Decision ID: cd8acdef-f097-4c76-b643-97f1f5238515
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ C. und H. sind Miteigentümer des Grundstücks Nr. xxxx , St. Gallen. Es ist der
Landwirtschaftszone zugeteilt und liegt ausserhalb des Siedlungsgebiets. Ungefähr in
der Mitte des Grundstücks befindet sich – neben zwei Scheunen und einer Garage –
ein Wohnhaus, das von den Grundeigentümern und deren Mutter ganzjährig bewohnt
wird. Erschlossen ist das Wohnhaus über einen chaussierten Weg, der von Nordosten
bis Westen quer über das Grundstück verläuft; im Nordosten führt er vom
Solitüdenweg auf einer Länge von etwa 300 m und im Westen vom Menzlenwaldweg
auf einer Länge von 150 m zum Wohnhaus. Der Weg ist beidseits mit Fahrverbotstafeln
als Privatweg signalisiert und nach dem Gemeindestrassenplan der Stadt St. Gallen
nicht klassiert.
Am 30. August 2006 stellten C. und H. bei der Stadtpolizei St. Gallen das Gesuch, es
sei für ihren Zugangsweg vom Solitüdenweg bis zum Menzlenwaldweg ein
Betretungsverbot zu erlassen, da sie sich als Eigentümer der Liegenschaft durch das
zunehmend ungebührliche Verhalten von Spaziergängern und Joggern in ihrer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Privatsphäre gestört fühlten. Mit Verfügung vom 25. Oktober 2006 erliess die
Stadtpolizei für den Privatweg der Liegenschaft Solitüdenweg 24a, St. Gallen, die
Allgemeinverfügung, das Begehen des Fussweges für unberechtigte Personen sei
untersagt, und eine Missachtung dieses allgemeinverbindlichen Erlasses werde auf
Antrag mit Busse bestraft. Gegen diese Verfügung gingen beim Stadtrat St. Gallen vier
Rekurse ein; zwei davon wurden zurückgezogen. Die anderen zwei Rekursverfahren
sistierte der Rechtskonsulent der Stadt St. Gallen mit verfahrensleitender Verfügung
vom 27. Februar 2007, um den Entscheid des Stadtrates zur Frage, ob das Wegstück
vom Solitüdenweg bis zum Menzlenwaldweg als Gemeindeweg klassiert und das
entsprechende Planverfahren eingeleitet werden soll, abzuwarten.
Mit Beschluss vom 27. März 2007 entschied der Stadtrat, den Weg zwischen dem
Solitüdenweg 15 und dem Menzlenwaldweg als "Solitüdenweg, nördlicher Ast zum
Menzlenwaldweg" in den Strassenplan aufzunehmen und als Gemeindeweg 2. Klasse
einzuteilen (Ziff. 1) sowie den Wegunterhalt zu 90 Prozent zulasten des Grundstücks
Nr. xxxx und 10 Prozent zulasten der Politischen Gemeinde St. Gallen aufzuteilen (Ziff.
2). Ausserdem beauftragte er die Direktion Bau und Planung, bezüglich der Klassierung
das Planverfahren gemäss Art. 39 ff. des Strassengesetzes (sGS 732.1, abgekürzt
StrG) und hinsichtlich des Beitragsplanes das Kostenverlegungsverfahren nach Art. 77
ff. StrG durchzuführen (Ziff. 3) sowie beim kantonalen Baudepartement den
Teilstrassenplan zur Genehmigung einzureichen (Ziff. 4).
Der Teilstrassenplan und der Beitragsplan wurden im Amtsblatt des Kantons St. Gallen
Nr. 16 vom 16. April 2007 publiziert. Mit Eingabe ihres gemeinsamen Rechtsvertreters
vom 15. Mai 2007 erhoben C. und H. Einsprache beim Stadtrat gegen die Aufnahme
des "Solitüdenweg; nördlicher Ast zum Menzlenwaldweg" in den Strassenplan und
Klassierung desselben als Gemeindeweg 2. Klasse sowie den Erlass des
Beitragsplanes (Unterhaltsverteilers).
Mit Entscheid vom 23. Oktober 2007 wies der Stadtrat die Einsprache von C. und H.
gegen die Widmung und Klassierung ihres Privatwegs ab. Er erwog, der betroffene
Weg stelle aufgrund seiner Lage und seines Verlaufs einen unverzichtbaren Teil des
gesamten Wegsystems innerhalb des Naherholungsgebiets dar. Die Wegverbindung
sei für die Erholungssuchenden – insbesondere für Familien mit Kleinkindern oder
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ältere und gehbehinderte Leute – eine attraktive Alternative zum steilen und wegen der
Geologie schlechter begehbaren Solitüdenweg; die fussgängermässig gute und
bequeme Erreichbarkeit städtischer Naherholungsgebiete für Erholungssuchende
durch ein umfassendes Wegsystem liege in einem wichtigen öffentlichen bzw.
städtischen Interesse. Dieses sei klar höher einzustufen als das private Interesse der
Eigentümer bzw. Bewohner der Liegenschaft Solitüdenweg an einer ungestörten
Nutzung.
B./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 9. November 2007 erhoben C. und H.
Rekurs beim Baudepartement und beantragten, der Beschluss des Stadtrates St.
Gallen vom 23. Oktober 2007 sei aufzuheben, von einer Klassierung des Privatwegs
(Weg vom Solitüdenweg westlich Haus Solitüdenweg 15 über Parzelle Solitüdenweg
24a bis Menzlenwaldweg) als Weg zweiter Klasse sei abzusehen, alles unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen zulasten der Stadt St. Gallen. Zur Begründung machten die
Rekurrenten geltend, die Aufnahme eines Weges in den Gemeindestrassenplan bzw.
die Widmung eines Privatweges zum Gemeingebrauch stelle eine öffentlich-rechtliche
Eigentumsbeschränkung dar. Diese sei nur zulässig, wenn sie auf einer gesetzlichen
Grundlage beruhe, im öffentlichen Interesse liege, verhältnismässig sei und voll
entschädigt werde, sofern sie einer Enteignung gleichkomme. Das öffentliche Interesse
an einer Eigentumsbeschränkung müsse erheblich sein; dies sei aber vorliegend nicht
der Fall. Ausserdem werde die Verhältnismässigkeit der Massnahme bestritten.
Mit Entscheid vom 18. Februar 2009 wies das Baudepartement den Rekurs ab, soweit
es darauf eintrat. Es erwog, an der Widmung des Privatwegs bestehe ein erhebliches
öffentliches Interesse, und die Widmung des Wegs habe keineswegs tiefgreifende
Auswirkungen auf die Rechtsstellung von C. und H. Weder werde die Nutzung ihres
Grundstücks eingeschränkt, noch ergäben sich daraus für sie zusätzliche
Verpflichtungen. Auch an den künftigen Nutzungsmöglichkeiten des Grundstücks
ändere sich durch die Widmung nichts. Die Eingriffe in das Privateigentum von C. und
H. seien keinesfalls massiv, sondern vergleichbar mit den Eingriffen in das
Privateigentum vieler Grundeigentümer im Kanton St. Gallen, die an einem öffentlich
klassierten Weg wohnten. Das öffentliche Interesse an einem feinmaschigen und
attraktiven Wegnetz im und zum Naherholungsgebiet Menzlenwald in der Stadt St.
Gallen sei auch für schwächere Verkehrsteilnehmer grösser als C. und H. privates
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bedürfnis nach Ruhe und Abgeschiedenheit auf ihrem Grundstück. Das Projekt sei
notwendig und zweckmässig; der Eingriff sei verhältnismässig und die Klassierung
richtig.
C./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 5. März 2009 erhoben C. und H.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie beantragten, der Entscheid des
Baudepartements vom 18. Februar 2009 und der Beschluss des Stadtrates St. Gallen
vom 23. Oktober 2007 seien aufzuheben und ihre Einsprache vom 15. Mai 2007, worin
beantragt wurde, auf die Aufnahme des fraglichen Privatweges in den Strassenplan
und die Klassierung als Gemeindeweg 2. Klasse sei zu verzichten, sei zu schützen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Stadt St. Gallen für alle drei
Instanzen. Im wesentlichen wird geltend gemacht, die Vorinstanz gehe in ihrem
Entscheid zum Teil von falschen tatbeständlichen Annahmen aus. Ausserdem wolle der
Stadtrat mit seiner Widmung der Privatstrasse nicht eine Fusswegverbindung, sondern
einen Wander- und Spazierweg für die Öffentlichkeit schaffen. Hierfür sei das Verfahren
nach Art. 4 ff. des Bundesgesetzes über Fuss- und Wanderwege (SR 704, abgekürzt
FWG) bzw. Art. 10 StrG durchzuführen. Dieses Verfahren habe vorliegend nicht
stattgefunden. Überdies sei eine mittlere Zugangsvariante mit der privaten
Wegverbindung über das Grundstück der Beschwerdeführer keineswegs notwendig
und würde nur einer gewissen Bequemlichkeit dienen; der Menzlenwald sei durch
öffentliche Wege und Strassen durchaus genügend erschlossen. Nicht jedes beliebige
öffentliche Interesse vermöge einen Eingriff in das Privateigentum zu rechtfertigen. Eine
konkrete und spezifische Abwägung der Interessen hätten weder der Stadtrat noch die
Vorinstanz vorgenommen. Angesichts des äusserst dichten Wegnetzes im und um den
Menzlenwald sei es völlig abwegig, von einer "Lücke" zu sprechen, die im Fuss- und
Wanderwegnetz geschlossen werden müsse. Ein überwiegendes öffentliches Interesse
könne nur bejaht werden, wenn bei der Auferlegung der Duldungspflicht eines
öffentlich-rechtlichen Notwegrechts gleichzeitig verfügt werde, wer für den
Wegunterhalt verantwortlich sei. Der betroffene Eigentümer müsse bereits im Zeitpunkt
des Eingriffs absehen können, welche Folgen die Beschränkung für ihn zeitigen werde.
Selbst wenn ein gewisses öffentliches Interesse an der Massnahme noch bestehen
sollte, müsse zudem deren Verhältnismässigkeit erfüllt sein. Da bereits drei Zugänge
vom Riethüsliquartier zum Menzlenwald bestünden, sei das Interesse an einem
weiteren Zugang offensichtlich nicht gross und damit auch nicht im rechtlichen Sinne
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erheblich. Hinzu komme, dass bereits der als Wanderweg signalisierte Solitüdenweg
auf ihrem Grundstück zu erheblichen Störungen führe. Ihre betroffenen privaten
Interessen seien deshalb im Sinne von Art. 26 in Verbindung mit Art. 36 der
Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV) zu schützen.
Die Vorinstanz liess sich mit Schreiben des Tiefbauamtes vom 26. März 2008
vernehmen; sie beantragt die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist
sie auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid.
Die Beschwerdegegnerin liess sich mit Schreiben vom 14. April 2009 vernehmen; sie
beantragt die Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdeführer erhielten Gelegenheit, sich zu den Vernehmlassungen der
Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin zu äussern. Dies taten sie mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 29. April 2009.
Eine Delegation des Verwaltungsgerichts hat am 6. November 2009 an Ort und Stelle
einen Augenschein durchgeführt. Die Verfahrensbeteiligten wurden dazu eingeladen
und erhielten Gelegenheit, zum Augenscheinprotokoll Stellung zu nehmen.
Die weiteren von den Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten
Ausführungen sowie die Stellungnahmen zum Augenscheinprotokoll werden, soweit
wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 5. März 2009
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2. Die Beschwerdeführer machen in tatsächlicher Hinsicht geltend, die Vorinstanz gehe
in ihrem Entscheid – insbesondere in Ziff. 4.2.2. und 4.2.3. der Erwägungen – zum Teil
von falschen tatbeständlichen Annahmen aus. Es sei nicht zutreffend, dass es sich bei
der Hügelkuppe um den höchsten Punkt im Menzlenwald handle; der höchste Punkt
liege nördlich des Solitüdenwegs in einer Waldlichtung mit Grillplatz und sei von
welcher Seite auch immer nur beschwerlich zugänglich. Ausserdem sei die Feststellung
der Vorinstanz in Ziff. 4.2.3. der Erwägungen in mehrfacher Hinsicht falsch, wonach am
Augenschein vom 17. April 2008 habe festgestellt werden können, dass die
Wilenstrasse keine Verbindung in den Menzlenwaldweg sei, die eine Alternative zum
Solitüdenweg oder dem in Frage stehenden Privatweg darstelle. Anlässlich dieses
Augenscheins sei die Wilenstrasse nicht begangen worden; tatsächlich bilde sie
zusammen mit der Menzlenstrasse einen bequemen und weitgehend eben
verlaufenden Rundgang vom und zum Oberhofstetten-/ Riethüsliquartier, der
insbesondere von Familien mit Kindern und betagten Fussgängern seit jeher intensiv
begangen werde.
2.1. Gemäss Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP können mit der Beschwerde an das
Verwaltungsgericht Rechtsverletzungen sowie unrichtige bzw. unvollständige
Sachverhaltsfeststellungen geltend gemacht werden. Das Verwaltungsgericht überprüft
die Feststellungen des Sachverhaltes durch die Vorinstanz grundsätzlich frei (vgl.
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003,
Rz. 631). Eine Überprüfung des Sachverhalts erfolgt im Beschwerdeverfahren vor
Verwaltungsgericht nur, wenn die Beteiligten eine unrichtige oder unvollständige
Feststellung durch die Vorinstanz beanstanden (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 633). Zudem
muss der Beschwerdeführer dartun, in welchen Punkten die Sachverhaltsfeststellung
der Vorinstanz unrichtig sein soll, und er hat auch anzugeben, mit welchen zusätzlichen
Beweismitteln seine Darstellung belegt werden kann oder aus welchen Gründen die
Beweiswürdigung der Vorinstanz seiner Ansicht nach fehl geht (vgl. Art. 48 Abs. 1 und
Art. 50 Abs. 1 VRP; GVP 1970 Nr. 21; VerwGE vom 27. Januar 2000 i.S. H. AG).
2.2. Als Beweismittel für das Vorbringen, es sei nicht zutreffend, dass es sich bei der
Hügelkuppe um den höchsten Punkt im Menzlenwald handle, führen die
Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift den Situationsplan im Anhang zum
Stadtratsbeschluss vom 23. Oktober 2007 an. Aus dieser eindimensionalen Karte ohne
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Höhenlinien ist der höchste Punkt des Menzlenwaldes nicht ersichtlich; allerdings
ergibt sich aus der Landeskarte der Schweiz, Blatt Nr. 2501, Massstab 1:25'000,
herausgegeben vom Bundesamt für Landestopographie, dass der höchste Punkt im
Menzlenwald auf 890 m ü. M. liegt und an der von den Beschwerdeführern geltend
gemachten Stelle liegt. Die Rüge der Beschwerdeführer erweist sich in dieser Hinsicht
als richtig.
In bezug auf das Vorbringen, die Wilenstrasse bilde zusammen mit der Menzlenstrasse
einen bequemen und weitgehend eben verlaufenden Rundgang vom und zum
Oberhofstetten-/Riethüsliquartier, der insbesondere von Familien mit Kindern und
betagten Fussgängern seit jeher intensiv begangen werde, bieten die
Beschwerdeführer den Situationsplan im Anhang zum Stadtratsbeschluss vom
23. Oktober 2007 sowie einen Augenschein als Beweismittel an. Inwiefern die
Wilenstrasse zusammen mit der Menzlenstrasse einen bequemen und weitgehend
eben verlaufenden Rundgang vom und zum Ober-hofstetten-/Riethüsliquartier bildet,
geht aus dem ins Recht gelegten Situationsplan nicht hervor. Diese Tatsache
bestätigte sich jedoch im Rahmen des Augenscheins vom 6. November 2009; es stellte
sich heraus, dass die Wilen-strasse bis zur Einmündung der Oberhofstettenstrasse
zunächst leicht ansteigt und von dort bis zur Einmündung der Menzlenstrasse
weitgehend eben verläuft. Auch die Menzlen-strasse verläuft zunächst eben, ehe sie ab
der Einmündung des Menzlenwaldwegs leicht abfällt. Dass die Vorinstanz den
Sachverhalt deswegen aber unrichtig festgestellt hätte, lässt sich nicht sagen. Die
Vorinstanz stellte, nachdem sie die tatsächliche Situation gewürdigt hatte, lediglich
fest, dass die Wilenstrasse als Verbindung in den Menzlenwald keine Alternative zum
Solitüdenweg oder dem in Frage stehenden Privatweg sei. Inwiefern die Wilenstrasse
zusammen mit der Menzlenstrasse einen bequemen und weitgehend eben
verlaufenden Rundgang vom und zum Oberhofstetten-/Riet-hüsliquartier bildet, war
nicht Gegenstand der Sachverhaltsermittlung.
Die Rüge der Beschwerdeführer, die Vorinstanz habe den Sachverhalt in verschiedener
Hinsicht unrichtig bzw. unvollständig festgestellt, erweist sich somit als teilweise
begründet.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3. In rechtlicher Hinsicht machen die Beschwerdeführer zunächst geltend, der Stadtrat
habe es unterlassen, das Verfahren nach Art. 4 ff. FWG bzw. Art. 10 StrG
durchzuführen; dazu wäre er verpflichtet gewesen, da er mit seiner Widmung der
Privatstrasse nicht eine Fusswegverbindung, sondern einen Wander- und Spazierweg
für die Öffentlichkeit schaffen wolle. Der Stadtrat habe weder die zuständige Stelle des
Kantons noch interessierte private Fachorganisationen vorgängig angehört; auch habe
das zuständige Departement die fragliche Privatstrasse nicht als Fuss-, Wander- oder
Radweg von kantonaler oder regionaler Bedeutung bezeichnet.
3.1. Wie aus der Systematik des StrG – und insbesondere aus den Randtiteln und dem
Wortlaut der Art. 9 und 10 StrG – hervorgeht, unterscheidet der st. gallische
Gesetzgeber zwischen zwei unterschiedlichen Wegarten: den gewöhnlichen Wegen
sowie den Fuss-, Wander- und Radwegen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der
Bund mit dem FWG ein Rahmengesetz geschaffen hat, das gemäss Art. 1 die Planung,
die Anlage und die Erhaltung zusammenhängender Fuss- und Wanderwegnetze
bezweckt. Art. 4 Abs. 1 lit. a FWG verpflichtet die Kantone, dafür zu sorgen, dass
bestehende und vorgesehene Fuss- und Wanderwegnetze in Plänen festgehalten
werden; nach Art. 4 Abs. 2 FWG sind sie auch verpflichtet, die Rechtswirkungen der
Pläne festzulegen und das Verfahren für deren Erlass und Änderung zu ordnen.
Der st. gallische Gesetzgeber hat das FWG als Rahmengesetz in einzelnen
Bestimmungen des StrG umgesetzt; somit ist das StrG in bezug auf das FWG
gleichsam das kantonale Einführungsgesetz (vgl. G. Germann, N 1 zu Art. 10 StrG, in:
G. Germann [Hrsg.], Kurzkommentar zum st. gallischen Strassengesetz, St. Gallen
1989). Für die Errichtung von Fuss-, Wander- und Radwegnetzen gelten besondere
Verfahrensbestimmungen. So schreibt Art. 10 Abs. 1 StrG vor, dass die politische
Gemeinde nach Anhören der zuständigen Stelle des Kantons und der interessierten
privaten Fachorganisationen Fuss-, Wander- und Radwegnetze im Strassenplan
festlegt. Gemäss Art. 10 Abs. 2 StrG bezeichnet das zuständige Departement nach
Anhören der politischen Gemeinden und der interessierten privaten Fachorganisationen
in einem besonderen Plan Fuss-, Wander- und Radwege von kantonaler oder
regionaler Bedeutung. Die Festlegung der Fuss-, Wander- und Radwegnetze hat im
Strassenplan der politischen Gemeinde zu erfolgen; damit wird das massgebliche
Verfahren bestimmt, wobei das Planverfahren gemäss Art. 13 Abs. 2 bzw. Art. 39 ff.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
StrG sachgemäss anzuwenden ist (Germann, a.a.O., N 2 zu Art. 10 StrG). Art. 13 Abs. 2
StrG schliesslich hält fest, dass für Erlass und Änderung des Gemeindestrassenplans
das Planverfahren nach dem StrG sachgemäss durchgeführt wird, wobei der
Gemeindestrassenplan der Genehmigung des zuständigen Departements bedarf.
Öffentliche Strassen fallen gemäss Art. 24 lit. a des Geschäftsreglements der
Regierung und der Staatskanzlei (sGS 141.3) in den Geschäftskreis des
Baudepartements.
3.2. Für die Widmung eines gewöhnlichen Weges, der weder ausdrücklich Teil eines
Fuss-, Wander- oder Radwegnetzes werden noch ausschliesslich einem Freizeit- und
Erholungszweck dienen soll, sind die Verfahrensregeln des Art. 10 StrG nicht
anwendbar. Art. 10 Abs. 1 StrG sichert der zuständigen Stelle des Kantons und
interessierten privaten Fachorganisationen das Recht, sich bei der Festlegung der
Fuss-, Wander- und Radwegnetze zu äussern; dieses Recht besteht allerdings nur,
wenn von der Festlegung – oder Änderung – qualifizierte Fuss-, Wander- oder
Radwege betroffen sind, die einzig der Freizeit und der Erholung dienen sollen.
Dasselbe gilt für die gemäss Art. 10 Abs. 2 StrG anzuhörenden Amtsstellen und
Organisationen; überdies steht diese Bestimmung im Zusammenhang mit der
Ausrichtung von Staatsbeiträgen, da an die Fuss-, Wander- und Radwege von örtlicher
oder überörtlicher Bedeutung keine werkgebundenen Staatsbeiträge vorgesehen sind
(vgl. ABl 1986, S. 1636; vgl. auch Germann, a.a.O., N 8 zu Art. 10 StrG). Die
Anhörungen gemäss Art. 10 Abs. 1 und 2 StrG entfallen bei der Widmung eines
bestehenden gewöhnlichen Wegs; diese bedingt einzig die Änderung des
Gemeindestrassenplans. Auf die Änderung des Gemeindestrassenplans ist gemäss Art.
39 Abs. 2 das Planverfahren im Sinne von Art. 39 ff. StrG anwendbar. Art. 41 Abs. 1
StrG bestimmt, dass das Projekt – und damit auch die Änderung des
Gemeindestrassenplans – in der politischen Gemeinde unter Eröffnung einer
Einsprachefrist von dreissig Tagen öffentlich aufgelegt wird.
3.3. Der Stadtrat erwog in seinem Beschluss vom 27. März 2007, der in Frage stehende
Privatweg bilde eine zweckmässige Ergänzung zum bestehenden Fahr- und
Fusswegnetz im Gebiet Solitüde – Menzlen. Dabei verzichtete er – wie auch in seinem
Beschluss vom 23. Oktober 2007 – darauf, den Begriff des Fuss-, Wander- oder
Radwegs zu verwenden. Ausschliesslich als Fuss-, Wander- oder Radweg und zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Freizeit- sowie Erholungszwecken wird der in Frage stehende Privatweg nicht genutzt;
wie der Stadtrat im seinem Beschluss vom 27. März 2007 feststellte, nutzt ihn die
Eigentümerschaft als Zufahrt zu ihren Gebäuden. Diese Tatsache bestätigte sich im
Rahmen des Augenscheins vom 6. November 2009; die Beschwerdeführer gaben an,
sie benützten den Menzlenwaldweg und den westlich des Wohnhauses liegenden
Abschnitt der Privatstrasse, um mit Motorfahrzeugen zum Wohnhaus zu gelangen.
Dasselbe gilt für allfällige Rettungsfahrzeuge, welche dank der an der Verzweigung
Menzlenstrasse/Menzlenwaldweg installierten Wegtafel mit der Aufschrift
"Solitüdenweg 24a" den Weg zum Wohnhaus der Beschwerdeführer finden sollen.
Der Stadtrat war somit nicht verpflichtet, die Verfahrensrechte zu gewähren, welche der
zuständigen Stelle des Kantons und den interessierten privaten Fachorganisationen
nach Art. 10 Abs. 1 StrG bei der Festlegung von Fuss-, Wander- und Radwegnetzen
zustehen. Auch verletzt das Vorgehen des Stadtrates Art. 10 Abs. 2 StrG nicht. Das
Vorbringen der Beschwerdeführer, der Stadtrat habe mit seinem Vorgehen
Verfahrensrechte nach FWG bzw. StrG missachtet, geht fehl. Die Beschwerde ist in
diesem Punkt unbegründet.
4. Die Beschwerdeführer machen in rechtlicher Hinsicht geltend, für die Klassierung
des Verbindungswegs zwischen Solitüdenweg und Menzlenwaldweg als öffentlicher
Weg bestehe – quantitativ und qualitativ – kein hinreichendes öffentliches Interesse.
Die mittlere Zugangsvariante über ihren Privatweg sei nicht notwendig, sondern diene
nur einer gewissen Bequemlichkeit. Das Interesse an einem weiteren Zugang sei
offensichtlich nicht gross und damit auch nicht im rechtlichen Sinne erheblich; vom
Riethüsliquartier zum Menzlenwald bestünden bereits drei Zugänge.
4.1. Ein Weg ist grundsätzlich dann als öffentlich zu klassieren, wenn sein Bestand im
öffentlichen Interesse liegt. Als Widmungsakt gilt die Aufnahme eines Weges in den
Strassenplan der Gemeinde. Dem Strassenplan kommt konstitutive Wirkung zu (vgl.
GVP 1991 Nr. 14 mit Hinweis auf Germann, a.a.O., N 3 zu Art. 12 StrG). Das Eigentum
an der Wegparzelle ist für die Beurteilung der Öffentlichkeit eines Weges nicht
ausschlaggebend. Ein öffentlicher Weg kann daher über eine im privaten Eigentum
stehende Fläche verlaufen. Die Widmung eines Weges zum Gemeingebrauch kann
indes eine öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkung bilden. Eine solche ist nur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zulässig, wenn sie auf einer gesetzlichen Grundlage beruht und im öffentlichen
Interesse liegt und wenn der Eingriff verhältnismässig ist. Eigentumsbeschränkungen,
die einer Enteignung gleichkommen, sind gemäss Art. 26 Abs. 2 BV voll
entschädigungspflichtig. Ob die Widmung eines Weges einer Enteignung gleichkommt,
ist aber nicht im Verfahren über die Klassierung des Weges zu beurteilen, sondern – auf
Antrag der Betroffenen – im Verfahren nach Art. 50 ff. des Enteignungsgesetzes (sGS
735.1; vgl. auch GVP 1990 Nr. 95 in bezug auf eine Strasse).
4.2. Das Strassengesetz gesteht den Gemeinden bei der Festlegung des
Gemeindestrassenplans in weitem Umfang Autonomie zu, auch wenn der kantonale
Erlass allgemeine Kriterien dazu enthält und der Strassenplan der Genehmigung des
kantonalen Baudepartements bedarf. Ob insbesondere ein Weg als öffentlich
bezeichnet und damit dem Gemeingebrauch gewidmet werden soll, beurteilt sich im
Rahmen von Art. 1 ff. und 7 ff. StrG. Dabei wendet die Gemeinde das Kriterium des
öffentlichen Interesses im Sinne von Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 2 BV an. Beim
Begriff des "öffentlichen Interesses" handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbe-
griff, welcher der rechtsanwendenden Behörde einen Beurteilungsspielraum eröffnet
(vgl. GVP 1991 Nr. 14; Häfelin/ Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2006, Rz. 446; Tschannen/Zimmerli, Allgemeines Verwaltungsrecht,
2. Aufl., Bern 2005, § 26 N 26). Zu beachten gilt es, dass das Verwaltungsgericht nicht
den ganzen Bereich dieses Beurteilungsspielraums, der bei einem unbestimmten
Rechtsbegriff gegeben ist, voll überprüfen soll, wenn die Verwaltungsbehörde zur
Beurteilung der konkreten Umstände besser geeignet ist als das Gericht. Dies trifft
insbesondere zu, wenn die örtlichen Verhältnisse besonders wichtig, die
aufgeworfenen Fragen technischer Natur oder die Verwaltungsbehörden den
tatsächlichen Verhältnissen näher und damit vertrauter sind (vgl. Häfelin/Müller/
Uhlmann, a.a.O., Rz. 466c; Tschannen/Zimmerli, a.a.O., § 26 N 29).
Insbesondere beim Entscheid, einen Verbindungsweg zu klassieren, spielen die
örtlichen Verhältnisse eine entscheidende Rolle. Ob die Klassierung des
Verbindungswegs zwischen Solitüdenweg und Menzlenwaldweg als öffentlicher Weg
im öffentlichen Interesse liegt, kann im Beschwerdeverfahren vor dem
Verwaltungsgericht daher nur unter Berücksichtigung und Respektierung der
Gemeindeautonomie überprüft werden. Allerdings prüft das Verwaltungsgericht von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Amtes wegen – und im Sinne einer Rechtsfrage –, ob die Vorinstanz Ermessen
überschritten oder missbraucht hat und damit rechtswidrig handelte, indem sie zum
Schluss gelangte, das öffentliche Interesse an einem feinmaschigen und attraktiven
Wegnetz im und zum Naherholungsgebiet Menzlenwald in der Stadt St. Gallen sei auch
für schwächere Verkehrs-teilnehmer grösser als das private Bedürfnis der
Beschwerdeführer nach Ruhe und Abgeschiedenheit auf ihrem Grundstück. Ebenso
prüft das Verwaltungsgericht mit voller Kognition, ob eine Eigentumsbeschränkung
verhältnismässig ist.
Eine Ermessensüberschreitung liegt vor, wenn die Behörde in einem Bereich Ermessen
ausübt, in welchem der Rechtssatz kein Ermessen einräumt (Häfelin/Müller/Uhlmann,
a.a.O., Rz. 467). Ermessensmissbrauch liegt vor, wenn die Behörde zwar im Rahmen
des ihr eingeräumten Entscheidungsspielraums bleibt, sich aber von unsachlichen,
dem Zweck der Vorschrift fremden Erwägungen leiten lässt oder allgemeine
Rechtsgrundsätze – wie etwa das Willkürverbot im Sinne von Art. 9 BV oder das
Rechtsgleichheitsgebot nach Art. 8 BV – verletzt. Ebenso wird Ermessensmissbrauch
angenommen, wenn die Behörde wesentliche Gesichtspunkte unberücksichtigt lässt.
4.3. Im Streitfall ist nicht ersichtlich, dass die Vorinstanz Ermessen überschritten hätte.
Zu prüfen ist einzig, ob sie mit ihrem Entscheid vom 18. Februar 2009 Ermessen
missbraucht hat.
4.3.1. Im Rahmen der Interessenabwägung prüfte die Vorinstanz, inwiefern der
Menzlenwald bereits durch andere – gleichwertige – Wege erschlossen sei; mit den
geographischen Eigenheiten der beiden Alternativwege – insbesondere deren Länge,
Beschaffenheit und Verlauf – setzte sie sich ausgiebig auseinander. Die von der
Vorinstanz angeführten Erwägungen liessen sich anlässlich des Augenscheins vom
6. November 2009 nachvollziehen. Es stellte sich heraus, dass der Solitüdenweg vom
Ausgangspunkt (Verzweigung Solitüdenweg/Wilenstrasse) bis zur Verzweigung
Solitüdenweg/ Privatweg der Beschwerdeführer geteert ist und stark ansteigt. Ab der
Verzweigung Solitüdenweg/Privatweg der Beschwerdeführer ist der Solitüdenweg nicht
mehr befestigt und bis zum Aussichtspunkt lediglich mit Gras überwachsen. Auf den
oberen beiden Dritteln dieses Abschnitts haben die Wegbenutzer im Verlaufe der Zeit
die Erdschicht an mehreren Stellen erodiert und Nagelfluh-Gestein freigelegt. Wie die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vertreter der Beschwerdegegnerin im Rahmen des Augenscheins erklärten, verzichtet
die Stadt St. Gallen bewusst darauf, dieses Wegstück auszubauen, um das
schutzwürdige Nagelfluh- Gestein nicht zu zerstören. Von der Verzweigung
Solitüdenweg/Privatweg der Beschwerdeführer bis zum Aussichtspunkt steigt der
Solitüdenweg relativ steil an; trotz der fehlenden Befestigung ist er indes auch für
durchschnittlich leistungsfähige Fussgänger ohne Probleme begehbar, obschon das
Wegstück anspruchsvoller ist als die geteerten Abschnitte. Der von den
Beschwerdeführern vorgeschlagene Alternativweg über die Wilenstrasse steigt bis zur
Einmündung der Oberhofstetten- in die Wilenstrasse leicht an; bis dorthin ist der Weg
gut ausgebaut und mit einem Teerbelag versehen. In der Folge verfügt die Wilenstrasse
nicht mehr über einen Teerbelag, ist aber gut begehbar; sie verläuft auf ca. 200 m flach,
ehe sie kontinuierlich abfällt. In das Zentrum des Menzlenwaldes führt sie nicht direkt,
sondern bildet zusammen mit der Menzlen- und der Hochwachtstrasse einen
Spazierweg vom Oberhofstettenquartier zur Hochwacht. Auch die Menzlenstrasse,
welche zunächst am Rande des Menzlenwaldes die Wilenstrasse fortsetzt und
schliesslich in Richtung Nordosten durch den Menzlenwald führt, verfügt nicht über
einen Teerbelag; sie ist jedoch – ebenso wie die Wilenstrasse – gut begehbar und fällt
kontinuierlich ab. Die Hochwachtstrasse, die schliesslich die Menzlenstrasse fortsetzt,
führt durch Siedlungsgebiet und ist mit Motorfahrzeugen befahrbar. Als dem Privatweg
der Beschwerdeführer im Sinne eines Zugangsweges geradezu gleichwertig lässt sich
der Spazierweg Wilenstrasse – Menzlenstrasse – Hochwachtstrasse nicht bezeichnen;
dieser vermag den Menzlenwald vom östlichen Siedlungsgebiet aus nicht direkt zu
erschliessen. Ausserdem ist festzuhalten, dass der Spazierweg im Abschnitt der
Hochwachtstrasse durch Siedlungsgebiet führt und – abgesehen vom Abschnitt der
Wilenstrasse, welche dem Menzlenwald entlangführt und den Blick auf den Alpstein
und die davorliegende Hügellandschaft freigibt – kaum Aussicht bietet. Schliesslich
liegt der entsprechende Abschnitt, der parallel zum Privatweg der Beschwerdeführer
verläuft, bedeutend tiefer.
Da der Solitüdenweg streckenweise naturbelassen ist und höhere Ansprüche an die
durchschnittliche Konstitution eines Spaziergängers stellt als die Wilenstrasse, und da
der Spazierweg Wilenstrasse – Menzlenstrasse – Hochwachtstrasse den Menzlenwald
von Osten nicht direkt erschliesst, durfte die Vorinstanz ohne Rechtsverletzung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
feststellen, der Menzlenwald sei durch keinen anderen dem Privatweg der
Beschwerdeführer gleichwertigen Weg erschlossen.
4.3.2. Die Vorinstanz berücksichtigte im Rahmen
ihres Ermessens die Bedürfnisse von Personen mit eingeschränkter Gehfähigkeit, von
Eltern mit Kleinkindern oder Kinderwagen sowie von Joggern. Ausserdem führte sie an,
der strittige Weg werde, wie die Erfahrungen zeigten, von Dritten begangen, was
ebenfalls für seine Notwendigkeit und Zweckmässigkeit – und damit für ein
überwiegendes öffentliches Interesse – spreche. Die Vorinstanz kam zum Schluss, ein
feinmaschiges und attraktives Wegnetz in und zu den Naherholungsgebieten trage
wesentlich zur Wohn- und Lebensqualität einer Stadt bei, und gerade in städtischen
Verhältnissen sei die gute und bequeme fussgängermässige Erschliessung bzw.
Erreichbarkeit von Naherholungs- und Waldgebieten auch für schwächere
"Verkehrsteilnehmer" besonders wichtig.
Die Erwägungen, welche die Vorinstanz zugunsten eines überwiegenden öffentlichen
Interesses anführt, sind im Grundsatz sachlicher Natur. Es besteht zweifellos ein
öffentliches Interesse, Naherholungsgebiete gut zu erschliessen und ein gut
ausgebautes und zweckmässiges Netz an öffentlichen Wegen zu erstellen. Der
Solitüdenweg ist – wie bereits oben festgestellt wurde – im Abschnitt von der
Verzweigung Solitüdenweg/Privatweg der Beschwerdeführer bis zum Waldrand relativ
anspruchsvoll, während der Spazierweg Wilenstrasse – Menzlenstrasse –
Hochwachtstrasse den Menzlenwald von der Ostseite nicht direkt erschliesst. Es zeigte
sich, dass mit der Klassierung des Privatwegs ein eigentlicher öffentlicher Rundweg
Wilenstrasse – Menzlen-strasse – Menzlenwaldweg – Privatweg der Beschwerdeführer
– Solitüdenweg entstehen würde. Dieser Rundweg würde den Menzlenwald mit einem
bequem zu bewältigenden Weg ergänzend erschliessen. Insofern kann ein öffentliches
Interesse an der Klassierung bejaht werden. Allerdings bildet die Tatsache, dass der
Privatweg - von unberechtigten Personen - benutzt wird, kein Merkmal für ein
öffentliches Interesse an der Klassierung als öffentlicher Weg.
5. Die Beschwerdeführer bringen schliesslich vor, dass – selbst wenn ein gewisses
öffentliches Interesse an der Massnahme noch bestehen sollte – deren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verhältnismässigkeit erfüllt sein müsse; diese sei vorliegend nicht gegeben. Damit
rügen die Beschwerdeführer eine Verletzung von Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 3 BV.
5.1. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit fordert, dass eine Verwaltungsmassnahme
zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und
notwendig ist (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 581; Tschannen/Zimmerli, a.a.O.,
§ 21 N 4). Der angestrebte Zweck muss zudem in einem vernünftigen Verhältnis zu den
Belastungen stehen, die der Privatperson auferlegt werden (BGE 130 II 425 E. 5.2; BGE
125 I 482 E. 3; Häfelin/Müller/ Uhlmann, a.a.O., Rz. 581 und 614; Tschannen/Zimmerli,
a.a.O., § 21 N 17). Diese drei Gebote müssen kumulativ
erfüllt sein (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., Rz. 586; Tschannen/Zimmerli, a.a.O., § 21
N 4).
5.2. Die Vorinstanz erachtete den Eingriff in das Eigentum der Beschwerdeführer,
welchen sie mit der Klassierung des Verbindungswegs zwischen Solitüdenweg und
Menzlenwaldweg als öffentlicher Weg dulden müssten, als verhältnismässig. In bezug
auf die Eignung der Massnahme führte sie an, die Widmung und Klassierung des
strittigen Privatwegs gewährleiste Personen mit eingeschränkter Gehfähigkeit einen
kürzeren und angenehmeren Zugang zum Naherholungsgebiet; durch die damit
verbundene Attraktivitätssteigerung des Naherholungsgebiets werde die
Lebensqualität auch dieser Personen erheblich verbessert.
5.2.1. Zunächst gilt es festzuhalten, dass ein Naherholungsgebiet zwar grundsätzlich
allen Personen offenstehen soll. Dieses Ziel lässt sich jedoch insbesondere aus
topographischen – und damit objektiven – Gründen nicht immer für alle
Personengruppen verwirklichen. Körperlich durchschnittlich konstituierte Personen –
ohne Geh- und andere Fortbewegungshilfen – können jedenfalls das
Naherholungsgebiet Menzlenwald vom Siedlungsgebiet aus ohne grössere
Anstrengungen und ohne Gefahren problemlos erreichen. Für Personen mit
eingeschränkter Gehfähigkeit oder gar für gehbehinderte Personen ist die
Erschliessung des Menzlenwaldes über den im Eigentum der Beschwerdeführer
stehenden Privatweg wenig zweckmässig. Diese Verbindung wäre zwar gegenüber
dem Solitüdenweg etwas bequemer. Dies ist aber nicht von erheblicher Bedeutung.
Aufgrund des steil ansteigenden Wegstücks zwischen der Wilenstrasse und dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ehemaligen Ausflugsrestaurant Solitüde ist der Zugang für Leute mit eingeschränkter
Gehfähigkeit oder gar einer Gehbehinderung zum neu zu schaffenden Verbindungsweg
erheblich erschwert. Es lässt sich daher nicht als Argument anführen, der neu zu
klassierende Weg führe für Personen mit eingeschränkter Gehfähigkeit zu einer
verbesserten Erschliessung bzw. einem verbesserten Zugang zum
Naherholungsgebiet.
Das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation bezeichnete die streitige
Wegverbindung in seiner Stellungnahme vom 29. Februar 2008 als Ergänzung des
kommunalen Wegnetzes im Naherholungsgebiet. Diese Beurteilung erweist sich
namentlich anhand der Feststellungen am Augenschein als zutreffend. An diesem
äusserten denn auch die Vertreter der Vorinstanz und der Beschwerdegegnerin
unwidersprochen, es handle sich beim streitigen Weg um eine Ergänzung des
Wegnetzes bzw. um ein Zusatzangebot. Es kann daher im Streitfall nicht geradezu von
einer Lücke im Wegnetz gesprochen werden, wie dies die Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid tat. Es bestehen verschiedene Zugänge in den Menzlenwald,
ein längerer, einfach und bequem zu begehender Weg über die Wilenstrasse, der auch
mit Kinderwagen passierbar ist, und ein kürzerer, an gewissen Abschnitten
naturbelassener Weg. Die Klassierung des Privatweges über das Grundstück der
Beschwerdeführer würde das bestehende, gut ausgebaute Wegnetz lediglich ergänzen.
Eine Notwendigkeit für Personen mit eingeschränkter Gehfähigkeit ist nicht gegeben,
da sich an der Problematik des erschwerten Zugangs von der Wilenstrasse zum
ehemaligen Ausflugsrestaurant durch den neuen Wegabschnitt nichts ändern würde.
Insoweit muss die Notwendigkeit der geplanten Klassierung im engeren Sinn verneint
werden.
5.2.2. Die Vorinstanz stellte fest, der angestrebte Zweck stehe in einem vernünftigen
Verhältnis zu den Belastungen, welche den Beschwerdeführern auferlegt werden; die
Massnahme sei somit auch verhältnismässig im engeren Sinne. Die Beschwerdeführer
machen diesbezüglich geltend, zwischen dem angestrebten Zweck und den
Belastungen, welche sie mit der Massnahme hinnehmen müssten, bestehe kein
vernünftiges Verhältnis; einerseits führe bereits der als Wanderweg signalisierte
Solitüdenweg auf ihrem Grundstück zu erheblichen Störungen, und andererseits
könnten sie – im Falle einer Klassierung – ihren Hofhund nicht mehr frei laufen lassen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schliesslich wäre auch ihre Privatsphäre massiv beeinträchtigt, und es würden ihnen
Verantwortlichkeitsansprüche von Personen drohen, die auf dem der Öffentlichkeit
gewidmeten Privatweg wegen Dachlawinen auf der Nordseite des Hauses zu Schaden
kommen.
Am Augenschein vom 6. November 2009 wurde festgestellt, dass sich auf der
südlichen Seite des Wohnhauses der Beschwerdeführer ein mit Steinen belegter
Vorplatz befindet. Auf der nördlichen Fassadenseite führt der Privatweg der
Beschwerdeführer durch. Selbst wenn sich die Beschwerdeführer hauptsächlich auf
dem Vorplatz vor der südlichen – sonnenzugewandten – Hausfassade aufhalten, wenn
sie die Umgebung ihres Wohnhauses nutzen, so ist zu berücksichtigen, dass der Weg
unmittelbar an ihrem Haus vorbeiführt und die Nutzung der unmittelbaren Umgebung
des Hauses einschränkt. Verständlich ist insbesondere, dass die Beschwerdeführer im
Falle einer Widmung des Weges als öffentlicher Weg bei der Haltung ihres Hundes
eingeschränkt werden. Aufgrund der abgeschiedenen Lage des Gehöfts ist die Haltung
eines Hundes verständlich. Die Hundehaltung führt aber erfahrungsgemäss zu
Konflikten mit Fussgängern, Radfahrern und andern Benützern des öffentlichen Weges.
Hinzu kommt, dass die Privatspähre der Bewohner in nicht unerheblichem Mass
eingeschränkt wird, wenn der unmittelbar an ihrem Wohnhaus vorbeiführende Weg zu
jeder beliebigen Zeit von irgend welchen Personen benutzt werden kann.
5.3. Zusammenfassend gelangt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass die
Eigentumsbeschränkung angesichts des Fehlens einer Lücke im Wegnetz und der
bestehenden guten Erschliessung des Naherholungsgebietes sowie der
Bedeutungslosigkeit der ergänzenden Erschliessung für Personen mit eingeschränkter
Gehfähigkeit unverhältnismässig ist. Der Entscheid der Vorinstanz verstösst damit
gegen Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 3 BV. Folglich ist die Beschwerde gutzuheissen
und der Rekursentscheid vom 18. Februar 2009 aufzuheben.
6. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622
Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
VRP). Den Beschwerdeführern ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 3'000.--
zurückzuerstatten.
Die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens von Fr. 3'000.-- sind der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, wobei auf die Erhebung zu verzichten ist (Art. 95
Abs. 1 und 3 VPR). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist den Beschwerdeführern
zurückzuerstatten.
Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführer für das Rekurs- und das
Beschwerdeverfahren ausseramtlich zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und 2 und
Art. 98bis VRP). Eine Entschädigung von Fr. 4'000.-- zuzügl. MWSt für das Rekurs- und
das Beschwerdeverfahren ist angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. a und b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75). Für das
Einspracheverfahren sind keine ausseramtlichen Kosten zu entschädigen (Art. 98 Abs.
3 lit. b VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht