Decision ID: 1ab04895-1445-47be-9651-545a21a4ee17
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. Der G._ Staatsangehörige A._, geboren 1976, wurde am 2. April
2019 in der Schweiz in Untersuchungshaft genommen und trat am 8. April
2019 ins Gefängnis B._ ein. Am 6. August 2019 begann er einen
vorzeitigen Strafvollzug mit voraussichtlicher Dauer bis am 1. April 2023.
Am 9. September 2019 wurde er in die Justizvollzugsanstalt D._ in
E._ verlegt.
2. Mit Schreiben vom 21. Juni 2019 beantragte A._, unterstützt vom
Sozialdienst des Gefängnisses B._, bei der C._ AG
(nachfolgend: C._) den Abschluss einer obligatorischen
Krankenpflegeversicherung mit Beginn per 1. April 2019. Mit
Versicherungsbestätigung vom 17. Juli 2019 teilte ihm die C._ mit, er
sei in die obligatorische Krankenpflegeversicherung aufgenommen
worden.
3. Mit Schreiben vom 17. August 2019 annullierte die C._ den
Versicherungsabschluss rückwirkend per 1. April 2019. Der Sozialdienst
des Gefängnisses B._ bemühte sich in der Folge erfolglos um eine
Reaktivierung und beantragte am 15. Juli 2020 den Erlass einer
beschwerdefähigen Verfügung.
4. Mit Verfügung vom 11. August 2020 lehnte die C._ die gesetzliche
Versicherungsdeckung ab. A._ habe keinen Wohnsitz in der Schweiz
und falle deshalb nicht unter die gesetzliche Versicherungspflicht. Gegen
diese Verfügung erhob A._, vertreten vom Sozialdienst des
Gefängnisses B._, am 14. September 2020 Einsprache. Es liege ein
internationaler Sachverhalt vor. Unter Berücksichtigung der Verordnung
der Europäischen Union zur Koordinierung der Systeme der sozialen
Sicherheit und des Bundesgesetzes über das Internationale Privatrecht
liege sein Wohnsitz in der Schweiz.
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5. Mit Entscheid vom 18. Februar 2021 wies die C._ die Einsprache ab.
Der Wohnsitz bestimme sich nach der aktuellen Lehre und
Rechtsprechung auch bei einem internationalen Sachverhalt nach dem
ZGB. Aber selbst gestützt auf das IPRG würde der Wohnsitz von A._
nicht in der Schweiz liegen.
6. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 22. März 2021 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Er beantragte, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben, es sei festzustellen, dass er der
schweizerischen Versicherungspflicht nach KVG unterstehe, und die
C._ AG sei zu verpflichten, ihn ab dem 1. April 2019 in die
obligatorische Krankenpflegeversicherung gemäss KVG aufzunehmen.
Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, er habe seinen
vorherigen ausländischen Wohnsitz aufgegeben und es bestehe nun ein
fiktiver Ersatzwohnsitz an seinem Aufenthaltsort im Gefängnis in der
Schweiz.
7. Die C._ AG (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte mit
Vernehmlassung vom 22. April 2021, auf die Beschwerde sei nicht
einzutreten, eventualiter sei sie abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
Die Beschwerdegegnerin bestritt die Legitimation des Beschwerdeführers
und die gehörige Bevollmächtigung des Sozialarbeiters und der Co-
Abteilungsleiterin als dessen Rechtsvertreter. In der Sache verwies sie im
Wesentlichen auf die Begründung des angefochtenen
Einspracheentscheids.
8. In einem zweiten Schriftenwechsel mit Replik vom 20. Mai 2021 und Duplik
vom 10. Juni 2021 vertieften die Parteien ihre Standpunkte.
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Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Einspracheentscheid
und in den Rechtsschriften sowie auf die im Recht liegenden Beweismittel
wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Vorneweg werden die formellen Fragen geklärt.
1.1. Die Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid der C._
AG vom 18. Februar 2021. Dieser Entscheid ist ein taugliches
Anfechtungsobjekt gemäss Art. 56 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1; i.V.m.
Art. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung [KVG; SR
832.10]). Das angerufene Gericht ist sachlich und funktionell zuständig.
Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden beurteilt als kantonales
Versicherungsgericht Beschwerden gegen Einspracheentscheide in
Sozialversicherungssachen, die gemäss Bundesrecht der Beschwerde
unterliegen (Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Die Beschwerde
erfolgte zudem frist- und formgerecht (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG).
1.2. Die örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts kann ebenfalls bejaht
werden. Gemäss Art. 58 Abs. 1 ATSG ist das Versicherungsgericht
desjenigen Kantons zuständig, in dem die versicherte Person oder der
Beschwerde führende Dritte zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz
hat. Gemäss Art. 58 Abs. 2 ATSG ist bei einer versicherten Person oder
einem Beschwerde führenden Dritten mit Wohnsitz im Ausland das
Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem sich ihr letzter
schweizerischer Wohnsitz befand oder in dem ihr letzter schweizerischer
Arbeitgeber Wohnsitz hat; lässt sich keiner dieser Orte ermitteln, so ist das
Versicherungsgericht desjenigen Kantons zuständig, in dem das
Durchführungsorgan seinen Sitz hat. Im vorliegenden Fall ist im Rahmen
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der materiellen Fragen umstritten, wo sich der Wohnsitz der betroffenen
Person befindet. In einem solchen Fall ist dasjenige Gericht zuständig, das
der Streitfrage sachlich und örtlich am nächsten steht (vgl. BGE 102 V 239
E.3a; KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Auflage 2020, S.1042, N 11 zu Art. 58
ATSG). Der Beschwerdeführer hält sich seit dem 9. September 2019 in
der Justizvollzugsanstalt D._ in E._ auf (Beilagen des
Beschwerdeführers zur Beschwerde [Bf-B-act.] Nr. 14). Der örtliche Bezug
zum Kanton Graubünden ist dadurch gegeben. Die Beschwerdegegnerin
bestreitet die örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts denn auch
nicht. Sie anerkennt mithin den Standort des Gefängnisses als logischen
Anknüpfungspunkt in der Frage der örtlichen Zuständigkeit. Entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers anerkennt sie damit aber nicht auch
seinen Wohnsitz am Standort des Gefängnisses, da der Wohnsitz ja die
eigentliche materielle Streitfrage darstellt.
1.3. Geprüft wird nun, ob der Beschwerdeführer zur Beschwerde berechtigt ist.
Die Beschwerdegegnerin bestreitet die Legitimation.
1.3.1. Gemäss Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch die
angefochtene Verfügung oder den Einspracheentscheid berührt ist und ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat.
"Berührt" im Sinne von Art. 59 ATSG ist, wer in einer besonderen,
beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache steht, mithin in
rechtlichen oder tatsächlichen Interessen spürbar betroffen ist (Urteil des
Bundesgerichts 8C_751/2018 vom 6. Mai 2019 E.3.1). Das "Berührtsein"
stellt indessen nicht eine selbstständige und damit kumulativ zum
schutzwürdigen Interesse zu erfüllende Legitimationsvoraussetzung,
sondern letztlich eine Präzisierung desselben dar (BGE 133 V 188
E.4.3.1). Als schutzwürdiges Interesse im legitimationsrechtlichen Sinne
gilt jedes praktische oder rechtliche Interesse, welches eine von einem
Verwaltungsakt betroffene Person an dessen Änderung oder Aufhebung
geltend machen kann. Das schutzwürdige Interesse besteht somit im
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praktischen Nutzen, den die Gutheissung der Beschwerde verschaffen
würde, oder – anders ausgedrückt – im Umstand, einen Nachteil
wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder anderweitiger Natur zu
vermeiden, welchen der angefochtene Verwaltungsakt mit sich bringen
würde (BGE 133 V 188 E. 4.3.1). Ein schutzwürdiges Interesse im Sinne
von Art. 59 ATSG liegt demnach vor, wenn die tatsächliche oder rechtliche
Situation des Rechtsuchenden durch den Ausgang des Verfahrens
beeinflusst werden kann. Dabei wird verlangt, dass die Beschwerde
führende Person durch den angefochtenen Verwaltungsakt stärker als
jedermann betroffen ist und in einer besonderen, beachtenswerten, nahen
Beziehung zur Streitsache steht (BGE 138 V 292 E.3).
1.3.2. Die Beschwerdegegnerin macht geltend, der Beschwerdeführer befinde
sich im Strafvollzug und müsse dort von den zuständigen
Strafvollzugsbehörden bei Bedarf auch medizinisch versorgt werden. Er
habe demnach selber kein persönliches Interesse am Beitritt zur sozialen
Krankenversicherung nach KVG und der damit verbundenen
Prämienzahlungspflicht. Dem kann nicht gefolgt werden. Es trifft zwar zu,
dass der Beschwerdeführer als Strafgefangener Anspruch auf
medizinische Versorgung hat. Dieser Anspruch beschränkt sich nach dem
Straf- und Justizvollzugsgesetzes des Kantons Zürich (StJVG; LS 331)
aber auf die medizinische Grundversorgung. Spezialärztliche
Dienstleistungen und Spitalbehandlung sind für einen Strafgefangenen im
Grundsatz nur mit einer Krankenversicherung zugänglich. So sieht § 24
Abs. 1 StJVG vor, dass die Direktion, mithin das Amt für Justizvollzug und
Wiedereingliederung (JuWe), die medizinische Versorgung von
inhaftierten Personen wenn möglich mit eigenem Personal leistet. Ist dies
nicht möglich, so werden externe Fachleute beauftragt (§ 24 Abs. 2
StJVG). § 111 Abs. 1 der Justizvollzugsverordnung des Kantons Zürich
(JVV; LS 331.1) sieht vor, dass die Kosten der notwendigen
hausärztlichen Behandlung von der Vollzugseinrichtung getragen werden,
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soweit dafür nicht Krankenkasse oder Unfallversicherung der verurteilten
Person aufkommen. Eine weiter gehende medizinische Behandlung
erfolgt gemäss § 111 Abs. 2 JVV nur dann, wenn die Kosten von der
verurteilten Person übernommen werden oder eine Kostengutsprache
vorliegt. In dringenden Fällen wird die Behandlung aber auch ohne
Kostengutsprache angeordnet (§ 111 Abs. 3 JVV). Das Interesse des
Beschwerdeführers an der vorliegenden Beschwerde liegt demnach darin,
während seines Aufenthalts im Gefängnis nicht nur in dringenden Fällen
und über die Grundversorgung hinaus Zugang zu einer umfassenden
medizinischen Betreuung zu erhalten.
1.3.3. Dass der Beschwerdeführer seine Strafe seit dem 9. September 2019
nicht mehr in einem Gefängnis im Kanton Zürich, sondern in der
Justizvollzugsanstalt D._ im Kanton Graubünden verbüsst, ändert
hieran nichts. Die Kantone Zürich und Graubünden gehören dem
Ostschweizer Strafvollzugskonkordat an (https://www.osk-web.ch/, zuletzt
besucht am 5. Oktober 2021). Gemäss Art. 9 Abs. 2 der
Konkordatsvereinbarung richtet sich der Vollzug nach den Vorschriften für
die einzelnen Vollzugseinrichtungen. Sie werden von dem Kanton
erlassen, der die Vollzugseinrichtung führt. In den vorliegend relevanten
Punkten zur medizinischen Versorgung der Strafgefangenen entsprechen
die Vorschriften im Gesetz über den Justizvollzug im Kanton Graubünden
(JVG; BR 350.500) und der Verordnung über den Justizvollzug im Kanton
Graubünden (JVV, BR 350.510) den in der vorstehenden Erwägung
dargelegten, für den Kanton Zürich geltenden Regeln weitgehend (Art. 7
JVG, Art. 34 JVG, Art. 97 bis 99 JVV).
1.3.4. Der Beschwerdeführer ist formeller und materieller Adressat des
angefochtenen Einspracheentscheids. Durch die Verweigerung der
Aufnahme in die Krankenpflegegrundversicherung erleidet er einen
Nachteil bei seiner medizinischen Versorgung, geht sein Anspruch im
versicherungslosen Zustand doch weniger weit als mit einer
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Krankenpflegeversicherung, weil er sich vor jeder anstaltsexternen
Behandlung einer Prüfung der Indikation und Dringlichkeit dieser
Behandlung stellen muss. Der Beschwerdeführer hat deshalb ein
schutzwürdiges Interesse an der Überprüfung des angefochtenen
Entscheids.
1.4. Die Beschwerde wurde von einem Sozialarbeiter des Gefängnisses
B._ und von der Co-Abteilungsleiterin der Abteilung Strafvollzug der
Bewährungs- und Vollzugsdienste des Amtes für Justizvollzug und
Wiedereingliederung (JuWe) des Kantons Zürich eingereicht. Die
Beschwerdegegnerin bezweifelt deren rechtsgenügliche
Bevollmächtigung.
1.4.1. Für den Sozialarbeiter des Gefängnisses B._ liegt eine "Vollmacht
Auskunft Krankenversicherung" vom 21. Juni 2019 vor, gemäss welcher
der Beschwerdeführer der bevollmächtigten Person das Recht einräumte,
bei seiner Krankenversicherung Auskünfte jeglicher Art in mündlicher und
schriftlicher Form einzuholen (Bf-B-act. 8). Diese Vollmacht bezieht sich
nach ihrem klaren Wortlaut nur auf Auskünfte des Krankenversicherers.
Rechtshandlungen im Zusammenhang mit dem Abschluss einer
Krankenversicherung sind von dieser Vollmacht nicht abgedeckt. Der
Sozialarbeiter ist somit für das vorliegende Verfahren nicht gehörig
bevollmächtigt.
1.4.2. Am 18. März 2021 unterzeichnete der Beschwerdeführer eine
"Ermächtigung zum Abschluss einer Krankenversicherung" zu Gunsten
der Abteilung Strafvollzug. Er räumte dieser Abteilung damit das Recht
ein, "bei Krankenversicherungen Offerten einzuholen und eine günstige
Krankenversicherung abzuschliessen" (Bf-B-act. 9c). Diese Vollmacht
umfasst sämtliche Handlungen, welche für den Abschluss einer
Krankenversicherung notwendig sind, mithin auch den Versuch, einen
verweigerten Versicherungsabschluss auf gerichtlichem Weg zu
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erzwingen. Die Beschwerdegegnerin übersieht diese "Ermächtigung zum
Abschluss einer Krankenversicherung" (Bf-B-act. 9c) und bezieht sich mit
ihrer Kritik an der Bevollmächtigung fälschlicherweise nur auf die der Co-
Abteilungsleiterin Strafvollzug ausgestellte "Vollmacht Auskunft
Krankenkasse" (Bf-B-act. 9a).
1.5. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der
Beschwerdeführer zur Beschwerde legitimiert ist und dass die Co-
Abteilungsleiterin der Abteilung Strafvollzug zur Vertretung des
Beschwerdeführers gehörig bevollmächtigt ist. Da wie erwähnt auch alle
anderen Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind, kann die Angelegenheit
materiell geprüft werden.
2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin sich zu Recht geweigert hat, den
Beschwerdeführer in die obligatorische Krankenpflegeversicherung
aufzunehmen. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht davon ausging, der Beschwerdeführer
habe seinen Wohnsitz nicht in der Schweiz.
3. Der Beschwerdeführer ist G._ Staatsangehöriger. Er wurde am
2. April 2019 in der Schweiz festgenommen und rund fünf Monate im
Kanton Zürich inhaftiert. Seit dem 9. September 2019 hält er sich bis
voraussichtlich am 1. April 2023 in der Justizvollzugsanstalt D._ im
Kanton Graubünden auf (Bf-B-act. 13). Damit liegt ein internationaler
Sachverhalt mit Bezügen zur Schweiz und zum EU-Mitgliedstaat G._
vor. Es ist deshalb zu prüfen, welches Recht anwendbar ist.
3.1. Das Freizügigkeitsabkommen der Schweiz mit der EU (FZA,
SR 0.142.112.681) enthält in Art. 8 und im Anhang II die grundsätzlichen
Regeln zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit. Die
entsprechenden detaillierten Vorschriften finden sich in der Verordnung
des Europäischen Parlaments und des Rates Nr. 883/2004 (nachfolgend:
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VO 883/2004 [SR 0.831.109.268.1]). Diese Verordnung ist auf den
vorliegenden schweizerisch-G._, die obligatorische
Krankenversicherung betreffenden Sachverhalt anwendbar (Art. 2 und 3
VO 883/2004, BGE 146 V 152 E.4.2). Gemäss Art. 11 VO 883/2004
unterliegen Personen, für die diese Verordnung gilt, den
Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaates. In Art. 11 VO 883/2004 wird
das anwendbare Recht festgelegt für Erwerbstätige (lit. a), Beamte (lit. b),
Bezüger von Arbeitslosenentschädigung (lit. c) und Wehr- oder
Zivildienstleistende (lit. d). Art. 11 lit. e VO 883/2004 stellt den
Auffangtatbestand dar für alle Personen, die nicht unter die besonderen
Bestimmungen von Art. 11 lit. a-d VO 883/2004 fallen; diese Personen
unterliegen den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaates. In Art. 1 VO
883/2004 werden zahlreiche Begriffe definiert, so auch der Begriff
"Wohnort", welcher für die Zwecke dieser Verordnung den Ort des
gewöhnlichen Aufenthalts einer Person bezeichnet (Art. 1 lit. j VO
883/2004). Der gemeinschaftsrechtliche Begriff "Wohnort" stellt somit
vorrangig auf das objektiv erkennbare Merkmal des tatsächlichen
physischen Aufenthalts ab und deckt sich nicht mit dem Wohnsitz im Sinne
des Schweizerischen Rechts (siehe unten Erwägung 5 ff.).
3.2. Dass die VO 883/2004 im vorliegenden Fall anwendbar ist, bestätigt auch
Art. 95a Abs. 1 lit. a KVG. Gemäss dieser Bestimmung ist in Bezug auf
Personen, die Staatsangehörige eines EU-Mitgliedstaates sind, für die
Leistungen im Geltungsbereich des KVG gestützt auf das FZA und dessen
Anhang II nebst anderen die VO 883/2004 anwendbar.
3.3. Der Beschwerdeführer fällt unter Art. 11 lit. e VO 883/2004, so dass für ihn
die Rechtsvorschriften am Ort seines Wohnortes im
gemeinschaftrechtlichen Sinn (Art. 1 lit. j VO 883/2004) bzw. am Ort seines
gewöhnlichen Aufenthaltes massgeblich sind. Der Beschwerdeführer hat
seinen gewöhnlichen Aufenthalt seit seiner Verhaftung am 2. April 2019 in
der Schweiz. Auf alle ihn seither betreffenden
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sozialversicherungsrechtlichen Fragen ist somit Schweizer Recht
anwendbar. In diesem Punkt sind sich die Parteien einig, zwar nicht in der
Begründung, aber doch im Ergebnis.
4. Gemäss Art. 3 Abs. 1 KVG muss sich jede Person mit Wohnsitz in der
Schweiz innert drei Monaten nach der Wohnsitznahme in der Schweiz für
Krankenpflege versichern. Bei rechtzeitigem Beitritt beginnt die
Versicherung im Zeitpunkt der Wohnsitznahme in der Schweiz (Art. 5 Abs.
1 KVG). Sie endet, wenn die versicherte Person der Versicherungspflicht
nicht mehr untersteht (Art. 5 Abs. 3 KVG). Der Wohnsitz einer Person
bestimmt sich gemäss Art. 13 ATSG und Art. 1 Abs. 1 der Verordnung
über die Krankenversicherung (KVV; SR 832.102) nach den Artikeln 23
bis 26 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210).
4.1. Die Beschwerdegegnerin hat den Wohnsitz des Beschwerdeführers im
angefochtenen Einspracheentscheid nach Art. 23 und 24 ZGB bestimmt.
Der Beschwerdeführer ist demgegenüber der Ansicht, der Wohnsitz sei
gestützt auf Art. 20 des Bundesgesetzes über das Internationale
Privatrecht (IPRG; SR 291) festzulegen, da es sich um einen
internationalen Sachverhalt handle. Gemäss Art. 20 Abs. 1 lit. a IPRG hat
eine natürliche Person ihren Wohnsitz in dem Staat, in den sie sich mit der
Absicht dauernden Verbleibens aufhält.
Welche Sichtweise zutrifft, bedarf vertiefter Abklärung. In der
Rechtsprechung und in der Lehre finden sich dazu unterschiedliche
Ansichten. Diese werden nachfolgend dargelegt.
4.1.1. In BGE 129 V 77 ging es um die Unterstellung von Ausländerinnen und
Ausländern ohne Aufenthaltsbewilligung unter das
Krankenversicherungsobligatorium. Dabei stellte das Gericht im
Zusammenhang mit der Wohnsitzfrage ausschliesslich auf das ZGB ab
und erwähnte das IPRG in keiner Weise. Gleich ging das Bundesgericht
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auch im Fall 9C_546/2017 vor, wo es ebenfalls um die Unterstellung eines
ausländischen Staatsangehörigen unter das Versicherungsobligatorium
gemäss Art. 3 Abs. 1 KVG ging (Urteil des Bundesgerichts 9C_546/2017
vom 30. April 2018).
4.1.2. Auch im Fall K 34/04 hatte das Eidgenössische Versicherungsgericht die
Frage zu beurteilen, ob ein ausländischer Staatsangehöriger Wohnsitz in
der Schweiz habe und deshalb dem Krankenversicherungsobligatorium
unterliege. Dabei trennte das Gericht mit Blick auf die Wohnsitzfrage nicht
scharf zwischen dem ZGB und dem IPRG. Zum einen stellte es auf
Art. 23 ff. ZGB ab, indem es ausführte, es sei zu prüfen, ob der
ausländische Staatsangehörige die Voraussetzungen des zivilrechtlichen
Wohnsitzbegriffs erfülle und somit der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung unterstellt sei (vgl. insbesondere dortige
Erwägungen 2, 4.2 und 4.4). Zum anderen hielt das Gericht festhielt, die
Frage, wann eine Person mit Wohnsitz im Ausland ihren ausländischen
Wohnsitz aufgegeben habe, richte sich nach Art. 20 Abs. 2 lit. a IPRG
(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts K 34/04 vom
2. August 2005).
4.1.3. In einem etwas aktuelleren Fall mit internationalem Sachverhalt zum
Thema Opferhilfe hingegen bestimmte das Bundesgericht den Wohnsitz
eindeutig nach dem ZGB und hielt fest, eine Anlehnung an den
Wohnsitzbegriff des IPRG dränge sich nicht auf, zumal der
Anspruchsvoraussetzung eines Schweizer Wohnsitzes für den Bezug
einer Entschädigung oder Genugtuung nicht die Rolle eines im
internationalen Verhältnis relevanten Anknüpfungspunktes zukomme
(BGE 137 II 122 E.3.5).
4.1.4. In diversen Fällen mit internationalem Sachverhalt zum Thema Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHV) bestimmte das Bundesgericht den
Wohnsitz ebenfalls stets nach dem ZGB (BGE 135 V 249, Urteile des
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Bundesgerichts 9C_600/2017 vom 9. August 2018 E.2.2, 9C_10/2016
vom 16. Februar 2016 E.3.1 und 9C_294/2007 vom 10. Oktober 2007
E.6.2.1). In den Urteilen 9C_600/2017, 9C_10/2016 und 9C_294/2007
wurde das IPRG nicht erwähnt und nicht in Betracht gezogen. In BGE 135
V 249 wurde zudem explizit festgehalten, das Internationale Privatrecht
beschränke sich auf Kollisionsnormen und könne nicht die
Voraussetzungen für den Zugang zu Sozialversicherungsleistungen
festlegen (BGE 135 V 249 E.4.4).
4.1.5. In einem aktuellen Fall mit internationalem Sachverhalt zum Thema
Invalidenversicherung (IV) beanstandete des Bundesgericht die
Bestimmung des Wohnsitzes unter Verweis auf Art. 13 Abs. 1 ATSG und
Art. 25 Abs. 1 ZGB nicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_415/2020 vom 17.
Mai 2021 E.4.2). In weiteren Fällen, bei welchen es um den Anspruch auf
IV-Leistungen von ausländischen Staatsangehörigen ging, stellte das
Bundesgericht zur Bestimmung des Wohnsitzes stets auf das ZGB ab
(BGE 134 V 236 E.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_713/2014 vom 4. Mai
2015 E.3.2).
4.1.6. Der Basler Kommentar zum KVG nennt als Grundlage für den Wohnsitz
im internationalen Kontext Art. 20 Abs. 1 lit. a IPRG (EUGSTER, Basler
Kommentar KVG, 2020, S. 92, Art. 3 N 22). Zur Begründung wird auf den
Entscheid des Eidg. Versicherungsgerichts K 34/04 verwiesen (vgl. oben
Erwägung 4.1.2). Zudem wird fälschlicherweise auch auf das Urteil des
Bundesgerichts 9C_10/2016 verwiesen. Letzteres spricht sich indessen
gerade nicht für ein Abstellen auf das IPRG, sondern auf das ZGB aus
(vgl. oben Erwägung 4.1.4). Eine über den Verweis auf die genannten
Entscheide hinausgehende Begründung für das Abstellen aufs IPRG
findet sich im Basler Kommentar nicht.
4.1.7. KIESER führt in seinem ATSG-Kommentar zu Art. 13 ATSG aus, nach
bundesgerichtlicher Festlegung gelange nicht das Internationale
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Privatrecht, sondern nur das ZGB zur Anwendung, auch wenn ein
internationaler Sachverhalt zur Debatte stehe. Die Begründung gehe
dahin, dass es sich um eine öffentlich-rechtliche Streitigkeit handle. KIESER
verweist auf BGE 144 V 208 und kommentiert, daran sei zutreffend, dass
Art. 13 Abs. 1 ATSG auf das ZGB verweise, welches Rechtssystem
deshalb massgebend sei, aber nicht auf das IPRG, weshalb die
entsprechenden Regelungen nicht anwendbar seien (KIESER, Kommentar
zum ATSG, 4. Auflage, 2020, S. 266, Art. 13 N 14). Allerdings ist BGE 144
V 208, mithin der Entscheid, auf welchen KIESER verweist, in der
Sammlung der Bundesgerichtsentscheide nicht auffindbar.
4.1.8. Nach der Ansicht von KELLER ist der Wohnsitz von ausländischen
Strafgefangenen nach dem ZGB zu bestimmen; Ausführungen zum IPRG
finden sich bei ihm nicht (STEFAN KELLER, Lücken und Tücken der Deckung
der Sozialversicherung und Sozialhilfe im Freiheitsentzug: Teil I,
Schweizerische Zeitschrift für Kriminologie, SZK 1/2017 S. 74 ff., S. 79).
4.1.9. Art. 13 Abs. 1 ATSG und Art. 1 Abs. 1 KVV erwähnen explizit Art. 23 bis
26 ZGB. Hinweise dafür, dass damit für internationale Sachverhalte Art. 20
IPRG mitgemeint sein sollte, finden sich in den Materialien nicht (BBl 1999
IV 4523, S. 4552 f.).
4.2. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass in der
Rechtsprechung in sozialversicherungsrechtlichen Fällen mit
internationalem Sachverhalt die Anwendung des ZGB zur Bestimmung
des Wohnsitzes deutlich überwiegt. Nur in einem einzigen, rund sechzehn
Jahre alten, nicht publizierten Urteil, hat das Eidgenössische
Versicherungsgericht ohne eingehende Abklärung und ohne jegliche
Begründung das IPRG angewendet, und auch dies nur auf den Aspekt der
Aufgabe des Wohnsitzes, während es für die für die Unterstellung unter
das Obligatorium der Krankenpflegeversicherung massgebliche Frage der
Wohnsitzbegründung festhielt, sie sei nach den Voraussetzungen des
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Wohnsitzbegriffs von Art. 23 ff. ZGB zu prüfen (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts K 34/04 vom 2. August 2005; vgl. oben Erwägung
4.1.2). In allen anderen Urteilen, insbesondere auch dem aktuellen vom
Mai 2021, stellte das Bundesgericht für die Bestimmung des Wohnsitzes
von ausländischen Staatsangehörigen bei internationalen Sachverhalten
gestützt auf Art. 13 Abs. 1 ATSG auf das ZGB ab (BGE 137 II 122, 135 V
249, 134 V 236 und 129 V 77; Urteile des Bundesgerichts 9C_600/2017,
9C_546/2017, 9C_10/2016, 9C_294/2007, 9C_415/2020 und
8C_713/2014; vgl. oben Erwägungen 4.1.1 und 4.1.3 bis 4.1.5). Dass sich
der Basler Kommentar in Anlehnung an den Entscheid K 34/04 für die
Anwendung des IPRG ausspricht, vermag deshalb, entgegen der Ansicht
des Beschwerdeführers, nicht zu überzeugen (vgl. oben Erwägung 4.1.6).
Mit der Rechtsprechung im Einklang sind KIESER und KELLER, die sich für
die Bestimmung des Wohnsitzes gemäss ZGB aussprechen (vgl. oben
Erwägung 4.1.7 und 4.1.8).
Die Gründe, welche in den zitierten Urteilen und in der Lehre für das
Abstellen aufs ZGB angeführt werden (vgl. oben Erwägungen 4.1.1. ff.),
sind überzeugend. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers sind
keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche für die Frage der
Wohnsitzbegründung für ein Abstellen auf das IPRG sprechen würden. Im
vorliegenden Fall wird demnach für die Bestimmung des Wohnsitzes auf
das ZGB und nicht auf das IPRG abgestellt. Der Beschwerdegegnerin
kann darin gefolgt werden, dass der Verweis auf das ZGB in Art. 13 Abs. 1
ATSG auch internationale Sachverhalte einschliesst.
5. Geprüft wird nun, ob der Beschwerdeführer am 18. Februar 2021, dem
Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Einspracheentscheids,
Wohnsitz in der Schweiz hatte (BGE 132 V 215 E.3.1.1; Beilagen der
Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 12). Zunächst wird geprüft, ob ein
tatsächlicher Wohnsitz im Sinne von Art. 23 ZGB vorlag. Danach wird
untersucht, ob ein fiktiver Wohnsitz im Sinne von Art. 24 ZGB gegeben
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war. Während der Beschwerdeführer einen Wohnsitz in der Schweiz
bejaht, ist die Beschwerdegegnerin der Ansicht, der Beschwerdeführer
habe nach wie vor Wohnsitz in seinem Heimatstaat G._.
5.1. Gemäss Art. 23 Abs. 1 Satz 1 ZGB befindet sich der Wohnsitz einer
Person an dem Ort, wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens
aufhält. Für die Begründung des Wohnsitzes müssen somit ein objektives
und ein subjektives Merkmal erfüllt sein: der tatsächliche physische
Aufenthalt und die Absicht dauernden Verbleibens. Bei Letzterem kommt
es nicht auf den inneren Willen an, sondern darauf, welche Absicht objektiv
erkennbar ist (BGE 137 II 122 E.3.6). Entscheidend ist, dass der Ort des
Wohnsitzes aufgrund sämtlicher objektiver Umstände als Mittelpunkt der
Lebensinteressen erscheint. Der Lebensmittelpunkt befindet sich im
Normalfall am Wohnort, das heisst an dem Ort wo man schläft, die Freizeit
verbringt und wo sich die persönlichen Effekten befinden, wo man
üblicherweise einen Telefonanschluss und eine Postadresse hat. Die nach
aussen erkennbare Absicht muss auf einen dauernden Aufenthalt im
Sinne von "bis auf Weiteres" ausgerichtet sein. Nicht massgeblich,
sondern nur Indizien für die Beurteilung der Wohnsitzfrage sind die
Anmeldung und Hinterlegung der Schriften, die Ausübung der politischen
Rechte, die Bezahlung der Steuern, fremdenpolizeiliche Bewilligungen
sowie die Gründe, die zur Wahl eines bestimmten Wohnsitzes
veranlassen (Urteile des Bundesgerichts 2C_211/2021 vom 8. Juni 2021
E.5.2.2 und 4A_695/2011 vom 18. Januar 2012 E.4.1). Bei Personen mit
einem Ehepartner oder mit Familie gilt als Lebensmittelpunkt in der Regel
der Aufenthaltsort des Partners bzw. der Familie, nicht der Arbeitsort (BGE
132 I 29 E.4.2; Urteil des Bundesgerichts 2C_807/2019 vom 8. Juni 2020
E.2.4).
Im vorliegenden Fall ist die objektive Voraussetzung für einen
tatsächlichen Wohnsitz in der Schweiz unbestrittenermassen erfüllt. Der
Beschwerdeführer reiste im März 2019 in die Schweiz ein, wurde am 2.
- 17 -
April 2019 in Untersuchungshaft genommen, hielt sich darauf im
Gefängnis B._ auf und büsst seit dem 9. September 2019 bis
voraussichtlich am 1. April 2023 seine Freiheitsstrafe in der
Justizvollzugsanstalt D._ ab (Bf-B-act. 14). Damit ist der tatsächliche
physische Aufenthalt in der Schweiz seit März 2019 gegeben. Die
subjektive Voraussetzung, mithin die Absicht des dauernden Verbleibens,
ist indessen nicht erfüllt. Dies räumt der Beschwerdeführer denn auch im
Grundsatz selber ein (Beschwerde vom 22. März 2021 S. 10). Der
Beschwerdeführer reiste erst kurz vor seiner Verhaftung am 2. April 2019
als sogenannter "Kriminaltourist" in die Schweiz ein. Er hatte gemäss den
Akten keine Wohnung, keine Arbeitsstelle, keine Aufenthaltsbewilligung
und keine nahen Bezugspersonen in der Schweiz. Es spricht deshalb
nichts dafür, dass er die Absicht gehabt hätte, dauernd oder zumindest für
längere Zeit in der Schweiz zu leben. Vielmehr ist davon auszugehen,
dass er nach der Abwicklung seiner kriminellen Aktivitäten hätte nach
G._ zurückkehren wollen. Eine Wohnsitznahme in der Schweiz
gestützt auf Art. 23 Abs. 1 Satz 1 ZGB ist deshalb auszuschliessen.
Der Beschwerdeführer bringt vor, dass er im Jahr 1997 ein Asylverfahren
in der Schweiz durchlaufen habe und seither wiederholt als Tourist in der
Schweiz gewesen sei (Bf-B-act. 12). Daraus die Absicht des
Beschwerdeführers, in der Schweiz zu verweilen, abzuleiten, geht fehl.
Zwar hatte der Beschwerdeführer vor rund 20 Jahren als Asylsuchender
vorübergehend Wohnsitz in der Schweiz (Art. 1 Abs. 2 lit. c KVV; BGE 128
II 489 E.2f; BRÜCKNER, Das Personenrecht des ZGB Teil 1, S. 105 N 367).
Durch die Ausreise aus der Schweiz nach dem negativen Asylentscheid
gab er diesen Wohnsitz aber wieder auf. Und Hinweise dafür, dass bei den
späteren Einreisen als Tourist intensive, objektiv erkennbare
Bezugspunkte zur Schweiz geschaffen worden wären, gibt es nicht.
Vielmehr konzentrieren sich die bekannten Aspekte des Lebens des
Beschwerdeführers auf G._ (vgl. E.5.3.2 hernach). Relevante
- 18 -
Bezugspunkte zur Schweiz aufgrund der früheren Aufenthalte sind nicht
bekannt.
5.2. Gemäss Art. 23 Abs. 1 Satz 2 ZGB begründet die Unterbringung einer
Person in einer Erziehungs- oder Pflegeeinrichtung, einem Spital oder in
einer Strafanstalt für sich allein keinen Wohnsitz. Nach der
Rechtsprechung wird dadurch eine widerlegbare Vermutung begründet,
wonach der Aufenthalt in einer Anstalt nicht bedeutet, dass auch der
Lebensmittelpunkt an den Anstaltsort verlegt wurde. Die Vermutung kann
umgestossen werden, wenn eine Person freiwillig in eine Anstalt, die sie
selbst gewählt hat, eintritt und sich dort im Sinne von Art. 23 Abs. 1 ZGB
mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält. Unter dieser
Voraussetzung kann die Begründung eines Wohnsitzes am Anstaltsort
bejaht werden (BGE 138 V 23 E.3.1.2 und 135 II 49 E.6.2, Urteil des
Bundesgerichts 9C_295/2019 vom 18. Juni 2019 E.2.2.1). Bei einer
Anstaltseinweisung durch Dritte und bei einem Aufenthalt in der Anstalt,
der nicht aus eigenem Willen erfolgt, wird man regelmässig eine
Wohnsitznahme von vornherein ausschliessen müssen (BGE 133 V 309
E.3.1). Der Grundsatz, wonach sich der Wohnsitz üblicherweise nicht an
einem Ort befindet, an dem sich jemand bloss zu einem Sonderzweck
aufhält, gilt auch in internationalen Verhältnissen (STÄHELIN, Basler
Kommentar ZGB, 6. Auflage, 2018, S. 257, Art. 23 N 19e).
Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer den Aufenthalt in
Schweizer Gefängnissen offensichtlich nicht selber gewählt. Er geriet
unfreiwillig in der Schweiz in Haft, hält sich aktuell unter Zwang zum
Sonderzweck der Verbüssung einer Strafe in der Schweiz auf und
unterliegt danach voraussichtlich einer zehnjährigen Landesverweisung
(Bf-B-act. 14). Eine Wohnsitznahme am Ort der Strafanstalt entfällt somit
gestützt auf Art. 23 Abs. 1 Satz 2 ZGB.
- 19 -
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Unterbringung einer Person in
einer Strafanstalt begründe zwar gemäss Art. 23 Abs. 1 Satz 2 ZGB für
sich alleine keinen Wohnsitz. Der Gesetzeswortlaut bedeute jedoch nicht,
dass in einer solchen Konstellation nie ein Wohnsitz begründet werden
könne. Vielmehr müsse diese Formulierung bedeuten, dass bei
Hinzutreten bzw. Vorliegen bestimmter Umstände durchaus ein (Ersatz-
)Wohnsitz auch in einer Strafanstalt bestehen könne. Dies trifft nicht zu.
Bei einer Strafanstalt sind – anders als bei einer Erziehungs- oder
Pflegeeinrichtung oder einem Spital – kaum Umstände denkbar, welche
die gesetzliche Vermutung von Art. 23 Abs. 1 Satz 2 ZGB umstossen
würden. Erforderlich wären Umstände, welche darauf schliessen lassen
würden, dass eine Person freiwillig in die Strafanstalt eingetreten war und
sich dort im Sinne von Art. 23 Abs. 1 ZGB mit der Absicht dauernden
Verbleibens aufhält (Urteil des Bundesgerichts 5C.196/2006 vom 14.
November 2008 E.6.2). Solche Umstände benennt der Beschwerdeführer
vorliegend denn bezeichnenderweise keine. Sie sind auch nicht
ersichtlich.
5.3. In Art. 24 ZGB ist der sogenannte fiktive Wohnsitz umschrieben.
Personen, welche die Voraussetzungen des fiktiven Wohnsitzbegriffs
erfüllen, sind ebenfalls dem Krankenversicherungsobligatorium
unterworfen (BGE 129 V 77 E.4.3). Dies gilt auch dann, wenn sich die
Personen im Sinne von Art. 23 Abs. 1 Satz 2 ZGB zu Sonderzwecken in
einer Anstalt befinden (Urteil des Bundesgerichts 5C.196/2006 vom 14.
November 2008 E.6.2).
5.3.1. Gemäss Art. 24 Abs. 1 ZGB bleibt der einmal begründete Wohnsitz einer
Person bestehen bis zum Erwerbe eines neuen Wohnsitzes. Der Wortlaut
dieser Bestimmung ist etwas unscharf. Gemeint ist, dass der einmal
begründete tatsächliche Wohnsitz als fiktiver Wohnsitz bestehen bleibt,
wenn eine Person ihren bisherigen Lebensmittelpunkt aufgegeben und
- 20 -
noch keinen neuen Lebensmittelpunkt geschaffen hat (STÄHELIN, a.a.O.,
S. 262, Art. 24 N 1).
Vorliegend steht ausser Frage, dass der Beschwerdeführer aufgrund
dieser Bestimmung Wohnsitz in der Schweiz haben könnte: Es sind
keinerlei Hinweise für einen vorbestehenden Wohnsitz in der Schweiz
ersichtlich.
5.3.2. Gemäss Art. 24 Abs. 2 ZGB gilt der Aufenthaltsort als (fiktiver) Wohnsitz,
wenn ein früher begründeter Wohnsitz nicht nachweisbar oder ein im
Ausland begründeter Wohnsitz aufgegeben und in der Schweiz kein neuer
Wohnsitz begründet worden ist. Nach der Rechtsprechung hat eine
Person ihren ausländischen Wohnsitz aufgegeben, wenn sie den Ort des
bisherigen Lebensmittelpunktes definitiv verlassen hat, wobei unerheblich
ist, ob nach dem ausländischen Recht der ausländische Wohnsitz noch
weiterbesteht (Urteil des Bundesgerichts 9C_295/2019 vom 18. Juni 2019
E.2.2.2; STÄHELIN, a.a.O., S. 263, Art. 24 N 8). Solange kein neuer
Wohnsitz wirksam begründet wird, können berechtigte Zweifel
fortbestehen, ob der alte Wohnsitz wirklich definitiv aufgegeben worden ist
(BGE 138 II 300 E.3.6.2).
Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin einen fiktiven Wohnsitz
des Beschwerdeführers in der Schweiz gestützt auf Art. 24 Abs. 2 ZGB zu
Recht verneint. Zum tatsächlichen Wohnsitz des Beschwerdeführers vor
der Einreise in die Schweiz im März 2019 ist wenig bekannt, weil er im
Rahmen des Strafverfahrens kaum Angaben zu seinen Wohn- und
Lebensverhältnissen machte. Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens
kann er nicht zu weitergehenden Aussagen verpflichtet werden; denn das
strafprozessuale Recht auf Verweigerung der Mitwirkung und der Aussage
(Art. 158 Abs. 1 lit. b der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO,
SR 312.0]) geht der sozialversicherungsrechtlichen Mitwirkungspflicht
(Art. 28 ATSG) vor. Dies führt dazu, dass dem im
- 21 -
Sozialversicherungsprozess herrschenden Untersuchungsgrundsatz
(BGE 144 V 427 E.3.2) nicht im üblichen Umfang Genüge getan werden
kann und dass demzufolge eher geringe Anforderungen an den Beweis zu
stellen sind (STÄHELIN, a.a.O., S. 263, Art. 24 N 7). Bekannt sind
vorliegend die G._ Staatsangehörigkeit, eine Wohnadresse in
G._ (Bf-B-act. 13 und 14) und eine Ehe mit der dort lebenden
H._ geb. I._ (Bf-B-act. 14). Diese Ehe ist als Anknüpfungspunkt
relevant. Das erzwungene Getrenntleben der Eheleute seit der
Inhaftierung wird vom Beschwerdeführer zu Unrecht wie eine gewollte
Trennung bzw. eine "nicht mehr gelebte Familienbeziehung" dargestellt.
Für eine selbst gewählte Trennung der Eheleute gibt es keine Hinweise.
Es ist deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass die Ehefrau in G._ eine enge Bezugsperson darstellt. Aspekte,
welche Anknüpfungspunkte zu anderen Orten bzw. Staaten bilden
würden, sind keine bekannt. Es kann deshalb mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (BGE 144 V 427 E.3.2) angenommen werden, dass
der Beschwerdeführer vor seiner Einreise in die Schweiz im März 2019
Wohnsitz in G._ hatte. Hinweise darauf, dass er diesen Wohnsitz
hätte aufgeben wollen, liegen nicht vor. Er kam im März 2019 im Rahmen
eines vorübergehenden Aufenthalts als sogenannter "Kriminaltourist" in
die Schweiz. Daraus lässt sich entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers nicht ableiten, dass er seinen bisherigen
Lebensmittelpunkt definitiv hätte aufgeben wollen. Es ist deshalb davon
auszugehen, dass der tatsächliche Wohnsitz in G._ nach wie vor
besteht.
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Begründung und
Aufrechterhaltung, mithin der Bestand eines Wohnsitzes, setze physische
Präsenz am betreffenden Ort voraus. Auch wenn kurzfristige
Abwesenheiten den Wohnsitz nicht verlustig gehen lassen würden,
- 22 -
entfalle er jedenfalls dann, wenn eine Person während zwei Jahren nie
mehr am betreffenden Ort physisch anwesend gewesen sei. Dem kann
nicht gefolgt werden. Hält sich eine Person wie vorliegend zum
Sonderzweck der Verbüssung einer Strafe in einer Anstalt auf, so fallen
der Wohnsitz und der Ort des physischen Aufenthalts in der Regel eben
gerade nicht zusammen. Bei einem Aufenthalt in einer Strafanstalt besteht
deshalb vermutungsweise der bisherige Wohnsitz trotz physischer
Abwesenheit weiter (Art. 23 Abs. 1 Satz 2 ZGB). Dies gilt auch für
ausländische Insassen von schweizerischen Strafanstalten. Der fiktive
Wohnsitz am Aufenthaltsort kommt deshalb bei einer Person mit
vorherigem Wohnsitz im Ausland im Rahmen eines erzwungenen
Aufenthaltes in einer Strafvollzugsanstalt nicht zur Anwendung.
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Einreise als Tourist in die
Schweiz sei kein Nachweis für einen vorbestehenden Wohnsitz in einem
anderen Land. Die Beschwerdegegnerin unterlasse es zudem darzutun,
wo sich ein solcher Wohnsitz des Beschwerdeführers befunden haben
sollte. Dies ist nicht stichhaltig. Die Beschwerdegegnerin ging im
angefochtenen Entscheid zu Recht davon aus, dass alle bekannten
Aspekte für einen Wohnsitz in G._ sprechen. Dass keine weiteren
Aspekte bekannt sind, ist der Beschwerdegegnerin angesichts der
Verweigerung der diesbezüglichen Aussage durch den Beschwerdeführer
nicht anzulasten. Verweisen Erlasse des öffentlichen Rechts auf Art. 23 ff.
ZGB, so muss der Wohnsitzbegriff unter Berücksichtigung der Funktion
ausgelegt werden, der er im öffentlichrechtlichen Zusammenhang dient
(BRÜCKNER, a.a.O., S. 91 N 315). Im Rahmen von Art. 3 Abs. 1 KVG
genügt es deshalb zu beweisen, dass kein Wohnsitz in der Schweiz
besteht. Wo genau sich der ausländische Wohnsitz befindet und aufgrund
welcher Bezugspunkte ein bestimmter ausländischer Ort als Wohnsitz zu
betrachten ist, muss indessen nicht eingehend geklärt werden.
- 23 -
5.4. Es hat sich gezeigt, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht davon
ausging, dass der Beschwerdeführer keinen Wohnsitz in der Schweiz
begründet hat und demzufolge nicht dem Obligatorium für eine
Krankenpflegeversicherung gemäss Art. 3 Abs. 1 KVG unterliegt. Der
Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der Beschwerdeführer auch nicht
dem Versicherungsobligatorium für Personen ohne Wohnsitz in der
Schweiz gemäss Art. 3 Abs. 3 lit. a KVG i.V.m. Art. 1 Abs. 2 KVV unterliegt.
Dies macht der Beschwerdeführer denn auch zu Recht nicht geltend.
5.5. Dass der Beschwerdeführer nicht dem Obligatorium gemäss Art. 3 KVG
unterliegt, ist entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers mit der
Verfassung vereinbar. Grund- und menschenrechtliche Vorgaben
verlangen, dass die Gesundheitsversorgung während des
Freiheitsentzuges die gleiche Qualität aufweisen muss wie diejenige der
Allgemeinbevölkerung. Dieses sogenannte Äquivalenzprinzip erstreckt
sich auf präventive, diagnostische, therapeutische und pflegerische
Massnahmen (KÜNZLI / WEBER, Gesundheit im Freiheitsentzug,
Rechtsgutachten zur Gesundheitsversorgung von inhaftierten Personen
ohne Krankenversicherung, 12. November 2018, S. 1, einsehbar auf der
Webseite des Schweizerischen Kompetenzzentrums für Menschenrechte,
https://www.skmr.ch/de/themenbereiche/justiz/publikationen/gesundheits
versorgung_freiheitsentzug_menschenrechtliche_vorgaben.html, zuletzt
besucht am 5. Oktober 2021). Auch das in Art. 75 Abs. 1 des
Schweizerischen Strafgesetzbuchs (StGB, SR 311.0) verankerte
Betreuungsprinzip verpflichtet die Strafvollzugsbehörden dazu, die
medizinische Versorgung der Gefangenen in einem angemessenen
Rahmen zu gewährleisten. Für den Kanton Zürich wird dies in § 108 JVV
konkretisiert, für den Kanton Graubünden in den Art. 97 und 98 JVV. Die
Strafvollzugsbehörden sind demnach gehalten, auch für Strafgefangene
ohne Krankenversicherung medizinisch indizierte Untersuchungen und
Behandlungen im Umfang des Leistungskatalogs der
- 24 -
Krankenversicherungsgesetzgebung zugänglich zu machen (KÜNZLI /
WEBER, a.a.O, S. 1). Entsprechend lässt sich weder aus dem Äquivalenz-,
noch aus dem Betreuungsprinzip ein Anspruch auf Unterstellung unter die
obligatorische Krankenpflegeversicherung ableiten.
5.6. Dieses Ergebnis widerspiegelt die aktuelle rechtliche Lage, welche
indessen nicht unbestritten ist. So wurde im Jahr 2018 im Nationalrat eine
Interpellation eingereicht, welche Fragen im Zusammenhang mit
ausländischen Strafgefangenen ohne Krankenversicherung aufwarf. Der
Bundesrat führte dazu in seiner Stellungnahme vom 22. August 2018 aus,
Expertinnen und Experten des Bundes und der Kantone schätzten, dass
ungefähr ein Drittel aller Inhaftierten nicht gegen Krankheit versichert sei,
also etwa 2'000 Personen. Es werde angenommen, dass es sich dabei
mehrheitlich um Ausländerinnen und Ausländer handle, die keinen
gesetzlichen Wohnsitz in der Schweiz hätten bzw. bei welchen ein solcher
nicht nachgewiesen sei. Es gebe unterschiedliche Modelle der
Finanzierung von Behandlungskosten bei nichtkrankenversicherten
Inhaftierten. Teilweise würden diese Kosten von den zuständigen
Gesundheitsbehörden getragen. Andernorts würden Gesuche um
Kostengutsprache an das sozialhilferechtlich zuständige Gemeinwesen
gerichtet. Die Bewilligungspraxis sei dabei nicht einheitlich. Teils würden
Kosten bis zur Klärung des Kostenträgers bevorschusst, es komme aber
auch vor, dass Kosten nicht bevorschusst und Gesuche nur für
medizinische Notfälle bewilligt würden
(https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-
vista/geschaeft?AffairId=20183655, zuletzt besucht am 5. Oktober 2021).
Kritisiert wird die aktuelle Rechtslage auch von KÜNZLI / WEBER in ihrem
Rechtsgutachten zur Gesundheitsversorgung von inhaftierten Personen
ohne Krankenversicherung. Sie sprechen sich de lege ferenda aus für eine
Ausdehnung des Krankenversicherungsobligatoriums auf alle in der
Schweiz inhaftierten Personen unabhängig von ihrem Wohnsitz, allenfalls
- 25 -
ergänzt durch eine kollektive Krankenpflegeversicherung, mittels Revision
des KVG oder für eine Anpassung der zivilrechtlichen
Wohnsitzregelungen zwecks Sicherstellung des
Krankenversicherungsschutzes (KÜNZLI / WEBER, a.a.O, S. 45).
6. Abschliessend bleibt festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin mit der
Verweigerung der Aufnahme des Beschwerdeführers in die obligatorische
Krankenpflegeversicherung nicht gegen Art. 5 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 5
KVG verstossen hat. Gemäss Art. 5 Abs. 3 KVG endet die Versicherung,
wenn die versicherte Person der Versicherungspflicht nicht mehr
untersteht. Und gemäss Art. 7 Abs. 5 KVG kann ein Krankenversicherer
die versicherte Person erst aus der Versicherung entlassen, wenn ein
neuer Versicherer die Weiterversicherung ohne Unterbruch bestätigt.
Diese beiden Bestimmungen sind vorliegend nicht einschlägig. Mangels
Wohnsitz in der Schweiz bestand gar nie eine Versicherungspflicht und
war es für die Beschwerdegegnerin nicht möglich, den Beschwerdeführer
rechtsgültig in die obligatorische Krankenpflegeversicherung
aufzunehmen. Die Frage der Beendigung bzw. des Übergangs auf einen
neuen Versicherer kann sich deshalb gar nicht stellen. Daran ändert die
Tatsache nichts, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
mit Schreiben vom 17. Juli 2019 fälschlicherweise bestätigt hatte, er sei in
die obligatorische Krankenpflegeversicherung aufgenommen worden (Bf-
B-act. 1). Diese Bestätigung vermochte die fehlende Voraussetzung nicht
zu übersteuern (EUGSTER, a.a.O., S. 138, N 16 zu Art. 5 KVG), der
Beschwerdeführer war nie rechtsgültig versichert. Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb mit Verfügung vom 11. August 2020
kein reguläres Versicherungsverhältnis aufgelöst, sondern nur bestätigt,
dass gar keine Versicherung bestand und dass keine Aufnahme möglich
war.
7. Somit ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin sich zu Recht geweigert
hat, den Beschwerdeführer in die obligatorische
- 26 -
Krankenpflegeversicherung aufzunehmen. Der angefochtene
Einspracheentscheid ist rechtmässig und die dagegen erhobene
Beschwerde ist abzuweisen.
8. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG ist das Verfahren bei Streitigkeiten über
Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz
vorgesehen ist; sieht das Einzelgesetz keine Kostenpflicht bei solchen
Streitigkeiten vor, so kann das Gericht einer Partei, die sich mutwillig oder
leichtsinnig verhält, Gerichtskosten auferlegen. Das KVG sieht für
Beschwerdeverfahren über Leistungen keine Kostenpflicht vor und eine
mutwillige oder leichtsinnige Beschwerdeführung ist vorliegend nicht
gegeben. Es werden deshalb im vorliegenden Fall keine Gerichtskosten
erhoben.
9. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende
Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen. Vorliegend obsiegt der Beschwerdeführer nicht, so
dass zum Vornherein keine aussergerichtliche Entschädigung
zuzusprechen ist. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG e
contrario).