Decision ID: 941eab2b-b696-55c3-a5c8-96a0d59f807f
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juni 2003 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie erwähnte keine berufliche Ausbildung und gab
an, sie habe in den Jahren 1994–2002 verschiedene Hilfsarbeiten verrichtet. Im Auftrag
der IV-Stelle erstattete die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz am 28.
September 2005 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 29). Der psychiatrische
Sachverständige hielt fest, die Versicherte leide an einer Anpassungsstörung auf eine
körperliche Krankheit, die sich in einem chronischen Schmerzsyndrom, depressiv-
dysphorischen Zuständen, Angst, Sorgen und dissoziativen Verhaltensweisen äussere.
Diese Störung schränke die Arbeitsfähigkeit der Versicherten für sämtliche Tätigkeiten
um 50 Prozent ein. Der rheumatologische Sachverständige führte aus, bei der
Untersuchung sei eine deutliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Beschwerden
und den objektiven klinischen Befunden aufgefallen. Klinisch und radiologisch habe nur
eine Wirbelsäulenfehlstatik im Sinne einer Skoliose und eines Hohlrundrückens
festgestellt werden können. Diagnostisch liege in rheumatologischer Hinsicht lediglich
ein chronifiziertes lumbo-spondylogenes Schmerzsyndrom mit einer sekundären
Ausweitung vor. Für körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Heben
oder Tragen von Lasten über zehn Kilogramm und ohne Wirbelsäulenzwangshaltungen
bestehe aus rheumatologischer Sicht eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Mit einer
Verfügung vom 19. Juni 2006 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung ab dem
1. Mai 2003 eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 55 Prozent zu (IV-act. 43).
Mit einem Einspracheentscheid vom 8. Januar 2007 wies sie eine gegen diese
Verfügung erhobene Einsprache ab (IV-act. 56). Dagegen liess die Versicherte eine
Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen erheben. Dieses wies
die Beschwerde mit einem Urteil vom 17. Juni 2008 ab (IV 2007/74; vgl. IV-act. 67). In
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der Urteilsbegründung hielt es fest, die massgebenden Vergleichseinkommen müssten
anhand statistischer Durchschnittseinkommen festgelegt werden. Gemäss den für das
Jahr 2004 ermittelten statistischen Ergebnissen belaufe sich das massgebende
Valideneinkommen auf 48’588 Franken. Für die Bestimmung des zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens sei derselbe Ausgangswert zu berücksichtigen. Bei
einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50 Prozent und einem Tabellenlohnabzug von zehn
Prozent resultiere ein Invalideneinkommen von 21’865 Franken. Damit ergebe sich ein
Invaliditätsgrad von 55 Prozent, womit sich der angefochtene Einspracheentscheid im
Ergebnis als rechtmässig erweise.
A.b Im November 2008 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, einen Fragebogen zur
Überprüfung des Rentenanspruchs auszufüllen. In diesem Fragebogen gab die
Versicherte an, dass sich ihr Gesundheitszustand seit September 2005 allmählich
beziehungsweise schleichend verschlechtert habe (IV-act. 71). Der Psychiater Dr. med.
B._ teilte im Dezember 2008 mit (IV-act. 74), die Versicherte leide an einer
gemischten Angst- und depressiven Störung sowie an einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung. Seit etwa Herbst 2006 sei sie vollständig
arbeitsunfähig. Auch der Internist Dr. med. C._ gab im Dezember 2008 an, der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit dem Jahr 2006 kontinuierlich
verschlechtert (IV-act. 75). Im März 2009 notierte Dr. med. D._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD), weder im Bericht von Dr. B._ noch in jenem von
Dr. C._ sei eine wesentliche objektive Veränderung des Gesundheitszustandes der
Versicherten ausgewiesen worden, weshalb ohne weitere Abklärung von einem seit der
ursprünglichen Rentenzusprache unverändert gebliebenen Gesundheitszustand
auszugehen sei (IV-act. 79). Mit einer Mitteilung vom 17. März 2009 wies die IV-Stelle
die Versicherte darauf hin, dass sie weiterhin einen unveränderten Anspruch auf die
laufende halbe Rente habe (IV-act. 81).
A.c Im Mai 2014 füllte die Versicherte erneut einen Fragebogen zur Überprüfung des
Rentenanspruchs aus, wobei sie wiederum angab, dass sich ihr Gesundheitszustand
verschlechtert habe (IV-act. 89). Der Neurochirurg Dr. med. E._ berichtete am 20. Mai
2014 über einen mehr oder weniger stationären Zustand (IV-act. 93). Die
Allgemeinmedizinerin Dr. med. F._ teilte am 30. Mai 2014 mit (IV-act. 95), der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich verschlechtert. Die Rückenschmerzen
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hätten zugenommen und die depressive Symptomatik habe sich verstärkt. Die
Psychiaterin Dr. med. G._ gab am 8. Juli 2014 an (IV-act. 97), der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich nach einem unerwarteten Herzinfarkt
des Ehemannes im Februar 2014 verschlechtert. Während der Ehemann im März 2014
stationär in der Klinik H._ behandelt worden sei, habe die Versicherte die Hausärztin
gebeten, ebenfalls in die Klinik H._ eingewiesen zu werden, da sie sich ein Leben
ohne den Ehemann nicht vorstellen könne. Am 15. August 2014 notierte der RAD-Arzt
Dr. med. I._ (IV-act. 98), aus dem Gutachten der MEDAS Ostschweiz ergebe sich,
dass die rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit nicht überwiegend mit einem
pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebild ohne eine
nachweisbare organische Genese („Päusbonog“) begründet worden sei. In den
aktuellsten Berichten der behandelnden Ärzte würden neue Diagnosen angeführt. Ob
sich der Gesundheitszustand der Versicherten tatsächlich wesentlich verändert habe,
könne ohne weitere medizinische Abklärungen aber nicht beurteilt werden. Folglich
müsse eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag gegeben werden. Am 8.
September 2015 erstattete das Zentrum für medizinische Begutachtung (ZMB) im
Auftrag der IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 116). Der orthopädische
Sachverständige hielt fest, der klinische Befund sei weitgehend unauffällig gewesen.
Die Versicherte sei in der Lage, körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne
Einschränkungen zu verrichten. Aus orthopädischer Sicht habe sich der
Gesundheitszustand in den letzten Jahren deutlich gebessert. Der psychiatrische
Sachverständige führte aus, bei der Untersuchung sei die Grundstimmung der
Versicherten etwas deprimiert und die Modulationsfähigkeit der Stimmung sei etwas
eingeschränkt gewesen. Ansonsten sei der objektive klinische Befund weitgehend
unauffällig gewesen. Eine depressive Störung habe nicht nachgewiesen werden
können. Die Versicherte leide an akzentuierten Persönlichkeitszügen mit abhängigen
Anteilen, an einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren sowie an einer gemischten Angst- und depressiven Störung. Die gut
strukturierte Persönlichkeitsakzentuierung habe kein Ausmass erreicht, das es der
Versicherten verunmöglicht hätte, sich persönlich, schulisch, beruflich,
partnerschaftlich und sozial adäquat entwickeln und positionieren zu können. Trotz
einer gewissen kognitiven Limite und einer emotionalen Abhängigkeit sei es ihr möglich
gewesen, sich im Leben zu bewähren. Die vom psychiatrischen Sachverständigen der
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MEDAS Ostschweiz gestellte Diagnose decke sich mit der aktuell gestellten Diagnose.
Nicht nachvollziehbar sei allerdings das Attest einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent,
da die Versicherte ihren Alltag nicht nur aktuell, sondern bereits damals gut gemeistert
habe. Auch Dr. B._ habe im Grunde dieselbe Diagnose gestellt. Sein Attest einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit überzeuge vor diesem Hintergrund nicht. Zudem habe
er die Arbeitsunfähigkeit in einen Zeitraum lange vor dem Beginn der Behandlung
durch ihn zurückdatiert, ohne dies mit Aktenverweisen zu belegen. Die von Dr. G._
gestellte Diagnose einer Persönlichkeitsstörung könne nicht geteilt werden. Da die
Symptome nicht bis in die Kindheit der Versicherten zurückreichten und da sich die
Versicherte gut entwickelt und positioniert habe. Auch eine posttraumatische
Belastungsstörung liege nicht vor. Die Versicherte habe keine typischen Symptome
(insb. flash backs) geschildert und sie sei nach dem angeblichen auslösenden Ereignis
jahrelang problemlos in der Lage gewesen, ihren Verpflichtungen als Hausfrau und
Mutter nachzukommen. Das Attest einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit überzeuge
nicht. Aus psychiatrischer Sicht unterscheide sich der Gesundheitszustand der
Versicherten nicht von jenem bei der ersten Begutachtung durch die MEDAS
Ostschweiz im Juni 2005. Auch der orthopädisch-rheumatologische Status sei seit
September 2005 weitgehend unverändert geblieben. Insgesamt sei aus psychiatrischer
Sicht eine Verminderung des Rendements um 20 Prozent (rückwirkend ab dem Jahr
2003) zu attestieren; aus orthopädischer und internistischer Sicht sei die Versicherte für
leidensadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt arbeitsfähig. Der RAD-Arzt Dr. I._
qualifizierte das Gutachten als überzeugend und merkte an, dass mit diesem eine
wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes im Verlauf seit der Begutachtung
durch die MEDAS Ostschweiz mit deutlicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nachgewiesen sei.
A.d Mit einem Vorbescheid vom 24. März 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit
(IV-act. 122), dass sie die Aufhebung der laufenden Rente vorsehe. Zur Begründung
führte sie aus, der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit der
Rentenzusprache erheblich verbessert. Unter Berücksichtigung der
Arbeitsfähigkeitsschätzung des ZMB ergebe sich lediglich noch ein – nicht
rentenbegründender – Invaliditätsgrad von acht Prozent. Dagegen liess die Versicherte
am 10. Mai 2016 einwenden (IV-act. 127), hier liege kein Anwendungsfall der
Schlussbestimmungen zum ersten Massnahmenpaket der sechsten IVG-Revision
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(„IVG-Revision 6a“) vor, da die ursprüngliche Rentenzusprache bereits in Kenntnis der
Rechtsprechung des Bundesgerichtes zur somatoformen Schmerzstörung ergangen
sei. Selbst wenn die voraussetzungslose Überprüfung des Rentenanspruchs gemäss
den Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a zulässig gewesen wäre, würde sich die
Rentenaufhebung als rechtswidrig erweisen, weil keine Indikatorenprüfung im Sinne
des BGE 141 V 281 vorgenommen worden sei. Auch die Voraussetzungen für eine
Rentenrevision seien nicht erfüllt, denn gemäss dem Gutachten des ZMB habe sich der
Gesundheitszustand der Versicherten seit der ursprünglichen Rentenzusprache nicht
massgebend verändert. Die Sachverständigen des ZMB hätten lediglich einen
unverändert gebliebenen Sachverhalt anders beurteilt, was keine Rentenrevision
rechtfertigen könne. Schliesslich hätte die Invaliditätsbemessung nicht ohne jede
Bindung an die ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung respektive an das Urteil
des Versicherungsgerichtes vom 17. Juni 2008 erfolgen dürfen. Mit einer Verfügung
vom 12. August 2016 hob die IV-Stelle die laufende Rente auf das Ende des der
Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (IV-act. 130). Bezugnehmend auf die
Einwände der Versicherten hielt sie fest, sie habe keine Neuüberprüfung im Sinne der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a vorgenommen, sondern vielmehr eine
„amtliche Rentenrevision“. Der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich in der
Zeit zwischen der Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz und der Begutachtung
durch das ZMB wesentlich verbessert, weshalb ein „medizinischer Revisionsgrund
ausgewiesen“ sei. Bezüglich des Einkommensvergleichs werde dem „Einwand
stattgegeben“. Der resultierende Invaliditätsgrad von 20 Prozent begründe aber immer
noch keinen Rentenanspruch.
B.
B.a Am 12. September 2016 liess die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 12. August 2016
erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, die Zusprache einer halben Rente und eventualiter die Durchführung einer
weiteren polydisziplinären Begutachtung. Zur Begründung führte er an, die IV-Stelle
(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) habe die Sachverständigen des ZMB nicht
darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um einen Rentenrevisionsfall gehandelt
habe. Als Folge dieses Fehlers hätten die Sachverständigen des ZMB keine
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Verlaufsbegutachtung, sondern eine umfassende Neubeurteilung vorgenommen, was
falsch gewesen sei. Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich nicht
verbessert, sondern er sei im Wesentlichen seit der ursprünglichen Rentenzusprache
unverändert geblieben. Damit fehle es an der elementaren Voraussetzung für eine
revisionsweise Rentenaufhebung.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 4. November 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, ein Vergleich des
orthopädischen und des psychiatrischen Befundes zeige tatsächlich, dass sich der
objektive Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in der Zeit zwischen der
Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz und der Begutachtung durch das ZMB
nicht wesentlich verbessert habe. Folglich treffe es zu, dass kein Revisionsgrund
vorliege. Mittels einer „Motivsubstitution“ könne die angefochtene Verfügung aber
„geschützt“ werden, denn die Voraussetzungen für eine Rentenaufhebung gestützt auf
die Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a seien erfüllt.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 13. Januar 2017 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 8). Die Beschwerdegegnerin hielt am 20. Januar 2017 ebenfalls an ihrem Antrag
fest (act. G 10).
B.d Die Beschwerdeführerin liess am 10. Mai 2017 auf eine am 22. März 2017
durchgeführte mikrochirurgische Dekompression L5/S1 rechts hinweisen und geltend
machen, das belege, dass sich ihr Gesundheitszustand seit der ursprünglichen
Rentenzusprache nicht verbessert habe (act. G 12). Am 23. Oktober 2017 liess sie dem
Versicherungsgericht mitteilen, dass sie sich nach dem operativen Eingriff vom 22.
März 2017 in einer stationären Behandlung in der Klinik Valens befunden habe,
nachdem der Psychiater Dr. med. J._ eine solche Behandlung empfohlen habe (act.
G 14). Die Beschwerdegegnerin nahm keine Stellung zu diesen Eingaben.
B.e Das Versicherungsgericht forderte die Hausärztin Dr. F._ am 29. Oktober 2018
auf anzugeben, weshalb genau die Operation vom 22. März 2017 erfolgt sei (act. G 16).
Am 12. November 2018 antwortete Dr. F._ (act. G 21), im Januar 2016 hätten die
Rückenschmerzen der Beschwerdeführerin deutlich zugenommen. Erst eine Infiltration
im April 2016 habe zu einer langsamen Besserung geführt. Im Sommer 2016 habe die
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Beschwerdeführerin wieder einen stationären Zustand erreicht, der in etwa jenem im
Zeitpunkt der Begutachtung entsprochen habe. Im Januar 2017 sei die nächste
Episode mit starken Schmerzen aufgetreten. Im Februar 2017 habe die
Beschwerdeführerin schmerzbedingt kaum mehr gehen können. Neurologisch habe
sich die Untersuchung schwierig gestaltet, aber es habe sich ein eindeutiger positiver
Lasègue gezeigt. Eine Intensivierung der analgetischen Therapie habe eine
Verbesserung des Zustandes zur Folge gehabt, aber die Beschwerdeführerin habe nur
noch mühsam an zwei Stöcken gehen können. Zudem seien die Schmerzen immer
wieder immobilisierend gewesen. Deshalb habe F._ die Beschwerdeführerin erneut
an den Neurochirurgen Dr. E._ überwiesen. Die Parteien nahmen keine Stellung zu
diesen Ausführungen (vgl. act. G 22).

Erwägungen
1.
Der Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens wird durch den Gegenstand jenes
Verwaltungsverfahrens definiert, das mit der angefochtenen Verfügung abgeschlossen
worden ist, denn der Zweck dieses Beschwerdeverfahrens besteht darin, die
angefochtene Verfügung auf deren Rechtmässigkeit zu überprüfen. Die Definition des
Streitgegenstandes erfordert deshalb eine sorgfältige Untersuchung des Gegenstandes
jenes Verwaltungsverfahrens, das mit der angefochtenen Verfügung abgeschlossen
worden ist. Fest steht, dass es sich um ein Verfahren gehandelt hat, das auf eine
Überprüfung einer formell rechtskräftig zugesprochenen, laufenden Rente abgezielt
hat. Offensichtlich hat sich das Verfahren dabei auf die Frage beschränkt, ob die
laufende Rente mit Wirkung ex nunc et pro futuro zu modifizieren sei; eine Korrektur ex
tunc hat während des gesamten Verfahrens nie zur Diskussion gestanden. Die
Korrektur ex nunc kann ganz grundsätzlich das Resultat sowohl einer Veränderung des
massgebenden Sachverhaltes als auch einer Veränderung des anwendbaren Rechts
sein. Das ATSG kennt nur ein verfahrensrechtliches Instrument zur Modifikation einer
formell rechtskräftig zugesprochenen, laufenden Dauerleistung mit Wirkung ex nunc et
pro futuro, nämlich die Revision (Art. 17 ATSG). Zu prüfen ist, ob es auch ein
Korrekturinstrument gibt, mit dem eine formell rechtskräftig zugesprochene, laufende
Dauerleistung an eine Rechtsänderung angepasst werden kann. Das IVG enthält mit
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den Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a eine explizite Gesetzesnorm für eine
solche Anpassung an eine Rechtsänderung. Diese Norm regelt aber nur einen ganz
spezifischen Sonderfall, nämlich die Anpassung von laufenden Renten an die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung respektive zu
den sogenannten „Päusbonog“. Die angefochtene Verfügung muss folglich auf einer
Anwendung des Art. 17 ATSG oder aber auf einer Anwendung der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a beruhen (denkbar ist allerdings auch, dass
sie ein „kombiniertes“ Verwaltungsverfahren abgeschlossen hat, in dem die
Anwendung beider Bestimmungen geprüft worden ist). Aus den Akten ergibt sich
eindeutig, dass es sich um ein „reines“ Revisionsverfahren gehandelt hat, in dem die
Anwendung der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a nicht zur Diskussion
gestanden hat. Der RAD-Arzt Dr. I._ hat nämlich bereits im August 2014 festgehalten,
dass die ursprüngliche Rentenzusprache nicht mit einem sogenannten „Päusbonog“
begründet worden sei, weshalb sich die Frage nach einer Anwendung der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a gar nicht stelle. Die Beschwerdegegnerin
hat deshalb nur abgeklärt, ob ein Revisionsgrund im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG
vorliege. Der Vorbescheid vom 24. März 2016 enthält denn auch keinen Hinweis auf die
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a. Auch die Verfügungsbegründung bezieht
sich ausschliesslich auf den Art. 17 Abs. 1 ATSG. Nachdem sich die
Beschwerdeführerin selbst in ihren Einwänden gegen den Vorbescheid vom 24. März
2016 auf die Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a bezogen hatte, hat die
Beschwerdegegnerin in der nun beschwerdeweise angefochtenen Verfügung explizit
festgehalten, dass es sich um eine „reine“ Rentenrevision und nicht um eine
Rentenaufhebung gestützt auf die Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a handle.
Zusammenfassend kann also kein Zweifel daran bestehen, dass sich das
Verwaltungsverfahren, das mit der angefochtenen Verfügung abgeschlossen worden
ist, auf eine Rentenrevision im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG beschränkt hat.
2.
Der Art. 17 Abs. 1 ATSG bezweckt eine Anpassung einer laufenden Rente an eine nach
der Rentenzusprache eingetretene Sachverhaltsveränderung; eine Rentenrevision nach
Art. 17 Abs. 1 ATSG setzt deshalb zwingend eine solche nachträgliche
Sachverhaltsveränderung voraus (vgl. RALPH JÖHL, Die Revision nach Art. 17 ATSG,
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in: JaSo 2012, S. 153 ff.). Eine bloss unterschiedliche Beurteilung eines im
Wesentlichen unverändert gebliebenen Sachverhaltes rechtfertigt dagegen keine
Rentenrevision (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 17 N 26, mit
Hinweisen). Die Beantwortung der Frage, ob eine solche wesentliche
Sachverhaltsveränderung eingetreten ist, setzt einen Vergleich des Sachverhaltes im
Zeitpunkt des Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens (vorliegend: 12. August
2016) mit jenem im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache (vorliegend: 19. Juni
2006) oder mit jenem im Zeitpunkt des Abschlusses eines früheren
Rentenrevisionsverfahrens voraus. Als Vergleichszeitpunkt könnte auch der 17. März
2009 herangezogen werden, da die Beschwerdegegnerin an diesem Datum eine
Mitteilung erlassen hat, mit der sie der Beschwerdeführerin für die Zukunft einen
unveränderten Anspruch auf die damals bereits laufende Rente zuerkannt hat. Offenbar
vertritt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin die Auffassung, dass das Datum
dieser Mitteilung den massgebenden Vergleichszeitpunkt darstelle. Das ist aber nicht
der Fall, denn dieser Mitteilung vom 17. März 2009 ist kein „umfassendes“
Rentenrevisionsverfahren (im Sinne der bundesgerichtlichen Terminologie)
vorangegangen. Vielmehr hat die Beschwerdegegnerin lediglich ein „Vorverfahren“
abgeschlossen, das sich allein auf die Frage beschränkt hat, ob ein „richtiges“,
„umfassendes“ Revisionsverfahren zu eröffnen sei. Dieses „Vorverfahren“ vor einer
Eröffnung eines Revisionsverfahrens von Amtes wegen bildet das Gegenstück zum
„Vorverfahren“ vor einer Eröffnung eines Revisionsverfahrens auf ein Gesuch der
versicherten Person hin, in dem gemäss dem Art. 87 Abs. 2 IVV glaubhaft gemacht
werden muss, dass sich der Sachverhalt in einer anspruchsrelevanten Weise geändert
hat (vgl. zum Ganzen den Entscheid IV 2014/256 des St. Galler Versicherungsgerichtes
vom 15. Februar 2017, E. 1.1). Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin lediglich
Berichte bei den behandelnden Ärzten eingeholt und diese von ihrem RAD würdigen
lassen. Da dieser das Vorliegen einer relevanten Veränderung des medizinischen
Sachverhaltes verneint hat und da angesichts der Angaben der Beschwerdeführerin im
Fragebogen zur Überprüfung des Rentenanspruchs auch kein Hinweis auf eine andere
relevante Sachverhaltsveränderung vorgelegen hat, hat die Beschwerdegegnerin
offensichtlich entschieden, kein Revisionsverfahren zu eröffnen. Allein dieser
„Nichteröffnungsentscheid“ hat den eigentlichen Inhalt der Mitteilung vom 17. März
2009 gebildet, weshalb deren Erlass keinen relevanten Vergleichszeitpunkt definieren
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kann. Für die Beantwortung der Frage, ob vorliegend eine relevante
Sachverhaltsveränderung eingetreten ist, muss folglich der Sachverhalt im Zeitpunkt
des Abschlusses des Rentenrevisionsverfahrens im August 2016 mit jenem im
Zeitpunkt des Abschlusses des ursprünglichen Rentenverfahrens im Juni 2006
verglichen werden. Aus dem Gutachten des ZMB ergibt sich entgegen der
anderslautenden, unbegründeten Behauptung des RAD-Arztes Dr. I._ eindeutig, dass
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in der Zeit zwischen den beiden
Begutachtungen durch die MEDAS Ostschweiz im Jahr 2005 und das ZMB im Jahr
2015 weder in orthopädischer noch in psychiatrischer Hinsicht massgebend verändert
hat. Auch die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Beschwerdeantwort einräumen müssen,
dass in den Akten nicht ein einziger Hinweis auf eine relevante
Sachverhaltsveränderung ersichtlich sei. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass Dr.
F._ in ihrem Schreiben an das Versicherungsgericht vom 12. November 2018
ausdrücklich bestätigt hat, dass der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
(nach einer kurzen vorübergehenden Verschlechterung) im Sommer 2016 jenem im
Zeitpunkt der Begutachtung (durch das ZMB) entsprochen habe. Zusammenfassend
steht also mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
fest, dass sich der anspruchsbegründende Sachverhalt im Zeitraum zwischen der
ursprünglichen Rentenzusprache und dem Abschluss des Rentenrevisionsverfahrens
durch die angefochtene Verfügung im August 2016 nicht wesentlich verändert hat.
Damit fehlt es an einem Revisionsgrund im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG, weshalb die
revisionsweise Rentenaufhebung als rechtswidrig qualifiziert und die angefochtene
Verfügung aufgehoben werden muss.
3.
Bleibt zu prüfen, ob die angefochtene Verfügung mittels einer „Motivsubstitution“ doch
noch „gerettet“ werden kann, wie es die Beschwerdegegnerin beantragt hat. Das ist
nicht möglich, weil das Gericht eine Rechtsmittelinstanz und keine Verwaltungsbehörde
ist. Die Aufgabe des Gerichtes beschränkt sich allein darauf, eine angefochtene
Verfügung auf deren Rechtmässigkeit zu überprüfen, weshalb der Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens nicht weiter als jener des Verwaltungsverfahrens sein kann, das
mit der angefochtenen Verfügung abgeschlossen worden ist. Das Begehren der
Beschwerdegegnerin zielt nun aber gerade auf eine solche unzulässige Erweiterung
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des Beschwerdegegenstandes ab, denn die beantragte „Motivsubstitution“ bezieht
sich bei genauer Betrachtung natürlich nicht nur auf eine Abänderung der
Entscheidbegründung, sondern eindeutig auf eine komplette Auswechslung des
Streitgegenstandes, nämlich auf eine Ersetzung der Rentenrevision (Art. 17 Abs. 1
ATSG) durch eine Rentenaufhebung im Sinne der Schlussbestimmungen zur IVG-
Revision 6a. Das ginge weit über eine „Motivsubstitution“ hinaus und wäre
offensichtlich auch deshalb schon zum Vorneherein unzulässig, weil noch gar keine
Verfügung über eine Rentenaufhebung gestützt auf die Schlussbestimmungen zur IVG-
Revision 6a vorliegt und weil das Versicherungsgericht keine originären
rechtsgestaltenden Verfügungen erlassen kann. Der Antrag der Beschwerdegegnerin
könnte allerdings auch als ein Antrag auf eine Rückweisung der Sache an die
Beschwerdegegnerin zur Weiterführung des Verwaltungsverfahrens verstanden
werden, das heisst als ein Antrag, das Rentenrevisionsverfahren um ein
Verwaltungsverfahren zur Prüfung einer Rentenanpassung im Sinne der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a ergänzen zu können. Ein solcher Antrag
wäre nicht nur zulässig, sondern im vorliegenden Fall auch durchaus sinnvoll. Entgegen
der unbegründeten Behauptung des RAD handelt es sich hier nämlich um einen
geradezu „klassischen“ Anwendungsfall der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision
6a, denn die Rentenzusprache ist ja massgeblich mit einer Anpassungsstörung auf eine
körperliche Krankheit, ausgedrückt in einem chronischen Schmerzsyndrom, begründet
worden, wobei es sich um ein typisches sogenanntes „Päusbonog“ handelt. Die
„Päusbonog“-Rechtsprechung war zwar bereits im März 2004 begründet worden (BGE
130 V 352), aber erfahrungsgemäss dauert es in der Praxis regelmässig eine gewisse
Zeit, bis sich eine neue bundesgerichtliche Rechtsprechung bei der Verwaltung definitiv
etabliert hat und in allen betroffenen Fällen angewendet wird. In dieser Übergangszeit
werden die alte und die neue Praxis erfahrungsgemäss parallel angewendet. Rein
faktisch hat die „Prä-Päusbonog-Ära“ also teilweise über das Jahr 2004 hinaus noch
eine Weile angedauert (vgl. den Entscheid IV 2015/58 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 18. September 2017, E. 3.3). Das zeigt auch der
vorliegende Fall, denn bei der ursprünglichen Rentenzusprache im Juni 2006 ist nicht
einmal ansatzweise geprüft worden, ob die im BGE 130 V 352 neu formulierten
Voraussetzungen für eine Rentenzusprache bei einem sogenannten „Päusbonog“
erfüllt gewesen sind. Allerdings fordert der Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen
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zur IVG-Revision 6a eine Einleitung der „Überprüfung“ innerhalb von drei Jahren seit
dem Inkrafttreten der IVG-Revision 6a am 1. Januar 2012, also bis spätestens am 31.
Dezember 2014. Diese Frist ist hier augenscheinlich nicht gewahrt worden, denn die
Beschwerdegegnerin hat zwar jenes Verwaltungsverfahren, das mit der angefochtenen
Verfügung abgeschlossen worden ist, bereits im Mai 2014 eröffnet, aber sie hat immer
wieder klar gemacht, dass es sich dabei nur um ein gewöhnliches
Rentenrevisionsverfahren im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG gehandelt hat. Würde man
nun nachträglich unterstellen, dass mit der Eröffnung des Revisionsverfahrens im Mai
2014 auch ein Verfahren zur Rentenanpassung in Anwendung der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a eröffnet worden sei, obwohl die
Beschwerdegegnerin mehrfach erklärt hat, dass dies nicht ihre Absicht gewesen sei,
würde man die im Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a
enthaltene Frist in einer rechtsmissbräuchlichen Weise umgehen. Damit dürfte der
Beschwerdegegnerin nichts anderes übrig bleiben als festzustellen, dass sie das
Zeitfenster zur Eröffnung eines Überprüfungsverfahrens im Sinne der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a verpasst habe. Schon aus diesem Grund
kann die Sache nicht zur Fortsetzung des Verwaltungsverfahrens zwecks Anwendung
der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a an die Beschwerdegegnerin
zurückgewiesen werden.
4.
Zusammenfassend erweist sich die Aufhebung der laufenden Rente als rechtswidrig,
weshalb die angefochtene Verfügung ersatzlos aufzuheben ist. Der Beschwerdeführerin
ist folglich weiterhin die im Juni 2006 zugesprochene Rente auszurichten. Die
Gerichtskosten von 600 Franken sind ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Diese hat auch die amtlichen Kosten für die Stellungnahme von Dr. F._
von 64.85 Franken zu bezahlen. Der Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von 600 Franken zurückerstattet. Die unterliegende
Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung
auszurichten. Angesichts des geringen Aktenumfangs ist der erforderliche
Vertretungsaufwand als leicht unterdurchschnittlich zu qualifizieren, weshalb die
Parteientschädigung auf 3’000 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festgesetzt wird.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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