Decision ID: 156589d7-7ced-5ba7-998d-221c73379336
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im September 2008 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
zum Bezug einer Rente an (IV-act. 5). Als erlernten Beruf gab sie Pharmaassistentin an.
Aktuell arbeite sie zu 40 % als Sekretärin für ihren Ehemann. Sie leide an einer
Polyarthritis und an Depressionen mit einem Alkoholproblem.
A.b Wegen eines Alkohol-Abhängigkeitssyndroms war die Versicherte zwischen
Dezember 2002 und Oktober 2007 mindestens acht Mal hospitalisiert gewesen (IV-act.
87-1 ff., 106-15 ff.). Vom 24. Oktober 2007 bis 4. April 2008 hatte sie sich in stationärer
Behandlung in der Klinik B._ befunden (Austrittsbericht vom 24. April 2008, IV-act.
96). Gemäss dem behandelnden Psychotherapeuten hätten sich klare Hinweise auf das
Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung (kombiniert ängstlich-vermeidend und abhängig)
ergeben, in deren Kontext wahrscheinlich auch die Entstehung der Alkoholproblematik
zu sehen sei. Die Rolle der körperlichen Beeinträchtigung durch chronischen Schmerz
(Polyarthritis, Kopfschmerzen) sei insofern bedeutsam, als der Alkoholkonsum im Sinne
einer Selbstmedikation eingesetzt worden sei. Aus psychiatrischer Sicht sei eine 100
%ige Arbeitsfähigkeit gegeben.
A.c Der behandelnde Rheumatologe Dr. med. C._ hatte in seinem Bericht vom 20.
Mai 2008 zuhanden der Krankentaggeldversicherung unter anderem die folgenden
Diagnosen angegeben (IV-act. 139-36 ff.):
• Seropositive erosive noduläre rheumatoide Arthritis
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• beginnende Fingerpolyarthrose
• lumbospondylogenes Syndrom mit myofascialen Beschwerden bei muskulärer
Dysbalance.
Für körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit schätzte er die Arbeitsfähigkeit aus
rheumatologischer Sicht auf 100 %.
A.d Wegen vermehrten Alkoholkonsums und einer akuten Intoxikation erfolgte vom 10.
bis 22. Dezember 2008 eine Hospitalisation in der Psychiatrischen Klinik D._
(Austrittsbericht vom 22. Dezember 2008, IV-act. 106-10 ff.).
A.e Dr. E._ gab in ihrem Bericht vom 20. Januar 2009 (IV-act. 37) die folgenden
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an:
• Alkoholabhängigkeit, gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung
(ICD-10: F10.21, seit ca. 2001)
• kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden und abhängigen
Anteilen (F61.0, seit der Kindheit)
• Fibromyalgie mit Schmerzen, Schlafstörung
• affektive Störung mit depressiven Symptomen (F32.1, seit 2007).
Sie erklärte, dass die Versicherte wegen einer psychischen Instabilität mit depressiven
Krisen sowie einem Suchtverhalten als Apothekenangestellte seit 2006 voll
arbeitsunfähig sei. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe beginnend eine
Arbeitsfähigkeit von ca. 60 %. Wegen einer Mischintoxikation mit Imovane
(Schlafmittel) und Alkohol war die Versicherte vom 10. bis 12. März 2009 im Spital
F._ hospitalisiert (Bericht vom 7. April 2009, IV-act. 87-19 ff.).
A.f Am 6. August 2009 informierte die Versicherte die zuständige IV-Sachbearbeiterin
(IV-act. 46), dass sie eine Teilzeitstelle in einer Apotheke gefunden habe. Bis ca.
September 2009 sei sie in der "Aufbau- und Probephase". Sie werde versuchen, das
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Arbeitspensum bis September auf ca. 50 % zu steigern. Am 21. September 2009 teilte
die Versicherte der IV-Sachbearbeiterin mit, dass sie das Arbeitsverhältnis aus
gesundheitlichen Gründen per 30. September 2009 gekündigt habe (IV-act. 49-3 f.). Dr.
E._ berichtete der IV-Stelle am 15. September 2009 (IV-act. 50), dass die Versicherte
am 30. August 2009 wegen eines Alkoholrückfalls in die Psychiatrische Klinik D._
eingetreten sei (s. Bericht vom 1. September 2009, IV-act. 106-6 ff.). Nach dem Austritt
am 1. September 2009 sei die Versicherte an den Arbeitsplatz zurückgekehrt, sie habe
jedoch immer mehr den Boden verloren. Am 22. September 2009 sei sie (Dr. E._)
telefonisch darüber informiert worden, dass die Versicherte freiwillig ins Spital G._
eingetreten sei. Vom 9. November 2009 bis 1. April 2010 erfolgte eine
Langzeitrehabilitation in H._ (IV-act. 61). Ausserdem hatte sich die Versicherte am 22.
Februar 2010 wegen einer chronischen Bursitis olecrani rechts im Spital I._ einer
offenen Bursektomie am rechten Ellbogen unterzogen (Operationsbericht vom 22.
Februar 2010, IV-act. 89).
A.g Auf Nachfrage hin gab die Versicherte am 3. Dezember 2010 gegenüber der IV-
Stelle an, dass sie ohne Behinderung zu 100 % erwerbstätig wäre (IV-act. 77).
A.h Wegen einer akuten Alkoholintoxikation erfolgte am 24. Januar 2011 eine
notfallmässige Zuweisung der Versicherten ins Spital G._ (Austrittsbericht vom 24.
Januar 2011, IV-act. 98-1 ff.). Vom 25. bis 26. Januar 2011 war die Versicherte wegen
einer akuten Mischintoxikation Alkohol/Benzodiazepine im Spital J._ hospitalisiert
(Bericht vom 10. Februar 2011, IV-act. 98-8 f.). Im Anschluss erfolgte bis zum 31.
Januar 2011 ein stationärer Aufenthalt in der Psychiatrischen Klinik D._
(Austrittsbericht vom 1. Februar 2011, IV-act. 106-2 ff.). Vom 10. bis 17. Februar 2011
fand ein stationärer Alkoholentzug im Spital J._ statt (Austrittsbericht vom 1. März
2011, IV-act. 98-11 ff.). Vom 28. Februar bis 23. März 2011 absolvierte die Versicherte
eine stationäre Alkoholentwöhnungstherapie im Spital G._ (Austrittsbericht vom 22.
März 2011, IV-act. 111-1 ff.).
A.i Der Ehemann berichtete der IV-Stelle am 6. April 2011 (IV-act. 100), dass er die
Versicherte seit dem 1. Januar 2001 in seinem Unternehmen beschäftige. Ihr aktueller
Monatslohn betrage Fr. 2'570.-- (zzgl. 13. Monatslohn). Gemäss dem IK-Auszug hatte
sich der Lohn der Versicherten im Jahr 2007 auf Fr. 30'861.-- belaufen (IV-act. 13).
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A.j Im Mai/Juni 2011 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle bidisziplinär
(rheumatologisch, psychiatrisch) begutachtet (Gutachten vom 22. Juli 2011, IV-act.
116). Die internistisch-rheumatologischen Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit lauteten (vollständige Liste s. IV-act. 116-8 f.):
• Seropositive erosive noduläre rheumatoide Arthritis
• beginnende Fingerpolyarthrose isoliert Strahl II DIP rechts
• lumbospondylogenes Syndrom bei fortgeschrittener Osteochondrose L5/S1 mit
Radikulopathie rechts, mit myofascialen Beschwerden bei muskulärer Dysbalance
• Status nach operativer Behandlung einer Rotatorenmanschettenruptur 1993 rechts
mit leichtem Impingementsyndrom
• chronischer Alkoholismus mit Absturztrinken, Mischintoxikation
• Alkohol/Medikamente mit bisher zehn notfallmässigen Hospitalisationen seit 2002
und zwei stationären längeren Entzügen, wiederholt abgebrochene Antabus- und
Suchtprävention
- Abhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch; Verdacht auf Amphetamin/
Ecstasy und Methadon-Konsum mit positivem Urinnachweis.
Dr. med. K._, Spezialarzt für Innere Medizin, speziell Rheumaerkrankungen, hielt fest,
dass die Versicherte aus somatisch-rheumatologischer Sicht wegen einer rascheren
Ermüdung im Gelenkbereich wie auch durch die lumbale fortgeschrittene
Osteochondrose mindestens zu 80 % arbeitsfähig, zeitlich voll mit 10 % vermehrten
Kurzpausen und 10 % Leistungsminderung, sei. Sowohl die Tätigkeit als
Pharmaassistentin als auch die heute noch ausgeübte Tätigkeit als Sekretärin seien der
Versicherten aus somatischer Sicht zumutbar. Dr. med. L._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, gab die folgenden psychiatrischen Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit an:
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• Störung durch Alkohol (sekundärer Alkoholismus, F10.23); Abhängigkeitssyndrom,
gegenwärtig abstinent, aber in Behandlung mit aversiven oder hemmenden
Medikamenten
• Störungen durch Tabak-Abhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch
• rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1)
• kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, histrionischen und
abhängigen Anteilen.
Dr. L._ erklärte, dass differentialdiagnostisch eine Fibromyalgie oder eine anhaltend
somatoforme Schmerzstörung (F45.4) berücksichtigt werden müsse, welche jedoch
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Aufgrund der seit der Kindheit
vorbestehenden psychischen Störungen sei zweifelsfrei von einem sekundären
Alkoholismus zu sprechen, da die Versicherte vor allem trinke, um Schmerzen zu
bekämpfen und psychische Spannungen abzubauen. Eine Rückkehr in die
angestammte Tätigkeit als Pharmaassistentin sei, da inzwischen doch mit
substanzbedingten, bleibenden kognitiven und mentalen Ausfällen zu rechnen sei,
nicht verantwortbar. Eine Tätigkeit im Büro oder in der Altenpflege bzw.
Behindertenbetreuung wäre zunächst zu 50 % vorstellbar. Die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit sei durch eine verminderte Leistungsfähigkeit bei Einschränkungen der
Aufmerksamkeit, der Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit, durch eine verminderte
emotionale Belastbarkeit sowie durch eine deutlich verminderte Stress- und
Frustrationstoleranz (Rückfallgefahr) bei einem stark verminderten Selbstwerterleben
bedingt. Die psychiatrische Einschränkung bestehe nach seiner Einschätzung seit ca.
2009. Durch eine konsequente Abstinenz und Intensivierung der
psychotherapeutischen und medikamentösen Behandlung könnten eine Stabilisierung
und eine höhere Arbeitsleistung erreicht werden. Aufgrund des prolongierten
Krankheitsverlaufs und der wiederholten Alkoholabstürze sei die Prognose jedoch als
eher ungünstig einzuschätzen. Die psychiatrisch bedingte Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit sei mit der somatischen Einschränkung nicht kumulierbar. In
interdisziplinärer Hinsicht kamen die Gutachter zum Schluss, dass der Versicherten die
Tätigkeit als Pharmaassistentin nicht mehr zumutbar sei. In der derzeit ausgeübten
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Tätigkeit als kaufmännische Angestellte und anderen, leidensangepassten Tätigkeiten
sei die Versicherte zu 50 %, längerfristig steigerbar, arbeitsfähig. RAD-Ärztin Dr. med.
M._ notierte am 12. Dezember 2011, dass das bidisziplinäre Gutachten umfassend,
in sich widerspruchsfrei, konsistent und nachvollziehbar sei (IV-act. 118).
A.k Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt vom 5.
März 2012 (IV-act. 121) hielt die Versicherte fest, dass sie zurzeit noch zu ca. 40 %
erwerbstätig sei. Ohne Behinderung würde sie heute keine Erwerbstätigkeit mehr
ausüben. Auf die Frage, in welchem Ausmass sie ohne Behinderung erwerbstätig wäre,
antwortete sie, dass sie höchstens zu 40 % erwerbstätig wäre. Derzeit teile sie sich
eine Wohnung mit einem WG-Partner. An einigermassen guten Tagen könne sie im
Haushalt alle Arbeiten erledigen; sie ermüde jedoch sehr schnell. Allerdings könne sie
nicht mehr viel tragen; zudem könne sie nur kurze Zeit unter Menschen sein, da sie
sonst Panik bekomme.
A.l Anlässlich einer Abklärung an Ort und Stelle vom 4. Juni 2012 (Abklärungsbericht
vom 28. Juni 2012, IV-act. 124) erklärte die Versicherte, dass sie seit ca. einem Jahr
von ihrem Ehemann getrennt lebe. Da ihr WG-Partner im Haushalt nicht mithelfe,
möchte sie sich eine eigene Wohnung suchen. Wenn sie gesund wäre, wäre sie, wie
damals bei Elektrolux (1995-2000, s. IK-Auszug, IV-act. 120), zu 80 % erwerbstätig. Die
Versicherte machte geltend, dass sie in den Bereichen Ernährung, Wohnungspflege
sowie Wäsche und Kleiderpflege zu 50 % eingeschränkt sei, da sie schnell ermüde,
mehr Pausen benötige und langsamer sei. Unter Berücksichtigung einer
Mitwirkungspflicht des WG-Partners von 49 Minuten pro Tag ermittelte die IV-
Abklärungsperson eine Einschränkung im Haushalt von 25.28 %. Ausgehend davon,
dass die Versicherte zu 20 % im Haushalt und zu 80 % erwerbstätig sei, resultierte im
Aufgabenbereich ein IV-Grad von 5.05 %.
A.m Wegen eines tonisch-klonischen Krampfereignisses mit Sturz, am ehesten
multifaktoriell bei Alkohol- und Benzoentzug, war die Versicherte vom 7. bis 15.
November 2012 im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) hospitalisiert (Bericht vom 21.
November 2012, IV-act. 133-ff.). Die nächste Hospitalisation erfolgte vom 11. bis 19.
Dezember 2012 wegen erneut akut exazerbierter lumbaler Rückenschmerzen bei
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bekannter LWK3-Fraktur mit Trauma (Bericht vom 24. Dezember 2012, IV-act. 142-6
ff.).
A.n Dr. C._ berichtete der IV-Stelle am 13. Februar 2013 (IV-act. 139), dass die
Versicherte aufgrund der erosiven Veränderungen im Bereich der MTP-Gelenke
überwiegend stehende/gehende Tätigkeiten vermeiden sollte. Des Weiteren sollte sie
keine kraftanfordernden oder monoton-repetitiven, manuellen Tätigkeiten ausführen.
