Decision ID: b6ebef45-a17b-5f50-bdde-4bf60ab0fe7b
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Andreas A. Oehler, MLaw, Oehler Stadelmann
Rechtsanwälte, Kesslerstrasse 1, 9000 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war als Chauffeur bei der B._, beschäftigt und dadurch bei der Suva
unfallversichert, als er am 24. September 2006 als Motorradfahrer mit einem
Personenwagen kollidierte und sich dabei eine distale Unterschenkelfraktur links zuzog
(UV-act. 1, 5). Nach einer osteosynthetischen Versorgung der Fraktur im
Landeskrankenhaus C._ machte eine Wundheilungsstörung weitere Eingriffe
notwendig (UV-act. 10, 20, 30). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht. Nach
Durchführung von weiteren Behandlungen und Abklärungen gab sie dem Versicherten
am 18. Dezember 2009 bekannt, dass mit einer weiteren Behandlung keine namhafte
Verbesserung des Gesundheitszustands mehr erreicht werden könne und deshalb die
Heilkosten- und Taggeldleistungen auf den 31. Dezember 2009 eingestellt würden (UV-
act. 176).
A.b Mit Verfügung vom 27. Januar 2010 eröffnete die Suva dem Versicherten, er habe
ab 1. Januar 2010 Anspruch auf eine Invalidenrente auf der Basis einer
Erwerbsunfähigkeit von 25% (Valideneinkommen von Fr. 64'246.--,
Invalideneinkommen von Fr. 48'156.--) und eines versicherten Jahresverdienstes von
Fr. 62'328.--. Sodann hielt sie fest, dass die psychogenen Störungen nicht in einem
adäquat-kausalen Zusammenhang mit dem erlittenen Ereignis stehen würden, weshalb
diesbezüglich Leistungen entfallen würden. Im Weiteren sprach sie dem Versicherten
eine Integritätsentschädigung für eine Integritätseinbusse von 20% zu (UV-act. 183).
Die gegen diese Verfügung von Rechtsanwalt Andreas A. Oehler, MLaw, St. Gallen, für
den Versicherten erhobene Einsprache, welche sich ausschliesslich gegen die
Rentenbemessung richtete (UV-act. 188, 193), wies die Suva mit Einspracheentscheid
vom 14. Januar 2011 ab.
B.
B.a Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt Oehler für den Versicherten mit
Eingabe vom 16. Februar 2011 Beschwerde mit den Anträgen, der Entscheid und die
Verfügung vom 27. Januar 2010 seien aufzuheben und die Angelegenheit sei zur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Eventualiter sei dem
Beschwerdeführer eine angemessene Rente auf der Basis eines Invaliditätsgrads von
mindestens 48% zuzusprechen. Subventualiter sei festzustellen, dass es sich beim
Unfall vom 24. September 2006 um einen schweren Unfall gehandelt habe. Der
Rechtsvertreter reichte ein unfallchirurgisches Gutachten von Prim. Dr. D._, vom 7.
Mai 2010 ein und legte zur Begründung unter anderem dar, die gesundheitliche
Situation des Beschwerdeführers sei nicht zureichend abgeklärt. Die kreisärztliche
Beurteilung kontrastiere stark mit der Beurteilung durch Dr. D._. Unklar sei auch die
Relevanz der psychischen Beeinträchtigung, worüber derzeit erst dem Grundsatz nach
befunden werden könne. Da es dem Beschwerdeführer seit Herbst 2010 wieder
schlechter gehe, werde er beim Psychiater die Wiederaufnahme der Behandlung
beantragen. Es sei von einem schweren Unfall auszugehen. Sodann seien sowohl das
Validen- als auch das Invalideneinkommen von der Beschwerdegegnerin falsch
ermittelt worden. Fixspesen würden Teil des Valideneinkommens bilden. Es handle sich
dabei um Lohnbestandteile und nicht um Unkostenersatz. Rein vorsorglich sei sodann
festzuhalten, dass Unstimmigkeiten bei den DAP-Löhnen und deren Handhabung
bestünden. Es könne nicht sein, dass die in der Einsprache (Ziff. 5) erwähnten
Unsicherheiten bezüglich Auszahlung von 13. Monatslohn, Gratifikation und
Anwesenheitsprämien etc. zulasten des Beschwerdeführers gehen würden, indem so
getan werde, wie wenn diese Beträge ausnahmslos an jeden Angestellten ausbezahlt
würden, so dass die einzelnen Lohnminima entsprechend zu hoch ausfallen würden.
Richtig sei vielmehr, wenn für die Eruierung der Lohnminima davon ausgegangen
werde, dass diese Positionen eben gerade nicht ausbezahlt würden. Als Folge daraus
resultiere ein massgeblicher Lohnminimumdurchschnitt von weit weniger als Fr.
