Decision ID: a021f2d6-fc39-4d8f-8ae0-fc2320bb34d4
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich erstmals im Jahr 1991 wegen eines Augenleidens (Keratokonus
auf beiden Augen) bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 3). Die IV-Stelle sprach dem Versicherten Hilfsmittel
(Kontaktlinsen) und medizinische Massnahmen (Keratoplastik links) zu (IV-act. 8, 17,
26, 34, 38, 41, 44). Im August 2003 meldete sich der Versicherte wegen starker akuter
chronischer Augenschmerzen verbunden mit einer somatischen Depression erneut bei
der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (IV-act. 50). Am 21. April 2005 zog er sein
Leistungsbegehren zurück, weil er wieder "total gesund" sei (IV-act. 105, 107).
A.a.
Im Dezember 2017 meldete sich der Versicherte wegen einer seit ca. 2010
bestehenden chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren, verbunden mit einer Burnout-Erkrankung, bei der IV-Stelle zur beruflichen
Integration/Rente an (IV-act. 112). Dr. med. B._, Fachärztin für Allgemeinmedizin,
berichtete der IV-Stelle am 19. Dezember 2017 (IV-act. 119), dass der Versicherte an
einem chronischen Beckenschmerzsyndrom (chronische Prostatitis, 2012), einer
hochgradigen Spinalkanalstenose HWK 3-4/4-5, chronischen Cervikobrachialgien,
sensomotorischen Defiziten Höhe C8, einem Status nach Diskektomie C3-C6,
Stabilisation mit Cage und Platte, einer isthmischen Spondylolyse/Anterolisthesis L6-
S1, einer foraminalen Stenose mit rezidivierenden Lumboischialgien, einer
Erschöpfungssymptomatik bei jahrelanger Überlastung sowohl quantitativ als auch
qualitativ, einem Status nach Rezidiv-Ulcus ventriculi, einem Status nach
Knietotalprothese rechts 2016 bei Status nach Tibiakopfosteotomie nach Fehlstellung,
einem Status nach Osteitis linker Ellbogen bei komplikationsbehaftetem Status nach
A.b.
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Bursektomie links mit mehrmaligen Revisionen sowie paroxysmalen, hämodynamisch
relevanten Sinustachykardien mit/bei sympathikusbetonter hypotoner
Kreislaufdysregulation leide. Der Versicherte sei vom 7. August 2017 bis 3. November
2017 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen; seit dem 4. November 2017 sei er zu 100 %
arbeitsunfähig. Das Schmerzzentrum des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) hatte beim
Versicherten nach einer Erstkonsultation am 29. November 2017 ein chronifiziertes
Schmerzsyndrom, Chronifizierungsstadium II nach Gerbershagen, diagnostiziert (IV-
act. 160).
Die Gemeindeverwaltung C._ berichtete der IV-Stelle am 2. Februar 2018 (IV-
act. 162), dass sie den Versicherten seit dem 1. Januar 2015 in einem Pensum von 80
% als Berufsbeistand beschäftige. Der Versicherte habe diese Tätigkeit bis 30.
November 2017 ausgeübt. Zur Arbeit gehörten Beratungen (oft), Administration (oft)
und Begleitungen (manchmal). Die Tätigkeit beinhalte häufiges Gehen sowie Sitzen
(manchmal) und Stehen (manchmal). Laut dem beiliegenden Lohnausweis hatte der
Versicherte im Jahr 2016 einen Bruttolohn von Fr. 101'257.-- und im Jahr 2017 einen
solchen von Fr. 93'468.-- erzielt (IV-act. 162-9/22). Das Grundgehalt (100 %-Pensum)
hatte in den Jahren 2015, 2016 und 2017 gemäss den Lohnabrechnungen
Fr. 112'508.50 betragen (IV-act. 162-10 ff.).
A.c.
Am 28. März 2019 ging der Austrittsbericht des Schmerzzentrums des Spitals
D._ vom 19. Februar 2018 über die Hospitalisation vom 15. Januar bis 5. Februar
2018 ein (IV-act. 166). Als Diagnosen hatten die Ärzte insbesondere eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41),
Chronifizierungsstadium III nach Gerbershagen, und eine Störung durch Opioide,
Abhängigkeitssyndrom (F11.2), angegeben.
A.d.
Dr. med. E._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtete der IV-Stelle am
30. Juli 2018 (IV-act. 175), dass sich der Versicherte seit dem 8. Mai 2018 in seiner
Behandlung befinde (ca. 2-wöchige Sitzungsabstände). Er habe bisher keine
Arbeitsunfähigkeit dokumentiert. Der Versicherte leide an einer seit längerem
bestehenden, stark mit einem chronischen Schmerzsyndrom einhergehenden
Erschöpfung/ Erschöpfungsdepression mit Ängsten. Beim Erstgespräch seien keine
Defizite hinsichtlich der Aufmerksamkeit, des Wahrnehmungs- und
A.e.
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Konzentrationsvermögens sowie der Gedächtnisleistungen feststellbar gewesen. Das
Stimmungsbild sei deutlich niedergedrückt, aber noch ausreichend moduliert und
auslenkbar gewesen. Der affektive Rapport sei gut gewesen. Es seien Resignation,
Ohnmachtsgefühle und Ängste erkennbar geworden. Als Diagnosen (mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit) gab Dr. E._ eine mittelschwere depressive Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) mit begleitender Angststörung (F41.8) an. Er
merkte zudem an, dass eine detaillierte Beurteilung des psychischen Zustandsbildes
nach fünf Sitzungen noch nicht möglich sei. Dr. B._ erklärte in ihrem Bericht vom
22. Oktober 2018 (IV-act. 176), dass nach der operativen Sanierung (anteriore lumbale
interkorporelle Fusion-Versteifung Segment L5/S1 vom vorderen Zugang mit
Bandscheibenausräumung und Versteifung [SYNFIX-cage] selbes Segment; Operation
vom September 2018, siehe IV-act. 184-3) offenbar eine Besserung der Beschwerden
bei jedoch weiterhin hohem Schmerzniveau und hohem Opiatbedarf eingetreten sei.
Dr. E._ berichtete der IV-Stelle am 20. November 2018 (IV-act. 178), dass die
Diagnosen unverändert seien. Im ersten Arbeitsmarkt bestehe keine Arbeitsfähigkeit
mehr. RAD-Ärztin Dr. med. F._, Fachärztin Allgemeine Innere Medizin, notierte am 5.
Dezember 2018 (IV-act. 179), dass nach der Versteifungsoperation der LWS im
September 2018 voraussichtlich bis Anfang 2019 von einer vollumfänglichen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Dr. med. G._, Leitender Arzt Anästhesie Spital
H._, berichtete der IV-Stelle am 25. Dezember 2018 (IV-act. 207), dass das
langjährige chronifizierte Leiden durch den operativen Eingriff vom September 2018
keine Besserung erfahren habe. Es bestehe weiterhin ein hoher Opioidbedarf. Dr. B._
berichtete am 3. Februar 2019 (IV-act. 185) über eine Verschlechterung des
Allgemeinzustandes des Versicherten bei rezidivierenden Abdominalbeschwerden/
Übelkeit, DD Angina abdominalis, DD opiatinduzierte Obstipation mit Enteritis
(Hospitalisation 24. bis 29. Oktober 2018) und Status nach Pneumonie und (in Folge)
Appetitverminderung sowie zunehmender gastrointestinale Unverträglichkeit der
Analgetika (Hospitalisation 19. bis 22. Januar 2019) mit therapieresistenter Übelkeit.
Dem Bericht lagen unter anderem die Spitalaustrittsberichte bei. Dr. E._ berichtete
am 19. März 2019, dass zu den bisherigen Diagnosen eine posttraumatische
Belastungsstörung hinsichtlich der Augenerkrankung hinzugekommen sei (IV-act. 194).
Die Depressions- und Angstsymptomatik habe sich seit der letzten Berichterstattung
A.f.
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verstärkt. Ein Versuch mit einer antidepressiven Medikation mit Seralin habe wegen
Unverträglichkeit gestoppt werden müssen.
Dr. B._ erklärte anlässlich eines telefonischen Gesprächs mit RAD-Ärztin Dr.
F._ vom 4. Juni 2019 (IV-act. 203), dass der Versicherte an einem chronifizierten
Schmerzsyndrom und an einer unklaren psychiatrischen Problematik oder
möglicherweise eher an einer Persönlichkeitsstörung leide. Der Versicherte gebe ein
sehr hohes Schmerzniveau an (8/10), sitze hierbei jedoch entspannt, in normaler
Haltung und mit normaler Spontanbewegung. Er gestalte die Medikamenteneinnahme
selbst; er lasse sich hier ungern hineinreden. Auch das Morphinpräparat nehme er
unter eigener Regie. Es sei eine Dosishalbierung vereinbart worden mit stattdessen
erneuter Einnahme eines NSAR. Sie sehe eher eine Persönlichkeitsakzentuierung/-
störung (mit hohem Kontrollbedürfnis, Tendenz zu Hypochondrie, früher sehr hohes
Aktivitätsniveau [Höhlentauchen, Klettern] unter Einnahme maximaler Dosen von
NSAR, um einfach zu funktionieren, habe auch oft am Wochenende gearbeitet, habe
keinen Feierabend gekannt) als eine depressive Problematik. Der Versicherte könne −
eher aus somatischer als aus psychischer Sicht − keinerlei Tätigkeiten mehr ausüben
(Gesprächsprotokoll unterzeichnet am 10. Juni 2019, IV-act. 208). Am 12. Juni 2019
berichtete Dr. G._ der IV-Stelle (IV-act. 209), dass dem Versicherten die bisherige
Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei, da es durch langes Sitzen und mentale Anspannung
zu einer Schmerzzunahme komme. Dem Versicherten seien leichteste
wechselbelastende Tätigkeiten mit Pausen und der Möglichkeit, sich hinzulegen, in
einem Pensum von 25 % zumutbar.
A.g.
Dr. med. I._, Leitender Arzt Kantonsspital J._, berichtete der IV-Stelle am 28.
Juni 2019 (IV-act. 212), dass insbesondere die Rückenbeschwerden im lumbalen
Bereich in letzter Zeit deutlich zugenommen hätten. Momentan sei der Versicherte aus
wirbelsäulenchirurgischer Sicht für jegliche Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig.
Aufgrund der multiplen Wirbelsäulenleiden könne die Arbeitsfähigkeit nicht verbessert
werden. Die hochdosierte Opiateinnahme könne nur langsam und schrittweise
reduziert werden. Die letzte Kontrolle mit Infiltrationsmassnahmen habe am 6. Juni
2019 stattgefunden. Die infiltrativen Massnahmen würden bei Bedarf alle drei bis vier
Monate wiederholt. Bei der bisherigen Tätigkeit habe es sich um eine hauptsächlich
sitzende Bürotätigkeit gehandelt. Diese Tätigkeit sei dem Leiden eigentlich angepasst
A.h.
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gewesen. Trotzdem habe die Tätigkeit wegen der Schmerzproblematik nicht fortgeführt
werden können. Die angestammte Arbeit habe auch eine deutliche psychische
Belastung bedeutet, da sich der Versicherte viel mit problematischen und manchmal
auch aggressiven Familien habe beschäftigen müssen. Momentan sei die
Konzentration wegen des hohen Schmerzmittelkonsums ziemlich gestört. Eine
Neueingliederung erachte er als eher unwahrscheinlich, da der Versicherte sehr kurz
vor der Rente stehe. Am 27. September 2019 berichtete derselbe Arzt (IV-act. 213),
dass der Gesundheitszustand in Bezug auf den Rücken seit Juni 2019 stationär sei.
Allerdings habe sich der Versicherte zwischenzeitlich eine Calcaneusfraktur zugezogen,
weswegen er zwei Monate lang eine Unterschenkelorthese tragen müsse. Dr. E._
hielt in seinem Bericht vom 22. Oktober 2019 fest (IV-act. 215), aufgrund des labilen
psychischen und teils auch physischen Krankheitsbildes sei eine Arbeitsfähigkeit auf
dem ersten Arbeitsmarkt (weiterhin) nicht gegeben.
RAD-Ärztin Dr. F._ notierte am 26. November 2019 (IV-act. 219), dass die
psychiatrischen Behandlungsberichte gleichlautend und rudimentär seien. Ein aktueller
Psychostatus liege nicht vor und die Behandlungsintensität sei unklar. Dr. E._
berichtete der IV-Stelle am 20. Dezember 2019, dass im Jahr 2019 12
Gesprächstermine stattgefunden hätten (IV-act. 244). Ausser Seralin sei bisher
Temesta exp. 1.0 mg ausprobiert worden. Die bisherige psychiatrische Psychotherapie
werde weitergeführt. Dr. B._ gab im Bericht vom 29. November 2019 an (IV-act. 228),
dass sich bezüglich der Magen-Darm-Problematik keine neuen Erkenntnisse ergeben
hätten. Solange durch die Opiateinnahme eine Obstipation unterhalten werde, könnten
Übelkeit und Erbrechen anhalten. Am 8. Januar 2020 erklärte Dr. B._ gegenüber der
RAD-Ärztin Dr. F._ (IV-act. 248), dass sich der Versicherte die Calcaneusfraktur
rechts bei einem Kletterunfall im September 2019 zugezogen habe. Die Behandlung sei
im November 2019 bei Beschwerdefreiheit abgeschlossen worden. Ausser Oxycodon
nehme der Versicherte keine Analgetika ein. Der Versicherte sei schwierig führbar,
überschätze und überfordere sich selbst. Er habe einen hohen Kontrollbedarf und
therapiere und diagnostiziere sich selbst. Als Berufsbeistand sei er sehr engagiert
gewesen und habe viele Weiterbildungen gemacht. Bei Dr. I._ handle es sich um den
Schwager des Versicherten.
A.i.
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RAD-Ärztin Dr. F._ notierte am 8. Januar 2020, dass zur Klärung der
Arbeitsfähigkeit eine Begutachtung in den Fachdisziplinen Allgemeine innere Medizin,
Orthopädie und Psychiatrie erforderlich sei (IV-act. 257). Der zuständige IV-
Sachbearbeiter notierte am 23. April 2020, dass seit der Anmeldung im Dezember 2017
keine beruflichen Massnahmen hätten geprüft werden können (IV-act. 268). Ausserdem
sei der Versicherte bereits 61-jährig. Am 27. April 2020 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sein Gesuch um berufliche Massnahmen abgewiesen werde (IV-
act. 269).
