Decision ID: 8bebcd4f-9925-5e13-a22f-ff6a4e8e4bf9
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im September 2012 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Laut ihrem Lebenslauf (IV-act. 6) hatte sie in ihrem
Herkunftsland eine dreijährige Berufslehre als Einzelhandelskauffrau absolviert. In der
Schweiz hatte sie zunächst als Serviceangestellte und später als stellvertretende
Filialleiterin in einem Modegeschäft gearbeitet. Nach der Geburt ihrer Tochter war sie
selbständig als Näherin erwerbstätig und zusätzlich als Haushälterin angestellt
gewesen. Im Jahr 2005 hatte sie sich zur Pflegehelferin SRK ausbilden lassen.
Anschliessend hatte sie während etwa drei Jahren (bis Ende November 2008) als
Pflegehelferin in einem Alterswohnheim gearbeitet. Der Psychiater Dr. med. B._ gab
am 17. Mai 2013 telefonisch an (IV-act. 32), die Versicherte leide an einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, emotional-instabilen, histrionischen und
vermeidenden Anteilen sowie an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer
gegenwärtig mittelgradigen Episode auf dem Boden einer repetitiven Traumatisierung
in gewaltvollen familiären Verhältnissen. Am letzten Arbeitsplatz habe die Versicherte
eine starke Kränkung erfahren. Seit dem Jahr 2009 habe sich ihr Gesundheitszustand
laufend verschlechtert. Sie habe sich bis dahin „durchs Leben gekämpft“. Aktuell sei
sie für sämtliche Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig. Es sei noch nicht absehbar, ob
und wann sich an der Arbeitsunfähigkeit etwas ändern werde. Am 2. Juli 2013 teilte die
IV-Stelle der Versicherten mit, dass zurzeit keine beruflichen Massnahmen
durchgeführt würden (IV-act. 23).
A.b In einem Fragebogen gab die Versicherte im Oktober 2013 an, dass sie ohne eine
Gesundheitsbeeinträchtigung seit dem Jahr 2008 zu 80 Prozent erwerbstätig gewesen
wäre (IV-act. 29). Der Hausarzt Dr. med. C._ berichtete am 28. Oktober 2013 (IV-act.
30), die Versicherte leide an einem chronifizierten Panvertebralsyndrom, an Muskel-
und Armschmerzen beidseits, an einer Fibromyalgie und an einer Depression. Bis zum
Ende eines Einsatzprogrammes des regionalen Arbeitsvermittlungszentrums am 30.
September 2012 sei die Versicherte zu 50 Prozent arbeitsunfähig gewesen. Die
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körperliche Belastung sei aufgrund der Wirbelsäulenproblematik eingeschränkt. Eine
Prognose wage er nicht abzugeben. Am 14. Dezember 2013 gab Dr. B._ an, die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten liege bei etwa 50 Prozent (IV-act. 33). Am 16.
Dezember 2013 wies er darauf hin, dass er nach einer neuerlichen Konsultation eine
Arbeitsunfähigkeit von 60 Prozent attestieren müsse (IV-act. 34). Am 19. Dezember
2013 bestätigte er diese Angabe in einer E-Mail, wobei er allerdings festhielt:
„Arbeitsunfähigkeit maximal 40 Prozent“ (IV-act. 36). Am 27. Januar 2014 teilte die IV-
Stelle der Versicherten mit, dass eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung
erforderlich sei (IV-act. 37). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die ärztliches
Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH am 10. Juni 2014 ein entsprechendes Gutachten
(IV-act. 44). Der internistische Sachverständige führte darin aus, die Versicherte leide
an einem metabolischen Syndrom, anamnestisch an einem Asthma bronchiale sowie
an einem fortgesetzten Nikotinkonsum mit einem schädlichen Gebrauch. Für körperlich
leichte bis zumindest mittelschwere Tätigkeiten könne aus internistischer Sicht keine
Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Der psychiatrische Sachverständige hielt fest, die
Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig
leichten Episode sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einer
Somatisierungsstörung und an histrionischen Persönlichkeitszügen. Aufgrund der
depressiven Störung sei sie vermindert belastbar. Zudem leide sie an einer erhöhten
Ermüdbarkeit und an leichten depressiven Stimmungen. Dadurch sei die
Arbeitsfähigkeit um 20 Prozent eingeschränkt. Das gelte seit Juni 2008, nachdem sich
die Versicherte erstmals im Jahr 2008 in eine ambulante psychiatrische Behandlung
begeben habe. Der orthopädische Sachverständige führte aus, die Versicherte leide an
einem chronischen thoraco-lumbal betonten panvertebralen Schmerzsyndrom ohne
eine ausstrahlende Sympto¬matik sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit –
an einem Status nach einem wahrscheinlich bandrekonstruierenden Eingriff am
lateralen Sprunggelenk rechts etwa im Jahr 2011 und anamnestisch an einem
multiloculären Schmerzsyndrom bei einem aktuell weitgehend unauffälligen klinischen
Befund. Körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten in wechselnder Position mit
einer Hebe- und Traglimite von maximal zehn bis ausnahmsweise 15 Kilogramm und
ohne lang dauernde Zwangshaltungen von Rumpf oder Kopf seien der Versicherten
uneingeschränkt zumutbar. Zusammenfassend seien der Versicherten also
leidensadaptierte Tätigkeiten zu 80 Prozent zumutbar. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
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als Pflegerin sei nicht mehr geeignet, da diese teilweise mit körperlich schweren
Belastungen verbunden sei. Am 2. Juli 2014 notierte Dr. med. D._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD), das Gutachten der ABI GmbH sei überzeugend (IV-
act. 45).
A.c Mit einem Vorbescheid vom 9. Juli 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe (IV-act. 49). Zur Begründung
führte sie an, die Versicherte sei als zu 80 Prozent erwerbs- und zu 20 Prozent im
Haushalt tätig zu qualifizieren. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Pflegerin sei ihr nicht
mehr zumutbar. Für eine leidensadaptierte Tätigkeit bestehe aber eine Arbeitsfähigkeit
von 80 Prozent, weshalb das zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen dem
Valideneinkommen entspreche. Für den Erwerbsteil resultiere also keine Invalidität.
Allfällige Einschränkungen im Haushalt würden durch die zumutbare
Schadenminderungspflicht der Familienangehörigen kompensiert, weshalb auch für
diesen Teil keine Invalidität resultiere. Im September 2014 ersuchte die Versicherte um
eine neue Prüfung (IV-act. 50–1). Sie legte ihrer Eingabe ein Attest von Dr. C._ bei
(IV-act. 50–2), der geltend gemacht hatte, die praxisrelevanten tatsächlichen
Gegebenheiten differierten doch deutlich von der angegebenen theoretischen
Einschätzung. Möglicherweise seien die älteren Krankheitsbefunde und Berichte nicht
vollständig berücksichtigt worden. Am 27. November 2014 liess die Versicherte geltend
machen (IV-act. 66), es liege ein Widerspruch zwischen den
Arbeitsfähigkeitsschätzungen des behandelnden Psychiaters Dr. B._ und des
psychiatrischen Sachverständigen der ABI GmbH vor. Am 12. Dezember 2014 und am
9. Januar 2015 würden Testungen durchgeführt. Anhand der Ergebnisse dieser
Testungen könne die Diagnosestellung anhand objektiver Parameter geprüft werden.
Im Übrigen müsse geprüft werden, ob sie nun einen Anspruch auf berufliche
Massnahmen habe. Am 12. Januar 2015 berichtete Dr. phil. E._ (IV-act. 73), die am
21. Dezember 2014 und am 9. Januar 2015 durchgeführten neuropsychologischen
Testungen hätten einen unterdurchschnittlichen Intelligenzquotienten von 81 ergeben.
Bei einer etwaigen Tätigkeitssuche sei angesichts der Testergebnisse die Wahl einer
Tätigkeit zu empfehlen, bei der die Versicherte ihre Arbeitsgeschwindigkeit und ihr
Arbeitsgedächtnis gut nutzen könne, also beispielsweise einfache Aufgaben, die eine
zügige Arbeitsweise erforderten, bei denen eine sprachliche Präzision nicht so relevant
sei und bei denen komplexe oder subtile Situationseinschätzungen möglichst selten
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erforderlich seien. Der RAD-Arzt Dr. D._ notierte am 25. Februar 2015 (IV-act. 74), bei
der Aktenwürdigung sei das Ergebnis der sorgfältig differenzierenden,
testpsychologischen Evaluation zu berücksichtigen. Vorzugsweise sollte eine Arbeit
beispielsweise im Produktionsbereich mit einfachen, repetitiven, gut strukturierten
Tätigkeiten, die ein zügiges Arbeiten und Memorieren von gleichbleibenden Abläufen
erforderten, gesucht werden. Für adaptierte Tätigkeiten bestehe eine Arbeitsfähigkeit
von 80 Prozent. Mit einer Verfügung vom 2. März 2015 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab (IV-act. 75).
Bei der Berechnung des Invaliditätsgrades hatte sie nun für den Erwerbsteil eine
Einschränkung von 20 Prozent (gewichtet mit 80 Prozent: 16 Prozent) berücksichtigt.
B.
B.a Am 17. April 2015 erhob die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 2. März 2015 (act. G 1). Sie beantragte die
Erprobung und Festsetzung ihrer gesundheitsbedingten Leistungseinbusse mittels
einer beruflichen Massnahme und eine neue Abklärung ihres Gesundheitsschadens.
Zur Begründung führte sie aus, es liege ein Widerspruch zwischen den vom
behandelnden Psychiater und den vom psychiatrischen Sachverständigen der ABI
GmbH gestellten Diagnosen vor. Auch die Ergebnisse der testpsychologischen
Testungen stünden im Widerspruch zum Gutachten der ABI GmbH. Aktuell habe sich
ihr somatischer Gesundheitszustand wieder verschlechtert. Ihr Immunsystem sei
allgemein geschwächt und sie müsse sich jährlich einer Leukämietestung unterziehen.
Zudem stehe sie aufgrund eines Keil¬fusses in Behandlung bei Dr. med. F._. Die
Gehfähigkeit sei eingeschränkt.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 2. Juni 2015
die Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, der RAD habe
die von der Beschwerdeführerin erwähnte und mit einem Bericht von Dr. F._ belegte
Problematik am Fuss als eine vorübergehende Verschlechterung qualifiziert, die
höchstens das Spektrum der zumutbaren Tätigkeiten weiter einschränken könne. Dem
psychiatrischen Teilgutachten der ABI GmbH lasse sich entnehmen, dass die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychischen Gründen nicht wesentlich
beeinträchtigt sei. Daran ändere der neuropsychologische Bericht von Dr. E._ nichts.
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Gesamthaft sei die Beschwerdeführerin nicht in einem rentenbegründenden Ausmass
invalid. Für berufliche Massnahmen könne sie sich direkt bei der Beschwerdegegnerin
melden.
B.c Die Beschwerdeführerin hielt am 27. August 2015 an ihren Anträgen fest und sie
führte ergänzend aus (act. G 8), das Bundesgericht habe seine „Päusbonog“-Praxis mit
einem Urteil vom 3. Juni 2015 aufgegeben. Nun müsse zwingend eine weitere
medizinische Abklärung erfolgen, die der neuen Rechtsprechung Rechnung trage. Von
Dr. B._ liege zudem noch gar kein ausführlicher Bericht bei den Akten, weshalb der
psychische Gesundheitszustand ohnehin nochmals abgeklärt werden müsse. Neu
befinde sie sich im Psychiatrie-Zentrum G._ in Behandlung. Die Keilfussbehandlung
sei noch nicht abgeschlossen worden. Sie habe schon am 27. November 2014 um die
Gewährung von beruflichen Massnahmen ersucht.
B.d Die Beschwerdegegnerin wies am 8. Oktober 2015 darauf hin (act. G 10), dass die
Rechtsprechungsänderung für den vorliegenden Fall nicht relevant sei. Das Gutachten
der ABI GmbH enthalte alle Angaben, die für die Arbeitsfähigkeitsschätzung nach der
neuen Rechtsprechung erforderlich seien. Es bestehe folglich kein weiterer
Abklärungsbedarf; am Ergebnis ändere sich nichts.

Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren
der Beschwerdeführerin abgewiesen. Ein allfälliger Anspruch auf berufliche
Massnahmen hat dagegen nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung gebildet,
weshalb in diesem Beschwerdeverfahren nicht geprüft werden kann, ob die
Beschwerdeführerin einen Anspruch auf berufliche Massnahmen gehabt hätte. Mit
einer solchen Prüfung würde der Gegenstand des Beschwerdeverfahrens nämlich in
unzulässiger Weise ausgedehnt. Den Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens bildet
also nur die Frage, ob die Abweisung des Rentenbegehrens der Beschwerdeführerin
rechtmässig ist.
2.
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2.1 Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozentarbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität
wird in aller Regel das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem
Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre (Art. 16 ATSG). Nur wenn einer versicherten Person, die vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen ist, die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, ist die Invalidität auf eine andere Weise
zu ermitteln (Art. 8 Abs. 3 ATSG und Art. 5 Abs. 1 IVG). Diese Ausnahme bezieht sich
nach dem Willen des historischen Gesetzgebers ausschliesslich auf nicht erwerbstätige
Hausfrauen (vgl. BBl 1958 II 1162 und den Bericht der Expertenkommission vom 30.
November 1956, S. 27 und 116 ff.). Weder aus systematischer noch aus teleologischer
Sicht ist ein Grund ersichtlich, der gegen diese enge Beschränkung des
Betätigungsvergleichs als Bemessungsmethode sprechen würde, denn das versicherte
Gut in der Invalidenversicherung ist die Erwerbsfähigkeit, die naturgemäss anhand
eines Einkommenspotentials zu bemessen ist (vgl. zum Ganzen die ausführliche
Begründung im Entscheid IV 2014/125 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 24.
Mai 2016, E. 2.2).
2.2 Die Beschwerdeführerin ist vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung
erwerbstätig gewesen, weshalb gemäss den obigen Ausführungen zum Vorneherein
kein Anwendungsfall für einen Betätigungsvergleich vorliegen kann. Da ihr im fiktiven
„Gesundheitsfall“ die Aufnahme einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit ohne Weiteres
objektiv zugemutet werden könnte, muss der Invaliditätsgrad anhand eines reinen
Einkommensvergleichs berechnet werden. Bei der Ermittlung des zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens kommt der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung
eine erhebliche Bedeutung zu. Die Beschwerdegegnerin hat für die Beantwortung der
Frage nach der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin Berichte bei den
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behandelnden Ärzten eingeholt und die ABI GmbH mit der Erstellung eines
polydisziplinären Gutachtens beauftragt. Die Sachverständigen der ABI GmbH haben
die Beschwerdeführerin eingehend persönlich (internistisch, orthopädisch und
psychiatrisch) untersucht und die bei diesen Untersuchungen erhobenen objektiven
klinischen Befunde detailliert wiedergegeben. Sie haben sich mit den Berichten der
behandelnden Ärzte und mit den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin
auseinandergesetzt. Ihre Diagnosen und ihre Arbeitsfähigkeitsschätzungen haben sie
überzeugend begründet. Das Gutachten ist in sich widerspruchsfrei. Soweit die
Diagnosen und die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht mit jenen in den Berichten der
behandelnden Ärzte übereinstimmen, findet sich im Gutachten eine ausführliche und
überzeugende Begründung für die entsprechende Abweichung. Das gilt insbesondere
auch für das psychiatrische Teilgutachten. Der psychiatrische Sachverständige der ABI
GmbH hat – anders als der behandelnde Psychiater Dr. B._ – detailliert aufgezeigt,
wie sich die psychischen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin auf deren
Arbeitsfähigkeit auswirken. In seinem Teilgutachten findet sich aber auch eine
ausführliche Beschreibung hinsichtlich der verbliebenen Ressourcen der
Beschwerdeführerin: Diese könne gut schlafen und auch gut aufstehen, kümmere sich
um drei Katzen, führe den Haushalt selbständig (mit vermehrten Pausen; verlangsamt),
könne Auto fahren, stricke, nähe und lese, halte sich in der freien Natur auf,
unternehme Spaziergänge, pflege einen regelmässigen Kontakt zu mehreren
Kolleginnen, erledige den Grosseinkauf zusammen mit ihrem Lebenspartner und gehe
mit diesem gelegentlich abends in den Ausgang. Da das Haus abseits liege, könne sie
machen, was sie wolle; sie müsse keine Rücksicht nehmen und könne auch Lärm
machen. Die Beziehung zu ihrem Lebenspartner bestehe schon seit Jahren und sei
stabil. Auch zur Tochter pflege sie eine gute Beziehung. Der psychiatrische
Sachverständige hat gestützt auf die von ihm erhobenen klinischen Befunde und vor
dem Hintergrund dieser Aktivitätsschilderungen anschaulich und überzeugend
aufgezeigt, dass die Beschwerdeführerin weder an einer mittel- oder gar
schwergradigen depressiven Störung noch an einer Persönlichkeitsstörung gelitten hat,
wie der behandelnde Psychiater Dr. B._ angegeben hatte, ohne dafür allerdings eine
überzeugende Begründung anzuführen. Ein Anhaltspunkt, der gegen die
Zuverlässigkeit des Gutachtens der ABI GmbH sprechen würde, ist nicht ersichtlich.
Die spätere neuropsychologische Testung hat entgegen der Auffassung der
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Beschwerdeführerin keine Ergebnisse geliefert, die Zweifel an der Zuverlässigkeit des
Gutachtens der ABI GmbH wecken würden. Diese Ergebnisse haben vielmehr
zusätzliche Erkenntnisse geliefert, die das Spektrum der zumutbaren Tätigkeiten weiter
einschränken, wobei sich diese Einschränkung nicht wesentlich auswirkt, da die
zumutbare Invalidenkarriere in der Verrichtung von adaptierten Hilfsarbeiten besteht
(vgl. dazu die nachfolgende E. 2.4). Dasselbe gilt sinngemäss auch in Bezug auf die
Fussbeschwerden, auf die die Beschwerdeführerin (erst) nach der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung hingewiesen hat. Der RAD-Arzt Dr. D._ hat nämlich
überzeugend aufgezeigt, dass diese die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin wohl
nur vorübergehend einschränken dürften und abgesehen davon ohnehin ungeeignet
seien, die Arbeitsfähigkeit in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit wesentlich
einzuschränken. Bezüglich des allgemein geschwächten Immunsystems und der
jährlichen Leukämietestung enthält das Gutachten der ABI GmbH zwar keine expliziten
Ausführungen. Der internistische Sachverständige hat aber festgehalten, dass nur ein
metabolisches Syndrom mit einer arteriellen Hypertonie, einer Adipositas und einer
Hyperurikämie sowie ein Asthma bronchiale vorgelegen hätten. Weder anamnestisch
noch klinisch oder laborchemisch hatten also Beschwerden objektiviert werden
können, die die Folge eines allgemein geschwächten Immunsystems gewesen wären
und die die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin massgebend eingeschränkt
hätten. Gesamthaft steht folglich mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin im
massgebenden Zeitraum bis zur Eröffnung der angefochtenen Verfügung für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten zu 80 Prozent arbeitsfähig ge¬wesen ist.
2.3 Der psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH hat nebst der depressiven
Störung eine Somatisierungsstörung (allerdings ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit) diagnostiziert. Diese Störung ist anhand der Akten wohl am ehesten
als eine spezifische Ausprägung der depressiven Störung zu qualifizieren, denn die
Erkrankung der Beschwerdeführerin hat ihren Anfang nicht in einer Schmerz-
respektive Somatisierungsstörung, sondern in einer depressiven Störung nach einer
Kränkung am Arbeitsplatz („Mobbing“) genommen. In Bezug auf die zumutbare
Arbeitsfähigkeit kommt der Somatisierungsstörung jedenfalls keine wesentliche
Bedeutung zu, wie der psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH überzeugend
aufgezeigt hat. Bei der Beschwerdeführerin hat also kein Anwendungsfall der (alten)
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„Päusbonog“-Praxis vorgelegen. Trotzdem hat der psychiatrische Sachverständige die
sogenannten Foerster’schen Kriterien geprüft. Seinem Teilgutachten lässt sich aber
entnehmen, dass das Ergebnis dieser Prüfung (die an sich überflüssig war, weil die
Beschwerdeführerin nicht an einem „Päusbonog“, sondern an einer depressiven
Störung gelitten hat) keine Bedeutung in Bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung
haben kann. Die entsprechenden Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen
sind nämlich äusserst knapp gehalten und das Ergebnis der Prüfung hat jenem
entsprochen, zu dem der Sachverständige bereits mit einer medizinischen Begründung
gelangt war, das heisst dass die Somatisierungsstörung keine Auswirkung auf die
zumutbare Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gehabt hat. Die im BGE 141 V 281
erfolgte Praxisänderung respektive Aufgabe der „Päusbonog“-Praxis ist für den
vorliegenden Fall also irrelevant gewesen, weil die Beschwerdeführerin gar nicht an
einem „Päusbonog“ gelitten hat. Da das psychiatrische Teilgutachten all jene Elemente
enthält, die gemäss der neuen („Post-Päusbonog“-) Praxis gefordert sind, wird sein
Beweiswert entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin durch die
Rechtsprechungsänderung nicht tangiert.
2.4 Die Beschwerdeführerin hat in ihrem Herkunftsland offenbar eine Berufsausbildung
absolviert, dies aber nicht belegen können. Nach ihrer Einreise in die Schweiz ist sie
zuerst als ungelernte Serviceangestellte tätig gewesen. Anschliessend hat sie als
stellvertretende Filialleiterin in einem Modegeschäft arbeiten können. Möglicherweise
hat ihre ursprüngliche Berufsausbildung wesentlich dazu beigetragen, dass die
Beschwerdeführerin nicht als „gewöhnliche“ Verkäuferin, sondern direkt als
stellvertretende Filialleiterin angestellt worden ist. Das ist allerdings irrelevant, denn
nach einer familiär bedingten längeren Absenz vom Arbeitsmarkt ist es der
Beschwerdeführerin nicht mehr gelungen, in ihrem ursprünglich erlernten Beruf Fuss zu
fassen, weshalb sie nur noch Hilfsarbeiten hätte verrichten können. An der
Beschränkung auf eine Hilfsarbeit hat auch die Ausbildung zur Pflegehelferin nichts
geändert, da diese Ausbildung keine qualifizierte Berufslehre ist, die mit einem
eidgenössischen Fähigkeitszeugnis abgeschlossen wird. Vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung hat die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin also
jener einer Hilfsarbeiterin entsprochen. Die Validenkarriere besteht also in einer
(fiktiven) Hilfsarbeit. Da keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, dass die
Beschwerdeführerin ohne eine Gesundheitsbeeinträchtigung nur eine
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unterdurchschnittliche Arbeitsleistung hätte erbringen können und da für die Ermittlung
des Valideneinkommens nicht der tatsächliche, sondern der allgemeine und
ausgeglichene Arbeitsmarkt massgebend ist, weshalb konjunkturelle Einflussfaktoren
auf das Einkommen ausgeblendet werden müssen, muss das Valideneinkommen
einem durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn entsprechen. Auch die zumutbare
Invalidenkarriere besteht in der Verrichtung von Hilfsarbeiten, wobei nun allerdings
lediglich noch ideal leidensadaptierte Tätigkeiten in Frage kommen. Diese
Einschränkung des Spektrums der zumutbaren Tätigkeiten wirkt sich aber auf dem
massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht wesentlich aus, denn dieser
zeichnet sich nicht nur durch ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage bezüglich
der Arbeitsstellen, sondern auch durch einen breiten Fächer von verschiedenen
Tätigkeiten aus. Der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens entspricht folglich ebenfalls einem durchschnittlichen
Hilfsarbeiterinnenlohn. Der Betrag kann bei der Berechnung des Invaliditätsgrades
mathematisch keine Rolle spielen. Die Rechtsprechung bezeichnet die entsprechend
vereinfachte Berechnung des Invaliditätsgrades als einen Prozentvergleich. Dabei
entspricht der Invaliditätsgrad dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, wobei allenfalls noch ein
Abzug vom Tabellenlohn von maximal 25 Prozent (vgl. BGE 126 V 75) zu
berücksichtigen ist. Ein solcher Abzug ist vorzunehmen, wenn die versicherte Person
ihre zumutbare Restarbeitsfähigkeit nicht mehr mit einem durchschnittlichen
wirtschaftlichen Erfolg verwerten kann, das heisst wenn davon ausgegangen werden
muss, dass ein ökonomisch-betriebswirtschaftlich denkender potentieller Arbeitgeber
ihr nicht einen dem statistischen Zentralwert der massgebenden Löhne, sondern nur
einen unter jenem Wert liegenden Lohn ausrichten wird, weil die (verbliebene)
Arbeitsleistung der versicherten Person nicht (mehr) jene von mindestens 50 Prozent
der Konkurrenten übersteigt. Die Voraussetzungen für einen solchen Abzug sind
vorliegend gegeben, denn wegen der depressiven Störung muss ein potentieller
Arbeitgeber mit dem Risiko rechnen, dass die Beschwerdeführerin ihre verbliebene
Arbeitsfähigkeit nicht ebenso zuverlässig und konstant wie eine gesunde Mitarbeiterin
erbringen wird, weil ihr psychischer Gesundheitszustand ständigen Schwankungen
unterliegt, dass sie der Arbeit vermehrt krankheitsbedingt fernbleiben wird und dass sie
bloss eine unterdurchschnittliche Flexibilität aufweisen und folglich nur eingeschränkt
im Betrieb eingesetzt werden können wird. Diesen Risiken muss ein ökonomisch-
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betriebswirtschaftlich denkender Arbeitgeber Rechnung tragen, was bedeutet, dass er
der Beschwerdeführerin nur einen unterdurchschnittlichen Lohn ausrichten könnte.
Zudem kann die Beschwerdeführerin wegen ihres unterdurchschnittlichen
Intelligenzquotienten nur Hilfsarbeiten aus dem unteren Bereich des
Anforderungsspektrums verrichten, weshalb sich auch ihr Lohn im unteren Bereich des
Spektrums der Hilfsarbeiterinnenlöhne bewegen wird. All das rechtfertigt einen Abzug
von 15 Prozent. Der Invaliditätsgrad beträgt folglich 32 Prozent (= 1 – 0,8 × 0,85). Damit
sind die Voraussetzungen für die Zusprache einer Rente der Invalidenversicherung
nicht erfüllt, weshalb sich die angefochtene Verfügung im Ergebnis als rechtmässig
erweist.
3.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind der
unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Sie sind durch den von dieser
geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt.