Decision ID: 2d5f9222-da8c-4418-911f-c7f5ee75ebb0
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
Mit Ver
fügung Nr.
"..."
vom 13. November 2018 verneinte die
Arbeits
losenkasse des Kantons Zürich
einen Anspruch von
X._
auf Arbeits
lo
senentschädigung ab
1.
Oktober 201
8.
Die vom Versicherten dagegen erho
bene Einsprache wies sie mit
Einspracheentscheid
Nr. 1003 vom 22. Januar 2019 ab. Mit Urteil AL.2019.00019 vom 2
1.
August 2019 hob das Sozialversicherungsge
richt diesen Entscheid auf und wies die Sache an die Arbeitslosenkasse des Kan
tons Zürich zurück, damit diese nach weiteren Abklärungen neu über den stritti
gen Anspruch verfüge (
Urk.
2 S. 1 f.; Urteil des Sozialversicherungsgerichts AL.2019.00019 vom 2
1.
August 2019, Sachverhalt und Dispositivziffer 1).
Nach weiteren Abklärungen erliess die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich am
8.
November 2019 einen neuen
Einspracheentscheid
Nr. 971 (
Urk.
2). Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
3.
Dezember 2019 «Einsprache» beim So
zialversicherungsgericht mit dem sinngemäss
en
Antrag, der angefochtene
Ent
-
scheid
sei aufzuheben und es sei der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ab
1.
Ok
tober 2018 zu bejahen (
Urk.
1).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Sinn und Zweck des
Einspracheverfahrens
ist es, der verfügenden Stelle die Mög
lichkeit zu geben, die angefochtene Verfügung nochmals zu überprüfen und über die bestrittenen Punkte zu entscheiden, bevor allenfalls die Beschwerdeinstanz angerufen wird. Der Versicherungsträger nimmt in diesem Rahmen - soweit nötig - weitere Abklärungen vor und überprüft die eigenen Anordnungen aufgrund des vervollständigten Sachverhalts. Bei Erhebung einer Einsprache wird das Verwal
tungsverfahren erst durch den
Einspracheentscheid
abgeschlossen, welcher die ursprüngliche Verfügung ersetzt. Da im
Einspracheverfahren
eine Auseinander
setzung mit den Vorbringen des Einsprechers zu erfolgen hat, soll das zum Ver
waltungsverfahren zählende Rechtsmittel der Einsprache letztlich der Entlastung der Gerichte dienen (Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2009 vom 2
6.
Juni 2009 E. 3.5).
Hervorzuheben ist, dass d
er
Einspracheentscheid
an die Stelle der Verfügung
tritt
. Er bildet alleiniger Anfechtungsgegenstand des Beschwerdeverfahrens
vor dem Sozialversicherungsgericht. Die Verfügung, soweit angefochten, hat mit Erlass des
Einspracheentscheides
jede rechtliche Bedeutung verloren (Urteil des Bundes
gerichts 9C_539/2014 vom 1
8.
Dezember 2014 E. 2.1 mit Hinweisen).
Hebt das
Sozialversicherungsgericht
den
Einspracheentscheid
auf und weist es die Sache zu
neuer Entscheidung zurück, hat die Verwaltung
daher
wiederum zuerst eine mit Einsprache anfechtbare Verfügung zu erlassen. Anders verhält es sich
nur
bei einem unzulässigen kassatorischen
Einspracheentscheid
oder wenn die
Verwal
tung ihren
Einspracheentscheid
lite
pendente kassiert und das kantonale Versi
cherungsgericht die Beschwerde als gegenstandslos geworden abschreibt, was un
angefochten bleibt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts I 115/06 vom 1
5.
Juni 2007
E. 2.2.2 mit Hinweis).
2.
Nichtigkeit
des Entscheids
tritt nach ständiger Rechtsprechung
ein, wenn der ih
m
anhaftende Mangel besonders schwer ist, er offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und zudem die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird. Als Nichtigkeitsgründe fallen vorab funktionelle und sachliche Unzuständigkeit der entscheidenden Behörde sowie
krass
e Verfah
rensfehler in Betracht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_245/2015 vom 1
9.
Au
gust 2015 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nichtigen Entscheiden geht jede Verbindlichkeit und Rechtswirksamkeit ab. Die Nichtigkeit ist jederzeit und von sämtlichen staat
lichen Instanzen von Amtes wegen zu beachten (vgl. BGE 132 II 342 E. 2.1).
3.
En
t
sprechend der gesetzlichen Regelung hat dem Erlass eines
Einspracheent
scheids
ein
Einspracheverfahren
und diesem wiederum der Erlass
einer Verfügung voranzugehen, wenn es
sich
um
Leistungen, Forderungen und Anordnungen
han
delt
, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist
(
Art.
49
Abs.
1 ATSG). Mit
dem Rückweisungsurteil AL.2019.00019 vom 2
1.
August 2019
wies
das Sozialversicherungsgericht
die
Beschwerdegegnerin
ausdrücklich an
, nach
Vornahme der noch nötigen
weiteren Abklärungen über den Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung neu
zu
ver
füge
n
.
Wie sich implizit aus dem Sachverhalt des angefochtenen Entscheides ergibt (
Urk.
2 S. 1 f.) und die zuständige Mitarbeiterin der Beschwerdegegnerin auf telefonische Anfrage des Sozialversicherungsgerichts bestätigte, wurde vor Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids
Nr. 971 vom
8.
November 2019 keine neue Verfügung erlassen (
Urk.
3). In Anbetracht der dargelegten Rechtspre
chung
liegt ein schwerwiegender Verfahrensmangel vor. Deshalb ist
festzustellen, dass der angefochtene Entscheid nichtig
ist und es ist auf die gegen den
Ein
spracheentscheid
Nr. 971 vom
8.
November 2019 erhobene Beschwerde nicht ein
zutreten.
Da eine gerichtliche Beurteilung des strittigen Anspruchs auf Arbeitslosenent
schädigung auf der Grundlage eines nichtigen Entscheids von vornherein ausser
Betracht fällt, ist analog
§
19
Abs.
2 des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungs
gericht (
GSVGer
)
auf eine diesbezügliche Stellungnahme der Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich zu verzichten.
Das Gericht
beschliesst
:
1.
Es wird
festgestellt, dass
der
Einspracheentscheid
Nr. 971 vom
8.
November 2019
nich
tig ist
und demzufolge wird mangels eines Anfechtungsobjekts auf die Beschwerde nicht eingetreten
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X._
unter Beilage von
Urk.
3
-
Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
unter Beilage von
Urk.
1-3
-
seco
- Direktion für Arbeit
-
Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA)
4.