Decision ID: 9569b623-76b8-57c3-a087-0c752c2dcf2b
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X. besitzt den Führerausweis der Kategorie B. Das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen ordnete eine Kontrollfahrt an, die X. am
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26. November 2013 absolvierte und nicht bestand. Der Experte eröffnete ihm das
Prüfungsergebnis im Anschluss an die Fahrt und händigte ihm die Verfügung zur
Kontrollfahrt, auf welcher die Mängel summarisch aufgeführt waren, aus.
B.- Gegen diese Verfügung erhob X. mit Eingabe vom 30. November 2013 Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission mit dem sinngemässen Antrag, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben.
C.- Am 19. Dezember 2013 wies der Abteilungspräsident ein Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege mangels prozessualer Bedürftigkeit ab. Der Rekurrent
zahlte daraufhin den Kostenvorschuss von Fr. 1'000.– innert der angesetzten Nachfrist
ein.
D.- Mit Vernehmlassung vom 13. Februar 2014 beantragte das Strassenverkehrsamt
mit Verweis auf die Berichte des Verkehrsexperten und des Verkehrsmediziners über
den Verlauf der Kontrollfahrt, der Rekurs sei vollumfänglich abzuweisen. Dazu nahm X.
mit Eingabe vom 26. Februar 2014 nochmals Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Der Entscheid
über das Bestehen oder Nichtbestehen der Kontrollfahrt stützt sich auf Art. 14 und 15d
Abs. 5 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) in Verbindung mit
Art. 29 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum
Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV). Eine nicht bestandene Kontrollfahrt hat
notwendigerweise den Entzug des Führerausweises zur Folge (Art. 29 Abs. 2 lit. a VZV;
vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_225/2009 vom 4. November 2009 E. 1.1). Dem
negativen Entscheid über die Kontrollfahrt kommt somit Verfügungscharakter zu.
Analog zur Anfechtung eines Entscheids über das Ergebnis einer Fahrerprüfung ist
demnach das Rechtsmittel des Rekurses auch gegen den Entscheid über eine nicht
bestandene Kontrollfahrt zulässig (vgl. GVP 1977 Nr. 54 S. 105). Die sachliche
Zuständigkeit der Verwaltungsrekurskommission ist somit gegeben. Der Rekurrent ist
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zur Rechtsmittelerhebung befugt. Der Rekurs vom 30. November 2013 (Eingang beim
Gericht: 4. Dezember 2013) ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 14 Abs. 1 SVG müssen Motorfahrzeugführer über Fahreignung und
Fahrkompetenz verfügen. Über Fahreignung verfügt, wer das Mindestalter erreicht hat
(Abs. 2 lit. a), die erforderliche körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zum
sicheren Führen von Motorfahrzeugen hat (lit. b), frei von einer Sucht ist, die das
sichere Führen von Motorfahrzeugen beeinträchtigt (lit. c), und wer nach seinem
bisherigen Verhalten Gewähr bietet, als Motorfahrzeugführer die Vorschriften zu
beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht zu nehmen (lit. d). Über Fahrkompetenz
verfügt, wer die Verkehrsregeln kennt (Abs. 3 lit. a) und wer Fahrzeuge der Kategorie,
für die der Ausweis gilt, sicher führen kann (lit. b). Bestehen Zweifel an der
Fahrkompetenz einer Person, so kann diese einer Kontrollfahrt unterzogen werden (Art.
15d Abs. 5 SVG). Art. 15d Abs. 5 SVG wird durch Art. 29 VZV konkretisiert. Die
Kontrollfahrt, die ärztlich begleitet sein sollte, dient zur Abklärung der Eignung als
wichtigstes Erkenntnisinstrument (Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen
Strassenverkehrsrechts, Band III: Die Administrativmassnahmen, Bern 1995, Rz. 2664).
Die Durchführung der Kontrollfahrt wird in den Richtlinien Nr. 19 der Vereinigung der
Strassenverkehrsämter vom 26. November 2010 zu Kontrollfahrt und
Zusatztheorieprüfungen (nachfolgend: Richtlinien Nr. 19) konkretisiert. Sie dienen der
Schaffung einer einheitlichen Verwaltungspraxis, indem sie für die Durchführung, den
Umfang und die Bewertung der Kontrollfahrt einheitliche und sachgerechte Kriterien
festlegen.
3.- Die Kontrollfahrt gilt als bestanden, wenn der Betroffene nachweist, dass er die
Verkehrsregeln kennt und Fahrzeuge der Kategorien, für die der Ausweis gelten soll,
sicher zu führen versteht. Zu einem negativen Entscheid führen in der Regel
ungenügende Voraussicht, konkrete oder erhöhte abstrakte Gefährdung wegen
unzweckmässiger Beobachtung, unwirksame Beobachtung beim Fahrstreifenwechsel,
Nichtanpassen der Geschwindigkeit an die Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnisse,
krasse Fehler bei der Fahrbahnbenützung, ungenügende Anwendung der
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Vortrittsregeln, krasse Bedienungsfehler oder andere gleichwertige
Verkehrsregelverletzungen, die erfahrungsgemäss zu Unfällen führen können (Ziff. 72
der Richtlinien Nr. 19).
4.- Der Experte bewertete die Kontrollfahrt vom 26. November 2013 als nicht
bestanden. Wie aus dem Prüfbericht ersichtlich ist, beanstandete er beim
Fahrverhalten des Rekurrenten und den Verkehrsvorgängen viele Positionen und
markierte dies mit Kreuzen (act. 2). Dabei fällt auf, dass es nicht um einzelne Fehler
geht, sondern der Rekurrent während der ganzen Kontrollfahrt etliche Fehler beging.
Laut dem Bericht des Verkehrsexperten führten folgende Punkte zum negativen
Prüfungsentscheid: Gefährdung von schwächeren Verkehrsteilnehmern (Fussgänger),
unsichere Fahrzeugführung, ungenügendes Spurhalten, konkrete und/oder erhöhte
abstrakte Gefährdung wegen unzweckmässiger Beobachtung, ungenügende
Voraussicht und Nichtanpassen der Geschwindigkeit an die Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnisse.
5.- Gemäss ständiger Rechtsprechung legen sich Rechtsmittelinstanzen bei der
Beurteilung von Prüfungsentscheiden allgemein eine gewisse Zurückhaltung auf und
überprüfen diese nur auf offensichtliche Fehler (BGE 106 Ia 1 E. 3c). Dem
Gesamteindruck, welchen der Verkehrsexperte während der Kontrollfahrt gewinnt,
kommt entscheidende Bedeutung zu. Bei der Kontrollfahrt handelt es sich um eine
Momentaufnahme, nur dieser Zeitpunkt ist – wie bei Prüfungen üblich – für die
Beurteilung der Kenntnisse und Fertigkeiten zu beachten. Die verfügende Behörde
entscheidet aufgrund eines unmittelbaren Eindruckes, indem der Verkehrsexperte
selber im Anschluss an die Kontrollfahrt den Entscheid fällt, ob der Kandidat die nötige
Eignung zum Führen eines Fahrzeuges aufweist. Wird dieser Entscheid an eine
Beschwerdeinstanz weitergezogen, entfällt die Möglichkeit, auf unmittelbare
Wahrnehmungen abzustellen. Der entscheidende Gesamteindruck kann im
Prüfungsprotokoll nur beschränkt festgehalten und in einem nachträglichen
Rechtsmittelverfahren nicht mehr rekonstruiert werden. Hinzu kommt, dass der
Verkehrsexperte über Vergleichswerte und über eine spezifische Erfahrung verfügt,
welche der Rechtsmittelinstanz in der Regel abgehen. Der Experte verfügt bei der
Frage, ob ein Lenker die erforderliche Eignung zum sicheren Führen eines
Motorfahrzeuges aufweist, über einen Beurteilungsspielraum (das sog. technische
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Ermessen), der von den Rechtsmittelinstanzen zu respektieren ist, so dass sie sich bei
der Überprüfung der rechtlichen Fragen eine gewisse Zurückhaltung auferlegen. Auch
unter diesen Umständen ist eine Reduktion der Prüfungsdichte angebracht und
zulässig. Damit erfährt der Grundsatz, dass im Rekursverfahren eine vollständige
Überprüfung und Neubeurteilung des Sachverhaltes möglich ist, eine gewichtige
Einschränkung. Die Rechtsmittelbehörde greift daher nur ein, wenn offensichtliche
Fehler erkennbar sind. Die vom Rekurrenten gerügten Feststellungen und deren
Bewertung durch den Verkehrsexperten sind deshalb nachfolgend mit einer gewissen
Zurückhaltung nur auf offensichtliche Fehler zu überprüfen.
6.- Der Rekurrent bestreitet die ihm vorgeworfenen Fahrfehler. Seine Einwendungen
zielen darauf ab, die tatsächlichen Feststellungen des Experten in Frage zu stellen. Es
ist daher im Folgenden zunächst zu prüfen, von welchen Tatsachen die
Verwaltungsrekurskommission auszugehen hat. Sodann wird zu beurteilen sein, ob die
festgestellten Mängel den Entscheid rechtfertigen, die Kontrollfahrt des Rekurrenten als
nicht bestanden zu beurteilen. Wie bereits dargelegt, können die beanstandeten
Mängel durch die Verwaltungsrekurskommission nur in beschränktem Umfang
überprüft werden.
a) Gemäss Darstellung des Verkehrsexperten missachtete der Rekurrent beim Befahren
der Feldlistrasse Richtung Abtwil die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h ab
Einmündung Hätterenstrasse. Anschliessend sei die Geschwindigkeit im
Ausserortsbereich zu hoch gewesen. Wegen dieser zu hohen Geschwindigkeit habe
der Rekurrent bei der Rechtskurve Sankt-Josefenstrasse nach der Einmündung
Ochsenweidstrasse (Schiltacker) die Fahrbahnmitte überfahren und unkontrolliert die
Gegenfahrbahn beansprucht. Der Rekurrent hält dem entgegen, dass man ihm keine
Geschwindigkeitsüberschreitung vorwerfen könne. Dies sei ausserorts gewesen, wo
die Geschwindigkeitsbeschränkung von 50 km/h nicht mehr gelte. Er kenne diese
Strecke und die Gefahren, da er wöchentlich diese Strasse hinunterfahre. Auch
hinsichtlich des Vorwurfs des mangelhaften Spurhaltens und der fehlerhaften
Raumaufteilung sei er sich keiner Schuld bewusst. Auch wenn er in den Kurven den
Abstand vom Strassenrand um maximal 60 cm gegen die Strassenmitte vergrössert
habe, habe er zur Mitte immer noch einen respektablen Abstand eingehalten. Wenn er
die Kurven nicht gekannt hätte, wäre er automatisch langsamer gefahren.
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Umstritten ist demnach, ob der Rekurrent mit zu hoher Geschwindigkeit gefahren ist
und ob er die Fahrbahnmitte überfahren hat. Die Beteiligten schätzen die Situation
unterschiedlich ein. Während der Experte der Überzeugung ist, der Rekurrent habe die
Geschwindigkeit innerorts überschritten sowie ausserorts nicht dem Strassenverlauf
angepasst, weshalb er in einer Rechtskurve die Fahrbahnmitte überfahren habe,
schätzt der Rekurrent die Geschwindigkeit als angepasst ein. Über die konkreten
Geschwindigkeiten machen die Beteiligten keine Angaben. In dieser Situation ist davon
auszugehen, dass die Einschätzung des besonders ausgebildeten und erfahrenen
Verkehrsexperten im Vergleich zu jener des Rekurrenten der Wirklichkeit näher kommt.
Auch der die Kontrollfahrt begleitende Verkehrsmediziner hält fest, dass der Rekurrent
die Geschwindigkeit teilweise nicht den Gegebenheiten angepasst habe. Er habe
wiederholt Mühe mit dem Spurhalten gehabt, so dass er in der Kurve Richtung
Sittertobel auf die Gegenfahrbahn gekommen sei. Dementsprechend ist davon
auszugehen, dass der Rekurrent mit nicht angepasster Geschwindigkeit fuhr und über
die Fahrbahnmitte hinaus kam.
b) Der Verkehrsexperte beanstandete, beim Abbiegen von der Geltenwilerstrasse in die
Sankt-Leonhard-Strasse Richtung Bahnhof habe der Rekurrent nicht bemerkt, dass ein
Fussgänger die Fahrbahn überquerte. Das Lichtsignal habe Grün mit gelb blinkendem
Licht, welches den Fussgängern auf der Querfahrbahn den Vortritt gebe, gezeigt. Ohne
seinen verbalen Eingriff hätte der Rekurrent den Fussgänger angefahren. Der Rekurrent
gibt an, beim Wechsel des Lichtsignals auf Grün zuerst nach links geschaut zu haben,
worauf der Experte "Stopp!" gerufen habe. In dem Moment habe er den Fussgänger
auch gesehen. Dieser sei zwischen den stadtauswärts fahrenden Autos auf seine
Fahrbahn gesprungen, sei erschrocken und habe sofort angehalten. Als der Experte
Stopp gerufen habe, habe er sofort anhalten können und sei noch immer ca. drei Meter
vom Fussgänger entfernt gewesen. Er habe den Fussgänger vorher nicht sehen
können, weil dieser noch auf der anderen Fahrbahn zwischen den Autos gewesen sei
und er nach links geschaut habe. Der Fussgänger sei offensichtlich von der anderen
Fahrbahn auf seine gesprungen. Der Experte habe aber nicht eingreifen müssen.
Der Rekurrent bestreitet nicht, dass der Experte Stopp rief. Damit steht fest, dass eine
verbale Intervention durch den Experten stattfand. Es ist anzunehmen, dass der
routinierte Experte nicht eingegriffen hätte, hätten die Umstände einen Eingriff nicht
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erfordert. Der Rekurrent führt zudem selber aus, dass der Fussgänger erschrocken sei.
Folglich muss es sich um eine ernste und für den Fussgänger gefährliche Situation
gehandelt haben. Es ist nicht auszuschliessen, dass sich die Gefahr ohne
Einflussnahme durch den Experten hätte verwirklichen können. Somit ist von der
Darstellung des Experten auszugehen.
c) Der Verkehrsexperte führte weiter aus, der Rekurrent habe, als er angewiesen
worden sei, von der Sankt-Jakobstrasse nach rechts in die Splügenstrasse
abzubiegen, zu spät bemerkt, dass er den rechten Fahrstreifen hätte befahren müssen.
Ohne verbalen Eingriff hätte der Rekurrent den Fahrstreifen trotz durchgezogener Linie
noch gewechselt. Der Rekurrent macht geltend, die Markierung sei wegen
Schneematsches undeutlich zu sehen gewesen.
Der Experte hält in seinem Bericht fest, dass die Strassen bei der Kontrollfahrt nass
gewesen seien. Dass die Strassen mit Schneematsch bedeckt gewesen wären, ist
nirgends ersichtlich. Da der Experte den Rekurrenten davon abhalten konnte, die
Sicherheitslinie zu überfahren, ist davon auszugehen, dass diese sichtbar war. Auch
wenn der Fahrstreifen zum Einspuren mit Schneematsch bedeckt gewesen wäre, hätte
der Rekurrent auf der Signalisationstafel sehen müssen, welche Spur er zum
Rechtsabbiegen befahren muss (vgl. act. 21/4). Es besteht daher auch hier kein Anlass,
von der Darstellung des Experten abzuweichen.
d) Zuletzt beanstandet der Verkehrsexperte in seinem Bericht, der Rekurrent habe in
Abtwil beide Fahrstreifen je zur Hälfte benutzt, um in den Kreisel Geissbergstrasse/
Gaiserwaldstrasse einzufahren. Er habe im Kreisel die innere Fahrspur benutzt und
anschliessend den Kreisel über die äussere Fahrspur ohne jegliche Beobachtung
verlassen. Bei dieser unkontrollierten Handlung habe er verbal eingreifen müssen. Der
Rekurrent macht hingegen geltend, er habe mit dem Blinker die innere Fahrbahn und
ebenfalls die Ausfahrt korrekt angezeigt, obwohl kein Verkehrsteilnehmer hinter ihm
gewesen sei.
Eine verbale Intervention durch den Experten bestreitet der Rekurrent nicht. Die
Hauptaufgabe des Experten als Beifahrer ist es, das Verkehrsverhalten des
Rekurrenten zu beobachten. Seine Beobachtungen zum Verhalten des Rekurrenten
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beim Befahren des Kreisels stehen im Einklang mit den Schilderungen des
Verkehrsmediziners. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass der Rekurrent vor
dem Kreisel beide Fahrspuren benutzte und den Kreisel ohne Beobachtung des
übrigen Verkehrs verliess.
e) Insgesamt bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass an den Wahrnehmungen des
Experten, wie sie in seinem sorgfältigen und ausführlichen Bericht wiedergegeben
werden, zu zweifeln ist, zumal der Rekurrent keine stichhaltigen Argumente vorbringt,
welche die Tatsachenfeststellungen des Experten in Frage zu stellen vermögen.
7.- Zu prüfen bleibt, ob der Experte angesichts der von ihm festgestellten Mängel zu
Recht die Kontrollfahrt als nicht bestanden beurteilte.
a) Nach Art. 34 Abs. 1 SVG und Art. 7 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung
(SR 741.11, abgekürzt: VRV) müssen Fahrzeuge rechts fahren; sie haben sich
möglichst an den rechten Strassenrand zu halten. Dieses Gebot gilt grundsätzlich
immer, soweit es nicht durch besondere Bestimmungen gelockert oder aufgehoben ist.
Es ist nicht eine Verhaltensvorschrift, die nur beim Kreuzen und Überholtwerden sowie
im nächsten Umfeld solcher Vorgänge Geltung beanspruchen würde (vgl.
Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I:
Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln, 2. Aufl. 2002, Rz. 666). Möglichst
nahe an den Strassenrand hat sich der Fahrzeugführer namentlich u.a. auf
unübersichtlichen Strecken zu halten. Damit soll eine Kollision mit
entgegenkommenden Fahrzeugen vermieden werden – diese Gefahr wird als grösser
eingeschätzt als die andere, auf unübersichtlicher Strecke mit einem Hindernis auf der
rechten Fahrbahnseite zu kollidieren (Schaffhauser, a.a.O., Band I, Rz. 668). Die beim
Rekurrenten festgestellte mangelnde Fähigkeit, in Kurven die Spur zu halten, kann
ohne Weiteres zu verkehrsgefährdenden Situationen führen. Er hatte zudem
offensichtlich Mühe, die Geschwindigkeit den Signalisationen und konkreten
Verhältnissen anzupassen.
b) Gemäss Art. 6 Abs. 2 VRV haben bei Verzweigungen mit Verkehrsregelung
abbiegende Fahrzeugführer den Fussgängern für das Überqueren der Querstrasse den
Vortritt zu lassen. Dies gilt bei Lichtsignalen nicht, wenn die Fahrt durch einen grünen
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Pfeil freigegeben wird und kein gelbes Warnlicht blinkt. Aus act. 21/2 ist ersichtlich,
dass beim Rechtsabbiegen von der Geltenwilerstrasse in die Sankt-Leonhard-Strasse
bei Grün ein gelbes Warnlicht blinkt. Damit haben Fussgänger, die die Sankt-Leonhard-
Strasse überqueren wollen, Vortritt. Gemäss der Sachdarstellung des Experten hat der
Rekurrent den Fussgänger, der die Sankt-Leonhard-Strasse überqueren wollte, nicht
beachtet und damit dessen Vortrittsrecht verletzt. Da es sich bei den Fussgängern um
die "schwächsten" Verkehrsteilnehmer handelt, kommt der Beachtung der sie
schützenden Regeln ganz besondere Bedeutung zu. Deren Missachtung stellt
dementsprechend einen gravierenden Mangel dar.
c) Wer nach rechts abbiegen will, hat sich an den rechten Strassenrand zu halten (Art.
36 Abs. 1 SVG). Ist die Fahrbahn durch Fahrstreifen mit Einspurpfeilen gekennzeichnet,
so ist der entsprechende Fahrstreifen zu befahren. Sicherheitslinien kennzeichnen die
Fahrbahnmitte oder Fahrstreifengrenzen. Art. 73 Abs. 6 lit. a der
Signalisationsverordnung (SR 741.21, abgekürzt: SSV) hält fest, dass Sicherheitslinien
von Fahrzeugen weder überfahren noch überquert werden dürfen. Nachdem der
Rekurrent falsch eingespurt hatte, konnte er nur durch das verbale Intervenieren des
Experten davon abgehalten werden, die Sicherheitslinie zu überfahren. Daraus ist zu
schliessen, dass er entweder die Sicherheitslinie nicht beachtete oder ihm nicht
bewusst war, dass Sicherheitslinien nicht überfahren werden dürfen. Das Verbot,
Sicherheitslinien zu überfahren, ist für die Verkehrssicherheit fundamental und hat
entsprechend absolute Bedeutung. Es ist bekannt, dass seine Übertretung geeignet ist,
eine erhebliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer zu schaffen (Weissenberger,
Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St. Gallen 2011, N 16 ff. zu Art. 34).
d) Gemäss Art. 44 Abs. 1 SVG ist ein Spurwechsel nur zulässig, wenn der übrige
Verkehr nicht gefährdet wird. Dies gilt auch im mehrspurigen Kreisverkehr (Giger,
Kommentar Strassenverkehrsgesetz, 7. Aufl. 2008, N 3 zu Art. 44). Als der Rekurrent
die innere Spur und den Kreisel verliess, hat er mit der Zeichengabe allein seine
Vorsichtspflichten noch nicht erfüllt. Auch wer ein Zeichen abgibt, ist ganz allgemein
zur Rücksichtnahme auf den nachfolgenden Verkehr mit den entsprechenden
Beobachtungs- und weiteren Pflichten gehalten (Schaffhauser, a.a.O., Band I, Rz. 893).
Eine ausreichende Voraussicht und Beobachtung sind für ein sicheres Führen eines
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Fahrzeuges von zentraler Bedeutung. Entsprechend fallen diesbezügliche Mängel bei
der Beurteilung der Leistung erheblich ins Gewicht.
e) Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurrent im Verlauf der Kontrollfahrt eine
Reihe von Fehlern beging (Nichtanpassen der Geschwindigkeit an die
Strassenverhältnisse, ungenügende Anwendung der Vortrittsregeln – insbesondere
Missachtung des Vortrittsrechts von Fussgängern –, Fehler bei der
Fahrbahnbenützung, unwirksame Beobachtung beim Fahrstreifenwechsel), die jeweils
bereits für sich alleine zu einem negativen Entscheid führen können (vgl. Ziff. 72 der
Richtlinien Nr. 19). Er hatte offensichtlich Mühe, eine den jeweiligen Situationen
angepasste Fahrweise zu finden. Unter diesen Umständen muss mit Blick auf das
öffentliche Interesse an der Verkehrssicherheit die Eignung des Rekurrenten zum
sicheren Führen eines Personenwagens verneint werden. Die festgestellten
Beanstandungen zeigen die fehlende Fahrkompetenz und die damit verbundene Gefahr
für andere Verkehrsteilnehmer auf. Der Experte hat daher zu Recht die Kontrollfahrt als
ungenügend beurteilt. Es gibt keine Hinweise darauf, dass er seinen
Beurteilungsspielraum missbraucht hätte. Daran ändert auch ein ungetrübter
automobilistischer Leumund sowie das Asthmaleiden des Rekurrenten, aufgrund
dessen er eine eingeschränkte Gehstrecke habe, nichts.
8.- Die Kontrollfahrt kann gemäss Art. 29 Abs. 3 VZV nicht wiederholt werden. Der
Rekurs ist somit abzuweisen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die
amtlichen Kosten dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'000.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'000.– ist zu
verrechnen.