Weitere Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit hätten zumindest bis Juni
2012 aus rheumatologischer Sicht nicht bestanden. Dr. med. N._, Allgemeine Innere
Medizin, berichtete der IV-Stelle am 20. März 2013 (IV-act. 142), dass am 7. November
2012 wahrscheinlich ein epileptischer Anfall aufgetreten sei. Die LWK3-Fraktur sei erst
einige Zeit später diagnostiziert worden. Ausserdem bestehe eine alkoholbedingte
sensible Polyneuropathie. Wegen der anhaltenden Rückenschmerzen könne die
Versicherte keine schwereren Lasten heben und tragen. Aufgrund der Gefahr eines
zweiten epileptischen Anfalls dürfe sie keine Fahrzeuge führen oder Bildschirmarbeit
verrichten. Die Polyneuropathie wirke sich auf die Feinmotorik aus. Die Tätigkeit als
Pharmaassistentin sei im Hinblick auf die Suchtproblematik nicht mehr zumutbar. Auch
die Tätigkeit als kaufmännische Angestellte sei bei den neu auftretenden Diagnosen
eher nicht mehr zumutbar. Dr. N._ schätzte die Arbeitsfähigkeit für adaptierte
Tätigkeiten (z.B. im Pflegebereich) auf knapp unter 50 %.
A.o Die Klinik für Neurologie des KSSG gab in ihrem Bericht vom 19. Juni 2013 an,
dass die Versicherte an einer Epilepsie unklarer Ätiologie leide (IV-act. 149-2 f.). Seit
Beginn der Therapie mit Lamotrigin vor sechs Monaten seien keine anfallsverdächtigen
Ereignisse mehr aufgetreten. Auch im EEG habe sich ein wesentlich gebesserter
Befund mit einem leichten intermittierenden Herdbefund links parieto-temporal bei
Fehlen von epilepsietypischen Potentialen gezeigt. RAD-Ärztin Dr. M._ notierte am 4.
Juli 2013 (IV-act. 150), dass nach Rücksprache mit dem Neurologen Dr. med. O._
nichts gegen Tätigkeiten am Bildschirm spreche. Da die Versicherte seit fünf Monaten
abstinent sei, sollten nun Eingliederungsbemühungen gestartet werden. Die zuständige
IV-Sachbearbeiterin notierte in einer undatierten Aktennotiz, dass kein
Umschulungsanspruch bestehe, da nichts mehr gegen eine Bildschirmtätigkeit spreche
(IV-act. 146-4). Am 12. Juli 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie
keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen habe (IV-act. 152).
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A.p Dr. C._ informierte die IV-Stelle am 3. September 2013 (IV-act. 156), dass es in
den letzten Monaten wieder zu einzelnen Alkoholabstürzen gekommen sei. RAD-Ärztin
Dr. M._ notierte am 15. November 2013 (IV-act. 158), dass eine 50 %ige
Arbeitsfähigkeit adaptiert knapp, aber weiterhin als realistisch anzunehmen sei. Die
Voraussetzungen für die Auferlegung einer Schadenminderungspflicht
(Abstinenzkontrollen) seien wegen der erst längerfristig möglichen Besserung und
wegen der nur vorhersagbaren Möglichkeit (nicht überwiegende Wahrscheinlichkeit)
nicht erfüllt.
A.q Vom 27. November bis 3. Dezember 2013 war die Versicherte wegen erneuter
epileptischer Anfälle im KSSG hospitalisiert (Kurzaustrittsbericht vom 2. Dezember
2013, IV-act. 164). Die Klinik für Neurologie des KSSG berichtete der IV-Stelle am 31.
Januar 2014 (IV-act. 173), dass die Prognose bezüglich der Epilepsie vom Ansprechen
auf die antikonvulsive Therapie abhängig sei. Wegen eines tonischen Anfalls auf ZNA,
wahrscheinlich aufgrund einer Malcompliance bei Lamotrigin-Therapie, erfolgte vom
13. Februar bis 7. März 2014 der nächste stationäre Klinikaufenthalt (Bericht vom 11.
März 2014, IV-act. 174-4 ff.). Am 14. Februar 2014 war ein komplex-fokaler
Krampfanfall mit tonischer Verkrampfung des linken Arms und tonisch-klonischen
Entäusserungen des rechten Arms mit Herdblick nach links beobachtet worden. Vom
7. bis 27. März 2014 befand sich die Versicherte in der Klinik P._ (Austrittsbericht
vom 27. März 2014, IV-act. 181-6 ff.).
A.r RAD-Ärztin Dr. M._ empfahl am 14. Juli 2014 eine polydisziplinäre Begutachtung
in den Disziplinen Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie und Psychiatrie (IV-act.
193). Die Begutachtung erfolgte im November 2014 durch das Zentrum für
Interdisziplinäre Medizinische Begutachtungen (ZIMB, Gutachten vom 15. Januar 2015,
IV-act. 200). Die Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
• Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und selbstunsicheren
Anteilen (F61.0)
• rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (F33.0)
• Epilepsie unklarer Ätiologie
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- mutmasslich sekundär generalisiert, durch Alkoholeinfluss oder -entzug getriggert
- aktuell anfallsfrei seit Februar 2014.
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter an:
• Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom,
gegenwärtig abstinent, aber in Behandlung mit aversiven oder hemmenden
Medikamenten (Antabus, F10.23)
• psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika schädlicher
Gebrauch (Imovane, F13.1)
• chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41)
• seropositive, noduläre chronische Polyarthritis (Cp)
• Fingergelenkspolyarthrose
• chronisches rezidivierendes Lumbovertebralsyndrom
• Hohlspreizfüsse beidseits
• Migräne mit visueller Aura
• distal betonte symmetrische Polyneuropathie, am ehesten aethyltoxischer Genese
• Status nach Carpaltunnel-Operation mit Dekompression Nervus medianus rechts am
10. August 2007.
Dr. med. Q._, Facharzt für Innere Medizin, konnte aus internistischer Sicht keine
Diagnose stellen, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätte. Dr. med. R._, Fach-
arzt für Rheumatologie, erklärte, dass bei der rheumatologischen Untersuchung vor
allem Verspannungen zervikal und lumbal mit Druckdolenzen vor allem im mittleren
LWS-Bereich aufgefallen seien, was mit der LWK3-Fraktur 11/2013 (richtig wohl:
11/2012) gut erklärbar sei. Spondylogene oder radikuläre Zeichen hätten gefehlt und
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die Wirbelsäule sei insgesamt sehr gut beweglich gewesen. Die eingeschränkte
Gehfähigkeit von 15 bis 30 Minuten sowie die Schmerzen bei längerem Stehen und
Gehen seien durch die Hohlspreizfussdeformität bds. und den reiskorngrossen
Rheumaknoten am medialen rechten Grosszehen erklärbar. Seit der
rheumatologischen Begutachtung im Jahr 2011 hätten sich die Befunde kaum
verändert. Dementsprechend sei die Versicherte in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Büroangestellte in sitzender, stehender und gehender sowie wechselbelastender
Position, ohne Heben schwerer Lasten und insbesondere ohne extreme Handbelastung
bei voller Funktion aller Gelenke und der Wirbelsäule aus rheumatologischer Sicht zu
100 % arbeitsfähig. Dr. med. S._, Facharzt für Neurologie, hielt fest, dass sich in der
neurologischen Untersuchung bis auf eine Sensibilitätsstörung am rechten Fuss und
Unterschenkel, welche nicht einer organischen Genese zugeordnet werden könne,
keine relevanten objektivierbaren fokalneurologischen Defizite gefunden hätten. Die
Epilepsie schränke die Arbeitsfähigkeit in qualitativer (ungesicherte Arbeiten in Höhen,
an gefährlichen Maschinen, Fahrtüchtigkeit), nicht jedoch in quantitativer Hinsicht ein.
Die Migräne mit visueller Aura sei ohne eine medikamentöse Prophylaxe-Therapie
bisher nicht adäquat behandelt und daher für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht
relevant. Die distal-symmetrische Polyneuropathie gehe ohne höhergradige Ausfälle
und insbesondere ohne motorische Defizite einher und sei somit für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit als Büroangestellte ebenfalls nicht von Relevanz. Auf
fachneurologischem Gebiet ergebe sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im
zuletzt ausgeübten Beruf. Med. pract. T._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, führte aus, dass die Versicherte seit Januar (2014) abstinent sei. Die
emotionalen Traumatisierungen in der Kindheit hätten bei der Versicherten zwar keine
posttraumatische Belastungsstörung, jedoch andere Spuren wie eine rezidivierend
depressive Störung, eine Alkoholabhängigkeit und eine Persönlichkeitsstörung
hinterlassen. Die zunächst somatisch ausgelösten Schmerzen und die Migräne hätten
den Alkoholkonsum gesteigert. Die Diagnose einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und selbstunsicheren Anteilen könne
bestätigt werden. Das Bindungsverhalten der Versicherten sei, aus Angst abgelehnt
und nicht gemocht zu werden, von Kontaktvermeidung geprägt. Aus Angst, kritisiert
oder abgelehnt zu werden, falle es ihr schwer, offen zu sein, sich abzugrenzen und zu
behaupten. Sie könne kaum allein sein, habe jahrelang Angst gehabt, verlassen zu
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werden, obwohl der Ehemann sich nicht um sie gekümmert habe. Immer wieder habe
sie Gefühle innerer Leere und Veränderungen ihres eigenen Selbstbildes verspürt und
sei Opfer ihrer eigenen Impulsivität (mit Alkoholabstürzen), emotionalen Instabilität,
Suizidimpulse, Angst- und Panikgefühle geworden. Im Sinne einer Komorbidität sei es
rezidivierend zu depressiven Episoden unterschiedlicher Ausprägung gekommen.
Aktuell seien noch leichte depressive Symptome vorhanden mit reduzierter
Lebensfreude, Gefühlen von Minderwert, ständigen Sorgen und Befürchtungen und
Schuldgefühlen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe in der Tätigkeit als
Pharmaassistentin wegen der Gefahr der Erreichbarkeit von pharmazeutischen,
suchtauslösenden Substanzen aktuell eine volle Arbeitsunfähigkeit. In einer ein¬fachen,
kognitiv nicht allzu anspruchsvollen Bürotätigkeit in einem kleinen Team sei die
Versicherte mindestens zu 50 % arbeitsfähig. Die Voraussetzung für eine langfristige
Leis¬tungsfähigkeit sei die weitere Compliance hinsichtlich der Behandlung der
Epilepsie (regelmässige Einnahme von Lamotrigin) und der Alkoholabhängigkeit
(Antabus). In interdisziplinärer Hinsicht kamen die Gutachter zum Schluss, dass für die
erlernte Tätigkeit als Pharmaassistentin eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe. Im zuletzt
ausgeübten Beruf als Büroangestellte sowie in Verweistätigkeiten sei die Versicherte
aktuell zu 50 % arbeitsunfähig. Aufgrund des Verlaufs sei trotz guter Vorsätze der
Versicherten nicht unbedingt davon auszugehen, dass es bei der jetzigen Abstinenz
bleibe.
A.s Mit Vorbescheid vom 31. März 2015 stellte die IV-Stelle der Versicherten bei einem
IV-Grad von 35 % die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 209). Den IV-
Grad hatte sie anhand der gemischten Methode (80 % erwerbstätig, 20 %
Aufgabenbereich) berechnet. Im Aufgabenbereich wurde weiterhin eine
Mitwirkungspflicht des WG-Partners berücksichtigt, obwohl die Versicherte schon
lange nicht mehr mit diesem zusammenwohnte. Gegen diesen Vorbescheid liess die
Versicherte am 30. April 2015 einen Einwand erheben (IV-act. 216). Mit Verfügung vom
14. Juli 2015 wies die IV-Stelle das Rentengesuch wie angekündigt ab (IV-act. 219).
Dagegen erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am 15. September 2015
vorsorglich Beschwerde (V-act. 224). Gleichzeitig forderte er die IV-Stelle auf, die
Verfügung zu widerrufen (IV-act. 221). Der Grund hierfür war eine Hospitalisation der
Versicherten im KSSG vom 31. Juli bis 18. August 2015 wegen einer Pneumopathie
unklarer Ätiologie (Kurzaustrittsbericht vom 18. August 2015, IV-act. 222). Am 6.
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August 2015 war echokardiographisch eine mittelschwere Aorteninsuffizienz unklarer
Ätiologie festgestellt worden (hypertensive und valvuläre Herzkrankheit). Vom 18.
August bis 5. September 2015 war eine stationäre Rehabilitation im Zürcher
RehaZentrum Davos erfolgt (provisorischer Austrittsbericht vom 4. September 2015,
IV-act. 223). Entsprechend dem Begehren der Versicherten sistierte das Gericht das
Beschwerdeverfahren am 7. Oktober 2015 einstweilen (IV-act. 230). Am 18. November
2015 (IV-act. 231-2) reichte der Rechtsvertreter der Versicherten den definitiven
Austrittsbericht des Zentrums U._ vom 22. September 2015 ein (IV-act. 234). Dr.
N._ hatte im Arztzeugnis vom 9. November 2015 angegeben, dass die Versicherte
seit November 2013 zu 100 % arbeitsunfähig sei (IV-act. 233). Er merkte an, dass
seither nie eine Arbeitsfähigkeit von mehr als 50 % gegeben gewesen sei und eine
Steigerung der Arbeitsfähigkeit nicht zu erwarten sei. Am 27. November 2015 widerrief
die IV-Stelle die Verfügung vom 14. Juli 2015 (IV-act. 235). Das Beschwerdeverfahren
(IV 2015/297) wurde in der Folge abgeschrieben (IV-act. 241).
A.t RAD-Arzt Dr. med. V._ notierte am 18. Dezember 2015 (IV-act. 239), dass die
Versicherte Ende Juli 2015 eine gesundheitliche Krise mit Intensivpflegebedürftigkeit
durchgemacht habe, wovon sie sich gemäss den Arztberichten aber erholt habe. Eine
dauerhafte und deutliche residuelle Verschlechterung des Gesundheitszustandes im
Vergleich zum Vorzustand sei nicht belegt; es habe sich um eine vorübergehende
Erkrankung gehandelt. An der bisherigen Arbeitsfähigkeitsschätzung (50 % adaptiert)
könne festgehalten werden.
A.u Mit Vorbescheid vom 21. März 2016 kündigte die IV-Stelle der Versicherten erneut
bei einem IV-Grad von 35 % die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 249). Zur
Begründung führte sie an, dass die Versicherte seit dem 30. August 2009 aus
gesundheitlichen Gründen in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt sei. Ohne
Gesundheitsschaden würde sie weiterhin ihrer Tätigkeit als kaufmännische Angestellte
in einem Pensum von 80 % nachgehen. Die restlichen 20 % entfielen in den
Aufgabenbereich. Ohne Gesundheitsschaden könnte die Versicherte als
kaufmännische Angestellte in einem 80 %-Pensum unter Berücksichtigung der
Einkommensentwicklung ein Jahreseinkommen von Fr. 41'155.-- erzielen (LSE 2012,
TA1, AN1). Seit Eintritt des Gesundheitsschadens be¬stehe in der Tätigkeit als
Büroangestellte wie auch in anderen angepassten Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von
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50 %. In einer solchen Tätigkeit könne die Versicherte ein Erwerbseinkommen von Fr.
25'722.-- pro Jahr verdienen (LSE 2012, TA1, AN1; Einkommensvergleich: IV-act. 246).
Die Einschränkung im Erwerb betrage folglich 37.50 % (100 - [100 x Fr. 25'722.-- / Fr.
41'155.--]) und der Teilinvaliditätsgrad im Erwerb 30 % (80 % von 37.50 %). Im
Haushalt betrage die Einschränkung 25.28 % und der Teilinvaliditätsgrad 5.05 % (20 %
von 25.28 %). Der Gesamtinvaliditätsgrad belaufe sich somit auf 35 % (30 % + 5.05
%). Im Aufgabenbereich (Haushalt) wurde also immer noch die Mitwirkungspflicht des
WG-Partners berücksichtigt, obwohl die Versicherte längst alleine in einem Haushalt
lebte. Gegen diesen Vorbescheid liess die Versicherte am 11. Mai 2016 einwenden (IV-
act. 250), dass die IV-Stelle keine kompetente Neuabklärung vorgenommen habe.
Ergänzende medizinische Abklärungen, die im Hinblick auf die Festlegung des
leidensbedingten Abzugs auch detailliert zu den vorhandenen (psychischen)
Einschränkungen und den noch zumutbaren Tätigkeiten resp. zur sozial-praktischen
Zumutbarkeit Auskunft zu geben hätten, seien unumgänglich.
A.v Mit Verfügung vom 24. Mai 2016 wies die IV-Stelle das Rentengesuch wie
angekündigt bei einem IV-Grad von 35 % ab (IV-act. 252). Zum Einwand hielt sie fest,
dass die gesundheitliche Krise Ende Juli 2015 vorübergehend gewesen sei. Der
Versicherten sei es zumutbar, ihre Restarbeitsfähigkeit von 50 % zu verwerten. Da die
gesundheitlichen Einschränkungen mit der attestierten Arbeitsfähigkeit von 50 % in
einer adaptierten Tätigkeit bereits grosszügig berücksichtigt worden seien, sei ein
"Leidensabzug" nicht gerechtfertigt.
B.
B.a Dagegen liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 27. Juni
2016 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der
Verfügung und die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zur weiteren Abklärung. Eventualiter sei festzustellen, dass der
IV-Grad unter Berücksichtigung der Arbeitsunfähigkeit und des "Leidensabzugs" über
50 % liege und deshalb ein rückwirkender Rentenanspruch bestehe. Der
Rechtsvertreter stellte zudem ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Er machte
geltend, dass der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit durch ein neues
bidisziplinäres Gutachten abzuklären seien. Er kritisierte zudem, dass die persönlichen
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und beruflichen Umstände der Beschwerdeführerin nicht genügend berücksichtigt
worden seien. Aufgrund der behinderungsbedingten Ein¬schränkungen, des Alters der
Beschwerdeführerin sowie der krankheitsbedingten langen Abwesenheit vom
Arbeitsmarkt und der aktuell prekären Arbeitsmarktsituation sei ein "Leidensabzug" in
der Höhe von mindestens 20 % gerechtfertigt. Ausserdem sei davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin im Arbeitsprozess erneut scheitern könnte. Aus diesem Grund
sei die Beschwerdeführerin einem Arbeitgeber kaum noch zumutbar. Die Verhaltens-
und Schmerzstörung in Verbindung mit dem vorgerückten Alter wiege derart schwer,
dass der Beschwerdeführerin die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft nicht
mehr zumutbar bzw. für die Gesellschaft gar untragbar sei.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 7. Juli 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung verwies sie auf die Verfügungsbegründung.
B.c Im Sinne bzw. anstelle einer Replik (act. G 6) reichte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin am 29. September 2016 einen Bericht von Dr. med. W._ vom
22. August 2016 (act. G 6.4) und einen Bericht des KSSG vom 5. September 2016
betreffend eine kardiale Verlaufskontrolle (act. G 6.5) ein. Dr. N._ hatte der
Beschwerdeführerin am 14. September 2016 rückwirkend ab dem 14. September 2015
eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 6.3). Am 5. Oktober 2016 reichte der
Rechtsvertreter einen Untersuchungsbericht der Klinik für Angiologie des KSSG vom
29. September 2016 nach (act. G 8).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme bzw. Duplik (act. G 7,
12).
B.e Am 7. Dezember 2016 reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin einen
Kurzaustrittsbericht des KSSG vom 16. November 2016 ein (act. G 10). Am 5. Juli 2017
informierte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin das Gericht über einen
erneuten medizinischen Zwischenfall vom 23. Mai 2017 (act. G 13). Er machte geltend,
dass sich die Beurteilungssituation grundlegend geändert habe, da solche
lebensgefährdenden Zwischenfälle jederzeit wieder vorkommen könnten. Die
Beschwerdeführerin war wegen einer diffusen Lungenparenchymerkrankung mit
hypoxischem Atemversagen vom 23. Mai bis 3. Juni 2017 im KSSG hospitalisiert
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gewesen (Kurzaustrittsbericht vom 2. Juni 2017, act. G 13.3). Dr. N._ hatte am 13.
März 2017 berichtet, dass ihm ein IV-Grad von 35 % unrealistisch bzw. zu tief
bemessen erscheine (act. G 13.2).
B.f Am 20. Juli 2017 reichte der Rechtsvertreter weitere ärztliche Berichte ein (Bericht
der Klinik für Neurologie des KSSG vom 19. Juni 2017 und Kurzbericht der Klinik für
Pneumologie und Schlafmedizin des KSSG vom 12. Juli 2017; act. G 15). Er machte
geltend, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit
Verfügungserlass in anspruchserheblicher Weise verschlechtert habe. Am 28. August
2017 reichte der Rechtsvertreter einen Bericht der Klinik für Pneumologie und
Schlafmedizin des KSSG vom 19. Juli 2017 ein (act. G 17/17.3).
B.g Am 8. Januar 2018 informierte die Beschwerdegegnerin das Gericht darüber, dass
im Rahmen der Neuanmeldung vom 5. Juli 2017 weitere Abklärungen getätigt würden
(act. G 22).

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 24. Mai 2016
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem IV-Grad von 35 % verneint.
Strittig und zu prüfen ist somit der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
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Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nicht erwerbstätigen Versicherten,
die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht
zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art.
16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Mass sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich
zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG; sog. Betätigungsvergleich). Bei Versicherten, die nur
zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG
festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für
diese Tätigkeit nach Absatz 2 festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad in beiden Be¬reichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG; sog.
gemischte Methode).
2.
2.1 Zunächst ist der Status der Beschwerdeführerin festzulegen. Die
Beschwerdegegnerin hat den IV-Grad anhand der gemischten Methode berechnet: Sie
ist davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche
Beeinträchtigung zu 80 % erwerbstätig und zu 20 % im Aufgabenbereich (Haushalt)
tätig wäre. Gemäss der Rechtsprechung des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen ist die Anwendung der gemischten Methode zur Invaliditätsbemessung
gesetzes- und verfassungswidrig (siehe z.B. Entscheid des Versicherungsgerichts vom
24. Mai 2016, IV 2014/125 und Entscheid vom 6. März 2018, IV 2015/331 [vom
Bundesgericht aufgehoben]). An der Gesetzes- und Verfassungswidrigkeit der
gemischten Methode ändert nichts, dass die doppelte Gewichtung im Erwerbsbereich
mit der Einführung der Änderung der IVV per 1. Januar 2018 weggefallen ist (die
diesbezügliche Rechtsprechung ist denn auch bereits vor Einführung der neuen
Verordnungsbestimmung gesetzwidrig gewesen). Da im vorliegenden Fall jedoch das
gleiche Ergebnis (d.h. derselbe Rentenanspruch) resultiert, wenn der IV-Grad anhand
eines reinen Einkommensvergleichs (100 % Erwerbstätigkeit) oder anhand der
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gemischten Methode (80 % Erwerbstätigkeit, 20 % Aufgabenbereich) − ohne doppelte
Gewichtung − berechnet wird, erübrigen sich weitere Ausführungen zum Status der
Beschwerdeführerin respektive zur Methode der Invaliditätsbemessung.
2.2 Allerdings bleibt zur Abklärung an Ort und Stelle vom 4. Juni 2012 folgendes
anzumerken: Die Beschwerdegegnerin hat bei der Ermittlung der Invalidität im
Aufgabenbereich/Haushalt eine Mitwirkungspflicht des WG-Mitbewohners der
Beschwerdeführerin be¬rücksichtigt. Sie hat ausser Acht gelassen, dass die
Beschwerdeführerin erst im Frühling/ Sommer 2011 aus dem Haus, in welchem sie mit
ihrem Ehemann gelebt hat, ausgezogen ist (IV-act. 124-2). Ausserdem hat sie nicht
berücksichtigt, dass die Beschwerdeführerin gemäss ihren eigenen Angaben nur etwa
ein Jahr lang mit dem WG-Mitbewohner/neuen Partner zusammengewohnt hat (IV-act.
200-68). Aus den Akten geht hervor, dass der WG-Partner psychisch ebenfalls
angeschlagen gewesen ist (siehe IV-act. 124-1, 200-68). Die Beschwerdegegnerin hat
nie abgeklärt, ob er aus medizinischer Sicht überhaupt in der Lage gewesen wäre, im
Haushalt mitzuhelfen. Ob und in welchem Umfang es dem WG-Partner im Jahr
2011/2012 zumutbar gewesen wäre, im Haushalt mitzuhelfen, kann heute nicht mehr
eruiert werden; bezüglich dieses Sachverhaltselements herrscht also Beweislosigkeit.
Den Nachteil der Beweislosigkeit hat die Beschwerdegegnerin zu tragen, da sie es
durch ihre mangelhafte Abklärung verunmöglicht hat, den Beweis zu erbringen.
Dasselbe gilt für die Mitwirkungspflicht der Familienangehörigen, mit denen die
Beschwerdeführerin bis 2011 zusammengelebt hat. Auch diesbezüglich sind nie
Abklärungen durch die Beschwerdegegnerin erfolgt. Wobei der Vollständigkeit halber
anzumerken ist, dass es gemäss der Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen ohnehin keine Schadenminderungspflicht von Familienangehörigen gibt (vgl.
hierzu IV 2015/331 E. 4.1 mit Hinweisen). Auf den von der Beschwerdegegnerin
ermittelten IV-Grad im Aufgabenbereich (Haushalt) könnte somit auch nicht abgestellt
werden, wenn die gemischte Methode als gesetzes- und verfassungskonform
qualifiziert würde.
3.
3.1 Um das Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der
Be¬schwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehen.
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3.2 In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere die Berichte des behandelnden
Rheumatologen Dr. C._ vom 20. Mai 2008 und 13. Februar 2013, das
rheumatologisch-psychiatrische Gutachten von Dr. K._ und Dr. L._ vom 22. Juli
2011, die Berichte des Hausarztes Dr. N._ vom 20. März 2013, 14. September 2015
und 9. November 2015 sowie das interdisziplinäre Gutachten des ZIMB vom 15. Januar
2015 im Recht.
3.3 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat nach der Beschwerdeerhebung
diverse neue medizinische Berichte eingereicht. Im vorliegenden Verfahren ist der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bis und mit Verfügungserlass, d.h. bis 24.
Mai 2016, relevant. Der Bericht von Dr. W._ vom 22. August 2016 und die Berichte
(verschiedener Kliniken) des KSSG vom 5. und 29. September 2016, vom 16.
November 2016, vom 2. Juni 2017, vom 19. Juni 2017 und vom 11. und 12. Juli 2017
beziehen sich auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nach
Verfügungserlass und lassen keinen Rückschluss auf die medizinische Situation im
Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu. Daher haben sie im vorliegenden
Beschwerdeverfahren keine Bedeutung. Der Rechts¬vertreter der Beschwerdeführerin
hat in seiner Eingabe vom 20. Juli 2017 denn auch selbst darauf hingewiesen, dass
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit Verfügungserlass
verschlechtert habe und offenbar bereits eine Neuanmeldung bei der
Beschwerdegegnerin eingereicht (vgl. act. G 22), in deren Rahmen diese Berichte zu
würdigen sein werden.
3.4 In somatischer Hinsicht sind die Diagnosen unbestritten. Die Beschwerdeführerin
leidet insbesondere an einer seropositiven, nodulären chronischen Polyarthritis, an
einer Fingergelenkspolyarthrose, an einem lumbospondylogenen/lumbovertebralen
Syndrom (Schmerzen im Bereich der LWS), seit November 2012 an einer Epilepsie
unklarer Ätiologie und seit ca. 2013 an einer distal betonten symmetrischen
Polyneuropathie. Der behandelnde Rheumatologe Dr. C._ hat die Arbeitsfähigkeit aus
rheumatologischer Sicht in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit als
uneingeschränkt erachtet. Der rheumatologische Gutachter des ZIMB, Dr. R._, hat
die Arbeitsfähigkeit in einer körperlich angepassten, wechselbelastenden Tätigkeit wie
derjenigen als Büroangestellte ebenfalls auf 100 % geschätzt. Er hat darauf
hingewiesen, dass sich die Befunde gegenüber der letzten rheumatologischen
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Begutachtung kaum verändert hätten. Der rheumatologische Vorgutachter Dr. K._
hat der Beschwerdeführerin jedoch wegen einer rascheren Ermüdung im
Gelenkbereich eine um 20 % verminderte Arbeitsfähigkeit attestiert (10 % vermehrte
Kurzpausen und 10 % Leistungsverminderung). Ob die Beschwerdeführerin aus
rheumatologischer Sicht in einer angepassten Tätigkeit zu 80 % oder zu 100 %
arbeitsfähig ist, kann offengelassen werden. Die Gutachter sind sich nämlich darüber
einig, dass die Arbeitsunfähigkeiten aus somatischer und aus psychiatrischer Sicht
nicht kumulierbar sind und letztere − wie nachfolgend aufgezeigt wird − höher ausfällt.
Der neurologische Gutachter des ZIMB, Dr. S._, hat weder der Epilepsie noch der
Polyneuropathie einen quantitativen (d.h. zeitlichen) Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
beigemessen. Diese Einschätzung überzeugt, da die Polyneuropathie ohne
höhergradige Ausfälle und insbesondere ohne motorische Defizite einhergeht und da
die epileptischen Anfälle unter medikamentöser Therapie unter Kontrolle sind.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin aus somatischer
Sicht in der zuletzt ausgeübten Bürotätigkeit sowie in anderen angepassten Tätigkeiten
zu 80 bis 100 % arbeitsfähig ist.
3.5 In psychiatrischer Hinsicht sind die Diagnosen ebenfalls unbestritten. Die
behandelnden Ärzte und die psychiatrischen Gutachter haben überzeugend dargelegt,
dass die Beschwerdeführerin an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit
emotional instabilen und selbstunsicheren Anteilen, an einer rezidivierenden
depressiven Störung (im Zeitpunkt der Begutachtung 2011 mittelgradig, im Zeitpunkt
der Begutachtung 2015 leichtgradig ausgeprägt), an einer Alkohol- und
Medikamentenabhängigkeit sowie an einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren leidet. Die Ärzte haben die
Suchtmittelabhängigkeit als sekundär eingestuft; sie ist als Folge der kombinierten
Persönlichkeitsstörung anzusehen und somit invalidenversicherungsrechtlich relevant
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2013, 9C_701/2012 E. 2 mit Hinweisen).
Die Tätigkeit im erlernten Beruf als Pharmaassistentin haben alle Ärzte als unzumutbar
erachtet, was angesichts der in diesem Arbeitsbereich bestehenden Gefahr der
Erreichbarkeit von pharmazeutischen, suchtauslösenden Substanzen sowie aufgrund
der kognitiven Defizite überzeugt. Die psychiatrischen Gutachter Dr. L._ und med.
pract. T._ haben die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht in einer angepassten
Tätigkeit wie der zuletzt ausgeübten Tätigkeit auf 50 % geschätzt. Der RAD hat
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empfohlen, auf diese Einschätzungen abzustellen, d.h. er hat nichts gegen die
gutachterlichen Beurteilungen einzuwenden gehabt. Sogar der Hausarzt der
Beschwerdeführerin, Dr. N._, hat die Arbeitsfähigkeit im März 2013 für adaptierte
Tätigkeiten noch auf knapp unter 50 % geschätzt. Im November 2015 hat er der
Beschwerdeführerin dann jedoch rückwirkend ab November 2013 eine volle
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Allerdings hat er diese Einschätzung sofort wieder
relativiert, indem er erklärt hat, dass seither (d.h. seit November 2013) nie eine
Arbeitsfähigkeit von mehr als 50 % gegeben gewesen sei. Er ist also davon
ausgegangen, dass es seit November 2013 bessere und schlechtere Phasen gegeben
hat. Dr. N._ hat seine Arbeitsfähigkeitsschätzung zudem nicht begründet, d.h. es ist
nicht nachvollziehbar, wieso er die Arbeitsunfähigkeit (zumindest für gewisse
Zeiträume) höher eingeschätzt hat als die Gutachter. Der Grund hierfür könnte in den
diversen stationären Aufenthalten liegen, während denen die Beschwerdeführerin
selbstverständlich keiner Arbeit hat nachgehen können. Hierbei hat es sich jedoch nur
um vorübergehende, d.h. nicht längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeiten gehandelt,
die keine Invalidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG zu begründen vermögen. Die
ausgewiesenen, vollständigen Arbeitsunfähigkeiten in jeglichen Tätigkeiten während
der stationären Klinikaufenthalte sind invalidenversicherungsrechtlich somit nicht
relevant. Auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung des Hausarztes Dr. N._ kann auch
deshalb nicht abgestellt werden, weil es sich vorliegend um ein komplexes
Beschwerdebild mit diversen somatischen und psychischen Faktoren handelt. Bei
einem derartigen Beschwerdebild ist eine interdisziplinäre Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit durch Fachärzte zwingend notwendig. Die übereinstimmenden
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der psychiatrischen Gutachter überzeugt insbesondere
deshalb, weil sie die durch die psychischen Beeinträchtigungen resultierenden
funktionellen Einschränkungen aufgezeigt haben. Gemäss Dr. L._ leidet die
Beschwerdeführerin an einer verminderten Leistungsfähigkeit, deren Ursache in einer
Einschränkung der Aufmerksamkeit, der Ausdauer, der Konzentrationsfähigkeit, einer
verminderten emotionalen Belastbarkeit und einer deutlich verminderten Stress- und
Frustrationstoleranz (Rückfallgefahr) bei einem stark verminderten Selbstwerterleben
begründet liegt. Auf die Arbeitsfähigkeitsschätzungen der psychiatrischen Gutachter
kann somit abgestellt werden. Im erlernten Beruf als Pharmaassistentin besteht
demnach aus psychiatrischer Sicht eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In der zuletzt
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ausgeübten Bürotätigkeit sowie in anderen, den psychischen Leiden angepassten
Tätigkeiten besteht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine 50 %ige
Arbeitsfähigkeit.
3.6 In interdisziplinärer Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführerin die
erlernte Tätigkeit als Pharmaassistentin nicht mehr zumutbar ist. In der zuletzt
ausgeübten (ungelernten) Tätigkeit als kaufmännische Angestellte (Bürotätigkeit) sowie
in anderen leidensadaptierten Tätigkeiten besteht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit.
4.
4.1 Somit bleibt noch die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Invaliditätsbemessung zu überprüfen. Zunächst ist auf den IV-Grad im Erwerbsbereich
einzugehen. Die Beschwerdegegnerin hat das Validen- und das Invalideneinkommen
anhand von Tabellenlöhnen berechnet. Sie ist davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeführerin auch ohne Gesundheitsschaden die zuletzt ausgeübte (ungelernte)
Tätigkeit im kaufmännischen Bereich ausüben würde. Die Beschwerdeführerin ist
ausgebildete Pharmaassistentin und hat viele Jahre (in tiefen Pensen) auf diesem Beruf
gearbeitet (siehe IK-Auszug, IV-act. 120). Sie ist jedoch auch in anderen Bereichen tätig
gewesen. So hat sie von 1995 bis 2000 für die Firma X._ gearbeitet. Ab 2001 hat sie
für den Betrieb ihres damaligen Ehemannes das "Büro" gemacht. Im Jahr 2009 hat die
Beschwerdeführerin einen Arbeitsversuch in einer Apotheke absolviert; dies zeigt, dass
sie, obwohl sie mehrere Jahre nicht mehr auf dem erlernten Beruf gearbeitet hat, ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung wieder als Pharmaassistentin arbeiten könnte.
Allerdings dürfte das Erwerbseinkommen, welches die Beschwerdeführerin als
Pharmaassistentin verdienen könnte, wenn sie keine gesundheitlichen Probleme hätte,
nicht höher sein als das Einkommen, welches sie als ungelernte kaufmännische
Angestellte verdienen könnte. Die Löhne von Pharmaassistentinnen sind nämlich
verhältnismässig tief (vgl. z.B. den Artikel "Tieflohnarbeiterinnen im weissen Kittel" des
Tages Anzeigers vom 14. November 2016, abrufbar unter: www.tagesanzeiger.ch/
wirtschaft/standard/Tieflohnarbeiterinnen-im-weissen-Kittel/story/11931423, besucht
am 6. September 2018). Das zuletzt erzielte Einkommen als Angestellte im Betrieb ihres
(Ex-)Ehemannes kann allerdings auch nicht als Valideneinkommen herangezogen
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werden, da einerseits das genaue Arbeitspensum unklar ist und andererseits die Gefahr
besteht, dass die Höhe des erzielten Einkommens nicht nur von der Arbeitsleistung,
sondern auch von anderen Faktoren (z.B. betriebswirtschaftlichen und sozialen)
abhängig gewesen sein könnte, zumal das Einkommen der Beschwerdeführerin wieder
der ehelichen Gemeinschaft zugeflossen ist. Das zuletzt erzielte Erwerbseinkommen
widerspiegelt somit möglicherweise nicht den Lohn, den die Beschwerdeführerin auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt hätte erzielen können. Vor diesem Hintergrund
erscheint es sachgerecht, dass die Beschwerdegegnerin für das Validen- wie auch für
das Invalideneinkommen auf dieselben Tabellenlöhne abgestellt hat. Das Validen- und
das Invalideneinkommen müssen daher ziffernmässig nicht festgelegt werden (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 18. April 2017, 9C_675/2016 E. 3.1 und 3.2).
4.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat einen Tabellenlohnabzug von
mindestens 20 % gefordert. Die Beschwerdeführerin ist im Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns (1. März 2009) 47 und im Verfügungszeitpunkt 54
Jahre alt gewesen. Bis zum ordentlichen Pensionsalter ist ihr also noch eine
Restaktivitätsdauer von immerhin 17 bzw. 10 Jahren verblieben. Das Alter ist somit
kein Abzugsgrund. Auch die behauptete aktuell prekäre Arbeitsmarktsituation
rechtfertigt keinen Tabellenlohnabzug, da für die Berechnung des Validen- und des
Invalideneinkommens auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt abgestellt wird. Einen
erheblichen Einfluss auf den von der Beschwerdeführerin erzielbaren Lohn haben
jedoch ihre psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen. Die Gutachter des ZIMB sind
zum Schluss gekommen, dass aufgrund des Verlaufs trotz guter Vorsätze der
Beschwerdeführerin nicht unbedingt davon auszugehen sei, dass diese abstinent
bleibe. Auch wegen der depressiven Symptomatik ist mit einer schwankenden
Arbeitsleistung und vermehrter krankheitsbedingter Arbeitsausfälle zu rechnen.
Aufgrund der Persönlichkeitsstörung ist die Beschwerdeführerin zudem auf eine
erhöhte Rücksichtnahme vonseiten des Vorgesetzten und der Mitarbeitenden
angewiesen. Allgemein ist die psychische Belastbarkeit der Beschwerdeführerin im
Vergleich mit einer gesunden Arbeitnehmerin deutlich reduziert. Zum Ausgleich der
betriebswirtschaftlich betrachtet lohnrelevanten Risiken und der erhöhten Aufwände
wird ein Arbeitgeber die Beschwerdeführerin nur zu einem tieferen Lohn anstellen als
eine gesunde Arbeitnehmerin. Vor diesem Hintergrund erscheint ein Tabellenlohnabzug
von praxisgemäss 15 % als gerechtfertigt.
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4.3 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass die
Verhaltens- und Schmerzstörung in Verbindung mit dem vorgerückten Alter derart
schwer wiege, dass der Beschwerdeführerin die Verwertung ihrer verbleibenden
Arbeitskraft nicht mehr zumutbar bzw. für die Gesellschaft gar untragbar sei. Die
Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung und beim Tabellenlohn ausreichend berücksichtigt worden.
Aus denselben Gründen wie beim Tabellenlohnabzug spricht das Alter der
Beschwerdeführerin auch nicht gegen die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit.
Gründe, weshalb die Beschwerdeführerin einem Arbeitgeber nicht mehr zumutbar sein
sollte, sind keine ersichtlich; insbesondere gehen aus den umfangreichen Akten keine
Auffälligkeiten im zwischenmenschlichen Bereich/Sozialverhalten hervor. Die Gefahr
eines Suchtmittelrückfalls und das damit verbundene Risiko vermehrter Absenzen ist
beim Tabellenlohnabzug ausreichend Rechnung getragen worden. Der Verwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit steht somit nichts entgegen. Der IV-Grad im Erwerb beträgt
folglich 57.5 % (50 % + [50 % x 0.15]). Würde der IV-Grad somit gestützt auf einen
reinen Einkommensvergleich (100 % Erwerbstätigkeit) berechnet, so hätte die
Beschwerdeführerin Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
4.4 Die Beschwerdegegnerin hat den Invaliditätsgrad anhand der gemischten Methode
berechnet. Der IV-Grad im Erwerb würde − ohne doppelte Gewichtung − bei einem 80
%-Arbeitspensum 46 % betragen (0.8 x 57.5 %). Ausgehend von dem von der
Beschwerdegegnerin ermittelten IV-Grad im Haushalt von 5.05 % (zur Kritik hierzu
siehe E. 2.2) würde ein IV-Grad von 51.05 % resultieren. Die Beschwerdeführerin hätte
somit auch in Anwendung der gemischten Methode (ohne doppelte Gewichtung des
Erwerbsbereichs) einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
4.5 Somit bleibt noch der Beginn des Rentenanspruchs festzulegen. Da sich die
Beschwerdeführerin im September 2008 zum Leistungsbezug angemeldet hat, hat sie
aufgrund der sechsmonatigen Wartefrist nach Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens ab 1. März
2009 einen Anspruch auf eine IV-Rente. Der psychiatrische Gutachter Dr. L._ hat der
Beschwerdeführerin ca. ab dem Jahr 2009 aus psychiatrischer Sicht für die
(ungelernte) Tätigkeit als kaufmännische Angestellte und andere adaptierte Tätigkeiten
eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Aus den Akten ist ersichtlich, dass die
Beschwerdeführerin die Suchtproblematik spätestens ab dem Jahr 2002 nicht mehr
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"im Griff" gehabt hat; ab diesem Zeitpunkt sind diverse stationäre Klinikaufenthalte
wegen der Suchtmittelabhängigkeit erfolgt. Zwar hat der behandelnde
Psychotherapeut der Klinik B._ der Beschwerdeführerin im Austrittsbericht vom 24.
April 2008 aus psychiatrischer Sicht noch eine volle Arbeitsfähigkeit bescheinigt.
Rückblickend überzeugt diese Einschätzung aufgrund des weiteren Verlaufs jedoch
nicht. Auch ist unklar, inwieweit der Psychotherapeut über den bisherigen Verlauf
informiert gewesen war. Hinzu kommt, dass keine Hinweise dafür ersichtlich sind, dass
sich die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin zwischen den Jahren 2008
und 2009 noch einmal erheblich verschlechtert hätte. Die unter anderem von Dr. L._
im Jahr 2011 noch erwartete Verbesserung des Gesundheitszustandes und der
Arbeitsfähigkeit ist aus der Sicht zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses nicht
eingetreten. Rückblickend betrachtet hat es sich bei den nach der Erfüllung des
Wartejahres bzw. nach Ablauf der sechsmonatigen Wartefrist durchgeführten
medizinischen Behandlungen also nicht um medizinische Eingliederungsmassnahmen
im IV-rechtlichen Sinne gehandelt. Der medizinische Endzustand ist demnach bereits
im Jahr 2008 eingetreten gewesen. Demzufolge ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin spätestens ab
dem 1. März 2008 (frühestmöglicher Beginn des Wartejahres) in der ungelernten
Tätigkeit als kaufmännische Angestellte und in Verweistätigkeiten zu 50 %
arbeitsunfähig gewesen ist. Daher hat die Beschwerde¬führerin ab dem 1. März 2009
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
5.
Demnach ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben
und der Beschwerdeführerin ist rückwirkend ab dem 1. März 2009 eine halbe
Invalidenrente zuzusprechen. Die Sache ist zur Ermittlung des Rentenbetrages an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt es sich,
über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu
entscheiden.
6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 26/27
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
6.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Honorarnote eingereicht. Er hat die
Beschwerdeführerin bereits im Verfahren IV 2015/297 vertreten, welches wegen des
Widerrufs der angefochtenen Verfügung abgeschrieben worden war. Für den
Vertretungsaufwand war der Rechtsvertreter damals mit Fr. 2'998.95 entschädigt
worden. Der Aufwand für das Aktenstudium und für die Ausarbeitung der
Beschwerdeschrift ist im vorliegenden Verfahren daher stark reduziert gewesen.
Zudem ist der Aufwand für die Beschaffung der im Beschwerdeverfahren neu
eingereichten medizinischen Unterlagen nicht vergütungsfähig, weil sich diese
Unterlagen, wie in Erwägung 3.3 ausgeführt worden ist, nicht auf den Streitgegenstand
bezogen haben. Angesichts des deutlich reduzierten Aufwandes erscheint im hier zu
beurteilenden Fall eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 1'800.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.