Decision ID: f96d0d38-546f-4d78-ab33-418fe694022e
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1980 g
eborene
X._
war zuletzt vom
1.
November 2008 bis 28. Februar 2011 bei der
Y._
AG als Hilfs-Galvani
seur/Anlagenbediener angestellt (
Urk.
7/19/8). Von März 2011 bis September 2012 bezog der Versicherte Taggelder der Arbeitslosenversicherung (
Urk.
7/13/13-14 und
Urk.
7/17). Unter Hinweis auf eine seit dem
1.
September 2012 bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit wegen Schlafstörung und Medikamentenabhängigkeit meldete er sich am
18. Februar 2013 bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zur Früherfassung (Urk. 7/4). Auf deren Aufforderung hin meldete sich
X._
am 20. März 2013 (Eingangsdatum)
bei ihr zum Leistungsbezug an (
Urk. 7/14). In der Folgte tätigte die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/34, Urk. 7/37 und Urk. 7/39) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 18. August 2014 einen Leistungsanspruch (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 18. September 2014 Beschwerde und bean
tragte, es sei ihm unter Aufhebung der Verfügung vom 18. August 2014 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen; eventuell sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädi
gungsfolge. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltli
chen Prozessführung und um Bestellung von Rechtsanwalt lic. iur. Oskar Gysler als unentgeltlichen Rechtsbeistand (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 24. Oktober 2014
schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 7/1-45), was dem Beschwer
deführer am 27. Oktober 2014 mitgeteilt wurde (Urk. 8). Mit Eingabe vom
12. November 2014 (Urk. 10) reichte der Beschwerdeführer das Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit (Urk. 11) sowie den Auszahlungsbeleg der Sozialabteilung
Z._
vom 27. Oktober 2014 (Urk. 12) ein.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Gemäss ständiger Rechtsprechung begründet eine Drogensucht für sich allein keine Invalidität, sondern nur in Verbindung mit einem die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden geistigen, körperlichen oder psychischen Gesundheitsscha
den mit Krankheitswert, der zur Sucht geführt hat oder als deren Folge einge
treten ist (BGE 102 V 167, 99 V 28 E. 2; AHI 2002 S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f.
E.
2b; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.1 mit Hinweisen). Daraus folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründend sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funktionelle Einschränkungen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbständiger Gesundheitsschädigungen darstellen (
Art.
6 ff. ATSG und
Art.
4
Abs.
1 IVG;
Urteil des Bundesgerichts 9C_856/2012 vom 19. August 2013
E. 2.2.1 mit Hinweisen auf
BGE 127 V 294
E. 5a und Urteil I 955/05 vom
6.
November 2006 E. 3.3.2).
Angesichts der insoweit finalen Natur der Invalidenversicherung ist nicht ent
scheidend, ob die Drogensucht Folge eines körperlichen oder geistigen Gesund
heitsschadens ist oder ob die Sucht ausserhalb eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsschaden steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich
irrelevant
, soweit sie als solche allein leistungs
mindernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigenständigen Gesund
heitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogensucht – einem Symptom gleich – Teil eines Gesundheitsschadens bildet; dies unter der
Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des Rauschmittel
konsums, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund selber zu Arbeits
unfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn daneben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die Betäu
bungsmittelabhängigkeit aufrecht erhält oder deren Folgen massgeblich ver
stärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unabhängig von ihrer Genese) wie andere psychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität bei
tragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines Gesundheits
schadens beeinflussen (
Urteil des Bundesgerichts 9C_856/2012 vom 19. August 2013
E. 2.2.2 mit Hinweisen auf
BGE 99 V 28
E. 3b,
120 V 95
E. 4c, SVR 2012 IV Nr. 32 S. 127, 9C_776/2010 vom 20. Dezember 2011 E. 2.3.3, ZAK 1992
S.
169).
Eine psychisch bedingte Invalidität im Sinne des Gesetzes liegt nur dann vor, wenn ein psychisches Leiden mit Krankheitswert fachärztlich ausgewiesen ist und es der betroffenen Person trotz Aufbietung allen guten Willens, die verblei
bende Leistungsfähigkeit zu verwerten, wegen ihrer Beschwerden nicht zuzu
muten ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, wobei das Mass des Forderbaren weitgehend objektiv bestimmt wird (BGE 130 V 352 E. 2.2.1, 131 V 49).
1.3
Zur
Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszu
ständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben
(BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b.cc).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die IV-Stelle,
es liege eine primäre Suchter
krankung vor. Anhand der Unterlagen sei keine länger dauernde psychische Gesundheitsstörung vorliegend mit dauerhaften psychischen Leistungseinbus
sen. Die
Abklärungen hätten ergeben,
dass
die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers vor allem durch das Abhängigkeitssyndrom
begründet sei, weshalb keine Invalidität im Sinne des Ges
etzes vorliege
.
Wie der Beschwerdeführer im
Rahmen des Einwandverfahrens
zu Recht bemerkt habe, sei
nebst der Suchterkrankung auch d
ie Anpassungsstörung (ICD-10: F
43.2) ursäch
lich für die Arbeitsunfähigkeit
. Die Schlafstörungen
seien
richtig
erweise
nicht alleine auf die Suchterkrankung zurückzuführen.
Doch könne erst nach einer 6-m
onatigen Abstinenz geklärt werden, ob die Schlafstörungen Teil der Anpassungsstörung seien. Unabhängig davon sei aber eine durch psychoso
ziale Belastungsfaktoren ausgelöste Anpassungsstörung nicht als längerdauern
der anhaltender IV-relevanter Gesundheitsschaden zu qualifizieren, sondern sei bei adäquater Behandlung nur als vorübergehende Einschränkung der Arbeits
fähigkeit zu werten.
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, er leide trotz Abstinenz immer noch an Schlafstörungen. Der Drogenkonsum könne daher nicht als Ursache der Schlafstörungen betrachtet werden. Indem die Beschwerdegegnerin die Auswirkung einer angetönten 6-monatigen Abstinenz auf die Anpassungs
störung nicht abgeklärt habe,
habe sie den
Sachverhalt in dieser Hinsicht nicht genügend abgeklärt.
In den Akten fänden sich zudem keine
klaren
Hinweise darauf, dass die Anpassungsstörung durch psychosoziale Belastungsfaktoren ausgelöst worden sei.
Dem Bericht der Psychiatrischen Universitätsklinik vom 2
7.
September 2013 sei vielmehr zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer seit über 14 Jahren an Schlafstörungen leide und in der Kindheit traumatische Kriegserlebnisse gehabt habe und dass darin die Ursache der psychischen Stö
rung liege. Die Trennung habe zwar eine Belastung dargestellt, habe aber die bestehenden psychischen Probleme nur verstärkt, nicht jedoch verursacht. Der Regionale Ärztliche Dienst gehe davon aus, dass eine Anpassungsstörung nicht als länger dauernder Gesundheitsschaden zu qualifizieren sei. Aktuelle Berichte seien jedoch nicht eingefordert worden. Tatsächlich leide der Beschwerdeführer schon seit mehreren Jahren an psychischen Beschwerden, weshalb offensicht
lich eine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit vorliege. Die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen, die diesbezüglich notwendigen Abklärungen zu treffen (
Urk.
1).
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, FMH Physikalische Medizin, hielt in
ihrem
Bericht vom 11. April 2013
(Urk. 7/23)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
fest
:
-
Status nach erstmaligem epileptischem Anfall, möglicherweise
symptomatisch bei Markla
g
er-Inhomogenität subkortikal links im
vorderen Bereich der Inselrinde und Risikofaktor Schlafentzug
-
Status nach Kokainabusus bis 2010
-
perforiertes Nasenseptum und chronische Pans
i
n
u
sitis
-
Dep
ressive Entwicklung bei psychoso
zialer Belastungssituation
-
Trennung von Ehefrau und 2 Kindern
-
Arbeitslosigkeit
Der Beschwerdeführer mit Status nach langjährigem Kokainabusus leide immer noch an persistierenden Schlafstörungen, die schliesslich zu einem epileptischen Anfall geführt hätten. Radiologisch
ha
be allerdings im Bereich der Inselrinde Markla
g
er-Inhomo
ge
nität subkortikal links nachgewiesen werden können, jedoch dürften die Schlafstörungen mit Schlafentzug für den epileptischen Anfall verantwortlich gewesen sein. Nach wie vor stehe er in psychiatrischer Behandlung
,
klage
aber
über Schlaflosigkeit und Nervosität
sowie deutliche Depression
wegen der Scheidung. Die rheumatologische und internistische Untersuchung habe keinen pathologischen Befund ergeben. Die Prognose sei offen. Der Beschwerdeführer sei seit dem 15. November 2010 bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Aufgrund der psychischen Situation könne er zurzeit nur in geschütztem Rahmen arbeiten.
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin,
vom Zentrum
für Abhängigkeitserkrankungen der
C._
, sowie H. Meier, therapeutische Mitarbeiterin,
führte
n
in
ihrem
Bericht
vom 27. September 2013 (Urk. 7/29
/1-7
)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auf
:
-
Anpassungsstörung mit depressiver
-suizidaler Reaktion (ICD-10: F
43.2)
-
Abhängigkeitssyndrom von Kokain, ge
genwärtig abstinent (ICD-10:
F
13.23)
-
Cannabisabhängigkeitssyndrom, gegenwär
tig abstinent (ICD-10: F
12.20)
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
sei ein
Opioidabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent, aber gegenwärtig in
einem überwachten Ersatzdrogen
programm (ICD-10: F
11.23). Der Beschwerdeführer sei vom 5. bis 11. August 2011 per fürsorgerischer Freiheitsentziehung (FFE) und vom 18. August bis 19. September 2011 freiwillig stationär in
der Klinik für Affektive Erkrankungen und Allgemeinpsychiatrie resp. der Klinik für Sozialpsychiatrie und Allgemein
psychiatrie der
C._
gewesen (vgl. Austrittsberichte vom 1
8.
August 2011 resp. 2
4.
Oktober 2011,
Urk.
7/29/8-15). Vom
6.
September 2007 bis 2
2.
Januar 2008 sei der Beschwerdeführer im Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen der
C._
behandelt worden, ebenso seit dem 2
2.
Januar 2012 bis heute und auf weiteres.
gewesen.
Der Zustand des Beschwerdeführers habe sich im Laufe der Behand
lung soweit gebessert, dass nicht mehr mit grösseren Rückfällen in den Drogen
konsum zu rechnen sei. Er nehme seit längerem keine Drogen mehr und sei sehr
bemüht, die Abstinenz aufrechtzu
erhalten. Die Schlafstörungen schienen bezüglich der Arbeitsfähigkeit ein Problem darzustellen, da er nachts nicht schlafe, morgen
s
nicht aufstehen möge und dann in den Tag hinein schlafe. Durch die längere Arbeitslosigkeit sei es zu einer Dekonditionierung, welche eine Wiederaufnahme der Arbeit erschwere, gekommen. Von September 2008 bis Ende Januar 201
1
sei der Beschwerdeführer
zu 100
%
als Hilfs-Galvanis
eu
r
tätig
gewesen. Die
se
Tätigkeit
sei
ihm im Prinzip noch zumutbar, doch könne er aufgrund der Schlafstörungen morgens schlecht aufstehen, weshalb er eventuell nicht rechtzeitig zur Arbeit komme. Entsprechend müsste er eine Arbeit finden, wo er vielleicht erst gegen Mittag oder nachts arbeiten könnte.
Ausser dem Problem mit dem Aufstehen am Morgen bestehe keine Verminderung der Leis
tungsfähigkeit.
Eine körperlich und psychisch nicht zu anspruchsvolle Arbeit sei möglich. Während der ersten drei Monate des Arbeitseinstiegs
sollte
mit einer Teilzeit-Tätigkeit von 60-80 % begonn
en werden, welche dann, wenn es gut laufe, gesteigert werden könne.
Dabei sei eine schrittweise Arbeitsintegration seitens der IV zu empfehlen.
3.3
Dipl. med
.
D._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psycho
therapie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) hielt in seiner Stel
lungnahme vom 1
0.
Januar 2014 (
Urk.
7/32/3) fest, gemäss Aktenlage habe der Beschwerdeführer Ende Januar 2011 seine Stelle verloren und sei im November 2009 die Trennung von seiner Ehefrau erfolgt. Es bestehe seit Jahren eine Mehrfachabhängigkeit (F13.23, F12.20/F11.23). Im September 2011 sei eine neurologische Abklärung wegen eines Gelegenheitsanfalles erfolgt. Dieser sei im Rahmen der Suchtproblematik zu sehen. Hinweise für eine Epilepsie hätten sich nicht finden lassen. Infolge von psychosozialen Belastungen (Trennung von der Familie, Arbeitslosigkeit) sei es zu einer Anpassungsstörung gekommen (F43.2). Es liege eine primäre Suchterkrankung vor. Anhand der Unterlagen sei auch sonst keine länger dauernde psychische Gesundheitsstörung vorliegend mit dauerhaften psychischen Leistungseinbussen. Somit sei kein invalidenversiche
rungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen (vgl. auch Stellung
nahme von RAD-Arzt Zeising vom 1
5.
August 2014, Urk. 7/41/2).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob beim Beschwerdeführer nebst den Abhängig
-
keitssyn
dromen ein invalidisierendes psychisches Leiden besteht.
4.2
4.2.1
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer ab dem 1
6.
Lebensjahr unregelmässig Heroin und später während 10 Jahren täglich Kokain und selten THC konsumierte. Laut Bericht des Zentrums für Abhängig
keitserkrankungen der
C._
vom 2
7.
September 2013 nimmt er seit längerem keine Drogen mehr, steht jedoch – seit 2009 - in einem ärztlich überwachten Methadonprogramm (
Urk.
7/29/4 und 7/29/8). Am
4.
August 2011 unternahm er einen Suizidversuch, wobei der Auslöser dafür laut den Angaben im Aus
trittsbericht der Klinik für Affektive Erkrankungen und Allgemeinpsychiatrie der
C._
vom 1
8.
August 2011 Streitigkeiten mit der Ehefrau waren (
Urk.
7/29/8). Die Hospitalisation in der Klinik für Soziale Psychiatrie und All
gemeinpsychiatrie der
C._
(1
8.
August bis 1
9.
September 2011) erfolgte laut deren Austrittsbericht vom 2
4.
Oktober 2011 zur weiteren Methadonreduktion, Kokainentwöhnung sowie psychosozialen Stabilisierung bei Konflikt mit der Ehefrau, welche gemäss den Angaben des Beschwerdeführers ausgezogen sei und einen kompletten Entzug sämtlicher Substitutionsmittel fordere. In den genannten Austrittsberichten wurde – nebst den Abhängigkeitssyndromen – (lediglich) eine Anpassungsstörung mit depressiv-suizidaler Reaktion bei psy
chosozialer Belastungssituation (ICD-10 F43.2) diagnostiziert, ebenso auch im Bericht der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen der
C._
vom 2
7.
September 2013 (vgl. E. 3.2).
4.2.2
Anpassungsstörungen (ICD-10 F43.2) dauern, mit Ausnahme der Anpassungs
-
stö
rung mit längerer depressiver Reaktion gemäss ICD-10 F43.21), per definitionem nicht länger als sechs Monate (ICD-10 Kapitel V [F], klinisch diagnostische Leitlinien, F43.2) und vermögen nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes daher keine rentenbegründende Invalidität, d.h. eine länger, zumindest ein Jahr andauernde Erwerbsunfähigkeit, zu begründen (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_825/2015 vom 1
6.
Dezember 2015 E. 2). Eine Anpas
sungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bildet nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes keine hinreichend ausgeprägte Psychopathologie; sie liegt vielmehr im Grenzbereich dessen, was überhaupt noch als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes und potenziell invalidisierendes Leiden gelten kann (Urteil des Bundesgerichtes 8C_76/2014 vom 3
0.
April 2014 E. 3.2 mit Hinweisen). Dies gilt vorliegend umso mehr, als die mit dem Beschwerdeführer befassten Ärzte und Ärztinnen übereinstimmend davon ausgehen, dass die Anpassungs
störung durch psychosoziale Belastungsfaktoren (Trennung von resp. Streit mit der Ehefrau, Arbeitslosigkeit) ausgelöst wurde und unterhalten wird (vgl. E. 1.3). Ein Zusammenhang der Anpassungsstörung mit der Suchtproblematik als sol
che wurde im Übrigen ärztlicherseits nicht hergestellt und ist auch nicht ersichtlich.
Dies wird auch durch den zeitlichen Ablauf der Erkrankungen
gestützt
, da die Drogensucht seit dem 16. Lebensjahr best
and
und sich die Anpassungsstörung erst mit dem Verlust der Arbeitsstelle im Februar 2011 und der Trennung von der Ehefrau und den beiden Kindern
(laut der vorliegenden Eheschutzvereinbarung vom
9.
November 2011 leben der Beschwerdeführer und seine Ehefrau [erst] seit dem
1.
August 2011 getrennt,
Urk.
7/12) entwickelte.
4.2.3
Bezüglich der Schlafstörungen wurde im Bericht der
C._
vom 2
7.
September 2013 unter dem Titel „Persönliche Anamnese“ festgehalten, der Beschwerde
führer klage, er habe seit 14 Jahren Ein- und Durchschlafstörungen. Er berichte, dass er nächtelang nicht schlafe. Er lege sich ins Bett, dann schlafe er eine Stunde und wache wieder auf. Wenn er länger schlafe, bekomme er Alpträume, schreie im Schlaf und habe Angst. Dies komme von den schweren Kriegserleb
nissen. Die Schlafstörungen hätten sich durch die Trennung von Ehefrau und Kindern verstärkt. Die Behandlung mit schlafanstossenden Antidepressiva habe bis jetzt keinen Erfolg gezeitigt (7/29/3).
Eine
Insomnie, welche nach ICD-10: F
51 als eigenständige psychische Störung zu klassifizieren wäre, wurde ärztli
cherseits jedoch nicht diskutiert. Ebenso wenig wurden die Schlafstörungen
als Symptome einer
posttraumatische
n
Belastungsstörung nach ICD-10: F
4
3.1
gewertet
.
Schlafstörungen treten bekanntermassen nicht nur beim Konsum von Kokain und Heroin, sondern auch bei der Einnahme von Methadon als Neben
folgen auf.
Somit
dürften
die Schlafstörungen dem Suchtgeschehen zuzuordnen
sein;
dies ergibt sich
auch aufgrund der zeitlichen Kohärenz. So
war
der Beschwerdeführer seit dem 16. Lebensjahr süchtig
,
und die Schlafstörungen bestehen seit rund 14 Jahren (vgl. Urk. 7/29 S. 3 und S. 4).
Wohl kann auch eine Anpassungsstörung mit Schlafstörungen verbunden sein (vgl. ICD-10 Kapitel V [F], klinisch diagnostische Leitlinien, F51). Da jedoch eine Anpas
sungsstörung nach dem Gesagten nicht als psychisches Leiden mit Krankheits
wert zu qualifizieren ist, kann offenbleiben, ob die Schlafstörungen der
Suchterkrankung oder der Anpassungsstörung zuzuordnen sind
;
die Beantwor
tung dieser Frage
ist
aufgrund der obigen Ausfü
hrungen letztlich irrelevant
.
4.2.
4
Ist beim Beschwerdeführer - nebst den für sich allein keine Invalidität begründen
den Abhängigkeitssyndromen – kein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert gegeben, liegt kein invalidisierendes Leiden vor (vgl. E. 1.2).
4.3
Die genannten Berichte von Dr.
A._
und der
C._
(vgl. E. 3.1 und E. 3.2) enthalten keine Angaben, welche diese Schlussfolgerung in Frage zu stellen vermöchten. Dr.
B._
und H. Meier von der
C._
gehen in ihrem Bericht vom 27. September 2013 im Übrigen davon aus, dass der Beschwerdeführer seit Beginn der Behandlung im Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen, d.h. spä
testens seit Januar 2012, nach erfolgter Vorbereitung und Einarbeitung wäh
rend ca. drei Monaten, grundsätzlich zu 100 % arbeits-und leistungsfähig gewesen wäre. Unter diesen Umständen würde aber auch dann kein rentenbe
gründender Invaliditätsgrad resultieren, wenn das seitens der
C._
erwähnte Problem des Beschwerdeführers mit dem Aufstehen berücksichtigt würde.
4.4
Dass sich der Gesundheitszustand sowie die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
-f
üh
rers seit dem Bericht der
C._
vom 27. September 2013 bis zum Erlass
der – rechtsprechungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Über
prüfungsbefugnis bildenden (BGE 130 V 446 E. 1.2 mit Hinweisen) – Verfügung vom 18. August 2014 (Urk. 2) verschlechtert haben, wurde von ihm nicht gel
tend gemacht. Es besteht daher – entgegen seiner Auffassung – kein Anlass für ergänzende Abklärungen.
4.5
Die Beschwerdegegnerin hat einen Leistungsanspruch des Beschwerdeführers demnach zu Recht verneint, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
5.
1
Zu prüfen bleibt der Anspruch des Beschwerdeführers auf Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege. Gemäss
Art.
61 lit. a ATSG muss das Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenlos sein. In Abweichung von diesem Grundsatz bestimmt
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG, dass das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig ist (Satz 1). Eine besondere Regelung der unentgeltlichen Rechtspflege wurde mit der erwähnten Änderung des IVG nicht statuiert, wes
halb grundsätzlich das kantonale Verfahrensrecht massgebend ist (
Art.
61 Satz 1 ATSG; Urteil des Bundesgerichts 8C_991/2008 vom
1.
April 2009
E.
3.1.1). Nach
Art.
61 lit. f ATSG muss das Recht, sich verbeiständen zu lassen, im Ver
fahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht gewährleistet sein. Der Beschwerde führenden Person wird ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es rechtfertigen. Nach
Art.
29
Abs.
3 der Bundesverfassung hat jede Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und deren Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege. Soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausser
dem Anspruch auf unentgeltlichen Rechtsbeistand. Nach der Praxis sind die
Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos erscheint sowie die Partei bedürftig und die anwaltliche Verbeiständung notwendig oder doch geboten ist (SVR 2009 UV Nr. 12 S. 49; Urteil des Bundesgerichts 8C_530/2008 vom 2
5.
September 2008 E. 3 mit Hinweisen).
5
.2
Der Beschwerdeführer
wird gemäss
Auszahlungsbeleg
vom 2
7.
Oktober 2014 (Urk. 12
)
von seiner
Wohngemeinde
Z._
finanziell unterstützt. Mit Blick darauf ist
er
im vorliegenden Verfahren bezogen auf den massgebenden Zeit
punkt als prozessual bedürftig zu qualifizieren. Da auch die weiteren Anspruchsvoraussetzungen (fehlende Aussichtslosigkeit und sachliche Notwen
digkeit der Rechtsverbeiständung) erfüllt sind, ist
dem
Beschwerdeführer
in Bewilligung
seines
Gesuchs vom
18. September 2014
(
Urk.
1 S. 2) Rechtsanwalt
Gysler
, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren zu bestellen, und es ist
ihm
die unentgeltli
che Prozessführung zu gewähren.
5
.3
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen sind (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), sind auf
Fr.
600.-- anzuset
zen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
dem
u
nterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Pro
zessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.4
Rechtsanwalt Gysler ist in Anbetracht der zu berücksichtigenden Akten und der zu behandelnden Rechtsfragen bei einem gerichtsüblichen Stundenansatz von Fr. 200.-- (bis 31. Dezember 2014) als unentgeltlicher Rechtsvertreter mit einer angemessenen Prozessentschädigung von Fr. 1‘
6
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
5
.5
D
er Beschwerdeführer
ist darauf hinzuweisen, dass
er
zur Nachzahlung der Kos
ten für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet ist, sobald
er
dazu in der Lage ist (
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).
Das Gericht beschliesst,
In Bewilligung des Gesuchs vom 18. September 2014 wird dem Beschwerdeführer Rechtsanwalt Oskar Gysler, als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt und es wird ihm die unentgeltliche Prozessführung bewilligt,
und erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, jedoch infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 GSVGer hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Oskar Gysler, Zürich 1,
wird mit
Fr.
1‘
6
00.-- (inklusive
Barauslagen und M
ehrwertsteuer
) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 GSVGer hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Rechtsanwalt Oskar Gysler
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse
5.