Decision ID: 28b8205e-f315-5727-b081-5827311f28b8
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der am (...) 1963 geborene, in Deutschland wohnhafte A._
(nachfolgend: Versicherter oder Beschwerdeführer) war in den Jahren
1989–1994 sowie 2001–2004 bei verschiedenen Arbeitgebern in der
Schweiz erwerbstätig und leistete Beiträge an die schweizerische Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV; vgl. Akten der Vo-
rinstanz [act.] 128, 132 S. 3). Bis zum Herzinfarkt im März 2012 war er in
Deutschland bei der Zeitarbeitsfirma C._ GmbH als Personaldispo-
nent im Innen- und Aussendienst vollzeitig angestellt. Dieses Arbeitsver-
hältnis wurde per 30. September 2013 aus gesundheitlichen Gründen auf-
gelöst (vgl. act. 47 S. 3 und 6, 101 S. 5 f., 104 S. 2). Von Juni 2015 bis April
2018 war er in einer Zeitungsvertriebsfirma in Deutschland teilzeiterwerb-
stätig (act. 84 S. 1 f.).
A.b Am 11. November 2014 stellte der Versicherte bei der Deutschen Ren-
tenversicherung Antrag zur Feststellung der Erwerbsminderung. Dabei gab
er folgende Beschwerden an: 2012 Herzinfarkt, Burnout, Stress; 2013 Ver-
steifung in der Lendenwirbelsäule (LWS), Lähmung des rechten Beines;
2014 Versteifung in der Halswirbelsäule (HWS), Lähmung und Verkramp-
fung der rechten Hand, permanent Tinnitus und Kopfschmerzen sowie
Drehschwindel (act. 6). Im Juli 2017 leitete die Deutsche Rentenversiche-
rung bei der IV-Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder
Vorinstanz) das zwischenstaatliche Rentenverfahren ein (act. 5, 44).
A.c Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen sowie Durchfüh-
rung des Vorbescheidverfahrens (act. 114) sprach die IVSTA mit Verfügung
vom 20. August 2019 dem Versicherten eine Dreiviertelsrente für die Zeit
vom 1. Februar 2017 bis 31. Dezember 2018 zu (act. 136).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 20. August 2019 erhob der Versicherte mit
Eingabe vom 2. September 2019 Beschwerde beim Bundesverwaltungs-
gericht. Er beantragte unter Aufhebung der Verfügung vom 20. August
2018 die Ausrichtung einer dauernden, hilfsweise bis zum 30. April 2021
befristeten ordentlichen Invalidenrente auf der Basis einer ganzen, hilfs-
weise Dreiviertelsrente über den 31. Dezember 2018 hinaus (Akten im Be-
schwerdeverfahren [BVGer act.] 1).
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B.b Der Beschwerdeführer wurde mit Zwischenverfügung vom 13. Sep-
tember 2019 aufgefordert, einen Kostenvorschuss in der Höhe von
Fr. 800.– bis zum 14. Oktober 2019 zugunsten der Gerichtskasse zu über-
weisen (BVGer act. 2). Der einverlangte Kostenvorschuss ging am 14. Ok-
tober 2019 in der Gerichtskasse ein (BVGer act. 5).
B.c Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 11. Dezember
2019 die Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 7).
B.d Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom 29. Januar 2020 sinnge-
mäss an seinen Anträgen fest (BVGer act. 10).
B.e Die Vorinstanz hielt mit Duplik vom 4. März 2020 ebenfalls an ihren
Anträgen fest (BVGer act. 12).
B.f Mit Instruktionsverfügung vom 12. März 2020 wurde der Schriften-
wechsel unter Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen per 24. März
2020 abgeschlossen (BVGer act. 13).
B.g Am 19. März 2020 reichte der Beschwerdeführer unaufgefordert eine
Stellungnahme ein (BVGer act. 14).
B.h Mit Eingabe vom 14. April 2021 reichte der Beschwerdeführer eine Ko-
pie des Rentenbescheids vom 10. März 2021 der Deutschen Rentenversi-
cherung ein, wonach die gewährte Rente wegen voller Erwerbsminderung
als Dauerrente weitergewährt werde (BVGer act. 18).
B.i Auf Anfrage des Bundesverwaltungsgerichts vom 6. April 2021 (BVGer
act. 17) teilte das Bundesamt für Sozialversicherungen mit Stellungnahme
vom 7. Mai 2021 mit, dass praxisgemäss und mit Blick auf die geplante
Revision der IVV [SR 831.201] für jeden Einkommensvergleich grundsätz-
lich der schweizerische Arbeitsmarkt und nicht der ausländische Arbeits-
markt massgebend sei (BVGer act. 20). Dem schloss sich die Vorinstanz
mit Stellungnahme vom 26. Mai 2021 an (BVGer act. 23). Der Beschwer-
deführer liess sich dazu nicht vernehmen.
C.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
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Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht hat seine Zuständigkeit von Amtes wegen
zu prüfen (Art. 7 Abs. 1 VwVG). Es ist zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene Ver-
fügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung,
womit er zur Erhebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG
[SR 830.1]). Der Kostenvorschuss wurde rechtzeitig geleistet, sodass auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde vom 2. September
2019 einzutreten ist (Art. 60 Abs. 1 ATSG; Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 20. August 2019, mit der die Vorinstanz dem Beschwerde-
führer rückwirkend eine vom 1. Februar 2017 bis 31. Dezember 2018 be-
fristete Dreiviertelsrente zugesprochen hat. Streitig und vom Bundesver-
waltungsgericht zu prüfen ist der (weitergehende) Anspruch des Beschwer-
deführers auf eine schweizerische Invalidenrente.
3.
3.1 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 20. August 2019 in Kraft standen; weiter aber auch Vor-
schriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die
aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche
von Belang sind.
3.2 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 20. August 2019) eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1; 130 V 445 E. 1.2). Tatsachen, die jenen Sach-
verhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer
neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b; Urteil des BGer
8C_136/2017 vom 7. August 2017 E. 3). Immerhin sind indes Tatsachen,
die sich erst später verwirklichen, soweit zu berücksichtigen, als sie mit
dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet
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Seite 5
sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu beeinflussen
(BGE 121 V 362 E. 1b; Urteile des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008
E. 2.3.1; 8C_95/2017 vom 15. Mai 2017 E. 5.1).
3.3 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger, war während
mehrerer Jahre in der Schweiz erwerbstätig und wohnt aktuell in Deutsch-
land. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni 1999
(FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur Koor-
dinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des FZA,
insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen Ver-
ordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009 (SR
0.831.109.268.11), zur Anwendung. Seit dem 1. Januar 2015 sind auch die
durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und
Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der
Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer an-
spruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbe-
reich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem
Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom
16. Januar 2013 E. 4). Entsprechend kann – entgegen der Ansicht des Be-
schwerdeführers – der Rentenanspruch aus deutschem und schweizeri-
schem Invalidenversicherungsrecht aufgrund der wesentlich voneinander
abweichenden Rentenbemessungssystemen nicht einheitlich beurteilt wer-
den. So gelten in Deutschland gemäss § 43 Abs. 1 des SGB VI (Sozialge-
setzbuch Sechstes Buch) Versicherte als teilweise erwerbsgemindert,
wenn sie wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit aus-
serstande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeits-
marktes mindestens sechs Stunden täglich erwerbstätig zu sein. Als voll
erwerbsgemindert werden demgegenüber insbesondere Versicherte ein-
gestuft, die wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit
ausserstande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Ar-
beitsmarktes mindestens 3 Stunden täglich erwerbstätig zu sein (§ 43
Abs. 2 SGB). Demgegenüber liegt der schweizerischen Invalidenversiche-
rung eine feinere Rentenabstufung zugrunde (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG), was
letztlich zu einer unterschiedlichen Beurteilung der Invalidität und der damit
verbundenen Berentung führen kann.
3.4 Der Beschwerdeführer macht sodann unter Verweis auf Art. 12 Verord-
nung (EG) Nr. 883/2004 (Sonderregelung bei Entsendung) geltend, es
müssten auch die Regelungen der sozialen Sicherheit der BRD gemäss
SGB VI (Sozialgesetzbuch Sechstes Buch) Beachtung finden, da er 1989–
2004 nicht durchgehend in der Schweiz beschäftigt gewesen sei (BVGer
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act. 10). Dem hält die Vorinstanz entgegen, es gebe keine Anhaltspunkte
dafür, dass der Beschwerdeführer als entsandter Arbeitnehmer beschäftigt
gewesen wäre, sodass sich der Anspruch auf eine schweizerische Invali-
denrente ausschliesslich nach schweizerischem Recht bestimme (BVGer
act. 12).
3.4.1 Gemäss Art. 12 Abs. 1 Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 unterliegt
eine Person, die in einem Mitgliedstaat für Rechnung eines Arbeitgebers,
der gewöhnlich dort tätig ist, eine Beschäftigung ausübt und die von diesem
Arbeitgeber in einen anderen Mitgliedstaat entsandt wird, um dort eine Ar-
beit für dessen Rechnung auszuführen, weiterhin den Rechtsvorschriften
des ersten Mitgliedstaats, sofern die voraussichtliche Dauer dieser Arbeit
24 Monate nicht überschreitet und diese Person nicht eine andere ent-
sandte Person ablöst.
3.4.2 Dem individuellen Kontoauszug des Beschwerdeführers ist zu ent-
nehmen, dass er von Februar 1989 bis Mai 1994 bei der D._ AG in
(...) und von November 2001 bis April 2004 bei E._ in (...) angestellt
war. In diesen Zeitspannen wurden entsprechende Beiträge an die Aus-
gleichskasse des Kantons F._ geleistet (act. 128). Der Beschwer-
deführer bestätigt denn auch, dass diese Arbeitsverhältnisse nach schwei-
zerischen Sozialversicherungsrecht abgewickelt worden seien (BVGer
act. 14; vgl. auch act. 100 S. 9). Demnach war der Beschwerdeführer in
den genannten Zeitspannen bei schweizerischen Arbeitgebern angestellt,
dies zunächst während mehr als fünf und später während mehr als zwei
Jahren, und unterstand entsprechend dem schweizerischen Sozialversi-
cherungsrecht. Soweit der Beschwerdeführer durch seine schweizerischen
Arbeitgeber zur Ausübung seiner Tätigkeit als Reiseleiter in andere Mit-
gliedstaaten im Sinne von Art. 12 Abs. 1 Verordnungen (EG) Nr. 883/2004
entsandt worden sein sollte, blieb er dabei weiterhin dem schweizerischem
Sozialversicherungsrecht unterstellt. Hingegen gibt es keinerlei Anhalts-
punkte für eine Entsendung im Sinne, dass der Beschwerdeführer von ei-
nem deutschen Arbeitgeber entsandt worden und er dadurch in den ge-
nannten Zeiträumen dem deutschen und nicht dem schweizerischen Sozi-
alversicherungsrecht unterstellt gewesen wäre. Erläuternd ist anzufügen,
dass im Fall einer Entsendung durch einen deutschen Arbeitgeber – was
vorliegend für die in Frage stehenden Zeiträume aber nicht zutrifft – der
Beschwerdeführer der deutschen Sozialversicherungsordnung unterstellt
gewesen wäre und entsprechend auch keinerlei Anspruch auf Rentenleis-
tungen aus der Schweiz haben würde.
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Seite 7
4.
4.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
4.2 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während ei-
nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
4.3 Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf
eine Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindes-
tens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine
ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als
50 %, so werden die entsprechenden Renten nur an Versicherte ausbe-
zahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG)
in der Schweiz haben (Art. 29 Abs. 4 IVG). Diese Einschränkung gilt jedoch
nicht für die Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der EU und der
Schweiz, sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben (Art. 7
VO [EG] 883/2004; vgl. BGE 130 V 253 E. 2.3 und E. 3.1).
4.4 Die Bemessung der Invalidität erfolgt bei erwerbstätigen Versicherten
in der Regel nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 28a Abs. 1 IVG
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i.V.m. Art. 16 ATSG), bei nichterwerbstätigen Versicherten durch einen Be-
tätigungsvergleich nach der spezifischen Methode (Art. 28a Abs. 2 IVG
i.V.m. Art. 27 IVV) und bei teilerwerbstätigen Versicherten mit einem Auf-
gabenbereich nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG und
Art. 27bis IVV i.V.m. Art. 28a Abs. 1 und 2 IVG; Art. 16 ATSG und Art. 27
IVV).
4.5 Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens
nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsan-
spruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die
Vollendung des 18. Altersjahrs folgt (zum Verhältnis zwischen Art. 28
Abs. 1 und Art. 29 Abs. 1 IVG vgl. BGE 142 V 547 E. 3.2).
4.6 Bei der rückwirkenden Zusprechung einer abgestuften und/oder befris-
teten Rente sind die Revisionsbestimmungen (Art. 17 Abs. 1 ATSG;
Art. 88a Abs. 1 IVV) analog anwendbar, weil noch vor Erlass der ersten
Rentenverfügung eine anspruchsbeeinflussende Änderung eingetreten ist
mit der Folge, dass dann gleichzeitig die Änderung mitberücksichtigt wird
(vgl. Urteile des BGer 8C_87/2009 vom 16. Juni 2009 E. 2.2; 8C_71/2017
vom 20. April 2017 E. 3 m.H.). Revisionsbegründend kann unter anderem
eine Änderung des Gesundheitszustandes oder der erwerblichen Auswir-
kungen sein (BGE 141 V 9 E. 2.3). Ist eine anspruchserhebliche Änderung
des Sachverhalts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt,
bleibt es nach dem Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen
Rechtszustand (vgl. Urteil des BGer 9C_273/2014 vom 16. Juni 2014
E. 3.1.1 m.H.). Die Frage, ob eine erhebliche, d.h. mit Bezug auf den Inva-
liditätsgrad rentenwirksame Änderung der tatsächlichen Verhältnisse ein-
getreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im
Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung bestanden hat, mit demje-
nigen im Zeitpunkt der streitigen Revisionsverfügung (BGE 130 V 343
E. 3.5.2; vgl. auch BGE 133 V 108). Wird rückwirkend eine abgestufte oder
befristete Rente zugesprochen, sind einerseits der Zeitpunkt des Renten-
beginns und anderseits der in Anwendung der Dreimonatsfrist von Art. 88a
Abs. 1 IVV festzusetzende Zeitpunkt der Rentenherabsetzung oder -auf-
hebung die massgebenden Vergleichszeitpunkte (Urteil des BGer
8C_87/2009 vom 16. Juni 2009 E. 2.2). Dabei unterliegen auch die unbe-
stritten gebliebenen Rentenbezugszeiten der richterlichen Prüfung (vgl.
BGE 125 V 413 E. 2d).
4.7 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen
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Seite 9
und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen
sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tä-
tigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweis-
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Be-
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-
hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-
folgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutachtende medizinische Fachperson
muss über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des
BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.8 Geht es um psychische Erkrankungen, namentlich eine anhaltende so-
matoforme Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomatisches
Leiden (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis
mittelgradiger Natur (BGE 143 V 409), sind für die Beurteilung der Arbeits-
fähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Berücksichti-
gung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tat-
sächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281
E. 2, E. 3.4–3.6 und 4.1; 143 V 418 E. 6 ff.).
5.
Zum Gesundheitszustand bzw. zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Be-
schwerdeführers lässt sich den vorliegenden medizinischen Akten im We-
sentlichen das Folgende entnehmen:
5.1 Aus dem Bericht vom 13. März 2013 von Dr. G._, Facharzt für
Neurochirurgie, ergibt sich, dass beim Beschwerdeführer am 24. Januar
2013 operativ eine Dekompression LW4/5 und LW5/SW1 mit rigider Stabi-
lisierung lumbosakral und dynamischer Stabilisierung LW4/5 durchgeführt
worden war. Die Rückenschmerzen würden nicht mehr weiter fortbestehen
und die Beweglichkeit habe sich verbessert. Unverändert bestehe das
Taubheitsgefühl im Dermatom L5 fort. Alles in allem liege ein zufriedenstel-
lendes frühpostoperatives Ergebnis vor (act. 19).
5.2 Der Beschwerdeführer wurde vom 27. Mai bis 17. Juni 2013 in der Kli-
nik Bb._ ganztätig ambulant behandelt. Im Bericht vom 9. Juli 2013
wurden folgende Diagnosen angeführt: Dorsale Stabilisierung
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LWK5/SWK1 mit Cage und dynamische Stabilisierung LWK4/5, Operation
vom 24. Januar 2013 (ICD-10 Z98.8); Zweigefäss Koronare Herzkrankheit
(KHK), STEMI-Hinterwandinfarkt 4. März 2012, bare metal Stent RCX
03/12 und RIVA-Stent 04/12 (ICD-10 I25.9); Übergewicht BMI 29.7 (ICD-
10 E66.9); Hyperurikämie (ICD-10 E79.9; act. 8 S. 1). Unter sozialmedizi-
nischen Aspekten seien nach der lumbalen Wirbelsäulenoperation und der
bekannten koronaren Herzkrankheit nur leichte und maximal mittelschwere
Arbeiten zumutbar, ohne besondere Stressbelastung, kein schweres He-
ben oder Tragen, länger dauernde Wirbelsäulenzwangshaltungen seien zu
vermeiden (act. 8 S. 9).
5.3 Zuhanden des Sozialgerichts H._ (Deutschland) wurden meh-
rere sozialmedizinische Fachgutachten erstellt (vgl. act. 7, 9, 10, 11). Im
fachorthopädischen Hauptgutachten vom 19. November 2013 wurden un-
ter Berücksichtigung der internistischen und neurologisch-psychiatrischen
Zusatzgutachten folgende Gesundheitsstörungen angeführt:
1. Funktionseinschränkung der Wirbelsäule
Chronische Schmerzkrankheit, muskulärstatische Insuffizienz
Narbe nach lendenseitiger Versteifungsoperation L4–S1
mit verbliebener leichtgradiger Fussheber- und Grosszehenheber-
schwäche rechts
Einzel-Grad der Behinderung 30
2. Herzmuskeldurchblutungsstörungen, Infarktnarbe, Stentversorgung,
Herzleistungsminderung, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufstörungen
Einzel-Grad der Behinderung 30
3. Funktionsstörung des Magens, Verdauungsstörungen
Einzel-Grad der Behinderung 10
4. Chronisches Schmerzsyndrom mit körperlichen und psychischen Fak-
toren
Einzel-Grad der Behinderung 30
5. Reizlose Narben an beiden Kniegelenken
nach vorderem Kreuzbandersatz mit guter Funktion
stellt keine Behinderung dar
Der Gesamt-Grad der Behinderung wurde unter Berücksichtigung der
wechselseitigen Beziehungen der Funktionseinschränkungen zueinander
auf 50 festgelegt (act. 9 S. 5 f.). Dem Zusatzgutachten auf dem Gebiet
Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie vom 8. November 2013 ist
überdies zusammenfassend zu entnehmen, dass sich das Bild einer zum
Teil organisch, allerdings auch deutlich psychosomatisch überlagerten
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Seite 11
Schmerzerkrankung ergebe, ohne dass hier eine darüber hinausgehende
schwerwiegende psychische Komorbidität bestehe (act. 7 S. 24).
5.4 Vom 1. April bis 6. Mai 2014 wurde der Beschwerdeführer stationär in
der Abteilung Psychosomatik/Psychotherapie der Klinik I._ behan-
delt. Im Bericht vom 15. Mai 2014 wurden folgende Diagnosen angeführt
(act. 14 S. 1):
1. Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
2. Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
3. Lähmungsgefühl der rechten Hand unklarer Ursache (ICD-10 F20.8)
4. Pseudoradikuläres HWS-Syndrom bei leichten degenerativen Verän-
derungen (ICD-10 M54.8)
5. Chronisches LWS-Syndrom bei Zustand nach WS-OP 01/2013 und
persistierender Sensibilitätsstörung des rechten Unterschenkels (ICD-
10 M51.2).
Im Rahmen der sozialmedizinischen Epikrise wurde festgehalten, der Be-
schwerdeführer werde arbeitsunfähig entlassen. Eine psychische Stabilität
habe noch nicht wiederhergestellt werden können. Für die zuletzt ausge-
übte berufliche Tätigkeit bestehe Leistungsfähigkeit für unter drei Stunden,
da diese aufgrund der hohen Stressbelastung nicht mehr leidensgerecht
sei. Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe Leistungsfähigkeit von
6 Stunden und mehr für körperlich leichte Tätigkeiten überwiegend im Ste-
hen, Gehen und Sitzen. Ebenso zumutbar sei Tagesschicht. Aufgrund der
ersten Diagnose seien Tätigkeiten mit Nacht- und Wechselschicht, mit Aus-
sendiensttätigkeiten sowie unter besonderem Zeitdruck und Akkordarbeit
zu vermeiden. Ebenso seien aufgrund der unter 4. und 5. genannten Diag-
nosen Tätigkeiten mit häufiger Notwendigkeit der Einnahme einer Zwangs-
haltung der Wirbelsäule, Tätigkeiten über Kopf, insbesondere, wenn sie mit
der Notwendigkeit einhergehen, eine Reklinationsposition des Kopfes ein-
zunehmen, mit häufigem Klettern, Steigen bzw. Leitersteigen, Tätigkeiten
auf Gerüsten oder auf unebenem Untergrund mit Rutschgefährdung zu
vermeiden (act. 14 S. 24).
5.5 Mit Bericht vom 20. Mai 2014 führte Dr. med. J._, Arzt für Neu-
rologie und Psychiatrie, aus, seines Erachtens liege eine Ulnaris-Irritation
vor. Ein deutliches Engpasssyndrom habe er nicht finden können. Die ge-
legentlichen Funktionsstörungen des rechten Unterarms und der Hand mit
Einschlafen und Fallenlassen von Gegenständen sei mit einem Karpaltun-
nelsyndrom rechts durchaus vereinbar. Es wäre atypisch für eine zervikale
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Seite 12
Spinalkanalstenose. Ausserdem hätten sich deutliche Zeichen einer
Tendovaginitis im I. Strecksehnenfach und diskrete Zeichen einer Rhizarth-
rose rechts gefunden (act. 18).
5.6 Im Bericht der K._ Klinik vom 25. Juni 2014 wurden die Diagno-
sen Spinalkanalstenose C3/4, Hypästhesie rechter Kleinfinger sowie Zu-
stand nach Fusion L5/S1 bei Spondylolisthesis L5/S1, dynamische Fusion
L4/5 angeführt. Am 23. Juni 2014 wurde der Beschwerdeführer an der
HWS operiert (ventrale Dekompression C3/4 und ventrale Fusion C3/4).
(act. 17).
5.7 Mit Bericht vom 24. Oktober 2014 nannte Dr. med. L._, Fach-
arzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, die Diagnose benigner paroxysma-
ler Lagerungsschwindel (ICD-10 H81.1). Der Lagerungsschwindel sei mit
Nystagmus nachweisbar (act. 16).
5.8 Aufgrund der Auswertung des Langzeit-EKGs stellte Dr. med.
M._, Facharzt für Innere Medizin, im Bericht vom 24. November
2014 die Diagnosen Arrhythmie-Screening (ICD-10 I49.9) und ventrikuläre
Extrasystolie (ICE-10 I49.3). Ansonsten sei das Langzeit-EKG unauffällig
(act. 15).
5.9 Im Bericht vom 16. Februar 2015 wurde über die Computertomogra-
phie der HWS des Beschwerdeführers vom 12. Februar 2015 berichtet,
welche aufgrund der Indikationen Schwindel, Tinnitus und Ausschluss von
Ischämien durchgeführt worden war (act. 20).
5.10 Gemäss Verlaufsbericht vom Kardiologen Dr. med. N._ vom
24. Februar 2015 habe sich anamnestisch und in den durchgeführten Un-
tersuchungen insgesamt ein stabiler kardialer Verlauf gezeigt. Insbeson-
dere hätten sich keine Hinweise auf eine Progression der koronaren Herz-
erkrankung ergeben (act. 22).
5.11 Die Neurologin Dr. med. O._ hielt in ihrem Bericht vom
11. März 2015 anamnestisch fest, der Beschwerdeführer habe weiterhin
ein Rauschen auf den Ohren, es werde immer schlimmer. Die rechte Hand
schlafe ein und sei geschwollen. Weiter führte sie aus, neurologisch be-
stehe kein Hinweis auf das Vorliegen eines Karpaltunnelsyndroms bzw. ei-
nes Sulcus-ulnaris-Syndroms. Die Beschwerden seien am ehesten durch
die HWS-Problematik bedingt (act. 21).
C-4573/2019
Seite 13
5.12 Im Bericht vom 13. März 2015 des Orthopäden Dr. med. P._
werden insbesondere Beschwerden an den Fingern und Händen in Form
von Schwellungen, Taubheit und Kribbeln sowie ein Schwank- und Dreh-
schwindel erwähnt. Eine Arbeitsunfähigkeit wird nicht attestiert (act. 25).
5.13 Gemäss kaum lesbarem Bericht vom 14. März 2015 von
Dr. Q._, Facharzt für Allgemeinmedizin, sei der Beschwerdeführer
arbeitsunfähig und eine Besserung der Leistungsfähigkeit nicht möglich
(act. 24).
5.14 Dr. med. L._ nannte in seinem Bericht vom 28. April 2015 die
Diagnosen benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (ICD-10 H81.1),
Schallempfindungsschwerhörigkeit beidseits (ICD-10 H90.5) sowie Tinni-
tus auris beidseits (ICD-10 H93.1). Aufgrund des Schwindels sei die Ver-
kehrstauglichkeit derzeit nicht gegeben (act. 38).
5.15 Die Deutsche Rentenversicherung veranlasste alsdann folgende ärzt-
liche Fachgutachten:
5.15.1 Im fachorthopädischen Gutachten von Dr. med. R._ vom
7. Mai 2015 werden folgende Diagnosen angeführt: Zustand nach OP LWS
(ICD-10 Z48.8); Zustand nach OP HWS (ICD-10 Z48.8); chronisches LWS-
Syndrom (ICD-10 M51.2); chronisches HWS-Syndrom (ICD-10 M54.2);
Senk-Spreiz-Fuss beidseits (ICD-10 Q66.8). Als Nebendiagnosen werden
Koronare 2-Gefässerkrankung, Vertigo und Tinnitus genannt. Im Rahmen
der Epikrise und Beurteilung wurde ausgeführt, die Beschwerdesymptoma-
tik der LWS sei nachvollziehbar und reichlich Analgetika abgedeckt. Per-
sistierende Lähmungen hätten nicht gefunden werden können. Das
strumpfförmige hypästhetische Areal rechter Unterschenkel könne keinem
Segment zugeordnet werden. Lediglich der Ausfall des Achillessehnenre-
flexes sei objektivierbar. Die angegebenen temporären Lähmungserschei-
nungen des rechten Arms könnten nicht nachvollzogen werden, auch
würde sich keine Atrophie der Muskulatur in diesem Gebiet zeigen. Die
Leistungsfähigkeit im bestehenden Beruf als Personaldisponent werde auf
mehr als 6 Stunden eingeschätzt. Dies für Arbeiten ohne Zwangshaltun-
gen, ohne Überkopfarbeiten, ohne Ersteigen von Leitern, ohne Tätigkeiten
auf Gerüsten oder mit erhöhter Unfallgefahr, ohne Tragen und Bewegen
von Lasten. Zum Schwindel, dem Tinnitus sowie der Einschränkung der
Konzentrationsfähigkeit sowie des Durchhaltevermögens nahm Dr. med.
R._ ausdrücklich keine Stellung (act. 26 S. 14 ff.).
C-4573/2019
Seite 14
5.15.2 Im ärztlichen Gutachten auf den Gebieten Innere Medizin und Kar-
diologie nannte Dr. med. S._ folgende Diagnosen: Koronare Zwei-
gefäss-Erkrankung; leicht eingeschränkte systolische Pumpfunktion des
Herzens; Paroxysmales Vorhofflimmern; Hyperlipidämie; PAVK Stadium
IIa; degenerative Veränderungen des Bewegungsapparates und vor allem
der Wirbelsäule mit chronischem Schmerzsyndrom; Lagerungsabhängiger
Drehschwindel und Tinnitus beidseits. Zusammenfassend wurde aus kar-
diologischer Sicht festgehalten, dass sich seit 2012 ein relativ stabiler kar-
dialer Verlauf und Befund zeige. Es würden sich keine Hinweise auf eine
Progression der koronaren Herzkrankheit ergeben. Klinisch bestehe bei
echokardiographisch nachgewiesener leichtgradiger Einschränkung der
Pumpfunktion eine Dyspnoe Grad I–II nach NYHA. Im Rahmen der sozial-
medizinischen Beurteilung hielt Dr. med. S._ fest, der Beschwerde-
führer könne leichte bis mittelschwere Tätigkeiten wechselweise im Ste-
hen, Gehen oder Sitzen durchführen. Diese Arbeiten sollten nicht unter
Zwangshaltung, auch nicht unter Zeitdruck, durchgeführt werden. Wech-
selschicht sei nicht zumutbar. Ausserdem sollten Arbeiten mit häufigem Bü-
cken, extrem schwankenden Temperaturen sowie häufigem Heben, Tra-
gen oder Bewegen von Lasten vermieden werden. Die letzte berufliche Tä-
tigkeit sowie eine dem Leistungsbild entsprechende Tätigkeit seien im Um-
fang von 6 Stunden und mehr möglich (act. 27 S. 9 ff.).
5.15.3 Dr. med. T._ führte im neurologisch-psychiatrischen Gutach-
ten vom 30. Oktober 2015 folgende Diagnosen an: Chronische Schmerz-
störung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41); Zer-
vikozephalgie (ICD-10 M53.0) mit Schwindel und Taumel (ICD-10 R42) und
Tinnitus beidseits (ICD-10 H93.1); Zervikobrachialgie (ICD-10 M53.1) mit
Parästhesie der Haut/Hände (ICD-10 R20.2); Lumboischialgie (ICD-10
M54.4). In der Epikrise führte Dr. med. T._ aus, es zeige sich eine
pathologische Einschätzung bezüglich der Coping-Mechanismen und der
Eigenverantwortung. Hinzu kämen stresskorrelierte Erkrankungen wie Tin-
nitus und Schwindelsymptomatiken zum Tragen. Insgesamt falle eine deut-
liche Differenz zwischen dem Selbstbild des Beschwerdeführers und den
objektivierbaren Befunden auf. Als Beispiel sei zu nennen, dass der Be-
schwerdeführer angebe, nur leichteste Tätigkeiten im Haushalt verrichten
zu können. Im Untersuchungsbefund zeige sich jedoch eine deutliche Ver-
schwielung beider Hände, die rissig und mit alten Ölresten versehen seien.
Diese Hände wirkten eher wie bei einem schwer mit den Händen arbeiten-
den Menschen. Des Weiteren beklage er massive Schwindelsymptome,
die in der Untersuchung und im allgemeinen Laufen und Bewegen nicht
eindeutig hätten nachvollzogen werden können. Auch die Schilderung der
C-4573/2019
Seite 15
Schmerzen erscheine eher distanziert und ungenau bei subjektiv starker
Beeinträchtigung und vorgetragener emotionaler Beteiligung. Therapeu-
tisch sei auch weiterhin noch intensiv anzusetzen. Bei den Einschränkun-
gen, die tatsächlich ohne vernünftigen Zweifel vorhanden seien und auch
nicht bei zumutbarer Willensanstrengung überwunden werden könnten, sei
davon auszugehen, dass der zeitliche Umfang, in dem die letzte berufliche
Tätigkeit oder eine Tätigkeit eines fiktiven leidensgerechten Arbeitsplatzes
ausgeübt werden könne drei bis sechs Stunden pro Tag betragen werde
(act. 28 S. 9 ff.).
5.16 Der Beschwerdeführer wurde vom 22. Februar bis 11. März 2016 im
U._ Hospital stationär-psychiatrisch behandelt. Gemäss Bericht
vom 10. Mai 2016 wurde eine schwere depressive Episode vor dem Hin-
tergrund einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F32.2;
F60.8) diagnostiziert. Im Therapieverlauf hätten Stimmung und Antrieb sta-
bilisiert werden können. Poststationär werde dringend eine ambulante Psy-
chotherapie empfohlen (act. 40).
5.17 Im Bericht der K._ Klinik vom 18. Mai 2016 werden folgende
Diagnosen angeführt: 1. Chronische Lumbalgie und Zervikalgie bei Zu-
stand nach dorsaler Fusion L4–S1 und Zustand nach anteriorer zervikaler
interkorporeller Fusion C3/4; 2. Rezidivierende Schwellung und Schmer-
zen der rechten Hand unklarer Genese (Differentialdiagnose: komplexes
regionales Schmerzsyndrom/Thoracic outlet Syndrom); 3. Tinnitus auris
beidseits; 4. Lagerungsschwindel. Aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht
könne der Beschwerdeführer leichte bis mittelschwere Arbeit verrichten.
Die letzte stationäre Behandlung vom 1.–5. Juni 2015 habe kaum Be-
schwerdebesserung erbracht (act. 32, vgl. auch act. 33 f. [Berichte der
K._ Klinik vom 11.05.2015 und 04.06.2015]).
5.18 Dr. Q._ führte in seinem ärztlichen Attest über den allgemei-
nen Gesundheitszustand vom 30. Juni 2016 zusammengefasst folgende
Diagnosen an: 1. Chronisches Schmerzsyndrom mit andauernder Opiat-
pflichtigkeit bei Lumbalgie und Zervikalgie; 2. 3-Gefäss-KHK; 3. Paroxys-
males Vorhofflimmern; 4. Hyperlipidämie; 5. Schwere depressive Episode
auf dem Hintergrund einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung; 6. Arte-
rieller Hypertonus; 7. Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel. Infolge-
dessen sei der Beschwerdeführer nicht mehr in der Lage, Arbeiten von wirt-
schaftlichem Wert drei Stunden täglich zu verrichten und stehe dem allge-
meinen Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung (act. 42).
C-4573/2019
Seite 16
5.19 Im ergotherapeutischen Bericht vom 1. Juli 2016 führte V._
aus, bei aktiver kurzer Belastung der Nacken-Schulter-Arm-Partie (bei-
spielswiese bei Halte- und Stütztätigkeiten, längerem Laufen/Sitzen) zeige
sich nach kurzer Zeit eine Schwellung beider Hände und Arme. Diese führe
zu einer motorischen Schwerfälligkeit und eine Schmerzerhöhung. Auf-
grund der Symptomatik seien eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätig-
keit sowie eine belastbare Tätigkeit von bis zu 3 Stunden nicht möglich
(act. 41).
5.20 Das Sozialgericht H._ veranlasste ein sozialmedizinisches
Gutachten auf den Gebieten Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie.
Das Gutachten von Dr. med. W._, Facharzt für Neurologie, Psychi-
atrie und Psychotherapie, datiert vom 16. Februar 2017. Im Gutachten wur-
den folgende Diagnosen gestellt: wiederkehrende depressive Störung, der-
zeit mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F33.1); chronisches
Schmerzsyndrom mit körperlichen und psychischen Faktoren (ICD-10
F45.41; act. 43 S. 28). In der Gesamtheit sei eine erheblich ausgeprägte
Schmerzstörung mit Notwendigkeit der Einnahme zentral wirksamer
Schmerzmittel in Kombination mit einer zumindest mittelschweren depres-
siven Episode zu beschreiben, die beide gemeinsam zu einer erheblichen
Einschränkung der Leistungsfähigkeit sowohl im körperlichen als auch im
psycho-mentalen Bereich führen und eine erhebliche Beeinträchtigung des
Durchhaltevermögens bedingen würden. Aus nervenärztlicher Sicht sei
derzeit kein positives Leistungsvermögen festzustellen (act. 43 S. 34 f.).
5.21 IV-Psychiater Dr. med. X._ hielt mit Stellungnahme vom
15. November 2017 hinsichtlich des sozialmedizinischen Gutachtens vom
16. Februar 2017 von Dr. med. W._ fest, der Psychostatus sei un-
vollständig, begründe aber keine schwerere psychiatrische Störung. Die
vielen psychologischen Testungen seien in einem psychiatrischen Gutach-
ten obsolet, vor allem wenn keine Symptomvalidierung stattfinde. Ganz of-
fensichtlich handle es sich hierbei aber um eine Schmerzstörung. Das Gut-
achten sei weder nachvollziehbar noch plausibel. Zudem könne anhand
des Gutachtens die Standardindikatoren nicht beantwortet werden, wes-
halb er die Durchführung einer rheumatologisch-psychiatrischen Begut-
achtung in der Schweiz empfahl (act. 54).
5.22 In der Folge wurde der Beschwerdeführer auf Veranlassung der Vor-
instanz am 28. September 2018 durch Dr. med. Y._, FMH Psychi-
atrie und Psychotherapie, und Dr. med. Z._, FMH Rheumatologie,
C-4573/2019
Seite 17
FMH Innere Medizin, in der Schweiz bidisziplinär begutachtet. Das rheu-
matologisch-psychiatrische Gutachten datiert vom 8. Oktober 2018
(act. 99–102). In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung wurden fol-
gende Diagnosen genannt (act. 99 S. 5 f.):
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
1. Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-
10 F33.0)
2. Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
3. Mässig ausgeprägtes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10
M54.4) bei dorsaler Stabilisierung LWK5/SWK1 mit Cage und dynami-
scher Stabilisierung LWK4/5, 24.01.2013 (ICD-10 Z98.8)
- Status nach möglichem radikulären Reiz und Ausfallsyndrom L4
und L5 rechts
- unklare, zirkumferente Hypästhesie untere Extremität rechts
4. Leichtes Zervikalsyndrom und Einschränkung der Beweglichkeit bei
Status nach ventraler Dekompression HWK3/4 mit ventraler Fusion
C3/4 mit Cage Einlage am 23.06.2014
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
5. Akzentuierte narzisstische Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
6. Spannungskopfschmerzen, möglich assoziiert zu Diagnose 2
7. Ungerichteter Schwindel, aktuell kein paroxysmaler Lagerungsschwin-
del, kein vertebrogener Schwindel
8. Tinnitus
9. Intermittierendes Schulter-Arm-Syndrom rechts, differentialdiagnos-
tisch: Thoracic Outlet, Sulcus-ulnaris-Syndrom
10. Kniegelenksoperation beidseits (Meniskus)
11. Beginnende medialbetonte Gonarthrose rechts bei Status nach VKB
Rekonstruktion
12. Knieoperation rechts mit Glättung der Patella Rückseite 09/2018
13. Epicondylitisoperation rechts
14. Koronare 2-Gefässerkrankung (RCX, RIVA)
15. Zustand nach RCX-PTCA und Stent Versorgung 03/2012 bei
Posterolateralwandinfarkt
16. Zustand nach RIVA-PTCA und Stent Implantation 04/2012
17. Paroxysmales Vorhofflimmern (CHA2DS2-VASc-Score = 1)
18. Anamnestisch PAVK im Stadium IIa
19. Adipositas, BMI 32.5
20. Hyperurikämie
21. Zustand nach geschlossener Tuberkulose 1997
C-4573/2019
Seite 18
Aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer in der zuletzt ausge-
übten Tätigkeit als Personaldisponent, welche vor allem eine Bürotätigkeit
mit der Möglichkeit zu wechselnden Körperpositionen beinhalte, aktuell als
zu 30 % arbeitsunfähig zu beurteilen. Dieses Ausmass der Arbeitsunfähig-
keit komme aufgrund der leichtgradigen depressiven Symptome (Reduk-
tion der Konzentration, Grübeln und erhöhe Ermüdbarkeit) sowie aufgrund
der Schmerzen im Rahmen der anhaltend somatoformen Schmerzstörung
und dadurch einem erhöhten Pausenbedarf zustande. Anamnestisch sei
davon auszugehen, dass diese Reduktion der Arbeitsfähigkeit ab mindes-
tens November 2013 bestanden habe und in Phasen höherer depressiver
Episoden zu höhergradigen Arbeitsunfähigkeiten geführt habe. So müsse
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit während der beiden Reha-Auf-
enthalte (2014 und 2016) und einer Arbeitsunfähigkeit von 60 % ab dem
zweiten Reha-Aufenthalt 2016 bis sicher Januar 2017 und höchstens bis
zur heutigen Untersuchung aufgrund des Vorliegens einer mittelgradigen
depressiven Episode ausgegangen werden (act. 99 S. 9). Die aktuell
30 %-ige Arbeitsunfähigkeit beziehe sich auch auf eine angepasste Tätig-
keit (act. 99 S. 10).
Aus rheumatologischer Sicht könne die angestammte Tätigkeit als körper-
lich leicht bezeichnet werden und sei nicht eingeschränkt. Eine der körper-
lichen Belastbarkeit angepasste Tätigkeit könne ebenfalls in einem Pen-
sum von 100 % ausgeführt werden (act. 99 S. 10).
Gesamtmedizinisch bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 30 %. Die Restar-
beitsfähigkeit könne in einem ideal adaptierten Umfeld wechselbelastend
mit Möglichkeit der freien Positionswahl und unter den Empfehlungen im
rheumatologischen Gutachten umgesetzt werden (act. 99 S. 10).
5.23 Laut vorläufigem Arztbrief vom 23. März 2019 war der Beschwerde-
führer vom 17.–23. März 2019 in stationärer orthopädischer Behandlung.
Als Diagnosen wurden im Wesentlichen Gonarthrose am linken Kniegelenk
sowie beginnende Gonarthrose am rechten Kniegelenk genannt (act. 124).
5.24 Gemäss Bericht vom 5. August 2019 von Dr. med. Aa._ vom
medizinischen Dienst der Vorinstanz ergebe sich aus dem Bericht vom
23. März 2019 die bekannte Schädigung des linken Knies mit einer Ver-
besserung des Gesundheitszustands nach Einsetzen der Prothese. Diese
gesundheitliche Beeinträchtigung rechtfertige maximal während drei Monte
eine umfassende Arbeitsunfähigkeit. Aus somatischer Sicht ergebe sich
C-4573/2019
Seite 19
kein neues medizinisches Element mit einer Verschlechterung des Ge-
sundheitszustands (act. 129).
5.25 Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte der Beschwerdefüh-
rer einen undatierten Bericht seines Hausarztes Dr. Q._ ein. Es
wurden zusammengefasst folgende Diagnosen angeführt: 1. Chronisches
Schmerzsyndrom mit andauernder Opiatpflichtigkeit bei Lumbalgie und
Zervikalgie; 2. 3-Gefäss-KHK; 3. Paroxysmales Vorhofflimmern; 4. Hyper-
lipidämie; 5. Schwere depressive Episode auf dem Hintergrund einer nar-
zisstischen Persönlichkeitsstörung; 6. Arterieller Hypertonus; 7. Benigner
paroxysmaler Lagerungsschwindel; 8. Störung der Feinmotorik beider
Hände; 9. Gonarthrose linkes Knie. Aufgrund dieser Diagnosen sei der Be-
schwerdeführer nicht mehr in der Lage, Arbeiten von wirtschaftlichem Wert
drei Stunden täglich zu verrichten (Beilage zu BVGer act. 10).
6.
Die Vorinstanz hat insbesondere gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten
vom 8. Oktober 2018 erwogen, dass die Gesundheitsbeeinträchtigung des
Beschwerdeführers folgende Arbeitsunfähigkeiten bzw. Erwerbseinbussen
verursacht habe: 100 % vom 22. Februar 2016 bis 12. März 2016 (statio-
närer Aufenthalt im U._ Hospital), anschliessend 60 % und seit dem
28. September 2018 (Datum der bidisziplinären Untersuchung) 30 % (vgl.
act. 112; 114 S. 2; 136). In der Folge hat sie dem Beschwerdeführer rück-
wirkend eine vom 1. Februar 2017 bis 31. Dezember 2018 befristete Drei-
viertelsrente zugesprochen.
6.1 Der Beschwerdeführer moniert die Verkürzung der Bewertung seines
Gesundheitszustands auf den Bereich der Psychosomatik. Neben arthriti-
sche Veränderungen beider Kniegelenke (beidseitiger Gelenkersatz 2019)
leide er auch an massiven internistischen Einschränkungen in Gestalt ei-
nes Hinterwandinfarktes (2012) mit 2-facher Stentimplantation, der die
Leistungsfähigkeit des Herzmuskels irreversibel unter 40 % reduziert habe.
Weder die orthopädischen noch die internistischen Einschränkungen seien
jedoch berücksichtigt worden (BVGer act. 1 S. 3).
6.2 Die Vorinstanz entgegnet, im Rahmen des im Verwaltungsverfahrens
eingeholten bidisziplinären Gutachtens seien sämtliche geklagten Be-
schwerden berücksichtigt worden. Dieses Gutachten sei beweiskräftig,
was vom Beschwerdeführer auch nicht bestritten werde (BVGer act. 7
S. 1).
C-4573/2019
Seite 20
7.
Umstritten und zu überprüfen ist die vorinstanzliche Feststellung des Ge-
sundheitszustands des Beschwerdeführers und die Einschätzung der me-
dizinisch zumutbaren Arbeitsfähigkeit. Ausgangspunkt dieser Prüfung bil-
det das bidisziplinäre Gutachten vom 8. Oktober 2018.
7.1 Das rheumatologisch-psychiatrische Gutachten vom 8. Oktober 2018
wurde von Dr. med. Z._, FMH Innere Medizin und FMH Rheumato-
logie, und Dr. med. Y._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, er-
stellt. Es beruht grundsätzlich auf allseitigen Untersuchungen und wurde in
Kenntnis der Vorakten sowie unter Berücksichtigung der vom Beschwer-
deführer angegebenen Beschwerden abgegeben, was sich einerseits aus
der chronologischen Auflistung und Zusammenfassung der Vorakten (vgl.
act. 100 S. 6 f.; 101 S. 6–28; 102 S. 1–30) und andererseits aus den aus-
führlichen Anamneseerhebungen der beiden Gutachter ergibt (act. 100
S. 7–13; 101 S. 29–38). Dabei ist hervorzuheben, dass die Gutachter –
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – sämtliche von ihm ange-
gebenen Beschwerden berücksichtigt wie auch insbesondere die internis-
tischen bzw. kardiologischen und orthopädischen (Verlaufs-)Berichte ge-
würdigt haben. Im Weiteren wurden in den Teilgutachten die jeweils fest-
gestellten Untersuchungsbefunde angeführt und die gestellten Diagnosen
begründet (vgl. act. 100 S. 14–20; 101 S. 38–48). Schliesslich haben die
beiden Gutachter gemeinsam eine interdisziplinäre Gesamtbeurteilung
(Konsensbeurteilung) abgegeben (act. 99). Insgesamt erfüllt das bidiszip-
linäre Gutachten die formellen Kriterien für eine beweiswertige medizini-
sche Expertise.
7.2 Angesichts der psychiatrischen Diagnosen hat grundsätzlich ein struk-
turiertes Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu erfolgen (vgl. BGE 143
V 409). Die Gutachter haben entsprechend auch festgehalten, dass bei der
Gutachtenstellung die bundesgerichtlichen Standardindikatoren berück-
sichtigt worden seien. Zu prüfen bleibt, ob im Rahmen des strukturierten
Beweisverfahrens anhand der Standardindikatoren gestützt auf die dies-
bezüglichen gutachterlichen Feststellungen die vorgenommene Einschät-
zung der Arbeitsfähigkeit aus rechtlicher Sicht überzeugt.
7.3 Ausgangspunkt der Prüfung und damit erste Voraussetzung bildet eine
psychiatrische, lege artis gestellte Diagnose mit Auswirkung auf die Ar-
beitsfähigkeit (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1; 143 V 418 E. 6 und E. 8.1). Der
psychiatrische Gutachter hat die Diagnosen einer rezidivierenden depres-
C-4573/2019
Seite 21
siven Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F32.0), und einer an-
haltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) gestellt, was
sich aufgrund der anamnestischen Angaben und der erhobenen Befunde
nachvollziehen lässt und im Wesentlichen auch mit den Vorakten im Ein-
klang steht.
7.4 Ausschlussgründe im Sinne einer Aggravation oder einer ähnlichen Er-
scheinung wurde von den Gutachtern nicht festgestellt. In den Akten sind
hierfür auch keine Hinweise ersichtlich.
7.5 Die Kategorie «funktioneller Schweregrad» beurteilt sich nach den kon-
kreten funktionellen Auswirkungen und insbesondere danach, wie stark die
versicherte Person in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funkti-
onen leidensbedingt beeinträchtigt ist (vgl. Urteil des BGer 9C_590/2017
vom 15. Februar 2018 E. 6.3 m.H.).
7.5.1 Im Komplex «Gesundheitsschädigung» ist als erster Indikator die
«Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome» zu nen-
nen. Der psychiatrische Gutachter stufte anlässlich der Exploration die ge-
genwärtige depressive Episode als leichtgradig ein. So leide der Beschwer-
deführer an Konzentrationsproblemen, Grübeln, einer leichten Anhedonie,
Schuld- und Insuffizienzgefühlen, an einer erhöhten Ermüdbarkeit, einer
Reduktion des Appetits, Schlafstörungen und einer Reduktion der Libido.
Affektiv sei er leicht deprimiert, nicht affektlabil und normal schwingungsfä-
hig. Der Antrieb und die Interessen seien normal ausgebildet. Ein sozialer
Rückzug finde nicht statt. Die gegenwärtig leichtgradige Episode sei auch
im Rahmen der testpsychologischen Befunde bestätigt worden. Aufgrund
früher festgehaltener depressiver Episoden unterschiedlichen Ausmasses
mit dazwischenliegenden vollständigen Remissionen schloss der psychia-
trische Gutachter auf eine rezidivierende depressive Störung. Im Weiteren
müsse vom Vorliegen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
ausgegangen werden, da die vom Beschwerdeführer geschilderten
Schmerzen im Bereich des Rückens nicht ausreichend durch somatische
Befunde zu erklären seien und sich im Anschluss an den Herzinfarkt 2012
entwickelt hätten, welcher einen erheblichen psychosozialen Belastungs-
faktor darstelle, da sich der Beschwerdeführer durch dieses Ereignis erst-
malig völlig hilflos und ausgeliefert gefühlt habe. So fühle er sich noch im-
mer (vgl. act. 100 S. 14 f., 18 f.).
C-4573/2019
Seite 22
Alsdann hat der psychiatrische Gutachter die Aktivitäts- und Partizipations-
störungen beurteilt und dabei auf die Kategorien für Aktivitäten und Fähig-
keiten nach ICF Bezug genommen. Diese Beurteilung ergab aus psychiat-
rischer Sicht, keine Beeinträchtigungen bei Entscheidungs- und Urteilsfä-
higkeit, Kontaktfähigkeit zu Dritten, Gruppenfähigkeit, familiäre Beziehun-
gen, Selbstpflege und Verkehrsfähigkeit. Leichte Beeinträchtigungen wür-
den bei Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Selbstbehaup-
tungsfähigkeit und der Spontanaktivitäten bestehen. Mittelgradige Beein-
trächtigungen würden bei Anpassung an Regeln und Routinen, Flexibilität
und Umstellungsfähigkeit, Anwendung fachlicher Kompetenzen und der
Durchhaltefähigkeit bestehen (vgl. act. 100 S. 16).
Mit Blick auf die funktionellen Auswirkungen der Befunde wurde aus psy-
chiatrischer Sicht schliesslich festgehalten, die aktuell leichtgradige de-
pressive Episode im Rahmen der rezidivierenden depressiven Störung
führe durch die Reduktion der Konzentration, das Grübeln und die erhöhte
Ermüdbarkeit, und die anhaltende somatoforme Schmerzstörung durch die
Schmerzen dazu, dass der Beschwerdeführer einen erhöhten Pausenbe-
darf habe und lediglich leichte körperlich wechselbelastende Tätigkeiten
ausüben könne (act. 99 S. 6).
7.5.2 «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz», also Ver-
lauf und Ausgang von Therapien, stellen wichtige Schweregradindikatoren
dar (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2). Hierzu ist festzuhalten, dass der Be-
schwerdeführer vom 1. April bis 6. Mai 2014 und vom 22. Februar bis
11. März 2016 stationär psychiatrische/psychosomatische Rehabilitationen
absolviert hat. Eine ambulante psychiatrische Behandlung habe bis anhin
nicht installiert werden können und der Beschwerdeführer sei auf drei War-
telisten. Eine solche sei aber indiziert und es wäre dadurch eine vollstän-
dige Remission der depressiven Symptomatik zu erwarten. Seit dem Auf-
enthalt im Jahre 2016 werde er aber mit einem Antidepressivum vom Haus-
arzt mediziert, wodurch sich die depressive Symptomatik bereits zu einer
leichtgradigen depressiven Episode zurückgebildet habe (act. 100 S. 18 f.;
vgl. auch 99 S. 11). In somatischer Hinsicht könne von einer Behandlungs-
resistenz gesprochen werden, da repetitiv Operationen durchgeführt wür-
den, die keine Besserung bewirkten und tendenziell die Symptomatik eher
fixierten. Der Schmerzmittelgebrauch mit Hydromorphon sei nicht gerecht-
fertigt, da dominant eine somatoforme Schmerzstörung vorliege (act. 101
S. 47). Den Angaben des Beschwerdeführers ist schliesslich zu entneh-
men, dass er ca. 40 Physiotherapieeinheiten pro Jahr erhalte. Zudem
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würde er mit dem Theraband Gymnastikübungen durchführen, jedoch nicht
ganz regelmässig (act. 101 S. 34).
7.5.3 Unter dem Aspekt der «Komorbiditäten» ist eine Gesamtbetrachtung
der Wechselwirkungen und sonstigen Bezüge der Schmerzstörung zu
sämtlichen begleitenden krankheitswertigen Störungen erforderlich
(BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3). Aus der langen Diagnoseliste wurden in so-
matischer Hinsicht einzig das mässig ausgeprägte lumbospondylogene
Schmerzsyndrom und das leichte Zervikalsyndrom als für die Arbeitsfähig-
keit relevant gewertet. Im Rahmen des rheumatologischen Teilgutachtens
wurde ausgeführt, der Ursprung der Beschwerden im Bereich des Bewe-
gungsapparates sowie auch die psychosomatischen Beschwerden mit Ent-
wicklung einer Schmerzkrankheit würden auf die Zeit des kardialen Ereig-
nisses mit Herzinfarkt im März 2012 zurückgehen. Anlässlich der danach
erfolgten Rehabilitation sei es zu unklaren Sturzereignissen und Hypästhe-
sien im rechten Bein gekommen, was zu Abklärungen der Wirbelsäulenre-
gion geführt habe und bei Vorliegen einer Spondylolisthese LWK5 und Ab-
drängung der Nervenwurzel L5, weniger L4, eine Stabilisierungsoperation
im Jahre 2013 nach sich gezogen habe. Es müsse davon ausgegangen
werden, dass die Hypästhesie respektive das Taubheitsgefühl im gesam-
ten rechten Bein ab der Leiste abwärts nicht im Zusammenhang mit der
Spondylolisthese und einem möglichen radikulären Reiz- und Ausfallsyn-
drom gestanden habe. Dieses Taubheitsgefühl sei aktuell persistierend
und eines der Beschwerdebilder, welche der Explorand angebe und
dadurch eine Einschränkung der Gangstabilität habe. Eine Ganginstabilität
habe aber nicht objektiviert werden können, weder biomechanisch, neuro-
logisch noch gleichgewichtsmässig. Retrospektiv sei schwierig auszusa-
gen, ob diese Operation wirklich notwendig gewesen sei, da eine radiku-
läre Reiz- und Ausfallsymptomatik nur partiell und als leicht beschrieben
sei mit einer geringen Fussheber- und Grosszehenheberparese, ohne ra-
dikuläres Reizsyndrom. In der aktuellen Untersuchung zeige sich ein sak-
kadiertes Bewegen der Fussheber- und Grosszehenheberfunktion, was
grundsätzlich eine normale Innervation voraussetze. Differenzialdiagnos-
tisch bestehe auch keine anders liegende neurologische Erkrankung. Dies
sei auch von den vorbeurteilenden Neurologen so gewertet worden. Eine
sensomotorische Reiz- oder Ausfallsymptomatik könne nicht objektiviert
und nicht provoziert werden. Eine Parese bestehe nicht, ebenfalls keine
Muskelatrophie der das gesamte Bein innervierten Nerven. Es müsse da-
von ausgegangen werden, dass die zirkumferente Hypästhesie des ge-
samten rechten Beines keinen ursächlich somatischen Ursprung habe. Im
Weiteren seien Abklärungen aufgrund von Reizerscheinungen im rechten
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Arm, Tinnitus und Schwindelsymptomatik erfolgt, welche wirbelsäulenchi-
rurgisch, neurologisch und HNO-ärztlich verschieden beurteilt worden
seien. Eine klare Zuordnung mit auch elektrophysiologischen Messungen
habe nicht erbracht werden können. Bildgebend habe eine Spinalkanals-
tenose auf Höhe HWK3/4 objektiviert werden können, welche gemäss Be-
schwerdeführer als mögliche Ursache der Armschmerzen rechts sowie der
Schwindelsymptomatik und auch des Tinnitus gewertet worden sei. Kurz-
zeitig sei auch eine Sulcus Ulnaris Symptomatik und somit Nervenwurzel
C8 und eine muskuläres Thoracic Outlet Syndrom als Ursache gesehen
worden. Hier könne ausgesagt werden, dass keine Symptomatik einer Spi-
nalkanalstenose HWK 3/4 retrospektiv anamnestisch erhoben werden
könne und die Schwindelsymptomatik sowie der Tinnitus nicht auf die Spi-
nalkanalstenose HWK3/4 zurückgeführt werden könne. Erstens bestehe
kein neuroanatomischer Zusammenhang unterhalb HWK3 mit vertebroge-
nem Schwindel oder Tinnitus, andererseits sei diese Symptomatik auch
nach Wirbelsäulenoperation mit Versteifung HWK3/4 nicht sistiert und eine
Nervenwurzel C8 Symptomatik habe keinen Zusammenhang mit der Ste-
nose HWK3/4. Das differenzialdiagnostisch diskutierte muskuläre Thoracic
Outlet Syndrom könne im Sinne eines persistierenden zervikospondyloge-
nen Reizsyndroms eine pseudoradikuläre Symptomatik verursachen. Dies
sei in einem der Austrittsberichte einer Rehabilitationsklinik psychosoma-
tisch beschrieben worden und sei am ehesten korrekt. Retrospektiv sei die
operative Versteifung und Dekompression im Bereiche der Halswirbelsäule
als nicht klar indiziert zu werten (act. 101 S. 45 f.). Zusammenfassend ist
dem Gutachten aus rheumatologischer Sicht zu entnehmen, dass die Be-
schwerden im Bereich der Halswirbelsäule und der Lendenwirbelsäule als
postoperativ limitierend für eine körperlich belastende Tätigkeit zu sehen
seien. Das operative Resultat sei jeweils sehr gut mit anatomisch und bio-
mechanisch weitgehend erhaltener Funktion. Durch die Operationen sei
jedoch eine Belastungslimitierung mitverursacht worden, welche durch den
Beschwerdeführer fixiert werde. Die subjektiven Einschränkungen könnten
nicht nachvollzogen werden. Die Taubheitsempfindung im rechten Bein sei
für die angestammte Tätigkeit nicht relevant. Die übrigen (somatischen) Di-
agnosen seien ebenfalls ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vgl.
act. 99 S. 7; 101 S. 46).
7.5.4 Mit Blick auf den Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwick-
lung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen, persönliche Res-
sourcen) führte der psychiatrische Gutachter aus, der Beschwerdeführer
sei deutlich dadurch gekränkt, dass er seine Frau nicht mehr unterstützen
könne und öffentliche Orte wie zum Beispiel ein Fussballstadion nicht mehr
C-4573/2019
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zu besuchen traue. So sei aufgrund der gesamten Schilderung auch vom
Vorliegen von akzentuierten narzisstischen Persönlichkeitszügen (ICD-10
Z73.1) auszugehen. Die Schilderung des Beschwerdeführers der Vergan-
genheit sowie auch seiner eigenen Leistung würden zu Grossartigkeit ten-
dieren. Trotzdem sei davon auszugehen, dass beim Beschwerdeführer
Empathie vorhanden sei und die narzisstischen Persönlichkeitszüge nicht
derart stark ausgeprägt seien, dass eine Persönlichkeitsstörung diagnosti-
ziert werden müsse. Als Ressource des Beschwerdeführers könne gese-
hen werden, dass er nach wie vor eine partnerschaftliche Beziehung sowie
freundschaftliche Kontakte über Jahre (teilweise bereits seit der Kindheit)
aufrechterhalten und Hobbys nachgehen könne. Soziale Belastungsfakto-
ren seien nicht vorhanden. Die objektivierbaren körperlichen Ressourcen
seien insgesamt höher als subjektiv gewertet. Es bestehe eine ausrei-
chende Belastbarkeit für Tätigkeiten im Beruf und Alltag, was durch die ak-
tuelle Alltagsgestaltung bewiesen werde. Als Beispiele werden die Spazier-
gänge mit den Hunden, die Möglichkeit von Kartenspielen bis zu 3 Stun-
den, Computertätigkeiten, Haushalttätigkeiten und Bildschirmaufmerksam-
keit angeführt (vgl. act. 99 S. 7 f.; 100 S. 18 f., S. 20; 101 S. 48).
7.5.5 Unter dem Komplex «sozialer Kontext» ist festzuhalten, dass der Be-
schwerdeführer eine gut funktionierende Ehe, Freunde und Verwandte
habe. Er wohne mit seiner Frau zu Miete in einem Haus mit grossem Gar-
ten. Sie hätten keine Kinder, zwei Hunde, eine Katze und drei Hühner.
Diese würde der Beschwerdeführer besorgen. Sie besässen ein Wohnmo-
bil, mit dem das Ehepaar so oft es gehe, wegfahre. Kürzlich seien sie in
Frankreich und Spanien im Urlaub gewesen. Mit Freunden würden sie
gerne Karten spielen. Der Kontakt zu den Eltern finde praktisch wöchent-
lich statt (act. 99 S. 7 100 S. 11; 101 S. 36 f.).
7.6 In die Kategorie «Konsistenz» fallen verhaltensbezogene Gesichts-
punkte (BGE 141 V 281 E. 4.4).
7.6.1 Der Indikator einer «gleichmässigen Einschränkung des Aktivitäten-
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen» zielt auf die Frage ab,
ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb einerseits und in den
sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) andererseits gleich
ausgeprägt ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1). Dem Gutachten ist zu entneh-
men, dass gleichmässige Einschränkungen des Aktivitätenniveaus beste-
hen würden, diese seien jedoch gering ausgebildet und nur für eine kör-
perlich belastende Tätigkeit relevant (act. 99 S. 8; 101 S. 47). Weiter wurde
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aus psychiatrischer Sicht ausgeführt, die vom Beschwerdeführer geschil-
derten Symptome der Schmerzen und auch der Depression seien konsis-
tent. Der Beschwerdeführer sei zwar in der Lage den Alltag weitgehend
selbständig zu bestreiten und auch Tätigkeiten im Haushalt zu leisten. Er
traue sich jedoch nicht mehr, Auto zu fahren, keine schweren körperlichen
Arbeiten zu leisten und sei generell in seiner Leistungsfähigkeit deutlich
eingeschränkt, was ihn glaubhaft kränke. Die Verunsicherung sei derart
stark, dass er aufgrund des Schwindels und der Schmerzen gar an einem
Rollator gehe (act. 100 S. 19 f.). Aus rheumatologischer Sicht wurde zu-
dem festgehalten, die vom Beschwerdeführer berichteten Einschränkun-
gen mit Sturzereignissen, Ganginstabilität und Schmerzsymptomatik, ak-
tuell im Bereich des rechten Knies, hätten klinisch nicht provoziert und
nachgeprüft werden können und seien in sich nicht konsistent. Sie würden
dann auftreten, wenn der Beschwerdeführer sich darauf konzentriere
(act. 99 S. 8).
7.6.2 Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen weist auf den
tatsächlichen «Leidensdruck» hin (BGE 141 V 281 E. 4.4.2). In diesem Zu-
sammenhang ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in der Vergan-
genheit zwei stationäre psychiatrische/psychosomatische Rehabilitationen
absolviert hat. Des Weiteren erhält er von seinem Hausarzt ein Antidepres-
sivum. Schliesslich zeigt der Umstand, dass er sich auf Wartelisten für eine
ambulante Therapie hat setzen lassen, seine Bereitschaft, sich in weiter-
gehende psychiatrische Behandlung zu begeben.
7.7 Nach dem Gesagten ist insgesamt von einem geringen funktionellen
Schweregrad der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auszugehen, was
sich letztlich auch in den eigenen Angaben des Beschwerdeführers wie-
derspiegelt. So ist er in der Lage, seine Selbstpflege zu besorgen, sich um
die Haustiere zu kümmern und spazieren zu gehen, sich mit Lesen oder
dem Computer zu beschäftigen, Hausarbeiten wie Staubsaugen, Putzen
oder kleinere Tätigkeiten im Garten zu erledigen, bei der Zubereitung der
Essen zu helfen, administrative Dinge zu erledigen, welche von der Ehe-
frau kontrolliert würden, mit dem Velo ins Dorf, zur Physiotherapie oder
zum Arzt zu fahren und mit seiner Ehefrau im Wohnmobil in Urlaub zu fah-
ren (vgl. act. 101 S. 32 f.). Sodann zeugen die in Anspruch genommenen
Therapien und Behandlungen von einem gewissen Leidensdruck. Gleich-
zeitig ist aber auch der positive Verlauf derselben festzuhalten. So hat sich
die depressive Symptomatik unter hausärztlicher Medikation bereits zu ei-
ner leichtgradigen depressiven Episode zurückgebildet und von einer am-
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bulanten psychiatrischen Behandlung sei gar die Remission der depressi-
ven Symptomatik zu erwarten. Im Weiteren ist den ausführlich begründeten
Ausführungen des rheumatologischen Gutachters zufolge in den somati-
schen Diagnosen keine ressourcenhemmende Komorbidität zu sehen, zu-
mal sie den Beschwerdeführer weder in seiner bisherigen noch in einer
körperliche leichten wechselbelastenden Tätigkeit funktionell beeinträchti-
gen. Soweit sich der Beschwerdeführer auf seine verminderte Herzfunktion
beruft, ist anzufügen, dass in den Vorakten in kardiologischer Hinsicht ein
relativ stabiler Verlauf dokumentiert worden ist, was von den Gutachtern
mitberücksichtigt worden ist. Bezogen auf die hier in Frage stehende bis-
herige bzw. angepasste leichte körperliche Tätigkeit sind jedenfalls keine
Hinweise für erhebliche Einschränkungen der Leistungsfähigkeit aktenkun-
dig. Schliesslich sprechen auch die Fähigkeit zur Führung langjähriger
partnerschaftlicher und freundschaftlicher Beziehungen, die regelmässi-
gen sozialen Kontakte und die Alltagsgestaltung für einen geringen Schwe-
regrad der gesundheitlichen Beeinträchtigung.
7.8 Im bidisziplinären Gutachten wurden im Verlauf unter Berücksichtigung
der Vorakten folgende Arbeitsunfähigkeiten attestiert:
– 30 % ab mindestens November 2013 bis 31. März 2014
– 100 % vom 1. April bis 6. Mai 2014 (stationärer Aufenthalt)
– 30 % vom 7. Mai 2014 bis 21. Februar 2016
– 100 % vom 22. Februar bis 11. März 2016 (stationärer Aufenthalt)
– 60 % vom 12. März 2016 bis maximal 27. September 2018
– 30 % ab 28. September 2018 (Begutachtungszeitpunkt)
Diese Einschätzung beziehe sich sowohl auf die bisherige Tätigkeit als
Personaldisponent, welche vor allem eine körperlich leichte Bürotätigkeit
mit der Möglichkeit zu wechselnden Körperpositionen beinhalte, als auch
für angepasste, körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne
Zwangshaltungen (act. 99 S. 9 f.). Angesichts des geringen Schwergrades
des diagnostizierten Gesundheitsschadens ohne ressourcenhemmende
Komorbiditäten, des grundsätzlich positiven Behandlungsverlaufs, dem ge-
festigten sozialen Umfeld mit Familie und langjährigen Freunden, der selb-
ständigen Alltagsgestaltung, dem Fehlen sozialer Belastungsfaktoren so-
wie der Vorakten ist diese Einschätzung nachvollziehbar und daher nicht
zu beanstanden. Soweit sich der Beschwerdeführer auf das sozialmedizi-
nische Fachgutachten von Dr. med. W._ vom 16. Februar 2017 be-
ruft, in welchen kein positives Leistungsvermögen festgestellt worden ist,
C-4573/2019
Seite 28
ist darauf hinzuweisen, dass bereits IV-Arzt Dr. X._ mit Stellung-
nahme vom 15. November 2017 ausgeführt hat, dass dieses Fachgutach-
ten die Voraussetzungen an eine beweiswertige Expertise nicht erfüllt,
weshalb darauf nicht abgestellt werden kann. Aus dem vom Beschwerde-
führer zuletzt eingereichten undatierten Bericht seines Hausarztes
Dr. Q._, in dem lediglich Diagnosen aufgelistet werden, die Ein-
schätzung der Arbeitsunfähigkeit aber in keiner Weise begründet wird,
kann der Beschwerdeführer ebenfalls nichts für sich ableiten. Überdies
kann nicht ausser Acht gelassen werden, dass behandelnde Ärzte im Zwei-
felsfall eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl.
Urteil des BGer 8C_653/2019 vom 8. Januar 2019 E. 4.2 mit Hinweisen).
Gestützt auf das rheumatologisch-psychiatrische Gutachten vom 8. Okto-
ber 2018 ist daher mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein-
lichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei der Ausübung
seiner angestammten Tätigkeit und angepassten Verweistätigkeiten min-
destens seit November 2013 wie oben angeführt eingeschränkt ist.
8.
Nachfolgend ist die Invalidität zu bemessen und der daraus resultierende
Invaliditätsgrad zu bestimmen.
8.1 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16
ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommens-
vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die ver-
sicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der me-
dizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch
eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkom-
men, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Vali-
deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise
zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffern-
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden,
worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen
lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343
E. 3.4.2; Urteil des BGer 8C_536/2017 vom 5. März 2018 E. 5.1). Für den
Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypotheti-
schen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und
Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfäl-
lige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Ver-
fügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2;
Urteil des BGer 8C_61 vom 23. März 2018 E. 6.1). Für die Bemessung der
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Invalidität einer im Ausland wohnhaften versicherten Person sind Validen-
und Invalideneinkommen grundsätzlich bezogen auf denselben Arbeits-
markt zu ermitteln (BGE 137 V 20 E. 5.2.3.2; Urteil des BGer 8C_300/2015
vom 10. November 2015 E. 7.1).
8.2 Die massgebliche Rentenanmeldung des Beschwerdeführers datiert
vom 13. November 2014 (act. 44). Aufgrund der festgestellten Arbeitsfä-
higkeiten (vgl. E. 7.8 vorstehend) resultiert im Zeitraum von Juni 2015 bis
Mai 2016 eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von 40 % (abgerundet).
Ein allfälliger Leistungsanspruch würde somit nach Erfüllung des Wartejah-
res gemäss Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG frühestens im Juni 2016 entstehen
und nicht – wie von der Vorinstanz angenommen – erst im Februar 2017.
Entsprechend ist das Jahr 2016 der für die Vornahme des Einkommens-
vergleichs massgebende Zeitpunkt.
8.3 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist nach der Rechtspre-
chung entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest-
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in
der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empi-
rischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesund-
heitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen von diesem Erfah-
rungssatz müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein
(BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 134 V 322 E. 4.1; Urteil des BGer 8C_897/2017
vom 14. Mai 2018 E. 3.1). Gemäss Auskunft der C._ GmbH vom
17. August 2017 erfolgte der Austritt des Beschwerdeführers aus gesund-
heitlichen Gründen (act. 47 S. 6). Somit ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer ohne Gesundheitsschaden dort weitergearbeitet hätte.
In seiner angestammten Tätigkeit als Personaldisponent in Deutschland
hätte der Beschwerdeführer bei einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden
jährlich € 50'767.– (inkl. 13. Monatslohn) bzw. monatlich € 4'230.– verdient
(act. 47 S. 6 f.).
8.4 Da der Beschwerdeführer sein letztes Einkommen bis zum Eintritt des
Gesundheitsschadens in Deutschland erzielt hat und für die Bemessung
der Invalidität eines im Ausland wohnhaften Versicherten der Vergleich der
massgebenden Einkommen auf demselben Arbeitsmarkt erfolgen muss, ist
für die Festsetzung des Invalideneinkommens ebenfalls auf den deutschen
und nicht auf den schweizerischen Arbeitsmarkt abzustellen (vgl. Urteile
des BGer I 299/00 E. 4d/bb; 9C_574/2012 E. 4.1). Für die Festsetzung des
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Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation
auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach
Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – be-
sonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll aus-
schöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als
angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich er-
zielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Er-
werbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach
Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können insbeson-
dere Tabellenlöhne gemäss LSE herangezogen werden (BGE 139 V 592
E. 2.3 mit Hinweis; Urteil des BGer 9C_422/2017 vom 17. Mai 2017 E. 4.1),
wobei grundsätzlich immer die aktuellsten statistischen Daten zu verwen-
den sind (BGE 143 V 295 E. 2.3).
8.4.1 Der Beschwerdeführer war vom 1. Juni 2015 bis 30. April 2018 in ei-
ner Zeitungsvertriebsfirma in Deutschland in Teilzeit beschäftigt und dabei
insbesondere mit dem Zustellen von Zeitungen betraut. Diese Tätigkeit
kann jedoch nicht als Grundlage für die Festsetzung des Invalideneinkom-
mens herangezogen werden, zumal dem Beschwerdeführer bis zu einem
gewissen Grad seine angestammte Tätigkeit zumutbar ist. Es ist daher auf
statistische Werte zurückzugreifen. Da im vorliegenden Fall der Einkom-
mensvergleich bezogen auf den deutschen Arbeitsmarkt zu erfolgen hat,
können für die Bestimmung des Invalideneinkommens die statistischen
Werte des Bureau international du travail (BIT) herangezogen werden (vgl.
< https://ilostat.ilo.org/topics/wages/ > Gains nominaux mensuels moyens
des salariés par sexe et profession, abgerufen am 22.06.2021; Urteile des
BGer 9C_574/2012 vom 12. Juni 2013 E. 4.1; 9C_606/2019 vom 20. Mai
2020 E. 6.2.2). Danach betrug der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst
für Männer in Deutschland im Jahr 2014 € 3'404.– bzw. indexiert auf das
Jahr 2016 € 3'565.– (€ 3'404.– : 97.4 [Index Deutschland 2014] x 102 [In-
dex Deutschland 2016]; Index Basis 2015 = 100; vgl.
< https://stats.oecd.org > Marché du travail > Revenus > Gains horaires
(PIE), Activité de fabrication, abgerufen am 22.06.2021).
8.4.2 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabel-
lenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen
werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass
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Seite 31
der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufent-
haltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 142 V 178 E. 1.3; 124 V 321 E. 3b/aa). Aufgrund die-
ser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit
auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit un-
terdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber
nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein-
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf
25 % nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2; 126 V 75
E. 5b; Urteil des BGer 9C_266/2017 vom 29. Mai 2018 E. 3.1). Der Be-
schwerdeführer war im Verfügungszeitpunkt 56 Jahre alt. Dass das Alter
die Stellensuche faktisch negativ beeinflussen kann, muss als invaliditäts-
fremder Faktor grundsätzlich unberücksichtigt bleiben (vgl. Urteile des
BGer 8C_312/2017 vom 22. November 2017 E. 3.3.2; 8C_552/2017 vom
18. Januar 2018 E. 5.4.1). Im Übrigen ist zu beachten, dass die gesund-
heitlichen Einschränkungen bereits in der Beurteilung der medizinischen
Arbeitsfähigkeit berücksichtigt worden sind und daher nicht zusätzlich in
die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer
doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (vgl. Ur-
teile des BGer 9C_833/2017 vom 20. April 2018 E. 2.2; 9C_217/2017 vom
21. Dezember 2017 E. 4.2).
8.5 Nach dem Gesagten ergeben sich folgende Invaliditätsgrade:
8.5.1 Aufgrund der nach Ablauf des Wartejahres bestehenden Einschrän-
kung der Erwerbsfähigkeit im Umfang von 60 % resultiert ab Juni 2016 bei
einem Valideneinkommen von monatlich € 4'230.– und einem Invalidenein-
kommen von € 1’426.– (40 % von € 3'565.–) eine Erwerbseinbusse von
€ 2'804.–, was einem Invaliditätsgrad von 66 % (abgerundet) entspricht.
8.5.2 In der Folge verbesserte sich der Gesundheitszustand des Be-
schwerdeführers, sodass im Begutachtungszeitpunkt am 28. September
2018 von einer Einschränkung der Erwerbsfähigkeit im Umfang von 30 %
auszugehen ist. Bei einem Valideneinkommen von monatlich € 4'230.– und
einem Invalideneinkommen von € 2’495.– (70 % von € 3'565.–) resultiert
eine Erwerbseinbusse von € 1’735.–. Unter Berücksichtigung der Dreimo-
natsfrist gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ergibt sich damit ab Januar 2019 ein
Invaliditätsgrad von 41 % (abgerundet).
8.6 Demzufolge ist dem Beschwerdeführer in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde befristet für die Zeit von Juni 2016 bis Dezember 2018 eine
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Dreiviertelsrente und ab Januar 2019 eine unbefristete Viertelsrente der
schweizerischen Invalidenversicherung zuzusprechen. Die nachzuzahlen-
den Rentenbetreffnisse sind nach den Voraussetzungen von Art. 26 Abs. 2
ATSG gegebenenfalls zu verzinsen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzu-
weisen.
9.
9.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis i.V.m.
Art. 69 Abs. 2 IVG), wobei die Verfahrenskosten grundsätzlich der unter-
liegenden Partei auferlegt werden (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Unterliegt diese
nur teilweise, so werden die Verfahrenskosten ermässigt. Den Vorinstan-
zen werden keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG). Ent-
sprechend dem Ausgang des Verfahrens ist von einem hälftigen Unterlie-
gen des Beschwerdeführers auszugehen (vgl. Urteil des BVGer C-
3300/2016 vom 18. März 2019 E. 10.1). Die auf Fr. 800.– festzusetzenden
Verfahrenskosten sind dem teilweise unterliegenden Beschwerdeführer im
Umfang von Fr. 400.– aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 800.– ist zur Bezahlung des Anteils des Beschwerdeführers an den Ver-
fahrenskosten zu verwenden. Der Restbetrag von Fr. 400.– ist dem Be-
schwerdeführer nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zurückzuerstat-
ten.
9.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er-
wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG).
9.2.1 Im vorliegenden Fall geht es um die erstmalige Prüfung eines Ren-
tenanspruchs. Der Hauptantrag des Beschwerdeführers auf Gewährung
einer fortdauernden (unbefristeten) ganzen Rente wird zwar abgelehnt,
doch wird ihm – anders als in der angefochtenen Verfügung – zunächst für
einen längeren Zeitraum eine befristete Dreiviertelsrente und anschlies-
send eine unbefristete Viertelsrente zugesprochen. Das Rechtsbegehren
des Beschwerdeführers auf Gewährung einer unbefristeten Rente hat den
Prozessaufwand nicht derart beeinflusst, als dass die «Überklagung» eine
Reduktion der Parteientschädigung rechtfertigen würde. In der vorliegen-
den Konstellation betrifft die zeitliche Dimension des Rentenanspruchs das
Quantitativ, sodass von einem Obsiegen im Grundsatz und einem lediglich
im Masslichen teilweisen Unterliegen des Beschwerdeführers auszugehen
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ist. Der Beschwerdeführer hat folglich Anspruch auf eine volle Parteient-
schädigung (vgl. Urteil des BGer 9C_288/2015 vom 7. Januar 2016 E. 4.2;
Urteil des BVGer C-3300/2016 vom 18. März 2019 E. 10.2.4).
9.2.2 Die Entschädigung für eine nichtanwaltliche berufsmässige Vertre-
tung wird nach dem notwendigen Zeitaufwand des Vertreters bemessen
(Art. 10 Abs. 1 VGKE). Der Stundenansatz beträgt für nichtanwaltliche Ver-
treter mindestens Fr. 100.– und höchstens Fr. 300.– (Art. 10 Abs. 2 Satz 2
VGKE). Da keine Kostennote eingereicht worden ist, ist die Entschädigung
aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Be-
rücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen und aktenkundi-
gen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
vorliegend zu beurteilenden Verfahrens ist für die nichtanwaltliche Vertre-
tung eine Parteientschädigung von Fr. 500.– (inkl. Auslagen) gerechtfertigt.