Decision ID: 44b4486d-1789-4197-a1b2-9923d8ee549e
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
hat sich ergeben:
I. Mit Beschluss Nr. 157/16 vom 3. Februar 2016 erteilte die Bausektion des Stadtrates von Zürich der Baudirektion Kanton Zürich die baurechtliche Bewilligung für innere Umbauten sowie den Anbau eines Fluchttreppenhauses am Gebäude Vers.-Nr. 28100669 auf dem Grundstück Kat.-Nr. AA3348 an der Schönberggasse 15 in Zürich-Altstadt.
II.
Hiergegen erhob der Zürcher Heimatschutz (ZVH) mit Eingabe vom 14. März 2016 Rekurs an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragte die Aufhebung der Baubewilligung unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekursgegnerschaft. Der Rekurs wurde mit Entscheid vom 3. März 2017 abgewiesen, soweit darauf eingetreten worden war.
III.
Gegen den Rekursentscheid erhob der ZVH am 6. April 2017 Beschwerde ans Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids; die Bewilligung für den Umbau des Bodmerhauses sei zu verweigern, soweit darin die Erstellung eines Fluchttreppenhauses anstelle des bestehenden Waschhauses und weitere Eingriffe in die historische Bausubstanz aus Gründen des Brandschutzes bewilligt würden; eine unabhängige Fachperson sei mit einem Gutachten zum Ausmass der notwendigen brandschutztechnischen baulichen Anpassungen zu beauftragen. Schliesslich beantragte der ZVH eine Parteientschädigung.
Mit Schreiben vom 28. April 2017 beantragte das Baurekursgericht ohne weitere Bemerkungen die Abweisung der Beschwerde. Nach erfolgter Fristerstreckung beantragte die Baudirektion des Kantons Zürich (Beschwerdegegnerin 1) am 24. Mai 2017 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei sowie eine Parteientschädigung. Die Gebäudeversicherung des Kantons Zürichs beantragte am 23. Mai 2017 ebenfalls die Abweisung der Beschwerde. Gleichen Datums beantragte die Bausektion des Stadtrates der Stadt Zürich (Beschwerdegegnerin 2) die Abweisung, sofern auf die Beschwerde einzutreten sei.
Mit Replik vom 19. Juni 2017 hielt der ZVH an seinen Anträgen fest. Am 30. Juni 2017 verzichtete die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich auf eine Duplik, während die Baudirektion des Kantons Zürich mit Schreiben vom 13. Juli 2017 an ihren Anträgen festhielt.

Die Kammer erwägt:
Die Kammer erwägt:
1. Das Verwaltungsgericht ist gemäss § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Die übrigen Prozessvoraussetzungen sind ebenfalls erfüllt.
1. Das Verwaltungsgericht ist gemäss § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Die übrigen Prozessvoraussetzungen sind ebenfalls erfüllt.
2. 2.1 Der Beschwerdeführer bringt zunächst einige neue Rügen vor, welche vor der Vorinstanz nicht erhoben wurden. So rügt er eine Verletzung des Koordinationsgebots nach Art. 25a des Bundesgesetzes über die Raumplanung vom 22. Juni 1979 (RPG). Es sei mit dieser Bestimmung nicht vereinbar, dass zusammenhängende Fragen auf zwei voneinander losgelöst durchgeführte Verfahren und separat eröffnete Entscheide aufgeteilt würden und der Beschwerdeführer dadurch gezwungen sei, in derselben Sache zwei Prozesse zu führen. Des Weiteren rügt der Beschwerdeführer, das Bodmerhaus müsste in einem kantonalen (anstelle vom kommunalen) Inventar oder ISOS aufgeführt sein, wodurch auch der Stadtrat gar nicht zuständig für Schutzmassnahmen sei; vielmehr müsse dies gemäss § 211 Abs. 1 des Planungs- und Baugesetzes vom 7. September 1975 (PBG) die kantonale Baudirektion sein. Und schliesslich bringt er erstmals vor, die Schutzwürdigkeit des streitbetroffenen Waschhauses sei durch die Beschwerdegegnerinnen nie genügend geprüft und unbenommen übernommen worden.
Die Beschwerdegegnerinnen machen bezüglich all dieser Rügen geltend, sie seien nicht zu hören, da sie erstmals vor Verwaltungsgericht vorgebracht würden und somit verspätet seien.
2.2 Das Baugrundstück Kat.-Nr. AA3348 liegt in der Kernzone Hirschengraben mit Profilerhaltungspflicht. Es ist mit dem Hauptgebäude der Universität Zürich sowie mit weiteren Gebäuden, worunter dem hier streitbetroffenen Gebäude "Zum Oberen Schönberg" an der Schönberggasse 15, überstellt. Dieses wurde im Jahr 1665 als Wohnhaus erbaut und bildet zusammen mit dem Nebengebäude "Zum Schneggli" an der Schönberggasse 15a ein barockes Landgut. Das Landgut stand von 1756 bis 1783 im Besitz von Johann Jakob Bodmer, weshalb das Haupthaus heute auch "Bodmerhaus" genannt wird.
Mit dem verwaltungsrechtlichen Vertrag vom 22. Januar 2016 wurden die Gebäude und der zugehörige Garten als wichtige Zeugen gemäss § 203 Abs. 1 lit. c und f PBG unter Denkmalschutz gestellt. Der Stadtrat von Zürich genehmigte den verwaltungsrechtlichen Vertrag mit Stadtratsbeschluss Nr. 215 vom 16. März 2016. Die Unterschutzstellung respektive der Genehmigungsbeschluss des Stadtrats von Zürich erwuchsen unangefochten in Rechtskraft. Mit Beschluss Nr. 157/16 vom 3. Februar 2016 erteilte die Bausektion des Stadtrates von Zürich der Baudirektion Kanton Zürich die baurechtliche Bewilligung für innere Umbauten sowie den Anbau eines Fluchttreppenhauses.
Im verwaltungsrechtlichen Vertrag wird der äussere und innere Schutzumfang der Gebäude sowie des Gartens detailliert festgehalten. Im Bodmerhaus sind im Innern insbesondere bei allen Geschossen die konstruktive Gebäudestruktur mit allen tragenden Wänden, den Säulen im Erdgeschoss und Decken, die Dachkonstruktion, die Innenwände aus Fachwerk, die Holztreppe mit Geländer in Drechselarbeit und ab dem 2. Obergeschoss mit schmiedeeiserenem Geländer, die Bodenbeläge aus Tonplatten und Parkett, die Türen und Türrahmen inklusive Türschwellen, die Fenstereinfassungen, die Knietäfer und Täfer samt Wandschränken, historischen Wandverputzen und Tapeten sowie die Stuckdecken und Balkenverkleidungen und die Holzdecken mit Malereien zu erhalten. Sodann nimmt der verwaltungsrechtliche Vertrag eine Interessenabwägung zwischen den denkmalschutzrechtlichen Aspekten und dem Anlass für die Unterschutzstellung bildenden Instandstellungs- und Sanierungsvorhaben vor. Hinsichtlich der geplanten brandschutzrechtlichen Verbesserung des Gebäudes hält der verwaltungsrechtliche Vertrag vom 22. Januar 2016 fest:
"Ein Fluchttreppenhaus kann im Fussabdruck des Waschhausanbaus an das Gebäude Zum Oberen Schönberg Vers.-Nr. 28100669 bis ins 2. Obergeschoss angebaut und auf jedem Geschoss mit dem Hauptbau verbunden werden. Es muss innerhalb des Giebelfelds enden und darf den Ortabschluss nicht überschneiden."
Der streitbetroffene Beschluss vom 3. Februar 2016 umfasst im Wesentlichen die Baubewilligung für das im verwaltungsrechtlichen Vertrag als denkmalschutzrechtlich zulässig erklärte Fluchttreppenhaus im Fussabdruck des nördlich an das Gebäude angebauten, zum Abbruch vorgesehenen alten Waschhauses. Das Fluchttreppenhaus soll wie vertraglich vorgesehen auf jedem Geschoss mit dem Haupthaus verbunden werden und deutlich unterhalb des Giebelfelds enden. Die Baubewilligung weist in Erwägungsziffer C lit. e auf den verwaltungsrechtlichen Vertrag vom 22. Januar 2016 hin und verlangt den Nachweis der Rechtskraft der formellen Unterschutzstellung vor Baubeginn.
2.3 Gemäss § 52 Abs. 2 VRG sind neue Tatsachenbehauptungen vor dem Verwaltungsgericht nur so weit zulässig, als sie durch die angefochtene Anordnung notwendig geworden sind (VGr, 18. Mai 2011, VB.2010.00496, E. 1.3.1). Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Vorinstanz einen Neuentscheid getroffen hat oder wenn sie die angefochtene Verfügung zwar bestätigte, aber neu begründete bzw. auf neue Gesichtspunkte abstützte. Auch berücksichtigt wird, in welcher Parteirolle der Beschwerdeführer am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen hat (Kaspar Plüss in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [Kommentar VRG], 3. A., Zürich 2014, § 52 N. 22 ff.). Neue rechtliche Begründungen sind im Beschwerdeverfahren dahingegen grundsätzlich erlaubt, da die rechtliche Begründung nicht Bestandteil des Streitgegenstandes bildet. Abweichend von diesem Grundsatz können jedoch gemäss ständiger Praxis vor dem Verwaltungsgericht in baurechtlichen Verfahren keine neuen Bauhinderungsgründe geltend gemacht werden. Entscheidet das Verwaltungsgericht als zweite gerichtliche Instanz, bleibt für neue rechtliche Begründungen grundsätzlich insoweit kein Raum, als sie sich auf neue tatsächliche Behauptungen stützen, es sei denn, das Vorbringen neuer Tatsachen sei durch die angefochtene Anordnung notwendig geworden. Massgebend für die Berücksichtigung neuer rechtlicher Vorbringen muss in baurechtlichen Verfahren damit sein, ob sie sich auf das Tatsachenfundament des Rekursentscheids, das heisst auf den im Rekursverfahren ermittelten Sachverhalt, beziehen (Marco Donatsch, Kommentar VRG, § 52 N 41 ff.).
2.4 Bei einer von vom Beschwerdeführer neu vorgebrachten Rüge handelt es sich um eine neue Tatsachenbehauptung, welche im Rekursverfahren nicht vorgebracht und auch nicht durch das vorinstanzliche Urteil verursacht wurde. Dies betrifft die Rüge, die Nicht-Schutzwürdigkeit des Waschhauses sei von den Beschwerdegegnerinnen unhinterfragt den geplanten Massnahmen zugrunde gelegt worden. Somit erfolgt die Rüge verspätet und ist auf sie nicht näher einzugehen. Abgesehen davon ist die Frage der Schutzwürdigkeit ohnehin nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens (vgl. dazu unten E. 4).
2.5 Bezüglich der Rüge des Beschwerdeführers zur Verletzung des Koordinationsgebots kann die Frage offengelassen werden, ob es sich hierbei um einen verspätet vorgebrachten Bauhinderungsgrund oder einen von Amtes wegen zu prüfenden Verfahrens- und Eröffnungsfehler handelt. Eine Verletzung des Koordinationsgebotes nach Art. 25a RPG liegt aus nachfolgenden Gründen ohnehin zu verneinen:
Gemäss Art. 25a Abs. 1 RPG ist eine Behörde zu bezeichnen, die für eine ausreichende Koordination sorgt, wenn die Errichtung oder Änderung einer Baute oder Anlage Verfügungen mehrerer Behörden erfordert. Dem Bundesrecht lassen sich dabei keine genauen Vorgaben an die Kantone bezüglich Ausgestaltung des Koordinationsverfahrens entnehmen. Die Koordination hat in einer Weise zu erfolgen, dass qualitativ ein gleichwertiges Ergebnis wie bei Zuständigkeit einer einzigen Behörde erzielt wird. Das Bundesrecht fordert von den Kantonen somit lediglich eine hinreichende Koordination (Bernhard Waldmann/Peter Hänni, Raumplanungsgesetz, Stämpflis Handkommentar, Bern 2006, Art. 25a N. 37 ff.).
Wie das eingereichte Privatgutachten dem Beschwerdeführer richtig festhält, geht die Zürcher Praxis grundsätzlich von einer Trennung zwischen Baubewilligungs- und Denkmalschutzverfahren aus; dabei geht das Denkmalschutzverfahren in der Regel voraus und das Baubewilligungsverfahren für entsprechende spätere Änderungen erfolgt anschliessend. Ist bei Einleitung des Baubewilligungsverfahrens über die betreffende Schutzfrage noch nicht entschieden, so kommt der Baubewilligungsbehörde bei der Prüfung des betreffenden Baugesuches aber die Aufgabe zu, über die Gestaltung und Einordnung der betreffenden baulichen Massnahme und damit auch über deren Zulässigkeit aus ästhetischer bzw. heimatschutzrechtlicher Sicht zu entscheiden (§ 238 Abs. 2 PBG). Da somit getrennte Verfahren bestehen, müssen sie im Sinn des Koordinationsgebotes zumindest hinreichend aufeinander abgestimmt werden.