Decision ID: 0b970795-b647-592c-bf47-7d211bec53f9
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals im Januar 2007 bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Er gab an, er habe in B._ die
Grund- und Sekundarschule sowie das Gymnasium besucht. Einen Beruf habe er nicht
erlernt. Von 1985 (Einreise in die Schweiz) bis 1994 habe er als Gärtner und ab 1994 als
Speditionsmitarbeiter gearbeitet. Wegen eines Schleudertraumas (mittelschwere
Heckkollision am 19. Dezember 2000, vgl. Fremdakten) und einer Depression sei er seit
dem 5. Januar 2005 voll arbeitsunfähig.
A.b Im Januar 2008 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle durch die ABI
Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH (nachfolgend: ABI) polydisziplinär
(internistisch, psychiatrisch, neurologisch) begutachtet (Gutachten vom 11. Februar
2008, IV-act. 43). Als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gaben die
Gutachter eine leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0) an. Als Diagnosen ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine Schmerzverarbeitungsstörung (F54),
chronische Kopf- und Nackenschmerzen, Schlafstörungen und Schwindelbeschwerden
(sehr wahrscheinlich funktionell bedingt), einen Status nach einem HWS-
Distorsionstrauma am 19.12.00, ein metabolisches Syndrom, einen Nikotinabusus und
eine Medikamenten-Malcompliance. In polydisziplinärer Hinsicht kamen die Gutachter
zum Schluss, dass beim Versicherten für die angestammte Tätigkeit wie auch für
andere körperlich leicht bis mittelschwer belastende Tätigkeiten eine psychisch
bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 % bestehe.
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A.c Mit Verfügung vom 20. Oktober 2008 wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei
einem IV-Grad von 20 % ab (IV-act. 61). Die dagegen erhobene Beschwerde (IV-act.
80) wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 15. Juni
2010 ab (IV 2008/473, IV-act. 85).
B.
B.a Am 11. Mai 2011 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Bezug
von IV-Leistungen an (IV-act. 89). Er gab an, seit dem Jahr 2000 an Kopfschmerzen,
Schulter-Nacken-Beschwerden und einer Depression zu leiden. Seit dem Jahr 2005 sei
er zu 100 % arbeitsunfähig.
B.b Dr. med. C._, Fachärztin für Allgemeinmedizin, berichtete der IV-Stelle am 4.
September 2011 (IV-act. 105-2 ff.), dass der Versicherte an einer traumatischen
Frontalhirnschädigung (infraaxial, ED 12/09) und an einem chronifizierten
Zervikalsyndrom (chronische cervikogene Cephalea im Rahmen eines somatoformen
Schmerzsyndroms bei Status nach Auffahrunfall mit HWS-Distorsion) leide. Der
Versicherte sei zu 100 % arbeitsunfähig. Dr. med. D._, Psychiatrisches Zentrum
E._, berichtete der IV-Stelle am 22. November 2011 (IV-act. 110), dass der
Versicherte an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (F45.4), einer
chronifizierten Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41),
an Angst und einer depressiven Reaktion gemischt (F43.22) und an einer
Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (F62.80) leide. Sie hielt
fest, nach der dreijährigen ambulanten psychiatrischen Behandlung sei sie zum
Schluss gekommen, dass eine Reintegration des Versicherten in einen Arbeitsprozess
nicht mehr möglich sei. Der Versicherte habe seit dem Unfall andauernd die gleichen
Beschwerden, nämlich Nackenschmerzen und Konzentrationsstörungen; zudem
bestehe eine ängstliche Entwicklung mit einer depressiven Stimmung. Es liege ein
Teufelskreis mit Intensivierungs- und Ausweitungstendenzen durch die ständige
Interaktion mit den körperlichen und psychosozialen Belastungsfaktoren vor. Der
Versicherte sei seit September 2008 (Behandlungsbeginn) und bis auf weiteres zu 100
% arbeitsunfähig.
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B.c RAD-Ärztin Dr. med. F._ notierte am 12. Dezember 2011 (IV-act. 111), dass der
Gesundheitszustand im Vergleich zur medizinischen Referenzsituation (Gutachten ABI
2008) stationär sei. Der Versicherte sei aus psychiatrischen Gründen in der
Stellensuche eingeschränkt. Am 12. März 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit
(IV-act. 118), dass er keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen habe, da er sich
subjektiv nicht arbeitsfähig fühle und zurzeit keine Unterstützung im Rahmen von
beruflichen Mass-nahmen wünsche. Bezüglich "Rente" verwies sie auf die Verfügung
vom 20. Oktober 2008. Dagegen liess der Versicherte am 20. Juni 2012 vorbringen (IV-
act. 123), dass eine Rentenprüfung zu erfolgen habe, da zwischenzeitlich eine
Frontalhirnschädigung diagnostiziert worden sei. RAD-Ärztin Dr. F._ schlug am 11.
Juli 2012 die Durchführung einer neurologisch-psychiatrischen Begutachtung vor (IV-
act. 125).
B.d Am 2. Oktober 2012 wurde der Versicherte durch Dr. med. G._, Arzt für
Neurologie und Psychiatrie, bidisziplinär begutachtet (Gutachten vom 4. Oktober 2012,
IV-act. 129). Die Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
• Dissoziative Störung (F44.9)
• Selbstlimitierung (F48.9)
• Persönlichkeitsproblematik (F61).
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gab Dr. G._ ein
Karpaltunnelsyndrom rechts, leichtgradige Ausprägung, an. Die Diagnose einer
dissoziativen Störung begründete er mit dem offenbar über Jahre aufrechterhaltenen,
selbstlimitierenden Verhalten des Versicherten sowie der wahllos wirkenden
Demonstration atypischer Beeinträchtigungen in der gutachterlichen Untersuchung. Er
wies auf zahlreiche Zweifel an der durchgehenden Plausibilität der vorgetragenen und
demonstrierten Beschwerden und Einschränkungen hin. Die medizinischen
Behandlungsmöglichkeiten seien ausgeschöpft. Angesichts des langjährigen Verlaufs
sei die Beendigung auch der bewusstseinsnah verankerten Störungsanteile
("Verdeutlichung", "Hervorhebung", "Simulation") nicht mehr zumutbar
("Gesichtsverlust"). Unter Abzug der als "bewusstseinsnah" identifizierten Bemühungen
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um die Verdeutlichung oder gar Simulation einzelner Beschwerden lasse sich
(näherungsweise und rein medizintheoretisch) die Restarbeitsfähigkeit auf 35 %
einschätzen. Diese Einschätzung beziehe sich auf alle denkbaren Verweistätigkeiten,
selbst auf den "geschützten Rahmen". Von einer Verschlechterung der
gesundheitlichen Situation seit der Begutachtung im Jahr 2008 könne insofern
gesprochen werden, als nach einer Fortsetzung des Verlaufs über weitere vier Jahre
von einer weiteren Verfestigung der vom Versicherten selbst erlebten und allseits
konsequent demonstrierten Einschränkungen ausgegangen werden müsse und damit
von einer weiteren erheblichen Einschränkung der Möglichkeit, unter Aufbietung einer
"zumutbaren Willensanspannung" zumindest teilweise einen "Rückzug" aus dem
demonstrierten Anteil seines Verhaltens anzutreten.
B.e Dr. F._ notierte am 30. Oktober 2012 (IV-act. 130), auf das neurologisch-
psychiatrische Gutachten könne nicht abgestellt werden. Die Schlussfolgerungen
bezüglich der Arbeitsfähigkeit seien nicht nachvollziehbar. Obwohl Dr. G._ Zweifel an
der Plausibilität der vorgetragenen und demonstrierten Beschwerden und
Einschränkungen gehabt habe und multiple Hinweise für eine Selbstlimitierung,
"Verdeutlichung, Hervorhebung und Simulation" gefunden habe, habe er auf eine
erhebliche Einschränkung der Funktionsfähigkeit geschlossen. Die zumutbare
Willensanspannung zur Überwindung dieser Verhaltensauffälligkeiten habe Dr. G._
nicht aufgrund einer psychiatrischen Komorbidität von erheblicher Schwere und
Ausprägung, sondern mit der Begründung verneint, dass der Versicherte die
Selbstlimitierung und Verdeutlichung nun schon so lange gezeigt habe, dass es quasi
einem "Gesichtsverlust" gleichkäme, nun davon abzurücken. Eine auf objektivierbaren
Befunden gründende Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der ABI-
Begutachtung müsse klar verneint werden. Gemäss Dr. G._ bestehe die
"Veränderung/Verschlechterung" darin, dass der Versicherte weitere vier Jahre sein
selbstlimitierendes, auffälliges Verhalten aufrechterhalten habe, weshalb er nun umso
weniger davon abrücken könne. Dies könne aus versicherungsmedizinischer Sicht
nicht berücksichtigt werden.
B.f Mit Vorbescheid vom 9. November 2012 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten
die Abweisung seines Rentengesuchs an (IV-act. 135). Zur Begründung führte sie an,
dass seit der letzten materiellen Prüfung keine objektivierbare Verschlechterung des
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Gesundheitszustandes eingetreten sei. Dagegen liess der Versicherte am 15. März
2013 einwenden (IV-act. 140), dass aus dem Gutachten von Dr. G._ nicht genügend
klar hervorgehe, ob eine Frontalhirnschädigung bestehe oder nicht. Zudem sei der
Versicherte bereits aus psychiatrischer Sicht zu 100 % arbeitsunfähig. Am 5. April 2013
reichte die Rechtsvertreterin des Versicherten einen Bericht von Dr. med. H._,
Facharzt für Neurologie, vom 28. März 2013, ein (IV-act. 141 f.). Dr. H._ hatte erklärt,
eine neurologische Abklärung bezüglich einer Frontalhirnschädigung sei nur möglich,
wenn ihm das Gutachten von Dr. G._, aktuelle bildgebende Befunde mit einem neuen
ccMRI und eine neuropsychologische Abklärung vorlägen. RAD-Ärztin Dr. F._
notierte am 15. Mai 2013, dass eine erneute Begutachtung (Neurologie, Psychiatrie,
Neuropsychologie) notwendig sei (IV-act. 143).
B.g Die neurologisch-psychiatrische Begutachtung erfolgte in der Rehaklinik I._
(Gutachten vom 25. März 2015, IV-act. 162). Da anlässlich der psychiatrischen
Untersuchung am 26. September 2013 ein völlig inkonsistenter Verlauf mit
unterschiedlichsten Beurteilungen, neuen Befunden sowie bizarren wechselnden
klinischen Befunden erhoben worden war, fand vom 26. bis 31. Oktober 2014 eine
stationäre Abklärung und Verhaltensbeobachtung statt. Die neurologischen Diagnosen
lauteten:
• Chronisches Schmerzsyndrom (zerviko-zephales Syndrom)
• Status nach Distorsion der Hals- und oberen Brustwirbelsäule sowie
Schulterprellung links (Verkehrsunfall vom 19.12.2000)
• degenerative Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule (Osteochondrose im
Höhe HWK 5/6 und HWK 6/7, Spondylarthrose und Unkarthrose)
• Bandscheibenprotrusion in Höhe HWK 5/6
• Status nach subakutem exazerbiertem Kopfschmerzereignis ("okzipito-parietaler
Kopfschmerz") März 2006
• neurographisch leichtgradig ausgeprägtes Karpaltunnelsyndrom rechts (Befund von
2012).
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Die neuroradiologischen Diagnosen lauteten:
• Cavum Vergae
• geblutetes Kavernom frontobasal links
• Glioseherde in den supratentoriellen Marklagern beidseits (als unspezifisch gedeutet)
• Hirninvolutation (als altersphysiologisch gedeutet, jedoch an anderer Stelle; für das
Alter abnorme multiple Läsionen der weissen Substanz bilateral)
• V.a. Hippokampusdysfunktion beidseits.
Die psychiatrische Diagnose lautete:
• Dissoziative Störung (Konversionsstörung, ICD-10: F44.9).
Die Gutachter erklärten, dass je nach Kontext und Interviewer Schwindel (mit
Gangstörungen), Kopf- und Nackenschmerzen, Schlafstörungen mit kognitiven
Einschränkungen (Gedächtnis), depressive Symptome, eine allgemeine Schwäche oder
Schuldgefühle im Vordergrund gestanden hätten. Dr. med. J._, Facharzt für
Neurologie und Neurochirurgie, hielt fest, dass die Arbeitsfähigkeit aus neurologischer
Sicht nicht eingeschränkt sei. Bezüglich der hirnorganischen Veränderungen erklärte
er, dass es vor dem Hintergrund der objektiven bildgebenden Befunde in Verbindung
mit deren möglicher pathologischer Bedeutung nicht möglich sei, krankhafte und
aggravatorische Facetten der Verhaltensauffälligkeiten sicher auseinanderzuhalten.
Bezüglich der neuropsychologischen Störungen wies er darauf hin, dass der
Versicherte seit dem Jahr 2006 schwere, nicht nachvollziehbare neuropsychologische
Störungen demonstriere, die von allen Untersuchern als im Wesentlichen artifiziell
(gekünstelt) interpretiert worden seien. Eine weitere Abklärung würde ein bis anhin
nicht gegebenes Mindestmass an Kooperation voraussetzen. Die
Symptomvalidierungstests wiesen auf eine massive Selbstlimitierung hin. Dr. med.
K._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Neurologie, hielt aus
psychiatrischer Sicht fest, dass der Versicherte von allem Anfang an einen "theatralisch
anmutenden schlaffen Gesamteindruck" gemacht habe. Er habe seine Beschwerden
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drastisch und mit stark leidenden Gesichtszügen geschildert. Neben verschiedenen
körperlichen Beschwerden habe er auch Beeinträchtigungen im kognitiven und
affektiven Bereich sowie hinsichtlich seines Antriebs und seines Verhaltens, bei auch
Einschränkungen in der Wahrnehmung seiner eigenen Person und seiner Umgebung,
geschildert. Daraus habe bei einem schon jahrelangen Verlauf ein anhaltend
selbstlimitierendes Verhalten in Bezug zur Gruppenfähigkeit/Teamfähigkeit, aber auch
in Bezug auf das Privatleben, resultiert. Besondere Ressourcen seien hier nicht mehr
feststellbar gewesen. Förderlich sei das immer noch stützende familiäre Umfeld.
Gestützt auf die "Foerster-Kriterien" sei davon auszugehen, dass beim Versicherten die
willentliche Steuerbarkeit seiner Beschwerden eingeschränkt, aber nicht gänzlich
aufgehoben sei. Es gehöre zum Kennzeichen einer dissoziativen Störung, dass sowohl
die berichteten Beschwerden wie auch die in der Untersuchungssituation präsentierten
Symptome nicht in sich konsistent erschienen. Sie hätten vielfach einen
aufmerksamkeitssuchenden ("histrionischen") Charakter. Grundsätzlich handle es sich
bei einer dissoziativen Störung um eine unbewusste psychische Störung. In der
Untersuchung sei aber in wenigen Situationen ein doch relativ bewusstseinsnahes
Agieren des Untersuchten evident geworden, etwa bei der sehr detaillierten
Schilderung des Ende 2000 erlittenen Verkehrsunfalles (bei ansonsten oft unscharfem
zeitlichem Erinnerungsvermögen). Dem Gutachten von Dr. G._ könne, was die
diagnostischen Ausführungen angehe, problemlos gefolgt werden. Hingegen könnten
die früher schon gestellten psychiatrischen Diagnosen wie eine mittelgradige
depressive Episode oder eine somatoforme Schmerzstörung zum jetzigen Zeitpunkt
nicht bestätigt werden. Zum Untersuchungszeitpunkt habe allerhöchstens eine
leichtgradige depressive Verstimmung bestanden; die typische depressive
Kernsymptomatik passend zu einer depressiven Episode habe nicht objektiviert
werden können. Für eine typische anhaltende somatoforme Schmerzstörung fehle das
hier nicht eindeutig im Vordergrund stehende Schmerzsyndrom bei auch vom
Versicherten nicht angestrebter wiederholter medizinischer Durchuntersuchung. Für die
Einschätzung des Arbeitsunfähigkeitsgrades bei einer chronifizierten dissoziativen
Störung gebe es keine allgemein gültigen Tabellen. Die Einschätzung müsse immer
individuell vorgenommen werden und beruhe ganz überwiegend auf der klinischen
Erfahrung und unter Berücksichtigung von annähernden Vergleichsfällen. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. G._ erscheine grosszügig überhöht, zumal er in
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seinem Gutachten wiederholt auf die Selbstlimitierung hingewiesen habe. Bezogen auf
ein 100 %-Pensum sei aus psychiatrischer Sicht nach einer entsprechenden
Übergangszeit von einer 40 %igen Arbeitsunfähigkeit (Präsenz 100 %, Leistung 60 %)
auszugehen. In interdisziplinärer Hinsicht schätzten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit
in der angestammten und in einer adaptierten Tätigkeit auf 60 %. RAD-Ärztin Dr. F._
notierte am 14. April 2015 (IV-act. 163), auf das Gutachten der Rehaklinik I._ könne
abgestellt werden; es sei ausführlich, schlüssig und nachvollziehbar.
B.h Auf eine interne Anfrage hin erklärte RAD-Arzt Dr. med. L._ am 16. November
2015 (IV-act. 167), ein Vergleich der drei Gutachten zeige, dass ein über Jahre (in
seinen Fluktuationen und in seinem Schweregrad) stabiles psychopathologisches
Muster bestehe. Angesichts der in diesem Fall (eben nur zum Teil) krankheitsbedingt
inkonsistenten Antworten, Symptomdarbietungen und Selbstlimitationen sei es
ausgesprochen schwierig, krankheitswertige Symptome und Konstellationen von nicht
krankheitswertigen Begleitphänomenen abzugrenzen, was die Aussagesicherheit aller
gutachterlichen Bewertungen beeinflusse. Dieser Mangel sei einerseits
störungsbedingt, andererseits aber auch durch zwar dysfunktionale, aber nicht
krankheitswertige, der willentlichen Überwindung zugängliche Verhaltensanteile
verursacht. Deshalb sei es nicht wahrscheinlich, dass weitere medizinische
Abklärungen eine wesentlich höhere Aussagesicherheit ergäben. Die Gutachter der
Rehaklinik I._ hätten exemplarisch darauf aufmerksam gemacht, dass die
Einschätzung des Arbeitsunfähigkeitsgrades ganz überwiegend auf der klinischen
Erfahrung (des einzelnen Gutachters) beruhe, was die Abweichungen bei gleichem
Sachverhalt erkläre. Dem Gutachten der Klinik I._ sei ein grosser Beweiswert
beizumessen, weil es als aktuellstes Gutachten bei gleicher fachlicher Qualifizierung
der Untersucher den grössten Beobachtungszeitraum umfasse. Unabhängig davon
seien aber alle drei Gutachten in sich im Wesentlichen konsistent und in ihrem
unterschiedlichen Ergebnis (bei gleicher Sachlage) für sich jeweils nachvollziehbar. Der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich somit seit der Begutachtung durch
das ABI im Jahr 2008 nicht massgeblich verändert. Aus der neuen Rechtsprechung
(BGE 141 V 281) ergäben sich keine zusätzlichen Aspekte, die es geboten erscheinen
liessen, von der bisherigen versicherungsmedizinischen Würdigung des medizinischen
Sachverhalts abzuweichen.
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B.i Mit Vorbescheid vom 20. November 2015 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten
bei einem IV-Grad von 20 % erneut die Abweisung seines Rentengesuchs an (IV-act.
171). Zur Begründung hielt sie fest, dass es sich beim Gutachten der Klinik I._ im
Vergleich zum Gutachten des ABI aus dem Jahr 2008 lediglich um eine andere
Beurteilung desselben medizinischen Sachverhalts handle. Ein Revisionsgrund nach
Art. 17 ATSG sei somit nicht ausgewiesen. Demnach sei weiterhin von einer 20 %igen
Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten auszugehen. Mit Verfügung vom 22. Januar
2016 wies die IV-Stelle das Rentengesuch wie angekündigt bei einem IV-Grad von 20
% ab (IV-act. 172).
C.
C.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
22. Januar 2016 Beschwerde erheben (act. G 1). Seine Rechtsvertreterin beantragte
sinngemäss die Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer ganzen Rente. Zur
Begründung machte sie geltend, dass ein sich in den letzten Jahren verschlechternder
Gesundheitszustand vorliege, welcher die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers in
einem erheblichen Ausmass einschränke. Die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) müsse den Sachverhalt daher so beurteilen, wie er sich im
Zeitpunkt der Verfügung dargestellt habe. Gestützt auf das Gutachten von Dr. G._ sei
von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Zumindest aber hätte die
Beschwerdegegnerin angesichts des RAD-Berichts vom 14. April 2015 eine
Viertelsrente verfügen müssen. Am 1. September 2016 machte die Rechtsvertreterin
ergänzend geltend (act. G 11), dass der Beschwerdeführer entgegen dem Gutachten
der Klinik I._ an einer Depression (leicht bis mittelgradig) leide. Der
Gesundheitszustand habe sich in dem Sinne wesentlich verschlechtert, als ab Oktober
2012 die neue Diagnose einer dissoziativen Störung hinzugekommen sei, weshalb Dr.
Gut (2012) und die Gutachter der Klinik I._ (2015) die Arbeitsunfähigkeit höher
eingeschätzt hätten als die Gutachter des ABI (2008). Dr. G._ sei zum Schluss
gekommen, dass der Beschwerdeführer nur noch in einem geschützten Rahmen
einsetzbar sei, was in rechtlicher Hinsicht eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit bedeute.
Die Gutachter der Klinik I._ hätten weder die Schmerzproblematik und die
Persönlichkeitsstörungen richtig bewertet noch wenigstens den Zusammenhang (oder
das Nichtbestehen eines solchen) in medizinischer Hinsicht erklärt. Der neurologische
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Gutachter der Klinik I._ habe ausgeführt, es sei klinisch nicht bekannt, wie sich die
Kombination des Cavum Vergae und des Kavernoms auswirke. Er hätte daher zur
Beantwortung dieser Frage einen Neuropathologen hinzuziehen müssen. Sollte nicht
auf die Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr. G._ und Dr. D._ (100 %
Arbeitsunfähigkeit) abgestellt werden, werde daher die Durchführung eines
Gerichtsgutachtens beantragt. Dr. D._ hatte der Rechtsvertreterin am 18. Juli 2016
berichtet (act. G 11.1), dass die Gutachter der Klinik I._ die Schmerzkomponente zu
Unrecht nicht in die Arbeitsfähigkeitsschätzung miteinbezogen hätten. Diese
verursache dem Beschwerdeführer die meisten Einschränkungen. Neben den
chronischen Schmerzen mit somatischen und psychischen Anteilen (F45.41) bestünden
eine dissoziative Störung und begleitende depressive Episoden. Die Gutachter der
Klinik I._ hätten auch die Persönlichkeitsakzentuierungen/-störungen ausser Acht
gelassen, bei denen es sich um einen die Schmerzverarbeitung erschwerenden Faktor
handle. Der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter der Klinik I._ könne daher nicht
gefolgt werden. Da im Jahr 2008 noch keine dissoziative Störung vorhanden gewesen
sei, sei eindeutig eine Verschlechterung des psychischen Zustandes eingetreten. Der
Beschwerdeführer sei auf dem ersten Arbeitsmarkt zu 100 % arbeitsunfähig.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. September 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 13). Zur Begründung hielt sie fest, dass aufgrund des bereits von
mehreren Ärzten festgestellten aggravatorischen bis simulatorischen Verhaltens des
Beschwerdeführers von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Daran ändere
auch die diagnostizierte dissoziative Störung nichts, weil auch diese die in vielfältiger
Ausprägung gezeigte Aggravation nicht erklären könne. Die vom Beschwerdeführer
eingereichte Stellungnahme von Dr. D._ ergebe keine neuen Gesichtspunkte, zumal
die behandelnde Psychiaterin nicht imstande gewesen sei, die vom Beschwerdeführer
aggravatorisch vorgetragene Symptomatik zu durchschauen. Die Veränderungen im
Gehirn seien im Gutachten der Rehaklinik I._ nicht als invalidisierend taxiert worden.
Weitere medizinische Abklärungen seien bezüglich der Gehirnbefunde nicht nötig,
zumal es der Beschwerdeführer durch sein aggravatorisches Verhalten weiterhin
verunmögliche, ausschliesslich den Anteil der Gehirnveränderung auf die
Arbeitsfähigkeit zu bestimmen. Es sei diesbezüglich von einer vom Beschwerdeführer
seit Jahren verschuldeten Beweislosigkeit auszugehen, deren Folgen er selbst zu
tragen habe. Selbst wenn der Beschwerdeführer an einer invalidisierenden
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psychiatrischen Erkrankung leiden würde, hätte er mangels eines Revisionsgrundes
keinen Anspruch auf eine IV-Rente.
C.c Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers machte in ihrer Replik vom 24.
November 2016 ergänzend geltend (act. G 17), dass die Ansicht der
Beschwerdegegnerin, es sei überhaupt kein invalidisierender Gesundheitsschaden
vorhanden, allen bisherigen Gutachten widerspreche.
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 18 f.).

Erwägungen
1.
1.1 Der Beschwerdeführer hatte sich erstmals im Januar 2007 bei der
Invalidenversicherung zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet. Sein Rentengesuch
war am 20. Oktober 2008 bei einem IV-Grad von 20 % abgewiesen worden. Bei der
Anmeldung vom Mai 2011 handelt es sich somit um eine sogenannte Neuanmeldung.
1.2 Gemäss Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV, SR
831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht wird,
dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert
hat. Zwar haben sich seit der rechtskräftigen Abweisung des Rentengesuchs im
Oktober 2008 die Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführer beim Unfall im
Dezember 2000 eine Frontalhirnschädigung erlitten hatte, erhärtet (siehe Bericht von
Dr. med. M._ vom 8. Mai 2009 [IV-act. 105-13 f.], MRI des Kopfes vom 22. Dezember
2009 [IV-act. 123-11 f.] und Bericht der Hausärztin Dr. C._ vom 4. September 2011).
Eine erhebliche Veränderung des Gesundheitszustandes ist damit aber noch nicht
glaubhaft gemacht worden. Der Beschwerdeführer hat sich seit der Abweisung des
Rentengesuchs im Oktober 2008 durchgehend in ambulanter psychiatrischer
Behandlung bei Dr. D._ befunden. Im Dezember 2008 hatte Dr. D._ als Diagnosen
noch eine mittelgradige depressive Episode und eine somatoforme Schmerzstörung
angegeben. Im Bericht vom 22. November 2011 hat sie dann neue Diagnosen erwähnt,
namentlich eine chronifizierte Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren, eine Angst und depressive Reaktion gemischt sowie eine
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Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom. Aufgrund der neuen
psychiatrischen Diagnosen haben somit Hinweise für eine zwischenzeitlich
eingetretene relevante Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes
bestanden. Damit hat der Beschwerdeführer eine wesentliche Veränderung seines
Gesundheitszustandes seit der rechtskräftigen Abweisung seines Rentengesuchs im
Oktober 2008 glaubhaft gemacht. Die Beschwerdegegnerin ist somit zu Recht auf die
Neuanmeldung eingetreten.
1.3 Mit der angefochtenen Verfügung vom 22. Januar 2016 hat die
Beschwerdegegnerin dann allerdings das Rentengesuch des Beschwerdeführers
abgewiesen. Die Beschwerdegegnerin hat die Abweisung des Rentenbegehrens damit
begründet, dass sich der medizinische Sachverhalt seit der
Rentenabweisungsverfügung vom 20. Oktober 2008 nicht verändert habe. Diese
Begründung beruht auf der Rechtsprechung des Bundesgerichts, laut welcher bei einer
erneuten Anmeldung nach einer vorausgegangenen rechtskräftigen Abweisung eines
Rentenbegehrens geprüft werden muss, ob ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG,
SR 830.1) vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. März 2015, 9C_9/2015). Diese
Praxis ist jedoch gesetzeswidrig, da mit Art. 29 Abs. 1 ATSG eine abschliessende
gesetzliche Regelung der Wirkung von Neuanmeldungen besteht, sodass keine
ausfüllungsbedürftige Gesetzeslücke vorliegt, die durch eine analoge Anwendung des
Art. 17 ATSG auf die Neuanmeldung auszufüllen wäre (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. Dezember 2016, IV 2014/188 E.
1.3 ff.). Die Neuanmeldung unterscheidet sich also nicht von einer erstmaligen
Anmeldung. Nach der konstanten Rechtsprechung des Versicherungsgerichts St.
Gallen ist daher im vorliegenden Fall einzig zu prüfen, ob der Beschwerdeführer in
einem rentenbegründenden Ausmass invalid ist.
2.
2.1 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
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durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.
3.1 Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit bzw. die
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen.
3.2 In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere das ABI-Gutachten vom 11. Februar
2008, das Gutachten von Dr. G._ vom 4. Oktober 2012, das Gutachten der
Rehaklinik I._ vom 25. März 2015, die Stellungnahmen des RAD vom 30. Oktober
2012, 14. April 2015 und 16. November 2015 und die Berichte der behandelnden
Psychiaterin Dr. D._ vom 22. November 2011 und 18. Juli 2016 bei den Akten.
3.3 Somatischerseits beklagt der Beschwerdeführer insbesondere Kopf- und
Nackenschmerzen und Schwindel. Die Gutachter sind übereinstimmend zum Schluss
gekommen, dass der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht in seiner
Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt sei. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
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hat geltend gemacht, dass die Auswirkungen der festgestellten hirnorganischen
Veränderungen nicht rechtsgenüglich abgeklärt worden seien, weshalb ergänzend eine
neuropathologische Abklärung notwendig sei. Dr. J._ von der Rehaklinik I._ hat
erklärt, dass es sich beim Cavum Vergae um eine harmlose Normvariante ohne
eigentlichen Krankheitswert handle. Beim Kavernom handle es sich um eine Art
Blutgeschwulst, das in der Regel − in Abhängigkeit von der Grösse und solange es
nicht blute − ebenfalls keine Krankheitserscheinungen verursache. Allerdings würden
Kavernome häufig ein wenig bluten. Das Vorhandensein eines Cavum Vergae in
Verbindung mit einem Kavernom sei nicht gänzlich unbekannt, scheine aber doch eine
Rarität zu sein. Wie sich die Kombination dieser zwei intrazerebralen Missbildungen
klinisch auswirken könne, sei unbekannt. In der Spektroskopie habe sich zudem eine
Verschmächtigung des Hippokampus beidseits gezeigt, was wiederum den Blick auf
eine andere, degenerative Erkrankung des Gehirns lenken würde. Dieser Befund
könnte die pathologische Bedeutung einer Septum Pellucidum Zyste erhellen: Eine (als
"raumfordernd" imponierende) zystische Veränderung (Cavum Vergae) könnte im
Bereich des Septum Pellucidum (als Teil des limbischen Systems) zu einer Fehlfunktion
des limbischen und hippokampalen Systems führen, sodass es zu Störungen der
Aufmerksamkeit, des Verhaltens usw. kommen könnte. Das Problem dabei sei, dass
das Verhalten des Beschwerdeführers − bei fehlenden objektiven klinischen Befunden
− so sehr an Aggravation an der Grenze zu Simulation anmute, dass der geschilderte
Mechanismus als Kern des pathologischen Verhaltens zwar postuliert werden könne,
aber eben durch diese aggravatorischen, inkonsistenten Befunde und
Verhaltensweisen relativiert werde. Den Gutachtern sei es nicht möglich, krankhafte
und aggravatorische Facetten der Verhaltensauffälligkeiten sicher auseinanderzuhalten
(IV-act. 162-68). Dr. J._ hat also die Auswirkungen der festgestellten Veränderungen
im Gehirngewebe nicht wegen mangelhafter Fachkenntnisse, sondern wegen des
aggravatorischen, an der Grenze zur Simulation liegenden Verhaltens des
Beschwerdeführers nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ermitteln können. Zudem ist davon auszugehen, dass Dr. J._ und
die RAD-Ärzte, die sich mit dem Dossier des Beschwerdeführers befasst haben,
zusätzliche medizinische Abklärungen durchgeführt resp. empfohlen hätten, wenn sie
von solchen weiterführende, objektive Erkenntnisse bezüglich der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers erwartet hätten. Da der Beschwerdeführer den Nachteil der
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Beweislosigkeit zu tragen hat (vgl. BGE 117 V 261 E. 3b), hat Dr. J._ die
hirnorganischen Veränderungen zu Recht nicht in seine Arbeitsfähigkeitsschätzung
einfliessen lassen. Aus somatischer Sicht ist somit von einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit auszugehen.
3.4 Der psychiatrische Gutachter des ABI, Dr. N._, hat die Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht wegen einer leichten depressiven Episode im Jahr 2008 als um
20 % eingeschränkt erachtet. Dr. G._ hat dem Beschwerdeführer im Jahr 2012
wegen einer dissoziativen Störung für die angestammte Tätigkeit, aber auch für
adaptierte Tätigkeiten und für Tätigkeiten im geschützten Rahmen, lediglich noch eine
Arbeitsfähigkeit von 35 % attestiert. Dr. K._ von der Rehaklinik I._ ist ebenfalls zum
Schluss gekommen, dass der Beschwerdeführer an einer dissoziativen Störung
(Konversionsstörung) leidet. Die Arbeitsunfähigkeitsschätzung von Dr. G._ hat er aber
als "grosszügig überhöht" bezeichnet und die Arbeitsunfähigkeit auf 40 % festgelegt.
Die behandelnde Psychiaterin Dr. D._ hat dem Beschwerdeführer wegen chronischer
Schmerzen mit somatischen und psychischen Anteilen, einer ängstlich depressiven
Verstimmung/depressiver Episoden, einer dissoziativen Störung und
Persönlichkeitsakzentuierungen/-störungen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt.
3.4.1 Auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ kann bereits deshalb nicht
abgestellt werden, weil sie, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht angemerkt hat, das
aggravatorische Verhalten des Beschwerdeführers nicht als solches erkannt und es
folglich in ihrer Beurteilung als effektiv bestehende Beeinträchtigung berücksichtigt hat.
Des Weiteren hat keiner der drei psychiatrischen Gutachter den geltend gemachten,
somatisch nicht erklärbaren körperlichen Schmerzen einen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit beigemessen. Schliesslich ist auch zu berücksichtigen, dass Hausärzte
und behandelnde Spezialärzte erfahrungsgemäss mitunter wegen ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
auszusagen pflegen (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 5.
April 2004, I 814/03 E. 2.4.2).
3.4.2 RAD-Arzt Dr. L._, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, hat
in seiner Stellungnahme vom 16. November 2015 überzeugend begründet, weshalb es
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sich bei den drei Gutachten aus den Jahren 2008, 2012 und 2015 lediglich um
unterschiedliche Beurteilungen desselben medizinischen Sachverhalts handelt, d.h.
weshalb zwischenzeitlich keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes
eingetreten sei. Tatsächlich geht weder aus den anamnestischen Angaben noch aus
den Angaben zu den erhobenen Befunden und zur Verhaltensbeobachtung hervor,
inwieweit sich der Gesundheitszustand zwischen den Begutachtungen wesentlich
verändert haben soll (IV-act. 167-2). Zwar hat Dr. G._ in seinem Gutachten erklärt,
dass seit der Begutachtung im Jahr 2008 insoweit von einer "Verschlechterung" der
gesundheitlichen Situation gesprochen werden könne, als von einer weiteren
Verfestigung der vom Beschwerdeführer selbst erlebten und allseits konsequent
demonstrierten Einschränkungen ausgegangen werden müsse, was zu einer weiteren
Einschränkung der willentlichen Überwindbarkeit der Beschwerden geführt habe (IV-
act. 129-13 f.). Diese Argumentation überzeugt jedoch nicht. Dieser Meinung ist auch
RAD-Ärztin Dr. F._, die festgehalten hat, dass eine Veränderung, die darin bestehe,
dass der Beschwerdeführer weitere vier Jahre sein selbstlimitierendes auffälliges
Verhalten aufrechterhalten habe und deshalb nun umso weniger davon abrücken
könne, aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht berücksichtigt werden könne. Dr.
F._ hat eine auf objektivierbaren Befunden gründende Verschlechterung des
Gesundheitszustandes zwischen der ABI-Begutachtung (2008) und der Begutachtung
durch Dr. G._ (2012) klar verneint (IV-act. 130). Nur weil die Diagnose einer
dissoziativen Störung erst im Jahr 2012 gestellt worden ist, bedeutet dies nicht, dass
der Beschwerdeführer nicht schon früher an einer solchen gelitten hätte, zumal bei
dissoziativen Störungen bis zur Diagnosestellung meist eine lange psychiatrische
Vorgeschichte besteht (s. Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
Zentrum für Psychosoziale Medizin, Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf,
Diagnostik und Therapie dissoziativer Störungen [ICD-10: F44], abrufbar unter: http://
www.uke.de/dateien/kliniken/ psychiatrie-und-psychotherapie/dokumente/
lehrmaterialien-stud-med/s.diagnostik_und_ therapie_dissoziativer_stoerungen_.pdf, S.
18, besucht am 10. April 2018). Eine relevante Veränderung des medizinischen
Sachverhalts zwischen der ABI-Begutachtung im Jahr 2008 und der Begutachtung
durch die Klinik I._ im Jahr 2013/2014 ist somit nicht ausgewiesen.
3.4.3 RAD-Arzt Dr. L._ hat weiter erklärt, dass alle drei Gutachten in sich im
Wesentlichen konsistent und in ihrem unterschiedlichen Ergebnis − bei gleicher
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Sachlage − für sich jeweils nachvollziehbar seien. Er hat auch darauf hingewiesen, dass
es im vorliegenden Fall angesichts der (eben nur zum Teil) krankheitsbedingt
inkonsistenten Antworten, Symptomdarbietungen und Selbstlimitationen
ausgesprochen schwierig sei, krankheitswertige Symptome und Konstellationen von
nicht krankheitswertigen Begleitphänomenen abzugrenzen, was die Aussagesicherheit
aller gutachterlichen Bewertungen beeinflusse. Angesichts der Schwierigkeiten, im
vorliegenden Fall dissoziative Symptome sauber abzugrenzen, sei der Verzicht des
ABI-Gutachters, eine dissoziative Störung im engeren Sinne zu diagnostizieren,
fachlich vertretbar gewesen. Tatsächlich entsteht bei der Durchsicht der drei
psychiatrischen Teilgutachten nicht der Eindruck, dass die Gutachter etwas
Entscheidendes übersehen hätten oder dass ihre Beurteilungen widersprüchlich wären;
alle Gutachten erscheinen hinsichtlich der Herleitung der Diagnosen als schlüssig. Dies
gilt jedoch nicht für die gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen. Zwar ist die
Beurteilung von Dr. N._ einer um 20 % verminderten Leistungsfähigkeit aufgrund der
von ihm gestellten Diagnose einer leichten depressiven Episode noch nachvollziehbar.
Den Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr. G._ und Dr. K._ fehlt jedoch jegliche
Begründung des von ihnen angegebenen Arbeitsunfähigkeitsgrades von 65 %
respektive 40 %. Einerseits geht aus den Gutachten nicht hervor, welche der gezeigten
Verhaltensauffälligkeiten bewusstseinsnah (Aggavation, Simulation) und welche
bewusstseinsfern sind. Andererseits bleibt unklar, welche Auswirkungen diese
Verhaltensauffälligkeiten auf die Arbeitsfähigkeit haben, d.h. welche funktionellen
Beeinträchtigungen bestehen. Die Gutachter haben nicht begründet, weshalb die
Symptome der dissoziativen Störung die Arbeitsfähigkeit gerade um 65 % (Dr. G._)
resp. um 40 % (Dr. K._) einschränken sollen. Der Grund dafür muss darin liegen,
dass die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit bei einer dissoziativen Störung gemäss Dr.
K._ ganz überwiegend auf der klinischen Erfahrung des jeweiligen Gutachters beruht.
Dies ist einerseits problematisch, weil es dem Gericht nicht möglich ist, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung zu plausibilisieren, da es die Erfahrungswerte des jeweiligen
medizinischen Sachverständigen nicht kennt. Andererseits ist die Gefahr, wie der
vorliegende Fall zeigt, gross, dass, je nachdem, über welche persönlichen Erfahrungen
ein Gutachter verfügt, bei gleicher Sachlage völlig unterschiedliche Beurteilungen der
Arbeitsfähigkeit resultieren. Im vorliegenden Fall kommt erschwerend hinzu, dass
krankheitswertige und nicht krankheitsbedingte Anteile bestehen, deren Abgrenzung
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ausgesprochen schwierig ist. Eine erneute Begutachtung unter Berücksichtigung der
vom Bundesgericht mit BGE 141 V 281 eingeführten Rechtsprechung, wonach in
einem strukturieren Beweisverfahren anhand von vom Bundesgericht festgelegten
Indikatoren die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit einer versicherten Person
zu ermitteln ist, würde in antizipierender Beweiswürdigung keine neuen objektiven
Erkenntnisse bezüglich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers liefern. Denn es ist
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer das seit Jahren gezeigte
aggravatorische und allenfalls sogar simulatorische Verhalten bei einer erneuten
Begutachtung aufrechterhalten würde. In einem solchen Fall können die
Standardindikatoren natürlich keinen besseren Aufschluss darüber geben, welche
Anteile des Störungsbildes tatsächlich krankheitsbedingt sind. Auch RAD-Arzt Dr. L._
hat erklärt, dass wegen der Schwierigkeit, krankheitswertige Symptome von nicht
krankheitswertigen Begleitphänomenen abzugrenzen, weitere medizinische
Abklärungen wahrscheinlich keine wesentlich höhere Aussagesicherheit ergeben
würden. Demnach steht nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, ob bzw. wenn ja, welchen Einfluss die dissoziative Störung auf
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hat. Den Nachteil der Beweislosigkeit hat
der Beschwerdeführer zu tragen (vgl. BGE 117 V 261 E. 3b). Selbst wenn davon
ausgegangen würde, dass für die angestammte wie auch für adaptierte Tätigkeiten
eine 20 %ige Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht ausgewiesen sei, würde kein
rentenrelevanter IV-Grad resultieren. Denn selbst bei einem hohen Tabellenlohnabzug
von 15 % würde der IV-Grad nur 32 % betragen (20 % + [80 % x 0.15]).
3.5 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
4.
4.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Die Gerichtsgebühr ist durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.--
gedeckt.
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4.2 Der Beschwerdeführer hat bei diesem Verfahrensausgang keinen Anspruch auf
eine Parteientschädigung.