Decision ID: 55108c52-9597-44c4-ade3-d2b084df049a
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 26. November 2013 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe keine berufliche Ausbildung
abgeschlossen. Seit dem 1. April 2007 arbeite sie als Customer Consultant in einem
B._. Das Arbeitspensum betrage 90 Prozent. Seit dem 10. Juni 2013 könne sie nicht
mehr arbeiten. Die Arbeitgeberin berichtete (IV-act. 6), die Versicherte habe das
Arbeitspensum per 1. Juni 2013 auf 90 Prozent reduziert. Der Lohn belaufe sich seither
auf 55’224.15 Franken pro Jahr. Am 23. Dezember 2013 teilte das Ambulatorium des
psychiatrischen Zentrums C._ mit (IV-act. 7), die Versicherte leide an einer
mittelgradigen depressiven Episode mit einem somatischen Syndrom. Seit dem 21.
August 2013 befinde sie sich in einer ambulanten integriert-psychiatrischen
Behandlung im Psychiatrie-Zentrum C._. Die Hausärztin habe ihr ab dem 11. Juni
2013 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert, die aus psychiatrischer Sicht für die
Zeit ab dem Erstgespräch im psychiatrischen Zentrum C._ bestätigt werden könne.
Die Versicherte leide an einer starken Antriebshemmung und an starken Ängsten,
wieder in ihre Tätigkeit am alten Arbeitsplatz zurückkehren zu müssen. Sie habe die
Situation dort über Jahre hin als sehr demütigend erlebt, was bei ihr zu starken
körperlichen Beschwerden und zu psychischen Problemen geführt habe. Aus ärztlicher
Sicht könne eine Rückkehr an jenen Arbeitsplatz nicht empfohlen werden. Angesichts
der Ressourcen und des guten familiären Netzwerks sei aber von einer guten Prognose
auszugehen.
A.b Am 28. Januar 2014 untersuchte der Psychiater Dr. med. D._ die Versicherte im
Auftrag der Krankentaggeldversicherung. In seinem Bericht vom 3. Februar 2014 führte
er aus (Fremdakten), der von ihm erhobene psychopathologische Befund sei durch
eine leicht- bis mittelgradige Verschiebung der Stimmungslage zum depressiven Pol
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gekennzeichnet gewesen. Die affektive Auslenkbarkeit sei leicht eingeschränkt
gewesen. Zudem sei eine leichte psychomotorische Verlangsamung aufgefallen. Die
kognitiven Fähigkeiten der Versicherten seien im Rahmen der klinischen Prüfung –
abgesehen von einer leicht verminderten Konzentration – intakt gewesen. Der Befund
sei mit einer leicht- bis mittelgradig ausgeprägten Depression vereinbar. Die
Symptomatik sei floride. Diagnostisch liege eine mittelgradige depressive Episode vor.
Das Krankheitsbild sei stagnierend und erst teilweise remittiert. Er erachte die geplante
tagesstationäre psychotherapeutische Behandlung als sinnvoll. Für die Dauer dieser
Behandlung sei der Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Der
weitere Verlauf der tagesklinischen Behandlung müsse aber anhand aussagekräftiger
Berichte verfolgt werden, denn es bestehe die Aussicht, dass im Laufe des ersten oder
zweiten Quartals des Jahres 2014 eine nachhaltige Depressionslösung eintreten werde,
wenn auch im aktuellen Zeitpunkt eine genaue Prognose noch verfrüht sei. Am 24.
März 2014 berichtete das Ambulatorium des psychiatrischen Zentrums C._ (IV-act.
14), die depressiven Symptome der Versicherten hätten sich vor allem im Zeitpunkt des
Behandlungsbeginns auf den Arbeitsplatz bezogen. Durch den Wegfall der
Arbeitsplatzbelastung und angesichts der guten Unterstützung durch den Ehemann sei
weiterhin von einer guten Prognose auszugehen. Zwischenzeitlich sei eine Anmeldung
bei der Tagesklinik erfolgt. Am 2. Juli 2014 teilte die Tagesklinik des psychiatrischen
Zentrums C._ mit (IV-act. 18), der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich
seit März 2014 nicht wesentlich verändert. Neu sei aber zusätzlich eine andauernde
Persönlichkeitsänderung nach einer Extrembelastung zu diagnostizieren, die die bereits
bekannte depressive Störung mitverursache. Die Persönlichkeitsänderung manifestiere
sich in ängstlichen (vermeidenden) und abhängigen (asthenischen) Zügen. Die damit
einhergehende erhöhte Vulnerabilität wirke sich negativ auf die Arbeitsfähigkeit aus. Die
Persönlichkeitsänderung bestehe wohl seit der Adoleszenz. Bis zur depressiven
Entgleisung habe die Versicherte über genügend Bewältigungsmechanismen verfügt,
was ihr die Kompensation der „Brüchigkeit“ erlaubt habe. Die Versicherte werde in der
teilstationären Behandlung stark gefordert; sie könne nur unregelmässig am Programm
teilnehmen. Im Vordergrund stehe die durch die Depression ausgelöste massive
Rückzugstendenz. Da die Versicherte eine starke Tendenz zeige, sich an das
therapeutische Gegenüber anzupassen, bestehe die Gefahr, dass der Schweregrad der
Erkrankung zu gering eingeschätzt werde. Am 11. November 2014 berichtete die
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Tagesklinik (IV-act. 28), die teilstationäre Behandlung sei planmässig am 25. Juli 2014
beendet worden. Nach dem Austritt sei die Versicherte mit neuen, massiven
psychosozialen Belastungsfaktoren konfrontiert worden, weshalb der Zustand
weiterhin als psychisch instabil eingeschätzt werde. Im Wesentlichen sei der
Gesundheitszustand seit Juli 2014 unverändert geblieben. Es sei nochmals darauf
hinzuweisen, dass die Versicherte in der Herkunftsfamilie wiederholten, massivsten
Übergriffen ausgesetzt gewesen sei und vor diesem Hintergrund massive Ängste vor
Grenzverletzungen, vor dem Verlassenwerden und vor der eigenen emotionalen
Innenwelt entwickelt habe, die heute hoch wirksam seien. Bei der letzten Arbeitsstelle
habe eine Triggersituation zu einer Reaktualisierung von verdrängten Inhalten,
verbunden mit Flashbacks, Vermeidungsverhalten und Übererregtheit, geführt, was
eine depressive Dekompensation zur Folge gehabt habe. Am 11. März 2015 berichtete
die Tagesklinik über einen weiterhin unveränderten Gesundheitszustand (IV-act. 36).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der Psychiater und Neurologe Dr. med. E._ am
6. Juli 2015 ein fachärztliches Gutachten (IV-act. 43). Er führte aus, in klinischer
Hinsicht seien eine dramatisierende Beschwerdedarstellung, eine Tendenz,
geschlossene Fragen zu bejahen, und Hinweise für eine hohe Suggestibilität
aufgefallen. Das habe die Befundsicherheit gemindert. Die Auffassung, die allgemeine
Intelligenz, die Konzentration, die Aufmerksamkeit, die Merkfähigkeit und das
Gedächtnis seien nicht beeinträchtigt gewesen. Denkstörungen oder
Sinnestäuschungen hätten nicht vorgelegen. Die Psychomotorik sei unauffällig und der
Antrieb sei normal gewesen. Eine Beeinträchtigung der Stimmung sei nicht
nachweisbar gewesen. Die Resultate einer neuropsychologischen Testung hätten
erhebliche Zweifel an der Leistungsbereitschaft der Versicherten geweckt. Die
ausgesprochen schlechten Leistungen bei den Tests zum Bereich Aufmerksamkeit
hätten im Widerspruch zur schnellen Auffassungsgabe der Versicherten hinsichtlich der
schriftlichen Instruktionen zu anderen Tests sowie zum klinischen Befund betreffend
die Aufmerksamkeit gestanden. Die Symptomvalidierungstests hätten ebenfalls
Auffälligkeiten gezeigt. Die Ergebnisse der klinisch-psychologischen Tests seien nicht
aussagekräftig gewesen, da sie in einem erheblichen Widerspruch zum objektiven
klinischen Befund gestanden hätten. Weil sich die Versicherte bei der Untersuchung
nicht offen verhalten habe, bestünden Zweifel an der Validität ihrer Angaben, was die
Diagnosestellung erschwere. Am plausibelsten sei die Annahme, dass es im Juni 2013
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am Arbeitsplatz tatsächlich zu einer Krise gekommen sei. Dabei könnte eine Angst-
oder Panikattacke aufgetreten sein. Danach habe wohl ein mehrtägiges Missbehagen
vorgelegen, das mit einem Vermeidungsverhalten bezüglich der Rückkehr an den
Arbeitsplatz verbunden gewesen sei. Möglicherweise habe sich im Anschluss daran
das Vermeidungsverhalten – unterstützt durch eine längere Krankschreibung –
verselbständigt. Die Berichte der Versicherten über die Erlebnisse mit ihrer
schizophrenen Mutter könnten eine beeindruckende und verständniserzeugende
Wirkung auf die Behandler gehabt haben. Das sei aber nur eine Vermutung.
Möglicherweise sei es dann bei dieser recht suggestiblen Patientin zu ungünstigen
Wechselwirkungen im weiteren therapeutischen Verlauf gekommen. Nachweisbar seien
lediglich Gefühle des Missbehagens und zumindest leichte psychische Symptome mit
unangenehmen Gefühlen während einer gewissen Zeit, die diagnostisch als eine nicht
näher bezeichnete neurotische Störung zu qualifizieren seien. Spezifischere Symptome
oder Befunde seien jedenfalls nicht nachgewiesen. Differentialdiagnostisch sei am
ehesten an eine Agoraphobie mit Panikattacken zu denken, aber die inkonsistenten
Darstellungen der Versicherten hätten so viele Zweifel geweckt, dass er nicht vom
Vorliegen der „Eingangskriterien“ überzeugt sei. Aus der von den behandelnden
Fachärzten ebenfalls erwähnten Tendenz, sich an das therapeutische Gegenüber
anzupassen, lasse sich nicht zwingend die Gefahr ableiten, dass die Einschränkungen
als zu gering eingeschätzt würden. Genauso gut denkbar sei nämlich das Gegenteil.
Die Diagnosekriterien einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach einer
Extrembelastung seien vorliegend nicht erfüllt, denn obwohl die Versicherte über
belastende Erlebnisse berichtet habe, fehlten Hinweise für eine Extrembelastung im
Sinne des ICD-10. Angesichts des während der Begutachtung erhobenen objektiven
klinischen Befundes sei zwar plausibel, dass die Versicherte sich unwohl fühle und
leide, aber er sei nicht überzeugt davon, dass sie deswegen selbst dann nicht arbeiten
könnte, wenn sie guten Willens wäre und alle zumutbare Anstrengung aufbringen
würde. In den Vorakten fänden sich keine Hinweise zu einer Auseinandersetzung mit
der Konsistenz der Angaben der Versicherten; die früheren Berichte beruhten
hauptsächlich auf den subjektiven Angaben und seien deshalb nicht überzeugend.
Zudem hätte eine andere psychopharmakologische Behandlung erfolgen müssen,
wenn die Versicherte tatsächlich an einer therapieresistenten Depression leiden würde.
Am 21. Juli 2015 notierte Dr. med. F._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst
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(RAD), das Gutachten von Dr. E._ sei überzeugend, weshalb von einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (IV-act. 44).
A.d Mit einem Vorbescheid vom 28. Juli 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie die Abweisung ihres Rentenbegehrens vorsehe (IV-act. 47). Dagegen liess
diese am 11. September 2015 einwenden (IV-act. 51), Dr. E._ sei es nicht gelungen,
überzeugend nachzuweisen, weshalb die Versicherte von mehreren Fachärzten
während mehr als zwei Jahren vollständig arbeitsunfähig geschrieben worden sei. In
medizinischer Hinsicht erweise sich der massgebende Sachverhalt als ungenügend
abgeklärt. Der RAD-Arzt Dr. F._ notierte am 10. Oktober 2015 (IV-act. 52), die
Einwände der Versicherten weckten keine ernsthaften Zweifel an der
Überzeugungskraft des Gutachtens von Dr. E._. Folglich seien keine weiteren
medizinischen Abklärungen notwendig. Mit einer Verfügung vom 5. November 2015
wies die IV-Stelle das Rentenbegehren und das Begehren der Versicherten um
berufliche Massnahmen ab (IV-act. 54).
B.
B.a Dagegen liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) am 4.
Dezember 2015 eine Beschwerde erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte
die Aufhebung der Verfügung vom 5. November 2015 und die Rückweisung der Sache
an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur „Leistungsberechnung“.
Zur Begründung führte sie an, das Gutachten von Dr. E._ überzeuge nicht. Die ganze
Untersuchung sei von Beginn weg von einem Gefühl des Misstrauens geprägt
gewesen. Der Sachverständige habe keine überzeugende Begründung für die
Diskrepanzen zwischen seiner Diagnose und seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung und
jenen der behandelnden Ärzte liefern können. Die behandelnden Ärzte verträten
ebenfalls die Ansicht, dass das Gutachten von Dr. E._ nicht überzeugend sei. Der
Beschwerde lag eine „aktuelle Einschätzung“ der Tagesklinik des psychiatrischen
Zentrums C._ vom 25. November 2015 bei (act. G 1.3). Deren Ärzte hatten berichtet,
die Beschwerdeführerin leide nach wie vor an einer mittelgradigen depressiven Episode
vor dem Hintergrund einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung. Ihr
Konzentrationsvermögen und ihr Auffassungsvermögen seien leicht, ihre
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Anpassungsfähigkeit mittel und ihre Belastbarkeit stark eingeschränkt. Sie sei nur im
Umfang von 20 Prozent arbeitsfähig.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 11. Februar 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, es lägen keine Hinweise vor, die
Zweifel an der Diagnose und der Arbeitsfähigkeitsschätzung des Sachverständigen Dr.
E._ wecken würden. Der RAD-Arzt Dr. F._ habe das Gutachten in einer
umfassenden Würdigung als überzeugend qualifiziert. Die Beschwerdeführerin sei
folglich uneingeschränkt arbeitsfähig, weshalb sie keinen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung habe.
B.c Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (act. G 6).

Erwägungen
1.
Laut dem Art. 43 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger die Begehren zu prüfen, die
notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen
Auskünfte einzuholen. Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die
Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen
gemäss dem Art. 43 Abs. 2 ATSG zu unterziehen. Kommt sie ihren Auskunfts- oder
Mitwirkungspflichten bei der Sachverhaltsabklärung in einer unentschuldbaren Weise
nicht nach, kann der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die
Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen, wenn er die versicherte Person
vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen und ihr eine
angemessene Bedenkzeit eingeräumt hat (Art. 43 Abs. 3 ATSG).
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat vorliegend zur Beantwortung der Frage nach der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ein psychiatrisches Gutachten
eingeholt. Der beauftragte Sachverständige Dr. E._ hat nach einer eingehenden
Würdigung der medizinischen Berichte der behandelnden Fachärzte und des
Sachverständigen Dr. D._, der die Beschwerdeführerin im Auftrag der
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Krankentaggeldversicherung rund eineinhalb Jahre davor untersucht hatte, eine
eingehende persönliche Untersuchung der Beschwerdeführerin durchgeführt. In
seinem Gutachten hat er anschaulich aufgezeigt, dass sich die Beschwerdeführerin
sowohl im Explorationsgespräch als auch bei den Testuntersuchungen teilweise in
Widersprüchlichkeiten verwickelt hatte. Er hat überzeugend dargelegt, dass die
Testergebnisse grösstenteils nicht verwertbar gewesen sind, weil sie in einem
erheblichen Widerspruch zu den während des Explorationsgesprächs erhobenen
objektiven klinischen Befunden gestanden haben. Auch wenn er offenbar einen
gewissen Leidensdruck hat wahrnehmen können, hat er keine klinischen Befunde
erheben können, die eine spezifischere Diagnose als jene einer unspezifischen
neurotischen Störung erlaubt hätten. Daraus kann also nicht abgeleitet werden, dass
die Beschwerdeführerin überwiegend wahrscheinlich an einer unspezifischen
neurotischen Störung gelitten hätte, denn dabei hat es sich nur um eine
„Auffangdiagnose“ gehandelt, die nur deshalb gestellt worden ist, weil es nicht möglich
war, eine spezifischere Diagnose zu stellen. Mit anderen Worten ist davon auszugehen,
dass Dr. E._ eine spezifischere Diagnose gestellt hätte, wenn es ihm möglich
gewesen wäre, den objektiven klinischen Befund umfassend zu erheben. Sein
Gutachten enthält also keine überwiegend wahrscheinlich richtige Diagnose. Zudem ist
es ihm angesichts des widersprüchlichen Verhaltens und der inkonsistenten Angaben
der Beschwerdeführerin nicht möglich gewesen, eine hinreichend sichere, das heisst
überwiegend wahrscheinlich richtige Aussage zur Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin zu tätigen. Darin ist kein Widerspruch zum Untersuchungsbericht
von Dr. D._ zu erblicken, denn dieser hatte die Beschwerdeführerin fast eineinhalb
Jahre früher und hauptsächlich nur zur Beantwortung der Frage nach der Indikation
einer tagesklinischen Behandlung untersucht. Offenbar ist Dr. D._ damals aber davon
überzeugt gewesen, dass nicht mit einer länger dauernden Arbeitsunfähigkeit (von
einem Jahr oder längerer Dauer) zu rechnen sei. Das Gutachten von Dr. E._ steht
dagegen im Widerspruch zu den Berichten der behandelnden Ärzte, was die
Diagnosestellung und die Arbeitsfähigkeitsschätzung betrifft. Auch die behandelnden
Ärzte haben aber – wie Dr. E._ – auf eine starke Tendenz der Beschwerdeführerin
hingewiesen, sich dem therapeutischen Gegenüber anzupassen. Diese Tendenz
schwächt die Aussagekraft der subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin, weil sie
zur Folge hat, dass die Beschwerdeführerin ihren Zustand nicht möglichst objektiv
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schildert, sondern vielmehr jene Angaben tätigt, die ihr Gegenüber von ihr hören will.
Die Beschwerdeführerin weist also die Tendenz auf, ihren Gesundheitszustand als
besser oder als schlechter darzustellen, als er objektiv ist. Aus nicht nachvollziehbaren
Gründen haben die behandelnden Ärzte aber die Möglichkeit, dass die
Beschwerdeführerin ihren Gesundheitszustand als schlechter darstellen könnte, als er
objektiv ist, ohne weiteres ausgeschlossen. Sie haben nämlich direkt aus der Tendenz
der Beschwerdeführerin, sich dem therapeutischen Gegenüber anzupassen, abgeleitet,
diese würde ihren Gesundheitszustand als besser darstellen, als er objektiv ist. Diese
Schlussfolgerung ist von Dr. E._ überzeugend kritisiert worden. Jedenfalls besteht
zwischen dem Gutachten von Dr. E._ und den Berichten der behandelnden Ärzte
hinsichtlich einer grundsätzlichen Unsicherheit in Bezug auf die subjektiven Angaben
der Beschwerdeführerin eine Übereinstimmung. Das stärkt die Zuverlässigkeit der
Schlussfolgerung von Dr. E._, er habe keine relevante Arbeitsunfähigkeit mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachweisen können.
Zusammenfassend sind also keine Indizien ersichtlich, die Zweifel an der
Zuverlässigkeit dieser Schlussfolgerung von Dr. E._ wecken würden.
2.2 Zwar besteht ein Grund zur Annahme, dass der Sachverständige Dr. E._ in der
Lage gewesen wäre, überwiegend wahrscheinlich richtige Angaben zur Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin zu machen, wenn diese uneingeschränkt bei der
Untersuchung mitgewirkt, also durchaus wahrheitsgemässe Angaben gemacht und
sich vollkommen authentisch verhalten hätte. Das wirft die Frage auf, ob die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin nach der insofern fehlgeschlagenen
Exploration durch Dr. E._ gestützt auf den Art. 43 Abs. 3 ATSG zu einer weiteren
Untersuchung und zu einem authentischen Verhalten sowie zu völlig objektiven
Angaben hätte anhalten müssen. Diese Frage ist zu verneinen, denn die
Beschwerdeführerin dürfte sich gegenüber Dr. E._ wohl krankheitsbedingt nicht
authentisch verhalten haben. Sie wäre folglich wohl objektiv gar nicht in der Lage
gewesen, einer solchen Abmahnung Folge zu leisten. Selbst wenn sich die
Beschwerdeführerin bewusst nicht authentisch verhalten hätte, wäre eine solche
Abmahnung aber wirkungslos gewesen. Die Beschwerdegegnerin hätte der
Beschwerdeführerin ja nur androhen können, dass sie das Verfahren einstellen werde,
wenn diese nicht ausreichend kooperieren werde. Das hätte die Beschwerdeführerin
jedoch dazu angehalten, bei der nächsten Untersuchung „besser“ zu aggravieren oder
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zu simulieren, denn nur so hätte sie eine Chance auf die Zusprache einer Rente gehabt.
So oder anders hätte von einer weiteren psychiatrischen Begutachtung also auch nach
einer Abmahnung der Mitwirkungspflicht kein besseres Ergebnis erwartet werden
können. Deshalb ist in antizipierender Beweiswürdigung davon auszugehen, dass es
objektiv unmöglich ist, den Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen.
2.3 Zur Frage, wie angesichts dieser objektiven Beweislosigkeit zu verfahren ist,
existiert keine spezifische gesetzliche Regelung. An sich müsste der Art. 43 ATSG eine
solche Regelung enthalten, denn das Problem einer objektiven Beweislosigkeit ist in
jedem Verwaltungsverfahren, in dem der Untersuchungsgrundsatz gilt, immanent. Der
Art. 43 ATSG erweist sich folglich als lückenhaft. Diese (echte) Gesetzeslücke muss
richterrechtlich gefüllt werden. Dafür bietet sich eine analoge Anwendung des Art. 8
ZGB an, der eine Lösung zum selben Problem – allerdings für das Zivilverfahren –
enthält. Gemäss dem Art. 8 ZGB trägt jene Partei den Nachteil einer objektiven
Beweislosigkeit, die aus dem unmöglichen Nachweis einen Vorteil für sich hätte
ableiten können. Das ist vorliegend die Beschwerdeführerin, denn mit dem Nachweis
einer relevanten Arbeitsunfähigkeit hätte sie einen Rentenanspruch für sich ableiten
können. Angesichts der objektiven Beweislosigkeit muss ihr Rentenbegehren also ohne
Weiteres abgewiesen werden. Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin, die einen
Einkommensvergleich durchgeführt und diesem eine Arbeitsfähigkeit von 100 Prozent
zugrunde gelegt hat, erweist sich vor diesem Hintergrund als falsch, denn es ist ja nicht
nachgewiesen, dass die Beschwerdeführerin uneingeschränkt arbeitsfähig ist.
Angesichts des nicht nachweisbaren Arbeitsfähigkeitsgrades kann gar kein
Einkommensvergleich durchgeführt werden. Mit anderen Worten ist die (vollständige)
Prüfung des Rentenbegehrens unmöglich, was gestützt auf den analog anwendbaren
Art. 8 ZGB zur Folge haben muss, dass das Rentenbegehren abzuweisen ist. Die
angefochtene Verfügung erweist sich deshalb hinsichtlich ihrer Begründung als falsch,
im Ergebnis aber als rechtmässig.
3.
Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind der
unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Sie sind durch den von dieser
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geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Die unterliegende
Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.