Decision ID: 270cf10f-09e8-4a12-88f4-4c20bf4d1364
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
" 1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger EUR 28'001'783.50 zu bezahlen, zzgl. 5% Zinsen seit dem 25. April 2017.
2. Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger USD 6'135'525.27 zu bezahlen, zzgl. 5% Zinsen seit dem 25. April 2017.
3. Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger JPY 6'357'307.00 zu bezahlen, zzgl. 5% Zinsen seit dem 25. April 2017.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ."
Übersicht
Sachverhalt und Verfahren .................................................................................... 3 A. Sachverhalt .................................................................................................... 3
a. Parteien ...................................................................................................... 3 b. Unbestrittener Sachverhalt und Prozessgegenstand .................................. 3 c. Parteistandpunkte ....................................................................................... 8
B. Prozessverlauf ................................................................................................ 9 Erwägungen ........................................................................................................ 11 1. Formelles ...................................................................................................... 11
1.1. Zuständigkeit ......................................................................................... 11 1.1.1. Internationale Zuständigkeit ................................................................... 11 1.1.2. Örtliche Zuständigkeit ............................................................................ 12 1.1.3. Sachliche Zuständigkeit ......................................................................... 12 1.2. Weitere Prozessvoraussetzungen ......................................................... 12 1.3. Zwischenfazit ........................................................................................ 12
2. Materielles .................................................................................................... 12 2.1. Erfüllungsanspruch aus der Transaktion vom 19. Dezember 2008 ....... 13 2.2. Erfüllungsanspruch aus Kreditrückzahlungen und -verrechnungen ...... 16 2.3. Anspruch auf Schadenersatz aus Zinszahlungen ................................. 60 2.4. Eventualiter: Anspruch auf Schadenersatz aus Anlageberatung .......... 68 2.5. Ergebnis ................................................................................................ 70
3. Kosten- und Entschädigungsfolgen .............................................................. 70 3.1. Streitwert ............................................................................................... 70 3.2. Gerichtskosten ...................................................................................... 71 3.3. Parteientschädigungen .......................................................................... 71
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Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhalt
a. Parteien
Der Kläger ist Staatsangehöriger der C._ [Staat in Ostasien] mit aktuellem
Wohnsitz in AB._ (D._ [Staat in Ostasien]) (act. 1 Rz. 14; act. 20 Rz. 18;
act. 3/4).
Die Beklagte ist eine Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht mit Sitz in
... und bezweckt den Betrieb einer Bank (act. 1 Rz. 15, 22; act. 3/5).
b. Unbestrittener Sachverhalt und Prozessgegenstand
Der Kläger fordert von der Beklagten die Rückzahlung von im Rahmen der Ge-
schäftsbeziehung mit der Beklagten zu Unrecht belasteten Beträgen in verschie-
denen Währungen bzw. die entsprechende Berichtigung seines Saldos.
Am 7. Januar 2008 unterzeichnete der Kläger in AB._ die Unterlagen zur Er-
öffnung der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1 bei der Beklagten, welche unter dem
Pseudonym "AC._" geführt wurde (act. 1 Rz. 2, 28; act. 20 Rz. 1, 20; act. 27
Rz. 50-52, 151; act. 31 Rz. 31, 74; act. 3/2 = act. 21/O_2; act. 21/O_1;
act. 21/O_3-O_5). Sein Kundenberater bei der Beklagten war E._
("E._") (act. 1 Rz. 4, 26; act. 20 Rz. 58), der Schwiegersohn eines engen
Schulfreundes des Klägers (act. 1 Rz. 26; act. 20 Rz. 59; act. 27 Rz. 39). Zwi-
schen dem 29. Januar 2008 und dem 7. Februar 2008 erfolgten Überweisungen
in USD, EUR, HKD, CHF und SGD im Gegenwert von ca. CHF 43'559'578.04 auf
die entsprechenden Kontokorrentkonten dieser Geschäftsbeziehung (act. 1
Rz. 28-30; act. 20 Rz. 1, 20; act. 3/9-13).
Am 5. Februar 2008 unterzeichnete der Kläger einen Antrag zum Abschluss einer
Lebensversicherungspolice bei der B1._ Ltd., welche unter der auf die letzte-
re lautenden Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 2 geführt wurde, sowie einen Vermö-
gensverwaltungsvertrag (act. 1 Rz. 31, 33; act. 20 Rz. 2, 25; act. 27 Rz. 57, 58;
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act. 31 Rz. 32, 69, 75; act. 3/6 = act. 21/O_10; act. 3/14 = act. 21/O_9; act. 3/15 =
act. 21/O_11). Am 3. und 14. März sowie am 16. Mai 2008 erfolgten Überweisun-
gen von den Konten der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 2 "AC._" auf solche
der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd." in USD, HKD, CHF und
EUR (act. 1 Rz. 35-37; act. 20 Rz. 26, 27; act. 3/9-12; act. 3/16-21; act. 21/27),
welche sich nach unbestritten gebliebener Darstellung des Klägers insgesamt auf
einen Gegenwert von ca. CHF 41'940'821.41 beliefen (act. 1 Rz. 38; act. 20
Rz. 104; act. 3/22-24). In der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1 "AC._" ver-
blieben in der Folge noch CHF 243.01 und USD 876.99, was einem Gegenwert
von insgesamt CHF 1'191.43 entspricht (act. 1 Rz. 39, 42, 76, 77; act. 20 Rz. 27;
act. 3/27-28). Nach dem 16. Mai 2008 erfolgten Einzahlungen aus anderen Quel-
len direkt auf die Konten der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd.."
(act. 1 Rz. 43-45; act. 20 Rz. 28; act. 3/34-52).
Eine gewisse F._ Ltd. stellte am 11. Juni 2008 in der Geschäftsbeziehung
Konto-Nr. 3 "F._ Ltd." bei der Beklagten einen Antrag auf Einräumung einer
Kreditlimite bis zur Höhe des Gesamtwertes der mit Pfandvertrag vom 11. Juni
2008 verpfändeten Vermögenswerte im Wert von USD 20 Mio. (act. 20 Rz. 4, 30,
31; act. 27 Rz. 66, 212; act. 31 Rz. 42; act. 21/O_14; act. 3/99 S. 1-3 =
act. 21/O_15). Der Kreditantrag wurde am 20. Juni 2008 bewilligt (act. 20 Rz. 33;
act. 27 Rz. 67; act. 31 Rz. 43, 88; act. 21/O_14 S. 3). Per 20. Oktober 2008 stellte
F._ Ltd. in der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 3 "F._ Ltd." einen [weite-
ren] auf eine gleich datierte Verpfändungserklärung in unbeschränkter Höhe ge-
stützten Kreditantrag, welcher bei der Beklagten am 29. September 2008 einging
(act. 1 Rz. 114, 115, 116; act. 20 Rz. 33; act. 27 Rz. 73; act. 31 Rz. 44, 105;
act. 3/102 = act. 21/O_17; act. 3/100 = act. 21/O_18). Der Kreditantrag wurde am
27. Oktober 2008 bewilligt (act. 20 Rz. 33; act. 27 Rz. 71; act. 31 Rz. 44, 106).
Zwischen den Parteien ist streitig, ob der Kläger an der Kreditvergabe und der
Verpfändung von Vermögenswerten zu Gunsten der Geschäftsbeziehung Konto-
Nr. 3 "F._ Ltd." mitgewirkt hat.
Am 19. Dezember 2008 eröffnete die Beklagte in der Geschäftsbeziehung Konto-
Nr. 1 "AC._" das JPY-Kontokorrentkonto Konto-Nr. 4 (act. 1 Rz. 76; act. 3/3
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= act. 3/86 Blatt 1). Gleichentags erfolgte von besagtem JPY-Kontokorrentkonto
eine Überweisung über JPY 3'091'220'814 an F._ Ltd. (act. 1 Rz. 74, 77;
act. 20 Rz. 39, 116; act. 27 Rz. 5, 9; act. 3/3 = act. 3/86 Blatt 1); zudem wurde
dem besagten JPY-Kontokorrentkonto mit gleichem Datum (19. Dezember 2008)
ein nämlicher Betrag von JPY 3'091'220'814 aus einem Kredit Konto-Nr. 5 gutge-
schrieben (act. 1 Rz. 78; act. 20 Rz. 39; act. 3/3 = act. 3/86 Blatt 1). Schliesslich
wurden ebenfalls am 19. Dezember 2008 dem USD-Kontokorrentkonto Konto-Nr.
6 der Betrag USD 5'593'000.00 gutgeschrieben und 20'000 G._ [BANK]-
Namenaktien auf das Depot Konto-Nr. 1 "AC._" im damaligen Wert von
CHF 282'200.00 eingebucht (act. 1 Rz. 124, 125; act. 20 Rz. 40, 96, 150; act. 31
Rz. 49, 112; act. 21/34; act. 21/35; act. 21/36), deren Herkunft jedoch streitig ist
(act. 1 Rz. 125; act. 27 Rz. 23).
Der Kredit Konto-Nr. 5 wurde über die Jahre hinweg in verschiedene andere Kre-
dite unterschiedlicher Währung umgewandelt (act. 1 Rz. 79, 80; act. 20 Rz. 121)
und teilweise durch Kontobelastungen zurückgezahlt (act. 1 Rz. 81; act. 20
Rz. 121). Am 16. Mai 2017 wurde der noch ausstehende Kreditbetrag von
EUR 14'384'000.00 mit bestehendem Guthaben getilgt (act. 1 Rz. 6, 81; act. 20
Rz. 122). Dem Kläger wurden Zinsen von EUR 160'947.66, USD 118'918.6 und
JPY 6'357'307.00 belastet (act. 1 Rz. 95, 96; act. 3/7 S. 66-69; act. 3/109).
Nach Schliessung der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd.." wurden
der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1 "AC._" am 6. Januar 2015
USD 4'975'174.54 und am 7. Januar 2015 USD 19'095'889.64 gutgeschrieben
(act. 1 Rz. 47; act. 20 Rz. 28, 45; act. 3/53-54; act. 3/55 = act. 21/41). Damit war
der noch bestehende Saldo in der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 2 "B1._
Ltd.." vollständig dem Kläger auf die Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1 "AC._"
überwiesen (act. 1 Rz. 46; act. 20 Rz. 28).
Am 2. September 2015 informierten H._ und I._ von der Beklagten den
Kläger über den Weggang seines Kundenberaters (act. 1 Rz. 4, 63; act. 3/7 S. 12-
13). Der Kläger traf seinen ehemaligen Kundenberater am 3. September 2015
(act. 1 Rz. 64). Dieser übergab ihm an diesem Tag sowie am 19. September 2015
je ein Entschuldigungsschreiben, in welchen er Anlageverluste eingestand (act. 1
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Rz. 5, 64-66; act. 27 Rz. 272; act. 3/78; act. 3/79). Am 9. September 2015 erhielt
der Kläger den Investment Report per 8. September 2015 (act. 1 Rz. 67;
act. 3/80; act. 3/81). Dieser wies einen Kredit von EUR 14'293'200.00 aus (act. 1
Rz. 68; act. 27 Rz. 102; act. 3/81). Am 11. September 2015 teilte der Kläger der
Beklagten telefonisch mit, dass er nie einen Kredit aufgenommen habe (act. 1
Rz. 69; act. 20 Rz. 82; act. 3/7 S. 11-12). Die Beklagte informierte den Kläger am
16. September 2015 telefonisch über den Verlauf des Kredits (act. 1 Rz. 70;
act. 3/7 S. 9-11). Am 28. Oktober 2015 sandte die Beklagte dem Kläger eine Zu-
sammenstellung der Bewegungen auf dessen Konten (act. 1 Rz. 71; act. 3/2;
act. 3/83; act. 3/84). Der Kläger teilte am 17. November 2015 anlässlich eines
Treffes in AB._ der Beklagten mit, dass er den Kontostand nicht akzeptiere
(act. 1 Rz. 73; act. 3/7 S. 4-5). Daraufhin mandatierte der Kläger eine Anwalts-
kanzlei in AB._ welche ihrerseits eine Anwaltskanzlei in der Schweiz manda-
tierte (act. 1 Rz. 128; act. 20 Rz. 66, 67; act. 21/47; act. 21/48). Mit Fax vom
28. Januar 2016 bat der Kläger die Beklagte um Zustellung der Kontounterlagen
für seine Geschäftsbeziehung(en) (act. 20 Rz. 65; act. 21/44). Die Beklagte stellte
dem Kläger die Konto- und Depotauszüge mit Schreiben vom 28. Januar 2016
und die übrigen Kontounterlagen mit Schreiben vom 15. April 2016 zu (act. 20
Rz. 65; act. 21/45; act. 21/46). Ein am 15. Dezember 2016 gegen die Beklagte
anhängig gemachtes Schlichtungsbegehren, um weitere Auskünfte zu erhalten,
zog der Kläger am 31. Januar 2017 wieder zurück (act. 20 Rz. 68). Am
21. Februar 2017 mandatierte der Kläger seine Rechtsvertretung im vorliegenden
Verfahren (act. 1 Rz. 128; act. 2). Mit Schreiben vom 23. Februar 2017 ersuchte
diese um ergänzende Informationen (act. 1 Rz. 129; act. 20 Rz. 69; act. 3/107).
Die Beklagte antwortete mit Schreiben vom 3. März 2017 (act. 1 Rz. 132). Mit
Schreiben vom 25. April 2017 forderte der Kläger die Beklagte zur Rückzahlung
der nunmehr klageweise geltend gemachten Beträge bis 5. Mai 2017 auf (act. 1
Rz. 135; act. 3/108). Weitere in den Akten liegende Korrespondenz bezieht sich
auf den Zeitraum nach der Klageanhebung (vgl. act. 20 Rz. 70, 154; act. 21/49-
54).
Die konkrete Forderung des Klägers stützt sich auf die im Nachgang zur Überwei-
sung über JPY 3'091'220'814 an F._ Ltd. vom 19. Dezember 2008 behaupte-
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ten Kreditverrechnungen und Zinsbelastungen in der Geschäftsbeziehung Konto-
Nr. 1 "AC._" (act. 1 Rz. 7, 9, 10-13, 175-179):
Datum Transaktion Betrag Aktenverweis
1 05.05.2010 Belastung von Kto. Konto-Nr. 7 EUR 853'219.74 act. 1 Rz. 87; act. 3/92
2 07.05.2010 Belastung von Kto. Konto-Nr. 7 EUR 676'196.26 act. 1 Rz. 88; act. 3/92
3 28.10.2010 Belastung von Kto. Konto Nr. 7 EUR 514'136.42 act. 1 Rz. 89; act. 3/93
4 04.11.2010 Belastung von Kto. Konto-Nr. 7 EUR 926'205.37 act. 1 Rz. 90; act. 3/94
5 11.11.2010 Belastung von Kto. Konto-Nr. 7 EUR 417'418.82 act. 1 Rz. 91; act. 3/94
6 12.11.2010 Belastung von Kto. Konto-Nr. 7 EUR 1'184'825.00 [recte: 1'184'825.75]
act. 1 Rz. 92; act. 3/94
7 04.03.2013 Belastung von Kto. Konto-Nr. 7 EUR 982'358.33 act. 1 Rz. 93; act. 3/95
8 05.03.2013 Belastung von Kto. Konto-Nr. 7 EUR 7'902'475.90 act. 1 Rz. 94; act. 3/95
9 16.05.2017 Belastung in No. Konto-Nr. 5 EUR 14'384'000.00 act. 1 Rz. 6, 81; act. 20 Rz. 99, 122; act. 3/85
10 Summe der Zinszahlungen EUR 160'947.66 act. 1 Rz. 96
Rechtsbegehren 1 EUR 28'001'783.50 [recte: 28'001'784.25]
Datum Transaktion Betrag Aktenverweis
11 24.02.2009 Belastung von Kto. Konto Nr. 4. USD 5'592'005.02 act. 1 Rz. 82; act. 3/87
12 10.09.2009 Belastung von Kto. Konto Nr. 4 USD 404'619.69 act. 1 Rz. 85; act. 3/89
13 29.01.2010 Belastung von Kto. Konto Nr. 4 USD 19'981.90 act. 1 Rz. 86; act. 3/91
14 Summe der Zinszahlungen USD 118'918.66 act. 1 Rz. 96
Rechtsbegehren 2 USD 6'135'525.27
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Transaktion Betrag Aktenverweis
15 Summe der Zinszahlungen JPY 6'357'307.00 act. 1 Rz. 96
Rechtsbegehren 3 JPY 6'357'307.00
c. Parteistandpunkte
aa. Der Kläger behauptet, die streitgegenständliche Überweisung von
JPY 3'091'220'814 am 19. Dezember 2008 sei ohne sein Wissen und ohne seine
Genehmigung an eine ihm unbekannte Drittperson erfolgt (act. 1 Rz. 3, 5, 77;
act. 27 Rz. 6, 7, 8 zwölfter Spiegelstrich, Rz. 9, 154, 269, 274). Er kenne die
F._ Ltd. nicht (act. 27 Rz. 9, 66, 205, 208, 211 erster Spiegelstrich, Rz. 262).
Der Kredit Konto-Nr. 5 sei ihm von der Beklagten eingeräumt worden, ohne dass
er einen solchen beantragt habe (act. 1 Rz. 78; act. 27 Rz. 6, 7, 8 dreizehnter
Spiegelstrich, Rz. 47, 274), und auch die nachfolgenden Kredite seien ihm von
der Beklagten unautorisiert gewährt worden (act. 1 Rz. 80; act. 27 Rz. 7, 274).
Anlässlich der Treffen mit dem Kundenberater habe der Kläger lediglich sog. Tra-
vel Statements erhalten (act. 1 Rz. 57; act. 27 Rz. 229, 272), welche keine Hin-
weise auf die eingeräumten Kredite enthalten hätten (act. 27 Rz. 194, 229, 258,
272). Vom Sachverhalt habe er erst bei Erhalt des Investment Reports am
9. September 2015 erfahren (act. 1 Rz. 68, 69; act. 27 Rz. 7, 102, 195, 272).
Betreffend die Beweisangebote wird auf das konsolidierte Beweis- und Beilagen-
verzeichnis vom 9. April 2018 (act. 27 S. 89-99) und – unter Vorbehalt der Zuläs-
sigkeit im Rahmen von Art. 229 Abs. 1 ZPO – vom 5. Juli 2018 Bezug genommen
(act. 39 S. 15-25).
bb. Die Beklagte behauptet, der Kläger habe per 1. Juni 2008 einen Investiti-
onsvertrag mit F._ Ltd. über die Verwaltung eines Aktienportfolios mit Titeln
aus Schwellenländern abgeschlossen (act. 20 Rz. 3, 29, 75 erster Spiegelstrich,
Rz. 116, 128, 133; act. 31 Rz. 37, 61 siebter Spiegelstrich). Die Vermögenswerte
der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd." habe er als Sicherheit für
die Kredite der F._ Ltd. zur Verfügung gestellt (act. 20 Rz. 30). Mit Verpfän-
dungsvertrag vom 11. Juni 2008 habe der Kläger die Vermögenswerte der Ge-
schäftsbeziehung Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd." bis zu einem Maximalbetrag von
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USD 20 Millionen zu Gunsten der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 3 "F._ Ltd."
verpfändet (act. 20 Rz. 30, 32). Per 20. Oktober 2008 habe der Kläger die Ver-
mögenswerte der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd." ohne be-
tragsmässige Limitierung verpfändet (act. 20 Rz. 33, 144; act. 31 Rz. 78, 91).
Am 28. November 2008 habe der Kläger der Beklagten telefonisch mitgeteilt,
dass er den Vertrag mit F._ Ltd. wegen schlechter Performance gekündigt
habe und sämtliche Vermögenswerte und Verpflichtungen von F._ Ltd. über-
nehmen werde (act. 20 Rz. 5, 36; act. 31 Rz. 46). Mit Schreiben vom
15. Dezember 2008 habe der Kläger gegenüber der Beklagten schriftlich bestä-
tigt, dass der Investitionsvertrag mit F._ Ltd. beendigt sei, und die Beklagte
gleichzeitig instruiert, sämtliche Sollsalden auf der Geschäftsbeziehung Konto-Nr.
3 "F._ Ltd." zulasten der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1 "AC._" aus-
zugleichen (act. 20 Rz. 37, 75 zweiter Spiegelstrich, Rz. 94, 97, 127, 130, 133,
136, 149; act. 31 Rz. 61 neunter und vierzehnter Spiegelstrich, Rz. 81, 96, 101).
Um den Zahlungsauftrag ausführen lassen zu können, habe der Kläger einen
Kredit beantragen müssen, da auf den Konten der Geschäftsbeziehung Konto-Nr.
1 "AC._" damals fast keine Vermögenswerte vorhanden gewesen seien
(act. 20 Rz. 38, 115; act. 31 Rz. 47, 94, 122). F._ Ltd. habe dem Kläger so-
dann am 19. Dezember 2008 USD 5'593'000 und CHF 282'200 und im Februar
2011 USD 9 Millionen überwiesen (act. 20 Rz. 40, 96, 134, 150, 150; act. 31
Rz. 2, 49, 112).
Betreffend die Beweisangebote wird auf das Beweismittelverzeichnis vom
8. November 2017 (act. 20 a.E.) und vom 18. Juni 2018 (act. 31 a.E.) Bezug ge-
nommen.
cc. Auf die Ausführungen und die Beweismittel der Parteien ist nachfolgend ein-
zugehen, soweit sich dies zur Entscheidungsfindung als erforderlich erweist.
B. Prozessverlauf
Mit Klage vom 9. Mai 2017 machte der Kläger das vorliegende Verfahren am hie-
sigen Gericht anhängig (act. 1; act. 2; act. 3/2-109). Den ihm mit Verfügung vom
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10. Mai 2017 auferlegten Kostenvorschuss von CHF 260'000.00 leistete er am
1. Juni 2017 innert Frist (act. 6). Mit Eingabe vom 8. Juni 2017 stellte die Beklagte
einen Antrag auf Sicherstellung der Parteientschädigung in der Höhe von mindes-
tens CHF 319'288.00 (act. 7; act. 8). Am 29. Juni 2017 nahm der Kläger innert der
mit Verfügung vom 21. Juni 2017 (act. 9) angesetzten Frist Stellung, wobei er im
Grundsatz nicht gegen eine Sicherstellung opponierte (act. 11). Mit Verfügung
vom 31. Juli 2017 wurde dem Kläger eine Sicherheitsleistung von
CHF 300'000.00 auferlegt (act. 12), welche er am 18. Juli 2017 durch Überwei-
sung an die Obergerichtskasse fristgemäss leistete (act. 14). Mit Verfügung vom
31. Juli 2017 wurde der Beklagten Frist zur Beantwortung der Klage angesetzt
(act. 15). Innert Nachfrist (act. 17; act. 18) reichte die Beklagte die Klageantwort
am 8. November 2017 ein (act. 20; act. 21/1-54). Darin stellte sie den Verfahrens-
antrag, dem Kläger und seinen Vertretern sei Einsicht in die von ihr eingereichten
Originaldokumente (act.21/O_1-O_23) nur am Gericht und im Beisein eines Ge-
richtsschreibers zu gewähren (act. 20 S. 2). Mit Verfügung vom 10. November
2017 wurde dem Kläger das Doppel der Klageantwort vom 8. November 2017 zu-
gestellt und die Prozessleitung an Oberrichter Roland Schmid, damals Vizepräsi-
dent, als Instruktionsrichter delegiert (act. 22). Die Rechtsvertretung des Klägers
nahm am 18. Dezember 2017 und im Beisein des Klägers persönlich am
15. Januar 2018 Einsicht in die von der Beklagten eingereichten Originaldoku-
mente (act. 21/1-54; Prot. S. 11, 12).
Anlässlich der Vergleichsverhandlung vom 18. Januar 2018 erzielten die Parteien
keine Einigung (act. 24; Prot. S. 13). Mit Verfügung vom 22. Januar 2018 wurde
ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (act. 25). Der Kläger reichte die Replik
am 9. April 2018 innert der mit nämlicher Verfügung vom 22. Januar 2018 ange-
setzten Frist ein (act. 27; act. 28/110-116). Innert der mit Verfügung vom 12. April
2018 (act. 29) angesetzten Frist reichte die Beklagte am 18. Juni 2018 die Duplik
ein (act. 31; act. 32/1-7). Mit Verfügung vom 26. Juni 2018 wurde dem Kläger die
Duplik vom 18. Juni 2018 zugestellt und der Eintritt des Aktenschlusses festge-
stellt (act. 33). Das Gesuch des Klägers vom 29. Juni 2018 um Ansetzung einer
formellen Frist zur Einreichung einer Stellungnahme zu allfälligen Dupliknoven
(act. 35) wurde mit Verfügung vom 2. Juli 2018 abgewiesen (act. 36). Mit Eingabe
- 11 -
vom 5. Juli 2018 reichte der Kläger eine Stellungnahme ein (act. 39), welche am
11. Juli 2018 an die Beklagte zugestellt wurde (act. 40).
Am 1. Januar 2019 übernahm der bisherige Instruktionsrichter das Präsidium des
Handelsgerichts. Mit Verfügung vom 6. Februar 2019 wurde den Parteien bekannt
gegeben, dass der Prozess nunmehr Ersatzoberrichterin Nicole Klausner zugeteilt
ist (act. 41). Nach den Gesamterneuerungswahlen konstituierte sich das Oberge-
richt per 1. Juli 2019 neu. Da die bisherige Instruktionsrichterin nicht mehr dem
Handelsgericht zugeteilt ist, wurde die Prozessleitung mit Verfügung vom 27. Juni
2019 neu an Oberrichterin Ruth Bantli Keller als Instruktionsrichterin delegiert
(act. 43).
Mit Verfügung vom 14. August 2019 wurde den Parteien Frist angesetzt, um zu
erklären, ob sie auf Durchführung der mündlichen Hauptverhandlung – unter Vor-
behalt eines Beweisverfahrens – verzichten (act. 45). Der Kläger verzichtete mit
Eingabe vom 23. August 2019, die Beklagte mit Eingabe vom 26. August 2019
auf die Durchführung einer Hauptverhandlung (act. 47; act. 48).
Das Verfahren erweist sich als spruchreif.

Erwägungen
1. Formelles
1.1. Zuständigkeit
1.1.1. Internationale Zuständigkeit
Die Parteien haben ihren Wohnsitz bzw. Sitz in unterschiedlichen Staaten. Somit
liegt ein internationales Verhältnis vor (BGE 131 III 76 E. 2.3 S. 79-80). Die inter-
nationale Zuständigkeit beruht auf Art. 2 Abs. 1 LugÜ.
- 12 -
1.1.2. Örtliche Zuständigkeit
Da die Beklagte ihren Sitz in ... hat, ergibt sich die örtliche Zuständigkeit aus
Art. 112 Abs. 1 IPRG. Der Kläger beruft sich lediglich subsidiär auf eine Gerichts-
standsvereinbarung der Parteien (act. 1 Rz. 18). Eine amtswegige Prüfung der
Gerichtsstandsvereinbarung erfolgt nicht (BERNHARD BERGER, in: Lugano Überein-
kommen, Basler Kommentar, hrsg. von Christian Oetiker/Thomas Weibel, 2. Aufl.
2016, N. 60 zu Art. 23 LugÜ). Da die örtliche Zuständigkeit bereits aufgrund von
Art. 112 Abs. 1 IPRG gegeben ist, erübrigt sich eine Prüfung. Die Beklagte erhebt
zu Recht keine Einrede der Unzuständigkeit.
1.1.3. Sachliche Zuständigkeit
Die sachliche Zuständigkeit richtet sich nach Art. 6 Abs. 2 und 3 ZPO i.V.m. § 44
lit. b GOG.
1.2. Weitere Prozessvoraussetzungen
Die weiteren Prozessvoraussetzungen sind ebenfalls erfüllt.
1.3. Zwischenfazit
Die Klage ist zulässig, weshalb auf sie einzutreten ist.
2. Materielles
Da der Kläger einen ausländischen Wohnsitz hat, liegt ein internationaler Sach-
verhalt i.S.v. Art. 1 Abs. 1 IPRG vor (BGE 137 III 481 E. 2.1 S. 483; BGE 136 III
142 E. 3.2 S. 144; BGE 132 III 626 E. 2 S. 629; BGE 132 III 609 E. 4 S. 614-615;
BGE 131 III 153 E. 3 S. 156). Im Vermögensverwaltungsvertrag der Geschäftsbe-
ziehung Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd." vom 5. Februar 2008 (act. 3/6 Ziff. 12 S. 4)
und in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Beklagten (act. 21/26 Art. 14)
ist die Anwendbarkeit schweizerischen Rechts vereinbart (act. 1 Rz. 18, 139;
act. 20 Rz. 72). Gestützt auf Art. 116 Abs. 1 IPRG untersteht das vertragliche
Verhältnis zwischen den Parteien dem schweizerischen Recht.
- 13 -
2.1. Erfüllungsanspruch aus der Transaktion vom 19. Dezember 2008
Der Kläger stützt sich in erster Linie auf einen Erfüllungsanspruch (act. 1 Rz. 6,
143, 174; act. 27 Rz. 153, 243).
2.1.1. Durch den Abschluss eines Kontovertrags erwirbt der Kontoinhaber einen
Anspruch gegen die Bank auf die Rückzahlung des Saldos gemäss den Kontobe-
dingungen (BGE 132 III 449 E. 2 S. 451-452; BGE 111 II 263 E. 1a S. 265; BGer
4A_596/2013 vom 18. März 2014 E. 4.1; 4A_536/2008 vom 10. Februar 2009
E. 5.2). Führt die Bank eine Überweisung aus, leistet sie aus eigenen Mitteln
(BGer 4A_81/2018 vom 29. Mai 2018 E. 3; 4A_438/2007 vom 29. Januar 2008
E. 5.1; 4A_54/2009 vom 20. April 2009 E. 1). Sie verfügt jedoch gestützt auf
Art. 402 Abs. 1 OR über einen entsprechenden Anspruch auf Aufwendungsersatz,
wenn sie auf Weisung eines Kunden oder seines Vertreters handelt (BGer
4A_81/2018 vom 29. Mai 2018 E. 3; 4A_379/2016 vom 15. Juni 2017 E. 3.2.1;
4A_438/2007 vom 29. Januar 2008 E. 5.1; 4A_54/2009 vom 20. April 2009 E. 1;
DANIEL A. GUGGENHEIM/ANATH GUGGENHEIM, Les contrats de la pratique bancaire
suisse, 5. Aufl. 2014, N 350). Führt hingegen die Bank Weisungen eines unbe-
rechtigten Dritten bzw. eines Bevollmächtigten aus, der den Umfang der ihm er-
teilten Vollmacht überschreitet, kann sie ihre Aufwendungen nicht ersetzt erhalten
(BGer 4A_81/2018 vom 29. Mai 2018 E. 3; 4A_379/2016 vom 15. Juni 2017
E. 3.2.2; 4A_438/2007 vom 29. Januar 2008 E. 5.1; 4A_54/2009 vom 20. April
2009 E. 1; GUGGENHEIM/GUGGENHEIM, a.a.O., N 351). Der Kontoinhaber verfügt
über einen Anspruch auf richtige Erfüllung des Kontosaldos (BGE 112 II 450 E. 3a
S. 454; BGer 4A_536/2008 vom 10. Februar 2009 E. 5.2). Dabei handelt es sich
um einen vertraglichen Erfüllungsanspruch (BGE 132 III 449 E. 2 S. 452; BGE
112 II 450 E. 3a S. 454; BGer 4A_596/2013 vom 18. März 2014 E. 4.1;
4A_536/2008 vom 10. Februar 2009 E. 5.2). Eines Verschuldens der Bank bedarf
es deshalb nicht (BGE 132 III 449 E. 2 S. 452). Der Nachweis der richtigen Erfül-
lung obliegt der Bank (BGE 111 II 263 E. 1b S. 265). Die Geltendmachung des
Erfüllungsanspruch erfolgt durch eine Leistungsklage auf Zahlung des entspre-
chenden Betrags (vgl. BGer 4A_596/2013 vom 18. März 2014 E. 4.2). Die Bank
kann dem Anspruch des Kontoinhabers eigene vertragliche oder ausservertragli-
- 14 -
che Schadenersatzansprüche gegen den Kontoinhaber, nicht jedoch ein Selbst-
verschulden des Kontoinhabers entgegenhalten (BGer 4A_258/2012 vom 8. April
2013 E. 7.1 m.Nw.).
2.1.2. Der Kläger behauptet, die Beklagte habe die Kreditrückzahlungen unautori-
siert vorgenommen (act. 1 Rz. 82, 85, 87-94). Bei den Belastungen des Kontos
Konto-Nr. 7 (Transaktionen 1-8) und des Kontos Konto-Nr. 8 (Transaktionen 11
und 12) handelt es sich um Rückzahlungen der für die Refinanzierung des Kredits
Konto-Nr. 5 vom 19. Dezember 2008 über JPY 3'091'220'814 gewährten späteren
Kredite (vgl. act. 1 Rz. 6, 79, 80, 174). Zu letzterem behauptet der Kläger, dieser
sei ihm von der Beklagten eingeräumt worden, ohne dass der Kläger einen sol-
chen beantragt gehabt habe (Ziffer A.c.aa. oben; act. 1 Rz. 78, 80; act. 27 Rz. 7,
274). In der Sache unstreitig ist, dass der Finanzierungsbedarf in der Höhe des
ursprünglichen Betrags des Kredits Konto-Nr. 5 durch die streitgegenständliche
Überweisung vom 19. Dezember 2008 in der entsprechenden Höhe entstanden
ist (act. 1 Rz. 6, 98; act. 20 Rz. 38, 115).
2.1.3. Der Kläger stützt seinen Anspruch nicht unmittelbar auf die beanstandete
Überweisung vom 19. Dezember 2008, sondern beruft sich auf spätere, mit der
streitgegenständlichen Überweisung in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen-
de Transaktionen. Sein Rechtsbegehren lautet auf EUR 28'001'783.50,
USD 6'135'525.27 und JPY 6'357'307.00, während sich die streitgegenständliche
Überweisung auf JPY 3'091'220'814 beläuft.
Gemäss Art. 84 Abs. 1 OR sind Geldschulden in gesetzlichen Zahlungsmitteln der
geschuldeten Währung zu bezahlen. Der Gläubiger kann nur Zahlung in der ver-
einbarten Auslandswährung fordern (BGE 134 III 151 E. 2.2 S. 153-154; BGer
4A_3/2016 vom 26. April 2017 E. 4.1; 4A_391/2015 vom 1. Oktober 2015 E. 3;
4A_303/2012 vom 30. Oktober 2012 E. 2.3), und dementsprechend darf der
Schuldner durch ein verurteilendes Erkenntnis nur zur Zahlung in der betreffen-
den Auslandswährung verpflichtet werden (BGE 134 III 151 E. 2.4 S. 155-156;
BGer 4A_265/2017 vom 13. Februar 2018 E. 5 und 6; 4A_3/2016 vom 26. April
2017 E. 4.1; 4A_391/2015 vom 1. Oktober 2015 E. 3; 4A_555/2014 vom 12. März
2015 E. 4.1). Die Anwendung von Art. 84 OR stellt eine Rechtsfrage dar (BGer
- 15 -
4A_230/2008 vom 27. März 2009 E. 5.3.1), welche von Amtes wegen zu prüfen
ist (Art. 57 ZPO). Die Frage, in welcher Währung eine eingeklagte Forderung zu-
zusprechen ist, ist somit auch zu prüfen, wenn sie die Gegenseite nicht aufgewor-
fen hat.
Das anwendbare Prozessrecht bestimmt, ob eine Konversion des fälschlicher-
weise auf Landeswährung lautenden Rechtsbegehrens zulässig ist (BGE 134 III
151 E. 2.4 S. 155-156; BGer 4A_555/2014 vom 12. März 2015 E. 4.1;
4A_317/2013 vom 17. Oktober 2013 E. 5.4; 4A_303/2012 vom 30. Oktober 2012
E. 2.3; vgl. auch BGer 4A_39/2017 vom 19. Juli 2018 E. 2). Gestützt auf die in
Art. 58 Abs. 1 ZPO statuierte Dispositionsmaxime ist die Frage unter der Schwei-
zerischen Zivilprozessordnung zu verneinen, weshalb die Klage abzuweisen ist,
wenn sie auf Landes- anstatt auf die geschuldete Fremdwährung lautet (BGer
4A_3/2016 vom 26. April 2017 E. 4.1; 4A_391/2015 vom 1. Oktober 2015 E. 3).
Dies muss auch bei einem auf eine andere Fremdwährung als die geschuldete
lautenden Rechtsbegehren gelten (HGer ZH HG150075-O vom 7. November
2017 E. 2.2). Die Klage ist mit Ausnahme von Ziffer 3 des Rechtsbegehrens in ei-
ner anderen Währung als jene der Transaktion vom 19. Dezember 2008 erfolgt.
Ein entsprechender direkt auf die Transaktion vom 19. Dezember 2008 gestützter
Anspruch ist deshalb zu verneinen.
Mit Ziffer 3 des Rechtsbegehrens verlangt der Kläger die Zusprechung von
JPY 6'357'307.00. Nach dem massgeblichen zweigliedrigen Streitgegenstands-
begriff bestimmt sich dieser indessen aus dem Rechtsbegehren in Verbindung mit
dem behaupteten Lebenssachverhalt (BGE 144 III 452 E. 2.3.2 S. 456-457; BGE
142 III 210 E. 2.1 S. 212-213; BGE 139 III 126 E. 3.2.3 S. 130-131; BGE 136 III
123 E. 4.3.1 S. 126 m.Nw.). Die Anspruchsgrundlage bildet hingegen nicht Teil
des Streitgegenstandes (BGE 139 III 126 E. 3.2.3 S. 130-131). Rechtsbehaup-
tungen sind jedoch trotz gleichen Wortlauts nicht identisch, "wenn sie nicht auf
dem gleichen Entstehungsgrund, das heisst auf denselben Tatsachen und rechtli-
chen Umständen beruhen" (BGE 123 III 16 E. 2a S. 18-19; BGE 121 III 474 E. 4a
S. 478). Die "Anspruchsidentität ist nicht grammatikalisch, sondern inhaltlich zu
verstehen" (BGE 123 III 16 E. 2a S. 18-19; BGE 121 III 474 E. 4a S. 478). Der
- 16 -
vom Kläger geltend gemachte Betrag vom JPY 6'357'307.00 entspricht der Sum-
me der durch die Folgekredite vereinnahmten Zinszahlungen an die Beklagte.
Dieser Anspruch beruht auf anderen Gründen als der ursprüngliche Erfüllungsan-
spruch. Rechtsbegehren Ziffer 3 betrifft deshalb einen anderen Anspruch. Eine
Konversion dieses Betrags in den Erfüllungsanspruch ist nicht möglich. Ein ent-
sprechender direkt auf die Transaktion vom 19. Dezember 2008 gestützter An-
spruch ist ebenfalls zu verneinen.
2.1.4. Im Ergebnis kann dem Kläger ein direkt aus der streitgegenständlichen
Überweisung vom 19. Dezember 2008 resultierender Anspruch nicht zugespro-
chen werden. Ein Anspruch kann sich deshalb nur aus den Kreditrückzahlungen
und -verrechnungen ergeben, was nachfolgend zu prüfen ist.
2.2. Erfüllungsanspruch aus Kreditrückzahlungen und -verrechnungen
2.2.1. Der Kläger stützt sich für seinen Erfüllungsanspruch auf die Summe der
Kreditrückzahlungen und -verrechnungen (Positionen 1-8 und 11-12; Ziffer 2.1.1
oben) sowie auf die im Kundenkontaktjournal der Beklagten ausgewiesenen Zins-
zahlungen (Positionen 10, 14 und 15; act. 1 Rz. 95; act. 3/7 S. 66-69). Er behaup-
tet, weder für die Überweisung vom 19. Dezember 2008 noch für den gleichen-
tags eingeräumten Kredit in derselben Höhe habe eine Grundlage bestanden (Zif-
fer A.c.aa. oben; 2.1.2 oben).
Die Beklagte stützt sich als Grundlage der streitgegenständlichen Transaktionen
auf das mit dem 15. Dezember 2008 datierte Schreiben "RE: Cancelation Invest-
ment Management Agreement" (act. 20 Rz. 37, 53, 75 zweiter Spiegelstrich,
Rz. 94, 97, 127, 130, 133, 136, 149; act. 31 Rz. 61 neunter und vierzehnter Spie-
gelstrich, Rz. 81, 96; act. 3/97 = act. 21/O_20 = act. 32/7) und den mit dem
17. Dezember 2008 datierten Kreditantrag (act. 20 Rz. 38, 75 dritter Spiegelstrich,
Rz. 94, 97, 120; act. 3/103 = act. 21/O_21).
Der Kläger bestreitet, das Schreiben mit Datum vom 15. Dezember 2008
(act. 3/97 = act. 21/O_20 = act. 32/7) und den Antrag mit Datum vom
17. Dezember 2008 (act. 3/103 = act. 21/O_21) unterzeichnet zu haben (act. 1
- 17 -
Rz. 105, 112; act. 27 Rz. 46, 93, 94, 222). Auch bezüglich weiterer Urkunden
macht er geltend, diese nicht unterzeichnet zu haben.
Die Echtheit der Unterschrift auf einer Urkunde betrifft nicht die inhaltliche Unrich-
tigkeit, sondern die Echtheit der Urkunde (BGE 143 III 453 E. 3.7 S. 461). Ge-
mäss Art. 178 ZPO besteht bei der Echtheit einer Urkunde eine qualifizierte Be-
streitungslast. Die "bestreitende Partei muss konkrete Umstände vorbringen, die
beim Gericht ernsthafte Zweifel an der Echtheit der Urkunde hervorrufen" (BGer
4A_380/2016 vom 1. November 2016 E. 3.2.2). Damit ist einerseits eine pauscha-
le Bestreitung nicht ausreichend (BGer 4A_380/2016 vom 1. November 2016
E. 3.2.2), andererseits dürfen die Anforderungen an die Bestreitung auch nicht
allzu hoch angesetzt werden (HEINRICH ANDREAS MÜLLER, in: DIKE-Kommentar,
hrsg. von Alexander Brunner/Dominik Gasser/Ivo Schwander, 2. Aufl. 2016, N. 5,
6 zu Art. 178 ZPO). Eine hinreichende Bestreitung liegt jedenfalls vor, wenn die
Unechtheit der Urkunde glaubhaft gemacht ist (BGE 132 III 140 E. 4.1.2 S. 143-
144; SVEN RÜETSCHI, in: Schweizerische Zivilprozessordnung, Band II, Berner
Kommentar, hrsg. von Andreas Güngerich, N. 4 zu Art. 178 ZPO; HANS SCHMID,
in: Schweizerische Zivilprozessordnung, Kurzkommentar, hrsg. von Paul Ober-
hammer/Tanja Domej/Ulrich Haas, 2. Aufl. 2014, N. 2 zu Art. 178 ZPO; THOMAS
WEIBEL, in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO], hrsg.
von Thomas Sutter-Somm/Franz Hasenböhler/Christoph Leuenberger, 3. Aufl.
