Decision ID: d1288fc4-6d55-509a-8a1d-cea62cda1f5b
Year: 2007
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte im September 2005 bei der Stadt Thun ein
Baugesuch für den Neubau zweier Mehrfamilienhäuser mit einer offenen Autoeinstellhalle
auf der Parzelle Thun Grundbuchblatt Nr. G._ ein. Die Parzelle liegt in der
Wohnzone W2 sowie im Perimeter des Ortsbildgebiets O IV „Bächimatt“. Der
Fachausschuss für Bau- und Aussenraumgestaltung der Stadt Thun (FBA) lehnte das
Projekt vorerst mit der Begründung ab, es entspreche nicht der vorherrschenden Typologie
des Quartiers und den Strukturmerkmalen des Ortsbildgebietes.
2. Darauf reichte die Beschwerdegegnerin dem FBA ein überarbeitetes Projekt zur
Begutachtung ein. Dieser kam am 25. Januar 2006 zum Schluss, dass Volumetrie und
Körnung des Projekts der heute vorherrschenden Bebauung des Ortsbildgebietes
entsprechen würden, die Abstände genügend seien und das Projekt daher grundsätzlich
bewilligungsfähig sei. Die Beschwerdegegnerin reichte am 14. März 2006 bei der Stadt
Thun ein neues Baugesuch ein. Gegen dieses Bauvorhaben erhob der Beschwerdeführer
Einsprache. Die Stadt Thun erteilte mit Gesamtbauentscheid vom 25. Juli 2006 die
Baubewilligung.
3. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 25. August 2006 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Der Beschwerdeführer
beantragt, dem Bauvorhaben sei der Bauabschlag zu erteilen. Eventualiter sei es zur
Verbesserung und/oder Ergänzung bzw. Projektänderung zurückzuweisen und mit
Auflagen zu versehen.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte bei der
kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) einen
Fachbericht ein. Danach führte es im Beisein der Parteien und in Anwesenheit der OLK
einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Die Beteiligten erhielten die
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
3
Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins zu äussern und Schlussbemerkungen
einzureichen.
5. Auf die Rechtsschriften und den Fachbericht der OLK sowie auf das Ergebnis des
Augenscheins wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
Die BVE prüft die Eintretensvoraussetzungen von Amtes wegen. Angefochten ist ein
Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er - unabhängig von den
geltend gemachten Einwänden - nur mit dem Rechtsmittel angefochten werden, das für
das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im vorliegenden Fall das
Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1
BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten
werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen den Gesamtentscheid
zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen
ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung
mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer ist als unterlegener Einsprecher durch
den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Beeinträchtigung schützenswerter Baudenkmäler in der Umgebung der Bauparzelle
a) Die Bauparzelle Thun Grundbuchblatt Nr. G._ liegt in der Umgebung von
zwei schützenswerten Baudenkmälern im Sinn von Art. 10a BauG. Unmittelbar an die
Südseite der Bauparzelle angrenzend befindet sich die Parzelle Thun Grundbuchblatt
Nr. H._ mit dem schützenswerten Bauernhaus. Im Norden auf der übernächsten
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
4
Parzelle Thun Grundbuchblatt Nr. I._ befindet sich die ebenfalls schützenswerte
Villa.
Baudenkmäler im Sinne von Art. 10a Abs. 1 BauG sind herausragende Objekte und
Ensembles von kulturellem, historischem oder ästhetischem Wert. Baudenkmäler sind
schützenswert, wenn sie wegen ihrer bedeutenden architektonischen Qualität oder ihrer
ausgeprägten Eigenschaften ungeschmälert bewahrt werden sollen (Art. 10a Abs. 2
BauG). Zu diesem Zweck können soweit nötig auch Baubeschränkungen oder der
Bauabschlag verfügt werden (Art. 10b Abs. 4 BauG). Der Schutz eines Baudenkmals
beschränkt sich nicht nur auf das Objekt selber, sondern erstreckt sich auch auf dessen
Umgebung: schützenswerte und erhaltenswerte Baudenkmäler dürfen durch
Veränderungen in ihrer Umgebung nicht beeinträchtigt werden (Art. 10b Abs. 1 Satz 2
BauG). Bauprojekte in der Nachbarschaft von Baudenkmälern müssen also weitergehende
Einschränkungen in Kauf nehmen. Was das im konkreten Fall heisst, hängt vom
Schutzbedarf des Baudenkmals und seiner Stellung in der Umgebung ab. Unter
Umständen darf auch die zonengemässe bauliche Nutzung nicht voll ausgeschöpft
werden.4 Bei diesen Vorschriften zum besonderen Landschaftsschutz (Art. 10 ff. BauG)
handelt es sich um kantonale Regeln. In diesem Zusammenhang spielt die
Gemeindeautonomie - anders als bei den kommunalen Zonen- und Ästhetikbestimmungen
(siehe nachfolgende Erwägung 3) - keine Rolle.
b) Der Beschwerdeführer (und Eigentümer des Bauernhauses ) ist der Auffassung, das
Bauprojekt nehme nicht genügend Rücksicht auf das schützenswerte Bauernhaus. Durch
den Aufbau von Attikawohnungen entstehe gegenüber dem Bauernhaus faktisch ein
dreigeschossiger Fassadenteil. Das schützenswerte Bauernhaus müsse besser freigestellt
werden. Dies könne nur mit einer Rückversetzung zumindest des südöstlichen Baukörpers
erreicht werden. Die Beschwerdegegnerin weist darauf hin, sie habe sich bei Form und
Standort der beiden Neubauten an den Nachbarkuben orientiert. Zudem habe sie den
Geländeverlauf berücksichtigt.
c) Die OLK kommt in ihrem Bericht vom 14. November 2006 zum Schluss, dass die
Realisierung des vorgesehenen Projekts keine wesentliche Beeinträchtigung für die
schützenswerte Villa darstelle. Sie führt jedoch aus, dass das Bauprojekt das Schutzobjekt
4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Auflage, Band I, Bern 2007, Art. 10a-f N. 7
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Bauernhaus stark beeinträchtige. Zwar sei die Aufteilung des Raumprogramms in zwei
Baukörper begrüssenswert. Dadurch werde der vorherrschenden morphologischen
Struktur Rechnung getragen. Ausserdem erscheine der grosse Baukörper, obwohl er über
maximale Abmessungen im Gebiet verfüge, angesichts der grossen Abstände zur
Hauptstrasse wie aber auch zu den schützenswerten Objekten als vertretbar. Die
Anordnung des vorgesehenen Längsbaus reagiere aber zu wenig auf seinen empfindlichen
Standort in der direkten Nachbarschaft zum Bauernhaus. Das Ausdrehen des kleinen
Baukörpers in eine parallele Lage zum Bauernhaus führe zu einem unverständlichen
Bezug des Baukörpers zum Schutzobjekt. Ausserdem seien für die Realisierung des
Längsbaus Abgrabungen bis zu 3.75 m sowie der Bau einer Hangbefestigungsmauer nötig.
Angesichts dieser Umstände sowie unter Berücksichtigung des geringen Abstandes
zwischen den Gebäuden, würde das Bauvorhaben in dieser Ausgestaltung zu einem
unharmonischen Übergang zum Schutzobjekt führen. Der Aufbau der Attika werde in der
vorgesehenen Art und Weise auf der Längsfassade als zusätzliches Vollgeschoss
empfunden.
d) Die BVE hat sich anlässlich des Augenscheins selber einen Eindruck verschafft und
den Bericht der OLK vor Ort erläutern lassen. Die umsichtigen und differenzierten
Ausführungen der OLK überzeugen die BVE. Durch das Attikageschoss, welches den
Längsbau als dreigeschossiges Gebäude erscheinen lässt, sowie durch den geringen
Gebäudeabstand erscheint der Längsbau vom Bauernhaus aus gesehen als wuchtig und
erdrückend. Die geplanten Abgrabungen stellen zudem einen unglücklichen Übergang zur
Nachbarparzelle mit dem Schutzobjekt dar. Auch der FBA war anlässlich des
Augenscheins über das Ausmass der Abgrabungen erstaunt. Der vorgesehene Längsbau
stellt eine Beeinträchtigung im Sinn von Art. 10b Abs. 1 Satz 2 BauG des schützenswerten
Bauernhauses dar. Dem Bauprojekt ist der Bauabschlag zu erteilen.
3. Einhaltung der kommunalen Zonen- und Ästhetikbestimmungen
a) Die Bauparzelle liegt in der Wohnzone W2 und im Perimeter des Ortsbildgebiets OIV.
Die Ortsbildgebiete sind Erhaltungs- und Entwicklungsgebiete im Sinn von Art. 31 BR5 und
Schutzgebiete im Sinn von Art. 86 BauG (Art. 31 Abs. 1 BR). In den Erhaltungs- und
5 Baureglement der Stadt Thun vom 2. Juni 2002 (BR), genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern (AGR) am 24. Juli 2003 und 27. August 2003, in Kraft gesetzt am 1. November 2003
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Entwicklungsgebieten im Sinn von Art. 31 BR ist an Stelle der baupolizeilichen Masse der
zugrundliegenden Bauzone die vorherrschende bestehende Bebauung wegleitend (Art. 31
Abs. 2 BR). Die baupolizeilichen Masse von Art. 21 BR stehen denn auch unter dem
Vorbehalt besonderer baurechtlicher Ordnungen und Gebiete und kommen in Erhaltungs-
und Entwicklungsgebieten im Sinn von Art. 31 BR nicht zur Anwendung. Die
Ortsbildgebiete O werden in Art. 33 BR in folgender Weise geregelt:
1 Die Ortsbildgebiete umfassen jene Gebiete ausserhalb der Altstadt, die aus
historischen, städtebaulichen oder architektonischen Gründen für die Entwicklung
und das Erscheinungsbild der Stadt bedeutungsvoll sind. Ihre prägenden Elemente
und Merkmale sind zu erhalten und behutsam zu erneuern. Neubauten sind so
einzufügen, dass eine gute Gesamtwirkung erhalten bleibt.
2 Die prägenden Elemente und Merkmale der einzelnen Ortsbildgebiete werden in
Anhang 4 Ziffer 4.2 aufgelistet.
Die prägenden Elemente und Merkmale des Ortsbildgebiets O IV „Bächimatt“ sind im
Anhang 4 Ziffer 4.2 wie folgt umschrieben:
Das Ortsbildgebiet O IV „Bächimatt“ umfasst den ehemaligen Landsitz „Bächimatt“
und das gleichnamige Villenquartier ausserhalb der Hofstetten im ebenen Gebiet
zwischen Hangfuss und rechtem Aareufer; es wird im Wesentlichen geprägt durch:
- die Lage an der Aare und die vorgelagerte Uferpromenade,
- zweigeschossige Villen im Berner Landhausstil,
- grosse Gärten mit bedeutendem Baumbestand.
Daneben ist auch in den Ortsbildgebieten die allgemeine Gestaltungsvorschrift von Art. 5
Abs. 1 BR zu beachten. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin schliessen die
Spezialvorschriften für das Ortsbildgebiet O IV „Bächimatt“ die Anwendung der
allgemeinen Gestaltungsvorschrift von Art. 5 Abs. 1 BR nicht aus. Insbesondere bei der
Auslegung des Begriffs „gute Gesamtwirkung“ im Sinn von Art. 33 Abs. 1 Satz 2 BR kann
auf die entsprechende Ausgestaltung des Begriff in Art. 5 Abs. 1 BR abgestellt werden.
Art. 5 Abs. 1 BR lautet wie folgt:
1 Bauten und Anlagen sind so zu gestalten, dass zusammen mit ihrer Umgebung eine
gute Gesamtwirkung entsteht; dies betrifft insbesondere:
- die prägenden Elemente und Merkmale des Strassen-, Orts-, und
Landschaftsbildes,
- die Eigenheiten des Quartiers,
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- die bestehende und bei Vorliegen einer entsprechenden Planung auch die
beabsichtigte Gestaltung der benachbarten Bebauung,
- Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen der Bauten und Anlagen,
- die Gestaltung, Materialisierung und Farbgebung von Fassaden, Dächern und
Reklamen,
- die Gestaltung der Aussenräume, insbesondere des Vorlandes und der
Begrenzungen gegen den öffentlichen Raum,
- die Gestaltung und Anordnung der Erschliessungsanlagen, Abstellplätze und
Eingänge sowie
- die Gewährleistung der Sicherheit im öffentlichen Raum.
b) Die Stadt Thun hat diese Normen im Rahmen der ihr aufgrund von Art. 65 Abs. 1
BauG zustehenden Autonomie erlassen. Die Autonomie der Gemeinde beschränkt sich
nicht nur auf den Bereich der Rechtsetzung. Insbesondere wo eine Gemeinde zum Erlass
von Rechtnormen berechtigt ist, kommt ihr grundsätzlich auch bei deren Anwendung ein
gewisser Beurteilungsspielraum zu. Es ist somit vorab Sache der Gemeinde zu bestimmen,
wie sie eine kommunale Vorschrift verstanden haben will. Wird die Anwendung einer
solchen Bestimmung Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens, haben die kantonalen
Rechtsmittelinstanzen zu prüfen, ob die von der Gemeinde geltend gemachte Auslegung
rechtlich haltbar ist. Sie auferlegen sich mit anderen Worten eine gewisse Zurückhaltung
gegenüber der Auffassung der Gemeinde. Sie sind nicht befugt, die kommunale Auslegung
der Norm durch ihr eigenes Verständnis zu ersetzen, wenn die Rechtsauffassung der
Gemeinde betreffend den Inhalt, den Sinn und die Tragweite der interessierenden
Vorschrift rechtlich vertretbar erscheint.6
c) Der FBA ist die gemeindeinterne Fachbehörde für Baugestaltung. Er hat sich
während des Baubewilligungsverfahrens eingehend mit dem Bauprojekt
auseinandergesetzt und anlässlich des Augenscheins seinen Standpunkt dargelegt. Der
FBA weist darauf hin, dass das Projekt mit der Schrägstellung des Längsbaus auf den
Hangverlauf regiere. Dadurch werde der natürliche Verlauf des Hangs durch das schmale
Gebäude sanft aufgenommen. Das Projekt erscheine jetzt weicher, weniger linear und
weniger monumental. Durch die Aufteilung des Bauvorhabens in zwei Gebäude entstehe
eine gefällige Hofsituation. Die Attikawohnung auf dem Längsbau sei zurückversetzt
worden. Dadurch sei der Längsbau als zwei- und nicht als dreigeschossiges Gebäude
lesbar. Der FBA habe die Abgrabungen im Gelände anhand von Plänen und Modellen
6 BVR 2002 S. 68; mit Hinweisen; VGE 21806 vom 27. Mai 2004.
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ohne Höhenkurven beurteilt und als erträglich befunden. Die im Gelände selber sichtbare
Abgrabung erschrecke jetzt ein wenig.
d) Die OLK hat in ihrem Bericht vom 14. November 2006 zum Projekt Stellung
genommen und den Bericht am Augenschein erläutert. Auch die OLK anerkennt
grundsätzlich die Aufteilung des Raumprogramms in zwei Baukörper und den dadurch
entstehenden Innenhof. Dennoch kommt sie zum Schluss, dass das Bauvorhaben die gute
Gesamtwirkung beeinträchtige. Das vorgesehene Projekt reagiere weniger auf die gebaute
Umgebung und den umliegenden Kontext, als vielmehr auf die vorherrschenden
Rahmenbedingungen wie Parzellengeometrie, Besonnung und Lärmsituation. Die OLK
bemängelt die Stellung des Längsbaus, welcher durch sein Ausdrehen entlang der
südlichen Parzellengrenze in einer übergeordneten Betrachtungsweise unverständlich
erscheine. Um eine gute Gesamtwirkung zu erzeugen, müsste der Längsbau in
orthogonalem Bezug zur Hofstettenstrasse stehen. In der Gestaltung des Überganges der
Bebauung zur südlichen Nachbarparzelle Nr. H._ weise das Projekt gravierende
Mängel auf. Die vorgesehenen Abgrabungen und Hangbefestigungsmauern schränkten
den natürlichen Übergang von Fläche zu Hang ein. Dies entspreche nicht den Eigenheiten
des Quartiers. Dadurch könne kein harmonischer Übergang im Aussenraum erzeugt
werden. Zwischen Längsbau und benachbartem Bauernhaus entstehe durch die parallele
Stellung ein Zwischenraum, der mit Kunstbauten verstellt sei und die vorgefundenen
Aussenraumqualitäten nicht aufweise. Die Anordnung der besonnten Längsfront des
schmalen Baukörpers und die Abmessungen des kleinen Grenzabstandes gegenüber der
südlich angrenzenden Parzelle überzeuge nicht. Das Attikageschoss sei ortsfremd, die
Attika erscheine als zusätzliches Vollgeschoss. Die Gebäude würden nicht als zeitgemässe
Neuinterpretation eines Villenbaus gelesen.
e) Die Beurteilungen des FBA und der OLK decken sich teilweise. Beide Fachbehörden
anerkennen die Aufteilung in zwei Baukörper und den dadurch entstehenden Innenhof. Die
OLK hat die anwendbaren Kriterien aber umfassender geprüft und kommt gestützt darauf
zu einem negativen Ergebnis. Der FBA hat sich bei seiner Beurteilung vor allem auf die
Gestaltung des Bauprojekts an sich und dessen unmittelbare Umgebung konzentriert und
das Vorhaben zu engräumig betrachtet. Die BVE geht jedoch - in Übereinstimmung mit der
OLK - davon aus, dass die gute Gesamtwirkung eine Bezugnahme auf die gesamte
Umgebung und nicht nur auf einzelne Objekte in der unmittelbaren Nachbarschaft verlangt.
Die Ausführungen der OLK überzeugen auch in diesem Zusammenhang die BVE. Standort
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und Stellung der geplanten Bauten tragen der geforderten guten Gesamtwirkung und der
vorherrschenden bestehenden Bebauung zu wenig Rechnung. Die Schrägstellung des
Längsbaus ist verglichen mit dem gesamten Ortsbildgebiet O IV „Bächimatt“ untypisch. Der
Einwand der Beschwerdegegnerin und des FBA, die Schrägstellung nehme Bezug auf den
Hangverlauf und orientiere sich an der Situierung der Nachbarbauten, überzeugt nicht.
Vielmehr sind die vorgesehenen Gebäude nach der Hofstettenstrasse auszurichten - wie
die übrigen Gebäude im Quartier. Betreffend Ausrichtung ist die übergeordnete
ortsbauliche Analyse massgebend und nicht das schräggestellte Bauernhaus.
Diesbezüglich bildet das Bauernhaus eine Ausnahme, welche nicht zum Nennwert
genommen werden kann. Der FBA erachtet die Abstände als „genügend“, während laut
OLK die Abmessungen des kleinen Grenzabstandes gegenüber der südlich angrenzenden
Parzelle nicht überzeugen. Im Ortsbildgebiet O IV „Bächimatt“ kommen die
baupolizeilichen Masse von Art. 21 BR nicht zur Anwendung. An deren Stelle ist auf die
vorherrschende bestehende Bebauung abzustellen (Art. 31 Abs. 2 BR). Auch
diesbezüglich kann sich die BVE der Beurteilung der OLK anschliessen. Höhe und
südlicher Grenzabstand des Längsbaus respektieren die vorherrschende bestehende
Bebauung zu wenig und erfüllen die Voraussetzungen von Art. 31 Abs. 2 BR nicht. Unter
Berücksichtigung der vorherrschenden bestehenden Bebauung des Quartiers sind auch
die tiefen Abgrabungen und der Eingriff in die Hangstruktur problematisch, was anlässlich
des Augenscheins auch vom FBA bestätigt wurde. Der vorgesehene Attikaaufbau des
Längsbaus erscheint ortsfremd und passt nicht zu den bestehenden, zweigeschossigen
Häusern. Der gelungene Neubau auf Parzelle Thun Grundbuchblatt Nr. J._ und
der Fachbericht der OLK machen deutlich, dass durchaus eine zeitgemässe Auslegung der
kommunalen Gestaltungsvorschriften möglich ist. Aber auch unter Berücksichtigung einer
solchen Auslegung kommt die BVE zum Schluss, dass das vorliegende Bauprojekt keine
gute Gesamtwirkung mit der vorherrschenden bestehenden Bebauung des Quartiers erzielt
und die Auslegung der Stadt Thun beziehungsweise des FBA rechtlich nicht vertretbar ist.
Auch aus diesen Gründen ist dem Bauprojekt der Bauabschlag zu erteilen.
4. Kosten
a) Gemäss Art. 108 Abs. 1 VRPG7 sind die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren
der unterliegenden Partei aufzuerlegen. Die Beschwerdegegnerin hat daher die
7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Verfahrenskosten für vorliegenden Beschwerdeentscheid zu tragen. Die Verfahrenskosten
im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere
Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben
werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf Fr. 2'900.-
(Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1 GebV8). Darin
enthalten sind die Kosten für den Bericht der OLK vom 14. November 2006 gemäss
Schreiben vom 24. November 2006 (Fr. 1'500.-). Zusätzliche Gebühren werden erhoben
für den Augenschein vom 14. Februar 2007 (Fr. 400.-) sowie die Teilnahme der OLK am
Augenschein vom 14. Februar 2007 (Fr. 412.-, gemäss Schreiben vom 27. Februar 2007).
Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren betragen somit Fr. 3'712.-.
b) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren von
Fr. 18'179.- hat in jedem Fall die gesuchstellende Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 52
Abs. 1 BewD9).
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote des Anwaltes des
Beschwerdeführers gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdegegnerin hat
somit dem Beschwerdeführer die Parteikosten im Betrag von Fr. 6'034.35 zu ersetzen.