Decision ID: ba7cc556-0735-4990-b56b-fcaac5b7f9ad
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 19
71
geborene
X._
, Mutter
dreier Kinder
(geboren
1998, 200
0
und 200
3
), ohne Berufsausbildung,
reiste im September 20
16
von Holland
in die Schweiz ein und arbeitete zuletzt
vom
1.
Februar 2017
bis zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch die Arbeitgeberin per
3
0.
November 2017
als Küchen
hilfe in der
Y._
in
Z._
in einem 50%-Pensum (Urk.
9/5,
Urk.
9/7
und Urk. 9/21
)
.
Während ihrer Anstellung bei der
Y._
erlitt die
Versicherte
a
m
1
3.
Juni 2017
einen Unfall
. Die
Allianz
als zuständige Unfallversicherung erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen
(
Urk.
9/
19
).
Am 1
4.
Juni 2018
(Eingangsdatum) meldete sic
h die Versicherte unter Beilage eines Arztberichts des Rheumatologen
Dr.
med.
A._
vom 28.
Mai 2018
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
bezug an (
Urk.
9
/
4 und
Urk.
9
/
7
). Zur Abklärung der medizinischen und erwerb
lichen Verhältnisse
zog die IV-Stelle zunächst einen Auszug aus dem indi
viduel
len Konto (
Urk.
9/12) sowie
die Akten
der Allianz bei (
Urk.
9/13)
und holte
Berichte der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
11/
19
,
Urk.
11/
22
,
Urk.
11/28 und
Urk.
11/31
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom
2
2.
Januar 2019
,
Urk.
9
/33;
provisorischer
Einwand vom
7.
Februar
2018
, Urk.
9
/
34
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2
9.
März 2019
einen Ren
tenanspruch (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
1
5.
Mai 2019
Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom
29. März 2019
sei aufzuheben und die Sache sei zur
rechtsgenüg
lichen
Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht er
suchte die Beschwerdeführerin um unentgeltliche
Rechtspflege
(Urk.
1). Mit Be
schwerdeantwort vom
1
9.
Juni 2019
beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8
), was der Beschwerdeführerin am
20. Juni 2019
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
1
0
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen,
Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine
Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilen die RAD die medizini
schen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden ha
ben
– den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu na
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdi
gen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die ge
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerun
gen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bun
desgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.6
Gemäss
Art. 6 Abs. 1 IVG haben schweizerische und ausländische Staatsange
hörige sowie Staatenlose Anspruch auf Leistungen
gemäss
den nachstehenden Best
immungen. Art. 6 Abs. 2 IVG bestimmt, dass ausländische Staatsangehörige - vorbehältlich Art. 9 Abs. 3 IVG sowie abweichender staatsvertraglicher Rege
lun
gen - nur anspruchsberechtigt sind, solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnli
chen Aufenthalt in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbro
chen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben. Anspruch auf eine ordentliche Rente haben Versicherte, die bei Eintritt der Invalidität (Versiche
rungsfall) während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet haben (Art. 36 Abs. 1 IVG).
Fall
s die Mindestbeitragsdauer mit
schweizerischen Versicherungszeiten nicht er
füllt ist, müssen bei Schweizern und Angehörigen von EU/EFTA-Staaten Bei
tragszeiten mitberücksichtigt werden, die in einem EU/EFTA-Staat zurü
ckgelegt worden sind. Ist die Mindestbeitragsdauer zwar unter An
rechnung von Versiche
rungszeiten in der EU/EFTA erfüllt, beträgt aber die Beitragszeit in der Schweiz weniger als ein Jahr, so besteht kein Anspruch auf eine ordentliche Invalidenren
te (Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, N 4 zu
Art.
36).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2)
.
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, dass
der Beschwerdeführerin ge
mäss den medizinischen Abklärungen
die Tätigkeit als Küchenhilfe nicht mehr zumutbar sei. Leichte Tätigkeiten, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne die Schultern belastende Zwangshaltung und Tätigkeiten mit längerem Arbeiten in weiter Armvorhalte, mit Überkopfarbeit, mit repetitive
n
Rotationsbewegungen, seien ihr jedoch zu 100
%
zumutbar. Somit entstehe kein Anspruch auf
Leistun
gen
der Invalidenversicherung. Für die Unterstützung in der Stellensuche sei das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zuständig
(
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
, die von der Beschwerdegegnerin in Bezug auf die medizinische Situation und die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit durchgeführten Erhebungen würden der in
Art.
43
Abs.
1 ATSG festgehaltenen Abklärungspflicht nicht genügen.
Hinsichtlich
der psychischen Situation bestünden konkrete Anhaltpunkte für eine
invalidisierende
Erkrankung. Es sei diesbezüglich insbesondere auf
den
IV-Bericht des behandeln
den Arztes
Dr.
B._
hingewiesen, aber auch auf den Hinweis der
Neurologin
Dr.
C._
, wonach eine schwere psychosoziale
Belastungssituation
bestehe. Diese könn
e
sich
inzwischen ohne
Weiteres
zu
einer
chronifizierten
depre
ssiven Störung entwickelt haben.
Eine
aussagekräftige
psychiatrische Beurteilung fehle in den Akten, zumal
Dr.
D._
dazu infolge
des vor
längere
r
Zeit
zurücklie
genden Behandlu
n
g
sabbruchs keine Stellungnahme
habe
abgeben
können. Auch in Bezug auf die
rheumatologische
Symptomatik
liege seitens der
behandelnden
Ärzte keine verwertbare
Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit vor. Der Facharzt
Dr.
A._
habe sich dazu zu wenig konkret geäus
sert. Einfach auf die RAD-
Stellungnahme
abzustellen, genüge dem
erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit
nicht.
Eine persönliche
Un
tersuchung
im Hinblick auf die Abklärung der Arbeitsfähigkeit
erweise sich
als unabdingbar. Gleiches gelte
letztlich
auch in Bezug auf das
Asthma
bronchiale mit
persistierender
obstruktiver
Venti
l
a
tionsstörung. Die Sache sei zur
Durchfüh
rung
ergänzender medizinischer Abklärungen (
polydisziplniäre
Begutachtung) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dasselbe gelte auch hinsichtlich der
Qualifikation
der
Beschwerdeführerin
. In der Schweiz habe sie eine Arbeitstätig
keit in einem 50%-Pensum ausgeübt, wobei sie
gemäss den Angaben im S
tand
ort
gespräch vom 2
6.
Juli 2018 eigentlich 100
%
arbeiten
wolle
. Die Be
sch
w
er
degegn
e
rin betrachte gemäss Fest
st
ellungsblatt die
Qualifikation
als un
klar. Es
würden
sich somit auch in diesem Zusammenhang ergänzende Abklä
rungen auf
drängen
. Sodann müsse ebenfalls ergänzend abgeklärt werden, ob im
Hinblick
auf die
Erfüllung
von
Art.
36
Abs.
1 IVG anrechenbare Beitragszeiten für den
Zeitraum
, als die Beschwerdeführerin noch in den
Niederlanden
gelebt habe
, bestünden
(
Urk.
1 S. 4-5).
3.
3.1
Dr.
A._
nannte in seinem Bericht vom 2
8.
Mai 2018 folgende Diagnosen (
Urk.
9/4):
-
Progredientes Schulter-Nackensyndrom rechts betont mit
-
Impingement
der rechten Schulter
-
Komponente
zervikospondylogen
, inte
rmittierende
radikuläre
Reizung
möglich
-
Epilepsie
-
Unklare mittelschwere obstruktive Lungenfunktionsstörung
-
DD COPD,
Bronchiolitis
, Asthma bronchiale
-
Adipositas
-
Psychosoziale Belastungssituation
bei Erkrankungen der Töchter
Es zeige sich eine zunehmende psychosoziale Belastung aufgrund einer schweren Erkrankung der mittleren Tochter (therapiebedürftige schwere
re
Form einer mul
tiplen Sklerose) und eine deutliche finanzielle Problematik. Die Nacken-/Schul
tersymptomatik sei weiterhin fluktuierend und teilweise nicht genügend ein
gestellt, wobei die NSAR oder bzw. nun im zweiten Verlauf
Novalgin
zu einer Teil
linderung
geführt habe. Anscheinend habe die kardiologische Abklärung keine Erkrankung zu Tage geführt.
3.2
Dr.
med.
E._
, Leitender Arzt Pneumologie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 1
8.
Juni 2018 Asthma bronchiale,
perineal
, wahrscheinlich allergisch sowie ein
en
Verdacht auf obstruktive Schlafapnoe. Anamnestisch sei das Ausmass der Beschwerden eher schwierig exakt zu beurteilen. Insgesamt be
richte die Patientin jedoch über eine Besserung der respiratorischen Probleme. Lungenfunktional zeige sich
p
r
ädi
l
at
ator
isch
eine Besserung des FEV
1.
Bei Ver
dacht auf eine obstruktive Schlafapnoe als
Confounder
der Asthmakontrolle werde eine
Polysomnographie
im Schlaflabor durchgeführt
(
Urk.
9/22/14-15)
.
3.3
Dr.
med. C._
, Fachärzti
n Neurologie, hielt in ihrem Bericht vom
8
.
August 2018 fest, bei ihr sei die Beschwerdeführerin wegen St. n. 3 tonisch-kloni
schen, generalisierten Anfällen, erstmalig mit Treppensturz im Juni
2017 sowie 2 im Oktob
er 2017, in Behandlung. Ein MRI des
Schädel
s
vom
8.
September 2017 sei unauffällig
gewesen
, ebenfalls die EEG
im Juni und im Oktober 201
7.
Des Wei
teren bestünden
Zervikobrachial
g
i
en
linksbetont. Wegen der Epi
lepsie sei sie nicht arbeitsunfähig. Seit
die Tochter
der Beschwerdeführerin im Jahr 2018 er
krankt sei, bestehe eine schwere psychosoziale Belastungssituation (Urk.
9/19/7-8).
3.
4
Dr.
med.
B._
, Facharzt Allgemeine Innere Medizin
,
Allergologie und klinische Immunologie
, erhob in seinem Bericht vom 2
2.
August 2018 mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Depression, Epilepsie und Asthma bronchi
ale
und als Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
Obstipation und Nacken-/Schultersyndrom
. Die Beschwerdeführerin sei seit Juni 2017 bis jetzt als Küchenhilfe voll
a
rbeitsunfähig. Es bestehe seit dem ersten epileptischen Anfall eine depressive Entwicklung. Zusätzlich bestehe eine familiäre Problematik, da die Tochter an MS erkrankt sei (
Urk.
9/22/2-3).
Momentan sei der Beschwerde
führerin
keinerlei
Tätigkeit zumutbar (
Urk.
9/22/5)
.
3.
5
Dr.
A._
präzisierte
in seinem Bericht vom 2
1.
September 2018 folgende Diagnosen (
Urk.
9/28):
-
Chronisches Schulter-Nacken-Syndrom rechts mit
-
Impingement
der rechten Schulter
-
Komponentes
zervikospondylogenes
, intermittierend
radikuläres
Syndrom
möglich
-
Epilepsie
-
Asthma bronchiale mit persist
i
erender obstruktiver Ventilationsstörung
-
Verdacht auf obstruktives Schlaf
a
pnoe-Syndrom
-
Ad
ipos
itas
-
Psychosoziale
Belastungssituation
-
DD Komponente depressive
r
Entwicklung
Im Rahmen der rheumatologischen Beurteilung stehe dieses Schulter-Nacken-Syndrom bei entsprechenden Veränderungen mit schmerzbedingter Einschrän
kung der Armbewegung und Schulterbeweglichkeit
im Vordergrund
. Es zeige sich ein teilweises Ansprechen auf die systemische Behandlung mit Antirheumatika, passagere Behandlung und
auch
verbessernd im Rahmen einer
subakromialen
Infiltration. Ferner seien bezüglich
d
er Arbeitsfähigkeit und Gesamteinschrän
kung internistische Zusatzerkrankungen vorliegend, welche mitberücksichtigt werden sollten.
3.6
Dr.
med.
D._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie
,
führte in seinem Schreiben vom 2
7.
November 2018 aus, dass die Beschwerdeführerin zu
letzt am 2
1.
März 2018 bei ihm in Behandlung gewesen sei. Seitdem hätten keine weiteren Konsultationen stattgefunden. Aus diesem Grund könne er keine aktu
ellen Angaben zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit der
Beschwer
deführerin
liefern (
Urk.
9/31).
3.7
Am 1
8.
Oktober
2018 nahm
Dr.
med.
F._
, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, für den RAD
Stellung und hielt fest, die bisherige Tä
tigkeit als Küchenhilfe sei zu schwer. Leichte Tätigkeiten, ohne Arbeiten auf Lei
tern und Gerüsten, ohne die Schultern belastende Zwangshaltungen und ohne Tätigkeiten mit längeren Arbeiten in weiter Armvorhalte,
mit
Ü
berkopfarbeit
und
mit
repetitiven Rotationsbewegungen, sei
e
n ihr zumutbar. Die Beschwerdeführe
rin sei in der bisherigen Tätigkeit als Küchenhilfe seit dem 1
3.
Juni
2017 voll arbeits
unfähig. In angepassten Täti
gkeiten gemäss Belastungsprofil
sei sie durch
gehend voll arbeitsfähig
(
Urk.
9/32/3-4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrem ablehnenden Rentenentscheid vom
2
9.
März 2019
auf
die Stellungnahme
des RAD (E. 3.7).
Wie
die Beschwerdefüh
rerin
zu Recht
vorbrachte (
Urk.
1 S. 4)
, vermag die
nicht weiter begründete Beur
teilung
des RAD
nicht zu überzeugen.
4.2
Der RAD-Arzt
nahm dabei
k
eine eigene
n
Untersuchung
en
vor
, sondern
zog lediglich die zi
ti
erten Berichte bei
.
Gerade in Bezug auf die rheumatologischen Aspekte erscheint
zur
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit eine Untersuchung als not
wendig, zumal der Rheumatologe
Dr.
A._
die Beschwerdeführerin
in sei
nem Bericht vom 2
1.
September 2018 als arbeitsunfähig
ansah
. Er wollte sich
wohl nur nicht selber
zum Arbeitsumfang in bisheriger und angepasster Tätigkeit fest
legen, da er
wegen des Vorliegens der internistischen Zusatzerkrankungen
eine Gesamteinschätzung der Arbeitsfähigkeit als notwendig erachtete
(E. 3.4).
Dem
gegenüber wirken sich die internistischen Diagnosen
nach Einschätzung des
RAD-Arzt
es
nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus, wobei er sich
jedoch
nicht zu dieser abweichenden Auffassung äusserte.
Aus psychiatrischer Sicht ist nicht schlüssig, ob
die
schwere
psychosoziale
Belastungssituation,
die
von
Dr.
C._
,
Dr.
B._
und
Dr.
A._
erwähnt
wurde,
vom RAD-Arzt jedoch
gänzlich unberücksichtigt
blieb
,
im Rahmen der Invaliditätsbemessung
ausgeklammert werden kann
.
Immerhin erhob
Dr.
B._
in seinem Bericht vom
2
2.
April 2018
unter
anderem die Diagnose einer Depression
,
Dr.
A._
zog in seinem Bericht
vom 21.
September 2019
als Differenzialdiagnose Komponente
n
einer
depressi
ve
n
Entwicklung in Betracht
und
i
m Protokoll betreffend Standortgespräch vom 26.
Juli 2018
wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin habe abwesend und schläfrig gewirkt und kaum
gesprochen
(
Urk.
9/16/5).
Somit ist
ein krankhaftes Geschehen nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen
, zumal
Dr.
D._
infolge der letzten Konsultation am 21.
März 2018 im November 2018 keine Stel
lungnahme abgeben konnte und aus den Akten nicht hervorgeht, ob die Be
schwerdeführerin die Therapie aus mangelndem Leidensdruck beendete oder
sie
durch andere Gr
ü
nde dazu bewogen wurde
.
4.3
Nach dem Gesagten
kann
angesichts dieser dargelegten Zweifel an der Zuverläs
sigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Abklärungen
des RAD
nicht darauf abgestellt werden.
Auch die weiteren fachärztlichen Beurtei
lungen stellen keine
rechtsgenügliche
medizinische
Entscheidgrundlage
dar, auf welche abschliessend abgestellt werden könnte.
Hier ist überdies die
Erfahrungs
tatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
4.4
.
B
ei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs
ist auch
die Methode der Inva
liditätsbemessung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b),
aufgrund der Akten i
s
t der Status der Beschwerdeführerin nicht erstellt
(
Urk.
9/12/6
)
. Unklar ist,
ob
die Beschwerdeführerin
neben ihrer Anstellung im 50%-Pensum zusätzlich
no
ch im Aufgabenbereich tätig war,
zumal die Beschwer
deführerin im Protokoll betreffend Standortgespräch vom 2
6.
Juli 2018 angab, dass sie in einem 100%-Pensum habe arbeiten wollen, der Arbeitgeber ihr jedoch nur ein 50%-Pensum habe anbieten können (
Urk.
9/16/2).
Auch könnte die Er
krankung ihrer Tochter nun dazu führen, dass sie nur noch in einem tieferen Pensum erwerbstätig sein könnte und nebenbei im Aufgabenbereich tätig sein würde.
5
.
Zusammengefasst
erweist sich sowohl der medizinische als auch der erwerbliche Sachverhalt als unklar
.
Im Zusammenhang mit
der im Jahr 2016 erfolgten Ein
reise in die Schweiz
ist
allenfalls ergänzend
abzuklären
, ob im Hinblick auf die Erfüllung von
Art.
36
Abs.
1 IVG anrechenbare Beitragszeiten nach
Freizügig
keitsabkommen
bestehen.
Die Beschwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache
zur zusätzlichen Ab
klärung
und zum anschliessendem Neuentscheid an die Verwaltung zurückzu
weisen ist.
6
.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Ab
klärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
Überdies hat
die
obsiegende Beschwerdeführer
in
Anspruch auf den Ersatz der Par
teikosten (
§
34
Abs.
1
GSVGer
in Verbindung mit
Art.
61
lit
. g ATSG). Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Nach Massgabe dieser Kriterien erweist sich eine Parteientschädig
ung von
Fr.
1’
2
00.-- (inkl. Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
6.3
Damit erweist sich das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung als gegen
standslos.