Decision ID: 6047e888-422f-4f01-8e94-fa88d00384ed
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Die Parzelle 293 in der Gemeinde X._ steht seit 1991 im Eigentum
der A._ AG (nachfolgend A._ AG). Diese führt dort – als
Rechtsnachfolgerin der Einzelfirma "E._" – (weiterhin) einen
Schreinereibetrieb. Am 19. März 2019 genehmigte die Regierung des
Kantons Graubünden ein neues Baugesetz (BG) der Gemeinde X._.
Die Parzelle 293 liegt gemäss dem am 28. Februar 2006 von der
Regierung genehmigten Zonenplan und Genereller Gestaltungsplan
1:2000 zum grössten Teil in der Dorfzone (Art. 24 BG), teilweise in der
Dorfkernzone (Art. 23 BG) sowie dem übrigen Gemeindegebiet. Im
(süd-)westlichen Teil der Parzelle 293 wird die Dorfzone mit einer
Freihaltezone gemäss Art. 33 BG überlagert. Ausserdem ist die
Parzelle 293 fast vollständig von der Ortsbildschutzzone gemäss Art. 32
BG erfasst.
2. Westlich an die Parzelle 293 grenzt die Parzelle 290, welche seit 2010 im
Eigentum von C._ steht. Der nördliche Bereich der Parzelle 290,
mit der Wohnbaute ist der Dorfkernzone zugeordnet. Der südliche Bereich
der Parzelle ist hingegen in der Dorfzone gelegen und wird zudem von der
Freihaltezone überlagert. Die ganze Parzelle 290 wird zudem von der
Ortsbildschutzzone erfasst.
3. In einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zwischen der Gemeinde
X._ und der A._ AG vom 19. Dezember 2013 kamen diese
überein, das weitere Vorgehen zur Wiederherstellung des – insbesondere
auch von C._ beanstandeten – Zustandes der auf Parzelle 293
befindlichen Schreinerei mit Holzlagern mit dieser Vereinbarung
festzulegen. Die A._ AG verpflichtete sich unter anderem, das in
der Freihaltezone westlich der Schreinerei gelegene Areal bis
31. Dezember 2013 vollständig von Holzstapeln und anderem
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Lagermaterial zu räumen. Dies mit Ausnahme des temporären Stapelns
von Brennholz entlang der Mauer zur Parzelle 485 in ortsüblicher Weise.
4. Am 22. Juli 2019 teilte C._ der Gemeinde X._ mit, dass auf
Parzelle 293 östlich des bestehenden, in der Freihaltezone gelegenen
Holzschuppens im Bereich der Mauer und der geschützten Villa
I._ jüngst eine grössere Baute erstellt worden sei. Weiter
erkundigte er sich, ob dafür eine Baubewilligung erteilt worden sei. Zudem
seien nördlich und westlich des erwähnten Holzschuppens nebst einer neu
angelegten Holzbeige permanent Anhänger und Motorfahrzeuge
abgestellt. Er erkundigte sich danach, ob die Gemeinde X._ dies
insbesondere in der Freihaltezone als zulässig erachte und ob dafür eine
Baubewilligung bestehe. Ebenso fragte er, ob das vis-à-vis des
Holzschuppens aufgestellte Magazin mit Pultdach aus Blech
baurechtskonform sei. Weiter monierte er, dass die öffentlich-rechtliche
Vereinbarung vom Dezember 2013 von der A._ AG nicht
eingehalten werde. Letztlich fragte C._ noch an, ob die in der
Freihaltezone permanent aufgestellten wellblechbedeckten Holzbeigen
zulässig seien.
5. Auf Aufforderung der Gemeinde hin reichte die A._ AG am
25. Juli 2019 ein nachträgliches Gesuch im Meldeverfahren für den Ersatz
des bestehende (Holz-)Lager und Abbruch des Plattenlagers ein. Daraus
ergibt sich, dass das bestehende marode und einsturzgefährdete
(Holz-)Lager demontiert, ein neues in Holzkonstruktion als Ersatz erstellt
und an das bestehendes Schöpfli zu dessen Stützung angefügt wurde.
Am 22. August 2019 schrieb die Gemeinde der A._ AG, das
Meldeverfahren sei für die vorgenommenen Arbeiten nicht ausreichend.
Sie ersuchte die A._ AG, ein Baugesuch für Kleinbauten mit den
erforderlichen Unterlagen (namentlich Pläne, Fotos des vorbestandenen
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Lagers vor der Demontage und Fotos der im Bau befindlichen Baute sowie
Näherbaurecht betreffend Parzelle 374) einzureichen.
6. Am 26. August 2019 nahm die nun anwaltlich vertretene A._ AG
dazu Stellung. Der Holzschuppen sei (auch gestützt auf die
Besitzstandsgarantie) rechtskonform und zudem auch bewilligt. Der
betriebsnotwendige Schuppen auch im Hinblick auf seine Raumrelevanz
nicht zu beanstanden, sondern komme sogar sehr sauber daher. Die
A._ AG dürfe auf dem eigenen Grundstück parkieren und verletze
damit kein Recht. Die A._ AG sei unbestreitbar seit Jahrzehnten
eine wichtige Arbeitsgeberin in X._.
Am 4. September 2019 schrieb die Gemeinde an C._, dass sie
sich der A._ AG in Bezug auf deren Stellungnahme im
Zusammenhang mit der Freihaltezone/Fahrzeugparking sowie der
Holzstapel anschliesse. Die Meinung der A._ AG in Sachen
Holzschuppen werde aber nicht geteilt.
7. Mit Schreiben vom 13. September 2019 reichte die A._ AG ein
auf den 27. August 2019 datiertes Baugesuch für Kleinbauten inkl.
Planbeilagen und zwei Bilder zum Nachweis der vorbestehenden Situation
bei der Gemeinde X._ ein. Dieses ging am 16. September 2019 bei
der Gemeinde X._ ein, wurde vom 26. September 2019 publiziert und
bis zum 16. Oktober 2019 öffentlich aufgelegt. Aus dem Baugesuch ergibt
sich, dass das bestehende marode und einsturzgefährdete (Holz-)Lager
demontiert, ein neues in Holzkonstruktion als Ersatz erstellt und an das
bestehende Schöpfli zu dessen Stützung angefügt wurde.
8. Dagegen erhob der nunmehr anwaltlich vertretene C._ am
14. Oktober 2019 Einsprache und beantragte in der Sache die Abweisung
des Baugesuches und die Verweigerung der Baubewilligung. Ferner sei
die Baurechtswidrigkeit festzustellen. Gleichentags nahm C._
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auch noch zum Schreiben der Gemeinde vom 4. September 2019 Stellung
und stellte in Abrede, dass auf der Parzelle 293 (im Bereich der
Freihaltezone) Fahrzeuge parkiert werden dürften. Ausserdem wurde ein
immenser Last- und Lieferwagenverkehr zum westlichen Teils der
Parzelle 293 hin moniert. Die Gemeinde X._ wurde um Unterbindung
der geltend gemachten Rechtswidrigkeiten ersucht.
9. Mit Schreiben vom 22. Oktober 2019 gewährte die Gemeinde X._ der
A._ AG das rechtliche Gehör betreffend die eingegangene
Baueinsprache sowie die Eingabe von C._ betreffend die
Freihaltezone und weitere Rechtswidrigkeiten, jeweils vom 14. Oktober
2019. Am 4. Dezember 2019 beantragte die A._ AG, auf die
Baueinsprache sei nicht einzutreten, eventualiter sei sie vollumfänglich
abzuweisen und das Baugesuch zu bewilligen. Die Einsprachelegitimation
von C._ wurde in Abrede gestellt. Zur Begründung der
eventualiter beantragten Abweisung der Baueinsprache argumentierte sie
im Wesentlichen mit einem bestehenden Besitzstandschutz, dem Zweck
der Freihaltezone, Überlegungen zur rechtsgleichen Behandlung sowie
der Rechtssicherheit.
Ebenfalls am 4. Dezember 2019 schrieb die A._ AG der
Gemeinde, eine Fahrzeugparkierung im Bereich der Freihaltezone auf
Parzelle 293 sei – entgegen der Darstellung von C._ – erlaubt
und der Holzschuppen an der Grenze der Freihaltezone sei
rechtskonform. Es stimme nicht, dass durch grosse Last- und Lieferwagen
ein immenser Verkehr in der Freihaltezone entstehe und die
Verkehrssicherheit und die Erschliessung beeinträchtigt werde. Aber auch
sonst würde es dem Zweck der Freihaltezone nicht widersprechen, da
solche Fahrzeuge (nur zum Ablad und) nicht dauernd auf dem Areal
abgestellt würden.
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10. Mit Einsprache- und Genehmigungsentscheid vom 16. Dezember 2019,
mitgeteilt am 16. Januar 2020, hiess der Gemeindevorstand X._ die
Einsprache von C._ gut (Dispositivziffer III.1) und verpflichtete die
A._ AG, das ohne Bewilligung erstellte Plattenlager ersatzlos
gemäss Eingabeplan vom 16. September 2019 "rot" neu, innert einer Frist
von sechs Monaten abzubrechen (Dispositivziffer III.2). Die A._
AG wurde zudem verpflichtet, gemäss Plangrundlagen vom 19. März 2012
"gelb" das bestehende Gebäude freizulegen (ehemalige
Gebäudegrundfläche ca. 5 x 5 m) und alle allfälligen Blecheindeckungen,
temporären Bauten aus Holz etc. um und hinter dem Gebäude zu
entfernen. Die auf den Eingabeplänen vom 16. September 2019
angegebene Gebäudegrundfläche "grau Bestand" sei nicht bewilligt und
daher ersatzlos zu entfernen (Dispositivziffer III.3). Die Gebühren im
Betrag von CHF 782.30 gingen zulasten der Bauherrschaft
(Dispositivziffer III.4) und es wurden keine ausseramtlichen
Entschädigungen zugesprochen (Dispositivziffer III.5).
11. Gleichentags entschied der Gemeindevorstand mit separatem Entscheid,
die von C._ geforderten baurechtlichen Massnahmen würden
teilweise wie folgt genehmigt (Dispositivziffer III.1): Die A._ AG wird verpflichtet, auf eine (auch temporäre) Nutzung der Freihaltezone (Wiese) zu verzichten. Die westliche kleine Erschliessungsfläche seitlich des Holzschopfes, ist sauber zur Wiese hin abzugrenzen und darf maximal eine Breite von 3.5 Meter haben (Kante Mauer gemäss Plan vom 19.03.2012). (Dispositivziffer III.2).
Die befestigten Erschliessungsflächen (Zufahrt zur Liegenschaft sowie Verkehrsflächen vor dem Holzschopf) dürfen für den Warenumschlag und das Abstellen von Fahrzeugen genutzt werden. (Dispositivziffer III.3).
Die Holzlagerung von Brennholz ist ortsüblich und findet teilweise im Siedlungsgebiet sogar vor geschützten Bauten statt. Somit widerspricht die Holzlagerung in der Freihaltezone (Brennholz überdeckt mit Wellblech entlang der Mauer der Parzelle 485) nicht der geübten Praxis in der Gemeinde X._. (Dispositivziffer III.4).
Die Kosten von CHF 280.-- gingen zu Lasten der A._ AG als
Bauherrschaft (Dispositivziffer III.5) und es wurden wiederum keine
ausseramtlichen Entschädigungen zugesprochen (Dispositivziffer III.6).
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12. Am 7. Februar 2020 erhob die A._ AG (nachfolgend
Beschwerdeführerin) dagegen Beschwerde beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden und beantragte mit Ziffer 1 ihrer Anträge die
Aufhebung des Einsprache- und Genehmigungsentscheids vom
16. Dezember 2019 betreffend das Baugesuch auf der Parzelle 293. Das
Baugesuch (vom 16. September 2019) sei in Abweisung der Einsprache
(vom 14. Oktober 2019) zu bewilligen, soweit darauf einzutreten sei.
Eventualiter sei die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen und in
Aufhebung des Entscheides zur Neubeurteilung an die Gemeinde
X._ zurückzuweisen. Mit Ziffer 2 ihrer Anträge beantragte die
Beschwerdeführerin Dispositivziffer III.2, Dispositivziffer III.1 – soweit sie
sich auf Dispositivziffer III.2 beziehe – und Dispositivziffer III.5 – soweit sie
zur Kostentragung verpflichtet worden sei – des Entscheides des
Gemeindevorstandes X._ vom 16. Dezember 2019 i.S. Freihaltezone
und weitere Rechtswidrigkeiten aufheben. Dies unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Gemeinde X._. Zur Begründung
im Hinblick auf das abschlägige Baugesuch führte sie im Wesentlichen an,
dass C._ nicht zur Einsprache legitimiert sei. Die Nichterteilung
der Baubewilligung erweise sich als rechtswidrig. Denn das strittige
Bauvorhaben liege ausserhalb der Freihaltezone und widerspräche dieser
ohnehin nicht. Ausserdem würde für die vorgenommene Erneuerung auch
die Besitzstandgarantie greifen. Ausserdem wurde noch die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt,
weil auf einen unbeachtlichen Baueingabeplan eines nie beurteilten
Baugesuchs aus dem Jahre 2012 abgestellt wurde. Betreffend den
Entscheid des Gemeindevorstandes X._ vom 16. Dezember 2019
i.S. Freihaltezone und weitere Rechtswidrigkeiten wurde zusätzlich noch
vorgebracht, dass der angefochtene Entscheid ihr gesetzeswidrig die
Nutzung der Wiese in der Freihaltezone "einschränkungslos" verbiete,
obwohl es mit Blick auf den Zweck der Freihaltezone durchaus
baubewilligungsfreie Nutzungen und Bauten gäbe, welche dem Zweck
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nicht widersprächen. Schliesslich gehe es nicht an, ihr die Kosten dieses
Entscheides vollständig aufzuerlegen, habe sie diese Verfahren doch nicht
instanziiert, sondern ein Nachbar. Als Beweisvorkehrungen wurden
insbesondere auch die Durchführung eines Augenscheins sowie die
Einvernahmen von Zeugen beantragt.
13. Mit Vernehmlassung vom 23. März 2020 beantragte die Gemeinde
X._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) die kostenpflichtige
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie insbesondere aus,
dass C._ zur Einsprache legitimiert gewesen sei. Das strittige
Baugesuch erweise sich unter verschiedenen Gesichtspunkten als nicht
bewilligungsfähig. So sei etwa der notwendige Grenzabstand gegenüber
der südlich angrenzenden Parzelle 374 – Mangels einer entsprechender
Näherbaurechtsvereinbarung – nicht eingehalten. Dem in der Dorfzone
geltende Einfügungsgebot nach Art. 24 Abs. 2 BG sowie den in der
Ortsbildschutzzone geltenden Vorgaben nach Art. 32 Abs. 1 BG zur
besonders sorgfältigen Gestaltung sei die Beschwerdeführerin mit ihrem
Bauvorhaben ebenfalls nicht nachgekommen. Der Neubau tangiere
zudem die Freihaltezone, was der Erteilung einer Baubewilligung
entgegenstehe. Die von der Beschwerdeführerin beanspruchte
Besitzstandsgarantie greife hier nicht, wobei gemäss – dem im Vergleich
zum kantonalen Recht strengeren – Art. 16 Abs. 2 BG bei Erweiterungen
und wesentlichen Umbauten die geltenden Vorschriften einzuhalten seien.
Die Gemeinde X._ sehe in ihrem Baugesetz auch keinen
Wiederaufbau nach Abbruch im Sinne eines Hofstattrechts vor. Damit sei
der Einsprache- und Genehmigungsentscheid vom 16. Dezember 2019
betreffend das Baugesuch auf Parzelle 293 zu Recht ergangen. Soweit
die Beschwerdeführerin die Aufhebung des ersten Satzes der
Dispositivziffer III.2 des Entscheides des Gemeindevorstandes X._
vom 16. Dezember 2019 i.S. Freihaltezone und weitere
Rechtswidrigkeiten verlange, wonach ihr in der Freihaltezone
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einschränkungslos jede Nutzung untersagt worden sei, sei sich die
Beschwerdegegnerin bewusst, dass gewisse bauliche Massnahmen in der
Freihaltezone zulässig seien. Dies sei im Entscheid denn auch erwähnt
worden. Die kritisierte Dispositivziffer III.2 sei denn auch (wie stets) im
Sinne der Erwägungen auszulegen und im Gesamtkontext zu verstehen.
Es werde der Beschwerdeführerin keine Nutzung verboten, welche nach
dem geltenden Recht insbesondere gemäss Art. 33 BG erlaubt sei. Dieser
erste Satz von Dispositivziffer III.2 beziehe sich vielmehr auf den
Umstand, dass in der Freihaltezone, ausserhalb von befestigten
Erschliessungsfläche, also auf der Wiese, keine Motorfahrzeug und
Anhänger abgestellt werden dürften und auch keine grösseren, die
Dorfansicht störenden Materiallager errichtet werden dürften. Schliesslich
seien der Beschwerdeführerin mit der Auferlegung von CHF 280.-- die
Verfahrenskosten – unter entsprechender Berücksichtigung des
Verfahrensausganges – nur teilweise überbunden worden. Die effektiv
angefallenen Kosten überstiegen den auferlegten Betrag bei Weitem.
14. C._ (nachfolgend Beschwerdegegner) liess sich am 23. März
2020 zur Beschwerde vernehmen. Er beantragte die Abweisung der
Beschwerde. Eventualiter sei die Angelegenheit im Sinne der
verwaltungsgerichtlichen Erwägungen in Aufhebung der Entscheide zur
Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dies unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdeführerin und
allenfalls der Beschwerdegegnerin. Der Beschwerdegegner argumentierte
in weiten Teilen ähnlich wie die Beschwerdegegnerin, indem er sich
namentlich auf den Standpunkt stellt, dass er zur Einsprache legitimiert
gewesen sei. Ausserdem könne sich die Beschwerdeführerin nicht auf
einen Besitzstand berufen. Das Bauvorhaben sei mit Art. 32 BG nicht
vereinbar und verschandle das geschützte Ortsbild von X._.
15. Die Beschwerdeführerin replizierte am 23. April 2020, wobei sie
unverändert an ihren Rechtsbegehren festhielt. Die Beschwerdegegnerin
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duplizierte am 30. April 2020 ebenfalls mit unveränderten Rechtsbegehren
und der Beschwerdegegner am 4. Mai 2020. Zu den Dupliken liess sich
die Beschwerdeführerin wiederum am 11. Mai 2020 vernehmen.
16. Am 5. Mai 2021 ersuchte das Gericht die Gemeinde X._, von ihrer
Bauberatung zuhanden des Verwaltungsgerichts eine Stellungnahme zum
vorliegend angefochtenen Einsprache- und Genehmigungsentscheid vom
16. Dezember 2019 betreffend das Baugesuch auf der Parzelle 293, zum
gleichentags ergangenen separaten Entscheid betreffend Freihaltezone
und weitere Rechtswidrigkeiten sowie zum ausgeführten Bauprojekt
einzuholen.
17. Am 27. Mai 2021 erstattete die Bauberaterin K._ ihre
Stellungahme, welcher dem Verwaltungsgericht am 9. Juni 2021 durch die
Beschwerdegegnerin übermittelt wurde. Diesem lagen zwei von ihr der
Gemeinde erstattete Bauberatungsstellungnahmen bei. Eine vom
12. August 2010 betreffend Unterstände/Remisen und eine vom
26. Januar 2013 betreffend Unterstände/Remisen/Lagermaterial. Letztere
unter Mitwirkung der kantonalen Denkmalpflege. Ausserdem lagen dem
Bericht Fotografien zum Vorzustandes 2010/2013 auf der Parzelle 293
sowie der aktuell strittigen Baute bei. Die Bauberaterin bestätigte die
früheren Stellungnahmen und beurteilte die gegenständlich Baute in ihrer
Form und Einfügung in die bestehende Situation als eindeutig
ungenügend. Während der Beschwerdegegner am 24. Juli 2021 auf eine
Stellungnahme verzichtete, äusserte sich die Beschwerdeführerin am
23. August 2021 ausführlich dazu. Sie erachtete den Bauberatungsbericht
als nicht objektiv und stellte die Neutralität der Bauberaterin in Frage.
Ausserdem widersprach sie auch der ortsbildlichen Einschätzung der
Bauberaterin. Daneben wies die Beschwerdeführerin betreffend die
Beeinträchtigung der Ortsbildansicht auch noch auf ein auf der
Parzelle 376 geplantes, viel grösseres Bauvorhaben hin. Schliesslich
bekräftigte sie ihren Antrag auf Durchführung eines Augenscheins.
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18. Am 3. November 2021 fand auf der Parzelle 293 in Anwesenheit der
Parteien ein Augenschein durch das Gericht statt. Davon wurde ein
Augenscheinprotokoll inkl. 18 Fotos und der Akteneinlagen seitens der
Parteien angefertigt. Am 19. November 2021 reichte die
Beschwerdegegnerin noch den anlässlich des Augenscheins in Aussicht
gestellte Plan des Nachführungsgeometers betreffend die genaue Lage
der strittigen Baute in Bezug auf die Freihaltezone sowie den bei der
zuständigen (Geo-)Datenverwaltungsstelle für die digitale
Nutzungsplanung einholte "Zonenplan und Genereller Gestaltungsplan
1:2000" mit vergrössertem Ausschnitt des fraglichen Bereichs der
Parzelle 293 ein. Am 22. November 2021 nahm die Beschwerdeführerin
insbesondere noch zu den anlässlich des Augenscheins seitens des
Beschwerdegegners zu den Akten gegebenen Fotografien Stellung.
Schliesslich äusserte sich die Beschwerdeführerin am 6. Dezember 2021
auch noch zur ergänzten Honorarnote des Beschwerdegegners.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften, die
angefochtenen Entscheide sowie auf die weiteren Akten, wird, sofern
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Vorliegend sind zwei Entscheide des Gemeindevorstandes der
Beschwerdegegnerin angefochten. Im einen Entscheid hat die
Beschwerdegegnerin die vom Beschwerdegegner am 14. Oktober 2019
erhobene Einsprache gegen das Baugesuch der Beschwerdeführerin (mit
Antrag auf Abweisung des Baugesuches und Verweigerung der
Baubewilligung) gutgeheissen und die Beschwerdeführerin dazu
verpflichtet, die strittige, ohne Baubewilligung erstellte Baute gemäss
Eingabeplan (1:500) vom 16. September 2019 (Datum Eingang
Baugesuch; Plan selber datierend auf den 26. August 2019; siehe Akten
der Beschwerdegegnerin [Bg1-act.] 6 S. 3) "rot" neu innert sechs Monaten
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abzubrechen. Darüber hinaus wurde die Beschwerdeführerin verpflichtet,
die Baute auf der Parzelle mit der Gebäudeversicherungsnummer (GVG-
Nr.) Z.1._ gemäss Plangrundlage vom 19. März 2012
(Eingangsdatum; Situationsplan des Architekten L._ selber
datierend auf den 15. Dezember 2011 [rev. Dat.] bzw. 14. Mai 2007; siehe
Bg1-act. 15) "gelb" auf die ehemalige Gebäudegrundfläche von ca. 5 x 5 m
freizulegen. Alle allfälligen Bleicheindeckungen, temporäre Bauten aus
Holz etc. um und hinter dem Gebäude seien zu entfernen. Ferner wurde
festgestellt, dass die auf den Eingabeplänen vom 16. September 2019
(siehe Bg1-act. 6 S. 3) angegebene Gebäudegrundfläche "grau Bestand"
nicht bewilligt und ersatzlos zu entfernen sei. Weiter wurde die
Beschwerdeführerin in einem separaten Entscheid namentlich dazu
verpflichtet, (auch) auf eine (temporäre) Nutzung der Freihaltezone
(Wiese) zu verzichten und die westliche kleine Erschliessungsfläche
neben der Baute mit der GVG-Nr. Z.1._ sei sauber zur Wiese hin mit
einer maximalen Breite von 3.5 m ab der Kante der Mauer gemäss Plan
vom 19. März 2012 abzugrenzen. Dabei handelt es sich um kommunale
Entscheide im Sinne von Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100), welche nicht bei einer
anderen Instanz angefochten werden können oder nach kantonalem oder
eidgenössischem Recht endgültig sind. Die Beschwerdeführerin ist als
direkte Verfügungsadressatin und Grundeigentümerin der Parzelle 293
von diesen Entscheiden berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse (vgl.
Art. 50 Abs. 1 VRG) an der Aufhebung der angefochtenen Entscheide,
womit sie zur Beschwerdeerhebung legitimiert ist. Die übrigen
Prozessvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass, weshalb
auf die Beschwerde vom 7. Februar 2020 einzutreten ist.
2. Gemäss Art. 89 Abs. 1 KRG werden Bauvorhaben bewilligt, wenn alle
Vorschriften des kommunalen, kantonalen und eidgenössischen Rechts
eingehalten sind. Insofern macht die Beschwerdegegnerin betreffend die
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bestrittene Legitimation zur Einsprache des Beschwerdegegners implizit
zu Recht geltend, dass sie ohnehin von Amtes wegen zur Prüfung der
Bewilligungsfähigkeit der strittigen Baute verpflichtet gewesen sei. Soweit
die Beschwerdeführerin einen praktischen Nutzen für den
Beschwerdegegner im Fall dessen Obsiegens in Abrede stellt, ist zu
berücksichtigen, dass bei Letzterem als unmittelbarem Anstösser an den
westlichen Bereich der Parzelle 293 bzw. auch der Zufahrt zur strittigen
Baute sowie der Freihaltezone die notwendige Beziehungsnähe zur
Streitsache in räumlicher Hinsicht eindeutig als gegeben zu betrachten ist.
Auch zur strittigen Baute bzw. der Freihaltezone auf der Parzelle besteht
zur Parzelle 290 des Beschwerdegegners hin nur ein maximaler Abstand
von ca. 25 m. Ein schutzwürdiges Interesse ist dann zu bejahen, wenn die
tatsächliche oder rechtliche Situation des Beschwerdeführers durch den
Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden kann. Die Überprüfung eines
Bauvorhabens kann im Lichte all jener Rechtssätze verlangen werden, die
sich rechtlich oder tatsächlich in dem Sinne auf seine Stellung auswirken,
dass ihm im Falle des Obsiegens ein praktischer Nutzen entsteht. Ein
solcher kann darin bestehen, dass die geplante Baute im den Nachbarn
belastenden Bereich nicht oder anders realisiert wird als geplant. Die
Legitimationsvoraussetzungen sind in einer Gesamtwürdigung anhand
des konkreten Falles zu prüfen. Nachbarn sind namentlich zur
Beschwerdeführung gegen Bauvorhaben legitimiert, wenn sie mit
zumindest grosser Wahrscheinlichkeit durch Immissionen wie etwa durch
den Bau oder Betrieb der Anlage hervorgerufenem Lärm oder anderen
Einwirkungen betroffen sind (vgl. zum Ganzen Art. 33 Abs. 3 lit. a des
Bundesgesetzes über die Raumplanung [RPG; SR 700], Art. 89 Abs. 1
lit. b und c des Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG;
SR 173.110] und Art. 111 Abs. 1 und 3 BGG; BGE 141 II 50 E.2.1 f., 139
II 499 E.2.2, 137 II 30 E.2.2.2, 136 II 281 E.2.3.1 f. und 133 II 409 E.1.3;
Urteile des Bundesgerichts 1C_392/2020, 1C_393/2020 vom 20. Mai
2021 E.4.2, 1C_416/2019 vom 2. Februar 2021 E.1.2.2, nicht publ. in
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BGE 147 II 351, 1C_69/2019 vom 20. August 2020 E.2.6, 1C_378/2019
vom 17. Juni 2020 E.1.2, 1C_547/2019 vom 16. April 2020 E.3.1 f.,
1C_475/2019 vom 29. Januar 2020 E.3.3.2, 1C_540/2015 vom E.2.1 ff.
und 1C_236/2010 vom 16. Juni 2010 E.1.2 ff.). Die Verweigerung der
Baubewilligung für die strittige Baute hauptsächlich zur Lagerung von
Holz(-platten) sowie die Anordnung gegenüber der Beschwerdeführerin,
die Freihaltezone namentlich von abgestellten Fahrzeugen freizuhalten,
hat vorliegend mit grosser Wahrscheinlichkeit auch Auswirkungen auf das
vom Beschwerdegegner monierte Verkehrsaufkommen im westlichen
Bereich der Parzelle 293 und somit auch auf entsprechende
Lärmimmissionen, worin neben der direkten Angrenzung der Parzelle 290
an die streitgegenständlichen Bereiche der Parzelle 293 ein praktischer
Nutzung im Obsiegensfall des Beschwerdegegners gesehen werden
kann. Für die Beurteilung der Beschwerde- bzw. Einsprachelegitimation
ist dabei auch nicht entscheidend, dass der Beschwerdegegner
insbesondere Rügen betreffend die Beeinträchtigung des Ortsbildes
vorbringt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1C_416/2019 vom 2. Februar
2021 E.1.2.3, nicht publ. in: BGE 147 II 351). Die Beschwerdegegnerin ist
somit zu Recht auf die Einsprache des Beschwerdegegners eingetreten
und hat diese materiell beurteilt und die entsprechende Rüge der
Beschwerdeführerin erweist sich als unbegründet.
3. Vorliegend ist das strittige Bauvorhaben im Wesentlichen nach dem
aktuell gültigen, am 19. März 2019 von der Regierung genehmigten BG zu
beurteilen (vgl. Art. 89 Abs. 2 KRG sowie auch Urteile des Bundesgerichts
1C_519/2020 vom 28. Oktober 2021 E.5.2 und 1C_22/2019,
1C_476/2019 vom 6. April 2020 E.8.1 f., nicht publ. in BGE 146 II 304).
Nach Art. 22 Abs. 1 RPG und Art. 86 Abs. 1 KRG dürfen Bauten und
Anlagen grundsätzlich nur mit Bewilligung der zuständigen Behörden
errichtet, geändert, abgebrochen oder in ihrem Zweck geändert werden.
Gestützt auf Art. 86 Abs. 2 KRG zählt Art. 40 Abs. 1 der
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Raumplanungsverordnung für den Kanton Graubünden (KRVO; BR
801.110) verschiedene Bauvorhaben auf, welche – bei Einhaltung der
Vorschriften des materiellen Rechts (vgl. auch Art. 40 Abs. 3 KRVO) und
unter Vorbehalt von Art. 40 Abs. 2 KRVO – von der
(Bau‐)Bewilligungspflicht von Art. 86 Abs. 1 KRG ausgenommen sind. Die
Gemeinden können solche Vorhaben aber dem vereinfachten
Baubewilligungsverfahren bzw. dem vormaligen Meldeverfahren
unterstellen (siehe Art. 86 Abs. 3 KRG, Art. 50 f. KRVO und Art. 51 BG;
vgl. zum Ganzen Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden [VGU] R 20 96 vom 11. Januar 2022 E.2.6.1, R 20 80 vom
21. Dezember 2021 E.4 und R 19 52 vom 13. Oktober 2021 E.3.3). Die
strittige Baute überschreitet offensichtlich das maximal zulässige Volumen
von 5 m3 gemäss Art. 40 Abs. 1 Ziffer 5 KRVO (siehe Bg1-act. 6). Ebenso
wenig handelt es sich um (einfache) Reparatur- und Unterhaltsarbeiten an
einer bestimmungsgemäss nutzbaren Baute oder Anlage, welche dadurch
keine Änderung oder Zweckänderung erfährt (vgl. Art. 40 Abs. 1 Ziffer 1
KRVO). Gemäss Art. 94 Abs. 1 KRG sind materiell vorschriftswidrige
Zustände auf Anordnung der zuständigen Behörde – unabhängig von der
Durchführung eines Bussverfahrens nach Art. 95 KRG – grundsätzlich zu
beseitigen. Dafür zuständig ist gemäss Art. 94 Abs. 2 KRG in erster Linie
die kommunale Baubehörde und somit gestützt auf Art. 85 Abs. 2 KRG
und Art. 8 Abs. 1 BG der Gemeindevorstand. Für den Erlass einer auf die
Beseitigung einer (baulichen) Massnahme bzw. Einrichtung gerichteten
Wiederherstellungsverfügung ist das Feststehen eines materiell
vorschriftswidrigen Zustandes prinzipiell vorausgesetzt, was in der Regel
im Rahmen eines nachträglichen Baubewilligungsverfahren zu prüfen ist.
Von einem separaten Sachentscheid über die nachträgliche
Bewilligungsverweigerung kann aus prozessökonomischen Gründen
jedoch dann abgesehen werden, wenn die Sach- und Rechtslage klar und
die Verletzung von materiellen Vorschriften offensichtlich ist und von
vorneherein feststeht, dass eine nachträgliche Baubewilligung nicht erteilt
- 16 -
werden kann (siehe zum Ganzen BGE 123 II 248 E. 3a/bb; Urteile des
Bundesgerichts 1C_709/2020 vom 24. August 2021 E.4.1, 1C_10/2019
vom 15. April 2020 E.5.4, 1C_262/2018 vom 3. Dezember 2018 E.4.1,
1A.17/2004 vom 19. Mai 2004 E.2.2.5 und 1P.672/2000 vom 22. Februar
2001 E.3a; PVG 2007 Nr. 30 E.3a; VGU R 20 96 vom 11. Januar 2022
E.3.4.1, R 19 82 vom 1. Dezember 2021 E.3.1 und R 19 24 vom 12. Mai
2020 E.2.2; siehe auch Amt für Raumentwicklung Graubünden, Umgang
mit Missbräuchen im Bauwesen, Dezember 2021, S. 3 ff.). Gegenstand
des Baugesuches vom 16. September 2019 ist eine Lagerbaute
vornehmlich für Holzplatten (nachfolgend Holzplattenlager; siehe Bg1-
act. 6 und Fotos 11 ff des Protokolls zum Augenschein vom 3. November
2021). Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin in ihrem Einsprache- und
Genehmigungsentscheid vom 16. Dezember 2019 eine solche
Kombination von Abweisung eines nachträglichen Baugesuchs und einer
Wiederherstellungsanordnung im Sinne von Art. 94 KRG vorgenommen.
Denn sie hiess die auf Abweisung des Baugesuches bzw. Verweigerung
der Baubewilligung lautende Einsprache des Beschwerdegegners vom
14. Oktober 2019 (Bg1-act. 8) gut und verfügte direkt auch den Abbruch
der strittigen, Gegenstand des Baugesuchs vom 16. September 2019
bildenden Baute sowie die Freilegung der Baute mit der GVG-
Nr. Z.1._ verfügte (siehe Dispositivziffer III.1, III.2 und III.3 des
genannten Entscheides in Bg1-act. 14 und Akten der Beschwerdeführerin
[Bf-act.] 4). Angesichts der nachfolgend dargelegten, hinreichend klaren
Sach- und Rechtslage ist diese Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin
nicht zu beanstanden.
4.1.1. Die Baute mit der GVG-Nr. Z.1._ (nachfolgend Schopf) auf der
Parzelle 293 befindet sich in der Freihaltezone gemäss Art. 33 BG (siehe
Plan des Nachführungsgeometers vom 11. November 2021 sowie den
"Zonenplan und Genereller Gestaltungsplan 1:2000" mit vergrössertem
Ausschnitt des fraglichen Bereichs der Parzelle 293 gemäss Eingabe der
- 17 -
Beschwerdegegnerin vom 19. November 2021). Es ist aber unbestritten,
dass dieser in den Ausmassen gemäss Plangrundlage vom 19. März 2012
(ca. 5 x 5 m; siehe Bg1-act. 15) als vorbestehend zu betrachten ist. Dem
Baugesuch der Beschwerdeführerin vom 16. September 2019 ist zu
entnehmen, dass ein "marodes und einsturzgefährdetes Lager"
demontiert und entsorgt wurde. Das (bereits erstellte) Holzplattenlager in
Holzbauweise soll als Ersatz an das bestehende "Schöpfli" (gemeint
Schopf mit der GVG-Nr. Z.1._,) zu dessen Stützung (auf der Ostseite)
angefügt werden. Zudem soll ein bestehendes Plattenlager mit Wand- und
Dacheindeckung demontiert und entsorgt worden sein. Im auf den
26. August 2019 datierten Situationsplan 1:500 vom 26. August 2019 wird
neben dem neuen Grundriss des neuen Holzplattenlagers mit einer Breite
von 2.4 bis 2.5 m und einer Länge von 6.5 m östlich des Schopfs (nur)
teilweise überlappend ein Grundriss mit der Markierung "abbruch"
ausgewiesen. Ausserdem wurde eine solche Markierung "abbruch" auch
noch nordöstlich des Schopfs bei der Mauer zur Parzelle 485 hin (vgl.
Foto 10 im Protokoll zum Augenschein vom 3. November 2021 und Bg1-
act. 1 S. 2 f.) in den Plan eingezeichnet. Der Bereich südlich des Schopfs
bis zur Mauer hin wird als "bestehend" ausgewiesen. Unzutreffend ist die
Behauptung der Beschwerdeführerin, dass das Holzplattenlager sich
vollständig ausserhalb der Freihaltezone gemäss Art. 33 BG befindet.
Dies ergibt sich mit hinreichender Klarheit aus dem Plan des
Nachführungsgeometers vom 11. November 2021 und dem Zonenplan
und Genereller Gestaltungsplan 1:2000 mit vergrössertem Ausschnitt des
fraglichen Bereichs der Parzelle 293 gemäss Eingabe der
Beschwerdegegnerin vom 19. November 2021, wobei Letzterer von der
Beschwerdegegnerin bei der zuständigen Datenverwaltungsstelle für die
digitale Nutzungsplanung eingeholt wurde. Die südwestliche Ecke des
Holzplattenlagers tangiert die Freihaltezone geringfügig, weil die Grenze
der Freihaltezone parallel zur Ostfassade des Schopfs verläuft, die
Westfassade des Holzplattenlagers mit rechteckigem Grundriss hingegen
- 18 -
ist etwas nach Südwesten hin abgedreht, um parallel zur südlich
gelegenen Mauer zu verlaufen. Es bestehen keinerlei Anhaltspunkte, dass
der rechtsverbindliche Verlauf der Freihaltzone (vgl. dazu Art. 8 Abs. 2
KRG) nicht dem von der zuständigen Datenverwaltungsstelle gelieferten
Zonenplan und den Markierungen im Plan des Nachführungsgeometers
vom 11. November 2021 entspricht.
4.1.2. Gemäss Art. 33 BG umfasst die Freihaltezone Gebiete, welche
insbesondere zum Schutz des Orts- und Landschaftsbildes oder zur
Gliederung von Siedlungsgebieten und zur Erhaltung von Erholungs- und
Freiflächen mit einem dauernden Bauverbot belegt sind (Abs. 1).
Änderungen in der Benützung und Bewirtschaftung der Grundstücke
sowie Terrainveränderungen dürfen dem Freihaltezweck nicht
widersprechen (Abs. 2). Sofern die Freihaltezone eine Bauzone
überlagert, darf diese grundsätzlich nicht oberirdisch überbaut werden.
Einzelne, eingeschossige Kleinbauten in Holzbauweise und mit einer
Grundfläche von maximal 10 m2 wie Gartenhäuser sind aber trotzdem
zulässig, wobei der Erstellung und Gestaltung solcher Bauten eine
besondere Beachtung zu schenken ist. (Abs. 3). Das strittige
Holzplattenlager überschreitet die maximal zulässige Grundfläche in der
Freihaltezone, welche die Dorfzone gemäss Art. 24 BG überlagert, mit
minimal ca. 15 m2 bereits deutlich. Wie vorstehend dargelegt, liegt das
Holzplattenlager nicht vollständig ausserhalb der Freihaltezone, sondern
ragt im Zwischenraum zwischen Schopf und Mauer geringfügig in die
Freihaltezone hinein.
4.1.3. Ausserdem hält das Holzplattenlager auch den erforderlichen
Grenzabstand zur (in der Landwirtschaftszone gemäss Art. 30 BG und
Art. 32 KRG) gelegenen Parzelle 374 nicht ein und eine
Näherbaurechtsvereinbarung fehlt ebenfalls. Denn nach Art. 22 Abs. 3 BG
i.V.m. Art. 75 Abs. 1 KRG beträgt der Grenzabstand für Kleinbauten und
Anbauten im Sinne von Art. 17 Abs. 3 Ziffer 1 (u.a. maximal anrechenbare
- 19 -
Gebäudegrundfläche von 30 m2) 2.5 m. Zudem dürften eine allfällige
Näherbaurechtsvereinbarung keine überwiegenden öffentlichen
Interessen entgegenstehen und die Reduktion des Zonengrenzabstandes
dürfte zu keinen unzulässigen Auswirkungen auf das im Nichtbaugebiet
gelegen Nachbargrundstück zeitigen (siehe Art. 77 Abs. 1 KRG und
BGE 145 I 156 E.3 ff.).
4.1.4. Hinzu kommt, dass die in der Dorfzone gelegenen Bauvorhaben der
Beurteilung durch die Bauberatung oder der kantonalen Denkmalpflege
unterliegen. Neubauten und Umbauten haben sich in Bezug auf
Proportionen, Dachform, Material, Farbe und Gestaltung der Fassade in
die bestehende Siedlung einzufügen (siehe Art. 24 Abs. 2 BG). Auch wenn
nicht das ganze Holzplattenlager von der Freihaltezone umfasst wird, ist
die Parzelle 293 im fraglichen Bereich von der Ortsbildschutzzone gemäss
Art. 32 BG überlagert. In der Ortsbildschutzzone sind Neubauten,
Umbauten und Renovationen mit besondere Sorgfalt zu gestalten
(Abs. 1). Bauvorhaben sind der Gemeinde vor Ausarbeitung der
Projektpläne bekannt zu geben. Die Baubehörde entscheidet nach
Einholung einer Stellungnahme der kantonalen Denkmalpflege bzw. der
Bauberatung auch über allfällige Auflagen (Abs. 2). Aus den vorliegen
Akten ergibt sich, dass die kommunale Bauberaterin K._ auf
Ersuchen der Baubehörde bereits am 12. August 2010 zur Situation mit
verschiedenen Unterständen auf der Parzelle 293 Stellung genommen hat
(siehe Akten des Beschwerdegegners [Bg2-act.] 2 S. 3 und Beilage zur
Stellungnahme der kommunalen Bauberaterin vom 27. Mai 2021). Eine
weitere Beurteilung der kommunalen Bauberaterin – unter Mitwirkung der
kantonalen Denkmalpflege – datiert auf den 26. Januar 2013. Darin
wurden hervorgehoben, dass die räumlichen und architekturhistorischen
Qualitäten von X._ im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der
Schweiz (ISOS) als hoch eingestuft seien. Westlich der Schreinerei bzw.
im südwestlichen Bereich der Parzelle 293 befände sich ein der
- 20 -
geschützten Villa auf der Parzelle 485 vorgelagerter Parkgarten, welcher
Teil einer Freihaltezone sei. Der Parkgarten sei als wichtiges Element im
ISOS erwähnt. Betreffend die westliche Seite der Schreinerei wurde in
gestalterischer Hinsicht empfohlen, dass infolge der fast vollständigen
Überlagerung dieser Fläche durch die Freihaltezone – mit Ausnahme des
im Katasterplan eingetragenen Pavillon (gemeint ist der Schopf [GVG-
Nr. Z.1._]) – alles (Remisen, Holzstapel, Brennholzlager, anderes
Lagermaterial usw.) zu räumen sei. Nur so könne diesem Raum gerecht
werden. Zudem sollten – mit Ausnahme der Zufahrtsstrasse – die Flächen
wieder begrünt werden und alle Parkplatzflächen aufgehoben werden.
Dieser Stellungnahme lagen auch ein Orthofoto bzw. eine Luftaufnahme
bei. Im Rahmen der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung vom
19. Dezember 2013 (Bg2-act. 4) verpflichtete sich die
Beschwerdeführerin, das in der Freihaltezone westlich der Schreinerei
gelegene Areal vollständig von allen Holzstapeln und anderem
Lagermaterial zu räumen. Ausgenommen war lediglich das temporäre
Stapeln von Brennholz entlang der Mauer bei der Parzelle 485 in
ortsüblicher Weise. Im vorliegenden Verfahren wurde noch eine
aktualisierte Beurteilung der kommunalen Bauberaterin, datierend auf den
27. Mai 2021, eingeholt. Darin bestätigt die kommunale Bauberaterin,
dass die – zusammen mit der kantonalen Denkmalpflege – abgegebene
Empfehlungen in der Stellungnahme vom 26. Januar 2013 weiterhin gültig
sei. Ausserdem beurteilt sie das strittige Holzplattenlager hinsichtlich
seiner Form und Eingliederung in die bestehende Situation. Diese seien
eindeutig ungenügend und vor der Erstellung sei auch kein Kontakt zur
Bauberatung aufgenommen worden. Das Holzplattenlager ähnle keinem
Provisorium, sondern komme wie ein Neubau daher, welches für den
Schreinereibetrieb sicherlich praktisch sei. Es sei aber ohne Konzept und
sichtbare Gestaltungsabsicht in die bestehende Situation gesetzt worden.
Der (Holz-)Neubau mit leicht geneigtem Pultdach lehne sich teilweise an
die bestehende Remise (gemeint der Schopf mit der GVG-Nr. Z.1._)
- 21 -
mit Giebeldach an, wobei eine unschöne provisorische Verbindung der
beiden Dächer vorhanden sei. Als Begründung für die Anlehnung werde
eine Stützfunktion für die bestehende, in die Jahre gekommene Remise
angeführt. Trotzdem erscheine der Neubau nicht wie ein Anbau, sondern
wie eine eigenständige Baute, welche die Remise konkurrenziere. Das
Vordach sei überproportional lang, die Fassaden mit atypisch braun-
oranger Farbe überstrichen. Für die statische Aussteifung des Gebäudes
hätte aus gestalterischer Sicht bessere Lösungen, als die seitlichen,
massiven Streben, gefunden werden müssen. Der Abstand zur
schützenswerten Mauer (im Süden) sei zu klein und die gegen Süden
gerichtete (Fenster-)Öffnung, welche in den Baueingabeplänen fehle, sei
nicht gut gelöst (siehe dazu auch Foto 16 im Protokoll zum Augenschein
vom 3. November 2021 und Foto vom 21. Mai 2021 der Südansicht des
Holzplattenlagers als Beilage zur Stellungnahme der kommunalen
Bauberaterin vom 27. Mai 2021). Auch hier sei wiederum wichtig, dass
nebst den Häusern, die für dieses wichtige Ortsbild typischen Mauern,
Gartenzäune und Grünflächen nicht konkurrenziert würden. Soweit
zusätzlich Neubauten überhaupt möglich seien, müssten sich diese
deutlich zurücknehmen und sich die Fassadengestaltung äusserst ruhig
darstellen. Sie empfehle – wie bereits in den Ausführungen vom
26. Januar 2013 – keine zusätzlichen Neubauten an diesem Ort zu
bewilligen, auch wenn sich der Standort nicht (vollständig) in der
Freihaltezone befinde. Die Situation sei bereits durch Anbauten (siehe
etwa Anbauten mit der Hausnummer 4b und 4c) am ehemaligen,
historischen Stall, der Remise (Schopf mit der GVG-Nr. Z.1._) und
der Gartenmauer zu überladen. Vielmehr werde empfohlen, die einfach,
aber zu den historischen Gärten sehr gut passende, bestehende
(Holz-)Remise (Schopf mit der GVG-Nr. Z.1._) fachgerecht zu
restaurieren und allenfalls mit einer zusätzlichen Tür optimal nutzbar zu
machen. Alle notwendigen, übrigen Räume für die Schreinerei seien
- 22 -
unbedingt anhand des geplanten und mehrmals diskutierten Neubaus auf
der Ostseite der Schreinerei zu lösen.
4.1.5. Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, dass auf eine
(erneute) Beurteilung der kommunalen Bauberatung oder der kantonalen
Denkmalpflege habe verzichtet werden dürfen, weil die strittige Baute den
Anforderungen von Art. 24 Abs. 2 BG und Art. 32 Abs. 1 BG eindeutig
nicht zu erfüllen vermögen. Die Ausführungen der hinsichtlich
Gestaltungs- und Eingliederungsfragen als fachkundig zu betrachtenden
kommunalen Bauberaterin, welche sich zudem betreffend die
Kernaussage (weitestgehende Freihaltung des Gebietes auf der
Westseite der Schreinerei auf der Parzelle 293) weiterhin auch mit der
Einschätzung der kantonalen Denkmalpflege vom Januar 2013 deckt, sind
für das streitberufene Gericht gut nachvollziehbar und überzeugend.
Ausserdem bestätigten sie im Ergebnis die (antizipierte) Beurteilung der
Beschwerdegegnerin. Davon konnte sich das Gericht auch anlässlich des
am 3. November 2021 durchgeführten Augenscheins selbst überzeugen.
Wenn die Beschwerdeführerin eine Konkurrenzierung der
schützenswerten Mauer und eine Überladung (des westlichen Bereichs
der Schreinerei aus dem Blickwinkel des Ortsbildschutzes) pauschal in
Abrede stellt, überzeugt dies hingegen nicht. Vielmehr ist mit der
kommunalen Bauberaterin, der Beschwerdegegnerin und dem
Beschwerdegegner davon auszugehen, dass das Holzplattenlager sowohl
in seiner Ausdehnung, Lage und Gestaltung den erhöhten siedlungs- und
baugestalterischen Anforderungen in der Dorfzone gemäss Art. 24 Abs. 2
BG und der Ortsbildschutzzone gemäss Art. 32 Abs. 1 BG sowie Art. 71
BG nicht zu genügen vermag. Soweit die Beschwerdeführerin eine
finanzielle Unterstützung seitens der Beschwerdegegnerin oder der
kommunalen Bauberaterin für den erwähnten Neubau auf der Ostseite
verlangt, tut diese vorliegend im Hinblick auf die Bewilligungsfähigkeit der
strittigen Baute nichts zur Sache. Das von der Beschwerdeführerin
- 23 -
erwähnte im Juli 2021 publizierte Bauvorhaben für eine landwirtschaftliche
Ökonomiebaute auf der in der Landwirtschaftszone bzw. teilweise der
Zone für landwirtschaftliche Hochbauten gemäss Art. 31 BG gelegenen
Parzelle 376 vermag an der vorstehenden Beurteilung ebenso wenig zu
ändern. Denn die Parzelle 376 wird weder von der Freihaltezone gemäss
Art. 33 BG, den Gestaltungsanforderungen für die Ortsbildschutzzone
nach Art. 32 Abs. 1 BG oder derjenigen der Dorfzone gemäss Art. 24
Abs. 2 BG erfasst. Schliesslich befindet sich das strittige Bauvorhaben der
Beschwerdeführerin gemäss der Aufnahme von 2019 für das Objekt
Nr. N._ des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder der
Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS; abrufbar unter:
https://gisos.bak.admin.ch/?obid=N._) in einem Bereich, wo nach
der ISOS-Aufnahme für den Ortsbildteil 5 "Talboden" für die "Zier- und
Nutzgarten" gemäss Ziffer 5.4 der Hinweis besteht, dass dieser für den
Ortsbildteil mitprägend sei. Gemäss Empfehlung in der ISOS-Aufnahme
ist für den Ortsbildteil 5 im Hinblick auf die Aussenansicht der Hauptgasse
(Ortbildteil 1) und die Kirche von besonderer Bedeutung, dass die zum
einem zusammenhängenden Grünraum verbundenen Gärten südlich der
Hauptgasse (gemeint Ziffer 5.4 "Zier und Nutzgärten") frei bleiben. Die
Gärten in den Ortsbildteilen 2 und 5 mit ihrer historischen Substanz und
charakterisierenden Elementen wie Mauern, Zäune und dem Baubestand
sind unbedingt zu erhalten. Die Parzelle 376, welche südlich der Bahnlinie
liegt, gehört hingegen nicht zum diesem Bereich der Zier- und Nutzgärten.
Insofern kann die Beschwerdeführerin auch daraus nicht zu ihren Gunsten
ableiten.
4.1.6. Soweit die Beschwerdeführerin die Objektivität bzw. Neutralität der
kommunalen Bauberaterin bezweifelt, kann ihr nicht gefolgt werden. Zwar
ist die Befangenheit einer konkreten Person, welche die (gesetzlich
vorgesehene) kommunale Bauberatungsfunktion wahrnimmt, im Einzelfall
durchaus möglich (siehe dazu PVG 2017 Nr. 31 E.6b f.). Die vorliegende
- 24 -
Situation unterscheidet sich aber deutlich von derjenigen, welche PVG
2017 Nr. 31 zugrunde lag. Vorliegend leitet die Beschwerdeführerin eine
fehlende Objektivität bzw. eine Befangenheit aus dem Umstand ab, dass
die Stellungnahme von der Beschwerdegegnerin eingeholt worden sei.
Die Lebenserfahrung lasse ausnahmslos den Schluss zu, dass die
kommunale Bauberaterin keinen Bericht erstelle, welcher nicht der Ansicht
ihrer Dienstherrin und Auftraggeberin entspreche. Eine allfällige
Befangenheit der kommunalen Bauberaterin ist Anhand einer objektiven
Betrachtungsweise nach Massgabe von Art. 29 Abs. 1 BV zu beurteilen
(siehe PVG 2017 Nr. 31 E.5b ff.; vgl. auch BGE 140 I 326 E.5.1 f.).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann eine unzulässige
Vorbefassung etwa dann verneint werden, wenn ein Sachverständiger,
welche nicht zugleich Entscheidungsträger ist, in einer gesetzlich
vorgesehenen Funktion sich bereits frühzeitig mit einem Projekt befasst
(siehe BGE 140 I 326 E.7.4 m.H.a. Urteil des Bundesgerichts 1A.11/2007
vom 16. Mai 2007 E.3.5). Dazu ist festzuhalten, dass der Beizug der
kommunalen Bauberatung für das vorliegend strittige Bauvorhaben
gesetzlich vorgeschrieben oder zumindest gesetzlich vorgesehen ist
(siehe Art. 11 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2, Art. 32 Abs. 2 und Art. 71 Abs. 2 BG;
vgl. auch Art. 73 Abs. 2 KRG). Es handelt sich insofern nicht um ein
informelles Verwaltungshandeln, wie es etwa in BGE 140 I 326 zu
beurteilen war. Der Umstand, dass die kommunale Bauberaterin (erneut)
die gesetzlich vorgesehene Aufgabe der Bau- bzw. Gestaltungsberatung
im Auftrag der Beschwerdegegnerin erfüllt hat, begründet entgegen der
beschwerdeführerischen, angeblich auf die Lebenserfahrung gestützten,
Behauptung keinen objektiven Anschein der Befangenheit (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1A.11/2017 vom 16. Mai 2007 E.3.5.2). Es fragt sich
hingegen ob andere, in der Person der kommunalen Bauberaterin
liegende Gründe vorliegen, welche den objektiven Anschein der
Befangenheit zu begründen vermöchten. Die Beschwerdeführerin scheint
dies darin zu sehen, dass die auch als Architektin tätige kommunale
- 25 -
Bauberaterin mit O._ verheiratet sei, welcher in dem im gleichen
Wirtschafsraum gelegenen P._ eine Zimmerei betreibe. Die
kommunale Bauberaterin sei nicht neutral, weil ihr Mann eine Zimmerei
betreibe, welche auch Remisen etc. erstelle. Sie fände es
dementsprechende nicht schön, wenn eine Schreinerei eine Remise nicht
in Auftrag gebe, sondern sie selbst erstelle. Dieser Vorwurf stützt sich auf
keine objektiv erkennbare Anhaltspunkte wie etwa entsprechende, in
diese Richtung zielende Äusserungen der kommunalen Bauberaterin.
Zudem ist zu erwähnen, dass die Beschwerdeführerin selber ausführt,
dass die genannte Zimmerei in einem anderen Tätigkeitsgebiet, nämlich
der Zimmereibranche, tätig ist, sie hingegen in der Schreinereibranche.
Ein direktes Konkurrenzverhältnis liegt somit jedenfalls nicht vor. Inwiefern
bei der fachlichen Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit ein eigenes
unmittelbares Interesse der kommunalen Bauberaterin, namentlich infolge
eine spezifischen Näheverhältnis zu einer am Verfahren beteiligten
Person bestehen soll, ist bei objektiver Betrachtungsweise nicht
ersichtlich. Ferner hat das Bundesgericht festgehalten, dass nicht jede
irgendwie geartete Beziehung zwischen Sacherverständigen und Parteien
bzw. der zu beurteilenden Frage den Verdacht einer Befangenheit
begründen könne (siehe PVG 2017 Nr. 31 E.6a m.H.a. BGE 125 II 541
E.4b). Hinzu kommt, dass es sich vorliegend um eine Art
Verlaufsbeurteilung betreffend die auch von der kantonalen
Denkmalpflege mitgetragene Beurteilung vom 26. Januar 2013 handelt.
Denn entscheidend für die Bewilligungsfähigkeit der strittigen Baute ist,
inwiefern auf die bereits früher abgegebenen Stellungnahmen der
Bauberaterin vom 12. August 2010 und 26. Januar 2013
zurückzukommen ist, wobei Letztere – wie bereits erwähnt – auch unter
Mitwirkung bzw. dem Einverständnis der kantonalen Denkmalpflege
erfolgte. Gegen die kantonale Denkmalpflege erhebt die
Beschwerdeführerin aber keine Befangenheitsvorwürfe und es sind auch
keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich. Das Einholen von
- 26 -
Verlauf-/Ergänzungsgutachten bei derselben Expertin sind unter dem
Aspekt der verfassungsrechtlichen Unbefangenheitsvorgaben durchaus
zulässig (siehe VGU R 19 73, R 19 74, R 19 75, R 19 76 E.8.5.3 m.H.a.
BGE 147 V 79 E.7.4.4 f., 137 V 210 E.3.3.1 und 132 V 93 E.7.2.2 sowie
Urteile des Bundesgerichts 1B_141/2017 vom 10. Oktober 2017 E.4.4,
2C_128/2014 vom 25. Juli 2014 E.4.3 und 4A_118/2013 vom 29. April
2013 E.2.1). Die massgebenden Verhältnisse haben sich zwischenzeitlich
auch nicht so veränderte, dass die Bestätigung ihrer früheren
Einschätzung im Kernpunkt sowie derjenigen der kantonalen
Denkmalpflege aus dem Jahre 2013 (weitestgehende Freihaltung des
Gebietes auf der Westseite der Schreinerei auf der Parzelle 293) in der
Stellungnahme vom 27. Mai 2021 aufgrund einer objektiven
Betrachtungsweise einen hinreichenden Anhaltspunkt für eine
Befangenheit der kommunalen Bauberaterin ergäbe. So hat sich etwa die
Zonenzuordnung gemäss Zonenplan im östlichen Bereich der Parzelle
293 nicht geändert. Schliesslich sind alle Stellungnahmen der
kommunalen Bauberaterin, stets sachlich nachvollziehbar und ohne
Hinweise auf eine Voreingenommenheit verfasst worden. Insofern kann
auf die (bestätigende) Stellungnahme der kommunalen Bauberaterin vom
27. Mai 2021 durchaus abgestellt werden.
4.1.7. Damit erfüllt das strittige Holzplattenlager aber nicht alle (kommunalen)
Vorschriften im Sinne von Art. 89 Abs. 1 KRG und die
Beschwerdegegnerin hat das Baugesuch vom 16. September 2019 unter
diesem Gesichtspunkt zu Recht abgewiesen.
4.2.1. Die Beschwerdeführerin stellt sich aber auch noch auf den Standpunkt,
dass mit dem Holzplattenlager der marode Teil (gelb schraffierte Fläche
im Situationsplan 1:500 vom 26. August 2019 in Bg1-act. 6) eines seit
vielen Jahren bestehenden, rechtmässig erstellten "Holzschuppens"
erneuert worden sei. Dies sei gestützt auf Art. 81 Abs. 3 KRG i.V.m. Art. 16
BG zulässig, selbst wenn ein Teil des neuen Holzplattenlagers in die
- 27 -
Freihaltezone hineinragen würde. Auch wenn der Holzschuppen nicht
rechtmässig erstellt worden wäre, dürfte der Holzschuppen infolge des
nach 30 Jahren verwirkten Anspruches auf Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes erhalten werden. Der durch die
Beschwerdeführerin erneuerte Teil des Holzschuppens, für den das
nachträgliche Baugesuch eingereicht worden sei, liege vollständig in der
Dorfzone und verletzte weder materielle noch formelle Bauvorschriften,
weshalb ein Bewilligungsanspruch bestehe.
4.2.2. In Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin ist darauf hinzuweisen,
dass das gültige BG – entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin –
kein Hofstattrecht im Sinne von Art. 81 Abs. 3 KRG kennt. Art. 16 BG mit
dem Titel "Besitzstand" regelt einzig, dass rechtmässig erstellte Bauten
und Anlagen innerhalb der Bauzone, die den geltenden Vorschriften nicht
entsprechen, unterhalten und erneuert werden dürfen. Geringfügige
Änderungen könne – vorbehältlich entgegenstehender öffentlicher
Interessen – bewilligt werden (Abs. 1). Zweckänderungen, Erweiterungen
und wesentliche Umbauten sind hingegen nur gestattet, wenn die
geltenden Vorschriften eingehalten werden (Abs. 2). Insofern regelt Art. 16
Abs. 2 BG den Besitzstand nach Art. 81 KRG – wie von der
Beschwerdegegnerin angeführt – tendenziell strenger, was von der
Regierung im März 2019 ohne weiteres genehmigt wurde (vgl. Art. 22
Abs. 3 KRG und Art. 107 Abs. 2 KRG letzter Satz; siehe für den
beschränkten Umfang der verfassungsmässigen Besitzstandgarantie:
Urteil des Bundesgerichts 1P.418/2002 vom 16. Dezember 2002 E.3.1.1).
Weiter stellt sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt, dass die
strittige Kleinbaute – mangels Näherbaurechtsvereinbarung – den
erforderlichen Grenzabstand zur Parzelle 374 gemäss Art. 22 Abs. 3 BG
i.V.m. Art. 75 Abs. 1 KRG nicht einhalte. Ausserdem genüge die strittige
Baute eindeutig nicht dem Einfügungsgebot von Art. 24 Abs. 2 BG. Es
bilde mit dem vorbestehenden Schopf kein stimmiges Ensemble.
- 28 -
Namentlich infolge verschiedener Längen und Ausrichtung. Die strittige
Baute tangiere ausserdem die Freihaltezone.
4.2.3. Die Beschwerdeführerin hat ohne vorgängige Einholung einer Bewilligung
gemäss ihrer Darstellung einen seit geraumer Zeit bestehenden, maroden
(Teil eines) Holzschuppen (östlich des Schopf mit der GVG-Nr. Z.1._
und weitgehend ausserhalb der Freihaltezone) abgebrochen und den
Vorzustand auch nicht hinreichend dokumentiert. Ausserdem wurde auch
noch ein Abbruch eines Lagerraumes nordöstlich des Schopfs bei der
Mauer zur Parzelle 485 hin vorgenommen (vgl. Foto 10 im Protokoll zum
Augenschein vom 3. November 2021, Bg1-act. 1 S. 2 f., Akten des
Beschwerdegegners [Bg2-act.] 12 S. 1 und Foto unten links auf S. 2 der
anlässlich des Augenscheins vom Beschwerdegegner abgegebenen
Beilage 3b). Damit fällt der Anwendungsbereich von Art. 81 Abs. 1 und 2
KRG sowie von Art. 16 BG mangels verbliebener Substanz und Identität
von vornherein dahin. Denn die zu erhaltenden oder erneuernden bzw. zu
erweiternden Einrichtungen existieren nicht mehr (vgl. dazu Urteile des
Bundesgerichts 1C_22/2019, 1C_476/2019 vom 6. April 2020 E.6.3 f.,
nicht publ. in BGE 146 II 304 und 1C_317/2019 vom 17. März 2020
E.4.4.2) bzw. lag der im Plan vom 19. März 2012 (siehe Bg1-act. 15) nicht
verzeichnete Lagerraum auch an einem ganz anderen Ort als der Standort
des nunmehr strittigen Holzplattenlagers (vgl. Urteil des Bundesgerichts
1C_317/2019 vom 17. März 2020 E.4.3.3). Aus der grundsätzlich
innerhalb der Bauzone geltenden Verwirkungsfirst von 30 Jahren (vgl.
dazu BGE 147 II 309 E.5.1, 132 II 21 E.6.3 und 107 Ia 121 E.1c) kann die
Beschwerdeführerin ebenfalls keine Erneuerungsbefugnis für eine
(freiwillig) abgebrochenen Einrichtung bzw. eine Wiederaufbaurecht
ausserhalb der vorbestehenden Dimensionen ableiten. Hinzu kommt,
dass grundsätzlich der Bauherrschaft der Nachweis obliegt, dass eine
Baute einst bewilligt wurde und sie auch die Folgen einer allfälligen
Beweislosigkeit zu tragen hat (siehe Urteil des Bundesgerichts
- 29 -
1C_22/2019, 1C_476/2019 vom 6. April 2020 E.6.2.1, nicht publ. in
BGE 146 II 304). Ein Hofstattrecht im Sinne von Art. 81 Abs. 3 KRG sieht
das BG wie bereits vorstehend erwähnt nicht vor. Aus dem
Stichwortverzeichnis des BG (Anhang 2), wo beim Begriff "Hofstattrecht
auf Art. 16 BG und Art. 81 KRG verwiesen wird, kann die
Beschwerdeführerin für sich auch nichts aus
Vertrauensschutzüberlegungen bzw. ihrem Vorwurf an die Gemeinde
einer unklaren Legiferierung ableiten. Einem solchen Stichwortverzeichnis
kann – in Abweichung von der eindeutigen Regelung in Art. 16 BG, wo
kein Hofstattrecht erwähnt und dessen Umfang auch nicht geregelt wird –
keine Rechtsverbindlichkeit zukommen. Vielmehr dient es dazu, dem
Leser des BG, welcher sich nach der kommunalen Regelung betreffend
das "Hofstattrechts" informieren möchte, auf die massgebenden
Gesetzesartikel zu verweisen. Infolge des in Art. 81 Abs. 3 KRG eröffneten
Vorbehaltes der kommunalen Statuierung eines Hofstattrechts und
dessen Umfangs, ergibt sich im Zusammenspiel mit Art. 16 BG eindeutig,
dass die Gemeinde X._ kein Hofstattrecht kennt. Inwiefern dies
unklar sein soll, erschliesst sich dem Gericht nicht. Die
Beschwerdeführerin gesteht in ihrer Replik selber zu, dass das
Holzplattenlager im Vergleich zu der von ihr als Holzschuppen
bezeichneten Einrichtung in Richtung Norden minimal grösser als zuvor
sei. Damit ist ihr aber auch die Berufung auf eine angeblich
besitzstandsgeschützte (massvolle) Erweiterung nach Art. 81 Abs. 2 KRG
verwehrt, weil gestützt auf Art. 22 Abs. 3 KRG bzw. Art. 107 Abs. 2 letzter
Satz die Beschwerdegegnerin in Art. 16 Abs. 2 BG für Erweiterungen
keinen Besitzstand gewährt bzw. die Einhaltung der geltenden
Vorschriften verlangt. Wenn die Beschwerdeführerin geltend macht, dass
der erneuerte Teil des Holzschuppens, für den das nachträgliche
Baugesuch eingereicht worden sei, vollständig in der Dorfzone liege und
weder materielle noch formelle Bauvorschriften verletze und deshalb ein
Bewilligungsanspruch bestehe, kann ihr aufgrund der vorstehenden
- 30 -
Erwägungen 4.1.1 ff. – unabhängig von der Tangierung der Freihaltezone
– nicht gefolgt werden. Im Hinblick auf die die von der Beschwerdeführerin
bestrittene Verpflichtung zur Einhaltung des Grenzabstandes gegen
Süden hin ist festzuhalten, dass mangels kommunalen Statuierung der
Möglichkeit eines Abbruchs und Wiederaufbaus im Hofstattrecht im Sinne
von Art. 81 Abs. 3 KRG in Art. 16 BG, der tendenziell strengeren Regelung
in Art. 16 BG im Hinblick auf den Besitzstandschutz von Art. 81 Abs. 1 und
2 KRG und infolge des Abbruchs nun sicher fehlender, allenfalls
besitzstandsgeschützter Bausubstand sich die Beschwerdeführerin nicht
auf eine Befreiung vom ordentlichen Grenzabstandes für Kleinbauten
gemäss Art. 22 Abs. 3 BG i.V.m. Art. 75 Abs. 1 KRG berufen kann. Hinzu
kommt, dass die Beschwerdeführerin in ihrem Baugesuch das "Lager"
selbst als marod und einsturzgefährdet beschreibt (siehe Bg1-act. 6 S. 2)
und somit auch eine bestimmungsgemässe Nutzbarkeit durchaus fraglich
erscheint. Wesentlich sind aber vor allem auch noch die nachfolgenden
Ausführungen.
4.2.4. Die Beschwerdeführerin bestreitet, dass die Beschwerdegegnerin zur
Ermittlung des rechtmässig bewilligten Bestandes auf eine Plangrundlage
vom 19. März 2012 (siehe Bg1-act. 15; erstellt durch einen vormals von
der Beschwerdeführerin beauftragten Architekten) abstellen darf. An
diesem Bauvorhaben sei nicht festgehalten worden und auch nie darüber
entschieden worden. Dazu ist zu bemerken, dass die Bauherrschaft im
Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens grundsätzlich die Folgen von
unklaren Planinhalten zu tragen hat (siehe Urteile des Bundesgerichts
1C_448/2017 vom 3. Juli 2018 E.2.2 und 1C_344/2017 vom 17. April 2018
E.3.1 und 1P.791/2006 vom 13. November 2007 E.3.3). Ausserdem hat
die Beschwerdeführerin vor dem Abriss der von ihr als (Teil eines)
Holzschuppen bezeichneten Einrichtung weder das gemäss Art. 86 Abs. 1
KRG und Art. 51 BG erforderliche Bewilligungsverfahren durchlaufen und
somit den Ist-Bestand von der zuständigen Behörde feststellen lassen,
- 31 -
noch den vorbestehenden Zustand aussagekräftig fotografisch
dokumentiert. Insofern ist es nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin anhand ihrer Archivrecherche sich auf den
Standpunkt stellt, dass der unbestrittenermassen vorbestehende Schopf
(GVG-Nr. Z.1._) nur als rechtmässig vorbestanden anhand der
Masse der Plangrundlage vom 19. März 2012 (siehe Bg1-act. 15) gelte.
Hinzu kommt, dass anlässlich des Augenscheins das Gericht sich selber
einen Eindruck vom südlich gelegenen Zwischenraum zwischen dem
Schopf und der Mauer verschaffen konnte. Dabei ist es nicht
entscheidend, dass gemäss Ausführungen der Beschwerdeführerin am
Holz dessen Alter erkennbar sei soll. Denn dabei handelt es sich nicht um
eine eigentliche Baute oder Anlage, der aufgrund der auf dem Spiel
stehenden Investitionen in jedem Fall Bestandesschutz zugestanden
werden müsste. Es handelt sich vielmehr um einem mittels auf der Mauer
aufliegenden und abgestützten Holzbalken und einer Blechabdeckung
überdachte (provisorisch wirkende) Lagerplatznutzung in diesem
Zwischenraum (siehe Fotos 8 und 9 im Protokoll des Augenscheins vom
3. November 2021). Aus den in den Akten vorhandenen Fotografien der
Situation (siehe etwa "Foto MM 11-8-2010 Vorzustand" sowie "1. Beilage
Bericht vom 26-1-2013" als Beilagen zur Stellungnahme vom 27. Mai 2021
der kommunalen Bauberaterin, Foto unten links auf S. 2 der anlässlich des
Augenscheins vom Beschwerdegegner abgegebenen Beilage 3b sowie
Bg2-act. 5 S. 6, Bg2-act. 12 S. 7 und Bg2-act. 14) ergibt sich ausserdem,
dass östlich des Schopfs mit der GVG-Nr. Z.1._ am heutigen
Standort des strittigen Holzplattenlagers ebenfalls keine eigentliche Baute
seit geraumer Zeit bestand, sondern es sich ebenfalls um eine sehr
einfach bzw. provisorisch abgedeckte Lagerplatznutzungen bis etwa zur
südöstlichen Ecke des Schopfes mit der GVG-Nr. Z.1._ sowie
gestapeltes, abgedecktes loses Holz handelte. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung muss aber blossen Nutzungen wie
namentlich Lagerplätzen – mangels erheblicher schützenswerter
- 32 -
Investitionen – von Verfassungswegen nicht zwingend eine Bestandes-
bzw. Besitzstandsgarantie zugestanden werden bzw. dürfen im Rahmen
einer Interessenabwägung die geringen baulichen Investitionen jedenfalls
berücksichtigt werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1C_325/2021 vom
25. Oktober 2021 E.9.2, 1C_469/2019 vom 28. April 2021 E.7.1 ff. und
1C_22/2019, 1C_476/2019 vom 6. April 2020 E.12.3; siehe auch WILLI,
Die Besitzstandsgarantie für vorschriftswidrige Bauten und Anlagen
innerhalb der Bauzone, Diss. Zürich 2003, S. 49; ZAUGG/LUDWIG,
Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, Band I, 5. Aufl., Bern 2020,
Art. 3 Rz. 2a). Art. 81 Abs. 1 und 2 KRG erwähnt denn – wie auch der dem
Urteil des Bundesgerichts 1C_325/2021 vom 25. Oktober 2021
zugrundeliegende § 94 des Planungs- und Baugesetzes des Kantons
Thurgau – nur Bauten und Anlagen, nicht aber blosse Nutzungen (vgl.
aber zum eher weiter gefassten Anlagenbegriff im Sinne von Art. 22 RPG
betreffend eine Baubewilligungspflicht: BGE 139 II 134 E.5.2 f. und PVG
2007 Nr. 28 E.2). Vorliegend geht es betreffend den von der
Beschwerdeführerin als Holzschuppen bezeichneten und gemäss ihren
Angaben schon lange bestehenden Einrichtung östlich des Schopfs (wo
sie nun ersatzweise das strittige Holzplattenlager erstellte) sowie beim
südlichen Zwischenraum gegen die Mauer hin – unabhängig von deren
erstmaligen Schaffung – um solche Lagerplatznutzungen mit nicht ins
Gewicht fallenden bauliche Investitionen. Die Beschwerdeführerin ist
zudem auf die ihrerseits im Jahre 2012 bei der Gemeinde eingereichte
Plangrundlage hinsichtlich der Ausdehnung des Schopfs im Sinne einer
Aussage der ersten Stunde zu behaften (vgl. für diese Beweisregel: Urteil
des Bundesgerichts 1C_536/2018 vom 30. Januar 2019 E.6). Insofern ist
auch auf die von der Beschwerdeführerin beantragte Einvernahme von
Zeugen zur Frage, seit wann im Zwischenraum vom Schopf bis zur Mauer
Sachen gelagert würden, mangels Relevanz für die vorliegend
massgebende Fragestellung bzw. in antizipierter Beweiswürdigung (vgl.
dazu BGE 141 I 60 E.3.3 und 136 I 229 E.5.3) zu verzichten.
- 33 -
4.2.5. Damit steht fest, dass das strittige Holzplattenlager, welches selbst
gemäss eigener Darstellung die vorbestandenen Dimensionen nach
Norden hin überschreitet (vgl. dazu auch Bg1-act. 6 S. 3, Fotos 11 ff. des
Protokolls zum Augenschein vom 3. November 2021, Bg2-act. 5 S. 6,
Bg2-act. 12 S. 7, Bg2-act. 14, "Foto MM 11-8-2010 Vorzustand", "Foto
MM 21-5-2021", "Foto MM 7-8-2021", "Foto MM 21-5-2021" [Ostansicht]
als Beilagen zur Stellungnahme vom 27. Mai 2021 der kommunalen
Bauberaterin), sich unter keinen Titel als bewilligungsfähig erweist.
Dispositivziffer 1 des Einsprache- und Genehmigungsentscheides vom
16. Dezember 2019 (sehe Bg1-act. 14) ist also nicht zu beanstanden. Weil
das Bauvorhaben somit keiner nachträglichen Bewilligung zugänglich ist
und erweist es sich als materiell vorschrifts- bzw. rechtswidrig. Solche
Zustände sind gemäss Art. 94 Abs. 1 KRG von der zuständigen Behörde
(vgl. dazu Art. 94 Abs. 2 KRG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 BG; siehe auch Art. 85
Abs. 2 KRG) grundsätzlich zu beseitigen.
5.1. Wie bereits in der vorstehenden Erwägung 3 erwähnt, stand es der
Beschwerdegegnerin zu, das nachträgliche Baubewilligungs- und die
Anordnung der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes aus
prozessökonomischen Überlegungen zu kombinieren. Dies infolge deren
nachvollziehbaren Einschätzung als eine hinreichend klare Sach- und
Rechtslage im Hinblick auf die Nichtbewilligungsfähigkeit des
Bauvorhabens. Bei der Anordnung der Beseitigung von materiell
rechtswidrigen Bauten und Anlagen sind aber noch die allgemeinen
Prinzipien des Verfassungs- und Verwaltungsrechts zu berücksichtigen,
wozu namentlich die in Art. 9 und Art. 5 Abs. 2 und 3 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101)
festgehaltenen Grundsätze des Vertrauensschutzes und der
Verhältnismässigkeit gehören. Die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustandes kann etwa unterbleiben, wenn die Abweichung vom erlaubten
nur unbedeutend ist oder die Wiederherstellung nicht im öffentlichen
- 34 -
Interesse liegt. Ebenso kann von einer Wiederstellung abgesehen werden,
wenn ein Bauherr in gutem Glauben angenommen hat, eine von ihm
ausgeübte Nutzung stehe im Einklang mit einer Bewilligung und deren
Fortsetzung stehen keine schwerwiegenden öffentlichen Interessen
gegenüber. Die Berufung auf den guten Glauben fällt aber nur in Betracht,
wenn die Bauherrschaft bei zumutbarer Aufmerksamkeit und Sorgfalt
annehmen durfte, sie sei zur Bauausführung oder Nutzung berechtigt. Auf
die Verhältnismässigkeit berufen kann sich auch ein Bauherr, der nicht
gutgläubig gehandelt hat. Er muss aber in Kauf nehmen, dass die
Behörden aus grundsätzlichen Erwägungen, namentlich zum Schutz der
Rechtsgleichheit und der baulichen Ordnung, dem Interesse an der
Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustands erhöhtes Gewicht
beimessen und die dem Bauherrn allenfalls erwachsenden Nachteile nicht
oder nur in verringertem Masse berücksichtigen (siehe zum Ganzen
BGE 136 II 359 E.6 und 7.1 sowie BGE 132 II 21 E.6 und 6.4; Urteile des
Bundesgerichts 1C_709/2020 vom 24. August 2021 E.4.1 und
1C_318/2019 vom 31. August 2020 E.6.1).
5.2. Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin weder einen
Vertrauenstatbestand hinsichtlich des strittigen, ohne Bewilligung
erstellten Holzplattenlagers geschaffen, noch ist die Abweichung vom
Erlaubten unbedeutend. Vielmehr steht das strittige Bauvorhaben gemäss
der schlüssigen Beurteilung der kommunalen Bauberaterin klar im
Widerspruch zu den erhöhten Gestaltungsanforderungen in der Dorfzone
(Art. 24 Abs. 2 BG) und der Ortsbildschutzzone (Art. 32 Abs. 1 BG) sowie
der allgemeinen (positiven) Gestaltungsklausel von Art. 71 Abs. 1 BG
(siehe auch Art. 73 Abs. 1 KRG). Dies alleine durch das Vorhandensein
des strittigen Holzplattenlagers, denn gemäss (bestätigter) Kernaussage
ist der westlich der Schreinerei gelegene Bereich der Parzelle 293
weitestgehend freizuhalten. Diese Beurteilung deckt sich auch mit
derjenigen der kantonalen Denkmalpflege aus dem Jahre 2013, wonach
- 35 -
der westliche Bereich der Schreinerei – mit Ausnahme des im
Katasterplanes (mit einer Grundfläche von ca. 5 x 5 m) eingetragenen
Schopfes – von baulichen Einrichtungen und Lagern frei zu halten sei.
Denn nur so könne diesem Raum gerecht werden. Schliesslich tangiert
das Holzplattenlager – wenn auch nur partiell – noch die Freihaltezone,
wo es bereits infolge seiner Grundflächenmasse nicht zulässig ist. Für die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes an diesem Standort
sprechen also gewichtige öffentliche Interessen des Ortsbildschutzes,
welche namentlich in den erwähnten Gestaltungsvorschriften zum
Ausdruck kommen und auch durch die Empfehlung der ISOS-Aufnahme
2019 bestätigt werden (siehe bereits vorstehende Erwägung 4.1.3 ff.). Es
ist also nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin der
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes durch die Anordnung der
Beseitigung des Holzplattenlagers gemäss Dispositivziffer 2 des
Einsprache- und Genehmigungsentscheides vom 16. Dezember 2019
(sehe Bg1-act. 14) ein höheres Gewicht beimisst, als den Interessen der
Beschwerdeführerin am Weiterbestand des nicht bewilligungsfähigen
Holzplattenlagers, welches gemäss Baugesuch mit ca. CHF 6'000.--
Baukosten zu Buche schlug (siehe Bg1-act. 6 S. 2). Dabei ist auch zu
berücksichtigen, dass es sich dabei um eine Holzbaute handelt, welche
mit überschaubaren zeitlichem und finanziellen Aufwand wieder entfernt
werden kann.
5.3. Soweit die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin in
Dispositivziffer 3 des Einsprache- und Genehmigungsentscheides vom
16. Dezember 2019 (sehe Bg1-act. 14) darüber hinaus verpflichtet hat,
den Schopf mit der GVG-Nr. Z.1._ gemäss der (von der
Beschwerdeführerin selbst stammenden) Plangrundlage vom 19. März
2012 freizulegen und allfällige Blecheindeckungen, temporäre Bauten aus
Holz etc. um und hinter dem Gebäude zu entfernen, ist diese ebenfalls
nicht zu beanstanden. Denn wie der vorstehenden Erwägung 4.1.4 f. und
- 36 -
4.2.4 dargelegt, ist angesichts der gewichtigen öffentlichen Interessen an
der Erhaltung des Ortsbildes im Bereich der Zier- und Nutzgärten gemäss
ISOS-Aufnahme 2019 der Lagerplatznutzung im Zwischenraum zwischen
dem Schopf und der Mauer – mangels nennenswerter, zu schützender
Investitionen – jedenfalls kein überwiegendes Erhaltungsinteresse
gegenüber der Anpassung an die neuen Ortsbildschutzregelungen in der
Freihaltezone beizumessen. Gemäss dem von der Beschwerdeführerin
selber eingereichten Situationsplan beträgt die als "bestand" angegebene
(überdachte Lager-)Fläche im Zwischenraum für sich alleine bereits mehr
als 10 m2 (ca. 3 x 4 m), womit sie mit den Vorgaben der Freihaltezone
gemäss Art. 33 Abs. 3 BG im Konflikt steht. Ausserdem wiederholt Art. 33
Abs. 3 BG die Gestaltungsanforderung von Art. 32 Abs. 1 BG, wonach bei
den in der Freihaltzone nicht per se ausgeschlossenen Kleinbauten in
Holzbauweise der Erstellung und Gestaltung eine besondere Beachtung
zu schenken ist. Diesen Vorgaben genügt die provisorisch überdachte
Lageplatznutzung mit den auf der Mauer aufliegenden bzw. abgestützten
Holzbalken und Blechabdeckung in keiner Weise und somit überwiegt das
Anpassungsinteresse im Sinne des Ortsbildschutzes deutlich. Dies zumal
auch hier die Entfernung nicht mit erheblichem zeitlichem und finanziellen
Aufwand verbunden ist und keine ins Gewicht fallenden bauliche
Investitionen auf dem Spiel stehen. Daran ändert auch nichts, dass
innerhalb der Bauzone grundsätzlich ein Verwirkungsfirst von 30 Jahren
für die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes gilt (siehe dazu
bereits vorstehende Erwägung 4.2.3). In der vorstehenden
Erwägung 4.2.4 wird dargelegt, weshalb die Beschwerdegegnerin
nachvollziehbar auf die – von der Beschwerdegegnerin selbst stammende
– Plangrundlage vom 19. März 2012 (siehe Bg1-act. 15) für den
(bewilligen) Bestand des Schopfs mit der GVG-Nr. Z.1._ mit einer
Grundfläche von ca. 5 x 5 m2 abstellen darf. Dies soweit diese
Verwirkungsfrist für die fragliche Lagerplatznutzung überhaupt zur
Anwendung kommt (vgl. für damaligen Beweggründe des Bundesgerichts
- 37 -
zur Statuierung einer solchen Frist und die aktuellen Überlegungen zur
Befristung einer Wiederherstellung bei gewichtigen für die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes sprechenden
öffentlichen Interessen: BGE 147 II 309 E.4.1 und 5.1 ff.).
6.1. Die Beschwerdeführerin wendet sich auch gegen die im Entscheid vom
Gemeindevorstand vom 16. Dezember 2019 i.S. Freihaltezone und
weitere Rechtswidrigkeiten auferlegt Verpflichtung, auf die (auch
temporäre, über Art. 33 BG hinausgehende) Nutzung der Freihaltezone
(Wiese) zu verzichten und die westlich des Schopfs gelegene
Erschliessungsfläche – mit einer maximalen Breite von 3.5 m ab der Kante
der Mauer gemäss Plangrundlage vom 19. März 2012 – sauber
gegenüber der Wiese hin abzugrenzen (Dispositivziffer III.2). Ebenso
erachtet sie auch die Auferlegung von Verfahrenskosten CHF 280.-- als
unzulässig (Dispositivziffer III.5). Ergänzend zu den Ausführungen zum
Einsprache- und Genehmigungsentscheid vom 16. Dezember 2019 macht
die Beschwerdeführerin noch geltend, dass der Entscheid des
Gemeindevorstandes vom 16. Dezember 2019 i.S. Freihaltezone und
weitere Rechtswidrigkeiten ihr in unzulässiger Weise "einschränkungslos"
die Nutzung der Wiese verbiete, welche von der Freihaltezone erfasst sei.
Weil sie dieses Verfahren nicht instanziiert habe, dürften ihr die Kosten
nicht vollständig gestützt auf Art. 96 KRG auferlegt werden. Dies zumal
der Beschwerdegegner diese Verfahren instanziiert habe und dieser auch
nicht vollständig durchgedrungen sei.
6.2. Die Beschwerdegegnerin ist hingegen der Ansicht, dass die von der
Beschwerdeführerin beanstandete (Formulierung in) Dispositivziffer III.2
wie üblich im Sinne der Erwägungen auszulegen und im Gesamtkontext
zu verstehen sei. Es werde der Beschwerdeführerin selbstredend keine
Nutzung verboten, welche nach geltendem Recht (insbesondere Art. 33
BG) erlaubt sei. Im angefochtenen Entscheid auf S. 3 werde denn auch
ausdrücklich erwähnt, dass in der Freihaltezone gemäss Art. 33 (Abs. 3)
- 38 -
BG eingeschossige Bauten mit einer Fläche von bis zu 10 m2 (bei
Berücksichtigung der weiteren Vorgaben) nach wie möglich seien. Die
strittige Anordnung beziehe sich vielmehr darauf, dass in der
Freihaltezone, ausserhalb der befestigten Erschliessungsflächen (Wiese),
keine Motorfahrzeuge und Anhänger abgestellt werden dürften und dort
auch keine grösseren, die Dorfansicht störenden Materiallager errichtet
werden dürften. Weil dies die Beschwerdeführerin bisher in einer nicht mit
dem Freihaltezweck gemäss Art. 33 Abs. 1 und 2 BG vereinbaren Weise
gehandhabt habe (vgl. dazu etwa Bg1-act. 1 und die anlässlich des
Augenscheins vom Beschwerdegegner abgegebenen Beilage 3b), sei die
Gemeinde gezwungen gewesen die Beschwerdeführerin zum Verzicht auf
eine derartige Nutzung im Bereich der in der Freihaltezone gelegenen
Wiese anzuhalten. Die der Beschwerdeführerin auferlegten Kosten von
CHF 280.-- überstiegen die effektiv angefallenen Kosten bei weitem,
womit ihr die angefallenen Kosten nur teilweise auferlegt worden seien.
6.3. Der Beschwerdegegner erachtet sogar die Androhung einer reformatio in
peius betreffend Dispositivziffer III.2 und III.3 als angezeigt, soweit darin
etwa das permanente Abstellen von Fahrzeugen auf der (zu grossen)
Erschliessungsfläche nicht untersagt wurde. Zudem rügt er einen – auch
unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit nicht mehr tolerierbaren –
immensen Lastwagen- und Lieferwagenverkehr in der Freihaltezone im
Westen der Parzelle 293.
6.4. Wenn die Beschwerdeführerin überhaupt kein Anlass dazu sieht, bereits
vor einer konkreten Nutzungsabsicht gewisse Nutzungen (vorsorglich) zu
untersagen, ist angesichts der langwierigen Vorgeschichte mit Bezug auf
das Erscheinungsbild der Parzelle 293 (vgl. dazu etwa Bg2-act. 2, 4 und
13 sowie die Stellungnahme der kommunalen Bauberaterin vom 27. Mai
2021) die Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin im Sinne eines auf
Art. 94 KRG gestützten Entscheides zur Klarstellung ihrer Position im
Hinblick auf die vom Beschwerdegegner in seinen Schreiben vom 22. Juli
- 39 -
2019 und 14. Oktober 2019 vorgetragene Beanstandungen namentlich
hinsichtlich das Abstellen von (Motor-)Fahrzeugen durchaus sachgerecht.
Soweit die Beschwerdeführerin in der in Dispositivziffer III.2 angeordneten
Verpflichtung zum Verzicht auf eine Nutzung ein "einschränkungsloses"
Nutzungsverbot für die in der Freihalthaltezone gelegene, sauber gegen
die Erschliessungsfläche abzugrenzende Wiesenfläche erblickt und die
entsprechende Aufhebung beantragt, kann ihr ebenfalls nicht gefolgt
werden. Aufgrund des vom Beschwerdegegner im Rahmen seiner
Eingaben vom 22. Juli 2019 und 14. Oktober 2019 (siehe Bg1-act. 1 und
9) vorgegebenen Verfahrensgegenstand betreffend die in der
Freihaltezone stattfindende Fahrzeugparkierung und Lagernutzungen im
Bereich der Parzelle 293, dem Schreiben der Beschwerdeführerin an die
Beschwerdegegnerin vom 26. August 2018 (siehe Bg1-act. 4), dem
Antwortschreiben der Beschwerdegegnerin an den Beschwerdegegner
vom 4. September 2019 (siehe Bg1-act. 5) sowie den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid vom 16. Dezember
2019 (siehe Bg1-act. 16) betreffend die Vereinbarkeit der Arealnutzung
auf der Parzelle mit dem BG, ergibt sich klar der Sinn und die Tragweite
der Dispositivziffern III.1 bis 3. Denn die Beschwerdegegnerin gab
insbesondere im angefochtenen Entscheid vom 16. Dezember 2019
erkennbar zum Ausdruck, dass sie entgegen dem in gewissen Punkten zu
absolutem Verständnis des Beschwerdegegners betreffend des
Freihaltezwecks in der Freihaltezone gemäss Art. 33 BG durchaus noch
gewisse bestehende und allenfalls auch neue Arealnutzungen als mit
Art. 33 BG vereinbar ansieht. Das Befahren und auch (zeitweilige)
Abstellen von Fahrzeugen auf den seit langer Zeit bestehenden
Erschliessungs- und Verkehrsflächen sieht sie – etwa im Gegensatz zum
Beschwerdegegner (vgl. dazu Schreiben des Beschwerdegegners vom
14. Oktober 2019 [Bg1-act. 9]) – als durchaus zulässig an (siehe
Dispositivziffer III.3). Nur ausserhalb dieser (anhand der Plangrundlage
vom 19. März 2012 sauber abzugrenzenden) (Anlagen-)Flächen
- 40 -
verpflichtete es die Beschwerdeführerin mit Dispositivziffer III.2
namentlich im Hinblick auf das Abstellen von Fahrzeugen auf eine
entsprechende, auch bloss temporäre Nutzung zu verzichten. In
Dispositivziffer III.4 stellte die Beschwerdegegnerin zudem mit Hinblick auf
die seitens des Beschwerdegegner vorgebrachten Beanstandungen im
Ergebnis fest, dass die Lagerung von Brennholz (überdacht mit Wellblech
entlang der Mauer zur Parzelle 485 hin) in der Freihalte nicht der geübten
Praxis der Gemeinde widerspreche. Auch daraus ergibt sich unzweideutig,
dass der Beschwerdeführerin nicht "einschränkungslos" sämtliche
Nutzungen untersagt wurden. Dem Antrag der Beschwerdeführerin auf
Aufhebung der im vorstehenden Sinne zu verstehenden
Dispositivziffern III.1 und 2 des Entscheides der Beschwerdegegnerin i.S.
Freihaltezone und weitere Rechtswidrigkeiten vom 16. Dezember 2019
kann auch in Anbetracht der Hintergründe der öffentlich-rechtlichen
Vereinbarung zwischen der Beschwerdeführerin und der
Beschwerdegegnerin vom 19. Dezember 2013 (siehe Bg2-act. 4) sowie
den Beurteilungen der kommunalen Bauberaterin resp. der kantonalen
Denkmalpflege vom 12. August 2010 und 26. Januar 2013 auch in
materieller Hinsicht nicht gefolgt werden. Denn vor allem in Letzterer wird
für die westliche Seite der Schreinerei eine weitestgehende Freihaltung
der Fläche in der Freihaltezone, eine Begrünung aller Flächen mit
Ausnahme der Zufahrstrasse sowie die Aufhebung aller Parkplatzflächen
empfohlen. Wenn nun die Beschwerdegegnerin in ihrem Entscheid etwa
im Hinblick auf den Warenumschlag und das Abstellen von Fahrzeugen
auf als bestehend anerkannten Erschliessungs- und Verkehrsflächen
weniger weit geht, ist dies unter dem Gesichtspunkt des Antrages der
Beschwerdeführerin jedenfalls nicht zu beanstanden. Dasselbe gilt auch
für die (ortsübliche) Brennholzlagerung in der Freihaltezone entlang der
Mauer zur Parzelle 485 hin. Somit dringt die Beschwerdeführerin mit ihrer
Beschwerde auch in diesem Punkt nicht durch.
- 41 -
6.5. Soweit der Beschwerdegegner die Androhung einer reformatio in peius
betreffend Dispositivziffer III.2 und 3 als angezeigt erachtet, ist darauf
hinzuweisen, dass er selber Adressat des fraglichen Entscheides war
(siehe Dispositivziffer 8 in Bg1-act. 16). Innert der 30 tägigen
Beschwerdefrist gemäss Dispositivziffer 7 bzw. Art. 52 Abs. 1 und Art. 22
Abs. 1 VRG hat er aber nicht eigenständig Beschwerde gegen den seiner
Ansicht nach nicht korrekten Entscheid i.S. Freihaltezone und weitere
Rechtswidrigkeiten erhoben und etwa die Aufhebung von
Dispositivziffer III.3 beantragt, wonach die Beschwerdeführerin die
befestigten Erschliessungsflächen (Zufahrt zur Liegenschaft) sowie die
(bei 3.5 m aber der Kante der Mauer gemäss Plangrundlage vom 19. März
2012 sauber gegen die Wiese hin abgegrenzten) Verkehrsflächen beim
Holzschopf (Schopf mit der GVG-Nr. Z.1._) für den Warenumschlag
und das Abstellen von Fahrzeugen nutzen dürfe. Entsprechende
Äusserungen, machte er erst im Rahmen seiner Vernehmlassung vom
23. März 2020. Er geht mit seinem Antrag auf eine Androhung einer
reformatio in peius über den auf Abweisung der Beschwerde lautende
Antrag der Beschwerdegegnerin sowie den Antrag der
Beschwerdeführerin, welcher im Wesentlichen auf Aufhebung von
Dispositivziffer III.2 und 5 lautet, hinaus. Insofern erübrigt es sich, darauf
weiter einzugehen (vgl. VGU R 20 96 vom 11. Januar 2022 E.3.3.1 f.).
6.6. Gemäss Art. 94 KRG und Art. 61 Abs. 1 KRVO ist die kommunale
Baubehörde primär zuständig und verpflichtet, gegen materiell
vorschriftswidrige Zustände einzuschreiten. Ins Recht gefasst werden für
die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes unter anderem die
Eigentümerinnen und Eigentümer der fraglichen Liegenschaft (siehe
Art. 94 Abs. 3 KRG). Gemäss Art. 96 Abs. 1 KRG erheben die Gemeinden
für ihren Aufwand in baupolizeilichen Verfahren Gebühren (siehe auch
Art. 54 Abs. 1 BG). Kostenpflichtig ist, wer den Aufwand durch Gesuche
aller Art oder sein Verhalten verursacht hat (siehe Art. 96 Abs. 2 Satz 1
- 42 -
KRG). Für baupolizeiliche Verfahren nach Art. 7 der kommunalen
Gebührenverordnung zum Baugesetz (GebVzBG) vom 14. Dezember
2010 wird eine nach Aufwand berechnete Gebühr, mindestens aber
CHF 100.-- erhoben. Gemäss Art. 7 Abs. 4 GebVzBG bemisst sie sich
nach den jeweils geltenden Entschädigungsansätzen der
Gemeindefunktionäre und wird den Gesuchstellenden belastet. Gemäss
Art. 10 Abs. 2 GebVzBG werden die Gebühren für Buss- und
Wiederherstellungsverfügungen dem Adressaten der Verfügung
überbunden. Art. 7 Abs. 4 GebVzBG ist unter Berücksichtigung von Art. 10
Abs. 2 GebVzBG und des übergeordneten Rechts (siehe Art. 94 Abs. 3
und Art. 96 Abs. 2 Satz 1 KRG) auszulegen. In einem Verfahren im
Zusammenhang mit Wiederherstellung bzw. Erhaltung des rechtmässigen
Zustandes gibt es keinen "Gesuchsteller" im engeren Sinne. Art. 94 Abs. 3
und Art. 96 Abs. 2 Satz 1 KRG fassen im Hinblick auf eine Kostenpflicht
primär solche Personen ins Recht, welche durch ihr Verhalten oder eine
besondere Verantwortlichkeit den Aufwand verursacht haben. In Art. 10
Abs. 2 GebVzBG für Buss- und Wiederherstellungsverfügungen wird
dementsprechend auch der (zur Wiederherstellung bzw. Erhaltung des
rechtmässigen Zustandes primär verpflichtete) Verfügungsadressat als
gebührenpflichtig benannt. Hinsichtlich dem Abstellen von Fahrzeugen auf
der in der Freihaltezone gelegen Wiese sowie auch dem Lagern von
Material im westlichen Bereich Parzelle 293 (siehe etwa Bg1-act. 1 S. 2 f.,
Bg2-act. 12 und die anlässlich des Augenscheins vom Beschwerdegegner
abgegebenen Beilage 3b) ist dies im erster Linie die Beschwerdeführerin
als verantwortliche Grundeigentümerin. Wenn die Beschwerdegegnerin in
ihrer Vernehmlassung ausführt, dass mit dem Betrag von CHF 280.-- –
bestehend aus einer Behandlungsgebühr von CHF 100.-- und
Ausfertigungsgebühren von CHF 180.-- – nur ein Teil der effektiv
angefallenen Kosten der Beschwerdeführerin überbunden worden seien,
ist dies angesichts der Höhe der Gebühr durchaus nachvollziehbar. Soweit
die Beschwerdeführerin auch die zwingende Belastung des
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Beschwerdegegners mit Kosten gestützt auf Art. 96 Abs. 2 KRG verlangt,
weil dieser das Verfahrens instanziiert habe, mag es zwar zutreffen, dass
sich dieser am 22. Juli 2019 mit einer Meldung über von ihm festgestellten
Verstösse gegen das Baurecht an die Gemeinde gewandt hat. Inwiefern
aber der Beschwerdegegnerin ein Verstoss gegen die vorstehend
genannten Kostenverlegungsgrundsätze vorzuwerfen ist, weil sie den
Beschwerdegegner im Rahmen der immer mit einem gewissen
Entscheidungsspielraum verbundenen Kostenentscheides nicht mit
Kosten belastet hat, ist nicht ersichtlich (vgl. für die Grundsätze der
Kostentragung im Bereich des Vollzugs des Umweltschutzrechts infolge
der Anzeige eines Nachbarn: VGU R 20 25 vom 13. Oktober 2021 E.6.3 f.
und R 14 69 vom 28. Oktober 2015 E.3 sowie betreffend die Beurteilung
und den Gestaltungsspielraum bei einer [kommunalen]
Gebührenbemessung: Urteil des Bundesgerichts 2P.286/2006 vom
27. Februar 2007 E.4.1 ff.). Denn sie hat nach ihrer nachvollziehbaren
Darstellung im Ergebnis der Beschwerdeführerin nur mit einem Teil der
effektiv angefallenen Kosten belastet und die weiteren amtlichen Kosten
nicht verlegt bzw. auf die Gemeindekasse genommen. Somit hat sie einen
Ausgleich zwischen den gemäss Art. 96 Abs. 2 KRG grundsätzlich in
Frage kommenden Verfahrensbeteiligten vorgenommen. Es ist fraglich, ob
die Beschwerdeführerin bei dieser Ausgangslage überhaupt ein
schutzwürdiges Interesse an einer entsprechenden Feststellung oder
Abänderung des Entscheides im Kostenpunkt hat, da die ihr als
Grundeigentümerin (teilweise) auferlegten Verfahrenskosten im Betrag
von CHF 280.-- für den Entscheid i.S. Freihaltezone und weitere
Rechtswidrigkeiten vom 16. Dezember 2019 unter Berücksichtigung des
Verursacher-, Kostendeckungs- und des Äquivalenzprinzips jedenfalls in
der Höhe nicht zu beanstanden sind.
7.1. Die Beschwerde gegen die beiden Entscheide vom 16. Dezember 2019
erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen. Bei diesem
- 44 -
Ausgang des Verfahrens gehen die Gerichtskosten, bestehend aus einer
Staatsgebühr und den Kanzleiauslagen (Art. 75 Abs. 1 lit. a und b VRG),
gestützt auf Art. 73 Abs. 1 VRG somit zu Lasten der Beschwerdeführerin.
Die Staatsgebühr ist in Anwendung von Art. 75 Abs. 2 VRG auf
CHF 4'000.‐‐ festzusetzen.
7.2.1. Die Beschwerdegegnerin obsiegt vorliegend in ihrem amtlichen
Wirkungskreis, weshalb sie in der Regel keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung hat (siehe Art. 78 Abs. 2 VRG). Von dieser Regel
abzuweichen besteht vorliegend kein Anlass.
7.2.2. Demgegenüber hat der Beschwerdegegner grundsätzlich Anspruch auf
den Ersatz der notwendigen Kosten zu Lasten der Beschwerdeführerin
(siehe Art. 78 Abs. 1 VRG). Der Rechtsvertreter des Beschwerdegegners
reichte am 12. Mai 2020 und 30. November 2021 Honorarnoten ein,
woraus ein Honorar ab dem Zeitraum vom 11. Februar 2020 über
insgesamt CHF 9'964.08 (31.75 h à CHF 280.-- zzgl. 3 %
Spesenpauschale und CHF 95.-- Fahrkosten sowie 7.7 % MWST)
resultiert. Mit Eingaben vom 15. Mai 2020 sowie 6. Dezember 2021
äusserte sich die Beschwerdeführerin zu den eingegangenen
Honorarnoten. Dabei erachtete sie die (erstmalige) Einreichung der
Honorarvereinbarung vom 18. März 2020 seitens es Beschwerdegegners
am 12. Mai 2020 (nach Abschluss des doppelten Schriftenwechsels) für
den vorangegangenen Aufwand als verspätet. Der Aufwand bis dahin sei
zu einem Stundenansatz von CHF 240.-- zu entschädigen und angesichts
der bereits in Vorverfahren erfolgten anwaltlichen Vertretung des
Beschwerdegegners sei bis zu diesem Zeitpunkt höchstens ein Aufwand
von CHF 2'000.-- (inkl. Spesen und MWST) als angemessen zu
betrachten. Die Honorarnote vom 30. November 2021 des
Beschwerdegegners kritisierte die Beschwerdeführerin namentlich im
Hinblick auf die geltend gemachten 6 h à CHF 280.-- für den Augenschein
inkl. Anfahrt/Rückfahrt vom 3. November 2021. Am Augenschein sei es
- 45 -
nur darum gegangen, dass insbesondere die Beschwerdeführerin dem
Gericht die Örtlichkeiten zeigen musste, nicht aber der
Beschwerdegegner. Es könne ausserdem nicht sein, dass die volle
Fahrzeit eines Rechtsanwaltes aus Chur zum ungekürzten Stundenansatz
von CHF 270.-- entschädigt werden müsse, wenn der Beschwerdegegner
sich (meistens) in der Gemeinde X._ aufhalte. Die
Beschwerdeführerin machte im Hinblick auf das Prozessieren im
öffentlichen Recht und des Gefälles zwischen den Parteien (Hoheitlichkeit
vs. Bürger) eine Rechtswegbarriere (wohl infolge drohender, hohen
Parteientschädigungen) geltend. Der Beschwerdegegner sei nur für das
notwendigste zu entschädigen. Es könnten im Rahmen der ergänzenden
Kostennote vom 30. November 2021 höchstens 2.5 h anerkannt werden.
7.2.3. Soweit die Beschwerdeführerin unter Berufung auf Art. 4 der Verordnung
über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und
Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV; BR 310.250) eine verspätete
Einreichung der Honorarvereinbarung und daraus deren Unbeachtlichkeit
für erbrachte Leistungen vor deren Einreichung geltend macht, ist darauf
hinzuweisen, dass die (anwaltlich vertretenen) Parteien mit Schreiben vom
5. Mai 2020 praxisgemäss zur Einreichung der Honorarvereinbarung und
Kostennote aufgefordert wurden, soweit dies noch nicht erfolgt sei. Weiter
wurde auch darauf hingewiesen, dass bei Nichteinreichung einer
Honorarvereinbarung und/oder detaillierten Kostennote das Gericht eine
allfällige aussergerichtliche Entschädigung nach Ermessen festlege.
Gemäss Art. 2 Abs. 1 und 2 HV setzt die urteilende Instanz die
Parteientschädigung der obsiegenden Partei nach Ermessen fest, wobei
sie grundsätzlich von dem der entschädigungsberechtigen Partei für die
anwaltliche Vertretung in Rechnung gestellten Betrag ausgeht. Der
vereinbarte Stundenansatz zuzüglich allfälligem Interessenwertzuschlag
muss aber üblich sein, darf keine Erfolgszuschläge enthalten und die
geforderte Entschädigung darf nicht zu einer von der Sache bzw. von
- 46 -
legitimen Rechtschutzbedürfnissen her nicht gerechtfertigten Belastungen
der unterliegenden Partei führen (Art. 2 Abs. 2 Ziffer 1 und 3 HV). Gemäss
Art. 2 Abs. 2 Ziffer 2 HV und Art. 16a Abs. 2 des Anwaltsgesetzes
(BR 310.100) muss der geltend gemachte Aufwand zudem angemessen
und für die Prozessführung erforderlich sein. Gemäss Art. 4 Abs. 1 HV
haben die Parteien grundsätzlich zu Beginn des Verfahrens eine
vollständige, unterschriebene Honorarvereinbarung einzureichen. Wenn
dies unterlassen wird, kann die urteilende Instanz davon absehen, für die
Festsetzung der Parteientschädigung die Anwaltsrechnung bzw.
Honorarnote beizuziehen. Aufgrund dieser Formulierung kann auch bei
einer Einreichung im Verlaufe des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens
durchaus noch auf einen bereits ausgewiesenermassen zu Beginn des
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren vereinbarten
Stundenansatz abgestellt werden. Dies ist vorliegend der Fall, da die
Honorarvereinbarung auf den 18. März 2020 datiert und die
Vernehmlassung des Beschwerdegegners auf den 23. März 2020.
Dementsprechend fordert das Verwaltungsgericht nach (vorläufigem)
Abschluss des (doppelten) Schriftenwechsels praxisgemäss jeweils zur
Einreichung der Honorarvereinbarung und der Kostennote auf, sofern dies
noch nicht erfolgt ist. Zur Bestimmung des der Parteientschädigung
zugrunde zulegenden Stundenansatzes gilt seit der Praxisänderung vom
5. September 2017 folgendes: Bei Einreichen einer Honorarvereinbarung
wird der geltend gemachte Stundenansatz übernommen wird, sofern er
den Ansatz von CHF 270.-- nicht überschreitet. Ist Letzteres der Fall, wird
er auf CHF 270.-- herabgesetzt. Wird keine Honorarvereinbarung
eingereicht, beträgt der Stundenansatz höchstens CHF 240.-- (siehe R 20
43 vom 1. September 2020 E.1.2.2). Die Einreichung einer (auf den
Beginn des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens datierende)
Honorarvereinbarung erst auf Aufforderung des Verwaltungsgerichts nach
(vorläufigem) Abschluss des (doppelten) Schriftenwechsels wurde zudem
bis anhin jeweils akzeptiert. Gemäss Art. 4 Abs. 3 HV ist der Abschluss
- 47 -
geheimer Honorarabsprachen neben einer eingereichten
Honorarvereinbarung unzulässig und entsprechende Verstösse sind der
Aufsichtskommissionen über die Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
zu melden. Dies und die Reglung von Art. 4 Abs. 2 HV, wonach
Änderungen der Honorarvereinbarung in der Regel erst ab Einreichung
bei der urteilenden Instanz zu berücksichtigen sind und nicht darauf
hinauslaufen dürfen, eine Prozesssituation auszunützen stellen
hinreichende Vorkehrung dar, um einer von der Beschwerdeführerin
befürchteten, missbräuchlichen Erhöhung der Honorarvereinbarung im
Laufe des Verfahrens oder vorgeschobene Entschädigungsansätzen zu
Lasten der unterliegenden Partei zu begegnen. Damit drängt sich keine
Praxisänderung auf (vgl. für die Voraussetzungen Praxisänderung:
BGE 145 V 50 E.4.3.1, 143 V 269 E.4, 140 V 538 E.4.5 und 138 III 359
E.6.1). Aufgrund der vorstehenden dargelegten Praxis ist aber der
Stundenansatz auf CHF 270.-- zu kürzen (siehe Art. 2 Abs. 2 Ziffer 1
i.V.m. Art. 3 Abs. 1 HV). Die Beschwerdeführerin ist ausserdem der
Meinung, dass die geltend gemachten 6 h für die Teilnahme des
Rechtsvertreters inkl. An- und Rückreise (und Vorbesprechung des
Augenscheins mit der Mandantschaft) nicht voll zu entschädigen seien.
Von den in der ergänzenden Honorarnote vom 30. November 2021
geltend gemachten 10.75 h (inkl. eine Stunde für die Sichtung des Urteils)
seien höchstens 2.5 h zu entschädigen. Ausserdem sei der geltend
gemachte Vertretungsaufwand für das verwaltungsgerichtliche Verfahren
zur Erarbeitung einer Beschwerdeantwort und Duplik angesichts des
bereits im Vorverfahren bestehenden Vertretungsverhältnisses deutlich zu
hoch. Der Beschwerdegegner sei nur für das absolut Notwendigste zu
entschädigen. Während beim praxisgemäss auf CHF 270.-- reduzierten
Stundenansatz bei 31.75 h zzgl. 3 % Spesenpauschale und CHF 95.--
Fahrkosten sowie 7.7 % MWST ein Betrag von CHF 9'611.85 resultiert,
erachtet die Beschwerdeführerin maximal ein Betrag von CHF 2'851.10
als angemessen (CHF 2000.-- [inkl. Spesen und MWST] basierend auf der
- 48 -
Honorarnote vom 12. Mai 2020 mit einem Stundenansatz von CHF 240.--
+ CHF 851.10 [2.5 h x CHF 270.-- zzgl. 3 % Pauschalspesen und
CHF 95.-- Fahrkosten sowie 7.7 % MWST]). Der Augenschein vom
3. November 2021 dauerte gemäss Protokoll 40 min. Die Reisedauer (Hin
und zurück) zum Augenscheinort insgesamt sicher ca. 4 h. Dem
Beschwerdegegner (von der Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme
vom 6. Dezember 2021 zur ergänzten Honorarnote vom 30. November
2021 in Abweichung zur Beschwerde und Replik nun als Beigeladener im
Sinne von Art. 40 VRG qualifiziert) inkl. seinem Rechtsvertreter war als
Verfahrenspartei die Teilnahme am Augenschein als Beweisabnahme
nach Art. 12 Abs. 1 lit. e VRG zu ermöglichen. Die generelle Kürzung von
(im Zug zurückgelegter) Reisezeit ist vom Bundesgericht im Rahmen der
Entschädigungsbemessung für einen amtlichen Verteidiger durch das
Bundestrafgericht als sachlich nicht vertretbar erachtet worden. Dies weil
die Arbeitsmöglichkeiten für einen Anwalt im Zug schon wegen der
fehlenden Büroinfrastruktur beschränkt seien und die erforderliche
Diskretion – namentlich auf stark frequentierten Strecken – ein effizientes
Arbeiten weiter behindere (siehe Urteile des Bundesgerichts 1B_385/2021
vom 25. Oktober 2021 E.4.5 und 6B_136/2009 vom 12. Mai 2009 E.4.4;
siehe betreffend den Aspekt der Reisekosten im Rahmen der
unentgeltlichen Rechtspflege auch Urteil des Bundesgerichts
5A_175/2008 vom 8. Juli 2008 E.5.1). Zwar hat das Bundesgericht
betreffend die Entschädigung einer amtlichen Verteidigung vor dem
Bundesstrafgericht einen reduzierten Stundenansatz im Rahmen der dort
anwendbaren bundesrechtlichen Regelung für die Reisezeit wohl als
zulässig erachtet, doch ist nach Ansicht des streitberufenen Gerichts für
die Bemessung der Parteientschädigung im Sinne von Art. 78 VRG
(zwischen privaten Parteien) insbesondere auch ein Blick auf die
vorliegende Honorarvereinbarung zu werfen. Darin wurde kein reduzierter
Stundenansatz für Reisezeit zwischen dem Beschwerdegegner sowie
seinem Rechtsvertreter vereinbart. Dass mit der Wahl eines
- 49 -
Rechtsvertreters aus einem anderen Teil des Kantons Graubünden
längere Reisewege für die Teilnahme an Verfahrenshandlungen
notwendig werden können, reicht – vorbehältlich einer entsprechenden
Vereinbarung zwischen der Partei und ihrem Rechtsvertreter oder
allfälliger, doppelter Verrechnung von Leistungen – für sich alleine noch
nicht aus, generell eine Kürzung in betraglicher oder zeitlicher Hinsicht von
geltend gemachten, noch als angemessen zu betrachtenden
Reiseaufwendungen für im Rahmen des Mandates übliche Reisen zu
begründen (vgl. betreffend die Entschädigung einer Privatklägerschaft
nach Art. 433 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO;
SR 312.0] durch die beschuldigte Person auch das Urteil der ersten
Strafkammer des Kantonsgerichts des Kantons Graubünden SK1 2017 39
vom 31. März 2021 E.6.6.1 ff.). Dass das Verwaltungsgericht schon
einmal eine Kürzung des Stundensatzes für Reisezeiten vorgenommen
hat, ändert für den vorliegend zu beurteilenden Fall betreffend die
Festsetzung einer Parteientschädigung zwischen zwei privaten Parteien
nichts, da es im Fall von VGU R 13 197 vom 4./18. November 2014 um
eine Entschädigung einer Mobilfunkbetreiberin zu Lasten einer
unterliegenden, beschwerdeführenden Gemeinde im Zusammenhang mit
dem Streit um den Mobilfunkanlagenstandort auf einer unmittelbar an das
Gemeindegebiet angrenzenden Parzelle in der Nachbargemeinde ging
(siehe VGU R 13 197 vom 4./18. November 2014 E.9b). Ausserdem hätte
etwa eine Zeugeneinvernahme oder Gerichtsverhandlung am Sitz des
Verwaltungsgerichts in Chur (siehe dazu Art. 3 Abs. 1 des
Gerichtsorganisationsgesetzes [GOG; BR 173.000]) dazu geführt, dass es
beim Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin – im Gegensatz zum
Rechtsvertreter des Beschwerdegegners – zu längeren Reisezeiten
gekommen wäre. Solange die Grenze von Art. 2 Abs. 2 Ziffer 3 HV noch
nicht überschritten wird, kann es im Hinblick auf die Parteientschädigung
des Beschwerdegegners unter dem Gesichtspunkt der geltend gemachten
Rechtswegbarriere auch keine Rolle spielen, ob zwischen der
- 50 -
Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin ein hoheitliches Gefälle
(Gemeinde gegenüber Bürger) besteht. Auch wenn sich der
Beschwerdegegner bereits im Vorverfahren durch denselben
Rechtsvertreter vertreten liess (siehe Bg1-act. 8 f.), erscheint dem Gericht
der geltend gemachte Aufwand von insgesamt CHF 9'611.85 (31.75 h à
CHF 270.-- zzgl. 3 % Pauschalspesen und CHF 95.-- Fahrkosten sowie
7.7 % MWST) – angesichts des doppelten Schriftenwechsel und eines
Augenscheins – noch als angemessen. Die Beschwerdeführerin hat den
Beschwerdegegner somit in diesem Umfang aussergerichtlich zu
entschädigen.