Decision ID: b119befc-51d8-4108-aa2b-f90d8cee1036
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1980 geborene
X._
war seit dem 27. Juni 2011 als Gipser bei der
Y._
AG angestellt und damit bei der Schweizerischen Unfall
versicherungsanstalt (SUVA) versichert (Urk. 7/1).
Am 12. Juli 2011 stürzte
er
bei der Arbeit von einem Dreitritt gegen eine Wand und dann zu Boden (Urk. 7/1). Der
tags drauf konsultierte Hausarzt Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
diagnostiz
i
erte eine Kont
usion der linken Schulter (Urk.
7/8).
Die SUVA erbrachte in der Folge Tag
geld- und Heilbehandlungsleistungen
(Urk. 7/3)
.
Nach dem Abschluss der Be
handlung am
20. Juli 2011
wurde dem Versicherten
ab dem 25. Juli 2011 wie
der eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt
(Urk. 7/8).
1.2
Am 17. Juni 2013 meldete der Versicherte der SUVA einen – eine Verletzung am
F
inger betreffenden - Rückfall zum Unfall vom 12. Juli 2011 (Urk. 7/9
; vgl. auch Urk. 7/18
).
Wegen einer posttraumatischen Bewegungseinschränkung des Mittelgelenks des linken Kleinfingers unterzog er sich am 1. Juli 2013 einem operativen Eingriff (beugeseitige
Arthrolyse
mit Resektion eines
Knochenfrag
mentes
; Urk. 7/22 S. 2
f
f
.
)
. Nach entsprechenden Abklärungen lehnte die SUVA ihre erneute Leitungspflicht
– unter Hinweis darauf, dass die Fingerbeschwerden in keinem
rechtsgenüglichen
Zusammenhang zum Ereign
i
s vom 12. Juli 2011 stünden - mit Schreiben vom 12. August 2013 (Urk. 7/33)
beziehungsweis
e
Verfügung vom 19. August 2013 (Urk. 7/35)
ab.
Auf Einsprache des Versicher
ten (Urk. 7/38, Urk. 7/41) hin hielt sie am 30. September 2013 an der
Leistungs
verweigerung
fest (Urk. 2).
Am 24. Oktober 2013
trat sie auf das
Wiedererwä
gungsgesuch
des Versicherten vom 21. Oktober 2013 (Urk. 7/48) nicht ein (Urk. 7/49).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 30. September 2013
(Urk. 2) erhob
X._
am 25. Oktober 2013 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, die SUVA sei zu verpflichten, im Zusammenhang mit den als Rückfall zum Unfall vom 12. Juli 2011 gemeldeten Fingerbeschwerden die gesetzlichen Leistungen zu erbringen (Urk. 1). Die SUVA schloss am 19. November 2013 auf Abweisung der Beschwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 6), was dem Beschwerdeführer am 25. November 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (
UVG
)
setzt zunächst voraus, dass zwischen dem
Unfaller
eignis
und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürli
cher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausal
zusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetre
tene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bezie
hungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sam
menhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereig
nis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (Art.
11
der Verordnung über die Unfallversicherung
[
UVV
]
). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krank
heit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar ge
heiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Ver
änderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen kön
nen (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
1.3
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes
Unfaller
eignis
an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallver
sicherung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Be
schwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen
Gesundheits
schädigung
ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c in
fine
).
2.
2.1
Die SUVA verneinte ihre erneute Leistungspflicht im Zusammenhang mit dem Unfall vom 12. Juli 2011
-
unter Hinweis auf die Beurteilung ihres Kreisarztes Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparats,
vom
3. September 2013
(Urk. 7/
40
)
-
mit der Be
gründung,
die als Rückfall gemeldeten linksseitige
n
Fingerbeschwerden stünden in keinem überwiegend wahrscheinlichen Kausalzusammenhang zum im Juli 2011 erlittenen Sturz
(Urk. 2 S.
5 ff.
, Urk. 6 S. 2 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
er habe sich am 12. Juli 2011 auch am linken Finger verletzt. Er habe gespürt, dass et
was gebrochen oder gerissen sei. Der am nächsten Tag konsultierte Arzt habe ihm indes lediglich einen Spray zur Behandlung der Schwellung am Finger (und nicht wegen der Schulterschmerzen) abgegeben und gemeint, di
e Verletzung werde so wieder ab
heilen (Urk. 1).
3.
3.1
3.1.1
Der am Tag nach dem Unfall vom 12. Juli 2011 konsultier
t
e Dr.
Z._
diagnosti
zierte am 9. August 2011 eine Kontusion der linken Schulter.
Der Be
schwerdeführer sei am 12. Juli 2011 auf der falschen Leiterseite hinuntergestie
gen und habe dabei die linke Schulter an einer Wand angeschlagen. Es bestehe eine Schwellung im Bereich des AC-Gelenks; ein Standschmerz der Clavicula und der Spina
scapulae
links
sei nicht vorhanden
. Die radiologische Untersu
chung habe keinen Hinweis auf eine
ossäre
Läsion gegeben. Es sei eine Analge
sie verordnet worden. Vom 1
3.
bis 24. Juli 2011 habe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit bestanden; am 25. Juli 2011 habe der Beschwerdeführer die Arbeit
wieder aufgenommen. Die Behandlung sei am 20. Juli 2011 abgeschlossen wor
den (Urk. 7/8).
3.1.2
In der
Krankengeschichte
(Urk. 7/39
S. 2
)
hielt Dr.
Z._
am 13. Juli 2011 fest, der Beschwerdeführer habe am 12. Juli 2011 auf einer
dreitrittigen
Leiter etwa 1 m über Boden Gipsarbeiten ausgeführt. Er
habe, als er
auf der falschen Seite die Leiter hinab gestiegen
sei,
die li
nke Schulter an der W
and angeschla
gen
und sich eine Kontusion des linken Oberarms zugezogen. Die Untersuchung der linken Schulter habe eine Schwellung im Bereich des AC-Gelenks ergeben. Zur Behandlung sei ein
Taumalix
Spray abgegeben worden.
3.1.3
Am 20. Juli 2011 hielt Dr.
Z._
fest, der Beschwerdeführer, der eine Kontu
sion des linken Oberarms erlitten habe, könne nicht auf der linken Seite liegen und keine
Liegestützen
machen. Er wolle keine Schmerzmittel. Objektiv bestehe eine leichte Schwellung im AC-Gelenk links
(vgl. Krankengeschichte, Urk. 7/39 S. 2)
.
3.2
3.2.1
Am 21. März 2013 konsultierte der Beschwerdeführer wegen eines am 19. März 2013 erlittenen Sturzes, bei dem er mit dem linken Arm beziehungsweise Ober
arm auf einer Betonkante aufgeschlagen
war
, erneut Dr.
Z._
. Dieser diag
nostizierte eine Kontu
sion des linken Oberarms. Der Beschwerdeführer habe überdies angegeben, sei
t
dem Unfall vom 12. Juli 2011 an Beschwerden im
Di
gitus
V der linken Hand zu leiden. Das PIP-Gelenk sei aufgetrieben und die Haut in diesem Bereich trocken und spröd
e
; die Flexion sei nicht mehr komplett möglich, und der Finger sei immer kalt (vgl. Krankengeschichte, Urk. 7/39
S. 2
).
3.2.2
Dr.
med.
B._
, Leiter Handchirurgie,
Stadtspital
C._
, Klinik für Allge
mein-, Hand- und Unfallchirurgie, diagnostizierte am 13. Juni 2013 eine posttraumatische Bewegungseinschränkung des Kleinfinger-Mittelgelenks
links
bei Status nach Luxation im Juli 201
1.
Der Beschwerdeführer habe angegeben, sich im Juli 2011 bei einem Leitersturz eine Mittelgelenkluxation am
Kleinfin
ger
der linken Hand zugezogen zu haben. Radiologisch zeige sich eine regel
rechte Artikulation im linken Kleinfingermittelgelenk mit posttraumatischen de
generativen Veränderungen sowie beugeseitig einem
ossären
Fragment.
Retro
spektiv könne festgehalten werden, dass es im Rahmen der Mittelgelenkluxation im Jahr 2011 zu einem
ossären
Ausriss der
palmaren
Platte gekommen sei
(Urk. 7/16 S. 2).
3.2.3
Im Austrittsbericht vom 1. Juli 2013 hielten die Ärzte des Stadtspitals
C._
fest, der Beschwerdeführer habe sich vor zirka zwei Jahren bei einem zirka 1 m tiefen Sturz am
Digitus
V links verletzt. Nach dem Trauma sei die Flexion des Fingers nicht mehr möglich gewesen; dies habe sich seither nur we
nig
gebessert. Damals habe lediglich eine Kontusion festgestellt werden können (Urk. 7/22 S. 2).
3.2.4
Auf entsprechende Anfrage der SUVA
an
Dr.
Z._
hin hielt
Dr.
med.
D._
, Allgemeine Innere Medizin FMH, Praxiskollege des Angefragten,
am 25. Juli 2013
fest
,
gemäss dem Eintrag in der Krankengeschichte habe der Beschwerde
führer am 13. Juli 2011 keine Fingerbeschwerden erwähnt. Solche habe er erst am 21. März 2013 geltend gemacht. Wegen Beschwerden am Finger habe zuvor nie eine Behandlung stattgefunden
(Urk. 7/29
S.
2-3
)
.
3.2.5
Am 5. August 2013 gab Dr.
Z._
gegenüber einer Mitarbeiterin der SUVA telefonisch an, er habe sich nichts notiert wegen des Fingers. Medizinisch sei es aber eigentlich plausibel, dass der Beschwerdeführer, der einen seriösen Ein
druck mache, sich die Läsion beim Unfall vom 12. Juli 2011 zugezogen habe. Damals habe wahrscheinlich die Verletzung der Schulter im Vordergrund ge
standen, weshalb der Finger gar nicht beachtet worden sei (Urk. 7/31).
3.2.6
Gestützt auf die Akten gelangte der Kreisarzt Dr.
A._
am 3. September 2013 zum Schluss, dass die diagnostizierte Fingerverletzung zwar sehr wahrscheinlich
Folge eines Traumas sei. Dass der
Unf
all vom 1
2
. Juli 201
1
ursächlich sei für die fragliche Läsion, erscheine
indes
als unwahrscheinlich, habe die
Behandlung damals doch nach nur einer Woche abgeschlossen werden können und
der Be
schwerdeführer
nach dem Wiedererlangen der vollen Arbeitsfähigkeit bereits zwei Wochen nach dem Unfall als Gipser wieder manuell schwere Arbeiten ver
richtet
(Urk. 7/40).
3.2.7
In seinem nach Kenntnisnahme des
Einspracheentscheids
vom 30. September 2013 (Urk. 2) verfassten Schreiben vom 8. Oktober 2013 (Urk. 7/46) gab Dr.
Z._
an, zwar sei in der Krankengeschichte betreffend die Konsultation vom 13. Juli 2011 nur eine Verletzung der Schulter dokumentiert worden. Wie der Beschwerdefü
hrer später angegeben habe, sei es beim fraglichen Unfall in
des auch zu einer Läsion des fünften Fingers gekommen, dieser sei damals
aber
keine Bedeutung beigemessen worden. Der operative Eingriff vom 1. Juli 2013 sei daher vor dem Hintergrund eines Rückfalls einer Verletzung, die primär als unwesentlich und selbstheilend beurteilt worden sei, daraufhin aber zu Folge
schäden geführt habe
, zu sehen
. Der Beschwerdeführer habe nach eigenen An
gaben keinen anderen Unfall erlitten, der die Mittelgelenksluxation mit
ossärem
Ausriss erklären könnte.
4.
4.1
Dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom 12. Juli 2011 nebst der schon bald wieder abgeheilten linksseitigen Schulterläsion (Urk. 7/8) auch eine Verletzung des
linken Kleinfingers erlitt,
erscheint
nach Lage der
Akten zwar
als möglich. Von einem überwiegend wahrscheinlichen
natürliche
n
Kausalzusammenhang zwischen dem fraglichen Ereignis und der erst knapp zwei Jahre später am 21. März 2013
erstmals ärztlich dokumentierten Fingerverletzung
(Urk. 7/39 S. 2)
ist
indes
m
angels entsprechender Anhaltspunkte in den echtzeitlichen me
dizinischen Berichten und
angesichts
der vollzeitlichen Wiederaufnahme der – manuell schweren – Tätigkeit
als Gipser schon zwei Wochen nach dem Unfall
(Urk. 7/8)
nicht
auszugehen. Daran vermag der Umstand, dass die Ärzte die
Fin
gerverletzung
für posttraumatischer Natur hielten
(Urk. 7/16 S. 2, Urk. 7/22 S. 2, Urk. 7/40)
, nichts zu ändern (unzulässiger „
p
ost
hoc ergo
propter
hoc
“-Schluss
, bei dem eine Schädigung bereits deshalb als durch einen Unfall verur
sacht erachtet wird, weil sie n
ach diesem aufgetreten ist
; vgl.
hiezu
etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_
454/2014
vom 2. September 2014 E. 6.4 mit Hinweisen).
Auch aufgrund der aktenkundigen
Abgabe eines Kältesprays durch Dr.
Z._
anlässlich der Konsultation vom 13. Juli 2011
ist eine beim Unfall vom 12. Juli 2011 erlittene
Fingerverletzung
nicht dargetan (Urk. 1)
, geht doch sowohl aus dem damal
s verfassten
Bericht als auch aus den späteren Ausführungen des ge
nannten Arztes hervor, dass
der Spray der Behandlung der Schulterverletzung diente (Urk. 7/8, Urk. 7/39
S. 2
, Urk. 7/31, Urk. 7/46).
4.2
Nach dem Gesagten hat die SUVA es zu Recht abgelehnt, erneut Leistungen im Zusammenhang mit dem Unfall vom 1
2
. Juli 2011
zu erbringen.
Die Be
schwerde ist daher abzuweisen.