Decision ID: a5015e92-e36c-45e1-ac00-32aaa27e3253
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist für die Kategorien B und BE (seit 25. September 1984), A (seit 23. Oktober
2003) sowie D und DE (seit 9. August 2007) fahrberechtigt. Seit 4. Januar 2007 besitzt
sie zudem den Führerausweis für die Unterkategorien C1 und C1E. Sie ist
Berufschauffeuse bei der Y AG. Im Informationssystem über die Verkehrszulassung
(IVZ; früher: Administrativmassnahmen-Register) ist sie nicht verzeichnet. Am
22. November 2018 um 06.05 Uhr lenkte X einen Gelenkbus MAN auf der Hauptstrasse
in Balgach von Altstätten kommend in Richtung Heerbrugg. Dabei habe sie eine
Geschwindigkeit von "30 bis 40 km/h, eher 30 km/h" eingehalten. Auf Höhe der
Liegenschaft Nr. 68 richtete sie den Blick kurz nach links. Dabei kam sie mit dem Bus
leicht nach links. In der Folge prallte sie mit der linken Front gegen die dortige
Verkehrsinsel und einen Inselschutzpfosten mit Verkehrsschild. Sowohl X als auch die
Buspassagiere blieben beim Unfall unverletzt. Am Gelenkbus entstand ein
Sachschaden von Fr. 13'000.– und am Inselschutzpfosten ein solcher von Fr. 2'000.–.
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B.- Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts Altstätten vom 7. Februar 2019 wurde X im
Zusammenhang mit dem Vorfall vom 22. November 2018 wegen einfacher Verletzung
der Verkehrsregeln (mangelnde Aufmerksamkeit auf die Strasse und den Verkehr) zu
einer Busse von Fr. 350.– verurteilt. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
C.- Am 12. März 2019 eröffnete das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des
Kantons St. Gallen (nachfolgend: Strassenverkehrsamt) gegenüber X ein
Administrativmassnahmeverfahren. Es stufte die Verkehrsregelverletzung als
mittelschwer ein und stellte einen Führerausweisentzug für die Dauer von einem Monat
in Aussicht. X äusserte sich mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 9. April 2019
zusammengefasst dahingehend, dass die verursachte Gefahr sowie das Verschulden
als gering einzustufen seien und deshalb höchstens eine leichte Widerhandlung
vorliege. Auf einen Führerausweisentzug sei zu verzichten und höchstens eine
Verwarnung auszusprechen. Das Strassenverkehrsamt entzog ihr mit Verfügung vom
16. April 2019 den Führerausweis für die Dauer eines Monats zufolge mittelschwerer
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften.
D.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 16. April 2019 erhob X mit
Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 26. April 2019 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) mit dem Antrag, die
Verfügung sei aufzuheben und von einem Führerausweisentzug sei abzusehen. Die
Vorinstanz verzichtete am 9. Mai 2019 auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen im Rekurs zur Begründung des Antrags wird, soweit erforderlich,

in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 26. April 2019 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekursverfahren ist umstritten, ob die Vorinstanz der Rekurrentin zu Recht eine
mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften vorwarf und
einen Führerausweisentzug für die Dauer eines Monats aussprach.
3.- Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung vermag ein Strafurteil die
Verwaltungsbehörde grundsätzlich nicht zu binden. Allerdings gebietet der Grundsatz
der Einheit der Rechtsordnung, widersprüchliche Entscheide im Rahmen des
Möglichen zu vermeiden. Die Verwaltungsbehörde darf deshalb bei der Verfügung über
die Massnahme von den tatsächlichen Feststellungen des Strafrichters nur abweichen,
wenn sie Tatsachen feststellt und ihrer Verfügung zugrunde legt, die dem Strafrichter
unbekannt waren, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt oder wenn der Strafrichter bei
der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht alle Rechtsfragen abgeklärt,
namentlich die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (BGE 124 II 103
