Decision ID: 3dccc6a3-4c4e-47f9-9a79-9f039837ecc3
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1
.
1.1
X._
, geboren
1969
, arbeitete als Kassiererin für die
Y._
in einem 90%igen Pensum (Urk. 9/12/2-3), als sie sich am 12. Februar
2013 bei einem Sturz an der rechten Schulter verletzte (Urk. 9/20/12, Urk. 9/20/31). Wegen persistierenden Schulterbeschwerden rechts liess sich die Versicherte ab Mai 201
3 von ihrer Hausärztin Dr. med. Z._
, Fachärztin für Allgemeinmedizin, behandeln (Urk. 9/20/12-13, Urk. 9/20/27). Die am 19. September 2013 erstellte
Arthro
-Magnetresonanztomographie ergab eine kleine
transmurale
Ruptur der
Supraspinatussehne
ohne Atrophie und eine fort
geschrittene AC-
Arthropathie
mit Ganglion nach kranialer
Bizepstendinopathie
(Urk. 9/20/26). Am 22. November 2013 wurde die Versicherte an der rechten Schulter mittels Schulterarthroskopie in der Uni
versitäts
klinik
A._
operiert (Urk. 9/10/12-13). Die Unfallversicherung
B._
Versicherungen, SWICA Dienstleistungszentrum, anerkannte ihre Leistungspflicht als Unfallversicherer, welche sie per Ende Juli 2015 einstellte (
Urk.
9/73/2).
1.2
Am 7. April 2014 hatte sich die Versicherte bei der Eidgenössischen Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 9/1). Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nach
folgend: IV-Stelle), klärte die erwerb
lichen und medizinischen Verhältnisse ab. Unter anderem holte sie die Akten des Unfallversicherers mit dem Gutachten von Dr. med.
C._
, Fachärztin für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 4. August 2015 (Urk. 9/37/2-25) ein.
Mit
Verfügung vom 9. Dezember 2016
sprach die IV-Stelle der Versicherten
eine
Viertelsrente
mit Wirkung vom 1. November 2014 bis zum 31. Mai 2015 bei einem Invaliditätsgrad von 44 % zu (Urk. 9/99), wobei sie die
Viertelsrente
jedoch bis am 31. Mai 2016 zur Auszahlung verfügte (Urk. 9/100/1).
Die dagegen am 10. Januar
2017 erhobene Beschwerde der Versicherten (Urk. 9/103/3-12) hiess das Sozialversicherungsgericht des
Kantons
Zürich mit Urteil IV.2017.00026 vom 31. Januar 2018 in dem Sinne gut, dass es die Sache zur ergänzenden medizinischen Abklärung im Sinne der Erwägungen und neuer Verfügung über den Rentenanspruch der
Versicherten
ab November 2014 zurück
wies (Urk. 9/120/11).
1.3
Die IV-Stelle holte daraufhin von den behandelnden Ärzten Verlaufsberichte ein (Berichte von
Dr.
Z._
vom
8.
Mai 2018 [Urk
. 9/129/1-3] und von Dr. med.
D._
, Facharzt für Rheumatologie, vo
m
2. Juli 2019 [Urk. 9/150]). Ausserdem gewährte sie der Versicherten berufliche Eingliederungsmassnahmen
mit Arbeitsvermittlung, Assessment, Suche Trainingsplatz (Urk. 9/136, Urk. 9/
142)
und Arbeitsversuch, Akquisitionsphase/Stellenbetreuung und Nachbetreuung (Urk. 9/143, Urk. 9/146), welche sie mit Mitteilung vom 1
7.
Juli 2019 mangels Steigerung der Arbeitsfähigkeit aus subjektiven gesundheitlichen Gründen und aufgrund der Notwendigkeit weiterer medizinischer Abklärungen nach dem Arbeitsversuch einstellte (Urk. 9/151). In der Folge holte die IV-Stelle die Eva
luation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) des Arbeitsmedizin Zentrums
E._
vom 1
6.
September 2019 (
Urk.
9/158/1-80) und das monodisziplinäre Gutachten von
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Rheumatologie, vom 6. Novem
ber 2019 (Urk. 9/159/1-80) ein, der auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten, leidensangepassten Tätigkeit wie jener als Kassiererin (ohne Einsatz im Lager oder im Verkaufslokal) ab dem
8.
August
2017 schloss (Urk. 9/159/77-78).
Mit Mitteilungen vom 3. März 2020 und vom 29. Juni 2020 wurden der Ver
sicherten erneut berufliche Eingliederungsmassnahmen mit Arbeitsvermittlung,
Assessment, Suche Trainingsplatz und Arbeitsversuch, Akquisitionsphase, Stellen
betreuung sowie Nachbetreuung gewährt (Urk. 9/160, Urk. 9/170).
1.4
Mit Vorbescheid vom 28. Oktober 2020 kündigte die IV-Stelle die Rückforderung der vom
1.
November 2014 bis 31. Mai 2016 ausbezahlten Rente an (Urk. 9/183). Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom
5.
November 2020, ergänzt mit Schreiben vom 27. November 2020, Einwände (Urk. 9/185, Urk. 9/188). Mit Ver
fü
gung vom 4. Januar 2021 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Versi
cherten auf eine Rente und forderte wie angekündigt die vom
1.
November 2014 bis 3
1.
Mai 2016 ausbezahlte Rente zurück (Urk. 2). Gestützt darauf verfügte die
Ausgleichskasse F._
am
6.
