Decision ID: b7d350b8-a1d3-4d60-9c31-11a575b2fbdf
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 16. Oktober 2008 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 1). Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin,
berichtete am 27. März 2009, die Versicherte leide mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (anamnestisch) an einer Persönlichkeitsstörung, DD: instabile
Persönlichkeit, und an einem Substanzgebrauch. Bezogen auf die angestammte
Tätigkeit als Sportartikelverkäuferin bescheinigte er ihr eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(IV-act. 28). Wegen einer schweren Sepsis mit Multiorganversagen bei Pneumonie
rechts musste die Versicherte in der Zeit vom 27. Juni bis 20. August 2010 in
verschiedenen medizinischen Einrichtungen stationär behandelt werden (siehe
betreffend die Zeit vom 27. bis 30. Juni 2010 den Austrittsbericht der medizinischen
Intensivstation am Universitätsspital Zürich vom 8. Juli 2010, IV-act. 48-17 ff. mit
Hinweis auf die anschliessend bis 13. Juli 2010 erfolgte Behandlung im Kantonsspital
Luzern; betreffend die Behandlung vom 13. Juli bis 24. Juli 2010 siehe den Bericht der
Abteilung Nephrologie/Transplantationsmedizin am Departement Innere Medizin des
Kantonsspitals St. Gallen [KSSG] vom 28. Juli 2010, IV-act. 48-12 ff., und für die Dauer
vom 24. Juli bis 20. August 2010 den Austrittsbericht der Rehaklinik C._ vom
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25. August 2010, IV-act. 48-8 f.). Dr. B._ führte im Bericht vom 1. Februar 2011 als
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auf: eine morbide Adipositas (BMI
42.2); eine Persönlichkeitsstörung, DD: instabile Persönlichkeit; Substanzgebrauch
(Aethyl, Opiate, aktuell Methadon-Substitutionsprogramm 60 mg); schwere Sepsis mit
Multiorganversagen bei Pneumonie rechts und dialysepflichtiger Niereninsuffizienz;
eine Visusverminderung im rechten Auge (papillomakulär zwei cotton-wool-Herde); eine
poststenotische, abszendierende Pneumonie am Unterlappen links (IV-act. 48-1 ff.).
A.b Die behandelnde Dr. med. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
erhob folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Störungen durch
Opioide, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich
überwachten Ersatzdrogenprogramm (ICD-10: F11.22); Störungen durch Alkohol,
Abhängigkeitssyndrom, aber in Behandlung mit aversiven oder hemmenden
Medikamenten (ICD-10: F10.23); Störungen durch Kokain, Abhängigkeitssyndrom,
gegenwärtig abstinent aber in beschützender Umgebung (ICD-10: F14.21); eine
mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10); eine
emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline Typ (ICD-10: F60.31) und eine
Adipositas (ICD-10: E66). Sie bescheinigte der Versicherten eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (Bericht vom 24. Februar 2011, IV-act. 50).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 10. und 11. Januar 2012 in der
MEDAS Zentralschweiz polydisziplinär (internistisch, pneumologisch und psychiatrisch)
begutachtet. Die Gutachter diagnostizierten mit wesentlicher Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit: eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline-Typ (ICD-10: F60.31); eine bipolare affektive Störung (ICD-10: F31.7); eine
Polytoxikomanie; eine obstruktive Pneumopathie bei Asthma bronchiale (nicht
allergisch) sowie Raucherbronchitis. Aus körperlicher Sicht bestehe sowohl für die
angestammte Tätigkeit als kaufmännische Angestellte als auch für eine andere
leidensangepasste Tätigkeit keine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus
psychiatrischer Sicht könne die Arbeitsfähigkeit gegenwärtig nicht eingeschätzt
werden. Bezüglich des zurückliegenden Verlaufs der Arbeitsfähigkeit führten die
Gutachter aus, im Anschluss an die Geburt der Tochter im November 2007 sei die
Versicherte längere Zeit arbeitsunfähig gewesen, u.a. zunächst durch eine
Radiusfraktur (siehe hierzu IV-act. 33), im Verlauf von 2008 auch durch einen
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Lungentumor mit Operation und im Jahr 2010 durch die Sepsis mit
Multiorganversagen. Überblicke man die Krankengeschichte der letzten vier Jahre, so
könne man sagen, dass in dieser Zeit, also seit November 2007 kaum mit einer
verwertbaren Arbeitsfähigkeit zu rechnen gewesen sei. Somit sei zu attestieren, dass
die Versicherte ab November 2007 zu 100% arbeitsunfähig gewesen sei, zuvor
während etwa eines Jahres eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe und die
Arbeitsfähigkeit aktuell noch nicht beurteilt werden könne; somit sei vorläufig die
Versicherte weiterhin als arbeitsunfähig zu betrachten (Gutachten vom 2. Mai 2012, IV-
act. 55, insbesondere S. 30 f.).
A.d Auf Nachfrage der IV-Stelle vom 2. August 2012 hin (IV-act. 59; vgl. auch die
Stellungnahmen des Rechtsdienstes vom 18. Juni 2012, IV-act. 57, sowie des RAD
vom 13. Juni 2012, IV-act. 56) führte der fallführende MEDAS-Gutachter in der
Stellungnahme vom 3. September 2012 aus, im Gutachten sei ganz bewusst dargelegt
worden, dass die Arbeitsfähigkeit der Versicherten nicht beurteilt werden könne, weil
noch die entsprechende sozialpraktische und ressourcenorientierte Abklärung fehle. Da
im Rahmen der Begutachtung die Ressourcen der Versicherten offen geblieben seien,
habe die Arbeitsfähigkeit nicht beurteilt werden können. Hier liege die Gegebenheit der
aktuell fehlenden Vermittelbarkeit: Würde man die Versicherte jetzt beispielsweise zu
50% in einem kaufmännisch-administrativen Bereich „auf den Arbeitsmarkt werfen“, so
würde sie mit Sicherheit „untergehen“. Dies aber nicht, weil sie definitiv nicht über
Ressourcen verfüge, sondern weil diese noch nicht wieder aufgebaut, respektive
stabilisiert seien (IV-act. 61).
A.e Im „Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt“ gab
die Versicherte am 19. Dezember 2012 an, sie würde heute - ohne Behinderung - aus
wirtschaftlichen Gründen und da ihre Tochter seit Oktober 2012 im Kindergarten sei,
eine Erwerbstätigkeit in einem Pensum von 40 bis 50% ausüben (IV-act. 74). Gestützt
auf eine mit der Versicherten getroffene Zielvereinbarung erteilte die IV-Stelle eine
Kostengutsprache für eine Integrationsmassnahme in Form eines
Belastbarkeitstrainings in der Stiftung E._ vom 14. Januar bis 14. April 2013
(Mitteilung vom 29. Januar 2013, IV-act. 84). Wegen eines Spitalaufenthalts infolge
Alkoholmissbrauchs musste diese Integrationsmassnahme vorzeitig per 22. März 2013
beendet werden (Mitteilung vom 10. April 2013, IV-act. 96; vgl. auch das
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Verlaufsprotokoll nach Grundsatzentscheid vom 3. April 2013 [letzter Eintrag vom
4. April 2013], IV-act. 94, und den Schlussbericht der Stiftung E._ vom 4. April 2013,
IV-act. 100). Am 11. April 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten den Abschluss der
beruflichen Massnahmen mit (IV-act. 98).
A.f Die in der Klinik F._ behandelnden medizinischen Fachpersonen führten im
Bericht vom 20. August 2013 aus, eine Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt
mit mindestens 50%iger Arbeitsfähigkeit sei aktuell nicht absehbar. Aufgrund der
langjährigen physischen wie psychischen Krankheitsgeschichte und des Scheiterns der
letzten Massnahme resultiere bei der Versicherten eine massive Selbstwertstörung, die
immer wieder auch zur emotionalen Instabilität führe. Die Begleitung durch einen
Beistand sei unabdingbar (IV-act. 106).
A.g Auf Anfrage der IV-Stelle teilte das Sozialamt G._ mit, die Versicherte müsste
heute ohne Behinderung sowie aufgrund des Alters der Tochter im Rahmen von 100%
arbeiten. Ab dem 3. Altersjahr werde von den Müttern eine 50%ige und ab dem
Kindergarten-Alter eine volle Erwerbstätigkeit abverlangt. Die Tochter hätte die
Möglichkeit, im Kinderhort/in der Kinderkrippe sowie am Mittagstisch untergebracht zu
werden (ELAR-Notiz vom 10. September 2013, IV-act. 110).
A.h Mit Vorbescheid vom 25. November 2013 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Zusprache einer halben Rente ab 1. November 2011 und einer ganzen Rente ab
1. August 2012 in Aussicht. Zur Begründung führte sie an, im Aufgabenbereich bestehe
keine Einschränkung und im Erwerbsbereich eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In
Berücksichtigung „der gemischten Methode“ bestehe somit bis zum 3. Altersjahr der
Tochter keine Einschränkung, da die Versicherte vollumfänglich als Hausfrau tätig
gewesen wäre. Ab dem 3. Altersjahr, d.h. ab November 2010 bzw. nach Ablauf des
Wartejahres, d.h. im November 2011, bestehe ausgehend von einem 50%igen
Erwerbspensum ein Anspruch auf eine halbe Rente. Ab dem Zeitpunkt des
Kindergartenalters der Tochter sei von einem vollen Erwerbspensum auszugehen (IV-
act. 118). Dagegen erhob die Versicherte am 6. Januar 2014 Einwand. Sie bestritt die
Annahme der IV-Stelle, sie sei im Haushalt nicht eingeschränkt (IV-act. 121). Am
27. Januar 2014 (betreffend den Rentenanspruch ab 1. Februar 2014, IV-act. 127) und
am 18. Februar 2014 (betreffend den Rentenanspruch im Zeitraum vom 1. November
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2011 bis 31. Juli 2012, IV-act. 130) verfügte die IV-Stelle die Rentenleistungen gemäss
Vorbescheid.
B.
B.a Gegen die Verfügungen vom 27. Januar und 18. Februar 2014 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 27. Februar 2014. Die Beschwerdeführerin beantragt
darin deren Aufhebung. Es sei ihr ab einem früheren Zeitpunkt eine IV-Rente
zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung bringt sie vor, die Annahme einer vollen Leistungsfähigkeit im
Haushalt sei unzutreffend. Zudem sei der Beginn des Wartejahres auf November 2006
festzusetzen mit der Folge, dass dieses im November 2007 erfüllt worden sei (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 22. April 2014
die Abweisung der Beschwerde. Sie hält vollumfänglich an der im
Verwaltungsverfahren vertretenen Sichtweise fest (act. G 5).
B.c Mit Präsidialentscheid vom 24. April 2014 ist dem Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) entsprochen worden (act. G 7).
B.d In der Replik vom 27. Mai 2014 hält die Beschwerdeführerin unverändert an den
gestellten Rechtsbegehren fest (act. G 8). Sie hat eine Stellungnahme der Leiterin des
H._ zu den Einschränkungen im Haushalt vom 6. Mai 2014 eingereicht, wo sie sich
vom 21. Dezember 2007 bis 31. August 2009 und vom 1. September 2009 bis
24. September 2012 (in einer Aussenwohnung) aufgehalten hatte (act. G 8.1).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 10).

Erwägungen
1.
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Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin. Da die rück- und auf unbestimmte Zeit wirkende
Rentenzusprache ein einheitliches Rechtsverhältnis bildet, ist der Rentenanspruch für
den gesamten Zeitraum Gegenstand der gerichtlichen Überprüfung (vgl. BGE 131 V
164). Unbestritten und durch die medizinischen Akten (IV-act. 55-31, IV-act. 56-2 und
IV-act. 106) ausgewiesen ist, dass die Beschwerdeführerin seit (spätestens) November
2007 über keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr verfügt.
1.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.2 Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Sie ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG). Volljährige, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit
nicht zugemutet werden kann, gelten als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich
im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 8 Abs. 3 ATSG; siehe auch Art. 5
Abs. 1 IVG). Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind
und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für
die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in
welchem Mass sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
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IVG). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im
Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität
nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so
wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Absatz 2 festgelegt. In diesem Fall sind der
Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten
oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
2.
In einem ersten Schritt ist der Status der Beschwerdeführerin zu prüfen. Die
Beschwerdegegnerin legte ihrem Rentenentscheid folgende Qualifikationen der
Beschwerdeführerin zugrunde: Nichterwerbstätige für die Zeit nach der Geburt der
Tochter vom _ 2007 bis zum Erreichen von deren 3. Altersjahr im _ 2010;
teilzeitlich Erwerbstätige (50%iges Erwerbspensum im Gesundheitsfall) für die Zeit
danach bis zum Kindergarteneintritt der Tochter im August 2012; vollzeitlich
Erwerbstätige seit August 2012 (IV-act. 127-6). Der vorliegend zu beurteilende
Rentenanspruch führt anschaulich die diskriminierenden Ergebnisse der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Statusqualifikation der Versicherten (BGE 133
V 507 E. 3.3) vor Augen, wonach bei identisch gebliebener Leistungsunfähigkeit der
versicherten Person allein wegen Geburt und infolgedessen ohne Gesundheitsschaden
hypothetisch angenommener Änderung der Erwerbs- bzw. Haushaltsgestaltung
unterschiedliche rentenrelevante Schäden resultieren sollen.
2.1 Die Beurteilung eines Rentenanspruchs bzw. die Anwendung der entsprechenden
gesetzlichen Bestimmungen hat grundrechtskonform zu erfolgen. Diesbezüglich gilt es
Folgendes zu beachten:
2.1.1 Im noch nicht rechtskräftigen Urteil di Trizio vs. Schweiz vom 2. Februar 2016
(application no. 7186/09) betreffend die von den Sozialrechtlichen Abteilungen des
Bundesgerichts (ausschliesslich) in der Invalidenversicherung praktizierte sogenannte
gemischte Methode zur Invaliditätsermittlung (vgl. hierzu BGE 130 V 393 und 125 V
146) stellte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in einem mit dem
vorliegenden Fall vergleichbaren Sachverhalt eine Verletzung von Art. 14
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(Diskriminierungsverbot) i.V.m. Art. 8 (Recht auf Achtung des Privat- und
Familienlebens) der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(EMRK; SR 0.101) fest. Er wies auf die vorrangige Bedeutung des Grundsatzes der
geschlechtlichen Gleichberechtigung im europäischen Grundrechtsverständnis hin
(Urteil di Trizio vs. Schweiz, Rz 82: „La Cour rappelle en outre que la progression vers
l’égalité des sexes est un but important [...]“; siehe auch die Press Release vom
2. Februar 2016, ECHR 047 [2016],, S. 3: „the advancement of gender equality was a
major goal [...]“). Die Ziele der Invalidenversicherung müssten in Nachachtung dieses
Grundsatzes verfolgt werden (Urteil di Trizio vs. Schweiz, Rz 96: La Cour „estime
néanmoins que cet objectif doit être apprécié à la lumière de l’égalité des sexes,
puisque l’affaire concerne une allégation de discrimination au détriment des femmes“;
siehe auch die Ausführungen in Rz 101; vgl. auch die Press Relaese, a.a.O., S. 3:
„However, the Court considered that this aim had to be assessed in the light of gender
equality [...]“). Der Gerichtshof gelangte zum Schluss, dass die von den
Sozialrechtlichen Abteilungen praktizierte gemischte Methode zur Bestimmung des
rentenrelevanten Schadens nicht im Einklang mit der geschlechtlichen
Gleichberechtigung stehe und eine Diskriminierung bewirke. Die nach der Geburt eines
Kindes gewählte Gestaltung des Erwerbs-/Haushaltspensums dürfe nicht zu einer
Leistungsdiskriminierung führen. Das Vorliegen einer Rechtfertigung für eine
leistungsrechtliche Ungleichbehandlung verneinte es (Urteil di Trizio vs. Schweiz,
Rz 97: „Il en découle clairement que le refus de lui reconnaître le droit à une rente a
pour fondement l’indication par la requérante de sa volonté de réduire son activité
rémunérée pour s’occuper de son ménage et de ses enfants. De fait, pour la grande
majorité des femmes souhaitant travailler à temps partiel à la suite de la naissance des
enfants, la méthode mixte s’avère discriminatoire“; zur fehlenden Rechtfertigung siehe
Urteil di Trizio vs. Schweiz, Rz 103; vgl. auch Press Release, a.a.O., S. 3 f.; vgl. zum
Ganzen ferner Jurius, Teilzeit-Erwerbstätige werden bei IV-Renten diskriminiert, in:
Jusletter vom 8. Februar 2016). In der kantonalen Rechtsprechung (siehe etwa den
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. August 2005,
IV 2005/21, E. 6) und der diesbezüglich praktisch einhelligen Lehre (jüngst Susanne
Leuzinger-Naef, Gesetzgeberischer Handlungsbedarf beim Bundesgerichtsgesetz, in:
plädoyer 2/16, S. 43; siehe auch u.a. Hans-Jakob Mosimann mit einer kritischen
Besprechung von BGE 125 V 146, in AJP 2/2000, S. 213 ff., Alexandra Rumo-Jungo,
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Ausgewählte Gerichtsentscheide aus dem Sozialversicherungsrecht im
Zusammenhang mit Teilzeitarbeitsverhältnissen, in: Freiburger Sozialrechtstag 1996,
Bern 1996, S. 187 ff., Susanne Leuzinger, Sozialversicherungsrechtliche Probleme
flexibilisierter Arbeitsverhältnisse, in: Freiburger Sozialrechtstag 1996, Bern 1996,
S. 91 ff.; Franz Schlauri, Das Rechnen mit der Arbeitsunfähigkeit in Beruf und Haushalt
in der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung, Referat anlässlich der
Sozialversicherungsrechtstagung vom 25. und 26. Juni 2003 in Luzern, publ. in:
Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, S. 307 ff.) wird die vom
Bundesgericht praktizierte gemischte Methode zur Bestimmung des rentenrelevanten
Schadens seit längerem kritisiert, namentlich auch unter dem Aspekt von deren EMRK-
Widrigkeit (Edgar Imhof, Die Bedeutung menschenrechtlicher Diskriminierungsverbote
für die soziale Sicherheit, in Jusletter 7.2.2005, S. 7 f.).
2.1.2 Nicht bloss von der Qualifikation als teilzeitlich Erwerbstätige (vorliegend im
Zeitraum vom November 2010 bis August 2012), sondern auch als Nichterwerbstätige
(vorliegend im Zeitraum vom _ 2007 bis Ende Oktober 2010) sind gerichtsnotorisch
weit überwiegend Frauen betroffen. Im vorliegend zu beurteilenden Fall führen beide
Qualifikationen bzw. die damit einhergehenden Methoden zur Ermittlung des
rentenrelevanten Schadens (vorausgesetzt, die Einschränkung im Aufgabenbereich
erweist sich als hinreichend abgeklärt) zu keiner bzw. zu lediglich einer halben Rente.
Demgegenüber hat die Qualifikation als vollzeitlich Erwerbstätige den grösstmöglichen
rentenrelevanten Schaden (100%ige Invalidität) und die höchstmögliche Leistung
(ganze Rente) zur Folge.
2.2
2.2.1 Bei der Beurteilung der Statusfrage und deren Auswirkungen auf den
rentenrelevanten Schaden gilt es zu beachten, dass es sich bei der
Invalidenversicherung um eine Volksversicherung handelt, die sowohl die
erwerbstätigen als auch die nichterwerbstätigen Personen gleichermassen zu
umfassen hat. Das im Zusammenhang mit Rentenleistungen versicherte Gut ist
grundsätzlich die Erwerbsfähigkeit. Die Erwerbsunfähigkeit bildet für den
Rentenanspruch den massgebenden versicherten Schaden. Die Erwerbsunfähigkeit ist
der Verlust an Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
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Arbeitsmarkt der versicherten Person (Art. 7 Abs. 1 ATSG; für die Zeit vor Erlass des
ATSG siehe BGE 130 V 346 E. 3.2.1 mit Hinweisen). Jede Person, unabhängig davon,
ob sie überhaupt jemals eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hat, verfügt über ein
ökonomisch bestimmbares Erwerbspotenzial auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt,
das die Invalidenversicherung versichert. Der versicherte Schaden bzw. der versicherte
(gesundheitsbedingte) Verlust an Erwerbsmöglichkeiten ist damit unabhängig von der
vor oder nach Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung tatsächlich auf dem (nicht
ausgeglichenen) Arbeitsmarkt eingesetzten Erwerbs- bzw. Arbeitsleistung. Selbst wenn
die (voll oder teilweise) invalide Person auch ohne den Gesundheitsschaden keiner
vollzeitlichen Erwerbstätigkeit mehr nachgehen würde, besteht für sie dennoch ein
Verlust an Erwerbspotenzial und es ist ihr nicht mehr möglich, das Erwerbspensum
über die verbleibende Resterwerbsfähigkeit hinaus zu steigern bzw. zu einem späteren
Zeitpunkt auszudehnen. Dieser Schaden wird von der Erwerbsunfähigkeit
vollumfänglich erfasst. Der Umfang der tatsächlich auf dem (nicht ausgeglichenen)
Arbeitsmarkt eingesetzten Erwerbsfähigkeit beeinflusst demgegenüber einzig -
allerdings nicht unerheblich - die Leistungsseite bzw. die betragliche Bemessung der
Rentenleistung. Anschaulich ist die Bestimmung der Erwerbsunfähigkeit in der
Unfallversicherung, wo das Valideneinkommen in jedem Fall auf eine vollzeitliche
Tätigkeit aufgerechnet wird (Urteil des Bundesgerichts vom 14. April 2008,
8C_664/2007, E. 7.2.4 mit Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur) und demnach
unabhängig vom tatsächlich ausgeübten Erwerbspensum immer ein identischer
Schaden bzw. eine identische Erwerbsunfähigkeit der versicherten Person resultiert,
wie es die Schadenskonzeption von Art. 8 ATSG (i.V.m. Art. 18 des Bundesgesetzes
über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]) vorsieht. So können namentlich spätere
Veränderungen des (hypothetischen) Erwerbspensums etwa infolge Geburt keine
Auswirkungen auf die rentenrelevante Erwerbsunfähigkeit mit sich bringen. Der Umfang
der tatsächlich vor dem Unfallereignis verwerteten Erwerbsfähigkeit wirkt sich lediglich
- aber immerhin - auf der Leistungsseite aus, indem der versicherte Verdienst im Sinn
von Art. 15 Abs. 2 UVG Bemessungsgrundlage bildet. Dies ist auch in der
Invalidenversicherung gewährleistet, besteht doch die Invalidenrente neben dem festen
Mindestbetrag auch aus dem variablen Rententeil, der sich nach dem massgebenden
durchschnittlichen Jahreseinkommen bemisst (vgl. Art. 37 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 34
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Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG;
SR 831.10]).
2.2.2 Diesem Verständnis des Begriffs der Erwerbsfähigkeit folgend und in
Nachachtung des Charakters einer Volksversicherung (und nicht nur einer
Erwerbstätigenversicherung) wurde bei Erlass des IVG betont, dass der massgebende
Schaden auch bei Nichterwerbstätigen die Erwerbsunfähigkeit bildet (BBl 1958 II
S. 1162; vgl. auch den Bericht der Eidgenössischen Expertenkommission für die
Einführung der Invalidenversicherung vom 30. November 1956, S. 27). Im genannten
Bericht der Expertenkommission wurde diesbezüglich etwa für den „Privatier“, also
jemanden, der z.B. von seinen Kapitaleinkünften lebt, ausdrücklich festgehalten, bei
der Invaliditätsbemessung solle nicht ausschlaggebend sein, dass er es nicht nötig
habe, seine Arbeitskraft zu verwerten, oder dies nicht tun wolle. Auch bei ihm sei von
der (qualifizierten) Erwerbsunfähigkeit auszugehen. In der Frage der zumutbaren
Erwerbstätigkeit werde man die Ausbildung, die soziale Stellung und den Ortsgebrauch
angemessen berücksichtigen (S. 118 des Berichts). Ein Abweichen vom Grundsatz der
für Rentenleistungen massgebenden Erwerbsunfähigkeit wurde auch für sog.
Haustöchter, also für unverheiratete, bei den Eltern lebende und nicht erwerbstätige
erwachsene Töchter explizit verneint mit dem Hinweis, diesen könne die wirtschaftliche
Verwertung ihrer Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt grundsätzlich zugemutet werden
(S. 118 des Berichts). Auch bei Hausfrauen, die neben der Besorgung des Haushalts
regelmässig berufstätig sind, ist gemäss dem Bericht der Expertenkommission
ebenfalls vom Begriff der Erwerbsunfähigkeit auszugehen, was damit begründet wurde,
dass das Ausmass der Erwerbsunfähigkeit aufgrund des Erwerbseinkommens vor der
Invalidierung leicht bestimmbar sei und auch die Zumutbarkeit einer arbeitsmarktlich
relevanten Erwerbstätigkeit zu bejahen sei. Der Bericht schliesst diesbezüglich, dass
diese Hausfrauen als Erwerbstätige gälten und daher in diesem Kontext nicht weiter
interessierten (S. 116 f. des Berichts).
2.2.3 Die gesetzliche Regelung lässt für ausschliesslich im Haushalt tätige Hausfrauen
(„Nur-Hausfrauen“) ein Abweichen von der für Rentenleistungen massgebenden
Erwerbsunfähigkeit ausnahmsweise zu, doch selbst dies nur dann, wenn sie vor Eintritt
der Invalidität nicht erwerbstätig waren und ihnen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
nicht zugemutet werden könnte. Diese Ausnahme vom Schadenskonzept der
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Erwerbsunfähigkeit wurde allein sozial- bzw. gesellschaftspolitisch mit der damaligen
„Bedeutung des Familienlebens“ begründet (BBl 1958 II S. 1162; vgl. auch den Bericht
der Expertenkommission, S. 116: Einer invaliden Hausfrau solle die Invalidenrente nicht
etwa deswegen verweigert werden, weil es ihr vielleicht möglich wäre, ihr in einer mit
dem Rollstuhl erreichbaren Fabrik eine leichte Arbeit zuzuweisen. „Eine solche
Regelung widerspräche der Bedeutung, die man in der Schweiz dem Familienleben
beimisst.“). Die Ausnahmeregelung, also das Abweichen vom Begriff der
Erwerbsunfähigkeit, sollte ferner für Klosterfrauen und Mönche gelten. Diesen könne
die Verwertung ihrer Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt grundsätzlich nicht zugemutet
werden, weshalb hier wie bei den Nur-Hausfrauen, denen die Erwerbsaufnahme nicht
zumutbar wäre, das Mass der Unfähigkeit, die Arbeit im Aufgabenbereich weiter
auszuführen, relevant ist (vgl. S. 117 f. des Berichts).
2.2.4 Die Priorität der Erwerbsunfähigkeit als für die Rentenleistungen massgebende
Schadensgrösse (Invaliditätsbegriff) sowie die beiden kumulativ zu erfüllenden
Voraussetzungen für ein Abweichen davon fanden Eingang in die gesetzliche
Regelung. Unter dem Randtitel „Begriff der Invalidität 1. Grundsatz“ definierte aArt. 4
IVG (ursprüngliche und bis 31. Dezember 1987 gültige Fassung; im Rahmen der 2. IV-
Revision [Inkrafttreten am 1. Januar 1988] wurde zur „Modernisierung der äusseren
Gestalt des Gesetzes“ eine geringfügige, rein redaktionelle Veränderung der
Überschriften vorgenommen, die bis zum 31. Dezember 2002 Gültigkeit hatte; siehe
BBl 1985 I 68) die Invalidität als „die durch einen körperlichen oder geistigen
Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit“.
Dem Grundsatz beigefügt wurde aArt. 5 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 1987
gültigen Fassung) mit dem Randtitel „2. Sonderfälle“, was den vom Gesetzgeber
bezweckten Ausnahmecharakter bekräftigte (in der vom 1. Januar 1988 bis
31. Dezember 2002 gültigen Fassung: „Sonderfälle“). Der diesbezüglich klare Wortlaut
nimmt sodann die gesetzgeberische Absicht gemäss den vorstehend dargestellten
Materialien (vgl. vorstehende E. 2.2.2 f.) auf, dass bei Nichterwerbstätigen
ausschliesslich dann nicht auf die Erwerbsunfähigkeit als rentenmassgebendem
Schaden abgestellt wird, wenn „ein volljähriger Versicherter vor Eintritt der Invalidität
nicht erwerbstätig“ war und ihm „die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet
werden“ kann. Abgesehen von unwesentlichen redaktionellen Veränderungen wurde
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die Regelung von aArt. 4 und 5 IVG im ATSG fortgeführt (siehe Art. 8 Abs. 1 und 3
ATSG). Selbstredend sind damit auch unter der Herrschaft des ATSG die seit
Inkrafttreten des IVG geltenden Grundsätze zur rentenbegründenden Invalidität in der
Invalidenversicherung massgebend, worauf im Rahmen der Materialien zur 4. IV-
Revision ausdrücklich hingewiesen wurde („Unter nicht erwerbstätigen Versicherten
werden die in Artikel 8 Absatz 3 ATSG erwähnten Personen verstanden, [...]“; BBl 2001
3287). Die Einkommensvergleichsmethode „kommt grundsätzlich bei allen Versicherten
zur Anwendung, die vor Eintritt der Invalidität erwerbstätig waren, sowie bei
Versicherten, die zwar vor Eintritt der Invalidität nicht erwerbstätig waren, denen aber
die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zugemutet werden könnte“ (BBl 2001 3267). In der
Botschaft zur 5. IV-Revision wurde zur rentenbegründenden Invalidität der Hinweis auf
Art. 8 Abs. 3 ATSG wiederholt. Sodann wurde ausgeführt, der Erwerbsunfähigkeit
gleichgestellt sei die Unfähigkeit, sich im „bisherigen Aufgabenbereich“ zu betätigen
(BBl 2005 4527). Damit wird in Bezug auf den Ausnahmefall die Bedeutung der
Statussituation vor Eintritt der Invalidität nochmals bekräftigt. Daran haben auch
Art. 28a Abs. 2 und 3 IVG nichts geändert. Vielmehr bestätigt Art. 28a Abs. 3 Satz 2
IVG das bisherige Konzept, dass die Unfähigkeit, im Aufgabenbereich tätig zu sein, nur
dann für die Schadensbestimmung relevant wird, wenn die Versicherten (vor dem
Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung) daneben auch im Aufgabenbereich tätig
„waren“.
2.2.5 Gemäss der Rechtsprechung der Sozialrechtlichen Abteilungen des
Bundesgerichts zum rentenbegründenden Schaden bzw. zum Invaliditätsbegriff in der
Invalidenversicherung ist zur Beurteilung der Statusfrage entgegen der vorstehend
dargelegten Rechtslage allein von Bedeutung, welche Tätigkeit die versicherte Person
ausüben würde, wenn sie nicht invalid wäre (BGE 125 V 150 und 133 V 504). Das
Versicherungsgericht hat diese Betrachtungsweise bereits früher wiederholt kritisiert
(siehe etwa den unter www.gerichte.sg.ch abrufbaren Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 30. November 2007, IV 2006/175, E. 1b und 1c), worauf
verwiesen wird. Ergänzend ist zu bemerken, dass die Rechtsprechung der
Sozialrechtlichen Abteilungen nicht bloss mit dem diesbezüglich klaren
Gesetzeswortlaut, sondern auch mit dem Sinn und Zweck des Gesetzes, insbesondere
der für Rentenleistungen von Gesetzes wegen massgebenden Schadenskonzeption
(Priorität der Erwerbsunfähigkeit auch für Nichterwerbstätige; Abweichung nur bei
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bestimmter Kategorie von nicht erwerbstätigen Hausfrauen), wie sie sich unzweideutig
aus den Materialien ergibt (siehe vorstehende E. 2.2.2. f.), nicht zu vereinbaren ist. Es
ergeben sich aus den Gesetzesmaterialien des Weiteren keine Hinweise, dass die
Rechtsprechung der Sozialrechtlichen Abteilungen des Bundesgerichts vom
Gesetzgeber jemals rezipiert worden wäre. Vielmehr geht sowohl aus dem seit dem
Erlass des IVG im Wesentlichen unverändert gebliebenen Wortlaut von aArt. 4 und
aArt. 5 IVG bzw. von Art. 8 Abs. 1 und 3 ATSG als auch aus den Gesetzesmaterialen
eine unmissverständlich andere Sichtweise hervor (siehe vorstehende E. 2.2.2 ff.). Die
Praxis gemäss BGE 133 V 504 steht sodann in diametralem Widerspruch zu den
Forderungen einer Nationalfondsstudie zum Thema „Rollenfixierung in der
Invalidenversicherung“ (NFP 35, Katarina Baumann und Margareta Lauterburg: Frauen
in Recht und Gesellschaft, Wege zur Gleichstellung, Forschungsprojekt
„Rollenfixierung in der Invalidenversicherung“, 1997), die vom Gesetzgeber im Rahmen
der 4. IV-Revision Beachtung gefunden hat (BBl 2001 3267). Darin gelangten die
Autorinnen zum Ergebnis, dass die Ungleichbehandlungen von Erwerbstätigen und
Versicherten im häuslichen Aufgabenbereich insbesondere im Invaliditätsbegriff selbst
angelegt seien. Korrekturen führten statt zu einer gerechten Leistungsverteilung oft nur
zur Verschiebung einer diskriminierenden Argumentation auf eine andere Ebene. Dabei
ist nach dem Gesagten zu präzisieren, dass die geschlechtliche Ungleichbehandlung
im vorliegend zu beurteilenden Fall gerade nicht auf den Invaliditätsbegriff, den das
Gesetz vorsieht, sondern auf die damit eben nicht zu vereinbarende Praxis der
Sozialrechtlichen Abteilungen des Bundesgerichts zurückzuführen ist.
2.2.6 Kürzlich hat die 2. Sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts festgehalten,
eine versicherte Person, die im Gesundheitsfall ihr wirtschaftliches Potential nicht voll
ausnütze, indem sie zwar in der Lage wäre, voll erwerbstätig zu sein, sich aber für eine
Teilzeitstelle entscheide, um mehr Freizeit zu haben, begnüge sich mit einem
Teilzeitlohn und verzichte damit freiwillig auf einen Teil des Lohnes, den sie erzielen
könnte, wenn sie vollerwerbstätig wäre. Der nicht verwertete Teil ihrer Erwerbsfähigkeit
sei damit nicht versichert (zur Publikation vorgesehenes Urteil vom 4. Mai 2016,
9C_178/2015, E. 7.1). Diese Schlussfolgerung bzw. das entsprechende
Schadenskonzept läuft der gesetzlichen Konzeption (siehe vorstehende E. 2.2.1 und
E. 2.2.4) und dem eindeutigen gesetzgeberischen Willen (siehe hierzu E. 2.2.2)
diametral entgegen und untergräbt - unbekümmert um die die Justiz bindenden
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Schranken - die Grundkonzeption der Volksversicherung. Sie verkennt zudem, dass die
Invalidenversicherung den identischen Personenkreis zu versichern hat, der durch die
Alters- und Hinterlassenenversicherung Versicherungsschutz geniesst (BBl 1958 II
1162; vgl. zur Alters- und Hinterlassenenversicherung BBl 1946 II 378 f.). Der Zweck
der Invalidenrente entspricht denn auch voll und ganz demjenigen der Altersrente. Sie
ist der Vorbau zur Altersversicherung (BBl 1958 II 1192). Der Bundesrat schloss sich
den Ausführungen der Expertenkommission „mit voller Überzeugung“ an (BBl 1958 II
1192 mit Hinweis auf S. 107 ff. des Expertenberichts), „dass die bei Erreichung der
gesetzlichen Altersgrenze automatisch zugesprochenen Altersrenten im Grunde nichts
anderes sind als Invalidenrenten, da die Erwerbsunfähigkeit infolge des Alters eine der
Formen der Erwerbsunfähigkeit infolge geistiger oder körperlicher Schwäche, also eine
Form der Invalidität darstellt. In diesem Sinne ist das Alter die weitaus häufigste
Invaliditätsursache“ (Expertenbericht, S. 108; zum Schadenskonzept in der
Altersversicherung, insbesondere zur Irrelevanz einer tatsächlichen Erwerbseinbusse
für den Rentenanspruch, siehe BBl 1946 II 405 f.). Aus den Materialen geht sodann mit
aller Klarheit hervor, dass die Lebensführung von nicht erwerbstätigen Personen ohne
Aufgabenbereich - wie etwa „Privatiers, Rentner oder Pensionierte“ - für die Schadens-
bzw. Invaliditätsbemessung nicht ausschlaggebend ist. Es bestehe (auch für diese
Personengruppe) kein Anlass, nicht von (der Schadenskonzeption) einer
Erwerbsunfähigkeit auszugehen (Bericht der Eidgenössischen Expertenkommission für
die Einführung der Invalidenversicherung vom 30. November 1956, S. 26 f. und 118;
der Bundesrat übernahm diese Betrachtungsweise und wies ausdrücklich auf S. 26 f.
des Expertenberichts hin und fügte an, „es wäre in der Tat nicht einzusehen, wieso für
Pensionierte, Rentner usw. ein anderes Kriterium angewendet werden sollte“, BBl 1958
II 1162; siehe auch vorstehende E. 2.2.2). Ferner geht aus den Materialen hervor, dass
den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Versicherten grundsätzlich nicht
Rechnung zu tragen sei (BBl 1958 II 1164). Ausgangspunkt der Ausführungen des
genannten Entscheids 9C_178/2015, E. 7.1, bildete ein Hinweis auf die Botschaft vom
24. Oktober 1958, insbesondere S. 1161 f. Angesichts dessen, dass sich der
vorstehend dargestellte Inhalt der Botschaft sowie des Expertenberichts mit den
Überlegungen der 2. Sozialrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts nicht vereinbaren
lässt, kann ihr der Vorwurf einer ungenauen und unvollständigen Lektüre der
einschlägigen Materialien nicht erspart bleiben. Würde der Betrachtungsweise gemäss
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Entscheid 9C_178/2015 im Übrigen gefolgt, bliebe bloss noch eine mit dem Gesetz
nicht in Einklang zu bringende Erwerbstätigen- und Hausfrauenversicherung übrig
(allerdings auch finanziert aus Prämien von nichterwerbstätigen Personen ohne
Aufgabenbereich, die nun gar nicht mehr versichert sein sollen). Ein solcher Umbau
kann nur auf Stufe der Gesetzgebung vonstattengehen und würde nach dem Gesagten
eine fundamentale Veränderung an der bisherigen Konzeption der 1. Säule bedeuten.
Soweit die 2. Sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts im Entscheid
9C_178/2015 im Übrigen explizit festhält, dass das versicherte Risiko in der
Invalidenversicherung die Erwerbsinvalidität sei, die von der effektiven, gesundheitlich
bedingten Erwerbseinbusse abhänge, entbehrt dies mit Blick auf die obigen
Ausführungen einer überzeugenden Grundlage. Damit setzt sie sich zudem - ohne
Bezugnahme darauf - in Widerspruch zu ihrer eigenen Rechtsprechung gemäss dem
Urteil 9C_9/2013 vom 27. Februar 2013 (bestätigt in 9C_36/2013 vom 21. Juni 2013
E. 4.2 und 9C_457/2013 vom 26. Dezember 2013 E. 7.3). Danach ist namentlich beim
Privatier und beim vorzeitig Pensionierten die Invalidität mittels der ordentlichen
Bemessungsmethode des Einkommensvergleichs zu bemessen. Dies deswegen, weil
diesen "vor Eintritt der Invalidität theoretisch eine Erwerbstätigkeit zumutbar gewesen
wäre" (E. 2.2; Überprüfung und Bestätigung der Rechtsprechung gemäss Entscheid
I 59/75 vom 17. September 1975; vgl. auch Ueli Meyer/Marco Reichmuth,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014, S. 311 Rz. 3).
2.2.7 Zu beachten ist schliesslich, dass im Urteil di Trizio vs. Schweiz auf die zentrale
Bedeutung einer Gesetzesinterpretation im Licht der geschlechtlichen
Gleichbehandlung hingewiesen und eine EMRK-Widrigkeit darin erblickt worden ist,
dass - vergleichbar mit dem vorliegenden Fall - eine zuvor erwerbstätige Frau allein
wegen einer hypothetischen Reduktion des Erwerbspensums infolge Geburt
leistungsrechtlich diskriminiert wurde
(Urteil di Trizio vs. Schweiz, a.a.O., Rz 96 und 97; zum Ganzen siehe vorstehende
E. 2.1.1).
2.2.8 Aufgrund heutiger sozialer Wirklichkeit und der seit den 50-er Jahren deutlich
gewandelten gesellschaftlichen Vorstellungen zum Verhältnis Erwerbstätigkeit der
Frauen und Familienleben besteht inzwischen auch für - die heutzutage wohl wenigen -
Hausfrauen, die in der Zeit vor Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung niemals
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erwerbstätig gewesen sind, keine Rechtfertigung mehr für Ausnahmen vom
rentenbegründenden Schaden der Erwerbsunfähigkeit bzw. des Verlusts an
Erwerbsmöglichkeiten. Dies umso weniger, als eine Differenzierung zu einer
geschlechtlichen Ungleichbehandlung bzw. einer schadensrechtlichen Diskriminierung
von Frauen führt. De lege ferenda erschiene es daher wohl angezeigt, die
Invalidenversicherung - entsprechend der Altersversicherung - konsequent an einem
einzigen, ausnahmslos für alle Versicherten geltenden rentenbegründenden Schaden
(Erwerbsunfähigkeit als Verlust an Erwerbsmöglichkeiten gemäss Art. 7 Abs. 1 ATSG)
auszurichten, um damit invalidenversicherungsrechtliche Diskriminierungen namentlich
wegen des Geschlechts, der Lebensform, der religiösen oder weltanschaulichen
Überzeugung (vgl. Art. 8 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101] und Art. 14 EMRK)
zu verhindern. Art. 8 Abs. 3 ATSG, Art. 28a Abs. 2 und 3 IVG samt den entsprechenden
Verordnungsbestimmungen wären alsdann ersatzlos zu streichen.
2.3 Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin leidet sie seit 1999 an einer
Polytoxikomanie und einer instabilen Persönlichkeit (IV-act. 1-7). Im psychiatrischen
Bericht vom 24. Februar 2011 findet sich die anamnestische Angabe, die
Beschwerdeführerin sei in den Jahren von 2000 bis 2006 zu 100% arbeitsunfähig
gewesen. Von Mitte 2006 bis 2007 sei sie 50% arbeitsfähig gewesen. Die behandelnde
Psychiaterin fügte an, die 50%ige Arbeitsfähigkeit müsse mit Vorsicht betrachtet
werden, da die Beschwerdeführerin durch den Arbeitsplatz im elterlichen Betrieb
„Sonderrechte“ gehabt habe und sich immer wieder habe ausruhen können. Seit 2007
sei die Beschwerdeführerin wieder 100% arbeitsunfähig gewesen (IV-act. 50-2; vgl.
auch die damit einhergehenden Ausführungen der Beschwerdeführerin in IV-act. 55-44
und 55-16). Gestützt auf die Aktenlage ging auch der psychiatrische MEDAS-Gutachter
davon aus, dass die Beschwerdeführerin seit Jahren in der Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt gewesen sei (IV-act. 55-52). Sowohl aus den Angaben der
Beschwerdeführerin als auch aus dem IK-Auszug geht hervor, dass die Versicherte vor
Beginn der längerdauernden Arbeitsunfähigkeit erwerbstätig gewesen war (IV-act. 8).
Die spätere Phase der Erwerbslosigkeit in den Jahren nach 2000 war überdies
suchtbedingt, wie aus der eindrücklichen Drogenbiographie hervorgeht (IV-act. 55-16 f.
mit Ausführungen zur fristlosen Entlassung infolge Beschaffungskriminalität). Die
Beschwerdeführerin verfügt damit vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung
über eine Erwerbsbiographie, die einer Subsumtion unter die Ausnahmebestimmung
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von Art. 8 Abs. 3 ATSG und damit einem Abweichen von der Massgeblichkeit der
Erwerbsunfähigkeit entgegensteht. Da es also bereits an der ersten kumulativen
Voraussetzung von Art. 8 Abs. 3 ATSG (Nichterwerbstätigkeit vor
Gesundheitsbeeinträchtigung) für eine Qualifikation als Nichterwerbstätige fehlt,
braucht auf das zweite Kriterium der Zumutbarkeit der Erwerbstätigkeit nicht weiter
eingegangen zu werden. Der Vollständigkeit halber ist dennoch zu bemerken, dass
keine konkreten Umstände aus den Akten oder den Ausführungen der
Beschwerdeführerin hervorgehen, die eine Unzumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit nach
der Geburt nahe legen. Nichts anderes ergibt sich mit Blick auf ein zeitgemässes
Familienverständnis und der Gleichberechtigung der Geschlechter. Im Übrigen handelt
es sich beim Entscheid, zugunsten von Kinderbetreuung auf die Realisierung einer
Erwerbstätigkeit zu verzichten, um einen invaliditätsfremden Faktor. Von Bedeutung ist
sodann, dass der entsprechende Entscheid keinen Einfluss auf das Erwerbspotenzial
hat.
2.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin, die vor Eintritt
des Gesundheitsschadens nicht zulasten des Erwerbspensums im Aufgabenbereich
Haushalt tätig war, hinsichtlich des rentenbegründenden Schadens nicht als
Nichterwerbstätige qualifiziert werden kann. Damit ist zur Schadensbestimmung
ausschliesslich auf den Verlust an Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt im Rahmen eines Einkommensvergleichs
abzustellen (Art. 7 Abs. 1 i.V.m. Art. 8 Abs. 1 und Art. 16 ATSG).
2.5 Angesichts des unstrittig vollständigen Fehlens einer verwertbaren Arbeitsfähigkeit
(IV-act. 55-31 und IV-act. 56-2) bzw. eines Invalideneinkommens kann die konkrete
Bestimmung des Valideneinkommens offen bleiben, da unabhängig von dessen Höhe
immer ein Invaliditätsgrad von 100% resultiert. Im Zeitpunkt der IV-Anmeldung vom
16. Oktober 2008 (IV-act. 1) war das Wartejahr im Sinn von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
schon längst erfüllt, weshalb der Rentenanspruch am 1. April 2009 beginnt (Art. 29
Abs. 1 IVG). Bei diesem Ausgang erübrigen sich Ausführungen zu allfälligen
Einschränkungen im Haushaltsbereich (inkl. Kinderbetreuung) bzw. zu diesbezüglicher
Abklärungsbedürftigkeit und zur von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen
Festsetzung des Ablaufs des Wartejahres gestützt auf die Qualifikation als
Nichterwerbstätige im Sinn von Art. 8 Abs. 3 ATSG.
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3.
3.1 Nach dem Gesagten sind die angefochtenen Verfügungen vom 27. Januar und
18. Februar 2014 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. Der Beschwerdeführerin
ist mit Wirkung ab 1. April 2009 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und
Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
3.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat keine Honorarnote eingereicht. Der
Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Die Festsetzung einer Entschädigung aus der gewährten
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (act. G 7) erübrigt sich.