Decision ID: f8b040dc-4e8e-4053-a0ba-bb04623c66ef
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 8. Abteilung, vom 29. Oktober 2020 (DG190357)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 2. Dezember
2019 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. DS1/63/11).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 95 S. 93 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB
− der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in  mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. a, Abs. 2 und Abs. 5 VRV sowie Art. 22 Abs. 1 SSV.
2. Vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung i.S.v. Art. 122 in Verbindung mit
Art. 22 StGB wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 16 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute
51 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen
à Fr. 100.00 und einer Busse von Fr. 300.00.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfrei-
heitsstrafe von 3 Tagen.
6. Die folgenden von der Stadtpolizei Zürich am 18. April 2018 sichergestellten Gegenstände
werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen
ausgehändigt:
− 1 Mobiltelefon iPhone (Asservat-Nr. A011'412'296)
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− 1 Paar Schuhe Nike schwarz / weiss (Asservat-Nr. A011'412'309)
− 1 Paar Schuhe Nike weiss (Asservat-Nr. A011'424'172).
Beantragt der Beschuldigte nicht innert einer Frist von 3 Monaten ab Rechtskraft dieses
Urteils die Herausgabe der genannten Gegenstände, so wird Verzicht angenommen und die
Gegenstände der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
7. Der Beschuldigte wird unter solidarischer Haftung mit dem Beschuldigten E._
(DG190356) verpflichtet, dem Privatkläger A._ Schadenersatz von Fr. 19'420.15 zu-
züglich 5 % Zins ab 1. Februar 2019 zu bezahlen.
8. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger A._ aus dem
eingeklagten Ereignis für allfälligen weiteren Schaden dem Grundsatze nach schadener-
satzpflichtig ist.
9. Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers B._ wird abgewiesen.
10. Der Beschuldigte wird unter solidarischer Haftung mit dem Beschuldigten E._
(DG190356) verpflichtet, dem Privatkläger A._ Fr. 20'000.– zuzüglich 5 % Zins ab
16. April 2018 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren
abgewiesen.
11. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers B._ wird abgewiesen.
12. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 4'498.25 Gebühr für das Vorverfahren (nach Abzug a.V.);
Fr. 2'774.05 amtliche Verteidigung.
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers A._,
werden dem Beschuldigten auferlegt.
14. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-
ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
15. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers A._ werden definitiv auf
die Gerichtskasse genommen. Über die Höhe der Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertre-
tung wird mit separatem Beschluss entschieden.
16. (Mitteilungen.)
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17. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 8 ff.)
a) Der Vertreterin des Privatklägers 1 (A._):
(Urk. 98; Urk. 143 S. 1, sinngemäss)
1. Dispositiv-Ziff. 1 und 2 seien aufzuheben und der Beschuldigte C._ sei
zusätzlich zum erstinstanzlichen Schuldspruch wegen Angriffs und grober
Verletzung der Verkehrsregeln auch der vollendeten schweren Körperver-
letzung im Sinne von Art. 122 StGB schuldig zu sprechen.
Eventuell sei der Beschuldigte der versuchten schweren Körperverletzung
im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und des
Angriffs schuldig zu sprechen.
Subeventuell sei der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung im Sinne
von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB
schuldig zu sprechen.
2. Dispositiv-Ziff. 3 und 4 seien aufzuheben und der Beschuldigte sei gemäss
dem von der Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift gestellten Antrag bzw.
nach Ermessen des Obergerichts zu bestrafen.
3. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Dispositiv-Ziff. 7 und 8 (Scha-
denersatz) sowie 10 (Genugtuung) des vorinstanzlichen Urteils in Rechts-
kraft erwachsen sind.
4. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.
5. Die Vertreterin des Privatklägers 1 sei für ihre Bemühungen als unentgeltli-
che Rechtsvertreterin gemäss eingereichter Aufwandaufstellung aus der
Staatskasse zu entschädigen.
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b) Des Vertreters des Privatklägers 2 (B._):
(Urk. 103; Urk. 145 S. 1 f., teilweise sinngemäss)
1. Dispositiv-Ziff. 2 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und der Be-
schuldigte C._ sei der versuchten eventualvorsätzlichen Tötung im Sin-
ne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu
sprechen (im Sinne einer Mittäterschaft).
Eventuell sei auf schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB zu
erkennen (alles zusätzlich zur Verurteilung wegen Angriffs sowie grober Ver-
letzung der Verkehrsregeln nach Dispositiv-Ziff. 1).
2. Dispositiv-Ziff. 3 und 4 seien aufzuheben und es sei eine Verschärfung der
Strafe vorzunehmen, nach dem Ermessen des Gerichts.
3. Dispositiv-Ziff. 11 sei aufzuheben und der Beschuldigte sei zu verurteilen,
dem Privatkläger 2 Fr. 15'000.– als Genugtuung zu bezahlen, unter solidari-
scher Haftung mit den Mitbeschuldigten D._ und E._.
4. Vorsorglicher prozessualer Antrag: Sollte nach Auffassung des Obergerichts
die Anklageschrift nicht genügen, um den Beschuldigten und die Mitbe-
schuldigten D._ sowie E._ als Mittäter zu bestrafen, sei der
Staatsanwaltschaft Gelegenheit zur Änderung bzw. Erweiterung der Ankla-
geschrift zu geben (Art. 333 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 379 StPO).
5. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen und der un-
entgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers 2 sei für seine Bemühungen
gemäss den eingereichten Honorarnoten zu entschädigen.
c) Der Verteidigung des Beschuldigten C._:
(Urk. 148 S. 2, teilweise sinngemäss)
1. Die Berufungen der Privatkläger 1 und 2 seien vollumfänglich abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist, und das vorinstanzliche Urteil sei zu bestäti-
gen.
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2. Die vorsorglichen prozessualen Anträge der Privatkläger 1 und 2 um Rück-
weisung der Anklage seien abzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) gemäss dem Aus-
gang des Verfahrens.
d) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 107 sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
I. Einleitung und Verfahrensgang
1. Einleitung
Am 16. April 2018 kam es im F._-Quartier in Zürich zu einer gewalttätigen
Auseinandersetzung, an der auf der einen Seite C._, sein Bruder E._
und D._ sowie auf der anderen Seite A._ (nachfolgend Privatkläger 1)
und B._ (nachfolgend: Privatkläger 2) beteiligt waren. Als Folge davon erlitt
A._ ernsthafte Verletzungen, während B._ leichtere Blessuren davon-
trug (vgl. Urk. DS1/1/1).
2. Verfahrensgang
2.1. Anschliessend wurde gegen den Beschuldigten im vorliegenden Verfahren,
C._, sowie gegen die Mitbeschuldigten E._ und D._ eine Strafun-
tersuchung eröffnet, nach deren Durchführung die Staatsanwaltschaft I des Kan-
tons Zürich am 2. Dezember 2019 hinsichtlich der untersuchten Tatvorwürfe zum
Nachteil der Privatkläger 1 und 2 beim Bezirksgericht Zürich drei separate Ankla-
gen erhob (Urk. DS1/63/10-12).
2.2. Fortan führte die 8. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich den Strafprozess
gegen den Beschuldigten parallel zu denjenigen gegen die Mitbeschuldigten
E._ und D._. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann in Bezug auf
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den Verfahrensverlauf vor erster Instanz auf die entsprechenden Erwägungen im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 95 S. 6 f.). Am 29. Oktober
2020 fällte die Vorinstanz – zeitgleich wie in den Verfahren betreffend die Mitbe-
schuldigten E._ und D._ – das eingangs im Dispositiv wiedergegebene
Urteil, gemäss welchem der Beschuldigte des Angriffs und der groben Verkehrs-
regelverletzung schuldig gesprochen wurde, während hinsichtlich des Vorwurfs
der versuchten schweren Körperverletzung ein Freispruch erging (Prot. I S. 26).
2.3. Gegen den am 30. Oktober 2020 mündlich eröffneten Entscheid der Vor-
instanz erhoben sowohl der Privatkläger 2 mit Eingabe vom 6. November 2020
wie auch der Privatkläger 1 mit Eingabe vom 9. November 2020 rechtzeitig Beru-
fung (Prot. I S. 27 ff.; Urk. 90 f.). Nach Erhalt des begründeten Urteils reichten
beide Privatkläger am 12. März 2021 bzw. am 15. März 2021 sodann fristgerecht
ihre Berufungserklärungen ein (Urk. 98; Urk. 101). Demgegenüber verzichteten
die Staatsanwaltschaft und der Beschuldigte auf das Erheben einer Anschlussbe-
rufung (Urk. 107; Urk. 111). Da in den geführten Parallelverfahren ebenfalls
Rechtsmittel erhoben wurden, sind wie vor erster Instanz daraufhin neben dem
hier zu beurteilenden Berufungsverfahren zwei weitere Berufungsverfahren be-
treffend die Mitbeschuldigten E._ und D._ angelegt worden (Geschäfts-
Nr. SB210149-O und SB210150-O).
2.4. Aufforderungsgemäss reichte die Verteidigung am 17. Mai 2021 das Da-
tenblatt über die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten ein (Urk. 117). Mit
Eingabe vom 1. Februar 2022 beantragte der Beschuldigte sodann die Umwand-
lung seiner erbetenen Verteidigung in eine amtliche (Urk. 123), welchem Gesuch
der Präsident der erkennenden Kammer mit Verfügung vom 3. Februar 2022 ent-
sprochen hat (Urk. 125). In der Folge wurden die Parteien auf den 12. Mai 2022
zur Berufungsverhandlung vorgeladen, unter zeitgleicher Ansetzung der Verhand-
lungstermine in den Parallelverfahren in Sachen E._ und D._ (Urk. 121).
Ebenfalls wurden die Akten der genannten Parallelverfahren formell beigezogen
(Urk. 129).
2.5. Auf entsprechende Gesuche hin wurden beide Privatkläger vom persön-
lichen Erscheinen an der Berufungsverhandlung dispensiert (Urk. 127; Urk. 129;
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Urk. 139 f.). Am 20. April 2022 ging eine "Vorabeingabe" der Vertreterin des Pri-
vatklägers 1 mit Ausführungen zur Sache hierorts ein, welche den Parteien um-
gehend zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (Urk. 134).
2.6. Zur heutigen Berufungsverhandlung sind der Beschuldigte in Begleitung
seines amtlichen Verteidigers, die jeweiligen Rechtsvertreter der beiden Privat-
kläger 1 und 2 sowie der Vertreter der Staatsanwaltschaft erschienen. Ebenso
nahmen die Mitbeschuldigten E._ und D._ zusammen mit ihren Vertei-
digern an der Verhandlung teil (Prot. II S. 8 ff.).
II. Prozessuales
1. Vorbemerkung
Bereits an dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende Instanz
nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen respektive jedes
einzelne Vorbringen widerlegen muss. Die Berufungsinstanz kann sich bei der
Entscheidfindung daher auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte be-
schränken (vgl. BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; Urteil 1B_242/2020 vom 2. September
2020 E. 2.2).
2. Anklageergänzung
2.1. Beide Privatklägervertreter erachten den Beschuldigten insbesondere als
Mittäter des Mitbeschuldigten E._ und beantragen vor diesem Hintergrund
eine (zusätzliche) Verurteilung wegen vollendeter schwerer Körperverletzung res-
pektive versuchter vorsätzlicher Tötung (Urk. 143 S. 1 ff.; Urk. 145 S. 1 und S. 3
f.). Der Vertreter des Privatklägers 2 macht darüber hinaus geltend, es bestehe
auch ein mittäterschaftliches Tatvorgehen zwischen dem Beschuldigten sowie
dem Mitbeschuldigten D._.
Zwar stellen sich die Vertreter der Privatkläger auf den Standpunkt, die Anklage
umschreibe nicht nur die Mittäterschaft genügend, sondern auch die notwendigen
Tatbestandselemente der vollendeten schweren Körperverletzung bzw. der
versuchten Tötung. Sofern die Anklageschrift für eine Bestrafung als Mittäter nach
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Ansicht des Gerichts nicht genüge, stellen beide Privatklägervertreter den "vor-
sorglichen" Antrag, die Anklage gegen den Beschuldigten sei an die Staatsan-
waltschaft zurückzuweisen, respektive sei dieser gestützt auf Art. 333 Abs. 1
StPO Gelegenheit zur Änderung und Ergänzung der Anklage einzuräumen. Wür-
de von einem solchen Mangel der Anklage ausgegangen werden, müsse das Ge-
richt der Staatsanwaltschaft eine entsprechende Möglichkeit zur Anklageergän-
zung einräumen (Urk. 99; Urk. 103; Urk. 134 S. 3; Urk. 143 S. 1 ff.; Urk. 145 S. 2).
2.2. Die Verteidigung bringt dagegen sinngemäss vor, eine Ergänzung der
Anklage bezüglich der geltend gemachten Mittäterschaft falle nicht in den Anwen-
dungsbereich von Art. 333 Abs. 1 StPO, da dem Beschuldigten ansonsten zusätz-
liche gravierende Handlungen zugerechnet würden, gegen welche er sich bis da-
hin nicht zu verteidigen hatte. Der Anklagesachverhalt würde in einer solchen
Konstellation letztlich grundlegend geändert werden, weshalb eine Rückweisung
bzw. Ergänzung der Anklage nicht in Frage komme (Urk. 148 N 29 ff.). Weiter
mangle es vorliegend auch an einem gemeinsamen Tatentschluss sowie dem
Vorsatz des Beschuldigten, allfällige Fusstritte des Mitbeschuldigten E._ zu
billigen (Urk. 148 N 36 ff.).
2.3. Die Staatsanwaltschaft nahm anlässlich der Berufungsverhandlung zur
Frage der mittäterschaftlichen Tatbegehung Stellung und führte aus, der Beschul-
digte und sein Bruder hätten vorliegend nicht minutenlang wechselseitig auf den
Privatkläger 1 eingewirkt, weshalb im Unterschied zu anderen Angriffskonstellati-
onen nur ein sehr kurzes Tatgeschehen vorliege. Es habe diesbezüglich nicht
nachgewiesen werden können, dass der Beschuldigte in dieser kurzen Zeit über-
haupt bemerkt habe, dass der Mitbeschuldigte E._ auch zugetreten habe.
Der Nachweis von Mittäterschaft sei in der vorliegend vorzunehmenden Einzel-
fallbetrachtung nicht möglich und eine diesbezügliche Anklage nicht angezeigt.
Die Formulierung in der Anklage, wonach beiden Brüder jeweils gesehen hätten,
dass der andere geschlagen habe, sei einzig hinsichtlich der notwendigen Um-
schreibung des Tatbestands des Angriffs erfolgt. Ansonsten müsse bei jeder An-
klage wegen Angriffs unbesehen der konkreten Umstände immer auch Mittäter-
schaft für ein Körperverletzungsdelikt eingeklagt werden (Prot. II S. 17).
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2.4. Das Sachgericht hat in der Regel nur darüber zu urteilen, ob die beschul-
digte Person im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen ist. Gemäss Art. 333
Abs. 1 StPO kann der Staatsanwaltschaft jedoch Gelegenheit eingeräumt werden,
die Anklage zu ändern, wenn nach Auffassung des Gerichts der darin umschrie-
bene Sachverhalt einen andern Straftatbestand erfüllen könnte, die Anklageschrift
aber den gesetzlichen Anforderungen nicht entspricht. Mit dieser Durchbrechung
des Immutabilitätsprinzips sollen primär ungerechtfertigte Freisprüche vermieden
werden. Demgegenüber ist die nicht zur Unparteilichkeit verpflichtete Privatklä-
gerschaft grundsätzlich legitimiert, bei einer ihrer Ansicht nach ungenügenden
Anklage ihren Strafanspruch gemäss Art. 119 Abs. 2 lit. a StPO auch mittels eines
Antrags auf Ergänzung der Anklage im Sinne einer härteren rechtlichen Qualifika-
tion durchzusetzen (zum Ganzen: Urteil 6B_1404/2020 vom 17. Januar 2022
E. 2.6.3 und E. 2.6.7 f.). Vorliegend erscheint eine Ergänzung der Anklage jedoch
aus verschiedenen Gründen nicht angezeigt.
2.5. Ausgangspunkt der Beurteilung der prozessualen Begehren der Privat-
klägerschaft bildet die Anklageschrift, die sich in drei Teile gliedert. In einem ers-
ten Abschnitt werden die Geschehnisse aufgeführt, die dem eingeklagten gewalt-
samen Vorfall vorausgingen, indem umschrieben wird, wie der Privatkläger 1 im
Club "G._" mit dem Mitbeschuldigten D._, der zusammen mit dem Be-
schuldigten und dessen Bruder E._ an einer Geburtstagsfeier im Freundes-
kreis teilgenommen hat, einen kurzen verbalen Disput gehabt habe
(Urk. DS1/63/11 S. 2). Die Staatsanwaltschaft hat zu diesem Anklageteil erklärt,
sie habe damit einzig darlegen wollen, dass bei der nachfolgenden tätlichen Aus-
einandersetzung nicht etwa Personen aufeinandergetroffen seien, die sich zuvor
nie begegnet seien, sondern dass es zwischen den Beteiligten eine kleinere Vor-
geschichte gegeben habe (vgl. Urk. 72 S. 2 in Beizugsakten SB210150-O). Ein
strafrechtlich relevanter Vorwurf lässt sich aus diesen einleitenden Ausführungen
nicht ableiten. Im folgenden zweiten Abschnitt befasst sich die Anklageschrift aus-
führlich mit dem eigentlichen Kerngeschehen. Namentlich wird der tätliche Über-
griff des Beschuldigten sowie des Mitbeschuldigten E._ auf den Privatkläger
1 beschrieben, samt den seitens des Privatklägers 1 dabei erlittenen Verletzun-
gen (Urk. DS1/63/11 S. 2 ff.). Der dritte Abschnitt des Anklagesachverhalts be-
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schreibt die parallel dazu stattfindende tätliche Auseinandersetzung zwischen
dem Mitbeschuldigten D._ und dem Privatkläger 2. Letzterer war mit dem
Privatkläger 1 unterwegs gewesen (Urk. DS1/63/11 S. 5).
Zwischen diesen beiden letztgenannten Sachverhaltsabschnitten besteht keine
sachliche Verknüpfung, was sich schon daran zeigt, dass die Staatsanwaltschaft
den Mitbeschuldigten D._ im zweiten Sachverhaltsabschnitt mit keinem Wort
erwähnt, während im dritten Sachverhaltsabschnitt weder der Beschuldigte noch
der Mitbeschuldigte E._ oder der Privatkläger 1 überhaupt Erwähnung fin-
den. Der fehlende Konnex wird typografisch dadurch hervorgehoben, dass der
dritte Sachverhaltsabschnitt betreffend den Mitbeschuldigten D._ im Unter-
schied zu den übrigen Teilen in kursiver Schrift abgefasst und innerhalb von ecki-
gen Klammern gesetzt ist Urk. DS1/63/11 S. 5). Unter diesen Umständen ist of-
fensichtlich, dass der Anklagevorhalt nur so verstanden werden kann, dass sich
der Beschuldigte einzig für sein Vorgehen gegen den Privatkläger 1 strafrechtlich
verantworten muss, während er für das Verhalten des Mitbeschuldigten D._
gegenüber dem Privatkläger 2 nicht einzustehen hat. Bezeichnenderweise hat
sich denn auch die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid mit keinem Wort zum
Sachverhaltskomplex geäussert, der den Mitbeschuldigten D._ und den Pri-
vatkläger 2 betrifft. Auch der Vertreter des Privatklägers 2 sah bis zum Beru-
fungsverfahren keine Veranlassung, von einer Mittäterschaft zwischen allen drei
Mitbeschuldigten auszugehen. Vielmehr beantragte er anlässlich der vorinstanzli-
chen Hauptverhandlung eine anklagegemässe Verurteilung des Mitbeschuldigten
D._, wobei die diesbezügliche Anklage gerade nicht von Mittäterschaft aus-
geht (Urk. 78; Urk. DS1/63/12).
2.6. In diesem Zusammenhang erstaunt einzig, weshalb der Privatkläger 2,
welcher gemäss dem zu beurteilenden Anklagesachverhalt in keiner Weise tan-
giert wird, im vorliegenden Verfahren gegen den Beschuldigten seitens der
Staatsanwaltschaft überhaupt formell als Privatkläger zugelassen worden war
(Urk. DS1/63/8). Aus diesem Umstand kann jedoch nichts Sachdienliches bezüg-
lich einer möglichen Teilnahmehandlung abgeleitet werden. Vielmehr ist an dieser
Stelle festzuhalten, dass das Gericht die Staatsanwaltschaft nicht zur Änderung
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oder Erweiterung einer Anklage im Sinne von Art. 333 Abs. 1 StPO verpflichten,
sondern ihr lediglich die Gelegenheit für eine solche Ergänzung einräumen kann
(Zürcher Kommentar StPO-GRIESSER, 3. Aufl. 2020, Art. 333 N 6; SCHMID/
JOSITSCH, Praxiskommentar StPO, 3. Aufl. 2018, Art. 333 N 3; BSK StPO-
STEPHENSON/ZALUNARDO-WALSER, Art. 333 N 7; s.a. Urteil 6B_787/2020 vom
21. Juli 2021 E. 2.3.2). Dass die Staatsanwaltschaft von einer solchen Möglichkeit
nicht Gebrauch machen würde, hat sie anlässlich der Berufungsverhandlung
unmissverständlich zum Ausdruck gebracht (Prot. II S. 17). Da der Grundsatz der
Gewaltentrennung es verbietet, dass das Gericht der Staatsanwaltschaft in einem
solchen Fall bindende Anweisungen erteilt, steht eine Anklageergänzung bereits
vor diesem Hintergrund grundsätzlich (mehr) nicht zur Diskussion.
2.7. Die Staatsanwaltschaft hat anlässlich der Berufungsverhandlung zutreffend
dargelegt, weshalb in vorliegender Konstellation und unter Berücksichtigung der
gegebenen Beweislage bei keinem der angeklagten Beschuldigten eine Teilnah-
me in Form von Mittäterschaft in Frage kommt (vgl. vorstehend E. II.2.3.; Prot. II
S. 17). So steht eine direkte tätliche Einwirkung der Beschuldigten C._ und
E._ auf den Privatkläger 2 in tatsächlicher Hinsicht ebenso wenig zur Dis-
kussion wie ein Übergriff des Mitbeschuldigten D._ auf den Privatkläger 1.
Die Beschuldigten C._ und E._ sagten übereinstimmend aus, dass sie
sich ab Beginn der tätlichen Auseinandersetzung nur noch auf den Privatkläger 1
konzentriert hätten, weshalb sie in der Folge weder dem Privatkläger 2 noch dem
Mitbeschuldigten D._ irgendwelche Beachtung geschenkt hätten (Urk.
DS1/3/3 S. 6; Urk. DS1/3/6 S. 3; Urk. DS1/3/7 S. 3 ff.). Damit korrespondierend
konnte auch der Privatkläger 1 lediglich Angaben darüber machen, dass der Pri-
vatkläger 2 ebenfalls verprügelt worden sei, er jedoch nicht weiter wahr-
genommen habe, was mit diesem passiert sei (Urk. DS1/5/2 S. 3; Urk. DS1/5/4
S. 9). Kommt hinzu, dass der Mitbeschuldigte E._ einräumte, dass er derje-
nige gewesen sei, welcher die eingeklagten Feindseligkeiten mit einem Faust-
schlag auf den Privatkläger 1 eröffnet habe (Urk. DS1/3/3 S. 3; Urk. DS1/3/6 S.
2). Daraus muss abgeleitet werden, dass die tätliche Konfrontation mit dem
Privatkläger 1 – wenn auch nur für einen kurzen Moment – zeitlich vor derjenigen
zwischen dem Mitbeschuldigten D._ und dem Privatkläger 2 begonnen hatte.
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Dies stützt die Sachdarstellung des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten
E._ zusätzlich, wonach beide von der Schlägerei, welche den Privatkläger 2
betraf, nichts mitbekommen hätten, wobei umgekehrt auch der Mitbeschuldigte
D._ stets angab, dass er nichts davon gesehen habe, wie die Gebrüder
C._ E._ auf den Privatkläger 1 eingeschlagen hätten, da sie sich hinter
seinem Rücken befunden hätten (Urk. DS1/3/5 S. 5; Urk. DS1/3/8 S. 7;
Urk. DS1/3/9 S. 8; Urk. 98 S. 4 f.). Die vorhandenen Beweismittel, insbesondere
die durchgeführten Einvernahmen, lassen also den Schluss nicht zu, dass der
Beschuldigte in irgend einer Art und Weise massgeblich am Vorgehen gegen den
Privatkläger 2 mitgewirkt hätte. Auch wenn davon auszugehen ist, dass sich die
gewalttätigen Übergriffe auf die beiden Privatkläger nicht gänzlich losgelöst von-
einander abspielten, verbleiben mithin mehr als theoretische Zweifel daran, dass
der Beschuldigte und sein Bruder mit dem Mitbeschuldigten D._ im Sinne ei-
nes koordinierten Vorsatzes zusammengewirkt hätten, als Letzterer auf den Pri-
vatkläger 2 einschlug. Bei dieser Sachlage könnte folglich die Annahme von Mittä-
terschaft des Beschuldigten und des Mitbeschuldigten D._ einer sachver-
haltsmässigen Beurteilung ohnehin nicht Stand halten. Gleiches hat bezüglich der
geltend gemachten Mittäterschaft zwischen dem Beschuldigten und dem Mitbe-
schuldigten E._ zu gelten. Es kann hierzu auf die entsprechenden materiel-
len Erwägungen im Schuldpunkt verwiesen werden (vgl. nachfolgend E. III.6.3.
und E. IV.2.).
2.8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein Vorgehen nach Art. 333
Abs. 1 StPO vorliegend letztlich nur zu einem formalistischen Leerlauf führen
würde, welcher weder sachlich gerechtfertigt ist noch prozessual vertretbar wäre.
Die entsprechenden Anträge der Privatkläger sind daher abzuweisen.
3. Berufungsanträge des Privatklägers 2
3.1. Der Vertreter des Privatklägers 2 beantragt, der Beschuldigte sei zusätzlich
zum Schuldspruch wegen Angriffs als Mittäter der versuchten eventualvorsätz-
lichen Tötung, eventualiter der schweren Körperverletzung schuldig zu sprechen
(Urk. 145 S. 1 f.).
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3.2. Wie zuvor im Rahmen der Erwägungen zur Frage der Anklageergänzung
dargelegt, bestehen bezüglich des Übergriffs auf die Privatkläger keine Hinweise
auf eine mögliche Teilnahme des Beschuldigten in Form von Mittäterschaft. Der
Beschuldigte wirkte gemäss verbindlichem Anklagesachverhalt denn insbesonde-
re auch in keiner Weise auf den Privatkläger 2 ein (Urk. DS1/63/11 S. 2 ff.). Ob-
wohl er formell als Straf- und Zivilkläger zugelassen wurde, kommt dem Privatklä-
ger 2 in vorliegendem Verfahren daher faktisch keine Geschädigtenstellung zu.
Vor diesem Hintergrund vermag der Privatkläger 2 nicht darzutun, dass er ge-
mäss Art. 382 Abs. 1 StPO ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung
oder Änderung des vorinstanzlichen Schuldspruchs des Beschuldigten hat, wes-
halb er nicht legitimiert ist, das vorinstanzliche Urteil anzufechten (s.a. Zürcher
Kommentar StPO-LIEBER, 3. Aufl. 2020, Art. 382 N 1 f. und N 7). Auf die Berufung
des Privatklägers 2 ist daher nicht einzutreten.
4. Umfang der Berufung
4.1. Der Privatkläger 1 ficht den vorinstanzlichen Freispruch vom Vorwurf der
versuchten schweren Körperverletzung an und beantragt zusätzlich zur Verurtei-
lung wegen Angriffs und grober Verkehrsregelverletzung eine Verurteilung des
Beschuldigten wegen vollendeter schwerer Körperverletzung (Urk. 143 S. 1).
Grundsätzlich ist der Privatkläger 1 nicht legitimiert, sich konkret zum Strafmass
zu äussern (Art. 382 Abs. 2 StPO). Als einzig appellierende Partei kann er mit der
Anfechtung des erstinstanzlichen Freispruchs jedoch insoweit auch eine Ände-
rung des Strafmasses beantragen (Zürcher Kommentar StPO-LIEBER, 3. Aufl.
2020, Art. 382 N 17 m.H.a. BGE 139 IV 84). Insofern kann dem Antrag der Ver-
teidigung nicht gefolgt werden, wonach auf die Berufung hinsichtlich des Straf-
punkts nicht einzutreten sei (Urk. 111; Urk. 148 S. 2). Daher hat nebst dem ange-
fochtenen Freispruch (Dispositiv-Ziff. 2) auch die Sanktion (Dispositiv-Ziff. 3-5) als
angefochten zu gelten. Die weiteren Punkte des vorinstanzlichen Urteils wurden
durch den Privatkläger 1 nicht mehr beanstandet (vgl. Urk. 143).
4.2. Nachdem auf die Berufung des Privatklägers 2 nicht eingetreten wurde, ist
die vorinstanzliche Abweisung seiner Zivilansprüche nicht mehr Gegenstand des
Berufungsverfahrens. Es ist demnach festzustellen, dass das Urteil der Vo-
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rinstanz bezüglich Dispositiv-Ziff. 1 (Schuldspruch wegen Angriffs und grober
Verkehrsregelverletzung), Dispositiv-Ziff. 6 (Herausgabe beschlagnahmte Gegen-
stände), Dispositiv-Ziff. 7 bis 11 (Regelung der Zivilansprüche der Privatkläger 1
und 2) sowie Dispositiv-Ziff. 12-15 (Kostendispositiv samt Entschädigungen der
amtlichen Verteidigung und unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft) in
Rechtskraft erwachsen ist und nicht mehr zur Disposition steht (vgl. Prot. II S. 12;
Art. 402 StPO; BSK StPO-EUGSTER, 2. Aufl. 2014, Art. 399 N 5 und Art. 402 N 2).
In den angefochtenen Punkten ist neu zu entscheiden (Art. 404 Abs. 1 StPO).
III. Sachverhalt
1. Ausgangslage und Parteistandpunkte
1.1. Einleitend ist darauf hinzuweisen, dass der vorinstanzliche Schuldspruch
wegen grober Verkehrsregelverletzung aufgrund einer Autofahrt vom 25. März
2018 mit überhöhter Geschwindigkeit unangefochten blieb und somit nicht mehr
Gegenstand des Berufungsverfahrens bildet (Urk. 95 S. 73).
1.2. Soweit für die Berufungsinstanz noch relevant, wird dem Beschuldigten
gemäss Anklagedossier 1 zusammengefasst vorgeworfen, am frühen Morgen des
16. April 2018 gemeinsam mit den Mitbeschuldigten E._ (seinem Bruder) und
D._ im Eingangsbereich der Coop-Filiale an der H._-strasse in Zürich
auf die Privatkläger 1 und 2 getroffen zu sein. Im weiteren Verlauf sei der Be-
schuldigte dann mit mindestens zwei Faustschlägen gegen den Kopf auf den Pri-
vatkläger 1 losgegangen, wobei der Beschuldigte gewusst habe, dass gleichzeitig
auch der Mitbeschuldigte E._ auf den Privatkläger 1 eingeschlagen habe.
Der Privatkläger 1 sei zu Boden gesunken. Als sich der Privatkläger 1 am Boden
befunden habe, habe ihm der Beschuldigte zudem mindestens einen Fusstritt ge-
gen den Kopf versetzt. Der gewaltsame Übergriff habe beim Privatkläger 1 unter
anderem einen doppelten Kieferbruch, eine Hirnerschütterung, diverse Blutergüs-
se, Hauteinblutungen und Oberhautabschürfungen sowie eine posttraumatische
Belastungsstörung verursacht, deren Folgen teilweise bis heute andauern würden
(Urk. DS1/63/11 S. 2 ff.).
- 16 -
1.3. Die Vorinstanz sah den eingeklagten Sachverhalt mit Ausnahme des Fuss-
tritts gegen den Kopf des Privatklägers 1 als rechtsgenügend erstellt an. Bezüg-
lich des angeblichen Fusstritts hielten die Vorderrichter im Wesentlichen fest, der
Beschuldigte werde diesbezüglich allein von den vagen und teilweise wider-
sprüchlichen Aussagen der Privatkläger belastet, weshalb erhebliche und un-
überwindbare Zweifel daran bestünden, dass der Beschuldigte den Privatkläger 1
auch gegen den Kopf getreten habe (Urk. 95 S. 60 ff.).
1.4. Die Vertreterin des Privatklägers 1 erachtet die vorinstanzliche Sach-
verhaltsfeststellung als willkürlich. Dabei wird insbesondere moniert, der festzu-
stellende Sachverhalt umfasse nicht nur die Faustschläge und den Fusstritt gegen
den Kopf des Privatklägers 1, sondern auch allfällige Fusstritte gegen dessen
Körper. Selbst wenn ein Fusstritt gegen den Kopf nicht erstellt werden könne, dür-
fe daraus nicht geschlossen werden, dass der Beschuldigte überhaupt nicht ge-
gen den Privatkläger 1 getreten habe. Hierzu – so die Privatklägervertreterin wei-
ter – habe sich die Vorinstanz nicht geäussert (Urk. 134 S. 12 ff.; Urk. 143 S. 6
ff.).
1.5. Der Beschuldigte hat im bisherigen Verlauf des Verfahrens anerkannt,
gegenüber dem Privatkläger 1 körperliche Gewalt angewendet, mithin Faust-
schläge ausgeteilt zu haben. Von ihm in Abrede gestellt wird allerdings, dass er
den Privatkläger 1 mit dem Fuss gegen den Kopf getreten haben soll. Im Übrigen
macht der Beschuldigte geltend, dass die Konfrontation mit den beiden Privat-
klägern deshalb überbordet sei, weil er zuvor vom Privatkläger 1 beleidigt und
bedroht worden sei (Urk. DS1/3/7 S. 5; Urk. DS1/3/8 S. 7 f.).
Auch die Verteidigung hält dafür, dass der Beschuldigte den Privatkläger 1 weder
gegen den Kopf noch den Rumpf getreten habe und solches auch nicht erstellbar
sei. Sodann werde dem Beschuldigten im Anklagesachverhalt explizit ein Fusstritt
gegen den Kopf angelastet, weshalb ein allfälliger Tritt gegen den Rumpf ohnehin
nicht Prozessthema bilde und das Anklageprinzip einer solchen Sachverhalts-
erstellung entgegenstehen würde (Urk. 148 N 46 ff.).
- 17 -
2. Beweismittel und vorinstanzliche Beweiswürdigung
2.1. Die theoretischen Grundsätze der richterlichen Beweiswürdigung wurden
seitens der Vorinstanz zutreffend dargelegt, worauf an dieser Stelle in Anwen-
dung von Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen werden kann (Urk. 95 S. 16 f.). Zur
Verdeutlichung ist jedoch erneut hervorzuheben, dass das Gericht die Beweise
frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung würdigt
und anhand einer gewissenhaften Prüfung der vorliegenden Beweise darüber zu
entscheiden ist, ob eine Tatsache für bewiesen gilt (Art. 10 Abs. 2 StPO; BGE 144
IV 345 E. 2.2.3.1 m.H.). Als Beweiswürdigungsregel besagt der Grundsatz "in
dubio pro reo", dass sich das Strafgericht nicht von der Existenz eines für die be-
schuldigte Person ungünstigen Sachverhalts überzeugt erklären darf, wenn bei
objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen,
ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE 127 I 38 E. 2a m.H.).
2.2. Die Vorinstanz hat die Beweismittel, auf denen die Anklagevorwürfe gegen
den Beschuldigten basieren, vollständig aufgelistet und zutreffende Ausführungen
zu deren Verwertbarkeit gemacht (Urk. 95 S. 9 f. und S. 17 ff.). Wenn die Vertre-
terin des Privatklägers 1 in diesem Zusammenhang beanstandet, die Vorderrich-
ter hätten (zugunsten des Beschuldigten) polizeiliche Befragungen in die Beweis-
würdigung einbezogen, jedoch nicht von Amtes wegen für die volle Verwertbarkeit
der Aussagen der polizeilichen Auskunftsperson I._ gesorgt, so kann ihr
nicht gefolgt werden (Urk. 143 S. 7; Urk. DS1/6/3). Fakt ist, dass die Aussagen
der genannten Auskunftsperson mangels Konfrontation nicht zu Lasten des
Beschuldigten verwertbar sind, und die Staatsanwaltschaft das Anklagefunda-
ment auch ohne allfällige Belastungen dieser Person als genügend erachtete.
Auch die Vertreterin des Privatklägers 1 selber hat während des gesamten Ver-
fahrens keinen entsprechenden Beweisantrag gestellt. Im Übrigen hat die Aus-
kunftsperson zu Protokoll gegeben, dass sie ziemlich angetrunken gewesen sei
und nur gesehen habe, wie drei Personen auf einen Mann eingetreten hätten,
bzw. glaube sie, dass "gekickt" worden sei (Urk. DS1/6/3 S. 4). Vor diesem Hin-
tergrund erscheint der Beweiswert ihrer Aussagen in tatsächlicher Hinsicht ohne-
hin als fraglich.
- 18 -
2.3. Die Vorinstanz hat die Aussagen von sämtlichen beteiligten Personen in
Bezug auf die sachlich relevanten Inhalte umfassend und ausführlich wiederge-
geben und ist zum Ergebnis gelangt, dass ein Fusstritt des Beschuldigten gegen
den Kopf des Privatklägers 1 nicht erstellt werden kann. Auf diese zutreffenden
Erwägungen ist vorab zu verweisen (Urk. 95 S. 21 ff.). Auf die einzelnen Aussa-
gen und Beweismittel sowie deren Würdigung ist nachfolgend daher nur noch er-
gänzend bzw. konkretisierend einzugehen.
3. Vorgeschichte
3.1. Mit Bezug auf die Vorgeschichte, die zum eingeklagten Ereignis geführt
hat, ist unter Verweis auf die schlüssige und nachvollziehbare Begründung der
Vorinstanz als erstellt zu betrachten, dass es zunächst im Club "G._" zwi-
schen der Gruppe, zu der unter anderem die Gebrüder C._ E._ sowie
der Mitbeschuldigte D._ gehörten, und den Privatklägern 1 und 2 zu einem
verbalen Disput kam. Die Situation beruhigte sich anschliessend allerdings rasch
wieder und die Kontrahenten bewegten sich in unterschiedliche Richtungen weg.
Zu einem späteren Zeitpunkt kam es jedoch unbestrittenermassen in einem Ke-
babladen (gemeint wohl der "J._" an der Ecke F._-/K._strasse) zu
einer zufälligen Wiederbegegnung zwischen dem Beschuldigten und dem Mitbe-
schuldigten D._ einerseits sowie den beiden Privatklägern andererseits. Was
sich dort im Einzelnen zugetragen hat, lässt sich angesichts der diametral ausei-
nandergehenden Sachdarstellungen der Beteiligten im Nachhinein nicht mehr
restlos rekonstruieren. Jedenfalls sah sich der Beschuldigte in der Folge dazu
veranlasst, seinen Bruder E._ telefonisch herbeizurufen, worauf man
schliesslich im Bereich der nahegelegenen Coop-Filiale an der H._-/F._-
strasse erneut auf die Privatkläger traf und es zur anklagegegenständlichen Ge-
walteskalation kam (zum Ganzen: Urk. 96 S. 56 ff.).
3.2. Zwar kann der Verteidigung dahingehend beigepflichtet werden, dass ge-
walttätigen Auseinandersetzungen zwischen fremden Personen oft gegenseitige
Provokationen vorausgehen. Ebenso kann nicht in Abrede gestellt werden, dass
grössere Alkoholmengen, wie sie der Beschuldigte und die übrigen Beteiligten am
besagten Abend konsumiert haben dürften, im Allgemeinen geeignet sein können,
- 19 -
die Hemmschwelle für Konflikte beträchtlich zu senken (Urk. 83 S. 9 f.). Dass der
Beschuldigte anlässlich des erneuten Aufeinandertreffens im Kebabladen vom
Privatkläger 1 nicht nur angerempelt und verbal beleidigt worden sein soll, son-
dern dieser auch eine Todesdrohung unter Erwähnung eines Messers ausge-
sprochen habe, wie dies vom Beschuldigten als Auslöser der nochmaligen Kon-
frontation geltend gemacht wurde, findet in den Akten allerdings keinerlei Stütze
(Urk. DS1/3/4 S. 7; Urk. DS1/3/7 S. 2 f.). So ist es nicht nachvollziehbar, dass der
Beschuldigte aufgrund der angeblichen Drohungen der Privatkläger derart ver-
ängstigt gewesen sein soll, dass er seinen Bruder hätte anrufen müssen, um sich
von diesem beschützen zu lassen, er gleichzeitig gemäss Untersuchungsergebnis
den Privatklägern jedoch folgte, nachdem diese den Kebabladen verlassen hatten
(siehe dazu sogleich E.III.3.3.). Vielmehr wäre zu erwarten gewesen, dass der
Beschuldigte einer tatsächlich bestehenden Gefahr ausgewichen wäre respektive
sich zumindest so lange in Sicherheit begeben hätte, bis sein Bruder bei ihm ein-
getroffen wäre. Sodann will der Mitbeschuldigte D._, welcher zusammen mit
dem Beschuldigten im Kebabladen war, zwar bemerkt haben, dass die
Privatkläger seinen Begleiter in einer slawischen Sprache beleidigt hätten
(vgl. Urk. DS1/3/5 S. 3 und S. 6; Urk. DS1/3/8 S. 7). Eine Drohung oder gar die
auf Deutsch ausgesprochene Aussage "ich bring dich um", wie dies vom Be-
schuldigten ins Feld geführt wurde (vgl. Urk. DS1/3/4 S. 7; Urk. DS1/3/7 S. 2), hat
der Mitbeschuldigte D._ hingegen gerade nicht von sich aus erwähnt,
obschon er eine solche Äusserung bestimmt hätte hören müssen. Auf diesen
Widerspruch hat auch die Vertreterin des Privatklägers 1 hingewiesen (Prot. II
S. 25). Kommt hinzu, dass der Privatkläger 1, der slowakischer Staatsangehöriger
ist, die deutsche Sprache kaum beherrscht (Urk. DS1/5/4 S. 12), was eine derar-
tige Äusserung seinerseits noch unwahrscheinlicher macht. Schliesslich musste
der Beschuldigte letztlich einräumen, dass er nie ein Messer bei den Privatklägern
gesehen habe (Urk. DS1/3/4 S. 8), sodass auch vor diesem Hintergrund die von
ihm geltend gemachte Bedrohungssituation jeder Grundlage entbehrt und als rei-
ne Schutzbehauptung zu qualifizieren ist.
3.3. Für die Beurteilung des weiteren Geschehens unmittelbar vor dem Beginn
der tätlichen Auseinandersetzung sind die Aussagen von L._ von wesentli-
- 20 -
cher Bedeutung. Bei ihm handelt es sich um einen neutralen Augenzeugen, der in
der Nähe der anklagegegenständlichen Örtlichkeit arbeitete und den Übergriff auf
die Privatkläger zufällig mitverfolgen konnte. Die Verteidigung bringt hierzu sinn-
gemäss vor, die polizeilichen Aussagen des Zeugen seien nicht verwertbar, so-
fern dieser seine dort deponierten Aussagen nicht in eigenen Worten anlässlich
der Konfrontationseinvernahme vollständig wiederholt habe, da dem
Beschuldigten bei der Polizei noch kein Teilnahmerecht zugestanden sei
(Urk. 148 N 50; Prot. II S. 27). Dies trifft so nicht zu. Die Aussagen von nicht par-
teiöffentlichen polizeilichen Befragungen sind grundsätzlich verwertbar, sofern in
einem späteren Zeitpunkt eine Konfrontation erfolgt. Inwiefern die ursprünglichen
Aussagen anlässlich einer Konfrontationseinvernahme wiederholt werden, be-
schlägt daher nicht primär die Frage der prozessualen Verwertbarkeit, sondern
der Aussagewürdigung.
Bereits unmittelbar nach dem Vorfall vom 16. April 2018 erklärte der Zeuge ge-
genüber der Polizei, er habe gesehen, dass zwei Männer von der F._-
strasse in Richtung M._-Platz unterwegs gewesen und gleichzeitig sechs
oder sieben Personen von der N._-strasse her direkt auf die beiden Männer
losgegangen seien. Einzelne dieser Personengruppe hätten unvermittelt auf die
beiden Männer eingeschlagen (Urk. DS1/6/1 S. 1). Diese Sachdarstellung wie-
derholte der Zeuge schliesslich im Wesentlichen auch anlässlich seiner staatsan-
waltschaftlichen Einvernahme vom 30. Mai 2018, wobei er auf Nachfrage hin er-
läuterte, dass er keine Diskussion zwischen der Gruppe und den beiden Männern
mitbekommen habe. Vielmehr seien die Angreifer direkt auf die Opfer zugegan-
gen und hätten sie sogleich mit Faustschlägen und Fusstritten eingedeckt (Urk.
DS1/6/4 S. 3 ff.). Aus den vorstehend wiedergegebenen Aussagen des Augen-
zeugen, an denen zu zweifeln kein Anlass besteht, ergibt sich in aller Deutlichkeit,
dass es die Privatkläger waren, welche von der anderen Gruppe verfolgt wurden
und nicht umgekehrt. Zudem erhellt daraus zweifelsfrei, dass die Privatkläger,
unmittelbar nachdem sie sich umgedreht hatten, unvermittelt und ohne Vorwar-
nung von mehreren Personen aus der Gruppe körperlich angegriffen wurden, wo-
bei aufgrund der Personenbeschreibung des Zeugen kein Zweifel besteht, dass
der Beschuldigte sowie die Mitbeschuldigten E._ und D._ die fraglichen
- 21 -
Personen waren, welche zugeschlagen haben (vgl. Urk. DS1/6/2 S. 4, S. 6).
Selbst wenn also bei der vorherigen Begegnung im Kebabladen etwas vorgefallen
sein sollte, was der Beschuldigte als Provokation aufgefasst haben mag, liegt es
auf der Hand, dass er nicht aus Angst vor den Privatklägern seinen Bruder anrief,
sondern um sich für die bevorstehende Konfrontation mit ihnen Verstärkung zu
holen. Insofern kann auch für den Zeitpunkt unmittelbar vor Beginn der Gewalt-
anwendung nicht ansatzweise von einer Bedrohungslage für den Beschuldigten
gesprochen werden. Völlig zu Recht wird seitens der Verteidigung denn auch kei-
ne Notwehrsituation geltend gemacht.
4. Kernvorwurf
4.1. Was das eigentliche Kerngeschehen anbelangt, ist zunächst anzuführen,
dass der Beschuldigte im Verlaufe der Strafuntersuchung eingestanden hat,
mehrmals mit der Faust in das Gesicht des Privatklägers 1 geschlagen zu haben,
bis dieser zu Boden gegangen sei (vgl. Urk. DS1/3/4 S. 7; Urk. DS1/3/7 S. 5 ff.;
Urk. 71 S. 4). Zudem bestätigte der Beschuldigte, wahrgenommen zu haben,
dass neben ihm gleichzeitig auch der Mitbeschuldigte E._ dem Privatkläger 1
mehrere Faustschläge gegen den Kopf versetzt habe (Urk. DS1/3/7 S. 4 und
S. 6). Diese Zugaben decken sich mit dem übrigen Untersuchungsergebnis, na-
mentlich der Sachdarstellung der Privatklägerschaft und den Schilderungen des
Zeugen L._, weshalb der Anklagesachverhalt in diesem Umfang erstellt ist.
4.2. Umstritten ist hingegen, ob der Beschuldigte darüber hinaus mit dem Fuss
gegen den Kopf des sich bereits am Boden befindlichen Privatklägers 1 getreten
habe. In diesem Zusammenhang kann vorab auf die ausführliche, sorgfältige und
im Ergebnis überzeugende Beweiswürdigung der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 95 S. 60 ff.). Wie im angefochtenen Entscheid zu Recht erwogen, stützt sich
der entsprechende Vorwurf in erster Linie auf die Aussagen der beiden Privat-
kläger. Zwar erweist sich die Sachdarstellung der Privatkläger in vielen Punkten
keinesfalls als unglaubhaft. Gleichwohl lässt aufhorchen, dass der Privatkläger 1
einerseits aussagte, dass er sich nach seinem Sturz zu Boden die Hände
schützend vor das Gesicht gehalten und entsprechend über weite Strecken nicht
gesehen habe, von wem er Tritte erhalten habe (vgl. Urk. DS1/5/2 S. 4;
- 22 -
Urk. DS1/5/4 S. 7-9 und S. 15). Ergänzend fügte er an, das Gefühl zu haben,
zwischen den einzelnen Schlägen zeitweise in Ohnmacht gefallen zu sein
(vgl. Urk. DS1/5/2 S. 4; Urk. DS1/5/4 S. 4 f.). Andererseits will er sich dennoch
sicher sein, detailliert wahrgenommen zu haben, wie ihm der Beschuldigte mehre-
re wuchtige Fusstritte gegen den Kieferbereich versetzt habe, als er seitlich am
Boden gelegen sei (Urk. DS1/5/4 S. 7). In diesem entscheidenden Punkt kann
daher nicht auf die Belastungen des Privatklägers 1 abgestellt werden. Richtiger-
weise hat die Vorinstanz sodann darauf hingewiesen, dass die Aussagen des Pri-
vatklägers 2 erst recht nicht frei sind von Widersprüchen sowie Verwechslungen
von Personen und Angaben, die sich im Nachhinein nachweislich als falsch her-
ausstellten, weshalb seine Schilderungen zur Erstellung des Sachverhalts in Be-
zug auf die inkriminierten Schläge und Fusstritte gegen den Privatkläger 1 (eben-
falls) nur wenig taugen (Urk. 95 S. 31 ff.). Auf diesen Umstand hat auch die Ver-
teidigung zu Recht hingewiesen (Urk. 148 N 49). Es stimmt zwar, dass das hier
zu beurteilende Geschehen einen sehr dynamischen Ablauf aufweist, weshalb
nicht erwartet werden kann, dass über jeden einzelnen Aspekt präzise Beobach-
tungen gemacht werden können. Es geht denn auch nicht darum, den Privatklä-
gern in irgendeiner Weise zu unterstellen, sie würden bewusst falsche Aussagen
machen. Dennoch darf gemäss den im Strafprozess geltenden Grundsätzen eine
Verurteilung nur erfolgen, wenn die Schuld der beschuldigten Person mit hinrei-
chender Sicherheit erwiesen ist. Von diesen Grundsätzen kann insbesondere
auch nicht mit der Begründung abgewichen werden, dass sich das Opfer einer
Straftat manchmal in einem eigentlichen Beweisnotstand befindet. Auch dann
reicht es für eine Verurteilung nicht aus, wenn die Sachdarstellung des Opfers
zumindest nicht unglaubhaft wirkt (vgl. OBERHOLZER, Grundzüge des Strafpro-
zessrechts, 4. Aufl. 2020, N 1077). Im Übrigen hat der Gesetzgeber gerade für
solche Fälle, in welchen einzelne Schläge oder Tritte bei tätlichen Übergriffen
durch eine Mehrzahl von Personen nicht rechtsgenügend zugeordnet werden
können, den Tatbestand des Angriffs vorgesehen. Selbst wenn es also möglich
erschiene, dass der Beschuldigte – so wie in der Anklage umschrieben – einen
Fusstritt gegen den Kopf des am Boden liegenden Privatklägers 1 ausgeführt hat,
bedarf es für einen rechtsgenügenden Schuldnachweis nebst den widersprüchli-
- 23 -
chen Aussagen der Privatkläger weiterer Beweismittel, welche die Beweislage
verdichten. Gerade daran fehlt es vorliegend jedoch. Selbst die Vertreterin des
Privatklägers 1 hat in diesem Zusammenhang festgehalten, dass nebst den Be-
schuldigten nur die Privatkläger das Tatgeschehen aus nächster Nähe mitbe-
kommen hätten (Urk. 134 S. 14).
4.3. Der Beschuldigte berief sich bezüglich der Frage, ob er den Privatkläger 1
getreten habe, stets ausweichend auf angebliche Erinnerungslücken und erklärte,
sich nicht mehr erinnern zu können (Urk. DS1/3/4 S. 8 f. und S. 13; Urk. DS1/3/7
S. 4 ff.; Urk. DS1/3/8 S. 7 f.; Urk. 71 S. 4). Dies mutet zwar seltsam an und spricht
nicht für die Richtigkeit seiner Version. Keinesfalls kann im Lichte der geltenden
Beweisregeln daraus jedoch abgeleitet werden, der Beschuldigte habe durch sein
unterbliebenes Bestreiten einen Fusstritt faktisch eingestanden, wie dies die Ver-
treterin des Privatklägers 1 geltend machen will (Urk. 134 S. 18). Weiter verwun-
dert es ebenso wenig, dass sowohl die Mitbeschuldigten E._ und D._
wie auch weitere Personen, die damals in Begleitung des Beschuldigten unter-
wegs waren (z.B. O._ und P._), offenkundig darauf bedacht waren, den
Beschuldigten diesbezüglich nicht zu belasten. Auf der anderen Seite hat aber
auch der neutrale Augenzeuge L._ diejenige Person, welche mit den Füssen
den am Boden liegenden Privatkläger 1 getreten habe, soweit er dies im Gewühl
und während des gleichzeitigen Telefonierens mit der Polizei habe erkennen kön-
nen, als die Person bezeichnet, welche zuerst zugeschlagen habe (Urk. DS1/6/4
S. 6). Der Zeuge beschrieb diese Person auch als "Täter Nr. 1", der grossge-
wachsen und kräftig gebaut gewesen sei, wohingegen die anderen Angreifer nach
seiner Wahrnehmung mit den Fäusten geschlagen hätten (vgl. Urk. DS1/6/2 S. 4
und S. 6). Mit der Vorinstanz ist diesbezüglich davon auszugehen, dass es sich
beim Täter Nr. 1 um den Mitbeschuldigten E._ handeln muss, zumal auf-
grund des Untersuchungsergebnisses feststeht, dass dieser als Erster zuge-
schlagen hatte. Insbesondere hat der Mitbeschuldigte im Verlauf der Strafunter-
suchung selber eingestanden, den Privatkläger 1 gegen den Kopf getreten zu ha-
ben, als dieser bereits am Boden gelegen sei (vgl. Urk. DS1/3/8 S. 8 f.; Urk.
DS1/3/9 S. 8; Urk. 72 S. 4 f.). Der Zeuge L._ bezog sich bei seinen Aussa-
gen damit eindeutig nicht auf den jüngeren und von der Körpergrösse her kleine-
- 24 -
ren Beschuldigten, sondern auf den Mitbeschuldigten E._. Daran vermag
nichts zu ändern, dass der Zeuge bei seiner ersten Befragung generell in Mehr-
zahl sprach und zu Protokoll gab, dass zwei oder drei Personen mit Händen und
Füssen auf die Privatkläger eingeschlagen hätten (Urk. DS1/6/1 S. 1). Entgegen
dem Dafürhalten der Vertreterin des Privatklägers 1 kann dem Beschuldigten
auch anhand der Zeugenaussagen kein Fusstritt nachgewiesen werden (Urk. 134
S. 16 f.).
4.4. Und schliesslich stellen auch die nach dem Vorfall sichtbaren Schuhab-
druckspuren im Gesicht des Privatklägers 1 keinen zwingenden Beweis für einen
Fusstritt des Beschuldigten dar, lässt sich doch auch nach Einschätzung des fo-
rensischen Experten letztlich nicht feststellen, wie das betreffende Spurenbild
zustande gekommen ist (vgl. Urk. DS1/1/7 S. 7). Es kann mit anderen Worten
daraus keine Übereinstimmung der Verletzungen im Gesicht des Privatklägers 1
mit dem vom Beschuldigten getragenen Schuhwerk abgeleitet werden. Demge-
mäss ist die Schlussfolgerung im angefochtenen Entscheid zu bestätigen, wonach
dem Beschuldigten nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden kann, ob er ge-
gen den Kopf des Privatklägers 1 getreten habe.
4.5. Nach dem Gesagten ist der äussere Ablauf des Sachverhalts mit Ausnah-
me des Fusstritts gegen den am Boden liegenden Privatkläger 1 anklagegemäss
erstellt. Insbesondere ist festzuhalten, dass der Aggression gegenüber dem Pri-
vatkläger 1 keinerlei Bedrohungslage für den Beschuldigten oder seine Begleiter
vorausging. Zudem waren zum Zeitpunkt der Gewaltanwendung auch keine
Provokationen seitens der Privatkläger 1 und 2 im Gang.
4.6. Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass mit der Verteidigung nicht
zu beanstanden ist, wenn die Vorinstanz bei dieser Ausgangslage keine Fusstritte
gegen den Rumpf des Privatklägers 1 prüfte (Urk. 148 N 46 ff.). Die Vertreterin
des Privatklägers 1 scheint bei diesem Vorbringen zu übersehen, dass die Ankla-
ge das Prozessthema fixiert und das Gericht an den in der Anklage umschriebe-
nen Sachverhalt gebunden ist (Art. 350 Abs. 1 StPO). Die Annahme von nicht
eingeklagten Tritten gegen den Rumpf wäre somit weder mit dem Beweisergebnis
noch nicht mit dem Anklageprinzip vereinbar.
- 25 -
5. Verletzungen
Die in der Anklage umschriebenen Verletzungen des Privatklägers 1 (doppelter
Kieferbruch, Schädel-Hirn-Trauma [Hirnerschütterung], diverse geschwollene
Blutergüsse, Hauteinblutungen und Schleimhautabtragungen sowie Oberhautab-
schürfungen im Gesicht und posttraumatische Belastungsstörung) werden durch
das rechtsmedizinische Gutachten vom 31. Mai 2018, den fachpsychologischen
Bericht vom 23. Oktober 2018 sowie den spitalärztlichen Befund vom 28. März
2019 belegt und sind ausgewiesen (Urk. DS1/28/7; Urk. DS1/31/6;
Urk. DS1/31/8). Es ist unbestreitbar, dass die genannten Folgen allesamt unmit-
telbar auf den eingeklagten Vorfall vom 16. April 2018 zurückzuführen sind. Do-
kumentiert ist zudem die praktisch durchgehend zu 100 % attestierte Arbeitsunfä-
higkeit des Privatklägers 1 vom Zeitpunkt des Übergriffs bis Ende Januar 2019
(vgl. Urk. DS1/31/9). Soweit der Privatkläger 1 darüber hinaus vorbringt, dass er
in den ersten Wochen nach dem eingeklagten Vorfall sehr starke Schmerzen ver-
spürt habe, er inzwischen mehrere Operationen mit Spitalaufenthalt habe durch-
stehen müssen und seither unter körperlichen Beeinträchtigungen leide (Urk. 75
S. 10 ff.), stützt er sich in erster Line auf die eigenen Angaben anlässlich der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 26. September 2019 (Urk. DS1/5/5)
wie auch auf die bereits genannten medizinischen Befunde sowie die hausärztli-
chen Berichte vom 12. September 2018 bzw. 19. Oktober 2020 und 27. April 2022
(Urk. DS1/31/4; Urk. 76/1; Urk. 144). Jedenfalls zum Zeitpunkt, als die Aussagen
deponiert und die Atteste ausgestellt wurden, können diese Beschwerden dem-
nach ebenfalls als erstellt betrachtet werden.
6. Subjektiver Sachverhalt
6.1. Was schliesslich den subjektiven Anklagesachverhalt anbelangt, so stellt
es eine Tatfrage dar, was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm. Zudem geht
es auch bei der Beurteilung, ob eine mittäterschaftliche Tatbegehung vorliegt,
häufig um tatsächliche Feststellungen über innere Vorgänge, etwa inwieweit der
Betroffene mit dem Vorgehen der übrigen Täter noch einverstanden war (s.a.
nachfolgend E. IV.2.2. ff.). Hingegen ist eine Rechtsfrage, ob gestützt auf die
festgestellten Tatsachen auf ein (eventual-) vorsätzliches Vorgehen geschlossen
- 26 -
werden darf; ebenso, ob in Anbetracht der konkreten Umstände der Tatbeitrag ei-
nes Beteiligten die Voraussetzungen für eine Mittäterschaft zu erfüllen vermag.
Dabei kann sich das Gericht für den Nachweis von solch inneren Vorgängen –
soweit der Täter nicht geständig ist – regelmässig nur auf äusserlich feststellbare
Indizien und Erfahrungsregeln stützen, die Rückschlüsse von den äusseren Um-
ständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben (vgl. BGE 135 IV 12
E. 2.3.2; BGE 134 IV 26 E. 3.2.2). Wie das Bundesgericht betont, besteht in die-
sem Zusammenhang daher eine erhebliche Überschneidung von Tat- und
Rechtsfragen (vgl. BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 m.w.H.). Dennoch ist – soweit möglich –
bereits an dieser Stelle zu prüfen, inwiefern sich der innere Sachverhalt erstellen
lässt.
6.2. Wie vorstehend erwogen, steht fest, dass der Beschuldigte seinen Bruder
E._ telefonisch zur Verstärkung herbei rief, nachdem er beim Kebabladen
erneut auf die Privatkläger 1 und 2 getroffen war und sich offensichtlich
entschlossen hatte, eine weitere Konfrontation mit ihnen zu suchen. Ob und in
Bezug auf welchen Inhalt die Beschuldigten C._ und E._ danach eine
Absprache hinsichtlich des Vorgehens gegen den Privatkläger 1 getroffen haben,
lässt sich zwar nicht nachweisen. Unabhängig davon ist jedoch davon auszuge-
hen, dass sich der Beschuldigte in der Folge dem tätlichen Angriff auf den Privat-
kläger anschloss, indem er nach den ersten Faustschlägen durch den Mitbe-
schuldigten E._ ebenfalls mit den Fäusten auf den aufrecht stehenden Pri-
vatkläger eingeschlagen hat. Aufgrund der äusseren Umstände muss dabei ohne
weiteres angenommen werden, dass der Beschuldigte durch sein mehrmaliges
Zuschlagen in das Gesicht des Privatklägers 1 beabsichtigte, diesem erhebliche
Schmerzen zufügen.
6.3. Dass auch der Beschuldigte dem Privatkläger 1, nachdem dieser zu Boden
gegangen war, einen Fusstritt gegen den Kopf versetzt hat, wie dies in der An-
klageschrift steht, kann ihm hingegen in sachverhaltsmässiger Hinsicht nicht
nachgewiesen werden. Ebenso wenig steht – entgegen der Ansicht der Vertrete-
rin des Privatklägers 1 (Urk. 143 S. 6 ff.) – zur Diskussion, dass der Beschuldigte
sonst in irgend einer Art und Weise auf den am Boden liegenden Privatkläger tät-
- 27 -
lich eingewirkt hätte. Bei dieser Sachlage ist also einerseits davon auszugehen,
dass der Beschuldigte in Kauf genommen hat, dass der Privatkläger 1 mit einer
Vielzahl an Faustschlägen eingedeckt wird. Auf der anderen Seite darf nicht un-
beachtet bleiben, dass der Mitbeschuldigte E._ mit seinen Fusstritten gegen
den Kopf des bereits zu Boden gegangenen Privatklägers einen massiven
Gewaltexzess beging, der den laufenden tätlichen Angriff nochmals auf eine völlig
andere Eskalationsstufe anhob. Damit konnte und musste der Beschuldigte nicht
rechnen. Denn wäre er darauf aus gewesen, dem Mitbeschuldigten E._ auch
bei den inkriminierten Fusstritten bzw. einer versuchten schweren Körperverlet-
zung zu folgen, hätte der Beschuldigte selbst an den weiteren Gewaltattacken auf
den Privatkläger 1 mitgewirkt oder zumindest heftiger als erstellt mit den Fäusten
in dessen Gesicht eingeschlagen. Vorliegend jedoch war die Attacke auf den Pri-
vatkläger 1 nach dem besagten Exzess, der sich im Verlaufe eines dynamischen
Geschehens und innerhalb eines äusserst kurzen Zeitraums abgespielt hatte,
beendet, ohne dass weitere Gewalthandlungen gegen den am Boden liegenden
Privatkläger zu verzeichnen gewesen wären. Darauf wird auch im Rahmen der
rechtlichen Würdigung noch genauer einzugehen sein (nachfolgend E.IV.2.4. ff.).
IV. Rechtliche Würdigung
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz hat den zuvor erstellten Sachverhalt einzig als Angriff im
Sinne von Art. 134 StGB qualifiziert. Eine darüber hinausgehende Verurteilung
wegen versuchter schwerer Körperverletzung haben die Vorderrichter hingegen
verneint (Urk. 95 S. 65 ff.). Diese rechtliche Würdigung wird sowohl von der
Staatsanwaltschaft als auch seitens der Verteidigung akzeptiert.
1.2. Demgegenüber beantragt der Privatkläger 1 einen (zusätzlichen) Schuld-
spruch wegen vollendeter schwerer Körperverletzung im Sinne von Art. 122
StGB, sofern ein Tatvorgehen des Beschuldigten in Mittäterschaft mit dem Mitbe-
schuldigten E._ bejaht werde. Eventualiter wird beantragt, den Beschuldigten
betreffend versuchter schwerer Körperverletzung respektive einfacher Körper-
verletzung schuldig zu sprechen (Urk. 143 S. 1 und S. 8). Da die Schuldsprüche
- 28 -
betreffend Angriff und grober Verkehrsregelverletzung allseits unangefochten
blieben, ist nachfolgend daher einzig noch zu prüfen, ob es in Übereinstimmung
mit der rechtlichen Würdigung der Vorinstanz beim Freispruch vom Vorwurf der
versuchten schweren Körperverletzung bleibt oder ob in Gutheissung der privat-
klägerischen Berufung eine Mittäterschaft zu bejahen ist, und daraus folgend, ob
eine zusätzliche Verurteilung des Beschuldigten als angezeigt erscheint.
2. Mittäterschaft
2.1. Die Vertreterin des Privatklägers 1 bringt zusammengefasst vor, der
Beschuldigte sei gemäss bundesgerichtliche Rechtsprechung als Mittäter seines
Bruders anzusehen, selbst wenn dem Beschuldigten "nur" Faustschläge gegen
den Kopf des Privatklägers 1 nachgewiesen werden könnten. In diesem Zusam-
menhang zitiert die Privatklägervertreterin diverse Urteile des Bundesgerichts und
schliesst daraus, dass Mittäterschaft auch bei untergeordneter Tatbeteiligung
bejaht werden müsse (Urk. 134 S. 1 ff.; Urk. 143 S. 2 ff.).
Die Verteidigung führt dagegen an, es könne nicht erstellt werden, dass ein
gemeinsamer Tatentschluss gefasst worden sei. Sodann liege die Grenze der
subjektiven Zurechnung von Mittäterschaft bei Handlungen, welche vom vermeint-
lichen Mittäter nicht gebilligt würden. Der Beschuldigte habe – so die Verteidigung
– den Privatkläger 1 geschlagen, als Letzterer noch gestanden sei. Nachdem der
Privatkläger 1 zu Boden gegangen sei, habe der Beschuldigte "nichts mehr
gemacht", weshalb ihm nicht angelastet werden könne, er habe die nachfolgen-
den Handlungen des Mitbeschuldigten gebilligt (Urk. 148 N 36 ff.). Wie bereits er-
wähnt, geht auch die Staatsanwaltschaft nicht von einer mittäterschaftlichen Tat-
begehung aus (Prot. II S. 17).
2.2. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts – erst neulich mit Ur-
teil 6B_140/2021 vom 24. Februar 2022 bestätigt – gilt als Mittäter, wer bei der
Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Delikts vorsätzlich und in mass-
gebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, sodass er als Hauptbeteilig-
ter dasteht (vgl. dazu BGE 135 IV 152 E. 2.3.1; BGE 133 IV 76 E. 2.7; BGE 130
IV 58 E. 9.2.1; BGE 125 IV 134 E. 3a; BGE 120 IV 265 E. 2c/aa; BGE 118 IV 397
- 29 -
E. 2b). Daraus folgt aber nicht, dass tatbestandsmässige Ausführungshandlungen
notwendige Voraussetzung für die Annahme von Mittäterschaft sind. Vielmehr
wird die mittäterschaftliche Tatbeteiligung massgeblich an der Rolle gemessen,
die der Einzelne willentlich übernimmt (vgl. dazu Urteil 6B_939/2013 vom 17. Juni
2014 E. 2). Neben der gemeinsamen Tatausführung setzt Mittäterschaft sodann
einen gemeinsamen Tatentschluss voraus (BGE 126 IV 84 E. 2c/aa; BGE 125 IV
134 E. 3a; BGE 120 IV 17 E. 2d). Die Willensübereinstimmung kann irgendwie
hergestellt werden; einer besonderen Verabredung bedarf es nicht (Urteil
6B_939/2013 vom 17. Juni 2014 E. 2). Namentlich ist auch an spontanen, nicht
geplanten Aktionen oder unkoordinierten Straftaten Mittäterschaft möglich, wie
etwa dann, wenn mehrere Personen in stillschweigendem Einverständnis auf ei-
nen anderen einzuschlagen beginnen (BGE 118 IV 227 E. 5d/aa; Urteil
6B_1201/2019 vom 1. Mai 2020 E. 1.3.2 m.w.H.). Allerdings haftet jeder Mittäter
nur, soweit sein Wille reicht. Die Grenze für die subjektive Zurechnung von mittä-
terschaftlichem Handeln liegt mithin dort, wo ein vom gemeinsamen Tatplan ab-
weichender Ablauf für einen Beteiligten nicht vorhersehbar ist und von ihm des-
halb auch nicht gebilligt werden kann (BGE 118 IV 227 E. 5d/cc; s.a. Urteil
6B_98/2013 vom 10. Juni 2013 E. 2.3 und Urteil 6P.188/2006 vom 21. Februar
2007 E. 6.6). Nicht erforderlich ist grundsätzlich, dass der Mittäter bei der Ent-
schlussfassung mitwirkt. Es genügt, dass er sich später den Vorsatz seines Mittä-
ters zu eigen macht (sog. sukzessive Mittäterschaft). In diesem Fall haftet der
Hinzutretende indessen nur für dasjenige Unrecht, das nach seinem Beitritt noch
begangen wird (Urteil 6B_473/2012 vom 21. Februar 2013 E. 1.4; Urteil
6B_1091/2009 vom 29. April 2010 E. 3.3). Erst wenn Mittäterschaft bejaht wird,
kommt schliesslich die strafprozessuale Beweiserleichterung zum Tragen, wo-
nach jedem Mittäter die Tatbeiträge der jeweils anderen wie die eigenen zuge-
rechnet werden (BGE 143 IV 361 E. 4.10; Urteil 6B_371/2020 vom 10. September
2020 E. 2.3).
2.3. Nach Massgabe der vorstehenden Erwägungen zum Sachverhalt
beschränkte sich der Tatbeitrag des Beschuldigten darauf, mit den Fäusten auf
den noch aufrecht stehenden Privatkläger 1 einzuschlagen. Dass er auf den
Privatkläger 1 auch eingetreten haben soll, nachdem dieser zu Boden gegangen
- 30 -
war, ist demgegenüber – im Gegensatz zum Mitbeschuldigten E._ – nicht
erwiesen. Insofern ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte zwar am bereits
eingeleiteten Angriff des Mitbeschuldigten auf den Privatkläger teilnahm. Wie
bereits dargelegt, lässt sich anhand des Untersuchungsergebnisses hingegen
nicht ableiten, dass der Beschuldigte durch die getätigten Faustschläge auch ei-
nen Tatentschluss hinsichtlich der Fusstritte gegen das am Boden liegende Opfer
bekundet hätte. Solches ist selbst dann zu verneinen, wenn man davon ausgeht,
dass der Beschuldigte die ausgeführten Fusstritte des neben ihm stehenden
Mitbeschuldigten E._ wahrgenommen haben muss. Allein anhand der unmit-
telbaren Wahrnehmung der Tritte des Mitbeschuldigten E._ kann jedenfalls
nicht darauf geschlossen werden, der Beschuldigte selber habe sich damit bereits
dessen Vorsatz zu eigen gemacht. Diese innert weniger Sekunden abgeschlos-
sene Tathandlung kann dem Beschuldigten nicht zugerechnet werden. Hernach
erfolgte seitens des Beschuldigten keine weitere tätliche Einwirkung auf den Pri-
vatkläger. Mit der Staatsanwaltschaft handelte es sich daher um ein dynamisches
Geschehen von sehr kurzer Dauer, welches erst eskalierte, nachdem der Be-
schuldigte gegenüber dem Privatkläger 1 tätlich wurde (Prot. II S. 17). Es beste-
hen keine Anzeichen dafür, dass dies für den Beschuldigten voraussehbar war
respektive er seinen Bruder in dieser kurzen Zeitspanne hätte hindern können, die
fraglichen Tritte auszuführen. Insgesamt bestehen keine Indizien dafür, dass der
Beschuldigte einen entsprechenden Entschluss fasste respektive die nachfolgen-
den Tritte in irgend einer Art und Weise billigte.
2.4. Die Verteidigung hat in diesem Zusammenhang zutreffend darauf hinge-
wiesen, dass die seitens der Vertreterin des Privatklägers 1 angeführten Bundes-
gerichtsentscheide hinsichtlich des Tatgeschehens nicht einschlägig sind respek-
tive Mittäterschaft jeweils unter der Prämisse angenommen wurde, dass die im
Zuge des Tatgeschehens erfolgte "Eskalation" vom fraglichen Mittäter weiter un-
terstützt wird (Urk. 148 N 40; vgl. Urk. 134 S. 4-7 und Urk. 143 S. 3-5). Im Unter-
schied zur vorliegenden Ausgangslage wirkten in sämtlichen zitierten Entschei-
den, bei welchen das Bundesgericht trotz eines "untergeordneten" Tatbeitrags
Mittäterschaft für schwere Körperverletzungsdelikte im Zusammenhang mit
Schlägen oder Tritten gegen den Kopf eines wehrlosen Opfers angenommen hat,
- 31 -
die als Mittäter qualifizierten Personen entweder auch dann noch in irgend einer
Art und Weise auf das Opfer ein, als die fraglichen Tritte bzw. Schläge erfolgten,
oder es lagen weitere konkrete äussere Umstände vor, welche auf eine konklu-
dente Billigung der Tritte schliessen liessen (vgl. Urteil 6B_236/2016 vom 16. Au-
gust 2016 [Beschuldigter plante Tat aus Rache, beteiligte sich weiter mit Faust-
schlägen und war mit Schlagstock bewaffnet]; Urteil 6B_45/2013 vom 18. Juli
2013 [Insgesamt drei Angriffe, weitere Faustschläge des Beschuldigten während
den erfolgten Tritten gegen den Kopf]; Urteil 6B_127/2021 vom 7. September
2021 [Festhalten des am Boden liegenden Opfers im Würgegriff, während Schlä-
ge und Tritt gegen Kopf des Opfers durch Dritte erfolgen]; Urteil 6B_529/2020
vom 14. September 2020 [Beschuldigter tritt selber mehrfach gegen Kopf des Op-
fers]; Urteil 6B_208/2015 vom 24. August 2015 [Beteiligung in Form von Tritten
auf wehrloses, am Boden liegendes Opfer]; Urteil 6B_533/2016 vom 29. Novem-
ber 2016 [Gemeinsam geplantes Vorgehen, Faustschlag des Beschuldigten, Wis-
sen um mitgeführtes Messer, mit welchem Mittäter zwei Mal auf das Opfer ein-
stach]).
2.5. Solche Umstände (Mitführen von Waffen, weitere tätliche Übergriffe) liegen
gemäss dem hier erstellten Sachverhalt nicht vor. Entgegen der Ansicht der
Vertreterin des Privatklägers 1 kann der Beschuldigte nach dem Gesagten mit
Bezug auf die Fusstritte des Mitbeschuldigten E._ gegen den Kopf des am
Boden liegenden Privatklägers 1 nicht als Mittäter qualifiziert werden. Somit muss
letztlich nicht mehr geprüft werden, ob eine Mittäterschaft des Beschuldigten und
des Mitbeschuldigten E._ in der Anklageschrift überhaupt rechtsgenügend
umschrieben wäre. Eine Anklageergänzung im Sinne von Art. 333 Abs. 1 StPO,
wie sie seitens der Privatkläger beantragt wurde, erübrigt sich demnach auch aus
materiellen Gründen.
2.6. Wird die mittäterschaftliche Rolle des Beschuldigten verneint, können ihm
die inkriminierten Fusstritte des Mitbeschuldigten E._ nicht zugerechnet wer-
den. Dass der Beschuldigte mit den sachverhaltsmässig erstellten Faustschlägen
gegen den Kopf des noch aufrecht stehenden Privatklägers eine tatbestandsmäs-
sig schwere Körperverletzung in Kauf genommen hätte, steht ausser Frage. So-
- 32 -
weit der Privatkläger 1 unter Verweis auf das Urteil 6B_388/2012 vom 12. No-
vember 2012 vorbringt, das Bundesgericht bejahe sogar bei Faustschlägen ins
Gesicht die Voraussehbarkeit einer schweren Körperverletzung, ist dies zu
präzisieren. Gemäss Rechtsprechung hängt die rechtliche Qualifikation von
Körperverletzungen als Folge von Faustschlägen von den konkreten Tatumstän-
den ab, insbesondere von der Heftigkeit des Faustschlags und der Verfassung
des Opfers. Ansonsten bleibt es bei einem Schuldspruch wegen einfacher
Körperverletzung (Urteil 6B_388/2012 vom 12. November 2012 E. 2.4.1). Da kei-
ne besonderen Faktoren wie beispielsweise ein ausserordentlich wuchtiger
Faustschlag erstellt sind, scheidet eine Verurteilung des Beschuldigten wegen
versuchter schwerer Körperverletzung aus. Entsprechend erübrigt sich auch in
diesem Punkt eine mögliche Anklageergänzung.
3. Versuchte einfache Körperverletzung
3.1. Die Vorinstanz prüfte von sich aus den Tatbestand der einfachen Körper-
verletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB (Strafanträge gemäss Urk.
DS1/33/1-2). Dabei kam sie jedoch zum Schluss, eine Verurteilung könne nicht
erfolgen, da sich nicht feststellen lasse, ob die beim Privatkläger 1 eingetretenen
Verletzungsfolgen durch den Beschuldigten oder den Mitbeschuldigten E._
verursacht worden seien, sodass sie letztlich keinem von beiden zugeordnet wer-
den könnten (Urk. 95 S. 69 f.).
3.2. Die Verfahrensleitung machte die Parteien anlässlich der Berufungs-
verhandlung darauf aufmerksam, dass bei der Würdigung des Sachverhalts auch
der Tatbestand der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 StGB bzw. des
Versuchs dazu in Betracht zu ziehen sei (Prot. II S. 13; Art. 344 StPO). Da der
eingeklagte Sachverhalt dahingehend lautet, dass der Beschuldigte mit der Faust
auf den Privatkläger 1 eingeschlagen und mit dem Fuss auf ihn eingetreten habe,
wobei ihm bewusst gewesen sei, dass sein Vorgehen zu (äusserst schweren)
Verletzungen beim Privatkläger führen könnte (Urk. DS1/63/11 S. 2 ff.), stellt die
Würdigung als (versuchte) einfache Körperverletzung fraglos eine reale Möglich-
keit dar, die sich aus der Sachverhaltsdarstellung in der Anklageschrift ergibt (vgl.
Urteil 6B_865/2018 vom 14. November 2019 E. 8.3). Diese Rechtsfrage gilt es
- 33 -
nachfolgend zu prüfen. Das Gericht ist hierbei nicht an die rechtliche Würdigung
der Anklage gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO).
3.3. Mit der Vorinstanz ist eine Abgrenzung von denjenigen Beeinträchtigungen
der körperlichen Integrität, welche allein auf die Faustschläge des noch aufrecht
stehenden Privatklägers 1 zurückzuführen wären, von den Verletzungen, welche
durch die Fusstritte des Mitbeschuldigten E._ verursacht wurden, als der Pri-
vatkläger bereits am Boden lag, schlechterdings undurchführbar. Da die besagten
Fusstritte mangels Vorliegen von Mittäterschaft nicht dem Beschuldigten zuge-
rechnet werden können, verbietet es sich, ihm die Zufügung einer Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 123 StGB anzulasten. Richtigerweise wurde daher im an-
gefochtenen Entscheid diesbezüglich die objektive Tatbestandsverwirklichung
verneint. Allerdings hat es die Vorinstanz in der Folge unterlassen, einen strafba-
ren Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB zu prüfen, obschon eine versuchte
Tatbegehung immer dann vorliegt, wenn der Täter zwar nicht alle objektiven, wohl
aber alle subjektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt (DONATSCH/TAG, Strafrecht I,
9. Aufl. 2013, S. 103).
3.4. Subjektiv erforderlich ist bei Art. 123 StGB vorsätzliches Handeln. Vorsätz-
lich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen
ausführt. Zudem handelt auch bereits derjenige vorsätzlich, der die Verwirklichung
der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Aufgrund des
vorstehend ermittelten Beweisergebnisses steht fest, dass der Beschuldigte mit
seinen Faustschlägen in das Gesicht des Privatklägers 1 zweifellos physische
Schädigungen bewirken wollte, die über bloss harmlose Kratzer oder Quetschun-
gen hinausgehen, was objektive Tatbestandsvoraussetzung von Art. 123 StGB
bildet (vgl. OFK STGB-DONATSCH, 21. Aufl. 2022, Art. 123 N 3 m. H.). Der Be-
schuldigte handelte damit vorsätzlich im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB. Auch
wenn dem Beschuldigten keine einzelnen Verletzungsfolgen im Sinne einer kon-
kreten Tatbestandsverwirklichung zugeordnet werden können, hat er durch sein
Handeln den Tatbestand der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne
von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB erfüllt.
- 34 -
3.5. Der in gleichem Zusammenhang ergangene Schuldspruch betreffend An-
griff auf den Privatkläger 1, an dem sich der Beschuldigte beteiligte, blieb unange-
fochten. Der Privatkläger 1 war anlässlich dieses Angriffs einer Gefährdung aus-
gesetzt, die über bloss einfache Körperverletzungen weit hinausging, erhielt er
doch vom Mitbeschuldigten E._ mehrere Fusstritte gegen den Kopf versetzt,
als er bereits am Boden lag. In solchen Konstellationen steht der Tatbestand der
(versuchten) einfachen Körperverletzung in echter Konkurrenz zu demjenigen des
Angriffs (Urteil 6B_98/2013 vom 10. Juni 2013 E. 3.2). Im Schuldpunkt ist daher
das vorinstanzliche Dispositiv um den Schuldspruch betreffend versuchte einfa-
che Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB zu ergänzen.
3.6. Folge der zusätzlichen Verurteilung wegen versuchter einfacher Körper-
verletzung ist, dass für denselben Lebensvorgang kein Freispruch vom Anklage-
vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in
Verbindung mit Art. 22 StGB ergehen kann (vgl. dazu BGE 144 IV 362 E. 1.3.1
m.H.). Die entsprechende Dispositivziffer 2 des angefochtenen Entscheids ist
daher ersatzlos aufzuheben.
4. Fazit
Zusammengefasst ist der Beschuldigte deshalb neben den unangefochten ge-
bliebenen Schuldsprüchen betreffend Angriff im Sinne von Art. 134 StGB und
grober Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung
mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. a, Abs. 2 und Abs. 5 VRV sowie Art. 22
Abs. 1 SSV zusätzlich der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu
sprechen.
V. Sanktion
1. Ausgangslage und Grundsätze der Strafzumessung
1.1. Nachdem ein zusätzlicher Schuldspruch betreffend versuchte einfache
Körperverletzung ergeht, muss entsprechend eine neue schuldangemessene
- 35 -
Sanktion ausgefällt werden. Die Verteidigung erachtet die von der Vorinstanz
ausgesprochene bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten als angemessen (Urk.
148 N 61). Im Übrigen stellte sie keine Eventualanträge zum Strafmass.
1.2. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt
(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. m.H.). Entsprechendes gilt für die Bildung der Einsatz-
und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung des Asperations-
prinzips (BGE 144 IV 313 E. 1.1; BGE 141 IV 61 E. 6.1.2, je m.H.). Darauf sowie
auf die zutreffenden theoretischen Erwägungen der Vorinstanz kann verwiesen
werden (Urk. 95 S. 74 f.). Im Folgenden ist daher zunächst die Strafart festzule-
gen, bevor für jedes Delikt gesondert auf die objektive und subjektive Tatschwere
einzugehen ist. Hernach ist die Täterkomponente zu gewichten.
2. Wahl der Sanktionsart und Strafrahmen
2.1. Die Vorinstanz hat mit überzeugender Begründung ausgeführt, weshalb für
den Angriff auf den Privatkläger 1 eine Freiheitsstrafe und für die grobe Verkehrs-
regelverletzung eine Geldstrafe sowie eine Verbindungsbusse auszufällen ist
(Urk. 95 S. 81 ff.). Dieser Auffassung kann vorbehaltslos zugestimmt werden,
wobei zu bemerken ist, dass auch für die hinzukommende versuchte einfache
Körperverletzung verschuldensmässig einzig eine Einzelstrafe von über
6 Monaten in Betracht kommt, weshalb als Sanktionsart auch diesbezüglich die
Freiheitsstrafe schon von Gesetzes wegen vorgegeben wird.
2.2. Ausgangspunkt der Strafzumessung bildet der Strafrahmen für den Angriff
im Sinne von Art. 134 StGB als schwerste Tat, der mit Freiheitsstrafe bis zu
5 Jahren oder Geldstrafe geahndet wird. Zu beachten ist sodann, dass die beste-
henden Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe konkret nicht zu einer Erwei-
terung des Strafrahmens nach oben oder unten führen, jedoch innerhalb des or-
dentlichen Strafrahmens zwingend straferhöhend resp. strafmindernd berücksich-
tigt werden müssen.
- 36 -
3. Angriff
3.1. Im Hinblick auf die objektive Tatschwere des Angriffs ist festzuhalten, dass
der Beschuldigte zusammen mit seinem Bruder E._ den Privatkläger 1 von
hinten attackiert hat, sodass sich das Opfer in keiner Weise auf den völlig
unvermittelt erfolgten Übergriff seiner auch numerisch überlegenen Kontrahenten
vorbereiten konnte. Zu zweit hat man in erster Linie mit Fäusten daraufhin recht
massiv auf den Privatkläger eingeschlagen. In diesem Zusammenhang manifes-
tiert sich also ein bedenkliches Gewaltpotenzial auf Seiten des Beschuldigten.
Entgegen der Auffassung der Vorinstanz dürfen hingegen beim Angriff als abs-
traktes Gefährdungsdelikt die Schwere der beim Opfer eingetretenen Verlet-
zungsfolgen im Rahmen der Strafzumessung grundsätzlich nicht berücksichtigt
werden (BSK STGB I-MAEDER, 4. Aufl. 2019, Art. 134 N 4). Zudem ist zu berück-
sichtigen, dass es sich beim hier zu beurteilenden Angriff – ohne die Tat bagatel-
lisieren zu wollen – um eine kurzzeitige Eskalation handelte, die sich ohne Teil-
nahme eines grösseren Personenverbunds abgespielte und bei der keine Waffen
oder andere gefährliche Gegenstände miteinbezogen wurden. Innerhalb des weit
gefassten Strafrahmens wiegt das Tatverschulden daher noch eher leicht. Die Vo-
rinstanz stufte die Tat verschuldensmässig als keineswegs mehr leicht ein und
erachtete für den verübten Angriff eine hypothetische Einsatzstrafe von
24 Monaten als angemessen (Urk. 95 S. 76 f.). Diese Gewichtung erweist sich
insgesamt als zu streng. Stattdessen erscheint es angezeigt, das objektive Tat-
verschulden im mittleren Bereich des unteren Strafrahmendrittels anzusiedeln.
Demgemäss ist die Einsatzstrafe auf 12 Monate festzulegen.
3.2. In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte sowohl bezüglich der
Faustschläge als auch hinsichtlich seines Wissens um die Teilnahme des Mitbe-
schuldigten E._ fraglos mit direktem Vorsatz, schloss er sich doch dem An-
griff zu einem Zeitpunkt an, als sein Bruder bereits begonnen hatte, auf den
Privatkläger 1 einzuschlagen. Ferner ist mit Nachdruck zu betonen, dass seitens
der Privatkläger keine Bedrohungen oder Provokationen vorausgingen, die auch
nur ansatzweise Anlass für die tätliche Auseinandersetzung gegeben hätten.
Vielmehr war es der Beschuldigte, der zusammen mit dem Mitbeschuldigten
- 37 -
D._ die Privatkläger verfolgte, um die Konfrontation zu suchen, und seinen
Bruder in der offenkundigen Absicht anrief, sich hierfür Verstärkung zu holen.
Wenn der Beschuldigte hinsichtlich seiner Beweggründe für den tätlichen Über-
griff auf den Privatkläger 1 davon sprach, dass er sich in Lebensgefahr gewähnt
habe (Urk. DS1/3/7 S. 3), ist dies als Schutzbehauptung zu werten. Für den Be-
schuldigten spricht einzig, dass er im Vergleich zum Mitbeschuldigten E._ ei-
ne eher untergeordnete Rolle bei den konkreten Gewalttätigkeiten gegen den Pri-
vatkläger einnahm. Schliesslich wirkt auch der vorgängige Alkoholkonsum durch
den Beschuldigten – wenn auch nur leicht – verschuldensmindernd (vgl. Urk. 71
S. 5 f.). Denn auch wenn für eine verminderte Schuldfähigkeit keine Anzeichen
bestehen, dürfte der Umstand, dass der Beschuldigte angetrunken war, in gewis-
ser Weise enthemmend und aggressionsfördernd gewirkt haben. Trotz des etwas
untergeordneten Tatbeitrags des Beschuldigten erfährt die objektive Tatschwere
nach dem Gesagten in subjektiver Hinsicht keine spürbare Relativierung. Im Er-
gebnis bleibt es daher für den Angriff bei einer Einsatzstrafe von 12 Monaten.
Dies erweist sich unter Berücksichtigung der jeweiligen Tatbeiträge auch im Ver-
gleich zum Mitbeschuldigten E._ als angemessen.
4. Versuchte einfache Körperverletzung
4.1. Einfache Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB wird mit
Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft. Die objektive Tatschwere ist zunächst
für das vollendete Delikt zu erheben. Erst nach der Würdigung der objektiven und
subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass eine versuchte Tatbegehung
vorliegt (s.a. MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl. 2019, S. 48 N 119 ff.
und S. 110 N 298 ff.).
4.2. Was die objektive Tatschwere der einfachen Körperverletzung anbelangt,
ist zu beachten, dass der Beschuldigte dem Privatkläger 1 mehrmals mit der
Faust gezielt in das Gesicht schlug. Weil der Beschuldigte zusammen mit dem
Mitbeschuldigten E._ derart intensiv auf ihn einschlug, konnte der Privatklä-
ger seine Deckung mit den eigenen Händen nicht lange halten und sackte
schliesslich zu Boden. Daran ist zu erkennen, welche Aggressivität der Beschul-
digte bei seiner Tat an den Tag legte. Zwar waren die Faustschläge sicher nicht
- 38 -
von langer Hand geplant, sondern erfolgten im Rahmen einer tumultartigen Situa-
tion und innerhalb von kurzer Zeit. Für tiefgreifende Überlegungen über die Fol-
gen seines Tuns hatte der Beschuldigte also keine Zeit. Umso mehr erscheint das
Vorgehen des Beschuldigten als Akt gedankenloser und dumpfer Aggression.
Insofern wiegt sein Verschulden erheblich.
4.3. Bei der subjektiven Tatschwere ist in Bezug auf die versuchte einfache
Körperverletzung zunächst zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte die Zufü-
gung tatbestandsmässiger Verletzungen beim Privatkläger 1 geradezu gezielt
suchte und mit direktem Vorsatz handelte. Einen Grund, der den Beschuldigten
dazu bewegt haben könnte, die Fäuste gegen sein Opfer einzusetzen, ist nicht
ansatzweise zu erkennen. Immerhin ist auch in diesem Zusammenhang der er-
höhte Alkoholisierungsgrad leicht verschuldensreduzierend anzurechnen. Dessen
ungeachtet vermag das subjektive Verschulden die objektive Schwere der Tat
wiederum nicht zu relativieren. Isoliert betrachtet wäre die hypothetische Einzel-
strafe für eine vollendete einfache Körperverletzung im mittleren Bereich des an-
wendbaren Strafrahmens auf rund 18 Monate festzusetzen.
4.4. Dass es vorliegend trotz der beträchtlichen Konsequenzen, welche der
inkriminierte Gewaltübergriff auf die physische und psychische Integrität des
Privatklägers 1 hatte (doppelter Kieferbruch, der mehrmals operativ wiederherge-
stellt werden musste, Schädel-Hirn-Trauma, persistierendes Taubheitsgefühl in
der Unterlippe, Kopfschmerzen und Schwindelanfälle), bei einer versuchten Tat-
begehung geblieben ist, liegt letztlich allein daran, dass die einzelnen Verlet-
zungsfolgen beweismässig nicht eindeutig dem Beschuldigten oder dem Mitbe-
schuldigten E._ zugeordnet werden können. Es ist jedoch offenkundig, dass
wuchtige Faustschläge ins Gesicht einer Person ohne weiteres geeignet sind,
dem Opfer starke Schmerzen zuzufügen. Insofern kann der eher theoretischen
Möglichkeit, dass die Tathandlungen des Beschuldigten keine der gesundheitli-
chen Beeinträchtigungen auf Seiten des Privatklägers verursacht haben, mit einer
bloss marginalen Strafminderung von 2 Monaten Rechnung getragen werden. Im
Ergebnis ergibt sich für die versuchte einfache Körperverletzung mithin eine Stra-
fe von 16 Monaten.
- 39 -
4.5. In Anwendung des Asperationsprinzips rechtfertigt es sich, die Einsatzstra-
fe von 12 Monaten für den Angriff aufgrund der versuchten einfachen Körperver-
letzung um 12 Monate zu erhöhen. Unter dem Gesichtspunkt der Tatkomponente
resultiert somit eine Einsatzstrafe von insgesamt 24 Monaten.
5. Tatunabhängige Strafzumessungsfaktoren
5.1. Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten aufgezeigt und daraus korrekt geschlossen, dass diese strafzu-
messungsneutral zu werten seien (Urk. 95 S. 78 f.). Anlässlich der Berufungsver-
handlung führte der Beschuldigte ergänzend dazu aus, ab Juni 2022 eine neue
Stelle als Automechaniker anzutreten, wobei er einen Verdienst von monatlich
netto rund Fr. 4'400.– erzielen werde. Aktuell habe er Schulden im Umfang von
rund Fr. 50'000.–, wovon er einen Teil aber schon habe zurückzahlen können.
Weiter erklärte der Beschuldigte, seit rund einem halben Jahr mit seiner Partnerin
zusammen zu wohnen und nach wie vor keine Kinder zu haben (Urk. 142 S. 2 ff.).
Auch daraus ergeben sich keine Anhaltspunkte, die für die Strafzumessung von
Bedeutung wären. Der Beschuldigte weist sodann keine strafrechtliche Vorbelas-
tung auf (Urk. 131), was sich ebenfalls strafzumessungsneutral auswirkt.
5.2. Hinsichtlich des Nachtatverhaltens ist zu bemerken, dass gemäss bundes-
gerichtlicher Rechtsprechung umfangreiche und prozessentscheidende Geständ-
nisse eine substanzielle Strafreduktion bewirken können. Dies gilt allerdings nur,
wenn ein Geständnis auf Einsicht in das begangene Unrecht respektive auf Reue
schliessen lässt oder der Täter dadurch zur Tataufdeckung über den eigenen
Tatanteil beiträgt. Erleichtert das Geständnis die Strafverfolgung indes nicht, etwa
weil der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder gar erst nach
Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils geständig geworden ist, ist eine Strafmin-
derung hingegen nicht angebracht (Urteil 6B_759/2014 vom 24. November 2014
E. 3.2).
Vorliegend trifft zwar zu, dass sich der Beschuldigte insofern geständig zeigte, als
er bereits in der ersten polizeilichen Einvernahme zugegeben hat, dem Privat-
kläger 1 mehrere Faustschläge versetzt zu haben (Urk. DS1/3/4 S. 7 f.). Aller-
- 40 -
dings hat er sich im Verlaufe der Strafuntersuchung hartnäckig auf eine Notwehr-
situation berufen (vgl. Urk. DS1/3/4 S. 7; Urk. DS1/3/7 S. 3), obwohl eine solche
tatsächlich nie bestand. Kommt hinzu, dass die von ihm eingestandenen Tathand-
lungen auch anderweitig, namentlich durch die Aussagen des Mitbeschuldigten
E._ und des Zeugen L._ hätten bewiesen werden können (vgl. Urk.
DS1/3/6 S. 5; Urk. DS1/6/2 S. 6). Schliesslich fällt bei seinem Aussageverhalten
auf, dass er in ausgeprägtem Masse bedacht war, die übrigen Mitbeschuldigten
nicht zu belasten, etwa wenn er in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
20. April 2018 vorgab, alleine in den Kebabladen gegangen zu sein, obschon der
Staatsanwaltschaft bereits bekannt war, dass er sich dort in Begleitung des Mit-
beschuldigten D._ aufgehalten hatte (Urk. DS1/3/7 S. 3). Weiter versuchte
der Beschuldigte der Frage auszuweichen, ob sein Bruder den Privatkläger 1 ge-
treten habe, indem er geltend machte, es habe sich alles so schnell abgespielt,
dass er dies nicht gesehen habe (Urk. DS1/3/7 S. 4). Dass das Geständnis des
Beschuldigten zur Vereinfachung der Strafuntersuchung geführt hätte, kann des-
halb nicht ernsthaft behauptet werden. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz
lässt sich ferner aus dem Umstand, dass die Zivilansprüche des Privatklägers
vom Beschuldigten dem Grundsatze nach anerkannt wurden, keine weitere
Strafminderung ableiten, da damit noch keine besondere Einschränkung einher-
geht (vgl. Urteil 6B_1275/2017 vom 20. Juni 2018 E. 2.2 m.H.). Immerhin kann
dem Beschuldigten zu Gute gehalten werden, dass er sich anlässlich beider Ge-
richtsverhandlungen für sein Vorgehen gegenüber dem Privatkläger 1 entschul-
digte (Urk. 71 S. 6; Prot. II S. 29). Insgesamt betrachtet ist ihm unter dem Titel
des Nachtatverhaltens daher eine geringfügige Strafreduktion von 2 Monaten zu
gewähren.
5.3. Des Weiteren hat bereits die Vorinstanz eine Verletzung des strafpro-
zessualen Beschleunigungsgebots festgestellt, da im Rahmen einer umfassenden
Prüfung die Verfahrensdauer als zu lange erscheint (Urk. 95 S. 79 ff.). Darauf hat
auch die Verteidigung hingewiesen und ergänzend festgehalten, dass bis zur
Berufungsverhandlung weitere 18 Monate vergangen seien (Urk. 148 N 61). Dem
ist beizupflichten. Zwar kann die Dauer des Berufungsverfahrens allein angesichts
des Umfangs der vorliegenden Strafsache – zu beurteilen waren gleichzeitig die
- 41 -
Tatvorwürfe dreier separat angeklagter Mitbeschuldigter, wobei die Berufungen
von vier verschiedenen Parteien zu behandeln waren – nicht als unverhältnis-
mässig lange gewertet werden. Indessen ist nicht zu verkennen, dass seit der
eingeklagten Tat inzwischen mehr als 4 Jahre vergangen sind, was als leichte
Verletzung des Beschleunigungsgebots einzustufen ist. Dafür erscheint im Falle
des Beschuldigten eine weitere Strafminderung von 2 Monaten angezeigt. Dar-
über hinaus kann der Beschuldigte aus dem Umstand, dass er sich seit der Tat
wohl verhalten hat, nichts zu seinen Gunsten ableiten (Prot. II S. 18). Dies wird
gemäss Rechtsprechung allgemein vorausgesetzt (Urteil 6B_523/2018 vom 23.
August 2018 E. 2.3.3). Auch auf den Strafmilderungsgrund von Art. 48 lit e StGB
kann er sich vor diesem Hintergrund nicht berufen, da die diesbezüglichen Vo-
raussetzungen bereits in zeitlicher Hinsicht nicht erfüllt sind (BGE 140 IV 145 E.
3.1).
5.4. In Nachachtung des eher positiven Nachtatverhaltens und der leichten
Überschreitung der angemessenen Verfahrensdauer ist die vorstehend ermittelte
Einsatzstrafe von 24 Monaten mithin um insgesamt 4 Monate zu reduzieren.
Weitere Strafzumessungsfaktoren sind nicht ersichtlich.
6. Resultierende Freiheitsstrafe und Vollzug
Insgesamt erweist sich für den Angriff und die versuchte einfache Körperverlet-
zung eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten als dem Verschulden und den persönli-
chen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen. Die Anrechnung von
51 Tagen erstandener Haft ist ferner auch im vorliegenden Entscheid zu über-
nehmen (Urk. 95 S. 81). Zudem kann der Vorinstanz gefolgt werden, wenn sie
dem Beschuldigten als Ersttäter die günstige Legalprognose nicht abspricht und
ihm den bedingten Strafvollzug unter Ansetzung einer 2-jährigen Probezeit ge-
währt (Urk. 95 S. 83 f.). Dies ist ebenfalls zu bestätigen.
7. Geldstrafe und Busse sowie Vollzug
Nicht zu beanstanden ist im Ergebnis schliesslich die in erster Instanz ausgefällte
Sanktion von 10 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 100.–, verbunden mit einer Busse
- 42 -
von Fr. 300.– für die vom Beschuldigten begangene grobe Verkehrsregelverlet-
zung (Urk. 95 S. 81 f.). Ebenso wenig geben die im vorinstanzlichen Urteil festge-
legten Vollzugsmodalitäten der Geldstrafe (bedingt, bei einer Probezeit von
2 Jahren) und der Busse (unbedingt, bei einer Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen)
zu weiteren Bemerkungen Anlass (Urk. 95 S. 82 ff.). Beides ist daher unverändert
im vorliegenden Berufungsentscheid zu übernehmen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Grundlagen
1.1. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei im
Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre gestellten Anträge gutgeheissen wurden (BSK StPO-
DOMEISEN, 2. Aufl. 2014, Art. 428 N 6). Entgegen der Ansicht der Vertreterin des
Privatklägers 1 gilt die in Art. 30 Abs. 1 OHG statuierte Kostenfreiheit im Beru-
fungsverfahren grundsätzlich nicht, weshalb auch die unentgeltlich vertretene
Privatklägerschaft bei Unterliegen kostenpflichtig werden kann (Urteil
6B_370/2016 vom 16. März 2017 E. 1.2, nicht publ. in BGE 143 IV 154, m.H.; Ur-
teil 6B_803/2017 vom 26. April 2018 E. 5.3). Besonderheiten bestehen jedoch
bezüglich der Auferlegung der Kosten der amtlichen Verteidigung und unentgeltli-
chen Vertretung der Privatklägerschaft. Hierfür sind spezielle Regelungen zu be-
achten (vgl. sogleich E. VI.1.2. f.).
1.2. Werden der amtlich verteidigten beschuldigten Person Verfahrenskosten
auferlegt, ist die beschuldigte Person verpflichtet, dem Kanton die Entschädigung
der amtlichen Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es ihre wirtschaftlichen Ver-
hältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Mangels gesetzlicher Grundlage kön-
nen die Kosten der amtlichen Verteidigung auch dann nicht der appellierenden
Privatklägerschaft auferlegt werden, wenn diese im Berufungsverfahren unterliegt
(vgl. Pra 2019 Nr. 114).
- 43 -
1.3. Die unentgeltliche Rechtspflege der Privatklägerschaft umfasst insbeson-
dere auch die einstweilige Befreiung von den Kosten der gewährten Rechtsvertre-
tung (Art. 136 Abs. 2 StPO). Diesbezüglich hat das Bundesgericht entschieden,
dass die in Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO statuierte Pflicht zur
Rückerstattung dieser Kosten der gewährten Kostenfreiheit gemäss Art. 30 Abs. 3
OHG vorgehe, wenn ein erstinstanzlicher Freispruch vorliege, der im Berufungs-
verfahren bestätigt werde (BGE 143 IV 154 E. 2.3.5). Das Bundesgericht macht
die Kostenauflage jedoch nicht allein davon abhängig, ob erstinstanzlich ein Frei-
spruch erfolgte oder nicht. Vielmehr hält es generell fest, dass Art. 30 Abs. 3 OHG
der bedürftigen Privatklägerschaft keinen Anspruch darauf einräumt, ohne jegli-
ches Kostenrisiko über alle Instanzen hinweg zu prozessieren. Für die Frage der
Befreiung von der grundsätzlichen Rückerstattungspflicht gemäss Art. 30 Abs. 3
OHG ist daher die konkrete prozessuale Vorgeschichte massgebend (zum Gan-
zen: Urteil 6B_655/2018 vom 4. April 2019 E. 2.5.2).
2. Kostenauflage
2.1. Gerichtsgebühr
Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– zu veranschla-
gen (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 GebV OG). Während der
Privatkläger 1 mit seinen Anträgen gesamthaft weitgehend unterliegt, gleichzeitig
aber hinsichtlich des zusätzlichen Schuldspruchs wegen versuchter einfacher
Körperverletzung als obsiegend zu gelten hat, gilt der Privatkläger 2 aufgrund des
Nichteintretens auf seine Berufung als vollumfänglich unterliegend. Der Beschul-
digte liess die vollumfängliche Abweisung der privatklägerischen Berufungen so-
wie die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantragen, weshalb er
ausgangsgemäss als teilweise obsiegend zu gelten hat. Der seitens der Staats-
anwaltschaft gestellte Bestätigungsantrag erweist sich in vorliegender Konstellati-
on als nur von untergeordneter Bedeutung, welcher sich nicht auf die Kostenver-
teilung auszuwirken vermag. Anhand der Gewichtung der einzelnen Anträge der
Parteien rechtfertigt es sich vorliegend, die Kosten des Berufungsverfahrens, mit
Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Vertretung der Privatklägerschaft, zu 3/6 dem Privatkläger 2, zu 2/6 dem Privat-
- 44 -
kläger 1 und zu 1/6 dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kostenanteile der Pri-
vatklägerschaft sind zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege einst-
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht
vorbehalten bleibt.
2.2. Kosten der amtlichen Verteidigung
Da der Beschuldigte bei isolierter Betrachtung seiner Anträge nur unwesentlich
unterliegt, sind ihm die Kosten seiner amtlichen Verteidigung zu 1/6 aufzuerlegen
und in diesem Umfang einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rück-
zahlungspflicht des Beschuldigten ist gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehal-
ten. Im verbleibenden Umfang von 5/6 sind die Kosten der amtlichen Verteidigung
trotz Unterliegens der Privatklägerschaft definitiv auf die Gerichtskasse zu neh-
men.
2.3. Kosten der der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft
2.3.1. Wenn die Vertreterin des Privatklägers 1 geltend macht, die Kosten der
unentgeltlichen Vertretung dürften dem Privatkläger 1 gestützt auf Art. 30 Abs. 3
OHG weder auferlegt werden noch sei diesbezüglich ein Rückforderungsvorbe-
halt anzubringen, da erstinstanzlich kein Freispruch erfolgt sei, kann ihr im Lichte
der zuvor genannten Grundsätze nicht gefolgt werden (Urk. 143 S. 9). Der Privat-
kläger 1 hatte vor Vorinstanz eine Verurteilung wegen versuchter vorsätzlicher
Tötung beantragt sowie eine Genugtuungsforderung von Fr. 70'000.– geltend
gemacht (Urk. 75). Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten jedoch lediglich
wegen Angriffs und sprach dem Privatkläger 1 eine Genugtuung von Fr. 20'000.–
zuzüglich Zins von 5 % ab 16. April 2018 zu (Urk. 95 S. 93 ff.). Während der
Beschuldigte sowie die Staatsanwaltschaft das erstinstanzliche Urteil akzeptier-
ten, verlangte der appellierende Privatkläger 1 zunächst mit Berufungserklärung
vom 12. März 2021 (erneut) eine zusätzliche Verurteilung wegen versuchter
vorsätzlicher Tötung sowie die Erhöhung der Genugtuung auf Fr. 40'000.– (vgl.
Urk. 98). Erst anlässlich der Berufungsverhandlung wurden diese Anträge im
Schuldpunkt abgeschwächt (Schuldspruch wegen vollendeter schwerer Körper-
verletzung) bzw. bezüglich den Zivilforderungen gar zurückgezogen (vgl.
- 45 -
Urk. 143). Nachdem die Erstinstanz trotz entsprechenden Anträgen des Privatklä-
gers 1 zum Schuldpunkt nicht auf eine weitergehende Verurteilung des Beschul-
digten erkannte, konnte diesen privatklägerischen Anträgen auch im Berufungs-
verfahren weitestgehend nicht gefolgt werden. Damit liegt eine ähnliche Konstella-
tion vor, wie wenn ein erstinstanzlicher Freispruch im Berufungsverfahren bestä-
tigt wird. Kommt hinzu, dass der Privatkläger 1 auch im Zivilpunkt als unterliegend
gilt, weshalb er mit seiner Berufung ein vom OHG nicht mehr gedecktes Pro-
zessrisiko eingegangen ist (s.a. Urteil 6B_655/2018 vom 4. April 2019 E. 2.5.2).
Der Privatkläger 1 kann sich bezüglich der ihn treffenden Rückerstattungspflicht
der Kosten seiner unentgeltlichen Verbeiständung im Berufungsverfahren folglich
nicht auf Art. 30 Abs. 3 OHG berufen.
2.3.2. Im Lichte der gestellten Anträge rechtfertigt es sich, dem Privatkläger 1 die
Kosten seiner unentgeltlichen Vertretung zu 2/3 aufzuerlegen und in diesem
Umfang einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Jedoch bleibt nach dem
Gesagten die diesbezügliche Rückzahlungspflicht des Privatklägers 1 gemäss
Art. 138 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten. Im
verbleibenden Umfang sind die Kosten der unentgeltlichen Vertretung des Privat-
klägers 1 definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2.3.3. Die unentgeltliche Rechtsverbeiständung der Privatklägerschaft erfolgt
insbesondere zur Durchsetzung ihrer Zivilansprüche (Art. 136 Abs. 1 StPO).
Obwohl der Privatkläger 2 seitens der Staatsanwaltschaft formell als Partei im
vorliegenden Verfahren aufgenommen wurde, wies bereits die Vorinstanz dessen
Zivilansprüche gegenüber dem Beschuldigten unter Hinweis auf den fehlenden
Tatkonnex im vorliegenden Verfahren ab (Urk. 95 S. 91 f.). Auf die dagegen erho-
bene Berufung wurde mangels Rechtsschutzinteresse nicht eingetreten. Da das
Prozessverhalten des Privatklägers 2 im Berufungsverfahren vor dem genannten
Hintergrund nicht mehr von Art. 30 Abs. 3 OHG gedeckt ist, und er mit seinen
Anträgen vollumfänglich unterliegt, sind dem Privatkläger 2 die gesamten Kosten
seiner unentgeltlichen Vertretung für das Berufungsverfahren aufzuerlegen. Diese
sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht
- 46 -
des Privatklägers 2 gemäss Art. 138 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 135
Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
3. Entschädigungen
3.1. Die Höhe der Entschädigung für amtliche Mandate richtet sich auch im
Berufungsverfahren nach den §§ 2, 3 und 17 ff. der Verordnung über die Anwalts-
gebühren vom 8. September 2010 (Anwaltsgebührenverordnung, LS 215.3, nach-
stehend: AnwGebV). Gemäss § 23 Abs. 1 i.V.m. § 1 Abs. 2 AnwGebV setzt sich
die Vergütung aus der Gebühr und den notwendigen Auslagen zusammen. Die
Gebühr für die Führung eines Strafprozesses, einschliesslich Vorbereitung des
Parteivortrags und Teilnahme an der Hauptverhandlung, beträgt auch im Be-
rufungsverfahren für einen kollegialgerichtlichen Fall gemäss § 18 Abs. 1 i.V.m.
§ 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV Fr. 1'000.– bis Fr. 28'000.–. Entschädigungspflichtig
sind dabei generell nur jene Aufwendungen, die in einem kausalen Zusammen-
hang mit der Wahrung der Rechte im Strafverfahren stehen, notwendig und ver-
hältnismässig sind (Urteil 6B_695/2007 vom 8. Januar 2008 Erw. 3.5 m.H.). Bei
einer Honorarbemessung nach Pauschalbeträgen werden alle prozessualen Be-
mühungen zusammen als einheitliches Ganzes aufgefasst und der effektive Zeit-
aufwand lediglich im Rahmen des Tarifansatzes berücksichtigt. Ausgangspunkt ist
eine Gesamtbetrachtung des Honorars im Rahmen des weiten gerichtlichen Er-
messens unter Berücksichtigung des konkreten Falles (BGE 143 IV 453 E. 2.5.1
m.H; Urteil 6B_332/2017 vom 18. Januar 2018 E. 2.7). Richten sich Honorarpau-
schalen nicht in erster Linie nach dem Umfang der Bemühungen, ist der tatsäch-
lich geleistete Aufwand zunächst nur sehr bedingt massgebend. Gleichwohl sind
die sachbezogenen und angemessenen Bemühungen zu entschädigen (vgl. auch
Urteil 5D_114/2016 vom 26. September 2016 E. 4 m.H.). Bei der Bemessung des
Honorars steht den kantonalen Gerichten ein weiter Ermessenspielraum zu (Urteil
6B_951/2013 vom 27. März 2014 E. 4.2).
3.2. Die amtliche Verteidigung macht für ihre Aufwendungen und Barauslagen
im Berufungsprozess insgesamt Fr. 10'024.10 inkl. MwSt. geltend, wobei die
Aufwendungen im Zusammenhang mit der Berufungsverhandlung leicht zu hoch
eingeschätzt wurden (Urk. 149). Das geforderte Honorar steht im Einklang mit
- 47 -
den Ansätzen der AnwGebV und erweist sich insbesondere mit Blick auf den
notwendigen Zeitaufwand für die gebührende Verteidigung des Beschuldigten
grundsätzlich als angemessen, zumal sich der Beschuldigte gegen zwei Privat-
kläger verteidigen musste, welche eine erhebliche Verschärfung des vorinstanzli-
chen Urteils beantragten. Es erscheint daher gerechtfertigt, Rechtsanwalt MLaw
Y._ pauschal mit Fr. 10'000.– (inkl. Auslagen und MwSt.) aus der
Gerichtskasse zu entschädigen.
3.3. Obwohl gleichzeitige Bemühungen für mehrere Verfahren bzw. Mandate
grundsätzlich aufzuteilen sind (vgl. Leitfaden amtliche Mandate der Oberstaats-
anwaltschaft des Kantons Zürich, 3. Aufl. S. 65), reichte die Vertreterin des Pri-
vatklägers 1 eine Honorarnote für sämtliche Aufwendungen im vorliegenden Ver-
fahren sowie in demjenigen gegen den Mitbeschuldigten E._ ein. Darin wer-
den insgesamt Fr. 14'986.55 (inkl. Auslagen und MwSt.) geltend gemacht, wobei
der Aufwand für die Berufungsverhandlung (6 Stunden) und die Nachbe-
sprechung (1 Stunde) noch unberücksichtigt blieben (Urk. 138/2; Urk. 143 S. 9;
Prot. II S. 8 ff.). Letztere entsprechen einem Betrag von Fr. 1'658.60 (7 Stunden x
Fr. 220.– = Fr. 1'540.– zzgl. 7.7 % MwSt.). Der geltend gemachte Aufwand beläuft
sich daher inkl. MwSt. insgesamt auf Fr. 16'645.15 (Fr. 14'986.55 + Fr. 1'658.60 =
Fr. 16'645.15).
Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung ist vorliegend zu berücksichtigen, dass es
sich zwar a priori nicht um einen leichten Fall handelt, jedoch auch kein Verfahren
vorliegt, welches äusserst spezieller Anforderungen bedurft oder gesondert zu
berücksichtigende Mehraufwände generiert hätte. Das Verfahren weist eine über-
schaubare Anklage sowie Aktenlage auf, wobei nicht mehr der gesamte Prozess-
stoff Gegenstand des Berufungsverfahrens bildete. Unter weiterer Berücksich-
tigung der geltend gemachten Aufwendungen, welche bei gleichzeitigen Bemüh-
ungen in mehreren Verfahren nicht jeweils vollständig geltend gemacht werden
können, sowie aufgrund von gewissen Doppelspurigkeiten in der Vorabeingabe
vom 19. April 2022 und dem anlässlich der Berufungsverhandlung vorgetragenen
Plädoyer erscheint es insgesamt angemessen, Rechtsanwältin lic. iur. X1._
- 48 -
für ihre Aufwendungen und Auslagen im vorliegenden Verfahren pauschal mit
Fr. 6'500.– (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entschädigen.
3.4. Der unentgeltliche Vertreter des Privatklägers 2 unterschied in seiner
Aufwandaufstellung ebenfalls nicht zwischen den drei parallel geführten Verfah-
ren. Er macht für sämtliche Verfahren und unter Anwendung eines Stundenansat-
zes von Fr. 240.– insgesamt Aufwendungen von Fr. 18'850.– (inkl. Auslagen und
MwSt.) geltend (Urk. 137; Urk. 146; Fr. 15'985.35 + Fr. 2864.65 = Fr. 18'850.–).
Noch unberücksichtigt seien dabei die im Zusammenhang mit der Berufungsver-
handlung angefallenen Aufwände (7 x Fr. 240.– = Fr. 1'680.–), was unter Einbe-
zug der Mehrwertsteuer eine Gesamtforderung von rund Fr. 20'660.– ergibt.
Für die Festsetzung einer angemessenen Entschädigung des unentgeltlichen
Vertreters des Privatklägers 2 gilt es Folgendes zu beachten: Der bei besonderen
Sprachkenntnissen gewährte Stundenansatz von Fr. 240.– wird nur für Bemü-
hungen ausgerichtet, bei denen tatsächlich Übersetzungskosten eingespart wer-
den können (Leitfaden amtliche Mandate der Oberstaatsanwaltschaft des
Kantons Zürich, 3. Aufl. S. 55). Im Berufungsverfahren wäre der geltend gemach-
te Ansatz daher nur für die notwendigen Klientenkontakte zu gewähren. Entschei-
dend ist jedoch vorliegend, dass auf die Berufung mangels Rechtsschutzinteresse
nicht eingetreten wurde, weshalb ein Grossteil der Bemühungen im vorliegenden
Verfahren trotz formeller Parteistellung nicht notwendig und verhältnismässig wa-
ren. Der überwiegende Teil des geltend gemachten Aufwands dürfte denn auch
im Verfahren SB210149-O gegen den Mitbeschuldigten D._ entstanden sein,
in welchem dem Privatkläger 2 unbestrittenermassen Opferstellung zukommt.
Sodann erfolgten im Parteivortrag nebst unzulässigen Ausführungen zur Sanktion
auch Vorbringen bezüglich der rechtlichen Würdigung des Übergriffs auf den
Privatkläger 1 sowie Wiederholungen aus dem vorinstanzlichen Plädoyer. Im Sin-
ne einer Gesamtbetrachtung rechtfertigt es sich daher, Rechtsanwalt lic. iur.
X2._ für seine Aufwendungen im vorliegenden Verfahren eine Entschädi-
gung von pauschal Fr. 2'000.– (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entrichten.
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