Decision ID: 73d1f89f-4c4c-405b-8dac-3d55fd1c2758
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1980 geborene
X._
, verheirat
et und Mutter eines Kindes, Jahrgang
2011
(Urk. 9/11
/2-3)
,
war
von
Juni 2007 bis Oktober 2013
, zuletzt vom 7. Januar bis 5. Oktober 2013,
jeweils
in temporären Einsätzen
als
Aushilfe im Stundenlohn bei der Y._
AG angestellt (Urk. 9/19/1-3
und Urk. 9/10/2
).
Nach einer Meldung zur Früherfassung im Juli 2015 (Urk. 9/5)
mit Abklärungen im September 2015 (vgl. Urk. 9
-10
)
melde
te
sich
X._
u
nter Angabe
von
seit
dem J
ahr 2008 bestehenden
Ängste
n
, Antriebstörung
en
und Depression am 24
.
September 2015
zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen
Invaliden
versicherung an (Urk. 9
/1
1 Ziff. 6.1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht
und führte ein Abklärungsgespräch
durch
ihre
Eingliederungsberatung
durch (Urk. 9/26). A
m 4. Februar 2016
teilte sie
mit, dass beru
fliche Eingliederungs
massnahmen
abgesch
l
ossen
w
ü
rden
und über den Rente
nanspruch nach Ablauf der Wartezeit
eine s
e
parate
Verfügung ergehen werde
(Urk. 9/25).
In der Folge gingen weiter
Berichte der behandelnden Ärzte, unter anderem über den Eintritt der Versicherten am 4. Apr
il 2016 in die Tagesklinik der p
sychiatrischen
K
linik
Z._
,
ein
(vgl. Urk. 9/33
),
welche die IV-Stelle ihrem regionalen ärztlichen Dienst (RAD) zur Stellungnahme vorlegte (Urk. 9/34/4-5). M
it Vor
bescheid vom 29. Dezember 2016 (Urk. 9/35)
stellte sie
die Abweisung des Be
gehrens auf IV-Leistungen in Aussicht. Daran hielt
die IV-Stelle
nach Eingang von Einwendungen (Urk. 9/36
und Urk. 9/42
) mit Verfügung vom 18. Juli 2017 fest (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
8. September
2017 Beschwe
rde (Urk. 1) und beantragte
,
die angefochtene V
erfügung sei aufzuheben und
die gesetzlich ge
schul
deten Leistungen zuzusprechen, insbesondere eine Invalidenrente, eventuell Eingliederungsmassnahmen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung
(Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle
schloss
in ihrer Beschwerdeantwort vom 10.
Okto
ber 2017 (Urk. 8)
auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin
am 11. Oktober 2017
zur Kenn
tnis gebracht wurde (vgl. Urk. 10
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburts
ge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung,
IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditäts
be
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gun
gs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Um
ständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entschei
dend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im
Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pen
sum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Ver
hält
nisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kin
dern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persön
lichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Ver
hältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der über
wie
genden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b)
.
1.4
1.4.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG)
.
1.4
.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Mass
gabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom 7. März 2018 E.
4.2.1).
Diese
Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Janu
ar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Es ist Aufgabe des medizinischen Sachverständigen, nachvollziehbar aufzu
zei
gen, weshalb trotz (leichter bis) mittelschwerer Depression und an sich guter The
rapierbarkeit der Störung im Einzelfall funktionelle Leistungseinschränkungen resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (BGE 143 V 409 E. 4.5.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
1
.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungsabweisung damit (Urk. 2), dass
-
sofern die Behandlung weiterh
in konsequent fortgesetzt werde -
eine Verbes
se
rung der
gesundheitlichen Situation zu erwarte
n sei. Depressionen (rezidivierend oder episodisch) könnten einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht fallen, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent seien. Eine Leistungsver
wei
gerung sei unter anderem davon abhängig, ob die Massnahme eine wesentliche Verbesserung der Erwerbstätigkeit verspreche, wobei es genüge, wenn die Vor
kehr mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit erfolgreich gewesen wäre. Vorliegend seien die medizinischen Massnahmen zumutbar und der Gesundheitszustand sollte sich dadurch weiterhin stabilisieren.
Da die therapeutischen Massnahmen somit (noch) nicht ausgeschöpft seien und unter die allgemeine Schadenmin
de
rungspflicht fielen
,
könne kein Anspruch auf Rentenleistungen der Invalidenver
sicherung entstehen.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenü
ber auf den Standpunkt (Urk.
1
S.
3
),
sie stehe seit 2. September 2013 in psychiatrischer Behandlung und sei seither
zu
100 % arbeitsunfähig. Seit 4. April 2016 erfolge eine teilstationäre Be
hand
lung in der Tagesklini
k und langfristig werde eine
Massnahme zur schritt
weisen beruflichen Wiedereingliederung in Form eines Belastbarkeitstrainings empfohlen.
Beim Gesundheitsschaden
gehe es
um ei
ne rezidivierende depressive und eine pho
bische Störung, die
seit 2013
bestünden
,
und
differentialdiagnostisch
handle es sich
um eine Angstsymptomatik im Rahm
en der depressiven Störung bezieh
ungsweise um
eine hypochondrische Störung
(S. 4)
.
Eine Abweichung von der medizinischen Beurteilung mittels Ressourcenprüfung gemäss
der
Rechtsprechung von BGE 141 V 281 komme
vorliegend
nicht zur Anwendung, da die diesbezüglichen Grundlagen
die Mediziner ermitteln müssten, was vorliegend nicht geschehen sei
(S. 5)
.
S
ie
sei
in ihrer Arbeitsfähigkeit seit August 2013 zu 100 % eingeschränkt und diese Einschränkung
liege
im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung im Juli 2017 immer noch vor
. Es
bestehe
deshalb ein Rentenanspruch und kü
nftige Ver
än
derungen
s
eien im Rahmen eines
Revision
sverfahren
s
zu berücksichtigen (S.
9).
3.
3.1
Streitgegenstand ist ein Anspruch auf Rentenleist
ungen der Invalidenversiche
rung
. Im vorliegenden Verfahren nicht zu prüfen sind demgegenüber berufliche Ein
gliederungsmassnahmen über die die Beschwerdegegnerin bereits a
m 4.
Febru
ar 2016
entschieden hat
(Urk. 9/25)
, was unwidersprochen blieb
. Nach der
Anmeldung vom
24. September 2015
(Urk. 9/11
)
fallen Rentenleistungen nach Ablauf des Wartejahrs frühestens nach sechs Monaten, mithin ab
März
2016
in Betracht (Art. 28 in Verbindung mit Art. 29 Abs. 1 IVG; E. 1.2 hiervor), weshalb die attestierten Arbeitsunfähigkeiten in den medizinischen Berichten ab
März
2015
für die vorliegende Streitsache relevant sind.
3.2
3.2.1
L
ic. phil.
A._
, Psychotherapie FSP, wie
s
im Bericht vom 17. Februar
2015
(Urk. 9/10/16-19
) darauf hin,
dass
die Zuweisung zur psychotherapeutische
n
Behandlung in serbischer Sprache
mit Erstgespräch am 2. September 2013
durch die Hausärztin erfolgt
sei. S
eit dem Jahr 2010
sei die Beschwerdeführerin zum
zweiten Mal verheiratet und Mutter eines Sohn
es
mit Jahrgang 2011.
I
n der
Y._
habe sie als Aushilfsmitarbeiterin
ohne festen An
stel
l
ungsvertrag
gearbeitet. Seit Oktober 2013
sei sie
arbeitsun
fähig und d
ie Familie von der Sozialhilfe abhängig
.
Es wurden die
Diagnosen
einer
reaktive
n
depressive
n
Epis
ode
(
ICD-
10 F32
.11
)
und
ein
es
Verdacht
s
auf eine Essstörung fe
stgehalten und zur Therapie ausge
führt, die Beschwerdeführerin komme
in monatlichen Abständen zu den Einzel
sitzungen.
Zu
Beginn sei
die Bearbeitung
der
Än
gste
,
z
u ersticken oder an einer ernst
h
a
f
t
en
Krankheit zu leiden
,
im Vordergrund gestanden
. Weitere
Themen seien die Bewältigung der depressiven Verstimmung
und das Untergewicht
ge
wesen
. Obwohl die
Beschwerdeführerin
immer noch emotional wenig belastbar
sei
und bei
Belastung
schnell mit starker Unruhe und Nervosität oder
depressiver Verstimmung reagiere
,
habe
sich
ihr Zustand
deutlich verbesser
t, so
dass sie sich wieder
mit
der Suche einer neuen Arbeitsstelle
engagiere.
3.2.2
Im Zeugnis vom 5. August 2015 (Urk. 9/10/18
)
hielt
d
ie behandelnde Psychologin
fest,
aufgrund von Ängsten, Antriebstörungen, depressiver Verstimmung und Überforderungsgefühlen
bestehe seit
2. September 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %.
3.2.3
Im
Formular
bericht
an die Beschwerdegegnerin
vom 22. November 2015
(Urk. 9/23/6-9)
führte die Psychologin folgende Diagnosen auf
(Ziff. 1.1)
:
rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige depressive Episode (ICD-
10
F33.1), hypochondrische St
örung (ICD-
10
F45.2), spezifische Phobie (ICD-
10 F40.2),
Verdacht
auf Ess
s
törung (ICD-
10 F
50.9).
Als Einschränkungen bestü
nden
Antriebsstörung
en
, Energielosigkeit,
gesteigerte
Anspannung und Nervosität,
innere
Unruhe, Konzentrationsstörun
gen,
gering
e emotionale Belastbarkeit,
sozia
ler Rückzug und Ängste (Ziff. 1.7). Eine behinderungsnagepasste Tätigkeit sei eventuell drei Stunden pro Tag an eine
r
Arbeitsstelle ohne Zeitdruck möglich (Ziff. 1.7).
3.2.4
I
n einem weiteren
Bericht vom 12. Mai 2016
(Urk. 9/30
) führte die Psychologin zum Be
handlungsverlauf aus (S. 3),
Anfang
2015 habe die Beschwerdeführerin von einer Abnahme der Ängste und
einer Stimmungsaufhellung
sowie eine
r Gewichtszunahme berichtet, so
dass sie sich aktiv um einen beruflichen Wieder
einsti
e
g bemüht habe. Doch Mitte 2015 habe sich der Zustand verschlechtert und im Rahmen von erneuten Überforderungsgefühlen sei
sie
seit längere
r
Zeit nicht mehr stabil. Aus diesem Grund sei eine Behandlung in der Tagesklinik organisiert
worden
, welche die Beschwerdeführerin zusätzlich zu den Einzelsitzungen seit An
fang April 2016 besuche.
Sie sei
weiterhin emotional wenig belastbar,
reagiere bei Belastungen schnell mit starker Unruhe und Nervosität, depressiver Verstim
mung und
einer
Angstzunahme.
3.3
Im Bericht der p
sychiatrischen
K
linik
Z._
vom 31. August 2017 (richtig:
2016, Urk. 9/33/1-7)
über den Eintritt in die Tagesklinik zur teilstatio
nären Behandlung
am 4. April 2016
hielten die zuständigen Ärzte die folgenden Diagnosen fest
(Ziff. 1.1)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwä
rtig
mittelgradige Episode
(
ICD-
10 F33.1
)
-
Verdacht auf ein
e
nicht näher bezeichnete phobische Störung
,
Differen
tial
diagnose
Angstsymptomatik im Rahmen der depressiven Störung
(
ICD-
10 F40.9
)
Zum ärztlichen Befund wurde ausgeführt
(Ziff. 1.4)
, die Beschwerdeführerin sei wach, bewusstseinsklar, zu allen Qualitäten orientiert. Die Auffassung, Gedächt
nis und Merkfähigkeit schienen orientierend
,
uneingeschränkt. Die Konzentration sei vermindert und im formalen Denken sei sie verlangsamt mit Grübeln und Ge
dankendrängen. Es bestehe eine
fragliche wahnhafte Überzeugung
,
nicht schlucken zu können
,
ohne
Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Affektiv sei
sie
deprimiert, ängstlich
mit Insuffizienzgefühlen und
a
ntriebsarm.
Es bestünden
Erstickungsängste, Angst vor Vers
c
hlucken, ein sozialer Rückzug, E
in- und
Durch
schlafstörungen.
Der
Appetit
sei
ve
rmindert. V
on akuter Suizidalität
zeige sie sich
glaubhaft distanziert.
In Anbetracht der bereits mehrjährigen Krankheitsgeschichte sei die Prognose eher zurückhaltend zu stellen, wobei sich im Verlauf bereits eine dezente Zu
standsbesserung abgezeichnet habe, sodass man unter der Voraussetzung einer fortgesetzten Behandlung auf die Möglichkeit einer weiteren
,
schrittweisen Stabilisierung schliessen könne.
Die gegenwärtige Behandlung bestehe in einer Teilnahme am multimodalen Be
hand
lungspfad
«
Basis 2
»
mit den Gruppen
«
Aktivierung und Entspannung
»
,
«
Genuss und Kreativität
»
, Ergo- und
Kunsttherapie an vier Halbtagen pro
Woche und parallel dazu i
n
ambulante
r
psychotherapeutische
r
Behandlung
(Ziff. 1.5)
.
Aufgrund eines nach wie vor persistierenden depressiven Syndroms bestehe neben und aufgrund der affektiven Labilität, Unsicherheit und Angst sowie for
mal
gedanklicher Grübelneigung und einer anhaltenden reduzierten Nahrungs
auf
nahme noch eine deutliche Reduktion der körperlichen und psychischen Belastbarkeit, Ausdauer und Konzentration.
Diese Einschränkungen beding
t
en aktuell noch eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit
(Ziff. 1.7)
.
Im
Beruf
als A
ngestellte in der Produktion bei
der
Y._
AG
bestehe
ab 4. April 2016 bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
(Ziff. 1.6)
.
3.4
Dr. med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
RAD
hielt in ihrer Aktenbeurteilung vom 10. Oktober 2016 (Urk. 9/34/4-5) fest, es liege ein Gesundheitsschaden vor, der die Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt von August 2013 bis jetzt verunmöglicht habe. Allerdings sollte es ab
sofort möglich sein, mit einem
Belastbarkeitstraining im Rahmen von 20
% zu beginnen
.
4.
4.1
Gemäss Akten wird die Beschwerdeführerin durch die behandelnde Psychologin seit Oktober 2013 arbeitsunfähig geschrieben
. I
m Februar 2015
wurde
n
in diesem Zusammenhang
noch
die Diagnose einer
reaktive
n
depressiven Episode und ein Verdacht
auf eine Essstörung
gestellt
(E.
3.2.1 hiervor). I
m November 2015
führte
die
Behandlerin
die Diagnosen
eine
r
rezidivierende
n
Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode, eine hypochondrische Störung,
s
pezifische Phobien
und
ein
en
Verdacht auf eine Essstörung
auf
(E. 3.2.3 hiervor).
D
ie Beschwerdegegnerin
verneinte den Anspruch auf Leistungen
nach der Vor
nahme einer «Ressourcenprüfung»
durch die Sachbearbeiterin
(vgl. Urk. 9/34/5-7)
im Wesentlichen
mit der Begründung,
im Verlauf
habe sich
eine Zustandsver
besserung
abgezeichnet und
die therapeutischen Massnahmen
seien
noch nicht ausgeschöpft (vgl. E. 2.1).
Dies genügt nach der neuen Rechtsprechung nicht zur Verneinung eines rele
vanten Gesundheitsschadens.
4.2
4.2.1
Die Voraussetzungen, unter denen leichten bis mittelschweren Depressionen inva
lidisierende Wirkung zukommen kann (BGE 140 V 193 E. 3.3 S. 197 mit Hinweis; Urteil
des Bundesgerichts
9C_841/2016 vom 8. Februar 2017 E. 3.1), sind mit BGE 143 V 409 und 418 geändert worden (vorstehend E. 1.4). Die invalidisierende Wirkung eines psychischen Leidens kann nicht mehr allein unter Hinweis auf deren Therapierbarkeit verneint werden. Gemäss BGE 143 V 418 sind sämtliche psychischen Leiden, laut BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Diese neue Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundes
ge
richts 8C_756/2017 vom 7. März 2018 E. 4 mit weiterem Hinweis) und ist somit auch im vorliegenden Fall massgebend.
4.2.2
Ein solches Beweisverfahren hat bis anhin nicht stattgefunden und es erfolgte weder aus ärztlicher Sicht noch aus Sicht der Beschwerdegegnerin eine um
fassende Auseinandersetzung mit den massgebenden Standardindikatoren. Die massgebenden Kriterien lassen sich auch nicht aus den spärlichen
Angaben im
ärztlichen
Bericht der p
sychiatrischen
Klinik Z._
(E. 3.3
hiervor
)
herauslesen und es liegt im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung auch kein aktueller (Austritts-)
Bericht
über die teilstationäre Behandlung vor.
Auf die Aktenbeurteilung
der Ärztin des RAD
vom 10. Oktober 2016
kann nicht abgestellt
werden
(
vgl.
9/34/4-5
),
da
auf eine
rezidivierende
psychische
Stör
ung bereits seit dem Jahr 2013
hingewiesen wird und dazu
keine echtzeitlichen Arztberichte aktenkundig
sind
. Sodann entspricht das
blosse Abstellen auf attestierte
Arbeits
unfähigkeiten
der behandelnden Psychologi
n ohne eigene Untersuchung
und ohne
Ressoursenprüfung
auch
keiner
beweiswertigen
ärztlichen Beurt
eilung der Restarbeitsfähigkeit
(zum Beweiswert E. 1.5 hiervor)
.
Sollte sich im Rahmen der ergänzenden Abklärungen eine invalidisierende Arbeitsunfähigkeit ergeben, bleibt festzuhalten
, dass
es
m
it Blick auf die Erwerbs
biographie der Beschwerdeführerin,
welche
seit ihrer Einreise in die Schweiz nie über längere Zeit eine Erw
erbstätigkeit zu 100
% ausgeübt hat (vgl. IK-Auszug
, Urk. 9/15
),
auch an einer erforderlichen Haushalts- respektive Statusabklärung und
letztlich auch an einer rechtskonformen Invaliditätsgradbemessung
nach Ablauf der Wartezeit respektive einer Begründung
fehlt
,
was gegebenenfalls nachzuholen sein wird
(vgl. E. 1.3 hiervor).
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen insbesondere, wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss der Rechtsprechung ist eine Rückweisung an die IV-Stelle möglich, wenn sie in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist, oder wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung der medi
zinischen Akten beziehungsweise von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 139 V 99 E. 1.1 und 137 V 210 E. 4.4.1.4).
5.2
Vorliegend erweist sich der medizinische Sachverhalt in Bezug auf die Beur
teilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht, im Verlauf, aber auch im Verfügungszei
tpunkt als ungenügend abgeklärt
(vor
stehend
E. 4.
2.
1 und E. 4.
2.
2).
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie eine
entsprechende
medizinische
(psychiatrischen)
Abklärung unter Berücksichtigung der aktuellen Rec
htsprechung und
gegenenfalls
eine
Abklärung der Statusfrage
vornimmt, und
anschliessend
mit rechtskonformer
Invaliditätsgradbemessung über den
Leis
tung
s
anspruch erneut entscheidet
.
Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen.
6
.
6
.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art.
69 Abs. 1
bis
IVG sind
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 -
1'000
Franken festzulegen
und vorliegend auf Fr. 7
00.-- festzusetzen.
Diese sind a
usgangsgemäss der Beschwerdegegnerin auf
zuerlegen.
Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung (Urk. 1 S. 2) erweist sich damit als gegenstandslos.
6
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine
Prozessentschädigung hat.
Diese wird
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
)
.
Der mit
Honorarn
ote vom 16
.
April 2019
(Urk.
11
)
geltend gemachte Aufwand von 10.6 Stunden (zuzüglich Barauslagen von Fr. 95.40) erscheint gerade noch gerechtfertigt, so dass die Prozessentschädigung
auf Fr.
2’622
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) fest
zu
setzen
ist
.
D
as Gesuch der Beschwerdeführerin
um
Bestellung einer unentgeltlichen
Rechts
vertretung v
om 8. September
2017 (Urk. 1 S. 2 und S. 4
)
ist
damit
ebenfalls
gegenstandslos.