Decision ID: 393ffc58-8b58-479e-b0ff-3e10e7006792
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Abänderung Scheidungsurteil
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes im ordentlichen Verfahren des Bezirksgerichtes Uster vom 6. Februar 2018; Proz. FP170012
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Rechtsbegehren: (act. 1 und act. 7, sinngemäss)
Das Urteil vom 21. Dezember 2012 des Bezirksgerichts Uster, . FP110019-I, sei bezüglich Ziffer 4 des Dispositives abzuändern und der  neu gemäss der aktuellen finanziellen Situation des Klägers festzulegen.
Es sei dem Kläger die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge je hälftig zu Lasten beider Parteien.
Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht im ordentlichen Verfahren, vom 6. Februar 2018:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'570.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 412.50 Dolmetscher.
3. Die Kosten werden dem Kläger auferlegt, jedoch zufolge Gewährung der  Rechtspflege einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Der Kläger wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO hingewiesen.
4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.
(5. / 6.: Mitteilung und Rechtsmittelbelehrung.)
Berufungsanträge:
des Klägers und Berufungsklägers (act. 43 S. 2):
"1. Es sei Dispositivziffer 1. des Urteils des Bezirksgerichtes Uster vom 6. Februar 2018, Geschäfts-Nr.: FP170012-I, aufzuheben und durch folgende Fassung zu ersetzen:
2. Die gemeinsamen Söhne C._, geboren am tt.mm.2004, und D._, geboren am tt.mm.2006, werden in Abänderung von  1. des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 21. Dezember
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2012, Geschäfts Nr. FP110019-I, unter die gemeinsame elterliche  der Parteien gestellt.
3. Die Obhut für den Sohn C._, geboren am tt.mm.2004, wird in  von Dispositivziffer 1. des Urteils des Bezirksgerichts Oster vom 21. Dezember 2012, Geschäfts Nr. FP11 0019-I, dem  zugeteilt.
4. Auf die ausdrückliche Regelung des Besuchsrechts der  zum Sohn C._ wird angesichts des Alters des Sohnes verzichtet.
5. Die Pflicht des Berufungsklägers zur Bezahlung von Kinderunterhalt für den Sohn C._, geboren am tt.mm.2004, an die Berufungsbeklagte wird in Abänderung von Dispositivziffer 4. des Urteils des  Uster vom 21. Dezember 2012, Geschäfts Nr. FP110019-I, rückwirkend ab 1. Juni 2018 aufgehoben.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 7.7% MwSt. zulasten der Beklagten."
der Beklagten und Berufungsbeklagten (act. 53 S. 2):
1. Die Rechtsbegehren Ziffer 1 und 2 des Berufungsklägers seien insofern , als dass der Sohn D._, geb. tt.mm.2006, unter der alleinigen  Sorge der Berufungsbeklagten, wie im Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 21. Dezember 2012 rechtskräftig entschieden, zu belassen sei.
2. Das Rechtsbegehren Ziffer 4 des Berufungsklägers sei abzuweisen.
3. Es sei der Berufungsbeklagten folgendes Besuchs- und Ferienrecht für C._ einzuräumen:
a. An den Wochenenden gerader Kalenderwochen von Freitag, 18.00 Uhr, bis Sonntag, 19.00 Uhr;
b. Jährlich am 24. Dezember und 1. Januar
c. In den Jahren mit gerader Jahreszahl über die Osterfeiertage (, 09.00 Uhr, bis Ostermontag, 19.00 Uhr);
d. In den Jahren mit ungerader Jahreszahl über die Pfingstfeiertage (, 09.00 Uhr, bis Pfingstmontag, 19.00 Uhr).
Zudem sei die Beklagte zu berechtigen, C._ jährlich während drei  auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen.
4. Es sei der Berufungsbeklagten für das Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Berufungsklägers.
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Erwägungen:
I. (Übersicht zum Sachverhalt/Prozessgeschichte)
1. Die Parteien waren verheiratet und haben zwei gemeinsame Söhne, nämlich C._, geb. am tt.mm.2004, und D._, geb. am tt.mm.2006. Die Ehe wurde
mit Urteil des Grundgerichtes Brcko Distrik in Bosnien vom 16. Mai 2008 geschie-
den. Mit Urteil des Einzelgerichtes o.V. des Bezirksgerichtes Uster vom 21. De-
zember 2012 wurde dieses Scheidungsurteil hinsichtlich der Kinderbelange und
der Aufteilung der Vorsorgeguthaben ergänzt. Im Wesentlichen wurden die Söhne
unter die elterliche Sorge der Mutter gestellt, wurde eine Regelung des persönli-
chen Verkehrs von Vater und Söhnen getroffen, wurde eine bereits bestehende
Erziehungs- und Besuchsrechtsbeistandschaft i.S.v. Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB
für die Sohne beibehalten und der Vater verpflichtet, für die Söhne indexgebun-
dene Unterhaltsleistungen zu erbringen, und zwar ab 1. Januar 2013 im Umfang
von je Fr. 962.- zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder vertraglicher Kinderzulagen
(vgl. act. 4/63 S. 40 ff.).
2. - 2.1 Gegen Ende März 2017 gelangte der Vater (fortan: der Kläger) an das Bezirksgericht Uster, Einzelgericht im ordentlichen Verfahren, und beantragte ei-
ne seiner finanziellen Situation angemessene Herabsetzung seiner Unterhalts-
verpflichtung gegenüber den Söhnen. Zur Begründung seiner Klage brachte er im
Wesentlichen einerseits vor, die Mutter (fortan: die Beklagte) verdiene neuerdings
mehr als im Jahr 2012. Anderseits machte er geltend, er habe wieder geheiratet,
seine Lebenskosten seien daher gestiegen, seine neue Ehefrau komme aus Bos-
nien, könne nur schlecht Deutsch und habe schlechte Chancen auf dem Arbeits-
markt (vgl. act. 1 S. 2).
Das Einzelgericht führte sein Verfahren durch. Am 6. Februar 2018 fand die
Hauptverhandlung statt. Mit Verfügung vom gleichen Tag bewilligte das Einzelge-
richt die unentgeltliche Rechtspflege und schrieb ein analoges Gesuch der Be-
klagten ab. Mit Urteil vom gleichen Tag wies das Einzelgericht sodann die Klage
ab. Verfügung und Urteil vom 6. Februar 2018 eröffnete das Einzelgericht den
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Parteien unbegründet (vgl. act. 34). Der Kläger verlangte daraufhin eine Begrün-
dung des Urteils (vgl. act. 36). Das begründete Urteil (act. 47 [= act. 38 =
act. 46/2]) wurde den Parteien fast ein halbes Jahr, nachdem es gefällt worden
war, während der Gerichtsferien 2018 gemäss Art. 145 Abs. 1 lit. b ZPO eröffnet
(vgl. 39).
2.2 Anfangs Juni 2018 verliess der Sohn C._ erstelltermassen den  Haushalt, bat den Vater um Aufnahme und verblieb in der Folge im väterli-
chen Haushalt, der bis dahin aus dem Vater und dessen Lebenspartnerin bzw.
Ehefrau bestand (vgl. act. 69 S. 2, siehe ferner act 43 S. 10 und dazu act. 53).
D._, das zweite Kind der Parteien, wohnt weiterhin bei der Mutter zusammen
mit dem Halbbruder E._. Im mütterlichen Haushalt verkehrt (vgl. act. 43 S.
10) bzw. wohnt (vgl. act. 69 S. 2) auch der Lebenspartner der Mutter.
Die Gründe für den Auszug von C._ aus dem mütterlichen Haushalt
sind hier nicht vertiefter zu erörtern, nachdem sich die Parteien dazu in Zurückhal-
tung geübt haben (vgl. act. 43 [dort insbes. S. 10], act. 53 [dort insbes. S. 6]). Es
mag gestützt auf act. 69 (vgl. dort insbes. S. 1 [Protokollnotiz vor "Anhörung"])
vielmehr der Hinweis genügen, dass C._ in diesem Haushalt mit zunehmen-
der Dauer seinen Platz bzw. seine Rolle nicht mehr fand.
3. Mit Schriftsatz vom 14. September 2018 (act. 43, act. 45 f.) liess der erst seit dem 27. August 2018 anwaltlich vertretene Kläger rechtzeitig Berufung gegen das
Urteil vom 6. Februar 2018 des Einzelgerichtes erheben. Er liess dabei die Anträ-
ge stellen (act. 43 S. 2), die diesen Erwägungen vorangestellt sind. Überdies er-
suchte der Kläger um Bewilligung der sog. umfassenden unentgeltlichen Rechts-
pflege für das Berufungsverfahren.
