Decision ID: def7f7ec-715c-49e2-b6a9-4717562d57a8
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, war seit Januar 201
6
als Verkäufer tätig
(Urk. 15
/16 Ziff. 2.1-2.2
)
, als er sich am 27. November 2018 unter Hinweis auf ein schweres Burnout bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 15/6 Ziff. 5.4 und Ziff. 6.1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche (Urk. 15/11, Urk. 15/16) sowie medizinische Abklä
rungen (Urk. 15/15
, Urk. 15/17, Urk. 15/22-23, Urk. 15/29
) und zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 15/12
, Urk. 15/32
). Mit Schreiben vom 17. Januar 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass keine Eingliede
rungsmassnahmen möglich seien (Urk. 15/14).
Nach durchgeführtem Vorbescheid
ver
fahren (Urk. 15/35-36, Urk. 15/43
, Urk. 15/66
), in dessen Rahmen weitere medizinische Berichte eingingen (Urk. 15/38, Urk. 15/40, Urk. 15/54
, Urk. 15/57, Urk. 15/62), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 18. Juni 2020 einen
Leis
tungs
anspruch
de
s
Versicherten (Urk. 15/69 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 1
3.
August 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 18. Juni 2020 (Urk. 2) und beantragte die Aufhebung der Verfügung und Rück
weisung der Sache zur vollständigen Abklärung, eventuell die Zusprache einer ganzen Invalidenrente (Urk. 1 S. 2). Am 1. September 2020
(Urk. 8)
reichte der
Versicherte einen aktuellen Arztbericht ein (
Urk.
9
/4
). Mit Beschwerdeantwort v
om
30. September 2020 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 14
), was dem Beschwerdeführer am 1. Oktober 2020 mitgeteilt wurde. Gleich
zeitig
wurden antragsgemäss (Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Pro
z
essführung und Rec
hts
vertretung bewilligt (Urk. 16
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Das An
stellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
inter
nen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
ditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) damit, dass die depressive Störung gemäss den Angaben des behandelnden Psychiaters inzwischen abgeklungen sei und sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verbessert habe. Psy
chosoziale Belastungsfaktoren wie de
r
Verlust der eigenen Firma könn
ten
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt werden (S. 1).
D
ie vom Psychiater angegebene
reduzierte Leistungsfähigkeit von 60 % sei ohne depres
sive Befunde und
bei
einer nicht mehr vorhandenen Depression nicht nachvoll
ziehbar. Aktuell finde weder eine psychiatrische noch eine neurologische Behandlung statt (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend (Urk. 1), in sämtlichen ärzt
lichen Berichten ab 26. Juli 2018 hätten verschiedene unabhängige Ärzte
ein
heitlich festgestellt, dass weder in der bisherigen noch in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit vorliege. Trotz diesen nachvollziehbaren und sich nicht widersprechenden Arztberichten halte der RAD fest, dass eine Arbeitsun
fähigkeit in angepasster Tätigkeit nur kurzfristig während der psychiatrischen Klinikaufenthalte bestanden habe. Wie der RAD aufgrund der ärztlichen Berichte, welche allesamt eine Arbeitsunfähigkeit auswiesen, und ohne selber medizinische Abklärungen zu tätigen zu diesem Schluss komme, ergebe sich nicht aus den Akten. Darüber hinaus habe der RAD-Arzt festgehalten, dass die vorliegenden Arztberichte schlüssig und die angeführten medizinischen Fakten nachvollzieh
bar seien (S. 11 Ziff. 2.b).
De
n
Bericht des behandelnden Psychiaters Dr.
Y._
vom 2. März 2020 habe die Beschwerdegegnerin für widersprüchlich erklärt
.
N
achdem Dr.
Y._
trotz entsprechender Nachfrage keine der gestellten Fragen
beantwortet habe,
habe sie jedoch weder weiter nachgefragt noch ein Gutachten erstellen lassen (S. 13 oben). Der RAD-Arzt sei zu
de
m Facharzt für Chirurgie (S. 13 lit. f). Der Inhalt des Berichts des
Z._
betreffend die Be
handlung des Hirninfarkts werde sodann mit keinem Wort erwähnt (S. 13 lit. g). Insgesamt sei die Beschwerdegegnerin ihren Abklärungspflichten nicht nachge
kommen (S. 14 Mitte).
2.3
Strittig und zu prüfen ist damit der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers
und damit zusammenhängend die Frage, ob die Beschwerdegegnerin den medizi
ni
schen Sachverhalt genügend abgeklärt hat.
3.
3.
1
Vom 19. bis 24. Mai 2017 war der Beschwerdeführer aufgrund einer unklaren aku
t aufgetretenen Hemiparese links im
A._
hospitalisiert. In ihrem Bericht vom 30. Mai 2017 nannten die Ärzte
zusätzlich
folgende Diagnosen (Urk. 15/54/3-6 S. 1 f.):
-
rezidivierende Panikattacken und Verdacht auf Somatisierungsstörung
-
Diabetes mellitus Typ 2
-
arterielle Hypertonie
Die Zuweisung sei bei akut aufgetretenem sensomotorischem Hemisyndrom links notfallmässig durch den Rettungsdienst erfolgt. Der Beschwerdeführer sei von der Ehefrau benommen am Boden liegend und undeutlich sprechend aufgefunden worden. Aktuell lasse sich für die akut aufgetretene Hemiparese links mit im Ver
lauf erheblicher Diskrepanz zwischen Untersuchungssituationen und Aktivitäten des täglichen Lebens, der im Verlauf zusätzlich in Untersuchungssituationen präsentierten fluktuierenden Abduktionsstörung im Auge links, und später zu
sätz
lich in Untersuchungssituationen der Angabe Hemianopsie nach links keine definitive Ursache finden. Die geschilderten Symptome seien in ihrer Gesamtheit keinem neurologischen Syndrom oder einer anatomischen Lokalisation zuzuord
nen. Am ehesten sei von einer somatoformen Störung mit differentialdiagnos
tisch möglicherweise darunterliegender unklarer somatischer Ursache auszu
ge
hen. Der Beschwerdeführer habe dennoch von der Ergo-, Physio- und Logopädie profitieren können und insgesamt eine Besserung der Symptome gezeigt (S. 2). Vom 19. Mai bis 4. Juni 2017 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (S. 3).
3.
2
Nach einer Hospitalisation im
Z._
vom 1
8.
bis 20. Juli 2017 diagnostizierten
die Ärzte in ihrem Bericht vom 27. Juli 2017 (Urk. 15/57)
insbesondere ein sensomotorisches Hemisyndrom links sowie eine komplexe oku
lomotorische Störung (S. 1). D
as Hemisyndrom links werde von einer komplexen Störung der Augenbewegung sowie l
i
nks-frontalen Kopfschmerzen
begleitet
. Die Ätiologie sei unklar, eventuell könnten die Symptome einer Migräne zuge
schrie
-
ben werden. Weniger wahrscheinlich sei die Ursache eine funktionelle oder soma
toforme Störung. Die bildgebenden Abklärungen hätten keine Befunde gezeigt. Klinisch sei es nach einigen Stunden zu einer restitutio ad integrum gekommen, die Diagnosen seien aufgrund der vorübergehenden Symptome gestellt worden (S. 3).
3.
3
Nach einer Hospitalisation vom 6. August bis 7. September
2018 (vgl. Urk. 15/15/
1
7
) führten die Ärzte der
B._
in
ihrem Bericht vom 1. Oktober 2018 (Urk. 15/12/15-18)
aus,
der Beschwerdeführer sei im Rahmen eines depressiven Syndroms durch den Hausarzt zugewiesen worden (Ziff. 1).
Als Diagnose nannten
sie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode (Ziff. 5).
Zu Beginn der Behandlung hätten ein deutlich gedrück
ter Affekt, verminderter Appetit, deutlicher sozialer Rückzug und Schuldgefühle
im Vordergrund gestanden. Der Beschwerdeführer habe sich zunehmend auf der Station integriert und an verschiedenen Therapieangeboten teilgenommen. Im Verlauf habe er mehr und klarer über seine Ziele und Elemente in seinem Leben berichten und durch körperorientierte Emotionsregulationsinterventionen bei innerer Anspannung stabilisiert werden können (Ziff. 4).
Vom 6. August bis
23. September 2018 sei der Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig gewesen
. Für die weitere Belastbarkeit verwiesen die Ärzte auf die ambulanten Behandler (Ziff. 6).
3.
4
Der Hausarzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte in seinem Bericht vom 25. Januar 2019 eine mittelschwere de
pressive Episode (Urk. 15/15/7-9 Ziff. 2.5) und führte aus, es sei schon in früheren Jahren zu kurzzeitigen Anpassungsstörungen und Impulshandlungen gekommen. Aktuell erleide der Beschwerdeführer ein Burnout-Syndrom bei Überforderung im eigenen Geschäft (Ziff. 2.1). Seit dem 26. Juli 2018 sei er vollständig arbeits
unfähig (Ziff. 1.3), es finde eine psychiatrische Behandlung statt (Ziff. 2.4). Die Wiedereingliederung in eine Arbeitstätigkeit sei abhängig vom psychischen Zu
stand und der Motivation des Beschwerdeführers (Ziff. 2.7). Funktionseinschrän
kungen bestünden nicht, er sei psychisch nicht belastbar (Ziff. 3.4).
3.
5
Der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psy
chia
trie und Psychotherapie, nannte in seinem Bericht vom 9. März 2019
folgende Diagnosen
(Urk.
15/17 Ziff. 2.5):
-
rezidivierende depressive Störung, mittelgradig depressive Episode
-
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
Seit dem 1. Oktober 2018 sei der Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 1.3). Die Behandlungen fänden einmal wöchentlich statt (Ziff. 1.2). Der Beschwerdeführer zeige ein mittelschweres depressives Zustandsbild, aktuell sei er psychoreaktiv disponiert (Ziff. 2.4). Für die nächsten drei Monate bestehe keine Arbeitsfähigkeit. Der Beschwerdeführer zeige derzeit keine psychischen Resso
ur
cen zur Besserung seines Krankheitszustandes (Ziff. 2.7). Auch in einer ange
passten Tätigkeit bestehe keine Arbeitsfähigkeit (Ziff. 4.2). Eine Prognose zur Eingliederung sei derzeit nicht einschätzbar, die resignative Haltung nach der Insolvenz der eigenen Firma stehe einer Eingliederung im Wege (Ziff. 4.3-4.4).
3.
6
Nach einer Hospitalisation
des Beschwerdeführers
vom 8. März bis 25. April 2019 nannten die Ärzte der
B._
in ihrem Bericht vom 13. Mai 2019 folgende Diagnosen (Urk. 15/22 S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
-
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
Der Beschwerdeführer
sei
freiwillig
durch den behandelnden Psychiater
zuge
wiesen worden
, nachdem der Konkurs seiner Firma im Januar 2019 zu einer akuten psychischen Dekompensation mit depressiver Symptomatik geführt habe
(S. 1). Als Behandlungsziele seien Stabilisierung, Etablieren einer Tagesstruktur sowie Entwickeln einer neuen Perspektive festgelegt worden. Der Beschwerde
führer habe sich im Verlauf zunehmend auf der Station integriert und den Aus
tausch mit den Mitpatienten geschätzt. Er sei zunehmend körperlich aktiv
gewor
den und habe regelmässig an Therapieangeboten teilgenommen. In den therapeu
tischen Einzelgesprächen sei der Beschwerdeführer darin unterstützt worden, den Konkurs seiner Firma zu verarbeiten. Weiter sei mit ihm an den Themen Akze
p
-
tanz und am verbesserten Umgang mit Stress gearbeitet worden. Es sei ihm schwer
gefallen, sich mit seiner Zukunft auseinanderzusetzen und konkrete Ziele zu definieren (S. 3). Diagnostisch seien bei Eintritt die Kriterien für eine schwere depressive Episode erfüllt gewesen (depressive Stimmung, Interessen- und Freud
verlust, verminderter Antrieb, Verlust des Selbstwertgefühls, Selbstvorwürfe und Schuldgefühle, Klagen über ein vermindertes Denk- und Konzentrationsver
mö
gen, Schlafstörungen und Appetitveränderungen), was ihm auch die Bewälti
gung des Alltags erschwert habe. Im Verlauf des Aufenthalts habe er sich stabilisiert, allerdings habe er grossen Respekt davor, im häuslichen Umfeld in die depressive Spirale zu verfallen. Vom 29. April bis 13. Mai 2019 werde er in die Ferien ver
reisen
. Vom 8. März 2018 bis und mit 30. April 2019 habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bestanden
(S.
4
).
3.
7
Dr.
Y._
und lic. phil.
D._
hielt
en
i
n
ihrem
Bericht vom 9. Juli
2019 (Urk. 15/23) fest, der Gesundheitszustand habe sich verbessert (Ziff. 1.1), und diagnostizierte
n
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Epi
sode (Ziff. 1.2). Die Behandlung finde alle ein bis zwei Wochen statt (Ziff. 3.1). Derzeit sei der Beschwerdeführer weder in der bisherigen noch in einer ange
passten Tätigkeit arbeitsfähig (Ziff. 2.1). Aufgrund des verbesserten Zustandsbil
des könne jedoch in naher Zukunft von einem Arbeitseinstsieg im nieder
pro
zen
tigen Bereich ausgegangen werden (Ziff. 3.3). Für Massnahmen der Wieder
ein
gliederung bestehe derzeit noch keine Belastbarkeit (Ziff. 4.2), die Motivation des Beschwerdeführers sei aber hoch (Ziff. 4.3).
3.
8
Am 3. Dezember 2019 (Urk. 15/32/47-49) führte
n
Dr.
Y._
und lic. phil.
D._
aus, seit dem letzten Bericht habe eine Verbesserung der depressiven Sympto
matik und des psychophysischen Gesundheitszustandes stattgefunden. Die Symp
tome wie massive Müdigkeit, depressive Stimmungslage, Konzentrationsprob
leme, Ängste und sozialer Rückzug hätten sich zurückgebildet. Der Beschwer
deführer sei in der Lage, sich ausserhalb
des Hauses angstfrei zu bewegen
und
einer niederprozentigen Arbeit nachzugehen
. Er
sei umgezogen (Ziff. 1). Derzeit bestünden die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4), sowie Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73; Ziff. 2.2).
D
er Beschwerdeführer
befinde sich
betreffend die depressive Störung im remittierten Zustand. Eine verminderte psychophysische Belastbarkeit bestehe weiterhin (Ziff. 2.1).
Alle drei Wochen finde eine psychiatrisch-psychotherapeutische Gesprächstherapie mit lösungs
orien
tierter und verhaltenstherapeutischer Methodik statt (Ziff. 3.1). Das psy
chische Zustandsbild habe stabilisiert werden können. Die depressive Entwick
lung habe sich verbessert, die Angstsymptomatik vermindert. Der Beschwerde
führer habe Coping-Strategien entwickelt und erste Schritte ins Berufsleben gemacht (Ziff. 3.3). Seit Oktober 2019 arbeite er zu 20 % im Sicherheitsbereich des
E._
(Ziff. 4.2) und es sei davon auszugehen, dass die Arbeits
fähigkeit in absehbarer Zeit gesteigert werden könne, in einem nächsten Schritt auf zirka 30 bis 40 % (Ziff. 4.3). Der Beschwerdeführer bewege sich bei dieser Arbeit innerhalb seiner Belastungsgrenzen und sei in der Lage, Erschöpfungs
symptome seines Körpers rechtzeitig wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Betreffend Arbeitsintegration sei es wichtig, schrittweise und langsam vorzu
gehen, damit ein Rückfall in die depressive Erschöpfungssymptomatik verhindert werden könne. Bei Überlastung und Überforderung sei ein Rückfall nicht aus
geschlossen (Ziff. 4.5).
3.
9
Im Wesentlichen dieselben Angaben machte
n
Dr.
Y._
und lic. phil.
D._
in ihrem Beri
cht vom 2. März 2020 (Urk. 15/29
) und hielten fest, der Beschwerde
führer habe sein Arbeitspensum am 1. Januar 2020 von 20 auf 40 % gesteigert.
Es sei davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand weiterhin stabilisieren werde und er das Pensum dementsprechend erhöhen könne
(
S. 1).
Die Leis
tungs
fähigkeit sei um 60 % vermindert (Ziff. 2.2). Die Behandlungen fänden alle drei bis vier Wochen statt (Ziff. 3.1). Die Motivation des Beschwerdeführers sei sehr hoch (Ziff. 4.3).
Ebenfalls weitgehend unveränderte Angaben machten Dr.
Y._
und lic. phil.
D._
in ihrem Bericht vom 15. Mai 2020 (Urk. 15/62), wobei sie auf den letzten Behandlungstermin am 15. Januar 2020 hinwiesen (Ziff. 3.1).
3.
10
Dr.
med. F._
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, hielt am 9. März 2020 fest, es sei von einer rezi
divierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert, auszugehen (Urk. 15/34 S. 5). In der bisherigen Tätigkeit als Verkäufer bestehe eine Antriebsstörung mit deutlichen Hemmungen sowie eine psychophysische Belastbarkeitsminderung mit vorzeitiger Erschöpfung und Minderung der konzentrativen Ausdauerbelast
barkeit. Vom 26. Juli 2018 bis 31. August 2019 sei der Beschwerdeführer als Verkäufer vollständig arbeitsunfähig gewesen. Vom 1. September bis 31. Dezem
ber 2019 habe die Arbeitsunfähigkeit 80 % betragen, seit dem 1. Januar 2020 sei von einer solchen von 60 % auszugehen. In angepasster Tätigkeit habe nur kurz
fristig während der psychiatrischen Klinikaufenthalte eine Arbeitsunfähigkeit bestanden. Das Belastungsprofil umfasse zeitlich flexible Tätigkeiten ohne per
manenten Zeit- und Termindruck, bei nur geringem Publikumsverkehr, ohne
besondere Anforderungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen in einer
wohlwollenden und konfliktarmen Arbeitsatmosphäre (S. 6).
3.
11
Am 16. März 2020 führte die Kundenbetreuerin der Beschwerdegegnerin
aus
, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit noch eingeschränkt sein solle, wenn die depressive Störung gegenwärtig remittiert sei. Der Konkurs seiner Firma im Januar 2019 habe zu einer psychi
schen Dekompensation geführt. Seit September 2019 arbeite er in einem Pensum von 20 % als Protector im Sicherheitsbereich des
E._
, seit Januar 2020 in einem solchen von 40 %. Aufgrund der Aktenlage sei kein erheblicher, lang andauernder Gesundheitsschaden ausgewiesen, die depressive Störung sei
remittiert. Der Gesundheitsschaden basiere auf dem Konkurs seiner Firma (Urk. 15/
34 S. 7).
3.12
Im Rahmen des Aufnahmeverfahrens der Fürsorgestiftung der
G._
empfahl
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie für Rheumatologie, mit Schreiben vom 17. März 2020 einen Gesundheits
vor
behalt für depressive Störungen (Urk. 15/53 S. 1).
3.
13
Mit Schreiben vom 24. März 2020 wies Dr.
Y._
darauf hin, dass der Be
schwerdeführer derzeit am
E._
mit einem Arbeitspensum von 40 % arbeite. Seines Erachtens werde sich der Gesundheitszustand vermutlich weiter stabilisieren, inwieweit allerdings eine volle Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht wieder erreicht werden könne, könne derzeit nicht abgeschätzt werden.
Es werde vorgeschlagen, dass d
ie Beschwerdegegnerin mit dem Beschwerdeführer direkt abkläre, ob sich noch eine Belastbarkeitsminderung aus Krankheitssicht darstelle oder nicht (Urk. 15/38).
3.
14
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des Einspracheentscheides ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert
haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden
(BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus prozess
ökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Entscheiderlasses zu beeinflussen (BGE 99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
Diese Voraussetzungen sind für den im Rahmen des Beschwerdeverfahrens einge
reichten Bericht des
I._
vom 2
7.
August 2020 (
Urk.
9/4) erfüllt. Darin nannten die Ärzte n
ach einer Hospitalisation
des Beschwerdeführers
vom 2
4.
bis 28. August 2020 folgende Diagnosen (S. 1 f.):
-
akut aufgetretenes sensomotorisches Hemisyndrom links am 24. August 2020
-
Ätiologie: funktionelle Genese sowie funktionelle Okulomotorik
störung
im Rahmen einer Somatisierungsstörung
-
cMRI 25. August 2020 unauffällig
-
Risikofaktoren
: Diabetes mellitus Typ 2, arterielle Hypertonie, Status nach Nikotinabusus, keine cerebrale Makro- oder Mikroangiopathie
-
seit 2017 bereits das vierte Ereignis einer solchen Art, bisher ohne organisches Korrelat
-
Klinik: initial sensomotorisches Hemisyndrom links, mit im Verlauf
erheblicher Diskrepanz zwischen Untersuchungssituationen und A
ktivi
täten
des täglichen Lebens
, im Verlauf fluktuierend Abduktionsstörung Auge links, später Angabe Hemianopsie nach links
-
rezidivierende depressive Störung
-
zweimalige Hospitalisation
B._
September 2018 und Mai 2019 bei schwerer depressiver Episode ohne psychotische Symptome
-
Therapie mit Levetiracetam bei häufigen Migräneanfällen und Sensi
bili
tätsstörungen
-
rezidivierende Panikattacken und Verdacht auf Somatisierungsstörung
-
letztmals 2003 und 2005 Episoden mit wiederholten Panikattacken mit Hyperventilation bis zum Tetraspasmus, seither gemäss Hausarzt stabil
-
zudem 2003 und 2005 wiederholte Hausarztbesuche bei diversen neu
rologisch anmutenden Befindlichkeitsstörungen, jeweils ohne somati
schen Befund, seither gemäss Hausarzt stabil
-
selbstlimitierende Episode veränderter Befindlichkeit und Derealisa
tionserleben am 19. Mai 2009
-
Diabetes mellitus Typ 2
-
arterielle Hypertonie
-
Migräne ohne Aura
Es werde eine weiterführende regelmässige ambulante psychotherapeutische An
bin
dung sowie eine ambulante Physiotherapie empfohlen. Die Therapie mit Lamotrigin sei zu evaluieren und allenfalls bei fehlender Indikation zu sistieren. Bei erneuter Beschwerdezunahme werde eine stationäre psychosomatische Reha
bilitation empfohlen. Vom 2
4.
bis 30. August 2020 sei der Beschwerdeführer voll
ständig arbeitsunfähig gewesen (S. 2).
4.
4.1
U
nbestritten und aufgrund der Akten
auch
ausgewiesen
ist
, dass
d
er
Beschwer
deführer
im Sommer 2018
einen psychischen Zusammenbruch
erlitten hat und in der B._
hospitalisiert werden musste (vgl. E. 3.3). Ein zweiter Klinik
aufenthalt fand im Frühling 2019 statt (E. 3.6). Daneben begab sich der Be
schwerdeführer bei Dr.
Y._
sowie lic. phil.
D._
in ambulante psychia
trisch-psychotherapeutische Behandlung (E. 3.5, E. 3.7-9, E. 3.13).
S
owohl die Ärzte der
B._
als auch
Dr.
Y._
und lic. phil.
D._
diagnostizierten
zunächst eine mittelgradige depressive Episode (E. 3.3, E. 3.5), wobei die Ärzte der
B._
anlässlich der zweiten Hospitalisation von einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome ausgingen (E. 3.6). Im weiteren Verlauf beschrieben Dr.
Y._
und lic. phil.
D._
eine Verbesserung des Gesund
heits
zustandes, wobei sie im Sommer 2019 zunächst noch eine leichte depressive Epi
sode diagnostizierten (E. 3.7), bevor sie im Dezember 2019 festhielten, die de
pressive Störung sei remittiert (E. 3.8).
Trotz der beschriebenen Verbesserung des Gesundheitszustandes attestierten Dr.
Y._
und lic. phil.
D._
jedoch noch eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % und empfahlen eine schrittweise und langsame Arbeitsintegration, um einen Rückfall in die depressive Erschöpfungssymptomatik zu verhindern (E. 3.8). Diese Empfehlung erscheint aufgrund der Krankengeschichte mit psychischer Dekom
pensation und zweimaligem Klinikaufenthalt innert acht Monaten
grundsätzlich
nachvollziehbar und begründet.
4.2
Aus den vorliegenden Akten
ergeben
sich jedoch weder ein konkretes Belas
tungsprofil noch genauere Angaben bezüglich dem zumutbaren Arbeitspensum des Beschwerdeführers.
Einzig RAD-Arzt Dr.
F._
beschrieb als Belastungs
profil zeitlich flexible Tätigkeiten ohne besonderen Zeit- und Termindruck, bei nur geringem Publikumsverkehr und ohne besondere Anforderungen an das Um
stellungs- und Anpassungsvermögen in einer wohlwollenden und konfliktarmen Arbeitsatmosphäre (E. 3.10). Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass Dr.
F._
über einen chirurgischen Facharzttitel verfügt, nicht
jedoch
über eine fachpsy
chiatrische Ausbildung. Ohne weitere Angaben eines behandelnden Psychiaters kann daher auf das von Dr.
F._
erstellte Belastungsprofil nicht abgestellt werden. Auch bezüglich des dem Beschwerdeführer noch zumutbaren Arbeits
pen
sums liegen keine Angaben vor, insbesondere auch nicht bezüglich der
mög
lichen
weiteren Steigerung. Von Oktober bis Ende Dezember 2019 arbeitete der Beschwerdeführer in einem Pensum von 20 % und konnte dies ab Januar 2020 auf 40 % steigern (vgl. E. 3.8-9). Zwar hielten Dr.
Y._
und lic. phil.
D._
eine weitere Stabilisierung für wahrscheinlich, konkrete Angaben dazu machten sie jedoch nicht (E. 3.9).
Diesbezüglich schlug Dr.
Y._
am 24. März 2020
vielmehr
vor, es sei beim Beschwerdeführer direkt abzuklären, ob es sich noch um eine Belastbarkeitsminderung aus Krankheitssicht
handle
(E. 3.13)
, was nicht genügt
.
4.3
Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist für alle psychischen Erkran
kungen ein strukturiertes, ergebnisoffenes Beweisverfahren anhand von Stand
ard
indikatoren durchzuführen (vgl. vorstehend E. 1.4).
Auch wenn die behan
delnden Therapeuten von einer Remission ausgingen, attestierten sie dem Be
schwerdeführer keine volle Arbeitsfähigkeit, sondern wiesen vielmehr darauf hin, dass bei Überlastung und Überforderung ein Rückfall nicht ausgeschlossen sei (vorstehend E. 3.8).
Eine volle Arbeitsfähigkeit attestierten sie nicht.
Obschon die vorliegenden Arztberichte keine überzeugenden und nachvollziehbaren Angaben zum Belastungsprofil sowie zur weiteren Steigerung des zumutbaren Arbeitspen
sums enthalten, verzichtete d
ie Beschwerdegegnerin
auf die
Veranlassung
einer psychiatrischen
Untersuchung
und holte lediglich bei den behandelnden Ärzten medizinische Berichte ein. Gestützt darauf führte die Kundenbetreuerin der Beschwerdegegnerin eine «Prüfung der Diagnosen» durch, welche jedoch lediglich sechs Sätze umfasst und damit nicht als Ressourcenprüfung im Sinne der Recht
sprechung gelten kann. Die vorliegenden medizinischen Akten enthalten insge
sa
mt zu wenige Angaben, um das vom Bundesgericht vorgesehene Beweisver
fahren durchzuführen und insbesondere die vorgeschriebenen Standardindi
kato
ren zu prüfen.
Ein Beweisverfahren
erscheint jedoch als erforderlich und ein Abweichen davon als nicht angezeigt: Es verhält sich vorliegend nicht so, dass genügend
be
weiswertige fachärztliche
Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsun
fähig
keit in nachvollziehbar begründeter Weise
verneinen; im Gegenteil liegt keine genügende fachärztliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor
(BGE 143 V 409 E.
4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E.
7.1).
Zudem liegt trotz einer zuletzt als leicht
gradig eingeschätzten depressiven Episode möglicherweise eine neurologische Komorbidität vor, die der näheren Abklärung bedarf.
Der medizinische Sach
verhalt erweist sich
damit als ungenügend abgeklärt.
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese eine neurologische sowie psychiatrische
Untersuchung
veranlasst, gestützt auf welche die Auswirkungen der festgestellten Beeinträchtigungen unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung anhand der verschiedenen Standard
indikatoren einzelfallgerecht und ergebnisoffen beurteilt werden können. Dabei wird auch die im August 2020
bereits zum vierten Mal
wieder aufgetretene Hemisymptomatik
sowie insbesondere die Frage nach einer
möglichen
psychi
schen Ursache
abzuklären sein.
Eine solche hatten im Mai 2017 bereits die Ärzte des
A._
in Erwägung gezogen und die Ärzte des
I._
im aktuellen Bericht vom 27. August 2020 ausdrücklich erwähnt (E. 3.1 und E. 3.14).
Nach Vorliegen der notwendigen Angaben wird über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu zu befinden sein. Dies führt zur Gutheissung der Be
schwerde.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung einer Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen sind.
5.2
Für das Beschwerdeverfahren wurde mit Verfügung vom 1. Oktober 2020 das Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsver
tre
tung gutgeheissen, wobei die Rechtsvertreterin ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass sie die Möglichkeit zur Einreichung einer Honorarnote habe, hierzu jedoch keine
Fristansetzung erfolge (Urk. 16). Nachdem keine Honorarnote ein
gegangen ist, ist die Prozessentschädigung gemäss § 34 Abs. 3 des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen. Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr. 2’500.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) als angemessen.