Decision ID: 1374bb75-6395-45c4-94ad-f8de8daf0f7d
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1969, war
zuletzt von
Mai 2015
bis
August 2016 als Küchenhilfe
sowie
von Februar
2016
bis August
2016
als
Betreuungs
assistentin
tätig (
Urk.
7/16
Ziff.
5.4,
Urk.
7/2
)
. Unter Hinweis auf
eine Arthrose in d
en Handgelenken, Fingern und
Schulter
n
meldete sie sich am
1.
Jul
i 2016 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
7/16
Ziff.
6
,
Urk.
7/17
Ziff.
5.1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und
gewährte
der Versicherten
mit Mitteilung vom
5.
August 2016 (
Urk.
7/35)
Frühinterventionsmassnahmen in Form von Unterstützung der manuellen Fähigkeiten
und mit Mitteilungen vom
7.
Oktober 2016 (
Urk.
7/51)
und
1
8.
April 2017 (
Urk.
7/77)
Frühinterventions
massnahmen
in Form
von Ausbildungskursen
.
A
m
2
6.
Juni 2017
erteilte die
IV-Stelle
Kostengutsprache für ein Aufbautraining von Juli 2017 bis Januar 2018 (
Urk.
7/84)
, welches mit Mitteilung vom 18.
Dezember 2017 (
Urk.
7/121) bis März 2018 verlängert wurde
Urk.
7/134)
.
Mit Vorbescheid vom 1
7.
Mai 2018 (
Urk.
7/142
) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht
, wogegen die Versicherte am 21.
Mai
2018 Einwände erhob (
Urk.
7/144). In der Folge tätigte die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen (
vgl.
Urk.
7/152
) und holte bei der
MEDAS Z._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, welches am
1
2.
September 2019
erstattet wurde
(
Urk.
7/202). Mit Mitteilung vom 1
0.
Dezember 2019 auferlegte
sie
der Versicherten
eine
Schadenminderungspflicht
in Form der
Durchführung einer Behandlung zur Erhaltung und Verbesserung des Gesund
heitszustandes (
Urk.
7/207). Nach einer am 1
0.
Dezember 2019 durchgeführten Ressourcenprüfung (
Urk.
7/2018)
stellte
die IV-Stelle
mit
neuem
Vorbescheid vom 1
0.
Dezember 2019
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht
(Urk. 7/209)
, wogegen die Versicherte am 2
0.
Februar 2020 Einwände erhob
(Urk.
7/221)
.
Mit
Verfügung vom 1
5.
April 2020 verneinte die IV-Stelle einen Leistungs
anspruch (
Urk.
7/224 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 1
9.
Mai 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
5.
April 2020 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
6.
Juli 2020 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 2
4.
Juli 2
4.
Juli 2020 wurde antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und
es wurde
der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
10).
Mit Gerichtsverfügung vom 1
7.
November
2020 (
Urk.
12) wurde die
Pensions
kasse
Y._
zum Prozess beigeladen, welche
mit Schreiben vom 1
5.
Dezember 2020 auf eine Stellungnahme verzichtete (
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die
Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus,
gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten sowie die Stellungnahme des Regio
nalen Ärztlichen Dienstes
seien
aus somatischer Sic
ht keine Befunde vorhanden
, welche die angestammte Tätigkeit der Beschwerdeführerin als K
üchenhilfe
ver
unmöglichten
. Auch aus psychiatrischer Sicht
wirkten
die geklagten Beschwerden aufgesetzt, theatralisch mit einem Hang
zur Symptomver
deutlichung
, was als Ausschlussgrund gewertet werden müsse. Eine gleichermassen vorhandene Ein
schränkun
g in allen Lebensbereichen liege
aufgrund des regelmässigen Tages
ablaufs sowie der Alltagsaktivitäten und Interessen an kreat
iven Tätigkeiten nicht
vor
. Die aus psychiatrischer Sicht attestierte Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt lasse aus rechtlicher Sicht keine invalidenversicherungsrechtlich relevante gesundheitliche Einschränkung begründen. Gestützt auf BGE 141 V 281 habe der Rechtsanwender die Befugnis, aus triftigen Gründen
, welche vorliegend vorhanden seien,
von der medizinischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abzu
weichen
(S. 1 f.)
. So hätten insbesondere nur wenig ausgeprägte psychopatho
lo
gische Befunde objektiviert werden können
und auch die Tagesgestaltung der Beschwerdeführerin sei nicht schwerwiegend beeinträchtigt. Ferner seien im rheumatologischen Teilgutachten verschiedene Inkonsistenzen aufgeführt wor
den, welche für das stimmige Gesamtbild zu berücksichtigen seien. Am Entscheid werde daher festgehalten (S.
2 f.).
2.2
Demgegenüber wandte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ein (
Urk.
1)
, dass ihr aufgrund der diagnostizierten rezidivierenden depressiven Störung sowie der Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und histrionischen Anteilen eine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei.
Im psychiatrischen Teilgutachten der
Z._
sei darauf hingewiesen wor
den, dass
der Hang zur Symptomver
deutlichung der Persönlichkeitsstörung geschuldet sei. Die Leistungseinschrän
kung beruhe
nicht
auf Aggravation oder einer ähnlich
en Erscheinung,
ein Ausschlussgrund
sei daher
zu verneinen
(S. 7
Ziff.
3). Die von der Verwaltung herangezogenen Umstände, die für keine gleichmässige Ein
schränkung in allen Lebensbereichen
sprächen
(Tagesstruktur, kein sozialer Rück
zug, Alltagsaktivi
täten und vorhandene Interessen)
,
seien bei der gutachterlichen Arbeitsfähigkeits
beurteilung bereits berücksichtigt worden
. Die funktionellen Auswirkungen seien medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei festgestellt worden. Die Verwaltung habe somit eine unzulässige rechtliche Parallelprüfung vorgenommen (S. 8
Ziff.
4, S. 11
Ziff.
8). Es sei auf die gutachterliche Arbeits
fähigkeitsbeurteilung abzustellen, womit ein Anspruch auf eine ganze Rente bestehe. Es bleibe der Verwaltung überlassen, im Rahmen der ihr auferlegten Schadenminderungspflicht revisionsweise zu überprüfen, ob sie der Auflage nachgekommen sei und ob sich dadurch die Arbeitsfähigkeit wesentlich verbessert habe (S. 11 f.
Ziff.
8).
2.3
Streitig und zu prüfen
ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht von der Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Z._
-Gutachten vom September 2019
abwich
un
d e
inen Rentenanspruch verneinte
.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinem Bericht vom 2
3.
Februar 2017 (
Urk.
7/66)
aus
, dass er die Be
schwerdeführerin seit
Januar 2013 ambulant behandle (
Ziff.
1.2), und nannte die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.2):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, seit 2012 (ICD-10 F33.1)
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ, seit Jahren (ICD-10 F60.1)
Nach Durchführung einer stationären oder teilstationären Behandlung sei die Prognose als gut einzuschätzen (
Ziff.
1.4
-1.5
)
. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Kassiererin und Aufseherin im Kinderhort bestehe seit 1
5.
Juni 2016 eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6). In welchem Umfang und ab wann eine behinderungsangepasste Tätigkeit möglich sein werde, könne derzeit nicht
ein
geschätzt werden (
Ziff.
1.7).
Nach der Durchführung einer stationären oder teil
stationären Behandlung sei eine stufenweise Steigerung des Arbeitspensums
ver
mutlich
bis auf 80
%
möglich (
Ziff.
1.8).
3
.2
Die
Fachpersonen
der
p
sychiatrischen
K
linik
B._
, Akut-Tages
klinik,
berichteten am 2
7.
August 2018 über die tagesklinische Behandlung vom 1
3.
Juni bis 1
7.
August 2018 (
Urk.
7/164)
,
und stellten die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
Verdacht auf kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (narziss
tisch, histrionisch, emotional-instabil; ICD-10 F61)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, seit zirka 6 Jahren (ICD-10 F33.1)
Vom 1
3.
Juni bis 1
2.
August 2018 sei der Beschwerdeführerin eine 100%ige und vom 1
3.
August bis
2.
September 2018 eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten attestiert worden (
Ziff.
1.3). Aktuell werde von einer günstigen Prog
nose ausgegangen (
Ziff.
2.7).
Die Beschwerdeführerin habe aufgrund der emotio
nalen Instabilität wechselhafte Objektvorstellungen, was einen vorhersehbaren interpersonellen Umgang erschweren könne. Daraus könne eine Konfliktbasis entstehen. Sie reagiere sehr empfindlich auf Kränkungen, könne sich jedoch bei subjektiv empfundenen Zurückweisungen zur Wehr setzen (
Ziff.
3.4). Eine dem Leiden angepasste Tätigkeit sei beginnen
d in einem Pensum von 20-
30
%
zumut
bar und könne im Verlauf gesteigert werden (
Ziff.
4.2). Es werde von einer
güns
tigen Prognose ausgegangen (
Ziff.
4.3).
3.3
3
.3
.1
Die Ärzte der
MEDAS Z._
erstatteten am 1
2.
September 2019 ein polydisziplinäres Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk.
7/202
/1
15
).
Sie stützten sich
auf die
ihnen überlassenen Akten (
Urk.
7/202/16-27
), die Angaben der Beschwerdeführerin (
Urk.
7/202/28 S. 7 ff
.
) und
ihre am 12., 2
7.
März und 2
4.
Juli 2019
in
den
Disziplinen Innere Medizin
(
Urk.
7/202/28
-46
),
Rheumatologie
(
Urk.
7/202/47-73
) und
Psychiatrie
(Urk.
7/202/74-104
)
erhobenen
Befunde
. Sie nannten die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
7/202/8
-15 S. 9
Ziff.
4.2.1):
-
sonstige rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.8)
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (narzisstisch histrionisch, emotional instabil, selbstunsicher,
dysthym
; ICD-10 F61.0)
3.
3
.2
Auf allgemein-internistischem Fachgebiet (
Urk.
7/202/28-46)
bestünden keine sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkende
n
Diagnosen
(S. 14
Ziff.
6.1-6.3).
Ent
sprechend sei die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit oder in einer etwaigen Verweistätigkeit aus rein allgemein-internistischer Sicht nicht einge
schränkt (S. 16
Ziff.
7.4).
3.
3
.3
In rheumatologischer Hinsicht (
Urk.
7/202/47-73) seien im Bereich des gesamten Bewegungsapparates, sowohl von orthopädischer als auch von rheumatologischer Seite, keine Auffälligkeiten gefunden worden (S. 17
Ziff.
4.3.1). Die Beschwerde
führerin sei auf diesem Fachgebiet auch schon seit mehreren Monaten nicht mehr in Behandlung. Generell sei aufgrund der Aktenlage
,
auch in den letzten Jahren
,
keine nennenswerte Behandlung zu erkennen. Das Hauptproblem liege wohl auf psychiatrischem respektive psychosomatischem Gebiet (S. 18 Ziff.
6.3). Bei der rheumatologischen Untersuchung müsse von einer gewissen Verdeutlichung
aus
gegangen werden. Ein Teil könne sicherlich durch die Psychiatrie und Psychoso
matik erklärt werden, jedoch nicht alles. Das massive Jammern von Anfang an,
mithin
von der Anamneseerhebung an bis hin zur teilweisen Verweigerung der Untersuchungsschritte
, sei aufgrund der völlig blanden körperlichen Unter
suchung nicht nachvollziehbar. Schlussendlich
,
nach mehr
maligem Wiederholen und Zureden mit Engelsgeduld
,
seien keine Auffälligkeiten im Bereich des gesamten Bewegungsapparates feststellbar gewesen.
Rheuma
tologischerseits
seien die genannten Beschwerden nicht nachvollziehbar (S. 20
Ziff.
7.3.1). Es ent
stehe der Eindruck, dass überhaupt kein Interesse an einer geregelten Arbeit bestehe (S. 22
Ziff.
8.3.1).
3.
3
.4
Im psychiatrischen Teilgutachten
(
Urk.
7/202/74-104)
wurde festgehalten, dass sich in der Untersuchungssituation doch deutlich das Bestehen einer Persönlich
keitsstörung abzuzeichnen schien. Zum Teil seien die Symptome etwas plakativ, lehrbuchartig berichtet worden. Insbesondere vor dem Hintergrund der Explo
ra
tion und der Aktenlage müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass die Diagnose
einer Persönlichkeitsstörung bestanden habe. Es sei vorliegend eher die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit
den Anteilen narziss
tisch, histrionisch, emotional instabil, aber auch selbstunischer und
dys
thym
,
anzuführen, welche mit der Diagnose im Bericht der
B._
vom A
ugust 2018 (vgl. vorstehend E. 3.2
)
vergleichbar
sei. Die Persönlichkeits
störung sei vor dem Hintergrund der psychosozialen
Entwick
lungsb
edingungen zu versteh
en und
es sei auch noch an eine bestehende familiäre Belastung für psychische Erkrankungen zu erinnern. Die Persönlich
keitsstörung habe die Beschwerdeführerin über ihr Leben hinweg besc
hränkt, wenn gar behindert
, sei aber weitgehend kompensiert gewesen. Einen Einbruch habe die Versicherte 2012 respektive anfangs 2013 erlitten. Die vorbestehenden
dysthymen
herabgestimm
ten Phasen hätten dann eine depressive Störung über
lagert, welche ambulant und tagesklinisch behandelt worden sei. Auch bei der Exploration habe sich eine depressive Herabgestimmtheit deutlich dargestellt, die sich im Psychostatus, aber auch testpsychiatrisch habe aufzeigen lassen. Es habe mindestens eine leichte bis mittelgradig depres
sive Störung bestanden. Aktuell
schränke die bestehende depressive Störung die Beschwerdeführerin sicherlich ein und es bestehe eine Behandlungsbedürftigkeit, sodass die Aufnahme der geplanten tagesklinischen Behandlung dringend empfohlen werde
. Bis zu dieser Zeit scheine die Beschwer
deführerin aktuell arbeitsunfähig. Es sei davon auszu
gehen, dass sie keiner Tätigkei
t mit Rendement nachgehen
und auch nicht auf dem er
sten Arbeitsmarkt bestehen könn
e. In einem geschützten Rahmen, in einem wohlwollenden Umfeld, ohne Publikumsverkehr, in welchem sich die Beschwerdeführer den Kontakt zu anderen weitgehend selbst gestalten und steuern k
önne, könne nach der tages
klinis
chen Behandlung dann vielleicht ein Arbeitspensum von 50
%
erzielt werden. Die Arbeitsfähigkeit müsse nach der durchgeführten Massnahme erprobt werden. Inwieweit die Versicherte überhaupt fähig sein werde, nochmals auf dem ersten
Arbeitsmarkt
tätig zu sein, könne aktuell nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Die Einschränkung der Arbeits
fähigkeit solle f
ür die nächsten 12 Monate
unter der Voraussetzung
gelten
, dass eine adäquate T
herapie durchgeführt werde. H
ernach solle die Beschwerdeführerin gegebenenfalls monodisziplinär psychiat
risch erneut vorge
stellt werden. Bedingt durch die bestehende Persönlich
-
keits
störung
seien das Aus
mass und die
Einschränkungen
durch die zu diagnostizierende Erkrankung aus dem depressiven Formenkr
e
is ausgeprägter, schwerwiegender und behindernder. Auch müsse vor dem Hintergrund der Persönlichkeitsstörung angenommen wer
den, dass der Beschwerdeführerin
der Zugriff auf noch vorhanden
e Ressourcen zumindest erschwert, wenn nicht aktuell verunmöglich
t
sei
. Es bestehe eine gleichmässige Einschränkung in allen
vergleichbaren Bereichen unter Berück
sichtigung der Standardindikatoren
(S. 21 f.
Ziff.
6.3).
Auch sei die bestehende antidepressive Medikation entsprechend den Leitlinien gegebenenfalls nochmals
zu überprüfen
. Die Prognose könne abschliessend nicht mit Sicherheit bestimmt werden, es sei jedoch davon auszugehen, dass sie allen
falls noch als verhalten positiv zu bezeichnen sein dürfte (S. 25
Ziff.
7.2).
Bei der Exploration habe die Beschwerdeführerin etwas aufgesetzt, theatralisch mit einem gewissen Hang zur Symptomverdeutlichen gewirkt, was aber der bestehenden Persö
nlichkeit geschuldet sei
(S. 26
Ziff.
7.3.1).
Aktuell sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
einer Tätigkeit mit Rendement, insbesondere nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt
,
nachgehen könne. Aus psychiatrischer Sicht bestehe aktuell, integral eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Zunächst solle die angedachte teilstationäre Behandlung durch
ge
führt werden und hernach eine erneute Standortbestimmung erfolgen (S.
27 ff.
Ziff.
8.11-8.1.3,
Ziff.
8.2.2-8.2.4).
3.
3
.5
In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung (
Urk.
7/202/8-15
)
gelangten
die Gut
achter zum Schluss
,
dass die psychiatrischen Diagnosen im Vordergrund der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Beschwerden stünden, wobei vor allem die über weite Strecken vorliegende mittelgradig ausgeprägte Störung zu nennen sei (S. 10
Ziff.
4.3). Von einer gewissen Aggravation müsse bei der Untersuchung ausgegangen werden. Ein Teil könne durch die Psychiatrie und Psychosomatik erklärt werden, jedoch nicht alles. Das massive Jammern von der Anamnese
erhebung an bis hin zur teilweisen Verweigerung der Untersuchungsschritte sei aufgrund der völlig blanden körperlichen Untersuchung nicht nachvollziehbar. Aus orthopädischer und rheumatologischer Sicht seien die genannten Beschwer
den absolut nicht glaubhaft. In der psychiatrischen Untersuchung habe die Beschwerdeführerin etwas aufgesetzt, theatralisch mit einem gewissen Hang zur Symptomverdeutlichung gewirkt, was aber der bestehenden Persönlichkeit geschuldet sein dürfte (S. 11
Ziff.
