Decision ID: d8356947-00f7-4238-9e01-3a6773f196bc
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1960 geborene
X._
ist verheiratet und Mutter von vier 1981, 1984, 1986 sowie 1989 geborenen Kindern (
Urk.
11/13/1). Seit
Jahren
ist die Versicherte ausschliesslich Hausfrau (
Urk.
11/4, 11/13/3).
Am 3
1.
Januar 2001 (
Urk.
11/4) meldete sie sich aufgrund einer seit einer
Dis
kushernien-Operation
aufgetretenen Lähmung bei der
Sozialversiche
rungs
an
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), zum Leistungsbezug an und beantragte die Zusprechung einer Rente. Nach diversen erwerblichen und medizinischen Abklärungen (
Urk.
11/6, 11/9-10) sowie einer
Haushaltser
hebung
(
Urk.
11/13) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 1
5.
November 2001 (
Urk.
11/17) aufgrund eines Invaliditätsgrades von 74
%
ab
1.
September 2001 eine ganze Invalidenrente zu, wobei sie sie als 50
%
Er
werbstätige und 50
%
im Haushalt Tätige qualifizierte sowie fes
tlegte, dass für d
i
e
Erwerbstätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe und im Haushalt eine Einschränkung von 47
%
, was
eine
n
Teilinvaliditätsgrad von 24
%
ergebe
.
Im Rahmen von zwei Revisionsverfahren in den Jahren 2003 und 2005 (
Urk.
11/27, 11/33) wurde aufgrund eines unveränderten Invaliditätsgrades von 74
%
der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bestätigt. Im
Revisionsver
fahren
von 2009-2011 (
Urk.
11/35) wurde die Versicherte nach diversen Abklä
rungen (
Urk.
11/56, 11/36-37, 11/41-42, 11/47-48, 11/51, 11/65, 11/68-69)
im Haushalt neu zu 21,
6
%
eingeschränkt beurteilt. Dies bewirkte, ausgehend von einer unveränderten Qualifikation von je 50
%
Erwerbstätigkeit und Haus
haltstätigkeit sowie einer unveränderten Arbeitsunfähigkeit von 100
%
im Erwerbsbereich,
einen Invaliditätsgrad von 61
%
. Folglich reduzierte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
1.
August 2011 (
Urk.
11/77) ab
1.
Oktober 2011 die ganze Rente auf eine
Drei
viertelsrente
.
Dies blieb unangefochten.
1.2
Mit Schreiben vom
1.
Mai 2012 (
Urk.
11/79) machte die Versicherte eine
Gesund
heitsverschlechterung
geltend und verlangte eine entsprechende Erhö
hung der Invalidenrente. Auf Aufforderung der IV-Stelle hin, die behauptete Gesundheitsverschlechterung glaubhaft zu machen (
Urk.
11/80, 11/82), reichte die Versicherte einen Arztbericht ein (
Urk.
11/83). Daraufhin führte die IV-Stelle mit der Versicherten ein Standortgespräch durch (
Urk.
11/86) und nahm eine Haushaltserhebung vor (
Urk.
11/92). Nach Durchführung des
Vorbescheidver
fah
rens
(
Urk.
11/95-98) hob die IV-
S
telle mit Verfügung vom 3
0.
Mai 2013 (
Urk.
2) die
Dreiviertelsrente
aufgrund eines rentenausschliess
enden
Invalidi
tätsgrades
von 25,
55
%
ab
1.
August 2013 auf, wobei sie bei gleichbleibender
Qualifikation von 50
%
Erwerbstätigkeit und 50
%
Haushaltstätigkeit neu eine Arbeitsfähigkeit
im Erwerbsbereich
von 30
%
und eine Einschränkung im Haus
halt von 11
,
1
%
festlegte.
2.
Mit Eingabe vom
6.
Juni 2013 (
Urk.
1) sowie unter Beilage diverser Unterlagen (
Urk.
3/1-8) erhob die Versicherte dagegen Beschwerde und beantragte sinnge
mäss,
es sei ihr
weiterhin
eine
Invalidenrente
auszurichten
, allenfalls seien wei
tere medizinische Abklärungen vorzunehmen. Mit undatierter Eingabe (
Urk.
5) reichte die Beschwerdeführerin einen Bericht ihres Hausarztes med.
prakt.
Y._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, vom 1
7.
Juni 2013 (
Urk.
6) ins Recht. In der Beschwerdeantwort vom 2
0.
August 2013 (
Urk.
10) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Anschliessend reichte die Beschwer
deführerin
weitere ärztliche
Bericht
e
ein
(
Urk.
13,
17, 19).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit ode
r Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
hig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.
2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3
.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.
3
.2
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Er
werbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter ande
rem im Haushalt)
ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Per
son ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozi
alen und erwerb
lichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode bestimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Auf
gabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittel
ten und gewichteten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hinwei
sen; vgl. BGE 134 V 9).
1.
4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer
wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
2.
Die IV-Stelle stellte sich in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen auf den Standpunkt, aufgrund
d
er medizinischen Beurteilung sei der
Beschwerde
füh
rerin eine Hilfsarbeit
in einem 30-%-Pensum
nun
zumutbar.
Damit liesse sich gestützt auf die Lohnstatistik des Bundes ein Erwerbseinkommen von
Fr.
14‘431.50 erzielen. Bei einem Erwerbseinkommen im Gesundheitsfall
–
eben
falls gestützt
auf die Lohnstatistik des Bundes – bei einer Erwerbstätigkeit von 50
%
würde die Versicherte ein Einkommen von
Fr.
24‘052.50 verdienen. Im erwerblichen Tätigkeitsgebiet sei somit ein Teilinvaliditätsgrad von 20
%
gege
ben. Im Haushalt sei die Versicherte nur noch zu 11,1
%
eingeschränkt, was in diesem Bereich einen Teilinvaliditätsgrad von 5,55
%
und damit einen
Gesamt
invaliditätsgrad
von 25,55
%
ergebe. Somit
bestehe kein Rentenanspruch mehr (
Urk.
2 S. 2).
Dagegen wird seitens der Beschwerdeführerin zusammengefasst vorgebracht, aufgrund der diversen Gespräche und Arztberichte sei es klar, dass sie nicht mehr berufstätig sein könne. Sie sei nicht einmal vom Vertrauensarzt der
Be
schwerdegegnerin
aufgeboten worden, da gemäss
IV-Stelle
die vorliegenden Arztberichte und die Haushaltsabklärung ausreichend seien (
Urk.
1).
3.
Die hier zu beurteilende
Revisionsv
erfügung erging am 3
0.
Mai 2013 (
Urk.
2). Vorher war als letzter Entscheid der IV-Stelle die Verfügung vom 1
1.
August 2011 (
Urk.
11/77) ergangen, der eine
umfassende
Überprüfung des materiellen Anspruchs vorausgegangen war.
D
ie Beschwerdegegnerin
hatte damals
diverse Berichte der
Z._
,
Paraplegikerzentrum
, ein
geholt
(nach
fol
gend: Klinik
Z._
;
Urk.
11/36/8 f., 11/36/6 f., 11/51, 11/65, 11/69) und
hatte
eine Haushaltserhebung vornehmen
lassen
(vgl. Abklärungsbericht vom
6.
Januar 20
1
1;
Urk.
11/57 und Stellungnahme
des Abklärungsdienstes
vom 1
1.
Juli 2011;
Urk.
11/72).
Somit ist zu prüfen, ob im Zeitraum seit Erlass der Verfügung vom 1
1.
August 2011 (
Urk.
11/77) bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 3
0.
Mai 2013 (
Urk.
2) eine wesentliche Änderung in den Verhältnissen der Beschwerde
führerin eingetreten ist, die Anlass gibt, die
Dreiviertelsr
ente
aus
revisionsrecht
lichen
Gründen abzuändern oder aufzuheben.
4.
4.1
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass sich bei der Beschwerdeführerin im September 2000 bei lumbaler Diskushernie L5/S1 mit Kompres
sion des Duralsackes ein
Cauda
E
quina
Syndrom entwickelt hatt
e, weswegen sie
not
fall
mässig
operiert wurde. Daraufhin traten Miktions- und Defäkationsstörungen sowie
residuelle
radikuläre
Sensibilitätsstörungen auf. Die Ärzte des
A._
,
Neurochirurgische Klinik, diagnostizierten einen Status nach
Fenestration
, eine
Rezessotomie
, eine
Sequesterentfernung
und eine linksseitige Diskektomie L5/S1 bei vollständigem
Cauda
-
Equina
-Syndrom
, bei Diskushernie der zweituntersten Bandscheibe, bei Übergansanomalie entsprechend einer
Lumbalisation
von S1 sowie ein rechtsseitiges
residuelles
Ausfallsyndrom S1 und S
2.
Die behandelnden Ärzte attestierten ihr eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit (vgl. Bericht vom 2
8.
Mai 2001;
Urk.
11/9/1-2) sowie im Haushalt eine Einschränkung von 50
%
(
Urk.
11/9/3).
Im Rahmen des Revisionsverfahrens ab
2009
stütz
t
e sich
die IV-Stelle
auf
den Austrittsbericht der Klinik
Z._
vom
4.
März 2009 (
Urk.
11/36/8)
.
Damals war die Versicherte im
Paraplegikerzent
rum
der Klinik
Z._
, um die weiteren therapeutischen Möglichkeiten auf
grund der bestehenden chronischen Schmerzproblematik in den sakralen Segmenten zu evaluieren.
Die Ärzte stellten hinsichtlich der Lähmungen einen konstanten Verlauf fest. Sie berichteten von einer verstärkten Schmerzproblematik sakral, die ab November 2006 zu einer Gabe von Opioiden geführt habe. Während des Aufenthalts in der Klinik vom 1
0.
Februar bis 2
7.
Februar 2009 fanden psycho
logische Gespräche und eine intensive Physiotherapie statt.
Die
behandelnden
Ärzte
diagnostizierten
im Wesentlichen ein chronisches Schmerzsyndrom im Anal- und Genitalbereich bei Status nach Sequester-Entfernung und
Diskekto
mie
L5/S1 am 2
9.
September 2000 bei sequestrierter lumbaler linksseitiger
Dis
kushernie
L5/S1 und rein sensorischer Paraplegie
sub
S2 bei neurogener Blasen- und Darmentleerungsstörung, ein
en
Status nach Dekubitus an der rechten Ferse sowie ein beidseitiges Carpaltunnel-Syndrom (Status nach linksseitiger Opera
tion im Januar 2005;
Urk.
11/36/8). Dank regelmässigen Gesprächen mit der Psychologin konnte die
Pethidin
-Abgabe für die Schmerzsymptomatik reduziert werden. Hingegen sei es nicht gelungen, die Abgabe von Opiaten wie MST
con
tinus
und
Lyrica
zu reduzieren. Die Beschwerdeführerin sei in gebessertem
All
gemeinzustand
und mit reduzierter Schmerzsymptomatik entlassen worden (
Urk.
11/36/10). Im Bericht vom
6.
April 2010 (
Urk.
11/42/6) führten die behan
delnden Ärzte der Klinik
Z._
bei gleichbleibender Diagnose an, nachdem die Schmerzmedikation 2009 etwas
habe
reduziert werden
können
, habe man inzwischen die
Opioidtherapie
wieder steigern müssen. Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hielten sie fest, dass aufgrund des ausgeprägten invalidisieren
den Schmerzsyndroms sowie der unveränderten Paraparese keine relevante be
ruf
liche Tätigkeit mehr möglich sei. Eine Besserung sei aufgrund des Verlaufs nicht zu erwarten (
Urk.
11/42/6).
Im Haushaltsbericht des letzten Revisionsverfahrens vom
6.
Januar 2011 berich
tete die Versicherte von einem im Wesentlichen unveränderten Zustand. Trotz der vorhandenen Schmerzen gehe sie noch immer täglich mit den zwei kleinen Hunden spazieren. Sie nahm gegen die Schmerzen ein neues Opiat (
Targin
), das zu vermehrter Müdigkeit führte. Die
Abklärerin
der IV-Stelle vermeldete eine weiterhin 50%ige Berufstätigkeit der Versicherten im Gesundheitsfall und damit eine 50%ige Haushaltstätigkeit. Weil nun alle drei Kinder erwachsen und berufs
tätig waren, jedoch noch im Haushalt lebten, wurde der Versicherten eine höhere Mitarbeit durch die Familienmitglieder in den meisten Bereichen ange
rechnet. Daher verringerte sich der Anteil der Einschränkungen der Beschwer
deführerin im Haushalt auf 21,6
%
, sodass der Teilinvaliditätsgrad im Haushalt noch 10,8
%
ergab (
Urk.
11/57). Gesamthaft errechnete die IV-Stelle so bei einem Teilinvaliditätsgrad im erwerblichen Bereich von 50
%
einen
Invaliditäts
grad
von 61
%
und reduzierte die Rente in der Verfügung vom 1
1.
August 2011 auf eine
Dreiviertelsrente
(
Urk.
11/77/6).
4.
2
Mit Schreiben vom
1.
Mai 2012 (
Urk.
11/79) bewirkte die Beschwerdeführerin die Einleitung eines weiteren Revisionsverfahrens, indem sie eine
Gesundheits
verschlechterung
geltend machte und dementsprechend eine Rentenerhöhung verlangte. Dem von der Beschwerdeführerin eingereichten Bericht von
med
.
prakt.
Y._
vom 1
1.
Juni 2012 (
Urk.
11/83) ist
dessen Ansicht
zu entnehmen,
dass bei gleichbleibenden Diagnosen eine stabile Situation auf niedrigem Niveau bestehe.
Die Versicherte klage nach wie vor über Schmerzen, die häufig unvorhersehbar auftreten würden. Auch nachts habe die Versicherte Schmerzen und sie habe einen permanenten Stuhldrang, sie müsse sechs bis achtmal auf die Toilette. Sie sei nach einer einstündigen leichten Hausarbeit erschöpft, so dass sie Ruhepausen machen müsse. Die Schmerzen bewegten sich konstant zwischen 5 bis 6 VAS, dazwischen komme es zu einschiessenden hef
tigen Schmerzen bis zu 10 VAS, die eine Zusatzmedikation nötig machten (
Urk.
11/83/2).
Im Haushaltserhebungsbericht vom 1
7.
April 2013 (
Urk.
11/92) hielt die
Ab
klärungsperson
fest, dass die Qualifikation weiterhin unverändert bleibe (
Urk.
11/92/2)
.
Zwei Söhne würden
noch
im gemeinsamen Haushalt leben und seit Februar 2012 habe sich die
Freundin des Sohnes mit dem Enkelkind
dazu
gesellt, welche Mutter und Hausfrau sei.
Demzufolge wurde bei der Ernährung, der Wohnungspflege, der Wäsche und Kleiderpflege eine gegenüber dem
vorhe
ri
gen Haushaltsbericht reduzierte Einschränkung aufgeführt, einzig die Tatsa
che, dass die Versicherte aufgrund von geltend gemachten vermehrten Schmer
zen
die Hunde nicht mehr selber ausführt, ergab eine neue kleine Einschränkung im Bereich „Verschiedenes“ von 2
%
. Zusammenfassend stellte die
Abklärungsper
son
fest, die Wohnsituation habe sich verändert, nicht die gesundheitliche Situ
ation der Versicherten. Die erwachsenen Söhne und die erwachsene Freundin des Sohnes könnten nun vermehrt Hausarbeit übernehmen, weshalb die anre
chenbare Einschränkung der Versicherten im Haushalt auf 11,1
%
reduziert worden sei, was bei einem Anteil des Haushalts von 50
%
eine Einschränkung von 5,55
%
ergebe (
Urk.
11/92/7).
4.3
Im Laufe des Gerichtsverfahrens reichte die Beschwerdeführerin einen Bericht ihres Hausarztes vom 2
5.
April 2014 ein. Med. prakt.
Y._
berich
tete von einer deutlichen Verschlechterung der Schmerzen. Quälend seien der Brennschmerz Tag und Nacht
perinal
, verbunden mit einem starken Stuhldrang.
Zur Zeit
bestehe eine Stuhldranginkontinenz all
e
10 bis 15 Minuten mit Abset
zen von kleinen Stuhlportionen. Die Versicherte leide gleichzeitig an einer
Dau
erverstopfung
aufgrund der Opiate, sie müsse den Enddarm manuell entleeren. Es komme zu chronischen Durchschlafstörungen und vermehrter
Tagesmüdig
keit
. Die Hausarbeit könne nur mit Hilfe der Schwiegertochter und des Sohnes erledigt werden. Es finde nun eine psychotherapeutische Behandlung statt (
Urk.
17).
Im
Verlaufsbericht der
B._
vom 2
6.
Juni 2014 hielten
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Psychotherapie und
Dr.
phil.
D._
, Fachpsycho
login für Psychotherapie, fest, seit Mai 2014 sei die Beschwerdeführerin in wöchentlicher Behandlung, denn sie leide seit längerer Zeit unter einer schwe
ren reaktiven Depression (ICD
-10
F32.2), deren Symptome aufgrund der hoff
nungslosen Lage sich dramatisch zu verstärken droh
t
en (
Urk.
19/1). Weiter führten sie aus, schon seit 14 Jahren leide die Beschwerdeführerin unter oft fast unerträglichen Schmerzen und den damit verbundenen körperlichen Einschrän
kungen, was sie psychisch enorm belaste. Zu den Symptomen der sehr ernstzu
nehmenden Depression kämen u.a. massive Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, starke Rückzugstendenzen, Gefühle der Schuld und Hoffnungslosigkeit, ein tie
fes Selbstwertgefühl und Gefühle der Nutzlosigkeit hinzu, welche immer wieder von suizidalen Gedanken begleitet würden (
Urk.
19 S. 2).
5.
5.1
Vorliegend massgebend ist einzig die Situation bis Mai 201
3.
Soweit die nach
gereichten Berichte Angaben
zur Zeit
ab 2014
beeinhalten
, können sie nicht berücksichtigt werden.
Für den streitigen Zeitraum
(
Urk.
11/42/6) liegen keine objektiven Befunde vor, die eine nachvollziehbare Gesundheitsverbesserung
nahelegen.
Vielmehr schil
derten sämtliche Ärzte eine im Wesentlichen gleich gebliebene gesundheitliche Situation, die eine Arbeitsfähigkeit im erwerblichen Tätigkeitsbereich weiterhin ausschliesst, wie das zuvor auch beim letzten Invalidenrentenentscheid vom 1
1.
August 2011 der Fall war.
Die IV-Stelle stützte sich für ihre gegenteilige Ansicht in der rentenaufhebenden Verfügung einzig auf einen Bericht der Klinik
Z._
vom
6.
Juni 2011 (
Urk.
11/69/7). Damals war die Versicherte wegen einer Dekubitus-Behandlung an der rechten Ferse im Spital. Im fraglichen Bericht fokussierten sich die Ärzte deshalb auf dieses Leiden, das im Verlauf des klinischen Aufenthaltes eine Besserung erfuhr, während die Ärzte hinsichtlich des neurologischen Hauptprob
lems selber von keiner Verbesserung der Defizite ausgingen. Ihre Darlegungen zur Arbeitsfähigkeit blieben denn auch vage. Sie gingen von einer 30%igen Arbeitsfähigkeit als
Coiffeuse
aus, die gegebenenfalls in einem Arbeits
versuch zu evaluieren sei (
Urk.
11/69). Nicht hinreichend beachtet
wurde
damals die ganze einschränkende Problematik des neurologischen Krankheits
bildes und die erhebliche Blasen-Darmstörung. Als unvollständiger Bericht, der gar die Situa
tion im Juni 2011 beschrieb und nicht die vorliegend relevante ab Herbst 2011, hätte er nicht zur Basis der vorliegenden Revisionsverfügung vom 3
0.
Mai 2013 gemacht werden dürfen.
Mit der von RAD-Arzt
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, geäusserten Ansicht (
Urk.
11/94/4) ist vielmehr bis zum vorlie
gend relevanten Zeitpunkt am 3
0.
Mai 2013 von einer gleich gebliebenen Situ
ation auszugehen und damit von einer gänzlichen Arbeitsunfähigkeit im erwerb
lichen Bereich. Somit ergibt sich bei der unbestritten gebliebenen und auch überzeugenden nur 50%igen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall ein
Teil
invaliditätsgrad
von 50
%
.
Im Haushaltsbereich wurde sodann eine überzeugende neue Einschätzung der Auswirkungen der gesundheitlichen Situation im veränderten familiären Umfeld dargetan. Die Tatsache, dass zwei erwachsene Söhne und daneben noch eine Hausfrau mit Kleinkind im gleichen Haushalt wie die Versicherte leben, durfte klar schadenreduzierend berücksichtigt werden, ohne dass die ganze
Haushalts
arbeit
auf diese Familienmitglieder verteilt wurde. Dass der Versicherten aus gesundheitlichen Gründen überhaupt keine Hausarbeit mehr zugemutet werden kann, geht auch aus den zusätzlich eingereichten Arztberichten nicht hervor. Vielmehr zeigt gerade auch der Bericht von med. prakt.
Y._
vom 2
5.
April 2014 (
Urk.
17) mit seinen Darlegungen zum Haushalt auf, dass die Beschwerdeführerin mehr Zeit für den Haushalt braucht und die Hilfe ihrer Familie für einige Arbeiten benötigt, was im Abklärungsbericht denn auch so festgehalten wurde. Diese Hilfestellungen sind bei einem Haushalt mit drei erwachsenen Personen, die einen unregelmässigen finanziellen Beitrag leisten, zumutbar. Somit ist der IV-Stelle im Haushaltsbereich mit der Festlegung einer Einschränkung von 11
%
zu folgen, zumal die Beschwerdeführerin keine Ein
wände dagegen erhoben hat (
Urk.
1).
5.
2
Aufgrund der obigen Erwägungen ist bei einer
Qualifikation von 50
%
Arbeits
t
ä
t
igkeit
bei einer
Arbeits
un
fähigkeit
von
100
%
,
ein
Teilinvaliditätsgrad von 50
%
gegeben, und bei einem
Haushaltsanteil
von 50
%
bei einer
Einschrän
kung
von
11
%
der Teilinvaliditätsgrad von 5,55
%
.
Der
Gesamtinvaliditätsgrad
beträgt somit
55,
5
%
und damit
hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine halbe Rente (vgl. E. 1.2).
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG in der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft
stehenden Fassung) und auf Fr. 7
00.-- an
zu
setzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegen
den Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.