Decision ID: b37629ef-2940-4cf8-8ea7-dda91aa69c85
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Y._
, geboren 19
70
,
und ihr Ehemann
kam
en
am 2
8.
Oktober 2002
als Flüchtling
e
aus
Z._
in die Schweiz
. Sie wurden dem Kanton Zürich und hier der Gemeinde
A._
zugeteilt
. Seither wohnt sie m
it ihren mittlerweile vier Kindern (geboren 2000, 2005, 2006, 2009)
im
Durchgangs
zentrum
B._
in
X._
, wo sie
mit ihrer Familie
ab dem 19. November 2002
bei der Einwohnerkontrolle
registriert
war
(
Urk.
8/1/1,
Urk. 8/9, Urk. 8/11, Urk. 8/26
,
Urk.
8/32
)
.
Am 25.
März 2003 wurde
das
Asylgesuch
der Familie
abgelehnt. A
m 18.
Septem
ber
2006 wurde der Voll
zug der Wegweisung zugunsten einer vorläufigen Auf
nahme aufgeschoben. Der Kanton Zürich wurde mit der Umsetzung der vor
läufigen Aufnahme beauftragt
(
Urk.
3/4
).
1.2
Mit Verfügung vom 1
5.
Januar 2013 verneinte die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle,
ein
en Anspruch
von
Y._
auf eine Invalidenrente mit der Begründung, dass der Gesundheitsschaden be
reits vor Einreise in die Schweiz bestanden habe (
Urk.
8/5). Am 15. Februar 2013
meldete sich
Y._
bei der SVA, Ausgleichskasse,
welche die Zusatzleistungen für die Gemeinde
A._
verwaltet,
zum Be
zug von Zusatzleistungen an (Urk. 8/1).
Am 2
1.
März 2013 bestätigte die Ein
woh
ner
kontrolle der Gemeinde
A._
, welche
Y._
und ihre
Kinder
mit Sozial
leistungen unterstützte (
Urk.
3/5,
Urk.
8/34
),
durch
Zuzug per
1.
Januar 2013 aus
X._
(Urk. 8/8
), wobei
ihre
Wohn
adresse
in
X._
bestehen
blieb (Urk.
2 S. 2 f.
).
Mit Verfügung vom 15.
Januar 2014 trat die SVA,
Ausgleichs
kasse
, auf die
Anmeldung wegen fehle
nder Unterlagen nicht ein (Urk.
8/17).
Am 28.
Januar 2014 ordnete die Kinder- und
Erwachsenen
schutz
behörde
(KESB)
C._
, zuständig unter anderem für
A._
, für
Y._
eine
Vertetungsbeistandschaft
mit Einkom
mens-
und Ver
mö
gens
verwaltung an (
Urk.
3/7).
Am 24. November 2014 meldete sich
Y._
bei der SVA,
Aus
gleichskasse
, erneut zum Bezug von Zusatzleistungen an (
Urk.
8/19
, Urk. 8/27
)
.
Diese trat
, unter Hinweis auf die Zuständigkeit der Gemeinde
X._
,
auf die Neuanmeldung mit Verfügung vom 2
5.
März 2015 wegen örtlicher Unzuständig
keit der Gemeinde
A._
nicht ein (Urk. 8/41). Dagegen erhob die Gemeinde
X._
am 28. April 2015 Ein
sprache (
Urk.
8/42), welche die SVA,
Aus
gleichskasse
, mit
Einspracheentscheid
vom 1
8.
November 2015 abwies (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
die Gemeinde
X._
mit Schreiben vom 22. Dezember 2015
Be
schwerde
und beantragte, der
Einspracheentscheid
vom 1
8.
November
2015 sei aufzuheben und es sei die örtliche Zuständigkeit der Gemeinde
A._
zur Festlegung und Ausrichtung der Zusatzleistungen zur AHV/IV festzustellen
(Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in der
Beschwerde
antwort
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Mit Verfügung vom
21.
Januar
2016
wurde
Y._
zum Prozess beigeladen (Urk.
9
S. 2),
die
sich
nicht verlauten liess.
Die Beschwerdeführerin
hielt
mit
Replik
vom
30. März 2016
an ihren Anträgen fest
(Urk. 12
S.
2
). Die Beschwerdegegnerin
verzichtete mit Eingabe vom 2
7.
April 2016 auf eine
weitere Stellung
nahme
(
Urk.
17)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Gemäss Art. 21 Abs. 1 Satz 1 des
Bundesgesetz
es
über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG)
ist der Kanton, in
dem die Bezügerin oder der Bezüger Wohnsitz hat, zuständig für die Fest
set
z
ung
und Auszahlung der Ergänzungsleistung. Nach Art. 21 Abs. 1 Satz 2 ELG be
gründen der Aufenthalt in einem Heim, einem Spital oder einer andern Anstalt und die behördliche oder vormund
schaftliche Versorgung einer mün
digen oder ent
mündigten Person in Familienpflege keine neue Zuständig
keit.
Die kantonale Zuständigkeit für die Fests
etzung und Auszahlung der
Ergän
zungs
leistung
wird
(
mit der seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmung
)
in Art. 21
Abs. 1 ELG somit grundsätzlich nach wie vor am zivilrechtlichen Wohnsitz der
bezugs
berechtigten
Person nach den Art. 23 ff. des Zivil
gesetz
buches (ZGB) ange
knüpft (vgl. auch Art. 13 Abs. 1 des Bundesgesetzes zum Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG, in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 und Art. 4 Abs. 1 ELG). Der Eintritt in ein Heim etc. ist im Gegen
satz zur bis Ende 2007 gültig
gewesenen Rechtslage jedoch nunmehr unab
hängig davon, ob am Auf
ent
haltsort zivilrechtlicher Wohnsitz begründet wird, ohne Bedeutung für die Frage der Zuständigkeit zur Festsetzun
g und Auszahlung der
Ergänzungs
leis
tung
. Zuständig ist respektive bleibt der Kanton, in welchem die EL-beziehende Person unmittelbar vor dem Heim- oder Anstaltseintritt Wohn
sitz hatte
(BGE
141 V 2.1;
Urteil des Bundesgerichts 9C_972/2009 vom 21. Januar 2011 E.
5.3
.2
)
.
Für den Fall eines Aufenthalts in einem Heim, einem Spital oder einer andern Anstalt hat der Gesetzgeber somit eine Regelung getroffen, bei welcher - ähnlich wie im Fürsorgebereich (BGE 138 V 23 E. 3.1.2) - der zivilrechtliche Wohn
sitz und die Zuständigkeit für die Festsetzung und die Auszahlung der
(Ergänzungs-)Leistung auseinanderfallen können (BGE 142 67 E. 3.2 mit weite
re
n Hinweisen).
1.1.2
Das Bundesgericht hat mit BGE 142 V 67 sodann klargestellt, dass
für die örtliche Zuständigkeit der EL-Behörden
bedeutungslos bleibt, ob
der Anspruch auf Ergänzungsleistungen schon
vor dem Eintritt ins Heim, in ein
Spital oder in eine andere Anstalt
beziehungsweise
schon vor der Versorgung eines
Familien
pfleglings
entsteht oder aber erst während des Aufenthalts in der entsprechen
den Institution
beziehungsweise
der
Pflegefamilie. Dasselbe gilt für di
e Frage nach
einer
allfälligen Wohnsitznahme am Ort der Einrichtung. Zuständig ist
beziehungs
weise
bleibt der Kanton, in welchem die versicherte Person unmittel
bar vor dem Heim- oder Anstaltseintritt
beziehungsweise
der Versorgung in Familienpflege zivilrecht
lichen Wohnsitz hatte (BGE 142 V 67 E. 3.1-3.3
, Urteil des Bundesgerichts
9C_312/2016
vom 1
9.
Januar 2017 E. 3.2
; anders noch: Urteil des Bundesgerichts 9C_972/2009 vom 21. Januar 2011 E. 5.3.
2.2
).
Zu diesem Schluss kam das Bundesgericht mit Blick auf d
ie Entstehungs
geschichte der Ausnahmebestimmung
in
Art.
21
Abs.
1
Satz 2
ELG
(vgl. dazu
BGE 138 V 23
E. 3.4.2)
, welche
zeig
e
, dass es dem Gesetzgeber darum
gehe
, bei Heimbewohnern eine Kongruenz zwischen Ergänzungsleistung und Sozialhilfe herzustellen
.
Mit
dieser
dem Bundesgesetz vom 2
4.
Juni 1977 über die Zu
ständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger
(Zuständigkeitsgesetz, ZUG; SR
8
51.1) nachempfundenen Ausnahmeregelung sollten zum einen die zwischen den Kantonen immer wieder auftretenden, sich an der Wohnsitzfrage ent
zündenden Streitigkeiten über die ergänzungsleistungsrechtliche Zuständig
keit bei Heimbewohnern künftig möglichst vermieden werden (vgl. BGE 138 V 23
E. 3.4.2
). Zum andern
habe
die gesetzgeberische Regelungsabsicht
darauf abge
zielt
, die Benachteiligung der Standortkantone von Heimen, Anstalten und ver
gleich
baren Institutionen (vgl. BGE 140 V 563 E. 5.2
,
138 V 23
E. 3.1.2
) fortan zu verringern
(
BGE 142 V 67 E. 3.2)
.
1.2
§
21 des
kantonalen
Gesetzes über die Zusatzleistungen zur eidgenössischen Alters-, Hinter
lasse
nen- und Invaliden
versicherung (ZLG) sieht dieselbe Rege
lung wie Art. 21 Abs. 1 ELG für die Zuständigkeit der Gemeinden für die Aus
richtung der Zu
satz
leistungen innerhalb des Kantonsgebiets vor, wobei Abs. 2 von § 21 ZLG per
1. Januar 2008 mit
im Wesentlichen
identischem Wortlaut wie Art. 21
Abs.
1 Satz 2 ELG auf
ge
nommen wurde. Der Weisung zum Antrag des Regierungsrates vom 18. April 2007 an den Kantonsrat zu dieser
Gesetzesän
derung
ist zu entnehmen,
Abs.
2 von
§
21 ZLG entspreche für das Verhältnis unter den Gemeinden dem Art. 21 Abs. 1 ELG (
ABl
2007 S. 913). Die Recht
sprechung zu und Auslegung von Art. 21
Abs.
1 ELG hat damit entsprechend auch für die Zuständigkeitsordnung unter den Zürcher Gemeinden zu gelten.
1.3
Der zivilrechtliche Wohnsitz einer Person
nach Art. 23
Abs.
1 ZGB (sowohl in der bis zum 31. Dezember 2012 gültig gewesenen als auch in der ab 1. Januar 2013 gültigen Fassung)
befindet sich an dem Ort, wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält und den sie sich zum Mittelpunkt ihrer Lebens
interessen gemacht hat (BGE 127 V 237 E. 1; BGE 125 III 100 E. 3). Für die Begründung des Wohn
sitzes müssen somit zwei Merkmale erfüllt sein: ein objektives
äusseres
, der Aufenthalt, sowie ein subjektives inneres, die Absicht dauernden Ver
bleibens. Nach der Rechtsprechung kommt es nicht auf den inneren Willen, sondern darauf an, auf welche Absicht die erkennbaren Um
stände objektiv
schliessen
lassen (BGE 127 V 237 E. 1; BGE 125 V 76 E. 2a). Der Wohnsitz bleibt an einem Ort bestehen, solange nicht anderswo ein neuer begründet wird (Art. 24
Abs.
1 ZGB; zum Ganzen: BGE 133 V 309 E. 3.1). Die Absicht, einen Ort später wieder zu ver
lassen,
schliesst
eine
Wohnsitz
be
grün
dung
nicht aus (BGE 127 V 237 E. 2c). Niemand kann an mehreren Orten zugleich seinen Wohnsitz haben (Art. 23
Abs.
2 ZGB). Nur - aber immerhin - Indizien für die Beurteilung der Wohnsitzfrage sind die An
meldung und Hinter
legung der Schriften, die Ausübung der politischen Rechte, die Bezahlung der Steuern, fremdenpolizeiliche Bewilligungen sowie die Gründe, die zur Wahl
eines bestimmten Wohnsitzes veranlassen (RKUV 2005 Nr. KV 344 S. 360; Urteil
des Bundesgerichts 9C_1056/2010 vom 21. März 2011 E. 4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich
im angefochtenen Einspracheentscheid
auf den Standpunkt,
die Beigeladene und ihre Familie habe ihren Lebensmittelpunkt und damit ihren zivilrechtlichen Wohn
sitz in
X._
begründet. Denn sie wohne
mit ihrer Familie seit dem 28.
Oktober 2002 in
X._
,
der Ehemann habe sie dort bei der Einwohner
kontrolle nach der Einreise angemeldet, drei der vier Kinder seien in der Schweiz geboren worden und das jüngste Kind sei zwei Jahre alt gewesen, als sie nach
X._
gezogen seien; die
Kinder würden
in
X._
auch zur Schule gehen
.
Die Anmeldung bei der Einwohnerkontrolle
A._
sei aufgrund der nachträglich eingetretenen
Sozialhilfe
abhän
gigkeit
der Familie nach dem Verschwinden des Ehemannes, der im Jahr 2013 nach unbekannt verzogen abgemeldet worden sei, vorgenommen worden. Die Einwohner
kon
trolle
A._
habe daher den Zuzug von
X._
per 1. Januar 2013 bestätigt, die Familie wohne jedoch nach wie vor in
X._
, wo sie ihren Lebensmittelpunkt habe (Urk. 2 S. 2 f.).
In der Beschwerdeantwort führt die Beschwerdegegnerin
zudem
aus,
der Auf
enthalt der Familie in der kommunalen Asylunterkunft in
X._
im Jahr 2014 lasse sich nicht mehr unter den Anstaltsbegriff nach
Art.
23 ZGB sub
sumieren.
Das Bundesgericht habe im Urteil P 21/04
vom
8. August 2005 den Anstaltsbegriff zwar in einem Fall eines Asylbewerbers in einem pendenten Asylverfahren bejaht. Dies gelte indes nicht für die vorläufige Aufnahme einer Ausländerin für die Dauer von über 9 Jahren.
Die Beigeladene habe ihren Wohn
sitz in Anwendung von
Art.
85
Abs.
5 des Bundesgesetzes über die Aus
länderinnen und Ausländer (
AuG
)
im Jahr 2002 frei gewählt. Im Zeitpunkt der Wahl sei sie sozialhilfeunabhängig gewesen. Es sei daher vom zivilrechtlichen Wohnsitz im Sinne von
Art.
21
Abs.
1 ELG in
X._
auszugehen (
Urk.
7 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein,
die Beigeladene und deren Familie seien vom Kanton Zürich ursprünglich der Gemeinde
A._
als Asylsuchende und in der Folge als vorläufig Aufgenommene im Sinne von
§§
2 und
6
Abs.
2 der (kantonalen) Asylfürsorgeverordnung (
AfV
; LS 851.13)
zuge
wiesen worden. Die Gemeinde
A._
habe
die Familie sodann in Zusammenarbeit mit der Asyl-Organisation Zürich (AOZ), welche die Gemeinde
A._
auf Mandatsbasis bei der Betreuung und Unterbringung von vorläufig aufgenommenen Personen und anerkannten Flüchtlingen unter
stützte, in d
er kommunalen Asylunterkunft
in
X._
platziert. Es handle sich somit nicht um ein individuelles, von der Beigeladenen
selbstgewähltes Mietverhältnis
.
D
er Aufenthalt
im kommunalen Asylzentrum
in der Gemeinde
X._
entspreche
damit
einem Aufenthalt in einer Anstalt gemäss
Art.
23
Abs.
1 zweiter Halbsatz
ZGB
, welche Bestimmung gemäss BGE 141 V 255 mass
geblich sei für den Begriff „andere Anstalt“ gemäss
Art.
21
Abs.
1
zweiter Satz
ELG.
Die behördliche Unterbringung der Beige
la
denen habe daher keine neue Zustän
digkeit begründen können.
Hinzu komme, dass auch die Behörde der Ein
wohnerkontrolle der Gemeinde
A._
vom Wohnsitz der Beige
ladenen in dieser Gemeinde ausgehe, da sie dort angemeldet sei und die Bei
standschaft mit Vermögensverwaltung für die Bei
ge
ladene von der KESB
C._
errichtet worden sei, welche für die Gemeinde
A._
, nicht aber für die Gemeinde
X._
zuständig sei.
Schliesslich erscheine es mit Blick auf die Asylfürsorge und die diesbezüglich unbestrittene Zuständigkeit der Gemeinde
A._
als
rechtsmiss
bräuch
lich
, wenn diese sich auf die Zuständigkeit der Gemeinde
X._
berufe, nachdem die Beigeladene nach wie vor in der behördlich zugewiesenen Wohnung wohne und daher nicht von einem freigewählten Aufenthalt in
X._
geredet werden könne.
Es sei daher die ursprüngliche
Wohnsitz
gemeinde
im Sinne der Zuweisung durch den Kanton und damit die Gemeinde
A._
für die Ausrichtung der Zusatz
leistungen örtlich zuständig
(Urk. 1 S. 3 ff.
, Urk. 13 S. 2
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die örtliche, interkommunale Zuständigkeit für die
Festsetzung und die Auszahlung der
Zusatzleistungen
für die Beigeladene ab
November 2014 (Anmeldung zum Leistungsbezug
vom 2
4.
November 2014
(Urk. 8/19; vgl.
Art.
12
Abs.
1 ELG).
3.
3.1
Aufgrund der Aktenlage
und insofern einheitlicher Parteidarstellung
ist davon auszugehen, dass die Beigeladene nach ihrer Einreise in die Schweiz im Oktober 2002
respektive
nach Erfassung ihres Asylgesuches
und
ihrer Zuteilung durch die Bundesstelle
(vgl. 26 und 27
des Asylgesetzes,
AsylG
)
an den Kanton Zürich
sowie
durch diesen an die Gemeinde
A._
ab dem
1
9.
November 2002 mit ihren Kindern ohne Unterbruch im Durchgangszentrum
B._
in
X._
unter
gebracht war
(Urk. 8/1/1, Urk. 8/9, Urk. 8/11, Urk. 8/26, Urk.
8/32/1)
.
A
b dem 18. September 2006
hat sie
den Aufenthaltsstatus F, vorläufig
Aufge
nommene
(ohne Flüchtlingsstatus)
,
erhalten
und d
er Kanton
Zürich
wurde mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme beauftragt
(Urk.
3/4, Urk. 8/35
).
Die Beigeladene wohnt
seither
mit ihren vier Kindern (geboren 2000, 2005, 2006, 2009)
an derselben Adresse
in einer Wohnung im
Durch
gangs
zen
trum
B._
in
X._
.
Im Rahmen der kommunalen Zuständigkeit (
§
6 der
kantonalen
Asylfürsorge
ver
ordnung
,
AfV
) sind die Gemeinden des Kantons Zürich für die Unterstützung und Unterbringung von den ihnen zuge
wiesenen Asylsuchenden und vorläufig aufgenommenen Personen ohne Flüchtlingsstatus
verantwortlich.
Dement
spre
chend ist die Gemeinde
A._
nach der Zuteilung durch den Kanton Zürich an
diese
für die jeweils nötige Sozialhilfe für die
Beigeladene und ihre
Familie aufgekommen
. Insbesondere hat sie
nach dem Ver
schwin
den des
zeitweise erwerbstätigen
Ehemannes der Beigeladenen
ab 2013 Sozialhilfe geleistet und
den Mietzins für die Wohnung
direkt
an die AOZ
,
Asyl-Organi
sation der Stadt Zürich,
bezahlt (Urk. 3/5
, Urk. 8/33-34
).
Die
AOZ
ist eine seit 2006 selbständige
öffentlich-rechtliche Anstalt gemäss Art. 118 der Gemeinde
ordnung der Stadt Zürich, welche
unter anderem
aufgrund von
Leistungs
ver
einbarungen
im Auftrag der Gemeinden Personen im Asylbereich unterbringt und betreut. Die AOZ betreut dabei auch die kantonale Einrichtung
DZ
B._
in
X._
(vgl.
www.stadt-zuerich.ch/aoz/de/index.html
; Verordnung der Stadt Zürich über die Asyl-Organisation Zürich, AOZ, LS 851.160
).
Dem
Schreiben der
Gemeinde
A._
vom 1
1.
Dezember 2014 ist zu entnehmen, der Ehemann der Beigeladenen sei nac
h der üblichen Frist nach seinem
Verschwinden nach unbekannt abgemeldet worden. Die Gemeinde sei aber
weiterhin für die Familie zuständig und es habe wieder die Anmeldung bei ihr
(Anfang 2013, Urk. 8/8)
vorgenommen werden müssen. Die Anmeldung in
X._
(im
No
vember
2002
, Urk. 8/11
) sei von Seiten des Ehemannes „von sich aus“
erfolgt. Sozialhilferechtlich sei sie, die Gemeinde
A._
für die Familie zuständig, wie auch für andere Familien, die in dieser Liegen
schaft wohnen würden. Die Kinder der Beigeladenen könnten aber die Schule in
X._
besuchen (
Urk.
8/32).
3.2
Es steht somit fest, dass die
ursprüngliche
Zuständigkeit
zur
Sozialhilfe
der Gemeinde
A._
für die Beigeladene
durch die
asyl- und
aus
länderrechtliche
kantonale Zuteilung
unter Anrechnung der Aufnahmequote
der Gemeinden (vgl.
Art.
86 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer,
AuG
; § 5d
Abs.
2 f. des kantonalen Sozialhilfegesetzes, SHG, § 6 und 8
AfV
)
und nicht - wie sonst
üblich (vgl. Art.
4 des
Bundes
gesetzes über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürfti
ger, Zuständigkeitsgesetz, ZUG
) - durch Aufenthalt oder Wohnsitznahme
begründet wurde
.
Denn a
nders als bei anderen Unterstützungsbedürftigen sieht
Art.
1
Abs.
3 ZUG vor, dass sich die Zuständigkeit für die Unterstützung von Asylsuchenden und vorläufig Aufge
nommenen etc. nach besonderen Erlassen des Bundes richtet
und
Art.
4 f. ZUG („Unterstützungswohnsitz“)
folglich
nicht
anwendbar ist.
Demgegenüber gilt als massgebliches Anknüpfungskriterium für die örtliche, inter
kommunale Zuständigkeit nach
Art.
23
Abs.
1 Satz 1 ELG in Verbindung mit § 21
Abs.
1 ZLG
der zivilrechtliche Wohnsitz
eines
Gesuchstellers, und zwar grundsätzlich im Zeit
punkt der Gesuchstellung
und
jedenfalls
vor Eintritt in eine Anstalt nach
Art.
23
Abs.
1 Satz 2 ELG (BGE 142 V 67 E. 3.2
-3.3
; Urteil des Bundesgerichts
9C_312/2016
vom 1
9.
Januar 2017 E. 3.2).
Eine
Sonder
regelung für Asylsuchende
und vorläufig Aufgenommene sieht das Gesetz im Bereich der Zusatzleistungen nicht vor.
Die vom Gesetzgeber
mit
Art.
23
Abs.
1 Satz 2 ELG
angestrebte Kongruenz zwischen Ergänzungsleistung und Sozialhilfe (BGE 142 V 67 E. 3.2, 138 V 23 E. 3.4.2) hat bei Asylsuchenden und vorläufig Aufgenommenen mangels hin
reichender
entsprechender
gesetzlicher Grundlage somit insbesondere dann ihre Grenze, wenn sich - wie hier - der Bezug zur Unterstützungsgemeinde auf die ausländer- und asylrechtliche Zuteilung beschränkt und in der
Unter
stützungs
gemeinde
nie ein zivilrechtlicher Wohnsitz begründet worden war. Folglich lassen sich in einem solchen Fall von vorneherein keine
Kon
gruenz
überle
gungen
anstellen
, zumal die
kantonale
ausländer- und
asyl
rechtliche
Zuteilung unabhängig von Aufenthalt und Wohnsitz erfolgt
e
. Die Zuständigkeit für die
Zusatzleistungen allein anhand der
kantonalen
ausländer- und
asyl
rechtlichen
Zuteilung an die Gemeinde zu bestimmen, hiesse in unzulässiger Weise die Voraussetzungen von
Art.
21 ELG zu
missachten
.
3.3
Hier kommt a
ls zivilrechtlicher Wohnsitz für die Beigeladene
einzig
X._
in Frage, da sie
sich
in der Gemeinde
A._
weder längerfristig aufge
halten
noch
dort ihren
Lebensmittelpunkt
begründet hat.
Die Anmeldung bei der Einwohnerkontrolle der Gemeinde
A._
ab Januar 2013 (
Urk.
8/8) erfolgte lediglich wegen der wie hiervor ausgeführten besonderen Sozialhilfezuständigkeit und stellt damit kein massgebliches Indiz für eine Wohnsitznahme in der Gemeinde
A._
dar.
In
X._
dage
gen
wohnt die Beigeladene seit dem Jahr 2002 und i
hre Kinder gehen dort zur Schule. Zwar
lebt
sie
dort
zunächst als Folge
der behördlichen Unterbrin
gung und
seither ohne Unterbruch
in der zugewiesenen Wohnung des
Durch
gangs
zentrums
B._
.
Dies schliesst die Begründung
und den Fortbestand
des zivilrechtlichen Wohn
sitzes
in
X._
jedoch nicht aus
.
Denn
nach
Art.
24
Abs.
2 ZGB
gilt der Aufenthaltsort als Wohnsitz
, wenn ein früher begründeter Wohnsitz nicht nachweisbar ist oder - wie bei Asylsuchenden - ein im Ausland begründeter Wohnsitz aufgegeben und in der Schweiz
(noch)
kein neuer begrün
det worden ist
. Auch nach Abweisung eines Asylgesuches bleibt der Schweizer Wohnsitz bis zur Ausreise bestehen
(
Staehelin
in: Basler Kommentar, Zivil
gesetzbuch I,
Art.
1-456,
4.
Auflage
2010,
Art.
24
Rz
8 ff. und
Art.
29
Rz
19)
.
Dabei
hat
Art.
2
3
Abs.
1
2.
Halbsatz
ZGB
(in der ab
1.
Januar 2013 gültigen Fassung; bis Ende 2012:
Art.
26 ZGB)
, wonach der Aufenthalt an einem Orte zum
Sonder
zweck
keinen Wohnsitz begründet, keinen Einfluss auf
den
Wohnsitz
am Aufent
haltsort nach
Art.
24
Abs.
2 ZGB. Wer zudem freiwillig seinen
Lebens
mittel
punkt
an den Ort einer Anstalt nach
Art.
23
Abs.
1
2.
Halb
satz ZGB
verlegt, begründet
wiederum
daselbst einen Wohnsitz (
Staehlin
, a.a.O.,
Art.
26
Rz
1 f.).
Bei der Beigeladenen
deutet alles darauf hin
, dass sie sich mit der Absicht dauern
den Verbleibens
in
X._
aufhielt
und weiterhin aufhalten will.
Ihr Lebensmittelpunkt ist seit Jahren in
X._
.
Insbesondere hat sie
auch
nach Erhalt des neuen Aufenthaltsstatus als vorläufig Aufgenommene
ab September 2006 (
Urk.
3/4)
und trotz der zeitweiligen Sozialhilfeunabhängigkeit vor 2013
keine
Anstalten zum Umzug in eine andere Gemeinde getroffen.
Dies obschon der Versorgungszweck
zeitweilig
dahingefallen war und
obschon
die Beige
ladene
als vorläufig Aufgenommene nicht verpflichtet
war und ist
, an dem
selben Ort innerhalb des
Zuweisungs
kantons
zu ver
bleiben
(
Art.
85
Abs.
5 AUG
; vgl. auch Informationen zur Unterstützung vorläufig Auf
genommener mit ordent
licher Sozialhilfe der Sicherheitsdirektion des Kantons Z
ürich, Kantonales
Sozialamt, S.
1 f.
)
.
Die Beigeladene verblieb somit
freiwillig im
Durchgangs
zen
trum
, weshalb sie damit dort ihren Wohnsitz
auch
begründete (
Staehelin
, a.a.O.,
Art.
26
Rz
8), der bis zur Begründung eines neuen bestehen bleibt.
Erster
und einziger
zivilrechtlicher Wohnsitz der Bei
geladenen nach ihrer Ein
reise in die Schweiz im Jahre 2002 war
und ist
somit in
X._
.
3.4
3.4.1
Nach dem Gesagten kommt unabhängig von
Art.
21
Abs.
1 Satz 2 ELG allein die Gemeinde
X._
für die Festlegung und Ausrichtung von Zusatz
leistun
gen in Frage.
Die
örtliche
Zuständigkeit der Gemeinde
A._
jedenfalls ist
zu verneinen.
Die vom Bundesamt für Sozialversicherungen herausgegebene
Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV (WEL)
, g
ültig ab
1. April 2011 (
Stand
1.
Januar 2017), sieht in Randziffer 1310.04
ferner
bezüglich
Art.
21 Abs. 1 Satz 2 ELG
vor, dass
in Fällen, in welchen eine
Person direkt a
us dem Ausland in ein Heim, Spi
tal oder eine Anstalt in der Schweiz ein
tritt
und Wohnsitz in der Schweiz hat
,
der Aufenthaltskanton für die Festsetzung und Auszahlung der
Ergänzungsleistungen
zuständig
ist, was hier zu demselben Ergebnis führt.
Daran ändert
schliesslich
auch der Umstand nichts, dass der Beigeladenen
von der KESB
C._
für die Gemeinde
A._
im Januar 2014
ein Beistand mit
der Vertretungsbefugnis für die Einkommens- und
Vermö
gens
ver
waltung bestellt wurde (Urk.
3/7
).
Denn nach Art.
26 ZGB
(in der ab 1. Januar 2013 gültigen Fassung)
wird
der Wohnsitz nur dann am Sitz der
Erwachs
enen
schutzbehörde
begründet, wenn die betreffende volljährige Person
unter um
fassende
Beistandschaft gestellt wurde, was bei der Beigeladenen nicht der Fall i
st.
Die Sachlage ist hier sodann nicht vergleichbar mit jener des von den Parteien zitierten
Urteil
s
des Bundesgerichts P 21/04 vom
8.
August 2005
, wo es um einen Asylsuchenden ging, der sich nicht im zugewiesenen Asylbewerberheim aufhielt (
E. 4.1
).
3.4.2
Im Übrigen
schliesst das Gesagte nicht aus, dass die
beteiligten
Gemeinden durch
Meldung an die Abteilung Asylkoordination eine allfällige Änderung der An
rech
nung an die Aufnahmequote und eine allfällige Änderung für die Zustän
digkeit der Sozialhilfe ausserhalb der ursprünglichen
Zuweisungs
ge
meinde
auf
grund
der
neuen Situation nach Vergabe des Status als vorläufig Aufge
nom
me
ne,
der zwischenzeitlichen Sozialhilfeunabhängigkeit (
Mutations
grund
)
sowie
neuer Sozialhilfeabhängigkeit ab Januar 2013 mit zivilrechtlichem Wohnsitz in
X._
erwirken
(vgl. Informationen zur Unterstützung vor
läufig Auf
ge
nom
mener mit
ordentlicher Sozialhilfe der Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich, Kantonales Sozialamt, S. 1 f.)
.
Darüber ist in diesem Verfahren
nicht
zu befinden.
4.
Nach dem Gesagten
verneinte die Beschwerdegegnerin mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid
vom
18.
November
2015
(Urk. 2)
zu Recht ihre (örtliche) Zustän
digkeit
für die Festsetzung und Ausrichtung von Zusatzleistungen an
die Beigeladene
und bestätigte zutreffend die Verfügung vom 25 März 2015, mit welcher sie auf das Leistungsgesuch vom 2
6.
November 2014 nicht eingetreten ist (Urk. 8/41)
.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
5.
Das Verfahren ist kostenlos. Eine Prozessentschädigung wird von der obsiegen
den Beschwerde
gegnerin
als Gemeinwesen zu Recht nicht geltend gemacht
(§ 34 des Gesetzes über das
Sozial
ver
siche
rungs
gerichts
).