Decision ID: d43a40df-bb86-579c-a976-64adb88e8f74
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Am 18. März 2020 (Datum des Poststempels) meldete A._ Kurzarbeit ab
18. März 2020 für vier von der Kurzarbeit betroffene Mitarbeitende an. Das Amt für
Wirtschaft und Arbeit verfügte am 26. März 2020, sofern die übrigen
Anspruchsvoraussetzungen erfüllt seien, könne die Arbeitslosenkasse ab 21. März
2020 Kurzarbeitsentschädigung ausrichten (act. G5.2/24). Diese Verfügung wurde mit
Verfügung vom 24. April 2020 widerrufen und darauf hingewiesen, dass die
Arbeitslosenkasse, sofern die übrigen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt seien, bereits
ab 18. März 2020 Kurzarbeitsentschädigung ausrichten könne (act. G5.2/28).
A.a.
Mit Schreiben vom 12. Mai 2020 (Eingang: 18. Mai 2020) an eine Mitarbeiterin der
Arbeitslosenkasse, betitelt mit Kurzarbeit, nahm der Arbeitgeber Bezug auf eine
Korrespondenz mit ihr und reichte ein Formular betreffend Bescheinigung Zwischen
verdienst für eine seiner Mitarbeiterinnen ein. Gleichzeitig führte er unter Beilagen der
AHV-Lohnbescheinigung 2019 und des Lohnjournals März und April 2020 die
Bruttolöhne sowie die Ist- und Sollpensa sämtlicher Mitarbeiterinnen auf (act. G5.2/27).
A.b.
Mit Schreiben vom 29. Juni 2020 (Eingang: 15. Juli 2020) erkundigte sich der
Arbeitgeber bei einer Mitarbeiterin der Arbeitslosenkasse unter anderem über den
Stand der Kurzarbeitsentschädigung (act. G5.2/23). Am 15. Juli 2020 reichte der
Arbeitgeber sodann ein Formular betreffend Antrag und Abrechnung von
Kurzarbeitsentschädigung für die Monate März und April 2020 bei der
Arbeitslosenkasse St. Gallen ein (act. G5.2/18 und G5.2/21).
A.c.
Am 14. September 2020 bedankte sich der Arbeitgeber bei der Arbeitslosenkasse
für die Auszahlung von Fr. 8'718.10 für die Abrechnungsperiode August 2020 und teilte
A.d.
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B.
zugleich mit, dass er für die Abrechnungsperiode August 2020 keine Kurzarbeit
beantragt habe. Nach wie vor seien jedoch die Auszahlungen für die
Abrechnungsperioden März und April 2020 ausstehend (act. G5.2/9).
Mit Verfügung vom 22. September 2020 lehnte die Arbeitslosenkasse das Gesuch
um Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung für die Abrechnungsperiode März 2020
ab, da die Frist zur Geltendmachung des Anspruchs Ende Juni 2020 abgelaufen sei
(act. G5.2/19). Für die Abrechnungsperiode April 2020 wurde dem Arbeitgeber für seine
Mitarbeiterinnen Kurzarbeitsentschädigung in der Höhe von Fr. 8'718.10 ausgerichtet.
In der Abrechnung vom 23. September 2020 wies die Arbeitslosenkasse darauf hin,
dass diese in Rechtskraft erwachse, wenn nicht innert 90 Tagen eine anfechtbare
Verfügung verlangt werde (act. G5.2/17).
A.e.
Am 19. Oktober 2020 erhob der Arbeitgeber gegen die Verfügung vom
22. September 2020 Einsprache. Er habe den Antrag rechtzeitig eingereicht, dieser sei
jedoch vermutlich untergegangen. Zugleich beantragte er eine nachvollziehbare
Abrechnung für die Abrechnungsperiode April 2020 (act. G5.2/16).
B.a.
