Decision ID: d2ac7649-bdb1-4184-8acb-0a9e3c340d65
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Gefährdung des Lebens etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Abteilung, vom 23. Januar 2019 (DG180011)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 31. August 2018
(Urk. 30) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB,
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB,
− der mehrfachen Drohung gegen den hetero- oder homosexuellen Le-
benspartner im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 180 Abs. 2 lit. b StGB,
− der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB,
− des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG
in Verbindung mit Art. 61 AuG,
− der mehrfachen Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung im Sinne von
Art. 115 Abs. 1 lit. c AuG,
− der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 2 lit. c StGB, sowie
− der Übertretung des BG über die Betäubungsmittel im Sinne von
Art. 19a Abs. 1 BetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis
und mit morgen 224 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geld-
strafe von 20 Tagessätzen zu CHF 30.–, welche vollumfänglich durch Haft
erstanden ist, und einer Busse von CHF 1'700.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
4 Jahre festgesetzt.
- 3 -
4. Die Geldstrafe wird vollzogen.
5. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 17 Tagen.
6. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB für die Dauer
von 5 Jahren des Landes verwiesen.
7. Die beiden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom
31. August 2018 beschlagnahmten Mobiltelefone der Marke Samsung
(schwarz beschädigt und goldfarben) sind der Privatklägerin nach Eintritt der
Rechtskraft auf erstes Verlangen herauszugeben.
8. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin
B._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach vollumfäng-
lich schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des
Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin B._ auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ CHF 5'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab 11. Juni 2018 als Genugtuung zu bezahlen.
10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 4'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 2'100.00 Gebühr Anklagebehörde
CHF 7'290.00 Telefonkontrolle
CHF 160.00 Auslagen (Ärztliche Kurzgutachten)
CHF 22'390.20 amtliche Verteidigung
CHF 11'650.00 unentgeltliche Vertretung der Privatklägerschaft
CHF 47'590.20 Kosten total.
11. Die Kosten und Auslagen der Untersuchung und des gerichtlichen Verfah-
rens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unent-
geltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auf-
erlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Ver-
- 4 -
tretung der Privatklägerschaft werden einstweilen auf die Gerichtskasse ge-
nommen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO vorbehalten.
12. Rechtsanwalt MLaw, LL.M. X._ wird für seine Bemühungen als amtli-
cher Verteidiger des Beschuldigten in der Zeit vom 15. Juni 2018 bis
24. Januar 2019 mit total CHF 22'390.20 (inkl. 7.7% MwSt.) entschädigt. Die
Kasse des Bezirksgerichts Meilen wird angewiesen, diesen Betrag an
Rechtsanwalt MLaw, LL.M. X._ auszubezahlen.
13. Rechtsanwältin lic. iur. Y._ wird für ihre Bemühung als unentgeltliche
Vertretung der Privatklägerschaft in der Zeit vom 25. Juni 2018 bis
24. Januar 2019 mit total CHF 11'650.– (inkl. 7.7% MwSt.) entschädigt. Die
Kasse des Bezirksgerichts Meilen wird angewiesen, diesen Betrag an
Rechtsanwältin lic. iur. Y._ auszubezahlen.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 90 S. 2 f.; Urk. 103 S. 2)
1. Das Urteil der Vorinstanz vom 23. Januar 2019 sei betreffend Ziff. 1, 2,
3, 4, 5, 6, 8, 9 und 11 aufzuheben.
2. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens
(Art. 129 StGB), der einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 2 StGB),
der mehrfachen Drohung gegen den hetero- oder homosexuellen Le-
benspartner (Art. 180 Abs. 1 i.V.m. Art. 180 Abs. 2 lit. b StGB), des
rechtswidrigen Aufenthaltes (Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG i.V.m. Art. 61
AuG) sowie der mehrfachen Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung
(Art. 115 Abs. 1 lit. c AuG) freizusprechen. Im Übrigen sei der Schuld-
spruch zu bestätigen.
- 5 -
3. Der Beschuldigte sei unter Anrechnung der bereits erstandenen Haft
mit einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 10.– sowie
einer Busse von Fr. 800.– zu bestrafen.
4. Es sei dem Beschuldigten für die erstandene Haft eine Genugtuung
von Fr. 51'000.– zuzüglich Zins von 5 % seit 13. Oktober 2018 zuzu-
sprechen.
5. Es sei von der Anordnung einer Landesverweisung abzusehen.
6. Der Privatklägerin sei eine Genugtuung von Fr. 300.– zuzusprechen;
im Übrigen seien die Zivilansprüche abzuweisen.
7. Die Kosten des Vorverfahrens und des vorinstanzlichen Verfahrens
seien auf die Staatskasse zu nehmen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Staatskasse.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 96, schriftlich, sinngemäss)
1. Verzicht auf Anschlussberufung
2. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
3. Gesuch um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhand-
lung
- 6 -

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichtes
Meilen, Abteilung, vom 23. Januar 2019 liess der Beschuldigte mit Eingabe vom
4. Februar 2019 (Datum des Poststempels) rechtzeitig Berufung anmelden
(Urk. 82; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach Erhalt des begründeten Urteils am
30. Januar 2020 reichte die amtliche Verteidigung am 19. Februar 2020 (Datum
des Poststempels) fristgerecht die Berufungserklärung im Sinne von Art. 399
Abs. 3 StPO ein (Urk. 90).
Mit Präsidialverfügung vom 24. Februar 2020 wurde die Berufungserklärung des
Beschuldigten der Staatsanwaltschaft und der Privatklägerin zugestellt und Frist
für Anschlussberufung oder einen Nichteintretensantrag angesetzt. Dieselbe Frist
wurde dem Beschuldigten angesetzt, um das Datenerfassungsblatt und Unterla-
gen zu seinen aktuellen wirtschaftlichen Verhältnissen einzureichen (Urk. 91). Mit
Eingabe vom 27. Februar 2020 erklärte die Staatsanwaltschaft ihren Verzicht auf
Anschlussberufung, beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und
stellte ein Gesuch um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhand-
lung, welches bewilligt wurde (Urk. 96). Die Privatklägerin liess sich innert Frist
nicht vernehmen. Mit Eingabe vom 16. März 2020 beantragte die amtliche Vertei-
digung eine Fristerstreckung zur Einreichung des Datenerfassungsblattes und der
notwendigen Unterlagen, welche bewilligt wurde (Urk. 97). Innert erstreckter Frist
reichte der Beschuldigte weder das Datenerfassungsblatt noch Unterlagen zu
seinen aktuellen wirtschaftlichen Verhältnissen ein.
Am 29. April 2020 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf den 9. Ok-
tober 2020 vorgeladen (Urk. 100). Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der
Beschuldigte die eingangs aufgeführten Anträge stellen (Prot. II S. 4 f.; Urk. 103
S. 2).
- 7 -
II. Prozessuales
Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die vorinstanzlichen Urteils-
dispositivziffern 1, teilweise (Schuldsprüche betreffend Gefährdung des Lebens,
einfache Körperverletzung, mehrfache Drohung gegen den hetero- oder homose-
xuellen Lebenspartner, rechtswidrigen Aufenthalt sowie mehrfache Erwerbstätig-
keit ohne Bewilligung), 2-5 (Strafmass), 6 (Anordnung Landesverweisung),
8-9 (Zivilansprüche) und 11 (Kostenauflage). Er beantragt einen Freispruch von
den Vorwürfen der Gefährdung des Lebens, der einfachen Körperverletzung, der
mehrfachen Drohung gegen den hetero- oder homosexuellen Lebenspartner, des
rechtswidrigen Aufenthaltes sowie der mehrfachen Erwerbstätigkeit ohne Bewilli-
gung. Er sei nur der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB, der Tät-
lichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 2 lit. c StGB sowie der Übertretung des Be-
täubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Abs. 1 BetmG schuldig zu spre-
chen und unter Anrechnung der bereits erstandenen Haft mit einer bedingten
Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 10.– sowie einer Busse von Fr. 800.– zu
bestrafen. Zudem sei ihm für die erstandene Haft eine Genugtuung von
Fr. 51'000.– zuzüglich Zins von 5 % seit dem 13. Oktober 2018 zuzusprechen,
und es sei von der Anordnung einer Landesverweisung abzusehen. Der Privat-
klägerin sei eine Genugtuung von Fr. 300.– zuzusprechen; im Übrigen seien die
Zivilansprüche abzuweisen (Urk. 90 S. 2 f.; Urk. 103 S. 2).
Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des
angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem die Ur-
teilsdispositivziffern 1, 4., 7. und 8. Spiegelstrich (Schuldsprüche betreffend Be-
schimpfung, Tätlichkeiten und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes),
7 (Entscheid über beschlagnahmte Mobiltelefone), 10 (Kostenfestsetzung),
12 und 13 (Anwaltshonorare) unangefochten blieben, ist mittels Beschluss festzu-
stellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft erwach-
sen ist.
Die Verteidigung moniert im Zusammenhang mit Anklageziffer 2 (Drohung), dass
die Privatklägerin die Vorwürfe betreffend dieser Drohung nur anlässlich ihrer po-
lizeilichen Einvernahme vorgebracht habe. Diese Aussagen könnten zwar für die
- 8 -
Prüfung der Glaubhaftigkeit herangezogen werden, seien als Beweis jedoch nicht
verwertbar, da der Beschuldigte kein Teilnahmerecht habe wahrnehmen können.
Art. 147 Abs. 4 StPO halte klar fest, dass Beweise, die unter Verletzung des Teil-
nahmerechts erhoben worden seien, nicht zulasten der Partei verwertet werden
dürften, die nicht anwesend gewesen sei (Urk. 103 S. 11). Da die staatsanwalt-
schaftliche Einvernahme der Privatklägerin in Anwesenheit des Beschuldigten
sowie dessen Verteidigung durchgeführt worden ist (Urk. 6/3 S. 1), wurde das
Konfrontationsrecht des Beschuldigten im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StPO ge-
wahrt, und er hatte die Möglichkeit, der Privatklägerin Fragen zu stellen. Die Aus-
sagen der Privatklägerin sind somit verwertbar. Angesichts des zu erfolgenden
Freispruchs betreffend Anklageziffer 2 (vgl. nachfolgend, Erw. III.5.7.3. und
Erw. III.5.7.6.) ist der Einwand der Verteidigung aber ohnehin nicht weiter von Re-
levanz.
Weiter bringt die Verteidigung vor, die Vorinstanz sei hinsichtlich Anklageziffer 6
(einfache Körperverletzung) davon ausgegangen, dass der Beschuldigte der Pri-
vatklägerin mit einem Messer in den Finger geschnitten habe. Dies widerspreche
dem angeklagten Sachverhalt, wonach die Privatklägerin ins Messer gegriffen
habe. Durch diese Würdigung verändere die Vorinstanz den Sachverhalt mass-
geblich und verletze damit den Anklagegrundsatz gemäss Art. 9 StPO (Urk. 103
S. 20). Die Würdigung des Anklagesachverhalts durch die Vorinstanz stellt keine
Verletzung des Anklageprinzips dar und ist vorliegend auch nicht weiter von Be-
deutung, da die Berufungsinstanz den angefochtenen Schuldspruch – und damit
auch den bestrittenen Sachverhalt – mit freier Kognition überprüft. Entsprechend
erübrigen sich weitergehende Erwägungen hierzu.
III. Sachverhalt
1. Vorbemerkung
Infolge rechtskräftiger Erledigung aller übrigen Anklagevorwürfe verbleiben die
nachfolgenden Vorwürfe betreffend Anklageziffern 2, 3, 6 und 8-10 Gegenstand
des Berufungsverfahrens.
- 9 -
2. Anklagevorwurf
2.1. Delikte zum Nachteil der Privatklägerin
Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, er habe seiner Lebens-
partnerin B._ (nachfolgend Privatklägerin) zu einem nicht näher bekannten
Zeitpunkt im April 2018 in der gemeinsamen Wohnung in C._ [Ortschaft] ge-
sagt, dass er sie nicht mehr sehen könne und er sie umbringen wolle. Dadurch
habe er die Privatklägerin in grosse Angst versetzt und diese habe befürchtet,
dass er seine Androhung in die Tat umsetzen könnte, was dieser mit seiner
Äusserung bezweckt oder zumindest in Kauf genommen habe (Urk. 30 S. 3, An-
klageziffer 2).
Weiter wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe nach der verbalen Äusse-
rung in der gemeinsamen Wohnung kaltes Wasser in die Badewanne einlaufen
lassen, bis diese ungefähr halb gefüllt gewesen sei. Daraufhin habe er die auf den
Armen und Beinen kriechende Privatklägerin an ihren Haaren ins Badezimmer
gezogen, sie an ihrem Nacken ergriffen, mit dem Kopf über den Badewannenrand
gebeugt und bis zum Hals unter Wasser gedrückt, wobei die Privatklägerin vor
der Badewanne gekniet sei. Dies habe er drei bis vier Mal für mehrere Sekunden
getan, wobei die Privatklägerin jeweils keine Luft mehr bekommen habe, während
ihr Kopf unter Wasser gewesen sei. Als sie versuchte habe, sich zu wehren, in-
dem sie sich mit ihren Händen vom Badewannenrand wegzustossen versucht ha-
be, habe der Beschuldigte zu ihr gesagt, sie solle aufhören sich zu wehren und es
zulassen. Indem der Beschuldigte die Privatklägerin mehrfach in kurzen Abstän-
den hintereinander unter Wasser gedrückt habe, habe er eine konkrete Gefahr für
ihr Leben geschaffen, da er es nicht mehr in der Hand gehabt habe, ob sie genü-
gend Luft zum Atmen erhalte bzw. ob sie sich während den kurzen Pausen zwi-
schen den Tauchern genügend hätte erholen können, um eine erneute Verhinde-
rung der Luftzufuhr verkraften zu können, was der Beschuldigte bezweckt habe
(Urk. 30 S. 3, Anklageziffer 3).
Ferner wird dem Beschuldigten vorgeworfen, zu einem nicht näher bekannten
Zeitpunkt um den 2. April 2018, abends, in der gemeinsamen Wohnung in
- 10 -
C._ direkt vor der auf dem Sofa sitzenden Privatklägerin gestanden zu sein
und vor ihr auf der Höhe ihrer Augen mit einem Rüstmesser herumgefuchtelt und
Bewegungen in ihre Richtung gemacht zu haben, wodurch diese Angst bekom-
men habe, dass er sie zumindest verletzen würde bzw. könnte, weshalb sie ihre
Hände schützend vor ihr Gesicht gehalten habe. Dadurch habe sie ins Messer
gegriffen, sodass sie eine Schnittwunde am linken Ringfinger erlitten habe, wel-
che mit vier Stichen habe genäht werden müssen, was der Beschuldigte zumin-
dest billigend in Kauf genommen habe. Durch sein Verhalten habe der Beschul-
digte die Privatklägerin zudem in grosse Angst versetzt und diese befürchten las-
sen, er könnte ihr physische Gewalt antun, was er mit seinem Verhalten denn
auch bezweckt bzw. zumindest billigend in Kauf genommen habe (Urk. 30 S. 4,
Anklageziffer 6).
Dem Beschuldigten wird zudem vorgeworfen, der Privatklägerin am 11. Juni 2018
in der gemeinsamen Wohnung in C._ gesagt zu haben, ihre Familie werde
"drunter kommen", wenn sie etwas über die zuvor geschilderten Vorfälle der Poli-
zei erzählen würde, wobei er zunächst ihren Bruder, dann ihren Vater und
schliesslich ihre Mutter umbringen würde. Dadurch habe er die Privatklägerin in
grosse Angst versetzt und sie befürchten lassen, er könnte ihrer Familie physi-
sche Gewalt antun, was er mit seinem Verhalten auch bezweckt bzw. zumindest
billigend in Kauf genommen habe (Urk. 30 S. 5, Anklageziffer 8).
2.2. Rechtswidriger Aufenthalt
Weiter wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe sich als Staatsbürger Ko-
lumbiens in Kenntnis des Ablaufs seiner Schweizer Aufenthaltsgenehmigung (B)
am 8. Oktober 2017 seit dem 9. Oktober 2017 ohne gültigen und ihm zustehen-
den kolumbianischen Reisepass und ohne gültige Schweizer Aufenthaltsgeneh-
migung, somit rechtswidrig, bis zum 14. Juni 2018 auf dem Gebiet der Schweiz
aufgehalten, was er gewusst habe (Urk. 30 S. 5, Anklageziffer 9).
- 11 -
2.3. Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung
Ferner wird dem Beschuldigten vorgeworfen, zu einem nicht näher bestimmbaren
Zeitpunkt im Januar oder Februar 2018 an einem Tag auf einer Baustelle in
D._ [Ortschaft] als Handlanger gearbeitet und einmal Gartenarbeiten verrich-
tet zu haben, wobei er jeweils ein Entgelt für seine Tätigkeiten erhalten habe, oh-
ne über die dafür notwendige Bewilligung verfügt zu haben, von deren Erfordernis
er Kenntnis gehabt habe (Urk. 30 S. 5, Anklageziffer 10).
3. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte bestreitet die Anklagevorwürfe gemäss Anklageziffern 2, 3, 6
und 8 (Delikte zum Nachteil der Privatklägerin) vollumfänglich (Urk. 5/1 S. 4 ff.
und S. 10; Urk. 5/2 S. 3 f.; Urk. 5/3 S. 2 f.; Urk. 5/5 S. 8 ff.; Prot. I S. 39 ff.; Prot. II
S. 21 ff.).
Den Sachverhalt gemäss Anklageziffer 9 hat der Beschuldigte anerkannt (Urk. 5/1
S. 11 f.; Urk. 5/2 S. 5 f.; Urk. 5/5 S. 3 und S. 11; Prot. I S. 45; Prot. II S. 29). Mit
dem Beschuldigten stellt auch die Verteidigung den eingeklagten Sachverhalt
gemäss Anklageziffer 9 nicht in Abrede (Urk. 70 S. 5; Urk. 103 S. 21 f.). Sie mo-
niert diesbezüglich einzig, dass selbst bei einer Nicht-Verlängerung der Aufent-
haltsbewilligung eine angemessene Ausreisefrist angesetzt werde, wobei der
Aufenthalt bis zum Ablauf dieser Frist rechtmässig bleibe. Das Migrationsamt ha-
be dem Beschuldigten keine Ausreisefrist angesetzt, weshalb sein Aufenthalt bis-
her nicht als rechtswidrig im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AIG qualifiziert wer-
den könne und der Beschuldigte freizusprechen sei. Ohnehin stehe einer Bestra-
fung des Beschuldigten aber die EU-Rückführungsrichtlinie entgegen. Eine Per-
son ohne Aufenthaltsberechtigung könne erst dann strafrechtlich belangt werden,
wenn das kantonale Migrationsamt alle möglichen Wegweisungsvollzugsmass-
nahmen an die Hand genommen habe, um den rechtswidrig Anwesenden aus der
Schweiz auszuschaffen. Seitens der Migrationsbehörden sei nicht alles Zumutba-
re unternommen worden, um eine Rückführung in die Wege zu leiten, sodass
dem Beschuldigten kein strafrechtlicher Vorwurf gemacht werden könne und das
Strafverfahren betreffend rechtswidrigen Aufenthalt im Eventualfall einzustellen
- 12 -
sei (Urk. 70 S. 18 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung machte die Verteidi-
gung ergänzend geltend, der Beschuldigte sei für seinen rechtswidrigen Aufent-
halt bereits mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen vom 4. Mai 2018
bestraft worden. Zudem sei ihm eine Ausreise ohne heimatliche Papiere nicht
möglich gewesen. Eine illegale Einreise in ein Drittland könne nicht verlangt wer-
den. Eine Bestrafung wegen rechtswidrigen Aufenthalts komme somit aufgrund
der objektiven Unmöglichkeit der Ausreise nicht in Betracht (Urk. 103 S. 22). Die-
se Vorbringen der Verteidigung sind nachfolgend im Rahmen der rechtlichen
Würdigung zu beurteilen (Erw. IV.4.).
Hinsichtlich Anklageziffer 10 räumte der Beschuldigte ein, auf einer Baustelle bei
Kollegen in D._ als Handlanger gearbeitet und einmal Gartenarbeiten ver-
richtet zu haben. Der Beschuldigte bestreitet den Sachverhalt gemäss Anklagezif-
fer 10 nicht, stellt sich aber auf den Standpunkt, dass es sich dabei um keinen
Job gehandelt habe. Dies sei für ihn nicht Arbeit gewesen, sondern er habe ein-
fach gerne geholfen (Urk. 5/5 S. 13 ff.). An dieser Darstellung hielt der Beschul-
digte auch anlässlich der Berufungsverhandlung fest (Prot. II S. 29 ff.). Mit dem
Beschuldigten stellt auch die Verteidigung den eingeklagten Sachverhalt gemäss
Anklageziffer 10 nicht in Abrede, macht aber geltend, eine Bestrafung wegen
Ausübung einer nicht bewilligten Erwerbstätigkeit sei nicht angebracht. Der Auf-
enthalt des Beschuldigten könne nicht als rechtswidrig qualifiziert werden, wes-
halb auch eine allfällige Arbeitsleistung nicht verboten sei. Zudem würden Gefäl-
ligkeitsleistungen, die nach objektiven Kriterien nicht gegen Entgelt geleistet wür-
den, nicht unter den Begriff der Erwerbstätigkeit fallen. Demzufolge sei der Be-
schuldigte vom Vorwurf der Ausübung einer nicht bewilligten Erwerbstätigkeit frei-
zusprechen (Urk. 70 S. 20; Urk. 103 S. 22 f.). Diese Vorbringen der Verteidigung
sind ebenfalls nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu beurteilen
(Erw. IV.5.).
Nachfolgend ist zu prüfen, ob sich die Sachverhalte der bestrittenen Anklagezif-
fern 2, 3, 6, und 8 (Delikte zum Nachteil der Privatklägerin) anhand der vorliegen-
den Beweismittel erstellen lassen (vgl. Erw. III.5.), wobei sich die urteilende In-
stanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes
- 13 -
einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (Urteil des Bundesgerichtes
6B_170/2011 vom 10. November 2011, E. 1.2).
4. Übersicht Beweismittel
Für die Erstellung der Sachverhalte gemäss Anklageziffern 2, 3, 6 und 8 liegen
als Beweismittel die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 5/1-5; Prot. I S. 38 ff.;
Prot. II S. 21 ff.), der Privatklägerin (Urk. 6/1-3; Prot. I S. 19 ff.) und der Zeugin
E._ (Urk. 7), die Gewaltschutzverfügung der Kantonspolizei Zürich vom 15.
Juni 2018 samt Urteil des Zwangsmassnahmengerichts Meilen vom 22. Juni 2018
(Urk. 9/1-2), ein ärztliches Zeugnis von Dr. med. F._ vom 3. April 2018 (Urk.
17/3), sowie die Arztberichte von Dr. med. F._ vom 11. Juli 2018 und Dr.
med. G._ vom 12. Juli 2018 (Urk. 17/4; Urk. 17/6) vor.
5. Sachverhaltserstellung Delikte zum Nachteil der Privatklägerin
(Anklageziffern 2, 3, 6 und 8)
5.1. Beziehung zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin
Unbestritten ist, dass der Beschuldigte und die Privatklägerin ein Liebespaar wa-
ren, sie zusammen in einer Wohnung in C._ wohnten und eine turbulente
Beziehung führten, in welcher es zu Eifersucht, Kontrollhandlungen, Beschimp-
fungen und Gewaltanwendungen seitens des Beschuldigten gegenüber der Pri-
vatklägerin gekommen ist (vgl. Urk. 5/1 S. 2 ff.). Der Beschuldigte anerkannte,
dass er der Privatklägerin eine Ohrfeige gegeben und sie an den Oberarmen ge-
packt und geschüttelt habe. Er habe ihr mit der flachen Hand ins Gesicht ge-
schlagen. Bei einem weiteren Vorfall habe er ihr eine Ohrfeige gegeben und dabei
das Auge getroffen. Er sei selber erschrocken, dass es danach blau geworden
sei. Er habe ihr vorne in ihre Haare gegriffen und ihren Kopf nach oben gezogen,
damit sie sich in die Augen sehen konnten (Urk. 5/1 S. 2 ff.). Diese Vorkommnisse
wurden auch von der amtlichen Verteidigung nicht in Abrede gestellt. Entspre-
chend unangefochten blieben die vorinstanzlichen Schuldsprüche betreffend Be-
schimpfung und Tätlichkeiten zum Nachteil der Privatklägerin (vgl. vorstehend,
Erw. II.).
- 14 -
Der Beschuldigte bezeichnet sich selbst als temperamentvoll und jemanden, der
schnell wütend werde. Wenn jemand versuche, ihm weh zu machen, dann könne
er nicht mehr ruhig bleiben. Als die Privatklägerin ihm von ihren sexuellen Begeg-
nungen erzählt habe, sei er aufgestanden und habe mit dem Stuhl ein Loch in die
Decke geschlagen (Urk. 5/1 S. 2 und S. 4). Die Verteidigung führte weiter aus,
dass der Beschuldigte sich oft mit der Privatklägerin wegen eingestandener Affä-
ren gestritten habe. Dieser sei deshalb immer eifersüchtiger geworden und habe
versucht, seine Freundin zu kontrollieren (Urk. 70 S. 3; Urk. 103 S. 3). Diese Dar-
stellung deckt sich auch mit den Aussagen der Privatklägerin, welche ebenfalls zu
Protokoll gab, dass der Beschuldigte sehr eifersüchtig gewesen sei, sie kontrol-
liert habe und ihr gegenüber handgreiflich geworden sei, als sie ihm von ihren se-
xuellen Begegnungen berichtet habe (Urk. 6/1 S. 2 ff.; Prot. I S. 22).
Die Anklagevorwürfe gemäss Anklageziffern 2, 3, 6 und 8 stützen sich im Wesent-
lichen auf die Aussagen der Privatklägerin. Ihren Aussagen stehen diejenigen des
Beschuldigten gegenüber. Da Widersprüche und Ungereimtheiten betreffend den
einen Anklagekomplex auch Auswirkungen auf die Aussagenwürdigung betref-
fend andere Komplexe haben können, erscheint es angezeigt, die Aussagen der
Beteiligten zuerst in ihrer Gesamtheit betreffend alle Anklagevorwürfe darzustel-
len, um dann bei der Beweiswürdigung im Rahmen der einzelnen Anklagevorwür-
fe darauf zurückzukommen.
5.2. Aussagen der Privatklägerin
5.2.1. Polizeiliche Einvernahme vom 12. Juni 2018
Anlässlich der polizeilichen Einvernahme führte die Privatklägerin zu den vom Be-
schuldigten bestrittenen Vorwürfen aus, als sie am Abend nach Hause gekommen
sei, habe der Beschuldigte sie an beiden Armen gepackt und zu ihr gesagt, dass
er sie nicht mehr sehen könne, er kein Geld mit ihr machen und sie umbringen
wolle. Er sei dann in der Wohnung herumgelaufen und habe etwas gemurmelt. Er
habe Wasser in die Badewanne einlaufen lassen. Sie habe Panik bekommen. Er
habe sie am Genick gepackt und ins Badezimmer gezogen. Die Badewanne sei
nicht einmal bis zur Hälfte voll gewesen. Er habe sie dann drei bis vier Mal unter
- 15 -
Wasser gedrückt. Beim ersten Mal habe er sie kurz unter Wasser gedrückt. Bei
den anderen Malen sei es länger gewesen. Wie lange könne sie nicht sagen. Er
habe sie am Nacken gehalten mit einer Hand. Sie sei auf den Knien gewesen und
habe sich mit ihren Armen am Beckenrand abgestützt. Jedes Mal sei der ganze
Kopf bis zum Hals unter Wasser gewesen. Die Badewanne sei halbvoll und das
Wasser kalt gewesen (Urk. 6/1 S. 3).
Auf die Frage, wie sie sich dabei gefühlt habe, gab die Privatklägerin zu Protokoll,
machtlos. Sie habe gedacht, dass jetzt wirklich fertig sei. Sie habe sich dann vom
Badewannenrand wegdrücken können. Während sie sich weggedrückt habe, ha-
be er sie auf den Boden drücken können. Er sei dann auf ihr gekniet, habe mit ei-
ner Hand gegen ihren Hals gedrückt und mit der anderen ihren Mund zugehalten.
Sie habe zu Beginn kein Wort herausbringen können, da er so fest gedrückt habe.
Er habe einige Sekunden gedrückt; höchstens 10 bis 15 Sekunden. Er habe seine
Hand dann ein wenig von ihrem Mund gelöst und sie habe ihm sagen können,
dass sie ihn liebe. Dann habe er abrupt losgelassen und sei aufgestanden. Da-
nach habe er mit den Händen gegen ihren Oberkörper geschlagen und ihr zwei
Mal gegen den Bauch getreten. Sie habe für einige Sekunden keine Luft bekom-
men. Er sei dann aus dem Badezimmer gegangen (Urk. 6/1 S. 4).
5.2.2. Polizeiliche Einvernahme vom 13. Juni 2018
Die Privatklägerin gab erneut zu Protokoll, dass sie Streit gehabt hätten und er
versucht habe, sie zu ertränken. Dann habe es ein paar Schläge und Kicks in den
Bauch gegeben. Sie habe ihn dann gebeten, aufzuhören. Sie würden sich doch
lieben. Dann habe er aufgehört. Durch die Schläge und Tritte sei sie verletzt wor-
den. Sie habe Prellungen und blaue Flecken gehabt (Urk. 6/2 S. 4 und S. 7).
Weiter führte die Privatklägerin aus, dass sie sich nie an die Polizei gewendet ha-
be, weil der Beschuldigte immer gesagt habe, wenn sie etwas erzählen würde,
würde ihre Familie "drunter kommen" wie auch sie (Urk. 6/2 S. 10).
- 16 -
5.2.3. Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 4. Juli 2018
Gegenüber der Staatsanwaltschaft führte die Privatklägerin zum Vorfall im Bade-
zimmer mit der Badewanne befragt aus, dass der Beschuldigte Ende April richtig
handgreiflich geworden sei. Er habe gesagt, dass er mit so einer Person nicht
mehr zusammen sein könne. Er habe sie an den Haaren gezogen und quasi über
den Boden geschleift. Er habe begonnen, kaltes Wasser in die Badewanne einzu-
lassen. Als diese halbvoll gewesen sei, habe er sie am Nacken gepackt und sie
mit dem Kopf ins Wasser getunkt, ca. drei bis vier Mal, je ein paar Sekunden lang.
In diesem Moment sei sie in einem Schockzustand gewesen und habe gedacht,
es sei vorbei. Er habe ihr gesagt, sie solle aufhören sich zu wehren. Sie solle es
einfach zulassen. Der Druck am Nacken sei dann weniger geworden, und sie ha-
be es geschafft, von der Badewanne wegzukommen. Er habe sie dann am Hals
gepackt und auf den Boden gedrückt. Er habe ihr zuerst den Mund zugedrückt,
damit sie keine Geräusche von sich habe geben können. Dann sei er aufgestan-
den und habe ihr mit dem Fuss zwei Mal in den Bauch gekickt. Sie habe damals
sowieso noch Mühe gehabt, zu Atem zu kommen wegen des Schocks. Danach
habe sie erst recht Mühe gehabt. Er sei dann ins Wohnzimmer gegangen
(Urk. 6/3 S. 6).
Weiter führte die Privatklägerin aus, dass sie nicht ganz sicher sei, aber sie glau-
be, ein paar Tage später hätten sie wieder einen Streit angefangen und dann ha-
be er ihr gesagt, dass er das beenden wolle. Sie habe das damals der Polizei
nicht gesagt. Sie sei auf dem Sofa gesessen, er sei dann aufgestanden und in die
Küche gegangen. Er habe ein Küchenmesser geholt, das grösste, welches sie
gehabt hätten, und habe gesagt, er würde sie jetzt umbringen, weil er nicht mit ei-
ner solchen Person zusammen sein könne, es sei nun soweit gekommen. Als er
mit dem Messer auf sie zugekommen sei, habe sie schon Panik bekommen und
ihn angefleht, er solle aufhören. Sie habe dann die Hände schützend vor sich ge-
halten. Dabei habe er sie in den Finger geschnitten. Die Pulsader sei getroffen
worden und das Blut sei ziemlich hoch gespritzt. Als sie zusammen ins Badezim-
mer gegangen seien, habe er ihr gesagt, dass er sie nicht in den Finger habe
schneiden wollen, aber dass er es habe beenden wollen. Er sei aber schon scho-
- 17 -
ckiert gewesen, dass er sie getroffen habe, was er nicht gewollt habe. Sie hätten
dann versucht, das mit WC-Papier zu stoppen, was aber nicht gegangen sei. Er
habe ihr gesagt, sie müsse das unbedingt beim Arzt nähen lassen. Dann habe er
eine Socke geholt und wie einen Druckverband gemacht. Er habe dann gesagt,
sie habe viel Blut verloren und solle sich hinlegen, da es ihr schwindlig werden
könnte. Am nächsten Morgen habe sie sich bei ihrer Chefin gemeldet, sie könne
nicht arbeiten kommen, sie habe sich beim Frühstück machen in den Finger ge-
schnitten. Dann sei sie alleine ins Arztzentrum in H._ gegangen. Es habe mit
vier Stichen genäht werden müssen, und sie sei für 4 Tage krankgeschrieben
worden (Urk. 6/3 S. 8).
Die Privatklägerin sagte weiter aus, dass er ihr auf dem Weg, als sie telefoniert
hätten, gesagt habe, er sei fertig mit ihr und würde jetzt beginnen, Geld mit ihr zu
machen. Mit dem habe er gemeint, dass andere mit ihr Sex haben könnten und er
dafür Geld bekommen würde. Sie habe ihn dann die ganze Zeit angefleht, er solle
dies nicht mit ihr machen, sie würden sich doch lieben. Er habe darauf gesagt, er
brauche dafür ihr Einverständnis nicht, sondern er könne ihr einfach Drogen ein-
flössen, sodass sie nicht mehr wisse, wer sie sei, wo sie sei und was sie mache.
In der Wohnung habe er, als sie ihn angefleht habe, gesagt, dass er sie doch
auch lieben würde und er das alles gar nicht machen müsse, sie solle einfach
nicht zur Polizei gehen. Wenn sie das machen würde, hätte das schlimme Konse-
quenzen für sie. Dann habe er ihre Familie bedroht. Er habe gesagt, wen er zu-
erst umbringen würde und wen am Schluss. Sie habe ihm gesagt, das werde alles
nicht passieren, weil sie nicht zur Polizei gehen werde (Urk. 6/3 S. 9).
Zum Vorfall im Badezimmer befragt, verneinte die Privatklägerin die Frage, ob sie
sich noch an die genauen Worte der verbalen Drohung erinnern könne, als der
Beschuldigte sie zur Badewanne gezogen habe (Urk. 6/3 S. 15, Antw. auf Frage
51). Weiter führte sie auf die Frage, wie der Beschuldigte sie zur Badewanne ge-
schleift habe, aus, sie glaube, sie sei auf allen vieren gewesen. Er habe sie an
den Haaren gepackt und sie hinter sich hergezogen. Sie glaube, sie sei auf allen
Vieren gekrochen (Urk. 6/3 S. 15, Antw. auf Frage 52). Als er sie herunterge-
drückt habe, habe er ihr gesagt, sie solle sich nicht wehren und es zulassen. An
- 18 -
den Rest könne sie sich nicht mehr erinnern (Urk. 6/3 S. 15). Auf Vorhalt, dass sie
bei der Polizei gesagt habe, sie würde nicht mehr wissen, ob er etwas gesagt ha-
be, als er sie unter Wasser gedrückt habe, und die Frage, weshalb sie sich heute
an seine Worte erinnern könne, gab sie zu Protokoll, sie denke, wenn sie sich das
ab und zu wieder durch den Kopf gehen lasse, würden gewisse Dinge wieder
hochkommen. Sie vergesse auch Sachen, die damals passiert seien. Deshalb
könne sie sich auch nicht mehr so gut erinnern, was sie damals bei der Polizei
gesagt habe (Urk. 6/3 S. 15, Antw. auf Frage 54).
Auf weitere Fragen führte die Privatklägerin aus, dass der Beschuldigte sie am
Nacken gehalten habe. Sie habe sich mit ihren Händen am Badewannenrand ab-
gestossen. Dann habe er sie nach unten gedrückt. Sie sei auf den Knien gewe-
sen. Sie denke, er habe sie bis zum Hals in die Badewanne gedrückt, da sie keine
Luft mehr bekommen habe unter Wasser. Sie habe versucht, sich von der Bade-
wanne wegzustossen und sich aus dieser Lage zu befreien (Urk. 6/3 S. 16, Antw.
auf Fragen 56 ff.). Der Beschuldigte habe dann gesagt, sie solle aufhören, sich zu
wehren und es zulassen. Sie habe das Gefühl, dass der Druck auf dem Nacken
dann weniger geworden sei. Dann habe sie versucht, sich loszumachen. Er habe
schnell reagiert. Sie habe zuerst irgendwo ihren Rücken angeschlagen und sei
dann zu Boden gegangen. Sie sei auf dem Rücken gelegen. Eine Hand habe er
ihr dann auf den Mund gelegt und eine an den Hals. Welche wo gewesen sei,
wisse sie nicht mehr. Sie denke, er sei dann gerade aufgestanden und habe ihr
diese zwei Kicks in den Bauch gegeben (Urk. 6/3 S. 16).
Auf Vorhalt, dass sie gegenüber der Polizei ausgesagt habe, dass der Beschul-
digte ihr ca. 10 bis 15 Sekunden gegen den Hals gedrückt habe mit der Hand,
führte die Privatklägerin aus, sie könne es nicht genau sagen. Aber sie könne sich
schlecht denken, dass sie sich das eingebildet habe, wenn sie das so sage. Da-
her denke sie, dass es stimme. Sie sei ja zur Polizei gegangen, um zu sagen, was
passiert sei und nicht, um Geschichten zu erfinden (Urk. 6/3 S. 16, Antw. auf Fra-
ge 62).
Auf Frage, wie der Beschuldigte ihr in den Bauch getreten habe, führte sie aus, er
habe ausgeholt. Sie glaube, mit seinem rechten Bein, und er habe ihr zwei Mal
- 19 -
mit seinem Fuss gegen den Bauch gekickt. Es sei im unteren Teil des Bauches
gewesen. Sie bejahte, Schmerzen gehabt zu haben und gab zu Protokoll, dass
sie versucht habe, nach Luft zu schnappen. Für ein paar Sekunden sei sie wie er-
starrt gewesen vom Schock. Es habe weh getan, aber den Schmerz genau be-
schreiben könne sie nicht (Urk. 6/3 S. 17, Antw. auf Fragen 64 ff.). Sie sei dann
auf dem Badezimmerboden gelegen, und er sei ins Wohnzimmer gegangen
(Urk. 6/3 S. 17).
Zum Vorfall mit dem Messer befragt, führte die Privatklägerin aus, dies habe sich
ein paar Tage nach dem Vorfall mit der Badewanne abgespielt. Sie sei dann in
H._ zu Dr. F._ gegangen. Auf Frage, was die genauen Worte des Be-
schuldigten gewesen seien, gab sie zu Protokoll, dass er es jetzt mit ihr beenden
würde, es wäre jetzt einfach so weit. Auf Nachfrage, was er mit ihr habe beenden
wollen, sagte sie aus, ihr Leben (Urk. 6/3 S. 19, Antw. auf Fragen 82 ff.). Auf wei-
tere Frage, ob er ihr das so gesagt habe, führte sie aus, sie glaube schon. Sie
habe das so verstanden, dass er ihr Leben habe beenden wollen. Er habe ja auch
ein Messer in der Hand gehabt. Dieses Messer sei auf sie gerichtet gewesen. Sie
sei auf dem Sofa gesessen und er vor ihr gestanden (Urk. 6/3 S. 19, Antw. auf
Frage 86). Sie glaube, er habe es in der rechten Hand gehabt. Die Klinge des
Messers sei auf sie gerichtet gewesen auf Augenhöhe, als sie auf dem Sofa ge-
sessen sei. Der Beschuldigte habe das Messer gehalten, und sie habe Angst ge-
habt, ihre Hände vor ihr Gesicht gehalten und ihm gesagt, er solle damit aufhören
(Urk. 6/3 S. 19).
Auf Frage, ob der Beschuldigte ihr gesagt habe, weshalb er ein Messer in der
Hand halte, sagte sie aus, er habe es ja geholt und dann gesagt, es sei jetzt so
weit, er wolle es jetzt beenden. Auf Frage, was sie dabei empfunden habe, als er
diese Dinge zu ihr gesagt habe, gab sie zu Protokoll, Angst, Todesangst (Urk. 6/3
S. 20, Antw. auf Fragen 92 f.). Sie bejahte, dass sie gedacht habe, der Beschul-
digte könnte seine Ankündigung in die Tat umsetzen und führte dazu weiter aus,
sie habe das Gefühl gehabt, seine Augen seien nur noch schwarz gewesen. Sein
Blick sei starr gewesen. Er habe nicht mehr den Blick gehabt, welchen er gehabt
habe, als sie sich in ihn verliebt habe. Weiter bestätigte sie, dass diese Verletzung
- 20 -
in einem Arztbericht festgehalten sei, führte aber aus, dass sie ihrem Arzt,
Dr. F._, einfach gesagt habe, dass sie sich beim Frühstück machen ge-
schnitten habe. Sie habe diesem nicht die Wahrheit gesagt (Urk. 6/3 S. 20).
Zum Vorfall vom 11. Juni 2018 befragt und auf die Frage, inwiefern er ihrer Fami-
lie gedroht habe, sagte die Privatklägerin aus, er habe mit dem Tod gedroht. Er
habe gesagt, er würde mit ihrem Bruder beginnen. Auf Frage, mit was beginnen,
führte sie weiter aus, ihn umzubringen. Er wäre der erste gewesen, den er um-
bringen würde. Dann wäre der Vater gekommen, ihre Mutter zum Schluss. Aber
zuerst könne er noch Geld aus ihr herausholen, da sie eine hübsche Frau sei. Auf
Frage, wem gegenüber er diese Äusserungen gemacht habe, gab sie zu Proto-
koll, dies habe er ihr gegenüber gesagt. Er habe ihr gesagt, dies würde passieren,
wenn sie zur Polizei gehen würde (Urk. 6/3 S. 24, Antw. auf Fragen. 125 ff.). Auf
die Frage, was sie dabei empfunden habe, führte sie aus, sie habe gesagt, dass
es nicht dazu kommen würde, weil sie nicht zur Polizei gehen werde. Sie habe
Angst bekommen und habe das Gefühl gehabt, so ihre Familie zu schützen, wenn
sie mit ihm zusammenbleiben und nicht zur Polizei gehen würde. Auf Frage, ob
sie geglaubt habe, dass er seine Ankündigung umsetzen würde, gab sie zu Pro-
tokoll, ja, er habe noch gesagt, es könne passieren, während er "drin" sei. Auf
Nachfrage, was sie damit meine, sagte sie aus, während er im Gefängnis sei.
Dies könnten auch andere Leute machen. Es könne auch nach einem Jahr, nach
drei Jahren, nach fünf Jahren oder allenfalls nach zehn Jahren passieren. Er wer-
de gerne warten, um sie fertig zu machen. Sie bestätigte, dass sie ihm dies zu-
traue und führte dazu weiter aus, wenn er einen Menschen liebe und ihn so ver-
letzen könne, dann frage sie sich, was er mit anderen mache, für die er nichts
empfinde. Sie bestätigte, dass sie aktuell noch immer Angst habe und auch ihre
Eltern darunter leiden würden. Auf die Frage, ob er diese Äusserungen auch ge-
genüber jemandem aus ihrer Familie gesagt habe, gab sie zu Protokoll, nein, er
habe allen immer etwas vorgespielt, und sie habe mitgemacht (Urk. 6/3 S. 24 f.,
Antw. auf Fragen 129 ff.).
- 21 -
5.2.4. Befragung vor Vorinstanz am 23. Januar 2019
Vor Vorinstanz führte die Privatklägerin aus, sie könne sich am besten an den Fall
erinnern, als sie ein Gespräch gehabt hätten. Sie wisse nicht mehr, wie es ange-
fangen habe, aber sie sei plötzlich auf allen vieren gewesen und er habe sie an
den Haaren gepackt. Er habe sie ins Badezimmer gezogen. Dies sei der Fall,
welchen sie am besten beschreiben könne. Das werde sie nie vergessen. Er habe
sie an den Haaren gepackt und ins Badezimmer geschleift. Sie wisse, dass sie
auf allen vieren gewesen sei. Sie habe sich nicht wehren können. Sie habe nicht
gewusst, was sie machen solle. Sie wisse nicht mehr, was er in diesem Moment
gesagt habe. Die Badewanne sei schon halb voll gewesen. Er habe sie am Na-
cken gepackt und ihren Kopf ins Wasser "getunkt", sodass sie keine Luft mehr
bekommen habe. Dies habe er sicher drei bis vier Mal gemacht. Sie habe ver-
sucht, Luft zu holen. Sie sei ja mit den Armen am Beckenrand gewesen. Sie habe
versucht, irgendetwas zu machen. Er habe dann gesagt, sie solle aufhören, sich
zu wehren. Sie solle es zulassen. Irgendwann, sie wisse nicht mehr wie, habe
sich der Griff gelöst. Sie sei mit dem Rücken an etwas gekommen und dann auf
dem Badezimmerboden gelandet. Sie habe nach Luft geschnappt, da sie endlich
wieder habe atmen können. Dann sei er gekommen und habe ihr den Mund zu-
gedrückt, sodass sie wieder nicht habe atmen können. Sie wisse nicht, wie lange
dies gedauert habe. Er habe dann aufgehört und sie habe einen oder zwei Tritte
in den Bauch bekommen. Dann habe er sie von hinten getreten, und dann sei er
einfach gegangen und sie am Boden geblieben. Erst dann habe sie wieder richtig
Luft bekommen. Sie sei geschockt gewesen. Sie habe gedacht, dass sie dort
sterben würde (Prot. I S. 23 f.). Auf Frage, was dann passiert sei, führte die Pri-
vatklägerin aus, er sei dann wieder ins Badezimmer gekommen mit einem Tuch.
Er habe sie abgetrocknet. Das habe sie nicht verstanden. Er habe ihr geholfen,
sich anzuziehen (Prot. I S. 24).
Zum Vorfall mit dem Messer befragt sagte die Privatklägerin aus, dass sie auf
dem Sofa gesessen sei. Sie wisse nicht mehr, wie es dazu gekommen sei, dass
es begonnen habe. Aber er habe ein Küchenmesser in der Hand gehabt und sei
vor ihr gestanden. Er habe gesprochen, und sie sei auf dem Sofa gesessen. Er
- 22 -
sei mit dem Messer direkt vor ihrem Gesicht gewesen. Er habe gesprochen und
Bewegungen gemacht, sodass sie Angst bekommen habe. Er habe noch gesagt,
dass er das jetzt einfach nicht mehr mit ihr machen und sie nicht mehr anschauen
könne. Sie habe die Hände vors Gesicht genommen, und dann habe er sie halt
plötzlich geschnitten. Er habe sie in den Finger geschnitten, und es habe halt an-
gefangen zu bluten. Es sei so schnell gegangen. Sie könne es nicht besser erklä-
ren. Sie habe doch Angst gehabt, weil er das Messer in den Händen gehalten ha-
be. Dann sei richtig Blut geflossen. Er sei irgendwie selber erschrocken. Sie seien
dann ins Badezimmer gegangen und hätten versucht, es zu stoppen. Er habe es
dann verbunden mit einem Socken oder etwas, mit dem man einen Knopf ma-
chen könne. Sie seien dann nicht mehr zum Arzt gegangen, weil sie plötzlich sehr
müde gewesen sei. Er habe gesagt, dass sie sehr viel Blut verloren habe, und
dass sie doch am Morgen gehen solle. Sie hätten mit dem komischen Knopf, den
er gemacht habe, das Blut stoppen können (Prot. I S. 26).
Auf Frage, was sie dem Arzt dann erzählt habe, führte sie aus, dass sie sich beim
Vorbereiten für das Morgenessen geschnitten habe. Der Beschuldigte habe ge-
sagt, dass sie nichts sagen dürfe, was in ihrer Wohnung passiert sei. Auf Frage,
was sie befürchtet habe, gab sie zu Protokoll, das Schlimmste. Als sie ihm erzählt
habe, mit wem sie etwas gehabt habe, habe er auch immer wieder gesagt, wie er
mit ihr beginnen würde, Geld zu machen. Dass sie so oder so eine Schlampe sei
und er wenn schon Geld aus ihr herausholen könne. Er habe gemeint, dass sie
sich prostituieren gehen würde, sodass Männer mit ihr machen könnten, was sie
wollten, und er Geld dafür bekommen würde. Dies habe er ihr angedroht (Prot. I
S. 25 f.).
Auf Frage, ob sie wisse, in was für einer Situation der Beschuldigte ihrer Familie
gedroht habe, sagte die Privatklägerin aus, die Situation selber nicht, aber sie
wisse noch, um was es gegangen sei. Es sei darum gegangen, dass sie nicht zur
Polizei gehen sollte, sie niemandem etwas sagen würde. Er würde sonst bei ih-
rem kleinen Bruder beginnen und diesen umbringen. Danach ihren Vater, und
dann ihre Mutter. Da diese eine Frau sei, würde er sie aber auch zuerst benutzen
lassen, um mit ihr Geld zu machen. Dann würde er sie auch umbringen. Auf Fra-
- 23 -
ge, wann dies ungefähr gewesen sei im ganzen Verlauf, sagte sie aus, gegen den
Schluss (Prot. I S. 27 f.).
5.3. Aussagen des Beschuldigten
5.3.1. Polizeiliche Einvernahme vom 15. Juni 2018
Auf Vorhalt, er solle der Privatklägerin gesagt haben, dass er sie nicht mehr se-
hen könne und sie umbringen wolle, führte der Beschuldigte aus, er habe drei Mal
Schluss gemacht mit ihr. Er habe gar nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen,
doch sie habe ihn angefleht, nicht zu gehen. Er habe die Wohnung verlassen wol-
len, doch sie habe ihn zurückgehalten. Er habe zu ihr gesagt, wenn es doch nicht
klappe zwischen ihnen und sie die Nerven verlieren würden, sollten sie sich tren-
nen. Doch sie habe das nicht gewollt. Dann sei er halt geblieben, wegen seines
Herzens. Das sei drei Mal so vorgefallen. Sie habe schlechte Erfahrungen ge-
macht mit ihrem Ex-Freund, und ihre Eltern hätten nicht mehr mit ihr geredet,
wenn sie schon wieder eine Beziehung beendet hätte. Darum habe sie ihn nicht
gehen lassen. Sie habe die Wohnungstüre zugeschlagen, doch wenn die Nach-
barn so etwas sehen respektive hören würden, dann sei es immer der Fehler des
Mannes (Urk. 5/1 S. 4 f.). Auf erneuten Vorhalt, ob er der Privatklägerin mit dem
Tod gedroht habe, sagte er aus, er sei wütend gewesen und habe zu ihr gesagt,
wenn sie das noch einmal mache, dann wisse er nicht, was er tun würde. Sie
kenne sein Land, und sie habe sich etwas zusammenfantasiert. Damit habe er
gemeint, wenn sie ihn noch einmal betrügen würde. Als er zum zweiten Mal mit
ihr habe Schluss machen wollen und gemerkt habe, dass er die Nerven verlieren
würde, habe er sich selber verletzt. Dafür gebe es Zeugen. Aus Reflex habe er
einen Stein oder sonst einen Gegenstand genommen und sich dabei an seinem
Oberkörper respektive Bauch verletzt, oberflächlich geritzt. Sie habe das selber
gesehen (Urk. 5/1 S. 5). Auf nochmaligen Vorhalt, warum die Privatklägerin bei
der Polizei ausgesagt habe, er habe sie mit dem Tod bedroht, sagte der Beschul-
digte aus, er sei wütend gewesen und habe gesagt, dass er nicht wisse, was er
dann tun werde, wenn sie ihn wieder betrügen würde. Das sei alles. Er habe nie
zu ihr gesagt, dass er sie umbringen werde (Urk. 5/1 S. 5).
- 24 -
Auf Vorhalt, dass er den Kopf der Privatklägerin drei bis vier Mal in der Badewan-
ne unter Wasser gehalten haben soll, führte der Beschuldigte aus, oh mein Gott,
dazu habe er nichts zu sagen. Das stimme überhaupt nicht. Sie seien sehr wohl
im Bad gewesen und hätten zusammen gestritten. Doch ein Vorfall mit der Bade-
wanne habe nie stattgefunden. Die Privatklägerin habe eine Lieblingsserie, wel-
che sie jeweils schaue. Diese heisse "Pablo Escobar" und die andere Serie heis-
se "El Cartel de los Sapos 2". In dieser Serie komme eine Szene vor, genau mit
einer Badewanne. Was passiere, wenn Leute andere Leute betrügen würden. Sie
hätten diese Serie jeweils zusammen angeschaut und sie habe von ihm jeweils
wissen wollen, was genau passiere. Er komme ja aus der gleichen Stadt wie Pab-
lo Escobar. Auf Frage, ob der von der Privatklägerin geschilderte Vorfall mit der
Badewanne gar nie stattgefunden habe, gab der Beschuldigte weiter zu Protokoll,
ja, das habe nie stattgefunden. Die Privatklägerin sei eine intelligente Frau, sie
merke sich das, was sie nicht wissen sollte. Sie habe ihn während der Serie je-
weils ganz genau gefragt, was passiert und in der Serie vorgekommen sei, dass
der eine jemanden betrogen habe und die Strafe sei eben das mit der Badewanne
gewesen (Urk. 5/1 S. 6).
Auf die Frage, was er dazu sage, dass er nach dem Badewannenvorfall auf die
am Boden liegende Privatklägerin gekniet sein und ihr mit einer Hand gegen den
Hals gedrückt und mit der andern Hand den Mund zugehalten haben soll, sagte er
aus, das sei nicht vorgefallen, das stimme nicht. Er gebe zu, dass er sie mit einer
Hand am Hals gepackt habe. Klar sei sie dadurch in Panik geraten. Damit wolle er
sagen, dass er sie von vorne am Hals festgehalten habe, damit sie wieder auf
Augenhöhe gekommen seien, weil sie immer zu Boden gesehen habe, und das
habe er nicht gewollt. Er habe ihr während des Streits in die Augen schauen wol-
len. Zugedrückt habe er nicht (Urk. 5/1 S. 6, Antw. auf Fragen 39 f.). Auf Vorhalt,
dass er der Privatklägerin anschliessend gegen den Oberkörper und zwei Mal ge-
gen ihren Bauch geschlagen haben soll, wobei diese für einige Sekunden keine
Luft bekommen habe, führte er aus, so sei es nicht gewesen. Es sei so gewesen,
wie er es beschrieben habe. Als er ihren Hals losgelassen habe, und zwar, weil er
das so gewollt habe, habe sie ihm gesagt, dass sie ihn liebe (Urk. 5/1 S. 7).
- 25 -
Auf Vorhalt, dass er der Privatklägerin gedroht haben soll, ihre Familie würde
"drunter kommen", führte der Beschuldigte aus, dies sei alles in ihrer Vorstellung
und habe mit der Serie zu tun, die sie immer schaue. Wenn in dieser Serie je-
mand den anderen verrate, dann passiere dieser Person sehr schnell etwas. Aber
eben, dies sei nur in der TV-Serie so (Urk. 5/1 S. 10).
5.3.2. Hafteinvernahme vom 15. Juni 2018
Anlässlich der Hafteinvernahme führte der Beschuldigte auf die Frage, was er
zum Vorwurf sage, er habe die Privatklägerin in die Badewanne gedrückt und ihr
dabei den Kopf unter Wasser gehalten, aus, er habe bereits der Polizei dazu ge-
antwortet. Das sei Phantasie. Sie hätten nicht einmal vier Tage davor diese Serie
geschaut. Sie heisse "Il Cartell del los Sapos" und auf erneute Frage, ob er sie in
die Badewanne gedrückt habe, nein, auf jeden Fall nicht (Urk. 5/2 S. 4, Antw. auf
Fragen 7 f.).
Der Beschuldigte sagt zudem erneut aus, dass er die Privatklägerin am Hals ge-
packt habe, weil sie ihn nicht angeschaut habe. Auf Frage, weshalb die Privatklä-
gerin sage, dass er auf ihr gekniet sei und sie am Hals gewürgt habe, gab er ein-
zig zu Protokoll, er verweise auf seine Aussagen gegenüber der Polizei, wo er er-
klärt habe, wie er sie am Hals gepackt habe (Urk. 5/2 S. 5).
5.3.3. Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 23. Juli 2018
Gegenüber der Staatsanwaltschaft führte der Beschuldigte aus, er wolle die Ge-
schichte mit dem Messer so erzählen, wie sie wirklich passiert sei. Er sei an je-
nem Tag zuhause gewesen und die Privatklägerin bei der Arbeit. Er habe einen
Kollegen, der heisse I._, der sei am Abend zu ihm auf Besuch gekommen.
Sie sei dann von der Arbeit nach Hause gekommen. Es habe keine Probleme ge-
geben, und sie habe seinen Kollegen gesehen. Er sei dann auf dem Sofa gele-
gen, als sie nach Hause gekommen sei. Er habe Cannabis geraucht in dieser
Zeit. Wenn die Privatklägerin nach Hause komme, würde sie immer für sie beide
kochen. Dies sei um ca. 23.00 Uhr gewesen. Sie habe ihn gefragt, ob er etwas
essen wolle. Er habe ja gesagt und um Omeletten gebeten. Sie sei dann in der
- 26 -
Küche gewesen am Vorbereiten mit dem Messer. In dieser Zeit hätten sie Augen-
kontakt miteinander gehabt. Sie habe ihn gefragt, was er mit I._ gesprochen
habe. Sie sei dann am Speck schneiden gewesen für das Omelette, und sie hät-
ten miteinander gesprochen. Während des Gesprächs habe sie ihn immer wieder
angeschaut und gleichzeitig den Speck geschnitten. Dann habe sie plötzlich ge-
schrien. Er sei dann in Richtung Küche gerannt und habe gesehen, dass das Blut
spritze. Er sei dann ins WC gerannt und habe Zahnpaste geholt, welche er ihr
aufgetragen habe, damit es nicht mehr so spritze. Dann habe er mit Papier darauf
gedrückt. Er sei dann auf die Idee mit dem Socken gekommen, um das Blut zu
stillen. Er habe sie zum Arzt schicken wollen, aber es sei schon spät gewesen.
Sie habe ihm gesagt, dass sie lieber am nächsten Morgen vor der Arbeit zum Arzt
gehen wolle (Urk. 5/3 S. 2 f.).
5.3.4. Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 27. Juli 2018
Auf Vorhalt, dass er der Privatklägerin gesagt haben soll, er könne sie nicht mehr
sehen und wolle sie umbringen, sagte der Beschuldigte aus, vielleicht habe sie es
so verstanden. Er habe es aber nicht so gemeint. Zum Vorfall im Badezimmer be-
fragt, führte er aus, das stimme gar nicht. Er habe ihr den Mund nicht zugehalten.
Das stimme nicht. Am Hals habe er sie gehalten. Es sei auch richtig, dass er sie
an den Haaren gehalten habe, damit sie ihn anschaue. Das habe er bereits bei
der Polizei gesagt. Als er sie am Hals gehalten habe, sei das nur so stark gewe-
sen, damit sie ihn angeschaut habe, bzw. dass er ihren Kopf in Richtung seiner
Augen bewegen konnte. Er habe ihr auch nicht in den Bauch getreten. Das stim-
me nicht (Urk. 5/5 S. 8 f.).
Zum Vorfall mit dem Messer befragt, gab der Beschuldigte gegenüber der Staats-
anwaltschaft zu Protokoll, das stimme definitiv nicht. Es sei so gewesen, wie er es
erklärt habe. Sie habe sich selber mit dem Messer geschnitten. Sie gebe ihm die
Schuld, weil sie miteinander gesprochen hätten wegen diesem Kollegen namens
I._ (Urk. 5/5 S. 10).
Auf Vorhalt, dass er gegenüber der Privatklägerin gedroht haben soll, ihre Familie
würde "drunter kommen", wenn sie etwas über die Vorfälle der Polizei erzählen
- 27 -
würde, wobei er zunächst ihren Bruder, dann ihren Vater und schliesslich ihre
Mutter umbringen würde, führte er aus, das stimme nicht. Sie habe immer die
Freiheit gehabt, zu ihren Eltern zu gehen. Wenn sie das alles tatsächlich erlebt
hätte, hätte sie es auch ihren Eltern sagen können. Sie sei täglich bei ihren Eltern
gewesen. Diese hätten ja offenbar auch nichts gemerkt. Es seien so viele Men-
schen in ihrer Umgebung gewesen. Er verstehe nicht, warum sie nicht schon frü-
her zur Polizei gegangen sei, wenn sie so traumatisiert gewesen sei (Urk. 5/5
S. 10 f.).
5.3.5. Befragung vor Vorinstanz am 23. Januar 2019
Auf Vorhalt von Anklageziffer 2, wonach der Beschuldigte der Privatklägerin mit
dem Tod gedroht habe, führte dieser aus, das stimme so nicht. Er habe gesagt, er
wisse nicht, was er dann mache. Von Umbringen sei nie die Rede gewesen. Er
sei in diesem Moment wütend gewesen. Auf Nachfrage, was er denn damit ge-
meint habe, gab der Beschuldigte zu Protokoll, er wisse es auch nicht. Er habe
schon einmal mit ihr Schluss machen wollen. Sie sei wegen dem immer unter
Druck gewesen und habe Angst gehabt, dass er sie verlassen werde. Das habe
er mit dem vorherigen Satz auch gemeint. Er habe ihr angedroht, dass wenn sie
so etwas wieder mache, er Schluss mit ihr machen würde. Sie habe hinter seinem
Rücken mit Männern abgemacht. Er habe sie dann erwischt. Wenn sie wieder
solche Sachen hinter seinem Rücken machen würde, wäre es fertig für ihn (Prot. I
S. 39 f.).
Befragt zum Vorfall im Badezimmer, wonach er die Privatklägerin mit dem Kopf
bis zum Hals über den Badewannenrand ins Wasser gedrückt haben soll, sodass
diese keine Luft mehr bekommen habe, sagte der Beschuldigte aus, dies sei
falsch. Es sei ein ganz normaler Tag gewesen, und sie sei bei der Arbeit gewe-
sen. Als sie am Feierabend nach Hause gekommen sei, hätten sie miteinander
gesprochen, und sie sei nachher ins Badezimmer gegangen, um sich abzu-
schminken. Er sei dann auch dorthin gegangen, und sie hätten sich ganz normal
weiter unterhalten. Sie habe dann eine Nachricht erhalten, in welcher gestanden
sei, "es war schön gestern". Er habe sie dann gefragt, was diese Nachricht soll.
Sie sei dann nervös geworden und habe auf den Boden geblickt. Er habe dann ih-
- 28 -
re Stirn gepackt und nach oben gezogen. Sie habe dann Druck nach unten gege-
ben, weil sie sich geschämt habe. Dann habe er ihr Gesicht nach oben gezogen
und ihr gesagt, sie solle ihm sagen, was mit dem passiert sei. Sie habe sich ent-
schuldigt und schuldig gefühlt. Er sei dann ins Wohnzimmer gegangen und habe
sein Glas genommen (Prot. I S. 41). Auf Nachfrage, warum die Privatklägerin so
etwas erzählen sollte, führte er aus, er komme aus einem Land, dessen Name
schon viel sage. Sie habe das schon immer interessiert, und sie hätten viele "No-
velas" von Kolumbien angeschaut. Dabei habe es sich oft um Gewalt gedreht. Sie
habe ihn immer gefragt, wieso sie dort solche Sachen machen würden. Sie habe
auch ein Video gesehen, wo jemand, der "El Capo" genannt werde, eigentlich alle
erschossen habe bis auf eine Frau, die er in der Badewanne ertränkt habe. Sie
habe ihn dann gefragt, wieso er diese nicht einfach erschiesse, da dies viel
schneller gehe (Prot. I S. 41 f.). Weiter führte der Beschuldigte aus, er könne sich
das nicht erklären. Er habe erzählt, was passiert sei. Er selber frage sich, wie sie
solche Sachen erfinden könne. Deshalb sei er ja auch hier. Allgemein habe er im
Gefängnis angefangen, zu verstehen, dass sie über einen Film gesprochen habe.
Was sie sage, stimme überhaupt nicht (Prot. I S. 42).
Auf Vorhalt von Anklageziffer 6 (Vorfall mit dem Messer) führte der Beschuldigte
aus, er habe dazu schon einmal Aussagen gemacht, könne es aber gerne wie-
derholen. Am Abend sei ein Kollege, I._, zu ihm gekommen. Dieser sei ge-
gangen, kurz bevor die Privatklägerin nach Hause gekommen sei. Sie sei dann
nach Hause gekommen und habe sich etwas zu Essen machen wollen. Ihre Mut-
ter habe ihr kürzlich Speck gegeben, und sie habe diesen am Abend schneiden
wollen. Dann habe sie sich mit ihm unterhalten und wissen wollen, was er mit
I._ gemacht habe. Sie sei immer neugierig gewesen und habe alles wissen
wollen. Sie habe Spiegeleier gekocht und begonnen, etwas zu schneiden. Sie ha-
be mit ihm gesprochen, und er habe sie angeschaut, als sie sich plötzlich ge-
schnitten und er einen Schrei gehört habe. Dann habe er überall Blut gesehen. Er
sei zu ihr gerannt und habe begonnen, ihr zu helfen. Er sei erschrocken, weil es
so viel Blut gegeben habe. Er habe ihr sogar gesagt, dass sie den Arzt anrufen
sollten. Sie habe aber freiwillig bis am Morgen warten wollen. Die Frau sei immer
frei gewesen (Prot. I S. 43). Auf die Frage, wie man sich beim Speckschneiden so
- 29 -
verletzen könne, gab der Beschuldigte zu Protokoll, er habe das jetzt erzählt. Er
habe es ja nicht ganz genau gesehen. Er habe ja gesagt, wie es gewesen sei. Er
könne garantieren, dass sie sich selber geschnitten habe. Es sei beim Speck-
schneiden passiert, als sie gekocht habe (Prot. I S. 44).
Auf Vorhalt von Anklageziffer 8, wonach er der Privatklägerin gedroht habe, dass
ihre Familie "drunter kommen" werde, wenn sie die Vorfälle der Polizei erzähle,
wobei er zuerst den Bruder, dann den Vater und schliesslich die Mutter umbrin-
gen werde, sagte der Beschuldigte aus, er habe seine Aussagen gemacht. Er ha-
be gesagt, dass es dies gar nicht gegeben habe. Die Frau sei wie ein freier Vogel
gewesen. Sie sei jederzeit zu ihren Eltern gegangen. Sie sei immer frei gewesen.
Sie habe jederzeit zur Polizei gehen können. Am selben Tag, als er verhaftet
worden sei, habe er sich selbst bei der Polizei melden wollen. Er habe ja keine
Angst vor der Polizei gehabt. Als die Sache mit dem Auge passiert sei, habe er ihr
auch gesagt, es sei das Beste, die Polizei anzurufen, und die Sache so zu klären.
Auf die Frage, warum die Privatklägerin die Polizei hätte anrufen sollen, gab er zu
Protokoll, sie wisse, es sei für ihn kein Problem, dass sie zur Polizei gehe. Er ha-
be seinen Fehler gemacht. Auf Frage, ob er sie dazu aufgefordert habe, zur Poli-
zei zu gehen, sagte er weiter aus, ja, sie sei frei gewesen. Sie habe jederzeit ge-
hen können. Er habe sie sogar mit einem Kollegen zu den Eltern gefahren und
von dort abgeholt. Sie seien auch bei den Eltern zu Besuch gewesen (Prot. I
S. 45).
5.3.6. Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung vom 9. Oktober 2020
Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte der Beschuldigte erneut in Abrede,
der Privatklägerin gesagt zu haben, dass er sie umbringen wolle. Er habe mehr-
mals versucht, Schluss zu machen und von ihr wegzugehen. Auch den Vorfall mit
der Badewanne bestritt der Beschuldigte weiterhin. Sie seien zwar schon im Ba-
dezimmer gewesen, und es habe dort auch einen Streit gegeben; mit einer Ba-
dewanne sei aber nichts gewesen. Er wisse nicht mehr alles genau, es sei lange
her (Prot. II S. 22 ff.). Auf die Frage, wieso die Privatklägerin ihn hinsichtlich des
Vorfalls mit der Badewanne zu Unrecht belasten sollte, sagte der Beschuldigte
aus, auch sein Land spiele eine Rolle. Die Privatklägerin sei Fan geworden von
- 30 -
diesen Serien, welche er ihr gezeigt habe. In diesen seien ein paar Sachen mit
Gewalt gewesen. Das mit der Badewanne sei aber "total erfunden" (Prot. II S. 24).
Auch zum Vorfall mit dem Messer befragt führte der Beschuldigte erneut aus,
dass die Privatklägerin sich beim Kochen selber geschnitten habe. Das wisse er
noch. Sie habe ganz normal gekocht und Speck geschnitten. Dann habe es plötz-
lich gespritzt, und er sei sofort zu ihr gegangen. Er habe sie dann selber ins Spital
gebracht an diesem Tag. Dort sei sie alleine gewesen und hätte ganz in Ruhe mit
der Polizei sprechen können (Prot. II S. 25).
Auf die Frage, was er zum Vorwurf sage, der Privatklägerin gedroht zu haben, ih-
re ganze Familie würde "drunter kommen", wenn sie zur Polizei gehen würde, gab
der Beschuldigte ausweichend zu Protokoll, dass die Privatklägerin frei gewesen
sei. Sie sei jeden Tag zu ihren Eltern gegangen. Sie habe gearbeitet und immer
gehen können (Prot. II S. 26). Auf die Frage, aus welchem Grund die Privatkläge-
rin zur Polizei gegangen sei, führte er aus, wahrscheinlich habe sie nicht mehr mit
ihm zusammen sein wollen, dann habe sie es auf diese Art probiert. Diese Frau
habe selber ihre "Defekte". Ihre Eltern hätten sie gefangen und gezwungen, zur
Polizei zu gehen. Ihr Ziel sei nicht, dass er nur einen Monat ins Gefängnis gehe,
sondern sie wolle ihn definitiv dort drin sehen (Prot. II S. 27 f.).
5.4. Aussagen der Zeugin E._
E._ war bei den anklagegegenständlichen Vorfällen nicht anwesend, sodass
sie zu den einzelnen Vorfällen respektive deren Ablauf keine sachdienlichen Aus-
sagen machen konnte, worauf auch die Verteidigung zutreffend hingewiesen hat
(Urk. 70 S. 6). Allerdings konnte sie Aussagen über einzelne Verletzungen sowie
den Allgemeinzustand der Privatklägerin machen. Gegenüber der Staatsanwalt-
schaft sagte sie dazu am 23. Juli 2018 in Gegenwart des Beschuldigten, welcher
mit ihren Aussagen auch konfrontiert wurde (Urk. 5/4), und seiner amtlichen Ver-
teidigung aus, die Privatklägerin habe ihr anlässlich eines Gespräches mitgeteilt,
was mit ihrem Partner alles gelaufen sei. Sie habe es schon lange gewusst. Aber
die Privatklägerin habe ihr dann bestätigt, was jeweils zuhause vorgefallen sei.
Sie habe gewusst, dass diese geschlagen und unter Druck gesetzt werde. Sie
- 31 -
habe angenommen, dass diese bedroht werde. Man habe der Privatklägerin auch
angesehen und bemerkt, dass sie permanent unter Angst gestanden sei. Sie sei
mit blauen Augen zur Arbeit gekommen. Einmal habe sie ein aufgeschwollenes
Auge gehabt, und es sei blau gewesen. Es sei zwei Mal vorgekommen. Sie hätte
auch an ihrem Arm blaue Flecken und Druckstellen gesehen. Die Privatklägerin
habe permanent verleugnet, dass dies von ihrem Partner stamme. Dies sei im Ap-
ril allenfalls Mai gewesen. Die Privatklägerin sei auch von ihrer Ärztin krankge-
schrieben worden. Sie sei den ganzen Juni nicht mehr zur Arbeit gekommen, weil
sie wegen psychischer Überbelastung krankgeschrieben gewesen sei. Die Ärztin
habe diese blauen Flecken auch gesehen und die Privatklägerin darauf ange-
sprochen. Sie habe mit dieser Ärztin ebenfalls gesprochen. Diese habe ihr ge-
sagt, so lange die Privatklägerin nicht sage, dass er es gewesen sei, könnten sie
nichts machen (Urk. 7 S. 3 ff.).
Weiter führte E._ aus, die Privatklägerin sei unkonzentriert, abgelenkt, unge-
pflegt, nicht mehr geschminkt, mit dunklen Augen, also verschlafen gewesen. Er
habe dieser die ganze Zeit geschrieben und telefoniert, einen richtigen Psychoter-
ror losgelassen. Es habe eigentlich die ganze Mitarbeitercrew mitbekommen, was
bei der Privatklägerin abgehe. Einige hätten versucht, mit ihr zu reden, aber diese
habe komplett dicht gemacht (Urk. 7 S. 5).
Auf Frage, woher sie wisse, dass das Verhalten der Privatklägerin auf den Be-
schuldigten zurückzuführen sei, sagte die Zeugin aus, die Privatklägerin habe mit
ihr gesprochen. Sie habe der Privatklägerin auch gesagt, sie müsse mit diesem
Typ Schluss machen. Die Privatklägerin habe ihr dann auch bestätigt, dass sie
sich wegen ihm so verändert habe. Es sei ein stetiger Prozess gewesen, welcher
immer schlimmer geworden sei (Urk. 7 S. 5 f., Antw. auf Frage 25).
Weiter führte die Zeugin aus, die Privatklägerin sei am Schluss ein Wrack gewe-
sen. Die Privatklägerin habe einmal auf krank gemacht und ihr gesagt, es stimme
nicht, dass es ein blaues Auge sei. Sie habe der Privatklägerin dann nicht ge-
glaubt und dieser gesagt, sie komme jetzt vorbei und schaue sich das an. Die Pri-
vatklägerin habe dann natürlich ein blaues Auge gehabt. Die Privatklägerin habe
ihr dann gesagt, dies sei nicht von ihm. Das Auge sei ganz zu und aufgeschwol-
- 32 -
len gewesen. Die Privatklägerin habe behauptet, es sei wegen Heuschnuppen.
Da habe die Privatklägerin sie aber angelogen. Sie habe der Privatklägerin ge-
droht, dass sie alles ihren Eltern erzählen würde. Davor habe diese immer am
meisten Angst gehabt (Urk. 7 S. 6).
5.5. Arztberichte
Dr. med. F._ hält in seinem Bericht vom 11. Juli 2018 fest, die Patientin habe
am 3. April 2018 berichtet, sich selber mit einem Messer in den Ringfinger links
geschnitten zu haben. Es habe eine ca. 3 cm lange Wunde am Ringfinder gehabt.
Diese habe genäht werden müssen. Ob der Unfallhergang der Wahrheit entspre-
che, könne nicht beurteilt werden, töne aber plausibel. Eine Selbstbeibringung sei
möglich. Eine Bedrohung des Lebens habe nicht bestanden, auch ohne ärztliche
Versorgung. Die Arbeitsunfähigkeit sei vom 3. bis 6. April 2018 100 % gewesen
(Urk. 17/4).
Dr. med. G._ hielt in ihrem Bericht vom 12. Juli 2018 fest, die Patientin sei
am 7. Mai wegen entzündeter Augen gekommen. Sie habe angegeben wegen ei-
ner Pollenallergie so stark an den Augen gerieben zu haben, dass sie nun auch
Blutergüsse habe. Darauf angesprochen, ob sie geschlagen worden sei, verneinte
sie dies. Am 1. Juni 2018 habe sie angegeben, an ihrer Arbeitsstelle überfordert
zu sein und eine Krankschreibung sowie eine Überweisung an einen Psychiater
gewünscht. Dort sei sie dann am 12. Juni 2018 gewesen und habe erzählt, dass
sie seit längerer Zeit von ihrem Freund geschlagen werde. Bei einer telefonischen
Konsultation am 12. Juni 2018 habe die Patientin dies auch ihr gegenüber bestä-
tigt. Sie habe es ihr aus Angst nicht vorher sagen können. Sie habe bereits den
Verdacht gehabt, dass die Patientin tätlich angegangen worden sei, was diese
aber nicht bestätigt habe. Sie denke, die Hämatome seien durch Fremdeinwir-
kung entstanden. Eine Selbstbeibringung erscheine ihr unwahrscheinlich
(Urk. 17/6).
- 33 -
5.6. Gewaltschutzverfahren
Mit Gewaltschutzverfügung der Kantonspolizei Zürich vom 15. Juni 2018 wurde
der Beschuldigte aufgrund massiver körperlicher Übergriffe auf die Privatklägerin
aus der Wohnung in C._ weggewiesen, und es wurde ihm ein Rayon- und
Kontaktverbot auferlegt (Urk. 9/1). Zum Sachverhalt wird unter anderem festge-
halten, der Beschuldigte habe die Geschädigte am Genick gepackt und ins Bade-
zimmer gezogen. Dort habe er ihren Kopf drei bis vier Mal komplett unter das kal-
te Wasser der halbvollen Badewanne gedrückt. Nachdem sich die Geschädigte
dagegen habe wehren und aus dem Griff befreien können, sei sie durch den Be-
schuldigten in Rückenlage zu Boden gedrückt worden. Dieser sei daraufhin auf
sie gekniet und habe mit einer Hand ihren Hals sowie mit der anderen Hand ihren
Mund für 10-15 Sekunden zugedrückt. Der Druck sei so heftig gewesen, dass die
Geschädigte keinen Ton habe von sich geben können. Zudem habe der Beschul-
digte der Geschädigten im genannten Zeitraum mehrfach verbal mit dem Tod ge-
droht (Urk. 9/1 S. 5 f.). Weiter wird zum Zustand der gefährdeten Person festge-
halten: Aufgelöst, weinend, verängstigt (Urk. 9/1 S. 3). Mit Urteil des Zwangs-
massnahmengerichts Meilen vom 22. Juni 2018 wurden die von der Kantonspoli-
zei Zürich angeordneten Schutzmassnahmen verlängert (Urk. 9/2).
5.7. Beweiswürdigung
5.7.1. Allgemeine Grundsätze
Die Grundsätze der Beweiswürdigung und die allgemeingültigen Beweisregeln
wurden von der Vorinstanz korrekt dargelegt, weshalb vollumfänglich darauf ver-
wiesen werden kann (Urk. 87 S. 14 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.7.2. Glaubwürdigkeit
Der Beschuldigte ist vom Strafverfahren direkt betroffen und hat deshalb ein legi-
times Interesse daran, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzu-
stellen, was dazu führt, dass seine Aussagen vor dem Hintergrund der Interes-
senlage zu würdigen sind. Es liegen aber keine Anhaltspunkte vor, die von vorn-
herein gegen seine Glaubwürdigkeit sprechen würden.
- 34 -
Die Privatklägerin hat aufgrund ihrer Stellung als Verfahrensbeteiligte und der von
ihr geltend gemachten Zivilansprüche ein eigenes Interesse am Ausgang des Ver-
fahrens. Sie könnte daher versucht sein, die Geschehnisse in einem für sie güns-
tigen Licht darzustellen, was bei der Würdigung ihrer Aussagen entsprechend zu
berücksichtigen ist. Es liegen jedoch keine Anhaltspunkte vor, welche an ihrer all-
gemeinen Glaubwürdigkeit zweifeln liessen.
E._ gab an, in keiner Beziehung zum Beschuldigten zu stehen und diesen
noch nie gesehen zu haben. Betreffend ihre Beziehung zur Privatklägerin führte
sie aus, diese sei ihre Angestellte gewesen, welche von November 2017 bis Ende
Juni 2018 bei ihr gearbeitet habe (Urk. 7 S. 3). Den Akten sind keinerlei Hinweise
zu entnehmen, welche aufgrund des ehemaligen Angestelltenverhältnisses auf
eine dadurch begründete Voreingenommenheit schliessen liessen. Hinzukommt,
dass E._ als Zeugin unter Hinweis auf die strenge Strafandrohung bei fal-
scher Zeugenaussage gemäss Art. 307 StGB ausgesagt hat (Urk. 7 S. 2). Es be-
steht keine Veranlassung, an der Glaubwürdigkeit der Zeugin zu zweifeln.
Im Vordergrund steht aber bei allen drei erwähnten Personen die Glaubhaftigkeit
ihrer Aussagen.
5.7.3. Aussagen der Privatklägerin
Die Privatklägerin hat in allen Einvernahmen konstant und im Kerngehalt gleich-
bleibend ausgesagt. Sie schilderte die anklagegegenständlichen Vorfälle, detail-
liert, lebensnah und schlüssig. So gab sie – zum Vorfall im Badezimmer befragt –
in ihren Einvernahmen konstant zu Protokoll, dass der Beschuldigte sie auf allen
vieren ins Badezimmer geschleift habe, ihren Kopf bis zum Hals drei bis vier Mal
je für ein paar Sekunden in der Badewanne unter Wasser gedrückt habe, wäh-
rend sie versucht habe, sich mit den Armen vom Badewannenrand wegzustossen
und er anschliessend während 10 bis 15 Sekunden seine Hand gegen ihren Hals
gedrückt sowie ihr mit der anderen Hand den Mund zugehalten habe, als sie auf
dem Rücken auf dem Badezimmerboden gelegen sei. Bevor er das Badezimmer
verlassen habe, habe er ihr zudem zwei Tritte in den Bauch verpasst (Urk. 6/1
S. 3 f.; Urk. 6/3 S. 6 und S. 15 ff.; Prot. I S. 23 f.). Auch ihre Schilderung, wonach
- 35 -
das Wasser kalt und die Badewanne nur halbvoll gewesen sei (Urk. 6/1 S. 3), las-
sen den Vorfall erlebt wirken. Gleich verhält es sich mit der ihr gegenüber geäus-
serten Drohung im Zusammenhang mit ihrer Familie. Auch diesbezüglich sagte
sie in ihren Einvernahmen gleichbleibend aus, der Beschuldigte habe damit ge-
droht, dass ihre Familie "drunter kommen werde", wenn sie der Polizei etwas über
die Vorfälle erzählen würde, wobei er zunächst ihren Bruder, dann ihren Vater
und schliesslich ihre Mutter umbringen würde (Urk. 6/2 S. 10; Urk. 6/3 S. 9 und
S. 24; Prot. I S. 27 f.).
Entgegen der Verteidigung (Urk. 70 S. 10; Urk. 103 S. 11 f.) betreffen allfällige
Abweichungen oder Unregelmässigkeiten in den Aussagen der Privatklägerin
nicht das eigentlich Kerngeschehen, sondern beziehen sich auf das Randgesche-
hen und Nebensächlichkeiten. Entsprechend ist auch nicht weiter von Bedeutung,
ob der Beschuldigte die Privatklägerin am Nacken oder den Haaren ins Bade-
zimmer geschleift hat, zumal er ihr auch an den Haaren gezogen haben kann,
wenn er sie am Nacken festgehalten hat. Dass sie dabei auf den Knien und allen
vieren gewesen sei, als sie vom Beschuldigten ins Badezimmer gezogen wurde,
sagte sie aber konstant in allen Einvernahmen aus. Der abnehmende Detailie-
rungsgrad ihrer Schilderungen und allfällige Erinnerungslücken entsprechen der
Erfahrung, dass die Erinnerung zeitnah zu den Vorfällen am zuverlässigsten ist,
um dann mit zunehmendem Zeitablauf zu verblassen. Entsprechend waren die
Aussagen der Privatklägerin bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft am detail-
liertesten. Anlässlich der Befragung vor Vorinstanz rund ein halbes Jahr nach ih-
rer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme machte sie dann geltend, sie habe die
Reihenfolge nicht ganz im Kopf, wann was passiert sei (Prot. I S. 21). Dies weist
darauf hin, dass die Privatklägerin nicht einfach Angelerntes wiedergab und ist
vereinbar mit im Zeitablauf nachlassender Erinnerung. Auch die Abweichung in ih-
ren Aussagen im Zusammenhang mit dem Abtrocknen nach dem Vorfall betrifft
lediglich das Randgeschehen. So gab sie gegenüber der Staatsanwaltschaft zu
Protokoll, dass sie sich nach dem Vorfall im Badezimmer selber abgetrocknet und
angezogen habe (Urk. 6/3 S. 6), während sie vor Vorinstanz aussagte, der Be-
schuldigte habe ihr dabei geholfen (Prot. I S. 24). Diese Aussage der Privatkläge-
rin zeigt zudem, dass sie keinerlei Tendenz zu Übertreibungen und auch kein In-
- 36 -
teresse daran hat, den Beschuldigten in ein besonders ungünstiges Licht zu rü-
cken respektive sein Verhalten überaus negativ darzustellen.
Nicht gefolgt werden kann der Verteidigung bei ihrer Argumentation, wonach es
fraglich sei, ob bei einer gewöhnlichen Badewanne ein volles Untertauchen des
Kopfes bis zum Hals überhaupt möglich sei, wenn diese nicht einmal bis zur Hälf-
te gefüllt sei (Urk. 70 S. 11; Urk. 103 S. 12). Die Privatklägerin sagte klar aus, die
Badewanne sei halbvoll gewesen, und da auch eine halbvolle Badewanne genü-
gend Liter Wasser fassen kann, ist es ohne weiteres möglich, den Kopf bis zum
Hals unter Wasser zu drücken.
Die Privatklägerin räumte auch ein, wenn sie sich nicht sicher war oder etwas
nicht mehr wusste. So gab sie auf die Frage, wie lange sie jeweils unter Wasser
gedrückt worden sei, bei der Polizei zu Protokoll, wie lange könne sie nicht sagen
(Urk. 6/1 S. 3, Antw. auf Frage 13). Auf die Frage, ob der Beschuldigte etwas ge-
sagt habe, als er sie unter Wasser gedrückt habe, führte sie bei der Polizei aus,
das wisse sie nicht mehr (Urk. 6/1 S. 4, Antw. auf Frage 16). Wenn die Verteidi-
gung dann geltend macht, die Aussagen der Privatklägerin seien nicht glaubhaft,
weil sie sich nicht an genügend Details zu erinnern vermöge, sie insbesondere
nicht mehr wisse, wie lange ihr Kopf vom Beschuldigten unter Wasser gedrückt
worden sein soll (Urk. 70 S. 10; Urk. 103 S. 11 f.), so kann dieser Argumentation
nicht gefolgt werden. Gerade in einer belastenden Stresssituation erscheint nach-
vollziehbar, dass zeitliche Dimensionen nur schwer abschätzbar sind und deshalb
nur sehr eingeschränkt verlässliche Angaben zur Dauer von Vorfällen gemacht
werden können. Dass die Privatklägerin gegenüber der Staatsanwaltschaft dann
weiter zu Protokoll gab, der Beschuldigte habe zu ihr gesagt, sie solle aufhören,
sich zu wehren, sie solle es einfach zulassen (Urk. 6/3 S. 6), führt ebenfalls nicht
dazu, dass ihre Darstellung unglaubhaft erscheint, zumal es sich um eine auffälli-
ge Aussage mit einer wenig naheliegenden Wortwahl handelt. Es erscheint un-
plausibel, dass die Privatklägerin sich diese ausgedacht hat. Es ist durchaus
nachvollziehbar, dass Betroffene sich bei traumatischen Erlebnissen im Schock-
zustand nicht an sämtliche Details zu erinnern vermögen, weil gewisse in einer
solchen Situation in den Hintergrund treten.
- 37 -
Auch als die Privatklägerin bei der Staatsanwaltschaft auf die Frage, ob sie nach
Luft gerungen habe, aussagte, sie wisse es nicht mehr (Urk. 6/3 S. 16, Antw. auf
Frage 59), oder auf Vorhalt, bei der Polizei habe sie ausgesagt, der Beschuldigte
habe 10 bis 15 Sekunden gegen ihren Hals gedrückt, zu Protokoll gab, sie könne
es nicht mehr genau sagen (Urk. 6/3 S. 16, Antw. auf Frage 62), verdeutlicht,
dass sie nicht einfach Einstudiertes wiedergab und unbesehen Vorhalte aus
früheren Aussagen bestätigte. Dies zeigt sich auch darin, dass sie in der ersten
Einvernahme noch aussagte, er habe ihr kurz vor dem Vorfall im Badezimmer ge-
sagt, dass er sie nicht mehr sehen könne, er kein Geld mit ihr machen und sie
umbringen wolle (Urk. 6/1 S. 3, Antw. auf Frage 10), während sie bei der Staats-
anwaltschaft zunächst noch ausführte, er habe gesagt, er könne nicht mehr mit so
einer Person zusammen sein (Urk. 6/3 S. 6) und dann im späteren Verlauf die
Frage, ob sie sich noch an die genauen Worte dieser verbalen Drohung erinnern
könne, verneinte (Urk. 6/3 S. 15, Antw. auf Frage 51). Auch vor Vorinstanz führte
sie aus, sie wisse nicht mehr, wie es angefangen habe (Prot. I S. 23). Entspre-
chend lässt sich der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 2 (Drohung) mangels kla-
rer Bestätigung durch die Privatklägerin auch nicht erstellen.
Die Verteidigung macht weiter geltend, die Privatklägerin sei durch ihre Familie
instrumentalisiert worden und belaste den Beschuldigten nur deshalb (Urk. 70
S. 12 f.; Urk. 103 S. 14). Auch der Beschuldigte führte aus, dass die Privatklägerin
und ihre Eltern gewollt hätten, dass er bei der Polizei lande (Urk. 5/1 S. 7; Prot. II
S. 27). Er sei überzeugt davon, dass sie von ihren Eltern manipuliert worden sei.
Als er ihr erlaubt habe, ihre Eltern zu besuchen, sei sie hingegangen, und er sei
sicher, dass sie darüber gesprochen hätten, wie sie ihn nun sprichwörtlich "ficken"
könnten. Es sei ein Komplott gegen ihn von der Privatklägerin und deren Familie
(Urk. 5/1 S. 10). Den Akten lassen sich allerdings keine Hinweise auf eine ent-
sprechende Instrumentalisierung und Beeinflussung der Privatklägerin durch ihre
Familie entnehmen, und auch der Umstand, dass die Privatklägerin sehr zurück-
haltend aussagte und den Beschuldigten nicht übermässig belastet, zeigt, dass es
ihr nicht darum geht, ihm zu schaden oder eine möglichst hohe Strafe zu erwir-
ken. Sie versuchte auch nicht, ihre Verletzungen übertrieben darzustellen, son-
dern schwächte diese eher ab. Auf die Frage, ob sie durch das Drücken unter
- 38 -
Wasser sowie die zahlreichen Schläge verletzt worden sei, führte sie lediglich
aus, sie habe nur Prellungen und blaue Flecken sowie Kopfschmerzen von allem
gehabt (Urk. 6/1 S. 4, Antw. auf Frage 20). Auch hinsichtlich des Vorfalls, als der
Beschuldigte ihr im Badezimmer auf dem Boden mit einer Hand gegen den Hals
gedrückt und ihr danach zwei Tritte gegen den Bauch versetzt hatte, sagte sie nur
zurückhaltend aus, indem sie ausführte, er habe sie nur einige Sekunden so ge-
drückt, und sie könne nicht sagen, wie fest er bei seinen Tritten ausgeholt habe
(Urk. 6/1 S. 4; Urk. 6/3 S. 17). Zudem verneinte sie auch die Frage, ob der Be-
schuldigte Schuhe getragen habe, als er nach ihr getreten habe (Urk. 6/3 S. 26,
Antw. auf Frage 144).
Hätte die Privatklägerin den Beschuldigten, wie von ihm geltend gemacht, über-
mässig belasten wollen, wäre es für sie ein Leichtes gewesen, den Vorfall mit
dem Drücken ihres Kopfes unter Wasser respektive dem Drücken ihres Halses
oder die Tritte gegen sie dramatischer darzustellen oder auszuführen, dass sie
von ihm nach diesem Vorfall auch noch zum Geschlechtsverkehr gezwungen
worden sei. Die Privatklägerin gab aber im Zusammenhang mit dem Ge-
schlechtsverkehr zu Protokoll, dass der Beschuldigte sie diesbezüglich nicht ge-
zwungen und zu nichts gedrängt habe (Urk. 6/2 S. 4; Urk. 6/3 S. 17 f.). Sie habe
gedacht, dass sie ihm etwas Gutes tun würde (Urk. 6/2 S. 4). Sie verneinte auch
auf mehrfaches Nachfragen, dass sie zu Oralsex und Geschlechtsverkehr mit
dem Beschuldigten gezwungen worden oder es dabei zu Gewaltanwendungen
gekommen sei. Es habe weder Zwang noch Gewalt seinerseits stattgefunden
(Urk. 6/2 S. 6 ff.).
Entgegen der Verteidigung (Urk. 70 S. 11) hat der Umstand, dass es nach den
Gewaltanwendungen im Badezimmer zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr
zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten gekommen war, keinen Ein-
fluss auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Die Privatklägerin führte diesbezüg-
lich bei der Polizei aus, dass es danach bei der Parkbank in C._ bei der Kir-
che zu einvernehmlichem Oralsex und Geschlechtsverkehr gekommen sei, weil
sie etwas Gutes habe machen sollen, damit das, was vorher passiert sei, wie ver-
gessen gehe. Es sei ein Gefühlsmix gewesen wegen dem, was vorher passiert
- 39 -
sei. Irgendwie habe sie nicht gewusst, was richtig und was falsch sei in diesem
Moment. Sie liebe ihn (Urk. 6/2 S. 6; Urk. 6/3 S. 6). Sie habe gedacht, dass er et-
was Schlimmeres machen würde, aber es sei ja nur Sex gewesen. Sie glaube,
dass er dies gebraucht habe, um zu sehen, dass sie ihm verzeihe für das, was er
gemacht habe (Urk. 6/2 S. 7). Sie habe nicht gewusst, was richtig und falsch war.
Sie habe einfach gewusst, dass er sie liebe (Urk. 6/2 S. 8). Auch bei der Staats-
anwaltschaft gab sie zu Protokoll, dass sie mitgemacht habe aus Angst, was er
sonst mit ihr machen könnte. Er habe es so vermittelt, dass sie etwas Gutes ma-
chen solle. Er habe versucht, sie vorher umzubringen. Sie habe in Angst gehan-
delt (Urk. 6/3 S. 17). Auf die Frage, was aus ihrer Sicht passiert wäre, wenn sie
keinen Geschlechtsverkehr gehabt hätten, sagte sie aus, für sie sei er nachher
unzurechnungsfähig gewesen. Vielleicht hätte er dort weitergemacht, wo er auf-
gehört habe. Sie habe nicht gewusst, wie weit er noch gehen könnte, wenn er
schon solche Dinge getan habe (Urk. 6/3 S. 17 f., Antw. auf Frage 72). Die Privat-
klägerin schildert authentisch, dass sie sich in einem Gefühlschaos befunden und
Angst gehabt habe. Entsprechend erscheint auch glaubhaft, dass sie nicht wuss-
te, wie sie sich in dieser Situation verhalten sollte, und dass sie mit sexuellen
Handlungen einverstanden war, um den Beschuldigten zu beruhigen respektive
die ganze angespannte Situation zwischen ihnen zu deeskalieren.
Die Privatklägerin schildert auch nachvollziehbar und authentisch, wie sehr sie die
ganze Situation mit dem Beschuldigten belastet habe und wie eingeschüchtert sie
gewesen sei. So führte sie bei der Polizei aus, dass sie nach Portugal gehen wer-
de, bis alles geregelt sei. Auf Nachfrage, was geregelt werden solle, gab sie zu
Protokoll, sie wolle einfach, dass er gefunden werde (Urk. 6/2 S. 2). Sie wisse ein-
fach, dass sie nach Portugal gehen wolle. Sie habe Angst vor dem, was nun
komme (Urk. 6/2 S. 9). Gegenüber der Staatsanwaltschaft gab sie diesbezüglich
zu Protokoll, dass sie im Flugzeug nur Angst gehabt habe, weil er noch draussen
gewesen sei und die Polizei ihn noch nicht gefasst gehabt habe. Sie habe Angst-
zustände und Angst, aus der Wohnung zu gehen, gehabt. Sie habe Angst gehabt,
dass Kollegen von ihm da seien (Urk. 6/3 S. 3). Auch vor Vorinstanz führte sie
aus, dass sie extrem Angst gehabt habe. Als sie für ihre Aussagen bei der Polizei
gewesen sei, habe sie draussen noch geraucht. Als sie dort gestanden sei, habe
- 40 -
sie gedacht, dass der Beschuldigte mit seinem Kollegen vorbeigefahren sei. Sie
sei dann panisch hinter dem Auto in Deckung gegangen. Sie habe so Angst ge-
habt, weil sie zur Polizei gegangen sei. Als sie ihre Aussagen gemacht habe, sei
sie mit ihren Eltern nach Hause gegangen. Sie habe nicht schlafen können. Sie
habe gesagt, sie könne nicht in der Schweiz bleiben, bis sie ihn finden würden.
Sie sei nicht sicher. Sie habe Angst. Sie hätten dann noch in dieser Nacht ein Ti-
cket nach Portugal gelöst. Auch als sie ins Flugzeug gestiegen sei, habe sie ge-
meint, sie hätte ihn gesehen. Sie sei panisch gewesen, bis sie in Portugal wirklich
angekommen sei (Prot. I S. 30). Die Schilderungen der Privatklägerin zeigen an-
schaulich, in was für einem aufgelösten und ängstlichen Zustand sie gewesen
war, als sie ihre Aussagen bei der Polizei tätigte. Auch die Umstände, dass es zu
einem Gewaltschutzverfahren gekommen ist, der Beschuldigte aus der Wohnung
in C._ weggewiesen und ihm ein Rayon- und Kontaktverbot auferlegt worden
war, belegen, dass die Privatklägerin Angst vor dem Beschuldigten hatte und
Schutz vor ihm brauchte (Urk. 9/1; Urk. 9/2).
Der Umstand, dass die Privatklägerin den Vorfall mit dem Messer erstmals ge-
genüber der Staatsanwaltschaft erwähnte, deutet – entgegen der Verteidigung
(Urk. 70 S. 13; Urk. 103 S. 14) – nicht darauf hin, dass sie damit den Beschuldig-
ten wahrheitswidrig unter dem Einfluss ihrer Familie belasten wollte. Dass dieser
Vorfall bei der Polizei unerwähnt geblieben ist, lässt sich durchaus mit ihrem auf-
gelösten und ängstlichen Zustand zu diesem Zeitpunkt in Einklang bringen. So
sagte sie gegenüber der Polizei weinend aus, sie habe die ganze Nacht nicht ge-
schlafen. Sie habe das Gefühl, dass sie gar nicht zur Polizei hätte gehen sollen.
Sie fühle sich einfach machtlos (Urk. 6/2 S. 2). Zudem waren es auch viele ein-
zelne Vorfälle, welche die Privatklägerin schildern musste. Anlässlich der polizeili-
chen Einvernahme fragte sie dann auch, ob es noch viele Fragen geben würde,
sie möge nicht mehr (Urk. 6/2 S. 9). Dass der Privatklägerin nicht jeder einzelne
Vorfall mit sämtlichen Details bereits bei der Polizei in den Sinn gekommen ist,
erscheint aufgrund ihres aufgelösten Zustandes somit nachvollziehbar, zumal sich
auch die Fragen in den polizeilichen Einvernahmen vorwiegend auf den Vorfall in
der Badewanne sowie allfällige Sexualdelikte im Anschluss daran konzentriert
haben (Urk. 6/1; Urk. 6/2).
- 41 -
Bei der Staatsanwaltschaft und vor Vorinstanz schilderte sie den Vorfall mit dem
Messer dann konstant und schlüssig. So sagte sie gleichbleibend aus, dass der
Beschuldigte mit einem Messer in der Hand vor ihr gestanden sei. Sie sei auf dem
Sofa gesessen, und das Messer sei auf Augenhöhe auf sie gerichtet gewesen.
Der Beschuldigte habe gesagt, dass er es jetzt mit ihr beenden, sie umbringen
würde. Sie habe Angst gehabt und ihre Hände schützend vors Gesicht gehalten.
Dabei habe er sie in den Finger geschnitten (Urk. 6/3 S. 8 und S. 19; Prot. I
S. 26). Entgegen der Verteidigung (Urk. 70 S. 14; Urk. 103 S. 15) ist auch nicht
abwegig, dass die Privatklägerin zur Abwehr ihre Hände mit den Handflächen
nach aussen vor ihr Gesicht genommen hat, zumal eine solche Schutzreaktion in
einer Bedrohungssituation in der Regel schnell und unüberlegt erfolgt. Was die
Verteidigung mit diesem Vorbringen zugunsten des Beschuldigten ableiten will, ist
nicht erkennbar, insbesondere, da es keine Zweifel an der Darstellung der Privat-
klägerin zu begründen vermag. Auch im Zusammenhang mit diesem Vorfall sagte
die Privatklägerin nur sehr zurückhaltend ohne Aggravationstendenz aus und be-
lastete den Beschuldigten nicht übermässig. So gab sie zu Protokoll, dass der
Beschuldigte dies nicht gewollt habe. Dieser sei darüber selber erschrocken, habe
sich dann sofort um sie gekümmert und versucht, die Blutung zu stoppen
(Urk. 6/3 S. 8). Auch hinsichtlich einer allfälligen Bewegung des Beschuldigten mit
dem Messer sagte sie nur zurückhaltend aus und gab zu Protokoll, sie habe ihre
Hände bewegt. Sie glaube, er habe das Messer bewegt, weil es ja an ihre Finger
geraten sei. Sie wisse nicht, ob er ausgeholt habe. Plötzlich sei an ihrem Finger
nur noch Blut gewesen. Was er genau mit dem Messer gemacht habe, könne sie
nicht sagen (Urk. 6/3 S. 20). Auch vor Vorinstanz führte die Privatklägerin aus, der
Beschuldigte habe Bewegungen gemacht. Sie habe die Hände vors Gesicht ge-
nommen, und dann habe er sie halt plötzlich geschnitten (Prot. I S. 26). Zudem
sagte sie auch aus, dass der Beschuldigte selber erschrocken sei, als es begon-
nen habe, zu bluten, und er ihr geholfen habe, die Blutung zu stoppen (Urk. 6/3
S. 8; Prot. I S. 25).
Die Schnittverletzung der Privatklägerin ist im ärztlichen Bericht von Dr. med.
F._ vom 11. Juli 2018 (Urk. 17/4) dokumentiert und hatte eine Arbeitsunfä-
higkeit der Privatklägerin von 100 % für vier Tage zur Folge (Urk. 17/3). Dass
- 42 -
Dr. med. F._ in seinem Bericht festhielt, die Privatklägerin habe am 3. April
2018 berichtet, sich selber mit einem Messer in den Ringfinger links geschnitten
zu haben, und es nicht beurteilt werden könne, ob der Unfallhergang der Wahrheit
entspreche, es aber plausibel töne (Urk. 17/4), führt nicht dazu, dass die von der
Privatklägerin gegenüber der Staatsanwaltschaft und vor Vorinstanz geschilderte
Sachverhaltsdarstellung im Zusammenhang mit dem Messervorfall unglaubhaft
erscheint. Die Privatklägerin erklärte nachvollziehbar, dass sie Angst vor dem Be-
schuldigten gehabt habe, dieser sie kontrolliert und eingeschüchtert habe, sodass
sie sich nicht getraut habe, sich jemandem anzuvertrauen (Urk. 6/1 S. 5; Urk. 6/2
S. 3 und S. 9; Urk. 6/3 S. 9; Prot. I S. 26, S. 28 und S. 30 f.). Dies ergibt sich auch
aus den Aussagen der Zeugin E._ sowie dem Arztbericht von Dr. med.
G._ vom 12. Juli 2018. So sagte die Zeugin E._ gegenüber der Staats-
anwaltschaft aus, man habe der Privatklägerin angesehen und bemerkt, dass die-
se permanent unter Angst gestanden sei. Sie hätte auch an ihrem Arm blaue Fle-
cken und Druckstellen gesehen. Sie habe permanent verleugnet, dass diese von
ihrem Partner stammen würden (Urk. 7 S. 4). Aus dem Arztbericht von Dr. med.
G._ geht hervor, dass die Privatklägerin bei einer telefonischen Konsultation
am 12. Juni 2018 bestätigt habe, dass sie seit längerer Zeit von ihrem Freund ge-
schlagen werde. Sie habe es ihr aus Angst nicht vorher sagen können (Urk. 17/6).
Die Privatklägerin wollte offensichtlich nach aussen verbergen, dass der Beschul-
digte sie verletzt hatte. Dieses Verheimlichen erfolgte nicht nur gegenüber ihrem
Arbeitsumfeld und den Ärzten, sondern auch gegenüber ihrer Familie (Urk. 6/1
S. 3; Urk. 6/2 S. 3, S. 7 und S. 9; Urk. 6/3 S. 7 f.; Prot. I S. 20 und S. 26 f.). Ent-
sprechend konnte sie auch nicht mit ihrer Familie oder dem Arzt frei über den
Messervorfall sprechen, wie dies vom Beschuldigten vorgebracht wird (Urk. 5/2
S. 3). Dass sich die Privatklägerin selber geschnitten haben soll, erscheint auch
aufgrund der widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten zu diesem Vorfall
unglaubhaft (vgl. nachfolgend, Erw. III.5.7.4.).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin insge-
samt glaubhaft erscheinen.
- 43 -
5.7.4. Aussagen des Beschuldigten
Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass es zum in Anklageziffer 3 umschriebenen
Zeitpunkt zu Handgreiflichkeiten gekommen ist. Er räumte ein, die Privatklägerin
im Badezimmer mit der Stirn und dem Kopf nach oben gezogen (Prot. I S. 41),
und sie vorne am Hals gepackt zu haben, wodurch sie in Panik geraten sei
(Urk. 5/1 S. 6; Urk. 5/2 S. 5). Als er sie am Hals gehalten habe, sei das nur so
stark gewesen, damit sie ihn angesehen habe (Urk. 5/5 S. 9). Diese Darstellung
des Beschuldigten erscheint angesichts seiner Aussage, dass die Privatklägerin
in Panik geraten sei, unglaubhaft und vermittelt den Eindruck, dass er die Gewalt-
tätigkeiten grundsätzlich zu bagatellisieren versucht. Hätte er sie tatsächlich nur
am Hals gehalten, ohne zuzudrücken, wäre die Privatklägerin wohl nicht in Panik
geraten. Weiter führte er auch aus, dass die Privatklägerin sehr empfindlich sei,
also ihre Haut. Sie esse keine Früchte und kein Gemüse. Sie habe sehr schnell
blaue Flecken (Urk. 5/1 S. 4). Auch diese Aussagen zeigen auf, dass der Be-
schuldigte dazu tendiert, die Vorfälle sowie die entsprechenden Verletzungsfolgen
verharmlosend darzustellen. Die weiteren Vorwürfe, insbesondere die anklagege-
genständlichen Vorfälle bezüglich der Badewanne und dem Messer sowie die ihr
gegenüber geäusserten Drohungen, bestritt er über alle Einvernahmen hinweg
konstant. Seine Bestreitungen blieben aber pauschal. Vor diesem Hintergrund
stellt die Konstanz der Bestreitung kein besonderes Realitätskennzeichen dar.
Auffallend ist auch, dass der Beschuldigte auf gewisse Fragen nur ausweichend
geantwortet und ausschweifend Nebensächlichkeiten geschildert hat, die mit dem
eigentlichen Kerngeschehen respektive ihm gestellten Fragen in keinem Zusam-
menhang standen (Urk. 5/1 S. 5 ff.; Urk. 5/2 S. 4; Prot. I S. 40). So betonte er auf-
fallend oft, dass die Privatklägerin frei gewesen sei und jederzeit zur Polizei hätte
gehen können (Urk. 5/3 S. 3; Urk. 5/5 S. 11; Prot. I S. 44 f.; Prot. II S. 26 f.). Mit
dem Vorwurf konfrontiert, er habe der Privatklägerin gedroht, dass er sie umbrin-
gen wolle, gab er ausweichend zu Protokoll, die Privatklägerin habe ihn nicht ge-
hen lassen und die Türe zugeschlagen, ohne zum Vorwurf der Drohung Stellung
zu nehmen. Auch lenkte er jeweils auf andere Themen ab, ohne die eigentliche
Frage zu beantworten, indem er auf den Vorhalt, er solle der Privatklägerin mit
- 44 -
dem Tod gedroht haben, von seinen Selbstverletzungen berichtete (Urk. 5/1 S. 5)
oder auf die Frage, in welchem Zustand die Privatklägerin bei den Vorfällen je-
weils gewesen sei, ausweichend zu Protokoll gab, an ihrer letzten Arbeitsstätte
habe sie ihn sogar angerufen, dass er vorbeikommen solle, um zu klauen. Sie
habe Zutritt gehabt zum Büro, und an Weihnachten habe es dort viel Geld gehabt
wegen des guten Umsatzes. Sie habe ihm gegenüber davon gesprochen, dieses
Geld zu klauen. Sie habe auch ausgerechnet, wann die Chefin das Geld einzah-
len gehen würde. Sie habe zu ihm gesagt, Geld könnten sie immer gebrauchen
(Urk. 5/1 S. 7, Antw. auf Frage 43). Mit diesem Aussageverhalten gedenkt der
Beschuldigte offensichtlich von der Beantwortung der eigentlich gestellten Frage
abzulenken und die Privatklägerin dabei gleichzeitig zu diskreditieren. Auch an-
lässlich der Hafteinvernahme wich er der Frage, was er zum Vorwurf sage, dass
er sich auf die Privatklägerin gekniet und sie am Hals gewürgt haben soll, aus und
lenkte das Gespräch auf die Privatklägerin, indem er zu Protokoll gab, einmal sei
sie auf ihn gekniet. Sie hätten eine Abmachung gehabt und austesten wollen, wie
lange er die Luft anhalten könne. Dies habe ihr dann irgendwie nicht gereicht. Das
habe er in ihren Augen gesehen. Sie sei dann mit ihrem ganzen Gewicht auf ihm
gekniet. Er habe Angst bekommen und sie weggestossen. Das habe er nicht ge-
sagt, weil er ein Mann sei (Urk. 5/2 S. 5, Antw. auf Frage 14).
Der Beschuldigte blieb mit seinen Aussagen generell sehr vage und oberflächlich.
So führte er aus, er und die Privatklägerin hätten eine Serie geschaut, in dieser
komme eine Szene vor genau mit einer Badewanne (Urk. 5/1 S. 6; Prot. I S. 42).
Auch anlässlich seiner Hafteinvernahme und in der Berufungsverhandlung er-
wähnte der Beschuldigte erneut diese Serie (Urk. 5/2 S. 4; Prot. II S. 24). Was der
Beschuldigte damit sagen will, respektive um was es in dieser Szene genau ge-
hen soll, bleibt mangels weiterer Ausführungen seitens des Beschuldigten unklar.
Auffallend ist zudem, dass der Beschuldigte die Gewalthandlungen gegenüber
der Privatklägerin zu bagatellisieren und sein Verhalten zu rechtfertigen versucht.
Vielmehr stellt er sich selber als Opfer dar. So führte er beispielsweise aus, er ha-
be sich selber verletzt. Das habe er jeweils in dem Moment gemacht, als sie ge-
stritten hätten. Die Privatklägerin habe ihn wütend gemacht und anstatt, dass er
ihr etwas Schlechtes getan habe, habe er sich lieber selber verletzt. Dies weil er
- 45 -
sie so geliebt habe. Er habe immer zuerst sich selber verletzt, bevor er gegen die
Privatklägerin tätlich geworden sei (Urk. 5/1 S. 5). Er habe jeweils selber unter
dem gelitten, was er getan habe. Darum habe er ihr umgehend gesagt, warum sie
ihm das antue, warum sie ihn immer wieder in solche Situationen bringe. Sie habe
dann geweint und gesagt, es würde ihr leid tun (Urk. 5/1 S. 6 f.).
Weiter fällt – wie bereits erwähnt – auf, dass der Beschuldigte bei den Einver-
nahmen bemüht ist, sich in ein gutes Licht zu rücken, während er die Privatkläge-
rin schlecht zu machen oder gar zu belasten versucht (Urk. 5/1 S. 7; Urk. 5/2 S. 5;
Prot. I S. 40 f. und S. 45; Prot. II S. 27 ff.). So führte er beispielsweise aus, die
Privatklägerin habe viel von ihm profitiert. Er sei ein guter Mann gewesen. Er ha-
be sie dazu gebracht, Sport zu treiben. Jedes Mal, wenn er sie verlassen wollte,
habe sie begonnen, zu schreiben und ein Drama zu machen. Es sei auch vorge-
kommen, dass sie kein Geld gehabt habe. Sie habe dann auf der "Chilbi" Porte-
monnaies stehlen und ihn dazu anstiften wollen, mitzumachen. Doch er habe das
nicht gewollt. Das sei der Plan gewesen, doch er habe zu ihr gesagt, das sei der
falsche Weg. Sie habe auch noch etwas machen wollen mit einer Kokainlieferung
(Urk. 5/1 S. 7). Der Beschuldigte macht auch die Privatklägerin selber respektive
ihr Verhalten für seine Wutausbrüche und seine ihr gegenüber erfolgten Hand-
greiflichkeiten verantwortlich. Gegenüber der Polizei führte er beispielsweise aus,
als sie im Bett gelegen seien, sei ihm alles wieder in den Sinn gekommen und re-
flexartig habe er mit seiner Hand gegen ihren Körper geschlagen. Der ganze Vor-
fall habe begonnen, als sie zu Bett gegangen seien, um zu schlafen und sie dann
von ihren sexuellen Begegnungen erzählt habe. Da sei er wieder aufgestanden
und habe das gemacht, was er vorhin ausgesagt habe. Er habe mit dem Stuhl ein
Loch in die Decke geschlagen (Urk. 5/1 S. 4). Er sei mit den Nerven so fertig ge-
wesen, dass er halt doch mit seiner Hand ausgeholt und sie geschlagen habe
(Urk. 5/1 S. 5).
Die Aussagen des Beschuldigten weisen zudem gewisse Widersprüche auf. So
widerspricht er sich, wenn er einerseits geltend macht, die Eltern der Privatkläge-
rin seien von Anfang an gegen ihre Beziehung gewesen (Urk. 5/1 S. 3) und ande-
rerseits ausführt, sie hätten nicht mehr mit der Privatklägerin gesprochen, wenn
- 46 -
sie sich von ihm getrennt hätte (Urk. 5/1 S. 5). Hätten die Eltern der Privatklägerin
die Beziehung zum Beschuldigten tatsächlich nicht akzeptiert, wäre es wohl in ih-
rem Interesse gewesen, wenn die Privatklägerin diese Beziehung schnellstmög-
lich beendet hätte, und kein Grund für sie gewesen, den Kontakt zur Privatkläge-
rin abzubrechen, wie dies der Beschuldigte glauben machen will. Auch seine Dar-
stellung im Zusammenhang mit dem Messervorfall weist Widersprüche auf. Wäh-
rend er gegenüber der Staatsanwaltschaft noch ausführte, die Privatklägerin habe
ihn gefragt, ob er etwas essen wolle und dann Omeletten für ihn zubereitet, da er
darum gebeten habe (Urk. 5/3 S. 2 f.), sagte er vor Vorinstanz aus, die Privatklä-
gerin habe für sich etwas zubereiten wollen. Sie habe von ihrer Mutter Speck er-
halten und diesen am Abend schneiden wollen. Sie habe Spiegeleier gekocht und
begonnen, etwas zu schneiden. Sie habe mit ihm gesprochen, und er habe sie
angesehen, als sie sich plötzlich geschnitten und er einen Schrei gehört habe
(Prot. I S. 43).
Insgesamt vermögen die pauschalen Bestreitungen des Beschuldigten keine
ernsthaften Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin zu be-
gründen.
5.7.6. Fazit
Die Sachverhalte gemäss Anklageziffern 3, 6 und 8 sind gestützt auf die gewür-
digten Beweismittel, insbesondere die glaubhaften Aussagen der Privatklägerin,
erstellt. Nicht erstellen lässt sich Anklageziffer 2, wonach der Beschuldigte der
Privatklägerin zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt im April 2018 in der ge-
meinsamen Wohnung in C._ gedroht haben soll, dass er sie nicht mehr se-
hen könne und er sie umbringen wolle, weshalb der Beschuldigte diesbezüglich
vom Vorwurf der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Abs. 2 lit. b StGB freizusprechen ist.
- 47 -
IV. Rechtliche Würdigung
1. Gefährdung des Lebens (Anklageziffer 3)
Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten gemäss Anklageziffer 3
als Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB. Hinsichtlich der allge-
meinen Ausführungen zu diesem Tatbestand ist auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz zu verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk.87 S. 33 f.). Im Zusam-
menhang mit den objektiven Tatbestandselementen ist vertiefend nochmals fest-
zuhalten, dass zur Erfüllung des Tatbestandes das Verursachen einer konkreten,
unmittelbaren Lebensgefahr erforderlich ist. Der Schadenseintritt darf nicht nur ei-
ne abstrakte Möglichkeit darstellen, sondern es muss im Einzelfall eine ernstliche
Wahrscheinlichkeit vorliegen. Es muss zudem eine Lebensgefahr vorliegen, eine
blosse Gesundheitsgefahr reicht nicht aus, und diese muss unmittelbar sein. Eine
solche unmittelbare Lebensgefahr liegt nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung
vor, wenn überhaupt eine nahe Möglichkeit der Tötung vorliegt, über die wissent-
lich sich hinwegzusetzen als gewissenlos erscheint (BGE 101 IV 154, 159; BGE
133 IV 1, 8). Die Gefährdung muss somit akut respektive von ganz besonders
gravierender Art sein (BGE 106 IV 12, 14). Die Lebensgefahr muss sich kausal
und direkt aus dem Verhalten des Täters ergeben, ohne Vermittlung durch andere
Tatsachen oder Umstände. Wie die Gefahr selbst ist auch die Unmittelbarkeit an-
hand objektiver Kriterien zu beurteilen. Dabei sind auch die besondere Situation
des Täters und seine Fähigkeiten zu berücksichtigen sowie die Möglichkeiten
des Opfers, einer gefährlichen Situation zu begegnen (MAEDER, in: NIGGLI/
WIPRÄCHTIGER, Strafrecht II, Art. 111-392 StGB, 4. Aufl., Basel 2019, N 8 ff. zu
Art. 129 StGB).
Gemäss erstelltem Sachverhalt (Anklageziffer 3) drückte der Beschuldigte die Pri-
vatklägerin drei bis vier Mal für mehrere Sekunden mit dem Kopf bis zum Hals un-
ter das kalte Wasser, wobei diese vor der Badewanne kniete und jeweils keine
Luft mehr bekam, während ihr Kopf unter Wasser war. Aufgrund der Aussagen
der Privatklägerin ist erstellt, dass sie unter Wasser keine Luft mehr bekommen
hat. So führte sie dazu bei der Staatsanwaltschaft aus, sie denke, er habe sie bis
zum Hals in die Badewanne gedrückt, da sie keine Luft mehr bekommen habe un-
- 48 -
ter Wasser (Urk. 6/3 S. 16). Vor Vorinstanz sagte sie aus, er habe sie am Nacken
gepackt und ihren Kopf ins Wasser "getunkt", sodass sie keine Luft mehr bekom-
men habe. Dies habe er sicher drei bis vier Mal gemacht. Sie habe versucht, Luft
zu holen. [...] Sie sei mit dem Rücken an etwas gekommen und dann auf dem
Badezimmerboden gelandet. Sie habe nach Luft geschnappt, da sie endlich wie-
der habe atmen können (Prot. I S. 23 f.). Allerdings bestehen keine genügenden
Anhaltspunkte, in welchen zeitlichen Abständen der Beschuldigte ihren Kopf drei
bis vier Mal unter Wasser gedrückt bzw. wie lange dies jeweils angedauert hat,
worauf auch die Verteidigung zutreffend hingewiesen hat (Urk. 70 S. 17; Urk. 103
S. 18). Die Privatklägerin gab diesbezüglich gegenüber der Polizei einzig an, er
habe sie drei bis vier Mal unter Wasser gedrückt. Beim ersten Mal habe er sie
kurz unter Wasser gedrückt, bei den anderen Malen sei es länger gewesen. Wie
lange könne sie nicht sagen (Urk. 6/1 S. 3). Gegenüber der Staatsanwaltschaft
bestätigte sie ebenfalls, dass es drei bis vier Mal gewesen sei, je ein paar Sekun-
den lang (Urk. 6/3 S. 6).
Den Aussagen der Privatklägerin lässt sich weder entnehmen, wie lange ihre
Atemnot jeweils angedauert hat, noch dass sie durch die Atemnot unter Wasser
unkontrolliert Luft zu holen versuchte und dabei Wasser in ihre Atemwege gelangt
sein könnte. Jedenfalls machte die Privatklägerin nicht geltend, so stark unter
Atemnot gelitten zu haben, dass sie entsprechende körperliche Anzeichen gezeigt
habe oder Wasser in ihre Atemwege gelangt sei. Bei der Staatsanwaltschaft sag-
te sie auf die Frage, ob sie nach Luft gerungen habe, aus, sie wisse es nicht mehr
(Urk. 6/3 S. 16, Antw. auf Frage 59). Von einer massiven und längeren Atemnot
oder einem Eindringen von Wasser in ihre Atemwege kann demnach nicht aus-
gegangen werden. Dass die Privatklägerin diesen Vorfall mit der Badewanne sub-
jektiv als Gefährdungssituation empfunden hat, wurde von ihr anschaulich darge-
legt. So führte sie aus, dass sie Panik bekommen habe, als der Beschuldigte
Wasser in die Badewanne habe einlaufen lassen. Sie habe sich machtlos gefühlt
und gedacht, dass es jetzt wirklich fertig sei (Urk. 6/1 S. 3 f.). In diesem Moment
sei sie in einem Schockzustand gewesen und habe gedacht, es sei vorbei
(Urk. 6/3 S. 6). Sie habe versucht, sich von der Badewanne wegzustossen und
sich aus dieser Lage zu befreien (Urk. 6/3 S. 16). Sie sei ja mit den Armen am
- 49 -
Beckenrand gewesen. Sie habe versucht, irgendetwas zu machen. Sie sei ge-
schockt gewesen. Sie habe gedacht, dass sie dort sterben würde (Prot. I S. 23 f.).
Dass ihre Angst insbesondere auch aufgrund des vorausgehenden Streites und
den bereits erlebten Gewalthandlungen seitens des Beschuldigten verstärkt wur-
de, ist naheliegend und durchaus nachvollziehbar. Da das Vorliegen einer unmit-
telbaren Lebensgefahr allerdings nicht ausschliesslich anhand subjektiver Krite-
rien zu beurteilen, sondern auf objektive Kriterien abzustellen ist, ist gestützt auf
die Akten – insbesondere die Aussagen der Privatklägerin – ernsthaft zu bezwei-
feln, dass durch die Vorgehensweise des Beschuldigten eine derart massive und
lange Atemnot bestanden hatte oder es zu einem Eindringen von Wasser in ihre
Atemwege gekommen war und damit eine unmittelbare Lebensgefahr für die Pri-
vatklägerin bestanden hatte. Der Tatbestand der Gefährdung des Lebens im Sin-
ne von Art. 129 StGB ist damit nicht erfüllt. Nachfolgend ist zu prüfen, ob das
Verhalten des Beschuldigten einen anderen Tatbestand erfüllt.
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist eine Handlung als Tätlichkeiten im
Sinne von Art. 126 StGB zu qualifizieren, wenn eine das allgemein übliche und
gesellschaftlich geduldete Mass überschreitende physische Einwirkung auf einen
Menschen vorliegt, die keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur
Folge hat. Nicht entscheidend sein kann, ob der Angriff beim Betroffenen zu einer
Störung des Wohlbefindens oder einem deutlichen Missbehagen führte
(BGE IV 117 17 E. bb = Pr 81 [1992] Nr. 144).
Der Beschuldigte ergriff den Nacken der Privatklägerin, beugte sie mit dem Kopf
über den Badewannenrand und drückte ihren Kopf bis zum Hals unter Wasser.
Dies tat er drei bis vier Mal für mehrere Sekunden, wobei die Privatklägerin je-
weils keine Luft mehr bekam, während ihr Kopf unter Wasser war. Dass die durch
das Verhalten des Beschuldigten erlittenen körperlichen Beeinträchtigungen der
Privatklägerin klarerweise eine vorübergehende Störung ihres körperlichen Wohl-
befindens darstellten und bei ihr ein deutliches Missbehagen verursachten, steht
ausser Frage. Sie erfüllen damit klarerweise den Tatbestand der Tätlichkeiten im
Sinne von Art. 126 StGB. Da der Beschuldigte den Kopf der Privatklägerin willent-
lich unter Wasser drückte und wusste, dass sie dabei keine Luft bekommen wür-
- 50 -
de, handelte er vorsätzlich. Folglich ist sowohl der objektive als auch der subjekti-
ve Tatbestand der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB erfüllt. Da es sich bei
der Privatklägerin um die Lebenspartnerin des Beschuldigten handelte, mit wel-
cher er zum Tatzeitpunkt einen gemeinsamen Haushalt auf unbestimmte Zeit
führte, ist der Beschuldigte hinsichtlich Anklageziffer 3 der Tätlichkeiten im Sinne
von Art. 126 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. c StGB schuldig zu sprechen.
2. Einfache Körperverletzung und Drohung (Anklageziffer 6)
Die Staatsanwaltschaft beantragte hinsichtlich Anklageziffer 6 die Schuldigspre-
chung des Beschuldigten wegen einfacher Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 StGB sowie Drohung im Sinne von Art. 180 StGB (Urk. 67 S. 9). Die Vor-
instanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten hinsichtlich Anklageziffer 6 als
einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB sowie als Drohung
im Sinne von Art. 180 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. b StGB, erwog aber,
dass die Drohung hinter die einfache Körperverletzung zurücktrete, weshalb sie
ihn hinsichtlich Anklageziffer 6 einzig der einfachen Körperverletzung schuldig
sprach. Die Verteidigung hat die rechtliche Qualifikation nicht moniert.
Hinsichtlich der allgemeinen Ausführungen zu den Tatbeständen der einfa-
chen Körperverletzung sowie der Drohung ist auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz zu verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 87 S. 37 ff.). Vertiefend ist
festzuhalten, dass eine einfache Körperverletzung in Abgrenzung zur Tätlichkeit
gegeben ist, wenn nicht mehr bloss eine harmlose Beeinträchtigung der körperli-
chen Integrität oder des gesundheitlichen Wohlbefindens gegeben ist. Die körper-
liche Integrität ist dann im Sinne einer einfachen Körperverletzung beeinträchtigt,
wenn innere oder äussere Verletzungen oder Schädigungen zugefügt werden, die
mindestens eine gewisse Behandlung und Heilungszeit erfordern, sofern sie um
einiges über blosse Kratzer hinausgehen. Bei Blutergüssen, Schürfungen, Kratz-
wunden oder Prellungen ist die Abgrenzung der einfachen Körperverletzung zum
Tatbestand der Tätlichkeiten begrifflich nur schwer möglich (BGE 134 IV 189
E. 1.3 mit Hinweisen). Auf blosse Tätlichkeiten ist zu erkennen, wenn Schürfun-
gen, Kratzwunden, Quetschwunden oder bloss blaue Flecken so harmlos sind,
dass sie in kürzester Zeit vorübergehen und ausheilen. Die Tätlichkeit wird ge-
- 51 -
genüber der einfachen Körperverletzung somit dadurch abgegrenzt, dass diese
gerade keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur Folge hat
(ROTH/BERKE-MEIER, in: NIGGLI/ WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar, Strafrecht II,
4. Aufl., Basel 2019, N 3 ff. zu Art. 123 StGB). Als leichter Fall einer einfachen
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB sind sodann Angriffe
auf die körperliche Integrität des Menschen in der untersten "Bandbreite" des
Grundtatbestandes zu werten (ROTH/BERKE-MEIER, a.a.O., N 8 zu Art. 123 StGB).
Für die Beantwortung der Frage, ob ein leichter Fall einer Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB vorliegt, ist auf die gesamten Umstände der
Tat und nicht bloss auf die objektiven Verletzungsfolgen abzustellen (BGE 127 IV
59 E. 2a/bb).
Der Beschuldigte fuchtelte mit einem Rüstmesser auf Augenhöhe der Privatkläge-
rin herum, wobei er sie aufgrund ihrer Abwehrbewegung damit an der linken Hand
erwischte und bei ihr eine Schnittverletzung am Finger verursachte. Diese Verlet-
zung verursachte eine starke Blutung, welche mit einem Druckverband gestillt
werden musste. Dies ergibt sich nicht nur aus den Aussagen der Privatklägerin
(Urk. 6/3 S. 8; Prot. I S. 26), sondern wurde auch vom Beschuldigten bestätigt,
welcher insbesondere selber von spritzendem Blut sprach (Urk. 5/3 S. 3). Am
nächsten Morgen musste die Privatklägerin wegen ihrer Verletzung einen Arzt
aufsuchen. Die ca. 3 cm lange Wunde am Finger der linken Hand musste genäht
werden, hatte eine Arbeitsunfähigkeit der Privatklägerin von 100 % für 4 Tage zur
Folge (Urk. 17/3-4), und hinterliess eine Narbe. Diese Schnittverletzung stellt kei-
ne bloss vorübergehende Befindlichkeitsstörung dar, sondern die Grenze zur ein-
fachen Körperverletzung ist überschritten. Der Beschuldigte stand vor der auf
dem Sofa sitzenden Privatklägerin, fuchtelte auf ihrer Augenhöhe mit dem Messer
herum und machte dabei Bewegungen in ihre Richtung. Durch sein Verhalten
nahm der Beschuldigte auch angesichts des dynamischen Handlungsgeschehens
zumindest in Kauf, dass er die Privatklägerin mit dem Messer verletzen könnte.
Ihm muss somit zumindest Eventualvorsatz hinsichtlich der Verursachung einer
Verletzung der Privatklägerin vorgehalten werden. Unter Berücksichtigung der
gesamten Umstände der Tat ist das Vorgehen des Beschuldigten als einfache
- 52 -
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB zu qualifizieren, ohne dabei
von einem leichten Fall gemäss Abs. 2 der Bestimmung auszugehen.
Indem der Beschuldigte mit einem Messer vor dem Gesicht der Privatklägerin
herumfuchtelte und damit Bewegungen in ihre Richtung machte, drohte er ihr mit-
tels Gestik, ihr physisch Gewalt anzutun, was zweifellos eine schwere Drohung
darstellt. Diese Drohung war nicht nur geeignet, die Privatklägerin in Angst und
Schrecken zu versetzen, sondern sie wurde tatsächlich in ihrem Sicherheitsgefühl
beeinträchtigt, was sich auch darin zeigt, dass sie aus Angst schützend ihre Hän-
de vor ihr Gesicht hielt. Wie bereits im Rahmen der Sachverhaltserstellung darge-
legt, schilderte die Privatklägerin glaubhaft, sie habe schon Panik bekommen und
ihn angefleht, aufzuhören, als er mit dem Messer auf sie zugekommen sei
(Urk. 6/3 S. 8). Der Beschuldigte habe das Messer gehalten, und sie habe Angst
gehabt, ihre Hände vor ihr Gesicht gehalten und ihm gesagt, er solle damit aufhö-
ren (Urk. 6/3 S. 19). Weiter gab sie zu Protokoll, dass sie Angst, Todesangst ge-
habt habe, und sie bestätigte, dass sie gedacht habe, der Beschuldigte könnte
seine Ankündigung in die Tat umsetzen, da sie das Gefühl gehabt habe, seine
Augen seien nur noch schwarz gewesen (Urk. 6/3 S. 20). Der Beschuldigte hat
die Privatklägerin mit Wissen und Willen in einen Zustand grosser Angst versetzt,
indem er mit einem Rüstmesser unmittelbar vor ihrem Gesicht herumfuchtelte und
dabei Bewegungen in ihre Richtung machte. Der Tatbestand der Drohung ist so-
mit erfüllt.
Wird dem Opfer die Verübung einer Straftat angedroht und diese Tat dann auch
ausgeführt, so tritt Art. 180 StGB zurück (DELNON/RÜDY, in: in: NIGGLI/ WIPRÄCHTI-
GER, Basler Kommentar, Strafrecht II, a.a.O., N 43 zu Art. 180 StGB). Wie bereits
die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, tritt Art. 180 StGB somit zurück, da der
Beschuldigte der Privatklägerin durch sein Verhalten drohte, sie zu verletzen, was
er dann auch tat, indem er ihr mit dem Messer am Finger der linken Hand eine
Schnittverletzung zufügte.
Demzufolge ist der Beschuldigte hinsichtlich Anklageziffer 6 einzig der einfachen
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 StGB
schuldig zu sprechen, da es sich bei der Privatklägerin um die Lebenspartnerin
- 53 -
des Beschuldigten handelte, mit welcher er zum Tatzeitpunkt einen gemeinsamen
Haushalt auf unbestimmte Zeit führte.
3. Drohung (Anklageziffer 8)
Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten gemäss Anklageziffer 8
als Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. b StGB.
Hinsichtlich der allgemeinen Ausführungen zu diesem Tatbestand ist auf die zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 87
S. 38 ff.).
Gemäss erstelltem Sachverhalt drohte der Beschuldigte der Privatklägerin am
11. Juni 2018 in der gemeinsamen Wohnung in C._, dass ihre Familie "drun-
ter kommen" werde, wenn sie etwas über die zuvor geschilderten Vorfälle der Po-
lizei erzählen würde, wobei er zunächst ihren Bruder, dann ihren Vater und
schliesslich ihre Mutter umbringen würde. Die verbale Drohung mit dem Tod ihrer
Familie stellt zweifellos eine schwere Drohung dar. Zu prüfen bleibt, ob diese
Drohung aufgrund der gesamten Umstände geeignet war, die Privatklägerin in
Angst und Schrecken zu versetzen und ob diesbezüglicher Vorsatz des Beschul-
digten zu bejahen ist.
Wie bereits im Rahmen der Sachverhaltserstellung dargelegt, schilderte die Pri-
vatklägerin auch diesbezüglich anschaulich ihre Angst, dass der Beschuldigte das
Angedrohte in die Tat umsetzen könnte. So führte sie aus, sie habe Angst be-
kommen und das Gefühl gehabt, ihre Familie zu schützen, wenn sie mit ihm zu-
sammenbleiben und nicht zur Polizei gehen würde. Sie bestätigte, dass sie ihm
dies zutrauen würde, aktuell immer noch Angst vor ihm habe, und dass auch ihre
Eltern darunter leiden würden (Urk. 6/3 S. 24 f.). Dass die Privatklägerin tatsäch-
lich in Angst versetzt worden ist, zeigt sich auch in ihrem langen Zögern, Anzeige
gegen den Beschuldigten zu erstatten und im Umstand, dass die ganze Familie
die Wohnung der Eltern verlassen hatte und zwecks Anzeigeerstattung zu einem
Bekannten gegangen war, weil die Privatklägerin nach dem Telefonat mit dem
Beschuldigten die Befürchtung hatte, dieser würde in der Wohnung auftauchen
(Urk. 6/3 S. 11). Aufgrund der gesamten Umstände und insbesondere der Häufig-
- 54 -
keit und gezielten Steigerung des drohenden Verhaltens ist auch davon auszuge-
hen, dass der Beschuldigte die Privatklägerin mit Wissen und Willen in einen Zu-
stand grosser Angst versetzte, zumal es auch Ziel dieser Drohung war, die Privat-
klägerin durch Einschüchterung davon abzuhalten, sich an die Polizei zu wenden
und die Vorfälle zu schildern respektive Anzeige zu erstatten. Somit ist der Vor-
satz des Beschuldigten zu bejahen.
Da es sich bei der Privatklägerin um die Lebenspartnerin des Beschuldigten han-
delte, mit welcher er zum Tatzeitpunkt einen gemeinsamen Haushalt auf unbe-
stimmte Zeit führte, ist der Beschuldigte hinsichtlich Anklageziffer 8 der Drohung
im Sinne von Art. 180 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. b StGB schuldig zu
sprechen.
4. Rechtswidriger Aufenthalt (Anklageziffer 9)
Die Vorinstanz würdigte den Sachverhalt gemäss Anklageziffer 9 als rechtswidri-
ger Aufenthalt im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG in Verbindung mit Art. 61
AuG.
Am 1. Januar 2019 ist das neue Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG;
SR 142.20) in Kraft getreten. Das dem Beschuldigten zur Last gelegte Verhalten
ereignete sich noch vor Inkrafttreten des AIG. Da sowohl das AIG in dessen
Art. 115 Abs. 1 lit. b als auch das im Zeitpunkt der Tat in Kraft stehende AuG im
gleichnamigen Artikel für den rechtswidrigen Aufenthalt die Bestrafung mit Frei-
heitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe vorsehen, erweist sich das neue
Recht nicht als das Mildere. Zur Anwendung gelangt deshalb das AuG (Art. 126
Abs. 4 AIG).
Nach Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG macht sich strafbar, wer sich rechtswidrig, na-
mentlich nach Ablauf des bewilligungsfreien oder des bewilligten Aufenthalts in
der Schweiz aufhält.
Die Verteidigung macht geltend, es sei davon auszugehen, dass dem Beschuldig-
ten wieder eine Aufenthaltsbewilligung ausgestellt werde. Denn gemäss gültiger
Rechtslage sei selbst bei fahrlässiger verspäteter Gesuchseinreichung aus Grün-
- 55 -
den der Verhältnismässigkeit und in Vermeidung des überspitzten Formalismus
die Wiedererteilung der Bewilligung bzw. Verlängerung derselben grundsätzlich
geboten. Der Ablauf der Bewilligung könne daher nicht als absoluter Erlöschens-
grund qualifiziert werden. Normalerweise sei die Folge einer Nicht-Verlängerung,
dass eine angemessene Ausreisefrist angesetzt werde. Bis zum Ablauf dieser
Frist, bleibe der Aufenthalt rechtmässig. Das Migrationsamt habe dem Beschul-
digten keine Ausreisefrist angesetzt, weshalb sein Aufenthalt bisher nicht als
rechtswidrig im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG bzw. AIG qualifiziert werden
könne (Urk. 70 S. 18 f.; Urk. 103 S. 21 f.).
Der Argumentation der Verteidigung kann nicht gefolgt werden. Nach Ablauf des
bewilligungsfreien oder des bewilligten Aufenthaltes ist der Aufenthalt rechtswid-
rig, vorbehalten bleibt die Einreichung eines Gesuchs. Wird vor Ablauf um Ver-
längerung ersucht, so besteht ein gesetzliches Anwesenheitsrecht, welches sich
daraus ergibt, dass Folge der Nichtverlängerung die Wegweisung ist, mit welcher
eine angemessene Ausreisefrist angesetzt wird (ZÜND, in: OFK Migrationsrecht,
5. Aufl., Zürich 2019, N 7 zu Art. 115 AIG). Vorliegend hat sich der Beschuldigte
ohne gültigen kolumbianischen Reisepass sowie ohne gültige Schweizer Aufent-
haltsgenehmigung auf dem Gebiet der Schweiz aufgehalten und auch nicht vor
Ablauf um eine Verlängerung ersucht. Die Verteidigung führt zwar aus, der Be-
schuldigte habe auf der Gemeinde vorgesprochen (Urk. 70 S. 18), dass er ein of-
fizielles Gesuch eingereicht haben soll, wird aber nicht geltend gemacht und es
finden sich dafür auch keine Anhaltspunkte in den Akten. Der Beschuldigte bestä-
tigte auf Vorhalt, dass gemäss Auskunft des Migrationsamtes bisher noch kein
Verlängerungsgesuch von ihm eingegangen sei, selber, das sei richtig, weil ihm
eben noch Dinge fehlen würden (Urk. 5/5 S. 3, Antw. auf Frage 11). Entsprechend
konnte dem Beschuldigten auch keine angemessene Ausreisefrist angesetzt wer-
den, welche zu einer befristeten Rechtmässigkeit seines Aufenthalts geführt hätte.
Der Aufenthalt des Beschuldigten war damit rechtswidrig.
Weiter macht die Verteidigung geltend, dem Beschuldigten könne lediglich vor-
geworfen werden, dass er sich nicht rechtzeitig um die Verlängerung der Aufent-
haltsbewilligung gekümmert habe, wofür er aber bereits mit Strafbefehl der
- 56 -
Staatsanwaltschaft Kreuzlingen vom 4. Mai 2018 bestraft worden sei (Urk. 103
S. 22). Im Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen vom 4. Mai 2018 wird
festgehalten, dass die Aufenthaltsbewilligung des Beschuldigten am 8. Oktober
2017 abgelaufen war, und er wurde für seinen rechtswidrigen Aufenthalt am
13. Januar 2018 mit einer Busse von Fr. 150.– bestraft (Urk. 104/2). Dieser Straf-
befehl bezieht sich hinsichtlich des Deliktszeitraums lediglich auf den 13. Januar
2018 und umfasst damit nicht den in diesem Verfahren zu beurteilenden Zeitraum
vom 9. Oktober 2017 bis zum 14. Juni 2018 (vgl. vorstehend, Erw. III.2.2.).
Weiter bringt die Verteidigung vor, es sei durch die Verzögerung bei der kolumbi-
anischen Vertretung bedingt, dass der Beschuldigte seine Aufenthaltsbewilligung
nicht mehr habe erhältlich machen können. Eine Ausreise sei ohne heimatliche
Papiere nicht möglich gewesen. Eine illegale Einreise in ein Drittland könne nicht
verlangt werden. Eine Bestrafung wegen rechtswidrigen Aufenthalts komme somit
aufgrund der objektiven Unmöglichkeit der Ausreise nicht in Betracht (Urk. 103
S. 22). Diese Argumentation der Verteidigung erweist sich als nicht stichhaltig und
zu wenig substantiiert. Es wurde nicht aufgezeigt, dass der Beschuldigte versucht
haben soll, aus der Schweiz auszureisen, respektive inwiefern eine Einreise in
sein Herkunftsland nicht möglich gewesen sein soll. Unklar bleibt auch, wann und
wie intensiv der Beschuldigte sich um die Beschaffung seiner kolumbianischen
Papiere gekümmert haben soll.
Vor Vorinstanz monierte die Verteidigung zudem, dass die EU-Rückführungs-
richtlinie einer Bestrafung des Beschuldigten entgegenstehe. Eine strafrechtliche
Ahndung wegen rechtswidrigen Aufenthalts sei erst zulässig, wenn sämtliche zu-
mutbaren verwaltungsrechtlichen bzw. administrativen Vorkehrungen zur Ausrei-
se bzw. Ausschaffung einer beschuldigten Person ausgeschöpft und infolge man-
gelnder Mitwirkung des Beschuldigten erfolglos geblieben seien. Somit könne ei-
ne Person ohne Aufenthaltsberechtigung erst dann strafrechtlich belangt werden,
wenn das kantonale Migrationsamt alle möglichen Wegweisungsvollzugsmass-
nahmen an Hand genommen habe, um den rechtswidrig Anwesenden aus der
Schweiz auszuschaffen. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Seitens der Migrati-
onsbehörden sei nicht alles Zumutbare unternommen worden, um eine Rückfüh-
- 57 -
rung in die Wege zu leiten. Entsprechend sei das Verfahren betreffend rechtswid-
rigen Aufenthalt einzustellen (Urk. 70 S. 19 f.). Auch dieser Argumentation der
Verteidigung ist nicht zu folgen. Die Rückführungsrichtlinie ist auf Drittstaatsange-
hörige nicht anwendbar, welche nebst dem illegalen Aufenthalt eine oder mehrere
andere Straftaten ausserhalb des Ausländerstrafrechts begangen haben
(BGE 143 IV 264 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichtes 6B_320/2013 vom 29. Au-
gust 2013 E. 3.2), was beim Beschuldigten der Fall ist.
Der Beschuldigte wusste, dass er sich nach Ablauf der Gültigkeitsfrist seines ko-
lumbianischen Passes und ohne ein Gesuch um Verlängerung der Schweizer
Aufenthaltsbewilligung zu stellen, illegal in der Schweiz aufhält (Urk. 6/3 S. 3). Der
objektive und subjektive Tatbestand ist somit erfüllt und der Beschuldigte hinsicht-
lich Anklageziffer 9 des rechtswidrigen Aufenthalts im Sinne von Art. 115 Abs. 1
lit. c AuG in Verdingung mit Art. 61 AuG schuldig zu sprechen.
5. Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung (Anklageziffer 10)
Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten gemäss Anklagezif-
fer 10 als Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. c
AuG. Hinsichtlich der allgemeinen Ausführungen zu diesem Tatbestand ist auf die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO;
Urk. 87 S. 44). Obwohl ein Verhalten des Beschuldigten vor Inkrafttreten des AIG
zu beurteilen ist, gelangt das AuG zur Anwendung (vgl. vorstehend, Erw. IV.4.).
Die Verteidigung bringt vor, dass allfällige Arbeitsleistungen des Beschuldigten
nicht verboten seien, da sein Aufenthalt nicht als rechtswidrig qualifiziert werden
könne. Zudem habe es sich beim Entgelt für die Arbeitsleistungen nicht um Lohn,
sondern um Geschenke gehandelt (Urk. 70 S. 20; Urk. 103 S. 22 f.).
Da der Aufenthalt des Beschuldigten als rechtswidrig zu qualifizieren ist (vorste-
hend, Erw. IV.4.), fehlte es ihm an der erforderlichen Bewilligung zur Erwerbstä-
tigkeit. Entgegen den Vorbringen der Verteidigung erhielt der Beschuldigte ge-
mäss eigenen Aussagen nicht nur Geschenke als Entgelt für seine Arbeitsleis-
tung. So sagte er gegenüber der Staatsanwaltschaft diesbezüglich aus, er habe
- 58 -
bei Kollegen auf der Arbeit ausgeholfen, welche ihn dann auch gleich ausbezahlt
hätten. Diese hätten ihm auch im Bereich von Fr. 50.– bis Fr. 80.– Geld gegeben,
sodass er durch den Tag gekommen sei. Er sei mit ihnen auf die Baustelle ge-
gangen und habe ihnen etwas geholfen. Sie hätten ihm dann etwas gegeben. Er
habe einfach ab und zu Geld bekommen für seine Kleinigkeiten, welche er ge-
macht habe. Dieses Geld habe er dann benützt, um Essen zu kaufen (Urk. 6/3
S. 13 f.). Gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten ergibt sich folglich zwei-
felsfrei, dass er als Gegenleistung für seine Arbeit Lohn erhalten hatte, welcher an
den Lebensunterhalt des Beschuldigten beitragen sollte. Entsprechend ist auch
nicht mehr von reinen Gefälligkeitshandlungen auszugehen. Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, dass er aktuell einer Erwerbstätig-
keit als Zügelmann nachgehe, wobei er im Stundenlohn angestellt sei und
Fr. 25.– pro Stunde erhalte (Prot. II S. 13). Das Geld, welches er damals als Ge-
genleistung für seine Arbeit auf der Baustelle erhalten hatte, entsprach mit ca.
Fr. 80.– somit beinahe einem halben Tageslohn. Der Beschuldigte war aufgrund
seiner damaligen Situation zudem auf Einkommen angewiesen, da er nur finanzi-
elle Unterstützung durch seinen Vater und die Privatklägerin erhalten hat. Der Be-
schuldigte verrichtete willentlich Arbeitsleistungen auf einer Baustelle in J._
[Ortschaft] als Handlanger und einmal Gartenarbeiten gegen Entgelt, obwohl er
wusste, dass er dies mangels Bewilligung gar nicht hätte tun dürfen (Urk. 6/3
S. 13, Antw. auf Frage 52). Der objektive und subjektive Tatbestand ist somit er-
füllt und der Beschuldigte hinsichtlich Anklageziffer 10 der mehrfachen Erwerbstä-
tigkeit ohne Bewilligung im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. c AuG schuldig zu spre-
chen.
6. Fazit
Der Beschuldigte ist ferner der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 StGB, der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
StGB in Verbindung mit Abs. 2 lit. b StGB, des rechtswidrigen Aufenthalts im Sin-
ne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG in Verbindung mit Art. 61 AuG, der mehrfachen
Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. c AuG und der
- 59 -
Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. c StGB
schuldig zu sprechen.
V. Strafzumessung
1. Vorbemerkung
Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten – noch unter Berücksichtigung der
Gefährdung des Lebens und der Drohung (Anklageziffer 2) – mit einer bedingten
Freiheitsstrafe von 18 Monaten, einer unbedingten Geldstrafe von 20 Tagessät-
zen zu Fr. 30.–, unter Anrechnung von 224 Tagen erstandener Haft sowie Anset-
zung einer Probezeit von 4 Jahren, sowie einer Busse von Fr. 1'700.–. Da einzig
der Beschuldigte Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil erhoben hat, wäre ei-
ne strengere Bestrafung aufgrund des Verschlechterungsverbotes ohnehin ausser
Betracht gefallen (Verbot der reformatio in peius; Art. 391 Abs. 2 StPO). Der Be-
schuldigte beantragt im Berufungsverfahren die Bestrafung mit einer bedingten
Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 10.–, unter Anrechnung der bereits erstan-
denen Haft, sowie einer Busse von Fr. 800.– (Urk. 90 S. 3; Urk. 103 S. 2).
2. Allgemeine Grundsätze
Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im vorinstanz-
lichen Urteil zutreffend wiedergegeben (Urk. 87 S. 45 ff.). Dies braucht nicht wie-
derholt zu werden. Der massgebliche Strafrahmen beträgt für die einfache Kör-
perverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 StGB sowie
die Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Abs. 2 lit. b
StGB Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe, während für den rechts-
widrigen Aufenthalt im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG in Verbindung mit
Art. 61 AuG sowie die Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung im Sinne von Art. 115
Abs. 1 lit. c AuG Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe vorgesehen ist.
Für die Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB beträgt der massgebli-
che Strafrahmen Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen. Für die übrigen Delikte (Tät-
lichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. c StGB und
Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Abs. 1 BetmG)
- 60 -
ist eine separate Busse auszusprechen (nachfolgend, Erw. V.3.5.). Als Straf-
schärfungsgründe liegen die innerhalb des Strafrahmens zu berücksichtigende
Deliktsmehrheit und die mehrfache Tatbegehung vor. Gründe, die ein Verlassen
des massgeblichen Strafrahmens rechtfertigen würden, liegen keine vor.
Innerhalb des Strafrahmens bemisst das Gericht die Strafe nach dem Verschul-
den des Täters, wobei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Täters
sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen sind (Art. 47
Abs. 1 StGB; vgl. zu den Einzelheiten BGE 123 IV 49 E. 2 und BGE 136 IV 55).
Bei einer Mehrzahl von begangenen Delikten ist im Rahmen der Festlegung der
angemessenen Sanktion nach der sog. konkreten Methode vorzugehen und in
diesem Zusammenhang grundsätzlich für jede konkrete Tat die angemessene
Strafhöhe sowie die passende Strafart zu bestimmen (vgl. BGE 144 IV 217 ff.). Im
Einzelnen hat das Bundesgericht dazu in Präzisierung seiner bisherigen Recht-
sprechung zu Art. 49 StGB festgehalten, dass die Bildung einer Gesamtstrafe nur
bei gleichartigen Strafen möglich ist, während ungleichartige Strafen kumulativ zu
verhängen sind. Mehrere gleichartige Strafen liegen vor, wenn das Gericht im
konkreten Fall für jede einzelne Straftat eine gleichartige Strafe ausfällt bzw. aus-
fällen würde. Dass die anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige
Strafen androhen, genügt nicht (BGE 144 IV 219 f.; BGE 138 IV 122 f.). Das Bun-
desgericht hält in diesem Zusammenhang ergänzend fest, nach der gesetzlichen
Konzeption basiere eine Gesamtstrafe begrifflich auf mehreren selbständigen
Einzelstrafen, was voraussetze, dass das Gericht zumindest gedanklich für sämt-
liche begangenen Taten eine konkrete Strafe gebildet habe (BGE 144 IV 234).
Demgemäss sei zunächst für jede Tat eine selbständige Strafe festzulegen, wo-
rauf dann zu prüfen sei, aus welchen einzelnen Freiheits- und Geldstrafen jeweils
eine Gesamtstrafe zu bilden sei. Werde dabei im konkreten Fall die Verhängung
einer Geldstrafe nicht mehr als schuldangemessen und zweckmässig beurteilt, so
könnten für die einzelnen Taten auch kurze Freiheitsstrafen festgelegt werden,
sofern die daraus zu bildende Gesamtstrafe die Dauer von sechs Monaten über-
steige (BGE 144 IV 239 f.).
- 61 -
Gleichzeitig lässt das Bundesgericht für bestimmte Konstellationen aber nach wie
vor Ausnahmen von der konkreten Methode zu, dies insbesondere dann, wenn
verschiedene Delikte zeitlich und sachlich derart eng miteinander verknüpft sind,
dass sie sich nicht sinnvoll auftrennen und für sich allein beurteilen lassen (vgl.
Urteil des Bundesgerichtes 6B_523/2018 vom 23. August 2018, E. 1.2.2).
Der Beschuldigte hat zahlreiche Strafen verwirkt, für welche im konkreten Fall die
Ausfällung einer Geldstrafe (bis zu 180 Tagessätzen, Art. 34 Abs. 1 StGB) in Fra-
ge kommt. Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ zur Ver-
fügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen
im Regelfall grundsätzlich diejenige gewählt werden, welche weniger stark in die
persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart trifft.
Im Einzelfall sind für die Wahl der Sanktionsart indes als wichtigste Kriterien die
Zweckmässigkeit der Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein sozia-
les Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 84 f.).
Es ist in dieser Hinsicht eine Prognose zu stellen, welche Sanktion für einen be-
stimmten Täter aus spezialpräventiven Gesichtspunkten wirksamer erscheint. Die
Lehre erachtet in diesem Zusammenhang auch das Mass der kriminellen Energie
als valables Kriterium im Rahmen der Bestimmung der angemessenen Sankti-
onsart. Ist bei Verhängung einer Geldstrafe in Berücksichtigung des Vorlebens
und der aktuellen Delinquenz keinerlei positive Entwicklung des Täters zu erwar-
ten, so ist es erlaubt und auch geboten, von zwei für identisches Tatverhalten zur
Verfügung stehenden Sanktionen diejenige zu wählen, welche zur Verhinderung
weiterer Straftaten in Beachtung des Verhältnismässigkeitsprinzips als geeignet
erscheint, auch wenn sie den Beschuldigten im Endeffekt härter tangiert. Im Übri-
gen kann eine Freiheitsstrafe stets dann ausgefällt werden, wenn zu erwarten ist,
dass eine Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden kann (Art. 41 Abs. 1
StGB).
Vorliegend kommt unter den Gesichtspunkten der Zweckmässigkeit und der prä-
ventiven Effizienz der Sanktion für die vom Beschuldigten verwirkten Taten (ein-
fache Körperverletzung, Drohung, rechtswidriger Aufenthalt und mehrfache Er-
werbstätigkeit ohne Bewilligung) lediglich eine Freiheitsstrafe in Betracht. Bereits
- 62 -
im Rahmen der früheren Verurteilungen im Jahr 2016 wurde der Beschuldigte zu
bedingten Geldstrafen verbunden mit einer Busse verurteilt (Urk. 88; nachfolgend,
Erw. V.3.2.2.). Trotz dieser Strafen liess sich der Beschuldigte nicht von weiterer
Delinquenz abhalten, sondern er delinquierte kurz nach Ablauf der Probezeit er-
neut mehrfach, wobei eine gewisse Steigerungstendenz in der Gewaltbereitschaft
des Beschuldigten zu erkennen ist. Umso weniger ist zu erwarten, dass eine ak-
tuell ausgefällte Geldstrafe beim Beschuldigten einen genügenden Präventionsef-
fekt zeitigen würde. Zudem erscheint aufgrund der persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten, dieser hat keine Ausbildung abgeschlossen, ist bereits seit länge-
rer Zeit arbeitslos und verfügt aktuell über keine Bewilligung, um einer Erwerbstä-
tigkeit nachgehen zu können (vgl. nachfolgend, Erw. V.3.2.1.), fraglich, inwiefern
eine ausgefällte Geldstrafe überhaupt vollziehbar wäre. Vielmehr ist für die einfa-
che Körperverletzung, die Drohung, den rechtswidrigen Aufenthalt und die mehr-
fache Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung je eine Freiheitsstrafe und für alle Delikte
gemeinsam eine Gesamtfreiheitsstrafe auszufällen. Für die Beschimpfung ist auf-
grund des massgeblichen Strafrahmens eine separate Geldstrafe auszufällen
(nachfolgend, Erw. V.3.4.).
Da sowohl die einfache Körperverletzung als auch die Drohung eine identische
abstrakte Strafandrohung aufweisen, ist zunächst eine hypothetische Einsatzstra-
fe für die Drohung zu bilden, da diese das verschuldensmässig schwerste Delikt
darstellt, und diese dann für die weiteren Delikte (einfache Körperverletzung,
rechtswidriger Aufenthalt, mehrfache Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung) mittels
Asperation gestützt auf Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen.
3. Strafzumessung in concreto
3.1. Tatkomponenten
3.1.1. Drohung (Anklageziffer 8)
Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschul-
digte der Privatklägerin drohte, ihren Bruder, ihren Vater sowie ihre Mutter umzu-
bringen, wenn sie sich an die Polizei wenden würde. Er drohte damit einen mas-
- 63 -
siven Eingriff in Leib und Leben der Familie der Privatklägerin an. Vor dem Hin-
tergrund seiner Handlungen, insbesondere im Zusammenhang mit den Vorfällen
mit der Badewanne und dem Messer, bei welchen sich die Gewaltbereitschaft und
Unkontrollierbarkeit des Beschuldigten bereits gezeigt hatte, musste die Privat-
klägerin damit rechnen, dass der Beschuldigte seine Drohung in die Tat umsetzen
könnte, was sie nachdrücklich in grosse Angst versetzte. In objektiver Hinsicht
wiegt das Verschulden nicht mehr leicht.
In subjektiver Hinsicht ist die direktvorsätzliche Tatbegehung zu berücksichtigen.
Der Beschuldigte baute aus niedrigen Beweggründen ein System von Gewalt und
Angst zur Kontrolle der Privatklägerin auf, um damit und insbesondere mit seiner
Drohung zu verhindern, dass diese sich an die Polizei wenden würde. Das sub-
jektive Tatverschulden vermag das objektive nicht zu relativieren.
Somit ist das Verschulden des Beschuldigten insgesamt als nicht mehr leicht ein-
zustufen und rechtfertigt eine hypothetische Einsatzstrafe von 7 Monaten Frei-
heitsstrafe.
3.1.2. Einfache Körperverletzung (Anklageziffer 6)
Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte der
Privatklägerin mit einem Rüstmesser eine ca. 3 cm lange Schnittwunde am Finger
der linken Hand zufügte. Dies führte zu einer starken Blutung, welche nur mittels
Druckverband gestoppt werden konnte, bevor sie dann mit vier Stichen genäht
werden musste. Diese Verletzung hatte dann auch eine Arbeitsunfähigkeit der
Privatklägerin von 100 % für 4 Tage zur Folge. Die objektive Tatschwere ist ins-
gesamt als leicht zu qualifizieren.
Bei der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte durch sein
Verhalten eine Verletzung der Beschuldigten in Kauf nah. Zu seinen Gunsten ist
zu berücksichtigen, dass er sich nach dem Vorfall um die Privatklägerin kümmerte
und half, die Blutung zu stoppen. Das subjektive Tatverschulden vermag das ob-
jektive marginal zu relativieren.
- 64 -
Das Verschulden des Beschuldigten rechtfertigt insgesamt eine Sanktion von
2 Monaten Freiheitsstrafe.
3.1.3. Rechtswidriger Aufenthalt (Anklageziffer 9)
Der Beschuldigte hielt sich seit dem 9. Oktober 2017 bis zum 14. Juni 2018 ohne
gültigen kolumbianischen Reisepass und ohne gültige Schweizer Aufenthaltsbe-
willigung auf dem Gebiet der Schweiz auf. Der Beschuldigte vergass nach jahre-
langem Aufenthalt in der Schweiz, seinen Pass und seine Aufenthaltsbewilligung
zu verlängern. Für diese Tathandlung ist das Verschulden des Beschuldigten ins-
gesamt als sehr leicht zu bezeichnen und die entsprechende Sanktion auf 1 Mo-
nat Freiheitsstrafe festzusetzen.
3.1.4. Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung (Anklageziffer 10)
Der Beschuldigte arbeitete einen Tag auf einer Baustelle in J._ als Handlan-
ger und verrichtete einmal Gartenarbeiten, wobei er jeweils Entgelt für seine Tä-
tigkeiten erhielt, ohne über die dafür notwendige Bewilligung zu verfügen. Er han-
delte direktvorsätzlich, da er wusste, dass er über keine für die Erwerbstätigkeit
erforderliche Bewilligung verfügte. Das Verschulden ist ebenfalls sehr leicht und
die entsprechende Sanktion höchstens auf 1⁄2 Monat Freiheitsstrafe festzusetzen.
3.1.5. Zwischenfazit
Die hypothetische Einsatzstrafe für die Drohung von 7 Monaten Freiheitsstrafe ist
um die weiteren festgelegten Strafen, deren Gesamthöhe bei 31⁄2 Monaten Frei-
heitsstrafe liegt, angemessen zu erhöhen. Bei Anwendung des Asperationsprin-
zips führt dies zu einer Strafschärfung im Umfang von 2 Monaten auf 9 Monate
Freiheitsstrafe.
3.2. Täterkomponenten
3.2.1. Persönliche Verhältnisse
Der Beschuldigte wurde in ..., Kolumbien, geboren. Im Alter von 41⁄2 Jahren starb
seine Mutter, und er wurde von deren Lebenspartner aufgenommen. Im Alter von
- 65 -
6 bis 7 Jahren lief er seinem Stiefvater davon, nachdem sich dieser ihm unsittlich
genähert habe. Anschliessend verbrachte er seine Zeit als Bettler und Dieb auf
der Strasse, bevor er von seinem leiblichen Vater in einem Kinderheim gefunden
und mit in die Schweiz genommen wurde. In der Schweiz lebte er während einiger
Jahre bei seinem Vater und seiner Stiefmutter. Bis zur 6. Klasse ging er in
K._[Ortschaft], in der Nähe von L._ [Ortschaft] zur Schule. Nachdem er
seiner Stiefmutter verraten habe, dass sein Vater ihr untreu gewesen sei, sei die
Familie zerbrochen, als er die Primarschule abgeschlossen hatte. Daraufhin zog
er mit seinem Vater nach J._, wo er die Sekundarschule abschloss. Er be-
gann eine Lehre als Baumaschinenmechaniker, welche er aufgrund des Konkur-
ses seiner Lehrfirma aber abbrechen musste. Seither habe er sich mit Gelegen-
heitsjobs im Brandschutz, in der Kanalreinigung, als Gipser, Maurer und im Bau
als Abbruchmitarbeiter über Wasser gehalten, ohne noch eine Lehre abzuschlies-
sen. Seine letzte temporäre Stelle sei auf dem Bau gewesen, und er habe noch
als Zugreiniger bei der M._ gearbeitet. Er sei finanziell von seinem Vater,
seiner Tante oder Cousine unterstützt worden. Er ist ledig. Er verfügt über keinen
gültigen kolumbianischen Reisepass und über keine gültige Schweizer Aufent-
haltsbewilligung. Er hat kein Vermögen und Schulden bei der Stadt in der Höhe
von ca. Fr. 15'000.– (Urk. 5/1 S. 13; Urk. 5/5 S. 13 ff.; Prot. I S. 33 ff.).
Ergänzend fügte der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung an, dass
er weiterhin keine Bewilligung in der Schweiz habe, da er nach wie vor auf die er-
forderlichen kolumbianischen Papiere warte. Aktuell wohne er bei seinem Vater in
J._, wobei er bei der Gemeinde nicht offiziell angemeldet sei. Nachdem er
die Lehre als Baumaschinenmechaniker aufgrund des Konkurses seiner Lehrfir-
ma habe abbrechen müssen, habe er eine Lehre als Landschaftsgärtner begon-
nen. Diese habe er aber nicht abgeschlossen, weil ihm der Job nicht gefallen ha-
be. Unterdessen habe er eine Bewilligung des Migrationsamtes erhalten, um ar-
beiten zu können. Aktuell arbeite er als Zügelmann, wobei er sich noch in der
Probezeit befinde und auf Stundenlohnbasis angestellt sei. Er erhalte Fr. 25.– pro
Stunde. Er sei mit seiner Freundin seit einem Jahr und 3 Monaten zusammen und
auf Wohnungssuche. Er habe nach wie vor Schulden und Betreibungen in der
- 66 -
Höhe von insgesamt ca. Fr. 15'000.– ausstehend. Diese würden im Moment al-
lerdings stillstehen und er würde keine Abzahlungen leisten (Prot. II S. 7 ff.).
Die schwierige Kindheit des Beschuldigten ist leicht strafmindernd zu berücksich-
tigen.
3.2.2. Vorleben
Der Beschuldigte weist drei, hinsichtlich der Übertretung des Betäubungsmittelge-
setzes einschlägige, Vorstrafen auf, deren zwei vor der heute zu beurteilenden
Delinquenz anfielen (Urk. 101). Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat vom 2. Februar 2016 wurde er wegen Führens eines Motorfahrzeugs oh-
ne erforderlichen Führerausweis, Fahrens ohne Haftpflichtversicherung im Sinne
des Strassenverkehrsgesetzes, Verletzung der Verkehrsregeln, Vergehens gegen
das Waffengesetz sowie Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer be-
dingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 80.–, unter Ansetzung einer Probe-
zeit von 2 Jahren, sowie einer Busse von Fr. 900.– bestraft. Mit weiterem Strafbe-
fehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 2. März 2016 wurde er wegen
Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Übertretung des Betäu-
bungsmittelgesetzes zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu
Fr. 30.–, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren, sowie einer Busse von
Fr. 300.– bestraft (Urk. 88; Urk. 101). Am 5. August 2020 kam eine weitere Geld-
strafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.– und eine Busse von Fr. 300.– wegen Ver-
gehens gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie mehrfacher Übertretung des
Betäubungsmittelgesetzes hinzu (Urk. 101). Die ersten beiden, teils einschlägi-
gen, Vorstrafen sind bei der Beurteilung des Vorlebens des Beschuldigten merk-
lich straferhöhend zu berücksichtigen.
3.2.3. Nachtatverhalten
Der Beschuldigte zeigte sich teilweise geständig. Bezüglich des rechtswidrigen
Aufenthalts (Anklageziffer 9), der Tätlichkeiten (Anklageziffern 1, 4, 7) der Be-
schimpfung (Anklageziffer 5) sowie der Übertretung des Betäubungsmittelgeset-
zes (Anklageziffer 11) zeigte der Beschuldigte sich zwar von Beginn an vollum-
- 67 -
fänglich geständig, aufrichtige Reue hinsichtlich seines Fehlverhaltens brachte er
allerdings nicht zum Ausdruck. Letztlich manifestiert sich die mangelnde Einsicht
des Beschuldigten auch in seiner hinsichtlich des Verstosses gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz erneuten einschlägigen Delinquenz im August 2020 (vgl.
Urk. 101; Urk. 101A/1-10 [Beizugsakten Verfahren A-/3/2020/25952]). Sein Ge-
ständnis ist bei der Bemessung der Strafe dieser Delikte daher nur leicht straf-
mindernd zu berücksichtigen. Hinsichtlich Anklageziffer 10 (Erwerbstätigkeit ohne
Bewilligung) zeigte sich der Beschuldigte teilweise geständig, indem er zwar ein-
räumte Arbeitstätigkeiten gegen Entgelt geleistet zu haben, sich dann allerdings
auf den Standpunkt stellte, es habe sich dabei um Gefälligkeiten und keine Arbeit
gehandelt. Dieses Geständnis fällt bei der Bemessung der Strafe für dieses Delikt
kaum spürbar ins Gewicht. Hinsichtlich der Vorfälle im Badezimmer und mit dem
Messer (Anklageziffern 3 und 6) sowie im Zusammenhang mit der Drohung (An-
klageziffer 8) war der Beschuldigte nicht geständig und zeigte entsprechend auch
keine Reue.
3.2.4. Zwischenfazit
Wird im Rahmen der Würdigung der Täterkomponenten die Erhöhung aufgrund
der Vorstrafen der Reduktion aufgrund der schwierigen Kindheit sowie der teilwei-
sen Geständnisse gegenübergestellt, so ergibt sich, dass die erhöhenden Aspek-
te leicht überwiegen.
3.3. Gesamtwürdigung Freiheitsstrafe
Die Gesamtstrafe in der Höhe von 9 Monaten Freiheitsstrafe (vgl. vorstehend,
Erw. V.3.1.5.) ist aufgrund der Täterkomponenten um 2 Monate auf 11 Monate
Freiheitsstrafe zu erhöhen. Unter Berücksichtigung sämtlicher strafzumessungs-
relevanter Komponenten ergibt sich somit eine Freiheitsstrafe von 11 Monaten.
3.4. Geldstrafe
Für die Beschimpfung kommt gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB nur eine Geldstrafe in
Betracht. Entsprechend ist eine separate Geldstrafe auszusprechen.
- 68 -
Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte die
Privatklägerin in der gemeinsamen Wohnung in C._ einmal als "Schlampe"
bezeichnete, nachdem sie ihm von ihren früheren Beziehungen erzählt hatte. Das
objektive Tatverschulden ist als noch eher leicht zu werten.
Bezüglich des subjektiven Verschuldens ist festzuhalten, dass der Beschuldigte
direktvorsätzlich handelte, was strafzumessungsneutral zu gewichten ist.
Insgesamt wiegt das Tatverschulden sehr leicht und die von der Vorinstanz fest-
gesetzte Geldstrafe von 20 Tagessätzen erweist sich als angemessen. Im Rah-
men der Täterkomponenten ist einerseits die leichte Reduktion aufgrund der
schwierigen Kindheit des Beschuldigten und sein vollumfängliches Geständnis im
Zusammenhang mit der Beschimpfung zu berücksichtigen, während aufgrund
seines Vorlebens eine merkliche Erhöhung zu erfolgen hat (vgl. vorstehend,
Erw. V.3.2.). Die erhöhenden und mindernden Aspekte wiegen sich nahezu auf,
sodass aufgrund dieser Strafzumessungsgründe keine Korrektur der Sanktion
angezeigt erscheint. Die von der Vorinstanz festgesetzte Geldstrafe von 20 Ta-
gessätzen trägt allen Strafzumessungsfaktoren in angemessener Weise Rech-
nung und ist zu bestätigen.
Für die Bestimmung der entsprechenden Tagessatzhöhe ist zu berücksichtigen,
dass der Beschuldigte in bescheidenen finanziellen Verhältnissen lebt. Er verfügt
über keine abgeschlossene Ausbildung und kann aufgrund seiner fehlenden Be-
willigung keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Der Beschuldigte gab an, dass er
wieder bei seinem Vater wohnen wolle, womit für ihn keine Wohnkosten anfallen
würden, und er von ihm bisher mit ca. Fr. 1'000.– pro Monat finanziell unterstützt
worden sei. Zudem verfüge er über kein Vermögen und habe Schulden in der Hö-
he von ca. Fr. 15'000.– (Urk. 5/5 S. 13 ff.; Prot. I S. 34 ff.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung ergänzte der Beschuldigte zu seinen finan-
ziellen Verhältnissen, dass er im Stundenlohn angestellt sei und als Zügelmann
arbeite, wobei er sich zurzeit noch in der Probezeit befinden würde. Er erhalte
Fr. 25.– pro Stunde, und er sei für eine Festanstellung im Gespräch. Er wohne bei
- 69 -
seinem Vater in J._, sei aber bei der Gemeinde nicht offiziell angemeldet und
nun auf Wohnungssuche mit seiner Freundin (Prot. II S. 8 ff.).
Angesichts seiner finanziellen Verhältnisse erweist sich der von der Vorinstanz
angeordnete Tagessatz von Fr. 30.– als angemessen. Der Beschuldigte ist somit
mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– zu bestrafen.
3.5. Busse
3.5.1. Vorbemerkungen
Für die Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB und die Übertretung des
Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Abs. 1 BetmG ist eine separate
Busse festzusetzen, wobei der Höchstbetrag der Busse Fr. 10'000.– beträgt
(Art. 106 Abs. 1 StGB). Im Vergleich zur Übertretung des Betäubungsmittelgeset-
zes erweisen sich die Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB als schwe-
rere Straftat. Da die Tätlichkeiten ähnliche Tathandlungen aufweisen (Schläge ins
Gesicht und gegen den Körper, Treten, Würgen mit der Hand und Unter-Wasser-
Drücken) und zeitlich nahe beieinanderliegen – grösstenteils April 2018 und ein
weiterer Vorfall am 7. bzw. 8. Juni 2018 –, lassen sich diese nicht sinnvoll auf-
trennen und für sich alleine beurteilen. Demzufolge ist für die Tätlichkeiten eine
Einsatzstrafe festzusetzen und diese dann um das weitere Delikt der Übertretung
gegen das Betäubungsmittelgesetz angemessen zu erhöhen (Art. 49 Abs. 1
StGB).
3.5.2. Tätlichkeiten
Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass die Beeinträchtigun-
gen und Verletzungen der Privatklägerin teilweise nur knapp noch als Tätlichkei-
ten eingestuft werden können. Im April 2018 schlug der Beschuldigte die Privat-
klägerin mit der flachen Hand auf die Wange, umfasste mit seinen Händen ihre
Oberarme und schüttelte sie, sodass sie an beiden Oberarmen Hämatome erlitt
und während einigen Tagen Schmerzen hatte. Wenige Tage später schlug er sie
erneut mit der flachen Hand ins Gesicht, wodurch sie nebst Rötungen der Ohren
auch eine blaue Verfärbung ihres rechten Auges erlitt, was ihr während mehreren
- 70 -
Tagen Schmerzen bereitete. Ebenso schlug er im Bett der gemeinsamen Woh-
nung liegend gegen die Privatklägerin, sodass sich bei ihr Hämatome bildeten.
Bei einem weiteren Vorfall im April 2018 ergriff er im Badezimmer den Nacken der
Privatklägerin, beugte diese mit dem Kopf über den Badewannenrand und drückte
ihren Kopf bis zum Hals unter Wasser. Dies tat er drei bis vier Mal für mehrere
Sekunden, wobei die Privatklägerin jeweils keine Luft mehr bekam, während ihr
Kopf unter Wasser war. Anschliessend legte er der am Boden liegenden Privat-
klägerin eine Hand an den Mund und die andere an den Hals und drückte für
ca. 10 Sekunden dagegen, wodurch diese keine Luft mehr bekam. Bevor er das
Badezimmer verliess trat er mit seinem Fuss zwei Mal in den unteren Teil ihres
Bauches, wodurch ihr die Luft wegblieb und sie als Folge Schmerzen im Bauch
erlitt. Am 7. bzw. 8. Juni 2018 versetzte er der Privatklägerin eine Ohrfeige gegen
das Gesicht, was eine Schwellung ihres Auges zur Folge hatte. Der Beschuldigte
schreckte zudem auch nicht davor zurück, die Privatklägerin zu schlagen, als die-
se mit seinem Kind schwanger war. Die objektive Tatschwere ist insgesamt als
schwer zu bezeichnen.
Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte in
Kauf nahm, dass die Privatklägerin durch sein Verhalten Beeinträchtigungen und
Verletzungen erleiden würde. Er handelte aus den niedrigsten Beweggründen,
ging es ihm mit seinem Verhalten doch einzig darum, die Privatklägerin zu kon-
trollieren und zu unterdrücken. Die subjektive Tatschwere ist ebenfalls als schwer
zu bezeichnen.
Insgesamt ist das Tatverschulden als schwer zu qualifizieren und die hypotheti-
sche Einsatzstrafe bei einer Busse von Fr. 2'200.– festzusetzen.
3.5.3. Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes
Der Beschuldigte konsumierte in der Zeit vom 25. Januar 2016 bis 13. Juni 2018
ungefähr zwei Mal wöchentlich Kokain durch Schnupfen und Marihuana durch
Rauchen, wobei es sich beim Kokain um eine harte Droge handelt. Subjektiv ist
von direktem Vorsatz auszugehen. Die Tatschwere ist insgesamt als noch leicht
- 71 -
zu qualifizieren. Das Verschulden des Beschuldigten rechtfertigt eine Sanktion
von Fr. 800.– Busse.
3.5.4. Zwischenfazit
Die hypothetische Einsatzstrafe für die Tätlichkeiten von Fr. 2'200.– Busse ist um
die festgelegte Strafe für die Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes ange-
messen zu erhöhen. Bei Anwendung des Asperationsprinzips führt dies zu einer
Erhöhung der Busse auf Fr. 2'800.–.
Die erhöhenden und mindernden Aspekte der Täterkomponenten (vgl. vorste-
hend, Erw. V.3.2.) wiegen sich nahezu auf, sodass aufgrund dieser Strafzumes-
sungsgründe keine Anpassung der Sanktion erforderlich ist.
Gestützt auf Art. 106 Abs. 2 StGB ist für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht
bezahlt wird, eine Ersatzfreiheitsstrafe von 28 Tagen auszufällen.
3.6. Fazit Strafzumessung
Der Beschuldigte ist mit einer Freiheitsstrafe von 11 Monaten, einer Geldstrafe
von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.–, sowie einer Busse von Fr. 2'800.– zu bestrafen.
Da bei mehreren Strafen unterschiedlicher Art die bereits erstandene Haft auf die
Hauptstrafe angerechnet wird, unabhängig davon, ob diese bedingt oder unbe-
dingt ausfällt (TRECHSEL/THOMMEN, in: TRECHSEL/PIETH, Schweizerisches Strafge-
setzbuch Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, N 7 zu Art. 51 StGB),
steht einer Anrechnung der bereits erstandenen Untersuchungs- und Sicherheits-
haft von 224 Tagen (Urk. 13/1; Urk. 75/1-2; Art. 51 StGB) an die Freiheitsstrafe
nichts entgegen.
VI. Strafvollzug
Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Voll-
zuges zutreffend dargelegt (Urk. 87 S. 53 f.). Dies braucht nicht wiederholt zu
werden.
- 72 -
Vorliegend ist unter anderem eine Freiheitsstrafe von insgesamt 11 Monaten so-
wie eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– auszufällen. Die Gewährung
des bedingten Strafvollzugs ist daher objektiv möglich. Zu prüfen bleibt, ob dem
Beschuldigten in subjektiver Hinsicht eine günstige Legalprognose gestellt werden
kann. Der Beschuldigte ist – teilweise einschlägig – vorbestraft (vorstehend,
Erw. V.3.2.2.). Bereits im Rahmen der früheren Verurteilungen im Jahr 2016 wur-
de der Beschuldigte jeweils zu bedingten Geldstrafen verbunden mit einer Busse
verurteilt. Trotz dieser Strafen liess sich der Beschuldigte nicht von weiterer De-
linquenz abhalten, sondern delinquierte kurz nach Ablauf der Probezeit erneut
mehrfach, wobei eine gewisse Steigerungstendenz in der Gewaltbereitschaft des
Beschuldigten zu erkennen ist. Zudem lebte er bisher in keinen geordneten fami-
liären und finanziellen Verhältnissen. Seit den vorliegend zu beurteilenden Taten
hat sich der Beschuldigte nun allerdings wohlverhalten.
Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten trotz Bedenken hinsichtlich einer günstigen
Legalprognose den bedingten Vollzug der Freiheitsstrafe unter Ansetzung einer
Probezeit von 4 Jahren gewährt, obwohl sie ihm im Zusammenhang mit dem
Vollzug der Geldstrafe in subjektiver Hinsicht klar keine günstige Prognose attes-
tierte (Urk. 87 S. 54). Einer Verschärfung dieser Anordnung steht jedoch das Ver-
schlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) entgegen, sodass der Vollzug der
Freiheitsstrafe aufzuschieben und eine Probezeit von 4 Jahren festzusetzen ist,
während die Geldstrafe zu vollziehen ist. Die Busse ist zu bezahlen.
VII. Landesverweisung
Die Staatsanwaltschaft beantragte die Anordnung einer Landesverweisung von
10 Jahren ohne Ausschreibung im Schengener Informationssystem (Urk. 30 S. 8).
Begründet wurde dieser Antrag damit, dass es sich bei der Gefährdung des Le-
bens (Art. 129 StGB) um eine Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB
handle, für welche eine obligatorische Landesverweisung vorgesehen sei (Urk. 67
S. 13 f.).
Da der Tatbestand der Gefährdung des Lebens nach Art. 129 StGB nicht erfüllt ist
(vorstehend, Erw. IV.1.) und der Beschuldigte ansonsten keine Katalogtag be-
- 73 -
gangen hat, ist der Antrag der Staatsanwaltschaft hinfällig. Es ist daher lediglich
zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine nicht obligatorische Landesverwei-
sung im Sinne von Art. 66abis StGB vorliegen.
Art. 66abis StGB stellt eine Kann-Bestimmung dar, welche das Gericht nach
pflichtgemässem Ermessen anzuwenden hat. Dass bei den in Art. 66a Abs. 1
StGB aufgeführten Straftaten zwingend eine Landesverweisung auszusprechen
ist, impliziert, dass bei den übrigen Verbrechen oder Vergehen eine erhebliche
Schwere vorliegen und im Einzelfall die negative Legalprognose aus spezialprä-
ventiver Sicht diese Massnahme indizieren muss (HEIMGARTNER, in: DONATSCH,
StGB Kommentar, 20. Aufl., Zürich 2018, N 1 zu Art. 66abis StGB). Die Bestim-
mung soll insbesondere auf sogenannte Kriminaltouristen sowie Wiederholungs-
täter von weniger schweren Delikten abzielen (BERTOSSA, in: TRECHSEL/PIETH,
a.a.O., N 1 zu Art. 66abis StGB). Es ist eine Verhältnismässigkeitsprüfung vorzu-
nehmen, in welcher das Interesse der beschuldigten Person an einem Verbleib in
der Schweiz gegen die sicherheitspolizeilichen Interessen der Schweiz an einer
Fernhaltung gegeneinander abzuwägen sind (BERTOSSA, in: TRECHSEL/PIETH,
a.a.O., N 2 zu Art. 66abis StGB).
Der Beschuldigte hat zwar eine Reihe von Delikten verübt, sein Verschulden be-
wegt sich aber mit Ausnahme der Tätlichkeiten, bei welchen es schwer wiegt,
zwischen eher noch leicht bis nicht mehr leicht. Hinsichtlich seiner Legalprognose
bestehen gewisse Bedenken, dennoch wurde ihm für die Freiheitsstrafe noch der
bedingte Strafvollzug gewährt unter Ansetzung einer längeren Probezeit von
4 Jahren (vorstehend, Erw. VI.). Der Beschuldigte lebt seit dem Primarschulalter
in der Schweiz, spricht zwei Landessprachen und hat hier seine engsten Bezugs-
personen, insbesondere seinen Vater, bei welchem er auch wohnt und welcher
ihn bei der Arbeitssuche unterstützt. In Kolumbien ist er das letzte Mal im Alter
von 16 Jahren ferienhalber für 4 Wochen gewesen (Prot. II S. 14). Eine nicht obli-
gatorische Landesverweisung nach Art. 66abis StGB ist angesichts der abgeurteil-
ten Delinquenz, der Bewährungsaussichten und persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten somit gerade noch nicht angebracht.
- 74 -
VIII. Zivilansprüche
Gemäss Art. 122 Abs. 1 StPO können Geschädigte ihre aus der Straftat herrüh-
renden Zivilansprüche – worunter sowohl Schadenersatzforderungen als auch
Genugtuungsansprüche fallen – gegen den Beschuldigten adhäsionsweise im
Strafverfahren geltend machen. Voraussetzung hierfür ist, dass sich die geschä-
digten Personen als Privatkläger konstituiert und ausdrücklich erklärt haben, sich
am Strafverfahren als Zivilkläger zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Das Straf-
gericht entscheidet über die bei ihm geltend gemachten Zivilklagen, wenn es den
Beschuldigten verurteilt oder wenn es ihn freispricht und der Sachverhalt spruch-
reif ist (Art. 126 Abs. 1 StPO). Wäre die vollständige Beurteilung des Zivilan-
spruchs unverhältnismässig aufwendig, so kann das Gericht die Zivilklage nur
dem Grundsatz nach entscheiden und sie im Übrigen auf den Zivilweg verweisen
(Art. 126 Abs. 3 StPO). Ein unverhältnismässiger Aufwand ist namentlich beim
Abwarten von Spätfolgen gegeben (DOLGE, in: NIGGLI/HEER/WIPRÄCHTIGER, Basler
Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung, Jugendstrafprozessordnung,
2. Aufl., Basel 2014, N 45 zu Art. 126 StPO).
Die Geschädigte B._ konstituierte sich im Untersuchungsverfahren mit For-
mular vom 27. Juni 2018 als Privat- und Strafklägerin und meldete (damals noch
unbeziffert) Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche an (Urk. 16/6).
Die Rechtsvertretung der Privatklägerin beantragte, es sei festzustellen, dass der
Beschuldigte im Zusammenhang mit den Folgen der inkriminierten Delikte gegen-
über der Privatklägerin für den zukünftigen Schaden (inklusive zukünftiger Thera-
piekosten) ersatzpflichtig werde (Haftungsquote 100 %). Eventualiter sei die dies-
bezügliche Feststellung auf den Zivilweg zu verweisen (Urk. 68 S. 2).
Die Verteidigung beantragt die Zusprechung einer Genugtuung von Fr. 300.–, im
Übrigen Abweisung der Zivilansprüche der Privatklägerin (Urk. 90 S. 3; Urk. 103
S. 2). Zur Begründung wird ausgeführt, die psychische Beeinträchtigung der Pri-
vatklägerin sei durch ihren Alkohol- und Drogenkonsum oder die tragische Fehl-
geburt begründet, sodass es an der nötigen Kausalität fehle (Urk. 103 S. 24 f.).
- 75 -
Zudem sei nicht feststellbar, ob der Verlust des Kindes im Zusammenhang mit
den Vorfällen stehe (Prot. I S. 50).
Wer einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus
Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatze verpflichtet (Art. 41 Abs. 1 OR). Voraus-
setzungen einer Ersatzpflicht sind Schaden, Widerrechtlichkeit, natürlicher und
adäquater Kausalzusammenhang sowie Verschulden.
Als schädigendes Ereignis sind vorliegend die zum Nachteil der Privatklägerin
begangenen Delikte (Drohung, einfache Körperverletzung, Tätlichkeiten, Be-
schimpfung), für welche der Beschuldigte strafrechtlich zu verurteilen ist, zu be-
trachten. Es ist aufgrund der Vorkommnisse glaubhaft dargelegt worden, dass der
Privatklägerin durch die Taten des Beschuldigten ein Schaden entstand bzw. in
Form von weiteren Therapien noch entstehen könnte, welcher zur Zeit noch nicht
absehbar ist. Eine genügend substantiierte Bezifferung des der Privatklägerin zu-
gefügten Vermögensschadens ist somit im heutigen Zeitpunkt noch nicht möglich.
Entsprechend ist festzustellen, dass der Beschuldigte der Privatklägerin aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur ge-
nauen Feststellung des Umfangs des Schadenersatzanspruches ist die Privatklä-
gerin auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen (vgl. Art. 126 Abs. 3 StPO).
Die Rechtsvertretung der Privatklägerin stellte zudem den Antrag, der Beschuldig-
te sei zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 5'000.– zuzüg-
lich Zins von 5 % seit dem 11. Juni 2018 zu bezahlen. Zur Begründung wurde
ausgeführt, dass die psychischen Verletzungen, welche die Privatklägerin durch
die inkriminierten Delikte und den Psychoterror erlitten habe, weit schwerwiegen-
der sein dürften als die körperlichen Verletzungen. Dr. med. G._ habe in ih-
rem Bericht vom 12. Juli 2018 festgehalten, dass die Privatklägerin sich in einem
psychisch schlechten Zustand befunden habe (depressive Reaktion), und ihr eine
Arbeitsunfähigkeit vom 1. bis 30. Juni 2018 attestiert. Äusserst traumatisch sei
zudem der Vorfall mit der Badewanne gewesen, welcher tiefe psychische Verlet-
zungen hinterlassen habe. Die Verletzungen der psychischen und physischen In-
tegrität seien beachtlich. Das Verschulden des Beschuldigten sei schwer. Er habe
die Privatklägerin während Monaten misshandelt, geschlagen, bedroht, kontrol-
- 76 -
liert, beschimpft und isoliert. Zu erwähnen sei auch der Verlust ihres ungeborenen
Kindes. Zwar sei nicht erstellt, warum und wie sie den Fötus verloren habe. Mög-
licherweise hätten verschiedene Faktoren dazu beigetragen. Die Privatklägerin
habe zu diesem Zeitpunkt unter grösstem Stress und Angst gelitten (Urk. 68 S. 2
und S. 8 f.).
Anspruch auf Leistung einer Geldsumme als Genugtuung hat, wer in seiner Per-
sönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, sofern die Schwere der Verletzung es
rechtfertigt und diese nicht anders wiedergutgemacht worden ist (Art. 49 Abs. 1
OR). Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlittene immaterielle Unbill bzw.
erlittenes Unrecht. Bemessungskriterien für die Höhe der Genugtuung sind die Art
und Schwere der Verletzung, die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die
Persönlichkeit des Betroffenen, der Grad des Verschuldens des Haftpflichtigen,
ein allfälliges Selbstverschulden des Geschädigten sowie die Aussicht auf Linde-
rung des Schmerzes durch die Zahlung eines Geldbetrages. Das Gericht stellt
demgemäss auf die objektive Schwere und die subjektiven Auswirkungen des
Eingriffs in das verletzte Rechtsgut ab. Es berücksichtigt dabei die Umstände des
den Genugtuungsanspruch auslösenden Ereignisses und des Einzelfalles, insbe-
sondere auch das Alter des Opfers, ein allfälliges Abhängigkeitsverhältnis, den
Missbrauch eines Vertrauensverhältnisses sowie die Gefühle und Erfahrungen
des Opfers. Überdies ist nach den psychischen Folgen zu fragen und danach, ob
die Beziehungsfähigkeit des Opfers beeinträchtigt worden ist (BGE 132 II 117
E. 2.2.2; Urteile des Bundesgerichtes 6B_354/2011 vom 10. Oktober 2011, E. 5.2
und 6B_830/2008 vom 27. Februar 2009, E. 5.3). Die Bemessung der Summe,
die als Ausgleich erlittener Unbill in Frage kommt, lässt sich naturgemäss nicht er-
rechnen, sondern nur schätzen. Bei der Bemessung der Höhe der Genugtuungs-
summe kommt dem Gericht deshalb ein erheblicher Ermessensspielraum zu
(BGE 132 II 121 E. 2.2.3; BGE 125 III 412 E. 2a; Urteil des Bundesgerichtes
6B_544/2010 vom 25. Oktober 2010, E. 3.1).
Der Beschuldigte hat widerrechtlich und schuldhaft in die psychische und physi-
sche Integrität der Privatklägerin eingegriffen, sie dadurch in ihren Persönlich-
keitsrechten erheblich verletzt und ihr seelische Unbill zugefügt. Während den Ta-
- 77 -
ten hat sich die Privatklägerin geängstigt und sich wert- und machtlos gefühlt.
Gemäss den glaubhaften Ausführungen der Privatklägerin zog die Tat konkrete
Auswirkungen auf ihre Lebensführung nach sich, und sie musste psychotherapeu-
tische Hilfe in Anspruch nehmen (Prot. I S. 17 ff.). Zudem wird im Bericht von
Dr. med. G._ vom 12. Juli 2018 festgehalten, dass die Privatklägerin sich in
einem psychisch schlechten Zustand befunden habe (depressive Reaktion), wes-
halb ihr eine Arbeitsunfähigkeit vom 1. bis 30. Juni 2018 attestiert worden war
(Urk. 17/6). Auch hat die Privatklägerin während dieser Zeit ihr ungeborenes Kind
verloren. Zwar ist nicht erstellt, warum und wie sie den Fötus verloren hat, dass
der massive Stress und die Angst, welche sie in dieser Zeit erlitten hat, während
einer Schwangerschaft besonders schädlich ist, steht aber ausser Frage. Die erlit-
tene bzw. andauernde psychische Belastung der Privatklägerin ist nicht zu baga-
tellisieren. Erschwerend kommt zudem hinzu, dass der Beschuldigte ihr fester Le-
benspartner war, mit welchem sie in einem gemeinsamen Haushalt lebte. Die De-
likte wurden ihr somit von einer nahen Vertrauensperson zugefügt, welche ihre
Gefühle und auch ihr Vertrauen missbrauchte. Das Verschulden des Beschuldig-
ten ist insbesondere im Zusammenhang mit den Tätlichkeiten als schwer anzuse-
hen.
Mit der Festsetzung einer Genugtuung von Fr. 5'000.– zuzüglich 5 % Zins ab
11. Juni 2018 hat die Vorinstanz allen Umständen angemessen Rechnung getra-
gen, sodass der vorinstanzliche Entscheid zu bestätigen ist.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Untersuchung und erstinstanzliches Gerichtsverfahren
Der Tatbestand der Gefährdung des Lebens (Anklageziffer 3) ist nicht erfüllt, und
bezüglich des Vorwurfs der Drohung (Anklageziffer 2) ist der Beschuldigte freizu-
sprechen, in allen anderen Punkten ist er schuldig zu sprechen. Ausgangsgemäss
sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens,
ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Rechtsvertretung der Privatklägerin, dem Beschuldigten zu drei Vierteln aufzuer-
legen und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen. Betreffend die Kos-
- 78 -
ten der amtlichen Verteidigung bleibt die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten
im Umfang von drei Vierteln vorbehalten, betreffend die Kosten der unentgeltli-
chen Rechtsvertretung der Privatklägerin in vollem Umfang (Art. 135 Abs. 4
StPO).
2. Berufungsverfahren
Der Beschuldigte obsiegt im Berufungsverfahren betreffend den Freispruch vom
Vorwurf der Drohung (Anklageziffer 2) und das Absehen von der Anordnung einer
Landesverweisung; der Vorwurf der Gefährdung des Lebens (Anklageziffer 3) ist
nicht erfüllt. Mit seinen übrigen Anträgen unterliegt er. Ausgangsgemäss sind die
Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Vertei-
digung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin, dem Be-
schuldigten zu drei Vierteln aufzuerlegen und zu einem Viertel auf die Gerichts-
kasse zu nehmen (Art. 428 StPO).
Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren in der Höhe von
gerundet Fr. 10'000.– (inklusive Mehrwertsteuer, vgl. Urk. 105) sind unter Vorbe-
halt des anteilsmässigen Rückforderungsrechts des Staates gegenüber dem Be-
schuldigten auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 Abs. 4 StPO). Der von der
unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin geltend gemachte Aufwand
für das Berufungsverfahren in der Höhe von gerundet Fr. 4'500.– (inklusive
Mehrwertsteuer, vgl. Urk. 102) erweist sich als angemessen und ist in diesem
Umfang zu entschädigen. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der
Privatklägerin sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rückzahlungs-
pflicht des Beschuldigten in vollem Umfang vorbehalten bleibt (Art. 135 Abs. 4
StPO).