Decision ID: 432434b3-b6d7-5179-b29c-22b8847717e4
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 16. März 2009 erstmals in der
Schweiz um Asyl nach. Zu seinem persönlichen Hintergrund und zur Be-
gründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend, er sei
sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie und stamme aus
B._ (Distrikt Jaffna, Nordprovinz). Im Dezember 2001 sei er wegen
der Teilnahme an einer Demonstration gegen Kontrollen von und sexuelle
Übergriffe an tamilischen Schulmädchen durch sri-lankische Soldaten fest-
genommen worden und bis im April 2002 in C._ bei D._ in-
haftiert gewesen. Ihm sei zu Unrecht vorgeworfen worden, die Demonstra-
tion unter der Anleitung der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) ange-
führt zu haben. Während der Haft habe man ihn geschlagen, sexuell miss-
braucht und nach dem Aufenthaltsort von LTTE-Mitgliedern befragt. Von
2004 bis 2005 habe er durch den (...)-Verein in B._ die LTTE unter-
stützt, indem er auf Anweisung von E._, einem (Verwandten) und
Vereinsmitglied, bei Anlässen Flaggen und Plakate aufgehängt und Deko-
rationen angebracht habe. Der (Verwandte) sei seit 2003 bei den LTTE ge-
wesen und am 21. Oktober 2007 bei einem Selbstmordattentat auf ein
Camp ums Leben gekommen. Am ersten Todestag hätten sie eine Gedenk-
feier für diesen (Verwandten) durchgeführt. Am darauffolgenden Tag, dem
22. Oktober 2008, sei er (der Beschwerdeführer) in seiner Abwesenheit
von Armeeangehörigen zu Hause gesucht worden, weil man ihn wahr-
scheinlich der Zusammenarbeit mit den LTTE verdächtigt habe. Einer sei-
ner (Verwandten) habe ihn gewarnt, dass die Armee zu Hause auf ihn
warte und ihn erschiessen wolle. Daraufhin sei er unverzüglich zu einem
(Verwandten) nach F._ (Distrikt G._, Nordprovinz) geflohen,
wo er sich in der Folge versteckt gehalten habe. Im Dezember 2008 habe
man ihn ein weiteres Mal bei seiner Familie zu Hause gesucht, und im März
2009 sei er schliesslich illegal aus seinem Heimatstaat ausgereist.
A.b Mit Verfügung vom 20. Juli 2011 lehnte das damals zuständige Bun-
desamt für Migration (BFM; heute SEM) das Asylgesuch des Beschwerde-
führers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Voll-
zug an. Das BFM erachtete die geltend gemachte behördliche Suche im
Jahr 2008 als unglaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG (SR 142.31). An der
Glaubhaftigkeit der vorgebrachten Haft im Jahr 2001/2002 sowie den se-
xuellen Übergriffen während der Haft äusserte das BFM zwar Zweifel, liess
sie aber offen, da es den Ereignissen mangels eines engen zeitlichen und
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sachlichen Zusammenhangs zwischen diesem Vorbringen und der sieben
Jahre später erfolgten Ausreise die Asylrelevanz absprach.
A.c Die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde vom 17. August
2011 wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4532/2011 vom
23. Juli 2012 ab. Dabei stützte es im Wesentlichen die Einschätzung der
Vorinstanz.
B.
B.a Mit Schreiben vom 11. November 2013 teilte das SEM dem Beschwer-
deführer mit, dass es vorläufig keine Rückführungen von sri-lankischen
Staatsangehörigen mehr durchführe, und hob die ihm angesetzte Ausrei-
sefrist auf.
B.b Am 17. Juli 2014 teilte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mit, dass
das Vollzugsmoratorium zu Sri Lanka aufgehoben sei, und gab ihm die
Möglichkeit, bis zum 31. Juli 2014 zu allfälligen neuen Gefährdungsele-
menten Stellung zu nehmen.
B.c Mit Eingabe vom 22. August 2014 nahm der Beschwerdeführer innert
erstreckter Frist Stellung und machte im Wesentlichen geltend, in seinem
Heimatland als Sympathisant der LTTE weiterhin von Unbekannten ge-
sucht zu werden, was er mittels des beiliegenden Schreibens eines sri-
lankischen Friedensrichters vom 30. Juli 2014 belegen könne. Dasselbe
Schreiben halte darüber hinaus fest, dass H._, ein Freund des Be-
schwerdeführers, am 13. September 2006 in B._ von Unbekannten
entführt und getötet worden sei, was letztlich zu seiner Flucht geführt habe.
Im Übrigen nehme er in der Schweiz an Demonstrationen teil, so beispiels-
weise am (...) 2013 in I._, im (...) 2014 in J._ und am (...)
2014 in K._.
B.d Mit Verfügung vom 22. Januar 2016 wies das SEM das als Mehrfach-
gesuch im Sinne von Art. 111c AsylG entgegengenommene Gesuch vom
22. August 2014 ab, soweit es darauf eintrat, und ordnete die Wegweisung
aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Zur Begründung seines ablehnen-
den Entscheides betreffend das Mehrfachgesuch hielt es fest, die geltend
gemachte anhaltende Suche durch die sri-lankischen Behörden oder durch
Unbekannte sei aufgrund unsubstantiierter Angaben unglaubhaft. Ausser-
dem sei beim Beschwerdeführer unter keinem Gesichtspunkt ein relevan-
tes Gefährdungsprofil erkennbar.
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B.e Die dagegen am 24. Februar 2016 erhobene Beschwerde wies das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-1139/2016 vom 25. Februar 2019
ab. Dabei bestätigte es die Unglaubhaftigkeit und/oder Asylirrelevanz der
Gesuchsvorbringen und hielt fest, mangels hinreichender Risikofaktoren
gemäss Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 sei nicht auf eine
drohende asylrelevante Gefährdung bei einer Rückkehr zu schliessen.
C.
Am 25. November 2019 gelangte der Beschwerdeführer mit einer als
«Asylgesuch respektive Mehrfachgesuch, eventualiter Wiedererwägungs-
gesuch, subeventualiter qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch» bezeich-
neten Eingabe des rubrizierten Rechtsvertreters erneut an die Vorinstanz.
In der Gesuchsbegründung machte er geltend, er befürchte aufgrund der
jüngsten politischen Ereignisse im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka
Opfer asylrelevanter Verfolgung zu werden. Mit der Machtübernahme der
Brüder Gotabaya und Mahinda Rajapaksa ergebe sich für ihn eine neue,
erhebliche Gefährdungslage. Der Bruder des neu gewählten Präsidenten,
Mahinda Rajapaksa, welcher von 2005 bis 2015 sri-lankischer Staatsprä-
sident gewesen sei und seit Neuestem das Amt des sri-lankischen Premi-
erministers bekleide, sei verantwortlich für unzählige Menschenrechtsver-
letzungen gegen die tamilische Bevölkerung. Ferner seien während der
vorgängigen Rajapaksa-Ära auch sog. «white van abductions» auf Befehl
hin vom damaligen Verteidigungsminister und nun gewählten Präsidenten,
Gotabaya Rajapaksa, durchgeführt worden. Vor diesem Hintergrund werde
sich die Sicherheits- und Menschenrechtslage in Sri Lanka drastisch ver-
schlechtern. Mit seiner Vorgeschichte und dem mehrjährigen Ausland-
aufenthalt falle er nun in die Kategorie der vulnerabelsten Personen, die
bei einer Einreise unverkennbar einer konkreten Folter- und Todesgefahr
ausgesetzt seien, zumal er bereits während der letzten Amtszeit der Ge-
brüder Rajapaksa verfolgt und misshandelt worden sei.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer einen Artikel des Nachrich-
tensenders Aljazeera vom 20. März 2017 über vergangene Aktivitäten von
Gotabaya Rajapaksa, einen Artikel der Zeitung The Guardian vom 17. No-
vember 2018 über die Rückkehr des Rajapaksa-Clans an die politische
Macht, einen Artikel des Online-Nachrichtendienstes dailynews vom
11. November 2019 über sogenannte "white van abductions", einen Artikel
der Zeitung The Guardian vom 13. November 2019 über die sri-lankische
Präsidentschaftswahlen sowie einen Artikel der Neuen Zürcher Zeitung
(NZZ) vom 17. November 2019 über die Rückkehr des Rajapaksa-Clans
zu den Akten.
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D.
Mit Verfügung vom 14. Februar 2020 – eröffnet am 17. Februar 2020 –
qualifizierte das SEM die Eingabe vom 25. November 2019 als Mehrfach-
gesuch, wies das Gesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug. Zudem erhob es eine Gebühr
von Fr. 600.–.
E.
Mit Eingabe vom 18. März 2020 (Datum des Poststempels) erhob der Be-
schwerdeführer – handelnd durch seinen Rechtsvertreter – gegen diesen
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm unter Zuerkennung
der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei
die Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfah-
rensrechtlicher Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu be-
willigen und ihm in der Person seines Rechtsvertreters ein unentgeltlicher
Rechtsbeistand beizuordnen. Zudem sei festzustellen, dass die Be-
schwerde aufschiebende Wirkung habe.
Der Beschwerde lagen – nebst Kopien der angefochtenen Verfügung, einer
Vollmacht vom 26. März 2019 und einer Fürsorgeabhängigkeitsbestäti-
gung vom 20. Februar 2020 – zwei Bestätigungen der Heilsarmee Flücht-
lingshilfe betreffend den Besuch von Deutschkursen vom 6. Oktober 2011
und 16. Dezember 2011, ein Schreiben der L._ GmbH vom
13. März 2019 betreffend die Zusicherung einer Arbeitsstelle, ein Zuwei-
sungsschreiben von Dr. med. M._(Arzt für Allgemeinmedizin) zur
ambulanten Ernährungsberatung vom 25. März 2019 sowie ein Schreiben
«To whom it may concern» des Parlamentsmitglieds N._ vom
30. März 2019 (jeweils in Kopie) bei.
F.
Mit Schreiben vom 19. März 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.
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Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer ist als Verfü-
gungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die
frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108
Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Soweit in der Rechtsmitteleingabe die Feststellung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde beantragt wird, kann festgestellt werden, dass
dieser von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt (vgl. Art. 6
AsylG i.V.m. Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz diese vorliegend
nicht entzogen hat.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriften-
wechsel verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ver-
schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf
kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die
flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten.
Vorab sei bezüglich seines Risikoprofils darauf hinzuweisen, dass das Bun-
desverwaltungsgericht mit Urteil D-1139/2016 vom 25. Februar 2019 fest-
gestellt habe, der Beschwerdeführer verfüge über keine Risikofaktoren, die
auf eine drohende asylrelevante Gefährdung seinerseits bei einer Rück-
kehr in sein Heimatland schliessen liessen (vgl. a.a.O. E. 6.2).
Auch die am 16. November 2019 erfolgten Präsidentschaftswahlen mit
dem Sieg von Gotabaya Rajapaksa vermöchten keine Gefährdung seiner-
seits zu begründen. Es sei zwar festzustellen, dass mit der Wahl von Go-
tabaya Rajapaksa zum Präsidenten sowie ersten Anzeichen der Zunahme
von Überwachungsaktivitäten Befürchtungen von mehr Repression und
Überwachung von Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Oppositionel-
len, regierungskritischen Personen und Minderheiten einhergingen. Den-
noch gebe es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass zur Annahme, dass
ganze Volksgruppen unter Präsident Gotabaya Rajapaksa kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. So gebe es keine Berichte über asyl-
relevante Verfolgungsmassnahmen gegenüber den genannten Personen-
gruppen nach den Wahlen. Auch tamilische Medien hätten bislang nicht
über grosse Veränderungen der Situation im tamilisch geprägten Norden
und Osten Sri Lankas berichtet. Wie immer prüfe das SEM das Verfol-
gungsrisiko im Einzelfall. Voraussetzung für die Annahme einer Verfol-
gungsgefahr aufgrund der Präsidentschaftswahlen vom 16. Novem-
ber 2019 sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Person zu eben
diesem Ereignis respektive dessen Folgen. Dafür reiche es nicht aus, pau-
schal auf politische Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit oder mög-
liche Zukunftsszenarien zu verweisen. Stattdessen wäre eine hinreichende
Subsumtion im Einzelfall notwendig. Genau dies sei vorliegend allerdings
nicht erfolgt, zumal es sich bei den eingereichten Beweismitteln um Er-
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zeugnisse aus allgemein zugänglichen Quellen handle, die sich zur Sicher-
heitslage in Sri Lanka äusserten und die teilweise bereits vor Jahren ver-
öffentlicht worden seien. Ferner werde der Beschwerdeführer in diesen
Quellen nicht namentlich genannt. Somit bestehe kein begründeter Anlass
zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt sein werde.
5.2 Dem hält der Beschwerdeführer – nach Wiederholung seiner Flucht-
gründe – entgegen, dass er in seinem Heimatstaat aufgrund der aktuellen
Vorfälle und des Machtwechsels an Leib und Leben gefährdet sei.
Zunächst sei hervorzuheben, dass die Vorinstanz sowie das Bundesver-
waltungsgericht seine Vorbringen im Rahmen des ersten Asyl- und Be-
schwerdeverfahrens nicht als unglaubhaft, sondern als nicht asylrelevant
qualifiziert hätten, weshalb diese auch im vorliegenden Verfahren zu be-
rücksichtigen seien. Seine Familienangehörigen würden seinetwegen bis
heute angegriffen, bedroht und behelligt, insbesondere seit den letzten
zwei Monaten nach der Machtübernahme des Rajapaksa-Clans. Nament-
lich werde er aufgrund seiner langjährigen LTTE-Aktivitäten und der Flucht
während des Krieges weiterhin von den sri-lankischen Behörden gesucht,
was der Parlamentarier N._ im beigebrachten Schreiben vom
30. März 2019 bestätige. Darin bestätige letzterer ebenso, dass ein naher
Freund des Beschwerdeführers von den sri-lankischen Geheimagenten im
Jahre 2006 getötet worden sei und er (der Beschwerdeführer) aufgrund der
von seinem Bekanntenkreis ausgehenden Gefahr das Land habe verlas-
sen müssen. Diese Tatsachen seien deckungsgleich mit den von ihm vor-
gebrachten Asylgründen und bestätigten die Glaubhaftigkeit seiner Aussa-
gen, an denen er – trotz rechtskräftigem Entscheid des Bundesverwal-
tungsgericht – weiterhin festhalte.
Sodann habe sich seine Gefährdungslage seit der Machtübernahme durch
den Rajapaksa-Clan im November 2019 noch intensiviert. Tamilen seien
aus Sicht der Regierung generell eine potentielle Gefahr für den Einheits-
staat. Als abgewiesener tamilischer Asylsuchender mit LTTE-Verbindung
und mehrjährigem Auslandaufenthalt gehöre er der sozialen Gruppe von
Personen an, die bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer konkreten Ge-
fahr ausgesetzt seien, verhaftet, misshandelt oder gar getötet zu werden.
Hinsichtlich der entsprechenden Gefährdungslage verweise er auf Berichte
der UN-Working Group on Arbitrary Detention vom 23. Juli 2018 sowie der
Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) «Entführungen von tamilischen
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Personen im Distrikt Jaffna und Nordprovinz» vom 12. Januar 2018 sowie
«Gefährdete Rechte für Minderheiten in Sri Lanka» vom 10. Dezember
2019. Schliesslich sei auf die Entführung einer Mitarbeiterin der schweize-
rischen Botschaft in Colombo am 25. November 2019 hinzuweisen, welche
aufzeige, dass die Rajapaksas offensichtlich an geschäftsrelevanten Infor-
mationen interessiert seien, worunter insbesondere Asylgesuche von sri-
lankischen Gesuchstellern in der Schweiz gehörten.
6.
6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer wirft der
Vorinstanz eine Verletzung der Begründungspflicht (respektive des An-
spruchs auf rechtliches Gehör) sowie der Pflicht zur vollständigen und rich-
tigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes vor.
6.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und ak-
tenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt
wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsma-
xime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für
die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl.
dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundes-
gesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16).
6.3 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe es unterlassen, die
vorgebrachten Tatsachen und Beweismittel korrekt zu würdigen. Anders
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als in der angefochtenen Verfügung dargelegt, habe er die individuelle Ge-
fährdungslage infolge des Machtwechsels ausführlich dargelegt. Diese
Rüge ist unbegründet. Der blosse Umstand, dass die Vorinstanz nach Wür-
digung der Parteivorbringen zu einem anderen Schluss als der Beschwer-
deführer kommt, stellt keine Verletzung der Begründungspflicht respektive
des Anspruches auf rechtliches Gehör dar, sondern beschlägt die Frage
der materiellen Würdigung.
6.4 Der Beschwerdeführer rügt weiter, die Vorinstanz habe den (aktuellen)
sri-lankischen Kontext unzureichend miteinbezogen beziehungsweise sich
auf veraltete Berichterstattungen gestützt. Diesbezüglich ist festzuhalten,
dass sich die Vorinstanz sehr wohl mit der aktuellen Lage in Sri Lanka aus-
einandersetzte und die am 16. November 2019 erfolgten Präsidentschafts-
wahlen und deren Folgewirkungen berücksichtigte. Alleine darin, dass die
Vorinstanz aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung der Vor-
bringen (inklusive Risikoanalyse) gelangt und in seiner Länderpraxis zu Sri
Lanka einer anderen Linie folgt als der Beschwerdeführer, liegt keine Ver-
letzung der Untersuchungspflicht beziehungsweise keine ungenügende o-
der falsche Sachverhaltsfeststellung.
6.5 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Der diesbezügliche Eventualantrag ist abzuwei-
sen.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten in
materieller Hinsicht zum Schluss, dass die Vorinstanz in ihren Erwägungen
zutreffend festgehalten hat, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden
den Anforderungen an die Asylrelevanz gemäss Art. 3 AsylG nicht genü-
gen. Auf die betreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung
(vgl. oben E. 5.1) kann mit den nachfolgenden Ergänzungen verwiesen
werden. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene und das in diesem Zu-
sammenhang eingereichte Beweismittel vermögen zu keiner anderen Be-
trachtungsweise zu führen.
7.2 Vorweg ist festzuhalten, dass sowohl im zweiten Mehrfachgesuch vom
25. November 2019 als auch in der nun vorliegenden Rechtsmitteleingabe
Sachverhaltselemente einbezogen und beschrieben wurden, die bereits in
den vorangegangenen beiden Asyl- und Beschwerdeverfahren (vgl. Urteile
des BVGer D-4532/2011 vom 23. Juli 2012 E. 4.2 und D-1139/2016 vom
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25. Februar 2019 E. 5) beurteilt worden sind. Auf diese rechtskräftig beur-
teilten Asylvorbringen ist nicht weiter einzugehen.
7.3 Im Rahmen des vorliegenden Asylverfahrens ist einzig zu prüfen, ob
das nach dem Urteil D-1139/2016 vom 25. Februar 2019 datierte Beweis-
mittel oder die (behaupteten) Tatsachen zu einer anderen Einschätzung
führen. Der Beschwerdeführer macht auf Beschwerdeebene geltend, er
werde aufgrund seiner langjährigen LTTE-Aktivitäten weiterhin von den sri-
lankischen Behörden gesucht. Zur Untermauerung dieser Vorbringen
reichte der Beschwerdeführer ein vom 30. März 2019 datiertes Schreiben
des Parlamentsmitglieds N._ zu den Akten. Der Beschwerdeführer
konnte in den vorangehenden Verfahren keine asylrechtlich relevante (Vor-
)Verfolgung nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (vgl. Urteile des
BVGer D-4532/2011 vom 23. Juli 2012 E. 4.2 und D-1139/2016 vom
25. Februar 2019 E. 5). Mit der auf Beschwerdeebene geltend gemachten
anhaltenden behördlichen Suche gelingt ihm dies ebenso wenig. Seine
entsprechenden schriftlichen Ausführungen sind nicht ansatzweise sub-
stantiiert und als nachgeschoben anzusehen. Auch das diesbezüglich in
Kopie eingereichte Beweismittel ist nicht geeignet, eine flüchtlingsrechtlich
relevante Verfolgung seiner Person seitens der heimatlichen Behörden zu
belegen. Angesichts der unterschiedlichen Praxis bei der Ausstellung eines
solchen Dokuments kann – selbst bei einem Original – nicht schlüssig ve-
rifiziert werden, ob das Schriftstück tatsächlich von der besagten Person
stammt, weshalb ihm kein hoher Beweiswert zukommt. Zudem handelt es
sich bei einem solchen Schriftstück erfahrungsgemäss um ein Gefällig-
keitsschreiben.
7.4 Die Vorinstanz hat sodann mit zutreffender Begründung einen konkre-
ten Fallbezug im Kontext der veränderten Sicherheitslage in Sri Lanka, na-
mentlich seit des Regierungs- und damit verbundenen Machtwechsels,
verneint. Zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen kann auf die betref-
fenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden
(vgl. oben E. 5.1). Die Darlegungen zur Situation in Sri Lanka im Beschwer-
deverfahren lassen weiterhin keinen konkreten Bezug in dem Sinn erken-
nen, dass der Beschwerdeführer wegen seines Profils von dieser Entwick-
lung in Sri Lanka nun konkret und individuell betroffen wäre. Dies gilt auch
unter Berücksichtigung der auf Beschwerdeebene geltend gemachten Ent-
führung einer Angestellten der Schweizer Botschaft in Colombo am 25. No-
vember 2019. Gemäss Auskunft der Schweizerischen Botschaft sind im
Zusammenhang mit der Entführung der Botschaftsmitarbeiterin keine In-
formationen in Bezug auf Einzelpersonen – mithin auch nicht betreffend
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Seite 12
den Beschwerdeführer – an die sri-lankischen Behörden gelangt, so dass
keine Anhaltspunkte auf eine erhöhte Gefährdungssituation hinweisen.
7.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz das Mehrfachge-
such des Beschwerdeführers vom 25. November 2019 zu Recht abgelehnt
hat.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.2 Bezüglich des Geltendmachens von Wegweisungsvollzugshindernis-
sen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-
weisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst,
sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls
wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.
10.1 Die Vorinstanz beurteilt den Wegweisungsvollzug in der angefochte-
nen Verfügung als zulässig, zumutbar und möglich.
10.2 Dem hält der Beschwerdeführer in der Rechtsmitteleingabe entgegen,
vor dem Hintergrund der aktuellen Regierung um Gotabaya Rajapaksa und
dessen Vorgehen gegenüber verdächtigen Personen verletzte seine Weg-
weisung Art. 3 EMRK, weshalb die Unzulässigkeit des Wegweisungsvoll-
zugs festzustellen sei. Sodann habe sich sein gesundheitlicher Zustand
massiv verschlechtert. Er sei an (...) erkrankt und auf ärztliche Betreuung
sowie Medikamente angewiesen, was der eingereichte Arztbericht vom
25. März 2019 belege. Da hierfür im Heimatstaat keine genügende ge-
sundheitliche Infrastruktur bestehe, sei der Wegweisungsvollzug vorlie-
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Seite 13
gend unzumutbar. Unbesehen davon habe er sich angesichts seiner er-
folgreichen Integration von seinem Heimatland entfremdet und sei eine
Wegweisung auch daher unzumutbar. So könne sein mittlerweile elfjähri-
ger Aufenthalt in der Schweiz als besonders lang bezeichnet werden. Bis
ihm die kantonale Behörde infolge des negativen Asylentscheids die Ar-
beitsbewilligung entzogen habe, sei er über einen langen Zeitraum hinweg
erwerbstätig gewesen und habe seinen Lebensunterhalt selber bestreiten
können. Wie dem beiliegenden Schreiben der L._ GmbH entnom-
men werden könne, habe ihm diese sodann eine Stelle zugesichert, sobald
er wieder über eine Arbeitsbewilligung verfüge, womit seine finanziellen
Verhältnisse gesichert wären. Weiter sei seine sprachliche Integration so
weit fortgeschritten, dass er für behördliche sowie auch ärztliche Konsulta-
tionen in der Regel keine Übersetzung benötige. Schliesslich habe er sich
immer kooperativ verhalten und in der Schweiz nie gegen strafrechtliche
Normen verstossen.
11.
11.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
11.2 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist
das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Voll-
zugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völ-
kerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105];
Art. 3 EMRK).
11.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes
für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
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Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Der EGMR hat zudem wiederholt festgestellt, dass
nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine
unmenschliche Behandlung. Vielmehr müsse eine Risikoeinschätzung im
Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. gegen Frank-
reich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Die Einzelfallprüfung
fällt mangels hinreichender Anhaltspunkte vorliegend negativ aus (vgl.
oben E. 7.). Zudem lässt die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri
Lanka den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl.
BVGE 2011/24 E. 10.4 und Referenzurteil E-1866/2015 E. 12.2).
11.4 Was die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers betrifft,
ergibt sich aus dem eingereichten Zuweisungsschreiben von Dr. med.
M._ (Arzt für Allgemeinmedizin) zur ambulanten Ernährungsbera-
tung vom 25. März 2019 (vgl. Prozessgeschichte, Bst. E.), dass der Be-
schwerdeführer an (...) leidet und auf das Medikament (...) angewiesen ist.
Ein aktuellerer ärztlicher Bericht wurde vom Beschwerdeführer nicht ein-
gereicht. Es ist also auf den vorgenannten Bericht abzustellen.
Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Prob-
lemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK dar-
stellen. Die aktenkundigen gesundheitlichen Probleme des Beschwerde-
führers stellen sich nicht als so schwerwiegend dar, dass eine Gefahr der
Verletzung von Art. 3 EMRK besteht (zu den Anforderungen vgl. BVGE
2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Europäischen Ge-
richtshofs für Menschenrechte [EGMR] sowie zur neueren Praxis des
EGMR das Urteil Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016,
Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.H.).
11.5 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne
der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
12.
12.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
D-1574/2020
Seite 15
12.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt; dies gilt auch unter
Berücksichtigung der dortigen aktuellen Ereignisse (statt vieler Urteil
BVGer E-2271/2020 vom 7. Juli 2020 E. 8.3.1). Gemäss nach wie vor gül-
tiger Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordpro-
vinz weiterhin zumutbar, wenn das Vorliegen von individuellen Zumutbar-
keitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder so-
zialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkom-
mens- und Wohnsituation) bejaht werden kann.
12.3 In Bezug auf das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien kann
zunächst auf die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-4532/2011 vom
23. Juli 2012 (E. 6.3) sowie D-1139/2016 vom 25. Februar 2019 (E. 8.4)
verwiesen werden. Dort wird dargelegt, der Beschwerdeführer stamme aus
B._ (Distrikt Jaffna, Nordprovinz), wo er bis kurz vor seiner Ausreise
gelebt habe. Ein Vollzug in diese Provinz sei im Lichte der Rechtsprechung
zumutbar. Zudem könne der Beschwerdeführer, welcher über eine langjäh-
rige Berufserfahrung als (...) verfüge, mit seiner (...) und seinen (...) auf ein
tragfähiges familiäres Beziehungsnetz zurückgreifen. Damit dürfe davon
ausgegangen werden, dass er in der Lage sein werde, sich im Heimatland
eine neue Existenz aufzubauen.
12.4 Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen
Gründen ist nach Lehre und konstanter Praxis nur dann zu schliessen,
wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur
Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährden-
den Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person
führen würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende me-
dizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer men-
schenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jeden-
falls dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht
dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung
möglich ist (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je mit wei-
teren Hinweisen).
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass angesichts der Art der Erkrankung
des Beschwerdeführers sowie der indizierten Behandlungsintensität (vgl.
oben E. 11.4) nicht von einer medizinischen Notlage im Sinne der vorste-
hend dargelegten Rechtsprechung auszugehen ist. Ferner besteht in der
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Seite 16
Heimatregion des Beschwerdeführers – entgegen der auf Beschwerde-
ebene vertretenen Ansicht – die Infrastruktur zur Behandlung von (...). In
Point Pedro im öffentlichen MOH/CD Hospital und in den beiden Privatkli-
niken New Sai Medical Centre und Muruganantham Dispensary gibt es All-
gemeinmediziner, die in der Lage sind, Patienten mit (...) ambulant zu be-
handeln. Zudem bieten Internisten ambulante Sprechstunden im öffentli-
chen Manthikai Base Hospital und im privaten Ruhbins an. In diesen bei-
den Kliniken gibt es auch ein Labor, wo der (...)-Wert gemessen werden
kann. Im Übrigen sind sämtliche für die (...)-Behandlung notwendigen Me-
dikamente im Distrikt Jaffna erhältlich, entweder in der Apotheke des öf-
fentlichen Manthikai Base Hospitals oder in der privaten Shri Murugan
Pharmacy (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer D-6850/2018 vom 17. Juni
2020 E. 6.7.3 m.w.H.; vgl. auch Urteile des BVGer E-3613/2018 vom
17. Juli 2020 E. 7.3.4 und E-2276/2020 vom 29. Juni 2020 E. 7.4.2.2). Aus-
serdem hat der Beschwerdeführer die Möglichkeit, im Rahmen der indivi-
duellen Rückkehrhilfe zusätzliche medizinische Hilfeleistungen zu beantra-
gen (vgl. Art. 93 Abs.1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2
vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]).
12.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass der Grad der Integration in der
Schweiz grundsätzlich kein Kriterium für die Beurteilung der Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darstellt (vgl.
BVGE 2009/52 E. 10.3; EMARK 2006 Nr. 13 E. 3.5). Die Beurteilung einer
Härtefallsituation infolge fortgeschrittener Integration im Sinne von Art. 14
Abs. 2 Bst. c AsylG fällt in die Zuständigkeit der kantonalen Migrationsbe-
hörden (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.3). Auf die vom Beschwerdeführer gel-
tend gemachten Integrationsbemühungen und die hierzu eingereichten Be-
weismittel (vgl. Prozessgeschichte, Bst. E.) ist deshalb nicht näher einzu-
gehen.
12.6 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit sowohl in allgemeiner
als auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
13.
Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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Seite 17
14.
Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht
als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der vorläu-
figen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
15.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
16.
16.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da seine Rechtsbe-
gehren jedoch nicht als aussichtslos betrachtet werden konnten und er auf-
grund der vorgelegten Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung als bedürftig an-
zusehen ist, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Es sind somit keine
Verfahrenskosten zu erheben. Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses erweist sich mit dem vorliegenden Endentscheid
als gegenstandslos.
16.2 Hinsichtlich des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
verbeiständung ist festzustellen, dass im Rahmen von Mehrfachgesuchen
unter den in Art. 65 Abs. 1 VwVG umschriebenen Voraussetzungen eine
unentgeltliche Rechtsbeiständin oder ein unentgeltlicher Rechtsbeistand
bestellt wird, wenn es zur Wahrung der Rechte der Partei notwendig ist
(Art. 102m Abs. 2 AsylG i.V.m. 65 Abs. 2 VwVG). Ausschlaggebend ist da-
bei das Kriterium, ob die Beschwerde führende Partei zur Wahrung ihrer
Rechte notwendigerweise der professionellen juristischen Hilfe eines An-
waltes bedarf (vgl. dazu BGE 128 I 225 E. 2.5.2 S. 232 f.; 122 I 49 E. 2c
S. 51 ff.; 120 Ia 43 E. 2a S. 44 ff.). In Verfahren, welche – wie das vorlie-
gende – vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht sind, sind strenge
Massstäbe an die Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung anzu-
setzen (vgl. EMARK 2000 Nr. 6 sowie BGE 122 I 8 E. 2c S. 10). Im asyl-
rechtlichen Beschwerdeverfahren sind besondere Rechtskenntnisse zur
wirksamen Beschwerdeführung im Regelfall nicht unbedingt erforderlich.
Aus diesen Gründen wird die unentgeltliche Verbeiständung im Sinne von
Art. 65 Abs. 2 VwVG praxisgemäss nur in den besonderen Fällen gewährt,
in welchen in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht erhöhte Schwierigkei-
ten bestehen.
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Das vorliegende Verfahren erscheint weder in tatsächlicher noch in recht-
licher Hinsicht besonders komplex, weshalb das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG für das Be-
schwerdeverfahren abzuweisen ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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