Decision ID: 979b0972-ae3a-4ec1-ab0c-a25f800d8930
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1968 geborene
X._
meldete sich am 2
8.
Oktober 2016 (Eingangs
datum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 16/2).
Diese tätigte erwerbliche (Urk. 16/1, 16/12, 16/19) sowie medizinische (Urk. 16/17) Abklärungen und lud die Versicherte zu einem Standortgespräch ein, welches am 3
0.
November 2016 stattfand (Urk. 16/11). Mit Schreiben vom
2.
Dezember 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es könnten keine Eingliederungsmassnahmen durchgeführt werden (Urk. 16/13). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
verneinte die IV-Stelle mit Verfü
gung vom 2
4.
Mai 2017
einen Anspruch der Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 16/29).
1.2
Unter Beilage diverser Arztberichte (Urk. 16/30) meldete sich die Versicherte am 1
2.
April 2019 (Eingangsdatum) bei der IV-Stelle zur Früherfassung an (Urk. 16/31)
. Am 1
5.
Mai 2019 (Eingangsdatum) erfolgte unter Hinweis auf Panikattacken, einen Drang zu Selbstverletzungen, Kontrollzwänge, Schmerzen im rechten Bein, Übergewicht, ein Schlaf-Apnoe-Syndrom, Schmerzen im Arm sowie Probleme beim Atmen die Anmeldung zum Leistungsbezug (Urk. 16/37). Die IV-Stelle tätigte erwerbliche (Urk. 16/40, 16/52) sowie medizinische (Urk. 16/45, 16/49, 16/56, 16/66) Abklärungen und veranlasste die Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens bei der
Abklärung
sstelle
Y._
, welches am
9.
August 2021 erstattet wurde (Urk. 16/81). Nac
h durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
, in dessen Rahmen die behandelnden Ärzte Stellung zum Gutachten
nahmen
(Urk. 16/91-92), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
6.
Oktober 2021 einen Anspruch der Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 2 [= 16/98]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
3.
November 20
2
1 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte sinngemäss, es seien ihr Leistungen der Invalidenversicherung zuzusprechen (
Urk.
1). In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 5). Mit Schreiben vom
8.
Dezember und 2
0.
November 2021 legten die behandelnden Ärzte unter Beilage eines Berichts des behandelnden
Pneumologen
(Urk. 11) ihre Einschätzung dar (Urk. 9 und 10)
. Die Beschwerdeführerin legte am
9.
Dezember 2021 das ausgefüllte Formular zum Nachweis der prozessualen Bedürftigkeit sowie diverse Unterlagen dazu auf (Urk. 12 und 13/1-11).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
Dezember 2021 schloss die IV-Stelle auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 15), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
9.
Januar 2022 angezeigt wurde. Gleichzeitig wurde
ihr Frist
angesetzt um darzulegen, aus welchem Grund ihre Rechtsschutzversicherung die
Ü
bernahme der Gerichtskosten abgelehnt hatte und das entsprechende Schreiben beizu
bringen (Urk. 17). Nachdem die Beschwerdeführerin die geforderten Unterlagen beigebracht hatte (Urk. 20-21),
wurde ihrem Gesuch um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung mit Verfügung
vom
5.
April 2022 stattgegeben (Urk. 22).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sin
d –
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraus
setzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (
Urteil des Bundes
gerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.7
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, die medizinischen Abklärungen hätten gezeigt, dass die Versicherte in angestammter Tätigkeit zu 70
%
arbeits
fähig sei, weshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
bestehe
(Urk. 2).
2.2
Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin sinngemäss geltend, die IV-Stelle habe zu Unrecht auf das
Y._
-Gutachten abgestellt.
Weder ihre behandelnden Ärzte noch sie selber seien der Ansicht, dass sie zu 70
%
arbeitsfähig sei (Urk. 1).
3.
3.1
Im
Y._
-Gutachten vom
9.
August 2021 wurden folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (Urk. 16/81 S. 8)
:
-
Panikstörung (ICD-10: F41.0)
-
Zwangshandlungen (ICD-10: F42.1)
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende genannt (Urk. 16/81 S. 9):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.0)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41)
-
Chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10: M54.4)
-
Chronische Kniebeschwerden beidseits (ICD-10: M17.0)
-
Chronische Nacken-Schulter-Arm-Handbeschwerden der dominanten rechten Seite (ICD-10: M54.2/M79.6)
-
Adipositas per magna, BMI 49 kg/m
2
(ICD-10: E66.0)
-
Verdacht auf Asthma bronchiale (ICD-10: J45.9), DD COPD (ICD-10: J44.9)
-
Chronischer Nikotinabusus, circa 50
packyears
(ICD-10: F17.1)
-
Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (ICD-10: G47.3)
3.2
Im internistischen Teilgutachten wurde festgehalten,
die Explorandin
klage
über Depressionen, verschiedene Schmerzen und Atemprobleme. Seit Jahren leide sie an chronischen Schmerzen, die vor allem im Kreuz, im Nacken, in beiden Knien und im rechten Unterschenkel auftreten würden. Die Nackenschmerzen würden in beide Schultern ausstrahlen. Die Knieschmerzen seien stark belastungsabhän
gig und würden beispielsweise nach kurzen Gehstrecken auftreten. Deshalb müsse sie bei ihren täglichen, einstündigen Spaziergängen mit dem Hund immer wieder Pausen einlegen (Urk. 16/81 S. 21).
Die Explorandin befinde sich in unauffälligem Allgemein- und stark übergewich
tigem Ernährungszustand. Die klinische Untersuchung des Herzens sei grundsätz
lich unauffällig. Über allen Lungenfeldern sei ein leichtes Giemen auszumachen, die Atemfrequenz sei erhöht. Ansonsten ergebe die Untersuchung der Lunge einen normalen Befund (Urk. 16/81 S. 23).
Aus rein internistischer Sicht sei die Explorandin in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (Urk. 16/81 S. 25).
3.3
Im orthopädischen Teilgutachten wurde ausgeführt, die Explorandin klage darüber, dass es ihr nicht so gut gehe. Sie habe aufgrund der Anreise sehr grosse Schmerzen. Sie leide an Depressionen und Atemproblemen. Seit der im Jahr 2018 erlittenen Thrombose träten vor allem an der rechten Wade Schmerzen auf, bei längerem Laufen ziehe es bis zur Achillessehne, sodass sie sich nicht mehr bewegen könne. Schon früher habe sie unter Kniebeschwerden gelitten, links mehr als rechts. Die Schultern würden ebenfalls schmerzen, vor allem auf der rechten Seite. Der Rücken schmerze auch, wobei es zur Ausstrahlung in die dorsalen Beckenkämme sowie in die Oberschenkel komme. Manchmal könne sie nicht unterscheiden, ob die Hüften schmerzten oder ob es sich um Ausstrahlun
gen handle. Das rechte Handgelenk schmerze krampfartig, wobei es ihr jeweils die Hand «abdrehe». Sie könne keine Körperregion bezeichnen, die in letzter Zeit beschwerdefrei gewesen wäre (Urk. 16/81 S. 36-37).
Der Barfussgan
g erfolge ohne eigentliches Hink
en, die Gangarten würden als prakt
isch undurchführbar präsentiert
. Bei der Untersuchung der Wirbelsäule zeige sich eine weitgehend freie Beweglichkeit sämtlicher Abschnitte. An den Knien liege eine verminderte Flexion vor, die Meniskusprovokationstests seien nicht konklusiv beurteilbar. An den Ellbogen zeige sich ein Streckdefizit. Die gesamte ausführliche Untersuchung im
Stehen, Gehen, Sitzen und L
iegen könne bei ausreichender Kooperation problemlos durchgeführt werden. Auffallend seien die selbst bei geringstem Druck ubiquitär zwischen Hinterhaupt und dorsaler Becken
region sowie die an sämtlichen Extremitäten angegebenen
Druckdolenzen
(Urk. 16/81 S. 43).
Bildgebend würden sich deutliche degenerative Veränderungen im Segment LWK4/5 mit möglicher Affektion der Nervenwurzel L4 beidseits zeigen, die klinisch nicht bestätigt werden könne. An den Hüften würden eine mässige
Coxarthrose
sowie eine Störung des
femoralen
Offsets vorliegen. An den Knie
gelenken bestünden eine mediale und
femoropatellär
betonte
Pangonarthrose
sowie rechts eine mediale Meniskusläsion (Urk. 16/81 S. 43).
Insgesamt würden sich die sehr diffus beklagten Beschwerden durch die klinischen und radiologischen Befunde keinesfalls vollumfänglich begründen lassen. Nachvollziehbar sei ein gewisser Leidensdruck bezüglich der unteren Lendenwirbelsäule sowie der Knie- und weniger auch der Hüftgelenke. Die gesamte anamnestische und klinische Präsentation einschliesslich deutlicher Inkonsistenzen lasse an eine erhebliche nicht-organische Beschwerdekomponente denken (Urk. 16/81 S. 43).
Zur Arbeitsfähigkeit
führte der orthopädische Gutachter aus, für körperlich sehr leichte bis selten leichte, überwiegend sitzende Verrichtungen, wie sie die Explo
randin in den letzten Jahren ausgeführt habe, bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit (Urk. 16/81 S. 44).
3.4
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde ausgeführt, die Explorandin berichte, unter Panikattacken und Angstzuständen zu leiden. Sie habe Mühe, sich zu konzentrieren, sei ängstlich, unruhig und wenig belastbar (Urk. 16/81 S. 27).
Die Explorandin sei bewusstseinsklar und allseits orientiert. Die Stimmung sei ausgeglichen, die Psychomotorik lebhaft, der Antrieb nicht vermindert. Der affektive Kontakt sei gut herstellbar. Während der Untersuchung seien keine Anzeichen von Konzentrationsschwäche ersichtlich. Die Explorandin gehe gut auf die gestellten Fragen ein, die Merkfähigkeit und das Gedächtnis seien intakt. Im Denken sei sie nicht eingeengt, zeige kein Gedankenabreissen, keine Neolo
gismen und keine Gedankenleere (Urk. 16/81 S. 30-31).
Die Explorandin leide seit ihrem 2
1.
Lebensjahr unter Panikattacken und Kontrollzwängen, die sich seit einer Venenthrombose im Jahr 2018 sowie dem Verlust ihrer Arbeitsstelle verstärkt hätten. Zwei- bis dreimal pro Woche trete nachts eine Panikattacke auf, die 30 bis 60 Minuten dauere. Auch tagsüber würden Attacken auftreten. Sie könne die Attacken gut beherrschen, müsse aber Benzodiazepine einnehmen. Trotz
der Panikattacken könne sie sich im öffent
lichen Raum bewegen, fahre Auto, sei mit dem Hund unterwegs und treffe sich mit anderen Hundebesitzern. Unter Kontrollzwängen leide die Explorandin eben
falls. Wenn sie die Wohnung verlasse, müsse sie kontrollieren
,
ob die Fenster und Türen geschlossen seien und ob der Herd abgestellt sei (Urk. 16/81 S. 31-32).
Die in den Akten beschriebene depressive Verstimmung sei nicht nachweisbar. Im Rahmen der Untersuchung sei die Stimmung
euthym
. Die rezidivierende depressive Störung sei somit gegenwärtig remittiert (Urk. 16/81 S. 32).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, die Versicherte sei in angestammter wie auch in angepasster Tätigkeit zu 70
%
arbeitsfähig (Urk. 16/81 S. 34).
3.5
Im interdisziplinären Konsens
kamen die Gutachter zum Schluss, dass die Ver
sicherte aufgrund der Panikstörung sowie der Zwangshandlungen in ihrer Arbeitsfähigkeit leicht eingeschränkt sei. Sie sei seit Januar 2019 zu 70
%
arbeitsfähig in angestammter Tätigkeit. Die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit betrage ebenfalls 70
%
, wobei körperlich leichte, überwiegend sitzende Verrichtungen, wie sie die Versicherte bisher ausgeübt habe, geeignet seien. Die länger dauernde Einnahme von Zwangshaltungen des Rumpfes sowie der unteren Extremitäten, längere
s
Stehen und Gehen, die Einnahme von kauernder und
kniender Position
sowie das wiederholte Heben und Tragen von Lasten über 5 bis 10 kg sollten vermieden werden (Urk. 16/81 S. 9-10).
4.
4.1
Das Gutachten vermag zu überzeugen. Es beruht auf sorgfältigen und allseitigen Untersuchungen (
Urk.
16/81 S. 23, S. 27-31, S. 36-41), berücksichtigt die geklag
ten Beschwerden (
Urk.
16/81
S. 21, S. 27-28,
S.
36-37
) und ist in Kenntnis der relevanten
Vorakten
abgegeben worden (
Urk.
16/81 S. 15-19
). Die Gutachter haben detaillierte Befunde und hieraus begründete Diagnosen erhoben, die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet. Daher erfüllt das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweistaugliche Entscheidungs-
grundlagen
.
4.2
Die Beschwerdeführerin macht geltend, nach Ansicht ihrer behandelnden Ärzte sowie nach eigener Einschätzung sei sie nicht zu 70
%
arbeitsfähig (Urk. 1). Der behandelnde Psychiater
,
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte dazu aus, seine Patientin weise durchgehend eine deutlich depressive Stimmungslage auf und zeige einen Verlust an Antrieb und Freu
d
e an allen Aktivitäten.
Hinzu kämen
invalidisierende
Ängste sowie Kontrollzwänge. Es liege
gegenwärtig nur eine sehr niedrig
prozentige Arbeitsfähigkeit vor (Urk. 8).
Abweichende Beurteilungen behandelnder Ärzte vermögen grundsätzlich ein Gutachten nach
Art.
44 ATSG
nicht
in Frage zu stellen und Anlass zu weiteren Abklärungen zu geben. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sie wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblie
ben sind (Urteile 8C_29/2018 vom
6.
Juli 2018 E. 3.2.2 und 9C_91/2018 vom
7.
Juni 2018 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
Dr.
Z._
vermochte keine Aspekte aufzu
zeigen, die im
Y._
-Gutachten nicht gewürdigt worden wären. Der begutachtende Psychiater legte schlüssig dar, weshalb er der Einschätzung des
Dr.
Z._
nicht folgte (Urk. 16/81 S. 33). Er beschrieb die Stimmung als
eutyhm
, den Antrieb als unvermindert und hielt fest, dass bei der Versicherten keine depressiven Verstim
mungen feststellbar seien (Urk. 16/81 S. 30).
Dem Gutachten kann zudem entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin gegenüber dem begutachten
den Orthopäden angab, sie spaziere und spiele mit ihrem Hund, habe wieder angefangen Bücher zu lesen und lese auch viel auf dem Mobiltelefon «über Krankheiten und so weiter»
, was mit dem von
Dr.
Z._
beschriebenen Verlust an Antrieb und Freude an allen Aktivitäten
kontrastiert.
Die
Vorbringen
des
Dr.
Z._
vermögen
die Einschätzung der
Y._
-Gutachter
daher nicht in Z
weifel zu ziehen.
Gleiches gilt für den Bericht der behandelnden Hausärztin vom 2
0.
November 2021 (unterzeichnet am
8.
Dezember 2021), in welchem
diese
darauf hinwies, die Leistungsfähigkeit der Lunge
der Versicherten
sei auf 51
%
des Solls einge
schränkt und es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die somatischen Diagnosen als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit klassiert worden seien (Urk. 10). Zwar
ist anhand des beigelegten Berichts des Spitals
A._
vom 2
7.
September 2021 eine deutlich eingeschränkte kardiopulmonale Leistungsfähigkeit von 51
%
belegt (Urk. 11). Im Bericht findet sich jedoch keine Angabe zu einer allfällig daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit. Den begutachtenden Fachärzten war bekannt, dass die Beschwerdeführerin unter Atemnot leidet, es lag denn auch ein
pneumologischer
Bericht des Spitals
A._
vom 2
7.
No
vember 2020 vor (Urk. 16/81 S. 16
). Die Gutachter kamen zum Schluss, dass der Beschwerdeführe
rin lediglich körperlich leichte, überwiegend sitzende Verrichtungen zumutbar seien (Urk. 16/81 S. 10), was
zeigt, dass diese Umstände in ihre Beurteilung einflossen.
Die Vorbringen
der behandelnden Hausärztin schmälern die Beweis
kraft des
Y._
-Gutachtens daher nicht.
4.3
Die IV-Stelle stellte zu Recht auf das beweiskräftige
Y._
-Gutachten vom 9. August 2021 ab. Weitere Abklärungen sind vor diesem Hintergrund nicht notwendig (
Beweiswürdigung, vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3 mit Hinweisen; BGE 124 V 90 E. 4b).
4.4
Wie in BGE 145 V 361 dargelegt, ist in allen Fällen durch die Verwaltung beziehungsweise das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikato
ren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben.
Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befun
den, Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergeb
nisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also substantiiert darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen. Der psychiatrisch
e Sachverständige hat darzutun,
inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar
–
zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken
–
unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person (E. 4.3).
Der psychiatrische Gutachter nahm diese Prüfung vor und äusserte sich zu den einzelnen Indikatoren.
Dabei kam er unter dem beweisrechtlich entscheidenden Aspekt der Konsistenz zum Schluss,
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nicht objektivierbar
.
Die
Beschwerdeführer
in
führe den Haushalt weitgehend selbständig, fahre Auto, sei regelmässig mit dem Hund unterwegs und treffe sich mit anderen Hundebesitzern (Urk. 16/81 S. 33)
. Die Ausführungen vermögen zu überzeugen, weshalb lediglich von einer leichtgradi
gen Einschränkung auszugehen ist. Damit ist mit dem im Sozialversicherungs
recht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass
die Beschwerdeführerin
seit Januar 2019 sowohl in angestammter
als
auch in angepasster Tätigkeit zu 70
%
arbeitsfähig ist (Urk. 16/81 S. 34
).
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5.2
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenom
men, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothe
tische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts 9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil 8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
5.3
Wie bereits erläutert, ist der Beschwerdeführerin eine 70%ige Tätigkeit in ihrem angestammten Bereich zumutbar. Daher genügt
es
für die Ermittlung des Invali
ditätsgrades, die Prozentzahlen gegenüberzustellen, womit ein Invaliditätsgrad von 30
%
resultiert. Die angefochtene Verfügung ist nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
700.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), zufolge der mit Verfügung vom
5.
April 2022 bewilligten unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 22) indessen einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Beschwerde
führerin ist auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichtskosten
verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.