E. 1c/aa).
Die Voraussetzungen für ein Abweichen von den tatsächlichen Feststellungen im
Strafbefehl sind nicht erfüllt. Der im Strafbefehl festgehaltene Sachverhalt wird von der
Rekurrentin auch nicht bestritten. Es ist somit erstellt, dass die Rekurrentin am
22. November 2018 um 06.05 Uhr den Gelenkbus MAN mit einer Geschwindigkeit von
30 bis 40 km/h, eher 30 km/h, auf der Hauptstrasse in Balgach von Altstätten
kommend in Richtung Heerbrugg lenkte. Auf Höhe der Liegenschaft Nr. 68 richtete die
Rekurrentin ihren Blick nach links, wobei sie mit dem Bus leicht nach links kam und in
bis
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der Folge mit der linken Frontseite gegen die dortige Verkehrsinsel und den
Inselschutzpfosten mit einem Verkehrsschild prallte.
4.- Strafrechtlich wurde die Rekurrentin wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln
im Sinn von Art. 90 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
verurteilt. Vom Straffall geht hinsichtlich der Rechtsanwendung jedoch keine
Bindungswirkung aus, auch wenn die Behörden vom gleichen Sachverhalt ausgehen.
Insbesondere sind die Würdigung des Verschuldens und der Gefährdung für die
verwaltungsrechtliche Beurteilung des Falls nicht verbindlich. In der rechtlichen
Würdigung des Sachverhalts ist die Verwaltungsbehörde somit frei, ausser die
rechtliche Qualifikation hängt stark von der Würdigung von Tatsachen ab, die der
Strafrichter besser kennt, etwa weil er den Beschuldigten persönlich einvernommen hat
(Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Vorbemerkungen zu
Art. 16 ff. N 10; Urteile des Bundesgerichts [BGer] 1C_169/2014 vom 18. Februar 2015
E. 2.2, 1C_71/2008 vom 31. März 2008 E. 2.1 und 1C_585/2008 vom 14. Mai 2009
E. 3.1). Aufgrund der Akten ergibt sich nicht, dass die Rekurrentin im Strafverfahren
persönlich einvernommen wurde. Der Sachbearbeiter, welcher den Strafbefehl erliess,
stützte sich somit auf dieselben Akten, wie sie auch der Administrativbehörde zur
Verfügung standen (Rapport der Kantonspolizei vom 19. Januar 2019 und polizeiliche
Einvernahme der Rekurrentin vom 22. November 2018; act. 9/3-12). Die
Administrativbehörde ist somit nicht an die rechtliche Qualifikation im Strafverfahren
gebunden.
5.- Die Vorinstanz stufte das Verhalten der Rekurrentin als mittelschwere
Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG ein. Zur Begründung wird in der
angefochtenen Verfügung ausgeführt, die Rekurrentin habe durch ihr Fehlverhalten
schuldhaft eine Kollision verursacht und dabei eine erhöhte abstrakte Gefährdung für
andere Verkehrsteilnehmer und eine konkrete Gefahr für ihre Mitfahrer geschaffen.
Sowohl die Gefährdung als auch das Verschulden könnten nicht mehr als leicht
bezeichnet werden.
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Gegen die Qualifikation des Verhaltens als mittelschwere Widerhandlung wird im
Rekurs im Wesentlichen vorgebracht, dass der Rekurrentin aufgrund der kurzen
Unaufmerksamkeit und der mässigen Geschwindigkeit keine erhöhte abstrakte
Gefährdung vorgeworfen werden könne. Ein mehr als leichtes Verschulden sei den
gegebenen Verhältnissen nicht angemessen. Auf einen Führerausweisentzug sei daher
zu verzichten und höchstens eine Verwarnung auszusprechen.
6.- Nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem OBG ausgeschlossen ist, wird gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG der
Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Nach der Rechtsprechung müssen beide Voraussetzungen kumulativ gegeben sein
(BGE 135 II 138 E. 2.2.3). In besonders leichten Fällen wird auf jegliche Massnahme
verzichtet (Art. 16a Abs. 4 SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und wird
dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf
genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine
mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a
SVG). Sie stellt einen Auffangtatbestand dar und liegt vor, wenn nicht alle
privilegierenden Elemente einer leichten Widerhandlung und nicht alle qualifizierenden
Elemente einer schweren Widerhandlung gegeben sind (BGE 135 III 138 E. 2.2.2).
a) Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn die körperliche Integrität einer Person
entweder konkret oder zumindest abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird dabei zwischen der einfachen und der erhöhten
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abstrakten Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahmen
nach sich (vgl. Art. 16a Abs. 4 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann
auszugehen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten
betroffen werden können. Führte dieses hingegen zu einer Verletzung eines Rechtsguts
oder einer konkreten beziehungsweise einer erhöhten abstrakten Gefährdung der
körperlichen Integrität, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge
(R. Schaffhauser, Die neuen Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes,
in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.).
Innerhalb der erhöhten abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der
Gefahr abzustellen. Je näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder
Verletzung liegt, umso schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr (vgl. BGE 118 IV
285 E. 3a). Eine konkrete Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich
daherkommenden Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer
Körperverletzung oder gar Tötung bestand (J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung,
Davos 1999, S. 12). Zudem ist das Ausmass der üblicherweise entstehenden
Schädigung bei Eintritt der Rechtsgutverletzung zu berücksichtigen (vgl. Entscheid der
VRK [VRKE] IV-2011/113 vom 24. November 2011 E. 3b, im Internet abrufbar unter:
www.gerichte.sg.ch).
aa) Beim Selbstunfall vom 22. November 2018 waren nebst der Rekurrentin auch
Passagiere im Linienbus. Theoretisch ist ohne Weiteres denkbar, dass sich Fahrgäste
eines Linienbusses, insbesondere, wenn sie stehen und nicht gefasst sind, bei einer
Kollision mit einem Inselschutzpfosten Verletzungen zuziehen können, weil sie durch
den Aufprall das Gleichgewicht verlieren und stürzen. Aus dem im Strafverfahren
festgestellten Sachverhalt geht jedoch nicht hervor, ob die Fahrgäste im Bus standen
oder sassen. Es ist daher zugunsten der Rekurrentin davon auszugehen, dass die
Fahrgäste sassen. Bei einem sitzenden Fahrgast ist die Gefahr einer Verletzung bei
tiefer Geschwindigkeit eher als gering einzustufen. Hierbei ist auch zu berücksichtigen,
dass ein Linienbus, welcher mit einem Inselschutzpfosten kollidiert, nicht abrupt zum
vollständigen Stillstand kommt. Im vorliegenden Fall wurden sodann auch weder die
Rekurrentin noch die Fahrgäste des Linienbusses verletzt. Sämtliche Fahrgäste
konnten nach der Kollision den Bus verlassen und begaben sich auf Anweisung der
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Rekurrentin zu Fuss zur nächsten Bushaltestelle, um auf den nächsten Linienbus zu
warten (act. 9/2). Unter diesen Umständen ist zwar davon auszugehen, dass die
Rekurrentin durch die Kollision mit dem Inselschutzpfosten eine konkrete Gefährdung
für ihre Mitfahrer geschaffen hat. Diese Gefährdung ist allerdings noch als gering im
Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG zu werten.
bb) Durch die Kollision mit einem unmittelbar vor einem Fussgängerstreifen
angebrachten Inselschutzpfosten schuf die Rekurrentin zudem eine abstrakte Gefahr
für andere Verkehrsteilnehmer. Zu beurteilen ist unter Berücksichtigung der im
Unfallzeitpunkt gegebenen Umstände die Wahrscheinlichkeit der Konkretisierung und
Verwirklichung dieser abstrakten Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer. Der
Selbstunfall ereignete sich auf einer Hauptstrasse im Innerortsbereich an einem
Donnerstagmorgen um 06.05 Uhr. Vor diesem Hintergrund kann nicht davon
ausgegangen werden, dass keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten
hätten betroffen werden können. Es ist durchaus denkbar, dass auch zu dieser frühen
Stunde andere Personen oder Fahrzeuge auf der Hauptstrasse unterwegs waren, um
beispielsweise zur Arbeit zu gelangen. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, liegt
somit nicht bloss eine einfache abstrakte Gefährdung, sondern eine erhöhte abstrakte
Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer vor.
Das Vorliegen einer erhöhten abstrakten Gefährdung schliesst jedoch nicht aus, dass
eine nur geringe Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG
vorliegt. Es erscheint zwar widersprüchlich für eine Massnahme nach Art. 16a Abs. 1
lit. a SVG einerseits eine erhöhte abstrakte Gefährdung zu verlangen, die
wesensgemäss höher ist als eine bloss abstrakte, andererseits diese erhöhte Gefahr
bloss als "gering" im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG zu qualifizieren. Wenn aber
eine erhöhte abstrakte Gefährdung zum Ausschluss von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG
führen würde, wäre dessen Anwendungsbereich nahezu Null, was dem Willen des
Gesetzgebers widerspräche. Da die erhöhte abstrakte Gefährdung dennoch
erforderlich ist, um eine Warnungsmassnahme auszusprechen, ist eine "geringe Gefahr
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für die Sicherheit anderer" immer dann anzunehmen, wenn sich die erhöhte abstrakte
Gefährdung im unter(st)en Schwerebereich bewegt (Weissenberger, Kommentar SVG
und OBG, Art. 16a N 4).
Aus dem im Strafbefehl festgestellten Sachverhalt geht nicht hervor, wie lange die
Rekurrentin ihren Blick von der Strasse abwandte und nach links schaute. Bei der
polizeilichen Einvernahme gab die Rekurrentin lediglich an "nur ganz kurz einen
Augenblick" nach links geschaut zu haben (act. 9/8). Was genau unter einem "kurzen
Augenblick" zu verstehen ist, ist nicht klar. Es macht für die Qualifikation der erhöhten
abstrakten Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer jedoch einen Unterschied, ob
jemand die Aufmerksamkeit nur für einen Bruchteil einer Sekunde oder aber für
mehrere Sekunden nicht auf die Strasse richtet. So entschied das Bundesgericht im
Zusammenhang mit Verrichtungen, welche die Bedienung des Fahrzeugs erschweren,
dass ein Fahrer zum Ablesen der Geschwindigkeit oder der Treibstoffreserve kurz auf
das Armaturenbrett blicken darf, ohne dass ihm eine ungenügende Aufmerksamkeit zur
Last gelegt werden könnte. Gleiches gilt auch bei einem kurzen Blick auf die Uhr oder
ein im Fahrzeug eingebautes Navigationssystem. Dagegen widmet ein Fahrer dem
Verkehr nicht die erforderliche Aufmerksamkeit, wenn er während der Fahrt seinen
Blick zum Schreiben einer Nachricht (SMS) länger auf sein Mobiltelefon richtet (vgl.
BGer 1C_566/2018 vom 14. Mai 2019 E. 2.2). Aufgrund der vagen und nachträglich
kaum zu ergänzenden Sachlage ist zugunsten der Rekurrentin davon auszugehen,
dass sie ihre Aufmerksamkeit nur sehr kurz (weniger als eine Sekunde) nicht auf die
Strasse richtete und in diesem kurzen Augenblick mit dem Inselpfosten kollidierte.
Nach der Kollision brachte die Rekurrentin ihr Fahrzeug sofort wieder unter Kontrolle,
zumindest ergibt sich aus den zur Verfügung stehenden Akten nichts Gegenteiliges. Zu
berücksichtigen ist sodann auch hier, dass die Geschwindigkeit mit etwa 30 km/h eher
gering war. Die Möglichkeit, dass andere Fahrzeuglenker oder Fussgänger durch die
Kollision mit der Verkehrsinsel und dem Inselschutzpfosten auf sehr gefährliche Weise
hätten überrascht und irritiert werden können, liegt im vorliegenden Fall nicht allzu nahe
(vgl. BGer 1C_83/2010 vom 12. Juli 2010 E. 5.1; VRKE IV-2016/87 vom 29. September
2016). Wenn die Rekurrentin den Blick nur für einen kurzen Augenblick nach links
richtete, dann hatte sie unmittelbar vor der Kollision feststellen können, dass sich bei
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der Verkehrsinsel und dem Fussgängerstreifen keine Personen befanden; davon ist
also zu ihren Gunsten auszugehen. Aus diesen Gründen ist entgegen der Auffassung
der Vorinstanz noch von einer geringen Gefährdung und damit von einer geringen
Gefahr für die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG auszugehen.
b) Zum Verschulden der Rekurrentin wurden im Strafbefehl des Untersuchungsamts
Altstätten vom 7. Februar 2019 keine Ausführungen gemacht. Die Staatsanwaltschaft
erachtete eine Busse von Fr. 350.– als angemessen. Auch wenn von der Bussenhöhe
in der Regel nicht ohne Weiteres auf das Mass des Verschuldens geschlossen werden
kann, weil bei der Bussenbemessung auch noch andere Faktoren hineinspielen, ist bei
einer solchen Bussenhöhe davon auszugehen, dass die Strafbehörde das Verschulden
als leicht beurteilte (vgl. dazu VRKE IV-2016/46 vom 30. November 2017 E. 3d/bb). Aus
der Anwendung von Art. 90 Abs. 1 SVG darf jedoch nicht automatisch auf ein geringes
Verschulden geschlossen werden.
Gemäss Art. 31 SVG muss der Führer das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass er
seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Beherrschen bedeutet in diesem
Zusammenhang jederzeit in der Lage zu sein, auf die jeweils erforderliche Weise auf
das Fahrzeug einzuwirken und auf jede Gefahr ohne Zeitverlust genügend schnell und
zweckmässig zu reagieren (BGE 120 IV 63 E. 2a mit Hinweis auf BGE 76 IV 53 E. 1).
Die Norm wird in Art. 3 der Verkehrsregelverordnung (SR 741.11, abgekürzt VRV) mit
beispielhaften Sorgfaltspflichten konkretisiert. Zu diesen Sorgfaltspflichten gehört, dass
der Fahrzeugführer seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuwenden
muss (Art. 3 Abs. 1 VRV; vgl. zum Ganzen Weissenberger, Kommentar SVG und OBG,
Art. 31 N 1 ff.). Mit der Strafbehörde ist davon auszugehen, dass die Rekurrentin nicht
die erforderliche Aufmerksamkeit auf die Strasse gerichtet hatte. Eine andere Erklärung
für die Kollision mit der Verkehrsinsel bzw. dem Inselschutzpfosten ist nicht ersichtlich.
Entgegen der Auffassung der Vorinstanz findet in den Akten jedoch keine Stütze, dass
die Rekurrentin den Blick nach links richtete, um ein neues Gebäude anzuschauen
(act. 9/22). Zwar gab sie gegenüber der Polizei an, nach links zu einem neuen Gebäude
geschaut zu haben (act. 9/8). Dass es dabei aber nicht um ein bewusstes Betrachten
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des fraglichen Gebäudes ging, geht aus der weiteren Angabe, wonach sie nicht wisse,
weshalb sie nach links geschaut habe (act. 9/8), hervor. Aufgrund der vagen
Beweislage ist zugunsten der Rekurrentin davon auszugehen, dass sie die erforderliche
Aufmerksamkeit nur für sehr kurze Zeit (weniger als eine Sekunde) nicht eingehalten
hat; dies bei einer niedrigen Geschwindigkeit von etwa 30 km/h. Unter diesen
Umständen handelt es sich entgegen der Auffassung der Vorinstanz noch um ein
leichtes Verschulden.
c) Zusammenfassend ist der Rekurrentin administrativmassnahmerechtlich eine geringe
Gefährdung sowie ein leichtes Verschulden vorzuwerfen. Dementsprechend handelt es
sich nicht um eine mittelschwere, sondern um eine leichte Widerhandlung gemäss
Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG.
6.- Eine leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG zieht eine Verwarnung
nach sich (Art. 16a Abs. 3 SVG). Dies gilt auch im vorliegenden Fall, denn in den
vorangegangenen zwei Jahren war der Führerausweis weder entzogen noch wurde
eine andere Administrativmassnahme verfügt (Art. 16a Abs. 2 SVG). Dementsprechend
ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Rekurrentin antragsgemäss wegen
leichter Widerhandlung zu verwarnen.
7.- Ziff. 206.02.1 des Verkehrsgebührentarifs (sGS 718.1) sieht im Fall eines
Ausweisentzugs einen Gebührenrahmen von Fr. 100.– bis Fr. 800.– vor. Für eine
Verwarnung liegt dieser bei Fr. 70.– bis Fr. 250.– (Ziff. 206.01). Die Vorinstanz bezifferte
die Verfahrenskosten auf Fr. 320.– und bewegte sich damit in der für den Entzug von
Führerausweisen vorgesehenen Bandbreite. Nachdem nun aber feststeht, dass gegen
die Rekurrentin lediglich eine Verwarnung auszusprechen ist, müssen auch die
Verfahrenskosten entsprechend reduziert werden. Besteht für die Gebühr ein Mindest-
und ein Höchstansatz, so ist sie innerhalb dieses Rahmens nach dem Wert und der
Bedeutung der Amtshandlung, dem Zeit- und Arbeitsaufwand und der erforderlichen
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Sachkenntnis zu bemessen (Art. 11 der Verordnung über Kosten und Entschädigungen
im Verwaltungsverfahren, sGS 821.1). Es erscheint angemessen, die von der
Rekurrentin zu bezahlende Gebühr für das vorinstanzliche Verfahren auf Fr. 150.–
festzulegen.
8.- Die Kosten des Rekursverfahrens haben die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Staat aufzuerlegen. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist der
Rekurrentin zurückzuerstatten.
9.- Die vollständig obsiegende Rekurrentin liess sich anwaltlich vertreten. Sie hat
gemäss Art. 98 Abs. 2 und 98 VRP Anspruch auf eine vollständige Entschädigung
der ausseramtlichen Kosten, soweit diese als notwendig und angemessen erscheinen.
Der Beizug eines Rechtsvertreters war im vorliegenden Rekursverfahren geboten.
Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale
ausgerichtet. Es beträgt zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung [sGS 963.75; abgekürzt HonO]). Innerhalb dieses Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO). Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote
eingereicht, weshalb die ausseramtliche Entschädigung ermessensweise festzusetzen
ist. Zu berücksichtigen ist, dass nur die Aufwendungen im Zusammenhang mit dem
Rekursverfahren zu entschädigen sind, nicht hingegen der anwaltliche Aufwand im
vorinstanzlichen Verfahren (vgl. Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP). Angesichts des
Aktenumfangs, der sich stellenden Fragen in tatsächlicher und insbesondere
rechtlicher Sicht sowie des eingereichten Rekurses erscheint ein Honorar von
bis
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Fr. 1'800.– als angemessen. Hinzuzuzählen sind die Barauslagen von Fr. 72.– (4% von
Fr. 1'800.–; Art. 28 Abs. 1 HonO) und die Mehrwertsteuer von Fr. 144.15 (7,7% von
Fr. 1'872.–; Art. 29 HonO). Die ausseramtliche Entschädigung beträgt damit insgesamt
Fr. 2'016.15; entschädigungspflichtig ist der Staat (Strassenverkehrsamt).