47'110.--. Ebenso ergebe sich daraus, dass auch der allgemeine Lohndurchschnitt
(derzeit von der Beschwerdegegnerin mit Fr. 51'230.-- veranschlagt) entsprechend zu
hoch ausfalle. Die bei den einzelnen DAP's angekreuzte Möglichkeit, Pausen
einzuschalten, komme einer Aussage ohne Inhalt gleich. Im Dunkeln bleibe, welche Art
von Pausen möglich seien, wie lange solche am Stück sein könnten und ob sie auch
spontan bezogen werden könnten. Treppensteigen komme nicht einmal nach dem
Zumutbarkeitsprofil der Beschwerdegegnerin in Frage. Dies habe zur Folge, dass es
dem von dieser vorgelegten Datenmaterial an der minimal erforderlichen Breite und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Repräsentativität mangle. Es sei dementsprechend auf Tabellenlöhne gemäss LSE
2008 abzustellen und ein Leidensabzug von 25% vorzusehen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 23. März 2011 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Ausführungen im
angefochtenen Entscheid und hielt unter anderem fest, das Gutachten D._ vermöge
die kreisärztliche Zumutbarkeitsbeurteilung in ihrer Beweiskraft nicht zu erschüttern,
zumal sich Dr. D._ auf die Bemerkung beschränkt habe, dass auf dem freien
Arbeitsmarkt eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um ca. 20% bestehe. Seine
Beurteilung sei unpräzis und ohne beweismässige Relevanz. Was die psychischen
Störungen betreffe, so sei die Beschwerdegegnerin mangels adäquater Unfallkausalität
nicht leistungspflichtig. Das Valideneinkommen und der Invalidenlohn (anhand der
DAP) seien korrekt ermittelt worden. Die ausgewählten DAP-Arbeitsplätze seien in jeder
Hinsicht mit dem kreisärztlichen Zumutbarkeitsprofil vereinbar. Für die Bestimmung
des Invalidenlohns sei das auf dem allgemeinen Arbeitmarkt erzielbare Salär
massgebend, weshalb es keine Rolle spiele, welche Zulagen der Betrieb im Rahmen
der vorgegebenen Bandbreite seinen einzelnen Mitarbeitern je konkret ausrichte. Die
ausgewählten DAP-Arbeitsplätze beinhalteten durchwegs leichte, anspruchslose
Tätigkeiten, welche keinerlei Vorkenntnisse voraussetzen würden. Solche Hilfsarbeiten
würden auf dem Arbeitsmarkt altersunabhängig nachgefragt, so dass der Faktor Alter
bei der Bemessung des Invalidenlohns unberücksichtigt zu bleiben habe. Mit der
Reduktion des Durchschnitts der Durchschnittslöhne um 6% habe man dem
Pausenbedarf vollumfänglich Rechnung getragen. Eine weitere Herabsetzung des
Invalidenlohns sei nicht gerechtfertigt.
B.c Mit Replik vom 21. Juni 2011 bestätigte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers seinen Standpunkt und reichte ein orthopädisches Gutachten von
Dr. E._, Facharzt für Orthopädie, vom 23. Dezember 2010 ein (act. G 12). Mit Eingabe
vom 29. Juni 2011 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag und ihren
Ausführungen fest (act. G 14).

Erwägungen:
1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.1 Streitig ist, inwiefern die beim Beschwerdeführer vorliegenden gesundheitlichen
Beschwerden Folge des Unfalls vom 24. September 2006 darstellen und ob er
Anspruch auf eine Invalidenrente hat, welche auf einem höheren als dem von der
Beschwerdegegnerin berechneten IV-Grad von 25% basiert. Hinsichtlich der
Integritätsentschädigung erwuchs die Verfügung vom 27. Januar 2010 unangefochten
in Rechtskraft. Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Entscheid die
rechtlichen Voraussetzungen der Unfallkausalität von somatischen und psychischen
Gesundheitseinschränkungen und der Bemessung von Invalidenrenten zutreffend dar
(E. 2, 3, 4); darauf ist zu verweisen.
1.2 Im Bericht der Klinik F._, vom 17. April 2007 wurde festgehalten, der
Beschwerdeführer befinde sich nach einer osteosynthetisch versorgten kompletten
Unterschenkelfraktur links mit nachfolgendem grossem Weichteildefekt stationär in der
Klinik. Er sei voraussichtlich bis 10. Mai 2007 aufgrund der Unfallfolgen zu 100%
arbeitsunfähig (UV-act. 29; vgl. auch UV-act. 31). Dr. G._, Arzt für Allgemeinmedizin,
berichtete am 28. August 2007, die voraussichtliche Dauer der Behandlung könne
derzeit nicht abgeschätzt werden. Eine Arbeitsaufnahme sei bis auf weiteres nicht
möglich (UV-act. 37). Von Seiten des Landeskrankenhauses C._ wurde am 25.
Februar 2008 festgehalten, der Patient könne derzeit nur zu 30% arbeiten; er habe
anschliessend bei manuellen Tätigkeiten und Stehen im Lager Schwellneigung und
Schmerzen (UV-act. 57). Am 27. März 2008 erfolgte die Metallentfernung mit
Débridement (UV-act. 62). Im August, September und November 2008 machten
Wundheilungsstörungen (Fistel am linken Unterschenkel) weitere Spitalaufenthalte mit
operativen Eingriffen nötig (UV-act. 89, 97, 106, 111). Die Arbeitgeberin hatte das
Arbeitsverhältnis am 15. September 2008 auf Ende November 2008 gekündigt (UV-act.
95). Kreisarzt Dr. med. H._ hielt im Bericht vom 4. Februar 2009 fest, die
wundpflegerischen Massnahmen seien weiterzuführen. Dem Beschwerdeführer sei bei
vorwiegend sitzenden Tätigkeiten mit Wechselpositionen und mittlerer Gehstrecken -
unter Vermeidung von repetitivem Treppengehen, Tragen von mehr als mittelschweren
Gewichten, Einnahme von Zwangshaltungen, Gehen in unebenem Gelände und
Besteigen von Leitern - mit zusätzlichen Pausen zum Hochlagern von ca. dem
Zweifachen der üblichen Pausen ein vollschichtiger Einsatz zu empfehlen (UV-act. 119).
Eine Kontrolluntersuchung im Landeskrankenhaus C._ vom 15. April 2009 führte zum
Schlussergebnis von Prof. Dr. I._, dass der Patient mit minimalem Schonhinken zur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Untersuchung gekommen sei. Der Hautdefekt habe sich nahezu verschlossen gezeigt,
wobei noch eine leicht sichtbare Narbe bestehe. Es lägen keine Rötung, keine
Überwärmung und kein Hinweis für einen akuten Infekt vor (UV-act. 146). Dr. G._
hielt im Bericht vom 23. Juni 2009 fest, dass er den Beschwerdeführer bis 18. Juli 2009
noch als arbeitsunfähig beurteile; bis dahin sollte der Ulcus abgeheilt sein. Eine
Anpassungsstörung werde psychiatrisch behandelt (UV-act. 141). Dr. med. J._ ,
Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, diagnostizierte am 6. Juli
2009 eine Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion und Angst gemischt (UV-act.
144). Der Kreisarzt bestätigte am 21. August 2009 seine frühere
Zumutbarkeitsbeurteilung und vermerkte, dass die Abheilungstendenz von der
Zuckerkrankheit mit beeinflusst sei (UV-act. 148).
1.3 Eine MR-Untersuchung des linken Unterschenkels ergab gemäss Bericht vom
15. September 2009 einen grösseren, teils flüssigkeitsintensen, partiell
randsklerosierten Knochendefekt in der distalen Tibia mit Kortikalisdefekt und
perifokalem Narbengewebe, ohne Flüssigkeitsretentionen in den Weichteilen (UV-act.
157). Im Bericht des Landeskrankenhauses C._ vom 23. September 2009 wurde
festgehalten, aufgrund der persistierenden Schmerzsymptomatik sei von körperlich
belastender Tätigkeit Abstand zu nehmen. Generell sei eine Umschulung auf eine
Bürotätigkeit zu empfehlen (UV-act. 158). Die Abschlussuntersuchung durch Kreisarzt
Dr. H._ ergab gemäss Bericht vom 8. Dezember 2009 das Vorliegen des
Wundverschlusses, wobei subjektiv beim Gehen und Stehen sowie Sitzen eine etwas
vermehrte Spannung im Lappenbereich und auch im Fuss bestehe, was sich bei
Hochlagerung bessere. Klinisch bestünden keine Infektzeichen. Die Beweglichkeit im
Sprunggelenk sei deutlich eingeschränkt. Radiologisch bestehe eine in leichter
Retrokurvationsfehlstellung verheilte distale Tibiafraktur, die im ventralen Anteil noch
residuell sichtbar sei. Das Sprunggelenk sei ohne wesentliche Arthrosezeichen. Als
Behandlungsmöglichkeit sehe er den Versuch mit einem Kniestrumpf. Die Unfallfolgen
seien dauernd und erheblich und würden eine Integritätsentschädigung begründen. Für
eine vorwiegend sitzende, im Raum gehend-stehende Tätigkeit sei der
Beschwerdeführer vollschichtig einsetzbar, wobei bei Auftreten einer Schwellung
allenfalls zwei zusätzliche Pausen von je einer Viertelstunde nötig seien. Im Übrigen
seien repetitives Treppengehen, Gehen auf unebenem Gelände sowie Heben und
Tragen von mehr als mittelschweren Gewichten mit der Notwendigkeit von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sprunggelenksreflektierenden Haltungen zu vermeiden (UV-act. 170). Anlässlich einer
weiteren bildgebenden Abklärung vom 8. Dezember 2009 zeigte sich ein vollständiger
Durchbau der ossären Strukturen in der Tibia dorsal mit weiterhin gut sichtbarem
Frakturspalt bzw. unvollständigem Durchbau im ventralen Anteil. Weiterhin bestehe
eine leicht unregelmässige Knochenstruktur im Bereich des ehemaligen Infekts (UV-
act. 171). Am 11. Dezember 2009 schätzte der Kreisarzt die unfallbedingte Integritäts
einbusse auf 20% (UV-act. 175). Gemäss dem in diesem Verfahren eingereichten
Gutachten von Prim. Dr. D._, Facharzt für Unfallchirurgie, vom 7. Mai 2010 hatte der
Beschwerdeführer erklärt, seine Gehstrecke sei auf ca. eine Stunde beschränkt. In
unebenem und abschüssigem Gelände sei er trittunsicher. Treppensteigen gehe mit
einer Technik, die er sich angeeignet habe, recht gut. Der Gutachter kam zum Schluss,
das Ulkus am Unterschenkel sei im Oktober 2009 abgeheilt gewesen. Floride Infekte
seien seither nicht mehr eingetreten. Auf dem Röntgenbild zeige sich eine stabile
knöcherne Heilung des Unterschenkelbruchs in leichter Fehlstellung. Anlässlich der
Untersuchung habe sich ein leicht hinkendes, jedoch flottes Gangbild gezeigt.
Aufgrund der Zusammensinterung der Fraktur sei eine Beinlängenverkürzung um 1cm
eingetreten. Funktionell sei das Ergebnis äusserst befriedigend. Es bestehe jedoch eine
deutliche Bewegungsbehinderung im Bereich des linken oberen Sprunggelenks und
somit auch eine Trittunsicherheit in unebenem Gelände. Die Fusssohlenbeschwielung
sei fast seitengleich ausgeprägt, was für eine gute Benützbarkeit des linken Beins
spreche. Die Durchblutung des Fusses sei nicht gestört. In der Fersenregion bestehe
eine Gefühlsherabsetzung als Folge einer Läsion eines Hautnervs. Derzeit bestünden
keinerlei entzündliche Veränderungen. Eine Besserungsmöglichkeit durch einen
operativen Eingriff sei nicht möglich. Die jetzigen Folgezustände seien Dauerfolgen.
Aufgrund des jetzigen Zustands sei das Lenken eines LKW zwar möglich;
Beeinträchtigungen könnten jedoch im Stadtverkehr auftreten, wenn häufig die
Kupplung betätigt werden müsse. Auf dem freien Arbeitsmarkt bestehe eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um ca. 20% (act. G 1.1).
2.
2.1 Aufgrund der Aktenlage ist davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer die
frühere Tätigkeit als Chauffeur nicht mehr möglich ist (UV-act. 158; act. G 1.1).
Während vom Kreisarzt - aus somatischer Sicht - vorwiegend sitzende Tätigkeiten mit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wechselpositionen unter Berücksichtigung der Einschränkungen und der gestellten
Anforderungen an vermehrte Pausen als vollschichtig zumutbar erachtet wurden (UV-
act. 119, 148, 170), vermerkte der Unfallgutachter Dr. D._ eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit um ca. 20% auf dem freien Arbeitsmarkt (act. 1.1 S. 8). Auf welche Art
Tätigkeit der Unfallgutachter sich dabei bezieht bzw. welche unfallbedingten
Anforderungen eine zumutbare Tätigkeit seines Erachtens zu erfüllen hat, legte er
allerdings nicht dar und begründete seine Schlussfolgerung auch sonst nicht näher. Es
fehlt somit an einer Stellungnahme von Unfallgutachter Dr. D._ zur Frage, welche
Tätigkeit in Anbetracht des in Frage stehenden Unfallschadens angepasst wäre und
inwiefern hier der Beschwerdeführer aus seiner Sicht eingeschränkt wäre. Seine
Feststellungen und Befunde (leicht hinkendes, jedoch flottes Gangbild, funktionell
äusserst befriedigendes Ergebnis, deutliche Bewegungsbehinderung im Bereich des
linken oberen Sprunggelenks und somit auch eine Trittunsicherheit in unebenem
Gelände, gute Benützbarkeit des linken Beins; act. G 1.1 S. 7) stimmen jedoch
inhaltlich im Wesentlichen mit denjenigen des Kreisarztes überein und sprechen - unter
Berücksichtigung einer erhöhten Pausenbedürftigkeit - für eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit in einer dem Gesundheitsschaden adaptierten Tätigkeit. Die
gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung orientierte sich offenbar nicht an der Frage
der erwerblichen Auswirkung des Unfallschadens in Bezug auf eine konkret
umschriebene, angepasste Tätigkeit, sondern an der Frage der unfallbedingten
Versehrtheit des linken Fusses im Sinn einer medizinisch-theoretischen Gliedertaxe.
Auf letzteres deutet auch der Umstand hin, dass der Prozentwert der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ mit der vom Kreisarzt geschätzten
Integritätseinbusse übereinstimmt, wobei die zugrundeliegenden Befunde der beiden
Ärzte im Wesentlichen identisch sind. Was die von Dr. D._ erwähnte
Beinlängendifferenz von 1cm betrifft, so ist festzuhalten, dass es sich dabei um eine
Differenz geringen Ausmasses handelt, welche sich weitgehend im Rahmen natürlicher
Beinlängenunterschiede hält (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 18. August 2000 i/S
H., U 4/00, E. 3c mit Hinweisen, und vom 28. Mai 2004, U 122/02, E. 4.1) und die wenn
nötig durch entsprechende Schuhversorgung (der Beschwerdeführer trug anlässlich
der Untersuchung durch Dr. D._ "praktisch absatzloses" Schuhwerk; act. G 1.1 S. 4)
ausgeglichen werden kann.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Kreisarzt begründete - im Gegensatz zu Dr. D._ - seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung nachvollziehbar und überzeugend. Im Weiteren findet sich
im Gutachten des Orthopäden Dr. E._ vom 23. Dezember 2010 (act. G 12.1) die
Schlussfolgerung, dass dem Beschwerdeführer leichte, vorwiegend sitzende Arbeiten
während 8 Stunden täglich "ohne länger als die üblichen Unterbrechungen" zumutbar
seien, wobei der Gutachter einzelne zu vermeidende Verrichtungen anführte (act. G
12.1 S. 8f). Das Gutachten Dr. E._, dessen Schlussfolgerung in Bezug auf die
zeitliche Zumutbarkeit mit derjenigen des Kreisarztes im Wesentlichen übereinstimmt
und lediglich bei den zumutbaren Gewichtsbelastungen tiefere Werte festlegt, betrifft
allerdings den gesamten Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und bezieht
insbesondere auch die nicht unfallbedingten Probleme im Bereich der
Lendenwirbelsäule (Lumbalgie; act. G 12.1 S. 6) mit ein. Sodann standen dem
Gutachter die im vorliegenden Verfahren zur Diskussion stehenden Akten der
Beschwerdegegnerin soweit ersichtlich nicht zur Verfügung (vgl. act. G 12.1 S. 3) und
konnten entsprechend von ihm auch nicht in seine Würdigung einbezogen werden.
Konkrete Anhaltspunkte, welche gegen die kreisärztliche Schlussfolgerung als
fachärztlicher Standpunkt im Bereich der Unfallmedizin sprechen oder welche geeignet
wären, Zweifel an den Feststellungen des Kreisarztes zu begründen, lassen sich weder
den Gutachten D._ und E._ entnehmen, noch werden solche vom
Beschwerdeführer selbst geltend gemacht. Ein Grund, weitere medizinisch-somatische
Abklärungen zu veranlassen, ist in dieser Situation nicht ersichtlich, weshalb davon
abzusehen ist. Hingegen lässt der Beschwerdeführer zusätzlich die Unfallkausalität
seiner psychischen Beschwerden behaupten.
2.2 Mit Bezug auf die psychischen Probleme des Beschwerdeführers und der daraus
resultierenden Arbeitsunfähigkeit kann die Frage der natürlichen Unfallkausalität, wie
nachstehend zu zeigen ist, offen bleiben (vgl. SVR 1995 UV Nr. 23, S. 68 E. 3c). Für die
Beurteilung der Adäquanz dieser Beschwerden ging die Beschwerdegegnerin beim
Unfall (Kollision auf einer Strassenkreuzung innerorts) vom 24. September 2006 mit
distaler Unterschenkelfraktur und Schulterprellung im angefochtenen Entscheid von
einem mittelschweren Ereignis aus. Dies steht mit der einschlägigen Praxis (vgl. A.
Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. A., S. 54-56) in Einklang.
Was die im Zusammenhang mit mittelschweren Unfällen von der Rechtsprechung
aufgestellten Kriterien betrifft (vgl. angefochtener Entscheid, E. 8b), können
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit nicht bejaht
werden. Die erlittenen Verletzungen waren zwar - zumindest soweit sie den linken
Unterschenkel betrafen - zweifellos erheblich. Jedoch lässt sich aus dem Umstand,
dass nach Metallentfernung eine deutlich eingeschränkte Sprunggelenksbeweglichkeit
verblieb und die Tibiafraktur in leichter Fehlstellung verheilte (vgl. UV-act. 175), eine
Verletzung besonderer Art oder Schwere mit erfahrungsgemässer Eignung, psychische
Fehlentwicklungen auszulösen, nicht ableiten.
Die versicherte Person hat solange Anspruch auf die zweckmässige Behandlung (Art.
10 Abs. 1 UVG) der Unfallfolgen, als von ihrer Fortsetzung eine namhafte Besserung
des Gesundheitszustands erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG e contrario). Nach
der Metallentfernung (UV-act. 62) zeigten sich beim Beschwerdeführer
behandlungsbedürftige Wundheilungsstörungen (vgl. UV-act. 89, 97, 106, 111, 119),
welche in der Folge im Verlauf des ersten Halbjahrs 2009 abheilten (vgl. UV-act. 141,
146). Seit Ende April 2009 war er in psychiatrischer Behandlung (UV-act. 144).
Anlässlich einer kreisärztlichen Untersuchung im Dezember 2009 wurde das Vorliegen
des Wundverschlusses bestätigt und klinische Infektzeichen verneint. Ausser dem
Versuch mit einem Kniestrumpf bestanden gemäss kreisärztlicher Beurteilung keine
Behandlungsmöglichkeiten (UV-act. 170). Bildgebend bestätigte sich das Erreichen des
medizinischen Endzustands (vgl. 171), und auch der Gutachter Dr. D._ bejahte den
Behandlungsabschluss hinsichtlich der Unfallfolgen im Oktober 2009 (vgl. act. G 1.1 S.
6). Die weiteren ärztlichen Bemühungen umfassten in somatischer Hinsicht denn auch
im Wesentlichen ärztliche Kontrollen und Abklärungsmassnahmen, nicht jedoch
eigentliche Behandlungen (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts vom 6. März 2006, U
219/05, E. 6.4.2, und vom 16. August 2006 i/S J. [U 258/05], E. 4.3.3). Mit Blick auf die
rund dreijährige Behandlung von körperlichen Unfallfolgen (psychische
Einschränkungen fallen hier ausser Betracht) ist eine ungewöhnlich lange Dauer der
ärztlichen Behandlung - wenn auch nicht in sehr ausgeprägtem Umfang - zu bejahen.
Demgegenüber kann das Kriterium von (unfallbedingten) körperlichen Dauerschmerzen
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als erfüllt betrachtet werden. Gegenüber
Dr. E._ gab der Beschwerdeführer an, er nehme bewusst keine
Schmerzmedikamente. Er habe vor allem Schmerzen, wenn er lange gesessen sei. Er
könne sich bewegen, aufstehen und umhergehen. Fahren gehe wahrscheinlich schon,
aber nicht in der Stadt, wo er ständig kuppeln müsse (act. G 12.1 S. 3, 4).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Medikamente nahm der Beschwerdeführer jedenfalls ab Mitte 2009 nur noch aus
unfallfremden Gründen (Zuckerkrankheit) ein (vgl. UV-act. 143; vgl. auch act. G 1.1 S.
4). Das Kriterium eines schwierigen Heilungsverlaufs bzw. von erheblichen
Komplikationen lässt sich nicht schon bereits deshalb bejahen, weil sich wie erwähnt
ein verzögerter postoperativer Verlauf mit Wundheilungsstörungen ergeben hatte. Die
verzögerte Wundheilung mit Nachoperationen vermag dieses Kriterium nicht zu erfüllen
(Urteil des Bundesgerichts vom 29. Mai 2007, U 439/06, E. 4.2.2). Eine ärztliche
Fehlbehandlung ist weder behauptet noch aus den Akten ersichtlich.
2.3 Das im Weiteren zur Diskussion stehende Kriterium von Grad und Dauer der
physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit bezieht sich nicht nur auf das
Leistungsvermögen im angestammten Beruf (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Mai
2008, 8C_407/2007, E. 5.2.6.2). Nach dem streitigen Unfall bestand jedenfalls Anfang
2008 wieder eine Teilarbeitsfähigkeit (UV-act. 53, 59). Mitte 2008 absolvierte der
Beschwerdeführer einen dreiwöchigen USA-Aufenthalt, wobei er festhielt, dass keine
Behandlungen nötig seien und er den Fuss selber massiere (UV-act. 74). 2008 war er
auch wieder mit dem Motorrad unterwegs (UV-act. 87). Im Februar 2009 erachtete der
Kreisarzt den Beschwerdeführer in einer dem Gesundheitsschaden angepassten
Tätigkeit - mit zusätzlichen Pausen zum Hochlagern - als vollschichtig einsetzbar (UV-
act. 119). Seit April 2009 war der Beschwerdeführer in psychiatrischer Behandlung
(UV-act. 144). Gegenüber dem Gutachter Dr. D._ erklärte er im Mai 2010, dass er bei
einer Motorrad-Tagestour jeweils nach 1 1⁄2 Stunden eine Pause machen müsse (act. G
1.1 S. 4). Eine lang dauernde, somatisch (unfallbedingt) begründete Arbeitsunfähigkeit
kann bei diesem Sachverhalt ebenfalls nicht als überwiegend wahrscheinlich
nachgewiesen gelten. Soweit aus den ärztlichen Berichten eine Arbeitsunfähigkeit
hervorgeht, ergingen die entsprechenden Einschätzungen in Anwendung von hier nicht
einschlägigen Bemessungskriterien (vgl. vorstehende E. 2.1) sowie unter
Berücksichtigung der nichtorganischen Faktoren und unfallfremden Beschwerden (vgl.
UV-act. 141, 152), die vorliegend ausser Acht bleiben müssen. Aber selbst wenn das
letztgenannte Kriterium als erfüllt zu erachten wäre, müsste der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den psychischen Beschwerden - bei
Erfüllung von höchstens zwei Kriterien (in eher geringem Umfang) - verneint werden.
Dabei ist darauf hinzuweisen, dass gemäss Rechtsprechung für die Bejahung einer
Unfallkausalität bei mittelschweren Unfällen (Schleudertrauma-Bereich) im engeren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sinn die Erfüllung von drei Adäquanzkriterien vorausgesetzt wird, während bei
mittelschweren Ereignissen an der Grenze zu den leichten Fällen vier Adäquanzkriterien
erfüllt sein müssen (Urteil des Bundesgerichts vom 2. Oktober 2009, 8C_421/2009). Für
die Bemessung der unfallbedingten Invalidität können dementsprechend lediglich die
unfallkausalen Beeinträchtigungen in somatischer Hinsicht mit einbezogen werden.
3.
3.1 Streitig sind die der Invaliditätsbemessung zugrunde liegenden
Vergleichseinkommen (Art. 16 ATSG). Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient
hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft; dies in der Annahme,
dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE
129 V 224, E. 4.3.1 mit Hinweisen). Die ehemalige Arbeitgeberin des
Beschwerdeführers erklärte am 13. Februar 2009, dass dieser bei ihr als Gesunder im
Jahr 2009 Fr. 4'942.-- pro Monat (x 13) verdienen würde (UV-act. 130). Das hieraus
resultierende Jahreseinkommen von Fr. 64'246.-- legte die Beschwerdegegnerin ihrer
Rentenberechnung zugrunde. Zu Recht liess sie die Fixspesen, welche als
Unkostenersatz und nicht als Lohnbestandteil zu werten sind, ausser Betracht (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 20. Juli 2007, 8C_240/2007, E. 4.3). Bei einem
Chauffeur, welcher Tagestouren absolviert, dürften Fixspesen als
Aufwandentschädigung wegen der auswärtigen Verpflegung und Pausen den
Normalfall darstellen. Der Umstand allein, dass die Fixspesen von Fr. 590.-- pro Monat
im Arbeitsvertrag vom 4. Februar 2004 unter dem Titel "Lohnleistung" vereinbart
wurden (UV-act. 193 Beilage), vermag nicht zu belegen, dass damit nicht regelmässig
anfallende Unkosten hätten entgolten werden sollen. Die ehemalige Arbeitgeberin hatte
denn auch - und dies erscheint ausschlaggebend - Fixspesen weder in der
Unfallmeldung (UV-act. 1) noch bei späteren Lohn-Anfragen (UV-act. 130) als
Lohnbestandteil angegeben und erachtete sie somit nicht als massgebenden Lohn im
Sinn von Art. 9 Abs. 2 AHVV (SR 831.101). Als Konsequenz davon wurde auch der
versicherte Verdienst (Art. 15 UVG), welcher Grundlage für die Beitragsablieferung
bildete, basierend auf den von der ehemaligen Arbeitgeberin ohne Fixspesen
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=I+433%2F06&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-V-222%3Ade&number_of_ranks=0#page224 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=I+433%2F06&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-V-222%3Ade&number_of_ranks=0#page224
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gemeldeten Löhnen und Boni der Zeitperiode vom 24. September 2005 bis 23.
September 2006 - mit Fr. 62'328.-- berechnet (vgl. UV-act. 130, 179, 180). Den
letztgenannten Betrag lässt der Beschwerdeführer denn auch nicht beanstanden. In
Anbetracht der bereits vorliegenden schriftlichen Lohnangaben der ehemaligen
Arbeitgeberin vermöchten weitere Anfragen bei ihr überwiegend wahrscheinlich nicht
zu einem "zutreffenderen" Ergebnis zu führen. Das Valideneinkommen erscheint mit
einem Betrag von Fr. 64'246.-- ausgewiesen.
3.2 Das Invalideneinkommen legte die Beschwerdegegnerin gestützt auf DAP-Zahlen
des Jahres 2009, d.h. auf den Durchschnitt aus den Arbeitsplätzen Nr. 5291, 6391,
3779, 2890 und 385246 (UV-act. 181) von Fr. 51'230.-- unter Berücksichtigung eines
Abzugs für den zusätzlichen Pausenbedarf im Umfang von 6% (Fr. 3'073.80) auf
Fr. 48'156.20 fest (UV-act. 180). Im Hinblick auf die geforderte Repräsentativität der
DAP-Profile und der daraus abgeleiteten Lohnangaben hat die Beschwerdegegnerin
nach der Rechtsprechung, zusätzlich zur Auflage von mindestens fünf DAP-Blättern,
Angaben zu machen über die Gesamtzahl der aufgrund der gegebenen Behinderung in
Frage kommenden dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den Tiefstlohn
sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten Behinderungsprofil
entsprechenden Gruppe. Im Beschwerdeverfahren ist es Sache des angerufenen
Gerichts, die Rechtskonformität der DAP-Invaliditätsbemessung zu prüfen,
gegebenenfalls die Sache an den Versicherer zurückzuweisen oder an Stelle des DAP-
Lohnvergleichs einen Tabellenlohnvergleich gestützt auf die LSE vorzunehmen (Urteil
des EVG vom 28. August 2003, U 35/00, E. 4.2.2). Konkret liegen die von der
Rechtsprechung geforderten Angaben vor, und die von der Beschwerdegegnerin
ausgewählten DAP-Arbeitsplätze sind den behinderungsbedingten Einschränkungen
des Beschwerdeführers angepasst. Mit der Beschwerdegegnerin (act. G 5 Ziff. 5.4a) ist
festzuhalten, dass das kreisärztliche Zumutbarkeitsprofil lediglich repetitives
(wiederholtes bzw. häufiges), nicht jedoch seltenes Treppensteigen im Sinn DAP-
Arbeitsplatz Nr. 6391 ausschliesst. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer dem
Gutachter Dr. D._ erklärt hatte, dass das Treppensteigen mit einer Technik, die er
sich angeeignet habe, recht gut gehe (act. G 1.1 S. 4 oben). Die Möglichkeit, Pausen
einzuschalten, wurde für alle in Frage stehenden DAP-Arbeitsplätze bejaht (vgl. UV-act.
181). Mit dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (act. G 1 S. 5) ist festzuhalten,
dass die Einschaltung von Pausen arbeitsrechtlich an jedem Arbeitsplatz ohne weiteres
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gewährleistet ist. Von daher konnte die Frage, ob das Einschalten von Pausen mit Blick
auf den Arbeitsablauf möglich sei (vgl. UV-act. 181), zum vornherein lediglich Pausen
betreffen, die der Arbeitnehmer von sich aus und spontan (bei entsprechender
Notwendigkeit) sollte einschalten können.
Die im Weiteren vom Beschwerdeführer angeführten Zulagen (Anwesenheitsprämien
bei DAP Nr. 5291, Gratifikation bei DAP Nr. 6391, Schichtzulage bei DAP Nr. 385246)
bilden als Bestandteile des erzielbaren Minimal- bzw. Maximallohnes Teil der gesamten
Lohn-Bandbreite. Praxisgemäss wird der Durchschnittswert beigezogen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 26. Juni 2008, 8C_72/2008, E. 5.2). Der Anwendung der
Invalideneinkommen-Bemessung anhand von DAP-Löhnen liegt die Annahme
zugrunde, dass Zulagen im Einzelfall in unterschiedlicher Höhe im Rahmen der
Lohnbandbreite und damit nicht ausserhalb derselben vereinbart werden. Wenn Gratifi
kationen in einem Betrieb in aller Regel ausbezahlt werden, besteht auch kein Anlass,
diese bei der Festlegung der Lohnminima auszuklammern. Ein Anlass, beim
Beschwerdeführer vom "tiefsten Lohndurchschnitt" (act. G 1 S. 5) und nicht vom
Durchschnitt von Fr. 51'230.-- auszugehen, lässt sich mit seinem Alter, seinen
Vorkenntnissen und der geltend gemachten schweren Vermittelbarkeit nicht
begründen, zumal Abzüge, wie sie bei der Bemessung mit LSE-Löhnen zur Anwendung
kommen, bei der Bemessung anhand von DAP-Löhnen nicht zugelassen werden (BGE
129 V 472).
3.3 Selbst wenn auf die vorerwähnten DAP-Löhne nicht abgestellt werden könnte,
würde dies am Ergebnis, wie sich nachstehend ergeben wird, nichts ändern. Die
Bemessung anhand statistischer Löhne würde zu einem vergleichbaren, tendenziell
eher höheren Invalideneinkommen führen. Aus der LSE 2008 TA 1 Niveau 4 ist für
Männer ein durchschnittliches Monatssalär von Fr. 4'806.-- ersichtlich. Das hieraus
errechnete Jahressalär von Fr. 57'672.-- basiert auf 40 Wochenstunden und ist auf die
betriebsübliche durchschnittliche Arbeitszeit 2009, d.h. auf 41.7 Stunden,
aufzurechnen, woraus sich ein Betrag von Fr. 60'123.-- ergibt. Im Jahr 2009 stiegen die
Nominallöhne um 2.1%, woraus für dieses Jahr ein Betrag von Fr. 61'386.-- resultiert.
Unter Berücksichtigung eines 6%igen Abzugs (für zusätzlich notwendige Pausen von
2x 15 Minuten) ergäbe sich ein Betrag von Fr. 57'703.--. Beim Beschwerdeführer wirkt
sich unter Umständen die unfallbedingte Einschränkung am linken Fuss dahingehend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aus, dass er auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit einem unterdurchschnittlichen
Lohn rechnen kann. Hinzu kommen gegebenenfalls altersbedingte Schwierigkeiten,
eine passende Arbeit zu finden. Die zusätzliche Gewährung eines Leidensabzugs von
15%, welche die beiden Aspekte zureichend abgelten würde, hätte ein
Invalideneinkommen von Fr. 49'048.-- zur Folge. Ein (noch) höherer Leidensabzug
liesse sich sachlich nicht begründen. Es erscheint dementsprechend gerechtfertigt, auf
das DAP-Einkommen von Fr. 48'156.-- abzustellen. Die Gegenüberstellung dieses
Betrags mit dem Valideneinkommen von Fr. 64'246.-- ergibt eine Erwerbsunfähigkeit
von 25% (gerundet; BGE 130 V 122 E. 3.2).
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 14. Januar 2011 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 22.03.2012 Art. 6 UVG. Art. 18 UVG. Art. 16 ATSG. Unfallkausalität von psychischen Beschwerden. Rentenbemessung anhand von DAP-Löhnen (Entscheid der Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. März 2012, UV 2011/15).
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
2021-09-19T14:40:00+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen