Decision ID: 093443f9-3781-47e7-ad6d-06a5235553a6
Year: 2020
Language: de
Court: AG_VB
Chamber: AG_VB_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Der Präsident entnimmt den Akten:
1. Anfang 2019 wurde A. (nachfolgend Angeklagter) die Steuererklärung 2018 zugestellt. Nachdem diese nicht eingegangen war, wurde der Angeklagte am 25. Juli 2019 erstmals gemahnt. Am 18. September 2019 erfolgte eine zweite, per A-Post Plus versandte Mahnung unter Ansetzung einer Frist von 20 Tagen zur Einreichung der Steuererklärung 2018  aller Beilagen. Des Weiteren wurde der Angeklagte auf die Folgen im Unterlassungsfall (insbesondere Busse bis CHF 10'000.00) hingewiesen.
2. Da dem zuständigen Steueramt innert der Mahnfrist keine Steuererklärung zuging, wurde beim Steueramt des Kantons Aargau (KStA), Sektion Bezug, ein Bussenantrag gestellt.
3. Mit Strafbefehl des KStA, Sektion Bezug, vom 5. November 2019 wurde dem Angeklagten eine Busse von CHF 4'000.00 (zuzüglich Staatsgebühr/ Auslagen von CHF 200.00) auferlegt.
4. Gegen diesen Strafbefehl erhob der Angeklagte mit Schreiben vom 1. Dezember 2019 Einsprache.
5. In seiner Stellungnahme vom 20. Dezember 2019 beantragte das  Q. die Abweisung der Einsprache.
6. Am 6. Mai 2020 erhob das KStA beim Spezialverwaltungsgericht gegen den Angeklagten folgende Anklage:
"1. Gestützt auf den angefochtenen Strafbefehl sei das Verfahren vor , Abteilung Steuern gemäss § 249 ff. des Steuergesetzes vom 15. Dezember 1998 durchzuführen.
2. Die angeklagte Person sei im Sinne des Strafbefehls zu bestrafen."
7. Mit Verfügung vom 13. Mai 2020 wurde der Angeklagte auf den 9. Juni 2019 vorgeladen. Gleichzeitig wurde die Anklage zugestellt.
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8. Das Spezialverwaltungsgericht hat weitere Abklärungen beim  Q. getätigt (Telefonnotiz und E-Mail vom 28. Mai 2020).
9. Der Angeklagte ist nicht erschienen.
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Der Präsident zieht in Erwägung:
I. 1. Massgebend für die Beurteilung der vorliegenden Anklage ist das  vom 15. Dezember 1998 (StG).
2. 2.1. Im Steuerstrafverfahren ist das KStA für Ermittlung, Untersuchung und Strafbefehl (§ 242 StG) zuständig. Nach Abschluss der Untersuchung wird ein Strafbefehl erlassen oder das Verfahren eingestellt (§ 245 Abs. 1 StG). Die angeschuldigte Person und der Gemeinderat können innert 30 Tagen nach Zustellung des Strafbefehls beim KStA schriftlich Einsprache ; diese bewirkt die Aufhebung des Strafbefehls (§ 247 Abs. 1 StG). Ist Einsprache erhoben worden, kann das KStA weitere Untersuchungen durchführen und bei veränderter Sach- oder Rechtslage einen neuen  erlassen (§ 247 Abs. 2 StG). Erachtet das KStA den Erlass eines neuen Strafbefehls nicht als geboten, stellt es das Verfahren ein oder  Anklage beim Spezialverwaltungsgericht (§ 247 Abs. 3 StG). Der  Strafbefehl gilt als Anklageschrift (§ 247 Abs. 4 StG).
2.2. Das KStA hat gegenüber dem Angeklagten einen Strafbefehl erlassen.  gilt aufgrund der eingereichten Einsprache als aufgehoben. Gestützt auf die vorstehend zitierten Gesetzesbestimmungen ist das KStA befugt, Anklage zu erheben und das Spezialverwaltungsgericht ist zuständig für deren Beurteilung. Auf die Anklage ist dementsprechend einzutreten.
3. Erscheint der Angeklagte - wie im vorliegenden Verfahren - trotz Vorladung nicht zur Verhandlung und wurde vorgängig nicht ausdrücklich um die  eines neuen Gerichtstermins ersucht, geht das  davon aus, dass das Gericht ermächtigt wird, das Urteil in  aufgrund der Akten zu fällen (§ 250 Abs. 2 lit. c StG, Hinweis in der Vorladung).
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II. 1. 1.1. Eine Bestrafung nach § 235 Abs. 1 StG setzt drei Tatbestandselemente : Eine Verfahrenspflicht nach Massgabe des Steuergesetzes, eine fruchtlos erfolgte Mahnung sowie die vorsätzliche oder fahrlässige  dieser gesetzlichen Verfahrenspflicht.
Zu den Verfahrenspflichten nach Steuergesetz gehört das Einreichen der Steuererklärung (§ 180 Abs. 2 StG). Die Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung trifft denjenigen unmittelbar, der kraft persönlicher oder wirtschaftlicher Zugehörigkeit im Kanton und in der in Frage stehenden  eine Steuerpflicht begründet (§§ 16 f. StG).
1.2. Der Angeklagte hatte am 31. Dezember 2018 unbestrittenermassen  in Q.. Somit war er verpflichtet, dem zuständigen Steueramt die Steuererklärung 2018 einzureichen.
1.3. Der Angeklagte wurde mehrfach gemahnt. Trotz rechtsgenüglicher  der zweiten, per A-Post Plus versandten Mahnung vom 18. September 2019 reichte er innert der gesetzten Frist keine Steuererklärung ein.
1.4. 1.4.1. Der Angeklagte bringt vor, er habe seinem Steuerberater den Auftrag , die Steuererklärung 2018 vor Ablauf der letzten Frist einzureichen.  habe der Steuerberater diesen Auftrag nicht ausgeführt.
1.4.2. Die Akten enthalten keine gültige Vollmacht an einen Vertreter und dem Gemeindesteueramt Q. war kein solches Vertretungsverhältnis bekannt (vgl. Telefonnotiz vom 28. Mai 2020). Seine Schreiben hat das  Q. deshalb jeweils zu Recht direkt an den Angeklagten gerichtet.
Der Angeklagte hatte nach den erfolgten Mahnungen genügend Zeit, sich mit dem Gemeindesteueramt Q. in Verbindung zu setzen und  eine Fristverlängerung zu beantragen. Stattdessen hat er auf beide Mahnungen nicht reagiert. Gründe für diese Unterlassungen lassen sich den Akten nicht entnehmen und werden vom Angeklagten nicht  gemacht.
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Selbst wenn ein Dritter mit der Erledigung der Steuererklärung beauftragt worden sein sollte, verfängt das diesbezügliche Vorbringen des , der Steuerberater habe die Steuererklärung 2018 nicht rechtzeitig , nicht. Die Wirkungen von Verfahrenshandlungen oder auch  des Vertreters treten nämlich vollumfänglich beim  ein (Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, a.a.O., § 176 StG N 11, mit Hinweisen). Somit müsste sich der Angeklagte auch anrechnen lassen, dass allenfalls sein Vertreter die Steuererklärung nicht rechtzeitig eingereicht hat.
1.4.3. Der Einwand des Angeklagten ist deshalb unbehelflich und vermag die Nichteinreichung der Steuererklärung 2018 bzw. eines  nicht zu begründen.
Weitere Gründe, welche dem Angeklagten die fristgerechte Einreichung der Steuererklärung 2018 oder zumindest eines  verunmöglicht hätten, sind nicht ersichtlich.
Der Angeklagte hat damit seine Pflicht zur fristgerechten Einreichung der Steuererklärung 2018 verletzt.
1.5. Zu prüfen bleibt der subjektive Tatbestand. Ob dieser erfüllt ist, beurteilt sich aufgrund strafrechtlicher Grundsätze. In diesem Zusammenhang  gemäss ständiger Rechtsprechung des Spezialverwaltungsgerichts die allgemeinen Bestimmungen des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) Anwendung (Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 4. Auflage, Muri-Bern 2015, § 236 StG N 10, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Vorsatz (Art. 12 Abs. 2 StGB) setzt ein Wissen und Wollen des Pflichtigen voraus. Fahrlässig begeht gemäss Art. 12 Abs. 3 StGB eine Tat, wer die Folge seines Verhaltens aus  Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder darauf nicht Rücksicht  hat.
Dem Angeklagten musste aufgrund der allgemein bekannten Verpflichtung zur jährlichen Abgabe der Steuererklärung, der öffentlichen  im Sinne von § 180 Abs. 1 StG, der Zustellung des Formulars zur Einreichung der Steuererklärung, der früher ausgefällten Bussen sowie der Mahnungen bewusst gewesen sein, dass er die ausgefüllte  bis zur angesetzten Frist hätte einreichen müssen. Dennoch hat er dies unterlassen, womit er zumindest fahrlässig handelte. Folglich erweist sich auch der subjektive Tatbestand von § 235 Abs. 1 StG als erfüllt.
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1.6. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Angeklagte gegen § 235 Abs. 1 StG verstossen hat und dementsprechend zu bestrafen ist.
2. Es liegen weder Rechtfertigungsgründe noch  -milderungsgründe vor.
3. 3.1. Liegt eine Verfahrenspflichtverletzung vor, ist eine Busse auszufällen (§ 235 Abs. 1 StG, letzter Teilsatz). Diese beträgt in leichten Fällen  CHF 1'000.00, in schweren Fällen oder bei Rückfall maximal CHF 10'000.00. Gemäss konstanter Praxis des KStA sowie des  richtet sich die Stufung der Busse in der Regel nach der Höhe des letzten rechtskräftig veranlagten steuerbaren Einkommens und nach der Anzahl früherer Ordnungsbussen. Diesbezüglich hat das KStA einen nicht zu beanstandenden Bussentarif ausgearbeitet. Das KStA beantragt eine Busse in der Höhe des Strafbefehls, also von CHF 4'000.00 (zuzüglich Staatsgebühr/Auslagen von CHF 200.00).
3.2. 3.2.1. Die Anklage geht von einem für die Busse relevanten Einkommen des  von CHF 55'300.00 (rechtskräftiges steuerbares Einkommen 2017) aus. Dies wurde dem Angeklagten mit Zustellung der Anklageschrift mitgeteilt.
In der Zwischenzeit wurde das steuerbare Einkommen für das Jahr 2018 mit CHF 45'200.00 rechtskräftig veranlagt (vgl. Anklageschrift,  2018 sowie E-Mail vom 28. Mai 2020). Da dieser Betrag somit das letzte rechtskräftig veranlagte steuerbare Einkommen darstellt, ist für die Bussenbemessung im Strafverfahren auf dieses tiefere Einkommen .
3.2.2. Der Angeklagte musste gemäss Anklageschrift innerhalb der letzten fünf Steuerperioden (d.h. bezüglich der Steuerveranlagungen der Jahre 2013 bis 2017) wegen Verletzung von Verfahrenspflichten jedes Jahr, d.h.  fünf Mal, gebüsst werden.
Bei einem steuerbaren Einkommen von CHF 45'200.00 beträgt die Busse gemäss dem aktuellen Bussentarif bei der dritten Widerhandlung CHF 600.00, bei der vierten Widerhandlung CHF 1'500.00 und bei der  Widerhandlung CHF 3'000.00. Ab der sechsten Widerhandlung ist die Busse gemäss dem Tarif verschuldensabhängig und kann auf maximal
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CHF 10'000.00 festgesetzt werden. Mit jeder weiteren Widerhandlung wiegt das Verschulden schwerer, was sich in der ansteigenden  im Wiederholungsfalle niederschlägt.
Der Angeklagte hat trotz fünf Vorstrafen für den gleichen Tatbestand die Steuererklärung ein weiteres Mal nicht fristgerecht eingereicht. Aufgrund der Vorstrafen musste dem Angeklagten klar sein, dass eine weitere  erneut zu einer Strafe führen muss. Dessen ungeachtet hat er sich nicht in erforderlichem Masse um die Steuererklärung gekümmert, was eine  Uneinsichtigkeit in das fehlbare Verhalten zum Ausdruck bringt. Es ist nicht nachvollziehbar, dass er trotz drohender gravierender  Konsequenzen erneut keine Steuererklärung einreichte. Der Angeklagte ist seit Jahren säumig und nimmt seine Pflicht zur Einreichung der Steuererklärung offensichtlich nicht Ernst. Dies ist strafschärfend zu gewichten. Gründe für eine Strafmilderung oder -minderung liegen nicht vor.
Das Verschulden des Angeklagten ist erheblich. Nachdem bei der fünften Widerhandlung sowie beim letzten rechtskräftig veranlagten steuerbaren Einkommen von CHF 45'200.00 die Busse gemäss aktuellem Bussentarif bereits CHF 3'000.00 beträgt, muss die Busse diesen Betrag bei der  Widerhandlung überschreiten. Der Angeklagte hat sich weder zu seinen finanziellen Verhältnissen noch zur Bussenhöhe geäussert. Aufgrund  langjährigen Säumnis hat er es zu verantworten, dass bezüglich seiner Einkommens- und Vermögensverhältnisse keine Klarheit besteht.
Vor diesem Hintergrund erscheint die von der Vorinstanz ausgefällte Busse von CHF 4'000.00 als angemessen. Gründe für eine Reduktion der Busse sind keine ersichtlich.
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III. 1. Soweit die §§ 249 ff. StG betreffend das Strafverfahren vor  keine abweichenden Vorschriften enthalten, gelten die  über das Rekursverfahren bei ordentlichen Veranlagungen sinngemäss (§ 251 StG). Gemäss § 189 Abs. 1 StG werden die amtlichen Kosten grundsätzlich der unterliegenden Partei auferlegt; bei teilweisem Obsiegen/Unterliegen sind die Kosten anteilsmässig zu verteilen.
2. Das KStA hat dem Angeklagten neben der Busse eine Gebühr von CHF 200.00 auferlegt. Es beantragt die Bestrafung der angeklagten  "im Sinne des Strafbefehls". Die gerichtliche Überprüfung der  hat ergeben, dass diese weder dem Kostendeckungs- noch dem Äquivalenzprinzip entspricht (vgl. die ausführliche Begründung in SGE vom 7. Mai 2020 [3-BU.2020.17], Erw. III 2.). Die Gebühr ist deshalb auf CHF 100.00 zu senken. Sie ist vom KStA zusammen mit der Busse zu .
3. Zusammenfassend wird die vom KStA beantragte Busse von CHF 4'000.00 bestätigt. Die Gebühr ist von CHF 200.00 auf CHF 100.00 zu kürzen. Damit unterliegt der Angeklagte nahezu vollständig. Er hat daher die  vollumfänglich zu tragen. Es ist keine Parteientschädigung  (§ 189 Abs. 2 StG).
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