Decision ID: f3970d85-3be6-4629-abe4-12bb0bc5056d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961, von Mazedonien, ohne erlernten Beruf, lebt seit 1993 in der Schweiz, wo er seither verschiedenen Erwerbstätigkeiten nachging, zuletzt
seit 2008
im Rahmen von temporären
(saisonalen)
Anstellungen als
Hilfsdach
decker
bei der
Y._
AG
(Urk.
6/9)
. Im April 2013 meldete sich
X._
erstmals unter Hinweis auf einen
erlittenen
Unfall
und eine seit
Mai
2012 bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit bei der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
(Ur
k.
6/1)
. Nach getätigten Abklärungen
in erwerblicher wie medizinischer Hinsicht
und nachdem der Versicherte
nach absolviertem
Aufenthalt
i
n der Rehaklinik
Z._
(Urk. 6/12 S.
5)
seine Arbei
t
wieder in vollem Umfang
hatte aufnehmen können
(Urk.
6/
13
)
,
verneinte die
IV-Stelle mit Verfügung vom 25.
September 2013
man
gels Bestehens der einjährigen Wartezeit
einen Anspruc
h auf eine Invalidenrente (Urk.
6/17), welche Verfügung unangefochten blieb.
1.2
Im Dezember 2017 meldete sich der Versicherte
,
dessen Arbeitsstelle am
8.
Novem
ber 2017
per 3
0.
November 2017 gekündigt worden (
Urk.
6/24 S. 3) und
der von 1
7.
November bis 22.
November 2017 (
wegen
einer hype
rglykämischen Entglei
sung; Urk.
6/22 S. 4) im Kantonsspital
A._
hospitalisiert gewesen
war (Urk.
6/18),
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk.
6/19).
Die IV-Stelle
holte daraufhin einen hausärztlichen Bericht ein
(Urk.
6/25)
und erbat die
Akten der Krank
entaggeldversicherung
AXA
(
Urk.
6/
26 und
Urk.
6/38
)
.
A
m 3
1.
Mai 2018
teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass
aufgrund des Ge
sundheitszustandes
Eingliederungsmassnahmen
nicht
möglich seien (Urk.
6/31). Nach Einholung eines
hausärztlichen
Verlaufsbe
richts (Urk.
6/34) veranlasste
die IV-Stelle
am 2
2.
November 2018
eine poly
disziplinäre Abkl
ä
r
ung des Versi
cher
ten
, mit welcher sie das
Z
entr
um
B._
beauftragte
(
Urk.
6/45 und
Urk.
6/48
;
Gutachten
v
om
2
5.
April 2019;
Urk.
6/54).
Im Dezember 2018 wurde der Versicherte auch im Auftrag der Krankentag
geld
versicherung AXA abgeklärt (interdisziplinärer Bericht des Rehazentrums
C._
vom 2
1.
Dezember 2018;
Urk.
6/53).
Gestützt
auf das Gutachten des
B._
sowie die entsprechende Stellungnahme
ihres Regionalen Ä
rztlichen Dienstes (RAD
; Urk.
6/57
)
stellte
die IV-Stelle
dem Versicherten mit Vorbescheid vom
31.
Mai 2019 die Abweisung des Leist
ungsbegehrens in Aussicht (Urk.
6/58)
. Dagegen liess der Versicherte Einwand erheben (Urk.
6/59,
Urk.
6/64
)
und im Verlaufe des
Vorbescheidverfahrens
weitere
medizinische Berichte nac
hreichen (
Ur
k.
6/63,
Urk. 6/71, Urk.
6/75), welche d
ie IV-Stelle
abermals ihrem RAD vorlegte. G
estützt auf dessen
erneute Stellungnahme (Urk.
6/79)
hielt die IV-
Stelle
mit Verfügung vom 19.
November 2019 daran fest, dass kein Anspruch auf ei
ne Invalidenrente bestehe (Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
hierorts mit Eingabe vom 6.
Januar 2020
(Urk.
1)
Beschwerde erheben mit den Anträgen, es sei die angefochtene Verfügung aufzu
heben und die Sache sei zu ergänzenden medizinischen Abklärungen und zum Neuentscheid betreffend Anspruch auf Invalidenrente an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (1.), unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Be
schwerdegegnerin (2.
;
Urk.
1 S. 2
). Die IV-Stelle stellte mit Vernehmlassung vom
6.
Februar 2020 Antrag auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was dem Be
schwer
deführer am 1
0.
Februar 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in
ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend obje
k
tivierten Massstab
zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die angefochtene Verfügung
im Wesentlichen damit, die
getätigten Abklärungen hätten ergeben, dass der Versicherte seit
dem
17.
Novem
ber 2017 in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei.
Nach Ablauf des Warte
jahres per November 2018 sei er
gemäss Gut
a
chten des
B._
in der ange
stammten Tätigkeit als Hilfsarbeiter auf dem Bau zu 50
% arbeitsfähig, in einer den gesundheitlichen Einschränkunge
n optimal angepassten Tätigkeit
jedoch zu 100
% arbeitsfähig bzw
.
könnte bei voller Präsenz eine Leistung von 80
% erbringen.
E
s seien noch Tätigkeiten mit leichter bis knapp mittelschwerer Belas
tung in wechselnden Arbeitspositionen möglich. Der Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 22
%, weshalb kein Anspruch auf eine Inva
lidenrente bestehe. Daran vermöchten
weder die abweichend
e Beurteilung durch die Klinik
D._
noch
die
im Vorbescheidverfahren
eingereichten medizini
schen Berichte
etwas
zu ändern (
Urk.
2).
2.2
Dagegen lässt der Beschwerdeführer zur Hauptsache einwenden, dass sich trotz interdisziplinärer Begutachtung durch das
B._
kein genügend klares Bild hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit ergebe.
So
weiche
dieses
in psychiatrischer Hin
sicht von den behandelnden Ärzten ab und
bestehe
in rheumatologischer Hinsicht
eine Diskrepanz zur Beurteilung
der
Klinik
D._
sowohl
bezüglich der Arbeits
fähigkeit
in angestammter wie auch in einer leid
ensangepassten Tätigkeit. D
ie
für die
Beurteilung des IV-
Anspruchs unterschiedliche
medizinische Ei
ns
ch
ätzung
werde im Gutachten nicht geklärt. Daher und da nach dem Erlass des Vorbe
scheides auch Synkopen aufgetreten seien, deren Relevanz nicht geklärt sei, seien die Entscheidgrundlagen ungenügend und drängten sich weitere medizinische Abklärungen auf (
Urk.
1).
3.
3.1
Die Verfügung vom 25. September 2013, mit welcher die Verwaltung
mangels Erfüllens des Wartejahres
einen Anspruch auf eine Invalidenrente verneint hatte (Urk.
6/17),
stützte sich zur Hauptsache auf den Bericht der damaligen Hausärztin Dr. med.
E._
vom 15. Juli 2013, in welchem diese – soweit leserlich – mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach Sturz von der Leiter von ca. 2 Metern Höhe auf den Boden auf eine Eisenplatte
mit persistierendem
cervicocephalem
Syndrom sowie einen reaktiven depressiven Zustand (Unfall
reaktion) diagnostiziert und den Versicherten vom 5. Juni 2012 bis zum 31. Mai 2013 als vollständig arbeitsunfähig und danach ab 1. Juni 2013 wieder als voll
ständig arbeitsfähig bezeichnet hatte (Urk. 6/12 S. 1 ff.). Dem Bericht lag der Austrittsbericht der Rehaklinik
Z._
vom 24. April 2013 bei, in welchem die verantwortlich zeichnenden Ärzte gestützt auf den Aufenthalt des Versicherten vom 26. März bis 25. April 2013 eine mittelgradige depressive Episode (F32.1), ein chronisches
cervi
kocephales
Schmerzsyndrom, ein
t
horakospondylogenes
Schmerzsyndrom, Polyart
hr
algien bei szintigrafisch nicht nachweisbarer Entzün
dung, eine arterielle Hypertonie, einen Status nach hypertensiver Entgleisung am 8. Februar 2013, sowie einen Diabetes Mellitus Typ 2 diagnostiziert und den Ver
sicherten bei im Vordergrund stehender psychopathologischer Symptomatik als aktuell 100 % arbeitsunfähig bezeichnet hatten (Urk. 6/12 S. 5 ff.).
3.2
Hausärztin
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, stellte in ihrem Bericht an die IV-Stelle vom 2
4.
Januar 2018 die folgenden Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
6/25)
:
-
Chronisches
cervicocephales
Schmerzsy
nd
rom seit Unfall vom 5.6.2012,
-
Thorakospondylogenes
Schmerzsyndrom
(
seit Unfallereignis 2012
)
-
Polyarthralgien, s
zint
igraphisch
(02.02.2017) keine Entzündung
nach
weisbar
-
Gewichtsabnahme vermutlich multifaktoriell im Rahmen
der
Depression und entgleistem Diabetes Mellitus
Sie gab im Wesentlichen
an, seit dem 1
7.
November 2017 bestehe
bis auf Weiteres
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
In
körperlicher
Hinsicht
wäre eine
leichte
Arbeit zu ca
.
50
% zumutbar,
aufgrund
der kognitiv psychiatrischen
Situation
sei eine Arbeitsleistung nicht zumutbar. Der Patient sei zur weiteren Beurteilung und The
rapieempfehlung
bei
der rheumatologischen Klinik des Kantonsspitals
A._
angemeldet
. Zudem soll
e
eine psychiatrische Beurteilung im
G._
stattfinden
. Die aktuelle Situati
o
n habe sich im Vergleich zu 2013 kaum verän
dert.
In ihrem
Verlaufsbericht vom 1
6.
September 2018
(
Urk.
6/34)
bezeichnete
Dr.
F._
den Gesundheitszustand als stationär und stellte
– unter
Hinweis auf
beigelegte
Unterlagen des behandelnden
A._
-
die folgenden (Haupt-)Diag
nosen
(
Urk.
6/34
S.
4 f
.
)
:
1.
Hochgradiger Verdacht einer sekundären Fibromyalgie bei degene
ra
ti
ven Veränderungen und Vitamin D-Mangel
, DD DISH
2.
Mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (
G._
seit 12/17).
3.
Status nach mittelschwerem Vitamin D-Mangel 02/2018
4.
Verdacht auf S
mall
Fibre
Polyneuropathie
(Neurologie
A._
06/18)
5.
Gewichtsverlust und Nachtschweiss
6.
Upper
airway
cough
Syndrom Pneumologie
A._
Sie gab im Wesentlichen an, wie den beil
i
egenden Berichten der Rheumatologie entnommen werden könne, seien diverse Infiltrationen
(Schulter, Hüfte, ISG)
durchgeführt
worden, welche keinen anhaltenden Effekt oder Symptomlinderung gebracht hätten. Während der ganzen Zeit sei er
in
physiotherape
utischer Be
handlung gestanden, was ebenf
alls keinen wesentlichen Erfolg
gezeigt habe. Neu
rologisch sei ein unauffälliger klinischer und elektrophysiologischer Befund erho
ben worden
, differentialdiagnostisch sei von einer Small
Fibre
Polyneuropathie und zusätzlich einer leichtgradigen diabetische
n
Polyneuropathie ausgegangen worden
. Auch die vor
dem Hintergrund einer früheren TBC Behandlu
n
g
erfolgte pneumologische Abklärung habe keine wegweisenden Befunde ergeben,
ebensowenig
die im Hinblick auf die Gewichtsabnahme erfolgte Koloskopie. Ein aufgrund einmalig isoliert erhöhter ALAT Werte erfolgter
Fibroscan
habe An
zeichen einer diffusen Hepatopa
th
ie bei deutlich
er
Steatose und Zeichen
einer
mittelgradigen Fibrose unklarer Ätiologie ergeben, aktuell lägen die Werte im Normbereich. Bezüglich Gewichtsabnahme könne seit der Erstkonsultation bei ihr (
Dr.
F._
) ein konstantes Gewicht dokumentiert werden
.
Die ambulante Psy
chotherapie im
G._
werde regelmässig fortgesetzt, dort fänden Konsultationen 1-2 x monatlich statt. Zu ihr (
Dr.
F._
) in die Praxis komme der Versicherte alle 2-3 Monate.
Zur Arbeitsfähigkeit gab sie an, aus körperlicher Sicht wäre eine leichte Arbeit zu ca
.
40
%
(ca. 3 Stunden pro Tag)
vorstellbar. Jedoch sei aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsleistung zum
utbar.
Aufgrund der Therapieresistenz der Beschwerden tr
otz diverser Massnahmen und Abk
l
ä
rungen sei d
ie Prognose sehr schlecht (Urk.
6/34)
.
3.3
Am 18.
Dezember 2018 wurde der Versicherte im Auftrag des Krankentaggeld
ver
sicherers AXA
Winterthur
im Rehazentrum
C._
ambulant internistisch, rheu
matologisch, psychiatrisch und ergonomisch abgeklärt und unters
ucht. In seinem Bericht vom 21.
Dezember 2018 zuhanden des vertrauensärztlichen Dienstes
der
AXA
stellte der verantwortlich zeichnende Chefarzt
Dr.
med.
H._
, Facharzt
FMH
für Innere Medizin
,
Rheumatologie
sowie Physikalische Medizin und Rehabilitation
,
die folgenden Diagnosen
(Urk. 6/51/
8)
:
1.
Chronisches unspezifisches generalisiertes Schmerzsyndrom
-
W
ahrscheinlich am ehesten im Sinne eines sekundären chronischen Weich
-
teilrheumatismus
bei degenerativer Skeletterkrankung
-
ICD-10 R52.2
2.
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
-
Phänomenologisch einer leichten depressiven Episode entsprechend
-
In Verbindung mit möglicherweise bestehenden psychologischen
Wirk
faktoren als krankheits- und rehabilitationsbeeinflussende Gröss
en
-
ICD-10 F63.21
3.
Diabetes Mellitus Typ II
-
ICD-10 E11.90
Gestützt auf die Befunde in den einzelnen Abklärungsberichten der einzelnen Diszipl
inen hielt
Dr.
H._
zu den gesundheitsbedingten Einschränkungen
sowie zur Arbeitsfähigkeit schlussfolgernd fest, infolge der chronischen Be
schw
er
desymptomatik und in Verbindung mit dem psychiatrischen Leiden be
stehe für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die in der Eva
luation der funktionellen Leistungsfähigkeit beobachtete körperliche Belastbar
keit habe im Bereich einer sehr leichten Tätigkeit gelegen. Sie liege damit deutlich unter den Belastungsanforderungen der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Dach
deckerhilfsarbeiter. Eine behinderungsadaptierte leichte und wechselbelastende
Tätigkeit mit maximalem Hantieren von Lasten selten bis maximal 10 kg er
scheine aus interdisziplinärer Sicht jedoch in einem 50
% Pensum möglich. Diese 50%ige Arbeitsfähigkeit könnte der Versicherte ganztags mit zusätzlichen Pausen über den Tag verteilt verwerten. Es sei aufgrund der beobachteten zunehmenden
Bewegungsapparatschmerzen
aufgrund der Kumulation verschiedenster Belas
tungsfaktoren nicht davon auszugehen, dass bei einer ganztägigen Arbeitsplatz
präsenz über die ganze Zeit die volle Leistung erbracht werden könnte. Die aktuelle Behandlung erscheine aus interdisziplinärer Sicht adäquat und sollte einzig im Rahmen der Physiotherapie durch eine regelmässige medizinische Trai
ningstherapie ergänzt werden. So wie sie den Patienten im Rahmen der interdis
ziplinären Abklärungen erlebt hätten, erscheine die Prognose ungünstig
(
Urk.
6/51
/8-9
).
In der ergonomischen Abklärung der arbeitsbezogenen funktionellen Belastbar
keit hielt der verantwortlich
zeichnende
Ergonome
in seinen
Schlussfolgerungen
fest, die standardisierte
Bewertun
g der Bereiche
«
Beschreibung von Schmerz und Einschränkungen
»
,
«
Schmerzverhalten
»
,
«
Leistungsverhalten
»
und
«
Konsistenz
»
h
abe
eine
erhebliche Symptomausweitung
ergeben.
Infolge beobachteter erheb
licher Symptomausweitung seien die Resultate der physischen Leistungstest
s
für die Beurteilung der zumutbaren Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. Es sei davon auszugehen, dass bei gutem
Effort
eine bessere Leistung erbracht werden könnte als bei den Leistungstests gezeigt. Die anzunehmende höhere Belastbarkeit entspreche einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit, zeitlich ganztags mit Reduktion der Arbeitsbelastung pro Tag in Form von vermehrten Pausen über
den Tag verteilt von drei Stunden.
Die gezeigte Belastbarkeit liege deutlich unter den Belastungsanforderungen als Dachdeckerhilfsarbeit
er (
Urk.
6/51 S. 12)
.
3.4
3.4.1
Im Februar 2019 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle durch das
B._
polydiszi
p
l
inär (p
sychiatrisch, rheumatologisch, n
eurologisch, internistisch) unter
sucht.
In ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung stellten
die verantwortlichen Fachä
rzte
die folgenden Diagnosen (
Urk.
6/54 S. 6
):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit)
1.
Dysthymie (F34.1)
2.
Spondylarthrose der Lendenwirbelsäule
3.
Beginnende Omarthrose und AC-Gelenksarthrose links
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit)
1.
Fibromyalgieformes
Schmerzbild
rumpfbetont, bei chronischer
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41)
2.
Verdacht auf beginnende Koxarthrose
3.
Hyperkyphose der Brustwirbelsäule
4.
Diabetes mellitus Typ 2, oral eingestellt
5.
Leichte, vermutlich diabetische Polyneuropathie
6.
Arterielle Hypertonie
7.
Sinustachykardie bei V.a.
hy
perkinetisches Herzsyndrom
8.
Refluxösophagitis
3.4.2
Der psychiatrische Fach
gutachter
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
sowie Facharzt für Neurologie
, hielt
in seinem Teilgutachten vom 1
8.
April 2019
fest, der Versicherte schildere anlässlich der psychiatrischen Be
gutachtung im Vordergrund stehende Schmerzen im Stütz- und Bewegungs
apparat, insbesondere im Schultergürtel, Nacken-Hinterkopf-Schmerzen, Schmer
zen aber auch in den Hüftgelenken sowie in den Beinen, Kniegelenken und in
den Armen, sowie eine Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit der rechten Hand
. Darüber
hinaus schildere
er
einzelne Merkmale einer depressiven Erkrankung. Deren Ausprägungsgrad sei aber gering. Insgesamt sei eher von einer
dysthymen
Störung auszugehen, damit einhergehend bestehe auc
h eine vermehrt nach innen geri
c
h
tete Selbstwahrnehmung mit verstärkt
er
dysfunktionaler Verarbeitung kö
r
perbezogener Beschwerden. Der Ausprägungsgrad der von der versicherten Person beklagten Schmerzen am Stütz- und Bewegungsapparat sei nicht hinlän
glich durch somatische Befunde
erklärbar. Mit Blick auf die psychosozialen Belas
tungsfaktoren, welche nach Schilderung der versicherten Person vorlägen, müsse davon ausgegangen werden, dass eine chronische Schmerzstörung mit somati
schen und psychisch
en Faktoren vorliege (F45.41). Eine w
esentliche Beeinträch
tigung psychischer Grundfunktionen resultiere daraus
jedoch
nicht. Zusammen
fassend lasse sich aus psychiatrischer Sicht festhalten
,
dass lediglich die
Dys
thymia
(F34.1) mit zahlreichen lebensbiograp
hischen Zuflüssen eine geringe
Belastu
ng der Arbeitsfähigkeit bedinge;
aus
d
er begleitenden Schmerzstörung resultiere keine weitere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(S. 32 f.)
.
Aufgrund der affektiven,
dysthymen
Störung mit daraus resultierender Affektregula
tions
störung sowie vermehrt
nach
innen gerichteter Selbstwahrnehmung und dys
funktionaler Verarbeitung körperbezogener Beschwerden resultiere in der bis
herigen Tätigkeit eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 20
%
bzw
. eine
Arbeitsfähigkeit von 80
%
(S. 35)
.
Auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe eine Einschränkung der Leistung von 20
%, dies aufgrund der dysfunktionalen Schmerz
-
und Symptomverarbeitung vor dem Hintergrund der
dysthymen
Störung und rheumatologisch objektivierter, degenerativer Veränderungen am Stütz- und Bewegungsapparat.
Retrospektiv könne keine höhere Arbeitsun
fähig
keit attestiert werden
(S. 36)
. Unter einer fortgesetzten
,
gegebenenfalls
auch noch
intensivierten psychiatrisch-psychotherapeutischen Fachbehandlung einschlies
s
lich
kontrollierter Psychopharmakother
a
pie sollte aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von 100
% innert Jahr
esfrist erreicht werden können; etwaige Limitierungen bestünden sodann
nur noch aus soma
ti
scher Sicht
(Urk.
6/54 S. 34
)
.
3.4.3
Der rheumatologische Gutachter
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Rheumatologie sowie Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
diagnos
ti
zierte
in seinem Teilgut
achten vom 2
7.
Februar 2019
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Spondylarthrose der Lendenwirbelsäule sowie eine beginnende Omarthrose und AC-Gelenksarthrose links, als ohne Au
sw
i
r
kung auf
d
ie Arbeitsfähigkei
t
ein
f
ibromy
algi
e
formes
Schmerzbild rumpfbetont, anamnestisch
small-Fibre
Neuro
pathie, einen Verdacht auf eine beginnende Koxarthrose sowie eine Hyper
ky
phose der Brustwirbelsäule
(S.
46)
.
Objektiv sei aus rheumatologischer Sicht keine verbindliche funktionelle Einschränkung vorhanden, der Bewegungsapparat des Versicherten sei weitgehend
intakt, wenn auch nicht ohne gewisse lokale degenerative Veränderungen. Tätigkeiten mit leichter bis knapp mittelschwerer Belastungsgrösse mit wechselnden Arbeitspositionen erschienen grundsätzlich zumutbar, was auch in den gut abgestützten Berichten der Klinik
D._
12/2018 zum Ausdruck komme; hinderlich für die dabei geforderte übliche Belastbarkeit könnte ei
nzig die subjektiv stark gestei
gerte Schmerzempfindung und verminderte L
eistungsbereitschaft des Versich
erten darstellen. Mit Sicherheit sei
der Versicherte in der
bisherige
n
Tätigkeit
als
Flachdachisoleur
durch den Um
gang mit sehr schwerem Arbeitsmaterial doch zumindest in der Leistu
n
gs
fähig
keit massiv beeinträchtig
t
; der Versicherte sei teilweise auf die Mithilfe durch Arbeitskollegen angewiesen.
Zusammenfassend hielt
d
er
rheumatologische Ex
perte
fest, ein banales Kontusionstrauma des Nackens habe im Sommer 2012 eine Kaskade von sich ausweitenden therapeutisch unbeeinflussbaren Schmerzen aus
gelöst, die einen chronischen, weitgehend nicht strukturell oder funktionell begründbaren Charakter angenommen hätten, abgesehen von einzelnen lokalen Degenerationsprozessen, welche für die bisherige Tätigkeit eine teilweise Ein
schränkung bedingten.
In der b
i
s
herigen Tätigkeit bestehe
(von 6/20
12 bis 1.6.2013 und danach erneut ab 17.
November 2017) eine Arbeitsfähigkeit von 50
%,
in einer angepassten Tätigkeit mit Möglichkeit des Positionswechsels, ohne anhaltende sitzende Position sowie ohne ausgedehnte Gehanforderung bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
% (
Urk.
6/54 S. 48
f.
).
3.4.4
In seinem neurologischen Teilgutachten vom 1
5.
April 2019 stellte
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Neurologie, keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, sowie
als
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte, vermutlich diabetische Polyneuropathie. Er gab im Wesentlichen an, die vom Versicherten geklagten ubiquitären Schmerzen würden sich aufgrund ihrer Cha
ra
kteristika sowie
eines
weitestgehend normalen Untersuchungsbefunds nicht als Ausdruck einer neurologischen Erkrankung erklären. Leichte Sensibilitäts
störun
gen und der neurophysiologische Befund würden für eine angesichts des Diabetes mellitus II
diabe
togene
Polyneuropathie sprechen.
Eine Relevanz für die Arbeits
fähigkeit bestehe nicht
(S. 58)
bzw. d
er Versicherte könne alle Tätigkeiten ent
sprechend seinen Fähigkeiten ausüben
,
sofern dies
e
keine besonderen Anforde
run
gen an eine sehr sichere Steh- und Gehfähigkeit beinhalte
n
oder nicht auf Leitern und Gerüsten auszuüben seien
(Urk.
6/54 S.
60
).
3.4.5
Auch
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, stellte i
m inter
nisti
schen Teilgutachten vom 7.
April
2019 keine Diagnose mit Auswirk
ung auf die Arbeitsfähigkeit, als ohne Auswirkung auf die Arbei
tsfähigkeit nannte er
einen Diabetes mellitus Typ 2, oral eingestellt, eine arterielle Hypertonie
, eine Sinustachykardie bei Verdacht auf
hyperkinetisches Herzsyndrom sowie eine
Refluxösophagitis
(S.
70)
. Er gab im Wesentlichen an
,
anlässlich der Untersuchung
hätten
sich erhöhte Blutdruckwerte sowie ein erhöhter Puls
gefunden
, welche Auffälligkeit im Rahmen der gutachterlichen Situation oder
auch
eines hyper
kinetischen
Herzsy
n
drom
s
stehen könnte und nach weiterer Abklärung
gegebe
nenfalls
medikamentös behandelt werden müsse. Die
gastroösophageale
Reflux
krankheit werde leitliniengerecht behandelt, die diabetische Stoffwechsellage sei suboptimal. Die Arbeitsfähigkeit werde aus intern
i
stischer Sicht nicht beeinflusst
(
Urk.
6/54 S
.
70
f.
).
3.4.6
In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung
(Konsensbeurteilung)
führten die Gut
achter aus
, die
Dysthymia
führe zu einer leichten Einschränkung der Affekt
regulation sowie zu einer vermehrt nach innen gerichteten Selbstwahrnehmung mit einer dysfunktionalen Wahrnehmung und Verarbeitung anhaltender Schmer
zen. Als organischer Kern für die angegebenen Schmerzen l
ie
sse
n
sich eine Spondylarthrose der Lendenwirbelsäule und eine beginnende Omarthrose und AC-Gelenkarthrose links ausmachen. Daraus resultierten eine Minderbelast
bar
keit des Schultergürtels, eine schmerzhafte Einschränkung der Schultergelenksbe
weglichkeit links sowie eine Beeinträchtigung der Belastbarkeit der Lenden
wirbelsäule. Die diabetische Neuropathie sei schlussendlich unter den Diagnosen ohne Relevanz
für die letzte Tätigkeit subsum
iert worden, weil nur qualitative Einschränkungen im Belastbarkeitsprofil vorlägen, der Versicherte am letzten Arbeitsplatz aber nur auf Flachdächern in gesicherten Positionen tätig gewesen sei. Gesamthaft resultiere in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%,
und zwar von Juni 2012 bis
1.
Juni 20
13 und danach ab 1
7.
November 20
1
7.
I
n einer leidensangepassten Tätigkeit
bestehe seit
dem
17.
November 2017
eine
Arbeitsfähigkeit von 80
%.
Tätigkeiten leichter bis knapp mittelschwerer
Belastungsgrösse in wechselnden Arbeitspositionen seien grundsätzlich zumut
bar, auch aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte in der Lage, sämtliche
seinem Ausbildungs- und Kenntnisstand angepassten Tätigkeiten, die auch seinem
körperlichen Belastbarkeitsprofil entsprächen, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verrichten.
Es liege eine
Überschneidung
von rheumatologisch begründeter Arbeitsunfähigkeit bei degenerativen Veränderungen einerseits sowie einer
dys
thymen
Störung mit dysfunktionaler Schmerzverarbeitung andererseits vor.
Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sei massgeb
lich durch die Gesundheit
sstörungen auf rheumatologischem
Fachgebiet be
din
gt, die in einer adaptierten Tätigkeit hauptsächlich durch psychiatrische Beein
träch
tigungen bestimmt. Eine Addition oder sogar Potenzierung der Arbeitsfähigkeiten bestehe nicht (
Urk.
6/54 S. 6 ff.).
3.5
Im provisorischen Austrittsberi
c
ht des Kantonsspitals
A._
vom 5.
August 2019 über die Hospitalisation des Versicherten vom
4.
b
is
5.
August
2019
im Notfallzentrum
diagnostizierten die
verantwortlich zeichnenden
Ärzt
innen
eine
–
bei
nächtlichem Sturz erlittene -
leichte tra
umatische Hirnverletzung vom 4.
August
2019 bei Verdacht
auf eine kleine Kontusionsblutung
frontobasal
Gyrus frontalis inferior links, differentialdiagnostisch
bei fehlender angrenzender Weichteilkontusionsmarke lediglich
einen
Aufhärtungsartefakt
, eine
Nasenbein
fraktur, einen Diabetes Mellitus
Typ II
sowie eine arterielle Hy
p
ertonie. Die Aufnahme sei über den Notfall zur neurologischen
Überwachung erfolgt.
Diese habe sich stets unauffäll
ig gestaltet, weshalb der Patient am
5.
August 2019 in gebessertem Zustand nach Hause entlassen worden sei
. Vom
4.
bis 1
1.
August 2019 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
6/63).
3.6
Dr.
H._
vom Rehazentrum
C._
hielt gestützt auf seine erneute Unter
suchung des Versicherten vom 1
9.
August 2019
am
20. August 2019
zuhanden der
Hausärztin
Dr.
F._
im Wesentlichen
fest,
verglichen mit der Untersu
chung vom Dezember 2018
habe
keine Befundänderung festgestellt werden können. Im Anschluss an das Unfallereignis von anfangs August 2019 sei es zu einer vorübergehenden Verschlechterung der Schmerzsituation im Bereich der Halswirbelsäule gekommen, wahrscheinlich bedingt du
r
ch eine vermehrte Hyper
extens
i
on der Halswirbelsäule beim Sturz aufs Mittelgesicht. Er gehe jedoch davon aus, dass sich diese Schmerzhaftigkeit über die
f
olgenden Wochen wieder auf das v
orbest
e
h
end bekannte Niveau reduzieren
w
e
rde.
Entsprechend bestehe eigentlich auch keine Veränderung der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung. In Kenntnis der Resultate der ergonomischen Abklärungen sei dem Patienten weiterhin ein
e
leichte wechselbelastende Tätigkeit mit Hantieren von Lasten selten bis maximal 10 kg mit vermehrten Pausen über den Tag verteilt von drei bis vier Stunden möglich (
Urk.
6/71).
3.7
Im Kurzaustrittsbericht des
A._
vom 2
4.
Oktober
2019
(Urk. 6/76)
, wo der Ver
sicherte vom
1
9.
bis 2
4.
Oktober 2019 stationär behandelt worden war, diagnosti
zierten
die verantwortlich zeichnenden Ärzte
– neben den bekannten Diagnosen – zweimalige unklar
e Synkopen am
4.
August und
19
.
Oktober 2019,
aktuell Syn
kope bei Miktion. Nach durchgeführten
diversen Abklärungen wurde dem Versi
cherten
am
2
3.
Oktober 2019 ein
Reveal
-Recorder
implantiert
und ein ambulanter kardiologischer Sprechstundentermin
am 1
6.
Dezember 2019
zur erstmaligen Auslesung desselben
vereinbart
.
Von 1
9.
Oktober bis 2
6.
Oktober 2019 wurde eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Urk.
6/75/4
).
4.
4.1
Die IV-Stelle
legte der Beurteilung des
neuen
Leistungsgesuches das Gutachten des
B._
zugrunde, was nicht zu beanstanden ist. So
umfasst
das Gutachten
die Fachdisziplinen
Psychiatrie, Rheumatologie, Neurologie und
Innere Me
dizin,
wo
bei es für die zu beurtei
lenden Fragen umfassend
ist. Die
Ärzte erstellten das Gutachten in Kenntnis der
Vorakten
und
berücksichtigten die geklagten Be
schwerden und das Verhalten des Beschwerdeführers in angemessener Weise
.
Die Beurteilung leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein
und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeits
fähigkeit werden begründet. Das Gutachten erfüllt damit die
praxisgemässen
Kriterien (vorstehend E. 1.
5
)
weitestgehend (vgl. E. 4.
4
hienach)
, so dass für die Entscheidfindung darauf abgestellt werden kann.
4.2
I
n
somatischer Hinsicht
wurde
nachvollziehbar dar
gelegt
,
dass
der Versicherte
aus internistischer Sicht nicht und
aus neurologischer
nur
geringfügig (qualitativ)
in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, er jedoch
in rheumatologischer Hinsicht
an
degenerativen Erkrankungen am Bewegungsapparat
leidet
,
infolge welcher er
in der Beweglichkeit
und Belastbarkeit
eingeschränkt ist
(so die Befunde an
lässlich der rheumatologischen Untersuchung;
Urk.
6/54 S. 44)
. Nachvollzogen werden kann
aber
auch
, dass
–
aufgrund der
erhobenen
Druckdolenz
en
und Schmerzangaben
–
eine
fibromyal
g
i
e
forme
Erkrankung
di
agnos
ti
ziert worden ist
,
wie auch, dass der rheumatologische Experte
vor dem Hintergrund der
vom ihm als recht diffus und ausgedehnt bezeichneten Schmerzangaben
(
Urk.
6/54 S. 47)
von
der
Mitbeteiligung von
psyc
hogenen Faktoren in der Empfindungs
verar
b
eitung des Schmerzes
a
usging.
Die
somatischen
Diagnosen
– im Wesentlichen eine Spondylarthrose der Lendenwirbelsäule sowie eine beginnende Omarthrose und AC-Gelenksarthrose links (E. 3.4.1) -
als solche
sind
denn auch unbestritten.
Soweit in
der
Beschwerde
in somatischer Hinsicht
vor allem beanstandet
wird
, dass die
rh
e
umatol
o
gi
s
che
Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung
im Gutachten des
B._
verglichen mit derjenigen im Gutachten
des Rehazentrums
C._
unter
schiedlich ausgefallen
und
der Unterschied
im Gutachten nicht geklärt
worden
sei
,
vermag
diese Kritik
die Beweiskraft des Gutachtens nicht in Frage zu stellen.
So
hatte
der rheumatologi
s
che Experte
– ausgehend von einem chronischen unspezifischen generalisierten Schmerzsyndrom -
ausgeführt
, Tätigkeiten leichter bis knapp mittelschwerer Belastungsgrösse m
it we
chselnden Arbeitspositionen erschienen grundsätzlich zumutbar, was auch in den gut abgestützten Berichten der
Klinik
D._
12/2018 zum Ausdruck gelange;
h
inderlich
für die dabei ge
forderte übl
i
c
he Belastbarkeit könnte ein
zig die subje
k
ti
v stark gesteigerte Schmerzemp
f
indung und v
erminderte Leistungsbereitschaft
des Versicherten
sein
(
E.
3.4.3 hievor
)
.
Damit nahm der Gutachter Bezug auf die ergonomische Abklä
rung im Rehazentrum
C._
und
ergibt sich
ohne W
eiteres
,
dass die
(
höhere
)
Arbeitsfähigkeitseinschätzung im Gutachten des
B._
Folge
einer anderen
Würdigung
des
Verhaltens ist, welches der Versicherte anlässlich
der
ergonomi
schen
Abklärung
gezeigt
hatte
,
wo
eine erhebliche Symptomausweitung bei u.a. nicht adäquatem Schmerzverhalten, schlechtem Leistungsverhalten
und
schlech
ter Konsistenz
festgestellt worden war
(
E.
3.3 hievor sowie
Urk.
6/54 S. 114 ff.).
Hinzu kommt, dass die im Rahmen der ergonomischen Abklärung erhobenen Resultate der physischen Leistungstests für die Beurteilung der Belastbarkeit nur teilweise verwertbar waren und die als zumutbar erachtete Belastbarkeit von drei Stunden täglich lediglich auf einer Annahme beruhte (E. 3.3).
Aber auch soweit
der Bes
c
hwerdeführer in somatischer Hinsicht auf die
-
nach Ergehen des Gut
achtens
-
zweimalig aufgetreten
en
Synkopen verweist,
stellt dies die Beurteilung gemäss Gutachten
des
B._
nicht
nachträglich
in Frage. G
emäss Austrittsb
ericht des
A._
vom 24.
Oktober 2019
ergaben sich
im Rahmen
der
zwischen dem 1
9.
und 2
4
.
Oktober 2019
im
A._
durchgeführten
zahlreichen
Abklärungen
weitestgehend
unauffällige
Befunde (
Urk.
6/76
S. 1
) und macht auch der Be
schwerdeführer
beschwerdeweise
nicht geltend, dass die weiteren Abklärungen (mittels
Reveal
-Recorder) eine neue gesundheitliche Problematik zutage gefördert
hätte
n
.
Daher und da die Ärzte des
A._
jeweils
lediglich eine
kurze
Arbeits
unfähigkeit
attestiert hatten (von
4.
bis 1
1.
August 2019 [E. 3.5] bzw.
von 1
9.
b
is
2
6.
Oktober 2019
[E.
3.7])
,
bestehen keine Hinweise darauf
, dass
die
erlittenen
Synkopen
(oder eine
hiefür
allfällig ursächliche Erkrankung)
eine dauerhafte gesundheitliche Einschränkung zur Folge hätten
(vgl. auch RAD-Beurteilung vom 14. Mai 2019, Urk. 7/79 S. 7). Gleiches gilt auch für die im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 4. August 2019 geltend gemachten Beschwerden. Dies
bezüglich hielt auch Dr.
H._
nach erneuter Untersuchung vom
19. August 2019 fest, dass sich im Vergleich zur Untersuchung vom Dezember 2018 keine Befundänderung feststellen lasse (E.
3.6; vgl. auch RAD-Beurteilung vom 2.
September 2019, Urk. 7/79 S. 5).
4.3
Der psychiatrische Experte diagnostizierte
als mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
eine Dysthymie
, was
er damit begründete, dass der Versicherte
lediglich leichte Einschränkungen der psychischen Grundfunktionen zeige
, was vor dem H
intergrund der anl
ässlich der
psychiatrischen
Untersuchung erhobenen
-
wenig ausgeprägten
-
psycho
pathologisch
en
Befunde
(Urk. 6/54 S. 30 ff.)
zu überzeugen vermag.
So hielt d
er psychiatrische Gutachter fest, dass der Versicherte zwar psychomotorisch matt und schwunglos wirke und wenig Elan zeige. Gestik und Mimik seien jedoch insgesamt angemessen und unterstrichen Stimmung und Affekt
synthym
. Eine depressive Hemmung der Psychomotorik liege nicht vor. Zur Affektivität hielt er fest, in der emotionalen affektiven Schwingungsfähigkeit wirke der Versicherte über Strecken eingeengt, in der Affektlage besorgt, be
drückt, aber in der Grundstimmung nicht durchgehend depressiv, im Verlauf gelinge
es
dem Versicherten vorübergehend auch
,
zum positiven Pol mitzu
schwingen (vgl.
Urk.
6/54 S. 31).
Soweit in d
er Beschwerde beansta
nde
t wird, d
ie psychiatrische Einschätzung w
eiche von der
jenigen der behandelnden Ärzte (
G._
) ab, welche in ihrem Bericht vom 25.
April 2018 von einer mittelgradigen Depression und einer Arbeits
fähig
keit
von 50 % ausgegangen seien (vgl.
Urk.
6/54 S.
17
),
vermag dies die psychia
trische Beurteilung nicht in Frage zu stellen.
Zum einen sind leichte Schwan
kungen im Verlauf nicht auszuschliessen, wobei für den Rentenanspruch die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit nach der (bestandenen) Warte
zeit ausschlagge
bend ist (E. 1.3
hievor).
Diesbezüglich ist
festzustellen, dass
auch
der begut
ach
tende Psychiater de
s
Reha
zentrums
C._
– auf dessen Ausführungen der psy
chiatrische Experte des
B._
denn auch verwies (
Urk.
6/54 S. 34)
–
im Dezember 2018
nur
eine leichte Symptomatik feststellte, indem er
von einer Anpassungs
störung mit längerer depressiver Reaktion ausging, welche er phänomenologisch am ehesten als leichte depressive Episode einordnete, und er als Diffe
re
ntial
diag
nose ebenfalls eine Dysthymie stellte (Ur
k. 6/51 S. 3). Auch gab er
an, es sei von einer Arbeitsfähigkeit von «mindestens» 50 % auszugehen, welche im Falle einer Erwerbsaufnahme in 3-4 Wochen überwiegend wahrscheinlich auf 80 % steiger
bar sei (bzw. Einschränkung von 20
%;
Urk.
6/54 S. 105
).
Anzumerken ist aber auch, dass
die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen
kann
und dem medizinischen Sachverständigen praktisch immer einen gewissen Spielraum
eröffnet
, innerhalb welchem verschiedene Inter
pretationen möglich, zulässig und im Rahmen einer Exploration lege artis zu respektieren sind (vgl. etwa Urteil
8C_260/2017 E. 5.2.2);
dabei
gilt es auch die Erfahrungstatsache zu beachten
, dass Hausärzte und behandelnde Fachärzte auf
grund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifelsfall mitunter eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl.
BGE 135 V 465
E. 4.5
).
4.
4
Zusammenfassend erweis
en
sich demnach
die Ausführungen
im Gutachten des
B._
zu den Diagnosen wie auch der Arbeitsfähigkeit
als nachvollziehbar. Al
ler
dings äusserte sich der psyc
h
i
atrische Experte im Rah
men der Festlegung der Arbeits
fähigkeit
aus psychiatrischer Sicht
nicht
genügend
zu den rechtserheb
lichen Indikatoren
(vgl. E. 5.1 hienach)
, was nachzuholen
bzw
.
zu korrigieren
ist (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
9C_732/2017 vom
5.
März 2018 E. 4.1.2).
5.
5.1
5.1.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
tu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht
erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
5.1.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.2
5.2.1
Was den Komplex «Gesundheitsschädigung» betrifft, ist bezüglich des Indikators Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzustellen, dass der Versicherte aus psychiatrischer Sicht
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
an einer Dys
thy
mie
leidet.
Jedoch
handelt es sich
bei der Dysthymie
nach der im gebräuch
lichen ICD-Klassifikationssystem enthaltenen Umschreibung
um
eine chronische depressive Verstimmung, die weder schwer noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Kriterien einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung zu erfüllen
(vgl.
Horst
Dilling
/
Werner
Mombour
/Martin H. Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassifikation psy
chischer St
örungen, ICD-10, Kapitel V [F]
,
1
0.
Auflage 201
4
,
F 34.1
S. 183
)
, wo
mit ihr
keine
schwere
Ausprägung innewohnt
.
Das subjektiv zwar erhebliche Leiden kann
somit
invalidenversicherungsrechtlich nicht als schwere Ausprägung der Befunde berücksichtigt werden.
Zum Aspekt Behandlungs- und Einglie
de
rungserfolg ist festzustellen, dass
der Beschwerdeführer seit
Ende 2017 (
Urk.
6/54 S. 17
)
in ambulanter psychiatrischer Behandlung beim
G._
steht, wobei
er
– bei fr
aglicher pha
r
makologischer
compliance
(vgl.
Urk.
6/54 S. 32)
-
seine Psychia
terin alle drei bi
s vier Wochen konsultiert
(
Urk.
6/54 S. 29)
.
T
rotz protrahier
t
em Verlauf
ist daher davon auszugehen, dass
noch
B
e
handlungsopt
i
o
nen bestehen
(vgl. so auch
der
psychiatrische Experte
des
B._
in
Urk.
6/54 S. 37
)
,
womit
nicht von einer leistungshindernden Chronifizierung der ps
ychischen Proble
ma
tik ausgegangen werden kann
oder davon, dass eine invalidisierende schwere psychische Störung vorliegt, welche therapeutisch nicht mehr
angehbar
wäre. Alsdann bestehen
zwar so
matische Komorbiditäten
, welche
jedoch ebenfalls nicht als ausgeprägt erscheinen
.
Bei den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“ ergibt sich Folgendes: Auf Persönlichkeitsebene wirkte der Beschwerdeführer
anlässlich der Untersu
chung
zwar etwas asth
enisch
und
selbstunsicher, jedoch
lies
sen
sich keine Merk
-
male einer Persönlichkeitsstörung ausmachen
.
Ebensowenig
ergaben sich Hinwei
se auf Zwänge oder Phobien (
Urk.
6/54 S. 31)
.
Vielmehr
gab der psychia
trische Experte an, der Versi
c
her
t
e sei mit hinlänglic
her Flexibilität in der Lage, a
u
f das G
egenüber und die jeweilige Situation zu reagieren
, auch bestehe hinreichende Frustrationstoleranz und Impulskontrolle.
Weiter
erwähnte
der psychiatrische Gutachter
verschiedene mobilisierbare Ressourcen, auf
welche
der Versicherte
zurückgreifen kann (
vgl. etwa
Fäh
ig
k
eit der
Anpassung an Routinen, Planung von Aufgaben,
Fähigkeit Kompetenzen und Wissen anzuwenden,
Interaktions
kompetenzen im Umgang mit Dritten, Gruppenfähigkeit;
Urk.
6/54
S. 35
).
Zum sozialen Kontext ist festzustellen, dass
der
Beschwerdeführer
mit seiner Ehefrau zusammen
wohnt
, mit welcher er eine als stabil erlebte Ehe führt, guten Kontakt zu seinen erwachsenen
Kindern
pflegt
und
auch
seine Enkel häufig
sieht
.
Es
bestehe
n
überdies
weitere soziale Kontakte, er hat auch noch einen guten und verlässlichen Freund (
Urk.
6/54
S. 26 f.). D
amit sind weder limitierende Persön
lichkeitsmerkmale noch ein ausgeprägter sozialer Rückzug erkennbar und enthält der soziale Lebenskontext bestätigende, sich potenziell günstig auf die Res
sourcen auswirkende Faktoren.
In der Kategorie „Konsistenz“ ist bezüglich des Indikators „
gleichmässige
Ein
schränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen“ fest
zustellen, dass sich der Beschwerdeführer nicht als arbeitsfähig sieht. Jedoch ist
seine Tagesgestaltung
regelmässi
g
und nur bedingt eingeschränkt (
Urk.
6/54 S. 28
):
So macht er
täglich
Spaziergänge, liest
manchmal die
Zeitung
und
schaut
– so
lange es die Schmerzen zulassen -
fern
. Auch b
egleitet
er seine Ehefrau
– welcher der Haushalt oblieg
t
-
zu den Einkäu
fen und
trifft ab und zu einen Kollegen. Er fährt auch Auto und
ist in der Lage
,
öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, auch
unternimmt
er
Reisen ins Ausland
(
Urk.
6/54 S. 28
)
.
Eine gewisse Beeinträch
tigung
im Alltag ist damit zwar
ersichtlich, diese ist jedoch nicht ausgeprägt. Bezüglich des Indikators „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausge
wie
sener Leidensdruck“ ist festzustellen, dass
sich
der Beschwerdeführer aufgrund seiner Schmerzen zwar schon verschiedene
n
ambulanten
somatischen
Abklä
run
gen und
einigen
therapeutische
n
Interventionen
(Infiltrat
i
o
n
en
) im
A._
unter
zog
, welche jedoch
nur bedingt medizinische Korrelate
ergaben
bzw. Symptom
linderung brachten (E. 3.2 hievor);
im Dezember 2017
begab er sich
alsdann
auch in psychiatrische Behandlung
. I
m Gutachtenszeitpunkt
befand er sich
in haus
ärztlicher Behandlung, sowie in
B
ehandlung im
G._
; in un
t
erschiedlichem Rhythmus erfolgt
e
im
A._
Physiotherapie
(
Urk.
6/54 S. 29)
.
G
emäss
Angaben im
psychiatrischen Teilgutachten
sieht er seine Psychiaterin nur alle drei bis vier Wochen (
Urk.
6/54 S. 29) und
gemäss
Angaben im internistischen Gutachten seine Hausärztin nur bei Bedarf
(
Urk.
6/54 S. 67). Alsdann ergibt sich aus dem
psychiatrischen Gutachten bezüglich der
vom Bes
c
hwerdeführer ange
g
ebenen
Medikamenteneinnahme, dass Psychopharmaka teilweise gar nicht (Mirtazapin) und die
Analgetica
Pregabalin
und Paracetamol weit unterhalb de
s therapeu
tischen Ber
e
ichs
nachweisbar waren
(
Urk.
6/54
S. 32)
. Aus den in Anspruch ge
nommenen Therapien kann daher zwar sowohl in somatischer wie auch psy
chia
trischer Hinsicht auf einen gewissen Leiden
s
druck geschlossen werden, welche
r jedoch nicht s
ehr ausgeprägt erscheint.
5.3
Bei Würdigung der rechtserheblichen
Indikatoren
, namentlich des verhaltens
bezogenen Aspekts der Konsistenz, ergibt sich
daher insgesamt
, dass nicht auf einen rechtsgenüglichen Bezug zwischen de
r
gestellten Diagnose und deren funktionellen Auswirkungen im Sinne einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit
geschlossen werden kann. Eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchs
grund
la
ge,
welche zur Anerkennung einer Invalidität aus psychischen Gründen führen könn
te, ist
daher
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Vorliegend ist daher insofern von der Einschätzung des psychiatrischen Experten einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit abzugehen, als dass aus rechtlicher Sicht mit dem erforder
lichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht.
5.4
Dies führt
gestützt auf das Gutachten des
B._
insgesamt zum Ergebnis, dass
dem Beschwerdeführer
seit November 2017
aus rheumatologischen Gründen
die Ausübung körperlich schwerer Tätigkeiten, unter Einschluss der bisher ausge
übten Tätigkeit als Hilfsdachdecker
,
nicht
me
hr vollumfänglich zuzumuten ist,
ihm jedoch die Ausübung einer behinderungsangepassten leichten Tätigkeit weiterhin im vollzeitlichen Umfang zuzumuten
ist.
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der so festgestellten Arbeits
fähigkeit.
6.
6.
1
6.1.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1,
134 V 322 E. 4.1).
Vorliegend fällt – nachdem der Versicherte bis November 2017 als Hilfsdach
decker erwerbstätig war und sich im Dezember 2017 erneut zum Leistungsbezug anmeldete
-
ein
frühestmöglicher Rentenbeginn
im
Jahr 2018 in Betracht.
6.1.2
Da i
m Zeitpunkt des Eintritts der
(teil
weisen) Arbeitsunfähigkeit als
ungelernter Hilfsdachdecker
am 17. November 2017
das temporäre Anstellung
sverh
ä
l
tnis
bei der
Y._
AG
bereits per Ende November 2017 ge
kündigt
war
(
Kündigung vom
8.
November 2017,
Urk.
6/24 S. 3
)
,
stellte die
IV-
Stelle bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
auf statistische Werte
a
b, wobei sie
vom
Tabellenlohn
gemäss der vom Bundesamt für Statistik hera
usge
gebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE),
für Männer im Baugewerbe
,
aus
ging. Dies
es Vorgehen
wurde vom Beschwerdeführer nicht in Frage gestellt und ist angesichts des Umstandes
,
dass e
ine erneute Anstellung
bei der
Y._
AG
zwar
als
möglich
(
Urk.
6/24 S. 2)
,
jedoch
weder grund
sätz
lich noch in Bezug auf Anstellungszeitpunkt und Verdienstmöglichkeit
als
über
wi
e
gend wahrscheinlic
h
erstellt
bezeichnet werden kann
(Urteil des Bundesge
richts 8C_260/20 vom 2. Juli 2020 E. 4.1.2)
,
nicht
zu beanstanden.
Damit ist
aus
gehend von einem Tabellenlohn von
Fr.
5'622.-- (vgl. LSE 2018, TA1,
Ziff.
41-43,
Baugewerbe,
Kompetenzniveau 1)
unter Berücksichtigung einer
(
branchenübli
chen
)
betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.6 Stunden pro
Woche
im Jahr 2018
(Hoch- und Tie
f
b
au
;
vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche, 2004-2018,
Ziff.
41-42) von
einem
monatlichen
Va
lideneinkommen
in Höhe
von Fr.
5'846.88 bzw
.
Fr.
70'162.60 im Jahr auszugehen.
6.
2
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebe
nen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfü
gungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE
143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E
. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung
,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Da der Beschwerdeführer seit November 2017 keiner Arbeitstätigkeit mehr nach
geht, sind für die Ermittlung des Invalideneinkommens ebenfalls Tabellenlöhne heranzuziehen
und - da der Beschwerdeführer über keine Ausbildung verfügt -
dabei
auf den LSE
-Tabellenwert
To
tal des niedrigsten
Kompetenz
niveaus
in Höhe von
Fr.
5
’
417.
--
abzustellen (LSE 2018, Tabelle TA1
tirage
skill
level
, Kompe
tenzniveau 1, Männer)
. Dies ergibt
unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.7
Stunden pro Woche
im Jahr 2018 (
vgl. wiederum Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche, 2004-2018, Total,
Ziff.
1-96)
einen monatlichen
Bruttolohn von
Fr.
5'647.22 bzw
.
im Jahr einen solchen von Fr. 67'766.7
0.
Dabei rechtfertigt sich kein Abzug vom Tabellenlohn. Denn der Umstand, dass nur noch leichte (bis mittelschwere) Tätigkeiten zumutbar sind, ist praxisgemäss kein Grund für einen leidensbedingten Abzug, da der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundes
gerichts 9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E. 4.3.2).
6.3
Aus der Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen resultiert
ein
Invaliditäts
grad von
3
% (3.4
%
;
Fr.
70'162.60 - Fr. 67'766.70 :
Fr.
70'162.60
x 100
)
. Damit besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente, wie die Verwaltung in der ange
fochtenen Verfügung im Ergebnis zu Recht festgestellt hat. Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
7.
Die Verfahrenskosten
gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und
ausgangsgemäss
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.