Decision ID: 347a09f3-f3a2-4a04-bdbd-fca7673b423f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Mit Urteil vom
27. Juni 2017 im Verfahren Nr. IV.2016.00590
(Urk. 2/
2/
10 Dis
positiv Ziff. 1)
bestätigte das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
die
mit Verfügung vom 21. April 2016 (Urk. 2/2/2) der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Zürich, IV-Stelle,
erfolgte Einstellung der seit
Verfügung vom 17.
Juli 2008 ab 10. Mai 2005 an
X._
, geboren 1975, ausgerichtete
n
Viertels
rente
(Urk. 2/2/5/29 und Urk. 2/2/5/32)
.
Mit Urteil vom
13. April 2018
(Urk. 2/1)
hiess das Bundesgericht die von
der
Be
schwerdeführerin
dagegen erhobene Beschwerde teilweise gut, indem
es den
kan
tonalen Entschei
d aufhob und die Sache zur neuen
Entscheidung, insbesondere unter Mitberücksichtigun
g eines Austrittsberichtes der p
sychiatrischen
K
linik
Y._
vom 22. März 2016
(Urk. 2/2/7/3)
an die Vorinstanz zu
r
ückwies.
Mit Urteil vom 21. Juni 2018 im Verfahren Nr. IV.2018.00443 (Urk. 2/3)
wies das hiesige Gericht die Beschwerde der
Beschwerdeführerin
gegen die Ver
fügung
der IV-Stelle
vom
21. April 2016 (Urk. 2/2/2)
erneut ab.
1.
2
Mit Urteil vom 22
.
März 2019
hiess
das
Bundesgericht
die Beschwerde der
Be
schwerdeführerin
gegen d
as Urteil
des
hiesigen Gerichts
vom 21
.
Juni
2018
(Urk.
2/3)
teilweise gut und wies die Sache an
dieses
zurück, da
mit es im Sinne von Erwägung 4.2.3
zur Beantwortung der Frage, ob sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
seit der Rentenzusprechung im Juli 2008 wesentlich ver
bessert habe und das Vorliegen einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten depressiven Störung nunmehr verneint werden könne, ein Gerichtsgutachten einhole und ein den Grundsätzen von BGE 141 V 281 Rechnung tragendes strukturiertes Beweisverfahren durchführe
(Urk. 1
Dispositiv-Ziff. 1).
2.
Mit Beschluss vom 22
.
Mai 2019 (Urk. 4
) ordnete das hiesige Gericht das Einholen eines
psychiatrischen
Gutachtens an, formulierte die entsprechenden Fragen und stellte als Gutachter
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
in Aussicht.
Mit Beschluss vom 9. Juli 2019
(Urk. 7) lehnte das Gericht den Antrag der IV-Stelle vom 14. Juni 2019 (Urk. 6) um Aufnahme der von ihr formulierten Ergänzungsfrage in den dem Gutachter zu unterbreitenden Fragekatalog ab. Nachdem dagegen kein Rechtsmittel erhoben
worden war
und
die Partei
en innert Frist keine Ablehnungsgründe
gegen den Gutachter
geltend gemacht hatten,
wurde
mit Gerichtsverfügung vom 26. September 2019 (Urk. 9)
Dr.
Z._
der
Auftrag zur
Begutachtung der Beschwerdeführerin ert
eilt
.
Dr.
Z._
erstatte sein psychiatrisches Gutachten am 14
.
April
20
20 (Urk. 16). Am 27
. M
ai
20
20 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme (Urk. 20). Die Beschwerdeführerin
nahm
am 8. Juni 2020
zum Gutachten
von Dr.
Z._
vom 14.
April
2020
Stellung (Urk.
21
)
.
Mit Gerichtsverfügung vom
16
.
Juni 2020
wurden die Eingaben der Parteien (Urk.
20
, Urk.
21
) der jeweils anderen Partei zur Kenntnis gebracht (Urk.
22
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.4
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
chosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
schei
dende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invalidi
täts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert
(Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer ver
sicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vor
ga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.5
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.
6
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fer
ner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Ände
rung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sach
verhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen
(BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
).
2.
Auf d
ie Vorbringen der Parteien wird soweit erforderlich
in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
3.
Das
Bundesgericht
hielt in seinem
Rückweisung
surteil
an das hiesige Gericht zur Einholung eines G
erichtsg
u
tachtens vom 22
.
März 2019
fest
, dass das
hiesige Gericht bei seinem Entscheid das Gutachten der
A._
vom 26. November 2015, wonach bei der Beschwerde
führerin keine psychiatrische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit be
stehe, als umfassend und überzeugend befunden habe und gestützt darauf davon ausgegangen sei, dass sich
ihr
Gesundheitszustand
seit der erstmaligen
Renten
zus
prache
im Juli 2008 verbessert habe und
sie
wegen ihrer Migränebeschwerden noch zu 20 % arbeitsunfähig sei
(Urk. 1 E. 3.1)
.
Bemängelt wurde, dass das
hiesige
Gericht den Bericht der
Y._
vom 22. März 2016 - welcher erst im Verlaufe des erstinstanzlichen Beschwerdeverfahrens auferlegt worden sei - weder der IV-Stelle noch den Gutachtern der
A._
zur Stellungnahe vorgelegt,
und es auch kein
Gerichtsgutachten eingeholt
habe
. Stattdessen
seien
Zweifel an der von den Ä
rzten der
Y._
und dem behandelnden Psychiater
med.
pract
.
B._
ge
stellten Diagnose
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwer
e Episode
,
gemäss ICD-10 F33.2 geäussert
worden
.
Die Würdigung des Berichtes der
Y._
vom 22. März 2016 durch das hiesige Gericht, wonach die erhobenen Befunde in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichen
de Erklärung fänden und daher kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor
liege, sei ohne hinreichendes Fachwissen erfolgt
,
und es fehle für diese Fest
stel
lung an einer hinreichenden medizinischen Grundlage. So sei weiterhin unge
klär
t, ob es sich bei der von der
A._
anlässlich ihrer gutachterlichen Untersuchung am 10.
September
2015 diagnostizierten vollständigen Remission der psychischen Erkrankung um eine gefestigte Verbesserung des Gesundheitszustandes gehandelt habe, oder ob es im Zeitpunkt der Hospitalisation in der
Y._
im Februar 2016 zu einer erneuten Verschlechterung gekommen sei und das psychische Beschwerde
bild dami
t als labil zu beurteilen sei.
Hinzu komme, dass weder die
A._
-G
ut
achter noch die Vor
instanz sich im Lichte von BGE 141 V 281 sowie BGE 143 V
409 und BGE 143 V 418 zu den gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Be
schwe
rdeführerin geäussert hätten (
Urk. 1
E.
4.1 und E.
4.2.1)
.
4.
Dr.
Z._
konnte
in seinem
psychiatrischen
Gutachten
vom 14.
April
2020 (Urk.
16)
keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit stellen. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode, besserungsfähig bei adäquater psychiatrischer Behandlung (ICD-10 F33.0), einen Verdacht auf psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypno
tika, schädlic
her Gebrauch (ICD-10 F13
.1
)
, Differenzialdiagnose: Abhängigkeits
syndrom, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F13.25),
sowie akzentuierte Per
sön
lichkeitszüge mit histrionisch-infantilen Anteilen
(S. 23 oben).
Dr.
Z._
führte aus
, dass
die Beschwerdeführerin i
m Verfügungszeitpunkt im April 2016 (Urk. 2/2/2) in der angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin und Mitarbeiterin in der Reinigung aus psychiatrischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig gewesen sei (S. 28 Ziff. 6
lit
. a)
.
Auch in adaptierten Tätigkeiten sei aus psy
chiatrischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % auszugehen. Adaptierte Tätigkeiten seien medizintheoretisch die angestammte Tätigkeit und sämtliche Hilfstätigkeiten des freien Arbeitsmarktes, die 45-jährige Frauen unter Beachtung
der somatischen Einschränkungen, die im Gutachten der
A._
beschrieben wo
rden seien, zugemutet werden könnten. Eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft sei möglich
,
und eine
solche
im
geschützten Rahmen nicht erforderlich. Hierdurch wäre eine weiter
e
Verstärkung der dysfunktionalen
Regressionstendenzen zu be
fürchten. Diesen sollte empathisch und konsequent entgegengewi
rkt werden (S. 28
Ziff. 6
lit
b).
Dr.
Z._
führte aus, dass es
seit der ersten
Begutachtung durch Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
im Jahr 2007 zu einer schrittweisen Reduktion der depressiven Symptomatik gekommen sei. Bei einer rezidivierenden depressiven Störung sei es im Rahmen von beson
deren Anforderungen
im Verlauf des Lebens zu erneuten, also rezidivierenden oder schwankenden Veränderungen oder Verstärkungen der depressiven Sympto
matik gekommen.
Diese Verschlechterung habe jeweils nur kurzfristig für wenige Wochen, definitionsgemäss während der (teil-)-stationären Behandlungen und ein bis zwei Wochen vorher und nachher bestanden.
Zu einer anhaltenden Ver
schlechterung der depressiven Einschränkungen sei es seit 2007 nicht mehr gekommen
. Jedoch habe sich schrittweise eine Verbesserung im Vergleich zu der im ersten psychiatrischen Gutachten von 2007 beschriebenen psychischen Ein
schränkungen entwickelt. Die Beschwerdeführerin habe dies letztendlich auch selbst bestätigt, indem sie ausgeführt habe,
dass sie subjektiv eine psychiatrische
Behandlung schon seit etwa zwei Jahren für nicht erforderlich halte (S. 31 Ziff. 8
).
Dr.
Z._
führte aus,
dass ein tatsächlicher Leidensdruck bei der aktuellen Explo
ration nicht habe festgestellt werden könne
n
, obwohl in Diskrepanz hierzu ver
schiedene Symptome aus subjektiver Sicht angegeben worden seien. Auch bei der Hausärztin fänden nur alle
sechs
Monate kurze Gespräche statt. Die Lebens
si
tuation der Explorandin habe sich zudem stabilisiert, seit
dem
sie eine Witwen
rente erhalte und finanziell besser abgesichert sei. Zudem seien die Kinder nun erwachsen und könnten selber für ihren Lebensunterhalt sorgen. Durch eine erneute adäquate psychiatrische Behandlung könnte die leichte depressive Symp
to
matik bei Interesse der Explorandin weiter gebessert werden (S. 32 oben).
Dr.
Z._
führte aus, dass aktuell allenfalls ein leichte depressive Störung anzu
nehmen sei, nachdem sich die mittelgradige depressive Symptomatik, die 2014 und 2016 jeweils kurzzeitig in zeitlich begrenzten depressiven Krisen bestanden habe, wieder zurückgebildet habe. Hier sei der Beurteilung im Vorgutachten der
A._
im Wesentli
chen zuzustimmen (S. 30 unten).
Dr.
Z._
führte aus, dass die Prognose anhand der geschilderten Situation ohne relevante psychische Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit als grundsätzlich günstig einzuschätzen sei.
Probleme mit der Motivation, dysfunktionale subjek
tive Krankheitsüberzeugungen und langjährige Auseinandersetzungen mit Versi
che
rungen und Gerichten verschlechterten die Prognose von beruflichen Mass
nahmen in der Regel. Es erscheine aus medizinischer Sicht zumutbar, dass die Explorandin die Ressourcen, die ihr in der Freizeit zur Verfügung stünden, auch im beruflichen Kontext und/oder bei einer beruflichen Wiedereingliederung ein
setze (S. 22 unten).
5.
5.1
Das
psychiatrische
Gutachten von Dr.
Z._
vom
14.
April
20
20
(vorstehend E.
4) entspricht in sämtlichen Punkten den
praxisgemässen
Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise (vgl. vorstehend E.
1.7
).
So
ist es für die streitigen Belange umfassend, berücksichtigt die
von der Beschwerdeführerin
geklagten Be
schwerden
und setzt sich auch mit ihrem Verhalten auseinander. Sodann erging es
in Kenntnis
und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
.
Darüber hinaus leuchtet es auch in der
Darlegung der medizinischen Zu
sam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nach
vollziehbar begründete Schlussfolgerungen.
Überdies hat Dr.
Z._
unter Berücksichtigung der
Standardindikatoren
eine
rechtsprechungsgemässe
Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit (vor
ste
hend E.
1.2-3) der
Beschwerdeführerin vorgenommen
(vgl. Ur
k.
16 S.
23
ff. Ziff. 5)
.
Auf das Gutachten kann demnach
sowohl in Bezug auf die Diagnosen als auch in Bezug auf deren funktionellen Auswirkungen
abgestellt werden.
5.2
Dr.
Z._
konnte keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nennen
und ging davon aus, dass im Zeitpunkt der Verfügung
vom 21.
April
2016
(Urk.
2/2/2) aus psychiatrischer Sicht
sowohl in d
er
angestammten
als auch in jeder angepassten
Tätigkeit von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. In nachvollziehbarer Weise legte er dar, wie sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der erstmaligen
Rentenzusprache
mit Verfügung vom 17.
Juli 2008 (Urk. 2/2/5/29 und Urk. 2/2/5/32) respektive seit dem Gutachten von
Dr.
C._
vom
1. Februar 2007 (Urk. 2/2/5/18) kontinuierlich ver
bessert habe, insbesondere auch mit dem Wegfallen von familiären Belastu
ngen, welche je nach Ausprägungsgrad jeweils zu einer Verstärkung der depressiven
Symptomatik geführt hätten. Anlässlich der Begutachtung bei Dr.
Z._
gab die Beschwerdeführerin sodann an, eine psychiatrische Behandlung seit etwa zwei Jahren für nicht mehr erforderlich zu halten.
Dr.
Z._
wies darauf hin
, dass bereits
zum Zeitpunkt der Begutachtung bei
Dr.
C._
die Therapieoptionen nicht ausgeschöpft worden seien und dass Dr.
C._
die Beschwerden unter einer
adäquaten
Therapie
grundsätzlich für
besserungsfähig
bef
unden habe, i
nsbesondere bei Aufarbeitung der
psychodyna
mischen Faktoren
(
Urk. 16 S. 30 oben
,
Urk.
2/2/5/18
/6
Ziff. 7
).
Was die Diagnostik
und Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
füh
rerin
in den Vorberichten der behandelnden Ä
rzte
der
Y._
vom 7. April 2014 (Urk. 2/2/5/81)
, vom 8. September 2014 (Urk. 2/2/5/85) sowie vom 22. März 2016 (Urk. 2/2/7/3)
sowie
in
jene
n
des behandelnden
Arztes
Dr. med.
B._
v
om 2. Oktober 2014 (Urk. 2/2/5/8
6/1-5) und vom 18. Februar 2016 (Urk. 2/2/5/118)
anbelangt, führte
Dr.
Z._
aus
, dass die Beschwerdeführerin infolge ihrer per
sönlichkeitsstrukturellen Besonderheiten zu einem speziell dramatisierenden Erzählstil neige, welche
r
von einem Facharzt für Psychiatrie entsprechend zu würdigen gewesen wäre.
In
den Berichten
sei
mehrfach eine schwere depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressive
n Störung diagnostiziert worden, jedoch habe jeweils
sehr kurzfristig in
nert weniger
Wochen eine deut
liche Besserung der depressiven Symptomatik erreicht werden können. Dies sprec
he eher dafür, dass eigentlich eine dramatisierend geschilderte mittelgradige
depressive Symptomatik vorgelegen haben
müsse
. Infolgedessen habe die Be
schwer
deführer jeweils schon nach drei bis vier Wochen entlassen werden können.
Dr.
Z._
hielt fest, dass b
ei schweren depressiven Episoden mit häufiger Suizidgefahr in aller Regel mit einer stationären Behandlungsdauer von etwa sechs bis zwölf Wochen zu
rechnen
sei
. Diese objektiven Daten würden
demnach
aus gutachterlicher Sicht eindeutig gegen eine schwere depressive Symptomatik
und eher für eine mittelgradige Symptomatik sprechen (
Urk. 16
S. 29 Ziff. 7 Mitte
). Es sei daher anzunehmen, dass die nicht unwichtige persönlichkeitsstrukturelle Diagnostik in keinem dieser psychiatrischen Berichte vorgenommen worden sei. Eine Chronifizierung der (schweren) depressiven Symptomatik, die in den Be
richten aus dem Jahr 2014 angegeben werde, könne anhand der Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Begutachtung von 2015 eine voll remittierte depressive Symp
tomatik habe beobachtet werden können, ausgeschlossen werden und sei auch aus aktueller psychiatrisch-gutachterlicher Sicht nicht plausibel (S. 29 Ziff. 7 unten).
Dr.
Z._
legte weiter dar
, dass sich die kurzzeitig verstärkte depressive Sympto
matik, die sich in bestimmten krisenhaft zugespitzten Situationen, in der Regel in Zusammenhang mit familiären Problemen und Schwierigkeiten der Beschwer
deführerin, entwickelt habe, jeweils schnell gebessert habe, wenn die Beschwerde
führerin für wenige Wochen aus dem familiären Milieu hinausgenommen worden sei
(Urk. 16 S. 30 oben)
.
In dieser Weise
sei
auch
die
im Austrittsbericht der
Y._
vom 22. März 2016
gestellte Diagnose einer gegenwärtig schweren depressiven Episode im Rahmen der rezi
divierenden depressiven Störung
einzuordnen.
Zu
sätzlich sei hier anzumerken, dass 2016 sogar eine tagesklinische Behandlung von n
ur drei Wochen ausgereicht habe und eine
vollstationäre Behandlung nicht erforderlich gewesen
sei
(S. 30 Mitte).
Weiter
sei davon auszugehen, dass die behandelnden Ärzte in Bezug auf ihre Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit aufgrund ihrer vertragsrechtlichen Vertrau
ensstellung zur Beschwerdeführerin Aussagen zu deren Gunsten gemacht hätten. Auch hätten sie sich in ihrer Beurteilung überwiegend auf ihre subjektiven An
gaben gestützt und auch auf zusätzliche somatische Diagnosen oder Ein
schrän
kungen abgestellt. Auch psychosoziale Belastungsfaktoren seien in die Be
urtei
lung der Arbeitsunfähigkeit miteinbezogen worden, welche auszuklam
mern gewesen wären (
Urk. 16
S. 31 oben).
Dr.
Z._
legte
ferner
dar, dass
bei der Beschwerdeführerin
auch Probleme mit der Motivation
und
von der Invalidenversicherung nicht zu vertretende psycho
soziale Faktoren
der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit entgegen
stünden
(Urk.
16 S. 24 oben)
.
Vor diesem Hintergrund sind auch die Ausführungen der Beschwerdeführerin in
ihrer Stellungnahme vom
8. Juni 2020
,
wonach
sie
sich
nicht arbeitsfähig
fühle
, da schon anstehende Termine bei ihr Panikattacken auslösten und sie Mühe habe, wenn sie
einen
Termin bei ihrem Anwalt habe (Urk. 21 S. 1),
zu verstehen. Dabei
handelt es
sich
um die Wiedergabe ihres subjektiven Empfindens und vermag die von Dr.
Z._
getroffene Einschät
zung nicht in Zweifel zu ziehen
, zumal sich
eine derartige Antriebslosigkeit offensichtlich nicht im Bereich der Gestaltung ihrer Freizeitaktivitäten niederschlägt.
Bereits gegenüber Dr.
Z._
hatte sie geäussert, darunter zu leiden
, nicht aus dem Haus gehen zu können und kraftlos zu sein (Urk. 16 S. 15 Ziff. 2)
. Als
diskrepant hierzu erwiesen sich dann ihre Ausführungen zu ihrem Tagesablauf, welchen sie als aktiv mit verschiedenen sozialen Kontakten und ohne einschneidende psychische Beeinträchtigungen beschrieb
(Urk. 16 S. 16 unten
f.
,
S. 26 Ziff. 5.1.3.2
, S. 27 Ziff. 5.2.1
).
Soweit die Beschwerdeführerin die fehlende Inanspruchnahme von Therapien in ihrer Stellungnahme vom 8. Juni 2020 mit dem inzwischen verlorengegangene
n
Vertrauen in
Ärzte begründet (Urk. 21 S.
1), ändert dies nichts daran, dass sie sich auch ohne eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlu
ng gut hat stabi
lisieren können
.
Es ist demnach davon auszugehen, dass es sich bei der anlässlich der psy
chia
trischen Untersuchung an der
A._
am 10. September 2015 festgestellten voll
ständigen Remission der psychischen Erkrankung (Urk. 2/2/5/106 S. 14 Ziff. 6)
um eine
gefestigte Verbesserung des Gesundheitszustandes gehandelt hat und die im Februar 2016 zur Hospitalisation in der
Y._
führende Verschlechterung des Gesundheitszustandes im Zusammenhang mit psychosozialen Belastungsfaktoren (Urk. 2/2/7/3) lediglich vorübergehender Natur war.
5.3
Aus somatischer respektive neurologischer
Sicht
blieb das Gutachten
der
A._
vom
26. November 2015 (Urk. 2/2/5/106)
unbestritten und erweis
t
sich als beweiskräftig, weshalb
im hier relevanten Zeit
raum
der Verfügung vom
21. April
2016
(Urk. 2/2/2)
nach wie vor aufgrund der Migränebeschwerden von einer Arbeitsunfäh
igkeit in sämtlichen Tätigkeiten
von 20
% auszugehen ist
(Urk.
2/2/5/106 S. 15 f. Ziff. 7.1.3, Ziff. 7.2
)
.
5.4
Im Ergebnis ist demnach gestützt auf das
psychiatrische
G
erichtsg
utachten
von Dr.
Z._
vom April 2020
(vorstehend E. 4)
sowie
gestützt
auf die
somatischen Erkenntnisse der
A._
-Gutachter vom
26. November 2015
(Urk.
2/2/5/106
)
der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu erachten, dass
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der rentenzusprechenden Verfü
gung vom 17. Juli 2008 (Urk. 2/2/5/29 und Urk. 2/2/5/32) in
massgeblicher
Weise verbessert hat und
d
ie
Beschwerdeführer
in im Zeitpunkt der Verfügung vom
21.
April 2016
(Urk. 2/2/2)
in ihren angestammten Tätigkeiten
so
wie in allen angepassten Tätigkeiten zu 80 % arbeitsfähig ist.
Ein rentenanspruchsbe
grün
den
der Invaliditätsgrad
(vorstehend E. 1.5)
ist damit zu verneinen.
Die angefochtene Verfügung
(Urk. 2/2/2)
erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Ent
sprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerde
führer
in aufzuerlegen.
6.2
Die Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, dem Gericht die Kosten für das eingeholte Gutachten in der Höhe von Fr. 6'000.-- (Urk. 15) zu erstatten (vgl. BGE 143 V 269).