Decision ID: 2848d72d-2f12-4cf8-8153-920c76b7cc6b
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ bezog seit Jahren Ergänzungsleistungen zu einer Rente der
Invalidenversicherung. Im Rahmen einer periodischen Überprüfung der
Ergänzungsleistung stellte die EL-Durchführungsstelle im Jahr 2012 fest, dass der
Versicherte diverse Sachverhaltsveränderungen nicht gemeldet hatte, die zu einer
Herabsetzung der Ergänzungsleistung hätten führen müssen. Mit einer Verfügung vom
5. Oktober 2012 setzte sie die Ergänzungsleistung deshalb rückwirkend per 1. Mai
2008 herab, was eine Rückforderung von unrechtmässig bezogenen
Ergänzungsleistungen im Gesamtbetrag von 27’920 Franken zur Folge hatte; einer
allfälligen Einsprache gegen diese Verfügung entzog die EL-Durchführungsstelle die
aufschiebende Wirkung (act. G 3.1.5). Der Versicherte liess am 6. November 2012 eine
Einsprache gegen die „Neuberechnung“ und gegen die Rückforderung erheben (act. G
3.1.1). Mit einer Verfügung vom 1. März 2013 wurde ein Anspruch des Versicherten auf
eine individuelle Prämienverbilligung in der Höhe von 3’081.70 Franken mit der
Rückforderung von 27’920 Franken verrechnet, sodass noch ein Rückforderungsbetrag
von 24’838.30 Franken verblieb (act. G 3.2.107). Auch gegen diese Verfügung liess der
Versicherte eine Einsprache erheben (act. G 3.2.105). Da die IV-Stelle zwischenzeitlich
ein Revisionsverfahren eröffnet hatte (vgl. act. G 3.2.99), sistierte die EL-
Durchführungsstelle das Einspracheverfahren mit einer Verfügung vom 5. Juli 2013 bis
zum rechtskräftigen Abschluss des IV-Revisionsverfahrens (act. G 3.2.98). Im Oktober
2015 hob die EL-Durchführungsstelle die Verfahrenssistierung auf, nachdem die IV-
Stelle dem Versicherten rückwirkend ab dem 1. September 2013 eine höhere Rente
zugesprochen hatte (act. G 3.2.79). Ein Sachbearbeiter der EL-Durchführungsstelle
notierte im Oktober 2015 (act. G 3.2.81), der Rechtsvertreter des Versicherten müsse
nochmals bezüglich der noch hängigen Einsprache gegen die Verfügung vom 5.
A.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Oktober 2012 kontaktiert werden. Allenfalls sei er damit einverstanden, dass die
Ergänzungsleistung einfach ab dem Zeitpunkt der Rentenerhöhung, also ab September
2013, neu berechnet werde. Am 29. November 2016 teilte der Rechtsvertreter des
Versicherten mit (act. G 3.2.39), die EL-Berechnung müsse ab August 2012 korrigiert
werden, weil der Versicherte ab August 2012 nicht mehr habe arbeiten können. Am 1.
Dezember 2016 ergänzte der Rechtsvertreter des Versicherten: „Bis Ende Juli 2012
Berechnungen EL i.O. (Rückforderungen)“ (act. G 3.2.38). Eine Sachbearbeiterin der
EL-Durchführungsstelle notierte am 14. März 2018 (act. G 3.2.21), die
Ergänzungsleistung werde ab dem 1. August 2012 neu berechnet. Wie beantragt
werde dem Versicherten ab dem 1. August 2012 kein hypothetisches
Erwerbseinkommen mehr angerechnet. Auch die Wohnkosten des Sohnes würden
antragsgemäss als Ausgaben berücksichtigt. Die Ergänzungsleistung könne deshalb
per 1. August 2012 neu berechnet und verfügt werden. Mit einer Verfügung vom 16.
März 2018 setzte die EL-Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung schliesslich
rückwirkend ab dem 1. August 2012 neu fest (act. G 3.2.1 ff.). Diese Verfügung führte
zu einer „Nachzahlung“ von respektive zu einer Reduktion der ursprünglich am 5.
Oktober 2012 verfügten Rückforderung um 15’760 Franken. Die Rückforderung belief
sich damit noch auf 9’078.30 Franken (vgl. act. G 3.3.1).
Am 13. Juli 2018 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, die zur Berechnung
des betreibungsrechtlichen Existenzminimums erforderlichen Angaben zu seinen
Einnahmen und Ausgaben zu machen sowie entsprechende Belege einzureichen. Der
Versicherte gab am 10. August 2018 an (act. G 3.4.2), er verfüge über keinerlei
Vermögen. Seine Renteneinnahmen und jene seiner Ehefrau beliefen sich auf
insgesamt 3’065.45 Franken pro Monat. Seine Ehefrau erziele einen Lohn von etwa 500
Franken pro Monat. Die Höhe der laufenden Ergänzungsleistung „sollte Ihnen bekannt
sein“. Der Wohnungsmietzins betrage 1’170 Franken pro Monat. Für Strom gebe der
Versicherte 55 Franken pro Monat aus. Die Krankenkassenprämie belaufe sich auf
947.20 Franken pro Monat. Für eine Rechtsschutzversicherung bezahle der Versicherte
30 Franken pro Monat. Für anstehende notwendige Aufwendungen „für Zahnarzt,
Brillen, Franchise und Abzahlungen für zwingend notwendige Privat- oder
Geschäftsgegenstände“ müsse er monatlich 165 Franken beiseite legen. Als Belege
reichte der Versicherte eine Prämienabrechnung der obligatorischen
A.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
Krankenpflegeversicherung, den Arbeitsvertrag seiner Ehefrau, Lohnabrechnungen
seiner Ehefrau für die Monate Dezember 2017, November 2017, Oktober 2017 und
September 2017, eine Mitteilung über eine Mietzinserhöhung per 1. Oktober 2000, eine
Kopie des Wertschriften- und Guthabenverzeichnisses zur Steuererklärung 2017 sowie
einen Bankauszug vom Januar 2018 bei. Ein Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte am
15. August 2018 (act. G 3.4.3), die Einnahmen des Ehepaars beliefen sich auf
insgesamt 3’565.40 Franken (um fünf Rappen abgerundet). Als Ausgaben seien die
betreibungsrechtliche Pauschale für den Grundbedarf eines Ehepaars von 1’780
Franken sowie der Mietzins von 1’170 Franken zu berücksichtigen. Die
Krankenkassenprämie sei nicht anzurechnen, da diese von der Ergänzungsleistung
abgedeckt sei (sogenannte Minimalgarantie zur Deckung der kantonalen
Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung; vgl.
elektronische Notiz zu act. G 3.4.2–1). Das Ausgabentotal betrage folglich 2’950
Franken. Mit einer Verfügung vom 15. August 2018 ordnete die IV-Stelle eine
Verrechnung der laufenden Invalidenrente mit der Rückforderung von
Ergänzungsleistung im Betrag von 400 Franken pro Monat an (act. G 3.4.1). Zur
Begründung führte sie aus, die Berechnung des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums habe eine pfändbare Quote von 615.40 Franken pro Monat
ergeben. Deshalb werde gestützt auf den Art. 20 Abs. 2 lit. a AHVG (recte: Art. 20 Abs.
2 lit. b AHVG) in Verbindung mit dem Art. 50 IVG eine laufende Verrechnung von 400
Franken pro Monat verfügt.
Am 14. September 2018 erhob der Versicherte (nachfolgend: der
Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 15. August 2018 (act. G
1). Er beantragte die Stornierung der EL-Rückforderung von 9’078.30 Franken sowie
die Eröffnung einer Verfügung beziehungsweise einer detaillierten Stellungnahme zu
diesem Betrag von 9’078.30 Franken. Zur Begründung führte er an, die EL-
Durchführungsstelle fordere von ihm Ergänzungsleistungen zurück, obwohl er gemäss
den Berechnungen eine Ergänzungsleistung zugute gehabt habe. Am 6. Dezember
2016 habe die EL-Durchführungsstelle 24’948.30 Franken zurückgefordert. Nun sei die
Rückforderung auf 9’078.30 Franken gesunken. Es sei aber nicht ersichtlich, „aufgrund
B.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
Der Inhalt der Beschwerdeschrift vom 14. September 2018 richtet sich nicht direkt
gegen die angefochtene Verfügung vom 15. August 2018, sondern (sinngemäss) gegen
die Verfügung der EL-Durchführungsstelle vom 16. März 2018, mit der dieser eine
früher verfügte Rückforderung von Ergänzungsleistungen im Betrag von 24’838.30
Franken um 15’760 Franken auf 9’078.30 Franken herabgesetzt hatte. Jene Verfügung
ist am 14. September 2018 allerdings schon längst formell rechtskräftig gewesen. Sie
hat also gar nicht mehr angefochten werden können. Soweit sich die Eingabe des
Beschwerdeführers vom 14. September 2018 also gegen die Verfügung vom 16. März
2018 richtet (die ohnehin mit einer Einsprache und nicht mit einer Beschwerde hätte
angefochten werden müssen), kann nicht auf sie eingetreten werden. Nun könnte man
sich auf den Standpunkt stellen, dass von der Beschwerde inhaltlich nichts übrig
bleibe, das sich gegen die Verfügung vom 15. August 2018 und nicht gegen die
Verfügung vom 16. März 2018 richten würde, weshalb insgesamt nicht auf die
Beschwerde eingetreten werden könne. Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung genügt es allerdings für das Eintreten auf eine Beschwerde, wenn
während einer laufenden Rechtsmittelfrist bei irgendeiner (weiterleitungspflichtigen)
Behörde eine Nichteinverständniserklärung abgegeben wird oder wenn eine Eingabe –
unabhängig von ihrem Inhalt – an die Rechtsmittelinstanz adressiert wird (vgl. das Urteil
des Bundesgerichtes 9C_211/2015 vom 21. September 2015). Da die
Beschwerdeschrift vom 14. September 2018 an das Versicherungsgericht adressiert ist
und da der Beschwerdeführer seiner Eingabe die damals noch nicht rechtskräftige
Verfügung vom 15. August 2018 beigelegt hat, muss seine Eingabe in Nachachtung der
oben genannten Rechtsprechung des Bundesgerichtes als eine gegen die Verfügung
vom15. August 2018 gerichtete Beschwerde interpretiert werden, auf die einzutreten
von was und wieso“. Auf mehrmalige Nachfragen hin habe der Beschwerdeführer dann
die angefochtene Verfügung erhalten.
Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 11. Oktober
2018 die Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung verwies sie auf eine
Stellungnahme eines Sachbearbeiters, die im Wesentlichen eine Wiederholung der
Verfügungsbegründung war (act. G 3.4.4).
B.b.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G 5).B.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ist. Der Gegenstand des Beschwerdeverfahrens muss sich allerdings auf das
beschränken, was den Gegenstand des mit der Verfügung vom 15. August 2018
abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens gebildet hat. Zu prüfen ist deshalb
ausschliesslich, ob es rechtmässig gewesen ist, die laufende Invalidenrente mit der
Rückforderung von Ergänzungsleistungen zu verrechnen.
2.
Entgegen der von der Beschwerdegegnerin und offenbar auch von der EL-
Durchführungsstelle vertretenen Ansicht liegt kein formell rechtskräftiger
Rückforderungstitel vor. Die ursprüngliche Korrektur- und Rückforderungsverfügung
der EL-Durchführungsstelle vom 5. Oktober 2012 ist nämlich mit einer Einsprache
angefochten worden; das entsprechende Einspracheverfahren ist gemäss den dem
Versicherungsgericht vorliegenden Akten bis zum Erlass der hier angefochtenen
Verfügung durch die Beschwerdegegnerin nicht abgeschlossen worden. Die Akten
enthalten zwar einen Hinweis darauf, dass sich die EL-Durchführungsstelle und der
(damalige) Rechtsvertreter des Beschwerdeführers darauf geeinigt haben könnten, die
Einsprache als gegenstandslos anzusehen, wenn über den Anspruch auf eine
rückwirkend ab dem 1. August 2012 im Sinne des Beschwerdeführers neu verfügt
werde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat nämlich am 1. Dezember 2016
erklärt, dass die Berechnung der Ergänzungsleistung und die Rückforderung für die
Zeit bis Ende Juli 2012 für ihn in Ordnung seien. Das bedeutet wohl, dass er mit einer
Abschreibung des Einspracheverfahrens betreffend die Verfügung vom 5. Oktober
2012 einverstanden gewesen wäre. Nun hat die EL-Durchführungsstelle aber bis zum
Erlass der hier angefochtenen Verfügung durch die Beschwerdegegnerin keinen
Entscheid erlassen, mit dem sie das Einspracheverfahren als gegenstandslos
abgeschrieben hätte. Das Einspracheverfahren betreffend die Verfügung vom 5.
Oktober 2012 muss folglich nach wie vor hängig sein; das bedeutet, dass weder über
die rückwirkende Korrektur der Ergänzungsleistung noch über die (ursprüngliche)
Rückforderung formell rechtskräftig entschieden worden ist. Es liegt also gar keine
formell rechtskräftig festgesetzte (ursprüngliche) Rückforderung vor, mit der die
laufende Invalidenrente hätte verrechnet werden können.
Allerdings hat die EL-Durchführungsstelle einer allfälligen Einsprache gegen die
Verfügung vom 5. Oktober 2012 die aufschiebende Wirkung entzogen. Dieser Entzug
der aufschiebenden Wirkung hat gemäss dem Art. 54 Abs. 1 lit. c ATSG bewirkt, dass
die Verfügung vom 5. Oktober 2012 sofort vollstreckbar geworden ist. Der
Beschwerdeführer hat diese vorsorgliche Anordnung nicht angefochten. Er hat auch
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
keine Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung beantragt. Folglich ist der Entzug
der aufschiebenden Wirkung formell rechtskräftig und damit verbindlich geworden.
Zwar soll der Entzug der aufschiebenden Wirkung gemäss einer (nicht näher
begründeten) bundesgerichtlichen Rechtsprechung unzulässig sein, wenn er eine
Rückforderung i.S. von Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG betrifft (BGE 130 V 407). Aber das
bedeutet nur, dass eine Anfechtung des am 5. Oktober 2012 verfügten Entzuges der
aufschiebenden Wirkung mit dem Hinweis auf die erwähnte Bundesgerichtspraxis wohl
erfolgreich gewesen wäre. Der Beschwerdeführer hat diese vorsorgliche
Massnahmenverfügung jedoch nicht angefochten, sondern akzeptiert. Das bedeutet,
dass die (ursprüngliche) Rückforderung sofort vollstreckbar und damit einer
Verrechnung mit fälligen Leistungen eines anderen Sozialversicherungsträgers, hier der
Beschwerdegegnerin, zugänglich gewesen ist.
Laut dem Art. 50 Abs. 2 IVG in Verbindung mit dem Art. 20 Abs. 2 lit. b AHVG
können fällige Leistungen, also namentlich eine laufende Rente der
Invalidenversicherung, mit Rückforderungen von Ergänzungsleistungen verrechnet
werden. Eine solche Verrechnung darf natürlich den Zweck der Invalidenrente – die
Deckung des Existenzbedarfs des Rentenbezügers – nicht untergraben. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung darf eine laufende Rente deshalb nur soweit
verrechnet werden, als sie den zur Deckung des betreibungsrechtlichen
Existenzbedarfs notwendigen Betrag überschreitet (vgl. ZAK 1983, S. 72, mit
Hinweisen). Zum betreibungsrechtlichen Existenzbedarf gehören insbesondere die
Pauschale zur Deckung des Grundbedarfs, die Mietzinsen und die Prämie für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung (vgl. etwa die Wegleitung über die Beiträge
der Selbständigerwerbenden und Nichterwerbstätigen in der AHV, IV und EO [WSN],
Rz. 3033, mit Hinweisen).
3.1.
Gemäss dem Kreisschreiben der kantonalen Aufsichtsbehörde für
Schuldbetreibung und Konkurs des Kantons St. Gallen über das betreibungsrechtliche
Existenzminimum (nachfolgend: Kreisschreiben Existenzminimum) beträgt die
Pauschale für den Grundbedarf eines Ehepaars 1’780 Franken pro Monat. Dieser
Betrag dient zur Deckung des Bedarfs an Nahrung, Kleidung, Körperpflege, Strom,
Verbindungsgebühren und Freizeitgestaltung. Der Mietzins der vom Beschwerdeführer
und seiner Ehefrau bewohnten Wohnung hat sich auf 1’170 Franken pro Monat
belaufen. Die Krankenkassenprämie hat 947.20 Franken pro Monat betragen. Entgegen
der Ansicht der Beschwerdegegnerin hat die Ergänzungsleistung diese Prämie nicht
komplett gedeckt, denn sie hat nur der kantonalen Durchschnittsprämie, aber nicht der
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
effektiven Prämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung entsprochen und
deshalb nur 902 Franken pro Monat betragen (vgl. act. G 3.2.14). Bei der Berechnung
des betreibungsrechtlichen Existenzminimums sind folglich die effektive Prämie als
Ausgabe und die Ergänzungsleistung als Einnahme zu berücksichtigen. Der
Beschwerdeführer hat Stromkosten von 55 Franken geltend gemacht, diese aber nicht
belegt. Weiter hat er behauptet, dass er 30 Franken pro Monat für eine
Rechtsschutzversicherung bezahlen müsse. Auch dafür hat er keinen Beleg
eingereicht. Beide Kostenarten sind in der Grundbedarfspauschale enthalten und
können deshalb ohnehin nicht als zusätzliche Ausgaben respektive als Zuschlag zum
Grundbedarf berücksichtigt werden (vgl. Kreisschreiben Existenzminimum, Rz. 3.1 ff.).
Bezüglich des Zuschlags für besondere Aufwendungen im Sinne der Rz. 4.9 des
Kreisschreibens über das Existenzminimum hat der Beschwerdeführer einen
monatlichen Betrag von 165 Franken geltend gemacht. Er hat allerdings weder
angegeben, wofür genau er dieses Geld benötige, noch hat er einen entsprechenden
Beleg eingereicht. Zur Erfüllung ihrer Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hätte
die Beschwerdegegnerin ihn eigentlich auffordern müssen, diesbezüglich weitere
Angaben zu machen. Wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen werden, spielt es
aber für das Ergebnis keine Rolle, ob bei der Berechnung des Existenzminimums ein
Zuschlag von 165 Franken zu berücksichtigen ist, weshalb die Verletzung der
Untersuchungspflicht hier nicht zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung führt. Der
betreibungsrechtliche Existenzbedarf beläuft sich folglich auf 3’897.20 Franken
(beziehungsweise auf 4’062.20 Franken, wenn der Zuschlag von 165 Franken
berücksichtigt wird).
Als Einnahmen haben dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau hauptsächlich
Rentenleistungen der Invalidenversicherung und der beruflichen Vorsorge zur
Verfügung gestanden. Diese Rentenleistungen haben sich insgesamt auf 3’065.45
Franken belaufen. Zusätzlich hat der Beschwerdeführer eine der sogenannten
Minimalgarantie entsprechende Ergänzungsleistung von 902 Franken bezogen. Seine
(rechtlich an der Ergänzungsleistung beteiligte) Ehefrau hat in den Monaten September
bis und mit Dezember 2017 ein durchschnittliches Erwerbseinkommen von (netto)
490.55 Franken erzielt. Der Beschwerdeführer hat im August 2018 angegeben, dass
sich der Monatslohn seiner Ehefrau auf circa 500 Franken pro Monat belaufe. Es ist
zwar durchaus möglich, dass der Lohn der Ehefrau damals höher als noch Ende 2017
gewesen ist und dass der Beschwerdeführer dies nicht angegeben hat, um die
pfändbare Quote möglichst tief zu halten. Der Beschwerdeführer hätte sich sicher
gewehrt, wenn seine Ehefrau im Jahr 2018 wesentlich weniger als noch im Jahr 2017
verdient hätte, denn das hätte direkt zu einer entsprechenden Reduktion der
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Praxisgemäss werden keine Gerichtskosten erhoben.