Mit Entscheid vom 2. November 2020 wies die Arbeitslosenkasse die Einsprache
ab. Zur Begründung führte sie aus, dass massgeblich für den Beginn der
dreimonatigen Verwirkungsfrist gemäss Art. 38 AVIG der erste Tag nach der
Abrechnungsperiode sei. Die dreimonatige Frist für die Abrechnungsperiode März 2020
habe am 1. April 2020 zu laufen begonnen und habe am 30. Juni 2020 geendet. Mit
Verfügung vom 24. April 2020 sei der Arbeitgeber darauf hingewiesen worden, dass die
Entschädigung für jede Abrechnungsperiode spätestens drei Monate nach Ende der
Abrechnungsperiode bei der gewählten Arbeitslosenkasse geltend gemacht werden
müsse. Das Formular "COVID-19 Antrag und Abrechnung Kurzarbeitsentschädigung"
sei bei der Arbeitslosenkasse jedoch erst am 16. Juli 2020 eingegangen. Die
Geltendmachung des Anspruchs auf Kurzarbeitsentschädigung für die
Abrechnungsperiode März 2020 sei damit verspätet erfolgt. Im Übrigen sei eine
Fristwiederherstellung weder geltend gemacht worden, noch seien Gründe für eine
solche ersichtlich. Die Abrechnung für den Monat April 2020 sei nicht Gegenstand der
B.b.
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C.
angefochtenen Verfügung, weshalb auf den diesbezüglichen Antrag im
Einspracheverfahren nicht eingetreten werde (act. G5.2/13).
Am 3. November 2020 nahm der Arbeitgeber Stellung zum Einspracheentscheid
vom 2. November 2020 und führte im Wesentlichen aus, er habe den Antrag auf Kurz
arbeitsentschädigung fristgerecht eingereicht und es sei wohl auf dem "Amt
verschlampt" worden. Das am 18. März 2020 eingereichte Formular sei nicht als
Voranmeldung zu verstehen. Da das zur Verfügung gestellte Formular den komplexen
Lohnstrukturen keine Rechnung trage, habe er rechtzeitig eine Zusatzerklärung
eingereicht. Es sei für ihn unverständlich, weshalb erst nach drei Monaten festgestellt
worden sei, dass ein anderes Formular benötigt werde. Erst nach fast vier Monaten sei
ihm sodann mitgeteilt worden, dass für jeden Monat eine eigene Abrechnung
einzureichen sei (act. G5.2/12).
B.c.
Mit Verfügung vom 13. November 2020 forderte die Arbeitslosenkasse vom
Arbeitgeber den Betrag von CHF 8'718.10 für die Abrechnungsperiode August 2020
zurück (act. G5.2/10). Dagegen erhob der Arbeitgeber am 16. November 2020
Einsprache und beantragte zugleich die Neubeurteilung des Einspracheentscheides
vom 2. November 2020 sowie eine Erläuterung zur Leistungsabrechnung April 2020
(act. G5.2/8).
B.d.
Mit Schreiben vom 25. November 2020 bestätigte die Arbeitslosenkasse den
Erhalt der Einsprache vom 16. November 2020 und wies den Arbeitgeber darauf hin,
dass Einsprache nur gegen Verfügungen erhoben werden könne. Eine Einsprache
gegen die Leistungsabrechnung für April 2020 sei daher nicht möglich. Diesbezüglich
habe er das Recht, innert 90 Tagen ab Empfang der Abrechnung eine anfechtbare
Verfügung zu verlangen. Ferner wies sie den Arbeitgeber darauf hin, soweit der
Einspracheentscheid vom 2. November 2020 bemängelt werde, seien sie gehalten, das
Schreiben dem Versicherungsgericht weiterzuleiten. Die Einsprache gegen die
Rückforderungsverfügung vom 13. November 2020 werde indes geprüft (act. G5.2/7).
B.e.
Gleichentags wurde das Schreiben des Arbeitgebers vom 16. November 2020
zuständigkeitshalber ans Versicherungsgericht weitergeleitet und von diesem als
C.a.
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Erwägungen
1.
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 2. November 2020
entgegengenommen.
Mit einer vom Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen am 4. Dezember 2020
dem Versicherungsgericht zuständigkeitshalber überwiesenen Beschwerde vom
3. Dezember 2020 (Datum des Poststempels) beantragt der Beschwerdeführer sodann
sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 2. November 2020 und die
Zusprache von Kurzarbeitsentschädigung für die Abrechnungsperiode März 2020;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Ferner
beantragt er die Überprüfung der Abrechnung für den Monat April 2020 sowie die
Überprüfung der Zulässigkeit der Rückforderungsverfügung vom 13. November 2020
(act. G3).
C.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 14. Januar 2021 beantragt die Beschwerdegegnerin
unter Verweis auf den Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G5).
C.c.
Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) in Verbindung mit den
Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen Einspracheentscheide aus
dem Bereich der Arbeitslosenversicherung Beschwerde beim kantonalen
Versicherungsgericht erhoben werden. Nach Art. 42 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) beurteilt das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen Beschwerden gegen Einspracheentscheide der Versicherungsträger
nach Art. 56 ATSG als einzige kantonale Instanz.
1.1.
Nach Art. 60 Abs. 1 ATSG ist die Beschwerde innerhalb von 30 Tagen nach
Eröffnung des Einspracheentscheids einzureichen. Wird die Beschwerde bei einer
unzuständigen Behörde eingereicht, ist diese ohne Verzug dem zuständigen
Versicherungsgericht zu überweisen (Art. 58 Abs. 3 ATSG). Die Einreichung bei einer
unzuständigen Behörde hat fristwahrende Wirkung (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
4. Aufl. 2020, Art. 58 N 45).
1.2.
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2.
Vorliegend wurden die an die Arbeitslosenkasse gerichtete Eingabe vom 16. No
vember 2020 (Datum des Poststempels) sowie die Eingabe ans Verwaltungsgericht
vom 3. Dezember 2020 (Datum des Poststempels) zuständigkeitshalber ans
Versicherungsgericht weitergeleitet. Da die Einreichung der Beschwerde bei der
unzuständigen Behörde nach dem Gesagten nicht schadet, ist für die Einhaltung der
Fristen auf die Verhältnisse bei der Einreichung bei der unzuständigen Stelle
abzustellen. Sowohl mit Eingabe vom 16. November 2020 als auch mit Eingabe vom
3. Dezember 2020 ist die Frist gemäss Art. 60 Abs. 1 ATSG gewahrt. Auf die im
Übrigen formgerechte Beschwerde ist demnach grundsätzlich einzutreten (Art. 60
Abs. 2 i.V.m. Art. 39 Abs. 2 ATSG).
1.3.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der Einsprache
entscheid vom 2. November 2020, welchem die Verfügung vom 22. September 2020
zugrunde liegt. Unter Anfechtungs- oder Beschwerdeobjekt als
Verfahrensvoraussetzung wird der Gegenstand des Anfechtungsverfahrens, d.h. der
angefochtene Akt der Verwaltung, verstanden. Das Vorliegen eines zulässigen
Beschwerdeobjekts ist Voraussetzung, die erfüllt werden muss, damit eine
Beschwerde an die Hand genommen werden kann. Streitgegenstand kann nur sein,
was bereits Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens war oder allenfalls hätte sein
sollen (BGE 136 II 462 E. 4.2). Der Streitgegenstand darf nicht über das
Anfechtungsobjekt hinausgehen. Gegenstände, über welche die erstinstanzlich
verfügende Behörde nicht entschieden hat und über welche sie nicht entscheiden
musste, darf die obere Instanz nicht beurteilen, da sie sonst in die funktionelle
Zuständigkeit der Vorinstanz eingreifen würde. Ein Antrag, der über das hinausgeht,
was von der Vorinstanz entschieden wurde, oder der mit dem Gegenstand der
angefochtenen Verfügung nicht identisch ist, ist nicht zulässig (Entscheid des
Bundesverwaltungsgerichts vom 18. Juni 2008, A-5781/2007, E. 1.3.1 m.w.H.).
2.1.
Die Abrechnung für April 2020, deren Überprüfung der Beschwerdeführer
beantragt, wurde ihm am 23. September 2020 zugestellt. Dieser ist zu entnehmen,
dass die Abrechnung in Rechtskraft erwächst, sofern nicht innert 90 Tagen eine
anfechtbare Verfügung verlangt wird (act. G5.2/17). Den Akten kann entnommen
werden, dass der Beschwerdeführer um eine Erläuterung der Abrechnung für April
2020 ersucht hatte, welche ihm offenbar in Form von Handnotizen zugestellt wurde
(vgl. act. G5.2/8). Im Zeitpunkt der Einsprache bestand jedoch noch keine anfechtbare
Verfügung. Die Arbeitslosenkasse erkannte somit zutreffend, dass mangels
Anfechtungsobjekt auf die Einsprache bezüglich der Abrechnung für den Monat April
2.2.
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3.
2020 nicht einzutreten ist. Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen. Soweit die
Arbeitslosenkasse bis heute keine anfechtbare Verfügung betreffend Abrechnung April
2020 erlassen hat, wird sie das noch nachzuholen haben. Aus der Eingabe vom
2. Dezember 2020 lässt sich jedenfalls sinngemäss ableiten, dass der
Beschwerdeführer eine begründete Verfügung verlangt.
Soweit der Beschwerdeführer in seiner Einsprache vom 2. Dezember 2020 die
Überprüfung der Rückforderungsverfügung vom 13. November 2020 sowie die
Beurteilung der Zulässigkeit einer Verrechnung beantragt hat, hat die
Beschwerdegegnerin am 15. Dezember 2020 einen Einspracheentscheid erlassen
(act. G5.2/2). Eine Beschwerde gegen diesen Einspracheentscheid ist beim
Versicherungsgericht in der Folge nicht eingegangen. Der Einspracheentscheid vom
15. Dezember 2020 ist damit nicht Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens.
2.3.
Es bleibt zu prüfen, ob die Abrechnung für die Abrechnungsperiode März 2020
rechtzeitig eingereicht wurde oder ob der Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung für
März 2020 infolge verspäteter Geltendmachung verwirkt ist.
3.1.
Beabsichtigt ein Arbeitgeber, für seine Arbeitnehmer Kurzarbeitsentschädigung
geltend zu machen, so muss er dies der kantonalen Amtsstelle mindestens zehn Tage
vor Beginn der Kurzarbeit schriftlich voranmelden. Der Bundesrat kann für
Ausnahmefälle kürzere Voranmeldefristen vorsehen (Art. 36 Abs. 1 AVIG). Gemäss
Art. 8b der Verordnung über Massnahmen im Bereich der Arbeitslosenversicherung im
Zusammenhang mit dem Coronavirus (SR 837.033) in der vom 1. März bis 31. Mai
2020 gültig gewesenen Fassung musste der Arbeitgeber in Abweichung von Art. 36
Abs. 1 AVIG und Art. 58 Abs. 1 bis 4 AVIV keine Voranmeldefrist abwarten. Das
Voranmeldeverfahren blieb jedoch bestehen. Dieses dient als Kontrollinstrument und
bezweckt die Überprüfung der Anspruchsvoraussetzungen (Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, in: SBVR Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Aufl., Basel 2016,
Rz. 506).
3.2.
Der Arbeitgeber hat den Anspruch seiner Arbeitnehmenden auf Kurzarbeits
entschädigung sodann innert dreier Monate nach Ablauf jeder Abrechnungsperiode
gesamthaft für den Betrieb bei der von ihm bezeichneten Arbeitslosenkasse geltend zu
machen (Art. 38 Abs. 1 AVIG). Er reicht der Arbeitslosenkasse namentlich die für die
weitere Beurteilung der Anspruchsberechtigung und die Berechnung der
Entschädigung erforderlichen Unterlagen ein (Art. 38 Abs. 3 lit. a AVIG). Die
3.3.
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4.
Arbeitslosenkasse kann wenn nötig weitere Unterlagen verlangen (vgl. Art. 38 Abs. 3
am Ende AVIG).
Bei der Dreimonatsfrist nach Art. 38 Abs. 1 AVIG handelt es sich nicht um eine
blosse Ordnungsvorschrift, sondern um eine Verwirkungsfrist. Sie beginnt nach Ablauf
der jeweiligen Abrechnungsperiode (Barbara Kupfer Bucher, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum AVIG, 5. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2019, S. 292 f.). Die Frist zur
Geltendmachung ist nur gewahrt, wenn die Kurzarbeitsentschädigung in der durch
Art. 38 Abs. 3 AVIG vorgeschriebenen Form innert drei Monaten nach Ende der
Abrechnungsperiode beansprucht wird, was beinhaltet, dass der Arbeitgeber der
Arbeitslosenkasse die Unterlagen gemäss Art. 38 Abs. 3 lit. a AVIG innert dieser Frist
einreicht. Andernfalls erlöscht der Anspruch. Die Beweislast für die Fristwahrung trägt
der Arbeitgeber (vgl. Thomas Nussbaumer, a.a.O., Rz. 523; Gerhard Gerhards, AVIG-
Kommentar, Bd. I, Art. 38-39 N 26 f.).
3.4.
Vorliegend ist unstreitig, dass der Beschwerdeführer den Anspruch seiner
Arbeitnehmenden auf Kurzarbeitsentschädigung für den Monat März 2020 bis
spätestens 30. Juni 2020 geltend machen musste (vgl. Art. 38 Abs. 1 AVIG). Aus den
Akten ergibt sich und ist sodann unbestritten, dass das Formular "Antrag und
Abrechnung von Kurzarbeitsentschädigung" für die Abrechnungsperiode März 2020
erst am 16. Juli 2020 bei der zuständigen Arbeitslosenkasse einging (act. G5.2/18).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers kann die Voranmeldung, welche er am
18. März 2020 beim Amt für Wirtschaft und Arbeit eingereicht hat, nicht als Abrechnung
im Sinne von Art. 38 AVIG verstanden werden. Es stellt sich indes die Frage, ob das
Schreiben des Beschwerdeführers an eine Mitarbeiterin der Arbeitslosenkasse vom
12. Mai 2020 (act. G5.2/20) als Abrechnung hätte entgegengenommen werden müssen
und ob die Arbeitslosenkasse verpflichtet gewesen wäre, ihm eine Nachfrist zur
Einreichung der noch ausstehenden Unterlagen anzusetzen.
4.1.
Wer eine Versicherungsleistung beansprucht, hat sich beim zuständigen
Versicherungsträger in der für die jeweilige Sozialversicherung gültigen Form
anzumelden (Art. 29 Abs. 1 ATSG). Wird eine Anmeldung nicht formgerecht oder bei
der unzuständigen Stelle eingereicht, so ist für die Einhaltung der Fristen und für die an
die Anmeldung geknüpften Rechtswirkungen trotzdem der Zeitpunkt massgebend, in
dem sie der Post übergeben oder bei der unzuständigen Stelle eingereicht wird (Art. 29
Abs. 3 ATSG). Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat diese Bestimmung im
Kreisschreiben (AVIG-Praxis KAE, I7) sodann konkretisiert. Demgemäss setzt die
4.2.
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Arbeitslosenkasse dem Arbeitgeber eine angemessene Frist zur Vervollständigung,
wenn er nicht alle notwendigen Unterlagen einreicht. Die Arbeitslosenkasse hat den
Arbeitgeber zugleich darauf hinzuweisen, dass der Anspruch erlischt, wenn die
Vervollständigung nicht bis zum Ablauf der dreimonatigen Verwirkungsfrist erfolgt. Dies
setzt jedoch voraus, dass überhaupt eine Anmeldung vorliegt bzw. dass aus der
gemachten Eingabe oder Äusserung ein Anmeldewille abgeleitet werden kann (Ueli
Kieser, a.a.O., Art. 29 N 49). Gemäss Kieser liegt eine Anmeldung bereits dann vor,
wenn erkennbar wird, dass die anmeldende Person Leistungen beansprucht, d.h. den
Willen zum Ausdruck bringt, sich darum zu "bewerben" (Ueli Kieser, a.a.O., Art. 29 N
14).
Das Schreiben des Beschwerdeführers an eine Mitarbeiterin der Arbeitslosenkasse
vom 12. Mai 2020 (Eingang: 18. Mai 2020) war betitelt mit Kurzarbeit und enthielt
Angaben über den Bruttolohn sowie dem Soll- und Ist-Arbeitspensum sämtlicher für
die Kurzarbeitsentschädigung angemeldeten Mitarbeiterinnen. Dem Schreiben waren
als Beilagen ein Formular betreffend Bescheinigung Zwischenverdienst für eine seiner
Mitarbeiterin, die AHV-Lohnbescheinigung 2019 sowie das Lohnjournal März und April
2020 angehängt. Auf dem Lohnjournal März und April 2020 waren sodann
handschriftliche Notizen betreffend Bruttolöhne sowie unter dem Titel Kurzarbeit die
Ausfallpensa der Mitarbeiterinnen in Prozenten angegeben (act. G5.2/26 und G5.2/27).
4.3.
Obwohl der Beschwerdeführer nicht das zur Verfügung gestellte Formular
"COVID-19 Antrag und Abrechnung Kurzarbeitsentschädigung" verwendet hatte, ist im
Schreiben vom 12. Mai 2020 der Wille klar erkennbar, dass er den Anspruch seiner
Mitarbeiterinnen auf Kurzarbeitsentschädigung für den Monat März 2020 geltend
machen wollte, führte er am Ende des Schreibens doch aus, die Löhne seien bereits
ausbezahlt; daher erlaube er sich, einen Einzahlungsschein beizulegen. Daran vermag
der Umstand nichts zu ändern, dass das Schreiben im Zusammenhang mit der
Meldung eines Zwischenverdienstes eingereicht wurde. Denn das Schreiben war
betitelt mit "Kurzarbeit" und auf dem Lohnjournal März und April 2020 waren die
Ausfallpensa der Mitarbeiterinnen handschriftlich mit der Überschrift "Kurzarbeit"
vermerkt.
4.4.
Nach dem Gesagten hätte die Arbeitslosenkasse das an sie gerichtete Schreiben
vom 12. Mai 2020 (Eingang: 18. Mai 2020) sinngemäss als Abrechnung gemäss Art. 38
Abs. 3 AVIG entgegennehmen und dem Beschwerdeführer Frist zur Nachreichung der
nötigen Unterlagen bzw. zur Verbesserung der Abrechnung ansetzen müssen. Die
Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen und der angefochtene Entscheid
4.5.
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5.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und
die Angelegenheit zur Festsetzung und Ausrichtung der Kurzarbeitsentschädigung für
den Monat März 2020 an die Arbeitslosenkasse zurückzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember 2020 gültigen, für das
vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch anwendbaren Fassung). Auf die
beantragte Zusprache einer Parteientschädigung im Sinne einer
Umtriebsentschädigung an den nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer ist zu
verzichten. So übersteigen die Bemühungen des Beschwerdeführers im vorliegenden
Verfahren nicht das von einer Partei zur Besorgung der eigenen Angelegenheiten selber
zu tragende Mass an Aufwendungen (BGE 110 V 134 E. 4.d.; Ueli Kieser, a.a.O., Art. 61
N 217).