Januar 2021
eine Rückforderung von der Versicher
ten
von Fr. 6'326.--, welcher Betrag durch Abzug der Auszahlung an die Krankentag
geldversicherung SWICA von
Fr.
6'683.-- vom Gesamtbetrag der ausbezahlten Rentenleistungen von Fr. 13'009.-- resultierte (Urk. 3 = Urk. 9/197). Dagegen erhob die Versicherte am 12. Januar 2021
bei der Ausgleichskasse
Einsprache (
Urk.
9/202).
2.
Mit Eingabe vom 1
2.
Januar 2021 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die
Verfügung der IV-Stelle vom
4.
Januar 2021
und beantragte, die Verfügung vom
4.
Januar 2021 sei insofern aufzuheben, als die zwischen dem
1.
November 2014 und dem 3
1.
Mai 2016 ausgerichteten Renten von ihr zurückgefordert w
ürden
; eventualiter sei die Verfügung vom 4. Januar 2021 so abzuändern, dass sie ver
pflichtet werde, Fr. 6'326.-- zurückzuerstatten. Die Rückforderungsverfügung vom 6. Januar 2021 sei aufzuheben (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss
in der Beschwerdeantwort vom
4.
März 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk. 8), was der Beschwerdeführerin am 1
6.
März 2021 mitgeteilt wurde (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Im Zusammenhang mit der Zusprechung von Invalidenrenten sind die Aufgaben zwischen IV-Stellen und Ausgleichskassen gesetzlich aufgeteilt: Die IV-Stellen klären die versicherungsmässigen Voraussetzungen ab, bemessen die Invalidität und verfügen über die Leistungen der Invalidenvers
icherung (
Art.
57
Abs.
1
lit
. c, f und g
IVG). Die Ausgleichskassen wirken bei der Abklärung der versicherungs
mässigen Voraussetzungen mit, berechnen die Re
nten und zahlen diese aus (Art. 60 Abs. 1
lit
. a
, b und c IVG
;
BGE 146 V 217 E. 3.2
).
1.5
1.5.1
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (
Art.
25
Abs.
1 erster Satz ATSG).
Rückerstattungspflichtig
sind nebst dem Bezüger oder der Bezügerin auch Dritte oder Behörden, mit Ausnahme des Vormundes oder der
Vormundin
, denen
Geld
leistungen
zur Gewährleistung zweckgemässer Verwendung nach
Art.
20 ATSG
oder den Bestimmungen der Einzelgesetze ausbezahlt wurden (
Art.
2
Abs. 1
lit
. a und
b
in der bis Ende 2020 geltenden Fassung
der
Verordnung über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungs
rechts, ATSV; Urteil des Bundesgerichts 9C_471/2019 vom 3
0.
Oktober 2019 E. 2.2.3). Über den Umfang der Rückfor
de
rung wird eine Verfügung erlassen (Art. 3
Abs.
1 ATSV).
1.5.2
Gemäss
Art.
25
Abs.
2 erster Satz ATSG
(in der bis Ende 2020 geltenden Fassung)
erlischt der Rückforderungsanspruch mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat
(relative Verwirkungs
frist)
, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der e
inzelnen Leistung (absolute Verwirkungsfrist; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_208/2021 vom 3
0.
Juli 2021 E. 2 und E. 3.1).
Bei den genannten Fristen handelt es sich um Verwirkungsfristen (BGE
146 V 217 E. 2.1 mit Hinweisen
).
Als solche können sie nicht unterbrochen, sondern nur gewahrt werden (BGE 136 II 187 E. 6).
Am
1.
Januar 2021 traten die geänderten Bestimmungen ATSG und der ATSV in Kraft (vgl. dazu
IV-Rundschreiben
des Bundesamtes für Sozialversicherungen
BSV
Nr. 406 vom 2
2.
Dezember 2020
). Dabei wurde d
ie
relative
Verwirkungsfrist
von Art. 25 Abs.
2 erster Satz ATSG
von
einem auf drei Jahre verlängert.
1.5.
3
Unter der Wendung
«
nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat
»
, ist der Zeitpunkt zu verstehen, in dem die Verwaltung bei Beach
tung der gebotenen und zumutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass
die Voraussetzungen für eine Rückerstattung bestehen, oder mit andern Worten, in welchem sich der Versicherungsträger hätte Rechenschaft geben müssen über Grundsatz,
Ausmass und Adressat des Rückforderungsanspruchs. Ist für die Leis
tungs
festsetzung (oder die Rückforderung) das Zusammenwirken mehrerer mit der Durchführung der Versicherung betrauter Behörden notwendig, genügt es für den Beginn des Fristenlaufs, dass die nach der Rechtsprechung erforderliche Kennt
nis bei einer der zuständigen Verwaltungsstellen vorhanden ist (BGE 140 V 521 E. 2.1
, 139 V
6
E.
4.1
,
139 V 106 E. 7.2.1; je mit Hinweisen).
Beruht die unrechtmässige Leistungsausrichtung auf einem Fehler der Verwal
tung, wird die einjährige
(respektive ab dem 1. Januar 2021 dreijährige)
relative Verwirkungsfrist gemäss
Art.
25
Abs.
2 erster Satz ATSG nicht durch das erst
malige unrichtige Handeln der Amtsstelle ausgelöst. Vielmehr ist auf jenen Tag abzustellen, an dem das Durchführungsorgan später - beispielsweise anlässlich einer Rechnungskontrolle oder aufgrund eines zusätzlichen Indizes - unter An
wendung der ihm zumutbaren Aufmerksamkeit seinen Fehler hätte erkennen müssen (BGE 139 V 570 E. 3.1
,
124 V 380
E. 1,
122 V 270
E. 5b/
aa
;
zum Ganzen: BGE 146 V 217 E. 2.1-2.2).
1.5.
4
Der Fristenlauf beginnt frühestens mit der tatsächlichen Ausrichtung der unrecht
mässigen Leistung (
BGE 112 V 180
E. 4a; Urteile des Bundesgerichts 9C_473/2012 vom 9. November 2012 E. 3 und 8C_580/2018 vom 9. Januar 2019 E. 4.3.5).
Im Invalidenversicherungsrecht werden die relative einjährige und die absolute fünfjährige Verwirkungsfrist
durch den Erlass eines Vorbescheids
im Sinne von
Art.
73
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) gewahrt (BGE
133
V 579 E. 4.3.1
, 119 V 431 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts
9C_34/2018
vom 4. Dezember 2018 E. 1.1 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete den
angefochtenen Entscheid
damit
,
dass
gemäss der externen medizinischen Untersuchung ab November 2014 keine Arbeitsunfähigkeit bestanden
habe
; die bisher ausgeübte Tätigkeit als Kassiererin sei der
Beschwerdeführerin
vollumfänglich zumutbar. 100%ige Erwerbsunfähig
keiten könnten aufgrund der durchgeführten Magenoperation im Jahr 2015 und
nach der Schulteroperation im Jahr 2017 angenommen werden, welche indes keine
langandauernde gesundheitliche Einschränkung begründen würden. Die Beschwer
de
führerin
sei in ihrer Erwerbsfähigkeit nicht mindestens während der Dauer von einem Jahr eingeschränkt gewesen. Es bestehe daher kein Anspruch auf eine Inva
lidenrente. Da die Verfügung vom 9. Dezember 2016 durch das Sozialver
sicherungsgericht aufgehoben worden sei, liege kein rechtmässiger Entscheid für die vom 1. November 2014 bis 31. Mai 2015 geleisteten Rentenzahlungen vor. Zusätzlich habe die Ausgleichskasse Rentenzahlungen fälschlicherweise bis
am 3
1.
Mai 2016
ausbezahlt. Die Rente werde somit rückwirkend vom 1. November 2014 bis 31.
Mai
2016 zurückgefordert. Die Verjährungsfrist sei gewa
hrt, weil sie, die Beschwerdegegnerin
,
mit dem Gerichtsurteil vom 3
1.
Januar 2018 davon Kenntnis erhalten habe, dass mit der Rentenverfügung vom
9.
Dezember
2016 zu viel Rentenleistungen ausbezahlt worden seien,
die Auszahlung der Renten
leis
tungen sei im Dezember 2016 erfolgt (Urk. 2 S. 1 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, mit der Verfügung der
Beschwer
degegnerin
vom 4. Januar 2021 (
Urk.
2) werde ohne Einschränkung die Rente vom 1. November 2014 bis 31. Mai 2016 zurückgefordert. Daraus gehe nicht her
vor, dass von ihr nur ein Teil vom Gesamtbetrag der Rentenleistungen für diesen Zeitraum von insgesamt Fr. 13'062.-- inklusive Zins, und zwar der Betrag von
Fr.
6'326.--, zurückgefordert werde. Richtigerweise wäre der (übrige) Teil von
Fr.
6'683.-- von der Krankentaggeldversicherung SWICA und nicht von ihr, der
Beschwerdeführerin
, zurückzufordern. Selbst die Ausgleichskasse gehe in ihrer Verfügung vom
6.
Januar 202
1
(
Urk.
3) davon aus, dass nur der Betrag, der an
sie, die Beschwerdeführerin, direkt ausbezahlt worden sei, zurückgefordert werden
könne, indem diese den Rückforderungsbetrag auf Fr. 6'326.-- festgelegt habe.
Im Urteil sei festzuhalten, dass sie nur
Fr.
6'326.-- zurückzuerstatten habe, wenn der Anspruch auf Rückerstattung bejaht werde.
Die SWICA habe (einen Teil der) Rentenbeträge ausbezahlt erhalten, weil sie Krankentaggelder ausgerichtet habe und sie die Renten an ihre Leistungen anrechnen dürfe. Der Anspruch auf Kran
ken
taggelder bleibe bestehen, auch wenn kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe. Würden die Rentenleistungen, welche die SWICA erhalten habe, von ihr, der
Beschwerdeführerin
, zurückgefordert, würde dies zu einem falschen Resultat führen. Sie müsste im Endergebnis die Krankentaggelder zurückerstatten, auf welche sie Anspruch habe. Dagegen habe die SWICA keinen Anspruch auf die Auszahlung der Invalidenrente, wenn kein Anspruch bestehe.
Daher müsse der Betrag von Fr. 6'683.-- von der SWICA zurückgefordert werden.
Beachtlich sei ausserdem, dass die Rentenleistungen für die Zeit vom
1.
November
2014 bis 3
1.
Mai 2015 zurückgefordert würden, weil die
Beschwerdegegnerin
zuerst von einer Invalidität ausgegangen sei. Dagegen würden die Rentenleistungen für die Zeit vom
1.
Juni 2015 bis 3
1.
Mai 2016 zurückgefordert, weil
die Ausgleichskasse die Rente irrtümlich auf den 3
1.
Mai 2016 anstatt auf den 3
1.
Mai 2015 terminiert habe
. Die Rentenleistungen für die erste Periode seien im Rahmen der Leistungs
be
rechnung gänzlich an die SWICA gegangen, jene für die zweite Periode seien an sie, die
Beschwerdeführerin
, ausbezahlt worden.
Daher sei nur zu prüfen, ob
die für die zweite Periode ausgerichteten Renten zurückgefordert werden könnten
.
Weil die Rückforderung verwirkt sei, könne diese Frage
offen bleiben
(
Urk.
1 S. 3
ff.).
Die Verwirkungsfrist gemäss
Art.
25
Abs.
2 ATSG in der bis zum 31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung von einem Jahr habe ab der Kenntnis der
Be
schwerdegegnerin
, dass sie die Rente fälschlicherweise bis am
31. Mai 2016 an
statt bis am 31. Mai 2015
ausgerichtet habe, begonnen, was spätestens ab dem 13. Januar 2018 der Fall gewesen sei. Der Vorbescheid, mit welchem die Rück
forderung angekündigt worden sei, datiere vom 28. Oktober 2020 (Urk. 9/183) und sei damit erst nach zwei Jahren, neun Monaten und 15 Tagen nach der Kenntnis der
Beschwerdegegnerin
von den zu Unrecht ausbezahlten Renten ergangen. Damit sei der Rückforderungsanspruch spätestens am 13. April 2019 verwirkt gewesen. Die
Beschwerdegegnerin
habe gemäss ihren Ausführungen im angefochtenen Entscheid sogar bereits mit dem Gerichtsurteil vom 31. Januar 2018 Kenntnis von zu viel ausbezahlten Rentenleistungen erhalten. Da sie bei dieser Aussage nicht nach den verschiedenen Perioden differenziert habe, habe sie diese Kenntnis auch in Bezug auf die Rentenleistungen für die erste Periode (vom
1.
November 2014 bis 3
1.
Mai 2015) gehabt, so dass auch diese Rückfor
derung verwirkt sei. Sofern die
Beschwerdegegnerin
der Ansicht sei, dass eine Verwirkungsfrist von drei Jahren gemäss
Art.
25
Abs.
2 ATSG in der ab
1.
Januar 2021 gültigen Fassung anwendbar sei, sei dies falsch. Denn die Rückforderung sei am
1.
Januar 2021 bereits verwirkt gewesen; der Rückforderungsanspruch
sei mithin bereits untergegangen gewesen, als die längere Verwirkungsfrist von Art. 25 Abs. 2 ATSG in Kraft getreten sei. Eine untergegangene Forderung könne indes nicht durch eine Rechtsänderung
wieder aufleben
. Die Übergangsbe
stim
mungen des ATSG würden ausserdem das Verbot der Rückwirkung vorsehen, indem
Art.
82 ATSG statuiere, dass materielle Bestimmungen des Gesetzes nicht anwendbar seien auf die bei seinem Inkrafttreten laufenden Leistungen und fest
gesetzten Forderungen. Am 1. Januar 2020 seien die neuen Bestimmungen des Obligationenrechts über die Verjährung in Kraft getreten. Art. 49 des Schlusstitels (
SchlT
) im Zivilgesetzbuch (ZGB) sehe für den Übergang vom alten zum neuen Recht vor, dass eine bereits verjährte Forderung verjährt bleibe und nicht wieder neu auflebe. Diese Regelung konkretisiere das allgemeine Verbot der Rückwir
kung. Sie sei daher auch im Sozialversicherungsrecht anwendbar. Daher könne die bereits verwirkte Rückforderung nicht durch eine längere Frist wieder auf
leben. Die
Beschwerdegegnerin
habe deshalb zu Unrecht die an sie ausbezahlten Renten zurückgefordert. Diese Rückforderung sei verwirkt. Aus den gleichen Gründen sei auch die Verfügung vom
6.
Januar 2021 aufzuheben (Urk. 1 S. 5 ff.).
2.3
2.3.1
Mit Urteil IV.2017.00026 vom 31. Januar 2018 hob das Sozialversicherungsge
richt des Kantons Zürich die Verfügung
der IV-Stelle
vom 9. Dezember 2016, mit welcher nach dem Unfall der
Beschwerdeführerin
vom 13. Februar 2013 aufgrund ihrer anhaltenden Beschwerden an der rechten Schulter (Urk. 9/20/12, Urk. 9/159/48-51) eine vom 1. November 2014 bis 31. Mai 2016 befristete
Vier
tels
rente
erlassen worden war (Urk. 9/99-100), auf und wies die
Beschwerde
gegnerin
an, nach ergänzenden medizinischen Abklärungen über den Rentenan
spruch ab November 2014 neu zu verfügen (Urk. 9/120/11). Die daraufhin vorge
nommenen Abklärungen haben unstrittig ergeben, dass die
Beschwerdeführerin
keinen Anspruch auf eine Rente hat (Urk. 9/190/7-10; Urk. 1, Urk. 2 S. 2).
Dem kann insbesondere mit Blick auf das nachvollziehbar begründete rheumato
logische Gutachten (inklusive EFL) von Dr.
G._
vom
6.
November
2019 (
Urk.
9/158-159) gefolgt werden. Danach ist der
Beschwerdeführerin
eine körper
lich leichte Tätigkeit mit Hantieren von Gewichten bis maximal 10 Kilogramm, oft bis 5 Kilogramm und selten mit 10 Kilogramm, sowie selten mit Arbeiten über Schulterhöhe sowie Kriechen in einem 100%igen Pensum
,
einschliesslich der angestammten Tätigkeit als Kassiererin (ohne körperlich schwere Arbeiten im Lager oder im Verkaufslokal)
,
zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit sei im betreffenden Zeitraum ab November 2014 lediglich durch die Magenoperation vom 2
6.
Juni 2015 und die Schulteroperation vom 2
7.
Juni 201
7
(Urk. 9/119/7)
beeinträchtigt gewesen und es habe in einer leidensangepassten Tätigkeit aufgrund dessen eine Arbeitsunfähigkeit vom 2
2.
Juni 2015 bis 1
2.
Juli 2018
(richtig: 2015; vgl. Urk. 9/159/73)
und vom 2
7.
Juni bis
7.
August 2017 bestanden. Ab dem
8.
August 2017 wäre der
Beschwerdeführerin
eine solche Tätigkeit wieder uneingeschränkt möglich gewesen (
Urk.
9/159/77-78).
Aufgrund dieser
gutachterlich attestierten Arbeitsfähigkeit
ist zu Recht unstrittig
, dass der Beschwerdeführerin mit Ausnahme von
einigen
Wochen im Juni bis Juli 2015 und im Juni bis August 2017 stets eine 100
%
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Kassiererin und in einer leidensangepassten Tätigkeit zumutbar war und dass sie damit ab November 2014 jedenfalls ein rentenau
s
schliessendes Einkommen hätte erzielen können.
Da folglich nach der Anmeldung der
Beschwerdeführerin
zum Leistungsbezug vom
7.
April 2014 (
Urk.
9/1) kein Anspruch auf eine Rente bestand, waren die ab
dem 1. November 2014 ausbezahlten Rentenleistungen (Urk. 9/100) unrecht
mässig
erfolgt.
2.3.2
Unstrittig ist ferner, dass zusätzlich hierzu der von der IV-Stelle ursprünglich bestimmte Rentenanspruch von der Ausgleichskasse nicht korrekt umgesetzt
worden war (zur Aufgabenteilung der beiden Behörden vgl.
Art.
57
Abs.
1
lit
. f-g
IVG, Art. 60 Abs. 1
lit
. b-c IVG, Art. 41 Abs. 1
lit
. d IVV, Art. 44 IVV). Denn in der Mitteilung des Beschlusses der IV-Stelle an die Ausgleichskasse vom 8. Novem
ber 2016 (Urk. 9/98/2) und auch in der von der IV-Stelle erstellten Ver
fügungsbegründung (
2.
Teil zur Verfügung vom 9. Dezember 2016; Urk. 9/99) war lediglich für die Monate November 2014 bis Mai 2015 ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
vorgesehen respektive festgestellt worden (Urk. 9/99/1-2). Dagegen wurde mit der von der Ausgleichskasse im Namen der IV-Stelle erstellten Verfü
gung vom 9. Dezember 2016
die
Viertelsr
ente
vom 1. November 2014 bis 31. Mai 2016 zugesprochen (Urk. 9/100). Die Ausgleichskasse hatte in Abweichung des Beschlusses der IV-Stelle die Rente somit irrtümlich um ein Jahr verlängert. Die Rentenleistung
en
für die Monate Juni 2015 bis Mai 2016 waren unstrittig bereits aufgrund dieses Fehlers unrechtmässig erfolgt.
2.3.3
Des Weiteren steht fest, dass insgesamt Invalidenrenten (Rente und Kinderrente) für die Monate November 2014 bis Mai 2016 im Gesamtbetrag von Fr. 13'062.-- (Fr. 13'009.-- zuzüglich Verzugszins von Fr. 53.--) ausgerichtet wurden und dass von diesem Betrag am 9. Dezember 2016
Fr.
6'379.-- an die
Beschwerdeführerin
und Fr. 6'683.-- an ihre
Krankentaggeldversicherung
SWICA ausbezahlt wurden (Urk. 9/100/2).
2.3.4
Es ist bei dieser Ausgangslage zu Recht unstrittig, dass grundsätzlich eine Rück
forderung der - wie sich herausgestellt hat - ohne Anspruch und damit unrecht
mässig erbrachten Rentenleistungen von insgesamt Fr. 13'009.-- zuzüglich Zins von Fr. 53.-- (Invalidenrenten von November 2014 bis Mai 2016, Urk. 3 S. 1) im Sinne von Art. 25 Abs.1 Satz 1 ATSG
begründet ist.
2.
4
Strittig und zu prüfen ist,
ob
die mit Verfügung vom
4.
Januar 2021 festgestellte Rückforderung der Rente vom
1.
November 2014 bis 31. Mai 2016 (Urk. 2) ver
wirkt ist und - sofern dies nicht der Fall ist - ob die Verfügung vom
4.
Januar 2021 (Urk. 2) dahingehend zu ändern ist, dass die
Beschwerdeführerin
zur Rück
erstattung von Fr. 6'326.-- (Urk. 3) verpflichtet wird.
3.
3.1
Hinsichtlich der Frage der Verwirkung der Rückforderung ist zunächst zu prüfen, ob die in
Art.
25
Abs.
2 ATSG vorgesehene Verwirkungsfrist hier in der bis Ende 2020 gültige gewesenen Fassung von einem Jahr oder in der ab dem
1.
Januar 2021 geltenden Fassung von drei Jahren anwendbar ist.
Weder das
IVG
noch das ATSG enthalten eine spezielle Übergangsbestimmung b
etreffend die Anwendbarkeit der Änderung der
Verwirkungsfrist nach
Art.
25
Abs.
2 ATSG.
Die Übergangsbestimmung
Art.
83 ATSG zur ATSG-Änderung vom 2
1.
Juni 2019 sieht
lediglich in allgemeiner Weise
vor, dass für im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderung vom 2
1.
Juni 2019 beim erstinstanzlichen Gericht hängige Beschwerden das bisherige Recht gilt.
Hier war bei Inkrafttreten der ATSG-Revision respektive der neuen Fassung von
Art.
25
Abs.
2 ATSG per 1. Januar 2021 die Beschwerde vom 1
2.
Januar 2021 mit Eingang am 1
3.
Januar 2021 (Urk. 1) noch nicht hängig, so dass jedenfalls nicht ohne Weiteres auf die Anwendbarkeit der alten und auch nicht - etwa e
contrario
- der neuen, verlän
gerten Verwirkungsfrist geschlossen werden kann. Es wäre denn auch stossend, wenn die IV-Stelle durch Zuwarten mit dem Entscheid über Rückforderungen bis zum 1. Januar 2021 die Anwendbarkeit der längeren dreijährigen Verwirkungs
frist hätte herbeiführen können.
Massgeblich
sind
hier die von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
für den Bereich der Verjährung/Verwirkung entwickelten übergang
s
rechtlichen Grund
sätze, wonach die Verjährungs- oder Verwirkungsbestimmungen des neuen Recht
s auf altrechtliche Ansprüche anwendbar
sind
, sofern diese vor dem In-Kraft-Treten des neuen Rechts entstanden und fällig, aber vor diesem Zeitpunkt noch nicht verjährt oder verwirkt sind
(BGE
131 V 425
E. 5.2 mit Hinweis auf BGE 102 V 206
E
.
2
,
111 II 1
86
, 107
Ib
203 f. E. 7b/
aa
; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts H
98/05 vom
6.
Dezember 2005
E. 5
)
. In diesem Sinne wurde in Ziffer 2 des IV-Rundschreibens des
BSV
Nr. 406 vom 22. Dezember 2020 («Revision des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts») dazu das Folgende ausgeführt
:
D
ie Anwendung der neuen Verwirkungsfristen auf bereits unter «altem Recht» entstandene und fällige Forderungen ist zulässig, soweit be
reits unter dem alten Recht eine Verwirkung vorgesehen wurde und soweit diese Verwirkung noch nicht eingetreten ist im Zeitpunkt de
s Inkrafttretens der neuen Best
imm
ungen
(vgl. BGE 131 V 425 E. 5.2, 134 V 353 E. 3.2, Urteil des Bun
desgerichts 1C_540/2014 vom
5.
Januar 2015 E. 3.1).
Wenn aber im Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Rechts eine relative oder absolute Verwirkungsfrist gemäss dem «alten»
Art.
25
Abs.
2 ATSG bereits verstrichen ist und die Forderung bereits verwirkt ist, so bleibt diese verwirkt, und es ändert sich durch das neue Recht nichts daran.
Davon ist auszugehen. Es gilt somit zu klären, wann die Verwirkungsfrist zu laufen begonnen hat und ob die bisher geltende einjährige Frist vor dem
1.
Januar 2021 verstrichen ist und die Rückforderung - wie von der
Beschwerdeführerin
geltend gemacht - dann bereits verwirkt war.
3.2
3.2.1
Entscheidend für den Fristenlauf ist der
Zeitpunkt, in dem die
Beschwerde
geg
nerin
bei Beachtung der gebotenen und zumutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Rückerstattung bestehen.
Dies ist dann der Fall, wenn alle im konkreten Einzelfall erheblichen Umstände zugänglich sind, aus deren Kenntnis sich der Rückforderungsanspruch dem Grundsatz nach und in seinem Ausmass gegenüber einer bestimmten rückerstat
tungspflichtigen Person ergibt (BGE 111 V 14 E.
3; Urteil
des Bundesgerichts
8C_
631/2013 vom 2
6.
Februar 2014 E. 2.2 mit Hinweis
).
Es genügt mithin nicht, dass bloss Umstände bekannt sind, die möglicherweise zu einem Rückforde
rungs
anspruch führen können, oder dass der Anspruch nur dem Grundsatz nach, nicht aber in
masslicher
Hinsicht feststeht (
Urteil des Bundesgerichts K 70/06 vom 3
0.
Juli 2007 E. 5.1
mit Hinweis auf BGE 128 V 10 E. 5a, 112 V 180 E. 4a).
3.2.2
Hier wurde mit Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich IV.2017.00026 vom 3
1.
Januar 2018 die Rentenverfügung vom
9.
Dezember 2016 (Urk. 9/99-100) aufgehoben und die Sache zu ergänzenden medizinischen Abklä
rungen mit fachärztlich-gutachterlicher Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ab dem 22. November 2014 an die
Beschwerde
geg
nerin
zurückgewiesen (Urk. 9/120/10-11). I
m Zeitpunkt der Rückweisung an die
Beschwerdegegnerin
stand
der Rentenanspruch aufgrund der ungenügenden medizinischen Abklärungen
folglich
noch nicht
fest
und dementsprechend
war auch noch unklar
, ob und in welchem Umfang ei
n Rückforderungsanspruch be
steht. Insbesondere war im Zeitpunkt der Rentenaufhebung für die
Beschwerde
gegnerin
noch nicht absehbar, dass nach weiteren Abklärungen ein Rentenan
spruch gänzlich zu verneinen sein würde. Die daraufhin erfolgten medizinischen
Abklärungen, insbesondere die Einholung des rheumatologischen Gutachtens von
Dr.
G._
vom 6. November 2019 (Urk. 9/159/1-80), waren notwendig, um eine neue,
rechtsgenüg
ende Entscheidgrundlage zu erstellen. Erst ab Eingang des Gutachtens am 7. November 2019 (vgl. Aktenverzeichnis zu Urk. 9) war es der
Beschwerdegegnerin
daher möglich, abschliessend über den Rentenanspruch neu zu befinden und dabei festzustellen, dass die bisher ausgerichteten Rentenleis
tungen unrechtmässig erfolgt waren und daher zurückzuerstatten sind.
Der Beginn der Verwirkungsfrist nach
Art.
25
Abs.
2 ATSG ist somit auf den 7. November 2019 festzusetzen, der Ablauf der einjährigen Frist wäre entspre
chend am 7. November 2020 erfolgt.
3.2.3
Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin
ist in Bezug auf die irrtümlich für die Monate Juni 2015 bis Mai 2016 verfügten und ausbezahlten Rentenleistungen («zweite Periode», Urk.1 S. 5) kein anderer Fristbeginn anzunehmen. Zwar trifft es zu, dass die
Beschwerdegegnerin
diesen Irrtum der Ausgleichskasse respektive die offensichtliche Diskrepanz zwischen der Rentenbefristung gemäss der Verfü
gung vom 9. Dezember 2016 per Ende Mai 2016 einerseits und jener gemäss ihrer Mitteilung an die Ausgleichskasse vom 8. November 2016 (Urk. 9/98) sowie ihrer Verfügungsbegründung (Urk. 9/99) per Ende Mai 2015 andererseits bereits vor dem Vorliegen des Gutachtens von
Dr.
G._
vom 6. November 2019 hätte erken
nen können und müssen, was gemäss einem Eintrag im Feststellungsblatt jeden
falls spätestens am 13. April 2018 tatsächlich der Fall war (
Urk.
9/190/2). Jedoch war damit keine neue Erkenntnis bezüglich des Rentenanspruchs und einer all
fälligen, damals lediglich möglichen Rückforde
rung gewonnen, nachdem die Ver
fügung vom 9. Dezember 2016 respektive der damit verfügte Rentenanspruch ge
richtlich insgesamt aufgehoben worden war und vollständig neu bestimmt werd
en musste. Die vom Gericht angeordnete medizinische Abklärung hätte auch zu einem höheren und/oder unbefristeten Rentenanspruch und damit zu einer Nach
zahlung führen können. Auch wenn die
Beschwerdegegnerin
mit der
Möglichkeit
rechnen musste
, dass sich, je nach Ausgang der fachärztlichen Abklärungen, eine Änderung in Bezug auf den Rentenanspruch an sich
, deren Befristung
oder dessen Höhe
hätte
ergeben
können
, eine Kenntnis im Sinne von
Art.
25
Abs.
2 ATSG bestand
im April 2018
noch nicht.
Der Rentenanspruch blieb grundsätzlich und auch in seiner Höhe bis zum Vorliegen des Gutachtens
von Dr.
G._
vom 6. November 2019 (Urk. 9/159/1-80)
in der Schwebe.
Waren der Renten- und damit auch der Rückforderungsanspruch demzufolge vor dem
7.
November 20
19
noch nicht bestimmbar, so kann dem Zeitpunkt
der
Kennt
nis der irrtümlichen, gerichtlich aufgehobenen Rentenbefristung per 31. Mai
2016
keine fristauslösende Wirkung beigemessen werden
(vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_631/2013
vom
2
6.
Februar 2014 E. 5.2.2.3)
.
Es bleibt somit für die gesamte Rückforderung beim Beginn
des Laufs
der Verwirkungsfrist nach
Art.
25
Abs.
2 ATSG
am
7. November 2019.
3.2.4
Der Eintritt der Verwirkung wurde mit der formgültigen Eröffnung des
Vorbe
scheides (Art. 73
bis
IVV) vom 28. Oktober 2020 gehemmt. Denn im Vorbescheid wurde die Rückforderung mit Bezeichnung des genauen Rentenzeitraumes ange
kündigt (Urk. 9/183), womit rechtsprechungsgemäss die ab dem 7. November 2019 laufende einjährige Verwirkungsfrist nach Art. 25 Abs. 2 ATSG in der bis Ende 2020 gültig gewesenen Fassung gewahrt wurde (vgl.
BGE 133 V 579 E. 4.3.1
mit Hinweis auf
BGE 119 V 431
E. 3c; Urteil des Bundesgerichts 9C_542/2015 vom 3
1.
Mai 2016 E. 5).
