Decision ID: 5293e222-8449-4b41-9f87-2e1ebd8b6ea1
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1966 geborene
X._
war zuletzt seit 2009
in einem 100
%
-Pensum
als Verkaufsangestellte bei der Bäckerei
Conditorei
Y._
angestellt. Das Arbeitsverhältnis wurde am 1
2.
März 2014 per 31. Mai 2014 gekündigt
(Urk. 9/5/19-21
und Urk. 9/20
).
Am 17.
September 2014
meldete sie sich unter Hinweis auf
eine
Brustkrebs
erkrankung
bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
9/6).
Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte medizinis
che und erwerbliche Abklärungen
und
wies das Rentenbegehren
n
ach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 9/
28
) mit Verfügung vom 22. Juni 2015 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 26. Juni 2015 unter Auflage eines Zeugnisses von Dr. med.
Z._
, Spezialarzt Allgemeinmedizin FMH, vom 25. Juni 2015 (Urk. 3) Beschwerde und beantragte sinngemäss, die Verfügung vom 2
2.
Juni 2015 sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente zuzusprechen.
Mit Eingabe vom 3. August 2015 (Urk. 6) beantragte die nun vertretene Beschwerdeführerin zudem, es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu ge
währen und ein unentgeltlicher Rechtsbeistand beizugeben. Am 18. August 2015 (Urk. 8) beantragte die IV-Stelle Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom 22. September 2015 (Urk. 12) stellte die Beschwerdeführerin den Antrag, es sei festzustellen, dass sie ab dem 1. März 2015 Anspruch au
f
eine ganze Rente der Invalidenversicherung habe. Zwecks genauer Festlegung der zu
künftigen zeitlichen Anspruchsberechtigung sei die Sache an die
Beschwer
degegnerin
zurückzuweisen. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Beigabe eines unentgeltlichen Rechtsvertreters zog sie einstweilen zurück (S. 2).
Zudem reichte sie mehrere Unterlagen ein (Urk. 13/1-4). Im Rahmen der Duplik vom 23. Oktober 2015 (Urk. 16) hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 27. Oktober 2015 (Urk. 17) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung, IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Verfügung vom 2
2.
Juni 2015 (Urk. 2) damit, dass sich der Gesundheitszu
stand der Beschwerdeführerin verbessert habe und keine andauernde Ar
beitsunfähigkeit mehr ausgewiesen sei. Im
Laufe des
Verfahren
s
ergänzte sie, dass eine schwere depressive Störung nicht plausibel erstellt sei. Eine allfäl
lige Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei aufgrund von psychoso
zialen Faktoren invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant (Urk. 16).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
(Urk. 1
und Urk. 12
),
es könne nicht davon ausgegangen werden, dass sie mit Ablauf der Wartefrist wieder vollumfänglich arbeitsfähig geworden sei. Sie leide an einer rezidivierenden depressiven Störung
schwergradig
ausgepräg
ter Natur. Auf die anderslautende Einschätzung des Vertrauensarztes der Taggeldversicherung könne nicht abgestellt werden. Die Taggeldversicherung erbringe
im Übrigen
noch bis 2
0.
Oktober 2015 Taggeldleistungen. Mindes
tens bis zu diesem Zeitpunkt bestehe auch Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung. Im Übrigen habe die Beschwerdegegnerin ihre Verfügung zu früh erlassen, weshalb sie zu verpflichten sei, weitere Abklä
rungen zu tätigen (
Urk. 12).
3.
3.1
Im Bericht vom 1
6.
Februar 2015 (Urk. 9/23/6-8) stellten Oberärztin Dr. med.
A._
und Assistenzärztin Dr. med.
B._
von
der Klinik für Radio-Onkologie des
C._
folgende Diagnosen:
Metaplastisches
Mammakarzinom
rechts, pT2 (3.2 cm), pN1mi (2/4), L1, V1 G3, M0 ER/PR/HER2 negativ, G2, Proliferationsindex (
Ki
67) 50
%
R0, initial DCIS R1
mamillenwärts
und
mamillenfern
, aktuell R0
Status nach Segmentek
tomie rechts 9 Uhr mit
Sentinel
l
ymphonodekto
mie
am 1
6.
April 2014
Status nach Nachresektion Mamma rechts bei R1-Resektion für DCIS am 2
1.
Mai 2014
s
eit 1
6.
Juni 2014
adjuvante
Chemotherapie mit 4x AC und 12
Paclit
axel
p
ulmonale und
pleurale
Noduli
Ver
l
aufskontrolle 10/2014 grössenstat
i
onär
diffus an Zahl vermehrte Lymphk
n
oten im oberen
Mediastinum
Persistierender Husten und retrosternales Brennen
DD
Refluxsymptomatik
Stationäre
Hospitalisation
0
9/2014 bei akuter Dyspnoe und Husten, DD im Rahmen eines viralen Infektes, DD Panikattacke
CT Thorax vom 1
5.
Oktober 2014: stationäre indeterminierte pulmo
nale und
pleurale
Noduli
wie oben beschri
e
ben (bis 4 mm)
.
S
tationär an Zahl leicht vermehrte Lymphknoten mediastinal
Mittelfussschmerzen rechts seit Januar 2014
MRI Fuss rechts 02/2014: Bild eines entzündlichen fokalen Prozes
ses/Reizzustandes zwischen O
s
cuneiforme
laterale
und
intermedius
unklarer Ätiologie DD Überbelastung
Fasziitis
plantaris
links 07/2014
Fersensporn
Verbandsschuh mit angepasstem
Fussbett
Behandlung
Klinik D._
Verdacht auf vorderes
Tarsal
-Tunnel-Syndrom Fuss links
DD Druck
läsion
N.
peroneus
links (dur
c
h
Schwellung im Rahmen der Chemo
therapie, Druckschädigung am
Fibulak
ö
pfchen
bei verminderter Mobilität)
Lokalisation im Versorgungsgebiet des R.
superficialis
N.
peroneus
links
k
linisch und ele
k
trophysiologisch (1
3.
Oktober
2014) kein Anhalt für Polyneuropathie
Knie-TP beidseits bei Gonarthrose
u
nklare Verhärtung Kniekehle rechts,
sonographisch
Verdacht auf
Bakerzyste
Zystozele I° und
Rektozele
II° mit Belastungsinkontinenz II°
Beckenbodenphysiotherapie und
Urodynamik
geplant
Adipositas per magna
a
ktueller BMI 43.9 kg/m
2
(02/2015)
Dazu führten sie aus,
dass sich die Beschwerdeführerin vom
5.
Januar bis
16.
Februar 2015 in ambulanter radioonkologischer Behandlung befunden habe. Die Beschwerdeführerin berichte, die zuvor durchgeführte Chemothera
pie gut vertragen zu haben. Sie sei momentan allerdings sehr belastet auf
grund ihrer sozialen Situation mit Verlust des Arbeitsplatzes sowie der schwierigen familiären Situation.
3.2
Im Bericht vom
3.
März 2015 (
Urk.
9/23/1-5)
nannte
Dr.
B._
zusätzlich die Diagnose einer A
npassungsstörung (ICD-10 F43.2)
.
D
ie Beschwerdeführerin
sei
bis am 2
8.
Februar 2015 in ihrer angestammten Tätigkeit als Verkäuferin voll arbeitsunfähig. Gegebenenfalls sei ihr seit Januar 2015 eine sitzende Tätigkeit während maximal zwei bis drei Stunden pro Tag
an einem ruhigen Arbeitsplatz
möglich.
Rein stehende oder wechselbelastende oder vorwiegend im Gehen
auszuübende
Tätigkeiten seien ihr nicht zumutbar.
3.3
RAD-Arzt Dr. med.
E._
, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, führte in seiner Stellungnahme vom 2
2.
April 2015 (
Urk.
9/26/4) aus, die Arztberichte seien plausibel.
Für den Zeitraum nach
Ablauf der Wartezeit sei in den vorliegenden Unterlagen keine andauernde Arbeitsunfähigkeit mehr ausgewiesen. Eine schrittweise Wiedereingliederung in eine überwiegend sit
zend
auszuübende
Tätigkeit mit leichter Wechselbelastung sei medizinisch-theoretisch zumutbar. Tätigkeiten mit Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, mit Ersteigen von Treppen, Leitern und Gerüsten, in kniender oder kniebeugender Körperhaltung sowie überwiegende Geh- und Stehbelastung seien zu vermeiden.
3.4
Im Bericht vom 2
1.
Juli 2015 (
Urk.
13/1) stellte Oberärztin Dr. med.
F._
von
der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
C._
die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
schwergradig
ausgeprägt (ICD-10 F33.2).
S
eit ungefähr sechs Monaten
bestehe
eine depressive Symptomatik.
Es seien
grosse Sorgen hinsichtlich der finanziellen Situation
vorhanden
, die aktuell als bedrohlich erlebt werde
,
bei negativem IV-Bescheid und nun auch fehlender finanzieller Unterstützung
durch die
Taggeldversicherung
(S. 1)
.
Die Beschwerdeführerin sei
vom
psychoonkologisch-psychiatrischen Dienst erstmals am 2
0.
April 2015 gese
hen worden.
Sie sei zu d
iesem
Zeitpunkt bereits körperlich sehr geschwächt und psychisch erschöpft gewesen. Des Weiteren habe sie unter
Stimmungs
schwankungen
, unter affektive
r
Labilität und unter traumatischen Erlebnis
sen
in
der Kindheit, die aufgrund der Erkrankung der
Brust und
der
notwen
digen Therapien reaktiviert worden seien, gelitten.
Es sei zunächst
mit
eine
r
ambulante
n
Psychotherapie i
n 14-tägigem
Rhythmus begonnen worden. Nach dem negativen
IV-
Bescheid habe
die Beschwerdeführerin
eine zuneh
mende schwere Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und einen starken sozi
alen Rückzug entwickelt. Im Vordergrund
hätten
zudem Symptome von Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, eingeschränktem Affekt und emotionaler Inkontinenz gestanden. In der Folge habe
die Beschwerde
führerin
eine psychopharmakologische Therapie aufgenommen und befinde sich nun seit
dem
2.
Juli 2015 in wöchentlicher therapeutischer Behandlung.
Sie
sei seit
dem 2
0.
April 2015 zu 100
%
arbeitsunfähig
(S. 2)
.
4.
4.1
Wie erwähnt
,
hielt
Dr.
B._
i
n ihrem Bericht vom
3.
März 2015 fest, dass der Beschwerdeführerin
g
egebenenfalls eine behinderungsangepasste Tätigkeit während maximal zwei bis drei Stunden pro Tag möglich
sei
.
Die bisherige Tätigkeit sei ihr noch zumutbar, doch bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit. Ihr
Bericht ist insofer
n widersprüchlich, als Dr.
B._
darin ausführte, die angestammte Tätigkeit als Verkäuferin sei weiterhin zu
mutbar
;
d
as von ihr festgehaltene Belastungsprofil (Urk. 9/23/5) ist mit den Anforderungen
, die
an eine Verkäuferin in einer Bäckerei
gestellt werden
(
Urk.
9/20/5)
, namentlich
in Bezug auf das häufig erforderliche Gehen und Stehen nicht vereinbar.
Ebenso wenig leuchtet ein, weshalb die Beschwerde
führerin in einer angepassten Tätigkeit lediglich zwei bis drei Stunden pro Tag arbeiten k
önnen soll
,
während
eine Einschränkung in einem solchen Umfang in ihrer angestammten Tätigkeit nicht zu bestehen scheint.
Der Be
richt von Dr.
B._
stellt
schon deshalb
keine genügende Grundlage
zur Einschätzung des Umfangs der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
dar
.
4.2
De
m Vorbringen der Beschwerdeführerin
,
ihre Krankentaggeldversicherung habe eine volle Arbeitsunfähigkeit bis
O
ktober 2015 anerkannt, weshalb ihr m
indestens
bis zu diesem Zeitpunkt eine ganze Rente der Invalidenversiche
rung zustehe
,
ist
entgegenzuhalten
,
dass
die Anordnungen des
Krankentag
geldversicherers
für
die Invalidenversicherung
keine Bindungswirkung
haben
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_953/2010 vom 2
9.
April 2011 E. 7.3).
4.
3
4.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leistungsabweisenden Verfü
gung vom 2
2.
Juni 2015 (Urk. 2) auf die
vorerwähnte
Stellungnahme ihres RAD-Arztes
Dr.
E._
vom 22. April 201
5
.
4.
3
.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurtei
lung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfü
gung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massge
bende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG).
Nach Art. 49 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des
Leistungs
anspruchs
. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medi
zinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schrift
lich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu wür
digen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (
vorerwähntes
Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134
V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesge
richts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
Aus dem Grundsatz der Waffengleichheit folgt
das Recht der versicherten Per
son, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässig
keit und Schlüssigkeit der ärzt
lichen Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von der versicherten Person eingereichten Beweismittel stammen
regelmässig
von behandelnden Ärzten oder von anderen medizini
schen Fachpersonen, die in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versi
cherten Person stehen. Aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, wird im Streitfall eine
direkte
Leistungszusprache
ein
zig gestützt auf die Angaben der behandeln
den Ärzte jedoch kaum je in Frage kommen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
4.
3
.
3
RAD-Arzt
Dr.
E._
führte
in seiner Stellungnahme vom 2
2
. April 201
5
aus,
dass nach Ablauf der Wartezeit
- das heisst seit dem
1.
März 2015 -
keine andauernde Arbeitsunfähigkeit mehr ausgewiesen sei
.
Demgegenüber
h
ielt
Dr.
B._
von der Klinik für Radio-Onkologie des
C._
i
n ihrem Bericht vom 3.
März 2015 fest, der Beschwerdeführerin
sei
eine behinderungsangepasste Tätigkeit
nur
während maximal zwei bis drei Stunden pro Tag möglich
. In ihrer bisherigen Tätigkeit bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit.
Dass der RAD-Arzt die Arztberichte
(der Radioonkologie)
als plausibel erach
tete, aber dennoch
und
im Unterschied zu Dr.
B._
eine andauernde Ar
beitsunfähigkeit als nicht mehr ausgewiesen erachtete, mag mit der Diagnose einer Anpassungsstörung zu erklären sein.
Nach der Rechtsprechung stellt diese
ein lediglich vorübergehendes Leiden dar beziehungsweise bildet keine hinreichend ausgeprägte Psychopathologie. Vielmehr liegt sie im
Grenzbe
reich
dessen, was überhaupt noch als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes und potenziell invalidisierendes Leiden gelten kann (
vgl. etwa
Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2014 vom 30. April 2014 E. 3.2 mit Hinweis auf das Urteil 9C_153/2012 vom 15. Oktober 2012
E. 4.3).
Auch der
Vertrauensarzt der Taggeldversicherung stellte in seiner Stellung
nahme vom
7.
September 2015 (
Urk.
13/2) die Diagnose einer
Anpassungs
störung
. Er liess sich dahingehend vernehmen, dass bei einer klaren Auslö
sung einer affektiven Störung durch belastende äussere Faktoren - vorlie
gend die Grunderkrankung und die sozialen Nöte - keine eigenständige de
pressive Störung diagnostiziert werden dürfe.
Nach der Rechtsprechung kann die
Entstehung einer
depressive
n
Störung aufgrund
von psychosozialen
Faktoren
in der Tat ein gewichtiges Argument gegen das Vorliegen eines rechtlich relevanten invalidisierenden Gesundheitsschadens sein (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_89/2016 vom 1
2.
Mai 2016 E. 4.2 und 9C_559/2015 vom
2.
Dezember 2015 E. 3.2 f. mit Hinweisen).
Allerdings schilderte
die Psychiaterin
Dr.
F._
in ihrem Bericht vom 2
1.
Juli 2015
, dass die Beschwerdeführerin
an einer gegenwärtig
“
schwergradig
aus
geprägten
“
rezidivierenden depressiven Störung
leide
und deshalb seit dem 2
0.
April 2015 zu 100
%
arbeitsunfähig
sei
.
Sie sei bereits
zu jenem
Zeit
punkt
“
körperlich sehr geschwächt
“
und
“
psychisch erschöpft
“
gewesen
.
Im Zeitpunkt des
Berichts von
Dr.
F._
war die Beschwerdeführerin seit drei Monaten in psychiatrischer Behandlung, dies zunächst in zweiwöchentlichen, seit knapp drei Wochen in wöchentlichen Abständen.
Die
Behandlungsfre
quenz
spricht
für die als
schwergradig
bezeichnete Störung beziehungsweise
für einen
nicht unerheblichen Leidensdruck
;
doch berichtet
e
auch
Dr.
F._
von psychosozialen Faktoren
, welche Auswirkungen auf die psychischen Beschwerden h
ätten (
grosse Sorgen hinsichtlich
d
er finanziellen Situation und
verschlechterter
psychischer Zustand
nach negative
r
IV-
Verfügung
).
4.3.
4
Zwar können
RAD-Stellungnahmen nicht einfach
immer dann in Frage ge
stellt werden, wenn die behandelnden Ärzte eine abweichende Meinung zur Arbeitsunfähigkeit
äussern
(
vgl. etwa
Urteil des Bundesgerichts 9C_668/2015 vom
17. Februar 2016 E. 3).
Jedoch
ist
wie bereits dargelegt
auf
einen RAD-Bericht
nicht
abzustellen
, wenn
– wie hier -
auch nur geringe Zweifel an
dessen
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen
.
4.
4
Nach dem Gesagten
ist
die Sache
zu
weiteren
Abklärung
en betreffend Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit – unter Ausklammerung von psychosozialen Belastungsfaktoren -
an die
Beschwer
degegnerin
zurückzuweisen, damit
sie
anschliessend
über
den
Leistungsan
spruch
de
r
Beschwerdeführer
in
neu entscheide
.
5.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
6
00.-- festzusetzen und entsprechend dem
Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
5.2
Der Beschwerdeführerin steht ausgangsgemäss eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ihr eine
Prozess
entschädigung
von Fr.
1
‘
8
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
)
auszurichten.