Decision ID: 0281323b-e7b8-424a-b488-b89edb020746
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, Jahrgang 1941, bezieht seit dem 1. April 2006 eine Kinderrente
für seine Tochter B._, Jahrgang 1993.
2. Mit Schreiben vom 2. Juli 2016 ersuchte die AHV-Ausgleichskasse des
Kantons Graubünden (nachfolgend Ausgleichskasse) A._ darum,
einen aktuellen Ausbildungsnachweis für B._ nachzureichen. Da die
entsprechenden Unterlagen nicht innert Frist nachgereicht wurden, wurde
die Kinderrente wie angekündigt per Ende Juli 2016 eingestellt.
3. Mit Schreiben vom 29. März 2018 teilte A._ der Ausgleichskasse mit,
dass er nun in der Lage sei, eine Immatrikulationsbestätigung der
Universität C._ für das Herbstsemester 2016 und eine
Immatrikulationsbescheinigung der D._ University vom 1. September
2017 als Ausbildungsnachweis vorzulegen. Damit sei der Rentenanspruch
vom 1. Juli 2016 bis 31. Dezember 2016 sowie jener vom 1. September
2017 bis 1. September 2018 ausgewiesen. Zudem informierte er die
Ausgleichskasse darüber, dass seine Tochter vom 1. Januar 2017 bis am
1. September 2017 ein Praktikum in E._ absolviert habe und er die
erforderliche Bescheinigung zwecks restlicher Abrechnung nachreichen
werde, sobald er sie erhalten habe.
4. Am 17. Juli 2018 machte die Ausgleichskasse A._ darauf
aufmerksam, dass nach wie vor die Ausbildungsbestätigung von der
Universität C._ für die Monate August 2016 bis Dezember 2016 und
der Praktikumsvertrag für das Praktikum in E._ fehlten.
5. Mit Schreiben vom 12. August 2019 stellte A._ der Ausgleichskasse
eine Praktikumsbestätigung zu. Demnach absolvierte die Tochter ein
Praktikum bei «The European Law Students' Association» (nachfolgend
ELSA) in E._ im Zeitraum vom 1. Juli 2016 bis am 31. Juli 2017.
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6. Mit Verfügungen vom 27. Januar 2020 hielt die Ausgleichskasse fest, dass
für den Zeitraum vom 1. August 2016 bis zum 30. Juni 2017 und dem
1. Oktober 2017 bis zum 31. August 2018 die Kinderrenten nachträglich
ausbezahlt würden.
7. Gegen soeben genannte Verfügungen erhob A._ am 7. Februar 2020
Einsprache mit dem Antrag auf weitere Nachzahlungen im Umfang von
CHF 3'760.-- samt Verzugszins von 5 %. Begründend führte er an, dass
dies einem durchgehenden Anspruch vom 1. Juli 2016 bis 31. August
2018 entspräche. Mit Einspracheentscheid vom 18. Mai 2020 wies die
Ausgleichskasse die Einsprache ab.
8. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A._ (nachfolgend
Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 16. Juni 2020 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit dem Antrag, die
Verfügungen vom 27. Januar 2020 betreffend zusätzliche Nachzahlungen
der AHV-Kinderrenten sowie der Einspracheentscheid vom 18. Mai 2020
seien aufzuheben und die Ausgleichskasse sei zu verpflichten, dem
Beschwerdeführer CHF 2'867.-- samt Zins zu 5 % ab dem 1. August 2018
für einen Betrag von CHF 2'820.-- zu bezahlen. Zur Begründung führte der
Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, dass die gesamte
Praktikumsdauer von 13 Monaten seiner Tochter mitberücksichtigt werden
müsse, da das Praktikum von der Universität D._ reglementarisch
vorgesehen sei. Zudem müsse die Zeitspanne vom Abschluss des
Praktikums bis zum Beginn des Herbstsemesters 2017 in D._ in der
Nachzahlung ebenfalls als Ausbildung mitberücksichtigt werden.
