Decision ID: 7e258696-db72-52ca-97a4-0c9165236df8
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Rekurrentin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Andrea Cantieni, Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur,
gegen
Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons
St. Gallen, Oberer Graben 32, 9001 St. Gallen,
Vorinstanz,
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betreffend
Entschädigung und Genugtuung
Sachverhalt:
A.
A.a A._ stellte am 17. Juli 2013 beim Sicherheits- und Justizdepartement des
Kantons St. Gallen gestützt auf das Opferhilfegesetz ein Gesuch um Entschädigung
von Fr. 3'400.-- und Genugtuung von Fr. 8'000.-- zuzüglich Zins von 5% seit dem
10. März 2012, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung gab sie an,
am 10. März 2012 Opfer eines Raubüberfalls geworden zu sein. Sie habe ihre
Anstellung im B._ am 3. März 2012 angetreten und sei eine Woche später von C._
mit einem Messer bedroht und gezwungen worden, ihm das Geld aus beiden
Verkaufskassen herauszugeben. Infolge des Raubüberfalls habe sie eine
posttraumatische Belastungsstörung erlitten, sie habe mit Panikattacken, Schlaf- und
Essstörungen sowie Durchfall reagiert (act. G 3.1.1). Wie dem rechtskräftig
gewordenen Urteil des Kreisgerichts Werdenberg-Sarganserland vom 7. Februar 2013
zu entnehmen ist, hatte der vollständig vermummte Täter C._ den B._ am Abend
des 10. März 2012 überfallen. Er sei direkt hinter die Kassatheke
gerannt, wo er der Verkäuferin A._ einen kräftigen Stoss gegen den rechten Oberarm
versetzt habe. Mit einem Rüstmesser drohend habe er sie aufgefordert, ihm das Geld
aus der Kasse herauszugeben. Dabei habe er das Messer in einer Distanz von 20 -
30 cm zweimal direkt gegen ihren Oberkörper gestreckt. Nachdem ihm die Verkäuferin
das gesamte Notengeld aus beiden Kassen herausgegeben habe, habe er den Shop
mit einer Beute von insgesamt Fr. 4'700.-- eiligen Schrittes verlassen. Das Kreisgericht
hatte C._ gestützt darauf des Raubs schuldig gesprochen und ihn wegen dieses und
weiterer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von 58 Monaten verurteilt, wobei der Vollzug zu
Gunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben worden war. Zudem war der
Täter unter anderem verpflichtet worden, A._ eine Genugtuung von Fr. 8'000.-- nebst
Zins zu 5% seit 10. März 2012 zu bezahlen (act. G 3.1.1.2, 3.1.4.1).
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A.b Vom 10. März bis 17. Juli 2012 war der Gesuchstellerin eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit attestiert worden (act. G 3.1.1.4), worauf die Suva Taggelder erbracht hatte.
Ab dem 18. Juli 2012 war die Gesuchstellerin für adaptierte Tätigkeiten wieder voll
arbeitsfähig geschrieben (act. G 3.1.1.14, 3.1.1.15). Da es ihr nicht mehr möglich
gewesen war, im B._ als Verkäuferin zu arbeiten, war das Arbeitsverhältnis per
21. Juni 2012 aufgelöst worden (vgl. act. G 3.1.1.5). Ab dem 22. Juni 2012 war die
Gesuchstellerin bis zum Antritt einer neuen Stelle am 12. November 2012 arbeitslos
gewesen (act. G 3.1.1.7 f.).
A.c Im Verlauf einer ab 20. März 2012 durchgeführten psychotherapeutischen
Behandlung bei Dr. phil./ASP D._ stabilisierte sich der Gesundheitszustand der
Gesuchstellerin. Gemäss dem Bericht von Dr. D._ vom 16. November 2012 war sie
wieder mehrheitlich frei von Panikattacken und Ängsten, allerdings sei sie viel
schreckhafter als vor dem Überfall. Tagsüber könne sie sich zwar wieder normal
bewegen, abends und in der Nacht traue sie sich aber nicht, allein etwas zu
unternehmen und sei daher auf Begleitung angewiesen (act. G 3.1.1.11).
A.d Mit Verfügung vom 12. September 2013 sprach das Sicherheits- und
Justizdepartement der Gesuchstellerin eine Genugtuung von Fr. 3'000.-- zu, das
Gesuch im Mehrbetrag sowie das Entschädigungsbegehren wies es ab. Im Weiteren
wurde das Begehren betreffend amtliche Kosten abgeschrieben und das Begehren um
Ersatz der ausseramtlichen Kosten abgewiesen. Hinsichtlich der Entschädigung führte
das Sicherheits- und Justizdepartement aus, es fehle an einem adäquaten
Kausalzusammenhang zwischen der Arbeitslosigkeit und dem Raub. Da ab 18. Juli
2012 bis 11. November 2012 keine Arbeitsunfähigkeit mehr vorgelegen habe, ergebe
sich ab diesem Zeitpunkt auch kein unmittelbar mit der Straftat zusammenhängender
Schaden. In Bezug auf den Anspruch auf Genugtuung hielt es fest, dass bei
Raubüberfällen unter Vorhalten einer Waffe oder eines gefährlichen Gegenstandes, mit
Beeinträchtigung der psychischen Integrität und Arbeitsunfähigkeit als Folge, die
opferhilferechtlich auszurichtende Genugtuung praxisgemäss zwischen Fr. 1'000.--
und Fr. 3'000.-- betrage. Unter Berücksichtigung der konkreten Umstände sei daher
eine Genugtuung von Fr. 3'000.-- angemessen (act. G 1.15).
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A.e Gegen diese Verfügung liess die Gesuchstellerin, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr. iur. A. Cantieni, Chur, am 26. September 2013 Rekurs erheben mit dem Antrag auf
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Ausrichtung einer Entschädigung von
Fr. 3'200.-- sowie einer Genugtuung von Fr. 8'000.--, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Zur Begründung machte sie geltend, es seien eine akute
Belastungsreaktion und eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert
worden. Sie habe mit Panikattacken, Schlaf- und Essstörungen reagiert. Der Verlust
der Arbeitsstelle, die intensive und lange Zeit erfolglose Suche nach einer neuen Arbeit
und die dadurch entstandenen finanziellen Engpässe und Abhängigkeiten hätten sie
zusätzlich enorm belastet. Hinzu komme, dass die Partnerschaft den Belastungen nicht
standgehalten habe. Die schlimmste und weiterhin andauernde Folge des
Raubüberfalls sei jedoch der Verlust des Vertrauens. Es werde ihr nicht mehr möglich
sein, eine Tätigkeit an einer Kasse auszuüben oder gar während der Nacht zu arbeiten.
Der Verlust des Vertrauens bedeute eine Belastung für das ganze Leben. Das
Kreisgericht habe ihr eine Genugtuung in Höhe von Fr. 8'000.-- zugesprochen. Dieser
sei unter Berücksichtigung der Gesamtumstände zu folgen. Hinsichtlich des
Erwerbsausfalls sei erstellt, dass sie während des Bezugs von Arbeitslosengeldern
einen Erwerbsausfall von netto Fr. 2'960.-- erlitten habe. Dabei handle es sich nicht um
einen Vermögensschaden, sondern um einen ersatzpflichtigen wirtschaftlichen
Nachteil, der auf die erlittene Körperverletzung zurückzuführen sei. Auch sei erwiesen,
dass sie auf Grund des erlittenen Traumas nicht mehr Spät- oder Nachtschichten
sowie Arbeiten an einem Schalter oder Verkaufsstellen habe ausüben können. Deshalb
sei die Arbeitgeberin zur Kündigung gezwungen gewesen. Es sei schliesslich
offensichtlich, dass das vorliegende Trauma geeignet sei, den Verlust der Arbeitsstelle
und damit eine Arbeitslosigkeit herbeizuführen (act. G 1).
A.f Mit Rekursantwort vom 25. Oktober 2013 beantragte die Vorinstanz unter Verweis
auf die angefochtene Verfügung die Abweisung des Rekurses. Im Weiteren machte sie
geltend, zwar dürfte der Einkommensausfall der Rekurrentin natürlich kausal zur
Straftat sein, der adäquate Kausalzusammenhang sei jedoch nicht gegeben. Was den
Anspruch auf Genugtuung betreffe sei nicht klar, auf welche rechtlichen Grundlagen
das Kreisgericht seine Bemessung gestützt habe. Zwar sei die Rekurrentin nach der
Tat in ihrer Berufswahl leicht eingeschränkt gewesen, da sie infolge des Überfalls
keiner Nachtarbeit und keiner Arbeit am Schalter oder im Verkauf mehr habe
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nachgehen können, doch erscheine dieser Nachteil in Anbetracht der heutigen
Arbeitssituation bei der neuen Arbeitgeberin als nicht besonders gewichtig. So könne
sie heute tagsüber arbeiten und erhalte einen erheblich höheren Lohn, was beides als
Vorteil zu betrachten sei. Auch könne nicht von verringerten Aufstiegschancen oder
fehlenden beruflichen Aussichten gesprochen werden. Schliesslich könne ebenfalls
nicht auf die Suva-Tabelle 19 zur Bestimmung der Integritätsentschädigung nach
Unfallversicherungsgesetz abgestellt werden, da ein Anspruch darauf eine dauernde
und erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität voraussetze (act.
G 3).
A.g Die Rekurrentin hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet (act. G 5).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist einerseits die Frage eines opferhilferechtlichen Anspruchs
auf Entschädigung und andererseits die Höhe des Genugtuungsanspruchs strittig.
1.1 Nach Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten
(OHG; SR 312.5) hat jede Person Anspruch auf Unterstützung nach diesem Gesetz, die
durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität
unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer). Der Anspruch besteht unabhängig davon,
ob der Täter ermittelt worden ist, ob er sich schuldhaft verhalten hat oder ob er
vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat (Art. 1 Abs. 3 OHG). Unter einer Straftat ist ein
tatbestandsmässiges, rechtswidriges Verhalten im Sinne des Strafgesetzbuches zu
verstehen. Im Unterschied zum Strafrecht muss dieses Verhalten im Opferhilferecht
jedoch nicht zusätzlich schuldhaft sein (Peter Gomm/Dominik Zehntner,
Opferhilfegesetz, 3. Aufl. Bern 2009, Art. 1 N 3).
1.2 Auf Grund des Subsidiaritätsprinzips (Art. 4 OHG) setzt der Anspruch auf
finanzielle Opferhilfe voraus, dass das Opfer nicht von dritter Seite ausreichende
Leistungen erhält. Die Opferhilfe erbringt grundsätzlich nur dann finanzielle Leistungen
endgültig, wenn und insoweit kein anderer für die Kosten bzw. den Schaden aufkommt.
Im Opferhilfeverfahren hat das Opfer deshalb glaubhaft zu machen, dass es keine oder
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nur ungenügende Leistungen des Täters und/oder anderer Dritter erhalten kann (Eva
Weishaupt,
Finanzielle Ansprüche nach Opferhilfegesetz, SJZ 98 [2002] Nr. 13, S. 329 mit Hinweis).
2.
2.1 Vorerst ist der Anspruch der Rekurrentin auf eine Entschädigung nach Art. 19 OHG
zu prüfen. Das Opferhilfegesetz umschreibt nicht näher, für welche Schädigungen der
Staat Ersatz leistet. Opfer werden gegenüber den übrigen Geschädigten auf Grund
ihrer besonderen Betroffenheit in der eigenen Person privilegiert. Daraus wird in Praxis
und Literatur geschlossen, dass in der Opferhilfe nur diejenigen Auslagen oder
Einbussen von Bedeutung sein können, die im Zusammenhang mit der die
Opfereigenschaft begründenden Straftat bzw. mit der dadurch bewirkten
Beeinträchtigung der körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität stehen.
Opferrechtlich relevant ist deshalb grundsätzlich allein der Personenschaden.
Sachschäden und so genannte "reine Vermögensschäden" werden von der Opferhilfe
nicht übernommen. Als reiner Vermögensschaden wird eine Einkommens- oder
Vermögenseinbusse bezeichnet, die sich weder aus einer Körperverletzung oder
Tötung noch aus der Beschädigung oder Zerstörung einer Sache ergibt (Eva
Weishaupt, a.a.O., S. 326 mit Hinweisen). Das Bundesgericht verwies bereits für den
Schadensbegriff nach Art. 12 Abs. 1 und 13 aOHG auf Art. 45 Abs. 3 des
Obligationenrechts (OR; SR 220; BGE 129 II 49 E. 2) bzw. auf Art. 46 OR (BGE 128 II 49
E. 3.2). Mit der Totalrevision des OHG wurde diese Rechtsprechung ausdrücklich
übernommen und in den Text von Art. 19 Abs. 2 OHG überführt (Gomm/Zehntner,
a.a.O., N 4 zu Art. 19).
2.2 Liegt ein entschädigungsberechtigter Schaden vor, ist gestützt auf die finanziellen
Verhältnisse des Opfers zu prüfen, inwieweit dieser opferhilferechtlich zu ersetzen ist.
Voraussetzung zur Ausrichtung einer Entschädigung ist nach Art. 6 Abs. 1 OHG, dass
die anrechenbaren Einnahmen des Opfers oder seiner Angehörigen das Vierfache des
massgebenden Betrags für den allgemeinen Lebensbedarf nach Art. 10 Abs. 1 Bst. a
des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) nicht übersteigen. Massgeblich sind die
voraussichtlichen Einnahmen nach der Straftat (Art. 6 Abs. 2 OHG). Liegen diese unter
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dem massgebenden Höchstbetrag für den allgemeinen Lebensbedarf nach ELG, so
erhält das Opfer vollen Schadenersatz; übersteigen die Einnahmen diesen Betrag, so
wird die Entschädigung herabgesetzt (Art. 20 Abs. 2 OHG).
3.
3.1 Die Rekurrentin macht im Rahmen ihres Rekurses die beiden Schadenspositionen
"Erwerbsausfall" und "Bewerbungskosten" geltend. Dagegen bringt die Vorinstanz vor,
es fehle am adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem geltend gemachten
Einkommensausfall / den Bewerbungskosten einerseits und der Straftat andererseits.
Der Zweck des Opferhilferechts bestehe darin, dem Opfer anstelle des unbekannten
oder zahlungsunfähigen Täters eine Geldleistung zu erbringen, um die erlittene
Beeinträchtigung erträglicher zu machen und ihm über die grössten Schwierigkeiten
nach einer Straftat hinwegzuhelfen. Massgeblich sei der Solidaritätsgedanke, da es
sich nicht um eine Leistung aus Verantwortlichkeit, sondern eine staatliche Hilfeleistung
handle, welche von der Allgemeinheit bezahlt werde. Solle eine Ausuferung der
opferhilferechtlichen Entschädigungspflicht wirkungsvoll begrenzt werden, könnten die
Folgen von Arbeitslosigkeit - soweit sie nicht (mehr) in einem konkreten und direkten
Zusammenhang mit der Straftat stünden - nicht als entschädigungsberechtigt gelten.
3.2 Die Botschaft zur Totalrevision des Opferhilfegesetzes (BBl 2005 7216) hält in
Bezug auf Art. 19 Abs. 2 OHG fest, das in seiner Integrität beeinträchtigte Opfer habe
Anspruch auf eine opferhilferechtliche Entschädigung für Kosten, die infolge der
Beeinträchtigung entstanden seien, sowie für Nachteile gänzlicher oder teilweiser
Arbeitsunfähigkeit, unter Berücksichtigung der Erschwerung des wirtschaftlichen
Fortkommens (Art. 46 OR). Damit gehört zum regelmässig entschädigungspflichtigen
Schaden unbestrittenermassen der Erwerbsausfall. Erwerbsausfallentschädigungen
sind nach ihrem Zweck Leistungen, die auf einen Ausgleich eines definitiv
eingetretenen, wirtschaftlichen Schadens abzielen. Sie sind nicht dazu geeignet, die
unmittelbaren Folgen einer Straftat eigenständig zu beeinflussen.
3.3 Die Einschränkung des entschädigungspflichtigen Schadens auf adäquat-kausale
Tatfolgen soll eine vernünftige Begrenzung der Haftung ermöglichen. Die Adäquanz
dient als Korrektiv zum naturwissenschaftlichen Ursachenbegriff, welcher unter
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Umständen eingeschränkt werden muss, um für die rechtliche Verantwortung tragbar
zu sein (KARL OFTINGER/EMIL W. STARK, Schweizerisches Haftpflichtrecht,
Allgemeiner Teil, Band I, 5. Aufl. Zürich 1995, S. 109 ff.; ROLAND BREHM, Berner
Kommentar, Bern 2006, Rz. 161 zu Art. 41 OR). Der Begriff der adäquaten Kausalität ist
in allen Rechtsgebieten grundsätzlich der gleiche. Als adäquate Ursache eines Erfolgs
hat ein Ereignis dann zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und
nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art
des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das Ereignis
allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2; 126 V 361 E. 5c; 118 IV 134
E. 3c, je mit Hinweisen).
3.4 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist ein Raubüberfall, wie ihn die
Rekurrentin erlebt hat, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet, beim Opfer eine posttraumatische
Belastungsstörung mit Arbeitsunfähigkeit und als dessen Direktfolge auch einen Verlust
der Arbeitsstelle herbeizuführen. Vorliegend war es der Rekurrentin auf Grund der
posttraumatischen Belastungsstörung nicht mehr möglich, die bisherige Tätigkeit
wieder aufzunehmen. Ihre Arbeitslosigkeit steht somit in unmittelbarem
Zusammenhang mit der Straftat. Mit Blick auf das Haftpflichtrecht ergibt sich
betreffend die relevanten Tatfolgen damit folgender adäquat-kausale Schaden:
Gemäss Art. 19 OHG hat unter anderem das Opfer Anspruch auf eine Entschädigung
für den erlittenen Schaden infolge Beeinträchtigung. Der Schaden wird nach Art. 46 OR
(Schadenersatz bei Körperverletzung) festgelegt. Vorbehalten bleiben die Abs. 3 und 4.
Gemäss Art. 46 Abs. 1 OR räumt das Erleiden einer Körperverletzung dem Verletzten
einen Anspruch auf Ersatz der Kosten ein, sowie auf Entschädigung für die Nachteile
gänzlicher oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit, unter Berücksichtigung der Erschwerung
des wirtschaftlichen Fortkommens. Im schweizerischen Haftpflichtrecht ist der
Erwerbsausfallschaden nach ständiger Rechtsprechung konkret zu berechnen. Dabei
ist nicht wie im Sozialversicherungsrecht auf das theoretische Konzept des
ausgeglichenen Arbeitsmarktes, sondern auf die konkret vorliegende und absehbare
Arbeitsmarktlage abzustellen (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Januar 2007, 4C.
263/2006, E. 4.1). Daraus folgt, dass bei Stellenverlust wegen Arbeitsunfähigkeit und
darauf folgender Arbeitslosigkeit der konkrete Erwerbsausfall zu entschädigen ist.
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3.5 Der Erwerbsausfallschaden, den die geschädigte Person vom haftpflichtigen
Dritten verlangen kann, entspricht der Differenz zwischen dem hypothetischen
Einkommen der geschädigten Person ohne den Unfall und ihrem Einkommen, das sie
zumutbarerweise nach dem Unfall noch erzielen kann. Dabei ist der Erwerbsausfall auf
der Grundlage des Nettoeinkommens des Opfers zu berechnen, was bedeutet, dass
sämtliche Sozialversicherungsbeiträge vom massgeblichen Bruttoeinkommen
abgezogen werden müssen, d.h. diejenigen für AHV, IV, Erwerbsersatz (EO),
Arbeitslosenversicherung (ALV) sowie die Beiträge des Arbeitnehmers bzw. der
Arbeitnehmerin an die zweite Säule (BVG-Beiträge). Auch der bloss vorübergehende
Erwerbsausfallschaden ist auf der Basis des Nettoverdienstes zu berechnen (Pra 2010,
842 ff. = BGE 136 III 222). Vom Nettoeinkommen sind sodann die Gewinnungskosten,
d.h. diejenigen Kosten in Abzug zu bringen, die zur Erzielung des Nettoeinkommens
aufgewendet werden müssten (Ueli
Kieser/Hardy Landolt, Unfall - Haftung - Versicherung, Zürich/St. Gallen 2012, N 1625
zu §22 mit Hinweisen). Dazu gehören Fahrspesen sowie Mehrkosten für die auswärtige
Verpflegung (vgl. dazu die Steuerveranlagung der Rekurrentin für das Jahr 2012, act.
G 3.1.10). Der Erwerbsausfall entspricht der Differenz zwischen diesem hypothetischen
Reineinkommen und den erhaltenen Versicherungsleistungen
(Arbeitslosenentschädigung).
3.6 Bezüglich der Dauer der haftpflichtrechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit kann auf
Fellmann/Kottmann (Schweizerisches Haftpflichtrecht, S. 595, N 1707) verwiesen
werden. Gemäss diesen Ausführungen ist im Falle einer geschädigten Person, die
bereits vor dem Unfallereignis arbeitslos war, gestützt auf die konkreten
Gegebenheiten zu beurteilen, ob und wann sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
wieder eine Anstellung gefunden hätte. In Analogie dazu ist für die Frage, wie lange die
Arbeitslosigkeit der Rekurrentin als adäquat-kausal zu qualifizieren ist, auf die
konkreten Gegebenheiten des Einzelfalls abzustellen, wobei die viermonatige
Arbeitslosigkeit der Rekurrentin grundsätzlich unauffällig erscheint.
3.7 Hinsichtlich der geltend gemachten Bewerbungskosten ist bezüglich des
adäquaten Kausalzusammenhangs auf obige Ausführungen zu verweisen. Nachdem
der adäquate Kausalzusammenhang zwischen der Straftat und der anschliessenden
Arbeitslosigkeit zu bejahen ist, ist auch der grundsätzliche Anspruch auf Ersatz
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zusätzlicher Auslagen für die Stellensuche gegeben. Da jedoch nur ausgewiesener
Schaden zu entschädigen ist, genügt eine pauschale Berechnung der
Bewerbungskosten der Substanziierungspflicht nicht. Vielmehr wird die
Beschwerdeführerin der Vorinstanz hierzu konkrete Belege einzureichen haben. Sollte
ihr dies nicht gelingen, hat sie die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen.
3.8 Insgesamt folgt somit, dass ein Anspruch auf Entschädigung grundsätzlich zu be
jahen ist. Die Angelegenheit ist daher an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie den
konkreten Schaden gestützt auf weitere Abklärungen berechnen und in der Folge neu
über den Entschädigungsanspruch verfügen kann, wobei sie die finanziellen
Verhältnisse der Rekurrentin im Sinne von Art. 6 und 20 Abs. 2 OHG mit zu
berücksichtigen hat.
4.
4.1 Sodann ist die Höhe der opferhilferechtlichen Genugtuung zu prüfen.
4.1.1 Gemäss Art. 22 Abs. 1 OHG hat das Opfer Anspruch auf eine Genugtuung,
wenn die Schwere der Beeinträchtigung es rechtfertigt; die Art. 47 und 49 OR sind
sinngemäss anwendbar. Gemäss Art. 23 OHG wird die Genugtuung nach der Schwere
der Beeinträchtigung bemessen und beträgt höchstens Fr. 70'000.-- für das Opfer bzw.
Fr. 35'000.-- für Angehörige. Unter Beeinträchtigung ist - wie im Zivilrecht - die
Verletzung der persönlichen Verhältnisse bzw. das konkrete Ausmass des Eingriffs in
die Persönlichkeitsrechte zu verstehen. Das Gericht hat auf die objektive Schwere und
die subjektiven Auswirkungen des Eingriffs in das verletzte Rechtsgut abzustellen und
dabei die Umstände des den Genugtuungsanspruch auslösenden Ereignisses und des
Einzelfalls zu berücksichtigen. Nicht massgeblich sind die Art der Straftat und das
Verschulden des Täters; auch täterbezogene Faktoren sind nicht zu berücksichtigen
(Gomm/Zehntner, a.a.O., N 5 zu Art. 23, mit Hinweisen).
4.1.2 Die Höhe der Summe, die als Abgeltung immaterieller Unbill in Frage kommt,
lässt sich naturgemäss nicht errechnen, sondern nur schätzen. Die Festsetzung der
Höhe der Genugtuung ist eine Entscheidung nach Billigkeit und lässt den kantonalen
Behörden einen weiten Ermessensspielraum (BGE 132 II 120f. E.2.2.3 und E.2.2.5;
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Gomm/Zehntner, a.a.O., N 5f. zu Art. 23). Kriterien, welche den Genugtuungsanspruch
erhöhen oder reduzieren, sind ebenfalls angemessen Rechnung zu tragen. Faktoren,
die bei der Erhöhung des Genugtuungsanspruchs eine Rolle spielen können, sind
insbesondere das Alter des Opfers, die Dauer des Spitalaufenthalts, schmerzhafte
Operationen, bleibende Narben, die Auswirkungen auf das berufliche und das private
Leben, die Intensität und Dauer der psychischen Folgen oder Auswirkungen von
wiederholten Taten (Gomm/Zehntner, a.a.O., N 6 zu Art. 23). In den Empfehlungen der
Schweizerischen Verbindungsstellenkonferenz zur Anwendung des Opferhilfegesetzes
vom 21. Januar 2010 wird im Weiteren davon ausgegangen, dass die
opferhilferechtlichen Genugtuungsleistungen in der Regel 30%-40% tiefer ausfallen als
die zivilrechtlichen Genugtuungssummen (Ziff. 4.7.2 der Empfehlungen, S. 42 f.). Bei
den in den Empfehlungen genannten Prozentzahlen handelt es sich lediglich um
Richtwerte (vgl. auch Gomm/Zehntner, a.a.O., N 23 zu Art. 23).
4.2
4.2.1 Die Vorinstanz stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 12.
September 2013 bezüglich des Sachverhalts im Wesentlichen auf das Urteil des
Kreisgerichts Werdenberg-Sarganserland vom 7. Februar 2013, erachtete jedoch eine
Genugtuung in der Höhe von Fr. 3'000.-- als angemessen. Die Rekurrentin machte
ihrerseits eine Genugtuung von Fr. 8'000.-- geltend, weil ihr auch das Kreisgericht eine
solche zugesprochen habe. Auf Grund der starken Auswirkungen der Straftat auf ihr
privates und berufliches Leben gebe es keinen Grund, von diesem Betrag
abzuweichen.
4.2.2 Das Kreisgericht sprach der Rekurrentin im Strafverfahren ihrem Antrag
folgend eine Genugtuung von Fr. 8'000.-- samt Zins zu. Bei der Bemessung dieser
zivilrechtlichen Genugtuung würdigte es die Schwere der Tat und hielt fest, die
Rekurrentin habe auf Grund des Raubüberfalls eine akute Belastungsreaktion und eine
posttraumatische Belastungsstörung erlitten. Sie habe mit Panikattacken, Schlaf- und
Essstörungen reagiert. Es sei ihr nicht mehr möglich gewesen, der bisherigen Arbeit als
Verkäuferin nachzugehen, worauf der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis habe auflösen
müssen. Der Verlust der Arbeitsstelle habe zu finanziellen Engpässen und
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Abhängigkeiten sowie Problemen in persönlichen Beziehungen geführt (act. G 3.1.2,
Urteil des Kreisgerichts S. 27).
4.2.3 Wie aus dem Zwischenbericht über die wöchentliche psychotherapeutische
Behandlung von Dr. D._ vom 2. Mai 2012 hervorgeht, reagierte die Rekurrentin auf
den Raubüberfall mit Panikattacken, Schlaf- und Essstörungen sowie Durchfall. Im
Verlauf der ersten sechs Behandlungswochen habe sich die Symptomatik etwas
verändert. Die anfänglichen Schlafstörungen hätten sich gelegt, Essprobleme und
Durchfall seien weiterhin aktuell. Die Rekurrentin habe in dieser Zeit erheblich an
Gewicht verloren und sei deswegen in ärztlicher Behandlung. Die häufigen
Panikattacken seien enorm belastend. Unterbruch der aktuellen Betätigung, Zittern und
Schweissausbrüche seien die Folgen. Das Vertrauen in die eigenen Kräfte und in die
Zuverlässigkeit der Umgebung sei erschüttert. Als Diagnose stellte die Therapeutin eine
posttraumatische Belastungsstörung fest (act. G 3.1.3). Mit Schreiben vom
16. November 2012 berichtete Dr. D._, dass sich der Zustand der Rekurrentin
unterdessen stabilisiert habe. Sie sei mehrheitlich frei von Panikattacken und Ängsten,
allerdings sei sie viel schreckhafter als vor dem Überfall. In Situationen, in denen sie
sich beengt fühle (z.B. wenn jemand sie am Arm festhalte), raste sie regelrecht aus und
könne ihr Verhalten nicht mehr steuern. Der Verlust der Arbeitsstelle, die intensive
lange Zeit der erfolglosen Stellensuche und die dadurch entstandenen finanziellen
Engpässe sowie die Abhängigkeiten hätten sie enorm belastet. Umso glücklicher sei
sie über die neue Festanstellung. Zwar sei ihre Arbeitsfähigkeit wieder intakt, jedoch
werde sie eine künftige Arbeit nur während des Tages ausüben können. Spät- und
Nachtschichten sowie Arbeiten an einem Schalter oder an Verkaufsstellen seien nicht
mehr zumutbar und könnten eine Retraumatisierung auslösen. Tagsüber könne sie sich
wieder normal bewegen, abends und in der Nacht habe sie immer noch Gefühle von
grosser Verunsicherung. Sie traue sich nicht, alleine etwas zu unternehmen, und
schliesse sich unterwegs im Auto ein. Auch sei sie auf die Begleitung einer Person
angewiesen, der sie vertraue (act. G 3.1.11).
4.2.4 Dass die Rekurrentin erhebliche Einschränkungen erlitt, die einen
Genugtuungsanspruch rechtfertigen, ist zu Recht unbestritten. Hinsichtlich der Höhe ist
jedoch, entgegen dem Vorbringen des Rechtsvertreters der Rekurrentin, die Suva-
Tabelle 19 als Grundlage nicht anwendbar. Im Unterschied zur Bemessung der
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Integritätsentschädigung nach dem Unfallversicherungsrecht geht es vorliegend nicht
darum, die medizinisch-theoretische Invalidität zu ermitteln, sondern vielmehr um die
Schätzung erlittener immaterieller Unbill (vgl. Gomm/Zehntner, a.a.O., N 5 zu Art. 23).
Da - wie die Vorinstanz korrekt ausführte (vgl. act. G 3 Ziff. 4) - die Voraussetzungen
einer dauernden und erheblichen Schädigung der psychischen Integrität gemäss Art.
36 Abs. 1 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) und nach der
Suva-Tabelle 19 nicht erfüllt sind, rechtfertigt es sich auch nicht, diese als Richtwert
oder zur Orientierung beizuziehen. Eine Integritätsentschädigung wäre zudem von der
zivilrechtlich zugesprochenen Genugtuung abzuziehen (vgl. Art. 23 Abs. 3 OHG).
4.3 Gestützt auf die vorliegende Aktenlage handelt es sich beim Raubüberfall für die
Rekurrentin um ein unerwartetes, traumatisierendes Ereignis, das in seinen Folgen
noch heute bei ihr nachwirkt. Sie wird einerseits beruflich in Zukunft Einschränkungen
unterliegen, indem sie keine Schalter- oder Verkaufstätigkeiten mehr wahrnehmen
kann. Andererseits ist sie weiterhin in ihrem Privatleben eingeschränkt, da sie sich v.a.
abends und nachts fürchtet, alleine etwas zu unternehmen. Obgleich auf Grund der
neuen Arbeitsstelle eine bleibende Erwerbseinbusse nicht ersichtlich erscheint, können
die Einschränkungen dennoch zu einer Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt führen,
insbesondere was die Berufswahlfreiheit der noch sehr jungen Rekurrentin betrifft. In
ähnlichen Fällen (Raubüberfälle mit psychischen Folgen für die Opfer) wurden nach
altem Opferhilferecht beispielhaft folgende Genugtuungssummen zugesprochen (vgl.
Aufstellung bei Gomm/Zehntner, a.a.O., N 13 zu Art. 23): Fr. 5'000.-- bei psychischen
Problemen nach Raubüberfall mit Faustfeuerwaffe und anschliessender
siebenmonatiger Arbeitsunfähigkeit zu 100% (JGK BE vom 24.08.1998); Fr. 5'000.-- bei
einem Angsttrauma mit Depression, Verfolgungswahn und Suizidgedanken nach
Raubüberfall (JGK BE vom 24.08.1998); Fr. 4'000.-- nach Raubüberfall an die
Kassiererin mit nachfolgender posttraumatischer Belastungsstörung (DDI SO vom
21.01.2008). Hinsichtlich durch Strafgerichte zugesprochene Genugtuungsleistungen
an Opfer, die unter ähnlichen Tatfolgen wie die Rekurrentin litten, ist auf folgende
Entscheide hinzuweisen: Fr. 8'000.-- an das Opfer, welches bei der Arbeit auf einem
Baugerüst mit gezielten Schüssen in Angst versetzt wurde (Urteil des Bezirksgerichts
Zürich, Landbote 13.08.2004 S. 22, in: Klaus Hütte/Petra Ducksch, Die Genugtuung, 3.
Aufl. Zürich 2005, 8/05, VIII/20); Fr. 10'000.--, Fr. 7'000.-- und zweimal Fr. 3'000.-- an
eine Mutter und ihre drei Kinder, welche in Abwesenheit des Gatten und Vaters der
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Opfer nachts überfallen und bedroht wurden, leichte Schnittwunden erlitten und mit
Angsttraumata reagierten (zitiert im Urteil des Bundesgerichts vom 2. September 2004,
1A.93/2004; vgl. Klaus Hütte/Petra Ducksch, a.a.O., 8/05, VIII/20). Im Vergleich mit
diesen Fällen erscheint die durch das Kreisgericht gestützt auf umfassende
Aktenkenntnis zugesprochene Genugtuung von Fr. 8'000.-- nicht als unangemessen
hoch. Ein Abweichen von dieser zivilrechtlichen Genugtuung um mehr als 30-40%
entsprechend den Empfehlungen der Schweizerischen Verbindungsstellenkonferenz
(vgl. Erwägung 4.1.2) lässt sich daher nicht rechtfertigen. Entgegen der Annahme des
Vertreters der Rekurrentin bestehen aber auch keine Anhaltspunkte dafür, dass das
Kreisgericht eine solche Kürzung bei seinem Entscheid bereits vorgenommen hätte. Mit
Rücksicht darauf, dass das Kreisgericht auf Seiten des Täters von einem schweren
Verschulden ausgegangen ist, was im Rahmen der opferhilferechtlichen Genugtuung
unberücksichtigt bleiben muss, erscheint es gerechtfertigt, die Genugtuung
opferhilferechtlich auf Fr. 5'000.-- festzusetzen.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist der Rekurs teilweise gutzuheissen und die Ziffern 1 und 2
der Verfügung vom 12. September 2013 sind aufzuheben. Die Vorinstanz ist zu
verpflichten, der Rekurrentin eine opferhilferechtliche Genugtuung von Fr. 5'000.-- zu
bezahlen. Hinsichtlich der Entschädigung wird die Angelegenheit an die Vorinstanz
zurückgewiesen, damit sie im Sinne der Erwägungen weitere Abklärungen vornehme
und neu verfüge. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 30 Abs. 1 OHG).
5.2 Dem Verfahrensausgang entsprechend hat die Rekurrentin Anspruch auf teilweisen
Ersatz der Parteikosten (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die Parteikosten werden vom
Versicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar für das Verfahren vor
Versicherungsgericht pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO;
sGS 963.75). Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht, so dass die
Parteientschädigung ermessensweise festzusetzen ist. Vorliegend erscheint auf Grund
des mehrheitlichen Obsiegens eine Entschädigung von Fr. 2'000.-- (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) als angemessen.
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht