Decision ID: 9fd79673-ce77-567b-b25f-d6c7bbde1744
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegner reichten am 10. April 2014 bei der Gemeinde Lauperswil ein
Baugesuch für den Neubau eines Einfamilienhauses auf der Parzelle Lauperswil
Grundbuchblatt Nr. H._ ein. Die Parzelle liegt in der Mischzone. Gegen das
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Bauvorhaben erhob die Beschwerdeführerin Einsprache. Mit Entscheid vom 14. November
2014 erteilte die Gemeinde Lauperswil die Baubewilligung.
2. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 17. Dezember 2014 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragte die
Aufhebung des Entscheides und die Erteilung des Bauabschlags. Sie begründete ihre
Anträge insbesondere damit, dass ein Unterstand auf der Ostseite des geplanten Hauses
den Grenzabstand gegenüber ihrem Grundstück Lauperswil Grundstückblatt Nr.
I._ nicht einhalte. Das Vordach dieses Anbaus rage 1.20 m in den Grenzabstand.
Dies sei nicht zulässig, da es sich nicht um einen vorspringenden Gebäudeteil, sondern um
einen Bestandteil des Anbaus handle.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und edierte die Vorakten. Mit der Beschwerdeantwort reichten die
Beschwerdegegner eine Projektänderung ein, die eine Verkleinerung der Dachfläche des
umstrittenen Unterstandes umfasst. Sie beantragen die Bewilligung des Bauvorhabens und
die Abweisung der Beschwerde.
Das Rechtsamt gab den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme zur
Projektänderung. Die Gemeinde empfiehlt deren Bewilligung. Die Beschwerdeführerin hält
in ihrer Stellungnahme fest, die verkleinerte Anbaute halte nun den Grenzabstand ein. Sie
beantragt die Prüfung der Projektänderung von Amtes wegen, eventualiter die Aufhebung
der Baubewilligung und die Rückweisung an die Vorinstanz.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der
Beschwerde gegen den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführerin hat sich als Einsprecherin im Baubewilligungsverfahren beteiligt und
ist durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert. Sie ist daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Projektänderung
a) Die Beschwerdegegner haben im Beschwerdeverfahren eine Projektänderung
eingereicht (Projektänderungspläne: Plan Nr. 839-01 Situationsplan vom 16. Januar 2015;
Plan Nr. 839-02 Grundrisse vom 16. Januar 2015; Plan Nr. 839-03 Fassaden/Schnitte vom
16. Januar 2015, alle gestempelt von der BVE am 19. Januar 2015, nachfolgend
Projektänderung vom 19. Januar 2015). Gemäss dieser Projektänderung ist der
Velounterstand neu ohne Dachvorsprung bzw. mit einer verkleinerten Dachfläche
vorgesehen.
b) Laut Art. 43 BewD3 kann der Baugesuchsteller während der Hängigkeit eines
Baubewilligungsverfahrens oder eines nachfolgenden Beschwerdeverfahrens vor der BVE
eine Projektänderung einreichen, ohne dass deshalb ein neues Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden muss. Eine Projektänderung liegt vor, wenn das Bauvorhaben in seinen
Grundzügen gleich bleibt. Die Baubewilligungsbehörde kann nach Anhörung der
Beteiligten und den von der Projektänderung berührten Dritten das Verfahren ohne erneute
Veröffentlichung fortsetzen bzw. die Änderungen des bewilligten Projekts ohne neues
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 3 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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Baugesuchsverfahren gestatten, wenn öffentliche oder wesentliche nachbarliche
Interessen nicht zusätzlich betroffen sind. Diese Grundsätze gelten auch im
Beschwerdeverfahren. Die Beschwerdeinstanz ist befugt, die Sache zur Weiterbehandlung
an die Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 43 Abs. 3 BewD), kann aber auch selbst über die
Projektänderung entscheiden.
c) Das umstrittene Bauvorhaben bleibt auch nach der geplanten Änderung in den
Grundzügen gleich. Die Anpassung kann deshalb als Projektänderung behandelt werden.
Die Projektänderung berührt keine öffentlichen oder wesentlichen nachbarlichen Interessen
zusätzlich: Die Weglassung des Vordaches des Velounterstandes auf der Ostseite der
Bauparzelle betrifft keine Dritte, sondern nur die Nachbarparzelle Nr. F._, deren
Eigentümerin als Beschwerdeführerin am Verfahren beteiligt ist. Auf eine Publikation oder
eine Anhörung Dritter kann daher verzichtet werden. Die Verfahrensbeteiligten wurden
angehört. Damit sind die Anforderungen von Art. 43 Abs. 3 BewD eingehalten. Eine
Rückweisung an die Vorinstanz ist aus prozessökonomischen Gründen nicht sinnvoll.
d) Das Projektänderungsgesuch ersetzt das ursprüngliche Baugesuch.4 Gegenstand
des Verfahrens ist somit nur das geänderte Projekt gemäss der Projektänderung vom
19. Januar 2015.
Die Beschwerdeführerin widersetzt sich in ihrer Stellungnahme zur Projektänderung dem
Bauvorhaben nicht mehr und hält fest, die redimensionierte Anbaute halte nun den
Grenzabstand von 2.0 m ein. Die Beschwerde ist somit gegenstandslos geworden. Das
Verfahren kann deswegen aber nicht abgeschrieben werden. Über das geänderte Projekt
wurde noch nicht entschieden. Das Projektänderungsverfahren ist nach wie vor hängig und
wird durch die Gegenstandslosigkeit der Beschwerde nicht hinfällig. Es bleibt von Amtes
wegen zu prüfen, ob die Projektänderung bewilligt werden kann.
3. Grenzabstand
a) Umstritten war zwischen den Verfahrensbeteiligten einzig, ob der geplante
Velounterstand den Grenzabstand zum Grundstück der Beschwerdeführerin einhält. Art. 17
4 BVR 1989, S. 400 ff., BVR 2012 S. 463 ff. E. 2.2
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Abs. 1 des Baureglements der Gemeinde Lauperswil vom 29. August 2013 (GBR) sieht für
unbewohnte An- und Nebenbauten in der Bauzone einen allseitigen Grenzabstand von 2.0
m vor, sofern die mittlere Gebäudehöhe dieser Bauten 3.0 m und ihre Grundfläche 60 m2
nicht übersteigen.
b) Der geplante Unterstand ist gemäss Projektänderungsplänen 2.99 m hoch und hat
eine überdachte Fläche von 15.78 m2. Daher genügt gemäss Art. 17 Abs. 1 GBR ein
Grenzabstand von 2.0 m. Aus den Projektänderungsplänen ergibt sich, dass dieser
Abstand eingehalten ist. Die Projektänderung kann daher bewilligt werden.
4. Ergebnis und Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 800.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV5). Nach Art. 108
Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei
denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die
besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben. Wer ein
Rechtsmittel zurückzieht, den Abstand erklärt oder auf andere Weise dafür sorgt, dass das
Verfahren gegenstandslos wird, gilt als unterliegende Partei (Art. 110 Abs. 1 VRPG). Als
unterliegend gilt auch, wer den Einwänden der Behörden oder der Gegenpartei durch eine
Projektänderung Rechnung trägt.6 Im vorliegenden Verfahren haben die
Beschwerdegegner den Einwänden der Beschwerdeführerin betreffend den Grenzabstand
durch ihre Projektänderung Rechnung getragen. Sie gelten daher als unterliegend und
haben die Verfahrenskosten zu tragen.
b) Die unterliegende Partei hat auch der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen
(Art. 108 Abs. 3 VRPG). Diese umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung
anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote des Anwaltes der
5 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 2; Art. 110 N. 5
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Beschwerdeführerin gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdegegner haben
somit der Beschwerdeführerin die Parteikosten von Fr. 4'232.50 zu ersetzen (Honorar
Fr. 3'700.00, Auslagen Fr. 219.00, Mehrwertsteuer Fr. 313.50).