Decision ID: efae596d-45b4-4d29-839e-4e53194e94e4
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, fing im September 1990 an, als kauf
männische Angestellte im
Cargobereich
bei der
Y._
in
Z._
zu ar
bei
ten (Urk.
11
/14
/
2). Seit 2000 leidet sie an einer generalisierten
Tendo
myo
pathie
(Urk.
11
/10
/
7) und im Jahr 2003 reduzierte sie ihr Arbeitspensum auf 50 %
(Urk.
11/2
5
/
7
Ziff. 6).
Am 27. März 2008 erlitt sie einen Unfall (
Urk.
11
/11
/
1-75, insb. S. 74), der eine am
10. September 2008 erfolgte Schulteroperation nötig machte (Urk.
11
/11
/
42-44). In der Folge war sie bi
s am 19. April 2009 zwischen 50
und (ab 1. April 2009) 25 % arbeitsunfähig (Urk.
11
/11
/
18). Am 12. Mai 2009 wurde im Zusam
men
hang mit der erfolgten Operation eine Abschlussuntersuchung durchge
führt
, mit welcher die Behandlung der vom Unfall hervorgerufenen Beschwer
den als abgeschlossen erklärt wurde (Urk.
11
/11
/
14 f.).
Am 14. Mai 2009 meldete sich die Versicherte aufgrund anhaltender gesund
heitli
cher Beschwerden bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbe
zug
an (Urk.
11
/2) und beantragte eine Rente. Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinischen und erwerblichen Verhält
nisse
ab (Urk.
11
/10,
11
/11 und
11/12 sowie Urk. 11
/14) und
wies nach erfolgtem
Vor
be
scheidverfahren
(Urk. 11/18 ff.)
das Leistungsbegehren der Versicherten
mit
Ver
fügung vom 15. Januar 2010
(
Urk.
11/23)
ab.
Die
am 10. Februar 2010 dage
gen erhobene Beschwerde (
Urk.
11/25
/
3)
hiess
das
Sozialversiche
rungsgericht
des Kantons Zürich
insofern gut, als es die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese nach erfolgten Abklärungen über den
Leistungsan
spruch
der Ver
sicherten neu verfüge (
Urteil vom 31. Mai 2011 im Verfahren IV.2010.00156,
Urk.
11/27
/
12, Dispositiv
Ziff.
1).
Im März 2010 wurde der Ver
sicherten von der Arbeitgeberin gekündigt (
Urk.
11/33
/
11 Abs. 2 am Ende).
1.2
In Umsetzung d
es genannten
Urteils
liess
die IV-Stelle die Versicherte durch die
A._
in
ternistisch, rheumatologisch
und psychiatrisch untersuchen (p
olydisziplinäres Gut
achten vom 9. Februar 2012,
Urk.
11/33, in der Folge „
A._
-Gutachten“ ge
nannt), d
ie
ihr sowohl in der angestammten als auch in einer
leidensangepass
ten
Tätigkeit eine
20 bis 30
%ige
Einschränkung der
Arbeitsfähig
keit attestierte
(
Urk.
11/33
/
24
Ziff.
7.2-3
).
Nach erfolgtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/36 ff.)
wies die
IV-Stelle
das Leistungsbegehren der Versicherten
mit Verfügung vom 21.
September 2012 (
Urk.
2) erneut ab.
2.
Gegen die Verfügung vom 21. September 2012 (
Urk.
2) reichte die Versicherte der
IV-Stelle
eine
vom
19. Oktober 2012 datierte Stellungnahme
ein
(
Urk.
11/42). Auf Anfrage der IV-Stelle, ob die eingereichte Stellungnahme als Beschwerde zu behandeln sei (
Urk.
11/43), reichte die Versicherte
der IV-Stelle
eine
vom
22.
November 2012 datierte
und als „
Beschw
erde
“ bezeichnete Eingabe
(
Urk.
1)
ein
, welche am 27.
Dezember 2012
von der IV-Stelle
dem
Sozialversicherungs
g
e
richt
weitergeleitet wurde (
Urk.
3).
Darin beantragte die Versicherte
sinnge
mäss
, es sei ihr aufgrund der bestehenden Arbeitsunfähigkeit eine Invaliden
rente
zu
zu
sprechen
.
Nachdem die Frage nach der Rechtzeitigkeit der Beschwerde dahingehend ge
klärt w
orden war
,
dass
durch die Eingabe vom 19. Oktober 2012 (
Urk.
11/42) die
Beschwerdefrist gewahrt w
orden sei
(
Urk.
4-8
, insbesondere
Urk.
8
/
2
)
, schloss die
IV-Stelle mit
Beschwerdeantwort vom
13. März 2013 auf
Beschwerde
abweisung
(Urk.
10
).
Am 5. April 2013 reichte die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme zur
Be
schwer
deantwort
vom 13. März 2013 (
Urk.
13) ein, welche der
Beschwerdegeg
nerin
mit Verfügung vom 8. April 2013 zur Stellungnahme zugestellt wurde (
Urk.
14). Innerhalb der gesetzten Frist ging keine Stellungnahme ein.
Auf die einzelnen Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird soweit nötig in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze o
der teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG)
sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent An
spruch auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander ge
genübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invalidi
tätsgrad
bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen
einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S.
188 E.
2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Un
tersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Ex
perte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklar
heiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S.
30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten, 3. Aufl. 1994, S.
24 f.).
2.
2.1
Die
A._
stellte in ihrem Gutachten vom 9. Februar 2012 folgende Diagnosen
(
Urk.
11/33/
19
Ziff.
6.1-2)
:
A.
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
2.
akzentuierte Persönlichkeitszüge, selbstunsicher (ICD-10: Z73.1
);
B.
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
u
nspezifisches ge
neralisiertes Schmerzsyndrom („
P
ersistant
widespread
pain
“ / „
Fibromyalgie
“) mit fokalen
Akzentuierungen
-
chronische
zerviko-thorako-lumbovertebrale
Schmerzen
-
radiologisch
geringe
Osteochondrose
L5/S1 und C5/6 (Röntgen der Lendenwirbelsäule am 25. November 2009 und der
Hals
wirbelsäule
am 7. April 2009).
-
Epicondylopathia
humeri
radialis
beidseits
-
Trochanterinsertionsschmerzen
beidseits
-
Genua
valga
mit
periarthropathischen
und
femoropatellären
Schmer
zen anamnestisch
-
Senk-/Spreizfussbeschwerden beidseits
2.
s
ymptomatische beginnende Fingergelenkspolyarthrosen beidseits
-
radiologisch minimale Veränderungen (Röntgen vom 1
2.
Februar 2010
)
3
.
g
eringe Residualbeschwerden der rechten Schulter ohne
Beweglich
keitseinschränkung
bei
-
Status nach
arthroskopischer
Rotatorenmanschettenrekonstruktion
an der rechten Schulter
mit Tenotomie der langen
Bizepssehne
und
arthroskopischer
Bursektomie
und
Acromioplastik
am 10. September 2008
-
Status nach Schulterverletzung rechts bei Treppensturz am 27. März 2008
4.
Verdacht auf
Thoracic
outlet
-Syndrom beidseits anamnestisch
5.
a
nam
nestisch Eisenmangel, jährlich drei
monatige orale
Eisensubstitu
tion
.
2.2
Bei der Versicherten bestehe eine langjährige,
chroni
fizierte
Schmerzproble
ma
tik
, welche
1999 begonnen habe
und
durch eine Schulterläsion rechts im Jahr 2008
aggraviert
worden sei. Mehrere physikalische und medikamentöse
Thera
pieversuche
seien gescheitert.
Aktuell
bestünden in der klinischen Untersuchung ein positiver
thoracic
outlet
-Test
rechts, eine
muskoloskelettär
vollständig una
u
ffällige und nicht
schmerz
ge
hemmte
Mobilität der Wirbelsäule und der peripheren Gelenke mit normalen Bewegungsabläufen. Das Achsenskelett sei lumbal nicht eingeschränkt. Es be
stünden diffuse muskuläre
Dolenzen
, insbesondere am Beckenkamm, entlang der Wirbelsäule und an der Muskulatur
interskapulär
und tiefzervikal, am ventralen Thorax, an der rechten Schulter und an den
Ellbogen-sehneninsertio
nen
. Die Gelenke seien allseits gut beweglich, obwohl beim Schürzengriff leichte Schmerzen bestünden.
Die Röntgenbilder zeigten nur diskrete Verände
rungen und die Laborwerte zeigten
keine Hinweise auf eine Autoimmun- oder Stoff
wechselerkrankung oder auf
ein
Muskelleiden.
Zusammenfassend bestehe bei der Versicherten aus somatischer Sicht eine chro
nische, nicht einer umschriebenen spezifischen anderen Erkrankungsentität zu
zuordnende
muskuloskelettäre
Schmerzsymptomatik. Formal seien die
Diagno
sekriterien
einer
Fibromyalgie
erfüllt.
Daneben bestünden
leichtgradige
Fingerarthrosen, die aber nicht der
Fibromyal
gie
zuzuordnen seien und sich nicht beeinträchtigend auswirkten. Die
g
eklagten
Fussschmerzen seien ebenfalls ausserhalb des
fibromyalgischen
Beschwer
de
kom
plexes
anzusiedeln und eher als Folge einer gewissen Fehlstatik der Füsse an
zusehen. Die
Parästhesien
an den Fingern seien möglicherweise Ausdruck
einer
Thoracic
Outlet-Symptomatik im Rahmen der muskulären Verspannungen.
Die operierte Schulter rechts sei in der Untersuchung gleich jener links, es könne
also von einer Ausheilung der Unfallfolgen ausgegangen werden, wie bereits durch die behandelnden Ärzte beschrieben.
Die
a
chsenskelettären
Beschwerden liessen sich klinisch und
radiomorpholo
gisch
nicht erklären. Diese dürften möglicherweise durch geringe
frühdegenera
tive
Se
g
mentveränderungen
, vor allem aber auch im Rahmen der
Schmerzwel
lenstörung
und damit
als Teil der
Fibromyalgie
zu interpretieren sei
n
(
Urk.
11/33
/22-23
Ziff.
7.1)
.
2.3
Im Rahmen der seit 1999 bestehenden Schmerzen bestehe bei der Versicherten aus psychiatrischer
Sicht
eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung. Der Schmerz dieser Störung w
erde gemäss Kriterien der ICD-1
0 Kodierung als an
dauernd und quälend beschrieben und sei durch einen physiologischen Prozess oder eine körperliche Störung nicht vollständig zu erklären.
E
r trete in Ver
bin
dung
mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Problemen auf
, die
bei de
r Versicherten einerseits im Rahmen der Arbeitsbedingungen und der er
folgten Kündigung und andererseits
in Form von Konflikten mit der
Herkunfts
familie
und später mit dem Ehemann aufgetreten seien. Aufgrund der Schmer
zen be
stehe ein sozialer Rückzug in vielen Bereichen des Lebens.
Die Versicherte zeige von der Persönlichkeitsstruktur her abhängige Züge und
sage, dass sie jemand sei, der nicht nein sagen könne
, ansonsten sie unter ei
nem
quälenden schlechten Gewissen leide. So sei sie aufgrund ihrer Persönlich
keit
so
zusagen in einem Dauerkonflikt. Aufgrund der aktuellen psychiatrischen Unter
suchung sei von einer weitgehenden Überwindbarkeit der
somatoformen
Schmerz
störung
auszugehen und es bestünden deutliche Hinweise für einen pri
mären Krankheitsgewinn.
Die Versicherte beschreibe zwar tageweise auftretende depressive Symptome, ins
besondere Antriebsmangel, die jedoch die Kriterien einer eigentlichen de
pressi
ven Störung nicht erfüllten, da sie mit wenigen Stunden Ruhe jeweils re
mittier
ten.
Möglicherweise wehrten die Schmerzsymptome sogar eine eigentli
che De
press
ion ab.
Die Versicherte erlebe
die
Konflikte mit der Tochter
oder ih
rem Ehe
mann aufgrund der beschriebenen Persönlichkeitszüge als sehr gravie
rend, was zu Stress und einer Zunahme der Schme
rzen führe.
Die beschriebenen abhängigen und selbstunsicheren Charakterzüge erfüllten die
Kriterien einer Persönlichkeitsstörung nicht.
Somit bleibe die
somatoforme
Schmerz
störung
aufgrund des heutigen Zustandsbildes ohne wesentliche affek
tive
Komorbidität
(
Urk.
11/33
/23-24
Ziff.
7.1).
2.4
Aus rein
muskuloskelettärer
Sicht bestehe keine Einschränkung in der zuletzt ausgeübten Bürotätigkeit.
Aufgrund der
somatoformen
Schmerzstörung in Kombination mit den akzentu
ierten, selbstunsicheren Persönlichkeitszügen sei die Versicherte in ihrem zuletzt ausgeübten Beruf als kaufmännische Angestellte, je nach Komplexität der geis
ti
gen Beanspruchung und je nachdem, wie viel Sicherheit ihr der Vorgesetzte
vermitteln könne,
jedoch lediglich zu
70 bis 80
%
arbeitsfähig.
Durch eine adä
quate, bisher nicht erfolgte psycho
therapeutische Behandlung könne aller
dings eine
Verbesserung der Arbeitsfähig
keit auf ein Normalpensum erreicht werden.
Gleiches gelte
für die
Arbeitsfähigkeit in Verweistätigkeiten, wobei bezüglich so
ma
tischer Belastbarkeit zu beachten sei, dass keine ausgesprochen
schulter
gürtel
- oder handbelastende
n
Tätigkeitsanteile vorkommen sollten. Des Weite
re
n soll
ten keine ausschliesslich im Stehen und G
ehen auszuführenden Tätigkeiten
oder
solche
mit sehr häufiger Stufen- oder Treppenbenutzung ausgesucht wer
den. Zudem soll
t
e die Tätigkeit Möglichkeiten zu ergonomischen Anpassungen und zum selbständigen Wechsel der Körperpositionen zulassen
(
Urk.
11/33
/24
Ziff.
7.2-4)
.
3.
3.1
Dem
A._
-Gutachten
kommt voller Beweiswert zu, denn es ist schlüssig und
um
fassend. Die Beschwerdeführerin wurde allseitig gründlich untersucht und zwa
r
internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch. Die
Vorakten
und
die
per
sönlichen Aussagen der Beschwerdeführerin wurden ebenfalls umfassend be
rücksichtigt und gewürdigt. Auch die Beurteilungen der medizinischen Situatio
nen sind einleuchtend und widerspruchsfrei dargestellt
,
und die gezogenen Schluss
folgerungen sind nachvollziehbar. Damit sind die von der Rechtspre
chung
entwickelten Anforderungen erfüllt
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 1
25 V 352 E.3a, 122 V 160 E.1c).
3.2
Die Beschwerdeführerin
macht gegen das
A._
-Gutachten
geltend, ihr
Weicht
eilrheuma
sei
in den letzten 2
1⁄2 Jahren
stärker ausgeprägt gewesen und die Schmerzen sowie die Bewegungseinschränkung hätten deutlich zugenommen.
Kei
ne
s
der verschriebenen Medikamente h
abe
eine Linderung der Schmerzen und
eine Verbesserung des Gesundheitszustandes gebracht. Bei der Ermittlung des
möglichen Arbeitspensums sei auch nicht berücksichtigt worden, dass sie keiner geregelten Arbeit nachgehen könne. Da
keine der vorgenommenen
The
rapien
eine Besserung gebracht h
ab
e
,
sei in den letzten Monaten
auch
kein Arzt
mehr
kon
sultiert
worden
(
Urk.
1)
.
Die Kritik der Beschwerdeführerin vermag das
A._
-
Gutac
hten nicht in Frage zu
stellen. D
ie Gutachter
k
a
m
en
aufgrund
der vorhandenen Akten
und der er
fol
gten
Untersuchungen
zum Schluss, dass eine chronische
Schm
erzsympto
matik
be
steh
e
, die zu
eine
r
20- bis 30%ige
n
Arbeitsunfähigkeit
führe
(
Urk.
11/33
/
25
Ziff.
7.7)
. Die von der
A._
gestellten Diagnosen und die aufgrund der erhobenen Befunde
ermittelte Arbeitsfähigkeit erweisen sich als überzeugend und
w
erden
auch
nicht
durch aktuelle Berichte von behandelnden Ärzte
n oder sonstigen Spezialärzten
in Frage gestellt.
3.3
Im Zusammenhang mit der von der
A._
diagnostizierten
somatoformen
Schmerz
störung
(
Urk.
7/88
/
41
Ziff.
4.1) ist zudem auf die Rechtsprechung des
Bundesgerichts hinzuweisen, wonach
die
Würdigung
sowohl
diese
s
Beschwer
de
bildes
als
auch de
r
bei der Versicherten diagnostizierten
Fibromyalgie
nach den fol
genden Grundsätzen zu erfolgen hat (BGE 132 V 65 E. 4).
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung
einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer.
Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperli
che
Be
gleiterkrankungen
; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit un
ver
änderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rück
bildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, thera
peu
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss
glück
ten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krankheits
ge
winn
; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchge
führ
te
n
ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unter
schiedlichem the
ra
peu
tischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicher
ten Person. Je mehr die
ser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die ent
sprechenden Befunde
dar
stellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Vo
raussetzungen für eine zu
mutbare Willensanstrengung
zu verneinen (BGE
130 V 352).
Die für die Annahme eines
weitergehenden
invalidisierenden Charakters der
so
mato
formen
Schmerzstörung und
der
Fibromyalgie
er
forderlichen Vorausset
zun
g
en sind vorliegend nicht
oder nicht in genügendem Mass
erfü
llt.
Einerseits
liegt bei der Versicherten
k
eine psychische
Komorbidität
von erheblicher Schwe
re,
Ausprägung und Dauer
vor
, indem
si
e nicht an einer an
haltenden und aus
geprägten Depression
leidet.
Was
die
weiteren Faktoren
angeht, berücksichtigte die
A._
, dass bei der Versicherten
zwar
ein sozialer Rückzug in vielen Berei
chen des Lebens
und
ein primärer Krankheitsgewinn vorlieg
en
(
Urk.
11/33
/
23
viertletzter und
drittletzter Absatz am Ende),
dass
sie andererseits
aber
ein
enges
Verhältnis zu ihrer Familie hat
,
sich um ihre Mutter kümmert (Urk. 11/33
/
11
Abs.
3)
,
und durch
eine adäquate, bisher nicht erfolgte psychotherapeutische Behandlung eine
Steigerung
der Arbeitsfähig
keit auf ein
Normalpensum erreicht werden kann
.
Eine weitergehende als die diagnostizierte 20 bis 30%ige Arbeits
unfähigkeit lässt sich somit nicht begrün
den.
3.4
Das
A._
-
Gutachten
,
wonach d
ie
Versicherte
sowohl in der angestammten als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 20 bis 30
%
arbeitsunfähig ist,
erweist sich somit als überzeugend und wird durch die
Einwände
der Beschwer
deführerin nicht
in Frage gestellt. Es genügt damit in jeder Hinsicht den für ein
derartiges Beweismittel geltenden Anforderungen, weshalb darauf abgestellt wer
de
n kann.
4.
Die von der IV-Stelle zur Vornahme des Einkommensvergleichs herangezogenen Zahlen erweisen sich als richtig und werden vo
n der
Beschwerdeführer
in
nicht bestritten, weshalb darauf abzustellen und von
einer nicht rentenbegründenden
Invalidität auszugehen ist.
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) erweist sich somit als richtig, weshalb die Be
schwerde abzuweisen ist.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis 1'000.-- festzulegen (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfah
rens sind die Gerichtskosten der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.