Da somit die Rückforderung
rechtzeitig innert der einjährigen
, relativen
Verwir
kungsfrist nach
Art.
25
Abs.
2 ATSG
geltend gemacht wurde und von der Wah
rung der Verwirkungsfrist selbst mit der einjährigen Verwirkungsfrist auszugehen ist, wäre - gegebenenfalls - erst Recht die ab dem 1. Januar 2021 gültige drei
jährige Verwirkungsfrist nach Art. 25
Abs.
2 ATSG gewahrt.
Unstrittig ist auch die Einhaltung der
absoluten
,
fünfjährigen Verwirkungs
frist nicht in Frage ge
stellt.
3.3
Nach dem Gesagten ist entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin
eine Verwirkung der Rückforderung der für die Monate November 2014 bis Mai 2016 ausbezahlten Invalidenrente nicht eingetreten.
4.
4.1
Auch dem Eventualantrag der
Beschwerdeführerin
, die Verfügung der IV-Stelle vom 4. Januar 2021 (Urk. 2) sei so abzuändern, dass sie, die
Beschwerdeführerin
, - entsprechend der Verfügung der Ausgleichskasse (Urk. 3) - verpflichtet werde, Fr. 6'326.-- zurückzuerstatten, kann nicht gefolgt werden, wie sich aus dem Fol
genden ergibt.
4.2
4.2.1
Mit der Verfügung vom
4.
Januar 2021 hat die IV-Stelle in grundsätzlicher Hin
sicht erkannt, dass kein Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin
besteht, und sie hat die Rückforderung der Rente vom
1.
November 2014 bis 3
1.
Mai 2016 verfügt (Urk. 2 S. 1). Mit dieser Verfügung hat sie nicht festgelegt, dass die gesamten
Rentenleistungen von der Beschwerdeführerin persönlich zurückzuerstatten seien
. Vielmehr wurde in allgemeiner Weise erklärt, dass die Rente rückwirkend aufge
hoben und zurückgefordert werde, ohne dabei die rückerstattungspflichtige Per
son zu benennen («Die Rente wird rückwirkend vom 1. November 2014 bis 31. Ma
i 2016
zurückgefordert.»
,
Urk. 2 S. 1; «Die Rentenleistungen vom 1. November 2014 bis 31. Mai 2016 werden zurückge
fordert.»; Urk. 2 S. 2). Dadurch wurde die
Beschwerdeführerin
nicht - wovon sie auszugehen scheint - zur Rückerstattung der ganzen Rentenleistungen verpflichtet, sondern es wurde lediglich über die (noch vorzunehmende) Rückforderung an sich entschieden.
Eine Änderung im Sinne des Eventualantrages dieser grundsätzlichen und - wie sich hiervor gezeigt hat (E. 3) - korrekten Feststellung ist nicht angezeigt.
4.2.2
Diese grundsätzlich verfügte Feststellung der IV-Stelle wurde erst durch die Ausgleichskasse umgesetzt
mittels Erlasses
der Rückforderungsverfügung vom 6. Januar 2021 (vgl. Art. 3 Abs. 1 ATSV), mit welcher die rückerstattungspflichte Person benannt und der von ihr zurückzuerstattende Betrag festgesetzt wurde (
Urk.
3). Indem die Ausgleichskasse zur Bestimmung des Rückforderungsbetrages gegenüber der
Beschwerdeführerin
von den gesamten Rentenleistungen den an die Krankentaggeldversicherung SWICA ausbezahlten Betrag von Fr. 6'683.-- (Urk. 9/100/2) in Abzug gebracht hat, hat die Ausgleichskasse dabei korrekt berücksichtigt, dass gemäss
Art.
2 Abs.
1
ATSV nicht nur der Bezüger oder die Bezügerin der unrechtmässigen Leistungen rückerstattungspflichtig ist (
lit
. a), sondern (u.a.) auch
Dritte, denen
Geldleistun
gen nach
Art.
20 ATSG oder den
Bestimmungen der Einzelgesetze ausbezahlt wurden (
lit
. b), sowie Dritte, an welche
die unrechtmässig gewährte Leistung nachbezahlt wurde (
l
it
.
c
; zur Rückfor
derung einer
Rentennachzahlung an
den
bevorschussenden
Krankentaggeldver
sicherer vgl.
Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich IV.
20
08.
00
423 vom 4. Mai 2009 E. 3.2
; zu Art. 2 ATSV vgl. Urteil des Bundes
ge
richts 9C_471/2019 vom 30. Oktober 2019 E. 3.3.2 und zur Publikation
vorge
-
sehenes
Urteil des Bundesgerichts 9C_716/2020 vom 2
0.
Juli 2021 E. 2.2).
Die Beschwerdeführerin hat die korrekte Bestimmung des Rückforderungs
be
tra
ge
s von Fr. 6’326.-- (Rentenleistungen [ohne Verzugszins] von Fr. 13'009.
--
ab
züg
lich Auszahlung an SWICA von Fr. 6'683.--; Urk. 3 S. 1) denn auch nicht bean
standet. Eine diesbezügliche Änderung ist somit ebenfalls nicht vorzu
nehmen.
4.3
Nach dem Gesagten dringt die Beschwerde nicht durch und ist folglich abzu
weisen.
5.
Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungs
leistungen betrifft, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), ermessensweise
auf Fr.
5
00.-- anzusetzen und der
Beschwerde
führerin
aufzuerlegen.