Decision ID: b2f8ecde-b959-4389-b20a-800f1eb3246b
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im August 2008 wegen eines chronischen lumbovertebralen
Syndroms und einer rechtsseitigen Zervikobrachialgie bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen zum Bezug einer Rente an (IV-act. 1). Sie gab an, zuletzt zu 40 % bei der B._
AG und zu 20 % bei der C._ AG gearbeitet zu haben.
A.b Die C._ AG berichtete am 1. September 2008, dass sie die Versicherte vom 1.
April 2006 bis 30. September 2008 als Reinigerin beschäftigt habe (IV-act. 10). Der
letzte effektive Arbeitstag sei der 29. Februar 2008 gewesen. Die Versicherte habe 3.5
Stunden pro Tag gearbeitet und einen Stundenlohn von brutto Fr. 19.45 erzielt. Die
Tätigkeit habe Wischen, Staubsaugen, Abstauben und Abfallentsorgen beinhaltet.
Ebenfalls am 1. September 2008 berichtete die B._ AG, dass sie die Versicherte seit
dem 12. Juni 1995 als Reinigerin beschäftige (IV-act. 11). Die Versicherte habe 12
Stunden pro Woche gearbeitet. Der Grundlohn habe Fr. 17.15 pro Stunde (zzgl.
Ferienentschädigung von 8.33 %, Feiertagsentschädigung von 1.2 % und 13.
Monatslohn von 4.165 %) betragen. Seit dem 29. Februar 2008 sei die Versicherte
arbeitsunfähig. Die Tätigkeit habe allgemeine Unterhaltsreinigung beinhaltet.
A.c Die Eingliederungsverantwortliche hielt im Protokoll des Assessmentgesprächs
vom 25. September 2008 (IV-act. 20) fest, dass die Versicherte keine Möglichkeit mehr
sehe, irgendeiner Arbeit nachzugehen. Eingliederungsmassnahmen lehne sie
konsequent ab. Am selben Tag wurde die Versicherte von RAD-Arzt Dr. med. D._,
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Facharzt für Arbeitsmedizin, untersucht (IV-act. 22). Als Diagnosen gab er eine
Fibromyalgie, eine rezidivierende Lumboischialgie mit pseudoradikulärer Symptomatik
beidseits bei kernspintomographisch gesehenen multisegmentalen multiplen
degenerativen Veränderungen und eine rezidivierende Cervikocephalgie mit
belastungsabhängiger pseudoradikulärer Brachialgie, rechts stärker als links, an.
Anzeichen für das Vorliegen einer depressiven Symptomatik hätten keine bestanden.
Dr. D._ folgerte, dass die Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Putzfrau seit
Februar 2008 zu 100 % arbeitsunfähig sei. In einer leidensadaptierten, körperlich
leichten, wechselbelastenden Tätigkeit bestehe ab dem Untersuchungszeitpunkt eine
100 %ige Arbeitsfähigkeit.
A.d Am 13. Oktober 2008 unterzog sich die Versicherte im Kantonsspital St. Gallen
(KSSG) einer mikrochirurgischen Diskektomie HWK5/6, Prolapsentfernung, Fusion
mittels Cage Cervios chronos 5 mm (IV-act. 35-7 ff.). Die Operation verlief
komplikationslos.
A.e Am 19. März 2009 fand eine Abklärung an Ort und Stelle (Haushaltsabklärung)
statt (IV-act. 37). Die Versicherte gab an, dass sie ohne Gesundheitsschaden weiterhin
im bisherigen Ausmass erwerbstätig wäre. Sie lebe zusammen mit ihrem Ehemann,
ihren volljährigen Söhnen sowie einer Schwiegertochter in einem Haus. Die
Haushaltarbeiten seien schon vor Eintritt des Gesundheitsschadens von den
Familienangehörigen gemeinsam besorgt worden, da sie erwerbstätig gewesen sei.
Heute helfe sie noch beim Zubereiten des Abendessens. Die Reinigungsarbeiten, die
Wäsche und die Kleiderpflege könne sie nicht mehr erledigen. Sie könne nur noch
Kleinigkeiten selbst einkaufen. Die Abklärungsperson legte den Anteil Haushalt auf 30
% und den Anteil Erwerb auf 70 % fest. Die von der Versicherten geltend gemachte
Einschränkung im Haushalt bezifferte sie auf 50 % und erklärte, dass das Ausmass der
Einschränkungen nicht durch das RAD-Gutachten begründet werden könne.
A.f RAD-Arzt Dr. D._ notierte am 4. Mai 2009 (IV-act. 39), dass sich die subjektiv
vollständige Invalidität und die hohe Einschränkung im Aufgabenbereich durch die
Fibromyalgie erklären liessen. Die Versicherte sei in einer adaptierten Tätigkeit
weiterhin zu 100 % arbeitsfähig. Auch im Haushalt betrage die Arbeitsfähigkeit 100 %.
Mit Verfügung vom 30. Juli 2009 wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei einem IV-
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Grad von 0 % ab (IV-act. 51). Gegen diese Verfügung liess die Versicherte Beschwerde
erheben (IV-act. 54-2).
A.g Am 1. April 2010 unterzog sich die Versicherte im KSSG einer Nukleotomie und
Dekompression über eine erweiterte Fensterung LW4/5 links (IV-act. 78-8 ff.). Der
Hausarzt Dr. med. E._, FMH Innere Medizin, berichtete am 24. Juni 2010, dass die
Versicherte nach den beiden schweren Rückenoperationen und aufgrund der
Fibromyalgie in der angestammten wie auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu
100 % arbeitsunfähig sei (IV-act. 78-6 f.). Dr. med. F._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Chefarzt der Klinik G._, berichtete am 11. August 2010 (IV-act.
82-1 f.), dass sich die Versicherte seit dem 18. März 2010 bei ihm in psychiatrischer
Behandlung befinde. Sie leide an einer mittelgradigen depressiven Episode mit
somatischen Symptomen (F32.11), anamnestisch schleichend entwickelt seit ca. einem
halben Jahr, deutliche Verschlechterung seit Oktober 2009. Aus rein psychiatrischer
Sicht bestehe seit Therapiebeginn im März 2010 eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit.
Aufgrund der anamnestischen Angaben bzw. der Symptomentwicklung könne von
einer 50 %igen Arbeitsunfähigkeit angestammt und adaptiert ab Oktober 2009
ausgegangen werden. Die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit sei auf eine reduzierte
Konzentrationsfähigkeit, eine reduzierte Ausdauer, einen leicht verlangsamten
Gedankenfluss, eine reduzierte psychische Belastbarkeit, eine reduzierte geistige
Flexibilität sowie auf Antriebsstörungen zurückzuführen. Zum Zustand im Oktober 2008
könne er sich nicht äussern. Die Beurteilung von Dr. D._ erachte er als korrekt.
A.h Vom 16. Mai bis 1. Juli 2011 wurde die Versicherte in der Tagesklinik des
Psychiatrischen Zentrums H._ behandelt (IV-act. 86-4 ff.). Als Diagnosen gab die
Klinik eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig bis schwere
Episode mit somatischen Symptomen (F33.1/2), eine generalisierte Angststörung
(F41.1) und eine Benzodiazepinabhängigkeit (F13.25) an. Die Ärzte erklärten, dass
aufgrund der sehr geringen allgemeinen Belastbarkeit der Versicherten ein Halbtages-
Programm vereinbart worden sei. Die Versicherte habe eine Benzodiazepinreduktion
resp. einen stationären Benzodiazepinentzug abgelehnt. Im Psychostatus beim Austritt
hätten sich im Vergleich zum Eintritt keine groben Veränderungen gezeigt. Am 25.
November 2011 wurde die Versicherte wegen eines Rezidivbandscheibenvorfalls auf
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der Höhe LWK4/5 links im KSSG operiert (Resequestrektomie und Nukleotomie, IV-act.
102).
A.i Mit Entscheid vom 5. Dezember 2011 (IV 2009/272, IV-act. 87) hiess das
Versicherungsgericht die Beschwerde gegen die Rentenabweisungsverfügung teilweise
gut, hob die Verfügung auf und wies die Sache zur Einholung eines medizinischen
Gutachtens an die IV-Stelle zurück. Das Gericht erwog, dass im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses keine Indizien für eine depressive Störung ersichtlich gewesen
seien, weshalb die Berichte von Dr. F._ und der Tagesklinik des Psychiatrischen
Zentrums H._ im vorliegenden Verfahren nicht zu berücksichtigen seien. Zudem
bestünden erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit des Untersuchungsberichts von
Dr. D._. Auch die übrigen Berichte erlaubten keine Bemessung des
Invaliditätsgrades, namentlich weil der Gesundheitszustand der Versicherten im
Zeitpunkt des Verfügungserlasses wegen der andauernden Behandlung der lumbalen
Beschwerden nicht stabil gewesen sei.
A.j Dr. F._ berichtete am 9. August 2012 (IV-act. 120), dass die Versicherte an einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode
mit somatischen Symptomen, an einer generalisierten Angststörung und an einer
Benzodiazepinabhängigkeit, iatrogen, leide. Die Versicherte befinde sich seit dem 10.
März 2012 in seiner Behandlung. Seit Januar 2011 und bis auf weiteres sei die
Versicherte wegen einer Akzentuierung der depressiven Symptome in jeglicher
Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig. Die Einschränkungen bestünden in einer reduzierten
Konzentrationsfähigkeit, einer ausgeprägten reduzierten geistigen Flexibilität, einer
ausgeprägten reduzierten psychischen Belastbarkeit, Antriebsstörungen, Störungen
der Psychomotorik und in einer geistigen und körperlichen Erschöpfung. Mit der
Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit sei nicht mehr zu rechnen.
A.k Am 10. April 2013 erstattete Dr. med. I._, Facharzt für Rheumatologie und Innere
Medizin, das in Auftrag gegebene bidisziplinäre Gutachten (IV-act. 140). Die Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
• Generalisiertes Schmerzsyndrom (M79.0) bei/mit
- Symptomausweitung bei psychosozialer Problemkonstellation;
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- Status nach cervicaler DH-Operation und Cage-Spondylodese C5/6 Oktober 2008;
- Status nach zweimalig lumbaler DH-Operation L4/5 April 2010 und November 2011;
- ausgeprägter Haltungsinsuffizienz bei Bewegungsmangel und Dekonditionierung;
- Fehlstatik bei Adipositas;
• anhaltende somatoforme Schmerzstörung im Sinne einer chronischen Schmerz-
störung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41);
• leichte depressive Störung mit somatischem Syndrom (F31.11);
• generalisierte Angststörung (F41.1).
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden u.a. eine morbide
Adipositas (WHO-Klasse III) und eine Benzodiazepinabhängigkeit (F13.25) angegeben.
Dr. I._ erklärte, dass aus rheumatologischer Sicht eine verminderte Belastbarkeit des
Achsenorgans für Tätigkeiten mit schwerem Heben und Tragen von Lasten sowie für
Arbeiten in wirbelsäulenbelastenden Zwangspositionen, längerdauernd rein stehend
oder monoton sitzend, sowie in vornüber geneigten oder hyperextendierten
Körperhaltungen bestehe. Zumutbar seien körperlich leicht- bis mittelschwer
belastende Tätigkeiten in wirbelsäulen-adaptierten Wechselpositionen, z.B. leichte
Kontroll- oder Montagetätigkeiten, leichte Putztätigkeiten oder die Führung eines
Erwachsenenhaushalts (mit der Möglichkeit zur Mithilfe der anderen
Haushaltsmitglieder bei wirbelsäulenbelastenden Arbeiten). Durch die fünfjährige
Arbeitskarenz und die Entlastung von der Haushaltsführung sei eine erhebliche
Dekonditionierung eingetreten, die als invaliditätsfremder Zustand die
Reintegrationsfähigkeit bei der Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit beeinträchtige.
Nach dem Abbau der konditionellen Defizite, allenfalls auch nach einer
Gewichtsabnahme und insbesondere bei entsprechender Motivation, erscheine das
zuletzt ausgeübte, bis zu 60 %ige Arbeitspensum neben der Haushaltsführung
mittelfristig wieder erreich- und zumutbar. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. J._
hielt fest, dass im Untersuchungsgespräch ein überzeichneter, ängstlicher Affekt und
eine innere Anspannung mit teils lebhaften Äusserungen, welche sich erst in den
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testpsychologischen Befunden als leichte depressive Störung enttarnt hätten,
vorherrschend gewesen seien. Die depressive Störung bestehe trotz adäquater
antidepressiver Medikation und habe durch ihren Einfluss auf den Antrieb und die
Vitalgefühle Krankheitswert. Im Vordergrund stehe jedoch eine chronifizierte
Schmerzfehlverarbeitung mit subjektiver Überzeugung einer vollständigen Invalidität
bei katastrophisierender Krankheitsdeutung. Inzwischen könne von einem
Konversionsprozess ausgegangen werden (seelische Probleme würden körperlich
symbolisiert). Durch die Aufgabe und Delegation sämtlicher häuslicher Tätigkeiten
bestehe ein massiver primärer und sekundärer Krankheitsgewinn. Die Versicherte ziehe
sich zurück, schone sich und ertrage keinerlei Belastungen mehr. Offenbar seien ihre
Ressourcen aufgebraucht, seitdem die körperlichen Einschränkungen hinzugekommen
seien. Der Aufenthalt in der Tagesklinik habe gezeigt, dass es auch keine
therapeutischen Veränderungsoptionen mehr gebe. Das therapeutische Setting sei an
den Ängsten der Versicherten gescheitert und habe entsprechend angepasst werden
müssen (halbtags). Die Schilderung der Versicherten, dass sie zu allen
ausserhäuslichen Terminen von Familienangehörigen gefahren werden müsse,
erscheine plausibel und entspreche der subjektiven, katastrophisierenden
Krankheitsdeutung. Die Beschwerden seien im Allgemeinen mit einer gewissen
Verdeutlichungstendenz vorgetragen worden, ohne dass der Versicherten eine
bewusste Aggravation oder Simulation unterstellt werden könne. Als Komorbidität
bestünden eine leichte depressive Störung und eine Angsterkrankung. Die
Symptomatik sei progredient. Durch die Aufgabe sämtlicher ausserhäuslicher
Aktivitäten bestehe ein sozialer Rückzug. Die psychiatrischen
Rehabilitationsmassnahmen seien noch nicht ausgeschöpft. Die komplexen Ich-
Funktionen seien teilweise reduziert (Realitätsprüfung; die Versicherte habe von
optischen Fehlwahrnehmungen berichtet, die noch nicht als Halluzinationen zu
klassifizieren seien), die Kontaktgestaltung zeichne sich durch eine Abhängigkeit vom
Umfeld aus, die Affektsteuerung und die Selbstwertregulation schienen weitgehend
intakt und der Antrieb sei vermindert. Die Versicherte sei überzeugt, dass sie nur als
gesunder Mensch arbeiten gehen könne. Die Motivation zur aktuell begonnenen
Psychotherapie erscheine ambivalent. Die gedankliche Fixierung auf die teils
hypochondrischen Ängste sollte jedoch therapeutisch angegangen werden. Aus
psychiatrischer Sicht sei eine Arbeitsfähigkeit von ca. 60 % gegeben, beginnend ca. ab
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der zweiten Operation (April 2010). Eine leidensangepasste Tätigkeit wäre
stundenweise anzusetzen und dürfte keine hohen Anforderungen an die Konzentration
stellen. Aus bidisziplinärer Perspektive sei die Versicherte in bis zu mittelschweren
Tätigkeiten in wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen ohne hohe Anforderungen an
die Konzentration und nach dem Abbau der Dekonditionierung zu 60 % arbeitsfähig.
A.l RAD-Arzt Dr. K._ notierte am 15. Mai 2013 (IV-act. 142), dass auf die
gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung abgestellt werden könne. Auf eine interne
Anfrage hin erklärte ein Rechtsdienstmitarbeiter am 22. Mai 2013 (IV-act. 143), dass
sich die Gutachter zur ideal adaptierten Tätigkeit nicht präzis genug geäussert hätten.
Bei der leichten depressiven Störung handle es sich um eine reaktive
Begleiterscheinung zur Schmerzstörung. Zudem seien die Försterkriterien aus
juristischer Sicht nicht korrekt gewürdigt worden. Am 17. Juni 2013 stellte die IV-Stelle
Rückfragen an die Gutachter (IV-act. 145). Der psychiatrische Gutachter antwortete am
9. Dezember 2013 (IV-act. 153), dass die Versicherte aus rein psychiatrischer Sicht ihre
bisherige Tätigkeit als Reinigungsfrau zu 60 % verrichten könne. Sie könne auch eine
andere Tätigkeit ausüben, solange diese nicht das Bedienen von Maschinen
(Benzodiazepinkonsum) oder einen übermässigen Kundenkontakt (Verkauf und Kasse)
beinhalte. Eine optimal adaptierte Tätigkeit erfülle die folgenden Bedingungen: Kein zu
langer Arbeitsweg, wenig Kundenkontakt, ruhige Atmosphäre, helle Räume,
verständnisvoller Arbeitgeber, keine zeitgebundene Tätigkeit (kein Stress) und keine
hohen Anforderungen an die Konzentration, Genauigkeit und Ausdauer. Unter diesen
Voraussetzungen könnte die Versicherte motiviert sein, ihre Restarbeitsfähigkeit von 60
% zu verwerten. Es scheine jedoch, dass sie sich in ihrem Leiden eingerichtet und
überhaupt keine Motivation habe, an ihrem Leben etwas zu ändern. Die Versicherte
leide nur an einer leichten depressiven Störung. Die Vorakten seien uneinheitlich und
teilweise nicht nachvollziehbar. Die Schmerzen seien dasjenige, was die Versicherte am
meisten belaste. Da sie nur teilweise begründet seien, müsse das Vorliegen einer
somatoformen Schmerzstörung angenommen werden. Als Grundkonflikt komme ein
Autonomie-Abhängigkeits-Konflikt, ausgelöst durch die Aufgabe der jahrelang
eigenständig ausgeübten Arbeit, in Frage. Aufgrund der körperlichen
Missempfindungen wie Schmerzen, Schwindel, Dekonditionierung und Sorge um eine
Zustandsverschlechterung hätten sich bei der Versicherten die vorbestehenden Ängste
reaktiviert, sodass ihre Ressourcen aufgebraucht seien; es gebe nichts, was sie von
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ihren Ängsten ablenken könne. Die Ängste hätten sich auf praktisch jeden
Lebensbereich ausgeweitet. Allerdings seien weder die hereditären Belastungen noch
die Försterkriterien und die komplexen Ich-Funktionen dermassen beeinträchtigt, dass
der Versicherten eine Willensanstrengung zur Überwindung ihrer Beschwerden nicht
mehr zugemutet werden könnte; es bestünden zu wenig substantielle Defizite. Für sich
allein genommen könnten die Symptome der Versicherten keine Arbeitsunfähigkeit
begründen. Die Gesamtheit der Diagnosen führe jedoch zu einer 40 %igen
Arbeitsunfähigkeit. Damit sei den subjektiven Angaben und dem klinischen Eindruck
Rechnung getragen worden.
A.m RAD-Arzt Dr. K._ erklärte am 21. Februar 2014, dass der psychiatrische
Gutachter, wenn er dessen Ausführungen richtig verstehe, an der Einschätzung einer
60 %igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit festhalte (IV-act. 154).
A.n Mit Vorbescheid vom 3. April 2014 kündigte die IV-Stelle der Versicherten bei
einem IV-Grad von 0 % die Abweisung ihres Rentengesuchs an (IV-act. 157). Zur
Begründung führte sie an, dass die Versicherte ohne Gesundheitsschaden weiterhin zu
70 % als Reinigungsfrau tätig wäre. Die restlichen 30 % entfielen auf den
Aufgabenbereich. Ohne Gesundheitsschaden könnte die Versicherte in einem 70 %-
Pensum ein Jahreseinkommen in der Höhe von Fr. 37'278.50 erzielen. Bei diesem
Betrag handle es sich um das vom Bundesamt für Statistik ermittelte
Durchschnittseinkommen für Hilfsarbeiterinnen. Gutachterlich sei eine Arbeitsfähigkeit
von 60 % aufgrund einer leichten depressiven Störung und einer reaktiven
Begleiterscheinung zur Schmerzstörung attestiert worden. Gemäss der
höchstrichterlichen Rechtsprechung vermöge eine leichte Depression aus rechtlicher
Sicht keine Invalidität im Sinne des Gesetzes zu begründen. Zudem seien die
therapeutischen Massnahmen noch nicht ausgeschöpft. Die Motivation zur
Psychotherapie erscheine ambivalent. Als Hausfrau bestünden weiterhin keine
Einschränkungen. Dagegen liess die Versicherte durch ihre Rechtsvertreterin am 30.
Juni 2014 einwenden (IV-act. 160), der Sachverhalt sei nicht sorgfältig abgeklärt
worden. Das Gutachten überzeuge nicht. Auch der Rechtsdienst habe festgehalten,
dass die Förster-Kriterien nicht korrekt gewürdigt worden seien. Selbst wenn das
Gutachten verwertbar sein sollte, gehe es nicht an, dass die IV-Stelle die attestierte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 40 % einfach mit der falschen Bemerkung,
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dass keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege, vom Tisch wische. Bei der
leichten depressiven Störung handle es sich nicht um eine reaktive Begleiterscheinung
zur Schmerzstörung, sondern um eine eigenständige Krankheit. Sollte die IV-Stelle
ernsthaft daran zweifeln, müsste sie einen Bericht bei Dr. F._ einholen oder ein neues
Gutachten in Auftrag geben. Schliesslich habe die Haushaltsabklärung im März 2009
und damit vor mehr als fünf Jahren stattgefunden, weshalb sie nicht mehr aktuell sei.
A.o Mit Verfügung vom 11. Juli 2014 wies die IV-Stelle das Rentengesuch aus den im
Vorbescheid angegebenen Gründen ab (IV-act. 161). Zu den Einwendungen hielt sie
fest, dass sich die gesundheitliche Verfassung der Versicherten seit der Begutachtung
nicht verändert habe. Das Einholen eines Berichts bei Dr. F._ sei daher nicht
notwendig. Die Durchführung einer Haushaltsabklärung mache keinen Sinn, da sich die
häusliche Situation nicht verändert habe. Bereits bei der damaligen Haushaltsabklärung
habe die Versicherte erklärt, dass die Schwiegertochter die Hausarbeit verrichte. Sie
sei weiterhin der Meinung, keine Haushaltstätigkeiten erledigen zu können.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 10. September 2014 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter
(Substitution durch die Rechtsvertreterin) beantragte die Aufhebung der Verfügung und
die Zusprache der gesetzlichen Leistungen. Zur Begründung machte er ergänzend zur
Einwandbegründung geltend, dass die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe, indem sie sich nicht mit allen
Einwänden substantiiert auseinandergesetzt habe. Die häusliche Situation habe sich
seit der letzten Abklärung an Ort und Stelle verändert. Der ältere Sohn sei mit der
Schwiegertochter ausgezogen. Heute lebe die Beschwerdeführerin mit ihrem Ehemann
sowie dem jüngeren Sohn, dessen Ehefrau und dem im 2014 geborenen Enkelkind
zusammen. Der Ehemann und der Sohn seien zu 100 % und die Schwiegertochter zu
80 % erwerbstätig. Das Enkelkind werde auswärts betreut. Bereits aus diesem Grund
könne die Beschwerdeführerin nicht mehr tel quel auf die Hilfe der Schwiegertochter
verweisen. Deshalb sei eine neue Haushaltsabklärung erforderlich. Das eingeholte
Gutachten sei aufgrund seiner Lücken nicht nachvollziehbar und nicht schlüssig und
daher nicht verwertbar. Die Beschwerdeführerin nehme wegen ihrer psychischen
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Beschwerden schon seit über 20 Jahren Psychopharmaka ein. Dies belege, dass die
psychischen Probleme eine eigenständige Krankheit seien. Des Weiteren habe die
Beschwerdegegnerin das Invalideneinkommen mit Fr. 37'279.-- zu hoch veranschlagt.
Die Beschwerdeführerin sei nämlich wegen ihrer gesundheitlichen Beschwerden
gegenüber gesunden Arbeitnehmerinnen benachteiligt. Daher sei ein Leidensabzug
angezeigt.
B.b Der Fachbereich IV-Renten der Beschwerdegegnerin hielt in einer Stellungnahme
vom 20. Oktober 2014 fest (IV-act. 167), dass die angefochtene Verfügung korrekt sei.
Die Akten sprächen klar gegen ein von der Schmerzstörung losgelöstes depressives
Geschehen und gegen davon klar abgrenzbare invaliditätsfremde Faktoren. Eine
psychische Komorbidität von erheblicher Schwere könne jedenfalls nicht angenommen
werden. Eine schwere somatische Erkrankung liege ebenfalls nicht vor. Die
therapeutischen Massnahmen seien nicht ausgeschöpft. Ein primärer
Krankheitsgewinn sei nicht gegeben, wohl aber ein sekundärer in der Form einer
vermehrten Zuwendung seitens der Familie.
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 24. Oktober 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung verwies sie auf die Stellungnahme des
Fachbereichs vom 20. Oktober 2014. Mit Bezug auf die Stellungnahme zur Rückfrage
zum Gutachten vom 9. Dezember 2013 führte sie aus, dass eine Willensanstrengung
gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht aufgeteilt werden könne.
Entweder sei eine solche zumutbar oder nicht. Folglich sei aus IV-rechtlicher Sicht von
einer vollen Arbeitsfähigkeit aus psychischer Sicht auszugehen.
B.d Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (act. G 6).
B.e Am 5. Januar 2016 reichte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin weitere
medizinische Unterlagen ein (act. G 8). Darunter befanden sich ein Operationsbericht
vom 24. Februar 2015 (Arthroskopie Kniegelenk links), ein Operationsbericht vom 26.
Juni 2015 (endoprothetischer Gelenksersatz Kniegelenk links) und ein Austrittsbericht
der Psychiatrischen Klinik L._ vom 1. Dezember 2015.
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B.f Am 28. Juni 2016 bat das Gericht den psychiatrischen Gutachter Dr. J._ darum,
drei Fragen zu beantworten (act. G 12). Erstens wollte es Informationen zum Verlauf der
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht im Zeitraum Februar 2008 bis März 2010.
Zweitens sollte sich der Gutachter mit den divergierenden Berichten der behandelnden
Ärzte auseinandersetzen. Und drittens fragte das Gericht den Gutachter, ob er
angesichts der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu den somatoformen
Störungen an seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung festhalte. Nachdem der Gutachter dem
Gericht mitteilen liess, dass sich die Kosten für die Beantwortung der Fragen auf ca. Fr.
3'000.-- belaufen würden, zog das Gericht seine Anfrage am 19. Juli 2016 zurück (act.
14).

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass die Beschwerdegegnerin ihre
Begründungspflicht verletzt habe, indem sie sich nicht mit der im Einwand
vorgebrachten Kritik zum Gutachten und zur falschen und unzulässigen Würdigung des
Gutachtens auseinandergesetzt habe.
1.2 Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Die Begründungspflicht ist ein
wesentlicher Bestandteil des in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101)
verfassungsrechtlich verankerten Anspruchs auf rechtliches Gehör. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung soll die Begründungspflicht zum einen
verhindern, dass sich die Verwaltungsbehörde von unsachlichen Motiven leiten lässt.
Zum anderen soll sie es der betroffenen Person ermöglichen, die Verfügung
gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. In der Entscheidbegründung müssen
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die
Verwaltungsbehörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt. Dies
bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann
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sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 124
V 180 E. 1a mit Hinweisen).
1.3 Entgegen der Behauptung der Rechtsvertretung muss sich die
Beschwerdegegnerin also nicht mit jedem einzelnen Einwand substantiiert
auseinandersetzen. Der angefochtenen Verfügung ist zu entnehmen, dass die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter als nicht vereinbar mit der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu den somatoformen Störungen angesehen
worden ist und die leichte Depression und die Schmerzstörung deshalb als nicht
invalidisierend betrachtet worden sind. Die Beschwerdegegnerin hat zudem darauf
hingewiesen, dass sie die Einholung eines neuen Berichts beim behandelnden
Psychiater nicht als notwendig erachte, da sich der Gesundheitszustand seit der
Begutachtung nicht verändert habe. Aus der Verfügungsbegründung geht somit hervor,
auf welchen Überlegungen der Entscheid der Beschwerdegegnerin basiert. Die in der
Verfügung enthaltenen Informationen haben demnach ausgereicht, um den
Rentenentscheid sachgerecht anfechten zu können. Die Beschwerdegegnerin hat ihre
Begründungspflicht also nicht verletzt.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
abgelehnt. Strittig ist daher, ob die Beschwerdeführerin einen Rentenanspruch hat oder
nicht.
2.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
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durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
3.
3.1 Das ausschlaggebende Element des Einkommensvergleichs ist in aller Regel die
Arbeitsfähigkeit bzw. die Arbeitsunfähigkeit einer versicherten Person. Deshalb ist als
Erstes zu prüfen, ob die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht.
3.2 In somatischer Hinsicht hat der rheumatologische Gutachter Dr. I._ als Diagnose
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein generalisiertes Schmerzsyndrom angegeben.
Als ICD-10-Code hat er M79.0 genannt, also die Diagnose "Rheumatismus, nicht näher
bezeichnet". Diese Diagnose ist in der ICD-10 unter dem Oberbegriff "sonstige
Krankheiten des Weichteilgewebes, andernorts nicht klassifiziert", eingeordnet. Dr.
I._ hat ausgeführt, dass ein wesentlicher Teil der beklagten Beschwerden durch
ausgeprägte Haltungsdefizite bei morbider Adipositas und Insuffizienz der
rumpfstabilisierenden Muskulatur erklärt werden könne. Die Arbeitsfähigkeit hat er
nach Abbau der konditionellen Defizite und allenfalls nach einer Gewichtsabnahme in
jeglicher Tätigkeit auf lediglich 60 % geschätzt. Auf die funktionellen Einschränkungen,
die für die 40 %ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auch in einer körperlich optimal
adaptierten Tätigkeit verantwortlich sein sollen, ist er nicht eingegangen. Eine
verminderte Belastbarkeit des Achsenorgans vermag eine volle Arbeitsunfähigkeit für
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körperlich belastende Tätigkeiten zu begründen. Warum eine solche jedoch auch für
entsprechende adaptierte Arbeiten eine − hohe − Arbeitsunfähigkeit von 40 %
bewirken sollte, hat Dr. I._ nicht erklärt und ergibt sich auch nicht indirekt aus der Art
des Defekts. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung des rheumatologischen Gutachters
überzeugt auch vor dem Hintergrund, dass für ihn ein zwingender Leidensdruck trotz
entsprechender Gestik und Gebärden während der Anamneseerhebung und der
Untersuchung nicht nachvollziehbar geworden ist, nicht. Demnach fehlt es an einer
nachvollziehbaren Begründung für eine somatisch bedingte Arbeitsunfähigkeit in
jeglicher Tätigkeit von 40 %. Hinzu kommt, dass es sich bei der von Dr. I._
angegebenen Diagnose (M79.0) um eine Diagnose handelt, die lediglich einen
Schmerzzustand bzw. Schmerzsymptome ohne objektivierbares organisches Substrat
umschreibt. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind die bezüglich der
somatoformen Schmerzstörung entwickelten Grundsätze analog anzuwenden, wenn es
darum geht, beispielsweise den invalidisierenden Charakter einer Fibromyalgie zu
beurteilen. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einer Person, die an Fibromyalgie
leide, sei nämlich davon auszugehen, dass man sich in einer Situation befinde, welche
mit derjenigen einer an einer somatoformen Schmerzstörung leidenden versicherten
Person vergleichbar sei. Das klinische Erscheinungsbild sei im Grossen und Ganzen
identisch und in beiden Fällen existiere keine klare und eindeutige Pathogenese,
welche den Ursprung der empfundenen Schmerzen erklären könnte. Dies mache die
Beschränkung der Arbeitsfähigkeit schwer messbar, weil das Vorhandensein einer
Arbeitsunfähigkeit nicht bereits aus der Diagnose abgeleitet werden könne (BGE 132 V
65 E. 4.1 = Pra 96 (2007) Nr. 38). Beim von Dr. I._ diagnostizierten, generalisierten
Schmerzsyndrom (bzw. Rheumatismus, nicht näher bezeichnet, M79.0) handelt es sich
gemäss der ICD-10 wie bei der Fibromyalgie (M79.7) um eine sonstige Krankheit des
Weichteilgewebes, andernorts nicht klassifiziert. Daher stellt sich erstens die Frage, ob
die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen auch
auf die von Dr. I._ gestellte Diagnose eines generalisierten Schmerzsyndroms
anwendbar ist. Diese Frage muss für diejenigen Fälle bejaht werden, in denen für die
der Diagnose zugrunde liegende Symptomatik tatsächlich keine organische Erklärung
hat gefunden werden können. In diesen Fällen besteht nämlich dieselbe
(Beweis-)Problematik wie bei den somatoformen Schmerzstörungen. Zweitens stellt
sich die Frage, ob es überhaupt möglich ist, die (somatische) Diagnose eines
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generalisierten Schmerzsyndroms von der (psychiatrischen) Diagnose einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung im Sinne einer chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren abzugrenzen. Diese Frage
ist wohl zu verneinen, da beiden Diagnosen eine Schmerzsymptomatik zugrunde liegt,
die nicht objektivierbar ist. Dr. I._ hat nicht begründet, weshalb er ein generalisiertes
Schmerzsyndrom diagnostiziert und diesem Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
beigemessen hat, obwohl der psychiatrische Gutachter eine somatoforme
Schmerzstörung diagnostiziert und diese ebenfalls als die Arbeitsfähigkeit
beeinflussend qualifiziert hat. In Anbetracht der angeführten Gründe überzeugt das
rheumatologische Teilgutachten nicht, weshalb nicht auf es abgestellt werden kann.
3.3 Am 23. Juni 2015 wurde der Beschwerdeführerin im linken Knie ein endoprothe-
tischer Gelenksersatz eingesetzt. Gemäss dem Operationsbericht haben die
Kniegelenksbeschwerden seit Oktober 2014 bestanden. Diese Angabe stimmt auch mit
der Aussage im Gutachten überein, wonach die Beschwerdeführerin im
Untersuchungszeitpunkt (Dezember 2012) lediglich beim Gehen grösserer Strecken
und beim Bergaufgehen Kniebeschwerden hatte (IV-act. 140-26). Demnach ist davon
auszugehen, dass sich die Kniegelenksbeschwerden erst nach Verfügungserlass (11.
Juli 2014) verschlechtert haben. Daher ist diese gesundheitliche Verschlechterung im
vorliegenden Verfahren nicht zu berücksichtigen.
3.4 Der psychiatrische Sachverständige Dr. J._ hat als Diagnose mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit u.a. eine leichte depressive Störung mit somatischem Syndrom
angegeben. Als ICD-10-Code hat er F31.11 angegeben, also eine bipolare affektive
Störung, gegenwärtig manische Episode ohne psychotische Symptome. Hierbei muss
es sich angesichts der anderslautenden ausgeschriebenen Diagnose (leichte
depressive Störung) und mangels Hinweisen in den medizinischen Akten auf das
Vorliegen einer bipolaren Störung um einen Tippfehler gehandelt haben. Die
diagnostizierte depressive Störung ist gemäss Dr. J._ nur leicht ausgeprägt. Weshalb
sie einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben sollte, ist nicht ersichtlich, zumal die
Beschwerdeführerin lediglich Hilfsarbeiten verrichten kann, die naturgemäss keine
hohen Anforderungen an die Konzentration etc. stellen. Die vom Gutachter
angegebenen Antriebsstörungen und Störungen der Vitalgefühle, die bei einem leichten
Schweregrad einer Depression nicht erheblich sein dürften, erscheinen einem
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medizinischen Laien als überwindbar und daher nicht als geeignet, eine
Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Des Weiteren geht aus dem psychiatrischen
Gutachten zu wenig genau hervor, inwieweit die diagnostizierte Angststörung die
Beschwerdeführerin in ihrem Alltag und in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen solle.
Schliesslich hat der psychiatrische Gutachter noch erklärt, dass die komplexen Ich-
Funktionen teilweise reduziert seien; die Beschwerdeführerin habe von optischen
Fehlwahrnehmungen berichtet, die nicht als Halluzinationen zu klassifizieren seien.
Dass die Beschwerdeführerin an optischen Fehlwahrnehmungen leidet, geht aus den
übrigen medizinischen Akten nicht hervor. Zudem gibt der psychiatrische Gutachter
nicht an, um was für Fehlwahrnehmungen es sich dabei handeln soll. Insgesamt
entsteht der Eindruck, dass der psychiatrische Gutachter die Angaben der
Beschwerdeführerin nicht kritisch genug hinterfragt und auf ihre Plausibilität hin geprüft
hat. Dies zeigt sich auch darin, dass der Gutachter aus dem Umstand, dass für den
tagesklinischen Aufenthalt von Mai bis Juli 2011 lediglich ein Halbtages-Programm
eingeplant worden war, ohne weiteres geschlossen hat, dass es keine therapeutischen
Veränderungsoptionen mehr gebe (wobei er an anderer Stelle in Widerspruch dazu
erwähnt hat, dass die psychiatrischen Rehabilitationsmassnahmen nicht ausgeschöpft
seien). Ausserdem hat sich der psychiatrische Gutachter nicht mit den von der
gutachterlichen Einschätzung abweichenden Diagnosen und/oder
Arbeitsfähigkeitsschätzungen des behandelnden Psychiaters Dr. F._ und der
Tagesklinik des Psychiatrischen Zentrums H._ auseinandergesetzt. Schliesslich ist
Dr. J._ auch nicht auf den Verlauf der Arbeitsfähigkeit ab Februar 2008 eingegangen.
Demnach kann auch auf das psychiatrische Teilgutachten nicht abgestellt werden.
4.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin oder das Gericht die Neubegutachtung in
Auftrag gegeben muss, d.h. ob die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
ist oder ob das Gericht die Sachverhaltsabklärung zu übernehmen hat. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung holt ein kantonales Versicherungsgericht in der
Regel dann ein Gerichtsgutachten ein, wenn es im Rahmen der Beweiswürdigung zum
Schluss kommt, ein bereits erhobener medizinischer Sachverhalt müsse (insgesamt
oder in wesentlichen Teilen) noch gutachtlich geklärt werden oder eine
Administrativexpertise sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig. Eine
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Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn es darum geht, zu einer
bisher vollständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen. Ebenso steht es dem
Versicherungsgericht frei, eine Sache zurückzuweisen, wenn allein eine Klarstellung,
Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 11. Dezember 2014, 8C_633/2014 E. 3.2; BGE 137 V
210 E. 4.4.1.4). Im vorliegenden Fall liegt ein Administrativgutachten im Recht, wobei
weder der somatische noch der psychiatrische Teil des Gutachtes überzeugt und
welches somit nicht beweiskräftig ist. Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung müsste in diesem Fall ein Gerichtsgutachten eingeholt werden. Die
bundesgerichtliche Praxis leuchtet jedoch nicht ein: Die Beschwerdegegnerin ist
gestützt auf Art. 43 Abs. 1 ATSG verpflichtet, die notwendigen Abklärungen von Amtes
wegen vorzunehmen. Die Beschwerdegegnerin hat somit u.a. den medizinischen
Sachverhalt soweit abzuklären, dass die Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. Die
Beschwerdegegnerin hat die Arbeitsunfähigkeit in somatischer und psychiatrischer
Hinsicht nur ungenügend abgeklärt. Würde das Versicherungsgericht nun ein
Gerichtsgutachten in Auftrag geben, würde es eine der Beschwerdegegnerin
obliegende Aufgabe sozusagen „übernehmen“. Der Gesetzgeber hat diese Aufgabe,
d.h. die rechtsgenügliche Ermittlung des Sachverhalts, aber ausdrücklich der IV-Stelle
zugewiesen. Eine Verletzung dieser gesetzlichen Regelung kann durch die vom
Bundesgericht angeführten Vorteile von Gerichtsgutachten, namentlich der Straffung
des Gesamtverfahrens und der beschleunigten Rechtsgewährung (siehe BGE 137 V
210 E. 4.4.1.2), nicht „geheilt“ werden. Zu beachten ist auch, dass der
Beschwerdeführerin durch die Einholung eines Gerichtsgutachtens die Möglichkeit
genommen würde, den Rentenanspruch von drei Instanzen prüfen zu lassen. Dies ist
insbesondere auch deshalb problematisch, weil das Bundesgericht nur über eine
eingeschränkte Kognition verfügt, d.h. es kann den von einer IV-Stelle oder von einem
kantonalen Versicherungsgericht festgestellten Sachverhalt nur eingeschränkt
überprüfen (siehe Art. 97 des Bundesgerichtsgesetzes, SR 173.110). Die Einholung
eines Gerichtsgutachtens ist deshalb nur in jenen Fällen angezeigt, in denen die
Beschwerdegegnerin den Sachverhalt zwar rechtsgenüglich abgeklärt hat, für die
rechtliche Würdigung aber trotzdem die Einholung eines weiteren Gutachtens
notwendig ist, namentlich weil zwei (oder mehr) überzeugende, sich jedoch
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widersprechende Arbeitsfähigkeitsschätzungen im Recht liegen. Die erneute
Begutachtung ist daher durch die Beschwerdegegnerin zu veranlassen.
5.
5.1 Mit Bezug auf die von der Rechtsvertreterin geforderte erneute Haushaltsabklärung
ist anzumerken, dass die zweite Kammer des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte (EGMR) im inzwischen rechtskräftigen Urteil di Trizio vs. Schweiz vom
2. Februar 2016 (application no. 7186/09) in der Anwendung der gemischten Methode
zur Invaliditätsbemessung von Teilzeitarbeitenden eine Verletzung von Art. 14
(Diskriminierungsverbot) i.V.m. Art. 8 (Recht auf Achtung des Privat- und
Familienlebens) der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(EMRK, SR 0.101) erkannt hat. Nach den neuesten Entscheiden des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen hat die Invaliditätsbemessung im
vorliegenden Fall anhand eines reinen Einkommensvergleichs zu erfolgen (Entscheide
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. Mai 2016, IV 2014/125 und
vom 19. Juli 2016, IV 2014/37). Die Einschränkungen der Beschwerdeführerin im
Haushalt sind für die Bemessung des IV-Grads daher gar nicht relevant. Auch wenn die
Einschränkungen im Haushalt im vorliegenden Fall bei der Invaliditätsbemessung
berücksichtigt würden, würde eine Haushaltsabklärung kein taugliches Mittel
darstellen, um das Ausmass der Einschränkungen zu ermitteln. Die
Beschwerdeführerin hat nämlich angegeben, dass sie gar keine Haushaltstätigkeiten
mehr verrichte (siehe z.B. IV-act. 140-27). Dies bedeutet jedoch nicht, dass ihr objektiv
betrachtet keine Haushaltsarbeiten mehr zumutbar sind. Da im vorliegenden Fall die
subjektive Leistungsfähigkeit von der objektiv vorhandenen und zumutbaren
Leistungsfähigkeit abweicht, würde eine Haushaltsabklärung keine neuen Erkenntnisse
hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit im Haushalt bringen. Die Beschwerdegegnerin hat
folglich zu Recht auf eine erneute Haushaltsabklärung verzichtet.
5.2 Demnach ist die angefochtene Verfügung wegen der Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1 ATSG aufzuheben und die Sache ist
zur erneuten medizinischen Begutachtung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin wird die Gutachter insbesondere auch
auffordern müssen, zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen. Die
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Beschwerdeführerin hat sich im August 2008 zum Bezug von IV-Leistungen
angemeldet, sodass frühestens ab dem 1. Februar 2009 ein Anspruch auf eine
Invalidenrente entstehen könnte. Für den Rentenanspruch entscheidend ist die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin während eines Jahres vor dem
frühestmöglichen Anspruchsbeginn, also ab Februar 2008. Sollte eine somatoforme
Störung oder ein vergleichbares Leiden diagnostiziert werden, wäre zudem die neue
bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen (BGE
141 V 281) zu beachten.
6.
6.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten (BGE 132 V 215 E.
6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe
wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
6.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten
ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Die Rechtsvertreterin hat keine Honorarnote
eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.