Decision ID: e84e333f-d680-460c-96ef-c2dd83e11897
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, verfügt über keine Berufsausbildung
(
Urk. 7
/3/4)
und ist Mutter von drei Kindern
(geboren 1993, 1994 und 1998; Urk. 7/3/2). Im Jahr 2002 floh sie aus der Türkei in die Schweiz, wobei sie nach eigenen Angaben Traumatisches e
rlebte (etwa Urk. 7/166/11-13).
Im Oktober 2002 wurde
sie
erst
mals wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) psychiatrisch be
handelt (Urk. 7/35/2)
, im Jahr 2005 begann sie
in geringfügigem Umfang Hilfs
tätigkeiten auszuüben (
Urk.
7/7, 7
/20-21,
7
/132
, 7/187/11 und 7/187/16
).
1.2
Im Oktober 2006 meldete sich die Versicherte
erstmals
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Rentenbezug an (Urk.
7
/3).
Die IV-Stelle des Kantons Appenzell Ausserrhoden
sprach ihr mit Ver
fügung vom
8.
Januar 2009
rück
wirkend ab Februar 2006
eine halbe Invaliden
rente
bei einem Invaliditätsgrad von 59 % zu (Urk.
7
/82-83).
Am 13. April 2010 bestätigte d
ie
zwischenzeitlich zu
ständige
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
die halbe
Rente
(Urk.
7
/110). Indessen verneinte sie
am 29. September 2010
einen
An
spruch
auf
die (zusätzlich beantragte,
Urk.
7/101 und 7/108)
Hilflosenentschä
di
gung (Urk.
7
/115).
Im
nach
folgenden Revisionsverfahren
gab
die IV-Stelle insbesondere ein
poly
disziplinäres Gutachten beim
Z._
in Auftrag, das am 15.
Juli
2
0
14 erstattet wurde (Urk.
7
/166)
.
Alsdann
hob
sie
die
bisherige halbe
Rente mit Verfügung vom 11. März 2015 per Ende April 2015 auf (Urk.
7
/
200
).
Die
von der Versicherten
dagegen erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil IV.2015.00440
vom 30
. Dezember 2016 ab (
Urk.
7/227).
Dieses erwuchs mit dem Nichteintretensentscheid des Bundesgericht
9C_221
/2017 vom 10.
April 2017
(
Urk.
7/231)
in Rechtskraft
.
1.3
Am 2
6.
September 2018 ging bei der IV-Stelle ein Bericht des
Zentrums A._
, datiert vom 1
7.
September 2018, ein (
Urk.
7/234). Mit ihrer Unterschrift bestätigte die Versicherte, dass dieser als Neuanmeldung zu be
handeln sei (
Urk.
7/236 f.).
Die IV-Stelle legte den
B
ericht dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur
Prüfung
vor (
Urk.
7/241/2)
und
kündigte der Ver
sicherten m
it Vorbescheid vom 1
2.
Oktober 2018
an,
mangels Glaubhaftmachung einer wesentlichen
Änderung der tatsächlichen Verhältnisse
nicht auf ihr neues Leistungsbegehren einzutreten (
Urk.
7/242). Dagegen erhob
die Versicherte
Ein
wand (
Urk.
7/244; Begründung
Urk.
7/249) unter Beilage eines
weiteren
Berichts des Zentrums A._
(
Urk.
7/248
).
Die IV-Stelle wies das gleichzeitig eingereichte Gesuch der Versicherten um Bestellung einer unent
geltlichen Rechtsvertretung ab
(
Urk.
7/256)
und
forderte aktuelle
Berichte bei
den behandelnden Ärzten
ein
(
Urk.
7/26
2 und 7/263/7 ff.
)
,
die
sie
wiederum
dem RAD zur Stellungnahme
vorlegte
(
Urk.
7/270
/4-5
)
.
Anschliessend
stellte sie
der Versi
cherte
n
mit neuem Vorbescheid vom
8.
Januar 2020 in Aussicht, einen
erneuten
Anspru
ch auf eine Invalidenrente bei unveränderter medizinischer Situation
zu
verneinen (
Urk.
7/265). Dagegen erhob
diese
abermals
Einwand (
Urk.
7/268) unter
Beilage neuer
Unterlagen
(
Urk.
7/267).
Nach Rücksprache mit dem RAD (
Urk.
7/
272/2) verfügte die IV-Stelle am 2
8.
Februar 2020 wie zuletzt angekündigt (
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung
vom 2
8.
Februar 2020
erhob die Versicherte
, vertreten durch Y._
(
Urk.
3), mit Eingabe vom
4.
Mai 2020 Beschwerde (
Urk.
1)
. Darin beantragte sie,
ihr eine ganze Rente zuzusprechen; unter Kosten- und Ent
schädigungsfolgen zulasten der IV-Stelle. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 1). I
n der Be
schwerdeantwort vom 24.
Juni 2020 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Die Beschwerdeantwort wurde der Versicherten mit Verfü
gung vom
3.
Juli 2020 zur Kenntnis gebracht. Gleichzeitig wurde ihr eine Frist von 30 Tagen angesetzt, um ihre prozessuale Bedürftigkeit zu begründen und
zu
belegen unter der Androhung, dass i
m Säumnisfall davon ausgegangen werde, dass keine prozessuale Bedürftigkeit bestehe (
Urk.
8; Zustellbeleg
Urk.
9). Diese Frist liess
die Versicherte
ungenutzt verstreichen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Eine Neuanmeldung nach Rentenaufhebung wird nur geprüft, wenn die gesuch
stellende Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (
Art.
87
Abs.
2 und 3
der
Verord
nung über die Invalidenversicherung
,
IVV
). Eine solche Änderung der tatsächli
chen Verhältnisse kann namentlich in einer Verschlechterung des Gesundheits
zustandes mit entsprechend verminderter Arbeitsfähigkeit oder in geänderten erwerblichen Auswirkungen einer im Wesentlichen gleich gebliebenen Beein
träch
tigung der Gesundheit liegen. Dagegen stellt eine bloss abweichende Beur
teilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts keine relevante Änderung dar (
Urteil des Bundesgerichts 8C_606/2019 vom 5. Dezember 2019 E.
3.2).
Gelingt
der versicherten Person
diese
r
Nachweis
nicht,
so wird
auf ihr
Gesuch nicht eingetreten.
1.2
Ist die anspruchserhebliche Änderung
hingegen
glaubhaft gemacht, ist die Ver
wal
tung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tat
sächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu p
rüfen
; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
des
Bundesgesetz
es
über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vorzugehen (vgl. daz
u BGE 130 V 71). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Ver
änderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu beja
hen, und hernach zu beschliessen
.
Anders als für die
Eintretensfrage
gilt für diese
materielle Beurteilung nicht der herabgesetzte Beweisgrad des Glaubhaft
machens
; die Verwaltung hat vielmehr danach zu fragen, ob sich die geltend gemachte Verschlechterung des Gesundheitszustandes unter Beachtung des Untersuchungs
grundsatzes mit dem üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellen lässt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_567/2020 vom
9.
Dezember 2020 E. 3.2 und 4.1).
1.3
Bei der Frage, ob eine anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht und auf die Neuanmeldung einzutreten ist, steht der Verwaltung ein gewisser Beurtei
lungsspielraum zu.
Daher hat das Gericht die Behandlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf Art. 87 Abs. 3 IVV
Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der
Eintretensfrage
, wenn die Verwaltung auf die Neuanmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E. 2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog, gemäss RAD habe sich der psychische Zustand
der Beschwerdeführerin
im Vergleich zum
letzten
Entscheid nicht wesentlich ver
ändert. Die
psychiatrischen
Arztberich
te
würden
diverse Widersprüche
enthalten
; die
Berich
te des Zentrums A._
bzw. die gestellten
Dia
gnosen und
die attestierte
Arbeitsunfähigkeit
seien aus medizin
is
cher Sicht
nicht nachvollziehbar. Die im
Bericht der Notfallpraxis B._
aufgeführten Diagnosen vermöchten keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu begründen (
Urk.
2
und 6
)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt indessen dafür,
d
er Bericht des Zentrums A._
vom 3
0.
Oktober 2018 belege
, dass sich ihr
Gesundheits
zustand
seit dem letzten Entscheid
sowohl aus rheumatologischer als auch aus psychologischer Sicht
verschlechtert
habe
, obschon sie
alle therapeutischen Mög
lichkeiten ausgeschöpft habe. Es sei bleibe unklar, weshalb dieser nicht nach
vollziehbar sein soll. Die Beschwerdegegnerin habe somit ihr rechtliches Gehör verletzt und ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Ihr aktueller Invaliditäts
gr
ad betrage sicher mehr als 30
%
. Zudem
sei
ihr
aufgrund des Belastungsprofils, ihres Alters, der fehlenden Berufsbildung,
der
laufenden Behandlung
und des
krankheitsbedingt
stets
geringfügigen
Teilzeitpe
n
sum
s ein leidensbedingter Ab
zug von mindestens 10
%
zu gewähren
, womit sie Anspruch auf eine Rente habe
(
Urk.
1
Ziff.
10
-1
5
)
.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin
rügt
e
vorab in formeller Hinsicht eine Verletzung der Begründungspflicht.
Diese ist w
esentlicher Bestandteil des verfassungsrechtlichen Gehörsanspruchs
(
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid
ge
nossenschaft,
BV)
und
soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt,
sowie
dem Betroffenen ermöglichen, die Verfügung gege
benenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen ge
nannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Einwand ausein
andersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (
vgl.
BGE 124 V 180
E 1a
).
3.2
Der Verfügung vom 2
8.
Februar 2020
kann entnommen werde, dass kein
Leis
tungsanspruch entstanden sei
, weil die medizi
nische Situation unverändert sei
. Dazu erläuterte
die Beschwerdegegnerin
, dass sowohl die psychiatrischen Dia
gnosen als auch die Arbeitsunfähigkeit in den neuen Berichten nicht nach
voll
ziehbar seien und
die Berichte
Widersprüche enthielten.
Ferner
wies sie darauf hin, dass die im B
ericht der Notfallpraxis B._
aufgeführten Diagnosen keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu begründen
vermöchten (vgl.
Urk.
2).
Damit hat
sie
zu den
Einwänden der Beschwerdeführerin
im
Vorbescheid
ver
fahren
(
Schreiben vom 4. Februar 2020
,
Urk.
7/268)
hinreichend Stellung genom
men
. Wie die Beschwerde zeigt, reichte die Begründungsdichte
zudem
für
e
ine sachgerechte Anfechtung der Verfügung
aus
.
Die Rüge wurde
– bei ähnlich begründetem Vorbescheid – auch
erst im Beschwerdeverfahren erhoben.
Im Übri
gen
hatte die
durch eine Juristin
vertretene Beschwerdeführerin das Akten
ein
sichtsgesuch
des Zentrums A._
, welches explizit in ihrem
Auftrag gestellt wurde
,
während laufender
Rechtsmittelfrist
mitunterzeichnet
(vgl
.
Urk.
7/274)
, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass sie bei der Beschwer
deerhebung
Kenntnis von der
RAD-Stellungnahme vom 1. Oktober 2019
hatte
respektive hätte haben können
.
Dementsprechend verlangte sie auch keine Akten
einsicht oder Möglichkeit sich zu äussern, nachdem in der Beschwerdeantwort explizit auf diese hingewiesen worden war (
Urk.
6).
4.
4.1
Das Neuanmeldeverfahren dient der Geltendmachung einer Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse nach einer Ablehnung, Herabsetzung oder Aufhebung der Rente. Entsprechend ist danach zu fragen, ob sich die tatsächlichen Ver
hältnisse in der Zeit seit der letzten Ablehnung der Rente
– vorliegend am
11. März 2015 –
bis zur Verfügung über das Neuanmeldegesuch
– vorliegend am 2
8.
Februar 2020 –
verändert haben (
vgl. obgenanntes Bundesgerichtsurteil 8C_567/2020 E. 4.2
).
Anders als
mit
Vorbescheid vom 1
2.
Oktober 2019
zuerst
in Aussicht gestellt (
Urk.
2/272), hat die Beschwerdegegnerin
im
V
orbescheid vom
8.
Januar 2020 (
Urk.
2/265) sowie
i
m
angefochtenen Entscheid
eine materielle Rentenprüfung vorgenommen.
4.2
Mit der
Neuanmeldung im September 2018
konnte ein
neuer
Rentenanspruch gemäss
Art.
29
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
alsdann
frühestens im
März 2019
entstehen, sofern in diesem Zeitpunkt die Wartezeit nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b
IVG
erfüllt war
(vgl. BGE 142 V 547
).
Für die einjährige Wartezeit wären allenfalls der
Invaliditätsgrad von 17
%
,
auf
d
en sich das S
ozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
bei der
Rentenaufhebung in sein
em Urteil IV.2015.00440 vom 30.
Dezember 2016 E
.
7.4
stützte
,
sowie
Art.
29
bis
IVV
bedeutsam.
5
.
5
.1
5.1.1
Zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin am 1
1.
März 2015 hielt das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich in seinem Urteil IV. 2015.00440
vom 3
0.
Dezember 2016 fest, es hätten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine somatischen Beschwerden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit be
standen
(erwähntes Urteil E. 4.4).
5.1.2
In
der rheumatologischen Untersuchung
der
Z._
AG seien
ausser einer diskreten Brustwirbelsäulen-Skoliose nach rechts und der diskreten, mittels Magnetreso
nanz nachgewiesenen Degenerationen ohne Kompression neuraler Strukturen bei normaler Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule und fehlenden neurologischen Ausfällen keine pathologischen Befunde
auszumachen gewesen
. Ein entzünd
li
ches rheumatisches Geschehen, insbesondere eine chronische Polyarthritis, eine Kollagenose oder eine
Polymyalgia
rheumatica seien ausgeschlossen worden. Die Schmerzen im Bereich der Arme, der Beine,
periartrikulär
und teilweise auch im Rücken seien nicht nachvollziehbar gewesen; sie hätten keinem a
natomischen Korrelat zugeordnet
werden
können
und somit im Rahmen eines
multilokulären
Schmerzsyndroms erklärt werden müssen
. Beim Gelenkstatus habe man bei durchwegs frei beweglichen schmerzlosen Ge
lenken keine Defizite gefunden.
Die Beschwerdeführerin sei damit aus internistischer und rheumatologische
r Sicht als Hilfsarbeiterin in einer
Reinigungsfirma
bzw. i
n jeglicher dem Habitus und dem Alter entsprechenden Verweistätigkeit ohne weitere Einschränkungen zu 100 % arbeitsfähig (erwähntes Urteil E. 4.2).
5.1.3
Die na
chgereichten Berichte hätten jene
Untersuchungsergebnisse weitgehend bestätigt
[...]
Beim Magnet Resonanz Imaging der Hände sei
en
neu – teilweise nur als Verdachtsbefunde – beidseits Usuren und kleinzystische Ganglien so
wie eine begleitende leichte Syno
vitis am Mittelknochen festgestellt worden. Die Verän
derungen seien somit nicht ausgeprägt und obschon
Dr.
C._
am
4.
April 2016 von langjährigen Handbeschwerden ber
ichtet habe, hätten solche vor dem letzten Vorbescheid keine Erwähnung in den Arztberichten gefunden. Die Labordia
gnostik habe gemäss ihrem Bericht zudem nur gerade einen grenzwertig positiven Wert der CCP-Antikörper ergeben. Ansonsten habe sie bloss Verdachtsdiagnosen aufgrund su
bjektiver Angaben, mitunter ein
wohl therapierbares Karpaltunnel
syndrom und eine
Epicondylitis
humeris
radialis
gestellt, nachdem die Beschwer
de
führerin seit gerade drei Tagen Schmerzen im rechten Ellbogen gehabt habe. Im Zusammenhang mit den Rückenbeschwerden habe
Dr.
C._
auf die Fehl
haltung bzw.
Haltungsinsuffizienz hingewiesen und neben der Physiotherapie ein schmerzdistanzierendes Antidepressivum empfohlen (erwähntes Urteil E. 4.3).
5
.2
Im
aktuellen
Bericht
vom
9.
August 2019
führte
Dr.
C._
aus
,
b
ei seropositiver rheumatoider Arthritis mit Usuren in der MRI-Untersuchung der Hände sei
am
1
1.
März 2016 mit der systematischen Steroidtherapie begonnen worden und die Medikation bei persistierenden Beschwerden und allergischer Reaktion mehrmals umgestellt worden. Seit der Therapie mit Enbrel bestünden keine Arthralgien mehr. Aktuell bestehe klinisch wie laborchem
isch keine Krankheitsaktivität.
Die Beschwerdeführerin leide auch an Nacken- und Rückenschmerzen mit Schmerz
zunahme durch Belastung sowie
Schmerzen
im linken Sprunggelenk ohne Schwellung. Mittels MRI habe eine entzündliche
Spondylarthropathie
ausge
schlossen werden können. Die Beschwerden seien bei ausgeprägten Myogelosen mit aktivierten Triggerpunkten im glutealen Bereich
beidseits
und
Insertion
sten
dinosen
am Beckenkamm beidseits zu beurteilen (
Urk.
7/263/8 f.).
Die seropositive rheumatoide Arthritis,
das chronische
zerviko
- und
lumbo
spon
dylogene
Schmerzsyndrom sowie
der
Status nach
Epicondylitis
humeri
radialis
rechts
seien
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
7/263/9 f.)
. Ein
schränkungen
bestünden
bei Arbeiten über Schulterebene und in Inklinations
stellung der Lendenwirbelsäule
(
Urk.
7/263/11)
.
Für entsprechend angepasste Tätigkeiten sei die Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht voll arbeits
fähig. Im Haushalt bestünden keine Einschränkungen (
Urk.
7/263/12). Es sei mit der Therapie mit Enbrel fortzufahren. Gegebenenfalls sei eine medizinische Trainingstherapie
(MTT)
zur Verbesserung der Stabilität der Haltungsmuskulatur durchzuführen (
Urk.
7/263/10).
Ihrer Beurteilung legte
Dr.
C._
insbesondere
Laborbefunde vom 1
2.
August 2019 (
Urk.
7/263
/14-16) sowie die Berichte zum MRI der Lendenwirbelsäule mit unterer Brustwirbelsäule und Iliosakralgelenk vom
2
2.
Dezember
2017 (
Urk.
7/2
63/17)
sowie
zum
MRI der Hände vom 1
2.
Juli 2017 (
Urk.
7/263/18)
bei.
5
.3
5.3.1
Der
einzige
unter Mitwirkung eines Chirurgen und eines Neurologen
verfasste
Bericht des Zentrums A._
datiert vom 3
0.
Oktober 201
8
.
Aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht
hielt
Dr.
med.
D._
u
nter dem Titel «
A
ktuelle Bes
chwerden/Verschlechterung» fest
, die Beschwerdeführerin leide seit Jahren an einem chronisch rezidivierenden zervikal und lumbal betonten
Paravertebralsyndrom
und werde von
Dr.
C._
wegen einer seroposit
i
ven rheu
matoiden Arth
ritis (Enbrel/Simponi) und eine
r
Epikondylitis
humeris
radial
i
s
(
Kortisoninjekti
onen
) behandelt (
Urk.
7/248/2).
Zu
den
Befunden
hielt
er
im Wes
entlichen
eine
schmerzhaft
eingeschränkte Beweglichkeit von Lenden- und Hals
wirbelsäule und eine diskrete Skoli
ose
der Brustwirbelsäule mit diskret beginnen
den Degenerationen mit spondylotischen Reaktionen
fest.
Ferner
wiedergab
er
unter dem Stichwort
«Degenerationen»
die MRI-Befunde der Lendenwirbelsäule vom 2
2.
Dezember 2017 sowie diejenigen der Halswirbelsäule vom 2
1.
Juni
2016
(
Urk.
7/248
/4 f.).
Bezüglich des
Paravertebralsyndroms
empfahl er
eine
Physio
therapie, physikalische Massnahmen,
eine
Rückenschule und
chondroprotektive
Substanzen (
Urk.
7/248/7
).
Dr.
D._
schlussfolgerte, bei
d
er Beschwerdeführerin bestehe
eine vermin
derte Belastbarkeit des Achsenorgans.
Sie sei somit ungeeignet für
w
irbelsäu
lenbelastende
Tätigkeiten sowie Tätigkeiten
mit schwerem Heben oder Tragen von Lasten
,
in
Zwangshaltung, mit längerdauerndem reine
m
Stehen insbesondere in vorgeneigter Körperhaltung, mit repetitiven Rumpf- oder Halswirbelsäule
n
-rotierenden Stereotypien
sowie für
Arbeiten überwiegend im Überkopfbereich. Zumutbar
seien
körperlich leichte Tätigkeiten in Wirbelsäulen-adaptierten Wech
sel
positionen (Möglichkeit zum Wechseln zwischen Sitzen, Stehen und Gehen) mit Heben von Lasten von nicht mehr als 5 kg kurzfristig und 2 kg längerfristig. In einer
entsprechend
angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin zu 50
%
arbeitsfähig (
Urk.
7/248/8).
5.3.2
Aus neurologischer Sicht führte
Dr.
med.
E._
unter dem Tit
el
«Aktuelle Be
schwerden/Verschlechterung» aus, die Beschwerdeführerin leide seit Jahren an
Ganzkörperschmerzen, vor allem an Rückenschmerzen mit Ausstrahlung ins rechte
Bein, Handschmerzen und
Taubheitsgefühl (
Urk.
7/248/2).
Im Befund wies er ins
besondere darauf hin, dass die paravertebrale Muskulatur druckdolent sei. Es würden Schmerzen bei allen 18 Tenderpoints angegeben.
Ferner
beschrieb er eine durch Schmerzen limit
i
erte Beweglichkeit der Halswirbelsäule
sowie
der oberen und unteren Extremitäten (
bei auch erhöhtem Muskeltonus
)
und
eine Hypästhesie in den
Dermatomen
L5/S1
(Urk.
7/248/6).
Schliesslich
wurde auf eine Elektro
myografie vom 24. Mai 2018 verwiesen. In diesem Kontext wurden Hinweise auf ein Karpaltunnelsyndrom verneint,
indes
ein chronisches Wurzelreizsyndrom L4/5 und S1 rechts (bei
Retrolistehsis
L4/5 und L5/S1), ein schweres Fibromyal
giesyndrom und eine rheu
matoide Arthritis erwähnt (Urk.
7/248/3).
Dr.
E._
diagnostizierte
letztlich
ein chronisches Schmerzsyndrom (Hals- und
Lendenwirbelsäule degeneratives Syndrom, rh
eumatoide Arthritis, schweres Fi
bro
myalgiesyndrom
und
PTBS) und empfahl weiterhin eine konsequente Schmerz
therapie (
Urk.
7/248/8). Die Arbeitsfähig
keit schätzte er auf maximal 30
%; in der
Konsensbeurteilung wurde diese aus somatischer Sicht dennoch auf 50
%
fest
gelegt
(
Urk.
7/248/8).
6
.
6
.1
In Würdigung der zitierten Berichte
manifestierte sich
bei der Beschwerdeführerin nach dem 1
1.
März 2015
(
allenfalls
, vgl.
Urk.
7/270/4)
eine rheumatoide Arthritis
mit vorwiegend Befall der Hände (vgl.
Urk.
7/263/9 Frage 2.6,
Urk.
7/263/18)
,
die jedoch
von
Dr.
C._
erfol
greich
mit Enbrel behandelt werden konnte
.
Gemäss
Dr.
C._
ebenfalls
kein Thema mehr ist die Epikondylitis
humeris
radial
i
s
. Sie gab diesbezüglich
nur noch einen «Status nach» an.
Aus dem Bericht des Zentrums A._
ergibt sich diesbezüglich nichts
a
nderes
, viel
mehr wird
darin
auf die Behandlung durch
Dr.
C._
verwiesen
und die
Verab
reichung von
Enbrel bereits im Herbst 2018 bestätigt.
6
.2
6.2.1
I
m
neuen
MRI
der Lendenwirbelsäule
vom 1
2.
Dezember 2017
zeigte
n
sich auf Höhe L4/5 eine Diskopathie mit diffus dehydrierter Bandscheibe und flachbogiger medianer Diskushernie sowie eine leichte Spondylarthrose mit leichtgradiger konzentrischer En
gstelle des Spinalkanals
. Auf Höhe L5/S1 fand
en
sich eine mässiggradige
Oste
o
chondrose
und
eine
Spondylar
throse mit
breitbasiger
leicht
rechtsbetonter Bandscheibenvorwölbung, normal weitem Spinalkanal und Einen
gung des rechtsseitigen
Neurof
or
amen
s
.
Erwähnt wurden
im aktenku
nd
igen Be
richt
ferner der
Verdacht auf eine Spondylitis anterior der Deckplatte L3 und
eine
leichte degenerative Veränderung des Iliosakralgelenks
aber
ohne aktiv entzünd
liche Alterationen (
Urk.
7/263/17).
Eine
mögliche Kompression der Nervenwurzel L5 und vor allem S1
,
auf welche
gemäss
dem
Zentrum A._
im Bericht zum MRI vom
3.
Oktober 2016
hingewiesen worden war, wurde nicht mehr
explizit erwähnt
.
Im Bericht zum
MRI vom 17.
Juni 2013
, auf
d
em das Gutachten der
Z._
AG mitunter beruht
e
,
war eine neurale Kompression
klar
verneint worden
. Im Übrigen fanden sich schon
damals
eine
Retrolisthesis
L3/4, L4/5 und L5/S1, leichtgradige Spondylarthrosen L3-S1,
Ostechondrosen
L4-S1 und eine kleine
dorsomediane
Disk
us
hernie L4/5 und L5/S1
(vgl.
Urk.
7/166/22 und
Urk.
7/248/3).
6.2.2
Im
MRI der Halswirbelsäule vom 2
1.
Juni 2016
zeigten sich auf
Höhe C3/4 eine kleine mediane Diskushernie mit geringgradiger Impression des Duralsackes
, a
uf
H
öhe C4/5 eine etwas grössere mediane Disku
s
hernie mit mäss
i
ggradiger Impres
sion des Duralsacks und minimaler Abf
lach
ung des
My
elons
, auf Höhe C5/6 eine median linksseitige Diskushernie mit mässig
g
radiger Impression des Duralsackes, leichter
degenerativer Einengung des rechtsseitigen
Neuroforamen
s
und schliess
lich auf Höhe C6/7 eine flachbogige, paramedian bis
mediolateral
linksseitige Diskushernie mit möglicher Behinderung der austretenden Nervenwurzel C8 epi
dural links
. Der Befund des MRI vom 1
7.
Juni 2013
, welches
den Gutachtern der
Z._
AG
als Grundlage diente
,
war unauffällig gewesen (vgl.
Urk.
7/166/22 und
Urk.
7/248/3).
6.2.3
Damit
haben die degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule zugenommen. Die
Bildbefunde
sind
jedoch
nach wie vor
nicht besonder
s ausgeprägt und
eine Neu
rokompression
ist
nur
möglich, aber
nicht
überwiegend wahrscheinlich
.
In
der klinischen Untersuchung d
urch die Ärzte des
Zentrums
A._
fanden
sich
mit
subjektiver
Angabe
einer Hypästhesie
sowie von Schmer
zen
ebenfalls
keine zureichenden
Anhaltspunkte
für eine
relevante
neurologische Aus
fallsymptomatik
oder Bewegungseinschränkung
.
So erwies sich d
ie
Beschwerde
angabe der Beschwerdeführerin
bis anhin
ohne
B
ezug zu einem organischen Korrelat
, so dass hierauf nicht ohne weiteres abgestellt werden kann
.
Bereits
in den
Untersuchungen durch die Gutachter der
Z._
AG
hatte sie
wiederholt ange
geben, ständig und überall (Nacken, Schultergürtelbereich, Kreuz, Beckengürtel, Arme und Beine) Schmerzen zu haben, welche sich durch nichts hätten positiv beeinflussen lassen
. Dabei gab sie an, dass ihr nicht nur
alle Muskeln,
sondern auch
alle Knochen und alle Gelenke den ganzen Tag wehtun
würden
(vgl.
Urk.
7/166/17, 7/166/20 und 7/166/25 f.
).
Die geklagten
Schmerzen wurden
von den Gutachtern
nach umfassender Abklärung als nicht nachvollziehbar beurteilt (
Urk.
7/227/10).
Die
wenige
Monate später durchgeführte
bildgebende Abklärung der Schulter
brachte
keine
neuen Erkenntnisse. Es blieb
bei einem
nicht erklär
baren, diffusen Beschwerdebild bei auch deutlich erschwerter klinischen Unter
suchbarkeit
(vgl.
Urk.
7/10/15 f. und 7/210/9 f.)
.
Ebenso wenig schlug sich die objektiv erfolgreiche Behandlung der rheumatoiden Arthritis in der subjektiven Beschwerdeklage nieder.
6
.3
6.3.1
In Anbetracht der unveränderten Beschwerdeklage
vermag
auch
die
von
Dr.
E._
neu gestellte
Diagnose
schwere
s
Fi
bromyalgie
syndrom
,
di
e
er
soweit ersichtlich
lediglich
mit einer maximalen Anzahl druckdolenter Tenderpoints begründet
e
,
keine
gesundheitliche Verschlechterung
zu belegen
(zur Definition und Diagnose
stellung vgl. auch S.
12 und S.
16 ff. der entsprechenden AWFM-Leitlinie
Nr.
145/004
, herausgegeben von der Deutschen Schmerzgesellschaft, abrufbar unter
www.awmf.org
, besucht am 1
6.
Juni 2021)
.
6.3.2
Die
Ergebnisse der im Jahr 2018 durchgeführten Elektromy
o
grafie
(EMG)
ver
möchten hieran, wären sie aktenkundig, nichts zu ändern. Einerseits bedingte diese Zusatzuntersuchung eine
Mitarbeit
der Beschwerdeführerin
, an welcher bei
Hinweisen auf eine erschwerte Untersuchbarkeit gewisse Zweifel bestehen (vgl. E. 6.2.3 und E. 6.5.2)
. Andererseits fanden die
EMG-
Befunde anders
als die MRI-
und Ultraschallbefunde keinen
Eingang in die ausführliche
Diagnoseliste
. Gleiches
gilt für
die Diagnose
Fi
bromyalgiesyndrom selbst
(vgl.
Urk.
7/248/1
f.).
Die übri
gen Ärzte des
Zentrums
A._
konnten der
Einschätzung von
Dr.
E._
somit
offensichtlich nicht
folgen
, was sich auch in der Konsensbeur
teilung der somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit von 5
0
%
wiederspiegelt. Diese ist
mit der
von
Dr.
E._
attestierte
n
Arbeitsfähigkeit von maximal 30
%
nicht vereinbar.
6.3.3
Darüber hinaus wäre
ein
allfälliges
schweres Fibromyalgiesyndrom
, auf
welches
das strukturierte Beweisverfahren zur Anwendung käme
(etwa
BGE 141 V 281
E.
10.1)
,
bis anhin nicht adäquat behandelt worden.
Standardmässig e
mpfohlen
wird
ein regelmässiges
Ausdauertraining
. B
ei unzureichendem Ansprechen auf mul
timodale Therapien
sowie
eine zeitlich befristete medikamentöse Therapie
sollte
bei einem schweren Fibromyalgiesyndrom
zudem
ein multimodales
(teil-)
stationäre
s
Programm und bei psychischer Komorbidität eine störungsspezi
fische Psycho- und/oder medikamentöse Therapie
erfolgen
(
erwähnte
AWFM-Leit
linie
Nr. 145/004
S. 54 und 61 ff.
).
Eine blosse
Dekonditionierung stellt
schliesslich
keinen invalidisierenden Ge
sund
heitsschaden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG dar (vgl. Urteil des Bun
des
gerichts 8C_385/2017 vom 19. September
2017 E.
4.2 mit Hinweis auf 9C_848/2016 vom 12. Mai 2017 E. 4.2).
Dementsprechend
verneinte
Dr.
C._
bei
den von ihr
festgestellten
Mygelosen
und
Insertionstendinosen
eine Arbeits
unfähigkeit und empfahl wie
Dr.
D._
(und andere Ärzte
vor ihr
:
Urk.
7/125/2-4
, 7/125/7 und 7/168/3
)
Massnahmen
zur Rekonditionierung.
6
.4
Zusammenfassend
h
aben die Ärzte des
Zentrums
A._
den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin ein deutlich höheres Gewicht beigemesse
n als die Gutachter der
Z._
AG
und
die behandelnde
Dr.
C._
.
Sie haben sich
dabei
weder mit dem Gutachten auseinandergesetzt
,
noch
sonst wie
eine
seit März 2015 eingetretene
gesundheitliche Verschlechterung aufgezeigt.
Vielmehr beschrieben
sie
explizit
seit Jahren bestehende
chronische Beschwerden.
Damit handelt es sich beim Bericht
vom 30.
Oktober 2018 letztlich
um eine
(unzureichend begründete)
abweichende Beurteilung
eines (nach erfolgreicher Therapie der
rheumatoiden
Arthritis)
im
März 2019 gegenüber März 2015 im Wese
ntlichen unveränderten
somatischen
Gesundheitszustandes bei
im Übrigen
auch
unveränderte
r
Arbeitstätigkeit (
dazu
Urk.
7/262/9 Frage 3.2
)
und ohne
ersichtliche Intensivierung der Behandlung
.
Das
vom
Zentrum
A._
definierte Zumutbarkeitsprofil ist dabei
kaum
mit der
effektiv
wäh
rend zwei bis drei Stunden a
n
einem Tag
ausgeübten
Tätigkeit als Hilfskraft in der
Reinigung vereinbar (Stellenprofil
:
Urk.
7/132/5).
Es ist
ferner
nicht ersicht
lich, welche somatischen Befunde
wie
weiter abzuklären wären
.
In Anbetracht all dessen ist
den Beurteilungen von
Dr.
C._
(vgl. E.
5.2
) und der RAD-Ärztin
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Or
thopädische Chirurgie und Trau
matologie (
Urk.
7/270/4)
,
zu folgen,
di
e eine
nennenswerte
Arbeitsunfähig
keit
aufgrund körperlicher Beschwerden
bzw.
eine wesentliche Verschlechterung derselben verneinten
(zu ähnlichen Befunden der Lendenwirbelsäule auch Urteil des Bundesgerichts 8c_827/2018 vom 10. April 2019 E. 4, 6.1.1 und 6.2.2).
Im Übrigen wurden Validen- und Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin im Urteil IV.2015.00440 vom 3
0.
Dezember 2016 E. 7 bereits anhand der Tabelle T1_skill_level, Zeile «Total», Kompetenzniveau 1, Frauen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012 festgelegt und darauf hingewiesen, dass dieses Kompetenzniveau eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfass
e
, weshalb die
blosse
Unzumutbarkeit von schwerer körperlicher Arbeit nicht zu ei
nem leidensbedingten Abzug führe (vgl.
Urk.
7/227/28 ff.)
.
6
.5
6.5.1
Keiner weiteren Ausführungen bedarf der Umstand, dass die von der Be
schwer
deführerin (erst) im Dezember 2019 bei einem Sturz erlittene proximale nicht-dislozierte Humerusfraktur rechts mit Abriss des
Tuberkulum
minus – wie von der RAD-Ärztin
Dr.
F._
angegeben (
Urk.
7/272/2) – keine längerfristige Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermag. Gemäss B
ericht des Spitals B._
vom 2
5.
Dezember 2019
(Urk. 7/267/3-4)
erfolgte eine konservativ
e Therapie (Ruhig
stellung im
Gil
christverband
). Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit wurde mit acht
Wochen angegeben (auch
https://link.springer.com/article/10.1007/
BF02585989
, besucht am 1
6.
Juni 2021).
6.5.2
Im Übrigen reichte
Dr.
C._
ergänzend
den Bericht zu einer
pneumonalen
Stand
ortbestimmung vom 28. Juni/1
0.
Juli 2019 ein, die ausser einem winzigen pulmonalen Nodulus, der aufgrund des Zigarettenkonsums
nachkontrolliert wer
den muss
, jedoch nichts zu Tage förderte. Ein Asthma bronchiale wurde
nur
als möglich erachtet und die lungenfunktionell signifikante Reversibilität differen
tialdiagnostisch als «Mitarbeit-bedingt» eingestuft. Eine Arbeitsunfähigkeit war kein Thema (
Urk.
7/263/20 f.).
6.6
Aus
rheumatologischer/chirurgischer sowie aus neurologischer
Sicht ist somit kein Neuanmeldungsgrund im Sinne einer
Änderung der anspruchsrelevanten Tatsachen
gegeben. Eine prozessuale Revision des Urteils IV.
2015.00440 vom 30.
Dezember 2016,
di
e ein fristgerechtes Gesuch beim
Gericht
erfordert hätte und bei welcher die Beschwerdeführerin
den Revisionsgrund mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen
gehabt hätte (etwa Urteile des Bundesgerichts 9C_955/2012 vom 13. Februar 2013 E. 3.2 und 9C_764/2016 vom 20. April 2017 E.3.1)
,
steht nicht zur Diskussion.
7
.
7
.1
7.1.1
Zu
r psychischen Verfassung h
ielt das Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
im Urteil IV.2015.00440 vom 30.
Dezember 2016
mitunter
fest,
die
be
-
handelnde Psychiaterin
habe der Beschwerdeführerin –
nachdem deren Gesund
heitszustand über Jahre besser und stabiler geworden sei (
dazu im
Detail
:
erwähntes Urteil E. 5.4.1
- 5.4.
3)
–
am 1
5.
Juni 2013 plötzlich noch eine Arbeitsfähigkeit von höchstens 30
%
in der angestammten Tätigkeit attestiert. Dazu habe sie ausgeführt,
deren
psychischer Zustand habe sich ab Herbst 2012 entgegen der Prognose wesentlich verschlechtert
. In jener Zeitperiode hätten die somatischen Befunde massiv zugenommen, was eine enorme zusätzliche Belas
tung dargestellt und zu einer psychischen Überforderung geführt habe
.
Di
ese
wenig substantiierte Begründung
sei angesichts
von
E.
4
(
Geringfügigkeit und Behandlungszeitraum
der somatisch
en
Beschwerden
) nicht nachvollziehbar.
N
och Ende 2012
habe die Beschwerdeführerin
um Unterstützung bei der Erhö
hung ihres Arbeitspensums bzw. bei einem Berufswechsel gebeten. Dies spreche ebenso gegen eine Verschlechterung der psychischen Beschwerden wie die weit
-
gehend selbständige Erledigung des Haushalts gemäss Abklärungsbericht vom 2
8.
März 2013, wonach si
ch
primär aufgrund der körperlichen Beschwerden Ein
schränkungen gezeigt hätten. Ferner sei die Beschwerdeführerin Anfang 2014 in der psychischen Verfassung gewesen, Ferien an dem Ort zu verbringen, von wo sie einst geflohen sei (erwähntes Urteil E. 5.4.3).
7.1.2
G
emäss den Gutachtern der
Z._
AG habe im Zeitpunkt der Begutachtung auf
grund des erhobenen psychopathologischen Befundes und der daraus resultie
ren
den psychischen Funktionsstörung noch eine maximal 3
0%-
ige
Einschränkung vorgelegen. Der
Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie
des RAD
habe sich dieser Beurteilung angeschlossen und ausgeführt, die zusätz
liche
Diagnose einer depressiven Störung oder somatoformen Schmerzstörung könne nicht mehr gestellt werden. Eine weitere Verbesserung sei bei weiterer psychotherapeutischer Behandlung möglich, indes zeige die Beschwerdeführerin eine gewisse Selbstlimitierung.
Dem sei
nach dem Gesagten
nichts
hinzuzufügen (erwähntes Urteil E. 5.4.4).
7.1.3
Zum
weiteren Krankheitsverlauf sei bekannt, dass die Beschwerdeführerin vom 4. Dezember 2014 bis 13. Januar 2015 stat
ionär in der Privatklinik G._
behandelt worden sei. Im Austrittsbericht vom 14. Januar 2015 (Urk.
7
/189)
falle
auf, dass nur eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10: F33.1/F33.2), diagnostiziert worden sei. Eine relevante PTBS-Symptomatik sei also nicht mehr festgestellt worden. Zudem sei angemerkt worden, aktueller Anlass für die psychische Dekompensation sei der Besuch beim Vertrauensarzt, welcher ihr keine Invalidenrente
zugesprochen habe.
Werde das Beschwerdebild – was vorliegend aufgrund
dieses
expliziten Hinweises
überwiegend wahrscheinlich sei
–
augenfällig durch psychosoziale Umstände bestimmt und unterhalten, könne nicht von einem psychischen Ge
sund
heitsscha
den gesprochen werden. Die Qualifikation der depressiven Episode als schwer vermöge daran nichts zu ändern, da eine solche Diagnose bereits für Episoden mit einer Mindestdauer von zwei Wochen gestellt werden könne. Ferner sei dem Bericht zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin anfäng
lich motiviert und engagiert gezeigt habe. Allerdings habe die Konfrontation mit ihren psychischen Belastungen sehr schnell Befürchtungen, Ängste und eine grosse innere Anspannung ausgelöst. Sie habe sich daher in ihre bestehenden Wohn
verhältnisse respektive zu ihrer Familie zurückgewünscht. Grund hierfür sei die vermehrte (pflegerische) Aufmerksamkeit,
di
e ihr dort
zu
teil werde
. Sie habe des
halb die Therapie abgebrochen. Damit sei wie bereits in früheren Berichten auf die fehlende Kooperation und den erheblichen sekundären Krank
heitsgewinn hin
gewiesen worden. Schliesslich sei die Entlassung in gebessertem Zustand erfolgt. Eine (vollständige) Arbeitsunfähigkeit sei nur bis
zum
20. Januar 2015 attestiert worden. Das Ergebnis der Begutachtung
werde
durch diesen Bericht somit nicht in Frage gestellt
(erwähntes Urteil 5.5.1)
.
7.1
.
4
Die
Notfallaufnahmen
vom
18. und 26. Mai 2015
seien nach Erlass der ange
fochtenen Verfügung erfolgt. Ein Zusammenhang mit der Einstellung de
r Renten
zahlungen im Mai 2015 sei
zudem nach der vorstehenden Erwägung über
wiegend wahrscheinlich. Jedenfalls sei nicht bekannt, dass hernach weitere Notfallauf
nahmen oder gar ein weiterer stationärer Aufenthalt stattgefunden hätten. Letzte
res
habe
die Beschwerdeführerin, obschon von den Ärzten mit
unter zur Entlas
tun
g der Familie empfohlen, stets ab
gelehnt
. Im Übrigen sei die depressive Epi
sode von
den Ärzten in der Notaufnahme gar nicht bzw. ohne psychopatho
logischen Be
fund nur als mittelgradig qualifiziert worden. Die neu einge
reichten Berich
te des Kantonsspitals H._
(vom
2.
Juni 2015,
Urk.
7/210
/7 f.)
und der Interdis
zi
plinären Not
fallstation des I._
(vom 1
9.
Mai 2015,
Urk.
7/206/5 f.)
würden somit ebenfalls nicht auf eine massgebliche Verschlechterung des Gesundheits
zustandes bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung hinweisen
(erwähntes Urteil 5.5.2)
.
7
.2
Wie sich aus den Akten ergibt, suchte
die Beschwerdeführerin
in der Folge
am 7.
Oktober 2015
die
psychiatrische Klinik
des I._
(J._
)
auf,
da
sie fünf Tabletten
Seroquel
eingenommen und ein Glas Whisky getrunken ha
tte
aus Angst in der Nacht
. Eine Intoxikation oder Selbstgefährdung wurde
im entsprechenden Bericht nicht festgestellt
, dafür trat die Beschwerdeführerin frei
willig in eine psychiatrische Klinik ein, um bereits am nächsten Tag wieder
aus
zutreten
(
Urk.
7/214).
7
.
3
7.3.1
Im
jü
ngsten Bericht des
Zentrums
A._
vom
9.
Mai 2019, unterzeichnet von
d
er Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med. K._
,
einem klinischen Psychologen sowie einer Psychologin FSP,
wurden aus psychiatrischer Sicht eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.3), eine PTBS (ICD-10: F43.1) sowie ein Status nach drei Suizidversuchen im Jahr 2015 diagnostiziert (
Urk.
7/262/8 Frage 2.5).
Vor
der Behandlung im
Zentrum
A._
(
ab
5.
Januar 2018,
Urk.
7/262
/2)
hätten ambulante Be
handlungen bei mehreren Psychiatern und im Jahr 2014 eine stationäre Be
handlung in der Klinik G._
stattgefunden (
Urk.
7/262/9 Frage 3.4).
Seit Januar 2002 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
(
Urk.
7/262/7).
7.3.2
Es wurde konstatiert, die Beschwerdeführerin könne sich trotz intensiver ambu
lanter Behandlung nur langsam wieder ins Alltagsleben eingliedern.
Nach wie vor könne
sie
nicht allein ins Bett gehen; spüre, als ob jemand sie berühre. Sie warte auf den Ehemann oder schlafe mit Zolpidem auf dem Sofa ein. Sie benötige 30 bis 60 Minuten zum Einschlafen und sei nach zwei Stunden wieder wach. Sie habe ständig Albträume, von welche
n
sie sich auch am Morgen schwer distan
zieren könne. Es bestünden Aktivitätseinschränkungen, oft nach nur kleinen Anstrengungen, eine starke Depression, ein Interessensverlust und Freudlosigkeit. Die gedrückte Stimmung ändere sich von Tag zu Tag wenig; es falle der Be
schwerdeführerin schwer, auf die jeweiligen Lebensumstände zu reagieren. Sie vermeide im Alltag Aktivitäten und habe sich zurückgezogen. Sie werde in Ein
zel
psychotherapie (zwei- bis dreimal monatlich, vgl.
Urk.
7/262/7) und medika
mentös betreut. Man versuche, durch Erstellen eines tagesstrukturierten Planes, die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern, was bislang wenig gelungen sei. Sie könne nur selten grösser kochen;
im Haushalt könne sie gar keine Arbeiten mehr erledigen
(
z.B.
Schatten, die sie bedrohten und Angst machten, weshalb
etwa
Staubsaugen nicht mehr möglich sei,
Urk.
7/262/8 Frage 2.1)
.
Die Beschwerde
führerin l
eide unter starken Konzentrationsstörungen sowie vermindertem Selbst
wertgefühl und Selbstvertrauen. Längeres Sitzen und Stehen
würden
bei ihr Unruhe und Nervosität aus
lösen
(
Urk.
7/262/9 Frage 3.4).
7.3.4
Aufgrund dieses Leistungsprofils und der diagnostizierten schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen sei sie in einem labilen Zustand und auf längere Sicht für sämtliche Tätigkeiten in der freien Marktwirtschaft und im Haushalt voll arbeitsunfähig (
Urk.
7/262/9 Frage 3.4).
Wegen der fortgeschritte
nen Chronifizierung und dem ungenügenden Erfolg der bisherigen Therapien sei die Prognose als negativ zu beurteilen. Sie habe starke Konzentrationsstörungen und zwar auch bei langsamem Tempo und häufigen Wiederholungen, könne nicht lange sitzen oder stehen bzw. sei bei der geringsten Belastung nervös. Sie habe keine Ausdauer (
Urk.
7/262/9 Frage 2.7;
Urk.
7/262/10 Frage. 4.5). Im Haushalt und anderen alltäglichen Aufgaben sei
sie
oft auf die Hilfe der Tochter, des Ehe
mannes und von Freunden angewiesen (
Urk.
7/262/10 Frage 4.5).
Die
Fahreig
nung der Beschwerdeführerin
sei aus
psychiatrischer Sicht
nicht eingeschränkt
(
Urk.
7/262/10 Frage 3.6).
7
.4
7.4.1
Ergänzend i
st dem Bericht des
Zentrums
A._
vom 17. September 2018 – unterzeichnet vom Psychiater
Dr.
med. L._
und einem Psychologen –
zu entnehmen,
i
m Jahr 2014 sei vor allem die Traumatisierung beschrieben worden, die Depression hingegen nicht. Die Schmerzen sei
en
damals als diffus, vor allem psychiatrisch bedingt diagnostiziert worden. Jetzt beklage die Beschwerdeführerin
eine
rheumatische Arthri
ti
s, daher bestehe jetzt
ein adä
quates ana
tomisches Korrelat für die Schmerzen (
Urk.
7/237/2
Abs.
1 und 2).
Insgesamt sei eine deutliche Verschlechterung seit dem Jahr 2014 eingetreten. Im Gegensatz zu damals bestünden nun eine rheumatische Arthritis und eine deut
liche Depression, wogegen im Jahr 2014 noch eine leicht eingeschränkte Schwingungsfähigkeit festgestellt worden sei (
Urk.
7/237/4
Abs.
6).
7.4.2
Die Beschwerdeführerin arbeite seit dem Jahr 2007 mit einem Arbeitspensum von 20
%
in der Reinigung, maximal jeweils zwei bis drei Stunden pro Tag (
Urk.
7/237/1).
Der Tagesablauf
in den Jahren
2014 und 2018 sei in etwa gleich, ausser dass
aktuell
kaum mehr Kontakt zu Kolleginnen vor
ha
nden sei (
Urk.
7/237/2
Abs.
3).
K
ognitiv sei die Beschwerdeführerin in Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigke
it (10 Minuten)
und Gedächtnis verlangsamt bzw. deutlich eingeschränkt (nur kurz TV, nur kurz lesen). Es bestehe eine deutliche Vergesslichkeit (Herd abstelle
n
). Anhaltspunkte für psychotische Erlebensweisen oder eine akute Suizidalität
bestünden nicht (vgl.
Urk.
7/237/3
Abs.
4; zu den vergleichbaren Befunden
im jüngsten Bericht
,
Urk.
7/262/8)
.
7.4.3
Die Beschwerdeführerin leide seit mindestens dem Jahr 2015 unter rheumatischer Arthritis. Zudem bestünden Schmerzen in den
Be
reichen HWS, Hüfte und Füsse. Des Weiteren lasse sich eine depressive Störung und PTBS (Flashbacks, Alb
träume) in der Folge von äusserst traumatisierenden Kriegserlebnissen feststellen. Die Beschwerdeführerin habe teilweise Mühe, zwischen Traum und Realität zu unterscheiden, befinde sich an der Grenze zum
Derealisationserleben
.
Basier
e
nd auf der depressiven Störung weise
sie
rasche Ermüdbarkeit, Konzentra
tions
stö
rungen, Vergesslichkeit und Antriebslosigkeit auf.
Die depressive Störung weise einen
schweren
Grad auf und die Beschwerdeführerin habe bereits drei Suizid
versuche hinter sich. Das Risiko eines erneuten Suizids sei deshalb sehr hoch und nicht zu unterschätzen. Die Symptome
beider Störungen
hätten durch die bis
herige Behandlung nicht wesentlich reduziert werden kön
nen
. Aufgrund der chronischen Schmerzen, depressiven Störung und PTBS sei die Beschwerde
füh
rerin auch in einer leichten, angepassten Tätigkeit zu mindestens 80
%
arbeits
un
fähig
(
Urk.
7/237/4
Abs.
6
).
7.4.4
Die psychiatrisch
-psychosomatische
Beurteilung im Bericht zur Interdisz
i
p
l
inären Schmerzbehandlung vom 3
0.
Oktober 2018 (
Urk.
7/248) ist weitestgehend an den
soeben
zitierten Bericht angelehnt. Zusät
zlich festgehalten wurde einzig
der Tagesablauf (
Urk.
7/248/2).
8
.
8
.1
Die RAD-Ärztin
Dr.
med.
M._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, kam in ihrer (gemeinsam mit
Dr.
F._
) abgegebenen Stellungnahme vom 1. Oktober 2019 zum Schlus
s, der Bericht des
Zentrums
A._
vom
9.
Mai
2019 sei widersprüchlich.
Einerseits würden schwere bis schwerste Funktionseinschränkungen im Alltag beschrieben
– in
sbesondere habe die Beschwerdeführerin grösste Mühe, sich zu konzentrieren, auch bei langsamem
Tempo und vielen Wiederholungen. A
ndererseits attestiere der Bericht, es be
stünden keine Zweifel an der Fahreignung. Der psychopathologische Befund doku
mentiere keine Anhaltspunkte für psychotische Erlebensweisen. In der Diagnose werde jedoch eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.3) ge
nannt. Im Gegensatz zu den vorliegenden Akten aus dem Jahr
2015 attestiere das
Zentrum
A._
drei Suizidversuche im Jahr 201
5.
Diese Angabe sei durch
die Akten nicht belegt; die J._
habe damals festgestellt
, dass die Beschwerdeführerin fünf Tabletten
Seroquel
und ein Glas Whisky in nicht suizidaler Absicht zu sich
genommen habe. Das
Zentrum
A._
attestiere eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
seit dem Jahr 2002, berichte, die Beschwerdeführerin sei bis heute mit einem Pensum von
20
%
als Reini
gungskraft tätig
und komme auf der gleichen Seite zur Einschätzung, es bestehe auf längere Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
für jegliche Tätigkeit. Im Haus
halt
könne die Beschwerdeführerin dem Bericht zufolge nur selten grösser kochen. Die Töcht
er und der Ehemann würden im Haushalt helfen. Auch im Haus
halt sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfähig. Die geschilderten Be
schwerden mit Angst im Dunkeln, Ein- und Durchschlafstörungen und nicht allein ins Bett gehen können, fänden sich schon im Gutachten aus dem Jahr 2014, ebenso die Klage über generalisierte Schmerzen. Die Diagnose und Einschätzung der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
seien nicht plausibel begründet. Eine Veränderung des psychischen Gesundheitszustandes sei nicht ausgewiesen (
Urk.
7/270/4).
8
.2
R
echtsprechungsgemäss
sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen, wenn auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
von
versiche
rungs
interne
n
ärztliche
n Feststellungen wie denjenigen des RAD
bestehen (
vgl.
BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 44.
). Die Stellungnahme von
Dr.
M._
ist indessen
in allen Punkten
überzeugend. Die von ihr aufgezeigten Widersprüche in der psychiatrischen Beurteilung de
s
Zentrums
A._
sind evi
dent
.
Insbesondere sind die angegebenen starken kognitiven Beeinträchtigungen mit einer uneingeschränkten Fahreignung unvereinbar.
Ebenso trifft es zu, dass die Beschwerdeführerin bereits in der Begutachtung der
Z._
AG über eine ver
gleichbare Symptomatik klagte (etwa
Urk.
7/166/25)
8
.3
Abgesehen von der seit dem Jahr 2002 durchgehend attestierten Arbeits
un
fähig
keit
wurde
in den neuen
B
erichten
bestätigt, dass es weder im Tagesablauf noch der effektiv ausgeübten Arbeitstätigkeit relevante Änderungen in den Jahre 2014 bis 2018 gab
(zum Vergleich:
Urk.
7/166/1
5
aktuelle Situation und Tagesablauf)
.
Eine seit Jahren kontinuierlich ausgeübte Tätigkeit als Reinigungskraft während zwei bis drei Stunden pro Tag
mehrmals pro Woche
ist weder mit der zuletzt attestierten
v
ollen Arbeitsunfähigkeit noch der Unzumutbarkeit
jeglicher Haus
halts
arbeiten
vereinbar.
Staubsagen (
Urk.
7/166/1) sowie allgemein schwere Haus
arbeiten
erledigen
(vgl.
Urk.
7/166/25
)
konnte die Beschwerdeführerin nach eige
nen Angaben übrigens schon im Zeitpunkt der Begutachtung
durch die
Z._
AG
nicht mehr
.
K
ontakt
e
zu Freunden
müssen
nach wie vor
bestehen
, zumal
die Beschwerdeführerin
gemäss eigenen Angaben bei der Erledigung des Haushalts und alltäglicher Verrichtungen
von diesen unterstützt wird
.
Im Übrigen
findet sich in den
neuen
B
ericht
en
auch
kein Erkl
ärung
sansatz
für
die
angegebene, aktuell
massive psychische Beeinträchtigung
im Sinne einer rele
vanten PTBS und langanhaltenden schweren Depression
, nachdem das psychi
sche Leiden über die Jahre bis zur letzten Begutachtung weitgehend abgeklungen war.
Hierfür können nach dem vorstehend Ausgeführten insbesondere nicht die somatischen Befunde angeführt werden. B
ei einer PTBS etwa ist
eine progrediente Entwicklung kaum zu erwarten; eine Chronifizierung, verbunden mit sozialem Rückzug und Antriebsmangel, tritt eher selten auf (vgl. BGE 142 V 342 E. 5.2.3
).
8
.4
Es kommt hinzu, dass
die Beschwerdeführerin
die Therapiemöglichkeiten weiter
hin nicht ausschöpft
.
T
rotz
einer angeblich schweren depressiven Episode mit Erlebnissen an der Grenze zur Derealisation
findet lediglich eine
niedrig
fre
quentige
ambulante Gesprächstherapie und psychopharmakologische Behand
lung
statt. Einen stationären Aufenthalt zog die Beschwerdeführerin einzig
zeitnah zur
Renteneinstellung in Betracht
und brach diesen sowohl im Januar 2015 als auch (nach nur einem Tag) im Oktober 2015 ab.
In diesem Zeitraum
erfolgten drei Not
fallkonsultationen
,
bei welche
n
jeweils eine akute handlungsrelevante Suizi
da
lität verneint wurde (
Urk.
7/206/6, 7/2
14/2 und 7/210/8).
Spätere
,
psychisch bedingte Notfallkonsultationen sind nicht aktenkundig.
8
.5
Zusammenfassend hat sich im
Berufs- und Alltagsleben
der Besc
hwerdeführerin
seit der Begutachtung durch die
Z._
AG
somit
wenig bis nichts geändert.
Glei
ches
gilt für den behandlungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck. Im Rah
men eines strukturierten Beweisverfahrens
nach BGE 141 V 281
sind
die rele
vanten Standardindikatoren folglich als unverändert zu beurteilen.
Damit fehlt es
auch
an objektiven Anhaltspunkten für eine Verschlechterung des psy
c
hischen Gesundheitszustandes, die Anlass zu weitere
n Abklärungen gäben.
Im Vorder
grund stehen nach wie vor ein dysfunktionales,
ap
p
ellatives
Verhalten der Be
schwer
deführerin
, besonders ausgeprägt kurz vor und kurz nach der Renten
einstellung, sowie
ein
massiver sekundärer Krankheitsgewinn
, wie sie sc
hon im Bericht der Klinik G._
eingehend erörtert wurden
(
vgl.
Urk.
7/189/3 «Beurtei
lung»)
.
Eine
neuanmeldungsrechtliche relevante
Verschlechterung des psychi
schen
Zustandes der Beschwerdeführerin ist
deshalb zu verneinen.
9
.
Nach dem vorstehen
d
Ausgeführten
hat die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 2
8.
Februar 2020 einen erneuten Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht verneint.
Eine wesentliche Änderung der anspruchsrelevanten Tatsachen
ist nicht überwiegend wahrscheinlich
, vielmehr handelt
es sich bei den Berichten des
Zentrums
A._
um eine abweichende medizinische Beurteilung
infolge
einer höheren Gewichtung der subjektiven
(im wesentlichen unveränderten)
Beschwerdeklage. Der Untersuchungsgrundsatz wurde nicht ver
letzt; ein weiterer Abklärungsbedarf ist nicht ersichtlich.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
10
.
10.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Diese sind auf Fr. 600.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
10.2
Da sie ihre finanziellen Verhältnisse in der ihr mit Verfügung vom
3. Juli 2020
angesetzten Frist unter Androhung von Säumnisfolgen nicht belegt hat und sich die prozessuale Bedürftigkeit bei
Einreichung ihres Gesuchs
im Mai 2020 auch
mit
den vorinstanzlichen Akten
nicht
hinreichend belegen lässt
, ist ihr Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung abzuweisen.
Die Ausfüh
rungen zur unentgeltlichen Rechtsvertretung in der Verfügung vom
3.
Juli 2020 beruhen auf einem offensichtlichen Versehen (
Urk.
8 Dispositivziffer 3). Eine solche wurde explizit nicht beantragt (
Urk. 1.
S. 2).