9. In ihrer Vernehmlassung vom 14. Juli 2020 schloss die Ausgleichskasse
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerde und
beantragte die Androhung einer reformatio in peius, wonach dem
Beschwerdeführer in Abänderung der Verfügungen vom 22. (recte:
27.) Januar 2020 und des Einspracheentscheids vom 18. Mai 2020 keine
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Kinderrente im Zeitraum vom 1. August 2016 bis 30. September 2017
zugesprochen werde und die Gelegenheit zum Rückzug der Beschwerde
zu geben sei. Begründend führte sie im Wesentlichen an, dass die
Annahme in den Verfügungen vom 27. Januar 2020, dass das Praktikum
faktisch geboten gewesen sei, einer genaueren Prüfung nicht standhalte.
So sei das absolvierte Praktikum weder gesetzlich noch reglementarisch
vorausgesetzt noch faktisch geboten gewesen. Deshalb könne das
Praktikum nicht als Ausbildung anerkannt werden. Dies habe zur
Konsequenz, dass sich die Tochter für den Zeitraum vom 1. August 2016
bis zum 30. September 2017 nicht in Ausbildung befunden habe und der
Beschwerdeführer deshalb in diesem Zeitraum keinen Anspruch auf
Kinderrente habe.
10. Am 11. August 2021 teilte die zuständige Instruktionsrichterin dem
Beschwerdeführer mit, dass das streitberufene Gericht nach vorläufiger
Sach- und Rechtslage eine reformatio in peius ins Auge fasse, wonach in
Abänderung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 18. Mai 2020
und der zugrundliegenden Verfügungen vom 27. Januar 2020 dem
Beschwerdeführer keine Kinderrente im Zeitraum vom 1. August 2016 bis
30. September 2017 zustünde. Zur Begründung wurde angeführt, dass
zweifelhaft sei, ob das Praktikum seiner Tochter bei ELSA International in
E._ habe als Ausbildung zugelassen werden dürfen. Dem
Beschwerdeführer wurde infolge der in Aussicht genommenen Aufhebung
des Einspracheentscheids und einer damit einhergehenden möglichen
Schlechterstellung in Anwendung von Art. 61 lit. d ATSG die Möglichkeit
zur Stellungnahme und zum Rückzug der Beschwerde gegeben.
11. Mit Schreiben vom 26. August 2021 stellte der Beschwerdeführer ein
Gesuch um Fristerstreckung, da er noch ausländische Akten beschaffen
müsse. Die Instruktionsrichterin entsprach mit Schreiben vom 27. August
2021 dem Gesuch.
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12. Der Beschwerdeführer reichte trotz der ihm erstreckten Frist keine
Eingabe ein.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
im angefochtenen Einspracheentscheid vom 18. Mai 2020 sowie auf die
eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 84 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) entscheidet, in
Abweichung von Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), über
Beschwerden gegen Verfügungen und Einspracheentscheide kantonaler
Ausgleichskassen das Versicherungsgericht am Ort der Ausgleichskasse.
Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet der
Einspracheentscheid der Ausgleichskasse Graubünden vom 18. Mai 2020
(Beschwerdeführerische Akte [Bf-act.] 1, Beschwerdegegnerische Akte
[Bg-act.] 52), so dass die örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts
des Kantons Graubünden zu bejahen ist. Die sachliche Zuständigkeit des
streitberufenen Gerichts zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde
ergibt sich aus Art. 57 ATSG in Verbindung mit Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100), wonach
das Verwaltungsgericht als kantonales Versicherungsgericht
Beschwerden gegen Einspracheentscheide und Verfügungen in
Sozialversicherungssachen beurteilt, die gemäss Bundesrecht der
Beschwerde unterliegen. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Das angerufene Verwaltungsgericht entscheidet in einzelrichterlicher
Kompetenz, wenn der Streitwert CHF 5'000.-- nicht überschreitet (Art. 43
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Abs. 3 lit. a VRG) und keine Fünferbesetzung (Art. 43 Abs. 2 VRG)
vorgeschrieben ist. Da der Streitwert mit CHF 2'867.-- darunterfällt, wäre
die Zuständigkeit der Einzelrichterin gegeben. Gemäss Art. 43 Abs. 4
VRG kann indes auf Anordnung der zuständigen Einzelrichterin in
Dreierbesetzung entschieden werden, was angesichts der
auszusprechenden reformatio in peius der Fall ist.
3. Streitig und nachfolgend zu prüfen ist, ob das von der Tochter des
Beschwerdeführers absolvierte Praktikum in E._ als Ausbildung
anzusehen ist und der Anspruch auf Kinderrente aufgrund dieses
Praktikums zu Recht bejaht wurde. Überdies ist zu prüfen, ob der
Beschwerdeführer zusätzlich Anspruch hat auf Kinderrenten für die
Monate Juli 2017 bis September 2017.
4.1. Personen, welchen eine Altersrente zusteht, haben für jedes Kind, das im
Falle ihres Todes eine Waisenrente beanspruchen könnte, Anspruch auf
eine Kinderrente (Art. 22ter Abs. 1 Satz 1 AHVG). Der Anspruch auf die
Waisenrente entsteht am ersten Tag des dem Tode des Vaters oder der
Mutter folgenden Monats. Er erlischt mit der Vollendung des 18.
Altersjahres oder mit dem Tod der Waise (Art. 25 Abs. 4 AHVG). Für
Kinder, die noch in Ausbildung sind, dauert der Rentenanspruch bis zu
deren Abschluss, längstens aber bis zum vollendeten 25. Altersjahr. Der
Bundesrat kann festlegen, was als Ausbildung gilt (Art. 25 Abs. 5 AHVG).
4.2. In Ausbildung ist ein Kind, wenn es sich auf der Grundlage eines
ordnungsgemässen, rechtlich oder zumindest faktisch anerkannten
Bildungsganges systematisch und zeitlich überwiegend entweder auf
einen Berufsabschluss vorbereitet oder sich eine Allgemeinausbildung
erwirbt, die Grundlage bildet für den Erwerb verschiedener Berufe (Art.
49bis Abs. 1 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]). Laut Art. 49ter Abs. 1
AHVV endet eine Ausbildung mit einem Berufs- oder Schulabschluss.
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Gemäss Art. 49ter Abs. 2 AHVV gilt die Ausbildung auch als beendet, wenn
sie abgebrochen oder unterbrochen wird oder wenn ein Anspruch auf eine
Invalidenrente entsteht. Die Waisen- bzw. Kinderrente für in Ausbildung
begriffene 18- bis 25-jährige Waisen oder Kinder erlischt mit Ablauf des
Monats, in dem die Ausbildung abgeschlossen wird (Wegleitung über die
Renten in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung [RWL], Stand 1. Januar 2020, Rz. 3357 Satz 1). Für
18- bis 25-jährige Kinder, die die Ausbildung erst nach zurückgelegtem 18.
Altersjahr und nach Entstehung des Anspruchs der Eltern auf eine
Invaliden- oder Altersrente aufnehmen, beginnt die Kinderrente in der AHV
mit dem Monat nach Beginn der Ausbildung zu laufen (RWL Rz. 3346).
Als Beginn der Ausbildung gilt der Zeitpunkt, ab dem die Person den
erforderlichen Ausbildungsaufwand erbringt, zum Beispiel Vorlesungen
und Kurse besucht. Es ist daher nicht auf den formellen Semesterbeginn
(Immatrikulationsbestätigung) abzustellen, sondern auf die effektive
Aufnahme des Studiums (RWL Rz. 3368).
4.3. Ein Praktikum wird als Ausbildung anerkannt, wenn es gesetzlich oder
reglementarisch eine Voraussetzung bildet für die Zulassung zu einem
Bildungsgang oder zu einer Prüfung, oder wenn es zum Erwerb eines
Diploms oder eines Berufsabschlusses verlangt wird (RWL Rz. 3361).
Wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, wird ein Praktikum als
Ausbildung trotzdem anerkannt, wenn es für eine bestimmte Ausbildung
faktisch geboten ist und mit dem Antritt des Praktikums tatsächlich die
Absicht besteht, die angestrebte Ausbildung zu realisieren und das
Praktikum im betreffenden Betrieb höchstens ein Jahr dauert (RWL
Rz. 3361.1). Auch wenn Verwaltungsweisungen wie die RWL sich an die
Durchführungsstellen richten und für das Sozialversicherungsgericht nicht
verbindlich sind, soll dieses sie bei seiner Entscheidung berücksichtigen,
sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende
Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das
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Gericht weicht nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab,
wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben
darstellen (BGE 140 V 299 E. 3 m.H.).
4.4. Zu ergänzen bleibt, dass nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht
jedes Praktikum als Ausbildung verstanden werden kann. Ein Praktikum
ist nur dann im Sinne einer Ausbildung zu verstehen, wenn mit dem Antritt
des Praktikums tatsächlich die Absicht besteht, die angestrebte
Ausbildung zu realisieren (BGE 139 V 209 E.5.3). Bei Praktika, bei denen
nicht von vornherein ein bestimmter Berufsabschluss angepeilt wird, ist
besonders zu prüfen, ob eine systematische Vorbereitung auf ein
Berufsziel hin erfolgt, und zwar auf der Grundlage eines
ordnungsgemässen, rechtlich oder zumindest faktisch anerkannten
(üblichen) Lehrganges (vgl. BGE 139 V 122 E.3.2; Urteil des
Bundesgerichts 8C_177/2015 vom 14. Oktober 2015 E.5.1.2). Damit der
Bildungsgang anerkannt werden kann, müssen hohe Anforderungen
bezüglich des Umfangs der Informationen über Lerninhalte, Lernkontrollen
(Qualifikationsverfahren) sowie Ziele und Anforderungen in beruflicher und
schulischer Hinsicht erfüllt sein (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_404/2015 vom 22. Dezember 2015 E.4.3.1). Keine Ausbildung im
Sinne von Art. 49bis AHVV liegt dann vor, wenn eine Tätigkeit lediglich
ausgeübt wird, um sich dabei einige Branchenkenntnisse und Fertigkeiten
anzueignen, um die Anstellungschancen zu verbessern oder um eine
Berufswahl zu treffen (vgl. BGE 140 V 314 E.3.2; Urteile des
Bundesgerichts 9C_209/2020 vom 24. August 2020 E.3 und 8C_177/2015
vom 14. Oktober 2015 E.5.1.1 m.H.; RWL Rz. 3362). So wurde ein
Hochschulpraktikum, das für die Zulassung zu einem Studiengang von
Nutzen, aber nicht notwendig ist, vom Bundesgericht nicht als Ausbildung
anerkannt (Urteil des Bundesgerichts 9C_209/2020 vom 24. August 2020
E.4.2).
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5.1. Vorliegend schloss die Tochter des Beschwerdeführers das
Frühjahrssemester 2016 an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der
Universität C._ ab. Anschliessend absolvierte sie ein Praktikum beim
International Board of the European Law Students' Association («ELSA
International») in E._ vom 1. Juli 2016 bis 31. Juli 2017. Danach
nahm die Tochter im September 2017 den Studiengang «International
Business and Management» an der Universität D._ auf.
5.2. Dem Beschwerdeführer kann nicht gefolgt werden, wenn er ohne weitere
Substanziierung vorbringt, dass das Praktikum bei ELSA International
reglementarisch für das anschliessend aufgenommene Studium an der
Universität D._ vorgesehen sei, denn es finden sich in den Akten
keine diesbezüglichen Hinweise. Auf dem eingereichten
Leistungsnachweis vom 12. Dezember 2018 über das erste Studienjahr
2017 in International Business and Management («Study Progress
Overview») ist kein Praktikum genannt (Bf-act. 7). Auch der eingereichten
Immatrikulationsbestätigung ist unter dem Abschnitt «Angaben zum
Studiengang» keine Information zu entnehmen, wonach das Praktikum bei
ELSA International für das Studium International Business and
Management an der Universität D._ reglementarisch bzw. gesetzlich
eine Voraussetzung für die Zulassung zum Studium oder zu einer Prüfung
war (Beschwerdegegnerische Akten "Ausbildungsnachweise"
[Bg-act. "Ausbildungsnachweise"] 4). Nachfolgend soll deshalb geprüft
werden, ob das Praktikum bei ELSA International faktisch geboten war.
5.3. In den Verfügungen vom 27. Januar 2020 und im Einspracheentscheid
vom 18. Mai 2020 ging die Beschwerdegegnerin noch davon aus, dass
jenes Praktikum im Hinblick auf das Studium der Tochter des
Beschwerdeführers an der Universität D._ anerkannt war. Im
Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens beantragte die
Beschwerdegegnerin jedoch die Androhung einer reformatio in peius in
dem Sinne, dass dem Beschwerdeführer in Abänderung der Verfügungen
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vom 22. (recte: 27.) Januar 2020 und des Einspracheentscheids vom
18. Mai 2020 im Zeitraum vom 1. August 2016 bis 30. September 2017
keine Kinderrente zugesprochen werde. Die Beschwerdegegnerin
begründet dies damit, dass aus den Akten keine Hinweise ersichtlich
seien, wonach das Praktikum faktisch geboten war. Die Argumentation der
Beschwerdegegnerin, wonach das Absolvieren des Praktikums bei ELSA
International faktisch nicht geboten gewesen sei, blieb seitens des
Beschwerdeführers unbestritten.
5.4. Die Tochter des Beschwerdeführers absolvierte ein Praktikum bei ELSA
International in E._ vom 1. Juli 2016 bis 31. Juli 2017. Hierbei handelt
es sich um den internationalen Dachverband der lokalen/nationalen ELSA-
Vereinigungen (weltweit eine der grössten Vereinigungen von
Rechtswissenschaftsstudierenden), welche insbesondere der
Koordination des Netzwerks unter den Studierenden dient
(vgl. https://elsa.org/international-focus-programme/, zuletzt besucht am
9. Dezember 2021). Gemäss Praktikumsbestätigung, ausgestellt am 27.
August 2018, nahm die Tochter die Funktion als F._ der von ELSA
International organisierten «Moot Court Competitions» wahr. Es ist jedoch
weder behauptet noch belegt, dass sie selber Teilnehmerin einer solchen
(Lehr-)Veranstaltung (simulierte Gerichtsverhandlung) war. Weiter war sie
während des Praktikums zuständig für die Koordination der Lokalgruppen
von ELSA auf nationaler Ebene (Bg-act. "Ausbildungsnachweise" 2 S. 3).
Aus der eingereichten Praktikumsbestätigung geht nicht hervor, welche
Bildungsziele, Lerninhalte oder beruflichen Ansprüche das Praktikum bei
ELSA International umfasste (Bg-act. "Ausbildungsnachweise" 2 S. 3 ff.).
Es ist nicht ersichtlich, ob und inwiefern das Praktikum bei ELSA
International für eine bestimmte Ausbildung faktisch geboten war – weder
für das nach dem Frühjahrssemester 2016 letztlich abgebrochene
Rechtsstudium an der Universität C._ noch für das Studium in
International Business and Management an der Universität D._ ab
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September 2017, weil mit dem Antritt des Praktikums tatsächlich die
Absicht hätte bestehen müssen, eine angestrebte Ausbildung zu
realisieren. Das Praktikum fand zwischen zwei unterschiedlichen
Studiengängen an zwei unterschiedlichen Universitäten statt, so dass es
nicht in systematischer Vorbereitung auf ein Berufsziel hin erfolgte und
nicht im Rahmen eines ordnungsgemässen Lehrgangs. Eine andere
Bedeutung dieses Praktikums - dass es faktisch geboten gewesen wäre -
wurde vom Beschwerdeführer auch nicht substanziiert vorgetragen.
Viel eher ist davon auszugehen, dass das Praktikum der Tochter dazu
diente, eine Berufs- bzw. Studienwahl zu treffen. Gemäss oben zitierter
bundesgerichtlicher Rechtsprechung stellt ein derartiges Praktikum jedoch
keine Ausbildung im Sinne von Art. 49bis Abs. 1 AHVV dar.
5.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Praktikum bei der ELSA
International nicht als Ausbildung im Sinne von Art. 49bis Abs. 1 AHVV
qualifiziert werden kann, da es weder gesetzlich noch reglementarisch
eine Voraussetzung war für die Zulassung zum Studium an der Universität
D._ noch faktisch geboten war. Damit erübrigt sich auch das
Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach der Zeitraum zwischen dem
Abschluss des Praktikums und der Aufnahme des Studiums
mitberücksichtigt werden müsse, da sich diese Situation vergleichen lasse
mit Semesterferien in einem üblichen Studium. Dies weil sich die Tochter
ohnehin seit dem 1. Juli 2016 nicht mehr in Ausbildung befand (Art. 49ter
Abs. 2 AHVV) und unbestrittenermassen erst ab dem 1. September 2017,
dem Zeitpunkt des Beginns des Studiums in International Business and
Management an der Universität D._, wieder eine Ausbildung im Sinne
von Art. 49bis Abs. 1 AHVV vorlag. Für 18- bis 25-jährige Kinder, die die
Ausbildung erst nach zurückgelegtem 18. Altersjahr und nach Entstehung
des Anspruchs der Eltern auf eine Invaliden- oder Altersrente aufnehmen,
beginnt die Kinderrente in der AHV mit dem Monat nach Beginn der
Ausbildung zu laufen (RWL Rz. 3346).
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6.1. Gestützt auf Art. 61 lit. d ATSG wird im kantonalen
Sozialversicherungsgerichtsverfahren die Verwirklichung des materiellen
Rechts über das individuelle Rechtsschutzinteresse gestellt, was sich auf
das Legalitätsprinzip und das Gleichbehandlungsgebot zurückführen
lässt. Sofern ein reformatorischer Entscheid möglich ist und die
Angelegenheit nicht aus anderen Gründen zurückgewiesen werden muss,
ist das kantonale Sozialversicherungsgericht verpflichtet, eine reformatio
in peius ins Auge zu fassen. Ob eine solche denn auch tatsächlich
vorzunehmen ist, da das objektive Recht durchgesetzt werden soll, oder
ob im Einzelfall das subjektive Rechtsschutzinteresse überwiegt, verbleibt
im Rahmen dieses Spannungsverhältnisses der Überprüfung durch das
kantonale Gericht (BGE 144 V 153 E.4.2.4). Auf jeden Fall darf dieses
nicht nur dann einen angefochtenen Entscheid (im Rahmen des
Streitgegenstandes) in peius reformieren, wenn dieser zweifellos unrichtig
und die Korrektur von erheblicher Bedeutung ist. Denn wenn eine
versicherte Person gegen einen noch nicht rechtskräftigen Verwaltungsakt
den Rechtsweg beschreitet, muss sie im Rahmen des Streitgegenstandes
infolge von Art. 61 lit. d ATSG mit einer Schlechterstellung rechnen.
6.2. Gestützt auf die obigen Ausführungen ist das Praktikum der Tochter des
Beschwerdeführers bei ELSA International vom 1. Juli 2016 bis 31. Juli
2017 nicht als Ausbildung im Sinne von Art. 49bis Abs. 1 AHVV zu
qualifizieren. Sie setzte ihre Ausbildung nach Studiumsabbruch an der
rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität C._ im Sommer
2016 mit Aufnahme des Studiums in International Business and
Management an der Universität D._ am 1. September 2017 fort.
Damit befand sie sich vom 1. Juli 2016 bis 31. August 2017 nicht in
Ausbildung. Es ist in Abweisung der Beschwerde und den angefochtenen
Einspracheentscheid vom 18. Mai 2020 über die Verfügungen vom 27.
Januar 2020 in peius reformierend festzustellen, dass der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf Kinderrente für den Zeitraum vom
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1. August 2016 bis 30. September 2017 hat. Ausgangsgemäss erübrigen
sich Weiterungen zu den vom Beschwerdeführer anbegehrten Zinsen auf
seiner Kinderrenten-Forderung von CHF 2'820.-- (vgl. Art. 26 Abs. 2
ATSG).
7. Gemäss aArt. 61 lit. a ATSG in Verbindung mit Art. 82a ATSG
(Übergangsbestimmung zur Änderung vom 21. Juni 2019) ist das
kantonale Beschwerdeverfahren in Sozialversicherungssachen – ausser
bei leichtsinniger oder mutwilliger Prozessführung – kostenlos, weshalb
vorliegend keine Kosten erhoben werden. Die Beschwerdegegnerin hat
keinen Anspruch auf Parteikostenersatz (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).