Decision ID: 89754bdb-dda4-4461-8fb9-040aa0a2b262
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 3. Mai 2010 wegen eines am 18. September 2009 erlittenen
Sehnenrisses und Nervenverletzungen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1;
siehe eingehend zum Gesundheitsschaden an der linken Bizepssehne und am linken
Ellbogen die Aktennotiz des RAD-Arztes Dr. med. B._, Facharzt für Prävention und
Gesundheitswesen, vom 12. Mai 2010, IV-act. 6). Dr. med. C._, Facharzt für
Allgemeine Medizin, berichtete am 6. September 2010, der Versicherte leide an einer
traumatischen Ruptur der distalen Bizepssehne am 18. September 2009 mit Status
nach diversen Operationen bei Rerupturen und Hämatombildungen, Entrapment etc.
Seither bestünden Schmerzen im linken Ellbogengelenk und linken Unterarm mit
Kraftlosigkeit, insbesondere der linken Hand. Für die angestammte Tätigkeit als
Zimmermann (siehe hierzu IV-act. 1-6) bescheinigte er dem Versicherten eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 28). Der RAD-Arzt Dr. B._ gelangte in der
Stellungnahme vom 28. Oktober 2010 zur Auffassung, dass der Versicherte bezogen
auf die angestammte Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig sei. Für leidensangepasste
Tätigkeiten sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act. 35).
A.a.
Am 12. Januar 2011 erlitt der Versicherte eine Kontusion der rechten Schulter. In
der Folge unterzog er sich mehreren Eingriffen (Schulterarthroskopie am 28. Januar
2011; Schulterarthroskopie und Bizepssehnen-Tenotomie am 28. März 2011;
«Schulter-AKO», Synovektomie, Intervall-Débridement, Bursektomie, offene Revision
der LBS mit Tendinopexie am 14. November 2011). Dr. med. D._, Oberarzt
Orthopädie an der E._ Klinik, diagnostizierte eine symptomatische Kapsulitis unklarer
Ätiologie (siehe zum Ganzen den Bericht vom 20. März 2012, IV-act. 90). Im
A.b.
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Verlaufsbericht vom 20. Februar 2012 führte Dr. C._ aus, er habe die Arbeitsfähigkeit
für leidensangepasste Tätigkeiten ab dem 27. Februar 2012 für den allgemeinen
Arbeitsmarkt auf 100% festgelegt (IV-act. 80).
Im Auftrag der IV-Stelle nahm der Versicherte im Zeitraum vom 27. Februar bis
29. März 2012 an einer BEFAS-Abklärung im Appisberg teil. Die Abklärungspersonen
führten im Schlussbericht vom 18. April 2012 aus, körperlich und insbesondere die
oberen Extremitäten stärker belastende Tätigkeiten, wie die angestammte Tätigkeit als
Zimmermann, seien gesundheitsbedingt nicht mehr zumutbar. Aus medizinischer Sicht
seien optimal leidensangepasste Tätigkeiten - bei vorausgesetztem einigermassen
stabilen weiteren gesundheitlichen Verlauf - «zeitlich uneingeschränkt ganztags
zumutbar» (IV-act. 92-11; zu den Taggeldleistungen siehe die Verfügung vom 9. März
2012, IV-act. 81). Ab dem 7. Mai 2012 nahm der Versicherte in der HPV F._ mit Blick
auf eine allfällige Umschulung zum CNC-Operateur erneut an einer beruflichen
Abklärung teil. Aufgrund gesundheitlicher Zwischenfälle wurde die Abklärungsphase
nicht wie geplant bis 31. August 2012 durchgeführt, sondern musste per 21. August
2012 vorzeitig abgebrochen werden. Die Abklärungspersonen zogen den Schluss, die
Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Umschulung zum CNC-Operateur seien
nicht erfüllt (Schlussbericht vom 12. September 2012, IV-act. 115; zu den
Taggeldleistungen siehe die Verfügung vom 29. Mai 2012, IV-act. 105, sowie die
Rückforderungsverfügung vom 27. September 2012, IV-act. 121).
A.c.
Der RAD-Arzt Dr. B._ hielt in der Aktennotiz vom 23. Oktober 2012 u.a. fest, der
Versicherte sei wegen einer Stammvarikosis beidseits im Spital G._ vom 27. bis
28. Juli 2012 hospitalisiert gewesen und dort operiert worden. In der Folge habe sich
ein Abszess am rechten Unterschenkel mit Begleitphlegmone entwickelt, sodass am
16. August 2012 im Spital G._ eine Abszess-Exzision habe durchgeführt werden
müssen. Seither klage der Versicherte über Sensibilitätsstörungen im rechten Bein. Der
Gesundheitszustand sei instabil. Derzeit bestehe kein Eingliederungspotenzial (IV-
act. 124; zum Bericht der medizinischen Fachpersonen der Klinik H._ St. Gallen
[KSSG] vom 18. Oktober 2012, welche die vom Versicherten geschilderte Anästhesie/
Analgesie im Bereich aller sensiblen Nerven des rechten Beins ätiologisch nicht
zuzuordnen vermochten, siehe IV-act. 133-5 f.). Am 22. November 2012 teilte die IV-
A.d.
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Stelle dem Versicherten mit, dass aufgrund seines Gesundheitszustands zurzeit keine
beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 126).
Am 28. Januar 2013 rutschte der Versicherte aus und fiel auf die Knie. Dabei erlitt
er beidseits eine Kontusion der Knie (siehe hierzu IV-act. 143-1 oben). Vom 9. bis
26. Juli 2013 befand sich der Versicherte zur stationären Rehabilitation in der
Rehaklinik Bellikon. Die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen
diagnostizierten: eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1); eine
Kniekontusion beidseits; eine Schulterdistorsion rechts mit SLAP-Läsion I,
Bizepssehnen-Teilruptur mit Subluxation der langen Bizepssehne, Muskelfaserriss M.
pectoralis maior; eine Ruptur der distalen Bizepssehne links; einen Status nach
Varusdeformität rechtes Kniegelenk mit Chondromalazie; einen Knochen- und
Weichteildefekt des Mittelfingermittel- und -endglieds und eine Weichteilverletzung
einseitig über dem Ringfingerendglied der rechten Hand; eine Stammvarikosis
beidseits; ein lumbosakrales Schmerzsyndrom, eine arterielle Hypertonie und eine
Adipositas (BMI 33,1 kg/m ). Die festgestellte psychische Störung begründe aktuell
eine mindestens mittelschwere arbeitsrelevante Leistungsminderung (zusätzlich zu den
muskuloskelettal bedingten Einschränkungen). Aus psychiatrischer Sicht bestehe
derzeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Austrittsbericht vom 29. Juli 2013, IV-
act. 144). Der am Psychiatrischen Zentrum I._ ambulant behandelnde Oberarzt
Dr. med. J._ stellte die Diagnose einer mittel- bis schwergradigen depressiven
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) und bescheinigte dem
Versicherten ebenfalls eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Bericht vom 29. November/
11. Dezember 2013, IV-act. 153 f.; vgl. auch den Bericht von Dr. J._ vom
3. September 2014, IV-act. 194-3 ff.).
A.e.
2
Am 29. April 2014 unterzog sich der Versicherte in der Klinik K._ am KSSG einer
Kniegelenksarthroskopie am linken Knie (zum Operationsbericht siehe IV-act. 178-3 f.).
Im Bericht zur Nachkontrolle vom 3. Juli 2014 hielten die behandelnden Ärzte des
KSSG fest, die Arthroskopie habe keine Beschwerdelinderung gebracht, was bei
arthroskopisch wenig sichtbaren Pathologien zu erwarten gewesen sei. Die
Chondropathie sei trotz all dem sehr schmerzhaft (IV-act. 178-1 f.). Dr. J._ berichtete
am 22. Oktober 2014 über einen verschlechterten Gesundheitszustand des
A.f.
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Versicherten. Bei mittel- bis schwergradiger depressiver Störung bestehe zurzeit keine
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 198).
Die IV-Stelle erteilte dem Versicherten am 3. November 2014 Kostengutsprache
für die leihweise Abgabe eines Elektroscooters (HVI 9.02; IV-act. 217).
A.g.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 1. und 2. Oktober 2014 in der
MEDAS Ostschweiz polydisziplinär (orthopädisch, psychiatrisch sowie allgemein
internistisch) begutachtet. Die Experten führten als «Hauptdiagnosen mit
Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit» auf: eine schmerzhafte Schultersteife
rechts bei Impingement; einen Status nach dreimaliger arthroskopischer Operation des
Schultergelenks rechts; einen Status nach arthroskopischer Bizepssehnentenotomie;
einen Status nach diagnostischer Arthroskopie Débridement und Bizepsanker rechts;
einen Status nach subacromialer Infiltration Schulter rechts mit Kenacort und
Bupivacain; einen Status nach Schulterdistorsion rechts nach Arbeitsunfall am
12. Januar 2011; einen Status nach Abriss der distalen Bizepssehne links (Arbeitsunfall
09/2009); eine Fixation mit Mitek-Anker (09/2009); einen Status nach Reruptur und
Refixation, Hämatomausräumung, lange Wundheilungsstörung; eine Kapselreizung der
Kniegelenke beidseits, einen Erguss beidseits (links > rechts); eine posttraumatische
Gonarthrose rechts; chronische lumbovertebragene Schmerzen; eine mittelgradige
depressive Episode und eine Adipositas per magna (BMI 40 kg/m ). Der Versicherte sei
aufgrund der vorliegenden Schädigungen und Funktionsstörung beider Kniegelenke
erheblich handicapiert und unter Einbeziehung aller Störungen auf dem orthopädischen
Fachgebiet aktuell zu 0% arbeits- und leistungsfähig. Aus psychiatrischer Sicht
bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Den Beginn der Arbeitsunfähigkeit bezogen
auf die angestammte Tätigkeit legten die Gutachter auf den Unfallzeitpunkt am
12. Januar 2011 fest. Aufgrund seines instabilen Gesundheitszustands sei der
Versicherte derzeit nicht wiedereingliederungsfähig. Eine Nachuntersuchung in 1 bis
2 Jahren werde empfohlen (Gutachten vom 21. November 2014, IV-act. 219). Der RAD-
Arzt Dr. B._ hielt das Gutachten für umfassend und schlüssig. Den Beginn der
langdauernden Arbeitsunfähigkeit setzte er auf den 18. September 2009 fest
(Stellungnahme vom 4. Dezember 2014, IV-act. 223).
A.h.
2
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Mit Vorbescheid vom 12. März 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten eine
ganze Rente mit Wirkung ab 1. Januar 2012 in Aussicht (IV-act. 259). Der
Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsanwalt M. Bivetti, teilte dieser am 16. März
2015 mit, dass sein Mandant mit dem Vorbescheid einverstanden sei und auf einen
Einwand verzichte (IV-act. 260). Am 14. September 2015 verfügte die IV-Stelle im Sinn
des Vorbescheids (IV-act. 297) und zahlte dem Versicherten seither eine ganze Rente
aus (AK-act. 29 und AK-act. 45 ff.; zur im September 2015 erfolgten Auszahlung der
Renten für den Zeitraum vom 1. Januar 2012 bis 31. August 2015 siehe AK-act. 49-3 f.,
AK-act. 62 und AK-act. 68). Dagegen erhob der Versicherte am 16. Oktober 2015
Beschwerde. Er beantragte die Ausrichtung einer ganzen Rente ab November 2010 (IV-
act. 306-2 ff.). Das Versicherungsgericht hiess die Beschwerde mit Entscheid vom
9. April 2018, IV 2015/336, teilweise gut, hob die Verfügung vom 14. September 2015
auf, wies die Sache zur weiteren Abklärung im Sinn der Erwägungen und zur neuen
Verfügung an die IV-Stelle zurück (IV-act. 337).
A.i.
Med. pract. L._, Oberarzt an der Abteilung Innere Medizin am Spital G._,
berichtete am 25. Mai 2018, der Versicherte leide u.a. an: 1. einem chronisch
generalisierten Schmerzsyndrom bei rezidivierenden Arbeitsunfällen mit persistierenden
Knieschmerzen beidseits mit rezidivierenden massigen Ergüssen, mit einer
schmerzhaften Schultersteife rechts bei Status nach diversen Voreingriffen und mit
einem lumbosakralen Schmerzsyndrom; 2. einer mittelschweren bis schweren
depressiven Episode im Zusammenhang mit dem chronischen Schmerzsyndrom
(ICD-10: F32.0); 3. einer trikompartimentellen Gonarthrose rechts mit medialer
Meniskusläsion und Implantation einer Knie-Totalarthroplastik rechts bei
symptomatischer Gonarthrose des rechten Kniegelenks am 27. November 2017;
4. einer medial betonten Gonarthrose des linken Kniegelenks bei/mit Implantation einer
Knie-Totalarthroplastik links am 11. Mai 2016; 5. einer arteriellen Hypertonie; 6. einer
Adipositas Grad III. Nach der Implantation der Knie-Totalarthroplastik rechts am
27. November 2017 (zum Operationsbericht vom 29. November 2017 siehe IV-act. 358)
schildere der Versicherte immer noch etwas Schmerzen in diesem Bereich, vor allem
beim Anlaufen. Letztere verschwänden jedoch einige Sekunden nach
Bewegungsbeginn. Der Versicherte klage über leicht vermehrte Beschwerden bei
Bewegung der rechten Schulter, die sich jedoch im Alltag nur wenig auswirken würden
A.j.
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(IV-act. 344-2 ff.). Am 4. März 2019 berichtete med. pract. L._, der Versicherte habe
die am 4. Dezember 2018 durchgeführte proximale Magenbypassoperation gut
überstanden. Dieser sei äusserst zufrieden mit dem Verlauf (IV-act. 407-2).
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 16. und 22. Mai 2019 in der
medexperts ag polydisziplinär (orthopädisch, psychiatrisch und allgemeininternistisch)
begutachtet. Die Gutachterin und Gutachter stellten folgende Diagnosen, denen sie
eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimassen: 1. Belastungsschmerzen am
Kniegelenk rechts nach einer endoprothetischen Versorgung (ICD-10: M17.3);
2. Belastungsschmerzen am Kniegelenk «rechts» (richtig: links; siehe IV-act. 344-2)
nach einer endoprothetischen Versorgung (ICD-10: M17.1); 3. einen Abriss der distalen
Bicepssehne links bei einem Arbeitsunfall im September 2009 (ICD-10: S46.2) und eine
entzündliche Kapselverklebung an der rechten Schulter nach mehrfachen operativen
Eingriffen (ICD-10: M75.0). Die psychiatrische Gutachterin gelangte bezüglich der
rezidivierenden depressiven Störung zum Schluss, dass sie gegenwärtig remittiert sei
(ICD-10: F33.4). Bezogen auf den angestammten Beruf als Zimmermann wurde dem
Versicherten seit September 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Seit
April 2018 verfüge er bezogen auf eine leidensangepasste Tätigkeit über eine 70%ige
Arbeitsfähigkeit (Gutachten vom 1. Juli 2019, IV-act. 420, insbesondere IV-
act. 420-7 ff.). Am 9. Juli 2019 nahm RAD-Arzt Dr. B._ Stellung zum Gutachten der
medexperts ag. Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne darauf abgestellt werden
und es sei davon auszugehen, dass nach Ablauf des Wartejahres eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit für jede Tätigkeit bis März 2018 bestanden habe. Danach sei
bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen (IV-act. 422).
A.k.
Mit Vorbescheid vom 14. August 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Zusprache einer ganzen Rente vom 1. November 2010 bis 30. Juni 2018 und ab 1. Juli
2018 eine Viertelsrente in Aussicht (IV-act. 425). Dagegen erhob der Versicherte am
23. September 2019 Einwand (IV-act. 430), den er am 31. Oktober 2019 ergänzend
begründete (IV-act. 432). Er kritisierte das Gutachten der medexperts ag unter
verschiedenen Gesichtspunkten und hielt es nicht für beweiskräftig. In der
Stellungnahme vom 14. November 2019 setzte sich der RAD-Arzt Dr. B._ mit der
Kritik des Versicherten auseinander. Diese sei nicht stichhaltig und gestützt auf die
A.l.
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B.
gutachterliche Beurteilung könne ab April 2018 von einer gesundheitlichen
Verbesserung ausgegangen werden (IV-act. 433). Mit Verfügung vom 10. Januar 2020
sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab 1. Juli 2018 eine Viertelsrente zu
(IV-act. 440). Gleichentags erliess die IV-Stelle eine Verfügung, worin sie zu viel
ausgerichtete Rentenleistungen betreffend die Zeit vom 1. Juli 2018 bis 31. Januar
2020 im Gesamtbetrag von Fr. 3'547.-- zurückforderte (IV-act. 441). In beiden
Verfügungen ordnete sie an, dass einer dagegen gerichteten Beschwerde die
aufschiebende Wirkung entzogen werde.
Gegen die beiden Verfügungen vom 10. Januar 2020 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 17. Februar 2020. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren Auf
hebung und es sei ihm ab 1. November 2010 eine ganze Rente zuzusprechen.
Eventuell sei der Rentenanspruch ab 1. Oktober 2019 auf mindestens eine
Dreiviertelsrente anzupassen. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung
zuzusprechen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Im Wesentlichen rügt der
Beschwerdeführer eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör, weil ihm
die RAD-Stellungnahme vom 14. November 2019 vor Verfügungserlass nicht zur
Kenntnis gebracht und auch nicht der Rentenverfügung beigelegt worden sei. Die
Gehörsverletzung könne geheilt werden, sei jedoch bei der Verteilung der Kostenfolgen
zu berücksichtigen. Bei der Beauftragung der medexperts ag habe die
Beschwerdegegnerin - wenn auch unter Anweisung des Versicherungsgerichts - die
Bestimmungen von Art. 77 IVV unterlaufen. Deren Gutachten leide an verschiedenen
Mängeln. Zudem rügt der Beschwerdeführer die von der Beschwerdegegnerin für die
Bestimmung des Invaliditätsgrads ermittelten Vergleichseinkommen. Hinzu komme,
dass die Rückforderungsverfügung der am Folgetag zugestellten Steuerbescheinigung
widerspreche (act. G 1).
B.a.
bis
In der Stellungnahme Fachbereich vom 2. März 2020 führt der zuständige
Teamleiter AHV/IV-Leistungen aus, aus unerklärlichen Gründen sei bei der
Rentenzusprache irrtümlicherweise nur die Herabsetzung ab Juli 2018 verarbeitet
worden. Weil der «IV-Eintritt» von bisher 12. Januar 2012 auf neu 18. September 2010
zurückversetzt worden sei, würden sich auch die Berechnungsgrundlagen (Einkommen
B.b.
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und Beitragsdauer) und dadurch die Rentenbeträge ändern. Aufgrund dessen bestehe
Anspruch auf tiefere Rentenbeträge, was zu einer höheren Rückforderung für die zu viel
ausgerichteten Rentenbetreffnisse von November 2010 bis und mit Februar 2020 führe
(insgesamt Fr. 5'639.--). Infolge Schlechterstellung sei eine reformatio in peius
anzukündigen (IV-act. 450).
In der Beschwerdeantwort vom 2. April 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin,
die Beschwerde sei teilweise gutzuheissen und es seien dem Beschwerdeführer
aufgrund der Zusprache einer ganzen Invalidenrente von November 2010 bis und mit
Juni 2018 die entsprechenden Rentenbeträge nachzuzahlen. Im Übrigen sei die
Beschwerde abzuweisen. Dem Beschwerdeführer sei betreffend die berechneten
Rentenbeträge eine reformatio in peius anzudrohen. Die Beschwerdegegnerin macht
im Wesentlichen geltend, dass das Gutachten der medexperts ag, insbesondere die
darin festgestellte gesundheitliche Verbesserung ab April 2018, vollumfänglich
beweiskräftig sei. Des Weiteren hält sie die Kritik des Beschwerdeführers an der Höhe
der ab April 2018 bescheinigten 70%igen Arbeitsfähigkeit bezogen auf
leidensangepasste Tätigkeiten und an der Höhe der Vergleichseinkommen für nicht
stichhaltig. Dass die RAD-Stellungnahme vom 14. November 2019 dem
Beschwerdeführer nicht vorgängig zur Kenntnis gebracht worden sei, sei zwar auf ein
Versehen zurückzuführen, begründe indessen keine Verletzung seines Anspruchs auf
rechtliches Gehör. Zur weiteren Begründung betreffend die Rentenbeträge und die
Rückforderung verweist die Beschwerdegegnerin auf die Stellungnahme des
Fachbereichs vom 2. März 2020 (act. G 6).
B.c.
Der Beschwerdeführer hält in der Replik vom 17. August 2020 - «trotz nicht aus
zuschliessender reformatio in peius» - unverändert an den Beschwerdeanträgen fest
(act. G 12).
B.d.
Am 26. August 2020 wird dem Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtspflege für das Verfahren vor Versicherungsgericht
entsprochen (act. G 13).
B.e.
Das Versicherungsgericht teilt den Parteien mit Schreiben vom 26. August 2020
mit, dass die angefochtenen Verfügungen an verschiedenen Mängeln leiden würden
B.f.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist einerseits der Renten
anspruch sowie die von der Beschwerdegegnerin angeordnete Rückforderung von zu
viel ausgerichteten Rentenbetreffnissen. Die Voraussetzungen für eine zeitliche
Ausdehnung des Streitgegenstands über den gesamten zurückliegenden
rentenrelevanten Zeitraum sind erfüllt (vgl. hierzu etwa das Urteil des Bundesgerichts
vom 15. Oktober 2015, 9C_540/2015, E. 3.1 mit Hinweisen). Mit der Ausdehnung des
Streitgegenstands zeigen sich die Parteien denn auch einverstanden (Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 3. September 2020, act. G 15, und des Beschwerdeführers
vom 15. September 2020, act. G 17). Bezüglich der für einen Rentenanspruch
massgeblichen Rechtsgrundlagen ist auf die Erwägungen 1.1 ff. des Entscheids des
Versicherungsgerichts vom 9. April 2018, IV 2015/336, zu verweisen (IV-act. 337).
2.
(unzulässiger unvollständiger zeitlich gestaffelter Verfügungserlass; Missachtung der
Vorbescheidspflicht bei Erlass der Rückforderungsverfügung und dadurch begründete
Verletzung des rechtlichen Gehörs; Entzug der aufschiebenden Wirkung einer
Beschwerde gegen die Rückforderungsverfügung). Aus prozessökonomischen
Gründen sehe es vor, die Mängel im Beschwerdeverfahren zu heilen, den
Streitgegenstand in zeitlicher Hinsicht auszudehnen und in der Sache zu entscheiden
(act. G 14).
In der Stellungnahme vom 3. September 2020 zeigt sich die Beschwerdegegnerin
mit dem vom Versicherungsgericht vorgeschlagenen Vorgehen einverstanden. Sie
werde am Entzug der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gegen die
Rückforderungsverfügung nicht festhalten. Auf eine Duplik verzichte sie (act. G 15).
B.g.
Der Beschwerdeführer zeigt sich mit dem vom Versicherungsgericht
vorgeschlagenen Vorgehen ebenfalls einverstanden (Schreiben vom 15. September
2020, act. G 17). Dessen Rechtsvertreter reicht am 15. September 2020 eine
Kostennote für die anwaltlichen Bemühungen vom 1. Mai 2018 bis 15. September 2020
ein (act. G 17.1).
B.h.
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Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob der Sachverhalt mit dem polydisziplinären
Gutachten der medexperts ag vom 1. Juli 2019 nunmehr als spruchreif abgeklärt gelten
kann.
Der Beschwerdeführer rügt, dass die Beschwerdegegnerin die medexperts ag mit
der vom Versicherungsgericht mit Entscheid vom 9. April 2018, IV 2015/336,
angeordneten medizinischen Abklärung beauftragt habe (act. G 1, Rz 16). Das
Versicherungsgericht ordnete an, dass die MEDAS Ostschweiz mit der neuerlichen
medizinischen Abklärung zu beauftragen sei (E. 4 des Entscheids; IV-act. 337-12).
Diese Anordnung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Die medexperts ag ist die
Nachfolgerin der MEDAS Ostschweiz als vom Bundesamt für Sozialversicherung
zugelassene Gutachterstelle («Stiftung MEDAS Ostschweiz, [...] (seit 1. 1. 2015:
medexperts ag»; SuisseMED@P Reporting 2014, S. 5). Vor diesem Hintergrund ist
deren Beauftragung mit der polydisziplinären (Verlaufs-)Beurteilung nicht zu
beanstanden.
2.1.
Des Weiteren bemängelt der Beschwerdeführer, dass im medexperts-Gutachten
von einer bereits im April 2018 eingetretenen gesundheitlichen Verbesserung
ausgegangen werde (act. G 1, Rz 18).
2.2.
Gestützt auf die Konsultation vom 24. April 2018 berichtete med. pract. L._ am
25. Mai 2018, der Beschwerdeführer sei mit der Schmerztherapie «sehr stabil
eingestellt» und habe sich in «ordentlich gutem Allgemeinzustand» präsentiert. Die von
ihm geschilderten Schmerzen im rechten Knie würden vor allem beim Anlaufen
auftreten, jedoch einige Sekunden nach Bewegungsbeginn wieder verschwinden (IV-
act. 344-3 unten). Bereits im Bericht vom 22. März 2018 zeigte sich der
Beschwerdeführer mit dem 2016 implantierten linken Kniegelenk zufrieden und gab
betreffend das rechte Kniegelenk an, «im Prinzip schmerzarm zu sein». Nur nach
längeren Belastungen käme es noch zu einem medialen und lateralen Ziehen (IV-
act. 355-3). In der Folge verschlechterten sich die Knieleiden nicht wieder (siehe den
Bericht vom 6. Dezember 2018, IV-act. 405; eine Verschlechterung kann auch nicht der
bildgebenden Abklärung vom 22. Mai 2019 entnommen werden, IV-act. 421-4). Diese
echtzeitlich ergangenen Aktenhinweise auf eine erhebliche Verbesserung der
Knieleiden des Beschwerdeführers bestätigen die gutachterliche Einschätzung.
2.2.1.
Hinzu kommt, dass die Verlaufsbeurteilung der medexperts-Gutachterin und -
Gutachter plausibel erscheint. Insbesondere die vom orthopädischen Gutachter
vertretene Auffassung, dass sich die orthopädischen Beschwerden nach der
endoprothetischen Versorgung am Kniegelenk beidseits soweit stabilisiert hätten, dass
2.2.2.
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eine gewisse Restarbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ab April 2018
bestehe (IV-act. 420-25; siehe auch IV-act. 420-23), leuchtet ein und ist mit den
Vorakten vereinbar (siehe hierzu vorstehende E. 2.2.1; zur überzeugenden, vom
Beschwerdeführer nicht substanziiert bemängelten Verlaufsbeurteilung der
psychiatrischen Gutachterin siehe IV-act. 420-31 f.).
Der Beschwerdeführer beanstandet, dass die Verortung der Kniebeschwerden
links und rechts wiederholt falsch vorgenommen worden sei (act. G 1, Rz 18). Diese
Kritik ist berechtigt, geht jedoch in einem blossen redaktionellen Versehen auf und
vermag deshalb die gutachterliche Beurteilung nicht ernsthaft in Zweifel zu ziehen. So
geht denn auch aus der näheren Umschreibung der an zweiter Stelle genannten
Diagnose hervor, dass es sich entgegen der Beschreibung «Kniegelenk rechts» um das
linke Knie handelt («Z.n. 2-maligen arthroskopischen Eingriff am Kniegelenk links [...]»,
IV-act. 420-7). Der orthopädische medexperts-Gutachter nahm auch die Schilderung
des Beschwerdeführers korrekt auf, dass seine Beschwerden beide Knie beträfen (IV-
act. 420-13), und er vertrat die Auffassung, dass die belastungsabhängigen
Beschwerden am Kniegelenk «beidseits» im Vordergrund stehen würden (IV-
act. 420-14 oben; siehe auch zu den «objektivierbaren Befunden im Bereich der Knie
beidseits», IV-act. 420-18 und IV-act. 420-21). Auch im Rahmen der
Verlaufsbeurteilung berücksichtigte er die endoprothetische Versorgung am Kniegelenk
«beidseits» (IV-act. 420-25; siehe auch IV-act. 420-23).
2.3.
Ausserdem bringt der Beschwerdeführer vor, das Leiden an der rechten Schulter
sei nicht korrekt beurteilt worden (act. G 1, Rz 19). Die chronischen
lumbovertebragenen Schmerzen bei Wirbelsäulenfehlhaltung, die Diskushernie,
Osteochondrose und die fortgeschrittene Spondylarthrose seien bei der Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit zu Unrecht ausser Acht gelassen worden (act. G 1, Rz 19, und act.
G 12, Rz 4). Zudem seien auch die Adipositas per magna und deren Auswirkungen auf
die Gesamtsituation nur ungenügend erfasst worden (act. G 1, Rz 22 f., act. G 12
Rz 2 ff.).
2.4.
Bei seiner Kritik an der Bestimmung der Diagnose für das Leiden an der rechten
Schulter (act. G 1, Rz 19 am Anfang) übersieht der Beschwerdeführer, dass der ortho
pädische Gutachter u.a. ein «deutliches Anzeichen eines Impingements» festhielt (IV-
act. 420-19 oben). Im Übrigen kann die korrekte Diagnosestellung letztlich
offenbleiben. Von Bedeutung ist nämlich, dass der Beschwerdeführer bereits am
24. April 2018 med. pract. L._ berichtete, dass er (lediglich) leicht vermehrte
Beschwerden bei Bewegung der rechten Schulter verspüren würde, die sich im Alltag
2.4.1.
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jedoch nur wenig auswirken würden (IV-act. 334-3). Daraus ist zu schliessen, dass die
Schulterschmerzen belastungsabhängig sind und die Funktionsfähigkeit weder im
Alltag noch im Rahmen einer leidensangepassten Tätigkeit relevant beeinträchtigen.
Zudem trug der orthopädische Gutachter den chronischen Schulterschmerzen im
Rahmen der Beurteilung der Belastungsfähigkeit Rechnung (IV-act. 420-14 oben, IV-
act. 420-18, IV-act. 420-21 und IV-act. 420-23 Mitte; zur Befunderhebung bei der
Untersuchung der rechten Schulter siehe IV-act. 420-19). Im Übrigen wurden im
Rahmen der medexperts-Begutachtung am 22. Mai 2019 bildgebende Abklärungen der
rechten Schulter vorgenommen, was die Sorgfältigkeit der Schulterabklärung
unterstreicht (IV-act. 421-3).
Der Beschwerdeführer legt weder substanziiert dar noch ist erkennbar, inwiefern
die Adipositas per magna die Arbeitsfähigkeit bezogen auf leidensangepasste
Tätigkeiten über den April 2018 hinaus bis zum Magenbypass erheblich beeinträchtigt
hätte. Aus den Akten geht vielmehr hervor, dass sich die Knieleiden nach den
implantierten Prothesen unabhängig von der damaligen Adipositas erheblich
verbesserten (siehe vorstehende E. 2.2.1) und - wenn überhaupt - höchstens bei
vermehrter Belastung Schmerzen am rechten Kniegelenk auftraten (IV-act. 405-1).
Anschaulich ist diesbezüglich, dass dem Beschwerdeführer bereits 8 Wochen nach der
am 27. November 2017 eingesetzten Knietotalarthroplastik rechts - trotz des damaligen
massiven Übergewichts - eine sukzessive Vollbelastung zugemutet worden war (IV-
act. 356).
2.4.2.
Bezüglich der vom Beschwerdeführer erwähnten Befunde an der Wirbelsäule gilt
es zu beachten, dass diese offenbar nicht zu einer relevanten belastungsunabhängigen
Funktionseinbusse führen, was sich auch seinen Leidensangaben anlässlich der
Begutachtung entnehmen lässt (IV-act. 420-13). Vor diesem Hintergrund und da sich
aus den übrigen Akten nichts Gegenteiliges ergibt, überzeugt die Einschätzung des
orthopädischen medexperts-Gutachters, dass (nur, aber immerhin) leichte
belastungsabhängige Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule bestehen (IV-
act. 420-14 oben; vgl. auch IV-act. 420-21). Dies gilt umso mehr, als
Wirbelsäulenbeschwerden in der gutachterlichen Erstbeurteilung der Arbeitsfähigkeit
vom 21. November 2014 ebenfalls nicht im Vordergrund standen (siehe IV-
act. 219-55 f.) und sich eine relevante Verschlechterung des Wirbelsäulenleidens weder
den Ausführungen des Beschwerdeführers noch den medizinischen Akten entnehmen
lässt. Der orthopädische medexperts-Gutachter hielt denn auch schlüssig fest, die
ausschliesslich belastungsabhängigen Beschwerden der Lendenwirbelsäule seien
weitgehend unverändert im Vergleich zur Begutachtung 2014 (IV-act. 420-21).
2.4.3.
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Bei der Würdigung des polydisziplinären medexperts-Gutachtens fällt ausserdem
ins Gewicht, dass es auf umfassenden medizinischen Abklärungen beruht, das
gesamte Leidensbild des Beschwerdeführers berücksichtigte und dieses schlüssig
interdisziplinär eingeschätzt wurde. Zudem leuchten die Beurteilung des
Gesundheitsschadens und der Arbeitsfähigkeit sowie die retrospektive
Verlaufsbeurteilung ein und sind mit den übrigen medizinischen Akten vereinbar.
Ergänzend kann auf die zutreffenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin
verwiesen werden (act. G 6, IV. Rz 3b f.). Gestützt auf die medexperts-Beurteilung und
die RAD-Stellungnahme vom 9. Juli 2019 (IV-act. 422) ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die andauernde Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers im September 2009 begann, und bis März 2018 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit für jede Tätigkeit bestand. Ab April 2018 ist von einer 70%igen
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen (IV-act. 420-9). Die
30%ige Arbeitsunfähigkeit wurde mit einem um «ca. 2-2,5» Stunden erhöhten
Pausenbedarf begründet und auf einen achtstündigen Arbeitstag bezogen. Es bleibt
unklar, ob die medexperts-Gutachterin und -Gutachter von einem gesundheitsbedingt
(leicht) reduzierten täglichen Arbeitspensum ausgingen oder der Meinung waren, ein
achtstündiger Arbeitstag entspreche einem 100%igen Beschäftigungsgrad. Von
weiteren Abklärungen kann indessen abgesehen werden. Denn selbst wenn zugunsten
des Beschwerdeführers von einem im Vergleich zur statistischen durchschnittlichen
täglichen Arbeitszeit von 8.34 Stunden (Tabelle betriebsübliche wöchentliche
Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total, gemäss Bundesamt für Statistik
41.7 Stunden / 5) ausgegangen würde, bliebe dies ohne Auswirkung auf die Höhe des
Rentenanspruchs. Würde eine reduzierte Präsenz von 0.34 Stunden zum Mittelwert des
gutachterlich bescheinigten Pausenbedarfs von 2.25 Stunden hinzugerechnet (zur
Massgabe des Mittelwerts einer Bandbreite siehe etwa Urteil des Bundesgerichts vom
15. April 2020, 9C_782/2019, E. 2.2), resultierte für die Zeit ab April 2018 bezogen auf
eine durchschnittliche tägliche Arbeitszeit eine zeitliche Beeinträchtigung von
2.59 Stunden. Daraus ergäbe sich eine Arbeitsunfähigkeit von 31% (2.59 Stunden /
8.34 Stunden) und folglich eine Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten von
69%.
2.5.
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3.
Zu prüfen ist des Weiteren die zwischen den Parteien umstrittene Höhe der
Vergleichseinkommen.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Massgebend ist der Zeitpunkt des
frühestmöglichen (allfälligen) Rentenbeginns (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Januar
2021, 8C_720/2020, E. 8.1).
3.1.
Für den Zeitraum, in dem der Beschwerdeführer über keine Restarbeitsfähigkeit
mehr verfügte (spätestens ab September 2010 bis April 2018; IV-act. 422), kann die
konkrete Bestimmung der Vergleichseinkommen offenbleiben, da bei einem
Invalideneinkommen von Fr. 0.-- der Invaliditätsgrad immer 100% beträgt.
3.2.
Eine konkrete Bestimmung der Vergleichseinkommen ist allerdings für die
Berücksichtigung der im April 2018 wiedererlangten 70% bzw. 69%igen
Restarbeitsfähigkeit erforderlich. Dabei gilt es nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zu beachten, dass bei der rückwirkenden Zusprechung einer
abgestuften oder befristeten Rente die Revisionsbestimmungen (Art. 17 Abs. 1 ATSG)
analog anzuwenden sind (BGE 133 V 264 E. 6.1 mit Hinweisen), weil noch vor Erlass
der ersten Rentenverfügung eine anspruchsbeeinflussende Änderung eingetreten ist,
mit der Folge, dass dann gleichzeitig die Änderung mitberücksichtigt wird.
3.3.
Der Beschwerdeführer reiste im April 2009 in die Schweiz ein (IV-act. 1-1). Im
gleichen Jahr trat die anhaltende Arbeitsunfähigkeit ein (siehe IV-act. 422). Der Auszug
aus dem Individuellen Konto (IV-act. 27) enthält deshalb keine aussagekräftigen
Angaben zur Erwerbsfähigkeit bzw. zum Valideneinkommen des Beschwerdeführers.
Die Beschwerdegegnerin ermittelte gestützt auf dem mit der M._ AG vereinbarten
Stundenlohn von Fr. 30.98 unter zusätzlicher Berücksichtigung eines 13. Monatslohns
für das Jahr 2009 ein Valideneinkommen von Fr. 78'532.-- (IV-act. 435-3 oben).
Obschon das Arbeitsverhältnis mit der M._ AG nicht von längerer Dauer war, kann
darauf abgestellt werden, da keine Gründe ersichtlich sind, dass dieser Verdienst nicht
der Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers im Gesundheitsfall entsprochen hätte.
3.3.1.
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Allerdings ist zu beachten und das wurde von der Beschwerdegegnerin bei ihrer
Berechnung übersehen, dass für das Jahr 2010 ein höherer Stundenlohn von Fr. 31.63
vereinbart war (IV-act. 23-1). Daraus resultiert ein Jahresverdienst von Fr. 74'014.20
(Fr. 31.63 x 45 Arbeitsstunden x 52 Wochen) bzw. unter Berücksichtigung des
13. Monatslohns von Fr. 80'182.-- ([Fr. 74'014.20 / 12] x 13). Die Beschwerdegegnerin
liess die Ferien- und Feiertagsentschädigung zu Recht unberücksichtigt, da sie
zugunsten des Beschwerdeführers bei ihrer Berechnung die feiertags- und
ferienbedingten Arbeitsausfälle ausklammerte und sämtliche Werktage als Arbeitstage
berücksichtigte. Angepasst an die bis April 2018 eingetretene Nominallohnentwicklung
beträgt das Valideneinkommen im Jahr 2018 abgerundet Fr. 84'245.--
(Nominallohnindex, Männer 2010: 2151; 2018: 2260; siehe Tabelle des Bundesamts für
Statistik T 39 Entwicklung der Nominallöhne).
Der Beschwerdeführer verfügt nicht mehr über eine Arbeitsfähigkeit für seine
angestammte Tätigkeit. Es ist deshalb der Bestimmung des Invalideneinkommens der
vom Bundesamt für Statistik im Rahmen der Lohnstrukturerhebung ermittelte
Medianlohn für Hilfsarbeiter heranzuziehen. Dieser betrug im Jahr 2017 Fr. 67'102.--
(siehe hierzu Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle
AHV/IV, Ausgabe 2019), womit für das Jahr 2018 unter Berücksichtigung einer
Nominallohnentwicklung von + 0.5% ein Valideneinkommen von aufgerundet
Fr. 67'438.-- resultiert. Bei Berücksichtigung einer 70%igen Restarbeitsfähigkeit und
des von der Beschwerdegegnerin gewährten 10%igen Tabellenlohnabzugs (IV-
act. 435-3) resultieren ein Invalideneinkommen von Fr. 42'486.-- (Fr. 67'438.-- x 0.7
x 0.9) und ein Invaliditätsgrad von 49.56% ([Fr. 84'245.-- - 42'486.--] / Fr. 84'245.--)
bzw. von aufgerundet 50% (siehe zu den Rundungsregeln BGE 130 V 121 ff.). Würde
zugunsten des Beschwerdeführers von einer 69%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen
und der nach der Rechtsprechung höchstzulässige Tabellenlohnabzug von 25%
gewährt (BGE 126 V 75), würden das Invalideneinkommen Fr. 34'899.-- (Fr. 67'438.--
x 0.69 x 0.75) und der Invaliditätsgrad aufgerundet 59% ([Fr. 84'245.-- - Fr. 34'899.--] /
Fr. 84'245.--) betragen. So oder anders resultiert ein Anspruch auf eine halbe Rente
(Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]),
weshalb die Frage offenbleiben kann, ob der von der Beschwerdegegnerin gewährte
Tabellenlohnabzug von 10% zu erhöhen ist.
3.3.2.
Zwischen den Parteien ist inzwischen zu Recht unbestritten, dass mit Blick auf den
Beginn der langandauernden Arbeitsunfähigkeit im September 2009 das Wartejahr
(Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) im September 2010 erfüllt war, der Anspruch auf eine ganze
Rente (siehe hierzu vorstehende E. 3.2) infolge der am 3. Mai 2010 erfolgten
3.4.
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4.
Die Korrektur der Rentenverfügung vom 10. Januar 2020 mit der Herabsetzung des
Anspruchs auf eine halbe Rente erst ab 1. August 2018 (anstatt ab 1. Juli 2018) und
anschliessendem Anspruch auf eine halbe Rente (statt auf eine Viertelsrente) hat
direkten Einfluss auf die Höhe der Rückforderung. Die angefochtene
Rückforderungsverfügung vom 10. Januar 2020 ist daher ebenfalls aufzuheben und die
Sache zur neuen Berechnung der Rückforderung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Ob im Rahmen der Neuberechnung der Rückforderung für den
rechtskundig vertretenen Beschwerdeführer die Gefahr eine Schlechterstellung
besteht, kann offenbleiben, da er «trotz nicht auszuschliessender reformatio in peius»
an den Beschwerdeanträgen bzw. den Beschwerden festhielt (act. G 12, Rz 1).
5.
Anmeldung (IV-act. 1) allerdings erst am 1. November 2010 entstand (Art. 29 Abs. 1
IVG). Die im Verlauf des Aprils 2018 eingetretene Verbesserung des
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers führt in Nachachtung der dreimonatigen
Anpassungsfrist gemäss Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201) ab 1. August 2018 zu einem Anspruch auf eine halbe Rente.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Rentenverfügung vom 10. Januar
2020 aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. November 2010 bis
31. Juli 2018 eine ganze und ab 1. August 2018 eine halbe Rente zuzusprechen. Zur
Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistungen ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Rückforderungsverfügung vom
10. Januar 2020 aufzuheben und die Sache zur Neuberechnung einer Rückforderung
im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (vgl. betreffend Überklagung den
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 1. April 2016, IV
2014/126, E. 6.2 mit Hinweis), zumal auch die Heilung der verschiedenen
Verfahrensmängel (siehe hierzu die Ausführungen des Versicherungsgerichts im
Schreiben vom 26. August 2020, act. G 14) bei der Verlegung der Kosten- und
5.3.
bis
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