Decision ID: 471b8fb8-f5c0-4c9a-92c4-267fad612f30
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom 7. Dezember 2000 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
X._
(geboren 1956)
mit Wirkung ab 1. Januar 1995
eine ganze Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von 67
%
zu (
Urk.
8/78).
Nach Inkrafttreten
der 4. IV-Revision per 1. Januar 2004, mit der eine neue Rentenabstufung eingeführt wurde, leitete die IV-Stelle eine Rentenrevision
ein
und verfügte am 3. Mai 2004 bei
einem gleichgebliebenen Invaliditätsgrad von 67
%
die Herabsetzung der bisherigen ganzen Rente auf eine
Dreiviertels
rente
(
Urk.
8/85-86). Jedoch unterliess sie es, die zuständige Ausgleichskasse darüber zu informieren (vgl.
Urk.
8/108).
X._
wurde deshalb in der Folge weiterhin eine ganze
Rente ausbezahlt (
Urk.
8/106).
Im Rahmen
von
weiteren Rentenrevisionen
stellte die IV-Stelle mit Mitteilungen vom 2
2.
Oktober 2007 sowie vom 3. Januar 2013 fest, dass weiterhin
„
Anspruch auf die bisherige Invalidenrente (Invaliditätsgrad: 67
%
)“ bestehe (
Urk.
8/93, 8/105).
Mit Mitteilung vom 11. August 2014 eröffnete die IV-Stelle
X._
, dass die Invalidenrente herabgesetzt würde. Ab 2004 ergebe ein Invaliditätsgrad von 67
%
[Anspruch auf] eine
Dreiviertelsrente
. Versehentlich sei im Mai 2004 keine Herabsetzung der Rente erfolgt. Es bestehe deshalb bei einem Invaliditätsgrad von 67
%
künftig Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
(
Urk.
8/107). Mit Verfü
gung vom 18. August 2014
setzte die IV-Stelle unter Verweis auf die 4. IV-Re
vision sowie ihr Schreiben vom 11. August 2014 die ganze Rente auf eine
Drei
viertelsrente
mit Wirkung per 1. Oktober 2014 herab (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
am 2
2.
September 2014 Beschwerde erheben und bean
trag
en, es sei die Sache zur weiteren
Abklärung, insbesondere des
Invali
ditätsgrades
, und zur anschliessenden Neuverfügung über den Rentenanspruch an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1). Die IV-Stelle schloss in der
Beschwer
deantwort
vom 28. Oktober 2014 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
in der bis Ende 20
03 geltenden Fassung hatten Versi
cherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 66 2/3
%
, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50
%
oder auf eine
Viertel
s
rente
, wenn sie mindestens zu 40
%
invalid waren. In Härtefällen
bestand
gemäss Art. 28
Abs.
1
bis
IVG bereits bei
einem Invaliditätsgr
ad von mindestens 40 Prozent An
spruch auf eine halbe Rente.
Nach der im Ra
hmen der 4. IV-Revision ab 1. Janu
ar 2004 in Kraft getretenen Fassung von Art. 28
Abs.
1 IVG führt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 40
%
bzw.
50
%
nach wie vor zu einem Anspruch auf eine Viertels- beziehungsweise eine
halbe R
ente, jedoch nicht mehr zu einer Härtefa
llrente. Bei einem
Invalidi
tätsgrad
von min
destens 60
%
besteht nunmehr Anspruch au
f eine
Dreivier
tel
s
rente
. Ein An
spruch auf eine ganze Rente entsteht erst bei
einem
Invalidi
tätsgrad
von min
destens 70
%
.
2.
2.1
Mit
Mitteilung
vom 3. Mai 2004 setzte die IV-Stelle die bisherige ganze Rente auf eine
Dreiviertelsrente
herab (
Urk.
8/85-86). Der Beschwerdeführer bestreitet, diese
Mitteilung
je erhalten zu haben (
Urk.
1 S. 3).
Da sich
das Gegenteil nicht nachweisen
lässt
-
insbesondere finden sich in den Akten keine entsprechenden Hinweise
, namentlich keine Verfügung -
,
ist von einer fehlenden Zustellung auszugehen. Mithin
entfaltete
der
Entscheid
vom 3. Mai 2004 keine
Rechtswir
kungen
.
Selbst wenn eine rechtswirksame Zustellung ausgewiesen wäre, änderte dies nichts an der Rechtslage.
Nachdem die IV-Stelle jahrelang eine ganze Rente ausgerichtet hat und
in ihren Mitteilungen vom 2
2.
Oktober 2007 und 3. Januar 2013
jeweils
festhielt,
Änderungen seien keine festgestellt worden,
es bestehe weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente, hat sie eine Vertrauens
grundlage geschaffen, die zur Annahme einer faktischen Verfügung führt. Das
fehlerhafte Vorgehen der IV-Stelle war für
den Beschwerdeführer als Laien nicht erkennbar und kann ihm deshalb auch nicht entgegengehalten werden.
2.2
Die Ausrichtung einer ganzen Rente bei einem Invaliditätsgrad von 67
%
war zweifellos unrichtig. Die Annahme einer faktischen Verfügung hat zur Folge, dass die IV-Stelle
nur unter den Voraussetzungen der Wiedererwägung oder prozessualen Revision auf die ganze Rente zurückkommen kann (BGE 129
V 110 E. 1.2.1
; in BGE 133 V 346 nicht
publ
. E. 3.2 des Urteils H 97/06 vom
15. Mai 2007).
Sie kann also
nicht voraussetzung
slos die Rente herabsetzen, son
dern hat den Umfang des Anspruchs
ex
nunc
et
pro
futuro
zu prüfen. Wie bei einer materiellen Revision nach Art. 17
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) hat sie auf der Grund
lage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts den
Invaliditäts
grad
im Zeitpunkt der Verfügung zu ermitteln,
woraus sich die
Anspruchsbe
rechtigung
und allenfalls der Umfang des Anspr
uchs ergeben (
Bundesgerichts
urteil
9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2.1).
Eine Anspruchsprüfung ex
nunc
et pro
futuro
sehen
(bzw. sahen, solange sie zur Anwendung gelangten)
übrigens auch die Schlussbestimmungen der 4. IV-Revision (
lit
. f)
vor
, auf die sich die
IV-Stelle offensichtlich beruft
.
Wäre dem nicht so, bliebe eine allenfalls zwischenzeitlich eingetretene Verschlechterung ausser Betracht, was stossend wäre.
Eine solche ist im Falle des Beschwerdeführers in Anbetracht desse
n, dass er sich inzwischen
Knieprothesen einsetzen lassen musste
(
Urk.
8/103,
8/117-118
),
zumindest
nicht auszuschliessen
.
2.3
In Aufhebung der Verfügung vom 18. August 2014, womit der Anspruch auf eine ganze Rente
-
mangels Entzugs der aufschiebenden Wirkung sowie
wegen gänzlich fehlenden Abklärungen, unterlassenem
Vorbescheidverfahren
und fehlenden Eingliederungsbemühungen bei einem über 55 Jahre alten Beschwerdeführer
(Urteile des Bundesgerichts 8C_983/2012 vom
8. Mai 2013 E. 4 und 9C_228/2010 vom 26. April 2011 E. 3.3) -
wieder auflebt, ist die Sache
an die IV-Stelle zu weiteren Abklärungen
und Erlass einer neuen Verfügung
über den Rentenanspruch
(nach
allfälliger Prüfung des Eingliederungsbedarfs [Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2010 vom 26. April 2011 E. 3.1.2] und nach
Durchführung eines
Vorbescheidverfahrens
)
zurückzuweisen.
3.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
800.-- festzulegen und ausgangsg
emäss von der Beschwerdegegnerin
zu tragen (
Art. 69
Abs.
1
bis
IVG).
Für die Rechtsvertretung ist dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von
Fr.
1‘
5
00.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) zuzusprechen.