Decision ID: 6ed8ed8d-c824-5864-adc9-b8113b6a546d
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Stephanie Schwarz, Sigg Schwarz Advokatur,
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
medizinische Massnahmen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ wurde am 21. Dezember 2004 geboren. Seit seiner Geburt leidet er an einer
chronisch entzündlichen fistelnden Darmerkrankung, die zunächst fälschlicherweise als
dringender Verdacht auf Morbus Behçet mit ausgeprägter intestinaler Beteiligung im
Sinne einer Crohn-like-disease diagnostiziert wurde (act. G 1 und IV-act.10-5 ff.).
A.b Gemäss Arztbericht leidet der Versicherte an einem Rezepterdefekt, namentlich
an einem angeborenen Immun-Defekt-Syndrom (Ziffer 326 der Verordnung über
Geburtsgebrechen [GgV]; SR 831.232.21). Diese Diagnose wurde am 27. Oktober 2009
gestellt (IV-act. 10-1 ff.).
A.c Am 28. Januar 2010 stellten die Eltern des Versicherten bei der IV-Stelle St. Gallen
ein Gesuch um Kostenübernahme für medizinische Massnahmen zur Behandlung des
Geburtsgebrechens. Daraufhin anerkannte diese am 25. August 2010 mittels Verfügung
einen Leistungsanspruch rückwirkend ab dem 1. Februar 2009 (IV-act. 3 und act.
G 1.2).
B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 22. September 2010. Die
Rechtsvertreterin des Versicherten beantragt, gestützt auf aArt. 48 Abs. 2 Satz 2 IVG
die Verfügung vom 25. August 2010 abzuändern und den Leistungsanspruch
rückwirkend ab dem 21. Dezember 2004 inklusive Verzugszinsen von 5%
anzuerkennen. Eventualiter sei der Anspruch rückwirkend ab Januar 2005 mitsamt
Verzugszinsen von 5% anzuerkennen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (act. G
1).
C.
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Am 4. November 2010 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (act.
G 4).

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind im Rahmen der 5. IV-Revision die Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und anderer Erlasse
wie des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. Dabei wurden die Bestimmungen betreffend
medizinische Massnahmen bei Geburtsgebrechen grundsätzlich nicht geändert. aArt.
48 IVG, der die Nachzahlung von Leistungen regelte und in dessen
Anwendungsbereich auch medizinische Massnahmen fielen (aArt. 78 Abs. 1 IVV),
wurde jedoch im Zuge der Neuregelung der Anmelde- und Anspruchsvoraussetzungen
in den anderen Leistungsbereichen gestrichen. Insofern fand eine indirekte Änderung
im Bereich der medizinischen Massnahmen statt. Bei der Prüfung eines allenfalls schon
vor dem Inkrafttreten der 5. IV-Revision entstandenen Leistungsanspruchs sind die
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln heranzuziehen, wonach in zeitlicher
Hinsicht diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Verwirklichung des zu
Rechtsfolgen führenden Sachverhalts galten (BGE 127 V 466 E. 1; Urteil des
Bundesgerichts 8C_233/2010 vom 7. Januar 2011 E. 4.2.2). In der Regel ist also der
Zeitpunkt der Entstehung des Anspruchs massgebend (Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28.10.2009 i.S. M. gegen IV-Stelle
des Kantons St. Gallen, E. 2.3).
1.2 In Bezug auf Eingliederungsmassnahmen entsteht der Anspruch, sobald die
Massnahmen im Hinblick auf Alter und Gesundheitszustand des Versicherten angezeigt
sind (Art. 10 Abs. 2 IVG). Dies bedeutet, dass für die Kostenübernahme medizinischer
Massnahmen bei Geburtsgebrechen der Anspruch frühestens bei vollendeter Geburt
entsteht. Wird eine medizinische Behandlung erst im Verlauf der Zeit erforderlich, ist
der Anspruchsbeginn dem Behandlungsbeginn gleichzusetzen (BGE 98 V 270 E. 2; Art.
2 Abs. 1 GgV). Invalidität tritt demnach bei Geburtsgebrechen erst in dem Zeitpunkt
ein, da das Leiden objektiv behandlungs- oder kontrollbedürftig ist. Zufällige externe
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Faktoren, wie insbesondere die subjektive Kenntnis des Leistungsansprechers (oder
das bei Aufbringung der nötigen Sorgfalt zumutbare Erkennenmüssen) um die
invaliditätsbegründenden Tatsachen, sind unerheblich (BGE 118 V 79 E. 3a; BGE 112 V
275 E. 1b; BGE 111 V 110 E. 3d; BGE 111 V 117 E. 1d mit Hinweisen; BGE 108 V 6
neues Fenster1 E. 2b mit Hinweis; BGE 103 V 131 neues Fenster; BGE 98 V 270 E. 2;).
Mit anderen Worten ist bei Geburtsgebrechen erst dann von Invalidität zu sprechen,
wenn erstmals Anzeichen des Beschwerdebildes vorhanden sind oder wenn
Standarduntersuchungen auf das Bestehen eines Geburtsgebrechens hindeuten (Urteil
des Bundesgerichts I 671/03 vom 1. Dezember 2004 E. 2.2; Murer/Stauffer [Hrsg.],
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 1997, S. 101).
1.3 Der Beschwerdeführer wurde am 21. Dezember 2004 geboren und leidet seither
an dem als Geburtsgebrechen Ziffer 326 GgV anerkannten angeborenen Immun-
Defekt-Syndrom. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, zu welchem Zeitpunkt das
Gebrechen objektiv behandlungs- und kontrollbedürftig wurde. Im Arztbericht des
Kinderspitals Zürich vom 26. September 2007 werden erstmals Symptome
beschrieben, die auf das angeborene Immun-Defekt-Syndrom zurückgeführt werden
können (IV-act. 10-5 ff.; IV-act. 10-2 ff. und IV-act. 11). Daher ist davon auszugehen,
dass das Gebrechen spätestens ab dem 26. September 2007 behandlungs- und
kontrollbedürftig wurde. Dass damals von einem falschen Verdacht ausgegangen
wurde, ist gemäss Rechtsprechung irrelevant (BGE 103 V 13 neues Fenster0). Folglich
liegt der Anspruchsbeginn vor dem Inkrafttreten der 5. IV-Revision, womit gemäss den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln das bis zum 31. Dezember 2007 geltende
Recht anwendbar ist (BGE 127 V 466 E. 1).
2.
2.1 Laut aArt. 48 IVG richtet sich der Anspruch auf Nachzahlung von Leistungen nach
Art. 24 Abs. 1 ATSG. Demzufolge erlischt dieser fünf Jahre nach dem Ende des
Monats, für welchen die Leistung, und fünf Jahre nach dem Ende des Kalenderjahrs,
für welches der Beitrag geschuldet war. Meldet sich ein Versicherter mehr als zwölf
Monate nach Entstehen des Anspruchs an, so werden die Leistungen in Abweichung
von Art. 24 Abs. 1 ATSG lediglich für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate
ausgerichtet (aArt. 48 Abs. 2 Satz 1 IVG). Weitergehende Nachzahlungen werden
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erbracht, wenn der Versicherte den anspruchsbegründenden Sachverhalt nicht kennen
konnte und die Anmeldung innert zwölf Monaten nach Kenntnisnahme vornimmt (aArt.
48 Abs. 2 Satz 2 IVG). Entgegen dem Wortlaut gilt auch im Anwendungsfall von aArt.
48 Abs. 2 Satz 2 IVG die in Art. 24 Abs. 1 ATSG statuierte fünfjährige Verwirkungsfrist
(Holzer, Verjährung und Verwirkung der Leistungsansprüche im
Sozialversicherungsrecht, 2005, S. 93 f.). Nachzahlungen können in solchen Fällen für
den Zeitraum von maximal fünf Jahren vor Anmeldung zugesprochen werden (Urteil
des Bundesgerichts I 788/04 vom 28. April 2005 E. 3.2).
2.2 Unter anspruchsbegründendem Sachverhalt i.S.v. aArt. 48 Abs. 2 Satz 2 IVG ist in
Anlehnung an aArt. 4 und 5 IVG der körperliche, geistige oder psychische
Gesundheitsschaden zu verstehen, der eine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde Erwerbsunfähigkeit verursacht oder der den nicht erwerbstätigen
Versicherten in seinem bisherigen Aufgabenbereich beeinträchtigt (Urteil des
Bundesgerichts I 251/01 vom 24. Juni 2002 E. 1c). Mit der Kenntnis des
anspruchsbegründenden Sachverhalts ist nicht das subjektive Einsichtsvermögen des
Versicherten gemeint (BGE 100 V 114 E. 2c). Vielmehr muss der
anspruchsbegründende Sachverhalt aus Gründen höherer Gewalt (BGE 102 V 112 E.
2a), wegen Vorliegen eigentlicher Geisteskrankheiten wie Schizophrenie (BGE 108 V
226), wegen fehlender Urteilsfähigkeit (Urteil des Bundesgerichts 9C_166/2009 vom 22.
April 2009 E. 4.2) oder wegen krankheitsbedingt fehlender Fähigkeit, gemäss der
vorhandenen Einsicht zu handeln (Urteil des Bundesgerichts I 149/99 vom 16. März
2000) für den Versicherten objektiverweise nicht als solcher erkennbar gewesen sein
(Murer/Stauffer [Hrsg.], Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 1997, S.
284; Urteil des Bundesgerichts I 671/03 vom 1. Dezember 2004 E. 4.2).
3.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob im vorliegenden Fall der anspruchsbegründende
Sachverhalt bereits vor der richtigen Diagnose vom 27. Oktober 2009 hätte erkannt
werden müssen oder ob eine Ausnahme i.S.v. aArt. 48 Abs. 2 Satz 2 IVG gegeben ist.
Liegt eine derartige Ausnahme vor, muss geklärt werden, ab welchem Zeitpunkt eine
allfällige Leistungsnachzahlung zu erfolgen hat.
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3.1 Versicherte haben Anspruch auf medizinische Massnahmen, wenn diese
unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich
gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor
wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren (aArt. 12 Abs. 1 IVG). Um einen Anspruch
geltend zu machen, muss somit zumindest eine künftig wahrscheinliche Einschränkung
der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
vorliegen (Art. 6 und 7 ATSG). Diese kann Folge einer Krankheit sein (aArt. 4 Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG). Als Krankheit gilt jede Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist und die eine
medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur
Folge hat (Art. 3 Abs. 1 ATSG). Leidet ein Versicherter an einem Geburtsgebrechen, hat
er bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung des Gebrechens
notwendigen medizinischen Massnahmen unabhängig von der Möglichkeit einer
Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (aArt. 13 IVG i.V.m. aArt.
8 Abs. 2 IVG). Als Geburtsgebrechen gelten Krankheiten, die bei vollendeter Geburt
bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG). Diese sind im Anhang der GgV aufgeführt.
3.2 Im September 2007 verbrachte der Beschwerdeführer mehrere Tage im
Kinderspital Zürich. Im Arztbericht vom 26. September 2007 des Spitals wurde als
Diagnose unter anderem ein dringender Verdacht auf Morbus Behçet mit ausgeprägter
intestinaler Beteiligung im Sinn einer Crohn-like-disease festgestellt. Die
Beschwerdegegnerin macht geltend, dass für die Feststellung, ob ein Gesuch i.S.v.
aArt. 48 Abs. 2 IVG gestellt wurde, der Zeitpunkt der Kenntnisnahme des
Gesundheitsschadens massgebend sei. Beim Beschwerdeführer habe sich der
Gesundheitsschaden schon seit Geburt manifestiert und sei spätestens seit dem
Vorliegen des Arztberichts vom 26. September 2007 erkennbar gewesen. Die Eltern
des Beschwerdeführers hätten demnach ihr Gesuch verspätet eingereicht. Es sei daher
aArt. 48 Abs. 2 Satz 1 IVG anwendbar. Dieser Argumentation kann nicht gefolgt
werden. Einerseits trifft es zwar zu, dass der Gesundheitsschaden schon seit Geburt
bestanden hat (IV-act. 10-2 ff. und IV-act. 18). Jedoch ist unklar, zu welchem Zeitpunkt
sich der Gesundheitsschaden erstmals zeigte. Dass die Krankheitssymptome
wahrscheinlich in einem späteren Zeitpunkt zu einem Leistungsbedarf i.S.v. aArt. 12
IVG führen würden, war angesichts des jungen Alters des Beschwerdeführers für
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dessen Eltern objektiverweise nicht zu erkennen. Dies umso mehr, als selbst die Ärzte
als Fachspezialisten trotz mehrerer stationärer wie ambulanter Aufenthalte des
Beschwerdeführers im Kinderspital Zürich erst 2 Jahre nach der Verdachtsdiagnose
den richtigen Befund feststellten (IV-act. 43). Die bei dem Befund vom 26. September
2007 gestellte Verdachtsdiagnose ist überdies als Grundlage für einen
Leistungsanspruch unzureichend. Anders als der Anspruch auf Rentenleistungen, der
vom Eintritt einer durch einen Gesundheitsschaden verursachten Erwerbsunfähigkeit,
nicht aber von einer bestimmten Diagnosestellung abhängig ist, setzt der Anspruch auf
medizinische Massnahmen bei einem Geburtsgebrechen die Existenz eines genau
bezeichneten Gebrechens voraus (vgl. aArt. 13 IVG i.V.m. aArt. 3 IVV; unveröffentlichtes
Urteil des Bundesgerichts I 509/98 vom 23. März 1999 E. 2c). Als Korrelat zu dieser
eng umschriebenen Anspruchsvoraussetzung darf die bei gebotener Sorgfalt
zumutbare Kenntnis des anspruchsbegründenden Sachverhalts i.S.v. aArt. 48 Abs. 2
Satz 2 IVG vom Versicherten nicht bereits zu einem Zeitpunkt erwartet werden, in
welchem eine kongenitale Natur des Gesundheitsschadens von den behandelnden
Ärztinnen und Ärzten in Betracht gezogen wird, jedoch noch keine objektive Gewissheit
über das Vorliegen eines seit Geburt bestehenden Leidens, geschweige denn über
dessen genaue Bezeichnung (diagnostische Einordnung), besteht (Urteil des
Bundesgerichts I 671/03 vom 1. Dezember 2004 E. 4.2). Demnach hätte auch die
Verdachtsdiagnose auf Morbus Behçet, selbst wenn es sich dabei um ein
Geburtsgebrechen i.S. der GgV gehandelt hätte, nicht ausgereicht, um einen Anspruch
aufgrund von aArt. 13 IVG geltend zu machen. Sollten sich Gesundheitsschäden
bereits kurz nach der Geburt oder in den ersten Lebensjahren manifestieren, kann dies
in gewissen Fällen auf ein Geburtsgebrechen hindeuten (Urteil des Bundesgerichts I
671/03 vom 1. Dezember 2004 E. 4.2). Dies ist beim Beschwerdeführer aber nicht der
Fall. Das Immun-Defekt-Syndrom ist nicht als ein für Laien offensichtliches
Geburtsgebrechen, wie zum Beispiel das Schielen (EVGE 1964 S. 270 ff.), zu
qualifizieren. Folglich hatten die Eltern des Beschwerdeführers keinen Anlass, bereits
zu einem früheren Zeitpunkt ein Gesuch zu stellen.
3.3 Die Anmeldung des Beschwerdeführers für IV-Leistungen erfolgte innerhalb von
etwas mehr als drei Monaten nach Kenntnisnahme der richtigen Diagnose. Damit
wurde die zwölfmonatige Frist ab Kenntnisnahme des anspruchsbegründenden
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Sachverhalts gewahrt, innerhalb welcher die Anmeldung zu erfolgen hat (aArt. 48 Abs.
2 Satz 2 IVG).
3.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Bundesgericht zwar die
Anwendbarkeit von aArt. 48 Abs. 2 Satz 2 IVG nur sehr zurückhaltend bejaht hat (BGE
117 V 23 E. 3b und Urteil des Bundesgerichts I 251/01 vom 24.Juni 2002 E. 4) und
keiner der von der Rechtsprechung im Bereich der Rentenleistungen anerkannten
Gründe für einen Anspruch auf weitergehende Nachzahlungen i.S.v. aArt. 48 Abs. 2
Satz 2 IVG vorliegt. Dennoch ist es angebracht, aArt. 48 Abs. 2 Satz 2 IVG
anzuwenden. Es kann nicht Ziel dieser Bestimmung sein, dass aufgrund einer
Verdachtsdiagnose beziehungsweise diverser Krankheitssymptome im frühen
Kindesalter die Eltern des Versicherten quasi vorbeugend eine IV-Anmeldung
einzureichen haben. Eine Anmeldung gestützt auf aArt. 12 IVG darf erst dann erwartet
werden, wenn wahrscheinlich ist, dass eine Krankheit in naher Zukunft einen IV-
Leistungsbedarf auslösen wird (Murer/Stauffer [Hrsg.], Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung [IVG], 1997, S. 84). Ebenso wenig kann eine Anmeldung gestützt
auf aArt. 13 IVG erwartet werden, solange nicht feststeht, dass der Versicherte an
einem Geburtsgebrechen leidet. Weil der Anspruch auf Kostenübernahme für
medizinische Massnahmen spätestens am 26. September 2007 entstand, hat die
Beschwerdegegnerin spätestens ab diesem Zeitpunkt entsprechende Leistungen
nachzuzahlen. Die Beschwerdegegnerin hat zu klären, ob ein noch weiter
zurückreichender Leistungsanspruch besteht. Auf Grund der Krankheitsanamnese (IV-
act. 10-6) ist nicht auszuschliessen, dass bereits vor September 2007 aufgetretene
Leiden des Beschwerdeführers mit dem später diagnostizierten Geburtsgebrechen
zusammenhingen. Als frühester Zeitpunkt für eine Nachzahlung kommt jedoch gemäss
Art. 24 Abs. 1 ATSG das fünf Jahre vor der Anmeldung gelegene Datum in Frage.
Demzufolge können die medizinischen Massnahmen frühestens ab dem 28. Januar
2005 übernommen werden.
4.
Da ein Anspruch auf weitergehende Nachzahlungen i.S.v. aArt. 48 Abs. 2 Satz 2 IVG
vorliegt, muss geklärt werden, ob und wenn ja, ab welchem Zeitpunkt Verzugszinsen
geschuldet sind.
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4.1 Verzugszinsen sind erst ab Fälligkeit der Forderung zu entrichten. Gemäss Art. 26
Abs. 2 ATSG werden Sozialversicherungen für ihre Leistungen nach Ablauf von 24
Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate nach dessen
Geltendmachung verzugszinspflichtig, sofern der Versicherte seiner Mitwirkungspflicht
vollumfänglich nachgekommen ist (Art. 26 Abs. 2 ATSG). Mit der Angabe von 24
Monaten bzw. 12 Monaten setzt Art. 26 Abs. 2 ATSG den Fälligkeitstermin fest.
Verzugszinsen sind für diejenigen Leistungen geschuldet, auf die bereits seit
mindestens 24 Monaten ein Anspruch besteht. Werden also Leistungen später als 12
Monate nach der Anmeldung ausgerichtet, sind keine Verzugszinsen geschuldet, wenn
nicht zugleich mindestens 24 Monate seit der Anspruchsentstehung verstrichen sind
(BGE 131 V 358 E. 2.2; Kieser, ATSG Kommentar, 2003, Art. 26 N 17 ff.).
4.2 Gemäss vorstehender Erwägung richtet sich die Verzugszinspflicht nach der
Geltendmachung bzw. Anmeldung des Anspruchs sowie dessen Entstehung. Der
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, unter anderem medizinischer Massnahmen
(aArt. 12f. IVG), entsteht, sobald solche im Hinblick auf Alter und Gesundheitszustand
des Versicherten angezeigt sind (aArt. 10 Abs. 1 IVG). In Bezug auf Geburtsgebrechen
ist dies der Fall, sobald das Leiden objektiv kontroll- und behandlungsbedürftig wird
(aArt. 2 Abs. 1 GgV; vgl. E. 1.2 vorstehend). Aufgrund der unvollständigen Akten kann
nicht abschliessend beurteilt werden, in welchem Zeitpunkt der Leistungsanspruch im
vorliegenden Fall entstand. Fest steht, dass der Anspruchsbeginn spätestens auf den
Tag des Arztberichts des Kinderspitals Zürich betreffend die Verdachtsdiagnose auf
Morbus Behçet datiert vom 26. September 2007, frühestens jedoch auf den 28. Januar
2005 festzulegen ist (Art. 24 Abs. 1 ATSG, vgl. E. 1.2 vorstehend). Ob und inwiefern ein
Anspruch vor dem 26. September 2007 entstanden ist, wird von der
Beschwerdegegnerin noch abzuklären sein. Die Verzugszinspflicht beginnt zwei Jahre
nach Entstehung der Anspruchsberechtigung als solcher, nicht jeweils erst zwei Jahre
nach Fälligkeit jeder einzelnen Forderung (BGE 133 V 9 E. 3.6). Die Beschwerdeführerin
hat sich am 28. Januar 2010 zum Leistungsbezug angemeldet. Sie hat sich keiner
Verletzung der Mitwirkungspflichten zu Schulden kommen lassen, und es sind seit der
spätestmöglichen Entstehung des Anspruchs am 26. September 2007 24 Monate
vergangen. Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin ab dem 29. Januar 2011
verzugszinspflichtig zu einem Zinssatz von 5 Prozent im Jahr (Art. 7 Abs. 1 ATSV).
5.
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5.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
25. August 2010 insofern aufzuheben, als die Nachzahlungen für medizinische
Massnahmen spätestens ab dem 26. September 2007 zu erfolgen haben. Die Sache ist
zur ergänzenden Abklärung der Anspruchsentstehung und zu neuer Verfügung (auch
über die dem Beschwerdeführer zustehenden Verzugszinsen) im Sinn der Erwägungen
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss des Beschwerdeführers von Fr. 600.-- ist
diesem zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Die Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers hat eine Honorarnote im Betrag von Fr. 1'710.80 (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) eingereicht. Diese erscheint der Bedeutung und dem
Aufwand der Streitsache angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP