Decision ID: d2aeb574-74d7-48c3-9d74-9e020d98f1bc
Year: 2018
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Beschwerdegegnerin habe im Genehmigungsverfahren den Sachverhalt
unzureichend abgeklärt und das rechtliche Gehör der Beschwerdeführer
verletzt, indem auf ihre Anträge bezüglich Abklärung, Konkretisierung,
vergleichende Evaluierung alternativer Linienführungen und Augenschein
nicht eingetreten worden sei. Somit hätten für sie gute Gründe bestanden,
Beschwerde zu erheben, was jedenfalls bei der Kostenregelung zu
berücksichtigen sei. Das ENHK-Gutachten bestätige die Schwere der
Eingriffe durch das Auflageprojekt in die Natur, die Landschaft und das
Ortsbild. Die von der Beschwerdegegnerin verfügten Auflagen und
Ersatzmassnahmen hätten in der Beurteilung der ENHK keinen
entscheidrelevanten Einfluss; sie kompensierten das Schädigungspotential
des Auflageprojekts nur unmassgeblich. Die Bedeutung des Vorhabens für
den regionalen und nationalen Strassenverkehr und das Interesse an der
Verbesserung der Verkehrssicherheit und der Verminderung der
Immissionen im Dorf Schmitten überwögen diejenigen an der Erhaltung der
Landschaft nicht, weil das Verkehrsaufkommen in Schmitten gering sei. Die
Beschwerdegegnerin habe die Machbarkeit einer Nordumfahrung nie
wirklich geprüft. Für die Gesamtsicht im Variantenentscheid seien deshalb
die Vor- und Nachteile auch dieser Nordvariante systematisch aufzuzeigen.
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35. Am 22. Juni 2016 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren Anträgen und
Begründungen fest und bekräftigte nochmals, dass die Innerortsdurchfahrt
von Schmitten aufgrund der bestehenden Engpässe selbst mit
flankierenden Massnahmen wie einer Lichtsignalanlage in
verkehrstechnischer Hinsicht den heutigen Anforderungen nicht genüge.
Eine verkehrstechnisch und wirtschaftlich nachhaltige Lösung biete nur
eine offene Strassenführung südlich von Schmitten. Der Bau einer
Nordumfahrung sei nicht finanzierbar und somit unverhältnismässig.
36. Mit Schreiben vom 14. Juli 2016 verzichteten die Beschwerdeführer auf die
Einreichung einer weiteren Stellungnahme.
37. Am 16. September 2016 kündigte das Gericht an, ein Fachgutachten
einzuholen zur Frage, ob eine Lichtsignalanlage als
Verkehrssteuerungskonzept für die Ortsdurchfahrt Schmitten technisch
möglich und geeignet sei. Am 15. Februar 2017 erteilte der
Instruktionsrichter der Erb + Partner Ingenieurbüro AG den Auftrag zur
Erstellung eines entsprechenden Fachgutachtens.
38. Mit Schreiben vom 9. November 2016 teilte Rechtsanwalt lic. iur. Reto Nigg
dem Gericht mit, dass er neu die Interessen des Beschwerdeführers
M._ vertrete. Die von ihm im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren R 11 119 und R 11 120 vertretenen
Schutzorganisationen seien ausdrücklich damit einverstanden, dass sich
M._ ihnen anschliesse.
39. Am 28. Juni 2017 stellte die Erb + Partner Ingenieurbüro AG dem Gericht
das Fachgutachten Ortsdurchfahrt Schmitten − Engpasssteuerung vom
27. Juni 2017 zu. Im entsprechenden Fachgutachten kamen die Gutachter
im Wesentlichen zum Schluss, dass eine Ortsdurchfahrt mit
Engpasssteuerung technisch möglich sei. Aufgrund der äusserst
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beschränkten Platzverhältnisse, der vielen Einflüsse und der
voraussichtlich sehr beschränkten Betriebszeit erachteten die Gutachter
eine Lichtsignalanlage mit wechselseitigem Verkehrsregime und LED-
Verkehrszeichen, welche die jeweils anstehende Lastrichtung für den
Schwerverkehr sichtbar machten, Orientierung schüfen und bei geringem
Verkehr zusätzlich Warnhinweise absetzen könnten, als einfachste und
zweckmässigste Lösung.
40. Mit Schreiben vom 21. August 2017 schlossen sich die Beschwerdeführer
den Ausführungen der Beschwerdeführer im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren R 11 119 und R 11 120 in deren Stellungnahme
vom 4. Juli 2017 an, wonach die Engpasssteuerung optimal auf das Dorf
Schmitten zugeschnitten sei und das Fachgutachten hinsichtlich der Frage
zu ergänzen sei, an wie vielen Stunden pro Jahr die maximale Wartezeit
von 270 Sekunden im ungünstigsten Fall auftrete bzw. an wie vielen
Stunden pro Jahr mit Wartezeiten von 120 Sekunden oder weniger zu
rechnen sei.
41. Am 19. September 2017 nahm die Beschwerdegegnerin zum
Fachgutachten Ortsdurchfahrt Schmitten − Engpasssteuerung vom
27. Juni 2017 Stellung und bemängelte, dass das Gutachten nichts über
die Geeignetheit der vorgeschlagenen Engpasssteuerung aussage. Aus
verkehrsrechtlicher Sicht sowie gemäss den an diese gestellten
Anforderungen sei die vorgeschlagene Engpassteuerung mit zahlreichen,
teilweise schwerwiegenden Mängeln oder Unzulänglichkeiten behaftet. Nur
die wenigsten Anforderungen bzw. Ziele erreichten einen
zufriedenstellenden Erfüllungsgrad. Die Beschwerdegegnerin sehe sich in
ihrer bisherigen Auffassung in Bezug auf die signalgesteuerte
Ortsdurchfahrt Schmitten gänzlich bestätigt. Eine verkehrstechnisch
sinnvolle und wirtschaftlich tragbare Lösung biete nur die offene
Strassenführung südlich von Schmitten.
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42. Am 16. Oktober 2017 stellte die Erb + Partner Ingenieurbüro AG dem
Gericht die Ergänzung vom 12. Oktober 2017 des Fachgutachtens vom
27. Juni 2017 zu. Darin führten die Gutachter unter anderem noch aus,
dass die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der maximalen Wartezeit von
270 Sekunden während 5 h im Jahr sehr gross sei. Es könne aber nicht
ausgeschlossen werden, dass es auch darüber hinaus einmal zu einer
solch langen Wartezeit kommen könne. Unter günstigen Verhältnissen
seien mittlere Wartezeiten von 120 Sekunden oder weniger möglich. Eine
zuverlässige Prognose, wie oft solche günstigen Verhältnisse vorkämen,
sei nicht möglich, da es zu viele Variablen gebe.
43. Am 29. November 2017 nahm die Beschwerdegegnerin zum bereinigten
Fachgutachten Stellung und bekräftigte abermals ihre Auffassung, wonach
die Engpasssteuerung erhebliche Schwachstellen aufweise.
44. Mit Schreiben vom 30. November 2017 schlossen sich die
Beschwerdeführer wiederum den Ausführungen der Beschwerdeführer im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren R 11 119 und R 11 120 in
deren Stellungnahme vom 30. November 2017 an, wonach die
vorgeschlagene Engpassteuerung nicht nur technisch machbar, sondern
auch aus volkswirtschaftlicher, landschafts-, natur- und
ortsbildschützerischer Sicht geeignet und der Südumfahrung weit
überlegen sei.
45. Am 23. Januar 2018 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrer Position fest,
wonach die mit Schwachstellen behaftete Engpasssteuerung nicht die
geeignete Lösung für das Dorf Schmitten sei.
46. Am 24. Januar 2018 schlossen sich die Beschwerdeführer abermals den
Ausführungen der Beschwerdeführer im verwaltungsgerichtlichen
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Beschwerdeverfahren R 11 119 und R 11 120 in deren Stellungnahme
vom 23. Januar 2018 an. Danach gebe es für die Verkehrsproblematik in
Schmitten keine Lösung, welche keine Nachteile aufweise. Allerdings
schneide die Engpasssteuerung bei einer Gegenüberstellung der Vor- und
Nachteile sehr viel besser ab als die bewilligte Umfahrungsstrasse, welche
von der ENHK als absolut unverhältnismässig und als schwere
Beeinträchtigung der Lebensräume und der Kulturlandschaft beurteilt
worden sei. Mittels Engpasssteuerung könne mit verhältnismässigen
Mitteln eine deutliche Verbesserung der Verkehrsproblematik erreicht
werden.
47. Am 13. März 2018 teilte Rechtsanwalt lic. iur. Armin Linder dem Gericht
unter anderem noch mit, dass das Mandatsverhältnis mit dem
zwischenzeitlich verstorbenen L._ erloschen sei.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
im angefochtenen Genehmigungsbeschluss der Beschwerdegegnerin vom
25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, sowie auf die Erkenntnisse des
Augenscheins vom 23. Oktober 2013 und die eingereichten Beweismittel
wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die Beschwerde vom 28. November 2011 richtet sich gegen den
Genehmigungsbeschluss vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011,
betreffend Genehmigung Umfahrung Schmitten Süd (Protokoll Nr. 962),
mit welchem die Beschwerdegegnerin das aufgrund der Einsprachen und
Stellungnahmen abgeänderte Auflageprojekt für die Korrektion der
Landwasserstrasse Bauabschnitt Umfahrung Schmitten Süd unter
Auflagen und der Erteilung spezialrechtlicher Bewilligungen genehmigt und
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gleichzeitig die Einsprachen der heutigen Beschwerdeführer − mit
Ausnahme einiger untergeordneter Punkte − abgewiesen hat. Gemäss
Art. 49 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
Beschwerden gegen Entscheide der Regierung über öffentlichrechtliche
Streitigkeiten, soweit diese nicht nach kantonalem oder eidgenössischem
Recht endgültig sind. Der angefochtene Genehmigungsbeschluss ist
weder nach kantonalem noch nach eidgenössischem Recht endgültig,
weshalb er ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht darstellt. Somit ist das angerufene Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden zur Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit
örtlich und sachlich zuständig. Das Verwaltungsgericht entscheidet
gemäss Art. 43 Abs. 2 lit. a VRG in Fünferbesetzung über Beschwerden
gegen Entscheide der Regierung, womit das vorliegende, in
Fünferbesetzung ergangene Urteil auch hinsichtlich der funktionellen
Zuständigkeit die gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Als Eigentümer von
Parzellen bzw. Eigentumswohnungen in der Nähe des Auflageprojekts
2010 sind die Beschwerdeführer vom angefochtenen
Genehmigungsbeschluss vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, berührt
und weisen ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung auf (vgl.
Art. 50 VRG), weshalb sie zur Beschwerdeerhebung legitimiert sind. Auf
die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom
28. November 2011 (vgl. Art. 52 Abs. 1 und Art. 38 VRG) ist somit
einzutreten.
2.1. In formeller Hinsicht gilt es zunächst auf die von der Beschwerdegegnerin
gerügte angebliche Verletzung des Gewaltenteilungsprinzips einzugehen.
Die Beschwerdegegnerin stösst sich daran, dass das streitberufene
Gericht im Rahmen des Instruktionsverfahrens sowohl die
Beschwerdegegnerin als auch das ANU und das TBA je einzeln und direkt
zur Einreichung einer Vernehmlassung aufgefordert hat. Dies vertrage sich
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schlecht mit dem Grundsatz der Gewaltenteilung gemäss Art. 4 der
Verfassung des Kantons Graubünden (KV; BR 110.100) im Allgemeinen
und auch mit Bezug auf die organisatorische Gewaltenteilung im
Besonderen. Die Formulierung in der verwaltungsgerichtlichen
Aufforderung zur Vernehmlassung vom 29. November 2011 ("Beschwerde:
Pro Natura und Mitbeteiligte gegen Regierung des Kantons Graubünden,
ANU Graubünden und TBA Graubünden, betreffend Genehmigung
Umfahrung Schmitten Süd [Landwasserstrasse]") und insbesondere die
Verwendung des Wortes "gegen" machten deutlich, dass das
Verwaltungsgericht das ANU und das TBA nicht als weitere Betroffene im
Sinne von Art. 54 Abs. 1 VRG zur Stellungnahme eingeladen habe,
sondern dass es diese Amtsstellen versehentlich als Gegenpartei
betrachtet habe. Das ANU und das TBA seien somit nicht als Fachbehörde
gebeten worden, zu konkreten Fragestellungen Auskunft zu geben. Die
Beschwerdegegnerin ersuche das Gericht, in Beachtung der geltenden
Zuständigkeiten künftig auf solche direkten Eingriffe in die Organisation der
Regierung und Verwaltung verzichten zu wollen und sich auf die für den
angefochtenen Entscheid allein verantwortliche Instanz zu beschränken.
2.2. Dem halten die Beschwerdeführer entgegen, dass das Gericht gestützt auf
Art. 54 Abs. 1 VRG weitere Betroffene zur Vernehmlassung auffordern
könne. Wer weitere Betroffene seien, könne das Verwaltungsgericht
entscheiden. Mit Blick auf den Streitgegenstand und den Umstand, dass
das ANU als kantonale Umweltschutzfachstelle den UVB beurteilt habe, sei
es rechtlich ohne Weiteres zulässig und sachlich sogar geboten, dass sich
das ANU selbständig vernehmen lasse. Gleiches gelte für das TBA als
Gesuchsteller. Der Hinweis der Beschwerdegegnerin auf das Prinzip der
Gewaltentrennung sei im vorliegenden Zusammenhang sowohl formal als
auch inhaltlich unbegründet.
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2.3. Dazu gilt es festzuhalten, dass mit der Erhebung einer Beschwerde gegen
einen Regierungsbeschluss die Verfahrensherrschaft von der Regierung
auf das Verwaltungsgericht übergeht. Für das Verfahren vor
Verwaltungsgericht gilt gemäss Art. 11 Abs. 1 VRG die
Untersuchungsmaxime, d.h. der Sachverhalt ist von Amtes wegen zu
ermitteln. Das Gericht erhebt die notwendigen Beweise, wobei es an
Begehren zur Ermittlung des Sachverhalts nicht gebunden ist. Als
Beweismittel dienen dem Gericht insbesondere auch amtliche Akten,
Amtsberichte sowie Befragungen und Mitteilungen von Auskunftspersonen
(Art. 12 Abs. 1 VRG). Behörden sind dabei zur Herausgabe von Urkunden
und Akten sowie zur Auskunftserteilung verpflichtet (Art. 13 Abs. 1 VRG).
Gestützt auf diese Bestimmungen ist es dem Verwaltungsgericht
unbenommen, direkt und ohne Begrüssung der Beschwerdegegnerin von
Verwaltungsbehörden amtliche Akten beizuziehen, Amtsberichte
einzufordern sowie Auskunftspersonen aus der Verwaltung zu befragen
und von diesen Mitteilungen zu verlangen. Entgegen der
beschwerdegegnerischen Auffassung handelt es sich hierbei nicht um eine
Frage der Gewaltenteilung, sondern um die Frage, wem im Verfahren vor
Verwaltungsgericht die Verfahrensherrschaft zukommt und wie der
Sachverhalt zu ermitteln ist. Aufgrund des soeben Gesagten ist dies klar
das Verwaltungsgericht. Eine Verletzung des Grundsatzes der
Gewaltenteilung liegt folglich nicht vor. Recht zu geben ist der
Beschwerdegegnerin insofern, als sie beanstandet, dass das ANU und das
TBA in der verwaltungsgerichtlichen Aufforderung zur Vernehmlassung
vom 29. November 2011 als Gegenpartei aufgeführt sind. Dies stellt ein
Versehen dar, ist im vorliegenden verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren doch einzig die Beschwerdegegnerin als
Gegenpartei der Beschwerdeführer zu betrachten. Das Verwaltungsgericht
hat in den weiteren Aufforderungen zur Stellungnahme denn auch davon
abgesehen, die beiden Amtsstellen als Gegenparteien der
Beschwerdeführer aufzuführen. Weil die Beschwerdegegnerin
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diesbezüglich für die vorliegenden Verfahren keinen Antrag gestellt hat und
weil das ANU gegenüber dem Verwaltungsgericht mit Schreiben vom
3. Januar 2012 ausdrücklich auf die Einreichung einer Vernehmlassung
verzichtet hat und auch das TBA keine eigene Stellungnahme zur
Beschwerde vom 28. November 2011 eingereicht hat, kann es mit diesen
Bemerkungen sein Bewenden haben.
3.1. Weiter gilt es in formeller Hinsicht auf die beschwerdeführerischen Rügen
einzugehen, wonach sich die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Genehmigungsbeschluss vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, nur
äusserst summarisch mit den von den heutigen Beschwerdeführern
erhobenen Einwänden auseinandergesetzt und zu zahlreichen konkreten
Vorbringen (insbesondere zu den Einwänden betreffend Lärm und
Destabilisierung des Untergrunds) überhaupt nicht Stellung genommen
habe. In der Vernehmlassung vom 22. Februar 2012 habe die
Beschwerdegegnerin die im angefochtenen Beschluss fehlende
Begründung hinsichtlich Lärmbelastung und Stabilität des Untergrunds
nachgeholt. Dies zeige, dass die Beschwerdegegnerin im äusserst
allgemein gehaltenen Entscheid zu verschiedenen konkreten Vorbringen
überhaupt nicht Stellung genommen habe. Weil die vorliegende
Streitsache von erheblicher Komplexität sei, dürften höhere Anforderungen
an die Begründungspflicht gestellt werden. Eine Heilung sei nur zulässig,
wenn die Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht besonders schwer
wiege. Vorliegend seien die Gehörsverletzungen aber als schwer zu
bezeichnen. Zudem verfüge das Verwaltungsgericht nicht über die gleiche
Kognition wie die Beschwerdegegnerin, weshalb der angefochtene
Beschluss aufzuheben sei.
3.2. Dem hält die Beschwerdegegnerin entgegen, dass sie ihrer
Begründungspflicht im angefochtenen Entscheid auch betreffend
Lärmbelastung und Stabilität des Untergrunds nachgekommen sei. Sie
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habe im angefochtenen Entscheid auf den UVB und den
Beurteilungsbericht des ANU verwiesen, welche Teil der Begründung
seien. Durch diesen Verweis habe sich die Beschwerdegegnerin im
angefochtenen Beschluss mit den Vorbringen der heutigen
Beschwerdeführer hinreichend auseinandergesetzt. Die tatsächlichen
Grundlagen, die Rechtsnormen und die Gründe, die zum Entscheid geführt
hätten, seien im Entscheid enthalten. Die sachgerechte Anfechtung sei
möglich gewesen. Zudem wäre die behauptete mangelhafte Begründung
keine schwerwiegende Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör.
Weil dem Gericht uneingeschränkte Kognition zustehe, wäre ein allfälliger
Verfahrensmangel im Beschwerdeverfahren zu heilen. Eine Rückweisung
würde überdies zu einem formalistischen Leerlauf und zu unnötigen
Verzögerungen führen.
3.3. Die Verletzung des Gehörsanspruchs führt, ungeachtet der
Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst, zur Aufhebung des
angefochtenen Entscheids (BGE 132 V 387 E.5.1). Nach der
Rechtsprechung kann ein Verfahrensmangel, insbesondere eine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, zwar geheilt werden,
wenn die Kognition der urteilenden Instanz nicht eingeschränkt ist und dem
Beschwerdeführer daraus kein Nachteil erwächst. Verlangt wird ferner,
dass kein für die Beurteilung der Angelegenheit relevantes
Kognitionsgefälle besteht (vgl. WIEDERKEHR, Die Begründungspflicht nach
Art. 29 Abs. 2 BV und die Heilung bei Verletzung, in: Zbl 9/2010, S. 481 ff.,
S. 502 ff.). Eine Heilung ist aber immer dann ausgeschlossen, wenn es sich
um eine besonders schwerwiegende Verletzung der Parteirechte handelt;
zudem soll sie die Ausnahme bleiben (BGE 134 I 331 E.3.1, 126 I 68 E.2
mit Hinweisen; PVG 2008 Nr. 1). Verfügungen oder Entscheide, die unter
Missachtung des rechtlichen Gehörs ergangen sind, sind daher
grundsätzlich aufzuheben und zur Durchführung eines ordnungsgemässen
Verwaltungsverfahrens an die Verwaltungsbehörden zurückzuweisen (statt
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vieler: PVG 2011 Nr. 31). Nur wenn es sich aus verfahrensökonomischen
Gründen geradezu aufdrängt, ist die Heilung einer allfälligen
Gehörsverletzung im Rechtsmittelverfahren nach der zitierten Praxis
ausnahmsweise zuzulassen.
3.4. Der durch Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) gewährleistete Anspruch auf rechtliches
Gehör dient einerseits der Sachaufklärung und garantiert anderseits ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien im Verfahren,
soweit dies Einfluss auf ihre Rechtsstellung haben kann. Die
Gehörsgarantie ist somit ein verfassungsmässig geschütztes
Individualrecht, hat also den Charakter eines selbständigen Grundrechtes
(HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2016, Rz. 1001 und 1003). Aus Art. 29 Abs. 2 BV folgt
insbesondere auch ein Mindestanspruch auf Begründung eines
hoheitlichen Aktes. Der Sinn und Zweck der Begründungspflicht liegt darin,
dass der Bürger wissen soll, warum eine Behörde entgegen seinem Antrag
entschieden hat. Die Begründung eines Entscheids muss deshalb so
abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht
anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl er wie auch die
Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild
machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die
Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess
und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Es ist insbesondere nicht nötig,
dass sie sich mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem rechtlichen
Einwand auseinandersetzt, sondern sie kann sich vielmehr auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (statt vieler BGE
133 I 270 E.3.1). Ob die Begründung rechtlich zutreffend und haltbar ist, ist
wiederum keine Frage des formellen Anspruchs auf rechtliches Gehör,
sondern der materiellen Beurteilung der Streitfrage.
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3.5. Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin der sie treffenden
Begründungspflicht − wie nachstehend dargestellt − in hinreichendem
Masse nachgekommen. Weil zahlreiche Einsprachen einen identischen
oder zumindest ähnlichen Inhalt aufwiesen, hat die Beschwerdegegnerin
vorab die häufigsten Anträge behandelt (Linienführung, Prüfung der
Umweltverträglichkeit und Interessenabwägung, Eigentumsrechte und
Ersatzleistungen) und bei der Beurteilung der Einsprachen sodann soweit
möglich auf diese Ausführungen verwiesen. Dieses Vorgehen ist
grundsätzlich nicht zu beanstanden. Den beschwerdegegnerischen
Ausführungen im angefochtenen Genehmigungsbeschluss vom 25.,
mitgeteilt am 26. Oktober 2011, lässt sich sodann entnehmen, dass es sich
beim Auflageprojekt 2010 nach Auffassung der Beschwerdegegnerin um
jene Variante handle, welche unter Berücksichtigung der Hauptkriterien
Verkehr, Umwelt und Wirtschaftlichkeit von den denkbaren Varianten am
besten abschneide. Weiter führte die Beschwerdegegnerin im
angefochtenen Genehmigungsbeschluss ausführlich aus, weshalb ihres
Erachtens eine Interessenabwägung zulässig sei und weshalb sie der
Erhöhung der Wohnqualität im geschützten Dorfzentrum und der
Aufwertung des inneren Ortsbildes ein grösseres Gewicht zumesse als den
negativen Einflüssen des Strassenbauvorhabens. Zudem ist die
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid auch der
Begründungspflicht hinsichtlich Lärmbelastung nachgekommen, hat sie
doch durch ihren Verweis auf den UVB 2010 und den Beurteilungsbericht
des ANU vom 28. Juni 2011 klar zum Ausdruck gebracht, dass sie die
Lärmauswirkungen des Auflageprojekts 2010 als umweltschutzkonform
erachtet. Des Weiteren hat die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Genehmigungsbeschluss − entgegen des beschwerdeführerischen
Vorwurfs − auch begründet, weshalb der vom ANU vorgeschlagene
lärmarme Belag abgelehnt worden ist, nämlich weil die Lebensdauer des
gewünschten Belags mit der Belagskorrektur von unter 0 Dezibel
gegenüber dem geplanten Belag wesentlich kürzer sei und der
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Lärmschutzeffekt bedeutend schneller abnehme (vgl.
Genehmigungsbeschluss vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011,
E.I./B./2.4 sowie Dispositiv Ziff. A./2.5). Bezüglich Stabilität des
Untergrunds lässt sich schliesslich bereits dem Technischen Bericht vom
November 2010, welcher als Teil des Auflageprojekts öffentlich einsehbar
ist, entnehmen, dass entlang des Projekttrassees keine Hinweise auf
aktive, tiefgründige Instabilitäten des Hangs festgestellt worden sind und
der Felsuntergrund, die Moräne und der Terrassenschotter stabil sind (vgl.
Technischer Bericht vom November 2010 [Akten der Beschwerdegegnerin
{Bg-act.} 2 Beilage 2] Ziff. 7.1). Folglich waren den Beschwerdeführern
aber auch bezüglich Stabilität des Untergrunds die Gründe bekannt, die
zum angefochtenen Genehmigungsbeschluss geführt haben und eine
explizite Wiederholung dieser Argumente im angefochtenen
Genehmigungsbeschluss vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, war
nicht zwingend erforderlich, zumal sich die Behörde − wie gesehen − nicht
mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen muss, sondern sich vielmehr auf die für den Entscheid
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken kann, und die heutigen
Beschwerdeführer überdies ihre diesbezüglichen Befürchtungen auch nicht
näher begründet haben. Gesamthaft betrachtet hat die
Beschwerdegegnerin den angefochtenen Genehmigungsbeschluss vom
25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, somit nachvollziehbar begründet und
ist damit den formellen Anforderungen an die Begründungspflicht eines
Entscheids hinreichend nachgekommen. Aufgrund dieser Begründung war
es für die heutigen Beschwerdeführer denn auch hinreichend klar, von
welchen Überlegungen sich die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Genehmigungsbeschluss im Wesentlichen hat leiten lassen. Ob diese
Überlegungen rechtlich zutreffend sind, ist nicht im vorliegend
interessierenden formellen Zusammenhang zu prüfen, sondern materieller
Natur, worauf nachstehend noch einzugehen sein wird. Auf jeden Fall
waren die Beschwerdeführer − wie bereits deren Beschwerdeeingabe vom
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28. November 2011 zeigt − ohne Weiteres in der Lage, den missliebigen
Entscheid sachgerecht anzufechten. Folglich ist aber eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs zu verneinen.
3.6. Selbst wenn vorliegend mit Blick auf die gerügte Begründungspflicht eine
allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs bejaht würde, wäre der Mangel
nachträglich geheilt worden, weil es sich aufgrund des vorstehend
Gesagten höchstens um eine leichte Verletzung der Parteirechte handeln
würde und sich die Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren im
Rahmen eines mehrfachen Schriftenwechsels ausführlich und mehrfach zu
allen Fragen äussern konnten. Gegen eine Rückweisung sprächen folglich
auch verfahrensökonomische Überlegungen.
4. Die Beschwerdeführer stören sich des Weiteren ob der Tatsache, dass ihre
vorsorglich angemeldeten Anträge auf angemessene Entschädigung für
die im Zusammenhang mit dem Auflageprojekt 2010 beanspruchten
Rechte und entstehenden Wertverluste von der Beschwerdegegnerin
abgewiesen worden seien. Zwar sei die Frage des Landerwerbs erst nach
Rechtskraft des materiellen Entscheids zu beantworten. Die
Beschwerdeführer seien aber rechtlich gehalten gewesen, die
Entschädigungsbegehren bereits im Einspracheverfahren zu stellen. Es sei
unter formalen Gesichtspunkten nicht nachvollziehbar, weshalb die
fraglichen Anträge abgewiesen worden seien.
Was die Beschwerdeführer mit dieser Argumentation für sich ableiten
wollen, ist nicht ersichtlich. Es trifft nämlich nicht zu, dass die
Beschwerdegegnerin die entsprechenden Entschädigungsbegehren der
heutigen Beschwerdeführer abgewiesen hat. Vielmehr hat die
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Genehmigungsbeschluss vom
25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, unter Erwägung I./C. im Sinne eines
Hinweises auf die massgeblichen kantonalen Verfahrensregeln
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festgehalten, dass Fragen des Landerwerbs erst nach Rechtskraft des
Entscheids über das Auflageprojekt beantwortet würden und dass die
heutigen Beschwerdeführer im Rahmen des Landerwerbsverfahrens noch
einmal die Möglichkeit erhielten, ihre diesbezüglichen Anliegen
vorzubringen. Mit diesen Ausführungen hat die Beschwerdegegnerin die
Entschädigungsbegehren der heutigen Beschwerdeführer − entgegen
deren Auffassung − nicht abgewiesen. Vielmehr wurden die
entsprechenden Anträge stillschweigend dem TBA überwiesen, was nicht
zu beanstanden ist. Gemäss Art. 23 Abs. 2 lit. a und b des
Strassengesetzes des Kantons Graubünden (StrG; BR 807.100) können
zwar mit einer Projekteinsprache − neben Einwänden gegen das
Auflageprojekt und die damit verbundenen Gesuche für weitere
Bewilligungen − auch Entschädigungsbegehren angemeldet werden. Die
Bereinigung dieser Forderungen erfolgt jedoch gemäss Art. 24 Abs. 2 StrG
im separaten Landerwerbsverfahren nach den Bestimmungen des
kantonalen Enteignungsgesetzes. Dieses Verfahren kann jedoch erst
beginnen, wenn rechtskräftig feststeht, welche Personen in welchem
Umfang vom Auflageprojekt betroffen sind. Entsprechend ist es in keiner
Weise zu beanstanden, wenn im angefochtenen Genehmigungsbeschluss
vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, darauf hingewiesen wird, dass
Fragen der Entschädigung erst nach Rechtskraft des materiellen
Entscheids über das aufgelegte Ausführungsprojekt beantwortet würden.
Weil die Beschwerdeführer durch dieses Verhalten keine Schmälerung
ihrer Rechtsstellung und keine Nachteile erfahren, erübrigen sich denn
auch weitere Ausführungen hierzu.
5. In beweisrechtlicher Hinsicht gilt es sodann festzuhalten, dass sich die
beschwerdeführerischen Anträge auf Durchführung eines Augenscheins
sowie Einholung eines unabhängigen Ingenieurs-Gutachtens zur Variante
Ortsdurchfahrt mit signalgesteuerter Lichtsignalanlage mittlerweile erledigt
haben. Denn einerseits ist hat das streitberufene Gericht am 23. Oktober
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2013 einen Augenschein mit sämtlichen Verfahrensbeteiligten
durchgeführt (vgl. dazu das bereinigte Augenscheinprotokoll vom
21. November 2013 samt Beilagen) und anderseits ist die Beurteilung der
Variante Ortsdurchfahrt mit signalgesteuerter Lichtsignalanlage
mittlerweile durch einen unabhängigen Gutachter erfolgt (vgl. das
Fachgutachten Ortsdurchfahrt Schmitten − Engpasssteuerung vom
27. Juni 2017 inklusive dessen Ergänzung vom 12. Oktober 2017) und
auch das TBA hat diesbezüglich sachbezogene Abklärungen getroffen
bzw. unabhängige Fachleute beigezogen. Weitere Ausführungen zu den
erwähnten beschwerdeführerischen Beweisanträgen erübrigen sich daher.
6.1. Die Beschwerdeführer machen geltend, die Beschwerdegegnerin habe
sich nicht ernsthaft und fundiert mit möglichen Alternativen
auseinandergesetzt und sei auf den Antrag, wonach das TBA anzuweisen
sei, ein Strassenprojekt basierend auf der Nordumfahrung auszuarbeiten
und öffentlich aufzulegen, zu Unrecht nicht eingetreten. Dies gelte umso
mehr, als im Bericht des ANU vom 28. Juni 2011 festgehalten worden sei,
dass aus Sicht der Umweltschutzfachstelle auch Varianten denkbar seien,
mit denen die Terrassenlandschaft in ihrer Qualität besser erhalten werden
könnte. Insbesondere sei im Bericht eine weiter südlich angelegte
Strassenführung und/oder eine teilweise Untertagelegung der
Umfahrungsstrasse angeregt worden. Zwar sei zutreffend, dass die
Prüfung von Alternativen auf Planungsstufe zu erfolgen habe. Dies sei hier
aber nicht genügend erfolgt. Die Nordumfahrung sei aus finanziellen
Gründen zu Gunsten der Südumfahrung fallen gelassen worden, wobei
sich der Kanton hierzu auf blosse Schätzungen stütze. Ein seriöser
Vergleich in ökonomischer Hinsicht sei nicht möglich. Weder auf Planungs-
noch auf Entscheidstufe sei der Variantenvergleich rechtsgenüglich erfolgt.
Dies wiege umso schwerer, als die Variante Nordumfahrung im Richtplan
verankert gewesen sei.
- 32 -
6.2. Dem hält die Beschwerdegegnerin entgegen, dass allein das
Auflageprojekt Gegenstand des Projektgenehmigungsverfahrens bilde. Sie
dürfe die Genehmigung nicht verweigern, wenn das Vorhaben rechtmässig
sei. Daran ändere die von Art. 2 Abs. 1 lit. b der Raumplanungsverordnung
(RPV; SR 700.1) geforderte Prüfung von Varianten nichts. Diese habe auf
Planungsstufe zu erfolgen. Die Plangenehmigungsbehörde habe nur dann
verschiedene Varianten zu vergleichen, wenn sie genügend konkretisiert
und im Sinne von echten Varianten vorlägen. Der Entscheid, ob eine
Variante im Detail projektiert und weiterverfolgt werde, liege jedoch im
Ermessen der Planungsbehörde. Diese dürfe Varianten, welche mit
erheblichen Nachteilen belastet seien, nach summarischer Prüfung vom
Auswahlverfahren ausschliessen. Die Beschwerdegegnerin habe nur
abzuklären, ob bei der Projektierung bzw. der Ausarbeitung des
Auflageprojekts alternativen Linienführungen die nötige Beachtung
geschenkt worden sei. Dies sei hier der Fall. Die Beschwerdegegnerin
habe im angefochtenen Beschluss ausführlich dargelegt, inwiefern sich die
Auflagevariante − verglichen mit den Varianten Nordumfahrung,
Innerortsausbau und den alternativen Linienführungen einer
Südumfahrung − unter Abwägung bautechnischer, umweltrelevanter sowie
wirtschaftlicher Gesichtspunkte als zweckmässig erweise und weshalb das
unbestrittenermassen grosse öffentliche Interesse an deren Realisierung
stärker zu gewichten sei als die entgegenstehenden Interessen. Damit sei
zweifellos erstellt, dass alternativen Linienführungen im Rahmen der
Projektierung und auch seitens der Beschwerdegegnerin die nötige
Beachtung geschenkt worden sei und die Beschwerdegegnerin eine
umfassende Interessenabwägung vorgenommen habe.
6.3. Die Kritik der Beschwerdeführer wirft die Frage auf, unter welchen
Umständen und in welchem Verfahren die Plangenehmigungsbehörde
Projektvarianten zu prüfen hat. Geltend gemacht wird eine unvollständige
- 33 -
Sachverhaltsabklärung. Nachfolgend ist somit die Pflicht der
Beschwerdegegnerin zur Variantenprüfung zu erörtern.
6.4. Die Plangenehmigungsbehörde hat in ihrem Entscheid eine umfassende
Interessenabwägung vorzunehmen, indem sie alle im konkreten Fall
relevanten Interessen ermittelt, bewertet und gegeneinander abwägt, um
sodann zu entscheiden, welcher der möglichen Varianten der Vorzug zu
geben ist (vgl. Art. 2 Abs. 1 lit. b RPV). Diese Anforderung ergibt sich auch
aus Art. 3 des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz (NHG;
SR 451; BGE 137 II 266 E.4 mit Hinweisen) sowie aus dem Erfordernis der
Standortgebundenheit des Werks für die mit dem Strassenbau
erforderliche Rodung (Art. 5 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes über den
Wald [WaG; SR 921.0]). Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob andere,
Landschaft bzw. Wald und Umwelt schonendere Standorte bzw.
Streckenführungen vorhanden sind (vgl. Urteil des Bundesgerichtes
1A.191/2003 vom 1. Juli 2004 E.6). Der Vergleich verschiedener Lösungen
ist insbesondere dann angezeigt, wenn die Varianten, die einander
gegenübergestellt werden, echte Alternativen sind, d.h. sie müssen
realistisch und einigermassen ausgereift sein. Zudem sind nur dort
Varianten zu prüfen, wo tatsächlich auch ein Konflikt mit den einschlägigen
Vorschriften zu erkennen ist. Nicht verlangt werden kann hingegen, dass
alle in Betracht fallenden Alternativen im Detail projektiert werden. So
dürfen insbesondere Varianten, die mit erheblichen Nachteilen belastet
sind, schon nach einer ersten summarischen Prüfung aus dem
Auswahlverfahren ausgeschlossen werden. Zudem muss nicht jede
möglicherweise auch bundesrechtskonforme Lösung dem vorgelegten
Projekt gegenüber gestellt werden. Der Entscheid, welche von mehreren
rechtskonformen und zweckmässigen Varianten umgesetzt wird, liegt
grundsätzlich im Ermessen der Planungsbehörde. Diese kann mit der
Feststellung, dass ein eingereichtes Projektgesuch alle
Genehmigungsvoraussetzungen erfüllt und bundesrechtskonform ist, die
- 34 -
Prüfung anderer Varianten ausschliessen. Denn die Einhaltung des
einschlägigen Bundesrechts impliziert, dass den berührten Interessen
genügend Rechnung getragen worden ist (vgl. BGE 139 II 499 E.7.3.1;
Urteile des Bundesgerichtes 1C_556/2013, 1C_558/2013, 1C_562/2013
vom 21. September 2016 E.5.2, 1C_108/2014, 1C_110/2014 vom
23. September 2014 E.4.3, 1C_648/2013 vom 4. Februar 2014 E.4.1;
Urteile des Bundesverwaltungsgerichtes A-7810/2010 vom 15. Juli 2011
E.4.1, A-594/2009 vom 10. November 2009 E.4.2 f.). Beim
Variantenentscheid steht der Planungsbehörde ein Ermessensspielraum
offen. Dieser Ermessensentscheid, welcher regelmässig durch die
politischen Entscheidungsträger vorgeprägt wird, wird im gerichtlichen
Verfahren nur mit Zurückhaltung überprüft. Das Gericht soll nicht aus
eigenem Gutdünken, sondern nur aus triftigen Gründen von der
Beurteilung durch die zuständige Fachbehörde abweichen (vgl. BGE
139 II 185 E.9.3; Urteil des Bundesgerichtes 1C_556/2013, 1C_558/2013,
1C_562/2013 vom 21. September 2016 E.5.2).
6.5. Im vorliegenden Fall bemängeln die Beschwerdeführer zu Recht, dass die
Beschwerdegegnerin ihren Genehmigungsentscheid vom 25., mitgeteilt
am 26. Oktober 2011, aufgrund einer ungenügenden
Beurteilungsgrundlage gefällt hat. Vor diesem Hintergrund musste das
angerufene Gericht im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren −
obschon es grundsätzlich nach dem vorstehend Gesagten nicht Aufgabe
des Gerichtes ist, ein aufwändiges Beweisverfahren bezüglich allfälliger
Alternativvarianten durchzuführen − nachholen, was die
Beschwerdegegnerin unterlassen hat, nämlich die Durchführung eines
Augenscheins und einer Instruktionsverhandlung, die Einholung von
zusätzlichen Unterlagen bezüglich allfälliger Varianten zum Auflageprojekt
sowie die Einholung eines ENHK-Gutachtens und eines
Verkehrsgutachtens. Erst dadurch − insbesondere durch die vom TBA
gelieferten Informationen und Pläne − konnte nachträglich nach und nach
- 35 -
Transparenz bezüglich der verschiedenen Varianten zum Auflageprojekt
hergestellt werden. Als Alternative zur Durchführung dieses aufwändigen
Beweisverfahrens im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren hätte
aus Sicht des Gerichtes auch die Möglichkeit bestanden, die Beschwerde
nach Durchführung eines ein- bzw. zweifachen Schriftenwechsels
gutzuheissen, den angefochtenen Entscheid zu kassieren und die
Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Weil sich dadurch die Angelegenheit indes wohl noch
mehr verzögert hätte, hat sich das Gericht dagegen entschieden und die
entsprechenden Beweise selber erhoben. Vor diesem Hintergrund
erscheint aber die Einreichung der Beschwerde durch die
Beschwerdeführer gerechtfertigt, lagen doch zum damaligen Zeitpunkt
noch kaum Unterlagen vor, welche eine Beurteilung bezüglich der
allfälligen Varianten zum Auflageprojekt ermöglicht hätten. Dieser
Tatsache wird im vorliegenden verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren bei der Kostenverteilung sowie bei der Festlegung
der Parteientschädigung Rechnung zu tragen sein (vgl. nachstehend E.14).
Nach dem vom Gericht durchgeführten umfangreichen Beweisverfahren
mit der Möglichkeit zur Stellungnahme ist der Sachverhalt mittlerweile aber
ausreichend abgeklärt, was von den Beschwerdeführern denn auch nicht
(mehr) bestritten wird. Mit den bei den Akten liegenden Unterlagen lässt
sich insbesondere auch die Frage beurteilen, ob die Beschwerdegegnerin
zu Recht das Auflageprojekt 2010 als zweckmässigste Lösung gewählt hat
oder ob sich eine alternative Linienführung als zweckmässiger erwiesen
hätte. Darauf wird nachstehend noch vertieft einzugehen sein (vgl.
insbesondere E.12).
7.1. Weiter rügen die Beschwerdeführer, der UVB vom November 2010 sei
unvollständig, weil keine Voruntersuchung durchgeführt worden sei. Eine
solche hätte aus formellen Gründen zwingend durchgeführt werden
müssen. Zudem seien im UVB nicht alle aus Sicht des Umweltschutzes
- 36 -
relevanten Fragen beantwortet worden. So habe das ANU im
Beurteilungsbericht festgehalten, dass Projektvarianten, die nicht
Gegenstand des UVB gewesen seien, eine bessere Erhaltung der
Terrassenlandschaft ermöglichen könnten. Dieser Mangel hätte mit einer
Voruntersuchung vermieden werden können. Zudem seien verschiedene
den UVB ergänzende Unterlagen, wie Sitzungsprotokolle betreffend
Ersatzmassnahmen sowie die Stellungnahme des AJF nicht öffentlich
aufgelegt worden, obschon Art. 11 der Verordnung über die
Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPV; SR 814.011) vorschreibe, dass der
Gesuchsteller den Bericht zusammen mit den Unterlagen bei der Einleitung
des massgeblichen Verfahrens der zuständigen Behörde einzureichen
habe. Unterlagen im Sinne von Art. 11 UVPV seien nicht nur die unmittelbar
zur Auflage bestimmten Projektunterlagen, sondern sämtliche Unterlagen,
welche inhaltlich in einen Zusammenhang mit dem UVB stünden. Die
Unvollständigkeit des UVB im Zeitpunkt der Einspracheerhebung verstosse
gegen Bundesrecht und verletze das rechtliche Gehör.
7.2. Die Beschwerdegegnerin ist demgegenüber der Auffassung, dass der UVB
vom November 2010 vollständig sei. Er stelle gleichzeitig die
Voruntersuchung und den abschliessenden Bericht dar, was vom ANU
akzeptiert worden sei. Ein Variantenvergleich werde im Rahmen der UVP
nicht verlangt. Variantenstudien seien bereits bei der Planung
vorzunehmen. Dies habe man im Technischen Bericht und im erläuternden
Bericht zur Richtplananpassung gemacht. Mit Unterlagen im Sinne von
Art. 11 UVPV seien nur die allgemeinen, zur Auflage bestimmten
Projektunterlagen gemeint. Diese Unterlagen seien öffentlich aufgelegt
gewesen. Dazu hätten sich die betroffenen Amtsstellen äussern können.
Die erwähnten Sitzungsprotokolle seien bei der öffentlichen Auflage und
zur Zeit der Einspracheerhebung noch nicht vorhanden gewesen und
hätten somit nicht Teil der Auflageakten sein können. Die
Beschwerdeführer hätten indes Einsicht in die Sitzungsprotokolle sowie
- 37 -
den Beurteilungsbericht des ANU und die Stellungnahme des AJF nehmen
können. Das rechtliche Gehör sei diesbezüglich nicht verletzt.
7.3. Wer eine Anlage, die der Umweltverträglichkeitsprüfung untersteht, planen,
errichten oder ändern will, muss der zuständigen Behörde gemäss Art. 10b
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz (USG; SR 814.01)
einen Umweltverträglichkeitsbericht unterbreiten. Dieser bildet die
Grundlage der Umweltverträglichkeitsprüfung. Der Bericht hat gemäss
Art. 10b Abs. 2 USG alle Angaben zu enthalten, die zur Prüfung des
Vorhabens nach den Vorschriften über den Schutz der Umwelt nötig sind.
Er wird nach den Richtlinien der Umweltschutzfachstellen erstellt und
umfasst den Ausgangszustand (lit. a), das Vorhaben, einschliesslich der
vorgesehenen Massnahmen zum Schutze der Umwelt und für den
Katastrophenfall, sowie einen Überblick über die wichtigsten allenfalls vom
Gesuchsteller geprüften Alternativen (lit. b) und die voraussichtlich
verbleibende Belastung der Umwelt (lit. c). Zur Vorbereitung des Berichts
wird gemäss Art. 10b Abs. 3 USG eine Voruntersuchung durchgeführt.
Werden in der Voruntersuchung die Auswirkungen auf die Umwelt und die
Umweltschutzmassnahmen abschliessend ermittelt, so gelten die
Ergebnisse der Voruntersuchung als Bericht (vgl. auch Art. 8a Abs. 1
UVPV). Gemäss Art. 10c Abs. 1 USG beurteilen die
Umweltschutzfachstellen die Voruntersuchung und den Bericht und
beantragen der für den Entscheid zuständigen Behörde die zu treffenden
Massnahmen. Der Bericht und die Ergebnisse der
Umweltverträglichkeitsprüfung können von jedermann eingesehen werden,
soweit nicht überwiegende private oder öffentliche Interessen die
Geheimhaltung erfordern (Art. 10d Abs. 1 USG).
7.4. Vorliegend lag der UVB vom November 2010 (Bg-act. 2 Beilage 13)
zusammen mit dem strittigen Strassenprojekt Umfahrung Schmitten Süd
vom 8. November bis 8. Dezember 2010 öffentlich auf. Das ANU hält in
- 38 -
seinem Beurteilungsbericht vom 28. Juni 2011 zum UVB (Bg-act. 2 Beilage
2) fest, dass eine eigentliche Voruntersuchung gemäss Art. 8a UVPV nicht
durchgeführt worden sei. Allerdings sei der UVB in enger Zusammenarbeit
mit den kantonalen Fachstellen erarbeitet worden, weshalb das ANU den
UVB als Bericht im Sinne von Art. 8a UVPV anerkennen könne. Der UVB
sei nahezu vollständig, sachlich neutral und weitestgehend richtig
abgefasst. Er stelle eine genügende Grundlage für die Beurteilung der
Umweltrechtskonformität des Bauvorhabens dar. Er zeige die zum
heutigen Zeitpunkt absehbaren Konfliktpunkte mit dem in Art. 3 Abs. 1
UVPV angeführten Umweltrechtsbereichen nahezu vollständig auf. Eine
Beurteilung der grundsätzlichen Machbarkeit sowie der Rechtskonformität
aus umweltrechtlicher Sicht sei gestützt auf die vorliegenden Unterlagen
sowie die im ANU und in den beigezogenen Ämtern vorhandenen
Informationen möglich.
Nach dem soeben Gesagten ist die beschwerdeführerische Rüge, wonach
keine Voruntersuchung durchgeführt worden sei, zwar − rein formell
betrachtet − grundsätzlich korrekt. Dies hat − wie gesehen − auch das ANU
in seinem Beurteilungsbericht vom 28. Juni 2011 so festgestellt. Aus dieser
Tatsache können die Beschwerdeführer aber nichts zu ihren Gunsten
ableiten. Wie gesehen hat das ANU nämlich den UVB vom November 2010
als Bericht im Sinne von Art. 8a UVPV anerkannt, womit gleichzeitig auch
gesagt ist, dass die Auswirkungen des Vorhabens auf die Umwelt und die
Umweltschutzmassnahmen im UVB vom November 2010 abschliessend
ermittelt und dargestellt worden sind (vgl. Art. 10b Abs. 3 USG sowie
Art. 8a Abs. 1 UVPV). Entscheidend ist, dass weder Art. 10b Abs. 3 USG
noch Art. 8a Abs. 1 UVPV zwingend ein zweistufiges Verfahren, bestehend
aus einer Voruntersuchung und der eigentlichen (Haupt-)Untersuchung,
verlangen. Vielmehr gelten − wie gesehen − bereits die Ergebnisse der
Voruntersuchung als Bericht, wenn in der Voruntersuchung die
Auswirkungen auf die Umwelt und die Umweltschutzmassnahmen
- 39 -
abschliessend ermittelt und dargestellt werden. Vor diesem Hintergrund ist
es nicht zu beanstanden, dass das ANU den UVB vom November 2010 −
auch wenn keine eigentliche Voruntersuchung durchgeführt bzw. diese
nicht explizit so benannt worden ist − als Bericht im Sinne von Art. 8a UVPV
anerkannt hat. Es ist denn auch nicht ersichtlich, welche Nachteile sich für
die Beschwerdeführer aus der Tatsache, dass das ANU den UVB vom
November 2010 als Bericht im Sinne von Art. 8a UVPV anerkannt hat,
ergeben könnten.
7.5. Bezüglich des beschwerdeführerischen Vorwurfs, wonach der UVB
inhaltlich mangelhaft sei, da er sich nicht mit Projektvarianten
(insbesondere mit der Variante Südumfahrung mit teilweiser
Untertaglegung) auseinandersetze, gilt es festzuhalten, dass der UVB
gemäss Art. 10b Abs. 2 lit. b USG zwar auch einen Überblick über die
wichtigsten allenfalls vom Gesuchsteller geprüften Alternativen zu
enthalten hat. Der UVB 2010 setzt sich aber einzig mit dem Auflageprojekt
2010 und dessen Umweltauswirkungen auseinander. Lediglich im
Technischen Bericht vom November 2010 (Bg-act. 2 Beilage 2 Ziff. 1.2)
und im ebenfalls öffentlich aufgelegten erläuternden Bericht zur
Richtplananpassung (Bg-act. 2 Beilage 16 Ziff. 2.2 und 3) wird die Historie
der Umfahrung Schmitten erörtert und ein Vergleich der möglichen
Varianten vorgenommen. Ob damit Art. 10b Abs. 2 lit. b USG ausreichend
Rechnung getragen wird, kann an dieser Stelle offen bleiben, weil der
Mangel − sofern es sich denn um einen solchen handelt − mit dem
Zusatzbericht zum UVB 2010 vom März 2014 nachträglich behoben wurde.
Darin wurden nämlich die vier Varianten zum Auflageprojekt beschrieben
und hinsichtlich der wichtigsten Umweltaspekte (Siedlung, Landschaft,
Lebensräume, Wald, Lärm, Boden und Bauphase) beurteilt. Zudem stellten
die Berichterstatter unter dem Titel zusammenfassende Ergebnisse die
wichtigsten Unterschiede der vier beurteilten Varianten im Vergleich zum
Auflageprojekt 2010 dar. Mit dem Zusatzbericht zum UVB 2010 vom März
- 40 -
2014 wurde Art. 10b Abs. 2 lit. b USG zweifelsohne ausreichend Rechnung
getragen, weshalb sich weitere Ausführungen hierzu erübrigen (zur
ungenügenden Sachverhaltsermittlung durch die Beschwerdegegnerin und
dessen Folgen vgl. vorstehend E.6.5).
7.6. Weiter rügen die Beschwerdeführer, dass der UVB im Zeitpunkt der
Einspracheerhebung unvollständig gewesen sei, weil verschiedene
Sitzungsprotokolle betreffend Ersatzmassnahmen sowie die
Stellungnahme des AJF nicht vorgelegen hätten. Dies obschon Art. 11
UVPV vorschreibe, dass der Gesuchsteller den Bericht zusammen mit den
Unterlagen bei der Einleitung des massgeblichen Verfahrens der
zuständigen Behörde einzureichen habe.
Gemäss Art. 11 UVPV muss der Gesuchsteller den UVB zusammen mit
den Unterlagen bei der Einleitung des massgeblichen Verfahrens der
zuständigen Behörde einreichen. Was mit "Unterlagen" im Sinne von
Art. 11 UVPV gemeint ist, wird in der bundesrätlichen Verordnung nicht
definiert. Wie die Beschwerdegegnerin in deren Vernehmlassung vom
22. Februar 2012 zu Recht ausführt, sind damit aber sicher nicht
Projektunterlagen wie interne Sitzungsprotokolle, Entwürfe, etc. gemeint.
Vielmehr sind darunter die eigentlichen Bestandteile des Auflageprojekts
zu verstehen. Dieses besteht gemäss Art. 11 der Strassenverordnung des
Kantons Graubünden (StrV; BR 807.110) aus den Projektplänen, dem
Technischen Bericht, dem Kostenvoranschlag sowie dem
Landerwerbsplan und der Rechtserwerbstabelle. Diese Unterlagen wurden
vorliegend unbestrittenermassen zusammen mit dem UVB vom
8. November bis 8. Dezember 2010 öffentlich aufgelegt. Gemäss Art. 20
StrG können sich die betroffenen Amtsstellen sodann im Rahmen eines
Mitberichtsverfahrens zum Auflageprojekt äussern. Von dieser Möglichkeit
hat unter anderem auch das AJF Gebrauch gemacht und dem BVFD am
13. Dezember 2010 eine Stellungnahme eingereicht (vgl. Bg-act. 3 Beilage
- 41 -
9). Wie die Beschwerdegegnerin in deren Vernehmlassung vom
22. Februar 2012 ausführt, suchte im Anschluss an die öffentliche Auflage
das TBA zusammen mit dem ANU und dem Amt für Wald- und
Naturgefahren (AWN) nach Lösungen für die Ausscheidung eines TWW-
Vorranggebiets. Zu diesem Zweck fanden am 18. März und am 12. April
2011 zwei Sitzungen statt. Als Ergebnis dieser Sitzungen verpflichtete sich
die Gemeinde Schmitten dazu, ein Vorranggebiet im Waldareal
auszuscheiden und festzulegen. Dies wurde in den entsprechenden
Sitzungsprotokollen so festgehalten (vgl. die Sitzungsprotokolle vom
25. März bzw. 18. April 2011 [Bg-act. 3 Beilage 2]). Dementsprechend
waren aber die erwähnten Sitzungsprotokolle wie auch die Stellungnahme
des AJF vom 13. Dezember 2010 während der öffentlichen Auflage vom
8. November bis 8. Dezember 2010 und damit auch im Zeitpunkt der
Einreichung der Einsprachen noch gar noch vorhanden und konnten
dementsprechend auch nicht Teil der Auflageakten sein. Der Einwand der
Beschwerdeführer, wonach der UVB deshalb unvollständig sei, ist daher
unbegründet und abzuweisen. Im Übrigen wurde den Beschwerdeführern
bzw. deren Rechtsanwalt lic. iur. Armin Linder am 16. November 2011 der
Beurteilungsbericht des ANU vom 28. Juni 2011 einschliesslich der
erwähnten Sitzungsprotokolle zusammen mit den Einspracheakten 1 - 15
zugestellt. Dementsprechend haben die Beschwerdeführer aber vor
Einreichung ihrer Beschwerde an das Verwaltungsgericht sowohl Einsicht
in die erwähnten Sitzungsprotokolle als auch in die Stellungnahme des AJF
vom 13. Dezember 2010 nehmen können.
7.7. Überdies bringen die Beschwerdeführer vor, der Beurteilungsbericht des
ANU sei erst am 28. Juni 2011 und damit mehr als ein halbes Jahr nach
der Einsprachefrist vorgelegen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör
verlange, dass der Bericht zum Zeitpunkt der Projektauflage vorliege und
öffentlich zugänglich sei. Es mache keinen Sinn, einen UVB aufzulegen,
bevor dieser vom ANU beurteilt worden sei, weil der UVB dann immer unter
- 42 -
dem Vorbehalt von Ergänzungen und Änderungen stehe. Gemäss Art. 20
Abs. 1 UVPV gebe die zuständige Behörde bekannt, wo der UVB und der
Beurteilungsbericht eingesehen werden könnten. Folglich müssten diese
zusammen eingesehen werden können. Eine andere kantonale Regelung
verstiesse gegen Bundesrecht.
Wie nachstehend dargestellt zielt auch diese Rüge ins Leere. Die
Beschwerdegegnerin bringt in ihrer Vernehmlassung vom 22. Februar
2012 zu Recht vor, dass der Beurteilungsbericht des ANU im für die
Genehmigung von kantonalen Strassenprojekten anwendbaren Verfahren
zum Zeitpunkt der öffentlichen Projektauflage noch gar nicht vorliegen
kann. Gemäss Art. 10c Abs. 1 USG i.V.m. Art. 12 Abs. 1 UVPV beurteilt die
kantonale Umweltschutzfachstelle (ANU) den UVB bei Projekten, die von
einer kantonalen Behörde geprüft werden. Die entsprechende Frist, innert
der die kantonale Umweltschutzfachstelle zum UVB Stellung nimmt, legt
gemäss Art. 12b Abs. 1 UVPV das kantonale Recht fest. Dieses sieht in
Art. 8 der kantonalen Verordnung über die Umweltverträglichkeitsprüfung
(KVUVP; BR 820.150) vor, dass die Fachstelle den UVB innert vier
Monaten beurteilt. Nach Eingang aller für die Beurteilung benötigten
Unterlagen, insbesondere des vollständigen Berichts und der
Stellungnahmen der betroffenen Amtsstellen, verbleiben der Fachstelle
noch mindestens zwei Monate zur Beurteilung. Bei komplexen Vorhaben
kann die zuständige Behörde diese Fristen angemessen erstrecken.
Vorliegend wurde das Auflageprojekt 2010 mit dem UVB dem ANU durch
das BVFD am 4. November 2010 zugestellt. Die Mitberichte der
beigezogenen Amtsstellen wurden dem ANU am 22. Dezember 2010
nachgereicht, während die Absichtserklärung der Gemeinde Schmitten
vom 5. Mai 2011 zur Ausscheidung eines TWW-Vorranggebiets am
10. Mai 2011 nachgeliefert wurde (vgl. Beurteilungsbericht des ANU vom
28. Juni 2011 [Bg-act. 2 Beilage 2] S. 4 Ziff. 2.2). Vor diesem Hintergrund
sowie unter Berücksichtigung der Komplexität des Vorhabens und der
- 43 -
Tatsache, dass es sich bei den erwähnten Behandlungsfristen um
Ordnungsfristen handelt (vgl. UVP-Handbuch Modul 4, Ablauf der UVP und
Aufgaben der Beteiligten, BAFU 2009, S. 3 Ziff. 1.3 [abrufbar unter
https://www.bafu.admin.ch › Themen › Umweltverträglichkeitsprüfung ›
UVP-Handbuch {zuletzt besucht am 4. September 2018}]), ist die Dauer bis
zum Erlass des Beurteilungsberichts vom 28. Juni 2011 nicht zu
beanstanden. Der Vorwurf, der Beurteilungsbericht des ANU vom 28. Juni
2011 habe zu spät vorgelegen, erweist sich somit als unbegründet. Die
Beschwerdeführer verkennen in ihrer Argumentation, dass bei der
Genehmigung von Strassenprojekten, die der UVP unterliegen, zeitlich
gestaffelt zwei öffentliche Auflagen stattfinden. Bei der ersten Auflage
handelt es sich um die Projektauflage gemäss Art. 20 StrG i.V.m. Art. 11
StrV. Dabei sorgt die zuständige Behörde gemäss Art. 15 Abs. 1 UVPV
dafür, dass der UVB öffentlich zugänglich ist. In der Publikation ist
entsprechend darauf hinzuweisen, dass auch der UVB eingesehen werden
kann (Art. 15 Abs. 2 UVPV). Vorliegend wurde das Auflageprojekt 2010
inklusive UVB vom November 2010 im kantonalen Amtsblatt vom
4. November 2010 publiziert (vgl. Bg-act. 7 zur Duplik vom 7. Juni 2012)
und lag vom 8. November bis 8. Dezember 2010 in den Gemeinden
Schmitten und Alvaneu öffentlich auf. In der entsprechenden Publikation
wurde explizit darauf hingewiesen, dass neben dem Auflageprojekt und
weiteren Unterlagen auch der UVB eingesehen werden kann. Die zweite
öffentliche Auflage mit Möglichkeit zur Einsichtnahme in den
Beurteilungsbericht des ANU findet demgegenüber erst im Anschluss an
die Projektgenehmigung gestützt auf Art. 20 UVPV statt. Danach gibt die
zuständige Behörde − vorbehältlich der gesetzlichen
Geheimhaltungspflichten sowie des Akteneinsichtsrechts − bekannt, wo
der UVB, die Beurteilung der Umweltschutzfachstelle, die Ergebnisse einer
allfälligen Anhörung des BAFU sowie der Entscheid, soweit er die
Ergebnisse der Prüfung betrifft, während 30 Tagen eingesehen werden
können (vgl. auch Art. 10 Abs. 2 KVUVP). Bei dieser Bekanntmachung
- 44 -
geht es darum, dass die Öffentlichkeit Kenntnis über die
Umweltverträglichkeit geplanter Anlagen erhält (vgl. UVP-Handbuch Modul
1, Rechtliche Grundlagen, BAFU 2009, S. 10 Ziff. 3.4 [abrufbar unter
https://www.bafu.admin.ch › Themen › Umweltverträglichkeitsprüfung ›
UVP-Handbuch {zuletzt besucht am 4. September 2018}]). Vorliegend
konnten der Beurteilungsbericht des ANU vom 28. Juni 2011 zusammen
mit den weiteren in Art. 20 Abs. 1 UVPV bzw. Art. 10 Abs. 2 KVUVP
aufgeführten Akten vom 31. Oktober bis 1. Dezember 2011 − und damit
während der Beschwerdefrist − beim TBA in Chur eingesehen werden. Die
entsprechende Publikation im Kantonsamtsblatt erfolgte am 27. Oktober
2011 (vgl. Bg-act. 6). Bei dieser zweiten öffentlichen Auflage lagen der UVB
vom November 2010 und der Beurteilungsbericht des ANU vom 28. Juni
2011 gleichzeitig auf. Entgegen der beschwerdeführerischen Auffassung
trifft es somit gerade nicht zu, dass der Beurteilungsbericht der
Umweltschutzfachstelle bereits zum Zeitpunkt der Projektauflage vorliegen
und öffentlich zugänglich sein muss. Vielmehr betrifft der von den
Beschwerdeführern angerufene Art. 20 Abs. 1 UVPV erst die zweite
öffentliche Auflage, welche − wie gesehen − erst im Anschluss an die
Projektgenehmigung erfolgt. Ein Widerspruch zwischen Bundesrecht und
kantonalem Recht liegt − entgegen den beschwerdeführerischen
Ausführungen − nicht vor. Wie gesehen muss von Gesetzes wegen
nämlich lediglich der UVB gleichzeitig mit dem Auflageprojekt öffentlich
aufgelegt werden (vgl. Art. 15 Abs. 2 UVPV), während der
Beurteilungsbericht der Umweltschutzfachstelle erst zusammen mit dem
Entscheid öffentlich bekannt gemacht werden muss (vgl. Art. 20 UVPV).
Die diesbezügliche beschwerdeführerische Rüge erweist sich somit als
unbegründet und ist abzuweisen.
7.8. Schliesslich rügen die Beschwerdeführer noch, die Beschwerdegegnerin
hätte sie über Änderungen des Auflageprojekts direkt informieren müssen.
Ein Hinweis im kantonalen Amtsblatt genüge nicht, weil im laufenden
- 45 -
Verfahren nicht mit Änderungen am Einsprachegegenstand gerechnet
werden müsse. Sie hätten erst im Beschwerdeverfahren davon Kenntnis
erlangt, dass das Auflageprojekt nachträglich geändert worden sei. Dies
sei ihnen im Einspracheverfahren nicht angezeigt worden. Sie wüssten bis
heute nicht, um welche Änderungen es sich handle. Das rechtliche Gehör
sei verletzt.
Auch dieser Einwand ist − wie nachstehend dargestellt − unbegründet. Wie
die Beschwerdegegnerin in ihrer Duplik vom 7. Juni 2012 zu Recht
ausführt, geht aus dem angefochtenen Genehmigungsbeschluss vom 25.,
mitgeteilt am 26. Oktober 2011, nämlich deutlich hervor, dass und wie das
Auflageprojekt geändert wurde (vgl. E.II./1., III./23., III./24., III./32., III./33.
und vor allem Dispositiv des angefochtenen Genehmigungsbeschlusses
vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, Ziff. A./1.). Der
beschwerdeführerische Vorwurf, wonach die Beschwerdeführer erst im
Beschwerdeverfahren vom geänderten Auflageprojekt Kenntnis erlangt
hätten, ist somit nachweislich falsch. Im Übrigen weist die
Beschwerdegegnerin duplicando zu Recht darauf hin, dass den von den
damaligen Einsprechern L._ selig und H._ in ihren Einsprachen
vom 30. November 2010 (vgl. Bg-act. 3 Beilagen 23 und 24) beantragten
Projektanpassungen grösstenteils auch entsprochen wurde. So wurde
L._ selig ein neuer landwirtschaftlicher Zugang zur Parzelle 679
zugesprochen, während H._ ein neuer Anschluss an seine Parzellen
740 und 741 gewährt wurde (vgl. E.III./23. und III./24. des angefochtenen
Genehmigungsbeschlusses vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011).
Auch dies zeigt, dass die Beschwerdeführer offenkundig schon vor dem
Beschwerdeverfahren über die Projektanpassungen informiert waren. Die
diesbezügliche Rüge erweist sich somit als unbegründet und das rechtliche
Gehör ist nicht verletzt.
- 46 -
7.9. Nach dem vorstehend Gesagten sowie basierend auf den Ausführungen
des ANU im Beurteilungsbericht vom 28. Juni 2011 sowie der
Stellungnahme vom 6. Mai 2014 taugen der UVB vom November 2010 und
seine Ergänzung vom März 2014 als Grundlage für die
Interessenabwägung. Zu dieser Interessenabwägung ist neben den
erwähnten Stellungnahmen des ANU zwingend auch das Gutachten der
ENHK zur umstrittenen Umfahrungsstrasse Schmitten Süd vom
29. Februar 2016 beiziehen. Ebenfalls beizuziehen ist das Fachgutachten
Ortsdurchfahrt Schmitten − Engpasssteuerung vom 27. Juni 2017
einschliesslich dessen Ergänzung vom 12. Oktober 2017.
8.1. Gemäss Art. 78 Abs. 1 BV sind für den Natur- und Heimatschutz
grundsätzlich die Kantone zuständig. Bundeskompetenzen bestehen
lediglich im Bereich des Biotop- und Artenschutzes (Art. 78 Abs. 4 BV) und
zum Schutz von Mooren und Moorlandschaften von nationaler Bedeutung
(Art. 78 Abs. 5 BV). Gemäss Art. 78 Abs. 2 BV nimmt der Bund bei der
Erfüllung seiner Aufgaben Rücksicht auf die Anliegen des Natur- und
Heimatschutzes und schont Landschaften, Ortsbilder, geschichtliche
Stätten sowie Natur- und Kunstdenkmäler; er erhält sie ungeschmälert,
wenn das öffentliche Interesse es gebietet. Was unter der Erfüllung einer
Bundesaufgabe im Sinne von Art. 78 Abs. 2 BV bzw. Art. 3 NHG zu
verstehen ist, führt Art. 2 Abs. 1 NHG in nicht abschliessender Weise aus:
Dazu gehören insbesondere die Planung, Errichtung und Veränderung von
Werken und Anlagen durch den Bund, wie z.B. Bauten und Anlagen der
Bundesverwaltung, Nationalstrassen oder Bauten und Anlagen der
Schweizerischen Bundesbahnen (lit. a), die Erteilung von Konzessionen
und Bewilligungen, wie zum Bau und Betrieb von Verkehrsanlagen,
Transportanstalten, Werken und Anlagen zur Beförderung von Energie,
Flüssigkeiten oder Gasen oder zur Übermittlung von Nachrichten sowie
Bewilligungen zur Vornahme von Rodungen (lit. b) sowie die Gewährung
von Beiträgen an Planungen, Werke und Anlagen, wie Meliorationen,
- 47 -
Sanierungen landwirtschaftlicher Bauten, Gewässerkorrektionen, Anlagen
des Gewässerschutzes und Verkehrsanlagen (lit. c). Entscheide
kantonaler Behörden über Vorhaben, die voraussichtlich nur mit Beiträgen
nach Abs. 1 lit. c verwirklicht werden, sind der Erfüllung von
Bundesaufgaben gleichgestellt (Art. 2 Abs. 2 NHG). Nach ständiger
Rechtsprechung kann eine Bundesaufgabe auch dann vorliegen, wenn
eine kantonale Behörde eine bundesrechtliche Aufgabe wahrnimmt. Dies
ist beispielsweise zu bejahen bei der Erteilung einer
raumplanungsrechtlichen Ausnahmebewilligung (grundlegend BGE
112 Ib 70 E.4b). Ausdrücklich in Art. 2 Abs. 1 lit. b NHG erwähnt ist die
Erteilung einer Rodungsbewilligung: Muss für ein Projekt eine Rodung in
einem koordinierten Verfahren bewilligt werden oder wird die
Rodungsbewilligung gemäss Art. 21 Abs. 3 UVPV verbindlich in Aussicht
gestellt, liegt nach ständiger Rechtsprechung eine Bundesaufgabe vor
(BGE 138 II 281 E.4.4, 121 II 190 E.3c/cc,120 Ib 27 E.2c/aa). Das
umstrittene Strassenprojekt Umfahrung Schmitten Süd betrifft nach dem
soeben Gesagten eine Bundesaufgabe im Sinne von Art. 2 NHG, weil für
das Projekt im Rahmen des koordinierten Verfahrens unter anderem eine
Rodungsbewilligung gemäss dem Bundesgesetz über den Wald erteilt
wurde (zur Frage der Rechtmässigkeit der Rodungsbewilligung vgl. Urteil
des Verwaltungsgerichtes des Kantons Graubünden [VGU] R 11 119 und
R 11 120 vom 3. Juli 2018 E.15). Somit liegt hier eine Bundesaufgabe vor.
8.2. Bei der Erfüllung von Bundesaufgaben im Sinne von Art. 2 NHG sorgen der
Bund, seine Anstalten und Betriebe sowie die Kantone dafür, dass das
heimatliche Landschafts- und Ortsbild, geschichtliche Stätten sowie Natur-
und Kulturdenkmäler geschont werden und, wo das allgemeine Interesse
an ihnen überwiegt, ungeschmälert erhalten bleiben (Art. 3 Abs. 1 NHG).
Diese Pflicht gilt unabhängig von der Bedeutung des Objektes im Sinne
von Art. 4 NHG, welcher Objekte von nationaler Bedeutung von solchen mit
regionaler oder lokaler Bedeutung unterscheidet. Eine Massnahme darf
- 48 -
nicht weitergehen, als es der Schutz des Objektes und seiner Umgebung
erfordert (Art. 3 Abs. 3 NHG). Art. 3 NHG verlangt keinen absoluten Schutz
der Landschaft, sondern "nur", dass das heimatliche Landschafts- und
Ortsbild, geschichtliche Stätten sowie Natur- und Kulturdenkmäler
geschont und, wo das allgemeine Interesse an ihnen überwiegt,
ungeschmälert erhalten bleiben. Auch bei schwerwiegenden
Beeinträchtigungen von Lebensräumen und Kulturlandschaften ist somit
eine Bewilligung möglich, wenn sich im Rahmen der Interessenabwägung
das Eingriffsinteresse als höher erweist als das Interesse an der
ungeschmälerten Erhaltung der Lebensräume und der Kulturlandschaft.
Der Eingriff ist jedoch nur gestattet, wo ein überwiegendes allgemeines
Interesse dies erfordert (vgl. BGE 137 II 266 E.4). Zur Beurteilung dieser
Frage ist eine möglichst umfassende Abwägung aller für und gegen das
Vorhaben sprechenden öffentlichen und privaten Interessen vorzunehmen
(vgl. Urteil des Bundesgerichtes 1C_108/2014, 1C_110/2014 vom
23. September 2014 E.4.3). Dabei ist nicht nur zu prüfen, ob auf die
geplanten Bauten und Anlagen gänzlich verzichtet werden könnte (so
ausdrücklich Art. 3 Abs. 2 lit. a NHG), sondern es müssen auch
Alternativen geprüft werden, sofern diese ernsthaft in Betracht fallen (vgl.
vorstehend E.6.4). Demgegenüber sind inventarisierte Objekte von
nationaler Bedeutung gemäss Art. 6 Abs. 1 NHG ungeschmälert zu
erhalten, jedenfalls aber unter Einbezug von Wiederherstellungs- oder
angemessenen Ersatzmassnahmen grösstmöglichst zu schonen. Ein
Abweichen von der ungeschmälerten Erhaltung im Sinne der Inventare darf
bei Erfüllung einer Bundesaufgabe gemäss Art. 6 Abs. 2 NHG nur in
Erwägung gezogen werden, wenn ihr bestimmte gleich- oder höherwertige
Interessen von ebenfalls nationaler Bedeutung entgegenstehen. Passend
zu den unterschiedlichen Schutzniveaus divergieren auch die
Anforderungen an die Interessenabwägung. Während nach Art. 3 NHG
eine umfassende Abwägung aller für und gegen das Vorhaben
sprechenden öffentlichen und privaten Interessen vorzunehmen ist (vgl.
- 49 -
BGE 137 II 266 E.4), lässt Art. 6 NHG nur eine eingeschränkte
Interessenabwägung zu: Ist das Interesse, welches der ungeschmälerten
Erhaltung entgegensteht, nicht von nationaler Bedeutung, so ist der Eingriff
a priori unzulässig; denn der Gesetzgeber hat für diesen Fall verbindlich
zugunsten der ungeschmälerten Erhaltung entschieden. Liegt hingegen ein
Eingriffsinteresse von ebenfalls nationaler Bedeutung vor, muss aufgrund
sämtlicher relevanter Gesichtspunkte entschieden werden, ob dieses im
konkreten Fall überwiegt oder zumindest gleichwertig ist (vgl. GRIFFEL, Die
Grundprinzipien des schweizerischen Umweltrechts, Zürich 2001, Rz. 396
m.w.H.).
8.3. Darüber hinaus sind die Vorschriften von Art. 1 und 3 des Gesetzes über
den Natur- und Heimatschutz im Kanton Graubünden (KNHG; BR 496.000)
einzuhalten, wonach schutzwürdige Landschaften, die Lebensräume der
einheimischen Tiere und Pflanzen (Biotope), wertvolle Ortsbilder,
Gebäudegruppen und Einzelbauten, deren Umgebung sowie
archäologische Fundstellen zu schonen und, wo das öffentliche Interesse
an ihrer Erhaltung überwiegt, soweit als möglich zu erhalten sind. Das
Schonungsgebot hinsichtlich Landschaft gilt auch aufgrund von Art. 1 und
3 des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG; SR 700).
Insbesondere sollen gemäss Art. 3 Abs. 2 RPG der Landwirtschaft
genügende Flächen geeigneten Kulturlandes, insbesondere
Fruchtfolgeflächen, erhalten bleiben (lit. a), Siedlungen, Bauten und
Anlagen sich in die Landschaft einordnen (lit. b) naturnahe Landschaften
und Erholungsräume erhalten bleiben (lit. d) und die Wälder ihre
Funktionen erfüllen können (lit. e). Wohngebiete sind gemäss Art. 3 Abs. 3
lit. b RPG vor schädlichen oder lästigen Einwirkungen wie
Luftverschmutzung, Lärm und Erschütterung möglichst zu verschonen. Für
die öffentlichen oder im öffentlichen Interesse liegenden Bauten und
Anlagen sind gemäss Art. 3 Abs. 3 RPG sachgerechte Standorte zu
bestimmen. Insbesondere sollen regionale Bedürfnisse berücksichtigt und
- 50 -
störende Ungleichheiten abgebaut (lit. a) sowie nachteilige Auswirkungen
auf die natürlichen Lebensgrundlagen, die Bevölkerung und die Wirtschaft
vermieden oder gesamthaft gering gehalten werden (lit. c; vgl. Urteil des
Bundesgerichtes 1C_108/2014, 1C_110/2014 vom 23. September 2014
E.4.4).
9.1. Von der geplanten Umfahrungsstrasse Schmitten Süd (Auflageprojekt
2010) sind − wie die ENHK bereits in ihrem Schreiben vom 5. Dezember
2012 festgestellt hat − keine Objekte betroffen, welche in einem Inventar
des Bundes nach Art. 5 NHG enthalten sind. Als Trockenstandort von
nationaler Bedeutung ist lediglich das 1.1 ha grosse Objekt Nr. 8480
marginal betroffen (vgl. UVB vom November 2010 [Bg-act. 2 Beilage 13]
Anhang 6.4.1). Eine obligatorische Begutachtung durch die ENHK nach
Art. 7 NHG entfällt daher. Indessen kann die ENHK nach Art. 8 NHG i.V.m.
Art. 25 der Verordnung über den Natur- und Heimatschutz (NHV; SR 451.1)
in wichtigen Fällen von sich aus in jedem Stadium des Verfahrens ein
Gutachten über die Schonung oder ungeschmälerte Erhaltung von
Objekten abgeben. Diese fakultative Begutachtung bezieht sich
insbesondere auf Objekte, die nicht in einem Bundesinventar nach Art. 5
NHG aufgeführt sind (vgl. LEIMBACHER, Kommentar NHG, Zürich 1997,
Art. 8 Rz. 1; siehe auch Art. 25 Abs. 1 lit. d NHV). Eine fakultative
Begutachtung nach Art. 8 NHG kann auch zum Zug kommen, wenn das
ENHK-Gutachten von einer Verfahrenspartei beantragt wird, wobei die
ENHK selbst entscheidet, ob sie ein Gutachten abgibt (vgl. LEIMBACHER,
a.a.O., Art. 8 Rz. 4).
9.2.1. Vorliegend haben die Beschwerdeführer im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren R 11 119 und R 11 120, welches ebenfalls das
Auflageprojekt Umfahrung Schmitten Süd (Auflageprojekt 2010) betrifft, in
ihren Beschwerden vom 28. November 2011 die Einholung eines
Gutachtens bei der ENHK nach Art. 8 NHG beantragt. Im Anschluss fragte
- 51 -
das Gericht am 1. Oktober 2012 die ENHK an, ob sie eine fakultative
Begutachtung gemäss Art. 8 NHG vornehmen wolle. Mit Schreiben vom
5. Dezember 2012 stellte die ENHK im Wesentlichen fest, dass im UVB
und im Prüfbericht des ANU sowohl die Bedeutung der durch das Vorhaben
betroffenen Natur- und Kulturlandschaft sowie die Auswirkungen des
Projekts auf diese Qualitäten und Werte hinreichend geklärt worden seien.
Die Umfahrungsstrasse führe danach zu einer erheblichen
Beeinträchtigung der Kulturlandschaft und der Lebensräume. Diese
Beurteilung sei für die ENHK vollständig und nachvollziehbar. Für die
Prüfung einer teilweisen Untertunnelung der Südumfahrung wären keine
zusätzlichen Grundlagen im Bereich von Natur-, Landschafts- und
Ortsbildschutz erforderlich. Allerdings lägen für eine Prüfung und adäquate
Beurteilung einer mit der zur Genehmigung vorgelegten vergleichbaren
Variante keine ausreichenden Projektpläne vor. Gemäss Bericht des ANU
bleibe offen, ob die genehmigte und umstrittene Umfahrung Schmitten Süd
dem in Art. 3 NHG verankerten allgemeinen Schonungsgebot genüge. Ob
die Prüfung und Projektierung neuer Varianten im heutigen
Verfahrensstand vorgenommen werden solle, sei eine verfahrensrechtliche
Frage, die zu beantworten nicht zu den Aufgaben der ENHK gehöre.
Ebenfalls nicht in den Aufgabenbereich der ENHK falle die Beurteilung, ob
das vorliegende Projekt in der gesamthaften Interessenabwägung
zwischen dem im kantonalen oder noch weitergehenden Quervergleich
geringen Verkehrsaufkommen, den verkehrstechnischen Problemen des
Engpasses der Ortsdurchfahrt, dem Ortsbild, der als schwerwiegend
beurteilten Zerschneidung einer bisher nicht belasteten
Landschaftskammer, den finanziellen Aufwendungen etc. gerechtfertigt
sei. Aufgrund des Sachverhalts und da weder die Vornahme noch die
Prüfung der Interessenabwägung Aufgabe der ENHK sei, verzichte sie auf
die Abgabe eines fakultativen Gutachtens.
- 52 -
9.2.2. In der Folge forderte das Gericht die Beschwerdegegnerin mit Schreiben
vom 1. Mai 2013 auf, neben den bereits eingelegten Planunterlagen
sämtliche vom TBA im Rahmen der Prüfung der drei alternativen
Linienführungen für eine Südumfahrung erarbeiteten und verwendeten
sachdienlichen Dokumente einzureichen. Dieser Aufforderung kam die
Beschwerdegegnerin am 16. Mai 2013 nach. Nach Gewährung des
rechtlichen Gehörs und nachdem von Seiten des Gerichtes am 23. Oktober
2013 ein Augenschein sowie am 29. November 2013 eine
Instruktionsverhandlung durchgeführt wurde, forderte das Gericht am
15. Mai 2014 die Beschwerdegegnerin auf, zu den Resultaten des
gerichtlichen Augenscheins, der Instruktionsverhandlung und der dazu und
in der Folge erarbeiteten Dokumente Stellung zu nehmen und zu
entscheiden, ob sie an ihrem Genehmigungsentscheid für die Umfahrung
Schmitten Süd festhalten wolle. Mit Schreiben vom 2. Oktober 2014 teilte
die Beschwerdegegnerin dem Gericht mit, dass für sie kein Grund bestehe,
von der ursprünglichen Beurteilung abzuweichen, weshalb sie am
Genehmigungsentscheid vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011,
festhalte. Begründend führte sie im Wesentlichen aus, dass das
Auflageprojekt 2010 im Vergleich mit den Varianten für eine Südumfahrung
unter Abwägung bautechnischer, wirtschaftlicher und umweltrelevanter
Gesichtspunkte insgesamt deutlich am besten abschneide und die von
Art. 15 StrG verlangten Voraussetzungen an eine kantonale
Strassenverbindung erfülle. Das Auflageprojekt sei zweckmässig und
geeignet, die mit dem Projekt verfolgten Ziele zu erreichen. Eine
lichtsignalgesteuerte Ortsdurchfahrt für Schmitten liefe den verfolgten
Zielen zuwider, weswegen eine solche Lösung als unzweckmässig
abzulehnen sei.
9.2.3. Daraufhin fragte das Gericht die ENHK am 14. Oktober 2014 erneut an, ob
sie aufgrund der weiteren, vorstehend geschilderten Abklärungen und des
Entscheids der Beschwerdegegnerin vom 2. Oktober 2014 nun eine
- 53 -
Begutachtung gemäss Art. 8 NHG vornehmen wolle. Am 13. November
2014 teilte die ENHK dem Gericht mit, dass sie bereit sei, das Vorhaben
und die Projektvarianten vertieft zu prüfen und in Berücksichtigung der
zusätzlichen Unterlagen ein Gutachten nach Art. 8 NHG zur umstrittenen
Strassenführung abzugeben. Nachdem die ENHK unter Mitwirkung des
TBA am 10. Juni 2015 einen Augenschein durchgeführt hatte, stellte sie
dem Gericht am 29. Februar 2016 ihr Gutachten zur umstrittenen
Umfahrungsstrasse Schmitten Süd zu. In der Folge konnten sich die
Verfahrensparteien zum Gutachten der ENHK zur umstrittenen
Umfahrungsstrasse Schmitten Süd vom 29. Februar 2016 äussern. Damit
wurde die fakultative Begutachtung im Sinne von Art. 8 NHG unter
Wahrung der Verfahrensrechte der Parteien ermöglicht. Gegenteiliges wird
von den Beschwerdeführern bzw. der Beschwerdegegnerin denn auch
nicht behauptet.
9.3. Nach der Rechtsprechung kommt einem Gutachten der ENHK grosses
Gewicht zu. Vom Ergebnis der Begutachtung darf nur aus triftigen Gründen
abgewichen werden, auch wenn der entscheidenden Behörde eine freie
Beweiswürdigung zusteht (BGE 127 II 273 E.4b, 125 II 591 E.7a). Dies trifft
namentlich auch für die dem Gutachten zugrunde liegenden tatsächlichen
Feststellungen zu (BGE 127 II 273 E.4b; Urteil des Bundesgerichtes
1A.185/2006 vom 5. März 2007 E.6.1). Diese Grundsätze gelten sowohl für
die gestützt auf Art. 7 NHG erforderliche Begutachtung durch die ENHK als
auch für die fakultative Begutachtung gemäss Art. 8 NHG. Bei der Erfüllung
ihrer Aufgaben ist der ENHK ein gewisses Ermessen zuzuerkennen. So
darf sie sich auf das für den Entscheid Wesentliche beschränken. Sie soll
namentlich darlegen, ob das Ausmass und das Gewicht der
Beeinträchtigung minimiert werden könnten, wobei sie für den Fall der
Realisierung, soweit nötig, Auflagen vorschlagen kann (BGE 136 II 214
E.5, 127 II 273 E.4b).
- 54 -
10.1. Für die Beurteilung des Auflageprojekts 2010 sowie der alternativen
Linienführungen hat die ENHK in ihrem Gutachten vom 29. Februar 2016
folgende Schutzziele formuliert:
- "Erhaltung der offenen, reich strukturierten Terrassenlandschaft bei Schmitten mit der durch die historischen Verkehrswerge, die Böschungen der ehemaligen Ackerterrassen sowie die Hecken und Lesesteinhaufen ablesbaren Nutzungsgeschichte.
- Erhaltung der nach NHG bzw. nach NHV geschützten und/oder schützenswerten Lebensräume mit ihren ökologischen Voraussetzungen, insbesondere für seltene Pflanzen- und Tierarten.
- Erhaltung der ausgedehnten artenreichen Fromentalwiesen. - Erhaltung der im Gebiet vorkommenden geschützten und schützenswerten Tier- und
Pflanzenarten. - Erhaltung des grossflächigen Lebensraumverbundes und der ökologischen
Vernetzung in der Landschaft. - Freihaltung des Kirchhügels und des sich darum ausdehnenden Wieslandes
(Umgebungszonen U-Zo I und U-Zo IV). - Erhaltung der für die Struktur und den Charakter des Ortsbildes wichtigen
historischen Bausubstanz. - Erhaltung der Naherholungslandschaft mit ihrer Ruhe."
Unter Beachtung dieser Schutzziele hält die ENHK zunächst dafür, dass im
konkreten Fall insbesondere die offene und zusammenhängende,
ökologisch wertvolle Terrassenlandschaft mit dem Verbund von
grossflächigen Fromentalwiesen, Trockenwiesen und kleineren
geschützten und schützenswerten Lebensräumen und Strukturen wie
Hecken, Gebüsche und Lesesteinhaufen von Bedeutung sei.
Hinsichtlich des Auflageprojekts 2010 führt die ENHK aus, dass die
Querprofile des Strassenprojekts grosse bis sehr grosse Geländeeingriffe
auf praktisch dem ganzen Trassee zeigten. Verschiedene bestehende
Landschaftsstrukturen wie Terrassierungen würden zerstört. Die
durchgehende lineare Infrastruktur der Strasse zerschneide sowohl
landschaftlich wie ökologisch die heute weitgehend intakte
Kulturlandschaft. Die landschaftliche Zerschneidung sei besonders stark
aus dem Projektgebiet selber sichtbar, wo die Strasse dominant und
landschaftsprägend sei. Auch aus der Ferne werde das Strassenprojekt als
lineare Infrastruktur das Landschaftsbild zerschneiden. Sowohl als
Bauwerk als auch wegen der zu erwartenden Lärmimmissionen führe die
- 55 -
Strasse ebenfalls zu einer Entwertung der Terrasse als
Naherholungsgebiet. Auch das Ortsbild werde durch das Auflageprojekt
2010 beeinträchtigt. Es durchquere die Umgebungsrichtung III und die
Umgebung IV, welche beide zur Wahrung der Qualität des Ortsbildes und
insbesondere dessen Einbettung in die Kulturlandschaft freigehalten
werden sollten. Sowohl von Süden als auch im Nahbereich entlang der
geplanten Strasse und auch aus der Ferne werde das Ortsbild durch die
Strasseninfrastruktur beeinträchtigt. Ortsbildprägende oder historisch
wertvolle Bauten seien aber nicht betroffen. Der Lebensraumverbund
würde durch die Zerstörung grosser Flächen an Fromentalwiesen stark
geschwächt. Für zahlreiche Kleintiere stelle die Strasse ein
unüberwindbares Hindernis dar. Besonders schwer wiege die Zerstörung
von schützenswerter Vegetation im Bereich der Trockenwiesen von
regionaler und nationaler Bedeutung sowie der betroffenen
Kleinlebensräume wie Hecken, Sträucher und Lesesteinhaufen. Im UVB
2010 werde der Verlust von 14'900 m2 schützenswerter Vegetation
ausgewiesen. 60 % davon beträfen inventarisierte Trockenstandorte von
nationaler und regionaler Bedeutung, 30 % beträfen ebenfalls
Trockenstandorte, die erst im Rahmen des UVB als solche erkannt worden
seien und 10 % Hecken und Lesesteinhaufen. Das Auflageprojekt 2010
stehe im Widerspruch zu den Schutzzielen der offenen und
zusammenhängenden Terrassenlandschaft und der nach NHG bzw. nach
NHV geschützten und/oder schützenswerten Lebensräume, den
ausgedehnten, artenreichen Fromentalwiesen, des grossflächigen
Lebensraumverbundes, der ökologischen Vernetzung, der Einbettung des
Dorfes Schmitten in die Kulturlandschaft sowie der
Naherholungslandschaft mit ihrer Geräuschkulisse. Auch das ANU sei im
Bericht vom 28. Juni 2011 gestützt auf den UVB 2010 zu Recht zum
Schluss gekommen, dass die Umfahrungsstrasse im Widerspruch zu den
grundlegenden Zielen des Landschaftsschutzes stehe.
- 56 -
In Bezug auf die weiteren Varianten für eine Südumfahrung kommt die
ENHK gestützt auf ihre eigenen Feststellungen sowie auf die Resultate des
Zusatzberichtes zum UVB 2010 vom März 2014 zum Ergebnis, dass
sowohl die Variante Dezember 2010 (Variante 1) als auch die Variante
August 2011 (Variante 2) sowie auch die Tunnelvariante Dezember 2011
(Variante 3) in gesamthafter Beurteilung, wie auch das Auflageprojekt
2010, eine schwerwiegende Beeinträchtigung im Sinne der formulierten
Schutzziele darstellten. Alle drei Varianten für die Südumfahrung und das
Auflageprojekt würden bezüglich der Schutzziele gewisse Vor- und
Nachteile aufweisen. In der Summe führten aber all diese Varianten zu
einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der Landschaft und der
Lebensräume im Sinne der Schutzziele.
Bezüglich der Variante Ortsdurchfahrt mit Verkehrsmanagement führt die
ENHK aus, dass diese Variante gemäss Zusatzbericht zum UVB 2010 vom
März 2014 besser abschneide als die geprüften Südumfahrungen. Auch
bezüglich der formulierten Schutzziele sei diese Variante mit Abstand die
schonendste. Zwar müsse bei einer Realisierung mit baulichen
Auswirkungen im wertvolleren Baugebiet 0.3 und im geringer eingestuften
Baugebiet 1 gerechnet werden. Die ENHK gehe aber davon aus, dass
diese Eingriffe so geplant und ausgestaltet werden könnten, dass keine
ortsbildprägenden und historisch wertvollen Bauten in ihrer Substanz
beeinträchtigt würden. Alle anderen formulierten Schutzziele würden durch
diese Variante nicht oder nur geringfügig beeinträchtigt. Die am
Augenschein von den Vertretern des Kantons vorgetragenen Vorbehalte
bezüglich dieser Variante seien aus Sicht der ENHK nicht überzeugend und
die ENHK empfehle eine vertiefte Prüfung moderner
Verkehrsführungstechnologien durch ausgewiesene und unabhängige
Fachpersonen.
Hinsichtlich der Nordumfahrung führt die ENHK sodann noch aus, dass
diese auf einer grossen Strecke durch einen Tunnel führe und auch diese
Variante mit störenden Landschaftseingriffen und Terrainveränderungen
- 57 -
für die Portale, die Einschnitte und die Anschlüsse verbunden sei. Diese
seien aber von geringerer Tragweite als bei der Südumfahrung, da sie in
einem deutlich weniger empfindlichen Landschaftsausschnitt erfolgten.
Zudem würden auch deutlich weniger geschützte oder schützenswerte
Lebensräume tangiert. Da keine Plangrundlagen vorlägen, könne
diesbezüglich keine abschliessende Beurteilung vorgenommen werden.
Bezüglich der Schutzziele sei diese Variante aber deutlich positiv zu
beurteilen. Mit dieser Variante könne erreicht werden, dass die
zusammenhängende und wertvolle Kulturlandschaft südlich von Schmitten
mit ihren Lebensräumen langfristig erhalten bleibe.
Zusammenfassend beurteilt die ENHK sowohl das Auflageprojekt 2010 als
auch alle zur Diskussion stehenden Varianten einer Umfahrungsstrasse
südlich von Schmitten als schwere Beeinträchtigung der Lebensräume und
der Kulturlandschaft im Sinne der formulierten Schutzziele. Dabei erachtet
die ENHK die festgestellte massive Beeinträchtigung durch die ökologische
und landschaftliche Zerschneidung der Terrasse südlich von Schmitten und
ihre Entwertung als Erholungsraum angesichts der im UVB aufgeführte
Verkehrszahlen von durchschnittlich 1‘500 Motorfahrzeugen pro Tag als
absolut unverhältnismässig. Vor diesem Hintergrund sowie im Sinne des in
Art. 3 NHG formulierten allgemeinen Gebots zur ungeschmälerten
Erhaltung des heimatlichen Landschafts- und Ortsbildes und des in Art. 18
NHG verankerten Schutzes von Lebensräumen, Pflanzen- und Tierarten,
beantragt die ENHK, auf den Bau einer der im Gutachten besprochenen
Variante für eine Umfahrungsstrasse südlich von Schmitten zu verzichten.
Die Beschwerden sollten deshalb gutgeheissen und die Genehmigung des
Bauvorhabens sowie die Rodungsbewilligung aufgehoben werden. Die
ENHK empfiehlt zur bestmöglichen Schonung gemäss Art. 3 NHG, die
Verkehrsprobleme von Schmitten unter Einbezug minimaler baulicher
Massnahmen und unter Schonung der ortsbildrelevanten Bauten mit
verkehrslenkenden Massnahmen auf dem bestehenden Strassentrassee
zu lösen, unter Einbezug neuster verkehrstechnischer Technologien und
- 58 -
Möglichkeiten (differenzierte Verkehrsregelung). In zweiter Priorität
empfiehlt die ENHK die Weiterführung der Planung einer Tunnelvariante
Nord.
10.2. Während sich die Beschwerdeführer durch das Gutachten der ENHK zur
umstrittenen Umfahrungsstrasse Schmitten Süd vom 29. Februar 2016 in
ihrer Auffassung bestärkt fühlen, erachtet die Beschwerdegegnerin dieses
als nicht gänzlich überzeugend. Zur Begründung bringt sie vor, dass ein
minimaler Innerortsausbau mit Lichtsignalanlage weder für die Schmittner
Bevölkerung noch für die Verkehrsteilnehmenden befriedigend sei,
weshalb sie gegen eine solche Variante sei, auch wenn sie funktionierte.
Dies zumal die Variante Innerortsausbau auch aus verkehrstechnischer
Sicht ungenügend sei und eine Gefahrenstelle darstelle. Die Strasse sei
deshalb den heutigen Anforderungen anzupassen, was mit dem von der
ENHK empfohlenen Strassenausbau nicht oder nur ungenügend
bewerkstelligt werden könne. Verkehrstechnisch und wirtschaftlich
nachhaltig sei nur die offene Südumfahrung. Mit der Nordumfahrung habe
sich die Beschwerdegegnerin ausführlich auseinandergesetzt. Die 1994
überarbeitete Variante des Projekts 1982 sei, da zu teuer, nicht in das
Strassenbauprogramm aufgenommen und entsprechend auch nicht
aufgelegt worden. Aus heutiger Sicht müsste die Nordumfahrung deutlich
grossräumiger projektiert werden, um den angestrebten Nutzen einer
Umfahrung zu erzielen. Bei der überarbeiteten Variante 1982 würden sich
die beiden Portale heute im Dorfbereich befinden und die angrenzenden
Wohnhäuser würden trotz Schutzmassnahmen von den dortigen
Lärmemissionen stark betroffen. Somit wäre nur ein Teil der Bevölkerung
Nutzniesser der damaligen Variante. Eine Nordumfahrung mit
entsprechend verlängertem Tunnel, welcher den heutigen
Sicherheitsanforderungen genügte, kostete mindestens Fr. 60'000'000.--,
sehr viel im Vergleich zu den Fr. 17'000'000.-- für das Auflageprojekt. Im
Bau und Betrieb kostete die Nordvariante ca. Faktor 8 mehr als das
- 59 -
Auflageprojekt. Die Beschwerdegegnerin habe bereits 1994 beschlossen,
dass die Nordumfahrung mit Tunnel in absehbarer Zeit nicht finanzierbar
und somit unverhältnismässig sei. Daran habe sich nichts geändert. Der
Bau einer Nordumfahrung sei gestützt auf die strategischen Zielsetzungen
beim Strassenbau und in Anbetracht des gesamten kantonalen
Finanzbedarfs in absehbarer Zeit nicht finanzierbar und somit
unverhältnismässig. Der diesbezüglichen Empfehlung der ENHK könne
deshalb aus Sicht der Beschwerdegegnerin nicht beigepflichtet werden.
Bezüglich des Auflageprojekts 2010 weist die Beschwerdegegnerin
zunächst darauf hin, dass dieses mit verhältnismässig wenigen
Kunstbauten und moderaten Geländeeingriffen auskomme. Beim
Anschluss West sei eine ca. 40 m lange Differenzmauer vorgesehen. Auf
der Messmerhalde sei talseitig eine ca. 32 m lange Stützmauer erforderlich.
Ebenfalls dort sei bergseitig eine etwa gleich lange bepflanzte
Stützkonstruktion mit Lärmschutzwand vorgesehen. Eine bepflanzte
Stützkonstruktion von ca. 160 m Länge sei auch beim Osterhubel
erforderlich. Bepflanzte Stützkonstruktionen integrierten sich
erfahrungsgemäss gut in die Umgebung. Bei Projektbeginn könne eine
bestehende Betonmauer sogar ersatzlos abgebrochen werden. Vom Profil
720.000 bis Projektende, mithin auf einer Strecke von über 1'500 m,
komme das Projekt ohne weitere Kunstbauten aus. Aufgrund der Auflage,
dass ein LBP vom TBA zu erarbeiten und umzusetzen sei, müssten die
Kunstbauten in die topographische Situation eingebunden sowie qualitativ
hochstehend und naturnah gestaltet werden. Das sorgfältige Ausbilden der
Böschungen mit landschaftlichen Gestaltungselementen, wie sie in der
unmittelbaren Wirkung anzutreffen seien, trage aufgrund der Erfahrungen
bei anderen Projekten dazu bei, dass sich die neue Strassenanlage
möglichst gut in die Landschaft einfüge. Das Mass der Beeinträchtigung
könne folglich nicht undifferenziert als schwerwiegend beurteilt werden.
Betreffend Beeinträchtigung des Ortsbildes lege der UVB nachvollziehbar
dar, dass die einzige wahrnehmbare Beeinträchtigung durch die
- 60 -
Umfahrungsstrasse beim Anblick von Westen zu erwarten sei. Die
Dorfansicht von Süden und Osten werde durch die Strasse hingegen nicht
wesentlich beeinflusst. Der Kirchhügel sei zudem heute schon überbaut
und das Gebiet sei im fraglichen Bereich bereits heute von einer
Elektrizitätsfreileitung und von Güterwegen beschnitten. Von der
Realisierung der Umfahrungsstrasse sei zudem eine positive Auswirkung
auf das innere Erscheinungsbild des Dorfes zu erwarten. In Bezug auf das
Ortsbild könne nicht von einem schwerwiegenden Eingriff gesprochen
werden, was die ENHK auch nicht behauptet habe. Die ENHK mache auf
den im UVB erwähnten Verlust von 14'900 m2 schützenswerter Vegetation
aufmerksam, 60 % davon inventarisierte Trockenstandorte von nationaler
und regionaler Bedeutung. Beim grossen Teil dieser 60 % handle es sich
aber nicht um Trockenwiesen von nationaler Bedeutung. Als
Trockenstandort von nationaler Bedeutung werde nur das 1.1 ha grosse
Objekt Nr. 8480 Schmitten marginal tangiert. Der überwiegende Teil der
betroffenen Trockenstandorte sei von regionaler Bedeutung. Für die
Beanspruchung von Trockenstandorten sei vorgesehen, bis Bauende im
Rahmen eines Vorranggebietes Realersatz zu schaffen.
11.1. Nachstehend ist somit zu prüfen, ob im konkreten Fall triftige Gründe
vorliegen, um vom Gutachten der ENHK vom 29. Februar 2016
abzuweichen. Dabei gilt es − wie vorstehend dargelegt (vgl. E.9.3) − zu
berücksichtigen, dass einem Gutachten der ENHK grosses Gewicht
zukommt und vom Ergebnis der Begutachtung nur aus triftigen Gründen
abgewichen werden darf, auch wenn der entscheidenden Behörde − wie
hier − eine freie Beweiswürdigung zusteht. Dementsprechend können die
Folgerungen und die Begründetheit des daraus resultierenden Antrags der
ENHK auf Gutheissung der Beschwerden und Aufhebung des
angefochtenen Genehmigungsbeschlusses vom 25., mitgeteilt am
26. Oktober 2011, sowie der Rodungsbewilligung vom 18., mitgeteilt am
26. Oktober 2011, grundsätzlich nur im beschränkten Rahmen gemäss den
- 61 -
vorstehenden Ausführungen zur Bedeutung eines ENHK-Gutachtens
geprüft werden.
11.2. In Bezug auf die Nordumfahrung Schmitten gilt es dabei zunächst
festzuhalten, dass diese Variante von der Beschwerdegegnerin sowohl mit
Planungsstand 1994 als auch mit entsprechend verlängertem Tunnel im
Auswahlverfahren mangels Finanzierbarkeit bzw. infolge
Unverhältnismässigkeit der Variante ausgeschlossen wurde.
Entsprechende Pläne dieser Variante finden sich denn auch nicht bei den
Akten. Wie gesehen hat die Plangenehmigungsbehörde bei ihrem
Entscheid zwar eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen und
dabei zu entscheiden, welcher der möglichen Varianten der Vorzug zu
gewähren ist. Dabei darf sie aber Varianten, die mit erheblichen Nachteilen
belastet sind, schon nach einer ersten summarischen Prüfung aus dem
Auswahlverfahren ausschliessen (vgl. vorstehend E.6.4). Dies hat die
Beschwerdegegnerin in Bezug auf die fragliche Nordvariante getan, was −
wie nachstehend dargestellt − nicht zu beanstanden ist. Einerseits würden
sich nämlich bei der Variante Nordumfahrung mit Planungsstand 1994 die
beiden Portale im Dorfbereich befinden und die angrenzenden
Wohnhäuser würden trotz Schutzmassnahmen von den dortigen
Lärmimmissionen stark betroffen. Mithin wäre nur ein Teil der Bevölkerung
Nutzniesser dieser Variante. Im erläuternden Bericht zur
Richtplananpassung des Amtes für Raumentwicklung (ARE) Graubünden
vom 20. Oktober 2010 (Bg-act. 2 Beilage 16) wird zur Tunnelvariante Nord
mit Planungsstand 1994 denn auch ausgeführt, dass diese Variante das
Dorf zwar erheblich vom Durchgangsverkehr entlaste und dass sich die
Wohnqualität verbessere. Die Nordumfahrung schone das Orts- und
Landschaftsbild, beeinträchtige aber im Osten und Westen die
Wohnqualität durch Lärmimmissionen. Anderseits − und dies ist
entscheidend − wäre die Nordvariante mit Planungsstand 1994 in der
Erstellung mit Fr. 40'000'000.-- rund zweieinhalb Mal so teuer wie das
- 62 -
Auflageprojekt 2010 mit Fr. 17'000'000.-- (gemäss Kostenvoranschlag vom
November 2010 [vgl. Bg-act. 2 Beilage 3]). Zudem müsste der Tunnel mit
Planungsstand 1994 − um die Entlastungswirkung der Nordumfahrung auf
einen vergleichbaren Stand wie jene der Südumfahrung zu bringen − auch
erheblich verlängert werden, was die Kosten für eine Nordumfahrung
gemäss erläuterndem Bericht zur Richtplananpassung des ARE
Graubünden vom 20. Oktober 2010 nochmals deutlich auf über
Fr. 60'000'000.-- vergrössern würde (vgl. Bg-act. 2 Beilage 16 S. 11).
Überdies verursachte die Nordvariante auch erheblich höhere
Unterhaltskosten als das Auflageprojekt 2010 (gemäss unbelegten
Ausführungen der Beschwerdegegnerin in deren Stellungnahme vom
19. April 2016 betrügen die jährlich zu erwartenden Kosten für den
baulichen und betrieblichen Unterhalt dieser Variante achtmal mehr als
beim Auflageprojekt 2010). Diese höheren Unterhaltskosten sind bei der
Interessenabwägung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge
genauso zu berücksichtigen wie die Investitionskosten; wie das
Bundesgericht zu Recht ausführt, erscheint es aus betriebswirtschaftlicher
Sicht nämlich geboten, möglichst alle während der Lebensdauer der
Anlage anfallenden Kosten zu berücksichtigen (BGE 137 II 266 E.4.3). Die
Beschwerdeführer bemängeln, dass in Bezug auf die Nordumfahrung kein
Kostenvoranschlag, sondern nur Schätzungen vorlägen, weshalb die
Nordumfahrung ökonomisch nicht mit den anderen Varianten verglichen
werden könne. Dem hält die Beschwerdegegnerin indes zu Recht
entgegen, dass ein seriöser Kostenvergleich zwischen dem Auflageprojekt
2010 einerseits und der Nordumfahrung anderseits durchaus möglich sei,
weil der Kanton Erfahrungen habe mit Umfahrungstunnels und das TBA
daher durchaus in der Lage sei, auch ohne Ausarbeiten eines detaillierten
Projekts dieser Grössenordnung im Rahmen einer Variantenstudie
verlässliche Kostenschätzungen vorzunehmen. Dem ist beizupflichten,
zumal die Kostenschätzung der Nordumfahrung über Fr. 60'00'000.-- im
Wesentlichen auf dem Projekt Nordumfahrung des Jahres 1982 basiert, für
- 63 -
welches offenbar ein Kostenvoranschlag vorgelegen hat. Wenn die
Beschwerdegegnerin vor diesem Hintergrund zum Schluss gekommen ist,
dass sowohl die Nordvariante mit Planungsstand 1994 als auch jene mit
verlängertem Tunnel und entsprechend (noch) höheren Investitions- und
Unterhaltskosten gestützt auf die strategischen Zielsetzungen beim
Strassenbau und in Anbetracht des gesamten kantonalen Finanzbedarfs in
absehbarer Zeit nicht finanzierbar und somit unverhältnismässig ist und
entsprechend die Nordvariante aus dem Auswahlverfahren
ausgeschlossen hat, ist dies nachvollziehbar und nicht zu beanstanden.
Dies zumal Art. 15 Abs. 1 StrG neben der Berücksichtigung
umweltschutzrechtlicher Anliegen auch den haushälterischen Umgang mit
Staatsmitteln (wirtschaftliche Projektierung und Erstellung von
Kantonsstrassen) verlangt. Mithin handelt es sich bei den massiv höheren
Investitions- und Unterhaltskosten um einen erheblichen Nachteil, welcher
den Ausschluss der Nordvarianten aus dem Auswahlverfahren ohne
Weiteres zu rechtfertigen vermag. Dementsprechend steht aber die
Nordumfahrung im vorliegenden Verfahren nicht mehr zur Beurteilung,
zumal die Beschwerdegegnerin im November 2010 auch den kantonalen
Richtplan angepasst und dabei anstelle der bisher als Zwischenergebnis
festgelegten Nordumfahrung (basierend auf dem Auflageprojekt aus dem
Jahr 1982) die nun geplante Südumfahrung festgelegt hat. Selbst wenn die
Nordumfahrung im vorliegenden Verfahrensstadium aber − entgegen der
Auffassung des streitberufenen Gerichtes − noch zur Beurteilung stünde,
gölte es doch zu Berücksichtigen, dass die ENHK in ihrer Beurteilung die
Tatsache vollkommen unberücksichtigt gelassen hat, dass die
Nordvariante mit entsprechend verlängertem Tunnel Investitionskosten von
über Fr. 60'000'000.-- mit sich brächte, um die Entlastungswirkung der
Nordumfahrung auf einen vergleichbaren Stand wie jene der
Südumfahrung zu bringen. Dies ist rund dreieinhalb Mal mehr als das
Auflageprojekt 2010 gemäss Kostenvoranschlag vom November 2010 (Bg-
act. 2 Beilage 3) kosten würde. Vor diesem Hintergrund und weil auch die
- 64 -
Unterhaltskosten dieser Variante, verglichen mit dem Auflageprojekt 2010,
deutlich höher wären, erweist sich der diesbezügliche Antrag der ENHK, in
zweiter Priorität die Planung einer Tunnelvariante Nord weiterzuführen,
zwar in natur- und landschaftsschutzrechtlicher Hinsicht als
nachvollziehbar; die mit dem Projekt verfolgten Ziele, mithin die Befreiung
des Dorfes Schmitten vom Durchgangsverkehr und die Verbesserung der
Bedingungen des Langsamverkehrs, dürften damit aber kaum erreicht
werden, ist es aufgrund der dargestellten Kostenfolgen doch kaum
denkbar, dass die Beschwerdegegnerin die Planung einer Tunnelvariante
Nord tatsächlich weiterführen würde, sofern die Realisierung des
Auflageprojekts 2010 nicht möglich sein sollte. Viel wahrscheinlicher wäre
wohl, dass in diesem Fall auf den Bau einer Umfahrungsstrasse in
Schmitten gänzlich verzichtet würde. Wie gesehen ist das streitberufene
Gericht aber ohnehin der Auffassung, dass sowohl die Nordvariante mit
Planungsstand 1994 als auch jene mit verlängertem Tunnel und
entsprechend (noch) höheren Investitions- und Unterhaltskosten von der
Beschwerdegegnerin im Auswahlverfahren aufgrund der massiv höheren
Investitions- und Unterhaltskosten zu Recht ausgeschlossen wurden und
dass die Nordumfahrung dementsprechend im vorliegenden Verfahren
nicht mehr zur Beurteilung steht. Folglich erübrigt sich auch die Erarbeitung
eines Vorprojekts bzw. mindestens einer Studie für eine Nordumfahrung
auf der Basis aktualisierter Verfahrensplangrundsätze mit Schätzung der
Bau- und Betriebskosten auf aktueller Kostenbasis durch das TBA, wie dies
die Beschwerdeführer mit Stellungnahme vom 13. Januar 2014 (zum
Protokoll der Instruktionsverhandlung vom 29. November 2013) beantragt
haben. Der entsprechende Antrag der Beschwerdeführer ist somit
abzuweisen.
11.3. Ihren primären Antrag, wonach auf den Bau einer Umfahrungsstrasse
südlich von Schmitten zu verzichten sei und die Verkehrsprobleme
stattdessen mit verkehrslenkenden Massnahmen auf dem bestehenden
- 65 -
Strassentrasse zu lösen seien, begründet die ENHK einerseits mit der
Feststellung, dass alle Varianten einer Südumfahrung eine schwere
Beeinträchtigung der Lebensräume und der Kulturlandschaft im Sinne der
formulierten Schutzziele mit sich brächten (vgl. hierzu nachstehend E.11.4)
und anderseits die festgestellte massive Beeinträchtigung durch die
Zerschneidung der Terrasse südlich von Schmitten und ihre Entwertung als
Erholungsraum angesichts der durchschnittlich 1'500 Motorfahrzeugen pro
Tag absolut unverhältnismässig sei (vgl. hierzu nachstehend E.11.5).
11.4. Bezüglich der von der ENHK festgestellten schweren Beeinträchtigung der
Lebensräume und der Kulturlandschaft gilt es zunächst festzuhalten, dass
grundsätzlich auch das streitberufene Gericht − unter Berücksichtigung der
nachstehenden Ausführungen − der Auffassung ist, dass sowohl das
Auflageprojekt 2010 als auch die weiteren geprüften Varianten einer
Südumfahrung in Bezug auf die im Vordergrund stehenden Kriterien
Landschaft und Lebensräume eine erhebliche Beeinträchtigung bilden.
11.4.1. Das Auflageprojekt 2010 zerschneidet eine weitgehend intakte und
vielfältige Kulturlandschaft und ist lokal mit erheblichen Eingriffen ins
Gelände verbunden. Auch wenn sich die Umfahrungsstrasse mit der
gewählten Linienführung und einer entsprechenden Gestaltung der
Böschungen streckenweise in die Landschaft einfügt und mit
verhältnismässig wenig Kunstbauten auskommt, beeinträchtigt sie doch
das Landschaftsbild und die Erlebnisqualität der Landschaft sowie die
Erholungsqualität. Die Umfahrungsstrasse schmälert in Teilgebieten auch
die Sicht auf das Ortsbild sowie die Wohnqualität in direkt betroffenen
Gebieten. Demgegenüber verbessert sich durch das Auflageprojekt 2010
die Wohnqualität im Dorf, insbesondere bei Gebäuden entlang der
heutigen Hauptstrasse. Die Ansicht des Dorfes wird insbesondere beim
Anblick von Westen durch die Umfahrungsstrasse beeinträchtigt, indem
der bisher offene Blick von der Strasse auf den Kirchhügel künftig durch
- 66 -
die am Fusse des Kirchhügels verlaufende Strasse mitgeprägt wird,
während die Ansicht des Dorfes durch die Umfahrungsstrasse beim Anblick
von Süden und Osten nicht wesentlich beeinflusst wird. Dabei gilt es aber
zu berücksichtigen, dass der Kirchhügel am westlichen Hang bereits heute
mit Chalets und Einfamilienhäuser überbaut ist, was dessen
Schutzwürdigkeit erheblich relativiert. Zudem ist das Gebiet im fraglichen
Bereich bereits heute mit einer Elektrizitätsfreileitung und Güterwegen in
seiner Unversehrtheit beschnitten und vorbelastet. Auf der
gegenüberliegenden Talseite liegen sodann keine Dörfer, von denen aus
die Umfahrungsstrasse südlich von Schmitten als störend empfunden
werden könnte und auch aus Sicht der RhB-Linie tritt die
Umfahrungsstrasse nicht als störend in Erscheinung (vgl. zu alldem
ausführlich E.13.3). Unter Berücksichtigung dieser Ausführungen vermag
sich das Gericht aber insgesamt der Auffassung, wonach die betroffene
Landschaft von der geplanten Umfahrungsstrasse südlich von Schmitten
(Auflageprojekt 2010) erheblich beeinträchtigt wird, grundsätzlich doch
anzuschliessen. Diese Schlussfolgerung gilt auch in Bezug auf die drei
weiteren Varianten einer Südumfahrung. Wie die ENHK in ihrem Gutachten
vom 29. Februar 2016 nämlich nachvollziehbar und schlüssig darlegt,
weisen alle drei Varianten für die Südumfahrung − wie auch das
Auflageprojekt 2010 − bezüglich der Schutzziele gewisse Vor- und
Nachteile auf. In der Summe führen jedoch all diese Varianten zu einer
schwerwiegenden Beeinträchtigung der Landschaft und der Lebensräume
im Sinne der Schutzziele (vgl. Gutachten der ENHK zur umstrittenen
Umfahrungsstrasse Schmitten Süd vom 29. Februar 2016 S. 11 - 13).
Dieser Auffassung der ENHK ist − unter Vorbehalt der vorstehenden
Ausführungen − beizupflichten.
11.4.2. Bezüglich des Kriteriums Lebensräume gilt es sodann zu beachten, dass
der Bau der Umfahrungsstrasse Schmitten Süd die Belegung von
ca. 1.5 ha schützenswerter Lebensräume zur Folge hat, davon ca. 60 % in
- 67 -
Form von Trockenwiesen, 30 % in Form von trockenen Fettwiesen und
10 % in Form von Gebüschen und Lesesteinhaufen. Die
Umfahrungsstrasse (Auflageprojekt 2010) wird unbestrittenermassen eine
Störung der ökologischen Vernetzung zur Folge haben und die
Auswirkungen der Anlage führen in ihrer Gesamtheit zu einer starken
Beeinträchtigung ökologisch intakter Landschaftsräume. Auch die
Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Genehmigungsbeschluss vom
25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, erkannt, dass das Auflageprojekt
einen schwerwiegenden Eingriff in ökologisch intakte Lebens- und
Landschaftsräume bedeutet und dass sich die Auswirkungen auf die
Umwelt mit den im Auflageprojekt vorgesehenen Massnahmen nicht
hinreichend kompensieren lassen. Gestützt auf diese Erkenntnis hat die
Beschwerdegegnerin aufgezeigt, wie die grösstmögliche Schonung mit
zusätzlichen Massnahmen, insbesondere mit den vom ANU in dessen
Beurteilungsbericht vom 28. Juni 2011 zusätzlich vorgeschlagenen
Ersatzmassnahmen für die Vernetzung der Lebensräume, erreicht werden
kann. Durch Akzept dieser vom ANU beantragten Auflagen hat sich die
Beschwerdegegnerin verpflichtet, für die unstrittig bestehenden Eingriffe
bestmögliche Schutz-, Wiederherstellung- oder ansonsten angemessene
Ersatzmassnahmen zu leisten. Bei der weiteren Projektierung und der
Realisierung des Auflageprojekts 2010 stellen zudem die UBB sowie der
LBP sicher, dass die Anforderungen an die Nachhaltigkeit erfüllt und die
Schonung der Umwelt bestmöglich gewährleistet wird. Es kann somit
bezüglich des Kriteriums Lebensräume festgehalten werden, dass die
Umfahrungsstrasse südlich von Schmitten zwar unbestrittenermassen eine
erhebliche Beeinträchtigung der Lebensräume darstellt; mit den vom ANU
in dessen Beurteilungsbericht vom 28. Juni 2011 zusätzlich
vorgeschlagenen Ersatzmassnahmen für die Vernetzung der
Lebensräume, welche von der Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Genehmigungsbeschluss vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011,
übernommen wurden, wird gleichzeitig aber mittels Schutz-,
- 68 -
Wiederherstellungs- oder angemessenen Ersatzmassnahmen die
grösstmögliche Schonung sichergestellt (vgl. zu alldem ausführlich E.13.3).
11.4.3. Die vorstehenden Ausführungen bezüglich der Kriterien Landschaft und
Lebensräume mögen die Feststellung der ENHK, wonach sowohl das
Auflageprojekt 2010 als auch die Varianten für eine Umfahrungsstrasse
südlich von Schmitten eine schwere Beeinträchtigung der Lebensräume
und der Kulturlandschaft im Sinne der formulierten Schutzziele mit sich
bringen, nicht zu entkräften, sondern höchstens ein wenig zu relativieren.
Es bleibt aber grundsätzlich auch aus Sicht des streitberufenen Gerichtes
dabei, dass das Auflageprojekt 2010 und auch alle Varianten für eine
Südumfahrung sowohl die Landschaft als auch die Lebensräume erheblich
negativ beeinträchtigen.
11.5. Als zweite Begründung ihrer Anträge macht die ENHK geltend, dass die
festgestellte massive Beeinträchtigung durch die Zerschneidung der
Terrasse südlich von Schmitten und ihre Entwertung als Erholungsraum
angesichts der durchschnittlich 1'500 Motorfahrzeugen pro Tag (inklusive
5 % Schwerverkehr und 10 % Motorräder) absolut unverhältnismässig sei.
Diese Feststellung begründet die ENHK in ihrem Gutachten vom
29. Februar 2016 mit keinem Wort. Vielmehr hat sie im erwähnten
Gutachten lediglich untersucht, ob die zur Realisierung des Auflageprojekts
notwendigen Eingriffe schwerwiegend sind oder nicht und ist dabei − wie
gesehen − zum Schluss gekommen, dass dem so sei. Dieser Auffassung
hat sich − unter gewissen Relativierungen − auch das streitberufene
Gericht angeschlossen (vgl. vorstehend E.11.4.1 - 11.4.3). Unter diesen
Umständen muss es aber zulässig sein, die Frage der Verhältnismässigkeit
des Eingriffs in freier Beweiswürdigung zu beurteilen. Bei dieser
Beurteilung gilt es zu berücksichtigen, dass die H417b Landwasserstrasse,
welche Tiefencastel mit Davos verbindet, Bestandteil des schweizerischen
Hauptstrassennetzes ist. Der Durchgangsverkehr führt durch das Dorf
- 69 -
Schmitten, wo die engen Platzverhältnisse zuweilen dazu führen, dass
Balkone herunter gerissen und Gebäude beschädigt werden. Ein Kreuzen
zweier Fahrzeuge ist nicht überall möglich. Aufgrund dieser engen
Platzverhältnisse entstehen regelmässig Staus im Dorf. Dabei sind die
Fussgänger als schwächste Verkehrsteilnehmer dem Verkehr ohne Trottoir
ungeschützt ausgesetzt. Dass diese Situation für Anwohner gefährlich und
mit Problemen behaftet ist, liegt auf der Hand. Seit Jahren empfindet die
Schmittner Bevölkerung den Durchgangsverkehr denn auch als enorme
Belastung und fordert deshalb eine Umfahrung (vgl. die bei den Akten
liegende "Petition Offene Umfahrung Süd, Schmitten" [Bg-act. 3 Beilage
1]). Die Realisierung wurde indes verschiedentlich hinausgeschoben. Der
durchschnittliche Verkehr (DTV) betrug in Schmitten im Jahr 2010 ca. 1'500
Motorfahrzeuge, wovon ca. 5 % Schwerverkehr und fast 10 % Motorräder
waren. Trendmässig dürfte sich dieses Verkehrsaufkommen bis heute
noch leicht erhöht haben und wird sich auch künftig noch weiter erhöhen
(wenn auch minim; vgl. hierzu UVB vom November 2010 [Bg-act. 2 Beilage
13] S. 15 ff. Ziff. 5). Vor diesem Hintergrund ist das streitberufene Gericht
− im Gegensatz zur ENHK − der Auffassung, dass die Verhältnismässigkeit
bei der Realisierung des Auflageprojekts 2010 auf jeden Fall gewahrt ist.
Der Innerortsausbau ist zwar gemäss dem Fachgutachten Ortsdurchfahrt
Schmitten − Engpasssteuerung vom 27. Juni 2017 einschliesslich dessen
Ergänzung vom 12. Oktober 2017 technisch möglich, führt aber − wie
nachstehend dargestellt (vgl. E.12.3) − zu keinem befriedigenden und
verkehrstechnisch nachhaltigen Ergebnis, weil er an den von der
Bevölkerung und dem Durchgangsverkehr heute hinzunehmenden
Beeinträchtigungen (Lärm, Erschütterungen, Gefahren für Leib und Leben,
Beschädigungen von Infrastrukturen und Gebäuden) praktisch nichts
ändert. Es stehen hier eben seitens der Bevölkerung und des
Durchgangsverkehrs unter anderem hochwertige Güter wie Gesundheit
oder Leib und Leben der Anwohner zur Diskussion. Insoweit ist das
Abstellen der ENHK auf die Unverhältnismässigkeit der mit der
- 70 -
Realisierung des Auflageprojekts 2010 verbundenen Schwere der
Beeinträchtigung als schon fast zynisch zu bezeichnen. Zumindest liegen
aber nach Auffassung des Gerichtes triftige Gründe vor, um diesbezüglich
von der Beurteilung der ENHK, wonach die massive Beeinträchtigung
durch die Zerschneidung der Terrasse südlich von Schmitten und ihre
Entwertung als Erholungsraum angesichts der durchschnittlich 1'500
Motorfahrzeugen pro Tag absolut unverhältnismässig ist, abweichen zu
dürfen.
11.6. Nach dem vorstehend Gesagten bestehen aus Sicht des Gerichtes triftige
Gründe, welche im Sinne der dargelegten Rechtsprechung erlauben, vom
Gutachten der ENHK zur umstrittenen Umfahrungsstrasse Schmitten Süd
vom 29. Februar 2016 sowie den darin enthaltenen Empfehlungen und
Anträgen abzuweichen und unter Abwägung aller erheblichen in Frage
stehenden Interessen für und gegen das Auflageprojekt 2010 eine
Interessenabwägung vorzunehmen.
12.1. Bevor im Folgenden zu prüfen ist, ob und inwieweit das Interesse an der
Realisierung des Auflageprojekts 2010 im Vergleich zu den
entgegenstehenden Interessen überwiegt (vgl. nachstehend E.13), gilt es
zunächst die Frage zu klären, ob die Beschwerdegegnerin das
Auflageprojekt 2010 unter Berücksichtigung der heutigen Beweislage zu
Recht nach wie vor als zweckmässigste Lösung erachtet oder ob sich unter
Berücksichtigung sämtlicher bei den Akten liegenden Unterlagen entweder
eine alternative Südumfahrungsvariante (Varianten 1 - 3) oder aber die
Variante Innerortsausbau (Variante 4) als zweckmässiger erweist. Nicht zu
beanstanden ist − wie vorstehend bereits erläutert − dass die
Beschwerdegegnerin die Variante Nordumfahrung sowohl mit
Planungsstand 1994 als auch mit entsprechend verlängertem Tunnel im
Auswahlverfahren mangels Finanzierbarkeit ausgeschlossen hat. Wie
dargestellt handelt es sich bei den erheblich höheren Investitions- und
- 71 -
Unterhaltskosten nämlich um einen erheblichen Nachteil, welcher den
Ausschluss dieser Variante aus dem Auswahlverfahren ohne Weiteres zu
rechtfertigen vermag. Statt Wiederholungen kann auf die vorstehende
Erwägung 11.2. verwiesen werden.
12.2. Nachstehend gilt es somit die Frage zu klären, ob sich die
Beschwerdegegnerin unter Berücksichtigung der heutigen Beweislage zu
Recht für die Realisation des Auflageprojekts 2010 entschieden hat. Dazu
gilt es zunächst einen Vergleich des Auflageprojekts 2010 mit den
geprüften Alternativen für eine Südumfahrung vorzunehmen.
12.2.1. Das TBA hat in der im Hinblick auf die Instruktionsverhandlung vom
29. November 2013 erstellten Dokumentation vom November 2013 eine
Gegenüberstellung des Auflageprojekts 2010 mit den drei Varianten einer
Südumfahrung vorgenommen und ist dabei zum Schluss gelangt, dass sich
das Auflageprojekt 2010 aus Sicht des Kantons nach wie vor als beste
Lösung zur Umfahrung von Schmitten und zur Entlastung der
verkehrsgeplagten Anwohner erweise. Beim Kriterium Verkehr
unterschieden sich die Südvarianten vom Auflageprojekt 2010 nur
unwesentlich. Alle vier Linienführungen seien in Bezug auf
Verkehrssicherheit und Verkehrstechnik als gleichwertig zu beurteilen.
Beim Kriterium Realisierung und Betrieb weise das Auflageprojekt 2010
gegenüber den anderen Südvarianten Vorteile auf. Die Investitionskosten
lägen bei den Varianten um die Faktoren 1.3 bis 2.9 höher, während die
Faktoren bei den Betriebs- und Unterhaltskosten 1.3 bis 3.1 betrügen.
Zudem seien beim Auflageprojekt 2010 die technischen Risiken am
geringsten. Beim Kriterium Umwelt zeige sich, dass die beiden offenen,
südlicheren Varianten gegenüber dem Auflageprojekt 2010 klar schlechter
abschnitten. Sie beeinträchtigten beim Schmittnertobel Trockenwiesen und
-weiden von nationaler Bedeutung und durchtrennten die südliche Terrasse
von Schmitten. Demgegenüber folge die Linienführung des Auflageprojekts
- 72 -
2010 dem Gelände und verlaufe entlang der südlichen Bauzonengrenze.
Die Tunnelvariante Süd weise bezüglich Umwelt Vorteile auf, da sie den
Bereich Osterhubel unterfahre und damit weniger Lärmimmissionen
verursache und weniger Land beanspruche. Allerdings dürfe nicht ausser
Acht gelassen werden, dass die Tunnelvariante hinsichtlich Materialbilanz
klar negativ beurteilt werden müsse.
12.2.2. Auch im Zusatzbericht zum UVB 2010 vom März 2014 wurden die drei
Varianten einer Südumfahrung zum Auflageprojekt 2010 untersucht und
dem Auflageprojekt 2010 gegenübergestellt. Dabei wurden die wichtigsten
Umweltauswirkungen in den Bereichen Siedlung (Wohnqualität, Ortsbild),
Landschaft (Landwirtschaft, Erholung, Landschaftsbild), Lebensräume
(Schützenswerte Lebensräume, Fauna und Vernetzung), Wald, Lärm
(Ortsdurchfahrt, Einzelgebäude), Boden (Versiegelung,
Fruchtfolgeflächen) und Bauphase (Materialbilanz und Deponie, Baulärm)
beurteilt. Die Beurteilung weist, verglichen mit der Dokumentation des TBA
vom November 2013, bloss geringe Abweichungen auf. Beim
Umweltbereich Siedlung schneiden die offenen Umfahrungsvarianten
leicht besser ab, während die Tunnelvariante deutlich besser abschneidet.
Vorteilhaft ins Gewicht falle bei den offenen Varianten insbesondere die
grössere Entfernung zum Siedlungsgebiet, während die Tunnelvariante
insbesondere der Wohnqualität beim Osterhubel und auf dem Welsch
Acher zugute komme. Beim Umweltbereich Landschaft seien die
Auswirkungen der offenen Umfahrungsvarianten im Vergleich zum
Auflageprojekt 2010 vor allem wegen der exponierten Linienführung
grösser. Die Tunnelvariante wirke sich im Vergleich zum Auflageprojekt
positiv auf die Landschaft aus. Insbesondere könne durch die
Untertunnelung des Osterhubels ein Teil der landschaftlich attraktiven
Geländeterrasse im heutigen Zustand erhalten bleiben. Beim
Umweltbereich Lebensräume schneide die offene Umfahrungsvariante
Dezember 2010 (Variante 1) deutlich schlechter ab als das Auflageprojekt
- 73 -
2010, während die offene Umfahrungsvariante August 2011 (Variante 2)
leicht besser abschneide als das Auflageprojekt 2010. Deutliche Vorteile
gegenüber dem Auflageprojekt 2010 besitze die Tunnelvariante Süd, weil
die Wiesenlandschaft auf ca. 650 m Länge von der Strasse unberührt
bleibe und dadurch durchlässig für Wild- und Kleintiere sei. Bezüglich der
beanspruchten Waldfläche schneide das Auflageprojekt 2010 und die
Tunnelvariante Süd etwa gleich ab, während die offenen
Umfahrungsvarianten mehr Waldfläche beanspruchten und damit
schlechter abschnitten. Beim Umweltbereich Lärm wirkten sich sowohl das
Auflageprojekt als auch die drei Varianten einer Südumfahrung sehr positiv
auf die Ortsdurchfahrt aus. Bei der Lärmeinwirkung auf Einzelgebäude
seien das Auflageprojekt 2010 und die Varianten in Bezug auf die
Einhaltung der Planungswerte nahezu ebenbürtig. Hinsichtlich des
Umweltbereichs Boden lägen die Vorteile bei der Tunnelvariante Süd. Auch
die Umfahrungsvariante August 2011 (Variante 2) schneide mit einer als
Folge der langen Brücke geringeren Versiegelung leicht besser ab als das
Auflageprojekt 2010 und die offene Umfahrungsvariante Dezember 2010
(Variante 1). Beim Umweltbereich Bauphase seien das Auflageprojekt und
die offenen Umfahrungsvarianten nahezu ebenbürtig. Die Tunnelvariante
schneide wegen der ungünstigeren Materialbilanz eindeutig schlechter ab
als das Auflageprojekt 2010 (vgl. dazu auch die tabellarische Übersicht auf
S. 41 des Zusatzberichts zum UVB 2010 vom März 2014).
12.2.3. Das ANU ist in seiner Stellungnahme vom 6. Mai 2014 zum Zusatzbericht
zum UVB 2010 vom März 2014 zum Schluss gelangt, dass per se alle
Varianten − ebenso wie das Auflageprojekt 2010 − jeweils gewisse Vor-
und Nachteile aufwiesen. Allerdings könne aus umweltrechtlicher Sicht
keine Variante eindeutig bevorzugt werden. Infolgedessen seien in der
Beurteilung des ANU sowohl das Auflageprojekt 2010 als auch die
Varianten einer Südumfahrung einer Interessenabwägung durch die
zuständige Behörde zugänglich.
- 74 -
12.2.4. Auch die ENHK kam in ihrer vergleichenden Beurteilung der drei Varianten
einer Südumfahrung mit dem Auflageprojekt 2010 gestützt auf den
Zusatzbericht zum UVB 2010 vom März 2014 sowie auf eigene
Feststellungen zum Ergebnis, dass alle drei Varianten für die
Südumfahrung und auch das Auflageprojekt bezüglich der definierten
Schutzziele (vgl. vorstehend E.10.1) gewisse Vor- und Nachteile
aufwiesen. In der Summe führten jedoch all diese Varianten zu einer
schwerwiegenden Beeinträchtigung der Landschaft und der Lebensräume
im Sinne der Schutzziele (vgl. ENHK-Gutachten zur umstrittenen
Umfahrungsstrasse Schmitten Süd vom 29. Februar 2016 S. 13).
12.2.5. Das streitberufene Gericht vermag sich der Auffassung der Fachstellen
(ANU und ENHK) anzuschliessen, wonach jede der drei Varianten einer
Südumfahrung − wie auch das Auflageprojekt 2010 − ihre Vor- und
Nachteile hat. Aus umweltrechtlicher Sicht dürften die Vorteile unter
Berücksichtigung sämtlicher Kriterien bei der Tunnelvariante Süd (Variante
3) liegen, weist sie doch in den Umweltbereichen Siedlung, Landschaft und
Lebensräume Vorteile gegenüber den offenen Linienführungen auf.
Negativ ins Gewicht fällt bei der Tunnelvariante indes die ungünstige
Materialbilanz. Bei separater Betrachtung der offenen Linienführungen sind
die Varianten Dezember 2010 (Variante 1) und August 2011 (Variante 2)
und das Auflageprojekt 2010 aus umweltrechtlicher Sicht in etwa
gleichwertig zu betrachten, mit leichten Vorteilen für das Auflageprojekt
2010, weil die Einsehbarkeit der Strasse im Bereich Schmittnerbach und
Osterhubel durch die geländenahe Linienführung im Unterschied zu den
exponierteren südlicheren Varianten reduziert werden kann. Beim
Kriterium Verkehr unterscheiden sich die drei Südvarianten sodann nur
unwesentlich vom Auflageprojekt 2010, während das Auflageprojekt 2010
beim Kriterium Realisierung und Betrieb gegenüber den anderen
Südvarianten − insbesondere gegenüber der Tunnelvariante Süd −
- 75 -
gewichtige Vorteile aufweist. Wenn die Beschwerdegegnerin sich vor
diesem Hintergrund für das Auflageprojekt 2010 entschieden hat, ist dies
in keiner Weise zu beanstanden. Insbesondere hat die
Beschwerdegegnerin damit ihr planerisches Ermessen nicht überschritten,
hat sie doch von mehreren, in etwa gleichwertigen Varianten diejenige
ausgewählt, welche die meisten Vorteile bietet. Das Gericht hat zwar die
volle Überprüfungsbefugnis. Indessen gebietet der durch Art. 2 Abs. 3 RPG
den Planungsträgern zuerkannte Ermessensspielraum eine gewisse
Zurückhaltung. Der Planungsbehörde steht beim Variantenentscheid ein
Ermessensspielraum offen, in den das Gericht nur mit Zurückhaltung und
nur bei Vorliegen triftiger Gründe eingreift. Der Nachweis, dass die
Planungsbehörde sich für eine zweckmässige Lösung entschieden hat −
was die Beschwerdegegnerin nach dem vorstehend Gesagten getan hat −
muss genügen, auch wenn sich weitere, ebenso zweckmässige Lösungen
denken liessen (vgl. vorstehend E.6.4. in fine). Dementsprechend hat sich
die Beschwerdegegnerin auch unter Berücksichtigung der heutigen
Beweislage zu Recht für das Auflageprojekt 2010 und gegen die drei
Varianten einer Südumfahrung entschieden.
12.3. Weiter ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin (neben den geprüften
Varianten einer Südumfahrung) − wiederum unter Berücksichtigung der
heutigen Beweislage − auch die Variante Innerortsausbau zu Recht als
weniger zweckmässig als das Auflageprojekt 2010 beurteilt hat.
12.3.1. Am 15. Februar 2017 beauftragte der Instruktionsrichter die Erb + Partner
Ingenieurbüro AG mit der Erstellung eines Fachgutachtens über die
technische Möglichkeit und die Geeignetheit einer intelligenten
verkehrsgesteuerten Lichtsignalanlage als Pförtneranlage an den
Ortseinfahrten und einer Lichtsignalanlage-Sicherung an den
Einmündungen in die Ortsdurchfahrt in Schmitten. Im entsprechenden
Fachgutachten Ortsdurchfahrt Schmitten − Engpasssteuerung vom
- 76 -
27. Juni 2017 einschliesslich dessen Ergänzung vom 12. Oktober 2017
kommen die Gutachter im Wesentlichen zum Schluss, dass eine
Ortsdurchfahrt mit Engpasssteuerung technisch möglich sei. Aufgrund der
äusserst beschränkten Platzverhältnisse, der vielen Einflüsse und der
voraussichtlich sehr beschränkten Betriebszeit (nur wenige Tage und
Stundengruppen im Jahr) sei eine Lichtsignalanlage mit wechselseitigem
Verkehrsregime und LED-Verkehrszeichen, welche die jeweils anstehende
Lastrichtung für den Schwerverkehr sichtbar machten, Orientierung
schüfen und bei geringem Verkehr zusätzlich Warnhinweise absetzen
könnten, die einfachste und zweckmässigste Lösung. Die
Engpasssteuerung könne in drei unterschiedlichen Eskalationsstufen
betrieben werden: Bei Stufe 1 (inaktiv) sei die Engpasssteuerung aufgrund
der geringen Verkehrsmengen und Schwerverkehrsanteile deaktiviert.
Überschreite der Personen- und Schwerverkehr eine gewisse
parametrierbare Schwelle, würden bei Stufe 2 (Warn- und Hinweisfunktion)
im gesamten Steuerungsperimeter abschnittsweise Hinweise auf
entgegenkommende Schwerverkehrsfahrzeuge angezeigt, welche sich an
den wenigen Kreuzungsmöglichkeiten orientierten. Die Erkennung des
Schwerverkehrs erfolge mittels Laser (oder ähnlich) an ausgewählten
Standorten. Die Signalisation eines Abschnitts erfolge nach dem first-come
− first-serve Prinzip. Erreiche die Verkehrsmenge einen weiteren
Schwellenwert, werde die Lichtsignalanlage in Betrieb genommen (Stufe 3;
LSA-Wechselbetrieb). Im Wechsel bekomme jede Fahrtrichtung die
Fahrtfreigabe; in diesem Fall werde nicht grün, sondern gelbblinken
angezeigt, weil die Fahrzeuglenker mit Querverkehr oder anderen
Behinderungen rechnen müssten. Zwischen den Freigabephasen folge
jeweils eine Räumungsphase, welche mittels Fahrzeugklassifizierung in
ihrer zeitlichen Ausdehnung anhand der Fahrzeugkategorie dynamisiert
werden solle. Wichtiges Element sei die Zeitanzeige bis zum
Phasenwechsel an allen Orten mit Anzeigemitteln, so dass die
Fahrzeuglenker stets über den Prozess informiert seien; dies trage zur
- 77 -
Akzeptanz bei. Der öffentliche Verkehr werde durch Ausstattung der
Postautos mit einem Leitsystem bevorzugt behandelt und für die Bevorzug
von Rettungsfahrzeugen sei die Schaltung einer Notfallphase (alle
Zufahrten rot) vorgesehen. Die grössten prognostizierten Verkehrsmengen
träten in der Abendspitze auf (im ungünstigsten Fall bis zu 350 Fahrzeuge
pro Stunde im Querschnitt). Für die Räumzeiten werde jeweils der
ungünstigste Fall, d.h. 110 Sekunden (Räumzeit Postauto oder Sattelzug
resp. Lastzug) anstatt der ca. 70 Sekunden, angenommen. Die Auslastung
der Steuerung betrage 91 %, die mittleren Wartezeiten rund 200 Sekunden
und die Rückstaulängen sollten 150 m in 95 % aller Fälle nicht
überschreiten. Die maximale Wartezeit betrage im ungünstigsten Fall 270
Sekunden. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens dieser maximalen
Wartezeit sei indes während bloss 5 h im Jahr sehr gross. Es könne aber
nicht ausgeschlossen werden, dass es auch darüber hinaus einmal zu
einer solch hohen Wartezeit kommen könne. Unter günstigen
Verhältnissen seien mittlere Wartezeiten von 120 Sekunden oder weniger
möglich. Eine zuverlässige Prognose, wie oft solche günstigen
Verhältnisse vorkämen, sei nicht möglich, da es zu viele Variablen gebe
(Monat, Tageszeit, Verkehrszusammensetzung, effektiv gewählter
Schwellenwert, Verkehrsprognoseberechnungen des Systems etc.). Die
Kosten für die Erstellung einer derartigen Anlage betrügen ca.
Fr. 1'250'000.--.
12.3.2. Die Beschwerdeführer haben sich in ihren Stellungnahmen zum erwähnten
Fachgutachten und dessen Ergänzung jeweils den Ausführungen der
Beschwerdeführer im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren
R 11 119 und R 11 120 angeschlossen. Diese führten im Wesentlichen
aus, dass das Konzept der Engpasssteuerung eine einfache,
zweckmässige und geeignete Lösung darstelle und optimal auf die
Gemeinde Schmitten zugeschnitten sei. Weiter wiesen sie drauf hin, dass
die Engpasssteuerung während der meisten Zeit inaktiv bleibe oder im
- 78 -
Modus der Warn- und Hinweisfunktionen ohne Wartezeiten an den
Lichtsignalen betrieben werde, weil die Engpasssteuerung gemäss
Gutachter erst ab 200 Fahrzeugen pro Stunde in Betrieb zu nehmen sei.
Bei durchschnittlichem Tagesverkehr erreiche keine einzige Stunde des
Tages diesen Wert. Dies dürfte höchstens im Juli und August während
einigen Stunden pro Tag der Fall sein. Zudem sei mit der maximalen
Wartezeit nur äusserst selten zu rechnen und auch die mittlere Wartezeit
werde nur selten auftreten. Die Engpasssteuerung sei sehr viel
wirtschaftlicher als die geplante Südvariante und dieser auch aus
volkswirtschaftlicher, landschafts-, natur- und ortsbildschützerischer Sicht
überlegen. Die Südumfahrung greife weit gravierender ins Ortsbild ein als
die Engpasssteuerung. Die geringfügige und reversible Veränderung des
Ortsbildes durch die Engpasssteuerung wiege gegenüber der schweren
Beeinträchtigung der Lebensräume der Kulturlandschaft durch die
Südumfahrung zweifellos leicht.
12.3.3. Die Beschwerdegegnerin bemängelt in ihren Stellungnahmen zum
Fachgutachten Ortsdurchfahrt Schmitten − Engpasssteuerung vom
27. Juni 2017 einschliesslich dessen Ergänzung vom 12. Oktober 2017 im
Wesentlichen, dass sich das Gutachten nicht über die Geeignetheit der
Engpasssteuerung äussere. Die vorgeschlagene Engpasssteuerung sei,
gemessen an den an diese gestellten Anforderungen sowie aus
verkehrsrechtlicher Sicht, mit zahlreichen, teilweise schwerwiegenden
Mängeln oder Unzulänglichkeiten behaftet. Nur die wenigsten
Anforderungen bzw. Ziele erreichten einen zufriedenstellenden
Erfüllungsgrad. So sei die Tauglichkeit von rechtlich unverbindlichen
Wechselverkehrszeichen LED mit Zeitanzeigen fraglich, bedingten diese
doch die freiwillige Beachtung und Befolgung. Weiter sei die maximale
Wartezeit von ca. 270 Sekunden gemäss VSS-Norm 640 023a völlig
ungenügend und die Gutachter könnten weder in Bezug auf die mittlere
Wartezeit noch in Bezug auf die maximale Wartezeit verlässliche
- 79 -
Prognosen machen. Zudem könne auch Gegenverkehr während des LSA-
Betriebs nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Durch die teilweise
wochenlangen Betriebspausen könne überdies kaum eine Vertrautheit mit
dem System aufgebaut werden. Schliesslich hätten die 18 teilweise in
dichter Folge aufgestellten Signale auch eine schwerwiegende
Beeinträchtigung des Ortsbildes zur Folge und es sei fraglich, ob entlang
der engräumigen Durchfahrt Schmitten überhaupt geeignete Standorte für
die Signale vorhanden seien. Die Engpasssteuerung sei für das Dorf
Schmitten als ungeeignet zu beurteilen. Sie sei zwar wirtschaftlicher als die
Südumfahrung, löse aber weder die Probleme des Kantons noch jene der
Gemeinde Schmitten. Eine verkehrstechnisch sinnvolle und wirtschaftlich
tragbare Lösung biete nur die offene Strassenführung südlich von
Schmitten.
12.3.4. Bei der Beurteilung der Frage, ob die Variante Innerortsausbau
zweckmässiger ist als das Auflageprojekt 2010, gilt es aus Sicht des
streitberufenen Gerichtes insbesondere zu berücksichtigen, welche Ziele
mit dem Auflageprojekt 2010 verfolgt werden. Dies sind neben dem
primären Ziel der Befreiung des Dorfes Schmitten vom Durchgangsverkehr
insbesondere die Reduktion des Lärms, die Verbesserung der
Bedingungen des Langsamverkehrs bzw. des Fussgängerschutzes, die
Verhinderung regelmässiger Staus im Dorf sowie die Vermeidung von
durch den Verkehr (Lastwagen und Busse) verursachter Gebäudeschäden.
Diese Ziele können mit der Variante Innerortsausbau − wie nachstehend
dargestellt − nicht erreicht werden, auch wenn eine Ortsdurchfahrt
Schmitten mit Engpasssteuerung gemäss Fachgutachten Ortsdurchfahrt
Schmitten − Engpasssteuerung vom 27. Juni 2017 einschliesslich dessen
Ergänzung vom 12. Oktober 2017 technisch grundsätzlich möglich ist.
Zunächst gilt es festzuhalten, dass mit der Variante Innerortsausbau das
primäre Ziel, welches mit dem Auflageprojekt 2010 verfolgt wird, nämlich
das Dorf Schmitten vom Durchgangsverkehr zu befreien, nicht im
- 80 -
Geringsten erreicht wird. Die Variante Innerortsausbau ändert nämlich
nichts an der Tatsache, dass täglich mehr als 1'500 Motorfahrzeuge das
Dorf Schmitten mit seinen zahlreichen Engstellen durchfahren. Mithin
werden die Gebäude entlang der Innerortsstrecke auch weiterhin mit den
Auswirkungen des Durchgangsverkehrs belastet und die mit dem
Durchgangsverkehr zusammenhängende Gefahr für den Langsamverkehr
bleibt ebenfalls − wenn auch allenfalls leicht minimiert − bestehen. Selbst
wenn die Immissionen infolge kontinuierlicher Ortsdurchfahrt ohne Brems-
und Beschleunigungs- resp. Rangiermanöver leicht abnehmen sollten, wie
dies von den Fachgutachtern angenommen wird, bleibt es dabei, dass die
an die Innerortsstrecke angrenzenden Liegenschaften nach wie vor
erheblichen Lärm- und Erschütterungsimmissionen ausgesetzt sind.
Dieses Problem lässt sich mit der Variante Innerortsausbau nicht lösen; nur
mit einer Umfahrung wird der überwiegende Teil der Bevölkerung von
Schmitten vom Durchgangsverkehr und von den damit
zusammenhängenden Immissionen entlastet. Weiter gilt es zu beachten,
dass die Engpasssteuerung gemäss den Empfehlungen der Gutachter
sinnvollerweise erst bei einem Schwellenwert von 100 Fahrzeugen pro
Stunde pro Richtung (Querschnittsbelastung von 200 Fahrzeugen pro
Stunde) eingeschaltet wird (vgl. Gutachten vom 27. Juni 2017 S. 19). Eine
Überschreitung dieses Schwellenwerts ist gemäss Statistik der
Verkehrsmessstelle Nr. 663 (siehe Beilage 1 zum Gutachten vom 27. Juni
2017) nur selten zu erwarten. Der Schwellenwert dürfte vor allem im Juli
und August während höchstens weniger Stunden pro Tag erreicht oder
überschritten werden. Dementsprechend bleibt aber die Engpasssteuerung
während der meisten Zeit inaktiv (Stufe 1) oder wird im Modus der Warn-
und Hinweisfunktion (Stufe 2) betrieben. Dies bedeutet, dass sich − mit
Ausnahme einiger weniger Stunden während der Hochsaison im Sommer,
während denen das System im LSA-Wechselbetrieb (Stufe 3) läuft −
gegenüber der heutigen Situation nicht viel verändert. Im Gegenteil wird
das Ortsbild von Schmitten durch die Engpasssteuerung, welche gemäss
- 81 -
ergänztem Fachgutachten vom 12. Oktober 2017 18 teilweise in dichter
Folge aufgestellte Signale vorsieht, erheblich beeinträchtigt. Von einer
sanften Einbindung ins Ortsbild kann dabei nach Auffassung des Gerichtes
− entgegen den Ausführungen der Gutachter − keine Rede sein. Zudem
führen die teilweise langen Betriebspausen der Engpasssteuerung auch
dazu, dass die Anwohner keine Vertrautheit mit dem System aufbauen
können. Des Weiteren ist eine vollständige Vermeidung von Begegnungen
von schweren Fahrzeugen (Lastwagen, Reisecars, Postautos, Fahrzeuge
mit Anhänger) untereinander oder auch mit Personenwagen − wenn
überhaupt − nur im LSA-Wechselbetrieb (Stufe 3) möglich, wie die
Gutachter selber einräumen (vgl. Ergänzungsgutachten vom 12. Oktober
2017 S. 23). Wie gesehen bleibt aber die Engpasssteuerung während der
meisten Zeit inaktiv (Stufe 1) oder wird im Modus der Warn- und
Hinweisfunktion (Stufe 2) betrieben, während der LSA-Wechselbetrieb
mangels Überschreitung der massgeblichen Schwellenwerte nur sehr
selten zur Anwendung gelangt. Dementsprechend lässt sich mit der
vorgeschlagenen Engpasssteuerung eine Begegnung von schweren
Fahrzeugen untereinander oder mit Personenwagen − wenn überhaupt −
nur äusserst selten vermeiden. Würde man die massgeblichen
Schwellenwerte tiefer festlegen, hätte dies zur Folge, dass die
Verkehrsteilnehmer häufiger die mit dem LSA-Wechselbetrieb
einhergehenden Wartezeiten in Kauf nehmen müssten. Diese betragen
gemäss Gutachten im günstigsten Fall rund 120 Sekunden, im Mittel rund
200 Sekunden und im ungünstigsten Fall 270 Sekunden. Unabhängig
davon, ob die VSS Norm 640 023a ("Leistungsfähigkeit, Verkehrsqualität,
Belastbarkeit − Knoten mit Lichtsignalen") hier analog anwendbar ist, wie
dies von der Beschwerdegegnerin geltend gemacht wird, werden solch
lange Wartezeiten (im Mittel über drei Minuten) von den
Verkehrsteilnehmer negativ bewertet und erhöhen notorisch das Risiko von
Rotlichtmissachtungen. Zudem weisen selbst die Fachgutachter darauf hin,
dass eine verlässliche Prognose, wie oft günstige Verhältnisse
- 82 -
vorkommen, aufgrund zu vieler Variablen (Monat, Tageszeit,
Verkehrszusammensetzung, effektiv gewählter Schwellenwert,
Verkehrsprognoseberechnungen des Systems, etc.) nicht möglich sei.
Überdies bestehen auch ungelöste Probleme im Zusammenhang mit der
Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs (Postauto) sowie mit der
ungehinderten Durchfahrt bzw. Erreichbarkeit von Notfallfahrzeugen.
Einerseits können sich nämlich durch die Bevorzugung der Postautos die
Wartezeiten für die übrigen Verkehrsteilnehmer unter Umständen massiv
erhöhen und anderseits geht aus dem Gutachten − obschon die Auslösung
zum optimalen Zeitpunkt die Grundvoraussetzung für die ungehinderte
Durchfahrt von Notfallfahrzeugen ist − nicht hervor, wie der richtige
Zeitpunkt für die Auslösung der Notfallphase zu ermitteln ist. Schliesslich
weist die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hin, dass die dynamische
Vortrittssignalisierung mittels LED-Wechselsignalen sowie die
Zeitanzeigen nicht alltäglich sind und zu Unklarheiten und Fehlverhalten
führen können. Dies hat für die Gemeinde Schmitten mit insgesamt acht
Zufahrten in die Kantonsstrasse und diversen privaten Parkplätzen in
besonderem Masse zu gelten. Die Fachgutachter können eine negative
Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit aufgrund falscher
Erwartungshaltungen der Verkehrsteilnehmer und aufgrund der
unverbindlichen Wechselverkehrszeichen denn auch nicht ausschliessen
(vgl. Gutachten vom 27. Juni 2017 S. 17). Unter Berücksichtigung all dieser
Gegebenheiten lässt sich zusammenfassend festhalten, dass die Variante
Ortsdurchfahrt Schmitten mit Engpasssteuerung gemäss dem
Fachgutachten Ortsdurchfahrt Schmitten − Engpasssteuerung vom
27. Juni 2017 einschliesslich dessen Ergänzung vom 12. Oktober 2017
zwar technisch grundsätzlich möglich ist, gemäss den zutreffenden
Ausführungen der Beschwerdegegnerin aber zu keinem befriedigenden
und verkehrstechnisch nachhaltigen Ergebnis führt, weil diese Variante an
den von der Bevölkerung und dem Durchgangsverkehr heute
hinzunehmenden Beeinträchtigungen (Lärm, Erschütterungen, Gefahren
- 83 -
für Leib und Leben, Beschädigungen von Infrastrukturen und Gebäuden)
praktisch nichts ändert. An diesem Ergebnis vermag die Tatsache, dass die
vorgeschlagene Engpasssteuerung in wirtschaftlicher Hinsicht vorteilhafter
abschneidet als das Auflageprojekt 2010, nichts zu ändern, weil mit der
Variante Innerortsausbau die mit dem Auflageprojekt 2010 verfolgten Ziele
− wie gesehen − nicht erreicht werden können. Dementsprechend hat die
Beschwerdegegnerin der Variante Innerortsausbau auch unter
Berücksichtigung der heutigen Beweislage zu Recht das Auflageprojekt
2010 vorgezogen, mit welchem die definierten Ziele klar besser erreicht
werden können.
13.1. Zu prüfen bleibt, ob und inwieweit im vorliegenden Fall das Interesse an
der Realisierung des Auflageprojekts 2010 im Vergleich zu den
entgegenstehenden Interessen überwiegt. Dabei gilt es in Erinnerung zu
rufen, dass das Schutzkonzept des NHG zwischen dem einfachen
(minimalen) Schutz von Art. 3 NHG und dem verstärkten (qualifizierten)
Schutz von Art. 6 NHG unterscheidet. Da durch das Auflageprojekt 2010
keine Inventarobjekte von nationaler Bedeutung nach Art. 5 NHG direkt
betroffen sind, welche den qualifizierten Schutz von Art. 6 NHG geniessen,
steht der Projektperimeter des Auflageprojekts 2010 unter dem
Schutzbereich von Art. 3 NHG. Dieser verlangt keinen absoluten Schutz
der Landschaft, sondern "nur", dass das heimatliche Landschafts- und
Ortsbild, geschichtliche Stätten sowie Natur- und Kulturdenkmäler
geschont und, wo das allgemeine Interesse an ihnen überwiegt,
ungeschmälert erhalten bleiben. Während Art. 6 NHG nur eine
eingeschränkte Interessenabwägung zulässt, ist nach Art. 3 NHG eine
umfassende Abwägung aller für und gegen das Vorhaben sprechenden
öffentlichen und privaten Interessen vorzunehmen. Dementsprechend ist
auch bei schwerwiegenden Beeinträchtigungen von Lebensräumen und
Kulturlandschaften eine Bewilligungserteilung möglich, wenn sich im
Rahmen der Interessenabwägung das Eingriffsinteresse als höher erweist
- 84 -
als das Interesse an der ungeschmälerten Erhaltung der Lebensräume und
der Kulturlandschaft (vgl. vorstehend E.8.2).
13.2. Bei der Landwasserstrasse handelt es sich um eine Durchgangsstrasse
von gesamtschweizerischer Bedeutung im Sinne von Art. 82 Abs. 2 BV.
Der Bund kann selbiger Norm zufolge bestimmen, welche
Durchgangsstrassen für den Verkehr offen bleiben müssen. Dies hat er in
der Durchgangsstrassenverordnung (SR 741.272) getan und dabei unter
anderem auch die Landwasserstrasse 417 (Thusis - Sils im Domleschg -
Tiefencastel - Surava - Wiesen - Davos) als Durchgangsstrasse
bezeichnet. Daraus erhellt, dass die Landwasserstrasse für den
allgemeinen Durchgangsverkehr notwendig ist (vgl. Art. 1
Durchgangsstrassenverordnung i.V.m. Art. 2 Abs. 1 lit. a des
Strassenverkehrsgesetzes [SVG; SR 741.01]). Wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt sind die Sicherheitsanforderungen
an solche Anlagen hoch. Der im Rahmen des Handlungsprogramms des
Bundes für mehr Sicherheit im Strassenverkehr ("Via sicura") geschaffene
und im Jahr 2013 in Kraft getretene Art. 6a SVG verlangt, dass Bund,
Kantone und Gemeinden bei der Planung sowie dem Bau, Unterhalt und
Betrieb der Strasseninfrastruktur den Anliegen der Verkehrssicherheit
angemessen Rechnung tragen. Die Massnahmen zur Verbesserung der
Strasseninfrastruktur orientieren sich daran, dass Ausgestaltung, Betrieb
und Unterhalt einer Strasse nicht die Ursache für Verkehrsunfälle bilden
dürfen. Im Mittelpunkt stehen hier die systematische Erfassung und
Beseitigung von Unfallschwerpunkten und Gefahrenstellen (vgl. Botschaft
des Bundesrates zu Via sicura, Handlungsprogramm des Bundes für mehr
Sicherheit im Strassenverkehr vom 20. Oktober 2010, S. 8447 ff, 8465).
Gemäss der von der Beschwerdegegnerin mit deren Stellungnahme vom
19. April 2016 zum ENHK-Gutachten vom 29. Februar 2016 eingereichten
Unfallauswertung Schmitten innerorts registrierte die Kantonspolizei vom
1. Januar 2006 bis 31. Dezember 2015 21 Unfälle in Schmitten, bei denen
- 85 -
drei Personen leicht verletzt wurden. Auch wenn die Landwasserstrasse in
Schmitten damit keinen eigentlichen Unfallschwerpunkt bildet, ist die
Innerortsdurchfahrt aus verkehrstechnischer Sicht doch ungenügend und
eine Gefahrenstelle, wovon sich das streitberufene Gericht auch anlässlich
des Augenscheins vom 23. Oktober 2013 überzeugen konnte. Eine
Anpassung der Strasseninfrastruktur der Landwasserstrasse im Bereich
Schmitten an die heutigen Anforderungen ist deshalb in
verkehrstechnischer Hinsicht erforderlich. Weil die Strasse innerorts auf
dem bestehenden Trassee nicht sicher und normgerecht ausbaubar ist
(vgl. vorstehend E.12.3) und eine Nordumfahrung von Schmitten aus
wirtschaftlicher Sicht unverhältnismässig ist (vgl. vorstehend E.11.2), ist
das konkrete Eingriffsinteresse durch das Auflageprojekt 2010 in den
Lebensraum und die Kulturlandschaft südlich von Schmitten als von
nationaler Bedeutung zu betrachten. Im Lichte dieser Ausführungen ist
denn auch die Standortgebundenheit des Auflageprojekts 2010 gegeben.
Hinzu kommt das kantonale und regionale Interesse an einer sicheren und
leistungsfähigen Erschliessung der Talschaften in Graubünden sowie die
privaten Interessen der seit Jahren geplagten Dorfbevölkerung an einer
Entlastung des Dorfes vom Durchgangsverkehr. Der Durchgangsverkehr
für das Dorf Schmitten führt sowohl für die Anwohnerinnen und Anwohner
als auch für die Fussgängerinnen und Fussgänger, aber auch für den
Strassenverkehr selber zu unhaltbaren Zuständen. Mit der Zunahme des
Verkehrs, den immer breiter werdenden Fahrzeugen und den immer
grösseren Schwerverkehrslasten wurde der Durchgangsverkehr mit dem
damit einhergehenden Lärm, den Abgasen und den Erschütterungen für
die Bevölkerung von Schmitten immer unerträglicher. Das Kreuzen ist nur
beschränkt möglich und der Durchgangsverkehr behindert sich zuweilen
auch selbst durch die engen Platzverhältnisse zwischen den Häusern. Die
Entlastung des Dorfes Schmitten vom Durchgangsverkehr stellt denn auch
ein lang ersehnter und breit unterstützter Wunsch der Dorfbevölkerung dar
(vgl. die bei den Akten liegende "Petition Offene Umfahrung Süd,
- 86 -
Schmitten" [Bg-act. 3 Beilage 1]). Insbesondere das Interesse der
Eigentümer von Liegenschaften, welche unmittelbar an die Ortsdurchfahrt
angrenzen, wiegt dabei schwer, zumal Eingänge und enge Zufahrten direkt
zur Hauptstrasse führen. Ein Innerortsausbau − mit oder ohne
verkehrslenkende Massnahmen − wird für sie zu keinem befriedigenden
und verkehrstechnisch nachhaltigen Ergebnis führen. Ein solches ist indes
mit dem Auflageprojekt 2010 zu erreichen, trägt dieses doch zur Befreiung
des Dorfes Schmitten vom Durchgangsverkehr bei und verbessert dadurch
die Verkehrssicherheit der ansässigen Bevölkerung entlang der
Durchgangsstrasse. Durch die Entlastung des Innerortsbereichs als Folge
der deutlichen Verkehrsreduktion steigt auch die Lebens- und Wohnqualität
in diesem Dorfteil. Die Reduktion von Lärm und Luftschadstoffen wird einen
wesentlichen Beitrag zu einem gesunden Wohnumfeld der Bevölkerung im
Dorfkern leisten. Die Verkehrsentlastung innerorts dürfte auch positive
Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben in Schmitten haben, wenn
der Strassenraum wieder verstärkt die Funktion eines Aufenthalts- und
Begegnungsraums erfüllen kann. Insgesamt ist somit von der Realisierung
des Auflageprojekts 2010 eine positive Auswirkung auf das innere
Erscheinungsbild des Dorfes Schmitten zu erwarten.
13.3. Diesen öffentlichen nationalen, kantonalen und regionalen sowie privaten
Interessen der Anwohner an der Realisierung des Auflageprojekts 2010
stehen das Interessen an einer ungeschmälerten Erhaltung der
Lebensräume und der Kulturlandschaft südlich von Schmitten sowie die
privaten Interessen der vom Auflageprojekt 2010 betroffenen Anwohner
entgegen. Es ist unbestritten, dass das Auflageprojekt 2010 selbst bei
grösstmöglicher Rücksichtnahme die Grundsätze zur Erhaltung von Natur,
Landschaft und Ortsbild tangiert und das Orts- und Landschaftsbild sowie
ökologisch intakte Lebensräume beeinträchtigt. Sowohl im UVB vom
November 2010 (Bg-act. 2 Beilage 13) einschliesslich dessen Ergänzung
vom März 2014 als auch im Beurteilungsbericht des ANU vom 28. Juni
- 87 -
2011 (Bg-act. 2 Beilage 2) sowie auch im ENHK-Gutachten zur
Umfahrungsstrasse Schmitten Süd vom 29. Februar 2016 sind die
Projektauswirkungen auf die Lebens- und Landschaftsräume beschrieben.
Auch die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen
Genehmigungsbeschluss vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011,
erkannt, dass das Auflageprojekt einen schwerwiegenden Eingriff in
ökologisch intakte Lebens- und Landschaftsräume bedeutet und dass sich
die Auswirkungen auf die Umwelt mit den im Auflageprojekt vorgesehenen
Massnahmen nicht hinreichend kompensieren lassen. Gestützt auf diese
Erkenntnis hat die Beschwerdegegnerin aufgezeigt, wie die grösstmögliche
Schonung mit zusätzlichen Massnahmen, insbesondere mit den vom ANU
in dessen Beurteilungsbericht vom 28. Juni 2011 zusätzlich
vorgeschlagenen Ersatzmassnahmen für die Vernetzung der
Lebensräume (Bg-act. 3 Beilage 2 S. 11 und 19 - 21), erreicht werden kann
(vgl. S. 24 - 28 des angefochtenen Genehmigungsbeschlusses vom 25.,
mitgeteilt am 26. Oktober 2011). Durch Akzept dieser vom ANU
beantragten Auflagen (vgl. Dispositiv des angefochtenen
Genehmigungsbeschlusses vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011,
Ziff. A./2. ["Umweltrechtliche Auflagen"]) hat sich die Beschwerdegegnerin
in Nachachtung von Art. 18 NHG verpflichtet, für die unstrittig bestehenden
Eingriffe bestmögliche Schutz-, Wiederherstellung- oder ansonsten
angemessene Ersatzmassnahmen zu leisten. Zudem stellen bei der
weiteren Projektierung und Realisierung des Auflageprojekts 2010 die UBB
(vgl. Dispositiv des angefochtenen Genehmigungsbeschlusses vom 25.,
mitgeteilt am 26. Oktober 2011, Ziff. A./2.2) sowie der LBP (vgl. Dispositiv
des angefochtenen Genehmigungsbeschlusses vom 25., mitgeteilt am
26. Oktober 2011, Ziff. A./2.3) sicher, dass die Anforderungen an die
Nachhaltigkeit (Art. 73 BV, Art. 2 Abs. 1 StrG) erfüllt und die Schonung der
Umwelt sowie die Wirtschaftlichkeit (Art. 3 Abs. 1 NHG und Art. 15 StrG)
bestmöglich beachtet werden. Das Auflageprojekt 2010 beeinträchtigt zwar
unbestrittenermassen Trockenwiesen von nationaler und regionaler
- 88 -
Bedeutung; eine vollständige Kompensation mittels Schaffung eines
Vorranggebiets (unterstützt durch den LBP) ist aber möglich und die
notwendigen Flächen hierfür sind in der Gemeinde Schmitten verfügbar.
Die Gemeinde hat sich diesbezüglich denn auch verpflichtet, ein
Vorranggebiet im Waldareal auszuscheiden (vgl. Beurteilungsbericht des
ANU vom 28. Juni 2011 [Bg-act. 3 Beilage 2] S. 9 f.). Des Weiteren gilt es
zu berücksichtigen, dass für die Beanspruchung von ca. 1.1 ha Waldfläche
Ersatz geleistet werden kann (vgl. Beurteilungsbericht des ANU vom
28. Juni 2011 [Bg-act. 3 Beilage 2] S. 12) und dass der Verlust von
Kulturlandflächen von ca. 2 ha durch die angepasste Ausbildung von
Böschungen in Grenzen gehalten werden kann (vgl. Beurteilungsbericht
des ANU vom 28. Juni 2011 [Bg-act. 3 Beilage 2] S. 16). Zudem wird auch
der Mindestbestand an Fruchtfolgeflächen von 6'300 ha, welchen der
Kanton Graubünden gemäss Sachplan Fruchtfolgeflächen (FFF) sichern
muss, durch den Verlust von knapp 1 ha Fruchtfolgeflächen in Schmitten
nicht gefährdet, betrug der FFF-Bestand im Kanton Graubünden per Ende
2017 doch 7'069 ha und damit deutlich mehr als die geforderten 6'300 ha
(Quelle: https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/are/dienstleis-
tungen/grundlagen/Seiten/Fruchtfolgeflaechen.aspx [zuletzt besucht am
4. September 2018]). Es kann somit bezüglich des Kriteriums
Lebensräume festgehalten werden, dass die Umfahrungsstrasse südlich
von Schmitten zwar unbestrittenermassen eine erhebliche
Beeinträchtigung der Lebensräume mit sich bringt; mit den vom ANU in
dessen Beurteilungsbericht vom 28. Juni 2011 zusätzlich vorgeschlagenen
Ersatzmassnahmen für die Vernetzung der Lebensräume kann gleichzeitig
aber auch bestmögliche Schutz-, Wiederherstellung- oder ansonsten
angemessene Ersatzmassnahmen geleistet werden.
Wie gesehen beeinträchtigt das Auflageprojekt 2010 neben den
Lebensräumen selbst bei grösstmöglicher Rücksichtnahme auch das Orts-
und Landschaftsbild. So schmälert die Umfahrungsstrasse in Teilgebieten
die Sicht auf das Ortsbild sowie auch die Wohnqualität in direkt betroffenen
- 89 -
Gebieten. Demgegenüber verbessert sich die Wohnqualität im Dorf,
insbesondere bei Gebäuden entlang der heutigen Hauptstrasse. Die
Ansicht des Dorfes wird insbesondere beim Anblick von Westen durch die
Umfahrungsstrasse beeinträchtigt, indem der bisher offene Blick von der
Strasse auf den Kirchhügel künftig durch die am Fusse des Kirchhügels
verlaufende Strasse mitgeprägt wird; demgegenüber wird die Ansicht des
Dorfes durch die Umfahrungsstrasse beim Anblick von Süden und Osten −
wie das Gericht anlässlich des Augenscheins vom 23. Oktober 2013
feststellen konnte − nicht wesentlich beeinflusst. Dabei gilt es aber zu
berücksichtigen, dass der Kirchhügel am westlichen Hang bereits heute mit
Chalets und Einfamilienhäuser überbaut ist, was dessen Schutzwürdigkeit
erheblich relativiert. Des Weiteren hat der erwähnte Augenschein auch
gezeigt, dass das fragliche Gebiet südlich von Schmitten bereits heute
sowohl von einer Elektrizitätsfreileitung als auch von mehreren
Güterwegen in seiner Unversehrtheit beschnitten und dementsprechend
bereits heute vorbelastet ist. Mithin bestehen infolge dieser Güterwege
sowie der Elektrizitätsfreileitung bereits heute störende Eingriffe in die
Landschaft. Überdies gilt es aus Sicht des Gerichtes auch zu
berücksichtigen, dass auf der gegenüberliegenden Talseite keine Dörfer
liegen, von denen aus die Umfahrungsstrasse südlich von Schmitten als
störend empfunden werden könnte. Und schliesslich tritt die
Umfahrungsstrasse − obschon einige Abschnitte der Umfahrung von der
Bahnlinie aus sichtbar sein werden − auch aus Sicht der RhB-Linie nicht
als störend in Erscheinung; dies zumal sich die RhB-Linie in einer anderen
Geländekammer in 400 bis 500 m Entfernung (Luftlinie) ca. 200 m
unterhalt des Trassees der Umfahrungsstrasse befindet und die Bahnlinie
bei den betroffenen Abschnitten nicht parallel zum Trassee der Umfahrung
verläuft, weshalb die Bahnreisenden diese Teile der Umfahrung kaum
wahrnehmen dürften (vgl. dazu der erläuternde Bericht zur
Richtplananpassung des ARE Graubünden vom 20. Oktober 2010 [Bg-
act. 2 Beilage 16] S. 15). Bezüglich Lärm gilt es sodann festzuhalten, dass
- 90 -
die Beschwerdegegnerin zwar − entgegen dem Antrag des ANU (vgl.
Beurteilungsbericht vom 28. Juni 2011 [Bg-act. 3 Beilage 2] S. 13) − auf
den Einbau eines Belags mit der Belagskorrektur von unter 0 Dezibel
verzichtet hat (vgl. Dispositiv des angefochtenen
Genehmigungsbeschlusses vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011,
Ziff. A./2.5); dies ist jedoch nicht zu beanstanden, zumal die
Beschwerdegegnerin beim Vorliegen triftiger Gründe von den Anträgen des
ANU abweichen kann (vgl. UVP-Handbuch Modul 1, Rechtliche
Grundlagen, BAFU 2009, S. 9 Ziff. 3.4 [abrufbar unter
https://www.bafu.admin.ch › Themen › Umweltverträglichkeitsprüfung ›
UVP-Handbuch {zuletzt besucht am 4. September 2018}]) und vorliegend
solche wichtigen Gründe vorliegen. Die Beschwerdegegnerin hat nämlich
bereits im angefochtenen Beschluss darauf hingewiesen, dass die
Lebensdauer des vom ANU gewünschten Belags gegenüber dem
geplanten Belag wesentlich geringer sei und zudem der Lärmschutzeffekt
bedeutend schneller abnehme (vgl. Genehmigungsbeschluss vom 25.,
mitgeteilt am 26. Oktober 2011, E.I./B.2.4). Weil es sich beim
vorgesehenen Belag überdies bereits um einen lärmarmen Belag handelt
und die im Rahmen der UVP errechnete Lärmbelastung im Bereich der
Parzelle 200 deutlich unter den Planungswerten liegt (vgl. UVB vom
November 2010 [Bg-act. 2 Beilage 13] Ziff. 6.6.2 lit. h), ist es nicht zu
beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin auf den Einbau eines
Lärmschutzbelags verzichtet hat. Schliesslich gilt es auch zu
berücksichtigen, dass die kantonalen Fachstellen ANU und
Denkmalpflege, denen aufgrund ihrer besonderen Sachkunde als
Umweltschutzfachinstanz bzw. Instanz für Denkmalpflege des Kantons
erhebliches Gewicht zukommt (vgl. Urteil des Bundesgerichtes
1C_589/2014 vom 3. Februar 2016 E.5), dem Auflageprojekt 2010 − trotz
der unbestrittenermassen bestehenden erheblichen Eingriffe in das Orts-
und Landschaftsbild sowie intakte Lebensräume − unter Auflagen
zugestimmt haben (vgl. der Beurteilungsbericht des ANU vom 28. Juni
- 91 -
2011 [Bg-act. 3 Beilage 2] sowie die Stellungnahme der Denkmalpflege
vom 22. November 2010 [Bg-act. 2 Beilage 7]).
13.4. In umfassender Abwägung aller für und gegen das Vorhaben sprechenden
öffentlichen und privaten Interessen kommt das Gericht in
Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin zum Schluss, dass das
öffentliche nationale, kantonale und regionale sowie das private Interesse
der Anwohner an der Realisierung des Auflageprojekts 2010 höher zu
gewichten ist, als das Interesse an einer ungeschmälerten Erhaltung der
Lebensräume und der Kulturlandschaft südlich von Schmitten sowie der
privaten Interessen der vom Auflageprojekt 2010 betroffenen Anwohner;
dies, zumal Kulturlandschaften mit Ackerterrassen, Hecken und
Trockenstandorten, wie man sie in Schmitten vorfindet, nicht einmalig sind,
sondern das Albulatal generell und die weiteren Terrassendörfer
Lenz/Lantsch, Brienz/Brinzauls und Alvaneu/Alvagni im Speziellen prägen.
Das Gericht misst im Rahmen der Interessenabwägung der Erhöhung der
Wohnqualität im Dorfzentrum und der Aufwertung des inneren Ortsbildes
ein grösseres Gewicht bei als den unbestrittenermassen bestehenden
negativen Einflüssen des Strassenbauvorhabens. Zudem ist das Gericht
der Überzeugung, dass sich aus heutiger Sicht die für das Dorf und die
Dorfentwicklung bestehenden Nachteile nur mittels Realisierung einer
Umfahrungsstrasse südlich von Schmitten beheben lassen. Der
angefochtene Genehmigungsbeschluss vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober
2011, erweist sich somit im Ergebnis als rechtens, was zu dessen
Bestätigung und zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
14.1. Gemäss Art. 73 Abs. 1 VRG hat im Rechtsmittelverfahren in der Regel die
unterliegende Partei die Kosten zu tragen. Vorliegend gilt es indes zu
berücksichtigen, dass die Beschwerdegegnerin zumindest teilweise ein
Verschulden am vorliegenden Verfahren trägt, hat sie ihren Entscheid doch
− wie vorstehend dargestellt − aufgrund einer ungenügenden
- 92 -
Beurteilungsgrundlage gefällt. Das angerufene Gericht musste im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren nachholen, was die
Beschwerdegegnerin unterlassen hat. Vor diesem Hintergrund war die
Erhebung der Beschwerde durch die Beschwerdeführer im damaligen
Zeitpunkt gerechtfertigt, lagen doch zum damaligen Zeitpunkt noch kaum
Unterlagen vor, welche eine Beurteilung bezüglich der allfälligen Varianten
zum Auflageprojekt ermöglich hätten (vgl. vorstehend E.6.5). Diese
Tatsache sowie der Verfahrensausgang rechtfertigen es, die
Gerichtskosten je zur Hälfte der Beschwerdegegnerin und den
Beschwerdeführern − letzteren unter solidarischer Haftung (vgl. Art. 72
Abs. 2 VRG) − aufzuerlegen.
14.2. Aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin ihren Entscheid
vom 25., mitgeteilt am 26. Oktober 2011, aufgrund einer ungenügenden
Beurteilungsgrundlage gefällt hat, sah sich das streitberufene Gericht unter
anderem veranlasst, ein Fachgutachten über die technische Möglichkeit
und die Geeignetheit einer intelligenten verkehrsgesteuerten
Lichtsignalanlage als Pförtneranlage an den Ortseinfahrten und einer
Lichtsignalanlage-Sicherung an den Einmündungen in die Ortsdurchfahrt
in Schmitten einzuholen. Weil die vertiefte Variantenprüfung aber
spätestens auf Stufe der Plangenehmigung hätte erfolgen sollen, sind die
Kosten des Fachgutachtens Ortsdurchfahrt Schmitten −
Engpasssteuerung vom 27. Juni 2017 inklusive dessen Ergänzung vom
12. Oktober 2017 in der Höhe von Fr. 20'385.80 dem Kanton Graubünden
(Regierung) aufzuerlegen (vgl. auch VGU R 11 119 und R 11 120 vom
3. Juli 2018 E.16.2).
14.3. Weil die Einreichung der Beschwerde im damaligen Zeitpunkt − wie
gesehen − gerechtfertigt war, haben die Beschwerdeführer auch Anspruch
auf eine aussergerichtliche Entschädigung, welche ihnen von der
Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist. Der beschwerdeführerische
- 93 -
Rechtsanwalt lic. iur. Armin Linder hat am 13. März 2018 eine Kostennote
in der Höhe von gesamthaft Fr. 46'854.30 eingereicht. Diese setzt sich
zusammen aus einem Honorar von Fr. 41'593.50 für 154.05
Arbeitsstunden à Fr. 270.--, 3 % Kleinspesen (= Fr. 1'247.80), Fahrspesen
von Fr. 550.80 und 8 % MWST (bis 31. Dezember 2017) von Fr. 40'333.--
(= Fr. 3'226.65) bzw. 7.7 % MWST (ab 1. Januar 2018) von Fr. 3'059.10
(= Fr. 235.55). Der gesamthaft geltend gemachte Arbeitsaufwand von rund
154 Arbeitsstunden erscheint dem Gericht angesichts der Bedeutung und
Komplexität der Streitsache sowie der Dauer des vorliegenden Verfahrens
angemessen. Hingegen kann nicht von einem Stundenansatz von Fr. 270.-
- ausgegangen werden, da Rechtsanwalt lic. iur. Armin Linder keine
Honorarvereinbarung eingereicht hat. Vielmehr ist der Stundenansatz
gemäss der Praxis des Verwaltungsgerichtes bei unterlassener
Einreichung einer Honorarvereinbarung auf den Mittelwert des in Art. 3
Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (HV; BR 310.250) festgelegten
Tarifrahmens von Fr. 210.-- bis Fr. 270.-- pro Stunde, mithin auf Fr. 240.--
pro Stunde herabzusetzen (vgl. VGU S 18 14 vom 17. April 2018 E.5c,
S 15 107 vom 17. August 2017 E.9b). Daran vermag die Tatsache, dass
Rechtsanwalt lic. iur. Armin Linder gemäss seinem Schreiben vom
13. März 2018 mit den Beschwerdeführern mündlich eine Honorierung
nach Aufwand zu einem Stundenansatz von Fr. 280.-- zuzüglich
Barauslagen, Fahrspesen und MWST vereinbart hat, nichts zu ändern,
verlangt Art. 4 Abs. 1 HV doch explizit, dass die Parteien zu Beginn des
Verfahrens eine vollständige, unterschriebene Honorarvereinbarung
einzureichen haben. Dies hat der beschwerdeführerische Rechtsvertreter
nicht getan, weshalb der Stundenansatz praxisgemäss auf Fr. 240.--
herabzusetzen ist. Folglich ergibt sich eine aussergerichtliche
Entschädigung von insgesamt Fr. 41'714.35 (154.05 Arbeitsstunden à
Fr. 240.-- [= Fr. 36'972.--] zuzüglich 3 % Spesen [= Fr. 1'109.15] und
Fahrkosten [= Fr. 550.80] sowie 8 % MWST [bis 31. Dezember 2017] von
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Fr. 35'912.75 [= Fr. 2'873.--] bzw. 7.7 % MWST (ab 1. Januar 2018) von
Fr. 2'719.20 [= Fr. 209.40]). In diesem Umfang hat die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführer aussergerichtlich zu
entschädigen. Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-
rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2
VRG in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in
ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht
vorliegend kein Anlass, weshalb der materiell obsiegenden
Beschwerdegegnerin keine Parteientschädigung zusteht.