Decision ID: 36eb84d3-9847-4ea6-b708-b9d114cd7c89
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juli/August 2010 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1 und 4). Er gab an, er habe eine Berufslehre zum
Zahntechniker abgeschlossen und anschliessend an einer Filmschule in Los Angeles
ein Zertifikat als Regisseur erlangt. Im August 2011 wurde der Versicherte im Auftrag
der IV-Stelle von der medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz
begutachtet. Die Sachverständigen führten in ihrem Gutachten vom 31. Januar 2012
aus (IV-act. 66), der Versicherte leide an einer multiplen Sklerose mit einem
schubförmigen Verlauf, an einer Spondylolisthesis, an einer Alopecia areata universalis,
an einer kombinierten histrionischen und narzisstischen Persönlichkeitsstörung sowie
an einer rezidivierenden depressiven Störung, die aktuell remittiert sei. Die
angestammte Tätigkeit als Zahntechniker sei ihm nicht mehr zumutbar. Die vom
Versicherten angestrebte journalistische Tätigkeit könnte dagegen uneingeschränkt
ausgeübt werden. Mit gewissen qualitativen Einschränkungen sei auch die bisherige
Tätigkeit als Filmemacher oder als Kameramann zumutbar. Mit einer Verfügung vom
15. Februar 2013 wies die IV-Stelle das Begehren des Versicherten um die Gewährung
von beruflichen Massnahmen, insbesondere einer Umschulung, ab (IV-act. 91). Sie
führte aus, der Versicherte habe seinen erlernten Beruf als Zahntechniker freiwillig
aufgegeben, um ohne ein anerkanntes Fähigkeitszeugnis als Filmemacher zu arbeiten.
Folglich müsse er als Hilfsarbeiter qualifiziert werden. Da ihm leidensadaptierte
Tätigkeiten aus medizinischer Sicht uneingeschränkt zumutbar seien, liege keine
Invalidität vor. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hiess eine vom
Versicherten gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde in einem Entscheid vom
26. November 2013 teilweise gut (IV 2013/140; vgl. IV-act. 110). Es führte aus, der
Versicherte verfüge über ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis als Zahntechniker. In
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den Akten seien Kontaktallergien auf verschiedene Stoffe, mit denen Zahntechniker
regelmässig in Berührung kämen, ausgewiesen. Der Versicherte habe überzeugend
dargelegt, dass er seinen erlernten Beruf deswegen habe aufgeben müssen. Dieser sei
ihm nun aber ohnehin nicht mehr zumutbar, weil er nicht mehr in der Lage sei, die
notwendigen feinmotorischen Tätigkeiten auszuführen. Ihm könne nicht zum Vorwurf
gemacht werden, dass er versucht habe, sich selbst umzuschulen, denn damit sei er
seiner Schadenminderungspflicht nachgekommen. Die Selbsteingliederung sei für
einige Jahre erfolgreich gewesen. Bei der Arbeit in der Filmindustrie habe es sich um
eine qualifizierte und nicht um eine Hilfstätigkeit gehandelt. Folglich sei der Versicherte
als ein Berufsmann zu qualifizieren. Das Gericht wies die Sache zur Durchführung einer
umfassenden Eingliederungsprüfung an die IV-Stelle zurück.
A.b Der Berufsberater der IV-Stelle empfahl eine berufliche Abklärung durch die
berufliche Abklärungsstelle (BEFAS) Basel (IV-act. 134). Die IV-Stelle teilte dem
Versicherten am 30. September 2014 mit (IV-act. 136), dass sie ihm eine stationäre
Abklärung im Zeitraum vom 6. bis zum 31. Oktober 2014 zuspreche. Der Versicherte
trat diese Abklärungsmassnahme wie vorgesehen am 6. Oktober 2014 an. Am 15.
Oktober 2014 informierte er die IV-Stelle telefonisch darüber (IV-act. 143), dass er
einen akuten Schub der multiplen Sklerose erlitten habe. Aktuell sei er
krankgeschrieben. Er werde nächste Woche neurologisch untersucht. Wahrscheinlich
werde er insgesamt zwei Wochen ausfallen. Am 31. Oktober 2014 teilte die BEFAS
Basel der IV-Stelle mit, dass die berufliche Abklärung aufgrund der gesundheitlichen
Probleme des Versicherten per 14. Oktober 2014 abgebrochen worden sei (IV-act. 146;
vgl. auch IV-act. 159). Am 3. Dezember 2014 notierte der Berufsberater (IV-act. 157),
angesichts des schlechten Gesundheitszustandes des Versicherten sei eine
nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt nicht möglich. Schon die vor dem aktuellen
Schub der multiplen Sklerose gezeigte Leistung wäre im ersten Arbeitsmarkt nicht
verwertbar gewesen. Der Versicherte sei weder ausbildungs- noch eingliederungsfähig.
Er könne derzeit kein wirtschaftlich verwertbares Einkommen generieren. Der
Abklärungsauftrag werde damit abgeschlossen; nun sei die Rentenfrage zu prüfen. Am
17. Dezember 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 165), dass die
Mitteilung vom 30. September 2014 per 14. Oktober 2014 aufgehoben werde. Das
Taggeld werde bis zum letzten Eingliederungstag ausbezahlt. Es würden keine weiteren
beruflichen Massnahmen gewährt werden. Betreffend den Rentenanspruch werde der
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Versicherte eine separate Verfügung erhalten. Am 18. Dezember 2014 wandte der
Versicherte ein, dass dieser rückwirkende Abbruch der beruflichen Abklärung
unzulässig sei; er beantrage den Erlass einer anfechtbaren Verfügung (IV-act. 172). Am
23. Januar 2015 erliess die IV-Stelle eine Verfügung, die mit „keine Kostengutsprache
für weitere berufliche Massnahmen“ überschrieben war. Das Dispositiv dieser
Verfügung lautete: „Die Mitteilung vom 30.09.2014 wird somit per 14.10.2014
aufgehoben. Das IV-Taggeld wird bis zum letzten Abklärungstag ausbezahlt. Das
Leistungsbegehren um weitere berufliche Massnahmen wird abgewiesen“ (IV-act. 180).
Bereits am 16. Januar 2015 hatte die IV-Stelle dem Versicherten für den Zeitraum vom
6. bis zum 14. Oktober 2014 ein Taggeld von 143.20 Franken zugesprochen (IV-act.
178).
B.
B.a Am 26. Januar 2015 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 23. Januar 2015 erheben (act. G 1). Das
massgebende Beschwerdebegehren lautete: „Die Verfügung der Beschwerdegegnerin
vom 25.01.2015 sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer seien die gesetzlichen
Leistungen zu erbringen. Insbesondere seien dem Beschwerdeführer für den Zeitraum
vom 14.10.2104 bis zum 12.11.2104 dreissig zusätzliche Taggelder auszurichten“. Zur
Begründung führte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers aus, die berufliche
Abklärung sei erst mit der Mitteilung vom 17. Dezember 2014 abgebrochen worden.
Ein rückwirkender Abbruch sei unzulässig. Der Beschwerdeführer sei davon
ausgegangen, dass die berufliche Abklärung fortgesetzt würde. Bei einem
krankheitsbedingten Unterbruch einer beruflichen Eingliederung bestehe noch während
30 Tagen ein Anspruch auf das Taggeld. Die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) habe sich zwar auf den Standpunkt gestellt, die berufliche
Abklärung sei eine Abklärungs- und keine Eingliederungsmassnahme. Bei der
Berufsberatung, zu der auch berufliche Abklärungen zählten, handle es sich aber um
eine berufliche Eingliederungsmassnahme.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. März 2015 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie aus, aufgrund der Akten stehe fest,
dass der Beschwerdeführer die berufliche Abklärung definitiv habe abbrechen müssen.
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Dabei handle es sich um eine Tatsache. Die Abklärung gelte nicht erst als
abgebrochen, wenn eine Mitteilung der IV-Stelle ergehe.
B.c Am 18. März 2015 bewilligte die Verfahrensleitung die unentgeltliche Rechtspflege
für das Beschwerdeverfahren (act. G 4).
B.d Der Beschwerdeführer liess am 19. März 2015 an seinem Antrag festhalten (act.
G 6). Sein Rechtsvertreter führte aus, der Beschwerdeführer habe die Abklärung nicht
abgebrochen, sondern nur unterbrochen. Er habe sie weiterführen wollen. Die
Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 8).

Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat bereits am 16. Januar 2015 über den Taggeldanspruch
des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit der beruflichen Abklärung durch die
BEFAS Basel verfügt. Gemäss dieser Verfügung hat der Taggeldanspruch am 14.
Oktober 2014 geendet. Zwar hat sich die Beschwerdegegnerin auch in ihrer Verfügung
vom 23. Januar 2015 nochmals zum Taggeldanspruch geäussert („Das IV-Taggeld wird
bis zum letzten Abklärungstag ausbezahlt“). Da sie aber bereits am 16. Januar 2015
über den Taggeldanspruch - und damit auch über die Dauer des Taggeldanspruchs -
verfügt hatte, hat sie in der Verfügung vom 23. Januar 2015 nicht nochmals über den
Taggeldanspruch verfügen können. Folglich kann der Taggeldanspruch nicht zum
Gegenstand der Verfügung vom 23. Januar 2015 und damit auch nicht zum
Streitgegenstand dieses Beschwerdeverfahrens gehören. Soweit der
Beschwerdeführer in der vorliegenden Beschwerde nochmals die Zusprache von
Taggeldleistungen über den 14. Oktober 2014 hinaus beantragt, kann nicht auf seine
Beschwerde eingetreten werden.
2.
Der Beschwerdeführer hat ganz allgemein die Zusprache der gesetzlichen Leistungen
beantragt. Der Beschwerdebegründung lässt sich nicht entnehmen, welche Leistungen
neben den Taggeldern gemeint sein könnten. Auch die Akten enthalten keinen Hinweis
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darauf, dass im Verfügungszeitpunkt weitere berufliche Abklärungs- oder
Eingliederungsmassnahmen in Frage gekommen wären. Der Beschwerdeführer kann
damit jedenfalls nicht die Weiterführung der beruflichen Abklärung durch die BEFAS
gemeint haben, denn sein Gesundheitszustand würde dies offenkundig
verunmöglichen. Damit hat die Beschwerdegegnerin in der konkreten Situation am Tag
des Erlasses der angefochtenen Verfügung zu Recht einen Anspruch auf andere
berufliche Abklärungs- oder Eingliederungsmassnahmen verneint. Sollte sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers so verbessern, dass er wieder fähig wäre,
sich einer Abklärungs- oder einer Eingliederungsmassnahme zu unterziehen, kann er
ein entsprechendes Leistungsgesuch stellen, auf das die Beschwerdegegnerin ohne
weiteres eintreten wird. Folglich ist die Beschwerde in diesem Punkt abzuweisen.
3.
Bei diesem Verfahrensausgang hätte der Beschwerdeführer die auf 600 Franken
festzusetzenden Gerichtskosten zu bezahlen. Zufolge der Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung ist er aber von der Bezahlung dieser Gebühr zu
befreien. Aufgrund der Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung hat der
Staat dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Entschädigung auszurichten,
die gemäss dem Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes 80 Prozent des
notwendigen Vertretungsaufwandes entspricht. Da für die Vertretung in diesem
Verfahren nur wenige Akten zu studieren gewesen sind, da sich das Verfahren auf eine
einzige Rechtsfrage beschränkt hat und da sich der Begründungsaufwand weit
überwiegend auf jenen Teil des Beschwerdebegehrens bezogen hat, auf den nicht hat
eingetreten werden können, ist von einem bescheidenen massgebenden
Vertretungsaufwand auszugehen. Ein Aufwand von 500 Franken erscheint als
angemessen. Die Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung ist
folglich auf 80 Prozent von 500 Franken, also auf 400 Franken festzusetzen. Sollten es
seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird der Beschwerdeführer zur
Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Entschädigung für die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP
i.V.m. Art. 123 ZPO).