Decision ID: b9f17d7f-9c24-4945-a09b-40acc7d1a355
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X stammt aus Kuba. Er ist im Besitz eines kubanischen Führerausweises. Am
11. April 2019 lenkte er ausserorts in A. einen Personenwagen mit einer
Geschwindigkeit von 102 km/h. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des
Kantons St. Gallen stellte ihm aufgrund der Überschreitung der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um 22 km/h (leichte Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften) mit Schreiben vom 20. Juni 2019 eine Verwarnung in
Aussicht.
Am frühen Samstagmorgen, 13. Juli 2019, wurde X anlässlich einer Verkehrskontrolle
auf der Autobahn A1 in Zürich um 04.00 Uhr angehalten und kontrolliert. Die
Atemalkoholmessung ergab um 04.04 Uhr einen Wert von 0,57 mg/l. Um 04.42 Uhr
wurde bei der Polizeistation Dübendorf eine beweissichere Atemalkoholprobe
durchgeführt, die einen Wert von 0,68 mg/l ergab. X anerkannte diesen Wert. Der
Führerausweis wurde ihm auf der Stelle abgenommen. Mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 12. August 2019 wurde er wegen Fahrens in
fahrunfähigem Zustand zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je Fr. 30.–
und zu einer Busse von Fr. 300.– verurteilt.
B.- Am 30. August 2019 informierte das Strassenverkehrsamt X darüber, dass aufgrund
der beiden Vorfälle (Geschwindigkeitsüberschreitung und Fahren in angetrunkenem
Zustand) vorgesehen sei, eine Gesamtverfügung zu erlassen und ihm den
Führerausweis für mindestens drei Monate abzuerkennen. Es gab ihm die Möglichkeit
zur Stellungnahme, auf die er stillschweigend verzichtete. Am 2. Oktober 2019 verfügte
das Strassenverkehrsamt wegen einer leichten und einer schweren Widerhandlung eine
Aberkennung des Führerausweises für die Dauer von sechs Monaten.
C.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 2. Oktober 2019 erhob X mit
Eingabe seines Rechtsvertreters vom 16. Oktober 2019 und Ergänzung vom
31. Oktober 2019 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen
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(VRK). Er beantragt die Reduktion der Entzugsdauer (Aberkennungsdauer) auf vier
Monate, eventualiter drei Monate bei zusätzlicher Verpflichtung zur Teilnahme am
Verkehrsunterricht, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Mit Schreiben vom
20. November 2019 verzichtete die Vorinstanz auf eine Vernehmlassung. Am
22. November 2019 reichte der Rechtsvertreter eine Kostennote ein.

Auf die Ausführungen im Rekurs wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der
Rekurs vom 16. Oktober 2019 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt zusammen
mit der Ergänzung vom 31. Oktober 2019 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen
das Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03, abgekürzt: OBG)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine schwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften begeht unter anderem, wer in angetrunkenem Zustand
mit einer qualifizierten Atemalkohol- oder Blutalkoholkonzentration ein Motorfahrzeug
lenkt (Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG). Als qualifiziert gilt eine Blutalkoholkonzentration von
0,8 Gewichtspromille oder mehr bzw. eine Atemalkoholkonzentration von 0,4 mg
Alkohol oder mehr pro Liter Atemluft (Art. 2 der Verordnung der Bundesversammlung
über Alkoholgrenzwerte im Strassenverkehr, SR 741.13, in Verbindung mit Art. 55
Abs. 6 lit. b SVG).
bis
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b) Nach ständiger Rechtsprechung liegt ungeachtet der konkreten Umstände objektiv
eine leichte Widerhandlung vor, wenn die signalisierte Höchstgeschwindigkeit jeweils
ausserorts um 20 bis 24 km/h überschritten wird. Indem der Rekurrent am 11. April
2019 ausserorts ein Fahrzeug mit einer rechtlich relevanten Geschwindigkeit von 102
km/h lenkte, beging er daher eine leichte Widerhandlung, was von ihm nicht bestritten
wird. Ebenso ist nicht streitig, dass er am 13. Juli 2019 ein Fahrzeug mit einer
Atemalkoholkonzentration von 0,68 mg/l lenkte und damit eine schwere Widerhandlung
nach Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG beging.
