Decision ID: 877524a3-8ac4-42c2-a48d-387348491c5e
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. (geb. 1972) ist Staatsangehöriger von Pakistan. Er reiste im Jahr 2000 illegal in
die Schweiz ein. Sein Asylgesuch wurde am 21. November 2001 abgelehnt, und er
wurde aus der Schweiz weggewiesen. Nachdem er am 23. November 2001 eine
Schweizerin (geb. 1940) geheiratet hatte, erhielt er eine Aufenthalts- und am 22.
November 2006 die Niederlassungsbewilligung. Die kinderlose Ehe wurde am 29.
September 2008 geschieden. Die Niederlassungsbewilligung von X.Y. wurde am 27.
April 2009 wegen Eingehens einer Scheinehe – die Ehefrau hatte für die Heirat CHF
20'000, die Trauzeugin CHF 2'100 erhalten - widerrufen, und er wurde erneut aus der
Schweiz weggewiesen. Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den dagegen
erhobenen Rekurs am 1. Juni 2010, das Verwaltungsgericht am 26. Januar 2011 die
dagegen erhobene Beschwerde ab (B 2010/136).
B./ Während des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht heiratete X.Y. am 1. Oktober
2010 die Schweizerin A.Y. (geb. 1958), die am 20. Februar 2006 von T.W., seinem
Bruder, den sie am 19. März 1999 geheiratet hatte, geschieden worden war und für
ihren neuen Ehemann um Bewilligung des Aufenthalts im Familiennachzug ersuchte.
Das Migrationsamt wies am 11. März 2011 das Gesuch um vorübergehenden
Aufenthalt während der Dauer des Verfahrens ab. Die dagegen erhobenen kantonalen
Rechtsmittel blieben erfolglos. Das Bundesgericht stellte am 15. Juni 2012 fest, dass
X.Y. sich weder im Verfahren vor dem Migrationsamt noch im Rekursverfahren vor dem
Sicherheits- und Justizdepartement zu den Gründen, die zur Abweisung des Gesuchs
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führten, habe äussern können und wies die Angelegenheit zu neuem Entscheid an das
Sicherheits- und Justizdepartement zurück.
Während das Verfahren vor dem Bundesgericht hängig war, wies das Migrationsamt
am 3. Mai 2012 das Gesuch um Familiennachzug ab. Das Sicherheits- und
Justizdepartement wies den dagegen von X.Y. und A.Y. erhobenen Rekurs am 26. Juli
2013 ab, auferlegte ihnen die Entscheidgebühr von CHF 1'200 und wies ihr Gesuch um
Ersatz der ausseramtlichen Kosten ab. Der Rekurs betreffend den vorübergehenden
Aufenthalt während der Dauer des Verfahrens wurde abgeschrieben.
C./ X.Y. und A.Y. (nachfolgend Beschwerdeführer) erhoben gegen den am 29. Juli 2013
versandten Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (nachfolgend
Vorinstanz) durch ihren Rechtsvertreter mit Eingabe vom 13. August 2013 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei
die Verfügung aufzuheben, der Familiennachzug zu bewilligen und dem
Beschwerdeführer die Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Die Beschwerdeführer
reichten am 8. und 23. September 2013 zusätzliche Beweismittel ein.
Die Vorinstanz beantragte am 2. Oktober 2013, die Beschwerde sei, soweit auf sie
einzutreten sei, abzuweisen. Während des Beschwerdeverfahrens erteilte das
Migrationsamt dem Beschwerdeführer Rückreisevisa für die Dauer vom 25. November
bis 30. Dezember 2013 sowie vom 3. März bis 7. April 2014. Der Beschwerdeführer
gab an, er reise auf eigene Kosten für Zahnbehandlungen nach Pakistan. Der
Rechtsvertreter führte dazu am 10. März 2014 aus, da Zahnbehandlungen in der
Schweiz sehr teuer seien, werde der Beschwerdeführer, dessen beengte finanzielle
Verhältnisse bekannt seien, die Kosten kalkuliert haben. Die Behandlung sei
offensichtlich nicht weiter aufschiebbar gewesen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt VRP). Da
Anfechtungsgegenstand im Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht der
vorinstanzliche Entscheid ist, der – auch wenn damit der Rekurs abgewiesen wurde –
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an die Stelle der ihm zugrunde liegenden Verfügung trat, kann auf die Beschwerde,
soweit damit die Aufhebung der Verfügung beantragt wird, nicht eingetreten werden.
Der Antrag, mit dem auch um die Bewilligung des Familiennachzugs ersucht wird, ist
so auszulegen (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2.
Aufl. 2003, Rz. 916), dass mit der Beschwerde auch die Aufhebung des angefochtenen
Entscheides beantragt wird. Im Übrigen sind die Eintretensvoraussetzungen erfüllt:
Sowohl der Beschwerdeführer als auch seine Ehefrau, die ebenfalls Adressatin des
angefochtenen Entscheides ist und einen eigenen Anspruch auf die Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung für ihren Ehemann im Rahmen des Familiennachzugs geltend
machen kann (vgl. BGer 2C_685/2010 vom 30. Mai 2011 E. 1.3), sind zur
Beschwerdeerhebung befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerde wurde mit Eingabe vom 13. August 2013 rechtzeitig erhoben und erfüllt in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
dementsprechend mit dem erwähnten Vorbehalt einzutreten.
2. Zwischen den Verfahrensbeteiligten ist umstritten, ob dem ausländischen Ehemann
zu Recht die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Schweizer
Ehefrau mit der Begründung verweigert wurde, er sei eine Ausländerrechtsehe
eingegangen.
2.1. Der Zivilstandsbeamte des Zivilstandsamts Buchs vermutete nach einer ersten
Vorsprache der Beschwerdeführer am 16. Juli 2010, es könnte sich um eine
"Aufenthaltsehe" handeln. Nach einem weiteren Gespräch mit der Beschwerdeführerin
am 17. August 2010 erhielt er den Eindruck, sie heirate "aus Mitleid" und gehe eine
Gefälligkeitsehe ein. Nach der eingehenden Befragung der Beschwerdeführer am 3.
September 2010 im Ehevorbereitungsverfahren erachtete das Zivilstandsamt die
Verdachtsgründe als entkräftet (act. 12/4, Akten des Migrationsamtes 327 und 328).
Am 1. Oktober 2010 wurden die Beschwerdeführer getraut.
Gemäss Art. 97a Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, abgekürzt
ZGB) darf die Zivilstandsbehörde nur dann auf ein Gesuch um Durchführung des
Vorbereitungsverfahrens nicht eintreten, wenn die Braut oder der Bräutigam
"offensichtlich" keine Lebensgemeinschaft begründen, sondern das Ausländerrecht
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umgehen will. Bleiben nach der Befragung der Brautleute und dem Beizug von
Auskünften (Art. 97a Abs. 2 ZGB) Restzweifel, darf die Zivilstandsbehörde angesichts
ihrer eingeschränkten Kognition die Mitwirkung am Eheschliessungsverfahren nicht
verweigern (vgl. M. Montini, in: Basler Kommentar ZGB I, 4. Aufl. 2010, N 13 zu Art. 97a
ZGB). Deshalb nimmt die Zivilstandsbehörde die Prüfung durch die Migrationsbehörde
nicht vorweg; diese entscheidet frei über die Erteilung oder Verweigerung der
Aufenthaltsbewilligung an einen ausländischen Ehegatten (vgl. BGer 2C_75/2013 vom
29. August 2013 E. 3.5). Dies muss insbesondere dann gelten, wenn sie sich auf
weitere Sachverhaltsabklärungen – wie vorliegend auf die polizeiliche Befragung der
Beschwerdeführer am 30. September 2011 – stützen kann.
2.2. Die Beschwerdeführerin ist Schweizerin und seit 1. Oktober 2010 mit dem
Beschwerdeführer, der Pakistani ist, verheiratet. Sie hat damit grundsätzlich einen
gesetzlich (Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer;
Ausländergesetz, SR 142.20, abgekürzt AuG) wie verfassungs- (Art. 13 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft; SR 101, abgekürzt BV)
und konventionsmässig (Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten; SR 0.101, abgekürzt EMRK) begründeten
Anspruch darauf, ihren Ehemann in die Schweiz nachziehen zu können. Der
Beschwerdeführer hat umgekehrt einen Anspruch darauf, zu seiner Schweizer Ehefrau
in die Schweiz zu ziehen.
Gemäss Art. 51 Abs. 1 Ingress und lit. a AuG erlöschen die Ansprüche nach Art. 42
AuG, wenn sie rechtsmissbräuchlich geltend gemacht werden, namentlich um
Vorschriften dieses Gesetzes und seiner Ausführungsbestimmungen über die
Zulassung und den Aufenthalt zu umgehen. Erfasst wird davon die sogenannte Schein-
oder Ausländerrechtsehe. Ihr Vorliegen darf nicht leichthin angenommen werden und
ist nicht bereits dann gegeben, wenn ausländerrechtliche Motive für den Eheschluss
mitentscheidend waren. Ein Bewilligungsanspruch entfällt vielmehr erst dann, wenn die
Ehe einzig geschlossen wird, um die ausländerrechtlichen Bestimmungen zu umgehen,
indem zumindest einer der Ehegatten nie eine dauerhafte Lebensgemeinschaft
begründen wollte (BGer 2C_75/2013 vom 29. August 2013 E. 3.1 mit Hinweisen unter
anderem auf BGE 128 II 145 E. 2.2, 127 II 49 E. 4a sowie BGer 2C_177/2013 vom 6.
Juni 2013 E. 3.2). Verlangt das Gesetz für den Familiennachzug auch keine
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Liebesheirat, ist nach dem Willen des Gesetzgebers doch eine "Realbeziehung"
vorausgesetzt, der eine auf Dauer konzipierte, wirtschaftliche, körperliche und
spirituelle Vereinigung zugrunde liegt, was minimale wechselseitige Kenntnisse der
Partner und ein gewisses solidarisches, nicht auf Gleichgültigkeit beruhendes Verhalten
voraussetzt (BGer 2C_808/2013 vom 18. Februar 2014 E. 3.2).
Ob eine Scheinehe vorliegt, entzieht sich regelmässig einem direkten Beweis und ist
bloss durch Indizien zu erstellen. Für die Annahme einer Scheinehe bedarf es konkreter
Hinweise darauf, dass die Ehegatten nicht eine eigentliche Lebensgemeinschaft führen
wollen, sondern die Ehe nur aus ausländerrechtlichen Überlegungen geschlossen
haben. Zu diesen Indizien zählen namentlich folgende Umstände: die Tatsache, dass
die nachzuziehende Person von einer Wegweisung bedroht ist oder ohne Heirat keine
Aufenthaltsbewilligung erlangen kann; das Vorliegen eines erheblichen
Altersunterschieds zwischen den Ehegatten; die Umstände des Kennenlernens und der
Beziehung, so etwa eine kurze Bekanntschaft vor der Heirat oder geringe Kenntnisse
eines Ehegatten über den anderen; die Vereinbarung einer Bezahlung für die Heirat; die
Tatsache, dass die Ehegatten nie eine Wohngemeinschaft aufgenommen haben (BGer
2C_75/2013 vom 29. August 2013 E. 3.2 und 3.3 mit Hinweisen unter anderem auf
BGE 128 II 145 E. 3.1, 122 II 289 E. 2b sowie BGer 2C_177/2013 vom 6. Juni 2013 E.
3.3).
Lässt die Indizienlage keinen klaren und unzweideutigen Schluss zu, ist das Vorliegen
einer Scheinehe nicht erstellt. In diesem Fall ist dem ausländischen Ehegatten trotz
allenfalls bestehender Zweifel die Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, auf das Risiko hin,
dass sich die Ehe aufgrund des späteren Verhaltens der Beteiligten (beispielsweise
fehlendes eheliches Zusammenleben in der Schweiz) in Verbindung mit den bereits
heute bekannten, in diese Richtung weisenden Indizien als Scheinehe herausstellt und
die Aufenthaltsbewilligung gestützt auf die dannzumaligen Erkenntnisse widerrufen
werden muss bzw. nicht mehr zu verlängern ist (BGer 2C_75/2013 vom 29. August
2013 E. 3.4 mit Hinweisen unter anderem auf BGer 2C_400/2011 vom 2. Dezember
2011 E. 3.1, 2C_362/2010 vom 21. September 2010 E. 2.3.3 und 2C_473/2008 vom 17.
November 2008 E. 2.1).
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2.3. Die Vorinstanz hat aus den folgenden Indizien auf eine Scheinehe geschlossen:
Der Beschwerdeführer habe 2001 für eine fingierte Ehe eine beträchtliche Summe
bezahlt. Als Pakistani ohne hohe berufliche Qualifikation könne er einzig durch die Ehe
mit einer Schweizerin in der Schweiz bleiben. Der Altersunterschied betrage 14 Jahre.
Die Beschwerdeführer seien im April 2009 - kurz nachdem dem Beschwerdeführer am
26. Januar 2009 der Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung in Aussicht gestellt
worden sei – zusammengezogen. Das Ehevorbereitungsverfahren sei im Juli 2010 –
kurz nachdem am 1. Juni 2010 die Vorinstanz den gegen den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung erhobenen Rekurs abgewiesen hatte – eingeleitet worden.
Weshalb die Beschwerdeführer, die sich seit langer Zeit kannten, nicht bereits früher –
die Beschwerdeführerin war seit 2006 geschieden, der Beschwerdeführer lebte in einer
Scheinehe - ein Zusammenleben erwogen, sei nicht ersichtlich. Das spreche dafür,
dass sie unter dem Druck der Probleme des Ehemannes handelten. Die
Beschwerdeführerin sei bis Februar 2006 mit dem Bruder des Beschwerdeführers
verheiratet gewesen. Dieser habe zwei Wochen nach der Scheidung in der Heimat eine
Landsfrau geheiratet, welche er zusammen mit einem im Dezember 2006 geborenen
Kind in die Schweiz nachgezogen habe. Der Bruder des Beschwerdeführers habe mit
seiner Familie zusammen mit der Beschwerdeführerin in deren Wohnung gelebt.
Nachdem die Scheinehe des Beschwerdeführers aufgeflogen und ihm im Januar 2009
der Widerruf der Niederlassungsbewilligung in Aussicht gestellt worden war, sei der
Bruder des Beschwerdeführers mit seiner Familie am 6. April 2009 aus der Wohnung
der Beschwerdeführerin aus- und der Beschwerdeführer selbst am 8. April 2009 dort
eingezogen. Es sei nicht glaubhaft, dass der keine qualifizierte Tätigkeit ausübende
Beschwerdeführer keine Beschäftigung in der Nähe des Wohnorts der Ehefrau, welche
im Übrigen als IV-Rentnerin nicht auf einen bestimmten Wohnort angewiesen sei und in
Buchs nach eigenen Angaben keine Freunde und wenig Kontakt habe, habe finden
können. Ein echtes Interesse an der Herkunft und der Vergangenheit des
Lebenspartners sei nicht ersichtlich. Die Einwände, Pakistan sei gefährlich, erklärten
nicht, warum nicht wenigstens einmal eine Reise in die Heimat des Beschwerdeführers
unternommen worden sei. Es seien auch keine anderen gemeinsamen Ferien verbracht
worden. Die finanziellen Mittel – monatliche Nettoeinkünfte des Beschwerdeführers von
CHF 4'700 und die IV-Rente der Beschwerdeführerin von CHF 2'380 – wären
ausreichend. Bei der Trauung seien zwei Trauzeugen – wobei die Beschwerdeführerin
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den Trauzeugen und der Beschwerdeführer die Trauzeugin nicht gekannt habe – und
der Bruder des Beschwerdeführers anwesend gewesen. Es hätten auch die Kinder der
Beschwerdeführerin und Freunde der Heiratenden gefehlt. Aussagen zu Religion und
Musikhören seien widersprüchlich gewesen.
2.4. Die Beschwerdeführer machen dagegen geltend, die frühere Scheinehe des
Beschwerdeführers sei nicht relevant, da gerade deswegen mit einer intensiveren
Überprüfung der "neuen" Ehe habe gerechnet werden müssen. Dass eine Ehe die
ausländerrechtliche Situation verbessere, sei systemimmanent. Der Hinweis auf die
Aufenthaltssituation spreche nicht gegen eine Liebesheirat. Mit 14 Jahren bewege sich
der Altersunterschied nicht in einer Grössenordnung, die a priori Zweifel erwecken
müsste. Die Bekanntschaftszeit vom 21. April 2009 bis zum Antrag auf Eheschliessung
entspreche einer üblichen Dauer. Der Beschwerdeführer hätte allen Grund gehabt, sich
baldmöglichst in eine bessere Ausgangslage zu bringen. Eine Heirat vor Ablauf der
üblichen Bekanntschaftszeit wäre den Beschwerdeführern zu Recht vorgeworfen
worden. Eine durchschnittliche Person heirate nach einer Scheidung nicht sofort
wieder. Das Verhalten des Bruders des Beschwerdeführers hänge nicht mit jenem des
Beschwerdeführers zusammen. Dass der Bruder zunächst bei der Beschwerdeführerin
wohnen geblieben sei, sei offenbar finanziell motiviert gewesen. Der zeitliche Ablauf
von fremdenpolizeilichem Verfahren und Eheschluss spreche gegen eine Scheinehe.
Triebfeder für die Heirat sei die Ermöglichung der Weiterführung der Beziehung. Der
Zivilstandsbeamte habe nach einem intensiven Abklärungsverfahren seine Meinung
geändert. Die Beschwerdeführerin mache einen bodenständigen, selbstbestimmten,
ausgesprochen ehrlichen und keineswegs naiven Eindruck. Sie habe als IV-Rentnerin,
die auch ein "Anrecht auf ein bisschen Glück" habe, selbst genug Geld, um gut über
die Runden zu kommen. Da die Beschwerdeführerin davon ausgehen musste, dass
den Behörden das Verwandtschaftsverhältnis der – sukzessiven – Ehemänner der
Beschwerdeführerin bekannt war, sei darauf nicht besonders hingewiesen worden.
Ohne gültigen Ausländerausweis könne der Beschwerdeführer weder die Stelle
wechseln noch eine andere Wohnung mieten. Die von den Migrationsbehörden
ausgestellten Ersatzpapiere hätten eine eigentliche "Prangerwirkung". Die Situation der
Beschwerdeführerin mit einer minimalen IV-Rente verbessere die Aussichten auf dem
Wohnungsmarkt nicht. Nach der Aussage der Beschwerdeführerin kommt der
Beschwerdeführer "meistens am Wochenende" und "eigentlich immer am
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Wochenende", was bedeute, dass er auch ab und zu unter der Woche in der
gemeinsamen Wohnung sei. Der Arbeitgeber befriste die Arbeitsverhältnisse und stelle
seine Arbeitnehmer später wieder ein, was zu Phasen der Arbeitslosigkeit mit intensiver
gelebter Beziehung führe. Das EDA warne vor Reisen nach Pakistan. Die Familie des
Beschwerdeführers könne keinen genügenden Schutz bieten. Die finanziellen Mittel
seien insbesondere unter Berücksichtigung der hohen Kosten der jahrelang geführten
Verfahren des Beschwerdeführers knapp. Dass der Beschwerdeführer nach der
Trauung zur Nachtschicht ging, habe mit seiner besonderen Situation zu tun. Er habe
keinen gültigen Ausländerausweis, so dass auch das Arbeitsverhältnis prekär sei. Die
Namen der Trauzeugen seien vergessen worden, weil Namen aus einem anderen
Kulturkreis im Gedächtnis nicht einfach haften blieben. Dass beide Beschwerdeführer
keinen Freundeskreis hätten, hänge mit ihrer Persönlichkeit und ihren
Lebensumständen zusammen. Der Beschwerdeführer müsse der Arbeit sehr hohe
Priorität einräumen und Freizeit, soziale Kontakte usw. zurückstellen. Die
Beschwerdeführerin pflege keinen Kontakt zu ihrer Familie. Geld für eine Heirat im
klassischen Sinn fehle. Die Beschwerdeführer seien einfach, ohne grosse Schulbildung
und wollten nur ruhig und bescheiden ihr Leben führen. Mit dem Einkommen könnten
sie gerade überleben. Der Hinweis auf fehlendes Hochzeitsfest, fehlende Ferien und
Reisen sei gegenüber Personen in bescheidenen finanziellen Verhältnissen
diskriminierend. Die Beschwerdeführerin habe ihre Kinder – ihr Sohn sei psychisch labil
und die Tochter schwanger gewesen – nicht mit der vorgängigen Information über die
geplante Heirat belasten wollen. Die unterschiedlichen Angaben darüber, ob bei der
Trauung Ringe getauscht worden seien, sei darauf zurückzuführen, dass der
Beschwerdeführer damit nicht bloss das Geschehen vor dem Standesbeamten
verstanden habe. Die schriftlichen Auskünfte verschiedener Personen – so der Kinder
der Beschwerdeführerin und von Arbeitskollegen – bestätigten, dass die
Beschwerdeführer eine normale Ehe führten.
2.5. Zahlreiche Indizien deuten darauf hin, dass zumindest der Beschwerdeführer mit
der Heirat am 1. Oktober 2010 nicht beabsichtigte, eine Lebensgemeinschaft mit der
Beschwerdeführerin einzugehen. Zu den von der Vorinstanz detailliert dargestellten
Umständen (vgl. E. 5 des angefochtenen Entscheides) kommen weitere Elemente
hinzu.
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2.5.1. Die Ausführungen darüber, seit wann die Beschwerdeführer im gleichen Haushalt
leben, erscheinen widersprüchlich. Einerseits gaben sie im August 2010 an, ungefähr
seit zwei Jahren zusammen zu wohnen (act. 12/4, Akten des Migrationsamtes 301 und
302). Anderseits wird – obwohl unbestritten ist, dass der frühere Ehemann noch bis 7.
April 2009 zusammen mit seiner neuen Ehefrau und ihrem Kind bei der
Beschwerdeführerin wohnte – geltend gemacht, die beiden Brüder hätten nie
gleichzeitig bei der Beschwerdeführerin gewohnt (act. 12/4, Akten des Migrationsamtes
386). Diese Unklarheit beschlägt nicht lediglich eine relativ kurze Zeitspanne, sondern
die Grössenordnung von einem halben Jahr. Sie deutet darauf hin, dass sich der
Beschwerdeführer zwar zuweilen in der Wohnung der Beschwerdeführerin aufhielt,
jedoch der Zeitpunkt oder der Zeitraum, ab welchem der Beschwerdeführer dauerhaft
bei der Beschwerdeführerin lebte, nicht festlegen lässt, mithin die Wohnverhältnisse
des Beschwerdeführers sich wohl gar nie grundlegend geändert haben.
2.5.2. Obwohl die Beschwerdeführer angeblich ungefähr seit Sommer 2008 im gleichen
Haushalt wohnen und bis 7. April 2009 der frühere Ehemann der Beschwerdeführerin in
der gleichen Wohnung lebte (act. 12/4, Akten des Migrationsamtes 331), vermitteln die
Beschwerdeführer noch im August 2010 den Eindruck, nichts davon zu wissen, dass
es sich beim Beschwerdeführer und dem früheren Ehemann der Beschwerdeführerin
um Brüder handelt ("Herr T.W., welcher ebenfalls aus Pakistan stammt"). Haben die
beiden Männer gegenüber der Beschwerdeführerin ihre Verwandtschaft verschwiegen,
deutet dies darauf hin, dass der Beschwerdeführer gleichermassen wie der frühere
Ehemann zur Beschwerdeführerin kein Vertrauensverhältnis pflegte, wie es bei einer
auf Dauer angelegten Lebensgemeinschaft zu erwarten ist. War der
Beschwerdeführerin das Verwandtschaftsverhältnis bekannt, ist nicht nachvollziehbar,
weshalb sie nicht spontan darauf hinwies. Auf ein distanziertes oberflächliches
Verhältnis zwischen den Beschwerdeführern lässt auch schliessen, dass sie – obwohl
sie geltend machten, im gleichen Haushalt zu leben – des Gesuch um Einleitung des
Ehevorbereitungsverfahrens zunächst nicht gemeinsam unterzeichneten (act. 12/4,
Akten des Migrationsamtes 327).
2.5.3. Der Beschwerdeführer macht geltend, das Modell seiner Arbeitgeberin –
befristete Anstellungen mit erneuter Einstellung nach einer Pause – führe zu Zeiten, in
denen die Beziehung intensiver gelebt werden könne. Indessen lassen sich den Akten,
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insbesondere aber auch den Antworten der Beschwerdeführer in der polizeilichen
Befragung vom 30. September 2011, keine entsprechenden Hinweise entnehmen,
obwohl die Beschwerdeführer geltend machen, bereits seit April 2009 zusammen zu
wohnen und der Beschwerdeführer bereits damals bei dieser Arbeitgeberin angestellt
war.
Trotz der für ihn in wirtschaftlicher Hinsicht und mit Blick auf eine Stabilisierung seines
Aufenthalts in der Schweiz ungünstigen Anstellungspraxis seiner Arbeitgeberin sind
keinerlei Bestrebungen des Beschwerdeführers dokumentiert, einen unbefristeten und
näher beim Wohnort der Beschwerdeführerin liegenden Arbeitsplatz zu finden. Der
Modus der befristeten Anstellung kommt vielmehr der konkreten Lebensführung des
Beschwerdeführers entgegen, indem er die längeren Beschäftigungsunterbrüche
offenkundig für Aufenthalte in seiner Heimat nutzt. Aus den Passeinträgen und den
aktenkundigen Rückreisevisa ist jedenfalls zu schliessen, dass sich der
Beschwerdeführer während den Beschäftigungsunterbrüchen jeweils in seinem
Heimatland aufhält, so vom 21. Februar bis 23. März 2010 (act. 12/4, Akten des
Migrationsamtes 349), vom 6. Februar bis 23. März 2011 (act. 12/4, Akten des
Migrationsamtes 345), vom 7. März bis 15. April 2012 (act. 12/4, Akten des
Migrationsamtes 545, möglicherweise wegen des laufenden Verfahrens lediglich für
drei Wochen ausgestellt), vom 25. November bis 30. Dezember 2013 (act. 14) und vom
3. März bis 7. April 2014 (act. 16). Dieses Verhalten deutet auf enge familiäre
Beziehungen des Beschwerdeführers in seinem Heimatland hin. Die
Beschwerdeführerin macht nicht geltend, dass sie ihren Ehemann auf einer dieser
Reisen – wie der Beschwerdeführer für den Aufenthalt im Jahr 2012 behauptete –
begleitet hätte.
Die Ausführungen darüber, wann der Beschwerdeführer – so er sich denn in der
Schweiz aufhält – mit der Beschwerdeführerin zusammenlebt, sind sehr vage. Sie
hinterlassen jedenfalls nicht den Eindruck, dass den Beschwerdeführern daran gelegen
ist, möglichst oft ihr Leben miteinander zu teilen.
2.5.4. Das Vorgehen der beiden Brüder hinterlässt insgesamt den Eindruck, dass sie
die Bereitschaft der Beschwerdeführerin zur Heirat ausnützten und ausnützen, um ein -
gefestigtes – Anwesenheitsrecht in der Schweiz zu erlangen. Der frühere Ehemann, der
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sich im Übrigen ebenfalls mehrmals ferienhalber in Pakistan aufgehalten hatte, liess
sich nach rund sieben Ehejahren – mithin nachdem er einen Anspruch auf eine
Niederlassungsbewilligung erworben hatte (vgl. Art. 42 Abs. 3 AuG) – scheiden und
heiratete umgehend eine Landsfrau, die er samt gemeinsamem Kind in die Schweiz
nachzog (act. 12/4, Akten des Migrationsamtes 327). Der Beschwerdeführer hat sich in
seiner ersten Ehe vergleichbar verhalten.
2.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin möglicherweise
nicht beabsichtigte, mit dem Beschwerdeführer eine Scheinehe einzugehen, sondern
die Ehe schloss, um mit ihm eine Lebensgemeinschaft zu bilden und ihm so auch den
weiteren Aufenthalt in der Schweiz zu ermöglichen. Die Motivation für das Eingehen
einer tatsächlichen Lebensgemeinschaft kann und darf nicht Gegenstand einer
staatlichen Prüfung sein. Hingegen sprechen der zeitliche Ablauf und die Vorgeschichte
des Beschwerdeführers sowie die Umstände, wie die Eheleute den Alltag leben,
insgesamt dafür, dass jedenfalls der Beschwerdeführer die Ehe einzig mit Blick darauf
einging, sein Anwesenheitsrecht in der Schweiz nicht zu verlieren und nicht, um mit der
Beschwerdeführerin ein gemeinsames Leben zu führen. An dieser Beurteilung der
Indizienlage vermag nichts zu ändern, dass einzelnen Anhaltspunkten – wie
beispielsweise dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin nie in die Heimat des
Beschwerdeführers reiste, sie aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur wenig Freunde
und Bekannte haben und Detailfragen zur Trauzeremonie und zur
Wohnungseinrichtung möglicherweise nicht kongruent beantworteten – nur
untergeordnete Bedeutung zugemessen werden kann. Die Vorinstanz ist
dementsprechend zu Recht von einer Schein- oder Ausländerrechtsehe ausgegangen.
Die von den Beschwerdeführern ins Recht gelegten schriftlichen Bestätigungen führen
ebenfalls nicht zu einer anderen Beurteilung. Soweit sie die Sicht der Kinder der
Beschwerdeführerin wiedergeben, ist davon auszugehen, dass sie den – von der
Realität abweichenden – Wunschvorstellungen ihrer Mutter entsprechen. Die
schriftlichen Aussagen der in Horgen und Langnau wohnhaften Arbeitskollegen (act.
6/5 und 6) des Beschwerdeführers stellen Gefälligkeitsaussagen dar, zumal die
Beschwerdeführerin selbst angibt, sich nie an den Arbeitsort des Beschwerdeführers
zu begeben (vgl. act. 12/4 Akten des Migrationsamtes 470/471, Antworten auf Fragen
47 und 53 in der polizeilichen Befragung vom 30. September 2011). Eine Befragung
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dieser Personen als Zeugen würde lediglich zur mündlichen Bestätigung der
schriftlichen Angaben führen, so dass sie unterbleiben kann. Gleiches gilt auch für eine
persönliche Befragung der Beschwerdeführer, welche die Gelegenheit hatten, sich
eingehend schriftlich unmittelbar und über ihren Rechtsvertreter zu äussern. Die
Beweisanträge sind dementsprechend abzuweisen.
Insgesamt erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie ist abzuweisen, soweit
auf sie einzutreten ist.
3. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht