Decision ID: 74c439d5-6d44-4462-97ca-c375d98397f8
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ lebte im Zeitraum von 2014 bis 2019 mit B._, dem gemeinsamen Sohn
und seiner Tochter aus der früheren Ehe im selben Haushalt. Am 17. September und
18. November 2019 meldete die Steuerbehörde der Ausgleichskasse der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (im Folgenden: Ausgleichskasse),
dass B._ in den genannten Jahren ein Einkommen aus selbstständiger
Erwerbstätigkeit von Fr. 6'000.-- (2014) bzw. von Fr. 15'000.-- (2015 - 2018) erzielt
habe (act. G 3.1/112, 119 - 122). Nachdem die Ausgleichskasse am 8. Oktober 2019
zunächst B._ als Selbstständigerwerbende erfasst hatte, teilte diese telefonisch mit,
dass sie nicht als solche arbeite. Ihr Partner habe ein Kind in die Partnerschaft
eingebracht und zahle ihr seit 2012 Fr. 1'000.-- pro Monat für dessen Betreuung (act.
G 3.1/119). In der Folge stellte ihr die Ausgleichskasse das Anmeldeformular für
Hausdienstarbeitgeber mit der Aufforderung zu, dieses durch A._ ausfüllen zu lassen
(act. G 3.1/117).
A.a.
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B.
Mit Anmeldung vom 6. November 2019 teilte A._ der Ausgleichskasse mit, er
bezahle B._ seit 1. Januar 2014 Fr. 625.-- monatlich (act. G 3.1/114). Zudem legte er
einen Unterhaltsvertrag zwischen A._ und C._ vom 13. Mai 2012 vor (act.
G 3.1/115). Mit Lohnmeldungen vom 30. Dezember 2019 und 9. Januar 2020
deklarierte er sodann für die Jahre 2014 bis 2019 jeweils einen an seine
Lebenspartnerin ausbezahlten Lohn von Fr. 7'500.-- pro Jahr (act. G 3.1/90 und 99).
Mit Verfügung vom 24. Dezember 2019 erhob die Ausgleichskasse die Lohnbeiträge
samt Verzugszins für die Beitragsperiode 2014, basierend auf einem beitragspflichtigen
Einkommen von Fr. 12'000.-- (act. G 3.1/100 ff.). Mit Rechnungen vom 6. und 14.
Januar 2020 erhob sie sodann die Lohnbeiträge für die Jahre 2015 bis 2019 samt
Verzugszinsen (2015 - 2018), basierend auf dem deklarierten Einkommen von jeweils
Fr. 7'500.-- (act. G 3.1/88, 91 - 98). Die Veranlagungsverfügung vom 24. Dezember
2019 betreffend die Lohnbeiträge 2014 wurde schliesslich mit Nachtragsverfügung
vom 18. Februar 2020 auf eine Lohnsumme von Fr. 7'500.-- korrigiert und die gegen
erstere Verfügung gerichtete Einsprache vom 18. Januar 2020 als gegenstandslos
abgeschrieben (act. G 3.1/79, 81 und 85).
A.b.
Am 25. August 2020 teilte die Ausgleichskasse A._ mit, gemäss telefonischer
Auskunft des Steueramtes D._ seien bei den Steuern andere Lohnzahlungen
deklariert worden, nämlich Fr. 6'000.-- (2014), Fr. 15'000.-- (2015 - 2018) und
Fr. 22'460.-- (2019 [act. G 3.1/77]). Mit Stellungnahme vom 24. September 2020 führte
der Arbeitgeber dazu aus, er habe seiner Lebenspartnerin einen Lohn von Fr. 7'500.--
für die Betreuung der Tochter aus erster Ehe bezahlt. Bei den restlichen Fr. 7'500.--
handle es sich um Alimente für den gemeinsamen Sohn. Er gehe davon aus, dass
diese nicht an den Lohn anzurechnen seien. Im Jahr 2019 sei zusätzlich zu den
erwähnten Fr. 15'000.-- ein Betrag von Fr. 7'460.-- für die Nachzahlungen an die
Ausgleichskasse geltend gemacht worden. Dies sei von der Steuerbehörde anerkannt
worden (act. G 3.1/74).
B.a.
Mit Stellungnahme vom 9. Oktober 2020 führte der Steuerkommissär dazu aus,
die Angaben des Arbeitgebers seien falsch. Dieser habe besagte Zahlungen an die
Lebenspartnerin nicht als Unterhaltsbeiträge, sondern als Kinderbetreuungskosten
B.b.
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deklariert. Auch letztere habe die Zahlungen nicht als Unterhalt, sondern als
Erwerbseinkommen deklariert. Die Pflichtigen seien an die Angaben in der
Steuererklärung zu binden (act. G 3.1/69).
Am 17. Dezember 2020 führte die Ausgleichskasse beim Steueramt D._ eine
Arbeitgeberkontrolle betreffend A._ durch. Gestützt auf dessen Steuererklärungen
gelangte der Revisor zur Ansicht, dass für die Jahre 2015 bis 2019 von einer
beitragspflichtigen Lohnsumme von jeweils Fr. 15'000.--, und damit von
aufzurechnenden Lohnbetreffnissen von je Fr. 7'500.-- auszugehen sei (act. G 3.1/62).
Am 18. Dezember 2020 verfügte die Ausgleichskasse die nachzuzahlenden Beiträge für
die Jahre 2015 bis 2019 samt Verzugszinsen (act. G 3.1/46 - 60).
B.c.
Mit Einsprache vom 11. Januar 2021 beantragte A._ die Aufhebung der
Nachzahlungsverfügungen und der daraus abgeleiteten Verzugszinsen. Er führte dazu
aus, bei den fraglichen Zahlungen handle es sich nicht um Lohn im Sinn der AHV und
bei der Lebenspartnerin nicht um eine Drittperson. Die Zahlungen seien daher nicht als
Entschädigung für die Kinderbetreuung, sondern als Unterhaltszahlungen zu
qualifizieren (act. G 3.1/45). Mit Entscheid vom 10. März 2021 wies die
Ausgleichskasse die Einsprache ab. Sie begründete ihren Entscheid damit, dass
dessen Lebenspartnerin ihrerseits keinen Unterhaltsabzug in ihrer Steuererklärung
vorgenommen, sondern den Betrag von Fr. 15'000.-- ausdrücklich als Einkommen
deklariert habe. Es sei auf die Aussagen der ersten Stunde abzustellen, wonach die
Lebenspartnerin gegenüber der Ausgleichskasse angegeben habe, dass sie vom
Einsprecher jeweils Fr. 1'000.-- pro Monat für die Betreuung des nicht gemeinsamen
Sohnes (richtig: Tochter) erhalten habe, also mehr als den vom Einsprecher
angegebenen Betrag von Fr. 650.-- (richtig: Fr. 625.--) pro Monat. Somit sei die
Zahlung von weiteren Fr. 7'500.-- und damit der Gesamtbetrag von Fr. 15'000.-- als
Einkommen für die Betreuung des nicht gemeinsamen Kindes anzusehen. Die Kasse
habe erst im Telefonat vom 25. August 2020 mit dem Steueramt D._ erfahren, dass
entgegen den Ausführungen des Einsprechers nicht ein jährliches Einkommen von
Fr. 7'500.-- sondern ein solches von Fr. 15'000.-- bezahlt worden sei. Es seien
zusätzliche Fr. 7'500.-- geflossen, die mit der Ausgleichskasse nicht abgerechnet
worden seien. Diese Angaben hätten die Ausgleichskasse veranlasst, eine erstmalige
B.d.
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C.
Arbeitgeberkontrolle durchzuführen; davor habe keine solche stattgefunden (act.
G 3.1/11).
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 26. April
2021 mit dem Antrag auf dessen Aufhebung sowie auf Ersatz der Parteikosten. Der
Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, bei der Zahlung an seine damalige
Lebenspartnerin handle es sich nicht um einen Lohn im Sinn der AHV-Gesetzgebung.
Bei unverheirateten Eltern mit gemeinsamem Haushalt und gemeinsamen Kindern
stehe der Kinderbetreuungsabzug dem Partner zu, der auch den Kinderabzug
beanspruchen könne. Allgemein werde jedoch vorausgesetzt, dass tatsächlich eine
entgeltliche Betreuung durch Drittpersonen erfolge. Das bedeute einerseits, dass die
Eltern die Kinderbetreuung nicht eigenhändig besorgten, anderseits werde verlangt,
dass den Eltern aus der Kinderbetreuung Kosten erwüchsen, d.h. die Drittperson
effektiv entlöhnt werde. B._ sei als Lebenspartnerin und leibliche Mutter keine
Drittperson im Sinn der vorstehenden Ausführungen. Die Zahlungen für das
gemeinsame Kind seien nicht als Entschädigung für die Kinderbetreuung zu
qualifizieren. Falls die Steuerbehörde dies so übernommen haben sollte, läge ein
Veranlagungsfehler vor. Solche offensichtlichen Fehler seien für die AHV-Behörde nicht
verbindlich. Hingegen könne er die Zahlung über Fr. 7'500.-- an seine Lebenspartnerin
als Unterhaltsbeiträge von seinem Einkommen in Abzug bringen. Unterhaltsbeiträge
stellten steuerlich kein Einkommen dar und könnten keine Grundlage für Beiträge an
die AHV begründen. Weiter sei festzustellen, dass er keinen Betrieb im Sinn des
Gesetzes führe, nicht als Arbeitgeber zu qualifizieren und deshalb nicht
beitragspflichtig sei. Seine Lebenspartnerin sei weder eine Hausangestellte noch eine
Arbeitnehmerin im Sinn des Gesetzes. Es liege in der Natur der Sache, dass sich die
Kindsmutter bei der Betreuung des eigenen Kindes in keinem Arbeitsverhältnis
befinden könne, zumal die wesentlichen Merkmale eines Angestelltenverhältnis - die
Abhängigkeit und die Weisungsgebundenheit - fehlten. Es könne hier weder von einem
Subordinationsverhältnis die Rede sein, noch werde die Betreuungsarbeit in einem
fremden Haushalt ausgeführt. Damit entfalle die Qualifikation als Hausangestellte. Des
Weiteren sei festzuhalten, dass die Ausgleichskasse (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) für die fraglichen Abrechnungsperioden bereits vorgängig eine
C.a.
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C.b Mit Eingabe vom 2. Juni 2021 beantragt die Beschwerdegegnerin unter Verweis
auf ihre Ausführungen im Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act.
G 3).

Erwägungen
1.
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die verfügten paritätischen
Lohnbeiträge für die Jahre 2015 bis 2019 (act. G 3.1/47, 48, 53, 54 und 58) sowie die -
lediglich per Mitteilung festgelegten - akzessorischen Verzugszinsen betreffend die
nämlichen Jahre, nachdem der Beschwerdeführer sowohl im Einspracheverfahren als
auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren die Aufhebung sowohl der beanstandeten
Nachtragsverfügungen als auch der daraus abgeleiteten Verzugszinsen verlangt(e) (act.
49, 51, 52, 56 und 60; vgl. zur Akzessorietät: BGE 119 V 233 E.4; vgl. zur
Rechtsbeständigkeit von formlosen Verfügungen: Urteil des Bundesgerichts vom
11. August 2022, 9C_37/2022, E. 4.1).
2.
Arbeitgeberkontrolle durchgeführt und die Beitragsjahre 2015 - 2019 rechtskräftig
verfügt habe. Es fehle die Grundlage für eine (prozessuale) Revision bzw. für eine
Wiedererwägung nach Art. 53 ATSG, da es sich vorliegend nicht um einen neuen
Sachverhalt handle, dessen Beibringung zuvor nicht möglich gewesen sei (act. G 1).
Vom Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit (massgebender Lohn)
werden nach Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (SR 831.10; abgekürzt: AHVG) Beiträge erhoben. Als
massgebender Lohn gilt jedes Entgelt für in unselbstständiger Stellung auf bestimmte
oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit. Der massgebende Lohn umfasst auch
Teuerungs- und andere Lohnzulagen, Provisionen, Gratifikationen, Naturalleistungen,
Ferien- und Feiertagsentschädigungen und ähnliche Bezüge, ferner Trinkgelder, soweit
diese einen wesentlichen Bestandteil des Arbeitsentgeltes darstellen (Art. 5 Abs. 2
AHVG).
2.1.
Die Beiträge vom Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit sind bei
jeder Lohnzahlung in Abzug zu bringen und von den Arbeitgebenden zusammen mit
deren Beiträgen periodisch zu entrichten (Art. 14 Abs. 1 AHVG, Art. 34 ff. der
2.2.
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3.
Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [SR 831.101; abgekürzt:
AHVV]). Erhält eine Ausgleichskasse Kenntnis davon, dass ein Beitragspflichtiger keine
Beiträge oder zu niedrige Beiträge bezahlt hat, so hat sie die Nachzahlung der
geschuldeten Beiträge zu verlangen und nötigenfalls durch Verfügung festzusetzen.
Vorbehalten bleibt die Verjährung nach Artikel 16 Absatz 1 AHVG (Art. 39 Abs. 1 AHVV).
Formell rechtskräftige Verfügungen und Einspracheentscheide müssen in Revision
gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach
deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren
Beibringung zuvor nicht möglich war. Der Versicherungsträger kann auf formell
rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese
zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist.
(Art. 53 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [SR 830.1; abgekürzt: ATSG]).
2.3.
Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer seiner damaligen
Lebenspartnerin in den hier noch umstrittenen Jahren 2015 bis 2019 jeweils einen
Betrag von Fr. 15'000.-- entrichtet hat (Einsprache vom 11. Januar 2021 und
Beschwerde vom 26. April 2021, S. 2 [act. G 3.1/145.1 und G 1]). Ebenso wird zu Recht
von keiner Seite infrage gestellt, dass Unterhaltszahlungen für ein gemeinsames Kind
keinen Bestandteil des massgebenden Lohns darstellen, Entschädigungen für die
Betreuung eines nicht gemeinsamen Kindes im Haushalt der Eltern dagegen schon
(Nannies und Babysitter [vgl. Art. 5 Abs. 2 AHVG in Verbindung mit Art. 7 AHVV;
Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherungen über den massgebenden Lohn
in der AHV, IV und EO [abgekürzt: WML]), Ziff. 4149 in den vorliegend massgebenden
Fassungen vom 1. Januar 2015 bis zum 1. Januar 2019 [ab 1. Januar 2019: Ziff. 4114]).
Während die Beschwerdegegnerin aber davon ausgeht, der gesamte ausbezahlte
Betrag stelle Lohn für die Betreuung des nicht gemeinsamen Kindes dar, macht der
Beschwerdeführer geltend, dafür sei nur ein Betrag von Fr. 7'500.-- bezahlt worden,
während es sich bei den restlichen Fr. 7'500.-- um Alimente für das gemeinsame Kind
handle. Es handelt sich somit um eine Sachverhaltsfrage.
3.1.
Die definitive Festsetzung der paritätischen AHV-Beiträge erfolgt grundsätzlich
anhand der Lohndeklaration des Arbeitgebers (Art. 36 Abs. 1 und 2 AHVV). Macht die
Verwaltung rechtserhebliche Tatsachen geltend, an die sie eine Beitragspflicht knüpft,
trägt sie dafür die Beweislast. Indessen sind die Arbeitgebenden verpflichtet, die zur
Feststellung der Beitragspflicht notwendigen Unterlagen zu liefern (vgl. Art. 14 Abs. 1
3.2.
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AHVG in Verbindung mit Art. 36 Abs. 1 und 143 Abs. 2 AHVV und die Wegleitung des
Bundesamtes für Sozialversicherungen über den Bezug der Beiträge in der AHV, IV und
EO [WBB], Ziff. 2064, 2118 und 2137 in den vorliegend anwendbaren Fassungen vom
1. Januar 2015 bis 1. Januar 2019 [heute Ziff. 2072, 2027 und 2152]; vgl. auch Art. 28
Abs. 1 ATSG). In der Regel sind denn auch einzig die Arbeitgebenden in der Lage,
Angaben zu den tatsächlichen Verhältnissen zu machen, während die
Ausgleichskassen regelmässig nicht über die notwendigen Daten verfügen. Macht ein
Arbeitgeber - wie vorliegend - geltend, ein Teil der unbestrittenermassen
ausgerichteten Zahlungen für unbestrittenermassen geleistete (Betreuungs-)Arbeit
stelle keinen Lohn dar, rechtfertigt es sich, ihm dafür die materielle Beweislast
aufzuerlegen, womit er die Folgen der Beweislosigkeit trägt. Dies entspricht auch dem
Grundsatz, wonach die Behörden den Sachverhalt von Amtes wegen möglichst
zuverlässig abzuklären haben, der Untersuchungsgrundsatz aber durch die
Mitwirkungspflicht der Parteien relativiert wird. Diese kommt naturgemäss bei
Tatsachen zum Tragen, die eine Partei besser kennt als die Behörden und die ohne ihre
Mitwirkung gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erhoben werden können
(vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts vom 2. Juni 2021, AHV 2020/8, E.3.3, mit
Hinweisen auf die Urteile des Bundesgerichts vom 18. Februar 2019, 2C_981/2017,
E. 3.1; 2C_118/2017 vom 18. August 2017 E. 4.2; 2C_292/2017 vom 18. März 2018
E. 4.2).
Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe sich im Rahmen der
Unterhaltsregelung verpflichtet, für den Unterhalt des gemeinsamen Kindes
aufzukommen und entsprechende Zahlungen zu erbringen. Dies trifft zwar zu. Indessen
ergibt sich aus dem Unterhaltsvertrag vom 13. Mai 2012 (Ziff. 4), dass die vereinbarten
Unterhaltsbeiträge als getilgt gelten, wenn die Eltern im Einverständnis der Mutter
gemeinsam mit dem Kind zusammenleben und der verpflichtete Elternteil im
vorgesehenen Umfang für das Kind aufkommt. Im Weiteren sind die Beiträge bis zur
Vollendung des 6. Altersjahrs auf Fr. 500.-- (Fr. 6000.-- pro Jahr), anschliessend bis zur
Vollendung des 12. Altersjahrs auf Fr. 600.-- (Fr. 7'200.-- pro Jahr) festgelegt worden
(act. G 3.1/115). Zugestandenermassen haben der Beschwerdeführer und seine
Lebenspartnerin im fraglichen Zeitraum von 2015 bis 2019 mit dem gemeinsamen Kind
zusammengelebt. Es erscheint somit nicht plausibel, dass er zusätzlich zum bereits
geleisteten (Natural-)Unterhalt noch Baralimente in Höhe von Fr. 7'500.-- bezahlt haben
soll, zumal dieser Betrag nicht mit jenen gemäss Unterhaltsvertrag übereinstimmt. Zwar
sind die Steuerveranlagungen des Beschwerdeführers (und von dessen
Lebenspartnerin) - anders als bei der Verabgabung eines in selbstständiger Stellung
erzielten Erwerbseinkommens (vgl. Art. 23 Abs. 4 AHVV) - für die Festsetzung von
3.3.
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paritätischen Lohnbeiträgen nicht per se verbindlich. Trotzdem stellen die
echtzeitlichen Steuerdeklarationen der Jahre 2015 bis 2019 ein gewichtiges Indiz dafür
dar, dass der gesamte Betrag von jährlich Fr. 15'000.-- als Lohn ausbezahlt wurde.
Demnach haben der Beschwerdeführer und seine damalige Lebenspartnerin die
fraglichen Zahlungen jeweils vollständig als Kinderbetreuungsabzug durch
Drittpersonen bzw. als daraus fliessendes Erwerbseinkommen deklariert.
Unterhaltsbeiträge wurden demgegenüber keine zum Abzug gebracht bzw. als
Einkommen deklariert (act. G 3.1/13 - 18 und 62). Wenn der Beschwerdeführer im
vorliegenden Verfahren geltend macht, dass nur die Hälfte des ausbezahlten Betrags
für die Betreuung des nicht gemeinsamen Kindes gedacht waren, stellt dies eine
blosse Parteibehauptung dar und widerspricht eindeutig den in den Steuererklärungen
gemachten und von der Steuerbehörde akzeptierten Angaben. Es widerspricht auch
den zunächst von der Lebenspartnerin gegenüber der Beschwerdegegnerin gemachten
Angaben, wonach sie für die Betreuung des Kindes des Beschwerdeführers seit 2012
monatlich Fr. 1'000.-- erhalte (act. G 3.1/119), was ebenfalls dafür spricht, dass sie
(nur) für die Betreuung des nicht gemeinsamen Kindes bezahlt wurde. Zudem könnte
ansonsten in steuerlicher Hinsicht unter dem Titel der Betreuung durch Drittperson
(Ziff. 15.1 bzw. 16.2 der Steuerveranlagung) ebenfalls nur ein Betrag von Fr. 7'500.--
geltend gemacht werden. Dieser Abzug kann sich im vorliegenden Zusammenhang nur
auf das nicht gemeinsame Kind beziehen, ist die Kindsmutter doch in Bezug auf das
gemeinsame (eigene) Kind - wie der Beschwerdeführer selber bemerkt (Beschwerde
S. 3, act. G 1) - nicht als Drittperson anzusehen. Daran ändert nichts, dass die
Steuerbehörde (offenbar irrtümlicherweise) davon ausging, dass beide Kinder durch
eine Drittperson fremdbetreut werden, betrug doch der Drittbetreuungsabzug bis zur
Steuerperiode 2018 pro Kind und Jahr nur Fr. 7'500.--, womit auch nur dieser Betrag
zum Abzug hätte zugelassen werden dürfen (ab 2019: Fr. 25'000.-- [Art. 45 Abs. 1 lit. h
