Decision ID: adba6cd4-6698-561c-9114-19673b5eaf84
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer, ein georgischer Staatsangehöriger, am
9. September 2021 in die Schweiz einreiste und am 12. September 2021
beim Bundesasylzentrum Westschweiz ein Asylgesuch stellte,
dass das Staatssekretariat für Migration (SEM) den Beschwerdeführer am
14. September 2021 im Bundesasylzentrum Region Bern zu seinen Perso-
nalien befragte,
dass der Beschwerdeführer am 16. September 2021 den Rechtsschutz für
Asylsuchende im Bundesasylzentrum Region Bern mit seiner Rechtsver-
tretung mandatierte,
dass die damalige Rechtsvertretung dem SEM mit Schreiben vom 24. Sep-
tember 2021 eine medizinische Dokumentation übermittelte, bestehend
aus verschiedenen ärztlichen Zeugnissen aus Georgien sowie den Ergeb-
nissen von ersten in der Schweiz durchgeführten medizinischen Untersu-
chungen,
dass der Beschwerdeführer durch das SEM am 28. September 2021 zu
seinen Asylgründen angehört wurde,
dass er dabei im Wesentlichen zu Protokoll gab, der einzige Grund für sein
Asylgesuch sei, dass er an Hepatitis C und einer Leberzirrhose leide, sich
in seinem Heimatstaat die erforderliche medizinische Behandlung nicht
leisten könne und gehört habe, in der Schweiz sei die Medizin auf einem
hohen Niveau, nachdem ein Nachbar von ihm hier früher einmal erfolgreich
behandelt worden sei,
dass das Staatssekretariat den Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung
vom 5. Oktober 2021 aufforderte, einen ausführlichen medizinischen Be-
richt einzureichen,
dass das SEM am 7. Oktober 2021 zum Zweck weiterer Abklärungen die
Zuteilung des Beschwerdeführers in das erweiterte Verfahren gemäss
Art. 26d des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31) verfügte und ihn dem Kan-
ton Graubünden zuwies,
dass die damalige Rechtsvertretung des Beschwerdeführers mit jeweiligen
Eingaben an das Staatssekretariat vom 8. Oktober 2021 den verlangten
medizinischen Bericht einreichte sowie die Beendigung des Mandatsver-
hältnisses erklärte,
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dass mit Schreiben an das SEM vom 20. Oktober 2021 die Bündner
Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende unter anderem die Übernahme
der Rechtsvertretung zugunsten des Beschwerdeführers mitteilte,
dass mit Schreiben des behandelnden Arztes vom 24. Februar 2022 dem
SEM ein Bericht zur gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers
unter Beilage verschiedener medizinischer Untersuchungsergebnisse
übermittelt wurde,
dass das Staatssekretariat mit Zwischenverfügung vom 1. März 2022 der
damaligen Rechtsvertretung des Beschwerdeführers die Einsicht in die
Verfahrensakten gewährte, einschliesslich der vorhandenen medizini-
schen Berichte,
dass das SEM mit Verfügung vom 7. März 2022 (Datum der Eröffnung:
8. März 2022) gestützt auf Art. 31a Abs. 3 AsylG auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers nicht eintrat und dessen Wegweisung sowie den Voll-
zug anordnete,
dass der Beschwerdeführer den Entscheid des SEM mit Eingabe vom
15. März 2022 beim Bundesverwaltungsgericht anfocht,
dass er dabei beantragt, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben
und wegen Undurchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs seine vorläufige
Aufnahme anzuordnen, eventualiter sei die Sache zur vollständigen Abklä-
rung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen,
dass er zudem in prozessualer Hinsicht beantragt, es seien ihm die unent-
geltliche Prozessführung sowie die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
zu gewähren,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls über Be-
schwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet,
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG),
dass das Bundesverwaltungsgericht – mit einer vorliegend nicht zutreffen-
den Ausnahme – endgültig entscheidet (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
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dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung besonders
berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung hat, wo-
mit er zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG;
Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich
vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wird,
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen,
die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die
Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht
eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1, 2012/4 E. 2.2),
dass sich demnach die Beschwerdeinstanz, falls sie den Nichteintretens-
entscheid als unrechtmässig erachtet, einer selbständigen materiellen Prü-
fung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu neuer
Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. BVGE 2014/39 E. 3),
dass gemäss Art. 31a Abs. 3 AsylG das SEM auf ein Gesuch nicht eintritt,
welches die Voraussetzungen von Art. 18 AsylG nicht erfüllt, was nament-
lich der Fall ist, wenn das Asylgesuch ausschliesslich aus wirtschaftlichen
oder medizinischen Gründen eingereicht worden ist,
dass ein Asylgesuch gemäss Art. 18 AsylG vorliegt, wenn die ersuchende
Person zu erkennen gibt, dass sie die Schweiz um Schutz vor Verfolgung
ersucht,
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dass das Vorgehen des SEM, gestützt auf die genannten Gesetzesbestim-
mungen auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht einzutreten, in
der Beschwerdeschrift nicht in Frage gestellt wird,
dass sich das vorliegende Beschwerdeverfahren folglich auf die Frage der
Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs beschränkt,
dass in der Beschwerdeschrift zwar formell beantragt wird, es sei die vor-
läufige Aufnahme des Beschwerdeführers wegen Unzulässigkeit bezie-
hungsweise Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung anzuordnen,
dass in der Begründung der Beschwerde jedoch nicht dargelegt wird, in-
wiefern die angefochtene Verfügung hinsichtlich der Frage der Zulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs Bundesrecht verletzen oder den rechtserhebli-
chen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellen sollte,
dass auch keine konkreten Anhaltspunkte bestehen, welche darauf hindeu-
ten würden, dass die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung zu Unrecht
als zulässig bezeichnet haben könnte,
dass sich somit einzig die Frage zu stellen vermag, ob wegen Unzumut-
barkeit aus medizinischen Gründen – worauf sich die Vorbringen in der Be-
schwerdeschrift beschränken – anstelle des Vollzugs der Wegweisung die
vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers anzuordnen sei (Art. 44
AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 und 4 AIG),
dass gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein kann, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat
aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und
medizinischer Notlage konkret gefährdet sind,
dass – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme
zu gewähren ist, wenn in diesem Sinne eine konkrete Gefährdung festge-
stellt wird,
dass das SEM in der angefochtenen Verfügung unter dem einzig zu beur-
teilenden Gesichtspunkt medizinischer Gründe unter Hinweis auf die
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (BVGE 2009/2 E. 9.3.2)
im Wesentlichen ausführte, die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
aufgrund einer gesundheitlichen Notlage sei nur dann anzunehmen, wenn
eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfü-
gung stehe und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden
Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes führe,
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dass dabei als wesentlich die allgemeine dringende medizinische Behand-
lung erachtet werde, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen
Existenz absolut notwendig sei,
dass der Vollzug der Wegweisung auch dann zumutbar sei, wenn im Hei-
mat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard ent-
sprechende medizinische Behandlung möglich und dauerhaft zugänglich
sei,
dass der Beschwerdeführer gemäss den vorliegenden ärztlichen Berichten
an einer Leberzirrhose infolge einer Virusinfektion mit Hepatitis B und C in
einem aktuell kompensierten, nicht-hepatitischen Zustand leide,
dass im Zusammenhang mit der Leberzirrhose zudem eine partielle Pfort-
aderthrombose (Verstopfung oder Verengung der Pfortader, welche die Le-
ber mit Blut versorgt) und daraus entstehende Ösophagusvarizen (vergrös-
serte Venen in der Speiseröhre) zweiten Grades und ein Verdacht auf Fun-
dusvarizen (Erweiterungen von Venen im Magenbereich) diagnostiziert
worden seien,
dass betreffend die Ösophagusvarizen am 24. Januar 2022 eine Ligatur-
behandlung (Abschnürung) durchgeführt worden sei,
dass den vorliegenden Berichten weiter zu entnehmen sei, dass aktuell
keine Lebertransplantation indiziert sei, wobei ein sogenannter transjugulä-
rer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS) durchgeführt werden
könnte,
dass grundsätzlich davon auszugehen sei, dass die Behandlung der ge-
sundheitlichen Leiden des Beschwerdeführers auch in Georgien möglich
sei,
dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatstaat tatsächlich auch bereits
in ärztlicher Behandlung gewesen sei, wobei gemäss der vorliegenden me-
dizinischen Dokumentation in Georgien bereits eine Leberzirrhose diag-
nostiziert und entsprechend behandelt worden sei,
dass unter anderem am 27. Juli 2021 bereits in Georgien – wie später auch
in der Schweiz – eine endoskopische Ligatur der Ösophagusvarizen durch-
geführt geworden sei, womit es dem Beschwerdeführer möglich sein sollte,
allfällige weitere Behandlungsschritte im Heimatstaat durchführen zu las-
sen,
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dass der Beschwerdeführer zwar geltend gemacht habe, in seinem Hei-
matstaat über keine Krankenversicherung zu verfügen,
dass jedoch in Georgien seit dem Jahr 2006 ein Sozialhilfeprogramm für
Personen unter der Armutsgrenze bestehe, das eine kostenlose staatliche
Krankenversicherung einschliesse, wobei die Krankheitskosten je nach
Einkommen teilweise oder ganz übernommen würden (unter Hinweis auf
SCHWEIZERISCHE FLÜCHTLINGSHILFE [SFH], Géorgie: accès à des soins
médicaux, 28. August 2018, S. 46),
dass der Beschwerdeführer folglich von dieser kostenlosen Krankenversi-
cherung profitieren könne, womit eine menschenwürdige Existenz gewähr-
leistet sei,
dass des Weiteren auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts zu verweisen sei, welche in einem vergleichbaren Fall mit fortge-
schrittener Leberzirrhose im Zusammenhang mit Hepatitis B und C sowie
kompletter Pfortaderthrombose mit TIPS den Wegweisungsvollzug nicht
nur als zumutbar, sondern auch unter dem Aspekt von Art. 3 EMRK als
zulässig erachtet habe (Urteil des BVGer E-5438/2021 vom 3. Januar 2022
E. 7.3 und 8.3),
dass der Beschwerdeführer im Übrigen die Möglichkeit habe, medizinische
Rückkehrhilfe gemäss Art. 93 Abs.1 Bst. d AsylG zu beantragen, wobei
eine solche mittels Abgabe von Medikamenten, Hilfe bei der Ausreiseorga-
nisation oder mit Unterstützung während und nach der Rückkehr gewährt
werden könne,
dass der Beschwerdeführer mit der Beschwerdeschrift im Wesentlichen
geltend macht, er könne den TIPS, welchen ihm die Schweizer Ärzte zur
Verbesserung seines gesundheitlichen Zustandes empfohlen hätten, in
Georgien aufgrund seiner bescheidenen finanziellen Möglichkeiten nicht
erhalten,
dass er nämlich über kein Geld verfüge und jahrelang von seinem Bruder
und seiner Schwester unterstützt worden sei, wobei diese nicht für seine
Gesundheitskosten aufkommen könnten,
dass die georgische Krankenversicherung nicht alle Kosten der erforderli-
chen Operation übernehmen werde, wobei er sich die Zusatzzahlungen
nicht leisten könne, nachdem er bereits sein Haus verpfändet habe,
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dass in Bezug auf diese Vorbringen hinsichtlich der Finanzierung über das
vom SEM in der angefochtenen Verfügung bereits Gesagte hinaus auf ein
in Georgien bestehendes Sozialhilfeprogramm für Armutsbetroffene sowie
auf das staatlich finanzierte "Universal Health Care Program" (UHCP) zu
verweisen ist, die einen Grossteil der Gesundheitskosten decken, welche
der Beschwerdeführer zu erwarten haben dürfte (vgl. etwa Urteil des
BVGer D-5903/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 5.3.3 m.w.N.),
dass zudem darauf hinzuweisen ist, dass dem Beschwerdeführer, wie vom
SEM bereits erwähnt, die Inanspruchnahme einer medizinischen Rück-
kehrhilfe gemäss Art. 93 Abs.1 Bst. d AsylG offensteht, welche auch die
Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung zur befristeten medizinischen
Betreuung umfasst und gegebenenfalls die erforderlichen Massnahmen in
Georgien, etwa die Durchführung eines TIPS, in dieser Hinsicht erleichtern
könnte,
dass sich der vom SEM angeordnete Vollzug der Wegweisung nach dem
Gesagten als zumutbar erweist und somit in Einklang mit den zu beachten-
den Bestimmungen steht,
dass die Anordnung der vorläufigen Aufnahme gestützt auf Art. 83 Abs. 1
und 4 AIG somit ausser Betracht fällt,
dass die angefochtene Verfügung mithin Bundesrecht nicht verletzt, den
rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt sowie – so-
weit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist (Art. 49 VwVG),
dass die Beschwerde folglich abzuweisen ist,
dass die mit der Beschwerdeschrift gestellten Gesuche um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeistän-
dung abzuweisen sind, da die hauptsächlichen Begehren – wie sich aus
den angestellten Erwägungen ergibt – als aussichtslos im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG zu bezeichnen sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen sind (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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