Decision ID: e9d0ed26-ff54-4803-8b03-b38f8fb382a3
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1979
geborene
X._
meldete sich am
20. Mai
200
9 (Eingangs
datum) unter Hinweis auf eine
n Blutmangel und eine Immunschwäche erstmals
bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
bezug an (
Urk.
6
/1).
Nach Abklärungen in beruflich-erwerblicher sowie medizinischer Hinsicht verneinte die IV-St
elle mit Verfügung vom 20. Oktober 2010 mangels anspruchsrelevantem Invaliditätsgrad
einen Ren
tenanspruch (
Urk.
6/28). Am 21. Juni 2017 (Eingangs
datum) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf ständig aufgeschwollene Drüsen am Hals, eine entzündete Speichel
drüse und unerträgliche Schmerzen im Kopf
erneut
bei der IV-Stel
le zum Leistungs
bezug an (
Urk.
6
/29). D
iese trat
auf das neue Leistungsbegehren mangels
wesentlicher Veränderung de
r beruflichen
und
gesundheitlichen Situation
nicht ein (
Verfügung vom
6.
Februar 2018,
Urk.
6/49).
Am 24. Juli 2018 (Eingangs
datum) meldete sich die Versicherte
nach erfolgter Meldung zur Früherfassung (
Urk.
6/51)
abermals bei der IV-Stelle zum Leistungs
bezug an und verwies auf eine Erschöpfungs-Depression, da sie seit gut zwei Jahren unter andauernden unerträglichen Schmerzen infolge der aufge
schwolle
nen Drüsen im Hals und an den Beinen leide. Zudem erwähnte sie
,
d
as
EB-Virus
in sich zu tragen
(
Urk.
6/57).
Die IV-Stelle tätigte daraufhin
weitere
medizinische Abklärungen
und zog die Akten der K
rankentaggeldkasse
Exfour
bei (
Urk.
6/
62
). Mit Schreiben vom 5. Juli 2019 auferlegte sie der Versicherten
zudem eine
Mit
wirkungs
-/Schadenminderungspflicht zur
Durchführung eines Entzugs von Opiaten, Kokain, Amphetaminen, Cannabis und Alkoh
o
l mit Haaranalyse zum Abstinenznachweis (
Urk.
6
/72
).
Nachdem die Versicherte dem Aufgebot zur Haar
analyse im März 2020 mit Hinweis auf die aktuelle Corona-Situation nicht gefolgt war (
Urk.
6/91, 6/93), veranlasste die IV-Stelle
ein polydisziplinäres Gutachten, das von
den Ärzten der Y._
am 27. November 2020 erstattet wurde
(
Urk.
6/105
).
Am 27. Januar 2021 beantwor
tete die Gutachterstelle zusätzliche
Rückfragen
der IV-Stelle (
Urk.
6/107
)
.
Nach durchgeführtem
Vorbe
scheid
verfahren
(Vorbescheid vom 25. Februar 2021 [
Urk.
6/113]; Einwand vom 14. April 2021 [
Urk.
6/122])
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 3. Juni 2021 einen Anspruch auf IV
Leistungen
(
Urk.
2 =
Urk.
6/130
)
.
2.
Dagegen erhob d
ie Versicherte mit Eingabe vom 5
. Juli 2021 Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und beantragte,
die Verfügung vom 3. Juni 2021 sei aufzuheben und es seien ihr nach Durchführung der not
wendigen medizinischen Abklärungen die gesetzlichen Leistungen, ins
besondere
Rentenleistungen,
zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwer
de
antwort vom
27. August
2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
5
), was der Beschwerde
führerin mit Verfügung vom
30. August
2021 angezeigt wurde (
Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Ge
burts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teil
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
li
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (E.
7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesge
richt stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest
stellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 7.1; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.3.3
Mit BGE 145 V 215
liess das Bundesgericht die bisherige Rechtsprechung fallen, wonach primäre Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Substanzkonsum
stö
rungen zum vornherein keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten Ge
sund
heitsschäden darstellen können, und ihre funktionellen Auswirkungen des
halb
keiner näheren Abklärung bedürfen. Fortan ist - gleich wie bei allen anderen psy
chischen Erkrankungen - nach dem strukturierten Beweisverfahren zu ermitt
eln, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhän
gigkeits
syndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person aus
wirkt. Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeig
net ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn f
ür eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1
lit
.
b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hinweise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E.
7).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen all
seitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vor
ak
ten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusam
menhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Ex
perten in einer Weise begründet sind, dass die rechts
anwendende Person sie prü
fend nach
vollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsi
cherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen er
schweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog, dass
die Gutachter
keine nachv
ollziehbaren Befunde hätten erhe
ben können, welche die von der Beschwerdeführerin hervor
gebrachten Einschränkungen begründ
en könnt
en. Es
lägen
keine D
iagnosen gemäss ICD-10 vor
, jedoch sei von einem langjährigen Suchmittel
gebrauch aus
zugehen. Die derzeitige Medikation sei nicht leitlinien
gerecht und gefährdend. Eine Entgiftung und Entwöhnung sei medizinisch zumutbar
und im gesund
heit
lichen Interesse der Beschwerdeführerin
. Diese
sei in ihren Alltags
aktivitäten nicht wesentlich
eingeschränkt und e
ine langandauernde Arbeitsun
fähigkeit durch den Suchtmittelmissbrauch
liege
nicht vor (
Urk.
2).
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
brachte demgegenüber im Wesentlichen vor,
dass auf das Gutachten der
Y._
vom 27. November 2020 nicht abgestellt werden könne. Es beruhe zum einen auf einer unzureichenden Aktenlage, da keine aktuellen Berichte beim
behandelnden
Universitätsspital Z._
eingeholt worden sei
en
. Zum anderen sei das Gutachten weder begründet noch nachvollziehbar. Da keine aussagekräftigen medizinischen Berichte vorliegen würden, gestützt auf welche die Arbeitsfähigkeit definitiv beurteilt werden könnte, seien weitere Abklärungen notwendig
(
Urk.
1).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihren Entscheid massgeblich auf das von ihr ver
anlasste polydisziplinäre Gutachten der
Y._
vom 27. November 2020 (
Urk.
6/105).
D
r.
med. A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
thera
pie sowie
Neurologie, D
r.
med
. B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, und D
r.
med. C._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation,
stellten darin
keine Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfä
higkeit
. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie fol
gende
(
Urk.
6
/
105
/11
):
-
Nikotinkonsum
-
Cannabiskonsum
-
Untergewicht
-
Status nach zweimaliger L
ymph
knotenentfernung im Bereich des Halses
-
Polyvalenter Suchtmittelgebrauch (Opioide, Cannabis, Benzodiazepin, Z
Substanz, möglicherweise auch Amphetamin/Ecstasy, aktenkundig Kokain)
Auf
internistische
m
Fachgebiet
wurde festgehalten, dass
sich aufgrund der Akten, der Anamnese und der Befunderhebung keine Hinweise auf Erkrankungen
erge
ben
hätten
, die eigenständige dauerhafte Einschränkun
gen der Arbeits
fähigkeit beding
en würden.
Insbesondere hätten sich keine richtungsweisenden klinischen oder paraklinischen (Labor-)Befunde zur Genese der reklamierten Halsweichteil
schmerzen, des Kopfschmerzes und der Durchschlafstörungen gefunden.
B
ei unauffälligen klinischen kardiopulmonalen Befunden
habe sich
eine gute Leistungsfähigkeit gezeigt. Der Gutachter erwähnte weiter, dass die Beschwerde
führerin den Untersuchungsraum mit flüssigem und dynamischem Gangbild betreten habe, das An- und Auskleiden eigenständig und flüssig im Sitzen ohne Schmerzreklamation mit frei beobachtbarem und kraftvollem Einsatz beider Hände gelungen sei, kein Schonsitz und keine Schonhaltungen bestanden hätten und die Beschwerdeführerin während der 90-minütigen Begutachtung nicht schmerzgeplagt oder anderweitig beeinträchtigt gewirkt habe.
Zudem wies der Experte darauf hin
, dass die eigenberichtete Alltagsgestaltung mit den Befähi
gungen, die Haushaltsbesorgungen gemeinsam mit der Familie zu erledigen, die beiden Katzen und den Hund zu betreuen, bis zweimal täglich etwa 30 Minuten spazieren zu gehen, mit dem Auto mit Automatikgetriebe Strecken bis zu 30 Minuten Dauer zu fahren und im Januar 2020 für 17 Tage mit dem Flugzeug nach Thailand zu reisen neben der zügig durchgeführten Belastungsphase während der internistischen Untersuchung durch Laufen von zwei Treppenetagen für erhaltene Ressourcen sprechen würden (
Urk.
6/105/28 ff.)
.
Auch a
us rheumatologischer Sicht
habe
sich aufgrund der Befunde und unter Berücksichtigung der vorliegenden Aktendokumente keine Erkrankung mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten sowie der zuletzt ausge
übten Tätigkeit als Buchhaltungsangestellte attestieren
lassen
.
Die reklamierten persistierenden Beschwerden über den ganzen Körper verteilt mit Betonung
beider unteren Extremitäten
würden sich rheumatologisch nicht begründen lassen
.
Während der gesamten Untersuchung
habe
die Beschwerdeführerin in der spontanen Mobilität in beobachteten
wie
auch in unbeobachteten Augenblicken als nicht namhaft limitiert
gewirkt
. Sowohl die Wirbelsäulenbeweglichkeit als auch die Beweglichkeit
d
er oberen und unteren Extremitäten
sei
nicht wesentlich eingeschränkt
gewesen
. Die Umfang
masse der oberen und unteren Extremitäten
sei
seitengleich ohne Hinweis auf eine schonungsbedingte seitendifferente Muskelminderung
gewesen
.
Während der gesamten Anamneseerhebung sei die Beschwerdeführerin
ruhig
in hinterer Sitzposition ohne Positionswechsel und ohne Schonsitz
gesessen
.
Für die aktenkundige Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
habe
sich im hiesi
gen Befund kein somatisches Korrelat
gefunden
.
Die aktenkundige Diagnostik hinsichtlich einer zervikalen
Lymphadenopathie
sei ohne Ergebnis geblieben. Für eine chronisch verlaufende Autoimmunerkrankung ergäben sich auch anlässlich der Begutachtung keine Belege
. E
ine derartige
Erkrankung sei allenfalls möglich
, aber nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit belegt
.
Zudem würde eine rheu
matologische
Systemerkrankung nicht per se eine Arbeitsunfähigkeit begründen. Aufgrund der vorliegenden Befunde sei vielmehr von einer vollständigen Arbeits
fähigkeit auszugehen.
Rheumatologisch ergebe sich auch keine Indikation für die Suchtmittelverordnung und die analgetische
Polypragmasie
. Die parallele Ver
ordnung mehrerer Analgetika sei therapeutisch nicht rational und angesichts des hiesigen Befundes ergäben sich keine Begründungen für eine analgetische Medi
kation. Vor dem aktenkundigen Hintergrund einer polyvalenten Sucht sei die jetzige Suchtmittelverordnung in besonderer Weise problematisch (Suchtverlage
rung, erhebliche Interaktionsrisiken zwischen verordneten und nicht verordneten Suchtmitteln
,
Urk.
6/105/54 ff.).
Die begutachtende Psychiaterin schilderte,
i
m AMDP-konform erhobenen psychiatrischen Befund
hätten sich
keine erheblichen Auffälligkeiten
gezeigt
, ins
besondere
hätten
Stimmung, Antrieb und affektive Schwin
g
ungsfähigkeit nicht namhaft beeinträchtigt
gewirkt
. Ein depressives Syndrom sei
somit
nicht ICD
10
konform zu diagnostizieren. Auch für eine anderweitige psychiatrische Erkrankung
finde
sich kein ausreichender Anhalt: eine A
ngst- oder Z
wangs
er
krankung, eine Persönlichkeitsstörung oder eine
T
raumafolgestörung
lä
gen nicht vor, da die entsp
rechenden ICD-10-Kriterien fehl
en
würden
. Auch eine somato
forme Schmerzstörung
liege nicht vor
: Ein den Schmerzen
zugrunde liegender
erheblicher, unbewältigter, seelischer oder psychosozialer Konflikt sei anamnes
tisch nicht herauszuarbeiten. Auch
habe
die
Beschwerdeführerin
nicht namhaft schmerzgeplagt
gewirkt
. Die ICD-10-Achsenkriterien einer psychogenen
Schmerzstörung
würden
mithin
fehlen
.
Auch
im Rahmen der testpsychologischen Untersuchung
habe die Beschwerdeführerin
kein namhaft auffälliges Testprofil gezeigt, sondern überwiegend durchschnittliche Leistungen in den getesteten Bereichen aus den Domänen Aufmerksamkeit und Konzentration, exekutive Funktionen und Gedächtnisleistungen. Auch die zerebrale Bildgebung sei regel
recht gewesen und im klinischen Eindruck habe ebenfalls keine kognitive Beein
trächtigung bestanden.
Zusammenfassend sei damit keine psychiatrische Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mit der gebotenen Wahr
scheinlichkeit zu attestieren.
Allerdings sprächen Anamnese, Akten- und Labor
daten für einen polyvalenten Suchtmittelkonsum im Rahmen einer unschlüssigen und nicht leitliniengerechten Suchtmittelverordnung mit zusätzlichem Konsum einer Strassendroge. In der gegebenen Kombination der Verordnung von Opioiden, Benzodiazepin, Z-Substanz bei parallelem Konsum von Cannabis seien erheblic
he Komplikationen absehbar (unter anderem
komplexe gemischte Delirien,
«
trockenes Delir
»
, Krampfanfälle, affektive Störungen, subjektive Schmerz
angaben im Sinne von Entzugsschmerzen oder den Suchtmittelkonsum
alibisierende
Schmerzangaben). Hier sei deshalb vorrangig eine vollständige und lege
artis
kontrollierte Entgiftung und Entwöhnung angezeigt
. Aus psychiatri
scher Sicht sei zudem auch rückblickend keine anhaltende invalidisierende Erkrankung mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit ausreichend schlüssig belegt. Die aktenkundigen, mit psychiatrischen Diagnosen begründeten Einschätzungen einer Arbeitsunfähigkeit seien diagnostisch unschlüssig, ohne ausreichende begründende objektive Befunde und verkürzend, da der polyvalente Suchtmittel
konsum nicht erkennbar ausreichend in die Kausalerwägungen einbezogen worden sei
(
Urk.
6/105/88 ff.).
Zusammenfassend hielten die Gutachter fest, dass die vorliegenden Befunde keine somatische und keine psychiatrische Erklärung der Beschwerden gezeigt hätten. Für die reklamierte hohe Schmerzbeeinträchtigung fände sich kein ausreichendes objektives Befundkorrelat. Die Anamnese und die Laborbefunde würden für einen polyvalenten Suchtmittelkonsum vor dem Hintergrund eines aktenkundigen Suchtmittelgebrauchs sprechen. Die beklagten Beschwerden entsprächen Symp
tomen aus dem Spektrum eines Drogenkonsums, beispielsweise Entzugsschmer
zen oder auch einer den Konsum
alibisierenden
Angabe von Beschwerden, seien also potenziell reversibel. Die
Indikatorenprüfung
ergebe eine erhaltene Selbstän
digkeit, Selbstversorgungsfähigkeit, soziale Integration sowie Aktivität. Die Beschwerdeführerin
habe
eine Fernreise
unternommen
, beteilige sich an den Haushaltsarbeiten und verfolge Interessen, was die Annahme einer Arbeitsfähig
keit stütze (
Urk.
6/105/8 ff.).
3.2
Am 27. Januar 2021 ergänzte die
Y._
auf Rückfrage der IV-Stelle, dass keine Psychische und Verhaltensstörung durch psychotrope Substanzen vorliege, namentlich keine Diagnose aus den ICD-10 Kategorien F10 bis F19 zu kodieren sei. Der Befund nach AMDP weise keine namhafte B
eeinträchtigung aus;
eine psychiatrisch
begründete Minderung der Leistungsfähigkeit liege mithin nicht vor (
Urk.
6/107).
4.
4.1
Das Gutachten der
Y._
vom 27. November 2020 beruht auf den erforder
li
chen allseitigen Untersuchungen, wurde in Kennt
nis der und in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben, be
ant
wortet sämtliche Fragen, erscheint in der Darlegung der medizinischen Zu
stände und Zusammenhänge als einleuchtend und begründet die Schluss
folge
rungen in nach
vollziehbarer Weise. Folglich erfüllt es die formellen An
forde
rungen an eine be
weiskräftige E
xpertise
(vgl. vorstehend E. 1.4
), weshalb darauf ab
zustellen ist.
4.2
Die somatischen
G
utachter
begründeten
nachvollziehbar, dass sich aufgrund der Befunde
und der Alltagsgestaltung sowie
unter Berücksichtigung der vorliegen
den Aktendokumente
aktuell und
auch
retrospektiv
keine Erkrankung mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellen liess. Die
reklamierten
multiplen
Beschwerden
liessen sich
namentlich auch rheumatologisch nicht begründen und
wirkten sich in der Untersuchung nicht limitierend aus.
Vielmehr erschien die Beschwerdeführerin in der Mobilität und im Schmerzverhalten weitgehend uneingeschränkt
. Dr.
C._
setzte sich
dabei
– entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 6 f.) –
eingehend mit der aktenkundigen Diagnos
tik hinsichtlich einer zervikalen
Lymphadenopathie
auseina
nder und
legte schlüssig dar, dass eine rheumatologische S
ystemerkrankung beziehu
n
g
sweise eine Autoimmunerkrankung
,
insbesondere
auch
eine Wegener-
Granulomatose
oder ein
Sjögren
-Syndrom,
zwar möglich, aufgrund der Vorberichte und der aktuellen Befunde aber
nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit belegt
sind
. Zudem
wäre a
ufgrund der vorliegenden Befunde
– selbst bei Vorliegen einer rheumatologischen Systemerkrankung –
keine Arbeitsunfähigkeit zu attestieren
(
Urk.
6/105/79 ff.
, vgl. E. 3.1
)
.
4.3
Auch d
ie psychiatrische
G
utachterin D
r.
A._
setzte sich mit den in Frage kommenden psychia
trischen Diagnosen sehr ausführlich und sorgfältig auseinan
der und legte nach
vollziehbar dar, weshalb keine Diagnose aus dem psychiatri
schen Fach
bereich gestellt werden kann. Dabei befasste
sie sich entgegen der
Ansicht der
Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 6 f.
) auch
umfassend
mit den beklag
ten Schmerzen und einer allfälligen affektiven Störung.
D
r.
A._
äusserte hierzu
schlüssig
, dass
der Psychostatus weit
ge
hend unauffällig
erschien
und sich
grund
sätzlich
keine affektiven, kognitiven oder psycho
motorischen Beeinträchtigungen zeigten. Auch wirkte die
Beschwerdeführerin nicht namhaft schmerzgeplagt
. Ins
besondere fehlte es anamnestisch auch an einem
–
allfälligen Schmerzen
zugrun
de
liegende
n
–
erheblichen, unbewältigten, seelischen oder psychosozialen
Kon
flikt, welcher für die Diagnosestellung einer
anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung
gemäss ICD-10 F45.40
vorausgesetzt wäre
(
Urk.
6/105/120
). Für die aktenkundige Diagnose einer chronischen Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktor
en fand sich sodann auch in den somatischen
Untersu
chung
en
kein somatisches Korre
lat (
Urk.
6/105/79
).
In Bezug auf die von den
Vorbehandlern
gestellten
psychiatri
schen
Diagnosen legte die Gutachter
i
n
zudem
nachvollziehbar dar, dass die entsprechenden Berichte keine aussagekräftigen psychiatrischen B
efunde
und Begründungen
enthielten und sich insbesondere auch nicht ausreichend mit dem polyvalenten Suchtmittelkonsum auseinander
setzten,
der geeignet ist, zu psychischen Störungen und subjektiven Schm
erzan
gaben zu führen. Folglich
kann
auch rückblickend keine Arbeitsun
fähigkeit
attestiert werden
(
Urk.
6/105/125
ff.
,
6/107,
vgl. E. 3.2
).
4.4
Die Beschwerdeführerin beanstandete, dass das Gutachten auf einer unzu
reichen
den Aktenlage beruhe, da
insbesondere
k
eine aktuellen Berichte beim Z._
ein
geholt worden seien,
obwohl
sie
dort
regelmässig in fachärztlicher Behandlung stehe, einerseits durch die Betreuung in der ambulanten Schmerz
sprechstunde und andererseits auch, weil mehrfache
Hospitalisationen
aufgrund von Infekten erfolgt seien
. Ebenso fehle ein fachärztlicher Medikamentenplan
(
Urk.
1 S. 7 ff.).
Diesbezüglich gilt zu berücksichtigen, dass den Gutachtern
zahlreiche
Berichte der behandelnden Ärzte und ins
besondere auch des Z._
bis Ende 2018
, teilweise sogar bis August 2019
vorlagen
(vgl.
ins
besondere
Urk.
6/56, 6/62, 6/66, 6/75, 6/77)
, welche in den
Expertise
n
ent
sprechend gewürdigt wurden
.
Inwiefern sich aus
aktuelleren
Berichten
neue Erkenntnisse oder
Veränderung
en
in gesund
heitlicher
Hinsicht
erschliessen
sollten
,
führt
e
die Beschwerdeführerin
mit keinem Wo
rt
aus.
Anlässlich der Begutachtung überreichte d
ie Beschwerdeführerin
sodann
eine hand
geschriebene Liste mit den von ihr
regelmässig
oder bei Bedarf
verwendeten
Medikamenten
(
Urk.
6/105/141) und
es
wurde
eine Labordiagnostik (Blut und Urin)
durchgeführt
(
Urk.
6/105/143 ff.).
Zusammen mit den in den früheren Arztberichten
enthaltenen Hinweisen
konnte
damit
die aktuelle Medi
kation der Beschwerdeführerin
ausreichend
realistisch
eingeschätzt werden
(vgl.
Urk.
6/105/42,
68, 104)
.
Auch bestehen entgegen den Ausführungen in der
Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 7) keine Anhaltspunkte dafür,
d
ass die Gutachter
von
einem
ununterbrochenen
beziehungsweise
ständig
parallelen Konsum
sämtl
iche
r aufgelisteter
Medikamente
a
usgegangen sein könnten
.
Vielmehr hielten sie mit Blick auf die Suchtmittelanamnese der Beschwerdeführerin nachvollziehbar fest, die Suchtmittelverordnung erfolge nicht leitliniengerecht und der zusätzliche Konsum einer Strassendroge - dass die Beschwerdeführerin unverändert Cannabis konsumiert, räumte sie selber ein (
Urk.
1 S. 6) und ist im Übrigen hinreichend belegt (
Urk.
6/105/145) - berge ein erhebliches gesundheitliches Risiko (
Urk.
6/105/128). Zu Recht unterlässt es die Beschwerdeführerin denn auch zu behaupten, die von ihr verwendeten Medikamente (vgl.
Urk.
6/105/141) hätten keine Grundlage in einer ärztlichen Verordnung, unterliegen zumindest einige davon doch einer besonders strengen ärztlichen Verordnungs- beziehungsweise gar Dokumentationspflicht (
vgl.
etwa
https://compendium.ch/product/1009466-durogesic-matrixpfl-25-mcg-h
und
https://compendium.ch/search?q=tramadol
[besucht am 1
6.
März 2022
], wonach
Durogesic
in der Abgabeklasse A+, Tramadol in der Abgabeklasse A gelistet ist). Der Vorwurf der Beschwerde
führerin, beim Studium des Gutachtens könne man sich
des Eindruckes nicht erwehren, dass
sie
von den Gutachtern
als Such
t
mittel
konsumentin «abge
stempelt» worden sei und sämtliche ihrer Beschwer
den nun damit begründet würden, obwohl sie an einem substantiellen medizinischen Problem leide (
Urk.
1 S. 8), findet wie dargelegt in den Akten keinerlei Stütze.
4.5
Folglich
ist erstellt, dass
die Beschwerdeführerin
nicht
an einer psychiatrisch
relevanten Erkrankung
leidet
.
Da die Annahme eines psychischen Gesundheits
schadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG jedoch eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifi
kations
systems abgestützte D
iagnose voraussetzt (vgl. E. 1.3.1
), eine solche
indessen
nicht vorliegt, ist selbstredend auch keine
Indikatorenprüfung
durchzuführen
.
Mithin ist auch aus psychiatrischer Sicht von einer vollstän
digen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
4.6
Bei einer
damit
hinreichend klaren Aktenlage besteht vorliegend kein weiterer Abklärungsbedarf, weshalb entgegen
dem Vorbringen
der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 10) weder ein Gerichtsgutachten einzuholen ist
,
noch eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zu erfolgen hat. Insbesondere liegt diesbezüglich keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) und des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) vor, zumal die IV-Stelle auf die Abnahme weiterer Beweise dann verzichten kann, wenn sie nach den von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Über
zeugung gelangt, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich
zu betrachten und weitere Be
weismassnahmen könnten an diesem Ergebnis nichts mehr ändern (antizi
pierte Be
weiswürdigung, vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3 mit Hinweisen; BGE 124 V 90 E. 4b). Angesichts des vorstehend Ausge
führten ist sie denn auch zu Recht davon ausgegangen.
5.
Nach dem Gesagten erweist sich die angefochtene Verfügung vom 3. Juni 2021 als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6
.
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.