Die vorinstanzlichen Akten wurden von Amtes wegen beigezogen. Mit Be-
schluss vom 25. September 2018 wurde dem Kläger die unentgeltliche Rechts-
pflege und -verbeiständung bewilligt. Zugleich wurde der Beklagten – verbunden
mit Hinweisen gemäss Art. 97 ZPO – Frist angesetzt, um die Berufung schriftlich
zu beantworten (vgl. act. 48). Die Berufungsantwort (act. 53) wurde von F._
für die Beklagte innert Frist eingereicht. Mit Beschluss vom 22. November 2018
(act. 61 f.) wurde F._ als Vertreterin der Beklagten im Berufungsverfahren
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nicht zugelassen, aber zugleich vorgemerkt, dass die Beklagte die Berufungsant-
wort ausdrücklich genehmigt hat (vgl. auch act. 60). Im selben Beschluss wurde
der Beklagten zudem für das Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege
(Befreiung von Gerichtskosten) bewilligt und die Anhörung von C._ durch
den Referenten angeordnet (vgl. act. 61). Diese Anhörung fand am 12. Dezember
2018 statt (vgl. act. 69). Mit Verfügung vom Folgetag wurde den Parteien Gele-
genheit gegeben, sich zum Ergebnis der Anhörung zu äussern (vgl. act. 70). Bei-
de Parteien verzichteten darauf, der Kläger hat seinen ausdrücklichen Verzicht
bereits am 19. Dezember 2018 erklärt (vgl. act. 72). Die Sache ist damit heute
spruchreif. Der Beklagten ist lediglich noch zusammen mit diesem Entscheid ein
Doppel von act. 72 zu ihren Unterlagen zuzustellen.
II. (Zur Berufung im Einzelnen)
1. Die rechtzeitig eingereichte Berufung richtet sich gegen einen erstinstanzlichen Endentscheid i.S. des Art. 308 ZPO, mit dem über eine Klage auf Herabsetzung
der Unterhaltsbeiträge des Vaters für die bei der Mutter lebenden Söhne abschlä-
gig befunden wurde. Ausgangspunkt des Begehrens des Klägers an die Vor-
instanz war seine Verpflichtung gemäss Dispositivziffer 4 des Urteils des Einzel-
gerichtes o.V. des Bezirksgerichtes Uster vom 21. Dezember 2012, der Beklagten
für die Söhne indexgebundene Unterhaltsleistungen zu erbringen, und zwar ab
1. Januar 2013 im Umfang von je Fr. 962.- zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder
vertraglicher Kinderzulagen (vgl. vorn Erw. I/1 und act. 4/63).
Um elterliche Unterhaltsleistungen geht es auch im Berufungsverfahren,  nicht mehr primär, sondern gewissermassen erst in zweiter Linie, und
zwar in Bezug auf C._ (vgl. act. 43 S. 2, dort Antrag 5, sowie S. 6 [Rz. 14 f.],
S.18 f.). Zur Hauptsache geht es dem Kläger mit der Berufung um die Neurege-
lung der elterlichen Sorge für die zwei Söhne der Parteien (vgl. a.a.O., Antrag 2),
die Obhutszuteilung für C._ (vgl. a.a.O., S. 2, Antrag 3) sowie die Regelung
des persönlichen Umgangs von C._ zur Mutter (vgl. a.a.O., Antrag 4). Darin
liegt eine Klageänderung, die sich auf Regelungen im Urteil vom 21. Dezember
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2012 bezieht, die im vorinstanzlichen Verfahren nie zur Diskussion standen und
daher auch nicht geprüft wurden.
Im Berufungsverfahren ist gemäss Art. 317 Abs. 2 ZPO eine Klageänderung grundsätzlich nur noch unter folgenden zwei Bedingungen zulässig: es müssen
erstens die Voraussetzungen des Art. 227 Abs. 1 ZPO erfüllt sein (neuer bzw. ge-
änderter Anspruch, der mit dem bisherigen in sachlichem Zusammenhang steht
und in gleicher Verfahrensart zu beurteilen wäre); zweitens muss der neue bzw.
geänderte Anspruch auf neuen Tatsachen und Beweismitteln beruhen.
2. - 2.1 Der Kläger stützt seine Klageänderung im Wesentlichen auf die Tatsache ab, dass C._ seit dem Juni 2018 bei ihm wohnt (vgl. act. 43 S. 4 ff., dort ins-
bes. Rz. 7, 9, 18 - 20, 24), also auf eine Tatsache, die erst nach Fällung des an-
gefochtenen Entscheids eingetreten ist, indessen vor dessen begründeter Eröff-
nung. Es handelt sich um eine neue Tatsache i.S. des Art. 317 Abs. 2 ZPO, die
an sich gemäss Art. 296 Abs. 1 ZPO zu beachten ist (vgl. dazu neuerdings auch
BGE 144 III 349), aber ohnehin unbestritten blieb. Die zweite Voraussetzung zur
Klageänderung ist daher erfüllt. Mit dem Wegzug von C._ aus dem mütterli-
chen Haushalt stellt sich ebenfalls die Frage der väterlichen Unterhaltsverpflich-
tung, die schon Gegenstand des angefochtenen Urteils war, neu. Und es hängen
mit dem Wegzug von C._ aus dem mütterlichen Haushalt ebenso alle übri-
gen vom Kläger mit seinen Anträgen aufgeworfenen Fragen (elterliche Sorge,
Obhutszuteilung) in einem engen sachlichen, nämlich familienrechtlichen und da-
her gemäss Art. 296 ZPO ohnehin zu berücksichtigenden Zusammenhang, jeden-
falls soweit es um C._ geht. Und die Vorinstanz hätte diese Punkte prüfen
müssen, wären sie ihr vorgelegt worden. Insoweit ist ebenfalls die erste Voraus-
setzung für eine Klageänderung im Berufungsverfahren erfüllt.
2.2 Die Sorge- und Obhutszuteilung, wie sie im Urteil vom 21. Dezember 2012 getroffen worden war (vgl. act. 4/63 S. 40 [Dispositivziffer 1]), ist mit dem Wegzug
von C._ zum Vater sachlich offensichtlich hinfällig geworden und bedarf der
Neuregelung. Die Beklagte opponiert richtigerweise nicht gegen die Anträge des
Klägers dazu, die im Interesse von C._ liegen. Demnach ist in Änderung des
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Urteils vom 21. Dezember 2012 C._ unter die gemeinsame elterliche Sorge
der Parteien und unter die alleinige Obhut des Vaters zu stellen.
2.3 Kinder und der Elternteil, bei dem die Kinder nicht wohnen, haben gegenseitig Anspruch auf einen angemessenen persönlichen Umgang (vgl. Art. 273 Abs. 1
ZGB). Der Kläger ist der Meinung, weil C._ 14 Jahre alt sei, erübrige sich ei-
ne ausdrückliche Regelung des persönlichen Umgangs des Sohnes zur Mutter.
C._ sei selber in der Lage, den Kontakt zur Beklagten zu halten und sie zu
treffen (vgl. act. 43 S. 13). Die Beklagte erachtet demgegenüber ein Besuchs-
recht, das sich an jenes anlehnt, das einst dem Kläger im Urteil vom
21. Dezember 2012 eingeräumt worden war, als angemessen. C._ befinde
sich – so sie Beklagte – erst in der Anfangsphase als Jugendlicher und habe sich
auch nicht gegen die Festlegung eines Besuchsrechts geäussert (vgl. act. 53 S.
6).
Beim Anspruch auf den persönlichen Verkehr gemäss Art. 273 Abs. 1 ZGB
handelt es sich um ein gegenseitiges (Pflicht-)Recht, das insbesondere dem Kind
Kraft seiner Persönlichkeit zusteht. Für die Ausgestaltung des persönlichen Um-
gangs ist oberste Richtschnur das Kindeswohl, welches anhand der Umstände
des konkreten Einzelfalles zu beurteilen ist, und zwar aus objektiver Warte; Inte-
ressen der Eltern haben insoweit zurückzustehen. Die Meinung des urteilsfähigen
Kindes, das seine Interessen, Befindlichkeit und Bedürfnisse zu artikulieren weiss,
bildet dabei eine gewichtige Entscheidungsgrundlage, namentlich je älter das
Kind ist (vgl. etwa BGer Urteil 5A_160/2011, E. 4, vom 29. März 2011;
5A_528/2015, E. 5.1, vom 21. Januar 2016, je m.w.H. oder auch BGE 142 III
166).
C._ ist mit 14 Jahren noch einiges von der Volljährigkeit entfernt. Er
kann seine Bedürfnisse und seine Befindlichkeit zwar durchaus artikulieren, und
er hat sich nach dem Auszug aus dem mütterlichen Haushalt den Rat geholt, den
Kontakt zur Mutter zu suchen (vgl. act. 69 S. 1 f.). Besonders selbständig ist er
indes noch nicht – so mag er zwar in der Benützung des Handys geübt sein (vgl.
act. 43 S. 13), ist es hingegen in anderen Belangen des Alltags, wie etwa der Be-
nützung des öV, noch nicht (vgl. act. 68). Einem mehr oder weniger regelmässi-
gen Kontakt zur Mutter widersetzt sich C._ im Übrigen gar nicht. Die gesam-
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te Tragweite der Frage des persönlichen Umgangs mit der Mutter vermag er je-
doch – was nur altersadäquat ist – nicht zu erkennen, namentlich nicht die Not-
wendigkeit einer gewissen Stetigkeit eines solchen Umgangs (vgl. a.a.O., S. 2),
der auch den Kontakt mit C._ in dessen Heim umfasst; der Kontakt zum Bru-
der ist für ihn aber gerade auch wichtig (vgl. a.a.O.). Von einer wenigstens mini-
malen Regelung des persönlichen Verkehrs, der C._ auch verhilft, seine Po-
sition im Familiengefüge neu zu finden, kann nur schon deshalb nicht abgesehen
werden. Ein Absehen von einer solchen Regelung hiesse zudem, C._ als
Kind eine Verantwortung für die Aufrechterhaltung des persönlichen Umgangs zu
überbinden und damit zugleich das Risiko von (Loyalitäts-)Konflikten, wenn sich
die Vorstellungen der Beteiligten (es sind das nicht nur Sohn und Mutter, sondern
auch der Vater und D._) nicht decken (OGer ZH NX100004 vom 12. Mai
2000). Solches geht schlicht nicht an, sondern ist Aufgabe beider Eltern, denen
ein Beistand zur Seite steht. Ganz abgesehen davon fehlte es ohne eine minimale
Regelung auch an der Vorhersehbarkeit und Planbarkeit der Verhältnisse. Diese
sind für eine möglichst reibungslose Abwicklung nicht nur wünschbar, sondern
liegen im Interesse auch des Kindes. Angemessen ist ein Kontakt jeweils an Wo-
chenenden, und zwar – mit Rücksicht auf die seit Juni 2013 geltende Regelung
gemäss Dispositivziffer 2 des Urteils vom 21. Dezember 2012 für die Besuche
von D._ beim Vater an den Wochenenden gerader Kalenderwochen – an
solchen ungerader Kalenderwochen. Damit ist zugleich der Kontakt unter den
Brüdern C._ und D._ beim jeweiligen Elternteil sichergestellt. Analoges
gilt für die Kontaktregelung an den Oster- und Pfingsttagen sowie die Regelung
für Weihnachten und Neujahr.
C._ hat sich aus nachvollziehbaren und verständlichen Gründen klar
dagegen ausgesprochen, einstweilen im mütterlichen Haushalt zu übernachten.
Ob, wann und inwiefern sich das ändern wird, lässt sich heute nicht abschätzen;
zu treffen ist immerhin eine zukunftsgerichtete Lösung, bei der die Gründe von
C._ mit geeigneten Anordnungen zu respektieren sind; da die Eltern im glei-
chen Ort wohnen, bieten sich keine besonderen Probleme. C._ wird aller-
dings lernen müssen, sich mit der Verschiedenheit seiner Eltern und deren unter-
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schiedlicher Lebensgestaltung auseinanderzusetzen. Und er selbst wird diese
ebenfalls zu respektieren haben.
Ferien hat C._ mit seiner Mutter seit seinem Auszug keine mehr ver-
bracht. Gründe, die dagegen sprechen, dass er mit seiner Mutter fürderhin Ferien
verbringen wird, sind nicht ersichtlich und hat C._ auch nicht zu benennen
vermocht (vgl. act. 69). Der Auszug von C._ aus dem mütterlichen Haushalt
brachte immerhin eine erhebliche Zäsur in das bisherige Familiengefüge, die nicht
leicht zu übergehen ist. Deren Überwindung braucht eine gewisse Zeit; gleiches
gilt für die Verstetigung des persönlichen Umgangs nach den heute anzuordnen-
den Grundsätzen, zumal vor dem Hintergrund, dass eine Übernachtung für
C._ im mütterlichen Haushalt derzeit nicht vorstellbar ist. Es ist deshalb für
dieses Jahr von der Regelung des Ferienbesuches abzusehen, auch wenn ein
Ferienbesuch von wenigstens einer Woche etwa während der Herbstferien
durchaus sinnvoll erschiene. Ab 2020 sind hingegen Ferienbesuche vorzusehen,
und zwar mit Blick auf den Abschluss der obligatorischen Schulzeit im Umfang
von zwei Wochen pro Jahr.
Weitere Gesichtspunkte von Belang, die es im Zusammenhang mit der Re-
gelung des persönlichen Umgangs von C._ zur Mutter zu berücksichtigen
gölte, sind nicht ersichtlich.
2.4 Die Parteien sind sich zu recht einig, dass mit dem Auszug von C._ aus dem mütterlichen Haushalt die in Dispositivziffer 4 des Urteil vom 21. Dezember
2012 getroffene Unterhaltsregelung hinfällig geworden ist. Der Kläger ist knapp in
der Lage, die Kosten des Unterhalts und der Betreuung von C._, die in sei-
nem Haushalt anfallen, zu decken (vgl. act. 43 S. 14 -19), und er ist bereit, auf
Beiträge der Beklagten zu verzichten (vgl. a.a.O.). Das läuft den Interessen von
C._ nicht zuwider, zumal der Beklagten offensichtlich die Mittel fehlen, ihrer-
seits einen Beitrag an den Unterhalt und die Betreuung von C._ durch den
Kläger zu leisten. Kein Thema bildet richtigerweise die weitere Verpflichtung des
Klägers gemäss Dispositivziffer 4 des Urteils vom 21. Dezember 2012, der Be-
klagten Zahlungen an den Unterhalt und die Betreuung von D._ zu leisten.
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2.5 Als Zwischenergebnis ist somit festzuhalten, dass der Kläger mit seinem , soweit die Beklagte dagegen nicht opponiert und sie C._ betreffen,
durchdringt. Beim persönlichen Umgang von C._ zur Beklagten war eine Re-
gelung zu treffen, die dem Antrag des Klägers nicht entspricht, sich aber auch
nicht mit den Vorstellungen der Beklagten deckt.
3. Der Kläger beantragt mit seiner Klageänderung Art. 296 Abs. 1 - 2 ZGB im  Art. 296 Abs. 1 - 2 ZGB neu auch die gemeinsame elterliche
Sorge für den Sohn D._. D._ steht seit dem Urteil vom 21. Dezember
2012 unter der alleinigen elterlichen Sorge der Mutter und wohnt weiterhin bei
dieser. Der Kläger stellt zu Recht auch seine entsprechende Unterhaltspflicht
nicht in Abrede. Ein analoger neuer Sachverhalt, wie er bei C._ gegeben ist
und der familienrechtliche Anpassungen u.a. auch im Unterhaltsbereich nachge-
rade verlangt, wird vom Kläger mit Bezug auf D._ allerdings nicht vorge-
bracht (vgl. act. 43, dort insbes. Rz. 17 - 22 und 24 - 26). Und es ist solches auch
nicht ersichtlich. Es fehlt daher mit Bezug auf D._ grundsätzlich an den Vo-
raussetzungen für eine Klageänderung erst mit der Berufung.
Die Beklagte hat im Übrigen zutreffend vermerkt (vgl. act. 53 S. 4), dass der
Kläger die Frist gemäss Art. 12 Abs. 4 SchlT ZGB, innert der er ab Inkrafttreten
des geltenden Art. 296 Abs. 1 - 2 ZGB die gemeinsame Sorge für D._ hätte
beantragen können, unbenützt hat verstreichen lassen. Gründe, die ihn objektiv
daran gehindert hätten, die gemeinsame elterliche Sorge und damit die Anwen-
dung des neuen Regelfalles für D._ zu verlangen, vermag der Kläger mit der
Berufung nicht vorzubringen. Lässt er Jahre nach dem Ablauf dieser Frist mit sei-
ner Berufung einfach darauf hinweisen, die gemeinsame elterliche Sorge entspre-
che dem gesetzlichen Regelfall, kann er aus letzterem folglich nichts Stichhaltiges
zu seinen Gunsten herleiten.
In Bezug auf D._ wurden sodann weder im vorinstanzlichen Verfahren
noch im Berufungsverfahren (vgl. act. 43, dort insbes. S. 8 ff.) Sachverhalte i.S.
des Art. 134 Abs. 1 ZGB vorgebracht, die eine Änderung der Sorgerechtszutei-
lung, wie sie im Scheidungsurteil im Dezember 2012 festgelegt worden war, im In-
teresse von D._ geböten, und es sind auch keine solchen Umstände ersicht-
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lich, die das von Amtes wegen verlangten. Die Berufung erweist sich daher in die-
sem Punkt insgesamt als unbegründet, was zu ihrer Abweisung führt.
III. (Kosten- und Entschädigungsfolgen)
1. Der Kläger verlangte beim Einzelgericht die Herabsetzung seiner im Urteil vom 21. Dezember 2012 festgelegten Unterhaltsverpflichtungen gegenüber seinen
Kindern. Er berief sich dabei auf geänderte wirtschaftliche Verhältnisse. Das Ein-
zelgericht wies diese Klage mit Urteil vom 6. Februar 2018 ab, weil es keine we-
sentlichen Veränderungen in den Verhältnisse feststellen konnte (vgl. act. 47
S. 16, dort Erw. 2.2.1.5, S.18, dort Erw. 2.2.2.8 und 2.3). Diesem Ausgang ent-
sprechend verlegte es in den Dispositivziffern 3 - 4 seines Urteils die Prozesskos-
ten seines Verfahrens, die es in Dispositivziffer 2 seines Urteils festgesetzt hatte.
Das Urteil wurde den Parteien in der Folge unbegründet eröffnet und das Gericht
war damit an seinen Entscheid gebunden.
Mit der Berufung (act. 43) bringt der Kläger nicht vor, dieser Entscheid des
Einzelgerichtes sei im Ergebnis falsch gewesen, hätte deswegen korrigiert wer-
den müssen und daher insbesondere auch eine andere Kostenverlegung erfor-
dert. Anlass für seine Berufung war – wie gesehen – ein neuer, erst im Juni 2018
entstandener Sachverhalt, der zudem im Wesentlichen anderes gelagert ist als
der Sachverhalt, der vom Einzelgericht zu beurteilen war. Das alles bietet keinen
sachlich begründeten Anlass, die erstinstanzlichen Gerichtskosten anders zu ver-
legen als im Urteil vom 6. Februar 2018. Und es erübrigt sich insofern darauf hin-
zuweisen, dass sich die Parteien wegen der Verzögerung mit der Eröffnung des
begründeten Entscheides ein erneutes erstinstanzliches Verfahren ersparten.
Die Festsetzung der erstinstanzlichen Gerichtskosten blieb zudem im Beru-
fungsverfahren ebenfalls unbeanstandet (vgl. act. 43 und 53), weshalb das Kos-
tendispositiv des Urteils vom 6. Februar 2018 insgesamt zu bestätigen ist.
2. Im Berufungsverfahren war eine Klageänderung zu beurteilen, die ihre Ursache im Auszug von C._ aus dem mütterlichen Haushalt hat. Zu beurteilen war
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m.a.W. eine familienrechtliche Streitigkeit i.S. des Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO, bei
der von einer Verlegung der Prozesskosten strikt nach den Grundsätzen des
Art. 106 ZPO abzuweichen ist und die Kosten den Parteien als Eltern praxisge-
mäss je zur Hälfte aufzuerlegen sind. Diese Kostenverlegung rechtfertigte sich im
Übrigen auch sonst, dringt der Kläger mit seinen Anträgen doch nur teilweise
durch und opponierte die Beklagte diesen Anträgen (wie schon erwähnt) insoweit
auch gar nicht, weshalb sie entsprechend auch nicht als unterlegen gelten dürfte.
Parteientschädigungen sind bei dieser Kostenverlegung keine zuzuspre-
chen. Die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsbeiständin des Klägers, die
sich nach § 5 und § 13 AnwGebV zu richten haben wird (und nicht auf § 3 Anw-
GebV), ist einem separaten Beschluss vorzubehalten, weil die Voraussetzungen
des § 23 Abs. 2 AnwGebV heute noch nicht erfüllt sind.
Thematisch standen im Berufungsverfahren nicht vermögensrechtliche As-
pekte im Vordergrund, sondern familienrechtliche i.e.S., was es rechtfertigt, die
Entscheidgebühr nach § 5 Abs. 1 GebV OG i.V.m. § 12 Abs. 1 - 2 GebV OG zu
bemessen, verbunden mit dem Bemerken, dass der Fall insgesamt gerade noch
als leicht zu gewichten ist.