Decision ID: ce79bddd-c8a6-4b4a-a605-5bb1e776ceff
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965,
meldete sich am 9. November 1999 bei der
Inva
-
liden
versicherung
zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/
1). Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Verfügung vom
17. Mai 2001 eine ganze Invalidenrente ab August 1999 zu (
Urk.
12/
20). Am
4. No
vember 2002 (
Urk.
12/
28)
und am 30. Oktober 2007 (
Urk.
12/
41) teilte sie ihm mit, es bestehe weiterhin Anspruch auf die bisherige Rente
.
Mit Verfügung vom 23. Mai 2008 sprach die IV-Stelle dem Versicherten eine
Hilflosenentschädigung
ab Dezember 2005 zu (
Urk.
12/
48-49).
Mit
Verfügungen vom 8. Juni 2
012 (
Urk.
12/
111-112
) hob die IV-Stelle die Verfü
gung vom 17. Mai 2001 (
Rentenzusprache
)
und
die Verfügung vom
23. Mai 2008 (
Hilflosenentschädigung
) wiederwägungsweise auf
und
stellte die Leistungen
auf das Ende des der Zustellung folgenden Monats
ein
.
Das
hiesi
-
ge
Gericht bestätigte dies mit Urteil vom 3. Dezember 2012 im Verfahren
Nr. IV.2012.00733 (
Urk.
12/
120).
Das Bundesgericht hiess mit Urteil vom 30. April 2013 (
Urk.
12/
125) die dage
gen erhobene Beschwerde gut
, wobei es die zweifellose Unrichtigkeit der ur
sprünglichen Leistungszusprachen verneinte (S. 4 E. 2.3
)
, die Verfügungen vom 8. Juni 2012 aufhob (S. 6
Ziff.
1) und die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese die Voraussetzungen für eine revisionsweise Leistungseinstellung prüfe (S. 5 E. 3 am Schluss).
1.2
Die IV-Stelle holte in der Folge einen Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädi
gung
ein, der am 24. Juli 2013 erstattet wurde (
Urk.
12/
148)
,
und hob die
Hilf
losenentschädigung
mit Verfügung vom 25. September 2013 auf (
Urk.
12/
157).
Nach Eingang eines Arztberichts am 4. November 2013 (
Urk.
12/
158) und eines am 23. April 2014 erstatteten Gutachtens (
Urk.
12/
166)
sowie nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
12/173,
Urk.
12/181) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 21. April 2015 (
Urk.
12/185 =
Urk.
2) die bisher ausgerichtete Rente
rückwirkend per 31. Juli 2012 auf und stellte die Rückforderung der dar
über hinaus erbrachten Leistungen in Aussicht (S. 5 Mitte)
.
2.
Der Versicherte erhob am 21. Mai 2015 Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Verfü
gung vom 21. April 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben, es sei von einer Rückforderung abzusehen und es sei ihm weiterhin die bis anhin ge
währte Rente auszurich
ten (S. 2
Ziff.
1), eventuell s
e
i
ein psychiatrisches Gut
achten zu veranlassen (S. 2
Ziff.
2).
Mit Eingabe vom 28. Juni 2015 äusserte sich der Beschwerdeführer zum mittler
weile als BGE 141 V 281 publizierten Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2015 (
Urk.
8).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 26. Juni 2015 (
Urk.
11) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 11. August 2015 (
Urk.
13)
wurde
dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt und antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2) die unentgeltli
che Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Au
-
gust
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar.
1.3
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, gemäss dem eingeholten Gutachten sei der Beschwerdeführer in der Lage, die zuletzt ausgeübte Tätigkeit 8.5 Stunden täglich ohne Minderung der Leis
tungsfähigkeit auszuüben (S. 2 unten). Nicht gefolgt werden könne - aus näher dargelegten rechtlichen Gründen - der Beurteilung im Gutachten, es lasse sich keine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands festhalten (S. 3). Bei fehlendem Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erüb
rige sich ein Einkommensvergleich (S. 4 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
eine überwiegend wahrscheinliche Verbesserung seines Gesundheitszustandes sei nicht nachgewiesen (S. 6 ff.
Ziff.
13 ff.). Eine Anwendung der
Schlussbe
stimmungen
zur 6. IV-Revision habe das Bundesgericht in seinem
Rückwei
sungsurteil
verworfen (S. 5
Ziff.
11), würde aber auch aus weiteren Gründen nicht in Frage kommen (S. 9 ff.
Ziff.
27 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob die verfügte Rentenaufhebung zulässig sei.
2.4
Bezüglich einer allfälligen Rückforderung
hat
die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung eine entsprechende separate Ver
fügung in Aussicht
gestellt
(
Urk.
2 S. 5 Mitte). Dass
sie
im Betreff der Verfügung (auch) die Rück
forderung erwähnte, ist deshalb unbeachtlich.
B
ezüglich einer allfälligen Rückforderung
liegt noch keine Verfügung der
Be
schwerdegegnerin
vor; somit fehlt es diesbezüglich
an einem Anfechtungsobjekt und es in diesem Punkt auf die Beschwerde nicht einzutreten.
3.
3.1
Die
Zusprache
einer ganzen Rente ab August 1999 im
Mai
2001 (
Urk.
12/20
) stützte sich auf das Gutachten, das
med.
pract
.
Y._
, Assis
tenzarzt, und
Dr.
med.
Z._
, Oberärztin, Kantonale Psychiatrische Klinik
A._
, am
5. Februar 2001
erstattet
hatt
e
n.
3.2
Im Gutachten
vom 5. Februar 2001 (
Urk.
12/16)
wurde ausge
führt, dass unter Berücksichtigung der Anamnese des Beschwerdeführers, seiner prämorbiden Persönlichkeitsstruktur, dem Ereignis vom 1
2.
Mai 1998 und dem darauffolgen
den Verlauf sowie gestützt auf die vorliegenden Unterlagen, die
fremdanamnes
tischen
Angaben und ihre Beobachtung und Untersuchung die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung
(PTBS)
gestellt werde, welche sich mit ausgeprägter depressiver Symptomatik, Beeinträcht
igung des Sozialverhaltens, Auf
treten von Angststörungen und somatoformer Symptomatik charakterisiere (S. 10).
Anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung vom
2.
November 2000 habe der Beschwerdeführer angegeben, viele deutsche Worte nicht zu verstehen, und er habe sich nur bedingt konzentrieren können. Die Untersuchung sei daher abgebrochen und Teile des Tests
seien
dem Beschwerdeführer mitgegeben wor
den, mit
der Aufforderung, diese zurück
zuschicken. Bislang liege keine Antwort vor. Es könne ein knapp durchschnittliches prämorbides Intelligenzniveau
ver
mutet werden. Ein Persönlichkeitsprofil habe sich au
s denselben Gründen nicht hinrei
chend erstellen lassen. Der Score des Beck-Depression-Inventars (37 Punkte) weise deutlich auf eine schwere Depression hin und sei möglicherweise Folge der diagnostizierten
PTBS
. Die Symptome einer zunächst angenommenen Persönlichkeitsstörung liessen sich eventuell mit einer schweren Depression er
klären. Gegen eine asthenische Persönlichkeitsstörung spreche das Bild des Be
schwerdeführers vor dem Wohnungsbrand (S. 9 f.)
Das Krankheitsbild beeinträchtige seit mehr als zwei Jahren die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Bei einem mehr oder weniger unveränderten Verlauf bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Die bisherigen therapeutischen Versuche seien unzureichend gewesen. Hauptgründe seien die fehlende Motiva
tion des Beschwerdeführers und die unzureichende Unterstützung seitens der Familie. Die Versuche, auf ambulanter Basis eine psychiatri
sche/
psy
-
chotherapeutische
Behandlung durchzuführen, seien aufgrund der feh
lenden Compliance und dem Mangel an Regelmässigkeit gescheitert. Bei vor
handener Motivation und Bereitschaft, einen therapeutischen Prozess durchzu
ziehen, sei eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit vorstellbar, wobei über das Ausmass der Besserung und über den Zeitraum keine Angaben gemacht werden könnten
(S. 10 f.).
3.3
Das Bundesgericht stellte in seinem Urteil vom 30. April 2013 (
Urk.
12/125) unter anderem fest, die
Zusprache
einer ganzen Rente habe auf den Beurteilun
gen verschiedener Fachärzte, insbesondere auf dem Gutachten der Kantonalen Psychiatrischen Klinik
A._
vom 5. Februar 2001
,
beruht. Dabei habe Über
einstimmung, namentlich in Bezug auf das Vorliegen einer PTBS
,
bestanden
(S. 3 f. E. 2.2).
Es könne somit nicht davon gesprochen werden, die damalige
Ren
tenzusprache
sei zweifellos unrichtig gewesen (S. 4 E. 2.3).
4.
4.1
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und für Psychotherapie,
der den Beschwerdeführer seit Oktober 2007 behandelt (
Urk.
12/114 S. 1
Ziff.
1),
führte in seinem Bericht
vom
25. Oktober 2007
(
Urk.
12/
39)
und anderem aus, da
ss beim Beschwerdeführer gemäss IV-Akten seit langem ein unveränderter Zu
stand und ein chronischer Verlauf vorliege (
Ziff.
3). Es sei davon auszugehen, dass sich sein Zustand nie mehr wesentlich verbessern werde (
Ziff.
4). Seit Jah
ren sei der Beschwerdeführer bei fast allen alltäglichen Verrichtungen auf die Hilfe seiner Frau angewiesen (
Ziff.
6). So müsse ihn diese waschen, die Medi
kamente abgeben, und auch die gesellschaftlichen Kontakte würden durch sie initiiert (S. 6).
I
n seinem Bericht vom 23. November 2010 (
Urk.
12/
67)
führte
Dr.
B._
aus, dass sich seit seinem le
tzten Bericht vom Oktober 20
07
nichts an der psychi
schen Verfassung des Beschwerdeführers geändert habe. Er sei nach wie vor bei fast allen alltäglichen Verrichtungen auf die Hilfe seiner Frau angewiesen, zeige keinerlei Initiative, habe an nichts Interesse
;
es sei ihm alles
zu viel
, und selbst die Kinder interessierten ihn nicht.
Dr.
B._
führte weiter aus, dass es der Be
schwerdeführer in den Sitzungen, letztmals stattgefunden am 17. November 2010, lediglich etwa 10 Minuten aushalte (S. 1). In seiner angestammten wie auch in jeder angepassten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(
S. 2).
4.2
Am 28. Januar 2012 erstattete
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und für Psychotherapie,
ein Gutachten im
Auftrag
der
Be
schwerdegegnerin
(
Urk.
12/89/5-30). Er nannte folgende Diagnosen mit Aus
wirkungen für die Arbeitsfähigkeit (S. 17
Ziff.
3.2):
low
-dose-Abhängigkeit von Benzodiazepinen, ständiger
Substanzge
brauch
(F 13.25)
passiv-aggressive Persönlichkeitsstruktur (F 60.81)
Als
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
nannte er eine
Ta
bakabhängigk
eit
, einen schädlichen
Konsum von Alkohol seit etwa 1998
,
Über
gewicht
und
Rückenschmerzen
(S. 17
Ziff.
3.3).
Dr.
C._
führte aus,
er habe
für die in anderen Arztberichten ge
nannten Diagnosen, abgesehen vom Alkoholabusus, namentlich für einen Sta
tus nach posttraumatischer Belastungsstörung und für eine fragliche astheni
sche Persönlichkeitsstörung
,
keine Anhaltspunkte gefunden
(S. 20 Mitte). Al
lenfalls sei eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit aus dem Störungsbild ableitbar. Die verbleibenden reklamierten 50
%
gingen seines Erachtens auf ein
Vermeidungs
verhalten
mit selbstlimitierenden Tendenzen zurück, welche innerhalb einer nun
11⁄2
Jahrzehnte anhaltenden Entwicklung beim Beschwerdeführer zum habituel
len Lebensstil geworden seien
(S. 20)
.
Auch die 50%ige Arbeitsunfähigkeit, die auf die Persönlichkeitsstörung des B
e
schwerdeführers und in kleinem Umfang auf die
Benzodiazepinabhängigkeit
zurückgehe, sei - jedenfalls medizintheoretisch betrachtet - durch eine suffizi
ente Fachbehandlung signifikant zu verringern. Es könne dem Beschwerdefüh
rer zugemutet werden, an einer solchen Fachbehandlung mitzuwirken und auch eine ausreichend
e
subjektive Willensanstrengung aufzubringen, um sowohl an einer solchen Behandlung, wie auch an einer Verwertung der restlichen Ar
beitsfähigkeit von gegenwärtig mindestens 50
%
im freien Arbeitsmarkt mitzu
wirken, um insgesamt den Grad der Arbeitsfähigkeit signifikant über 50
%
hin
aus zu erhöh
en (S. 20 f.
).
An einem adaptierten Arbeitsplatz des ersten Arbeitsmarktes sei die Arbeits
-
fähig
keit
mit zunächst mindestens 50
%
zu beziffern, welche binnen sechs bis neun Monaten prinzipiell auf 100
%
steigerbar
sei, sofern eine
Fach
behandlung
unter entsprechenden Kautelen d
urchgeführt werde (S. 24 oben
).
Dem Beschwerdeführer seien mental wie körperlich
einfache Arbeiten im freien Ar
beitsmarkt zumutbar. Solange noch Benzodiazepine in diesem Ausmass konsumiert würden, sei das Steigen auf Leitern und Gerüste, in grosser Höhe und der Umgang mit potentiell gefährlichen Maschinen nicht zumutbar
,
ebenso
wenig Tätigkeiten mit grösseren Anforderungen an das Umstellungs- und An
passungsvermögen sowie mit Publikumsverkehr. Denkbar seien zum Beispiel entsprechende Arbeiten als Lagerist oder ähnliche Verweistätigkeiten. Es sei nicht ratsam, den Beschwerdeführer, auch mit einem reduzierten Pensum, in seiner letzten Tätigkeit als Maschinenführer einzusetzen. Dies sei allenfalls möglich, wenn eine
Benzodiazepinabstinenz
und eine weitere damit zusammen-hängende Stabilisierung erreicht worden sei (S. 21
Ziff.
4.1).
Dr.
C._
bemerkte, dass er bei der in der gesamten Krankenge-schichte ersichtlichen nicht ausreichenden Compliance gelegentliche
Spiegel
kontrollen
empfehle, ob überhaupt eine wirksame Dosis dieser Präparate im Serum vorhanden sei. Die psychotherapeutische oder besser
psychoedukative
Betreuung solle im „Hier und Jetzt“ orientiert sein und die Eigenanteile des Be
schwerdeführers insbesondere an dem Vermeidungsverhalten und der
Selbstli
mitierung
bei nicht ausreichender Motivation bearbeiten (S. 21
Ziff.
4.2).
Dr.
C._
stellte fest, dass seit dem 1
2.
Mai 1998 eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten sei, welche dadurch zustande gekommen sei, dass die posttraumatische Belastungsstörung weggefallen sei. Die diagnos
tisch festgehaltene Abhängigkeit von
Benzodiazepinen
habe zwar einen gewis
sen Einfluss auf die Minderung der Arbeitsfähigkeit, sei aber nicht sehr stark ausgeprägt und prinzipiell behandelbar (S. 23
Ziff.
2).
4.3
Dr.
B._
führte in seinem Bericht vom 13. Juni 2012 (
Urk.
12/114
) aus, dass der Beschwerdeführer an einer schweren, chronisch verlaufenden psychiatri
schen Erkrankung leide, welche die Züge einer posttraumatischen
Belastungs
störung
, einer chronischen schweren Depression sowie auch Elemente aus dem Spektrum der
schizophreniforme
n
Erkrankungen trage. Grundlagen dieser Krankheitsentwicklung seien die schwierige Kindheit
und Jugend mit kaum Si
cherheit
und Geborgenheit bietenden Verhältnissen, prämorbid bestehende
mal
adaptive
Persönlichkeitszüge sowie traumatisierende Einflüsse bedingt durch den Migrationshintergrund sowie insbesondere durch den Wohnungsbrand 1998
. S
einer Erfahrung nach
spiele
bei einer solch schweren psychiatrischen Er
krankung Aggravation keine oder höchstens eine
untergeordnete Rolle
(S. 2
Ziff.
6). Heilungschancen sehe er keine (S. 2
Ziff.
7). Seiner Einschätzung nach sei der Beschwerdeführer, auch bei angepasster Tätigkeit, sowohl im ersten wie auch im zweiten Arbeitsmarkt zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 2
Ziff.
4). Er könne der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Gutachten von
Dr.
C._
nicht zustimmen. So seien keine fremdanamnestischen Angaben eingeholt wor
den und grosse Teile des Gutachtens seien von einem wertenden, teils dem Pati
enten
misstrauenden Ton durchzogen, und es seien ihm Aggravationstendenzen unterstellt worden (S. 2
Ziff.
8).
4.4
In einem am 4. November 2013 eingegangen Bericht
(
Urk.
12/158)
nannte
Dr.
B._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
posttraumatische Belastungsstörung mit Verdacht auf zumindest
zeit
-
wei
lig
psychotischer Dekompensation, bestehend seit Jahren
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, be
stehen seit Jahren
Zur Prognose führte
Dr.
B._
aus, es sei zu befürchten, dass sich am Zustand des Beschwerdeführers auch zukünftig nichts Wesentliches verändern werde
(S. 2 Mitte). Es finde eine integrierte psychiatrische Behandlung mit 1 bis 2 Sitzun
gen pro Monat statt (
Ziff.
1.5). Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100
%
seit Jahren (
Ziff.
1.6).
5.
5.1
Am 2
3.
April 2014 erstatteten die Fachpersonen des
D._
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
12/166
/1-15
)
. Sie stützen sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 3 ff.) und die in einem psychiatrischen (
Urk.
12/166/16-27) und einem neuropsycho
logischen (
Urk.
12/166/28-31) Teilgutachten erhobenen Befunde.
5.2
Im neuropsychologischen Teilgutachten (
Urk.
12/166/28-31)
wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer habe eine deutlich reduzierte Kooperationsbereitschaft gezeigt. Oft sei er minutenlang vor einer Aufgabe gesessen, ohne einen
Lö
sungsansatz
zu versuchen. Die Ergebnisse des Symptomvalidierungstests lägen unterhalb der Zufallswahrscheinlichkeit, was bedeute, dass
bewusst
falsche Antworten gegeben worden seien. Bei
einem tatsächlichen Defizit m
ü
sste - bei jeweils zwei Antwortmöglichkeiten - das
Ergebnis im Zufallsbereich liegen, also
zirka
die Hälfte der Antwo
rte
n richtig sein. Bei einem Ergebnis
weit unterhalb des Zufal
l
sbereichs (im aktuellen Fall 28
%
korrekte Antworten)
müsse
von ei
ner
bewusstseinsnahen Aggravation
ausgegangen werden
(S. 5 oben)
.
Des Weiteren
hätten
deutliche Inkonsistenzen beobachtet werden
können
: Wäh
rend
der Beschwerdeführer
in der
Testsituation keinerlei korrekte Angaben zu räumlicher und zeitlicher Orientierung
habe
machen
können
,
sei
er in der Pause in der Lage
gewesen
, ausserhalb des Gebäudes zu rauchen und den Weg zum
Untersuchungszimmer ohne Hilfe wieder zu finden.
Im Mini Mental Status (MMS)
habe e
r
lediglich 6 von 30 Punkten
erreicht.
Dieses Resultat wäre
höchs
-
tens
mit einer weit fortgeschrittenen Demenz vereinbar und
sei
meist nur bei hospitalisierten, auf
umfassende Pflege angewiesene
n
Patienten zu be
obachten. Dies
treffe
auch auf die wenig
nachvollziehbare persönliche Des
orientierung (keine Angabe des eigenen Geburtsdatums, der
Arbeitsstellen und der Anzahl eigenen Kinder möglich)
zu (S. 5).
Insgesamt
würden
nach den
massgebenden
Kriterien bewusstseinsnahe psychi
sche Prozesse
der Aggravation als definitiv gesichert
gelten (S. 5 Mitte).
5
.3
Im psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
12/166/16-27) wurden unter anderem die folgenden Befunde angeführt: Der Versicherte vermeide während der - unter Hinzuziehung eines Übersetzers erfolgten - Exploration über weite Strecken jeglichen Blickkontakt, gebe sich schläfrig, müde, lasse aber hinter dieser Fas
sade durchaus erkennen, dass er wach und aufmerksam dem
Explorationsge
schehen
folge
(S. 21).
Im Kontakt sei der
Versicherte abweisend, distanziert. Die gestellten Fragen w
ü
r
den nur zögernd, zeitweise para
logisch beantwortet. Bei insisti
erender Nachfrage reagier
e
er im Kontakt zunehmend
dysphorisch
gereizt. Teilweise be
antworte er die Fragen ironisierend. Auffallend
sei
zudem, dass er nach Ankün
digung der Blutentnahme nach der Exploration zum Nachweis des
Medikamen
tenspiegels
vehement jegliche Blutentnahme verweiger
e und als Begründung angebe
, er habe am Untersuchungstag zu viel geraucht, Kaffee getrunken, und er fühle sich nicht belastbar. Als gleichwohl auf der Blutentnahme bestanden
werde, verlasse
er grusslos und raschen Schrittes die
Praxis-Räumlichkeiten
(S. 21 f.).
Der Versicherte verfolg
e hinter einer f
assadenhaft vorgetragenen Müdigkeit mit Vermeiden des Blickkontakts durchaus
attent
das Untersuchungsgeschehen. Das Konzentrationsvermögen
sei
leicht reduziert, wobei eine Diskrepanz zwischen der demonstrierten Konzentrationsminderung einerseits und dem doch zielge
richteten Verhalten mit zum Teil ironisierenden Antworten vorlieg
e
.
Der Versi
cherte
trage
Orientierungsstörungen zu Zeit, Ort, Person und Situation vor. Im Verlauf der Exploration
werde
aber wiederholt deutlich, dass diese angegebenen Störungen vorgetragen
seien
und nicht der Realität entspr
ä
chen. Der Versi
cherte vermitt
l
e eine müde Fassade, dahinter wirk
e
er aber durchaus wach und bewusstseinsklar
(S. 22 oben)
,
Der Versicherte spreche
mit schleppender, demonstrativ leiser Stimme. Die Sprachfrequenz
sei
gering. Der formale Gedankengang
sei
zäh, aber geordnet und kohärent. Eine depressive Denkhemmung
lasse
sich nicht ausmachen. Ideenflucht oder Denkzerfahrenheit best
ünden
nicht. Im inhaltlichen Denken zeig
e
sich eine vermehrte Beschäftigung m
it negativen Kognitionen, Insuff
i
zienzgefühlen und depressiven Wahrnehmungen. Psychotische Denkinhalte oder Wahn l
ie
ssen sich nicht ausmachen. Die vom Versicherten berichteten
halluzinatorischen
Fehlwahrnehmungen
seien
als dissoziative Symptome zu in
terpretieren und nicht als Halluzinationen im engeren Sinne aufzufassen. Ge
dächtnis, Merkfähigkeit, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis w
ü
rden schwer ge
stört dargestellt, wobei auch hier wieder eine erhebliche Diskrepanz zwischen den dargestellten Gedächtnislücken einerseits, sowie teilweise recht genauem Erinnerun
gsvermögen andererseits auffalle
.
S
obald der Versicherte ann
ehme
, es könne für ihn von Vorteil sein,
sei
das Erinnerungsvermögen keineswegs so stark beeinträchtigt, wie zunächst vorgetragen
(S. 22 Mitte)
.
Störungen des Ich-Bewusstseins
, psychot
ische Ich-
Störungen sowie
Derealisa
tions
- oder Depersonalisationsphänomene
l
ägen nicht vor.
Das
Intelligenzni
veau
l
asse
sich, soweit aus Sozialisation, Schulbildung, allgemeinem Werdegang sowie klinischem Befund ableitbar, als knapp durchschnittlich einordnen.
Die Willenskräfte
seien
durchaus zielgerichtet, die Antriebslage erschein
e
reduziert. Ambivalenz oder
Ambitendenz
best
ünden
nicht.
Der Versicherte zeig
e
sich psychomotorisch vordergründig matt, schwunglos. Dahinter zeig
e
sich aber eine deutliche
psychomotorische Anspannung, welche sich dann zeitweilig bei iro
nisierendem Verhalten und schlussendlich beim aufgebrachten Verlassen der Räume in lebhafter Psychomotorik und Gestik entl
ade (S. 22 unten)
.
In der emotional-affek
tiven Schwingungsfähigkeit wirke
der Versicherte einge
engt, über
S
trecken nivelliert, teilweise depressiv gedrückt und ernst, teilweise aber auch
dysphorisch
mit hintergründig vorwurfsvoll und gehemmt aggressi
ver Note. Affektlabilität oder Affektinkontinenz l
ä
gen nicht vor
.
Pathologische Angstaffekte präg
t
en den psychopathologischen Befund zu keinem Zeitpunkt. Die Fähigkeit, Freude zu empfinden, erschein
e reduziert. Der Versicherte
be
richte
über Interessenminderung
(S. 22 f.)
.
Zwänge und Phobien von Alltagsrelevanz l
ies
sen sich nicht ausmachen.
In der Persönlichkeitsstruktur f
ä
nden sich Hinweise auf passi
v-aggressive Züge, wel
che sich i
m Verhalten im Rahmen der Explorationssituation immer wieder deut
lich erkennen l
ie
ssen
. Die Merkmale einer Persönlichkei
tsänderung oder einer anderen Persönlichkeitsstörung
seien
darüber hinaus nicht vorliegend
(S. 23 oben)
.
Die Merkmale einer
PTBS
seien
nicht erfüllt. Es f
ä
nden sich keine Hinweise auf
Hyperarousals
, Vermeidungsverhalten, Affektstürme,
katastrophisierende
Vege
tativreaktionen
, Nachhallerinne
run
gen oder Albträume, welche die damaligen Ereignisse aus dem Jahr 1998 zum Inhalt h
ätt
en
(S. 23)
.
Der Versicherte zeig
e
keine Veränderungsmotivation, insbesondere keine Motiva
tion für eine Rückkehr in eine regelmässige Tätigkeit auf dem allgemei
nen Arbeitsmarkt
(S. 23 Mitte)
.
Die Laboruntersuchung zur Bestimmung der Medikamentenspiegel sei verwei
gert und erst zwei Wochen später über den Hausarzt nachgeholt worden (S. 23 unten).
5.4
Im
Gutachten (
Urk.
12/166/1-15)
wurde ausgeführt, es seien keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen (S. 14
lit
. F.1), und es wur
den folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt
(S. 14
lit
. F.2):
passiv-aggressive Persönlichkei
tsstruktur (F60.8) mit dissoziativen Pseudo
-
Halluzinationen und dissoziativer Pseudo-Demenz (F44) sowie erheblichen
Hinweisen auf bewusstseinsnahe Aggravation
s
omatoforme Schmerzstörung (F45.4)
Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (F68.0)
s
chädlicher Gebrauch von Benzodiazep
i
nen (F13.1)
In der Beurteilung
wurde unter anderem ausgeführt, a
us neuropsychologischer Sicht m
üsse
eine
Aggravation als definitiv gesichert angenommen werden. Aus psychiatrischer Optik
hätt
en sich keine Diagnosen mit Relevanz für die Ar
beitsfähigkeit abgrenzen
lassen
. Die vom Versicherten dargestellten
Verhaltens
auffälligkeiten
seien
einer passivaggressiven Pers
önl
ichkeitsstruktur mit daraus resultierendem, bewusstseinsnahem Verhalten zuzuordnen,
trügen
zudem pseudo-demenzielle und dissoziativ-
pseudohalluzinatorische
Züge mit Anteilen einer somatoformen Schmerzstörung, ohne dass sich daraus eine Relevanz für die Arbeitsfähigkeit ableiten liess
e
. Zusammenfassend
seien
medizinisch-theo
retisch Diagnosen mit Relevanz für die Arbeit
sfähigkeit nicht zu stellen (S. 12 oben)
.
Der Versicherte
sei
in der Lage, Tätigkeiten einfacher
geistiger Art mit geringen Verantwortungsbereichen auszuüben
(S. 12 Mitte).
Der Versicherte
sei
medizinisch-theoretisch in der Lage, die zuletzt ausgeübte Tätigkeit 8.5 Stunden täglich ohne Minderung der Leistungsfähigkeit auszu
üben, so dass eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
resultier
e
.
D
er Versicherte
sei
auch
in der Lage, adaptierte Tätigkeiten im beschriebenen Belastbarkeitsprofil 8.5 Stunden täglich ohne Minderung der Leistungsfähigkeit auszuüben, so dass eine Arbe
itsfähigkeit von 100
%
resultiere (S. 12 unten).
Zur
retrospektiven Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ab August 2012 wurde
ausge
führt, m
edizinisch-theoretisch
sei
eine Arbeitsunfähi
gkeit seither nicht ausgewiesen (S. 13 oben).
Es l
asse
sich seit der letzten Revision keine wesentliche Verbesserung oder Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes festhalten. Es hand
l
e sich um einen im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand, dessen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im Lichte der heutigen Erkenntnisse aber ganz anders beurteilt werden m
üsse (S. 13 unten)
.
Im Längsschnitt lasse sich nach Anamnese, Aktenlage und Befund seit dem
1.
August 2012 keine Arbeitsunfähigkeit begründen (S. 14 oben).
Gegenüber dem Gutachten v
on
2001 zeig
e
sich keine Befundverbesserung. Die damals gestellte Diagnose einer
PTBS sei
aber nicht nachzuvollziehen, und sie beruh
e
auf falschen Erkenntnissen. Aus ex-post Sicht hätte
sie
nicht gestellt werden dürfen. Schon damals
hätten
sich Hinweise auf eine somatoforme Aus
gestaltung der Symptomatik
gefunden
. Im Licht der heutigen Erkenntnisse
sei
die damals ausgesprochene Arbeitsunfähigkeit zu 100
%
n
icht nachvoll
ziehbar
(S. 14 Mitte)
.
Auf Nachfrage bekräftigten die Gutachter diese Feststellung (
Urk.
12/168).
6.
6.1
Laut
D._
-Gutachten liessen sich im April 2014 keine Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit stellen (vorstehend E. 5.4). Als Diagnosen ohne Auswirkung wurden eine passiv-aggressive Persönlichkeitsstruktur (F60.8) und ein schädlicher Gebrauch von Benzodiazepinen (F13.1) genannt, dies praktisch deckungsgleich mit den beiden von
Dr. C._
in seinem Gutachten vom Januar 2012 gestellten Diagnosen (vorstehend E. 4.2), sowie eine somato
forme Schmerzstörung (F45.4) und die Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (F68.0).
Zur passiv-aggressiven Persönlichkeitsstruktur wurden ergänzend d
issoziative Pseudo-Halluzinationen und
eine
dissoziative Pseudo-Demenz (F44) sowie erhebliche Hinweise auf
eine
bewusstseinsnahe Aggravation
erwähnt. Ferner wurde ausdrücklich und unter Bezugnahme auf die entsprechenden Diagnosekriterien festgehalten, dass keine PTBS vorliege.
6.2
Das
D._
-Gutachten erfüllt die formalen Beweiswert-Anforderungen (vorste
hend E. 1.4) ohne weiteres, ist es doch
für die
streitigen Belange umfassend
, beruht
auf
allseitigen Untersuchungen
, berücksichtigt
auch die geklagten Be
schwerden
und wurde
in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegebe
n.
Darüber hinaus leuchtet es auch in
der Darlegung der medizinischen
Zu
-
sammen
hänge
und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
und enthält nachvollziehbar
begründet
e
Schlussfolgerungen
. Dies betrifft vorab die Feststellung einer bewusstseinsnahen
aggravatorischen
Verhaltens. Die neu
ropsychologischen Testung
(vorstehend E. 5.2)
hat dafür einen überprüfbaren objektivierten Nachweis erbracht, denn eine überzufällig hohe Fehlerquote kann nur erzielen, wer
die
rich
tigen Antworten erkennt und sodann absichtlich deren Gegenteil wählt. Auch die Feststellung verschiedener Diskrepanzen im Verhal
ten des Beschwerdeführers ist überzeugend mit konkreten Beobachtungen be
gründet, so der Kontrast zwischen demonstrierter Müdigkeit und Antriebsarmut einerseits und dem energisch durchgesetzten Verweigern einer nicht
vorange
kündigten
Blutprobe
andererseits
, wie auch der Kontrast zwischen
angeblichen Orientierungsstörungen (wie auch einem auf Demenzstufe präsentierten Erin
nerungsvermögen) einerseits und dem problemlosen sich Zurechtfinden im und um das Praxisgebäude andererseits.
Das Gutachten erweist sich mithin als vollumfänglich beweistauglich, so dass darauf abzustellen ist. Dass die gutachterliche Beurteilung anders ausfällt als jene durch den seit rund 7 Jahren (1-2 Mal pro Monat) behandelnden Psychiater (vorstehend E. 4.4) erklärt sich ohne weiteres durch die bekannt
lich
unter
schiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-) Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten
fachmedizi
nischen
Experten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_892/2014 vom 2
3.
April 2015 E. 4.3, 9C_24/2008 vom 2
7.
Mai 2008 E. 2.3.2).
6.3
Demnach ist der medizinische Sachverhalt dahingehend erstellt, dass keine Beein
trächtigungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert worden sind, mithin kein anspruchsrelevanter Gesundheitsschaden besteht.
Damit führt bereits die medizinische Beurteilung zu dem Ergebnis, zu welchem auch aus der Sicht der Rechtsanwendung zu gelangen wäre,
liegt
doch
regel
mässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor
, wenn
eine
Leistungsein
schränkung
auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation
b
eruht
, was
rechtsprechungsgemäss
unter anderem
der Fall
ist
, wenn
eine erhebliche Dis
krepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht
oder
demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken (
BGE 131 V 49 E. 1.2 am Schluss
).
Die im Gutachten nachgewiesene und als bewusstseinsnah charakterisierte Aggra
vation fällt angesichts ihrer Ausprägung und Intensität zweifellos in das An
wendungsgebiet dieser Rechtsprechung.
6.4
Aus medizinischer Sicht steht sodann ebenfalls und insbesondere fest, dass im Gutachtenszeitpunkt keine PTBS zu diagnostizieren gewesen ist. Die Gutachter vertraten sogar darüber hinaus den Standpunkt, eine solche habe nie bestanden und diese Diagnose sei im Gutachten von 2001 zu Unrecht gestellt worden, woraus sie - soweit konsequent - schlossen, der Gesundheitszustand habe sich seither nicht wesentlich verändert, sondern werde von ihnen lediglich anders (und zutreffender) beurteilt.
In dieser Hinsicht kann den Gutachtern jedoch nicht gefolgt werden.
Ob im Jahr 2001 eine PTBS vorlegen hat oder nicht, ist nämlich im heutigen Zeitpunkt keine retrospektiv durch die Medizin zu beantwortende Frage mehr. Das Bun
desgericht hat die Frage beantwortet und verbindlich festgehalten, die damals gestellte Diagnose sei nicht zweifellos unrichtig gewesen (vorstehend E. 3.3).
Damit steht fest, dass bei der damaligen
Rentenzusprache
zu Recht vom Vorlie
gen einer PTBS ausgegangen wurde. Der Umstand, dass im Zeitpunkt der hier strittigen Verfügung keine PTBS (mehr) vorlag, stellt eine revisionsrelevante er
hebliche Sachverhaltsänderung (vorstehend E. 1.2) dar.
Damit erweist sich die Aufhebung der 2001 zugesprochenen Rente als rechtens.
6.5
Gemäss Art. 88
bis
Abs.
2
lit
. a der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) erfolgt die Aufhebung einer Rente auf den Beginn des zweiten der Zu
stellung der Verfügung folgenden Monats.
Die angefochtene Verfügung datiert vom 2
1.
Mai 2015, womit ab
1.
Juli 2015 keine Rentenanspruch mehr bestand.
Mit der angefochtenen Verfügung wurde die Rente rückwirkend per 3
1.
Juli
2012
aufgehoben (
Urk.
2 S. 5 Mitte). Nach dem Gesagten ist dafür kein Rechts
grund ersichtlich.
Dementsprechend ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die angefoch
tene Verfügung dahin abzuändern, dass ab
1.
Juli 2015 kein Rentenanspruch mehr besteht.
7.
7.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss zu drei Viertel dem Beschwerdeführer und zu einem Vier
tel der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung sind die dem Beschwerdeführer auferlegten Verfahrenskosten einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).
7.2
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat mit
Honorarnote
vom
2
1.
August 2015
einen Aufwand von 14.6 Stunden und Barauslagen von
Fr.
131.40 geltend gemacht (
Urk.
15/2). Beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ergibt dies ein Total von rund
Fr.
3‘600.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Ausgangsgemäss sind drei Viertel (
Fr.
2‘700.--) vom Beschwerdeführer - und damit einstweilen der Gerichtskasse - und ein Viertel (
Fr.
900.--) von der
Be
schwerdegegnerin
zu übernehmen.
Das Gericht
erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der
Sozialver
-
sicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 2
1.
April 2015 dahin abgeändert, dass ab
1.
Juli 2015 kein Rentenanspruch mehr besteht.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer zu drei Vierteln sowie der Beschwerdegegnerin zu einem Viertel
, entsprechend
Fr.
200.--
,
auferlegt.
Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung werden die
dem Be
-
schwerdeführer
auferlegten Kosten von
Fr.
600
.-- einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss
§ 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kosten
pflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Martin Hablützel, Zürich,
eine reduzierte
Prozess
entschädigung
von
Fr.
900
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
Im weitergehenden Umfang wird
der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwer
-
deführers, Rechtsanwalt Martin Hablützel, Zürich,
mit
Fr.
2'700
.-- (inkl.
Bar
auslagen
und
MWSt
) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Rechtsanwalt Martin Hablützel
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
15/1-2
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse
5.