Decision ID: 60184129-d10b-5b97-bbc7-d73675b4fca5
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 28. Januar 2021 in der Schweiz um Asyl
nach.
B.
Am 10. Februar 2021 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm zuge-
wiesene Rechtsvertretung.
C.
Anlässlich der Personalienaufnahme vom 9. Februar 2021 und der Anhö-
rung nach Art. 29 AsylG (SR 142.31) vom 6. April 2021 machte der Be-
schwerdeführer im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei afghanischer Staatsangehöriger tadschikischer Ethnie und stamme
aus B._, wo er bis zu seiner Ausreise im Juli 2019 gelebt habe. Er
sei am (...) Juli 2019 mit seinen Eltern und einer Schwester zusammen
ausgereist. Die anderen Familienmitglieder seien jedoch an der iranisch-
türkischen Grenze erwischt und nach Afghanistan deportiert worden.
In Afghanistan habe er ein schönes Leben gehabt, bis er eines Tages, als
er beim Supermarkt eingekauft habe, von fremden Personen bedroht wor-
den sei. Ein Auto habe neben ihm angehalten und ein Mann habe eine
Waffe in der Hand gehabt und ihn aufgefordert, einzusteigen. Als er habe
fliehen wollen, seien zwei Männer ausgestiegen und hätten ihn gewaltsam
ins Auto zerren wollen. Er habe sich an einem Baum festgehalten und um
Hilfe geschrien. Die Unbekannten hätten ihn mit dem Gewehrkolben ge-
schlagen, so dass er sich an der Schulter verletzt habe. Als Leute zu Hilfe
gekommen seien, seien die fremden Männer weggefahren. Der Quartier-
vorsteher, der gerade vor Ort gewesen sei, habe seinen Vater und die Po-
lizei angerufen. Bei der Polizeibefragung habe sein Vater ausgesagt, dass
er seit zwei oder drei Wochen von Unbekannten verfolgt würde. Während
seines anschliessenden Spitalaufenthalts habe sein Vater entschieden, mit
der gesamten Familie auszureisen. Er wisse weder wer noch weshalb man
ihn habe entführen wollen. Weder er noch sein Vater hätten Probleme mit
jemandem gehabt. Er vermute, dass man Geld von seiner Familie habe
erpressen wollen. Nach seiner Ausreise habe es einen Anschlag von Un-
bekannten auf seinen Bruder gegeben.
Er reichte seine Tazkara, ein Bild von einer Nachricht über einen Angriff auf
seinen Bruder, die Anzeige bei der Polizei und diverse Polizeidokumente,
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ein Schreiben der Gerichtsmedizin, ein Schreiben des Quartiervorstehers
und ein (allgemeines) Schreiben der Taliban (alles in Kopie) zu den Akten.
D.
Am 13. April 2021 wurde der Beschwerdeführer dem erweiterten Verfahren
zugeteilt.
E.
Ebenfalls am 13. April 2021 erklärte die zugewiesene Rechtsvertreterin das
Rechtsvertretungsmandat für beendet.
F.
Mit Eingabe vom 10. Mai 2021 informierte die neue Rechtsvertretung über
die Annahme des Mandats und führte aus, die Familie des Beschwerde-
führers habe Afghanistan mittlerweile verlassen und befinde sich nun im
Iran. Sie reichte einen Mietvertrag, ein Ticket, Verkaufsurkunden, Arbeits-
bestätigungen (alles in Kopie) sowie zwei Arztberichte zu den Akten. Am
19. Mai 2021 reichte sie weitere Beweismittel betreffend die Familie im Iran
ein.
G.
Mit Verfügung vom 10. Juni 2021 stellte das SEM fest, dass der Beschwer-
deführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, lehnte sein Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung an, schob den Wegweisungsvollzug indes
infolge Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Gleich-
zeitig wurden ihm die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis
ausgehändigt.
H.
Mit Eingabe vom 9. Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer gegen diese
Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und bean-
tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung
von Asyl; eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses und um Beiordnung eines Rechtsbeistands gemäss
Art. 110a AsylG (recte: Art. 102m AsylG) ersucht.
I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 9. Juli
2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG).
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Seite 4
J.
Am 14. Juli 2021 wurde der Eingang der Beschwerde vom Gericht bestä-
tigt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fra-
gen der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der verfügten Wegweisung.
Der Wegweisungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz
den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
vorläufig aufgenommen hat. Damit sind die beiden anderen Bedingungen
für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Unzulässigkeit und
Unmöglichkeit) wegen ihrer alternativen Natur – ist eine Bedingung erfüllt,
ist der Vollzug der Wegweisung undurchführbar – ebenfalls nicht mehr zu
prüfen (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
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2.2 Gegen eine allfällige spätere Aufhebung der vorläufigen Aufnahme
würde dem betroffenen Asylsuchenden wiederum die Beschwerde an das
Bundesverwaltungsgericht offenstehen (vgl. Art. 105 AsylG), wobei in je-
nem Verfahren alle Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach Massgabe
der in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse von neuem zu prüfen
wären (vgl. EMARK 1997 Nr. 27 S. 205 ff.).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
4.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-
lich Asyl. Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asyl-
suchende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nach-
teile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise be-
fürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmo-
tive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure
zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl.
BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne
von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme
besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder
werde sich – aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in
absehbarer Zukunft verwirklichen (BVGE 2010/57 E. 2.5). Aufgrund der
Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung
der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person
in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE
2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2., 2008/4 E. 5.2). Gemäss der Schutz-
theorie ist somit die flüchtlingsrechtliche Relevanz einer nichtstaatlichen
Verfolgung vom Vorhandensein eines adäquaten Schutzes durch den Hei-
matstaat abhängig. Dieser Schutz ist als hinreichend zu qualifizieren, wenn
die betroffene Person effektiven Zugang zu einer funktionierenden und ef-
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Seite 6
fizienten Schutzinfrastruktur hat und ihr die Inanspruchnahme eines sol-
chen innerstaatlichen Schutzsystems individuell zumutbar ist (vgl. BVGE
2011/51 E. 7.3).
6.
6.1 Die Vorinstanz begründet ihre Verfügung dahingehend, dass die Vor-
bringen des Beschwerdeführers die Anforderungen an die Asylrelevanz ge-
mäss Art. 3 AsylG nicht zu erfüllen vermöchten. Er mache geltend, Afgha-
nistan wegen eines Entführungsversuchs beziehungsweise eines Angriffs
durch unbekannte Personen auf ihn verlassen zu haben. Er könne aber
nicht sagen, wer ihn aus welchem Grund habe entführen oder angreifen
wollen. Somit sei es unmöglich zu prüfen, ob ein flüchtlingsrechtlich rele-
vantes Motiv hinter dem mutmasslichen Angriff oder Entführungsversuch
liegen könnte. Aus seinen eigenen Vermutungen sei anzunehmen, dass es
sich bei diesem Vorfall um ein gemeinrechtliches kriminelles Motiv handle,
wie Geld zu erpressen, da seine Familie finanziell besser situiert gewesen
sei. Eine derartige Verfolgung sei demnach eher auf die schlechtere Si-
cherheitslage insgesamt zurückzuführen und stelle keine individuell auf ihn
persönlich abgezielte Verfolgung aus einem der in Art. 3 AsylG genannten
Gründe dar.
6.2 Auf Beschwerdeebene entgegnete der Beschwerdeführer, dass ein ge-
zielter Entführungsversuch gegen ihn stattgefunden habe. Da sein Vater
seit Längerem verfolgt und auch sein Bruder angegriffen worden sei, werde
im Gesamtkontext klar, dass eine persönliche Verfolgung gegen seine Fa-
milie vorliege, die asylrelevant sei. Die Tatsache, dass die Polizei solche
Vorfälle nicht untersuchen wolle oder könne, stütze seine Argumentation.
Sie würden mindestens aufgrund ihrer sozialen Stellung verfolgt, welches
ein asylrelevantes Anknüpfungsmerkmal darstelle. Gemäss einer Länder-
analyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe betreffend die Sicherheitssi-
tuation in B._ vom 25. August 2015 seien diese Entführungen spe-
ziell gegen besondere Personengruppen gerichtet, wodurch seine Familie
stärker als die Allgemeinheit davon betroffen sei.
Der Beschwerdeführer habe stets ausführlich geantwortet. Seine Erzäh-
lungen würden viele Realkennzeichen enthalten und seien frei von Wider-
sprüchen. Seine Schilderungen seien daher als glaubhaft einzustufen, zu-
mal er den Sachverhalt mittels Beweismitteln habe belegen können.
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Seite 7
7.
7.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Verfügung des SEM zu bestätigen ist. Der Beschwerde-
führer vermag mit seinen Ausführungen in der Beschwerdeschrift den Er-
wägungen des SEM nichts entgegenzusetzen, das geeignet wäre, zu einer
anderen Einschätzung zu führen. Eine asylrelevante Verfolgung des Be-
schwerdeführers kann nicht angenommen werden.
7.2 Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, weil seine Familie
reich sei, gehöre er einer sozialen Gruppe an. Diesbezüglich wird Folgen-
des als Wesentlich erachtet:
7.2.1 Von Drittpersonen verübte Entführungen, denen finanzielle Motive
zugrunde liegen würden, sind asylrechtlich nicht relevant. Wenn aus-
schliesslich ein finanzielles Verfolgungsinteresse auszumachen ist, ist die-
sem Aspekt bei der Prüfung der Wegweisungsvollzugshindernisse Rech-
nung zu tragen (vgl. BVGE 2011/24 E. 8.5). Diese sind vorliegend aber
nicht mehr Prüfungsgegenstand, da der Beschwerdeführer vorläufig auf-
genommen wurde.
7.2.2 Der vom Beschwerdeführer geschilderte Entführungsversuch ist auf
Unbekannte – und somit flüchtlingsrechtlich gesehen auf Drittpersonen –
zurückzuführen. Anlässlich seiner Anhörung gab er zu Protokoll, dass er
vermute, seine Familie habe Probleme bekommen, da sie wohlhabend sei
(vgl. SEM-Akte [act.] 1086883-28 [A28] F60 und F68). Es sind seinen Aus-
sagen keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass die Unbekannten ein
anderes Motiv als finanzielle Interessen an ihm gehabt hätten. Vermö-
gende Personen gelten in B._ als potentielles Ziel krimineller Über-
griffe (vgl. Afghanistan: Gefährdungsprofile, Update der SFH-Länderana-
lyse vom 30. September 2020, S. 12 und S. 22). Den Erpressungen und
Drohungen von Drittpersonen – wie auch der Taliban und anderer Gruppie-
rungen – liegen in vielen Fällen gemeinrechtliche Motive zugrunde, ohne
dass alle wohlhabenden Personen als solche als soziale Gruppe im Visier
stehen. Die "soziale" Wahrnehmung ist bei der Bestimmung, ob jemand als
einer bestimmten sozialen Gruppe zugehörig zu betrachten ist, von ent-
scheidender Bedeutung. Das Verfolgungsmotiv der "Zugehörigkeit zu einer
bestimmten sozialen Gruppe" bezieht sich nach Lehre und Praxis auf Per-
sonen, die ein Kollektiv bilden, das sich durch ein gemeinsames soziales
Merkmal auszeichnet, welches Anknüpfungspunkt und Anlass für sachlich
nicht gerechtfertigte Verfolgungsmassnahmen bildet; Verfolgung im Sinn
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des Asylgesetzes und der Flüchtlingskonvention erfolgt immer wegen des
Seins, nicht wegen des Tuns (vgl. BVGE 2014/28 E. 8.4 ff.).
Vorliegend ist – wie oben erwähnt – kein solches zusätzliches Merkmal
vorgebracht worden, weshalb die Zugehörigkeit zur Gruppe der Wohlha-
benden in B._ nicht als Motiv im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG gel-
ten kann, mithin die Entführung nicht als Verfolgung aus flüchtlingsrechtlich
relevanten Gründen zu werten ist.
7.2.3 Ferner war dem Beschwerdeführer die Inanspruchnahme staatlichen
Schutzes im Heimatstaat möglich. Es mag zwar sein, dass die afghani-
schen Behörden sich nicht in jedem einzelnen Fall als schutzwillig und
schutzfähig erweisen, was jedoch unter dem flüchtlingsrechtlichen Begriff
der Schutzwilligkeit und -fähigkeit auch nicht verlangt wird. Von einer ge-
nerellen Schutzunfähigkeit und -willigkeit der afghanischen Behörden in
B._ geht das Gericht nicht aus. Den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers ist zu entnehmen, dass die Polizei den Fall zwar untersucht hat, die
Untersuchung indes ergebnislos verlief (vgl. act. A28 F66 und F83). Dies-
bezüglich reichte der Beschwerdeführer mehrere Polizeidokumente zu den
Akten. Seinen Ausführungen ist sodann zu entnehmen, dass die Polizei
sowohl ihn als auch seinen Vater befragt hat (vgl. act. A28 F55). Die afgha-
nischen Behörden haben sich demnach nicht geweigert, der Sache nach-
zugehen. Dass keine Ermittlungserfolge erzielt worden sind, kann den Be-
hörden nicht vorgeworfen und nicht mit einer Schutzunfähigkeit und -unwil-
ligkeit gleichgesetzt werden. Diesbezüglich ist auf die Subsidiarität des
flüchtlingsrechtlichen Schutzes zu verweisen. An dieser Einschätzung än-
dert auch das eingereichte allgemeine Schreiben der Taliban mit einer War-
nung, dass sie sämtliche Polizeiposten und staatliche Organe angreifen
würden und man sich von diesen Orten fernhalten müsse (vgl. act. A28
S. 13 und Beweismittel 9).
7.3 Der geschilderten Gefährdungssituation hat das SEM mit der Anord-
nung der vorläufigen Aufnahme Rechnung getragen.
7.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flücht-
lingseigenschaft nicht erfüllt und die Vorinstanz sein Asylgesuch zu Recht
abgelehnt hat.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
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Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
10.
10.1 Nach diesen Ausführungen erweisen sich die Rechtsbegehren des
Beschwerdeführers als aussichtslos. Die Gesuche um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung sind
daher – ungeachtet der Frage der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers –
abzuweisen.
10.2 Die Kosten des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
10.3 Der Antrag auf Befreiung von der Kostenvorschusspflicht wird mit dem
Entscheid in der Sache gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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