Decision ID: 8221bd73-34c8-50fc-a55f-005b1f70ae38
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Das Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen hat für einen Verbund von 13
Nutzerkantonen am 19. Dezember 2016 die Beschaffung von IT-Dienstleistungen sowie
einer „Software as a Service“-Lösung für die elektronische Prüfung und Abwicklung
von Kostengutsprachen und von Spitalrechnungen im offenen Verfahren
ausgeschrieben. Zugelassen waren Angebote unter Beizug von Subunternehmern,
nicht aber Angebote von Bietergemeinschaften (ABl 2016 S. 3616 ff.). Innert der bis 24.
Februar 2017, 12.00 Uhr, offenen Frist zur Einreichung gingen fünf Angebote von fünf
Anbieterinnen ein.
Eines der Angebote war für die Stammgemeinschaften Schweiz AG und die ti&m AG,
die sich mehrfach als „Anbietergemeinschaft“ bezeichneten, unterschrieben. Auch in
der schematischen Darstellung der Organisationsstruktur waren die beiden
Unternehmen als Anbietergemeinschaft zusammengefasst. Die Netcloud war als
Subunternehmer der ti&m AG, eastcare (80 Prozent) und Grisomed (20 Prozent) waren
als Muttergesellschaften der Stammgemeinschaften Schweiz AG aufgeführt (act. 8/9
Seiten 2 und 4). Mit E-Mail vom 8. März 2017 gab das Gesundheitsdepartement den
beiden Anbieterinnen Gelegenheit, das „als Anbietergemeinschaft eingereichte
Angebot“ zu bereinigen und „mitzuteilen, welche Organisation den Generalunternehmer
stellen“ werde (act. 8/12). In der Folge wechselte die Stammgemeinschaften Schweiz
AG einzelne Seiten des Angebots aus und reichte es am 13. März 2017 per E-Mail
erneut ein (act. 8/13). Das Angebot war lediglich noch für die Stammgemeinschaften
Schweiz AG unterzeichnet und enthielt eine neue Organisationsstruktur. Die
Stammgemeinschaften Schweiz AG wurde als Generalunternehmerin bezeichnet. Die
ti&m AG, die eastcare und Grisomed sollten als „Subunternehmer“ eingesetzt werden
(act. 8/15 Seiten 2 und 4). Im „Katalog der Eignungsnachweise“ (Anhang 1) wurde die
Stammgemeinschaften Schweiz AG nicht mehr als „Anbieter“, sondern als
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„Generalunternehmer“ bezeichnet. Neu sollte die ti&m AG ausdrücklich als
„Subunternehmer“ mit der Entwicklung und dem Betrieb der Softwarelösung beauftragt
werden (act. 8/9 nach Seite 10 und act. 8/14).
An ihrer Sitzung vom 6. Juni 2017 beschloss die Regierung des Kantons St. Gallen im
Einverständnis mit den weiteren beteiligten Kantonen, den Auftrag im Gesamtbetrag
von CHF 4‘167‘225 (exklusive Mehrwertsteuer) an die Stammgemeinschaften Schweiz
AG, deren Angebot 7‘290 von maximal 10‘000 Punkten erzielt hatte, zu vergeben.
Gestützt auf die entsprechende Ermächtigung durch die Regierung verfügte das
Gesundheitsdepartement am 6. Juli 2017 den Zuschlag im Sinn des
Regierungsbeschlusses.
B. Die Glaux Soft AG (Beschwerdeführerin), deren Angebot zum Preis von CHF
5‘694‘242 im zweiten Rang mit 6‘815 Punkten bewertet und nicht berücksichtigt
worden war, erhob gegen die vom Gesundheitsdepartement (Vorinstanz) am 7. Juli
2017 versandte Zuschlagsverfügung mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterinnen vom 18.
Juli 2017 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihr
der Zuschlag zu erteilen, eventualiter die Angelegenheit zu neuer Beurteilung und neuer
Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Dem Gesuch der
Beschwerdeführerin, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu gewähren,
entsprach der zuständige Abteilungspräsident mit Zwischenverfügung vom 3. August
2017. Die Kosten des Zwischenverfahrens blieben bei der Hauptsache.
Die Stammgemeinschaften Schweiz AG (Beschwerdegegnerin) verzichtete mit Eingabe
ihrer Rechtsvertreter vom 11. August 2017 auf eine materielle Stellungnahme im
Beschwerdeverfahren. Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 23. August
2017, die Beschwerde sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge abzuweisen. Am 29.
August 2017 erhielt die Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der von der
Beschwerdegegnerin und der Vorinstanz geltend gemachten
Geheimhaltungsinteressen Einsicht in die Vergabeakten. Sie nahm am 6. September
2017 Stellung zur vorinstanzlichen Vernehmlassung. Die Vorinstanz äusserte sich dazu
am 16. Oktober 2017. Die Beschwerdeführerin antwortete am 18. Oktober 2017.
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Auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin und der Vorinstanz zur Begründung ihrer
Anträge sowie die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 5 Abs. 2 des
Einführungsgesetzes zur Gesetzgebung über das öffentliche Beschaffungswesen; sGS
841.1, EGöB). Da der Zuschlagsverfügung vom 6. Juli 2017 inhaltlich ein Beschluss der
Regierung vom 6. Juni 2017 zugrunde liegt, beurteilt das Verwaltungsgericht die
Angelegenheit in Fünferbesetzung (Art. 18 Abs. 3 Ingress lit. b Ingress und Ziff. 2 des
Gerichtsgesetzes; sGS 941.1, GerG). Die Beschwerdeführerin, die unter anderem
geltend macht, das Angebot der Beschwerdegegnerin hätte ausgeschlossen werden
müssen, und deren Angebot mit einem Rückstand von 475 von 10‘000 Punkten den
zweiten Rang erreichte, hat reelle Aussichten auf den Zuschlag und ist deshalb zur
Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerde wurde
mit gleichentags persönlich überbrachter Eingabe vom 18. Juli 2017 rechtzeitig
erhoben und erfüllt die Anforderungen in formeller und inhaltlicher Hinsicht (Art. 15 Abs.
3 IVöB). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. Zulässig ist im Übrigen
entsprechend ihrem Anspruch auf Gewährung des rechtlichen Gehörs im Sinn von Art.
29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101)
auch die Antwort der Beschwerdeführerin vom 18. Oktober 2017 zu den Ausführungen
der Vorinstanz vom 16. Oktober 2017 (vgl. BGE 139 I 189 E. 3.2, 138 I 484 E. 2.1 und
2.2).
2. Die Beschwerdeführerin macht in erster Linie geltend, das Angebot der
Beschwerdegegnerin sei ursprünglich entgegen den ausdrücklichen Anforderungen in
der Ausschreibung von einer Bietergemeinschaft eingereicht worden (dazu
nachfolgend Erwägung 2.1) und hätte deshalb von der Vorinstanz vom
Vergabeverfahren ausgeschlossen werden müssen (dazu nachfolgend Erwägung 2.2).
2.1.
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2.1.1. Art. 12 Abs. 1 VöB nennt Gründe, aus denen der Auftraggeber einen Anbieter
vom Vergabeverfahren ausschliessen kann. Dies ist unter anderem insbesondere dann
der Fall, wenn der Anbieter die Eignungskriterien nicht erfüllt (lit. a) oder wenn
wesentliche Formvorschriften der Verordnung und des Vergabeverfahrens verletzt
werden (lit. h). Die Aufzählung in Art. 12 Abs. 1 VöB ist nicht abschliessend.
2.1.2. Gemäss der von den Anbieterinnen und insbesondere auch von der
Beschwerdegegnerin nicht beanstandeten Ausschreibung sind Angebote von
Bietergemeinschaften nicht zugelassen. Im Pflichtenheft, welches Teil der
Ausschreibungsunterlagen war, wird die Nichtzulassung von Bietergemeinschaften
damit begründet, der Auftraggeber suche „einen einzigen, gesamtverantwortlichen
Vertragspartner“ (act. 8/3 Ziffer 9.9.4). Zudem wird festgehalten, die rechtzeitig
eingegangenen Angebote würden auf formelle Korrektheit geprüft und nur formell
korrekte Angebote in die Evaluation einbezogen (Ziffer 7 und 7.1). Die Anbieter
bestätigten sodann mit der Unterzeichnung und Eingabe der Offerte, dass sie die
Submissionsunterlagen samt Submissionsbedingungen verstanden hatten und damit
einverstanden waren. Insbesondere erklärten sie die Zustimmung zu den
Auswahlkriterien, namentlich den Eignungs- und Zuschlagskriterien sowie den
technischen Spezifikationen (Ziffer 9.10.3).
Das Angebot vom Februar 2017 und die Anhänge waren von der Beschwerdegegnerin
– durch den Präsidenten und ein Mitglied des Verwaltungsrates, welche beide die
Kollektivunterschrift zu zweien führen – rechtsgültig unterzeichnet. Für die ti&m AG
unterzeichnete ein – ebenfalls bloss kollektiv zu zweien zeichnungsberechtigter –
Mitarbeiter (act. 8/9 Seite 2). In der „Agenda“ zum Angebot bezeichneten sich die
beiden Unternehmen ausdrücklich als „Anbietergemeinschaft“ (act. 8/9 Seite 3). In der
Folge war unter dem Titel „Anbietergemeinschaft – Vorstellung“ die
Organisationsstruktur mit den beiden im Feld „Anbietergemeinschaft“
zusammengefassten Unternehmen ti&m AG und Stammgemeinschaften Schweiz AG
aufgezeichnet. Genannt wurden des Weiteren eastcare (80 Prozent) und Grisomed (20
Prozent) als Muttergesellschaften der Stammgemeinschaften Schweiz AG und
Netcloud als Subunternehmer der ti&m AG (act. 8/9 Seite 4). Im Management Summary
wurde begründet, weshalb das Angebot von einer Anbietergemeinschaft eingereicht
wurde (act. 8/9 Seite 5). Schliesslich war jede Seite des Angebots mit den
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gleichgewichtig nebeneinander angebrachten Logos der beiden Unternehmen
versehen.
Unter den dargelegten Umständen konnte das von der Stammgemeinschaften Schweiz
AG und der ti&m AG eingereichte Angebot nur als solches einer Bietergemeinschaft
verstanden werden. Es erfüllte damit die für einen Zuschlag unabdingbaren
Voraussetzungen – nämlich „einen einzigen gesamtverantwortlichen Vertragspartner zu
bezeichnen“ – nicht.
2.1.3. Aus den Akten ist zu schliessen, dass auch die Vorinstanz bei der Prüfung der
Angebote zum Schluss gekommen ist, jenes der Beschwerdegegnerin sei nicht allein
von ihr, sondern als Angebot einer – nicht zuzulassenden – Bietergemeinschaft
zusammen mit der ti&m AG eingereicht worden. Sie hat im Protokoll vom 24. Februar
2017 über die Öffnung der Offerten in der Spalte „Unternehmen“ sowohl die
Stammgemeinschaften Schweiz AG als auch die ti&m aufgeführt (act. 8/11). Sie hat die
Unternehmen am 8. März 2017 per E-Mail aufgefordert, das Angebot zu bereinigen und
einen Generalunternehmer zu bezeichnen. Sie hielt fest, das Angebot müsse von einem
Generalunternehmer eingegeben werden, weshalb schriftlich mitzuteilen sei, „welche
Organisation im vorliegenden Angebot den Generalunternehmer stellen“ werde
„respektive welche Organisationen als Subunternehmer in Verantwortung des
Generalunternehmers figurieren“ würden (act. 8/12). Auch im Evaluationsbericht wird
festgehalten, die „angeschriebene Firma“ habe „das Angebot dahingehend korrigiert,
dass diese ausdrücklich als Generalunternehmerin mit deklarierten Subunternehmen“
auftrete (Ziffer 4.5). Unter dem Titel „Entscheid bezüglich der Erfüllung der formellen
Kriterien“ wird zudem ausgeführt, es sei „der Anbieterin Stammgemeinschaften
Schweiz AG ... eine Nachfrist bis am 13.03.2017 zur Behebung des formellen Mangels
ihres Angebots (Angebot als Generalunternehmer anstatt als Bietergemeinschaft
gemäss Kapitel 9.9.4 und 9.9.5 des Pflichtenhefts) angesetzt“ worden; der Mangel sei
„mit Schreiben vom 13. März 2017 rechtzeitig behoben“ worden (Ziffer 4.6).
Anders als in der Vernehmlassung vom 25. Juli 2017 dargestellt, war der Vorinstanz
damit nach der Prüfung des Angebotes – aus nachvollziehbaren Gründen – offenkundig
nicht klar, dass sie den Vertrag mit der Beschwerdegegnerin als Generalunternehmerin
abschliessen würde. Vielmehr ging auch sie davon aus, dass sich mit dem Angebot ihr
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gegenüber beide Unternehmen unmittelbar verpflichtet hätten und ein allfälliger Vertrag
deshalb mit beiden Gesellschaften – was aufgrund des Ausschlusses von
Bietergemeinschaften jedoch nicht möglich gewesen wäre – hätte abgeschlossen
werden müssen.
2.1.4. In der Vernehmlassung macht die Vorinstanz geltend, die Beschwerdegegnerin
habe sich zu keinem Zeitpunkt als Bietergemeinschaft „konstituiert“. Das Wort
„Anbietergemeinschaft“ sei in der Offerte vom Februar 2017 offensichtlich irrtümlich
verwendet worden. Sie verweist auf den Anhang 1, wo ausgeführt werde, Anbieter sei
die Stammgemeinschaften Schweiz AG. Mit der Entwicklung und dem Betrieb der
Software werde die ti&m AG, mit dem Hosting der Software die Netcloud AG
beauftragt. In der PowerPoint-Präsentation sei aber der missverständliche Begriff
„Anbietergemeinschaft“ enthalten.
Diese Ausführungen der Vorinstanz erscheinen insbesondere auch im Verhältnis zu
ihrem soeben dargestellten eigenen Verhalten nach der Prüfung der Angebote (dazu
oben Erwägung 2.1.2) widersprüchlich. Zum einen handelt es sich bei dem als
PowerPoint-Präsentation bezeichneten Aktenstück um das Angebot der
Beschwerdegegnerin. Jedenfalls wird es im Aktenverzeichnis der Vorinstanz zu ihrer
Vernehmlassung ausdrücklich als Offerte bezeichnet (act. 8 und Bezeichnung des
Registers 9). Etwas anders als dieses Aktenstück liegt im Zusammenhang mit dem
ersten Angebot der Beschwerdegegnerin und der ti&m AG nicht im Recht. Im Übrigen
wird der Begriff der Anbietergemeinschaft nicht bloss auf der von der Vorinstanz
erwähnten Seite 4 des Angebots, sondern insbesondere auch bei der Darstellung der
Organisationsstruktur verwendet. In dieser Darstellung wird ausdrücklich zwischen der
ti&m AG als Mitglied der Anbietergemeinschaft und der Netcloud AG als
Subunternehmen unterschieden. Die Netcloud erscheint zudem als Subunternehmer
der ti&m AG, was voraussetzt, dass letztere als Anbieterin, welche in einem
Vertragsverhältnis mit dem Auftraggeber stehen würde, auftritt. Die spezifische
Unterscheidung zwischen Unternehmen als Teil der Bietergemeinschaft und als
Subunternehmer eingesetzten Unternehmen kommt nicht zuletzt auch darin zum
Ausdruck, dass das Angebot sowohl für die Beschwerdegegnerin als auch für die ti&m
AG unterzeichnet wurde. Dass der „Katalog der Eignungsnachweise“ im Anhang 1 mit
der Einreichung des bereinigten Angebots inhaltlich möglicherweise keine Änderung –
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im Angebot wurde die Stammgemeinschaften Schweiz AG wenn auch nicht als
Generalunternehmer, so doch als „Anbieter“ bezeichnet, die ti&m AG sollte wenn auch
nicht ausdrücklich als Subunternehmer mit der Entwicklung und dem Betrieb der
Software Lösung „beauftragt“ werden – erfahren hat (vgl. act. 8/9 nach Seite 10),
vermag nichts daran zu ändern, dass aus dem im Februar 2017 eingereichten Angebot
nicht eindeutig klar wurde, dass der Vertrag nur mit der Stammgemeinschaften
Schweiz AG abgeschlossen werden sollte. Vielmehr wiesen sämtliche Umstände darauf
hin, dass – wovon auch die Vorinstanz ausging – die beiden Gesellschaften das
Angebot gemeinsam eingereicht hatten und ein allfälliger Vertrag – was aufgrund des
Ausschlusses von Bietergemeinschaften nicht zulässig gewesen wäre – mit beiden
Gesellschaften abzuschliessen gewesen wäre. Auch die Beschwerdegegnerin führte im
Zusammenhang mit der Bereinigung aus, neu figuriere die Stammgemeinschaften
Schweiz AG als Generalunternehmer und die ti&m AG als Subunternehmer (act. 8/13).
2.1.5. Die Vorinstanz hätte deshalb gestützt auf Art. 12 Abs. 1 VöB und in
Übereinstimmung mit den Ausschreibungsbedingungen das Angebot der
Beschwerdegegnerin vom Februar 2017, das zusammen mit der ti&m AG als Angebot
einer Bietergemeinschaft eingereicht worden war, vom Verfahren ausschliessen
können.
2.2.
2.2.1. Vergabebehörden sind grundsätzlich nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet,
bei gegebenen Voraussetzungen einen Anbieter beziehungsweise dessen Angebot
vom Submissionsverfahren auszuschliessen (vgl. Galli/Moser/Lang/Steiner, Praxis des
öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. Aufl. 2013, Rz. 435). Die Entgegennahme eines
Angebots, das den Vorschriften nicht entspricht, würde das Gebot der
Gleichbehandlung der Anbietenden verletzen. Ein solches Angebot ist daher
grundsätzlich auszuschliessen. Vorbehalten bleiben das Gebot der
Verhältnismässigkeit und das Verbot des überspitzten Formalismus (vgl. Galli/Moser/
Lang/Steiner, a.a.O., Rz. 457 und 466). Eine Ermessensüberschreitung liegt deshalb
beispielsweise dann vor, wenn ein in wesentlichen Punkten unvollständiges und
teilweise auch unrichtiges Angebot durch entsprechende Rückfragen bereinigt und mit
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den anderen Angeboten überhaupt vergleichbar gemacht wird (vgl. Galli/Moser/Lang/
Steiner, a.a.O., Rz. 465 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Die Handhabung des Ermessens hat sich an den Rechtsgrundlagen zu orientieren,
welche die Prüfung und Bereinigung der Angebote regeln. Nach st. gallischem Recht
prüft der Auftraggeber gemäss Art. 31 VöB die Angebote nach einheitlichen Kriterien
(Abs. 1) und korrigiert offensichtliche Schreib- und Rechnungsfehler (Abs. 2); sind
Angaben eines Angebots unklar, kann er vom Anbieter Erläuterungen verlangen, die
schriftlich festgehalten werden (Abs. 3). Nach Art. 33 VöB sind nach klaren Regeln
geführte Verhandlungen unter Wahrung der Grundsätze der Gleichbehandlung und
Nichtdiskriminierung zulässig (Abs. 2), soweit in der Ausschreibung darauf hingewiesen
wurde und sie nicht durch internationale oder interkantonale Vereinbarungen
ausgeschlossen sind (Abs. 1). Auch das st. gallische Vergaberecht geht deshalb vom
Grundsatz der Unveränderbarkeit der Angebote nach deren Einreichung aus (vgl.
VerwGE B 2011/135 vom 18. Oktober 2011 E. 3.2.1; B 2013/46 vom 22. Mai 2013 E.
2.3).
Die Vorinstanz hat die Beschwerdegegnerin am 8. März 2017 per E-Mail auf
verschiedene Mängel des Angebots hingewiesen und ihr insbesondere Gelegenheit
gegeben, das Angebot neu als Generalunternehmerin einzureichen, weil
Bietergemeinschaften gemäss Pflichtenheft ausgeschlossen seien (act. 8/12). Damit
hat sie der Beschwerdegegnerin nicht die Bereinigung des Angebots in einem
untergeordneten Punkt, sondern die Einreichung eines neuen Angebots ermöglicht.
Wer sich in welcher Form bereit erklärt, mit der Vergabebehörde auf der Grundlage des
Angebots den Beschaffungsvertrag abzuschliessen, ist ein wesentlicher Inhalt des
Angebots. Die Vorinstanz hat damit das ihr beim Entscheid über den Ausschluss
zukommende Ermessen überschritten. Sie hat Ermessen in einem Bereich ausgeübt, in
welchem ihr kein Ermessen zustand.
2.2.2. Was die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vorbringt, vermag daran nichts zu
ändern. Sie macht geltend, weil es sich um ein offensichtliches Versehen der
Anbieterinnen gehandelt habe, wäre ein Ausschluss überspitzt formalistisch. Es
entspricht dem Zweck und Charakter des Submissionsverfahrens, dass sowohl seitens
der Offerenten wie auch seitens der Vergabeinstanz bestimmte Formvorschriften
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eingehalten werden müssen, deren Missachtung den Ausschluss der betreffenden
Offerte oder die Ungültigkeit des Vergabeverfahrens nach sich ziehen kann. Nicht jede
Unregelmässigkeit vermag aber eine solche Sanktion zu rechtfertigen. Aus Gründen
der Verhältnismässigkeit darf (und soll) vom Ausschluss einer Offerte oder von der
Ungültigerklärung des Verfahrens abgesehen werden, wenn der festgestellte Mangel
relativ geringfügig ist und der Zweck, den die in Frage stehende Formvorschrift
verfolgt, dadurch nicht ernstlich beeinträchtigt wird (vgl. BGer 2P.276/3005 vom
13. Dezember 2005 E. 2.4 mit Hinweisen auf weitere bundesgerichtliche
Rechtsprechung).
Wie bereits dargestellt, kann der Mangel des Angebots, welches die
Beschwerdegegnerin zusammen mit der ti&m AG als Bietergemeinschaft einreichte,
nicht mehr als relativ geringfügig bezeichnet werden. Bis zur „Bereinigung“ des
Angebots war nicht klar, mit welchem Unternehmen – eine Bietergemeinschaft kam
nicht in Frage – der Vertrag abgeschlossen werden und welches Unternehmen
dementsprechend als Vertragspartner den Auftraggebern für die richtige Erfüllung des
Auftrags haften würde. Im Übrigen hat die Beschwerdegegnerin im Vergleich mit dem
ursprünglichen Angebot nicht bloss die ti&m AG, sondern auch ihre
Muttergesellschaften – die eastcare AG und die Grisomed AG – neu als
Subunternehmen bezeichnet (act. 8/15, Seite 4).
3. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als begründet. Die angefochtene
Zuschlagsverfügung ist aufzuheben. Gemäss der verwaltungsgerichtlichen Praxis (vgl.
VerwGE B 2014/248 vom 28. Juli 2015, B 2014/21 vom 14. Mai 2014, B 2013/46 vom
22. Mai 2013, www.gerichte.sg.ch; vgl. auch M. Beyeler, Vergaberechtliche Entscheide
2014/2015, Zürich/Basel/Genf 2016, Rz. 451) kann bei klarem Sachverhalt und klarer
Rechtslage der Zuschlag unmittelbar der Beschwerdeführerin erteilt werden. Diese
Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt. Das Angebot der Beschwerdegegnerin hätte
ausgeschlossen werden müssen. Von den verbleibenden drei Angeboten hat jenes der
Beschwerdeführerin 6‘815, die anderen beiden 4‘328 und 4‘270 von 10‘000 Punkten
erzielt. Abgesehen davon, dass sich die letzteren Anbieterinnen mit der
Nichtberücksichtigung abgefunden haben und nach der ständigen
verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung nicht mehr am Verfahren beteiligt sind, hat
das Angebot der Beschwerdeführerin den zweiten Rang erreicht. Dementsprechend ist
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der Zuschlag für die Beschaffung von IT-Dienstleistungen sowie einer „Software as a
Service“-Lösung für die elektronische Prüfung und Abwicklung von Kostengutsprachen
und von Spitalrechnungen der Beschwerdeführerin zu erteilen.
4. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten vom Staat
(Gesundheitsdepartement) – die Beschwerdegegnerin hat sich am
Beschwerdeverfahren nicht beteiligt – zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr – darin eingeschlossen die Kosten der Zwischenverfügung vom 3.
August 2017 – von CHF 14‘000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziffer 211 und 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung wird nicht verzichtet (Art. 95
Abs. 3 VRP). Der Staat (Gesundheitsdepartement) hat die Beschwerdeführerin für das
Beschwerdeverfahren ermessensweise mit CHF 8‘000 zuzüglich CHF 320 pauschale
Barauslagen (vier Prozent von CHF 8‘000) zu entschädigen (Art. 9, 16, 22 Abs. 1
Ingress und lit. b und 28bis der Honorarordnung für Rechtsanwältinnen und
Rechtsanwälte, sGS 963.75, HonO). Die Beschwerdeführerin ist selbst
mehrwertsteuerpflichtig, weshalb sie die in der Honorarrechnung ihres Anwalts
belastete Mehrwertsteuer als Vorsteuer von ihrer eigenen Steuerschuld wieder
abziehen kann. Die Mehrwertsteuer kann deshalb bei der Bemessung der
ausseramtlichen Entschädigung unberücksichtigt bleiben (vgl. VerwGE B 2012/54 vom
3. Juli 2012 E. 6, www.gerichte.sg.ch; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.
gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 194).