Decision ID: 906a9f52-506d-4bcf-8554-4d4e856e3953
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG, Postfach, 8085 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
Der 1978 geborene S._ war bei der A._ angestellt, und dadurch bei der Zürich
Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Zürich) obligatorisch gegen die Folgen
von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Gemäss Unfallmeldung vom 26. Mai
2009 zog sich der Versicherte bei einem Rugbyspiel am 26. April 2009 eine
Nervüberdehnung nach Wegstossen eines Gegners zu (act. G 6.4/Z1). Laut Arztzeugnis
vom 16. Juni 2009 konsultierte er am 20. Mai 2009 wegen Kopf- und
Nackenschmerzen Dr. med. B._, FMH Orthopädie, Sportmedizin SGSM, (act. G 6.4/
ZM1). Die am 26. Mai 2009 im Medizinisch Radiologischen Institut, Zürich,
durchgeführte MRI-Untersuchung der Halswirbelsäule (HWS) zeigte als Hauptbefund
auf dem Niveau C5/C6 eine paramedian linksseitige Diskushernie mit umschriebener
Impression des Duralsacks und leichter Abflachung des Myelons sowie zusätzlich eine
Einengung des rechtsseitigen Neuroforamens mit wahrscheinlicher Irritation der
Nervenwurzel C6 rechts (act. G 6.4/ZM2). Am 5. Juni 2009 beantwortete der
Versicherte die ihm als Ergänzung zur Unfallmeldung im "Frageblatt zur Verletzung"
gestellten Fragen (act. G 6.4/Z5). Mit Verfügung vom 6. Juli 2009 teilte die Zürich dem
Versicherten mit, beim gemeldeten Vorfall handle es sich weder um einen Unfall noch
seien die Voraussetzungen für eine unfallähnliche Körperschädigung erfüllt. Es könnten
ihm daher keine Leistungen der Unfallversicherung gewährt werden (act. G 6.4/Z9).
B.
Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache vom 9. Juli 2009 (act. G 6.4/Z10) wies
die Zürich mit Einspracheentscheid vom 12. Oktober 2009 ab (act. G 6.4/Z16).
C.
C.a Gegen diesen Entscheid liess der Versicherte am 9. November 2009 durch
Rechtsanwalt lic. iur. R. Hochreutener, St. Gallen, Beschwerde erheben und
beantragen, der angefochtene Einspracheentscheid vom 12. Oktober 2009 sei
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aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen gemäss
Unfallversicherungsrecht, namentlich die Kosten der Heilbehandlung, zu erbringen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zusammen mit der Beschwerde wurde u.a.
eine vom Ex-Coach des Versicherten bzw. des Rugby Clubs C._ am 4. November
2009 verfasste Schilderung des Ereignisses vom 26. April 2009 eingereicht.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 7. Januar 2010 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde.
C.c Mit Replik vom 15. Januar 2010 und Duplik vom 21. Januar 2010 hielten die
Verfahrensparteien an ihren Anträgen fest.
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die beim Beschwerdeführer anlässlich der MRI-
Untersuchung vom 26. Mai 2009 festgestellte Diskushernie der HWS auf dem Niveau
C5/C6 durch einen Unfall verursacht wurde. Während der Beschwerdeführer unter
Hinweis auf die Unfallschilderung seines Ex-Coachs vom 4. November 2009 geltend
macht, beim Vorfall vom 26. April 2009 handle es sich um einen Unfall im Sinn des
Gesetzes, vertritt die Beschwerdegegnerin die Ansicht, es liege kein Unfallereignis vor.
Einigkeit besteht hingegen offensichtlich darin, dass es sich bei der anschliessend an
den fraglichen Vorfall diagnostizierten Diskushernie im Bereich der HWS nicht um eine
unfallähnliche Körperschädigung im Sinn von Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) handelt. Dies trifft zu, figurieren solche
Bandscheibenverletzungen doch nicht unter den in der genannten Bestimmung
abschliessend aufgezählten Körperschädigungen.
2.
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Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden die Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Als Unfall gilt die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung
eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge
hat (Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal
der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den
Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der
äussere Faktor selbst allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog
(BGE 112 V 202 E. 1). Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des
im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft,
beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht
fallen (RKUV 2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38
E. 1a, je mit Hinweisen). Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des
ungewöhnlichen äusseren Faktors auch in einer unkoordinierten Bewegung (RKUV
1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b; Alfred Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 176 f.) oder in einer
(im Hinblick auf die Konstitution und berufliche oder ausserberufliche Gewöhnung der
betreffenden Person) ausserordentlichen Überanstrengung (vgl. BGE 116 V 139 E. 3b;
RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2) bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der
Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist,
wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer
Körperbewegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat. Bei einer solchen
unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der
äussere Faktor - Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt - ist wegen der
erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E.
2.1; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 7. Oktober 2003 [U 32/02] i/S
Z., E. 2.2; RKUV 1996 Nr. U 253 S. 204 E. 4c und 1994 Nr. U180 S. 38 E. 2 mit
Hinweisen).
3.
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Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht, der
Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben den
Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln. Allerdings ist die leistungsansprechende
Person gesetzlich verpflichtet, dabei mitzuwirken. Sie muss die einzelnen Umstände
des Unfallgeschehens glaubhaft machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach,
indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das
Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen,
besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers (BGE 114 V 305 E. 5b; RKUV
1990 Nr. U 86 S. 50). Bei sich widersprechenden Aussagen der versicherten Person
über den Unfallhergang kann praxisgemäss auf die Beweismaxime abgestellt werden,
wonach die sogenannten "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener
und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von
nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst
sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Laufe der Zeit wechselt,
kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, meistens grösseres
Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE
121 V 47 E. 2a mit Hinweisen; A. Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl.
Zürich 2003, S. 21). Das Gericht stellt auf jene Sachverhaltsdarstellung ab, die es von
allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 117 V
360 E. 4a mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im
Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine
Beweislast insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener
Partei ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese
Beweisregel kommt zur Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
kein wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 305 E. 2b). Wird
also auf dem Weg der Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht
wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht - (Th.
Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 451 f.) - so hat
dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der Person auswirkt, die
Anspruch auf Versicherungsleistungen erhebt.
4.
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4.1 In der Unfallmeldung vom 26. Mai 2009 meldete die Arbeitgeberin des
Beschwerdeführers, dieser habe sich bei einem Rugbyspiel beim Wegstossen eines
Gegners einen Nerv überdehnt (act. G 6.4/Z1). Im Arztzeugnis von Dr. B._ vom 16.
Juni 2009 ist unter der Rubrik "Freie Schilderung des Unfallhergangs in
chronologischer Abfolge durch den Patienten" folgendes festgehalten: "Zusammenprall
mit Gegner beim Rugbyspiel, dabei HWS-Distorsion" (act. G 6.4/ZM1). In dem zur
Ergänzung zur Unfallmeldung dem Beschwerdeführer zugestellten "Frageblatt zur
Verletzung" gab dieser am 5. Juni 2009 an, er habe während des Rugbyspiels gegen
den Rugbyclub D._ einen Gegenspieler "weggeruckt". Mit Schwung schiebe man
dabei jemanden weg. Er habe die Bewegung mit Tempo ausgeführt. Die rechte
Schulter sei dabei schnell nach unten und der Kopf auf die andere Seite gedrückt
worden, wodurch er einen Bandscheibenvorfall und die Nervüberdehnung C6 erlitten
habe. Normalerweise sei diese Bewegung kein Problem, da sie im Training vielfach
geübt werde. Doch dieses Mal hätten der Winkel und der Abschluss, die Position des
Kopfes, d.h. dessen Neigung, nicht gestimmt. Auf die Frage, ob sich im
Bewegungsablauf etwas Ungewöhnliches ereignet habe, antwortete der Versicherte,
dass einige Muskeln im Nacken- und Schulterbereich durch die Nervüberdehnung, den
Bandscheibenvorfall und die Einengung des Nervs C6 infolge dessen Anschwellung
nicht mehr mit Nervensignalen versorgt worden seien und er während zwei bis drei
Wochen die Kontrolle über die Muskeln verloren habe. Einige Muskeln hätten
atrophiert. Im Weiteren bejahte der Versicherte die Frage, ob er im Training regelmässig
solche Bewegungen durchführe (act. G 6.4/Z5). Nachdem die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer am 6. Juli 2009 verfügungsweise mitgeteilt hatte, dass sie
mangels Vorliegens eines Unfalls keine Leistungen erbringen werde, "präzisierte"
dieser in der Einsprache vom 9. Juli 2009 nochmals, wie es zur Verletzung gekommen
sei. Das Allerwichtigste beim "Ruck", einer typischen Rugbyspielsituation, seien das
Timing und die korrekte Körperhaltung in Bezug auf den Gegner. In seinem Fall sei der
Gegner unerwartet früher an dem Ort gewesen, an dem er ihn erwartet habe. Es sei
ihm deshalb nicht genügend Zeit geblieben, den Schultergürtel und Nackenbereich
anzuspannen, um die Schulter zu schützen. Er habe den eingeübten Bewegungsablauf
nicht vollständig durchführen können. Der Aufprall sei mit entspannter, nach vorne
gedrehter Schulter geschehen. Die Schultermuskeln hätten die Kraft des Aufpralls nicht
absorbieren können, da sie entspannt gewesen seien. Nur angespannte Muskeln
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könnten Energie absorbieren. Der ungewöhnliche äussere Faktor sei im vorliegenden
Fall somit die Wettkampfsituation und der Gegenspieler gewesen, der ihm nicht
genügend Zeit gelassen habe, den eingeübten Bewegungsablauf korrekt
durchzuführen (act. G 6.4/Z10). Der Ex-Coach des Beschwerdeführers bestätigte den
vom Beschwerdeführer in der Einsprache dargelegten Ablauf des Ereignisses vom 26.
April 2009 am 5. November 2009 nochmals, indem er erklärte, der Beschwerdeführer
habe sich einem offenen Gedränge (Ruck) genähert, um einen Mitspieler zu
unterstützen. Ein offenes Gedränge werde gebildet, wenn mindestens ein Spieler
beider Seiten sich über dem getackelten Spieler binden würden, also sich umfassten
und um den Ball kämpften und versuchen würden, darüber zu stehen. Ein Gegenspieler
sei unerwartet in Richtung des Beschwerdeführers gerannt, worauf dieser keine Zeit
mehr gehabt habe, sich situationsgerecht zu verhalten, da der gegnerische Spieler aus
der Deckung des Mitspielers gekommen sei. Dies habe dazu geführt, dass der
Gegenspieler den Beschwerdeführer in der Kopf- und Nackenregion getroffen habe.
Dieser habe keine Zeit mehr gehabt, sich auf den Aufprall vorzubereiten. Die
beschriebene, unerwartet gekommene Situation komme im Rugby selten vor (act. G
1.3).
4.2 Streitig ist insbesondere, ob ein ungewöhnlicher äusserer Faktor auf den Körper
des Beschwerdeführers eingewirkt hat. Das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren
Faktors kann - wie dargelegt (vgl. Erwägung 2 hievor) - auch in einer unkoordinierten
Bewegung bestehen. Der ungewöhnliche äussere Faktor liegt in solchen Fällen darin,
dass die körperliche Bewegung durch etwas "Programmwidriges" gestört wird, was
beispielsweise dann zutrifft, wenn die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an
einen Gegenstand anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine
reflexartige Abwehrhaltung ausführt oder auszuführen versucht (vgl. RKUV 1999 Nr. U
345 S. 422 E. 2b mit Hinweisen).
4.3 Während die Beschwerdegegnerin geltend macht, der erst nach Erlass der
Verfügung vom 6. Juli 2009 vorgebrachte Sachverhalt bzw. jener seines Ex-Coachs
widerspreche den Aussagen der ersten Stunde, womit darauf nicht abgestellt werden
könne, stellt sich der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers auf den Standpunkt, die
spätere Ereignisschilderung stehe nicht in Widerspruch zu den Ausführungen vom 5.
Juni 2009. Vielmehr handle es sich um detailliertere Angaben des Zeugen und des
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Beschwerdeführers bzw. ausschliesslich um Präzisierungen des Unfallhergangs. Es ist
einzuräumen, dass es bei sämtlichen Ereignisschilderungen um eine Situation mit
einem Gegenspieler im Rahmen eines Rugbymatchs geht. Da rugbytypische
Spielsituationen hierzulande nicht gerade zum sportlichen Allgemeinwissen zählen, ist
es an sich verständlich, dass der Beschwerdeführer die fragliche Situation des "rucks",
bei welcher er sich die Verletzung im Nackenbereich zugezogen hat, präzisierend
darlegen wollte. Auffällig ist indessen, dass sowohl in der Bagatellunfall-Meldung als
auch im Frageblatt zur Verletzung der Beschwerdeführer selbst der aktive Spieler ist: Er
hat einen Gegenspieler weggestossen bzw. mit Schwung und Tempo wegge"ruckt",
wobei die rechte Schulter schnell nach unten und der Kopf auf die andere Seite
gedrückt worden sei. Diese Darstellungen passen zur Spielsituation des "rucks", in
welcher sich mindestens je ein Spieler der beiden beteiligten Mannschaften mit
vorgebeugten, sich gegenseitig mit den Armen umfassten Oberkörpern über einem
getackelten Mitspieler in die jeweils entgegengesetzte Richtung wegzudrücken
versuchen mit dem Ziel, den Ball einem Spieler der eigenen Mannschaft wieder
zugänglich zu machen. In der Einsprache dagegen kam es zu einem Zusammenprall
mit einem Gegner, der unerwartet früher an dem vom Beschwerdeführer antizipierten
Ort war. In der Unfallschilderung, wie sie - vom Ex-Coach überaus detailliert bestätigt -
in der Beschwerde zu finden ist, wird der Beschwerdeführer dann vollends zum
überrumpelten Opfer: Er nähert sich einem "Ruck", also einem offenen Gedränge, um
einen Mitspieler zu unterstützen, als unerwartet aus der Deckung eines anderen
Spielers der Gegenspieler auf ihn zugerannt kam und mit ihm, dem gar keine Zeit blieb,
sich darauf vorzubereiten, im Kopf- und Nackenbereich zusammenprallte. Angesichts
der Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht verneint hatte, weil
kein ungewöhnlicher äusserer Faktor geschildert worden war bzw. nichts was das
Alltägliche oder Übliche, was sich in einem Rugbyspiel gemeinhin zuträgt,
überschreiten würde, wirkt diese Sachverhaltsevolution schon sehr stark von
nachträglichen versicherungsrechtlichen Überlegungen mitgeprägt. Von daher kann es
der Beschwerdegegnerin nicht zum Vorwurf gereichen, wenn sie sich von der in
Erwägung 3 dargelegten Beweismaxime hat leiten lassen, dass nämlich die Aussagen
der ersten Stunde unbefangener und zuverlässiger sind und deshalb für den
massgeblichen Sachverhalt darauf abzustellen ist. Dass sie darin keinen
ungewöhnlichen äusseren Faktor zu erkennen vermochte bzw. nichts, was den im
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Rahmen eines Rugbymatchs üblichen "ruck", an welchem der Beschwerdeführer
beteiligt war und sich verletzt hatte, im Sinn einer für die Anerkennung eines Unfalls
erforderlichen Programmwidrigkeit gestört hat, ist nicht zu beanstanden. Die Frage, ob
die spätere Ereignisschilderung, auf die nach dem Gesagten nicht abgestellt werden
kann, analog dem Bandencheck im Eishockey (vgl. BGE 130 V 117), programmwidrig
bzw. durch eine unvorhersehbare Beeinträchtigung beeinflusst worden ist, kann unter
diesen Umständen offen bleiben.
4.4 Bei einer Sportverletzung ist ohne besonderes Vorkommnis das Merkmal der
Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalls zu verneinen (BGE 130 V 118
E. 2.2 mit Hinweisen). Ein Unfall im Rechtssinn ist lediglich dann anzunehmen, wenn
die sportliche Übung anders verläuft als geplant (vgl. RKUV 2004 Nr. U 502 S. 185 E.
4.4). Wenn sich hingegen das einer sportlichen Übung inhärente Risiko einer Verletzung
verwirklicht, liegt kein derartiges Unfallereignis vor. Ein solches ist auch dann zu
verneinen, wenn die Übung zwar nicht ideal verläuft, die Art der Ausführung sich aber
noch in der Spannweite des Üblichen bewegt. Eine relevante Programmwidrigkeit liegt
unter anderem dann vor, wenn die sich sportlich betätigende Person stürzt, stolpert,
ausgleitet oder an einem Gegenstand anstösst (Urteil des EVG vom 7. Oktober 2003 [U
322/02] i/S Z., E. 4 mit Hinweisen).
4.5 In Bezug auf die Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers im "Frageblatt
zur Verletzung" ist eine unfallversicherungsrechtlich relevante Programmwidrigkeit bzw.
eine unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzte unkoordinierte Bewegung,
vergleichbar mit einem Ausgleiten oder Stolpern, nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargetan. - Die sogenannte Ruckbewegung ist
Bestandteil des Rugby und stellt eine gewöhnliche sportliche Übung dar, die einen
Körperkontakt mit dem Gegner einschliesst, womit ein äusserer Faktor auf den Körper
einwirkt. Laut Aussage des Beschwerdeführers wird die Ruckbewegung regelmässig in
den Trainings durchgeführt und ist für ihn normalerweise kein Problem. Damit die
körpereigene Bewegung das gemäss Art. 4 ATSG erforderliche Tatbestandsmerkmal
der Ungewöhnlichkeit erfüllt, muss sie damit zusätzlich aus einer eindeutig
programmwidrigen Bewegung im Sinn der Erwägung 4.4 hervorgegangen sein. Zur
Minimierung des Verletzungsrisikos sollte die Ruckbewegung grundsätzlich mit einer
bestimmten Technik ausgeführt werden. Der Beschwerdeführer spricht nun aber
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davon, er habe die Ruckbewegung im konkreten Fall mit Tempo ausgeführt, wodurch
dieses Mal der Winkel und der Abschluss, die Position des Kopfes, d.h. dessen
Neigung, nicht gestimmt habe. Die rechte Schulter sei nach unten und der Kopf auf die
andere Seite gedrückt worden. Laut Sachverhaltsschilderung im "Fragebogen zur
Verletzung" wurde der Beschwerdeführer vom Gegner nicht "getroffen", sondern hat er
diesen "weggestossen". Schulter und Kopf wurden zwar durch das Zusammentreffen
mit dem Gegenspieler nach unten bzw. auf die andere Seite gedrückt. Ursache dafür
war jedoch nicht eine Programmwidrigkeit des Gegenspielers, sondern die temporeich
ausgeführte Ruckbewegung des Beschwerdeführers. Tempo ist aber im Sport - gerade
in einer Wettkampfsituation - eine wichtige Komponente. Mit Körperkontakten bzw.
Körperangriffen ist zudem zu rechnen. Auch wenn der Körper beim Sport gegenüber
dem alltäglichen Bewegungsablauf erhöhten Kräften ausgesetzt ist, stellt nicht bereits
jede Abweichung vom Üblichen ein sinnfälliges Ereignis entsprechend einem Unfall dar.
Wie bereits erwähnt, gibt es eine Spannweite des Üblichen. In der Regel ist ein Körper,
d.h. sind dessen Muskeln, Sehnen und Bänder, auf ein für den Sport erforderliches
Bewegungsausmass eingerichtet. Inwiefern die vom Beschwerdeführer erwähnte
Fehlneigung des Kopfs sowie das Drücken der rechten Schulter nach unten und des
Kopfs auf die andere Seite nicht im Rahmen des für einen Körper üblichen Ausmasses
passiert ist bzw. der fragliche Körperbereich im Sinn einer klar abgegrenzten
Belastungssituation übermässig beansprucht wurde, ist jedoch aufgrund der
vorliegenden Beschreibung nicht bestimmbar. Das Unfallmerkmal des ungewöhnlichen
äusseren Faktors ist unter diesen Umständen nicht nachgewiesen. Vom medizinischen
Standpunkt aus ist an dieser Stelle anzufügen, dass es einer medizinischen
Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts entspricht, dass
Diskushernien in aller Regel degenerative Erkrankungen darstellen. Ein
Bandscheibenvorfall kann nur dann als weitgehend durch eine äussere Einwirkung
entstanden betrachtet werden, wenn die dabei wirkende Kraft ausserordentlich hoch -
beispielsweise als Folge der bei Verkehrsunfällen wirkenden physikalischen Kräfte -
war und der Unfall mithin geeignet war, eine prätraumatisch vollständig unauffällige
Bandscheibe zu zerreissen (Wolfang Meier, Lumbale Diskushernie und Unfall, in:
Medizinische Mitteilungen der Suva Nr. 68 [Dezember 1995], S. 14 ff.; RKUV 2000 Nr.
U 379 S. 192 f. E. 2a mit Hinweisen; Urteile des EVG vom 3. Oktober 2005 [U 163/05] i/
S R., E. 3.1, und 18. Februar 2002 [U 459/00] i/S K., E. 3b). Die Symptome der
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Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) müssen unverzüglich und mit
sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten sein (Urteil des EVG vom 25. November 2004
[U 107/04] i/S I.). Die Voraussetzungen hinsichtlich des Unfallereignisses sind
vorliegend nicht gegeben. Ebenfalls nicht erwiesen ist, dass sie bezüglich des
Gesundheitszustands vor dem Unfall erfüllt waren. Hinzuweisen ist schliesslich auf den
Umstand, dass eine Erstbehandlung beim Beschwerdeführer erst rund einen Monat
nach dem fraglichen Ereignis stattgefunden hat und im Anschluss an das Ereignis keine
Arbeitsunfähigkeit dokumentiert ist (act. G 6.4/ZM1). Zusammenfassend ergibt sich,
dass das Ereignis vom 26. April 2009 nicht als Unfall im Rechtssinn anerkannt werden
kann. Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungspflicht somit zu Recht verneint.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG