Decision ID: 2dd5c944-6ffb-5afd-b698-93c8742b0a26
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._, geboren am ... 1979 in Havanna (Kuba), verfügt über die Staatsangehörigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika (USA). Sie reiste am 14. März 2018 von Miami her kommend via Lissabon in die Schweiz ein und hält sich gemäss ihren eigenen Angaben seither in Genf auf, wo sie arbeiten und leben möchte. Da sie die maximal zulässige Aufenthaltsdauer von drei Monaten überschritten hat und über keinen gültigen Aufenthaltstitel verfügt, wurde sie von den Schweizer Behörden wiederholt aufgefordert, die Schweiz bzw. den Schengen-Raum zu verlassen. Am 5. Juli 2019 verfügte das Staatssekretariat für Migration (SEM) ein bis zum 4. Juli 2022 gültiges Einreiseverbot gegen A._, das ihr am 12. Juli 2019 eröffnet wurde. Am 16. August 2019 wurde sie erneut, dieses Mal vom Eidgenössischen Grenzwachkorps (GWK) am Car-Terminal in Bern Neufeld, aufgegriffen. Das GWK wies A._ unter Anordnung der sofortigen Vollstreckbarkeit aus der Schweiz weg (Wegweisungsverfügung vom 16.8.2019). Gleichentags ordnete die Einwohnergemeinde (EG) Bern, Einwohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei (EMF), wegen  die Ausschaffungshaft für zwei Monate an.
B.
Mit Entscheid vom 20. August 2019 bestätigte das kantonale  (ZMG) nach mündlicher Verhandlung die  bis zum 15. Oktober 2019.
C.
Hiergegen hat A._ am 21. August 2019  erhoben mit dem sinngemässen Antrag, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und sie sei mit sofortiger Wirkung aus der Haft zu entlassen.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.09.2019, Nr. 100.2019.276U, Seite 3
Mit Eingaben vom 23., 30. und 31. August 2019 hat A._ ihre Beschwerde ergänzt. Die EG Bern hat am 28. August 2019 darüber informiert, dass A._ den für sie gebuchten Flug verweigert hat. Das ZMG und die EG Bern haben keine Anträge gestellt. Am 6. September 2019 hat A._ eine weitere Eingabe eingereicht.

Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 12 Abs. 2 des Einführungsgesetzes vom 20. Januar 2009 zum Ausländer- und zum Asylgesetz [EG AuG und AsylG; BSG 122.20]). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen  teilgenommen, ist durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Ihre Beschwerde in Englisch mit dem sinngemäss gestellten Antrag auf Entlassung aus der Ausschaffungshaft genügt (knapp) den herabgesetzten Begründungsanforderungen an , wie sie insbesondere auf dem Gebiet der ausländerrechtlichen Zwangsmassnahmen gelten (Art. 32 Abs. 2 VRPG; BVR 2006 S. 470 E. 2.4; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 15). Auf die im Übrigen fristgerecht eingereichte  ist einzutreten.
1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).
1.3 Der vorliegende Entscheid fällt in die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 57 Abs. 2 Bst. e des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die  der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.09.2019, Nr. 100.2019.276U, Seite 4
2.
2.1 In formeller Hinsicht beantragt die Beschwerdeführerin vorab,  gerichtlichen Dokumente («any legal document») seien in englischer oder spanischer Sprache zu eröffnen bzw. zu übersetzen, da sie das Recht habe, alles Schriftliche zu verstehen, was sie im Verfahren betreffe («I have the right to fully understand everything is sent to me on paper»; vgl.  vom 23.8.2019 [act. 4 und 5]).
2.2 Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht ist in einer , d.h. in deutscher oder französischer Sprache, zu führen, abhängig vom in der Sache her betroffenen Verwaltungskreis (Art. 34 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 der Verfassung des Kantons Bern [KV; BSG 101.1]). Es besteht kein Anspruch darauf, dass die Instruktionsverfügungen und das Gerichtsurteil in einer anderen Sprache als der Verfahrenssprache verfasst werden (vgl. JTA 2018/143 vom 6.9.2018 E. 1.3.1, 2013/91 vom 11.7.2013 E. 2.1; vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 34 N. 3, wonach auch aus Art. 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention [EMRK; SR 0.101] kein Anspruch auf Übersetzung eines Entscheids in die Sprache des bzw. der Betroffenen abgeleitet werden kann; Bernard Rolli, Le Tribunal  et la minorité francophone du canton de Berne, in Herzog/Feller [Hrsg.], Bernische Verwaltungsgerichtsbarkeit in Geschichte und , 2010, S. 273; vgl. auch Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3. Aufl. 2018, § 41 N. 79 mit Hinweisen).
2.3 Soweit die Beschwerdeführerin eine Übersetzung sämtlicher  Akten verlangt, ist ihr Folgendes entgegenzuhalten: Die  Verfahrensgarantien verschaffen einer inhaftierten Person nur insoweit Anspruch auf Übersetzung als es für die wirksame Wahrung ihrer Rechte erforderlich ist. So ist ihr in einer für sie verständlichen Sprache namentlich die Haftanordnung zu eröffnen und ihr sind die Haftgründe  die Verfahrensrechte zu erläutern (Art. 11 Abs. 2 EG AuG und AsylG; Art. 5 Ziff. 2 EMRK; Art. 31 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101]; Art. 25 Abs. 2 KV; Müller/Schefer, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl. 2008, S. 98 f. mit Hinweisen; Kiener/Kälin/Wyttenbach, a.a.O., § 44 N. 23). Ein Anspruch auf eine eigentliche Übersetzung aller behördlichen bzw.  Anordnungen besteht nicht. Auch genügt es grundsätzlich, wenn
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10.09.2019, Nr. 100.2019.276U, Seite 5
die Orientierung mündlich erfolgt (vgl. zum Ganzen BVR 2014 S. 105 E. 3.3 mit Hinweisen; zum Strafverfahren BGE 143 IV 117 E. 3.1).
2.4 Die Beschwerdeführerin wurde anlässlich ihrer Anhaltung am 16. August 2019 in englischer Sprache einvernommen und ihr wurde ein auf Englisch verfasstes Informationsblatt ausgehändigt, das die  und die Verfahrensrechte aufführt (vgl. Einvernahme des GWK vom 16.8.2019 und Informationsblatt «Enforcement of Coercive Measures / The Swiss Foreign and Integration Act [FIA] Canton of Bern Migrations Service Memo», beides in Haftakten ZMG [act. 2A] pag. 32 ff. bzw. 44 f.). Bei der Verhandlung vor dem ZMG am 20. August 2019 war der  sodann eine Dolmetscherin zur Seite gestellt (vgl.  ZMG vom 20.8.2019, in Haftakten ZMG pag. 56 ff.). Ausserdem konnte die Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben in der  eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher («translator») konsultieren (vgl. Eingabe vom 31.8.2019 S. 1 [act. 8]). Damit ist ihrem Recht, in einer für sie verständlichen Sprache über die wesentlichen Aspekte des  informiert zu werden, Genüge getan. Aus den zahl- und wortreichen Eingaben der Beschwerdeführerin geht denn auch hervor, dass sie die  Aspekte des Verfahrens verstanden hat.
3.
Die Beschwerdeführerin rügt weiter, dass sie nicht durch eine  oder einen Rechtsanwalt vertreten sei. Sie habe das Recht, einen Rechtsbeistand zu kontaktieren (vgl. Beschwerde S. 1 ff. sowie Eingaben vom 23.8.2019 [act. 4 und 5] und 31.8.2019 [act. 8]).
3.1 Gemäss Art. 81 Abs. 1 Satz 2 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20) hat die inhaftierte Person Anspruch darauf, mit ihrer Rechtsvertreterin oder ihrem Rechtsvertreter mündlich und schriftlich verkehren. Dies bedeutet, dass die Behörden einer inhaftierten Person auf ihr Ersuchen hin den Kontakt zu einer Rechtsvertreterin oder einem Rechtsvertreter ermöglichen müssen;
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allenfalls ist ihr eine Liste mit Namen und Telefonnummern von  und Anwälten oder von Beratungsstellen abzugeben (BGer 2A.167/2006 vom 28.3.2006 E. 2.2, 2A.607/2003 vom 31.12.2003 E. 1.1, 2A.236/2002 vom 27.5.2002 E. 2.2 [Pra 91/2002 Nr. 142]; Thomas Hugi Yar, Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht, in Uebersax et al. [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, N. 10.40 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 139 I 206 E. 3.1; BVR 2016 S. 529 E. 2.2; Andreas Zünd, in Spescha et al. [Hrsg.], Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, Art. 81 AuG N. 2).
3.2 Die Beschwerdeführerin ist zu Beginn der Einvernahme vom 16. August 2019 mündlich über ihre Rechte aufgeklärt worden.  wurde sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie auf eigene Kosten eine Verteidigung nach freier Wahl oder eine amtliche Verteidigung  kann (vgl. Einvernahme des GWK vom 16.8.2019, in Haftakten ZMG pag. 33). Das erwähnte Informationsblatt in englischer Sprache enthielt unter anderem den Hinweis auf ihr Recht, mit einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt in Kontakt zu treten (vgl. Informationsblatt « of Coercive Measures / The Swiss Foreign and Integration Act [FIA] Canton of Bern Migrations Service Memo», in Haftakten ZMG pag. 44). Darüber hinaus wurde der Beschwerdeführerin das – wiederum in  Sprache abgefasste – Informationsblatt «Legal adviser / Information (KAZ)» ausgehändigt (in Haftakten ZMG pag. 48). Darin werden die  über die Möglichkeit informiert, die Kirchliche Anlaufstelle Zwangsmassnahmen Kanton Bern (KAZ; «Church Contact Point for  facing coercive measures») und das Schweizerische Rote Kreuz (SRK; «Swiss Red Cross [SRC]») zu kontaktieren. Es wird insbesondere erwähnt, dass die KAZ Hilfe beim Beizug einer Rechtsanwältin oder eines Rechtsanwalts gewährt. Die inhaftierte Person kann durch einfaches  von Formularfeldern um die gewünschte Unterstützung durch die Beratungsstellen sowie allenfalls durch einen Rechtsbeistand («I would like to consult a lawyer») ersuchen. Die Beschwerdeführerin hat von dieser Möglichkeit nicht Gebrauch gemacht. Zu Beginn der Verhandlung vor dem ZMG vom 20. August 2019 wies sie zudem auch der zuständige  auf ihr Recht auf Beizug eines Rechtsbeistands hin (vgl. Protokoll ZMG vom 20.8.2019 S. 2 Zeile 6 und 33 f., in Haftakten ZMG pag. 56 ff.).
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3.3 Es trifft somit nicht zu, dass der Beschwerdeführerin nicht die nötige Hilfe angeboten wurde, eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt zu kontaktieren. Soweit sich ihre Rüge auf das verwaltungsgerichtliche  bezieht, ist Folgendes festzuhalten: Die Beschwerdeführerin führt in der Verwaltungsgerichtsbeschwerde aus, sie habe am 21. August 2019 , ihren Rechtsanwalt, ... in ..., anzurufen. Dieser sei allerdings unter der Telefonnummer, die man ihr gegeben habe, nicht erreichbar gewesen. In ihrer Eingabe vom 23. August 2019 (act. 4) teilte sie dem Verwaltungsgericht sodann mit, dass sie ihrem Rechtsanwalt am 22. August 2019 eine Nachricht habe hinterlassen können. Zudem habe sie das Formular der KAZ (vgl. vorne E. 3.2) ausgefüllt und noch am selben Tag abgeschickt. Damit kann davon ausgegangen werden, dass die  der Beschwerdeführerin den Kontakt zu Rechtsanwalt ..., der sie bereits im Verfahren vor der Migrationsbehörde des Kantons Wallis vertreten hatte (vgl. Haftakten ZMG pag. 14 ff.), ermöglicht hat. Wenn die Beschwerdeführerin dem Verwaltungsgericht nun in ihrer Eingabe vom 31. August 2019 (act. 8) mitteilt, sie sei immer noch nicht anwaltlich vertreten, begründet dies keine Rechtsverletzung. Sie hätte genügend Zeit und – wie festgestellt – auch die Möglichkeit gehabt, sich an ihren Rechtsanwalt oder allenfalls einen anderen Rechtsbeistand zu wenden. Im Übrigen hat die Beschwerdeführerin nicht um unentgeltliche  ersucht (Art. 111 Abs. 1 und 2 VRPG). Eine solche wäre ihr auch nicht zu gewähren: In der Sache geht es um eine erstmalige  von weniger als drei Monaten, die weder in rechtlicher noch  Hinsicht mit besonderen Schwierigkeiten verbunden ist (vgl. BGE 139 I 206 E. 3.3.1, 134 I 92 E. 3.2; BVR 2012 S. 289 E. 2.1; VGE 2018/454 vom 24.1.2019 E. 5.2, 2015/266 vom 11.9.2015 E. 5.3). Die Beschwerde erscheint zudem – wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen – .
4.
4.1 Wurde ein erstinstanzlicher (nicht notwendigerweise auch ) Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet oder eine  Landesverweisung nach Art. 66a oder 66abis des Schweizerischen
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Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) ausgesprochen, kann die zuständige Behörde zur Sicherstellung des Vollzugs die ausländische Person in  nehmen, wenn die Voraussetzungen von Art. 76 AIG erfüllt sind. Dabei muss einer der in Art. 76 Abs. 1 AIG genannten Haftgründe bestehen und der Vollzug der Wegweisung mit dem nötigen Nachdruck verfolgt werden (Beschleunigungsgebot; Art. 76 Abs. 4 AIG). Die  hat insgesamt den sich aus dem Verhältnismässigkeitsprinzip ergebenden Erfordernissen zu genügen (Art. 36 Abs. 3 BV; Art. 28 Abs. 3 KV), es dürfen keine Haftbeendigungsgründe vorliegen (Art. 80 Abs. 6 AIG) und es ist die maximal zulässige Haftdauer zu beachten (Art. 79 AIG).
4.2 Die Rechtmässigkeit und die Angemessenheit der Haft sind gemäss Art. 80 Abs. 2 AIG spätestens nach 96 Stunden durch eine richterliche  aufgrund einer mündlichen Verhandlung zu überprüfen. – Die  wurde am 16. August 2019 um 14 Uhr angehalten und gleichentags in Ausschaffungshaft versetzt (Anordnung der  vom 16.8.2019, Haftakten ZMG pag. 46 f.). Das ZMG führte am 20. August 2019 eine mündliche Verhandlung durch und bestätigte die Ausschaffungshaft bis zum 15. Oktober 2019. Der Entscheid wurde der Beschwerdeführerin mündlich eröffnet und summarisch begründet. Die Verhandlung wurde am 20. August 2019 um 10.35 Uhr geschlossen ( ZMG vom 20.8.2019, in Haftakten ZMG pag. 56 ff.). Die gesetzliche Frist von 96 Stunden ist damit eingehalten.