A.j.
Im Mai 2020 wurde der Versicherte interdisziplinär durch das Zentrum für
Interdisziplinäre Medizinische Begutachtungen AG (ZIMB) begutachtet (Gutachten vom
7. Oktober 2020, IV-act. 277). Die Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
lauteten:
A.k.
Belastungs- und Bewegungseinschränkung der HWS bei chronisch
zervikobrachialem Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie mit/bei
–
Beweglichkeitseinschränkung der HWS–
knöchern in regelrechter Stellung ausgeheilter Fusion der Segmente C3 bis C7 nach
am 15.05.2013 erfolgter dorsaler Fusion von C3 auf C7 mit Laminektomie C4 und
Laminotomie C6/7 links
–
Belastungsabhängig vermehrtes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom ohne
Radikulopathie mit/bei:
–
muskulärer Dysbalance und Haltungsinsuffizienz–
linkskonvexer lumbaler Skoliose–
knöchern konsolidiertem Segment L5/S1 bei regelrecht einliegendem
Osteosynthesematerial
–
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Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter
zusammengefasst an (vollständige Diagnoseliste: IV-act. 277-10 f.):
Status nach am 29. August 2018 erfolgter ALIF im Segment L5/S1–
Belastungs- und Bewegungseinschränkung des rechten Kniegelenks mit/bei:–
knöchern in regelrechter Stellung implantierter, ohne jedwede Lockerungs-
Lysezeichen eingliedender KTP nach am 28.02.2017 erfolgter Implantation einer
Knietotalendoprothese
–
Status nach im Jahre 1988 erfolgter valgisierender Tibiakopfosteotomie.–
Psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide/Abhängigkeitssyndrom (F11.2)
mit/bei
–
teils iatrogen bedingtem Opioidabusus, im Rahmen der chronischen
Schmerzproblematik
–
chronischer Magendarmproblematik (Nausea, Dyspepsie, Obstipation)–
subjektiver neurokognitiver Beeinträchtigung–
V.a. opiatinduzierte Hyperalgesie–
Chronic Pelvic Pain Syndrom–
Chronische Dyspepsie–
Chronische makrozytäre Anämie unklarer Ätiologie–
Keratokonus beidseits, links vernarbend–
Sinusbradykardie unter Betablockade–
Status nach bilateraler Community Acquired Pneumonia im Januar 2019–
Status nach im Jahr 2014 erlittener offener Verletzung der linksseitigen
Ellbogengelenkskapsel mit rezidivierender Bursitis olecrani und letzlich am
–
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Die Gutachter hielten fest, dass aus allgemein-internistischer Sicht keine
objektivierbaren Funktionseinschränkungen bestünden, welche die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten längerfristig einschränken würden. Der aktuell abgenommene Oxycodon-
Spiegel liege mit 183μg/L deutlich oberhalb der therapeutischen Breite, sodass hier
von einer eindeutigen Überdosierung ausgegangen werden müsse. Dies erkläre
einerseits die chronische Müdigkeit und die subjektiven neurokognitiven
Beeinträchtigungen und andererseits die chronische Obstipation, welche sicherlich
einen Grossteil der gastrointestinalen Beschwerden verursache. Zudem sei es
zwischenzeitlich wahrscheinlich zu einem opiatinduzierten
Ganzkörperschmerzsyndrom gekommen. Im Rahmen der orthopädisch-chirurgischen
Untersuchung habe sich beim Versicherten in den Testverfahren eine durchgängige
Konsistenz der Untersuchungsbefunde gezeigt. Massgeblich für die qualitative
Funktionseinschränkung auf orthopädisch-chirurgischem Fachgebiet sei eine
chronische Belastungseinschränkung der LWS. Ferner bestehe eine
Belastbarkeitsminderung und Bewegungseinschränkung des rechten Kniegelenks.
Aufgrund der objektivierbaren klinischen und radiologischen Befunde am
Bewegungsapparat sei der Versicherte in der biomechanischen Funktion seiner Hals-
und Lendenwirbelsäule sowie seines rechten Kniegelenks limitiert. Im Rahmen der
psychiatrischen Exploration hätten sich beim Versicherten keine eindeutigen
Anhaltspunkte für das Vorliegen einer arbeitsrelevanten psychischen Erkrankung finden
lassen. Der Versicherte habe während der Untersuchung keine Zeichen für eine
depressive Stimmung gezeigt. Er habe freundlich, ausgeglichen und schwingungsfähig
gewirkt. Es habe keine Hinweise auf Interessen- oder Freudverlust oder für einen
gestörten Antrieb gegeben. Der Versicherte gehe zum therapeutischen Klettern,
13.01.2016 erfolgter Exzision nebst Dehnungslappenplastik; ggw. ohne
Beschwerdevortrag sowie ohne Funktionseinschränkung
Status nach im September 2019 erlittener extraartikulärer Calcaneusfraktur rechts
mit geringer Fakturdehiszenz nach Sturz beim Klettern. Unter konservativer
Behandlung mit Ruhigstellung im Entlastungsschuh Behandlungsende 11/19, ggw.
ohne Beschwerdevortrag sowie ohne Funktionseinschränkung
–
Status nach Septumsplastik mit Turbinoplastik, Infundibulotomie und vorderer
Ethmoidektomie links wegen einer eitrig-blutigen Sinusitis am 16.11.2004.
–
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benutze den Hometrainer und gehe jeden Tag ca. 30 Minuten mit dem Hund spazieren.
Allerdings sei eine gesteigerte Ermüdbarkeit auszumachen gewesen. Beim
Selbstbeurteilungsfragebogen habe der Versicherte einen Wert von 27 Punkten
erreicht, der auf das Vorliegen einer mittelschweren depressiven Symptomatik
hinweise. Dieser hohe Wert lasse sich jedoch nicht auf eine depressive Symptomatik
zurückführen, sondern auf die somatisch begründbaren Schmerzen sowie auf die
Überdosierung von Oxycodon. Die reduzierte Konzentrationsfähigkeit lasse sich
ebenfalls auf das Oxycodon zurückführen. Eine somatoforme (Schmerz-)störung liege
nicht vor, da die Schmerzen beim Versicherten somatisch ausreichend erklärbar seien.
Mangels Hinweisen auf Aggravation oder gar Simulation könne auch eine
Schmerzfehlverarbeitung/Symptomausweitung ausgeschlossen werden. Eine
posttraumatische Belastungsstörung aufgrund der Augenerkrankung habe sich nicht
eruieren lassen. Viel eher habe in der Vergangenheit aufgrund der Belastung durch die
Augenkrankheit eine Anpassungsstörung (F43.2) bestanden. Die Diagnose einer
psychischen und Verhaltensstörung durch Opioide/ Abhängigkeitssyndrom sei unter
Berücksichtigung der Standardindikatoren nicht geeignet, beim Versicherten eine
dauerhafte Einschränkung seiner Arbeitsfähigkeit zu begründen. Zusammengefasst
bestehe beim Versicherten infolge der klinischen und radiologischen Befunde für eine
behinderungsangepasste, wechselbelastende, leichte Tätigkeit aus orthopädischer
Sicht und bezogen auf ein volles Pensum eine quantitativ limitierte Arbeitsfähigkeit von
70 %. Die Einschränkung von 30 % ergebe sich aus der reduzierten Belastbarkeit und
Durchhaltefähigkeit, der Notwendigkeit vermehrter Pausen sowie der reduzierten
Arbeitsschnelligkeit. Die aktuelle Opiatabhängigkeit und deren somatische und
psychische Folgen seien medizinisch behandelbar und könnten keine dauerhafte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit legitimieren. Sofern dem negativen Belastungsprofil
Rechnung getragen werde (insbesondere kein überwiegendes Stehen und Gehen,
siehe IV-act. 277-14 f.), könne die Tätigkeit als Sozialarbeiter durchaus als adaptiert
angesehen werden. Demnach bestehe für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bei
ganztägiger Anwesenheit aufgrund der Notwendigkeit häufigerer kurzer
Arbeitsunterbrechungen und Positionswechsel eine maximale Leistungsfähigkeit von
70 %. Die Leistungsminderung bestehe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit der
im August 2018 erfolgten Spondylodese des Segments L5/S1. Aufgrund der
vermuteten opiatinduzierten Hyperalgesie bei übermässigem Konsum von Oxycodon
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und Oxynorm werde dringend eine Reduktion der Gesamtopiatdosis resp. ein Entzug
empfohlen. Dadurch könnten die generalisierte Schmerzsymptomatik, die chronische
Obstipation und die beklagten neurokognitiven Beschwerden wahrscheinlich
verbessert werden. RAD-Ärztin Dr. F._ notierte am 3. November 2020, dass die
gutachterliche Beurteilung überwiegend plausibel nachvollziehbar sei (IV-act. 280-3 f.).
Obwohl der psychiatrische Gutachter eine gesteigerte Ermüdbarkeit und eine
reduzierte Konzentrationsfähigkeit beschrieben habe, habe hieraus in der
gutachterlichen Einschätzung keine Reduktion der Leistungsfähigkeit resultiert. Aus der
Sicht des RAD könnten diese Beeinträchtigungen durchaus ein verlangsamtes Arbeiten
und die Notwendigkeit zusätzlicher Pausen mit einer Leistungsminderung von maximal
30 % bedingen. Da eine vergleichbare Leistungsminderung jedoch bereits im Rahmen
der orthopädischen Begutachtung formuliert worden sei, ergebe sich hieraus keine
Änderung der Gesamtbeurteilung. Zudem bestehe bezüglich der Ermüdbarkeit und der
Konzentrationsstörung prognostisch die Möglichkeit einer deutlichen Besserung nach
der Reduzierung oder Beendigung der Opioid-Behandlung.
A.l. Mit Vorbescheid vom 18. November 2020 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten
die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 285). Zur Begründung hielt sie fest, dass
gemäss dem ZIMB-Gutachten in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Berufsbeistand/
Sozialarbeiter sowie für leidensangepasste Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 70 %
vorliege. Die Einschränkung im Erwerb betrage folglich 30 %. Der Versicherte sei (vor
Eintritt des Gesundheitsschadens) zu 80 % erwerbstätig gewesen. Die Einschränkung
im Erwerb sei daher ins Verhältnis zum zuletzt ausgeübten Pensum zu setzen. Der IV-
Grad betrage folglich 24 % (0.8 x 30 %). Dagegen liess der Versicherte am 7. Januar
2021 einwenden (IV-act. 291), dass sich das ZIMB im Dunstkreis des ABI (ABI
Ärztlichen Begutachtungsinstituts) befinde, welches vom Bundesamt für
Sozialversicherungen (BSV) von der Erstellung bidisziplinärer Gutachten
ausgeschlossen worden sei. Die Machenschaften des ABI und der ihr zugewandten
Gutachterstellen führten auch zur Nichtverwertbarkeit interdisziplinärer Gutachten wie
desjenigen vom 7. Oktober 2020. Das Gutachten des ZIMB sei redundant,
wiederholend und schreibe viel ab. Es handle sich nicht um ein interdisziplinäres
Gutachten, sondern um einzelne Meinungsäusserungen aus verschiedenen
medizinischen Disziplinen. Entgegen der Meinung der Gutachter werde die Tätigkeit
des Berufsbeistandes nicht hauptsächlich im Sitzen ausgeübt. Allein aus
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wirbelsäulenchirurgischer Sicht sei gemäss dem Kantonsspital J._ eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 60 % ausgewiesen. Entgegen der Behauptung der
Gutachter nehme der Versicherte schon lange Jahre Oxynorm und kein Oxycodin ein.
Das Oxynorm sei zudem nicht überdosiert. Wegen der hohen psychischen und
zeitlichen Beanspruchung sei es im kommunalen Sozialbereich üblich, Teilzeit zu
arbeiten, damit die zeitliche Beanspruchung nicht massgeblich über 100 % liege. Der
Versicherte sei daher in der Vergangenheit ganztägig am Arbeitsplatz anwesend
gewesen. Dr. I._ hatte in einem Bericht vom 14. Dezember 2020 zuhanden des
Rechtsvertreters festgehalten, dass in drei- bis viermonatlichen Abständen infiltrative
Massnahmen im Kantonsspital J._ durchgeführt würden (IV-act. 291-4 f.). Damit
könne ein relativ ertragbarer Schmerzzustand gewährleistet werden. Eine Reduktion
der Schmerzmedikamente sei momentan nicht möglich. Aus wirbelsäulenchirurgischer
Sicht bestehe für jegliche Tätigkeiten eine mindestens 60 %ige Arbeitsunfähigkeit. Eine
Verbesserung des Zustandes sei nicht zu erwarten. Am 18. Januar 2021 reichte der
Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. G._ ein (IV-act. 293). Dieser hatte dem
Rechtsvertreter am 11. Januar 2021 berichtet, dass der Versicherte aufgrund der
Chronizität des Leidens in seiner Beweglichkeit eingeschränkt sei und zu lange
sitzende Perioden zu vermeiden seien. Im Moment gehe er von einer langfristigen
Arbeitsunfähigkeit von 50-60 % aus. Darin berücksichtigt seien die zahlreichen
Nebendiagnosen und weitere vorangegangene Eingriffe. RAD-Ärztin Dr. F._ notierte
am 24. Februar 2021 (IV-act. 294), dass zwischenzeitlich eine Umstellung eines
retardierten oralen Morphins auf eine transdermale Applikation erfolgt sei. Eine solche
Umstellung ändere nichts an der Wirkung und Wirksamkeit des Morphins. Aus
medizinischer Sicht könne weiterhin auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter
abgestellt werden.
A.m. Mit Verfügung vom 26. Februar 2021 wies die IV-Stelle das Rentengesuch wie
angekündigt bei einem IV-Grad von 24 % ab (IV-act. 295). Bezüglich des Einwandes
zitierte sie insbesondere Auszüge aus der RAD-Stellungnahme vom 24. Februar 202
B.
B.a. Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
16. April 2021 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die
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Aufhebung der Verfügung und die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Eventuell sei dem Beschwerdeführer eine
Dreiviertelsrente zuzusprechen. Zur Begründung machte er, ergänzend zu den
Ausführungen im Vorbescheidverfahren, geltend, in der Verfügung sei auf den Einwand,
das Gutachten könne nicht verwertet werden, da sich die Gutachterstelle ZIMB im
"Umkreis" des ABI befinde, nicht eingegangen worden. Die angefochtene Verfügung
verletze deshalb das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers. Bei der Beurteilung des
Gesundheitszustandes dürfe nicht auf teils diskreditierte, mit den hiesigen
Verhältnissen nicht vertraute Gutachter abgestellt werden. Das ZIMB-Gutachten
umfasse 155 Seiten; wer nicht in der Lage sei, seine Aussagen so zu ordnen, dass sie
in vertretbarer Länge verständlich seien, dessen Meinung gelte im Allgemeinen als
wenig strukturiert und begründet. Das Gutachten erwecke den Eindruck, weite Teile
seien aus den bisherigen Akten zusammengetragen worden. Des Weiteren sei in der
Gesamtbeurteilung des Gutachtens nicht zum Ausdruck gekommen, dass der
Beschwerdeführer bereits vor der IV-Anmeldung aufgrund seiner gesundheitlichen
Belastung nur zu 80 % arbeitstätig gewesen sei. Laut der Hausärztin sei die Diagnose
eines Schmerzmittelmissbrauchs fehlerhaft. Die Morphindosis könne deshalb auch
nicht kurzerhand reduziert werden. Entgegen der Meinung des RAD gehe die
Einschränkung aus psychischer Sicht nicht vollständig in der somatisch begründeten
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf. Das ZIMB sei nicht in der Lage gewesen, die
Verzahnungen, Rückkoppelungen und Beeinflussungen des körperlichen und
seelischen Gesundheitszustandes in einer einheitlichen Beurteilung
zusammenzufassen. Auf das Gutachten könne somit auch inhaltlich nicht abgestellt
werden. Damit seien die Berichte von Dr. I._ vom 14. Dezember 2020 und von Dr.
G._ vom 11. Januar 2021 massgebend, wonach der Beschwerdeführer zu 60 %
resp. zu 50-60 % arbeitsunfähig sei. Die Aussage des RAD, wonach behandelnde Ärzte
nicht "unbelastet" seien, treffe im Allgemeinen auf Hausärzte zu, die in einem
Auftragsverhältnis stünden. Es mute befremdend an, wenn eine abhängige, öffentlich-
rechtliche Angestellte diesen Vorwurf gegen andere öffentlich-rechtliche Angestellte
erhebe. Der Beschwerde lag eine Kopie eines Artikels des St. Galler Tagblattes vom
10. April 2021 mit dem Titel "Die IV kämpft gegen schwarze Schafe" bei (act. G 1.2).
B.b. Die Beschwerdegegnerin beantragte am 19. Mai 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung hielt sie fest, das ZIMB-Gutachten sei von
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qualifizierten Fachärzten erstellt worden. Es erfülle insbesondere die Anforderungen der
Rechtsprechung an ein strukturiertes, indikatorengeleitetes Beweisverfahren. Der RAD
habe bestätigt, dass das Gutachten für die Beurteilung des Sachverhalts herangezogen
werden könne. Die Beschwerdegegnerin sei somit ihrer Abklärungspflicht
nachgekommen. Die Vergabe des Gutachtensauftrags an das ZIMB sei nach dem
Zufallsprinzip erfolgt. Das BSV hätte das ZIMB längst von der Gutachterliste
gestrichen, wenn die in der Beschwerde aufgeführten Vorwürfe gerechtfertigt wären.
Das ZIMB-Gutachten sei umfassend und detailliert. In Anbetracht der vielen Diagnosen
und der medizinischen Akten könne es nicht als weitschweifig bezeichnet werden. Die
Gutachter seien hinsichtlich des Arbeitspensums nicht von falschen Tatsachen
ausgegangen. Sie hätten die Arbeitsfähigkeitsschätzung richtigerweise in Bezug zu
einem 100 %-Pensum gesetzt, da die Invaliditätsbemessung durch die
Beschwerdegegnerin zu erfolgen habe. Im Gutachten fänden sich zudem sehr wohl
Ausführungen zum Belastungsprofil der Tätigkeit eines Sozialarbeiters. Die mit dem
Einwand eingereichten Arztberichte könnten nicht zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
herangezogen werden, da behandelnde Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagten. Die
angefochtene Verfügung erweise sich als korrekt.
B.c. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers machte in seiner Replik vom 25.
August 2021 ergänzend geltend (act. G 8), dass er an den formellen Einwänden gegen
das Gutachten festhalte. Dem Gutachten sei kein Wort über das berufliche
Konfliktpotential, den Notfallstress und die schwierigen Konfliktrollen von Beiständen
zu entnehmen, geschweige denn werde dieses Profil in Bezug gesetzt zum reduzierten
psychischen Zustand des Beschwerdeführers.
B.d. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen
1.
Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist. Gemäss
Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30
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Tagen nach der Eröffnung der Verfügung einzureichen. Die angefochtene Verfügung
datiert vom 26. Februar 2021 und ist dem Rechtsvertreter gemäss eigenen Angaben
am 2. März 2021 zugestellt worden. Gesetzliche oder behördliche Fristen, die nach
Tagen oder Monaten bestimmt sind, stehen vom siebten Tag vor Ostern bis und mit
dem siebten Tag nach Ostern still (Art. 38 Abs. 4 lit. a ATSG). Der Ostersonntag ist im
Jahr 2021 auf den 4. April gefallen, d.h. die Frist hat vom Sonntag, 28. März bis
Sonntag, 11. April 2021 stillgestanden. Die Frist hat am 3. März 2021 zu laufen
begonnen, d.h. vor den Gerichtsferien sind 25 Tage verstrichen. Der 26. Tag der Frist
ist also auf den 12. April 2021 gefallen und der 30. Tag auf den 16. April 2021. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat am 16. April 2021 und somit rechtzeitig
Beschwerde erhoben. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat geltend gemacht, in der
angefochtenen Verfügung vom 26. Februar 2021 sei nicht auf den Einwand, dass das
Gutachten des ZIMB nicht verwertet werden könne, eingegangen worden. Die
Beschwerdegegnerin habe damit das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt.
2.1.
Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 ATSG). Die Begründungspflicht ist ein wesentlicher
Bestandteil des in Art. 42 ATSG verankerten Anspruchs auf rechtliches Gehör. Gemäss
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung soll die Begründungspflicht zum einen
verhindern, dass sich die Verwaltungsbehörde von unsachlichen Motiven leiten lässt.
Zum anderen soll sie es der betroffenen Person ermöglichen, die Verfügung
gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. In der Entscheidbegründung müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die
Verwaltungsbehörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt. Dies
bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann
sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 124
V 180 E. 1a mit Hinweisen).
2.2.
Die Beschwerdegegnerin hat sich in der angefochtenen Verfügung tatsächlich
nicht mit dem Vorwurf des Rechtsvertreters, dass das Gutachten des ZIMB vom 7.
Oktober 2020 bereits aus formellen Gründen nicht verwertbar sei, weil sich die
Gutachterstelle im "Dunstkreis" des ABI Ärztlichen Begutachtungsinstituts
(nachfolgend: ABI) befinde, auseinandergesetzt. Da es sich hierbei um eines der
Hauptargumente des Rechtsvertreters gegen die Rechtmässigkeit der angefochtenen
2.3.
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3.
Verfügung vom 26. Februar 2021 gehandelt hat, hätte die Beschwerdegegnerin in der
Verfügungsbegründung zwingend darauf eingehen müssen. Die Beschwerdegegnerin
hat somit ihre Begründungspflicht verletzt.
Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des Anspruchs
auf das rechtliche Gehör führt grundsätzlich ungeachtet der Erfolgsaussichten der
Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung (vgl.
BGE 124 V 389 E. 1; vgl. BGE 126 V 130 E. 2b). Gemäss der Rechtsprechung des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen ist das Ignorieren ("Heilen") dieses
Verfahrensmangels allerdings möglich, wenn die beschwerdeführende versicherte
Person nicht ausdrücklich erklärt, sie verlange nur die rein verfahrensrechtliche
Beurteilung und damit die Aufhebung der Verfügung und die Rückweisung zum Erlass
einer neuen Verfügung (vgl. Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 12. Dezember 2007, IV 2007/94 und IV 2007/217 E. 1, Entscheid vom
13. Juli 2017, IV 2014/196 E. 1 und Entscheide vom 5. Mai 2020, IV 2019/88 und IV
2020/22 E. 2.2). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat in der
Beschwerdeschrift lediglich am Rande auf die Verletzung des rechtlichen Gehörs
hingewiesen. Die Aufhebung der angefochtenen Verfügung hat er aus materiellen
Gründen verlangt, und zwar weil er das Gutachten als nicht beweiskräftig angesehen
hat. Da der Rechtsvertreter nicht auf die Aufhebung der angefochtenen Verfügung aus
rein formellen Gründen beharrt hat, ist die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör ausnahmsweise zu "ignorieren", d.h. die angefochtene Verfügung vom 26.
Februar 2021 ist materiellrechtlich zu beurteilen.
2.4.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem IV-Grad von 24 % verneint. Strittig
ist demnach, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
3.1.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
3.2.
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4.
Zunächst ist der Status des Beschwerdeführers festzulegen. Der Beschwerdeführer ist
zuletzt in einem Pensum von 80 % als Berufsbeistand tätig gewesen. Die
Beschwerdegegnerin ist ohne weitere Abklärungen davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer freiwillig lediglich zu 80 % erwerbstätig gewesen ist. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat im Einwand gegen den Vorbescheid
festgehalten, dass es wegen der hohen psychischen und zeitlichen Beanspruchung im
kommunalen Sozialbereich üblich sei, Teilzeit zu arbeiten, damit die zeitliche
Beanspruchung nicht massgeblich über 100 % liege. In der Beschwerdeschrift hat er
erklärt, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner gesundheitlichen Belastung nur zu
80 % erwerbstätig gewesen sei. Es ist gerichtsnotorisch, dass die Arbeitslast von
Berufsbeiständen hoch ist und dass es sich um eine emotional belastende Tätigkeit
handelt (vgl. z.B. Schlussbericht von Ecoplan vom 31. August 2017, Arbeitssituation
der Berufsbeistände, Schweizerische Vereinigung der Berufsbeiständinnen und
Berufsbeistände (Hrsg.), Bern, abrufbar unter: www. vbbrb.ch/files/ files_vbbrb/
newsarchiv/Arbeitssituation_Berufsbeistandspersonen_ SVBB-ASCP_Bericht _
Ecoplan_2017.pdf, besucht am 19. April 2022). Da der Beschwerdeführer bereits Jahre
vor der definitiven Aufgabe seiner Tätigkeit als Berufsbeistand im November 2017 an
diversen gesundheitlichen Problemen gelitten hat und da es sich bei dieser Tätigkeit
um eine belastende Tätigkeit gehandelt hat, leuchtet es ein, dass der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nicht erwerbstätigen Versicherten,
die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht
zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von
Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Mass sie unfähig sind, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG; sog. Betätigungsvergleich). Bei
Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird
die Invalidität für diese Tätigkeit nach Absatz 2 festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil
der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und
der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG; sog.
gemischte Methode).
3.3.
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Beschwerdeführer aufgrund der berufsspezifisch hohen Arbeitsbelastung und seiner
gesundheitlichen Situation zuletzt nur in einem Pensum von 80 % erwerbstätig
gewesen ist. Demnach ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung zu 100 % erwerbstätig wäre.
5.
Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen.
5.1.
Zunächst ist auf das Argument des Rechtsvertreters einzugehen, dass das
Gutachten des ZIMB vom 7. Oktober 2020 bereits aus formellen Gründen nicht
verwertbar sei, weil sich die Gutachterstelle im "Dunstkreis" des ABI befinde. Der
Rechtsvertreter hat vorgebracht, dass das ABI vom BSV von der Erstellung
bidisziplinärer Gutachten ausgeschlossen worden sei. Die Machenschaften des ABI
und der ihm zugewandten Gutachterstellen führten auch zur Nichtverwertbarkeit
polydisziplinärer Gutachten wie jenes des ZIMB vom 7. Oktober 2020.
5.2.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Unabhängigkeit und
Unparteilichkeit der Gutachter durch ihre fachlich-inhaltliche Weisungsunabhängigkeit
gewährleistet (BGE 137 V 210 E. 1.3.1 mit Hinweisen). Befangen sein können nur die
für eine Gutachterstelle tätigen Personen, nicht jedoch die Gutachterstelle als solche
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18. Dezember 2015, 8C_599/2014 E. 3.3; vgl. Urteil
vom 30. März 2017, 9C_19/2017 E 5.1). Laut dem vom Rechtsvertreter zitierten Beitrag
in der Luzerner Zeitung vom 3. Januar 2021 habe das BSV die kantonalen IV-Stellen
Mitte November 2020 angewiesen, keine bidisziplinären Gutachtensaufträge mehr an
das ABI zu erteilen; Auslöser sei ein Fall gewesen, in dem das ABI einen Risikozuschlag
verlangt habe, weil ein Anwalt stark negativ eingestellt gewesen sei. Das BSV habe
festgehalten, dass dies nicht toleriert werden könne. Es habe allerdings auch betont,
dass es bei den Gutachten keine Qualitätsprobleme gegeben habe
(www.luzernerzeitung.ch/schweiz/ keine-iv-auftrage-mehr-fur-basler-firma-ld.2082055,
besucht am 15. März 2022). Der vom Rechtsvertreter angeführte Auftragsstopp betrifft
also weder die im vorliegenden Fall involvierte Gutachterstelle ZIMB noch die Vergabe
polydisziplinärer Gutachtensaufträge nach dem Zufallsprinzip, wie es hier der Fall
gewesen ist. Des Weiteren hat der Rechtsvertreter auf ein Urteil des Kantonsgerichts
Luzern verwiesen, in welchem festgehalten ist, dass die Gutachterstellen auf
Anweisung des BSV seit Ende 2019 dafür besorgt sein müssten, die Gutachterteams
so zusammenzusetzen, dass pro Gutachtensauftrag höchstens eine der
5.3.
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begutachtenden Personen auch noch für andere polydisziplinäre Gutachterstellen tätig
sei (siehe Urteil des Kantonsgerichts Luzern vom 25. Mai 2020, 5V 19 326, abrufbar
unter: www.schadenanwaelte.ch/wp-content/uploads/2021/09/Urteil-
vom-25.5.2020.pdf, besucht am 15. März 2022). Der Rechtsvertreter hat nicht geltend
gemacht und es weist auch nichts darauf hin, dass die mit dem Gutachten vom 7.
Oktober 2020 betrauten Sachverständigen (Dr. med. K._, Dr. med. L._ und
Dr. med. M._) noch für eine andere polydisziplinäre Gutachterstelle tätig wären.
Gegen die am Gutachten beteiligten Sachverständigen hat der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers keine konkreten Befangenheitsgründe geltend gemacht. Beim
Lesen des Gutachtens ergeben sich denn auch keinerlei Anzeichen für eine
Befangenheit der involvierten Gutachter. Zusammengefasst sind keine Gründe
ersichtlich, die Zweifel an der Verwertbarkeit des Gutachtens des ZIMB vom 7. Oktober
2020 aus formellen Gründen zu wecken vermöchten.
Somit bleibt zu prüfen, ob das Gutachten des ZIMB inhaltlich überzeugt.5.4.
Der Rechtsvertreter hat moniert, das Gutachten des ZIMB sei "redudant,
wiederholend, schreibt viel ab und ist eine Zumutung". Zudem seien die Gutachter
davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer zu 100 % berufstätig gewesen sei.
Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht darauf hingewiesen, dass das ZIMB-Gutachten
in Anbetracht der vielen Diagnosen mit und ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
und der umfangreichen medizinischen Akten nicht als weitschweifig bezeichnet werden
könne. Entscheidend für den Beweiswert eines Gutachtens ist, ob es für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Sachverständigen begründet sind (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 4. November 2016, 8C_125/2016 E. 2.1.1 mit
Hinweisen; vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1). Hingegen sind die Gutachter nicht verpflichtet,
die Vorakten selbst zusammenzufassen. Dass der Abschnitt "Anlass und die Umstände
der Begutachtung" in die einzelnen Teilgutachten hineinkopiert worden ist, ist deshalb
nicht zu beanstanden. Des Weiteren liegt es in der Natur der Sache, dass einzelne
Sachverhaltselemente oder Aussagen etc. in den verschiedenen Teilen eines
interdisziplinären Gutachtens wiederholt erwähnt werden. Beim Lesen des Gutachtens
des ZIMB entsteht jedenfalls nicht der Eindruck, dass es − im Vergleich zu anderen
polydisziplinären Gutachten − besonders redundant oder sich wiederholend wäre. Wie
die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort ausgeführt hat (Ziff. III/3.), sind die
Gutachter auch nicht von falschen Tatsachen hinsichtlich des früheren Arbeitspensums
5.4.1.
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des Beschwerdeführers ausgegangen: Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer zuletzt in einem 80 %-Pensum tätig gewesen ist (IV-act. 277-3).
Dass sich die Arbeitsfähigkeitsschätzung auf ein 100 %-Pensum bezogen hat, ist
korrekt gewesen, denn die Invaliditätsmessung an sich ist die Aufgabe der
Beschwerdegegnerin.
Der orthopädisch-chirurgische Gutachter hat erklärt, massgeblich für die
qualitative Funktionseinschränkung auf orthopädisch-chirurgischem Fachgebiet sei
eine chronische Belastungseinschränkung der LWS. Ferner bestehe eine
Belastbarkeitsminderung und Bewegungseinschränkung des rechten Kniegelenks. Der
orthopädisch-chirurgische Gutachter ist zum Schluss gekommen, dass aus
orthopädischer Sicht für behinderungsangepasste, wechselbelastende, leichte
Tätigkeiten bezogen auf ein volles Pensum eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von
30 % bestehe. Die Einschränkung von 30 % ergebe sich infolge der reduzierten
Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit, der Notwendigkeit vermehrter Pausen sowie der
reduzierten Arbeitsschnelligkeit. Zwar erscheint die attestierte Arbeitsunfähigkeit für
körperlich angepasste Tätigkeiten insbesondere auch angesichts der körperlich
belastenden Hobbies des Beschwerdeführers ((...), siehe z.B. IV-act. 166 und 248) als
eher grosszügig. Insgesamt sind die Ausführungen des orthopädisch-chirurgischen
Gutachters jedoch schlüssig und sie sind auch vom RAD gestützt worden. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat mit dem Einwand zwei divergierende
Arbeitsfähigkeitsschätzungen eingereicht, und zwar eine von Dr. I._ und eine von Dr.
G._. Dr. I._ hat auch eine optimal adaptierte Tätigkeit aus wirbelsäulenchirurgischer
Sicht als zu nicht mehr als 40 % zumutbar erachtet (IV-act. 291-4). Allerdings besteht
bei Dr. I._ der objektive Anschein der Befangenheit: Behandelnde Ärzte pflegen
nämlich wegen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung erfahrungsgemäss im
Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen (vgl. etwa das Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2). Bei Dr.
I._ verstärkt sich der Anschein der Befangenheit noch dadurch, dass er gemäss der
Auskunft der Hausärztin der Schwager des Beschwerdeführers ist (IV-act. 248). Seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung vermag daher keine Zweifel am orthopädisch-chirurgischen
Gutachten des ZIMB zu wecken. Dr. G._ (Schmerzambulanz Spital H._) hat die
Restarbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten auf 40-50 % geschätzt (IV-act. 293). Bei
seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung handelt es sich um eine interdisziplinäre
Arbeitsfähigkeitsschätzung; aus seinem Bericht geht nicht hervor, welchen Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit er den "zahlreichen Nebendiagnosen und weitere vorangegangene
Eingriffe" beigemessen hat. Seine Arbeitsfähigkeitsschätzung ist deshalb nicht
5.4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/24
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nachvollziehbar, weshalb nicht auf sie abgestellt werden kann. Laut den Gutachtern
des ZIMB kann die bisherige Tätigkeit (Sozialarbeiter/Berufsbeistand) als (körperlich)
adaptiert angesehen werden, sofern dem negativen Belastungsprofil Rechnung
getragen wird. Dem negativen Belastungsprofil ist insbesondere zu entnehmen, dass
überwiegend stehend und gehend ausgeübte Tätigkeiten ungeeignet sind. Laut dem
Arbeitgeberbericht hat die bisherige Tätigkeit als Berufsbeistand bei der Gemeinde
C._ häufiges Gehen beinhaltet. Demgegenüber hat Dr. I._ in seinem Bericht vom
28. Juni 2019 angegeben, dass es sich bei der bisherigen Tätigkeit um eine
hauptsächlich sitzende Bürotätigkeit gehandelt habe. Gerade im vorliegenden Fall, wo
nicht nur die Belastbarkeit der Lendenwirbelsäule, sondern auch diejenige des rechten
Knies beeinträchtigt ist, erscheint es zwingend notwendig, dass die Gutachter über ein
detailliertes Belastungsprofil der bisherigen Tätigkeit verfügen. Die
Beschwerdegegnerin wird deshalb unter Bezug ihrer Berufsberatung ein
Belastungsprofil für die bisherige Tätigkeit als Berufsbeistand erstellen und dieses
insbesondere dem orthopädisch-chirurgischen Gutachter vorlegen. Der Gutachter wird
dazu Stellung nehmen, ob es sich bei der bisherigen Tätigkeit aus somatischer Sicht
tatsächlich um eine optimal adaptierte Tätigkeit gehandelt hat.
Der psychiatrische Gutachter hat erklärt, dass aus psychiatrischer Sicht derzeit
lediglich die Diagnose einer psychischen und Verhaltensstörung durch Opioide/Abhän
gigkeitssyndrom gestellt werden könne. Bei der Untersuchung sei eine gesteigerte
Ermüdbarkeit auszumachen gewesen. Beim Selbstbeurteilungsfragebogen habe der
Beschwerdeführer einen pathologischen Wert von 27 Punkten erreicht, der auf das
Vorliegen einer mittelschweren depressiven Symptomatik hinweise. Dieser hohe Wert
lasse sich jedoch nicht auf eine depressive Symptomatik zurückführen, sondern sei auf
die somatisch begründbaren Schmerzen sowie auf die Überdosierung von Oxycodon
zurückzuführen. Dass das Konzentrationsvermögen des Beschwerdeführers reduziert
sei, lasse sich ebenfalls auf das Oxycodon zurückführen. Der Beschwerdeführer habe
sich jedoch ausreichend der Exploration widmen können. Der psychiatrische Gutachter
ist zum Schluss gekommen, dass die Diagnose einer psychischen und
Verhaltensstörung durch Opioide/Abhängigkeitssyndrom unter Berücksichtigung der
Standardindikatoren nicht geeignet sei, beim Beschwerdeführer eine dauerhafte
Einschränkung seiner Arbeitsfähigkeit zu begründen. Der Verweis auf die
Standardindikatoren ist richtig gewesen, denn das Bundesgericht hat mit Entscheid
vom 11. Juli 2019 (BGE 145 V 215) Suchterkrankungen grundsätzlich als
invalidenversicherungsrechtlich beachtliche Gesundheitsschäden anerkannt und
festgehalten, dass deren Auswirkungen auf die funktionelle Leistungsfähigkeit resp. die
5.4.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/24
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Arbeitsfähigkeit unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141
V 281 zu beantworten ist (E. 6). Zwar gehen aus dem psychiatrischen Gutachten an
verschiedenen Stellen Aussagen zu den Standardindikatoren hervor: So hat der
psychiatrische Gutachter keine Aggravation oder gar Simulation festgestellt (IV-act.
277-149), er hat die bisher durchgeführten Behandlungen geschildert (IV-act. 277-148),
weitere Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt (IV-act. 277-148) und sich mit den
Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen des Beschwerdeführers befasst (IV-act.
277-150). Eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Standardindikatoren fehlt
jedoch im psychiatrischen Teilgutachten. Dem medizinischen Laien erschliesst sich
jedenfalls nicht, weshalb die Opiatabhängigkeit bzw. die damit zusammenhängenden
Symptome (Ganzkörperschmerzsyndrom, erhöhte Ermüdbarkeit,
Konzentrationsstörungen) im vorliegenden Fall keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
haben sollen. Hinzu kommt, dass in der Konsensbeurteilung festgehalten ist, dass die
aktuelle Opiatabhängigkeit und deren somatische und psychische Folgen medizinisch
behandelbar seien und keine dauerhafte Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit legitimierten (IV-act. 277-15). Diese Aussage erweckt den Eindruck, ein
Einfluss des Abhängigkeitssyndroms auf die Arbeitsfähigkeit sei lediglich wegen der
Behandelbarkeit des Leidens verneint worden. Eine solche Schlussfolgerung würde
allerdings in Widerspruch zur neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung betreffend
Suchtleiden stehen. Sie wäre aber auch nicht vereinbar mit der Praxis des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen, welches in einem in Anwendung des
Art. 54 GerG ergangenen Plenarentscheides vom 7. Mai 2019 beschlossen hat, dass
auch für das Wartejahr überdauernde Phasen einer medizinischen Eingliederung eine
Rente der Invalidenversicherung zugesprochen werden kann, d.h. dass bis zum
Zeitpunkt, ab dem die medizinische Behandlung die Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit wiederhergestellt hat, eine Invalidenrente zugesprochen werden
muss (vgl. z.B. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
18. März 2021, IV 2019/166 E. 2.5). Die RAD-Ärztin hat in ihrer Stellungnahme vom 3.
November 2020 festgehalten, dass die gesteigerte Ermüdbarkeit und die reduzierte
Konzentrationsfähigkeit aus der Sicht des RAD durchaus ein verlangsamtes Arbeiten
und die Notwendigkeit zusätzlicher Pausen mit einer Leistungsminderung von maximal
30 % bedingen könnten (IV-act. 280-4). Da eine vergleichbare Leistungsminderung
jedoch bereits im Rahmen der orthopädischen Begutachtung formuliert worden sei,
ergebe sich hieraus keine Änderung der Gesamtbeurteilung. Allerdings ist die RAD-
Ärztin mit keinem Wort auf das Anforderungsprofil der Tätigkeit eines Berufsbeistandes
eingegangen. Wie erwähnt ist es gerichtsnotorisch, dass die Arbeitslast von
Berufsbeiständen hoch ist und dass es sich um eine emotional belastende Tätigkeit
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 23/24
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6.
handelt. Daher kann davon ausgegangen werden, dass sich eine erhöhte Ermüdbarkeit
und reduzierte Konzentrationsfähigkeit in der Tätigkeit als Berufsbeistand stärker
auswirkt als in anderen, weniger belastenden Tätigkeiten. Demnach erscheint auch ein
detailliertes Belastungsprofil für die Tätigkeit als Berufsbeistand erforderlich, um
beurteilen zu können, ob in der bisherigen Tätigkeit eine psychisch bedingte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht. Die Beschwerdegegnerin wird den
psychiatrischen Gutachter nach der Erstellung des Belastungsprofils auffordern
müssen, sein Gutachten zu präzisieren resp. zu ergänzen. Der Vollständigkeit halber ist
darauf hinzuweisen, dass auch die Arbeitsfähigkeitsschätzung des behandelnden
Psychiaters Dr. E._ nicht überzeugen kann, da dessen Behandlungsberichte
gleichlautend und rudimentär sind (siehe Stellungnahme des RAD vom 26. November
2019, IV-act. 219-2) und aufgrund des Behandlungsverhältnisses zudem der objektive
Anschein der Befangenheit besteht.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung steht es dem Versicherungs
gericht frei, eine Sache zurückzuweisen, wenn allein eine Klarstellung, Präzisierung
oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 11. Dezember 2014, 8C_633/2014 E. 3.2; BGE 137 V 210
E. 4.4.1.4). Im vorliegenden Fall drängt es sich auf, dass die Beschwerdegegnerin die
Präzisierung und Ergänzung des Gutachtens des ZIMB in Auftrag gibt, zumal sie vorab
− in Zusammenarbeit mit ihrer Berufsberatung − noch ein detailliertes Belastungsprofil
der Tätigkeit des Berufsbeistandes wird erstellen müssen.
5.5.
Demnach ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass die angefochtene
Verfügung wegen der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1
ATSG aufzuheben und die Sache zur Weiterführung des Verwaltungsverfahrens an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Die Beschwerdegegnerin ist in Bezug auf die
Qualifikation des Beschwerdeführers als vollerwerbstätig an die Rechtsauffassung
gebunden, die dem Rückweisungsentscheid zugrunde liegt (Art. 56 Abs. 2 VRP, sGS
951.1).
5.6.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (BGE 132 V 215
6.1.
bis
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7.
Da die Gerichtsschreiberin verhindert ist, wird der Entscheid stellvertretend von einer
daran mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art. 39 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 941.1]).