Decision ID: cce4117a-ea5d-4064-b56d-ec9fc71fe7ac
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. E. Ronald Pedergnana, Rorschacher Strasse 21,
Postfach 27, 9004 St. Gallen,
gegen
CSS Versicherung AG, Recht & Compliance, Tribschenstrasse 21,
Postfach 2568, 6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Invalidenrente / Integritätsentschädigung
Sachverhalt:
A.
A.a A._, Jahrgang 1971, war im Hausdienst des B._ als Reinigungskraft
(Springerin) mit einem Teilpensum von 25% bzw. 10.5 Stunden pro Woche im
Zwischenverdienst angestellt und dadurch bei der CSS Versicherung AG (nachfolgend
CSS, Unfallversicherung oder Beschwerdegegnerin) obligatorisch gegen Unfälle
versichert (UV-act. 1, 9/1, 26a, 42), wobei die Schadenregulierung für die CSS durch
die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) erfolgte. Zusätzlich war die
Versicherte bei der C._ AG auch als nebenamtliche Hauswartin mit einem Pensum
von 5.54 Stunden pro Woche tätig und reinigte die Treppenhäuser, Waschküchen und
Kellerräume von zwei Mehrfamilienhäusern (vgl. UV-act. 9/12, 22 f., 42; ihre Familie
wohnte in einem der beiden Häuser und ihr Ehemann war für die Aussenarbeiten
zuständig). Am Abend des 30. Dezember 2009 wurde die Versicherte auf dem Weg zur
Arbeit beim Kantonsspital auf einem Fussgängerstreifen von einem Personenwagen
angefahren (UV-act. 10). Am Kantonsspital, wo sie nach dem Unfall eingeliefert und bis
8. Januar 2010 stationär behandelt wurde, wurden eine Deckenplatten-
Impressionsfraktur des zwölften Brustwirbelkörpers (BWK12 oder Th12) und eine
Fraktur des ersten Lendenwirbelkörpers (LWK1 oder L1) sowie Hämatome am rechten
Oberschenkel und Knie medial und ein regredierendes Arzneimittelexanthem
festgestellt (vgl. Austrittsbericht vom 11. Januar 2010, UV-act. 9/7). Anlässlich der
Echokardiographie vom 31. Dezember 2009, durchgeführt wegen eines neu
aufgetretenen Linksschenkelblocks, wurde ein diskreter Perikard-Erguss erhoben,
weshalb eine Contusio Cordis (Herzprellung) vermutet wurde. Die Versicherte wurde
auch im Anschluss an den Spitalaufenthalt zu 100% arbeitsunfähig geschrieben (UV-
act. 19, 33, 39.1, 40). Die CSS erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilungskosten
und Taggelder).
A.b Dr. med. D._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparats, St. Gallen, den die Versicherte zur Behandlung der Wirbelsäule
und der dort geklagten Schmerzen aufsuchte, äusserte bereits anlässlich der ersten
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Konsultation vom 8. Februar 2010 aufgrund der Röntgenbilder und
Magnetresonanztomogramme (MRI) die Ansicht, an BWK12/LWK1 liege eine alte
Keildeformität, möglicherweise im Sinn einer abortiven Scheuermann'schen
Entwicklungsstörung, vor und es bestünde kein Knochenmarksödem, das während
zwei Jahren eine stattgefundene Fraktur nachweisen würde. Daher nannte er als
Diagnose: "Prellungen thorakolumbal Becken, Hüften (UV)" und riet der Patientin, ihre
Aktivitäten wieder zu steigern und mit Physiotherapie zum Kraftaufbau zu beginnen
(Bericht vom 10. Februar 2010, UV-act. 16; Bestätigung des Fehlens von Frakturen im
Bericht vom 17. Februar 2010, UV-act. 19 bzw. 33/3). Dr. med. E._, Facharzt FMH für
Kardiologie und Innere Medizin berichtete am 12. Februar 2010 dem Hausarzt der
Versicherten, Dr. med. F._, Facharzt FMH für Innere Medizin, St. Gallen, er glaube
insgesamt nicht, dass nach dem Verkehrsunfall eine Contusio Cordis vorgelegen habe
(UV-act. 33/2). Aktuell bestehe keine Notwendigkeit weiterer kardiologischer
Abklärungen oder gar Therapieeinleitungen; nach der Genesung der Patientin von den
Unfallfolgen empfehle er bei intermittierendem Linksschenkelblock eine umfassende
kardiologische Abklärung. Von PD Dr. med. G._, Facharzt FMH für Orthopädische
Chirurgie veranlasste Abklärungen am rechten Knie und Unterschenkel (UV-act. 35, 38)
ergaben keine tiefe Beinvenenthrombose und ein wahrscheinlich posttraumatisches
residuelles Bone bruise im medialen Tibiaplateau sowie einen Verdacht auf eine
fissurale Komponente. Im Lauf der Behandlung wurde auch eine Physiotherapie
initiiert, die das Angstproblem der Versicherten anging (Bericht Dr. D._ vom 23. März
2010, UV-act. 33/4). Dr. D._ berichtete am 27. April 2010, der Kniespezialist
betrachte die Patientin von Seiten des Knies als arbeitsfähig und sie habe wegen der
Angstzustände psychologische Betreuung angenommen (UV-act. 40). Er schrieb sie
weiterhin gänzlich arbeitsunfähig.
A.c Ab 14. Juni 2010 wurde ein Arbeitsversuch gestartet, bei welchem die Versicherte
im Hausdienst des B._ bei zeitlich reduziertem Pensum für leichte
Reinigungsarbeiten eingesetzt wurde (UV-act. 48, Besprechungsprotolle vom 10. bzw.
25. Juni 2010; UV-act. 55). Da das Vorneigen des Oberkörpers, Belastung und Stress-
Situationen vermehrt Beschwerden auslösten, wurde der Arbeitsversuch am 14. Juli
2010 als nicht wirklich geglückt beurteilt (UV-act. 50). Dr. D._ hielt am 19. Juli 2010
anfänglich leichte Arbeiten (ohne Heben und Tragen grösserer Lasten oder Tätigkeiten
in vorgeneigter und gebückter Haltung) im Rahmen des 25%-Pensums als zumutbar
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und die Patientin in diesem Rahmen vollzeitlich arbeitsfähig, mit weiterer Steigerung
durch das Arbeitstraining (UV-act. 53). Gestützt auf diese ärztliche Beurteilung hielt die
Unfallversicherung mit Schreiben vom 20. August 2010 an die Versicherte und ihren
Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Dr. iur. E. Ronald Pedergnana, St. Gallen, fest, sie sei in
ihrem angestammten Pensum wieder voll arbeitsfähig. Um den Einstieg zu erleichtern,
werde das Taggeld für die Tätigkeit als Reinigungs-Angestellte bis Ende August 2010
noch in vollem Umfang erbracht, eine weitere Arbeitsunfähigkeit gehe danach nicht
mehr zu Lasten des Unfallereignisses (UV-act. 58; eine diesbezügliche formelle
Verfügung wurde zunächst nicht erlassen [vgl. UV-act. 95, 99]). Der zweiten
Arbeitgeberin teilte die Suva am 26. November 2010 (UV-act. 94; mit Kopie an die
Versicherte und ihren Rechtsvertreter) mit, gemäss ihrem ärztlichen Dienst sei die
Versicherte seit 1. September 2010 wieder zu 100% arbeitsfähig. Das Taggeld für die
seit dem Unfallereignis vom 30. Dezember 2009 bestehende 100%ige
Arbeitsunfähigkeit als Hauswartin werde daher bis 31. August 2010 ausgerichtet.
A.d Die Psychotherapeutin H._, St. Gallen, hatte im Bericht vom 18. August 2010
festgehalten, die Versicherte sei ab Mai 2010 von ihr behandelt worden (UV-act. 59).
Anfangs sei sie derart traumatisiert gewesen, dass sie sich kaum getraut habe, eine
Strasse zu überqueren. Auch als Beifahrerin im Auto habe sie heftige Angst erlebt. Die
Angstanfälle hätten sich gebessert und die Patientin habe Mitte Juni 2010 zu einer
albanisch sprechenden Psychologin gewechselt. Dr. med. I._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, St. Gallen, diagnostizierte in ihrem Bericht vom
7. Oktober 2010 eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion ICD-10
F43.21 (UV-act. 78). Sie hielt fest, die Patientin klage weiterhin über Rückenschmerzen,
vor allem bei Belastung. Objektiv bestehe eine niedergedrückte Stimmungslage und sie
zeige wenig Antrieb, sei freudlos. Es werde eine Verbesserung und Stabilisierung der
affektiven Situation angestrebt, was als Voraussetzung für eine schrittweise
Eingliederung ins Arbeitsleben sowie das Ausführen der alltagspraktischen Tätigkeiten
wichtig sei. Sie empfehle das Weiterführen der psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung sowie das Optimieren der Behandlung mit Antidepressiva, nachdem die
Einnahme von Cipralex wegen Nebenwirkungen habe abgebrochen werden müssen.
A.e Kreisarzt Dr. med. J._, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Allgemein- und
Unfallchirurgie, nahm aufgrund der Akten und der Bilddokumentation am 18. Oktober
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2010 zu den somatischen Beschwerden der Versicherten Stellung (UV-act. 80) und
verwies dabei auf die Berichte von Dr. D._ über die Konsultationen vom 17. August
und 27. September 2010 (UV-act. 53, 74). Der Kreisarzt betrachtete die Patientin für die
Tätigkeit als Näherin (sie hatte diese im Rahmen eines weiteren Arbeitsversuchs im
August 2010 ausüben können [vgl. UV-act. 57, 67]) voll arbeitsfähig und hielt fest, dass
sie seit 16. August 2010 im Rahmen des vor dem Unfall Geleisteten voll arbeitsfähig
gesehen werde. Für die nächsten ein bis zwei Monate seien leichtere Tätigkeiten
sinnvoll. Es sei klar, dass Arbeiten im Reinigungsdienst für Rückenschmerz-Patienten
belastender seien, dies dürfe aber im Teilzeitpensum der Versicherten als zumutbar
gesehen werden. Weiter hielt Dr. J._ fest, aufgrund der Klinik und der unveränderten
radiologischen Darstellung im Vergleich zu den Voraufnahmen dürfe man von geheilten
Unfallfolgen ausgehen und der Vorzustand als erreicht betrachtet werden. Am
22. Oktober 2010 wurde die Versicherte auf eigenen Wunsch und auf Zuweisung durch
ihren Hausarzt von Dr. med. K._, Facharzt FMH für Chirurgie konsiliarisch untersucht.
Er ging im Bericht vom 28. Oktober 2010 (UV-act. 84) von gut verheilten
Deckplattenimpressionen BWK12 und LWK1 aus und erhob im Nacken und am rechten
Knie keinen pathologischen Befund. An diesen beiden Stellen würden Zeichen einer
Schmerzausweitung vorliegen. Die Nackenbeschwerden seien früher (im Dezember
2007) schon vorhanden gewesen und jetzt unter weniger Belastung zunehmend. Die
Aufnahme von therapeutischen Massnahmen könnte das Krankheitsempfinden
steigern. Am wichtigsten scheine ihm die rasche Wiederaufnahme der Arbeit in Teilzeit
mit anschliessender Steigerung. Dr. J._ hielt am 6. Dezember 2010 fest, der Bericht
von Dr. K._ ergebe keine Änderung zur kreisärztlichen Festhaltung vom 18. Oktober
2010 (UV-act. 98). Im Bericht vom 25. Januar 2011 führte Dr. I._ aus, anlässlich von
zwei Terminen nach dem 7. Oktober 2010 habe sich eine Verbesserung der
Grundstimmung und eine deutliche Stabilisierung gezeigt, so dass sie am
17. Dezember 2010 die Behandlung im gegenseitigen Einvernehmen abgeschlossen
hätten (UV-act. 108).
A.f Am 7. Februar 2011 berichtete der Hausarzt der Unfallversicherung (UV-act. 109),
er habe die Versicherte Anfang November 2010 zur Manualtherapie an Chiropraktor
Dr. L._, St. Gallen, überwiesen. Dieser habe nun kürzlich über eine merkliche
Besserung unter dieser Therapie berichtet. Die Überweisung an und den Bericht von
Dr. L._ vom 5. Januar 2011 (UV-act. 109/1 f.), in dem dieser ein myofasziales
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Syndrom an der Wirbelsäule (Th11-L2) beschrieb, legte der Hausarzt bei. Er hielt weiter
eine Arbeitsunfähigkeit von noch 50% seit dem 1. Januar 2011, vorläufig bis auf
weiteres, fest.
A.g Zwischenzeitlich hatte sich die Versicherte auch bei der Invalidenversicherung (IV)
zum Bezug von Leistungen angemeldet (vgl. UV-act. 57, 72, 85). Am 1. März 2011 teilte
ihr die IV-Stelle St. Gallen mit, das Leistungsbegehren für berufliche Massnahmen
werde abgewiesen, betreffend eine allfällige Rente erhalte sie später eine separate
Verfügung (UV-act. 111).
A.h Am 5. April 2011 wurde der Rechtsvertreter der Versicherten telefonisch orientiert
(UV-act. 113), dass die Adäquanz nach der sogenannten Psychopraxis per sofort
verneint und an der Taggeldeinstellung per Ende August 2010 festgehalten werde. Mit
formeller Verfügung vom 20. April 2011 (UV-act. 117) wurde festgehalten, dass die
noch geklagten Beschwerden organisch nicht hinreichend nachweisbar, gemäss BGE
115 V 133 die Adäquanz zu verneinen sei und die Versicherungsleistungen per sofort
eingestellt würden. Die Taggeldleistungen seien bereits per 31. August 2010 eingestellt
worden. An diesem Entscheid werde festgehalten. Mangels Vorliegens adäquater
Unfallfolgen bestehe auch kein Anspruch auf weitere Geldleistungen in Form einer
Invalidenrente und/oder einer Integritätsentschädigung.
B.
Die dagegen offenbar am 25. Mai 2011 erhobene Einsprache (das entsprechende
Dokument ist in den Akten der Beschwerdegegnerin nicht enthalten) wurde mit
Entscheid vom 27. Februar 2012 abgewiesen.
C.
C.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 30. März 2012 mit den Anträgen
"1. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin ein Taggeld
bis zum 31. August 2011 und danach eine Rente nach Massgabe des Resultats einer
gerichtlichen Begutachtung zuzusprechen.
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2. Der Beschwerdeführerin sei eine Integritätsentschädigung zuzusprechen, nach
Massgabe des Resultats einer gerichtlichen Begutachtung.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten."
Zur Begründung wurde angeführt, der Verlauf und die entsprechenden Arztberichte
würden zeigen, dass die Beschwerdeführerin nie beschwerdefrei geworden und die
Arbeitsfähigkeit nicht wieder hergestellt worden sei. Bevor die Adäquanz geprüft
werden könne, müsse gutachterlich geprüft werden, welche Leiden sie habe und wie
sich diese auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Nachdem die SVA (gemeint: deren IV-
Stelle) ein Gutachten in Auftrag gegeben habe, werde um die Gelegenheit gebeten,
dieses im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels einzubringen.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 6. Juli 2012 liess die Beschwerdegegnerin die
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde vom 30. März 2012 unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdeführerin beantragen. Zur Begründung
bestritt sie, dass die Rückenschmerzen der Beschwerdeführerin auf die Impres
sionsfraktur BWK12/LWK1 - Alternativdiagnose Wirbelkörper-Kontusion - zurückzu
führen seien. Die anhaltenden ärztlichen und therapeutischen Behandlungen seien
wegen der psychiatrischen Diagnose der Anpassungsstörung und der vorherrschenden
muskulären Dysbalancen nötig und nicht mehr wegen der ursprünglichen physischen
Verletzungen. Relevant sei im Ergebnis, dass die Beschwerdeführerin seit dem
16. August 2010 im Rahmen des vor dem Unfall geleisteten Arbeitspensums als wieder
voll arbeitsfähig eingestuft worden sei. Gemäss Stellungnahme von Kreisarzt Dr. J._
sei von geheilten Unfallfolgen auszugehen (vgl. UV-act. 80). Es müsse von einem
Status quo sine ausgegangen werden, da die Beschwerdeführerin aufgrund des
Vorzustands eine gewisse Prädisposition zu Wirbelsäulen-Beschwerden aufweise. Die
Aktenlage sei vollständig und das IV-Gutachten müsse nicht abgewartet werden. Auch
ein polydisziplinäres/interdisziplinäres Gutachten sei nicht notwendig. Die Adäquanz sei
nicht verfrüht geprüft worden und sei zu verneinen.
C.c Mit der Replik vom 24. August 2012 liess die Beschwerdeführerin Arztberichte von
Dr. F._ vom 13. August 2012 und von Dr. D._ vom 16. August 2012 einreichen (act.
G 12 ff.). Dr. F._ hielt fest, dass er sie regelmässig in seiner Sprechstunde gesehen
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habe. Der Aufenthalt in der Rehaklinik Walzenhausen vor einem Jahr habe höchstens
der Verbesserung der muskulären Kraft gedient, nicht aber hinsichtlich der Schmerzen
genützt und das Allgemeinbefinden habe sich nicht verbessern lassen. Das 50%ige
Arbeitspensum, das sie ab Mitte September 2011 aufgenommen habe, habe über ihren
tatsächlichen körperlichen Möglichkeiten gelegen und zwischen Juni und Mitte August
2012 zu drei mehrtägigen gänzlichen Arbeitsunfähigkeiten geführt. Er halte weiterhin
fest, dass die markante Verschlechterung des Gesundheitszustands mit dem
Verkehrsunfall vom 31. (richtig 30.) Dezember 2009 ihren Anfang genommen habe.
Zuvor sei sie gesund und seit dem 21. November 2007 bis zum Zeitpunkt des
Verkehrsunfalls nicht arbeitsunfähig gewesen (act. G 12.1). Dr. D._ führte in seinem
Bericht vom 16. August 2012 über die Konsultation vom 13. August 2012 aus, dass die
Beschwerden trotz aller Behandlungsmassnahmen nicht besser, sondern eher
schlechter würden. Er stellte fest, dass das Training der Patientin sicher suboptimal sei,
und passte die Schmerzmedikation an, um ein tägliches Selbsttraining sowie zweimal
wöchentlich Fitnesstraining zu ermöglichen (act. G 12.2). Die Beschwerdeführerin liess
festhalten, es sei offensichtlich, dass ihre Gesundheitsbeeinträchtigungen, die vom
Unfall herrührten, nicht ausgeheilt seien. Solange aber unklar sei, ob der Unfall
allenfalls strukturelle Schäden (z.B. an den Bändern und Bandscheiben am Übergang
zwischen Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule) hervorgerufen habe, könne auch
keine Adäquanz-Rechtsprechung greifen. Zunächst sei daher der medizinische
Sachverhalt mittels eines medizinischen Gutachtens korrekt festzulegen.
C.d Mit Duplik vom 27. September 2012 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem
Antrag auf vollumfängliche Abweisung der Beschwerde fest. Sie führte aus, dass auf
das ärztliche Zeugnis von Dr. F._ vom 13. August 2012 mangels Fachkompetenz und
Objektivität sowie wegen Widersprüchlichkeit zu früheren Berichten nicht abgestellt
werden könne. Der Bericht von Dr. D._ vom 16. August 2012 bestätige die
Ausführungen im Einspracheentscheid vom 27. Februar 2012, wonach die massge
benden Kriterien zur Bejahung des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs
zwischen den geltend gemachten Beschwerden und dem Unfallereignis vom
30. Dezember 2009 nicht gegeben seien. Mit Kreisarzt Dr. J._ (vgl. UV-act. 80) sei
von geheilten Unfallfolgen auszugehen und die Taggeldzahlungen seien zu Recht per
31. August 2010 eingestellt worden.
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C.e Der Schriftenwechsel wurde daraufhin am 8. Oktober 2012 abgeschlossen (act.
G 17).
D.
D.a Mit Eingabe vom 5. März 2013 liess die Beschwerdeführerin ihre Replik ergänzen
und das von der IV-Stelle St. Gallen beim Schweizerischen Zentrum für medizinische
Abklärungen und Beratungen (SMAB AG), St. Gallen, eingeholte Gutachten vom
13. Dezember 2012 nachreichen (act. G 18, G 18.1). Sie stellte folgende Anträge:
"1. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin ein Taggeld
bis zum 31. August 2011 und danach eine Rente von 50% zuzusprechen.
2. Der Beschwerdeführerin sei eine Integritätsentschädigung zuzusprechen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten."
Zum SMAB-Gutachten bzw. zur Begründung ihrer Anträge führte sie aus, die Gutachter
hätten bei der Würdigung der Arztberichte (S. 21 f.) festgehalten, Dr. D._ habe sich
nicht nachvollziehbar über die morphologischen Veränderungen am 12. BWK und
1. LWK in der Hinsicht geäussert, dass es sich nicht um Traumafolgen, sondern um ein
Residuum nach durchgemachtem Morbus Scheuermann handle. Dieser Auffassung
müsse deutlich widersprochen werden, wie auch von andern Beurteilern eindeutig von
einem posttraumatischen Zustand gesprochen werde (Radiologie Kantonsspital
St. Gallen [KSSG], Dr. K._). Damit hätten sich die Aussagen von Dr. D._ als falsch
erwiesen und die Beschwerdegegnerin hätte sich nicht darauf abstützen können. Die
falsche medizinische Beurteilung durch Dr. D._ sei dafür verantwortlich gewesen,
dass ihre Beschwerden nicht ernst genommen worden seien. Die korrekte
Diagnosestellung des SMAB-Gutachtens zeige, dass die Beschwerden nur auf die
Verletzungen zurückzuführen seien, die sie beim Unfall erlitten habe. Bei dieser
Ausgangslage habe sie Anspruch auf weitere Taggeldzahlungen mit zukünftiger
Ausrichtung einer Rente. Sollte sich nach Abschluss der psychiatrischen Behandlungen
(eine Intensivierung der Psychotherapie wird von den Gutachtern empfohlen, vgl. S. 28)
der gesundheitliche Zustand wesentlich bessern, wäre die Rente allenfalls zu
revidieren.
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D.b Die Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Stellungnahme vom 15. April 2013 zur
Ergänzung der Replik fest, das IV-Gutachten der SMAB AG vom 13. Dezember 2012
ändere nichts an den bisherigen Ausführungen im Einspracheentscheid vom 27. Feb
ruar 2012 sowie ihren Rechtsschriften. Auf die pauschale Kausalitätsbeurteilung im IV-
Gutachten (S. 27) könne nicht abgestellt werden. Die nebensächlich ergangene
Beurteilung der Kausalität im Rahmen eines IV-Gutachtens vermöge die bisherigen, im
UVG-Verfahren zu dieser Frage ausführlich ergangenen Stellungnahmen nicht in
Zweifel zu ziehen, spiele doch die Ursache einer allfälligen Invalidität in der IV keine
Rolle.
D.c Der Schriftenwechsel wurde daraufhin erneut abgeschlossen.
E.
Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegan
gen.
Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Versicherungsleistungen
aufgrund des Unfalls vom 30. Dezember 2009 zu Recht per 31. August 2010 (Tag
geldzahlungen) bzw. 20. April 2011 (Entschädigung weiterer Heilungskosten) eingestellt
und eine Leistungspflicht darüber hinaus verneint hat.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid die recht
lichen Voraussetzungen der Leistungspflicht der Unfallversicherung für Unfallfolgen
gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) und der einschlägigen Rechtsprechung, insbesondere zur Voraussetzung des
natürlichen und des adäquaten Kausalzusammenhangs und zur Leistungseinstellung
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bei Erreichen eines krankhaften Vorzustands (Status quo sine vel ante), zutreffend
dargestellt (E. 2.2, E. 2.4 ff.). Darauf kann verwiesen werden.
2.2 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (vgl. Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 43
ATSG für das Verwaltungsverfahren). Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im
Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen,
wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das
Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht.
Der Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen,
die sie von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen
(BGE 138 V 221 E. 6, BGE 126 V 360 E. 5b, BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen; vgl.
BGE 130 I 183 f. E. 3.2). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn
der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des
Sozialversicherungsgerichts (bzw. vorher der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für
das Zusammentragen des Beweismaterials besorgt zu sein. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur
insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte.
Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6, BGE 125 V 195 E. 2, BGE 117 V 264
E. 3b, je mit Hinweisen). Behauptet die Unfallversicherung, der Kausalzusammenhang
sei ab einem bestimmten Zeitpunkt dahingefallen, trägt sie dafür die Beweislast (vgl.
RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E.2; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf, S. 54 f.).
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2.3 Für den Beweiswert eines Arztberichts ist nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizini
schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fach
person begründet und nachvollziehbar sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten,
sondern dessen Inhalt (BGE 134 V 232 E. 5.1 und BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
Auch den Berichten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kann rechtsprechungs
gemäss Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien
gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V 353 f.
E. 3b/ee, je mit Hinweisen). Art. 8 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) und Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) geben keinen
formellen Anspruch auf versicherungsexterne Begutachtung, wenn Leistungsansprüche
streitig sind. Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen
tatsächlichen Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als
schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen - insbesondere ohne Anordnung
eines Gerichtsgutachtens - abschliessen (vgl. BGE 135 V 469 E. 4.3.2 mit Hinweisen).
An die Beweiswürdigung von Stellungnahmen versicherungsinterner Ärztinnen und
Ärzte sind jedoch strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 472 E. 4.7 und Urteil des Bundesgerichts vom
19. Juni 2013, 8C_700/2011, E. 3.2.2 f., zusammengefasst von Patricia Usinger-Egger
in: SZS 2013 S. 595).
3.
3.1 Die Leistungspflicht der Unfallversicherung setzt zunächst einen natürlichen
Kausalzusammenhang zwischen den über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung
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hinaus andauernden Gesundheitsbeeinträchtigungen der Beschwerdeführerin und dem
Unfallereignis voraus.
3.1.1 Anlässlich der Hospitalisation im Kantonsspital St. Gallen unmittelbar nach
dem
Unfall wurden bei ihr eine Deckenplattenimpressionsfraktur BWK12 und eine LWK1-
Fraktur, ein Hämatom am rechten Oberschenkel und am Knie medial sowie ein
regredierendes Arzneimittelexanthem diagnostiziert (vgl. Austrittsbericht vom
11. Januar 2010, UV-act. 9/7). Bereits im Bericht vom 23. März 2010 (UV-act. 33/4)
hielt Dr. D._ fest, die Wirbelsäule sei normal belastbar. Selbst wenn Frakturen
vorhanden gewesen wären (was der Wirbelsäulenspezialist wegen fehlender
Frakturzeichen in Form von Knochenmarksödemen in Abrede stellte, vgl. UV-act. 16,
19), wären diese inzwischen konsolidiert. Am 17. August 2010 berichtete er (UV-act.
74), bezüglich der Unfallfolgen sollte man jetzt davon ausgehen, dass der Vorzustand
erreicht sei. Diese Aussagen verdeutlichte Dr. D._ anlässlich der Konsultation vom
27. September 2010 dahingehend, als er ausführte, die Unfallfolgen dürften als geheilt
betrachtet werden (UV-act. 74). Dr. K._ hielt anlässlich der konsiliarischen
Untersuchung vom 22. Oktober 2010 ebenfalls fest (Bericht vom 28. Oktober 2010,
UV-act. 84), dass die Impression der Wirbelkörper Th12 und L1 gut ausgeheilt sei. Er
führte zudem auf Seite 3 dieses Berichts aus, die Schmerzursache liege in der
ungenügenden Stabilisierung der Wirbelsäule, die von der Versicherten beabsichtigte
Intensivierung des Muskeltrainings müsse unbedingt durchgeführt werden. Auch diese
Angaben decken sich mit den Erhebungen von Dr. D._. Dieser berichtete bereits am
16. Februar 2010 über die zweite Konsultation der Patientin (UV-act. 19) und danach
immer wieder von deren Fortschritten, betonte jedoch auch in fast allen Berichten die
Notwendigkeit der Fortführung und/oder Intensivierung des Krafttrainings zur Stärkung
der Rückenmuskulatur in den verschiedenen möglichen Formen (Selbsttraining,
kräftigende Physiotherapie, Krafttraining im Fitnessstudio; vgl. Berichte vom 23. März
2010 [UV-act. 33/4], vom 27. April 2010 [UV-act. 40], vom 19. Juli 2010 [UV-act. 53],
vom 17. August 2010 und vom 27. September 2010 [UV-act. 74]). Anlässlich der
Konsultation vom 1. Dezember 2010 schloss Dr. D._ die Behandlung ab (UV-act. 96).
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3.1.2 Nackenschmerzen erwähnte die Beschwerdeführerin gegenüber dem
behandelnden Wirbelsäulenspezialisten nicht, schilderte sie jedoch anlässlich der
Befunderhebung durch die Psychiaterin Dr. I._ und bei Dr. K._ (UV-act. 78, 84). Der
für eine Zweitmeinung hinzugezogene Konsiliararzt konnte im Nacken keinen patho
logischen Befund erheben, sondern stellte Zeichen einer Schmerzausweitung fest und
vermerkte im Bericht vom 28. Oktober 2010, die Nackenschmerzen seien früher schon
vorhanden gewesen und seien jetzt unter weniger Belastung zunehmend. Auch am
rechten Knie erhob Dr. K._ keinen pathologischen Befund, sondern stellte Zeichen
einer Schmerzausweitung fest. Dr. D._ hatte bezüglich des rechten Knies am
27. April 2010 berichtet (UV-act. 40), der behandelnde Kniespezialist halte die Patientin
von Seiten des Knies für arbeitsfähig (mit Kniespezialist ist offenbar Dr. G._ gemeint,
vgl. Berichte der Radiologie Stephanshorn, St. Gallen, vom 12. Februar 2010 an ihn
[UV-act. 35, Beinphlebographie rechts; UV-act. 38, MRI rechtes Knie]; einen Bericht
von Dr. G._ selbst enthalten die Akten nicht). Der Wirbelsäulenspezialist Dr. D._
hatte anlässlich der Untersuchung vom 26. April 2010 ein hinkfreies Gangbild und
flüssige Bewegungen erhoben (UV-act. 40).
3.1.3 Kreisarzt Dr. J._ plausibilisierte die Angaben der orthopädischen Chirurgen
Dr. D._ und Dr. K._ aufgrund der Akten und der vorhandenen Bilddokumente (UV-
act. 80, 98). Die Fehlstellung der Wirbelsäule, insbesondere die Skoliose, beurteilte der
Kreisarzt übereinstimmend mit Dr. K._ als vorbestehend. Dies wurde auch durch den
Bericht vom 27. März 2006 über die vertebro-spinale Kernspintomographie (C0 bis
Th5, UV-act. 104), der nachträglich hinzugezogen worden war, bestätigt (vgl. auch UV-
act. 107, ergänzende Stellungnahme von Kreisarzt Dr. J._ vom 26. Januar 2011).
3.1.4 Die Herzprellung anlässlich des Unfalls vom 30. Dezember 2009 war bereits
im Austrittsbericht des Kantonsspitals als fragliche Nebendiagnose bezeichnet und
danach durch die kardiologische Untersuchung von Dr. E._ am 10. Februar 2010
ausgeschlossen worden (UV-act. 9/7, 33/2). Der Kardiologe verneinte dabei aktuell die
Notwendigkeit weiterer kardiologischer Abklärungen oder gar Therapieeinleitungen und
berichtete am 12. Februar 2010 auch von kardialer Beschwerdefreiheit der Patientin
und dass sie bei der Untersuchung kardiopulmonal kompensiert gewesen sei.
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3.1.5 Zusammenfassend ist aufgrund der Akten der Unfallversicherung von den
physischen Unfallfolgen erstellt, dass sie spätestens Ende Oktober 2010 abgeheilt
waren. Die Gesundheitsbeeinträchtigungen, über die die Beschwerdeführerin darüber
hinaus klagte, wie Nacken- und Rückenschmerzen sowie Schmerzen am Knie wurden
weder von den behandelnden Spezialärzten Dr. D._ und Dr. G._ noch vom
Konsiliararzt Dr. K._ oder von Kreisarzt Dr. J._ als natürlich kausale Unfallfolgen
bejaht. Die Behandlung der zusätzlich bestehenden psychischen Gesundheits
beeinträchtigungen wurde durch die behandelnde Psychiaterin Dr. I._ Mitte
Dezember 2010 eingestellt (vgl. UV-act. 108).
3.2
3.2.1 Die Akten der Unfallversicherung gaben im Zeitpunkt der Leistungs
einstellung durch die Beschwerdegegnerin, mithin im Frühjahr 2011 (Verfügung vom
20. April 2011, UV-act. 117), ein umfassendes Bild über die Ausheilung der physischen
Unfallfolgen der Beschwerdeführerin. Dies war bereits aufgrund der Berichte der
behandelnden Ärzte, insbesondere von Dr. D._ (vgl. UV-act. 74), der Fall. Bestätigt
wurden diese Einschätzungen durch Dr. K._, der für eine Zweitmeinung konsiliarisch
hinzugezogen worden war (vgl. UV-act. 84). Kreisarzt Dr. J._ beurteilte die Angaben
von Dr. D._ und Dr. K._ aufgrund von deren Berichten, der Röntgenbilder und MRI
sowie der Vorakten als plausibel. Bei dieser Ausgangslage durfte die
Beschwerdegegnerin von weiteren medizinischen Abklärungen, insbesondere einer
Begutachtung, absehen, vom Wegfall des natürlichen Kausalzusammenhangs der
anhaltenden physischen Gesundheitsbeeinträchtigungen der Beschwerdeführerin
ausgehen und die Adäquanz prüfen.
3.2.2 Das von der IV veranlasste und mit der Replikergänzung vom 5. März 2013
nachgereichte SMAB-Gutachten vom 13. Dezember 2012 (act. G 18.1) musste auf
tragsgemäss und aufgrund der finalen Ausgestaltung der IV nicht zwischen unfall
kausalen und unfallfremden Gesundheitsbeeinträchtigungen unterscheiden. Es listet
jedenfalls keine physischen Unfallfolgen auf, die im Zeitpunkt der Leistungseinstellung
durch die Beschwerdegegnerin per Ende April 2011 noch behandlungsbedürftig waren.
Insofern ändert sich nichts an der unter Erwägung 3.2.1 dargestellten Sachlage.
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3.2.3 Die Beschwerdeführerin hält - gestützt auf die Ausführungen der SMAB-
Gutachter - die Erhebungen und Berichte von Dr. D._ und ausgehend von denselben
auch die Beurteilung von Dr. J._ als nachweislich falsch und daher für die Frage der
Leistungserbringung nicht relevant. Dem ist entgegenzuhalten, dass die SMAB-
Gutachter Dr. D._ nur unvollständig zitierten und die Ablehnung seines Standpunkts,
Impressionsfrakturen seien nicht ausgewiesen, nur sehr knapp - mit der in anderen
Berichten geäusserten Meinung eines posttraumtischen Zustands - und damit nicht
überzeugend begründeten. Dr. D._ hatte im Bericht vom 10. Februar 2010 (UV-act.
16) festgehalten, auf den Röntgenbildern finde sich eine Keildeformität BWK12/LWK1
mit einer kleinen Stufe scheinbar am kranialen Vorderrand beider Wirbelkörper. Diese
Deformität habe im Verlauf der Röntgenkontrollen nicht zugenommen. Die
vertebrospinale Kernspintomographie der Lendenwirbelsäule (LWS) zeige ebenfalls die
Keildeformität dieser Wirbel. Es bestehe jedoch keinerlei Reaktion im Sinn eines
Knochenmarködems. Als Diagnose nannte der Wirbelsäulenspezialist (an Stelle der
Impressionsfrakturen) "Prellungen thorakolumbal Becken, Hüften (UV)". Zur Beurteilung
führte er im gleichen Bericht aus: "Anhand des kernspintomographischen Aspektes
BWK12 und LWK1 bin ich der Ansicht, dass es sich um eine alte Keildeformität -
möglicherweise im Sinn einer abortiven Scheuermann'schen Entwicklungsstörung -
handelte. Ein ausgeprägtes Knochenmarksödem ist an der Wirbelsäule nach Frakturen
bis zu zwei Jahren nachweisbar. (...)" Die SMAB-Gutachter hielten auf Seite 17 des
Gutachtens vom 13. Dezember 2012 fest (act. G 18.1, 2. Abschnitt von Ziff. D. 1.3):
"Gleichfalls aus unserer Sicht handelt es sich um posttraumatische Keilwirbel BWK12
und LWK1, d.h. es hat vor nunmehr drei Jahren ein Unfall stattgefunden mit
Wirbelfrakturen. Leider sind durch die Berichte aus der Rosenbergklinik nicht
zutreffende Beurteilungen der posttraumatischen Situation am thorako-lumbalen
Übergang in die Krankengeschichte eingeflossen, die Verwirrung gestiftet haben. Es
wurde von Residuen eines Morbus Scheuermann gesprochen." Seite 21 des SMAB-
Gutachtens enthält die Aussage: "Nicht nachvollziehbar äussert sich dieser (gemeint ist
Dr. D._) über die morphologischen Veränderungen am 12. BWK und 1. LWK in der
Hinsicht, dass es sich nicht um Traumafolgen, sondern um ein Residuum nach
durchgemachtem Morbus Scheuermann handelt. Dieser Auffassung muss deutlich
widersprochen werden, wie auch von anderen Beurteilern eindeutig von einem
posttraumatischen Zustand gesprochen wird (Radiologie KSSG, Dr. K._)." Dr. D._
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/25
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hatte - anders als von den Gutachtern zitiert - die Keildeformitäten nur möglicherweise
mit einer Scheuermann'schen Erkrankung begründet. Das Fehlen von Frakturen hatte
er insbesondere mit dem Fehlen von Knochenmarksödemen als Frakturzeichen erklärt.
Auch auf den Röntgenbildern, die in seiner Praxis am 16. Februar 2010 angefertigt
worden waren, stellte Dr. D._ keinerlei Frakturspalten fest (UV-act. 19). Im Bericht
vom 23. März 2010 hielt er ausdrücklich fest, selbst wenn Frakturen vorhanden
gewesen wären, wären diese inzwischen konsolidiert und die Wirbelsäule wieder
normal belastbar. Er implizierte damit, dass die Therapie mit Muskeltraining und
Analgesie dieselbe wäre, selbst wenn auch er von Impressionsfrakturen der
Wirbelkörper Th12 und L1 ausginge. Die Kritik der SMAB-Gutachter an der
Einschätzung von Dr. D._ ändert auch deshalb nichts an der Beurteilung, der
medizinische Sachverhalt sei zum Zeitpunkt der Kausalitätsbeurteilung und Einstellung
der Leistungen durch die Beschwerdegegnerin vollständig dokumentiert gewesen, weil
zusätzlich die Beurteilung von Dr. K._ darlegte, dass die Impressionen ausgeheilt
waren. Der Konsiliararzt hatte auf Seite 3 seines Berichts vom 28. Oktober 2010 weiter
ausgeführt (UV-act. 84): "Der verbleibende kyphotische Knick imponiert etwas mehr, da
die LWS in Streckhaltung steht. Wäre sie mehr lordosiert, würde der Knick in der BWS-
Kyphose untergehen. Die Stellung ist nicht für die Restbeschwerden verantwortlich. Die
Skoliose ist vorbestehend. Die Schmerzursache liegt in der ungenügenden
Stabilisierung der Wirbelsäule, die von der Versicherten beabsichtigte Intensivierung
des Muskeltrainings muss unbedingt durchgeführt werden." Mit diesen Ausführungen
von Dr. K._ setzten sich die SMAB-Gutachter ebenfalls nicht auseinander, ja sie
fanden bereits in der Zusammenfassung seiner Zweitmeinung auf Seite 11 (Ziff. 41)
keinen Eingang ins SMAB-Gutachten. Das für die IV-Stelle erstellte SMAB-Gutachten
vermag bei den genannten Unzulänglichkeiten den in Erwägung 3.1 und 3.2.1
dargelegten Standpunkt, die physischen Unfallfolgen seien spätestens Ende Oktober
2010 abgeheilt gewesen, nicht umzustossen. Es besteht daher auch kein Anlass für
das Gericht, eine medizinische Begutachtung der Beschwerdeführerin in Auftrag zu
geben. Einen entsprechenden Antrag stellte die Beschwerdeführerin im Übrigen in der
Ergänzung zur Replik vom 5. März 2013 nicht mehr (act. G 18).
3.2.4 Auch aus der Antwort auf die Zusatzfrage 2 ihres Rechtsvertreters auf
Seite 27 des SMAB-Gutachtens kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten
für das vorliegende Unfallversicherungsverfahren ableiten. Zwar bejahten die SMAB-
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Gutachter eine Teilkausalität des Unfalls vom 30. Dezember 2009 an den aktuellen
Beschwerden wegen "nachgewiesenermassen Frakturen des 12. Brustwirbels und
1. Lendenwirbels". Diese Antwort war im Rahmen der übrigen Ausführungen des
SMAB-Gutachtens im Fachgebiet Orthopädie/Traumatologie folgerichtig, wurde jedoch
nicht weiter begründet und blieb im Widerspruch zur begründeten Darlegung von
Dr. D._, es fehlten sowohl Knochenmarksödeme im MRI vom 29. Januar 2010 (UV-
act. 18) als auch Frakturspalten in den Röntgenbildern vom 16. Februar 2010 (UV-act.
19) als Frakturzeichen. Dass das SMAB-Gutachten im Fachgebiet Orthopädie/
Traumatologie Mängel aufweist, weil die Gutachter die Vorakten nur teilweise
einbezogen, die medizinischen Zusammenhänge lückenhaft darstellten, die Beurteilung
der medizinischen Situation unter Berücksichtigung der abweichenden Stellungnahmen
von Dr. D._ und Dr. K._ nicht einleuchtet und daher die Schlussfolgerungen der
SMAB-Gutachter ungenügend begründet und nicht nachvollziehbar sind, ist in der
vorstehenden Erwägung 3.2.3 ausgeführt worden, worauf verwiesen wird. Die
Beschwerdegegnerin führte zur Kausalitätsbeurteilung des SMAB-Gutachtens denn
auch zu Recht aus, diese sei auf das Unfallversicherungsverfahren nicht ohne weiteres
übertragbar, gehe es doch im IV-Verfahren - im Gegensatz zu demjenigen der
Unfallversicherung - nicht um die Ursache einer allfälligen Invalidität. Zudem wurden
die Zusatzfragen unter der Prämisse gestellt, sie seien für die haftpflichtrechtliche,
mithin zivilrechtliche Auseinandersetzung mit bio-psycho-sozialem Krankheitsbegriff
von Bedeutung, was für das Unfallversicherungsverfahren nicht zutrifft (Seite 27 Mitte
des SMAB-Gutachtens).
3.3 Die Beschwerdeführerin macht eine über den 1. September 2010 hinaus
andauernde Arbeitsunfähigkeit und einen entsprechenden Taggeld-Anspruch geltend.
Die Taggeldzahlungen waren durch die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom
20. August 2010 per Ende August 2010 eingestellt worden (UV-act. 58). An dieser
Einstellung der Taggeldzahlungen hielt sie auch in der Verfügung vom 20. April 2011
(UV-act. 117) und im angefochtenen Einspracheentscheid fest. Dieser Streitpunkt ist
nachfolgend zu entscheiden.
3.3.1 Gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf ein
Taggeld, wenn sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig ist. Der
Anspruch auf Taggelder erlischt gemäss Abs. 2 2. Satz von Art. 16 UVG mit der
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Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem
Tod der versicherten Person. Art. 6 ATSG umschreibt Arbeitsunfähigkeit als durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare
Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern
Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt.
3.3.2 Die Beschwerdeführerin war zunächst 100% arbeitsunfähig geschrieben
worden (vgl. UV-act. 19, 40). Ab Mitte Juni 2010 nahm sie die bisherige Reinigungs
arbeit im Rahmen eines Arbeitsversuchs beim B._ auf. Dabei wurde sie anfangs von
Tätigkeiten in gebückter Haltung und vom Heben von Lasten (Leeren der Papierkörbe
und Staub saugen) dispensiert (vgl. Besprechungsprotokolle vom 10. und 25. Juni
2010, UV-act. 48). Dr. D._ hielt am 19. Juli 2010 fest (UV-act. 53), er halte die
Patientin im Rahmen eines 25%-Pensums, wie vor dem Unfall erbracht, wieder für
leistungsfähig. Sicher sei es sinnvoll, wenn sie zu Beginn noch eine leichte Arbeit
zugeteilt bekomme. Besonders das Heben und Tragen von grösseren Lasten sowie
vorgeneigte und gebückte Tätigkeiten sollten eingeschränkt werden. Ab August sollte
dann eine weitere Steigerung zumutbar sein. Auch im Rahmen des Arbeitstrainings
wäre seines Erachtens die Arbeitsleistung weiter ausbaubar. Ab 16. August 2010 (und
nach drei Wochen Ferien [UV-act. 50]) wurde die Beschwerdeführerin während zwei
Wochen in der Näherei des B._ eingesetzt (UV-act. 57, 67). Anlässlich der
Konsultation vom 17. August 2010 hielt Dr. D._ fest (UV-act. 74), er erachte die
Patientin seit dem 16. August 2010 im Rahmen des vor dem Unfall Geleisteten wieder
für voll arbeitsfähig. Es wäre sicher sinnvoll, wenn sie die aktuelle Arbeitsumstellung in
eine leichtere Tätigkeit in der Näherei mindestens für die nächsten ein bis zwei Monate
beibehalten könnte. Am 27. August 2010 präzisierte der behandelnde
Wirbelsäulenspezialist (UV-act. 65), am 19. Juli 2010 habe die Arbeitsfähigkeit der
Patientin auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und als Hauswartin 0% betragen. Nach der
letzten Konsultation vom 17. August 2010 habe eine Arbeitsfähigkeit für eine
angepasste Tätigkeit zeitlich im Rahmen der vor dem Unfall ausgeübten zwei bis drei
Stunden betragen. Seit dem 16. August 2010 arbeite die Patientin nach interner
Umpositionierung nun in der Näherei statt im Reinigungsdienst. Er nehme an, die
Arbeitstätigkeit als Hauswartin beziehe sich auf den Reinigungsdienst, den die Patien
tin am B._ ausgeführt habe. Für diese Tätigkeit sei sie noch nicht arbeitsfähig.
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3.3.3 Hausarzt Dr. F._ bewertete die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
ab 16. August 2010 und bis Ende August 2010 wegen einer unfallfremden Zoster-
Infektion L3/L4 (Gürtelrose) und somit krankheitsbedingt mit 100% (UV-act. 61).
Dr. K._ hielt in seinem Bericht vom 28. Oktober 2010 fest, Dr. F._ beurteile sie ab
dem 7. September 2010 wegen des Unfalls zu 50% arbeitsfähig (UV-act. 84, S. 1
unten). Der Konsiliararzt schätzte die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht
ausdrücklich ein. Er empfahl aber die rasche Wiederaufnahme der Arbeit in Teilzeit mit
anschliessender Steigerung und nannte keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit.
Weiter führte er aus, die Forderung der Patientin zu einer 100-prozentigen Tätigkeit
(weil die abnehmenden familiären Pflichten dies jetzt erlaubten) erfolge in einem
schlechten Zeitpunkt (UV-act. 84, Beurteilung S. 3 unten). Dr. F._ hielt im Bericht
vom 7. Februar 2011 eine merkliche Besserung unter der Manualtherapie bei
Chiropraktor Dr. L._ fest und beurteilte die Arbeitsunfähigkeit seit dem 1. Januar
2011 noch mit 50%, ohne ausdrücklich zu erwähnen, ob diese Einschränkung auf
unfallkausale physische, auf psychische Beeinträchtigungen oder den Vorzustand
zurückzuführen sei (UV-act. 109).
3.3.4 Anlässlich der Besprechung vom 11. August 2010 war seitens der Unfallver
sicherung festgehalten worden, im Sinn eines erleichterten Einstiegs werde das Tag
geld noch im vollen Umfang erbracht. Danach gehe eine weitere Arbeitsunfähigkeit
nicht mehr zu Lasten des Unfallereignisses (UV-act. 57 f.). Die Beschwerdegegnerin
hatte sich bei der Einstellung der Taggeldzahlungen auf die Atteste zur physischen
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von Dr. D._ abgestützt. Kreisarzt Dr. J._
hatte am 18. Oktober 2010 (UV-act. 80) dazu festgehalten, es sei klar, dass Arbeiten im
Reinigungsdienst für Rückenschmerz-Patienten belastender seien; dies dürfe aber in
dem Teilpensum als zumutbar gesehen werden.
3.3.5 Aufgrund der vorstehend zitierten ärztlichen Einschätzungen zur unfallbe
dingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin muss angenom
men werden, Dr. D._ habe nicht erkannt, dass die Patientin vor dem Unfall neben der
Tätigkeit als Reinigungsangestellte am B._ mit einem Pensum von ca. 25% bzw. zwei
bis drei Stunden pro Tag auch ein solches als Hauswartin von 5.54 Stunden pro Woche
bzw. rund 1.2 Stunden pro Tag innehatte. Vielmehr ging er besonders in seiner
einlässlichen Stellungnahme vom 27. August 2010 (UV-act. 65) davon aus, dass die
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beiden Tätigkeiten identisch seien. Kreisarzt J._ seinerseits setzte sich am
18. Oktober 2010 (UV-act. 80) nicht ausdrücklich mit der einlässlichen Stellungnahme
von Dr. D._ vom 27. August 2010 (UV-act. 65) auseinander. Weder darin noch in
seiner Beurteilung vom 6. Dezember 2010 (UV-act. 98) erwähnte er das zusätzliche
Pensum der Beschwerdeführerin als Hauswartin. Vielmehr hielt er die Arbeitsfähigkeit
für das Teilzeitpensum im ursprünglichen Rahmen für gegeben und verwies dazu auf
die Angaben von Dr. D._. Diese hatten sich, wie vorstehend gezeigt, jedoch nur auf
die Reinigungstätigkeit am B._ bezogen. Wird der gesamte Umfang der
Arbeitstätigkeit der Beschwerdeführerin von ca. 38% (25% plus ca. 13%)
berücksichtigt, ist der Prognose von Dr. D._ folgend erst Ende Oktober 2010 wieder
von einer vollen Arbeitsfähigkeit für die Gesamtheit dieser rückenbelastenden
Tätigkeiten auszugehen. Dies deckt sich auch mit der Beurteilung durch Dr. K._, der
in seinem Bericht vom 28. Oktober 2010 (UV-act. 84) aufgrund der Untersuchung der
Beschwerdeführerin vom 22. Oktober 2010 die rasche Wiederaufnahme der
Arbeitstätigkeit in Teilzeit mit anschliessender Steigerung empfahl und die Arbeits
fähigkeit dafür nicht als eingeschränkt beurteilte.
3.3.6 Bis Ende Oktober 2010 hatte die Beschwerdeführerin im Übrigen auch eine
angemessene Frist, sich für eine Arbeitstätigkeit in ihrem erlernten Beruf als
Schneiderin zu bewerben. Wie auch der Arbeitsversuch am B._ zeigte (vgl. UV-act.
57, 65, 74), handelt es sich dabei um eine zumutbare Tätigkeit, die dem Leiden der
Beschwerdeführerin angepasst war. Für die Beurteilung ihrer Arbeitsfähigkeit und das
Dahinfallen einer unfallbedingten Einschränkung waren damit ab November 2010
zusätzlich auch die Voraussetzungen von Art. 6 2. Satz ATSG erfüllt.
3.3.7 Da die Beschwerdegegnerin die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nur
aufgrund ihrer Einschränkungen in der Reinigungstätigkeit beim B._ beurteilte und
mit Dr. D._ die Einschränkungen als Hauswartin ausser Acht liess, war die Einstellung
der Leistungspflicht für Taggelder per Ende August 2010 nicht rechtens. Vielmehr ist
von der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit für beide Teilzeitpensen per Ende
Oktober 2010 auszugehen. Aufgrund der Atteste von Dr. F._ für eine 50-prozentige
Arbeitsfähigkeit hat die Beschwerdegegnerin für die beiden Monate September und
Oktober 2010 je hälftige Taggelder nachzuzahlen.
4.
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4.1 Streitig ist weiter der Zeitpunkt, zu welchem die Beschwerdegegnerin die
Adäquanzquanzprüfung vorgenommen hatte, mithin der 20. April 2011. Nachdem - wie
dargelegt (vgl. E. 3) - die physischen Unfallfolgen spätestens Ende Oktober 2010
abgeheilt waren, kann es hier nur noch um den adäquaten Kausalzusammenhang der
psychiatrischen Diagnosen (Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
ICD-10 F43.21 [UV-act. 78]) bzw. um eine allfällige psychische Fehlentwicklung mit
möglicher Auswirkung auf das Schmerzempfinden und die Kosten der entsprechenden
Heilbehandlung gehen. Zwar wurde mit der Anpassungsstörung eine natürlich kausale
Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit diagnostiziert. Fehlt es jedoch an der
Adäquanz, kann nach der Rechtsprechung die Frage offen gelassen werden, ob deren
natürliche Kausalität zum Unfall anhält (vgl. BGE 135 V 472 E. 5.1 mit Hinweisen).
4.2 Im Entscheid 134 V 113 ff. E. 4 hatte das Bundesgericht festgehalten, der Zeit
punkt, in welchem ein Unfallversicherer einen Versicherungsfall mit Einstellung der bis
anhin gewährten vorübergehenden Leistungen (Taggeld und Heilbehandlung) und
Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente (als Dauerleistung) und/oder auf eine
Integritätsentschädigung abschliessen dürfe, sei in Anwendung von Art. 19 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) dann gegeben, wenn
von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden könne. Die durch
weitere zweckmässige Heilbehandlung (im Sinn von Art. 10 Abs. 1 UVG) erhoffte
Besserung müsse ins Gewicht fallen und sich insbesondere in einer Steigerung der
Arbeitsfähigkeit auswirken (BGE 134 V 115 E. 4.3), wobei der Gesundheitszustand der
versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen
beurteilt werden müsse (BGE 111 V 25 E. 3c am Ende). An dieser Praxis hat das
Bundesgericht seither in ständiger Rechtsprechung festgehalten (vgl. Urteile vom
31. Juli 2013, 8C_970/2012, E. 2.3, und vom 22. November 2010, 8C_188/2010, E. 3,
je mit Hinweisen). Mit Bezug auf die Adäquanzprüfung bei psychischer Fehlentwicklung
nach Unfall (vgl. BGE 115 V 140 E. 6c/aa) hat es ausdrücklich ausgeführt, dass die
psychischen Unfallfolgen auf den Zeitpunkt der Adäquanzprüfung keinen Einfluss
haben, da sich die Adäquanz der hier einzig zu berücksichtigenden physischen
Komponenten im Zeitpunkt, in welchem von einer Fortsetzung der auf die somatischen
Leiden gerichteten Behandlung keine namhafte Besserung mehr erwartet werden kann,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/25
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zuverlässig beurteilen lassen (BGE 134 V 116 E. 6.1, SVR 2007 UV Nr. 29 [U 98/06]
S. 99 E. 3.1).
4.3 Wie bereits in Erwägung 3.1.1 ausgeführt, hatte Dr. D._ im Bericht vom
17. August 2010 festgehalten, bezüglich Unfallfolgen sei der Vorzustand erreicht, und
am 27. September 2010 präzisiert, die Unfallfolgen dürften als geheilt betrachtet
werden (beide Berichte bzw. Eintragungen in der Krankengeschichte UV-act. 74). Laut
Bericht vom 1. Dezember 2010 hatte der Wirbelsäulenspezialist die Behandlung der
Beschwerdeführerin anlässlich der Konsultation vom 25. November 2010
abgeschlossen (UV-act. 96). Auch Dr. K._ hatte im Bericht vom 28. Oktober 2010
festgehalten, die Impressionen seien ausgeheilt (UV-act. 84). Wie in Erwägung 3.3
dargestellt, hörte Ende Oktober 2010 auch die relevante Einschränkung der Arbeits
fähigkeit auf. Somit hätte die Adäquanz bereits per Ende Oktober 2010 geprüft werden
können. Der spätere Zeitpunkt der Kausalitätsprüfung vom 20. April 2011 ist daher
nicht zu beanstanden.
5.
5.1 Mit Verfügung vom 20. April 2011, bestätigt im angefochtenen Einsprache
entscheid vom 27. Februar 2012, hatte die Beschwerdegegnerin den adäquaten
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 30. Dezember 2009 und den
anhaltend geklagten Gesundheitsbeeinträchtigungen der Beschwerdeführerin verneint
und per 20. April 2011 die Leistungen eingestellt, welche zu jenem Zeitpunkt nur noch
die Vergütung von Heilbehandlungen umfassten. Diese Leistungseinstellung ist streitig.
5.2 Die Beschwerdegegnerin hatte im angefochtenen Einspracheentscheid die recht
lichen und rechtsprechungsmässigen Grundlagen der Einstellung der Versicherungs
leistungen bei Vorliegen psychisch bedingter Gesundheitsbeeinträchtigungen
zutreffend dargelegt (E. 2.6 und E. 2.8). Darauf kann verwiesen werden.
5.3 Die Unfallversicherung ist zutreffend von einem höchstens mittelschweren Unfall
im engeren Sinn, eher jedoch einem mittelschweren Ereignis an der Grenze zu den
leichten Unfällen ausgegangen und hat richtig festgehalten, dass der adäquate
Kausalzusammenhang nur bejaht werden könne, wenn eines der Adäquanzkriterien
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/25
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St.Galler Gerichte
gemäss BGE 115 V 133 in besonders ausgeprägter Weise vorliege oder mehrere
Kriterien gleichzeitig erfüllt seien. Gegen die Adäquanzprüfung als solche brachte der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin keine Einwände vor. Die Ausführungen der
Beschwerdegegnerin zu den einzelnen Adäquanzkriterien sind nicht zu beanstanden;
ebenfalls nicht die Tatsache, dass sie das Vorliegen sämtlicher Kriterien verneinte. Die
Verneinung des Kausalzusammenhangs und die Einstellung der Leistungen per
20. April 2011 (zu diesem Zeitpunkt nur noch die Heilungskosten betreffend) sind daher
folgerichtig und korrekt. Ein allfälliger Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Invalidenrente und/oder eine Integritätsentschädigung ist bei fehlendem
Kausalzusammenhang nicht gegeben und somit von der Beschwerdegegnerin in der
Verfügung vom 20. April 2011 (UV-act. 117) und im angefochtenen Einspracheent
scheid vom 27. Februar 2012 (act. G 1.1 E. 2.11) zu Recht verneint worden.
6.
6.1 Im Sinn der Erwägungen ist die Beschwerde demnach dahingehend teilweise
gutzuheissen und der Einspracheentscheid vom 27. Februar 2012 aufzuheben, als die
Beschwerdeführerin vom 1. September 2010 bis 31. Oktober 2010, bei einer
Arbeitsunfähigkeit von 50%, Anspruch auf Taggelder der Unfallversicherung hat. Im
Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen hat die
teilweise obsiegende Beschwerdeführerin gegenüber der Beschwerdegegnerin
Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Es rechtfertigt sich, diese
ermessensweise - ausgehend von einer Pauschalentschädigung von Fr. 4'000.-- bei
vollem Obsiegen - auf pauschal Fr. 1'000.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP