Decision ID: 3392b035-81d0-4519-aba0-143263bcd0c9
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969,
arbeitete zuletzt als Gipser bei der
Y._
sowie in einer Nebentätigkeit als Unterhaltsreiniger bei der
Z._
(Urk. 7/7, Urk. 7/11/5-6), wobei er am 23. Juni 2009 seinen letzten effektiven Arbeitstag hatte (Urk. 7/19/1, Urk. 7/20/2). Am 2. Juli 2009 erfolgte in der Neurochirurgi
schen Klinik des
A._
die operative Sanierung einer zervikalen
Spinalkanalstenose HWK 5/6 und 6
/7 mittels
ventrale
r
Mikrodiskekto
mie und
Cageanlage
(Urk. 7/16/8).
Am 28. September 2009 meldete sich der Ver
sicherte bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zur Früherfassung (Urk. 7/3) und
am 6. November 2009 zum Leistungsbezug an (Urk. 7/11, vgl. auch Urk. 7/9). Daraufhin tätigte die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen (Urk. 7/16-17, Urk. 7/24-25) und zog unter anderem einen Auszug aus dem individuellen Kon
to des Versicherten (Urk. 7/13) und
Ar
beitgebe
rberichte (Urk. 7/19-20) bei.
Mit Verfügung vom
11.
Februar 2011
wurde
dem Versicherten
– wie vorbeschieden (Urk. 7/37) – eine ganze Rente der Invali
denversicherung ab Juni 2010 zu
gesprochen
(Urk. 7/
44
; Invaliditätsgr
ad 87 %
).
1.2
Anlässlich des im
Januar 2012
eingeleiteten
Revisionsverfahren
s
(Urk. 7/46)
be
stätigte
die IV-Stelle
mit Mitteilung vom 9. Oktober 2012
einen
unveränderten Rentenanspruch (Urk. 7/51
;
Invaliditätsg
rad: 87 %).
1.3
I
m Dezember 2013
leitete die IV-Stelle
erneut ein Revisionsverfahren ein (Urk. 7/57).
Im Rahmen ihrer Abklärungen beauftragte die IV-Stelle die
B._
mit der polydisziplinären Begutachtung des Versicherten
(
Urk. 7/62, Urk. 7/66).
Das Gutachten in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie und Rheumatologie wurde am 15. No
vember 2014 erstattet (Urk. 7/73
und Stellungnahme vom 2. Dezember 2014, Urk. 7/78
).
M
it Vorbescheid vom 8. Februar 2017
stellte die IV-Stelle dem Versi
cherten
die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 23. Februar 2011
(gemeint wohl und nachfolgend übernommen: Verfügung vom 11. Februar 2011, vgl. Urk. 7/44)
mit Aufhebung der Rente nach Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden Monats in Aussicht (Urk. 7/89).
Dagegen erhob der Ver
sicherte a
m 1. März 2017 vorsorglich Einwand (Urk. 7/90) und begründete diesen mit Eingabe vom 20. April 2017 (Urk. 7/93-94). Am 28. August 2017 beauftragte die IV-Stelle die
Medas
C._
(
Medas
) mit der polydis
ziplinären Begutachtung des Versicherten (Urk. 7/96-97). Das Gutachten in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Rheumatologie, Neuropsy
chologie und Neurologie wurde am 1. Februar 2018 erstattet (Urk. 7/107).
Nach Stellungnahme hierzu durch den
Versicherten
(Eingabe vom 19. April 2018,
Urk. 7/109)
und
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 10. Juni 2018,
Urk. 7/112
;
Einwand
vom 10. September 2018, Urk. 7/113-114
und
Ergänzung vom
19. September 2018
, Urk. 7/116-117) hob die IV-Stelle
die
Verfügung vom
11
. Februar 2011
mit Verfügung vom 21. September 2018
wiedererwägungsweise auf
und bejahte einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente ab Januar 2014
(Urk. 2 = Urk. 7/119).
2.
Gegen die Verfügung vom 21. September 2018 erhob der Versicherte am 25. Ok
tober 2018 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzu
heben und ihm
sei
weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten (Urk. 1 S. 2).
Mit
Beschwe
rdeantwort vom 23. November 2018
schloss die IV-Stelle auf A
b
weisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit
Verfügung vom 3. Dezember 2018 ordnete das hiesige Gericht einen zweiten Schriftenwechsel an (Urk. 9), woraufhin der
Beschwerdeführer
mit Replik vom
18. Januar 2019
an seinen Anträgen festhielt
(Urk. 11).
Mit Eingabe vom 4. Februar 2019 verzichtete die
Beschwerdegegnerin
auf eine Duplik (Urk. 13), worüber der
Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 5. Februar 2019 informiert wurde (Urk. 14
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung, IVG
).
1.3
1.3.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3.2
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeu
tung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2). Die Wie
dererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer an
fänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 2018 E. 8.2).
Die Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein vernünf
tiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser ein
zige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfügung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zugesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches gilt bei ei
ner klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbesondere wenn die
notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der er
forderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden (vgl. Art. 43 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_717/2017 vom 2.
August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprüfung vor dem Hin
tergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in vertretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_766/2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
1.3.3
Hinsichtlich der zeitlichen Wirkung einer Aufhebung bzw. Herabsetzung
einer Rente
ist Folgendes zu berücksichtigen: Wenn invalidenversicherungsrechtliche Aspekte zur Diskussion stehen, gilt es grundsätzlich, mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
einen rechtskonformen Zustand herzustellen. Die Herabsetzung oder Auf
hebung einer Rente erfolgt in diesem Bereich daher in der Regel auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats. Rückwirkend wird die Rente nur herabgesetzt oder aufgehoben, wenn die unrichtige Ausrichtung einer Leistung darauf zurückzuführen ist, dass der Bezüger sie
unrechtmässig
erwirkt hat oder er der ihm
gemäss
Art. 77
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die
unrechtmässige
Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war (vgl. die seit 1. Januar 2015 geltende Fassung von Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. b IVV; vgl.
BGE 142 V 259 E. 3.2.1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stam
men, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Un
terlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den
Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entschei
dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Un
tersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt
nis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der me
dizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag ge
gebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte im Wesentlichen aus, die
Rentenz
usprache
in der Verfügung vom 11
. Februar 2011 sei gestützt auf die Stellungnahme des RAD vom 18. Oktober 2010 erfolgt. Diese Einschätzung finde in den damals vorhan
denen Unterlagen indessen keine Stütze, womit die
Leistungszusprache
auf einem unvollständig festgestellten Sachverhalt basiere. Eine gestützt darauf ergangene Verfügung erweise sich daher als zweifellos unrichtig im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG
, womit für die Verfügung vom 11
. Februar 2011 ein Wiedererwägungs
grund vorliege.
Gestützt auf die aktuelle Beurteilung durch die
Medas
sei von einer Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 70 % auszugehen, woraus ge
mäss vorgenommenem Einkommensvergleich ein Invaliditätsgrad von 50 % und damit ein künftiger Anspruch auf eine halbe
Invalidenr
ente resultiere (Urk. 6).
2.2
Dagegen wandte der
Beschwerdeführer
insbesondere ein, es liege weder ein Wie
dererwägungsgrund gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG noch ein Revisionsgrund nach Art. 17 Abs. 1 ATSG im Sinne einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheits
zustandes vor. Für den Eventualfall, dass ein Wiederwägungsgrund vorliegen sollte und der Rentenanspruch neu zu prüfen wäre,
müsse gestützt auf das
Medas
-Gutachten auch in einer angepassten Tätigkeit von einer 50%igen Arbeitsfähig
keit ausgegangen werden, womit ein Einkommensvergleich nach wie vor zu einer ganzen Invalidenrente führen würde. Die gutachterlich erwähnte Möglichkeit einer Steigerung auf 70 % entspreche nicht dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit und habe sich gemäss den neu eingereichten Arztberichten auch nicht verwirklicht (Urk. 1 S. 3-4, Urk. 11).
3.
3.1
3.1.1
Die Verfügung vom 11
. Februar 2011
, mit welcher dem
Beschwerdeführer
eine ganze Rente der Invalidenversicherung zugesprochen worden war, erging gestützt auf folgende
medizinische Aktenlage
(vgl. Urk. 7/36)
:
3.1.2
In seinem Bericht vom 26. Novem
ber 2009 stellte Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, folgende Diagnosen (Urk. 7/16/2):
-
Status nach ventraler Dekompression
zervicaler
Myelopathie
(bestehend seit 2
.
Juli 2009)
-
Lumbovertebralsyndrom
-
Depressive Entwicklung
-
Status nach HWS-Distorsion am 8. Dezember 2005
Der Arzt führte aus, d
er
Beschwerdeführer
sei wegen einer
zervicalen
Spinalka
nalstenose am 2. Juli 2009 im
A._
bei Vorliegen einer ausgeprägten Pyramiden
funktionsstörung operiert worden. Er habe nun diffuse Restbeschwerden entlang der Wirbelsäule mit Ausstrahlung in die Beine. Die Prognose sei in aktuellem Zustand eher ungünstig.
Derzeit
finde eine
intensiv
e
Behandlung
(Physiotherapie, Einnahme von Schmerzmittel
n
, stützende ärztliche Gespräche)
statt
. Die Belast
barkeit des Achsenskeletts sei wegen seiner Krankheit mit ausgeprägter Pyrami
denfunktionsstörung massiv eingeschränkt. Als Gipser oder Bauarbeiter
bestehe
seit dem 24. Juni 2009
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
. Nach einer berufli
chen Umstellung sollte die
Arbeitsfähigkeit wieder
vollständig
hergestellt
sein
(Urk. 7/16/3
-4
).
3
.1.3
Im Bericht vom
5. März 2010
stellte PD Dr. med.
E._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
F._
, folgende Diagnosen (Urk. 7/
25/5
):
-
Schweres panvertebrales Schmerzsyndrom mit/bei
-
Status nach ventraler Dekompression C5/6 und C6/7 (Juli 09) wegen einer schweren symptomatischen zervikalen Myelopathie
-
t
ieflumbalen Rückenschmerzen bei Hyperextension und Rotation des Oberkörpers
-
s
chmerzhafter Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule, beider Schultern, beider Hüften mit Verdacht auf beginnende Hüftarthrose beidseitig
-
S
enkplattfüsse
n
beidseitig
-
Verdacht auf
posterolaterale
Meniskusläsion Knie rechts
-
Status nach Sturz von einer Leiter im Jahre 2005
-
u
nklare
n
Magen-/Darmbeschwerden
-
p
sychischer Belastung mit Kopfschmerzen, Müdigkeit, Antriebslosig
keit
-
Nikotinabusus
Die erneute MRI- und CT-Aufnahme der HWS des
Beschwerdeführer
s zeige eine umschriebene Myelopathie ventral, auf Höhe des 6. Wirbelkörpers. Auf dieser Höhe
mediolateral
links bestehe weiterhin ein
Osteophyt
gegen den Spinalkanal, ohne wesentliche Einengung des
Myelons
. Weiter bestehe ein
Osteophyt
im
Neu
roforamen
C6/
7,
ossär
. Ansonsten sei das
Mye
lon
suffizient dekomprimiert und überall von einem
Liquorsaum
umgeben. Aufgrund der neuen bildgebenden Ver
fahren, inklusive CT, sei davon auszugehen, dass das
Myelon
zurzeit suffizient dekomprimiert sei. Der noch bestehende
Osteophyt
im Bereich des 6. Halswirbels links lateral sollte zu keiner vermehrten Schädigung des
Myelons
führen. Es könnte jedoch sein, dass eine Reizung der an dieser S
telle abgehenden Nerven
wurzel C
6 be
s
tehe, was auch die Klinik des
Beschwerdeführer
s (C6-Reizsyndrom) erklären könnte.
Weiter
be
stehe auch eine fortgeschrittene Einengung der
Neu
roforamina
C6/7 durch einen
Osteophyten
im
Neuroforamina
.
Dem
Beschwerde
führer
sei
empfohlen worden, sich einer Untersuchung bei den Schmerzspezialis
ten im Hause zu unterziehen. Es werde um eine Nervenblockade C6/7 sowie allenfalls eine entsprechende Therapie gebeten. Weiter werde um eine Abklärung gebeten, ob allenfalls
eine Besserung der
neuropathischen Beschwerden des
Be
schwerdeführer
s durch eine
intrathekale
Gabe von entsprechenden Medikamen
ten
herbei
ge
führ
t werden
könnte
(Urk. 7/25/5-6).
In der zuletzt ausgeübten Tä
tigkeit als Gipser sei der
Beschwerdeführer
seit dem 24. Juni 2009 zu 100 % arbeitsunfähig. In einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit
bestehe eine Ar
beitsfähigkeit von
1-2 Stunden pro Tag
.
Die Prognose sei sehr schlecht
(Urk. 7/25/2-4).
3.2
3.2.1
Der
eine ganze Rente bestätigenden
Mitteilung vom 9. Oktober 2012 (Urk. 7/51) lag
folgender medizinischer Sachverhalt zugrunde (vgl. Urk. 7/50/2-4):
3.2.2
Dr. med.
G._
, Facharzt FMH für
Neurologie, stellte in seinem Bericht vom 1. November 2010 folgende Diagnose (Urk. 7/49/6):
-
Persistierende
Dysästhesien
und Schmerzen C6/7 links und Beine beidsei
tig, chronische zervikale okzipitale Schmerzen mit/bei:
-
Status nach
zweitägiger
ventraler Dekompression bei symptomatischer
kompressiver
zervikaler Myelopathie vom 2. Juli 2009
-
Status nach HWS Trauma 2005
-
Reaktive
r
Depression im Rahmen eines generalisierten Schmerzsyn
droms
-
Persistierende
n
Sphinkterstörungen
und
Impotentia
coeundi
-
Aktuelle
s
MRI mediane Diskushernie HWK 4/5 mit
diskreter Kompri
mierung des
Mye
lons
, stationäre Befunde HWK 5/6 und 6/7 zu den postoperativen MRI
Obschon sich für den
Beschwerdeführer
die Beschwerden nicht wesentlich gebes
sert
hätten
, könne klinisch eine
Befundsverbesserung
objektiviert werden. Im Vergleich zur Voruntersuchung vom März 2010 habe sich die Fühlminderung des rechten Armes weitgehend normalisiert, eine Gangstörung könne ebenfalls nicht mehr nachgewiesen werden. Trotzdem sei die Lebensqualität bei den persistieren
den Nacken-/Schulterschmerzen und den
Dysästhesien
im linken Arm (C6/C7)
begleitet von
Sphinkterstörungen
,
Impotentia
coeundi
und den
Dysästhesien
der Unterschenkel und der Füsse erheblic
h beeinträchtigt (Urk. 7/49/7).
3.2.3
Dr. med.
H._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnos
tizierte am 5. März 2012 Angst und depres
sive Störung gemischt (ICD-10 F
41.2), bestehend seit
dem
2. Juli 2009 (Urk. 7/48/2).
Er notierte, der
Beschwerdeführer
beklage über
24 Stunden pro Tag Schmerzen, Ängste und Panik, ab und zu Schwindel und Blockaden in Armen und Beinen.
Hinsichtlich Befund ist seinem Bericht Folgendes zu entnehmen:
«B
ewusstseinsklar, Orientierung intakt, Auf
merksamkeit und Ged
ächtnis subjektiv gestört, klagt
über Ängste und depressive Verstimmung
»
.
Dr.
H._
bezeichnete als Einschränkung das schlechte
Gedächtnis,
der
Beschwerdeführer
sei ni
cht belastbar, könne kaum gehen und sei
daher auch
im Besitz einer
Behindertenparkkarte.
Die Prognose
sei
nicht so gut, der
Be
schwerdeführer
habe sich in der Invalidenrolle arrangiert und unter
der
Medika
tion habe es nur eine ungenügende
bis keine Bes
serung gegeben
. Als Gip
ser/
Putzmann
bestehe seit dem 2. Juli 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 80 %. Eventuell
sei
nochmals eine neurologische Standortbestimmung und eine EFL durch
zuführen
(Urk. 7/48/2-4).
3
.2.4
Mit
Bericht vom 24. März 2012
bestätigte
Dr.
D._
die in seinem Vorbericht
vom
26. November 2009 gestellten
Diagnosen (
vgl. E. 3.1.2).
Es würden diffuse Restbeschwerden entlang der Wirbelsäule mit Ausstrahlung in die Beine vorlie
gen. Für den ärztlichen Befund wurde auf die Beilagen verwiesen. Die Prognose sei im aktuellen Zustand eher ungünstig. Der
Beschwerdeführer
sei aktuell weder arbeits- noch eingliederungsfähig. Die Belastbarkeit des Achsenskeletts sei wegen der Krankheit mit ausgeprägter Pyramidenbahnfunktionsstörung massiv eing
e
schränkt. Es bestehe eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit in der freien Wirtschaft (Urk. 7/49/1-2).
3.3
Der angefochtenen Verfügung liegt das
polydisziplinäre
Gutachten der
Medas
vom 1. Februar 2018
zugrunde
(Urk.
7/
111/8).
Die Gutachter stellten
folge
nde Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (Urk. 7/107/31-32):
-
Chronifiziertes
zerviko-spondylogenes
Schmerzsyndrom (ICD-10 M48.02)
-
Status nach ventraler Mikrodiskektomie und Cage-Einlage bei subtota
ler Spinalkanalstenose C5/C6 und C6/C7 am 2. Juli 2009
-
MRI HWS 6. März 2017 mit Spinalkanalenge C4/C5, mittel- bis schwe
rer
neuroforaminaler
Stenose C5/6 links und C6/C7 rechts
-
Chronifiziertes
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.84)
-
MRI LWS 6. März 2017 mit
erosiver
Osteochondrose
L5/S1, nicht-neu
rokomprimierenden Diskushernien/
Protrusionen
der Segmente L4/5 und L5/S1, ohne Hinweis auf engen Spinalkanal
-
Klinisch keine Hinweise auf Neurokompression
-
Generalisiertes Weichteilschmerzsyndrom/
myofasciales
Schmerzsyndrom mit
Oligo
- bis Polyarthralgien (ICD-10 M79.0)
-
Chondropathia
patellae
links (ICD-10 M94.26)
-
Status nach M.
Osgood
-
Schlatter in Jugend
-
Chronifiziertes
neurotisch gefärbtes ängstlich-
dysphorisches
Zustandsbild im Sinne einer
Dysthymie
(ICD-10 F34.1)
Daneben stellten die Gutachter folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit (Urk. 7/107/32):
-
Zervikale Myelopathie Höhe HWK6 (ICD-10 G95.9)
-
Schmerzverarbeitungsstörung mit Verdeutlichen der Beschwerden, Symp
tomausweitung und Selbstlimitierung (ICD-10 F68.0)
-
In ihrer Art und Ausprägung nicht authentische kognitive Minderleistun
gen mit/bei
-
Aggravation (bewusst) und Verdeutlichung (unbewusst)
-
Adipositas Grad I (ICD-10 E66.9)
-
Prädiabetes mellitus
Aus rheumatologischer Sicht wurde festgehalten, Hinweise auf eine
floride
Neu
rokompression oder eine aktive, symptomatische Spinalkanalstenose seien kli
nisch nicht vorhanden. Die mittels MRI vom
6.
März 2017 erhobenen Befunde eines Status nach ventraler Mikrodiskektomie infolge subtotaler Spinalkanalste
nose C5/6 und C6/7 mit radiologischer Spinalkanalenge auf Höhe des Segments C4/C5 und mittelschwerer bis schwerer
neuroforaminaler
Stenose C5/6 und C6/C7 erklärten jedoch die angegebenen Beschwerden am Nacken und im Bereich des Schultergürtels. Zusätzlich bestehe ein
chronifiziertes
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom auch hier ohne Hinweis auf
eine
Neurokompression. Schliess
lich sei ein generalisiertes Weichteilschmerzsyndrom zu finden, jedoch nicht im Sinne einer entzündlichen Erkrankung, sowie eine
Chondropathia
patellae
links.
Hierdurch ergebe sich eine deutliche Reduktion der zumutbaren Belastbarkeit des Achsenskeletts mit vollständiger Arbeitsunfähigkeit als Gipser. Eine körperlich leichte bis knapp mittelschwere rückenschonende Tätigkeit mit der Möglichkeit zu Wechselpositionen sei demgegenüber mit einem Pensum von 50
%
zumutbar, wobei nach einer Angewöhnungszeit von sechs bis zwölf Monaten die Arbeitsfä
higkeit auf 70
%
gesteigert werden könnte (
Urk.
7/107/24).
Der
neurologische
Gutachter
hielt fest, die diskrete zervikale
Myelopathie
mit Nackenschmerzen und
Parästhesien begründe
keine Arbeits
un
fähigkeit.
Sodann wies er auf
einige Diskrepanzen im Neurostatus
hin
(
Urk.
7/107/24-25). Aus psy
chiatrischer Sicht waren ein
chronifiziertes
neurotisch gefärbtes
ängstlich-dys
phorisches
Zustandsbild im Sinne einer
Dysthymie
sowie eine Schmerzverarbei
tungsstörung mit Verdeutlichung der Beschwerden, Symptomausweitung und Selbs
tlimitierung feststellbar (Urk.
7/107/27). Der psychiatrische Gutachter er
klärte, aufgrund der erhobenen Befunde sei von mittelgradigen Störungen der psychischen Stabilität, des Selbstvertrauens sowie der Durchhaltefähigkeit aus
zugehen, was eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von maximal 10
%
zu be
gründen vermöge (
Urk.
7/107/25). Die in der neuropsychologischen Testung er
zielten Resultate mit vorwiegend schwer defizitären Leistungen von Aufmerk
samkeit, Neugedächtnis, Exekutivfunktionen, Sprache, Kopfrechnen, Orientie
rung und
Visuokonstruktion
waren dem Gutachter zufolge nicht glaubwürdig und entsprachen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers. Eine Ermüdung war auch über drei Stunden nicht feststellbar. Der Gutachter wies zudem auf den Umstand hin, dass der Beschwerdeführer bereits eine Anreise von zwei Stunden Dauer am Steuer des eigenen Fahrzeuges hinter sich gebracht habe, allerdings mit den gezeigten Test
leistungen gar nicht fahrgeeignet wäre. Insgesamt sei damit auf eine Aggravation mit unbewussten Anteilen zu schliessen (
Urk.
7/107/25).
Die Gutachter kamen aus interdisziplinärer Sicht zum Schluss,
i
n der bisherigen Tätigkeit als Gipser und Raumpfleger
bestehe
eine vollständige und anhaltende Arbeitsunfähigkeit seit dem Zeitpunkt der HWS-Operation vom 2. Juli 200
9.
Eine angepasste Tätigkeit würde eine körperlich leichte bis knapp mittelschwere, den Rücken schonende Tätigkeit erfordern. Nötig wäre auch die Möglichkeit zu Wech
selpositionen. Eine solche Tätigkeit
sei
in einem Umfang von insgesamt
50 %
möglich
, könne aber bei optimaler
Arbeitsplatzgestaltung und Angewöhnungs
zeit von
sechs bis zwölf
Monaten auf 70 %
gesteigert werden
(Urk. 7/107/35
-36
).
4.
4.1
4.1.1
Zu prüfen ist zunächst die wiedererwägungsweise Aufhebung der Invalidenrente.
Die
Beschwerdegegnerin
stellte sich auf den Standpunkt, die
Verfügung vom 11
. Februar 2011
erweise sich – mangels hinreichende
r
medizinische
r
Abklärun
gen – als offensichtlich unrichtig
(E. 2.1)
.
Der betreffenden Verfügung lag die RAD-Stellungnahme
von Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
vom 18. Oktober 2010 zu
grunde, welche sich
insbesondere auf den Bericht von Dr.
E._
vom
F._
vom 5. März 2010
stützte
. Dr.
E._
hatte bereits am 2. Februar 2010 über den
Beschwerdeführer
berichtet, nachdem er ihn zuvor zweimal in der orthopädischen Sprechstunde gesehen hatte. Damals stellte
er
fest, dass beim
Beschwerdeführer
höchstwahrscheinlich strukturelle Veränderungen des
Myelons
bestünden (Urk. 7/25/7-8). Zur Klärung wurden im Zusammenhang mit der Erstattung des Berichts vom 5. März 2010 – neben einer weiteren ortho
pädischen Sprechstunde vom 3. März 2010 – neue MRI- und CT-Aufnahmen der HWS durchgeführt. Die Erklärung für die Schmerzen wurde gestützt auf die neue Bildgebung nicht mehr in einer strukturellen Veränderung des
Myelons
gesehen, sondern in der Möglichkeit der Reizung der im Bereich des 6. Halswirbels links lateral abgehenden Nervenwurzel C6 und in einer fortgeschrittenen Einengung der
Neuroforamina
C6/7 durch einen
Osteophyten
im
Neuroforamina
(Urk. 7/25/6). Gestützt auf diese Befunde gelangte Dr.
E._
zur Einschätzung, der
Beschwerdeführer
sei
in der angestammten Tätigkeit zu 100 %
arbeitsunfähig
und
in einer angepassten Tätigkeit
bestehe eine Arbeitsfähigkeit von
1-2 Stunden pro Tag
(Urk. 7/25
/2-3). Mit Verlaufsbericht vom 2. September 2010 (Eingangsdatum IV-Stelle) teilte Dr.
E._
mit, dass sich die Diagnosen
nicht verändert
und die Beschwerden in den letzten Monaten nicht gebessert hätten. Die Prognose sei vor
allem wegen der langen Dauer der Beschwerden nicht gut, weitere medizinische Abklärungen halte er nicht für angezeigt (Urk. 7/32). Diese Berichte wurden dem RAD zur Prüfung vorgelegt, welcher die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung aufgrund der erhobenen Befunde als nachvollziehbar erachtete und diese übernahm, auf
grund der nicht ganz klaren prognostischen Situation aber eine erneute medizi
nische Beurteilung in ca. 12 Monaten
nahelegte
(vgl. Urk. 7/36/3).
4.1.2
Als zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne kann das Abstel
len auf
diese medizinischen Unterlagen
nicht qualifiziert werden. Gestützt auf das aktuelle Bildmaterial
legte
Dr.
E._
die bestehenden Einschränkungen
plausibel dar
. Im September 2010
bestätigte
Dr.
E._
gegenüber der
IV-Stelle
sodann
den unveränderten
Gesundheitsz
ustand des
Beschwerdeführer
s. Weitere ärztliche Ab
klärungen waren vor diesem Hintergrund zumindest nicht unabdingbar (vgl. Ur
teil des Bundesgerichts 8C_265/2016 vom 6. Juli 2016 E. 4.2). Somit
liegt hin
sichtlich der rentenbegründenden Verfügung vom
11
. Februar 2011 kein Wieder
erwägungsgrund im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG vor.
4.2
4.2.1
Im Rahmen der
im Januar
2012
von
Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevision (vgl.
Urk. 7/
46) holte die IV-Stelle neben einem Auszug aus dem individuellen Konto des Beschwerdeführers Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte ein und legte die Akten dem RAD zur Beurteilung vor (
Urk. 7/50/4
).
Mit Mitteilung vom 9. Oktober 2012
informierte
die IV-Stelle den
Beschwerdeführer
über einen un
veränderten Rentenanspruch
(Urk. 7/51).
4.2.2
Die RAD-Stellungnahme vom 26. September 2012
ging
von im Verlauf und ak
tuell unveränderten, nicht gebesserten Befunden aus (Urk. 7/50/4). In Anbetracht des Berichts von Dr.
G._
vom 1. November 2010
, welcher der
Beschwerde
gegnerin
erst am 2. April 2012 zuging (vgl. Aktenverzeichnis zu Urk. 7/1-124),
erweist sich diese Annahme
jedoch
als aktenwidrig. So berichtete Dr.
G._
über eine gewisse objektivierbare klinische
Befundsverbesserung
. Im Vergleich zur Voruntersuchung vom März 2010 habe sich die Fühlminderung des rechten Armes weitgehend normalisiert, eine Gangstörung könne ebenfalls nicht mehr nachgewiesen werden (
E. 3.2.2
).
D
ie der Verfügung
vom 11
. Februar 2011 zu
grunde
liegende Einschätzung der Leistungsfähigkeit
war
unter dem Hinweis
auf eine prognostisch nicht ganz klare Situation mit der Möglichkeit einer weiteren Besserung
erfolgt, was – wie berichtet – den
RAD-Arzt
bewogen hatte,
eine er
neute medizinische Beurteilung in 12 Monaten
zu empfehlen
(Urk. 7/36/3)
.
Vor diesem Hintergrund wäre die
Beschwerdegegnerin
verpflichtet gewesen,
den me
dizinischen Sachverhalt im Rahmen des Revisionsverfahren
s
ein Jahr nach
Ren
tenzusprache
umfassend abzuklären u
nd
sich nicht auf
das Einholen von
(
knap
pen
)
Verlaufsberichten der behandelnden Ärzte
zu beschränken
.
Dass Hinweise für das Vorliegen eines Revisionsgrundes und damit hinreichend Anlass für wei
tere Abklärungen bestanden hätten, ergibt sich ferner aus dem Bericht von
Dr.
H._
vom
5.
März 2012: Die Diskrepanz der vom Beschwerdeführer beklagten Symptome, wonach er während 24 Stunden täglich an Schmerzen, Ängsten, Pa
nik mit Schwindel sowie Blockaden in Armen und Beinen leide, zur Tatsache, dass er offenbar noch immer uneingeschränkt in der Lage war, sein Auto zu füh
ren (
Urk.
7/48/3: «schlechtes Gedächtnis, nicht belastbar, kann kaum gehen, da
her auch Behindertenparkkarte»), ist augenfällig. Sodann hätte auch die Empfeh
lung des Psychiaters, allenfalls sei
en
noch einmal eine neurologische Standort
bestimmung und EFL durchzuführen (
Urk.
7/48/4), Ansto
ss
gegeben,
weitere Ab
klärungen zum aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers an Hand zu nehmen.
4.2.3
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass sich die damalige medizinische Aktenlage als unzureichend erwies, um den unveränderten Rentenanspruch des
Beschwerde
führer
s ohne Weiteres bestätigen zu können.
Indem die
Beschwerdegegnerin
von weiteren Abklärungen abgesehen hat, hat sie den Untersuchungsgrundsatz ver
letzt.
Damit ist in Bezug auf die Revisionsmitteilung
vom 9. Oktober 2012
ein Wiedererwägungsgrund gegeben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_789/2017 vom 30. Mai 2018 E. 3.2.1 mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts 9C_19/2008 vom 29. April 2008 E. 2.1)
.
E
s
erübrigt
sich
, den damals rechtserheblichen Sach
verhalt weiter abzuklären und auf dieser nunmehr hinreichenden tatsächlichen Grundlage den Invaliditätsgrad zu ermitteln. Vielmehr geht es im Kontext darum, mit Wi
r
kung ex
nunc
et pro
futuro
einen rechtskonformen Zustand herzustell
en
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_789/2017 vom 30. Mai 2018 E. 3.2.1
; vgl. E. 1.3.3
)
, wobei angesichts der in Frage stehenden Rentenleistungen die Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (E. 1.3.2).
4.3
4.3.1
Die
Beschwerdegegnerin
erachtete den
Beschwerdeführer
im Verfügungszeit
punkt als in einer optimal angepassten Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig. Dabei stützte sie sich auf das polydisziplinäre Gutachten der
Medas
vom 1. Februar 2018 (Urk. 2,
Urk. 6,
Urk. 7/111/5-9).
Dieses vermag die an eine beweiskräftige ärztliche Expertise gestellten Anforderungen (E. 1.5) vollumfänglich zu erfüllen, was denn vom Beschwerdeführer auch nicht weiter bestritten wird (
Urk.
1 S. 6;
Urk.
11 S. 3). Soweit er demgegenüber bloss eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in angepasster Tätigkeit unterstellen will und die Beurteilung der Gutachter, wonach nach sechs bis zwölf Monaten eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
erreichbar sei, als prognostische Einschätzung bezeichnet, welche dem nötigen Beweisgrad nicht genüge (
Urk.
1 S. 6), vermag er nicht durchzudringen. Unter Berücksichtigung der
Resultate aller Fachrichtungen –
Angaben zur Konsistenz und zur effektiv höheren Belastbarkeit als vom Beschwerdeführer angegeben waren nunmehr allen Gutachtern zugänglich (
Urk.
7/107/34) und wurden im Rahmen der Kon
sensbeurteilung
berücksichtigt (
Urk.
7/107/29) –
kamen die Gutachter aus inter
disziplinärer Sicht zum Schluss, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers falle im Vergleich zur von der
B._
im Jahr 2014 geschätzten Arbeitsfähigkeit etwas schlechter aus, könnte aber auf 70
%
gesteigert werden (
Urk.
7/107/36). Diese Formulierung lässt keinen Interpretationsspielraum offen und genügt entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers den Beweisanforderungen. Dass die Gutachter andernorts die Steigerung als «möglich und denkbar» bezeichneten
(
Urk.
7/107/35), vermag hieran nichts zu ändern. Ihre Ausführungen lassen kei
nen Zweifel daran offen, dass sie unter Berücksichtigung der namhaft gemachten Inkonsistenzen und
aggravatorischen
Tendenzen (vgl.
Urk.
7/107/28 und 34) von einer höheren realisierbaren Arbeitsfähigkeit als 50
%
ausgingen. Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers sind ferner verbleibende Therapieoptionen klar aufgezeigt (
Urk.
7/107/33), deren allfälliges Scheitern aber nicht der Invali
denversicherung anzulasten ist. Ebenso wenig ist massgebend, ob sich eine Tä
tigkeit mit op
timaler Arbeitsplatzgestaltung –
welche Formulierung sich selbst
redend auf das von den Gutachtern formulie
rte Anforderungsprofil bezieht –
in der realen Arbeitswelt (vgl.
Urk.
1 S. 6) finden lässt, ist in der Invalidenversiche
rung doch von einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt auszugehen, welcher von sei
ner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält (BGE 110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b; Urteile des Bundesgerichts 9C_830/2007 vom 29. Juli 2008 E. 5.1 und 9C_192/2014 vom 23. September 2014 E. 3.1, je mit Hinweisen).
Schliesslich lassen sich in den im Beschwerdeverfahren eingereichten Berichten (
Urk.
3/3-5) keine Hinweise für Pathologien finden, welche geeignet wären, zu einer langandauernden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu führen, was denn der Beschwerdeführer zu Recht auch nicht behauptet (
Urk.
1 S. 7).
Da das Gutachten unter Beachtung der Rechtsprechung zum strukturierten Be
weisverfahren (BGE 141 V 281 und BGE 143 V 418) erstellt wurde (Urk. 7/107/27-36) und eine grössere Arbeitsunfähigkeit als die gutachterlich at
testierte auch aus einer
Indikatorenprüfung
nicht resultieren kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_629/2019 vom
8.
November 2019 E. 4.2.4)
,
erübrigen sich diesbezügliche Weiterungen.
4.3.2
Nachdem der Beschwerdeführer spätestens im März 2018 von der Beurteilung durch die Gutachter Kenntnis erlangt hatte (
Urk.
7/107/37, 7/109), ist auch der statuierten Übergangsfrist Genüge getan. Zu Recht ist damit die Beschwerdegeg
nerin von einer Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von 70
%
in ange
passter Tätigkeit ausgegangen.
5.
5.1
Es bleibt zu prüfen, wie sich die auf eine angepasste Tätigkeit eingeschränkte Restarbeitsfähigkeit von 70
%
in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
5.2
Gestützt auf die vom Beschwerdeführer ausdrücklich anerkannten Werte für das Validen- beziehungsweise Invalideneinkommen (
Urk.
1 S. 7) resultiert bei einer
Arbeitsfähigkeit von 70
%
in angepasster Tätigkeit ein Invaliditätsgrad von 50
%
(
Valideneinkommen
:
Fr.
94'742.--; Invalideneinkommen:
Fr.
46'517.--). Ein Ab
zug für das auf leichte bis knapp mittelschwere Tätigkeiten eingeschränkte Be
lastungsprofil ist entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers nicht gerecht
fertigt, umfasst doch der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Viel
zahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten (Urteil des Bundesgerichts 9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E. 4.3.2). Sodann
verdienen
Männer mit einem Beschäftigungsgrad von 50 - 74
%
gut 4
%
weniger als Männer mit einem Beschäftigungsgrad von 90
%
oder mehr (LSE 2016 T 18), womit es hinsichtlich Teilzeittätigkeit an einer überproportionalen Lohneinbusse mangelt. Selbst wenn aber unter Berücksichtigung dieses Aspektes ein Abzug von 5
%
gewährt würde, führte dies bloss zu einem Invaliditätsgrad von rund 56
%
(
Valideneinkommen
:
Fr.
94'742.--; Invalideneinkommen:
Fr.
41'865.--), was unverändert einen An
spruch auf eine halbe Rente begründete. Andere Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt nur unterdurchschnittlich verwerten könnte, sind nicht ersichtlich.
5.3
Damit besteht Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung, weshalb die Herabsetzung der bisherigen ganzen Rente ab
1.
November 2018 auf eine halbe Rente rechtens ist (vgl. E. 1.3.3).
6.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
7.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
800.-- festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).