Decision ID: 9da4decf-3a09-4d09-87a7-176c7e4406f6
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Stefan Thalhammer, Schmiedgasse 28, Postfach
546, 9004 St. Gallen,
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St.Galler Gerichte
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente (Berechnung)
Sachverhalt:
A.
A._, verheiratet seit 12. Januar 1995 und Vater zweier Kinder (1999 und 2003),
meldete sich am 7. November 2007 unter Hinweis auf seit einem Unfall vom
28. Oktober 2006 bestehende Kniebeschwerden rechts zum Leistungsbezug der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Dabei gab er an, sich
von Geburt an bis zur Einreise in die Schweiz am 11. September 2002 in B._
aufgehalten zu haben (IV-act. 1/9-22).
B.
B.a Nach Durchführung des Vorbescheidsverfahrens (IV-act. 20) beschloss die IV-
Stelle des Kantons St. Gallen, dem Versicherten wegen der Unfallfolgen bei einem
Invaliditätsgrad von 50% eine halbe Invalidenrente ab 1. Oktober 2007 und aufgrund
einer zusätzlich aufgetretenen kardiologischen Erkrankung bei einem Invaliditätsgrad
von 94% eine ganze Rente ab 1. Oktober 2009 zuzusprechen. Zwischen 1. September
2008 und 1. Dezember 2008 sei die Rente wegen Eingliederungsmassnahmen nicht
auszurichten (IV-act. 24 f.).
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B.b Auf dieser Grundlage berechnete die Ausgleichskasse des Kantons Thurgau im
Auftrag der IV-Stelle die monatlichen Rentenleistungen (Kinderrenten eingeschlossen).
Sie legte der Rentenleistung bei angerechneten Beitragszeiten von 5 Jahren und 2
Monaten die Teilrentenskala 15 zugrunde. Entsprechend verfügte die IV-Stelle am
9. August 2011 die Invaliden- und Zusatzrenten ab 1. Oktober 2007 (IV-act. 42 ff.).
C.
C.a Dagegen richtet sich die vorliegende Beschwerde von Rechtsanwalt lic. iur.
S. Thalhammer, St. Gallen, vom 6. September 2011 mit dem Antrag, die Verfügungen
vom 9. August 2011 seien aufzuheben und die Invalidenrenten seien neu zu berechnen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zudem sei der Beschwerdeführer von
allfälligen Gerichts- und Parteikosten zu befreien. Zur Begründung macht der
Rechtsvertreter im Wesentlichen geltend, die Beschwerdegegnerin habe bei der
Rentenberechnung die seit 1995 von der erwerbstätigen Ehegattin bezahlten Beiträge
nicht mitberücksichtigt, die Erziehungsgutschriften des Beschwerdeführers ausser Acht
gelassen und eine falsche Rentenskala angewendet (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 24. Oktober 2011 weist die Beschwerdegegnerin
auf eine Stellungnahme des Amtes für AHV und IV des Kantons Thurgau vom 17.
Oktober 2011 hin. Damit stellt sie sich auf den Standpunkt, die Berechnung der Rente
sei in korrekter und gesetzeskonformer Weise erfolgt. Dem Beschwerdeführer könnten
nach der Wohnsitznahme in der Schweiz, mithin frühestens ab 11. September 2002
Beitragszeiten der Ehegattin und Erziehungsgutschriften angerechnet werden. Ab
1. Januar 2003 habe er seine Beitragspflicht durch eigene Einkommen erfüllt;
Erziehungsgutschriften seien ihm auch in den folgenden Jahren angerechnet worden.
Zur Auffüllung von Beitragslücken seien vorliegend nur Beitragszeiten für eine Dauer
von zehn Monaten vor dem Eintritt des Versicherungsfalles heranzuziehen. Es lägen
ausschliesslich fünf volle Beitragsjahre vor, woraus sich die Anwendung der
Teilrentenskala 15 ergebe (act. G 5).
C.c Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird mit Mitteilung vom 2. November
2011 vom Versicherungsgericht unter Hinweis darauf abgelehnt, dass die Bedürftigkeit
nicht ausgewiesen erscheint (act. G 6).
