Decision ID: 26e12d1a-de92-5399-b04b-c8b39f145f42
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ unterzog sich am 27. April 2006 wegen eines Leiomyosarkoms der Harnblase
Grad II einer inguinalen Lymphknotenexstirpation rechts mit radikaler Zystektomie mit
Urethrektomie, Adnexektomie sowie Hysterektomie und pelviner Lymphadenektomie
beidseits sowie Anlage eines Ileum-Conduits, Nabelhernienrepair (Bericht der Klinik für
Urologie des Kantonsspitals St. Gallen [KSSG] vom 29. Mai 2006, act. G 5.7). Die
Versicherte meldete sich am 11. Juni 2007 zum Bezug einer Hilflosenentschädigung
(act. G 5.1) und am 27. Februar 2008 zum Bezug von IV-Leistungen an (act. G 5.10).
A.b Der behandelnde Urologe des KSSG berichtete am 31. März 2008, die Versicherte
sei wegen der Zystektomie wohl kaum behindert. Für leidensangepasste Tätigkeiten
bestünden keine Einschränkungen (act. G 5.24). Im Bericht vom 14. April 2008
diagnostizierte der Hausarzt B._, Praktischer Arzt FMH, mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit ein mässig differenziertes Leiomyosarkom der Harnblase Grad II vom
März 2006, eine "pathologische Glukosetoleranz", eine Dyslipidämie, eine Adipositas
sowie eine Hepatitis B. In der angestammten Tätigkeit als Küchengehilfin könne die
Versicherte aufgrund ihres Stomas und der Leistungsminderung nicht mehr arbeiten.
Eine leidensangepasste Tätigkeit sei während 2 bis 4 Stunden täglich zumutbar (act.
G 5.29).
A.c Anlässlich der Abklärung im Haushalt der Versicherten vom 21. August 2008 stellte
die Abklärungsperson fest, dass die Versicherte im Gesundheitsfall aufgrund der
prekären finanziellen Situation aktuell einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen
würde (Abklärungsbericht vom 28. November 2008, act. G 5.44).
A.d Mit Vorbescheid vom 9. Februar 2009 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, das Gesuch um Hilflosenentschädigung abzuweisen (act. G 5.49).
A.e Der Hausarzt teilte der IV-Stelle am 9. Februar 2009 mit, die Versicherte sei seiner
Meinung nach nicht mehr arbeitsfähig. Der Gesundheitszustand habe sich in den
vergangenen Monaten verschlechtert (act. G 5.54; vgl. auch die hausärztliche
Stellungnahme vom 2. März 2009, act. G 5.55-3 f.).
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A.f Am 1. April 2009 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Gesuchs um eine
Hilflosenentschädigung (act. G 5.57). Da sich die Versicherte nicht arbeitsfähig fühle,
schloss die IV-Stelle die Frühinterventionsphase am 11. Mai 2009 ab (act. G 5.61). Am
15. Mai 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die Arbeitsvermittlung
abgeschlossen werde (act. G 5.64).
A.g Vom 14. bis 21. Juli 2009 war die Versicherte aufgrund von heftigsten Schmerzen
im Epigastrium, rezidivierendem Erbrechen und rezidivierender Diarrhoe,
Allgemeinzustandsverschlechterung und anamnestisch Fieber in der Klinik für Innere
Medizin des Spitals C._ hospitalisiert. Der dort behandelnde Dr. med. D._, Facharzt
für Allgemeine Innere Medizin FMH, diagnostizierte im Bericht vom 4. August 2009 eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere depressive Episode mit
Somatisierungsstörung (ICD-10: F33.1), eine valvuläre Herzkrankheit, ein mässig
differenziertes Leiomyosarkom der Harnblase Grad II, ein metabolisches Syndrom und
einen Status nach Hashimoto-Autoimmunthyreoiditis sowie eine Hepatitis B (act.
G 5.73-6 ff.). Aufgrund der starken psychischen Beeinträchtigung bestehe keine
Arbeitsfähigkeit (Bericht vom 10. August 2009, act. G 5.73-1 ff.). Der behandelnde
Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bescheinigte der
Versicherten im Bericht vom 17. August 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act.
G 5.76).
A.h Der Hausarzt führte im Verlaufsbericht vom 7. September 2009 aus, dass sich der
Gesundheitszustand der Versicherten verschlechtert habe. Es bestehe zusätzlich eine
Depression. Die Versicherte sei nicht arbeitsfähig (act. G 5.79).
A.i Am 21. Oktober 2009 wurde die Versicherte von Dr. med. F._, Facharzt u.a. für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom Regionalen Ärztlichen Dienst Ostschweiz
(RAD) untersucht. Im Bericht vom 10. November 2009 diagnostizierte er mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine eher leichte bis mittelschwere depressive
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.01), eine Somatisierungsstörung
(ICD-10: F45.0) sowie ein massives Übergewicht (ICD-10: E66). Er kam zum Schluss, in
der Zusammenschau der körperlichen Symptomatik mit Auswirkungen auf das
weibliche Identitätsgefühl und damit erschwerter Krankheitsverarbeitung sei der
depressiven Symptomatik eine arbeitsfähigkeitsrelevante Beeinträchtigung
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zuzuschreiben. In der angestammten Tätigkeit als Küchenhilfskraft bestehe keine
Arbeitsfähigkeit infolge der Stoma-Versorgung. Für leidensangepasste Tätigkeiten, d.h.
für vorwiegend sitzende, mit gelegentlichem Stehen und Gehen verbundene, ohne
Heben und Bewegen von Lasten über 8 - 10 kg und ohne zeittaktgebundene
Leistungserbringung auszuübende Tätigkeiten, verfüge die Versicherte über eine
60%ige Arbeitsfähigkeit. Es könne volle Leistung bei einem Stundenvolumen von
5 Stunden täglich erbracht werden (act. G 5.83).
A.j Die Klinik für Urologie des KSSG teilte der IV-Stelle auf deren Nachfrage am
26. Januar 2010 mit, dass die Versicherte aus urologischer Sicht über eine volle
Arbeitsfähigkeit verfüge. Hiervon ausgenommen seien die ersten 3 Monate nach der
Operation vom 27. April 2006 (act. G 5.92).
A.k Mit Vorbescheid vom 24. März 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Rentenabweisung in Aussicht. Es bestehe die Vermutung, dass die Auswirkungen der
psychischen Krankheit mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien.
Sie sei daher in einer leidensangepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig (act. G 5.99).
Dagegen erhob die Versicherte am 13. April 2010 Einwand und beantragte die
Vornahme einer externen interdisziplinären Untersuchung (act. G 5.100).
A.l Die IV-Stelle wies das Rentengesuch der Versicherten in der Verfügung vom
26. Mai 2010 ab. Von einer erneuten medizinischen Begutachtung seien keine neuen
Erkenntnisse zu erwarten (act. G 5.102).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 26. Mai 2010 richtet sich die Beschwerde vom 24. Juni
2010. Die Beschwerdeführerin beantragt darin deren Aufhebung und die Rückweisung
der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Vornahme weiterer medizinischer
Abklärungen. Angesichts der verschiedenen Beurteilungen sei ein externes
interdisziplinäres Gutachten über die Arbeitsfähigkeit einzuholen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 13. September
2010 die Beschwerdeabweisung. Der medizinische Sachverhalt sei umfassend
abgeklärt worden. Für weitere medizinische Untersuchungen bestehe kein Anlass. Sie
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hält daran fest, dass dem psychischen Leiden der Beschwerdeführerin keine
invalidisierende Wirkung zukomme (act. G 5).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 22. September 2010 wird dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung entsprochen
(act. G 6). Die Beschwerdeführerin verzichtet auf eine Replik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Rentenleistungen
strittig.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1 und 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
26. Mai 2010 (act. G 5.102) ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor
dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat (Eintritt Arbeitsunfähigkeit am 23. März 2006, act. G 5.93). Daher und
aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über die noch nicht
rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen
Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen
und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur
4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006,
I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen grundsätzlich keine
materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der
Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende
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2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Betreffend Rentenbeginn gilt es
Folgendes zu beachten: Nach Art. 29 Abs. 1 IVG (in der seit 1. Januar 2008 gültigen
Fassung) entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten
nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG. Das
Rundschreiben Nr. 253 des Bundesamtes für Sozialversicherungen sieht diesbezüglich
vor, dass bei Eintritt des Versicherungsfalls vor dem 1. Januar 2008 altes Recht gilt.
Tritt er hingegen am 1. Januar 2008 oder später ein, so ist das neue Recht anwendbar.
Die Regelung, wonach die Rente erst sechs Monate nach Anmeldung gezahlt werden
kann, ist jedoch gemäss Rundschreiben für alle Fälle nicht anwendbar, in denen das
Wartejahr vor dem 1. Januar 2008 zu laufen begann und im Jahr 2008 erfüllt wurde. Für
das Gericht besteht kein zureichender Anlass, diese zugunsten der versicherten
Personen getroffene Verwaltungsweisung mit übergangsrechtlicher (grosszügiger)
Abweichung vom Wortlaut von Art. 29 IVG nicht anzuwenden (Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 25. März 2011, IV 2009/425, E. 3.1).
Soweit nicht anders vermerkt, werden nachfolgend die seit 1. Januar 2008 gültigen
Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
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zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Nach der Rechtsprechung ist
es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen
gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. In solchen
Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinn zu
stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind. Ein
Anspruch auf eine versicherungsexterne Begutachtung besteht gemäss
Rechtsprechung nicht (BGE 135 V 465).
2.
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Situation rechtsgenüglich
abgeklärt wurde. Die Beschwerdeführerin rügt sinngemäss, dass der RAD-Bericht vom
10. November 2009 nicht beweiskräftig sei (act. G 1).
2.1 Die Beschwerdeführerin bemängelt am RAD-Bericht vom 10. November 2009
einzig, dass er in Widerspruch zu den Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen der behandelnden
Ärzte stehe (act. G 1).
2.1.1 Unbestrittenermassen steht im für die Arbeitsfähigkeit relevanten Leidensbild
der Beschwerdeführerin eine depressive Erkrankung im Vordergrund (vgl. act. G 1).
Diesbezüglich gilt es zu berücksichtigen, dass rechtsprechungsgemäss unter
Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag es
nicht angehen kann, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets
dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die
behandelnden medizinischen Fachpersonen nachher zu unterschiedlichen
Einschätzungen gelangen oder an solchen vorgängig geäusserten abweichenden
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Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich hingegen, wenn die behandelnden
medizinischen Fachpersonen objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, die im
Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben und die geeignet sind, zu einer
abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 13. März 2006, I 676/05, E. 2.4 mit Hinweisen). Weiter ist zu
beachten, dass - behandelnde und begutachtende - Psychiater, mit der gleichen
Person als Patientin oder Explorandin in verschiedenen Zeitpunkten und Situationen
konfrontiert, zu unterschiedlichen Beurteilungen der psychischen Beeinträchtigungen
und - invalidenversicherungsrechtlich entscheidend - deren Schweregrades mitsamt
den sich daraus ergebenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit gelangen können.
Diese in der Natur der Sache begründete weitgehend fehlende Validierbarkeit
("Reliabilität") psychiatrischer Diagnosen kann nicht automatisch zu
Beweisweiterungen bei sich widersprechenden psychiatrischen Berichten und
Expertisen führen, wenn die gutachterliche Einschätzung die Anforderungen an
beweiskräftige Gutachten erfüllt (Urteil des Bundesgerichts vom 29. September 2009,
9C_661/09, E. 3.2).
2.1.2 Der behandelnde Psychiater diagnostizierte im Bericht vom 17. August 2009
eine rezidivierende depressive Störung. Er qualifizierte sie als "aktuell" mittelschwer
(act. G 5.76-2). Der RAD-Arzt bestätigte bezüglich der Untersuchung vom 21. Oktober
2009 eine "eher" leichte bis mittelschwere depressive Problematik (act. G 5.83-7). Die
beiden Einschätzungen des Schweregrades unterscheiden sich damit lediglich
geringfügig. Die vom behandelnden Psychiater gestellte Diagnose vermag daher keinen
wesentlichen Mangel an der RAD-Beurteilung zu begründen. Auch hinsichtlich der
beschriebenen Befundlage decken sich die beiden Berichte im Wesentlichen (act.
G 5.76-3 und G 5.83-6 f.). Es ergeben sich auch aus dem Bericht des behandelnden
Psychiaters keine objektiven Gesichtspunkte, die der RAD-Arzt bei seiner Expertise
ausser Acht gelassen hätte. Lediglich bezüglich der Frage der Restarbeitsfähigkeit
weichen die beiden Berichte voneinander ab. Dabei fällt zugunsten der RAD-
Beurteilung ins Gewicht, dass sie in Kenntnis und in schlüssiger Auseinandersetzung
mit der Einschätzung des behandelnden Psychiaters erfolgte (act. G 5.83-8).
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2.1.3 Was die abweichende Beurteilung des Hausarztes angeht, so ergeben sich
daraus hinsichtlich der psychischen Befunde (zunehmende depressive Symptome mit
Antriebslosigkeit, depressiver Grundstimmung, Existenzängsten und Rückzugstendenz;
act. G 5.79-2) keine Abweichungen von der RAD-Expertise. Zum Schweregrad der
Depression nimmt der Hausarzt keine Stellung. Die Beweiskraft des RAD-Berichts, der
sich mit der hausärztlichen Einschätzung begründet auseinandersetzt (act. G 5.83-7),
wird dadurch nicht in Frage gestellt. Dies umso weniger, als der Hausarzt sich primär
auf die Angaben der Beschwerdeführerin stützte (act. G 5.79-5) und nicht über eine
psychiatrische Facharztausbildung verfügt. Hinsichtlich der somatischen Beschwerden
steht die hausärztliche Einschätzung im Widerspruch zur fachurologischen, die eine
100%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeit bescheinigte (Bericht vom
31. März 2008, act. G 5.24-4, bestätigt in der Stellungnahme vom 26. Januar 2010, act.
G 5.92). Es ergab sich für den RAD-Arzt aufgrund der nachvollziehbaren urologischen
Einschätzung keine Veranlassung, bei seiner Gesamtschau nicht auf die urologisch
bestätigte Arbeitsfähigkeit abzustellen.
2.1.4 Auch aus den übrigen nicht fachpsychiatrischen medizinischen
Einschätzungen - die das psychische Leiden der Beschwerdeführerin im Vordergrund
sahen (Bericht Spital C._ vom 23. Juli 2009, act. G 5.79-8 ff., und vom 10. August
2009, act. G 5.73; Bericht Dr. med. G._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH,
vom 22. Juli 2009, act. G 5.71, der sich primär zum Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin äussert) - ergeben sich keine Gesichtspunkte, die der RAD-Arzt
bei seiner Beurteilung nicht mitberücksichtigt hätte bzw. Zweifel an seiner
Einschätzung entstehen liessen.
2.1.5 Zusammenfassend bestehen keine Zweifel an der Beweiskraft der auf
eigener Untersuchung beruhenden, in Kenntnis der vollständigen Aktenlage und in
Berücksichtigung des gesamten Leidensbilds ergangenen nachvollziehbaren
Beurteilung des RAD-Arztes vom 10. November 2009. Gestützt darauf ist davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin für leidensangepasste Tätigkeiten aus
medizinischer Sicht über eine 60%ige Restleistungsfähigkeit verfügt (act. G 5.83). Es
besteht kein Bedarf für die Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen.
3.
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Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, dass der medizinisch
ausgewiesenen 40%igen Arbeitsunfähigkeit (act. G 5.83) keine invalidisierende Wirkung
zukomme. Die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung seien überwindbar (act.
G 5.102).
3.1 Grundsätzlich bedarf es für die Annahme eines invalidisierenden
Gesundheitsschadens einer fachärztlichen, lege artis auf die Vorgaben eines
Klassifikationssystems abgestützten Diagnose. Im Rahmen der freien
Beweiswürdigung darf sich dabei die Verwaltung - und im Streitfall das Gericht - weder
über die den beweisrechtlichen Anforderungen genügenden medizinischen
Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die ärztlichen Einschätzungen und
Schlussfolgerungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten
sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen. Die
rechtsanwendenden Behörden haben mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob die
ärztliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt,
die vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtlich sind. Wo
psychosoziale Einflüsse das Bild prägen, ist bei der Annahme einer
rentenbegründenden Invalidität Zurückhaltung geboten (Urteil des Bundesgerichts vom
30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.1 mit Hinweisen). Nicht als Folgen eines
psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als
relevant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten,
abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv
bestimmt. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung kann auch die Diagnose einer
leichten bis mittelschweren depressiven Episode eine Invalidität begründen (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.2).
3.2 Der RAD-Arzt stellte im Rahmen einer Zusammenschau der körperlichen
Symptomatik mit Auswirkungen auf das weibliche Identitätsgefühl und damit
erschwerter Krankheitsverarbeitung fest, der depressiven Symptomatik komme eine
arbeitsfähigkeitsrelevante Beeinträchtigung zu (act. G 5.83-8). Er brachte damit
deutlich zum Ausdruck, dass die psychischen Ressourcen der Beschwerdeführerin
durch das einschneidende somatische Leidensbild (Verlust von Unterleibsorganen
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infolge Krebserkrankung, Ausscheidungsorgane teilweise mit künstlichem Ausgang)
zusätzlich beeinträchtigt werden. Diese Sichtweise findet ihre Bestätigung darin, als die
Beschwerdeführerin die Folgen des somatischen Leidens noch nicht zu verarbeiten
vermochte, an seelischen Beeinträchtigungen mit reduzierter Belastbarkeit,
verunsichertem Selbstverständnis und Selbstwerterleben in der fraulichen Identität wie
auch an einer reduzierten Umstellungsfähigkeit leidet (act. G 5.83-8). Zwar bestehen
auch psychosoziale Belastungsfaktoren (finanzielle Sorgen, Interaktionsschwierigkeiten
mit dem Ehemann, act. G 5.83-9). Diese scheinen aber vielmehr Ausfluss der Krankheit
und nicht deren Ursache zu sein. Zumindest ergibt sich aus den Akten nicht, dass
diese zusätzlichen Belastungsfaktoren das psychische Krankheitsbild prägen würden.
Auch die Beschwerdegegnerin vertritt diesbezüglich keinen gegenteiligen Standpunkt
(act. G 5). Vor diesem Hintergrund besteht keine Veranlassung von der medizinisch
ausgewiesenen 40%igen Arbeitsunfähigkeit abzuweichen.
3.3 Daran ändert auch die Auffassung der Beschwerdegegnerin nichts, dass aufgrund
der Kriterien der sogenannten Überwindbarkeitspraxis des Bundesgerichts zu den
somatoformen Schmerzstörungen (vgl. hierzu BGE 130 V 352) ein invalidisierendes
Leiden zu verneinen sei. Die Anwendbarkeit dieser Rechtsprechung auf den
vorliegenden Fall ist schon deshalb zu verneinen, weil die Beschwerdeführerin nicht an
einer Schmerzstörung leidet, sondern vielmehr eine depressive Erkrankung im
Vordergrund steht. Hierfür sind die Überwindbarkeitskriterien, namentlich das von der
Beschwerdegegnerin genannte Erfordernis der psychischen Komorbidität (zur
psychischen Grunderkrankung), ungeeignet (act. G 5). Selbst wenn aber von deren
Anwendbarkeit ausgegangen würde, so müssten mehrere Kriterien bejaht werden. So
besteht zusätzlich zum psychischen Leiden eine somatische (Krebs-)Erkrankung, deren
einschneidende Folgen die Beschwerdeführerin lebenslang zu tragen hat (Verlust
Unterleibsorgane, künstlicher Ausgang für Ausscheidungsorgan). Diese sind umso
gravierender, als sie bezüglich des Krebsleidens mit der Ungewissheit eines jederzeit
möglichen Rückfalls zu leben hat, trotz bislang unauffälligen Verlaufs (vgl. hierzu act.
G 5.83-8). Ferner ist ein ausgeprägter sozialer Rückzug zu bejahen (zur sozialen
Desintegration vgl. act. G 5.79-10; vgl. zur "Rückzugstendenz" auch act. G 5.79-2).
4.
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Ausgehend von einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten 40%igen
Arbeitsunfähigkeit bleiben die erwerblichen Auswirkungen zu bestimmen.
4.1 Mit Blick darauf, dass vorliegend keine aussagekräftige Grundlage für die
Bestimmung des Valideneinkommens besteht, ist der Invaliditätsgrad mit der
Beschwerdegegnerin anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu ermitteln.
Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter
Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts vom
9. März 2007, I 697/05, E. 5.4 mit Hinweis). In Anwendung eines Prozentvergleichs
bleibt zur Bestimmung des Invalideneinkommens noch die Höhe des Abzuges vom
Tabellenlohn zu prüfen.
4.2 Das Spektrum möglicher Tätigkeiten ist vorliegend erheblich eingeschränkt (vgl.
act. G 5.83-9). Insbesondere wird die Arbeitsfähigkeit in qualitativer Hinsicht zusätzlich
durch die Folgen des Krebsleidens eingeschränkt. Hinzu kommt, dass die
Beschwerdeführerin nur noch einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen könnte ("volle
Leistung bei einem Stundenvolumen von 5 Stunden täglich", act. G 5.83-9), weshalb ihr
wohl ein Teilzeitabzug zu gewähren ist. Zwar verweigert die bundesgerichtliche
Rechtsprechung in den letzten Jahren - entgegen der früheren Rechtsprechung und
ohne die Frage einer Praxisänderung zu prüfen - einen Teilzeitabzug bei Frauen (vgl.
etwa Urteil des Bundesgerichts vom 26. August 2011, 8C_379/2011, E. 4.2.2.2; zum
davor bei Frauen bejahten Teilzeitabzug vgl. BGE 126 V 75). Sie stützt sich dabei einzig
auf die LSE-Statistik (Tabelle "Monatlicher Bruttolohn nach Beschäftigungsgrad").
Diese ist allerdings nicht aussagekräftig und eine negative Korrelation zwischen
Beschäftigungsgrad und Lohn bei Frauen wird selbst von den Statistikern als "sehr
unwahrscheinlich" bezeichnet. Es bestehen damit keine Gründe, die
geschlechtsunabhängig auftretenden Nachteile der Teilzeitbeschäftigung bei Frauen
unberücksichtigt zu lassen (vgl. zum Ganzen Philipp Geertsen, Der Tabellenlohnabzug,
in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers, Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012,
St. Gallen 2012, S. 146 ff. mit Hinweisen). Vorliegend kann letztlich offen gelassen
werden, ob und in welchem Umfang der Beschwerdeführerin zusätzlich ein
Teilzeitabzug zu gewähren wäre, da selbst bei Bejahung eines zusätzlichen
Abzugsgrundes insgesamt höchstens ein 15%iger Abzug gerechtfertigt erscheint,
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woraus ein Invaliditätsgrad von 49% (100% - [60% x 0.85]) und ein Anspruch auf eine
Viertelsrente resultiert.
4.3 Da die rentenbegründende Einschränkung für leidensangepasste Tätigkeiten
gemäss RAD-Stellungnahme vom 18. Februar 2010 seit 21. Oktober 2008 besteht (ein
Jahr vor RAD-Untersuchung) und die Beschwerdeführerin in der angestammten
Tätigkeit seit März 2006 vollständig arbeitsunfähig ist (act. G 5.93), beginnt der
Rentenanspruch am 1. Oktober 2008.
5.
5.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
26. Mai 2010 aufzuheben und der Beschwerdeführerin rückwirkend ab 1. Oktober 2008
eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen.
Ausgangsgemäss ist sie vollumfänglich von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 14. September 2010, 9C_654/2009).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP