Decision ID: 0f9a51f0-7473-4146-b06a-88e14a03405a
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
D
ie 1962
geborene
X._
war seit
dem
1.
Juli 2010 als
Verkäuferin
im
Y._
in einem 70%
-
Pensum
angestellt und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (S
uva
)
obligatorisch unfallversichert.
Am
2
7.
Juli 2010
wurde sie
a
m
Arbeitsplatz
Opfer eine
s bewaffneten Raubüberfalls.
D
abei
erlitt
sie
ein leichtes
Würge
trauma
, eine
Prellung am linken Oberschenkel, eine Distorsion des
rechten
oberen Sprunggelenks und
S
chürfungen an beiden Unterarmen
(Urk.
7/1 und 7/10).
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH,
verordnete Physiotherapie
und leitete aufgrund des sich entwickelnden posttraumatischen Belastungssyndroms eine psychotherapeutische Behandlung im
A._
ein (Bericht vom 1
6.
August 2010;
Urk.
7/34/5). Im Schreiben vom
1
8.
Oktober 2010 (
Urk.
7/27)
diagnostizierte er
zusätzlich ein durch Gewalteinwirkung ent
standenes
Cervicove
r
tebralsyndrom
und ein
Im
p
ingement
der rechten Schulter,
wobei die klassischen Symptome
einer posttraumatischen Belastungsstörung im Vordergrund stünden.
Nach einer Besprechung mit dem Kreisarzt
Dr.
med.
B._
am 2
2.
Dezember 201
0
(
Urk.
7/55)
, der aufgrund der vorhandenen Unterlagen strukturelle Verletzungen an der Schulter und an den Sprunggelenken aus
schloss und die Schulterbeschwerden als vorübergehende Verschlechterung
der bereits degenerativ vorgeschädigten rechten Schulter interpretiert
e,
teilte die Suva der Versicherten am
4.
Februar 2011 (
Urk.
7/65) mit, dass sie für die wei
tere Behandlung der Schulterbeschwerden nicht mehr aufkomme.
Vom 1
6.
Mai bis zum
2.
September 2011
befand sich die Versicherte auf Empfehlung des
A._
(
Urk.
7/80) in der tagesklinischen Behandlung in der
C._
(
Urk.
7/105).
Als Austrittsdiagnosen hielt die
C._
im Bericht vom
6.
September 2011 (
Urk.
7/105) eine mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10) und eine post
traumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43-1) fest
. Sie empfahl die Weiter
führung der psychotherapeutischen und der medikamentösen
Behandlung
und hielt eine höchstens 50%ige Arbeitsfähigkeit mit der Möglichkeit, das Pensum zu steigern, ab November 2011 für angezeigt.
Am
1.
November 2011 begann die Versicherte mit Unterstützung der Invaliden
versicherung ein Arbeitstraining im Umfang von 50
%
mit der
Steigerungs
möglichkeit
auf 60
%
und ab
1.
Januar 2012 auf 70
%
(
Urk.
7/114).
Daneben befand sie sich weiterhin in ambulanter Behandlung im
A._
(vgl. Bericht vom 1
4.
November 2011;
Urk.
7/121). Wegen
zunehmender Schmerzen (vgl.
Urk.
7/123) brach sie den Arbeitsversuch Ende April 2012 ab (
Urk.
7/133) und
hielt sich vom
2.
bis zum 2
2.
Mai 2012 in der Klinik
D._
auf (
Urk.
7/144, 7/147 und 7/162). Anschliessend wurde sie aufgrund der
unfall
fremden
somatischen Einschränkungen für eine leichte Tätigkeit im Umfang von 50
%
arbeitsfähig geschrieben. Eine rein psychisch begründete Arbeitsun
fähigkeit beziehe sich auf die Unmöglichkeit, in einer Tankstelle zu arbeiten, da sie nach wie vor an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide (Bericht der Klinik
D._
vom
3.
Juli 2012;
Urk.
7/147).
In der Folge holte die Suva von
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie und
Konsiliarpsychiater
der Suva, eine psychi
atrische Beurteilung vom 1
5.
Aug
u
st 2012 (
Urk.
7/163) und vom Kreisarzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, eine Beurteilung der somatischen Situation ein (Beurteilung vom
6.
September 2012;
Urk.
7/166). Mit Verfügung vom 1
1.
Januar 2013 (
Urk.
7/176)
teilte sie der Versicherten mit,
dass keine organischen Unfallfolgen mehr vorlägen und dass die noch bestehenden psychischen Beschwerden zum Ereignis vom 2
7.
Juli 2010
nicht mehr in
einem adäquaten Zusammenhang stünden. Dementspre
chend stelle sie ihre Leistungen
per 1
5.
Januar 2013
ein und
es bestehe kein
Anspruch auf eine Invalidenrente und
/oder eine Integritätsentschädigung
.
Mit
Einspracheentscheid
vom
8.
April 2013 hielt sie an diesem Standpunkt fest (
Urk.
2
).
2.
Mit Eingabe vom
6.
Mai 2013 erhob
X._
dagegen Beschwerde und beantragte die
Weitergewährung von Heilbehandlung für die psychischen Beschwerden (
Urk.
1). Die Suva schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
1.
Juni 2013 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin am 1
3.
Juni 2013 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Auf die einzelnen Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
6
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) wer
den die Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nicht
berufsun
fällen
und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt
.
Als Unfall gilt die
plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Ein
wir
kung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper
, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat (
Art.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts
;
ATSG)
.
Rechtsprechung und Lehre haben schreckbedingte plötzliche Einflüsse auf die Psyche seit jeher als Einwirkung auf den menschlichen Körper (im Sinne des geltenden Unfallbegriffs) anerkannt und für ihre unfallversicherungsrechtliche Behandlung besondere Regeln entwickelt. Danach setzt die Annahme eines
Unfalles voraus, dass es sich um ein aussergewöhnliches Schreckereignis, ver
bunden
mit einem entsprechenden psychischen Schock, handelt. Die seelische Einwirkung muss durch einen gewaltsamen, in der unmittelbaren Gegenwart des Versicherten sich abspielenden Vorfall ausgelöst werden und in ihrer über
raschenden Heftigkeit geeignet sein, auch bei einem gesunden Menschen durch Störung des seelischen Gleichgewichts typische Angst- und Schreckwirkungen
hervorzurufen. Dabei
hat nicht nur die Reaktion eines (psychisch) gesunden Menschen als Vergleichsgrösse zu dienen, sondern es ist auf eine weite Band
breite von Versicherten abzustellen
(BGE 129 V 177 E. 2.1
mit Hinweisen
).
Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus
versicherungsmässi
ger
Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE
129 V 177 E.3.3,
115 V 133 E. 4b).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann
(BGE 129 V 177 E.3.1 mit Hinweisen).
Sie setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem einge
tretenen Schaden
ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemei
nen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des einge
tretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis all
gemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.3
Die Adäquanz zwischen einem Schreckereignis
und den nachfolgend aufgetrete
nen psychischen Störungen ist nach der allgemeinen Formel (gewöhnlicher Lauf der Dinge und allgemeine Lebenserfahrung) zu beurteilen (BGE 129 V 177 E.
4.2). Diese Rechtsprechung trägt der Tatsache Rechnung, dass bei
Schreck
ereignissen
– anders als im Rahmen üblicher Unfälle – die psychische Stress
situation im Vordergrund steht, wogegen dem somatischen Geschehen keine (entscheidende) Bedeutung beigemessen werden
kann (
Urteil
des Bundesgerichts
8C_522/2007 vom
1.
September
2008
,
E. 2)
.
Nicht anders verhält es sich, wenn die versicherte Person zwar körperlich verletzt wird, die somatischen Beein
trächtigungen indessen lediglich von untergeordneter Bedeutung sind und im Vergleich zum erlittenen
psychischen
Stress in den Hintergrund treten. Denn auch in solchen Fällen kommt dem somatischen Geschehen keine wesentliche Bedeutung zu. Mithin hat die Beurteilung der Adäquanz zwischen
Schreck
ereignissen
, bei welchen die versicherte Person zwar (auch) körperliche Beein
trächtigungen davonträgt, letztere aber nicht entscheidend ins Gewicht fallen, und
psychischen
Schäden nach der allgemeinen Adäquanzformel zu erfolgen
.
Bei "gemischten" Vorfällen, in welchen die Elemente eines Schreckereignisses (Überfall, Bedrohung) und einer ihrerseits den Unfallbegriff erfüllenden physi
schen Einwirkung (Schläge, Zufügen von Verletzungen) kombiniert vorkom
men, ist die Adäquanzprüfung
sowohl nach der allgemeinen Formel als auch unter dem Aspekt der für psychische Unfallfolgen entwickelten Rechtsprechung (BGE 115 V 133)
vorzunehmen. So wäre nicht einzusehen, weshalb die im Rahmen einer Betrachtung als "klassischer" Unfall auf
g
rund der körperlichen Verletzungen zu bejahende Adäquanz entfallen sollte, weil der Überfall auch ein Schreckereignis darstellen könnte, oder warum der erlittene Schrecken nur des
halb die Adäquanz nicht zu begründen vermöchte, weil der versicherten Person darüber hinaus auch noch physische Schäden zugefügt wurden. Eine Prüfung unter beiden Gesichtspunkten (Schreckereignis und
Psychopraxis)
ist somit möglich, wenn keiner der Faktoren deutlich im Vordergrund steht
(
Urteil
des Bundesgerichts
8C_
480/2013
vom
1
5.
April 2014
, E.
2.
mit Hinweisen
).
2.
2.1
Gemäss
Polizeirapport
hatte die
Beschwerdeführerin den Tankstellenshop
am 2
7.
Juli 2010
um ca. 23.15 Uhr
geschlossen
und war im Begriff
, das Lokal zu verlassen. Als sie die Lieferanteneingangstür von innen
ge
öffnet
habe, sei
sie von einem maskierten und bewaffneten Täter zurückgedrängt
worden.
Der bewaffnete Täter habe sie in den Würgegriff genommen und aufgefordert, den Tresor zu öffnen. Die Beschwerdeführerin habe dem Täter gesagt, sie verfüge
über keinen Tresorschlüssel. Der bewaffnete Täter habe Geld gefordert, ansonsten er
s
ie umbringe. Um seine Forderung zu unterstreichen, habe er ihr den Revolver an den Kopf gesetzt. Die Beschwerdeführerin habe dem Mann ihren Schlüssel mit dem Hinweis ausgehändigt, dass sich in ihrem Kästchen der „Stock“ sowie Wechselgeld befinde. Der Mann habe den Schlüssel seinem bis dahin passiven Komplizen übergeben. Dieser zweite unbewaffnete Täter habe das Kästchen geöffnet und das vorhandene Bargeld behändigt. Daraufhin habe der bewaffnete Täter von der Beschwerdeführerin abgelassen. Beide Täter seien in unbekannte Richtung geflohen (
Urk.
7/
46).
Der undatierten Schadenmeldung ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführe
rin nach Ladenschluss um 23.10 Uhr
beim Verlassen des Gebäudes von zwei maskierten Männern überfallen und zur Herausgabe ihres Stockgeldes gezwun
gen worden sei. Sie sei vom Täter auf den Boden gedrückt worden und habe sich beim Fallen am Fuss verletzt. Der Täter habe si
e
am Hals und am Genick gewürgt
(
Urk.
7/
1).
Im Rahmen der Erstbe
handlung bei
Dr.
med.
G._
gab die Beschwerde
führe
rin
z
usätzlich
an,
sie sei unmittelbar am Hals gewürgt und durch das Ladenlokal zum Tresor geschle
ppt
worden
(
Urk.
7/9-10)
.
Gegenüber
Dr.
med.
Z._
führte
die Beschwerdeführerin am 1
6.
August 2010 a
us
, sie sei beim Hinaustreten aus der rückwärtigen Tür des
Tankstellen
shops
von zwei Männern im Dunkeln überfallen worden. Sie sei unmittelbar am Hals gewürgt und an den Haaren durch das Ladenlokal zum Tresor geschleift worden. Weil sie diesen nicht habe öffnen können, habe der Täter stärker gewürgt, woraufhin ihr in den Sinn gekommen sei, dem Täter das Wechselgeld im Spind geben zu können, womit sich dieser tatsächlich zufrieden gegeben habe. Die ganze Zeit über habe
der
Täter
die
Pistole gegen ihre Schläfe gerich
tet.
Er habe sie
heftigst
gewürgt und mit grosser Brutalität durch das Geschäft geschleift, wobei sie sich wiederholt an den verschiedensten Körperstellen angeschlagen habe.
Trotz der Betätigung des Alarmknopfes sei die Polizei erst nach 30 Minuten
eingetroffen, weil, wie sich später herausgestellt habe, der Alarmknopf nicht funktioniert habe
(
Urk.
7/
34
/5
).
Der psychiatrischen Beurteilung
durch
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
vom 2
5.
Juli 2011 ist im Wesentlichen derselbe Tathergang zu entnehmen,
wobei ergänzend ausgeführt wurde, der Täter habe die Beschwerdeführerin durch Schläge misshandelt, an den Haaren gezogen und
auf
dem Boden durch die Räume geschleift (
Urk.
7/96/5).
2.2
Beim Tathergang handelt es sich um ein Schreckereignis im Sinne der Recht
spre
chung. Obwohl die Beschwerdeführerin beim Überfall auch Ver
letzungen
erlitt, indem sie gewürgt wurde und je nach Darstellung des Tather
gangs sich verschiedentlich anschlug oder vom Täter geschlagen wurde, steht das
Schreck
ereignis
gegenüber den körperlichen Beeinträchtigungen im Vorder
grund. Unbe
stritten und aus den Akten ersichtlich ist denn auch, dass spä
testens im Zeitpunkt des angefochtenen
Einspracheentscheids
keine
behand
lungs
bedürf
tigen
körperlichen Beeinträchtigungen mehr vorlagen, die auf das Ereignis vom 2
7.
Juli 2010 zurückzuführen sind. Ebenfalls unbestritten ist, dass die
von der Beschwerdeführerin geltend gemachten,
im Zeitpunkt des
Ein
spracheentscheids
nach wie vor medizinisch behandelten psychischen Beschwerden im natürlichen Kausalzusammenhang zum Überfall vom 2
7.
Juli 2010 stehen.
Streitig und zu prüfen ist lediglich, ob die psychischen Beschwer
den
zum Schreckereignis
in
einem adäquat kausalen Zusammen
hang
stehen
, was nach dem Gesagten nach der allgemeinen Formel zu
prüfen ist
.
3.
3.1
An den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen psychischen Beschwerden und so genannten Schreckereignissen werden hohe Anforderungen gestellt. Nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichts
besteht die übliche und
einiger
massen
typische Reaktion auf solche Ereignisse
erfahrungsgemäss
darin, dass zwar eine Traumatisierung stattfindet, diese aber vom Opfer in aller Regel innert einiger Wochen oder Monate überwunden wird. So verneinte das Eidgenössi
sche Versicherungsgericht (allerdings in Anwendung der Adäquanzkriterien von
BGE 115 V 139
)
im Fall einer Versicherten, die auf offener
Strasse
von einem Unbekannten angegriffen, zu Boden gedrückt und in Tötungsabsicht gewürgt worden war (wobei sie auch körperliche Beeinträchtigungen - Schrammen am Hals und Schmerzen in der Lendengegend
-
erlitt
)
,
die Adäquanz ebenso wie im Fall eine
r
Frau bei einem nächtlichen Angriff eines alkoholisierten Manne
s mit Beschimpfungen und Würgen
, bei einem Mann, der in Zusammenhang mit sei
nem Geschäft von einem unbekannten Begleiter eines Kunden mit dem Messer bedroht und erpresst worden war (jedoch keine somatischen Verletzungen davontrug) und im Fall einer Spielsalonaufsicht, die nach Geschäftsschluss überraschend von einem Vermummten mit der Pistole bedroht und (ohne dass sie körperlich angegriffen worden wäre) zur Geldherausgabe gezwungen worden war. Bejaht hat das Bundesgericht den adäquaten Kausalzusammenhang unter anderem in einem Fall, in welchem das weibliche Opfer von einem betrunkenen und mit einem Messer bewaffneten Unbekannten zu sexuellen Handlungen in Form von oralem Geschlechtsverkehr gezwungen wurde
, in einem Fall, in wel
chem eine Frau frühmorgens an ihrem Arbeitsplatz von drei Männern überwäl
tigt, mit einer Pistole sowie verbal bedroht, auf den Boden gedrückt und an Armen und Beinen gefesselt wurde
(Urteil des Bundesgerichts 8C_
522/2007
vom
1.
September 2008)
, sowie
in einem Fall, in dem ein Reinigungsangestellter nachts bei der Ausübung seiner Arbeit von zwei maskierten Männern mit einer laufenden Kettensäge bedroht und erheblich verletzt wurde
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_
480/2013
vom
1
5.
April 2014
E.
6.4
; zum Ganzen: Urteil des Bun
desgerichts 8C_480/2013 vom 1
5.
April 2014 E. 6.1
mit Hinweisen
).
3.2
In den Urteilen
8C_522/2007 vom
1.
September 2008
und 8C_480/2013 vom 1
5.
April 2014
hielt das Bundesgericht fest,
als erschwerende und für den adä
quaten Kausalzusammenhang sprechende Elemente
seien
zu erwähnen, dass die
v
ersicherte
Person
an ihrem Arbeitsplatz, somit innerhalb eines ihr vertrauten Gebäudes, das auch eine gewisse Geborgenheit und Schutz bieten sollte, über
fallen worden sei. Weiter
hätten
sich die Überfallene
n
einer geballten Über
macht von drei
respektive zwei
Männern gegenüber gesehen. Das bedeute,
so das Bundesgericht im Urteil 8C_522/2007 E. 4.3.4,
dass
die Versicherte
keinerlei Chance
gehabt habe
, sich zu wehren oder zu fliehen. Dies sei nicht vergleichbar mit
jenen
Fällen, bei denen jeweils eine Person dem Opfer gegenüber
ge
stand
en habe
. Weiter sei von Bedeutung, dass ihr eine Pistole an den Kopf gehalten worden sei. Die Tatsache, dass die Einbrecher mit einer Schusswaffe ausgerüstet gewesen seien, deute auf ihre grosse Gefährlichkeit hin. Zudem sei sie gezwun
gen worden sich auf den Boden zu legen, während sich die Männer an ihr zu schaffen gemacht hätten
,
um sie zu fesseln. Dabei habe sie ständig befürchten müssen, es könne auch zu sexueller Gewalt kommen. Die Überfallene habe nicht gewusst, was sie erwarte und wann gegebenenfalls mit einer Rettung zu rech
nen wäre.
Die
Summe d
ieser
Bedrohungselemente
ergab nach Ansicht des Bundesgerichts e
in Bild, welches nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung als geeignet erschien
,
die eingetretenen psychischen Beschwer
den herbeizuführen
.
3.3
Das gleiche Bild ergibt
sich bei der Betrachtung des
in E.
2.1 hiervor geschilder
ten
Tathergang
s
. Beim Überfall war es
später Abend und
dunkel.
D
ie Beschwer
deführerin wurde von zwei Tätern bedroht und nicht bloss von einem. Daran ändert nichts, dass nur einer sie mit einer Waffe bedrohte und ihr gegenüber tätlich wurde. Sie sah sich
trotzdem
einer nicht zu überwältigenden Übermacht gegenüber
,
und
der Umstand, dass sie
in den Würgegriff genommen
wurde
,
verunmöglichte
eine Flucht. Der Waffengebrauch vermittelte eine grosse Gewaltbereitschaft.
Die Beschwerdeführerin war dem Täter während längerer Zeit hilflos ausgeliefert und musste mit weiterer Gewaltanwendung oder gar mit
dem Tod rechnen. B
is
sich
die Täter mit dem
Spindgeld
zufrieden gaben, wusste
sie nicht
, ob sie von ihr ablassen würden
.
Der Über
fall
geschah
am Arbeitsplatz,
einem vermeintlich geschützten Bereich,
den die Beschwerdeführerin erst seit gut drei Wochen innehatte. Erschwerend kam hinzu, dass der Alarmknopf nicht funktionierte, und sie nach dem erlittenen Schreck in ihrer Angst übermässig lang auf die Polizei und damit auf Hilfe warten musste.
Die gesamten Umstände führen zum Schluss, dass der Überfall vom 2
7.
Juli 2010 nach
dem gewöhnli
chen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung als geeignet erscheint
,
die eingetretene posttraumatische Belastungsstörung herbeizuführen.
Zum gleichen Schluss führen die medizinischen Akten. Die posttraumatische Belastungsstörung überlagerte die körperlichen Verletzungen sehr bald, und im September 2012 war
Dr.
E._
auf ausdrückliche Anfrage der Suva noch immer der Ansicht,
es sei aus psychiatrischer Sicht nachvollziehbar, dass
noch k
eine psychische Stabilisierung des Traumas stattgefunden habe und
für
die angestammte Tätigkeit als Tankstellenverkäuferin nach wie vor eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe (
Urk.
7/
163).
Diese Ansicht wiederholte er mit
E-Mail
vom
9.
Oktober 2012 (
Urk.
7/
168)
, und auch
Dr.
Z._
vertrat im Schreiben vom 2
8.
Januar 2013 (
Urk.
7/180) mindestens sinngemäss diese Meinung. Zudem wies
Dr.
E._
in seiner Beurteilung vom 1
5.
August 2012 (Urk.
7/163) und im E-Mail vom
9.
Oktober 2012 (
Urk.
7/168) gestützt auf die konsultierten Akten nachdrücklich darauf hin, dass noch keine
traumaspezifi
sche
Behandlung stattgefunden habe, und eine solche dringend zu empfehlen sei
.
Erst nach erfolgter
traumaspezifischer
Behandlung könne in etwa einem Jahr eine wesentliche Besserung erwartet werden.
Hinzu kommt, dass d
ie Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht eine zwar nicht durchgehend belegte, aber dennoch erwiesene Vorgeschichte
aufweist
.
Sie wuchs in einem Heim auf, weil ihre Mutter alkoholabhängig war. Bereits in der Adoleszen
z
litt sie unter psychischen Problemen. Im Jahr 2001
suizidierte
sich ihr damaliger Lebenspartner
. Seither lebt sie allein
und teilt die Wohnung mit ihrem 23jährigen Neffen (Bericht der Klinik
D._
vom 1
0.
Mai 2012;
Urk.
7/162).
Bereits 1998 war sie während mehreren Monaten wegen
Depression
en
behandelt
worden
(Bericht von
Dr.
H._
vom 2
5.
Juli 2011; Urk.
7/
96).
Insgesamt
durchlebte
sie zahlreiche biografische Belastungs
momente
.
Sie
hat daher im Vergleich zu einem durchschnittlich seelisch stabi
len Menschen überwiegend wahrscheinlich grössere Mühe
,
das Erlebte zu verar
beiten
.
Vor d
ies
em Hintergrund
und insbesondere gestützt auf die psychiatri
sche Beurteilung durch
Dr.
E._
ist der Überfall vom 2
7.
Juli 2010 nach dem allgemeinen Lauf der Dinge
als geeignet zu erachten,
eine bis zum Zeitpunkt des angefochtenen
Einspracheentsc
heid
s
noch
bestehende
,
behandlungs
bedürftige
posttraumatische Belastungsstörung hervorzurufen
. Der adäquate Kausalzusammenhang ist daher zu bejahen.
4.
4.1
Das Bundesgericht erkannte in BGE 134 V 109, dass der Unfallversicherer den Fall gestützt auf
Art.
19
Abs.
1 UVG unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine
Integri
tätsentschädigung
in dem Zeitpunkt abzuschliessen hat, in welchem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind
. Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich namentlich
aber nicht ausschliesslich (
Urteil des Bundesgerichts 8C_354
/2014 vom 1
0.
Juli 2014 E. 3.2) -
nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wieder
her
stellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist (BGE 134 V 109 E. 4.1 und 4.3).
4.
2
Gemäss Bericht der Klinik
D._
vom
3.
Juli 2012
bezieht sich die rein psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit nur auf die Unmöglichkeit, in einer Tankstelle zu arbeiten (
Urk.
7/147). Diese Einschätzung übernahm Dr.
E._
in seiner Beurteilung vom 1
5.
August 2012 (
Urk.
7/163).
Seiner
Beur
teilung
und
dem
E-Mail vom
9.
Oktober 2012 (
Urk.
7/168) ist
ferner
zu entnehmen, dass einerseits bis zu diesem Zeitpunkt noch keine
traumaspezifi
sche
Behandlung stattfand, und dass er andererseits von einer speziell auf die Verarbeitung der Folgen des Schreckereignisses gerichteten Therapie innert etwa einem Jahr eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands erwartete. Damit sind die Voraussetzungen für die Übernahme der Kosten einer
trauma
spezifischen
Behandlung durch die Suva erfüllt
.
Ob auch weiterhin ein Anspruch auf Taggelder besteht, wird die Suva von Amtes wegen zu prüfen haben.
In Gutheissung der Beschwerde ist der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
8.
April 2013
aufzuheben mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund der posttraumatischen Belastungsstörung auch nach dem 1
5.
Januar 2013
Anspruch
auf Leistungen der Unfallversicherung hat.