3.- Strittig ist indessen, für welche Dauer der Führerausweis dem Rekurrenten aufgrund
der Vorfälle vom 11. April und 13. Juli 2019 abzuerkennen ist.
a) Der Rekurrent macht geltend, er weile erst seit kurzem in der Schweiz. Die
Aberkennungsdauer für die von ihm begangenen Verkehrsregelverletzungen habe ihn
sehr überrascht. Als Ersttäter empfinde er diese unverhältnismässig hoch. Zudem sei er
an seinem Arbeitsplatz, den er erst gerade angetreten habe, auf den Führerausweis
angewiesen. Seit Oktober 2019 sei er als Monteur angestellt und müsse mit dem
Fahrzeug selbständig zu auswärtigen Baustellen gelangen. Wenn dies nicht möglich
sei, erleide er erhebliche Einkommenseinbussen. Seine Hauptaufgabe sei der Transport
von Material, den er ohne Führerausweis nicht verrichten könne, weshalb er derzeit nur
im Stundenlohn angestellt sei. Seine Sanktionsempfindlichkeit sei daher besonders
hoch. Ausgehend von einer Einsatzmassnahme von fünf Monaten sei die
Aberkennungsdauer deswegen auf drei oder höchstens dreieinhalb Monate zu senken,
allenfalls ergänzt durch den Besuch des Verkehrsunterrichts.
Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, der Rekurrent habe eine
leichte und eine schwere Widerhandlung begangen. Mit zunehmender
Blutalkoholkonzentration steige das Unfallrisiko. Die hohe Blutalkoholkonzentration von
1,36 Gewichtspromille im Zusammenhang mit dem Verschulden und der
Widerhandlung vom 11. April 2019 führe zu einer Erhöhung der Aberkennungsdauer.
b) Bei der Festsetzung der Dauer des Führerausweisentzugs sind alle wesentlichen
Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrsteilnehmer, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
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berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen. Diese Zumessungsfaktoren
sind gesamthaft zu würdigen und die Entzugsdauer ist im Einzelfall so festzusetzen,
dass die mit der Massnahme beabsichtigte erzieherische und präventive Wirkung am
besten erreicht wird. Bei der Bemessung der Entzugsdauer kommt der Behörde ein
Ermessensspielraum zu (Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015,
Art. 16 SVG N 27).
Ausländische Führerausweise können nach den gleichen Bestimmungen aberkannt
werden, die für den Entzug des schweizerischen Führerausweises gelten (Art. 45 Abs. 1
der Verkehrszulassungsverordnung, SR 741.51, abgekürzt: VZV). Dadurch wird dem
Inhaber des ausländischen Führerausweises das Recht aberkannt, diesen auf dem
Hoheitsgebiet der Schweiz zu verwenden (siehe Art. 42 Abs. 1 Ingress des
Übereinkommens über den Strassenverkehr, SR 0.741.10). Demgegenüber hat die
Verwarnung gemäss Art. 16a Abs. 3 SVG kein Fahrverbot zur Folge. Ein zufolge einer
leichten Widerhandlung verwarnter Fahrzeuglenker ist weiterhin fahrberechtigt und
muss den Führerausweis nicht abgeben. Dies erklärt auch, weshalb die Verwarnung in
Art. 45 Abs. 1 VZV im Unterschied zur
Aberkennung des ausländischen Führerausweises nicht erwähnt ist (vgl. dazu auch
VerwGE B 2011/186 vom 15. Dezember 2011 E. 4.2., im Internet abrufbar unter:
www.sg.ch/recht/gerichte und dort unter Rechtsprechung).
Nach einer schweren Widerhandlung wird der ausländische Führerausweis für
mindestens drei Monate aberkannt (Art. 45 VZV in Verbindung mit Art. 16c Abs. 2 lit. a
SVG). Die Mindestaberkennungsdauer darf nach der Rechtsprechung bei einer
schweren Widerhandlung unter keinen Umständen unterschritten werden (vgl. BGE 135
II 334 E. 2.2, 132 II 234 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_585/2008 vom
14. Mai 2009 E. 2.1 mit Hinweisen). Ein längerer Führerausweisentzug bzw. eine
längere Aberkennung kann ausgesprochen werden, wenn die Angetrunkenheit deutlich
mehr als 0,8 Gewichtspromille beträgt oder der Betroffene auf seiner Fahrt weitere
Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften begangen hat
(Weissenberger, a.a.O., Art. 16c SVG N 29; vgl. auch BGer 1C_135/2008 vom
13. August 2008 E. 3.2.2). Nach einer leichten Widerhandlung wird die fehlbare Person
verwarnt, wenn in den vergangenen zwei Jahren der Ausweis nicht entzogen war und
keine andere Administrativmassnahme verfügt wurde (Art. 16a Abs. 3 SVG).
http://www.sg.ch/recht/gerichte
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Hat der Betroffene mehrere Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften
begangen, sind diese gemeinsam zu beurteilen und ist Art. 49 Abs. 1 des
Strafgesetzbuches (SR 311.0; abgekürzt: StGB) analog anzuwenden (BSK Strafrecht I-
Ackermann, Art. 49 N 40; BGer 6A.74/2005 vom 15. März 2006 E. 5.3). Nach dieser
Bestimmung ist im Strafrecht ein Täter, welcher durch eine oder mehrere Handlungen
die Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, für die schwerste Straftat
zu bestrafen; die Strafe ist angemessen zu erhöhen, jedoch darf das Höchstmass der
angedrohten Strafe maximal um die Hälfte erhöht werden und das gesetzliche
Höchstmass ist zu beachten (BGE 120 Ib 54 E. 2a). Folglich ist nicht für jede
Verkehrsregelverletzung eine einzelne Massnahme anzuordnen. Vielmehr ist die für die
schwerere Verletzung verfügte Massnahme angemessen zu verschärfen, um so zu
einer Gesamtmassnahme zu gelangen, welche allen Verfehlungen Rechnung trägt (vgl.
BGE 124 II 39 E. 3).
c) Die Trunkenheitsfahrt vom 13. Juli 2019 stellt eine schwere Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsvorschriften (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG) mit einer
Mindestaberkennungsdauer von drei Monaten dar (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG), während
die Widerhandlung vom 11. April 2019 eine leichte war. Für die Bemessung der
Aberkennungsdauer ist deshalb von der schweren Widerhandlung auszugehen.
Der Tatbestand einer schweren Widerhandlung setzt von Gesetzes wegen eine
ernstliche Gefährdung und ein schwerwiegendes Verschulden voraus. Beim
Rekurrenten wurde bei der Kontrolle vom 13. Juli 2019 eine Atemalkoholkonzentration
von 0,68 mg/l festgestellt. Diese liegt deutlich (mehr als 50 Prozent) über dem Wert von
0,4 mg/l, ab dem eine qualifizierte Atemalkoholkonzentration gegeben ist. Es ist davon
auszugehen, dass die Wahrnehmungs- sowie die Reaktionsfähigkeit innerhalb dieser
Differenz nochmals entscheidend abnehmen. Dadurch wird die Gefährdung für andere
Verkehrsteilnehmer zusätzlich erhöht. Zudem war der Rekurrent nachts bei Dunkelheit
unterwegs; die Sichtverhältnisse waren also ohnehin bereits schlechter als tagsüber.
Gemäss den Richtlinien der Vorinstanz beträgt die Entzugs- bzw. Aberkennungsdauer
bei einer Atemalkoholkonzentration zwischen 0,65 bis 0,79 mg/l fünf Monate.
Dementsprechend erscheint es angemessen, die Aberkennungsdauer für die
Trunkenheitsfahrt vom 13. Juli 2019 aufgrund der konkreten Umstände auf fünf Monate
zu erhöhen.
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Am 11. April 2019 hat der Rekurrent die Höchstgeschwindigkeit ausserorts von 80 km/
h um 22 km/h überschritten. Wäre diese leichte Widerhandlung allein zu sanktionieren
gewesen, hätte sie aufgrund des damals noch ungetrübten automobilistischen
Leumunds des Rekurrenten lediglich eine Verwarnung und keine Aberkennung des
Führerausweises zur Folge gehabt. Für die beiden zu beurteilenden Vorfälle liegen
damit zwei unterschiedliche Arten von Sanktionen vor (Verwarnung und Aberkennung).
Mangels Vorliegens gleichartiger Massnahmenarten kann Art. 49 Abs. 1 StGB daher
vorliegend nicht analog angewendet werden. Dies würde eine unzulässige
Verschärfung der Massnahmenart darstellen (vgl. GVP 2010 Nr. 34). Die Erhöhung der
Aberkennungsdauer um einen Monat, wie dies die Vorinstanz offenbar getan hat, ist
daher nicht gerechtfertigt. Es bleibt damit bei einer Einsatzmassnahmendauer von fünf
Monaten.
d) Der Rekurrent macht eine erhöhte Sanktionsempfindlichkeit geltend. Fahrzeuglenker,
die berufsmässig auf den Einsatz eines Motorfahrzeugs angewiesen sind, werden
wegen der grösseren Massnahmenempfindlichkeit in der Regel schon durch eine
kürzere Aberkennungsdauer wirksam von weiteren Widerhandlungen abgehalten.
Einem solchen Lenker soll der Führerausweis deshalb weniger lange aberkannt werden
als einem, der sein Fahrzeug beruflich nicht benötigt, selbst wenn beide
Fahrzeuglenker das gleiche Verschulden trifft (vgl. dazu BGE 123 II 572 E. 2c).
Der Rekurrent ist kein Berufschauffeur, der sein Einkommen mit dem Erbringen von
Fahrdiensten erzielt und für den eine Führerausweisaberkennung ein materielles
Berufsverbot bedeutet. Er ist als Hilfsarbeiter für Montagen tätig. Um mit dem
erforderlichen Material zu den Baustellen zu gelangen, ist er auf einen Führerausweis
angewiesen. Müsste er dazu einen Fahrdienst organisieren, wäre dies mit einem
gewissen organisatorischen, zeitlichen und finanziellen Mehraufwand verbunden. Er ist
folglich mehr als andere von einer Führerausweisaberkennung betroffen; seine
Sanktionsempfindlichkeit ist erhöht. Dieser Umstand ist im Umfang eines Monats
massnahmemindernd zu berücksichtigen, weshalb sich die Aberkennungsdauer von
fünf auf vier Monate reduziert. Dies entspricht einer Gutheissung des Hauptantrags des
Rekurrenten.
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4.- Dem Rekurrenten wurde der Führerausweis am 13. Juli 2019 von der Polizei
abgenommen. Entgegen den Schreiben der Vorinstanz vom 2. wie auch 31. Oktober
2019 wurde ihm der Führerausweis beide Male nicht zugestellt (act. 3/43 und 11). Erst
am 11. Dezember 2019 wurde der Führerausweis dem Rekurrenten auf dem
Strassenverkehrsamt persönlich ausgehändigt. Die Zeitspanne vom 13. Juli bis
10. Dezember 2019 ist folglich an die Aberkennungsdauer von vier Monaten
anzurechnen, weshalb diese bereits vollständig vollzogen ist.
5.- Die Vorinstanz ordnete in der angefochtenen Verfügung an, dass dem Rekurrenten
der Führerausweis aller Kategorien und Unterkategorien sowie der Spezialkategorie F
mit Wirkung ab 13. Juli 2019 bis und mit 12. Januar 2020 aberkannt werde. Hierbei
handelt es sich um eine vollstreckungsrechtliche Anordnung, die separat hätte verfügt
werden müssen. Dies ist bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
6.- Zusammenfassend ist der Rekurs gutzuheissen, und Ziffer 1 der Verfügung der
Vorinstanz vom 2. Oktober 2019 (Aberkennung des ausländischen Führerausweises für
sechs Monate) ist bezüglich der Aberkennungsdauer aufzuheben. Der Führerausweis
ist dem Rekurrenten für die Dauer von vier Monaten abzuerkennen. Die Aberkennung
ist bereits vollzogen.
