Decision ID: 8e9b88f3-7aa7-5211-886a-fc9cd64ce122
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1966 und ausgebildeter Grafik Designer, meldete sich am
6.
April 2018 (Eingangsdatum) unter H
inweis auf Depression und eine
c
hronische
eosinophile
Pneumonie
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/4). Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und teilte am 2
7.
Juli 2018 mit, dass aufgrund des Gesundheitszustandes keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
7/32).
Die IV-Stelle holte in der Folge das polydisziplinäre Gutachten
des
Y._
,
vom 1
2.
Oktober 2020 ein (
Urk.
7/130). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 2
0.
November 2020,
Urk.
7/135;
Einwand vom 2
8.
Dezember 2020,
Urk.
7/138, ergänzende
Einwandbegründung
vom 1
2.
Januar 2021,
Urk.
7/142) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom
8.
April 2021 eine
Dreiviertels
rente
ab dem
1.
Oktober 2018
zu (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
1.
Mai 2021 Beschwerde und beantragte, es sei ihm in Abänderung der angefochtenen Verfügung eine ganze Rente mit Wirkung ab dem
1.
Oktober 2018 zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Rechtspflege und Bestellung von Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
als unentgeltlicher Rechtsbeistand (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
Juni 2021 (
Urk.
6 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
7/1-158) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, worüber der Beschwerde
führer am 2
8.
Juni 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
8). Mit Schreiben vom 1
2.
Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer weitere Unterlagen ein (
Urk.
9 unter Beilage von
Urk.
10/1-2), worüber die Beschwerdegegnerin am 2
6.
Juli 2021 informiert wurde (
Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung dafür, dass dem Beschwerdeführer gestützt auf das
Y._
-Gutachten eine Restarbeitsfähigkeit von 40
%
zuzumuten sei. Daraus resultiere ein Invaliditätsgrad von 60
%
. Die Rente
könne frühestens sechs Monate nach Anmeldung, somit ab
1.
Oktober 2018, aus
bezahlt werden. Dass der Beschwerdeführer sich subjektiv nur zu 20
%
arbeitsfä
hig fühle, ändere nichts an der schlüssigen Beurteilung der Gutachter (
Urk.
2).
Der Beschwerdeführer liess demgegenüber vor
b
ringen (
Urk.
1)
, dass er im Alter von 18 bis 20 Jahren im Zusammenhang mit dem Militärdienst psychiatrisch untersucht worden sei, was von der Beschwerdegegnerin - trotz entsprechendem Vorbringen im
Vorbescheidverfahren
- nicht berücksichtigt worden sei. Es liege eine Verletzung der Abklärungspflicht vor. Entsprechend sei das Gutachten nicht beweiskräftig. Im vorliegenden Gutachten sei die Angstproblematik nur kurz besprochen worden und eine vertiefte Beurteilung der drei Suizidversuche habe ebenfalls nicht stattgefunden. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei nicht nachvollziehbar. Die vom behandelnden Psychiater attestierten tagelangen Zusammenbrüche seien nicht berücksichtigt worden. Er habe dieses Jahr am 1
0.
April wieder einen Suizidversuch unternommen, welcher beim behandelnden Psychiater thematisiert worden sei. Entsprechend sei von einer psychiatrisch äusserst schweren Erkrankung auszugehen. Auch in Bezug auf die
pneumologi
sche
Beurteilung hätten die Gutachter von einem wellenförmigen Verlauf ausge
hen und prüfen müssen, ob er überhaupt in der Lage sei, die beruflichen Ver
pflichtungen einzuhalten
, was
klar zu verneinen
sei
. Die Annahme einer 40%igen Arbeitsfähigkeit sei entsprechend nicht nachvollziehbar (
Urk.
1).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
Juni 2021 brachte die Beschwerdegegnerin vor, dass nicht ersichtlich sei, inwiefern ein allfälliges 30 Jahre altes Gutachten den aktuellen Entscheid ändern könnte. Darüber hinaus habe er eine fünfjährige Kunstgewerbeschule absolviert und als Grafiker abgeschlossen. Danach sei er 2.5
Jahre als angestellter Grafiker tätig gewesen, bevor er 1990 in die Selb
ständigkeit gewechselt sei (
Urk.
6).
Der Beschwerdeführer teilte am 1
2.
Juli 2021 mit, dass im Dossier des militär
ärztlichen Dienstes das psychiatrische Gutachten nicht vorhanden sei. Bei der zuständigen Zivilschutz-Organisation seien keine Akten mehr vorhanden (
Urk.
9).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitge
hend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.4
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE
135 V 465 E.
4.4;
Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom
8.
April 2021
(
Urk.
2) im Wesentlichen auf das
polydisziplinäre Gutachten des
Y._
vom 1
2.
Oktober 2020
ab. Darin wer
den die bis zur Begutachtung des
Beschwerde
führers
aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (Urk.
7/127/3 ff.;
Urk.
7/128/3 f.;
Urk.
7/129;
Urk.
7/131)
,
weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgen
den Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
Die Gutachter notierten in der interdisziplinären Beurteilung folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/130/8):
-
Partiell kontrolliertes schweres Asthma bronchiale
-
Chronische
Rhinosinusitis
-
Rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episo
de
(ICD-10
F33.1)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
Borderline
und ängstlichen Anteilen (ICD-10 F61.0)
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit beurteilten sie (1) einen Status nach Divertikulitis Operation und
Gelegenheitsappendektomie
, (2) einen Status nach chronischer
eosinophiler
Pneumonie (Erstdiagnose 1997) und (3) eine
Benzodiazepinabhängigkeit
, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F13.25).
Generell leide der Beschwerdeführer
an Asthma bei kalten Temperaturen, insbe
sondere bei trockener Kälte. Zudem führten körpe
rliche Anstrengungen, Berg
aufge
hen zur verstärkten Atemnot. Er benu
tze dann
Ventolin
. Lungenent
zündu
ngen habe er seit der initialen Phase
ca. 1997 nicht mehr gehabt, je
doch verschiedentliche
Bronchitisschü
be
. Häufig seien aber Entzündun
gen im Bereich der Nebenhöhlen. Die Infekte träten insgesamt dann auf, wenn die Cortison-Dosis unter 5 mg gesenkt werde.
Die psychischen Probleme stünden im Vordergrund.
Der Antrieb und die Inte
ressen seien reduziert und es bestehe eine erhöh
te Ermüdbarkeit. Drei schwere Suizidversuche habe der
Beschwerdeführer
durchlebt. 2006 mittels Tablette
n-, Benzodiazepin- und Alkohol-
Intoxikation, 2014 mittels Tabletten- und Alkohol-
lntoxikation
sowie Schnitten an den Unterarmen, respektive Pulsadern, und 2015 mittels Benzodiazepin- und Alkohol-
lntoxikation
und versuchter Selbst
erstickung mit einer Plastiktüte und einem Gurt. Aktuell
sei er
nicht suizidal,
er habe jedoch immer wieder
Le
bensüberdrussgedanken
. F
remdaggressives Verhal
ten we
rd
e
weder vom
Beschwerdeführer beschrieben, noch kö
nn
e
es
während der Untersuchung
beobachtet werden. Er
sei jedoch teilweise gereizt, vor allem wenn er ungerecht behandelt werde. Ein sozialer Rückzug finde nicht statt.
In der bisherigen Tätigkeit als Fotograf oder Grafiker
sei der Beschwerdeführer
aktuell sowohl aufgrund des Vorliegens einer mittelgradigen depressiven Episode, welche sich durch eine Reduktion der Konzentration, Grübeln, eine Reduktion des Antriebs und der Interessen und eine erhöhte
Ermü
dbarkeit negativ a
uf die Arbeitsfähigkeit auswirke
, als auch aufgrund der Symptome der kombinierten Persönlichkeitsstörung, welche zu erheblichen zwischenmenschlichen Problemen und einer deutlichen Einschrän
kung durch die Ängste führe
, zu 60
%
als
reduziert arbeitsfähig zu beur
teilen. Dieses Ausmass der Arbeitsunfähigkeit m
ü
ss
e
akten
anamnestisch ab Juli 2015 angenommen werden.
Die Beurteilung der funktionellen Einschränkung
des Asthma
bronchiale im Hin
blick auf
die
Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit mit Hilfe des ATS Asthma
Impairment
Rating Schemas erg
ebe für FEV1 einen Score von 1
-2, für die Reversi
bilität v
on FEV1 (48% Soll bis 74% Soll) einen solchen
von 3, der
Medikamen
tation
von 4, total ein
en
Score von 8-
9.
Dies führe
zu einer Arbei
ts
unfähigkeit von 50%. Dabei sei
der hohe Variabilitätsgrad des
FEV1 auch bedingt durch die kli
nische Situation in den oberen Atemwegen als
Triggerfaktor
für das Asthma
bronchiale. Diese Beurteilung ge
lt
e ab Februar
20
1
8.
Nach e
ingehender Konsensbesprechung kämen sie
somit zum Schluss, dass in der angestammten Tätigkeit, welche als ideal adaptiert anzusehen
sei, seit Juli 2015 eine 60%
ige Arbeitsunfähigkeit best
ehe.
Die jetzige Tätigkeit als selbständiger Fotograf müsse als angepasste Tätigkeit beurteilt werden, da er dabei die Arbeitszeiten selbständig einteilen könne und nur einen minimalen Kundenkontakt unterhalte. Kontakte zu Mitarbeitern und Vorgesetzten bestünden nicht. Somit müsse auch in einer angepassten Tätigkeit von einer 60%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden seit mindestens Juli 2015 (
Urk.
7/130/10 f.)
.
Die jetzige ambula
nte psychiatrische Behandlung kö
nn
e als leitlinienge
treu beurteilt werden. Trotzdem sollten eine erneute antidepressive Steigerung und das Einsetzen einer Zweierkombination erwogen werden. Ansonsten sollte ein erneu
ter stationär psy
chiatrischer Aufenthalt durch
geführt werden. Erst
beim Scheitern eines solchen kö
nn
e von einer The
rapieresistenz ausgegangen werden. Dies, da lediglich ein stationärer Therapieversuch währen
d zwei Tagen durchgeführt worden sei (
Urk.
7/130/11).
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 1
2.
Januar 2021 Stellung und führte aus, dass sich der Beschwerdeführer weiter
hin wöchentlich in der ambulanten psychiatrischen Behandlung in seiner Praxis befinde. Wie bereits im Schreiben vom 2
4.
September 2020 mitgeteilt, liege aus seiner Sicht die aktuelle Arbeitsfähigkeit höchstens bei 20
%
und nicht bei 40
%
, wie dies von den Gutachtern eingeschätzt worden sei.
Das psychische Zustandsbild sei im Rahmen der emotional instabilen Persönlich
keitsstörung naturgemäss sehr insta
bil. Die gutachterlich erwähnte
60%
ige Arbeitsunfähigkeit könne
seines Erachtens lediglich als therapeutisches Ziel für das Jahr 2022 aufgefasst werden.
Immer wieder begleiteten den Beschwerdeführer heftige, tagelange emotionale Krisen mit völligem Zusammenbruch seiner täglichen Funktionalität mit Konsum von Tranquilizern und sozialem Rückzug. Er ersuche höflich um Überprüfung des Entscheides (
Urk.
7/141).
3.3
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens re
ichte der Beschwerdeführer den B
ericht von
Dr.
Z._
vom 1
0.
Mai 2021 ein.
Dr.
Z._
hielt
fest, dass der Beschwerdeführer seit 2015 regelmässig ein- bis zweimal wöchentlich psychiatrisch behandelt werde. Es bestehe seit August 2020 erneut und weiterhin eine volle Arbeitsunfähigkeit,
sow
ohl in angestammter als auch angepasster Tätigkeit. Insbesondere werde trotz der hohen Dosierung von Psychopharmaka eine latente Suizidalität attestiert. Der letzte Suizidversuch habe am 1
0.
April 2021 stattgefunden (
Urk.
3/3).
4.
4.1
Das Gutachten der
Y._
vom 1
2.
Oktober 2020 erfüllt sämtliche rechtspre
chungs
gemäss erforderlichen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entschei
dungsgrund
lagen (vgl. E. 2.4). Es beruht auf fachärztlichen Untersuchungen durch die Gut
achter (Urk. 7/127/15 ff.) und wurde in Kenntnis der relevanten
Vorakten
(Urk. 7/127/3 ff.;
Urk.
7/128/3 f.) abgegeben. Es würdigt die vorhande
nen Arztberichte sorgfältig und berücksichtigt die vom Beschwerdeführer geklag
ten Beschwerden und setzt sich mit diesen hinreichend auseinander. Die Darle
gung der medizinischen Zusammenhänge ist einleuchtend und das Gutachten ist schlüssig.
4.2
Der psychiatrische Gutachter
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, setzte sich ausreichend mit den Standardindikatoren (E. 2.3) auseinander (vgl. Urk.
7/128
/11;
Urk.
7/128/16;
Urk.
7/128/
9 f.;
Urk.
7/128/18 f.
). Seine Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE
141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde. Dr.
A._
ist bei der Beantwortung der Frage, wie er das Leistungsvermögen einschätzte, den einschlägigen Indika
toren gefolgt und hat
ausschliesslich
funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind. Seine versicherungs
medizini
sche Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch fest
gestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standard
indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachweisen, weshalb auf das psychiatrische Teilgutachten abzu
stellen ist.
4.3
4.3.1
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber insbesondere vor, dass er bereits im Alter von 18 bis 20 Jahren im Zusammenhang mit dem Militärdienst untersucht worden sei, was von der Beschwerdegegnerin trotz entsprechendem Vorbringen nicht berücksichtigt worden sei (
Urk.
1). Eine entsprechende Begutachtung geht allerdings nicht aus den vom Beschwerdeführer eingereich
ten Akten hervor (
Urk.
10/1-2).
4.3.2
Darüber hinaus liess der Beschwerdeführer vorbringen, dass die Suizidversuche, die
Lebensüberdrussgedanken
und die Angstproblematik seitens des Gutachters zu wenig gewürdigt worden sei
en
. Der Mini-ICF-APP-Rating Bogen, auf welchen bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit Bezug genommen werde, liege ebenfalls nicht vor. Der Gutachter habe die tagelangen Zusammenbrüche nicht berücksich
tigt. Damit könne nicht auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit abgestellt werden, es sei von einer 20%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Dies gehe auch aus dem Bericht von
Dr.
Z._
hervor (
Urk.
1).
Die Berichte von
Dr.
Z._
vermögen die Beweiskraft des
Y._
-Gutachten
allerdings
nicht in Frage zu stellen (vgl. E. 3.2 und E. 3.3).
Dr.
Z._
macht keine
konkreten, objektiv fassbaren Aspekte namhaft, die den ärztlichen Experten entgangen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2. August 2006 U 58/06 E.
2.2) oder die zu einer anderen rechtlichen
Beurteilung Anlass geben würden.
Die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden wurden seitens des Gutachters gewürdigt und flossen in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ein, diese Vor
bringen vermögen das Gutachten entsprechend nicht in Zweifel zu ziehen.
4.3.3
Soweit der Beschwerdeführer darüber hinaus vorbringt, dass aus
pneumologi
scher
Sicht der wellenförmige Verlauf zu wenig berücksichtigt worden sei, ist festzuhalten, dass der somatische Gutachter festhielt, dass der Beschwerdeführer «in Zusammenhang der entzündlichen Veränderung der Atemwege und deren Therapie in verschiedenen Organsystemen wie NNH, Lunge, Psyche, Bewegungs
apparat, chronisch, aber wechselnd intensiv betroffen» sei (
Urk.
7/127/21). Der wellenförmige Verlauf wurde entsprechend klarerweise berücksichtigt und umfassend gewürdigt im Gutachten des
Y._
.
4.4
Zusammengefasst ist gestützt auf das Gutachten des
Y._
seit Juli 2015 von einer 40%igen Arbeitsfähigkeit in der angepassten als auch der angestammten Tätigkeit auszugehen.
5.
Die Anmeldung erfolgte am
6.
April 2018, womit der
Rentenaspruch
frühestens am
1.
Oktober 2018 entstehen konnte (
Art.
29
Abs.
1 IVG).
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5.2
Dem Beschwerdeführer ist die angestammte Tätig
keit gestützt auf das
Y._
-Gut
achten im rentenrelevanten Zeitraum ab
Oktober 2018
zu 40
%
zumutbar gewe
sen (vgl. E. 4).
Ein leidensbedingter Abzug ist vorliegend nicht gerechtfertigt, da die begutach
tenden Ärzte des
Y._
bei der Beurteilung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit bereits sämtliche Einschränkungen berücksichtigten. Entspre
chend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind diese nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzuges einzubringen, da dies ansonsten zu einer doppelten Anrechnung der gleichen Gesichtspunkte führen würde (
Urteile des Bundes
ge
richts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1 und 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1), was darüber hinaus auch seitens des Beschwerde
führers nicht beantragt wurde.
Entsprechend resultiert bei ein
er 4
0%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten (und einer angepassten) Tätigkeit ein
Invaliditätsgrad von 6
0 %
, womit der Beschwerdeführer ab dem
1.
Oktober 2018 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat
. Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens und die Beschwerde ist abzuweisen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig und sind die Gerichtskosten gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Da die Voraussetzungen für die unentgelt
liche Prozessführung gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
) erfüllt sind (Urk. 3
/1
), sind sie jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.2
Ebenso sind die Voraussetzungen für die
unentgeltliche
Rechtsvertretung (§ 16 Abs. 2
GSVGer
) erfüllt und es ist Rechtsanwalt
Michael
Ausfeld
aus der Ge
richts
kasse zu entschädigen.
Eine Honorarnote wurde nicht eingereicht, womit - wie mit Verfügung
2
8.
Juni 2021
(Urk.
8
) mitgeteilt - die Entschädigung nach Ermessen festzusetzen ist. Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses ist eine E
ntschädigung in Höhe von Fr. 1‘8
00.-- (inklusive Mehr
wert
steuer und Barauslagen) angemessen.
6.3
Der Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Auslagen für die
unentgeltliche
Rechtspflege verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.
Das Gericht beschliesst,
In Bewilligung des Gesuchs vom
1
1.
Mai 2021 wird dem Beschwerdeführer
die unentgeltliche Prozessführung gewährt und
Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
, Zürich
, als unentgeltliche
r Rechtsvertreter
für das vorliegende Verfahren bestellt,
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Michael Ausfeld, Zürich,
wird mit
Fr.
1’800
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.