Decision ID: 271f70ad-a347-54e5-926b-32703fba30e7
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1979 geborene
X._
war zuletzt von
1999
bis
2005
als
Betriebsmitarbeiter Logistik
bei der
Y._
(Urk. 9/6
, Urk. 9/18
)
und von 2005 bis
2006
als Lagermitarbeiter bei der
Z._
tätig
(Urk. 9/40)
.
Am
1
2.
Februar 2004
meldete er sich unter Hinweis auf
eine
seit 1997 bestehende
Depression
bei der Invalidenversicherung zum Leist
ungsbezug an (Urk. 9/1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und
wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
1.
Juni 2004 (Urk. 9/10) und diese bestätigendem
Einspracheent
scheid
vom 2
3.
August 2004 (Urk. 9/16) ab.
1.2
Am 1
2.
März 2008 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine psycho
soziale Belastung (unter Ausschluss einer Depression) erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 9/35
= Urk. 9/77
).
Die IV-Stelle klärte in der Folge die medizinische und erwerbliche Situation ab und holte bei
Dr.
med. A._
ein psychiatrisches Gutachten ein, welches am 2
6.
Februar 2010 erstattet wurde
(Urk. 9/67
/1-10
).
M
it Verfügung vom 17.
Juni 2010
sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung
ab
1.
Mai 2007
bei
einem Invaliditätsgrad von 100 %
eine ganze
R
ente zu (Urk. 9/93)
.
1.3
Nach Eingang des am 8.
April 2012 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 9/103) holte die IV-Stelle einen medizinischen Bericht ein (Urk. 9/108
). Am 21.
September 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sein Rentenan
spruch sei unverändert (Urk. 9/110).
1.4
Nach am 1
2.
November 2014 ausgefülltem Revisionsfragebogen (Urk. 9/129) holte die IV-Stelle
bei
Dr.
med. B._
ein psychiatrisches Gutachten
ein
, welches am
2.
Oktober 2017 erstattet wurde (Urk. 9/151/1-93)
.
Nach durchge
führtem
Vorbesche
idverfahren
(Urk. 9/157, Urk. 9/162
)
setzte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2
8.
Februar 2018
die bisherige ganze Rente auf eine halbe Rente herab
(Urk. 9/172
=
Urk.
2
).
2.
Der Versicherte erhob am
4.
April 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
28.
Februar 2018
(
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und es sei ihm weiterhin eine ganze Rente auszurichten (Urk. 1).
Am
2
2.
Mai 2018 (Urk. 8
) beantragte die IV-Stelle
eine
reformatio
in
peius
.
Mit Replik vom 2
9.
Juni 2018 (Urk. 13)
hielt
der Beschwerdeführer
an seinem Antrag auf Aufhebung der strit
tigen Verfügung fest und beantragte die Ablehnung des Antrags der Beschwer
degegnerin auf
reformatio
in
peius
.
Mit Eingabe vom
2.
August 2018 (Urk.
1
6
) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Duplik. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
1
6.
August
201
8 zur Kenntnis gebracht (Urk. 17
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente,
die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1
.4
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und sei
ner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fach
ärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4). Wichtigste Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen bildet – gegebenenfalls neben standardisierten Tests – die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2 mit Hinweis).
Für den Aussagegehalt eines medizinischen Berichts kommt es nicht in erster Linie auf die Dauer der Untersuchung an. Massgeblich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist. Der für eine psychiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand hängt stets von der Fragestel
lung und der zu beurteilenden Psychopathologie ab (erwähntes Urteil 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 28. Feb
ruar 2018 (
Urk.
2) damit, dass
sich gemäss einem ausführlichen Gutachten vom
2.
Oktober 2017 die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers deutlich verbessert habe. Er sei seit Juni 2016 in jeglicher Tätigkeit wieder zu 50 % arbeitsfähig. Der neue Invaliditätsgrad betrage folglich 50 % (S. 4).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
Mai 2018 (Urk. 8)
ging
die Beschwerdegegnerin aus näher genannten Gründen (S. 1 f.)
davon aus, dass es vorliegend an einer psychischen Störung mit Krankheitswert fehle und kein invalidisierender Gesundheitsschaden mehr ausgewiesen sei. Zum heutigen Zeitpunkt bestehe daher kein Rentenanspruch mehr, weshalb die bisherige Rente des Beschwerde
führers nicht lediglich auf eine halbe Rente herabzusetzen, sondern ganz aufzu
heben sei (
Rz
4).
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich demg
egenüber auf den Standpunkt
,
sein Gesundheitszustand habe sich seit der letzten Rent
enüberprüfung nicht verbessert (Urk. 1). Das Gutachten von
Dr.
med.
B._
sei aus näher genannten Grün
den (vgl. Urk. 13 S. 3
Rz
6) nicht nachvollziehbar.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Invaliditätsgrad de
s
Beschwerdeführer
s
in anspruchsrelevanter Weise verändert hat.
3.
Der rentenzusprechenden Verfügung vom
1
7.
Juni 2010
(Urk.
9/93
) lag im Wesentlichen das folgende Gutachten
zugrunde:
Dr.
med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, nannte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 2
6.
Februar 2010 (Urk. 9/67
/1-10
) fol
gende Diagnosen
(S. 7
Ziff.
6):
-
schwere, rezidivierende depressive Störungen (
ICD-10
F33.2)
-
ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (
ICD-10
F60.6)
-
posttraumatische Belastungsstörung seit der frühen Jugend infolge mas
siver Aggressions- und Überforderungserfahrung bereits in früher Jugend (
ICD-10
F43.1)
-
Status nach Störung durch
Cannabinoide
, seit
zirka
2004 abstinent
Es handle sich um einen schwer und multipel traumatisierten Mann mit sehr schwieriger Kindheit, Pubertät und Adoleszen
z
, die ihm eine gute Integration in die Gesellschaft verunmöglicht h
ätten
. Die Traumatisierungen wirkten ohne Min
derung heute noch nach, was ihm verunmögliche, eine gesunde Aktivität zu ent
falten. Er lebe in einer Welt, von der er sich missverstanden und unrecht behan
delt und beurteilt fühle (S. 7
Ziff. 5
).
In der Begutachtung habe sich gezeigt, dass sich der Beschwerdeführer infolge seiner psychischen Schwierigkeiten zurzeit in keiner Art und Weise mehr für die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt eigne. Neben seiner schwersten Depres
sion genügten vor allem seine kognitiven Leistungen nicht mehr für eine Erwerbstätigkeit. Zudem sei er infolge seiner traumatisierten Persönlichkeit nicht mehr in der Lage, sich in Gruppen zu integrieren und irgendwelche autoritären Abhängigkeitsverhältnisse zu ertragen. Dies wirke sich heute in einer ängstlich unsicheren inneren Unruhe und einer Angst vor Aggressionsdurchbrüchen aus, weshalb ein massiver sozialer Rückzug eingetreten sei (S. 8 oben).
Seit dem Mai 2006 sei der Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig (S. 8 Mitte).
Aufgrund seiner schwersten Depression sollte der Beschwerdeführer eigentlich intensiver behandelt werden könne
n
. Aus psychodynamischer Sicht gehe aber eine Verbesserung des Gesundheitszustandes und vor allem seines Antriebs direkt einher mit einer inneren, aggressiven Aufladung
gegen das eigene Schicksal (S.
8
unten
). Zentral wichtig sei eine verbindliche, vertrauensvolle emotionale Bezie
hung zu einem Therapeuten, weil er sonst keinerlei Bezugspersonen habe (S. 9).
4.
Im Rahmen der ersten amtlichen Rentenrevision holte die Beschwerdegegnerin
den
folgenden medizinischen Bericht ein:
Dipl.-Psych.
C._
, Psychotherapeutin, und med.
pract
.
dipl.
pol.
D._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
E._
,
führte
n
mit
Bericht vom 2
1.
Juli 2012 (Urk. 9/108)
aus, sie beha
nd
e
l
ten
den Beschwerdefüh
rer seit dem
2.
April 2012 (Ziff. 1.2)
,
und nannte
n
folgende
Diagnosen mit Aus
w
irkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Ziff.
1.
1
):
-
ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (
ICD-10
F60.6)
-
rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode (
ICD-10
F33.1)
-
Agoraphobie mit Panikstörung (
ICD-10
F40.1)
-
posttraumatische Belastungsstörung (
ICD-10
F43.1), multiple Traumata schon in der frühen Kindheit
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie einen
Sta
tus nach Cannabisabhängigkeit (
ICD-10
F12.2), abstinent seit 2004
(Ziff. 1.1).
Aktuell komme der Beschwerdeführer seit April zu therapeutischen Gesprächen. Zuvor habe er etwa ein Jahr, in Abwesenheit seiner Bezugsperson, keine Behand
lung in Anspruch genommen. Er lebe gemeinsam mit seiner Ehefrau und Tochter (geboren im November 2010) in einer 3-Zimmer Wohnung (Ziff. 1.4 oben).
Zum B
efund führten die Fachpersonen F
olgendes aus:
Wacher, bewusstseinskla
rer zu allen Qualitäten orientierter Beschwerdeführer, im Kontaktverhalten freundlich, aber unsicher wirkend, Vermeidung von Blickkontakt. Aufmerksam
keit, Konzentration und Gedächtnis seien eingeschränkt. Das formale Denken sei durch Grübeln und Gedankenkreisen (Schuld- und Schamgefühle, vergangene Kränkungen) beeinträchtigt. Inhaltliche Denkstörungen, Sinnestäuschungen und Zwänge würden verneint. Viele Befürchtungen bezüglich Zukunft, Vaterrolle, Finanzen. Es bestünden Ängste und
soziophobische Züge mit daraus folgendem sozialen Rückzug. In der Öffentlichkeit fühle er sich bisweilen beobachtet und er sei eher misstrauisch. Dies sei im Rahmen der Persönlichkeits- und Angststörung zu sehen. Er trage keine wahnhaften Züge. Ichstörungen im Sinne von
Dereali
sations
- und Depersonalisationserleben würden beschrieben. Affektiver Rapport herstellbar. Niedergeschlagen und hoffnungslos mit Insuffizienzgefühlen. Im Wechsel mit Gereiztheit und Klagen. Er
berichte
über eine seit Monaten beste
hende Antriebsminderung. Im Gespräch motorisch unruhig. Krankheitsgefühl und Krankheitseinsicht seien vorhanden. Es beständen Ein- und Durchschlafstörun
gen mit Umkehr der Tag/Nachtrhythmik. Suizidalität werde verneint (
Ziff.
1.4
Mitte
).
Es bestünden Einschränkungen hinsichtlich Konzentration, Gedächtnis und Auf
merksamkeit, im Antrieb, in der Leistungsfähigkeit, im Bereich der sozialen Kom
petenzen (Gruppenfähigkeit, Selbstbehauptungsfähigkeit, Kontaktfähigkeit zu Dritten) und der psychisch-emotionalen Belastbarkeit und Stabilität (Durchhalte
fähigkeit, Stimmungsschwankungen, Umgang mit Gefühlen). Auch seien die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln, die Flexibilität und die Wegfähigkeit stark eingeschränkt (
Ziff.
1.7).
Aufgrund der vielfältigen Symptome und Störungen sowie deren Schwere sei eine Arbeitsfähigkeit aktuell nicht gegeben. Der Beschwerdeführer habe jedoch eine hohe Motivation, wieder erwerbs
tätig zu werden (Ziff. 1.11
).
5.
5.1
Seither präsentierte sich die relevante medizinische Aktenlage wie folgt:
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, nannte in seinem Gutachten vom
2.
Oktober 2017 (Urk. 9/151/1-93) als D
iagnosen
mit
Aus
wirkung
auf
die Arbeitsfähigkeit einen
schädliche
n
Gebrauch von Alkohol (
ICD-10
F10.1)
,
differentialdiagnostisch: Alkoholabhängigkeitssyndrom, aktive Abhängigkeit oder episodischer Substanzgebrauch (
ICD-10
F10.24/
ICD-10 F10.26; S. 71 Ziff. III.1).
Als D
iagnosen ohne Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine Can
nabisabhängigkeit, derzeit abstinent (ICD-10 F12.20; S. 71
Ziff.
III.2).
Der
Beschwerdeführer
habe auf die Frage, was sein jetziges Leiden sei, angegeben, er
könne manche Sachen nicht machen oder erledigen. Zum Beispiel könne er die Tochter nicht zum Kinderhort bringen, er könne auch den Geburtstag der Tochter nicht mitfeiern und er könne mit der Tochter nicht in die Badi. Wenn er Abfall entsorgen müsse, da
nn
schaue er
,
ob es Menschen habe. Sonst habe er keine Beschwerden. Er gehe im Alltag mit den Beschwerden so um, dass er sich Mühe gebe, zum Beispiel die Tochter in den Kindergarten zu bringen und nicht zu viel nachzudenken (S. 44).
Nach seinem Beziehungsnetz gefragt, gab der Beschwerdeführer unter anderem an, seine Schwiegereltern wohnten nebenan im Wohnblock, es bestehe guten Kontakt zu diesen. Man sehe sich aber nur bei «Festen» (S. 68). Nach dem Tages
ablauf gefragt, führte der Beschwerdeführer aus, um 7 Uhr aufzustehen, seiner Tochter beim morgendlichen Vorbereiten helfen zu wollen, dies jedoch nicht immer zu schaffen. Dann hole die Schwiegermutter die
Tochter
zwei bis drei Mal pro Woche
ab
und bringe sie in die Schule. Der Beschwerdeführer sei dann vor
mittags im Internet. Dann hole er die Tochter ab. Er mache auch das Mittagessen und den Abwasch. Nachmittags sei er zu Hause mit der Tochter, gehe mit dieser nach draussen zum Spielen. Das Nachtessen bereite der Beschwerdeführer vor. Zwischen 22 und 23 Uhr gehe er schlafen (S. 69). Zur Freizeitgestaltung gab er an, er schaue Fernsehen. In Vereinen sei er nicht. Er sei im Juni 2016 einmal in einer Badi gewesen, er könne aber sonst nicht dorthin, fühle sich unwohl. Betref
fend benötigte Hilfe in Haushalt und Alltag führte er aus, er wasche selber mit der Waschmaschine. Abwasch und Kochen
bewerkstellige er selber. Zur Benut
zung von Verkehrsmitteln führte er aus, kein eigenes Fahrzeug zu besitzen. Er benütze keine öffentlichen Verkehrsmittel. Er sei bei Mobility angemeldet und hole sich dort ein Fahrzeug für die Arztbesuche. Sein Schwiegervater habe ihn zur Begutachtung gefahren (S. 69).
Die gemessenen Werte in der Haaranalyse seien in einer Höhe, die chronischen übermässigen Alkoholkonsum beleg
t
en und stünden im
Gegensatz zu den Aus
sagen des Beschwerdeführers, nur ab und zu Alkohol zu konsumieren. Aufgrund der Laboranalyse und der Haaranalyse sei ausserdem zu konstatieren, dass die angegebenen Psychopharmaka
drei bis sechs
Monate vor der Begutachtung nicht eingenommen worden seien. Zudem zeige die Laboruntersuchung, dass die genannten Medikamente auch in den Tagen vor der Begutachtung nicht einge
nommen worden seien. Hieraus ergebe sich, dass der Leidensdruck überwiegend wahrscheinlich nicht derart stark ausgeprägt sei. Es sei gutachterlich unklar, ob er in der weiteren Vergangenheit die Medikamente wie angegeben eingenommen habe. Bezüglich der nach Aktenlage gestellten Diagnosen durch die bisherigen Behandler bedeute dies, dass auch diese Diagnosen gutachterlich in Frage gestellt werden müssten (S. 7
1 f.
).
Eine Persönlichkeitsstörung könne aufgrund der Begutachtung unter Berücksich
tigung der arbeitsbiographischen Situation nicht als Diagnose vergeben werden. Eine leichte Panikstörung sei testpsychologisch nach Punkten erreicht worden, müsse jedoch aufgrund der Inkonsistenzen der Angaben sowie aufgrund der Suchtmittelproblematik infrage gestellt werden. Bezüglich einer leichten Depres
sion, die testpsychologisch nach Punkten erreicht worden sei, stehe der auffällige Subskalenwert in der Beschwerdevalidierung gegenüber, was die Diagnose infrage stelle. Auch könne die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstö
rung unter Anwendung der ICD-10-Kriterien nicht vergeben werden (S. 72).
Der Beschwerdeführer habe nach Aktenlage in Abweichung zu seinen Aussagen in der Begutachtung die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung wie er
a
ngebe, zweimal wöchentlich seit 2013 oder 2014
,
eben nicht bei
Dr.
F._
wahrgenommen. Zudem sei es nur zu einem einzigen,
relativ kurzen psychiat
risch-
psychotherapeutisch stationären Aufenthalt in einer Klinik
gekommen
. Die beschriebenen massiven Diagnosen und die beschriebenen Einschränkungen in der Lebensführung
liessen
versicherungsmedizinisch erwarten, dass versucht wer
den hätte sollen, durch eine intensivere stationäre Behandlung eine Verbesserung des Gesundheitszustandes psychischer Art zu erreichen, was jedoch nicht
gesche
hen sei
. Ob weitere stationäre Behandlungen nicht erfolgt
seien
, weil aus subjek
tiv klinischer Sicht die Störung nicht
derart schwer ausgeprägt eingeschätzt
wor
den sei
, ob familiäre Gründe, beispielsweise die Geburt der Tochter und deren Betreuung dem statio
nären Aufenthalt entgegengestanden seien
, oder ob der
Beschwerdeführer
nicht motiviert
gewesen sei
eine weitere stationäre Behandlung durchzuführen, um seinen Gesundheitszustand zu verbessern,
könne
gutachter
lich nicht sicher d
ifferenziert werden. Grund für L
etzteres
seien
vor allem unrich
tige Aussagen in der Begutachtung bezüglich der Behandlungsfrequenz sowie der Medikamenteneinnahme. Dies
stelle
grundsätzlich die Aussagen des
Beschwerde
führers
infrage
(S. 74 f.)
.
Von
Februar 2010 bis Juni 2016 sei nach Aktenlage eine Arbeitsunfähigkeit von 70-80 % als Logistik-Mitarbeiter ableitbar. Gegen eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit spreche in diesem Zeitraum der stark anzunehmende reduzierte bis fehlende Leidensdruck durch Nichtaufsuchen von Behandlungsoptionen. Ab Juni 2016 sei ein deutlich verbesserter Mini ICF ersichtlich und es liessen sich weniger Defizite im psychopathologischen Befund ableiten. Dennoch bestehe ein schädlicher Gebrauch von Alkohol oder eine Alkoholabhängigkeit, welche die Arbeitsfähig
keit als Mitarbeiter Logistik zu 50 % einschränke. Bei einer erfolgten Entzugs- und
Entwöhnungstherapie oder einer starken Reduktion des Substanzkonsums sei eine Arbeitsfähigkeit von 80 % prognostizierbar (S. 85).
In einer angepassten Tätigkeit sei ab Februar 2010 bis Juni 2016 eine im Mittel 50%ige Arbeitsfähigkeit vorhanden. Ab Juni 2016 sei nach Behandlung der Alkoholproblematik (für die Dauer von 6 Monaten) und bei adäquater unter anderem psychopharmakotlogischer Therapie mit psychotherapeutischer Beglei
tung eine 80-100%ige Ar
beitsfähigkeit erreichbar (S. 85 f.
).
5
.2
Dr.
med.
G._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in der Stellungnahme vom
3.
Oktober 2017
(
Urk.
9/156/3-5
) aus
, das Gutachten des Psychiaters
Dr.
B._
vom
2.
Oktober 2017 beantworte die gestellten Fragen umfassend, berücksichtige die geklagten Beschwerden, sei in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt und sei in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge einleuchtend. Ebenso würden die gezogenen Schlussfolgerungen in nachvollziehbarer Weise hergeleitet werden (S. 1).
5
.3
Nach Verfügungserlass
wurde folgender Bericht eingereicht
:
Dr.
med.
H._
,
E._
,
führte mit Bericht vom 2
2.
Mai 2018 (Urk. 10
= Urk. 14
) aus, der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 3
1.
Januar 2002 in der ambulanten Behandlung der
E._
, seit
dem
1.
Januar 2018 in ihrer psychotherapeutischen Betreuung, und nannte folgende
Diagnosen
(S. 1)
:
-
posttraumatische Belastungsstörung (
ICD-10
F43.1)
-
Panikstörung [episodisch paroxysmale Angst] mit sozialer Phobie (
ICD-10
F41.0)
-
ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (
ICD-10
F60.6)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig bis schwere Episode ohne psychotische Symptome (
ICD-10
F33.2)
Es bestehe eine nach ICD-10 schwere posttraumatische Belastungsstörung sowie eine Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden Zügen. Im Rahmen der Grund
erkr
ankung habe der Beschwerdeführer als Folge eine sch
w
ere rezidivie
rende depressive Störung sowie eine Abhängigkeitserkrankung entwickelt (Alko
hol, Cannabis), von welcher er jedoch seit Jahren abstinent sei. Nachweislich lägen seit November 201
7
negative Drogen- und Alkoholtests vor (S. 1).
Beim Beschwerdeführer handle es sich um einen schwer und multipel traumati
sierten Patienten mit schwieriger Kindheit, Pubertät und Adoleszen
z
(Gewalt durch Eltern und Bruder, fehlende Förderung und Vernachlässigung durch Erzie
hungspersonen, dadurch trotz guter Intelligenz keine gute Schulbildung), die ihm eine gute Integration in das Arbeitsleben beziehungsweise die Gesellschaft ver
unmöglicht hätte. Er leide unter multiplen Ängsten (diverse soziale Ängste, Ängste hinsichtlich der gesundheitlichen Situation seiner Familie/Kinder, Zukunftsängste) sowie einer schweren Panikstörung, welche ihm ein normales Leben verunmöglichten. Unternehmungen ausser Haus benötigten eine mehr
stündige Vorbereitung. Das Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln vermeide er, ebenso wie den Kontakt mit fremden Menschen. Dies verunmögliche ihm auch aktuell eine stationäre Behandlung. An der ambulanten Behandlung nehme er regelmässig teil, was für ihn eine grosse Kraftanstrengung bedeute und detailliert geplant werden müsse. Motivation hierfür sei unter anderem seine Familie. Es bereite ihm grosse Schuldgefühle, für seine beiden Kinder nicht so sorgen zu können wie er sich es wünsche (S. 1 f.).
Trotz grosser Behandlungsmotivation und Anstrengungen
,
die Termine wahrzu
nehmen, könne der Beschwerdeführer kaum eine Therapiesitzung von länger als 15 Minuten ertragen (S. 2).
Aufgrund der massiven Schwierigkeiten des Beschwerdeführers gegenüber eine
r
ihm fremden Person/Gutachter adäquat Auskunft zu geben, scheine sich eine Verzerrung
in den Antworten ergeben zu haben. Er mache sich Vorwürfe, einige Fragen aus Angst- und Schamgefühlen heraus nicht richtig beantwortet zu haben. So habe er die Gewalterlebnisse in der Kindheit nicht oder nur teilweise erwähnt, ebenso habe er den Suizid eines Familienmitgliedes verschwiegen. Den jüngeren Sohn habe er auch nicht erwähnt, laut eigener Aussage habe er auf
grund der sich aufbauenden Panik nur das Interview schnell hinter sich bringen wollen (S. 2).
Es sei die Diagnose einer selbstunsicheren-ängstlichen Persönlichkeitsstörung zu stellen. Weiterhin bestünden zwanghafte und
dependente
Anteile. Die im Gut
achten erwähnten Inkonsistenzen bezüglich der psychotherapeuti
schen/psychiatrischen Behandlung und die damit verbundenen gutachterlichen Zweifel sei
en
im Rahmen der Persönlichkeitsstörung zu sehen. Der Beschwerde
führer sei im Gespräch mit wenig bekannten Personen kaum in der Lage, aus
führliche Angaben zu machen (S. 2).
Der Beschwerdeführer sei aktuell zu 100 % arbeitsunfähig (S. 3).
6
.
6
.1
Die hier zu prüfende Herabsetzung der
2010
zugesprochenen und
2012
bestätig
ten ganzen Rente setzt voraus, dass eine wesentliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse - namentlich des Gesundheitszustandes oder seiner erwerblichen Auswirkungen - mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist und diesbezüglich nicht lediglich eine unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts vorliegt (vorstehend E.
1.
3
).
6.
2
Die
Rentenzusprache
im Jahr 2010 (Urk. 9/93)
erfolgte im
Wesentlichen gestützt auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
A._
.
Dieser
nannte
damals als Diag
nosen eine
schwere, re
zidivierende depressive Störung, eine
ängstlich-vermei
dende
Persönlichkeitsstörung, eine
posttraumatische Belastungsstörung
sowie einen
Status nach Störung durch
Cannabinoide
. Er ging von einer vollständigen Arbeitsu
nfähigkeit aus (vorstehend E. 3)
.
Im Rahmen des Rentenrevisionsverfah
rens von 2012 wurden weiterhin
eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstö
rung, eine posttraumatische Belastungsstörung
und eine rezidivierende depres
sive Störung, nunmehr noch mittelgradig, diagnostiziert. Zusätzlich wurde die Diagnose Agoraphobie mit Panikstörung genannt. Es wurde anhaltend eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit attestiert
(vorstehend E. 4)
.
6.
3
Zur Überprüfung des Leistungsanspruchs holte d
ie Beschwerdegegnerin bei
Dr.
B._
ein psychiatrisches Gutachten ein.
Dr.
B._
nannte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
einzig einen schädlichen Gebrauch von Alkohol
(vorste
hend E. 5.1)
.
Von
Dr.
B._
nicht diagnostiziert wurde
n
die 2010
vom Gutachter
Dr.
A._
g
enannte
Persönlichkeitsstörung,
die
depressive Störung
und die
post
traumatische Belastungsstörung.
Diese
und zusätzlich die
Diagnose
Agoraphobie mit Panikstörung
wurden auch von behandelnder Seite angeführt, so 2012 (vor
stehend E. 4) und
nach Verfügungserlass
im Mai
2018
(vorstehend E. 5.3).
Diskrepant ist sodann die Einschätzung der sich aufgrund der diagnostizierten Beeinträchtigungen ergebenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
.
Der psychi
atrische Gutachter
Dr.
B._
beurteilte den Beschwerdeführer von Februar 2010 bis Juni 2016 als 70-80 % und danach als 50 % arbeitsunfähig
als Logistik-Mit
arbeiter
. Bei einer erfolgten Entzugs- und Entwöhnungstherapie oder einer star
ken Reduktion des Substanzkonsums prognostizierte er eine Arbeitsfähigkeit von 80 %.
In einer angepassten Tätigkeit ging er von Februar 2010 bis Juni 2016 von einer durchschnittlich 50%igen Arbeitsfähigkeit aus und prognostizierte unter gewissen Voraussetzungen eine Arbeitsfähigkeit von 80 bis 100 % (vorstehend E. 5.1).
Sowohl 2010
(vorstehend E. 3)
als auch 2012
(vorstehend E. 4)
wurde aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% festgehalten, ebenso von behandelnder Seite im Mai 2018 -
wiederum
nach Verfügungserlass (vorstehend E. 5.3).
6.
4
Eine leichte Panikstörung
verneinte
Dr.
B._
mit der Begründung, dass diese
testpsychologisch nach Punkten erreicht worden
sei, jedoch aufgrund der Inkon
sistenzen der Angaben sowie aufgrund der Suchtmittelproblematik infrage gestellt werden
müsse
(
vorstehend E. 5.1
).
Tatsächlich bestehen Inkonsistenzen bezüglich der Angaben zur medikamentösen Behandlung (57).
So kam
Dr.
B._
aufgrund der Labor- und der Haaranalyse zum Schluss, dass die angegebenen Psychopharmaka drei bis sechs Monate vor der Begutachtung nicht eingenom
men worden sind. Zudem zeigte die Laboruntersuchung, dass die genannten Medikamente auch in den Tagen vor der Begutachtung nicht eingenommen wor
den sind. Zudem waren d
ie gemessenen Werte in der Haaranalyse in einer Höhe, die chronischen ü
bermässigen Alkoholkonsum beleg
en und
stehen
im Gegensatz zu den Aussagen des Beschwerdeführers, nur ab und zu Alkohol zu konsumieren
(vorstehend E. 5.1)
.
Schliesslich
war der CDT-Wert 2.3% und damit über dem Grenzwert von 1.6 % erhöht. Dies stand der Aussage des Beschwerdeführers
ent
gegen
, zuletzt 1.5 Wochen vor der Begutachtung Alkohol konsumiert zu haben (
Urk. 9/151/1-93
S.
59).
Auch bezüglich der psychotherapeutisch / psychiatrischen Behandlung bestehen Diskrepanzen. Zum Beispiel gab der Beschwerdeführer im Revisionsfragebogen am 1
2.
November 2014 (Urk. 9/129) an, bei
Dr.
F._
in Therapie zu sein, wobei die letzte Kontrolle am
3.
November 2014 stattgefunden habe
(Ziff. 3.5)
. Die Beschwerdegegnerin wollte daraufhin bei
Dr.
F._
einen Arztbericht einholen (vgl. Urk. 9/134, Urk. 9/136, Urk. 9/137), erhielt jedoch keine Antwort. Am 28. November 2015 gab der Beschwerdeführer gegenüber der Beschwerdegegne
rin nochmals an, bei
Dr.
F._
in Behandlung zu sein, wobei der letzte Besuch am 23. November 2015 stattgefunden habe (Urk. 9/139). Nach einem weiteren Schreiben an
Dr.
F._
(Urk. 9/140) teilte dieser telefonisch mit, er habe den Beschwerdeführer aufbieten wollen, habe ihn jedoch nicht erreichen können. Falls die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer erreiche, könne sie diesen bitten, sich bei ihm, Herrn
Dr.
F._
, zu melden, um den Arztbericht ausfüllen zu können (Urk. 9/141). Gegenüber dem psychiatrischen Gutachter
Dr.
B._
gab
der Beschwerdeführer
im September 2016 an, zirka seit 2013 beziehungsweise 2014 zweimal wöchentlich bei
Dr.
F._
in Therapie zu sein (Urk. 9/151
/1-93 S.
45). Dies steht in Widerspruch zur Aktenlage und insbesondere zum Umstand, dass
Dr.
F._
den Beschwerdeführer für die Verfassung eines Berichts erst kon
taktieren musste, was ihm nicht erfolgreich gelungen ist.
Dr.
B._
wies zu Recht auf diese Diskrepanz hin (vgl. Urk. 9/151/
1-93 S.
62).
Des Weiteren brach der Beschwerdeführer mehrmals Therapien ab und nahm sie erst wieder auf, wenn er in Bedrängnis geriet, weil die Beschwerdegegnerin ein amtliches Revisionsverfahren an die Hand nahm. So nahm er die
Behandlung
in der
E._
erst am
2.
April 2012 auf, nachdem er zuvor etwa ein Jahr keine Behandlung in Anspruch genommen
hat
(vgl. vorstehend E. 4). Der Revisionsfra
gebogen wurde vom Beschwerdeführer am 8. April 2012 unterzeichnet
(vgl. Urk. 9/103)
.
Im Revisionsfragebogen vom 1
2.
November 2014 (Urk. 9/129) gab der Beschwer
deführer an, letztmals am
3.
November 2014 bei
Dr.
F._
in
Behandlung
gewe
sen zu sein, was - wie erwähnt - offenbar nicht zutraf (vgl. Urk. 6/141).
Die
E._
, gab im Januar 2015 an, der Beschwer
deführer sei seit zwei Jahren nicht mehr bei ihnen i
n Behandlung (vgl. Urk. 9/135). Seit Januar 2018 ist er dort offenbar wieder in Behandlung (vgl. vorstehend E. 5.3).
6.
5
Dass
Dr.
B._
ke
ine Persönlichkeitsstörung
diagnostizierte, begründete er damit, dass er diese
unter Berücksichtigung der arbeitsbiographischen Situation nicht als Diagnose vergeben
konnte
.
Hierzu erwähnte er als persönliche Ressourcen,
dass der Beschwerdeführer in der Vergangenheit Bereitschaft zur Veränderung im Sinne von
Flexibilität gezeigt habe, indem er von der Tätigkeit eines Verkäufers im Detailhandel hin zur Logistik gewechselt habe. Freundlicher, kundenorientier
ter Umgang sei dem
Beschwerdeführer
durch seine Verkaufstätigkeit bekannt und seien von ihm
durchgeführt worden (Urk. 9/151/1-93
S. 65 f.). Ein Blick in einen Arztbericht der
E._
von 2004
(Urk. 9/50)
zeigt, dass der Beschwerdeführer
unter anderem
angab,
bis 1996 die Oberschule und im Anschluss für ein Jahr die Berufswahlschule
besucht zu haben
. Dort
sei
er hinausgeworfen
worden
und
sei
die folgenden sechs Monate
arbeitslos gewesen
, bevor er 1998 im
I._
bei der
Y._
eingestiegen sei
, wo er zum Teil gemeinsam
mit seinem Vater
gearbeitet habe
. Wegen fehlerhafter Leistung sei ihm gekündigt worden. Nach einer kurzen Arbeitslosigkeit habe er während drei Monaten elektronische Geräte verkauft, bis dieser Arbeitgeber Konkurs gemacht habe. Dann habe er im
J._
gearbeitet, wo er eine Lehre als Verkäufer hätte machen wollen. Ein Mitarbeiter habe ihn schikaniert, bis der Beschwerdeführer sich nicht anders als körperlich aggressiv zu wehren gewusst habe, woraufhin ihm gekündigt worden sei. Seit Mai 1999 sei er in ungekündigter Stellung bei der
Y._
als Mitarbeiter
Logistik
tätig (S. 2).
Aus den Akten geht hervor, dass ihm auch d
iese Stelle 2005 gekündigt
wurde
(vgl. Urk. 9/18).
Auch die danach angetretene Stelle bei der
Z._
hat er verloren (vgl. Urk. 9/40).
Angesic
hts dieser Arbeitsbiographie erscheint nicht nachvollziehbar, was
Dr.
B._
betreffend persönliche Ressourcen ausführte,
umso weniger, als der Beschwerdeführer auch bei der
Y._
scheiterte. Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist, weshalb
Dr.
B._
mit Verweis auf die Arbeitsbiographie eine Persönlichkeits
störung verneinte
.
Diesbezüglich vermag das psychiatrische Gutachten nicht zu überzeugen.
6.
6
Ferner
fällt
massgeblich
ins Gewicht, dass
die
durch den
Gutachter
Dr.
B._
erhobene Anamnese
äusserst kurz ausfiel. Über den Zeitraum seit der ersten Begutachtung anfangs 2010 (vgl. vorstehend E. 3) ist kaum etwas bekannt. Aktenkundig ist, dass der Beschwerdeführer am 28. Oktober 2010 geheiratet hat (Urk.
9/111/3) und am 5.
Dezember 2010 Vater eines Mädchens geworden ist (Urk. 9/111/11).
Offenbar ist er ein zweites Mal Vater geworden (vgl. vorstehend E. 5.3
, Urk. 13 S. 3
Rz
6
), was er anlässlich der Begutachtung nicht berichtet hat.
Es ist nicht bekannt, wie die Betreuung der Tochter beziehungsweise der Kinder
genau ausgestaltet ist.
Auch
nähere
Angaben zur Ehefrau fehlen. So ist unklar, ob die Ehefrau erwerbstätig i
st
, ob sie im Haushalt mithilft, in welchem Masse sie die Kinder betreut
und
wie es in der ehelichen Gemeinschaft läuft.
Auch unklar ist der Umfang der
Unterstützung durch die Schwiegereltern
. Einmal gibt der Beschwerdeführer an, die Schwiegereltern
nur
bei «Festen» zu sehen, an anderer Stelle führte er aus, die Schwiegermutter hole die Tochter zwei bis drei Mal pro Woche ab und bringe sie in die Schule und sein Schwiegervater habe ihn zur Begutachtung gefahren
(vgl. vorstehend E. 5.1)
.
Auch die Angaben über das jet
zige Leiden
fielen
sehr rudimentär
aus
(vgl. vorstehend E. 5.1)
, obwohl der Gut
achter strukturiert nachgefragt haben soll (vgl. Urk. 9/151 S. 44).
Nach
dem Gesagten
erhob
der psychiatrische Gutachter vorliegend
eine zu wenig gründliche Anamnese. Er hätte, vor
allem angesichts der diagnostizierten Persönlichkeitsstö
rung und auch im Hinblick auf die
Indikatorenprüfung
,
nachfragen
und Fremdauskünfte einholen müssen.
Auch in Anbetracht dessen, dass das Gutach
ten auf einer insgesamt äusserst dünnen medizinischen Aktenlage fusst
(vgl. vor
stehend E. 3 f
f
.)
, wäre eine umfassendere Anamnese umso notwendiger gewesen.
Der Beschwerdeführer bemängelte weiter zu Recht, dass zwischen Exploration und Erstattung des Gutachtens über ein Jahr vergangen ist (vgl. Urk. 13 S. 3
Rz
6). Zwischen Gutachtensauftrag
(Urk. 9/145) und Fertigstellung des Gutachtens liegen gar rund 1.5 Jahre.
Auch geht aus dem Gutachten nicht hervor, wie lange
das Gespräch mit dem Beschwerdeführer dauerte.
Zudem
machte
Dr.
B._
zwar
weitschweifige Ausführungen zu den einzelnen Testmethoden (vgl.
Urk.
9/151/1-93 S. 53-59), ein konkreter Bezug zum Beschwerdeführer fehlt jedoch weitestge
hend.
Trotz hoher Seitenanzahl, welche insbesondere daher rührt, dass die bishe
rige medizinische Aktenlage einfach ins Gutachten hereinkopiert wurde (S. 6-4
3
), wird das Gutachten von
Dr.
B._
der Situation des Beschwerdeführers nicht gerecht.
6
.7
Das Gutachten vermag aus diesen Gründen nicht zu überzeugen und erfüllt die Kriterien der Rechtsprechung an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens
(vorstehend E. 1.5
) nicht.
Die
Annahme
von
Dr.
B._
, der Gesundheitszustand de
s
Beschwerdeführer
s
habe sich verbessert,
erweist sich
als zu schwach abge
stützt, als dass
ihm
gefolgt werden könnte
.
Ist
nicht von einer überwiegend wahr
scheinlich ausgewiesenen Verbesserung des Gesundheitszustands auszugehen, so handelt es sich bei der Feststellung
Dr.
B._
s
, die Arbeitsunfähigkeit betrage mittlerweile nicht
mehr 100
%
, sondern nur noch 50
%, um eine andere Beurtei
lung des weitgehend gleichgebliebenen Gesundheitszustands.
Dies stellt keinen Revisio
nsgrund im Sinne von Art. 17 Abs.
1 ATSG dar. Die Herabsetzung der bisher ausgerichteten ganzen Rente erweist sich aus diesem Grund als unzulässig.
Somit ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der dagegen erhobenen Beschwerde dahin abzuändern, dass
der Beschwerdeführer
weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
7.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren kostenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom Streitwert nach dem Verfahrensaufwand fest
zulegen und vorliegend auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ist damit gegenstandslos geworden.