Decision ID: c5dd9b7c-12b6-4c1b-804f-75838ab8364e
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Studer, Studer Anwälte AG,
Hauptstrasse 11a, 8280 Kreuzlingen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 4. Mai 2009 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen für
Massnahmen für die berufliche Eingliederung an (IV-act. 1). Er gab an, er arbeite seit
dem 17. Mai 2008 zu 100 % als LKW-Fahrer für die B._ AG. Seit dem 3. November
2008 sei er zu 100 % arbeitsunfähig.
A.b Die B._ AG reichte am 14. Mai 2009 den Fragebogen für Arbeitgebende ein (IV-
act. 7). Sie gab darin an, dass der Versicherte seit dem 19. Mai 2008 als LKW-
Chauffeur für das Unternehmen arbeite und zuletzt einen Jahreslohn von Fr. 62'400.--
erzielt habe. Seit dem 5. November 2008 bis heute sei er zu 100 % krankgeschrieben.
Seine Tätigkeit beinhalte das Fahren, Beladen und Entladen des LKW. Zu seiner Arbeit
gehöre auch das Heben und Tragen von Gewichten von 10-25 kg und das Ziehen von
Paletthubwagen.
A.c Am 2. Juli 2009 fand ein Gespräch zwischen dem Versicherten und der
Eingliederungsverantwortlichen statt (IV-act. 18). Am Gespräch war die Freundin des
Versicherten als Übersetzerin anwesend. Der Versicherte gab an, dass es ihm schlecht
gehe. Er leide unter Rückenschmerzen, Krämpfen in den Händen und im linken Bein. Er
könne weder richtig laufen, noch lange sitzen oder stehen. Seine Tätigkeit bei der B._
AG sei schwer. Er fühle sich nicht in der Lage, wieder für dieses Unternehmen zu
arbeiten, da er nicht glaube, dass ihm eine leichte Tätigkeit angeboten werden könnte.
In der Folge wurde die Arbeitsvermittlung abgebrochen.
A.d In seinem Bericht vom 10. Juli 2009 gab der Hausarzt Dr. med. C._ an, der
Versicherte leide seit dem 5. November 2008 an einem proximalen Nervenwurzel-
Kompressionssyndrom S1 links bei Diskushernie LW1/2 links und seit dem 1. Februar
2009 an einem chronischen Schmerzsyndrom (IV-act. 19). Seit dem 5. November 2008
sei er bis auf Weiteres in jeder Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig.
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A.e Am 21. Juli 2009 wurde der Versicherte im Auftrag der
Krankentaggeldversicherung von Dr. med. D._, Innere Medizin und Rheumatologie
FMH, begutachtet (act. G 4.2). Dieser gab folgende Diagnosen an: Persistierender,
bisher therapierefraktärer und lumbo-sacraler Schmerz links und leichte Chondrosen
L2/3, L3/4 und L4/5. Der Gutachter erklärte, der bisherige langwierige Verlauf sei
dadurch bedingt, dass bisher nicht die richtige Diagnose gestellt worden sei. Es müsse
umgehend eine manualtherapeutische Mobilisation des linken ISG (Iliosakralgelenk)
durchgeführt werden. Chirurgische Massnahmen seien nicht indiziert. Der Behandlung
dauere ein bis maximal drei Monate. Danach sei mit einer Wiederaufnahme der Arbeit
zu rechnen.
A.f Mit Schreiben vom 3. September 2009 erklärte der Rechtsvertreter des
Versicherten, dass ein teilzeitlicher Arbeitsversuch in einer angepassten leichten
Tätigkeit dringend angezeigt sei (IV-act. 29). Er ersuchte die IV-Stelle, einen
Gesprächstermin mit der Arbeitgeberin zu vereinbaren. Am 14. September 2009 teilte
die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass ihm Beratung und Unterstützung bei der
Stellensuche bzw. beim Erhalt seines Arbeitsplatzes gewährt werde (IV-act. 31).
A.g Dr. med. E._, Rheumatologie FMH, gab am 23. September 2009 gestützt auf
eine Untersuchung vom 16. September 2009 die folgenden Diagnosen an (IV-act. 34):
Therapierefraktäres lumbosakrales Schmerzsyndrom links mit ausgeprägter Wirbel
säulenfehlstatik und Schongang, muskulärer Dysbalance und exquisiter Druckdolenz
im lumbosakralen Übergangsbereich links, kernspintomografischem Nachweis einer
beginnenden Chondrose L1/2, L2/3 und L4/5 mit Diskusprotrusion L2/3 und L4/5 ohne
Neurokompression, einer kleinvolumigen medio-linkslateralen subligamentären
Diskushernie L1/2 ohne sichere Neurokompression sowie mögliche Hemisakralisation
von LWK 5 links mit Nearthrose L5/S1 links ohne Sakroiliakalgelenksdysfunktion. Im
Übrigen habe er gegenüber der Untersuchung von Dr. D._ keine neuen klinischen
Befunde von Relevanz gefunden. Der PACT-Score habe weit unterhalb der
Belastungsgrenze für eine leichte körperliche Tätigkeit mit seltenem Heben von
maximal 5 kg gelegen, was auf eine beginnende Schmerzverarbeitungsstörung
hinweisen könnte. Aufgrund des Verlaufs und der Therapieresistenz auf sämtliche
bisher durchgeführten konservativen therapeutischen Massnahmen sehe er keine
Möglichkeiten, dem Versicherten im Rahmen eines ambulanten Settings
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weiterzuhelfen. Es sollte baldmöglichst eine intensive stationäre Rehabilitation
angestrebt werden.
A.h Nachdem sich die Arbeitgeberin des Versicherten zu einem Arbeitsversuch in der
Wäscherei bereit erklärt hatte, wurde die IV-Stelle darüber informiert, dass sich der
Versicherte seit dem 11. November 2009 in stationärer Behandlung in der Klinik Valens
befinde. Am 22. Januar 2010 teilte die Arbeitgeberin mit, dass sie die
Vertragsauflösung veranlassen werde (IV-act. 44).
A.i Gemäss dem Austrittsbericht der Klinik Valens vom 11. Januar 2010 dauerte der
stationäre Aufenthalt vom 11. November bis am 8. Dezember 2009 (IV-act. 45). Die
Diagnosen lauteten wie folgt: Lumbospondylogenes Syndrom, zervikozephales Syn
drom, Anpassungsstörung mit ängstlicher Reaktion und Verdacht auf somatoforme
Störung (DD: Dissoziative Störung). Bei der klinischen Untersuchung hätten sich eine
Fehlhaltung und -statik der Wirbelsäule sowie eine Haltungsinsuffizienz gezeigt. Die
Beweglichkeit in der gesamten Wirbelsäule sei eingeschränkt gewesen. Es hätten
weder funktionelle Einschränkungen des Achsenskelettes noch der peripheren Gelenke
und auch keine Radikulopathie festgestellt werden können. Das Beschwerdebild sei
wohl durch muskuläre Reaktionen bestimmt, die von psychologischen Gründen
unterhalten würden. Während des stationären Aufenthalts habe langsam eine
Verbesserung der Kraft und Ausdauer erreicht werden können. Das Schmerzverhalten
sei aber auffällig geblieben. Am 1. Dezember 2009 sei der Versicherte
fremdanamnestisch mit steifem Körper ohne Schutzreflex auf die rechte Seite gefallen.
Bei der klinischen Untersuchung hätten keine Zeichen für eine Commotio festgestellt
werden können. Nach Rücksprache mit einer Neurologin habe auch eine epileptogene
Genese ausgeschlossen werden können. Der Versicherte sei zur Abklärung und
Beobachtung ins Kantonsspital Graubünden verlegt worden. Nach unauffälliger
Überwachung sei er am 2. Dezember 2009 in die Klinik Valens zurückverlegt worden,
da ein Schädel-CT und das Labor unauffällig gewesen seien. Das Kantonsspital habe
erklärt, dass es sich am ehesten um einen psychogenen Stupor gehandelt habe. Im
weiteren Verlauf sei der Versicherte diesbezüglich unauffällig gewesen. Der Versicherte
sei wegen des Anfalls am 1. Dezember 2009 in seiner angestammten Tätigkeit zurzeit
nicht arbeitsfähig (IV-act. 46). Sofern er im März 2010 fahrtauglich erklärt werde, sei er
ab dann wieder ganztags arbeitsfähig. Seine Leistungsfähigkeit sei jedoch vermindert,
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da er nur mit leichten bis mittelschweren Gewichten hantieren sollte. In leichten bis
mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeiten, ohne längere Tätigkeiten in
vorgeneigter Körperhaltung und mit nur wenigen Arbeiten mit Rotationen der
Wirbelsäule unter Last sei er ohne Leistungsverminderung zu 100 % arbeitsfähig.
A.j Laut dem Bericht von Dr. med. F._, Chefarzt Psychiatrie und Psychotherapie
FMH der Klinik G._, vom 4. Juni 2010, hatte der Versicherte vom 15. Februar bis am
16. April 2010 eine ambulante Rehabilitationsbehandlung in der Klinik G._ absolviert
(IV-act. 55). Dr. F._ diagnostizierte eine mittelgradige depressive Episode mit
somatischen Symptomen, eine generalisierte Angststörung sowie eine ausgeprägte
Akzentuierung der ängstlich-infantilen Persönlichkeitszüge. Der Versicherte habe
angegeben, seit dem Vorfall am 1. Dezember 2009 in der Klinik Valens unter ständigen
Schwindelgefühlen und Übelkeit zu leiden. Er sei massiv verunsichert, innerlich
angespannt, schlafe schlecht, spüre eine ungewöhnliche Lustlosigkeit, Kraftlosigkeit
und Unkonzentriertheit. Während des Gesprächs habe er leichte
Konzentrationsstörungen gezeigt. Im formalen Denken habe er über die Ängste und
Befürchtungen gegrübelt. Im Affekt sei er deprimiert, ausgeprägt verängstigt und
verunsichert, innerlich angespannt und unruhig gewesen. Seine affektive
Schwingungsfähigkeit sei reduziert gewesen. Auch im Antrieb sei er deutlich
vermindert und motorisch wenig lebhaft gewesen. Der Versicherte habe anfänglich eine
deutliche Selbstlimitierungstendenz gezeigt, wobei im Verlauf der Rehabilitation die
Angst vor den Aktivitäten sowie die Schonhaltung deutlich habe reduziert werden
können. Er habe sich vordergründig sehr kooperativ präsentiert, die Gespräche hätten
aber meistens in der Schilderung der diversen körperlichen Beschwerden bestanden.
Erst gegen Ende der Rehabilitation habe er angefangen, die psychosozialen
Hintergründe seiner Beschwerden nachzuvollziehen und zu akzeptieren. Die
Feststellung einer somatischen Schwindelursache habe ihn anfänglich bestätigt, später
aber zusätzlich verunsichert. Insgesamt sei es im Verlauf der Rehabilitation zu einer
zunehmenden Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit, einer deutlichen
Rückbildung der depressiven Symptome und einer leichten Verbesserung des
Selbstvertrauens gekommen. Der Versicherte sei auf dem freien Wirtschaftsmarkt zu
100 % arbeitsunfähig. Dr. F._ empfahl ein Arbeitstraining im geschützten Rahmen.
Als Lastwagenchauffeur könne der Versicherte aufgrund der Konzentrationsabfälle, der
Schwindelgefühle und der Ängstlichkeit offenbar nicht mehr arbeiten.
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A.k Der Hausarzt attestierte dem Versicherten am 11. Juni 2010 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % für jede Tätigkeit (IV-act. 55). Am 9. September 2010
teilte der Versicherte der IV-Stelle auf Nachfrage mit, dass seine Arbeitgeberin ihm
gekündigt habe (IV-act. 61). Er sei zu 100 % arbeitsunfähig und könne deshalb keine
berufliche Abklärung im geschützten Rahmen absolvieren. Am 27. Januar 2011
verfügte die IV-Stelle den Abschluss der Arbeitsvermittlung (IV-act. 70).
A.l Am 20. Oktober 2010 berichtete Dr. med. H._, Spezialarzt FMH für Oto
rhinolaryngologie, dem Rechtsvertreter (IV-act. 77 S. 27 ff.), dass er den Versicherten
erstmals am 1. März 2010 untersucht habe. Über medizinische Vorakten verfüge er
nicht. Als Diagnosen gab er einen Status nach Contusio capitis (mit Fraktur) und ein
postcommotionelles Syndrom an (u.a. mit Hochtonsenke links von 13.3 % und post
traumatischer Belastungsstörung). Die Behandlung mit Antidepressiva reduziere die
Reaktionsfähigkeit im Bereich des Gleichgewichtssystems und rufe eine relativ starke
Müdigkeit hervor. Er habe dem Versicherten Anfang Oktober daher eine ergänzende
medikamentöse Therapie verschrieben. Bei der Verlaufskontrolle am 15. Oktober 2010
habe der Versicherte von einer deutlichen Besserung bezüglich der Müdigkeit und der
Schwindelsymptomatik berichtet. Rein aus neuro-otologischer Sicht könne man beim
Versicherten von einem Integritätsschaden zwischen 25 und 30 % und einer
Arbeitsunfähigkeit von 30 % ausgehen. Da die Funktion innerhalb des
Gleichgewichtssystems auch von einer psychischen Problematik und von
lumboischialgischen Beschwerden links abhängig sei, lasse sich aus neuro-
otologischer Sicht keine sichere Prognose stellen
A.m Der Versicherte wurde am 22. Juni und 8. Juli 2011 von der ABI GmbH polydiszi
plinär begutachtet (Gutachten vom 25. Oktober 2011, IV-act. 77). Die Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten wie folgt: Leichte bis mittelschwere Störung
des Gleichgewichtsfunktionssystems, Tinnitus auris beidseits und chronisches
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter eine Somatisierungsstörung, einen Status nach
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, eine dissoziative Störung,
unreife Persönlichkeitszüge, eine moderate Hochtonschwerhörigkeit links (15.8 %),
eine arterielle Hypertonie und anamnestisch eine Dyslipidämie an. Dr. I._, FMH
Rheumatologie, gab an, der Versicherte habe anlässlich der Untersuchung über
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Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule mit Ausstrahlung in den lateralen Oberschenkel
geklagt. Der linke Oberschenkel und das ganze linke Bein seien zusätzlich "schwach
und gefühllos". Wegen Hinterkopfschmerzen in Rückenlage schlafe er sehr schlecht. Er
könne kaum noch essen, da er wegen Krampferscheinungen in beiden Händen das
Besteck nicht mehr halten könne. Bei der aktuellen klinischen Untersuchung seien in
erster Linie eine ganz ungewöhnliche Schonhaltung und sehr ausgedehnte
Schonbewegungen aufgefallen. Beim Gehen habe der Versicherte das linke Bein
konstant im Kniegelenk gestreckt gehalten. Es liege eine massive Schräghaltung des
Oberkörpers nach rechts vor. Bei Aufforderung zur Bewegung des linken Beines sei an
beiden Beinen ein sakkadierter Tremor aufgetreten. Der Einbeinstand sei beidseits
nicht möglich gewesen. Bewegungsprüfungen der LWS seien wegen aktiven
Gegeninnervationen nicht möglich gewesen. Folglich seien auch der Finger-Boden-
Abstand und der lumbale Schober nicht messbar gewesen. Auch die Untersuchung der
Knie- und Hüftgelenke sei wegen aktiven Gegeninnervationen wegen der Provokation
von Lumbalschmerzen erschwert gewesen. Es seien aber beidseits keine eindeutigen
Bewegungseinschränkungen feststellbar gewesen. Muskuläre Atrophien seien am
linken Bein nicht vorhanden gewesen. Bei der Prüfung des Lasègue-Zeichens sei es
rechts bei ca. 30° und links bereits bei ca. 5-10° zu heftiger Gegeninnervation wegen
Provokation von Lumbalschmerzen gekommen. Die Berührungssensibilität habe im
gesamten Bereich des linken Oberschenkels gefehlt; sie sei am ganzen linken
Unterschenkel und Fuss im Seitenvergleich vermindert gewesen. Die Prüfung der rohen
Kraft am linken Bein sei nicht möglich gewesen. In sämtlichen Myotomen von Hüfte bis
Fuss sei formal eine massive Parese Grad II-III vorhanden gewesen. Die Bewegungen
im Knie- oder Hüftgelenk links habe der Versicherte mit den Armen unterstützt. Im
Rahmen der Spontanbewegungen seien die Bewegungen des linken Fusses jedoch
nicht behindert gewesen. Sämtliche Sehnenreflexe an beiden Beinen seien
symmetrisch normal auslösbar gewesen. Zusammenfassend könne festgehalten
werden, dass die geschilderte Schmerzsymptomatik einem chronifizierten,
lumbospondylogenen Schmerzsyndrom entspreche. Dieses sei auf die degenerativen
Diskopathien an der LWS zurückzuführen. Allerdings seien radiomorphologisch keine
Hinweise für eine Neurokompromittierung oder eine andere spezifische
Schmerzursache gefunden worden, weshalb der vollständig therapieresistente Verlauf
ganz ungewöhnlich sei. Die klinisch vorhandenen Auffälligkeiten bei der neurologischen
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Untersuchung des linken Beines könnten weder durch eine Affektion des
Bewegungsapparates noch durch eine neurologische Ursache erklärt werden. Sowohl
die Sensibilitätsstörungen als auch die demonstrierten Paresen seien ganz diffus
verteilt, ohne radikuläres oder peripher-neurologisches Muster. Nach zweijährigem
Verlauf müsste bei relevanter neurogener Parese auch eine Atrophie der
entsprechenden Muskulatur erwartet werden. Das Lasègue-Zeichen entspreche
eindeutig einem sog. Pseudo-Lasègue mit Provokation von lediglich lumbalen
Schmerzen ohne radikuläre Ausstrahlungen. Die demonstrierten Schonhaltungen und
Schonbewegungen fänden kein Korrelat in einer Erkrankung des Bewegungsapparates.
Die nachgewiesenen Veränderungen an der LWS könnten das klinische Gesamtbild mit
Sicherheit nicht begründen. Eine primäre ISG-Dysfunktion sei bei einem über 40-
jährigen Mann eher selten, zeige üblicherweise keinen chronifizierten Verlauf und hätte
auf die durchgeführten Therapiemassnahmen wie Manipulationen oder Infiltrationen
reagieren müssen. Ausserdem würde auch eine isolierte ISG-Dysfunktion das klinische
Gesamtbild in keiner Art und Weise erklären. Aus rheumatologischer Sicht bestehe der
dringende Verdacht auf eine Schmerzverarbeitungsstörung und es müsse
angenommen werden, dass im Laufe der Chronifizierung ‒ am ehesten in
Zusammenhang mit einem inadäquaten Schonverhalten ‒ eine lokoregionäre
Symptomausweitung eingetreten sei. Aus rheumatologischer Sicht liege funktionell eine
mässiggradige Einschränkung der Wirbelsäulenbelastbarkeit vor, die auf die
nachgewiesenen degenerativen Diskopathien an der LWS zurückzuführen sei.
Tätigkeiten mit starker und mittelstarker Rückenbelastung seien dem Versicherten
deshalb nicht mehr zumutbar. In einer körperlich leichten Tätigkeit mit nur leichter
Rückenbelastung sowie der Möglichkeit zu Wechselpositionen bestehe keine relevante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Retrospektiv könne die Arbeitsunfähigkeit in den
letzten Jahren nicht konklusiv beurteilt werden, weshalb auf die Attestierung der früher
behandelnden Ärzte abgestützt werden müsse. Zur Erhöhung der diagnostischen
Sicherheit empfahl Dr. I._, gelegentlich eine neurologische Abklärung inklusive
elektrophysiologische Untersuchung durchzuführen. Dr. med. J._, FMH ORL, gab an,
der Versicherte leide subjektiv seit dem Sturzereignis am 1. Dezember 2009 unter einer
intermittierenden Dysbalance im Sinne einer Unsicherheit mit "Schwarz werden vor den
Augen" sowie dem Gefühl von "zusammensacken" mit einer Dauer von Sekunden bis
Minuten. Die Beschwerden träten regelmässig auf, wobei sie unterschiedlich
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ausgeprägt seien. Zusätzlich bestünden beim Aufstehen häufig eine Nausea sowie das
Gefühl von "Schwarz werden vor den Augen". Im Rahmen der Dysbalance bestehe
auch ein Angstgefühl, sich alleine draussen fortzubewegen. Des Weiteren bestehe eine
Dysbalance beim Gehen. Das Gehör sei subjektiv unauffällig, einen Tinnitus habe der
Versicherte negiert. Im Rahmen der audiologischen Untersuchung habe eine leichte
Hochtonschwerhörigkeit links objektiviert werden können. Aktuell habe sich eine
symmetrische labyrinthäre Erregbarkeit im Rahmen der kalorischen Prüfung gezeigt.
Auffällig sei einzig eine eingeschränkte visuelle Koordination, mit vielen
Augeneinstellsakkaden bei fehlender Fixation unter der Frenzel-Brille. In Anbetracht der
aktuellen sowie der vorgängigen klinischen Befunde könne diese vestibuläre
Funktionsstörung die intermittierenden kurzzeitigen Schwindelbeschwerden/
Dysbalance erklären. In Anbetracht der zusätzlichen Beschwerden im Bereich des
Achsenskeletts müsse allerdings von einer multifaktoriell bedingten
Gleichgewichtsfunktionsstörung ausgegangen werden, insbesondere weil sowohl eine
zentrale als auch eine retrocochleäre Pathologie mittels Magnetresonanztomographie
des Neurocraniums habe ausgeschlossen werden können. Typische Befunde hätten
zum jetzigen Zeitpunkt nicht objektiviert werden können. Eine konklusive Aussage über
eine mögliche Schädelfraktur anlässlich des Sturzereignisses vom 1. Dezember 2009
könne retrospektiv nicht gemacht werden: Die bildgebende Diagnostik mittels
Computertomographie vom 4. Februar 2010 habe nur eine aufgeworfene, irregulär zur
Darstellung kommende Schädelkalotte parieto-occipital links objektivieren können. Die
moderate Hochtonschwerhörigkeit links stelle keine stärkere auditive Einschränkung
dar; einzig bei gesteigertem Umgebungsgeräuschpegel könnten sich auditive
Schwierigkeiten ergeben. Aufgrund der leichten bis mittelschweren Störung des
Gleichgewichtsfunktionssystems mit konsekutiven intermittierenden kurzzeitigen
Schwindelbeschwerden/Dysbalance seien sturzgefährdende Tätigkeiten sowie
Tätigkeiten mit Eigen- oder Fremdgefährdung nicht mehr geeignet. Das berufsmässige
Führen eines Kraftfahrzeuges sei zurzeit nicht empfehlenswert. In Anbetracht der
otoneurologisch objektivierbaren leichten bis mittelschweren Befunde sowie der
schweren subjektiven Beschwerden gemäss Berechnung der Störung des
Gleichgewichtsfunktionssystems sei die Arbeitsfähigkeit in quantitativer Hinsicht zu 25
% eingeschränkt. Der Zeitpunkt des Auftretens der vestibulären Beschwerden könne
auf das Jahr 2009 zurückgeführt werden. Dr. J._ erklärte sodann, dass er die
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Untersuchungsbefunde von Dr. H._ teilweise habe bestätigen können. Auch dieser
habe eine moderate Hochtonschwerhörigkeit links sowie eine vestibuläre
Funktionsstörung diagnostiziert. Eine labyrinthäre Unterfunktion im Sinne einer
cochleären Funktionsstörung habe aktuell allerdings nicht objektiviert werden können.
Auch hätten keine typischen Befunde einer Contusio labyrinthi eruiert werden können.
Die Befunde der vorgängigen posturallen Prüfung seien in Anbetracht der subjektiven
Beschwerden im Bereich des Achsenskeletts kaum verwertbar. Die Befunde im Bereich
der visuellen Kontrolle des Gleichgewichtssystems könne er hingegen bestätigen.
Gemäss Dr. med. K._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, habe der Versicherte
anlässlich der Begutachtung angegeben, dass er sich in ambulanter psychiatrischer
Behandlung befinde (Gespräche in dreiwöchigem Abstand). Er wisse nicht, ob er noch
arbeiten könne. Falls er eine Arbeit hätte, würde er es probieren. Zurzeit suche er aber
keine Arbeit. Tagsüber sei er meistens in der Wohnung, lese Zeitungen, sehe fern,
beschäftige sich mit dem PC und telefoniere mit Verwandten und Bekannten. Am
Wochenende hätten er und seine Freundin regelmässig Besuch oder gingen auf
Besuch. Es gehe ihm andauernd schlechter. Er mache sich Sorgen, wie sein Leben
weiter gehen werde. Dr. K._ erklärte, dass eine psychische Überlagerung
angenommen werden müsse, da das Ausmass der geklagten körperlichen
Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeugung durch die somatischen
Befunde nicht hinreichend hätten objektiviert werden können. Aufgrund der geklagten
Sensibilitätsstörungen, dem Schwindel und den Gleichgewichtsstörungen könne eine
Somatisierungsstörung diagnostiziert werden. Bei den unklaren Bewusstseinsverlusten
handle es sich um dissoziative Symptome. Die in den Akten erwähnten depressiven
Verstimmungen seien zum Untersuchungszeitpunkt nicht feststellbar gewesen.
Eigentliche Angstsymptome seien nicht vorhanden. Der Versicherte ängstige sich
einzig vor der Zukunft, da die Freundin langsam ungeduldig werde, weil sie ihn
finanziell unterstütze. Auffallend sei, dass sich der Versicherte wenig aktiv um seine
Situation kümmere. Einerseits habe er das Gefühl, er könne arbeiten, andererseits habe
er gegenüber den Behörden und auch im Rahmen der Begutachtung immer wieder
betont, dass er kaum arbeiten könne. Dies lasse auf unreife Persönlichkeitszüge
schliessen. Eine eigentliche Persönlichkeitsstörung könne nicht diagnostiziert werden:
Der Versicherte habe während Jahren ohne Schwierigkeiten als Chauffeur gearbeitet,
sei verheiratet gewesen und habe einen grossen Bekannten- und Freundeskreis
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gehabt. Eine Persönlichkeitsstörung hätte die Arbeitsfähigkeit und die sozialen
Beziehungen ab Eintritt ins Erwachsenenalter massiv eingeschränkt. Dass alle
therapeutischen Bemühungen gescheitert seien, hänge wesentlich damit zusammen,
dass der Versicherte aufgrund der ausgeprägten subjektiven Krankheitsüberzeugung
wenig Motivation zeige, sich trotz allfälliger Restbeschwerden aktiv um seine Genesung
zu bemühen und sich wieder den Belastungen der Arbeitswelt auszusetzen. Schwere,
lebensgeschichtliche Belastungen fänden sich nicht. Hinweise auf unbewusste
Konflikte fehlten und ein primärer Krankheitsgewinn sei nicht vorhanden. Aus
psychiatrischer Sicht könne es dem Versicherten daher zugemutet werden, trotz der
geklagten Beschwerden die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um ganztags
einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Dr. F._ habe eine mittelgradige depressive
Episode, eine generalisierte Angststörung und eine Akzentuierung ängstlich-infantiler
Persönlichkeitszüge diagnostiziert. Er habe jedoch auch erwähnt, dass sich die
depressive Symptomatik während des Klinikaufenthaltes bereits wesentlich gebessert
habe. Zusammengefasst gaben die Gutachter an, dass der Versicherte aus
polydisziplinärer Sicht für körperlich leichte, wechselbelastende, nicht
sturzgefährdende Tätigkeiten zu 75 % arbeits- und leistungsfähig sei. Die
Arbeitsfähigkeit sei in einem ganztägigen Pensum mit vermehrten Pausen verwertbar.
Körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten wie die des Lastwagenchauffeurs
seien ihm nicht mehr zumutbar.
A.n Auf interne Anfrage hin erklärte der RAD-Arzt Dr. L._ am 25. November 2011,
dass vollumfänglich auf das ABI-Gutachten abgestellt werden könne: Es sei um
fassend, konsistent, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei (IV-act. 78).
B.
B.a Mit Vorbescheid vom 30. November 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass die Abweisung des Rentengesuchs vorgesehen sei (IV-act. 81). Die
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als LKW-Chauffeur seit dem 5.
November 2008 sei ausgewiesen. Mit Behinderung sei ihm eine adaptierte Tätigkeit zu
75 % bei einem vollen Zeitpensum zumutbar. Für die Festlegung des
Valideneinkommens zog die IV-Stelle das Einkommen des Versicherten als LKW-
Chauffeur im Jahr 2009 heran (13 x Fr. 4'800.-- = Fr. 61'400.--). Das
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Invalideneinkommen von Fr. 44'984.-- entsprach 75 % des durchschnittlichen
Jahreseinkommens eines Hilfsarbeiters im Jahr 2008 (Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik, LSE). Daraus resultierte ein nicht rentenbegründender IV-
Grad von 28 % (IV-act. 79).
B.b Am 13. Januar 2012 liess der Versicherte einen Einwand gegen den Vorbescheid
erheben (IV-act. 84). Sein Rechtsvertreter beantragte die Zusprache einer ganzen
Rente ab 1. November 2009; eventualiter seien ergänzende Abklärungen vorzunehmen.
Der Rechtsvertreter machte geltend, das ABI-Gutachten sei mangelhaft. In formeller
Hinsicht kritisierte er, dass das Gutachten keine Literaturverweise beinhalte. In
materieller Hinsicht bemängelte er, dass der Zusammenhang zwischen den gestellten
Diagnosen und der Untersuchung vor dem Hintergrund der Vorakten unklar sei. Die
Schlussfolgerungen seien daher nicht nachvollziehbar und nicht schlüssig. Auch sei
keine neurologische Untersuchung durchgeführt worden, obwohl eine solche aufgrund
der beklagten Beschwerden (Schwindel, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Lustlosigkeit,
Kraftlosigkeit, Konzentrationsstörung, Hinterkopfschmerzen etc.) indiziert gewesen sei.
Das Gutachten sei daher nicht umfassend. Des Weiteren seien die Vorakten
unzureichend berücksichtigt worden. So sei der psychiatrische Gutachter von einer
anhaltenden Besserung der mittelgradigen Depression seit dem stationären
Klinikaufenthalt ausgegangen, obwohl die behandelnden Ärzte Dr. F._ und Dr. C._
keine nennenswerte Besserung festgestellt hätten. Auch die Schlussfolgerungen im
rheumatologischen Teilgutachten seien nicht hinreichend begründet worden. Obwohl
bei der Untersuchung eine ungewöhnliche Schonhaltung und Schonbewegung bei
massiver Schräghaltung des Oberkörpers nach rechts begleitet von einem Tremor
aufgefallen und von einer möglichen ISG-Dysfunktion gesprochen worden sei, sei ohne
stichhaltige Begründung oder Abklärung eine Schmerzverarbeitungsstörung/
Symptomausweitung angenommen worden. Insbesondere seien der Sturz und seine
aktenkundigen Folgen vom rheumatologischen Gutachter nicht erwähnt worden. Auch
das ORL-Gutachten überzeuge nicht: Es sei nicht nachvollziehbar begründet worden,
weshalb die von Dr. H._ festgestellten Resultate nur teilweise hätten bestätigt
werden können. Bezüglich des ORL-Gutachtens verwies der Rechtsvertreter zudem
auf einen beigelegten Bericht von Dr. H._ vom 9. Januar 2012 (IV-act. 84 S. 24 ff.).
Insgesamt tauge das ABI-Gutachten nicht als alles entscheidendes Beweisstück zur
Beurteilung, ob ein Rentenanspruch bestehe. Der Rechtsvertreter argumentierte weiter,
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dass das bestehende System der Begutachtung durch eine MEDAS keine neutrale und
unabhängige Begutachtung zu gewährleisten vermöge: Erstens seien die MEDAS von
den Aufträgen der IV wirtschaftlich abhängig. Zweitens müssten Gutachten zu einem
Pauschalpreis erledigt werden, die den Abklärungsaufwand nicht deckten. Drittens
bestimme die IV die Gutachterstellen im Einzelfall und habe im Rahmen der
Auftragserteilung und -ausführung auch schon Druck auf ein für sie günstiges Ergebnis
ausgeübt. Viertens sei es eine Erfahrungstatsache, dass sich die Sichtweise einer
Medizinalperson, welche sich auf die Gutachtertätigkeit spezialisiere, derjenigen der
Verwaltung annähere. Dass das bestehende System die Rechte der Versicherten auf
eine unabhängige und neutrale Begutachtung nicht zu gewährleisten vermöge, zeige
sich gerade auch daran, dass die bisher bekannt gewordenen Vorkommnisse keine
Konsequenzen gehabt hätten. Dr. M._, Miteigentümer und Gesamtleiter der ABI
GmbH, habe in mehreren Fällen ohne Rücksprache mit den beteiligten Co-Gutachtern
das Ergebnis von Gutachten zum Nachteil der Versicherten abgeändert. Dennoch sei
die ABI GmbH die MEDAS mit dem höchsten Auftragsvolumen geblieben. Dass Dr.
M._ die Teilgutachten im Interesse der IV abgeändert habe, zeige, dass er seine
eigenen wirtschaftlichen Interessen zu befördern versuche und dieses Interesse über
das Ziel einer fairen Begutachtung stelle. Die IV-Stellen hätten diesem Institut keine
Aufträge mehr erteilen dürfen. Durch die Erteilung des Gutachtensauftrages an die ABI
GmbH sei der Anspruch des Versicherten auf ein faires Verfahren und den Grundsatz
der Waffengleichheit gemäss Art. 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention
verletzt worden. Das Gutachten sei daher aus dem Recht zu weisen. Dem Einwand
legte der Rechtsvertreter drei ärztliche Berichte bei (IV-act. 84 S. 22 ff.). Im Bericht von
Dr. H._ vom 9. Januar 2012 sind die folgenden Diagnosen angegeben (IV-act. 84 S.
24 ff.): Status nach Contusio capitis mit passivem HWS-Abknicktrauma und Commotio
cerebri et labyrinthi links (1. Dezember 2009), postcommotionelles Syndrom und
posttraumatische Labyrinthopathie links (mit Hochtonsenke links [Hörverlust 20.1 %],
peripher-zentraler vestibulärer Funktionsstörung links, visuo-visuo-oculomotrischer
Funktionsstörung und mit Funktionsstörung entlang des vestibulo-spinalen und
cervico-spinalen Reflexes) und linksseitige Cervico-Cephalgien bei Reizzustand des
oberen cervicalen Rezeptoren-Pools links. Dr. H._ erklärte, dass ‒ soweit ihm
bekannt ‒ keine neuroophthalmologische und funktionell-optometrische Untersuchung
durchgeführt worden sei; dies müsse wegen der visuellen Symptomatik unbedingt
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nachgeholt werden. Das ORL-Teilgutachten habe formelle, strukturelle und fachliche
Schwächen: So spreche der ORL-Gutachter fälschlicherweise von einer ORL-
Untersuchung, ORL-Diagnose und ORL-Beurteilung und nicht von einer audio-neuro-
otologischen und aequilibriometrischen Untersuchung. Sodann handle es sich um eine
sehr rudimentäre diagnostische Testbatterie, welche es nicht ermögliche, eine
objektive Beurteilung der Funktionsstörung innerhalb des multimodalen
Gleichgewichtssystems vorzunehmen. Von den 10-12 standardisierten Testverfahren
der sophistizierten neuro-otometrischen Testbatterie seien lediglich 3-4 Tests
durchgeführt worden. Die vestibulären Untersuchungen seien ohne computermässige
quantitative Auswertung erfolgt. Der ORL-Gutachter habe bei der Beschreibung der
erhobenen Befunde nicht korrekte neuro-anatomische Begriffe und Definitionen
gebraucht: Statt von einer unauffälligen labyrinthären Erregbarkeit hätte er von einer
physiologischen, symmetrischen vestibulären Erregbarkeit sprechen müssen. Zudem
widerspreche dieser Befund seinem späteren Befund einer vestibulären Funktions
störung (auf welcher Seite?). Der Gutachter habe weiter angegeben, dass aktuell keine
labyrinthäre Unterfunktion objektiviert werden könne: Wenn man jedoch einen
spontanen Rechtsnystagmus und Provokationsnystagmus nach rechts feststelle, sei
mit grosser Wahrscheinlichkeit eine periphere Unterfunktion des lateralen Bogen
ganges links anzunehmen. Weiter sei vom Gutachter keine Registrierung der vestibulär
evozierten Potentiale durchgeführt worden; bei seiner Untersuchung habe diese
gezeigt, dass der sacculo-collische Reflex links fehle, was auch für eine
Otolithenfunktionsstörung links spreche. Die Befunde sprächen unmissverständlich für
eine cochleäre Läsion, die es erlaube, objektiv von einer labyrinthären
Funktionsstörung des linken Labyrinthes zu sprechen. Der ORL-Gutachter habe
sodann von einer eingeschränkten visuellen Koordination gesprochen, was eine
ungewöhnliche Beschreibung einer visuo-visuo-oculomotrischen Funktionsstörung sei.
Eine solche Aussage könne man ohne Durchführung einer kompletten
Elektronystagmographie mit Erhebung aller Parameter der regulativen Reflexbögen
nicht machen, da man nicht wissen könne, in welchem der drei visuo-oculomotrischen
Subsystemen eine solche Funktionsstörung vorliege. Auch eine visuo-vestibuläre
Integrationsstörung könne ohne die Elektronystagmographie nicht richtig beurteilt
werden. Somit sei eine präzise Diagnose aus topo-anatomischer und patho-
physiologischer Sicht nicht möglich. Die Aussage, dass die posturale Prüfung wegen
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Beschwerden im Bereich des Achsenskeletts kaum verwertbar sei, sei ebenfalls nicht
korrekt: Die computerisierte dynamische Posturographie auf der Leonardo-Plattform
mit Untersuchung auf reflektorischer und willkürlicher Ebene mit Rohdatenanalyse
ermögliche es, eine solche Auswertung objektiv vorzunehmen. Weiter habe der ORL-
Gutachter erklärt, dass das Gehör subjektiv unauffällig und ein Tinnitus negiert worden
sei. Bei den Diagnosen habe er jedoch einen Tinnitus auris beidseits erwähnt.
Insgesamt sei die Beurteilung des ORL-Gutachters unseriös und unglaubwürdig. Seine
eigenen posturographischen Untersuchungen hätten eine Tendenz zur
Verschlechterung der Gleichgewichtskontrolle gezeigt, was in Übereinstimmung mit
dem progredienten klinischen Beschwerdebild stehe. Auch die
elektronystagmographischen Befunde hätten eine Verschlechterung der Funktion
innerhalb des Gleichgewichtssystems auf reflektorischer Ebene mit deutlicher
Integrationsstörung am vestibulären Kernkomplex im Hirnstamm und fehlender
Tendenz für eine stabile Kompensation gezeigt. Für die Zunahme der Funktionsstörung
im ponto-mesencephalen Bereich sprächen auch die Befunde der akustisch evozierten
Potentiale mit cochleo-mesencephaler Leitzeit, welche jetzt mittel- bis hochgradig
verlängert sei. Objektiv betrachtet habe man es daher mit einer zunehmenden
Funktionsstörung innerhalb des Gleichgewichtssystems und mit einem äquivalenten
Schwindel Handicap Index von 70 % zu tun. Dieser international anerkannte Index sei
von den Gutachtern nicht erfasst worden. Anhand der sieben Auswertungskriterien
nach J. Goebel könne man eine Aggravation und/oder Simulation mit 95%iger
Sicherheit ausschliessen. Aus den erhobenen Befunden zusammen mit dem Schwindel
Handicap Index lasse sich ein Integritätsschaden von 45 % ausrechnen. Gestützt auf
diese objektiven Kriterien könne man aus neuro-otologischer Sicht für sämtliche
Arbeitstätigkeiten von einem Invaliditätsgrad bzw. von einer Arbeitsunfähigkeit von
45-50 % ausgehen. Dem Bericht von Dr. F._ vom 28. April 2011 (IV-act. 84 S. 22) war
zu entnehmen, dass der Versicherte weiterhin unter den Symptomen einer depressiven
Episode (gegenwärtig in leichtem bis mittelgradigem Ausmass), einer generalisierten
Angststörung sowie einer intermittierenden Akzentuierung ängstlich-infantiler
Persönlichkeitszüge leide. Insbesondere die Symptome einer generalisierten
Angststörung (Schwindelgefühle) seien ihm immer noch ein Rätsel, v.a. seit ihm
mitgeteilt worden sei, dass beim Versicherten doch eine Schädelfraktur nachgewiesen
worden sei. Solange die somatische Seite nicht genau abgeklärt worden sei, könne
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er daher keine klare Stellung zu den Diagnosen und der Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht nehmen. Der Hausarzt hatte am 16. März 2011 ‒ neben den
Diagnosen von Dr. H._ ‒ die folgenden Diagnosen angegeben (IV-act. 84 S. 23):
Proximale Nervenwurzel-Kompressionssyndrom S1 links bei Diskushernie LW1/2 links,
chronisches Schmerzsyndrom, posttraumatische Belastungsstörung und schwere
Depression mit somatischen Symptomen.
B.c In seiner Stellungnahme vom 16. Februar 2012 zum Einwand und zum Bericht von
Dr. H._ vom 9. Januar 2012 gab das ABI an (IV-act. 88), dass es vollumfänglich an
seinem Gutachten festhalte. In seinem ersten Bericht habe Dr. H._ die
Arbeitsunfähigkeit auf 30 % geschätzt. Nach dem Gutachten habe er sie auf Nachfrage
des Rechtsvertreters auf 45-50 % erhöht. Dr. H._ führe bekanntermassen seit Jahren
ausserordentlich viele Untersuchungen durch, die letztlich nur wenig zur
alltagsrelevanten Situation beitragen würden. Sodann habe Dr. H._ aufgrund eines
hypothetischen Integritätsschadens eine gleichlautende Arbeitsunfähigkeit abgeleitet.
Der Integritätsschaden habe allerdings nichts mit der Arbeitsfähigkeit zu tun, da beim
Integritätsschaden eine pauschale Beurteilung erfolge und auch qualitative Faktoren zu
berücksichtigen seien. Auf interne Anfrage hin hielt Dr. L._ am 16. April 2012 fest,
dass der RAD die Stellungnahme des ABI zum Einwand stütze (IV-act. 90).
C.
C.a Mit Verfügung vom 17. April 2011 (richtig: 17. April 2012) wies die IV-Stelle das
Rentengesuch aus den im Vorbescheid genannten Gründen ab (IV-act. 91). Zum Ein
wand des Rechtsvertreters hielt sie fest, dass das ABI an seinem Gutachten festhalte
und auch der RAD die Stellungnahme des ABI zum Einwand stütze. Es werde daher an
der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter festgehalten.
C.b Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
16. Mai 2012 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Rückweisung zur Vornahme eines korrekten
Verwaltungsverfahrens unter Gewährung des rechtlichen Gehörs; eventualiter sei dem
Beschwerdeführer ab 1. November 2009 eine Rente zuzusprechen; subeventualiter sei
durch das Gericht eine medizinische Neubegutachtung anzuordnen. Der
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Rechtsvertreter machte geltend, dass sich die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) in der angefochtenen Verfügung nur ungenügend mit den
Einwandargumenten auseinandergesetzt habe. Gerade an die Begründung einer
Verfügung müssten jedoch erhöhte Anforderungen gestellt werden, da keine
Einsprache möglich sei. Die Beschwerdegegnerin habe folglich gegen die
Begründungspflicht verstossen und den Anspruch auf rechtliches Gehör in grober
Weise verletzt. Bereits aus formellen Gründen rechtfertige sich daher die Aufhebung
der Verfügung. Die "Verschiebung" einer hinreichenden Begründung ins
Rechtspflegeverfahren sei rechtswidrig (Urteil IV 2010/402 vom 3. Februar 2011, E 2.1
f.). Auch in materieller Hinsicht sei die angefochtene Verfügung nicht haltbar.
Diesbezüglich verwies der Rechtsvertreter hauptsächlich auf seine Einwände. In
Ergänzung brachte er vor, eine medizinische Expertise sei in Frage zu stellen und zum
Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn behandelnde Ärzte objektiv feststellbare
Gesichtspunkte vorgebracht hätten, welche im Rahmen der Begutachtung unerkannt
geblieben seien und geeignet seien, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen.
Sodann sei gemäss der Rechtsprechung ein medizinisches Gutachten unter anderem
dann nicht vollständig, wenn der Gutachter wesentliche Anknüpfungstatsachen, d.h. in
den Vorakten enthaltene tatsächliche Grundlagen, nicht beachtet habe. Die Gutachter
hätten sich in ihrer Stellungnahme zum Einwand lediglich polemisch und nicht
sachbezogen geäussert. Auch ihre einzige sachbezogene Einrede, wonach Dr. H._
den Integritätsschaden mit der Invalidität verwechsle, habe den Einwandargumenten
nichts Substantiiertes entgegengesetzt. Die von Dr. H._ angewandte
Untersuchungsmethode der dynamischen Posturographie sei vom Bundesgericht
lediglich zur definitiven Feststellung der Ätiologie und damit des natürlichen
Kausalzusammenhangs zu einem Unfallereignis als nicht hinreichend beurteilt worden
(Urteil des Bundesgerichts vom 1. April 2010, 8C_75/2010 E. 4). Aufgrund der
medizinischen Aktenlage sei eine erhebliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in
der angestammten wie auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit ausgewiesen,
weshalb dem Beschwerdeführer eine Rente zustehe. Gegebenenfalls sei eine erneute
Begutachtung anzuordnen. Im beigelegten Bericht vom 15. Februar 2012 (act. G 1.5)
gab Dr. F._ an, der Beschwerdeführer sei weiterhin bei ihm in Behandlung. Sein
Zustand habe sich aus psychiatrischer Sicht stets verschlechtert und es könne
gegenwärtig eine schwere depressive Episode mit somatischen Symptomen sowie
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eine massive Akzentuierung der infantil-ängstlichen Persönlichkeitszüge an der Grenze
einer ängstlichen Persönlichkeitsstörung/Persönlichkeitsänderung diagnostiziert
werden. Nachdem bei der ABI-Begutachtung organische Gleichgewichtsstörungen
festgestellt worden seien, habe er seine Diagnose einer generalisierten Angststörung
revidieren und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-infantilen Zügen
als Diagnose stellen müssen. Der Beschwerdeführer leide seit Beginn der Behandlung
unter andauernden Anspannungen und Besorgtheit, einer massiven
Selbstwertproblematik, einer Abneigung, sich auf persönliche Kontakte einzulassen
inklusive konsequentem sozialem Rückzug, einem ausgeprägt eingeschränkten
Lebensstil und der Sorge um die körperliche Sicherheit. Ausserdem leide er
mindestens seit Beginn der Behandlung unter einer anhaltenden Störung der
Affektkontrolle und gemischten dissoziativen Anfällen. Die somatischen Leiden,
insbesondere die Gleichgewichtsstörung, seien in den letzten Jahren offenbar
marginalisiert worden. Dies habe entweder zur Dekompensation einer
Persönlichkeitsstörung oder zum Ausbruch einer Persönlichkeitsänderung mit
ängstlich-infantilen Zügen geführt. Die ABI-Gutachter hätten sich mit diesem Problem
jedoch nicht auseinandergesetzt. Seines Erachtens brauche es diesbezüglich eine
seriöse psychiatrische Abklärung.
C.c Am 29. August 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Be
schwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, dass die Einwände gegen das ABI
als Institution nicht stichhaltig seien. Rechtlich erhebliche Einwände seien
ausschliesslich gegen einzelne Gutachter möglich, nicht jedoch generell gegen eine
Gutachterstelle. Die vor allem in früheren Jahren gegen das ABI erhobenen Vorwürfe
hätten nicht erhärtet werden können. Das damalige Strafverfahren gegen Dr. M._ sei
rechtskräftig eingestellt worden. Das ABI gelte genauso wie die anderen MEDAS als
unabhängig und repräsentiere zusammen mit diesen weitgehend den medizinischen
Sachverstand in der Schweiz, welcher zur interdisziplinären Begutachtung zur
Verfügung stehe. Es sei nicht einzusehen, wieso dem ABI-Gutachten kein voller
Beweiswert zuerkannt werden könnte. Es gehe nicht an, weitere Abklärungen zu
verlangen, nur weil die bisherigen Untersuchungen nicht zum gewünschten Ergebnis
geführt hätten.
C.d Der Rechtsvertreter verzichtete auf eine Replik (act. G 6).
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Erwägungen:
1.
1.1 Vorab ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerde
führers auf rechtliches Gehör verletzt hat, indem sie sich mit den im Einwand vorge
brachten Argumenten nicht genügend auseinandergesetzt habe.
1.2 Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Die Begründungspflicht ist ein
wesentlicher Bestandteil des in Art. 29 Abs. 2 BV verfassungsrechtlich verankerten
Anspruchs auf rechtliches Gehör. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
soll die Begründungspflicht zum einen verhindern, dass sich die Verwaltungsbehörde
von unsachlichen Motiven leiten lässt. Zum anderen soll sie es der betroffenen Person
ermöglichen, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. In der
Entscheidbegründung müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Verwaltungsbehörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre
Verfügung stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen
muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte
beschränken (BGE 124 V 180, E. 1a mit Hinweisen).
1.3 Aus der Verfügungsbegründung geht hervor, dass sich die Beschwerdegegnerin
mit Bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung vollumfänglich auf das ABI-Gutachten
gestützt hat. Auch der Einkommensvergleich und der daraus resultierende IV-Grad sind
in der Verfügungsbegründung nachvollziehbar dargelegt worden. Der Rechtsvertreter
hat hauptsächlich medizinische Einwände vorgebracht und zu deren Untermauerung
zusätzliche medizinische Berichte eingereicht. Die Beschwerdegegnerin hat den
Einwand sowie die dazugehörigen medizinischen Berichte dem Ärztlichen
Begutachtungsinstitut (ABI) zur Stellungnahme vorgelegt und deren Stellungnahme
wiederum vom RAD überprüfen lassen. Beide Stellungnahmen hat sie der Verfügung
beigelegt. Diese Vorgehensweise war korrekt, da den Sachbearbeiterinnen und
Sachbearbeiter der Beschwerdegegnerin das Fachwissen fehlt, um die Begründetheit
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medizinischer Einwendungen beurteilen zu können. Neben der medizinischen Kritik am
Gutachten hat der Rechtsvertreter im Einwand zudem geltend gemacht, dass das
Gutachten schon deshalb nicht beweiskräftig sei, weil es vom nicht neutralen und nicht
unabhängigen ABI erstellt worden sei. Das ABI hat sich in der oben genannten
Stellungnahme zu diesen Vorwürfen geäussert. Aus dem Umstand, dass die
Beschwerdegegnerin die Stellungnahme des ABI der Verfügung beigelegt hat, muss
die Schlussfolgerung gezogen werden, dass sie sich den darin enthaltenen
Äusserungen des ABI angeschlossen hat. Zwar ist das ABI nicht auf jeden einzelnen
Kritikpunkt eingegangen. Die Beschwerdegegnerin muss ihre Entscheide jedoch nur
soweit begründen, dass den Betroffenen eine sachgerechte Anfechtung des
Entscheides möglich ist. Das bedeutet, dass die Betroffenen die Gründe kennen
müssen, auf denen der Entscheid basiert. Dazu reicht es im vorliegenden Fall aus, dass
der Beschwerdeführer Kenntnis davon gehabt hat, dass die Beschwerdegegnerin
überzeugt ist, die Sachverständigen hätten ihre medizinischen Entscheide unabhängig
und objektiv gefällt. Die Beschwerdegegnerin hat demzufolge die Begründungspflicht
und damit den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör nicht verletzt.
Dies zeigt sich im Übrigen auch darin, dass der Rechtsvertreter durchaus in der Lage
gewesen ist, in der Beschwerdeschrift (wie auch im Einwand) zum Entscheid in
materieller Hinsicht ausführlich und detailliert Stellung zu nehmen.
2.
Der Rechtsvertreter hat geltend gemacht, das ganze Begutachtungssystem der Inva
lidenversicherung gewährleiste keine unabhängige und neutrale Begutachtung. Zur
Begründung hat er insbesondere wirtschaftliche Gründe angeführt (vgl. Ziff. B.b.). Das
ABI-Gutachten tauge daher nicht als alles entscheidendes Beweisstück zur
Beurteilung, ob ein Rentenanspruch bestehe. Bezüglich dieser generellen
Befangenheitsvorwürfe kann auf BGE 137 V 210 verwiesen werden. In diesem
Grundsatzentscheid hat sich das Bundesgericht eingehend mit der Beschaffung
medizinischer Entscheidungsgrundlagen in der Invalidenversicherung durch externe
Begutachtungsinstitute wie die Medizinischen Abklärungsstellen (MEDAS), zu welchen
auch die ABI GmbH zählt, auseinandergesetzt und deren Verwendung auch im
Gerichtsverfahren an sich als verfassungskonform erklärt. Vor dem Hintergrund dieses
Grundsatzentscheides erscheint die vom Rechtsvertreter behauptete fehlende
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/31
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Unabhängigkeit des ABI als unbegründet, zumal er lediglich pauschale Vorwürfe gegen
die ABI-Gutachter erhoben hat. Der Vorwurf der Manipulation von Gutachten durch die
ABI-GmbH hat sich nie erhärten lassen. Die entsprechenden Strafverfahren sind
rechtskräftig eingestellt worden. Dieser Vorwurf kann deshalb nicht Anlass dazu geben,
Jahre später Gutachten des ABI pauschal als unglaubwürdig zu qualifizieren (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 15. Mai 2014, 8C_660/2013 E. 4.2.2). Der Rechtsvertreter hat
denn auch nicht geltend gemacht, dass sich die Sachverständigen im Rahmen des den
Beschwerdeführer betreffenden Gutachtens strafbar gemacht hätten. Hinzu kommt,
dass der Rechtsvertreter vor der Begutachtung keine Einwände gegen das
Begutachtungsinstitut und die begutachtenden Personen vorgebracht hat, obwohl er
von der Beschwerdegegnerin über diese Möglichkeit informiert worden ist (siehe IV-
act. 72). Es erscheint daher geradezu rechtsmissbräuchlich, nach der Begutachtung
generelle Befangenheitsvorwürfe gegen die Begutachtungsstelle vorzubringen und die
Unverwertbarkeit des Gutachtens zu verlangen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15.
Mai 2014, 8C_660/2013 E. 4.2.1). Das ABI-Gutachten ist folglich verwertbar.
3.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art. 8
Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der
Invaliditätsgrad grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei
wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/31
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Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
4.
4.1 In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere der Bericht des Rheumatologen Dr.
E._ vom 23. September 2009, der Austrittsbericht der Klinik Valens vom 11. Januar
2010, die Berichte des Psychiaters Dr. F._ vom 4. Juni 2010, 28. April 2011 und 15.
Februar 2012, die Berichte des Otorhinolaryngologe Dr. H._ vom 20. Oktober 2010
und 9. Januar 2012, das ABI-Gutachten vom 25. Oktober 2011 und die Stellungnahme
des ABI vom 16. Februar 2012 sowie die Stellungnahmen des RAD-Arztes Dr. L._
vom 25. November 2011 und 16. April 2012 bei den Akten.
4.2 Der Rechtsvertreter hat geltend gemacht, dass das ABI-Gutachten schon in for
meller Hinsicht mangelhaft sei, da es keine Literaturhinweise enthalte. Dieser Argu
mentation kann nicht gefolgt werden: Namentlich bei den Richterinnen und Richtern,
die den Beweiswert eines Gutachtens überprüfen, handelt es sich um medizinische
Laien. Dies bedeutet, dass sie nicht über das Fachwissen verfügen, um ein Gutachten
bis ins kleinste Detail zu überprüfen; sie können lediglich beurteilen, ob das Gutachten
insgesamt konsistent ist, d.h. ob es mit Bezug auf die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen begründet sind (vgl. z.B. BGE 125 V 351 E 3a). Eine
medizinisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung mit verschiedenen
Untersuchungsmethoden, diagnostischen Verfahren etc. würde dabei zu weit gehen.
Es ist daher nicht zwingend notwendig, dass die Sachverständigen ihre Aussagen und
Untersuchungen mit Literaturhinweisen versehen. Hinzu kommt, dass Gutachter
ohnehin in der Wahl der geeigneten Prüfmethoden frei sind. Fehlende Literaturhinweise
sind daher nicht geeignet, einem Gutachten von vornherein den Beweiswert
abzusprechen. Im Übrigen ist gerichtsnotorisch, dass Literaturhinweise in Gutachten
eher selten zu finden sind. Würde ein Gutachten allein aus diesem Grund als nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/31
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nachvollziehbar erachtet werden, müssten praktisch alle bisher erstellten Gutachten
zuhanden der IV-Stellen und Gerichte als mangelhaft qualifiziert werden.
4.3 Der Rechtsvertreter hat sodann argumentiert, dass sich der psychiatrische Gut
achter nicht ausreichend mit den Vorakten auseinandergesetzt habe. Er habe nicht
hinreichend begründet, weshalb seine Einschätzung von jener von Dr. F._ abweiche.
Während Dr. F._ Anfang Juni 2010 eine mittelgradige depressive Episode mit
somatischen Symptomen, Ende April 2011 eine leichte bis mittelgradige depressive
Episode und Mitte Februar 2012 eine schwere depressive Episode mit somatischen
Symptomen diagnostiziert hat, hat Dr. K._ im Juni 2011 lediglich einen Status nach
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion diagnostiziert. Dr. F._ hat im
Februar 2012 berichtet, dass sich der psychische Zustand des Beschwerdeführers seit
Behandlungsbeginn, d.h. seit Februar 2010, stets verschlechtert habe. Er leide seither
unter andauernden Anspannungen und Besorgtheit, einer massiven
Selbstwertproblematik, einer Abneigung, sich auf persönliche Kontakte einzulassen
inklusive konsequentem sozialem Rückzug, einem ausgeprägt eingeschränkten
Lebensstil und der Sorge um die körperliche Sicherheit. Die psychiatrische
Begutachtung hat im Juni 2011 stattgefunden. Der Beschwerdeführer hat seinen
Tagesablauf damals wie folgt umschrieben: Meistens gehe er um 22.30 Uhr ins Bett
und stehe um 7 Uhr auf. Tagsüber sei er meistens in der Wohnung: Er lese Zeitungen,
schaue fern, beschäftige sich mit dem PC oder telefoniere mit Verwandten und
Bekannten. Er habe 20 Bekannte, mit denen er regelmässig telefoniere. Kleinere
Spaziergänge seien möglich, er erledige auch kleinere Einkäufe. Abends unterhalte er
sich mit seiner Freundin, spiele mit ihr oder sehe fern. Am Wochenende würden sie oft
Bekannte einladen oder selber Bekannte besuchen. Er habe sehr gerne Besuch, dies
sei für ihn eine willkommene Abwechslung (IV-act. 77 S. 10). Eine Depression ist eine
affektive Störung, die insbesondere durch gedrückte Stimmung, Interessenverlust,
Antriebslosigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit gekennzeichnet ist (Pschyrembel,
Klinisches Wörterbruch, 262. Auflage, Berlin 2011, S. 449). Der geschilderte
Tagesablauf lässt sich weder mit den Befunden von Dr. F._, insbesondere dem
geltend gemachten konsequenten Rückzug, noch mit den Symptomen einer
depressiven Störung vereinbaren. Demgegenüber überzeugt die Schlussfolgerung von
Dr. K._, dass zurzeit keine depressiven Verstimmungen feststellbar seien und daher
lediglich ein Status nach einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
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diagnostiziert werden könne. Dr. F._ hat sodann eine massive Akzentuierung der
infantil-ängstlichen Persönlichkeitszüge an der Grenze zu einer ängstlichen
Persönlichkeitsstörung/Persönlichkeitsänderung diagnostiziert. Grund dafür sei die
Marginalisierung der somatischen Leiden, insbesondere der Gleichgewichtsstörung.
Die Persönlichkeitsstörung/Persönlichkeitsveränderung drücke sich durch
Ängstlichkeit, allgemeine Unsicherheit, ständige Anspannungen, Magen-Darm-
Beschwerden und ständige Sorgen aus. Dr. K._ hat überzeugend begründet,
weshalb er beim Beschwerdeführer keine eigentliche Persönlichkeitsstörung hat
diagnostizieren können. Auch Angstsymptome hat er keine feststellen können: Der
Beschwerdeführer leide tagsüber nicht unter Ängsten, könne auch nachts relativ gut
schlafen, könne sich frei ausserhalb seiner Wohnung bewegen und geniesse es, soziale
Kontakte zu pflegen. Er ängstige sich einzig vor der Zukunft, da die Freundin langsam
ungeduldig werde, weil sie ihn finanziell unterstütze. Es ist mit Dr. K._ daher davon
auszugehen, dass beim Beschwerdeführer lediglich unreife Persönlichkeitszüge
vorliegen. Sodann hat Dr. K._ noch eine Somatisierungsstörung festgestellt. Er hat
diese überzeugend damit begründet, dass das Ausmass der geklagten körperlichen
Beschwerden (Sensibilitätsstörungen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen) und die
subjektive Krankheitsüberzeugung durch die somatischen Befunde nicht hinreichend
hätten objektiviert werden können. Wie jede andere psychische Beeinträchtigung
begründet indes auch eine diagnostizierte anhaltende Somatisierungsstörung als
solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
Somatisierungsstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung
überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und
konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar
machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den
Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt,
entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die
Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung
und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: Chronische
körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit
unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung; ein
sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht
mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch
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aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die
Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder
stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz
kooperativer Haltung der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je
ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind ‒
ausnahmsweise ‒ die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu
verneinen (BGE 131 V 49 E 1.2). Dr. F._ hat sich zu dieser sog.
Überwindbarkeitspraxis des Bundesgerichts nicht geäussert. Demgegenüber ist Dr.
K._ zum Schluss gekommen, dass der Beschwerdeführer die (nicht umstrittene)
dissoziative Störung und die Somatisierungsstörung mit einer zumutbaren
Willensanstrengung überwinden könne, da sich keine schweren, lebensgeschichtlichen
Belastungen finden liessen, Hinweise auf unbewusste Konflikte fehlten und kein
primärer Krankheitsgewinn vorhanden sei. Die bisherigen therapeutischen
Bemühungen seien gescheitert, weil der Beschwerdeführer wenig Motivation gezeigt
habe, sich trotz allfälliger Restbeschwerden aktiv um seine Genesung zu bemühen und
sich den Belastungen der Arbeitswelt wieder auszusetzen. Dieser Schlussfolgerung von
Dr. K._ kann nichts entgegengehalten werden. Es ist daher mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer aus
psychiatrischer Sicht in seiner Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt ist.
4.4 Der Rechtsvertreter hat weiter vorgebracht, dass aufgrund des Sturzereignisses
vom 1. Dezember 2009 und den weiteren Symptomen (Schwindel, Übelkeit, Schlaf
losigkeit, Lustlosigkeit, Kraftlosigkeit, Konzentrationsstörungen etc.) eine neurologische
Abklärung hätte durchgeführt werden müssen. Dr. I._ hat eine neurologische
Untersuchung durchgeführt (vgl. Gutachten S. 14, Ziff. 4.2.2.2 [Neurologischer Status]).
Hierzu war er auch befähigt, da unter das Fachgebiet der Rheumatologie auch
Krankheiten des Nervensystems fallen (vgl. http://www.hirslanden.ch/global/de/
startseite/gesundheit_
medizin/themen_beitraege/krankheiten_behandlungsmethoden/fachgebiete_fmh/
rheumatologie.html, besucht am 14. Oktober 2014). Zwar hat Dr. I._ die meisten
neurologischen Tests wegen der geltend gemachten lumbalen Schmerzen sowie
wegen teilweise heftiger Gegeninnervation durch den Beschwerdeführer nicht richtig
durchführen können (vgl. Ziff. A.l.). Aus der unterlassenen Mitwirkung bei der klinischen
Untersuchung kann der Beschwerdeführer jedoch keinen Vorteil für sich ableiten, da
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nur ein nachgewiesener Gesundheitsschaden eine Invalidität begründen kann. Dr. I._
ist zum Schluss gekommen, dass die klinisch vorhandenen Auffälligkeiten des linken
Beines weder durch eine Affektion des Bewegungsapparates noch durch eine
neurologische Ursache erklärt werden könnten; sowohl die Sensibilitätsstörungen als
auch die demonstrierten Paresen seien ganz diffus verteilt, es sei kein radikuläres oder
peripher-neurologisches Muster zu erkennen gewesen. Gegen eine relevante
neurogene Parese spreche auch, dass keine Atrophie der entsprechenden Muskeln
vorliege. Diese Aussagen überzeugen. Dr. I._ hat zwar noch angegeben, dass zur
Erhöhung der diagnostischen Sicherheit gelegentlich eine neurologische Abklärung
inklusive elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt werden sollte. Im
Sozialversicherungsverfahren gilt allerdings "nur" der Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit. Es ist davon auszugehen, dass Dr. I._ eine entsprechende
Abklärung in Auftrag gegeben hätte, wenn er eine solche für den Nachweis eines
invalidisierenden Gesundheitsschadens als notwendig erachtet hätte. Die
Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht darauf verzichtet, eine (weitere) neurologische
Abklärung in Auftrag zu geben. Der Rechtsvertreter hat Dr. I._ zudem vorgeworfen,
seine Schlussfolgerungen nicht hinreichend begründet zu haben. Obwohl dem
Sachverständigen bei der Untersuchung eine ungewöhnliche Schonhaltung und
Schonbewegung bei massiver Schräghaltung des Oberkörpers nach rechts begleitet
von einem Tremor aufgefallen sei und er von einer möglichen ISG-Dysfunktion
gesprochen habe, habe er ohne stichhaltige Begründung oder Abklärung eine
Schmerzverarbeitungsstörung/Symptomausweitung angenommen. Insbesondere seien
der Sturz und seine aktenkundigen Folgen unerwähnt geblieben. Der
Beschwerdeführer ist nach dem Sturzereignis am 1. Dezember 2009 in der Klinik
Valens und vor allem im Kantonsspital eingehend untersucht worden. Eine körperliche
Ursache für den Sturz hat jedoch nicht gefunden werden können, weshalb das
Kantonsspital erklärt hatte, dass am ehesten von einem psychogenen Stupor
auszugehen sei. Die Sachverständigen haben die Bewusstseinsverluste daher als
dissoziatives Symptom eingeordnet. Die geltend gemachten Folgen des Sturz
ereignisses, d.h. der Schwindel und die Gleichgewichtsstörungen, fallen sodann nicht
in das Fachgebiet der Rheumatologie, sondern in jenes der Otorhinolaryngologie. Des
Weiteren hat Dr. I._ ausführlich begründet, weshalb beim Beschwerdeführer mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit keine ISG-Dysfunktion vorliege (vgl. S. 17 des ABI-
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Gutachten). Zwar ist richtig, dass Dr. I._ eine ganz ungewöhnliche Schonhaltung und
sehr ausgedehnte Schonbewegungen sowie eine massive Schräghaltung des
Oberkörpers nach rechts aufgefallen sind und bei Aufforderung zu Bewegungen des
linken Beines an beiden Beinen ein sakkadierter Tremor aufgetreten ist. Dr. I._ hat
jedoch erklärt, dass er für die demonstrierten Schonhaltungen und Schonbewegungen
kein Korrelat in einer Erkrankung des Bewegungsapparates gefunden habe. Bei beiden
Knie- und Hüftgelenken seien keine eindeutigen Bewegungseinschränkungen
feststellbar gewesen. Die nachgewiesenen Veränderungen an der LWS könnten das
klinische Gesamtbild mit Sicherheit nicht begründen. Wiederum ist anzumerken, dass
der Gutachter wegen heftiger Gegeninnervation seitens des Beschwerdeführers viele
rheumatologische Tests, u.a. die Bewegungsprüfung der LWS, nicht hat durchführen
können, was dem Beschwerdeführer jedoch nicht zum Vorteil gereichen kann. Gestützt
auf die erhobenen Befunde hat Dr. I._ erklärt, dass ein dringender Verdacht auf eine
Schmerzverarbeitungsstörung bestehe, wobei wohl aufgrund des inadäquaten
Schonverhaltens eine lokoregionäre Symptomausweitung eingetreten sei. Diese
Diagnose wird im Übrigen durch den Untersuchungsbericht von Dr. E._ gestützt;
dieser hatte bereits im September 2009 über Hinweise auf eine beginnende
Schmerzverarbeitungsstörung berichtet. Der Argumentation des Rechtsvertreters,
Dr. I._ habe die Diagnose einer Schmerzverarbeitungsstörung nicht ausreichend
begründet, kann somit nicht gefolgt werden. Insbesondere auch nicht, weil es sich
"lediglich" um einen dringenden Verdacht bzw. eine Differentialdiagnose gehandelt hat.
Durch die bildgebenden Befunde ausgewiesen und unbestritten ist, dass beim
Beschwerdeführer wegen mässigen degenerativen Diskopathien der LWS mit u.a.
kleiner Diskushernie paramedian links L1/2 ohne Hinweise für eine Neurokompro
mittierung die Diagnose eines chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndroms
gestellt werden kann. Nachvollziehbar ist auch, dass dem Beschwerdeführer deshalb
Tätigkeiten mit starker und mittelstarker Rückenbelastung nicht mehr zugemutet
werden können, dass er aber in körperlich leichten Tätigkeiten mit nur leichter
Rückenbelastung sowie der Möglichkeit zu Wechselpositionen, zu 100 % arbeitsfähig
ist.
4.5 Der Rechtsvertreter hat schliesslich noch eingewendet, dass das ORL-Gutachten
nicht überzeuge. Es sei nicht nachvollziehbar begründet worden, weshalb die von
Dr. H._ festgestellten Resultate nur teilweise hätten bestätigt werden können. Die
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Berichte von Dr. H._ überzeugen aus den folgenden Gründen nicht: Erstens hat sich
Dr. H._ nicht oder nur ungenügend mit den Vorakten bzw. der Anamnese aus
einandergesetzt: So hat er als Diagnose u.a. einen Status nach Schädelbruch mit
passivem HWS-Abknicktrauma und Commotio cerebri et labyrinthi links am 1. Dezem
ber 2009 angegeben. Aus dem Austrittsbericht der Klinik Valens geht allerdings klar
hervor, dass ein vom Kantonsspital Graubünden durchgeführtes Schädel-CT unauffällig
gewesen sei und dass bei der klinischen Untersuchung keine Zeichen für eine
Commotio hätten festgestellt werden können. Sodann hat Dr. H._ erklärt, der
Beschwerdeführer sei beim Sturzereignis am 1. Dezember 2009 auf den Hinterkopf
gefallen. Gemäss dem Austrittsbericht der Klinik Valens ist er jedoch mit steifem Körper
auf die rechte Seite gefallen. Des Weiteren geht aus den übrigen Akten nicht hervor,
dass der Beschwerdeführer an Leseschwierigkeiten mit Verschwimmen der
Buchstaben und begleitet von visuellem Unbehagen und Konzentrationsproblemen
leiden soll. Es besteht hier auch eine gewisse Diskrepanz zur anlässlich der
Begutachtung gemachten Aussage des Beschwerdeführers, dass er gerne Zeitungen
lese und sich gerne am PC beschäftige. Zumindest wäre zu erwarten gewesen, dass er
diese Einschränkungen gegenüber den Gutachtern erwähnt. Gleiches gilt für das
geltend gemachte Druckgefühl und die stechenden Otalgien links; auch diese
Symptome hat der Beschwerdeführer gegenüber den Gutachtern unerwähnt gelassen.
Zweitens ist, wie das ABI in seiner Stellungnahme erwähnt hat, bekannt bzw.
gerichtsnotorisch, dass Dr. H._ jeweils sehr viele Untersuchungen durchführt, die
letztlich nur wenig zur alltagsrelevanten Situation beitragen. Denn nicht von jedem
leicht abweichenden Normbefund kann auf eine anspruchsrelevante Arbeitsunfähigkeit
geschlossen werden. Drittens überzeugen die Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr.
H._ nicht. So hat er den IV-Grad und den Arbeitsunfähigkeitsgrad einander
gleichgesetzt, obwohl es sich hierbei um Zahlenwerte handelt, die auf unterschiedliche
Weise ermittelt werden. Auch entspricht der von ihm ermittelte Integritätsschaden
ziffernmässig jeweils der Arbeitsunfähigkeit, obwohl der Integritätsschaden nichts mit
der Arbeitsfähigkeit zu tun hat. Während Dr. H._ die Arbeitsunfähigkeit aus neuro-
otologischer Sicht im Oktober 2010 auf 30 % geschätzt hat, ist er im Januar 2012 von
einer Arbeitsunfähigkeit von 45-50 % ausgegangen. Die Begründung scheint in der
Verstärkung der Schwindelbeschwerden und Gleichgewichtsstörungen zu liegen. Aus
dem Bericht von Dr. H._ geht allerdings nicht hervor, wie sich die Zunahme dieser
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Beschwerden geäussert hat (z.B. Schwindelattacken in kürzeren Abständen, oder
stärker ausgeprägte Gleichgewichtsbeschwerden). Gerade davon hängt jedoch ab, ob
bzw. wie in welchem Ausmass sich die Arbeitsfähigkeit verschlechtert hat; von
Untersuchungszahlen alleine kann nicht auf den Arbeitsfähigkeitsgrad geschlossen
werden. Und schliesslich hat Dr. H._ keine Unterscheidung zwischen der
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten und in der angestammten Tätigkeit gemacht.
Gerade bei Vorliegen von Schwindel- und Gleichgewichtsstörungen ist es
offensichtlich, dass gewisse Tätigkeiten (insbesondere sturzgefährdende Tätigkeiten
wie das Besteigen von Leitern) gar nicht mehr ausgeübt werden können. Dr. H._
muss daher die Kenntnis des Begriffs der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit
abgesprochen werden. Die angeführten Gründe lassen erhebliche Zweifel an der
Qualität und Aussagekraft der Berichte von Dr. H._ aufkommen. Demgegenüber
überzeugt das Teilgutachten von Dr. J._: Er hat sich gründlich mit den Vorakten
auseinandergesetzt, die Zusammenhänge zwischen den Befunden und den gestellten
Diagnosen sind nachvollziehbar und begründet und auch die
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist evident. Einzig die Diagnose des Tinnitus auris beidseits
überzeugt nicht, wobei hierbei ein Versehen angenommen werden kann: Denn in der
Anamnese hat Dr. J._ angegeben, dass der Beschwerdeführer einen Tinnitus negiert
hat. Dr. H._ hat scharfe Kritik am Gutachten von Dr. J._ geübt. Ob diese Kritik
berechtigt ist, könnte nur eine weitere otorhinolaryngologische Begutachtung
aufzeigen. Bei näherer Betrachtung scheinen die Diagnosen von Dr. H._ und Dr.
J._ allerdings nicht weit auseinanderzuliegen: So haben beide eine moderate
Hochtonschwerhörigkeit links und eine Störung des Gleichgewichtsfunktionssystems
diagnostiziert. Eine Contusio labyrinthi (Innenohrschädigung), die ursächlich für
Schwindelbeschwerden sein kann, hat Dr. J._ im Gegensatz zu Dr. H._ zwar nicht
eruieren können. Was die Ursache einer organisch nachgewiesenen
Gleichgewichtsfunktionsstörung ist, spielt für die Arbeitsfähigkeitsschätzung jedoch gar
keine Rolle. Dr. J._ hat schliesslich noch erklärt, dass die Befunde der von Dr. H._
durchgeführten posturallen Prüfung in Anbetracht der subjektiven Beschwerden im
Bereich des Achsenskeletts kaum verwertbar seien. Diese Aussage leuchtet ein; so hat
Dr. H._ in seinem Bericht vom Januar 2012 selber angegeben, dass die
Koordinationsprüfungen wegen der Rücken- und Beinschmerzen nicht genau
beurteilbar seien. Aufgrund der festgestellten, qualitativ erheblichen Mängel der
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Berichte von Dr. H._ sowie der Tatsache, dass die von Dr. J._ gestellten Diagnosen
nicht weit von jenen von Dr. H._ abweichen, muss in antizipierter Beweiswürdigung
davon ausgegangen werden, dass aus einer dritten otorhinolaryngologischen
Abklärung keine weiteren, entscheidrelevanten Informationen gewonnen werden
könnten. Es ist daher überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer wegen
der leichten bis mittelschweren Störung des Gleichgewichtsfunktionssystems seit dem
Sturzereignis am 1. Dezember 2009 in sturzgefährdenden Tätigkeiten sowie in
Tätigkeiten, die das Führen eines Motorfahrzeuges beinhalten, zu 100 % arbeitsunfähig
ist. In anderen Tätigkeiten benötigt er vermehrte Pausen, weshalb er in einem
ganztägigen Pensum in seiner Leistungsfähigkeit zu 25 % eingeschränkt ist.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer aus polydisziplinärer
Sicht in seiner angestammten Tätigkeit als Lastwagenchauffeur zu 100 %
arbeitsunfähig ist. In körperlich leichten wechselbelastenden Tätigkeiten, die weder das
Führen eines Motorfahrzeugs noch sturzgefährdende Tätigkeiten beinhalten, ist er in
einem Pensum von 100 % zu 25 % in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt.
5.
Für die Berechnung des Valideneinkommens hat die Beschwerdegegnerin richtiger
weise auf das zuletzt erzielte Einkommen als Lastwagenchauffeur abgestellt. Dieses
hat im Jahr 2008 Fr. 62'400.-- betragen. Unter Berücksichtigung des Wartejahres
würde ein allfälliger Rentenanspruch ab dem 1. Dezember 2009 bestehen. Angepasst
an die Nominallohnentwicklung hätte das Einkommen des Beschwerdeführers als
Lastwagenchauffeur im Jahr 2009 Fr. 63'712.-- betragen. Dieser Betrag entspricht dem
Valideneinkommen. Da eine Umschulung aufgrund der subjektiven Überzeugung des
Beschwerdeführers, in allen Tätigkeiten nicht arbeitsfähig zu sein, nicht
erfolgsversprechend ist, ist für die Bemessung des Invalideneinkommens auf das
durchschnittliche Einkommen eines Hilfsarbeiters im Jahr 2009 gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik abzustellen. Dieses hat im Jahr
2009, aufgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden, Fr. 61'240.--
betragen (IVG-Textausgabe 2012, Anhang 2). Die Beschwerdegegnerin hat keinen
Tabellenlohnabzug vorgenommen. Aufgrund des ganztägigen Einsatzes bei reduzierter
Leistungsfähigkeit ist ein Abzug von 10 % vom Tabellenlohn gerechtfertigt (vgl. Philipp
Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers, Jahrbuch zum
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Sozialversicherungsrecht 2012, St. Gallen 2012, S. 148 ff.). Das Invalideneinkommen
beträgt somit Fr. 41'337.-- (Abzug von 25 % wegen verminderter Leistungsfähigkeit
und 10 % Tabellenlohnabzug). Daraus resultiert ein nicht rentenbegründender IV-Grad
von 35 %.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- er
scheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die Ge
richtsgebühr in der Höhe von Fr. 600.-- ist dem unterliegenden Beschwerdeführer auf
zuerlegen. Die Gerichtsgebühr ist durch den geleisteten Kostenvorschuss in derselben
Höhe gedeckt. Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der Beschwerdeführer
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP