Decision ID: 1b2682e9-771d-4c62-8d2e-2fe61801d912
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 11. Juli 2016 (CG130047-L)
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Rechtsbegehren Hauptklage (Urk. 2 S. 2):
"1. Es sei der Beklagte zu verpflichten, dem Kläger mindestens CHF 223'033.00 zuzüglich Zins zu 5% auf CHF 160'000.00 seit dem 15. Mai 2012 und auf CHF 39'966.00 seit dem 9. November 2011 zu bezahlen.
2. Mehrforderungen vorbehalten.
3. Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Beklagten, wobei dem Kläger die unentgeltliche Prozessführung mit dem Unterzeichnenden als dessen unentgeltlichen Rechtsbeistand zu gewähren sei."
Rechtsbegehren Widerklage (Urk. 33 S. 2):
"1. Die Klage samt Verfahrensantrag sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
2. Widerklageweise sei festzustellen, dass der Beklagte dem Kläger nichts schuldet.
3. Der Kläger sei widerklageweise zu verpflichten, dem Beklagten CHF 98'566.10 zu bezahlen nebst Zins zu 5 % seit 5. Mai 2014.
4. ... 5. ... 6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Klägers."
Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 11. Juli 2016 (Urk. 136 = Urk. 141):
1. Der Beklagte und Widerkläger (nachfolgend: Beklagter) wird verpflichtet, dem
Kläger und Widerbeklagten (nachfolgend Kläger) Fr. 176'866.-- nebst Zins zu
5% auf den Betrag von Fr. 136'900.-- seit 15. Mai 2012 und 5% Zins auf den
Betrag von Fr. 39'966.-- seit 9. November 2011 zu bezahlen. Im eingeklagten
Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen.
2. Die Widerklage auf Leistung wird abgewiesen.
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3. In teilweiser Gutheissung der negativen Feststellungswiderklage wird festge-
stellt, dass der Beklagte dem Kläger über den zugesprochenen Betrag hinaus
nichts schuldet.
4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 20'000.--. Über die weiteren Aus-
lagen wird die Gerichtskasse Rechnung stellen.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
5. Die Gerichtskosten werden dem Kläger zu 1/5 und dem Beklagten zu 4/5 auf-
erlegt. Die Kosten des Klägers werden unter Hinweis auf die Nachzahlungs-
pflicht gemäss Art. 123 ZPO einstweilen auf die Staatskasse genommen. Die
dem Beklagten auferlegten Kosten werden mit dem von ihm geleisteten Vor-
schuss verrechnet. Der Fehlbetrag wird vom Beklagten nachgefordert.
6. Der Beklagte wird verpflichtet, dem unentgeltlichen Rechtsbeistand des Klä-
gers Dr. X1._ eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 17'820.-- zu-
züglich 8% Mehrwertsteuer zu bezahlen. Im übrigen Umfang von Fr. 4'455.--
zuzüglich 8% Mehrwertsteuer wird dieser aus der Gerichtskasse entschädigt,
wobei auch dieser Betrag zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung unter Hinweis auf die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO einst-
weilen auf die Staatskasse genommen wird.
7. Der Kläger wird verpflichtet, dem Beklagten eine auf einen Fünftel reduzierte
Parteientschädigung von Fr. 4'455.-- zuzüglich 8% MWSt zu bezahlen.
8. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, je mit Gerichtsurkunde.
9. Eine Berufung gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen von der Zustel-
lung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Obergericht des
Kantons Zürich, Zivilkammer, Postfach 2401, 8021 Zürich, erklärt werden. In
der Berufungsschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige
Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen.
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Berufungsanträge:
des Beklagten, Widerklägers und Berufungsklägers (Urk. 140):
"1. Die Klage sei abzuweisen. 2. Es sei festzustellen, dass der Beklagte dem Kläger nichts schuldet; 3. Der Kläger sei zu verpflichten, dem Beklagten Fr. 99'249.60 zu bezahlen
nebst Zins zu 5% seit 15. April 2014; 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Klägers."
des Klägers, Widerbeklagten und Berufungsbeklagten (Urk. 143):
"1. Es sei die Berufung abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
2. Demzufolge sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 11. Juli 2016 voll-
umfänglich zu bestätigen.
3. Unter o/e-Kostenfolge zu Lasten des Berufungsklägers, wobei dem Beru-
fungsbeklagten die unentgeltliche Prozessführung mit dem  als dessen unentgeltlichen Rechtsbeistand zu gewähren sei."

Erwägungen:
I.
1. Der Kläger betrieb im Rahmen seiner im Kanton Basel-Landschaft domizi-
lierten Einzelfirma "CB._" Arbeiten im Bereich Fördertechnik und Liftmontage
(Urk. 36/15). Er erlitt am 21. November 2003 auf einer Baustelle des Einkaufscen-
ters ...-... in ... einen Arbeitsunfall, bei dem er von einem Baugerüst rund fünfein-
halb Meter in die Tiefe fiel. Laut Einstellungsverfügung des Untersuchungsrichter-
amtes des Kantons Zug vom 15. Oktober 2005 begab sich der als Liftmonteur auf
der Baustelle arbeitende Kläger vom Motorenraum der Personenaufzüge im
Dachgeschoss des neugebauten Parkhauses auf einen auf der südlichen Aus-
senseite befindlichen Vorbau und von dort aus auf ein seitlich angrenzendes, ab-
gesperrtes Baugerüst, wo er abstürzte und sich unter anderem schwere Kopfver-
letzungen zuzog (Urk. 5/9, Urk. 5/10). Seit 1. November 2004 bezieht der Kläger
bei einem IV-Grad von 100% eine ganze Invalidenrente (Urk. 5/19).
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2. Am 29. Dezember 2006 reichte der Kläger, vertreten durch den Beklag-
ten, beim Friedensrichteramt D._ das Schlichtungsgesuch ein mit dem
Rechtsbegehren, die E._ AG und weitere neun Personen seien solidarisch
zu verpflichten, dem Kläger Fr. 7'000'000.– als Schadenersatz und Genugtuung
zu bezahlen (Urk. 5/21). Nach erfolgloser Durchführung der Friedensrichterver-
handlung wurde dem Kläger am 15. August 2007 der Akzessschein ausgestellt
(Urk. 5/23). Bereits am 15. Mai 2007 hatte der Kläger "alle Ansprüche aufgrund
meines Unfalles gegen Haftpflichtige zahlungshalber an Herrn Dr. A._" abge-
treten (Urk. 5/22). Gemäss dem tags darauf von den Parteien unterzeichneten
Auftrag "betreffend Prozess" in Sachen "Forderung / Diverses Unfall vom 21. No-
vember 2003" betrug das Honorar des Beklagten Fr. 280.– pro Stunde zuzüglich
einer "Erfolgsprämie von 20% im Fall des vollständigen oder teilweisen Obsie-
gens" (Urk. 5/5).
3. Am 13. August 2008 wurde der Akzessschein vom Beklagten beim Be-
zirksgericht Liestal eingereicht und die Klage gegen die E._ AG eingeleitet
(Urk. 5/29). Mit Verfügung vom 14. Oktober 2008 wies das Bezirksgericht Liestal
das Gesuch des Klägers um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung
mangels Bedürftigkeit ab (Urk. 5/32). Nach mehrmaligen Fristerstreckungen reich-
te der Beklagte am 9. März 2009 die schriftliche Klagebegründung ein und stellte
folgendes Rechtsbegehren (Urk. 5/40):
"1. Die Beklagte sei solidarisch zu verpflichten, dem Kläger auf das Konto seines Rechtsvertreters, Dr. A._, bei der UBS AG, 8098 Zürich, IBAN CH..., Fr. 7'000'000.-- zu bezahlen;
2. [...]
3. Die Klage sei als Teilklage entgegenzunehmen;
alles unter o-/e- Kostenfolgen zu Lasten der Beklagten."
Die Gesamtforderung des Klägers (Schadenersatz und Genugtuung) wurde
in der Klagebegründung auf Fr. 8'796'597.– veranschlagt (Urk. 5/40 S. 86).
4. In der Klageantwort vom 10. Juni 2009 hielt die E._ AG auf Abwei-
sung der Klage (Urk. 36/15). Nach Schliessung des Schriftenwechsels und Durch-
führung einer mündlichen Schlusseinleitungsverhandlung wurde eine Expertise
über das Liftbaugewerbe in Bosnien angeordnet (Urk. 36/26+27). Anlässlich der
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beiden Hauptverhandlungen vom 8. November und 7. Dezember 2011 wurden
zwei Auskunftspersonen und zwei Zeugen einvernommen (Urk. 5/44 S. 3). Mit Ur-
teil vom 7. Dezember 2011 (mündlich eröffnet) wies das Bezirksgericht Liestal die
Klage vollumfänglich ab. Der Kläger wurde verpflichtet, die Gerichtskosten von Fr.
10'000.– zu übernehmen und der E._ AG eine Parteientschädigung von Fr.
126'900.– (inkl. Spesen und MwSt) zu bezahlen. Das vollständige, schriftlich be-
gründete Urteil wurde am 12. April 2012 spediert (Urk. 5/44).
Das Gericht erwog, der Kläger sei aufgrund der am 15. Mai 2007 erfolgten
Abtretung zur Geltendmachung der eingeklagten Schadenersatz- und Genugtu-
ungsansprüche nicht aktivlegitimiert, womit die Klage bereits aus diesem Grund
vollumfänglich abzuweisen sei. Zudem fehle es an einem der E._ AG zur
Last zu legenden Kausalzusammenhang, weshalb diese auch aus diesem Grund
nicht zum Ersatz des vom Kläger durch den Arbeitsunfall vom 21. November 2003
erlittenen Schadens herangezogen werden könne. Damit könne offen bleiben, ob
der vom Kläger geltend gemachte Schaden hinreichend belegt sei
oder – wie die E._ AG ausführe – als spekulativ, masslos überrissen und un-
belegt bezeichnet werden müsse. Immerhin sei festzustellen, dass die vom Kläger
im Zusammenhang mit seiner selbständigen Erwerbstätigkeit in der Schweiz gel-
tend gemachten Einkommenszahlen von zwischen Fr. 300'000.– bis Fr. 350'000.–
als zu hoch bemessen bezeichnet werden müssten, nachdem sich den Steuerun-
terlagen für die Zeit unmittelbar vor dem Unfall lediglich ein Erwerbseinkommen
von maximal Fr. 164'000.– pro Jahr entnehmen lasse. Für den vom Kläger im Zu-
sammenhang mit der von ihm zur Gründung beabsichtigten Liftbaufirma in Bosni-
en geltend gemachten Erwerbsausfall von insgesamt Fr. 3'000'000.– fehle sodann
jeglicher objektiv verwertbare Anhaltspunkt, so dass der vom Kläger im Rahmen
der vorliegenden Klage nach Abzug der ihm ausgerichteten Renten- und Tag-
geldzahlungen sowie nach Hinzurechnung diverser weiterer Schadenspositionen
und Genugtuungsansprüche geltend gemachte Gesamtschaden von Fr.
8'796'597.– nicht ohne weiteres als tatsächlich gegeben angesehen werden kön-
ne. Zusammenfassend führte das Bezirksgericht aus (Urk. 5/44 S. 7):
"Zusammenfassend ist somit an dieser Stelle festzuhalten, dass der Kläger für den von ihm eingeklagten Schadenersatz- und Genugtuungsanspruch
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zum einen nicht hinreichend aktivlegitimiert ist und die Beklagte für die vom Kläger geltend gemachten Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen zum anderen nicht einzustehen hat, da der ihr allenfalls zur Last zu legende Kausalzusammenhang zwischen dem Absturz des Klägers von dem von ihr errichteten Gerüst und dem vom Kläger dadurch erlittenen Schaden durch das eigene Verhalten des Klägers einerseits sowie durch das  der den Absperrungsbügel beiseite schiebenden Handwerker  rechtswirksam unterbrochen wurde. Da des weiteren auch der vom  geltend gemachte Gesamtschaden von Fr. 8'796'597.-- in weiten Teilen als unbelegt zu gelten hat, ist die vorliegende Klage somit vollumfänglich , wobei bei diesem Ausgang des Verfahrens in Anwendung von §§ 209 und 211 ZPO BL sowohl die ordentlichen Gerichtskosten als auch die der Beklagten entstandenen Anwaltskosten vollumfänglich zu Lasten des Klägers zu gehen haben."
5. Nach mündlicher Urteilseröffnung legte der Beklagte am 14./15. Dezem-
ber 2011 das Mandat nieder (Urk. 5/46, Urk. 36/31). Am 21. Dezember 2011 er-
klärte er die Rückabtretung der Ansprüche gegen die E._ AG "[s]ollten dem
unterzeichneten Rechtsanwalt, Dr. A._, jemals Ansprüche von Herrn
B._, ... [Adresse], gegen die E._ AG, ..., insbesondere bezüglich Partei-
entschädigung, Schadenersatz oder Genugtuung abgetreten worden sein[.]" (Urk.
5/49). Im Nachgang zur Urteilseröffnung wurde der Kläger kurzzeitig in Haft ver-
setzt (Urk. 5/47). Am 22. Dezember 2011 mandatierte der Kläger Rechtsanwalt
Dr. X1._ als neuen Rechtsvertreter (Urk. 5/48, Urk. 3). Das Urteil des Be-
zirksgerichts Liestal erwuchs am 15. Mai 2012 in Rechtskraft (Urk. 5/44 S. 1).
6. Mit Eingabe vom 6. Juni 2013 machte der Kläger eine gegen den Beklag-
ten gerichtete Teilklage mit obgenanntem Rechtsbegehren bei der Vorinstanz an-
hängig (Urk. 2). Die Klagebewilligung des Friedensrichteramtes F._ datiert
vom 6. März 2013 (Urk. 1, Urk. 13). Mit Beschluss vom 4. Juli 2013 wies die Vo-
rinstanz das Gesuch des Klägers um unentgeltliche Rechtspflege zufolge Aus-
sichtslosigkeit ab und verpflichtete ihn zur Leistung eines Kostenvorschusses von
Fr. 13'670.– (Urk. 16). Auf Beschwerde des Klägers hin bewilligte die Kammer
dem Kläger die unentgeltliche Prozessführung und bestellte ihm Rechtsanwalt Dr.
X1._ als unentgeltlichen Rechtsbeistand (Urk. 25). Am 25. April 2014 erstat-
tete der Beklagte die Klageantwort; gleichzeitig erhob er Widerklage mit obge-
nanntem Rechtsbegehren (Urk. 33). Den ihm auferlegten Kostenvorschuss von
Fr. 8'700.– leistete er rechtzeitig (Urk. 37, Urk. 51). Die Widerklageantwort datiert
vom 9. April 2015 (Urk. 65). Am 27. Oktober 2015 fand die Hauptverhandlung
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statt, die am 26. Januar 2016 fortgesetzt wurde (Prot. I S. 11 ff.). Mit Beschluss
vom 1. Februar 2016 wurde den Parteien Frist angesetzt, um ihre Schlussvorträ-
ge einzureichen (Urk. 112). Nur der Beklagte reichte am 29. März 2016 einen
schriftlichen Schlussvortrag ein (Urk. 124), worauf dem Kläger Gelegenheit zur
Stellungnahme gegeben wurde (Urk. 127). Die vom Kläger eingereichte Stellung-
nahme vom 3. Mai 2016 wurde dem Beklagten zur freigestellten Vernehmlassung
zugestellt (Urk. 129 bis Urk. 132). Weitere Eingaben sind nicht erfolgt. Am 11. Juli
2016 fällte die Vorinstanz das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil (Urk.
136 = 141).
7. Gegen das ihm am 21. Juli 2016 zugestellte Urteil führt der Beklagte mit
Eingabe vom 14. September 2016 Berufung mit obgenannten Anträgen (Urk. 138,
Urk. 140). Eine Berichtigung der Berufungsbegründung erfolgte am 15. Septem-
ber 2015 (Urk. 144). Den Kostenvorschuss von Fr. 11'830.– leistete er rechtzeitig
(Urk. 145, Urk. 146). Die Berufungsantwort ging am 22. Dezember 2016 hierorts
ein und wurde am 6. Januar 2017 dem Beklagten zugestellt (Urk. 148). Am 27.
Februar 2017 erfolgte eine Noveneingabe des Beklagten (Urk. 150). Am 8. März
2017 wurden bei der Gerichtsleitung des Bezirksgerichts Zürich die Konstituierun-
gen des Bezirksgerichts Zürich für die zweite Jahreshälfte 2015 und die erste Jah-
reshälfte 2016 angefordert (Prot. II S. 7). Mit Schreiben vom 8. März 2017 über-
mittelte die Gerichtsleitung des Bezirksgerichts Zürich die gewünschten Konstitu-
ierungsbeschlüsse (Urk. 153 bis Urk. 155/1-2), worauf den Parteien mit Verfügung
vom 9. März 2017 Frist angesetzt wurde, um zum Wechsel im Abteilungsvorsitz
und im Spruchkörper der 7. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich sowie zu den
Konstituierungsbeschlüssen Stellung zu nehmen. Der Beklagte liess sich mit Ein-
gabe vom 24. März 2017 vernehmen (Urk. 157). Dieser Schriftsatz wurde der Ge-
genpartei am 29. März 2017 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 160). Seither
sind keine weiteren Eingaben erfolgt.
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II.
1. Der Kläger wirft dem Beklagten vor, er habe den ihm übertragenen Auf-
trag in mehrfacher Hinsicht unsorgfältig ausgeführt, weshalb er den ihm dadurch
entstandenen Schaden zu ersetzen habe:
- Aufgrund der dem Beklagten abgetretenen Forderung sei der Kläger wäh-
rend des erstinstanzlichen Verfahrens nicht aktivlegitimiert gewesen, wes-
halb die Klage allein gestützt auf die fehlende Aktivlegitimation abgelehnt
worden sei. Ein solcher Mangel könne ihm Rechtsmittelverfahren nicht mehr
geheilt werden; mit anderen Worten habe der Beklagte eine "res iudicata"
herbeigeführt (Urk. 2 S. 40 ff. Ziff. 43 bis 51 und Ziff. 57; Urk. 96 S. 4 f.).
- Der Beklagte habe den geltend gemachten Schaden, die Genugtuung und
den rechtserheblichen Sachverhalt im Allgemeinen in völlig unsubstantiierter
Weise geltend gemacht; insbesondere sei der Schaden lediglich geschätzt
und massiv zu hoch beziffert worden (Urk. 2 S. 43 f. Ziff. 52 bis 56 und Ziff.
57; Urk. 96 S. 7 ff.).
- Der Beklagte habe es unterlassen, den Kläger über die mit der Geltendma-
chung einer solch hohen Schadenssumme in Zusammenhang stehenden
Risiken aufzuklären. Auch habe der Beklagte gegenüber dem Kläger mit
keinem Wort erwähnt, dass hinsichtlich der Kausalität Probleme auftauchen
könnten. Auch im Lichte der Kausalitätsproblematik erscheine die eingeklag-
te Summe von Fr. 7'000'000.– als gänzlich überrissen. Bei korrekter Aufklä-
rung hätte der Kläger zu einem derartigen Prozess nie sein Einverständnis
erteilt (Urk. 2 S. 43 Ziff. 52, S. 44 Ziff. 56, S. 52 Ziff. 76; Urk. 96 S. 1 f., S.
14).
- Obwohl der Kläger Schulden gehabt habe, seien diese vom Beklagten im
Rahmen des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege nicht rechtsgenügend
dargelegt worden (Urk. 96 S. 11 f.).
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Der vom Kläger eingeklagte Schaden setzt sich wie folgt zusammen (Urk. 2
S. 45 ff. Ziff. 59 ff.):
Gerichtskosten und Parteientschädigung Fr. 136'900.00 Bezahltes Honorar Fr. 39'966.00 Vorprozessuale Anwaltskosten Fr. 23'067.70 Teilhaushaltsschaden (23.11.2003 bis 31.12.2005) Fr. 23'100.00 Total Fr. 223'033.70
2. Bei den vom Beklagten mit Widerklagebegehren Ziffer 3 geltend gemach-
ten Fr. 98'566.10 handelt es sich um ausstehende Honoraransprüche (Urk. 33 S.
66 f. Ziff. 126 ff.). Der Beklagte führte in der Klageantwort und Widerklagebegrün-
dung vom 25. April 2014 zusammenfassend aus, die Frage der Aktivlegitimation
sei vom Bezirksgericht Liestal nicht schlüssig und rechtlich korrekt abgehandelt
worden. Mit der erfolgten Abtretung (gemeint: Rückabtretung) wäre diese Frage in
einem Rechtsmittelverfahren ohnehin irrelevant geworden. Da das Urteil des Be-
zirksgerichts Liestal aufgrund des verneinten adäquaten Kausalzusammenhangs
ohnehin erfolgversprechend hätte angefochten werden müssen, habe die vernein-
te Aktivlegitimation dem Kläger keinen Schaden verursacht. Zudem wäre in einem
Rechtsmittelverfahren von der Rechtsmittelinstanz festgestellt worden, dass ein
Drittverschulden nicht erstellt sei. Einerseits habe die E._ AG dazu keine kor-
rekten Behauptungen aufgestellt, andererseits habe das Beweisverfahren nicht zu
Tage gefördert, dass tatsächlich eine Drittperson den Absperrbügel aufgedrückt
habe. Das angeblich fehlende Geländer an der Absturzstelle auf dem Unfallgerüst
sei von keiner Partei behauptet worden, weshalb die Feststellungen des Bezirks-
gerichts Liestal die Verfahrensmaxime (gemeint wohl: Verhandlungsmaxime) ver-
letzten. Der vom Beklagten für den Kläger behauptete Schaden sei von der
E._ AG mittels Pauschalbestreitung nicht rechtsgenügend bestritten worden.
Mit diesen Rügen hätte das Urteil des Bezirksgerichts Liestal erfolgversprechend
angefochten werden können. Dazu habe der Beklagte dem Kläger ausdrücklich
geraten, weshalb die angeblich eingetretene "res iudicata" dem Kläger zum haf-
tungsausschliessenden groben Selbstverschulden gereiche. Da der Beklagte den
stets anwaltlich vertretenen Kläger ausdrücklich aufgefordert habe, sich auch mit
den gesamten Prozessakten auseinanderzusetzen und das Urteil des Bezirksge-
richts Liestal anzufechten, sei auch der Rückforderungsanspruch für bezahlte
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Kostenvorschüsse nicht durchsetzbar, da die Arbeit des Beklagten nützlich gewe-
sen sei. Da der Beklagte dem Kläger keinen Schaden zugefügt habe und die Wi-
derklagebegehren ausgewiesen seien, sei allen seinen Begehren zu entsprechen
(Urk. 33 S. 72 Ziff. 143). Eine Verletzung der Aufklärungspflicht stellte der Beklag-
te in Abrede: Der Kläger habe den Prozess auf jeden Fall geführt haben wollen,
was jegliche Aufklärungspflicht habe entfallen lassen. Der Kläger sei rechtsgenü-
gend aufgeklärt und auf erhebliche Risiken hingewiesen worden. Das Antizipieren
von Unterbrechungsgründen sei vorliegend unmöglich gewesen (Urk. 33 S. 60 ff.
Ziff. 106 ff.). Für den Eventualfall stellte er eine Forderung von Fr. 1'400'000.– (Er-
folgsprämie von 20% von Fr. 7'000'000.–) zur Verrechnung (Urk. 33 S. 8 Ziff. 13).
3. Für eine detailliertere Zusammenfassung der Parteistandpunkte kann auf
den angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 141 S. 7 bis S. 26).
4.1 Die Vorinstanz hielt dafür, der Entscheid und die Begründung des Be-
zirksgerichts Liestal seien aufgrund der vorliegenden Prozessakten des seinerzei-
tigen Verfahrens nachvollziehbar, überzeugend und ohne Weiteres vertretbar,
weshalb kein Anlass bestehe, den seinerzeitigen Fall gänzlich neu aufzurollen
(Urk. 141 S. 35 E. 2.3.2). Als Zwischenfazit hielt die Vorinstanz fest, der Beklagte
müsse sich folgende Sorgfaltspflichtverletzungen vorwerfen lassen: Mangelhafte
Einleitung der Klage vor Bezirksgericht Liestal wegen fehlender Aktivlegitimation;
mangelhafte Einleitung der Klage mit überhöhtem Streitwert bzw. mangelhafter
Schadensberechnung sowie mangelhafte Aufklärung des Klägers hinsichtlich der
Prozesschancen und -risiken, insbesondere des Kostenrisikos. Eine mangelhafte
Darlegung des rechtserheblichen Sachverhalts im Prozess (soweit nicht die man-
gelhafte Schadensberechnung betroffen sei), die Schaffung einer "res iudicata"
sowie eine mangelhafte Begründung des Gesuchs um unentgeltliche Prozessfüh-
rung könnten dem Beklagten – so die Vorinstanz – hingegen nicht vorgeworfen
werden (Urk. 141 S. 50 E. 2.5).
4.2 Hinsichtlich Kausalität und Schaden stellte sich die Vorinstanz die Frage,
wie sich der Kläger bei pflichtgemässem Verhalten des Beklagten wahrscheinlich
verhalten hätte. Sei davon auszugehen, dass der geltend gemachte Schaden bei
pflichtgemässem Verhalten des Beklagten bzw. bei gehöriger Aufklärung mit
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überwiegender bzw. an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht eingetre-
ten wäre, habe der Beklagte den Schaden vollumfänglich zu ersetzen (Urk. 141 S.
51 f. E. 2.6.1).
4.3 Zur fehlenden Aktivlegitimation erwog die Vorinstanz, das Urteil des Be-
zirksgerichts Liestal enthalte zwei überzeugende Alternativbegründungen, die das
Urteil je für sich tragen würden. Damit stehe fest, dass auch bei gegebener Aktiv-
legitimation ein für den Kläger negatives Urteil ergangen wäre, weshalb nicht da-
von ausgegangen werden könne, dass ohne diese Sorgfaltspflichtverletzung eine
Gutheissung der Klage resultiert hätte. Mit anderen Worten wäre dem Kläger der
geltend gemachte Haushaltsschaden auch bei gegebener Aktivlegitimation, d.h.
ohne Sorgfaltspflichtverletzung bei Klageeinleitung, nicht ersetzt worden. Da we-
der zu beanstanden noch dem Beklagten vorzuwerfen sei, dass das Bezirksge-
richt Liestal von einer Unterbrechung des Kausalzusammenhangs ausgegangen
sei, müsse die Klage hinsichtlich des eingeklagten Teilhaushaltsschadens von
Fr. 23'100.– scheitern. Weder könne dem Beklagten vorgeworfen werden, er ha-
be eine "res iudicata" herbeigeführt, noch erscheine überwiegend wahrscheinlich,
dass eine obere Instanz bei gegebener Sachlage die Kausalitätsfrage anders ent-
schieden hätte (Urk. 141 S. 51 E. 2.6.2).
4.4 Zu den übrigen Sorgfaltspflichtverletzungen erwog die Vorinstanz, es
hätten keine vernünftigen Chancen bestanden, vor Bezirksgericht Liestal auch nur
annähernd einen Prozessgewinn in der Grössenordnung der eingeklagten Streit-
summe von Fr. 7'000'000.– zu realisieren, worüber sich der Kläger aufgrund der
diesbezüglich mangelhaften Aufklärung nicht habe im Klaren sein können. Ge-
nauso wenig sei er sich über die möglichen Konsequenzen – insbesondere was
das Kostenrisiko betreffe – im Klaren gewesen, die ein derart waghalsiges Pro-
zessieren mit sich bringen könnten. Vor diesem Hintergrund sei es sehr unwahr-
scheinlich, dass der Kläger bei den schlechten Prozessaussichten seiner Klage
das Risiko auf sich genommen hätte, nicht nur leer auszugehen und selber Par-
teikosten in der Höhe von mindestens Fr. 70'000.– zu tragen, sondern auch noch
die Gegenpartei mit Fr. 126'900.– entschädigen und für die Gerichtskosten von
Fr. 10'000.– aufkommen, mithin einen Prozessverlust von weit über Fr. 200'000.–
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hinnehmen zu müssen. Somit sei davon auszugehen, dass der Kläger bei ord-
nungsgemässer Aufklärung über die Prozess- und insbesondere Kostenrisiken
den Prozess vor Bezirksgericht Liestal mit überwiegender bzw. an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geführt hätte und damit der ihm dadurch ent-
standene Schaden bei pflichtgemässem Verhalten des Beklagten bzw. gehöriger
Aufklärung durch diesen mit überwiegender bzw. an Sicherheit grenzender Wahr-
scheinlichkeit nicht eingetreten wäre (Urk. 141 S. 52 E. 2.6.3).
4.5 Als vom Beklagten dem Kläger zu ersetzenden Schaden qualifizierte die
Vorinstanz zunächst die dem Kläger angefallenen Gerichtskosten von
Fr. 10'000.– und die der E._ AG zugesprochene Parteientschädigung von Fr.
126'900.–. Da – so die Vorinstanz weiter – davon auszugehen sei, dass der Be-
klagte (recte Kläger) den Prozess mit der Streitsumme von Fr. 7'000'000.– bei
korrekter Aufklärung durch den Kläger (recte Beklagten) gar nie geführt hätte, sei
auch davon auszugehen, dass ihm keine eigenen Parteikosten entstanden wären,
weshalb er dem Kläger (recte Beklagten) kein Honorar schulde. Die mangelhafte
Auftragserfüllung sei damit einer vollständigen Nichterfüllung gleichzusetzen. Da-
bei könne offen bleiben, ob die vom Beklagten erbrachte Leistung teilweise
brauchbar gewesen sei oder nicht, nachdem der Kläger bei ordnungsgemässer
Aufklärung über die Prozess- und insbesondere Kostenrisiken den Prozess vor
Bezirksgericht Liestal nie geführt und damit eben auch von Anfang an auf die
Leistung als Ganze verzichtet hätte, womit diese für ihn als Ganze unbrauchbar
gewesen sei. Der Beklagte habe dem Kläger damit auch die geleisteten Vor-
schüsse in der Höhe der behaupteten Fr. 39'966.– zurückzuerstatten. Bei dieser
Sach- und Rechtslage bleibe für die Zusprechung der vom Beklagten widerklage-
weise geltend gemachten Honoraransprüche kein Raum. Auch könne der Auffas-
sung des Beklagten, dass der Kläger durch die unterlassene Anfechtung des Ur-
teils des Bezirksgerichts Liestal die Realisierung eines Prozessgewinnes von Fr.
7'000'000.– und damit der Erfolgsprämie von 20% in der Höhe von Fr. 1'400'000.–
treuwidrig verteilt habe, nicht gefolgt werden, weshalb die zur Verrechnung ge-
stellte Forderung von Fr. 1'400'000.– (Erfolgsprämie) nicht ausgewiesen sei. Wie
aufgezeigt scheine nicht überwiegend wahrscheinlich, dass je vernünftige Chan-
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cen bestanden hätten, in einem Gerichtsverfahren einen solchen Prozessgewinn
zu realisieren (Urk. 141 S. 52 f. E. 2.6.4 und 2.6.5).
4.6 Die eingeklagten vorprozessualen Anwaltskosten von Fr. 23'067.70 er-
achtete die Vorinstanz als mit der Parteientschädigung, die auch die Prozessvor-
bereitung umfasse, abgegolten (Urk. 141 S. 53 f. E. 2.6.6). Die Hauptklage war für
die Vorinstanz daher gutzuheissen in der Höhe von Fr. 176'866.– zuzüglich Zins
und abzuweisen im darüber hinausgehenden Umfang; ebenfalls abzuweisen war
das widerklageweise geltend gemachte Leistungsbegehren. Zur negativen Fest-
stellungswiderklage erwog die Vorinstanz, der Kläger habe einen potenziellen
Prozessgewinn im Verfahren vor Bezirksgericht Liestal, der über den geltend ge-
machten Teilhaushaltsschaden von Fr. 23'100.– hinausgehe, weder konkret be-
hauptet noch beziffert, weshalb in teilweiser Gutheissung festzustellen sei, dass
der Beklagte dem Kläger über den zugesprochenen Betrag hinaus nichts schulde
(Urk. 141 S. 54 f. E. 2.6.7 und E. 3).
III.
1.1 Die Berufung wurde form- und fristgerecht erhoben. Sie richtet sich ge-
gen einen erstinstanzlichen Endentscheid. Entgegen der Auffassung des Klägers
(Urk. 148 S. 3 Ziff. 3) ist ein Antrag auf Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils
entbehrlich, wenn ein materieller Antrag in der Sache (hier: auf Klageabweisung)
gestellt wurde. Da auch die Streitwertgrenze erreicht wird, ist auf die Berufung –
unter Vorbehalt hinreichender Begründung – einzutreten (Art. 308 und Art. 311
ZPO).
1.2 Die Berufung ist zu begründen (Art. 311 Abs. 1 ZPO), ansonsten nicht
darauf einzutreten ist. Begründen im Sinne dieser Bestimmung bedeutet aufzei-
gen, inwiefern der angefochtene Entscheid fehlerhaft ist. Dazu muss der Beru-
fungskläger die vorinstanzlichen Erwägungen bezeichnen, die er anficht, sich ar-
gumentativ mit den angefochtenen Urteilserwägungen auseinandersetzen und im
Einzelnen aufzeigen, worin eine unrichtige Rechtsanwendung oder eine unrichtige
Feststellung des Sachverhalts (Art. 310 ZPO) liegt. Dabei hat der Berufungskläger
- 15 -
mittels sauberer Verweisungen die vorinstanzlichen Vorbringen und Aktenstücke
zu benennen, auf denen seine Kritik beruht. Es ist nicht Sache der Rechtsmitte-
linstanz, die Akten und Rechtsschriften des vorinstanzlichen Verfahrens zu durch-
forsten, um festzustellen, was welche Partei wo ausgeführt hat. Ungenügend ist
es, lediglich auf das vor erster Instanz Vorgetragene zu verweisen, sich mit Hin-
weisen auf frühere Prozesshandlungen zufriedenzugeben oder den angefochte-
nen Entscheid in allgemeiner Weise zu kritisieren (BGer 4A_580/2015 vom 11.
April 2016, E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 142 III 271; BGer 4A_263/2015 vom 29.
September 2015, E. 5.2.2; BGer 4A_382/2015 vom 4. Januar 2016, E. 11.3.1).
Abgesehen von offensichtlichen Mängeln hat sich die Berufungsinstanz bei ihrer
Beurteilung grundsätzlich auf die in der schriftlichen Begründung erhobenen Be-
anstandungen zu beschränken (BGE 142 III 413 E. 2.2.4 S. 417). Indes ist die Be-
rufungsinstanz aufgrund der umfassenden Überprüfungsbefugnis nicht an die mit
den Rügen vorgebrachten Argumente oder an die Erwägungen der Vorinstanz
gebunden; sie kann die Rügen auch mit abweichenden Erwägungen gutheissen
oder abweisen (BGer 2C_124/2013 vom 25. November 2013, E. 2.2.2;
Reetz/Hilber, in: Sutter-Somm/Ha-senböhler/Leuenberger, ZPO-Komm., N 21 zu
Art. 318 ZPO; Seiler, Die Berufung nach ZPO, Zürich 2013, N 1507; für das Ver-
fahren vor Bundesgericht: BGE 138 III 537 E. 2.2 S. 540; 137 III 385 E. 3 S. 386;
BSK BGG-Meyer/ Dormann, N 11 f. zu Art. 106 BGG).
1.3 Soweit die Hauptklage abgewiesen wurde, ist das Urteil der Vorinstanz
mit unbenutztem Ablauf der Anschlussberufungsfrist am 11. Januar 2017 in
Rechtskraft erwachsen (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Dies ist vorzumerken.
2. Der Beklagte erhebt verschiedene prozessuale Rügen, die vorab zu be-
handeln sind (E. 2.1.1 bis 2.4.3):
2.1.1 Der Beklagte wirft der Vorinstanz vor, sie habe übersehen, dass der
Kläger sein Rechtsbegehren bzw. seinen Gesamtanspruch nie genau beziffert
habe, weshalb die Klage hätte abgewiesen werden müssen. Von einem unbezif-
ferten Rechtsbegehren sei auch deshalb auszugehen, weil der Kläger im Rechts-
begehren Fr. 223'033.– und 5% Zins auf Fr. 160'000.– verlange, in der Begrün-
- 16 -
dung aber Fr. 233'033.70 (recte: Fr. 223'033.70) und 5% Zins auf Fr. 136'900.–
(Urk. 140 S. 4 ff. Ziff. 7 ff.).
2.1.2 Die Rüge ist unbegründet. Wird die Bezahlung eines Geldbetrages
verlangt, so ist dieser zu beziffern (Art. 84 Abs. 2 ZPO). Der Kläger verlangte in
seiner als "Teilklage" überschriebenen Klageschrift mit Rechtsbegehren Ziffer 1
die Bezahlung von mindestens Fr. 223'000.– zuzüglich Zins und behielt sich in
Rechtsbegehren Ziffer 2 Mehrforderungen vor (Urk. 2 S. 1 f.). Durch die Verwen-
dung des Adverbs "mindestens" wird das Rechtsbegehren Ziffer 1 nicht zur unbe-
zifferten Forderungsklage. Rechtsbegehren sind im Lichte der Begründung auszu-
legen. Der Kläger stellte in der Klageschrift hinreichend klar, dass es sich beim
verlangten Geldbetrag insofern um einen "Mindestbetrag" handelt, als er den
Haushaltsschaden lediglich im Umfange von Fr. 23'100.– einklagt und er sich die
Geltendmachung der restlichen Schadenssumme zu einem späteren Zeitpunkt
vorbehält (Urk. 2 S. 47 Ziff. 64, S. 48 Ziff. 67). Damit ist dem Bestimmtheitsgebot
Genüge getan. Aus dem vom Beklagten zitierten Bundesgerichtsentscheid (BGer
4A_93/2014 vom 4. Juli 2014, E. 4.3.1 ff.) kann für den vorliegenden Fall nichts
abgeleitet werden. Der Kläger hat nie zum Ausdruck gebracht, eine unbezifferte
Forderungsklage oder eine Stufenklage im Sinne von Art. 85 ZPO einzureichen.
Offensichtlich ist zudem, dass der Kläger die in der Begründung aufgeführten
Schadenposten (Fr. 136'900.– Prozesskosten, Fr. 39'966.– Rückforderung Hono-
rar, vorprozessuale Anwaltskosten Fr. 23'067.70, Teilhaushaltsschaden Fr.
23'100.–), total Fr. 223'033.70, im Rechtsbegehren auf Fr. 223'033.– abrundete.
Ein unbestimmtes Rechtsbegehren bzw. eine Klageabweisung resultiert auch
nicht aus der Diskrepanz des ab 15. Mai 2012 zu verzinsenden Betrags gemäss
Rechtsbegehren Ziffer 1 (Fr. 160'000.–; Urk. 2 S. 2) und Begründung (Fr.
136'900.–; Urk. 2 S. 46 Ziff. 63), zumal die Vorinstanz den Zins ohnehin nur auf
dem tieferen Betrag von Fr. 136'900.– zugesprochen und den Haushaltsschaden
(Fr. 23'100.–) abgewiesen hat. Mit Blick auf die Hauptklage war schliesslich eine
über den eingeklagten Betrag hinausgehende Bezifferung des Gesamtanspruchs
nicht notwendig. Die Vorinstanz erwog, weil der Kläger den potentiellen Prozess-
gewinn, der über die geltend gemachten Fr. 23'100.– hinausginge, weder konkret
behauptet noch beziffert habe, sei in teilweiser Gutheissung der negativen Fest-
- 17 -
stellungsklage festzustellen, dass der Beklagte dem Kläger über den zugespro-
chenen Betrag hinaus nichts schulde (Urk. 141 S. 54 E. 3.2). Dies ist die einzige
Konsequenz aus dem prozessualen Verhalten des Klägers; im Ergebnis blieb es
damit bei einem Gesamtschaden von Fr. 223'033.70.
2.2.1 Der Beklagte sieht durch einen Wechsel im Spruchkörper seinen An-
spruch auf ein gesetzmässig besetztes Gericht (Art. 30 Abs. 1 BV) verletzt. Wäh-
rend an der Hauptverhandlung vom 27. Oktober 2015 Vizepräsident Weber den
Vorsitz geführt habe, sei an der Fortsetzung der Hauptverhandlung vom 26. Ja-
nuar 2016 und an Urteilsfällung die Vizepräsidentin Knüsel als Vorsitzende betei-
ligt gewesen. Den Parteien seien weder die beabsichtigte Änderung im Spruch-
körper noch die Gründe dafür bekanntgegeben worden. Nach der bundesgericht-
lichen Rechtsprechung wäre es Sache der Vorinstanz gewesen, auf die beabsich-
tigte Auswechslung eines Richters hinzuweisen und die Gründe dafür zu nennen.
Die Änderung im Spruchkörper wiege umso schwerer, als die neue Vorsitzende
nicht selber wahrgenommen habe, was sich an der ersten Tagfahrt und zuvor ab-
gespielt habe (Redezeitbeschränkung von 45 Minuten, Vergleichsbemühungen
des Referenten Bezirksrichter Maira). Als er am 26. Januar 2016 plötzlich mit ei-
ner neuen Vorsitzenden konfrontiert worden sei, hätten Einwendungen nichts
mehr genützt. Aus diesem Grund sei ein Widerspruch unterblieben, was ohnehin
bedeutungslos sei, da ein unheilbarer formeller Mangel vorliege, der ungeachtet
der materiellen Begründetheit (des Rechtsmittels) zur Aufhebung des angefoch-
tenen Urteils führe (Urk. 140 S. 18 ff. Ziff. 25 ff.).
2.2.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 30 Abs. 1 BV ist
es Sache des Gerichts, die Parteien auf eine beabsichtigte Änderung im einmal
besetzten Spruchkörper und auf die Gründe dafür hinzuweisen. Erst wenn einer
Partei die Gründe für die Besetzungsänderung bekannt gegeben worden sind, ist
sie gehalten, deren Sachlichkeit substanziiert zu bestreiten. Wurde den Parteien
der Grund für die Änderung in der Besetzung im Verlauf des vorinstanzlichen Ver-
fahrens nicht mitgeteilt, kann der Grund für den Wechsel auch noch im Beru-
fungsverfahren nachgeliefert werden (BGE 142 I 93 E. 8.2 S. 94 f.). Der Anspruch
auf ein durch Gesetz geschaffenes Gericht kann verletzt sein, wenn die Zusam-
- 18 -
mensetzung des Spruchkörpers im Verlauf des Verfahrens ohne hinreichende
sachliche Gründe geändert wird. Jede Besetzung, die sich nicht mit sachlichen
Gründen rechtfertigen lässt, verletzt die Garantie des verfassungsmässigen Ge-
richts. Eine Veränderung ist einzelfallbezogen zulässig, beispielsweise wenn ein
Mitglied des Gerichts aus Altersgründen ausscheidet oder wegen einer länger
dauernden Krankheit oder Mutterschaftsurlaub das Amt nicht ausüben kann oder
wenn eine Neukonstituierung des Gerichts die Auswechslung erfordert (BGer
4A_726/2016 vom 12. Mai 2017, E. 3.1.2; 4A_271/2015 vom 29. September
2015, E. 6.2 mit weiteren Hinweisen).
2.2.3 Den vorinstanzlichen Akten lässt sich nicht entnehmen, aus welchen
Gründen um den Jahreswechsel 2015 / 2016 herum der Vorsitz von Vizepräsident
Weber auf Vizepräsidentin Knüsel überging. Aus dem Protokoll der Hauptver-
handlung vom 26. Januar 2016 ist lediglich ersichtlich, dass die Vorsitzende die
Gerichtsbesetzung vorstellte (Prot. I S. 17). Die Berufungsinstanz sah sich daher
veranlasst, bei der Gerichtsleitung des Bezirksgerichts Zürich die Konstituierun-
gen für die 2. Jahreshälfte 2015 und die 1. Jahreshälfte 2016 anzufordern (Prot. II
S. 7). Die angeforderten Beschlüsse gingen am 9. März 2017 ein (Urk. 153, Urk.
155/1+2). Aus ihnen geht hervor, dass bis 31. Dezember 2015 Vizepräsident We-
ber den Vorsitz der 7. Abteilung innehatte und Vizepräsidentin Knüsel per 1. Ja-
nuar 2016 den Vorsitz der 7. Abteilung übernahm (Urk. 155/1 S. 2 und S. 5; Urk.
155/2 S. 2 und S. 5). Zudem ist aus der Konstituierung für die 1. Jahreshälfte
2016 zu ersehen, dass Bezirksrichter Weber als Einzelrichter und Mitglied der 1.
Abteilung konstituiert wurde und bis 30. April 2016 beurlaubt war (Urk. 155 S. 3
f.). Der Beklagte liess sich mit Eingabe vom 24. März 2017 zum Wechsel im Ab-
teilungsvorsitz und im Spruchkörper der 7. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich
und zu den Konstituierungsbeschlüssen vernehmen (Urk. 157).
2.2.4 Der Beklagte macht geltend, die "Konstituierungen des BGZ [seien]
aus dem Recht zu weisen". Obwohl im Kanton Zürich der Vorinstanz standard-
mässig Rechtsmittelschriften mit Gelegenheit zur Stellungnahme übermittelt wür-
den, was auch hier geschehen sei, sei eine Stellungnahme der Vorinstanz unter-
blieben. Damit sei dem formellen Anspruch auf Stellungnahme Genüge getan
- 19 -
worden. Eine erneute Stellungnahme oder gar die Einholung von Unterlagen ver-
biete sich, weil von einem Verzicht auf Stellungnahme durch die Vorinstanz aus-
zugehen sei (Urk. 157 S. 7 f. Ziff. 6).
Die Berufungsinstanz kann wie die Beschwerdeinstanz (Art. 324 ZPO) das
erstinstanzliche Gericht zur Vernehmlassung auffordern (Seiler, Die Berufung, Zü-
rich 2013, N 1070; Hungerbühler/Bircher, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.],
Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. Aufl., 2016, Art. 324 N 2). Weder ent-
spricht dies einem "Standard", noch ist dies hier – entgegen der Darstellung des
Beklagten – geschehen (Prot. I S. 2 ff.). Davon abgesehen verkennt der Beklagte,
dass die Verweigerung einer Stellungnahme durch die Vorinstanz sanktionslos
bleibt und höchstens in eine Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz münden kann (Hungerbühler/Bircher, a.a.O., Art. 324 N 6). Der Be-
rücksichtigung der Konstituierungsbeschlüsse steht daher nichts im Wege.
2.2.5 Die Neukonstituierung per 1. Januar 2016 stellt einen zulässigen
Grund für die Auswechslung des vorsitzenden Richters dar. Dies anerkennt auch
der Beklagte (Urk. 157 S. 6: "ein grundsätzlich zulässiger Grund"). Er vermisst je-
doch Angaben, weshalb die Neukonstituierung ein Auswechseln des Präsidiums
des Spruchkörpers erforderlich gemacht habe und ab wann diese Änderung des
Spruchkörpers absehbar gewesen sei. Auch sei unerfindlich, weshalb der offen-
sichtlich geplante Abgang des Vorsitzenden Weber gegenüber den Parteien ver-
heimlicht und der Wechsel des Präsidiums nicht bereits vor der Hauptverhand-
lung, also vor Oktober 2015, vorgenommen worden sei. Damit hätte sich "der
neue Vorsitz" aus den Akten und aus eigener Wahrnehmung ein klares Bild ver-
schaffen können. Art. 30 Abs. 1 BV und der Grundsatz, wonach der Hauptver-
handlung grosse Bedeutung zukomme, seien übergangen worden (Urk. 157 S . 7
Ziff. 5).
Mit seiner Argumentation verkennt der Beklagte, dass eine Veränderung der
Besetzung einzelfallbezogen aus sachlichen Gründen zulässig ist und die Neu-
konstituierung per se einen sachlichen Grund darstellt. Aus welchen (gerichtsor-
ganisatorischen) Gründen das Plenum eines Bezirksgerichts eine Neukonstituie-
rung vornimmt, muss den Parteien nicht mitgeteilt werden. Soweit der Beklagte
- 20 -
über die Gründe für den Wechsel im Vorsitz der 7. Abteilung mutmasst (Urk. 157
S. 9 ff.), verliert er sich in Spekulation und unbelegten Vorwürfen an die Richter
Weber und Knüsel, die als ungehörig bezeichnet werden müssen. Unerheblich ist,
ob und ab wann die Änderung im Spruchkörper absehbar war. Der Wechsel im
Vorsitz konnte nicht bereits mit Blick auf die am 27. Oktober 2015 durchgeführte
Hauptverhandlung stattfinden, da die Neukonstituierung erst am 4. Dezember
2015 beschlossen wurde und per 1. Januar 2016 in Kraft trat. Schliesslich liegt
auf der Hand, dass die Übernahme des Abteilungsvorsitzes durch Vizepräsidentin
Knüsel ihre Mitwirkung an der Fortsetzung der Hauptverhandlung und an der Ur-
teilsfällung im Jahre 2016 nach sich zog.
2.2.6 Der Beklagte führt weiter ins Feld, eine nachträgliche Rechtfertigung
der Änderung des Spruchkörpers könne nicht zu einer Heilung führen, zumal die
Parteien vor vollendete Tatsachen gestellt und daran gehindert worden seien, ein
Ausstandsbegehren zu stellen, da sie über die Gründe der Auswechslung des
Präsidiums nicht informiert worden seien. Ein Nachschieben von bis anhin unge-
nannten Gründen im zweitinstanzlichen Verfahren könne nicht zulässig sein,
nachdem das verfassungsmässige Recht, von einem unbefangenen, ordentlich
besetzten Gericht beurteilt zu werden, vereitelt worden sei. Nach wie vor seien die
Parteien daran gehindert, ein Ausstandsbegehren zu stellen, da über die Gründe
für den Wechsel keine Klarheit herrsche (Urk. 157 S. 8 f. Ziff. 7).
Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Es wurde bereits erwähnt,
dass die Gründe für einen Wechsel im zweitinstanzlichen Verfahren (mit freier
Prüfung der Tat- und Rechtsfragen) nachträglich bekannt gegeben werden kön-
nen. Dem Beklagten wurde die Möglichkeit geboten, sich zur Neukonstituierung
auf der 7. Abteilung per 1. Januar 2016 zu äussern. Wie ebenfalls bereits aufge-
zeigt, ist das Gericht für die Gründe, die zu einer Neukonstituierung führen, ge-
genüber den Parteien eines konkret betroffenen Verfahrens nicht rechenschafts-
pflichtig. Dies muss jedenfalls solange gelten, als keine Gründe für eine geradezu
missbräuchliche Neukonstituierung dargetan sind. Der vom Beklagten geäusserte
Verdacht, der Vorsitzende Weber habe sich mit einer Versetzung eines missliebi-
- 21 -
gen Falles entledigen wollen (so der Beklagte: Urk. 157 S. 9 ff.), entbehrt jeder
Grundlage.
2.2.7 In seiner Stellungnahme vom 24. März 2017 sieht der Beklagte Art. 30
Abs. 1 BV auch deshalb verletzt, weil die am Verfahren beteiligten und mitwirken-
den Gerichtsschreiberinnen mehrfach ausgewechselt worden seien. Wie der Be-
klagte aber selber einräumt, erhob er in der Berufungsschrift keine dahingehende
Rüge (Urk. 157 S. 3). Die Verletzung von Art. 30 Abs. 1 BV wurde ausschliesslich
mit dem Wechsel im Vorsitz begründet. Da der Beklagte bereits im Laufe des Ver-
fahrens und mit Zustellung des vorinstanzlichen Urteils von den jeweils mitwir-
kenden Gerichtsschreiberinnen Kenntnis erhielt, kann auch nicht gesagt werden,
die Rüge sei erst durch die nachträglich beigezogenen Konstituierungsbeschlüsse
veranlasst worden. Eine Ergänzung der Rechtsmittelbegründung – worauf die ge-
rügte Beteiligung verschiedener Gerichtsschreiberinnen hinausläuft – ist nach Ab-
lauf der Berufungsfrist von 30 Tagen nicht möglich (BGer 5A_979/2014 vom 12.
Februar 2015, E. 2). Darauf ist nicht einzutreten.
2.2.8 Eine Verletzung von Art. 30 Abs. 1 BV liegt nicht vor. Bei diesem Er-
gebnis kann offen bleiben, ob sich der Beklagte nach Treu und Glauben (Art. 52
ZPO) anlässlich der Verhandlung vom 26. Januar 2016 nach den Gründen für den
Richterwechsel hätte erkundigen müssen, zumal gerichtsorganisatorische Fragen
frühestmöglich zu bereinigen sind (BGer 5A_837/2012 vom 25. Juni 2013, E. 5
und dort zitierte Entscheide).
2.3 Der Beklagte erachtet das Gebot der Waffengleichheit und sein An-
spruch auf rechtliches Gehör verletzt, weil den Parteien für den ersten Vortrag an
der Hauptverhandlung vom 27. Oktober 2015 eine Redezeit von je höchstens 45
Minuten zugestanden wurde (Urk. 94) und die Vorinstanz die Auffassung vertrat,
gemäss Art. 229 Abs. 2 ZPO seien Noven im Rahmen des ersten Parteivortrags –
und nicht in einem separaten Vortrag vor dem ersten Parteivortrag (Prot. I S. 11
f.) – vorzubringen (Urk. 140 S. 19 ff. Ziff. 26 ff., S. 25 Ziff. 33). Der Beklagte zeigt
aber nicht auf, welche konkreten, entscheidrelevanten Vorbringen er aufgrund des
Vorgehens der Vorinstanz nicht in den Prozess einbringen konnte und im Urteil
unberücksichtigt blieben. Der Beklagte führte denn auch aus, er habe entschie-
- 22 -
den, das Dilemma so zu lösen, dass möglichst keine Konfrontationen mit der Pro-
zessleitung vor Vorinstanz erfolgt seien und dennoch seine materiellen Verteidi-
gungs- und Angriffsrechte vollumfänglich gewahrt würden (Urk. 140 S. 21 Ziff.
29). Zudem anerkennt er, dass während des Vortrags seines Rechtsvertreters
seitens des Gerichts nicht interveniert wurde (Urk. 140 S. 26 Ziff. 33), obwohl sein
Rechtsvertreter von 15.30 Uhr bis 16.57 Uhr plädierte (Prot. I S. 14 f.). Es kann
daher offengelassen werden, ob eine Redezeitbeschränkung zulässig und welche
Interpretation von Art. 229 Abs. 2 ZPO die Richtige ist.
2.4.1 Schliesslich trägt der Beklagte vor, die an der Verhandlung vom 26.
Januar erstmals eingesetzte neue Vorsitzende, Vizepräsidentin Knüsel, sei über-
haupt nicht über die Vorgänge im Zusammenhang mit den Vergleichsbemühun-
gen des Referenten Maira, die lediglich in (der Berichtigung nicht zugänglichen)
Aktennotizen (gemeint wohl: Urk. 53, 54, 56, 60, 70, 71, 73) niedergelegt worden
seien, und das an der Tagfahrt vom 27. Oktober 2015 Vorgefallene im Bilde ge-
wesen. Das Protokoll einer mündlichen Verhandlung könne nur ungenügend die
Eindrücke und Gegebenheiten wiedergeben, weshalb die Richterbank bei mündli-
chen Verhandlungen gleich besetzt sein müsse wie der Urteilsspruchkörper. "Ent-
sprechend Art. 30 Abs. 1 BV" sei das Urteil der Vorinstanz aufzuheben. Die un-
vollständigen und irreführenden Aktennotizen (über den von der Vorinstanz auf-
gebauten Vergleichsdruck) des Referenten Maira müssten zum gleichen Ergebnis
führen. Dessen Schilderungen der Vergleichsbemühungen und Telefonate wären
protokollpflichtig gewesen. Es liege ein unheilbarer Mangel vor, der die Aufhe-
bung des angefochtenen Urteils erzwinge (Urk. 140 S. 26 ff. Ziff. 33 f.).
2.4.2 Ob eine nachträgliche Änderung im einmal gebildeten Spruchkörper
zulässig ist, tangiert auch den Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 53 Abs. 1
ZPO, Art. 29 Abs. 2 BV). Danach haben die Parteien einen Anspruch darauf, dass
kein Gerichtsmitglied urteilt, das nicht Kenntnis von ihren Vorbringen und vom
Beweisverfahren hat. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist daher verletzt und
das Verfahren ganz oder teilweise zu wiederholen, wenn nicht alle an der Beurtei-
lung beteiligten Gerichtsmitglieder an der ausschliesslich mündlichen, in keinem
Protokoll festgehaltenen Beweisabnahme mitgewirkt haben. Er ist umgekehrt ge-
- 23 -
wahrt, soweit dem an der Beurteilung neu teilnehmenden Gerichtsmitglied der
Prozessstoff durch Aktenstudium zugänglich gemacht werden kann und dadurch
alle am Urteil mitwirkenden Gerichtsmitglieder die gleichen Kenntnisse haben
(BGer 4A_726/2016 vom 12. Mai 2017, E. 3.1.1, 4A_271/2015 vom 29. Septem-
ber 2015, E. 6.1; Hervorhebungen hinzugefügt).
2.4.3 Der Beklagte bezeichnet keine Vorbringen oder Beweise, von denen
Vizepräsidentin Knüsel keine Kenntnis erlangte, und legt nicht dar, inwiefern sich
der ihr in den Akten präsentierte Prozessstoff unvollständig erwies. Weder die
Vergleichsbemühungen des Gerichts noch die unterschiedlichen Auffassungen
über Art. 229 Abs. 2 ZPO, die an der Verhandlung vom 27. Oktober 2015 eine
Rolle spielten, hatten letztlich Einfluss auf den Prozessstoff im Sinne der rechts-
erheblichen Tatsachen. Inwiefern die Vergleichsbemühungen zu einer Benachtei-
ligung des Beklagten führten (vgl. Urk. 140 S. 26 Ziff. 33), ist nicht ansatzweise
ersichtlich. Davon abgesehen sind sowohl der Ablauf der Verhandlung vom 27.
Oktober 2015 als auch die Vergleichsbemühungen resp. Telefonate von der Vor-
instanz sehr detailliert (in 42 Protokollnotizen bzw. sieben Aktennotizen) doku-
mentiert worden. Das Protokoll der Verhandlung wäre ohne Zweifel einer Berich-
tigung zugänglich gewesen. Was die Aktennotizen anbelangt ist zu beachten,
dass die ZPO gar keine Pflicht zur Führung eines umfassenden Verfahrensproto-
kolls kennt, sondern lediglich ein Verhandlungsprotokoll vorschreibt (Art. 235
ZPO). Die Lehre leitet aus dem Gehörsanspruch ab, dass alle wesentlichen Vor-
gänge des Verfahrens bzw. sämtliche entscheidrelevanten Tatsachen und Ergeb-
nisse (schriftlich oder in anderer Weise) festzuhalten sind (Pahud, in: Brunner/
Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. Aufl., 2016,
Art. 235 N 3). Daher mag es zutreffen, dass Telefonnotizen über Vergleichsbe-
mühungen – im Gegensatz zum Protokoll der Verhandlung vom 27. Oktober 2015
– nicht mittels eines Protokollberichtigungsbegehrens angefochten werden kön-
nen. Es folgt aber auch, dass der Beklagte aus diesen Telefonnotizen nichts zu
seinen Gunsten ableiten kann, ist doch weder ersichtlich noch dargetan, inwiefern
sie entscheidrelevante Tatsachen enthalten.
- 24 -
3. In materieller Hinsicht ist zunächst auf die zutreffenden allgemeinen recht-
lichen Erwägungen der Vorinstanz zur Anwaltshaftung, zum Schaden, zur Ver-
tragsverletzung (Sorgfalts- und Aufklärungspflicht), zum Kausalzusammenhang
und zum Honoraranspruch bei Schlechterfüllung zu verweisen (Urk. 141 S. 26 ff.).
Zentrale Bestimmung ist Art. 398 Abs. 2 OR, wonach der Anwalt als Beauftragter
seinem Mandanten für getreue und sorgfältige Ausführung des ihm übertragenen
Geschäfts haftet (Art. 398 Abs. 2 OR). Die Aufklärungs- und Benachrichtigungs-
pflicht des Anwalts ist Ausfluss seiner Treuepflicht. Der Rechtsanwalt ist insbe-
sondere verpflichtet, den Mandanten über Gefahren und Erfolgsaussichten des
bevorstehenden Rechtsstreits zu orientieren (BK-Fellmann, Art. 398 OR N 412).
3.1.1 Der Beklagte beanstandet, die Vorinstanz sei auf seine Vorbringen,
wonach der definitive Eintritt des Schadens weder behauptet noch bewiesen wor-
den sei, mit keinem Wort eingegangen. Sie habe damit das rechtliche Gehör ver-
letzt und eine Rechtsverweigerung gemäss Art. 6 EMRK begangen. Der Beklagte
habe nie bzw. nicht rechtzeitig vor Eintritt der Novenschranke eine Rechtskraftbe-
scheinigung des Urteils des Bezirksgerichts Liestal beigebracht und auch die
Rechtskraft nie rechtzeitig behauptet. Die mit dem Schlussvortrag erfolgte angeb-
liche Einreichung der Rechtskraftbescheinigung sei verspätet, da die Noven-
schranke bereits früher gefallen sei (Urk. 140 S. 8 f. Ziff. 14 ff.).
3.1.2 Der Einwand ist unbegründet. Die Vorinstanz hat in ihren Erwägungen
ausdrücklich festgehalten, das Urteil des Bezirksgerichts Liestal vom 7. Dezember
2011 sei unangefochten bzw. am 15. Mai 2012 in Rechtskraft erwachsen (Urk.
141 S. 5 und S. 54). Damit hat es die Einwendung des Beklagten, Rechtskraft und
bleibende Vermögensverminderung seien nicht dargetan worden (Urk. 98/4 S. 2
ff. Ziff. 44 ff.), implizit verworfen. Die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung ist
nicht zu beanstanden: Bereits das mit der Klageschrift eingereichte Urteil des Be-
zirksgerichts Liestal vom 7. Dezember 2011 trägt einen Rechtskraftvermerk (Urk.
5/44 S. 1). Ebenfalls mit der Klageschrift wurde ausgeführt und belegt, dass dem
Kläger mit Schreiben des Bezirksgerichts Liestal vom 5. Juni 2012 die Ratenzah-
lung bewilligt worden war (Urk. 5/62; Urk. 2 S. 53 Ziff. 79). Der Kläger warf dem
Beklagten in der Klageschrift vor, er habe sorgfaltswidrig eine "res iudicata", d.h.
- 25 -
einen materiell-rechtskräftigen Entscheid, herbeigeführt (Urk. 2 S. 44 Ziff. 57). Der
Beklagte hielt dem Kläger in der Klageantwort vor, das Urteil (KB 44) hätte wei-
tergezogen werden müssen (Urk. 33 S. 22 Ziff. 34); hätte der Kläger das Urteil
(KB 44) weitergezogen, hätte er obsiegt (Urk. 33 S. 59 Ziff. 103). Bei dieser Be-
hauptungs- und Beweislage ist der Vorinstanz weder eine Gehörs- oder Rechts-
verweigerung noch ein sonstiger Fehler in der Sachverhaltsfeststellung oder
Rechtsanwendung vorzuwerfen, auch wenn der Beklagte in der Hauptverhand-
lung vom 27. Oktober 2015 vortragen liess, weder den ordentlichen Vorträgen des
Klägers noch den von ihm eingereichten Beilagen lasse sich eine Rechtskraftbe-
scheinigung des Urteils des Bezirksgerichts Liestal und damit eine bleibende
Vermögensverminderung entnehmen (Urk. 98/4 S. 2 Ziff. 4, S. 4 Ziff. 8). Der neu-
erlichen Beibringung einer Rechtskraftbescheinigung (Urk. 129, Urk. 130) in der
Stellungnahme des Klägers zum Schlussvortrag des Beklagten bedurfte es nicht,
um "das Definitivum der Vermögensverminderung" (Urk. 140 S. 9 Ziff. 15) zu be-
haupten und zu belegen.
3.2.1 Der Beklagte bemängelt, die Vorinstanz habe den von ihm behaupte-
ten Prozessbetrug des Klägers gänzlich unberücksichtigt gelassen. Mit seinen
vorinstanzlichen Vorbringen sei erstellt, dass er vom Kläger vor Erstellung der
Klageschrift gegen die E._ AG angelogen worden sei, indem der Kläger ihm
vorgegaukelt habe, er sei unfallbedingt völlig arbeitsunfähig. Das Gegenteil sei
richtig. Der Kläger sei arbeitsfähig und habe durch den Unfall keinen Schaden im
Sinne des Schadenersatzrechts erlitten. Der Kläger lasse Ansprüche aus verlore-
nem Prozess geltend machen, die gar nicht durchsetzbar gewesen wären, wenn
er den Beklagten, das Bezirksgericht Liestal und die E._ AG nicht über die
Arbeitsfähigkeit angelogen hätte. Es gehe nicht an, dass der Kläger dafür im vor-
liegenden Prozess Rechtsschutz erhalte. Die Inadäquanz müsse dazu führen,
dass dem Kläger jeder Schadenersatzanspruch gegen den Beklagten zu versa-
gen sei. Die Vorinstanz habe ein rechtsmissbräuchliches Verhalten des Klägers
geschützt und übersehen, dass der Kläger aufgrund seines betrügerischen Ver-
haltens gegenüber dem Beklagten gestützt auf Art. 41 Abs. 1 OR schadenersatz-
pflichtig sei (Urk. 140 S. 10 f. Ziff. 17).
- 26 -
3.2.2 Die Kritik des Beklagten geht fehl. Der Beklagte räumt mit Verweis auf
das Anwaltsgeheimnis und seine Treuepflicht selber ein, dass er gegenüber dem
Bezirksgericht Liestal – nachdem er von "diesen Gegebenheiten" erfahren hatte –
Stillschweigen bewahrte (Urk. 14 S. 10 Ziff. 17). Das Bezirksgericht Liestal ging in
seinem Urteil vom 7. Dezember 2011 denn auch ohne Prüfung der vom Beklagten
erwähnten "Gegebenheiten" davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit des Klägers
voraussichtlich dauerhaft zu 100% beeinträchtigt bleibe (Urk. 5/44 S. 1). Die vom
Beklagten erhobenen Vorwürfe, die vom Kläger zurückgewiesen werden (Urk.
148 S. 7 Ziff. 10), blieben mit Blick auf den Ausgang des Verfahrens somit ohne
jegliche Relevanz. Es kann deswegen nicht gesagt werden, die vom Kläger gegen
die E._ AG erhobenen Ansprüche wären wegen der vom Beklagten nunmehr
behaupteten Arbeitsfähigkeit des Klägers ohnehin nicht durchsetzbar gewesen.
Die von der Vorinstanz bejahte Haftung des Beklagten liegt darin begründet, dass
er seine Sorgfalts- und Aufklärungspflicht verletzte und dem Kläger dadurch (adä-
quat kausal) ein Schaden im Rechtssinne erwuchs. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit
des Klägers besteht kein Zusammenhang. Noch in der Klageantwort liess der Be-
klagte überdies verlauten, es hätte in einem Rechtsmittelverfahren für den Kläger
eine "exzellente Ausgangslage" bestanden (Urk. 33 S. 8 Ziff. 13). Ganz abgese-
hen davon lässt sich der Nachweis für die vom Beklagten behauptete Arbeitsfä-
higkeit des Klägers mit den in der Klageantwort genannten Beweismitteln (Urk.
36/20-23) nicht erbringen (Urk. 140 S. 10 Ziff. 17 mit Verweis auf Urk. 33 Ziff. 47
ff.). Sie mögen einzig belegen, dass der Kläger – wie er selbst einräumte (Urk. 64
S. 17 Ziff. 16) – ab und zu unentgeltlich Übersetzungen für den Beklagten ge-
macht hat. Eine Verletzung von Art. 2 ZGB oder Art. 41 OR ist nicht ansatzweise
dargetan.
3.3.1 Der Beklagte wendet sich gegen die vorinstanzliche Erwägung, wo-
nach im Verfahren vor Bezirksgericht Liestal im Zusammenhang mit der beabsich-
tigten Gründung einer Liftbaufirma in Bosnien hinsichtlich der geltend gemachten
Einkommensausfälle überklagt bzw. der geltend gemachte Schaden falsch be-
rechnet worden sei. Diese tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz seien ak-
tenwidrig und ignorierten die Vorbringen der Parteien. Indem der Kläger vor Vor-
instanz fest umrissene Pläne und getroffene Dispositionen bestritten habe, habe
- 27 -
er jegliche Schritte bezüglich Eröffnung einer bosnischen Liftbaufirma kategorisch
in Abrede gestellt. Aus diesem Kontext ergebe sich, dass der Kläger die bosni-
sche Liftbaufirma erfunden und nie die Absicht gehabt habe, in Bosnien eine Lift-
baufirma zu eröffnen. Somit müsse davon ausgegangen werden, dass der Kläger
den Beklagten absichtlich falsch instruiert und ihn als mittelbaren Täter (als willen-
loses Tatwerkzeug) für einen Prozessbetrug benutzt habe. Jedenfalls hätten we-
der der Beklagte selbst noch die E._ AG oder das Bezirksgericht Liestal die
Glaubwürdigkeit und die Richtigkeit der Darlegungen des Klägers zur bosnischen
Liftbaufirma überprüfen können, nachdem der Kläger ihm einen bosnischen An-
walt (der konkrete Abklärungen für die Gründung einer bosnischen Liftbaufirma in
Bosnien vorgenommen habe) und Familienmitglieder (die der Kläger im Hinblick
auf die bosnische Liftbaufirma in der Schweiz ausgebildet haben wolle) genannt
sowie Korrespondenz zwischen dem Kläger und dem bosnischen Anwalt überlas-
sen habe. Das Bezirksgericht Liestal habe alle Noveneingaben, worin der Beklag-
te instruktionsgemäss die Gegebenheiten über die bosnische Liftbaufirma unter
Beilage der Korrespondenz des Klägers mit dem bosnischen Anwalt dargelegt
habe, akzeptiert. Das durch das Bezirksgericht Liestal durchgeführte Beweisver-
fahren und das in Bosnien eingeholte Gerichtsgutachten belegten, dass die Sach-
verhaltsvorbringen und die Konkretisierung der Pläne von diesem Gericht als ge-
nügend eingestuft worden seien. In der Klageantwort sei auch dargetan worden,
dass die Vorbringen zur bosnischen Liftbaufirma genügend substantiiert und spe-
zifiziert gewesen seien, weshalb das Bezirksgericht Liestal Übersetzungen von
Gutachten, die es in Bosnien eingeholt habe, in Auftrag gegeben habe. Der Ein-
wand des Klägers im vorliegenden Prozess, "seine bosnische Firma sei gar nicht
konkret genug gewesen", sei weder mit dem Urteil des Bezirksgerichts Liestal
noch mit dem Verfahrensausgang vor diesem Gericht belegt, im Gegenteil. Es sei
unbestritten geblieben, dass das Bezirksgericht Liestal im Rahmen eines Beweis-
verfahrens in Bosnien ein Gutachten zum Liftbauwesen eingeholt habe (Urk. 140
S. 11 ff. Ziff. 18 ff.).
3.3.2 Die Ausführungen des Beklagten zum angeblichen Prozessbetrug ge-
hen an der Sache vorbei. Das Bezirksgericht Liestal hielt in seinem Urteil dafür,
für den vom Kläger im Zusammenhang mit der von ihm zur Gründung beabsich-
- 28 -
tigten Liftbaufirma in Bosnien geltend gemachten Erwerbsausfall von insgesamt
Fr. 3'000'000.– fehle jeglicher objektiv verwertbarer Anhaltspunkt (Urk. 5/44 S. 7).
Da die abschliessende Willensbildung des Gerichts allein in der schriftlichen Ur-
teilsbegründung zum Ausdruck kommt, ist nicht relevant, dass zuvor Beweiserhe-
bungen über das Liftbauwesen in Bosnien getätigt worden waren (Urk. 36/28). Zu
Recht führte die Vorinstanz aus, die Erhebungen zu Liftfirmen auf dem Balkan
änderten nichts daran, dass die entsprechende Position im seinerzeitigen Verfah-
ren äusserst dürftig dokumentiert und vage geblieben sei und unter anderem kei-
nerlei vor dem Unfall im Hinblick auf diese Firmengründung getätigten Dispositio-
nen behauptet oder belegt worden seien, weshalb der vom Bezirksgericht Liestal
eingenommene Standpunkt zutreffend erscheine (Urk. 141 S. 40 E. 2.4.2.2).
Wenn der Beklagte berufungsweise mit Verweis auf die Klageantwort einfach das
Gegenteil behauptet (Urk. 140 S. 12 f. Ziff. 19: "In Rz 55 der KA ist auch dargetan
worden, dass die Darlegungen zur bosnischen Liftbaufirma genügend substanti-
iert und spezifiziert waren") oder auf eine Eingabe an das Bezirksgericht Liestal
vom 20. Mai 2011 verweist, mit der er die Gegebenheiten über die bosnische Lift-
baufirma unter Beilage der Korrespondenz des Klägers mit "dem bosnischen An-
walt" dargelegt habe (Urk. 140 S. 14 Ziff. 20), vermag er den Berufungsanforde-
rungen nicht zu genügen.
Davon abgesehen erwog das Bezirksgericht Liestal völlig zu Recht, der gel-
tend gemachte Erwerbsausfall von Fr. 3'000'000.– entbehre jeglicher objektiver
Grundlagen. Gemäss Art. 42 Abs. 2 OR ist der nicht ziffernmässig nachweisbare
Schaden mit Rücksicht auf den gewöhnlichen Lauf der Dinge und die vom Ge-
schädigten getroffenen Massnahmen abzuschätzen. Diese Bestimmung soll dem
Geschädigten nicht die Möglichkeit eröffnen, ohne nähere Angaben Schadener-
satzforderungen in beliebiger Höhe zu stellen. Auch im Rahmen der richterlichen
Schadensschätzung müssen die Umstände, die für den Eintritt eines Schadens
sprechen und dessen Abschätzung erlauben oder erleichtern, soweit möglich vom
Geschädigten behauptet und bewiesen werden (BGE 122 III 219 E. 3a S. 221).
Behauptet der Geschädigte einen aussergewöhnlich hohen Schaden, ohne
gleichzeitig Massnahmen nachzuweisen, die für den Eintritt eines solchen Scha-
dens sprechen, darf der Richter nicht darauf abstellen (Fellmann/Kottmann,
- 29 -
Schweizerisches Haftpflichtrecht, Band I, Bern 2012, S. 500 N 1476). In der Kla-
geschrift vom 9. März 2009 wurde zum Schaden ausgeführt, der Kläger hätte –
nebst einem Erwerbseinkommen in der Schweiz von Fr. 5'700'000.– (15 x Fr.
380'000.– pro Jahr) – mit einer (geplanten) Liftbaufirma in Bosnien ab 2009 bis
zum 70. Altersjahr ein zusätzliches Erwerbseinkommen von Fr. 3'000'000.– (20 x
Fr. 150'000.– pro Jahr) erzielt, was mittels Expertise durch einen Sachverständi-
gen im Bereich Liftbau in Bosnien bewiesen werden könne (Urk. 5/40 S. S. 83 f.).
Dass damit die Erfahrungszahlen und Fakten, die eine Objektivierung der Anga-
ben des Geschädigten und eine seriöse Schadensschätzung erlauben, nicht bei-
gebracht wurden, versteht sich von selbst. Die in der Noveneingabe vom 20. Mai
2011 an das Bezirksgericht Liestal erwähnte Besprechung mit dem bosnischen
Rechtsanwalt X2._ über die Gründung einer Firma in Bosnien boten eben-
falls keinen genügende Anhaltspunkt für eine Schadenschätzung in der Grössen-
ordnung von Fr. 3'000'000.– (Urk. 36/30 S. 2 = Urk. 100/26 S. 2). Mit anderen
Worten vermag der Beklagte den vom Bezirksgericht Liestal vermissten objekti-
ven verwertbaren Anhaltspunkt für den eingeklagten zukünftigen Erwerbsausfall
von Fr. 3'000'000.– auch im Berufungsverfahren nicht konkret zu bezeichnen bzw.
zu liefern. Wie der Kläger zutreffend bemerkt (Urk. 148 S. 8 Ziff. 11), war es Sa-
che des Beklagten, anhand der ihm vom Kläger präsentierten (äusserst dünnen)
Faktenlage zu prüfen, ob sich die Geltendmachung einer Schadensposition von
Fr. 3'000'000.– rechtfertigt. Dies gilt unabhängig davon, ob der Kläger tatsächlich
in Bosnien eine Liftbaufirma zu gründen beabsichtigte oder nicht. Das Versäumnis
des Beklagten wäre nicht kleiner, wenn sich nebst jeglichem Anhaltspunkt für ei-
nen Erwerbsausfall von Fr. 3'000'000.– auch das hypothetische Konstrukt einer
Liftbaufirma in Bosnien an sich in Luft auflösen würde. Im Übrigen ist der vom Be-
klagten gezogene Schluss unzulässig: Wenn der Kläger einräumt, er habe weder
fest umrissene Pläne erstellt noch irgendwelche Dispositionen getroffen, bedeutet
dies keineswegs, dass der Kläger nie die Absicht hatte, in Bosnien eine Lift-
baufirma zu eröffnen, und den Beklagten falsch instruierte. Eine Aktenwidrigkeit
bzw. ein Fehler in der Sachverhaltsfeststellung ist nicht dargetan.
3.4.1 Der Beklagte wirft der Vorinstanz vor, sie betrachte das Urteil des Be-
zirksgerichts Liestal im Ergebnis als eine res iudicata (d.h. abgeurteilte Sache),
- 30 -
was bereits im Ansatz falsch sei, da sich im vorliegenden Verfahren andere Per-
sonen gegenüber stehen würden. Obwohl die Vorinstanz erwähnt habe, dass bei-
de Parteien heftige Kritik am Urteil des Bezirksgerichts Liestal vorgebracht hätten,
habe die Vorinstanz Behauptungen und Beweise der Parteien ignoriert, eine Aus-
einandersetzungen mit den Vorbringen der Parteien unterlassen und einfach auf
ein Urteil eines anderen Gerichts in anderer Sache verwiesen, ohne dass die ge-
ringste Bindungswirkung bestehe. Darin liege eine besonders schwerwiegende
Verletzung des rechtlichen Gehörs, die nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung zur absoluten Nichtigkeit des angefochtenen Urteils führen müsse. Diese
Nichtigkeit sei gemäss Art. 20 OR von Amtes wegen zu beachten (Urk. 140 S. 16
ff. Ziff. 22 ff.).
3.4.2 Die Vorinstanz erwog, das Urteil des Bezirksgerichts Liestal und die
ihm zugrundeliegende Begründung seien aufgrund der vorliegenden Prozessak-
ten des seinerzeitigen Verfahrens nachvollziehbar, überzeugend und ohne Weite-
res vertretbar, was namentlich für die Ausführungen zur fehlenden Aktivlegitimati-
on des Klägers, zum fehlenden Kausalzusammenhang zwischen Schadensereig-
nis und geltend gemachtem Schaden sowie zur Schadensberechnung gelte. Es
bestehe daher kein Anlass, den seinerzeitigen Fall gänzlich neu aufzurollen, wie
dies beispielsweise dann angezeigt sein könnte, wenn der Entscheid an einem
gravierenden Fehler litte, wovon jedoch nicht ausgegangen werden könne. Daran
änderten auch die kritischen Ausführungen der Parteien zum Urteil des Bezirks-
gerichts Liestal nichts, auf die nachfolgend soweit erforderlich einzugehen sein
werde (Urk. 141 S. 35 E. 2.3.2; Hervorhebung hinzugefügt). In der Folge behan-
delte die Vorinstanz die dem Beklagten vorgeworfenen Pflichtverletzungen (Einlei-
tung der Klage trotz fehlender Aktivlegitimation, Einleitung der Klage mit überhöh-
tem Streitwert bzw. mangelnder Schadensberechnung, mangelhafte Aufklärung
hinsichtlich der Prozesschancen und Risiken, mangelhafte Aufklärung hinsichtlich
des Kostenrisikos, mangelhafte Darlegung des rechtserheblichen Sachverhalts,
Schaffung einer res iudicata, mangelhafte Begründung des Gesuchs um unent-
geltliche Prozessführung; Urk. 141 S. 36 ff. E. 2.4.1 bis 2.4.7).
- 31 -
3.4.3 Demnach betrachtete sich die Vorinstanz weder an das Urteil des Be-
zirksgerichts Liestal gebunden, noch überging es die Vorbringen des Beklagten.
Gerade mit Bezug auf die verneinte Aktivlegitimation und das Schadensquantitativ
– also in Bereichen, in denen die Vorinstanz eine Sorgfaltspflichtverletzung des
Beklagten bejahte (Urk. 141 S. 36 f. E. 2.4.1 und S. 37 ff. E. 2.4.2) – erfolgten
mehrfache Bezugnahmen auf die Klageantwort des Beklagten (Urk. 33). Welche
Kritik am Urteil des Bezirksgerichts Liestal die Vorinstanz dabei unbeachtet liess,
welche Behauptungen und Beweise sie ignorierte und mit welchen seiner Vor-
bringen sie sich nicht auseinandersetzte, legt der Beklagte nicht näher dar. Inso-
fern kommt er seinen Begründungsanforderungen nicht nach. Von einer Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs und einer Nichtigkeit des angefochtenen Urteils
kann daher keine Rede sein.
3.5.1 Die Vorinstanz wertete als Sorgfaltspflichtverletzung, dass der Beklag-
te die Haftungsklage im Namen des Klägers einleitete, obwohl er sich am 15. Mai
2007 alle Ansprüche des Klägers aufgrund seines Unfalles gegen Haftpflichtige
zahlungshalber abtreten liess (Urk. 5/22). Die am 21. Dezember 2011 erfolgte
Rückzession (Urk. 5/49) änderte für die Vorinstanz nichts an diesem Ergebnis.
Sie erwog, einerseits lägen Sinn und Zweck eines Weiterzuges an eine höhere
Instanz nicht darin, vor Vorinstanz gemachte Anwaltsfehler auszubügeln. Ande-
rerseits wäre ein Weiterzug nicht erfolgversprechend gewesen, weil das Bezirks-
gericht Liestal die Klage mit einer selbständig tragenden Alternativbegründung
auch mangels Kausalzusammenhangs zwischen Schadenereignis und Schaden
abgewiesen habe. Der Beklagte könne aus dem Umstand, dass der Kläger das
erstinstanzliche Urteil nicht angefochten habe, nichts zu seinen Gunsten ableiten
(Urk. 141 S. 36 f. E. 2.4.1).
3.5.2 Der Beklagte vertritt den Standpunkt, es müsse zu Sicherungszwecken
möglich sein, dass der ganze Klageanspruch sicherungshalber an den prozess-
führenden und vorfinanzierenden Anwalt abgetreten werde. Die von der Vor-
instanz zur Diskussion gestellte limitierte Abtretung bis zur Höhe der Honorarfor-
derung sei undurchführbar und nicht praktikabel. Die sicherungshalber erfolgte
volle Abtretung des Klageanspruchs (Sicherungszession) als einzig praktikable
- 32 -
Lösung habe keine Änderung der Aktivlegitimation herbeigeführt, zumal der
E._ AG und dem Bezirksgericht Liestal habe klar sein müssen, dass es nicht
um einen definitiven wirtschaftlichen Übergang der Forderung auf den Beklagten
gegangen sei. Das Bezirksgericht habe denn auch ein umfangreiches Beweisver-
fahren durchgeführt und die Frage der Aktivlegitimation bewusst ignoriert. Wenn
der Kläger seiner Schadensminderungspflicht nicht nachgekommen sei, weil er
nach erfolgter Rückzession (ein zulässiges echtes Novum) das Urteil des Be-
zirksgerichts Liestal nicht angefochten habe, falle ihm ein grosses Selbstver-
schulden zur Last, das zur Versagung jeglicher Schadenersatzansprüche gegen
den Beklagten führen müsse. Aber selbst wenn ein Anwaltsfehler vorliegen wür-
de, übersehe die Vorinstanz, dass die Klage vom Bezirksgericht Liestal mit einer
selbständigen Alternativbegründung mangels adäquaten Kausalzusammenhangs
abgewiesen worden sei, weshalb der Kläger ohnehin ein Rechtsmittel hätte erhe-
ben müssen und sich die ganze Frage der Aktivlegitimation erübrige. Die Frage
des Kausalzusammenhangs sei aber auch nach den Feststellungen der Vor-
instanz vom Beklagten nicht falsch behandelt worden (Urk. 140 S. 31 ff. Ziff. 35
ff.).
3.5.3 Die Ausführungen des Beklagten zur Sicherungszession sind nicht
stichhaltig. Der Sicherungszessionar wird alleiniger Gläubiger der abgetretenen
Forderung. Als solcher ist er zur Prozessführung hinsichtlich des Abtretungsge-
genstandes aktiv- und passivlegitimiert, insbesondere gegenüber dem debitor
cessus. Der Sicherungszessionar ist nicht bloss Bevollmächtigter des Zedenten,
sondern handelt im eigenen Namen und aus eigenem Recht (BK-Zobl/Thurnherr,
ST N 1600, mit Verweis auf Lehre und Rechtsprechung). Demzufolge hat das Be-
zirksgericht Liestal die Klage des Klägers zu Recht mangels Aktivlegitimation ab-
gewiesen.
3.5.4 Ob die Rückzession vom 21. November 2011 und ein Weiterzug des
Urteils vom 7. Dezember 2011 daran noch etwas hätten ändern können, kann of-
fen gelassen werden. Selbst wenn die Rückzession als echtes Novum zugelassen
worden wäre (BGer 4A_439/2014 vom 16. Februar 2015, E. 5.3), die Gläubiger-
stellung des Klägers bejaht und seine Klage gutgeheissen worden wäre, steht
- 33 -
nicht fest, ob dies Einfluss auf die erstinstanzlichen Kosten- und Entschädigungs-
folgen gehabt hätte. Denn das späte Vorbringen von Angriffs- oder Verteidi-
gungsmitteln kann bei der Kostenverlegung berücksichtigt werden (BGE 123 III
220 E. 4d S. 229 f.; KUKO ZPO-Schmid, Art. 108 N 2). Diesen Aspekt lässt der
Beklagte ausser Acht. Entscheidend ist nun allerdings, dass die Vorinstanz die
Klage nicht wegen dieser Sorgfaltspflichtverletzung gutgeheissen hat. Sie hielt
nämlich ausdrücklich fest, dass auch bei gegebener Aktivlegitimation ein für den
Kläger negatives Urteil ergangen wäre, weil das Bezirksgericht Liestal von einer
Unterbrechung des Kausalzusammenhangs ausgegangen sei (Urk. 141 S. 51 E.
2.6.2). Die Vorinstanz bejahte eine Ersatzpflicht des Beklagten aufgrund der "üb-
rigen festgestellten Sorgfaltspflichtverletzungen", indem sie schloss, dass der Be-
klagte die Klage mit überhöhtem Streitwert bzw. mangelhafter Schadensberech-
nung eingeleitet und den Kläger hinsichtlich der Prozesschancen und -risiken,
insbesondere des Kostenrisikos nur ungenügend aufgeklärt habe (Urk. 141 S. 52
E. 2.6.3). Unberechtigt ist daher die Kritik des Beklagten, die Vorinstanz sei auf
seine Vorbringen zum "Ohnehinschaden" nicht eingegangen, was eine materielle
Rechtsverweigerung und eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstelle. Da
der Beklagte zudem anerkennt, dass sich mit Blick auf die verneinte Kausalität
"die ganze Frage der Aktivlegitimation erübrigt" (Urk. 140 S. 40 Ziff. 44), sind sei-
ne Vorbringen zur Aktivlegitimation nicht geeignet, den vorinstanzlichen Entscheid
aus den Angeln zu heben.
3.6.1 Zur Einleitung der Klage vor dem Bezirksgericht Liestal mit überhöh-
tem Streitwert bzw. mangelhafter Schadensberechnung erwog die Vorinstanz,
was folgt (Urk. 141 S. 37 ff. E. 2.4.2):
«2.4.2.1. Im Verfahren vor Bezirksgericht Liestal wurden Fr. 7'000'000.--  gemacht, wobei in der Klagebegründung vom 9. März 2009 von einem eigentlich geschuldeten Betrag in der Höhe von Fr. 8'796'597.-- die Rede ist (act. 5/40 S. 86 bzw. im Einzelnen S. 80 ff.). Das Bezirksgericht Liestal setzte sich in Erwägung 6 seines Entscheids mit der Frage auseinander, ob der  Schaden hinreichend belegt wurde oder als spekulativ, masslos überrissen und unbelegt bezeichnet werden müsse. Obschon es eingangs der Erwägung noch festhielt, diese Frage könne offen bleiben, führte es in der Folge aus, der geltend gemachte Erwerbseinkommensausfall lasse sich "noch nicht hinreichend belegen". Insbesondere müssten "die vom Kläger im Zusammenhang mit seiner selbstständigen Erwerbstätigkeit in der Schweiz geltend gemachten Einkommenszahlen von zwischen Fr. 300'000.-- und
- 34 -
Fr. 350'000.-- pro Jahr zweifelsohne als zu hoch bemessen bezeichnet " und für den von ihm "im Zusammenhang mit der von ihm zur Gründung beabsichtigten Liftbaufirma in Bosnien geltend gemachten Erwerbsausfall von insgesamt Fr. 3'000'000.--" fehle "jeglicher objektiv verwertbarer ". Der geltend gemachte Gesamtschaden von insgesamt Fr. 8'796'597.-- könne "nicht ohne weiteres als tatsächlich gegeben angesehen werden". In Erwägung 7 heisst es schliesslich, der "geltend gemachte Gesamtschaden von Fr. 8'796'597.--" habe "in weiten Teilen als unbelegt zu gelten" (act. 5/44 S. 6 f.).
2.4.2.2. Auch wenn das Bezirksgericht Liestal die Schadensfrage nicht  prüfte, muss gestützt auf seine auch in diesem Punkt  Erwägungen, die sich mit dem vorliegenden Aktenmaterial des  Prozesses ohne weiteres in Einklang bringen lassen, davon  werden, dass im damaligen Verfahren hinsichtlich der geltend  Erwerbseinkommensausfälle überklagt bzw. der geltend gemachte Schaden falsch berechnet wurde (vgl. dazu u.a. act. 5/40 S. 80 ff.).  von der Beurteilung der Kausalitätsfrage (vgl. dazu Erwägung 4 des ) hätte sich im Vergleichs- wie im Urteilsfall realistischerweise  ein Bruchteil der eingeklagten Summe als Prozessgewinn realisieren .
Daran vermögen die Vorbringen des Beklagten nichts zu ändern. Dieser macht unter anderem geltend, sämtliche Darlegungen in der seinerzeitigen Klagebegründung seien von der E._ AG nicht hinreichend bestritten worden. So sei im Rahmen der Schlusseinleitungsverhandlung am 10.  2009 von der E._ AG nicht bestritten worden, dass der Kläger arbeitsunfähig geworden sei. Damit habe die E._ AG auf Einreden zum Quantitativ des Schadens verzichtet. Ebenso habe sie damit auf allfällige Einwendungen zur Aktivlegitimation verzichtet. Damit hätte das Bezirksgericht Liestal keine Überlegungen zur Substantiierung und Spezifizierung des  gemachten Schadenersatzanspruches anstellen dürfen und im Urteil die Forderungssumme als anerkannt darstellen müssen (act. 33 S. 33 Rz. 54 und S. 36 f. Rz. 56 f.). Zunächst ist festzuhalten, dass es dem Gericht  freistand, sich in seinem Entscheid auch zu Fragen zu äussern, die es letztlich nicht abschliessend beurteilte bzw. offen liess, wie eben die Frage des Schadens. Die Einwände treffen sodann auch in tatsächlicher Hinsicht nicht zu: So liess die E._ AG in ihrer Klageantwort vom 10. Juni 2009 mehrmals ausführen, der Unfall des Klägers sei vollumfänglich , und es treffe sie keine Haftung. Entsprechend seien der Lebenslauf des Klägers und dessen mannigfaltigen Erwerbstätigkeiten ohne Belang. Die Ausführungen über die beruflichen Absichten und mutmasslichen  des Klägers wurden als rein spekulativ bestritten. Weiter seien die  Berechnungen des behaupteten Schadens "spekulativ, masslos  und unbelegt" (act. 36/15 S. 2-4). Sodann liess die E._ AG  Protokoll der Schlusseinleitungsverhandlung vom 10. September 2009 zwar ausführen, es werde nicht bestritten, dass der Kläger durch den Unfall arbeitsunfähig geworden sei, da der Prozess ja auf die Haftungsfrage  sei (act. 36/26; betreffend das unleserliche Datum vgl. auch act. 36/27), hielt jedoch anlässlich der Hauptverhandlung vom 7. Dezember 2011 ausdrücklich fest, die eingeklagte Forderung sei "masslos übersetzt" und bestehe auch aus "rein fiktiven Punkten" (act. 100/106 S. 7). Wie sich hieraus ergeben soll, dass die E._ AG auf Einreden zum Quantitativ des Schadens verzichtete, ist nicht nachvollziehbar, ebensowenig, weshalb das
- 35 -
Bezirksgericht Liestal die geltend gemachte Forderungssumme hätte als  darstellen müssen.
Weiter wird vom Beklagten bemängelt, das Bezirksgericht Liestal habe bei der Beurteilung der Einkommensverhältnisse des Klägers fälschlicherweise auf sein steuerbares Einkommen abgestellt, obschon es sich dabei nur um ein Indiz gehandelt habe (act. 33 S. 34 Rz. 54). Hierzu ist lediglich zu sagen, dass nicht einsichtig ist, worauf das Bezirksgericht Liestal mangels anderer Behauptungen und Belege denn sonst hätte abstellen sollen. Sodann wurden vom Beklagten die Ausführungen im Urteil des Bezirksgerichts Liestal zu den behaupteten Umsätzen und Gewinnen der geplanten Liftfirma in Bosnien  (act. 33 S. 35 f. Rz. 55 f.). Zwar wurden im Rahmen des Prozesses vor Bezirksgericht Liestal Erhebungen zu Liftfirmen im Balkan gemacht (act. 36/27-29). Dies ändert jedoch nichts daran, dass die entsprechende Position im seinerzeitigen Verfahren äusserst dürftig dokumentiert und vage blieb und unter anderem keinerlei vor dem Unfall im Hinblick auf diese Firmengründung getätigte Dispositionen behauptet oder belegt wurden (vgl. in der  Klageschrift, act. 5/40 S. 83 f. Rz. 124). Der vom Bezirksgericht Liestal eingenommene Standpunkt, wonach für den vom Kläger im Zusammenhang mit der von ihm beabsichtigten Gründung der Liftbaufirma in Bosnien geltend gemachten Erwerbsausfall von insgesamt Fr. 3'000'000.-- jeglicher objektiv verwertbarer Anhaltspunkt fehlte (act. 5/44 S. 7 E. 6.), ist daher ebenfalls . Vor diesem Hintergrund kann denn auch von einer Verletzung der Verhandlungs- und Dispositionsmaxime durch das Bezirksgericht Liestal nicht die Rede sein (act. 33 S. 37 Rz. 58 und 39 Rz. 63). Soweit der Beklagte schliesslich erneut geltend macht, das Urteil hätte, da fehlerhaft, vom Kläger weitergezogen werden können bzw. müssen (act. 33 S. 37 Rz. 58), ist dieser Einwand auch in diesem Zusammenhang unbehelflich (vgl. dazu bereits  vorne V.2.4.1.).
Schliesslich ist festzuhalten, dass der Beklagte ein Überklagen zwar in  stellt, jedoch geltend macht, es sei gerichtsnotorisch, dass in  "überklagt" werde (act. 33 S. 59 Rz. 103). Das mag zutreffen, und es ist auch durchaus so, dass dies bisweilen prozesstaktisch indiziert und im Ergebnis zielführend sein kann. Ein solches Vorgehen setzt aber nicht nur die berechtigte Erwartung auf ein vergleichsweises Einlenken der Gegenpartei voraus, sondern muss vor allem mit dem Klienten klar abgesprochen sein, insbesondere auch im Hinblick auf die damit verbundenen Kosten für den Fall, dass diese Taktik nicht zielführend ist, mithin, wie vorliegend, die  nicht zu einem vergleichsweisen Einlenken bereit ist und man  (vgl. dazu auch vorne unter V.1.3.). Gestützt auf die vom Beklagten  Beweise, namentlich die zwischen ihm und dem Kläger geführte Korrespondenz (vgl. dazu sogleich nachfolgend unter V.2.4.3.1.), lässt sich jedoch nicht erstellen, dass ein solches Vorgehen unter Hinweis auf die damit einhergehenden (Kosten-)Risiken abgesprochen worden wäre. Vielmehr  Zweifel, ob vorliegend überhaupt bewusst überklagt wurde, stellte der Beklagte dem Kläger mit Schreiben vom 7. November 2011 einen Tag vor der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Liestal doch einen unter den  Umständen doch eher unrealistischen Prozessgewinn von "deutlich über Fr. 7'000'000.--" in Aussicht (act. 5/45 S. 3 = 36/7 S. 4).
2.4.2.3. Damit ist zu diesem Punkt abschliessend festzuhalten, dass der  vor Bezirksgericht Liestal eine Klage mit überhöhtem Streitwert  bzw. den Schaden falsch berechnet hat, was als Sorgfaltspflichtverlet-
- 36 -
zung zu qualifizieren ist, zumal er im vorliegenden Verfahren insbesondere weder dartun konnte, dass mit dem Kläger ein bewusstes Überklagen  war, noch wie der vor Bezirksgericht Liestal geltend gemachte Schaden auch nur zu einem kleinen Teil hätte bewiesen werden können.»
3.6.2 Der Beklagte wirft der Vorinstanz vor, sie übersehe, dass gemäss Art.
8 ZGB der Kläger als Anwaltsklient den Schaden und die Sorgfaltspflichtsverlet-
zung zu behaupten und zu beweisen habe. Den Eingaben des Klägers könne
zwar die Auffassung entnommen werden, der Beklagte habe masslos überklagt;
indes fehlten substantiierte und spezifizierte Vorwürfe in Bezug auf den Schaden.
Den Eingaben des Klägers könne an keiner Stelle entnommen werden, wie hoch
der Betrag sei, den die E._ AG dem Beklagten bei richtigem Vorgehen des
Anwalts als Schadenersatz hätte zahlen müssen und wie denn der Schaden hätte
dargetan werden müssen. Somit sei der Schaden vom Kläger nie substantiiert
und spezifiziert behauptet und bewiesen worden (Urk. 140 S. 41 f. Ziff. 45).
Der Kläger hat die ihm von der Vorinstanz zugesprochenen Schadener-
satzpositionen bereits in der Klageschrift vom 6. Juni 2013 auf Franken und Rap-
pen beziffert, indem er ausführte, ihm seien Prozesskosten von Fr. 136'900.–
(Gerichtsgebühr und Parteientschädigung) sowie Fr. 39'966.– (bezahltes Hono-
rar) zuzüglich Zins angefallen, die ihm vom Beklagten zu ersetzen seien (Urk. 2 S.
45 f. Ziff. 59 ff.). Als Verletzung der anwaltlichen Sorgfaltspflicht wertete es der
Kläger insbesondere, dass der Beklagte den bisherigen Erwerbsausfall von
Fr. 1'720'000.– (November 2003 bis Februar 2009), den zukünftigen durchschnitt-
lichen Erwerbsausfall von Fr. 380'000.– pro Jahr, total Fr. 5'700'000.–, und den
mit einer noch zu eröffnenden Liftbaufirma in Bosnien erzielbaren Gewinn von
Fr. 3'000'000.– in keiner Weise substantiiert bzw. belegt habe (Urk. 2 S. 26 ff. Ziff.
21 ff.). Zum Nachweis, dass der eingeklagte Schaden spekulativ, masslos über-
rissen und unbelegt geblieben ist (Urk. 64 S. 17 f. Ziff. 17), berief sich der Kläger
insbesondere auf die vom Beklagten verfasste Klagebegründung vom 9. März
2009 (Urk. 2 S. 25 ff. Ziff. 20 bis 27; Urk. 64 S. 17 ff. Rz 17 f.). Die Vorinstanz kam
unter Verweis auf die Ausführungen zum Schaden in der Klagebegründung vom
9. März 2009 (Urk. 5/40 S. 80 ff.) zum Schluss, dass im damaligen Verfahren hin-
sichtlich der geltend gemachten Erwerbseinkommensausfälle überklagt bzw. der
geltend gemachte Schaden falsch berechnet worden sei und sich im Vergleichs-
- 37 -
wie im Urteilsfall bestenfalls ein Bruchteil der eingeklagten Summe als Prozess-
gewinn hätte realisieren lassen, woran die Vorbringen des Beklagten nichts zu
ändern vermöchten (Urk. 141 S. 38). Wo aber das Gericht in Würdigung von Be-
weisen zur Überzeugung gelangt, eine Tatsachenbehauptung sei bewiesen oder
widerlegt, ist die Beweislastverteilung gegenstandslos und liegt Beweiswürdigung
vor, die nicht durch Art. 8 ZGB geregelt wird (BGE 128 III 22 E. 2.d S. 25; BGer
4A_240/2008 vom 12. Dezember 2008, E. 1.2). Eine Verletzung von Art. 8 ZGB
ist nicht ersichtlich. Entgegen der Auffassung des Beklagten genügt auch die
Feststellung, dass überklagt bzw. mit Bezug auf den geltend gemachten Erwerb-
sausfall eine mangelhafte Berechnung des Schadens erfolgt ist. Bei einer Ge-
samtforderung von Fr. 8'796'597.– machten die nebst dem Erwerbsausfall geltend
gemachten Schadenspositionen und die Genugtuung gerade einmal Fr. 38'178.–
bzw. Fr. 220'000.– aus (Urk. 5/40 S. 83 und S. 86). Weder der Kläger noch die
Vorinstanz mussten darlegen, welcher Schaden sich "bei richtigem Vorgehen"
hätte rechtsgenügend begründen und belegen lassen.
3.6.3 Soweit der Beklagte an dieser Stelle erneut geltend macht, seine
Schadensberechnung bezüglich Liftbaufirma in Bosnien habe sehr wohl auf ver-
wertbaren Anhaltspunkten basiert und auch das Bezirksgericht Liestal habe sämt-
liche aufgestellten Behauptungen als genügend substantiiert und spezifiziert er-
klärt, weshalb es ein Gutachten in Bosnien in Auftrag gegeben habe (Urk. 140 S.
42 f. Ziff. 46 f., S. 46 Ziff. 50), kann zunächst auf das in E. III/3.3.2 Ausgeführte
verwiesen werden. Der Beklagte verkennt erneut, dass eine richterliche Scha-
densschätzung gemäss Art. 42 Abs. 2 OR den Kläger nicht davon entbindet,
sämtliche Tatsachen darzulegen und zu beweisen, welche für die Existenz eines
Schadens sprechen und eine Schadensschätzung ermöglichen oder erleichtern.
Zwar kann eine richterliche Schadensschätzung nicht nur mit Bezug auf die Höhe
sondern auch mit Bezug auf die Existenz eines Schadens Platz greifen. Immer
aber muss sich die Existenz eines Schadens mit einer gewissen Überzeugungs-
kraft aufdrängen und die Grössenordnung des Schadens "hinreichend fassbar"
werden (BSK OR I-Kessler, Art. 42 N 10b, mit Verweis auf die Rechtsprechung).
Wie ebenfalls in E. III/3.3.2 bereits dargelegt wurde, reichten dafür die Angaben
des Beklagten in der Klageschrift vom 9. März 2009 auch unter Berücksichtigung
- 38 -
seiner späteren Noven "zur Gründung der bosnischen Liftbaufirma" (Urk. 140 S.
46 f. Ziff. 50) nicht aus. Überhaupt nicht nachzuvollziehen ist, inwiefern der Be-
klagte die Schadensberechnung "gestützt" bzw. "anhand" des vom Bezirksgericht
Liestal in Bosnien eingeholten Gutachtens ermittelt bzw. vorgenommen hätte
(Urk. 140 S. 42 Ziff. 46, S. 47 Ziff. 50).
3.6.4 Das Bezirksgericht Liestal erwog, die im Zusammenhang mit der selb-
ständigen Erwerbstätigkeit in der Schweiz geltend gemachten Einkommenszahlen
von Fr. 300'000.– bis Fr. 350'000.– pro Jahr müssten zweifelsohne als zu hoch
bemessen werden, da sich den vom Kläger ins Recht gelegten Steuerunterlagen
jedenfalls für die Zeit unmittelbar vor dem Unfall lediglich ein Erwerbseinkommen
von maximal Fr. 164'000.– entnehmen lasse (Urk. 5/44 S. 7). Der Beklagte macht
geltend, auch die Vorinstanz habe ein Einkommen zwischen Fr. 300'000.– und Fr.
350'000.– als "zweifelsohne" zu hoch bemessen betrachtet. Sie urteile abwegig,
wenn sie bloss erwähne, seine Vorbringen vermöchten daran nichts ändern. Sie
begehe eine materielle Rechtsverweigerung und verletze den Anspruch auf recht-
liches Gehör, indem sie von einer falschen Beweislastverteilung ausgehe und
nicht ansatzweise erkläre, wie sie selbst zu dieser Einschätzung gelange (Urk.
140 S. 43 Ziff. 47).
Die Vorinstanz hat es nicht bei dem Hinweis, die Vorbringen des Beklagten
vermöchten daran nichts zu ändern, belassen. Sie ist vielmehr auf die einzelnen
Vorbringen eingegangen (Urk. 141 S. 38 ff. E. 2.4.2.2). Sie erwog unter anderem,
der Beklagte bemängle, das Bezirksgericht Liestal habe bei der Beurteilung der
Einkommensverhältnisse des Klägers fälschlicherweise auf das steuerbare Ein-
kommen abgestellt, obschon es sich dabei nur um ein Indiz handle. Dazu sei le-
diglich zu sagen, dass nicht einsichtig sei, worauf das Bezirksgericht Liestal man-
gels anderer Behauptungen und Belege denn sonst hätte abstellen sollen (Urk.
141 S. 39 E. 2.4.2.2). Diese Begründung ist zwar kurz, aber ausreichend, weshalb
weder eine materielle Rechtsverweigerung noch eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs vorliegt. Berufungsweise trägt der Beklagte dagegen an, er habe mit Be-
zug auf die schweizerische Firma in der Klageantwort, Rz 54, dargetan, dass
sämtliche Einkommensverhältnisse des Klägers anhand sämtlicher bezahlter
- 39 -
Rechnungen der beiden einzigen Kunden des Klägers, der G._ AG und der
H._ AG, behauptet und bewiesen worden seien. An der gleichen Stelle in der
Klageantwort sei auch gerügt worden, das Bezirksgericht Liestal habe verkannt,
dass der Schaden so konkret wie möglich vom Kläger zu beweisen gewesen sei,
was anhand der gesamten Bruttoumsätze offensichtlich korrekt erfolgt sei. Statt-
dessen habe das Bezirksgericht Liestal auf Steuerzahlen abgestellt, die weniger
präzise seien. Der Gläubiger habe den Schaden zu behaupten und beweisen; der
Haftpflichtige müsse diesen substantiiert bestreiten und alle Herabsetzungsgrün-
de als rechtshindernde Tatsachen behaupten und nachweisen. Dies gelte auch
für die (von ihm unterlassene) Kapitalisierung des Schadenersatzanspruchs (Urk.
140 S. 45 Ziff. 49).
Bereits in der Klageantwort (Urk. 33 S. 33 f. Ziff. 54) führte der Beklagte an
der besagten Stelle aus, die Einkommensverhältnisse seien detailliert behauptet
und bewiesen worden anhand sämtlicher bezahlten Rechnungen der G._
und der H._ AG. Das Bezirksgericht Liestal stelle fälschlicherweise auf das
steuerbare Einkommen ab, das gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
bloss ein Indiz, nicht aber einen genügenden Beweis darstelle. Der Beklagte habe
den Schaden des Klägers so konkret wie möglich bewiesen, "was offensichtlich
nur mit seinen gesamten Bruttoumsätzen möglich" gewesen sei. Beim Kapitalisie-
rungsfaktor handle es sich um eine rechtshindernde Tatsache, die von der
E._ AG hätte substantiiert vorgetragen werden müssen.
Die Ausführungen und Rügen des Beklagten gehen fehl. Der Schaden ist
vom Geschädigten zu behaupten und zu beweisen. Gleich wie beim Unselbstän-
digen ist auch bei einem Selbständigerwerbenden vom Nettoeinkommen auszu-
gehen (BGE 129 III 135 E. 2.2 S. 141 ff.). Sein Einkommen besteht im erwirt-
schafteten Reingewinn, der entweder als Vermögensstandsgewinn (Differenz
zwischen dem Eigenkapital am Ende des laufenden und am Ende des vorange-
gangenen Geschäftsjahres) oder als Gewinn in einer ordnungsgemässen Ge-
winn- und Verlustrechnung ausgewiesen wird. Erst aus dem betriebswirtschaftlich
korrekt ermittelten Gewinn ergibt sich das Nettoeinkommen des selbständigen
Unternehmers (Fellmann/Kottmann, a.a.O., N 1602 f., 1608). Der Kläger betrieb
- 40 -
eine im Handelsregister eingetragene Einzelfirma und war zur Buchführung ver-
pflichtet (Art. 957 Abs. 1 OR). Allein mit Rechnungen und Bruttoumsätzen liess
sich sein haftpflichtrechtlich relevantes Einkommen nicht ansatzweise ermitteln.
Wenn das Bezirksgericht Liestal und die Vorinstanz darauf hinwiesen, aufgrund
der ebenfalls zum Beweis angerufenen Steuerunterlagen (Urk. 5/40 S. 44), denen
sich für die Zeit vor dem Unfall ein Erwerbseinkommen von max. Fr. 164'000.–
pro Jahr entnehmen liesse, seien Einkommenszahlen von Fr. 300'000.– bis Fr.
350'000.– zweifelsohne als zu hoch bemessen, ist dies nicht zu beanstanden,
zumal der Beklagte anerkennt, dass die Steuererklärungen als Indiz in die Be-
weiswürdigung miteinbezogen werden dürfen (vgl. Fellmann/Kottmann, a.a.O., N
1638). Angesichts der nicht aussagekräftigen Bruttoumsätze stellten die Veranla-
gungsverfügungen das einzige Indiz für das monatliche Nettoeinkommen dar. Es
kann daher keine Rede davon sein, die Behauptung des Schadens sei "weit prä-
ziser" erfolgt als mittels Steuererklärung (Urk. 140 S. 46 Ziff. 49). Der Beklagte irrt
auch, wenn er meint, der Kapitalisierungsfaktor sei als rechtshindernde Tatsache
nur auf Einwendung des Haftpflichtigen hin zu prüfen. Die Kapitalisierung mit ei-
nem Kapitalisierungszinsfuss von 3.5% ist Teil der Berechnung des Personen-
schadens (Fellmann/Kottmann, a.a.O., N 1599 f.; BGE 129 III 135 E. 2.3.2.3 S.
148). Dies sah auch der Beklagte in seinem Schreiben vom 8. Juli 2008 nicht an-
ders (Urk. 5/27). Zur Rüge der fehlerhaften Beweislastverteilung wurde im Übri-
gen bereits Stellung genommen.
3.6.5 Der Beklagte hält in der Berufung daran fest, dass die E._ AG das
eingeklagte Schadensquantitativ vor Bezirksgericht Liestal gar nicht substantiiert
bestritten habe und das Bezirksgericht Liestal den behaupteten Schaden über-
haupt nicht als bestritten hätte betrachten dürfen. Der Kläger habe weder behaup-
tet noch belegt, dass die E._ AG den behaupteten Schaden in der Klageant-
wort als "spekulativ, masslos überrissen und unbelegt" bezeichnet habe. Die Vo-
rinstanz verkenne, dass die E._ AG an der Schlusseinleitungsverhandlung
vom 10. September 2009 mit ihrer Äusserung, der Prozess sei auf die Haftungs-
frage beschränkt und die Arbeitsunfähigkeit des Klägers unbestritten, auf Einre-
den zum Quantitativ verzichtet habe. Aus dem Gesamtzusammenhang ergebe
sich, dass mit der "Haftungsfrage" einzig gemeint sei, dass der Kläger nicht vom
- 41 -
Gerüst sondern vom Mauervorsprung abgestützt sei, weshalb keine substantiier-
ten Bestreitungen zum Schadensquantitativ vorgenommen worden seien. Auf die-
ses irrtumsfeindliche und unwiderrufliche Zugeständnis habe die E._ AG
später an der Hauptverhandlung auch aus novenrechtlichen Gründen nicht mehr
zurückkommen dürfen, als sie die eingeklagte Forderung als masslos übersetzt
und aus rein fiktiven Punkten bestehend bezeichnet habe. Zu rügen bleibe, dass
die Vorinstanz überhaupt nicht erkläre, was die E._ AG mit "Beschränkung
auf die Haftungsfrage" gemeint habe (Urk. 140 S. 43 ff. Ziff. 48 f.).
3.6.6 Der Beklagte selbst wies vor Vorinstanz darauf hin, dass die E._
AG in der Klageantwort vom 10. Juni 2009 den behaupteten Schaden als speku-
lativ, masslos überrissen und unbelegt bezeichnete (Urk. 33 S. 33 Ziff. 54 mit
Verweis auf Urk. 36/15). Überdies hat die E._ AG in der (vom Beklagten ein-
gereichten) Klageantwort vom 10. Juni 2009 die klägerischen "Berechnungen"
des behaupteten Schadens "in aller Form" bestritten (Urk. 36/15 S. 5). In der glei-
chen Rechtsschrift wurden die Ausführungen über die beruflichen Absichten und
mutmasslichen Entwicklungen des Klägers (insbesondere jene über die bis im
Jahre 2003 nicht existente Zweitfirma in Bosnien) als rein spekulativ bestritten
(Urk. 36/15 S. 4). Angesichts der mangelhaften Darlegungen des Beklagten zum
Schaden können die Bestreitungen der E._ AG nicht als ungenügend qualifi-
ziert werden. Wenn die E._ AG an der Schlusseinleitungsverhandlung vom
10. September 2009 im Rahmen der Bereinigung der Beweisanträge ausführen
liess, es werde nicht bestritten, dass der Kläger durch Unfall arbeitsunfähig ge-
worden und der Prozess ausschliesslich auf die Haftungsfrage beschränkt sei,
kann allein daraus nicht auf einen Widerruf der bereits vorher erfolgten Bestrei-
tung der klägerischen Schadensberechnung bzw. auf eine Anerkennung des vom
Kläger behaupteten Schadens geschlossen werden, zumal seitens des Klägers
keine weiteren Ergänzungen mehr erfolgt waren (Urk. 36/26). Auch diese Kritik
am angefochtenen Urteil ist unbegründet.
3.6.7 Nach dem bereits Ausgeführten (vgl. E. III/3.3.2) vermag dem Beklag-
ten auch der Hinweis, er könne für die Erfindung der bosnischen Liftbaufirma
nichts (Urk. 140 S. 47 Ziff. 51), nicht zu entlasten. Die vom Beklagten vermissten
- 42 -
Hinweise, die belegen, dass der Schaden falsch berechnet und überklagt wurde
(Urk. 140 S. 47 Ziff. 52), sind – worauf bereits die Vorinstanz hinwies – in der (Teil
der Klageschrift vom 9. März 2009 bildenden) Schadensberechnung zu finden.
Schliesslich kann dem Beklagten auch nicht gefolgt werden, wenn er ausführt, die
vorinstanzlichen Erwägungen zum (bewussten) Überklagen seien durch nichts
begründet worden, ein (bewusstes) Überklagen liege überhaupt nicht vor, wes-
halb es auch nicht mit dem Kläger habe abgesprochen sein können (Urk. 140 S.
48 Ziff. 52). Mit ihren Erwägungen nahm die Vorinstanz auf das in der Klageant-
wort vom 25. April 2014 erhobene Argument des Beklagten Bezug, es sei ge-
richtsnotorisch bekannt, dass im Haftpflichtrecht "überklagt" werde, weshalb von
einem Überklagen keine Rede sein könne (Urk. 33 S. 59 Ziff. 103). Dies ist nicht
zu beanstanden.
3.6.8 Es bleibt beim Verdikt der Vorinstanz, dass der Beklagte vor Bezirks-
gericht Liestal eine Klage mit überhöhtem Streitwert eingeleitet bzw. den Schaden
falsch berechnet hat, was als Sorgfaltspflichtverletzung zu qualifizieren ist. Für die
(verflossene) Zeit von November 2003 bis Februar 2009 machte der Beklagte ein
Valideneinkommen zwischen Fr. 300'000.– und Fr. 360'000.– pro Jahr geltend
(Urk. 5/40 S. 80). Für die Zukunft bis zum Eintritt ins AHV-Alter ging der Beklagte
von einem Valideneinkommen von Fr. 380'000.– pro Jahr aus (Urk. 5/40 S. 83).
Verglichen mit dem durch Steuerunterlagen ausgewiesenen maximalen steuerba-
ren Nettoeinkommen von Fr. 164'000.– pro Jahr erweist sich der erlittene und zu-
künftige Erwerbsausfall aus der Tätigkeit in der Schweiz (Fr. 1'720'000.– bzw. Fr.
5'700'000.–) um mindestens die Hälfte zu hoch. Die unterbliebene Kapitalisierung
des zukünftigen Schadens ist dabei noch nicht einmal berücksichtigt (Urk. 5/40 S.
83 f.). Der zukünftige Erwerbsausfall in Bosnien (Fr. 3'000'000.–) war zur Gänze
ohne ernsthafte Aussichten auf Erfolg. Vor diesem Hintergrund erweist die vom
Beklagten in der E-Mail vom 7. November 2011 getroffene Aussage, er habe den
Schaden zurückhaltend berechnet und mit Bezug auf den Schaden möglichst si-
chere Positionen geltend gemacht (Urk. 5/45; Urk. 2 S. 32 Ziff. 29, Urk. 64 S. 12
Ziff. 10), als falsch.
- 43 -
3.7.1 Die Vorinstanz umriss zunächst unter Hinweis auf Fellmann (Die Haf-
tung des Anwaltes, in: Schweizerisches Anwaltsrecht, Fellmann/Jacobs/Poledna/
Schwarz [Hrsg.], Bern 1998) die Aufklärungspflicht des Anwaltes (Urk. 141 S. 29
E. 1.3.2). Sie kam aufgrund des Brief- und E-Mail-Verkehrs zwischen den Partei-
en zum Schluss, der Beklagte habe den Kläger nicht mit der nötigen Deutlichkeit
über die Prozessrisiken aufgeklärt. Risikohinweise vor Einleitung der Klage beim
Friedensrichteramt D._ seien höchst vage und unspezifisch geblieben, wobei
es dem Beklagten anscheinend vor allem um die Absicherung seiner eigenen Ho-
noraransprüche gegangen sei. Am 10. Mai 2006 habe der Beklagte noch von ei-
nem maximal erzielbaren Schadenersatz von Fr. 1'000'000.– bis Fr. 1'500'000.–
gesprochen (Urk. 5/24). Hinweise auf eine gehörige Risikoaufklärung hinsichtlich
der schliesslich anhängig gemachten Klage seien nicht aktenkundig. Die (bestrit-
tene und unbewiesen gebliebene) Behauptung, der Kläger habe den Prozess in
jedem Fall geführt haben wollen, helfe dem Beklagten nicht, müsse "vor dem auf-
gezeigten Hintergrund" doch davon ausgegangen werden, dass der Kläger nie
über die für einen Entscheid notwendigen Informationen verfügt habe (Urk. 141 S.
41 ff E. 2.4.2).
Auch hinsichtlich des Kostenrisikos ging die Vorinstanz "gestützt auf die re-
levanten Schreiben des Beklagten an den Kläger" von einer mangelhaften Aufklä-
rung aus. Ein erster, einigermassen klarer Hinweis auf eine mögliche Parteient-
schädigung, die immerhin mit rund Fr. 126'900.– zu Buche schlage, sei vor dem
Hintergrund einer deutlich zu positiven Prozessprognose erst unmittelbar vor Ab-
schluss des Prozesses einen Tag vor der Hauptverhandlung (7. November 2011)
und damit zu spät erfolgt (Urk. 5/45). Die Behauptung des Beklagten, die Parteien
hätten intensiv Gespräche über die Frage eines Prozessverlusts geführt, auch
was eine allfällige Parteientschädigung an die E._ AG betreffe, sei unbewie-
sen geblieben. Die Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte des Kantons
Basel-Landschaft vom 17. November 2003 und das gerichtliche Ermessen bei der
Festsetzung von Gerichts- und Parteientschädigungen entbinde den Anwalt nicht
davon, seinen Mandanten über den möglichen Rahmen der ihm im schlechtesten
Fall drohenden Kosten aufzuklären. Ein Blick in den streitwertabhängigen Tarif
zeige sofort, dass bei einem Streitwert von Fr. 7'000'000.– im Falle des Unterlie-
- 44 -
gens einer Partei mit einer Parteientschädigung in der vom Bezirksgericht Liestal
festgesetzten Höhe gerechnet werden müsse (Urk. 141 S. 45 f. E. 2.4.4).
Die Vorinstanz ging – wie bereits erwähnt (E. II/2.4.4) – davon aus, dass der
Kläger bei ordnungsgemässer Aufklärung über die Prozess- und insbesondere
Kostenrisiken den Prozess vor Bezirksgericht Liestal mit überwiegender bzw. an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geführt hätte und damit der ihm
dadurch entstandene Schaden bei pflichtgemässem Verhalten des Beklagten
bzw. gehöriger Aufklärung durch diesen mit überwiegender bzw. an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit nicht eingetreten wäre (Urk. 141 S. 52 E. 2.6.3).
Bei dieser Annahme hätte der Kläger – so die Vorinstanz weiter – von Anfang an
auf die Leistung des Beklagten als Ganzes verzichtet, weshalb diese für ihn ins-
gesamt als unbrauchbar erscheine (Urk. 141 S. 53 E. 2.6.4).
3.7.2 Der Beklagte rügt, die Vorinstanz blende aus, dass er den gesamten
Prozess vorfinanziert und angesichts der Überschuldung des Klägers "ins volle
Risiko" gegangen sei, was den Vorwurf mangelnder Aufklärung verblassen lasse.
Eine "ausgebliebene mangelnde Aufklärung" erscheine angesichts der Über-
schuldung des Klägers und der finanziellen Risikotragung des Beklagten nur noch
als absurd. Zudem habe er in der Klageantwort (Urk. 33 S. 4 f. Ziff. 6 und S. 28
Ziff. 44) dargetan, welche Prozessrisiken besprochen bzw. dass intensive Ge-
spräche über die Frage eines allfälligen Prozessverlustes geführt worden seien.
Die Vorinstanz weise selbst darauf hin, dass der Beklagte gewarnt und festgehal-
ten habe, Erfolgsaussichten könne man im vorliegenden Prozess nicht geben, da
dafür erst Zeugen einzuvernehmen seien. Er habe auch nie Garantien abgege-
ben. Damit sei dargetan, dass der Beklagte sein Möglichstes getan habe, um
überhaupt Prognosen zum Prozess zu stellen. Die Verteidigung der Gegenpartei,
die einzig den Sturz vom Gerüst bestritten habe, habe er nicht voraussehen kön-
nen. Aufgrund des durchgeführten Beweisverfahrens habe aber mit einem Pro-
zesserfolg gerechnet werden dürfen. Die von der Vorinstanz gestellten Anforde-
rungen an die Urteilsprognose unter Hinweis auf Fellmann seien unsinnig, da bei
Klageeinreichung nicht einmal mit Sicherheit habe festgestellt werden können, ob
der Kläger tatsächlich vom Gerüst oder vom Mauervorsprung heruntergefallen
- 45 -
sei. Zustand und Absperrung des Gerüstes seien fraglich gewesen. Die von Fell-
mann vertretene Rechtsauffassung, wonach der Anwalt über alles, sämtliche Ri-
siken und Kostenrisiken, aufzuklären habe, habe die Rechtsprechung nie über-
nommen. Gerade der vorliegende Prozess zeige, dass der Anwalt gar nicht alle
Risiken vorhersehen und abschätzen könne (Urk. 140 S. 49 ff. Ziff. 55).
3.7.3 Zu Recht weist der Kläger darauf hin, dass nicht der Beklagte sondern
er auf den Gerichts- und gegnerischen Parteikosten sitzen geblieben ist (Urk. 148
S. 13 Ziff. 18). Aus der Honorarvereinbarung zwischen den Parteien und der fi-
nanziellen Situation des Klägers kann der Beklagte nichts zu seinen Gunsten ab-
leiten, zumal unbestritten ist, dass Akontozahlungen des Klägers in der Höhe von
Fr. 39'966.– erfolgt sind. Davon abgesehen macht ein Verzicht auf Vorschüsse
eine Aufklärung des Klienten über die Prozesschancen und die zu erwartenden
Kosten nicht entbehrlich. Nicht zu helfen vermag dem Beklagten, dass bei Klage-
einreichung offenbar nicht einmal feststand, ob der Kläger tatsächlich vom Gerüst
oder nicht eher von einem Mauervorsprung herunterfiel. Dass der Beklagte den
Prozess deswegen gar nicht hätte führen dürfen, wie der Kläger meint (Urk. 148
S. 13 Ziff. 18), geht wohl zu weit. Doch rechtfertigte diese Unsicherheit keines-
wegs, spekulative Schadenspositionen ohne eingehende Risiko- und Kostenauf-
klärung einzuklagen.
Der Beklagte verwies in Ziffer 6 der Klageantwort auf sein Schreiben vom
19. März 2007 (Urk. 33 S. 5 Ziff. 6 mit Verweis auf Urk. 36/5 = Urk. 5/26). Es ist
einzuräumen, dass der Beklagte darin nach Stellung des Schlichtungsgesuchs die
Höhe eines allfälligen Gerichtskostenvorschusses auf Fr. 25'000.– schätzte und
auf erhebliche Risiken "im Zusammenhang mit der Absperrung des Gerüsts" hin-
wies. Anlass des Schreibens war die offene Honorierung des Beklagten und die
Frage, wie ein allfälliger Gerichtskostenvorschuss getilgt werden soll. Aus wel-
chen Gründen Fr. 7'000'000.– eingeklagt wurden, obwohl der Beklagte im Schrei-
ben vom 10. Mai 2006 noch davon ausging, "[i]m besten Fall könnte somit ein
Schadenersatz von maximal Fr. 1 bis 1.5 Mio. erzielbar sein" (Urk. 5/24), welche
Risiken damit eingegangen wurden und welche Entschädigungsfolgen sich bei ei-
nem solchen Streitwert ergeben können, lässt sich dem Schreiben nicht entneh-
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men. Der Vorinstanz ist beizupflichten, wenn sie die massive Streitwerterhöhung
als nicht nachvollziehbar taxiert, und Hinweise auf eine gehörige Risikoaufklärung
vermisst.
Weder Ziffer 44 der Klageantwort noch den dazu angerufenen Beweismitteln
(Urk. 36/16-19) lässt sich eine gehörige Aufklärung entnehmen. Der Beklagte will
mit dem Kläger intensiv Gespräche über die Frage eines allfälligen Prozessver-
lusts geführt und ihn darauf aufmerksam gemacht haben, dass im Falle einer Pro-
zessniederlage ohnehin kein Vollstreckungssubstrat für die Parteientschädigung
der E._ AG vorhanden sei und der Kläger die Einrede des mangelnden Ver-
mögens gemäss Art. 265 Abs. 2 SchKG erheben könne (Urk. 33 S. 28 f. Ziff. 44).
Das Schreiben vom 31. Januar 2008 drehte sich freilich um ganz andere Dinge,
nämlich um auf den Kläger ausgestellte Verlustscheine (die der Beklagte zurück-
zukaufen empfahl) und um dessen Gesundheitszustand (Urk. 36/19); es enthält
keine Orientierung über die Prozessrisiken. Die eingereichten Handelsregister-
und SHAB-Auszüge (Urk. 36/16-18) führen nicht weiter.
Zutreffend ist, dass der Beklagte dem Kläger in einer E-Mail vom 18. Febru-
ar 2011 mitteilte, über Erfolgsaussichten könne man sich in einem Prozess erst
äussern, wenn die wesentlichen Zeugen einvernommen worden seien. Er habe
nie Garantien abgegeben, das könne und dürfe kein seriöser Anwalt (Urk.
100/15). Dies stellt freilich keine hinreichende und rechtzeitige Aufklärung über
die spezifischen Prozessrisiken, die mit der Geltendmachung eines Schadens von
Fr. 7'000'000.– verbunden waren (vgl. E. III/3.6.8), und über die allenfalls drohen-
den Kostenfolgen dar, nachdem die Klage beim Bezirksgericht Liestal bereits am
13. August 2008 eingereicht worden war. Offen bleiben kann daher, ob und allen-
falls inwieweit die Rechtsprechung der Lehre, insbesondere Fellmann, gefolgt ist.
3.7.4 Der Beklagte macht weiter geltend, die Vorinstanz gehe mit keinem
Wort darauf ein, dass er dem Kläger Leistungsübersichten und Rechnungen ge-
schickt habe, weshalb der Kläger laufend über die Guthaben des Beklagten auf-
geklärt gewesen sei. Sodann sei der Kläger durch die mündliche Urteilseröffnung
am 7. Dezember 2011 über die Gerichtskosten und die Parteientschädigung, total
Fr. 136'900.–, informiert worden (Urk. 140 S. 52 Ziff. 56 f.).
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Der Beklagte verkennt, dass eine Kostenaufklärung nicht nur die Kosten des
eigenen Anwalts umfasst. Der Anwalt hat im Voraus über den ungefähren Rah-
men der zu erwartenden Kosten eines Prozesses aufzuklären (Testa, Die zivil-
und standesrechtlichen Pflichten des Rechtsanwalts gegenüber dem Klienten, Zü-
rich 2001, S. 32). Diese umfassen seine eigenen Bemühungen, aber auch dieje-
nigen des Gerichts und der Gegenpartei. Eine laufende Rechnungsstellung durch
den Anwalt genügt nicht, zumal der Klient damit vor vollendete Tatsachen gestellt
wird. Selbstredend ersetzt auch die am 7. Dezember 2011 erfolgte Urteilseröff-
nung eine Kostenaufklärung nicht.
3.7.5 Der Beklagte bringt weiter vor, der Kläger habe nach der mündlichen
Urteilseröffnung vom 7. Dezember 2011 seine bisherige Prozessführung samt der
Kostenfolgen in allen Teilen gebilligt, was die Vorinstanz völlig ausgeblendet ha-
be. Der Kläger habe eine sofortige und bedingungslose Zustimmung zu einem
vom Beklagten vorfinanzierten Rechtsmittelverfahren verlangt. Der Kläger habe
begonnen, ihn mittels Drohungen einzuschüchtern, worauf die Strafuntersu-
chungsbehörden die psychiatrische Behandlung des Klägers angeordnet und mit
einem Kontaktverbot die Niederlegung des Mandates erzwungen hätten. Unmit-
telbar nach Mandatsniederlegung habe der Kläger Schritte unternommen, um den
Beklagten wieder in seinen Fall zu involvieren und zur Führung des Rechtsmittel-
verfahrens zu zwingen. In diesem Sinne hätten auch sein Strafverteidiger Dr.
X3._ und sein heutiger Rechtsvertreter interveniert. All dies zeige, dass der
Kläger mit Unterstützung aller Rechtsvertreter, die für ihn ab 7. Dezember 2011
tätig gewesen seien, alles daran gesetzt habe, dass der Beklagte das Rechtsmit-
telverfahren führe, wobei er sich aufgrund der Aufklärung des Bezirksgerichts
Liestal mittels Eröffnung des Urteilsdispositives der Risiken und Kosten bewusst
gewesen sei. Damit habe der Kläger auch die ihm vom Bezirksgericht Liestal vor
Augen geführten Kosten gebilligt und unabhängig vom Kostenrisiko seine Zu-
stimmung zum Prozess und zum Rechtsmittelverfahren manifestiert (Urk. 140 S.
53 ff. Ziff. 59 ff.).
Die Argumentation des Beklagten kann nicht nachvollzogen werden. Nach-
dem der Beklagte dem Kläger noch am 7. November 2011 mitgeteilt hatte, dass
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der ihm zu bezahlende Betrag deutlich über Fr. 7'000'000.– liegen sollte (Urk.
5/45), erfolgte genau einen Monat später die vollständige Klageabweisung durch
das Bezirksgericht Liestal. Es kann nicht erstaunen, dass der Kläger damals aus
allen Wolken fiel. Wenn der Kläger bzw. Dr. X3._, der vom Kläger als Vertre-
ter "betreffend Strafverfahren / FFE" mandatiert worden war (Urk. 36/34), den Be-
klagten aufforderte, das erstinstanzliche Urteil weiterzuziehen, kann darin sicher
nicht eine Zustimmung zur bisherigen erfolgslosen Prozessführung und zur man-
gelhaften Risiko- und Kostenaufklärung gesehen werden. Dafür, dass der heutige
Rechtsvertreter den Beklagten zum Weitermachen aufforderte, fehlt ohnehin jede
Spur (Urk. 36/47, Urk. 36/62+63). Weitere Ausführungen erübrigen sich, weshalb
der Vorinstanz weder ein Fehler in der Rechtsanwendung noch in der Sachver-
haltsfeststellung vorgeworfen werden kann, wenn sie dazu keine weiteren Über-
legungen anstellte.
3.8 Der Beklagte stellt sich mit zwei verschiedenen Begründungen der vor-
instanzlichen Annahme, der Kläger hätte bei korrekter Aufklärung den Prozess mit
überwiegender bzw. an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gewollt
bzw. nicht geführt (Urk. 141 S. 52 f. E. 2.6.3 und 2.6.4), entgegen:
3.8.1 Er leitet dies zunächst daraus ab, dass er den Kläger laufend über sein
Guthaben aufgeklärt habe und er im Falle einer Prozessniederlage angesichts der
Überschuldung des Klägers auf seinen Ansprüchen sitzen bleibe (Urk. 140 S. 52
Ziff. 56). Dieses Argument verfängt indes nicht. Wie bereits in E. III/3.7.4 darge-
legt wurde, umfasst eine Kostenaufklärung auch die Gerichtskosten und die Par-
teientschädigung an die Gegenpartei. Die Vorinstanz hat denn auch erwogen, es
erscheine sehr unwahrscheinlich, dass der Kläger bei den schlechten Prozess-
aussichten das Risiko auf sich genommen hätte, nicht nur leer auszugehen, son-
dern auch noch die Gegenpartei mit Fr. 126'900.– entschädigen und für die Ge-
richtskosten von Fr. 10'000.– aufkommen zu müssen (Urk. 141 S. 52 E. 2.6.3).
Erneut vermag der Kläger nur sein eigenes unbezahlt gebliebenes Honorar zu er-
kennen und blendet aus, dass der Beklagte einerseits Akontozahlungen von Fr.
39'966.– leistete und andererseits mit Forderungen gegenüber Dritten mit
Fr. 136'900.– konfrontiert ist (E. III/3.7.3). Auf Kosten sitzenzubleiben und auf eine
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Forderung zu verzichten, sind zudem zwei völlig verschiedene Dinge. Der Beklag-
te behauptet nicht, er hätte im Falle einer Prozessniederlage auf sein Honorar
verzichtet. Der Schluss, der Kläger hätte dem Prozess zugestimmt, nur weil der
Beklagte bei einer Niederlage auf einem Teil seiner Kosten sitzen geblieben wäre,
ist klarerweise nicht zulässig.
3.8.2 Der Beklagte leitet aus den Vorgängen nach der mündlichen Urteilser-
öffnung vom 7. Dezember 2011 bzw. aus der nachträglichen Genehmigung seiner
prozessualen Handlungen und der Kostenfolgen ab, dass die Vorinstanz fälschli-
cherweise annahm, der Kläger hätte den Prozess vor Bezirksgericht Liestal nicht
gewollt (Urk. 140 S. 56 f. Ziff. 62). Nachdem von einer nachträglichen Genehmi-
gung keine Rede sein kann (E. III/3.7.5), geht auch dieser Einwand ins Leere.
3.8.3 Damit bleibt es bei dem von der Vorinstanz angenommenen hypotheti-
schen Geschehensablauf, zumal der Beklagte bei ordnungsgemässer Erfüllung
der Aufklärungspflicht (die nota bene auch eine Orientierung über die Rechtslage
bei Sicherungszession und den Verlust der Anspruchsberechtigung erfordert hät-
te) keine andere Verhaltensweise des Klägers postulierte: Bei gehöriger Aufklä-
rung über die Risiken und Kosten des Prozesses wären dem Kläger mangels
Führung des Prozesses weder Gerichts- noch (eigene und fremde) Parteikosten
angefallen, weshalb der Beklagte dem Kläger Fr. 136'900.– als Schadenersatz zu
bezahlen und Fr. 39'966.– zurückzuerstatten hat.
3.9.1 Der Beklagte beanstandet weiter, er habe bereits vor Vorinstanz be-
hauptet, den ganzen Prozess vorfinanziert und somit auch den Gerichtskosten-
vorschuss von Fr. 10'000.– geleistet zu haben. Diese Behauptung sei unbestritten
geblieben. Es sei daher unerfindlich, weshalb er die Fr. 10'000.– für den gleichen
Zweck zweimal bezahlen müsse: einmal an die Gerichtskasse des Bezirksge-
richts Liestal und ein weiteres Mal an den Kläger. Offensichtlich nehme die
Vorinstanz jede Gelegenheit wahr, den Beklagten als unbequemen Anwalt abzu-
strafen (Urk. 140 S. 57 Ziff. 63). Der Kläger weist die Behauptung, dass der Be-
klagte einen Gerichtskostenvorschuss von Fr. 10'000.– geleistet habe und dies
unbestritten geblieben sei, zurück (Urk. 148 S. 14 Ziff. 19).
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3.9.2 In der Klageantwort war vom Beklagten an der von ihm bezeichneten
Stelle ausgeführt worden, er habe gegenüber dem heutigen Rechtsvertreter des
Klägers mit Schreiben vom 11. Mai 2012 bestätigt, dass er den ganzen Prozess
vorfinanziert habe, somit auch den Gerichtskostenvorschuss von Fr. 10'000.–
(Urk. 33 S. 55 Ziff. 94). Der Kläger hatte indes bereits in der Klageschrift festge-
halten, er müsse für Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 10'000.– aufkommen,
wobei ihm das Bezirksgericht Liestal mit Schreiben vom 5. Juni 2012 eine Raten-
zahlung à Fr. 400.– pro Monat gewährt habe (Urk. 2 S. 53 Ziff. 79). Aufgrund der
konträren Standpunkte kann die Behauptung des Beklagten nicht als unbestritten
gelten.
3.9.3 Im Schreiben vom 11. Mai 2012 wies der Beklagte den klägerischen
Rechtsvertreter darauf hin, er wolle in Betracht ziehen, dass er für den Kläger den
gesamten Prozess vorfinanziert und über keine Sicherheit für seine Aufwendun-
gen und Auslagen verfügt habe (Urk. 36/66 S. 2). Damit lässt sich nicht erstellen,
der Beklagte habe den Gerichtskostenvorschuss von Fr. 10'000.– geleistet. Dem-
gegenüber kann dem vom Kläger angerufenen Schreiben des Bezirksgerichts
Liestal vom 5. Juni 2012 entnommen werden, dass dem Kläger ab Juni 2012, 20
monatliche Raten à Fr. 400.–, fällig jeweils bis Ende des Monats, zugebilligt wur-
den (Urk. 5/62). Demnach steht fest, dass der Kläger Gerichtskosten von Fr.
8'000.– (20 x Fr. 400.–) ab Juni 2012 selbst bezahlen musste bzw. muss (vgl.
auch Urk. 5/63). Damit stimmt überein, dass dem Kläger mit Verfügung des Be-
zirksgerichts Liestal vom 14. Oktober 2008 ein Kostenvorschuss von Fr. 2'000.–
auferlegt worden war (Urk. 5/32). Aufgrund der Akten kann zugunsten des Be-
klagten nicht davon ausgegangen werden, er habe diese Fr. 2'000.– vorgeschos-
sen, ersuchte er doch mit Schreiben vom 5. November 2008 um eine Fristerstre-
ckung mit dem Hinweis, er habe seinen Mandaten angehalten, den Gerichtskos-
tenvorschuss in bar einzuzahlen bzw. die Einzahlung in bar bei der Gerichtskasse
vorzunehmen (Urk. 5/33), wobei ihm sein Mandant berichtet habe, dass er noch in
der 45. Kalenderwoche die Einzahlung vornehme (Urk. 5/33). Die Rüge des Be-
klagten erweist sich als unbegründet.
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3.10.1 Der Beklagte beruft sich schliesslich auf Verjährung, soweit es um die
Rückerstattung der bereits geleisteten Vorschüsse von insgesamt Fr. 39'966.–
geht. Der Kläger habe nicht dargetan, dass die einjährige relative Frist für die un-
gerechtfertigte Bereicherung gemäss Art. 67 OR jemals unterbrochen worden sei.
Zwar sei vorliegend unbestritten, dass Akontozahlungen seitens des Klägers er-
folgt seien und das Bereicherungsrecht nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung (BGer 4A_89/2012 vom 17. Juli 2012, E. 3.2.2) bei vertraglich vereinbarten
Akontozahlungen nicht zur Anwendung gelange. Indes habe der Kläger nie vor-
gebracht, in Bezug auf einen Ausstand zu viel bezahlt zu haben. Der Kläger hätte
als rechtshindernde Tatsache vorbringen müssen, dass er mit den Akontozahlun-
gen mehr als vereinbart bzw. als geschuldet bezahlt habe, damit vom Bereiche-
rungsrecht hätte abgewichen werden können. Mit den eingereichten Leistungs-
übersichten und Honorarrechnungen sei belegt worden, dass der Kläger stets
weniger als der jeweils aktuelle Honorarausstand bezahlt habe. Auch sei unbe-
stritten geblieben, dass selbst die vereinbarten Ratenzahlungen nie pünktlich und
vollständig bezahlt worden seien. Damit komme auf die Rückforderung geleisteter
Zahlungen Bereicherungsrecht zur Anwendung (Urk. 140 S. 58 ff. Ziff. 64 ff.).
3.10.2 Die Vorinstanz erwog lediglich, der Beklagte habe anlässlich der
Hauptverhandlung die Einrede der Verjährung erhoben, nachdem er in der schrift-
lichen Klageantwort unter Hinweis auf Art. 97 i.V.m. Art. 127 OR zutreffend die
Meinung vertreten habe, die Verjährung sei noch nicht eingetreten, weshalb da-
rauf nicht weiter eingegangen werden müsse (Urk. 141 S. 32 E. 2.1).
3.10.3 Der Beklagte hat lediglich mit Bezug auf Schadenersatzforderungen
(Art. 97 OR) eingeräumt, dass die Verjährung noch nicht eingetreten sei (Urk. 33
S 71 Ziff. 140), im Übrigen aber die Einrede der Verjährung erhoben (Urk. 98/4 S.
11 Ziff. 21). Der Rückerstattungsanspruch des Auftraggebers wegen unsorgfälti-
ger Mandatsführung bzw. teilweiser oder vollständiger Unbrauchbarkeit der Leis-
tung des Rechtsanwaltes stellt keinen Schadenersatzanspruch dar und stützt sich
wohl eher auf Art. 394 Abs. 3 OR. Insofern drängen sich ergänzende Bemerkun-
gen zur Verjährung auf.
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3.10.4 Das Bundesgericht hat der Ansicht des Beklagten, wonach der Rück-
forderungsanspruch nur bei zu viel geleisteten Akontozahlungen vertraglicher Na-
tur sei, eine klare Absage erteilt (BGer 4A_89/2012 vom 17. Juli 2012, E. 3.2.3):
"3.2.3 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung von Art. 1 und 67 OR. Die vorinstanzliche Erwägung, wonach die Akontozahlungen unter dem  vereinbarten Vorbehalt der Abrechnung erfolgt seien, treffe nur insoweit zu, als es um die Beträge gehe, welche die Honorarrechnung , nicht aber mit Bezug auf den infolge unsorgfältiger Mandatsführung weggefallenen Honoraranspruch. Diesbezüglich liege keine stillschweigend vereinbarte Abrechnungspflicht vor und der dahin gehende  sei daher nicht vertraglicher, sondern bereicherungsrechtlicher .
Dem kann nicht gefolgt werden. Die Vereinbarung von Akontozahlungen  in der Regel die ausdrückliche oder stillschweigende Abrede auf  eines Akonto-Überschusses. Die im Rahmen des  dem Beschwerdeführer von den Beschwerdegegnern bezahlten  erfolgten demnach unter dem Vorbehalt der Rückforderung,  sie das effektiv geschuldete Honorar übersteigen würden. Ergibt sich - wie vorliegend -, dass wegen unsorgfältiger Mandatsführung, die zu einem für den Auftraggeber vollständig unbrauchbaren Resultat führte, überhaupt keine Vergütung geschuldet ist, erweisen sich die geleisteten Akontozahlungen  als überschiessende Zahlungen, die auf vertraglicher Basis  werden können. Dies erkannte die Vorinstanz zutreffend. Die Argumentation des Beschwerdeführers scheitert aber auch unabhängig davon, ob die Abrechnungspflicht bezüglich Akontozahlungen den  wegen unsorgfältiger Mandatsführung erfasst: Die  Situation ist nämlich vergleichbar mit derjenigen, wenn im Kauf-, Miet- oder Werkvertrag die Vergütung wegen Mängeln gemindert wird, um das Gleichgewicht im vertraglichen Austauschverhältnis wieder herzustellen. Die dabei entstehenden Rückerstattungsansprüche sind vertraglicher Natur (BGE 130 III 504 E. 6.5 S. 513; GAUCH, Der Werkvertrag, 5. Aufl. 2011, Rz. 1273) und unterstehen den entsprechenden Verjährungsfristen. Dasselbe gilt im Auftragsrecht für die Rückforderung des Honorars bei (teilweiser oder ) Unbrauchbarkeit der Leistung (vgl. Erwägung 3.1), ob der  nun wie hier Akontozahlungen geleistet oder aber ein Honorar in  Höhe bezahlt hat. In beiden Fällen ist der Rückerstattungsanspruch des Auftraggebers vertraglicher und nicht bereicherungsrechtlicher Natur, und es gelten die vertraglichen Verjährungsfristen, ohne dass es darauf ankommt, ob die Parteien stillschweigend eine entsprechende Rückerstattungspflicht vereinbart haben."
3.10.5 Die vom Kläger geleisteten (letztlich überschiessenden) Zahlungen
von total Fr. 39'966.– können daher auf vertraglicher Basis zurückgefordert wer-
den, nachdem ihnen keine brauchbare Gegenleistung des Beklagten gegenüber-
steht. Es gilt die vertragliche Verjährungsfrist von fünf Jahren (Art. 128 Ziff. 3 OR).
Die Verjährung beginnt mit der Fälligkeit der Forderung (Art. 130 Abs. 1 OR). Die
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Fälligkeit konnte vorliegend frühestens in dem Moment eintreten, in dem sich für
den Kläger ergab, dass infolge eines (vollständig) unbrauchbaren Resultats keine
Vergütung geschuldet ist, denn eine definitive Abrechnung war vorher nicht mög-
lich (Art. 75 OR). Der definitive Wert der Leistung des Beklagten stand frühestens
mit Erlass des Urteils des Bezirksgerichts Liestal vom 7. Dezember 2011 fest,
weshalb der Rückforderungsanspruch bei Einleitung der Klage im Jahre 2013
noch nicht verjährt war. Seitens des Beklagten wird denn auch nicht behauptet,
der Rückforderungsanspruch sei bei Anwendung der vertraglichen Verjährungs-
regeln verjährt. Bei diesem Ergebnis kann offengelassen werden, ob die am 15.
September 2016 einen Tag nach Ablauf der Berufungsfrist zur Post gegebene Be-
richtigung (Urk. 144) zu berücksichtigen ist oder nicht (vgl. Urk. 148 S. 4 Ziff. 5).
4. Der Beklagte dringt mit seinen Beanstandungen nicht durch. Die Beru-
fung ist abzuweisen und das angefochtene Urteil – soweit noch nicht in Rechts-
kraft erwachsen – zu bestätigen (Art. 318 Abs. 1 lit. a ZPO).
IV.
1. Ausgangsgemäss wird der Beklagte auch für das zweitinstanzliche Ver-
fahren kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
2.1 Der Kläger stellt für das Berufungsverfahren ein Gesuch um unentgeltli-
che Rechtspflege. Da der Kläger nicht mit Gerichtskosten belastet wird, ist dieses
insoweit gegenstandslos geworden.
2.2 Der Kläger verweist zur Begründung seines Gesuchs auf die Klageschrift
vom 6. Juni 2013 samt Beilagen. Er begnügt sich mit dem Hinweis, dass sich sei-
ne Situation infolge der enormen Schulden nicht verbessert habe. Zudem offeriert
er weitere Unterlagen zur Edition (Urk. 148 S. 15).
2.3 Die Kammer hat dem Kläger mit Urteil vom 28. November 2013 in Gut-
heissung einer Beschwerde die unentgeltliche Rechtspflege für das vorinstanzli-
che Verfahren bewilligt (Urk. 25). Die Bewilligung erfolgte gestützt auf die Steuer-
erklärung 2010 und 2011 sowie weitere Steuerunterlagen und Dokumente (Urk.
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5/56-60, Urk. 15/1-17). Die aktuelle finanzielle Situation des Klägers (vgl. Art. 119
Abs. 2 ZPO) wurde im zweitinstanzlichen Gesuch nicht ansatzweise belegt. Aktu-
elle Steuerunterlagen liegen nicht vor. Das Gesuch ist daher unzureichend be-
gründet. Dies musste dem rechtskundig vertretenen Kläger allerdings bekannt
sein, hat ihn doch bereits die Vorinstanz mit Beschluss vom 17. Juni 2013 zur
Beibringung der aktuellen Steuerunterlagen aufgefordert (Urk. 8). Da die Mittello-
sigkeit nicht dargetan ist, muss das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeistän-
dung abgewiesen werden.