des St. Galler Steuergesetzes [sGS 811.1; abgekürzt: StG], Stand am 1. Oktober 2017
und am 1. Januar 2019]; vgl. auch St. Galler Steuerbuch, StB 45 Nr. 14 Ziff. 1; auf
Grund dieser Deklaration im Steuerveranlagungsverfahren ist im Übrigen davon
auszugehen, dass die fraglichen Beträge von 2 x Fr. 7'500.-- bzw. Fr. 15'000.--
steuerrechtlich und nicht unterhaltsrechtlich motiviert waren, was ebenfalls gegen das
Vorliegen von Alimentenzahlungen spricht; letztlich widerspiegeln diese
pauschalisierten Gewinnungskostenabzüge, wie sie auch für auswärtige Verpflegung
oder Pendlerkosten bestehen, allerdings nicht zwingend die tatsächlichen Kosten).
Indem der Beschwerdeführer diesen Irrtum im Steuerveranlagungsverfahren nicht
klarstellte und sowohl er als auch seine Lebenspartnerin die entsprechenden
Veranlagungen - wie von ihnen deklariert - unangefochten in Rechtskraft erwachsen
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liessen, hat er sich dies auch im vorliegenden Beitragserhebungsverfahren
entgegenhalten zu lassen.
Der Beschwerdeführer hat im Weiteren den Kinderabzug für beide Kinder
vorgenommen (Ziff. 23.1 und 23.2 der Steuerveranlagung), während seine ehemalige
Lebenspartnerin keinen Abzug geltend machte. Dies wäre nicht zulässig, wenn für das
gemeinsame, aber nicht unter gemeinsamer elterlicher Sorge stehende, Kind Alimente
in Abzug gebracht würden. Diesfalls würde der entsprechende Abzug dem mit der
elterlichen Sorge betrauten Elternteil zustehen (und hätte dieser die Unterhaltsbeiträge
als solche zu versteuern [Art. 36 Abs. 1 lit. f und Art. 45 Abs. 1 lit. c StG; StB 48 Nr. 2
Ziff. A.3.1]). Dass die steuerliche Veranlagung bei der Lebenspartnerin als Einkommen
aus selbstständiger Erwerbstätigkeit erfolgte (act. G 3.1/13 - 18), schadet dagegen
nicht, betrifft doch die Bindungswirkung der Steuerveranlagung nur die Höhe eines
Einkommens, nicht aber dessen beitragsrechtliche Qualifikation und beschlägt daher
nicht die Fragen, ob überhaupt Erwerbseinkommen und gegebenenfalls solches aus
selbstständiger oder aus unselbstständiger Tätigkeit vorliegt und ob die Person, die
das Einkommen bezogen hat, beitragspflichtig ist. Somit haben die Ausgleichskassen
ohne Bindung an die Steuermeldung auf Grund des Rechts der Alters- und
Hinterlassenenversicherung zu beurteilen, wer für ein von der Steuerbehörde
gemeldetes Einkommen beitragspflichtig ist (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Januar
2009, 9C_551/2008, E. 2.3 mit Hinweisen). Davon geht auch der Beschwerdeführer aus
(Beschwerde S. 3, act. G 1). Zu erwähnen sind auch die steuerlichen Vorteile, die das
getroffene Arrangement dem Beschwerdeführer und dessen Partnerin brachte,
reduzierte sich doch die aggregierte Steuerlast des gemeinsamen Haushalts durch die
deklarierte und von der Steuerbehörde akzeptierte "interne Umverteilung" von
Einkommen merklich (Steuerersparnis z.B. 2019 rund Fr. 2'750.-- [gemäss
Steuerkalkulator SG]). Es ist deshalb anzunehmen, dass auch von dieser Seite her ein
Anreiz für die Ausrichtung eines höheren Lohnes bestand. Keinen zusätzlichen
Erkenntnisgewinn bringt schliesslich die "Arbeitgeberkontrolle" vom 17. Dezember
2020, erfolgte diese doch beim Steueramt D._ gestützt auf die Steuerveranlagungen
(act. G 3.1/62.1). Nachdem somit eine teilweise Verwendung bzw. Bestimmung der
zugestandenermassen jährlich ausgerichteten Zahlungen von Fr. 15'000.-- als
Unterhaltsbeiträge nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan ist, trägt der
Beschwerdeführer die Folgen der Beweislosigkeit und es ist für den fraglichen Zeitraum
von 2015 bis 2019 von einem jährlich ausgerichteten massgebenden Lohn von
Fr. 15'000.-- auszugehen. Die angefochtenen Beitrags- und Verzugszinsverfügungen
erweisen sich demnach korrekt.
3.4.
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4.
Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, dass die Beschwerdegegnerin für die
fraglichen Abrechnungsperioden bereits vorgängig eine Arbeitgeberkontrolle
durchgeführt und die Beitragsjahre 2015 - 2019 rechtskräftig verfügt habe. Es fehle die
Grundlage für eine (prozessuale) Revision bzw. für eine Wiedererwägung nach Art. 53
ATSG, da es sich vorliegend nicht um einen neuen Sachverhalt handle, dessen
Beibringung zuvor nicht möglich gewesen sei. Der Sachverhalt sei von der
Beschwerdegegnerin vor dem Erlass der bestrittenen Beitragsverfügungen ausführlich
abgeklärt worden, indem diese umfangreiche Abklärungen bei B._, dem
Gemeindesteueramt sowie beim Beschwerdeführer durchgeführt habe. Selbst aus
heutiger Sicht betrachtet seien die betroffenen Beitragsverfügungen nicht offensichtlich
und zweifellos falsch gewesen. Es lägen weder neue Tatsachen noch ein
Wiedererwägungsgrund vor.
4.1.
Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass die ursprünglich zu zahlenden Beiträge
lediglich mit Schlussrechnungen vom 6. und 14. Januar 2020 festgesetzt wurden (act.
G 3.1/88, 93, 94, 96 und 97). Diese Beitragsabrechnungen beruhten einzig auf den
Angaben des Beschwerdeführers in seinen Lohndeklarationen (act. G 3.1/90, 99.1 -
99.8). Die Verzugszinsen betreffend die Beitragsjahre 2015 bis 2018 wurden sodann
mit Mitteilungen vom 6. Januar 2020 festgesetzt (act. G 3.1/91, 92, 95 und 98).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers fand die erwähnte Arbeitgeberkontrolle
erst nach dieser formlosen Beitragserhebung, nämlich am 17. Dezember 2020, statt,
und führte zu den vorliegend angefochtenen Verfügungen (act. G 3.1/30.1). Kraft
ausdrücklicher gesetzlicher Regelung (Art. 14 Abs. 4 lit. c AHVG in Verbindung mit Art.
39 Abs. 1 AHVV) hat die Ausgleichskasse die Nachzahlung von nicht oder zu wenig
bezahlten Beiträgen zu verlangen, sobald sie davon Kenntnis erlangt. Ein
Rückkommenstitel gemäss Art. 53 Abs. 1 oder 2 ATSG wird verlangt, wenn die
Beiträge für die fragliche Zeitspanne bereits rechtskräftig verfügt wurden (Ziff. 3010
WBB, heute Ziff. 3011). Selbst wenn ein solcher verlangt wäre, wären vorliegend
sowohl die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision wie auch für eine
Wiedererwägung erfüllt. So kontaktierte der Steuerkommissär am 25. August 2020 die
Beschwerdegegnerin mit dem Hinweis, dass bei den Steuern jeweils ein
Kinderbetreuungsabzug bei Betreuung durch Drittpersonen im Umfang von
Fr. 15'000.-- geltend gemacht worden sei (2019 zuzüglich bezahlte
Sozialversicherungsbeiträge von Fr. 7'460.-- [act. G 3.1/76]). Nachdem der
Beschwerdeführer gegenüber der Beschwerdegegnerin lediglich eine Lohnsumme von
jährlich Fr. 7'500.-- (2014 - 2019) gemeldet hatte (act. G 3.1/90 und 99), stellte dies
4.2.
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5.