Decision ID: 9615c777-de92-4b82-8e44-be8eae2f972c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1978, war seit April 1999 als Hilfsarbeiter bei der
Y._
(später
Z._
) angestellt
als er am
1
3.
Juni 2013
auf e
iner Baustelle
abrutschte
und
sich am rechten Fussgelenk eine Ver
stauchung/Verdrehung zu
zog
. Die Suva er
brachte ihre Leistungen (Urk.
8/8
/
1
4
1
). Am 1
6.
Mai 2014 wurde ein operativer Eingriff
am rechten oberen Sprunggelenk (OSG) durchgeführt
(
Urk.
8/8/85).
Unter Angabe
von
seit dem 2
2.
April 2014
bestehenden
Beeinträchtigungen
und der Operation am rechten Sprung
ge
lenk
meldete
sich
der Versicherte
am 22
.
Oktober 2014
erstmals zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen I
nva
lidenversicherung an (
Urk.
8/5
Ziff.
6).
Die zuständige Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte Abklärungen in erwerblicher und medizini
scher Hinsicht und
zog mehrfach die Akten der Suva bei (vgl.
Urk.
8/8,
Urk.
8/20 und
Urk.
8/26). Mit Verfügung vom 2
2.
März 2016
verneinte sie
bei einem ermit
telten Invaliditätsgrad von 3
%
einen Anspruch
auf eine Invalidenrente (
Urk.
8/32
).
1.2
Am 1
5.
September 2016 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von Leis
tungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
8/36).
Die IV-Stelle tätigte wiederum Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht und
holte die Akten der Suva ein (vgl.
Urk.
8/48). Sodann gewährte sie Eingliederungsmassnah
m
en
(Arbeitsvermittlung)
und
stellte
diese mit Mitteilung vom
2.
November 2017 ein (
Urk.
8/83
, vgl. auch
Urk.
8/71,
Urk.
8/74,
Urk.
8/76
und Abschlussbericht Arbeitsvermittlung
Urk.
8/88
)
.
Im weiteren Verlau
f veranlasste die IV-Stelle ein
polydisziplinäre
s
Gutachten
im
A._
,
das
am 2
3.
November 2018 erstattet wurde (
Urk.
8/118).
Zwischenzeit
lich sprach die
Suva
dem Versicherten
mit
Verfügung vom 15.
November 2017
und
Einspracheentscheid
vom
4.
Januar 2019
eine Integritätsentschädi
gung basierend auf
einer Integritätseinbusse von 5
%
und bei einem Invaliditätsgrad von 11
%
eine Invalidenrente
zu (
Urk.
8/87
und
Urk.
8/125
).
Die IV-Stelle
ihrer
seits
verneinte
nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/129) mit Ver
fügung vom 1
0.
April 2019 einen Ans
pruch auf eine Invalidenrente
(
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
0.
April 2019
(
Urk.
2) erhob der Versicherte am
23
.
Mai
2019 Beschwerde und
stellte die Anträge
(
Urk.
1 S. 2),
ihm
sei
eine Inva
lidenrente zuzusprechen, eventualiter
sei die angefochtene Verfügung aufzuhe
ben und die Sache
zur ergänzenden medizinischen Abklärung und zum Neuent
scheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und unentgeltli
chen
Rechtsverbeiständung
. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwer
deantwort vom
4.
Juli 2019 (
Urk.
7
) auf Abweisung der Beschwerde
.
Mit Eingabe vom
7.
August 2019 (
Urk.
12)
änderte
der Beschwerdeführer sein
Rech
tsbegehre
n dahingehend
,
als der Hauptantrag auf Zusprechung einer Invalidenrente fallen
gelassen
und am Eventualantrag auf Rückweisung der Sache festgehalten wurde
. Davon wurd
e der Beschwerdegegnerin am 12.
August 2019 Kenntnis gegeben (
Urk.
13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil de
s Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken.
Die
Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psy
chiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festge
stellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätz
lich unbesehen der Ätiologie
ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurtei
lende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E.
4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V
547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.5
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad
der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch
tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Praxisgemäss darf das Gericht Gutachten externer Spezialärzte, welche von Ver
sicherungsträgern im Verfahren nach
Art.
44 ATSG eingeholt wurden und den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechen, vollen Beweiswert zuerkennen,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/
bb
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
ihren Entscheid
(
Urk.
2)
damit, dass mit Ver
fügung
vom 2
2.
März 2016
ein
Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem IV-Grad von 3
%
abgewiesen worden
sei
.
Am 1
9.
September 2016 habe
sich der Beschwerdeführer neu angemeldet und in diesem Zusammenhang seien umfang
reiche medizinische Abklärungen
,
unter anderem eine Begutachtung im
A._
vorgenommen worden. Aufgrund der dabei erhobenen körperlichen Befunde
sei
in einer angepassten leichten, wechselbelastenden Tätigkeit
unverändert
eine volle Erwerbsfähigkeit ausgewiesen. Im
Zusammenhang mit dem psychischen Leiden bestehe eine leichte Einschränkung bei Tätigkeiten in der Gruppe und bei der Umstellung an neue Arbeits
abläufe. Darüber hinaus besitze
der Beschwerde
führer genügend Ressourcen und Fähigkeiten
sich an Regeln und Routine
n
an
passen und
um
Aufgaben gut strukturieren zu können und ihm
sei
eine ent
sprechend angepasste Hilfstätigkeit zum Beispiel als Mitarbeiter in der Produktion bei vollständiger Erwerbsfähigkeit zumutbar. Insgesamt werde aufgrund der medizinischen Unterlagen
damit
keine wesentliche Verschlechterung seit der letz
ten Verfügung vom 2
2.
März 2016 ausgewiesen und es bestehe
weiterhin
kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
Der Beschwerdeführer
habe
auch
keine Berufs
bildung und bis anhin
ausschliesslich
Hilfstätigkeiten im Baugewerbe ausgeübt. Aufgrund der bestehenden Erwerbsbiographie und der gesundheitlichen Ein
schränkung sei es
ihm
zumutbar
,
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine ange
passte Hilfstätigkeit zu suchen. Eine Einschränkung bei der Stellensuche im bisherigen Berufsfeld bestehe nicht. Deshalb sei das Regionale Arbeitsvermitt
lungszentrum (RAV) zuständig und es bestehe auch kein Anspruch auf berufliche Massnahmen.
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1 S.
3
),
der Entscheid vermöge nicht zu überzeugen, da
der behandelnde Psychiater von einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode und einer Persönlichkeits
änderung bei chronischem Schmerzsyndrom aus
gehe
, was zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit führe.
Auch d
as
A._
-Gutachten bestätige aus psychiatri
scher Sicht
immerhin
eine mittelgradige depressive Episode und eine dadurch bewirkte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf 70
%
, wobei aus Sicht der Gut
achter die
Behandlungsoptionen nicht ausgeschöpft seien.
Zudem
werde, wie im UVG-Verfahren
auch
,
bestritten, dass aus somatischer Sicht für eine angepasste Tätigkeit eine 10
0%
ige Arbeitsunfähigkeit bestehe
.
Im Verfa
hren führte er aus (
Urk.
12 S. 2 f.
),
nachdem die UVG-Beschwerde inzwischen zurückgezogen worden sei, beschränke sich die vorliegende IV-Beschwerde in erster Linie auf die psychischen Aspekte. Dabei erachte
die Beschwerdegegnerin gestützt auf die Stellungnahme des psychiatrischen RAD-Arztes die im
A._
gestellten Diagnosen als nicht plausibel.
Demgegenüber bestünden
aufgrund des Berichtes des behandelnden Psychiaters
Dr.
B._
und auch
aufgrund
des Austrittsberichts der
C._
deutliche Hin
weise auf eine invalidisierende psychische Störung, sodass nicht einfach mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit angenommen werden könne, es bestehe keine rentenrelevante psychische Problematik. Die Sache sei deshalb zur Durchführung ergänzender medizinischer Abklärungen (psychiatrisches Gut
achten)
und
zum Neuentscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
.
3.
Die Beschwerdegegnerin
verneinte
mit Verfügung vom 2
2.
März 2016 einen Leis
tungsanspruch (
Urk.
8/32).
I
m Zusammenhang mit der Neuanmeldung
vom
1
5.
September 2016
gewährte sie
Eingliederungsmassnahmen und
tätigte
ver
schiedene Abklärungen
. Damit ist sie
auf die Neuanmeldung eingetreten
(vgl. Sachverhalt E. 1)
.
Streitgegenstand u
nd zu prüfen
ist somit, ob im relevanten Zeitraum zwischen der letztmaligen Verfügung vom 2
2.
März 2016 und der vor
liegend angefochtenen Verfügung vom 1
0.
April 2019
eine rechtserhebliche Änderung eingetreten ist
und gegebenenfalls wie sich diese Veränderung auf den Invaliditätsgrad auswirkt
(vgl. E. 1.3
Abs.
2 hiervor)
.
4.
4
.1
Im
Austrittsbericht der
C._
vom 1
8.
Dezember 2014 (
Urk.
8/20/19-20) über den Aufenthalt
vom
1
3.
November bis 1
2.
Dezember 2014
nannten
die Ärzte folgende Diagnosen:
Unfall im Jahr 1999 bei der Arbeit, rechter Fuss verletzt mit A1
Malleolar
fraktur
rechts
-
1
3.
Juni 2013 OSG-Distorsion
.
-
2
2.
August 2013 CT-Befund: Bei Status nach Fraktur des lateralen
Malleolus
und OSG-Distorsion
aktuell kein
Hinweis auf eine frische oder subakute Fraktur. Kleinste Verkalkungsstrukturen
.
-
1
1.
Dezember
2013 MRI-Befund OSG rechts; Unmittelbar kaudal
des Ligamentum
talofibulare
anteri
us
zeige
sich ein G
ang
lion
.
-
2
1.
März 2014 Röntgenbefund OSG rechts: L
eichte
Arthrose im oberen Sprunggelenk
.
-
1
6.
Mai 2014 Naht der
Peroneus
brevi
s
-Sehne
, Rekonstruktion
superiores
Reti
nakulum
peroneale
,
OSG-Arthroskopie mit Narben-
Débri
dement
rechts
.
-
5.
September 2014 MRI-OSG rechts: F
leckiges Knochenmarksödem der Fussknochen, komplexes
regionales Schmerzsyndrom (CRPS). Im Verlauf progrediente
peritendinitische
Veränderungen
um die Sehnen des
Muscu
lus
peroneus
brevis
un
d
longus
, wobei die Sehne des
Musculus
peroneus
brevis
progredient verdünnt
sei
Es wurde ausgeführt, der
Beschwerdeführer sei
ca.
17 Mo
nate nach dem
Unfall mit operativer Versorgung
bei genannten Diagnosen zur stationären Rehabil
ita
tion
durch die Suva zugewiesen worden. Es bestünden
belastun
gsabhängige Schmerzen und eine Schwellung im rechten Fuss. Der Beschwerdeführer sei mit Unterarmgehstützen mobil und präsentiere sich
ohne Gehstützen
mit einem
deut
lichen
Entlastungshinken mit verkürztem Abrollvorgang
.
Bei der Inspektion
sei
perimall
eolär
am Aussenknöchel eine diskrete Schwellung auszumachen.
Bei der Palpation
ergebe sich
über der di
stalen Fibula und
peri
malleolär
am
Aussenknö
chel sowie ventral über dem OSG Spalt und medial unterhalb des Innenknöchels
eine deutliche
Druckdolenz
.
Die beschriebenen Beschwerden w
i
e
sen auf einen persistierenden Reizzustand
im Bereiche der
Peronealsehnen
hin,
di
e durch Belastung verstärkt würden
. Das Ausmass der demonstrierten
physischen Ein
schränkungen
lasse
sich mit den objektivierbaren pathologischen
Befunden der
klinischen Untersuchung und bil
dgebende
n Abklärung sowie den Diagnosen
nur ungenügend erkl
ären. Das gezeigte Beschwerdebil
d
sei
zu einem gewissen Anteil auch durch ein
Schmerzvermeidungs- und Schonverhalten im Rahmen einer mässigen Symptomauswei
tung überlagert
(S. 3). Es habe keine wesentliche Ver
besserung der Schmerzproblematik erreicht und die körperliche Lei
stungsfähig
keit und Belastbarkei
t beim Training bei einem mässigen Niveau nicht wesentlich gesteigert werden könne
n. Bezüglich der Beweglichkeit i
m rechten Sprunggelenk sei insgesamt keine Verbesserung erreicht worden und aufgrund der starken Schmerzen, die der Beschwerdeführer geltend gemacht habe
,
und
das
s
Hands on-Therapi
en kaum toleriert worden
seien, sei
es schwierig gewesen einen therapeu
tischen
Zugang zu finden. Das Ziel des Stockabbaus
habe
ebenfalls aufgru
nd der
Schmerzen nicht erreicht werden können. Arbeitsrelevante
Probleme
seien belas
tungsabhängi
ge Schmerze
n mit Schwellneigung im rechten Fuss.
Der
Beschwer
deführer sei mit zwei Unterarmgehstützen
mobil
und die
zuletzt
körper
l
i
ch schwere
Tätigkeit als Bauarbeiter
mit
wiederholtem Hantieren
von
schw
eren Las
ten
sowie
das
ausschliesslich
stehend/gehende
Arbeiten,
sei
nicht mehr zumutbar
(S. 4)
.
4.2
Dr.
med.
B._
, praktischer Arzt FMH, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt im Bericht vom 2
7.
Februar 2017 (
Urk.
8/58) fest
(S. 1 f.)
, der Beschwerdeführer sei ihm im Januar 2016 vom Hausarzt zur psychiatrischen und psychotherapeutischen fachärztlichen Behandlung zugewiesen worden.
Es
bestehe eine hochgradige Abhängigkeit sowie Anspruchs
-
und Erwartungshal
tung gegenüber anderen und eine Überzeugung, durch die Krankheit und den Unfall verändert oder stigmatisiert worden zu sein. Die
s führe zu einer Unfähig
keit
enge und vertrauensvolle persönliche Beziehungen aufzuneh
men und beizu
behalten sowie zu einer
sozialen
I
solation. Ferner
fänden
sich eine Passivität,
verminderte Interessen und
eine
Vernachlässigung frühere
r
Freizeitbeschäftigun
gen, ständige
Beschwerden über das Kranks
ein, eine
dysphorische
und labil
e Stimmung
und seit
längerer Zeit deutliche Störungen de
r sozialen und berufli
chen Funktionsfähigkeit.
Des Weiteren
bestehe
eine starke und unflexible Per
sönlichkeitsveränderung, die eine deutliche Störung der alltäglichen Funktionsfähigkeit zur Folge habe
,
und diese Veränderung bestehe seit mindestens zwei Jahren.
Er
habe grosse Scha
mgefühle, die Flexibilität in der Anpassung distanzi
er
e
. Er
habe Mühe a
lleine einkaufen zu gehen, denke
an den
eigenen Tod, s
ehe
in seinem Leb
en aktuell nur noch wenig Sinn und
fühle sich nicht mehr nützlich
und nur noch als „einen halben Mann". Er sei
in seiner allgemeinen Lebensqualität r
eduziert und eingeschränkt, habe die Position des Selbst
vers
or
gers in der Familie verloren und fühle
sich
im Stich gelassen von gewissen
Ärzten, Vo
runtersucher
n
und Versicherungen und gerate rasch in eine ä
ngstliche Stim
mungslage
,
vor
allem
,
wenn es um die finanzielle Zukunft seiner Familie gehe
. Er habe latente Suizidgedanken, eine starke innere Unruhe und Angespa
nntheit und reagiere teilweise i
mpulsiv. Diese Symptomatik sei Folge des Unfalls.
Als Diagnosen bestünden
eine
mittel- bis schwere depressive Episode ohne psy
ch
otische Symptome
(
ICD-10 F32.2
)
und eine Persönlichkeitsänderung bei chro
nischem Schmerzsyndrom
(
ICD-10 F
62.8
)
und der Beschwerdeführer sei
immer noch
voll arbeitsunfähig
(S. 3)
.
4.3
Im Austrittsberich
t der
C._
vom 2
5.
April 2017 (
Urk.
8/65) über den Aufenthalt
vom
9.
März
bis
6.
April 2017
führten die Ärzte
aus
(S. 5)
,
die hauptsächlichen Ziele des
Aufenthaltes seien der Stockabbau sowie das Erlangen eines aktiveren Umgangs mit den Schmerzen gewesen. In der Therapie habe sich
der Beschwerdeführer
sehr schmerzgeplagt
und
an informativen Gesprächen über einen aktiven Umgang mit Schmerzen zwar interessiert gezeigt, allerdings
habe er sich
nicht in der Lage gesehe
n
,
die Belastbarkeit zu steigern
solange er Schmer
zen habe. Eine wesentliche Verbesserung der Schmerzproblematik habe nicht erreicht und
d
ie körperliche Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit aufgrund des verkürzten Rehabilitationsaufentha
l
tes
nicht wesentlich gesteigert werden
kön
nen. Zur Arbeitsfähigkeit
führten die Ärzte aus
(S. 2 f.), es sei eine erhebliche Symptomausweitung beobachtet worden, die sich teilweise auf eine psychische Störung zurückführ
en
lasse
. Es sei davon auszugeh
en, dass bei gutem
Effort
eine bessere Leistung
erzielt werde
n könnte
,
als bei den Leistungstests und im Behand
lungsprogramm gezeigt worden sei. In
folge der Selbstlimitierung hätten
die zu erwartenden Verbesserungen bezüglich Funktion und Belastbarkeit nicht erreicht werden können und die Resultate der
physischen Leistungstests seien
deshalb für die Beurteilung
der zumutbaren körperlichen Belastbarkeit nicht verwertbar.
Die festgestellt
e psychische Störung begründe
aktuell eine mittelschwere arbei
ts
relevante Leistungsminderung,
zusätzlich zu den
muskulos
kel
ettal
bedingten Ein
schränkungen
.
Aufgrund der aktuell geringen psychophysischen Belastbarkeit mit Schmerzen, depressiven Symptomen, psychosozialer Belastung und der aktuellen Verzweiflung sollte er beruflich nicht überfordert werden. Eine berufli
che Eingliederung dürfte sich als schwierig erweisen. Zumindest
müsste dem Beschwerdeführer etwas mehr Zeit als üblich für eine Neuorientierung eingeräumt werden und es sei
die
Wiedereingliederung in einem vorübergehend geschützten Arbeitsrahmen unter psychiatrischer Mitbetreuung zu empfehlen. Alternativ könne auch eine psychiatrische stationäre Behandlung in Betracht gezogen wer
den. Eine Neubeurteilung durch den weiterbehandelnden Psychiater sei frühes
tens in zwei bis drei Monaten vorzunehmen (S. 3).
4.4
Im Sprechstundenbericht des
D._
vom 1
5.
Mai 2018 (
Urk.
8/93) hielt der zuständige Arzt einen Status nach diagno
stischer Arthroskopie mit medialer
Teilmeniskektomie
und
Ganglion
e
ntfernung
am Knie links vom 21.
Dezember 2017 fest.
Die angegebenen Beschwerden und die klinische Unter
suchung seien nicht konklusiv. Die belastete Flexion und die Beschwerden eben
dort sprächen für eine leichte und beginnende Retropatellararthrose. Allerdings schienen sich die Schmerzen am rechten Sprunggelenk als beschwerdedominie
rend herauszustellen. Da der Befund bei nahezu
flüssigem Gangbild
mit
den angegebenen Beschwerden nicht vereinbar sei, bitte er den Vertrauensarzt der IV-Stelle als unabhängige Person den Beschwerdeführer zur Beurteilung der Beschwerden sowie Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aufzubieten.
4.5
4.5
.1
Im Gutachten des
A._
vom 2
3.
November 2018 (
Urk.
8/118), welches aufgrund von
Untersuchungen in den Fachgebieten Orthopädie,
Innere Medizin, Neurologie und
Psychiatrie erstellt wurde, nannten die
Ärzte
und Ärztinnen
folgende Diagnosen (S. 6
):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit)
1.
Leicht- bis mittelgradige Funktionseinschränkung des oberen Sprungge
lenks rechts nach Distorsion vom 1
3.
Juni 2013 im Status nach:
-
Naht der
Peroneusbreviss
ehne
, Rekonstruktion des
superioren
Retinakulum
peroneale
und
arthroskopisch
assistiertes
Narben
débridement
im rechten Sprunggelenk am 1
6.
Mai 2014
-
Aussenknöchelfraktur
im Jahr
1999 und
Zustand nach Osteosynthese und
Osteosynthesematerialentfernung
im Jahr
2000
2.
Mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (
ICD-10
F32.11)
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit)
1.
Gute Funktion des rechten Kniegelenks nach
Teilmeniskektomie
und Ganglion Entfernung links vom 2
1.
Dezember 2017
2.
Chronische somatoforme Schmerzstörung mit somatischen und psychi
schen Faktoren (
ICD-10
F45.41)
3.
Verdacht auf Hypertonus
4.
Adipositas, BMI 31.9 kg/m2
5.
Gemischte
Hyperlipoproteinämie
6.
Hepatopathie unklarer Ätiologie
7.
Leichte Leukozytose
8.
Hypophosphatämie
4.5
.2
Der orthopädische Experte führte aus (S. 30), der Beschwerdeführer berichte, dass er sowohl im Innen- als auch im Aussenknöchelbereich bewegungs- und belas
tungsabhängige Schmerzen habe. Lege er den Fuss hoch, verspüre er eine Schmerzlinderung. Die Schmerzintensität
werde mit
5 bis 6 auf einer 10- stufigen visuellen numerischen Analogskala (VAS)
angegeben
. Nach Belastung steige der Schmerz auf eine Intensität in Höhe von 8 bis 9 (VAS).
Über den
gesamten Verlauf
hin
hätten sich die Be
schwerden nicht gelindert, viel
mehr werde eine Verschlech
terung beschrieben.
In der Untersuchung präsentiere er sich
mit einer Teilbelastung des rechten obe
ren Sprunggelenks unter Nutzung einer Unterarmgehstütze. Klinisch stelle sich die Funktion des oberen rechten Sprunggelenkes leicht- bis mittelgradig einge
schränkt dar, wobei das Abrollverhalten des Fusses beim Gehen nicht einge
schränkt sei. Er
trage
in der Untersuchung leichte Sportschuhe ohne Einlagen und fühle sich in diesen am besten aufgehoben. Die angefertigten orthopädisch konfektionierten Schuhe würden a
ktuell nicht getragen, da sie -
nach Ansicht des Beschwerdeführers - einen zu hohen Schaft hätten. Es zeige sich eine Vergröbe
rung der Kontur im rechten oberen Sprunggelenk.
Dabei unterschieden sich d
ie Umfangsmessungen der Unter- und
Oberschenkelmuskulatur
im Seitenvergleich nicht signifikant. Ebenso erscheine die
Fusssohlenbeschwielung
seitengleich und Hinweise auf eine Schonung ergäben sich aufgrund der äusseren Untersuchungs
aspekte nicht. Im Bereich des linken Kniegelenks sei die
Funktion regelrecht, die Kontur
nicht vergröbert,
ohne
Erguss und die Seitenbänder seien stabil (S. 35).
Mehr als fünf Jahre nach dem Unfallereignis
vom
1
3.
Juni 2013 sei nach Einstel
lung der gezielten physiotherapeutischen Massnahmen nicht mehr mit einer Veränderung des Zust
andes zu rechnen. Klinisch zeige
sich eine leicht- bis mittelgradige Funktionseinschränkung, die
jedoch eine regelrechte Abwick
lung/Abrollung des Fusses im Sprunggelenk nicht behindere. Dennoch sollten Tätigkeiten in überwiegend stehender und gehender Position sowie auf unebenen Untergründen sowie auf Leitern und Gerüsten vermieden werden. Aus beruflicher Sicht seien die Ressourcen für leidensangepasste Tätigkeiten aus orthopädischer Sicht nicht eingeschränkt
(S. 36)
.
Eine deutliche Einschränk
ung des
Aktivitätenniveaus
lasse
sich aus der
Explora
tion nicht feststellen.
Ein Korrelat, welches die unverändert fortbeste
hende Schmerzsymptomatik erkläre
,
sei aus
orthopä
discher Sicht nicht erkennbar und e
in erhöhter Leidensdruck
sei auch nicht feststellbar. Es würden
schon seit langer Zeit keine physiotherapeutische
n Massnahmen mehr durchgeführt und entgegen der
anamnestischen Angabe auch keine Schmerzmittel r
egelmässig eingenom
men, da alle
gemessenen Dosisspiegel deutlich unter dem Referenzbereich liegen
würden. Das Ausmass der
geklagten Symptome
sei so
weder konsistent noch nachvollziehbar
(S. 3
6)
.
Zum zumutbaren Belastungsprofil führte der Experte aus, der B
eschwerdeführer sei in der Lage
,
körperlich leichte wechselbelastende Tätig
keiten mit Heben und Tragen von Lasten bis zu max. 10 kg, überwiegend im Sitzen, zeitweilig im Gehen
und Stehen, durchzuführen. Tätigkeiten mit einer erhöhten Anforderung an die Standsicherheit (wie auf Treppen, Leitern und Gerüsten) sowie auf unebenem Gelände könn
t
en nicht durchgeführt werden. Darüber hinaus sollten Tätigkeiten in kniender oder hockender Stellung vermie
den werden (S. 37).
4.5
.3
Auf psych
iatrischem Fachgebiet führte die Expertin
aus (S. 68),
die
psychischen Probleme seien
den Angaben des Beschwerdeführer
s
zufolge
erst einige Zeit nach dem
Unfall im Jahr
2013 aufgetreten und diesbezüglich
sehe
der Beschwerdefüh
rer
einen engen Zusammenhang mit seiner Schmerzsymptomatik. Vor dem Unfall
sei er im
mer ein glücklicher und humorvol
ler Mensch gewes
en. Die
Schmerzen
seien je nach Anstrengung
mehr oder weniger v
orhanden und
er müsse bezüg
lich der Schmerzen immer wieder Pausen machen. Er vergesse viele
Dinge
und die psychiatrische Problematik habe
zugenommen bis er vor etwa zwei Jahren eine Psychothera
pie mit psychopharmakologischer
Behandlung begonnen habe.
Die S
ymptome seien dadurch aber nicht weniger geworden
,
da es weiterhin für die Symptomatik aufrechterhaltende Faktoren wie die familiäre und finanzielle
Prob
lematik, aber auch die Schmerzen
ge
gebe
n habe
.
Er habe viel versuch
t, um die finanzielle Situation zu verbessern. W
eder die Gemeinde noch die IV oder
die SUVA finanzierten ihn und vom Arzt erhalte er
aufgrund der Schmerzen über
wiegend Tabletten.
Seit zwei Jahren
und einmal pro Woche
werde eine ambulante Psychotherapie durchgeführt und
er
werde psychopharmakologisch behandelt
. In der Therapie
gehe
es ihm gut und er könne sich
viele Dinge von der Seele reden
,
wie die finan
ziellen und familiären Probleme. W
enn er
aber nach Hause
komme, sei
alles unverändert. Die Familie habe kein Verständnis mehr für sei
ne
Ein
schränkungen.
Er sei oftmals traurig und depressiv, grübele viel darüber nach, warum
er so
eingeschränkt sei. Sein Antrieb
sei schmerzbedingt gemindert, e
r habe ab
er grundsätzlich Lust und
Interesse a
n Dingen und wolle auch helfen.
Oftmals gehe es nicht
, dann ziehe er sich zurück. Er
werde bei Druck häufig ner
vös und angespannt
.
Zum Tagesablauf berichte er
(S. 70), er stehe zwischen 6 und 7
Uhr morgens auf, trinke Kaffee, denke viel nach und mache kurze Spaziergänge. Teilweise versuche er der jüngeren Tochter Essen zu machen, was nicht immer gelinge. Ab und zu scha
ue er Fernsehen und gegen 22/23
Uhr gehe er zu Bett. Bezüglich Freizeitge
staltung gebe er an
, dass er
nach draussen spazieren
gehe
, auch Leute
treffe, mit denen er sich unterhalte.
Früher habe er viele Witze gemacht, jetzt habe er keine Hobbies mehr.
Die Ehefrau erledige den gesamten Haushalt, früher habe er
geholfen, was jetzt nicht mehr gehe. Wenn er kleinere Dinge einkaufe
,
wie Brot
, benötige er dafür eine
sehr lange
Zeit. In der Körperpflege sei er selbständig.
Er sei häufig zu Fuss unterwegs, nehme den Bus und
selten das
Auto wobei er
alleine mit dem Auto angereist
sei
.
E
inmal pro Jahr
würden sie nach Kosovo reisen und
auch in diesem Jahr seien sie dort
gewesen.
Im Untersuchungsbefund hielt
die Expertin
fest (S. 71 f.), der Beschwerdeführer erscheine äusserlich in einem guten Allgemeinzustand, einem leicht adipösen Ernährungszustand und einem guten Pflegezustand. Er sei alters- und witterungs
entsprechend gekleidet, die Kleidung sei geordnet und sauber, die Haare trage er kurz geschnitten und gepflegt. Im Kon
taktverhalten gelinge es leicht
,
einen trag
fähigen Kontakt herzustellen und durchgehend aufrecht zu erhalten.
Die Auffas
sung sei nicht erschwert, die Konzentration nicht beeinträchtigt, auch nicht im Verlauf oder gegen Ende der Untersuchung und es seien keine Hinweise auf intellektuelle Defizite vorhanden. Die höheren kognitiven Leistungen
,
wie problemlösendes Denken und Urteilsvermögen
,
seien angemessen differenziert. I
n der Orientierung sei er bewusstseinsklar sowie zeitlich, situativ und zur Person voll
ständig orientiert. Es bestünden keine auffallenden Zeitgitterstörungen, wobei er genaue Daten nicht immer exakt erinnert habe. Er spreche mit gut modulierter Stimme in adäquater Geschwindigkeit, der formale Gedankengang sei geordnet. Es hätten sich in der Untersuchungssituation weder Wahngedanke
n, Halluzina
tionen, illusionäre
Verkennungen, noch anamnestisch Hinweise für diesbezügli
che psychopathologische Auffälligkeiten erge
ben. Das Gefühl des
B
eobachtetw
er
dens
, das er schildere, sei nicht
als
psychotisch motiviert zu sehen. Die Merkfähigkeit, das Kurz- und das Langzeitgedächtnis wirkten im klinisch
-
psychopatho
logischen Befund unbeeinträchtigt. Es liege keine Störungen des Ich-Bewusstseins vor. Zwar werde das Gefühl angegeben, andere könnten seine Gedanken lesen, was aber ebenso durch die psychische Belastung und nicht psychotisch motiviert zu werten sei.
Das Intelligenzniveau imponiere,
passend zur Schulbildung und zum beruflichen Werdegang, als durchschnittlich. Die Willens
kräfte sei
en
ausreichend strukturiert und regelrecht und es bestünden keine Ambivalenz oder
Ambitendenz
. Die Antriebslage werde aber schmerzbedingt als gemindert angegeben. Die Gestik und die Mimik seien überwiegend ruhig, die Stimmung und der Affekt
würden
psychomotorisch
synthym
unterstrichen.
Er zeige sich aber in depressiver und traurig
er Grundstimmung. Die affektive Schwingungsfähigkeit entspreche seiner Grundstimmung und er habe
oftmals Tränen in den Augen,
sei aber
auch
auflockerbar
. Es best
ünden
keine Affektlabi
lität oder Affektinkon
tinenz und es könne auch keine
Inte
resselosigkeit
eruiert werden. Er berichte von Rückzugstendenzen und es bestehe eine gewisse
Anhe
donie
.
Eine akute Suizidalität verneine
er,
er
kenne aber s
uizidale Gedanken ohne konkrete
Planung.
Zwangssymptome oder ph
obische Ängste seien nicht vorhan
den und v
on der Persönlichkeit her sei er verträglich, kontaktfreudig und offen und es ergäben sich keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsakzen
tuierung
oder eine Persönlichkeitsstörung.
Im
Blutspiegel
seien sämtliche Medikamente, das Antidepressivum
Duloxetin
, das Neuroleptikum
Quetiapin
, das Antidepressivum
Agomelatin
und die
schmerzlin
dernden Medikamente
Pregabalin
und Paracetamol nicht nachweisbar
(S. 73)
.
Aufgrund der inzwischen längeren Dauer der psychiatrischen Symptomatik ergebe sich in der Zusammenschau der berichteten Beeinträchtigungen inzwi
schen eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (
ICD-10
F32.11). Die Depression sei reaktiv oder auch
komorbid
zur Schmerzstörung zu werten.
Eine
deutliche Verschlechterung der Schmerzen durch psychische Belas
tungen
werde
nicht
angegeben, jedoch eine gegenseitige Bedingung dieser Faktoren. Er sei vermehrt auf die psychische Mitverursachung seiner Schmerzen
fixiert
,
und
es
sei
eine psychotherapeutische
oder psychiatrische Behandlung erfolgt, wobei die
Medikamentencompliance
nicht gegeben zu sein scheine. Ein Krankheitsgewinn im Sinne der Zuwendung vonseiten der Familie oder einer Vermeidung von als unangenehm erlebten Arbeitsverpflichtungen könne zur Aufrechterhaltung der Symptome führen und eine Aggravation unter anderem aufgrund der mangelnden Medikamenten-Compliance sei nicht auszuschliessen. Aus den geschilderten Symptomen ergebe sich eine chronische somatoforme Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (
ICD-10
F45.41), wobei die symptomatische Ausprägung aus psychiatrischer Sicht milde sei
(S. 74
f.)
.
Zur Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht führte die
Expertin aus
(S. 77),
der Beschwerdeführer
könne
sieben Stunden täglich bei seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit
sowie bei einer leidensangepassten Tätigkeit
anwesend sein. Aufgrund von subjektiv erlebten Konzentrationsstörungen im Rahmen seiner depressiven
Erkrankung
bestehe
eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit
von 10
%
und bezogen auf ein 100
%
Pensum sei insgesamt die Arbeitsfähigkeit in der bisheri
gen Tätigkeit auf 70
%
einzuschätzen.
4.5
.4
Aus gesamtmedizinischer Sicht hielten die
Sachverständigen
fest (S. 8),
somatisch lasse
sich keine deutliche Einschränkung des
Aktivitätenniveau
s
feststellen. Ein
Korrelat für
die unverändert fortbes
tehende Schmerzsymptomatik lasse sich weder orthopädisch noch
neurologisch erklären. Auch
sei
k
ein erhöhter Leidens
druck
feststellbar und es
würden
seit
langer Zeit keine physiotherapeutisch
en Massnahmen mehr durchgeführt und
entgege
n der
anamnestischen Angabe wü
r
den auch keine Schmerzmittel regelmässig eingenommen
.
Psychiatrisch ergäben sich
Einschränkungen des
Aktivitätenniv
eaus
und es
seien die
beklagten Symp
tome
und
die
Funktionseinbussen mit der Erhebung der Diagnose einer mittel
g
radigen depressiven Störung mit
somatischem Syndrom
nachvollziehbar. Dennoch bestehe
auch hier eine Diskrepanz zwischen
den
erhobenen Serum
spiegeln der Medikamente und den Angaben des
Beschwerdeführers. Dies weise auf eine
Non-Compliance hin. Eine Aggravation k
önne
nicht gänzlich ausge
schlossen werden.
D
ie Arbeitsfähigkeit
als Bauarbeiter sei aufgehoben und bereits im Zeitpunkt des
Rehaberichts
vom 1
8.
Dezember 2014 als nicht mehr zumutbar beurteilt
worden
. In leidensangepassten Tätigkeiten führe die psychiatrische Symptomatik zu Einschränkungen
,
über die erstmals Mitte 2016 berichtet werde. Es sei daher von Mitte 2016 von einer Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit von 70
%
auszugehen. Aus somatischer Sicht habe für optimal ange
passte Tätigkeiten keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit in
der
Vergangenheit bestanden.
4.6
Dr.
med.
E._
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, vom reg
ionalen ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin
hielt
in ihrer Aktenbeurteilung vom 1
9.
Dezember 2018 (
Urk.
8/128/8-11)
fest
, das im Rahmen des
A._
-Gutachtens erstellte psychiatrische Teil-Gutachten beantworte die g
estellten Fragen, berücksichtige
die beklagten Beschwerden und sei in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt worden. Allerdings seien die gestellten Diagnosen und die daraus folgenden Einschränkungen
nicht klar nach
vollziehbar. So
seien
die
nach
ICD-10
für eine depressive Episode
geforderten Kriterien
im
vorliegend
en Fall
m
it einem Hauptsymptom und zwei
Nebensymp
tomen nicht einmal
für
eine leichte Depression
ausreichend
.
Die Antriebsstörung
sei
als schmerzbedingt angegeben und nicht aus anderen Gründen
.
Wie die Gut
achterin ein somatisches Syndrom habe diagnostizieren
können,
sei
ebenso
nicht nachvollziehbar. Insgesamt könne höchstens eine Anpassungsstörung, wenn überhaupt, diagnostiziert werden. Aufgrund der ursächlichen Schmerzen und psychosozialen Belastungsfaktoren könne von einer Anpassungsstörung ausge
gangen werden
,
wobei am ehesten eine Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (
ICD-10
F43.23) nachvollzogen werden
könne. Dabei sei zu bemerken, dass das
Zeitkriterium von maximal sechs Mona
ten ab dem Zeitpunkt zu berücksichtigen sei, ab dem die Belastungen, die zur Anpassungsstörung geführt
hätten
, nicht mehr vorliegen
würden und nicht ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung. Ebenfalls könne auch die chronische soma
toforme Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F4
5.41) nicht nachvollzogen werden. D
ie
diesbezüglich
geforderten Kriterien nach ICD-10
seien
nicht erfüllt.
Aufgrund der Medikamentenspiegel, die allesamt weit unterhalb der therapeutischen Bereiche gelegen hätten, könne auch eine Aggra
vation nicht ausgeschlossen werden, was von der Gutachterin ebenfalls attestiert
worden sei
.
Zusammenfassend könne e
ine psy
chisch bedingte
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit damit
nicht nachvollz
ogen werden.
5.
5.1
Das interdisziplinäre Gutachten der
A._
erfüllt die praxisgemässen Krite
rien (vorstehend E. 1.5), setzt sich mit den Aspekten der gesundheitlichen Beein
trächtigungen des Beschwerdeführers auseinander, berücksichtigt auch die medizinischen
Vorakten
und begründet Abweichungen, soweit die Beurteilung mit diesen nicht im Einklang steht. Insgesamt reiht sich das Gutachten auch mit Bl
ick auf die Vorberichte
, welche anlässlich des mehrwöchigen stationären Auf
enthaltes in der
C._
erstellt werden konnte
n
(vgl. E.
4.1 und E.
4.3
hiervor), nachvollziehbar in die medizinische Aktenl
age ein
.
In somatischer Hinsicht
legten die Experten
dabei
dar, dass die geklagten Beschwerden
am rech
ten Fuss
aufgrund der Klinik und Diagnostik und den dokumentierten
Beeintr
äch
tigung
en
auf neurologischem F
achgebiet nicht
und
in der angegebenen
Intensität auf rheumatologischem Fachgebiet nur teilweise erklärbar
sind.
Dabei verneinten die
Experten
insbesondere
auch
das Vorliegen eines
floriden
CRPS (
Complex
Regional
Pain
Syndrome
), das
bereits
im Verfahren der Unfallversicherung diskutiert
und
verworfen wurde (vgl.
etwa die k
reisärztliche Untersuchung vom
4.
August
2015 [
Urk.
8/48/226-233])
.
Nach Rückzug der Beschwerde im Verfah
ren der Unfallversicherung
(vgl. dazu
Urk.
12 S. 2)
stellte der Beschwerdeführer
denn auch
das auf
somatisch
en Untersuchungsb
efunde
n
erhobene
Belastungs
profil
zu Recht
nicht
mehr
in Frage
,
demgemäss
in
Übereinstimmung mit dem aufgezeigten Belastungsprofil der Suva in
einer
körperlich leichte
n
wechselbelas
tende
n
Tätigkeit mit Heben und Tragen von Lasten bis zu max. 10 kg, überwie
gend im Sitzen, zeitweilig im Gehen und Stehen,
die Verwertung eines vollzeiti
gen Arbeitspensums zumutbar ist (
vgl.
Urk.
8/48/338,
Urk.
8/73
und
E. 4.5.2
hiervor
).
5.2
5.2.1
In Bezug auf attestierte Arbeitsunfähigkeiten
aus psychiatrischer
Sicht
ist
zu beachten, dass
nach
BGE 143 V 418 grundsätzlich sämtliche psychischen Erkran
kungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterzie
hen sind (E. 7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indika
toren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 7.1; vgl. BGE
144 V 50 E. 4.3). Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbrin
gen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE
143 V 409 E. 4.5.2 unter Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3). Verlauf und Ausgang von Therapien stellen
dabei
wichtige Schweregrad
indikatoren dar. Es ist Aufgabe des medizinischen Sachverständigen, nachvoll
ziehbar aufzuzeigen, weshalb
etwa
trotz (leichter bis) mittelschwerer Depression und an sich guter Therapierbarkeit der Störung im Einzelfall funktionelle Leis
tungseinschränkungen resultieren, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (BGE 143 V 409 E. 4.5.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Dabei gilt unverändert, dass ein invalidisierender psy
chischer Gesundheitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_732/2017 vom
5.
März 2018 E. 4.3.1).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.2.2
In allen Fällen ist durch den Versicherungsträger und im Beschwerdefall durch das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsun
fähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizi
nisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befunden, Diagnosen usw.), d.h. sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergebnisse fachge
rechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also
substanziiert
darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen (BGE 143 V 418 E. 6 S. 427). Am Beispiel rezidivierender depressiver Entwicklungen leichten bis mittleren Grades veranschaulicht, die in der IV-rechtlichen Invalidi
tätsprüfung sehr oft - und auch in
concreto
- im Vordergrund stehen, bedeutet dies: Es genügt nicht, dass der medizinisch-psychiatrische Sachverständige vom diagnostizierten depressiven Geschehen direkt auf eine Arbeitsunfähigkeit, welchen Grades auch immer, schliesst; vielmehr hat er darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde (Traurigkeit, Hoffnungs
losigkeit, Antriebsschwäche, Müdigkeit, Konzentrations- und Aufmerksamkeits
störungen, verminderte Anpassungsfähigkeit usw.) die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person. Kommen die Experten dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizinisch-psychiatrische Folgenab
schätzung auch aus der juristischen Sicht des Rechtsanwenders - Durchführungs
stelle oder Gericht - Bestand haben. Andernfalls
liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet (BGE 145 V 361 E. 4.3).
5.2.3
Vorliegend ist zur psychiatrischen Symptomatik festzustellen, dass die Behand
lung bei
Dr.
B._
im Januar 2016 mit der Ankündigung der Einstellung der Taggeldleistungen und Heilbehandlungen durch die Suva aufgenommen wurde (
Urk.
8/27, 8/46/7). In diesem Zusammenhang
zeigte bereits
Dr.
B._
eine «hochgradige»
Anspruchs
-
und Erwartungshaltung
unter anderem gegenüber
Ärzten
und Versicherungen auf, welche Erwartungen nicht erfüllt wurden (vgl. E. 4.2 hiervor). Eine erhebliche Symptomausweitung und Selbstli
mitierungen, die nur teilweise einem psychischen Störungsbild zugeordnet wer
den konnten und dazu führten, dass die Leistungstests nicht verwertbar waren, stellten die Ärzte der
C._
im März/April 2017 fest. Aufgrund der psychischen Verfassung attestierten die Ärzte dem Beschwerdeführer aber etwas mehr Zeit für eine Neuorientierung und empfahlen vorübergehend die Wieder
eingliederung in einem geschützten Rahmen mit psychiatrischer Mitbetreuung oder alternativ eine psychiatrische stationäre Behandlung (E. 4.3). Beides fand in der Folge nicht statt beziehungsweise war in dieser Form nicht nötig geworden. Die von der Invalidenversicherung gewährte Arbeitsvermittlung wurde wegen ungenügender Deutsch- und PC-Anwenderkenntnissen ausgesetzt beziehungs
weise abgeschlossen (
Urk.
8/83/3). Anlässlich der psychiatrischen Abklärungen im
A._
im September 2018 wurde aufgezeigt, dass neben den geltend gemach
ten Schmerzen vorrangig die
familiäre und
die
finanzielle Situation
zur Aufrecht
erhaltung des Leidens beiträgt (vgl.
Urk.
8/118/72). In der Blutuntersuchung lies
sen sich weder a
ntidepressiv
e noch schmerzlindernde Medikamente nachweisen (
Urk.
8/118/77). Dabei konnte im Wesentlichen auch ein geregelter und unauf
fälliger Tagesablauf erhoben werden, wobei festgehalten wurde, dass der Beschwerdeführer zu Fuss im öffentlichen Verkehr oder mit dem eigenen Auto in der Lage ist, weitgehend selbständig agieren zu können und zum Beispiel auch Reisen in den Kosovo möglich sind. Auch sonst zeigten sich bezüglich des Pfle
gezustandes, im Kontaktverhalten, in der kognitiven Leistungsfähigkeit oder in der Konzentration über den gesamten Verlauf der Untersuchung keine besonde
ren Auffälligkeiten und es ergaben sich auch keine Hinweise auf intellektuelle Defizite (vgl. E. 4.5.3 hiervor). Die psychiatrische Gutachterin stellte als Befunde einzig eine depressive und traurige Grundstimmung und eine gewisse
Anhedonie
fest; sodann führte sie eine vom Beschwerdeführer angegebene schmerzbedingt verminderte Antriebslage und Rückzugstendenzen auf
(
Urk.
8/118/75 ff.)
.
Weiter hielt sie fest, die Behandlungsoptionen seien nicht ausgeschöpft (
Urk.
8/118/81). Damit ist begründet, dass insgesamt die
symptomatische Ausprägung
als milde zu betrachten und im Weiteren auch nicht von einer Behandlungsresistenz aus
zugehen ist.
Im Hinblick auf allfällige Komorbiditäten ist festzuhalten, dass sich die vom Orthopäden detailliert erhobenen Untersuchungsbefunde auf belastungsab
hängige Beschwerden am rechten Fuss beschränken, welche sich bei fussbelas
tenden, nicht aber bei entsprechend angepassten Tätigkeiten auswirken (E. 5.1). Angesichts der nicht sonderlich ausgeprägten somatischen Befunde ist eine relevante (somatische) Komorbidität damit nicht gegeben.
Die Begutachtung befasste sich auch mit der Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers und dem sozialen Kontext und zeigte die dominierenden psychosozialen Belastungsfaktoren, wie Verlust der Anstellung als ungelernter Hilfs
arbeiter, finanzielle Schwierigkeiten und damit einhergehend familiäre Prob
leme auf. Gleichwohl bestehen beim Beschwerdeführer persönlichkeitsbedingt sowie angesichts des sozialen Kontextes und mit Blick auf den geregelten Tages
ablauf einige Ressourcen. So lebt er nach wie vor mit der Familie, beteiligt sich zumin
dest teilweise im Haushalt, indem er manchmal für die jüngere Tochter Mittages
sen zubereitet, geht spazieren und trifft dabei auch Personen mit denen er sich unterhält und ist in der Lage, sich selbständig im öffentlichen Verkehr wie auch als Lenker seines Autos im Privatverkehr zu bewegen sowie in die Ferien zu reisen
(vgl.
Urk.
8/118/72 f.)
.
Zum Aspekt der Konsistenz ergibt sich, dass die psychotherapeutische Behand
lung bei
Dr.
B._
erst mit der «ersten» Taggeldeinstellung durch die Suva aufgenommen wurde, und damit nicht einfach nur Ausdruck eines erheblichen Leidensdrucks war (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.4.2). Die Darstellung des Beschwer
deführers betreffend Schmerzen und antidepressiver Medikation im Rahmen der Begutachtung stand zudem diskrepant zu den Ergebnissen der Blutuntersuchun
gen
und es war eine unzureichende medikamentöse Compliance anzunehmen. Auch insoweit ist der Leidensdruck damit in Frage zu stellen. Nicht konsistent zeigten sich auch die Schmerzangaben am rechten Bein, nachdem sich die Umfangmessung der Unter- und Oberschenkelmuskulatur sowie die
Fusssohlen
beschwielung
im Seitenvergleich nicht signifikant unterscheiden liessen (vgl.
Urk.
8/118/35). Physiotherapeutische Behandlungen werden schon seit langer Zeit nicht mehr durchgeführt (
Urk.
8/118/32). Eine erhebliche Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
konnte gutachterlich sodann nicht festgestellt werden (
Urk.
8/118/32, 8/118/62). Eine gleichmässige
Einschränkung des
Aktivitäten
niveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist schliesslich nicht zu erken
nen. Der Tagesablauf gestaltet sich im Wesentlichen unauffällig mit intakten Kontakten zur Familie und Spaziergängen ausser Haus samt Treffen von Bekann
ten und Erledigen von Einkäufen (
Urk.
8/118/74). Im Lichte der Indikatoren ist damit der von der Expertin diagnostizierten m
ittelgradige
n
depressive
n
Episode mit somatischem Syndrom
und der begleitenden c
hronische
n
somatoforme
n
Schmerzstörung mit somat
ischen und psychischen Faktoren keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zuzuerkennen.
5.2.4
Die attestierte teilweise Arbeitsunfähigkeit wurde durch die psychiatrische Gut
achterin denn auch nur unzureichend begründet. Wie sie zur Annahme kam, der Versicherte könne nur ein Pensum von 7 Stunden pro Tag bewältigen beziehungsweise welche objektivierbaren psychischen Beeinträchtigungen für das reduzierte Pensum verantwortlich sind, wurde nicht dargelegt (
Urk.
8/118/80
ff.). Die zusätzliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 10 % begründete sie mit «subjektiv erlebten Konzentrationsstörungen» (vgl.
Urk.
8/118/81). Solche hatten im Rahmen der Untersuchung jedoch nicht objektiviert werden können (
Urk.
8/118/76). Die von ihr in Anlehnung an das Mini-ICF APP festgehaltenen (im Wesentlichen nur geringen oder leichten) Einschränkungen stimmen denn auch nur teilweise mit den von ihr erhobenen Befunden überein. So stellte die Gutachterin im Rahmen der Untersuchung etwa ein unauffälliges Kontaktverhal
ten und ein gepflegtes Erscheinen des Beschwerdeführers fest (
Urk.
8/118/75). Dennoch ging sie von Beeinträchtigungen der Kontaktfähigkeit und der Selbst
sorge aus (
Urk.
8/118/80). Weshalb trotz bestehender Behandlungsoptionen eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit anzunehmen ist
, zeigte sie nicht auf (vgl. E.
5.2.1). Angesichts dessen und des Umstands, dass die Gutachterin auch eine Aggravation nicht ausschliessen konnte, ist die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht ausreichend nachvollziehbar und vermag somit nicht zu überzeugen.
Vielmehr ist die von der RAD-Ärztin
Dr.
E._
vorgenommene Einschätzung (vgl. E. 4.6), wonach die in der psychiatrischen Untersuchung des
A._
erhobenen Untersuchungsbefunde keine
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit herleiten lassen, im Ergebnis nicht zu beanstanden und es liegen triftige Gründe vor, die ein Abweichen von der Folgenabschätzung der Gutachter, insbesondere der Psy
chiaterin der
A._
rechtfertigen (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3). Festzuhalten bleibt, dass die diagnostische
Einordnung des Leidens
nicht entscheidend ist (
BGE 143 V 409 E. 4.5.2
und E. 5.2.1 hiervor). Bei ausgewiesener Befundlage kann
offen
bleiben, ob die im Rahmen der
A._
Begutachtung gestellten psychiatrischen Diagnosen überhaupt die Kriterien nach ICD-10 erfüllen
. Eine weitere medizini
sche Abklärung (psychiatrisches Gutachten, zum Antrag vgl.
Urk.
12) drängt sich damit nicht auf (
antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b).
5.3
Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
der seit letztmaligem negativem Leistungsentscheid als reaktives Geschehen
hinzuge
kommen
en psychischen Symptomatik k
eine zusätzliche Arbeitsunfähigkeit
in körperlich angepasster Tätigkeit
zugemessen hat
.
Ein Rentenanspruch ist mangels Erreichen eines Invaliditätsgrades von 40
% damit weiterhin zu verneinen und die
Beschwerde
ist
abzuweisen.
6.
6.1
Nach Gesetz und Prax
is sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss
§
16
Abs.
1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sind vorliegend e
rfüllt (vgl. insbesondere
Urk.
10/1-12
). Demzufolge ist dem Beschwerdeführer antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und Rechtsanwalt
Daniel
Christe
,
Winterthur
, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren zu bestellen
6.2
Die Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
800.-- fest-zusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.3
Bei diesem Verfahrensausgang steht dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt
Daniel
Christe
, eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zu (
§
34
Abs.
3
GSVGer
in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 und
§
8 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialver
sicherungsgericht,
GebV
SVGer
), welche auf
Fr.
2’0
00
.-- (inklusive Barauslagen und Me
hrwertsteuer) festzusetzen ist.
6.4
Der Beschwerdeführer wird auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Entschädigung an Rechtsanwalt
Daniel
Christe
verpflichtet ist, soba
ld er dazu in der Lage ist.