7.- a) Die amtlichen Kosten werden nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens
verlegt (Art. 95 Abs. 1 VRP). Von diesem Grundsatz abweichend hat gemäss Art. 95
Abs. 2 VRP jener Beteiligte die Kosten zu übernehmen, die durch nachträgliches
Vorbringen von Begehren, Tatsachen oder Beweismitteln entstehen, deren rechtzeitige
Geltendmachung ihm möglich und zumutbar gewesen wäre.
Der Rekurrent obsiegt mit seinem Begehren um Reduktion der Aberkennungsdauer von
sechs auf vier Monate. Einerseits setzte die Vorinstanz die Einsatzmassnahme um
einen Monat zu hoch an, andrerseits führte die erhöhte Sanktionsempfindlichkeit zur
Reduktion um einen weiteren Monat. Letztere hätte der Rekurrent jedoch bereits im
vorinstanzlichen Verfahren geltend machen können. Namentlich wurde ihm mit
Schreiben vom 30. August 2019 (act. 3/24) der Fragebogen zur beruflichen
Angewiesenheit zugestellt. Andererseits hat die Vorinstanz die materielle Verfügung
(Führerausweisaberkennung) in unzulässiger Weise mit einer Vollzugsanordnung
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(Abgabetermin des Ausweises) kombiniert. Zudem kam es bei der Herausgabe des
Führerausweises zu unerklärlichen Verzögerungen. Entsprechend sind die amtlichen
Kosten trotz Gutheissung des Rekurses dem Rekurrenten zu einem Drittel
aufzuerlegen; zwei Drittel der Kosten trägt der Staat. Eine Entscheidgebühr von
Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist bis zum Betrag von Fr. 400.– zu
verrechnen und im Restbetrag von Fr. 800.– zurückzuerstatten.
b) Der Rekurrent hat gemäss Art. 98 Abs. 2 und Art. 98 VRP Anspruch auf eine
Entschädigung der ausseramtlichen Kosten, soweit diese als notwendig und
angemessen erscheinen. Der Beizug eines Rechtsvertreters war im vorliegenden
Rekursverfahren geboten. Im Verfahren vor der VRK wird das Honorar als Pauschale
ausgerichtet. Es beträgt zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung; sGS 963.75; abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeiten des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen
der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO). Mit Kostennote vom 22. November 2019
macht der Rechtsvertreter ein Honorar von Fr. 3'500.– geltend, was einem Aufwand
von 14 Stunden entspricht (act. 17). Anlass für den Rekurs bildete ausschliesslich die
Bemessung der Aberkennungsdauer. Die Anlasstaten waren weder in tatsächlicher
noch in rechtlicher Hinsicht umstritten. Angesichts des stark eingeschränkten
Prozessthemas, des geringen Aktenumfangs und der im Rekursverfahren getätigten
Aufwendungen erscheint ein Honorar von Fr. 2'100.– als angemessen. Damit ist
gleichzeitig gesagt, dass das geltend gemachte Honorar von Fr. 3'500.- zu hoch ist.
Entsprechend der Verlegung der amtlichen Kosten hat der Rekurrent Anspruch auf
einen Drittel der Entschädigung, somit Fr. 700.– (Art. 98 Abs. 1 VRP). Hinzu kommen
Fr. 28.– Barauslagen (4 Prozent von Fr. 700.–; Art. 28 Abs. 1 HonO) und Fr. 56.05
Mehrwertsteuer (7,7 Prozent von Fr. 728.–; Art. 29 HonO). Die ausseramtliche
Entschädigung beträgt damit insgesamt Fr. 784.05; entschädigungspflichtig ist der
Staat (Strassenverkehrsamt).