2016, N. 6 zu Art. 178 ZPO). Nicht abschliessend geklärt ist, ob Art. 178 ZPO be-
reits ernsthafte Zweifel an der Echtheit als hinreichend substantiierte Bestreitung
genügen lässt (BGer 4A_197/2016 vom 4. August 2016 E. 4.2; 5A_586/2011 vom
20. Oktober 2011 E. 2.4.2). Es bleibt der Praxis überlassen, im Einzelfall die Sub-
stantiierungsanforderungen an die Bestreitung aufzustellen (WEIBEL, a.a.O., N. 6
zu Art. 178 ZPO). Hinreichende Gründe gegen die Echtheit einer Urkunde können
sich sowohl aus der Urkunde selbst als auch aus der Person des Autors oder sei-
nem Umfeld ergeben (MÜLLER, a.a.O., N. 5 zu Art. 178 ZPO).
Der Kläger beruft sich wiederholt darauf, die Ortsangaben neben der ihm von der
Beklagten zugeordneten Unterschrift wären unzutreffend, da er sich an den ent-
sprechenden Daten nicht an diesen Orten befunden habe (act. 1 Rz. 119; act. 27
- 18 -
Rz. 8 sechster Spiegelstrich, Rz. 24, 26, 45, 58 68, 70, 72, 74, 90, 91, 94, 129,
131, 137, 142, 147, 167, 181, 183, 202, 211 fünfter Spiegelstrich, Rz. 221). Die
Beklagte bestreitet die Relevanz der Ortsangaben (act. 31 Rz. 24, 43, 64, 70, 77,
82, 83, 91, 101, 102, 109), zumal der Verarbeitungsprozess in einer Bank arbeits-
teilig sei (act. 31 Rz. 25).
Gemäss Art. 13 Abs. 1 OR setzt die Einhaltung der gesetzlichen Schriftform ledig-
lich die Unterschriften der verpflichteten Personen voraus. Die Angabe von Ort
und Datum ist nicht vorgeschrieben (BGE 95 II 426 E. 3b S. 432 [zum Datum]; IN-
GEBORG SCHWENZER, in: Obligationenrecht I, Basler Kommentar, hrsg. von Hein-
rich Honsell/Nedim Peter Vogt/Wolfgang Wiegand, 6. Aufl. 2015, N. 5 zu Art. 13
OR; ANDREAS VON TUHR/HANS PETER, Allgemeiner Teil des Schweizerischen Obli-
gationenrechts, Band I, 3. Aufl. 1979, S. 241), wenn nicht ausnahmsweise qualifi-
zierte Formvorschriften bestehen (vgl. Art. 505 Abs. 1 ZGB, Art. 991 Ziff. 7 OR,
Art. 1100 Ziff. 5 OR, Art. 1153 Ziff. 1 OR). Für die vereinbarte Schriftform gelten
grundsätzlich die gesetzlichen Formvorschriften (Art. 16 Abs. 2 OR). Eine fehlen-
de, unzutreffende oder nachträglich ergänzte Orts- oder Datumsangabe belegt,
dass die unterzeichnende Person diese nicht in einem Zug mit der Unterschrift
geleistet hat, ist jedoch nicht schlechterdings unzulässig. Die vom Kläger ange-
führten Präjudizien zur strafrechtlichen Urkundenfälschung (Art. 251 StGB; act. 27
Rz. 134 und Fn. 21) lassen sich nicht unbesehen übernehmen, da die dort produ-
zierten Urkunden zum Beweis der Anwesenheit an einem bestimmten Ort zu ei-
nem bestimmten Datum bestimmt waren (BGE 88 IV 28), zur Vortäuschung einer
früheren Rechnungsstellung möglicherweise gezielt zurückdatiert wurden (BGE
102 IV 191) oder durch Rückdatierung das von der kaufmännischen Buchführung
zu vermittelnde Bild verfälschten (BGE 129 IV 130). Für die erforderliche Rele-
vanz von Ort und Datum muss der Urkunde in Bezug auf diese Tatsachen Be-
weisbestimmung und -eignung (ältere Praxis; BGE 115 IV 51 E. 6b S. 57-58) bzw.
erhöhte Glaubwürdigkeit (neuere Praxis; BGE 122 IV 332 E. 2c S. 338-340) zu-
kommen.
Im Zivilprozessrecht genügt die Eignung der Urkunde zum Nachweis rechtserheb-
licher Tatsachen (Art. 177 ZPO). Daran fehlt es hinsichtlich dem neben der Unter-
- 19 -
schrift angebrachten Ort und Datum bei den vorliegenden Urkunden. Da Art. 13
Abs. 1 OR die Angabe von Ort und Datum nicht verlangt, sind diese nicht rechts-
erheblich. Auf den Originalen ist sodann erkennbar, dass Ort und Datum nach-
träglich eingesetzt wurden, weshalb diese zum Nachweis von Ort und Datum der
Unterschrift auch nicht geeignet sind. Allein die fehlende, unzutreffende oder
nachträglich ergänzte Orts- oder Datumsangabe führt nicht zum Verlust der Be-
weiseignung für die übrigen beurkundeten Tatsachen.
Tatsachen müssen nicht nur streitig, sondern zudem auch rechtserheblich sein,
um Beweisgegenstand zu bilden (Art. 150 Abs. 1 ZPO). An der Rechtserheblich-
keit fehlt es, wenn sich die zu beweisende Tatsache auf die Entscheidung nicht
auswirkt. Vorliegend wäre dies der Fall, wenn sich die Beklagte erfolgreich auf ei-
ne nachträgliche Genehmigung berufen könnte. Deshalb ist vorab auf diese ein-
zugehen.
2.2.2. Die Beklagte beruft sich auf die Zustellungs- und Genehmigungsfiktion
(act. 20 Rz. 46, 79-85, 95, 101, 121; act. 31 Rz. 56, 57). Die Zustellungs- und Ge-
nehmigungsfiktion heilt eine allfällige Vertragsverletzung nachträglich und lässt
einen allfälligen Anspruch des Klägers entfallen. Da es sich um eine rechtsaufhe-
bende Tatsache handelt, ist sie von der Beklagten zu behaupten und zu beweisen
(BGE 132 III 186 E. 8.3 S. 206; BGer 4A_90/2011 vom 22. Juni 2011 E. 2.2.2
a.E.; 4C_90/2011 vom 3. Dezember 2004 E. 1.8).
2.2.2.1. Die Genehmigungsfiktion setzt zunächst die gültige Zustellung der Mittei-
lung an den Bankkunden voraus, damit der Lauf der Beanstandungsfrist ausge-
löst wird (vgl. BGer 4C.81/2002 vom 1. Juli 2002 E. 4.3). Der Bestand einer Bank-
lagernd-Vereinbarung ist zwischen den Parteien nicht streitig (act. 1 Rz. 2, 25;
act. 20 Rz. 23; act. 27 Rz. 196). Das Dokument "Order regarding the retaining of
correspondence" mit dem Datum des 7. Januar 2008 enthält folgende Erklärung
(act. 20 Rz. 23; act. 3/2 = act. 21/O_2):
Correspondence retained by the Bank in accordance with the above Instructions shall be deemed – irrespective of whether it is sent or handed over at a later date – to have been delivered as soon as it is filed either electronically or physically.
- 20 -
Die Mitteilungen der Beklagten an den Kläger gelten deshalb als diesem zuge-
gangen. Vermutungsweise entspricht dieser Zeitpunkt dem Tag, dessen Datum
die Korrespondenz trägt (vgl. URS EMCH/HUGO RENZ/RETO ARPAGAUS, Das
Schweizerische Bankgeschäft, 7. Aufl., Zürich 2011, N 708).
2.2.2.2. Einem blossen Schweigen kommt eine Genehmigungsfunktion nur zu,
wenn von der Gegenpartei unter den gegebenen Umständen nach Treu und
Glauben zu erwarten ist, ihrem Widerspruch Ausdruck zu verleihen (BGer
4C.389/2002 vom 21. März 2003 E. 3.4; vgl. auch Art. 6 OR). Bei Bankverträgen
ist die vertragliche Vereinbarung einer Genehmigungsfiktion grundsätzlich zuläs-
sig (BGE 127 III 147 E. 2d S. 151; BGer 4A_42/2015 vom 9. November 2015
E. 5.2; BGer 4A_488/2008 vom 15. Januar 2009 E. 5.1; Handelsgericht des Kan-
tons Zürich, Urteil vom 26. November 1997, ZR 97 [1998] Nr. 90 E. III.D.3 S. 221-
222; GUGGENHEIM/GUGGENHEIM, a.a.O., N 1758; ERIC SIBBERN/HANS CASPAR VON
DER CRONE, Genehmigungsfiktion und Nebenpflichten der Bankkunden, SZW
2006, S. 70 ff., S. 73-74; CARLO LOMBARDINI, Droit bancaire suisse, 2. Aufl. 2008,
Kapitel XII N 102). Von der Genehmigungsfiktion sind sowohl tatsächlich als auch
banklagernd zugestellte Mitteilungen erfasst (BGer 4A_262/2008 vom
23. September 2008 E. 2.3; 4C.378/2004 vom 30. Mai 2005 E. 2.2, in: SJ 2006
S. 1). Sie führt dazu, dass ein passives Verhalten des Bankkunden nach Art. 6
OR als Genehmigung zu werten ist (BGer 4A_42/2015 vom 9. November 2015
E. 5.2; 4C.175/2006 vom 4. August 2006 E. 2.1).
Ziffer 7 der der allgemeinen Geschäftsbedingungen der Beklagten enthält die fol-
gende Genehmigungsfiktion (act. 20 Rz. 22; act. 21/26):
Complaints by a client relating to the execution of instructions as well as to other communications must be lodged immediately upon receipt of the communication concerned and at the latest within the particular period specified by the Bank. [...] Objections concerning account or safekeeping account statements must be submitted within one month of receipt. Upon expiry of this  the statement is deemed to have been approved.
Die Beklagte stützt sich auf Ziffer 7 des Kontoeröffnungformulars "Contract for the
opening an account and/or safekeeping account" vom 7. Januar 2008, gemäss
- 21 -
dessen Ziffer 7 sämtliche Rechte und Pflichten der Vertragsbeziehung den allge-
meinen Geschäftsbedingungen der Beklagten unterstehen, welche Bestandteil
des Kontoeröffnungsvertrags bilden (act. 20 Rz. 21; act. 22/O_1). Diese seien ihm
bei der Eröffnung der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1 "AC._" übergeben
worden (act. 31 Rz. 61 fünfzehnter Spiegelstrich, Rz. 121).
Der Kläger bestreitet, dass ihm die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB),
insbesondere deren Ziffer 7, je vorgelegt worden oder sonst wie Vertragsbestand-
teil geworden seien (act. 27 Rz. 8 achtzehnter Spiegelstrich, Rz. 198).
Nach der Rechtsprechung genügt es, dass der Vertragspartner des AGB-
Verwenders auf die AGB hingewiesen worden ist und die Möglichkeit zu deren
Kenntnisnahme in einer zumutbaren Weise erhalten hat (BGE 139 III 345 E. 4.2
S. 348 und E. 4.4 S. 349-350; BGer 4A_47/2015 vom 2. Juni 2015 E. 5.4.1). Aus
Ziffer 7 des Kontoeröffnungsformulars geht hervor, dass der Kläger auf die Gel-
tung der allgemeinen Geschäftsbedingungen hingewiesen worden ist. Der Kläger
legt nicht dar, keine Möglichkeit erhalten zu haben, von den AGB Kenntnis zu er-
halten (vgl. BGer 4A_47/2015 vom 2. Juni 2015 E. 5.4.2). Diese sind deshalb Ver-
tragsbestandteil geworden.
2.2.2.3. Der Kläger macht geltend, die Beklagte habe nicht in gutem Glauben vom
Genehmigungswillen des Klägers ausgehen dürfen, da vorliegend mindestens ein
Mitarbeiter der Beklagten durch Verwendung diverser unwahrer Urkunden ab-
sichtlich den Kläger zu schädigen versucht habe (act. 27 Rz. 160, 199, 200). Die
Beklagte bestreitet eine absichtliche Schädigung (act. 31 Rz. 57).
Die Berufung auf die Zustellungs- und Genehmigungsfiktion erweist sich in gewis-
sen stossenden Fällen als rechtsmissbräuchlich. So kann sich die Bank nicht auf
diese berufen, um den Kunden absichtlich zu schädigen (BGer vom 7. Dezember
1984 E. 2b, in: SJ 1985 S. 246; dem folgend 4C.81/2002 vom 1. Juli 2002 E. 4.3
m.Nw.; 4A_262/2008 vom 23. September 2008 E. 2.3), wenn sie sich grundlos
von den mündlichen Weisungen des Kunden entfernt, nachdem sie diese wäh-
rend mehrerer Jahre befolgt hat (BGer 4C.295/2006 vom 30. November 2006
E. 4.4, unter Berufung auf Urteil vom 9. August 1995 E. 2c, in: SJ 1996 S. 193;
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dem folgend 4A_262/2008 vom 23. September 2008 E. 2.3), sie um die Nichtge-
nehmigung des Kunden weiss (BGer 4C.81/2002 vom 1. Juli 2002 E. 4.3 m.Nw.;
dem folgend 4C.378/2004 vom 30. Mai 2005 E. 2.2, in: SJ 2006 I S. 1;
4C.295/2006 vom 30. November 2006 E. 4.4; 4A_262/2008 vom 23. September
2008 E. 2.3; 4A_42/2015 vom 9. November 2015 E. 5.2) oder gegenüber einem in
Bankgeschäften nicht versierten Kunden von der Anlagestrategie abweicht (BGer
4C.18/2004 vom 3. Dezember 2004 E. 1.8 m.Nw., in: Pra 94 [2005] Nr. 73; dem
folgend 4C.342/2003 vom E. 2.3; zum Ganzen auch BGer 4A_471/2017 vom
3. September 2018 E. 4.2.3; 4C.378/2004 vom 30. Mai 2005 E. 2.2).
Für die streitgegenständliche Transaktion vom 19. Dezember 2008 lässt sich aus
der Zustellungs- und Genehmigungsfiktion nichts zu Gunsten der Beklagten ablei-
ten, ohne einem Zirkelschluss zu unterliegen. Sind die der Transaktion zugrunde
liegenden Urkunden durch Mitarbeitende der Beklagten ganz oder teilweise ge-
fälscht, so ist von einer Schädigungsabsicht auszugehen, was der Genehmi-
gungsfiktion entgegensteht. Da die Echtheit der Urkunden Voraussetzung für die
Anwendbarkeit der Genehmigungsfiktion darstellt, lässt sich dem Einwand einer
Fälschung oder Verfälschung der Urkunden nicht mit dem Hinweis auf die Ge-
nehmigungsfiktion begegnen.
2.2.2.4. Gemäss aktueller Rechtsprechung des Bundesgerichts dienen die Mittei-
lungen der Bank auch der Feststellung und Behebung fehlerhafter Einträge oder
irregulärer Transaktionen innerhalb nützlicher Frist, solange sich die finanziellen
Konsequenzen allenfalls noch beheben lassen (BGer 4A_119/2018 vom
7. Januar 2019 E. 6.1.2; 4A_471/2017 vom 3. September 2018 E. 4.2.2). Den
Kunden trifft deshalb eine Sorgfaltspflicht zur Prüfung der Mitteilungen der Bank
und zur Beanstandung ihm unregelmässig oder grundlos scheinender Positionen
(BGer 4A_119/2018 vom 7. Januar 2019 E. 6.1.2, 6.2; 4A_471/2017 vom
3. September 2018 E. 4.2.2). Kommt der Kunde dieser Pflicht nicht nach, verfügt
die Bank über einen Schadenersatzanspruch, in dessen Rahmen sich die Bank
allfällige Nachlässigkeiten bei der Überprüfung der Echtheit der Unterschrift ledig-
lich als Mitverschulden anrechnen lassen muss (BGer 4A_119/2018 vom
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7. Januar 2019 E. 6.2; 4A_379/2016 vom 15. Juni 2017 E. 5.4 [erste Rückwei-
sung von 4A_119/2018]).
Die Genehmigungsfiktion und die Pflicht des Kunden zur Prüfung und Beanstan-
dung der Mitteilungen der Bank beruhen auf unterschiedlichen Rechtsgrundlagen
(vgl. BGer 4A_119/2018 vom 7. Januar 2019 E. 6.2). Die Genehmigungsfiktion
stellt letztlich einen Anwendungsfall von Art. 6 OR dar und beruht auf der unwider-
legbaren Vermutung einer rechtsgeschäftlichen Genehmigungserklärung. Die
Pflicht des Kunden zur Prüfung und Beanstandung der Mitteilungen der Bank
stellt dagegen eine echte Rechtspflicht dar, deren Verletzung zu Schadenersatz-
ansprüchen führt.
Die Beklagte erwähnt in ihren Rechtsschriften lediglich beiläufig, der Kläger sei
darüber informiert worden, dass er allfällige Schäden, welche durch die Zurück-
behaltung von Bankkorrespondenz entstehen könnten, selbst tragen müsste
(act. 20 Rz. 23), lässt jedoch Behauptungen zum Umfang eines solchen Scha-
dens vermissen. Obwohl die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Beklagten
im bereits erwähnten Art. 7 Abs. 1 Satz 3 ausdrücklich eine Schadenersatzpflicht
des Kunden bei verspäteter Beanstandung vorsieht (act. 21/26), zitiert die Beklag-
te in ihren Rechtsschriften den entsprechenden Satz nicht (act. 20 Rz. 22). Die
Beklagte stützt sich einzig auf die rechtsgeschäftliche Genehmigungsfiktion. Wohl
ist die Beklagte der Ansicht, die Beanstandung der Transaktionen rund sieben
Jahre nach ihrer Ausführung sei nicht nur unbegründet, sondern auch verspätet
(act. 20 Rz. 82). Sie legt jedoch nicht dar, inwiefern ihr durch die verspätete Be-
anstandung ein Schaden entstanden ist.
Die Pflicht des Kunden zur Prüfung und Beanstandung der Mitteilungen der Bank
besteht auch ohne spezifische Vereinbarung (BGer 4A_119/2018 vom 7. Januar
2019 E. 6.2) und ist von Amtes wegen zu beachten (Art. 57 ZPO). Aufgrund des
Verhandlungsgrundsatzes (Art. 55 Abs. 1 ZPO) obliegt der Bank jedoch die Dar-
legung und der Beweis des Schadens (Art. 42 Abs. 1 OR). Da es an einer ent-
sprechenden Darlegung des Schadens fehlt, ist der Beklagten kein Schadener-
satz zuzusprechen, welchen sie einem allfälligen Anspruch des Klägers verrech-
nungsweise entgegenhalten könnte.
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2.2.3. Kann sich die Beklagte nicht auf eine Genehmigungsfiktion berufen, hat sie
nachzuweisen, dass für die Vornahme der streitgegenständlichen Transaktionen,
insbesondere für die Überweisung vom 19. Dezember 2008, eine hinreichende
Grundlage bestand. Soweit sich die Beklagte dazu auf Urkunden stützt, kommt ihr
die substantiierte Bestreitungslast der Gegenpartei gemäss Art. 178 ZPO zugute
(s. Ziffer 2.2.1 oben).
2.2.3.1. Nach Darstellung der Beklagten habe der Kläger per 1. Juni 2008 einen
Investitionsvertrag über die Verwaltung eines Aktienportfolios mit Titeln aus
Schwellenländern mit F._ Ltd. abgeschlossen, welche die von ihr getätigten
Investitionen teilweise mit Hilfe von durch Verpfändungserklärungen des Klägers
besicherten Krediten finanziert habe (Ziffer A.c.bb; act. 20 Rz. 30; act. 31 Rz. 37,
42).
2.2.3.1.1. Die Beklagte behauptet, der Kläger habe per 1. Juni 2008 einen Investi-
tionsvertrag mit F._ Ltd. über die Verwaltung eines Aktienportfolios mit Titeln
aus Schwellenländern abgeschlossen (Ziffer A.c.bb; act. 20 Rz. 3, 29, 75 erster
Spiegelstrich, Rz. 116, 128, 133, 149; act. 31 Rz. 37, 39, 61 siebter Spiegelstrich,
Rz. 66, 110), um in koreanische Aktien zu investieren (act. 20 Rz. 3; act. 31 Rz. 1,
7, 8, 37, 55, 61 achter Spiegelstrich, Rz. 86, 87, 100, 122). F._ Ltd. habe
über die dazu erforderliche Genehmigung der koreanischen Finanzmarktaufsicht
(sog. Investment Registration Certificate) verfügt (act. 20 Rz. 3, 34; act. 31 Rz. 7,
38, 122). Hinter der Bezeichnung "AC._ Ltd." stehe der Kläger (act. 20
Rz. 129; act. 31 Rz. 40, 61 zweiter Spiegelstrich, Rz. 79). Am 10. März 2009 sei-
en der Kläger und F._ bzw. die dahinter stehende natürliche Person, deren
koreanische Unterschrift gemäss Kläger "J._" laute (act. 31 Rz. 9, 63, 101),
in Nizza eingetroffen, um gemeinsam an der Beerdigung der Mutter des Klägers
teilzunehmen (act. 31 Rz. 9, 39, 62, 101). Der Kläger bestreitet den Abschluss ei-
nes entsprechenden Investitionsvertrags (act. 1 Rz. 99, 101, 111; act. 27 Rz. 76,
211 dritter Spiegelstrich, Rz. 213, 262) oder eine Absicht, in Korea zu investieren
gewollt zu haben (act. 27 Rz. 74, 110, 111, 266). Der Kläger wisse nicht, wer die
AC._ Ltd. sei oder wer hinter dieser stecke (act. 1 Rz. 99, 100; act. 27
Rz. 75, 205, 206, 207, 211 zweiter Spiegelstrich, Rz. 262, 263). Er kenne keinen
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Herrn "J._" (act. 27 Rz. 22; act. 39 Rz. 15). Der Vermögensverwaltungsver-
trag scheine von einem oder mehreren Mitarbeitern der Beklagten nachträglich
zum Zweck der Legendierung der streitgegenständlichen Transaktion produziert
worden zu sein (act. 27 Rz. 76). Der handschriftliche Datumsvermerk "28. August
2015" lege den Schluss nahe, dass bei der Beklagten eine Kopie dieses sog. "In-
vestment Management Agreement" erst am 28. August 2015 eingegangen bzw.
zum Vorschein gekommen sei (act. 27 Rz. 79, 264).
Gemäss Darstellung der Beklagten habe sich das Investment Management Ag-
reement bereits vor dem 28. August 2015 im physischen Dossier der Geschäfts-
beziehung Konto-Nr. 1 "AC._" befunden und sei am 28. August 2015 durch
die zuständige Abteilung (Instradierung: SWPZ52) lediglich für die Archivierung
vorbereitet und entsprechend gekennzeichnet worden; effektiv eingescannt und
archiviert sei der Vertrag dann am 11. September 2015 worden; das könne aus
den ersten 8 Ziffern der auf dem Dokument abgebildeten Paginatornummer abge-
lesen werden (act. 31 Rz. 41, 80). Der Kläger weist sodann auf verschiedene wei-
tere Ungereimtheiten hin, insbesondere in zeitlicher Hinsicht (act. 1 Rz. 100, 102-
110, 171).
Der Beklagten obliegt der Hauptbeweis und dem Kläger der Gegenbeweis, dass
der Kläger am 1. Juni 2008 einen Investitionsvertrag mit F._ Ltd. über die
Verwaltung eines Aktienportfolios mit Titeln aus Schwellenländern abschloss.
Mit der nach Aktenschluss eingereichten Stellungnahme vom 5. Juli 2018 nennt
der Kläger neue Beweismittel (act. 39 Rz. 9, 11). Die Nennung weiterer Zeugen
ist durch die Beilagen der Duplik vom 18. Juni 2018 veranlasst worden (act. 39
Rz. 6, 11; act. 32/5-7) und deshalb zulässig.
Hauptbeweismittel der Beklagten:
Urkunden:
− Investment Management Agreement (act. 20 Rz. 29; act. 31 Rz. 41;
act. 3/96 = act. 32/6)
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− E-Mail vom 11. März 2009 (act. 31 Rz. 39; act. 32/5)
Zeugen:
− K._ als Zeuge (act. 31 Rz. 41)
Gegenbeweismittel des Klägers:
Urkunden:
− Investment Management Agreement (act. 1 Rz. 99-102, 104; act. 3/96 =
act. 32/6)
− FrontNet Print CIF Dossier – Konto-Nr. 1 S. 5-6 (act. 1 Rz. 100; act. 3/7)
Editionen:
− Vollständiges Dokument act. 3/96 ohne Abdeckungen durch die Beklagte
(act. 39 Rz. 11, 21)
− Vollständiges Dokument act. 32/6 ohne Abdeckungen durch die Beklagte
(act. 39 Rz. 11, 12, 21)
− Elektronisches Original der E-Mail mit Datum vom 11. März 2009 durch die
Beklagte (act. 32/5; act. 39 Rz. 9)
Zeugen:
− E._ "E._" als Zeuge (act. 27 Rz. 79)
− In act. 32/6 abgedeckter bzw. mit SWPZ 52 bezeichneter Mitarbeiter der Be-
klagten als Zeuge (act. 39 Rz. 11)
− I._ als Zeuge (act. 39 Rz. 6, 11, 21)
− L._ als Zeugin (act. 39 Rz. 6, 11, 21)
- 27 -
Parteibefragung/Beweisaussage:
− Parteibefragung/Beweisaussage des Klägers (act. 1 Rz. 99, 100, 101;
act. 27 Rz. 75, 76, 205, 206)
Das "Investment Management Agreement" ist dem Gericht lediglich in Kopie ein-
gereicht worden. Eine urkundentechnische oder schriftgutachterliche Untersu-
chung scheidet aus, da hierfür das Original vorliegen müsste (BGer 8C_794/2016
vom 28. April 2017 E. 5.4; 9C_634/2014 vom 31. August 2015 E. 6.1.2). Die Er-
klärung der Beklagten, dass sie als Nichtvertragspartei nicht über das Original des
Investment Management Agreement verfüge und dieses daher nicht einreichen
könne (act. 31 Rz. 40, 66), erscheint glaubhaft.
Der Kläger macht geltend, die Beklagte habe den Instradierungs-Stempel "SWPZ
52" zu mehr als der Hälfte mit einer weissen Fläche abgedeckt (act. 39 Rz. 11).
Der weisse Balken erstreckt sich praktisch durch die ganze Breite der Kopfzeile,
wie aus dem unterbrochenen Umrandungsbalken ersichtlich ist (act. 32/6), und ist
bereits bei der als act. 3/96 eingereichten Kopie vorhanden gewesen. Aufgrund
des geraden Schnittes könnte es sich auch um eine Begrenzung des Scanbe-
reichs handeln.
Aus Anbringung und Zahl der Stellen der Paginierungsnummer im Investment
Management Agreement (act. 3/96 = act. 32/6) und im Schreiben "RE: Cancelati-
on Investment Management Agreement" (act. 3/97 = act. 32/7) kann der Kläger
keine Argumente zu seinen Gunsten herleiten. Die vom Kläger geltend gemach-
ten Abweichungen des Paginierungsstempels (act. 39 Rz. 21, 22) erklären sich
dadurch, dass das Investment Management Agreement (act. 3/96 = act. 32/6) erst
am 11. September 2015, das Schreiben "RE: Cancelation Investment Manage-
ment Agreement" (act. 3/97 = act. 32/7) dagegen bereits am 11. März 2009 ein-
gescannt wurden. Auf welchen weiteren "sämtlichen dem Kläger bekannten Do-
kumenten der Beklagten" die Paginierungsnummern stets entweder 14 oder
24 Ziffern haben sollen, führt der Kläger an der entsprechenden Stelle (act. 39
Rz. 22) nicht aus.
- 28 -
Im Ergebnis stimmen beide Parteien soweit überein, dass das Investment Ma-
nagement Agreement (act. 3/96 = act. 32/6) jedenfalls nicht vor dem 28. August
2015/11. September 2015 archiviert wurde (act. 27 Rz. 79; act. 31 Rz. 41; act. 39
Rz. 22). Die Beklagte legt sich nicht fest, zu welchem Zeitpunkt vor dem
28. August 2015 ihr das Dokument vorgelegen haben soll (act. 31 Rz. 41). Dar-
über ist deshalb auch kein Beweis zu erheben. Letztlich muss offen bleiben, ob
der Beklagten das Dokument im Zeitpunkt der streitgegenständlichen Transaktion
vom 19. Dezember 2008 vorlag. Schliesslich lässt sich die Echtheit des Doku-
ments anhand der Kopie nicht feststellen. Inwiefern hierzu der als Zeuge offerierte
K._, offenbar ein Mitarbeiter der Beklagten, sachdienliche Angaben machen
könnte, ist nicht ersichtlich.
Schliesslich legt die Beklagte eine E-Mail vom 11. März 2009 vor, mit welcher der
Kundenberater des Klägers seinen Vorgesetzten um Zustimmung ersucht, nach
Nizza zur Beerdigung der Mutter des Klägers zu reisen, an welcher neben dem
Kläger auch "M._ and F._" teilnehmen würden (act. 32/5). Die Beklagte
will damit belegen, dass der Kläger wisse, wer F._ sei (act. 31 Rz. 39). Der
Kläger bestreitet mit Nichtwissen, dass die E-Mail echt sei und deren Datierung
zutreffe (act. 39 Rz. 9). Die Anforderungen an die Bestreitung der Echtheit einer
E-Mail richtet sich ebenfalls nach Art. 178 ZPO (BGer 4A_662/2018 vom 14. Mai
2019 E. 3.2.2). Dabei ist zu beachten, dass der Kläger an der Korrespondenz in
der E-Mail vom 11. März 2009 nicht beteiligt war. Die Bestreitung des Klägers ist
deshalb genügend. Die Beklagte, welche gemäss Art. 178 ZPO dafür die Beweis-
last trägt, bietet keine Beweismittel für die Echtheit der Urkunde an. Auf die E-Mail
vom 11. März 2009 ist deshalb nicht abzustellen.
Die Beklagte hat den ihr obliegenden Hauptbeweis nicht erbracht.
2.2.3.1.2. Die Beklagte behauptet, der Kläger habe am 11. Juni 2008 einen
Pfandvertrag unterzeichnet, worin er das Konto Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd." bis
zu einem Maximalbetrag von USD 20 Millionen für die Verbindlichkeiten der Ge-
schäftsbeziehung Konto-Nr. 3 "F._ Ltd." verpfändet habe (act. 20 Rz. 30, 48,
132; act. 31 Rz. 42, 77, 90, 100, 102, 104). Der Kläger bestreitet, ein entspre-
chendes Dokument unterzeichnet zu haben (act. 1 Rz. 112, 113, 171; act. 27
- 29 -
Rz. 67, 68). Der Kläger soll dieses am 11. Juni 2008 in Zürich unterzeichnet ha-
ben, er sei jedoch an diesem Datum in Seoul gewesen (act. 27 Rz. 68, 137). Zu-
dem sei das dafür vorgesehene Feld für die Überprüfung der Unterschrift leer
(act. 27 Rz. 69, 187).
Der Beklagten obliegt der Hauptbeweis und dem Kläger der Gegenbeweis, dass
der Kläger den Pfandvertrag mit Datum vom 11. Juni 2008 unterzeichnet hat.
Hauptbeweismittel der Beklagten:
Urkunden:
− Pfandvertrag (General Deed of Pledge [Limited]) mit Datum vom 11. Juni
2008 (act. 20 Rz. 30; act. 3/99 S. 1-3 = act. 21/O_15)
Gutachten:
− Handschriftengutachten zu act. 21/O_15 (act. 20 Rz. 15, 76; act. 31 Rz. 17)
Gegenbeweismittel des Klägers:
Urkunden:
− Pfandvertrag (General Deed of Pledge [Limited]) mit Datum vom 11. Juni
2008 (act. 1 Rz. 112, 113; act. 27 Rz. 67, 68, 69; act. 3/99 S. 1-3 =
act. 21/O_15)
− Ein- und Ausreisebestätigung der koreanischen Zollbehörden vom
21. Dezember 2017 (act. 27 Rz. 68, 137; act. 28/112)
Parteibefragung/Beweisaussage:
− Parteibefragung/Beweisaussage des Klägers (act. 1 Rz. 112, 113; act. 27
Rz. 67, 68)
Der Kläger offeriert in act. 27 Rz. 67 N._, O._ und E._ "E._"
als Zeugen. Diese Beweisofferte kann sich jedoch nur auf den Kreditantrag mit
Datum vom 11. Juni 2008 (act. 21/O_14) beziehen, denn der Pfandvertrag (Gene-
- 30 -
ral Deed of Pledge [Limited]) mit Datum vom 11. Juni 2008 (act. 3/99 S. 1-3 =
act. 21/O_15) enthält deren Unterschriften nicht. Der Kläger legt nicht dar, inwie-
fern diese Zeugen auch hinsichtlich der Unterzeichnung des Pfandvertrags zur
Sachverhaltsaufklärung beitragen könnten. Die Beweisanträge in act. 27 Rz. 66
beziehen sich ausschliesslich auf den Kreditantrag.
Aufgrund der Ein- und Ausreisebestätigung der koreanischen Zollbehörden ver-
mag der Kläger glaubhaft zu machen, dass er sich am Datum des 11. Juni 2008
in Seoul befand. Die pauschale Bestreitung der Verlässlichkeit dieses Zolldoku-
ments durch die Beklagte (act. 31 Rz. 64, 91) kann die Glaubhaftigkeit nicht ent-
kräften. Für die Verlässlichkeit spricht insbesondere, dass registrierte Ein- und
Ausreisen durchwegs alternieren. Wären die Aufzeichnungen lückenhaft, so wäre
zu erwarten, dass gelegentlich zwei Ein- oder Ausreisen aufeinander folgen, da
eine dazwischen liegende Ein- bzw. Ausreise nicht registriert worden ist. Zudem
ist auch ohne besondere Sachkunde ersichtlich, dass die Orts- und Datumsanga-
be auf dem Pfandvertrag von einer Drittperson, möglicherweise durch die für die
Unterschriftenprüfung zuständige Person (act. 3/99 S. 3 = act. 21/O_15 S. 3),
eingesetzt worden ist.
Wenn der Kläger glaubhaft zu machen vermag, dass die Orts- und Datumsanga-
ben nicht zutreffen, bedeutet dies indessen noch nicht, dass eine Fälschung der
Unterschrift glaubhaft gemacht ist, denn eine unzutreffende Orts- oder Da-
tumsangabe führt nicht zur Ungültigkeit des Dokuments (Ziffer 2.2.1 oben). Es
spricht eher für die Authentizität der Unterschrift, wenn aus der Urkunde ersicht-
lich ist, dass das Orts- und Datumsfeld nachträglich oder allenfalls auch vorgängig
durch eine Drittperson ausgefüllt wurde. Dem Kläger ist insoweit zu folgen, als auf
der ersten Seite das für die Unterschriftenprüfung vorgesehene Feld nicht voll-
ständig ausgefüllt wurde. Die entsprechende Unterschriftenprüfung findet sich je-
doch auf Seite 3.
Wenn der Kläger geltend macht, die Formulare seien nachträglich ergänzt worden
(act. 27 Rz. 68), so erscheint dies glaubhaft, tangiert jedoch die Wirksamkeit der
Unterschrift nicht. Der Kläger mutmasst, seine Unterschrift könnte gefälscht
(act. 27 Rz. 68) oder eine Blankounterschrift durch Mitarbeiter der Beklagten un-
- 31 -
autorisiert verwendet worden sein (act. 27 Rz. 70). Weitere Gründe führt der Klä-
ger nicht an. Diese pauschalen Einwendungen des Klägers stellen keine hinrei-
chend substantiierte Bestreitung der Echtheit dar.
Im Ergebnis vermag der Kläger eine Fälschung nicht stichhaltig darzutun. Damit
ist erstellt, dass der Kläger den Pfandvertrag mit Datum vom 11. Juni 2008 unter-
zeichnete.
2.2.3.1.3. Die Beklagte behauptet, da der Kläger als Pfandbesteller in die Kredit-
vergabe involviert gewesen sei, habe er den Antrag in der Geschäftsbeziehung
Konto-Nr. 3 "F._ Ltd." vom 11. Juni 2008 mitunterzeichnet (act. 20 Rz. 31,
48, 132; act. 31 Rz. 42, 61 fünfter Spiegelstrich). Der Kläger bestreitet, dass die
Unterschrift auf dem entsprechenden Dokument von ihm stamme (act. 27 Rz. 67,
68). Er solle dieses am 11. Juni 2008 in Zürich unterzeichnet haben, er sei jedoch
an diesem Datum in Seoul gewesen (act. 27 Rz. 68, 70). Er kenne die F._
Ltd., die P._ oder die Q._ nicht und wisse auch nicht, weshalb und in
welcher Rolle diese beiden Gesellschaften auf dem Kreditantrag mit Datum vom
11. Juli 2008 unterzeichnet hätten (act. 27 Rz. 8, vierter Spiegelstrich, Rz. 18, 66,
107).
Gemäss Darstellung der Beklagten handle es sich bei der P._ um eine weite-
re Drittpfandbestellerin (act. 31 Rz. 61 dritter Spiegelstrich, Rz. 77, 86) und bei
der Q._ um einen sog. Corporate Officer, der als Direktor für die F._ Ltd.
amte (act. 31 Rz. 45, 61 vierter Spiegelstrich, Rz. 77, 86).
Mit Stellungnahme vom 5. Juli 2018 macht der Kläger weitere Ausführungen zur
Unterschrift mit der Zeichenfolge "J._", welche sich neben dem Investment
Management Agreement (act. 3/96 = act. 32/6) auch auf den Kreditantrag mit Da-
tum vom 21. Juni 2008 (act. 21/O_14) beziehen (act. 39 Rz. 15-19). Im Gegen-
satz zu ersterem (vgl. Ziffer 2.2.3.1.1 oben) reichte die Beklagte das Original des
Kreditantrags mit Datum vom 21. Juni 2008 (act. 21/O_14) bereits mit der Kla-
geantwort vom 8. November 2017 ein. Die diesbezüglichen Ausführungen des
Klägers nach Eintritt des Aktenschlusses sind deshalb verspätet.
- 32 -
Der Beklagten obliegt der Hauptbeweis und dem Kläger der Gegenbeweis, dass
der Kläger den Kreditantrag in der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 3 "F._
Ltd." mit Datum vom 11. Juni 2008 mitunterzeichnete.
Hauptbeweismittel der Beklagten:
Urkunden:
− Kreditantrag (Application for a Framework Credit Limit) mit Datum vom
21. Juni 2008 (act. 20 Rz. 31; act. 21/O_14)
Gutachten:
− Handschriftengutachten zu act. 21/O_14 (act. 20 Rz. 15, 76; act. 31 Rz. 17)
Gegenbeweismittel des Klägers:
Urkunden:
− Kreditantrag (Application for a Framework Credit Limit) mit Datum vom
21. Juni 2008 (act. 27 Rz. 67, 68; act. 21/O_14)
− Ein- und Ausreisebestätigung der koreanischen Zollbehörden vom
21. Dezember 2017 (act. 27 Rz. 68, 137; act. 28/112)
Editionen:
− Unterschriftenkarte des unbekannten Mitarbeiters 1 der Beklagten, dessen
Unterschrift sich auf act. 21/O_14 S. 3 findet, durch die Beklagte (act. 27
Rz. 66)
Zeugen:
− R._ als Zeuge (act. 27 Rz. 66)
− S._ als Zeugin (act. 27 Rz. 66)
− N._ als Zeuge (act. 27 Rz. 66, 67)
- 33 -
− O._ als Zeuge (act. 27 Rz. 66, 67)
− E._ "E._" als Zeuge (act. 27 Rz. 66, 67)
− T._ als Zeuge (act. 27 Rz. 66)
− Unbekannter Mitarbeiter 1 der Beklagten, dessen Unterschrift sich auf
act. 21/O_14 S. 3 findet, als Zeuge (act. 27 Rz. 66)
Parteibefragung/Beweisaussage:
− Parteibefragung/Beweisaussage des Klägers (act. 27 Rz. 67, 68)
Aufgrund der Ein- und Ausreisebestätigung der koreanischen Zollbehörden ver-
mag der Kläger glaubhaft zu machen, dass er sich am Datum des 11. Juni 2008
in Seoul befand (Ziffer 2.2.3.1.2 oben). Stichhaltige Gründe, welche gegen die
Echtheit des Dokuments sprechen, sind nicht ersichtlich. Ergänzend ist auf die
Ausführungen unter Ziffer 2.2.3.1.2 oben zu verweisen. Die pauschalen Einwen-
dungen des Klägers stellen keine hinreichend substantiierte Bestreitung der Echt-
heit dar.
Im Ergebnis vermag der Kläger eine Fälschung nicht stichhaltig darzutun. Damit
ist erstellt, dass der Kläger den Kreditantrag in der Geschäftsbeziehung Konto-Nr.
3 "F._ Ltd." mit Datum vom 11. Juni 2008 mitunterzeichnete.
2.2.3.1.4. Die Beklagte behauptet, der Kläger habe am 11. Juni 2008 ein Zusatz-
formular unterzeichnet, worin er bestätigt habe, dass F._ Ltd. bei der Beklag-
ten Kredite beanspruchen dürfe, welche durch die Vermögenswerte der Ge-
schäftsbeziehung Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd." gesichert seien (act. 20 Rz. 32, 48,
132; act. 31 Rz. 42). Der Kläger bestreitet, ein entsprechendes Dokument unter-
zeichnet zu haben (act. 1 Rz. 112, 113, 171). Der Kläger soll dieses am 11. Juni
2008 in Zürich unterzeichnet haben, er sei jedoch an diesem Datum in Seoul ge-
wesen (act. 27 Rz. 68).
Der Beklagten obliegt der Hauptbeweis und dem Kläger der Gegenbeweis, dass
der Kläger ein Zusatzformular mit Datum vom 11. Juni 2008 unterzeichnete, worin
- 34 -
er bestätigte, dass F._ Ltd. bei der Beklagten Kredite beanspruchen durfte,
welche durch die Vermögenswerte der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 2
"B1._ Ltd.." gesichert waren.
Hauptbeweismittel der Beklagten:
Urkunden:
− Zusatzformular (Supplementary Sheet for Credit-Based Transactions and
Deed of Pledge for Third Parties in Connection with Life Portfolio Internatio-
nal Policies) mit Datum vom 11. Juni 2008 (act. 20 Rz. 32; act. 3/99 S. 4 =
act. 21/O_16)
Gutachten:
− Handschriftengutachten zu act. 21/O_16 (act. 20 Rz. 15, 76; act. 31 Rz. 17)
Gegenbeweismittel des Klägers:
Urkunden:
− Zusatzformular (Supplementary Sheet for Credit-Based Transactions and
Deed of Pledge for Third Parties in Connection with Life Portfolio Internatio-
nal Policies) mit Datum vom 11. Juni 2008 (act. 1 Rz. 112, 113; act. 3/99
S. 4 = act. 21/O_16)
− Ein- und Ausreisebestätigung der koreanischen Zollbehörden vom
21. Dezember 2017 (act. 27 Rz. 68, 137; act. 28/112)
Parteibefragung/Beweisaussage:
− Parteibefragung/Beweisaussage des Klägers (act. 1 Rz. 112, 113; act. 27
Rz. 67, 68)
Der Kläger offeriert in act. 27 Rz. 67 N._, O._ und E._ "E._"
als Zeugen. Diese Beweisofferte kann sich jedoch nur auf den Kreditantrag mit
Datum vom 11. Juni 2008 (act. 21/O_14) beziehen, denn das Zusatzformular glei-
- 35 -
chen Datums (act. 3/99 S. 4 = act. 21/O_16) enthält deren Unterschriften nicht.
Der Kläger legt nicht dar, inwiefern diese Zeugen auch hinsichtlich der Unter-
zeichnung des Pfandvertrags zur Sachverhaltsaufklärung beitragen könnten. Die
Beweisanträge in act. 27 Rz. 66 beziehen sich ausschliesslich auf den Kreditan-
trag.
Aufgrund der Ein- und Ausreisebestätigung der koreanischen Zollbehörden ver-
mag der Kläger glaubhaft zu machen, dass er sich am Datum des 11. Juni 2008
in Seoul befand (Ziffer 2.2.3.1.2 oben). Stichhaltige Gründe, welche gegen die
Echtheit des Dokuments, namentlich der Unterschrift, sprechen, sind nicht ersicht-
lich. Ergänzend ist auf die Ausführungen unter Ziffer 2.2.3.1.2 oben zu verweisen.
Im Ergebnis vermag der Kläger eine Fälschung nicht stichhaltig darzutun. Damit
ist erstellt, dass der Kläger ein Zusatzformular mit Datum vom 11. Juni 2008 un-
terzeichnete, worin er bestätigte, dass F._ Ltd. bei der Beklagten Kredite be-
anspruchen durfte, welche durch die Vermögenswerte der Geschäftsbeziehung
Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd." gesichert waren.
2.2.3.2. Nach Darstellung der Beklagten habe der Kläger per 20. Oktober 2008
die Vermögenswerte der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd." ohne
betragsmässige Limitierung verpfändet (act. 20 Rz. 33, 144; act. 31 Rz. 78, 90,
100; Ziffer A.c.bb).
2.2.3.2.1. Die Beklagte behauptet, der Kläger habe den mit 20. Oktober 2008 da-
tierten Kreditvertrag zugunsten der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 3 "F._
Ltd." an einem unbekannten Datum mutmasslich vor dem 29. September 2008
unterzeichnet (act. 20 Rz. 33, 48; act. 31 Rz. 44, 105). Der Kläger bestreitet, ein
entsprechendes Dokument unterzeichnet zu haben (act. 1 Rz. 112, 116; act. 27
Rz. 71). Er solle dieses am 20. Oktober 2008 in Hong Kong unterzeichnet haben,
er sei jedoch an diesem Datum in Seoul gewesen (act. 27 Rz. 72, 74, 141).
Unstreitig ist, dass das Dokument aufgrund des Eingangsstempels vom
29. September 2008 an diesem Datum bei der Beklagten eingegangen sein muss
(act. 27 Rz. 73, 188; act. 31 Rz. 44, 105). Gemäss Darstellung der Beklagten sei
- 36 -
das Dokument in der Folge mit dem Datum vom 20. Oktober 2008 versehen wor-
den (act. 31 Rz. 44).
Der Beklagten obliegt der Hauptbeweis und dem Kläger der Gegenbeweis, dass
der Kläger den Kreditvertrag mit Datum vom 20. Oktober 2008 unterzeichnete.
Hauptbeweismittel der Beklagten:
Urkunden:
− Kreditantrag (Application for a Credit Line) mit Datum vom 20. Oktober 2008
(act. 20 Rz. 33; act. 3/102 = act. 21/O_17)
Gutachten:
− Handschriftengutachten zu act. 21/O_17 (act. 20 Rz. 15, 76; act. 31 Rz. 17)
Gegenbeweismittel des Klägers:
Urkunden:
− Kreditantrag (Application for a Credit Line) mit Datum vom 20. Oktober 2008
(act. 1 Rz. 112, 116; act. 3/102 = act. 21/O_17)
− undatiertes Zusatzformular (Supplementary Sheet for Credit-Based Transac-
tions and Deed of Pledge for Third Parties in Connection with Life Portfolio
International Policies) mit Eingangsstempel vom 29. September 2008
(act. 27 Rz. 71; act. 21/O_19)
− Ein- und Ausreisebestätigung der koreanischen Zollbehörden vom
21. Dezember 2017 (act. 27 Rz. 72, 74, 142; act. 28/112)
Editionen:
− Unterschriftenkarte des unbekannten Mitarbeiters 2, dessen Unterschrift in
act. 3/102 abgedeckt ist (vgl. act. 21/O_17 S. 3), durch die Beklagte (act. 27
Rz. 72)
- 37 -
Zeugen:
− unbekannter Mitarbeiter 2 der Beklagten, dessen Unterschrift in act. 3/102
abgedeckt ist (act. 21/O_17 S. 3) als Zeuge (act. 27 Rz. 72)
− R._ als Zeuge (act. 27 Rz. 72)
− S._ als Zeugin (act. 27 Rz. 72)
− E._ "E._" als Zeuge (act. 27 Rz. 72)
− N._ als Zeuge (act. 27 Rz. 72, 73)
− U._ als Zeuge (act. 27 Rz. 72, 73)
Parteibefragung/Beweisaussage:
− Parteibefragung/Beweisaussage des Klägers (act. 1 Rz. 112; act. 27 Rz. 73,
74)
Die Excel-Tabelle "Analyse der von der Beklagten als 'Originale' eingereichten
Dokumente (soweit zeitlich relevant)" (act. 28/110) und das Dokument "Liste der
Personen, deren Unterschriften und Kurzzeichen in den von der Beklagten her-
ausgegebenen, zeitlich relevanten Dokumente verzeichnet sind (teilweise nicht
identifiziert) (9.4.2018)" (act. 28/111), welche der Kläger ebenfalls als Beweismit-
tel anruft (act. 27 Rz. 72, 73), wurden vom Kläger im Hinblick auf das vorliegende
Verfahren zusammengestellt. Wie bei Parteigutachten handelt es sich deshalb le-
diglich um Parteibehauptungen.
2.2.3.2.2. Die Beklagte behauptet, der Kläger habe den mit 20. Oktober 2008 da-
tierten Pfandvertrag an einem unbekannten Datum mutmasslich vor dem
29. September 2008 unterzeichnet (act. 20 Rz. 33, 48, 55, 141; act. 31 Rz. 44,
102, 105). Der Kläger bestreitet, dieses Dokument unterzeichnet zu haben (act. 1
Rz. 112, 114, 115; act. 27 Rz. 71). Er solle dieses am 20. Oktober 2008 in Hong
Kong unterzeichnet haben, er sei jedoch an diesem Datum in Seoul gewesen
- 38 -
(act. 27 Rz. 72, 74, 141). Der Pfandvertrag sei zudem mit Tipp-Ex verändert wor-
den (act. 27 Rz. 73, 141).
Unstreitig ist, dass das Dokument aufgrund des Eingangsstempels vom
29. September 2008 an diesem Datum bei der Beklagten eingegangen sein muss
(act. 1 Rz. 171; act. 27 Rz. 26, 73, 188; act. 31 Rz. 44, 105). Gemäss Darstellung
der Beklagten sei das Dokument in der Folge mit dem Datum vom 20. Oktober
2008 versehen worden (act. 31 Rz. 44; s. bereits Ziffer 2.2.3.2.1 oben).
Der Beklagten obliegt der Hauptbeweis und dem Kläger der Gegenbeweis, dass
der Kläger den Pfandvertrag mit Datum vom 20. Oktober 2008 unterzeichnete.
Hauptbeweismittel der Beklagten:
Urkunden:
− Pfandvertrag (General Deed of Pledge) mit Datum vom 20. Oktober 2008
(act. 20 Rz. 33; act. 3/100 = act. 21/O_18)
Gutachten:
− Handschriftengutachten zu act. 21/O_18 (act. 20 Rz. 15, 76; act. 31 Rz. 17)
Gegenbeweismittel des Klägers:
Urkunden:
− Pfandvertrag (General Deed of Pledge) mit Datum vom 20. Oktober 2008
(act. 1 Rz. 112, 114, 115; act. 3/100 = act. 21/O_18)
− undatiertes Zusatzformular (Supplementary Sheet for Credit-Based Transac-
tions and Deed of Pledge for Third Parties in Connection with Life Portfolio
International Policies) mit Eingangsstempel vom 29. September 2008
(act. 27 Rz. 71; act. 21/O_19)
− Ein- und Ausreisebestätigung der koreanischen Zollbehörden vom
21. Dezember 2017 (act. 27 Rz. 72, 74, 142; act. 28/112)
- 39 -
Editionen:
− Unterschriftenkarte des unbekannten Mitarbeiters 2, dessen Unterschrift in
act. 3/102 abgedeckt ist (vgl. act. 21/O_17 S. 3), durch die Beklagte
Zeugen:
− unbekannter Mitarbeiter 2 der Beklagten, dessen Unterschrift in act. 3/102
abgedeckt ist (act. 21/O_17 S. 3) als Zeuge
− R._ als Zeuge (act. 27 Rz. 72)
− S._ als Zeugin (act. 27 Rz. 72)
− E._ "E._" als Zeuge (act. 27 Rz. 72)
− N._ als Zeuge (act. 27 Rz. 72, 73)
− U._ als Zeuge (act. 27 Rz. 72, 73)
Parteibefragung/Beweisaussage:
− Parteibefragung/Beweisaussage des Klägers (act. 1 Rz. 112; act. 27 Rz. 73,
74)
Die Excel-Tabelle "Analyse der von der Beklagten als 'Originale' eingereichten
Dokumente (soweit zeitlich relevant)" (act. 28/110) und das Dokument "Liste der
Personen, deren Unterschriften und Kurzzeichen in den von der Beklagten her-
ausgegebenen, zeitlich relevanten Dokumente verzeichnet sind (teilweise nicht
identifiziert) (9.4.2018)" (act. 28/111), welche der Kläger ebenfalls als Beweismit-
tel anruft (act. 27 Rz. 72, 73), wurden vom Kläger im Hinblick auf das vorliegende
Verfahren zusammengestellt. Wie bei Parteigutachten handelt es sich deshalb le-
diglich um Parteibehauptungen.
2.2.3.2.3. Hinsichtlich Kreditvertrag und Pfandvertrag vom 20. Oktober 2008 brin-
gen die Parteien im Wesentlichen dieselben Behauptungen vor und es besteht ein
sachlicher Zusammenhang. Die Behauptungen und Beweismittel sind deshalb
- 40 -
gemeinsam zu würdigen. Aufgrund der Ein- und Ausreisebestätigung der koreani-
schen Zollbehörden vermag der Kläger glaubhaft zu machen, dass er sich am Da-
tum des 20. Oktober 2008 in Seoul befand (vgl. Ziffer 2.2.3.1.2 oben). Da die Do-
kumente jedoch unstreitig bereits am 29. September 2008 bei der Beklagten ein-
gegangen sind, müssen sie an oder vor diesem Datum unterzeichnet worden
sein, weshalb das Datum des 20. Oktober 2008 nicht entscheidend sein kann.
Obwohl beide Dokumente mehrere volle Unterschriftenfelder enthalten, ist davon
lediglich das erste Orts- und Datumsfeld mit blauem Kugelschreiber ausgefüllt. Da
die von der Beklagten dem Kläger zugeordnete Unterschrift mit schwarzer Kugel-
schreiber erfolgt ist, erscheint es unwahrscheinlich, dass sich Ort und Datum aus-
gerechnet auf dessen Unterzeichnung beziehen. Es spricht viel für die Darstellung
der Beklagten, wonach das Orts- und Datumsfeld auf beiden Dokumenten erst
nach deren Eingang bei der Beklagten ausgefüllt wurden. Das Schema ist jenem
beim Pfandvertrag vom 11. Juni 2008 (act. 3/99 S. 1-3 = act. 21/O_15) nicht un-
ähnlich (s. Ziffer 2.2.3.1.2 oben), jedoch wurde im vorliegenden Fall die Unter-
schrift vom Kundenberater E._ überprüft und mit blauem Filzstift visiert, wäh-
rend das Datum mit blauem Kugelschreiber eingesetzt wurde und die Datierung
deshalb kaum zeitgleich mit der Visierung vorgenommen worden sein dürfte.
Möglicherweise stammt sie von der Kreditabteilung.
Bei beiden Dokumenten finden sich mit Hilfe von Tipp-Ex angebrachte Korrektu-
ren, auf dem Kreditvertrag beim Unterzeichnungsdatum der Kreditabteilung
(act. 3/102 = act. 21/O_17 S. 3) und auf dem Pfandvertrag bei der Kundenbe-
zeichnung, nicht jedoch bei der CIF-Nummer (act. 3/100 = act. 21/O_18 S. 1). In-
wiefern diese Korrekturen die beiden Dokumente als unecht erscheinen lassen,
ist nicht ersichtlich. Es handelt sich lediglich um formelle Korrekturen, nicht um in-
haltliche Änderungen, und auch nicht um Felder, welche der Kläger selber ausge-
füllt haben soll.
Im Ergebnis vermag der Kläger eine Fälschung der beiden Dokumente nicht
stichhaltig darzutun. Damit ist erstellt, dass der Kläger den Kreditvertrag mit Da-
tum vom 20. Oktober 2008 und den Pfandvertrag mit Datum vom 20. Oktober
2008 unterzeichnete.
- 41 -
2.2.3.3. Nach Darstellung der Beklagten habe der Kläger den Investitionsvertrag
mit F._ Ltd. gekündigt und die Beklagte angewiesen, sämtliche Barausstän-
de der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 3 "F._ Ltd." zu Lasten der Geschäfts-
beziehung Konto-Nr. 1 "AC._" auszugleichen (Ziffer A.c.bb).
2.2.3.3.1. Die Beklagte behauptet, der Kläger habe der Beklagten am
28. November 2008 telefonisch mitgeteilt, dass er den Vertrag mit F._ Ltd.
wegen schlechter Performance gekündigt habe und sämtliche Vermögenswerte
und Verpflichtungen der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 3 "F._ Ltd." über-
nehmen werde (Ziffer A.c.bb; act. 20 Rz. 5, 36, 133, 149; act. 31 Rz. 46, 100,
111). Der Kläger bestreitet eine solche Mitteilung (act. 27 Rz. 219). Der Kläger sei
gar nicht Partei des Vertrages zwischen AC._ Ltd. und F._ Ltd. gewe-
sen; es würde zudem keinen Sinn machen, wenn der Kläger am 14. November
2008 rückwirkend Verluste, die seit 1. Juni 2008 entstanden seien, hätte über-
nehmen wollen, um dann ein paar Tage später gerade wegen dieser Verluste zu
kündigen (act. 27 Rz. 220).
Der Beklagten obliegt der Hauptbeweis und dem Kläger der Gegenbeweis, dass
der Kläger der Beklagten am 28. November 2008 telefonisch mitgeteilt habe, dass
er den Vertrag mit F._ Ltd. wegen schlechter Performance gekündigt habe
und sämtliche Vermögenswerte und Verpflichtungen Geschäftsbeziehung Konto-
Nr. 3 "F._ Ltd." übernehmen werde.
Hauptbeweismittel der Beklagten:
Urkunden:
− FrontNet Print CIF Dossier – Konto-Nr. 1 S. 53 (act. 20 Rz. 36; act. 31
Rz. 46; act. 3/7)
− Schreiben "RE: Cancelation Investment Management Agreement" mit Datum
vom 15. Dezember 2008 (act. 20 Rz. 37; act. 31 Rz. 46; act. 3/97 =
act. 21/O_20 = act. 32/7)
- 42 -
Gutachten:
− Handschriftengutachten zu act. 21/O_20 (act. 20 Rz. 15, 76; act. 31 Rz. 17)
Gegenbeweismittel des Klägers:
Urkunden:
− Schreiben "RE: Cancelation Investment Management Agreement" mit Datum
vom 15. Dezember 2008 (act. 1 Rz. 105, 106; act. 3/97 = act. 21/O_20 =
act. 32/7)
− FrontNet Print CIF Dossier – Konto-Nr. 1 S. 53 (act. 1 Rz. 105, 106, 107;
act. 3/7)
− Kontoauszug (Statement of account) per 31. Dezember 2008 (act. 3/3 =
act. 3/86 Blatt 1)
Zunächst erscheint fraglich, ob es sich bei den Einträgen im Kundenkontaktjour-
nal um eigentliche Beweismittel handelt. Der Beweischarakter von Aufzeichnun-
gen in Kundenkontaktjournalen ist in der Rechtsprechung nicht abschliessend ge-
klärt (vgl. BGer 4A_409/2017 vom 17. Januar 2018 E. 3.3). Von der Sache her
stellen sie lediglich einseitige schriftliche Parteibehauptungen dar (OGer ZH
LB160078-O vom 19. Juni 2017 E. 3.1). Es besteht eine Parallele zu den lediglich
als Parteibehauptungen zu qualifizierenden Parteigutachten (BGE 141 III 433
E. 2.6 S. 437-438; BGE 140 III 16 E. 2.5 S. 24; BGE 132 III 83 E. 3.4 S. 88, E. 3.6
S. 88-89; BGE 95 II 364 E. 2 S. 368; BGer 5D_56/2017 vom 30. November 2017
E. 3.1.3), welche als besonders substantiierte Parteibehauptungen "allenfalls zu-
sammen mit – durch Beweismittel nachgewiesenen – Indizien den Beweis zu er-
bringen" vermögen (BGE 141 III 433 E. 2.6 S. 438; BGer 4A_409/2017 vom
17. Januar 2018 E. 3.3). Im Unterschied zu Parteigutachten werden die Einträge
in Kundenkontaktjournalen jedoch nicht nachträglich im Hinblick auf die Führung
eines konkreten Prozesses, sondern zeitnah nach dem entsprechenden Kunden-
kontakt erstellt, was ihren Beweiswert erhöht (OGer ZH LB160078-O vom 19. Juni
2017 E. 3.1).
- 43 -
Mit dem Schreiben vom 15. Dezember 2008, auf dessen Echtheit sogleich noch
einzugehen sein wird (Ziffer 2.2.3.3.2 unten), liegt ein mit dem Journaleintrag vom
28. November 2008 korrespondierendes Indiz vor. Auch wenn sich der Nachweis
für das Vorliegen eines Investitionsvertrags mit F._ Ltd. am 28. November
2008 nicht erbringen lässt, ergibt sich aus der Mitwirkung des Klägers am Pfand-
vertrag, am Kreditantrag und am Zusatzformular vom 11. Juni 2008 (Zif-
fer 2.2.3.1.2 oben bis 2.2.3.1.4 oben) sowie am Kreditvertrag und am Pfandver-
trag vom 20. Oktober 2008 (Ziffer 2.2.3.2.3 oben), dass der Kläger mit der
F._ Ltd. geschäftlich verbunden war. Zum Journaleintrag vom 28. November
2008 liegen stützende Indizien vor, weshalb dessen Inhalt als erstellt gelten darf.
Der Umstand, dass die Überweisung erst am 19. Dezember 2008 stattfand
(act. 3/3 = act. 3/86 Blatt 1) steht einem Telefonat im Vorfeld des Schreibens vom
15. Dezember 2008 nicht entgegen.
Im Ergebnis ist erstellt, dass der Kläger der Beklagten am 28. November 2008 te-
lefonisch mitteilte, dass er den Vertrag mit F._ Ltd. wegen schlechter Per-
formance gekündigt habe und sämtliche Vermögenswerte und Verpflichtungen
der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 3 "F._ Ltd." übernehmen werde.
2.2.3.3.2. Die Beklagte behauptet, der Kläger habe mit Schreiben vom
15. Dezember 2008 die Beklagte instruiert, sämtliche notwendigen Barausstände
der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 3 "F._ Ltd." zu Lasten der Geschäftsbe-
ziehung Konto-Nr. 1 "AC._" auszugleichen (act. 20 Rz. 37, 48, 75 zweiter
Spiegelstrich, Rz. 94, 97, 127, 130, 133, 136, 149; act. 31 Rz. 61 neunter und
vierzehnter Spiegelstrich, Rz. 81, 90, 96, 100, 101). Der Kläger bestreitet, das
Kündigungsschreiben vom 15. Dezember 2008 unterzeichnet zu haben (act. 1
Rz. 105; act. 27 Rz. 46, 83, 88, 155, 222). Bei dem von der Beklagten eingereich-
ten Original (act. 21/O_20) handle es sich nicht um das zur dem Kläger ausge-
händigten Kopie (act. 3/97) gehörende Original (act. 27 Rz. 88): Auf der von der
Beklagen ausgehändigten Kopie sei neben der zweiten Zeile des Betreff-Texts ein
handschriftlich geschriebenes "AC._" angefügt, und der rechts oben abge-
deckte Mitarbeiter finde sich auf dem Original nicht (act. 27 Rz. 86, 87). Sofern
sich die Unterschrift als echt erweisen sollte, sei eine Blankounterschrift des Klä-
- 44 -
gers missbraucht worden (act. 27 Rz. 8 zehnter Spiegelstrich, Rz. 88, 153). Die
angebliche Unterschrift des Klägers sei mit einem schwarzen Füller
oder Filzstift unterzeichnet, obwohl der Kläger normalerweise Kugelschreiber
verwende; Ort und Zeit seien nicht mit dem gleichen Schreibinstrument und der
gleichen Handschrift wie die Unterschrift geschrieben (act. 27 Rz. 89, 91, 174).
Der Kläger sei vom 9. November 2008 bis am 15. Januar 2009 in Seoul und nicht
in Zürich gewesen (act. 1 Rz. 119; act. 27 Rz. 90, 91, 167, 221). In inhaltlicher
Hinsicht habe der Kläger nie etwas von einem angeblichen "Investment Manage-
ment Agreement" zwischen einer "AC._ Ltd." und einer "F._ Ltd." ge-
wusst, weshalb er auch nie einen Anlass gehabt habe, einen solchen Vertrag zwi-
schen Dritten zu kündigen (act. 27 Rz. 90).
Gemäss Darstellung der Beklagten sei auf einer Kopie des Originals der hand-
schriftliche Vermerk "AC._" neben der Kontonummer angebracht worden,
bevor diese am 11. März 2009 eingescannt worden sei; ausserdem sei im Rah-
men der Archivierung der Stempel der zuständigen Abteilung auf dem Dokument
angebracht worden (act. 31 Rz. 82).
Der Beklagten obliegt der Hauptbeweis und dem Kläger der Gegenbeweis, dass
der Kläger die Beklagte mit Schreiben vom 15. Dezember 2008 instruierte, sämtli-
che notwendigen Barausstände der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 3 "F._
Ltd." zu Lasten der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1 "AC._" auszugleichen.
Mit der nach Aktenschluss eingereichten Stellungnahme vom 5. Juli 2018 nennt
der Kläger neue Beweismittel (act. 39 Rz. 8, 23, 24). Die Nennung weiterer Zeu-
gen ist durch die Beilagen der Duplik vom 18. Juni 2018 veranlasst worden
(act. 39 Rz. 6, 11, 23; act. 32/5-7) und deshalb zulässig.
Hauptbeweismittel der Beklagten:
Urkunden:
− Schreiben "RE: Cancelation Investment Management Agreement" mit Datum
vom 15. Dezember 2008 (act. 20 Rz. 37; act. 31 Rz. 46; act. 3/97 =
act. 21/O_20 = act. 32/7)
- 45 -
Gutachten:
− Handschriftengutachten zu act. 21/O_20 (act. 20 Rz. 15, 76; act. 31 Rz. 17)
Gegenbeweismittel des Klägers:
Urkunden:
− Schreiben "RE: Cancelation Investment Management Agreement" mit Datum
vom 15. Dezember 2008 (act. 1 Rz. 105; act. 3/97 = act. 21/O_20 =
act. 32/7)
− Ein- und Ausreisebestätigung der koreanischen Zollbehörden vom 6. April
2017 (act. 1 Rz. 119; act. 3/104)
− Ein- und Ausreisebestätigung der koreanischen Zollbehörden vom
21. Dezember 2017 (act. 27 Rz. 90, 221; act. 28/112)
− E-Mail vom 11. März 2009 (act. 39 RZ. 23; act. 32/5)
− FrontNet Print CIF Dosser – 0835-1589684-8 S. 55 (act. 39 Rz. 24; act. 3/7)
Zeugen:
− E._ "E._" als Zeuge (act. 27 Rz. 88, 89, 90, 91, 92)
− I._ als Zeuge (act. 39 Rz. 7, 8, 23, 24)
− L._ (act. 39 Rz. 8, 23, 24)
Parteibefragung/Beweisaussage:
− Parteibefragung/Beweisaussage des Klägers (act. 27 Rz. 83, 88, 89)
Aufgrund der Ein- und Ausreisebestätigungen der koreanischen Zollbehörden
vermag der Kläger glaubhaft zu machen, dass er sich am Datum des
15. Dezember 2008 in Seoul befand und die Kombination aus Datums- und Orts-
angabe als unzutreffend erscheint. Ebenso ist auch ohne besondere Sachkunde
erkennbar, dass die Orts- und Datumsangabe auf der Urkunde von einer Drittper-
- 46 -
son eingesetzt worden ist. Dies führt jedoch nicht zur Ungültigkeit des Dokuments
(vgl. zum Ganzen bereits Ziffer 2.2.3.1.2 oben). Insofern ist es auch zweitrangig,
dass die Unterschrift des Klägers mit einem Füller oder Filzstift geleistet wurde.
Die Diskrepanzen zwischen der dem Kläger ausgehändigten Kopie (act. 3/97) und
dem von der Beklagten eingereichten Original (act. 21/O_20) beschränken sich
auf den handschriftlichen Vermerk "AC._" neben der Kontonummer und den
Stempel der zuständigen Abteilung. Darüber hinaus sind, insbesondere bei Ort,
Datum und Unterschrift, keine Unterschiede erkennbar. Zusammen mit der Mit-
wirkung des Klägers am Pfandvertrag, am Kreditantrag und am Zusatzformular
vom 11. Juni 2008 sowie am Kreditvertrag und am Pfandvertrag vom 20. Oktober
2008 in der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 3 "F._ Ltd." ergibt sich ein hinrei-
chender sachlicher Bezug des Klägers zur Kündigung eines Vermögensverwal-
tungsverhältnisses, selbst wenn sich nicht erstellen lässt, dass dessen schriftliche
Kopie der Beklagten im Zeitpunkt der streitgegenständlichen Transaktion vom
19. Dezember 2008 vorlag. Aufgrund der Vorgeschichte bestand – entgegen der
Auffassung des Klägers (act. 27 Rz. 81, 92, 172, 173) – für die Beklagte kein
zwingender Anlass zu weiteren Rückfragen.
Der vom Kläger in Erwägung gezogene Missbrauch einer Blankovollmacht
(act. 27 Rz. 46, 155) ist nicht naheliegend. Beim mit dem 15. Dezember 2008 da-
tierten Schreiben handelt es sich um einen Vordruck, wie er verwendet wird, wenn
eine mündliche Vereinbarung zur Wahrung der Form schriftlich fixiert werden soll.
Der Kläger vermag die Umstände, unter denen die Beklagte von ihm eine Blanko-
unterschrift erhalten haben soll, nicht näher darzulegen. Auf dem von der Beklag-
ten eingereichten Original (act. 21/O_20) ist auch ohne besondere Sachkunde er-
sichtlich, dass die Unterschrift des Klägers mit einem Stift angebracht und nicht
hineinkopiert wurde. Folglich müsste der Kläger die Unterschrift an dieser vorbe-
stimmten Stelle geleistet haben, damit danach der Drucktext hätte angebracht
werden können. Es erscheint unwahrscheinlich, dass dies mit hinreichender Ge-
nauigkeit möglich gewesen wäre, insbesondere legt dies die eher einfach gehal-
tene, beinahe improvisiert wirkende Gestaltung des Dokuments nicht nahe. Bei
der Verwendung einer Blankounterschrift, deren Abgabe vom Kläger nicht weiter
substantiiert wird, macht es auch wenig Sinn, linierte Formularfelder anzubringen.
- 47 -
Denkbar wäre einzig eine Nachbildung der Unterschrift auf dem ausgedruckten
Dokument durch Nachzeichnen. Bei einem solchen Vorgehen ist jedoch wiede-
rum schwer zu erklären, weshalb Ort und Datum nicht auch mitausgefüllt, sondern
erst nachträglich mit einem anderen Schreibwerkzeug angebracht worden wären.
Welche Funktion die Beklagte im Rahmen eines Investitionsverhältnisses zwi-
schen dem Kläger und der F._ Ltd. gehabt haben soll, geht aus dem Schrei-
ben nicht hervor (vgl. dazu auch act. 27 Rz. 172, 175). Diese enthält jedoch eine
Anweisung an die Beklagte, die Barbestände auszugleichen. Ein Zahlungsauftrag
geht vom Absender aus, so dass eine Zustimmung von F._ Ltd. nicht erfor-
derlich ist.
Im Ergebnis vermag der Kläger eine Fälschung nicht stichhaltig darzutun. Damit
ist erstellt, dass der Kläger die Beklagte mit Schreiben vom 15. Dezember 2008
instruierte, sämtliche notwendigen Barausstände der Geschäftsbeziehung Konto-
Nr. 3 "F._ Ltd." zu Lasten der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1 "AC._"
auszugleichen.
2.2.3.3.3. Die Beklagte behauptet, der Kläger habe am 17. Dezember 2008 einen
Antrag auf Einräumung einer Kreditlimite unterzeichnet, welche durch die in die
Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd." eingebrachten Vermögenswerte
gesichert werden sollten (act. 20 Rz. 38, 48, 75 dritter Spiegelstrich, Rz. 121;
act. 31 Rz. 47, 61 elfter Spiegelstrich, Rz. 90, 121). Der Kläger bestreitet, den An-
trag auf Einräumung einer Kreditlimite vom 17. Dezember 2008 und die Verpfän-
dungserklärung vom 17. Dezember 2008 unterzeichnet zu haben (act. 1 Rz. 112,
119; act. 27 Rz. 93, 94, 222). Gemäss Kreditantrag sei dieser erst am 14. Januar
2009 genehmigt worden (act. 27 Rz. 97, 191), da der Pfandvertrag erst am
29. Dezember 2008 bei der Beklagten eingegangen sei (act. 27 Rz. 98, 191),
weshalb die für die streitgegenständliche Transaktion vom 19. Dezember 2008
notwendigen Vermögenswerte in der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1
"AC._" gar nicht zur Verfügung gestanden hätten (act. 27 Rz. 99). Der Kläger
sei vom 9. November 2008 bis am 15. Januar 2009 in Seoul und nicht in nicht in
Zürich gewesen (act. 1 Rz. 119, 171; act. 27 Rz. 94, 147, 221). Der Text "vis-?
vis" auf Seite 1/4 des Pfandvertrags mit Datum vom 17. Dezember 2008 enthalte
- 48 -
einen typischen Fehler bei der Bearbeitung mit Texterkennungssoftware, weshalb
das Dokument offensichtlich manipuliert worden sei (act. 1 Rz. 119, 171).
Gemäss Darstellung der Beklagten sei der Kreditantrag vom 17. Dezember 2008
der Beklagten vorab in elektronischer Form zugestellt und der Kredit gestützt auf
den elektronisch zugestellten Kreditantrag bewilligt worden; nachdem die Origi-
naldokumente bei der Bank eingegangen seien, habe die Kreditabteilung den
Kreditantrag dann am 14. Januar 2009 noch formell bereinigt (act. 20 Rz. 146;
act. 31 Rz. 48, 84, 106).
Der Beklagten obliegt der Hauptbeweis und dem Kläger der Gegenbeweis, dass
der Kläger am 17. Dezember 2008 einen Antrag auf Einräumung einer Kreditlimite
unterzeichnete, welche durch die in die Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 2
"B1._ Ltd." eingebrachten Vermögenswerte gesichert wurden.
Hauptbeweismittel der Beklagten:
Urkunden:
− Kreditantrag (Application for a Framework Credit Limit) mit Datum vom
17. Dezember 2008 (act. 20 Rz. 38; act. 31 Rz. 47; act. 3/103 =
act. 21/O_21)
− Pfandvertrag (General Deed of Pledge) mit Datum vom 17. Dezember 2008
(act. 20 Rz. 38; act. 31 Rz. 47; act. 3/101 = act. 21/O_22)
− Zusatzformular (Supplementary Sheet for Credit-Based Transactions and
Deed of Pledge for Third Parties in Connection with Life Portfolio Internatio-
nal Policies) mit Datum vom 18. Dezember 2008 (act. 31 Rz. 47;
act. 21/O_23)
Gutachten:
− Handschriftengutachten zu act. 21/O_21, act. 21/O_22 und act. 21/O_23
(act. 20 Rz. 15, 76; act. 31 Rz. 17)
- 49 -
Gegenbeweismittel des Klägers:
Urkunden:
− Kreditantrag (Application for a Framework Credit Limit) mit Datum vom
17. Dezember 2008 (act. 1 Rz. 112, 118, 119; act. 27 Rz. 94, 97; act. 3/103
= act. 21/O_21)
− Pfandvertrag (General Deed of Pledge) mit Datum vom 17. Dezember 2008
(act. 1 Rz. 112, 118, 119; act. 27 Rz. 94, 97; act. 3/101 = act. 21/O_22)
− Zusatzformular (Supplementary Sheet for Credit-Based Transactions and
Deed of Pledge for Third Parties in Connection with Life Portfolio Internatio-
nal Policies) mit Datum vom 18. Dezember 2008 (act. 27 Rz. 94, 97;
act. 21/O_23)
− Ein- und Ausreisebestätigung der koreanischen Zollbehörden vom 6. April
2017 (act. 1 Rz. 119; act. 3/104)
− Ein- und Ausreisebestätigung der koreanischen Zollbehörden vom
21. Dezember 2017 (act. 27 Rz. 94, 147; act. 28/112)
Editionen:
− Unterschriftenkarte des unbekannten Mitarbeiters 3, dessen Unterschrift in
act. 3/103 abgedeckt ist (vgl. act. 21/O_21 S. 3), durch die Beklagte (act. 27
Rz. 93, 94, 97, 98, 99)
Zeugen:
− R._ als Zeuge (act. 27 Rz. 93, 94, 97, 98, 99)
− S._ als Zeugin (act. 27 Rz. 93, 94, 97, 98, 99)
− N._ als Zeuge (act. 27 Rz. 93, 94, 97, 98, 99)
− U._ als Zeuge (act. 27 Rz. 93, 94, 97, 98, 99)
- 50 -
− V._ als Zeugin (act. 27 Rz. 93, 94, 97, 98, 99)
− W._ als Zeuge (act. 27 Rz. 93, 94, 97, 98, 99)
− Z._ als Zeugin (act. 27 Rz. 93, 94, 97, 98, 99)
− unbekannter Mitarbeiter 3 der Beklagten, dessen Unterschrift in act. 3/103
abgedeckt ist (act. 21/O_21 S. 3), als Zeuge (act. 27 Rz. 93, 94, 97, 98, 99)
Parteibefragung/Beweisaussage:
− Parteibefragung/Beweisaussage des Klägers (act. 1 Rz. 112, 119; act. 27
Rz. 93, 94)
Die Excel-Tabelle "Analyse der von der Beklagten als 'Originale' eingereichten
Dokumente (soweit zeitlich relevant)" (act. 28/110) und das Dokument "Liste der
Personen, deren Unterschriften und Kurzzeichen in den von der Beklagten her-
ausgegebenen, zeitlich relevanten Dokumente verzeichnet sind (teilweise nicht
identifiziert) (9.4.2018)" (act. 28/111), welche der Kläger ebenfalls als Beweismit-
tel anruft (act. 27 Rz. 93, 94, 97, 98, 99), wurden vom Kläger im Hinblick auf das
vorliegende Verfahren zusammengestellt. Wie bei Parteigutachten handelt es sich
deshalb lediglich um Parteibehauptungen.
Aufgrund der Ein- und Ausreisebestätigungen der koreanischen Zollbehörden
vermag der Kläger glaubhaft zu machen, dass er sich am Datum des
17. Dezember 2008 in Seoul befand und die Kombination aus Datums- und Orts-
angabe als unzutreffend erscheint, was jedoch nicht zur Ungültigkeit des Doku-
ments führt (vgl. bereits Ziffer 2.2.3.1.2 oben).
Die Darstellung der Beklagten über die Entstehung des Kreditantrags mit Datum
vom 17. Dezember 2008 ist zwanglos mit den von ihr eingereichten Versionen
von Seite 3 (act. 21/O_21) vereinbar. Die erste Version enthält die Unterschrift
des Klägers, welche wie auf dem mit dem 15. Dezember 2008 datierten Schrei-
ben mit einem schwarzen Filzstift angebracht wurde. Dieser war noch nicht voll-
ständig getrocknet, als die einzelnen Seiten des Antrags aufeinander gelegt wur-
den, so dass sich auf der Rückseite von Seite 2 ein teilweiser Abdruck der Unter-
- 51 -
schrift befindet. Diese Urversion scheint sodann eingescannt, durch die Unter-
schriftenprüfung ergänzt, erneut kopiert oder eingescannt und an die Kreditabtei-
lung weitergeleitet worden zu sein. Eine zweite Unterschriftenprüfung scheint auf
der Urversion stattgefunden zu haben. Somit bestehen letztlich zwei durch unter-
schiedliche nachträgliche Ergänzungen entstandene Versionen von Seite 3. Ent-
scheidend ist, dass der Kläger die Unterschrift auf der Urversion leistete und es
sich auf den beiden Versionen um dieselbe Unterschrift des Klägers handelt.
Der Dokumentenlauf zum Pfandvertrag mit Datum vom 17. Dezember 2008 weist
eine andere Abfolge auf. Das von der Beklagten eingereichte Original
(act. 21/O_22) enthält ebenfalls die mit einem schwarzen Filzstift angebrachte Un-
terschrift des Klägers. Die Unterschriftenprüfung fand jedoch erst am
30. Dezember 2008 statt. Eine vorab eingescannte Version scheint es nicht ge-
geben zu haben. Der vom Kläger angeführte Druckfehler "vis-? vis" des Wortes
"vis-à-vis" findet sich auch auf dem Original (act. 21/O_22 S. 1), weshalb es sich
um einen Fehler des englischen Formulartexts handeln dürfte, der die entspre-
chenden Sonderzeichen nicht enthält. Dies wird dadurch gestützt, dass "?" in ei-
ner anderen Schriftart oder -grösse geschrieben ist. Jedenfalls fehlen im übrigen
Formulartext Sonderzeichen. Es fänden sich auch keine offensichtlichen Texter-
kennungsfehler, soweit überhaupt von einer Erfassung durch eine Texterken-
nungssoftware auszugehen wäre. Wenn es sich um einen internationalen Zei-
chensatz handeln würde, wäre eine Verwechslung von "à" mit dem deutschen
Zeichen "ä" oder mit dem spanischen Zeichen "¿" naheliegender als mit dem in
den meisten Sprachen gängigen "?".
Unbestritten ist sodann, dass die Beklagte den Kredit auch ausbezahlt hat. Eine
allfällige vorzeitige Auszahlung hätte im Interesse des Klägers gelegen. Weshalb
die Beklagte dazu die Unterschrift des Klägers hätte fälschen sollen, ist nicht er-
sichtlich.
Im Ergebnis vermag der Kläger eine Fälschung nicht stichhaltig darzutun. Damit
ist erstellt, dass der Kläger am 17. Dezember 2008 einen Antrag auf Einräumung
einer Kreditlimite unterzeichnete, welche durch die in die Geschäftsbeziehung
Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd.." eingebrachten Vermögenswerte gesichert wurden.
- 52 -
2.2.3.4. Die Beklagte stützt sich weiter auf die Überweisung von
USD 5'593'000.00 und die Übertragung von 20'000 Namenaktien der G._
[BANK] im damaligen Wert von CHF 282'200.00 am 19. Dezember 2008 und auf
eine Überweisung von USD 9'000'000.00 jeweils auf die Geschäftsbeziehung
Konto-Nr. 1 "AC._" (Ziffer A.c.bb oben).
2.2.3.4.1. Die Beklagte behauptet, am 19. Dezember 2008 habe F._ Ltd.
dem Kläger auf die Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1 "AC._"
USD 5'593'000.00 überweisen und 20'000 Namenaktien der G._ [BANK] im
damaligen Wert von CHF 282'200.00 übertragen lassen (Ziffer A.c.bb oben;
act. 20 Rz. 40, 134, 150; act. 31 Rz. 49, 96, 112). Der Kläger bestreitet die Her-
kunft dieser Werte von der F._ Ltd. (act. 1 Rz. 125; act. 27 Rz. 223, 269).
Der Beklagten obliegt der Hauptbeweis und dem Kläger der Gegenbeweis, dass
F._ Ltd. dem Kläger am 19. Dezember 2008 auf die Geschäftsbeziehung
Konto-Nr. 1 "AC._" USD 5'593'000.00 überwies und 20'000 Namenaktien der
G._ [BANK] im damaligen Wert von CHF 282'200.00 übertrug.
Hauptbeweismittel der Beklagten:
Urkunden:
− Zahlungsbeleg vom 19. Dezember 2008 (act. 20 Rz. 40; act. 31 Rz. 49;
act. 21/34)
− Überweisungsbeleg vom 19. Dezember 2008 (act. 20 Rz. 40; act. 31 Rz. 49;
act. 21/35)
− Screenshot Bloomberg betr. Schlusskurs G._ [BANK]-Aktie am
19. Dezember 2008 (act. 20 Rz. 40; act. 31 Rz. 49; act. 21/36)
Zeugen:
− AA._ als Zeuge (act. 31 Rz. 49, 112)
- 53 -
Gegenbeweismittel des Klägers:
Urkunden:
− Kontoauszug (Statement of account) per 31. Dezember 2008 (act. 1
Rz. 125; act. 3/105)
− Kontoauszug (Statement of account) per 31. Dezember 2011 (act. 1
Rz. 125; act. 3/63 = 3/106)
− undatierte Portfolio-Entwicklung (Devolopment of the Portfolio; act. 1
Rz. 125; act. 3/83)
− FrontNet Print CIF Dossier – 0835-1859684-9 S. 54 (act. 1 Rz. 126, 127;
act. 3/7)
Die Überweisung von USD 5'593'000.00 und die Übertragung von
20'000 Namenaktien der G._ [BANK] wird an sich vom Kläger nicht mehr be-
stritten (vgl. dagegen betreffend die Aktieneinbuchung noch act. 1 Rz 125) und
findet sich durch die Kontodokumente bestätigt (act. 3/105; act. 21/34; act. 21/35).
Dafür spricht auch die von der Beklagten erstellte Portfolio-Entwicklung, welche
dem Kläger am 28. Oktober 2015 per Fax zugestellt wurde (act. 1 Rz. 71). Der
Kläger bestreitet lediglich in pauschaler Weise die Herkunft der Überweisung und
der Aktien. Angesichts des zeitlichen Zusammenfallens mit der streitgegenständ-
lichen Überweisung vom 19. Dezember 2008 ist ein sachlicher Zusammenhang
naheliegend. Der Kläger vermag dem nichts entgegen zu halten und begründet
insbesondere nicht, aus welcher anderen Quelle die Mittel hätten stammen sollen.
Es fehlt an einer hinreichend substantiierten Bestreitung. Eine Einvernahme von
AA._, eines Mitarbeiters der Beklagten, als Zeuge erübrigt sich deshalb.
Im Ergebnis vermag der Kläger die substantiierte Behauptung der Beklagten nicht
rechtsgenügend zu bestreiten. Damit ist als erstellt zu betrachten, dass F._
Ltd. dem Kläger am 19. Dezember 2008 auf die Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1
"AC._" USD 5'593'000.00 überwies und 20'000 Namenaktien der G._
[BANK] im damaligen Wert von CHF 282'200.00 übertragen liess.
- 54 -
2.2.3.4.2. Die Beklagte behauptet, am 22. Februar 2011 habe der Kläger eine
Teilrückzahlung aus Investitionen bei F._ Ltd. über USD 9'000'000.00 auf die
Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1 "AC._" erhalten (Ziffer A.c.bb. oben; act. 20
Rz. 40, 96, 134, 150; act. 31 Rz. 49, 112). Der Kläger bestreitet, dass die Über-
weisung von der F._ Ltd. gekommen sei und eine Teilrückzahlung darstelle
(act. 27 Rz. 223, 269). Der Kläger habe auch keine anderen Rückzahlungen er-
halten (act. 27 Rz. 226, 269).
Der Beklagten obliegt der Hauptbeweis und dem Kläger der Gegenbeweis, dass
der Kläger am 22. Februar 2011 eine Teilrückzahlung aus Investitionen bei
F._ Ltd. über USD 9'000'000.00 auf die Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1
"AC._" erhielt.
Hauptbeweismittel der Beklagten:
Urkunden:
− Zahlungsbeleg vom 22. Februar 2011 (act. 20 Rz. 40; act. 31 Rz. 49, 50;
act. 21/37)
− FrontNet Print CIF Dossier - Konto-Nr. 1 S. 37 (act. 20 Rz. 40; act. 3/7)
Gegenbeweismittel des Klägers:
Urkunden:
− Kontoauszug (Statement of account) per 30. Juni 2008 (act. 27 Rz. 224;
act. 3/11)
Die Überweisung von USD 9'000'000.00 auf die Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1
"AC._" ist vom Kläger nicht bestritten worden und ergibt sich aus den Konto-
dokumenten. Unklarheiten bestehen beim Datum der Überweisung. Entgegen der
Beweisofferte in der Duplik vom 18. Juni 2018 (act. 31 Rz. 49) handelt es sich
nicht um eine Überweisung aus dem Jahre 2008, sondern aus dem Jahre 2011.
Dies ergibt sich aus dem eingelegten Zahlungsbeleg vom 22. Februar 2011 mit
dem Valutadatum "22.02.11" (act. 21/37; zutreffend im Übrigen die Beweisofferte
- 55 -
in der Klageantwort vom 8. November 2017, act. 20 Rz. 40). Inwiefern der Zah-
lungsbeleg vom 22. Februar 2011 Zweifel an der Authentizität von act. 3/11 auf-
kommen lassen soll, wie dies der Kläger vertritt (act. 27 Rz. 224), ist nicht ersicht-
lich. Bei act. 3/11 handelt es sich um das "Statement of account per 30.06.2008",
welches Buchungen zwischen dem 29. Januar 2008 (Kontoeröffnung) und dem
30. Juni 2008 (Abschlussbuchungen) umfasst, mithin also um ein Dokument be-
treffend die erste Jahreshälfte 2008, in welchen Zeitraum weder die Überweisung
vom 22. Februar 2011 noch jene vom 19. Dezember 2008 (Ziffer 2.2.3.4 oben)
fällt.
Zum Beweiswert von Aufzeichnungen in Kundenkontaktjournalen kann vorab auf
die obenstehenden Ausführungen verwiesen werden (Ziffer 2.2.3.3.1 oben). Als
den Eintrag stützendes Indiz kommt der Eintrag "F._ LTD LEGAL ID ..." auf
dem Zahlungsbeleg vom 22. Februar 2011 hinzu (act. 21/37). Der Kläger stützt
sich darauf, es sei aus "den dem Kläger von der Beklagten bisher herausgegebe-
nen Bankdokumenten [...] jedenfalls nicht ersichtlich, wer den Zahlungsauftrag
vom 22. Februar 2008 [sic!] über USD 9'000'000 gegeben" habe (act. 27 Rz. 224;
Hervorhebungen auch im Original). Daran ist zutreffend, dass der Zahlungsbeleg
vom 22. Februar 2011 [!] durch die Beklagte ins Recht gelegt worden ist. Die ent-
sprechende Buchung findet sich jedoch auf dem vom Kläger im Zusammenhang
mit den Buchungen vom 19. Dezember 2008 (Ziffer 2.2.3.4.1 oben) eingereichten
Auszug für das USD-Konto Konto-Nr. 8 per 31. Dezember 2011 mit dem Valuta-
datum vom 22. Februar 2011 (als "Payment"; act. 3/63 = 3/106) und ist im Kun-
denkontaktjournal erwähnt (act. 3/7 S. 54). Dies ist jedoch insofern nicht von Be-
deutung, als diese beiden Urkunden im Zusammenhang mit dem vorliegenden
Beweissatz von keiner der Parteien angerufen worden sind, weshalb auf die Ein-
wendungen des Klägers betreffend das Kundenjournal (act. 1 Rz. 126, 127) nicht
eingegangen zu werden braucht, zumal dort keine "Dividenden" (act. 1 Rz. 127)
erwähnt sind.
Abgesehen von der pauschalen Behauptung, eine F._ Ltd. nicht zu kennen
und deshalb eine Rückforderung zu befürchten (act. 27 Rz. 225), legt der Kläger
keine Indizien dar, welche gegen eine Überweisung durch F._ Ltd. sprechen.
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Gestützt auf den Zahlungsbeleg vom 22. Februar 2011 und den dazugehörigen
Eintrag im Kundenkontaktjournal ist der Beweis der Beklagten deshalb als er-
bracht zu erachten. AA._ ist für die Zahlung vom 22. Februar 2011 nicht als
Zeuge angerufen (act. 31 Rz. 112). Weitere Beweismittel liegen deshalb nicht vor.
Damit ist erstellt, dass der Kläger am 22. Februar 2011 eine Teilrückzahlung aus
Investitionen bei F._ Ltd. über USD 9'000'000.00 auf die Geschäftsbezie-
hung Konto-Nr. 1 "AC._" erhielt.
2.2.3.5. Der im Rahmen der Eröffnung der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 1
"AC._" am 7. Januar 2008 unterzeichnete Kreditantrag (act. 21/O_6) und der
Pfandvertrag (act. 21/O_7) sind nicht von Bedeutung, da die Kreditlimite nicht ge-
währt worden ist (act. 27 Rz. 55; act. 31 Rz. 74). Auf die diesbezüglichen Einwen-
dungen des Klägers (act. 27 Rz. 52-55, 203) ist nicht weiter einzugehen. Die Ge-
währung einer Kreditlimite im Rahmen einer Konto-/Depoteröffnung stellt auch
keine ungewöhnliche Transaktion dar.
2.2.3.6. Der im Rahmen der Geschäftsbeziehung Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd." un-
terzeichnete Kreditantrag mit Datum vom 10. Juni 2008 (act. 28/113) und der
Pfandvertrag mit Datum vom 10. Juni 2008 (act. 28/114) sind für die Beurteilung
der streitgegenständlichen Transaktion vom 19. Dezember 2008 nicht einschlä-
gig. Die Unterschrift des Klägers ist mit dem 5. Februar 2008 datiert (act. 27
Rz.186; act. 28/113-114), was sich mit den Antragsdokumenten für die Ge-
schäftsbeziehung Konto-Nr. 2 "B1._ Ltd." deckt. Auf die Einwendungen des
Klägers (act. 27 Rz. 63--65, 185-186) ist nicht weiter einzugehen.
2.2.3.7. Der Kläger behauptet, er habe nie die Absicht gehabt, einen Kredit aufzu-
nehmen oder seine Vermögenswerte zugunsten der Beklagten oder Dritten zu
verpfänden (act. 27 Rz. 47, 53, 74, 125, 138, 139, 143, 144, 148, 149, 211 vierter,
sechster und siebter Spiegelstreich, Rz. 214, 215, 216, 218). Die Formularseiten,
die Hinweise auf Kredite und Verpfändungen enthielten, seien ihm gar nie vorge-
legt worden (act. 27 Rz. 40, 41). Die Beklagte behauptet, dem Kläger sei bewusst
gewesen, dass es in den vorgedruckten Bankformularen um Kreditanträge und
- 57 -
Verpfändungen gegangen sei (act. 31 Rz. 28, 92, 93), oder dies habe ihm nicht
entgehen können (act. 31 Rz. 29).
Die Bildung eines Beweissatzes erübrigt sich, wie nachfolgend darzulegen ist.
Lediglich pro memoria sind die von den Parteien angerufenen Beweismittel zu
nennen:
Hauptbeweismittel des Klägers:
Parteibefragung/Beweisaussage:
− Parteibefragung/Beweisaussage des Klägers (act. 27 Rz. 40, 41)
Gegenbeweismittel der Beklagten:
Urkunden:
− Kreditantrag (Application for a Framework Credit Limit) mit Datum vom
11. Juni 2008 (act. 31 Rz. 28; act. 21/O_14)
− Pfandvertrag (General Deed of Pledge [Limited]) mit Datum vom 11. Juni
2008 (act. 31 Rz. 28; act. 3/99 S. 1-3 = act. 21/O_15)
− Zusatzformular (Supplementary Sheet for Credit-Based Transactions and
Deed of Pledge for Third Parties in Connection with Life Portfolio Internatio-
nal Policies) mit Datum vom 11. Juni 2008 (act. 31 Rz. 28; act. 3/99 S. 4 =
act. 21/O_16)
− Kreditantrag (Application for a Credit Line) mit Datum vom 20. Oktober 2008
(act. 31 Rz. 28; act. 3/102 = 21/O_17)
− Pfandvertrag (General Deed of Pledge) mit Datum vom 20. Oktober 2008
(act. 31 Rz. 28; act. 3/100 = act. 21/O_18)
− undatiertes Zusatzformular (Supplementary Sheet for Credit-Based Transac-
tions and Deed of Pledge for Third Parties in Connection with Life Portfolio
- 58 -
International Policies) mit Eingangsstempel vom 29. September 2008
(act. 31 Rz. 28; act. 21/O_19)
− Schreiben "RE: Cancelation Investment Management Agreement" mit Datum
vom 15. Dezember 2008 (act. 31 Rz. 28; act. 3/97 = act. 21/O_20 =
act. 32/7)
− Kreditantrag (Application for a Framework Credit Limit) mit Datum vom
17. Dezember 2008 (act. 31 Rz. 28; act. 3/103 = act. 21/O_21)
− Pfandvertrag (General Deed of Pledge) mit Datum vom 17. Dezember 2008
(act. 31 Rz. 28; act. 3/101 = act. 21/O_22)
− Zusatzformular (Supplementary Sheet for Credit-Based Transactions and
Deed of Pledge for Third Parties in Connection with Life Portfolio Internatio-
nal Policies) mit Datum vom 18. Dezember 2008 (act. 31 Rz. 28;
act. 21/O_23)
Gutachten:
− Handschriftengutachten zu act. 21/O_14-O_23 (act. 20 Rz. 15, 76; act. 31
Rz. 17)
Für die Auslegung von Verträgen ist in erster Linie der übereinstimmende wirkli-
che Wille der Parteien massgeblich (Art. 18 Abs. 1 OR). Allerdings trägt die Be-
weislast für einen vom Wortlaut abweichenden subjektiven Vertragswillen diejeni-
ge Partei, welche sich zu ihren Gunsten auf einen vom normativen Auslegungser-
gebnis abweichenden subjektiven Vertragswillen beruft (BGE 121 III 118 E. 4b/aa
S. 123-124; BGer 5A_173/2010 vom 15. Juli 2010 E. 3.2.1; 5A_161/2010 vom
8. Juli 2010 E. 4.2). Deshalb muss "wer ein Schriftstück unterschreibt und damit
einem andern eine Erklärung abgeben will, ohne sich um dessen Inhalt zu küm-
mern, [...] dieses gegen sich gelten lassen, sofern nicht dem Empfänger bekannt
war oder nach der Erfahrung des Lebens vernünftigerweise bekannt sein musste,
dass der Erklärungsinhalt nicht gewollt sei" (BGE 64 II 355 E. 2 S. 357). Stimmt
jemand dem in einer Urkunde enthaltenen Vertragsangebot zu, ohne diese gele-
- 59 -
sen und von deren Inhalt Kenntnis genommen zu haben, so stimmt er diesem In-
halt zu (KARL OFTINGER, Die ungelesen unterzeichnete Urkunde und verwandte
Tatbestände, in: Festgabe Simonius, Basel 1955, S. 263 ff., S. 266-267). Der Er-
klärende muss sich auf seiner Erklärung, wie sie die Gegenpartei auffassen konn-
te und musste, behaften lassen (BGE 32 II 382 E. 4 S. 385-386).
Ein übereinstimmender tatsächlicher Wille der Parteien wird vom Kläger nicht
dargetan. Für eine Beweisabnahme bleibt deshalb kein Raum. Im Übrigen ist im
schweizerischen Privatrecht die Erklärungstheorie massgebend (BGE 32 II 382
E. 4 S. 385-386; BGE 34 II 523 E. 3 S. 527-529). Der beim Kläger vorhandene in-
nere Willen ist deshalb nicht entscheidend, soweit er für den Vertragspartner nicht
erkennbar war oder hätte sein müssen. Der Umstand alleine, dass eine Vertrags-
partei den ihr von der Gegenpartei vorgelegten Vertragstext nicht gelesen hat,
führt nicht dazu, dass dieser für die Vertragspartei unverbindlich ist. Der Einwand
des Klägers, er habe nie die Absicht gehabt, einen Kredit aufzunehmen oder sei-
ne Vermögenswerte zugunsten der Beklagten oder Dritten zu verpfänden, steht
einem normativen Konsens nicht entgegen. Der Kläger macht nicht geltend, die
ihm zurechenbare Willenserklärung fristgerecht durch Gestaltungserklärung ange-
fochten zu haben (Art. 31 Abs. 1 OR).
2.2.4. Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass der Kläger die folgenden
Dokumente unterzeichnete bzw. mitunterzeichnete:
− Pfandvertrag (General Deed of Pledge [Limited]) mit Datum vom 11. Juni
2008 (act. 3/99 S. 1-3 = act. 21/O_15)
− Kreditantrag (Application for a Framework Credit Limit) mit Datum vom
11. Juni 2008 (act. 21/O_14)
− Zusatzformular (Supplementary Sheet for Credit-Based Transactions and
Deed of Pledge for Third Parties in Connection with Life Portfolio Internatio-
nal Policies) mit Datum vom 11. Juni 2008 (act. 3/99 S. 4 = act. 21/O_16)
− Kreditvertrag mit Datum vom 20. Oktober 2008 (act. 3/102 = act. 21/O_17)
- 60 -
− Pfandvertrag (General Deed of Pledge) mit Datum vom 20. Oktober 2008
(act. 3/100 = act. 21/O_18)
− Schreiben "RE: Cancelation Investment Management Agreement" mit Datum
vom 15. Dezember 2008 (act. 3/97 = act. 21/O_20 = act. 32/7)
− Kreditantrag (Application for a Framework Credit Limit) mit Datum vom
17. Dezember 2008 (act. 3/103 = act. 21/O_21)
Am 28. November 2008 teilte der Kläger der Beklagten telefonisch mit, dass er
den Vertrag mit F._ Ltd. wegen schlechter Performance gekündigt habe. Am
19. Dezember 2008 überwies F._ Ltd. dem Kläger USD 5'593'000.00 und
übertrug ihm 20'000 Namenaktien der G._ [BANK] im damaligen Wert von
CHF 282'200.00. Am 22. Februar 2011 übertrug sie dem Kläger
USD 9'000'000.00.
Hingegen lässt sich die Authentizität des Investment Management Agreement
nicht erstellen. Aus einer Gesamtsicht dieser Umstände ergibt sich dennoch, dass
zwischen dem Kläger und der F._ Ltd. eine Geschäftsbeziehung bestand.
Die damit in Zusammenhang stehende streitgegenständliche Transaktion vom
19. Dezember 2008 wurde vom Kläger in Auftrag gegeben.
2.2.5. Im Ergebnis besteht kein Anspruch des Klägers auf Ersatz für die ihm be-
lasteten Kreditrückzahlungen und -verrechnungen.
2.3. Anspruch auf Schadenersatz aus Zinszahlungen
Selbst wenn von der fehlenden Berechtigung der Beklagten zur Vornahme der
streitgegenständlichen Transaktion vom 19. Dezember 2008 ausgegangen würde
und diese zur Saldoberichtigung verpflichtet wäre, wären die Rechtsbegehren 1
und 2 teilweise und das Rechtsbegehren 3 vollständig abzuweisen, soweit der
Kläger die Erstattung der ihm von der Beklagten belasteten Zinsen in der Summe
von EUR 160'947.66, USD 6'135'525.27 und JPY 6'357'307.00 verlangt (Positio-
nen 10, 14 und 15).
- 61 -
2.3.1. Gemäss Art. 97 Abs. 1 OR hat der Schuldner Ersatz für den daraus entste-
henden Schaden zu leisten, wenn die Erfüllung der Verbindlichkeit überhaupt
nicht oder nicht gehörig bewirkt werden kann. Neben dem Erfüllungsanspruch aus
unberechtigter Abbuchung ist unter den Voraussetzungen von Art. 102-106 OR
ein allfälliger Verzugsschaden ersatzfähig (vgl. BGer 4A_302/2018 vom
17. Januar 2019 E. 3.2.1 und 3.2.2). Freilich würde ein solcher Anspruch vorlie-
gend daran scheitern, dass eine Mahnung oder ein entsprechendes Surrogat
i.S.v. Art. 102 OR für den geltend gemachten Erfüllungsanspruch weder dargetan
noch ersichtlich ist. Jedoch kann sich aus neben dem Erfüllungsanspruch einge-
tretenen weiteren Vermögensnachteilen ein Schadenersatzanspruch nach Art. 97
Abs. 1 OR ergeben (BGer 4C.115/1999 vom 3. April 2000 E. 3d; HGer ZH ZR 104
[2005] Nr. 28 E. IX.3 S. 124 sowie BGer 4C.157/2003 vom 2. November 2004
E. 3.4.3).
2.3.2. Im Quantitativ stützt sich der Kläger auf entsprechende Einträge im Kun-
denkontaktjournal der Beklagten (act. 1 Rz. 95; act. 3/7 S. 66-69). Zu den geltend
gemachten Summen gelangt er durch eine währungsweise Addition der einzelnen
Beträge (act. 1 Rz. 180; act. 3/109). Die Beklagte geht auf die quantitativen An-
gaben nicht einzeln ein (vgl. act. 20 Rz. 155).
Gemäss Art. 153 Abs. 1 ZPO kann das Gericht von Amtes wegen Beweis erhe-
ben, wenn an der Richtigkeit einer nicht streitigen Tatsache erhebliche Zweifel
bestehen. Während sich der Kläger für die von ihm geltend gemachten Rückzah-
lungen auf die in die Akten gelegten Kontoauszüge stützt (act. 1 Rz. 82-94;
act. 3/86-95), entnimmt er die Zinsabbuchungen dem Dokumentationssystem für
die Kundenberater der Beklagten. Es fragt sich deshalb, inwiefern die Zinsabbu-
chungen bereits in den Kontoauszügen abgebildet sind. Dabei zeigt sich insbe-
sondere, dass die Zinsabbuchungen in den Kontoauszügen oft nicht einzeln aus-
gewiesen sind, hingegen der Rückzahlungsbetrag den Auszahlungsbetrag der
Kredite übersteigt. Stellt man die Auszahlungs- den Rückzahlungsbeträgen ge-
genüber, ergibt sich folgendes Bild:
− Kredite in JPY (act. 3/86; act. 21/42):
- 62 -
Kredit Nr. Eröffnung Schliessung JPY Konto-Nr. 1G-
Valuta Betrag Valuta Betrag Differenz
1 19.12.08 3'091'220'814 05.01.09 3'092'637'625 1'416'811
2 05.01.09 3'093'000'000 14.01.09 3'093'756'067 756'067
3 14.01.09 3'093'393'692 22.01.09 3'093'978'000 584'308
4 22.01.09 2'093'978'000 23.03.09 2'096'761'945 1'254'976
23.02.09 1'528'969
5 22.01.09 1'000'000'000 30.01.09 1'000'166'667 166'667
6 30.01.09 1'000'166'667 16.02.09 1'000'511'197 136'162
09.02.09 208'368
7 16.02.09 1'000'511'197 24.02.09 1'000'666'881 155'684
10 23.03.09 1'597'428'826 25.05.09 1'599'738'223 991'223
24.04.09 1'318'174
11 25.05.09 1'599'738'000 25.06.09 1'600'633'409 895'409
Total 6'357'307
− Kredite in USD (act. 3/87-89, 91; act. 21/42):
Kredit Nr. Eröffnung Schliessung USD Konto-Nr. 1G-
Valuta Betrag Valuta Betrag Differenz
8 24.02.09 4'935'418.92 26.03.09 4'938'975.85 3'556.93
9 24.02.09 5'099'667.22 26.05.09 10'054'501.76 7'501.77
26.03.09 4'939'302.02
24.04.09 8'030.75
12 26.05.09 10'054'000.00 10.09.09 404'619.69 (*) 31'281.77
26.06.09 16'598'000.00 13.10.09 26'301'662.08
10.07.09 7'000.00
10.08.09 16'000.00
13 25.06.09 16'590'125.07 26.06.09 16'590'447.66 322.59
14 13.10.09 27'552'000.00 13.11.09 27'567'184.21 15'184.21
16 29.10.09 200'000.00 30.11.09 200'113.24 113.24
17 13.11.09 27'567'000.00 23.11.09 27'571'671.08 4'671.08
18 23.11.09 35'929'000.00 30.11.09 35'933'261.58 4'267.58
19 30.11.09 36'133'000.00 29.01.10 19'981.90 38'595.99
30.12.09 23'000.00 01.03.10 36'174'614.09
20 01.03.10 36'175'000.00 31.03.10 36'193'690.42 18'690.42
24 21.04.10 26'787'000.00 ... ... ...
30 01.07.10 25'298'000.00 ... ... ...
- 63 -
Kredit Nr. Eröffnung Schliessung USD Konto-Nr. 1G-
Valuta Betrag Valuta Betrag Differenz
46 25.11.13 17'923'500.00 24.01.14 202.98 -170'964.22
26.12.13 173'000.00 24.01.14 18'109'832.80
26.12.13 184'500.00
47 26.11.13 159'000.00 26.12.13 159'121.15 121.15
48 24.01.14 9'000'000.00 ... ... ...
50 24.01.14 9'109'500.00 27.06.14 9'143'646.54 1'546.54
31.01.14 1'600.00
07.02.14 1'600.00
14.02.14 1'550.00
21.02.14 1'550.00
28.02.14 1'550.00
07.03.14 1'550.00
14.03.14 1'600.00
21.03.14 1'550.00
28.03.14 1'550.00
04.04.14 1'400.00
11.04.14 1'550.00
18.04.14 1'550.00
25.04.14 1'550.00
02.05.14 1'550.00
09.05.14 1'550.00
16.05.14 1'550.00
23.05.14 1'550.00
30.05.14 1'550.00
06.06.14 1'500.00
13.06.14 1'600.00
20.06.14 1'600.00
51 30.06.14 9'143'450.00 14.10.14 9'168'908.63 1'568.63
07.07.14 2'550.00
14.07.14 1'550.00
21.07.14 1'650.00
28.07.14 1'700.00
04.08.14 1'700.00
11.08.14 1'700.00
18.08.14 1'700.00
- 64 -
Kredit Nr. Eröffnung Schliessung USD Konto-Nr. 1G-
Valuta Betrag Valuta Betrag Differenz
25.08.14 1'550.00
02.09.14 1'850.00
09.09.14 1'600.00
16.09.14 1'600.00
23.09.14 1'600.00
30.09.14 1'570.00
07.10.14 1'570.00
52 03.10.14 8'413'100.00 03.12.14 17'602'595.70 3'045.70
14.10.14 9'168'900.00
21.10.14 2'000.00
28.10.14 3'000.00
04.11.14 3'050.00
12.11.14 3'450.00
19.11.14 3'000.00
26.11.14 3'050.00
Total unvollständig
− Kredite in EUR (act. 3/92-95; act. 21/42):
Kredit Nr. Eröffnung Schliessung EUR Konto-Nr. 1G-
Valuta Betrag Valuta Betrag Differenz
15 ... ... ... ... ...
21 31.03.10 26'775'000.00 07.04.10 26'779'269.13 4'269.13
22 07.04. 10 26'779'000.00 14.04.10 26'783'217.69 4'217.69
23 14.04.10 26'783'000.00 21.04.10 26'787'270.40 4'270.40
25 21.04.10 26'787'000.00 05.05.10 853'219.74
28.04.10 5'000.00 07.05.10 676'196.26
14.05.10 25'272'077.97
26 14.05.10 25'272'000.00 21.05.10 25'276'127.76 4'127.76
27 ... ... ... ... ...
28 ... ... ... ... ...
29 ... ... ... ... ...
31 ... ... ... ... ...
32 ... ... ... ... ...
05.08.10 35'000.00 02.09.10 25'213'656.66
12.08.10 5'000.00
- 65 -
Kredit Nr. Eröffnung Schliessung EUR Konto-Nr. 1G-
Valuta Betrag Valuta Betrag Differenz
19.08.10 4'000.00
26.08.10 5'000.00
33 02.09.10 25'214'000.00 09.09.10 25'218'461.48 4'461.48
34 09.09.10 25'218'000.00 28.10.10 514'136.42 (*) 23'209.23
16.09.10 4'000.00 04.11.10 926'205.37
23.09.10 5'000.00 11.11.10 417'418.82
30.09.10 5'000.00 12.11.10 1'184'825.75
07.01.10 4'000.00 18.11.10 22'227'703.87
14.10.10 6'000.00
21.10.10 5'000.00
35 18.11.10 21'265'000.00 30.12.10 21'292'056.55 4'056.55
25.11.10 5'000.00
02.12.10 4'000.00
09.02.10 4'000.00
16.12.10 5'000.00
23.12.10 5'000.00
36 ... ... ... ... ...
37 ... ... ... ... ...
38 ... ... ... ... ...
39 ... ... ... ... ...
40 ... ... ... ... ...
41 ... ... ... ... ...
42 ... ... ... ... ...
43 ... ... ... ... ...
44 ... ... ... ... ...
45 17.12.12 22'092'000.00 04.03.13 982'358.33 18'782.07
31.12.12 11'000.00 05.03.13 7'902'475.90
14.01.13 7'000.00 25.11.13 13'332'947.84
30.01.13 8'000.00
15.02.13 7'000.00
12.03.13 2'000.00
19.03.13 2'000.00
26.03.13 7'000.00
02.04.13 2'000.00
09.04.13 2'000.00
- 66 -
Kredit Nr. Eröffnung Schliessung EUR Konto-Nr. 1G-
Valuta Betrag Valuta Betrag Differenz
16.04.13 2'000.00
23.04.13 2'000.00
30.04.13 2'000.00
07.05.13 2'000.00
14.05.13 2'000.00
21.05.13 2'000.00
28.05.13 2'000.00
04.06.13 2'000.00
11.06.13 2'000.00
18.06.13 2'000.00
18.07.13 10'000.00
25.07.13 2'000.00
01.08.13 2'000.00
08.08.13 2'000.00
15.08.13 2'000.00
22.08.13 2'000.00
29.08.13 2'000.00
05.09.13 2'000.00
12.09.13 3'000.00
19.09.13 2'000.00
26.09.13 2'000.00
03.10.13 2'000.00
10.10.13 2'000.00
17.10.13 2'000.00
24.10.13 2'000.00
49 24.01.14 6'659'800.00 03.10.14 6'703'708.60 558.60
24.02.14 5'600.00
24.03.14 4'925.00
24.04.14 5'575.00
26.05.14 5'800.00
26.06.14 5'700.00
28.07.14 4'900.00
28.08.14 5'900.00
29.09.14 4'950.00
53 03.02.14 14'182'000.00 02.12.15 14'319'487.95 2'087.95
- 67 -
Kredit Nr. Eröffnung Schliessung EUR Konto-Nr. 1G-
Valuta Betrag Valuta Betrag Differenz
10.12.14 2'100.00
17.12.14 2'100.00
24.12.14 2'100.00
31.12.14 2'100.00
07.01.15 2'200.00
21.01.15 2'100.00
18.02.15 2'300.00
25.02.15 2'000.00
04.03.15 2'000.00
11.03.15 2'000.00
18.03.15 2'100.00
25.03.15 39'900.00
01.04.15 2'000.00
22.04.15 5'000.00
29.04.15 2'000.00
06.05.15 2'000.00
13.05.15 2'000.00
20.05.15 2'000.00
27.05.15 2'000.00
03.06.15 2'000.00
10.06.15 2'000.00
17.06.15 2'000.00
24.06.15 2'000.00
01.07.15 2'100.00
08.07.15 4'200.00
22.07.15 4'200.00
29.07.15 2'100.00
05.08.15 2'100.00
12.08.15 2'200.00
19.08.15 2'100.00
26.08.15 2'100.00
02.09.15 2'100.00
09.09.15 1'100.00
16.09.15 2'100.00
23.09.15 2'100.00
- 68 -
Kredit Nr. Eröffnung Schliessung EUR Konto-Nr. 1G-
Valuta Betrag Valuta Betrag Differenz
30.09.15 2'100.00
07.10.15 2'100.00
14.10.15 2'100.00
21.10.15 4'200.00
04.11.15 4'100.00
11.11.15 100.00
18.11.15 2'100.00
25.11.15 2'100.00
54 02.12.15 14'317'400.00 ... ... ...
55 02.12.15 14'319'500.00 09.12.15 14'321'588.26 2'088.26
56 09.12.15 14'321'600.00 ... ...
16.12.15 2'100.00
23.12.15 2'100.00
30.12.15 2'100.00
Total unvollständig
Soweit sich die Buchungen anhand der im Recht liegenden Kontoauszüge rekon-
struieren lassen, decken sich die Differenzbeträge zwischen Rückzahlungs- und
Auszahlungsbetrag mit Ausnahme der mit (*) markierten Fälle mit den Zinseinträ-
gen im Journal des Dokumentationssystems für die Kundenberater der Beklagten.
Die aufgelaufenen Zinsen wurden durch Krediterhöhungen beglichen und durch
entsprechende rollende Folgekredite refinanziert. Die von der Beklagten für den
jeweiligen Kredit vereinnahmten Zinsen sind folglich in dessen Rückzahlungsbe-
trag enthalten. Wenn sich der Kläger kumulativ auf die Rückzahlungsbeträge und
auf die im Dokumentationssystem ausgewiesenen Zinsen stützt, berücksichtigt er
die Zinsbeträge doppelt.
2.3.3. Im Ergebnis besteht kein weiterer Anspruch auf Ersatz der unter dem Titel
Zinsen geltend gemachten Beträge.
2.4. Eventualiter: Anspruch auf Schadenersatz aus Anlageberatung
In einer Eventualbegründung beruft sich der Kläger auf eine Verletzung des Ver-
mögensverwaltungsvertrages vom 5. Februar 2008 durch eine nicht dem Investi-
- 69 -
tionsprofil des Klägers entsprechende Anlage sowie der Verletzung der aufgrund
der Fremdfinanzierung mit einem pfandgesicherten Kredit bestehenden Pflicht zur
Abmahnung (act. 1 Rz. 182, 183). Da der Kläger die Eventualbegründung in der
Replik nicht mehr aufgreift, bleibt unklar, ob er sie noch aufrecht erhält.
Nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts kann der Anlagetätigkeit
eine blosse Konto-/Depotbeziehung, ein Anlageberatungs- oder ein Vermögens-
verwaltungsverhältnis zugrunde liegen (BGE 144 III 155 E. 2.1 S. 156; BGE 138
III 755 E. 5.5. S. 764; BGE 133 III 97 E. 7.1 S. 102; BGer 4A_54/2017 vom
29. Januar 2018 E. 5.1.1; 4A_436/2016, 4A_466/2016 vom 7. Februar 2017
E. 3.1; 4A_593/2015 vom 13. Dezember 2016 E. 7.1.1; 4A_90/2011 vom 22. Juni
2011 E. 2.2.1). Bei der Verletzung eines Vermögensverwaltungsvertrags geht der
Anspruch des Anspruchstellers auf Ersatz des Erfüllungsinteresses (BGer
4A_54/2017 vom 29. Januar 2018 E. 5.3.4; 4A_364/2013 vom 5. März 2014
E. 7.1; 4A_168/2008 vom 11. Juni 2008 E. 2.3; 4C.158/2006 vom 10. November
2006 E. 4.4.2; P. CHRISTOPH GUTZWILLER, Unsorgfältige Vermögensverwaltung:
Beweislast, Haftungsausschluss und Schadensberechnung, AJP 2000, 57, S. 63,
64; DERS., Rechtsfragen der Vermögensverwaltung, 2008, S. 251-252; CHRISTO-
PHE ROSAT, Der Anlageschaden, 2009, S. 48-49; JEAN-MARC SCHALLER, Handbuch
des Vermögensverwaltungsrechts, 2013, N 454, 464; HANS PETER WALTER, Pro-
zessuale Aspekte beim Streit zwischen Kunden und Vermögensverwalter, ZSR
2008 I 99, S. 113-114). Die Unterstellung des Anlageberatungsvertrags unter das
Auftragsrecht führt bei einer Verletzung der Aufklärungs- und Beratungspflicht
nach Art. 398 Abs. 2 i.V.m. Art. 97 Abs. 1 OR ebenfalls zu einem Anspruch auf
das Erfüllungsinteresse (positive Interesse) (BGE 144 III 155 E 2.2 S. 157-158;
BGer 4A_374/2018 vom 23. September 2018 E. 3.5; GUTZWILLER, Rechtsfragen,
a.a.O., S. 251-252; DERS., Schadensstiftung und Schadensberechnung bei
pflichtwidriger Vermögensverwaltung und Anlageberatung, SJZ 101 [2005] 357,
S. 361-362). Sowohl beim Vermögensverwaltungs- als auch beim Anlagebera-
tungsverhältnis hat der Anspruchsteller deshalb darzulegen, wie sich das relevan-
te Vermögen bei einer pflichtgemässen Anlage bzw. Beratung entwickelt hätte
(BGer 4A_539/2014 vom 7. Mai 2015 E. 3.2; 4A_45/2014 vom 19. Mai 2014
E. 2.4.3; 4C.295/2006 vom 30. November 2006 E. 5.2.2) , weshalb der Schaden
- 70 -
nicht aus der Differenz zwischen dem ursprünglichen Anlagebetrag und dem ver-
bleibenden Wert der Anlage zu berechnen ist (BGer 4A_374/2018 vom
23. September 2018 E. 3.5; GUTZWILLER, AJP 2000, a.a.O., S. 64). Dazu hat er
darzulegen und soweit möglich zu belegen, dass er eine bestimmte Investition ge-
tätigt hätte (BGer 4A_539/2014 vom 7. Mai 2015 E. 3.5).
Hinsichtlich des Schadens verweist der Kläger auf seine unter dem Titel des Erfül-
lungsanspruchs vorgenommene Quantifizierung (act. 1 Rz. 184). Schadenersatz-
rechtlich stellt dies lediglich das negative Interesse dar. Für die Zusprechung von
Schadenersatz fehlt es an einer dem positiven Interesse entsprechenden Scha-
denssubstantiierung. Der Kläger legt insbesondere nicht dar, welchen Verlauf sein
Vermögen bei pflichtkonformem Verhalten der Beklagten genommen hätte. Damit
ist ein auf Art. 398 Abs. 2 i.V.m. Art. 97 Abs. 1 OR gestützte Eventualanspruch
des Klägers abzuweisen.
2.5. Ergebnis
Die Klage ist abzuweisen.
3. Kosten- und Entschädigungsfolgen
3.1. Streitwert
Gemäss Art. 91 Abs. 1 ZPO bestimmt das Rechtsbegehren den Streitwert; Zin-
sen, Kosten und allfällige Eventualbegehren sind nicht hinzuzurechnen. Auf eine
Fremdwährung lautende Rechtsbegehren sind zum Umrechnungskurs am Tag
der Rechtshängigkeit umzurechnen (BGE 63 II 34 S. 35; BGer 4A_274/2011 vom
3. November 2011 E. 1 = SJ 2012 I 160). Aufgrund der am Tag der Anhängigma-
chung vom 9. Mai 2017 geltenden Umrechnungskurse ergeben sich für die ein-
zelnen Rechtsbegehren folgende Werte:
EUR 28'001'783.50 zu EUR/CHF 1.08797 ergibtCHF
30'465'100.39
USD 6'135'525.27 zu USD/CHF 0.99293 ergibtCHF
6'092'147.11
- 71 -
JPY 6'357'307.00 zu JPY/CHF 0.00880 ergibtCHF
55'944.30
Der Streitwert beträgt somit insgesamt CHF 36'613'191.80.
3.2. Gerichtskosten
Die Höhe der Gerichtskosten bestimmt sich nach der Gebührenverordnung des
Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG; Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1
GOG). Sie richtet sich in erster Linie nach dem Streitwert (§ 2 Abs. 1 lit. a GebV
OG). Beim vorliegenden Streitwert beträgt die nach § 4 Abs. 1 GebV OG ermittel-
te Grundgebühr CHF 253'815.959. Die Gerichtsgebühr ist auf CHF 250'000.00
festzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Kosten dem Kläger aufzuerlegen
(Art. 106 Abs. 1 Satz 1 ZPO) und aus dem von ihm geleisteten Kostenvorschuss
zu beziehen (Art. 111 Abs. 1 Satz 1 ZPO).
3.3. Parteientschädigungen
Die Höhe der Anwaltsgebühr bestimmt sich nach der Verordnung des Oberge-
richts über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 (AnwGebV; Art. 96 ZPO
i.V.m. § 48 Abs. 1 lit. c und Abs. 2 des Anwaltsgesetzes vom 17. November
2003). Sie richtet sich in erster Linie nach dem Streitwert (§ 2 Abs. 1 lit. a Anw-
GebV). Beim vorliegenden Streitwert beträgt die nach § 4 Abs. 1 AnwGebV ermit-
telte Grundgebühr CHF 239'465.959. Unter Berücksichtigung des Aufwandes für
die Vergleichsverhandlung und die zweite Rechtsschrift rechtfertigt es sich, diese
um 40 % zu erhöhen (§ 11 Abs. 1 und 2 AnwGebV). Ausgangsgemäss wird der
Kläger entschädigungspflichtig (Art. 106 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Einen Mehrwert-
steuerzusatz hat die Beklagte nicht beantragt (vgl. Kreisschreiben der Verwal-
tungskommission des Obergerichts vom 17. Mai 2006 Ziffer 2.1.1 S. 3 unten, ab-
rufbar unter <http://www.gerichte-zh.ch/kreisschreiben/kreisschreiben.html>). Der
Kläger ist zu verpflichten, der Beklagten eine Parteientschädigung in der Höhe
von CHF 340'000.00 zu bezahlen; nach Ablauf der Rechtsmittelfrist ist die vom
Kläger geleistete Sicherheit für die Parteientschädigung von der Obergerichtskas-
- 72 -
se direkt der Beklagten auszubezahlen. Für den ungedeckt gebliebenen Betrag ist
die Beklagte zur Nachforderung berechtigt.
Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 250'000.00.
3. Die Kosten werden dem Kläger auferlegt und vorab aus dem von ihm geleis-
teten Kostenvorschuss bezogen.
4. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung in der
Höhe von CHF 340'000.00 zu bezahlen.
Nach Ablauf der Rechtsmittelfrist ist die vom Kläger geleistete Sicherheit für
die Parteientschädigung von der Obergerichtskasse direkt der Beklagten
auszubezahlen. Für den ungedeckt gebliebenen Betrag ist die Beklagte zur
Nachforderung berechtigt.
5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien sowie an die Obergerichtskasse.
6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art.
113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 und
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streitwert
beträgt CHF 36'613'191.80.
- 73 -