Decision ID: 273672f3-926e-5899-9f3f-77aaab3119c0
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 15. September 2020 in der Schweiz um
Asyl nach. Er wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region (...) zuge-
wiesen.
A.a Am 30. September 2020 mandatierte der Beschwerdeführer die ihm
zugewiesene Rechtsvertretung. Gleichentags wurde er zu seiner Person
und dem Reiseweg befragt (Personalienaufnahme [PA]). Er gab an, er sei
algerischer Staatsangehöriger und stamme aus B._. Er habe (...)
geheiratet und sei seit (...) geschieden. Am (...) sei er nach C._
geflogen; er habe über ein (...) Visum verfügt. Am 15. September 2020 sei
er in die Schweiz gelangt. Sein Pass, die Identitätskarte und der Führer-
schein seien ihm in C._ gestohlen worden.
A.b Am 5. Oktober 2020 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer in An-
wesenheit der zugewiesenen Rechtsvertretung das persönliche Gespräch
gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 (Dublin-III-Verordnung)
durch. Das SEM stellte fest, dass keine Hinweise auf die Zuständigkeit ei-
nes andern Dublin-Staats ersichtlich seien, und es forderte den Beschwer-
deführer auf, Dokumente zum Nachweis seiner Identität einzureichen. Er
gab erneut zu Protokoll, dass ihm die Identitätspapiere gestohlen worden
seien. Abgesehen von (...), gehe es ihm gesundheitlich gut.
A.c Am 21. Oktober 2020 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Asyl-
gründen angehört. Er brachte im Wesentlichen vor, er habe in B._
mit seinen Eltern und Geschwistern in einem kleinen Haus gelebt und
schon in jungen Jahren zum Einkommen der Familie beitragen müssen. Im
Jahr (...) habe er im Rahmen eines staatlichen Projekts zur Förderung jun-
ger Leute ein Darlehen in Form eines (...) im Wert von 400 Millionen Dinar
erhalten, um im (...) arbeiten zu können. Für die Rückzahlung habe er fünf
Jahre Zeit gehabt. Als die Versicherung für das (...) nach einem Jahr ab-
gelaufen sei, habe er diese nicht erneuert. (...) sei er mit dem (...) verun-
fallt. Wegen der fehlenden Versicherung sei ihm der Schaden nicht erstat-
tet worden. Im Bestreben, die Schulden zurückzuzahlen, habe er nach dem
Unfall eine Stelle bei einer Firma angenommen und dort während vier Jah-
ren als (...) eines (...) gearbeitet. Das Einkommen habe für den Lebensun-
terhalt, aber nicht für die Schuldentilgung gereicht. Er sei deshalb nicht in
der Lage gewesen, das staatliche Darlehen fristgerecht zurückzuzahlen.
Er habe deswegen ab (...) mehrere Briefe erhalten, wonach er vor Gericht
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hätte erscheinen müssen. Er habe den Vorladungen aber keine Folge ge-
leistet. Aufgrund seiner Schulden werde er von der Polizei gesucht und er
befürchte, dass er bei einer Rückkehr nach Algerien mit einer Verhaftung
und Verurteilung zu einer Haftstrafe zu rechnen habe. Er wisse von Leuten,
die wegen nicht bezahlter Schulden ins Gefängnis gekommen seien. Zu-
dem sei es nach der Trennung von seiner Ex-Frau – sie hätten sich fünf
Monate nach der im Jahr (...) erfolgten Heirat wieder getrennt – immer wie-
der zu Streit mit deren Familie gekommen. Beide Seiten seien auch hand-
greiflich geworden. Einmal, im Jahr (...), habe er nach einer Messerattacke
hospitalisiert werden müssen. Der (...) der Ex-Frau sei deswegen zu einer
einjährigen Haftstrafe verurteilt worden, habe das Gefängnis aber nach ei-
nem Monat wieder verlassen können. Danach hätten sie zwar weiterhin
Probleme miteinander gehabt, aber diese hätten nicht mehr vor Gericht
behandelt werden müssen, sondern mithilfe der Polizei gelöst werden kön-
nen. Aufgrund seiner Schulden und wegen der Probleme mit der Familie
der Ex-Frau habe er mehrmals versucht, ein Visum für ein europäisches
Land zu erlangen. Nachdem er 2019 ein Visum für C._ erhalten
habe, sei er im (...) 2019 nach D._ geflogen. In C._ habe er
aber nur während zehn Tagen auf einer (...) arbeiten können. Zudem seien
ihm dort die Identitätsdokumente gestohlen worden. Er sei deshalb in die
Schweiz weitergereist, in der Hoffnung, hierzulande Arbeit zu finden. Die
ihm verordneten Medikamente würden seine (...) nicht lindern. Er bitte um
weitere (...) Behandlung.
A.d Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten
des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle verwiesen (vgl.
vorinstanzliche Akten).
B.
Am 28. Oktober 2020 unterbreitete das SEM dem Beschwerdeführer res-
pektive der damaligen Rechtsvertretung den Entwurf des Asylentscheids.
Der Beschwerdeführer zeigte sich in seiner am 29. Oktober 2020 einge-
gangenen Stellungnahme mit dem geplanten Entscheid nicht einverstan-
den. Er bekräftigte, dass er sich bei einer Rückkehr nach Algerien vor einer
Verhaftung und Verurteilung zu einer Haftstrafe fürchte. Zudem möchte er
aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nicht reisen.
C.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 30. Oktober 2020 stellte das
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SEM fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er-
fülle. Es lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, die Vorbringen des Be-
schwerdeführers vermöchten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG (SR 142.31) nicht standzuhalten. Der Wegwei-
sungsvollzug sei als durchführbar zu erachten. Für die detaillierten Ausfüh-
rungen wird auf die angefochtene Verfügung verwiesen.
D.
Am 30. Oktober 2020 teilte die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers
dem SEM die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit.
E.
Mit undatierter Eingabe (Datum Poststempel: 16. November 2020) erhob
der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, worin
er die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und sinngemäss die Ge-
währung des Asyls beantragte. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte
er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses. Des Weiteren beantragte er, der
Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
Er machte geltend, er könne nicht nach Algerien zurückkehren, weil er
Angst habe, dort verhaftet zu werden. Die Polizei suche nach ihm.
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
17. November 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG).
G.
Am 17. November 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-
gang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
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Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Verordnung über Massnahmen im Asylbe-
reich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-19-Verordnung Asyl,
SR 142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung – einzutreten.
1.3 In Bezug auf den Antrag, der Beschwerde sei die aufschiebende Wir-
kung zu erteilen, ist festzustellen, dass der Beschwerde von Gesetzes we-
gen aufschiebende Wirkung zukommt (Art. 42 AsylG). Da diese von der
Vorinstanz auch nicht entzogen wurde, ist auf den besagten Antrag man-
gels Beschwer nicht einzutreten.
1.4 Die Beschwerdefrist ist noch nicht abgelaufen. Über Rechtsmittel kann
jedoch vor Ablauf der Beschwerdefrist befunden werden, wenn die Rechts-
mitteleingabe eindeutig als abschliessend zu verstehen und der Sachver-
halt vollständig ist (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen]
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 13 E. 1, 1996
Nr. 19 E. 3a und b). Diese Voraussetzungen sind zu bejahen.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
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Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG, wenn sie Nachteile bestimmter Intensität erlitten hat respektive mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeter-
weise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss entfernte
Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht, vielmehr müssen konkrete
Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch und nach-
vollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Massgeblich für
die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des
Asylentscheids. Die Gewährung des Asyls kann nicht dazu dienen, einen
Ausgleich für vergangenes Unrecht zu schaffen, sondern bezweckt, Schutz
vor künftiger Verfolgung zu gewähren (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4).
Das Flüchtlingsrecht ist subsidiär ausgestaltet. Demnach setzt die Aner-
kennung der Flüchtlingseigenschaft voraus, dass die betroffene Person in
ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE
2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Gemäss der Schutztheo-
rie ist somit die flüchtlingsrechtliche Relevanz einer nichtstaatlichen Verfol-
gung vom Vorhandensein eines adäquaten Schutzes durch den Heimat-
staat abhängig. Dieser Schutz ist als hinreichend zu qualifizieren, wenn die
betroffene Person effektiven Zugang zu einer funktionierenden und effi-
zienten Schutzinfrastruktur hat und ihr die Inanspruchnahme eines solchen
innerstaatlichen Schutzsystems zumutbar ist (vgl. BVGE 2011/51 E. 7.3).
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4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM erachtete die Fluchtvorbringen des Beschwerdeführers, wo-
nach es zwischen ihm und der Familie seiner Ex-Frau zu Problemen ge-
kommen sei und er sich wegen bisher nicht getilgter Schulden beim alge-
rischen Staat vor einer Verhaftung und Verurteilung zu einer Haftstrafe
fürchte, als den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG nicht genügend. Dieser Einschätzung ist beizupflichten. Zur Vermei-
dung von Wiederholungen kann auf die zutreffenden Ausführungen in der
angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Der Rechtsmitteleingabe
sind keine stichhaltigen Entgegnungen zu entnehmen.
5.2 Den vom Beschwerdeführer geschilderten Problemen mit der Familie
seiner Ex-Frau – verbale und handgreifliche Streitigkeiten unter Privatper-
sonen – ist in Ermangelung eines flüchtlingsrechtlich relevanten Verfol-
gungsmotivs im Sinne von Art. 3 AsylG die Asylrelevanz abzusprechen. Zu-
dem hat das SEM zutreffend auf die grundsätzlich bestehende Fähigkeit
und den Willen der algerischen Behörden, den Einwohnern Schutz vor Ver-
folgung und Bedrohung durch Drittpersonen zu gewähren, hingewiesen.
Die Ausführungen des Beschwerdeführers zeigen, dass er in diesem Zu-
sammenhang Zugang zu den staatlichen Schutzstrukturen hatte. Die von
ihm geäusserte Furcht vor allfälligen künftigen Behelligungen seitens der
Familie der Ex-Frau ist daher asylrechtlich nicht relevant.
5.3 Eine begründete Furcht, dass er bei einer Rückkehr nach Algerien we-
gen einer noch nicht erfolgten Rückzahlung eines staatlichen Darlehens
flüchtlingsrelevanten Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG
seitens der algerischen Behörden ausgesetzt wäre, vermochte der Be-
schwerdeführer nicht darzulegen. Bei der Äusserung, ihm könnte eine Ver-
haftung und Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe drohen, handelt es sich
um eine nicht belegte Vermutung. Konkrete Anhaltspunkte für tatsächlich
bestehende strafrechtliche Verfolgungsmassnahmen lassen sich den Ak-
ten nicht entnehmen, zumal der Beschwerdeführer zu Protokoll gab, nach
dem Erhalt gerichtlicher Vorladungen im Jahr (...) noch zwei Jahre an der
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registrierten Adresse in B._ gelebt und das Land im (...) 2019 legal
mit dem eigenen Reisepass auf dem Luftweg verlassen zu haben, ohne
dass es zu einer Festnahme gekommen wäre. Auf einer Verletzung eines
Darlehensvertrags beruhenden Massnahmen würde es aber ohnehin an
einem flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsmotiv im Sinne von Art. 3
AsylG fehlen, weshalb es dem entsprechenden Vorbringen des Beschwer-
deführers an der asylrechtlichen Relevanz fehlt. Allfällige Sanktionsmass-
nahmen wegen offener Darlehensschulden beim algerischen Staat würden
auf gemeinrechtlichen Bestimmungen basieren. Dass und weshalb der Be-
schwerdeführer in diesem Zusammenhang aufgrund asylrechtlich relevan-
ter Motive mit einem sogenannten Politmalus rechnen müsste, wird aus
den Akten nicht ersichtlich. Aus der Äusserung, die Polizei habe bei ihm
zuhause nach ihm gesucht, lässt sich nicht schliessen, dass der Beschwer-
deführer von den heimatlichen Behörden aus einem von Art. 3 AsylG um-
fassten Grund gesucht und verfolgt würde. Auch nach schweizerischem
Recht besteht grundsätzlich die Möglichkeit, Personen, welche gerichtli-
chen Vorladungen keine Folge leisten, polizeilich vorführen zu lassen.
5.4 Das SEM hat somit die Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und
das Asylgesuch des Beschwerdeführers folgerichtig abgelehnt.
6.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
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7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.2.2 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur
Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Dies ist dem Beschwerdeführer unter Verweis auf die
vorstehenden Ausführungen zum Asylpunkt nicht gelungen. Es bestehen
keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine ernsthafte und konkrete Ge-
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fährdung des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 EMRK. Auch die all-
gemeine Menschenrechtssituation in Algerien lässt den Wegweisungsvoll-
zug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.1 Die allgemeine Lage in Algerien ist weder von Bürgerkrieg noch von
allgemeiner Gewalt gekennzeichnet, so dass der Vollzug der Wegweisung
dorthin grundsätzlich zumutbar ist (vgl. statt vieler Urteil des BVGer
D-5045/2020 vom 23. Oktober 2020 E. 8.3.1).
7.3.2 Sodann ist in Übereinstimmung mit dem SEM nicht davon auszuge-
hen, der Beschwerdeführer würde bei einer Rückkehr nach Algerien aus
individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur
in eine existenzielle Notlage geraten, die als konkrete Gefährdung im Sinne
der zu beachtenden Bestimmung zu werten wäre (Art. 83 Abs. 4 AIG). Der
(...)jährige und alleinstehende Beschwerdeführer hat seinen Angaben zu-
folge bis zur Ausreise im (...) 2019 mit seinen Eltern und Geschwistern in
einem Haus in B._ gelebt. Er verfügt somit dort über ein verwandt-
schaftliches Beziehungsnetz und eine Unterkunft. Zudem kann er mehrjäh-
rige Arbeitserfahrung als (...) vorweisen, so dass davon ausgegangen wer-
den darf, dass er bei einer Rückkehr auch künftig in der Lage sein wird, für
seinen Lebensunterhalt aufzukommen. Allfällige anfängliche wirtschaftli-
che Reintegrationsschwierigkeiten vermögen dem Vollzug im Übrigen nicht
entgegenzustehen, da blosse soziale oder wirtschaftliche Schwierigkeiten,
von den die ansässige Bevölkerung betroffen ist (bspw. Mangel an Arbeits-
plätzen), keine existenzbedrohende Situation zu begründen vermögen
(vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6). In Bezug auf die vorgebrachten (...) ist da-
rauf hinzuweisen, dass aus gesundheitlichen Gründen nur dann auf Unzu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG ge-
schlossen werden kann, wenn eine dringend notwendige medizinische Be-
handlung im Heimatland schlicht nicht zur Verfügung steht und die fehlende
Möglichkeit der (Weiter-)Behandlung bei einer Rückkehr zu einer raschen
und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustands, zur
Invalidität oder gar zum Tod der betroffenen Person führt, wobei Unzumut-
barkeit jedenfalls nicht vorliegt, wenn im Heimatstaat eine nicht dem
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schweizerischen Standard entsprechende Behandlung grundsätzlich mög-
lich ist (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5,
2009/28 E. 9.3.1, 2009/2 E. 9.3.2). Von einer solchen medizinischen Not-
lage ist vorliegend nicht auszugehen.
7.4 Des Weiteren obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). Schliesslich steht auch die Corona-
Pandemie dem Vollzug nicht entgegen. Es handelt sich dabei, wenn über-
haupt, um ein temporäres Vollzugshindernis, dem im Rahmen der Voll-
zugsmodalitäten Rechnung zu tragen ist.
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
9.
Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen, wes-
halb sich der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses als gegenstandslos erweist.
10.
10.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist –
unabhängig davon, ob der Antrag des Beschwerdeführers nebst der unent-
geltlichen Prozessführung auch die unentgeltliche Rechtsvertretung um-
fassen sollte – abzuweisen, da die Begehren, wie sich aus den vorstehen-
den Erwägungen ergibt, als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb
die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG – ungeachtet der behaup-
teten Bedürftigkeit des Beschwerdeführers – nicht erfüllt sind.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
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Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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