Decision ID: d8cfaa23-98dc-50ef-8c07-67381eff7461
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie, ersuchte erstmals am 7. Juli 2016 in der Schweiz um Asyl. Er
machte im Wesentlichen geltend wegen seiner Abstammung aus einer
wohlhabenden Familie in Sri Lanka Probleme mit Unbekannten gehabt zu
haben. Er habe keine Anzeige bei den Behörden machen können, da diese
mit den Unbekannten zusammenarbeiten würden. Der Beschwerdeführer
reichte eine Identitätskarte, eine Geburtsurkunde, eine Heiratsurkunde,
den Totenschein des Vaters, ein Bestätigungsschreiben eines Bischofs der
Diozese B._ vom (...) November 2016 und zwei Internetauszüge
betreffend den Tod seines Vaters ein.
B.
Mit Verfügung vom 3. April 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungs-
vollzug an. Es führte in der Begründung aus, seine Ehefrau habe angege-
ben, er sei aus wirtschaftlichen Gründen geflüchtet. Unabhängig davon sei
festzustellen, dass seine Schilderungen der zwei Entführungen hinsichtlich
der Entführer und des Ablaufs widersprüchlich ausgefallen seien. Die Asyl-
vorbringen seien daher unglaubhaft. Selbst wenn sie glaubhaft wären,
käme den Entführungen keine Asylrelevanz zu. Die Entführer hätten nicht
aus einem asylrelevanten Motiv heraus gehandelt, sondern weil sie ein fi-
nanzielles Interesse an ihm gehabt hätten. Zudem wäre es dem Beschwer-
deführer zuzumuten gewesen, sich an die sri-lankischen Behörden zu wen-
den um Schutz zu ersuchen.
C.
Mit Urteil E-2096/2020 vom 6. Mai 2020 wies das Bundesverwaltungsge-
richt die gegen die Verfügung vom 3. April 2020 erhobene Beschwerde ab,
soweit es darauf eingetreten ist.
D.
Mit Eingabe vom 15. Juli 2020 reichte der Beschwerdeführer beim SEM ein
Wiedererwägungsgesuch ein. Zur Begründung führte er im Wesentlichen
aus, er habe neue Beweismittel erhalten, welche die vom SEM und dem
Bundesverwaltungsgericht als unglaubhaft erachteten Vorfluchtgründe be-
legen würden. Diese Dokumente würden die bis heute anhaltende Suche
nach ihm und die Belästigung seiner Familie in Sri Lanka durch Unbe-
kannte Mitglieder der Karuna-Gruppe bestätigen.
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Seite 3
Zur Untermauerung seines Gesuchs reichte er eine Fotodokumentation
seiner damaligen Verletzungen, eine Anzeige der Mutter bei der B._
Police Station vom (...) Dezember 2019 (inkl. Übersetzung), ein Schreiben
eines Parlamentariers vom 26. Februar 2020, ein Schreiben eines Parla-
mentariers vom 1. März 2020, medizinische Unterlagen der Mutter, eine
Aussage der Mutter mit Bestätigung des Justice of Peace vom (...) Juni
2020, eine Aussage der Mutter mit Bestätigung des Grama Sevaka Officer
vom (...) Juni 2020, eine eidesstaatliche Erklärung der Mutter (Affidavit)
vom (...) Juni 2020 mit diversen Zeitungsartikeln (inkl. Übersetzung).
E.
Mit Verfügung vom 15. September 2020 trat das SEM auf das Wiederer-
wägungsgesuch nicht ein und erklärte die Verfügung des SEM vom 3. April
2020 für rechtskräftig und vollstreckbar. Es stellte fest, einer allfälligen Be-
schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. Auf gewisse Vorbrin-
gen trat sie mangels funktioneller Zuständigkeit nicht ein.
F.
Mit Eingabe vom 23. September 2020 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung des
SEM sei vollumfänglich aufzuheben und es sei anzuweisen, auf das Wie-
dererwägungsgesuch einzutreten. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses, um Beiordnung eines unentgeltlichen
Rechtsbeistandes sowie um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der
vorliegenden Beschwerde und der koordinierten Behandlung der Be-
schwerde mit dem gleichentags eingereichten Revisionsgesuch. Ebenfalls
am 23. September 2020 ersuchte er beim Bundesverwaltungsgericht um
Revision des Urteils E-2096/2020 vom 6. Mai 2020 und beantragte, dieses
Urteil sei aufzuheben, das Beschwerdeverfahren sei wiederaufzunehmen,
er sei im neuen Beschwerdeentscheid als Flüchtling anzuerkennen und
ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei das SEM im neuen Beschwer-
deentscheid anzuweisen, ihn in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Dem
Gesuch sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen und es sei das Revisi-
onsgesuch mit der Beschwerde gegen die Verfügung des SEM vom
15. September 2020 koordiniert zu behandeln. Er ersuchte um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses und um Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbei-
standes.
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Seite 4
G.
Mit Urteil E-4713/2020 vom 7. Oktober 2020 wies das Bundesverwaltungs-
gericht die Beschwerde vom 23. September 2020 gegen den Nichteintre-
tensentscheid des SEM vom 15. September 2020 auf das Wiedererwä-
gungsgesuch vom 15. Juli 2020 ab. Auf das Revisionsgesuch vom 23. Sep-
tember 2020 trat es mit Urteil E-4716/2020 vom 30. September 2020 nicht
ein.
H.
Mit Eingabe vom 18. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführer beim
SEM ein Wiedererwägungsgesuch ein. Zur Begründung machte er im We-
sentlichen geltend, er habe ein neues Beweismittel erhalten. Damit sei er
nunmehr in der Lage, die als unglaubhaft erachteten Ausreisegründe zu
belegen. Im Weiteren würde er aufgrund der erlittenen Verfolgungsmass-
nahmen an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden.
Als Beweismittel reichte er ein vom (...) November 2020 datiertes Schrei-
ben des Bezirkskoordinators von Caritas EHED (Eastern Human and Eco-
nomic Development) in B._, sowie die Kopie dessen Caritas-Aus-
weises ein.
I.
Mit Verfügung vom 14. Januar 2021 trat das SEM auf das Wiedererwä-
gungsgesuch nicht ein. Gleichzeitig stellte es fest, die Verfügung vom
3. April 2020 sei rechtskräftig und vollstreckbar, einer allfälligen Be-
schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu und erhob eine Gebühr
von Fr. 600.–.
J.
Mit Eingabe vom 22. Januar 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, die angefochtene Ver-
fügung sei aufzuheben und auf das Wiedererwägungsgesuch sei einzutre-
ten. Eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm
in der Schweiz Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei festzustellen, dass
der Wegweisungsvollzug unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und
er sei vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. Es sei die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
zu verzichten. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 1. Februar 2020 weitere
Bestätigungsschreiben ein.
E-2601/2021
Seite 5
K.
Mit Urteil E-334/2021 vom 5. Februar 2021 wies das Bundesverwaltungs-
gericht die Beschwerde gegen die Verfügung des SEM vom 14. Januar
2021 ab.
L.
Mit Eingabe vom 16. April 2021 reichte der Beschwerdeführer beim SEM
ein Mehrfachgesuch ein und machte im Wesentlichen geltend, neue Tatsa-
chen und neue Beweismittel könnten seinen Anspruch auf die Flüchtlings-
eigenschaft und die Asylgewährung in der Schweiz begründen. Er sei in Sri
Lanka gefährdet, weil er sich in der Schweiz exilpolitisch betätige. Er sei
(...) der LTTE in Europa beziehungsweise in der Schweiz und (...) des Prä-
sidenten des Swiss Tamil Coordinating Committee (STCC). Die STCC sei
von den sri-lankischen Behörden am 25. Februar 2021 als verboten erklärt
worden. Er habe am 31. August 2020 beim Bundesrat eine Petition depo-
niert und im Anschluss daran habe es eine Grossdemonstration in Bern
gegeben. Für die Petition habe er 1250 Unterschriften gesammelt. Am
27. November 2020 habe er in Zürich eine in Sri Lanka illegale Gedenkfeier
mitorganisiert, am 27. Februar 2021 an einer Demonstration des STCC,
die mit Autos durchgeführt worden sei, teilgenommen und am 21. März
2021 zusammen mit dem STCC in Genf eine Demonstration organisiert.
Videos, die auf Facebook abgerufen werden könnten, sowie Fotos würden
seine Tätigkeiten belegen. Er sei sich sicher, dass den sri-lankischen Be-
hörden seine exilpolitischen Tätigkeiten bekannt seien.
Als Beweismittel reichte er seinen schweizerischen Führerausweis, eine
Antwort des Bundesrates vom 22. September 2020 auf die Petition «Stopp
den Ausschaffungen nach Sri Lanka», ein Flugblatt zur Kundgebung vom
31. August 2020, die sri-lankische «Gazette» vom 25. Februar 2021, zwei
nicht übersetzte Zeitungsartikel – alles in Kopie – und 15 Fotos im Original
ein. Zu den geltend gemachten medizinischen Problemen reichte er die
Kopie einer Verordnung zur Physiotherapie und eines ärztlichen Rezeptes
vom 22. April 2021 ins Recht. Weiter wies er in seiner Eingabe auf einen
Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 10. April 2020 hin
sowie auf verschiedene Links – namentlich des STCC und der Zeitung Thi-
nakkural sowie der Seite des LTTE-Jugend-Leaders in den Niederlanden
auf dem Videoportal TikTok und auf das Facebook-Profil einer Kollegin.
M.
Mit Verfügung vom 20. Mai 2021 (eröffnet am 26. Mai 2021) trat das SEM
auf das Mehrfachgesuch nicht ein, verfügte die Wegweisung aus der
E-2601/2021
Seite 6
Schweiz, ordnete den Vollzug an und erhob eine Gebühr in Höhe von
CHF 600.–.
N.
Mit Eingabe vom 2. Juni 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, die Verfügung des SEM
sei aufzuheben und die Sache zur neuen Entscheidung zurückzuweisen.
Es sei anzuweisen, auf das Mehrfachgesuch einzutreten und der Be-
schwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren. In prozessualer
Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Der Beschwerdeführer reichte vier Terminkarten mit zwei Terminvereinba-
rungen bei einer Ärztepraxis und diversen Terminen für die Physiotherapie
sowie eine Honorarnote ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer
ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist unter
Vorbehalt von Erwägung 5 einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
2.
Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht (ein-
schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un-
richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Kognition im Bereich des
Ausländerrechts richtet sich nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Im vorliegenden Verfahren stellt sich ausschliesslich die Frage, ob die
Vorinstanz zu Recht infolge mangelhafter Begründung auf das neue Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist (vgl. Art. 111c Abs. 1
E-2601/2021
Seite 7
Satz 1 AsylG). Die Beschwerdeinstanz enthält sich – sofern sie den Nicht-
eintretensentscheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen ma-
teriellen Prüfung; sie hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die
Sache zu neuer Entscheidfindung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE
2014/39 E. 2 und 3).
3.2 Im Wegweisungs- und Vollzugspunkt hat die Vorinstanz eine materielle
Prüfung vorgenommen, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbe-
züglich volle Kognition zukommt.
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
Die Vorinstanz hat die Eingabe des Beschwerdeführers vom 3. Juni 2021
als Mehrfachgesuch entgegengenommen. Der Beschwerde kommt des-
halb von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu (Art. 55 Abs. 1
VwVG). Da die Vorinstanz die aufschiebende Wirkung nicht entzogen hat,
ist auf den Antrag, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu er-
teilen, nicht einzutreten.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer rügt eine unrichtige und unvollständige Sach-
verhaltsabklärung. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie al-
lenfalls geeignet sein könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfü-
gung zu bewirken.
6.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-
listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an
der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).
Dazu gehört unter anderem an der Feststellung des Sachverhaltes mitzu-
wirken und in der Anhörung die Asylgründe darzulegen (vgl. BVGE 2011/28
E. 3.4).
E-2601/2021
Seite 8
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
6.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, die vorinstanzliche Verfügung
sei zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen, weil sie
den Sachverhalt unrichtig und nicht vollständig festgestellt habe. Sie
müsse alle Vorbringen würdigen.
6.4 Vorab ist zu erwähnen, dass der Beschwerdeführer seine Rüge nicht
näher begründet hat und deshalb nicht nachvollziehbar ist inwieweit die
Vorinstanz den Untersuchungsgrundsatz verletzt haben soll. Jedenfalls ist
festzustellen, dass die angefochtene Verfügung eine – im Rahmen der Be-
gründung eines Nichteintretensentscheids – angemessene und hinrei-
chende Darstellung des massgeblichen Sachverhalts enthält, die es er-
laubt, die Erwägungen der Vorinstanz nachzuvollziehen. Eine sachge-
rechte Anfechtung der vorinstanzlichen Verfügung war schliesslich mög-
lich. Aus der angefochtenen Verfügung ergeben sich auch nach Prüfung
der Akten keine Anhaltspunkte, die den Schluss zuliessen, die Vorinstanz
habe den Sachverhalt falsch festgestellt.
6.5 Die formelle Rüge erweist sich als unbegründet, weshalb keine Veran-
lassung besteht, die Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die
Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entsprechende Rechtsbe-
gehren ist abzuweisen.
7.
7.1 Asylgesuche, die innert fünf Jahren nach Eintritt der Rechtskraft des
Asyl- und Wegweisungsentscheides eingereicht werden, haben gemäss
Art. 111c Abs. 1 AsylG schriftlich und begründet zu erfolgen.
7.2 Kommt eine asylsuchende Person im Rahmen eines Mehrfachgesuchs
ihrer Begründungspflicht offensichtlich nicht nach, hat die Behörde auch in
Verfahren, in denen nicht ohnehin schon die speziellen Voraussetzungen
der Art. 31a Abs. 1–3 AsylG vorliegen, die Möglichkeit, auf das Gesuch ge-
stützt auf Art. 111c Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht einzutre-
ten (vgl. BVGE 2014/39 E. 7.1).
E-2601/2021
Seite 9
8.
8.1 Zur Begründung ihres Nichteintretensentscheids hielt die Vorinstanz
fest, dass das individuelle Gefährdungsprofil des Beschwerdeführers ge-
stützt auf die von ihm geltend gemachten Vorbringen im ordentlichen Asyl-
verfahren bereits rechtskräftig beurteilt worden sei und deshalb nicht mehr
Gegenstand des Mehrfachgesuchs sein könne. Er bringe denn auch keine
neuen Tatsachen oder Beweismittel vor, die geeignet wären, die rechtskräf-
tige Einschätzung zu seinem Risikoprofil in Wiedererwägung zu ziehen.
Vielmehr verlange er eine Neubeurteilung seiner individuellen Gefähr-
dungslage vor dem Hintergrund von neu geltend gemachten exilpolitischen
Tätigkeiten. Er habe entgegen seiner Angaben, in den früheren Verfahren
nicht geltend gemacht, sich in der Schweiz exilpolitisch zu betätigen. Seine
Angaben zu seinen Tätigkeiten würden sich in seiner Eingabe pauschal mit
der Nennung der Daten von Demonstrationen und den Behauptungen er
wäre LTTE-(...) sowie (...) des STCC-Präsidenten erschöpfen. Weitere,
konkretere Ausführungen hierzu fänden sich in seiner Eingabe hingegen
nicht. Die eingereichten Beweismittel seien gänzlich untauglich, den be-
haupteten Sachverhalt zu belegen, da sie entweder keinen Konnex zwi-
schen ihm und seinen behaupteten exilpolitischen Tätigkeiten für den
STCC herzustellen vermögen würden oder jeglicher persönliche Bezug zu
ihm fehle. Letztlich handle es sich bei seinem Vorbringen, ein LTTE-(...)
und (...) des STCC-Präsidenten zu sein, um eine durch nichts belegte Be-
hauptung, obwohl das Beibringen entsprechender Beweismittel einfach
hätte sein dürfen. Die blosse Nennung von Internetlinks sei kein begründe-
tes Beweismittel und könne deshalb nicht gewürdigt werden. Er stelle sie
in seinen Ausführungen auch in keinen erkennbaren Zusammenhang mit
seiner Person und könne daher nichts zu seinen Gunsten ableiten. Auch
im zitierten SFH-Bericht vom 10. April 2020 finde sich kein Anknüpfungs-
punkt zu ihm oder seinen Vorbringen. Aus den eingereichten 15 Fotos
könne lediglich geschlossen werden, dass er an verschiedenen Veranstal-
tungen in der Schweiz als Teilnehmer fotografiert worden sei. Es gehe nicht
hervor, dass er sich aus der Masse der Teilnehmer in besonderer, qualifi-
zierter Weise abgehoben habe. Aus solchen marginalen exilpolitischen Tä-
tigkeiten würde sich keine Gefährdung für ihn in Sri Lanka ableiten. Da er
keinerlei Bezug zwischen den geltend gemachten Tätigkeiten für den
STCC und ihm geschafft habe, sei das entsprechende Vorbringen bloss
behauptet und inhaltlich nicht hinreichend begründet. Die Anforderungen
an eine hinreichende Begründung des Mehrfachgesuchs seien damit nicht
erfüllt. Weitere Abklärungen bei der Schweizerischen Botschaft in Colombo
seien deshalb nicht geboten. Der entsprechende Antrag sei deshalb abzu-
weisen.
E-2601/2021
Seite 10
8.2 Dem entgegnete der Beschwerdeführer in der Rechtsmittelschrift, dass
er die Argumentation der Vorinstanz bestreite. Er sei der Ansicht, seine
Vorbringen genügend begründet zu haben und sie hätte auf das Mehrfach-
gesuch eintreten müssen. Die geltend gemachten Tatsachen und die ein-
gereichten Beweismittel würden hinreichend beweisen, dass Art. 54 AsylG
tangiert sei. Es sei fraglich, wie die Vorinstanz festgestellt haben könne, er
weise ein zu geringes politisches Profil auf, wenn sein Asylgesuch nicht
begründet gewesen sei. Die Vorinstanz werfe ihm vor, er habe seine exil-
politische Tätigkeit nicht schon früher geltend gemacht. Subjektive Nach-
fluchtgrunde entständen erst nach der Asylgesuchstellung, weshalb eine
frühere Geltendmachung nicht möglich gewesen sei. Bei einer Rückkehr in
seinen Heimatstaat drohe ihm eine unmenschliche und erniedrigende Be-
handlung. Er machte geltend, die Situation in Sri Lanka bleibe prekär und
instabil und zitierte Ausschnitte aus drei Zeitungen beziehungsweise Be-
richten. Aufgrund von Problemen mit der Leber sei er sehr krank und brau-
che eine Spezialbehandlung, welche in Sri Lanka nicht durch die Grund-
versorgung gedeckt sei.
9.
9.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzlichen Erwägungen
zu bestätigen sind. Wie von der Vorinstanz zutreffend festgestellt, ist das
Erfordernis einer ausreichenden Begründung im Sinne von Art. 111c Abs. 1
AsylG vorliegend nicht als erfüllt zu erachten (vgl. zum Nichteintretens-
grund der mangelhaften Begründung BVGE 2014/39 E. 7). Wie nachfol-
gend aufgezeigt, vermag die vom Beschwerdeführer angeführte Begrün-
dung inhaltlich nicht zu überzeugen beziehungsweise ist sie als nicht aus-
reichend im Sinne der erhöhten Anforderungen an die Begründung eines
Mehrfachgesuchs zu qualifizieren.
9.2 Die Vorinstanz hielt zu Recht fest, dass er aus den eingereichten 15 Fo-
tos keine Gefährdung für sich in Sri Lanka ableiten kann, da sie nicht zu
belegen vermögen, dass er sich aus der Masse der Teilnehmer in beson-
derer, qualifizierter Weise abgehoben hat. Denn angesichts des gut aufge-
stellten Nachrichtendienstes Sri Lankas ist davon auszugehen, dass die
sri-lankischen Behörden blosse «Mitläufer» von Massenveranstaltungen
als solche identifizieren können und diese in Sri Lanka mithin nicht als Ge-
fahr wahrgenommen werden (Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 E. 8.5.4). Weitere stark risikobegründende Faktoren liegen
zudem, wie von der Vorinstanz richtigerweise festgestellt und vom Bundes-
verwaltungsgericht bestätigt (Urteil des BVGer E-2096/2020 vom 6. Mai
2020 E. 7.2), nicht vor.
E-2601/2021
Seite 11
9.3 Ebenfalls ist die Vorinstanz darin zu bestätigen, dass der Beschwerde-
führer keinerlei Bezug zwischen den geltend gemachten Tätigkeiten für
den STCC und ihm geschaffen hat. Beim entsprechenden Vorbringen han-
delt es sich um eine unsubstantiierte und unbelegte Parteibehauptung. So
vermögen die eingereichten 15 Fotos seine behaupteten Tätigkeiten für
den STCC nicht zu belegen und die weiteren eingereichten Beweismittel
lassen einen Bezug zu ihm vermissen. Auch fehlt in der Beschwerdeschrift
eine konkrete Auseinandersetzung mit den vorinstanzlichen Erwägungen.
Den erhöhten Anforderungen an die Begründungspflicht bei Mehrfachge-
suchen ist offensichtlich nicht Genüge getan.
9.4 Der Beschwerdeführer verkennt, dass die Vorinstanz durchaus feststel-
len kann, dass die eingereichten Fotos kein genügendes Risikoprofil zu
begründen vermögen, die geltend gemachten Tätigkeiten für den STCC
inhaltlich nicht hinreichend begründet sind und sie aufgrund dessen nicht
auf das Mehrfachgesuch eintritt. Im Übrigen bleibt zu erwähnen, dass die
Vorinstanz dem Beschwerdeführer nicht vorwarf, er habe seine exilpoliti-
schen Tätigkeiten nicht schon früher geltend gemacht. Der Vorwurf der
Vorinstanz liegt darin begründet, dass er im Mehrfachgesuch erwähnte,
diese Tätigkeiten schon in den früheren Verfahren geltend gemacht zu ha-
ben, was jedoch nicht den Tatsachen entspricht.
9.5 Die Vorinstanz ist somit zu Recht auf das Mehrfachgesuch mangels
gehöriger Begründung der neuen Asylvorbringen in Anwendung von
Art. 111c AsylG Abs. 1 i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG nicht eingetreten.
10.
10.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
11.
11.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
E-2601/2021
Seite 12
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
11.2
11.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu
Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-
gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
11.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
E-2601/2021
Seite 13
gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). An der im Urteil E-2096/2020 vom 6. Mai 2020 getroffenen Ein-
schätzung zur Zulässigkeit ist weiterhin festzuhalten. Die allgemeine Men-
schenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heu-
tigen Zeitpunkt nicht als generell unzulässig erscheinen und der Beschwer-
deführer weist seinerseits keine individuellen Merkmale auf, welche eine
Unzulässigkeit des Vollzugs begründen könnten. Der Vollzug der Wegwei-
sung erweist sich damit als zulässig.
11.3
11.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
11.3.2 Die Vorinstanz verweist zutreffender Weise auf die Erwägungen des
Bundesverwaltungsgerichts in seinem Urteil E-2096/2020 vom 6. Mai
2020, gemäss derer die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs unter Be-
rücksichtigung der individuellen Zumutbarkeitskriterien explizit bejaht
wurde (E. 9.3). Persönliche Veränderungen – abgesehen von medizini-
schen Problemen (siehe nachfolgend) – bringt der Beschwerdeführer keine
vor, weshalb die dortigen Erwägungen zu bestätigen sind. Zudem hat die
Vorinstanz zu Recht darauf hinwiesen, dass trotz der sich in den letzten
Jahren verschiedentlich zugetragenen Sicherheitsvorfällen die Lage heute
als ruhig zu bezeichnen ist. Es besteht aktuell keine gänzlich unsichere,
von bewaffneten Konflikten oder anderen unberechenbaren Unruhen do-
minierende Lage, aufgrund derer Rückkehrer unabhängig ihres individuel-
len Hintergrunds konkret gefährdet wären, weshalb nicht von einer Situa-
tion allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG auszugehen ist.
11.3.3 In korrekter Weise führt die Vorinstanz aus, dass beim Vorbringen
von medizinischen Gründen nur dann von einer konkreten Gefährdung
auszugehen ist, wenn eine notwendige medizinische oder psychiatrische
Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu
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einer raschen und lebensbedrohlichen Situation führt (vgl. BVGE 2011/50
E. 8.3). Der EGMR anerkennt grundsätzlich auch keinen durch die EMRK
geschützten Anspruch auf Verbleib in einem Konventionsstaat, um weiter-
hin in den Genuss medizinischer Unterstützung zu kommen (vgl. EGMR-
Urteil N. gegen Vereinigtes Königreich vom 27. Mai 2008, Grosse Kammer,
Nr. 26565/05, § 42). Der Beschwerdeführer reichte mit seinem Mehrfach-
gesuch eine Verordnung zur Physiotherapie und ein ärztliches Rezept ein.
Auf Beschwerdeebene gab er zudem zwei Terminkarten des Ärzteteams
(...) mit je einem Termin sowie zwei Terminkarten mit diversen Terminen für
die Physiotherapie ins Recht. Aufgrund von Problemen mit (...) sei er sehr
krank und brauche eine Spezialbehandlung, welche in Sri Lanka nicht
durch die Grundversorgung gedeckt sei. Der Wortlaut von Art. 84 Abs. 4
AIG verdeutlicht, dass nur gravierende medizinische Fälle zur Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs führen. Die letzte ärztliche Konsultation
des Beschwerdeführers war gemäss eingereichtem Beweismittel am
2. Juni 2021. Den Akten lässt sich entnehmen, dass der Folgetermin auf
den 13. September 2021 festgelegt wurde. Indem dieser erst drei Monate
später angesetzt und zudem bis anhin kein Arztbericht eingereicht wurde,
ist davon auszugehen, dass keine medizinische Notlage vorliegt, welche
den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erscheinen lassen könnte.
Hierfür spricht ebenfalls, dass den Akten nicht zu entnehmen ist, dass der
Beschwerdeführer je eine Konsultation bei einem Spezialisten hatte. An
dieser Einschätzung vermögen auch die anlässlich der Einreichung des
Mehrfachgesuchs beigelegten Beweismittel – Kopie einer Verordnung zur
Physiotherapie und eines ärztlichen Rezeptes – nichts zu ändern. Die Ein-
nahme von Pantoprazol – hemmt die Protonenpumpe im Magen, welche
Magensäure ausschüttet – lässt nicht auf einen medizinischen Notfall
schliessen. Dem eingereichten Medikamentenrezept vom 22. April 2021
oder den weiteren Akten ist im Übrigen nicht zu entnehmen, ob er dieses
Medikament weiterhin einnimmt. Ferner kann der Beschwerdeführer auf
die Möglichkeit der Inanspruchnahme medizinischer Rückkehrhilfe hinge-
wiesen werden (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung
2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]).
11.3.4 Aufgrund des Erwähnten erweist sich der Vollzug der Wegweisung
somit zumutbar.
11.4 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka
ist möglich, da keine Vollzugshindernisse bestehen (Art. 83 Abs. 2 AIG),
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und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der Beschaffung gültiger Reise-
papiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12).
11.5 Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvoll-
zug nicht entgegen. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme setzt vo-
raus, dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, son-
dern voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf
Monate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären
Hindernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e).
Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn überhaupt – um ein bloss
temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Vollzugsmo-
dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem
etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland angepasst
wird.
11.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
13.
13.1 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwer-
debegehren des Beschwerdeführers schon bei Einreichung des Rechts-
mittels als aussichtslos zu gelten hatten. Damit ist – ungeachtet der Frage
der prozessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers – eine der kumula-
tiv zu erfüllenden Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt und das entspre-
chende Gesuch ist abzuweisen. Das Gesuch um Verzicht auf die Kosten-
vorschusserhebung ist mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos
geworden.
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13.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1’500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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