Decision ID: 85472612-a638-593c-ae52-9e8fc64a3f14
Year: 2010
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführenden am 28. März 2010 in der Schweiz um Asyl nachgesucht haben,
dass das BFM den Beschwerdeführenden am 7. August 2010  der summarischen Befragung im D._ das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Italiens für das Asylverfahren und zu einer Wegweisung dorthin gewährte,
dass die Beschwerdeführenden ausführten, Italien habe das  des Beschwerdeführenden abgewiesen und dieser besitze keine Ausweise, zudem hätten sie in Italien weder ein Auskommen noch eine Wohnung, die Beschwerdeführerin sei zwar einem Zentrum  worden, habe dort aber keine Unterstützung erhalten,
dass das BFM mit Verfügung vom 11. August 2010 – wann genau sie eröffnet worden ist, kann den Akten nicht entnommen werden, was sich aber für die Beschwerdeführenden nicht nachteilig ausgewirkt hat, konnten diese doch ihre Rechtsmitteleingabe dem  innert Frist zukommen lassen – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf die Asylgesuche nicht eintrat und die Beschwerdeführenden nach Italien wegwies,
dass das Bundesamt sie aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und den zuständigen Kanton Zürich mit dem Vollzug der Wegweisungsverfügung ,
dass die Vorinstanz festhielt, eine allfällige Beschwerde gegen diese Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, und die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die  anordnete,
dass das BFM zur Begründung seiner Verfügung anführte, der  sei am 7. September 2008 in Lampedusa e Linosa (Italien) wegen illegaler Einreise angehalten worden, was aus einem Fingerabdruckvergleich mit der Datenbank EURODAC hervorgehe, und dieser habe am 24. September 2008 in Latina ein Asylgesuch eingereicht,
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dass die Beschwerdeführerin ausgesagt habe, vom August 2010 (recte: 2009) bis zur Einreise in die Schweiz mit ihrem Partner in  gelebt zu haben,
dass gemäss dem Dublin-Assoziierungsabkommen (DAA, SR 0.142.392.68) und dem Übereinkommen vom 17. Dezember 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung und Entwicklung des Schengen-Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder in Norwegen  Asylantrags Italien für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig sei,
dass Italien auf Ersuchen des BFM um Übernahme der  innerhalb der festgelegten Frist nicht geantwortet habe und deshalb die Zuständigkeit gestützt auf die Dublin-II-Verordnung (Verordnung [EG] Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des , der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist) auf Italien übergegangen sei,
dass die Rückführung der Beschwerdeführenden – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder Verlängerung – bis spätestens am 14. November 2010 zu erfolgen habe,
dass der Beschwerdeführer anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs zur Zuständigkeit Italiens und zu einer Wegweisung dorthin ausgeführt habe, er sei dagegen, weil er in Italien keine Ankunft und keine Ausweise habe, ausserdem sei sein Asylgesuch in Italien  worden, und die Beschwerdeführerin diesbezüglich ausgesagt habe, sie sei gegen die Zuständigkeit und Wegweisung, weil sie dort keine Ankunft und keine medizinische Behandlung bekommen habe, ausserdem habe Italien ihrem Mann nicht Asyl gewährt,
dass auf das Asylgesuch somit nicht einzutreten sei,
dass die Folge eines Nichteintretensentscheides gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz sei,
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dass die Beschwerdeführenden in einen Drittstaat reisen könnten, in dem sie Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finden würden, weshalb das Non-Refoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates nicht zu prüfen sei,
dass ferner keine Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der  vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) im Falle einer Rückkehr der  nach Italien bestehen würden,
dass der Vollzug der Wegweisung nach Italien zulässig, zumutbar und möglich sei,
dass die Beschwerdeführenden mit Rechtsmitteleingabe vom 18. August 2010 in materieller Hinsicht beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, ihr Recht auf Selbsteintritt auszuüben und sich für das vorliegende Asyl - verfahren zuständig zu erklären,
dass sie in prozessualer Hinsicht die Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde mit der Anweisung an die Vollzugsbehörde, von einer Überstellung nach Italien abzusehen, bis das  über die vorliegende Beschwerde entschieden habe, beantragen,
dass sie unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20.  1968 (VwVG, SR 172.021) beantragen,
dass auf die Begründung der Rechtsbegehren, soweit für den  wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird,
dass das Bundesverwaltungsgericht mit per Telefax übermittelter  vom 19. August 2010 den Vollzug der Wegweisung per sofort aussetzte,
dass die vollständigen vorinstanzlichen Akten am 20. August 2010 beim Bundesverwaltungsgericht eingingen,
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und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des  vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass die Beschwerdeführenden am Verfahren vor der Vorinstanz  haben, durch die angefochtene Verfügung besonders  sind, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  Änderung haben und daher zur Einreichung der  legitimiert sind (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde  ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen  verzichtet wurde,
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 32-35 AsylG), die Beurteilungskompetenz der  grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,
dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den  als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist ( und Mitteilungen der Schweizerischen  [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),
dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs  geprüft hat, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht  grundsätzlich volle Kognition zukommt, wobei sich diese Fragen – namentlich diejenigen hinsichtlich des Bestehens von  (Durchführbarkeit der Überstellung an den zuständigen
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Staat) – in den Dublin-Verfahren bereits vor Erlass des  stellen,
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl - suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die  des Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich  ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),
dass das BFM am 29. April 2010 an Italien Ersuchen um Übernahme des Beschwerdeführers und der Beschwerdeführerin gestellt und Italien innert der festgelegten Frist nicht geantwortet hat, weshalb das BFM zu Recht feststellte, gestützt auf die Dublin-II-Verordnung sei die Zuständigkeit auf Italien übergegangen,
dass Italien unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der EMRK und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende  oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist,
dass keine Hinweise dafür bestehen, wonach Italien sich nicht an die massgebenden völkerrechtlichen Bestimmungen, insbesondere an das Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten würde, wie das in der Beschwerde mit dem Hinweis, sie könnten nach Libyen abgeschoben werden (Beschwerde Ziff. 2 Bst. c) von den Beschwerdeführenden geltend gemacht wird,
dass die Beschwerdeführenden in der Rechtsmitteleingabe zwar  hinweisen, es handle sich bei ihnen um ein junges Ehepaar in  eines in der Schweiz geborenen Säuglings, und allgemein sei die humanitäre Situation in Italien für Asylsuchende, welche dorthin transferiert würden, unzumutbar (Beschwerde Ziff. 3 Bst. a und b)
dass die in der Beschwerde erhobenen Einwände in  Hinsicht indessen nicht durchzudringen vermögen,
dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende in der Kritik steht, in den Aufenthalts- und Verfahrensbedingungen für , welche sich im Rahmen eines Asylverfahrens in Italien aufhalten, indessen insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist (s.  Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-6195/2009 vom 30. Oktober 2009 und E-1826/2010 vom 29. März 2010),
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dass aber Dublin-Rückkehrende und verletzliche Personen bezüglich Unterbringung von den italienischen Behörden bevorzugt behandelt werden und sich – neben den staatlichen Strukturen – auch zahlreiche private Hilfsorganisationen der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen,
dass gemäss Informationen, die dem Bundesverwaltungsgericht vom UNHCR vor kurzem zu dieser Problematik zugegangen sind, die  von Personen, die als besonders "vulnerable" gelten,  nach Rom oder Milano organisiert wird, wo ihnen Unterkunft und Unterstützung organisiert werden, vorausgesetzt die zuständigen Stellen werden im Voraus über die besonderen Schutzbedürfnisse ,
dass die weiteren Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe nicht  sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen, und  die Ausführungen zur Abschiebung der Beschwerdeführenden nach Libyen durch nichts belegte Vermutungen sind,
dass für das Bundesverwaltungsgericht somit keine Gründe ersichtlich sind, die das BFM zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung) hätten veranlassen sollen,
dass das Bundesamt demzufolge zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist,
dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die  aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach der Zu- lässigkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs regelmässig  Voraussetzung (und nicht erst Regelfolge) des  und deshalb vorliegend nicht zu prüfen ist,
dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]) stellt, sondern vor der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der  des Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Dublin-II-Verordnung) oder  – wenn sich Familienmitglieder in verschiedenen  befinden und zusammengeführt werden sollen – bei
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der Ausübung der sogenannten Humanitären Klausel (Art. 15 Dub- lin-II-Verordnung),
dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist, das BFM indessen vom Gericht  angehalten wird, die italienischen Behörden im Hinblick auf die Überführung der Beschwerdeführenden frühzeitig darauf  zu machen, dass sie zwei erwachsene Beschwerdeführende (Lebenspartnerschaft) und einen Säugling zu erwarten haben (s.  S. 7),
dass die Beschwerdeführenden nicht darzutun vermögen, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den  Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder  ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,
dass mit dem Entscheid in der Hauptsache ohne vorgängige Instrukti - on die Anträge auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung der  und Anweisungen des Gerichts an die Vorinstanz hinfällig geworden sind,
dass sich die gestellten Rechtsbegehren aufgrund vorstehender  als aussichtslos erweisen, weshalb der Antrag auf  der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG)  der allenfalls bestehenden Bedürftigkeit zwar abzuweisen ist, aber die Auferlegung der Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 600.- unverhältnismässig wäre und demnach darauf verzichtet wird (Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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