Decision ID: 8df2dfa9-5c15-52dd-b650-d16365101567
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
X._ ersuchte das Bundesamt für Polizei (fedpol) am 21. September
2019 per E-Mail und am 26. September 2019 auf dem Postweg um Aus-
kunft, ob er in irgendeiner Weise in den Systemen des Europäischen Poli-
zeiamtes (Europol) verzeichnet sei und falls ja, aus welchem Grund. Seit
fast zwei Jahren werde er bei jeder Einreise in den Schengenraum ange-
halten und eingehend befragt. Es sei davon auszugehen, dass die (...) Be-
hörden das Europol-System mit falschen Vorwürfen dazu missbrauchen
würden, ihn wegen (...) einzuschüchtern.
B.
Nach Rücksprache mit den zuständigen Behörden verweigerte das fedpol
mit Verfügung vom 9. Oktober 2019 (fälschlicherweise datiert am 9. August
2019) die Auskunft und machte geltend, deren Erteilung würde den Zweck
einer Strafuntersuchung oder eines anderen Untersuchungsverfahrens in
Frage stellen. Das fedpol stellte die Verfügung dem Beschwerdeführer am
30. Oktober 2019 und dessen Rechtsvertreter am 7. November 2019 – je-
weils neu datiert – erneut zu.
C.
Mit Eingabe vom 6. Dezember 2019 lässt X._ (nachfolgend: Be-
schwerdeführer) Beschwerde gegen die erwähnte Verfügung des fedpol
(nachfolgend: Vorinstanz) beim Bundesverwaltungsgericht mit folgenden
Rechtsbegehren erheben:
"1.a. Es sei die Verfügung Nr. (...) der Vorinstanz vom 30. Oktober 2019 auf-
zuheben und dem Beschwerdeführer umfassend Auskunft über alle ihn
betreffenden Daten zu erteilen, die in den Informationssystemen der
Vorinstanz bearbeitet werden, namentlich
 im Schengener Informationssystem ("SIS"),
 im nationalen Fahndungssystem ("RIPOL"),
 im Verzeichnis der Geschäfte des Fedpols ("IPAS"),
 im Hooliganismus-Informationssystem ("HOOGAN"),
 im Informationssystem der Bundeskriminalpolizei ("JANUS"),
 in der Meldestelle für Geldwäscherei ("GEWA"),
 in der nationalen DNA-Profil-Datenbank ("CODIS").
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1.b. Es sei die Anfrage um Auskunftserteilung des Beschwerdeführers vom
26. September 2019 an Europol weiterzuleiten und die Weiterleitung zu
bestätigen.
2. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen."
In prozessualer Hinsicht beantragt er, es sei ihm umfassende Akteneinsicht
zu gewähren.
In seiner Begründung rügt er eine Verletzung der Begründungspflicht und
eine ungenügende Feststellung des Sachverhalts. Er erachtet die Aus-
kunftsverweigerung als nicht gerechtfertigt, unverhältnismässig und will-
kürlich. Die Vorinstanz habe sodann die Anfrage zu Unrecht nicht an Euro-
pol weitergeleitet.
D.
Mit Schreiben vom 29. Januar 2020 teilt die Vorinstanz dem Beschwerde-
führer bezugnehmend auf seine Anträge in der Beschwerde vom 6. De-
zember 2019 mit, er sei im nationalen Fahndungsinformationssystem RI-
POL, im elektronischen Informationssystem HOOGAN und im informati-
sierten Personennachweis-, Aktennachweis- und Verwaltungssystem IPAS
nicht verzeichnet. Die Nichtverzeichnung im IPAS bedeute, dass kein DNA-
Profil und keine Fingerabdrücke gespeichert seien. Die Auskünfte bezüg-
lich des Systems Bundesdelikte (JANUS) und des Systems der Meldestelle
für Geldwäscherei (goAML) würden aufgeschoben. Diesbezüglich sei der
Beschwerdeführer berechtigt, beim Eidgenössischen Datenschutz- und Öf-
fentlichkeitsbeauftragten EDÖB die Rechtmässigkeit der Datenbearbei-
tung und des Aufschubes überprüfen zu lassen.
E.
In ihrer Vernehmlassung vom 19. Februar 2019 beantragt die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde und in verfahrensrechtlicher Hinsicht die
Verweigerung der Akteneinsicht in den zugleich eingereichten Amtsbericht
und dessen Beilagen. Das Gesuch des Beschwerdeführers habe sich nur
auf das Schengener Informationssystem (SIS) bezogen. Der Beschwerde-
führer habe in Ziff. 1.a. seiner Rechtsbegehren erstmals ein Auskunftsge-
such zu weiteren Informationssystemen gestellt. Darauf sei deshalb nicht
einzutreten. Das Auskunftsgesuch sei am 12. Februar 2020 an Europol
weitergeleitet worden, womit dieser mangelhafte Punkt der angefochtenen
Verfügung geheilt sei. Eine Verletzung des Auskunftsrechts in Bezug auf
das SIS liege im Übrigen nicht vor.
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Seite 4
F.
Der Beschwerdeführer hält in seinen Schlussbemerkungen vom 16. März
2020 an seinen Anträgen und Standpunkten fest und verlangt insbeson-
dere auch Einsicht in den von der Vorinstanz eingereichten Amtsbericht.
G.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten be-
findlichen Schriftstücke wird – soweit entscheidrelevant – in den nachfol-
genden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern eine Vorinstanz im Sinne
von Art. 33 VGG entschieden hat und keine Ausnahme nach Art. 32 VGG
gegeben ist.
Die angefochtene Verfügung ist ein zulässiges Anfechtungsobjekt und
stammt von einer Behörde im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG; eine Aus-
nahme im erwähnten Sinn liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht
ist demnach für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes vorsieht (Art. 37 VGG). Zur
Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer am Verfahren
vor der Vorinstanz teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teilnahme er-
halten hat (Bst. a), durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
ist (Bst. b) und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Än-
derung hat (Bst. c).
Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen
und ist als Adressat der angefochtenen Verfügung, mit welcher seinem Ge-
such nicht entsprochen wurde, sowohl formell als auch materiell be-
schwert, weshalb er zur Beschwerde legitimiert ist.
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Seite 5
1.3 Streitgegenstand im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht ist
das Rechtsverhältnis, das Gegenstand der angefochtenen Verfügung bil-
det oder nach richtiger Gesetzesauslegung hätte sein sollen, soweit es im
Streit liegt. Der Streitgegenstand darf im Laufe des Beschwerdeverfahrens
weder erweitert noch qualitativ verändert werden. Fragen, über welche die
erste Instanz nicht entschieden hat und über welche sie nicht entscheiden
musste, darf die zweite Instanz grundsätzlich nicht beurteilen; sonst würde
in die funktionelle Zuständigkeit der ersten Instanz eingegriffen. Neue An-
träge sind daher im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt grundsätzlich unzulässig (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozes-
sieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Auflage 2013, Rz. 2.8 und
208).
Mit seinem Gesuch vom 21. bzw. 26. September 2019 verlangte der Be-
schwerdeführer von der Vorinstanz Auskunft darüber, ob er in irgendeiner
Weise in den Systemen von Europol verzeichnet sei ("I kindly ask you to
check with the Europol Data Protection Officer in accordance with Article
36 ER if my personal data is processed in whatsoever manner in their sys-
tems"). Er sprach sodann davon, dass er jeweils bei der Einreise in den
Schengenraum kontrolliert werde. Entgegen seinen Vorbringen bezog sich
sein Gesuch somit nicht auf sämtliche von der Vorinstanz geführten Daten-
systeme, sondern auf die Systeme von Europol. Aufgrund seiner zusätzli-
chen Ausführungen zur Einreise in den Schengenraum war sein Gesuch
zudem dahingehend zu verstehen, dass er auch Auskunft über allfällige
Einträge im SIS verlangt. Gegenstand des auf Gesuch des Beschwerde-
führers hin eingeleiteten, vorinstanzlichen Verfahrens bildete somit die
Auskunft über die Datensysteme von Europol und das SIS. Daran ändert
auch der Umstand nichts, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfü-
gung – fälschlicherweise – von den von ihr betriebenen Suchsystemen
sprach ("search systems operated by fedpol"). Die schlussendlich verfügte
Verweigerung der Auskunft bezog sich unbestritten einzig auf das SIS, wie
sich auch klar aus den in der angefochtenen Verfügung angeführten
Rechtsgrundlagen ergibt. Wenn der Beschwerdeführer nun im Beschwer-
deverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht in Ziff. 1.a. seiner Rechts-
begehren nicht nur Auskunft über allfällige Einträge im SIS, sondern auch
in weiteren Informationssysteme der Vorinstanz (RIPOL, IPAS, HOOGAN,
JANUS, GEWA, CODIS) verlangt, geht er damit über den zulässigen Streit-
gegenstand hinaus. Entsprechend ist diesbezüglich auf seine Beschwerde
nicht einzutreten. Im Übrigen wären diese Anträge ohnehin als gegen-
standslos geworden abzuschreiben, nachdem die Vorinstanz dem Be-
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schwerdeführer die entsprechenden Auskünfte mit Schreiben vom 29. Ja-
nuar 2020 erteilt und der Beschwerdeführer diese anschliessend nicht
mehr beanstandet hat. Eine materielle Beurteilung dieser Auskunftsbegeh-
ren wäre somit auch dann nicht vorzunehmen, wenn diesbezüglich auf die
Beschwerde einzutreten wäre.
1.4 Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer die angefochtene Verfügung
am 9. Oktober 2019 erstmals zugestellt. Am 29. Oktober 2019 teilte der
Beschwerdeführer der Vorinstanz mit, er habe die eingeschriebene Sen-
dung wohl wegen Ortsabwesenheit nicht abholen können. Daraufhin stellte
die Vorinstanz ihm die Verfügung am 30. Oktober 2019 – neu datiert – er-
neut zu. Am 5. November 2019 teilten die Rechtsvertreter des Beschwer-
deführers der Vorinstanz mit, aufgrund formeller Fehler in der Verfügung
sei es nicht möglich, den Beginn der Rechtsmittelfrist zu bestimmen und
ersuchten um Zustellung einer berichtigten Verfügung. Daraufhin stellte die
Vorinstanz den Rechtsvertretern am 7. November 2019 eine berichtigte
und neu datierte Verfügung zu. Zur Bestimmung des Beginns der 30tägi-
gen Beschwerdefrist nach Art. 50 Abs. 1 VwVG ist daher auf die Zustellung
der berichtigten Verfügung an die Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
abzustellen (vgl. KNEUBÜHLER/PEDRETTI, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
Kommentar VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 38 N 29). Die Beschwerde vom
6. Dezember 2019 wurde damit fristgerecht erhoben.
1.5 Auf die im Übrigen auch formgerecht eingereichte Beschwerde (vgl.
Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist somit – unter Vorbehalt der vorstehenden Ausfüh-
rungen in E. 1.3 – einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf
Rechtsverletzungen, einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Fest-
stellung des rechterheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Aus-
übung des Ermessens (Art. 49 Bst. a und b VwVG). Zudem prüft es die
Verfügung auf Angemessenheit hin (Art. 49 Bst. c VwVG). Es wendet das
Recht von Amtes wegen an und ist an die Begründung der Parteien nicht
gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
3.
In prozessualer Hinsicht verlangt der Beschwerdeführer umfassende Ak-
teneinsicht. Im Laufe des Beschwerdeverfahrens wurde dem Beschwerde-
führer Akteneinsicht gewährt. Einzig der von der Vorinstanz zusammen mit
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ihrer Vernehmlassung eingereichte und als vertraulich bezeichnete Amts-
bericht samt Beilagen wurde dem Beschwerdeführer nicht zur Einsicht zu-
gestellt. Wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zutreffend geltend
macht, wäre nämlich mit einer Bekanntgabe dieses Berichts samt Beilagen
im Rahmen des Schriftenwechsels der Streitgegenstand – die Erteilung der
Auskunft über allfällig vorhandene Informationen im SIS – im Sinne des
Beschwerdeführers bereits vorab entschieden worden. Wie nachfolgend
sodann noch zu zeigen sein wird, hat die Vorinstanz dem Beschwerdefüh-
rer die verlangte Auskunft zu Recht verweigert, weshalb ihm aus denselben
Gründen auch die Einsicht in den vertraulichen Amtsbericht samt Beilagen
zu verweigern ist. Das Akteneinsichtsgesuch des Beschwerdeführers ist
deshalb in Bezug auf den vertraulichen Amtsbericht und die dazugehören-
den Beilagen abzuweisen. Da der wesentliche Inhalt des Amtsberichts –
soweit als möglich – auch in der Vernehmlassung der Vorinstanz enthalten
ist und sich der Beschwerdeführer in den Schlussbemerkungen dazu äus-
sern konnte, darf das Bundesverwaltungsgericht im vorliegenden Be-
schwerdeverfahren dennoch auf diesen Amtsbericht abstellen (Art. 28
VwVG; vgl. Urteil des BVGer A-1736/2016 vom 21. Juni 2016 E. 1.3).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt zunächst eine Verletzung der Begrün-
dungspflicht. Die Vorinstanz habe ihm die verlangte Auskunft verweigert,
ohne dies zu begründen. Als rechtliche Grundlage der Auskunftsverweige-
rung habe die Vorinstanz Art. 9 des Bundesgesetzes über den Datenschutz
vom 19. Juni 1992 (DSG, SR 235.1) angerufen. Diese Bestimmung sehe
verschiedene Gründe für die Einschränkung des Auskunftsrechts vor. Um
die Begründungspflicht nicht zu verletzen, wäre die Vorinstanz daher ge-
halten gewesen, den konkreten Absatz der Bestimmung anzugeben.
