Decision ID: 54debfa5-2b0b-45ab-84a5-82f9cfba8011
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
W._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Duri Poltera, Hadwigstrasse 6a, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a W._, geboren 8. September 1973, leidet von Geburt an am sog. Turner Syndrom,
einer Chromosomenstörung mit vielfältigen dauerhaften gesundheitlichen
Auswirkungen. Sie besuchte die Primar- und Realschule und absolvierte von November
1991 bis Juli 1992 mit Unterstützung der Invalidenversicherung (IV) während rund acht
Monaten die Haushaltungsschule (IV-act. 45). Zwei Versuche, eine Berufslehre als
Damencoiffeuse zu absolvieren, scheiterten (IV-act. 54, 67, 83). Nach einem
verlängerten Pflegepraktikum schloss die Versicherte schliesslich im März 1996 eine
Ausbildung zur Pflegeassistentin erfolgreich ab (IV-act. 133-11).
A.b Mit Schreiben vom 24. Dezember 2000 beantragte die Versicherte, die ihren
Wohnsitz in der Zwischenzeit nach Zürich verlegt hatte (IV-act. 138), die Ausrichtung
einer halben IV-Rente (IV-act. 155). Dieses Begehren lehnte die IV-Stelle Zürich mit
Verfügung vom 21. November 2001 ab mit der Begründung, dass die Versicherte
beruflich angemessen und rentenausschliessend eingegliedert sei (IV-act. 170).
A.c Per 1. Februar 2002 nahm die Versicherte eine Teilerwerbstätigkeit bei der A._
auf und erzielte dabei in den Jahren 2002 und 2003 ein jährliches
Bruttoerwerbseinkommen von Fr. 37'124.-- resp. Fr. 37'104.-- (IV-act. 196). Daneben
besuchte sie eine Sekundarschule für Erwachsene (IV-act. 201).
A.d Nachdem die Versicherte ihren Wohnsitz wieder in den Kanton St. Gallen verlegt
hatte, meldete sie sich am 17. November 2003 erneut zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung an (IV-act. 179). Mit Verfügung vom 14. Juli 2004 (IV-act. 203)
und Einspracheentscheid vom 9. Dezember 2004 (IV-act. 218) wies die IV-Stelle des
Kantons St. Gallen das Leistungsbegehren der Versicherten ab. Zur Begründung führte
sie an, dass die Versicherte im Rahmen ihrer Erwerbstätigkeit als Kassiererin bei der
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A._ ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erziele. Mit Schreiben vom
27. August 2004 kündigte die Versicherte ihre Anstellung bei der A._ (IV-act. 212).
A.e Die von der Versicherten am 19. Januar 2005 gegen den Einspracheentscheid vom
9. Dezember 2004 erhobene Beschwerde (IV-act. 219) hiess das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen mit Urteil vom 4. Oktober 2005 (IV 2005/10) gut, hob den
angefochtenen Entscheid auf und wies die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen
an die IV-Stelle zurück (IV-act. 225). Dieses Urteil bestätigte das Eidgenössische
Versicherungsgericht (EVG; ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts) am 16. August 2006 (I 717/05) und führte an, dass die IV-Stelle den
Sachverhalt mangelhaft abgeklärt und das Invalideneinkommen zu Unrecht ohne
Weiteres mit dem von der Versicherten im Jahr 2003 tatsächlich erzielten
Erwerbseinkommens als Kassiererin gleichgesetzt habe. Ebenfalls habe die IV-Stelle
beim Valideneinkommen zu Unrecht auf den Verdienst einer vollzeitlich angestellten
Kassiererin abgestellt. Das Valideneinkommen sei vielmehr nach der hypothetischen
Lohnentwicklung im angestammten pflegerischen Tätigkeitsbereich festzusetzen, es
sei denn, die Versicherte habe invaliditätsbedingt keine zureichenden beruflichen
Kenntnisse erwerben können. In diesem Fall sei Art. 26 Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) anwendbar (IV-act. 233).
A.f Per 1. September 2006 nahm die Versicherte die bereits früher ausgeübte
Teilerwerbstätigkeit als Kassiererin bei der A._ wieder auf (IV-act. 236).
A.g Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte vom 2. bis 4. April 2007 von der
Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz polydisziplinär begutachtet.
Dabei wurden folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: Turner
Syndrom mit Status nach Pterygium colli-Korrektur-Operation beidseits,
Schallleitungsschwerhörigkeit links, sensorineuraler Gehörstörung rechts,
Kiefergelenksarthrose links, chronischer Rhinitis, stammbetonter Adipositas II, ein
belastungsabhängiges lumbovertebrales Schmerzsyndrom, eine rechtskonvexe
Skoliose bei Beckentiefstand rechts und Osteochondrose Th12/L1, eine verheilte OSG-
Fraktur rechts nach Osteosynthese, Metatarsalgie II/III beidseits, eine neurotische
Depression, eine Zwangsstörung mit zwanghaft hypochondrischen Befürchtungen,
Kontroll- und Waschzwang sowie Gedankenkreisen und eine ängstlich unreife
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Persönlichkeit. Für Pflegeberufe erachteten die Gutachter die Versicherte aus
polydisziplinärer Sicht als voll arbeitsunfähig. Als Hilfsverkäuferin in einer kleinen
Grossverteilerfiliale bestehe aus psychiatrischer Sicht eine 80%ige Einsetzbarkeit mit
um circa 30% reduzierter Leistungsfähigkeit. An ihrer jetzigen Stelle sei die Versicherte
optimal eingegliedert. Da die Arbeitsfähigkeit in der aktuellen Tätigkeit in somatischer
Hinsicht nicht eingeschränkt sei, betrage die Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit rund 50% seit 21. November 2001. Berufliche Massnahmen würden aus
psychiatrischer Sicht nicht empfohlen, da jedem Arbeitsplatzwechsel die Gefahr von
Leistungsdruck, Teamkonflikten und schwierigen Vorgesetzten inhärent sei, was die
bestehende Arbeitsfähigkeit gefährden könne (IV-act. 245).
A.h Mit Vorbescheid vom 13. Dezember 2007 (IV-act. 258) und Verfügung vom 19.
August 2008 (IV-act. 276) sprach die IV-Stelle der Versicherten eine Viertelsrente ab
1. Januar 2004 zu.
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt Duri Poltera, St. Gallen,
am 18. September 2008 für W._ ans Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
erhobene Beschwerde. Darin beantragt die Beschwerdeführerin die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die Zusprechung einer Dreiviertelsrente der
Invalidenversicherung ab 1. Dezember 2002 unter Kosten- und Entschädigungsfolge
sowie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung für das
Beschwerdeverfahren vor Versicherungsgericht. Zur Begründung bringt die
Beschwerdeführerin insbesondere vor, dass sie in ihrer bisherigen Tätigkeit als
Kassiererin bei der A._ aus medizinischer Sicht lediglich zu 50% arbeitsfähig sei, was
die MEDAS gutachterlich bestätigt habe. Das von ihr im Jahr 2007 ausgeübte
Arbeitspensum von rund 77% resultiere alleine aus dem Umstand, dass sie dem
Drängen ihrer Arbeitgeberin keinen Widerstand entgegensetzen könne; in diesem Sinne
werde auch im psychiatrischen Teilgutachten festgestellt, dass infolge ihrer Unreife
eine Tendenz zu dissimulieren, sich zu überfordern, bestehe. Sie habe immer über das
ihr zumutbare Mass gearbeitet, was dazu geführt habe, dass sie sich beim
Sozialpsychiatrischen Dienst in Behandlung habe begeben müssen. Beim
Invalideneinkommen dürfe daher nicht ohne Weiteres auf das von ihr im Jahr 2007
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erzielte Erwerbseinkommen abgestellt werden. Massgebend sei vielmehr das ihr unter
medizinischen Gesichtspunkten längerfristig zumutbare Einkommen und damit der
Verdienst, den sie im Jahr 2003 im Rahmen eines 50%-Pensums erzielt hätte. Unter
Berücksichtigung von Teuerungszuschlägen, zeitweisen Mehrstunden oder
Sonntagszulagen betrage das Invalideneinkommen somit höchstens Fr. 28'000.--. Das
Valideneinkommen sei von der Beschwerdegegnerin demgegenüber zu Recht gestützt
auf Art. 26 Abs. 1 IVV auf Fr. 72'500.-- gesetzt worden. Aus einem
Einkommensvergleich resultiere deshalb ein Invaliditätsgrad von 61%. Sollte das
Gericht jedoch die Ansicht der IV-Stelle teilen und das im Jahr 2007 tatsächlich erzielte
Bruttoerwerbseinkommen als für das Invalideneinkommen massgeblich erachten, seien
invaliditätsbedingte Gestehungskosten von Fr. 9'116.-- zu berücksichtigen. Für die
Frage der anspruchserheblichen Änderung der Verhältnisse und damit auch für den
Beginn des Wartejahres sei der 21. November 2001 massgebend, werde doch auch im
MEDAS-Gutachten festgehalten, dass seitdem von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen sei. Eine Invalidenrente sei daher nicht erst ab 1. Januar 2004, sondern
bereits ab 1. Dezember 2002 geschuldet (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. Dezember 2008 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich unter Berufung auf
eine gleichzeitig ins Recht gelegte Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes
der Invalidenversicherung (RAD) vom 19. November 2008 auf den Standpunkt, dass
vorliegend nicht grundsätzlich von einer Überforderungssituation ausgegangen werden
könne. Vielmehr liege eine Nischenarbeit vor, in der die Beschwerdeführerin eine
höhere Leistungsfähigkeit als die medizinisch-theoretische aufweise. Dies bestätige
auch die Tatsache, dass der von der A._ ausbezahlte Lohn gemäss eingereichtem
Arbeitgeberfragebogen vom 31. März 2008 der Arbeitsleistung entspreche, mit anderen
Worten also kein Soziallohn ausbezahlt werde. Auch müsse nach einem erst kürzlich
ergangenen Urteil des Bundesgerichts eine Entschädigung für regelmässig und
vorbehaltlos geleistete Überstunden bei der Berechnung des Invalideneinkommens
berücksichtigt werden, was auch gelten müsse, wenn regelmässig ein grösseres
Pensum als vereinbart geleistet werde. Die eventualiter geltend gemachten
Gewinnungskosten seien nicht als behinderungsbedingt notwendige Auslagen zu
qualifizieren und daher bei der Berechnung des Invalideneinkommens nicht zu
berücksichtigen (act. G 7). Betreffend Rentenbeginn verweist die Beschwerdegegnerin
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auf die Begründung in der angefochtenen Verfügung. Darin begründet sie den Beginn
der Rentenzahlungen per 1. April 2004 (richtig: 1. Januar 2004) damit, dass erst im Jahr
2003 eine durchschnittliche Erwerbseinbusse von 40% vorgelegen sei (vgl. IV-act.
276/5).
B.c Am 5. Dezember 2008 bewilligte die Präsidentin der I. Abteilung des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Prozessführung (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Angefochten ist eine Verfügung, die nach dem Inkrafttreten der 5. IV-Revision am
1. Januar 2008 ergangen ist. Mangels einer spezifischen übergangsrechtlichen Norm
sind nach allgemeinen temporalrechtlichen Grundsätzen für die vor diesem Zeitpunkt
massgebenden Verhältnisse (Rentenanspruch mit Anspruchsbeginn bei Anmeldung
unter altem Recht) die im Folgenden zitierten, bis zum 31. Dezember 2003 resp.
31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgeblichen Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das die
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versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in der bis 31. Dezember 2003 gültigen Fassung
hat eine versicherte Person Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn sie
mindestens zu 66 2/3%, einen Anspruch auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu
50% und einen solchen auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist.
Diese Bestimmung wurde im Rahmen der am 1. Januar 2004 in Kraft getretenen 4. IV-
Revision dahingehend geändert, dass eine versicherte Person bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und erst bei
einem solchen von mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat.
Hinsichtlich der halben Rente und der Viertelsrente ergaben sich keine Änderungen
(50% resp. 40% Invalidität; Art. 28 Abs. 2 IVG resp. Art. 28 Abs. 1 IVG in der bis
31. Dezember 2007 gültigen Fassung).
2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung – und im
Beschwerdefall das Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die
höchstrichterliche Rechtsprechung hat es aber mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen
(BGE 125 V 351 E. 3b). Gemäss Bundesgericht besitzen daher im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
2.3 Im Rahmen eines stationären Aufenthalts vom 2. bis 4. April 2007 wurde die
Versicherte durch die MEDAS Ostschweiz polydisziplinär begutachtet. Im Gutachten
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vom 23. Mai 2007 kommen die Experten zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in
ihrer Tätigkeit als Hilfsverkäuferin im Umfang von 80 Stellenprozent einsetzbar sei,
wobei aber von einer um ca. 30% verminderten Leistungsfähigkeit ausgegangen
werden müsse. Die verminderte Leistungsfähigkeit erklären die Gutachter insbesondere
mit durch Kontrollzwänge und Grübeln verursachten Produktivitätseinbussen. Die
Beschwerdeführerin sei an der aktuellen Arbeitsstelle optimal eingegliedert. Sie habe
wohlwollende Vorgesetzte, ein überblickbares Pflichtenheft und die Möglichkeit, die
sozialen Kontakte zu regulieren, indem sie einerseits an der Kasse, aber auch am
Gestell oder im Lager arbeiten könne. Die unverbindliche Distanz an der Kasse mit klar
strukturierten Abläufen und meist freundlichen Kundenkontakten sei ebenfalls auf die
Problematik der Beschwerdeführerin abgestimmt, was für eine gleiche Tätigkeit in
einem grossen Einkaufszentrum nicht der Fall wäre. Die gutachterliche Einschätzung
wurde nach eingehender Untersuchung der Beschwerdeführerin und in Kenntnis der
Vorakten abgegeben. Sie ist nachvollziehbar und schlüssig, wovon auch der RAD
ausgeht (IV-act. 248).
2.4 Aus dem Arbeitgeberfragebogen vom 22. April 2004 geht hervor, dass die
Beschwerdeführerin ihre Arbeitstätigkeit bei der A._ im Jahr 2002 während 1'447
Stunden, im Jahr 2003 während 1'476 Stunden ausübte. Ausgehend von einer 41
Stundenwoche und einem Ferienanspruch von fünf Wochen (vgl. IV-act. 269-3) nahm
die Beschwerdeführerin in besagten Jahren demnach ein Arbeitspensum von rund
77% wahr. Diese Arbeitsleistung erbrachte sie zur vollen Zufriedenheit ihrer
Arbeitgeberin, was einerseits daraus ersichtlich ist, dass der ausbezahlte Lohn nach
Angaben der A._ den tatsächlichen Leistungen der Beschwerdeführerin entspricht,
anderseits aber auch daraus, dass die A._ die Beschwerdeführerin im Jahr 2006
nach einem zweijährigen Unterbruch der Tätigkeit wieder eingestellt hat. In
tatsächlicher Hinsicht steht damit fest, dass die Beschwerdeführerin in der zu
beurteilenden Zeit an ihrem konkreten Arbeitsplatz und unter den konkreten
Umständen im Umfang von rund 80% arbeitsfähig war, ohne dass die gutachterlich
attestierte 30%ige Leistungseinschränkung zum Tragen kam. Zu diesem Schluss
kommt auch der RAD in seiner ausführlichen Stellungnahme vom 19. November 2008,
äussert er sich doch dahingehend, dass die gutachterlich festgestellte ca. 50%ige
Leistungsunfähigkeit den Defekten der Beschwerdeführerin ziemlich gerecht werde, "in
Praxi [aber] glücklicherweise eine höhere Leistungsfähigkeit an diesem speziellen
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Arbeitsplatz" bestehe. Es handle sich um einen Nischenarbeitsplatz, welcher einen
höhergradigen Arbeitseinsatz als der medizinisch-theoretische ungefähre Schätzwert
erlaube (act. G 7.1). Anzumerken ist aber, dass sich die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin bereits bei kleinen Veränderungen am konkreten Arbeitsplatz
reduzieren kann. Solche Veränderungen, bspw. neue Vorgesetzte, können mit anderen
Worten dazu führen, dass die Beschwerdeführerin lediglich noch im Umfang der ihr
medizinisch-theoretisch attestierten 50% arbeitsfähig ist. Derartigen Veränderungen
wären im Rahmen einer Rentenrevision Rechnung zu tragen.
3.
3.1 Aufgrund dieser besonderen Verhältnisse ist für die Festsetzung des
Invalideneinkommens grundsätzlich vom tatsächlich erzielten bzw. vom bei einem
80%igen Einsatz erzielbaren Einkommen bei der A._ auszugehen, und zwar bis
Verfügungserlass (19. August 2008). In gesundheitlicher Hinsicht sind nämlich keine
relevanten Veränderungen aktenkundig. Die Stelle bei der A._ gab die
Beschwerdeführerin am 27. April 2004 wegen Wohnortswechsel von Zürich nach St.
Gallen und damit aus invaliditätsfremden Gründen auf (vgl. IV-act. 212-2). Per 1.
September 2006 konnte sie die frühere Stelle bei der A._ erneut aufnehmen. Sie war
in der Folge auch erneut in einem Pensum von rund 80% tätig, wie den
Stundenaufschrieben zu entnehmen ist (vgl. IV-act. 269-8). In quantitativer Hinsicht ist
also das Erwerbseinkommen massgebend, das die Beschwerdeführerin im Rahmen
einer 80%-Anstellung bei der A._ erzielte. Nach Auskunft der A._ hätte die
Beschwerdeführerin im Jahr 2004 im Rahmen einer vollen Erwerbstätigkeit einen
Bruttojahreslohn von Fr. 43'628.-- (13 x Fr. 3'356.--; IV-act. 196-2) erwirtschaften
können. Das Invalideneinkommen beträgt demnach Fr. 34'902.-- (Fr. 43'628.-- x 0,8).
Für 2003 ist unter Berücksichtigung der Teuerung von 1.1% von einem
Invalideneinkommen von Fr. 34'518.-- auszugehen. Invaliditätsbedingte
Gestehungskosten, wie sie die Beschwerdeführerin für das erzielte Einkommen im Jahr
2007 behauptet, sind nicht nachgewiesen.
3.2 Die Berechnung des Valideneinkommens nahm die Beschwerdegegnerin gestützt
auf Art. 26 Abs. 1 IVV vor. Danach ist das Valideneinkommen einer versicherten
Person, die als Folge ihrer Invalidität keine zureichenden beruflichen Kenntnisse
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erwerben konnte, anhand des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik statistisch festzulegen. Vor
Vollendung des 21. Altersjahres beträgt das Valideneinkommen 70%, vom 21. bis
25. Altersjahr 80%, vom 25. bis 30. Altersjahr 90% und ab dem 30. Altersjahr
schliesslich 100% des besagten Medianwertes. Als Erwerb von zureichenden
beruflichen Kenntnissen gilt im Allgemeinen die abgeschlossene Berufsausbildung.
Dazu gehören nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung auch Anlehren, sofern sie
auf einem besonders der Invalidität angepassten Bildungsweg ungefähr die gleichen
Kenntnisse vermitteln wie eine eigentliche Lehre oder ordentliche Ausbildung und der
versicherten Person praktisch die gleichen Verdienstmöglichkeiten eröffnen (Urteil des
EVG vom 7. Juni 2005, I 108/05, E. 5.1.1 mit Hinweisen).
3.2.1 Bedingt durch das Turner Syndrom musste die Pubertät der Beschwerdeführerin
durch eine Hormonbehandlung eingeleitet werden. Wie sich den Arztberichten von Dr.
med. B._, Kinderärztin FMH, vom 30. September 1989 und 16. November 1991
entnehmen lässt, litt die Beschwerdeführerin als Folge der ausgebliebenen
Sexualentwicklung lange Zeit an Infantilismus und wies schwere psychosoziale
Probleme auf, so dass sie beim kinderpsychiatrischen Dienst ambulant behandelt
werden musste (IV-act. 33, 35). Trotz dieser durch ihr Geburtsgebrechen
hervorgerufenen, schwerwiegenden Probleme schloss die Beschwerdeführerin im Jahr
1996 eine einjährige Ausbildung zur Pflegeassistentin erfolgreich ab. Im Hinblick auf die
kurze Ausbildungsdauer ist davon auszugehen, dass es sich bei dieser Ausbildung um
eine Anlehre im Pflegebereich handelt. Nachfolgend ist deshalb zu prüfen, ob diese
Ausbildung der Beschwerdeführerin die gleichen Kenntnisse vermittelt und
Verdienstmöglichkeiten eröffnet wie eine eigentliche Lehre oder ordentliche
Ausbildung.
3.2.2 Nachdem die Beschwerdeführerin ihre Ausbildung im Jahr 1996 abgeschlossen
hatte, war sie in der Folge von Mai 1997 bis Januar 2002 mit Unterbrüchen im
gelernten Beruf tätig (vgl. IV-act. 133). Im Jahr 2001 und damit zu einer Zeit, als die
Beschwerdeführerin bereits eine gewisse Berufserfahrung aufweisen konnte, erzielte
sie als Pflegeassistentin ein jährliches Bruttoerwerbseinkommen von Fr. 47'100.-- (IV-
act. 250). Demgegenüber erwirtschaftete eine gelernte weibliche Angestellte im Bereich
Gesundheits- und Sozialwesen im Jahr 2001 (an die Nominallohnentwicklung
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angepasst und umgerechnet auf eine 41,7 Stundenwoche) durchschnittlich ein
Erwerbseinkommen von Fr. 63'677.80 (vgl. LSE 2000, Weibliche Angestellte,
Kategorie 3, Gesundheits- und Sozialwesen, Fr. 4966.-- x 12 + 2,5%
Nominallohnentwicklung / 40 x 41,7). Damit hatte die Beschwerdeführerin aber nicht
"praktisch gleiche Verdienstmöglichkeiten" wie Personen, die eine ordentliche
Ausbildung im Pflegebereich abgeschlossen haben, weshalb das Valideneinkommen
gestützt auf Art. 26 Abs. 1 IVV und damit anhand der nach Alter abgestuften
Prozentsätze des jährlich aktualisierten Medianwertes nach LSE zu ermitteln ist (vgl.
Urteil des EVG vom 7. Juni 2005, I 108/05, E. 5.1.2).
3.2.3 Im Jahr 2003 betrug der massgebliche Medianwert Fr. 69'500.--. Da die
Beschwerdeführerin erst am 8. September 2003 das 30. Lebensjahr vollendete, ist der
für das Valideneinkommen massgebliche Medianwert bis dahin um 10% zu reduzieren
(Art. 26 Abs. 1 IVV). Damit beträgt das Valideneinkommen Fr. 62'550.--. Ab
8. September 2003 ist nach Art. 26 Abs. 1 IVV der ungekürzte Medianwert für das
Valideneinkommen massgeblich. Dieser beträgt auch für 2004 Fr. 69'500.--. Erweist
sich die daraus resultierende Veränderung des Invaliditätsgrades als rentenrelevant, ist
die Invalidenrente im Rahmen einer Rentenrevision anzupassen (Art. 17 Abs. 1 ATSG;
vgl. Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 27. Mai 2005, IV.
2004.--702, E. 4.4; Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom
17. Januar 2005, IV.2004.--224, E. 4.2.3).
4.
4.1 In zeitlicher Hinsicht sind für den Einkommensvergleich die Verhältnisse zum
Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns massgeblich (vgl. BGE 129 V 222 E.
4.3.1 mit Hinweisen). Wenn die Beschwerdegegnerin davon ausgeht, dass erstmals im
Jahr 2003 eine durchschnittliche Erwerbseinbusse von 40% gegeben war und ein
Anspruch auf eine Invalidenrente unter Berücksichtigung des Wartejahres daher erst
per 1. Januar 2004 bestehe, verkennt sie, dass Art. 28 Abs. 1 IVG nicht eine
mindestens 40%ige Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), sondern eine durchschnittlich
mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres voraussetzt.
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf
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oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Art. 6 ATSG). Als bisheriger Beruf
gilt derjenige, der vor Eintritt der zu beurteilenden Arbeitsunfähigkeit zuletzt ausgeübt
wurde (vgl. BGE 129 V 460 E. 4.1; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009,
N11 zu Art. 6 ATSG). Im vorliegenden Fall ist als angestammte Tätigkeit
unbestrittenermassen die Tätigkeit als Pflegeassistentin zu betrachten. Diese Tätigkeit
hat die Beschwerdeführerin Ende 2001 aufgegeben. Die MEDAS-Gutachter attestieren
ihr seither eine volle Arbeitsunfähigkeit in diesem Beruf (IV-act. 245-27). Das Wartejahr
wurde mithin im Januar 2002 eröffnet, womit als frühestmöglicher Rentenbeginn der
1. Januar 2003 resultiert. Bei einem massgebenden Valideneinkommen im Jahr 2003
von Fr. 62'550.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 34'518.-- ergibt sich ein
Erwerbsausfall von Fr. 28'032.-- bzw. ein Invaliditätsgrad von gerundet 45%. Ab
September 2003 erhöht sich der Invaliditätsgrad wegen des höheren
Valideneinkommens auf 50% ([Fr. 69'500.-- - Fr. 34'518.--] / Fr. 69'500.--). Unter
Berücksichtigung der dreimonatigen Wartefrist nach Art. 88a Abs. 2 IVV ist die Rente
ab 1. Januar 2004 zu erhöhen. Für die Folgezeit ist davon auszugehen, dass sich das
Validen- und das Invalideneinkommen grundsätzlich parallel entwickeln. Die im
Rahmen der Rentenrevision im September 2003 vorgenommene Invalidiätsbemessung
behält damit ihre Gültigkeit auch für die Folgejahre.
4.2 Zusammengefasst hat die Beschwerdeführerin daher ab 1. Januar 2003 Anspruch
auf eine Viertelsrente, ab 1. Januar 2004 Anspruch auf eine halbe Rente der
Invalidenversicherung.
4.3 Nach den gesetzlichen Grundlagen wie sie bis Ende 2003 gegolten haben, besteht
in wirtschaftlichen Härtefällen bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
Anspruch auf eine halbe Rente (Art. 28 Abs. 1bis aIVG). Die Beschwerdegegnerin wird
noch zu prüfen haben, ob bei der Beschwerdeführerin im Jahr 2003 ein solcher
Härtefall gegeben war. Nachdem sich der IV-Grad ab 1. Januar 2004 auf 50 % erhöht,
stellt sich keine übergangsrechtliche Frage.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Die Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 19. August 2008 ist aufzuheben und es ist festzustellen,
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dass die Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2003 Anspruch auf eine Viertelsrente, ab
1. Januar 2004 Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung hat. Die
Sache ist zur Festlegung von Rentenhöhe, zur Prüfung des wirtschaftlichen Härtefalls
im Jahr 2003 sowie zur neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdeführerin ist mit ihren Begehren nur teilweise
durchgedrungen, so dass es insgesamt als angemessen erscheint, ihr einen Viertel der
Gerichtskosten aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Prozessführung trägt jedoch der
Staat den Kostenanteil der Beschwerdeführerin von Fr. 150.--. Die übrigen Kosten von
Fr. 450.-- sind von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
reduzierte Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Ausmass des Obsiegens bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/
SG, sGS 951.1). Bei vollem Obsiegen wäre eine Parteientschädigung von Fr. 3'200.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Folglich hat die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin drei Viertel davon, also Fr. 2'400.--, zu
bezahlen. Der Anteil der Parteientschädigung, den die Beschwerdeführerin aufgrund
ihres teilweisen Unterliegens nicht von der Beschwerdegegnerin erhält, ist um einen
Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG) und in diesem Umfang (Fr. 640.--) zufolge
unentgeltlicher Prozessführung vom Staat auszurichten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht