Decision ID: 10ce898d-db81-4e0a-9271-3df780183bf5
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 5. September 2011 erstmals zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). PD Dr. med. B._, Facharzt für
Gastroenterologie und Innere Medizin, hatte am 12. August 2011 die Diagnosen Status
nach Hüftoperation beidseits als Kleinkind wegen Hüftluxation, lumbovertebrales
Schmerzsyndrom und Adipositas festgehalten (IV-act. 2). Dr. med. C._, Radiologie,
Klinik D._, führte am 30. Januar 2012 ein Computertomogramm der linken Hüfte
durch und berichtete gleichentags unter anderem über eine Hüftdysplasie (IV-act.
37-7). Dr. med. E._, FMH Orthopädische Chirurgie, hielt in seinem Bericht vom 30.
Januar 2012 als Diagnosen eine Dysplasie-Coxarthrose links mit Beinverkürzung von
2cm, eine Coxarthrose rechts, ein Valgusknie links, eine Spondylarthrose der
Lendenwirbelsäule (LWS) und eine Adipositas fest. Aktuell bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit für stehende Tätigkeiten und eine Arbeitsfähigkeit für sitzende
Tätigkeiten (IV-act. 37).
A.b Dr. B._ attestierte der Versicherten ab 6. Februar 2012 eine Arbeitsunfähigkeit
von 100% (IV-act. 47). Am 7. Februar 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
aufgrund ihres Gesundheitszustandes seien zurzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich (IV-act. 34). Vom 28. März bis 20. April 2012 war
die Versicherte im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) hospitalisiert, wo ihr beidseits eine
Hüftprothese implantiert wurde (IV-act. 123-30 f.). Vom 22. April bis 3. Mai 2012 befand
sie sich stationär im F._ (IV-act. 52). Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, hatte am 24. April 2012 aus psychiatrischer Sicht über ein
chronisch depressives Zustandsbild (ICD-10: F33.11) seit ca. 2010 berichtet. Die
Versicherte werde es sehr schwer haben, im ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen (IV-
act. 41). Am 20. Juli 2012 hielt Dr. G._ fest, die Versicherte habe am 9. Juli 2012 die
Arbeit an einem geschützten Arbeitsplatz beim Brockenhaus der J._ in einem
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Pensum von 30% wiederaufgenommen. Die Prognose sei eher schlecht, sie werde
maximal 50% in geschütztem Rahmen (mit Leistungseinbusse) arbeiten können. Eine
volle Leistung werde nie mehr möglich sein (IV-act. 54, vgl. IV-act. 58).
A.c Ein operativer Begleiter des Programms I._ der J._ berichtete am 22. Januar
2013, die Versicherte arbeite seit dem 17. Mai 2010 im Rahmen des
Arbeitsintegrationsprogramms der J._ im Brockenhaus. Nach krankheitsbedingten
Absenzen arbeite sie seit Juli 2012 in einem Pensum von 30%; eine Steigerung sei
gescheitert (IV-act. 63-8).
A.d Im Auftrag der IV-Stelle (vgl. IV-act. 78) wurde die Versicherte durch Ärzte der
Medizinischen Gutachtenzentrum Region St. Gallen GmbH (MGSG) bidisziplinär
(orthopädisch, psychiatrisch) abgeklärt. In ihrem Gutachten vom 5. September 2013
listeten diese als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Schmerzpersistenz nach Implantation einer zementfreien Hüfttotalprothese links im
März 2012 und rechts im April 2012 sowie eine chronische depressive Verstimmung
(Dysthymie, ICD-10: F34.1), bestehend etwa seit Januar 2011, auf. Seit Januar 2013
könnten adaptierte Tätigkeiten bei voller Stundenpräsenz zu 90% und die
angestammte Tätigkeit als Verkäuferin in einer Brockenstube zu 60%
(Arbeitsunfähigkeit 40%) zugemutet werden (IV-act. 86). Am 25. Oktober bzw. 11.
November 2013 beantworteten die Gutachter Rückfragen der IV-Stelle (vgl. IV-act. 87,
90). Der orthopädische Teilgutachter Dr. med. K._, Spezialarzt Orthopädie FMH,
klärte im Auftrag der IV-Stelle die Hüftgelenksschmerzen weiter ab (vgl. IV-act. 123-18
f.) und hielt am 26. November 2013 fest, diese seien am ehesten auf Enthesiopathien
zurückzuführen. Die Arbeitsfähigkeit als Verkäuferin betrage 60%, in einer adaptierten
Tätigkeit 90% bei voller Stundenpräsenz (IV-act. 93).
A.e Dr. G._ berichtete am 9. Dezember 2013 über mittelgradige rezidivierende
depressive Episoden (ICD-10: F33.11), eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
unreifen und narzisstischen Anteilen (ICD-10: F61.0) sowie chronische Schmerzen in
den Hüftgelenken beidseits. Im ersten Arbeitsmarkt sei die Versicherte unmöglich
arbeitsfähig. Die Stelle im Brockenhaus sei ein geschützter Arbeitsplatz, wo man auf
ihre Beeinträchtigungen eingehen könne. Auch dort sei nur ein Pensum von 30%
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möglich. Im ersten Arbeitsmarkt würde die Arbeitsfähigkeit ca. 15% betragen (IV-act.
212-19 ff.).
A.f Am 10. September 2014 wurde bei der Versicherten eine Dekompression des
Nervus ulnaris bei Kubitaltunnelsyndrom links durchgeführt (vgl. IV-act. 117-10 ff.). Am
16. März 2015 unterzog sie sich aufgrund eines Rezidivs des Sulcus ulnaris Syndroms
links und eines Karpaltunnelsyndroms links einer Ulnaris-Neurolyse sowie einer
Karpaldachspaltung (IV-act. 117-4 ff.). Die behandelnden Ärzte des Spitals L._
befanden am 12. Mai 2015, die Versicherte sei ab sofort wieder zu 50% arbeitsfähig
(IV-act. 123-8).
A.g Die IV-Stelle hatte der Versicherten am 10. Juni 2014 Beratung und Unterstützung
bei der Stellensuche gewährt (IV-act. 107). Da es nicht gelungen war, die Versicherte in
den Arbeitsmarkt zu integrieren, wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren auf
berufliche Massnahmen am 2. September 2015 ab (IV-act. 131).
A.h Im Auftrag der IV-Stelle (vgl. IV-act. 154) wurde die Versicherte im Mai 2016 durch
Ärzte des MGSG polydisziplinär (internistisch, orthopädisch, neurologisch,
psychiatrisch) abgeklärt. In ihrem Gutachten vom 4. Juli 2016 listeten diese als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Schmerzpersistenz nach
zementfreier Hüfttotalprothese links und rechts mit diskreter Ansatztendinopathie am
Trochanter major beidseits sowie eine chronische depressive Verstimmung
(Dysthymie), bestehend seit etwa Januar 2011 (ICD-10: F34.1), auf. In der
angestammten Tätigkeit als Mitarbeiterin einer Brockenstube betrage die
Arbeitsfähigkeit bei voller Stundenpräsenz seit Januar 2011 80%, von März bis
Dezember 2012 0% und seit Januar 2013 60%. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe
seit Januar 2013 eine Arbeitsfähigkeit von 90% (IV-act. 161). Die Rückfragen der IV-
Stelle (IV-act. 162) beantwortete Dr. K._ am 5. August 2016 (IV-act. 164).
A.i Mit Vorbescheid vom 26. August 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 170). Dagegen erhob die
Versicherte am 3. Oktober 2016 Einwand (IV-act. 171). Sie reichte unter anderem eine
konsiliarische Beurteilung vom 23. September 2016 von Dr. med. M._, Facharzt
Neurologie, Ambulatorium der Klinik N._, ein. Dieser hatte eine leichte
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Intelligenzminderung sowie eine leichte bis mittelschwere neuropsychologische
Funktionsstörung diagnostiziert. Er führte aus, er erachte die von Dr. G._ gemachte
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von ca. 30% in einem geschützten Rahmen für
realistisch (IV-act. 171-10 f.). Dr. G._ hielt in seinem Bericht vom 5. Oktober 2016 als
Diagnosen rezidivierende depressive Episoden, zurzeit mittelgradig depressives
Zustandsbild (ICD-10: F33.11), eine kombinierte Persönlichkeitsstörung vom
narzisstischen Typus mit unreifen Anteilen (ICD-10: F61.0), eine leichte
Minderintelligenz mit Verhaltensauffälligkeiten (ICD-10: F70.1) sowie eine leichte bis
mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung fest. Die Arbeitsfähigkeit betrage
30%, am besten in einem geschützten Rahmen (IV-act. 173-3 ff.).
A.j Im Auftrag der IV-Stelle (IV-act. 182, bzgl. Einwand der Versicherten gegen die
gewählte Gutachterstelle vgl. IV-act. 186 ff.) wurde die Versicherte im März 2017 durch
Ärzte der PMEDA AG polydisziplinär (internistisch, neurologisch, neuropsychologisch,
orthopädisch, psychiatrisch) abgeklärt. In ihrem Gutachten vom 19. Juni 2017 listeten
diese als Diagnosen mit qualitativer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Hüft-
Totalendoprothesen-Implantation beidseits 2012 mit funktionell gutem operativem
Ergebnis, eine Funktionsstörung der linken Schulter, ein leichtgradiges
Carpaltunnelsyndrom rechts, einen Residualbefund nach Carpaltunneloperation links
im März 2015 mit nach elektrophysiologischen Kriterien residuellem leichtgradigem
Carpaltunnelsyndrom, einen Status nach zweimaliger Sulcus ulnaris-Operation links mit
klinisch residueller sensomotorischer Ulnarisschädigung links und eine leichtgradige
kognitive Störung (ICD-10: F06.7) auf. Sie befanden, die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten sei sowohl in der zuletzt ausgeübten wie auch in einer adaptierten
Tätigkeit als nicht limitiert anzusehen. Die angelernte Tätigkeit als Schneiderin sei nicht
geeignet, die diesbezügliche Arbeitsfähigkeit betrage 0%. Diese Bewertung gelte
spätestens ex nunc (IV-act. 196).
A.k Mit Vorbescheid vom 24. Juli 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten erneut die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 200). Dagegen erhob die
Versicherte am 14. September 2017 Einwand und beantragte die Zusprache einer
ganzen Rente mit Wirkung ab 1. März 2012, eventualiter die Zusprache von beruflichen
Eingliederungsmassnahmen (IV-act. 201). Sie reichte eine Stellungnahme von Dr. G._
vom 22. August 2017 zum Gutachten der PMEDA ein (IV-act. 201-5 f.). RAD-Ärztin Dr.
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med. O._, befand am 14. November 2017, es könne weiterhin auf das Gutachten der
PMEDA abgestützt werden (IV-act. 204).
A.l Am 23. November 2017 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid (IV-
act. 205).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 23. November 2017 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 9. Januar 2018. Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
beantragte darin deren Aufhebung und die Zusprache einer ganzen Rente mit Wirkung
ab 1. März 2012. Eventualiter seien ihr berufliche Eingliederungsmassnahmen
zuzusprechen. Subeventualiter sei die Sache zur Vornahme ergänzender Abklärungen
und zur neuen Entscheidung über den Leistungsanspruch an die Vorinstanz
zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie brachte vor, bei
ihrer letzten Tätigkeit in der Brockenstube handle es sich um eine vollumfänglich vom
Sozialamt finanzierte und im geschützten, betreuten Rahmen angebotene
Beschäftigung. Die Gutachter hätten diese hingegen als Tätigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt qualifiziert. Seit 1. Mai 2010 bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt, weshalb sie sechs Monate nach ihrer IV-Anmeldung,
mithin ab 1. März 2012, einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. Wolle die
IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) noch von einer verwertbaren
Arbeitsfähigkeit ausgehen, müsse sie ihr im Rahmen von beruflichen Massnahmen
Hilfestellung bieten (act. G1).
B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 29. März 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie führte aus, das Gutachten
der PMEDA sei schlüssig. Die Beschwerdeführerin könne in einer angepassten
Tätigkeit vollumfänglich tätig sein. Die Zumutbarkeitsprofile seien nicht anhand ihrer
bisherigen Arbeitstätigkeit erstellt worden, sondern basierend auf ihren vorhandenen
Ressourcen. Es resultiere ein IV-Grad von 0%. Die Beschwerdegegnerin habe bereits
im Vorfeld zur Rentenprüfung Arbeitsvermittlung zugesprochen und sei damit dem
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" hinreichend nachgekommen (act. G6).
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B.c Mit Eingabe vom 17. April 2018 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest und verzichtete auf eine einlässliche Replik (act. G8 f.).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist primär der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Rente der Beschwerdegegnerin.
1.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden. Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das
Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.2 Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
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gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a am Schluss, BGE 117 V 282 E. 4.a).
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
Vorab ist die Frage zu klären, ob die medizinische Situation und die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin rechtsgenüglich abgeklärt wurden. Die angefochtene Verfügung
stützt sich in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das Gutachten der PMEDA
vom 19. Juni 2017 (IV-act. 196). Die Beschwerdeführerin spricht diesem die
Beweiskraft ab (act. G1).
2.1 In ihrem Gutachten vom 19. Juni 2017 listeten die PMEDA-Gutachter als
Diagnosen mit qualitativer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Hüft-
Totalendoprothesen-Implantation beidseits 2012 mit funktionell gutem operativem
Ergebnis, eine Funktionsstörung der linken Schulter, ein leichtgradiges
Carpaltunnelsyndrom rechts, einen Residualbefund nach Carpaltunneloperation links
im März 2015 mit nach elektrophysiologischen Kriterien residuellem leichtgradigem
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Carpaltunnelsyndrom, einen Status nach zweimaliger Sulcus ulnaris-Operation links mit
klinisch residueller sensomotorischer Ulnarisschädigung links und eine leichtgradige
kognitive Störung (ICD-10: F06.7) auf. Sie befanden, die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten sei sowohl in der zuletzt ausgeübten wie auch in einer adaptierten
Tätigkeit als nicht limitiert anzusehen. Die angelernte Tätigkeit als Schneiderin sei nicht
geeignet, die diesbezügliche Arbeitsfähigkeit betrage 0%. Diese Bewertung gelte
spätestens ex nunc (IV-act. 196).
2.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihre letzte Arbeitstätigkeit im Brockenhaus
bei der J._ sei eine Tätigkeit in geschütztem Rahmen gewesen. Die Gutachter hätten
diese fälschlicherweise als angestammte Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
interpretiert (act. G1). Bei der genannten Tätigkeit handelte es sich um ein vom
Sozialamt finanziell unterstütztes Programm zur beruflichen und sozialen Integration in
den Arbeitsmarkt (IV-act. 25, 31). Dies ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer
Tätigkeit in geschütztem Rahmen. Gemäss Angaben im Fragebogen für Arbeitgebende
vom 22. Januar 2013 wurde das Arbeitsintegrationsprogramm aufgrund wiederholter
gesundheitsbedingter Arbeitsausfälle mehrmals verlängert und daher von einer
Anstellung abgesehen. Ohne Gesundheitsschaden hätte die Beschwerdeführerin Fr.
3'600.-- monatlich verdienen können (IV-act. 63), was gegen eine Tätigkeit in
geschütztem Rahmen spricht. Weder dem Fragebogen noch den Berichten der
Arbeitgeberin lassen sich sodann Hinweise darauf entnehmen, dass die
Arbeitsbedingungen nicht jenen des ersten Arbeitsmarkts entsprachen (vgl. IV-act. 25,
63-8). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass bei der Bemessung des
Invaliditätsgrades die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit, nicht in der
angestammten, massgebend ist. Die Gutachter äusserten sich zu den
Adaptions¬kriterien und schätzten die entsprechende Arbeitsfähigkeit. Sie hielten auch
die letzte Tätigkeit in der Brockenstube für adaptiert und die Beschwerdeführerin
folglich für voll arbeitsfähig (IV-act. 196). Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, sie
sei Geburtsinvalide und der Einkommensvergleich sei daher nach Art. 26 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) vorzunehmen (vgl. act.
G1), ist dem nicht zu folgen. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht festhielt, war die
Beschwerdeführerin in der Lage, eine Anlehre zur Vorhangnäherin zu absolvieren sowie
2009 ein Bürofachdiplom zu erlangen (vgl. IV-act. 3-15 ff.). Zudem war sie von 1980 bis
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2009 mit lediglich kurzen Unterbrüchen auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig und trat
sodann im Mai 2010 ihre Stelle in der Brockenstube an (IV-act. 3, 16, 29, act. G1.11).
2.3 Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, das Geburtsgebrechen der
Oligophrenie lasse sich nicht schlüssig verneinen. Es handle sich dabei um eine
allgemeine Bezeichnung für einen ätiologisch uneinheitlichen, angeborenen oder
frühzeitig erworbenen Intelligenzdefekt (act. G1). Dr. M._ berichtete am 23.
September 2016 über eine leichte Intelligenzminderung. Das allgemeine
Intelligenzniveau liege mit einem Intelligenzquotient (IQ) von 76 mit 95%iger
Wahrscheinlichkeit im IQ-Bereich zwischen 72 und 81, weshalb im Vergleich zur
Normstichprobe von einem unterdurchschnittlichen intellektuellen Niveau auszugehen
sei (IV-act. 171-10 ff.). Gestützt darauf hielt auch Dr. G._ am 5. Oktober 2016 eine
leichte Minderintelligenz mit Verhaltensauffälligkeiten (ICD-10: F70.1) fest. Die
Beschwerdeführerin könne einfache Zusammenhänge nicht verstehen und neige dazu,
die kognitiven Defizite zu überspielen (IV-act. 173-3 ff.). Der neuropsychologische
PMEDA-Teilgutachter Mag. rer. nat. P._ hielt fest, die Beschwerdeführerin sei im
Gespräch konzentriert geblieben. Der Gedankengang sei flüssig, leicht ausschweifend,
aber nachvollziehbar. Es bestehe kein irreales, pathologisches Abweichen des
inhaltlichen Denkens. Er führte verschiedene testpsychologische Erhebungen durch
und kam gestützt darauf zum Schluss, der IQ betrage 82, was leicht
unterdurchschnittlich sei. Bezüglich der Einschätzung von Dr. M._ führte Mag. P._
aus, die Kriterien einer leichten Intelligenzminderung seien nicht erfüllt. Dafür müsste
der IQ zwischen 50 und 69, bzw. das Intelligenzalter zwischen 9 und 12 Jahren liegen
(vgl. auch den entsprechenden Eintrag zu ICD-10: F70.0, abrufbar auf https://
www.dimdi.de/static/ de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/kode-suche/). Sowohl der von
ihm, als auch von Dr. M._ geschätzte IQ liege deutlich über dem vorgegebenen
Cutoff. Mag. P._ diagnostizierte eine leichtgradige kognitive Störung (ICD-10: F06.7).
Die Funktionsfähigkeit sei im Alltag und in den meisten beruflichen Anforderungen nicht
eingeschränkt. Kognitiv anspruchsvolle Tätigkeiten seien hingegen ungeeignet (IV-act.
196-51 ff.). Auch der psychiatrische Teilgutachter med. pract. Q._ befand,
Konzentration und Aufmerksamkeit seien unauffällig. Das formale Denken sei geordnet,
auf das Wesentliche beschränkt und in angemessener Geschwindigkeit. Hinweise für
inhaltliche Denkstörungen lägen nicht vor (IV-act. 196-45). Schliesslich sind auch den
Vorgutachten des MGSG keine Hinweise auf eine Minderintelligenz zu entnehmen (IV-
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act. 86, 161). Insgesamt ist eine relevante Minderintelligenz damit nicht überwiegend
wahrscheinlich nachgewiesen.
2.4 Med. pract. Q._ diagnostizierte eine weitgehend remittierte mittelgradige
depressive Episode bei Verdacht auf rezidivierende depressive Störung (ICD-10:
F33.0). Aus den anamnestischen Angaben und den Untersuchungsbefunden ergebe
sich, dass es bei der Beschwerdeführerin nach der Kündigung des letzten
Arbeitsplatzes zu einer reaktiven depressiven Entwicklung mit einer mittelgradigen
Ausprägung gekommen sei. Im Zuge der fortlaufenden ambulanten Behandlung sei
eine sukzessive Remission zu objektivieren. Aktuell bestehe noch eine subsyndromale
Restsymptomatik bei einer inzwischen weitgehenden Remission. Aufgrund der
Anamnese sei eine rezidivierende depressive Störung wahrscheinlich (IV-act. 196-47).
Entgegen der Kritik von Dr. G._ bezeichnete med. pract. Q._ die jahrelangen
depressiven Phasen somit nicht "lapidar" als remittiert (vgl. IV-act. 201-5), sondern
begründete seine Einschätzung überzeugend. Med. pract. Q._ führte zudem aus, die
vom psychiatrischen MGSG-Teilgutachter diagnostizierte chronisch depressive
Verstimmung (Dysthymie; vgl. IV-act. 161) könne er retrospektiv nicht nachvollziehen.
Im Gutachten des MGSG von 2016 sei bezogen auf den Affekt eine bessere affektive
Situation als im Jahre 2013 beschrieben worden, so dass keine fixierte psychische
Störung anzunehmen sei (IV-act. 196-48). Die von Dr. G._ diagnostizierte kombinierte
Persönlichkeitsstörung vom narzisstischen Typus mit unreifen Anteilen (ICD-10: F61.0;
vgl. IV-act. 173-3) hielt med. pract. Q._ für nicht nachvollziehbar. Er begründete
plausibel, die Beschwerdeführerin sei viele Jahre im Verkauf tätig gewesen, habe keine
diesbezüglichen interaktionellen Probleme beschrieben und auch während der
aktuellen Exploration keine auf einen inadäquaten Narzissmus hindeutende
Verhaltensweise gezeigt. Auch lasse sich keine derartige Störung in Kindheit oder
Jugend erkennen, weshalb die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt seien
(IV-act. 196, 49).
2.5 Die PMEDA-Gutachter befanden, für die reklamierten Beschwerden habe sich
zumindest hinsichtlich der Ausprägung kein ausreichendes objektives Befundkorrelat
gefunden, sodass eine Aggravation anzunehmen sei. Auch im MGSG-Gutachten von
2016 sei orthopädischerseits bereits darauf hingewiesen worden, dass die objektiven
Befunde die Beschwerden nicht ausreichend erklärten (IV-act. 196-64). Dr. G._ stellt
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sich hingegen auf den Standpunkt, es liege keine Aggravation vor, die
Beschwerdeführerin dissimuliere im Gegenteil. Sie präsentiere ihre gesamte
Lebenssituation und ihr psychisches Zustandsbild viel besser, als es in Wirklichkeit sei
(IV-act. 201-5). Für diese Darstellung gibt es jedoch in den weiteren ärztlichen
Berichten keine Hinweise, jedenfalls ist sie nicht hinreichend belegt. Die Vorbringen von
Dr. G._ sind damit nicht geeignet, die Einschätzung der Gutachter in Zweifel zu
ziehen.
2.6 Weiter bemängelt Dr. G._, die Feststellung der PMEDA-Gutachter, wonach bei
der Beschwerdeführerin eine gut erhaltene Selbständigkeit, Selbstversorgung, soziale
Integration und Aktivität bestehe, sei ein absoluter Widerspruch zu ihrem tatsächlichen
Alltag. Sie lebe in einer kleinen Wohnung, sei seit Jahren vom Sozialamt abhängig und
sozial isoliert. Bei den erwähnten Busreisen handle es sich um billige Werbefahrten (IV-
act. 201-6). Dem Gutachten der PMEDA ist hingegen zu entnehmen, dass sich die
Beschwerdeführerin in einer Fernbeziehung befindet, ihren Partner in R._
regelmässig mit dem Fernbus besucht, wenige Kollegen habe sowie sich selten mit
einer Nachbarin im Haus treffe. Ausserdem ist sie in der Lage, den Haushalt selbst zu
führen (IV-act. 196-25 f., 196-30, 196-37). Sie ist damit mindestens bis zu einem
gewissen Grad sozial integriert und die Selbstversorgung ist erhalten. Dass sie
möglicherweise in administrativen Angelegenheiten die Unterstützung des Sozialamts
in Anspruch nimmt, wie Dr. G._ aussagt, ist für sich betrachtet nicht ungewöhnlich
und kann nicht als Hinweis verstanden werden, die von den Gutachtern beschriebene
Selbständigkeit in Frage zu stellen.
2.7 Die PMEDA-Gutachter befanden, die Beschwerdeführerin sei spätestens seit dem
Gutachten in der zuletzt ausgeübten sowie jedweder vergleichbaren Tätigkeit oder
auch einer anderen, körperlich leichten, wechselbelastend oder überwiegend sitzend
ausgeübten, geistig einfachen Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarkts als nicht limitiert
anzusehen (vgl. IV-act. 196-68 f.). Dr. G._ erachtete die Beschwerdeführerin
hingegen als zu lediglich 30% arbeitsfähig, am besten in einem geschützten Rahmen
(IV-act. 173-5, vgl. IV-act. 137, 212-19 ff.). Dr. M._ hielt am 23. September 2016 die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. G._ für realistisch. Er führte aus, es gelinge nur
unter günstigen Umständen, Personen mit Minderintelligenz in den ersten Arbeitsmarkt
zu integrieren. Da sich bei der Beschwerdeführerin allerdings eine Kombination mit
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einer Persönlichkeitsstörung finde, sei die Arbeitsfähigkeit als massiv eingeschränkt zu
bewerten. Die Einschränkungen dieser beiden Diagnosen potenzierten sich gegenseitig
(IV-act. 171-10 f.). Wie vorangehend ausgeführt, ist jedoch weder die Diagnose der
Minderintelligenz noch diejenige der Persönlichkeitsstörung mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit erstellt. Folglich sind auch die Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr.
G._ und Dr. M._ nicht nachvollziehbar. Dr. med. S._, Allgemeinmedizin FMH, gab
an, eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei seit 12. Juni 2015 für vier Stunden pro
Tag in Wechselbelastung und mit leichter körperlicher Belastung möglich, begründete
die quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit jedoch nicht (IV-act. 123-1 ff.).
2.8 Die Beschwerdeführerin bringt zu Recht vor, dass die PMEDA-Gutachter die
Arbeitsfähigkeit spätestens ex nunc, also ab dem Gutachtenszeitpunkt, festgelegt und
auf eine retrospektive Beurteilung verzichtet hätten (vgl. act. G1). Die Gutachter hielten
dazu fest, aktenkundig sei vorangehend eine höhergradige Depressivität attestiert
worden, die sich anhand der aktuellen psychiatrischen Exploration nicht mehr
attestieren und retrospektiv hinsichtlich Ausprägung, Zeitgang und Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit ausreichend zeitlich eingrenzen und quantifizieren lasse. Die
orthopädische Vorbewertung sei nicht hinreichend schlüssig (IV-act. 196-69). Das
orthopädische Teilgutachten des MGSG vom 4. Juli 2016 war insofern unvollständig,
als es die seit der Vorbegutachtung aufgetretenen Beschwerden der Schulter links
sowie das Carpaltunnelsyndrom nicht berücksichtigte (vgl. IV-act. 161 f., 164). Dies ist
jedoch insofern unproblematisch, als die PMEDA-Gutachter zwar eine
Funktionsstörung der linken Schulter und ein leichtgradiges Carpaltunnelsyndrom
rechts sowie einen Residualbefund nach Carpaltunneloperation links diagnostizierten,
diese sich gemäss überzeugender Einschätzung aber nur qualitativ auf die
Arbeitsfähigkeit auswirken (IV-act. 196). Es ist daher mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die durch das MGSG nicht erhobenen
Beschwerden nicht zu einer höheren Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
geführt hätten als die damals attestierte 10%ige Einschränkung (vgl. IV-act. 161).
Bezüglich der weiteren Teilgutachten des MGSG, insbesondere des psychiatrischen,
brachten die Parteien sodann - abgesehen von den bereits in Bezug auf das PMEDA-
Gutachten diskutierten Kritikpunkte - keine nennenswerten Zweifel vor, sodass auf
diese abgestellt werden kann (die Kritik von Dr. G._ gegen das Gutachten der MGSG
in IV-act. 173-3 ff. betrifft im Wesentlichen die gleichen Aspekte wie diejenige gegen
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das PMEDA-Gutachten; vgl. IV-act. 201-5 f.). Eine mehr als 10%ige Arbeitsunfähigkeit
in einer adaptierten Tätigkeit zwischen Januar 2013 und der Begutachtung durch die
PMEDA im März 2017 ist damit nicht überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen (vgl.
IV-act. 86, 161, 196). Dazwischen kam es aufgrund der Operationen betreffend der
Ulnaris-Neuropathie bzw. des Carpaltunnelsyndroms (IV-act. 117-4 ff., 117-10 ff.)
sowie eines Treppensturzes mit der Folge von Schmerzen im Schultergelenk links (vgl.
IV-act. 117-24) lediglich zu einer vorübergehenden Verschlechterung des
Gesundheitszustandes und befristeter, für einen Rentenbezug nicht genügend lange
andauernden, Arbeitsunfähigkeiten (vgl. IV-act. 150).
2.9 Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt weiter ins Gewicht, dass das
PMEDA-Gutachten vom 19. Juni 2017 sowie das Gutachten der MGSG vom 5. August
2016 auf umfassender Aktenkenntnis sowie polydisziplinären eigenen Untersuchungen
beruhen, das gesamte Leidensbild der Beschwerdeführerin berücksichtigen und die auf
dieser Grundlage gezogenen Schlüsse nachvollziehbar sind. Aus den von der
Beschwerdeführerin vorgebrachten medizinischen Einschätzungen, insbesondere
denjenigen von Dr. G._, ergeben sich zudem keine objektiven Gesichtspunkte,
welche im PMEDA-Gutachten ausser Acht gelassen worden wären. Schliesslich
wurden auch keine zwischen dem PMEDA-Gutachten vom 19. Juni 2017 und der
umstrittenen Verfügung der IV-Stelle vom 23. November 2017 eingetretenen
massgeblichen Veränderungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit geltend
gemacht und solche ergeben sich auch nicht aus den Akten.
3.
Die Beschwerdeführerin ist seit 6. Februar 2012 in ihrer angestammten Tätigkeit
durchgehend in relevantem Ausmass arbeitsunfähig gewesen (vorher bestand ein rund
fünfmonatiger Unterbruch, vgl. IV-act. 25, 197-2 bzw. gemäss Gutachten des MGSG
lediglich eine Arbeitsunfähigkeit von 20%, vgl. IV-act. 86-32, 161) und hat sich am 5.
September 2011 zum Rentenbezug angemeldet (vgl. IV-act. 1). Das sogenannte
Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) ist somit im Februar 2013 abgelaufen, so dass ein
Rentenanspruch frühestens ab 1. Februar 2013 in Betracht fällt. Ausgehend von der
gutachterlich bescheinigten Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 90% ab
Januar 2013 (IV-act. 86-23, 93, 161-56) bzw. von 100% ab März 2017 (vgl. IV-act. 196)
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verbleibt die Erwerbsunfähigkeit bzw. der Invaliditätsgrad zu ermitteln. Die
Beschwerdeführerin machte eine Anlehre zur Vorhangnäherin und arbeitete mehrere
Jahre auf dem Beruf (vgl. IV-act. 94, 3). Später erwarb sie ein Bürofachdiplom, war
aber nie in diesem Bereich tätig (IV-act. 3-16 ff., act. G1.11). Seit 1990 arbeitete sie bei
verschiedenen Arbeitgebern unter anderem als ungelernte Verkäuferin, bis sie 2010
eine Stelle in der Brockenstube antrat. Letztere war vom Sozialamt unterstützt. Die
Beschwerdeführerin bezog keinen Lohn, weshalb diese Tätigkeit nicht als Grundlage
für das Valideneinkommen dienen kann (vgl. act. G1., IV-act. 31, 94). Die
Beschwerdeführerin war seit 1990 als Hilfsarbeiterin beschäftigt, was ihr auch seit dem
frühestmöglichen Rentenbeginn an einer adaptierten Arbeitsstelle weiterhin zumutbar
ist. Damit ist sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen gestützt auf die
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE), Tabelle TA1, Total
sämtlicher Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Frauen, zu bestimmen. Ausgehend
von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin
im Validenfall und einer solchen von 90% bzw. 100% im Invalidenfall erübrigen sich die
Vornahme eines konkreten Einkommensvergleichs und insbesondere die Festsetzung
eines Tabellenlohnabzugs, da ohnehin kein rentenbegründender
Mindestinvaliditätsgrad von 40% resultiert.
4.
Die Beschwerdeführerin beantragt eventualiter die Zusprache von beruflichen
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung.
4.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 23. November 2017 hat die
Beschwerdegegnerin den Anspruch auf eine Invalidenrente verneint (IV-act. 205). Der
durch diese Verfügung definierte Streitgegenstand beschränkt sich folglich auf den
Rentenanspruch, was bedeutet, dass er sich grundsätzlich nicht auf weitere Ansprüche
gegenüber der Invalidenversicherung, namentlich auf berufliche Massnahmen,
erstrecken kann. Im Sozialversicherungsrecht gilt aber der allgemeine Grundsatz
“Eingliederung vor Rente“ (vgl. etwa UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015,
Vorbemerkungen N 81 ff.), laut dem die Zusprache einer Rente die Unmöglichkeit
voraussetzt, die Invalidität mit einer Eingliederung (weiter) zu minimieren. Eine
Rentenverfügung, die in Verletzung dieses Grundsatzes ergangen ist, ist rechtswidrig
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(vgl. dazu auch Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG). In einem Beschwerdeverfahren muss deshalb
eine solche Verfügung aufgehoben werden und die Verwaltung muss verpflichtet
werden, die Eingliederung abzuschliessen und erst danach über den Rentenanspruch
zu verfügen. Wenn allerdings eine IV-Stelle bereits zu einem früheren Zeitpunkt
rechtskräftig über die berufliche Eingliederung entschieden hat, kann bei der
Beurteilung einer Rentenverfügung grundsätzlich keine Prüfung des Grundsatzes
“Eingliederung vor Rente“ mehr erfolgen. Eine Ausnahme besteht dann, wenn sich bei
der Prüfung des Rentenanspruchs ein rentenbegründender Invaliditätsgrad ergibt, was
vorliegend jedoch nicht der Fall ist.
4.2 Vorliegend gewährte die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin am 10. Juni
2014 Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 107). Da es trotz
Bemühungen und Unterstützung der Eingliederungsberaterin nicht gelungen war, die
Beschwerdeführerin in den Arbeitsmarkt zu integrieren, wies die Beschwerdegegnerin
das Leistungsbegehren auf berufliche Massnahmen mit Mitteilung vom 2. September
2015 ab (IV-act. 131). Über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich
sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, hat der
Versicherungsträger eine schriftliche Verfügung zu erlassen (Art. 49 Abs. 1 ATSG).
Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die nicht unter Art. 49 Abs. 1 ATSG fallen,
können in einem formlosen Verfahren behandelt werden (Art. 51 Abs. 1 ATSG). Die
betroffene Person kann den Erlass einer Verfügung verlangen (Art. 51 Abs. 2 ATSG).
Hat ein Versicherungsträger formlos und nicht mittels Verfügung in ablehnendem Sinn
entschieden, kann Art. 51 ATSG, der sich nur auf das zulässige formlose Verfahren
bezieht, keine direkte Anwendung finden. Das Gesetz enthält somit für den
vorgenannten Fall - Entscheid im formlosen Verfahren nach Art. 51 ATSG, der laut Art.
49 Abs. 1 ATSG in Verfügungsform hätte ergehen müssen - keine ausdrückliche
Regelung. Damit das Verfahren in die gesetzlich vorgesehenen Wege gelenkt und der
versicherten Person der Rechtsweg geöffnet wird, ist jedoch - wie bereits erwähnt - der
(bisher nicht erfolgte) Erlass einer formellen Verfügung notwendig. Dementsprechend
drängt sich in Analogie zu Art. 51 Abs. 2 ATSG die Lösung auf, dass die versicherte
Person einen Entscheid in Form einer Verfügung verlangen kann. In diesem
Zusammenhang stellt sich insbesondere die Frage nach allfälligen zeitlichen Grenzen
dieser Befugnis (BGE 134 V 149 E. 5.1). In BGE 134 V 152 E. 5.3.2 legte das
Bundesgericht fest, dass der betroffenen Person eine Frist von einem Jahr zur
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Verfügung steht, um an den Versicherungsträger zu gelangen und den Erlass einer
formellen Verfügung zu verlangen. Dies mit Blick auf das Gebot der Rechtssicherheit
sowie den Verfassungsgrundsatz von Treu und Glauben (BGE 134 V 150 E. 5.2). Der im
formlosen Verfahren nach Art. 51 ATSG erlassene Entscheid erwächst also nach einer
einjährigen Frist - wie die Verfügung im Anwendungsbereich von Art. 49 ATSG nach 30
Tagen (vgl. Art. 52 Abs. 1 ATSG) - in der Regel in Rechtskraft. Damit ergibt sich eine
Rechtslage, die mit derjenigen bei formellen Verfügungen übereinstimmt (KIESER,
a.a.O., Art. 51 N 8 und N 26).
4.3 Vorliegend hat sich die Beschwerdeführerin erstmals mit ihrem Einwand vom 14.
September 2017 (IV-act. 201), mithin nach rund zwei Jahren, gegen die Mitteilung vom
2. September 2015 gewehrt bzw. eventualiter berufliche Massnahmen beantragt. Zu
diesem Zeitpunkt war die ablehnende Mitteilung bereits in Rechtskraft erwachsen. Auf
den Antrag bezüglich beruflicher Massnahmen ist demgemäss nicht einzutreten. Dies
insbesondere angesichts dessen, dass kein rentenbegründender Invaliditätsgrad im
Raum steht.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr anzurechnen.
5.3 Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.