4.2 Die Vorinstanz hingegen bestreitet eine Verletzung der Begründungs-
pflicht. Aus ihren Ausführungen würde eindeutig hervorgehen, welchen
Verweigerungsgrund sie angerufen habe.
4.3 Nach der Rechtsprechung folgt die Begründungspflicht aus dem ver-
fassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör i.S.v. Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung (BV, SR 101) und ergibt sich für das Verfahren vor Bun-
desverwaltungsbehörden unmittelbar aus Art. 35 Abs. 1 VwVG (BGE 138 I
232 E. 5.1 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung; Urteil des BGer
2A.587/2003 vom 1. Oktober 2004 E. 10.2). Die Begründung einer Verfü-
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gung entspricht den Anforderungen von Art. 29 Abs. 2 BV, wenn die Be-
troffenen dadurch in die Lage versetzt werden, die Tragweite der Entschei-
dung zu beurteilen und sie in voller Kenntnis der Umstände an eine höhere
Instanz weiterzuziehen. Die Behörde ist aber nicht verpflichtet, sich zu al-
len Rechtsvorbringen der Parteien zu äussern. Vielmehr kann sie sich auf
die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Es ge-
nügt, wenn ersichtlich ist, von welchen Überlegungen sich die Behörde lei-
ten liess (BGE 141 III 28 E. 3.2.4, 140 II 262 E. 6.2 und 136 I 229 E. 5.2).
4.4 Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt nicht vor. Zur Begründung
der Auskunftsverweigerung führte die Vorinstanz in der angefochtenen Ver-
fügung mit Verweis auf Art. 9 DSG aus, die Auskunftserteilung würde das
Ziel einer Strafuntersuchung oder einer anderen Untersuchung gefährden
("[...] the provision of information would jeopardize the objective of an cri-
minal or other investigation"). Aufgrund dieser Formulierung und dem Ver-
weis auf Art. 9 DSG war für den Beschwerdeführer ohne weiteres erkenn-
bar, dass sich die Vorinstanz auf Art. 9 Abs. 2 Bst. b DSG beruft, wonach
die Auskunft verweigert werden kann, wenn sie den Zweck einer Strafun-
tersuchung oder eines andern Untersuchungsverfahrens in Frage stellt. In
seiner Beschwerde ist der Beschwerdeführer denn auch selbst davon aus-
gegangen, dass sich die Vorinstanz auf Art. 9 Abs. 2 Bst. b DSG stützt. Es
liegt sodann in der Natur der Sache, dass nähere Angaben zum Verweige-
rungsgrund nicht möglich sind, ohne die gerade zu verweigernde Auskunft
zu erteilen.
5.
Strittig ist und nachfolgend zu prüfen gilt es, ob die Vorinstanz die Auskunft
über allfällige Einträge im SIS zu Recht verweigert hat.
5.1 Der Beschwerdeführer erachtet die Auskunftsverweigerung als unzu-
lässig und unverhältnismässig. Er habe nach Art. 8 DSG einen Anspruch
auf Auskunft darüber, ob über ihn Daten bearbeitet würden. Eine Ein-
schränkung dieses Auskunftsrechts gestützt auf Art. 9 Abs. 2 Bst. b DSG
sei vorliegend nicht gerechtfertigt. Aufgrund der konkreten Faktenlage sei
es ausgeschlossen, dass die Auskunftserteilung den Zweck eines Unter-
suchungsverfahrens verunmögliche. Da er systematisch bei jeder Reise
kontrolliert werde, sei ihm bereits klar, dass Daten bearbeitet würden, die
zu seiner Überprüfung führen würden. Zudem lasse auch die Verweigerung
der Auskunft einzig den Schluss zu, dass Daten bearbeitet würden. Sollte
eine geheime Überwachungsmassnahme angeordnet worden sein, so
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wäre diese damit ohnehin gescheitert. Deshalb könne zumindest die Exis-
tenz einer Datenbearbeitung bestätigt werden. Es bestehe sodann keine
staatsvertragliche Pflicht, das Auskunftsrecht einzuschränken. Sei eine
Ausschreibung nicht von den Schweizer Behörden vorgenommen worden,
so müsse der ausschreibenden Behörde vor der Auskunftserteilung Gele-
genheit zur Stellungnahme gegeben werden. Die Schweizer Behörde sei
aber nicht an diese Stellungnahme gebunden, sondern müsse aufgrund
der gesamten Umstände und unter Abwägung der betroffenen Interessen
eine eigene Beurteilung vornehmen. Die Vorinstanz habe dies unterlassen
und lediglich auf die Stellungnahme der ausländischen Behörde abgestellt.
Sie habe seine Vorbringen nicht gewürdigt und den Sachverhalt nur unge-
nügend oder falsch festgestellt. Es sei davon auszugehen, dass er (...) das
Ziel von Einschüchterungsversuchen der (...) Behörden sei. Das Ausmass
der Korruption und Willkür bei den (...) Strafverfolgungsbehörden sei noto-
risch, was auch durch verschiedene Zeitungsberichte belegt sei. Diese Tat-
sachen habe die Vorinstanz bei der Beurteilung zu Unrecht nicht berück-
sichtigt und damit auch gegen das Willkürverbot verstossen.
5.2 Die Vorinstanz legt in ihrer Vernehmlassung die nationalen und inter-
nationalen Rechtsgrundlagen für das SIS betreffende Auskunftsbegehren
dar. Gestützt darauf habe sie mit der ausschreibenden Behörde Rückspra-
che genommen. Diese habe ihre Zustimmung zu einer Bekanntgabe, wie
und durch wen der Beschwerdeführer ausgeschrieben sei, verweigert. So-
wohl nach nationalem als auch internationalem Recht könne das Aus-
kunftsrecht gestützt auf Art. 9 DSG eingeschränkt werden. So könne nach
Art. 9 Abs. 2 Bst. a DSG die Auskunft verweigert, eingeschränkt oder auf-
geschoben werden, soweit es wegen überwiegender öffentlicher Interes-
sen, insbesondere der inneren oder äusseren Sicherheit der Eidgenossen-
schaft, erforderlich sei. Zur äusseren Sicherheit gehöre etwa die Beach-
tung völkerrechtlicher Verpflichtungen und die Pflege guter Beziehungen
zum Ausland. Überdies könne gemäss Art. 9 Abs. 2 Bst. b DSG die Aus-
kunft verweigert, eingeschränkt oder aufgeschoben werden, soweit diese
den Zweck einer Strafuntersuchung oder eines anderen Untersuchungs-
verfahrens in Frage stelle. Dabei sei es nicht erforderlich, dass sich die
fragliche Untersuchung auf die betroffene Person beziehe oder dass sie in
der Schweiz stattfinde. Bei der Beurteilung sei sie auf die Stellungnahme
der ausschreibenden Behörde angewiesen und aufgrund nationaler und
internationaler Rechtsgrundlagen daran gebunden. Eine materielle Prü-
fung der Stellungnahme dürfe sie nicht vornehmen. Sie beschränke sich
auf die Prüfung, ob der Bearbeitungszweck eingehalten sei und die hierzu
eingegangenen Informationen erforderlich seien. Im Fall der Ablehnung der
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Auskunftserteilung prüfe sie sodann die Einhaltung der Voraussetzungen
nach Art. 9 DSG. Selbst wenn diese eingeschränkte Prüfkompetenz nicht
bestehen würde, würden Presseartikel keinen Beweis für eine unvollstän-
dige Sachverhaltsermittlung darstellen. Es könne nicht Aufgabe der
Vorinstanz sein, korruptionsrelevante Vorgänge in den Strafverfolgungsbe-
hörden anderer souveräner Staaten zu untersuchen und daraus Schlüsse
zu ziehen. Der Vorwurf der ungenügenden Sachverhaltsabklärung sei da-
her unbegründet. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers bestehe
sodann sehr wohl eine staatsvertragliche Pflicht, die Auskunft einzuschrän-
ken. Nach Art. 58 Ziff. 4 des Beschlusses des Rates 2007/533/JI vom
12. Juni 2007 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des
Schengener Informationssystems der zweiten Generation (SIS II) (ABl.
L 205/63 vom 7. August 2007; nachfolgend: Beschluss 2007/533/JI) habe
die Auskunftserteilung zu unterbleiben, wenn dies zur Durchführung einer
rechtmässigen Aufgabe im Zusammenhang mit einer Ausschreibung uner-
lässlich sei. Würde sie (die Vorinstanz) die Auskunft erteilen, so würde sie
gegen nationales Recht und internationales Staatsvertragsrecht verstos-
sen. Auch würde die Auskunftserteilung die Beziehungen nicht nur zum
ausschreibenden Staat, sondern zur ganzen Schengen-Gemeinschaft ge-
fährden. Die Schweiz würde nicht mehr als vertrauenswürdiger Partner
wahrgenommen. Schliesslich sei die Verweigerung der Auskunft auch ver-
hältnismässig. Sämtliche SIS-Ausschreibungen würden durch den aus-
schreibenden Staat regelmässig dahingehend überprüft, ob sie zu verlän-
gern seien. Der diesbezügliche Entscheid obliege allein der nationalen Be-
hörde des ausschreibenden Staates. Ein Aufschub der Auskunft sei nicht
zielführend, da nicht bekannt sei, ob und wie lange die Ausschreibung ver-
längert werde. Auch eine teilweise Auskunftserteilung komme nicht in Be-
tracht, da aufgrund der Rückmeldung des ausschreibenden Staates die
gesamte Stellungnahme geschwärzt werden müsste.
5.3
5.3.1 Massgebend für das SIS betreffende Auskunftsersuchen waren ur-
sprünglich das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft, der Europäischen Union und der Europäischen Gemeinschaft über
die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, Anwendung und Ent-
wicklung des Schengen-Besitzstands vom 26. Oktober 2004 (SAA,
SR 0.362.31) sowie das Übereinkommen zur Durchführung des Überein-
kommens von Schengen vom 14. Juni 1985 zwischen den Regierungen
der Staaten der Benelux-Wirtschaftsunion, der Bundesrepublik Deutsch-
land und der Französischen Republik betreffend den schrittweisen Abbau
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Seite 11
der Kontrollen an den gemeinsamen Grenzen vom 19. Juni 1990 (Schen-
gener Durchführungsübereinkommen, SDÜ, ABl. L 239/19 vom 22. Sep-
tember 2000). Die datenschutzrechtlichen Bestimmungen in Art. 102 bis
118 SDÜ wurden jedoch am 9. April 2013 durch die Verordnung (EG)
1987/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezem-
ber 2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des Schenge-
ner Informationssystems der zweiten Generation (SIS II) (ABl. L 381/4 vom
18. Dezember 2006; nachfolgend: Verordnung [EG] 1987/2006) und den
Beschluss 2007/533/JI abgelöst, wobei beide Erlasse zu den sog. Weiter-
entwicklungen des Schengen-Besitzstands zählen (vgl. Art. 52 Abs. 1 der
Verordnung (EG) 1987/2006 und Art. 68 Abs. 1 des Beschlusses
2007/533/JI). In der Verordnung (EG) 1987/2006 finden sich Regelungen
zum SIS II, soweit Angelegenheiten im Anwendungsbereich des Vertrags
zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft betroffen sind, d.h. nament-
lich für Ausschreibungen von Drittstaatsangehörigen zur Einreise- und Auf-
enthaltsverweigerung (vgl. Kapitel IV der Verordnung [EG] 1987/2006). Der
Beschluss enthält demgegenüber Bestimmungen zum SIS II, soweit es
sich um Angelegenheiten im Anwendungsbereich des Vertrags über die
Europäische Union handelt. Dies betrifft Personenausschreibungen zum
Zwecke der Übergabe- oder Auslieferungshaft (Kapitel V), Ausschreibun-
gen von Vermissten (Kapitel VI), Ausschreibungen von Personen, die im
Hinblick auf ihre Teilnahme an einem Gerichtsverfahren gesucht werden
(Kapitel VII), Ausschreibungen von Personen und Sachen zum Zwecke der
verdeckten oder gezielten Kontrolle (Kapitel VIII) sowie Sachfahndungs-
ausschreibungen zur Sicherstellung oder Beweissicherung in Strafverfah-
ren (Kapitel IX). Der Beschluss 2007/533/JI und die Verordnung (EG)
1987/2006 regeln jeweils in Art. 20, welche Daten ins SIS II eingegeben
werden können. Je nach Art der Ausschreibung sind Zusatzinformationen
vorgesehen, die nicht im SIS II gespeichert sind, aber mit einer Ausschrei-
bung zusammenhängen und die die Mitgliedstaaten austauschen. Da
keine weiteren Auskünfte vorgesehen sind, sind die Beweismittel be-
schränkt und hat ein Entscheid über die allfällige Auskunftserteilung auf der
Grundlage der verfügbaren Daten zu erfolgen. (vgl. zum Ganzen Urteil des
BVGer A-1736/2016 vom 21. Juni 2016 E. 3.2 und 3.3).
5.3.2 Sowohl der Beschluss 2007/533/JI als auch die Verordnung (EG)
1987/2006 sind für die Schweiz verbindlich (vgl. Art. 1 Abs. 1 Bst. c und d
des Bundesbeschlusses vom 13. Juni 2008 über die Genehmigung der No-
tenaustausche zwischen der Schweiz und der Europäischen Union betref-
fend die Übernahme der Rechtsgrundlagen zur Anpassung des Schenge-
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Seite 12
ner Informationssystems [SIS] [Weiterentwicklung des Schengen-Besitz-
stands], AS 2008 5111) und regeln den Datenschutz bzw. das Auskunfts-
recht in identischer Weise, nämlich in Art. 41 der Verordnung (EG)
1987/2006 und in Art. 58 des Beschlusses 2007/533/JI. Der jeweilige Ab-
satz 1 der erwähnten Artikel bestimmt, dass sich das Auskunftsrecht nach
dem Recht desjenigen Mitgliedstaats richtet, in dessen Hoheitsgebiet die-
ses geltend gemacht wird. Für die Modalitäten der Auskunftserteilung oder
–verweigerung gilt demzufolge das nationale Datenschutzrecht. Ein Mit-
gliedstaat, der die Ausschreibung nicht vorgenommen hat, darf jedoch nur
Auskunft zu diesen Daten erteilten, wenn er vorher dem ausschreibenden
Mitgliedstaat Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben hat (Abs. 3). Die
Auskunftserteilung an die betroffene Person hat gemäss Absatz 4 zu un-
terbleiben, wenn dies zur Durchführung einer rechtmässigen Aufgabe im
Zusammenhang mit einer Ausschreibung oder zum Schutz der Rechte und
Freiheiten Dritter unerlässlich ist. Sowohl der Beschluss 2007/533/JI als
auch die Verordnung (EG) 1987/2006 schränken demnach mit dem Ab-
satz 4 der erwähnten Artikel das grundsätzliche Auskunftsrecht ein (vgl. Ur-
teil des BVGer A-1736/2016 vom 21. Juni 2016 E. 3.3).
5.3.3 Gemäss Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetztes über die polizeilichen In-
formationssysteme des Bundes vom 13. Juni 2008 (BPI, SR 361) richtet
sich das Auskunftsrecht bezüglich polizeilicher Informationssysteme des
Bundes nach Art. 8 und 9 DSG. Dies gilt auch für den nationalen Teil des
Schengener Informationssystems (Art. 2 Bst. c BPI). Zuständig für den
Entscheid über die Auskunftserteilung ist die Vorinstanz, bei Ausschreibun-
gen anderer Schengen-Staaten ist diesem zunächst Gelegenheit zur Stel-
lungnahme einzuräumen (Art. 50 Abs. 2 der Verordnung über den nationa-
len Teil des Schengener Informationssystems [N-SIS] und das SIRENE-
Büro vom 8. März 2013 [N-SIS-Verordnung, SR 362.0]). Art. 8 DSG räumt
jeder Person das Recht ein, vom Inhaber einer Datensammlung Auskunft
darüber zu verlangen, ob Daten über sie bearbeitet werden und regelt die
diesbezüglichen Modalitäten. Die Vorinstanz beruft sich jedoch u.a. auf
Art. 9 Abs. 2 Bst. b DSG, wonach ein Bundesorgan die Auskunft verwei-
gern, einschränken oder aufschieben kann, soweit diese den Zweck einer
Strafuntersuchung oder eines andern Untersuchungsverfahrens in Frage
stellt. Nach Rechtsprechung und Lehre muss sich die betreffende Untersu-
chung weder auf die um Auskunft ersuchende Person beziehen noch muss
sie in der Schweiz stattfinden. Hingegen muss es sich um eine Untersu-
chung handeln, ein allgemeines, hängiges Verfahren genügt nicht (Urteil
des BVGer A-7508/2009 vom 23. August 2010 E. 2.2.1 m.H.; GRA-
MIGNA/MAURER-LAMBROU, in: Maurer-Lambrou/Blechta [Hrsg.], Basler
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Kommentar Datenschutzgesetz Öffentlichkeitsgesetz, 3. Aufl. 2014, Rz. 27
zu Art. 9 DSG). Art. 9 Abs. 2 Bst. b DSG regelt sodann einen Sonderfall der
Geheimhaltung aus überwiegendem öffentlichen Interesse und kann eine
gewisse Beschränkung des Auskunftsrechts rechtfertigen. Allerdings muss
eine solche Einschränkung – angesichts der grossen Bedeutung des Aus-
kunftsrechts für den Datenschutz – auf das zeitlich und sachlich unbedingt
Notwendige begrenzt werden (BGE 125 II 473 E. 4.c). Die Einschränkung
des Auskunftsrechts kommt in Betracht, wenn befürchtet werden muss
oder klar ist, dass der Ablauf der Untersuchung durch die Erteilung der
Auskunft erheblich gestört oder die sachgerechte Erfüllung der Aufgaben
der Verwaltung in Frage gestellt würden (Urteil des BVGer A-7508/2009
vom 23. August 2010 E. 2.2.1; GRAMIGNA/MAURER-LAMBROU, a.a.O.,
Rz. 28 zu Art. 9 DSG). Zu beachten ist ferner, dass der Inhaber einer Da-
tensammlung die Auskunft gemäss Art. 9 Abs. 1 Bst. a DSG verweigern,
einschränken oder aufschieben kann, soweit ein Gesetz im formellen Sinn
dies vorsieht, wobei Art. 3 Bst. j Ziff. 2 DSG ausdrücklich auch für die
Schweiz verbindliche Beschlüsse internationaler Organisationen und von
der Bundesversammlung genehmigte völkerrechtliche Verträge mit recht-
setzendem Inhalt dazu zählt. Demzufolge kann eine Auskunft auch wegen
Geheimhaltungspflichten, die sich aus dem Schengen-Besitzstand erge-
ben, verweigert werden, wozu auch Art. 58 Abs. 4 des Beschlusses
2007/533/JI zählt. Nach Art. 58 Abs. 4 des Beschlusses 2007/533/JI unter-
bleibt die Auskunftserteilung an den Betroffenen, wenn dies zur Durchfüh-
rung einer rechtmässigen Aufgabe im Zusammenhang mit einer Ausschrei-
bung oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten Dritter unerlässlich ist.
Art. 9 DSG statuiert ein Anwendungsgebot. Sind die Voraussetzungen ge-
geben und auch das Prinzip der Verhältnismässigkeit gewahrt, muss die
Auskunft verweigert werden (Urteil des BVGer A-7508/2009 vom 23. Au-
gust 2010 E. 2.2.1; GRAMIGNA/MAURER-LAMBROU, a.a.O., Rz. 4 zu Art. 9
DSG; vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer A-1736/2016 vom 21. Juni 2016
E. 3.3).
5.4 Die Rügen des Beschwerdeführers sind nach dem Gesagten zu prüfen,
soweit schützenswerte Geheimhaltungsinteressen dies zulassen (Urteile
des BVGer A-1736/2016 vom 21. Juni 2016 E. 3.4 und A-7508/2009 vom
23. August 2010 E. 3).
5.4.1 Die Vorinstanz macht Verweigerungsgründe gemäss Art. 9 Abs. 2
DSG und Art. 58 Ziff. 4 des Beschlusses 2007/533/JI geltend. Diese kön-
nen sich etwa aus der Ausschreibung oder einer Stellungnahme eines aus-
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Seite 14
schreibenden Staats ergeben, der sich gegen die Auskunftserteilung aus-
gesprochen hat. Wie der Beschwerdeführer zu Recht geltend macht, ist
einer ablehnenden Stellungnahme des ausschreibenden Staates jedoch
nicht einfach stattzugeben, sondern zu prüfen, ob ein Verweigerungsgrund
gegeben ist (vgl. Urteil des BVGer A-1736/2016 vom 21. Juni 2016
E. 3.4.1). Auch wenn die Ausführungen der Vorinstanz hierzu etwas miss-
verständlich erscheinen können, so wird dies schlussendlich auch von ihr
anerkannt. So führt sie explizit aus, bei der Ablehnung der Auskunftsertei-
lung durch die ausschreibende Behörde prüfe sie die Einhaltung der
Voraussetzungen nach Art. 9 DSG. Es liegen alsdann keine Hinweise vor,
dass sie diese Prüfung im vorliegenden Fall unterlassen hätte. Die
Vorinstanz beruft sich denn auch auf Art. 9 Abs. 2 Bst. b DSG und macht
geltend, die Auskunftsverweigerung sei erforderlich, um den Zweck einer
Strafuntersuchung oder eines anderen Untersuchungsverfahrens nicht in
Frage zu stellen. In ihrer Vernehmlassung stützt sie sich zusätzlich auf
Art. 9 Abs. 2 Bst. a DSG und erachtet die Auskunftsverweigerung auch auf-
grund eines überwiegenden öffentlichen Interesses an der Wahrung der
äusseren Sicherheit der Schweiz bzw. an der Einhaltung völkerrechtlicher
Verpflichtungen der Schweiz, wobei sie dabei auf Art. 58 Ziff. 4 des Be-
schlusses 2007/533/JI verweist, als gerechtfertigt. Bei ihrer Prüfung hat sie
auf die mit dem SIS II erhältlichen Informationen abgestellt. Dabei hat sie
von der Rechtsmässigkeit dieser Informationen auszugehen. Einzig der
ausschreibende Staat ist für die Rechtmässigkeit der Eingabe ins SIS II
verantwortlich und nur dieser ist berechtigt, die von ihm eingetragenen Da-
ten zu ändern, ergänzen, berichtigen, aktualisieren oder löschen (Art. 34
Abs. 1 und 2 der Verordnung (EG) 1987/2006 sowie Art. 49 Abs. 1 und 2
des Beschlusses 2007/533/JI). Gestützt auf die der Vorinstanz zur Verfü-
gung stehenden Informationen, welche aus Gründen der Geheimhaltung
nicht offengelegt werden können, ist nicht zu beanstanden, dass sie das
Vorliegen von Verweigerungsgründen nach Art. 9 DSG bejahte. Insbeson-
dere in einem frühen Stadium einer Untersuchung ist die Geheimhaltung
wichtig und wären Auskünfte darüber, insbesondere wer eine solche führt
und aus welchem Grund, geeignet, ihren Zweck zu vereiteln (vgl. Urteil des
BVGer A-1736/2016 vom 21. Juni 2016 E. 3.4.1). Dass dem Beschwerde-
führer nach seinen Vorbringen aufgrund der erfolgten Kontrollen und der
verweigerten Auskunft bereits klar ist, dass Daten von ihm bearbeitet wer-
den, ändert daran nichts und erlaubt es der Vorinstanz nicht, weitere Infor-
mationen zur Ausschreibung preiszugeben, ohne den Zweck der Untersu-
chung in Frage zu stellen. Die Verweigerung der Auskunft ist deshalb auch
die einzige Möglichkeit, den staatsvertraglichen Pflichten der Schweiz (vgl.
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Seite 15
Art. 58 Abs. 4 des Beschlusses 2007/533/JI und Art. 41 Abs. 4 Verordnung
[EG] 1987/2006) nachzukommen.
5.4.2 Die Rüge der ungenügenden Sachverhaltsermittlung erweist sich so-
dann als unbegründet. Wie erwähnt ist einzig der ausschreibende Staat für
die Rechtmässigkeit der Eingaben ins SIS II verantwortlich. Die Vorinstanz
hat ihre Entscheidung grundsätzlich gestützt auf die mit dem SIS II erhält-
lichen Informationen zu erlassen, ohne diese auf Rechtmässigkeit zu über-
prüfen. Hätte die Vorinstanz Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit oder eine
unrechtmässige Speicherung der Daten, müsste sie den ausschreibenden
Mitgliedstaat im Wege des Austausches von Zusatzinformationen davon in
Kenntnis setzen und bei Uneinigkeit könnte die Angelegenheit schliesslich
dem Europäischen Datenschutzbeauftragten unterbreitet werden, der ge-
meinsam mit den betroffenen nationalen Kontrollinstanzen vermittelt
(Art. 49 Abs. 3 und 4 des Beschlusses 2007/533/JI und Art. 34 Abs. 3 und
4 Verordnung [EG] 1987/2006). Auch wenn die Vorinstanz von der Unzu-
lässigkeit der Ausschreibung ausgehen würde, könnte sie die Auskunft
nicht einfach erteilen, sondern müsste entsprechend dem vorgehend Aus-
geführten vorgehen. Abgesehen davon, dass die vom Beschwerdeführer
eingereichten Zeitungsartikel nicht geeignet sind, die von ihm behauptete
notorische Korruption und Willkür der Strafverfolgungsbehörden des Staa-
tes (...) zu belegen, weisen sie auch keinen direkten Bezug zu den vorlie-
gend relevanten Informationen im SIS II auf. Wie die Vorinstanz zu Recht
geltend macht, steht es ihr nicht zu, korruptionsrelevante Vorgänge in den
Strafverfolgungsbehörden anderer souveräner Staaten zu untersuchen.
Würde man der Argumentation des Beschwerdeführers folgen, könnten
Eintragungen des betroffenen Staates im SIS II grundsätzlich nicht mehr
als rechtmässig angesehen werden und müsste diesbezüglich stets Aus-
kunft erteilt werden. Damit würde die Schweiz aber ihre auf Staatsvertrag
beruhenden Pflichten verletzen.
5.5 Gemäss Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV,
SR 101) hat staatliches Handeln verhältnismässig zu sein. Eine Verwal-
tungsmassnahme hat zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse lie-
genden Ziels geeignet und notwendig zu sein, wobei Letzteres gegeben
ist, wenn sich das Ziel mit keiner für den Betroffenen milderen Massnahme
erreichen lässt. Zudem muss der angestrebte Zweck in einem vernünftigen
Verhältnis zu den Belastungen stehen, die dem Privaten auferlegt werden,
wobei hierzu eine Abwägung der sich gegenüberstehenden Interessen er-
folgt (statt vieler: BGE 141 I 20 E. 6.2.1 mit Hinweisen; HÄFELIN/MÜLLER/
UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 514 ff.).
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Die Verweigerung der Auskunft ist geeignet, die Geheimhaltungsverpflich-
tungen der Schweiz zu erfüllen und die Vereitelung eines Untersuchungs-
verfahrens bzw. einer Strafuntersuchung zu verhindern. Sie ist hierfür auch
notwendig, d.h. das Ziel lässt sich nicht mit milderen Massnahmen errei-
chen. Da die Vorinstanz die Untersuchung nicht selbst führt und darauf
auch keinen Einfluss hat, ist sie nicht in der Lage, die Auskunft bis zu einem
bestimmten oder bestimmbaren Zeitpunkt aufzuschieben. Ein Aufschub als
mildere Massnahme kommt daher nicht in Betracht. Schliesslich ist die
Auskunftsverweigerung unter Berücksichtigung der sich gegenüberstehen-
den Interessen zumutbar. Soweit im konkreten Fall Gründe nach Art. 9
DSG gegeben sind, besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse an der
Geheimhaltung von Untersuchungen über möglicherweise strafrechtlich
relevante Sachverhalte und an der Verlässlichkeit der Schweiz als assozi-
iertes Schengen-Land, das die privaten Interessen des Beschwerdeführers
an frühzeitigen Auskünften zur Untersuchung überwiegt (vgl. Urteil des
BVGer A-1736/2016 vom 21. Juni 2016 E. 3.5).
5.6 Zusätzlich hat das Bundesverwaltungsgericht die im geheimen, nur für
das Gericht bestimmten Amtsbericht enthaltenen Informationen geprüft. Es
kommt zum Schluss, dass die Ausführungen im Amtsbericht nachvollzieh-
bar und schlüssig sind und wenigstens zurzeit kein Handlungsbedarf be-
steht. Die Verweigerung der Auskunft erweist sich daher als rechtmässig.
Die Vorinstanz ist allerdings darauf hinzuweisen, dass sie gehalten wäre,
eine genauere Abklärung bei den ausschreibenden Behörden zu verlan-
gen, sollte sie in der Folge Hinweise bekommen, dass die Einträge nicht
mehr erforderlich sein könnten, (vgl. Art. 49 Ziff. 3 des Beschlusses des
Rates 2007/533/JI und Art. 34 Ziff. 3 der Verordnung (EG) Nr. 1987/2006).
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass jede Person gemäss Art. 27
Abs. 2 DSG das Recht hat, vom Eidgenössischen Datenschutz- und Öf-
fentlichkeitsbeauftragten (EDÖDB) zu verlangen, dass er bei einer be-
stimmten Behörde datenschutzrechtlich relevante Sachverhalte bzw. die
Einhaltung der in Frage stehenden datenschutzrechtlichen Vorgaben durch
die Behörde abklärt. Die Beschwerde erweist sich somit in Bezug auf das
SIS betreffende Auskunftsersuchen als unbegründet und ist abzuweisen.
6.
In seinem Rechtsbegehren Ziff. 1.b. beantragt der Beschwerdeführer, es
sei seine Anfrage um Auskunftserteilung an Europol weiterzuleiten und die
Weiterleitung zu bestätigen. Die Vorinstanz sei gestützt auf Art. 7 Ziff. 5 des
Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem
Europäischen Polizeiamt vom 24. September 2004 (SR 0.362.2) i.V.m.
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Art. 36 der Verordnung (EU) 2016/794 des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 11. Mai 2016 über die Agentur der Europäischen Union für
die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Strafverfolgung (Europol) und zur
Ersetzung der Beschlüsse 2009/371/JI, 2009/934/JI, 2009/936/JI und
2009/968/JI des Rates (Abl. L 135/53 vom 24. Mai 2016) verpflichtet, das
Auskunftsersuchen innerhalb eines Monats an Europol weiterzuleiten, wo-
raufhin Europol den Eingang des Gesuches bestätige.
Wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung selbst ausführt, hat sie die
Weiterleitung des Gesuches zu lange unterlassen. Sie hat das Aus-
kunftsersuchen jedoch am 12. Februar 2019 und damit während des vor-
liegenden Beschwerdeverfahrens an Europol weitergeleitet, welches da-
raufhin den Eingang des Gesuches bestätigte. Damit ist die Vorinstanz
dem Rechtsbegehren Ziff. 1.b. bereits von sich aus nachgekommen, wes-
halb die Beschwerde in diesem Punkt als gegenstandslos geworden abzu-
schreiben ist.
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerde abzuweisen ist,
soweit darauf einzutreten und sie nicht als gegenstandslos geworden ab-
zuschreiben ist. Sodann ist das Akteneinsichtsgesuch des Beschwerdefüh-
rers in Bezug auf den vertraulichen Amtsbericht und die dazugehörenden
Beilagen abzuweisen.
8.
Es bleibt über die Kosten- und Entschädigungsfolgen zu befinden.
8.1 Die Verfahrenskosten sind in der Regel der unterliegenden Partei auf-
zuerlegen, bei nur teilweisem Unterliegen werden die Verfahrenskosten er-
mässigt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Keine Verfahrenskosten werden Vorinstan-
zen auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
Der Beschwerdeführer gilt hinsichtlich seines Rechtsbegehrens Ziff. 1.a.
als unterliegend, zumal seine Beschwerde in Bezug auf das Auskunftsge-
such betreffend SIS abzuweisen und im Übrigen nicht darauf einzutreten
ist. Das Rechtsbegehren Ziff. 1.b. ist als gegenstandslos geworden abzu-
schreiben, wobei die Vorinstanz die Gegenstandslosigkeit zu vertreten hat.
Entsprechend ist der Beschwerdeführer diesbezüglich als obsiegend an-
zusehen. Insgesamt erscheint es angemessen, den Beschwerdeführer als
zu einem Fünftel obsiegend zu betrachten. Entsprechend hat er die auf
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Fr. 1'000.– festzusetzenden Verfahrenskosten (vgl. Art. 1 ff. des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) im Umfang von
Fr. 800.– zu tragen. Dieser Betrag ist dem geleisteten Kostenvorschuss
von Fr. 2'000.– zu entnehmen. Der Restbetrag von Fr. 1'200.– ist dem Be-
schwerdeführer nach Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstat-
ten. Die Vorinstanz als Bundesbehörde hat keine Verfahrenskosten zu tra-
gen.
8.2 Der obsiegenden Partei ist von Amtes wegen oder auf Begehren eine
Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen
(vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 VGKE). Obsiegt die Partei nur
teilweise, ist die Parteientschädigung entsprechend zu kürzen (vgl. Art. 7
Abs. 2 VGKE). Bundesbehörden haben keinen Anspruch auf eine Partei-
entschädigung (vgl. Art. 7 Abs. 3 VGKE). Die Entschädigung umfasst die
Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere Auslagen der Partei (Art. 8 ff.
VGKE). Die Parteien, die Anspruch auf Parteientschädigung erheben, ha-
ben dem Gericht vor dem Entscheid eine detaillierte Kostennote einzu-
reichen (Art. 14 Abs. 1 VGKE). Das Bundesverwaltungsgericht legt die Par-
teientschädigung aufgrund der eingereichten Kostennote oder, wenn keine
Kostennote eingereicht wird, aufgrund der Akten fest (Art. 14 Abs. 2
VGKE). Das Anwaltshonorar wird nach dem notwendigen Zeitaufwand des
Vertreters oder der Vertreterin bemessen, wobei der Stundenansatz für An-
wälte und Anwältinnen mindestens 200 und höchstens 400 Franken be-
trägt (Art. 10 Abs. 1 und 2 VGKE).
Die Vertreter des Beschwerdeführers haben mit der Beschwerde eine Kos-
tennote eingereicht. Darin machen sie bei einem Zeitaufwand von 12:55
Stunden eine Entschädigung von Fr. 5'147.95 (Honorar von Fr. 4'640.70.–
zuzüglich Auslagen von 139.20 sowie Mehrwertsteuer) geltend, wobei sie
für 10:25 Stunden einen Stundenansatz von Fr. 337.50 und für 2:30 Stun-
den einen solchen von Fr. 450.– angewandt haben. Da der zulässige Stun-
denansatz nach Art. 10 Abs. 2 VGKE höchstens Fr. 400.– beträgt, ist die
Kostennote entsprechend auf Fr. 5'022.95 zu kürzen. In der Kostennote
nicht berücksichtigt ist der nach Beschwerdeeinreichung angefallene Auf-
wand. Die Vertreter des Beschwerdeführers haben mit ihren Schlussbe-
merkungen keine aktualisierte Kostennote eingereicht. Die Parteientschä-
digung ist deshalb anhand der Akten und der mit der Beschwerde einge-
reichten Kostennote festzulegen. Unter Berücksichtigung der Kostennote,
des mutmasslichen Zeitaufwandes nach Beschwerdeeinreichung und des
geltend gemachten Stundenansatzes von durchschnittlich rund Fr. 350.–
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erscheint eine (volle) Parteientschädigung von Fr. 7'500.– als angemes-
sen. Da der Beschwerdeführer zu einem Fünftel obsiegt, ist ihm eine redu-
zierte Parteientschädigung von Fr. 1'500.– zuzusprechen. Die Vorinstanz
als Bundesbehörde hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.