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C.d Mit Replik vom 17. November 2011 bringt der Rechtvertreter des
Beschwerdeführers vor, dieser habe sich bereits vom 28. Juni 1994 bis am
4. September 1998 in der Schweiz aufgehalten. Dies sei im Zusammenhang mit einem
Asyl- und Wegweisungsverfahren gewesen. Angesichts der Tatsache, dass der
Beschwerdeführer mehrheitlich in der Schweiz gewohnt und die Betreuung der Kinder
übernommen habe, sei die Berechnung der anrechenbaren Beitragsjahre entsprechend
zu korrigieren (act. G 8).
C.e Die Beschwerdegegnerin sowie das Amt für AHV und IV des Kantons Thurgau
haben auf eine Duplik verzichtet (act. G 11 und 14).
D.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften und den Inhalt der IV-Akten

wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
Angefochten sind drei Verfügungen vom 9. August 2011 (act. G 1/2-5), die aufgrund
einer IV-Anmeldung vom 7. November 2007 ergangen sind (IV-act. 1/9-16). Der
invaliditätsbegründende Sachverhalt entwickelte sich teilweise vor der auf anfangs
2008 in Kraft getretenen 5. Revision der Invalidenversicherung. Da sich die Definition
der Invalidität und die damit zusammenhängenden Begriffe mit dieser Revision nicht
geändert haben, werden diesbezüglich in diesem Urteil die seit dem 1. Januar 2008
gültigen Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) wiedergegeben. Soweit die Ausführungen des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers keinen Verweis auf das frühere Recht der Alters- und
Hinterlassenenversicherung erforderlich machen (vgl. nachstehend Erw. 5), werden im
Folgenden die Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung vom 20. Dezember 1946 (AHVG; SR 831.10) und der
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Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung vom 31. Oktober 1947
(AHVV; SR 831.101) in der aktuell geltenden Fassung zitiert.
2.
Streitgegenstand in diesem Beschwerdeverfahren bilden einzig die
Berechnungsgrundlagen der dem Beschwerdeführer ab 1. Oktober 2007
zugesprochenen Invalidenrenten.
2.1 Für die Rentenberechnung sind gemäss Art. 36 Abs. 2 IVG die Bestimmungen des
AHVG sinngemäss anwendbar. Die ordentlichen Renten der AHV und IV werden
gemäss Art. 29 Abs. 2 AHVG ausgerichtet als Vollrenten für versicherte Personen mit
vollständiger Beitragsdauer (lit. a) oder als Teilrenten für diejenigen mit unvollständiger
Beitragsdauer (lit. b). Die Beitragsdauer ist vollständig, wenn eine Person gleich viele
Beitragsjahre aufweist wie ihr Jahrgang (Art. 29 Abs. 1 AHVG). Gemäss Art. 50 AHVV
liegt ein volles Beitragsjahr vor, wenn eine Person insgesamt länger als elf Monate im
Sinne von Art. 1a oder 2 AHVGversichert war und während dieser Zeit den
Mindestbeitrag bezahlt hat oder Beitragszeiten im Sinne von Art. 29 Abs. 2 lit. b und
c AHVG aufweist. Als Beitragsjahre gelten gemäss Art. 29 Abs. 2 AHVG Zeiten, in
welchen eine Person Beiträge geleistet hat (lit. a), in welchen der Ehegatte gemäss
Art. 3 Abs. 3 mindestens den doppelten Mindestbeitrag entrichtet hat (lit. b) und für die
Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften angerechnet werden können (lit. c).
2.2 Bei der Berechnung der Renten werden Beitragsjahre, Erwerbseinkommen sowie
Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften der rentenberechtigten Person zwischen dem
1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres und dem 31. Dezember vor Eintritt des
Versicherungsfalles (hier: Invalidität) berücksichtigt (Art. 36 Abs. 2 IVG i.V.m. Art.
