Decision ID: 4b50114f-1412-4519-b37e-bb0e84ea17b3
Year: 2008
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalte vor noch bestünde ein Anspruch auf Gleichbehandlung im
Unrecht. Bei einem anderen kürzlich fertig gestellten Strassenabschnitt im
oberen Bereich der ...strasse hätten die Grundeigentümer 30% der
Gesamtbaukosten – und nicht wie von den Beschwerdeführern behauptet
25% der Restkosten – zu tragen gehabt, was unter dem Aspekt der
Rechtsgleichheit zu berücksichtigen sei.
8. In ihrer Replik schränkten die Beschwerdeführer die Beschwerde nunmehr
auf diejenigen Grundeigentümer, deren Unterschriften bis Ablauf der
Beschwerdefrist hatten beigebracht werden können, ein, reichten aber das
von allen betroffenen Grundeigentümern unterzeichnete Unterschriftsblatt
bezüglich der Vollmacht nach. Das in dieser Sache bereits ergangene Urteil
des Verwaltungsgerichts stelle ihre grundsätzliche Beschwerdelegitimation
bezüglich der Restkostenverteilung fest. Zwar habe die am 12. Dezember
2004 und 5. April 2007 publizierte und von niemandem angefochtene
Gebietsabgrenzung mittlerweile Rechtskraft erlangt; die Beschwerde sei
jedoch noch in der ersten Phase des laufenden Beitragsverfahrens und damit
fristgemäss bei der Gemeinde eingegangen; diese habe im Übrigen das
Einleitungsverfahren angesichts des laufenden Gerichtsverfahrens sistiert.
In materieller Hinsicht wurde - neben einer Ergänzung und Vertiefung der
bereits vorgebrachten Argumente - unter Hinweis auf das vor Inkrafttreten des
KRG in solchen Fällen anwendbare Perimetergesetz des Kantons
Graubünden (BR 803.200; PG) ausgeführt, dass auch früher klar zwischen
Bundes- und Kantonsbeiträgen und dem Gemeindebeitrag aus öffentlicher
Interessenz unterschieden worden sei. Es sei ungewöhnlich, dass die
Gemeinde bereits im Jahre 2002 das Raumplanungsrecht für die
Kostenverteilung bezüglich einer subventionierten Forststrasse angewandt
habe; offensichtlich habe sie sich davon eine Vereinfachung des Verfahrens
sowie eine erhebliche Flexibilität in der Gesetzeshandhabung versprochen,
weshalb der Gemeindevorstand nun auch die volle Verantwortung für die
korrekte Handhabung der gesetzlichen Vorgaben trage.
9. In ihrer Duplik hielt die Gemeinde nochmals fest, dass auf die Einwände der
Beschwerdeführer hinsichtlich des Einleitungsverfahrens nicht einzutreten
sei, da anschliessend noch das Kostenverteilungsverfahren zur Diskussion
stehe. Hinsichtlich der Interpretation von Art. 63 KRG ergebe sich, dass der
Gesetzgeber, wenn er die Subventionen von übergeordneten Körperschaften
nicht der öffentlichen Interessenz zurechnen wollte, dies im Gesetz auch
ausdrücklich erwähnt hätte.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Verfahren ist der Einspracheentscheid
des Gemeindevorstands vom 26. November 2007. In formeller Hinsicht stellt
sich die Eintretensfrage und in materieller Hinsicht ist umstritten und zu klären,
ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführern zu Recht 30% der
Gesamtbaukosten der Strasse auferlegt hat.
2. a) Im Gegensatz zur ersten in dieser Sache erhobenen Beschwerde (A 07 27)
wurde nunmehr der im genannten Urteil aufgezeigte Instanzenzug
ordnungsgemäss durchlaufen, weshalb die Beschwerde ans
Verwaltungsgericht grundsätzlich zulässig ist.
b) In der Replik wurde der Kreis der Beschwerdeführer ausdrücklich auf die
erstunterzeichnenden Eigentümer der Parzellen 896 (...), 897 (...) und 898
(...) beschränkt. Davon gilt es Kenntnis zu nehmen, auch wenn die
Unterschriften für alle anderen betroffenen, am Einspracheverfahren
beteiligten Grundeigentümer an sich in zulässiger Weise nachgereicht
wurden. Weitere Ausführungen dazu ebenso wie auf die Frage, ob die
Erbengemeinschaft wirksam vertreten ist, erübrigen sich, weil die hier
entschiedene Grundfrage der Definition der öffentlichen Interessenz im
Rahmen des ganzen Kostenverteilers (2. Phase) zu berücksichtigen ist.
c) Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin liegt mit dem
Einspracheentscheid ein taugliches Anfechtungsobjekt vor. Im Rahmen von
dessen Überprüfung wird auch zu klären sein, auf welcher Basis die 30%-ige
Beteiligung der betroffenen Grundeigentümer als private Interessenz
(Privatanteil) zu berechnen ist, mithin eine Frage, die den
Einleitungsbeschluss betrifft.
d) Die Beschwerdelegitimation gemäss Art. 50 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) der neu einbezogenen
Grundeigentümer wurde bereits im Urteil A 07 27, E. 1.c), festgestellt, worauf
verwiesen werden kann.
e) Der Unterhaltsperimeter für die oberen Anteile der Strasse zu den ... steht
hier nicht zur Diskussion. Bezüglich des Perimeters für den hier betroffenen,
unteren Strassenabschnitt ... (Neubau) wurde im Urteil A 07 27, E. 1.c),
bereits festgestellt, dass dieser für die neu einbezogenen Grundeigentümer
separat anfechtbar ist. Zur Vermeidung von Wiederholungen sei auf die
dortigen Ausführungen verwiesen. Der Hinweis der Beschwerdegegnerin auf
die Rechtskraft des entsprechenden früheren Beschlusses verfängt daher hier
nicht, denn gegenüber den neu betroffenen Grundstückseigentümern konnte
dieser noch keine Rechtskraft entfalten, weil sie gar nicht am früheren
Verfahren beteiligt waren. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten.
3. a) Die Parteien sind sich einig, dass vorliegend das KRG und die KRVO zur
Anwendung kommen. Dies gilt gemäss Art. 106 Abs. 2 Ziff. 3 KRG
klarerweise für die nach Inkrafttreten dieser Gesetze (1. November 2005)
erfolgte Erweiterung des Beizugsgebiets, welche am 5. April 2007 publiziert
worden ist. Jedoch wurde auch für das vorangehende Verfahren das damals
geltende kantonale Raumplanungsgesetz (Raumplanungsgesetz für den
Kanton Graubünden vom 20. Mai 1973) anstelle des in der Regel damals
ausserhalb der Bauzone angewandten Perimetergesetzes rechtskräftig als
massgebend festgelegt. Massgeblich sind somit Art. 58 ff. KRG
(Erschliessung) und Art. 22 ff. KRVO (Beitragsverfahren).
b) Voraussetzungen und Verfahren der Kostenverteilung bezüglich kommunaler
Erschliessungsanlagen wurden im genannten Urteil ebenfalls umfassend und
zutreffend dargestellt (E. 1.a), worauf ebenfalls verwiesen sei.
c) Die in diesem Verfahren materiell streitige Hauptfrage ist, ob sich im
Beitragsverfahren bezüglich des Neubaus des Strassenabschnitts ... die
früher festgestellte Aufteilung öffentliche/private Interessenz (Verhältnis 70 :
30) auf die Gesamtbaukosten (Bruttokosten) oder auf die nach Abzug der
erhaltenen Subventionen verbleibenden Restkosten (Nettokosten) bezieht.
Die Beschwerdegegnerin ist der Ansicht, diese Aufteilung sei auf die
Gesamtbaukosten zu beziehen. Dies wird zum einen mit dem Wortlaut des
Art. 63 Abs. KRG begründet, wo von „allen“ für das öffentliche Werk
notwendigen Aufwendungen die Rede ist; der Gemeindeanteil beinhalte
gemäss Art. 63 Abs. 2 KRG und Art. 19 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Raumplanung (RPG; SR 700) auch die Subventionen; mithin seien alle
Aufwendungen der öffentlichen Hand im Rahmen der „öffentlichen
Interessenz“ zu berücksichtigen. Diese Ansicht ist indes nicht zu teilen.
Gemäss Art. 63 Abs. 2 KRG legt der Gemeindevorstand den Kostenanteil fest,
der von der Gemeinde (Anteil der öffentlichen Interessenz) und von der
Gesamtheit der GrundeigentümerInnen (Anteil der privaten Interessenz) zu
tragen ist. Allein schon dieser Wortlaut lässt nach Auffassung des Gerichts
keine andere Interpretation zu, als dass der von der Gemeinde effektiv (und
nicht „virtuell“) zu tragende Anteil an den Gesamtkosten entsprechend dem
Kostenverteiler zu splitten ist. Diese Interpretation steht auch im Einklang mit
den vor Inkrafttreten des KRG für solche Fälle anzuwendenden Vorschriften
des kantonalen Perimetergesetzes, welches in Art. 15 (Perimeterentscheid)
eine klare Unterscheidung trifft zwischen der Höhe allfälliger Bundes-,
Kantons- und anderer zugesicherter Beiträge (Ziff. 3) und der Höhe der
Beteiligung der öffentlichen Hand unter dem Titel der öffentlichen Interessenz
(Ziff. 4). Mit anderen Worten sind die entsprechenden Subventionen gerade
nicht vom Begriff der „öffentlichen Interessenz“ umfasst.
d) Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sich an dieser Wertung mit
Inkrafttreten des KRG etwas geändert hätte. Hier kann der Argumentation der
Beschwerdeführer gefolgt werden: die Subventionierung von
Erschliessungsanlagen hat den Zweck, deren Bau zu ermöglichen, nicht aber
denjenigen, die Gemeinde grösstenteils (oder im Extremfall vollständig) von
der Übernahme ihres Kostenanteils zu befreien. Aus den Materialien zum
KRG ist an keiner Stelle zu ersehen, dass durch das Inkrafttreten der
Neuregelung an der bisherigen im kantonalen Perimetergesetz festgelegten
Ordnung etwas geändert werden sollte. So verweist die Botschaft zur KRG-
Revision vom 11. Mai 2004 zu Art. 64 Abs. 1 E-KRG (heute: Art. 62 Abs. 1
KRG) darauf, durch den Hinweis auf Art. 62 E-KRG (heute: Art. 60 KRG) sei
klargestellt, dass die raumplanerischen Bestimmungen über die Finanzierung
von Erschliessungsanlagen nicht nur innerhalb der Bauzonen, sondern
allgemein bei Erschliessungen nach Raumplanungsrecht zur Anwendung
gelangten. In den Erläuterungen zu Art. 65 Abs. 1 E-KRG (heute: Art. 63 Abs.
1 KRG) wird darauf hingewiesen, dass diese Bestimmung über Beiträge an
Erschliessungsanlagen bewährten und in Graubünden gebräuchlichen
Regelungen entspreche; zu Art. 65 Abs. 2 E-KRG (heute: Art. 63 Abs. 2 KRG)
heisst es, dieser regle die Aufteilung der Kosten des zu finanzierenden
Werkes auf die Gemeinde (öffentliche Interessenz) und die Privaten (private
Interessenz). Dabei wird klarerweise auf die bisher üblichen
Aufteilungsgrundsätze, zu denen eben auch die in Art. 15 PG festgehaltene
Unterscheidung zwischen Beiträgen von Bund, Kanton und anderen
Subventionsgebern und der öffentlichen Interessenz, d.h. des von der
Gemeinde zu tragenden Anteils, gehört, Bezug genommen.
e) Entgegen der beschwerdegegnerischen Ansicht lassen somit Sinn und
Wortlaut des Begriffs der öffentlichen Interessenz durchaus eine andere
Interpretation zu, als dass damit derjenige Anteil gemeint sei, welcher von der
öffentlichen Hand stammt. Eine solche Interpretation drängt sich sogar auf: es
erschiene als stossend, dürfte die Gemeinde die Beiträge von Bund und
Kanton unter der Ägide des neuen KRG im Gegensatz zur früheren Regelung
ausschliesslich sich selbst zurechnen, zumal sich den Materialien keinerlei
Anhaltspunkte für eine entsprechende gesetzgeberische Absicht entnehmen
lassen. Daran ändert auch nichts, dass in Art. 63 Abs. 1 von „allen“ für das
öffentliche Werk erforderlichen Aufwendungen die Rede ist; aus dem eben
ausgeführten Gesamtkontext ergibt sich klarerweise, dass es sich hierbei nur
um „alle“ Aufwendungen handeln kann, die der Gemeinde verbleiben. Eine
andere Interpretation verbietet sich auch ohne ausdrückliche Erwähnung im
Gesetz, dass Subventionen nicht Bestandteil der „öffentlichen Interessenz“
sind. Auch dem von der Beschwerdegegnerin angeführten Art. 19 Abs. 2 RPG
lässt sich nichts Gegenteiliges entnehmen.
f) Soweit sich die Beschwerdegegnerin auf das Urteil A 07 7 bezieht, kann sie
hieraus ebenfalls nichts zu ihren Gunsten ableiten: soweit hier (E. 3.a) von
„Gesamtkosten“ die Rede ist, sind keinesfalls in spezifischer Weise die
Gesamtkosten vor Abzug allfälliger Subventionen angesprochen, zumal in
diesem Urteil die Frage, ob die Beiträge sich auf die Gesamtkosten vor Abzug
allfälliger Subventionen oder auf die „Restkosten“ nach deren Abzug
beziehen, gar keine Rolle spielte. Vielmehr wird lediglich die in Art. 22 KRVO
enthaltene Formulierung „Kostenanteil der öffentlichen und privaten
Interessenz“ in unspezifischer Weise zitiert. Vom blossen Begriff
„Gesamtkosten“ hierbei darauf schliessen zu wollen, aus diesem Urteil ergebe
sich klarerweise, dass der von der Gemeinde zu übernehmende Anteil
unabhängig von der Gewährung von Subventionen sei, verbietet sich. Auch
sind die weiteren Ausführungen des Urteils, in denen von der
„Zusammenstellung der Gesamtkosten des Werkes unter Angabe allfälliger
Subventionen“ die Rede ist, dahingehend zu verstehen, dass mit
„Gesamtkosten“ eben diejenigen Kosten gemeint sind, die der Gemeinde
nach Abzug allfälliger Subventionen tatsächlich verbleiben und anschliessend
zwischen Gemeinde und Privaten im Sinne öffentlicher und privater
Interessenz aufzuteilen sind.
g) Für eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes bestehen vorliegend keine
Anhaltspunkte: zum einen wirkt sich die Gutheissung der Beschwerde für alle
betroffenen Grundeigentümer gleichermassen positiv aus; zum anderen
handelte es sich bei den - zum Vergleich herangezogenen -
Sanierungsarbeiten im oberen Bereich der ...strasse nicht um einen Neubau,
sondern lediglich um (deutlich günstigere) Unterhaltsarbeiten; schliesslich
bestünde – wie von der Beschwerdegegnerin zutreffend ausgeführt – auch
kein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht.
h) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die im angefochtenen
Einspracheentscheid vertretene Ansicht der Gemeinde, die private
Interessenz betrage 30% der Gesamtbaukosten, nicht haltbar ist. Der
angefochtene Entscheid ist daher diesbezüglich aufzuheben sowie gerichtlich
festzustellen, dass die jeweiligen Kostenanteile auf der Basis der nach Abzug
allfälliger Subventionen verbleibenden Restkosten zu berechnen sind.
4. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens gehen die Verfahrenskosten
gestützt auf Art. 73 Abs. 1 VRG zu Lasten der Beschwerdegegnerin.