Decision ID: 91ef98e4-5bd2-5159-989c-7d9ac90c3d39
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Im Erdgeschoss der Liegenschaft F._ in Meiringen (Parzelle Meiringen Gbbl.
Nr. G._) befindet sich seit Langem der Gastgewerbebetrieb H._. Im Jahr
2010 plante der Beschwerdegegner eine Erweiterung des Betriebes im Ober- und
Dachgeschoss des Gebäudes. Mit Entscheid vom 11. März 2011 erteilte das
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Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli die Baubewilligung für den Umbau,
bewilligte die Erweiterung der bestehenden Betriebsbewilligung A sowie die Ausdehnung
der generellen Überzeitbewilligung auf die neuen Räumlichkeiten in den Obergeschossen.
Er verfügte folgende, vom Beschwerdegegner selbst vorgeschlagene Massnahmen1, als
Auflagen:
- Eingangsbereich: Einbau einer zweiten Türe mit Schliessautomatik. - Türe Ostseite: Notausgang mit neuen Dichtungen versehen. - Fensterersatz: Die Fenster an der Südfassade sind durch 3fach verglaste Schallschutzfenster zu
ersetzten.
- Isolation: Isolation des ganzen Gebäudes, Fassade 20 cm, Dach 22 cm. - Akustiker: Beizug eines Akustikers, damit die Lautsprecher optimal ausgerichtet werden und die
Lautstärke der Musik nicht unnötig aufgedreht werden muss.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführerinnen Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs-
und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Mit Entscheid vom 20. September 2012
bestätigte die BVE den Entscheid des Regierungsstatthalteramtes und ordnete, gestützt
auf einen Fachbericht der Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei Bern,
folgende Auflagen an:
- Der maximale Schalldruckpegel beträgt im EG Leq 80 dB(A)/10s - Der maximale Schalldruckpegel beträgt im OG + DG Leq 75 dB(A)/10s - Die Türen und Fenster sind beim Abspielen von Musik über 75 dB(A) generell geschlossen zu
halten. Spätestens ab 22.00 Uhr sind die Türen und Fenster in jedem Fall geschlossen zu halten.
- Der Eingang im Erdgeschoss muss so gestaltet bleiben, dass er den Zweck einer Schallschutzschleuse erfüllt.
- Die Fumoirs im EG und im OG/DG sind ständig zu betreiben. - Im Freien darf keine Musik abgespielt werden. - Bei publikumsintensiven Anlässen und in den Nächten von Fr/Sa und Sa/So von 22.00 bis 03.30 Uhr
sind drei klar erkennbare und uniformierte Personen als Ordnungsdienst einzusetzen.
- Personenansammlungen im Freien (ausserhalb eines ordentlichen Terrassenbetriebes) sind auf geeignete Art und Weise zu verhindern bzw. nicht gestattet.
3. In der Folge entschied der Beschwerdegegner, nicht wie vorgesehen einen einzigen
Betrieb auf mehreren Stockwerken zu betreiben, sondern zwei separate, voneinander
1 Akten des Regierungsstatthalteramtes Interlaken-Oberhasli 2115/2010 betreffend Umbau OG/DG und Betriebserweiterung, Schreiben des Beschwerdegegners vom 27.9.2010 (p. 56) und Entscheid des Regierungsstatthalteramtes vom11.3.2011, Ziff. 6.2 (p. 112)
3
unabhängige Gastgewerbebetriebe durch zwei verschiedene Pächter führen zu lassen,
den H._ Club im Erdgeschoss und die I._ Lounge in den
Obergeschossen. Die Gastgewerbebetriebe verfügen heute je über eine separate
Betriebsbewilligung A und eine generelle Überzeitbewilligung.
4. Am 14. Mai 2013 reichte der Beschwerdegegner bei der Gemeinde Meiringen ein
Baugesuch ein für eine Erweiterung des Gastgewerbebetriebes I._ im
Obergeschoss. Die Erweiterung betrifft die Nutzung einer bestehenden Terrasse an der
Nordfassade für eine Aussenbewirtschaftung mit etwa 20 Sitzplätzen und die Erweiterung
der Betriebsbewilligung auf diesen Bereich. Dagegen reichten die Beschwerdeführerinnen
Einsprache ein und meldeten Rechtsverwahrung an. Mit Gesamtentscheid vom 16. Juni
2014 bewilligte das Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli das Vorhaben und hielt
in einer Auflage fest, die Terrasse sei spätestens um 22.30 Uhr zu schliessen.
5. Dagegen reichten die Beschwerdeführerinnen am 18. Juli 2014 Beschwerde bei der
BVE ein. Sie beantragen die Aufhebung des Entscheids und machen insbesondere
geltend, die anlässlich der früher bewilligten Betriebserweiterungen verfügten Auflagen
würden nicht oder nur teilweise eingehalten. Eine erneute Erweiterung der bewirteten
Fläche dürfe nicht bewilligt werden, bevor all diese Auflagen erfüllt worden seien. Dies sei
auch anlässlich einer Einigungsverhandlung vom 21. Oktober 2013 vereinbart worden und
ergebe sich auch daraus, dass das ganze Gebäude mit beiden Gastgewerbebetrieben als
eine einheitliche Anlage zu qualifizieren sei. Eine zusätzlich bewirtete Terrasse im
Obergeschoss werde die bereits übermässigen Lärmimmissionen verstärken.
6. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet,2 führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Regierungsstatthalteramt und die
Gemeinde beantragen die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdegegner beantragt,
es sei auf die Beschwerde der Beschwerdeführerin 2 nicht einzutreten und die Beschwerde
sei abzuweisen. Nach dem Schriftenwechsel hat das Rechtsamt bei der Fachstelle
Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei Bern einen Fachbericht eingeholt. Die
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
4
Verfahrensbeteiligten erhielten anschliessend Gelegenheit, Schlussbemerkungen
einzureichen. Auf die Rechtsschriften und den Fachbericht der Fachstelle
Lärmakustik/Lasertechnik wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher, soweit sie
einspracheberechtigt waren, und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in
Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerinnen haben sich am
vorinstanzlichen Verfahren als Einsprecherinnen beteiligt und sind mit ihren Anliegen nicht
durchgedrungen. Sie sind daher formell beschwert. Der Beschwerdegegner bestreitet
jedoch, dass die Beschwerdeführerin 2 auch materiell beschwert sei. Ihre Parzelle befinde
sich relativ weit entfernt; sie sei daher nicht mehr als jedermann betroffen und nicht
einsprachebefugt.
c) Nach Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG sind nur Personen zur Einsprache befugt, welche
durch das Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind,
das heisst, wenn sie durch ein Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit
betroffen sind und zum Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe haben. Die
besondere Beziehungsnähe zum Streitgegenstand muss bei Bauprojekten insbesondere in
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
5
räumlicher Hinsicht gegeben sein. In einer besonders nahen Beziehung zur Streitsache
stehen naturgemäss die Nachbarn des Baugrundstücks. Die Einsprachebefugnis eines
Nachbarn ist in der Regel zu bejahen, wenn dessen Liegenschaft unmittelbar an das
Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch einen Verkehrsträger davon getrennt
wird. Allerdings kommt es nicht alleine auf bestimmte Distanzwerte an, denn der Kreis der
betroffenen Nachbarschaft kann nicht allgemein festgelegt werden, sondern muss im
Einzelfall nach den konkreten Verhältnissen bestimmt werden. Nach der
bundesgerichtlichen Praxis sind bei Vorhaben, die zu Immissionen führen können,
Nachbarn bis im Abstand von etwa 100 Metern zu Beschwerden legitimiert. Grundsätzlich
reicht die Nachbarschaft so weit wie die allfälligen nachteiligen Auswirkungen des
Bauvorhabens.5
d) Die Beschwerdegegnerin 2 ist Eigentümerin mehrerer Stockwerkeigentumseinheiten
eines Gebäudes an der Strasse L._ 1. Dieses befindet sich rund 35 m von den
Gastgewerbebetrieben an der Strasse F._ 2 entfernt an der gleichen Strasse. Das
Gebäude liegt daher nahe genug, um von allfälligen Sekundärlärmimmissionen, die beim
Zugang und Weggang von Gästen entstehen können, betroffen zu sein. Die Legitimation
der Beschwerdeführerin 2 ist daher zu bejahen. Auf die Beschwerden beider
Beschwerdeführerinnen ist einzutreten.
2. Einhaltung früher verfügter Auflagen
a) Die Beschwerdeführerinnen sind der Auffassung, die umstrittene Aussenterrasse im
Obergeschoss und die damit verbundene Betriebserweiterung dürfe nicht bewilligt werden,
da der Beschwerdegegner nicht alle Lärmschutzauflagen, die bei früher bewilligten
Betriebserweiterungen verfügt wurden, erfüllt habe. Die beiden Gastgewerbebetriebe
verursachten daher bereits jetzt übermässige Emissionen, weshalb aufgrund der
notwendigen Gesamtbetrachtung eine erneute Erweiterung nicht zulässig sei. Zudem sei
anlässlich der Einigungsverhandlung vom 21. Oktober 2013 ausdrücklich vereinbart
worden, dass zunächst alle früheren Auflagen erfüllt sein müssen. Indem der
Regierungsstatthalter die Terrasse im Obergeschoss trotzdem bewilligt und in einem
5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 17 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
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separaten Projektänderungsverfahren gewisse Auflagen abgeändert habe, verstosse er
gegen Treu und Glauben.
b) Nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts verleiht der Grundsatz von
Treu und Glauben gemäss Art. 9 BV6 einen Anspruch auf Schutz des berechtigten
Vertrauens in behördliche Zusicherungen. Der Vertrauensschutz setzt insbesondere
voraus, dass sich die Angaben der Behörde auf eine konkrete, die betreffende Person
berührende Angelegenheit beziehen, dass die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben
hat, zuständig war oder für zuständig gehalten werden durfte, dass die Unrichtigkeit des
Bescheids nicht ohne weiteres erkennbar war und dass im Vertrauen auf die Auskunft nicht
ohne Nachteil rückgängig zu machende Dispositionen getroffen wurden.7
c) Der Regierungsstatthalter führte am 21. Oktober 2013 eine Einigungsverhandlung
durch. Aus dem Protokoll der Einigungsverhandlung8 ergibt sich, dass der
Regierungsstatthalter zunächst einleitend festhielt, die Einspracherügen der
Beschwerdeführerinnen beträfen teilweise Angelegenheiten aus der Vergangenheit und
seien nicht Gegenstand des aktuellen Verfahrens. Um aber eine Einigung der Parteien zu
ermöglich, diskutierte er trotzdem mit ihnen und der Gemeinde die mit seinem Entscheid
vom 11. März 2011 verfügten Auflagen und deren Erfüllung. Am Ende der Verhandlung
hielten die Beteiligten fest, eine Einigung sei vorläufig gescheitert, und sie listeten mehrere
Pendenzen auf. Diese betrafen die früher verfügten Auflagen, deren Einhaltung die
Beschwerdeführerinnen anzweifelten. So hält das Protokoll fest, der Beschwerdegegner
müsse bis Ende 2013 in der I._ (OG/DG) Fenster mit Dreifach-Verglasung
einbauen, den Nachweis erbringen, dass eine Schallisolation mit einer Dicke von 20/22 cm
bestehe und eine Bestätigung einreichen, dass die Musikanlage in der Lounge durch einen
Akustiker abgenommen worden sei. Weiter wurde festgehalten, dass der
Beschwerdegegner dafür sorgen müsse, dass im Aussenbereich im Erdgeschoss nach der
Schliessung Stühle und Tische weggeräumt werden und die Gemeinde für die
Durchsetzung dieser Auflage verantwortlich sei sowie dass die Gemeinde kläre, ob der
Ordnungsdienst auflagengemäss jeweils aus drei Personen bestehe. Die
Beschwerdeführerinnen stellten in Aussicht, ihre Einsprachen zurückzuziehen, sobald alle
Pendenzen erfüllt seien.
6 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 7 Christoph Rohner, in St. Galler Kommentar zu Art. 9 BV, N 47 ff.; BVR 2000 S. 268 E. 3b mit Hinweisen 8 Vorakten, p. 92 ff., p. 95 f.
7
d) In der Folge bestätigte die Gemeinde, dass immer drei Personen als Ordnungsdienst
vor den Gastgewerbebetrieben eingesetzt werden und dass die Fenster der Südfassade
saniert worden seien.9 Der Beschwerdegegner reichte eine Bestätigung des Architekten mit
Fotodokumentation zur Dicke der Isolation sowie eine Bestätigung betreffend die
Installation eines Limiters zur Einhaltung des verfügten Musikschallpegels ein. Weiter hielt
er fest, er werde dafür sorgen, dass der Pächter das Aussenmobiliar im Erdgeschoss nach
Betriebsschluss immer wegräume.10 Anlässlich einer weiteren Verhandlung mit
Augenschein vom 29. Januar 2014 hielten die Beschwerdeführerinnen fest, es seien aus
ihrer Sicht nach wie vor nicht alle früher verfügten Auflagen eingehalten und sie hielten an
ihren Einsprachen fest.11 Anschliessend gab der Regierungsstatthalter den Parteien mit
Verfügung vom 3. Februar 2014 die Gelegenheit, Schlussbemerkungen einzureichen, und
hielt fest, über das Baugesuch betreffend der Terrasse sei ungeachtet der allfälligen
Nichteinhaltung von früheren Auflagen zu entscheiden. Die Einleitung von Massnahmen
bei Nichteinhaltung von Auflagen obliege der Baupolizeibehörde der Gemeinde.
e) Am 24. Februar 2014 reichte der Beschwerdegegner eine nachträgliche
Projektänderung betreffend den Umbau des Ober- und Dachgeschosses ein (Verzicht auf
einen Deckendurchbruch und eine interne Servicetreppe). Der Regierungsstatthalter
bewilligte im separaten Verfahren bbew 2115/2010 die Projektänderung und passte zwei
der mit Entscheid vom 11. März 2011 verfügten Auflagen an: Er hob die Auflage betreffend
den Einbau einer zweiten Tür mit Schliessautomatik auf und hielt fest, die nachträglich
eingebauten dreifachverglasten Fenster genügten, es seien keine speziellen
Schallschutzfenster nötig.12 Die BVE hat diesen Entscheid gestützt auf einen Fachbericht
der Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei bestätigt.13
f) Der Regierungsstatthalter hat mit dem geschilderten Vorgehen weder gegen Treu
und Glauben verstossen noch andere Verfahrensgrundsätze verletzt: Er hat den
Beschwerdeführerinnen anlässlich der Einigungsverhandlung keine Zusicherung
abgegeben, die vorliegend umstrittene Terrasse erst zu bewilligen, wenn die
9 Vorakten, p. 54 und p. 66 10 Vorakten, p. 55 ff. und p. 75 11 Vorakten, p. 97 ff. 12 Entscheid vom 26. Juni 2014, Verfahren bbew 2115/2010 13 Entscheid der BVE vom 30. März 2015 im Beschwerdeverfahren RA Nr. 110/2014/82
8
Beschwerdeführerinnen die früher verfügten Auflagen als erfüllt betrachten. Im Gegenteil
hielt er ausdrücklich fest, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerinnen seiner Ansicht
nach das vorliegende Verfahren nicht betreffen. Die Auflistung offener Pendenzen, die er
zusammen mit den Parteien vornahm, erfolgte nur im Hinblick auf eine mögliche Einigung
der Parteien. Dass er nach dem Scheitern der Einigungsversuche das Verfahren zum
Abschluss brachte und einen Entscheid fällte, verstösst daher nicht gegen den
Vertrauensgrundsatz. Das Gleiche gilt für den Entscheid über das nachträgliche
Projektänderungsgesuch vom 24. Februar 2014: Die nachträgliche Projektänderung betraf
das im Verfahren bbew 2115/2010 bewilligte Umbau- bzw. Betriebserweiterungsvorhaben
und musste daher separat in jenem Verfahren und nicht zusammen mit der hier
umstrittenen Terrassenbewirtschaftung entschieden werden. Das Vorgehen des
Regierungsstatthalters ist daher nicht zu beanstanden.
g) Anders als die Beschwerdeführerinnen meinen, ist es zudem für das vorliegende
Verfahren irrelevant, ob die mit Entscheid vom 11. März 2011 verfügten Auflagen
vollständig erfüllt wurden oder nicht. Es ist zwar richtig, dass die lärmmässigen
Auswirkungen der hier zur Diskussion stehenden Terrasse im Obergeschoss nicht isoliert
betrachtet werden dürfen, sondern die durch die beiden bestehende Betriebe verursachte
bestehende Umweltbelastung ebenfalls zu berücksichtigen ist (Art. 8 und Art. 11 Abs. 3
USG). Die beiden Gastgewerbebetriebe verursachen aber entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerinnen unabhängig von der Einhaltung der mit Entscheid vom 11. März
2011 verfügten Auflagen keine übermässigen Immissionen. Dies aus folgenden Gründen:
Nachdem die Beschwerdeführerinnen den Entscheid des Regierungsstatthalters vom 11.
März 2011 betreffend Betriebserweiterung bei der BVE angefochten hatten, liess diese
eine Untersuchung durch die Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik durchführen. Die
Fachstelle nahm in der Nacht vom 18./19. Juni 2012 eine Beschallung der Räumlichkeiten
mit der hauseigenen Musikanlage vor und führte an den relevanten Immissionspunkten in
der Nachbarschaft Messungen durch. Diese ergaben, dass höchstens geringfügige
Störungen in der Nachbarschaft auftreten, falls die Musikschallpegel auf 80 dB(A) im
Erdgeschoss und auf 75 dB(A) im Obergeschoss begrenzt werden und Fenster und Türen
beim Abspielen von Musik über 75 dB(A) sowie ab 22.00 Uhr geschlossen gehalten
werden. Diese Massnahmen wurden in der Folgen von der BVE verfügt. Als im Juni 2012
die Untersuchung durch die Fachstelle stattfand, waren die von den
Beschwerdeführerinnen geforderten Massnahmen noch nicht erfüllt, das heisst, weder
Schallschutzfenster noch eine zweite Tür mit Schliessautomatik eingebaut und weder die
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Isolierung des Gebäudes noch die Ausrichtung der Musikanlage überprüft. Dies bedeutet,
dass die beiden Gastgewerbebetriebe auch ohne die mit Entscheid des
Regierungsstatthalters vom 11. März 2011 verfügten Auflagen keine übermässigen
Lärmimmissionen verursachen, sofern die verfügten Musikschallpegel und die weiteren von
der BVE verfügten Auflagen eingehalten werden. Die Auflagen des Entscheides des
Regierungsstatthalters vom 11. März 2011 hätten daher damals von der BVE aufgehoben
werden können. Da der Beschwerdegegner die Ausführung der fraglichen Massnahmen
aber freiwillig in Aussicht gestellt hatte, wurde auf die Aufhebung der Auflagen im Sinne
einer zusätzlichen, aber nicht notwendigen Vorsorgemassnahme verzichtet. In der
Zwischenzeit wurden die Auflagen in einem nachträglichen Projektänderungsverfahrens
angepasst. Die nicht vollständige Erfüllung der mit Entscheid vom 11. März 2011 verfügten
Auflagen bzw. deren in der Zwischenzeit erfolgte Anpassung hat somit nicht zur Folge,
dass die von den Gastgewerbebetrieben des Beschwerdegegners verursachten Lärm-
emissionen das zulässige Immissionsniveau überschreiten.
3. Terrasse im Obergeschoss / Lärmimmissionen
a) Das umstrittene Vorhaben umfasst eine bestehende Aussenterrasse im
Obergeschoss an der Nordseite des Gebäudes an der L._ 2, die der
Gastgewerbebetrieb I._ neu als Fläche für Aussenbewirtung nutzen will. Der
Zugang zur Terrasse erfolgt über eine Tür von den Räumlichkeiten der I._ her. Es
existiert zwar auch eine Aussentreppe, welche die Terrasse mit dem Hinterhof des
Gebäudes verbindet. Dieser Zugang soll jedoch nur als Fluchtweg dienen. Die Vorinstanz
verfügte, dass die Terrasse spätestens um 22.30 Uhr geschlossen werden müsse. Die
Beschwerdeführerinnen befürchten, die neue Aussenbewirtung führe zu übermässigen
Lärmimmissionen.
b) Bei der umstrittenen Terrasse mit Aussenbewirtung handelt es sich um eine ortsfeste
Anlage im Sinne von Art. 7 Abs. 2 USG14 und Art. 2 Abs. 1 LSV15, deren Betrieb
Lärmimmissionen verursachen kann. Diese sind, wenn sie schädlich oder lästig werden
könnten, zu begrenzen. Dabei sind gemäss Art. 11 Abs. 2 USG zunächst unabhängig von
der bestehenden Belastung die Emissionen soweit zu begrenzen, als dies technisch und
14 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 15 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41)
10
betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist. Wenn aber feststeht oder zu erwarten ist,
dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der bestehenden Umweltbelastung
schädlich oder lästig werden, sind die Emissionsbegrenzungen zu verschärfen (Art. 11
Abs. 3 USG). Für die Beurteilung der Einwirkungen legt der Bundesrat durch Verordnung
Immissionsgrenzwerte fest (Art. 13 USG). Für Lärm sind diese so festzulegen, dass nach
dem Stand der Wissenschaft oder der Erfahrung Immissionen unterhalb dieser Werte die
Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht erheblich stören (Art. 15 USG). Der Bundesrat
hat gestützt auf diese Bestimmungen des USG in der LSV und in den Anhängen dazu
Belastungsgrenzwerte für verschiedene Lärmarten festgelegt. Diese Grenzwerte sind aber
auf typischen Industrie- und Gewerbelärm zugeschnitten und lassen sich nicht ohne
Weiteres auf Gastgewerbebetriebe übertragen, da deren Lärm überwiegend durch
menschliches Verhalten und nicht durch Maschinen verursacht wird (z.B. Musik, Lachen,
Klirren von Gläsern, Unterhaltungen der Gäste usw.). Da die LSV für solche
Lärmimmissionen weder Immissions- noch Planungswerte enthält, beurteilt die
Bewilligungsbehörde die Lärmimmissionen im Einzelfall nach Art. 15 USG, unter
Berücksichtigung der Art. 19 und 23 USG (Art. 40 Abs. 3 LSV). Bei der umstrittenen
Terrasse handelt es sich um eine Neuanlage. Es sind daher die Planungswerte gemäss
Art. 25 USG massgebend, das heisst, es dürfen höchstens geringfügige Störungen
auftreten.16 Die Bewilligungsbehörde berücksichtigt im Rahmen der Einzelfallbeurteilung
neben der zonenmässigen Zuordnung und der entsprechenden Empfindlichkeitsstufe auch
den Charakter des Lärms, den Zeitpunkt und die Häufigkeit seines Auftretens sowie die
Lärmempfindlichkeit bzw. die Lärmvorbelastung der Zone, in der die Immissionen
auftreten.17
c) Sowohl gemäss dem alten Baureglement der Gemeinde Meiringen vom 27. Oktober
1994 als auch nach dem neuen, erst teilweise rechtskräftigen Reglement vom 9. Juni 2013,
das im Zeitpunkt der Baugesuchseinreichung bereits öffentlich aufgelegen hat, befinden
sich die beiden Gastgewerbebetriebe und alle massgeblichen Immissionspunkte in der
Nachbarschaft in Zonen mit der Empfindlichkeitsstufe III, in der gemäss Art. 43 Abs. 1
Bst. c LSV mässig störende Betriebe zugelassen sind.
d) Die Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei, die den H._
bereits 2012 im Verfahren betreffend Betriebserweiterung und Umbau des Ober- und
16 BGE 123 II 325 E. 4. d/bb, 137 II 30 E. 3.4, BGer 1C_161-164/2013 vom 27.2.2014 E. 3.3 17 BGer 1C_161-164/2013 vom 27.2.2014 E. 3.3 und BGE 133 II 292 E. 3.3 je mit Hinweisen
11
Dachgeschosses untersuchte18, hat im Auftrag des Rechtsamtes am 21. Oktober 2014
erneut eine Untersuchung durchgeführt. In ihrem Fachbericht vom 31. Oktober 2014 hält
sie Folgendes fest:
Gastgewerbebetriebe / Betriebskonzepte:
In der Liegenschaft F._ 1 befänden sich zwei separat geführte
Gastgewerbebetriebe mit unterschiedlichen Konzepten, der H._ im Erdgeschoss
und die I._ in den Obergeschossen. Der H._ mit Pub-Charakter umfasse
einen Ausschankraum mit 60 Sitzplätzen, eine Tanzfläche, ein Fumoir mit 15 Sitzplätzen
und im Bereich der Südfassade eine Aussenterrasse mit drei Tischen und zwölf
Sitzplätzen. Der Eingang befinde sich in der Südfassade im Erdgeschoss. Die I._
mit Lounge-Charakter umfasse einen Ausschankraum mit 45 Sitzplätzen und ein Fumoir
mit acht Sitzplätzen und werde über eine Aussentreppe an der Ostfassade des Gebäudes
erschlossen. Für den H._ sei ein maximaler Schalldruckpegel von Leq 80
dB(A)/10s bewilligt, für die I._ ein solcher von Leq 75 dB(A)/10s. Die umstrittene
Aussenterrasse befinde sich an der Nordfassade des Gebäudes auf dem Niveau des
Obergeschosses und sei vom Lokalinnern (I._) über eine separate Tür an der
Nordfassade zu erreichen. Gemäss dem Betriebskonzept sei im Aussenbereich kein
musikalisches Angebot vorgesehen.
Betrieblicher Lärm:
Als die von den Lärmimmissionen der Terrasse am stärksten betroffenen Punkte seien die
Hotelzimmer des Hotel K._ auf der nördlich gelegenen Parzelle Nr. J._ in
einer Distanz von etwa 20 m ermittelt worden. Die geplante Bewirtschaftung der Terrasse
mit rund 20 Sitzplätzen könne in der nächsten Nachbarschaft Lärmimmissionen generieren
(Gespräche, Diskussionen, Gläserklirren, etc), die bisher nicht vorhanden gewesen seien.
Der Standort der Terrasse sei von der L._ abgewandt und befinde sich in der
zweiten „Bautiefe“. Bei dieser Terrasse sei die Lärmvorbelastung – beispielsweise durch
Strassenverkehr oder Passanten – kleiner, als dies auf der Südseite bei den bestehenden
Aussensitzplätzen des H._ der Fall sei. Massgebend sei weiter das Zeitfenster, in
dem die Aussensitzplätze betrieben würden: Erfahrungsgemäss seien Lärmimmissionen
beim ordentlichen Betrieb von Aussensitzplätzen in Zonen mit ES III bis um 22.00 Uhr nicht
18 Fachbericht der Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik vom 28. Juni 2012, Akten des Regierungsstatthalteramtes Interlaken-Oberhasli 2115/2010 betreffend Umbau OG/DG und Betriebserweiterung sowie Projektänderung, p. 194 bis 199
12
als erheblich störend einzustufen. Nach diesem Zeitpunkt, also ab Beginn der Nachtruhe,
könnten aber auch bei einer pflicht- und ordnungsgemässen Führung einer Aussenterrasse
die Lärmimmissionen mehr als nur geringfügig störend sein.
Sekundärlärm:
Durch die Schaffung der neuen Aussenterrasse können der Gastgewerbebetrieb mehr
Gäste bedienen, was mit einer Zunahme des Publikumsverkehrs und damit einer Zunahme
von Sekundärlärmimmissionen einhergehen könne. Erfahrungsgemäss verursache aber
eine Aussenterrasse in der vorgesehenen Grössenordnung nur eine geringe Erhöhung der
Sekundärlärmimmissionen. Unter Berücksichtigung des Betriebskonzeptes und bei
Einhaltung der gesetzlichen Bestimmung (GGG19) seien insgesamt nur höchstens
geringfügige Störungen in der am stärksten von den Sekundärlärmimmissionen betroffenen
Anwohnerschaft zu erwarten. Allerdings könne eine Benützung der Terrassenaussentreppe
(Fluchtweg) durch Gäste, insbesondere nach 22.00 Uhr, zu übermässigen
Lärmimmissionen führen.
Zusammenfassend hält die Fachstelle in ihrem Bericht fest, dass der Betriebslärm der
Bewirtschaftung der Aussenterrasse unter Berücksichtigung des Betriebskonzeptes sowie
des Standortes nach 22.00 Uhr mehr als höchstens geringfügige Störungen in der
Nachbarschaft verursachen könne. Damit die Lärmimmissionen als höchstens geringfügig
eingestuft werden könnten, sind laut der Fachstelle folgende Auflagen notwendig:
- Der maximale Schalldruckpegel beträgt im OG + DG Leq 75 dB(A)/10s
- Die Türen und Fenster sind beim Abspielen von Musik generell geschlossen zu halten. Spätestens
ab 00:30 Uhr sind die Türen und Fenster in jedem Fall geschlossen zu halten.
- Im OG/DG ist ein Fumoir zu betreiben.
- Im Freien darf keine Musik abgespielt werden.
- Bei publikumsintensiven Anlässen und in den Nächten von Fr/Sa und Sa/So von 22.00 bis 03.30 Uhr
sind drei klar erkennbare und uniformierte Personen als Ordnungsdienst einzusetzen.
- Personenansammlungen im Freien (ausserhalb eines ordentlichen Terrassenbetriebes) sind auf
geeignete Art und Weise zu verhindern bzw. nicht gestattet.
- Die Aussenbewirtschaftung ist spätestens um 22.00 Uhr einzustellen und es ist dafür zu sorgen,
dass danach Gäste keine Speisen und/oder Getränke im Freien konsumieren.
- Es ist mittels geeigneten Massnahmen dafür zu sorgen, dass die Aussentreppe an der Nordfassade
des Lokals nicht als Zu- und/oder Weggang für das Publikum genutzt wird. Der Publikumsverkehr
von und zur Aussentreppe hat ausschliesslich über die bestehenden gastgewerblich genutzten
Räumlichkeiten im OG zu erfolgen.
19 Gastgewerbegesetz vom 11. November 1993 (GGG; BSG 935.11)
13
e) Die Fachstelle legt in ihrem Bericht nachvollziehbar dar, dass die Aussenterrasse bis
22.00 Uhr nicht als störend einzustufen ist, sie aber Lärmimmissionen verursachen kann,
die ab Beginn der Nachtruhezeit um 22.00 Uhr mehr als nur höchstens geringfügig störend
sind. Diese Beurteilung überzeugt: Sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten
sind heute Gastgewerbebetriebe mit Aussensitzplätzen und bewirtschafteten Terrassen
sehr verbreitet. In Zentrumsbereichen, Kern- und gemischten Zonen werden solche
Anlagen tagsüber und in den früheren Abendstunden in der Regel nicht als störend
eingestuft, sofern sie keinen Musikbetrieb haben. Ab Beginn der Nachtruhezeit werden die
Lärmemissionen der Aussensitzplätze von Gastgewerbebetrieben dagegen von den
Anwohnern häufig als störend wahrgenommen, da der Umgebungslärm generell tiefer ist,
dass Ruhebedürfnis zunimmt und bereits einzelne Gespräche, Gläserklingen oder Lachen
deutlich wahrgenommen werden und zu Weckreaktionen führen können. Die hier
umstrittene Terrasse mit rund 20 Sitzplätzen befindet sich in einer Mischzone im
Kernbereich von Meiringen mit ES III. Im Standortgebäude selbst befinden sich nur zwei
Gastgewerbebetriebe, Wohnungen sind keine vorhanden. Das nächstliegende, am meisten
von den Emissionen der Terrasse betroffene Gebäude ist das Hotel K._. Dessen
Inhaber hat sich unter der Bedingung der Beschränkung der Öffnungszeit bis maximal
22.00/22.30 Uhr mit dem Terrassenbetrieb einverstanden erklärt.20 In den anderen
umliegenden Gebäude befinden sich einerseits Dienstleistungs-, Kleingewerbe- und
Gastgewerbebetriebe sowie andererseits Wohnungen. In dieser Umgebung führt der
geplante Terrassenbetrieb, sofern keine Musik abgespielt wird, bis zu Beginn der
Nachtruhezeit um 22.00 Uhr zu nicht mehr als höchstens geringfügig störendem
Betriebslärm.
Auch der Sekundärlärm durch das Verhalten der Besucher bei der Ankunft und beim
Verlassen des Lokals ist bis 22.00 Uhr als höchstens geringfügig störend einzustufen: Wie
die Fachstelle überzeugend darstellt, führt eine Aussenterrasse in der geplanten Grösse
nur zu einer geringen Zunahme der Gäste und des Sekundärlärm. Der Zu- und Weggang
der Gäste zur Terrasse erfolgt nicht über den Hinterhofbereich, sondern über die Räume
der I._ und deren bestehenden Zugang auf der Ostseite des Gebäudes, der zur
L._ führt. Die geringfügigen zusätzlichen Immissionen werden nicht im ruhigeren
strassenabgewandten Bereich beim Hotel K._ entstehen, sondern im Bereich der
20 Vorakten, p. 20 f.
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L._, wo die Umgebungsgeräusche höher sind (Strassenverkehr, Passanten,
Bach). Die von der Fachstelle prognostizierte, nur sehr geringfügige Zunahme der
Sekundärlärmimmissionen vermag zudem die von den Gastgewerbebetrieben verursachte
Gesamtbelastung nicht in relevanter Weise zu steigern: Die Fachstelle hat die durch die
Gäste der beiden bestehenden Gastgewerbebetriebe verursachten
Sekundärlärmimmissionen bisher stets als höchstens geringfügig eingestuft, dies sogar
nach 22.00 Uhr und bis zum Ende der bewilligten Überzeit.21 Die geringfügigen
zusätzlichen Immissionen der Gäste der Terrasse, die vor 22.00 Uhr entstehen, sind vor
diesem Hintergrund nicht geeignet, die Gesamtbelastung so zu steigern, dass sie mehr als
geringfügig stören wird.
Die Aussenbewirtschaftung der Terrasse der I._ im OG kann daher mit Auflagen
bewilligt werden.
f) Die Fachstelle fordert mehrere Massnahmen, damit die durch den geplanten
Terrassenbetrieb verursachten Lärmimmissionen in der nächsten Nachbarschaft höchsten
geringfügig sind und die Aussenbewirtschaftung bewilligt werden kann (vgl. Bst. d
vorstehend). Dazu gehört, dass die Aussenbewirtschaftung jeweils spätestens um 22.00
Uhr eingestellt wird und die Aussentreppe an der Nordfassade von den Gästen nicht als
Zu- oder Weggang benutzt wird. Beide Massnahmen sind, wie vorstehend dargelegt,
notwendig, damit der Betrieb ab Beginn der Nachtruhezeit zu nicht mehr als nur
geringfügigen Störungen führt und übermässige Sekundärlärmimmissionen im
Hinterhofbereich verhindert werden. Sie sind auch ohne Weiteres betrieblich möglich und
auch zumutbar, da sie nur geringfügig vom Betriebskonzept des Beschwerdegegners
abweichen. Der Beschwerdegegner hat sich denn auch in seinen Schlussbemerkungen
generell mit den von der Fachstelle vorgeschlagenen Massnahmen einverstanden erklärt
Auch die anderen von der Fachstelle vorgeschlagenen Massnahmen sind erforderlich,
damit die Lärmimmissionen des Terrassenbetriebs höchsten geringfügig sind. So darf
beispielsweise keine Musik im Freien abgespielt werden und es sind ausserhalb der
bewilligten Zeiten der Terrasse Personenansammlungen im Freien zu verhindern.
Sämtliche dieser zusätzlich von der Fachstelle vorgeschlagenen Massnahmen sind aber
21 Akten des Regierungsstatthalteramtes Interlaken-Oberhasli 2115/2010 betreffend Umbau OG/DG und Betriebserweiterung sowie Projektänderung, p. 194 ff. (Fachbericht der Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik vom 28. Juni 2012); Beschwerdeakten RA Nr. 110/2014/82, Fachbericht der Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik vom 31. Oktober 2014 betreffend Verzicht auf interne Verbindungstreppe
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bereits mit Entscheid der BVE vom 20. September 2012 als Auflagen verfügt worden und
auch Bestandteil der Betriebsbewilligung der I._. Diese Massnahmen gelten nach
wie vor und müssen nicht nochmals verfügt werden.
g) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz das Vorhaben zu Recht bewilligt
hat, aber zusätzliche Auflagen anzuordnen sind, wobei insbesondere die Öffnungszeit der
Terrasse auf maximal bis 22.00 Uhr zu beschränken ist. Der angefochtene Entscheid ist
entsprechend zu ergänzen und kann im Übrigen bestätigt werden.
4. Zusammenfassung und Kosten
a) Die Beschwerdeführerinnen dringen mit ihrem Antrag, der angefochtene Entscheid
sei aufzuheben, nicht durch. Sie gelten daher grundsätzlich als unterliegend. Da aber
zusätzliche Auflagen anzuordnen sind, gilt auch der Beschwerdegegner als teilweise
unterliegend. Es rechtfertigt sich daher, die Kosten den Beschwerdeführerinnen zu drei
Vierteln und dem Beschwerdegegner zu einem Viertel aufzuerlegen.
b) Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'200.00
(Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV22). Davon haben die
Beschwerdeführerinnen Fr. 900.00 und der Beschwerdegegner Fr. 300.00 zu tragen.
c) Die Parteien haben im Umfange ihres Obsiegens Anspruch auf Ersatz ihrer
Parteikosten. Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung
anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV23 beträgt das
Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro
Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der
Sache gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit
des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG24). Im vorliegenden Fall sind der gebotene Zeitaufwand
mit einfachem Schriftenwechsel und Schlussbemerkungen sowie die Bedeutung der
Streitsache als unterdurchschnittlich zu werten. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass die
22 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 23 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811) 24 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
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Parteivertreter aus einem anderen Verfahren zwischen den Parteien bereits über
Aktenkenntnis verfügten. Die Schwierigkeit des Prozesses ist angesichts der sich
stellenden Rechtsfragen als durchschnittlich einzustufen. Daher erscheint eine
Ausschöpfung des Gebührenrahmens von maximal 40 % als angemessen. Dies ergibt ein
Honorar von Fr. 4'960.00.
Der Anwalt der Beschwerdeführerinnen macht Parteikosten von insgesamt Fr. 3'059.10
geltend (Honorar Fr. 2'750.00, Auslagen Fr. 82.50, Mehrwertsteuern Fr. 226.60). Dies gibt
bezüglich der Höhe des Honorars zu keinen Bemerkungen Anlass. Allerdings ist die
Beschwerdeführerin 1 mehrwertsteuerpflichtig25 und kann somit die von ihrem
Rechtsvertreter auf sie überwälzte Mehrwertsteuer in ihrer eigenen
Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihr fällt daher betreffend
Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der Mehrwertsteuer käme einer mit
Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren Überentschädigung gleich.
Nach neuer Praxis des Verwaltungsgerichts ist deshalb die in der Kostennote des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerinnen aufgeführte Mehrwertsteuer bei der
Bestimmung des Parteikostenersatzes nur zur Hälfte zu berücksichtigen.26 Dies ergibt
Parteikosten von Fr. 2'945.80.
Der Anwalt des Beschwerdegegners macht Parteikosten von Fr. 7'150.45 geltend (Honorar
Fr. 6'500.00, Auslagen Fr. 120.80, Mehrwertsteuern Fr. 529.65). Das geltend gemachte
Honorar überschreitet die angemessen Ausschöpfung des Gebührenrahmens. Die
Parteikostenentschädigung des Beschwerdegegners wird festgesetzt auf Fr. 5'487.25
(Honorar Fr. 4'960.00, Auslagen Fr. 120.80, Mehrwertsteuern Fr. 406.45). Davon habe die
Beschwerdeführerinnen dem Beschwerdegegner drei Viertel, ausmachend Fr. 4'115.45 zu
ersetzten. Der Beschwerdegegner hat den Beschwerdeführerinnen eine
Parteikostenentschädigung von einem Viertel ihrer Parteikosten, ausmachend Fr. 736.45
zu bezahlen.