Decision ID: 7926d1dd-ce14-4a37-86c0-72b6798e60e5
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Markus Krapf, Sintzel Hüsler Krapf Herzog,
Löwenstrasse 54, Postfach 2028, 8021 Zürich 1,
gegen
Sympany Versicherung AG, Peter Merian-Weg 4, 4052 Basel,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war bei der B._ AG (nachfolgend: Arbeitgeberin) vollzeitlich angestellt und
dadurch bei der Sympany Versicherung AG (nachfolgend: Unfallversicherung)
unfallversichert, als er dieser am 9. November 2011 melden liess, er habe neue Skis
getestet und sei bei einer Abfahrt auf der Skikante hängengeblieben. Dabei sei er (ohne
Fremdeinwirkung) auf die rechte Schulter gefallen (UV-act. 1). Dr. med. C._, Sölden,
bestätigte am 14. November 2011 eine Erstbehandlung am Unfalltag und vermerkte als
Röntgenbefund einen Tuberculum majus Abriss rechts sowie einen Verdacht auf
subcapitale Oberarmfraktur rechts (UV-act. 3). Die Unfallversicherung anerkannte ihre
Leistungspflicht (UV-act. 2). Anlässlich der Behandlung im Spital D._ vom 7.
November 2011 wurde die Diagnose einer geschlossenen subcapitalen Humerusfraktur
mit Abriss des Tuberculum majus rechts gestellt. Als Angabe des Versicherten wurde
festgehalten, dass er beim Skifahren auf die rechte Schulter gestürzt sei (UV-act. 4). Dr.
med. E._, Chirurgie des Spitals D._, bescheinigte eine volle Arbeitsunfähigkeit vom
5. November bis 16. Dezember 2011 (UV-act. 5). Am 1. Februar 2012 bestätigte der
Arzt den Behandlungsabschluss mit Bezug auf die rechte Schulter und führte eine neu
aufgetretene Rotatorenmanschettenläsion links auf (UV-act. 9).
A.b Mit E-Mail vom 20. März 2012 liess die Arbeitgeberin der Unfallversicherung ein
Schreiben des Versicherten vom 30. Januar 2012 zukommen, worin dieser unter
anderem festhielt, dass er seit ca. 16. November 2011 am linken Oberarm unter
Schmerzen leide (UV-act. 12). Die Klinik F._ stellte hierauf am 12. April 2012 ein
Kostengutsprache-Gesuch für eine Schulterarthroskopie und Rotatorenmanschette
links (UV-act. 13). Nachdem der Vertrauensarzt Dr. med. G._ hierzu am 13. April 2012
(UV-act. 14) Stellung genommen hatte, eröffnete die Unfallversicherung dem
Versicherten mit Verfügung vom 19. April 2012, die Zuordnung der Beschwerden an
der linken Schulter zum Unfall vom 5. November 2011 sei nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Die Ausrichtung von Versicherungsleistungen aus
der obligatorischen Unfallversicherung für Behandlungen an der linken Schulter werde
abgelehnt (UV-act. 16). Die von Rechtsanwalt Dr. iur. M. Krapf, Zürich, für den
Versicherten gegen diese Verfügung eingereichte Einsprache (UV-act. 19, 22) wies die
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Unfallversicherung mit Einspracheentscheid vom 27. September 2012 ab (UV-act. 24).
Die gegen die Verfügung vom 19. April 2012 vom Krankenversicherer erhobene
Einsprache (UV-act. 18, 20) wurde im gleichen Entscheid teilweise gutgeheissen, indem
die Unfallversicherung zwar eine Leistung ablehnte, die Kosten für die MRI-
Untersuchung vom 24. Januar 2012 jedoch im Rahmen von Art. 45 Abs. 1 ATSG
übernahm (UV-act. 25).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Rechtsanwalt Krapf für den Versicherten
am 31. Oktober 2012 Beschwerde mit den Anträgen, der Entscheid sei insoweit auf
zuheben, als er den Anspruch des Beschwerdeführers auf die gesetzlichen Leistungen
für die Verletzung an der linken Schulter verneine. Die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, dem Beschwerdeführer für die Verletzung an der linken Schulter die
gesetzlichen Leistungen zu erbringen, insbesondere Heilbehandlung und Taggelder.
Zur Begründung legte der Rechtsvertreter unter anderem dar, der Beschwerdeführer
sei beim Skifahren auf die rechte Schulter gefallen. Nach diesem Sturz sei er zur
Mittelstation gefahren. Dort habe er die Ski ausziehen wollen. Dabei sei er ein zweites
Mal gestürzt. Dieses Mal auf die linke Schulter. Mit den unmittelbar nach dem Unfall
wegen der Schulterverletzung rechts verabreichten Medikamenten seien auch die
Schmerzen an der linken Schulter betäubt worden. Der Beschwerdeführer habe die
Schmerzen an der linken Schulter erst dann zu spüren bekommen, als die Analgesie
abgebaut worden sei. Im ersten Moment sei die Verletzung an der rechten Schulter
sehr viel dringender und schmerzhafter gewesen, so dass er nicht auf diejenige an der
linken Schulter geachtet habe. Es sei deshalb nachvollziehbar, dass er den zweiten
Sturz an der Mittelstation nicht erwähnt habe. Es gebe keine Verwirkungsfrist für die
Anmeldung von versicherten Ereignissen. Der angebotene Zeuge sei zum Unfallereignis
(Sturz auf die linke Schulter) einzuvernehmen. Erfahrungsgemäss falle man bei einem
Sturz nicht direkt auf die Schulter, sondern stütze sich mit den Händen und/oder
Armen ab. Das habe auch der Beschwerdeführer getan. Das Unfallereignis sei damit
generell geeignet, eine Verletzung in der Art der eingetretenen zu verursachen. Im MRI
vom 24. Januar 2012 sei sichtbar, dass die Ruptur der Supraspinatussehne fast
vollständig sei. Weiter sei sichtbar, dass die Muskeln nicht fettig degeneriert seien.
Diese Befunde würden die traumatische Genese der Ruptur belegen. Denn bei einer
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degenerativen Entstehung müssten auch die Muskeln Zeichen von Degeneration
aufweisen. Dies sei nicht der Fall. Das Verletzungsbild zeige, dass die Ruptur mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit traumatisch verursacht worden sei (act. G 1). Am
19. November 2012 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers einen Bericht
von Dr. med. H._, Spital D._, vom 13. November 2012 ein (act. G 3).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 28. Februar 2013 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 27. September 2012. Zur Begründung verwies sie auf die
Darlegungen im angefochtenen Entscheid. Nachdem der Beschwerdeführer am 9.
November 2011 einen Sturz auf die rechte Schulter gemeldet habe, sei der Sachverhalt
von ihm stetig verändert worden. Anlässlich eines Telefongesprächs am 25. Januar
2012 habe er erstmals erwähnt, dass er in der Zwischenzeit auch an Schmerzen an der
linken Schulter leide. Mit Einsprachebegründung vom 13. Juni 2012 sei dann der
angebliche Sturz auf die linke Schulter erstmals schriftlich beschrieben worden. Dem
Unfallverlauf sei fortlaufend ein zusätzliches Element hinzugefügt worden. Der
ursprünglich geschilderte Sachverhalt sei unbefangener und zuverlässiger als die
späteren Schilderungen, weshalb darauf abzustellen sei. Da ein Sturz auf die linke
Schulter bis zum 13. Juni 2012 nicht erwähnt worden sei, bestreite sie, dass einem
Zeugen, welcher mit gleichem Datum erstmals erwähnt werde, Beweiswert zukomme.
Selbst wenn tatsächlich ein zweiter Sturz auf die linke Schulter stattgefunden habe,
bestreite sie, dass ein überwiegend wahrscheinlicher Kausalzusammenhang zwischen
diesem Ereignis und den geltend gemachten Beschwerden bestehe. Das Schreiben
von Dr. H._ vom 13. November 2012 sei weder begründet noch nachvollziehbar. Es
sei sehr generell gehalten und gehe kaum konkret auf den Fall ein. Es sei nicht
geeignet, die Stellungnahme von Dr. G._ vom 21. August 2012 in Zweifel zu ziehen
(act. G 11).
B.c Mit Replik vom 7. März 2013 (act. G 13) und Duplik vom 11. April 2013 (act. G 15)
bestätigten die Parteien ihre Standpunkte.

Erwägungen:
1.
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1.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden die Versicherungsleistungen, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte, schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge
hat (Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Der Bundesrat kann sodann
Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalls ähnlich sind, in die Versicherung
einbeziehen (Art. 6 Abs. 2 UVG). In Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) hat er in einer abschliessenden Aufzählung
folgende Körperschäden auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen
gleichgestellt, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration
zurückzuführen sind: Knochenbrüche, Verrenkungen von Gelenken, Meniskusrisse,
Muskelrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse, Bandläsionen sowie
Trommelfellverletzungen.
1.2 Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben den Sachverhalt im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen zu ermitteln. Indessen ist
die leistungsansprechende Person gesetzlich verpflichtet, dabei mitzuwirken. Sie muss
die Umstände des Unfalls glaubhaft machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach,
indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das
Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen,
besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem
Gericht, zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind.
Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen
Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen (RKUV
1990 Nr. U 86 S. 50). Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person
über den Unfallhergang kann praxisgemäss auf die Beweismaxime abgestellt werden,
wonach die so genannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel
unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder
unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art
beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Lauf der Zeit
wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, in der Regel
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grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des
Versicherers (BGE 121 V 47 E. 1a mit Hinweisen). Das Gericht stellt auf jene
Sachverhaltsdarstellung ab, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die
wahrscheinlichste würdigt. Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im
Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine
Beweislast insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener
Partei ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese
Beweisregel kommt zur Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
kein wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 305 E. 2b). Wird
also auf dem Wege der Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht
wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht (Th.
Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, Bern 2003, 3. Aufl., S. 451f.) - so hat
dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden
Person auswirkt.
1.3 Nach der Rechtsprechung kann unter Umständen aufgrund des medizinischen
Befunds erstellt sein, dass eine Schädigung auf eine ungewöhnliche äussere
Einwirkung und somit auf einen Unfall zurückzuführen ist. Der mangelnde Nachweis
lässt sich zwar nur selten durch medizinische Feststellungen ersetzen. Diese dienen
mitunter aber als Indizien im Beweis für oder gegen das Vorliegen eines Unfalles (Urteil
des Bundesgerichts vom 1. März 2012, 8C_50/2012, E. 5.2 mit Hinweis auf BGE 134 V
72 E. 4.3.2.2).
2.
2.1 Sowohl die Unfallmeldung vom 9. November 2011 (UV-act. 1) als auch die Angaben
und Befunde im Bericht des erstbehandelnden Arztes Dr. C._ (UV-act. 3) bezogen
sich ausschliesslich auf die rechte Schulter des Beschwerdeführers. Im Unter
suchungsbericht des Spitals D._ vom 7. November 2011 wurde zwar ein CT der
Schulter links vom 7. November 2011 mit der Beurteilung "Frakturbilanzierung"
angeführt. Der CT-Befund bezog sich jedoch offensichtlich auf die rechte Schulter,
zumal in den Berichten vom 7. und 10. November 2011 sowohl in der Anamnese als
auch in den Diagnosen ausschliesslich die rechte Schulter zur Sprache kam. Die
Fraktur hatte denn auch die rechte Schulter betroffen und war am 8. November 2011
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operativ versorgt worden (vgl. UV-act. 4). Die Feststellung des Vertrauensarztes Dr.
G._, wonach es sich bei der Erwähnung eines CT der linken Schulter im Bericht vom
7. November 2011 um einen Verschrieb handle (UV-act. 14 und 23 S. 11), erscheint
damit zutreffend; sie blieb auch unbestritten. In den Verordnungen zur Physiotherapie
vom 10. November 2011 und 3. Januar 2012 bestätigte Dr. E._ die Diagnose eines
"Os prox. Humerusfraktur re" (UV-act. 6); ein Befund betreffend die linke Schulter kam
auch hier nicht zur Sprache.
2.2 Im Bericht des Röntgeninstituts I._ vom 24. Januar 2012 (MRT-Arthrographie des
linken Schultergelenkes) wurde als Beurteilung eine hochgradige Partialruptur der
anterioren Supraspinatussehne an der Tuberculum majus Insertion sowie eine Bursitis
subacromialis/subdeltoidea festgehalten (UV-act. 22 Beilage). Am 25. Januar 2012 gab
der Beschwerdeführer im Rahmen einer telefonischen Anfrage der
Beschwerdegegnerin bekannt, dass es an der rechten Schulter stark zu einer
Besserung komme. Was ihn jetzt noch aus der Ruhe bringe sei, dass ihm seit einiger
Zeit noch die linke Schulter schmerze. Ob es wegen des Unfalls sei, könne er nicht
beurteilen (UV-act. 8). Im Nachgang zu dieser erstmaligen Erwähnung von Schmerzen
an der linken Schulter durch den Beschwerdeführer rund zweieinhalb Monate nach
dem Unfall (UV-act. 8) bestätigte Dr. E._ am 1. Februar 2012 auf die Frage, ob im
Heilungsverlauf unfallfremde Faktoren mitspielen würden, eine auf der Gegenseite links
neu aufgetretene Rotatorenmanschettenläsion (UV-act. 9). Hierfür war am 31. Januar
2012 eine erste Physiotherapie-Verordnung ausgestellt worden (UV-act. 10). Der
Beschwerdeführer hatte der Arbeitgeberin am 30. Januar 2012 schriftlich mitgeteilt, seit
ca. 16. November 2011 leide er am linken Oberarm unter Schmerzen; dies habe er der
Therapeutin auch so mitgeteilt. Da die Schmerzen je nach Bewegung immer stärker
geworden seien, habe Dr. med. J._ Röntgenaufnahmen und ein MRI (24. Januar
2012) veranlasst (UV-act. 12). Dr. med. K._ hielt im Bericht vom 1. Februar 2012 als
anamnestische Angabe des Beschwerdeführers fest, dass er sich beim Sturz vom 5.
November 2011 rechtsseitig eine nicht dislozierte Fraktur und linksseitig eine RM-
Ruptur zugezogen habe. Im MRI zeige sich eine deutliche Partialruptur der
Supraspinatussehne (UV-act. 13). Der Vertrauensarzt Dr. G._ vermerkte am 13. April
2012, dass die RM-Läsion links überwiegend wahrscheinlich unfallfremd sei; es liege
lediglich eine mögliche Unfallkausalität vor (UV-act. 14). Dies stimmt mit der erwähnten
Feststellung von Dr. E._ vom 1. Februar 2012 überein (UV-act. 9). Am 6. Juni 2012
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bestätigte die Physiotherapeutin L._ gegenüber dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers, dass dieser sich ihr gegenüber erstmals am 22. November 2011
über Schmerzen in der linken Schulter geäussert habe. Der Beschwerdeführer habe
gemeint, er verspüre diese Schmerzen seit dem Unfall, bei welchem auch seine rechte
Schulter verletzt worden sei (UV-act. 22 Beilage; vgl. auch Krankengeschichte, act. G
13.1).
2.3 Während bislang in sämtlichen ärztlichen Stellungnahmen (UV-act. 3, 4, 5, 9, 13), in
Aussagen des Beschwerdeführers selbst (UV-act. 8, 12) und auch noch im
vorerwähnten Brief der Physiotherapeutin vom 6. Juni 2012 (UV-act. 22 Beilage)
durchwegs lediglich von einem einzigen Sturz am 5. November 2011 die Rede war,
liess der Beschwerdeführer in der Einsprachebegründung vom 13. Juni 2012 durch
seinen Rechtsvertreter neu geltend machen, er sei am 5. November 2011 auch auf die
linke Schulter gestürzt. Als er nach dem Sturz (auf die rechte Schulter) zur Mittelstation
gefahren sei, habe er sich dort die Ski ausziehen wollen. Dabei sei er umgefallen und
auf die linke Seite gestürzt. Er sei sich sicher, dass er bei diesem Sturz auf die linke
Seite gefallen sei, da er bei einem Sturz auf die bereits verletzte rechte Seite einen
heftigen Schmerzschub erlebt hätte. Der Vorfall sei von einem Kollegen (namentlich
genannt und als Zeuge aufgerufen) beobachtet worden. Zudem habe er schon nach
dem Unfall Beschwerden in der linken Schulter verspürt und dies gegenüber der
Physiotherapeutin in der Behandlung vom 22. November 2011 erwähnt (Schreiben
L._ vom 6. Juni 2012; act. G 22 Beilage und G 13.1). Die Beschwerden an der linken
Schulter seien durch die Schmerzmittel betäubt worden, welche er wegen der
Verletzung an der rechten Schulter verabreicht erhalten habe (UV-act. 22). Diesen
Standpunkt lässt er grundsätzlich auch im vorliegenden Verfahren vertreten. Dies
allerdings unter Anfügung einer weiteren "Variante", indem er festhalten lässt, er sei
nicht direkt auf die linke Schulter gestürzt, sondern habe sich mit Händen und Armen
abgestützt (act. G 1 S. 5 unten).
2.4 Bauen spätere Aussagen auf früheren Aussagen auf bzw. zeichnen sich erstere
einzig durch einen höheren Detaillierungsgrad aus, kann grundsätzlich auch ein im
Nachhinein dargelegter Sachverhalt als ausgewiesen gelten und entsprechend
berücksichtigt werden. Die verschiedenen Aussagen müssen jedoch in sich kongruent
und miteinander vereinbar sein. Wird dagegen zu einem späteren Zeitpunkt ein neuer,
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mit der bisherigen Schilderung nicht vereinbarer Sachverhalt hinzugefügt, ist dieser
überwiegend wahrscheinlich als zweifelhaft bzw. lediglich als möglich zu betrachten.
Die vorliegend im (streitigen) Einspracheverfahren erstmals erfolgte Schilderung von
zwei separaten Sturzereignissen lässt sich mit der früheren Unfallschilderung mit einem
(einzigen) Sturz auf die rechte Schulter nicht in Einklang bringen, indem sie in
wesentlichen Sachverhaltselementen nicht übereinstimmen. Mit Blick auf die konkreten
Umstände (E. 2.1, 2.2) vermag das Vorbringen, dass im ersten Moment die Verletzung
der rechten Schulter dringender und schmerzhafter gewesen sei als die diejenige auf
der linken Seite (act. G 1 S. 4), nicht zu erklären, dass er ein zweites Unfallereignis mit
Sturz auf die linke Schulter während der ersten sieben Monate nach dem Unfall
nirgends erwähnte. Der Einwand des Beschwerdeführers in der Einsprache vom 8. Mai
2012, der Unfallsachverhalt sei ungenügend abgeklärt worden (UV-act. 19), hilft hier
nicht weiter, zumal er selbst durch verschiedene Schilderungen Unklarheiten
herbeiführte. Eine weitere Abklärung, insbesondere die Befragung des vom
Beschwerdeführer angeführten Kollegen als Zeuge, vermöchte mit Blick auf den
geschilderten Ablauf mit mehreren in Betracht fallenden Sachverhaltsvarianten den
über ein halbes Jahr nach dem Ereignis - und erst im (streitigen) Einspracheverfahren -
neu behaupteten Sachverhalt nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu belegen.
Aber selbst wenn sich ein zweites Sturzereignis auf die linke Schulter aufgrund der
beantragten Zeugenbefragung nachträglich beweisen liesse und von einer
grundsätzlichen Eignung eines Schultersturzes, eine Rotatorenmanschettenruptur zu
verursachen, auszugehen wäre, könnte - wie nachstehend zu zeigen sein wird - der
Beweis einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit einer Unfallkausalität der von der
linken Schulter ausgehenden Beschwerden nicht als erbracht gelten.
3.
3.1 Der Vertrauensarzt Dr. G._ legte in der versicherungsmedizinischen
Stellungnahme vom 21. August 2012 dar, der Nachweis einer Partialruptur der
Rotatorenmanschette bzw. Supraspinatussehne beweise die Unfallkausalität nicht, da
es wissenschaftlich erwiesen sei, dass diese sowohl degenerativ als auch traumatisch
entstehen könne. In höherem Lebensalter, ungefähr ab der 6. Lebensdekade,
dominiere klar die degenerative Veränderung der Rotatorenmanschette. Bei Menschen
mittleren Alters stünden wiederum berufsbedingte Schultererkrankungen oder
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chronische Überlastungsschäden im Vordergrund. Rupturen der Rotatorenmanschette
bei jungen Patienten liessen vor allem auf ein traumatisches Ereignis oder eine gezielte
Überbeanspruchung schliessen. Während viele Fälle einer degenerativen
Rotatorenmanschettenläsion klinisch stumm verlaufen könnten bzw. langsam beginnen
würden, führe die traumatisch verursachte Ruptur unmittelbar zu Schmerzen sowie
Kraft- und Funktionsverlust. Konkret spreche für eine traumatische Genese das
Vorliegen eines Ereignisses, eine Partialruptur der Supraspinatussehne sowie der
fehlende Nachweis einer Muskelatrophie bzw. einer fettigen Degeration. Dem stehe
jedoch ein Sturzmechanismus gegenüber, der nicht geeignet sei für eine
Supraspinatusruptur. Die Anamnese sei atypisch, indem keine Akutphase dokumentiert
werde, sondern ein eher schleichender Beginn, obwohl Defizite aufgrund vermehrten
Gebrauchs der linken Schulter (bei verletzter rechter Schulter) sich eher hätten
bemerkbar machen müssen. Weiter seien in der klinischen Untersuchung keine
zusätzlichen Verletzungen im Bereich der linken Schulter nachgewiesen worden, wie
z.B. Hämatome, welche weitere Hinweise seien für eine Unfallkausalität. Gegen eine
Unfallkausalität bezüglich des Ereignisses vom 5. November 2011 spreche auch die
MRI-Untersuchung vom 24. Januar 2012, wo zusätzlich degenerative Veränderungen
hätten nachgewiesen werden können, jedoch keine zusätzlichen traumatischen
Läsionen. Es sei zwar bereits frühzeitig eine bildgebende Untersuchung der linken
Schulter im Austrittsbericht des Spitals D._ dokumentiert, doch müsse es sich um
einen Verschrieb handeln, denn die Fragestellung habe auf Frakturbilanzierung
gelautet. Deshalb müsse als gesichert angenommen werden, dass die CT-
Untersuchung die rechte Schulter betroffen habe. Dr. G._ kam zum Schluss, ein
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 5. November 2011 und der
Schulterschmerzen links sei lediglich möglich, jedoch nicht überwiegend
wahrscheinlich (UV-act. 23). Der Orthopäde Dr. H._ führte im Bericht vom
13. November 2012 aus, ein Sturz auf die Schulter sei sicherlich ohne Weiteres
geeignet, eine Rotatorenmanschetten-Ruptur zu verursachen. Dabei spiele es keine
Rolle, ob der Sturz direkt auf die Schulter oder auf den ausgestreckten Arm oder die
ausgestreckte Hand geschehe. Bei beiden Mechanismen könne der Humeruskopf mit
grosser Wucht unter das Acromion gestossen werden, so dass eine Einklemmung mit
Ruptur der Rotatorenmanschette erfolgen könne. Sämtliche intraoperativen Befunde
seien absolut mit einer traumatischen Genese vereinbar (act. G 3.1).
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3.2 In seinem Bericht bestätigte Dr. H._ wie dargelegt die grundsätzliche Eignung
eines Sturzes, eine Rotatorenmanschettenruptur zu verursachen bzw. dass dadurch
eine Einklemmung mit Ruptur der Rotatorenmanschette erfolgen könne. Letzteres
wurde von Dr. G._ vorab zwar in Frage gestellt, in der anschliessenden Würdigung
der konkreten Umstände jedoch dennoch als gegeben unterstellt. Dr. G._ führte aus,
weder gegenüber dem erstbehandelnden Arzt (Dr. C._) noch gegenüber dem
behandelnden Chirurgen Dr. E._ seien zeitnah zum Unfall Schulterbeschwerden links
geklagt worden. Dies erstaune, handle es sich doch bei der Partialruptur der Sehne
links nicht um eine Bagatellverletzung. Erstmals seien die Schulterbeschwerden links
vom Beschwerdeführer in der Physiotherapiebehandlung vom 22. November 2011
erwähnt worden. Dass die Physiotherapeutin damals keine Untersuchung empfohlen
oder Kontakt mit dem behandelnden Chirurgen aufgenommen habe, weise darauf hin,
dass sie bei den linksseitigen Schulterbeschwerden eher von einer Überlastung
ausgegangen sei, was nicht unüblich und durch vermehrten Gebrauch einer Extremität
bedingt sei. Dies sei ein Hinweis für den schleichenden Beginn der Symptomatik, was
atypisch sei für eine traumatisch bedingte Schulterpathologie mit
Rotatorenmanschettenruptur. Eine frische Verletzung der Rotatorenmanschette führe
zu sofortigen Schmerzen im Schulterbereich, die mit einem unmittelbaren Kraft- und
Funktionsverlust der betreffenden Schulter einhergehen würden. Aufgrund der
sofortigen aktiven Bewegungsunfähigkeit spreche man auch von Pseudoparalyse.
Dieser heftige Schmerz lasse nach kurzer Zeit (0 bis 3 Tage nach dem Ereignis) nach.
Jedoch würden aktive Kraftanstrengungen über Brustniveau stark schmerzhaft und
kraftreduziert bleiben. Die Argumentation, dass die Beschwerden an der linken Schulter
durch Schmerzmittel betäubt worden seien, sei nicht haltbar. Das Defizit an der linken
Schulter hätte von ihm sofort festgestellt werden müssen, denn aufgrund der
Immobilisierung der rechten verletzten Schulter sei er umso mehr auf die
Kompensation durch die linke Schulter angewiesen gewesen. Nach
Rotatorenmanschettenverletzung könnten zwar noch leichte Arbeiten und Büroarbeiten
ausgeübt werden. Trotzdem sei davon auszugehen, dass ein Patient nach einer
solchen Verletzung binnen 72 Stunden einen Arzt aufsuche. Obschon der
Beschwerdeführer wegen der rechten Schulter hospitalisiert gewesen sei, habe er in
der Phase, in der die Beschwerden am ausgeprägtesten seien, keine
Schulterbeschwerden links beklagt. Diese seien erst nach der akuten Phase am 22.
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November 2011 in der ambulanten Nachbetreuungsphase gegenüber der
Physiotherapeutin erwähnt worden. Ein Bewegungsverlust sei zeitnah zum Ereignis
nicht belegt worden (UV-act. 23 S. 8-10).
3.3 Zu diesen einlässlich und nachvollziehbar begründeten Feststellungen äusserte
sich Dr. H._ nicht bzw. stellte sie nicht in Frage. Die von ihm bestätigte blosse
Vereinbarkeit der Befunde mit einer traumatischen Ursache lässt eine Unfallursache
zwar als möglich erscheinen, vermag jedoch eine solche nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zu belegen. Nachdem eine Partialruptur der Rotatorenmanschette
bzw. der Supraspinatussehne sowohl degenerativ als auch traumatisch entstehen kann
(vgl. dazu A. M. Debrunner, Orthopädie/Orthopädische Chirurgie, 4. A., S. 728 Ziff.
46.4.3), stehen sich Unfall- und Krankheitsursache bei dem im Ereigniszeitpunkt
67 Jahre alten Beschwerdeführer insofern gleichwahrscheinlich gegenüber, als in der
MRI-Untersuchung vom 24. Januar 2012 degenerative Veränderungen nachgewiesen
werden konnten, jedoch keine zusätzlichen traumatischen Läsionen (UV-act. 22
Beilage). Sodann macht insbesondere die von Dr. G._ angeführte Tatsache, dass von
Seiten der Physiotherapeutin auch noch nach dem 22. November 2011 keine
medizinischen Massnahmen hinsichtlich der linken Schulter veranlasst bzw. als nötig
erachtet worden waren, eine diesbezüglich am 5. November 2011 gesetzte
Unfallursache eher unwahrscheinlich. Von letzterem ging auch Dr. E._ aus (UV-act. 9
Ziff. 2b). Wenn im Weiteren angenommen wird, dass der nachträglich behauptete
zweite Sturz auf die linke Schulter noch vor der Schmerzmitteleinnahme (für die rechte
Schulter) erfolgt sein musste, so vermag die Schmerzmitteleinnahme die
Beschwerdefreiheit und uneingeschränkte Bewegung der linken Schulter vor der
Schmerzmitteleinnahme selbstredend nicht zu erklären. Bei Vorliegen einer
Rotatorenmanschettenruptur hätte neben Schmerzen eine erhebliche
Bewegungseinschränkung (vgl. Debrunner, a.a.O, S. 726 und S. 728 Ziff. 46.4.3)
unmittelbar zu Tage treten müssen.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 27. September 2012 abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 19.08.2013 Art. 4 ATSG. Art. 6 UVG. Nachweis des Unfallereignisses bei im Zeitverlauf wechselnden Schilderungen. Unfallkausalität (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19.August 2013, UV 2012/86).
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2021-09-19T12:26:10+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen