Decision ID: ab026c6a-c7c0-5b9b-a0f7-2d6e9b507efb
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ G.T., geboren 1962, ist Staatsangehöriger von Mazedonien. Nachdem er von 1983
bis 1989 als Saisonnier in der Schweiz geweilt hatte, erteilte ihm das Ausländeramt am
20. Oktober 1989 eine Jahresaufenthaltsbewilligung. Am 12. Juni 1995 wurde ihm die
Niederlassungsbewilligung erteilt.
G.T. ist seit 1982 mit seiner Landsfrau Amida T. verheiratet. Die Eheleute haben drei
Kinder, die Töchter Nermina und Nazlija (geboren 1982 bzw. 1983) und den Sohn Ismet
(geboren 20. April 1987).
Am 22. Oktober 2004 stellte G.T. ein Gesuch um Familiennachzug für seine Ehefrau
und seinen Sohn Ismet. Mit Verfügung vom 15. März 2005 wies das Ausländeramt das
Gesuch um Nachzug des Sohnes ab mit der Begründung, es stehe nicht das familiäre
Zusammenleben im Vordergrund, sondern dem Sohn solle kurz vor der Mündigkeit eine
Arbeitsstelle und der Aufenthalt unter Umgehung der Kontingentierungsvorschriften
verschafft werden.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob der Betroffene durch seinen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 30. März 2005 Rekurs, der vom Justiz- und
Polizeidepartement mit Entscheid vom 7. Oktober 2005 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 31. Oktober 2005 erhob G.T. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 7. Oktober 2005
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und die Verfügung des Ausländeramts vom 15. März 2005 seien aufzuheben und die
Vorinstanz sei anzuweisen, die nachgesuchte Bewilligung zum Nachzug seines Sohnes
Ismet zu erteilen und es sei dieser in die Niederlassungsbewilligung des
Beschwerdeführers einzubeziehen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Auf die zur
Begründung dieser Anträge gemachten Ausführungen wird, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen näher eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 18. November 2005 unter
Hinweis auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids auf Abweisung der
Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 31. Oktober 2005
erfüllt zeitlich, formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
Der Beschwerdeführer beantragt die Durchführung einer mündlichen Verhandlung.
Nach Art. 55 VRP ist eine mündliche Verhandlung durchzuführen, wenn sie zur
Wahrung der Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint. Eine
Notwendigkeit einer mündlichen Verhandlung zur Wahrung der Parteirechte besteht im
vorliegenden Fall nicht. Namentlich gebietet Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Konvention
zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK)
keine Durchführung einer öffentlichen Verhandlung. Art. 6 Ziff. 1 EMRK kommt bei
Verfahren über ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligungen nicht zum Tragen (vgl.
Frowein/Peukert, Europäische Menschenrechtskonvention, 2. Aufl., Kehl/Strassburg/
Arlington 1996, N 52 zu Art. 6, Fn 198). Dem Begehren um Durchführung einer
mündlichen Verhandlung ist daher nicht stattzugeben.
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2./ Nach Art. 17 Abs. 2 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) haben ledige Kinder von Ausländern, die in
der Schweiz niedergelassen sind, Anspruch auf Einbezug in die
Niederlassungsbewilligung ihrer Eltern, wenn sie mit diesen zusammenwohnen und
noch nicht achtzehn Jahre alt sind.
a) Zweck des sogenannten Familiennachzugs ist es, das Leben in der
Familiengemeinschaft zu ermöglichen. Der Gesetzeswortlaut verdeutlicht, dass die
rechtliche Absicherung des Zusammenlebens der Gesamtfamilie angestrebt wird. Der
nachträgliche Familiennachzug durch zusammenlebende Eltern ist auch möglich, ohne
dass besondere stichhaltige Gründe die beabsichtigte Änderung der
Betreuungsverhältnisse rechtfertigen müssen. Innerhalb der Schranken von Art. 17
Abs. 2 Satz 3 ANAG ist der Nachzug von gemeinsamen Kindern durch beide Elternteile
zusammen grundsätzlich jederzeit zulässig; vorbehalten bleibt einzig das
Rechtsmissbrauchsverbot. Je länger mit der Ausübung des Nachzugsrechts ohne
sachlichen Grund zugewartet wird und je knapper die verbleibende Zeit bis zur
Volljährigkeit ist, um so eher kann sich auch bei im Ausland verbliebenen gemeinsamen
Kindern zusammenlebender Eltern die Frage stellen, ob wirklich die Herstellung der
Familiengemeinschaft beabsichtigt ist oder ob die Ansprüche aus Art. 17 ANAG
zweckwidrig für die blosse Verschaffung einer Niederlassungsbewilligung geltend
gemacht werden (BGE 126 II 333).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts wird das gesetzgeberische Ziel von Art.
17 Abs. 2 ANAG, das familiäre Zusammenleben zu ermöglichen und rechtlich
abzusichern, nicht erreicht, wenn der in der Schweiz niedergelassene Ausländer
jahrelang von seinem Kind getrennt lebt und dieses erst kurz vor Erreichen des
achtzehnten Altersjahres in die Schweiz holt. Eine Ausnahme kann nur gelten, wenn es
gute Gründe gibt, aus denen die Familiengemeinschaft in der Schweiz erst nach Jahren
hergestellt wird; solche Gründe müssen sich aus den Umständen des Einzelfalles
ergeben. Es werden hohe Beweisanforderungen gestellt. Die Verweigerung einer
Bewilligung lasse sich jedenfalls dann nicht beanstanden, wenn die Familientrennung
von den Betroffenen ursprünglich selbst freiwillig herbeigeführt worden sei, für die
Aenderung der bisherigen Verhältnisse keine überwiegenden familiären Interessen
bestehen bzw. sich ein Wechsel nicht als zwingend erweise und die Fortführung und
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Pflege der bisherigen familiären Beziehungen nicht behördlich verhindert werden (vgl.
die allgemeinen Erwägungen zum Nachzug von Kindern nicht getrennt lebender Eltern
in BGE 129 II 253, 125 II 587 und 119 Ib 88).
b) Im vorliegenden Fall war der am 20. April 1987 geborene Ismet Tajorski bei der
Einreichung des Familiennachzugsbegehrens am 22. Oktober 2004 siebzehneinhalb
Jahre alt. Er befand sich damit in einem Alter, in dem der formelle Anspruch auf
Familiennachzug nur noch kurze Zeit bestand. Ein Familiennachzugsbegehren ist zwar
nicht allein deshalb rechtsmissbräuchlich, weil es erst kurze Zeit vor Ablauf der vom
Gesetzgeber auf achtzehn Jahre festgelegten Altersgrenze gestellt wird. Es besteht
keine Vermutung im Rechtssinn, dass Nachzugsbegehren kurz vor Erreichen der
Mündigkeit missbräuchlich sind. Das Bundesgericht hat vielmehr gewisse Umstände
hervorgehoben, welche typischerweise eine Umgehungsabsicht nahelegen und denen
daher im Rahmen der von der zuständigen Behörde durchzuführenden tatsächlichen
und rechtlichen Würdigung eine Bedeutung zukommen (BGE 2A.247/1998 vom 15.
September 1998). In solchen Fällen ist daher eingehend zu prüfen, ob nicht andere
Gründe als die Familienzusammenführung im Vordergrund stehen (VerwGE vom 18.
April 2000 i.S. I.S. und vom 6. Juli 2000 i.S. D.S.).
c) Sodann verschafft der durch Art. 8 EMRK gewährleistete Anspruch auf Schutz des
Familienlebens kein vorbehaltloses Recht auf Nachzug von Kindern, namentlich dann
nicht, wenn ein Ausländer selbst die Entscheidung getroffen hat, von seiner Familie
getrennt in einem anderen Land zu leben (vgl. statt vieler BGE 124 II 366 mit
Hinweisen). Auch die Kinderrechtekonvention (SR 0.107) verschafft keinen
Rechtsanspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung (BGE 126 II 390 ff.).
Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde liegt ausserdem kein besonderes
Abhängigkeitsverhältnis vor, welches dem Sohn auch nach Erreichen der Volljährigkeit
noch einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung direkt gestützt auf Art.
8 EMRK verschaffen würde (BGE 129 II 13 f.). Allein der Umstand, dass der Sohn
wirtschaftlich weitgehend von der finanziellen Unterstützung seiner Eltern abhängig ist,
begründet eine solche besondere Abhängigkeit nicht. Der Beschwerdeführer erhielt am
12. Juni 1995 die Niederlassungsbewilligung. Von diesem Zeitpunkt an hatte er
grundsätzlich einen Rechtsanspruch auf Familiennachzug seiner Ehefrau und seiner
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minderjährigen Kinder. Das Familiennachzugsbegehren für die Ehefrau und den Sohn
stellte er aber erstmals am 22. Oktober 2004. Es verstrichen somit über neun Jahre,
ehe er seit der Erteilung der Niederlassung ein Familiennachzugsbegehren stellte. Der
Beschwerdeführer verzichtete somit freiwillig während über neun Jahren auf eine
Familienzusammenführung. Er macht zwar geltend, er habe die Familientrennung
keineswegs während längerer Zeit freiwillig hingenommen, sondern die ganze Familie
habe sich immer wieder bemüht, trotz seiner Arbeit im Ausland einen engen
Zusammenhalt zu pflegen, was ihr auch gelungen sei. Damit werden aber keine
stichhaltigen Gründe dargelegt, weshalb das Gesuch um Familiennachzug erst über
neun Jahre nach Entstehen des entsprechenden Anspruchs gestellt wurde. Das
Argument des Beschwerdeführers, er habe seinem Sohn eine schulische Ausbildung im
Heimatland ermöglichen wollen, geht fehl. Der Beschwerdeführer beabsichtigte
offenbar, die gesamte Ausbildung des Sohnes, welche mit dem Abschluss der
Mittelschule bis zum siebzehnten Altersjahr dauerte, im Herkunftsland zu absolvieren.
Er hat somit bewusst darauf verzichtet, den Sohn im Jugendalter in die Schweiz zu
holen und in das schweizerische Schulsystem und den Familienverbund zu integrieren.
Die Vorinstanz hat unter diesen Umständen zutreffend angenommen, dass keine
sachlichen Gründe vorliegen, weshalb das Gesuch um Familiennachzug für den Sohn
nicht früher gestellt wurde. Die ausschlaggebenden Gründe für das
Familiennachzugsbegehren liegen zweifellos darin, dass der Beschwerdeführer seinem
Sohn eine weitere Ausbildung oder eine Arbeitsstelle in der Schweiz verschaffen will.
Im schriftlichen Gesuch der Arbeitgeberin vom 21. September 2004 war denn auch
ausdrücklich festgehalten, dass der Beschwerdeführer seinen Sohn zu
Studienzwecken in die Schweiz holen möchte. Auch im Gesuch vom 22. Oktober 2004
ist als Aufenthaltszweck für den Sohn "Studienzweck" vermerkt. Dieselbe Absicht wird
in der schriftlichen Mitteilung der Arbeitgeberin vom 22. Oktober 2004 wiederholt. Auch
im Lebenslauf des Sohnes hält der Beschwerdeführer fest, dass Ismet zur
Weiterbildung und insbesondere auch zur Erlernung der deutschen Sprache in die
Schweiz einreisen möchte. In der Stellungnahme vom 10. Dezember 2004 wird unter
anderem ausgeführt, dass der Sohn in Englisch unterrichtet worden und auch des
Französischen mächtig sei, so dass er nach Erlangen der Maturität problemlos an einer
welschen Universität weiter studieren könne. Es ist jedoch nicht nachvollziehbar,
weshalb der Beschwerdeführer seinen Sohn die Mittelschule im Ausland absolvieren
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liess, was dazu führt, dass er anschliessend noch in der Schweiz die Maturität
nachholen muss, obwohl er die Möglichkeit gehabt hätte, die Schulen vom zwölften
Altersjahr an in der Schweiz zu absolvieren und damit die Maturität ohne Säumnis zu
erlangen.
Zusammenfassend gelangt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass der Vorinstanz
keine Rechtsverletzung vorgehalten werden kann, wenn sie davon ausging, dass sich
das Familiennachzugsbegehren für Ismet T. nicht mit der Absicht des familiären
Zusammenlebens begründen lässt, sondern dass es die Verschaffung einer
Niederlassungsbewilligung unter Umgehung der Kontingentierungsvorschriften
bezweckte. Die Verweigerung des Familiennachzugsbegehrens ist daher rechtmässig,
und die Beschwerde ist als unbegründet abzuweisen.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).