Decision ID: 676ad4af-7e44-5503-8385-f1e83d1a3b94
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X. (geb. 4. Februar 1933) ist verwitwet und in H. wohnhaft. Dort war sie
Eigentümerin einer Liegenschaft (GB-Nr. 187, 13'391 m2) in der Gewerbe-/
Industriezone, welche gemäss Mutationsanzeige und Grundbucheintrag per
23. Oktober 2012 in drei Grundstücke (GB-Nr. 187, 2'020 m2; GB-Nr. 809, 6'850 m2;
GB-Nr. 810, 4'521 m2) geteilt wurde. Mit dem Verkauf dieser Grundstücke im Oktober
bzw. Dezember 2012 war die ergänzende Vermögenssteuer geschuldet, da sie bis zur
Veräusserung zum Ertragswert besteuert worden waren. Das total nachzubesteuernde
Vermögen bezifferte die Veranlagungsbehörde auf Fr. 16'612'000.-- und veranlagte X.
am 12. Februar 2013 für die Kantons- und Gemeindesteuern 2012 gesondert mit einer
ergänzenden Vermögenssteuer von Fr. 78'225.90. Die gegen diese Veranlagung
erhobene Einsprache wies das kantonale Steueramt mit Entscheid vom 11. März 2013
ab.
B.- Gegen den Einspracheentscheid reichte X. am 21. März 2013 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission ein. Sie beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid sei aufzuheben und ihrer eigenen Berechnung der ergänzenden
Vermögenssteuer sei stattzugeben und diese auf gerundete Fr. 60'227.-- festzusetzen.
Weiter sei das St.Galler Steuerbuch dahingehend zu ändern, dass die zeitliche
Komponente der Verkehrswertschätzung künftig berücksichtigt werde.
Mit Vernehmlassung vom 1. Mai 2013 beantragte die Vorinstanz die kostenfällige
Abweisung des Rekurses. Dazu nahm die Rekurrentin mit Schreiben vom 21. Mai 2013
Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,
soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Anfechtungsobjekt ist die Veranlagungsverfügung vom
12. Februar 2013 bzw. die Berechnung der ergänzenden Vermögenssteuer 2012.
Soweit die Rekurrentin die Änderung des Steuerbuches beantragt, geht der Antrag
über die Befugnisse der Verwaltungsrekurskommission hinaus; entsprechend ist darauf
nicht einzutreten. Im Übrigen sind die Eintretensvoraussetzungen erfüllt. Der Rekurs
vom 21. März 2013 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
2.- a) Nach Art. 53 Abs. 1 StG wird eine Vermögenssteuer vom Reinvermögen erhoben,
das grundsätzlich nach dem Verkehrswert bewertet wird (Art. 54 StG). Von dieser
Bewertungsregel wird für die unter den Geltungsbereich der Bundesgesetzgebung
über das bäuerliche Bodenrecht fallenden Grundstücke, die überwiegend land- oder
forstwirtschaftlich genutzt werden, abgewichen. Diese werden nach Art. 58 Abs. 1 StG
zum Ertragswert bewertet, welcher in der Regel wesentlich unter dem Verkehrswert
liegt. Mit der steuerlichen Erfassung von land- und forstwirtschaftlich genutzten
Grundstücken zum Ertragswert wird dem Umstand Rechnung getragen, dass derartige
Grundstücke Grundlage einer Erwerbstätigkeit bilden und ihr Wert demzufolge primär
durch den entsprechenden Ertrag bestimmt wird. Die günstigere
Ertragswertbesteuerung kann allerdings nur solange beansprucht werden, als die
landwirtschaftliche Nutzung andauert (Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser
durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 211 ff.; M. Baumgartner,
Vermögensbesteuerung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke im Kanton Zürich,
Diss. Zürich 2002, S. 106 f.; Zigerlig/Jud, in: Kommentar zum schweizerischen
Steuerrecht, Band I/1, 2. Aufl. 2002, N 12 zu Art. 14 StHG). Fällt der Grund für die
Vorzugsbehandlung weg, erfordert es das Gleichbehandlungsgebot, dass die Differenz
zwischen dem Verkehrswert und dem bisher erfassten Ertragswert über die
ergänzende Vermögenssteuer gemäss Art. 59 Abs. 1 StG nachbesteuert wird. Nach
dieser Bestimmung wird eine ergänzende Vermögenssteuer erhoben, wenn ein zum
Ertragswert bewertetes Grundstück ganz oder teilweise veräussert oder der bisherigen
land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung entfremdet wird.
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Im Kanton St. Gallen wurde die ergänzende Vermögenssteuer mit dem IV. Nachtrag
zum alten Steuergesetz vom 3. Juli 1986 auf den 1. Januar 1987 eingeführt (nGS
21-99). In der Botschaft der Regierung vom 14. Oktober 1985 zum IV. Nachtrag wurde
festgehalten, dass die ergänzende Vermögenssteuer immer dann geschuldet sein soll,
wenn die Ertragswertbewertung nicht mehr berechtigt ist (ABl 1985 S. 1884). Mit dem
neuen Steuergesetz, das am 1. Januar 1999 in Kraft trat, wurde aus Gründen der
Steuergerechtigkeit an der ergänzenden Vermögenssteuer festgehalten (vgl. Botschaft
ABl 1997 S. 1021). Dabei wurde der Wortlaut der Bestimmung an Art. 14 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und
Gemeinden (SR 642.14; abgekürzt: StHG) angepasst, wonach die land- und
forstwirtschaftlich genutzten Grundstücke zum Ertragswert bewertet werden und das
kantonale Recht bestimmen kann, dass bei der Bewertung der Verkehrswert
mitberücksichtigt wird oder im Falle der Veräusserung oder Aufgabe der land- oder
forstwirtschaftlichen Nutzung des Grundstückes eine Nachbesteuerung für die
Differenz zwischen Ertrags- und Verkehrswert erfolgt.
b) Das steuerbare Vermögen berechnet sich nach der Differenz zwischen dem Mittel
der Ertragswerte und dem Mittel der Verkehrswerte des Grundstücks am Anfang und
am Ende der massgebenden Dauer (Art. 61 Abs. 1 StG). Die massgebliche Dauer
entspricht der Zeitspanne der Vorzugsbesteuerung und beträgt maximal 20 Jahre (Art.
61 Abs. 3 StG). Die ergänzende Vermögenssteuer reicht jedoch höchstens bis zum
Zeitpunkt ihrer Einführung im st.gallischen Recht am 1. Januar 1987 (Art. 283 StG; StB
59 Nr. 1). Die einfache Steuer beträgt für die ganze Periode 1,7 ‰ (Art. 65 Abs. 1 StG).
Massgeblich ist der im Jahr der Veräusserung geltende Steuerfuss (Weidmann/
Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 218).
Für das nachzubesteuernde Vermögen hat der Gesetzgeber mit der gesetzlich
festgeschriebenen Berechnung eine einfache und schematische Rechenmethode
gewählt und dafür gewisse Unebenheiten in Kauf genommen. So ist die ergänzende
Vermögenssteuer als pauschale Nachbezugssteuer für unversteuertes Vermögen zu
verstehen, deren Pauschalcharakter sich im Verzicht auf einen Nachsteuerzins und ein
jahresbezogenes Steuermass zeigt. Damit ist eine eigentliche Nachbesteuerung analog
Art. 199 ff. StG, gesondert berechnet für jedes einzelne Jahr, gesetzlich nicht
vorgesehen. Zur Anwendung gelangt ausschliesslich eine Durchschnittsberechnung
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aufgrund der Ertrags- und Verkehrswerte am Anfang und am Ende des massgeblichen
Zeitraumes der Nachbesteuerung (vgl. StB 59 Nr. 1).
3.- a) Im Rekurs wird vorgebracht, die Steuerveranlagung zum Grundstück B.-Strasse
klein' (Nr. 000) sei aufgrund der Verkehrswertschätzungen von 1989 und 2000 erfolgt,
jene zum Grundstück B.-Strasse gross' (Nr. 000) hingegen aufgrund der
Verkehrswertschätzungen von 1989 und 2011. Der Vergleich der Eckdaten zeige, dass
die im Streitfall angewandte Berechnungsmethode offensichtlich ungerecht sei. Bei
jener Liegenschaft sei die zweite Grundstückschätzung ziemlich genau in der Mitte der
20-jährigen Beobachtungsperiode erfolgt, sodass der Mittelwert gemäss der
angewandten Berechnungsmethode stimme. Hingegen sei vorliegend die zweite
Grundstückschätzung gegen Ende der Beobachtungsperiode erfolgt, sodass diese nun
rückwirkend auf 10 Jahre versteuert werden müsse. Zur Begründung führte die
Rekurrentin an, eine aufgeschobene Steuer dürfe sich nicht nachteilig auswirken,
sondern müsse gleichwertig sein. Infolgedessen sei ihrer eigenen Berechnung
stattzugeben.
b) Vorliegend ist es unbestritten, dass mit dem Verkauf der Grundstücke Nr. 187, 809
und 810 im Oktober bzw. Dezember 2012 die ergänzende Vermögensbesteuerung
geschuldet ist.
Das nachzubesteuernde Vermögen errechnete die Vorinstanz anhand folgender
Bemessungsgrundlage: Das Hauptgrundstück (GB-Nr. 187) wurde vor seiner Teilung in
drei Grundstücke (GB-Nr. 187, 809 und 810) letztmals am 2. November 2011 neu
geschätzt. Für dieses überwiegend in der Bauzone gelegene und dem BGBB
unterstellte landwirtschaftliche Grundstück wurden ein Verkehrswert von
Fr. 1'174'600.-- und ein Ertragswert von Fr. 5'600.-- festgelegt. Vom Flächenmass von
total 13'391 m2 des Grundstücks blieben in dieser Schätzung eine
Gebäudegrundfläche von 5 m2 ohne Wertermittlung, für eine Fläche von 1'163 m2
wurde der Verkehrswert mit Fr. 5.-- und für die Restfläche von 10'550 m2 wurde der
Verkehrswert mit Fr. 110.-- je m2 festgelegt. Der Ertragswert wurde mit Fr. 0.42 je m2
ermittelt. Die Festsetzung des Verkehrs- sowie des Ertragswertes per 1. Januar 1992
erfolgte aufgrund der Schätzung vom 7. November 1989, welche auch das Grundstück
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Nr. 183 und somit 19'328 m2 umfasste, wobei die Werte für die massgeblichen Fläche
des Grundstückes GB-Nr. 187 von 13'417 m2 ermittelt wurden.
Verkehrswert am Anfang 01.01.1992: Fr. 499'800.00
Verkehrswert am Ende 31.12.2011: Fr. 1'174'600.00
Mittelwert aus Verkehrswert am Anfang und Ende Fr. 837'200.00
Berechnung des mittleren, bisher besteuerten Ertragswertes:
Ertragswert am Anfang 01.01.1992: Fr. 7'600.00
Ertragswert am Ende 31.12.2011: Fr. 5'600.00
Mittelwert aus Ertragswert am Anfang und am Ende Fr. 6'600.00
Mittelwert aus Verkehrswert am Anfang und am Ende wie oben Fr. 837'200.00
Mittelwert aus Ertragswert am Anfang und am Ende wie oben ./. Fr. 6'600.00
Differenz der Mittelwerte der Verkehrswerte und der Ertragswerte Fr. 830'600.00
Die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Verkehrswert und dem
durchschnittlichen Ertragswert von Fr. 830'600.00 unterliegt für die Zeit vom 1. Januar
1992 bis 31. Dezember 2011 (Besteuerung zum Ertragswert) der ergänzenden
Vermögenssteuer (20 Jahre).
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Total nachzubesteuerndes Vermögen = 20 x Fr. 830'600.00 = Fr. 16'612'000.00
Vorliegend steht fest, dass die Rekurrentin bis zum Verkauf des Grundstücks GB-Nr.
187 bzw. der Grundstücke GB-Nr. 187, 809 und 810 die Vorzugsbesteuerung zum
Ertragswert in Anspruch nahm. Wie dargetan, liegen der vorinstanzlichen Berechnung
der ergänzenden Vermögenssteuer die Schätzung des Verkehrs- und Ertragswertes
vom 7. November 1989 bzw. 2. November 2011 zugrunde. Indem jeweils die
arithmetischen Mittel zwischen den für den Nachbesteuerungszeitraum massgebenden
Verkehrswerten am Anfang und am Ende und den Ertragswerten am Anfang und am
Ende des Zeitraumes von 20 Jahren gezogen wurden, erfolgte die Berechnung des
nachzubesteuernden Vermögens gemäss den gesetzlichen Bestimmungen in Art. 61
Abs. 1 StG und Art. 14 Abs. 2 StHG sowie dem StB.
Mit der gesetzlich festgeschriebenen Berechnung des nachzubesteuernden Vermögens
hat der Gesetzgeber bewusst keine Methode gewählt, welche eine jährliche Bewertung
zulässt, wie dies bei der ordentlichen Nachsteuer der Fall ist. Grundstücke werden in
der Regel in einem Intervall von zehn Jahren neu geschätzt; dementsprechend ist die
Bewertung eines Grundstücks zu einem Zeitpunkt, der in geraumer Zeit vor oder nach
der Schätzung erfolgt, mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Die von der
Vorinstanz angewandte Methode ist im Einzelfall einfach handhabbar und trägt den
Schwierigkeiten bei der Wertermittlung für weit in der Vergangenheit liegende Perioden
Rechnung. Die dabei unbestrittenermassen entstehenden Unebenheiten können zu
gewissen Unterschieden bei der Besteuerung gleichwertiger Grundstücke führen.
Allerdings wird, wie die Vorinstanz zutreffend festhält, auch beim Steuerfuss auf eine
jährlich angepasste Berechnung verzichtet und auch kein Zins auf den nachträglich
erhobenen Steuern berechnet. Gesamthaft betrachtet ist die von der Vorinstanz
angewandte Methode praxistauglich und führt nicht zu einer unangemessenen und
ungesetzlichen Steuer. Ohnehin handelt es sich bei Schätzungen um
Bewertungsmethoden, die trotz ziffernmässig genauen Resultaten nur
annäherungsweise das korrekte Resultat wiedergeben. Dem Antrag der Rekurrentin,
die ergänzende Vermögenssteuer aufgrund ihrer eigenen und von der vorinstanzlichen
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Methode abweichenden Berechnung zu ermitteln, ist daher nicht stattzugeben. Folglich
ist der Rekurs abzuweisen.
2.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten von der
Rekurrentin zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist zu verrechnen.