Decision ID: b7a19dec-3f03-404c-9215-b23c2e7148b9
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 06.06.2017 Art. 16 ATSG, Art. 17 ATSG, Art. 28 IVG. Rentenabweisende Verfügungen entfalten keine Dauerwirkung, sodass eine darauffolgende Neuanmeldung keine analoge Anwendung von Art. 17 ATSG rechtfertigt. Aufgrund der Tatsachen, dass die Beschwerdeführerin Fragen falsch verstanden hat, sich nicht in den fiktiven Zustand vollständiger Gesundheit hat hineinversetzen können und es im Hinblick auf ihre finanziellen Verhältnisse nachvollziehbar erscheint, dass sie im Validenfall zu 100% erwerbstätig wäre, ist von der Anwendung der "gemischten Methode" abzusehen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. Juni 2017, IV 2014/476). Entscheid vom 6. Juni 2017 Besetzung Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Annemarie Haase Geschäftsnr. IV 2014/476 Parteien A._, Beschwerdeführerin, vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob, St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen, gegen  des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rente Sachverhalt
Entscheid Versicherungsgericht, 06.06.2017
A.
A.a A._ meldete sich erstmals am 27. September 2009 bei der IV-Stelle St. Gallen
zum Bezug von IV-Leistungen an. Im Anmeldeformular gab sie an, zwei Kinder
(Jahrgang 19_ und 19_) zu haben und mit ihrem Ehemann (Jahrgang 19_)
zusammenzuleben. Sie sei ausgebildete Krankenpflegerin und von April 2003 bis Ende
Dezember 2008 zu 50% im Alters- und Pflegeheim B._ (nachfolgend APH B._) und
vom 10. Juni bis 10. Juli 2009 zu 60% im Altersheim C._ in ihrem erlernten Beruf
tätig gewesen (IV-act. 10, vgl. auch IV-act. 14).
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A.b Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, gab am 27. Oktober 2009
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten an:
Verwachsungsbauch mit zahlreichen Operationen wegen Divertikulitis und Bridenileus,
Nierensteinleiden mit mehrfachen Operationen, Niereninsuffizienz mit Kreatinin-
Clearance von 30 ml. Weiter bemerkte er, die Versicherte könne nur noch 4 Stunden
pro Tag körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeiten ohne hohe Anforderungen an
das kognitive Leistungsvermögen ausüben (IV-act. 16). Gemäss dem vom APH B._
am 27. Oktober 2009 ausgefüllten Fragebogen für Arbeitgebende hatte die Versicherte
bis zum 31. Dezember 2008 bei einem Lohn von jährlich Fr. 34'450.-- zu einem
Pensum von 50% als Pflegefachfrau gearbeitet. Bei einem vollen Pensum hätte sie
jährlich Fr. 62'400.-- ver¬dienen können (IV-act. 17). Am 30. Oktober 2009 hielt Dr.
med. E._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, fest, die Versicherte leide an einer
rezidivierenden depressiven Störung, einer chronifizierten Somatisierungsstörung sowie
einer vermeidend-ängstlichen Persönlichkeitsstruktur mit abhängigen Zügen. Die
Versicherte habe sich, nachdem sie von Juli bis Oktober 2009 krankgeschrieben
gewesen sei, wieder für ein Pensum von 50% beim RAV angemeldet (IV-act. 18 f.).
A.c Gemäss dem am 30. November 2009 eingereichten Lebenslauf hatte die
Versicherte sechs Jahre die Primarschule und zwei Jahre die Realschule besucht.
Anschliessend hatte sie ein Haushaltslehrjahr und nach einem einjährigen Praktikum als
Schwesternhilfe eine zweijährige Ausbildung als Krankenpflegerin absolviert. Bis zu
ihrer Heirat hatte sie als Krankenpflegerin gearbeitet und diese Tätigkeit nach einer
beruflichen Pause im Jahr 1987 wieder aufgenommen. Seitdem war sie bis Sommer
2009 - mit Ausnahme ihrer zweijährigen Tätigkeit als Teilzeitverkäuferin - als Pflegerin in
Alters- und Pflegeheimen tätig gewesen (IV-act. 28, vgl. auch IV-act. 12, 91).
A.d Da die Versicherte seit dem 11. März 2010 bei der F._ für ein Pensum von ca.
30% angestellt war (IV-act. 31 f.) und parallel optimal durch das RAV betreut wurde,
lehnte die IV-Stelle am 29. März 2010 einen Anspruch auf berufliche Massnahmen ab
(IV-act. 35).
A.e Am 13. Mai 2010 erklärte Dr. D._, die Versicherte sei aufgrund ihrer erhöhten
Ermüdbarkeit, ihrer verminderten Kraft und wiederholten Ausfällen bis auf Weiteres für
alle Tätigkeiten zu maximal 50% arbeitsunfähig. Dem Bericht von Dr. med. G._,
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Chefarzt Pneumologie, Klinik H._, vom 15. Februar 2010 war u.a. zu entnehmen,
dass die Versicherte wieder vermehrt unter dem bereits im Jahr 2005 diagnostizierten
Schlafapnoe-Syndrom leide. Nachdem eine CPAP-Therapie damals wegen Platzangst
fehlgeschlagen sei, wolle die Versicherte nun einen erneuten Versuch starten (IV-act. 39
S. 2 f., 6 f.). Dr. E._ stellte am 31. August 2010 folgende Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit: rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgradige
Episode (ICD-10 F33.1), chronifizierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0),
vermeidend-ängstliche Persönlichkeitsstruktur mit abhängigen Zügen. Sie hielt fest, die
Versicherte sei infolge der psychischen Probleme in ihrem Konzentrations- und
Auffassungsvermögen, in ihrer Anpassungsfähigkeit und in ihrer Belastbarkeit
eingeschränkt und die Stress- und Frustrationstoleranz sei reduziert, weshalb die
Versicherte seit März 2010 nur noch zu 20-30% arbeitsfähig sei (IV-act. 43). Die
Arbeitgeberin, die F._, berichtete am 11. Oktober 2010, die Versicherte arbeite
aktuell zu 20% nach Absprache, wobei das Pensum laufend abnehme. Die verminderte
Arbeitsfähigkeit zeige sich in den Bereichen Konzentration, Arbeitstempo,
Einsatzfähigkeit, motorische Fähigkeiten und Vergesslichkeit (IV-act. 45).
A.f Am 22. Februar 2011 erfolgte eine Haushaltabklärung. Dem entsprechenden
Bericht war zu entnehmen, dass die Versicherte auf die Frage, in welchem Umfang sie
heute ohne Behinderung eine Erwerbstätigkeit ausüben würde, geantwortet hatte, sie
würde "bei voller Gesundheit ihren erlernten Beruf weiterhin im Umfang von 50%
ausüben". Zur Begründung hatte sie ausgeführt, dass sie immer gern im pflegerischen
Beruf gearbeitet habe. Zudem wäre ein "finanzieller Zustupf" sehr willkommen, da auf
ihrem Haus eine Hypothek in Höhe von Fr. 400'000.-- mit einem Jahreszins von jährlich
Fr. 11'000.-- laste, das Einkommen des Ehemannes seit seiner Pensionierung deutlich
geringer sei als früher und jeden Monat Krankenkassenprämien von Fr. 600.-- anfielen.
Gegenwärtig sei sie jedoch aufgrund der anhaltenden Magenkrämpfe nur zu 10%
arbeitsfähig, obwohl sie eigentlich ein Pensum von 30% leisten wolle. Bei der
Haushaltsführung (1,43%) bestehe keine Einschränkung. Bei der Ernährung (25,48%)
sei sie zu 20%, bei der Wohnungspflege (7,24%) zu 65%, beim Einkauf und weiteren
Besorgungen (6,60%) zu 50%, bei der Wäsche und Kleiderpflege (24,10%) zu 50%
und bei weiteren Tätigkeiten (35,14%) zu 80% eingeschränkt. Die Abklärungsperson
hielt im Bericht fest, dass der Arbeitsaufwand im Bereich Wäsche und Kleiderpflege
aufgrund der 4 Zimmer, die als Ferienwohnungen vermietet würden,
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überdurchschnittlich hoch sei. Da die zumutbare Mithilfe des Ehemannes jedoch 1,5
Stunden von 2,8 Stunden täglich betrage, reduziere sich in diesem Bereich die
Invalidität auf 25%. In Bezug auf die geltend gemachte Einschränkung bei den weiteren
Tätigkeiten führte die Abklärungsperson aus, der Zeitaufwand betrage ohne die der
Versicherten noch mögliche Pflanzenpflege in der Wohnung 3,95 Stunden pro Tag. Da
die 3 Stunden für das Spazierengehen mit dem Hund vollumfänglich dem Ehemann
zugemutet werden könnten, reduziere sich die Invalidität auf 24%. Gesamthaft betrage
die Invalidität im Haushalt 27,5% bzw. aufgrund des Haushaltspensums von 50% nur
14% (IV-act. 58).
A.g Die IV-Stelle gab eine interdisziplinäre Abklärung bei der MEDAS Ostschweiz in
Auftrag (IV-act. 62). Dr. med. I._, Innere Medizin FMH, und Dr. med. J._, Eidg.
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, gaben in ihrem Gutachten vom 22.
Dezember 2011 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an:
- mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
einhergehend mit einer psychogenen Überlagerung (ICD-10 F54) der multiplen Leiden,
- vermeidende ängstliche Persönlichkeitsstruktur mit abhängigen Zügen (ICD-10
F60.6),
- chronische renovaskuläre Nephropathie Stadium 3-4,
- St. n. PTA und Stentimplantation am 30.05.2005 bei 65%iger proximaler
Nierenarterienstenose links,
- Nephrolithiasis beidseits mit Status nach rezidivierenden Harnwegsinfekten,
Pyelonephrotomie bei Nierenausgussstein links 1982 und 1984, 3-maliger ESWL links
10/87 und bei proximal blockiertem Ureterstein links 07/92, Doppel-J-Kathetereinlage
01/00 links bei pyelourethraler Abgangsstenose mit Quetschharnphänomen bei
achsengekippter Lage der linken Niere, Steinoperation und Achsenkippung der linken
Niere, Holmium-Lase-Endopyelotomie mit Einlage eines Endopyelotomie-Stents links
02/00-03/00, Nephrolithiasis der oberen Kelchgruppe links mit Lithotripsie und
Steinentfernung sowie ESWL 06/00, abdomino-pelvines CT 09/04: Stationäre
Kalzifikation und mit Nierenkolik mit Pyelonephritis links 07/05,
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- rezidivierende Unterbauchschmerzen links, aktuell oligosymptomatisch mit St. n.
anteriorer offener Sigma-Resektion und konventioneller Cholezystektomie 08/07 wegen
Sigmadivertikulitis mit St. n. retroperitonealer Abszessformation und CT-gesteuerter
Abszessdrainage 07/07, St. n. laparoskopischer Punktion einer Ovarialzyste rechts und
Zystenfenestration 04/01, St. n. explorativer Laparotomie, partieller Dünndarmresektion
und End-zu-End-Anastomose sowie Bruchpfortenverschluss 04/01 wegen Bridenileus,
- schweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom, ED: 02/10, seit ca. 1 Jahr mit
CPAP-Therapie behandelt,
- Fingerpolyarthronosen.
Sie führten aus, dass aus psychiatrischer Sicht seit März 2009 eine andauernde
Arbeitsunfähigkeit von 50% für körperlich adaptierte Tätigkeiten bestehe. Aus
somatischer Sicht ergäben sich qualitative Einschränkungen, indem Tätigkeiten, die
einen kraftvollen Faustschluss erforderten, bei teils aktivierter Fingerpolyarthronosen
nicht zugemutet werden könnten. Ebenso seien rein stehende und gehende Tätigkeiten
und Tätigkeiten im 24-Stunden-Schichtwechsel und unter Dauerstress zu meiden, es
bestehe eine Gewichtslimite von 10 kg und es sei eine Wechselhaltung zu
gewährleisten. Insgesamt könne die zuletzt ausgeübte Tätigkeit in einer privaten Spitex
nicht als leidensadaptiert beurteilt werden. Allenfalls sei ein Einsatz nur für leichte
körperliche Tätigkeiten in Form von Spezialeinsätzen realisierbar. Polydisziplinär werde
somit von einer rund 50%ig eingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit unter Berücksichtigung einer 10-20%igen Einschränkung der
Leistungsfähigkeit durch Verlangsamung und Dekonditionierung ausgegangen. Das
Ausmass dieser Einschränkung dürfte seit März 2009 bestehen, wobei seitdem
phasenweise auch eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Im Haushalt ergebe
sich aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung, während somatischerseits die im
Abklärungsbericht veranschlagten Einschränkungen plausibel erschienen (IV-act. 71).
A.h Die IV-Stelle ermittelte den Invaliditätsgrad der Versicherten anhand der
sogenannten gemischten Methode (IV-act. 73). Sie verglich ein Valideneinkommen von
Fr. 34'450.-- bei einem Beschäftigungsgrad von 50% mit einem zumutbaren
Invalideneinkommen von Fr. 25'684.-- bei einem Beschäftigungsgrad von 50%. Im
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erwerblichen Bereich resultierte somit ein Invaliditätsgrad von 13%. Für den
Haushaltsbereich übernahm sie den Invaliditätsgrad von 14%. Mit einem Vorbescheid
vom 4. Januar 2012 teilte sie der Versicherten mit, dass sie deren Rentengesuch
aufgrund eines Invaliditätsgrades von 27% abweisen werde (IV-act. 75). Die Versicherte
liess am 3. Februar 2012 bzw. am 16. März 2012 einen Einwand erheben und unter
Berücksichtigung eines maximal zulässigen Tabellenlohnabzuges von 25% sowie
korrigierter Validen- und Invalideneinkommen eine Neuberechnung des IV-Grades
beantragen (IV-act. 78, 84). Am 18. April 2012 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des
Anspruchs auf eine Invalidenrente (IV-act. 88).
B.
B.a Am 5. Dezember 2013 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle an. Sie
berichtete von einer starken Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes (IV-act. 89).
Im Anmeldeformular gab sie am 9. Januar 2014 an, von Mai 2013 bis Januar 2014 bei
der K._ AG zu einem Pensum von 30% als Krankenpflegerin gearbeitet zu haben und
ausserdem zu 30% im Haushalt tätig gewesen zu sein (IV-act. 97). Dazu reichte sie
Arztberichte ein. Dr. med. L._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hatte am 20.
März 2013 berichtet, die Versicherte zeige eine leichte bis mittelgradige ängstlich-
depressive Symptomatik mit Verdacht auf eine somatoforme Komponente des
Schmerzsyndroms (IV-act. 94 S. 17). In der Chirurgischen Praxis Dr. med. M._ hatte
sich die Versicherte am 26. Juni 2013 aufgrund starker Bauchschmerzen einer
Laparoskopie, einer lap. Adhäsiolyse und einer lap. Appendektomie unterzogen (IV-act.
94 S. 8 ff.). Dr. med. N._, Leitende Ärztin Innere Medizin und Nephrologie FMH, Spital
O._, hatte am 10. Oktober 2013 berichtet, es liege eine deutliche Verschlechterung
der Dyslipidämie vor und es bestehe ein Verdacht auf eine Medikamenten-
Malcompliance bei Tachykardie trotz angeblicher Einnahme von Dilatrend. Zudem
seien die Hypertonie und die Dyslipidämie im Gegensatz zu früheren Konsultationen
ungenügend kontrolliert (IV-act. 102 S. 1 f.).
B.b Auf Wunsch der Versicherten fasste Dr. N._ die medizinische Situation am 8.
Januar 2014 zusammen. Er gab an, die Versicherte leide unter einer fortgeschrittenen
schweren chronischen Niereninsuffizienz Stad. 4 und einer damit einhergehenden
Müdigkeit, einer verminderten Leistungsfähigkeit und einem sekundären
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Hyperparathyreoidismus. Ausserdem weise sie multiple kardiovaskuläre Risikofaktoren
(arterielle Hypertonie, Dyslipidämie), eine chronische abdominale Schmerzproblematik,
eine somatoforme Schmerzstörung und eine leichte Depression auf. In einer
adaptierten Tätigkeit mit einer deutlich reduzierten körperlichen und emotionalen
Belastung sei die Versicherte nur stundenweise arbeitsfähig, maximal aber mit einem
Pensum von 30% (IV-act. 94 S. 1). Dr. med. P._, Praktischer Arzt, bestätigte
aufgrund der ausgeprägten, nicht besserungsfähigen Bauchschmerzen, der weiteren
Abnahme der Nierenfunktion und der Depressionen eine deutliche Verschlechterung
des Gesundheitszustandes der Versicherten, infolge derer sie nur noch zu 30%
arbeitsfähig sei (IV-act. 96).
B.c Dr. med. Q._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (nachfolgend RAD) gab am 5.
Februar 2014 an, er erachte eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der
Versicherten bezogen auf vermehrte Beschwerden im Abdominalbereich wegen
Adhäsionen sowie bezogen auf die schwere chronische, progrediente
Niereninsuffizienz Stadium IV anhand der eingereichten Unterlagen als plausibel
nachvollziehbar. Die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin habe zugenommen,
wobei spätestens ab Oktober 2013 von einer Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit von 70% ausgegangen werden müsse (IV-act. 104).
B.d Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt
antwortete die Versicherte am 18. Februar 2014 auf die Frage, ob und in welchem
Ausmass sie heute ohne ihre Behinderung eine Erwerbstätigkeit ausüben würde, dass
sie stundenweise - jedoch nicht im Pflegeberuf - arbeiten würde. In Bezug auf die
Aufgaben im Haushalt hielt sie fest, keine schweren Arbeiten mehr verrichten zu
können, weshalb diese komplett vom Ehemann übernommen würden (IV-act. 105).
B.e Die IV-Stelle ermittelte den Invaliditätsgrad der Versicherten erneut anhand der
"gemischten Methode". Dabei verglich sie unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung ein Valideneinkommen von Fr. 37'354.-- bei einem
Beschäftigungsgrad von 50% mit einem zumutbaren Invalideneinkommen von Fr.
15'977.-- bei einem Beschäftigungsgrad von 30%, womit sich im erwerblichen Teil eine
Einschränkung von 57,23% und damit ein Teilinvaliditätsgrad von 28,6% ergab. Für
den Haushaltsbereich hielt sie fest, dass es dem pensionierten Ehepartner der
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Versicherten im Rahmen einer erweiterten Schadenminderungspflicht zumutbar sei, die
Hälfte der anfallenden Hausarbeiten zu übernehmen. Unter Berücksichtigung des
vorliegenden Haushaltsfragebogens könne somit davon ausgegangen werden, dass
keine relevante anrechenbare Einschränkung im Haushalt berücksichtigt werden müsse
(IV-act. 107). Mit einem Vorbescheid vom 12. März 2014 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, dass sie deren Rentengesuch bei einem IV-Grad von 29% abweisen
werde (IV-act. 109).
B.f Am 19. März 2014 bzw. am 24. Mai 2014 liess die Versicherte einwenden, die IV-
Stelle habe eine zu hohe Schadenminderungspflicht ihres Ehemannes angenommen.
Es könne nicht nachvollzogen werden, wie ihr Ehemann die Hälfte ihrer Arbeit im
Haushalt sollte übernehmen können. Schliesslich betreffe diese Hälfte alle körperlich
schweren Tätigkeiten, die sie selbst nicht mehr erledigen könne und die immerhin 4,5
Stunden täglich in Anspruch nähmen. Um in Erfahrung bringen zu können, welche
Tätigkeiten ihrem Ehemann in welchem Umfang zugemutet werden können, hätte die
IV-Stelle eine Haushaltsabklärung durchführen und allfällige medizinische Akten ihres
Ehemannes einholen müssen. Ausserdem habe die IV-Stelle im Rahmen der letzten
Verfügung keine Schadenminderungspflicht ihres Ehemannes berücksichtigt. Folgte
man also den Annahmen der IV-Stelle bei der ersten Rentenabweisung, ergäbe sich
aufgrund des verschlechterten Gesundheitszustands ein IV-Grad von 53,2% und somit
ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Abgesehen davon spreche nichts dagegen,
dass sie im Validenfall eine Ganztagsstelle annehmen würde, insbesondere wenn man
beachte, dass sie und ihr Ehemann aktuell von Fr. 3'453.-- leben müssten. In diesem
Falle käme die gewöhnliche Bemessungsmethode des Einkommensvergleichs zur
Anwendung, was, den übrigen Annahmen der IV-Stelle folgend, zu einem
Invaliditätsgrad von 70% und somit einer ganzen Invalidenrente führen würde.
Zusätzlich sei bei der Festlegung des Invalideneinkommens ausser Acht gelassen
worden, dass sie aufgrund ihrer starken Einschränkung selbst unter Annahme einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage keinen Arbeitgeber finden würde, der sie anstellen
würde. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 70% sei zudem ein erheblicher Teilzeitabzug
vorzunehmen. In jedem Falle ergebe sich mindestens ein IV-Grad von 70% und somit
ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, welcher spätestens am 1. Juni 2014
entstanden sei (IV-act. 110, 116).
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B.g Daraufhin prüfte die IV-Stelle den Rentenanspruch der Versicherten erneut, stützte
sich dabei auf die dem Ehemann in der Verfügung vom 18. April 2012 zugemutete
Schadenminderungspflicht und anerkannte, dass die Versicherte aufgrund der
gesundheitlichen Verschlechterung im Haushalt zu 40% eingeschränkt sei. Dies führte
zu einem Teilinvaliditätsgrad von 20%. Im Erwerbsbereich berücksichtigte sie aufgrund
der Adaptionskriterien neu einen Tabellenlohnabzug von 10%. Indem die IV-Stelle also
ein Valideneinkommen von Fr. 37'353.-- bei einem Beschäftigungsgrad von 50% mit
einem zumutbaren Invalideneinkommen von 14'379.-- bei einem Beschäftigungsgrad
von 30% verglich, resultierte im erwerblichen Bereich eine Teilinvalidität von 30,75%
und somit gesamthaft ein IV-Grad von 51% (IV-act. 121). Daher teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit einem neuen Vorbescheid am 16. Juli 2014 mit, dass sie einen
Anspruch auf eine halbe Rente habe (IV-act. 125).
B.h Gegen diesen Vorbescheid liess die Versicherte am 21. Juli 2014 abermals
Einwand erheben. Zur Begründung verwies sie auf ihren Einwand vom 24. Mai 2014
(IV-act. 126). Mit einer Verfügung vom 24. September 2014 sprach die IV-Stelle der
Versicherten eine halbe Invalidenrente zu und führte aus, dass seitens der Versicherten
keine aktuelle Auseinandersetzung mit dem angepassten Vorbescheid vom 16. Juli
2014 vorliege. Betreffend Qualifikation und Einschränkung im Haushalt sei bereits
Stellung genommen worden (act. G 1.1).
C.
C.a Am 14. Oktober 2014 liess die Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführerin)
gegen die Verfügung vom 24. September 2014 Beschwerde erheben und die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente spätestens ab Dezember 2013 beantragen (act.
G 1). In Ergänzung zu ihren Ausführungen im Einwand liess sie festhalten, dass ihr
aufgrund ihrer Gesamtsituation ein maximaler Tabellenlohnabzug von 25%
anzurechnen sei. Zudem liess sie abermals betonen, dass sie aufgrund ihrer
bescheidenen finanziellen Situation im Validenfall zu 100% erwerbstätig wäre.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 3. Dezember 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie wies darauf hin, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen
der ersten Haushaltsabklärung am 22. Februar 2011 angegeben habe, im Validenfall
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nur zu 50% erwerbstätig zu sein. Da sich die Situation der Beschwerdeführerin seitdem
nicht geändert habe, bestehe kein Grund für einen Sinneswandel hin zu einer
Vollzeittätigkeit im Validenfall. Zudem sei die Beschwerdeführerin seit dem Beginn der
Anstellung vom 15. April 2003 zu 50% arbeitstätig gewesen, obwohl ihre Kinder bereits
damals erwachsen gewesen seien und ihr Ehegatte seit Mai 2003 eine Altersrente
bezogen habe. Daraus ergebe sich, dass die Beschwerdeführerin niemals die Absicht
gehabt habe, zu mehr als 50% erwerbstätig zu sein. Weiter gebe es keine Hinweise auf
eine rechtsfehlerhafte Ermittlung der unter der Berücksichtigung der Beistands- und
der daraus abgeleiteten Schadenminderungspflicht des Ehemannes bestehenden
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, da die Beschwerdeführerin stets angegeben
habe, ihr Ehemann übernehme die schweren Arbeiten im Haushalt, die sie selber nicht
mehr ausführen könne. In Bezug auf den von der Beschwerdeführerin verlangten
maximalen Tabellenlohnabzug von 25% sei festzuhalten, dass ihr als Hilfsarbeiterin
durchaus Stellen offen stünden. Insbesondere existierten auf einem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt Nischenarbeitsplätze, an denen Behinderte mit einem sozialen
Entgegenkommen des Arbeitgebers rechnen könnten. Von einer Nichtvermittelbarkeit
sei trotz des hohen Alters der Beschwerdeführerin nicht auszugehen, was sich
insbesondere auch daran zeige, dass diese ab März 2010 bei einem privaten Spitex-
Dienst mit einem Pensum von 30% gearbeitet habe.
C.c Die Beschwerdeführerin liess in ihrer Replik vom 13. Dezember 2014 einwenden,
dass sie ihre Absicht, im Validenfall zu 50% oder zu 100% erwerbstätig zu sein,
durchaus auch bei vermeintlich gleich gebliebenen Umständen und ohne äusseren
Anlass ändern könne. Weiter habe sie bereits im Vorverfahren geltend gemacht, dass
die Beschwerdegegnerin abklären müsse, welche Arbeiten im Haushalt dem Ehemann
überhaupt zugemutet werden könnten. Obwohl er "rüstig" sei, so sei er doch aufgrund
seines fortgeschrittenen Alters zwangsläufig gesundheitlich eingeschränkt und könne
nicht den gleichen Beistand bei der Erledigung der Hausarbeiten leisten wie etwa eine
Person zwischen 40 und 50 Jahren. Im Übrigen könne ihre Tätigkeit bei der Spitex im
Ausmass von 30% nicht als Beleg dafür dienen, dass sie ihre verbliebene
Restarbeitsfähigkeit auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwerten könne, da sie in
einer solchen Tätigkeit voll arbeitsunfähig sei (act. G 9).

Erwägungen
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1.
1.1 Das Verwaltungsverfahren, das mit der angefochtenen Verfügung vom 24.
September 2014 abgeschlossen worden ist, hat keine erstmalige Anmeldung zum
Leistungsbezug zum Gegenstand gehabt. Die Beschwerdeführerin hatte sich nämlich
bereits im September 2009 zum ersten Mal zum Leistungsbezug angemeldet und die
Beschwerdegegnerin hatte jenes Leistungsbegehren mit einer Verfügung vom 18. April
2012 mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades abgewiesen. Bei der
Anmeldung zum Leistungsbezug vom 5. Dezember 2013 hat es sich folglich um eine
Neuanmeldung im Sinne des Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (SR 831.201; IVV) gehandelt. Die Beschwerdegegnerin hat nicht
voraussetzungslos darauf eintreten dürfen, sondern vielmehr prüfen müssen, ob die
Voraussetzungen des Art. 87 Abs. 2 IVV erfüllt seien. Dies ist der Fall gewesen, wie der
RAD-Arzt Dr. Q._ in seiner Aktenwürdigung vom 5. Februar 2014 (IV-act. 104)
überzeugend aufgezeigt hat. Die Beschwerdegegnerin ist folglich zu Recht auf die
Neuanmeldung eingetreten.
1.2 Das Bundesgericht geht davon aus, dass mit dem Eintreten auf eine
Neuanmeldung im Sinne des Art. 87 Abs. 3 IVV ein Revisionsverfahren im Sinne des
Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; ATSG) eröffnet werde. Die Beschwerdegegnerin
scheint diese Rechtsauffassung zu teilen, denn sie hat in der angefochtenen Verfügung
vom 24. September 2014 ausgeführt, mangels einer Sachverhaltsveränderung müsse
die Frage nach der sogenannten „Qualifikation“ der Beschwerdeführerin (als voll,
teilweise oder nicht erwerbstätige Person) zwingend gleich wie im ersten Verfahren
beantwortet werden (vgl. IV-act. 129 S. 1 f.). Das Bundesgericht nimmt jedoch auch an,
dass der massgebende Sachverhalt in einem Revisionsverfahren umfassend, das
heisst ohne jede Bindung an die frühere Sachverhaltswürdigung, neu zu würdigen sei.
In einem ähnlich gelagerten Fall wie dem vorliegenden hat es deshalb den Entscheid
des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen, die „Qualifikationsfrage“ im
Verfahren betreffend die Neuanmeldung anders als im früheren Verfahren zu
beantworten, obwohl sich der massgebende Sachverhalt diesbezüglich nicht verändert
hatte, im Ergebnis als rechtmässig qualifiziert (vgl. den Entscheid IV 2010/428 des St.
Galler Versicherungsgerichtes vom 5. November 2012, E. 1.2, und das Urteil des
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Bundesgerichtes 9C_965/2012, 9C_21/2013 vom 5. August 2013). Im Lichte dieser
Rechtsprechung würde sich die Weigerung der Beschwerdegegnerin, den Sachverhalt
hinsichtlich der „Qualifikationsfrage“ erneut zu würdigen, als rechtswidrig erweisen.
1.3
1.3.1 Bei einer genaueren Betrachtung erweist sich diese bundesgerichtliche
Rechtsprechung in doppelter Hinsicht als falsch. Sie beruht nämlich auf einem falschen
Verständnis des Art 17 Abs. 1 ATSG, indem sie einerseits eine analoge Anwendung
dieser Bestimmung auf Neuanmeldungen vorsieht und andererseits die Auffassung
vertritt, Art. 17 Abs. 1 ATSG erfordere eine umfassende Neuüberprüfung aller
Sachverhaltselemente, also auch jener Sachverhaltselemente, die unverändert
geblieben sind. Zwar gleicht der eine Fehler den andern in einer
Verfahrenskonstellation wie der vorliegenden wieder aus, weshalb die
bundesgerichtliche Rechtsprechung im Ergebnis – „zufällig“ – zum richtigen Resultat
führt. Aber in jeder anderen Konstellation, in der sich nur einer der beiden Fehler auf
das Ergebnis auswirkt, muss ein falscher Entscheid resultieren, weshalb es unerlässlich
ist, der bundesgerichtlichen Rechtsauffassung eine sorgfältige Interpretation der
massgebenden Gesetzesbestimmungen gegenüber zu stellen.
1.3.2 Die Zusprache einer Dauerleistung kann sich nur für den bereits vergangenen
Zeitraum, für den die Leistung zugesprochen wird, auf einen Sachverhalt stützen, der
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermittelt
worden ist. Für die Zukunft kann sich die Leistungszusprache dagegen nur auf eine
Sachverhaltsprognose stützen, denn ein zukünftiger Sachverhalt kann naturgemäss
nicht ermittelt, sondern nur prognostiziert werden. In aller Regel besteht die Prognose
sinnvollerweise darin, dass sich der Sachverhalt nicht verändern werde. Die Prognose
einer zukünftigen Veränderung des Sachverhalts wäre nämlich sehr unsicher, da dazu
sowohl die Art und das Ausmass der Änderung als auch der Zeitpunkt des Eintritts
dieser Änderung „vorausgesehen“ werden müssten. Da aber auch die Prognose eines
sich nicht verändernden Sachverhalts mit einer erheblichen Unsicherheit belastet ist,
muss die Möglichkeit bestehen, die formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung
für die Zukunft abzuändern, sobald die ursprüngliche Sachverhaltsprognose infolge
einer Sachverhaltsveränderung für die Zeit ab der Veränderung unzutreffend wird. Der
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Entscheid über den Leistungsanspruch nach dem Eintritt der Sachverhaltsveränderung
muss sich auf eine neue Prognose stützen. Ohne die Möglichkeit einer Abänderung der
früher formell rechtskräftig zugesprochenen Dauerleistung käme es ab dem Zeitpunkt
des Eintritts der Sachverhaltsveränderung zu einer nicht mehr dem materiellen
Leistungsrecht entsprechenden Leistungsausrichtung. Das Verfahrensinstrument, das
die Abänderung einer formell rechtskräftigen Dauerleistungszusprache erlaubt, ist die
Revision gemäss Art. 17 ATSG. Die revisionsweise Korrektur muss sich naturgemäss
auf jene Sachverhaltselemente beschränken, die sich nachträglich verändert haben.
Bezüglich der unverändert gebliebenen Sachverhaltselemente fehlt es nämlich an der
Notwendigkeit einer neuen Sachverhaltsprognose, denn solange sich ein
Sachverhaltselement nicht nachträglich verändert, bleibt die ursprüngliche Prognose,
dass sich dieses Sachverhaltselement nicht verändern werde, weiterhin richtig. Der Art.
17 ATSG kann diesbezüglich also – mangels einer entsprechenden
Sachverhaltsveränderung – nicht die Rechtsgrundlage für eine Modifikation einer
formell rechtskräftigen Verfügung bilden. Die blosse Zufälligkeit, dass sich ein
Sachverhaltselement verändert hat, kann mit anderen Worten keine Anwendung des
Art. 17 ATSG auf die übrigen, unverändert gebliebenen Sachverhaltselemente
rechtfertigen. Wenn beispielsweise der Bezüger einer ganzen Rente der
Invalidenversicherung bei einem Invaliditätsgrad von 80%, der seine
Restarbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit effektiv verwertet, eine
Lohnkürzung von Fr. 150.-- pro Monat meldet, kann die Invalidenversicherung diese –
irrelevante – Sachverhaltsveränderung nicht zum Anlass für einen Austausch der für die
Rentenzusprache massgebenden Arbeitsfähigkeitsschätzung durch eine strengere
Arbeitsfähigkeitsschätzung nehmen, um damit die ganze auf eine halbe Rente
herabsetzen zu können, ohne dass sich der Gesundheitszustand des Rentenbezügers
verändert hätte. Die Lohnkürzung weist in diesem Beispiel keinerlei Zusammenhang zur
Arbeitsfähigkeitsschätzung auf. Sie ist eine blosse Zufälligkeit, die für die Prognose, der
Rentenbezüger werde zu 80% arbeitsunfähig bleiben, absolut irrelevant ist. Der Ersatz
der einen durch eine andere Arbeitsfähigkeitsschätzung kann folglich nicht mit der
Lohnkürzung und damit nicht mit einer Sachverhaltsveränderung begründet werden.
Der Art. 17 ATSG könnte die Rentenherabsetzung somit nicht rechtfertigen. Eine solche
Rentenherabsetzung wäre nichts anderes als eine verkappte Wiedererwägung (Art. 53
Abs. 2 ATSG), wobei die Wiedererwägungsvoraussetzungen gar nicht erfüllt sein
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müssten. Es würde sich folglich um eine voraussetzungslose Korrektur einer formell
rechtskräftig zugesprochenen Rente und damit um eine Umgehung der gesetzlichen
Vorgaben zur Verbindlichkeit von formell rechtskräftigen Dauerleistungszusprachen
handeln. Nur wenn das Revisionsverfahren auf jene Sachverhaltselemente beschränkt
wird, die sich tatsächlich nachträglich verändert haben, kann eine unzulässige,
voraussetzungslose Abänderung einer formell rechtskräftigen Dauerleistungszusprache
verhindert werden (vgl. zum Ganzen RALPH JÖHL, Die Revision nach Art. 17 ATSG, in:
JaSo 2012, S. 153 ff.).
1.3.3 Ebenso wie die Zusprache einer Dauerleistung für die Zukunft beruht die
Abweisung eines Gesuchs um eine Dauerleistung für die Zukunft notwendigerweise auf
einer Prognose über die Entwicklung des Sachverhalts. Auf den ersten Blick erscheint
es deshalb als naheliegend, auch eine Abweisung eines Leistungsbegehrens in einem
späteren Verfahren nur noch unter den – einschränkenden – revisionsrechtlichen
Gesichtspunkten zu prüfen. Der Wortlaut des Art. 17 ATSG ist aber eindeutig: Revidiert
werden kann nur eine Rente oder eine andere Dauerleistung, das heisst eine laufend
ausgerichtete Leistung. Dem Gesetzeswortlaut gemäss ist die Anwendbarkeit des Art.
17 ATSG somit auf die Dauerleistungszusprache beschränkt. Die höchstrichterliche
Rechtsprechung muss also notwendigerweise unterstellen, dass der Wortlaut des Art.
17 ATSG lückenhaft sei, weil er die formell rechtskräftige Abweisung eines Gesuchs um
Dauerleistungen nicht auch der Revision unterstelle, obwohl diese doch auch auf einer
Sachverhaltsprognose beruhe (vgl. BGE 109 V 108 und BGE 117 V 198 E. 3a S. 198).
Diese (unechte) Lücke in Art. 17 ATSG soll nach der Ansicht des Bundesgerichts durch
die analoge Anwendung des Art. 17 ATSG auf Abweisungsentscheide gefüllt werden.
Die Fokussierung auf den Umstand, dass auch den Abweisungsentscheiden eine
Sachverhaltsprognose zugrunde liegt, dürfte das Bundesgericht daran gehindert haben
zu erkennen, dass das Verwaltungsverfahrensrecht bereits eine Lösung des Problems
der Sachverhaltsveränderung bzw. der nicht mehr zutreffenden Sachverhaltsprognose
bei Abweisungen bereithält: Gemäss Art. 29 Abs. 1 ATSG kann sich jede Person, die
eine Sozialversicherungsleistung beansprucht, beim zuständigen
Sozialversicherungsträger anmelden, das heisst ein Leistungsgesuch stellen. Diese
Anmeldung kann jederzeit erfolgen. Der Sozialversicherungsträger ist (hier im Rahmen
von Art. 87 Abs. 3 IVV) verpflichtet, auf die Anmeldung einzutreten und einen
Leistungsanspruch zu prüfen. Nach seinem Wortlaut und seinem Sinn und Zweck
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unterscheidet Art. 29 Abs. 1 ATSG nicht zwischen erstmaligen Anmeldungen und
sogenannten Neuanmeldungen, das heisst Anmeldungen von Personen, die bereits
früher eine Anmeldung eingereicht haben, deren Leistungsgesuch damals aber formell
rechtskräftig abgewiesen worden ist. Der Art. 29 Abs. 1 ATSG muss notwendigerweise
weit interpretiert werden, denn es ist generell die Aufgabe des
Verwaltungsverfahrensrechts, möglichst allen Personen die Leistungen zu verschaffen,
auf die sie materiell-rechtlich einen Anspruch haben. Dies geht der formellen
Rechtskraft einer früheren Abweisung eines Leistungsbegehrens vor und zwingt den
Sozialversicherungsträger, auch eine Neuanmeldung materiell zu prüfen. Mit dieser
Interpretation des Art. 29 Abs. 1 ATSG deckt sich auch der Umstand, dass mit einer
formell rechtskräftigen Leistungszusprache ein schutzwürdiges Interesse des Bezügers
an der Verbindlichkeit dieser Zusprache begründet wird, während mit der
rechtskräftigen Abweisung eines Leistungsgesuches naturgemäss kein schutzwürdiges
Interesse am Bestand dieser Entscheidung entsteht. Deshalb ist die uneingeschränkte
Anwendung des Art. 29 Abs. 1 ATSG auch auf Neuanmeldungen aus
vertrauensschutzrechtlicher Sicht völlig unproblematisch. Ein öffentliches Interesse an
der Bindung an eine frühere rechtskräftige Abweisung eines Leistungsgesuches und
damit an einen Ausschluss der Neuanmeldungen von der Anwendbarkeit des Art. 29
Abs. 1 ATSG ist nicht erkennbar, zumal dies dem Ziel der Ausrichtung von
Sozialversicherungsleistungen an alle Berechtigten und damit dem Gleichbehandlungs-
und dem Gesetzmässigkeitsgrundsatz zuwiderlaufen würde. Warum Personen, deren
Leistungsgesuch früher formell rechtskräftig abgewiesen worden ist, so lange vom
Leistungsbezug ausgeschlossen sein sollen, bis sich die der Abweisung zugrunde
liegende Sachverhaltsprognose im Gefolge einer nachträglichen
Sachverhaltsveränderung ex nunc als unrichtig erweist, ist demnach nicht einzusehen.
Die analoge Anwendung des Art. 17 ATSG auf Neuanmeldungen ist gesetzwidrig, weil
weder diese Bestimmung noch der Art. 29 Abs. 1 ATSG eine entsprechende
ausfüllungsbedürftige Gesetzeslücke aufweisen. Der Art. 87 Abs. 3 IVV widerspricht
diesem Interpretationsergebnis nicht, denn er dient ausschliesslich dem Zweck, die
Erledigung repetitiver Neuanmeldungen gestützt auf Art. 29 Abs. 1 ATSG zu
vereinfachen. Er beruht also nicht auf dem Konzept, dass auf Neuanmeldungen nicht
Art. 29 Abs. 1 ATSG, sondern Art. 17 ATSG (per analogiam) anwendbar sei. Deshalb
besteht kein Anlass, Art. 87 Abs. 2 IVV bezüglich der (echten) Revision als
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Eintretenshürde und Art. 87 Abs. 3 IVV bezüglich der Neuanmeldung als
„Anspruchshürde“ zu interpretieren; Art. 87 Abs. 3 IVV ist nur eine Eintretenshürde bei
Neuanmeldungen. Tritt der Versicherungsträger auf eine Neuanmeldung ein, hat er das
Gesuch materiell wie eine erstmalige Anmeldung umfassend zu prüfen.
1.3.4 Die verfahrensrechtlich richtige Vorgehensweise besteht vorliegend also darin,
das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin vom 5. Dezember 2013 wie ein
erstmaliges Leistungsbegehren zu behandeln (nachdem es die Eintretenshürde des Art.
87 Abs. 3 IVV genommen hat). Da ein erstmaliges Leistungsbegehren umfassend zu
prüfen ist, führt diese Vorgehensweise im Ergebnis zufälligerweise zum selben Resultat
wie die oben zusammengefasste bundesgerichtliche Rechtsprechung, nämlich dass im
konkreten Fall ohne Bindung an die frühere Abweisung geprüft werden können muss,
welche Bemessungsmethode zur Anwendung kommt.
2.
2.1 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [SR 831.20; IVG]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 In der Regel wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads gemäss Art. 16 ATSG
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
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Arbeitsmarktlage erzielen könnte, zu dem Erwerbseinkommen in Beziehung gesetzt,
das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Bei Versicherten, die nur
zum Teil erwerbstätig sind, wird der Invaliditätsgrad für den auf die Erwerbstätigkeit
entfallenden Teil gemäss Art. 16 ATSG und für den auf den Aufgabenbereich
entfallenden Teil gemäss Art. 28a Abs. 2 IVG ermittelt (Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist aber
anzunehmen, dass die versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des
Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre, so ist die
Invaliditätsbemessung gemäss Art. 27bis IVV ausschliesslich nach den Grundsätzen für
Erwerbstätige zu bemessen. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung
ist für die Beantwortung der Frage, ob eine versicherte Person ohne
Gesundheitsschaden ganztätig erwerbstätig wäre, entscheidend, was diese bei im
Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde, weshalb die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse
ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das
Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen
Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen sind (vgl. etwa BGE 125 V 146 E. 2c S.
150 mit Hinweisen).
2.3 Vorliegend ist (nach dem oben unter E.1.3 Ausgeführten) zu prüfen, ob die
Beschwerdegegnerin die gemischte Methode für die Bemessung des Invaliditätsgrades
hat anwenden dürfen. Die Beschwerdeführerin hat im Rahmen des Verwaltungs- und
des Beschwerdeverfahrens geltend gemacht, dass sie im fiktiven "Gesundheitsfall" zu
100% erwerbstätig wäre (act. G 1, G 9, IV-act. 116, 126). Die Beschwerdegegnerin hält
dem entgegen, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung am 22.
Februar 2011 noch ausgesagt habe, als Gesunde wäre sie zu 50% erwerbstätig, und
dass keine wesentliche Änderung des Sachverhalts bezüglich der Qualifikation
ersichtlich sei (act. G 4). Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend
Erwerbstätigkeit/Haushalt hat die Beschwerdeführerin am 19. April 2010 die Frage, ob
sie heute - ohne Behinderung - eine Erwerbstätigkeit ausüben würde, bejaht. In Bezug
auf Pensum und Art der Tätigkeit hat sie angegeben, sie würde bei einem Pensum
zwischen 20% und 30% bei der F._ arbeiten (IV-act. 36, vgl. auch IV-act. 31 f.). Im
Rahmen der Haushaltsabklärung im Jahr 2011 hat sie auf dieselben Fragen
geantwortet, sie würde im Validenfall ihren erlernten Beruf "weiterhin im Umfang von
50% ausüben" (IV-act. 58). Am 18. Februar 2014 hat sie wiederum angegeben, dass
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sie ohne Behinderung stundenweise - jedoch nicht in einem Pflegeberuf - tätig wäre
(IV-act. 105). Aufgrund dieser Antworten der Beschwerdeführerin muss davon
ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin die Fragen jeweils nicht richtig
verstanden hat und sich deshalb nicht in den fiktiven Zustand der vollumfänglich
erhaltenen Gesundheit hat hineinversetzen können. Schliesslich hat sie beispielsweise
am 18. Februar 2014 eine Tätigkeit in ihrem angelernten Beruf als Krankenpflegerin
explizit ausgeschlossen, obwohl sie zuvor stets betont hatte, Freude an ihrem Beruf zu
haben, und es somit wahrscheinlicher erscheint, dass sie diesen im gesunden Zustand
auch bis zu ihrer Pensionierung ausüben würde (vgl. IV-act. 58 S. 4, 71 S. 26).
Ausserdem zeigt die Krankengeschichte der Beschwerdeführerin, dass sie seit ihrem
beruflichen Wiedereinstieg im Jahr 1987 durchgehend an gesundheitlichen
Einschränkungen (Probleme mit den Nieren, mit Dünn- und Dickdarm, mit der Psyche
etc.) gelitten hat (vgl. IV-act. 58 S. 1, 71 S. 19). Daher war es für sie offenbar besonders
schwierig, sich in eine fiktive Situation vollständiger Gesundheit hineinzuversetzen, da
sie sich gar nicht mehr vorstellen konnte, wie es ist, wirklich gesund zu sein. Wirklich
vollkommen gesund und beschwerdenfrei ist sie allenfalls noch vor 1987 gewesen,
weshalb insbesondere auch die Arbeitspensen bei ihren letzten Arbeitgebern (Alters-
und Pflegeheim B._ 50%, Altersheim C._ 60%, F._ 20-30%, K._ AG 10-30%)
nicht repräsentativ für ihr Pensum im gesunden Zustand sein können. Es erscheint
daher als überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin die ihr in Bezug
auf ihre fiktive Erwerbstätigkeit im Validenfall gestellten Fragen falsch oder gar nicht
verstanden hat und sie damit nicht richtig hat beantworten können. Die in den
Fragebögen zur Rentenabklärung und im Rahmen der Haushaltsabklärung gemachten
Aussagen haben demnach bezogen auf die Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin
im Validenfall keinen Beweiswert, auch wenn es sich bei der ersten diesbezüglichen
Angabe vom 19. April 2010 um eine solche "der ersten Stunde" gehandelt hat.
2.4 Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann leben von einem monatlichen
Einkommen in Höhe von Fr. 3'453.--, haben davon die auf ihrem Haus lastende
Hypothek in Höhe von Fr. 400'000.-- zu tragen und ihren Lebensunterhalt zu
bestreiten. Bei derart bescheidenen finanziellen Verhältnissen und der Tatsache, dass
der Ehemann der Beschwerdeführerin offenbar dazu imstande zu sein scheint, sich
trotz seines fortgeschrittenen Alters an der Haushaltsarbeit zu beteiligen, erscheint es
als plausibel und nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin bei fiktiv
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uneingeschränkter Gesundheit, wie in ihrem Einwand vom 24. Mai 2014 angegeben (IV-
act. 116, vgl. auch act. G 1, G 9), voll erwerbstätig wäre und gleichzeitig, wie viele voll
erwerbstätige Frauen, nebenbei den Haushalt auch ohne eine übermässige Belastung
ihres Ehemannes führen könnte. Demnach ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 28a Abs.
1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG nur durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem
das Erwerbseinkommen, das die Beschwerdeführerin nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), zum Einkommen,
das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen), in
Beziehung gesetzt wird. Inwiefern die Beschwerdeführerin im Haushalt eingeschränkt
ist und in welchem Umfang ihrem Ehemann im Rahmen der ihm obliegenden
Schadenminderungspflicht die Hilfe im Haushalt zugemutet werden kann, ist demnach
vorliegend irrelevant.
2.5 Im Sinne eines obiter dictum ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin, selbst
wenn die gemischte Methode anwendbar gewesen wäre, den Sachverhalt in Bezug auf
die Einschränkung der Beschwerdeführerin im Tätigkeitsbereich nicht genügend
abgeklärt hätte, um den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin berechnen zu können.
Die Beschwerdegegnerin hat sich nämlich bei der Festsetzung der Einschränkung auf
eine veraltete Haushaltsabklärung aus dem Jahr 2011 sowie aktuellere Angaben der
Beschwerdeführerin gestützt, bei denen es sich jedoch um reine Selbstangaben
gehandelt hat, und sie hat nie abgeklärt, in welchem Umfang dem Ehemann der
Beschwerdeführerin eine Mithilfe im Haushalt zugemutet werden kann.
3.
3.1 Um das Invalideneinkommen und damit den Invaliditätsgrad ermitteln zu können,
muss die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen.
3.2 Die Parteien sind sich einig, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit
spätestens Oktober 2013 zu 70% eingeschränkt ist (vgl. act. G 1, IV-act. 116, 125 f.,
129). Die Beschwerdegegnerin stützt sich dabei auf die Einschätzung von Dr. Q._
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vom RAD (IV-act. 104), welcher festhielt, gestützt auf den Bericht von Dr. P._ vom 10.
Januar 2014 (IV-act. 96) stehe fest, dass die progredienten Bauchschmerzen der
Beschwerdeführerin sich trotz der im Juni 2013 durchgeführten laparoskopischen
Adhäsiolyse durch Dr. M._ (IV-act. 102 S. 5 f., 12) nicht gebessert hätten und als
erheblich einzustufen seien. Ausserdem leide die Beschwerdeführerin gemäss dem
Bericht von Dr. N._ (IV-act. 101, erstmalige Diagnose im Oktober 2013 vgl. IV-act. 95
S. 2) an einer chronischen Niereninsuffizienz St. 4, wobei die damit einhergehenden
urämischen Symptome gemäss Dr. N._ zu einer um 70% eingeschränkten
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit (vgl. MEDAS IV-act. 71 S. 22 f.) führten.
Somit müsse insbesondere aufgrund der vermehrten Abdominalbeschwerden sowie
der Niereninsuffizienz davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin seit
spätestens Oktober 2013 nur noch zu 30% in einer adaptierten Tätigkeit arbeitsfähig
sei. Dieser Einschätzung der medizinischen Aktenlage durch Dr. Q._ kann gefolgt
werden, insbesondere da in Übereinstimmung mit der durchaus nachvollziehbaren und
plausiblen Einschätzung von Dr. N._ (IV-act. 101) von einer Arbeitsunfähigkeit von
70% ausgegangen wird. Es ist somit überwiegend wahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin spätestens ab Oktober 2013 zu 70% arbeitsunfähig gewesen ist.
4.
Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person unter anderem erst dann einen
Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen hat wieder herstellen, erhalten oder verbessern können.
Bevor also überhaupt ein Einkommensvergleich vorgenommen und der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin geprüft werden kann, müssen zunächst alle
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen gescheitert sein. Dabei geht es hier nicht um
den blossen Anspruch auf eine berufliche Eingliederung, sondern um die dem
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" entsprechende Pflicht zur beruflichen
Eingliederung, die gestützt auf Art. 21 Abs. 4 ATSG durchgesetzt werden kann. Die
Beschwerdeführerin ist regelmässig in medizinischer Behandlung gewesen, weshalb
nicht anzunehmen ist, dass ihre Arbeitsfähigkeit mittels weiterer medizinischer
Massnahmen massgeblich verbessert werden könnte. Zudem ist sie zum
Verfügungszeitpunkt 61 Jahre alt gewesen und hätte somit nur noch 3 Jahre im
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Berufsleben vor sich gehabt. Aufgrund dieser kurzen Zeitspanne und da die
Beschwerdeführerin auch in einer adaptierten Tätigkeit nur zu 30% arbeitsfähig wäre,
hätten sich auch berufliche Massnahmen nicht mehr gelohnt. Somit hätten keine
Eingliederungsmassnahmen die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin wieder
herstellen, erhalten oder verbessern können, weshalb die Rentenprüfung fortgeführt
werden kann.
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin hat sich im Dezember 2013 zum Leistungsbezug
angemeldet (IV-act. 89). Mit der Verfügung vom 24. September 2014 hat die
Beschwerdegegnerin ihr eine halbe Rente rückwirkend ab Dezember 2013
zugesprochen. Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens
sechs Monate nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Die
Beschwerdeführerin hat sich nach der Rentenabweisung im April 2012 am 5. Dezember
2013 erneut für Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet. Da es sich bei dem
mit dieser neuen Anmeldung eröffneten Abklärungsverfahren nicht etwa um ein
Revisionsverfahren betreffend die Verfügung vom 18. April 2012 handelt (vgl. E.1) und
es somit nicht darauf ankommen kann, wann sich der Gesundheitszustand und die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin massgeblich verschlechtert haben, ist einzig
und allein der Zeitpunkt der Anmeldung relevant. Die Beschwerdeführerin kann also
frühestens sechs Monate später, also ab dem 1. Juni 2014, einen Anspruch auf eine
Invalidenrente haben. Da die Beschwerdeführerin auch das Wartejahr nach Art. 28 Abs.
1 lit. b und c IVG erfüllt hat, indem sie gemäss dem Medas-Gutachten (IV-act. 71)
bereits seit März 2009 zu 50% in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist und sich ihr
Gesundheitszustand seitdem unbestrittenermassen ausschliesslich verschlechtert hat
(IV-act. 101, 104), ist der Einkommensvergleich anhand der Einkommenszahlen des
Jahres 2014 vorzunehmen.
5.2 Die Beschwerdeführerin hat eine Berufsausbildung als Krankenpflegerin absolviert.
Vor ihrer ersten Anmeldung bei der IV-Stelle ist sie von 2003 bis Ende 2008 im APH
B._ tätig gewesen. Dort hätte sie gemäss den Angaben der Arbeitgeberin bei einem
Pensum von 100% im Jahr 2009 inkl. 13. Monatslohn Fr. 62'400.-- verdienen können
(vgl. IV-act. 17). Anhand des damals möglichen Einkommens kann das Einkommen,
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das die Beschwerdeführerin im Jahr 2014 hätte erwirtschaften können, wenn sie nicht
krank gewesen wäre, ermittelt werden. Das Valideneinkommen als Krankenpflegerin im
APH B._ hätte unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung im Jahr 2014 inkl.
13. Monatslohn Fr. 63'987.20 betragen (Fr. 62'400.-- ÷ 106.4 [Nominallohnindex
Gesundheitswesen, Frauen, 2009] × 107.6 [Nominallohnindex Gesundheitswesen
Frauen, 2010] = Fr. 63'103.76 ÷ 100 [Nominallohnindex Gesundheitswesen, Frauen,
2010] × 101.4 [Nominallohnindex Gesundheitswesen, Frauen, 2014]). Um das
Invalideneinkommen bestimmen zu können, ist zu ermitteln, wie hoch das Einkommen
wäre, das die Beschwerdeführerin als Hilfsarbeiterin mit einem Pensum von 30%
verdienen könnte. Gemäss den Ergebnissen der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung 2012 des Bundesamtes für Statistik (nachfolgend LSE 2012)
haben Hilfsarbeiterinnen im Jahr 2012 bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit einen
Jahreslohn von durchschnittlich Fr. 51'441.—erzielt (TA1, Kompetenzniveau 1). Unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung haben Hilfsarbeiterinnen im Jahr 2014
demnach jährlich Fr. 52'299.20 (Fr. 51'441.-- ÷ 101.9 × 103.6 [Nominallohnentwicklung
Frauen 2012/2014]) verdient. Dieser Lohn ist an das für die Beschwerdeführerin
mögliche Pensum von 30% anzupassen, sodass sie jährlich Fr. 15'689.75 verdienen
könnte. Damit die Beschwerdeführerin diesen Lohn erreichen könnte, müsste der
wirtschaftliche Wert ihrer Arbeitsleistung an einem behinderungsadaptierten
Arbeitsplatz aber den Wert der Arbeitsleistung jener 50% aller Hilfsarbeiterinnen
übersteigen, deren Lohn unter dem Zentralwert liegt. Andernfalls könnte ihr ein
betriebswirtschaftlich denkender Arbeitgeber nur einen im entsprechenden Umfang
unter dem Zentralwert liegenden Lohn bezahlen. Würde der Arbeitgeber einen höheren
Lohn bezahlen, wäre in diesem Lohn ein Soziallohnanteil enthalten. Diesem Umstand
muss bei der Invaliditätsbemessung mit einem Abzug von Tabellenlohn von maximal
25% Rechnung getragen werden (vgl. BGE 126 V 75). Ein betriebswirtschaftlich-
ökonomisch denkender und selbst den Zwängen der freien Marktwirtschaft
unterliegender Arbeitgeber wird die mangelnde Flexibilität der Beschwerdeführerin, das
Risiko vermehrter krankheitsbedingter Absenzen, die Unfähigkeit, auch nur im geringen
Umfang Überstunden zu leisten, das Risiko vermehrter Leistungsschwankungen im
Zusammenhang mit den gesundheitlichen Beschwerden mit einkalkulieren müssen.
Rein ökonomisch betrachtet kann die verbliebene Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin aus all diesen Gründen nicht mehr denselben
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betriebswirtschaftlichen Wert wie die Arbeitsleistung einer gesunden, durchschnittlich
leistungsfähigen Hilfsarbeiterin haben. Ein betriebswirtschaftlich denkender Arbeitgeber
wird der Beschwerdeführerin also nur einen deutlich unter dem Zentralwert liegenden
Lohn zahlen können. Damit sind die Voraussetzungen für einen Abzug vom
Tabellenlohn erfüllt. Aufgrund der mit dem hohen Alter der Beschwerdeführerin
zusammenhängenden hohen Beiträge an die 2. Säule und der Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin nur zu 30% in einer adaptierten Tätigkeit arbeitsfähig ist und somit
weder Überstunden machen noch flexibel im Betrieb eingesetzt werden kann, ist ein
Abzug von 15% vorzunehmen, womit sich der Ausgangswert des zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens auf Fr. 13'336.30 reduziert. Diesem zumutbaren
Invaliden- steht ein Valideneinkommen von Fr. 63'987.20 gegenüber. Die
Erwerbseinbusse von Fr. 50'650.90 entspricht einem Invaliditätsgrad von 79.16%,
womit die Beschwerdeführerin ab dem 1. Juni 2014 einen Anspruch auf eine ganze
Rente hat.
5.3 Nachdem der Beschwerdeführerin damit statt einer halben eine ganze Rente
auszurichten ist, kann die Verschiebung des Rentenbeginns von ursprünglich
Dezember 2013 auf Juni 2014 nicht als reformatio in peius qualifiziert werden, sodass
der Beschwerdeführerin keine Gelegenheit zur Stellungnahme sowie zum Rückzug der
Beschwerde gemäss Art. 61 lit. d ATSG gegeben werden muss. Demnach ist die
angefochtene Verfügung in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und der
Beschwerdeführerin ist rückwirkend ab dem 1. Juni 2014 eine ganze Rente
zuzusprechen. Die Sache ist zur Ermittlung des Rentenbetrages an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
6.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
und der bereits geleistete Kostenvorschuss in Höhe von Fr. 600.-- ist der
Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter hat keine Honorarnote eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall
erscheint der Vertretungsaufwand aufgrund des unterdurchschnittlich umfangreichen
Aktendossiers (IV-act. 1-135) trotz des doppelten Schriftenwechsels durchschnittlich,
weshalb eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) angemessen erscheint.