Decision ID: 8dc7bf2d-f245-4f1a-8749-792bfcc7daa4
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber, Oberer Graben 44,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 18. Juli 2008 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Leistungsbezug an (Eingang bei der IV-Stelle am 25. Juli 2008; IV-act. 1). Der Hausarzt
des Versicherten, med. pract. B._ nannte gegenüber dem zuständigen Arzt des IV-
internen regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) im Telefongespräch vom 27. August 2008
die Diagnose belastungsabhängiges lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
rechtsseitig und einen Status nach negativem Sacralblock. Die angestammte
rückenbelastende, schwere Tätigkeit als Hilfsmaurer sei bleibend nicht mehr möglich.
Leichte, ideal rückenadaptierte Tätigkeiten seien vermutlich zu 50% zumutbar. Der
Hausarzt unterzeichnete das vom RAD aufgenommene Telefonprotokoll am 28. August
2008 (IV-act. 19-2).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die MEDAS Ostschweiz am 6. Mai 2009 ein u.a.
auf Untersuchungen des Versicherten vom 23. und 25. März 2009 beruhendes poly
disziplinäres Gutachten. Darin wird mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit insbesondere
die Diagnose chronifizierendes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts gestellt.
Die angestammte Tätigkeit als Bauarbeiter/Hilfsmaurer sei nicht mehr zumutbar. Eine
körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne längere Arbeiten in
ausgesprochenen Wirbelsäulenzwangshaltungen sowie ohne repetitive
Wirbelsäulenflexionen/-extensionen, ohne Heben/Tragen von Gewichten über 15 kg,
sei in einem zeitlichen Rahmen von mindestens 70% möglich. Aus psychiatrischer
Sicht bestünden weder relevante Diagnosen noch Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 32).
A.c Seit seiner Einreise in die Schweiz war der Versicherte als Hilfsmaurer bzw.
Bauarbeiter tätig gewesen, zuletzt für die C._ AG. Die Arbeit hatte er
gesundheitsbedingt am 27. August 2007 niedergelegt. Nach Auslaufen der
Krankentaggelder kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 30. September
2009 (IV-act. 10; 37). Der Versicherte meldete sich daraufhin per 1. Oktober 2009 bei
der Arbeitslosenkasse zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung an (vgl. IV-act. 42;
72-2).
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A.d Mit Mitteilung vom 1. Dezember 2009 (IV-act. 48) gewährte die IV-Stelle dem Ver
sicherten Arbeitsvermittlung, wobei das Vorgehen mit der Personalberatung des
zuständigen Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) koordiniert werden sollte
(vgl. die Zielvereinbarung vom 12. Oktober 2009 in IV-act. 43 sowie IV-act. 42 und 50).
Einen vom RAV veranlassten Deutschkurs brach der Versicherte ab (IV-act. 44, 50), das
am 15. Februar 2010 begonnene Einsatzprogramm D._ wurde offenbar am 13. April
2010 beendet (IV-act. 50).
A.e Nach entsprechendem Vorbescheid vom 14. Juni 2010 (IV-act. 57) wurde ein
Anspruch auf berufliche Massnahmen mit Verfügung vom 31. August 2010 (IV-act. 63)
verneint.
A.f In einem undatierten, bei der IV-Stelle am 5. August 2010 eingegangenen Bericht
verwies der Hausarzt auf das MEDAS-Gutachten vom 6. Mai 2009 und erwähnte eine
seither eingetretene depressive Entwicklung. Durch die Wirbelsäulenerkrankung lasse
sich eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50% begründen. Psychosoziale Faktoren
schienen im Vordergrund zu stehen. Gesamthaft nehme er weiterhin eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% an (IV-act. 62-1 f.). Er reichte einen Bericht von Dr. med.
E._, Facharzt FMH für Neurochirurgie, vom 27. April 2010 (IV-act. 62-5) ein, in dem
dieser die Diagnose chronischer Rückenschmerz mit dissoziativer Hemisymptomatik
rechts genannt hatte. Er, Dr. E._, sei der Meinung, der Versicherte sollte in einer
rückenschonenden Tätigkeit zumindest 50% arbeitsfähig sein (IV-act. 62-5 f.). In einem
weiteren Schreiben desselben Datums an den Hausarzt wies er auf neue Bildgebung
(MRT vom 30. März 2010) hin, die keinerlei Veränderung der bildgebenden Befunde
von 2008 zeige. Insofern könne er sich die Beschwerdesymptomatik ehrlicherweise
nicht erklären (IV-act. 62-7). Der zuständige RAD-Arzt hielt am 26. November 2010 (IV-
act. 64) und 21. Februar 2011 (IV-act. 77) fest, seiner Ansicht nach könne weiterhin auf
das MEDAS-Gutachten abgestellt werden.
A.g Mit Vorbescheid vom 16. März 2011 (IV-act. 81) stellte die IV-Stelle dem
Versicherten die Zusprache einer Viertelsrente ab 1. August 2008 in Aussicht. Dazu
liess sich Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber, St. Gallen, in Vertretung des
Versicherten am 6. Mai 2011 vernehmen und die Ausrichtung einer Dreiviertelsrente,
eventualiter einer halben Rente ab 1. August 2008 beantragen (IV-act. 89).
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A.h Nach Rückfrage beim RAD (IV-act. 95) verfügte die IV-Stelle am 23. Dezember
2011 (IV-act. 101) und 30. Januar 2012 (IV-act. 104) ab 1. August 2008 bei einem
Invaliditätsgrad von 45% eine Viertelsrente zuzüglich einer Kinderrente.
B.
B.a Gegen diese Verfügungen richtet sich die von Rechtsanwältin Surber für den
Versicherten erhobene Beschwerde vom 30. Januar 2012 (act. G 1). Sie beantragt
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen die Aufhebung der Verfügungen und die
Zusprache einer Dreiviertelsrente, eventualiter einer halben Rente ab 1. August 2008.
Daran hält sie in der Beschwerdeergänzung vom 23. Februar 2012 (act. G 4) fest.
Bestritten werden das von der IV-Stelle berücksichtigte Ausmass der gesundheitlichen
Beeinträchtigung, das Valideneinkommen und die Höhe des Tabellenlohnabzugs. Med.
pract. B._ und Dr. E._ gingen von Arbeitsunfähigkeiten von 100% bzw. 50% aus.
Dass der Beschwerdeführer sich nicht in der Lage fühle, einer Arbeitstätigkeit
nachzugehen, sei zu einem gewissen Grad auf psychosoziale Faktoren zurückzuführen.
Daneben bestünden jedoch objektivierbare Befunde in der Bildgebung, die eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% erklären liessen. Zum Valideneinkommen wird
festgehalten, die Arbeitgeberin des Beschwerdeführers habe einen ab 1. Januar 2008
erzielbaren Lohn von Fr. 72'500.-- bescheinigt. Für das Jahr 2010 sei daher von Fr.
73'265.40 auszugehen. Das auf die Tabellenlöhne der Lohnstrukturerhebung
abgestützte Invalideneinkommen belaufe sich unter Berücksichtigung eines
angezeigten Abzugs von 20% auf Fr. 23'992.--, der Invaliditätsgrad damit auf 66.9%.
B.b Die IV-Stelle beantragt mit Beschwerdeantwort vom 28. März 2012 (act. G 6), es
sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer keinen Rentenanspruch habe. Der Bericht
von Dr. E._ sei relativ rudimentär. Er gehe nicht auf das MEDAS-Gutachten ein und
begründe seine abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht. Zudem sei er in Bezug
auf das beim Beschwerdeführer vorhandene Schmerzsyndrom nicht fachärztlich
qualifiziert, eine diesbezügliche Arbeitsfähigkeitsschätzung vorzunehmen. Gemäss
MEDAS-Gutachten hätten beim vom Beschwerdeführer geltend gemachten
Rückenleiden keine neurologischen Ausfälle erhoben werden können. Zudem lägen
keine Instabilitäten und keine ausgeprägte Fehlstatik vor. Gemäss der Rechtsprechung
des Bundesgerichts sei in einem solchen Fall die Arbeitsfähigkeit höchstens in
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qualitativer Hinsicht eingeschränkt. Die MEDAS begründe die in einer
rückenadaptierten Tätigkeit attestierte Arbeitsfähigkeit von lediglich 70% nicht
nachvollziehbar. Insbesondere leuchte nicht ein, weshalb der Beschwerdeführer
ausserhalb der betriebsüblichen Pausen trotz einer rückenangepassten Tätigkeit
gezwungen sein sollte, in einem solchen Ausmass Entlastungsstellungen einzunehmen
bzw. Entspannungsübungen durchzuführen, dass eine Einschränkung von 30%
resultiere. Es sei demnach davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in einer
adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Unter Berücksichtigung eines
Valideneinkommens von Fr. 72'540.-- per 2008 und eines Invalideneinkommens von
Fr. 53'981.10 resultiere ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 26%.
B.c Der Beschwerdeführer lässt mit Replik vom 16. Mai 2012 (act. G 8) an seinen
Anträgen festhalten. Die MEDAS folge nach Meinung der IV-Stelle strikt
versicherungsmedizinischen Prämissen und klammere geltend gemachte Leiden ohne
Krankheitswert konsequent aus. Dann sei jedoch nicht nachvollziehbar, warum sie
diese versicherungsmedizinischen Kriterien bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
nicht hätte berücksichtigen sollen. Es gehe nicht an, dass die IV-Stelle ein von ihr
selbst in Auftrag gegebenes Gutachten als umfassend und glaubwürdig betrachte,
jedoch gleichzeitig an die Stelle der gutachterlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
ihre eigene, medizinisch nicht begründete setze. Dr. E._ äussere sich nicht zur
Auswirkung des Schmerzsyndroms auf die Arbeitsfähigkeit, sondern mache deutlich,
dass aufgrund der Beeinträchtigung des Rückens die Arbeitsfähigkeit zu 50%
eingeschränkt sei. Für die Beurteilung des Rückenleidens könne ihm als Facharzt der
Neurologie die Fachkompetenz nicht abgesprochen werden.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf das Einreichen einer Duplik.

Erwägungen:
1.
Obwohl die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers der Beschwerde lediglich die
Verfügung vom 23. Dezember 2011 beilegte, in der der Rentenanspruch ab 1. Januar
2012 geregelt wurde, hat die Verfügung vom 30. Januar 2012 betreffend den Zeitraum
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1. August 2008 bis 31. Dezember 2011 als mitangefochten zu gelten, bildet sie doch
mit der erstgenannten ein untrennbares Ganzes (vgl. etwa BGE 131 V 164 E. 2.2 f.;
Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen IV 2009/263 vom 20. Juli
2011 E. 2.1; IV 2007/75 vom 21. Juli 2008 E. 1.3). Zu überprüfen ist folglich der
Rentenanspruch des Beschwerdeführers insgesamt.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
2.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2
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.3 Grundlage der Bemessung des Invalideneinkommens bilden die
Arbeitsfähigkeitsschätzung und die Umschreibung der trotz der
Gesundheitsbeeinträchtigung noch möglichen und zumutbaren Tätigkeiten. Um das
Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung gestellt haben. Nach dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung
der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der
untersuchten Person auseinandersetzt, was vor allem bei psychischen
Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung
mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der
medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (vgl. BGE 125 V 351 E.
3a, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen).
3.
3.1 Zwischen den Parteien ist umstritten, von welcher Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers für die Invaliditätsbemessung auszugehen ist. Während der
Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von 50% als ausgewiesen erachtet, ging die
Beschwerdegegnerin in den angefochtenen Verfügungen von einer solchen von 70%
aus und stellt sich im Beschwerdeverfahren auf den Standpunkt, korrekterweise
betrage die Arbeitsfähigkeit 100%.
3.2 Am 27. August 2008 hielt der Hausarzt gegenüber dem RAD fest, vermutlich seien
leichte, ideal rückenadaptierte Tätigkeiten zu 50% zumutbar (IV-act. 19-1). In der
vertebro-spinalen Kernspintomographie vom 21. Oktober 2007 (IV-act. 19-5) waren
relevante Befunde erhoben worden: Es hatte sich eine breitbasige subligamentäre
Hernierung der Bandscheibe L5/S1 vorwiegend ins epidurale Fettgewebe, jedoch mit
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Kontakt zu den Nervenwurzeln S1 beidseits unter rechtsseitiger Bevorzugung und
vermuteter intermittierender Nervenwurzelirritation S1 rechts gezeigt. Die
Bandscheiben L5/S1 und L4/5 waren als dehydriert aufgefallen; die letztgenannte wies
eine Protrusion und einen kleinen Einriss im Anulus fibrosus auf, eine
Nervenwurzelkompression auf diesem Niveau wurde jedoch nicht nachgewiesen. Die
mittlere und obere LWS wies eine Spondylosis auf. Am 26. Mai 2008 (IV-act. 19-8) hielt
Dr. E._ unter Hinweis auf jene Bildgebung fest, die Rückenschmerzen könnten
durchaus durch die Abnutzung der Bandscheiben L4/5 und L5/S1 erklärt werden. Er
erachtete erneute Bildgebung als angezeigt. Diese wurde offenbar am 30. Mai 2008
vorgenommen und ergab eine diskret progrediente mediane subligamentäre
Diskushernie L5/S1 mit Kontakt zur rechten S1-Wurzel. Die Ruptur im Anulus fibrosus
L4/5 war unverändert ohne Nervenwurzelbeeinträchtigung (vgl. IV-act. 32-8). Dr. med.
F._, Facharzt für Innere Medizin, untersuchte den Beschwerdeführer im Auftrag der
Krankentaggeldversicherung und hielt in seinem Bericht vom 13. Juni 2008 (bei den
Fremdakten; G 6.2) unter Hinweis auf die Rückenproblematik fest, eine Arbeitsfähigkeit
als Maurer bestehe nicht mehr. In adaptierten Tätigkeiten sollte der Beschwerdeführer
jedoch aktuell zu mindestens 50% arbeits-/leistungsfähig sein. Diese Arbeitsfähigkeit
sollte innerhalb von ca. 2 bis 3 Monaten steigerbar sein. Dr. med. G._, Fachärztin für
Neurologie FMH, erhob am 15. Juli 2008 (IV-act. 19-11 f.) eine dissoziative
Hemisymptomatik rechts. Sie verneinte weiteren Abklärungsbedarf und vermutete,
dass psychosoziale Faktoren im Rahmen der längeren Abstinenz vom Arbeitsplatz die
Symptomatik nachhaltig beeinflussten. Die von der MEDAS veranlassten Röntgenbilder
von HWS und LWS ap/seitlich vom 25. März 2009 ergaben eine mässige Spondylosis
der mittleren und unteren HWS mit relativ ausgeprägter Streckhaltung der HWS mit
minimer Kyphosierung zwischen C3 und C4 sowie Spondylarthrosen der HWS. Weiter
fanden sich eine S-förmige Skoliosefehlhaltung thorako-lumbal, eine Spondylosis vor
allem der mittleren und oberen LWS und mässige Spondylarthrosen der unteren LWS.
Die Gutachter erwähnten eine deutliche Diskrepanz zwischen den objektivierbaren
klinischen Pathologien und dem subjektiven Ausmass des Beschwerdebilds. Bei aktuell
fehlenden Zeichen eines persistierenden lumboradikulären Reiz- oder
sensomotorischen Ausfallsyndroms schätzten sie die Arbeitsfähigkeit in körperlich
leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten auf mindestens 70% mit dem Hinweis auf
vermehrte und betriebsunübliche Pausen zur Einnahme von Entlastungsstellungen
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bzw. Durchführung von Entspannungsübungen (IV-act. 32-11). Am 30. März 2010
wurde ein weiteres MRT veranlasst. Dieses ergab gemäss Dr. E._ keinerlei
Veränderung der bildgebenden Befunde von 2008. Der behandelnde Neurochirurge
hielt am 27. April 2010 fest, er könne sich die Beschwerdesymptomatik ehrlicherweise
nicht erklären. Er sprach von 50% Arbeitsfähigkeit in rückenadaptierter Tätigkeit (IV-
act. 62-7 sowie 62-6). Im bei der IV-Stelle am 5. August 2010 eingegangenen Bericht
von med. pract. B._ (IV-act. 62-2) bezeichnete dieser eine Arbeitsunfähigkeit von
maximal 50% durch die Rückenproblematik für begründbar. Für die von ihm als voll
aufgehoben bezeichnete Arbeitsunfähigkeit schienen psychosoziale Faktoren im
Vordergrund zu stehen, so der Hausarzt.
3.3 Entgegen der in der Beschwerdeantwort geäusserten Auffassung zeigt die
medizinische Aktenlage Hinweise auf neurologische Ausfälle. Zwar wurde die von Dr.
G._ genannte Hemisymptomatik rechts als dissoziativ bezeichnet und konnte
neurologisch nicht objektiviert werden. Betreffend die LWS wurde jedoch ein Kontakt
zur Nervenwurzel S1 beidseits bildgebend dargestellt und eine intermittierende
Nervenwurzelkompression S1 rechts vermutet (vgl. den Bericht zur vertebro-spinalen
Kernspintomographie (TH10-S3) vom 21. Oktober 2007; IV-act. 19-5). Dies sowie die
weiteren auf die Bildgebung gestützten Erkenntnisse (etwa die Protrusion und die
Ruptur im Anulus fibrosus L4/5) waren sowohl nach Ansicht der MEDAS-Gutachter als
auch von Dr. E._ grundsätzlich geeignete Erklärungen für einen Teil der geklagten
Schmerzen. Während die MEDAS aus der Rückenproblematik eine quantitative
Einschränkung von 30% für adaptierte Tätigkeiten, also eine Arbeitsfähigkeit von 70%
ableitete, lag Dr. E._ mit der Angabe mindestens 50%-iger Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-
act. 62-6) zwar etwas tiefer. Er nannte jedoch keine Aspekte, die seine Einschätzung
als zutreffender erscheinen lassen würden als jene der MEDAS. Insbesondere nahm er
auf die Einschätzung der somatischen MEDAS-Gutachter keinen Bezug; offenbar hatte
er davon gar keine Kenntnis. Eine medizinische Begründung für eine 30%
übersteigende Arbeitsunfähigkeit findet sich in den Akten nicht. Dass Dr. E._ im April
2010 von einer Arbeitsfähigkeit von mindestens 50% sprach (IV-act. 62-6), lässt im
Weiteren entgegen der von der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers offenbar
getätigten Annahme nicht auf eine Verschlechterung seit der MEDAS-Begutachtung
vom März 2009 schliessen, hielt Dr. E._ doch selbst fest, das MRT vom 30. März
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2010 zeige keinerlei Veränderung der Situation verglichen mit 2008. Auch von
verschlimmerten klinischen Befunden berichtete er nicht.
3.4 Die Aussagen des Hausarztes med. pract. B._ zur Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers sind sodann für die vorliegende Beurteilung nicht beweiskräftig.
Einerseits fehlt ihm die fachärztliche Qualifikation zur Beurteilung der Auswirkungen der
mehrsegmentalen Rückendiagnosen oder einer allfälligen psychischen Problematik,
andererseits sind seine Einschätzungen der Arbeitsunfähigkeit ohne nähere
Erklärungen nicht nachvollziehbar. So sprach er im August 2008 gegenüber dem RAD
von einer Arbeitsfähigkeit von vermutlich 50%, im August 2010 nach Hinzutreten einer
"depressiven Entwicklung" von gesamthaft 0%, im Dezember 2009 hatte er gegenüber
der Arbeitslosenversicherung allerdings von grundsätzlich 100%-iger Arbeitsfähigkeit
berichtet (IV-act. 73-3).
3.5 Weiter ist festzuhalten, dass keine ausreichenden Hinweise für eine die Arbeits
fähigkeit in einem grösseren Ausmass einschränkende, erst nach dem MEDAS-
Gutachten aufgetretene psychische Beeinträchtigung bestehen. Der Hausarzt erwähnte
im August 2010 zwar eine "depressive Entwicklung" und bezeichnete psychosoziale
Faktoren als im Vordergrund stehend (IV-act. 62-1 f.), beschrieb aber keinen Psycho
status, der sich erheblich gravierender präsentiert hätte als jener, den bereits der
psychiatrische MEDAS-Gutachter erhoben hatte. Insofern ist mit dem RAD (vgl.
Stellungnahme vom 26. November 2011; IV-act. 64) weder von einer erheblichen
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen noch von diesbezüglich weiterem
Abklärungsbedarf auszugehen.
3.6 Insgesamt erscheint es als gerechtfertigt, bei der vorliegenden medizinischen
Aktenlage auf die Gesamtbeurteilung der MEDAS abzustellen, also von einer
Arbeitsfähigkeit von 70% in optimal adaptierten Tätigkeiten auszugehen. Dass die
Einschränkung um 30% insofern eher vage begründet wurde, als lediglich vermehrte
und betriebsunübliche Pausen zur Einnahme von Entlastungsstellungen bzw.
Durchführung von Entspannungsübungen als angezeigt bezeichnet wurden, rechtfertigt
es entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeantwort nicht, im Nachhinein vom
Schreibtisch aus zu einer höheren Zumutbarkeitsbeurteilung zu gelangen. Relevant
erscheint in diesem Zusammenhang auch, dass der RAD die Einschränkung der
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Arbeitsfähigkeit um 30% in Kenntnis des medizinischen Dossiers als plausibel erachtet
hat (vgl. Stellungnahme vom 1. Dezember 2009, IV-act. 47).
4.
4.1 Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 70% in adaptierten Tätigkeiten ist
nachfolgend der Invaliditätsgrad zu bemessen.
4.1.1 In der Beschwerdeantwort hat die Beschwerdegegnerin das Valideneinkommen
des Beschwerdeführers abweichend von der angefochtenen Verfügung auf
Fr. 72'540.-- per 2008 festgesetzt. Die gesundheitlichen Probleme des
Beschwerdeführers hatten sich ab August 2007 auf seine Arbeitsfähigkeit ausgewirkt.
Folglich war das Jahr 2006 das letzte mit uneingeschränkter Arbeitsfähigkeit gewesen.
In jenem Jahr hatte sich das Einkommen gemäss IK-Auszug auf insgesamt
Fr. 67'070.--, im Jahr 2005 auf Fr. 65'210.-- und im Jahr 2004 auf Fr. 65'854.--
belaufen (IV-act. 9). Die Arbeitgeberin bescheinigte im Fragebogen vom 5. August 2008
(IV-act. 10), der Beschwerdeführer hätte ab 1. Januar 2008 ein Jahresgehalt von
Fr. 72'540.-- erzielt. Das von ihr eingereichte "Kumulativjournal Mitarbeiter" weist für
das Jahr 2006 einen Bruttolohn des Beschwerdeführers von Fr. 73'254.55 und für das
Jahr 2007 einen solchen von Fr. 72'542.30 aus (IV-act. 10-15; 10-12). Vor diesem
Hintergrund erscheint es trotz der abweichenden Einträge im Individuellen Konto als
gerechtfertigt, von einem Valideneinkommen von Fr. 72'540.-- per 2008 auszugehen.
4.1.2 Für die Ermittlung des Invalideneinkommens ist unbestrittenermassen auf die
Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) abzustellen. Ein Mann
im tiefsten Anforderungsniveau erzielte im Jahr 2008 gemäss Tabelle TA1 aufgerechnet
auf die durchschnittliche betriebsübliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden ein Einkommen
von Fr. 59'979.--. Die Vornahme eines Abzugs von diesem Tabellenlohn (dazu etwa
BGE 126 V 75) ist grundsätzlich unbestritten. Die Beschwerdegegnerin erachtet 10%
als ausreichend, während der Beschwerdeführer 20% als angemessen bezeichnet. Der
Beschwerdeführer war bei Verfügungserlass 57 Jahre alt (bzw. im Zeitpunkt, als ihm
eine Teilerwerbstätigkeit von 70% medizinisch als zumutbar erachtet wurde [also bei
Kenntnis des Ergebnisses des MEDAS-Gutachtens im Sommer 2009; vgl. zum
Zeitpunkt BGE 138 V 457 analog], x-Jahre alt). Er hatte vor Eintritt des
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Rückenschadens stets schwere Arbeiten auf dem Bau verrichtet. Nun sind diese
Tätigkeiten nicht mehr möglich und er ist auch in leichten, wechselbelastenden
Tätigkeiten eingeschränkt. Dies, seine fehlende Erfahrung in den noch in Frage
kommenden Tätigkeiten sowie sein Alter (höhere Lohnnebenkosten, kürzere
Aktivitätsdauer) stellen erhebliche Konkurrenznachteile auf dem Arbeitsmarkt dar, die
der Beschwerdeführer wohl mit dem Akzeptieren eines unterdurchschnittlichen Lohnes
kompensieren müsste. Ermessensweise erscheint ein Abzug von 15% als
angemessen. Folglich beläuft sich das Invalideneinkommen auf Fr. 35'688.--
(Fr. 59'979.-- x 0.85 x 0.7).
4.2 Da davon auszugehen ist, dass sich Validen- und Invalideneinkommen in etwa
parallel entwickeln, kann die Bemessung des Invaliditätsgrads direkt gestützt auf die
für das Jahr 2008 massgebenden Werte erfolgen; eine Aufwertung auf das Jahr des
Verfügungserlasses kann unterbleiben. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 72'540.--
und einem Invalideneinkommen von Fr. 35'688.-- beläuft sich der Invaliditätsgrad auf
51%.
4.3 Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung vom 30. Januar 2012
den Rentenbeginn auf den 1. August 2008 festgelegt, was vom Beschwerdeführer
unbestritten geblieben ist. Da die Arbeitsunfähigkeit im August 2007 eingetreten ist, ist
das sog. Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 IVG) im August 2008 abgelaufen gewesen. Der
Beschwerdeführer hat sich im Juli 2008 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung angemeldet. Folglich beginnt der Rentenanspruch gestützt auf
Art. 29 Abs. 1 IVG in der mit der 5. IV-Revision per 1. Januar 2008 in Kraft getretenen
Fassung erst nach Ablauf von 6 Monaten nach der Anmeldung zu laufen. Das
Bundesgericht hat in BGE 138 V 475 festgelegt, dass aus übergangsrechtlicher Sicht
das altrechtliche Regime (ohne 6-Monats-Frist) auf spätestens bis Ende Juni 2008
eingereichte Anmeldungen zur Anwendung gelangen kann. Folglich ist der
Rentenbeginn vorliegend in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 IVG auf den 1. Februar 2009
festzusetzen.
5.
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5.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde dahingehend teilweise
gutzuheissen, dass dem Beschwerdeführer ab 1. Februar 2009 eine halbe
Invalidenrente zuzusprechen ist. Die Sache ist zur Festsetzung des Rentenbetrags an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Obwohl der Beschwerdeführer betreffend
Rentenbeginn verglichen mit der angefochtenen Verfügung eine Schlechterstellung
erfährt, ist die Androhung einer reformatio in peius nicht angezeigt, weil mit der
unbefristeten Erhöhung der zugesprochenen Viertelsrente auf eine halbe Rente trotz
späterem Rentenbeginn insgesamt eine Besserstellung resultiert.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die angefochtene Verfügung hat sich als rechtswidrig
erwiesen und der Beschwerdeführer ist auf jeden Fall gezwungen gewesen,
Beschwerde zu führen, um nicht rechtswidrig behandelt zu werden. Der Hauptantrag
auf Zusprache einer Dreiviertelsrente hat den Aufwand für Gericht und Parteien nicht
erhöht. Folglich ist in Bezug auf die Kostentragungspflicht unabhängig vom konkreten
Beschwerdebegehren (in Analogie zur entsprechenden Regelung bei einer
Rückweisung zur weiteren Abklärung, vgl. ZAK 1987 S. 266 E. 5a) von einem
vollumfänglichen Obsiegen des Beschwerdeführers auszugehen. Die
Beschwerdegegnerin trägt deshalb die gesamten Gerichtskosten. Dem
Beschwerdeführer ist der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Gestützt auf die
Überlegungen in E. 5.2 erscheint eine Kürzung der Parteientschädigung nicht
angezeigt. Angemessen ist eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39