Decision ID: 4e5188d7-7b3f-4cb8-89ba-869d9d909e83
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 21. April 2006 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
wegen eines chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndroms zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 1). Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, berichtete am 3. Oktober 2007, der Versicherte leide an einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und an einer schweren depressiven
Episode. Er bescheinigte ihm sowohl für die angestammte Tätigkeit als C._ als auch
für jegliche anderen Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 44). Im Auftrag
der IV-Stelle wurde der Versicherte am 16. Januar 2008 durch Dr. med. D._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. Der Gutachter diagnostizierte: eine
primär chronisch verlaufende mittelgradige depressive Episode mit somatischen
Symptomen (ICD-10: F32.11) auf dem Boden von Problemen durch negative
Kindheitserlebnisse (Z61.1, Z61.2, Z61.3, Z61.6) bei Verdacht auf asthenische
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.7), einen Verdacht auf eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) im Zusammenhang mit chronifiziertem
lumbospondylogenem Schmerzsyndrom und Störungen durch multiplen
Substanzgebrauch (Analgetika, Opiate, Hypnotika, Tranquilizer, Nikotin; ICD-10:
F19.25). Der Versicherte sei weder in psychischer noch in körperlicher Hinsicht für
irgendeine Tätigkeit einsetzbar (Gutachten vom 13. Februar 2008, IV-act. 53,
insbesondere S. 11 ff.).
A.a.
Die RAD-Ärztin Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
vertrat in der Stellungnahme vom 18. April 2008 die Ansicht, das psychiatrische
Gutachten weise einige Inkonsistenzen auf, weshalb darauf nicht abgestützt werden
A.b.
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könne. Sie empfahl eine stationäre Begutachtung des Versicherten (IV-act. 54). Am
7. Juni 2008 kam die RAD-Ärztin auf die Empfehlung zurück und befürwortete
stattdessen die Beantwortung der Fragen durch Dr. B._, ob seiner Meinung nach
eine stationäre Entgiftung und medikamentöse Neueinstellung medizinisch zumutbar
sei, falls nein, weshalb nicht, und falls ja, ob er eine Einweisung in eine geeignete
psychiatrische Klinik veranlassen würde (IV-act. 59). Zu diesen am 11. Juni 2008
gestellten Fragen (IV-act. 61-1) nahm Dr. B._ am 4. Juli 2008 Stellung. Er führte aus,
dass zwar eine psychische, vielleicht auch eine körperliche Abhängigkeit bestehe.
Diese halte er jedoch für ein sekundäres Phänomen, verursacht durch die
zugrundeliegende Depression und somatoforme Schmerzstörung. Er denke, eine
erfolgreiche Behandlung der Substanzabhängigkeit würde keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit haben. Eine stationäre Entgiftung und medikamentöse Neueinstellung
sei dem Versicherten nicht zumutbar. Der Versicherte sei für eine stationäre
Behandlung nicht therapiefähig (IV-act. 61-3 f.). Die RAD-Ärztin Dr. E._ vertrat in der
Folge die Auffassung, der Versicherte sei vollständig arbeitsunfähig und sein
Gesundheitszustand sei stabil (Stellungnahme vom 14. Juli 2008, IV-act. 62).
Ausgehend von einem 100%igen Invaliditätsgrad sprach die IV-Stelle dem Versicherten
mit Verfügungen vom 4. März 2009 eine ganze Rente rückwirkend ab 1. Mai 2006 zu
(IV-act. 76 ff.).
Im Rahmen einer von Amtes wegen durchgeführten Revision stellte die IV-Stelle
keine Änderungen fest, die sich auf die Rente auswirken würden (Mitteilung vom
7. September 2012, IV-act. 88).
A.c.
Im Fragebogen «Revision der Invalidenrente/Hilflosenentschädigung» gab der
Versicherte am 2. November 2015 an, sein Gesundheitszustand sei unverändert
geblieben (IV-act. 92). Der behandelnde Dr. med. F._, Allgemeinarzt und Facharzt für
Chirurgie, berichtete am 13. November 2015, die Diagnosen und Beschwerden seien
gleichgeblieben (IV-act. 95). Im Bericht vom 14. Dezember 2015 bescheinigte Dr. B._
dem Versicherten weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 97). Dr. med.
G._, Fachärztin für Neurologie, Mitarbeiterin der IV-Stelle, gelangte nach einer
Würdigung der Akten zum Schluss, der Verlauf der somatischen Beschwerden sei
schwer nachvollziehbar. Die in den Akten liegenden psychiatrischen Beurteilungen
würden die Inkonsistenzen nicht diskutieren. Interessant erscheine in diesem
A.d.
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Zusammenhang zum Beispiel die Entwicklung der Familienplanung seit der
Begutachtung 2008. Damals sei der Versicherte psychisch durch seine Vaterrolle an
den Besuchswochenenden seines ersten Kinds (von seiner ehemaligen Partnerin)
überfordert und auf die Unterstützung durch seine Ehefrau angewiesen gewesen.
Trotzdem sei er im nächsten Jahr und drei Jahre später erneut Vater geworden. Aktuell
wäre wichtig, das tatsächliche Funktions- und Leistungsniveau zu ermitteln
(Stellungnahme vom 17. Mai 2016, IV-act. 100).
Die IV-Stelle gab daraufhin am 6. Juni 2016 Vorermittlungen ohne
Bildaufzeichnungen bei einem Privatdetektivbüro in Auftrag (IV-act. 101 und IV-
act. 103). Der Observant berichtete der IV-Stelle gestützt auf seine Wahrnehmungen
vom 15. Juni 2016, der Versicherte sei beim Rauchen auf dem Balkon gesehen
worden. Er habe sich mehrfach spontan gebückt und wieder aufgerichtet. Es seien
keine Einschränkungen sichtbar gewesen. Er habe auch den Kopf ohne erkennbare
Einschränkungen mehrfach gedreht und geneigt. Der Versicherte habe ein eher
selbstbewusstes Auftreten gezeigt. Aufgrund dieser Schilderungen dehnte die IV-Stelle
den Observationsauftrag unter Einschluss von Bewegtbildern aus (Gesprächs- und
Aktennotiz vom 15. Juni 2016, IV-act. 106). Im Zeitraum vom 8. Juni bis 12. August
2016 wurde der Versicherte an einzelnen Tagen observiert (Observationsbericht vom
23. August 2016, IV-act. 109; zu den Bewegtbildern siehe die separaten DVD in act.
G 5.2.1 ff.). Dr. G._ würdigte am 19. Oktober 2016 das Observationsmaterial und hielt
fest, während der Observationsperiode weise der Versicherte ein eher niedriges
ausserhäusliches Aktivitätsniveau auf und vermittle einen affektiv niedergestimmten,
dysphorischen Eindruck. Trotzdem nehme er ohne signifikante Auffälligkeiten an
verschiedenen Alltagsaktivitäten und am Sozialleben teil. Täglich werde er beim
routinierten Lenken eines Fahrzeugs gesehen, entweder alleine oder mit
Familienangehörigen als Beifahrer. Die hierfür erforderliche Aufmerksamkeit und
Konzentrationsfähigkeit sei mit der Diagnose einer über Jahre anhaltend schweren
Depression nicht vereinbar. Der Versicherte nehme auch aktiv an der Betreuung der
Kinder teil. Das Kommunikationsverhalten gegenüber seiner Frau und den Eltern
anderer Kinder oder anderen Personen gegenüber sei nicht auffällig. Eine soziale
Phobie und ein sozialer Rückzug lägen nicht vor. Hierfür spreche auch, dass der
Versicherte häufig sein Smartphone bediene. Er werde wiederholt beim Erledigen von
A.e.
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Einkäufen gesehen. Dabei vermittle er keinen ängstlichen Eindruck und sei auch in der
Lage, sich alleine in die belebte St. Galler Altstadt zu begeben. Auf somatischer Ebene
falle eine unauffällige Spontanbeweglichkeit des Kopfes auf. Auf der Ebene des
Bewegungsapparates vermittle die Dokumentation nicht den Eindruck des
beschriebenen hochgradigen Leidensdrucks. Aus medizinischer Sicht sei eine neutrale
bidisziplinäre Begutachtung des Versicherten indiziert (IV-act. 112).
Am 4. November 2016 führte die IV-Stelle mit dem Versicherten ein Standort
gespräch durch und konfrontierte ihn dabei mit den Observationsergebnissen (IV-
act. 115; zu den dort teilweise angefertigten Aufzeichnungen siehe auch die separate
DVD act. G 5.2.3 [vgl. auch die Aktennotiz über die Aussagen und das Verhalten
anlässlich des protokollierten Standortgesprächs vom 4. November 2016, IV-act. 114]).
A.f.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 22. und 24. Februar 2017 in der
ZVMB GmbH durch Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be
wegungsapparates, begutachtet. Die beiden Gutachter stellten keine Diagnose, deren
Auswirkungen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würde. Sowohl für die angestammte
als auch eine leidensangepasste Tätigkeit bescheinigten sie dem Versicherten eine
100%ige Arbeitsfähigkeit. Diese gelte auch retrospektiv seit Mai 2006. Es handle sich
bezüglich der vormals rentenbegründenden psychiatrischen Diagnose um einen
anderen medizinischen Sachverhalt mit entsprechend auch anderer
versicherungsmedizinischer Bewertung (vormals Einbezug versicherungsfremder
Aspekte eines Krankenrollenverhaltens). Es hätten sich mehrfache erhebliche
Befundinkonsistenzen ergeben, ohne dass sich hierfür aus psychiatrischer Sicht
krankheitswertige versicherungsmedizinisch relevante Gründe eruieren liessen
(bidisziplinäres Gutachten vom 11. Dezember 2017, IV-act. 135, insbesondere
S. 32 ff.).
A.g.
In der Fallnotiz vom 13. Dezember 2017 gelangte die IV-Stelle zur Auffassung,
dass das Observationsmaterial verwertbar sei (IV-act. 136).
A.h.
Gemäss der Einschätzung von Dr. G._ vom 27. März 2018 erfüllt das
bidisziplinäre Gutachten die Qualitätskriterien. Es sei umfassend und weise keine
A.i.
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formellen Mängel auf (IV-act. 137). Am 3. April 2019 fand eine Besprechung zwischen
der IV-Stelle und dem Versicherten samt Rechtsvertreterin statt (IV-act. 150). Diese
übergab der IV-Stelle am Schluss des Gesprächs eine von ihr eingeholte
Stellungnahme von Dr. B._ vom 2. April 2019, worin dieser die Einschätzung von
Dr. H._ kritisierte (IV-act. 151). Die IV-Stelle ersuchte die Rechtsvertreterin des
Versicherten am 5. April 2019, ihre Anfrage an Dr. B._ vom 20. März 2019
einzureichen (IV-act. 152). Dr. G._ empfahl eine erneute Begutachtung des
Versicherten, insbesondere um den Verlauf seit der Vorbegutachtung vom Dezember
2017 beurteilen zu können. Die Stellungnahme von Dr. B._ sei dem psychiatrischen
Gutachter (Dr. H._) zur Stellungnahme zu unterbreiten (Stellungnahme vom 15. April
2019, IV-act. 155). Am 18. April 2019 teilte die Rechtsvertreterin der IV-Stelle mit, sie
werde ihr Schreiben an Dr. B._ vom 20. März 2019 nicht einreichen (IV-act. 156). Am
9. Mai 2019 ersuchte die IV-Stelle die Rechtsvertreterin erneut, ihr Schreiben an
Dr. B._ einzureichen (IV-act. 157). Mit Schreiben vom gleichen Tag kündigte die IV-
Stelle die vorsorgliche Einstellung der Invalidenrente an (IV-act. 158). Hierzu nahm die
Rechtsvertreterin des Versicherten am 20. Mai 2019 in zwei verschiedenen Schreiben
Stellung (IV-act. 159 und 161) und reichte einen Bericht des während des stationären
Aufenthalts des Versicherten vom 29. März bis 29. April 2006 in der Klinik J._
behandelnden Dr. med. K._, Leitender Arzt Psychosomatik, vom 28. April 2006 ein
(IV-act. 160).
Am 28. Mai 2019 ersuchte die IV-Stelle die ZVMB GmbH um Stellungnahme zur
Kritik von Dr. B._ (IV-act. 163).
A.j.
Die IV-Stelle verfügte am 28. Mai 2019 die vorsorgliche Renteneinstellung mit
sofortiger Wirkung. Einer allfälligen Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung
(IV-act. 164). Dagegen erhob der Versicherte am 28. Juni 2019 Beschwerde (IV-
act. 167).
A.k.
Dr. H._ äusserte sich am 27. September 2019 zur Kritik von Dr. B._. Er hielt an
seiner bisherigen Einschätzung fest und die Einschätzung von Dr. B._ nicht für
aussagekräftig, da dieser keine Prüfung objektiver Kriterien vorgenommen habe (IV-
act. 174). In der Stellungnahme vom 12. Dezember 2019 empfahl Dr. G._, weiterhin
auf die gutachterliche Beurteilung abzustellen (IV-act. 178).
A.l.
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B.
Mit Entscheid vom 13. Dezember 2019, IV 2019/174, wies das
Versicherungsgericht die Beschwerde vom 28. Juni 2019 ab (IV-act. 179).
A.m.
Am 17. Februar 2020 zeigte die IV-Stelle dem Versicherten die Einstellung der
Rente per 1. Juli 2016 an. Bezüglich zurückzuerstattender Rentenleistungen werde er
eine separate Verfügung erhalten (IV-act. 182). Dagegen erhob der Versicherte am
18. Mai 2020 Einwand und ersuchte um eine weitere Fristerstreckung für eine
zusätzliche Begründung (IV-act. 194). Mit Verfügung vom 26. Mai 2020 ordnete die IV-
Stelle die Einstellung der Rente per 1. Juli 2016 an. Einer allfälligen Beschwerde entzog
sie die aufschiebende Wirkung (IV-act. 195). Am 28. Mai 2020 verfügte sie für vom
1. Juli 2016 bis 31. Mai 2019 zu Unrecht ausgerichtete Rentenleistungen eine
Rückforderung von insgesamt Fr. 247'050.--. Einer allfälligen Beschwerde entzog sie
die aufschiebende Wirkung (IV-act. 196 ff.).
A.n.
Gegen die Verfügungen vom 26. und 28. Mai 2020 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 29. Juni 2020. Darin beantragt der Beschwerdeführer deren
Aufhebung und es sei ihm weiterhin eine ganze Rente auszurichten; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zudem beantragt er die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung und die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der gegen die
Rückforderungsverfügung gerichteten Beschwerde. Zur Begründung bringt er im
Wesentlichen vor, die gutachterliche Beurteilung sei nicht beweiskräftig und er sei nach
wie vor krankheitsbedingt vollständig erwerbsunfähig. Allenfalls sei ein
Gerichtsgutachten einzuholen. Die Observation habe keine Ergebnisse gebracht, die
mit seinem Leiden nicht vereinbar wären. Ausserdem hätten die Gutachter lediglich
eine andere Würdigung des gleichgebliebenen Sachverhalts vorgenommen, was keinen
Revisionsgrund darstelle. Die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung seien
ebenfalls nicht erfüllt. Schliesslich sei der bestrittene Rückforderungsanspruch am
28. Mai 2020 längst erloschen (act. G 1). Mit der Beschwerde reichte der
Beschwerdeführer u.a. ein Schreiben von Dr. B._ zur Einweisung in eine
halbstationäre Behandlung vom 8. Juni 2020 ein (act. G 1.7).
B.a.
In der Beschwerdeantwort vom 24. August 2020 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie vertritt im Wesentlichen den
B.b.
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Standpunkt, dass die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit beweiskräftig sei.
Aus dem Einweisungsschreiben von Dr. B._ vom 8. Juni 2020 ergebe sich keine
relevante Verschlechterung. Er diagnostiziere im Wesentlichen die immer gleichen
Leiden. Zudem leite er die angebliche Verschlechterung ausschliesslich aus
psychosozialen Belastungsfaktoren (Tod der Grossmutter, Sistierung der Rente,
eheliche Spannungen) ab. Zwar sei es nachvollziehbar, dass solche Belastungsfaktoren
zu einer vorübergehenden Verschlechterung der Befindlichkeit führen könnten. Gemäss
konstanter Rechtsprechung seien jedoch solche Wirkungsfaktoren bei der
Invaliditätsbemessung konsequent auszuklammern. Eine revisionsrelevante
Veränderung des Sachverhalts sei ausgewiesen. So seien seit der ursprünglichen
Rentenzusprache psychosoziale Belastungen weggefallen und das Funktionsniveau in
verschiedenen Alltagsbereichen höher. Bezüglich der angefochtenen Rückforderung
sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzugestehen (act. G 5).
Am 1. September 2020 wird dem Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor Versicherungsgericht
entsprochen (act. G 6).
B.c.
Nach mehrmals erstreckter Frist (act. G 8 ff.) reicht der Beschwerdeführer am
15. Januar 2021 eine Replik ein, worin er unverändert an der Beschwerde festhält. Er
vertritt den Standpunkt, die Observation sei rechtswidrig in Auftrag gegeben worden.
Allerdings werde das Observationsmaterial nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts trotzdem verwertbar sein, weshalb eine Diskussion über die
Verwertbarkeit müssig sei. Des Weiteren äussert sich der Beschwerdeführer zur
inzwischen in Anspruch genommenen teilstationären und stationären psychiatrischen
Behandlung (act. G 14) und reichte verschiedene Berichte ein (Austrittsbericht der
Psychiatrie Nord, St. Gallen, über die tagesklinische Behandlung vom 30. Juni bis
13. September und vom 19. November bis 14. Dezember 2020, act. G 14.1;
Zwischenbericht der Psychiatrie L._ vom 11. November 2020, act. G 14.2, und
Austrittsbericht der Psychiatrie L._ vom 22. Dezember 2020 über die vom
14. September bis 18. November 2020 erfolgte stationäre Behandlung, act. G 14.3).
B.d.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Aufhebung des
Rentenanspruchs des Beschwerdeführers per 1. Juli 2016 und die Rückforderung
allenfalls zu viel ausgerichteter Leistungen.
2.
Die Beschwerdegegnerin stützt die Aufhebung des Rentenanspruchs primär auf die
Revision im Sinn von Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1).
In der Duplik vom 19. Februar 2021 hält die Beschwerdegegnerin unverändert an
der beantragten Beschwerdeabweisung fest. Zu den neu eingereichten psychiatrischen
Berichten führt sie aus, diese würden die hier nicht relevanten Verhältnisse nach dem
Zeitpunkt des Verfügungserlasses beschreiben. Zudem bestehe kein Anhalt dafür, dass
die behandelnden medizinischen Fachpersonen hinreichende Anstrengungen
unternommen hätten, die demonstrierten Einschränkungen zu validieren oder kritisch
zu hinterfragen (act. G 16).
B.e.
Das Versicherungsgericht ersucht die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers am
7. Dezember 2021 um Stellungnahme zur Frage, ob mit dem Antrag um Durchführung
einer mündlichen Verhandlung eine publikumsöffentliche Verhandlung im Sinn der
Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten oder eine mündliche
Parteibefragung im Sinn eines Beweisantrags ersucht wird (act. G 18). Hierauf
antwortete die Rechtsvertreterin am 14. Dezember 2021, dass eine Parteibefragung
beantragt werde. Das Gericht werde namentlich mittels Parteibefragung erheben
müssen, inwiefern sich an der Befragung auf der IV-Stelle Missverständnisse ergeben
hätten. Zudem seien die Lebensumstände des Beschwerdeführers zu erfragen. Eine
publikumsöffentliche Verhandlung sei indes nicht beantragt (act. G 19).
B.f.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt
2.1.
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jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 349 f.
E. 3.5). Ob eine solche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des
Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten, der versicherten Person eröffneten
rechtskräftigen Verfügung vorlag, die auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs beruht, mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung
(BGE 133 V 108 E. 5.4). Dabei stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der
Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustands
auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinn von
Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (vgl. BGE 112 V 372 E. 2b mit Hinweisen). Zeitliche
Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des
Invaliditätsgrades bildet der Sachverhalt, wie er den ursprünglichen Rentenverfügungen
vom 4. März 2009 (IV-act. 76 ff.) zugrunde gelegt wurde.
Im Rahmen der ursprünglichen Rentenzusprache ging die Beschwerdegegnerin
davon aus, dass der Beschwerdeführer an gravierenden Funktionsverlusten litt, die zu
einer vollständigen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bezogen auf sämtliche
Erwerbstätigkeiten führten. Dementsprechend wurde beim Einkommensvergleich das
Invalideneinkommen mit Fr. 0.-- bemessen. Damals wurde in tatsächlicher Hinsicht
eine ausgeprägte soziale Isolation (IV-act. 37-1 unten; zum Rückzug in das Zimmer
siehe IV-act. 44-5 oben bzw. die Angabe, «seine Tage verbringe er vor allem in seinem
Zimmer» siehe IV-act. 53-6 oben) bzw. ein ausgeprägter sozialer Rückzug (siehe hierzu
IV-act. 53-19) ermittelt. Auch im privaten Bereich sei der Beschwerdeführer kaum
integriert (IV-act. 53-13). Der Beschwerdeführer äusserte, in den Läden Panikattacken
und Schweissausbrüche zu bekommen (IV-act. 44-4 Mitte) und Fragen von Seiten
seiner Frau nicht ertragen zu können. Er werde sehr aggressiv, wenn seine Frau ihn zu
beruhigen versuche und wenn sie selbst unruhig sei (IV-act. 44-5 oben; zur enormen
Reizbarkeit siehe IV-act. 44-5 Mitte). Mit seiner Frau möge er nicht reden (IV-act. 53-6).
Des Weiteren berichtete der Beschwerdeführer über Selbstverletzungen («Wenn er
alleine sei, reisse er sich an den Haaren, schlage sich an den Kopf oder auf den Tisch
und weine sich aus.»; IV-act. 53-6 Mitte). Mit seinem (erstgeborenen) Kind habe er sich
von Anfang an überfordert gefühlt (IV-act. 53-7 Mitte). Es falle ihm schwer, die
Beziehung zu ihm aufrecht zu erhalten (IV-act. 53-13). Der psychische
Gesundheitszustand wurde von Dr. B._ derart gravierend eingeschätzt, dass er nicht
einmal eine Arbeit im geschützten Rahmen für zumutbar hielt (IV-act. 44-9). Aufgrund
der ausgeprägten Rückzugstendenzen musste auf Drängen des Beschwerdeführers
sogar eine tagesklinische Behandlung abgebrochen werden, was Dr. D._ hervorhob
(«erwähnenswert», IV-act. 53-9 Mitte; siehe zur tagesklinischen Behandlung vom
2.2.
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30. November 2006 bis 23. Februar 2007 IV-act. 53-18 ff., insbesondere IV-act. 53-17).
Dr. G._ wies plausibel darauf hin, der soziale Rückzug sei derart ausgeprägt
gewesen, dass er sogar eine adäquate Behandlung verunmöglicht habe (IV-act. 100-3).
Der Beschwerdeführer verfügte auch nicht mehr über eine Kontrolle des
Medikamentenkonsums (IV-act. 53-13). In den jeweiligen Revisionsfragebogen
antwortete der Beschwerdeführer am 6. August 2012 und am 2. November 2015 auf
die Frage, welche Fortbewegungsmittel er noch selbstständig benützen könne (Auto,
Motor- oder Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel), einzig mit «Bus» (IV-act. 92-9) bzw.
«öffentlicher Verkehr» (IV-act. 81-4). Autofahrten als Beifahrer seien ihm nur möglich,
wenn die Schwester das Auto lenke. Ansonsten fahre er mit niemand anderem mit (IV-
act. 92-9). Aus den IV-Akten ergibt sich nicht, dass der Beschwerdeführer nach Eintritt
seines psychischen Gesundheitsschadens bis zur Rentenzusprache noch ein Auto zu
lenken vermochte, sondern – wenn überhaupt bloss – öffentliche Verkehrsmittel
benutzte (siehe etwa Rechnung für Reisekosten vom 30. Januar 2008 [Datum
Posteingang IV-Stelle], IV-act. 52-2; sowie den als benutztes Fortbewegungsmittel
einzig genannten Zug, IV-act. 53-6 oben). Aus diesen Umständen ist mit Dr. G._
(siehe hierzu IV-act. 100-4) zu schliessen, dass der Beschwerdeführer bereits vor der
Rentenzusprache infolge des damaligen psychischen Gesundheitsschadens ausser
Stande war, ein Auto zu lenken.
Demgegenüber ergibt sich aus dem von Juni bis August 2016 an einzelnen Tagen
erlangten Observationsmaterial, dessen Verwertbarkeit im Sinn der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 143 I 377) vom Beschwerdeführer nicht
bestritten wird («wird das Ergebnis trotzdem verwertbar sein», act. G 14, III. Rz 4) und
auf das er sich selbst beruft (act. G 14, III. Rz 5 ff.), ein deutlich verbessertes Aktivitäts-
und Ressourcenniveau. Es bestehen vorliegend auch keine Anhaltspunkte dafür, dass
der Verwertbarkeit des Observationsmaterials etwas entgegenstehen würde,
weswegen hierzu keine Weiterungen nötig sind.
2.3.
So vermag der Beschwerdeführer ohne erkennbare Einschränkungen alleine oder
mit seiner Ehefrau bzw. den übrigen Familienangehörigen ein Auto zu lenken (siehe zu
den zahlreichen Fahrten am selben Vormittag die Bewegtbilder vom 15. Juni 2016, act.
G 5.2.1; siehe auch die Bewegtbilder vom 22. Juni 2016, act. G 5.2.2). Der
Beschwerdeführer ist ebenfalls ohne erkennbare Einschränkungen und ohne
erkennbare Anspannung in der Lage, bei betriebsamen Strassen- und
Personenverhältnissen Einkäufe zu erledigen (siehe etwa Bewegtbilder vom 22. Juni
2016, ab Minute ca. 2:50, act. G 5.2.2; zum entspannt wirkenden Fahren bei offenem
Fenster und zur dabei herauslehnenden, eine Zigarette haltenden linken Hand siehe
2.3.1.
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Bewegtbilder vom 22. Juni 2016, ab ca. Minute 6:15, act. G 5.2.2; zum am gleichen
Vormittag nochmals erfolgten Einkauf siehe ab Minute ca. 22.25, act. G 5.2.2). Der
Beschwerdeführer verfügt ausserdem über die Fähigkeit, mit Drittpersonen in Kontakt
zu treten und ein Gespräch zu führen (Bewegtbilder vom 15. Juni 2016, ab ca. Minute
4:45, act. G 5.2.1 samt Darreichung einer Zigarette). Zudem vermag er freundlich-
lächelnd Begrüssungen zu erwidern (siehe Bewegtbilder vom 15. Juni 2016, ca. ab
Minute 20:28, act. G 5.2.1) bzw. mit winkender rechter Hand stehend vom Spielplatz
aus freundlich zu grüssen (Bewegtbilder vom 22. Juni 2016, ab ca. Minute 40:26, act.
G 5.2.2). Im Übrigen wurde der Beschwerdeführer auch nicht in Situationen gefilmt, in
denen eine ausgeprägt lächelnde Mimik zu erwarten gewesen wäre. Im Vergleich mit
anderen von der Observation erfassten Drittpersonen zeigen sich jedenfalls keine
wesentlichen Abweichungen in den Gesichtsausdrücken oder im sonstigen
nonverbalen Verhalten. Des Weiteren zeigt sich der Beschwerdeführer wiederholt
ungezwungen auf dem Balkon (Bewegtbilder vom 5. Juli 2016, ab ca. Minute 5:37, act.
G 5.2.3). Dabei nimmt er u.a. eine exponierte Haltung am Geländer ein und erweckt
den Eindruck eines interessierten Betrachters der sich davor im öffentlichen Raum
abspielenden Geschehnisse (Bewegtbilder vom 15. Juni 2016, ab ca. Minute 1:50, act.
G 5.2.1; Bewegtbilder vom 5. Juli 2016, am Beginn der Aufnahme, ab ca. Minute 3:47
mit kurzem Gespräch mit einer nicht erkennbaren, sich unter dem Vorplatz des Balkons
aufhaltenden Drittperson, und Bewegtbilder vom 12. August 2016, ab ca. Minute 24:56,
act. G 5.2.3).
In einer mit dem Observationsmaterial (siehe vorstehende E. 2.3.1) zu
vereinbarenden Weise vertrat Dr. H._ die Auffassung, dass der Beschwerdeführer
während der Observation – abgesehen von einem mürrischen Gesichtsausdruck –
keine Hinweise auf Auffälligkeiten gezeigt habe. Auch das Autofahren scheine ihm
uneingeschränkt möglich. In seinen normalen Alltagsaktivitäten erscheine der
Beschwerdeführer nicht eingeschränkt (IV-act. 135-29). Soziale Ängste und ein sozialer
Rückzug hätten nicht beobachtet werden können (IV-act. 135-16 f. und IV-act. 135-23
Mitte). Auch Dr. G._ würdigte das Observationsmaterial dahingehend, dass der
Beschwerdeführer – abgesehen von einem (teilweise) niedergestimmten Eindruck –
ohne signifikante Auffälligkeiten an verschiedenen Alltagsaktivitäten und am
Sozialleben teilnehme. Die beim routinierten Fahrzeuglenken erforderliche
Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit sei mit der Diagnose einer über Jahre
anhaltend schweren Depression nicht vereinbar. Das Kommunikationsverhalten
gegenüber seiner Ehefrau und den Eltern anderer Kinder oder anderen Personen sei
nicht auffällig. Eine soziale Phobie und ein sozialer Rückzug würden nicht zu bestehen
2.3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/26
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scheinen. Hierfür spreche auch, dass der Beschwerdeführer häufig sein Smartphone
bediene. Er werde wiederholt beim Erledigen von Einkäufen, entweder alleine oder
gemeinsam mit seiner Ehefrau, gesehen. Dabei vermittle er keinen ängstlichen
Eindruck (IV-act. 112-4).
Aus den übrigen Akten gehen ebenfalls Hinweise auf eine erhebliche Verbesserung
des Leidensbilds – gerade mit Blick auf das soziale Funktionsniveau – hervor. So
besteht inzwischen eine konfliktfreie und verständnisvolle Beziehung mit der Ehefrau,
aus der seit 2009 vier Kinder hervorgegangen sind. Der Beschwerdeführer äusserte,
seine Ehefrau sei «wichtig für alles». Er klammere sich an sie. Die gemeinsame
Einnahme des Mittagessens sei wichtig für ihn (IV-act. 135-46). Seine Ehefrau gebe ihm
Halt (IV-act. 135-11). Sie würden auch miteinander über ihre Probleme sprechen (IV-
act. 135-12 Mitte). Des Weiteren ergeben sich weder aus dem Gutachten noch den
übrigen seither ergangenen medizinischen Unterlagen Anhaltspunkte für
selbstverletzende Handlungen.
2.4.
Die der Rentenzusprache zugrunde gelegten psychischen Auffälligkeiten scheinen
ihre Ursache zudem zu einem wesentlichen Teil in den damaligen psychosozialen
Belastungen gehabt zu haben (IV-act. 135-34), wie sich denn auch aus den Berichten
von Dr. K._ vom 28. April 2006 (IV-act. 160-1) und von Dr. B._ vom 2. April 2019
(IV-act. 151-1 unten) ergibt. Die psychosoziale Belastungssituation ist indessen nicht
mehr dieselbe. Vielmehr scheint der Beschwerdeführer ein unauffälliges Familienleben
zu führen. Der Beschwerdeführer vermochte nach einer Stabilisierung des psychischen
Zustands der Ehefrau (in bescheidenem Umfang) im Haushalt und der Kinderbetreuung
zu helfen (E-Mail von Dr. B._ vom 8. Juni 2020, act. G 1.7). Seine Beziehung mit der
Ehefrau entwickelte sich zum Positiven. Er hat in seiner Ehefrau inzwischen eine
wichtige Stütze, auch als Gesprächspartnerin, gefunden (siehe vorstehende E. 2.4; zur
früheren mit starken negativen Reizen für den Beschwerdeführer verbundenen
Beziehung siehe IV-act. 44-5 und IV-act. 53-6). Er ist in der Lage, sich um seine älteste
Tochter zu kümmern und die weiteren vier Kinder mitzubetreuen. Er ist ausserdem
imstande, mit seiner Familie in den Urlaub zu fahren (IV-act. 135-35 und IV-
act. 115-24 f.; zum davon abweichenden, früheren Zustand, in dem er kaum im
privaten Bereich integriert war, siehe etwa IV-act. 53-13 oben). In damit zu
vereinbarender Weise bezeichnete Dr. H._ die ursprüngliche Anpassungsreaktion
nach Arbeitsplatzverlust und familiärer Konfliktsituation als remittiert (IV-act. 135-32).
2.5.
Im Licht der vorstehend genannten Verhältnisse ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die der ursprünglichen Rentenzusprache
zugrunde gelegten sozialen Beeinträchtigungen und Ängste sowie die damit
2.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/26
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verbundenen Einschränkungen des sozialen Funktionsniveaus nicht mehr, spätestens
ab dem Beginn der Observation jedenfalls in einem deutlich weniger ausgeprägten
Ausmass vorlagen. Diese positive Entwicklung wird vom Beschwerdeführer insoweit
bestätigt, als er geltend macht, mehr Selbstvertrauen zu haben und ein – immerhin –
«bescheiden aktives» Leben zu führen (act. G 1, IV. Rz 12). Dass Dr. H._ die von
Dres. D._ und B._ früher bescheinigte Arbeitsunfähigkeit bzw. die vormals
angenommene hochgradige psychische Störungssymptomatik für nicht belegt hält (IV-
act. 135-23 unten), ändert nichts daran, dass sich unabhängig davon die tatsächlichen
Verhältnisse (Funktions- und Ressourcenniveau des Beschwerdeführers) seit der
ursprünglichen Rentenzusprache verändert haben. Weder aus den Ausführungen von
Dr. B._ (IV-act. 151) noch des Beschwerdeführers gehen überzeugende Vorbringen
hervor, welche die im Rahmen der Observation festgehaltenen erheblichen
Verbesserungen im Ressourcen- und Funktionsniveau des Beschwerdeführers in
Zweifel zu ziehen vermöchten. Dr. B._ setzt sich damit in seiner Stellungnahme vom
2. April 2019 inhaltlich auch gar nicht konkret auseinander, sondern beschränkt sich im
Wesentlichen auf den Standpunkt, die Observationsergebnisse bzw. das dort gezeigte
Leistungsniveau des Beschwerdeführers seien unbeachtlich (IV-act. 151-4). Ein
Vergleich mit dem früheren Aktivitätsniveau unterliess er. Soweit der Beschwerdeführer
gestützt auf die Aussage von Dr. B._ vorbringt, die Observationsergebnisse seien mit
einer schweren depressiven Störung «vollauf konsistent» (act. G 1, IV. Rz 12), vermag
er daraus nichts gegen eine relevante gesundheitliche Verbesserung abzuleiten. Denn
hinsichtlich der Frage nach einer revisionsrelevanten Veränderung des Sachverhalts ist
nicht vorausgesetzt, dass eine neue Diagnose gestellt worden ist. Eine
revisionserhebliche Veränderung kann selbst bei identischer Diagnose eintreten, wenn
– wie vorliegend – sich der Schweregrad eines Leidens verringert hat oder es der
versicherten Person gelungen ist, sich besser an das Leiden anzupassen (siehe etwa
das Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2014, 9C_459/2014, E. 3.3). Im
Übrigen fehlt es der Einschätzung von Dr. B._ an Beweiskraft (siehe hierzu
nachstehende E. 3.5), zumal sie widersprüchlich ist. Denn aus seiner E-Mail vom
8. Juni 2020 geht ebenfalls hervor, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers nach der Rentenzusprache zwischenzeitlich verbessert hatte. So
führte Dr. B._ am 8. Juni 2020 aus, (erst) in den letzten beiden Monaten sei es zu
einer «deutlichen Zustandsverschlechterung» gekommen. Der Beschwerdeführer habe
seine Tagesstruktur nicht mehr aufrechterhalten können, verstärkt soziale Ängste
entwickelt und sich zunehmend in die Wohnung zurückgezogen (act. G 1.7, S. 1 unten).
Dieser einer erst kürzlich eingetretenen, deutlichen Verschlechterung zugeschriebene
Zustand entspricht demjenigen, wie er der Rentenzusprache zugrunde lag (siehe hierzu
vorstehende E. 2.2).
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/26
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3.
In einem nächsten Schritt ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob
der veränderte Sachverhalt mit dem psychiatrischen Teilgutachten von Dr. H._
spruchreif abgeklärt wurde. Demgegenüber ist unbestritten geblieben, dass das
orthopädische Teilgutachten von Dr. I._ beweiskräftig ist.
Aufgabe der medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und insbesondere zur Frage Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261
E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob
er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachpersonen begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
3.1.
Bezüglich des vom Beschwerdeführer beklagten psychischen Leidensbilds gilt es
das Folgende zu beachten: Bei psychischen oder psychosomatischen
Krankheitsbildern steht das Beweisproblem im Vordergrund, da sich die Beurteilung
dieser Gesundheitsschäden und der dadurch bedingten Arbeitsunfähigkeiten –
mangels zuverlässiger bzw. bewährter Messmethodik – zwangsläufig zunächst auf die
Angaben der versicherten Person und deren Leidenspräsentation stützen und es an
einer eigentlichen davon unabhängigen, direkten Objektivierbarkeit fehlt. Deshalb ist
die umfassende Prüfung der Konsistenz und der Plausibilität der Leidensschilderung
sowie -präsentation für die möglichst objektive bzw. medizinisch-wirklichkeitsgetreue
Beurteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von zentraler
Bedeutung (siehe etwa BGE 141 V 281). Um eine möglichst objektive, von der
Selbsteinschätzung der versicherten Person unabhängige, der tatsächlichen
Funktionsfähigkeit entsprechende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Sinn von Art. 7
Abs. 1 und 2 ATSG zu gewährleisten (vgl. hierzu bzw. zur Massgeblichkeit des
tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens etwa das Urteil des Bundesgerichts vom
11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.2), haben die medizinischen Fachpersonen nebst den
Erkenntnissen der eigenen Untersuchung deshalb nach Möglichkeit bei ihrer Expertise
sämtliche Lebensaspekte zu würdigen, bei denen Beeinträchtigungen und Ressourcen
einer versicherten Person in Erscheinung treten. Dabei sich zeigende Umstände wie
etwa Inkonsistenzen, die auf krankheitsfremde Faktoren deuten oder ernsthafte Zweifel
am objektiven Umfang der geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigung begründen,
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 16/26
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sind zu benennen. Geltend gemachte Beeinträchtigungen, die auf solchen
krankheitsfremden bzw. nicht krankheitswertigen Faktoren beruhen oder zweifelhaft
erscheinen, sind bei der Beurteilung des Gesundheitsschadens sowie der
Arbeitsfähigkeit auszuklammern. Denn massgebend für die Ermittlung der
Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität sind nur gesundheitliche Beeinträchtigungen, deren
Vorhandensein aus objektiver Sicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit bejaht werden kann. Aus diesen Gründen sehen die
Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen
Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP, 3. vollständig überarbeitete
und ergänzte Auflage, 16. Juni 2016) denn auch vor, dass eine Stellungnahme zur
Authentizität von Beschwerden, von präsentierten Symptomen und von
Leistungseinschränkungen obligatorischer Bestandteil eines
versicherungspsychiatrischen Gutachtens zu sein hat. Das beinhaltet eine
Stellungnahme zur Frage, ob die berichteten Beschwerden und präsentierten
Symptome in sich konsistent sind oder ob Diskrepanzen, allenfalls sogar Widersprüche
bestehen. Dies gelingt am ehesten durch eine Gegenüberstellung der erhobenen
Informationen mit Hilfe der verschiedensten methodischen Zugänge. Diesbezüglich
sind Hinweise aus der Verhaltensbeobachtung und dem Anamneseverlauf relevant
(Qualitätsleitlinien, S. 29). Eine besondere Bedeutung bei der Exploration kommt der
detaillierten Beschreibung eines üblichen Tagesablaufs durch die versicherte Person
zu, da sich hieraus häufig Hinweise auf Interessen, Aktivitäten, Alltagsgewohnheiten
und damit Potential und Ressourcen, jedoch auch Diskrepanzen zu anderen Angaben
oder zum Verhalten in der Untersuchung ergeben (Qualitätsleitlinien, S. 16; siehe zum
Ganzen den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 5. Juni 2020, IV 2018/124,
E. 3.1).
Im Bestreben, eine möglichst objektive bzw. medizinisch-wirklichkeitsgetreue
Beurteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers vorzunehmen (siehe hierzu vorstehende E. 3.2), hat Dr. H._ im
Rahmen der Begutachtung des Beschwerdeführers u.a. eine einlässliche und
überzeugende Konsistenz- und Ressourcenprüfung vorgenommen und dabei
insbesondere das vom Beschwerdeführer im Alltag gezeigte, im Observationsmaterial
dokumentierte Aktivitätsniveau miteinbezogen (IV-act. 135-23 ff.). Im Gegensatz hierzu
stützt sich Dr. B._ einzig auf die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers und
unterlässt eine Konsistenz- und Ressourcenprüfung. Er spricht dem Verhalten des
Beschwerdeführers in Situationen, in denen sich dieser frei vom
versicherungsrechtlichen und medizinischen Kontext unbeobachtet fühlt, – trotz
erheblicher Hinweise auf Diskrepanzen und Inkonsistenzen – kategorisch jegliche
3.3.
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Aussagekraft ab («Aus dem Gesagten folgt weiter, dass die Observation natürlich auf
keine Weise etwas über die Arbeitsfähigkeit aussagen kann», IV-act. 151-4; «Der
Umstand, dass er [der Beschwerdeführer] wenigstens mit dem Auto fährt[,] ist
therapeutisch zu begrüssen und sagt rein gar nichts über seine Arbeitsfähigkeit aus»,
IV-act. 151-5 oben). Dr. H._ brachte zutreffend vor, statt die Observationsergebnisse
fachlich psychiatrisch (objektiv) in ihrer Tragweite zu diskutieren und sich dabei mit der
gutachterlichen Beurteilung auseinanderzusetzen, mutmasse Dr. B._, die
Beschwerdegegnerin habe dem Beschwerdeführer dadurch «einen Strick drehen
wollen» (IV-act. 174-5 unten). Es ist darüber hinaus gerichtsnotorisch, dass Dr. B._
dem sich im Alltag zeigenden Funktions- und Ressourcenniveau bei der Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit bewusst nicht Rechnung trägt (Entscheid vom 3. März 2020,
IV 2018/315, E. 2.7.2). Er hält es gar für «unseriös» und «unprofessionell», wenn
Schlüsse aus dem sich im Familien- und Freizeitbereich zeigenden Funktionsniveau auf
die Arbeitsfähigkeit gezogen werden (IV-act. 151-4 unten). Entgegen dieser Sichtweise
ist für eine beweiskräftige Arbeitsfähigkeitsschätzung beim Vorliegen psychischer
Krankheitsbilder jedoch eine umfassende Prüfung der Konsistenz und der Plausibilität
der Leidensschilderung sowie -präsentation für die Gewährleistung einer möglichst
objektiven fachmedizinischen Beurteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit von zentraler Bedeutung. Mit Blick darauf, dass die vollständige
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers gemäss Begründung von
Dr. B._ vor allem auf die schweren sozialen Ängste zurückzuführen sei und die
Krankheit sich u.a. in Form fehlender sozialer Kompetenzen auswirke (siehe hierzu den
Bericht vom 14. Dezember 2015, IV-act. 97-3), ist eine objektive Wahrnehmung des
sich unbeobachtet fühlenden Beschwerdeführers und dessen zwischenmenschlichen
Alltagsverhaltens auch im vorliegenden Fall offensichtlich für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung zentral und nicht die davon erheblich abweichende,
teilweise verzerrt anmutende Leidenspräsentation des Beschwerdeführers während der
Therapiesituation, wie sie auch audiovisuell anlässlich des Gesprächs vom
4. November 2016 festgehalten wurde (siehe act. G 5.2.3), und offenbar vorbehaltlos
von Dr. B._ übernommen wird. Nur schon die Möglichkeit, den Kopf nach links zu
drehen, weicht in der unbeobachteten Situation frappant von der auf Nachfrage hin
präsentierten möglichen Bewegung ab (siehe act. G 5.2.3 zur Observation, ca.
Minute 1:30). Das Vorgehen von Dr. B._ weckt im Übrigen Zweifel an der
Unvoreingenommenheit seiner Einschätzung, die durch unsachliche Formulierungen
bei der Kritik am psychiatrischen Gutachten noch verstärkt werden («unprofessioneller
Weise», «beschämende Angelegenheit», «in die Idee verrannt» IV-act. 151-6).
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Der von Dr. B._ erwähnte (IV-act. 151-1) Bericht von Dr. K._ vom 28. April
2006 (IV-act. 160) enthält keine zusätzlichen relevanten Informationen im Vergleich zur
von Dr. H._ beachteten Aktenlage (IV-act. 135-4 ff.), insbesondere im Vergleich zum
vorläufigen Austrittsbericht der Klinik J._ vom 28. April 2006 (worin eine schwere
depressive Symptomatik erwähnt wurde, IV-act. 13-6), dem Bericht von Dr. B._ vom
3. Oktober 2007 (IV-act. 44) oder dem Gutachten von Dr. D._ vom 13. Februar 2008
(IV-act. 53). Daraus lässt sich folglich nichts gegen die Beweiskraft der Beurteilung von
Dr. H._ ableiten. Ergänzend kann auf die schlüssigen Ausführungen von Dr. G._
vom 12. Dezember 2019 verwiesen werden (IV-act. 178-3).
3.4.
Dr. B._ bemängelt u.a. die Befunderhebung durch Dr. H._, da dieser nicht
«exakt die Items des AMDP-Systems verwendet» habe (IV-act. 151-2). Eine
Mangelhaftigkeit der gutachterlichen Befunderhebung kann darin nicht erblickt werden.
Entscheidend ist, dass das Gutachten von Dr. H._ den erforderlichen Einblick in den
psychischen Zustand des Beschwerdeführers liefert (Urteil des Bundesgerichts vom
23. April 2019, 8C_8/2019, E. 5.2.1). Gemäss Qualitätsleitlinien für
versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen Gesellschaft für
Psychiatrie und Psychotherapie, Stand 2016, gehören zum klinischen
Untersuchungsgang Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung. Das klassische
AMDP-System (Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der
Psychiatrie 2016) wird zur allgemeinen (orientierenden) Befunderhebung empfohlen
(Qualitätsleitlinien, S. 17). Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass Dr.
H._ nicht strikt dem AMDP-System gefolgt ist, sondern eine modifizierte Version
angewandt hat (Entscheid des Versicherungsgerichts vom 8. Mai 2019, IV 2017/54,
E. 2.1.3). Dr. B._ legt denn auch nicht überzeugend dar, dass objektiv relevante
Gesichtspunkte ausser Acht gelassen worden wären. Sein Vorbringen, relevante
Kriterien über das Gefühlsleben des Beschwerdeführers und die Suizidalität seien nicht
abgeklärt worden (IV-act. 151-3), erweist sich als aktenwidrig (IV-act. 135-11 Mitte,
worin der Beschwerdeführer über seine Gefühle und die Suizidalität gegenüber
Dr. H._ berichtete). Der Vorwurf von Dr. B._, Dr. H._ habe «in unprofessioneller
Weise die Subjektivität/das Innenleben des Exploranden völlig ausgeklammert» (IV-
act. 151-6), ist unbegründet. Ergänzend kann auf die Ausführungen von Dr. H._ in der
Stellungnahme vom 27. September 2019 (IV-act. 174-3 und IV-act. 174-4 f.) verwiesen
werden. Anzufügen bleibt, dass ein den Beweisanforderungen grundsätzlich
genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V 351 f. E. 3a und b) nicht in Frage
gestellt werden und Anlass zu weiteren Abklärungen bieten kann, wenn und sobald die
behandelnden medizinischen Fachpersonen nachher zu einer unterschiedlichen
Beurteilung gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen
3.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/26
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festhalten. Anders verhält es sich nur, wenn – was vorliegend nicht zutrifft – objektiv
feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu
führen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juli 2008, 9C_830/2007, E. 4.3 mit
Hinweisen). Ferner kann eine psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her
nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet einer psychiatrischen Fachperson – sei sie
nun in therapeutischer oder in begutachtender Funktion – daher praktisch immer einen
gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische
Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern die Beurteilung des
Experten oder der Expertin die Beweisanforderungen erfüllt (vgl. BGE 145 V 361 E.
4.1.2).
Da die Einschätzung von Dr. B._ auch bei eingehender Prüfung als nicht
beweiskräftig beurteilt werden muss, kann weiterhin offenbleiben, ob die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers bei ihrem Kontakt mit Dr. B._ dessen
Beurteilung in einer Weise beeinflusst hat, die bei der Beweiswürdigung Relevanz
erlangen würde (zur entsprechenden Kritik der Beschwerdegegnerin siehe IV-
act. 172-3, IV. Rz 6). Eine standesrechtliche Prüfung des Verhaltens der
Rechtsvertreterin bildet nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens.
3.6.
Die Aussage von Dr. H._, dass der Beschwerdeführer wohl sogar imstande sei,
in die Heimat mit dem Auto zu reisen, erweist sich entgegen der Sichtweise des
Beschwerdeführers nicht als reine Spekulation (act. G 1, IV. Rz 14). Denn einerseits
räumte der Beschwerdeführer selbst ein, dass er zumindest «ein bitzeli» das Auto
während seiner Ferien in der Heimatregion gelenkt habe (IV-act. 115-25), andererseits
sprechen auch die während der wenigen Observationstage häufigen Fahrten des
Beschwerdeführers für eine uneingeschränkte Fahrtauglichkeit.
3.7.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 1, IV. Rz 15, und act.
G 14, III. Rz 5) fällt das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers im Vergleich zum von
der Observation miterfassten Kreis von Erwachsenen – sei es nun etwa beim
Autofahren, bei den Einkäufen, auf dem Spielplatz oder auf dem Trottoir – aus Sicht
des medizinischen Laien und auch von Dr. H._ (IV-act. 135-23 Mitte und IV-
act. 135-25 oben) nicht (bedeutsam) ab. Wie bereits erwähnt (siehe vorstehende
E. 2.3.1), vermag er auch einen freundlichen Umgang mit Personen, die nicht zur
Familie gehören, zu pflegen. Eine klare Diskrepanz besteht demgegenüber zu seinem
Verhalten, das er beim Standortgespräch vom 4. November 2016 (zu den
entsprechenden audiovisuellen Aufzeichnungen siehe act. G 5.2.3) und offenbar
3.8.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/26
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4.
Bezüglich des Zeitpunkts des verbesserten Gesundheitszustands legte die
Beschwerdegegnerin schlüssig dar, dass bereits zu Beginn der Observation bzw. am
15. Juni 2016 dasjenige erhöhte Funktionsniveau des Beschwerdeführers vorgelegt
haben muss (IV-act. 182-3; zu den damaligen Wahrnehmungen siehe den
Überwachungsbericht vom 23. August 2016, IV-act. 109, S. 4 ff.), wie es auch der
gegenüber anderen im versicherungsrechtlichen Kontext stehenden Personen, wie
etwa den behandelnden medizinischen Fachpersonen, präsentiert.
Bei der Würdigung der gutachtlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H._
(und auch von Dr. I._) fällt weiter ins Gewicht, dass sie auf eigenständigen
(bidisziplinären) Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend ist. Die
medizinischen Vorakten, insbesondere auch das Observationsmaterial, wurden
einerseits verwertet. Andererseits hielt Dr. H._ überdies fest, dass er auch ohne die
Sichtung des Observationsmaterials zum selben Ergebnis gekommen wäre (IV-
act. 135-25; dies aufgrund der «erheblichen Inkonsistenzen», «so erhebliche Zweifel»
usw.). Die vom Beschwerdeführer geklagten Leiden wurden zur Kenntnis genommen
und – u.a. im Rahmen einer Konsistenz- und Ressourcenprüfung – gewürdigt. Es
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht oder
unzutreffend berücksichtigt worden wären. Solche ergeben sich denn auch weder aus
den Akten noch den Ausführungen des Beschwerdeführers. Gestützt auf das
bidisziplinäre ZVMB-Gutachten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass im Zeitpunkt der Begutachtung eine krankheitsbedingte
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus objektiver Sicht nicht mehr ausgewiesen war.
Mangels beeinträchtigter Arbeitsfähigkeit ging die Beschwerdegegnerin zu Recht
davon aus, dass kein rentenbegründender Invaliditätsgrad mehr vorliegt. Ein weiterer
Abklärungsbedarf besteht folglich nicht. Dies gilt namentlich auch für die vom
Beschwerdeführer vorgebrachten, nicht näher substanziierten Missverständnisse
anlässlich des Standortgesprächs (act. G 19, S. 2), zumal sich der Beschwerdeführer
damals korrekt behandelt fühlte und sogar Vertrauen gegenüber dem zuständigen
Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin zu fassen vermochte (IV-act. 115-17 und IV-
act. 115-23). Demnach erübrigen sich weitere Abklärungen und der Beweisantrag um
eine mündliche Parteibefragung (act. G 19) ist folglich abzuweisen, da davon keine
weiteren Erkenntnisse zu erwarten sind (zur Zulässigkeit einer antizipierten
Beweiswürdigung und zum fehlenden Anspruch auf eine öffentliche Verhandlung bzw.
Parteibefragung primär im Hinblick auf eine Beweisabnahme vgl. das Urteil des
Bundesgerichts vom 16. Oktober 2018, 9C_321/2018, E. 4.1)
3.9.
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gutachterlichen Beurteilung zugrunde liegt. Es ist folglich mit der Beschwerdegegnerin
davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand (spätestens) im Juni 2016
verbessert hatte. Da die Beschwerdegegnerin keinen früheren Aufhebungszeitpunkt
anordnete, erübrigen sich Weiterungen zu einem allfälligen früheren Eintritt der
gesundheitlichen Verbesserung. Unter diesen Umständen kann auch offenbleiben, ob
die Meldepflichtverletzung und das inkonsistente Verhalten des Beschwerdeführers
diesbezüglich zu einer Umkehr der Beweislast führen können.
Die Herabsetzung oder Aufhebung der Renten, der Hilflosenentschädigungen und
der Assistenzbeiträge erfolgt frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats an (Art. 88 Abs. 2 lit. a der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]); oder rückwirkend ab Eintritt der für den
Anspruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu Unrecht erwirkt hat
oder der ihm nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist
(Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV). Gemäss Art. 77 IVV haben die Berechtigten oder ihre
gesetzlichen Vertreter sowie Behörden oder Dritte, denen die Leistung zukommt, jede
für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung, insbesondere eine solche des
Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit sowie der persönlichen und
gegebenenfalls der wirtschaftlichen Verhältnisse des Versicherten unverzüglich der IV-
Stelle anzuzeigen. Die Meldepflicht stellt eine Konkretisierung des Grundsatzes von
Treu und Glauben dar. Die versicherte Person, die Leistungen beziehen will oder solche
bezieht, hat zur Ermittlung des anspruchsrelevanten Sachverhalts beizutragen. Sie
weiss über ihre persönlichen Verhältnisse am besten Bescheid. Durch die Erfüllung der
Meldepflicht wird dem Versicherungsträger die Abklärung des massgeblichen
Sachverhalts erleichtert (Art. 43 Abs. 1 ATSG; Urteil des Bundesgerichts vom
27. September 2018, 8C_26/2018, E. 4.3.2 mit Hinweis). Nach der Rechtsprechung
setzt eine Meldepflichtverletzung ein schuldhaftes Fehlverhalten voraus, wobei bereits
eine leichte Fahrlässigkeit genügt (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Oktober 2018,
9C_221/2018, E. 6.1 mit Hinweisen).
4.1.
bis
bis
Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV wurde auf den 1. Januar 2015 hin revidiert. Seit dieser
Revision und der damit eingefügten Ergänzung um den zweiten Satzteil kann bei einer
Meldepflichtverletzung oder einer unrechtmässigen Erwirkung der Rente die Leistung
rückwirkend auf den Zeitpunkt der erheblichen Änderung angepasst werden, ohne
dass die Meldepflichtverletzung (oder die unrechtmässige Erwirkung) kausal für die
Weiterausrichtung der Rente gewesen sein muss. Aus dieser Verordnungsänderung
ergibt sich, dass der Zeitpunkt der Kenntnis der IV-Stelle über die Verbesserung des
Gesundheitszustandes der Versicherten im Falle einer Meldepflichtverletzung nicht
4.2. bis
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länger die Grenze der Rückforderbarkeit bildet (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Mai
2018, 8C_859/2017, E. 4.3). Vorliegend kann in intertemporalrechtlicher Hinsicht
offenbleiben, welche Fassung von Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV Anwendung findet, da die
dem Beschwerdeführer vorgeworfene Meldepflichtverletzung kausal für die weiteren
bis zum 31. Mai 2019 ausgerichteten Rentenleistungen gewesen war.
bis
Der Beschwerdeführer wurde bereits in den Verfügungen vom 4. März 2009 und
vom 24. September 2009 ausdrücklich unter der Überschrift «Meldepflicht» darauf
hingewiesen, dass er jede Änderung in persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen,
die den Leistungsanspruch beeinflussen kann, der Beschwerdegegnerin unverzüglich
zu melden hat. In der beispielhaften Aufzählung wurde u.a. ein veränderter
Gesundheitszustand genannt (IV-act. 74-2, IV-act. 76-2 und IV-act. 79-2). In der
Mitteilung vom 7. September 2012 wurde der Beschwerdeführer nochmals auf die
Meldepflicht hingewiesen. Des Weiteren wurde er wiederholt darauf aufmerksam
gemacht, dass bei Verletzung der Meldepflicht Leistungen zurückgefordert werden
können (IV-act. 74-2 und IV-act. 88).
4.3.
Spätestens ab Juni 2016 entsprach das Funktionsniveau des Beschwerdeführers
nicht mehr dem gravierenden Zustand, wie er der Rentenzusprache zugrunde lag
(siehe vorstehende E. 2.6). Diese positive Entwicklung des Gesundheitszustands und
dessen Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit konnte dem Beschwerdeführer nicht
verborgen geblieben sein. Es erfolgte indessen keine entsprechende Meldung des
Beschwerdeführers, geschweige denn eine unverzügliche Mitteilung über die
veränderten Verhältnisse. Vielmehr gab er gegenüber M._, Mitarbeiter der
Beschwerdegegnerin, anlässlich des Standortgesprächs vom 4. November 2016
Einschränkungen vor, die im Widerspruch zum Aktivitätsniveau standen, wie es im
Rahmen der Observation festgehalten worden war. So verneinte er, sich mit Personen
ausserhalb seiner Kernfamilie unterhalten zu können (IV-act. 115-5). Er könne alleine
keine Einkäufe erledigen (IV-act. 115-7 oben). Er verneinte, dass es Tage gebe, an
denen sich die von ihm geklagten Leiden weniger bemerkbar machen würden (IV-
act. 115-9). Die Post vom Briefkasten abholen könne er nur, wenn niemand dort
anzutreffen sei (IV-act. 115-13 oben). Auf die Frage, wann er zuletzt einen
Personenwagen gelenkt habe, antwortete der Beschwerdeführer in einer mit den
Observationsergebnissen nicht in Einklang zu bringenden Weise, «Puhhh! Schon lange
her. Etwa – bei der Schwester als sie kam, habe ich einmal umparkiert, aber...». Das
letzte Mal, als er ein Auto gelenkt habe, «ist mehrere Jahre her» (IV-act. 115-15 f.). Der
Beschwerdeführer teilte somit dem Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin, von dem er
sich «sehr» korrekt behandelt fühlte (IV-act. 115-17) und der ihm auch vertrauensvoll
4.4.
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5.
Eine vor Verfügungserlass eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes
ist zu verneinen. Die von Dr. B._ am 8. Juni 2020 allein gestützt auf die
Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers vorgebrachte, «besonders in den letzten
ca. 2 Monaten» entwickelte Zustandsverschlechterung beruht auf invaliditätsfremden
psychosozialen Faktoren (einerseits Tod der Grossmutter des Beschwerdeführers und
andererseits Reaktion auf die Einstellung der Rentenleistungen, act. G 1.7; siehe zu
den damit verbundenen Belastungen und Sorgen auch den Austrittsbericht der
Psychiatrie L._ vom 22. Dezember 2020, act. G 14.3, S. 1 unten), worauf die
erschien (IV-act. 115-23), nicht sein tatsächliches Funktionsniveau und sein im Alltag
gelebtes soziales Verhalten mit. Mit seinem Aussageverhalten hat der
Beschwerdeführer es nicht bloss unterlassen, die konkreten Hinweise für eine
wiedererlangte Arbeitsfähigkeit zu melden, sondern er hat sogar ein Bild über seinen
Alltag bzw. seine Funktionsfähigkeit fortgezeichnet, das in Widerspruch zur Aktenlage
steht (siehe vorstehende E. 2.3.1 f.). Indem der Beschwerdeführer einen unverändert
schlechten Zustand geltend machte und zudem teilweise Fragen nach seinem
Funktionsniveau in tatsachenwidriger Weise (insbesondere bezüglich seines sozialen
Funktions- und Alltagsaktivitätsniveaus) beantwortete, kann ihm der Vorwurf nicht
erspart bleiben, zumindest in fahrlässiger Weise die Meldepflicht verletzt zu haben.
Gerade im vorliegenden Fall, in dem die Rente aufgrund massivster Beeinträchtigungen
im sozialen Funktionsniveau zugesprochen wurde, waren rechtzeitige, umfassende
tatsachengetreue Angaben über die Alltagsaktivitäten für eine Verlaufsbeurteilung von
elementarer Bedeutung. Es kann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen
werden, dass die Beschwerdegegnerin in Kenntnis des tatsächlichen Alltagsverhaltens
umgehend umfassende Abklärungen betreffend den gesundheitlichen Verlauf und das
effektiv vorhandene Funktionsniveau in die Wege geleitet und bei korrekter Mitwirkung
des Beschwerdeführers den Leistungsanspruch zeitnah angepasst und die Rente nicht
weiter bis 31. Mai 2019 ausgerichtet hätte. Deshalb hatte die Beschwerdegegnerin die
Rentenaufhebung in Nachachtung von Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV rückwirkend
anzuordnen, woran nichts ändert, dass die Beschwerdegegnerin bereits mit der
Überprüfung des Rentenanspruchs beschäftigt war (vgl. das Urteil des Bundesgerichts
vom 27. September 2018, 8C_26/2018, E. 4.3.2). Da spätestens ab Juni 2016 von
einem stabilen Gesundheitszustand ausgegangen werden konnte und dem
Beschwerdeführer der Vorwurf einer Meldepflichtverletzung nicht erspart werden kann,
findet Art. 88a Abs. 1 IVV keine Anwendung, womit auch der verfügte Zeitpunkt der
Rentenaufhebung (1. Juli 2016) nicht zu beanstanden ist (Urteil des Bundesgerichts
vom 30. September 2016, 8C_232/2016, E. 4.4).
bis
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Beschwerdegegnerin zutreffend hinweist (act. G 5, III. Rz 5). Mithin steht die
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands sowohl subjektiv als auch
objektiv in einem direkten Zusammenhang mit der von der Beschwerdegegnerin
beabsichtigten bzw. mittlerweile verfügten Renteneinstellung. Mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass im Vordergrund der von Dr. B._
gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers angenommenen Verschlechterung
eine reaktive Störung steht und damit kein von diesem psychosozialen Umstand
verselbstständigter invalidenversicherungsrechtlicher Gesundheitsschaden vorliegt
(Urteil des Bundesgerichts vom 21. August 2019, 8C_143/2019, E. 4.4.2.3 mit
Hinweisen).
6.
Schliesslich verbleibt die Prüfung der Rechtmässigkeit der am 28. Mai 2020 verfügten
Rückforderung von Rentenleistungen. Die Beschwerdegegnerin fordert die vom 1. Juli
2016 bis 31. Mai 2019 an den Beschwerdeführer ausgerichteten Rentenleistungen
(einschliesslich Kinderrenten) im Betrag von insgesamt Fr. 247'050.-- (Fr. 82'350.-- +
Fr. 32'940.-- + Fr. 131'760.--) zurück (IV-act. 196 ff.). Die Rückforderungssumme stellte
die Beschwerdegegnerin detailliert und nachvollziehbar dar. Sie blieb vom
Beschwerdeführer denn auch unbestritten.
Gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen
zurückzuerstatten. Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres,
nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber
mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Wird der
Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche das
Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist massgebend (Art. 25
Abs. 3 ATSG).
6.1.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist unter der Wendung «nachdem
die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat» (Art. 25 Abs. 2 ATSG) der
Zeitpunkt zu verstehen, in dem die Verwaltung bei Beachtung der ihr zumutbaren
Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine
Rückerstattung bestehen, oder mit anderen Worten, in dem sich der
Versicherungsträger hätte Rechenschaft geben müssen über Grundsatz, Ausmass und
Adressat des Rückforderungsanspruchs. Die Voraussetzungen für eine Rückforderung
müssen demnach gegeben sein und der Rückforderungsanspruch muss feststehen.
Das setzt nach der Praxis des Bundesgerichts u.a. voraus, dass über die
«Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs rechtmässig» verfügt bzw. – im
6.2.
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7.
Beschwerdefall – gerichtlich entschieden worden ist. Das Bundesgericht hat wiederholt
den Standpunkt vertreten, es sei nicht bundesrechtswidrig, zuverlässige Kenntnis von
der Rechtswidrigkeit des Leistungsbezugs erst nach Eintritt der Rechtskraft der
Rentenaufhebung anzunehmen (siehe zum Ganzen das Urteil des Bundesgerichts vom
23. März 2015, 8C_642/2014, E. 3.2 mit zahlreichen Hinweisen).
Im vorliegenden Fall ist die relative Verwirkungsfrist nach der vorstehend
genannten Praxis des Bundesgerichts offensichtlich gewahrt, nachdem sie aufgrund
der noch nicht rechtskräftigen Aufhebungsverfügung noch gar nicht zu laufen
begonnen hat. Selbst wenn davon abweichend betreffend den Fristenbeginn auf die
Kenntnisnahme der gutachterlichen Stellungnahme vom 27. September 2019 abgestellt
würde (IV-act. 174), ist die einjährige Frist vorliegend gewahrt worden. Mit Blick auf die
(absolute) Verwirkungsfrist kann offenbleiben, ob vorliegend strafrechtliche
Verjährungsfristen von Bedeutung sind (siehe hierzu Art. 25 Abs. 2 Satz 2 ATSG), da
bereits die kürzere fünfjährige (absolute) Verwirkungsfrist gemäss Art. 25 Abs. 2 Satz 1
ATSG gewahrt wurde. Entgegen der nicht näher begründeten Ansicht des
Beschwerdeführers (act. G 1, IV. Rz 28) ist die verfügte Rückforderung demnach nicht
erloschen.
6.3.
Demnach hat der Beschwerdeführer die im Zeitraum vom 1. Juli 2016 bis 31. Mai
2019 unrechtmässig bezogenen Rentenleistungen im Betrag von insgesamt
Fr. 247'050.-- der Beschwerdegegnerin zurückzuerstatten.
6.4.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vollumfänglich
abzuweisen.
7.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege (act. G 6) ist er von der Bezahlung
zu befreien.
7.2.
bis
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung
(act. G 6) die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
7.3.
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