Decision ID: 01904520-1f0f-468a-8c1c-3c94fff6d5b8
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz (Unterhaltsbeiträge, Kosten- und Entschädigungsfolgen)
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Dielsdorf vom 24. September 2012 (EE120047)
- 2 -
Rechtsbegehren:
" 1. Es sei die Klägerin zum Getrenntleben zu berechtigen und es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die eheliche Gemeinschaft per 8. September 2012 aufgegeben wurde;
2. es sei die eheliche Wohnung an der ....-Strasse ..., C._ für die Zeit des Getrenntlebens samt Mobiliar und Hausrat dem  zuzuweisen; die Klägerin erklärt sich ausdrücklich damit einverstanden, dass der Mietvertrag auf den Beklagten  wird;
3. es sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin die persönlichen Effekten und die Dokumente des gemeinsamen Sohnes D._ aus der ehelichen Wohnung herauszugeben;
4. es sei der gemeinsame Sohn D._, geb. tt.mm.2011, unter die Obhut der Klägerin zu stellen;
5. es sei der Beklagte berechtigt zu erklären, den gemeinsamen Sohn D._ an jedem zweiten Samstag von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr auf eigene Kosten zu sich zu nehmen oder mit sich auf Besuch zu nehmen;
6. es sei der Beklagte zur Leistung von angemessenen  an den gemeinsamen Sohn D._ jeweils zahlbar im Voraus auf den ersten eines Monats an die Klägerin, erstmals per 1. September 2012, zu verpflichten;
7. es sei der Beklagte zur Leistung von angemessenen  an die Klägerin, jeweils zahlbar im Voraus auf den ersten eines Monats, erstmals per 1. September 2012, zu verpflichten;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 8%  zulasten des Beklagten."
Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Dielsdorf:
1. Es wird festgestellt, dass die Parteien zum Getrenntleben berechtigt sind
und seit dem 8. September 2012 getrennt leben.
2. Die eheliche Wohnung an der ...-Strasse ..., C._ wird für die Zeit der
Trennung samt Hausrat und Mobiliar dem Beklagten zur alleinigen Benut-
zung zugewiesen.
- 3 -
3. Der gemeinsame Sohn D._, geboren am tt.mm.2011, wird für die Dauer
des Getrenntlebens unter die Obhut der Klägerin gestellt.
4. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin auf erstes Verlangen sämtliche
Ausweispapiere (Pass, Identitätskarte) des Sohnes D._ herauszuge-
ben.
5. Der Beklagte ist berechtigt, den Sohn D._ jeden Mittwoch Abend ab
17.30 bis 22.00 Uhr und jeden Samstag, von 9.00 bis 18.00 Uhr sowie am 2.
Tag der Doppelfeiertage Weihnachten / Neujahr und Ostern / Pfingsten auf
eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
Dem Beklagten wird kein Ferienbesuchsrecht eingeräumt.
Den Parteien steht es zu, einvernehmlich und fallweise weitere zusätzliche
Besuche des Sohnes D._ beim Beklagten zu vereinbaren
6. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin für die Dauer des Getrenntle-
bens einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von insgesamt Fr. 2'244.–, zu be-
zahlen, nämlich Fr. 1'394.– für sie persönlich und Fr. 850.– für den Sohn
D._, allfällige gesetzliche oder vertragliche Kinderzulagen, zahlbar im
Voraus jeweils auf den Ersten eines Monats, rückwirkend auf den 8. Sep-
tember 2012 (wobei für September 2012 der volle Unterhaltsbeitrag ge-
schuldet ist).
7. (Gerichtsgebühr)
8. Die Kosten werden dem Beklagten auferlegt, jedoch zufolge Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse genom-
men. Eine Nachforderung im Sinne von Art. 123 ZPO bleibt vorbehalten.
9. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin eine Parteientschädigung von
Fr. 3'800.– (zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
10. (Mitteilung)
- 4 -
11. (Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
Des Gesuchgegners und Berufungsklägers (Urk. 28): " 1. Es sei in Aufhebung von Ziffer 6 des Urteils vom 24. September
2012 des Bezirksgerichts Dielsdorf der Berufungskläger für die Dauer des Getrenntlebens zu verpflichten, einen monatlichen  von Fr. 1'209.00 für den Sohn D._ zu , zuzüglich allfällige Kinderzulagen, zahlbar im Voraus jeweils auf den Ersten eines Monats, rückwirkend auf den 8. September 2012. Es sei kein Ehegattenunterhalt geschuldet.
2. Es sei in Aufhebung von Ziffer 8 des Urteils vom 24. September 2012 des Bezirksgerichts Dielsdorf die Entscheidgebühr von Fr. 3'725.00 den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen. Sie sei  zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Es sei die Ziffer 9 des Urteils vom 24. September 2012 des  Dielsdorf ersatzlos aufzuheben.
4. Es sei dieser Berufung betreffend Unterhalt und Kostenverteilung des erstinstanzlichen Verfahrens superprovisorisch die  Wirkung zu erteilen.
5. Dem Berufungskläger sei die unentgeltliche Rechtspflege zu .
6. Als unentgeltliche Rechtsbeiständin sei dem Berufungskläger Rechtsanwältin lic. iur. X._, ... [Adresse], zu bestellen.
7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der  bzw. der Beschwerdegegnerin.
Der Gesuchstellerin und Berufungsbeklagten (Urk. 36):
" 1. Es seien die Anträge unter Ziff. 1 der Berufungsschrift auf  des Kindesunterhalts sowie Aufhebung des  vollumfänglich abzuweisen;
2. es sei der Antrag unter Ziff. 2 der Berufungsschrift auf Teilung der Gerichtskosten je zur Hälfte abzuweisen; eventualiter seien die Gerichtskosten der Vorinstanz zu 2/3 dem Berufungskläger sowie zu 1/3 der Berufungsbeklagten aufzuerlegen, jedoch zufolge der bewilligten unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen;
3. es sei der Antrag unter Ziff. 3 der Berufungsschrift auf Aufhebung der Ziff. 9 des Urteils der Vorinstanz vollumfänglich abzuweisen;
- 5 -
4. es sei der Berufungsbeklagten die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und in der Person der Unterzeichneten ein  Rechtsbeistand zu bestellen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8% MWST zu Lasten des Berufungsklägers."

Erwägungen:
I.
1. Die Parteien standen vor Vorinstanz seit Juni 2012 in einem Ehe-
schutzverfahren (Urk. 1). Anlässlich der vorinstanzlichen Instruktionsverhandlung
vom 24. September 2012 schlossen die Parteien eine Teilvereinbarung betreffend
das Getrenntleben sowie die Zuteilung der ehelichen Wohnung (Urk. 19). Am
24. September 2012 fällte die Vorinstanz sodann das eingangs wiedergegebene
Urteil (Urk. 29).
2. Gegen dieses Urteil erhob der Gesuchsgegner und Berufungskläger
(fortan Gesuchsgegner) mit Eingabe vom 16. November 2012 innert Frist Beru-
fung, wobei er die oben angeführten Anträge stellte (Urk. 28). Mit Verfügung vom
20. November 2012 wurde der Berufung mit Bezug auf die angefochtenen Kos-
ten- und Entschädigungsfolgen die aufschiebende Wirkung erteilt. Die Berufungs-
antwort der Gesuchstellerin und Berufungsbeklagten (fortan Gesuchstellerin) da-
tiert vom 24. Dezember 2012 und enthält die ebenfalls eingangs wiedergegebe-
nen Anträge (Urk. 36). Die Berufungsantwort wurde dem Gesuchsgegner zur
Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 38).
II.
1. Vorbemerkungen
1.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sind die Unterhaltsbeiträge
an die Gesuchstellerin persönlich und den gemeinsamen Sohn der Parteien sowie
die erstinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen, während die übrigen
- 6 -
Regelungen zum Getrenntleben der Parteien (Zuteilung eheliche Liegenschaft, el-
terliche Obhut und Besuchsrecht, Herausgabe Ausweispapiere) unangefochten
blieben. Die Dispositiv-Ziffern 1-5 sowie 7 des angefochtenen Urteils sind mit Ein-
gang der Berufungsantwort am 27. Dezember 2012 (Urk. 36) rechtskräftig gewor-
den (Art. 315 Abs. 1 ZPO), was vorzumerken ist.
1.2 Gemäss Art. 272 ZPO gilt in eherechtlichen Summarverfahren der Un-
tersuchungsgrundsatz. Dies bedeutet, dass das Gericht den Sachverhalt von Am-
tes wegen feststellt und grundsätzlich nicht an die Parteivorbringen gebunden ist
(DIKE-Komm-ZPO, Art. 272 N 109). Betreffend die Bindung an die Parteianträge
gilt für die Belange der Ehegatten untereinander indes die Dispositionsmaxime
(DIKE-Komm-ZPO, Art. 272 N 105, Art. 58 Abs. 1 ZPO). Dies bedeutet, dass das
Gericht – auch im Rechtsmittelverfahren – an die Parteianträge gebunden ist. Das
Gericht kann mithin weder mehr zusprechen, als eine Partei verlangt, noch weni-
ger, als eine Partei anerkannt hat. Art. 296 Abs. 3 ZPO erklärt demgegenüber in
Kinderbelangen den Offizialgrundsatz für anwendbar, weshalb das Gericht in die-
sem Bereich ohne Bindung an die Parteianträge entscheidet. Gestützt auf
Art. 296 Abs. 1 ZPO erforscht das Gericht hinsichtlich der Kinderbelange den
Sachverhalt von Amtes wegen, die Untersuchungsmaxime ist in diesem Bereich
somit nicht eingeschränkt. Es sind daher in allen Instanzen sowohl echte als auch
unechte Noven zulässig (Schweighauser in: Sutter-Somm/Hasenböhler/ Leuen-
berger, ZPO Komm., Art. 296 N 22).
1.3 Auf die Parteivorbringen ist im Folgenden insoweit einzugehen, als dies
für die Entscheidfindung erforderlich ist.
2. Unterhaltsbeiträge
2.1 Die Vorinstanz hat den Gesuchsgegner verpflichtet, der Gesuchstelle-
rin rückwirkend ab 8. September 2012 einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von
Fr. 2'244.– zuzüglich allfällige gesetzliche oder vertragliche Kinderzulagen zu be-
zahlen, wobei ein Betrag von Fr. 1'394.– auf die Gesuchstellerin und Fr. 850.– auf
den gemeinsamen Sohn entfalle. Der Unterhaltsberechnung legte die Vorinstanz
ein Einkommen des Gesuchsgegners von Fr. 5'804.– und ein solches der Ge-
- 7 -
suchstellerin von Fr. 2'316.– zu Grunde und ging von einem Bedarf der Parteien
von Fr. 3'553.– (Gesuchsgegner) bzw. Fr. 4'545.– (Gesuchstellerin mit dem ge-
meinsamen Sohn) aus. Den resultierenden Freibetrag von Fr. 22.– teilte die Vo-
rinstanz im Verhältnis 2:1 auf die Gesuchstellerin mit dem gemeinsamen Sohn
und den Gesuchsgegner auf. Unbestritten blieb der Beginn der Zahlungspflicht
rückwirkend ab dem 8. September 2012. Hiervon ist im Folgenden auszugehen.
2.2 Der Gesuchsgegner wehrt sich im Rahmen der Berufung gegen ein-
zelne Positionen der Bedarfsrechnung. So rügt er die bei der Gesuchstellerin im
Bedarf angerechneten Betreuungskosten von Fr. 500.–. Die Gesuchstellerin habe
selbst ausführlich dargelegt, dass ihr keine Betreuungskosten für den gemeinsa-
men Sohn entstehen würden, da ihre Eltern die Betreuung ohne Entgelt über-
nehmen würden (nachstehend Erw. 2.3.a).
Weiter moniert er die Tatsache, dass in seinem Bedarf die Schuldentilgungs-
raten im Betrag von monatlich Fr. 1'041.60 nicht berücksichtigt worden seien.
Entgegen den vorinstanzlichen Ausführungen habe er an der Verhandlung vom
10. September 2012 ausgeführt, dass es sich um eheliche Schulden handle und
das Geld unter anderem für die gemeinsame Wohnung verwendet worden sei.
Überdies gelte im Eheschutzverfahren der Untersuchungsgrundsatz, weshalb die
Vorinstanz den Sachverhalt von Amtes wegen hätte feststellen müssen (nachste-
hend Erw. 2.3.b).
2.3 a) Betreuungskosten
Mit Bezug auf die der Gesuchstellerin angerechneten Betreuungskosten gilt
es festzuhalten, dass sie im Rahmen der Verhandlung vom 10. September 2012
tatsächlich angegeben hatte, sie könne die Betreuung des gemeinsamen Sohnes
mit ihrer Familie regeln. Nach dem Aufenthalt der Mutter (welcher aufgrund der
fehlenden Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz maximal 90 Tage dauert) könne
der Vater in die Schweiz einreisen, um sie bei der Kinderbetreuung zu unterstüt-
zen. Da ihr die Mutter für die Kinderbetreuung nichts verrechne, entstünden ihr
keine Betreuungskosten. Demgegenüber würden ihr aber Umtriebskosten von
rund Fr. 500.– entstehen (VI-Prot. S. 6).
- 8 -
Dies erscheint nachvollziehbar, reisen doch die Eltern der Gesuchstellerin
aus E._ [Staat in Südosteuropa] an, um ihre Tochter bei der Kinderbetreuung
zu unterstützen. Alleine die Reisekosten sowie die Lebenshaltungskosten der El-
tern, welche das Budget der Gesuchstellerin zusätzlich belasten werden, lassen
einen Betrag von Fr. 500.– als angemessen erscheinen. Für den Fall, dass die
Betreuung des Kindes in der Zukunft nicht von den Eltern der Gesuchstellerin
übernommen werden könnte, wäre die Gesuchstellerin sodann aufgrund ihrer Er-
werbstätigkeit während sechs Stunden pro Tag auf eine externe Kinderbetreuung
angewiesen. Die Kosten für eine solche externe Kinderbetreuung sind mit
Fr. 500.– pro Monat sodann eher tief angesetzt. Überdies gilt es zu berücksichti-
gen, dass die Gesuchstellerin als Mutter eines knapp zweijährigen Kleinkindes
nicht verpflichtet wäre, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die Tatsache, dass
sie dies dennoch tut und damit rund Fr. 2'300.– pro Monat zum Familienbudget
beiträgt, sollte honoriert und der Verbleib im Erwerbslebens nicht zusätzlich er-
schwert werden, indem eine adäquate Lösung zur Kinderbetreuung verunmöglicht
wird.
Vor dem Hintergrund dieser Erwägungen sind die von der Vorinstanz be-
rücksichtigten Fr. 500.– im Bedarf der Gesuchstellerin zu belassen.
b) Schuldentilgungsrate
Zinsen und Ratenzahlungen für Abzahlungsgeschäfte und Konsumkredite
sind zum Bedarf des Unterhaltspflichtigen hinzuzurechnen, sofern sie vor Aufhe-
bung des gemeinsamen Haushaltes einverständlich eingegangen wurden und
auch tatsächlich und nachweisbar bezahlt werden. Die Berücksichtigung von Kre-
ditraten im Bedarf einer Partei kommt von Vornherein nur dann und soweit in Fra-
ge, als dadurch keine Unterdeckung der Existenzminima entsteht.
Der Gesuchsgegner macht im Rahmen der Berufung mit Verweis auf seine
Ausführungen an der Verhandlung vom 10. September 2012 (vgl. VI-Prot. S. 4 ff.)
geltend, er habe den Kredit zur Finanzierung von Wohnungsmobiliar während der
Ehe mit der Gesuchstellerin aufgenommen, weshalb es sich um eheliche Schul-
den handle, welche im Bedarf zu berücksichtigen seien. Diesbezüglich ist der Ge-
- 9 -
suchstellerin beizupflichten, dass der Gesuchsgegner zu Protokoll gegeben hat,
für die Wohnungseinrichtung lediglich Fr. 15'000.– aufgenommen zu haben, wäh-
rend sich der Gesamtbetrag des Darlehens auf Fr. 65'000.– belaufe (vgl. VI-Prot.
S. 8). Eine Berücksichtigung der vollen Rate von Fr. 1'041.– kommt angesichts
der Tatsache, dass der Gesuchsgegner damit selber angibt, nur rund einen Vier-
tel des Gesamtbetrages des Darlehens für Wohnungseinrichtung aufgewendet zu
haben, von Vornherein nicht in Frage. Sodann erhellt mit Blick auf die vorinstanz-
liche Bedarfsrechnung, welche einen äussert geringen Überschuss von Fr. 22.–
aufweist, dass eine Berücksichtigung der Schuldentilgungsraten zu einer Unter-
deckung im Bedarf der Parteien führen würde. Vor diesem Hintergrund können
die Schuldentilgungsraten nicht (auch nicht teilweise) im Bedarf des Gesuchstel-
lers berücksichtigt werden.
2.4 Zusammenfassend erweist sich die Berufung mit Bezug auf die Unter-
haltsverpflichtung des Gesuchstellers als unbegründet. Eine Abänderung des von
der Vorinstanz festgesetzten Unterhaltsbeitrages ist nicht angezeigt. Dies gilt
auch hinsichtlich der Aufteilung des Unterhaltsbeitrag auf die Gesuchstellerin und
den gemeinsamen Sohn.
3. Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
3.1 Der Gesuchsgegner rügt berufungsweise die erstinstanzliche Regelung
der Kosten- und Entschädigungsfolgen. Gemäss der langjährigen Praxis der ent-
scheidenden Kammer seien die Gerichtskosten in Bezug auf Kinderbelange bei-
den Parteien unabhängig vom Prozessausgang je zur Hälfte aufzuerlegen. Vor
diesem Hintergrund sei der Gesuchsgegner - wenn überhaupt - nur mit seinem
Antrag bezüglich dem nachehelichen Unterhalt unterlegen, wobei ein so geringes
Unterliegen nicht ins Gewicht falle. Die Gerichtskosten seien den Parteien daher
je zur Hälfte aufzuerlegen. Die Parteientschädigungen seien vor diesem Hinter-
grund wettzuschlagen. Überdies sei im vorinstanzlichen Verfahren eine rechtliche
Vertretung ohnehin nicht notwendig gewesen, da der Gesuchsgegner selber auch
keine Rechtsvertretung an seiner Seite hatte und das Gericht aufgrund des gel-
tenden Untersuchungs- und Offizialgrundsatzes den Sachverhalt von Amtes we-
gen abzuklären hatte. Es handle sich bei den Rechtsvertretungskosten daher um
- 10 -
unnötige Prozesskosten, welche nach Art. 108 ZPO von derjenigen Partei zu be-
zahlen seien, welche sie verursacht habe. Weiter sei die von der Vorinstanz fest-
gesetzte Parteientschädigung mit Fr. 3'800.– zu hoch angesetzt.
3.2 a) Wie mit Verfügung vom 20. November 2012 bereits ausgeführt,
werden die Gerichtskosten in Bezug auf Kinderbelange nach ständiger Praxis der
urteilenden Kammer beiden Parteien unabhängig vom Prozessausgang je zur
Hälfte auferlegt, wenn diese gute Gründe für ihre Rechtsposition hatten. Vorlie-
gend bestehen keine Anhaltspunkte, um von dieser gefestigten Praxis abzuwei-
chen. Insbesondere ändert die Tatsache, dass die Anträge des Gesuchsgegners
mit Bezug auf die Kinderbelange wenig erfolgsversprechend waren (so die Ge-
suchstellerin in Urk. 36 S. 6) nichts an den erläuterten Grundsätzen. Die im erst-
instanzlichen Verfahren zu beurteilenden Kinderbelange sind (gerade mit Blick auf
die zwei durchgeführten Augenscheine) mit rund 1/2 bei den Kosten zu berück-
sichtigten.
b) Vor Vorinstanz waren neben den Kinderbelangen (elterliche Obhut und
Besuchsrecht), die Unterhaltspflicht des Gesuchsgegners sowie die Herausgabe
von Ausweispapieren strittig. Diesbezüglich unterlag der Gesuchsgegner mit sei-
nen Anträgen vollumfänglich. Die durch die Parteien im Rahmen der Teilvereinba-
rung geregelte Zuteilung der ehelichen Wohnung fällt bei den Kosten nicht ins
Gewicht.
c) Gesamthaft betrachtet unterlag der Gesuchsgegner damit im Umfang
von 3/4, weshalb es sich rechtfertigt, die erstinstanzliche Regelung der Kosten-
und Entschädigungsfolgen dahingehend anzupassen, dass dem Gesuchsgegner
3/4 der Gerichtskosten aufzuerlegen sind, während die Gesuchstellerin 1/4 der
Kosten zu übernehmen hat. Entsprechend dieser Kostenverteilung ist der Ge-
suchsgegner sodann zu verpflichten, der Gesuchstellerin eine auf 1/2 reduzierte
Parteientschädigung zu bezahlen. Dass es sich bei den Rechtsvertretungskosten
um unnötige Prozesskosten im Sinne von Art. 108 ZPO handelt, welche die Ge-
suchstellerin selber zu tragen hätte, trifft nicht zu. Die Gesuchstellerin als juristi-
sche Laie, welcher der deutschen Sprache nicht mächtig ist, war zur Bestreitung
- 11 -
des Verfahrens auf eine rechtskundige Vertretung angewiesen. Die Geltung des
Untersuchungs- und Offizialgrundsatzes vermag daran nichts zu ändern.
d) Was die Höhe der erstinstanzlichen Parteientschädigung anbelangt, gilt
es festzuhalten, dass das Gericht die Parteientschädigung nach den Tarifen zu-
spricht (Art. 96 ZPO), wobei die Einreichung einer Kostennote fakultativ ist
(Art. 105 Abs. 2 ZPO). Zum Urteilszeitpunkt am 24. September 2012 lag keine
Honorarnote von Rechtsanwältin lic. iur. Y1._ vor, weshalb die Vorinstanz die
Parteientschädigung unter Berücksichtigung der Verordnung über die Anwaltsge-
bühren vom 8. September 2010 (AnwGebV) festsetzte. Die in Anwendung von § 1
Abs. 2 i.V.m. § 5 Abs. 1 und 6 Abs. 3 AnwGebV festgesetzte volle Parteientschä-
digung von Fr. 3'800.– zzgl. 8% MwSt. erscheint mit Blick auf den Umfang des
Verfahrens mit zwei Verhandlungen und die Schwierigkeit des Falles angemes-
sen. Es besteht kein Anlass, das vorinstanzliche Urteil mit Bezug auf die Höhe der
Parteientschädigung zu korrigieren.
III.
1. Abschliessend ist über die Kosten- und Entschädigungsfolgen im Beru-
fungsverfahren zu befinden.
2. Der Gesuchsgegner unterliegt mit seiner Berufung im Hinblick auf die
Unterhaltsfrage, obsiegt hingegen teilweise mit Bezug auf die Regelung der erst-
instanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen. Vor diesem Hintergrund recht-
fertigt es sich, dem Gesuchsgegner 3/4 der zweitinstanzlichen Verfahrenskosten
aufzuerlegen. Die Gerichtsgebühr ist in Anwendung von § 2 lit. a, c und d sowie
§ 12 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 und § 5 Abs. 1 und § 6 Abs. 2 lit. b der Ge-
bührenverordnung des Obergerichts (GebV OG) auf Fr. 3'000.– festzusetzen. Die
volle Parteientschädigung ist in Anwendung von § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 3, § 11 und
§ 13 der AnwGebV auf Fr. 1'500.– festzusetzen und der Gesuchsgegner in Anbe-
tracht des Verfahrensausgangs zu verpflichten, der Gesuchstellerin eine auf die
Hälfte reduzierte Parteientschädigung von Fr. 750.– zu bezahlen.
- 12 -
3. Die Parteien beantragen beide für das Berufungsverfahren die Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege. Da dem Gesuchsgegner nach Bezahlung
der Unterhaltsbeiträge praktisch keinerlei finanzielle Mittel verbleiben und der Be-
darf der Gesuchstellerin mit dem gemeinsamen Sohn mit den zu zahlenden Un-
terhaltsbeiträgen gerade so gedeckt wird, das Verfahren für beide Seiten nicht
aussichtslos erscheint und beide Parteien zur Bewältigung des Prozesses auf die
Unterstützung eines Rechtsvertreters angewiesen sind, ist die unentgeltliche
Rechtspflege im Sinne von Art. 117 ZPO zu gewähren. Die den Parteien auferleg-
ten Gerichtskosten sind demnach unter Hinweis auf das Nachforderungsrecht des
Staats gemäss Art. 123 ZPO einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege entbindet nicht von der Bezahlung
der Parteientschädigung. Sollte sich herausstellen, dass der Entschädigungsan-
spruch uneinbringlich ist, ist die der Gesuchstellerin zuzusprechende Parteient-
schädigung von Fr. 750.– aus der Gerichtskasse zu bezahlen (Art. 122 Abs. 2
ZPO).