Decision ID: 86e60df8-a288-41a2-98ca-0bc521801401
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1948, meldete sich am 24. November 2013 zum Bezug von Zusatzleistungen zur AHV-Rente an (Urk. 7/2). Mit Verfügung vom 9. Januar 2014 verneinte die Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV der Gemeinde
Y._
(nachfolgend: Durchführungsstelle) einen Anspruch auf Zusatzleistungen aufgrund Nichterfüllens der Karenzfrist (Urk. 7/5). Die dagegen erhobene Einsprache vom 10. Februar 2014 (Urk. 7/6) wies die
Durchführungs
stelle
mit Entscheid vom 14. Ap
ril 2014 ab (Urk. 7/8 = Urk. 2)
.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 14. April 2014 (Urk. 2) erhob
X._
am 14. April 2014 Beschwerde und beantragte die Ausrichtung von Zusatzleis
tungen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort
vom
18. Juni 2014 schloss die
Durch
führungsstelle
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerde
führer am 25. August 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).
Am 15. Juli 2015 zog der Beschwerdeführer das Gesuch um unentgeltlichen Rechtsbeistand vom 15. Mai 2014 (Urk. 1) zurück (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Personen mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) in der Schweiz
ist ein Anspruch
auf Ergänzungsleistungen
einzuräumen
, wenn sie
eine der Voraussetzungen nach den Art. 4 Abs. 1
lit
. a – d des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) erfüllen.
Ausländerinnen und Ausländer
n
ist dieser Anspruch unter ande
rem nur einzuräumen (Art. 5 ELG), wenn sie sich unmittelbar vor dem Zeit
punkt, ab dem die Ergänzungsleistungen verlangt w
e
rd
en
, während zehn Jahren ununterbrochen in der Schweiz aufgehalten haben (Karenzfrist; Abs. 1),
oder wenn sie
gestützt auf ein Sozialversicherungsabkommen Anspruch auf ausser
ordentliche Renten der AHV oder IV hätten -
Art.
7
lit
. b
des Abkommens zwi
schen der Schweiz und der
Föderativen Volksrepublik Jugoslawien vom 8. Juni 1962
sieht diesbezüglich eine Karenzzeit von je nach Leistungsart fünf oder zehn Jahren vor -, wobei ihnen
diesfalls
, solange sie die in
Abs. 1
festgelegte Karenzfrist nicht erfüllt haben, höchstens eine Ergänzungsleistung in der Höhe
des Mindestbetrages der zutreffenden ordent
lichen Vollrente zusteht (
Abs.
3
ELG).
1.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Karenzfrist nicht als unterbrochen, solange die Landesabwesenheit drei Monate nicht übersteigt. Bei längerer Abwesenheit beginnt sie mit der erneuten Einreise in die Schweiz wieder von vorne zu laufen. Ausnahmsweise ist eine Erstreckung über die höchstzulässige Dauer von drei Monaten möglich, ohne dass die Karenzzeit unterbrochen wird. Hierzu müssen jedoch triftige Gründe vorliegen. Solche lassen sich gemäss Rechtsprechung auf zwei Kategorien beschränken: einerseits auf zwingende krankheits- oder unfallbedingte Ursachen in der Person des
Leistungsanspre
chers
selbst, and
e
rerseits auf Tatbestände aus dem Bereich der höheren Gewalt. Die Erstreckung der dreimonatigen Zeitspanne muss eine Ausnahme bleiben und sich an klar fassbaren Kriterien orientieren können. Motive sozialer, famili
ärer, persönlicher oder beruflicher Art können daher nicht als triftig im Sinne der Rechtsprechung anerkannt werden (BGE 110 V 175 E. 4b; BGE 126 V 463 E.
2c; bestätigt im Urteil 9C_423/2013 vom 26. August 2014 E. 4.4.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte den Anspruch auf Ergänzungsleistungen mit der Begründung, der Beschwerdeführer habe sich am 22. Juni 2012 bei der Ein
wohnerkontrolle
Z._
abgemeldet und sei nach Serbien gereist. Am 15. Dezember 2012, also ungefähr sechs Monate später, habe er sich bei der Einwohnerkontrolle
Y._
angemeldet, wobei er angegeben habe, aus Serbien eingereist zu sein
. Unterbrüche des Wohnsitzes in der Schweiz würden maximal bis zur Länge von drei Monaten toleriert, danach beginne die Karenzfrist wieder von neuem zu laufen. Bei einem Auslandaufenthalt aus einem triftigen Grund werde die Karenzfrist erst unterbrochen wenn der Aufenthalt länger als ein Jahr dauere. Als triftige Gründe kämen nur berufliche Zwecke oder eine Ausbildung in Frage. Der Beschwerdeführer berufe sich auf eine kurze, familiäre Abwesen
heit, woraus nicht geschlossen werden könne, dass er sich aus einem triftigen Grund im Ausland aufgehalten habe (Urk. 2 S. 2).
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer ein (Urk. 1), er befinde sich seit Oktober 1996 in der Schweiz und sei zwischendurch wegen einer familiären Angelegen
heit – ein medizinischer Notfall der Tochter - abwesend gewesen. Er habe ge
meint, er müsse sich abmelden und habe dies auch getan, obwohl die definitive Aufgabe des Wohnsitzes in der Schwei
z nie beabsichtigt gewesen sei.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob
die Karenzfrist
durch die Landesabwesenheit des Beschwerdeführer
s
unterbrochen wurde.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer bezieht
eine
ordentliche AHV-Rente (vgl. Urk. 7/1B)
, wes
halb
Art. 5
Abs.
3
ELG
zum Vorn
herein nicht zur Anwendung gelangt
(vgl. vorstehend E. 1.1)
.
3.2
Der Beschwerdeführer meldete sich unbestrittenermassen am 30. Juni 201
2
von
Der Gemeinde A._ LU
nach Serbien ab (Urk. 7/1D) und meldete sich am 15. Dezember 2012 von Serbien kommend in
Y._
ZH
wieder an (Urk. 7/1C). Damit hielt er sich während fünfeinhalb Monaten im Ausland auf und hat die maximal zu
lässige Dauer des Auslandaufenthaltes von insgesamt drei Monaten überschrit
ten.
Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer den Wohnsitz in der Schweiz nie definitiv hatte aufgeben wollen.
Auch
kann er aus dem Umstand, dass die anderen Verwaltungsbehörden (Migrationsamt etc.) von einem durch
gehenden Aufenthalt in der Schweiz ausgegangen sein sollen
,
nicht
zu seinen Gunsten ableiten, dass die Karenz
frist
nicht unterbrochen wurde.
Denn d
afür, dass die Abwesenheitsdauer von drei Monaten überschritten werden darf, ohne dass die Karenz
frist
unterbrochen wird, müssen triftige Gründe
im Sinne der Rechtsprechung (vgl. oben E. 1.3)
vorliegen.
3.2
Der Beschwerdeführer br
achte
diesbezüglich vor, der Auslandaufenthalt sei aus familiären Gründen notwendig gewesen, da bei seiner Tochter ein medizinischer Notfall vorgelegen habe.
Vorab ist festzustellen, dass der medizinische Notfall nicht belegt ist. Entgegen
seinen Ausführungen in der Beschwerdeschrift
(vgl. Urk. 1 S. 4)
hat der Be
schwerdeführer eine ärztliche Bestätigung nie nachgereicht. Allerdings wäre dies auch wenig hilfreich gewesen, gelten krankheit
s- oder unfallbedingte Ursa
chen, die einen längeren Auslandaufenthalt notwendig machen,
lediglich
als triftig
, wenn sie den Leistungsansprecher selbst betreffen.
Familiäre Motive dagegen können nicht als triftig anerkannt werden.
Damit bleibt es dabei, dass die Karenz
frist
mit der Ausreise im Juni 2012 unter
brochen wurde und nach der erneuten Einreise in die Schweiz im Dezember 2012 von neuem zu laufen begonnen hat.
Damit hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen zu Recht verneint, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.