich (S. 2).
4.3
Dr. med.
F._
, Praktischer Arzt, beantwortete die Revisionsfrage der Beschwerdegegnerin mit Bericht vom 5. Juli 2011 (Urk. 6/68/6) dahingehend, dass der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers gleichbleibend sei und eine unveränderte Arbeitsunfähigkeit bestehe (S. 1).
5.
5.1
Im vorliegenden Revisionsverfahren sind die folgenden relevanten medizinischen Berichte aktenkundig:
5.2
Dr.
F._
nannte im Verlaufsbericht Rentenrevision vom 10. November 2016 (Urk. 6/77/1-4) als Diagnose eine schwere depressive Störung (Ziff. 1.2) bei stationärem Gesundheitszustand (Ziff. 1.1). Der Beschwerdeführer sei vollständig in jeglicher Tätigkeit arbeitsunfähig (Ziff. 2.1).
5.3
5.3.1
Am 22.
Juni 2017 erstatteten Dr. med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Dr. med.
H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Dr. med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, Mag.
rer
. n
at.
J._
und Prof. Dr. med.
K._
,
Medizinische Leitung
,
L._
, das von der Beschwerdegegnerin veranlasste polydisziplinäre Gutach
ten (Urk. 6/96/3-59). Die Gutachter konnten zusammengefasst keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen (S. 52
III. Ziff. 1). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine
Präadipositas
, einen Verdacht auf arterielle Hypertonie, ein
Refluxleiden
sowie einen Analgetika-Fehlgebrauch mit Analgetika-
Cephalgie
(S. 52 III. Ziff. 2).
Die Gutachter führten zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen wie auch jedweder vergleichbaren oder auch einer anderen Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes inklusive zeitlichem Verlauf aus, diese
sei anhand objektivem klinischem
Störungsbefund nicht überwiegend wahrscheinlich als limitiert anzusehen (S. 54 V
I
. Ziff. 1)
.
Die Gutachter hielten zur Konsistenz fest, es seien bildmorphologisch
gering
gradige
Kontusionsnarben nach einem Schädelhirntrauma im Jahr 2006 nach
weisbar, ein klinisches Defektkorrelat sei als möglich, jedoch angesichts der Befunde nicht als überwiegend wahrscheinlich belegt anzusehen, da erhebliche Inkonsistenzen und Diskrepanzen erhoben worden seien. So weise zum Beispiel die Symptomvalidierung der neuropsychologischen Testung deutlich auf ein ver
fälschendes Antwortverhalten hin.
Ein wesentlicher Leidensdruck lasse sich aus der wenig intensiven psychiatrischen Therapie nicht ableiten.
Ebenso gebe es keinen Anhalt für eine Limitation von Willensbildung und Einsichtsfähigkeit.
Die objektiven Befunde
seien mit einer Selbständigkeit, Selbstversorgung, soziale
r
Integration und Aktivität vereinbar und
sprächen gegen eine namhafte
Limi
tierung
der Ressourcen
(S. 53 f. V Ziff. 1-5).
Zur Frage, ob sich der Grad der Arbeitsunfähigkeit seit der letzten Revision ver
ändert habe, und ob es sich hierbei um eine Verbesserung oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes handle oder um einen im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand, dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nur anders
beurteilt würden, führten die Gutacht
er aus, angesichts des jetzigen psychiatri
schen Befunds sei vergleichend mit der vorangehend aktenkundig gestellten und in der Bewertung der Arbeitsfähigkeit bislang führende
n
Diagnose eines erhebli
chen depressiven Syndroms eine Besserung anzunehmen (S. 55 VII. Ziff. 1).
5.3.2
Dr.
G._
führte in seinem internistischen Teilgutachten aus, der
Beschwerde
führer gebe vor, an einer allgemeinen Schwäche, Schwindel, Gleichgewichts
störungen und dauerhaften Kopfschmerzen sowie auch an einer Leistungsun
fähigkeit zu leiden. In der körperlichen Untersuchung zeige sich eine leichte diffuse
Druckdolenz
im gesamten Abdomen. Am ehesten bestehe hier ein
Zusam
menhang
mit dem
Refluxleiden
, welches mit
Pantozol
gut behandelbar sei. Weiter lägen leicht
hypertensive
Blutwerte vor, die hausärztlich kontrolliert werden soll
ten. Die Medikamenten-Anamnese mit hohen Dosen von Analgetika spreche für eine Analgetika-
Cephalgie
. Hier bedürfe es der Entgiftung und Entwöhnung. Es bestehe zudem eine
Präadipositas
. Auffällig sei eine deutliche Diskrepanz zwi
schen dem muskulösen Körperbau mit zeitweise nahezu unauffälligem Gangbild und der angegebenen diffusen Kraftlosigkeit. Aus internistischer Sicht sei für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit kein ausreichender Anhalt gegeben und ein solcher werde auch aktenkundig nicht attestiert (S. 21 f. Ziff. 2.1.5).
5.3.3
Dr.
M._
nannte in seinem neurologischen Teilgutachten als Diagnose eine Analgetika-
Cephalgie
(S. 27 Ziff. 2.2.3). Er führte aus, der hiesige Befund decke sich insofern mit wiederholten aktendokumentierten Befunden, in welchen eben
falls überwiegend keine «wesentlichen und vor allem nachvollziehbaren patholo
gischen Befunde», «stark demonstratives» und «
aggravierende
s
» Verhalten beschrieben worden sei. In der Magnetresonanztomographie (MRI) stellten sich reiz
freie postoperative und posttraumatische Veränderungen im Bereich der
Fronto
basis
rechts sowie ein kleiner kortikaler Strukturdefekt im
Gyrus
r
e
ctus
rechts und
anterioren
Gyrus
orbitalis
rechts dar. Der weitere kernspintomographische Befund sei ohne namhafte Auffälligkeiten, insbesondere fin
d
e sich keine
menigeale
Kon
trastmittelanreicherung (somit kein Hinweis auf ein
Liquorunterdrucksyndrom
)
. Es
zeigten sich auch keine weiteren posttraumatischen Veränderungen. Für die angegebene Empfindungsstörung der rechten Gesichtshälfte finde sich kein
pathomorphologisches
Korrelat im
zerebralen
MRI. Für einen zentralen oder peripher vestibulären Schwindel ergebe sich nach dem klinischen Untersuchungs
befund kein Anhalt für
ein
Akustikusneurinom
oder anderweitige Läsionen, wel
che einen Schwindel erklären könnten. Die Anamnese sei nicht typisch für eine peripher-vestibuläre Störung. Bei anamnestisch berichteter allgemeiner Schwäche fänden sich keine Atrophien, Reflexauffälligkeiten oder Paresen (S. 28).
Die Kriterien eines
analgetikainduzierten
Kopfschmerzes seien erfüllt. Es erfolge eine
leitlinienwidrige Therapie mit kontinuierlicher hochdosierter
Analgetikaeinnahme
. Aus neurologischer Sicht sei somit eine Entgiftung und Entwöh
nung vorrangig notwendig. Das Kopfschmerzsyndrom begründe somit keine Min
derung der Arbeitsfähigkeit (S. 29 oben).
Zusammengefasst sei auf neurologischem Fachgebiet keine Minderung der Arbeitsfähigkeit
attestierbar
. Ein namhaftes Defektresiduum des stattgehabten
schwergradigen
Schädelhirntraumas sei bei dem hier erhobenen Bild einer de
monstrativen Darbietung von Einschränkung
en und Beschwerden sowie der
ge
zeigten reversiblen Pharmaka-Interferenz nicht mit der gebotenen Wahrschein
lichkeit abgrenzbar. Die Fehlmedikation sei zwar aktenkundig erkannt, aber die versicherungsmedizinische Konsequenz
daraus
nicht gezogen worden (S. 29).
5.3.4
Dr.
H._
führte in seinem orthopädischen Teilgutachten aus, der Beschwer
deführer
klage
über Fersenschmerzen beidseits. Das
angefertigte
MRI des linke
n Rückfusses zeige diskrete öde
matöse Veränderungen zwischen dem
Musculus
abductor
digiti
minimi
und dem
Musculus
flexor
digitorum
brevis
. Dies erkläre die vorgetragenen Beschwerden und das demonstrative Gangbild jedoch nicht. Darüber hinaus klage der Beschwerdeführer über einen generalisierten Ganzkör
perschmerz und eine Kraftminderung seit dem Unfall im Jahr 200
6.
Hierzu erschein
e
diskrepant, dass keine Inaktivitätsatrophie im
Bereich
der Muskulatur vorliege. Die mangelnde Compliance bei der körperlichen Untersuchung
sei nicht durch eine erkennbare strukturelle orthopädische Läsion zu erklären. Hier sei eine bewusstseinsnahe Darbietung von Einschränkungen und Beschwerden wahr
scheinlich.
Zusammenfassend
finde sich kein klinisches Korrelat für die geklagten Beschwer
den auf orthopädischem Fachgebiet. Der Beschwerdeführer sei au
ch
nicht als arbeitsunfähig anzusehen
(S. 33 Ziff. 2.3.4)
.
5.3.5
Dr.
I._
führte in seinem psychiatrischen Teilgutachten aus, es bestehe kein An
halt für eine die Arbeitsfähigkeit mindernde Erkrankung im psychiatrischen Fachgebiet (S. 38 Zi
ff. 2.4.3). Ausweislich des hiesigen AMDP-konform erhobe
nen psychiatrischen Befundberichtes und deutlich diskrepant zum Beschwerde
vortrag seien keine namhaften Beeinträchtigungen zu objektivieren, insbesondere seien Stimmung, Antrieb und affektive Schwingungsfähigkeit nicht gestört, ein namhaftes depressives Syndrom sei somit nicht zu attestieren. Auch für eine an
dere psychiatrische Erkrankung fänden sich keine Anhaltspunkte. Eine Angst- oder Zwangserkrankung, Persönlichkeitsstörung, Suchterkrankung,
Trauma
folgestörung
oder anderweitige psychiatrische Erkrankung lägen nicht vor. Auch eine somatoforme Schmerzstörung sei nicht zu diagnostizieren. Ein den Schmer
zen zugrundeliegender erheblicher und unbewältigter seelischer oder psycho
sozialer Konflikt sei anamnetisch nicht herauszuarbeiten. Auch wirke der Beschwerdeführer in und vor allem ausserhalb der formalen Untersuchungs
situation nicht namhaft schmerzgeplagt (S. 38 Ziff. 2.
4
.4).
5.3.6
Die
testpsychologische Erhebung
von
J._
erbrachte formal unterdurch
schnittliche Leistungen in den Bereichen des visuellen Gedächtnisses. Das Test
verfahren im Bereich des
konvergenen
Denkens habe gemäss Gutachter abgebro
chen werden müssen, da der Beschwerdeführer nicht ausreichend motiviert mitgearbeitet habe. Das
Beschwerdevalidisierungsverfahren
habe deutliche Hinweise auf eine erhebliche Antwortverzerrung (Aggravation, Simulation) erbracht (S. 45 oben Ziff. 2.5.4). Aus dem kortikalen Strukturdefekt resultierende kognitive Ein
schränkungen hätten sich angesichts der Hinweis
e
auf
eine
bewusstseinsnahe Verfälschung methodisch nicht ausreichend abgrenzen lassen. Aktenkundig sei
en
weiter eine traumatisch bedingte Persönlichkeitsveränderung und Verhaltensauf
fälligkeiten diskutiert worden. Das hier gebotene klinische Bild sei jedoch zumin
dest ebenso gut einer bewusstseinsnahen Darbietung von Auffälligkeiten ge
schuldet. Typische Phänomene einer Frontalhirnläsion fehlten jedoch. Eine orga
nische Verhaltens- oder Persönlichkeitsstörung sei also allenfalls als möglich an
zusehen. Die bildmorphologisch beschriebenen Läsionen seien zudem ausgedehnt und kämen durchaus auch asymptomatisch vor. Der Bildbefund allein belege also keine klinisch relevante Störung.
Zusammenfassend sei eine hirnorganisch bedingte Störung als möglich, jedoch nicht überwiegend wahrscheinlich anzusehen, mithin sei keine invalidisierende Gesundheitsstörung zu attestieren (S. 45 Ziff. 2.5.4).
5.4
RAD-Arzt Dr. med.
N._
, Facharzt für Chirurgie, erachtete in seiner Stellungnahme vom 28. Juni 2017 (Urk. 6/97/3) das
L._
-Gutachten für beweistauglich.
Es bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit seit spätestens 22. Juni 2017, wobei dem Beschwerdeführer jedwede Tätigkeit zumutbar sei. Als medizinische Massnahme sei eine Analgetika-Entgiftung und –Entwöhnung durchzuführen. Anzumerken bleibe, dass erfreulicherweise eine Besserung des Allgemeinzustandes beziehungsweise eine
restitutio
ad
integrum
per Gutachter
datum bestätigt worden sei. Überwiegend wahrscheinlich habe diese schon seit langer Zeit bestanden, habe jedoch nun plausibel dargelegt werden können. Eine baldige Arbeitssuche werde empf
ohlen
.
5.5
Am 21. November 2017
(Urk. 6/108)
nahmen die Gutachter der
L._
zum Ein
wand des Beschwerdeführers
(vgl. Urk. 6/102)
Stellung. Es seien keine neuen medizinischen Aspekte und keine neuen Berichte mit abweichenden Befunden
oder neuen Erkrankungsdiagnosen vorgelegt worden. Ihre gutachterlichen Erhe
bungen seien umfänglich und vollständig, vor allem in Hinblick auf die berich
teten Beschwerden, ebenso die Befunde und die nachfolgende Diskussion unter Be
rücksichtigung der Vorberichte (S. 1).
5.6
RAD-Arzt Dr.
N._
nahm am 4. Dezember 2017 Stellung (Urk. 6/111/3). Er führte aus, es
sei
unter anderem kritisiert worden, das psychiatrische Gutachten sei nicht ausführlich genug. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass das Gut
achten nur deshalb so kurz ausgefallen sei, weil es nichts Signifikantes und von Relevanz zu beschreiben gegeben habe. Auch werde kritisiert, das neurologische Gutachten würde die neurologischen Defizite des Beschwerdeführers nicht aus
reichend beschreiben. Nun sei versicherungsmedizinisch davon auszugehen, dass ein gutachterlich zertifizierter Neurologe durchaus im Stande sei, eine derartige, wie vom Beschwerdeführer vorgebrachte
,
massiv ausgeprägte neurologische Er
krankung zu erkennen und zu beschreiben. Dies auch im zeitlichen Verlauf und nicht nur im Moment. Jedoch sei es bei fehlender Symptomatik unmöglich, eine valide Beschreibung einer nichtexistierenden Erkrankung abzugeben. Daher werde aus versicherungsmedizinischer Sicht empfohlen, weiterhin auf das sehr gute Gutachten und
die
Stellungnahme des RAD vom 28. Juni 2017
mit
den darin formulierten Empfehlungen abzustellen (S. 1).
6.
6.1
Da im Rahmen der im
Mai
2011 eingeleiteten Rentenrevision (vgl. Urk. 6/66) mit am 22. Juli 2011 erfolgter Bestätigung der unveränderten Invalidenrente (Urk. 6/70) keine
eingehende
materielle Prüfung des Sachverhaltes vorgenommen wurde, indem lediglich Berichte der
E._
-Ärzte vom 14. März 2011 (vgl. vorste
hend 4.2) und des behandelnden Hausarztes Dr.
F._
vom 5. Juli 2011 (vgl. vor
stehend E. 4.3) eingeholt wurde
n
, ist als Vergleichszeitpunkt, ob eine revisions
relevante Veränderung des gesundheitlichen Zustandes des Beschwerdeführers eingetreten ist, auf die erstmalige
Rentenzusprache
abzustellen (vgl. vorstehend E. 1.3
)
.
6.2
Die erstmalige
Rentenzusprache
mit Verfügung vom 24. Januar 2011 (Urk. 6/
63
) st
ützte sich vor allem auf die Beurteilung der Ärzte der Rehaklinik
Y._
vo
m
September und Oktober 2006 (vgl. vorstehend E. 3.2)
und der
RAD-Einschätzung
durch
Dr. Wüst von Ende Januar 200
8
(Urk. 6/51/6), wonach der Beschwerde
führer an den Folgen eines Unfalles im Februar 2006 mit Schädelfrakturen leide, welche zu einer noch unklaren depressiven Symptomatik und einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit geführt habe.
6.3
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) in medizinischer Hinsicht auf das polydisziplinäre Gutachten der
L._
vom 22. Juni 2017 (vgl. vorstehend E. 5.3)
und ging davon aus, dass keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestehe und eine 100%ige Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in jeder angepassten Tätigkeit gegeben sei (vgl. vorstehend E. 2.1).
Das polydisziplinäre Gutachten der
L._
vom
22. Juni 2017 (vgl. vorstehend E. 5.3)
beruht auf den erforderlichen
allgemeininternistischen,
neurologischen, neuropsychologischen, psychiatrischen und orthopädischen Untersuchungen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde - entgegen der Ansicht des Beschw
erdeführers (vgl. vorstehend E.
2.2) - in Kenntnis der und in Auseinan
dersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt. Die Gutachter legten die me
dizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilten die medizinische Situation überzeugend und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten des Beschwerdeführers, namentlich mit der gezeigten Aggravati
on der Beschwerden
,
auseinander und gelangten zur
Einschätzung einer
bestehenden
vollständigen Arbeitsfähigkeit
.
Das Gutachten erfüllt damit die Anforderungen an eine beweiskräftig
e Expertise (vgl. vorstehend E.
1.4), so dass grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.
6.4
Die Kritik des Beschwerdeführers am
L._
-Gutachten (vgl. vorstehend E. 2.2) ändert nichts an dessen Beweiswert.
Die aufgeworfenen Kritikpunkte
beziehungs
weise Annahmen
(Urk. 1 S. 4 ff.)
erweisen sich als unzutreffend
und/oder vermö
gen nicht zu überzeugen
.
So haben bezüglich der Verhaltensweisen des
Beschwerdeführer
s bereits die damaligen Ärzte
im Rahmen der
Rentenzusprache
auf inkonsistente Befunde hingewiesen (vgl. vorstehend E. 3.2).
Inwiefern die neurologische Begutachtung unsorgfältig gewesen sein soll (vgl. Urk. 1 S. 4 f.) geht ebenfalls nicht hervor. Dr.
O._
hat gestützt auf aktuelle bildgebende Befunde seine Schlussfolgerungen gezogen und
sich mit den frühe
ren Fachberichten auseinandergesetzt.
Sehr wohl nahm er Bezug auf das früher diagnostizierte Defektresiduum des anlässlich des Unfalles im Jahr 2006 erlitte
nen schweren Schädelhirntraumas, konnte ein solches hingegen aufgrund der Analgetika-
Cephalgie
und der vom Beschwerdeführer gezeigten demonstrativen Darbietung von Einschränkungen und Beschwerden nicht (mehr) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestätigen.
Gemäss seiner nachvollziehbaren Ein
schätzung sei der reversible Effekt der erheblichen Fehlmedikation hinsichtlich Prognose und der Frage einer invalidisierenden Gesundheitsstörung in den frühe
ren medizinischen Beurteilungen zwar erkannt, aber nicht ausreichend berück
sichtigt worden (vgl. vorstehend E. 5.3.3).
Dies sah auch der RAD-Arzt der
Beschwerdegegnerin so, welcher diesbezüglich am 4. Dezember 2017 Stellung nahm (vgl. vorstehend E. 5.6).
Ebenso erweist sich das
psychiatrische
Teilgutachten von Dr.
I._
entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 1 S. 5 lit. b) als beweistauglich.
Wie das Bundesgericht festgestellt hat, hängt der Aussagegehalt eines Gutachtens zu
vorderst davon ab, ob die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüs
sig ist. Trifft dies zu, ist die
Untersuchungsdauer
grundsätzlich nicht entscheidend (Urteil des Bundesgerichts 9C_352/2013 vom 3. Juli 2013
E.
4).
Die von Dr.
I._
durchgeführte
psychiatrische Begutachtung erweist sich daher als ausreichend
, zumal keine Diagnose mit Krankheitswert erhoben werden konnte (vgl. E. 5.3.5)
.
Der neuropsychologische Gutachter der
L._
stellte zwar bildmorphologisch
geringgradige
Kontusionsnarben nach einem Schädelhirntrauma im Jahr 2006 fest, jedoch lasse sich daraus nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit eine invalidisierende Gesundheitsstörung attestieren (vgl. vorste
hend E. 5.3.6), womit
der Einwand des
Beschwerdeführers,
wonach
mindestens eine 50%ige Wahrscheinlichkeit für die Hypothese
einer hirnorganischen Störung bestehe, ins Leere
stösst
(vgl. Urk. 1 S. 6).
6.5
Auch die Berichte der behandelnden Ärzte vermögen an der Schlüssigkeit des
L._
-Gutachtens
nichts
zu ändern, zumal die Berichte zeitlich allesamt vor Erstattung des Gutachtens erstellt wurden (vgl. vorstehend E. 4.2-4.3; E. 5.2).
Zu
dem stellte Hausarzt Dr.
F._
eine fachfremde Diagnose (vgl. 5.2).
Die von den Ärzten des
E._
(vgl. vorstehend E. 3.8, E. 3.10 und E. 4.2)
abweichende Ein
schätzung betreffend Diagnosen und Arbeitsfähigkeit
vermögen nebst diesem Umstand auch sonst nicht zu überzeugen
. Diese lässt vielmehr die Verschieden
heit von Behandlungs- und Begutac
htungsauftrag (BGE 137 V 210 E. 1.2.4, 124 I 170 E.
4) zu Tage treten und die Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärzte und Ärztinnen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstel
lung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
6.6
Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation, liegt
regelmässig
keine versicherte Gesundheitsschädigung vor. Eine solche Ausgangslage ist etwa gegeben, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisie
rung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in An
spruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverstän
digen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (BGE 131 V 49
E. 1.2 mit Hinweisen). Nicht per se auf Aggravation weist
blosses
verdeutlichen
des Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1).
Die Gutachter der
L._
hielten in ihrem Gutachten vom Ju
n
i 2017 verschiedentlich ein
aggravierendes
Verhalten des Beschwerdeführers fest. Abge
se
hen davon, dass
bei der neuropsychologischen Untersuchung die
Symptom
vali
dierung auf ein verfälschtes Antwortverhalten des Beschwerdeführers hingewie
sen hatte (vgl. vorstehend E. 5.3.
6
)
, führte Dr.
G._
in seinem internistischen Teilgutachten aus, auffällig sei eine deutliche Diskrepanz zwischen dem musku
lösen Körperbau mit zeitweise nahezu unauffälligem Gangbild und der angege
benen diffusen Kraftlosigkeit (vgl. vorstehend E. 5.3.2).
Ebenso stellte der ortho
pädische Gutachter Dr.
H._
eine Diskrepanz über
den
vom Beschwerdefüh
rer geklagten generalisierten Ganzkörperschmerz und
die
Kraftminderung seit dem Unfall 2006 und der fehlenden Inaktivitätsatrophie im Bereich der Musku
latur fest (vgl. vorstehend E. 5.3.4).
Auch Dr.
M._
fand bei anamnestisch be
richteter allgemeiner Schwäche keine Atrophien, Reflexauffälligkeiten oder Paresen (vgl. vorstehend E. 5.3.3).
Weiter
bestand eine deutliche Diskrepanz zwi
schen de
m
von Dr.
I._
erhobene
n
beeinträchtigungslose
n
psychiatrische
n
Be
fund
und dem Beschwerdevortrag (vgl. vorstehend E. 5.3.5).
6.7
Im Vergleich zu den Untersuchungen in den
Jahren 2006 bis 2010, welche zur
Rentenzusprache
führten (vgl. vorstehend E. 3), konnten die
L._
-Gutachter keine psychische Störung mehr feststellen
(vgl. vorstehend E. 5.3.1)
. Weiter
wurde eine Verbesserung des Allgemeinzustandes des Beschwerdeführers festgestellt
(vgl. vorstehend E. 5.4), zumal im
Rentenzuspracheverfahren
von Dr.
Z._
eine muskuläre
Dekonditionierung
festgestellt
worden war
(vgl. vorstehend E. 3.4), welche indes im vorliegenden Revisionsverfahren nicht mehr erhoben werden konnte (vgl. vorstehend E. 5.3.2)
.
Ein Revisionsgrund wäre auch
gemäss
Entscheid des Bundesgerichts
zu bejahen,
wonach
eine - wie vorliegend - neu im Revisionsverfahren aufgetretene Aggra
vation der
Beschwerden (vgl. vorstehend E.
6
.6) ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG darstellt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_60
2/2016 vom 14. Dezember 2016 E.
5.2.2.2.).
6.8
Aufgrund des Gesagten hat die Beschwerdegegnerin damit zu Recht das Vorliegen eines Revisionsgrundes bejaht, weshalb der Rentenanspruch ohne Bindung an frühere Beurteilungen neu geprüft werden kann. Ausgehend vom beweiskräftigen
L._
-Gutachten vom
Ju
ni
2017
liegt nach dem Gesagten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein wesentlich gebesserter Gesundheitszustand und damit eine vollständige Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers vor.
Die Verbesserung ist
spätestens seit Gutachtensdatum eingetreten.
7.
Zusammenfassend
ist der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu erachten, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers spätestens ab
Juni 2017
massgeblich
verbessert hat und ab diesem Zeitpunkt von einer unein
geschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen ist.
Vor diesem Hintergrund drängen sich
keine weiteren Sachverhaltserhebungen hinsichtlich des Gesundheitszu
stands auf (
antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 124 V 90 E.
4b, 122 V 157 E. 1d und 136 I 229 E. 5.3)
, weshalb
-
entgegen dem Antrag des Beschwerdefüh
rers (Urk. 1 S. 2 Ziff. 2)
-
kein Anlass für weitere Abklärungen besteht.
Die am 29. Dezember 2017 verfügte Einstellung der Invalidenrente auf Ende des folgenden Monats erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Besc
hwerde führt.
8.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche
rung; IVG) und auf Fr. 900.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen
.