Decision ID: 1fd481e3-3ad0-4096-b821-2dce6b0a7c2d
Year: 2005
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. B, geboren 1986, lebte mit den Geschwistern D, geboren 1988, und E, geboren 1992, im Haushalt ihres geschiedenen Vaters in Y, wo sie verschiedentlich geschlagen wurde. Der Bruder F, geboren 1981, lebt in einer eigenen Wohnung. Am 23. Januar 2003 wurde B von ihrem Vater erneut mit einem Ledergurt geschlagen, weshalb sie tags darauf unter Beizug der Polizei an einem geheimen Ort untergebracht wurde. Am 26. Januar 2003 verfügte der Präsident der Vormundschaftsbehörde X die Anordnung einer Erziehungsbeistandschaft über B im Sinne von Art. 308 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) und ernannte ihr am 29. Januar 2003 eine Beiständin. Im Rahmen einer Krisenintervention wurde sie an einem damals geheim gehaltenen Ort fremdplatziert. Entgegen dem Rat der Beiständin kehrte sie bereits am 6. Februar 2003 wieder nach Hause zurück, wo sich die Verhältnisse beruhigten. Ihr Vater verheiratete sich in der Zwischenzeit wieder.
Am 12. Juli 2004 wurde B im Beisein ihres Vaters und der Stiefmutter von der Sozialbehörde X (Präsident und Sekretärin) angehört. B erklärte dabei, dass sie nicht mehr nach Hause gehe und bei ihrem Bruder F in Untermiete wohnen werde. Am 30. November 2004 stellte sie Antrag zum Bezug von wirtschaftlicher Hilfe, am 27. Dezember 2004 einen zahlenmässig bezifferten Anspruch. Nach ihrer und ihres Vaters erneuten Anhörung fasste die Sozialbehörde X am 26. Januar 2005 folgenden Beschluss:
"Unter dem Vorbehalt, dass die mit der Abklärung des Stipendiengesuchs betraute kantonale Dienststelle B den Zuschlag für auswärtiges Wohnen gewährt und ihr ein entsprechend berechneter Ausbildungsbeitrag effektiv auch ausgerichtet werden wird, wird der Sozialhilfebedarf in der Höhe von Fr. 1'569.- abzüglich Erwerbseinkommen, Unterhaltsbeitrag des Vaters sowie andere Einkünfte ab dem 1. Dezember 2004 im Sinne der Erwägungen übernommen."
II.
Den dagegen von B erhobenen Rekurs hiess der Bezirksrat Z mit Beschluss vom 6. April 2005 gut und wies die Sache an die Sozialbehörde X zu neuer Beschlussfassung im Sinne der Erwägungen zurück.
III.
Dagegen liess die Gemeinde X beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich am 6. Mai 2005 Beschwerde erheben und beantragen, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und derjenige der Sozialbehörde X vom 26. Januar 2005 zu bestätigen. Mit Beschluss vom 31. Mai 2005 wurde der Beschwerdegegnerin die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt und ihr am 13. Juni 2005 in der Person ihres Vertreters ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt (Prot. S. 3 ff.). Die Beschwerdegegnerin liess in der Beschwerdeantwort vom 13. Juli 2005 Abweisung der Beschwerde beantragen und geltend machen, es sei ihr ein Anspruch auf wirtschaftliche Hilfe ab Juli 2004 in einer durch die Beschwerdeführerin noch zu bestimmenden Höhe zuzusprechen. Auf Wunsch der Beschwerdeführerin ordnete das Gericht einen zweiten Schriftenwechsel an. Die Beschwerdereplik datiert vom 26. August 2005, die Beschwerdeduplik vom 11. Oktober 2005.

Die Kammer zieht in Erwägung:
Die Kammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde nach § 19c Abs. 2 und § 41 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) funktionell und sachlich zuständig. Da auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen gegeben sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. Angesichts des Streitwerts ist die Kammer zum Entscheid berufen (§ 38 Abs. 2 VRG; Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 38 N. 5).
1.2 Die Vorinstanz begründete ihren Rückweisungsentscheid damit, dass dem Beschluss der Sozialbehörde X vom 26. Januar 2005 nicht zu entnehmen sei, aus welchen einzelnen Beträgen sich der Unterstützungsbeitrag von Fr. 1'569.- zusammensetze. Damit genüge der angefochtene Beschluss weder der Pflicht der Beschwerdeführerin zur Erstellung einer Bedarfsberechnung im Sinne von § 30 der Verordnung zum Sozialhilfegesetz vom 21. Oktober 1981 (SHV) noch der Begründungspflicht nach § 10 VRG. Bei der neuen Beschlussfassung habe die Erstinstanz zudem zu bestimmen, ab welchem Zeitpunkt die Beschwerdegegnerin Anspruch auf wirtschaftliche Hilfe habe; diese dürfe sodann weder mit Bedingungen und Vorbehalten versehen noch befristet sein. Schliesslich sei die Weigerung der Beschwerdeführerin, die Höhe des vom Vater der Beschwerdegegnerin bezahlten Unterhaltsbeitrages bekannt zu geben, nicht nachvollziehbar. Es fragt sich somit, was zum Streitgegenstand gehört.
Die Vorinstanz hob im angefochtenen Entscheid den Beschluss der Sozialbehörde X vom 26. Januar 2005 auf und wies die Sache an jene zur Erstellung eines neuen Beschlusses "im Sinne der Erwägungen" zurück. Die Parteien scheinen davon auszugehen, dass die verschiedenen Anordnungen der Rekursinstanz (zum Beispiel Festlegen des Zeitpunkts der Anspruchsberechtigung; unzulässige Befristung, unzulässige Bedingungen und Vorbehalte), welche die Erstinstanz bei der neuerlichen Beschlussfassung zu beachten hätte, ihrerseits selbständig zu beurteilen seien.
Das Dispositiv hat den eigentlichen Entscheid zu enthalten; grundsätzlich erwächst nur das im Dispositiv Enthaltene in Rechtskraft. Es können jedoch auch die Erwägungen an der Rechtskraft teilhaben, indem das Dispositiv mit dem Beisatz "im Sinn der Erwägungen" auf diese verweist (Kölz/Bosshart/Röhl, § 28 N. 5). Demnach sind die von der Vorinstanz erwähnten Anordnungen unabhängig vom Entscheid über die Rückweisung zu beurteilen, umso mehr, als sie ihrerseits mindestens teilweise Grund für eine Aufhebung des angefochtenen Entscheides bilden könnten.
Das Dispositiv hat den eigentlichen Entscheid zu enthalten; grundsätzlich erwächst nur das im Dispositiv Enthaltene in Rechtskraft. Es können jedoch auch die Erwägungen an der Rechtskraft teilhaben, indem das Dispositiv mit dem Beisatz "im Sinn der Erwägungen" auf diese verweist (Kölz/Bosshart/Röhl, § 28 N. 5). Demnach sind die von der Vorinstanz erwähnten Anordnungen unabhängig vom Entscheid über die Rückweisung zu beurteilen, umso mehr, als sie ihrerseits mindestens teilweise Grund für eine Aufhebung des angefochtenen Entscheides bilden könnten.
2. 2.1 Nach § 14 des Sozialhilfegesetzes vom 14. Juni 1981 (SHG) hat Anspruch auf wirtschaftliche Hilfe, wer für seinen Lebensunterhalt und den seiner Familienangehörigen mit gleichem Wohnsitz nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln aufkommen kann (so auch § 16 SHV). Wirtschaftliche Hilfe, die jemand für sich selbst während seiner Unmündigkeit oder bis zum Abschluss einer in dieser Zeit begonnenen Ausbildung rechtmässig erwirkt und bezogen hat, ist nicht zurückzuerstatten (§ 27 Abs. 3 SHG).
2.2 Die wirtschaftliche Hilfe trägt den persönlichen und örtlichen Verhältnissen Rechnung und gewährleistet das soziale Existenzminimum des Hilfesuchenden. Sie bemisst sich nach den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien; § 17 Abs. 1 SHV). Wirtschaftliche Hilfe wird in der Regel auf Gesuch hin gewährt. Erfährt die Fürsorgebehörde anderweitig von hilfebedürftigen Personen, klärt sie von sich aus ab, ob wirtschaftliche Hilfe notwendig ist (§ 25 SHV). Die Abklärung der Verhältnisse erfolgt in erster Linie durch Befragung des Hilfesuchenden und Prüfung seiner Unterlagen (§ 27 Abs. 1 SHV). Die Behörde plant unter Mitwirkung des Hilfesuchenden die notwendige Hilfe. Der Hilfeplan umfasst die Massnahmen zur Verbesserung der gegenwärtigen Notlage auf Dauer, die Bedarfsberechnung zur Ermittlung des sozialen Existenzminimums sowie Angaben über Art, Umfang und Dauer der vorgesehenen Hilfe. Er muss vor dem Entscheid der Fürsorgebehörde aufgestellt werden (Abteilung Öffentliche Sozialhilfe des Sozialamts des Kantons Zürich, Sozialhilfe-Behördenhandbuch, Zürich, Ziffer 2.5.2/§ 30 SHV, Stand Januar 2001). Sind die Verhältnisse hinreichend geklärt, trifft die Fürsorgebehörde ihren Entscheid (§ 30, 31 Abs. 1 SHV). Sie prüft zudem periodisch, mindestens einmal jährlich, alle hängigen Hilfsfälle (§ 33 SHV).