Decision ID: 09bd3458-cb6d-4c90-a410-68826d1af375
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Entscheid Verwaltungsgericht, 27.04.2016 Personalrecht, Forderung aus Arbeitsverhältnis (missbräuchliche Kündigung), Art. 21 Abs. 1 und 2 lit. c und d PersG, Art. 25 Abs. 3 PersG in Verbindung mit Art. 336 Abs. 1 lit. b und Art. 328 OR, Art. 10 EMRK, Art. 16 Abs. 2 BV, Art. 2 ZGB. Die Berufung des Klägers auf die Meinungsäusserungsfreiheit vermag seine Treuepflichtverletzungen gegenüber dem Beklagten nicht zu rechtfertigen, zumal ihn als leitenden Angestellten eine erhöhte Treuepflicht traf. Soweit die Sachverhaltsdarstellung des Beklagten im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens zum II. Nachtrag zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Berufsbildung gegenüber dem Kantonsrat und der Öffentlichkeit überhaupt einer Berichtigung bedurfte, hätte der Kläger eine solche auf dem internen Dienstweg veranlassen können (E. 3.3 f.). Die Art und Weise, wie der Beklagte sein Kündigungsrecht ausübte, war nicht missbräuchlich. Dem Beklagten kann nicht vorgeworfen werden, er hätte den Eindruck erweckt, dass sich der Kläger schwerwiegender Vergehen schuldig gemacht habe (E. 3.5), (Verwaltungsgericht, K 2014/3). Entscheid vom 27. April 2016
Besetzung
Präsident Eugster; Verwaltungsrichter Linder, Heer, Bietenharder, Zindel;
Gerichtsschreiber Bischofberger
Verfahrensbeteiligte
X.Y.,
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Kläger,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Paul Rechsteiner, Oberer Graben 44, 9000 St.
Gallen,
gegen
Kanton St. Gallen, Gewerbliches Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen,
Demutstrasse 115, 9015 St. Gallen,
Beklagter,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. oec. Hubert Bühlmann, Museumstrasse 35, Postfach
41, 9004 St. Gallen,
Gegenstand
Forderung aus Arbeitsverhältnis (missbräuchliche Kündigung)
Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. wurde per 1. August 2010 am Gewerblichen Berufs- und
Weiterbildungszentrum St. Gallen (nachstehend: GBS), einer kantonalen
Berufsfachschule im Sinne von Art. 9 Abs. 1 und 2 des Einführungsgesetzes zur
Bundesgesetzgebung über die Berufsbildung (sGS 231.1, EG-BB) in Verbindung mit
Art. 12 der kantonalen Berufsbildungsverordnung (sGS 231.11, SG BBV), mit einem
Beschäftigungsgrad von 100 % als Abteilungsleiter der Schule für Gestaltung
Weiterbildung zu einem Lohn von monatlich Fr. 10‘744.90 angestellt (act. 2/2 und 16).
In den Zuständigkeitsbereich der Abteilung Schule für Gestaltung Weiterbildung des
GBS fällt unter anderem der gestalterische Vorkurs für Erwachsene (vgl. Organigramm
Weiterbildung, www.gbssg.ch).
B.
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Am 30. September 2011 stellte das Rektorat der GBS fest, dass aus dem von X.Y.
erstellten Budget für das Typografie-Symposium (Tÿpo St. Gallen 2011) ein Defizit von
Fr. 30‘051.35 resultierte (act. 5/3). Am 26. Oktober 2011 konstatierte es, dass sich
zusätzlich zum Verlust bei der Tÿpo St. Gallen 2011 im nicht subventionierten
Angebotsbereich der Schule für Gestaltung Weiterbildung, in welchem X.Y. über die
Durchführung der jeweiligen Kurse entschieden habe, wegen der Verwendung
veralteter Kalkulationsansätze, der Nichtberücksichtigung von Rabatten für Frühbucher
und Lernende sowie den zu optimistischen Teilnehmerzahlen bei der Budgetierung ein
Fehlbetrag von rund Fr. 37‘000.-- ergab (act. 5/4). Es erliess deshalb die Weisung, dass
fortan sämtliche Durchführungsentscheide aller Angebote der Schule für Gestaltung
Weiterbildung nicht mehr von X.Y., sondern von der Bereichsleiterin Weiterbildung/
Brückenangebote des GBS getroffen würden. Anlässlich des Standortgesprächs vom
7. November 2011 wurde die Arbeitsqualität von X.Y. bei der Standardaufgabe
„Kalkulation der Angebote und Verantwortung für den betriebswirtschaftlichen Erfolg.
Abteilungsbudget überwachen und kontrollieren.“ mit der Beurteilungsstufe „D“ – nicht
ausreichend – qualifiziert. Gesamthaft wurde ihm attestiert, seine Abteilung gut zu
führen (act. 8/17).
C.
Mit Entscheid VerwGE B 2011/180 vom 1. Mai 2012 (www.gerichte.sg.ch) hiess das
Verwaltungsgericht eine Beschwerde gegen die Gebühr für den gestalterischen Vorkurs
für Erwachsene am GBS gut. Dabei hielt es fest, dass eine gesetzliche Grundlage für
eine Gebühr fehle.
D.
Anlässlich des Standortgesprächs vom 21. Februar 2013 wurde X.Y. zugutegehalten,
seine Abteilung engagiert und mit Herzblut zu führen, wobei die operative
Führungsarbeit und die Organisation seiner Abteilung eine spürbare Herausforderung
darstelle. Die Standardaufgabe „Kalkulation der Angebote und Verantwortung für den
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betriebswirtschaftlichen Erfolg. Abteilungsbudget überwachen und kontrollieren“ wurde
mit der Beurteilungsstufe „C“ – genügend – bewertet (act. 8/18). Gemäss der
Aktennotiz der Bereichsleiterin Weiterbildung/Brückenangebote des GBS vom 23. April
2013 (act. 5/11) teilte ihr der Präsident der Interessengemeinschaft Lehrpersonen (ILG)
am 19. März 2013 mit, dass sich kein Lehrervertreter für die Bereichskonferenz
Weiterbildung/Brückenangebote (BEKO II, vgl. Art. 10 des Schulreglements des GBS,
www.gbssg.ch) finden lasse, solange „das Problem X.Y.“ nicht gelöst sei. Die
Kommunikation und die Führungsarbeit von X.Y. würden als unzureichend angesehen.
E.
Am 13. August 2013 beschloss die Regierung die Botschaft und den Entwurf des II.
Nachtrags zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Berufsbildung.
Darin wird festgehalten, dass am gestalterischen Vorkurs für Erwachsene nicht nur
angehende Studierende, sondern auch an Gestaltungsprozessen interessierte
Erwachsene teilnähmen, welche nicht beabsichtigten, anschliessend ein
weiterführendes Studium zu absolvieren (act. 2/4, www.ratsinfo.sg.ch). Am 24. August
2013 teilte der Rektor der GBS X.Y. mit, er habe den Amtsleiter des Amtes für
Berufsbildung darauf hingewiesen, dass bedeutend mehr Abgänger des
gestalterischen Vorkurses für Erwachsene eine Hochschule besuchen würden als in der
Botschaft dargestellt (act. 5/14).
F.
Am 26. August 2013 (act. 5/7 f.) eröffnete der Rektor der GBS X.Y. eine Ermahnung mit
Kündigungsandrohung. Darin werden X.Y. massive Kompetenzüberschreitungen,
Pflichtverletzungen und die Unterlassung einer proaktiven und transparenten
Kommunikation im Zusammenhang mit dem Durchführungsentscheid für den Lehrgang
„HF Fotografie“ mit Start im August 2013 vorgeworfen, welche zu einem Defizit von
Fr. 113‘760.-- (vgl. act. 5/5), zum Vertrauensbruch mit der Bereichsleiterin
Weiterbildung/Brückenangebote des GBS, zu unverhältnismässigem
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Managementaufwand auf Schulleitungsebene, zur Aufdeckung von sehr
widersprüchlichen Aussagen bezüglich dem Vorbereitungsprozess des Lehrgangs, zu
einem für die Schulleitung nicht nachvollziehbaren und verantwortungslosen Verhalten
von X.Y. als Führungsperson und zur Infragestellung von klar definierten Standards im
Prozess der Lehrgangsorganisation geführt hätten. Um eine qualitativ gute, verlässliche
und vertrauensvolle Zusammenarbeit gemäss Stellenprofil zu erreichen, forderte der
Rektor X.Y. unter anderem auf, ab sofort keine Kompetenzüberschreitungen mehr zu
begehen. Gleichzeitig setzte er ihm eine Bewährungsfrist bis Ende Juni 2014 an, um
seine Führungsarbeit gestützt auf das laufende Coaching (vgl. Rechnung vom 22.
Oktober 2013, act. 11/23) in Zusammenarbeit mit der Bereichsleiterin Weiterbildung/
Brückenangebote des GBS erfolgreich und ohne Mängel umzusetzen.
G.
Am 24./25. September 2013 teilte X.Y. dem Amt für Berufsbildung in Absprache mit
dem Rektorat des GBS mit, der gestalterische Vorkurs für Erwachsene diene der
Vorbereitung auf ein Studium (act. 2/6 und 5/15). Am 26. September 2013 bestätigte
ihm die juristische Stabsmitarbeiterin des Amtes für Berufsbildung, dass der
zuständige Regierungsrat die statistischen Aussagen in der Botschaft zum II. Nachtrag
zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Berufsbildung in seinem
Eintretensreferat vor der vorberatenden Kommission des Kantonsrates richtigstellen
werde (act. 2/6). Auf Anfrage der juristischen Stabsmitarbeiterin des Amtes für
Berufsbildung hielt der Rektor des GBS am 22. Oktober 2013 nochmals fest, dass der
gestalterische Vorkurs für Erwachsene auf eine Ausbildung an einer gestalterischen
Hochschule vorbereite und nicht in erster Linie der allgemeinen Weiterbildung diene.
Gleichzeitig beantrage er, im Rahmen der vorberatenden Kommission Art. 27a
Abs. 2 EG-BB des Entwurfs der Regierung vom 13. August 2013 entsprechend
anzupassen (act. 5/16).
H.
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Am 28. Oktober 2013 beriet die vorberatende Kommission über den II. Nachtrag zum
Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Berufsbildung und erliess zu
Art. 27a des Entwurfs der Regierung einen Änderungsantrag (vgl. Antrag vom
28. Oktober 2013 und Protokoll vom 31. Oktober 2013 der vorberatenden Kommission,
www.ratsinfo.sg.ch). Am 31. Oktober 2013 erging eine Pressemitteilung der
vorberatenden Kommission zum II. Nachtrag zum Einführungsgesetz zur
Bundesgesetzgebung über die Berufsbildung (act. 2/7). Darin hält die vorberatende
Kommission fest, dass der gestalterische Vorkurs für Erwachsene hauptsächlich als
Vorbereitung (Propädeutikum) auf ein Fachhochschulstudium diene und sich die
Mehrheit der Kommission für ein kostendeckendes Schulgeld von Fr. 14‘000.--
(Vollzeit) resp. Fr. 18‘000.-- (berufsbegleitend) ausgesprochen habe. Dies entspreche
dem Preis, wie ihn auch andere Kantone, namentlich Zürich, Basel und Luzern,
verlangen würden. Der Vorkurs in Form des Propädeutikums berechtige zu Stipendien.
Am 31. Oktober 2013 teilte X.Y. ohne Rücksprache mit dem Rektorat des GBS dem
Präsidenten der vorberatenden Kommission mit, dass diese von einem falschen
Sachverhalt ausginge. Der gestalterische Vorkurs für Erwachsene, welcher
stipendienrechtlich nicht anerkannt sei, diene nicht der allgemeinen Weiterbildung,
sondern der Vorbereitung auf eine Fachhochschule. Die Gesamtkosten für den Vorkurs
seien im Kanton St. Gallen höher als in Zürich, Basel und Luzern. Am 2.
November 2013 stellte X.Y. auf Weisung des Rektors der GBS gegenüber dem
Präsidenten der vorberatenden Kommission klar, dass seine Intervention ohne
Rücksprache mit dem Rektorat erfolgt sei (act. 2/8, 5/19). Am selben Tag teilte er der
ehemaligen Regierungsrätin Kathrin Hilber als Ansprechperson für kantonsinterne
Meldungen von Missständen (www.sg.ch) mit, er habe auf Weisung des Rektors dafür
sorgen müssen, dass ein von ihm verfasster Leserbrief nicht in der Zeitung „St. Galler
Tagblatt“ publiziert werde. Wie bereits Ende August 2013 werde er vom Rektor und der
Bereichsleiterin Weiterbildung/Brückenangebote des GBS massiv unter Druck gesetzt
und sei mit einem bis am 5. November 2013 gültigen Redeverbot belegt worden (act.
2/9). Am 5. November 2013 teilte der Präsident der vorberatenden Kommission X.Y.
mit, der Kommission seien die von ihm nachgereichten Fakten bekannt gewesen (act.
2/8).
I.
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Am 8. November 2013 unterbreitete der Rektor des GBS X.Y. – tituliert als „Aktennotiz“
– erneut eine Ermahnung mit Kündigungsandrohung (act. 11/25). Darin wird ihm
vorgeworfen, das Vertrauen als Basis für eine weitere Zusammenarbeit durch sein
Verhalten in Frage gestellt zu haben. Er habe am 1. November 2013 eigenmächtig und
ohne Rücksprache mit dem Rektorat dem Präsidenten der vorberatenden Kommission
ein E-Mail geschickt und der Wiler Zeitung einen Leserbrief unterbreitet. In der
Stellungnahme vom 7. November 2013 (act. 11/24) habe er völlig unberechtigt Kritik an
der Aktenführung der Bereichsleiterin Weiterbildung/Brückenangebote des GBS geübt.
Sodann habe er im Zeitraum vom 13. Oktober bis 8. November 2013 unter anderem
seine Kompetenzen überschritten. Ihm werde eine Frist von 10 Tagen eingeräumt, um
zu den Vorfällen Stellung zu nehmen. Am 13. November 2013 lud der Rektor des GBS
X.Y. zu einem Gespräch mit dem Präsidenten der Berufsfachschulkommission (BFSK)
am 20. November 2013 ein. Gleichzeitig erstreckte er die Frist für die Stellungnahme
zur Ermahnung vom 8. November 2013 bis am 21. November 2013 (act. 11/27). An der
Besprechung vom 20. November 2013 nahm X.Y. unentschuldigt nicht teil (act. 5/13
und 11/28).
J.
Am 18., 21. und 26. November 2013 erschienen im St. Galler Tagblatt unter dem Titel
„Das ist nicht mehr sachlich“, „4655 Unterschriften und zwei Anträge“ und „Mehrheit
für halbierte Vorkursgebühren“ (act. 2/10-12, www.tagblatt.ch) drei Artikel zum II.
Nachtragsgesetz zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die
Berufsbildung, in welchen sich X.Y. zitieren liess resp. welche offenbar (act. 1, S. 6) auf
seinen Informationen beruhten. Überdies erschien am 21. November 2013 ebenfalls im
St. Galler Tagblatt ein Interview mit X.Y. (act. 2/11, www.tagblatt.ch). In diesen
Veröffentlichungen warf X.Y. der Regierung in seiner Funktion als Abteilungsleiter der
Schule für Gestaltung Weiterbildung des GBS im Zusammenhang mit dem
gestalterischen Vorkurs für Erwachsene vor, den Kantonsrat unter anderem hinsichtlich
der Höhe der Schulgelder in anderen Kantonen, der fehlenden Stipendienberechtigung
sowie der Frage, ob der gestalterische Vorkurs für Erwachsene der Vorbereitung auf
eine Ausbildung an einer Hochschule diene, falsch informiert zu haben. Auch vertrat er
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im Interview die Meinung, der Kanton St. Gallen solle für den gestalterischen Vorkurs
für Erwachsene höchstens eine Gebühr in der Höhe von Fr. 800.-- bis Fr. 1‘600.--
erheben. Am 18. November 2013 bestätigte er gegenüber der Bereichsleiterin
Weiterbildung/Brückenangebote des GBS, die Weisung des Rektors bezüglich der
Kommunikation gegen aussen habe er bewusst missachtet (act. 5/20). Am 23.
November 2013 verfasste er ohne vorgängige Absprache mit dem Rektorat ein
Rundschreiben an die Kantonsräte (unbestritten, nicht aktenkundig, act. 5/2, S. 4). Am
25. November 2013 nahm er gegenüber dem Rektorat Stellung (unbestritten, nicht
aktenkundig, vgl. act. 2/13 und 5/2, S. 4). Gleichentags beriet der Kantonsrat in erster
Lesung über den II. Nachtrag zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über
die Berufsbildung (www.ratsinfo.sg.ch).
K.
Am 3. Dezember 2013 eröffnete der Rektor des GBS X.Y. die Kündigung des
Arbeitsverhältnisses auf Ende März 2014. Gleichzeitig stellte er ihn mit sofortiger
Wirkung frei (act. 5/2). Auch wies er ihn an, sein Büro zu räumen (vgl. Aktennotiz von
X.Y. vom 25. März 2014, act. 2/13, und Klageantwort vom 7. Januar 2015, act. 4, S.
10). Am selben Tag informierte der Rektor schulintern über die Kündigung (act. 2/13
und 5/21). Am 4. Dezember 2013 erschien im St. Galler Tagblatt der Artikel „Entlassung
mit Ansage“ (www.tagblatt.ch), in welchem sich sowohl der Rektor des GBS als auch
X.Y. zur Kündigung äusserten.
L.
Anlässlich der Schlichtungsverhandlung vom 19. Mai 2014 konnte keine Einigung
erzielt werden. Am 2. Juni 2014 wurde das Schlichtungsverfahren von der Vorsitzenden
der Schlichtungsstelle in Personalsachen abgeschlossen (act. 2/1). Am 28. November
2014 erhob X.Y. (Kläger) durch seinen Rechtsvertreter Klage beim Verwaltungsgericht
mit dem Rechtsbegehren, der Kanton St. Gallen (Beklagter) sei zu verpflichten, ihm
unter Kosten- und Entschädigungsfolge Fr. 30‘000.-- samt 5 % Zins seit dem
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31. März 2014 zu bezahlen (act. 1). Mit Klageantwort vom 7. Januar 2015 beantragte
der Beklagte durch seinen Rechtsvertreter, die Klage sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten des Klägers abzuweisen (act. 4). Mit Replik vom 2.
Februar 2014 bestätigte der Kläger seine Anträge und Ausführungen (act. 7). Am 18.
Februar 2015 duplizierte der Beklagte unter Festhalten an seinen Anträgen (act. 10).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Da der Kläger die Klage am 28. November 2014 (act. 1) erhoben hat, ergibt
sich die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts für die Geltendmachung von
vermögensrechtlichen Ansprüchen aus dem Arbeitsverhältnis gegenüber dem Staat
aus dem seit 1. Juni 2012 anwendbaren Art. 79 Abs. 1 Ingress und lit. b Ingress und
Ziff. 2 des Personalgesetzes (sGS 143.1, PersG, vgl. Art. 110 Abs. 2 PersG e contrario).
Allgemein ergibt sich die Zuständigkeit auch aus Art. 79 Abs. 1 Ingress und lit. a in
Verbindung mit Art. 76 Abs. 1 Ingress und lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, VRP). Hierfür ist nicht von Belang, ob das
Arbeitsverhältnis des Klägers durch Verfügung oder durch öffentlich-rechtlichen
Vertrag begründet wurde (Art. 107 PersG), indem der Kläger am 1. August 2010
gestützt auf Art. 6 Abs. 3 der damaligen Verordnung über den Staatsdienst (nGS 31-29)
in Verbindung mit Art. 23 Abs. 1 lit. a des Geschäftsreglements der Regierung und der
Staatskanzlei (sGS 141.3, GeschR) und Art. 27 und Art. 92 Abs. 1 des
Staatsverwaltungsgesetzes in der damaligen Fassung (nGS 29-68) sowie Anhang
Nr. BLD.A.03 der Ermächtigungsverordnung (sGS 141.41, ErmV) vom Rektor des GBS
als öffentlich-rechtlicher Angestellter gewählt wurde und er diesem Wahlbeschluss mit
unterschriftlicher Erklärung zustimmte (act. 2/2). Die Klageerhebung erfolgte nach
Abschluss des – gescheiterten – Schlichtungsverfahrens vor der Schlichtungsstelle in
Personalsachen (vgl. Art. 87 Abs. 1 PersG, act. 2/1) rechtzeitig (Art. 78 Abs. 2 und
Art. 81 PersG, vgl. auch Art. 80 Abs. 2 VRP). Die Klage erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 80 Abs. 1 in Verbindung mit
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Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Die Legitimation als Sachurteilsvoraussetzung eines
Anfechtungsverfahrens (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP) ist keine
Prozessvoraussetzung im Klageverfahren (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit
im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, N 1153 sowie VerwGE K 2012/5 vom
19. Dezember 2013 E. 3 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Auf die Klage ist
einzutreten.
2.
Auf die vom Kläger beantragte Befragung der Lehrgangsleiterin des gestalterischen
Vorkurses für Erwachsene als Zeugin durch das Gericht kann verzichtet werden (act. 1,
S. 4). Für die Beurteilung der Klage ist unerheblich, ob der Kläger von der
Lehrgangsleiterin erfuhr, dass ihr der Rektor der GBS informell mitteilte, für den
gestalterischen Vorkurs für Erwachsene würden bald wieder Gebühren in der Höhe der
Vollkosten erhoben, weshalb sie die aktuellen Statistiken zu beschaffen habe (vgl. BGer
8C_146/2014 vom 26. Juni 2014 E. 4.3.2 mit Hinweisen).
3.
Dem Leistungsbegehren des Klägers auf Ausrichtung einer Entschädigung von
Fr. 30‘000.-- liegt die seiner Ansicht nach missbräuchliche und
persönlichkeitsverletzende Kündigung zu Grunde. Soweit ihm für die Zeit vor dem 13.
August 2013 Vorwürfe gemacht würden, zeigten die Standortgespräche vom 7.
November 2011 und vom 21. Februar 2013, dass seine Arbeit trotz einiger vor allem
überlastungsbedingter Probleme bis zum Sommer 2013 als gut beurteilt worden sei.
Was den Lehrgang „HF Fotografie“ ab dem Schuljahr 2013/2014 betreffe, hätten bis zu
den Sommerferien 20 Teilnehmende nach einem umfassenden Aufnahmeverfahren
aufgenommen werden können. Leider hätten sich acht Teilnehmende vor oder während
der Sommerferien wieder abgemeldet, worüber er vom zuständigen Lehrgangsleiter
erst am ersten oder zweiten Tag nach den Sommerferien informiert worden sei. Weil er
selber die Aufnahmeverfügung für 20 Bewerber unterzeichnet habe, sei er irrtümlich
davon ausgegangen, dass mehr als genügend Teilnehmende im Lehrgang vorhanden
seien. Eine solche Welle von Abmeldungen nach erfolgter Aufnahmeverfügung sei nach
den Erfahrungen nicht üblich gewesen. In der Folge habe er alles daran gesetzt, die
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drohenden Verluste auf rund Fr. 32‘000.-- zu reduzieren. Ausschlaggebend für die
Kündigung sei die weisungswidrige Kommunikation gegen aussen gewesen. Dabei
habe er im Interesse der Schule und insbesondere der Studierenden und Lernenden in
der Öffentlichkeit und gegenüber den über eine Neuregelung der Schulgebühren für
den gestalterischen Vorkurs für Erwachsene entscheidenden Kantonsrätinnen und
Kantonsräten für eine Korrektur der falschen Informationen in der regierungsrätlichen
Botschaft gesorgt. Er habe durch die Korrektur der falschen Informationen nicht nur
seine Pflichten aus dem Dienstverhältnis, sondern auch berechtigte Interessen aus
dem Arbeitsverhältnis gewahrt. Die Pflicht des Arbeitnehmers, Weisungen zu befolgen,
sei weder im öffentlichen noch im privaten Arbeitsverhältnis unbeschränkt. Die
Treuepflicht des Arbeitsnehmers und das Weisungsrecht des Arbeitgebers ständen
unter dem Vorbehalt der Grundrechte, darunter der Meinungsäusserungsfreiheit, sowie
der allgemeinen Pflichten im Arbeitsverhältnis. Entscheidrelevante falsche
Informationen müssten im Interesse der Institution bzw. des Arbeitgebers, der nicht mit
der Person des Rektors identisch sei, berichtigt werden. Falls dies auf dem Dienstweg
erfolglos versucht werde und auch die Meldestelle des Kantons nicht reagiere, müsse
der Arbeitnehmende sich notfalls an die hier entscheidende legislative Behörde und an
die Öffentlichkeit, der die Botschaft mit den falschen Informationen zugeleitet worden
sei, wenden, sofern das Amtsgeheimnis gewahrt bleibe. Dies ergebe sich sinngemäss
auch aus der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu
Art. 10 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK). Überdies sei die Art und Weise der Kündigung für
ihn äusserst demütigend gewesen. Das Vorgehen des Beklagten habe das Gebot
schonender Rechtsausübung verletzt.
3.1.
Der Beklagte begründete die Kündigung unter Berufung auf Art. 21 Abs. 2 lit. c und
d PersG damit, dass der Kläger bereits im Jahr 2011 seiner Aufgabe, die Budgets
durch laufende Kostenkontrolle zu prüfen, nicht nachgekommen sei, da bei den
nichtsubventionierten Auslagen sowie bei der Tÿpo St. Gallen 2011 aufgrund
unsorgfältiger Budgetierung ein erhebliches Defizit resultierte. Auch habe er im Juni
2013 eigenmächtig über die Durchführung des Lehrgangs „HF Fotografie“ entschieden,
obwohl er aufgrund der Kalkulation davon habe ausgehen müssen, dass der Lehrgang
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nicht kostendeckend abgewickelt werden konnte. Er genüge den Anforderungen als
Abteilungsleiter im finanziellen Bereich nicht. Weiter habe er seine Kompetenzen
überschritten, als er entschieden habe, den Lehrgang HF Fotografie durchzuführen.
Entscheidungsinstanz bei defizitären Lehrgängen sei der Rektor, was ihm bekannt
gewesen sei. Sodann sei ihm in seiner Funktion als Abteilungsleiter die Vertretung
gegen aussen nur in Absprache mit der Bereichsleitung und dem Rektor zugestanden
gewesen. Durch sein eigenmächtiges Auftreten in den Medien im Zusammenhang mit
der geplanten Erhöhung des Schulgeldes für den gestalterischen Vorkurs für
Erwachsene habe er nicht nur die allgemeinen Schulvorschriften, sondern auch
konkrete Weisungen des Rektors verletzt. Der Zeitungsartikel vom 18. November 2013
und das Interview vom 21. November 2013 seien im St. Galler Tagblatt erschienen, als
er bereits damit habe rechnen müssen, dass seine eigenmächtigen Auftritte in der
Öffentlichkeit personalrechtliche Konsequenzen haben könnten. Gemäss seinem E-
Mail vom 18. November 2013 habe er sich bewusst über die Weisungen des Rektors
hinweggesetzt. Im Weiteren sei der von ihm gepflegte Führungs- und
Kommunikationsstil auch innerhalb seiner Abteilung und zu Schnittstellen der
Kernverwaltung problematisch gewesen. Eine Versetzung des Klägers sei nicht
möglich.
3.2.
Nach Art. 21 Abs. 1 PersG bedarf die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses durch die
Arbeitgeberin oder den Arbeitgeber eines ausreichenden sachlichen Grundes. Nach
dem Willen des Gesetzgebers soll die in Art. 21 Abs. 2 PersG enthaltene Liste der
ausreichenden sachlichen Gründe – entgegen dem klaren Wortlaut dieser Bestimmung
("insbesondere") – abschliessend sein (ABl 2010 S. 1585 ff., S. 1622). Ob dies zutrifft,
braucht hier nicht weiter erörtert zu werden, da sich die Kündigungsverfügung des
Beklagten ausschliesslich auf Art. 21 Abs. 2 lit. c und d PersG stützt (act. 5/2, S. 5-7).
Danach liegt nach Ablauf der Probezeit ein ausreichender sachlicher Grund wegen
ungenügender Arbeitsleistung oder unbefriedigenden Verhaltens der Mitarbeiterin oder
des Mitarbeiters oder wegen schwerwiegender oder wiederholter schuldhafter
Verletzung von Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis vor (vgl. auch Art. 75 Abs. 1 und
Art. 76 lit. c PersG). Die sachliche Rechtfertigung der Kündigung eines öffentlich-
rechtlichen Arbeitsverhältnisses bemisst sich zudem an den verfassungsrechtlichen
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Grundsätzen wie dem Willkürverbot (Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft, SR 101, BV) und dem Verhältnismässigkeitsprinzip (Art. 5 Abs. 2
BV). Die Kündigungsschutzbestimmungen gemäss Art. 336 ff. des Bundesgesetzes
betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil:
Obligationenrecht, SR 220, OR) und die hierzu ergangene bundesgerichtliche
Rechtsprechung sind sachgemäss anwendbar (Art. 25 Abs. 3 PersG). Nach Art. 336
Abs. 1 lit. b OR ist die Kündigung insbesondere missbräuchlich, wenn eine Partei sie
ausspricht, weil die andere Partei ein verfassungsmässiges Recht ausübt, es sei denn,
die Rechtsausübung verletze eine Pflicht aus dem Arbeitsverhältnis oder beeinträchtige
wesentlich die Zusammenarbeit im Betrieb. Dabei ist der Begriff der Ausübung eines
verfassungsmässigen Rechts eng auszulegen, da ansonsten fast jeder Aspekt der
beruflichen und persönlichen Lebenssphäre erfasst und ein Grossteil der Kündigungen
als missbräuchlich erscheinen würde (vgl. Streiff/von Kaenel/Rudolph, Arbeitsvertrag,
7. Aufl. 2012, Art. 336 N 6, S. 1017). Der Missbräuchlichkeit einer Kündigung kann sich
nicht nur aus den Kündigungsmotiven, sondern auch aus der Art und Weise ergeben,
wie die kündigende Partei ihr Recht ausübt. Selbst wenn eine Partei die Kündigung
rechtmässig erklärt, muss sie das Gebot schonender Rechtsausübung im Sinne von
Art. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) beachten. Ein krass
vertragswidriges Verhalten, namentlich eine schwere Persönlichkeitsverletzung (vgl.
Art. 30 PersG) im Umfeld einer Kündigung, kann diese als missbräuchlich erscheinen
lassen (vgl. BGE 132 III 115 E. 2.2 mit Hinweisen, anderer Meinung Streiff/von Kaenel/
Rudolph, a.a.O., Art. 336 N 8, S. 1000, wonach nach erfolgter Kündigung begangene
Persönlichkeitsverletzungen die Kündigung nicht mehr missbräuchlich machen
können).
3.3.
Zunächst ist nicht umstritten, dass die Kündigung formell korrekt (vgl. Art. 20 Abs. 1,
Art. 23 und Art. 77 PersG sowie VerwGE K 2013/2 vom 23. September 2015 E. 2.2 mit
Hinweisen, www.gerichte.sg.ch) sowie nicht zur Unzeit (vgl. Art. 25 PersG in
Verbindung mit Art. 336c OR) erfolgt ist, keine mildere Massnahme als die Kündigung
angezeigt war und sich der Beklagte genügend um die Lösung des Konflikts bemüht
hat (vgl. hierzu VerwGE B 2012/247 vom 19. Dezember 2013 E. 3.1 mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch). Sodann wurde die Arbeitsleistung des Klägers im Jahr 2011 in
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finanzieller Hinsicht zwar als „ungenügend“, insgesamt aber als „gut“ bewertet (vgl.
Standortgespräch vom 7. November 2011, act. 8/17). Auch wurde seine Arbeitsleistung
anlässlich des Standortgesprächs vom 21. Februar 2013 (act. 8/18) in finanzieller
Hinsicht als „genügend“ qualifiziert und ihm attestiert, seine Abteilung engagiert und
mit Herzblut zu führen, wobei die operative Führungsarbeit und die Organisation seiner
Abteilung eine spürbare Herausforderung darstelle. Für die vom IGL-Präsidenten
angeblich bemängelte unzureichende Führungs- und Kommunikationsarbeit des
Klägers (vgl. Aktennotiz der Bereichsleiterin Weiterbildung/Brückenangebote des GBS
vom 23. April 2013, act. 5/11) ergeben sich aus den Akten keine weiteren
Anhaltspunkte. Insoweit ist die in der Kündigungsverfügung vom 3. Dezember 2013
(act. 5/2, S. 5) geltend gemachte ungenügende Arbeitsleistung des Klägers nicht
belegt. Hingegen war seine Arbeitsleistung im Zusammenhang mit dem
Durchführungsentscheid für den Lehrgang „HF Fotografie“ mit Start im August 2013
ungenügend (vgl. Ermahnung vom 26. August 2013, act. 5/7). Daran vermögen die von
ihm geltend gemachten Verfehlungen des zuständigen Lehrgangsleiters nichts zu
ändern. Als Abteilungsleiter muss er sich diese anrechnen lassen, wie wenn er selber
gehandelt hätte. Überdies hat er seine Behauptung, dass die nach der
Aufnahmeverfügung erfolgten Abmeldungen vom Lehrgang „HF Fotografie“ nicht
üblich gewesen seien, durch keinerlei Fakten erhärtet. Darüber hinaus verstiess er in
diesem Zusammenhang klar gegen die Weisung vom 26. Oktober 2011 (act. 5/4),
wonach sämtliche Durchführungsentscheide aller Angebote der Schule für Gestaltung
Weiterbildung von der Bereichsleiterin Weiterbildung/Brückenangebote des GBS zu
treffen sind. Trotz dieser Pflichtverletzungen des Klägers verzichtete der Beklagte am
26. August 2013 vorerst zugunsten einer Ermahnung mit Kündigungsandrohung
(act. 5/7, vgl. Art. 71 lit. a PersG) auf die Anordnung von personalrechtlichen
Massnahmen (vgl. Art. 75 Abs. 1 lit. a PersG). Innert der mit dieser Ermahnung
angesetzten Bewährungsfrist (vgl. Art. 72 Abs. 1 lit. a PersG) bis Ende Juni 2014 sprach
der Rektor der GBS gegen den Kläger am 8. November 2013 (act. 11/25) eine zweite
Ermahnung mit Kündigungsandrohung aus. Trotz der laufenden Bewährungsfrist und
der zweiten Ermahnung verstiess der Kläger indessen erneut gegen seine Pflichten als
Arbeitnehmer. Wie er selbst einräumt (act. 5/20), missachtete er bei seiner
Kommunikation gegen aussen (vgl. Zeitungsartikel vom 18., 21. und
26. November 2013 und Interview vom 21. November 2013, act. 2/10-12,
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www.tagblatt.ch) sowohl die allgemeinen Schulvorschriften (vgl. Art. 7 Abs. 2 lit. l und
Art. 11 Abs. 2 lit. n des Schulreglements und Ziff. 1.51 des Qualitätshandbuchs ISO
9001:2008, act. 5/18) als auch die konkrete Weisung des Rektors an ihn und verletzte
damit klar seine Treuepflicht (vgl. Art. 61 PersG und Art. 321a OR analog). Dies umso
mehr, als er sich in der Presse nicht auf die Berichtigung der seiner Ansicht nach
falschen Informationen der Regierung an den Kantonsrat beschränkte, sondern sich als
Kader des GBS auch für ein Schulgeld in der Höhe von Fr. 800.-- bis Fr. 1‘600.--
aussprach, was die (finanziellen) Interessen des Beklagten tangierte. Insofern stützte
sich die Kündigung auf ausreichende sachliche Gründe gemäss Art. 21 Abs. 2 lit. c
und d PersG (vgl. zum Vorliegen mehrerer Kündigungsmotive: Streiff/von Kaenel/
Rudolph, a.a.O., Art. 336 N 20), zumal der Kläger erst kurz davor zweimal,
insbesondere wegen Kompetenzüberschreitungen, ermahnt worden war (vgl. zur
Ermahnung: R. Ursprung / D. Riedi Hunold, Schwerpunkte der neueren
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum öffentlichen Personalrecht, in: ZBl 2013, S.
295 ff., S. 299 f., unter anderem mit Hinweis auf BGE 1C_245/2008 vom 2. März 2009
E. 5.3 f.). Zu prüfen ist, ob die Kündigung als Sanktion des Beklagten wegen
geäusserter Meinungen des Klägers vor Art. 10 EMRK und Art. 16 Abs. 2 BV standhält,
wobei unbestritten ist, dass der Kläger in den fraglichen Veröffentlichungen im
St. Galler Tagblatt (act. 2/10-12, www.tagblatt.ch) die Grenzen des für einen öffentlich-
rechtlichen Angestellten gebotenen Anstands nicht überschritten hat.
3.4.
Die in der Kündigung vom 3. Dezember 2013 (act. 5/2) bemängelten äusserungen des
Klägers im St. Galler Tagblatt (act. 2/10-12, www.tagblatt.ch) sind eine Form der
Meinungsäusserung, die unzweifelhaft in den Schutzbereich der
Meinungsäusserungsfreiheit gemäss Art. 10 EMRK und Art. 16 Abs. 2 BV fällt. Jede
Einschränkung der Meinungsäusserungsfreiheit bedarf einer gesetzlichen Grundlage,
muss im öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig sein (Art. 36 BV). Die
Konventionsgarantien enthalten ähnliche Schranken (vgl. Art. 10 Ziff. 2 EMRK und BGE
136 I 332 E. 3.1 und 3.2.2, siehe auch K. Pärli, Die unterschätzte Bedeutung der EMRK
und der Rechtsprechung des EGMR für das Arbeitsrecht, in: AJP 2015, S. 1671 ff.,
S. 1685 ff.). Gegenüber öffentlich-rechtlichen Angestellten kann die
Meinungsäusserungsfreiheit durch die Treuepflicht eingeschränkt sein (vgl.
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BGE 136 I 332 E. 3.2). Nach Art. 61 lit. b PersG wahrt die Mitarbeiterin oder der
Mitarbeiter die Interessen von Arbeitgeberin oder Arbeitgeber (vgl. auch Art. 321 a OR).
Die Treuepflicht bezweckt, die Funktionstüchtigkeit der öffentlichen Verwaltung zu
sichern, indem das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Staat nicht untergraben wird
(Y. Hangartner, Treuepflicht und Vertrauenswürdigkeit von Beamten, in: ZBl 1984
S. 385 ff., S. 393 f.). Der Umfang der Treuepflicht hängt stark von der Funktion und
Aufgabe des Arbeitnehmers und den betrieblichen Verhältnissen ab und muss für jedes
Arbeitsverhältnis aufgrund der konkreten Umstände neu bestimmt werden. Das Mass
an Loyalität, das einem leitenden Angestellten abverlangt wird, ist wesentlich grösser
als bei einem Arbeitnehmer in untergeordneter Stellung (vgl. Streiff/von Kaenel/
Rudolph, a.a.O., Art. 321a N 2).
Nach Erlass der Botschaft des II. Nachtrags zum Einführungsgesetz zur
Bundesgesetzgebung über die Berufsbildung am 13. August 2013 informierte sowohl
der Rektor des GBS am 24. August und 22. Oktober 2013 (act. 5/14 und 16) als auch
der Kläger am 25. September 2013 (act. 2/6 und 5/15) das Amt für Berufsbildung
darüber, dass der gestalterische Vorkurs für Erwachsene auf eine Ausbildung an einer
gestalterischen Hochschule vorbereite und – entgegen der Darstellung in der Botschaft
– nicht in erster Linie der allgemeinen Weiterbildung diene. Wie im E-Mail der
juristischen Stabsmitarbeiterin des Amtes für Berufsbildung vom 26. September 2013
angekündigt (act. 2/6), leitete das Amt diese Information an die vorberatende
Kommission zum II. Nachtrag zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über
die Berufsbildung weiter (vgl. Voten Gemperle und Giezendanner im Protokoll der
vorberatenden Kommission vom 31. Oktober 2013, S. 7 f. resp. S. 12 f.,
www.ratsinfo.sg.ch). In ihrer Pressemitteilung vom 31. Oktober 2013 (act. 2/7) hielt die
vorberatende Kommission in Präzisierung der regierungsrätlichen Botschaft vom
13. August 2013 (act. 2/4) fest, der gestalterische Vorkurs diene hauptsächlich als
Vorbereitung auf ein Fachhochschulstudium. Insofern bestand für den Kläger sowohl
gegenüber dem Bildungsdepartement intern als auch gegenüber der vorberatenden
Kommission und der Öffentlichkeit gegen aussen keine Veranlassung mehr, einen
angeblich falschen Sachverhalt in Verletzung seiner Treuepflicht gegenüber dem
Beklagten im Rahmen einer öffentlichen Debatte zu berichtigen resp. dem
Bildungsdepartement öffentlich grundlos vorzuwerfen, es hätte die Richtigstellungen
des GBS ignoriert resp. das Informationsmaterial an die Mitglieder der vorberatenden
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Kommission zurückbehalten (vgl. Interview vom 21. November 2013, act. 2/11,
www.tagblatt.ch). Die diesbezüglichen Interventionen des Klägers in den Medien
dienten nicht der Klärung des Sachverhalts und waren deshalb nicht erforderlich. Was
sodann die „Richtigstellung“ des Klägers hinsichtlich der Stipendienberechtigung
anbelangt, verkannte er, dass sich die rechtlichen Grundlagen mit der Einfügung des
Art. 27a Abs. 2 erster Satzteil ins EG-BB (vgl. Antrag der vorberatenden Kommission
vom 28. Oktober 2013, www.ratsinfo.sg.ch) hinsichtlich der Beitragsberechtigung für
den gestalterischen Vorkurs für Erwachsene änderten (vgl. Art. 3 lit. c der Verfassung
des Kantons St. Gallen, sGS 111.1, KV, Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 2 Abs. 2 lit.
b des Gesetzes über die staatlichen Stipendien und Studiendarlehen,
Stipendiengesetz; sGS 211.5, StipG, sowie Art. 3 der Stipendienverordnung, sGS
211.51, StipV) und eine Vorbildung nach der Praxis im Kanton St. Gallen
stipendienberechtigt ist, wenn sie obligatorischer Bestandteil einer nachfolgenden
anerkannten Ausbildung ist (vgl. VerwGE B 1999/53 vom 1. Juli 1999 E. 2b und
Wegleitung Stipendien des Bildungsdepartements, Ausgabe 2015, S. 2,
www.schule.sg.ch, siehe auch Votum Raschle im Protokoll der vorberatenden
Kommission vom 31. Oktober 2013, S. 13, und Anträge der Redaktionskommission
vom 24. Februar 2014, www.ratsinfo.sg.ch). Auch diesbezüglich hätte es keiner –
unzutreffenden – öffentlichen Berichtigung des Klägers bedurft. Dies zeigt sich im
Übrigen daran, dass sich der Kläger im Artikel „Mehrheit für halbierte
Vorkursgebühren“ im St. Galler Tagblatt vom 26. November 2013 (act. 2/12,
www.tagblatt.ch) mit dem Kommentar zitieren liess, dass der gestalterische Vorkurs für
Erwachsene stipendienberechtigt sei, welcher in Widerspruch zu seinen zuvor
ergangenen Aussagen in der Presse stand. Ferner wurde in der Pressemitteilung vom
31. Oktober 2013 ausgeführt, dass ein kostendeckendes Schulgeld von Fr. 14‘000.--
(Vollzeit) resp. Fr. 18‘000.-- (berufsbegleitend) dem Preis entspreche, wie ihn auch
andere Kantone, namentlich Zürich, Basel und Luzern, verlangen würden.
Diesbezüglich hatte der Kläger, soweit aus den Akten ersichtlich, die regierungsrätliche
Botschaft vom 13. August 2013 (act. 2/4, www.ratsinfo.sg.ch) in seinen Schreiben an
das Bildungsdepartement vom 24./25. September 2013 (act. 2/6 und 5/15) auf dem
Dienstweg nicht zu berichtigen. Hingegen hatte er den Präsidenten der vorberatenden
Kommission am 31. Oktober 2013 (vgl. act. 2/8) darauf hingewiesen, dass das
Schulgeld in Zürich Fr. 10‘000.-- (Vollzeit) resp. Fr. 10‘050.-- (Teilzeit), in Basel
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Fr. 1200.-- und in Luzern Fr. 800.-- betrage, worauf ihm dieser am 5. November 2013
mitteilte (vgl. act. 2/8), die von ihm erwähnten Zahlen und Fakten hätten der
Kommission – anscheinend auch ohne eine interne Richtigstellung der Botschaft vom
13. August 2013 hinsichtlich der Höhe der Schulgelder in anderen Kantonen durch den
Kläger gegenüber dem federführenden Bildungsdepartement – vorgelegen. Damit
bestand kein Anlass, der Regierung in der Öffentlichkeit vorzuwerfen, sie habe den
Kantonsrat falsch informiert (vgl. Interview vom 21. November 2013, act. 2/11,
www.tagblatt.ch). Der Kläger prangerte damit nach der Beratung der vorberatenden
Kommission ohne Grundlage öffentlich Missstände in der Verwaltung an. Dadurch
erweckte er in der Öffentlichkeit den Anschein, dass das GBS und das
Bildungsdepartement willkürlich handelten, ihren Pflichten nicht nachkämen und nicht
ausreichend zusammenarbeiten würden (vgl. Votum von Martha Storchenegger im
Zeitungsartikel „Mehrheit für halbierte Vorkursgebühren“ vom 26. November 2013,
act. 2/12, www.tagblatt.ch). Darüber hinaus liess er sich im St. Galler Tagblatt nicht als
Privatperson ausserdienstlich, sondern explizit als Leiter der Schule für Gestaltung des
GBS zitieren (vgl. act. 2/10-12, www.tagblatt.ch), wodurch er den internen
Kompetenzkonflikt mit dem Rektorat bezüglich der Kommunikation gegen aussen an
die Öffentlichkeit trug, anstatt sich für dessen Klärung an die Ombudsstelle für das
Staatspersonal zu wenden (Art. 60 PersG). Daraus konnte in der Öffentlichkeit der
Eindruck entstehen, das GBS werde mangelhaft geführt, auch wenn der Kläger nicht
ausdrücklich behauptete, das Rektorat des GBS erfülle seine Pflichten nicht gehörig.
Insoweit waren die Äusserungen des Klägers im St. Galler Tagblatt (act. 2/10-12,
www.tagblatt.ch) geeignet, das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Staat, d.h. sowohl in
das Bildungsdepartement als auch in das GBS, und damit letztlich in dessen
Funktionsfähigkeit zu untergraben. Hinzu kommt, dass es dem Kläger auch nach Erlass
der Pressemitteilung der vorberatenden Kommission am 31. Oktober 2013 offen
gestanden wäre, auf dem Dienstweg intern das Bildungsdepartement zu kontaktieren,
damit das Departement oder der zuständige Regierungsrat die Angaben der
vorberatenden Kommission zu den Schulgeldern in anderen Kantonen im Rahmen der
ersten Lesung des Kantonsrats am 25. November 2013 (www.ratsinfo.sg.ch) hätten
berichtigen können, so wie dies das Bildungsdepartement bereits im Zusammenhang
mit der Frage, ob der gestalterische Vorkurs für Erwachsene der Vorbereitung für eine
Ausbildung an einer Hochschule oder in erster Linie der allgemeinen Weiterbildung
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diene, im Rahmen der Diskussion der vorberatenden Kommission getan hatte.
Überdies nahm er die Gelegenheit nicht wahr, am 20. November 2013 mit dem Rektor
des GBS und dem Präsidenten der BFSK das weitere Vorgehen hinsichtlich der
Falschinformationen der vorberatenden Kommission zu erörtern, sondern stiess
stattdessen in der Presse treuwidrig eine öffentliche Debatte wegen angeblicher
Falschinformationen der Verwaltung an (vgl. act. 5/13 und 11/28). Soweit der Kläger
seine Argumentation darauf aufbaut, er hätte erfolglos versucht, den falschen
Sachverhalt auf dem Dienstweg zu berichtigen, stossen seine Einwände demnach ins
Leere. Dementsprechend erachtete es die Meldestelle des Kantons (vgl. Art. 62 Abs. 1
PersG) offenbar nicht als geboten, auf seine Intervention vom 2. November 2013 hin
(act. 2/9) Massnahmen anzuordnen. Auch wenn die Meinungsäusserungsfreiheit eine
tragende Grundlage der schweizerischen Demokratie bildet, die dem Bürger zutraut,
zwischen den verschiedenen gegensätzlichen Auffassungen zu unterscheiden, unter
den Meinungen auszuwählen, Übertreibungen als solche zu erkennen und
vernunftgemäss zu entscheiden (vgl. BGE 98 Ia 73 E. 3b), vermag die Berufung des
Klägers auf dieses Grundrecht seine Treuepflichtverletzungen gegenüber dem
Beklagten nach dem Gesagten nicht zu rechtfertigen, zumal ihn als Abteilungsleiter des
GBS eine erhöhte Treuepflicht traf, welche er durch sein kompetenzwidriges Verhalten
klar verletzt hat. Insgesamt überwiegt das gewichtige öffentliche Interesse des
Beklagten an der Einhaltung der Treuepflicht nach Art. 61 lit. b PersG jenes des Klägers
an seiner freien Meinungsäusserung. Zu untersuchen bleibt im Rahmen der in der
Klageschrift vorgetragenen Kritik, ob die Art und Weise, wie der Beklagte sein
Kündigungsrecht ausübte, missbräuchlich war.
3.5.
Zunächst bringt der Kläger in dieser Hinsicht vor, die gegen aussen vom Rektor des
GBS vertretene Position, man habe dem Kläger kündigen müssen, dürfe aber zu
dessen Schutz nichts weiteres sagen, habe sich als äusserst perfide erwiesen, da dies
beim Publikum den Verdacht schwerwiegender Vergehen genährt habe. Diesbezüglich
geht sowohl aus der „Kommunikation nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses“ des
Rektorats des GBS (act. 5/21) als auch aus dem Bericht im St. Galler Tagblatt vom
4. Dezember 2013 „Eine Entlassung mit Ansage“ (www.tagblatt.ch), soweit sich der
Kläger darauf beruft, unzweifelhaft hervor, dass der Beklagte eine ordentliche
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Kündigung ausgesprochen hat, womit er gegenüber dem Personal und der
Öffentlichkeit zum Ausdruck brachte, dass die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses
nach Treu und Glauben nicht unzumutbar gewesen wäre und der Kläger – entgegen
seiner Darstellung – bereits aus diesem Grund nicht dem Verdacht schwerwiegender
Vergehen ausgesetzt war (vgl. Art. 22 PersG und Art. 337 ff. OR). Auch schilderte der
Rektor des GBS sowohl gegenüber dem Personal an der Informationsveranstaltung
vom 3. Dezember 2013 (vgl. act. 2/13 und 5/21) als auch gegenüber der Öffentlichkeit
im Zeitungsbericht vom 4. Dezember 2013 (www.tagblatt.ch) sachlich zutreffend, dass
der Kläger wegen Missachtung von Weisungen, insbesondere im Zusammenhang mit
dem Streit über den gestalterischen Vorkurs für Erwachsene entlassen worden war,
nachdem der Kläger diesen Streit im St. Galler Tagblatt öffentlich thematisiert hatte
(vgl. E. 3.4 hiervor). Zudem lobte der Rektor die „gute und wertvolle Arbeit“ des Klägers
und verzichtete im Interesse des Persönlichkeitsschutzes darauf, sich zu früheren
Verfehlungen des Klägers zu äussern. Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass
der Beklagte den Kläger dadurch in seiner Persönlichkeit herabgesetzt und in seinem
gesellschaftlichen oder beruflichen Ansehen geschadet hätte, zumal sich der Kläger in
demselben Bericht im St. Galler Tagblatt öffentlich zu seiner Kündigung äusserte und
dabei selbst nicht auf „einen früheren Fehler, der längst ausgebügelt ist“, zu sprechen
kommen wollte (vgl. Artikel „Eine Entlassung mit Ansage“ vom 4. Dezember 2013,
www.tagblatt.ch). In diesem Zusammenhang kann dem Beklagten nicht vorgehalten
werden, er habe das Gebot schonender Rechtsausübung oder die Persönlichkeit des
Klägers verletzt resp. sei seinen Fürsorgepflichten gemäss Art. 25 Abs. 3 PersG in
Verbindung mit Art. 328 OR nicht nachgekommen (vgl. hierzu BGE 130 III 699 E. 5.1 f.,
allerdings nicht in Bezug auf eine Missbrauchsentschädigung, sondern auf eine
Genugtuung).
Soweit der Kläger insinuiert, die generalstabsmässig geplante und durchgeführte
Kündigung mit Freistellung habe den Eindruck erweckt, er habe sich schwerwiegender
Vergehen schuldig gemacht, zumal er nicht einmal mehr die Möglichkeit gehabt habe,
sich von den Mitarbeitenden und Studierenden zu verabschieden, von welchen er sehr
geschätzt worden sei, findet seine Darstellung in den Akten keine Grundlage. Vielmehr
räumt der Kläger in seiner Aktennotiz vom 25. März 2014 (act. 2/13) selbst ein, dass er
sich am 3. Dezember 2013 nach der Kündigung um 08.15 Uhr nicht nur von seinen
engsten Mitarbeiterinnen (Assistentin, Sekretärin, KV-Lernende), sondern bis um 15 Uhr
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von einer Vielzahl von Lehrern und Studenten verabschieden konnte. Permanent seien
Leute in sein Büro gekommen und hätten ihre Anteilnahme ausgedrückt. Zudem sei
ihm genügend Zeit geblieben, um seiner Tochter, welche den gestalterischen Vorkurs
besucht habe, die Situation zu erklären. Bei dieser Sachlage kann nicht davon
gesprochen werden, dass der Kläger „wie ein Schwerverbrecher“ (act. 2/13) ohne
Möglichkeit, sich von seinen Kollegen zu verabschieden, abgeführt worden wäre (vgl.
hierzu BGer 4A_2/2008 vom 8. Juli 2008 E. 7.3.2, BGer 4C.261/2004 vom 3. November
2004 E. 1.2 f. sowie SJZ 2005, S. 200 f.), zumal der Rektor des GBS sämtliche
Angestellte um 12.30 Uhr (act. 2/13), wie bereits hiervor ausgeführt, sachlich über die
Kündigung informierte. Darüber hinaus war dem Kläger bewusst, dass er mit seinem
Gang an die Öffentlichkeit (vgl. E. 3.4 hiervor) gegen die Weisung des Rektors
hinsichtlich der Kommunikation gegen aussen verstossen hatte (vgl. E-Mail vom 18.
November 2013, act. 5/20) und er vom Rektor unter anderem wegen
Kompetenzüberschreitungen kurz davor bereits zweimal unter Kündigungsandrohung
ermahnt worden war (act. 5/7 und 11/25). Dem Beklagten kann nicht vorgeworfen
werden, er hätte ein falsches Spiel getrieben. Sodann begründete der Beklagte die
sofortige Freistellung (Art. 24 PersG) des Klägers in der Kündigungsverfügung (act. 5/2,
S. 7) mit betrieblichen Interessen. Demgegenüber legt der Kläger nicht weiter dar,
inwiefern seine Freistellung nicht gerechtfertigt war. Angesichts der mehrfachen
Kompetenzüberschreitungen des Klägers und der Vielzahl von hauptsächlich vom
Kläger initiierten Presseberichten im Zusammenhang mit dem Schulbetrieb des GBS
(act. 2/10-12, www.tagblatt.ch), welche geeignet waren, bei den Angestellten des
Beklagten Unsicherheiten hervorzurufen, ist es nicht zu beanstanden, dass der
Beklagte das Interesse an einer Freistellung höher gewichtete als das Interesse des
Klägers an der Weiterbeschäftigung (vgl. zur Freistellung: H. Nötzli, in: W. Portmann / F.
Uhlmann [Hrsg.], Bundespersonalrecht, Art. 12 N 64 ff.). Insgesamt war die Art und
Weise, wie der Beklagte sein Kündigungsrecht ausübte, nicht missbräuchlich. Die
Klage ist abzuweisen.
4.
Da sich die Forderung des Klägers auf Fr. 30‘000.-- samt 5 % Verzugszins ab dem
31. März 2014 beläuft, werden für das Klageverfahren keine amtlichen Kosten erhoben
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(Art. 82 Abs. 2 PersG in Verbindung mit Art. 114 lit. c der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO).
Das Verwaltungsgericht hat im öffentlich-rechtlichen Klageverfahren einen
Ausnahmefall vom Grundsatz des generellen Ausschlusses eines Kostenersatzes für
das Gemeinwesen anerkannt. Ausschlaggebend war dabei, dass das Klageverfahren
wie der Zivilprozess ein Verfahren mit Parteien ist, wobei dem Gemeinwesen – anders
als im Anfechtungsverfahren – in der Regel keine wesentlich vorteilhaftere
Ausgangslage als der Gegenpartei zukommt (vgl. VerwGE K 2014/2 vom 25. Februar
2016 E. 4 und VerwGE B 2011/207 vom 16. April 2014 E. 8.2 je mit Hinweis auf
VerwGE K 2011/7 vom 23. August 2012 E. 6.2, www.gerichte.sg.ch). Der
vollumfänglich unterlegene Kläger hat den Beklagten für das Klageverfahren
ausseramtlich mit Fr. 4'000.-- zuzüglich vier Prozent pauschale Barauslagen und
Mehrwertsteuer zu entschädigen (Art. 80 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 98 Abs. 1 und
Art. 98 f. VRP in Verbindung mit Art. 95 Abs. 3, Art. 96 und Art. 105 Abs. 2 ZPO, Art.
6, Art. 19, Art. 22 Abs. 1 lit. b, Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, HonO).