4.6.1). Aus interdisziplinärer Sicht ergebe sich eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
in der angestammten Tätigkeit und wahr
scheinlich eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
in einer Verweistätigkeit. Vor einer abschliessenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit sei
je
doch eine teilstationäre Behandlung durchzuführen. 12 Monate nach dieser Behandlung könne bemessen werden, ob
eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit beziehungsweise allenfalls sogar eine höhere Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne. Hierzu bedürfe es nach einem Jahr einer erneuten monodisziplinären psychiatrischen Begutachtung.
Auf Grundlage der von ihnen erhobenen Befunde
und daraus abgeleiteten Diagnosen erschienen ihnen die echtzeitlich vorgenom
menen Beurteilungen als nachvollziehbar, da auch sie eine volle Arbeitsunfähig
keit sehen würden, wie dies seit 2016 attestiert worden sei. Im Vordergrund stehe bei der Arbeitsunfähigkeit die psychiatrische Diagnose
(S. 12
Ziff.
4.7)
.
3.4
Die
Fachpersonen
der p
sychiatrischen
K
linik
B._
, Zentrum für integrative Psychiatrie, berichteten am 1
7.
September 2019
über die stationäre Behandlung vom 1
5.
Juli bis 1
9.
September 2019 (
Urk.
7/204)
,
und nannten die folgenden, hier verkürzt aufgeführten Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeits
fähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwär
tig mittelgradige Episode, Diagnostik vor 5 Jahren (ICD-10 F33.1)
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (emotional-instabil, narzisstisch, histrionisch), womöglich seit Kindheit (ICD-10 F61)
-
chronische obstruktive Lungenkrankheit
-
beginnende Fingergelenksarthrose
-
chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom
Die Beschwerdeführerin werde im Anschluss
an die stationäre Behandlung ab 23.
September 2019 in eine Tagesklinik übertreten (
Ziff.
1.1).
Sie
zeichne sich durch Stimmungsschwankungen, mangelnde Impulskontrolle, schweren Beziehungs
aufbau und Misstrauen verbunden mit Aggression und Wut aus. Es belast
et
e
n
sie eine Antriebsminderung, Schlafstörung, Appetitminderung ohne Gewichtsabnahme sowie somatische Beschwerden, Asthma bronchiale und Rheuma (
Ziff.
2.1).
Sie trete nach Remission der depressiven Symptomatik und in deutlich gebessertem Zustandsbild in die Tagesklinik über (
Ziff.
2.8). Eine volle Berufstätigkeit sei nicht realistisch, da die Beschwerdeführerin für einige Stunden einsatzfähig wäre, jedoch nicht für einen ganzen Arbeitstag.
Es sei
für eine Arbeitstätigkeit von 50
%
zu
plädieren (
Ziff.
3.3). Die Beschwerdeführerin habe Ressourc
en und zeige sich sehr kreativ und
daran interessier
t, ehrenamtlich zu arbeiten. Ferner
habe
sie
Freude an Bewegung und Kunst. Aufgrund der peruanischen Wurzeln seien Reisen zur Mutter und den Geschwistern nicht aus
zuschliessen. Aufgrund der
vielen Jobs und Wohnungswechsel
habe sie es geschafft, einen Freundeskreis in verschiedenen Ländern und Orten aufzubauen. Sie sei sehr gläubig und pflege ihre Religion regelmässig (
Ziff.
3.5). Es sei ein Halbtagspen
sum sowie eine Teilrente
aufgrund der Arthrose und
der
psychischen Beschwerden
denkbar
. Eine Erwerbstätigkeit sei aus ihrer Sicht nicht möglich. Es seien nur freiwillige Arbeiten denkbar, die keine Zuverlässigkeit, körperlich
e
und geistige Belastung un
d Pünktlichkeit erforderten
(
Ziff.
4.1).
3.5
Am 2
3.
September 2019 nahm
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst
(RAD)
, Stellung zum medizinischen Sachverhalt (
Urk.
7/206 S. 3-5) und hielt fest, dass
auf das
ins
ge
samt umfassend
e
und nachvollziehbar
e
polydisziplinäre Gutachten abgestellt werden
könne
.
Gestützt auf das Gutachten
sei
seit
9.
Februar 2016 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit aus
zu
gehen
.
Nach einem Jahr unter Behandlung könne ein 50%-Pensum oder allenfalls sogar ein höheres Pensum erreicht werden.
Eine Wiedervorlage nach 12 Monaten werde empfohlen (S. 5).
3.6
In der von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen Ressourcenprüfung vom 10.
Dezember 2019 (
Urk.
7/208) wurde festgehalten, eine gleichermassen vorlie
gende Einschränkung in allen Lebensbereichen aufgrund des regelmässigen Tagesablaufes wie auch der Alltagsaktivitäten
liege
nicht vor.
I
n psychiatrischer Hinsicht
lägen
wenig ausgeprägte o
bjektivierbare Befunde vor
. Die Beschwerde
führerin sei weder bei der Selbstsorge noch bei der Reisefähigkeit eingeschränkt. Ein sozialer Rückzug liege nicht vor. Sie könne Tätigkeiten, welche in ihrem Interesse
lägen
,
ausführen (Palliative Care, Tätigkeit im Bereich Aktivierung). Fabrikarbeiten seien ihr zu wenig anspruchsvoll
. Somit könne insgesamt aus Sicht des Rechtsanwenders der psychiatrisch attestierten Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt nicht gefolgt werden. Es lasse sich aus invaliden
versiche
rungsrechtlicher Sicht keine relevante Einschränkung begründen (S. 3).
3.7
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des
Einspracheentscheides
ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungs
verfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus prozessökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 99 V 98 E.
4 mit Hinweisen).
Diese Voraussetzungen sind hinsichtlich des im Rahmen des Beschwerde
ver
fahrens
eingereichten Berichte der Fachpersonen
der
p
sychiatrischen
K
linik
B._
vom
8.
Mai (
Urk.
3/4) und vom 3
0.
Juni 2020 (
Urk.
9) erfüllt, weshalb diese
vorlie
gend berücksichtigt werden können
.
3.8
Im Austrittsbericht der
p
s
ychiatrischen
K
lin
i
k
B._
, Tagesklinik
D._
, vom
8.
Mai 2020 über die teilstationäre Behandlung
vom 23.
Sep
tember 2019 bis
1.
Mai 2020 (
Urk.
3/4) stellten die behan
delnden Fach
personen die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (emotional-instabil, narzisstisch, histrionisch)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
-
chronische obstruktive Lungenkrankheit
-
beginnende Fingergelenksarthrose
-
chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom
Eine günstige Prognose im Hinblick auf eine berufliche Tätigkeit sei aufgrund der Chronifizierung unwahrscheinlich und nur unter enger Begleitung im einzel- sowie gruppentherapeutischen Setting mit einer reduzierten Arbeitstätigkeit von etwa 50
%
denkbar (S. 6).
3.9
Im Bericht der psychiatrischen K
linik
B._
, Ambulatorium
D._
, vom 3
0.
Juni 2020 (
Urk.
9) wurden dieselben Diagnosen genannt wie im Bericht vom Mai 2020 (
vgl. vorstehend E. 3.8
).
Die Persönlichkeitsstörung sei per se eine chronisch-überdauernde Erkrankung mit einer nur sehr einge
schränkten Behandlungsprognose. Auch bei guter Nutzung therapeutischer
Mög
lichkeiten und bei grundsätzlich guten Ressourcen für eine solche Nutzung seien nur Teilfortschritte beispielsweise im Sinne einer weiteren Verbesserung der Anpassungsfähigkeit realistisch. Unter Voraussetzung von weiteren störungs
spezifischen Therapien im Einzel- und Gruppensetting sei eine Reduktion der Symptomatik zumindest denkbar. Selbst im günstigsten Fall könnte allerdings nur eine reduzierte Arbeitsfähigkeit von zirka 50
%
erreicht werden (S. 2
Ziff.
1). In der angestammten Tätigkeit als Hilfsköchin und als Hilfskraft in der Betreuung bestehe aufgrund der beschriebenen Persönlichkeitsstörung eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Es werde eine berufliche Wiederbeschäftigung perspektivisch angestrebt, welche in einem gesundheitlich sehr stark angepassten Umfeld
ver
sucht werden müsse. Die notwendigen Anpassungen der Arbeitsplatz
be
dingungen seien dabei so deutlich, dass es nicht absehbar realistisch sei, dass eine solche Beschäftigung den Charakter einer vollwertigen Erwerbsarbeit haben könne. Das Zeitpensum einer solchen Tätigkeit könne 50
%
nicht überschreiten (S. 2
Ziff.
2-3).
4.
4.1
Das
Z._
-Gutachten vom
September 2019 (vorstehend E. 3.3
) erfüllt sämtliche Anforderungen an den Beweiswert medizinischer Berichte im Sinne der Recht
sprechu
ng (vorstehend E. 1.5
). Es setzt sich mit allen Aspekten der gesundheit
lichen Beeinträchtigung auseinander, berücksichtigt die geklagten Beschw
erden sowie sämtliche ärztliche
Untersuchungsberichte. Das Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge sowie in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nachvollziehbar begründete Schluss
fol
gerungen. Es kann demnach grundsätzlich darauf abgestellt werden.
4.2
Die Gutachter diagnostizierten
eine sonstige rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.8) sowie kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (narziss
tisch histrionisch, emotional instabil, selbstunsicher,
dysthym
; ICD-10 F61.0) mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Aus interdisziplinärer Sicht gingen sie von einer vollen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
aus. In einer Verweis
tä
tigkeit bestehe wahrscheinlich eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
, wobei vor einer abschliessenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit eine teilstationäre Behandlung durchgeführt werden sollte. Nach einem Jahr solle der psychische Gesundheitszustand erneut geprüft werden. Allenfalls könne sogar ein höheres Pensum errei
cht werden (vgl. vorstehend E. 3.3
).
RAD-Ärztin
C._
, welcher das
Z._
-Gutachten
durch die Beschwerde
gegnerin
zur Beurteilung
vorgelegen wurde, erachtete dieses als umfassend und nachvollziehbar
.
Gestützt auf das Gutachten ging sie von einer vollen Arbeits
un
fähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit
seit 9. Februar 2016
aus.
Nach einem Jahr unter Behandlung könne in einer angepassten Tätigkeit ein 50%-Pensum oder allenfalls sogar ein höheres Pensum erreicht werden. Ent
sprechend
der Empfehlung im Gutachten
befürwortete sie
eine Wiedervorlage nach 12 Monaten
(vgl. vorstehend E. 3.5
).
Demgegenüb
er gelangte
die
Beschwe
rdegegnerin - abweichend von der Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit im
Z._
-Gutachten
(vgl. vorstehend E. 3.3
)
-
auf Grundlage ihrer Ressourcenprüfung vom
Dezember 2019 (vorstehend E. 3.6
) zum Schluss, dass die in psychiatrischer Hinsicht attestierte Arbeits
un
fähigkeit aus rechtlicher Sicht keine invalidenversicherungsrechtlich relevante gesundheitl
iche Einschränkung begründen la
sse (vgl. vorstehend E. 2.1).
4.3
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechts
anwendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ
vor
gegebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die
Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beein
trächtigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweis
wür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im
Rah
men des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
4.4
Gemäss bundesgerichtliche
r
Rechtsprechung können die Organe der Rechtsan
wendung unter Berücksichtigung der massgebenden normativen Rahmenbedin
gungen
(vgl. vorstehend E. 4.3
) von der gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abweichen, ohne dass diese ihren Beweis
wert verlöre
(vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 8C_604
/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 3.2).
Als vorliegend unstreitig erweist sich, dass
das
polydisziplinäre
Z._
-Gutachten vom September 2019 die entsprechenden Beweisanfor
derungen
(vgl. vorstehend E. 1.5 und 4.1
) erfüllt und
grundsätzlich als Beweis
grundlage herang
ezogen werden kann.
Hinsichtlich der von den Gutachtern
(vgl. vorstehend E. 3.3
)
und den behandeln
den Fachpersonen
(vorstehend E. 3.1
f.
, 3.4, 3.8
f.
)
diagnostizierten rezidivieren
den depressiven Störung sowie der kombinierten und anderen Persönlichkeits
störungen ist ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen (vgl.
vorstehend E. 1.3 und
4.3
).
E
ine umfassende und systematisierte Prüfung der Standardindi
katoren
ist
dem psychiatrischen Teilgutachten
nicht
zu entnehmen;
der psychiat
rische Gutachter nahm indessen punktuell
Stellung
zu de
n einzelnen Indikatoren
.
Entscheidend ist, ob
i
m Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen
Rügen
ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundes
recht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6
).
Mithin ist im
konkreten Fall zu klären, ob das beigezogene
Gutachten
–
allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der ma
ssgeblichen Indikatoren erlaubt
oder nicht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/
2017 vom
1.
Februar 2018 E. 4.2).
Wie sich aus den nachfolgenden Ausführungen ergibt, ist
eine sinngemässe Prüfung anhand der rechtserheblichen Indikatoren
gestützt
auf das
Z._
-Gutachten
möglich.
5.
5.1
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.2
Hinsichtlich
des Komplexes «Gesundheitsschädigung»
lässt sich den psycho
pathologischen Befunden im psychiatrischen Teilgutachten
entnehmen
,
dass
die
Affektivität der Beschwerdeführerin
anlässlich der Exploration
deutlich
dyst
hym
depressiv herabgestimmt und
zum depressiven Pol hin verscho
ben
sowie
eine eingeschränkte Schwing
ungsfähigkeit beobachtbar war
.
Ferner
wirkte sie
etwas
theatralisch, weinte mehrfach und zeigte sich insgesamt instabil und
w
echselnd im affektiven Ausdruck. N
eben der aggressiven Haltung
mutete sie
manchmal
auch klein
und kindlich verletzlich
an
.
In ihrer Psychomotorik wirkte sie
teilweise
«eingesunken», dann aber auch wieder angespannt, unruhig, belastet, teilweise «wie auf dem Sprung»
und angriffsbereit
(
Urk.
7/202/91
Ziff.
4.3.1).
B
ei der t
est
psychiatrischen Untersuchung mit der Hamilton Depressions-Skala
erzielte sie
einen Punktewert, welcher
für das Vorliegen einer mittelschweren depressiven Störung
sprach
.
Anhand des
Mini-ICF-Rating für Aktivitäts- und Partizipations
beeinträchtigungen bei psychischen Erkrankungen
(Mini-ICF-APP) liessen sich in diversen Bereichen a
usgeprägte
sowie
leicht bis mässig ausgeprägte
Beeinträch
tigungen
feststellen (
Urk.
7/202/92-93
Ziff.
4.3.2).
Der psychiatrische Gutachter legte das Vorliegen
einer mindestens leicht bis mittelgradigen depressiven Störung
sowie
einer kombiniert
en Persönlichkeitsstörung
anhand der von ihm erhobenen Befunde somit nachvollziehbar dar (
Urk.
7/202/94-95
Ziff.
6.3).
Die während der Exploration auffallende Theatralik mit einem gewissen Hang zur Symptomverdeutlichung wurde vom psychiatrischen Gutachter
explizit
thema
tisiert und nachvollziehbar
in
Relation
mit der diagnostizierten
kombinier
ten
Persönlichkeitsstörung
mit den Anteilen narzisstisch, histrionisch, emotional instabil, selbstunsicher und
dysthym
gebracht.
Dem
zufolge
ist - ent
gegen der Ansicht der Beschwer
degegnerin (vgl. vorstehend E. 2.1
) - das verdeutlichende Verhalten der Beschwerdeführerin nicht als Ausschlussgrund zu werten.
G
estützt auf die
medizinische Einschätzung im psychiatrischen Teilgutachten, welche nach interdisziplinärer Konsensbesprechung Eingang in die abschliessende Gesamtbeurteilung fand,
stellten die Gutachter
eine
über weite Strecken vorliegende
mittelgradi
g ausgeprägte
Störung fes
t
(
Urk.
7/202/10 Ziff.
4.3)
, was sich in Anbetracht der erhobenen Befunde
als schlüssig
erweist
.
D
ie
Behauptung der
Beschwerdeg
egnerin, dass nur wenig ausgeprägte psycho
pathologische
Bef
unde objektiviert werd
en konnten (vgl. vorstehend E.
2.1
),
lässt sich anhand der
vorhandenen medizinischen Berichte
u
nd mangels einer dies
be
züglich plausiblen
Begründung
nicht nachvollziehen.
Gesamthaft ist somit von einer mittelgradigen Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde auszugehen.
In Bezug auf den Indikator «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
r
esistenz
» ist festzuhalten
, dass s
ich die Beschwerdeführerin gemäss Akten
lage seit 2013 in regelmässiger
ambulanter
psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung befind
et (vgl. vorstehend E. 3.1
). Von Juli 2017
bis März 2018
nahm sie berufliche Eingliederungsmassnahmen in F
orm eines Aufbautrainings wahr und
begab sich
anschliessend
von Juni bis August 2018
in tagesklinische
Behandlung
.
Der psychiatrische Gutachter
beurteilte die vorhandene
depressive Störung
im Zeitpunkt der Exploration
als
sicherlich
einschränkend
,
weshalb er diesbezüglich von einer
weiteren
Behandlungsbedürftigkeit ausging
. Er empfahl
vor einer erneuten Standortbestimmung in einem Jahr
dringend die Aufnahme der angedachten tagesklinischen Behandlung (
Urk.
7/2020/95 S. 22 Mitte)
,
wel
cher die Beschwerdeführerin
sodann
nachkam.
V
on April bis Mai 2019
begab
sie sich
in
tagesklinische
und von Mai bis September 2019
in stationäre Behandlung
. Nach dem stationären Aufenthalt
war sie
erneut von September 2019 bis Mai 2020
in eine
r
Tagesklinik und nahm
ab Juni 2020 an einer ambulanten Gruppen
psychotherapie für soziales Kompetenztraining teil
(vgl.
Urk.
9 S. 3
Ziff.
4).
Im psychiatrischen Gutachten wurde ferner empfohlen, die bestehende anti
depres
sive Medikation
gegebenenfalls
entsprechend den Leitlinien
erneut
zu reflektieren (
Urk.
7/202/98 S. 25
Ziff.
7.2). RAD-Ärztin
C._
hielt in ihrer Stellung
nahme vom
September 2019 (vorstehend E. 3.5
) fest, dass sich im Labor ein Medikamentenspiegel deutlich unter dem Wirkbereich gezeigt habe.
Da der psychiatrische Gutachter die vorhandene depressive Störung als aktuell ein
schränkend beurteilte, erweist sich
die von ihm empfohlene erneute Reflexion der antidepressiven medikamentösen Behandlung
- entgegen den
Ausführungen
der behandelnden Fachpersonen (vgl.
Urk.
9 S. 4 f.
Ziff.
7) -
somit
als
grundsätzlich
nachvollziehbar
.
Als «Komorbidität» ist zu beachten, dass das Ausmass und die Einschränkung
der vorhandenen
Erkrankung aus dem depressiven Formenkreis bedingt durch die bestehende Persönlichkeitsstörung ausgeprägter, schwerwiegender und behin
dernder sind (vgl.
Urk.
7/202/95 S. 22 unten).
5.3
Zu den
Komplex
en «Persönlichkeit» und
«sozialer Kontext» ist festzuhalten,
dass v
or dem Hintergrund der Persönlichkeitsstörung der Zugriff auf noch vorhanden
e Ressourcen zumindest aktuell deutlich
erschwert
, wenn nicht verunmöglicht
ist (vgl.
Urk.
7/202/95 S. 22 unten).
Trotz der auf dem psychiatrischen Fachgebiet zu stellenden Diagnose der Persönlichkeitsstörung hat die Beschwerdeführerin
vor der Dekompensation
über Jahre im Alltag bestanden und konnte ihr Leben gestalten, was als Ressource zu werten ist (vgl.
Urk.
7/202/99
Ziff.
7.4).
Insgesamt verfügt sie zumindest über ein gewisses soziales Netz
werk
mit Kontakten zu Familie und Freunden
. S
o wurde sie für die Begutachtung von einer Freundin aus der Kirchgemeinde begleitet
(vgl.
Urk.
7/2020/83 S. 10 oben) und erhält regel
mässig Unterstützung bei administrativen Angelegenheiten (
Urk.
7/202/88 S. 15 oben), was
als eine begünstigende Ressource angesehen werden kann.
Aktuell bestehe
n neben
den Arztkontakten
wenige
soziale
Kontakte (
Urk.
7/2020/10
Ziff.
4.5).
5.4
Zu prüfen ist im Weiteren die beweisrechtlich ausschlaggebende Kategorie der «Konsistenz».
Die Beschwerdeführerin verfügt über eine grundsätzlich geordnete Tagesstruktur, welche sie
aktuell
jedoch nur mit Einschränkungen bewältigen kann (vgl.
Urk.
7/202/10
Ziff.
4.5).
Anlässlich der
allgemeinmedizinischen
Begut
achtung erwähnte sie insbesondere, dass
s
ie maximal zweimal pro Woche Sport ausübe (vg
l.
Urk.
7/202/37
Ziff.
3.2.12
) und
bis maximal zweimal pro Monat nachts auf Abruf in der Palliative
Care tätig sei (
Urk.
7/202
/36 S. 9 Ziff.
3.2.7). Ferner besuchte sie einen Intensiv-Deutschkurs vom Sozialamt, welcher sie nach eigenen Angaben vorzeitig
habe abbrechen müssen
(vgl.
Urk.
7/202/82 S. 9 oben,
Urk.
1 S. 9
Ziff.
5). Über den Tag würde sie versuchen
,
Deutsch zu lernen
,
male,
besuche regelmässig den Gottesdienst und halte Kontakt mit einer Freundin aus der Kirchgemeinde (vgl.
Urk.
7/202/87-88 S. 14 f.
Ziff.
3.2.12).
In der Vergangen
heit
habe sie eine Reise
nach Spanien
sowie Reisen nach
Peru
unternommen
, um ihre kranke Mutter zu besuchen
(vgl.
Urk.
7/202/38 S. 11 oben
,
Urk.
7/203
).
Aus ihren Angaben anlässlich der Begutachtung lässt sich schliessen, dass sie bei
er
haltener gesundheitlicher Stabilität grundsätzlich durchaus über Ressourcen ver
fügt, ihren Alltag zu bewältigen, ihre Freizeit zu gestalten, Beziehungen zu Freun
den und Verwandten zu pflegen sowie Reisen zu tätigen.
Aktuell dürften diese jedoch - in Übereinstimmung mit der Beurteilung im
Z._
-Gutachten -
eingeschränkt sein
.
Hierbei fällt insbesondere ins Gewicht, dass
sich
die Beschwerdeführerin
n
ach
den von Juli 2017 bis März 2018 durch
geführten
beruflichen Massnahmen
und
kurzzeitiger Anstellung
(
von März bis Mai 2018
)
,
von Juni bis August 2018
sowie von April 2019 bis Mai 2020
durch
gehend in
tagesklinische
r
und stationärer Behandlung
befand
(vgl.
Urk.
9 S. 3
Ziff.
4)
, was in psychiatrischer Hinsicht einen grossen Leidensdruck erkennen lässt.
Vor diesem
Hintergrund
sind die
im Gutachten festgestellten
Einschrän
kungen in der Arbeitsfähigkeit als konsistent zu werten
,
respektive
kann
für den Zeitraum der
attestierten
100%igen Arbeitsunfähigkeit eine gleich
mässige Ein
schränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebens
bereichen
an
genommen werden
. Daran ver
mag
auch die
bei der
rheumatologischen
Unter
suchung
festgestellte
Verdeutlichung nichts zu ändern,
welche
in der Beurteilung des psychischen Gesundheitszustands
durch die Gut
achter bereits
vollumfäng
liche Berücksichtigung fand
(vgl. vorstehend E. 3.3
).
5.5
Zusammenfassend
lässt sich die gutachterlich attestierte volle
Arbeitsunfähig
keit
-
welcher sich im Übrigen auch die RAD-Ärztin
anschloss (vorstehend E. 3.5
)
-
i
m Lichte
der Standardindikatoren
und deren Gesamtwürdigung
insbesondere
hinsichtlich
der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, der
vorhandenen Komorbiditäten,
der aktuell
deutlich
eingeschränkten persönlichen Ressourcen
sowie des
behandlungs- und einglied
erungsanamnestisch ausgewiesenen Leidens
druck
s
nachvollziehen.
Das
Z._
-Gutachten genügt somit sinngemäss den Anforderungen an das strukturierte Beweisverfahren.
Die
medizinisch-psychiatrische Folgenabschätzung hat
demzufolge
auch
aus juristischer Sicht
Be
stand und es
liegt kein triftiger Grund
im Sinne der Rechtsprechung
vor, der ein Abweichen davon
in rechtlicher Hinsicht
gebietet. Ferner
ist stets dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die medizinische Folgenabschätzung notgedrungen eine hohe Variabilität aufweist und unausweichlich Ermessenszüge trägt (BGE 145 V 361 E.
4.1.2
und
4.3
).
Indem d
ie
Beschwerdegegnerin
entgegen der RAD-Beurteilung und lediglich
gestützt
auf die Ressourcenprüfung vom Dezember 2019 (vorstehend E. 3.6)
- welche im Übrigen ohne Ressourcen
sprechstunde und ersichtliche Fachkompetenz erging -
von der Arbeitsfähigkeits
beurteilung im
Z._
-Gutachten
abwich, nahm sie eine unzulässige juristische Parallelbeur
tei
lung vor
(vgl. vorstehend E. 4.3
)
.
Der medizinische Sachverhalt ist dahingehend erstellt,
dass seit Februar 2016 eine volle Arbeitsunfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit ausgewiesen ist
(vgl. auch E. 3.5
).
Die Gutachter erachteten eine Steigerung der Arbeitsfähig
keit nach der Durchführung der tagesklinischen Behandlung prognostisch
indessen
als realistisch.
Der Beschwerdegegnerin
steht es
nach dem Gesagten
frei,
die Erfüllung der auferlegten Schadenminderungspflicht sowie
eine Veränderung der
Arbeitsfähigkeit respektive des Leistungsanspruchs
in revisionsrechtlicher Hinsicht zu überprüfen.
6.
6.1
Die Wartezeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit einge
treten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen). Unter relevanter Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Bestimmung ist eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Das heisst, es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungs
vermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit ent
sprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitsgebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Mit anderen Worten: Die Leistungseinbusse muss in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Umgekehrt ist eine in der beruflichen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Person tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Vielmehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer (überzeugenden) medizi
nischen Einschätzung, die ordentlicherweise echtzeitlicher Natur ist. Der Zeit
punkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungs
recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2012 vom 19. Juli 2012 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
6.2
Vorliegend ist für die Eröffnung des Wartejahrs auf die echtzeitliche Bescheini
gung durch
Dr.
med.
E._
, Assistenzarzt, Klinik für Rheumatologie, Stadt
spital
F._
, vom
1.
April 2016 abzustellen, welcher
der Beschwerdeführerin
ab
9.
Februar 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für schwere körperliche Arbeit attestierte (
Urk.
7/1).
Demnach
entsteht
der Renten
anspruch
am
1.
Februar 2017, womit auch die 6-monatige Karenzfrist nach Geltendmachung des Leistungs
anspruchs erfüllt ist (vgl.
Art.
29
Abs.
1 und 3 IVG)
.
Bei fehlender Eingliederungs
fähigkeit stehen beabsichtigte Eingliederungs
massnahmen dem Entstehen des Anspruchs auf eine Invalidenrente nicht entgegen, sondern der damit einhergehende Taggeldanspruch führt lediglich zu einer Unterbrechung des Rentenanspruchs (
vgl.
Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenver
sicherung,
3.
Auflage 2014,
Rz
12 und 14 zu
Art.
29).
Während der Dauer des Aufbautrainings erhielt die Beschwerdeführerin vom
3.
Juli 2017 bis
2.
März 2018 Taggelder (
Urk.
7/94,
Urk.
7/123). Gemäss
Art.
47
Abs.
1
bis
lit
. b IVG
i.V.m
.
Art.
29
Abs.
2 IVG
werden die Renten längstens
bis zum Ende des dritten vollen Kalendermonats, der dem Beginn der Massnahmen folgt
, gewährt.
Das Taggeld wird grundsätzlich zusätzlich zur Rente ausgerichtet, dieses wird jedoch während der Dauer des Doppelanspruchs bei der Durchführung von Abklärungs- oder Eingliederungsmassnahmen um einen Dreissigstel des Renten
betrags gekürzt (
Art.
47
Abs.
1
ter
IVG).
Vorliegend erstreckte sich die Dauer des Taggeldbezugs über eine längere Zeit als drei Monate, was eine Sistierung des Rentenanspruchs zur Folge hat.
Der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin endete somit
vorüber
gehend Ende Oktober 2017 (Ende
des dritten vollen Kalendermonats, der dem Beginn der Massnahme folgte
).
Aus den
Akten ist ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin
im Anschluss an das Aufbautraining
am
5.
März 2018
(vgl.
Urk.
7/134
)
eine Arbeitstätigkeit in einem 100%-Pensum auf
nahm, welche sie am
8.
Juni 2018 (
Urk.
7/151/3) aufgrund einer erneuten gesundheitlichen Verschlechterung (vgl.
Urk.
7/151/2) fristlos kündigte.
Da die Verbesserung der Erwerbsfähigkeit nicht mindestens drei Monate ohne wesent
liche Unterbrechung
andauerte
, führt
e
dies vorliegend
zu keiner Änderung des Rentenanspruchs (vgl.
Art.
88a
der Verordnung
über die Invalidenversicherung,
IVV)
.
Eine Erwerbsein
busse erlitt sie in diesem Zeitraum indessen nicht
(vgl.
Art.
7
Abs.
1 ATSG).
Ihr Rentenanspruch lebt
e
somit
per 1.
Mai 2018 wieder auf.
6.3
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und es ist festz
ustellen, dass die
Beschwerdeführer
in
für die Zeit vom
1.
Februar 2017 bis zum 3
1.
Oktober 2017 sowie erneut ab dem
1.
Mai 2018 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung, IVG) und auf
Fr.
9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.