Decision ID: 66ba039a-409e-41fa-ae96-124de4a824e6
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
A._ und dessen Vater C._ sind Eigentümer (je hälftiges Miteigen-
tum) des Grundstücks Nr. 001, Grundbuch Z._, auf der E._alp.
Das Grundstück liegt innerhalb des grossflächigen Grundstücks
Nr. 002, welches sich im Eigentum einer Alpkorporation befindet. Die
Grundstücke liegen gemäss geltendem Zonenplan der Gemeinde
Z._ vom 27. Juli 2011 in der Landwirtschaftszone. Das Grundstück
Nr. 001 weist eine Fläche von etwa 210 m2 auf und ist nahezu voll-
ständig mit dem Berggasthaus "E._alp" (Vers.-Nr. 010) überbaut.
Das Berggasthaus wird durch A._ betrieben. Die Versorgung mit
Gütern erfolgt mit der Materialseilbahn D._tal – E._alp. Die Tal-
station der Materialseilbahn befindet sich im D._tal (Baurrecht
Nr. 011), die Bergstation auf der E._alp (Gebäude Vers.-Nr. 012).
Die Materialseilbahn liegt vollständig auf dem Grundstück Nr. 002 der
Alpkorporation, befindet sich jedoch im Eigentum von A._ und
C._.
B.
a) B._ betreibt das im Kanton Y._ gelegene Berggasthaus
F._pass (Vers.-Nr. 013 auf Grundstück Nr. 003, Grundbuch Y._).
Die Versorgung des Berggasthauses erfolgte bis anhin mittels Motor-
karetten oder per Helikopter. Mit Baugesuch vom 26. Juni 2012 bean-
tragte B._ bei der Politischen Gemeinde Z._ die Baubewilligung
für die Erstellung einer neuen Materialseilbahn mit der Streckenfüh-
rung D._tal – E._alp – F._pass. Die Materialseilbahn sollte über
eine Zwischenstation auf der E._alp verfügen und damit die beste-
hende Seilbahn D._tal – E._alp ersetzen. Das Baugesuch war
von der Grundeigentümerin, der Alpkorporation, unterzeichnet, nicht
aber von den Eigentümern der bestehenden Seilbahn D._tal –
E._alp.
b) Das Baugesuch lag zwischen dem 29. Juni 2012 und 13. Juli
2012 öffentlich auf, eine Bauanzeige an die Eigentümer der Seilbahn
D._tal – E._alp ist indessen nicht erfolgt.
c) Mit raumplanungsrechtlicher Teilverfügung vom 16. November
2012 erteilte das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation
(AREG) der Baubewilligung die Zustimmung, ohne sich zum Rückbau
der bestehenden Seilbahn D._tal – E._alp zu äussern. Lediglich
in der naturschutzrechtlichen Verfügung des Amtes für Natur, Jagd
und Fischerei (ANJF) vom 15. November 2012 wurde in Ziff. 2 verfügt,
dass die bestehende Seilbahn vollständig zurückzubauen sei. Mit Be-
schluss vom 28. November 2012 erteilte die Baukommission Z._ die
Baubewilligung unter Bedingungen und Auflagen. Den Rückbau der
bestehenden Seilbahn ordnete die Baubewilligungskommission je-
doch nicht an. Die Baubewilligung wurde den Eigentümern der Seil-
bahn D._tal – E._alp wiederum nicht eröffnet.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 89/2020), Seite 3/12
C.
a) Mit Schreiben vom 19. April 2013 wandte sich A._ an die Ge-
meindeverwaltung Z._ und bat diese um Stellungnahme, warum sie
als Eigentümer des Berggasthauses E._alp und der dazugehörigen
Materialseilbahn weder über das Baugesuch noch über die Baubewil-
ligung informiert worden seien. Unter anderem stellte er die Frage, wie
die Gemeinde ohne sein Einverständnis den vom ANJF verfügten
Rückbau der bestehenden Materialseilbahn durchsetzen wolle.
b) Mit Schreiben vom 16. Mai 2013 entschuldigte sich der Gemein-
derat bei A._ für den Umstand, dass ihm und seinem Vater das Bau-
gesuch fälschlicherweise nicht angezeigt worden sei. Zu den übrigen
Punkten könne sich die Gemeinde derzeit nicht äussern.
c) Mit Schreiben vom 29. Mai 2013 teilte der Gemeinderat B._
mit, dass die Eigentümer A._ und C._ mit dem Abbruch ihrer Seil-
bahn einverstanden sein müssten. Vor Baubeginn müsse daher eine
Vereinbarung über den Abbruch der alten Seilbahn D._tal –
E._alp (nachfolgend alte Seilbahn) und Mitbenützung der neuen
Seilbahn D._tal – E._alp – F._pass (nachfolgend neue Seil-
bahn) vorliegen.
d) Nach mehreren Aussprachen, Verlängerungen der Baubewilli-
gung und einem Baustopp wurde die neue Seilbahn schliesslich fertig
gestellt, ohne dass die Alte zurückgebaut worden wäre.
D.
a) Im Winter 2019 wurde die alte Seilbahn durch Lawinen zerstört.
Nachdem der Gemeinderat Kenntnis erlangte, dass die alte Seilbahn
wiederaufgebaut werden sollte, erliess er am 19. Juni 2019 folgende
Verfügung, welche A._, C._ und B._ eröffnet wurde:
1. Die alte Bahn D._tal – E._alp ist vollständig zu-
rückzubauen.
2. B._ wird mit dem Rückbau bis 15. Juli 2019 .
3. Allfällige Bauarbeiten, welche den Zweck haben, die Bahn D._tal – E._alp wieder aufzustellen, sind untersagt.
4. Für diese Verfügung werden Kosten von Fr. 300.00 . Diese haben die Grundeigentümer Bahn D._tal – E._alp, Grundstück Nr. 001, zu bezahlen.
b) Am 25. Juni 2019 schlossen A._ und B._ eine Vereinbarung
über den Rückbau. Die Vereinbarung wurde von der Alpkorporation,
dem Gemeindepräsidenten und der Ratsschreiberin mitunterzeichnet.
c) Nachdem der Rückbau entgegen der Vereinbarung immer noch
nicht erfolgt war, setzte der Gemeinderat mit Verfügung vom 2. April
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 89/2020), Seite 4/12
2020 eine letzte Frist und drohte die Ersatzvornahme an. Die Verfü-
gung mit dem nachfolgenden Dispositiv wurde A._, C._ und
B._ eröffnet:
1. Die Seilbahn Bahn D._tal – E._alp muss, bis spä-
testens 31. Mai 2020, komplett zurückgebaut werden. Diese Frist ist nicht erstreckbar.
2. Sollte Punkt 1 nicht erfüllt werden, übernimmt die  den Rückbau. Sämtliche Kosten werden A._ und B._ (Vertragsparteien der Vereinbarung vom 25. Juni 2019) auferlegt.
3. Für diese Verfügung wird eine Gebühr von Fr. 150.00 erhoben.
E.
a) Gegen diesen Beschluss erhob A._, vertreten durch lic.iur.
Roger Burges, Rechtsanwalt, Engelburg, mit Schreiben vom 16. April
2020 Rekurs beim Baudepartement. Mit Rekursergänzung vom 4. Mai
2020 werden folgende Anträge gestellt:
1. Ziff. 2 der angefochtenen Verfügung sei aufzuheben
und neu wie folgt zu formulieren:
"Sollte Punkt 1 nicht erfüllt werden, übernimmt die  den Rückbau. Sämtliche Kosten werden B._ (Kostenpflichtiger der Vereinbarung vom 25. Juni 2019) auferlegt."
2. Ziff. 3 (Gebühr Fr. 150.00) sei ersatzlos aufzuheben.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung wird geltend gemacht, dass der Rekursgegner 1 im
eigenen Interesse das Baugesuch für die neue Materialseilbahn ein-
gereicht habe. Dem Rekurrenten sei das Baugesuch nicht einmal an-
gezeigt worden. Damit habe auch der Rekursgegner 1 den Rückbau
der Seilbahn, zu welchem er mit Baubewilligung vom 28. November
2012 verpflichtet worden sei, selbst veranlasst. Es sei daher nicht ein-
zusehen, warum dem Rekurrenten irgendwelche Kosten entstehen
sollten. Schliesslich macht der Rekurrent noch eine Gehörsverletzung
geltend und wehrt sich gegen die auferlegte Gebühr von Fr. 150.–.
b) Die Vorinstanz stellte die Vorakten mit Schreiben vom 15. Mai
2020 (Eingang 10. Juni 2020) zu und verzichtet auf eine Vernehmlas-
sung.
c) Die Rekursgegner liessen sich ebenfalls nicht vernehmen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 89/2020), Seite 5/12
F.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz (sGS 731.1;
abgekürzt PBG) in Kraft getreten und das Baugesetz vom 6. Juni 1972
(nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben worden (Art. 172 Bst. a
PBG). Gestützt auf Art. 173 PBG werden die bei Vollzugsbeginn die-
ses Erlasses hängigen Baubewilligungsverfahren grundsätzlich nach
jenem Recht beurteilt, das im Zeitpunkt des erstinstanzlichen Ent-
scheids der Baubewilligungsbehörde Gültigkeit hatte (Art. 173 Abs. 1
PBG). Vorbehalten bleibt die Anwendung neuen Rechts, soweit es für
die Baugesuchsteller günstiger ist (Art. 173 Abs. 2 PBG). Die Baube-
willigung für die neue Seilbahn erging am 28. November 2012. Dies-
bezüglich ist grundsätzlich weiterhin das Baugesetz und das kommu-
nale Baureglement anwendbar. Auf die angefochtene Verfügung vom
2. April 2020 sind jedoch grundsätzlich die Bestimmungen des PBG
anwendbar, sofern sie gemäss Anhang zum Kreisschreiben „Über-
gangsrechtliche Bestimmungen im PBG“ vom 8. März 2017 (Baude-
partement SG, Juristische Mitteilungen 2017/I/1) als unmittelbar an-
wendbar erklärt werden. Im Übrigen gelangen weiterhin das Bauge-
setz und das entsprechende Baureglement zur Anwendung.
3.
Der Rekurrent macht sinngemäss geltend, dass mit der Baubewilli-
gung vom 28. November 2012 der Rekursgegner 1 zum Rückbau der
alten Materialseilbahn verpflichtet worden sei. Es sei daher unzulässig
im Rahmen des Vollstreckungsverfahrens den Rekurrenten heranzu-
ziehen.
3.1 Verfügungen und Entscheide sind vollstreckbar, wenn sie mit or-
dentlichen Rechtsmitteln nicht oder nicht mehr angefochten werden
können (Art. 101 Abs. 1 VRP). Nach Art. 102 VRP sorgt die verfügende
Behörde für die Vollstreckung. Ist die Verfügung oder der Entscheid
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 89/2020), Seite 6/12
auf Vornahme einer Handlung, auf Duldung oder auf Unterlassung ge-
richtet, so erfolgt die Zwangsvollstreckung, wenn nötig mit polizeilicher
Hilfe, auf dem Weg der Ersatzvornahme durch die Behörde oder einen
von ihr beauftragten Dritten oder durch unmittelbaren Zwang (Art. 105
Abs. 1 VRP). Die Bestimmungen stellen die generelle Grundlage für
sämtliche Zwangsmittel im kantonalen Recht dar, soweit nicht beson-
dere gesetzliche Regelungen bestehen. Art. 159 PBG zählt zwar bei-
spielhaft die Zwangsmittel im Bereich des Planungs- und Baurechts
auf, die Voraussetzungen für die Ersatzvornahme folgen jedoch
Art. 105 VRP (M.LOOSER, Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über
die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St.Gallen
2020, N 2 zu Art. 105).
Das VRP unterscheidet damit zwischen dem Erkenntnis- und dem
Vollstreckungsverfahren. Der Sachentscheid als Ergebnis des Er-
kenntnisverfahrens regelt den Bestand und Umfang öffentlicher
Rechte und Pflichten. Die Durchsetzung des Sachentscheids erfolgt
im separaten, vom Erkenntnisverfahren abgetrennten Vollstreckungs-
verfahren, das die Art und Weise der Durchsetzung normiert. Der Sa-
chentscheid in Form einer Verfügung oder eines Entscheids geht so-
mit dem Vollstreckungsverfahren voraus (M.LOOSER, a.a.O., N 1 zu
Art. 101 – 107).
3.2 Die Zwangsmittel im Vollstreckungsverfahren setzen somit kon-
sequent einen vollstreckbaren Sachentscheid voraus. Der Rekurrent
stellt sich sinngemäss auf den Standpunkt, dass die Baubewilligung
aus dem Jahr 2012 die Sachverfügung darstelle. Weder in der kom-
munalen Baubewilligung vom 28. November 2012, noch in der raum-
planungsrechtlichen Teilverfügung vom 16. November 2012 des
AREG wurde jedoch der Rückbau ausdrücklich angeordnet. Lediglich
die naturschutzrechtliche Verfügung des ANJF vom 15. November
2012 sieht vor, dass die alte Materialseilbahn zurückzubauen und die
verbauten Flächen in den ursprünglichen Zustand zurückzuführen
seien. Es ist fraglich, ob das ANJF die Kompetenz hat, den Rückbau
im Rahmen einer naturschutzrechtlichen Bewilligung anzuordnen. Die
Frage kann jedoch offengelassen werden, da die Vorinstanz selbst mit
Verfügung 19. Juni 2019 den Rückbau der alten Seilbahn angeordnet
hat. Die Abbruchverfügung wurde nicht angefochten und ist deshalb in
Rechtskraft erwachsen. Damit liegt ein im Sinn von Art. 101 Abs. 1
VRP vollstreckbarer Sachentscheid vor. Die vorliegend angefochtene
Verfügung vom 2. April 2020 selbst bildet keinen Sachentscheid, da
mit Ziff. 1 – wonach die Seilbahn bis spätestens 31. Mai 2020 abzu-
brechen ist – lediglich eine letzte Frist angesetzt worden ist. Selbst
wenn Ziff. 1 eine neue Sachverfügung darstellen würde, ändert dies
nichts. Die genannte Ziffer wurde vom Rekurrenten im vorliegenden
Rekurs nicht angefochten und erwächst daher ebenfalls in Rechts-
kraft. Weiter zu prüfen ist somit, gegen wen die Sachverfügung im Voll-
streckungsverfahren durchgesetzt werden kann.
3.3 Die Zwangsmittel haben sich primär gegen diejenigen Personen
zu richten, die für den nicht rechtmässigen Zustand verantwortlich
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 89/2020), Seite 7/12
sind. Damit ist das Störerprinzip angesprochen, das sich aus dem Ver-
hältnismässigkeitsprinzip ergibt (M.LOOSER, a.a.O., N 23 zu Art. 105).
Aus dem Verhältnismässigkeitsprinzip ergibt sich, dass sich polizeili-
che Massnahmen nur gegen den Störer, nicht gegen bloss mittelbare
Verursacher des polizeiwidrigen Zustands richten dürfen. Das Störer-
prinzip beschränkt sich mit anderen Worten auf die Bestimmung des
Adressaten einer Wiederherstellungsverfügung. Rechtsprechung und
Lehre unterscheiden zwischen dem Verhaltens- und dem Zustands-
störer. Als Verhaltensstörer gilt, wer den Schaden oder die Gefahr
selbst oder durch das unter seiner Verantwortung erfolgende Verhal-
ten Dritter verursacht hat. Zustandsstörer hingegen ist bereits, wer
über die Sache, die den ordnungswidrigen Zustand bewirkt, rechtliche
oder tatsächliche Gewalt hat (Baudepartement SG, Juristische Mittei-
lungen 2006/IV/29). Häufig sind mehrere Personen Verhaltens- und/
oder Zustandsstörer. Es liegt im Ermessen der zuständigen Behörde,
ob sie in solchen Fällen als mögliche Verfügungsadressaten den Ver-
haltensstörer und/oder den Zustandsstörer nimmt. Aus praktischen
Gründen empfiehlt es sich, die Verfügung über die konkrete Wieder-
herstellungsmassnahme und die Androhung der Ersatzmassnahme
jeweils an sämtliche Störer und an sämtliche Verfügungsberechtigten
des fraglichen Grundstücks zu adressieren, damit die Wiederherstel-
lungsmassnahme auch umgesetzt und allenfalls mit einer Ersatzvor-
nahme zwangsweise vollstreckt werden kann. Vorausgesetzt ist näm-
lich, dass gegen den beanspruchten Störer zuvor eine Sachverfügung
resp. ein Sachentscheid ergangen ist (M.LOOSER, a.a.O., N 25 zu
Art. 105).
3.4 Die Abbruchverfügung vom 19. Juni 2019 war an den Rekurren-
ten und die Rekursgegner 1 und 2 adressiert, womit auch alle drei Ad-
ressaten der Abbruchverfügung sind. Ob sie auch tatsächlich Störer
sind und damit berechtigterweise als Adressaten hergezogen worden
sind, ist nicht weiter zu prüfen. Hierzu hätten die Beteiligten die Sach-
verfügung vom 19. Juni 2019 anfechten müssen. Damit gehören der
Rekurrent und die Rekursgegner 1 und 2 zu den Adressaten der Sach-
verfügung und damit auch zum Kreis der möglichen Verfügungsadres-
saten im Vollstreckungsverfahren. Die Rüge des Rekurrenten, er dürfe
im Rahmen des Vollstreckungsverfahrens nicht herangezogen wer-
den, ist daher unbegründet.
4.
Weiter macht der Rekurrent sinngemäss geltend, ihm gegenüber dürfe
die Ersatzvornahme nicht angedroht werden.
Bisher wurde nur geprüft, wer Adressat der Sachverfügung ist. Offen
ist aber, gegenüber welchem Adressaten die Sachverfügung im Rah-
men des Vollstreckungsverfahrens durchzusetzen ist. Wie bereits aus-
geführt, sind die Adressaten der Verfügungen des Vollstreckungsver-
fahrens durch den Kreis der Sachverfügungsadressaten determiniert.
Die Zahl der Personen kann im Stadium des Vollstreckungsverfahrens
nur noch verkleinert werden (C.ACKERMANN SCHWENDENER, Die klas-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 89/2020), Seite 8/12
sische Ersatzvornahme als Vollstreckungsmittel des Verwaltungs-
rechts, Zürich 2000, S. 143). Bei mehreren Störern können sowohl der
Verhaltens- als auch der Zustandsstörer alternativ oder kumulativ – im
Sinn einer Realleistungs- oder Duldungspflicht – zur Verantwortung
gezogen werden. Bei der Auswahl des Pflichtigen steht der zuständi-
gen Behörde ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Eine Behörde
kann gleichzeitig oder in zeitlicher Abfolge gegen mehrere Störer vor-
gehen (R.WIEDERKEHR/P.RICHLI, Praxis des allgemeinen Verwaltungs-
rechts – Band II, Bern 2014, Rz. 462).
Die Sachverfügung vom 19. Juni 2019 war zwar an den Rekurrenten
sowie die Rekursgegner 1 und 2 adressiert. Gemäss Ziff. 2 der er-
wähnten Verfügung wurde damals explizit nur der Rekursgegner 1 mit
dem Abbruch beauftragt. Davon ist die Vorinstanz mit Verfügung vom
2. April 2020 abgewichen und hat die Ersatzvornahme mit Kostenfol-
gen neben dem Rekursgegner 1 auch dem Rekurrenten angedroht.
Da die Vorinstanz gleichzeitig oder in zeitlicher Abfolge gegen meh-
rere Störer vorgehen kann, ist dieses Vorgehen nicht zu beanstanden.
Ein Ermessensfehler bei der Auswahl der beiden Adressaten liegt si-
cherlich nicht vor, zumal sich der Rekurrent wie auch der Rekursgeg-
ner 1 gegenüber der Gemeinde mit Vereinbarung vom 25. Juni 2019
zur Vornahme von bestimmten Rückbaumassnahmen bereit erklärt
haben. Dem Rekurrenten durfte somit ohne Weiteres die Ersatzvor-
nahme angedroht werden.
5.
Der Rekurrent stellt sich sodann auf den Standpunkt, dass ihm im Fall
der Ersatzvornahme keine Kosten auferlegt werden dürfen.
5.1 Die Ersatzvornahme ist das häufigste Zwangsmittel, soweit nicht
eine Geld- oder Sicherheitsleistung zu vollstrecken ist. Ersatzvor-
nahme bedeutet, dass der Staat oder ein von ihm beauftragter Dritter
eine vertretbare Handlung, die vom Pflichtigen nicht vorgenommen
wird, auf dessen Kosten verrichtet. Die Kosten der Ersatzvornahme
trägt der Adressat der Verfügung oder des Entscheids. Die Festset-
zung der Kosten erfolgt zumeist in einer selbstständig anfechtbaren
Kostenverfügung nach Durchführung der konkreten Vollstreckungs-
massnahme (CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St.Gallen – dargestellt an den Verfahren vor Verwaltungsgericht,
2. Aufl., St.Gallen 2003, Rz. 1257).
5.2 Gegenstand des vorliegenden Rekurses ist lediglich die Andro-
hung der Ersatzvornahme. Der Rekurrent ist Adressat der Sachverfü-
gung, weshalb ihm ohne Weiteres die Ersatzvornahme angedroht wer-
den durfte. Die Ersatzvornahme wurde im Sinn von Art. 105 Abs. 2
VRP korrekt angedroht und ist nicht zu beanstanden. Die Auferlegung
von Kosten ist jedoch nicht Verfahrensgegenstand. Zwar hat die
Vorinstanz den Rekurrenten darauf hingewiesen, dass ihm im Fall der
Ersatzvornahme Kosten überbunden werden. Was auch richtig ist, zu-
mal kostenpflichtig nur sein kann, wer als Adressat der Erfüllungsauf-
forderung und Androhung der Ersatzmassnahme nicht nachkommt.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 89/2020), Seite 9/12
Über die Auferlegung von Kosten hat die Vorinstanz jedoch erst zu
befinden, wenn es auch tatsächlich zu einer Ersatzvornahme kommen
sollte (GVP 2016 Nr. 126, Erw. 9b). Die Rüge des Rekurrenten ist so-
mit unbegründet.
6.
Als Zwischenfazit ist festzuhalten, dass der Rekurrent Adressat der
vollstreckbaren Abbruchverfügung ist und ihm daher auch die Ersatz-
vornahme angedroht werden durfte. Die diesbezüglichen Rügen er-
weisen sich als unbegründet.
7.
Weiter rügt der Rekurrent die Verletzung des rechtlichen Gehörs, da
die Ersatzvornahme ohne vorgängige Anhörung angedroht worden
sei.
7.1 Gemäss Art. 15 Abs. 2 VRP sind Verfügungen, die erheblich be-
lasten, nur zulässig, wenn die Betroffenen den wesentlichen Sachver-
halt kennen und Gelegenheit zur Stellungnahme hatten. Das Kriterium
"erheblich belastend" soll dabei eine gewisse Elastizität für eine effek-
tive Verwaltung schaffen. Sinn und Zweck des rechtlichen Gehörs im
Zusammenhang mit der Eröffnung einer Verfügung ist, dass der Be-
troffene nicht von einer hoheitlichen Anordnung getroffen wird, ohne
dass er sich vorgängig dazu respektive zum zugrundeliegenden Sach-
verhalt äussern und allenfalls bei der nötigen Sachverhaltsermittlung
mitwirken konnte (S.RIZVI/S.RISI, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.],
Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zü-
rich/St.Gallen 2020, N 34 zu Art. 15 – 17).
7.2 Die Sachverfügung vom 19. Juni 2019, wonach die alte Seilbahn
abgebrochen werden muss, ist bereits in Rechtskraft erwachsen. Die
Androhung der Ersatzvornahme stellt keinen neuen Eingriff in rechtlich
geschützte Güter des Rekurrenten dar, da dieser Eingriff bereits in der
Sachverfügung erfolgt ist. Mit der Androhung der Ersatzvornahme wird
lediglich das Vollstreckungsverfahren eingeleitet. Die Androhung der
Ersatzvornahme ermöglicht dem Rekurrenten den Entscheid, ob er die
ihm obliegende Leistung vornehmen oder unterlassen will. Damit stellt
die Androhung der Ersatzvornahme die eigentliche Gehörsgewährung
dar (VerwGE B 2013/181 vom 19. August 2014 Erw. 3.7; A.LOCHER,
Verwaltungsrechtliche Sanktionen, Zürich/Basel/Genf 2013, S. 54).
Der Vollständigkeit halber ist sodann anzumerken, dass in der Verein-
barung vom 25. Juni 2019 unter Ziff. 5 der Vollzug der Ersatzvornahme
ohnehin bereits in Aussicht gestellt worden war. Die Rüge, die Vo-
rinstanz habe das rechtliche Gehör verletzt, ist unbegründet.
8.
Schliesslich bringt der Rekurrent vor, dass aufgrund der Gehörsverlet-
zung auch die Auferlegung der Gebühr von Fr. 150.– unzulässig sei.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 89/2020), Seite 10/12
8.1 Wie dargelegt, hat die Vorinstanz den Anspruch auf rechtliches
Gehör nicht verletzt, so dass dies auch keinen Einfluss auf die Gebüh-
rentragung haben kann. Gemäss Art. 94 Abs. 1 VRP hat derjenige, der
eine Amtshandlung zum eigenen Vorteil oder durch sein Verhalten
veranlasst, die vorgeschriebene Gebühr zu entrichten. Als Verhaltens-
verursacher gilt, wer durch sein eigenes Verhalten oder das Verhalten
von Dritten, für die er mitverantwortlich ist, eine Amtshandlung veran-
lasst (R.VON RAPPARD-HIRT, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz
über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St.Gallen
2020, N 5 zu Art. 94).
8.2 In dem sich der Rekurrent bislang geweigert hat, die alte Seil-
bahn abzubrechen, musste die Vorinstanz das Vollstreckungsverfah-
ren einleiten. Durch sein Verhalten hat der Rekurrent den Erlass der
Verfügung veranlasst, weshalb ihm auch die entsprechenden Gebüh-
ren auferlegt werden können. Gemäss Nr. 50.24.08 des Gebührenta-
rifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung (sGS 821.5; abgekürzt
GebT) kann für Verfügungen auf Aufhebung des rechtswidrigen Zu-
stands eine Gebühr von Fr. 100.— bis Fr. 10'000.— erhoben werden.
Die Vorinstanz hat für die angefochtene Verfügung eine Gebühr von
Fr. 150.– erhoben. Dieser Betrag liegt im untersten Bereich des zuläs-
sigen Rahmens und kann damit nicht beanstandet werden. Die Rüge
erweist sich als unbegründet.
9.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die angedrohte Ersatzvornahme
auf einem vollstreckbaren Sachentscheid basiert, dessen Adressat der
Rekurrent ist. Die Androhung der Ersatzvornahme ist somit rechtmäs-
sig erfolgt. Weder hat die Vorinstanz den Anspruch auf rechtliches Ge-
hör verletzt, noch hat sie dem Rekurrent zu Unrecht Gebühren aufer-
legt. Der Rekurs erweist sich deshalb als unbegründet und ist abzu-
weisen.
10.
Nachdem der in Ziffer 1 der angefochtenen Verfügung genannte Wie-
derherstellungstermin bereits verstrichen ist, muss eine neue Frist
festgelegt werden. Die Vorinstanz hatte für die Wiederherstellung eine
knapp zweimonatige Frist bis 31. Mai 2020 festgesetzt. Der Rückbau
hat somit innerhalb von zwei Monaten nach Rechtskraft dieses Ent-
scheids zu erfolgen. Ziffer 1 der angefochtenen Verfügung ist entspre-
chend anzupassen.
11.
11.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung, sGS
821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die amtli-
chen Kosten dem Rekurrenten zu überbinden.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 89/2020), Seite 11/12
11.2 Der vom Rekurrenten am 24. April 2020 geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 1'800.– ist anzurechnen.
12.
Der Rekurrent stellt ein Begehren um Ersatz der ausseramtlichen Kos-
ten.
12.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
12.2 Da der Rekurrent mit seinen Anträgen unterliegt, hat er von
vornherein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung.
Sein Begehren ist deshalb abzuweisen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 89/2020), Seite 12/12