29 Abs. 1 AHVG). Beitragslücken können in engen Grenzen aufgefüllt werden. So
können gemäss Art. 52c erster Satz AHVV Beitragszeiten zwischen dem 31. Dezember
vor dem Eintritt des Versicherungsfalles und der Entstehung des Rentenanspruchs
herangezogen werden, wobei der Beitragsmonat, in welchem der Anspruch auf die
Invalidenrente entsteht, voll mitgezählt wird (Urteile des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts I 431/03 vom 26. August 2003 E. 1 mit Hinweis und I 78/00 vom
14. Juni 2002 E. 3 mit Hinweisen). Anzumerken ist, dass die im erwähnten Zeitraum
ter
ter
ter
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erzielten Erwerbseinkommen bei der Rentenberechnung nicht berücksichtigt werden
(Art. 52c zweiter Satz AHVV).
2.3 Bei unvollständiger Beitragsdauer besteht Anspruch auf eine Teilrente,
entsprechend dem gerundeten Verhältnis zwischen den vollen Beitragsjahren der
versicherten Person und denjenigen ihres Jahrgangs (BGE 121 V 74 E. 1; vgl. Art. 38
Abs. 1 und 2 AHVG). Art. 52 AHVV gibt dieses Verhältnis in Prozenten und die Zahl der
anwendbaren Rentenskalen von 1 bis 44 an. Nur bei der Rentenskala 44 (Beitragsjahre/
Jahrgang = [ab] 97,73%) wird eine Vollrente gewährt. Innerhalb der gegebenen
Rentenskala wird die Rente nach Massgabe des durchschnittlichen Jahreseinkommens
berechnet. Dieses setzt sich aus den Erwerbseinkommen, den Erziehungsgutschriften
und den Betreuungsgutschriften zusammen (Art. 29 AHVG). Versicherten
Personen wird für diejenigen Jahre eine Erziehungsgutschrift angerechnet, in welchen
ihnen die elterliche Sorge für eines oder mehrere Kinder zusteht, die das 16. Altersjahr
noch nicht erreicht haben (Art. 29 Abs. 1 erster Satz AHVG).
3.
3.1 Vorliegend ist gemäss Art. 29 Abs. 1 AHVG vom 31. Dezember 2006
retrospektiv ab 1. Januar 1992 (nach Vollendung des 20. Altersjahres) auf eine Anzahl
von 15 beitragspflichtigen Jahren gemäss Jahrgang 1971 zurückzublicken. Das Amt für
AHV und IV des Kantons Thurgau hält in einer Stellungnahme zur Beschwerde vom 28.
September 2011 fest, dass der Beschwerdeführer ab dem Monat seines Zuzugs in die
Schweiz (September 2002) versichert sei und ihm deshalb seither sowohl Beiträge der
Ehegattin als auch Erziehungsgutschriften (zwei Kinder mit Jahrgang 1999 und 2003;
vgl. IV-act. 1/9-16) angerechnet worden seien. Ab 1. Januar 2003 habe der
Beschwerdeführer seine Beitragspflicht (teilweise) durch eigene Einkommen erfüllt und
es seien ihm auch in den folgenden Jahren Erziehungsgutschriften angerechnet
worden (IV-act. 52; vgl. IK-Auszug vom 22. November 2007, IV-act. 21, sowie IV-
act. 27/3). Wie aus der Analyse der Beiträge und den detaillierten
Berechnungsgrundlagen der Ausgleichskasse hervorgeht (IV-act. 27/3 und 5), setzt
sich die anrechenbare Beitragsdauer aus 4 Jahren persönliche Beiträge, 4 Monaten
beitragslose Ehejahre sowie 10 Monaten im Rentenjahr zusammen. Insgesamt
quater
sexies
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resultieren daraus 5 Jahre und 2 Monate anzurechnende Beitragsjahre, die den
angefochtenen Verfügungen zugrundegelegt werden.
