Decision ID: 619023e7-4c36-42e8-84ba-0267a30b741f
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1986, war bei der
Schweizerischen
Unfallversicherungs
anstalt
(SUVA)
gegen Unfall versichert
,
als er
sich
am 21.
Januar 2010 im Spital
Y._
einer Leisten-
Hernienoperation
unterzog
.
Dabei
wurde der rechte Samen
leiter
(Ductus
deferens
)
verletzt
und
geklippt (Urk. 10/10)
. Mi
t Schreiben vom 1
8.
Januar 2011,
1
6.
Januar 2012
und
1.
März 2012
(
Urk.
10/1)
liess
der Versi
cherte
diese Komplikation
bei der
SUVA
als Unfall melden.
Die SUVA lehnte den Anspruch auf
Versicherungsleistungen
zunächst
formlos
mit Schreiben vom
8.
Januar 2013
(
Urk.
10/11) und
schliesslich
auf Ersuchen des Beschwerdefüh
rers
(
Urk.
10/12)
hin
mi
t Verfügung vom 2
2.
Januar 2013
(
Urk.
10/13)
ab
. Die dagegen erhobene Einsprache
(Urk.
10/14)
wurde mit Entscheid vom 1
3.
Mai 2013 abgewiesen (Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
3.
Mai 2013 erhob der Versicherte am 7. Juni 2013 Beschwerde
(
Urk.
1)
mit folgendem
Rechtsbegehren
(S. 2)
:
„
1.
Der
Einspracheentscheid
vom 13.5.2013 sei aufzuheben und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen, um den Anspruch auf Leistungen nach UVG zu berechnen.
2.
Eventualiter sei vom Gericht ein medizinisches Gutachten in Auftrag zu ge
ben.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich gesetzlicher Mehrwert
steuer zulasten der Beschwerdegegnerin.“
Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 1
6.
September 2013
(
Urk.
8)
unter Beilage einer versicherungsmedizinischen Beurteilung
(Urk. 9) auf Abweisung der Beschwerde
. Der Beschwerdeführer erstattete am 2
2.
Oktober 2013 seine Replik (
Urk.
13). Mit Schreiben vom 8.
November 2013 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
ihre
Duplik (Urk.
16), was dem Be
schwerdeführer am
7.
Januar 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
werden
so
weit das Gesetz nichts anderes bestimmt
die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2
).
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.3
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das
Be
griffsmerkmal
der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebens
bereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begrün
den keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.4
Die Grundsätze zum Begriffsmerkmal der Ungewöhnlich
keit gelten auch, wenn zu beurteilen ist, ob ein ärztlicher Eingriff den gesetzlichen Unfallbegriff erfüllt. Die Frage, ob eine ärztliche Vorkehr als mehr oder weniger ungewöhn
licher äusserer Faktor zu betrachten sei, ist aufgrund objektiver medizinischer Krite
rien zu beantworten. Sie ist nur dann zu bejahen, wenn die ärztliche Vorkehr als solche den Charakter des ungewöhnlichen äusseren Faktors aufweist; denn das Merkmal der Aussergewöhnlichkeit bezieht sich nach der Definition des Unfallbegriffs nicht auf die Wirkungen des äusseren Faktors, sondern allein auf diesen selber. Nach der Praxis ist es mit dem Erfordernis der
Ausserge
wöhnlich
keit
streng zu nehmen, wenn eine medizinische Mass
nahme in Frage steht. Da
mit eine solche Vorkehr als unge
wöhnlicher äusserer Faktor qualifiziert werden kann, muss ihre Vornahme unter den jeweils gegebenen Umständen vom medi
zinisch Üblichen ganz erheblich abweichen und zudem, objektiv betrachtet, entsprechend grosse Risiken in sich schliessen. Im Rahmen einer Krankheitsbe
handlung, für wel
che die Unfallversicherung nicht leistungspflichtig ist, kann ein Behandlungsfehler ausnahmsweise den Unfallbegriff erfüllen, nämlich, wenn es sich um grobe und ausserordentliche Verwechslungen und Unge
schicklichkeiten oder sogar um absichtliche Schädigungen handelt, mit denen niemand rech
net noch zu rechnen braucht. Ob ein Unfall im Sinne des obliga
torischen Unfallversicherungsrechts vorliegt, beur
teilt sich unabhängig davon, ob die beteiligte medizinische Fachperson einen Kunstfehle
r begangen hat, der eine (zivil-
oder
öffentlichrechtliche
) Haftung begründet. Ebenso wenig besteht eine Bindung an eine allfällige strafrechtliche Beurteilung des ärztlichen Ver
haltens (BGE 121 V 35 E. 1b, 118 V 283 E. 2b, je mit Hin
weisen auf Rechtspre
chung und Lehre).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversiche
rungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
ach
terin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S.
572; BGE 122 V 157 E. 1c; vgl. auch 123 V 331 E. 1c).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die gesundheitliche Schädigung des Beschwerde
führers auf einen Unfall
im Sinne von
Art.
4 ATSG
zurückzuführen ist, für den die Beschwerdegegnerin einzustehen hat.
2.2
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
anspruchsverneinenden
Entscheid damit,
in
den Akten seien keine Hinweise auf eine grobe und ausserordentliche Verwechslung oder Ungeschicklichkeit
d
er operierenden Ärzte ersi
chtlich, mit der niemand rechne
ode
r zu rechnen brauche
. Sie wies
des Weiteren
auf Ver
wachsungen nach
einer
früheren
Hernienoperation
hin.
Schliesslich hielt die Beschwerdegegnerin fest,
dem
Umstand,
d
ass sich die Durchtrennung des Samenleiters rechts angesichts einer fehlenden Anlage eines Samenleiters links
besonders gravierend ausgewirkt
und zu einer Zeugungsunfähigkeit auf natürli
chem Weg geführt habe,
komme
für die Frage
nach dem Vorliegen
eines Unfalls
keine Bedeutung zu
. Das Vorliegen eines Behandlungsfehlers, der den
Unfallbe
griff
erfülle, sei somit zu verneinen
(
Urk.
2
Ziff.
3).
2.3
Dem hielt der Beschwerdeführer
im Wesentlichen
entgegen
, die Durchtrennung des rechten Samenleiters im Zusammenhang mit einer
Hernienoperation
weiche
vom Üblichen und Alltäglichen deutlich ab, so dass das Kriterium der Unge
wöhnlichkeit
erfüllt
sei (
Urk.
1
Ziff.
6.2). Diese Verletzung sei eine derart seltene Komplikation, dass sie nicht einmal von der Aufklärungspflicht erfasst werde (
Ziff.
6.1). Die statistische Häufigkeit sei ein relevantes Indiz für die Ungewöhn
lichkeit des äusseren Faktors (
Ziff.
6.3).
Der Samenleiter sei
erst
indentifiziert
worden, nachdem er
bereits
durchtrennt worden sei. Hinzu komme, dass die Operateure vor der
Klippung
des rechten Samenstranges nicht abgeklärt hätten, ob auf der linken Seite eine Anomalie des Urogenitaltrakts bestehe, was
den Operat
eu
ren
auch hätte auffallen müssen.
Aufgrund
dieser
Umstände sei von einer grobe
n Ungeschicklichkeit auszugehen
(
Ziff.
6.5). Die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors sei
somit
gegeben und bei der Operation vom 2
1.
Januar 2010 und den folgenden Komplikationen sei demzufolge von einem
Unfaller
eignis
im Sinne von
Art.
4 ATSG auszugehen (
Ziff.
6.6).
2.4
In der Beschwerdeantwort vom 1
6.
September 2013 (
Urk.
8)
führte die
Be
schwerdegegnerin
aus, die Beurteilung des Unfallbegriffs aufgrund der statisti
schen Häufigkeit sei die fals
che Herangehensweise (
Ziff.
5.2
f.). Sie verwies
des Weiteren
auf die
im
Vernehmlassungsverfahren
eingeholte
versicherungsärztli
che
Beurteilung der
Dres
. med.
Z._
und
A._
(
Urk.
9), wonach die erfolgte Durchtrennung des Samenleiters nicht als grobe und ausserge
wöhnliche Verwechslung oder Ungeschicklichkeit zu
werten
sei. Die Gefahr der Verletzung des Samenleiters
bei einer Leisten-
Hernienoperation
werde in jedem medizinischen Lehrbuch beschrieben. Durch die vo
r
bestandenen Verwachsun
gen am Operationsort sei diese Gefahr noch zusätzlich vergrössert worden. Entsprechend könne die Durchtrennung des Samenleiters nicht als ungewöhn
lich im Sinne der Rechtsprechung gelten (Ziff.
5.6 ff.).
2.5
Der Beschwerdeführer hielt in der Replik vom 2
2.
Oktober 2013 (
Urk.
13) an
sein
en
Vorbringen
fest.
3.
Aus den medizinischen Unterlagen und der übereinstimmenden
Darstellung der Parteien
geht hervor
, dass der Beschwerdeführer am 2
1.
Januar 2010 an der Leiste operiert wurde.
Er litt an einer
symptomatischen Leistenhernie
auf der linken Seite b
ei einem Status nach Leistenhernien-
Repair
a
uf der rechten Sei
te
im Kindesalter
mit deutlichem Hustenabprall und weicher Leiste. Bei der Opera
tion wurde
das Verfahren der
endoskopische
n
extraperitoneale
n
Inguinalher
nien-Plastik
(TEP)
angewendet
. Dabei wurde
der Ductus
deferens
(Samenleiter) auf der
rechten
Seite
„
verletzt
“
beziehungsweise durchtrennt. Nach
Rücksprache mit
seinem
Vorgesetzten
verschloss der Operateur die beiden Enden des durch
trennten Samenleiters mit Clips
. Die
Hernienversorgung
wurde anschliessend wie geplant zu Ende
geführt
(
Urk.
10/10).
Eine spätere urologische Abklärung ergab, dass
beim Beschwerdeführer zusätz
lich
–
infolge
einer
Missbildung des Urogenitalsystems
–
die linke Niere, der linke Samenstrang
und d
ie linke
Samenblase
fehlen
.
Auf der rechten Seite
prä
sentierten sich die Verhältnisse unauffällig
.
Der Urologe und der Hausarzt gin
gen von einer Zeugungs
unfähigkeit auf natürlichem Weg
aus
. Grund für
das Fehlen von Spermien im Ejakulat
waren
nach Einschätzung der Ärzte
einerseits
die
Missbildung
auf
der linken Seite
, wo der Transport anlagebedingt nicht möglich
sei,
und andererseits
die
Durchtrennung und
Klippung
des Samenleiters
auf der rechten Seite
anlässlich der Leistenoperation am 2
1.
Januar 20
10
(Urk.
10/8 und
10
/
9
).
4.
4.1
Aktenkundig sind zwei ärztliche Einschätzungen zur anlässlich der
Leistenope
ration
aufgetretenen Komplikation:
4.2
Es
ist dies einmal
das i
n F
rage- und Antwortform gehaltene
und an die
B._
adressierte
Kurzgutachten
von
PD
Dr.
med.
C._
,
lei
tender Arzt der Klinik für Urologi
e am
D._
,
vom 2
9.
Mai 2012
(
Urk.
10/5). PD
Dr.
C._
führte
zunächst
einleitend
aus, bei der en
do
s
kopischen extraperitonealen
Inguinalhernien
-Plastik im Januar 2010 sei es im Rahmen der Präparation zu einer akz
identellen Durchtrennung des Duc
tus
deferens
auf der rechten Seite gekommen.
In seiner Würdigung erklärte er sich g
rundsätzlich
mit der Einschätzung
einverstanden,
wonach
diese Komplikation
wegen ihrer Seltenheit
i
m Rahmen der Aufklärungspflicht
nicht spezifisch auf
geführt werden müsse.
E
r hielt
hierzu
fest
, dies
gelte insbesondere auch deshalb, weil die fehlende Anlage des linken Samenleiters vor der
Hernienoperation
nicht bekannt gewesen sei und im Normalfall nach Durchtrennung eines Samen
leiters von einer praktisch unverminderten Zeugungsfähigkeit ausgegan
gen werden könne. Die fehlende Anlage
eines
Samenleiters komme in etwa bei einem von 1000 Männern vor, was die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fall wie der hier zu begutachtende eintreffe, extrem gering mache. Allgemein müsse zur Aufklärung aber gesagt werden, dass der Patient generell über die Möglichkeit einer „Verletzung umliegender Organe“ oder ähnlich aufgeklärt
werden sollte
(
Ziff.
1 S. 2)
.
PD Dr.
C._
verstand
des Weiteren
die Passage im
Operati
onsbericht
zur
Verletzung des
Samenleiter
s
so, dass im Bereich des inneren Leistenringes, den der Operateur für die Sanierung der Hernie habe
freipräpa
rieren
müssen, das Gewebe narbig verändert gewesen sei und die einzelnen Strukturen somit nicht
mehr gut voneinander abgrenzbar gewesen seien. Bei diesen erschwerten Bedingungen habe
der Samenleiter offenbar erst i
dentifiziert werden können, nachdem er bereits durchtrennt worden sei. Nachdem das Problem erkannt worden sei, sei der Chefarzt beratend hinzugezogen und der Entscheid zur
Klippung
der beiden Samenleiter
enden
gefällt worden.
Auf die Frage, ob in der Regel mit Verwachsungen zu rechnen sei, wenn ein Patient bereits im Kindesalter eine offen
Hernienoperation
an derselben Stelle gehabt habe, führte PD
Dr
.
C._
aus,
intraabdominelle
Verwachsungen nach statt
gehabter offener (von aussen
durchgeführter
)
Hernienoperation
seien von unter
schiedlichem Ausmass, in der Regel jedoch nicht sehr ausgeprägt (
Ziff.
2.4).
Der
Kurzgutachter
hielt sodann
fest, dass das Risiko für Verletzungen umliegender Strukturen prinzipiell zunehme, je schwieriger sich die Präparation aufgrund von Verwachsungen gestalte (Ziff.
2.5).
Zusammenfassend
führte
PD
Dr.
C._
aus,
dass es sich um einen sehr unglücklichen Fall handle. Von einer intra- oder postoperativen Verletzung der Sorgfaltspflicht könne seines Erachtens jedoch nicht ausgegangen werden. Die Handlungen der involvierten Ärzte seien nachvollziehbar und gemessen am je
weiligen Informationsstand korrekt
gewesen
(S. 3).
4.
3
Di
e
Dres
. med.
A._
und
Z._
,
Fachärzte für Chirurgie FMH
, der SUVA Versicherungsmedizin, führten in ihrem
im
Vernehmlassungsverfahren
eingeholten
Bericht vom
4.
und
6.
September 2013 (
Urk.
9) illustriert durch Ab
bildungen aus, bei jeder Technik
in
der Leistenbruchchirurgie werde, bedingt durch die Anatomie der Leistenhernie, sehr nahe am Samenstrang (bestehend aus dem Samenleiter, der
Arteria
testicularis
und einem Venengeflecht) operiert. Der Samenstrang verlaufe durch den Leistenkanal. Die Operation an einer
Leis
tenhernie
bedinge ein Operieren unmittel
bar am beziehungsweise
neben dem Samenstrang. Es bestehe somit ein unmittelbares Risiko für eine Verletzung des Samenstrangs beziehungsweise seines Inhaltes, der unter anderem aus dem Samenleiter bestehe. In der Schweiz sei es eigentlich üblich, dass vor e
iner
Leis
tenoperation
über die
Komplikationsmöglichkeit einer möglichen Verletzung des Samenleiters aufgeklärt werde. Es sei richtig, dass diese Komplikation über die letzten Jahre selten geworden sei; dies nicht zuletzt wegen der
Häufigkeit
dieser
Operation und des
chirurgischen Training
s
.
Die Fachärzte
berichteten ferner
, wenn vor einer Leistenoperation bekannt sei, dass ein Zustand nach Voroperation(en) im Leistenbereich bestehe, müsse be
ziehungsweise werde der Operateur mit der Möglichkeit rechnen, dass Ver
wachsungen bestünden und die Operation schwieriger werden könne und mehr Zeit
brauche. Denn um das Implantat-N
etz zu positionieren, müssten die Ver
wachsungen gelöst werden. Es bestehe also ein erhöhtes Risiko im Rahmen von Verwachsungen wegen einer Voroperation, während der Operation Strukturen wie den Samenleiter zu verletzen. Wenn es zu einer solchen Verletzung komme, dann geschehe dies anlässlich der chirurgischen Präparation und sei weder als Ungeschicklichkeit noch als aussergewöhnliche Verwechslung zu werten.
5.
5.1
Nach geltender Rechtsprechung ist bei im Rahmen von medizinischen Eingriffen aufgetretenen Komplikationen für die Bejahung eine
s
ungewöhnlichen äusseren Faktors
wie erwähnt
entscheidend, ob grobe und ausserordentliche Verwechs
lungen und Ungeschicklichkeiten oder sogar eine
absichtliche Schädigung vor
liegen
, mit denen niemand rechnet noch zu rechnen braucht (vgl. E. 1.4 sowie etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_3/2014 vom 4. April 2014 E. 3.2 mit zahlrei
chen Hinweisen).
Rechtsprechungsgemäss
ist es mit dem Erfordernis der
Aus
sergewöhnlichkeit
streng zu nehmen, wenn eine medizinische Massnahme in Frage steht (E. 1.4). Die vom Beschwerdeführer hervorgehobene statistische Häufigkeit der Komplikationen spielt nach geltender Praxis keine entscheidende Rolle (vgl. zur gegenteiligen Meinung Ueli
Kieser
,
Accident
médical
, in: HAVE 2009/4 S. 382 ff.). Allerdings hat das Bundesgericht
–
wie der Beschwerdeführer zu Recht ausführte
–
in Einzelfällen
bei der
Beurteilung der Frage, ob von gro
ben und ausserordentlichen
Verwechslungen und
Ungeschicklichkeiten ausge
gangen werden muss, auch die statistische Häufigkeit mitberücksichtigt (vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts 8C_296/2009 vom 1
0.
September 2009 E. 5.3 und 8C_526/2007 vom 2
9.
April 2008 E. 4.2).
5.2
Vorab ist festzustellen, dass
der
in Kenntnis des Dossiers ergangene
Bericht der SUVA-Fachärzte
in allen Teilen zu überzeugen vermag und
die Anforderungen an eine
rechtsgenügliche
medizinische Beurteilungsgrundlage
erfüllt
.
Dass sich der Bericht in der Würdigung der Aktenlage und
in
medizinischen Erläuterun
gen erschöpft, schmälert den Beweiswert seiner aussagekräftigen und
anschau
lichen
Ausführungen nicht. Denn nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine reine Aktenbeurteilung beziehungsweise ein reines Aktengutachten nicht an sich als unzuverlässig zu beurteilen. Dem reinen Aktengutachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (
Urteil
des Bundesgerichts 8C_
908/2012
vom 2
9.
M
ai
20
13
E.
4
.2
.1 mit Hinweis
).
Indizien, die gegen die Zuverlässigkeit des Berichts der SUVA-Ärzte sprechen
,
liege
n
keine vor. Die aktenkundigen Arztberichte stimmen im Grundsatz über
ein. Insbesondere lassen sich weder der
beweiswertigen
versicherungsmedizini
schen
Einschätzung
,
noch
dem
Operations
bericht
des Spitals
Y._
(
Urk.
10/10)
noch
dem
– sich zu insbesondere haftpflichtrechtlich relevanten Fragen äussernden –
Kurzgutachten von
PD
Dr.
C._
Hinweise
für grobe und ausser
ordentliche Verwechslungen
und
Ungeschicklichkeiten
des Operateurs
entneh
men
. Praxisgemäss ist damit ein ungewöhnlicher äusserer
Faktor zu verneinen.
5.
3
Dass
eine Verletzung des Samenleiters
– nicht zuletzt wegen
d
es
häufigen Vor
kommen
s
dieser
Operation und des chirurgischen Trainings – über die letzten Jahre selten geworden
ist
, vermag an dieser
Würdigung
nichts zu ändern
, zumal der
statistischen
Häufigkeit
der Komplikation
nach dem Gesagten
keine
ent
scheidende Bedeutung zukommt
.
Das
Risiko
,
umliegende Organe bei
der Opera
tion zu v
erletzten
ist allerdings nach Einschätzung der berichtenden Ärzte
nicht unbedeutend
,
so
dass vor der
Hernienoperation
eine entsprechende Aufklä
rungs
pflicht besteht
. Bei
der
Leistenhernie wird unmittelbar um den Samen
strang herum operiert
.
Die Verletzung des Samenleiters stellt damit keine Komplikation dar,
mit
der
niemand rech
net noch zu rechnen braucht.
Die Aus
führungen der Experten lassen es sodann als ü
berwiegend wahrscheinlich
erscheinen
, dass der Operateur
– wie im Operationsbericht vermerkt –
mit erschwerten Bedingungen beim Freipräparieren des inneren Leistenringes kon
frontiert war, da sich das Gewebe aufgrund der erstmaligen S
anierung narbig verändert hatte
(vgl.
Urk.
10/10,
E.
4.2 und 4.3)
.
5.
4
Der Standpunkt des Beschwerdeführers, wonach die Operateure die Anomalie auf der linken Seite hätten erkennen müssen und sich deshalb nicht mit der
Klippung
hätten begnügen dürfen, sondern den rechten Samenleiter hätten re
konstruieren müssen (
Urk.
13
Ziff.
3), lässt sich nicht mit der Einschätzung von
PD
Dr.
C._
im Kurzgutachte
n vereinbaren. Dieser erachtete
den Entscheid zum Klippen der beiden Samenleiterenden als sinnvoll und nachvollziehbar, wenn man bedenke, dass die Operateure zum besagten Zeitpunkt mit gutem Recht davon
hätten
ausgehen k
önnen
, dass der Patient einen normalen linken Samenleiter habe. Zudem
hätte nach Einschätzung des Kurzgutachters
jede andere Massnahme (nicht Klippen oder Rekonstruktionsversuch) ein höheres Risiko
für
Komplikationen im Zusammenhang mit der Netzeinlage zur
Hernien
versorgung
beinhaltet (Urk.
10/
5
Ziff.
2.2 S. 2)
.
5.
5
Aussergewöhnlich und ausserordentlich selten
war
indessen
die Kombination
einer
Verletzung des rechten
Samenleiter
s
im Rahmen der operativen
Hernien
sanierung
mit einer
von Geburt an
fehlenden Anlage
des linken Samenleiter
s (vgl. etwa
die entsprechenden Ausführungen des Kurzgutachters des
D._
in E. 4.2)
, was
nach Einschätzung der Ärzte
eine Zeugungs
unfähigkeit auf
natürlichem Weg zur Folge hatte
.
Dies kann jedoch bei der Prüfung
, ob die
Verletzung des rechten Samenleiters
bei
der Leistenoperation den Unfallbegriff erfüllt
e
, nicht mitberücksichtigt werden.
Denn das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors
bezieht sich nach der Definition des
Un
fallbegriffs
nicht auf die – vorliegend weitreichenden –
Folgen
des Ereignisses, sondern allein auf dieses selber
(E. 1.3)
.
6.
6.1
Der medizinische Sachverhalt ist nach dem Gesagten genügend erstellt, v
on weiteren medizinischen Abklärungen
sind
keine neuen
entscheidrelevan
ten
Ergebnisse mehr zu erwarten
, weshalb darauf zu verzichten is
t (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_86/2014 vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2 mit Hinweisen).
6.
2
Zusammenfassend ist die Verletzung des rechten Samenleiters im Rahmen der operativen
Herniensanierung
vom 2
1.
Januar 2010
nach geltender Rechtspre
chung nicht als ungewöhnlicher äusserer Faktor im Sinne
grober und ausseror
dentlicher Verwechslungen
und
Ungeschicklichkeiten, mit denen niemand rech
net noch zu rechnen braucht
,
zu würdigen. Die Beschwerdegegnerin hat das Vorliegen eines
Behandlungsfehlers, der den U
nfallbegriff erfüllt, deshalb zu Recht verneint und die Beschwerde ist dementsprechend abzuweisen.