Decision ID: 11a40ba1-27ea-578a-9842-e3bc97f34166
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 25. Juli 2017 im damaligen Empfangs-
und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asylgesuch. Anlässlich der dort
durchgeführten Befragung zur Person (BzP) vom 2. August 2017 und der
Anhörung vom 22. August 2019 zu den Asylgründen machte er im Wesent-
lichen Folgendes geltend:
Er sei ethnischer Tamile und stamme aus B._ (Distrikt Jaffna, Nord-
provinz), wo er während acht Jahren zur Schule gegangen sei. Seine Eltern
und (...) Geschwister lebten noch immer dort. Von 1995 bis 1997 habe er
zwei Jahre in C._ (Vanni-Gebiet, Nordprovinz) und bis 2002 für wei-
tere fünf Jahre in D._ (ebenfalls Nordprovinz) gelebt. Von Beruf sei
er (...) und später habe er sich auch als (...) betätigt. Seit (...) sei er ver-
heiratet und habe mit seiner Frau (...) Kinder. Im Jahre 2002 hätten sie in
die als Mitgift in die Ehe eingebrachte Liegenschaft seiner Frau in
E._ (Distrikt Jaffna) umziehen wollen. Weil aber das Gebiet vom
Militär besetzt gewesen sei, hätten sie sich einstweilen im Flüchtlingscamp
F._ in G._ niedergelassen, dessen Leiter er im Jahre (...)
beziehungsweise (...) geworden sei und wo sich seine Frau und Kinder
zusammen mit seinen Schwiegerverwandten noch heute aufhielten. Die
Lebensverhältnisse dort seien schlecht. Die Militärverantwortlichen hätten
ihr Versprechen, wonach die Bewohner von E._ und weiteren be-
setzten Dörfern dorthin zurückkehren könnten, nicht gehalten. Er habe sich
daher seit Kriegsende für die Rückgabe der besetzten Gebiete und der da-
rauf befindlichen Liegenschaften stark gemacht, damit die Leute in ihre
Häuser zurückkehren könnten. Für dieses Anliegen habe er sich auch
schon an srilankische Staatspräsidenten sowie anlässlich von Besuchen
des damaligen (...) Premiers H._ und eines ausländischen Abge-
ordneten auch an diese gewandt; der Erfolg sei ausgeblieben. Im März be-
ziehungsweise Juni 2017 habe er zusammen mit neunzehn weiteren, vom
gleichen Schicksal betroffenen Camps einen friedlichen eintägigen Hun-
gerstreik organisiert, wobei er die Funktion eines (...) eingenommen habe.
Der Streik sei auch bei den Medien auf Interesse gestossen, welche regie-
rungskritisch berichtet hätten. Er habe auch Interviews gegeben. Am
Streiktag beziehungsweise am Tag zuvor beziehungsweise danach sei er
von Angehörigen des CID (Criminal Investigation Department) und der Po-
lizei gewarnt worden, ihn könne das gleiche Schicksal wie dem (...) ereilen.
In der Zeit danach sei er weiterhin von Polizisten, Leuten vom Civil Office,
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Medienleuten und anderen Personen aufgesucht worden. Er habe sich be-
droht gefühlt, sei deshalb vorsichtig geworden und habe sich fortan weni-
ger im Camp aufgehalten. Schliesslich habe er sich zur Ausreise entschie-
den. Am 22. Juni 2017 sei er nach Colombo gegangen und am (...) 2017
legal mit seinem eigenen Reisepass auf dem Luftweg von Colombo nach
I._ und weiter via die Türkei nach Italien gereist, von wo er schliess-
lich mit gefälschten Papieren am 25. Juli 2017 per Auto illegal in die
Schweiz gelangt sei. Nach der Ausreise hätten sich noch zweimal Perso-
nen bei seinen Familienangehörigen nach seinem Aufenthalt erkundigt. Ein
Teil der besetzten Gebiete sei inzwischen befreit und den Bewohnern im
Frühling 2019 zurückgegeben worden. Auch seine Familie kehre nun zu-
rück. Er sei nie Mitglied der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Ealam) gewe-
sen. Er sei aber im Jahre 2000 – wie viele andere Bewohner auch – von
der LTTE zu Wachdiensten an der Grenze gezwungen und hierzu ausge-
bildet worden. Er habe übrigens im Jahre 2010 schon mal die Absicht ge-
habt, nach Europa zu kommen, sei dann aber während Monaten in
J._ stecken geblieben. Bei der vom IOM (Internationale Organisa-
tion für Migration) begleiteten Rückkehr sei er befragt und nach ein paar
Stunden ohne weitere Konsequenzen freigelassen worden. Im Falle einer
Rückkehr befürchte er Nachteile, die ihm aufgrund seines Engagements
für die Befreiung der besetzten Gebiete durch die verärgerten Behörden
zugefügt werden könnten, zumal sich diese nach wie vor nach seinem Ver-
bleib erkundigten. Der Beschwerdeführer betont dabei, sich mit seinem En-
gagement nie gegen die Regierung gerichtet, sondern sich für die Wieder-
herstellung eines früheren Zustandes (Rückgabe der Grundstücke an die
rechtmässigen Eigentümer) eingesetzt zu haben.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer verschiedene von seiner
Frau zugeschickte Dokumente ein, insbesondere Kopien der Geburtsur-
kunden der ganzen Familie, verschiedene Fotos, darunter ein Foto von ei-
nem Besuch der Polizei bei seiner Familie nach seiner Ausreise, einen
Brief seiner Frau mit einer darin enthaltenen Warnung vor seiner Rückkehr
und einen Brief an ein srilankisches Parlamentsmitglied, Zeitungsartikel so-
wie Schreiben von Wohlfahrtsorganisationen. Sein Reisepass sei beim
Schlepper geblieben. Seine angeblich zu Hause befindliche und von ihm
zur Nachreichung in Aussicht gestellte Identitätskarte wurde nie zu den Ak-
ten gegeben.
B.
Mit Verfügung vom 2. April 2020 – eröffnet am 6. April 2020 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
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und lehnte dessen Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegwei-
sung aus der Schweiz und den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 4. Mai 2020 (und Ergänzung vom 18. Mai 2020) hat der
Beschwerdeführer gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht erhoben. Darin beantragt er deren Aufhebung, die Gewäh-
rung von Asyl unter Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft, eventualiter
die Gewährung der vorläufigen Aufnahme, subeventualiter die Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz zur vertieften Abklärung und Neubeur-
teilung sowie in verfahrensrechtlicher Hinsicht die Aussetzung des Weg-
weisungsvollzuges und die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und Beiord-
nung der rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin.
D.
Mit Verfügung vom 6. Mai 2020 stellte der Instruktionsrichter den einstwei-
len rechtmässigen Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz wäh-
rend des Beschwerdeverfahrens fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
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(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.5 Die Gesuche um Aussetzung des Wegweisungsvollzuges und Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses werden mit dem vorliegenden
verfahrensabschliessenden Direktentscheid in der Sache hinfällig. Im Üb-
rigen ist festzuhalten, dass die aufschiebende Wirkung in der angefochte-
nen Verfügung nicht entzogen wurde und das Bundesverwaltungsgericht
mit Verfügung vom 6. Mai 2020 denn auch den einstweilen rechtmässigen
Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz feststellte.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die angefochtene Verfügung ist in französischer Sprache verfasst und mit-
hin nicht in der (deutschen) Amtssprache des Wohnsitzkantons des Be-
schwerdeführers; einzig das Dispositiv wurde in deutscher Sprache redi-
giert. Das SEM beruft sich hierbei auf die Ausnahmeregelung von aArt. 16
Abs. 3 Bst. b AsylG und erklärt sein Vorgehen als temporäre Massnahme
zur Bewältigung von Altlasten. In der Beschwerde wird das sprachliche Vor-
gehen des SEM nicht beanstandet. Ob namentlich die gewählte Korrektiv-
massnahme (Dispositiv) als ausreichend anzusehen ist, um den in Art. 29a
BV und Art. 13 EMRK garantierten Anspruch auf effektiven Rechtsschutz
genügend Rechnung zu tragen, kann hier offenbleiben. Dem Beschwerde-
führer war es offensichtlich mit Hilfe der von ihm mandatierten Rechtsver-
tretung möglich, fristgerecht eine in jeder Hinsicht rechtsgenügliche Be-
schwerde einzureichen, die sich mit allen Aspekten der vorinstanzlichen
Verfügung einlässlich auseinandersetzt. Anlass zur Kassation der ange-
fochtenen Verfügung von Amtes wegen besteht daher vorliegend nicht (vgl.
hierzu auch den in Entscheide und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2004
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Nr. 29 publizierten Grundsatzentscheid sowie das Urteil des BVGer
E-5882/2019 vom 2. März 2020 E. 6.6 ff.).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
4.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
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Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM aus,
die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen würden den Anforderungen
von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit und jenen von Art. 3 AsylG an die
flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügen. Diese präsentierten sich
stereotyp, konstruiert und unplausibel. Letzteres treffe beispielsweise auf
die geschilderte Verfolgung durch das CID zu. Es sei nicht nachvollziehbar,
dass der Beschwerdeführer nach Jahren eines tolerierten und unbehellig-
ten Engagements für die Rückgabe der besetzten Liegenschaften mit gar
Kontakten zu Staatspräsidenten nunmehr aufgrund eines bloss eintägigen
Hungerstreiks plötzlich das Interesse der Behörden hätte wecken sollen.
Zudem wäre er kaum der einzige Campleiter gewesen, der wegen des
Streiks Probleme bekommen hätte, sollten die Behörden tatsächlich ein
Verfolgungsinteresse gehabt haben. Weiter könne sein Verhalten seit dem
Streik (Reduktion der Anwesenheiten im Camp, Fortsetzung der Erwerbs-
arbeit) unter Annahme einer tatsächlichen Verfolgungslage weder nach-
vollzogen noch überzeugend erklärt werden, da allfällige Widersacher sei-
ner problemlos hätten habhaft werden können. Die Handlungsweise mit
der Aufsichnahme solcher Risiken entspreche nicht dem Verhalten einer
gefährdeten, vom Tode bedrohten Person. Sodann sei festzuhalten, dass
die Rückgabe der von der Armee konfiszierten Liegenschaften in der Re-
gion E._ zwischenzeitlich weitgehend geregelt und im Sinne des
Beschwerdeführers umgesetzt worden sei; dies könne auch dem Internet
– so vom (...) 2017 – entnommen werden. Umso mehr erstaune das be-
hauptete behördliche Verfolgungsinteresse an seiner Person. Hinzu kämen
verschiedene aufgetretene Widersprüche im Sachvortrag des Beschwer-
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deführers betreffend die zeitlichen Einordnungen des Streiks (März bezie-
hungsweise Juni 2017) und der Todesdrohungen (unmittelbar vor bezie-
hungsweise nach dem Streik). Auch eine allfällige Furcht vor Verfolgungs-
massnahmen im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka unter Berücksichti-
gung der im Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 erwähnten Risikofaktoren erscheine nicht begründet. Die
tamilische Ethnie, eine illegale Ausreise wie auch allfällige Befragungen
und Kontrollmassnahmen am Flughafen oder am Herkunftsort nach der
Rückkehr seien praxisgemäss für die Annahme einer begründeten Furcht
nicht genügend. Der Beschwerdeführer habe eine Verfolgungslage vor sei-
ner Ausreise – wie bereits erwogen – nicht glaubhaft zu machen vermocht.
Er habe nach Kriegsende noch acht Jahre in der Heimat verbracht. Im Zeit-
punkt der Ausreise hätten mithin keine Verdachtsmomente nach Massgabe
der erwähnten Risikofaktoren bestanden, und es gebe keinen Grund zur
Annahme, die srilankischen Behörden würden ihn im Fall einer Rückkehr
ins Fadenkreuz von Verfolgungsmassnahmen nehmen. Diese Einschät-
zung werde durch die am 16. November 2019 erfolgte Wahl von Gotabaya
Rajapaksa und die seitherige Entwicklung nicht umgestossen. Es gebe bis-
lang keinen Anlass zur Annahme einer kollektiven Verfolgungsgefahr gan-
zer Volksgruppen. Ein persönlicher Verfolgungsbezug des Beschwerdefüh-
rers zu den politischen Veränderungen und neuen Machtverhältnissen sei
nicht auszumachen. Er erfülle daher die Flüchtlingseigenschaft nicht. Die
gesetzliche Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs sei die Wegwei-
sung aus der Schweiz. Deren Vollzug in den Heimatstaat sei in Berücksich-
tigung des bereits Gesagten mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft
unter dem Aspekt von Art. 5 Abs. 1 AsylG und Art. 33 FK, mangels einzel-
fallspezifischer Anhaltspunkte für eine besondere Risikoeinschätzung und
mithin für eine nach Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung sowie
unter Mitberücksichtigung der allgemeinen Menschenrechts- und Sicher-
heitslage in Sri Lanka völkerrechtlich zulässig. Er sei ebenso zumutbar, da
in Sri Lanka nach Beendigung des bewaffneten Konflikts im Jahre 2009
und auch seit den Wahlen vom 16. November 2019 keine Situation allge-
meiner Gewalt oder totaler Unsicherheit herrsche. Eine Rückkehr insbe-
sondere in die Nordprovinz sei praxisgemäss und betreffend den Be-
schwerdeführer individuell zumutbar. Diese habe er erst vor drei Jahren
verlassen und dort verfüge er über ein tragfähiges familiäres und soziales
Beziehungsnetz. Zudem sei er gesund und er habe langjährige Berufser-
fahrungen. Der Vollzug der Wegweisung sei im Übrigen technisch möglich
und praktisch durchführbar.
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5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe bekräftigt der Beschwerdeführer den bis-
lang geltend gemachten Sachverhalt. Dabei betont er, dass er seit der im
Zusammenhang mit dem Hungerstreik erfahrenen Drohung, wonach ihn
das gleiche Schicksal wie sein Vorgänger ereilen könne, sollte er den Streik
nicht abbrechen und sein Engagement für die Befreiung der besetzten
Grundstücke nicht aufgeben, als Regierungsgegner betrachtet werde. Der
Vorwurf einer stereotyp geschilderten Verfolgungslage durch das CID treffe
nicht zu. Das Interesse der Behörden an ihm erst seit dem Streik erstaune
denn auch nicht, da diese erst mit dem Streik auf ihn aufmerksam gewor-
den seien, ihn als Anstifter des Streiks betrachtet hätten, friedliche Gesprä-
che nicht mehr möglich gewesen seien und er von nun an mit Repressi-
onsmassnahmen habe rechnen müssen. Seine Ausführungen seien detail-
liert, nachvollziehbar und mit Realkennzeichen bestückt. Der einzig auf ihn
gerichtete Fokus der Behörden erkläre sich dadurch, dass die anderen
ebenfalls für die Teilnahme am Streik vorgesehenen Campleiter vom Be-
such des CID und vom Abbruch des Streiks erfahren und sich entspre-
chend aus Angst gar nicht mehr beteiligt hätten. Die Staffelung ihrer Streik-
teilnahme gehe aus dem Anhörungsprotokoll zwar tatsächlich nicht hervor,
jedoch handle es sich hierbei um einen nicht ausschlaggebenden Detailas-
pekt. Aus den Protokollen gingen überhaupt teilweise offensichtlich falsche
Tatsachen (bspw. Wohnort) hervor, wobei es sich aber um Missverständ-
nisse handle, die auf sprachliche Barrieren und die stressige Situation zu-
rückzuführen seien. Die Protokolle und die Übersetzungen seien denn
auch von extrem schlechter Qualität und betreffend Sprache und Sinnge-
halt unzulänglich; Antworten korrespondierten zum Teil nicht mit den Fra-
gen. Weiter macht er zur Erklärung seiner trotz Lebensgefahr weiterhin re-
gelmässigen Besuche im Camp darauf aufmerksam, dass er seine Familie
und Verwandten im Camp nach wie vor mit seinem erwirtschafteten Erwerb
habe unterstützen müssen und ein Leben ausserhalb des Camps schlicht
nicht möglich gewesen sei, zumal angesichts des Eigentums seiner Fami-
lie am besetzten Land in E._. Er habe aber immer Vorsicht walten
lassen und dennoch seien der Druck und die Angst mit der Zeit immer grös-
ser geworden; er habe sich in einer Zwangssituation befunden. Die An-
nahme des SEM, wonach die Gefahr von gegen ihn gerichteten Vergel-
tungsmassnahmen der Regierung angesichts deren aktuellen Bemühun-
gen um Rückgabe der besetzten Grundstücke unbegründet erscheine,
stütze sich auf einen einzigen Zeitungsartikel vom Juli 2017. Tatsächlich
seien aber nur einige und weitgehend wertlose Grundstücke des seit 30
Jahren besetzten Gebiets zurückgegeben worden; diese seien nicht unge-
hindert erschlossen und nutzbar. Betreffend E._ sei ein grosser Teil
des besetzten Landes nie zurückgegeben worden und die gegen diesen
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Missstand aufbegehrenden ursprünglichen Bewohner würden vom CID
weiterhin verfolgt. Die vom SEM erkannten Widersprüche bei Datums- und
Zeitangaben, so beispielsweise betreffend den Zeitpunkt des Streiks, seien
auf übersetzungsbedingte Missverständnisse und Protokollmängel zurück-
zuführen und beträfen nur Details. Seine Verfolgungsvorbringen habe er
somit durchaus glaubhaft dargetan und er habe im Falle einer Rückkehr
begründete Furcht vor Verfolgung durch die Behörden aufgrund seiner po-
litischen Aktivitäten. Das CID habe denn auch weiterhin bei seiner Familie
nach seinem Verbleib nachgefragt; hierzu könne er ein Foto vorlegen. Ver-
folgungshandlungen und Menschenrechtsverletzungen nähmen in Sri
Lanka weiterhin ein asylrechtlich relevantes Ausmass an und seien ange-
sichts der aktuellen politischen Lage unbestreitbar. Hinsichtlich seiner Er-
kenntnis der Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges
nach Sri Lanka verkenne das SEM die aktuelle Lage in gravierender
Weise, da sich gemäss Medienberichten die Menschenrechtssituation seit
der Wahl des ehemaligen Kriegsverbrechers Rajapaksa vom November
2019 dramatisch verschlechtert habe. Bei Rückführungen von Asylsuchen-
den nach Sri Lanka komme es vermehrt zu Inhaftierungen und Folterun-
gen. Als vom Tode bedrohter und nach wie vor gesuchter Streikaktivist und
Regierungskritiker würde er besonders ins Visier der Behörden geraten; es
bestehe für ihn somit ein «real risk» im Sinne von Art. 3 EMRK. Er verfüge
zudem weder über Vermögen noch über eine eigene Liegenschaft in Sri
Lanka und seine nach wie vor im Camp lebende Familie sei nicht in der
Lage ihn zu unterstützen. Eine Berufsausbildung habe er nicht und eine
Arbeitsaufnahme als (...) sei faktisch nicht möglich, weil er dann den Be-
hörden in die Hände fallen dürfte. Mit (...) könne er keine Existenzgrund-
lage herstellen. Er würde mithin in eine unzumutbare existenzielle Notlage
geraten. Den subeventualiter gestellten Rückweisungsantrag begründet
der Beschwerdeführer schliesslich damit, dass die Protokolle der Befra-
gung und der Anhörung qualitativ äusserst dürftig und sprachlich schlecht
seien, die Befragungstechnik in der Anhörung zweifelhaft erscheine (viele
Fragen in Missachtung des Untersuchungsgrundsatzes durch HWV [Hilfs-
werksvertretung] statt Befragerin gestellt) und einen fundierten Entscheid
nicht zulassen würden; zudem sei er kaum mit den ihm zur Last gelegten
Widersprüchen konfrontiert worden.
6.
6.1
6.1.1 Soweit der Beschwerdeführer die Verwertbarkeit der angefertigten
Befragungs- und Anhörungsprotokolle als Entscheidgrundlagen in Frage
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stellt und zur Begründung sprachliche Barrieren und Mängel, qualitativ
schlechte Übersetzungsleistungen, Protokollmängel, eine zweifelhafte Be-
fragungstechnik (teilweise fehlende Konnexität zwischen Fragen und Ant-
worten; Fragestellungen durch HWV statt Befragerin) sowie eine ungenü-
gende Konfrontation mit Widersprüchen ins Feld führt, erweisen sich die
Rügen als unbegründet:
Der Beschwerdeführer hat sowohl in der BzP als auch in der Anhörung
erklärt, die Dolmetscherin gut zu verstehen, und keinerlei Einwände – auch
nicht sprachlicher Art – gegen die Übersetzungsleistungen oder die Proto-
kollierungen erhoben. Beide Protokolle hat er unterschriftlich als korrekt
bestätigt. Darauf muss er sich behaften lassen, zumal auch seitens der die
Anhörung beobachtenden HWV keinerlei Einwände in diese Richtung de-
poniert wurden. Der Beschwerdeführer vermag auch keine konkreten
Übersetzungsfehler oder Protokollmängel zu nennen. Augenfällig zutref-
fend ist seine Feststellung, wonach insbesondere in der Anhörung gewisse
Antworten keinen oder kaum Bezug zu gestellten Fragen nehmen. Es fällt
aber auf, dass die Fragen jeweils klar gestellt wurden und auch die Antwor-
ten sprachlich klar ausgefallen sind. Wenn nun die Antworten nicht solche
auf gestellte Fragen sind, ist dies nicht der Befragungstechnik zuzuschrei-
ben, sondern dem Beschwerdeführer selber. Die Dolmetscherin hat dem
Beschwerdeführer zudem bereits in F26 angesichts der von ihm gegebe-
nen Antworten ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie Wort für Wort
(statt zusammenfassende Inhaltsangaben) übersetze. Mehrfach hat sich
die Befragerin zudem bemüht, mittels gezielter Nachfragen Klarheit in die
teilweise wirren, bezugslosen und unstrukturierten Antworten zu bringen.
Auch die HWV musste (z.B. in F34 ff.) den Beschwerdeführer darauf hin-
weisen, dass er phasenweise nicht Antworten auf gestellte Fragen gebe.
Die Tatsache, dass die HWV vergleichsweise viele Fragen an der Anhö-
rung gestellt hat, ist offensichtlich nicht Ausdruck davon, dass die Befrage-
rin die Regie über die Anhörung zeitweise an die HWV abgegeben hätte.
Vielmehr ist die Befragerin gehalten, solche Fragen der HWV zuzulassen,
damit letztere ihre Aufgaben und Befugnisse nach aArt. 30 Abs. 4 AsylG
(insb.: «Sie kann Fragen zur Erhellung des Sachverhalts stellen») wahr-
nehmen kann. Die Qualität der Protokollführung lässt sich sodann daran
erkennen, dass den Texten praktisch keine Rechtschreib- und Interpunkti-
onsfehler zu entnehmen sind und die Aussagen in der Anhörung mit zahl-
reichen Klammerbemerkungen über Gestik, Bewegungen, Randerschei-
nungen, Wortspezifikationen und dergleichen angereichert sind (z.B. F26,
33, 34, 56, 66, 82, 84, 86, 87, 89, 109). Auch die Beanstandung einer un-
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genügenden Konfrontation mit Widersprüchen kann in der geltend ge-
machten Form nicht nachvollzogen werden. Die Akten zeugen vom Gegen-
teil (vgl. z.B. A20 F14, 16, 109).
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Protokolle der BzP und der
Anhörung als Entscheidgrundlagen verwertbar sind, da weder die Befra-
gungstechniken noch die Protokollführungen noch die Übersetzungen
mängelbehaftet sind. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, des
Anspruchs auf Wahrung des rechtlichen Gehörs oder weiterer Parteirechte
des Beschwerdeführers sind nicht ersichtlich. Der Sachverhalt wurde mit
den Befragungen genügend erhoben. Eine Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz fällt nicht in Betracht.
6.1.2 Das SEM ist nach einwandfreier und insbesondere vollständiger
Sachverhaltsfeststellung in seinen hinlänglich auf die Akten und Quellen-
angaben abgestützten Erwägungen mit einlässlicher Begründung zur zu-
treffenden Erkenntnis gelangt, die geltend gemachten Verfolgungsvorbrin-
gen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen von Art. 7 AsylG
an die Glaubhaftmachung eines asylbegründenden Sachverhalts nicht ge-
nügen. Das Bundesverwaltungsgericht sieht sich insoweit zu einer diffe-
renzierten Betrachtungsweise veranlasst, als es die Glaubhaftigkeit der
Funktionen des Beschwerdeführers als langjähriger Campleiter und Mitor-
ganisator des besagten Streiks wie auch sein dargelegtes Engagement im
Hinblick auf die Rückgabe der in E._ von der Armee besetzten
Grundstücke an die rechtmässigen Eigentümer nicht grundsätzlich in
Glaubhaftigkeitszweifel zieht. Damit ist auch eine gewisse Bekanntheit des
Beschwerdeführers bei Campbewohnern, Eigentümern besetzter Grund-
stücke, Behörden und Medien nicht gänzlich in Abrede zu stellen, wenn-
gleich es an strikten Beweisen hierfür (z.B. Medienberichte mit Angabe sei-
nes Namens, vgl. hierzu A20 F89 f.) fehlt. Die aus diesen Sachverhaltsele-
menten und insbesondere dem Streikereignis abgeleitete Verfolgungslage
hat das SEM jedoch durchaus rechtskonform als unglaubhaft erkannt. Die
Ausführungen in der Beschwerde führen hierbei, soweit sie sich nicht oh-
nehin in blossen Wiederholungen, Bekräftigungen und Gegenbehauptun-
gen erschöpfen, zu keiner anderen Betrachtungsweise. Die betreffend die
erkannten Widersprüche und Ungereimtheiten unternommenen Entkräf-
tungsversuche (unwesentliche Details, Missverständnisse, sprachliche
Barrieren, stressige Situation, qualitativ schlechte Protokollierung und
Übersetzung) sind in der vorgelegten Form nicht stichhaltig und als Schutz-
behauptungen zu werten; ergänzend kann auf die Erwägungen zuvor
(E. 6.1.1) verwiesen werden. Soweit er seine widersprüchlichen Angaben
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zu seinen Wohnorten zu entkräften versucht, ist klarzustellen, dass ihm
diese in der angefochtenen Verfügung (zurecht) gar nicht zur Last gelegt
wurden. Die Erklärungsversuche betreffend das als unglaubhaft erachtete
Interesse der Behörden an ihm erst seit dem Streik und ohne Ausdehnung
auf weitere Campleiter überzeugt nicht. Dabei ist insbesondere zu berück-
sichtigen, dass er zum einen bereits zuvor mit seinem bis auf Präsidenten-
stufe reichenden Engagement für die Rückgabe der besetzten Grundstü-
cke einen gewissen Bekanntheitsgrad aufweisen musste, und er zum an-
dern zwar Mitorganisator des Streiks war, indessen «nur» als (...) der be-
teiligten 20 Camps fungierte; der behördliche Fokus hätte somit auch die
anderen Campleiter erfassen müssen. Das Bundesverwaltungsgericht
stellt die Glaubhaftigkeit einer vom Beschwerdeführer subjektiv empfunde-
nen Eigenschaft als Regierungsgegner und einem darauf basierenden be-
hördlichen Beobachtungsinteresse an ihm seit der Streikaktion nicht gänz-
lich in Abrede. Dass sich dieses behördliche Interesse aber zu einem
flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Verfolgungsinteresse der Behörden hätte
ausweiten sollen, ist objektiv nicht nachvollziehbar. Dies hat das SEM in
der angefochtenen Verfügung mit überzeugender Unglaubhaftigkeitsbe-
gründung dargelegt (insb. unbehelligter weiterer Aufenthalt im Camp sowie
Fortführung der Campleitungsfunktion und der Erwerbstätigkeit). Sein Ver-
halten entspricht offensichtlich nicht jenem einer angeblich von CID-Ange-
hörigen wegen des Streiks mit dem Tode bedrohten und erhebliche behörd-
liche Verfolgungsmassnahmen befürchtenden Person. Die diesbezügli-
chen Einwände in der Beschwerde (Notwendigkeit der weiteren Versor-
gung und Unterstützung seiner Familie und Verwandten im Camp; Vor-
sichtswaltung; Unmöglichkeit eines Lebens ausserhalb des Camps ange-
sichts des Eigentums seiner Familie am besetzten Land in E._;
Zwangssituation) ermangeln nicht nur an Überzeugungskraft und Stichhal-
tigkeit, sondern lassen erkennen, dass die Intensität und Ernsthaftigkeit der
befürchteten Vergeltungsmassnahmen subjektiv und objektiv betrachtet
zur Annahme einer asylrelevanten Verfolgungslage nicht ausreichen.
Diese Einschätzung bestätigt sich nicht nur durch die legale und kontrol-
lierte Ausreise, sondern auch durch den Umstand, dass es dem Beschwer-
deführer und seiner Familie unbenommen gewesen wäre, einer ernsthaf-
ten Bedrohungslage mittels Wegzugs in den Herkunftsort des Beschwer-
deführers (B._) auszuweichen, wo nach wie vor Angehörige und
Verwandte wohnhaft sind (vgl. hierzu A5 Ziff. 3.01 und 7.02, A20 F28 und
50). Dass sein Interesse an einer Rückgewinnung von Grundeigentum den
Beschwerdeführer zu einem Verbleib am Ort seiner höchsten Verfolgungs-
gefahr hätte veranlassen sollen, kann in keiner Weise nachvollzogen wer-
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den. Das SEM ist auch in seiner Einschätzung zu stützen, wonach die an-
gebliche Furcht vor Verfolgungsmassnahmen aufgrund des Engagements
des Beschwerdeführers für die Rückgabe der besetzten Grundstücke des-
halb an Aktualität und Glaubhaftigkeit eingebüsst habe, weil sich die Re-
gierung um entsprechende Rückgaben bemühe und solche auch schon
erfolgt seien. In der Beschwerde werden diese Rückgaben in quantitativer
Hinsicht und auch in der Wertigkeit der zurückgegebenen Grundstücke re-
lativiert und die Aktualität der Verfolgungslage der Betroffenen bekräftigt.
Unbesehen einer näheren Prüfung betreffend den Stand der Rückgaben
ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in der Anhörung auf Nach-
frage explizit eingeräumt hat, dass in der Hälfte der betroffenen Ortschaften
die Grundstücke nach seiner Ausreise zurückgegeben worden seien (F59-
61) und auch seine Familie jetzt (im Zeitpunkt der Anhörung) nach
E._ zurückkehre (F67).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das SEM zutreffend von der Un-
glaubhaftigkeit einer erlebten oder befürchteten Verfolgung des Beschwer-
deführers aufgrund seines Engagements für die Rückgabe der von der Ar-
mee besetzten Grundstücke ausgegangen ist und es dabei den praxisge-
mässen Leitlinien der Glaubhaftigkeitsprüfung (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1,
2013/11 E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.) nachgekommen ist.
6.1.3 Das SEM ist im Weiteren mit zutreffender Begründung zur Erkenntnis
gelangt, eine allfällige Furcht vor Verfolgungsmassnahmen im Falle einer
Rückkehr nach Sri Lanka erscheine unter Berücksichtigung der im Refe-
renzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016
erwähnten Risikofaktoren (vgl. hierzu exemplarisch das aktuelle Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts D-3528/2018 vom 10. August 2020 E. 7.1)
nicht begründet und seine Vorbringen würden daher den Anforderungen
von Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügen.
Auf die betreffenden Erwägungen (vgl. angefochtene Verfügung E. III/2 und
Zusammenfassung in E. 5.1 oben) kann zur Vermeidung von Wiederholun-
gen verwiesen werden, ebenso auf jene in E. 6.1.2 zuvor, soweit sie As-
pekte der flüchtlingsrechtlichen Bedeutsamkeit der Verfolgungsvorbringen
beinhalten. Die Ausführungen in der Beschwerde führen auch hierbei zu
keiner anderen Betrachtungsweise. Hervorzuheben ist dabei, dass der Be-
schwerdeführer in seiner Asylbegründung nie politische Aktivitäten geltend
gemacht hat und daher auch keine auf diesem Motiv basierende und be-
gründete Verfolgungsfurcht haben kann. Das mit der Beschwerde vorge-
legte Foto, aus dem das weiterhin aktuelle Interesse des CID nach ihm
(Nachfrage bei seiner Familie nach seinem Aufenthalt) hervorgehe, ist von
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geringer Beweistauglichkeit, zumal weder die vier abgebildeten Personen
erkennbar sind noch der Ort oder Anlass ihrer Zusammenkunft. Der pau-
schale Hinweis auf eine Zunahme von Verfolgungshandlungen und Men-
schenrechtsverletzungen in Sri Lanka und auf die dortige aktuelle politi-
sche Lage ist sodann für die Begründung einer individuellen und konkreten
Furcht vor flüchtlingsrechtlich bedeutsamer Benachteiligung nicht dienlich.
Das Gericht hält im Übrigen grundsätzlich nach wie vor an der Lageein-
schätzung gemäss dem Referenzurteil fest. Der Beschwerdeführer vermag
mangels vorbestandener (singulärer oder kumulativer) Risikofaktoren und
persönlicher Bezugnahme keinen objektiven Nachfluchtgrund aus der be-
hauptungsgemäss verschlechterten Lage in Sri Lanka abzuleiten.
6.1.4 Das SEM hat somit das Bestehen einer asylrelevanten Verfolgungs-
situation des Beschwerdeführers und mithin seine behauptungsgemässen
Ansprüche auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung
des Asyls nach korrekter Sachverhaltsfeststellung und zutreffender Würdi-
gung der vorgelegten Beweismittel zu Recht verneint.
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird
in der Beschwerde auch nicht bestritten.
6.3 Die Vorinstanz hat im Weiteren den Wegweisungsvollzug zu Recht als
zulässig, zumutbar und möglich erkannt. Hierzu kann integral auf die pra-
xiskonformen Ausführungen des SEM in der angefochtenen Verfügung
(dort E. IV) sowie auf die vorstehende Zusammenfassung (vgl. E. 5.1) ver-
wiesen werden. Es bestehen keine zureichenden Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka
dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1
FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre, und die allge-
meine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvoll-
zug auch nach Auffassung des Gerichts nicht als unzulässig erscheinen
(vgl. Referenzurteil BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie
statt vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.2 oder aktuell
D-3528/2018 vom 10. August 2020 E. 9.3). Es bestehen keine konkreten
Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten
hätte, die über einen so genannten "Background Check" (Befragung und
Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden,
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oder dass er persönlich gefährdet wäre. Zwar dürfte er mit einer gewissen
Bekanntheit ausgestattet sein, indessen nicht als Regierungskritiker (vgl.
hierzu auch A20 F99), sondern aufgrund seines früheren Engagements für
die Rückgabe von besetzten Grundstücken an die zivilrechtlich anspruchs-
berechtigten Eigentümer. Die Annahme eines «real risk» im Sinne von
Art. 3 EMRK erscheint daher nicht begründet. Daran vermögen der Regie-
rungswechsel vom November 2019 sowie die seitherige Lageentwicklung
in Sri Lanka nichts zu ändern.
Gemäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und
Ostprovinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbar-
keitskriterien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2). In Sri Lanka herrscht keine Situ-
ation allgemeiner Gewalt. Daran vermögen die Gewaltvorfälle in Sri Lanka
vom 21. April 2019, der gleichentags verhängte und am 28. August 2019
aufgehobene Ausnahmezustand sowie die mit den Wahlen im November
2019 zusammenhängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu än-
dern (vgl. dazu statt vieler wiederum das Urteil E-895/2020 vom 15. April
2020 E. 9.3 oder aktuell D-3528/2018 vom 10. August 2020 E. 9.4.1). Der
Beschwerdeführer nennt als gegen die Zumutbarkeit sprechende Ele-
mente seine Vermögenslosigkeit, die nicht gegebene Unterstützungsfähig-
keit seiner Familie, das Fehlen einer Liegenschaft und einer Berufsausbil-
dung, die aufgrund seiner politischen Verfolgungssituation faktisch verun-
möglichte Wiederaufnahme seiner Arbeit als (...) und die unmögliche Exis-
tenzsicherung durch das (...). Damit dramatisiert er indessen nachträglich
seine persönliche Situation, zumal er in der Wiederaufnahme seiner lang-
jährigen und erfolgreichen Erwerbstätigkeiten nicht eingeschränkt ist und
er über zwei familiäre und verwandtschaftliche Beziehungsnetze (in
G._ beziehungsweise E._ und in B._) mit je beste-
henden Unterkünften verfügt; zudem ist es der Familie des Beschwerde-
führers möglich, (...) an der Universität studieren zu lassen (vgl. A20 F19).
Der Beschwerdeführer weist im Übrigen mangels aus den Akten hervorge-
hender entsprechender Anhaltspunkte keine gesundheitlichen Beeinträch-
tigungen auf. Wenngleich eine Reintegration nach einem über dreijährigen
Aufenthalt in der Schweiz in der Anfangsphase mit gewissen Schwierigkei-
ten verbunden sein mag, liegt die Annahme einer existenziellen Notlage
fern.
Allfällige Einschränkungen des Flugverkehrs oder Einreisebeschränkun-
gen des Heimatstaates im Zusammenhang mit der aktuellen Coronavirus-
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Pandemie sind im Übrigen temporärer Art und bewirken keine Unmöglich-
keit des Wegweisungsvollzugs.
Die Gewährung der vorläufigen Aufnahme fällt somit nicht in Betracht.
6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer – wie
vom SEM zutreffend erkannt – aus den im Asylgesuch geltend gemachten
Gründen weder einen Anspruch auf Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft oder Gewährung des Asyls noch einen solchen auf Verzicht auf die
Wegweisungsanordnung als solche oder auf Gewährung der vorläufigen
Aufnahme unter Feststellung der Undurchführbarkeit des Wegweisungs-
vollzuges ableiten kann. Ebenso wenig besteht Anlass zur Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf die weiteren Inhalte
der Beschwerde und die vorgelegten Beweismittel näher einzugehen, da
sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Die Beschwerde ist abzuwei-
sen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhebung ist je-
doch in Gutheissung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung zu verzichten, da der Beschwerdeführer ausgewiesenermas-
sen unterstützungsbedürftig ist und sich die Beschwerde nach dem Erwo-
genen nicht als aussichtslos präsentiert.
8.2 Das nach aArt. 110a Abs. 1 AsylG zu beurteilende Gesuch um amtliche
Rechtsverbeiständung ist somit ebenfalls gutzuheissen (aArt. 110a Abs. 1
Bst. a AsylG i.V.m. Art. 31a aAbs. 4 und Art. 44 AsylG i.V.m. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015), zumal die unterzeichnende Rechtsvertreterin die persönlichen Vo-
raussetzungen hierzu erfüllt (vgl. Zwischenverfügung des Bundesverwal-
tungsgerichts vom 5. Juni 2020 im Verfahren E-2182/2020). Rechtsanwäl-
tin Lea Hungerbühler ist somit – rückwirkend – antragsgemäss als amtliche
Rechtsbeiständin einzusetzen. Demnach ist ihr ein amtliches Honorar für
ihre notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten.
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Als Beilage zur Beschwerde präsentiert sie eine Honorarnote mit einem
Totalbetrag von Fr. 2’271.30, welche nebst Barauslagen von Fr. 16.30 ei-
nen zeitlichen Aufwand von 6 Stunden der rubrizierten Vertreterin zu einem
Stundenansatz von Fr. 220.– und einen zeitlichen Aufwand von 8,5 Stun-
den eines namentlich nicht genannten «Praktikanten» zu einem Stunden-
ansatz von Fr. 110.– ausweist. Die Auslagen und der in Rechnung gestellte
Zeitaufwand erscheinen angemessen. In Berücksichtigung der massgebli-
chen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist das Honorar demnach
auf insgesamt Fr. 2’271.30 (inkl. Auslagen) festzusetzen. Es umfasst kei-
nen Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE.
(Dispositiv nächste Seite)
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