Decision ID: 6d7c3874-13b0-4f0f-9661-0fc8a8acbd5e
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Prozessgeschichte:
A. Mit Urteil SK.2015.44 vom 30. September 2016 sprach die Strafkammer des Bun-
desstrafgerichts A. des gewerbsmässigen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 i.V.m.
Abs. 2 StGB schuldig und bestrafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und
6 Monaten. Im Weiteren entschied die Strafkammer u.a. über die Entschädigung
für die amtliche Verteidigung von A.; diese war im Verlaufe des Verfahrens von
verschiedenen Verteidigern wahrgenommen worden. Die Entschädigung des
amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt Roger Lerf (nachfolgend: RA Lerf) wurde
auf Fr. 750‘050.– festgesetzt (Dispositiv-Ziff. III.3.8). A. wurde verpflichtet, der
Eidgenossenschaft für die Entschädigung seiner amtlichen Verteidigung Ersatz
in vollem Umfang zu leisten, sobald er dazu in der Lage sei (Dispositiv-Ziff. III.5).
Die Strafkammer behielt sich zudem vor, über die Entschädigung von RA Lerf für
dessen Aufwendungen, die im Zeitpunkt der Urteilseröffnung im Strafpunkt nicht
berücksichtigt werden konnten, zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden
(a.a.O., E. VIII.4).
B. Gegen dieses Urteil führte RA Lerf im eigenen Namen und in Bezug auf seine
Entschädigung Beschwerde nach Art. 135 Abs. 3 lit. a StPO bei der Beschwer-
dekammer des Bundesstrafgerichts. Mit Beschluss BB.2016.358 vom 19. April
2018 hiess die Beschwerdekammer die Beschwerde gut, hob Dispositiv-Ziff.
III.3.8 des angefochtenen Urteils auf und wies die Sache zur neuen Entscheidung
an die Strafkammer zurück.
C. A. führte seinerseits gegen das genannte Urteil der Strafkammer Beschwerde in
Strafsachen beim Bundesgericht u.a. bezüglich der Entschädigung des amtli-
chen Verteidigers RA Lerf. Mit Urteil 6B_28/2018 vom 7. August 2018 wies das
Bundesgericht die Beschwerde von A. ab, soweit es darauf eingetreten war.
D. Mit Eingabe vom 27. August 2018 reichte RA Lerf Anträge betreffend seine Ent-
schädigung bei der Strafkammer ein (TPF 721.85). Die Strafkammer gab in der
Folge der Bundesanwaltschaft und A. Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Bun-
desanwaltschaft stellte den Entschädigungsentscheid ins Ermessen des Ge-
richts (TPF 980.30 ff.). A. liess sich nicht vernehmen.
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Die Strafkammer erwägt:
1. Die Entschädigung der amtlichen Verteidigung wird in Bundesstrafverfahren
nach dem Anwaltstarif des Bundes festgesetzt (Art. 135 Abs. 1 StPO), der im
Reglement des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten,
Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR
173.713.162]) geregelt ist. Die Anwaltskosten umfassen das Honorar und die
notwendigen Auslagen, namentlich für Reise, Verpflegung und Unterkunft sowie
Porti und Telefonspesen (Art. 11 Abs. 1 BStKR). Das Honorar wird nach dem
notwendigen und ausgewiesenen Zeitaufwand des Verteidigers bemessen. Der
Stundenansatz beträgt mindestens Fr. 200.– und höchstens Fr. 300.– (Art. 12
Abs. 1 BStKR). Bei Fällen im ordentlichen Schwierigkeitsbereich beträgt der
Stundenansatz gemäss ständiger Praxis der Strafkammer Fr. 230.– für Arbeits-
zeit und Fr. 200.– für Reisezeit. Der Stundenansatz für Praktikanten beträgt in
der Regel Fr. 100.– (Urteile des Bundesstrafgerichts SK.2015.12 vom 15. Sep-
tember 2015 E. 9.2; SN.2011.16 vom 5. Oktober 2011 E. 4.1, je m.w.H.; vgl. auch
Urteil des Bundesgerichts 6B_118/2016 vom 20. März 2017 E. 4.4.1). Die Aus-
lagen werden im Rahmen der Höchstansätze aufgrund der tatsächlichen Kosten
vergütet (Art. 13 BStKR).
2. Infolge der Rückweisung der Sache durch die Beschwerdekammer hat die Straf-
kammer vorliegend den Umfang der entschädigungspflichtigen Leistungen der
Praktikantin von RA Lerf per Urteilseröffnung im Strafpunkt am 30. September
2016 neu zu bestimmen (vgl. Rückweisungsbeschluss, E. 3.4). Die übrigen Be-
rechnungsgrundlagen des Entschädigungsentscheids der Strafkammer haben
Bestand, nachdem sie von der Beschwerdekammer bestätigt wurden (Stunden-
satz der Praktikantin; a.a.O., E. 3.3) resp. nicht Gegenstand des Beschwerde-
verfahrens waren. Zudem ist, wie im Urteil SK.2015.44 E. VIII.4 vorbehalten, über
die Entschädigung von RA Lerf für seine Aufwendungen, die im Zeitpunkt der
Urteilseröffnung im Strafpunkt nicht berücksichtigt werden konnten, zu befinden.
3. Die Strafkammer ging im Urteil SK.2015.44 aufgrund der Besonderheiten der
Zeiterfassung in der Honorarnote von RA Lerf von 843.4 fakturierten Stunden der
Praktikantin aus. Dieser Aufwand wurde als „grundsätzlich angemessen“ aner-
kannt (a.a.O., E. VIII.2.2). Wie im Rückweisungsbeschluss der Beschwerdekam-
mer festgestellt, beläuft sich der in der Honorarnote veranschlagte Aufwand der
Praktikantin tatsächlich auf rund das Doppelte der von der Strafkammer berück-
sichtigten Stundenzahl, namentlich 1‘693.2 Stunden (vgl. Rückweisungsbe-
schluss, E. 3.4.2). Es stellt sich die Frage, ob dieser Aufwand noch als angemes-
sen betrachtet werden kann.
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Von den fakturierten Leistungen der Praktikantin entfallen rund 1‘435 Stunden
auf das Fallstudium, die Vor- und Nachbereitung der Einvernahmen und die Vor-
bereitung der Hauptverhandlung. Für diese Positionen macht RA Lerf ausserdem
rund 1‘336 Stunden Anwaltsarbeit, erbracht durch ihn und seinen Substituten RA
Martin Gärtl, geltend (TPF 721.25 ff.). Der veranschlagte Gesamtaufwand für die
betreffenden Leistungen erscheint auch in Berücksichtigung des Umfangs und
der Komplexität des Verfahrens als überaus hoch und nicht mehr nachvollzieh-
bar. Es fällt zudem auf, dass für das Fallstudium und die Vorbereitung der Haupt-
verhandlung oft 8 und mehr Stunden pro Tag verbucht werden. Ein effektives
Aktenstudium von täglich 8-9 Stunden über einen längeren Zeitraum ist unrealis-
tisch. Vor diesem Hintergrund ist der geltend gemachte Aufwand der Praktikantin
bezüglich der genannten Positionen ermessensweise um rund ein Viertel zu kür-
zen. Im Weiteren enthält der fakturierte Aufwand der Praktikantin ca. 12 Stunden
für rechtliche Abklärungen. Hierbei handelt es sich grundsätzlich nicht um einen
entschädigungspflichtigen Aufwand (Urteil des Bundesgerichts 6B_694/2013
vom 9. September 2013 E. 2). Aussergewöhnliche Rechtsfragen, welche diesen
Aufwand ausnahmsweise zu rechtfertigen vermöchten, stellten sich für die Ver-
teidigung vorliegend nicht. Der übrige Aufwand der Praktikantin steht im Wesent-
lichen im Zusammenhang mit den Teilnahmen an den Einvernahmen im Vorver-
fahren und ist nicht zu beanstanden. Aufgrund des Dargelegten werden 1‘320
Stunden als gerechtfertigter Praktikantenaufwand anerkannt. Sie werden mit ei-
nem Stundenansatz von Fr. 100.– vergütet (vgl. Rückweisungsbeschluss,
E. 3.3).
Unter Berücksichtigung der übrigen, nicht bestrittenen Positionen (2‘041.4 An-
waltsstunden à Fr. 270.–, 107.8 Stunden Reisezeit à Fr. 200.–; Urteil SK.2015.44
E. VIII.2.2) beträgt das Honorar von RA Lerf (ohne Auslagen und MWST)
Fr. 704‘738.–. Hinzu kommen die Reisekosten von Fr. 12‘225.50 sowie eine
Pauschale von 3% der Honorarsumme, d.h. Fr. 21‘142.15, für die übrigen Spe-
sen. Alles in allem ergibt dies aufgerundet eine Entschädigung von Fr. 797‘160.–
(inkl. MWST).
4. In Bezug auf den Verteidigungsaufwand, der im Zeitpunkt der Urteilseröffnung im
Strafpunkt nicht berücksichtigt werden konnte, ergibt sich Folgendes:
RA Lerf macht diesbezüglich einen Aufwand von 77.6 Stunden (davon 6.6 Stun-
den Reisezeit) sowie Auslagen in Höhe von Fr. 1‘623.10, zzgl. MWST, geltend
(TPF 721.78 ff.).
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Vom ausgewiesenen Aufwand entfallen 31.5 Stunden auf rechtliche Abklärun-
gen. Dieser Zeitaufwand ist nach dem Gesagten nicht zu entschädigen. Der üb-
rige Aufwand erscheint grundsätzlich angemessen. Indes sind 12 Arbeitsstunden
vom Gericht bereits im Urteil SK.2015.44 (E. VIII.2.2) vorsorglich für die Nachbe-
arbeitung berücksichtigt worden und sind dementsprechend in Abzug zu bringen.
Es verbleiben somit 27.5 Stunden Arbeitszeit und 6.6 Stunden Reisezeit, die zu-
sätzlich zu entschädigen sind. Die Stundensätze betragen, wie im Urteil
SK.2015.44 festgelegt, Fr. 270.– für die Arbeits- und Fr. 200.– für die Reisezeit.
Von den geltend gemachten Auslagen entfallen Fr. 366.80 auf Reisekosten.
Diese sind nicht zu beanstanden. Nicht nachvollziehbar sind hingegen die Aus-
lagen von Fr. 1‘256.30 für Telefonspesen, Porti und Kopien. Angesichts des für
das Gericht insoweit feststellbaren tatsächlichen Aufwands sind die betreffenden
Kosten mit einer Pauschale von rund Fr. 150.– abzugelten. Unter Berücksichti-
gung der MWST ist die Entschädigung für die thematisierten Aufwendungen auf
Fr. 10‘000.– festzusetzen.
5. Im Ergebnis hat die Eidgenossenschaft RA Lerf für die amtliche Verteidigung von
A. mit Fr. 807‘160.– (inkl. MWST) zu entschädigen. Die geleisteten Akontozah-
lungen sind von diesem Betrag in Abzug zu bringen.
6. Es rechtfertigt sich vorliegend, die bedingte Rückerstattungspflicht des Verurteil-
ten in Bezug auf die Entschädigung von RA Lerf auf den im Urteil SK.2015.44
festgelegten Betrag von Fr. 750‘050.– zu beschränken.
7. Für diesen Entscheid sind keine Kosten zu erheben.
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