3.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wendet ein, selbst wenn bei 15
beitragspflichtigen Jahren des Jahrgangs die Anzahl von 5 Jahren und 2 Monaten
angerechnet werde, ergebe sich ein Quotient von 34,44% (62 Monate im Verhältnis zu
180 Monaten des Jahrgangs), so dass dem Beschwerdeführer 36,36% der Vollrente
gemäss Rentenskala 16 zustehe (act. G 1). Damit verkennt der Rechtsvertreter, dass
gestützt auf Art. 38 Abs. 2 AHVG nach der Tabelle in Art. 52 AHVV ausschliesslich volle
Beitragsjahre im Sinne von Art. 50 AHVV (mehr als elf Monate versichert mit anrechen
baren Beitragszeiten) zählen, weshalb die 2 Monate nicht einzubeziehen sind. Bei 5
vollen Beitragsjahren bzw. 60 Monaten und 180 Monaten des Jahrgangs resultiert ein
Quotient von 33,33%. Dieser liegt innerhalb der Bandbreite von 31,82 und 34,10,
womit die Teilrente gemäss Art. 52 AHVV 34,09% der Vollrente beträgt. Die Festlegung
der Rentenskala 15 durch die Beschwerdegegnerin erweist sich damit als korrekt.
4.
4.1 Des Weiteren macht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers unter Beilage
des IK-Auszuges der Ehegattin geltend, der Beschwerdeführer sei seit 12. Januar 1995
verheiratet und seine Ehegattin sei während der gesamten Ehe erwerbstätig gewesen,
weshalb ihre Beiträge, soweit sie die doppelte Höhe des Mindestbeitrages übersteigen
würden, gemäss Art. 3 Abs. 3 AHVG zu seinen Gunsten mit zu berücksichtigen seien
(act. G 1).
4.2 Dem hält die Beschwerdegegnerin grundsätzlich zu Recht entgegen, bis zum
Zeitpunkt der Wohnsitznahme in der Schweiz ab 11. September 2002 fehle dem
Beschwerdeführer die notwendige Eigenschaft als Versicherter, weshalb die früheren
Ehezeiten nicht berücksichtigt werden könnten (act. G 5).
4.3 Replicando bringt der Rechtsvertreter einen neuen Sachverhalt (vgl. IV-
Anmeldung; IV-act. 1/11) vor, wonach sich der Beschwerdeführer bereits früher in der
Schweiz aufgehalten haben soll. Am 28. Juni 1994 habe er in Kreuzlingen ein
Asylgesuch gestellt, welches damals abgewiesen worden sei. Da er über keine
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Reisepapiere verfügt habe, habe er die Schweiz nicht verlassen können. Auch eine
kurze Ausschaffungshaft habe nicht dazu geführt, dass er effektiv ausgeschafft worden
sei. Im März 1995 habe er sich immer noch in der Schweiz befunden und sei wegen
eines Deliktes gegen das Betäubungsmittelgesetz in Untersuchungshaft genommen
worden. Bis am 4. September 1998 habe er sich in der Schweiz aufgehalten. Die
Ausschaffung sei aufgrund der Kriegsgeschehnisse nach C._ erfolgt (act. G 8).
5.
Zu prüfen ist, ob die Zeitspanne des behaupteten früheren Aufenthalts von 1994 bis
1998 überhaupt als anrechenbare Beitragsdauer zählen kann. Dabei stellt sich die
Frage, ob der Beschwerdeführer im Rahmen des geltend gemachten Aufenthaltes als
versichert gelten kann.
5.1 Nach den allgemeinen Regeln des Übergangsrechts sind in zeitlicher Hinsicht -
auch bei einer Änderung der gesetzlichen Grundlage - grundsätzlich diejenigen
Rechtssätze relevant, die bei der Verwirklichung des zu Rechtsfolgen führenden
Sachverhaltes in Geltung standen (BGE 129 V 4 E. 1.2; BGE 129 V 169 E. 1; BGE 129 V
356 E. 1, je mit Hinweisen). Vorliegend soll der Beschwerdeführer am 28. Juni 1994 als
Asylbewerber in die Schweiz eingereist und am 4. September 1998 weggewiesen
worden sein. Am 12. Januar 1995 heiratete er eine Schweizer Bürgerin (IV-act. 23).
Dass er damals infolge der Eheschliessung eine Aufenthaltsbewilligung erhalten hätte,
ist nicht aktenkundig und wird im Beschwerdeverfahren nicht geltend gemacht.
Deshalb ist seine damalige Rechtsstellung als Asylsuchender bzw. abgewiesener
Asylsuchender nach altem Recht für die Frage der Versicherteneigenschaft
massgebend. Dabei ist die Rechtslage vor und nach dem 1. Januar 1997 zu
unterscheiden. Anknüpfungspunkt ist der gesetzliche Wohnsitz der asylsuchenden
Person.
5.2 Das Bundesgericht hielt bereits in einem Leiturteil vom 28. Januar 1987 betreffend
Verweigerung einer Heiratsbewilligung fest, die Frage, ob eine asylsuchende Person
Wohnsitz in der Schweiz hat, sei gemäss den Art. 23 ff. ZGB zu bestimmen (BGE 113 II
7 f. E. 2). Der Wohnsitz einer Person befindet sich an dem Ort, wo sie sich mit der
Absicht dauernden Verbleibens aufhält (Art. 23 Abs. 1 ZGB) und den sie sich zum
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Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen gemacht hat (BGE 120 III 8 E. 2a; BGE 97 II 3 E. 3).
Der einmal begründete Wohnsitz einer Person bleibt bestehen bis zum Erwerb eines
neuen Wohnsitzes (Art. 24 Abs. 1 ZGB). Ist ein früher im Ausland begründeter Wohnsitz
aufgegeben und in der Schweiz kein neuer begründet worden, so gilt der Aufenthaltsort
als (fiktiver) Wohnsitz (Art. 24 Abs. 2 ZGB).
5.3 Im Bereich des Sozialversicherungsrechts knüpfte aArt. 1 Abs. 1 lit. a AHVG (in
der am 1. Januar 1995 geltenden Fassung) auch an den zivilrechtlichen Wohnsitz an.
Danach waren die natürlichen Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz in der Schweiz
obligatorisch versichert. Sie waren gemäss Regelung auf derselben Gesetzesebene
(aArt. 1 Abs. 2 lit. c AHVG) jedoch nicht versichert, wenn sie - im hier relevanten Fall -
die Voraussetzung eines zivilrechtlichen Wohnsitzes nur "für eine verhältnismässig
kurze Zeit" erfüllten. Als verhältnismässig kurz wohnhaft galten zum einen die im
Asylverfahren vorläufig aufgenommenen Personen, wenn sie keine Erwerbstätigkeit
ausgeübt hatten (aArt. 2 Abs. 1 lit. e AHVV in der bis 1. Januar 1997 geltenden
Fassung), und zum anderen die abgewiesenen nichterwerbstätigen Asylsuchenden,
wenn sie die Schweiz verliessen (Kreisschreiben über Versicherungspflicht 1995/1996
Rz 3042). Die Frage, ob letztere verwaltungsrechtliche Weisung gesetzmässig war,
kann hier offen gelassen werden, weil der Beschwerdeführer keine eigenen Beiträge für
jene Jahre geltend macht, sondern die Beiträge der Ehefrau, die höchstens - wie in
nachstehender Erwägung 5.6 ausgeführt wird - ab Januar 1997 berücksichtigt werden
können.
5.4 Am 1. Januar 1997 trat die 10. AHV-Revision in Kraft. Nach dem damit
eingeführten Wortlaut von aArt. 1 Abs. 1 lit. a AHVG waren die natürlichen Personen
mit Wohnsitz in der Schweiz versichert. Dass es sich um den zivilrechtlichen Wohnsitz
handelt, wurde darin nicht mehr ausdrücklich erwähnt, blieb aber unbestritten.
Unverändert wurden die verhältnismässig nur kurz in der Schweiz wohnhaften
Personen wie bisher aus der Versicherteneigenschaft ausgeschlossen. In diesem
Zusammenhang wurde die Rechtsstellung von Asylsuchenden in aArt. 2 Abs. 2 AHVV
(in der vom 1. Januar 1997 bis 1. Januar 2007 geltenden Fassung) nun geregelt.
Demgemäss galten Asylsuchende ohne Erwerbstätigkeit in den ersten sechs Monaten
nach Einreichung ihres Asylgesuchs als nicht versichert, es sei denn, sie wurden
nachträglich als Flüchtlinge anerkannt. Anders formuliert: abgewiesene
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nichterwerbstätige Asylsuchende wurden erst nach Ablauf von sechs Monaten ihrer
Anwesenheit in der Schweiz versichert. Die Länge der Nichtunterstellung wurde unter
Berücksichtigung der angeblich durchschnittlichen Dauer des Asylverfahrens festgelegt
(Ueli Kieser, Alters- und Hinterlassenenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, N 66, mit
Hinweis auf AHI-Praxis 1996, S. 269). Die Frage, ob Art. aArt. 2 Abs. 2 AHVV mit aArt.
1 Abs. 1 lit. a AHVG zu vereinbaren sei (Kieser, SVR, a.a.O., N 66, Fn 228), erübrigt
sich hier, weil der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der 10. AHV-
Revision am 1. Januar 1997 nach seiner Darstellung seit mehr als sechs Monaten in der
Schweiz anwesend gewesen sei.
5.5 Eine Person, welche ein Asylgesuch eingereicht hat und nicht sofort weggewiesen
wurde, kann sich mit der Absicht dauernden Verbleibens in der Schweiz aufhalten.
Soweit ihre Anwesenheit nicht vorübergehend oder rein zufällig, sondern von einer ge
wissen Dauer gekennzeichnet ist, begründet sie einen schweizerischen Wohnsitz
gestützt auf Art. 23 ZGB (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf
2009, Art. 13 N 9). Das Eidgenössische Versicherungsgericht beurteilte in einem
Entscheid vom 23. Dezember 1999 die Lage einer asylsuchenden Person im Lichte von
aArt. 1 Abs. 1 AHVG. Sie befinde sich zwar in einer provisorischen Situation, zumal sie
mit einem negativen Asylentscheid und der Wegweisung aus der Schweiz rechnen
müsse. Dies ändere aber nichts daran, dass sie den Wohnsitz im Heimatland aufge
geben und die Schweiz zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht habe (SVR 2000 IV Nr. 14
E. 3d; BGE 113 II 7 f.). Geht sie eine Ehe ein und wohnt mit ihrem Ehegatten an einer
Privatadresse, so verfestigt sich - unabhängig vom Stand und den Chancen des
Asylverfahrens - ihre Rechtsstellung im Sinn eines realen Wohnsitzes in der Schweiz
(Brückner, Das Personenrecht des ZGB, Zürich 2000, N 369). Hält sich die asyl
suchende Person mit schweizerischem Wohnsitz nach Abweisung ihres Asylbegehrens
weiter in der Schweiz auf, so bleibt ihr Schweizer Wohnsitz bis zur effektiven Ausreise
bestehen, da dieser nicht von behördlichen Aufenthaltsgenehmigungen abhängt (BGE
113 II 8; Basler Kommentar-ZGB I/Staehelin, Art. 23 N 19 mit Hinweisen, 4. Aufl., Basel
2010).
5.6 Im zu beurteilenden Fall ist nicht ersichtlich, wann das Asylgesuch des
Beschwerdeführers abgelehnt wurde. Aktenkundig ist nur seine Heirat in der Schweiz
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am 12. Januar 1995. Würde es ihm gelingen, die vorgebrachte Anwesenheit vom
28. Juni 1994 bis 4. September 1998 zu beweisen, könnten Ehezeiten für die
Zeitspanne ab Januar 1997 berücksichtigt werden. Letzteres, weil sich der
Beschwerdeführer bezüglich Beitragsjahre aufgrund der am 12. Januar 1995
geschlossenen Ehe auf die Beiträge der erwerbstätigen Ehefrau beruft. Die
Bestimmung mit dem aktuell geltenden Inhalt von Art. 3 Abs. 3 lit. a AHVG, wonach die
eigenen Beiträge des nichterwerbstätigen Ehegatten von erwerbstätigen Versicherten
als bezahlt gelten, sofern der erwerbstätige Ehegatte Beiträge von mindestens der
doppelten Höhe des Mindestbeitrages bezahlt hat, wurde erst mit der 10. AHV-
Revision eingeführt, die am 1. Januar 1997 in Kraft trat. Vor diesem Zeitpunkt bestand
die Möglichkeit einer Befreiung der Beitragspflicht nur zugunsten der
nichterwerbstätigen Ehefrauen (aArt. 3 Abs. 2 lit. b AHVG in der bis 31. Dezember 1996
geltenden Fassung). Dies entsprach der damals verankerten Vorstellung über die Rolle
des Mannes als berufstätiger Familienversorger und der Frau als Haushälterin und
Mutter. Für eine rückwirkende Anwendung vom seit Januar 1997 geltenden Art. 3 Abs.
3 lit. a AHVG (Berücksichtigung der Beiträge der erwerbstätigen Ehegattin) besteht kein
Anhaltspunkt in den Übergangsbestimmungen. Die Beiträge der Ehefrau kommen
daher dem Beschwerdeführer frühestens ab Januar 1997 zugute.
5.7 Gestützt darauf sind die früheren Ehezeiten vom Januar 1997 bis 4. September
1998 (ein Jahr und neun Monaten) von Bedeutung. Soweit diese Ehezeiten
nachgewiesen werden, sind sie mit den von der Beschwerdegegnerin berücksichtigten
5 vollen Beitragsjahren und 2 Monaten zusammenzurechnen. Der vom Rechtsvertreter
nachträglich mit der Replik vorgebrachte frühere Aufenthalt des Beschwerdeführers
hätte somit eine Auswirkung auf die anwendbare Rentenskala. Er reichte zwar keine
diesbezüglichen Beweise ein, seine Angaben sind jedoch überprüfbar. Deshalb ist die
Sache zu ergänzenden Abklärungen in Bezug auf den Wohnsitz des
Beschwerdeführers in der geltend gemachten Zeitspanne vom 28. Juni 1994 bis am
4. September 1998 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie wird daraufhin
neu zu verfügen haben. Für die Rentenberechnung ist der asylrechtliche Aspekt
vorfrageweise zu klären. Es genügt aber nicht, dass der Ablauf eines Asyl- bzw.
Wegweisungsverfahrens nachgewiesen wird. Zu prüfen ist ebenfalls, ob sich der
Beschwerdeführer bis zum geltend gemachten relevanten Zeitpunkt bei der Ehefrau in
der Schweiz ununterbrochen aufgehalten hat. Massgebend sind die Jahre 1997 und
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1998. Der Beschwerdeführer ist zur Mitwirkung bei der Abklärung des Sachverhalts
verpflichtet und trägt die Folge einer allfälligen Beweislosigkeit.
6.
6.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde sind die angefochtenen Verfügungen
vom 9. August 2011 aufzuheben. Die Sache ist zur ergänzenden Abklärung und zu
neuer Verfügung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der unter
liegenden Beschwerdegegnerin wären die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Es ist aber an dieser Stelle festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
anlässlich der IV-Anmeldung vom 7. November 2007 einen ununterbrochenen
Wohnsitz in B._ von Geburt an bis zum Einreisedatum in die Schweiz am
11. September 2002 angab (IV-act. 1/11), weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht
erst ab 2002 Beitragsjahre anrechnete. Dabei liegt keine Verletzung der
Abklärungspflicht vor. Infolgedessen sind keine Gerichtskosten zulasten der
Beschwerdegegnerin zu erheben. Da das Beschwerdeverfahren auf eine unvollständige
Auskunft des Beschwerdeführers im Verwaltungsverfahren zurückzuführen ist, die erst
mit der Replik ergänzt wurde, hat er die Gerichtskosten zu tragen. Der am 6. Dezember
2011 vom Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm daran
anzurechnen. Aufgrund des nachträglichen Vorbringens hat er ebenfalls keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP