Decision ID: 657841d9-df25-4b3d-b104-aead4f3fbe78
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, meldete sich am 18. Februar 2007 unter Hin
weis auf verschiedene gesundheitliche Beeinträchtigungen als Folgen eines bei einem Autounfall vom 28. Mai 2004 erlittenen Distorsionstraumas der
Halswir
belsäule
(HWS) bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/3). Die IV-Stelle holte die ärztlichen Berichte von Dr. med.
Y._
, Neurologie FMH, vom 10. März 2007 (Urk. 8/9), vom 29. Mai 2008 (Urk. 8/25), vom 19. Dezember 2008 (Urk. 8/32), vom 24. Februar 2009 (Urk. 8/34), 12. April 2011 (Urk. 8/69) sowie von Dr. med.
Z._
, Allgemeine Medizin FMH, vom 11. März 2007 (Urk. 8/10) ein. Zudem zog sie die Akten des für das Unfallereignis vom 28. Mai 2004 zuständi
gen Unfallversicherers bei (Urk. 8/12/1-57, Urk. 8/15/1-26, Urk. 8/27/1-70, Urk. 8/28/1-73). Mit Schreiben vom 12. September 2008 eröffnete die IV-Stelle der Versicherte, die bisherigen Abklärungen hätten ergeben, dass die Erwerbsfä
higkeit mit einem
Analgetikaentzug
sowie einer anschliessenden engmaschigen ambulanten neurologischen schmerztherapeutischen Anbindung wesentlich verbessert werden könnte, weshalb innert zweier Monate nach Erhalt der Auf
forderung eine solche Massnahme einzuleiten sei (Urk. 8/29). Am 23. Oktober 2008 teilte Dr.
Y._
der IV-Stelle mit, dass die Versicherte ihren
Analgetika
überkonsum
habe reduzieren können (Urk. 8/31). Weiter nahm die IV-Stelle die von der Versicherten in Auftrag gegebenen Gutachten von Dr. med.
A._
, Neurologie FMH vom 18. Oktober 2007, von Dr. phil.
B._
vom 22. Oktober 2007 und Dr. med.
C._
, Neurologie FMH, vom 15. Juli 2008 zu den Akten (Urk. 8/42). Ferner liess sie die Versicherte durch
lic
. phil.
D._
und Dr. med.
E._
, Psychiatrie und Psycho
therapie FMH, psychiatrisch begutachten (Gutachten vom 10. Dezember 2009, Urk. 8/49). Eine von der IV-Stelle in Aussicht genommene polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten wurde von dieser am 19. April und 4. Mai 2011 abgelehnt mit der Begründung, dass sie inzwischen wieder in
rentenausschlies
sendem
Umfang erwerbsfähig sei und eine weitere Begutachtung nichts Wesentliches mehr zur Klärung des früheren medizinischen Sachverhalts beizu
tragen vermöge (Urk. 8/68 und Urk. 8/72). Nachdem der
F._
in seiner abschliessenden Stellungnahme vom 10./11. Mai 2011 festgestellt hatte, dass seit Ende 2004 keinerlei organisches Substrat für eine somatische Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit mehr festge
stellt worden sei und die von der Versi
cherten subjektiv empfundene Vermin
derung der Leistungsfähigkeit sich bis aktuell stark verbessert habe (Urk. 8/75/11-12), teilte die IV-Stelle der Versi
cherten im Vorbescheid vom 18. Mai 2011 mit, dass sie das Leistungsbegehren abzuweisen gedenke, da zwar eine langdauernde Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit bestanden habe, diese aber teilweise auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen und zudem über
windbar war
(Urk. 8/77). Dagegen opponierte die Versicherte mit der Eingabe vom 16. Juni 2011, in welcher sie geltend machte, auch wenn sie zugestande
nermassen nun wieder in einem einen Ren
tenanspruch ausschliessenden Umfang erwerbsfähig sei, habe sie dennoch Anspruch auf eine vorübergehende befristete Rente der Invalidenversicherung (Urk. 8/81). Mit Verfügung vom 1. Juli 2011 verwarf die IV-Stelle den Einwand der Versicherten und wies den Anspruch auf eine Rente der Invalidenversiche
rung ab (Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1. Juli 2011 erhob die Versicherte am 11. August 2011 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, es sei diese unter Kosten- und
Ent
schädigungsfolge
zu Lasten der Beschwerdegegnerin aufzuheben und es seien der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen der Invalidenversicherung zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Dazu liess sich die Beschwerdegegnerin am 14. September 2011 mit dem Antrag auf Abweisung der Beschwerde vernehmen (Urk. 7). Hiervon wurde die Beschwerdeführerin am 15. September 2011 in Kenntnis gesetzt (Urk. 9). Mit Eingabe vom 30. September 2011 (Urk. 10) reichte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ihre Honorarnote (Urk. 11) zu den Akten.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geis
tigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
mög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähig
keit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG in der seit 1. Januar 2008 gel
tenden Fassung).
1.2
1.2.1
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwal
tung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztli
che und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge
mutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.2.2
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
lie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztli
chen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen all
seitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben wor
den ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammen
hänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozi
alversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fre
denhagen
, Das ärztliche Gutach
ten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
1.3
1.3.1
Gemäss der grundlegenden - auch im Sozialversicherungsrecht beachtlichen - Beweisregel von Art. 8 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuch
s
(ZGB), ist das Vorhanden
sein einer behaupteten Tatsache von demjeni
gen zu beweisen, wel
cher aus ihr Rechte ableitet. Im
Sozial
versicherungspro
zess
schliesst allerdings der
Untersuchungs
grund
satz
eine subjektive
Beweis
führungslast
begriffsnot
wendig
aus und bedeutet „Beweislast“ lediglich, dass im Falle der
Beweis
losig
keit
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus
fällt, die aus dem unbe
wiesen gebliebe
nen Sachverhalt Rechte ablei
ten wollte, wenn es sich als un
möglich erweist, im Rahmen des
Un
ter
su
chungsgrundsatzes
aufgrund einer
Beweiswür
digung
einen Sach
verhalt zu ermit
teln, der zumindest die Wahr
scheinlichkeit für sich hat, der Wirk
lichkeit zu entspre
chen (BGE 117 V 261 E. 3b S. 264).
1.3.2
In der Invaliden
versicherung hat der Gesetzgeber die Entstehung des Rentenan
spruchs nicht direkt an die Diagnose einer Krankheit (oder einer traumatischen Körperschädigung oder eines Geburtsgebrechens) bzw. an die ärztliche Feststel
lung einer darauf zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeit ange
knüpft, sondern in Art. 28 IVG nebst dem Erfordernis einer Invalidität von min
destens 40 % (Art. 28 Abs. 1
lit
. c IVG) eine einjährige Karenzfrist mit einer andauernden durch
schnittlich min
destens 40%igen
krankheits
bedingten
Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG) und die Verpflich
tung, sich zumut
baren Ein
gliederungs
massnahmen (wozu auch adäquate medi
zinische Therapien und eine zumutbare Willensanstrengung zur
Selbsteinglie
derung
gehören), zu unterziehen (Eingliede
rung vor Rente, Art. 28 Abs. 1
lit
. a IVG) als gesetzliche
Anspruchsvoraus
setzun
gen
verankert. Der im Hinblick auf einen Rentenan
spruch zu beweisende Sachverhalt umfasst sämtli
che
Tatbe
standselemente
von Art. 28 Abs. 1 IVG.
Anspruchsbegründend ist eine durch Krankheit, Unfall oder Geburtsgebrechen verursachte, objektiv nicht überwindbare voraussicht
lich bleibende oder längere Zeit dau
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähig
keit.
1.3.3
Die Verwaltung als verfügende Instanz sowie
im Beschwerdefall
das Gericht können bzw. dürfen die medizinischen Aspekte des
anspruchsbegrün
denden
Tatbestands nicht aufgrund eigener Sachkunde feststellen, sondern sind auf externes medizinisches Fachwissen angewiesen (vgl. E. 1.2.1). Bei Vorliegen mehrerer medizinischer Beurteilungen sind diese gegeneinander abzuwägen und ist nach dem
Beweis
grad
der über
wiegenden Wahr
scheinlichkeit jener
Sachver
haltsdarstellung
zu folgen haben, die von allen möglichen
Geschehensabläu
fen
als die wahr
scheinlichste gewürdigt wird (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360 mit Hin
weisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3 S. 324 f.; vgl. auch vorstehende E. 1.2.2).
Bei der Würdigung ärztlicher Beweisaussagen zum anspruchsbegründenden Tat
bestand ist zwischen ärztlich dokumentierten medizinischen Fakten (klinische Feststellungen, gutachterliche Verhaltensbeobachtungen und anamnestische Daten) und deren Bewertung (von den Experten abgeschätzte Auswirkungen der festgestellten Fakten auf die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit) zu unterscheiden (vgl. dazu: Urteil des Bundesgerichts 9C_418/2010 vom 29. August 2011 E. 4.2 und E. 4.3 sowie Andreas Traub, Zum Beweiswert medi
zinischer Gutachten im Zusammenhang mit der
Rentenrevi
sion
, SZS 2/2012, S.
183-186
). Die ärztliche Dokumentation der Faktenlage im Zeitpunkt eines leistungszusprechenden Ent
scheids ist nicht nur - wie die vor
stehend zitierte Rechtsprechung und Literatur zeigen - Voraussetzung dafür, dass dieser Ent
scheid später revidierbar ist. Bei unterschiedlichen ärztlichen Beurteilungen der Anspruchsvoraussetzungen ist sie auch im Rahmen der erstmaligen
Anspruchs
prüfung
entscheidend dafür, welcher Sachverhaltsdarstellung als der wahr
schein
lichsten zu folgen ist.
Auch im Rahmen der erstmaligen Anspruchsprüfung kann daher eine lege
artis
erfolgte fachärztliche Beurteilung von einem anderen medizinischen Experten nicht durch die bloss abweichende Bewertung bereits aktenkundiger Fakten in Frage gestellt werden, sondern nur durch die Dokumentation neuer
entscheid
relevanter
Fakten. Solange lediglich - im Rahmen des medizinisch-wissen
schaftlich Vertretbaren - unterschiedlichen Wertungen der gleichen medi
zini
schen Fakten vorliegen, lassen sich nur gleichermassen mögliche, aber kein überwiegend wahrscheinli
cher medizinischer Sachverhalt beweismässig erstel
len. In solchen Fällen kann ein überwiegend wahrscheinlicher Sachverhalt auch nicht durch den
Beizug
eines weiteren Experten (Obergutachten) ermittelt wer
den. Denn ein
Obergut
achten
darf (und muss) nur dann angeordnet werden, wenn Widersprüche zwi
schen reproduzierbaren Fakten zeigen, dass diese noch ungenügend abgeklärt sind und weitere medizinische Untersu
chungen zusätzli
che
entscheidrelevante
Fakten liefern können. Ein Obergutachten darf aber nicht dazu dienen, die Grenzen der medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse zu verdecken (vgl. E. 1.2.2 am Ende) und den - den rechtsanwenden Behörden im Rahmen der Beweiswürdigung obliegenden - Entscheid darüber, welcher von mehreren durch die medizinischen Experten lege
artis
ermittelten möglichen
Sachver
haltsvarian
ten
als der wahrscheinlichsten zu folgen ist, an die Medizin zu dele
gieren.
2.
2.1
2.1.1
In seinem Urteil UV.2009.00191 vom 10. Februar 2011 (Urk. 12) in Sachen der Beschwerdeführerin gegen den für das Unfallereignis vom 28. Mai 2004 zustän
dig gewesenen
Unfallversi
cherer
hatte das Sozialversicherungsgericht dar
über zu befinden, ob besagter Unfall über den 23. März 2005 (Datum der
Leis
tungs
einstellung
durch den Unfallversicherer) hinausgehend gesundheitliche Ein
schränkungen der Beschwerdeführerin zur Folge hatte. Im Rahmen seiner Über
prüfung kam das Gericht zum Schluss, dass mit der Wiedererlan
gung der vollen Arbeitsfähigkeit am 13. Januar 2005 der medizinische End
zustand im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG nach dem Unfall vom 28. Mai 2004 erreicht worden war. Ob die Schmerz- und Erschöpfungsproblematik, derentwegen der Beschwerde
führerin ab März 2006 wieder eine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit attestiert worden war, noch als Unfallfolge (Rückfall, Spätfolge) anzusehen sei, wurde offen gelassen, da die Beschwerden nicht objektivierbar seien und sich als überwindbar erwiesen hätten (E. 2.5).
2.1.2
Hinsichtlich des dieser Beurteilung zugrunde gelegenen und auch für den Ent
scheid in vorliegender Sache massgeblichen medizinischen Sachverhalts für die Zeit zwischen dem Unfall vom 28. Mai 2004 und der Einreichung der Akten des Unfallversicherers beim Gericht (23. Mai 2009, vgl. Urk. 12 Sachverhalt Ziff. 2) kann auf die ausführliche Darlegung im Urteil UV.2009.00191 vom 10. Februar 2011 (Urk. 12) verwiesen werden (Sachverhalt und Erwägung 2). Der
Beschwer
degegnerin
ist mit der Eröffnung des vorliegenden Urteils eine Kopie jenes Ent
scheids zur Kenntnisnahme zuzustellen.
2.2
In der vorliegenden Beschwerde gegen die einen Rentenanspruch der Invaliden
versicherung verneinende Verfügung der Beschwerdegegnerin behauptet die Beschwerdeführerin weder, dass die im Verwaltungsverfahren der Invalidenver
sicherung erfolgten Sachverhaltsabklärungen neue Fakten zur Objektivierung ihrer Schmerz- und Erschöpfungsproblematik hervorgebracht hätten, noch dass weitere Sachverhaltsabklärungen der Beschwerdegegnerin solche Fakten liefern könnten. Vielmehr erhebt sie gestützt auf BGE 137 V 199 (Urteil des Bundesge
richts 8C_100/2011 vom 1. Juni 2011) Anspruch auf eine befristete Rente (Urk. 1 S. 14 f.), wobei sie anerkennt, dass ihre Schmerz- und
Erschöpfungs
problematik
zumutbarerweise
überwindbar war, aber geltend macht, dass dafür die Zeit bis zum Ablauf des Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1 IVG nicht ausrei
chend gewesen sei (Urk. 1 S. 13).
2.3
2.3.1
Abgesehen davon, dass - worauf die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlas
sung hinweist (vgl. Urk. 7) - die Beschwerdeführerin aus BGE 137 V 199 nichts zu ihren Gunsten ableiten kann, da es
vorliegendenfalls
ja nicht um einen
Tag
geldanspruch
geht und der von der Beschwerdeführerin angerufene höchstrich
terliche Entscheid damit nicht einschlägig ist, lässt sich aus den - unbestrittenen - Fakten auch nicht ablesen, dass im vorliegenden Fall die Zeit bis zum Ablauf des Wartejahres nach Art. 28 Abs. 1 IVG nicht ausreichend gewesen wäre, um eine - gegebenenfalls - durch das Unfallereignis vom 28. Mai 2004 verursachte Schmerz- und Erschöpfungsproblematik
zumutbarerweise
zu überwinden.
Denn nach dem Unfall vom 28. Mai 2004 hat die Beschwerdeführerin innert eines Zeitraumes von rund siebeneinhalb Monaten (bis zum 13. Januar 2005) ihre vollständige Arbeitsfähigkeit in derjenigen Tätigkeit wiedererlangt, welche sie vor dem Unfall ausgeübt hatte. Dies entspricht dem - gerichtsnotorischen - normtheoretischen Heilungsverlauf nach einer HWS-Distorsion ohne nachweis
bare strukturelle Schädigungen. Die Überforderung, welche zur Dekompensation in einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ab März 2006 führte, entwickelte sich - auch nach der eigenen Sachdarstellung der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 1 S. 3) - erst, nachdem sie im März 2005 zur Teamleiterin befördert und damit in anspruchsvollerer Funktion tätig geworden war.
Die Beschwerdeführerin hat demnach vor dem Ablauf der durch das
Unfallereig
nis
vom 28. Mai 2004 (bzw. die dadurch entstandene Arbeitsunfä
higkeit ab dem 28. Mai 2004)
ausgelösten
Wartefrist für einen Rentenanspruch der Invalidenversicherung ihre volle Arbeitsfähigkeit für mindestens 30 aufei
nanderfolgende Tage wiedererlangt. Sie ist also unmittelbar nach dem
Unfaller
eignis
vom 28. Mai 2004 nicht während eines Jahres ohne wesentlichen
Unter
bruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig im Sinne von Art. 6 ATSG gewesen (Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG in Verbindung mit Art. 29 IVV) und hat deshalb das Wartejahr nicht bereits am 28. Mai 2005 absolviert. Vielmehr hätte sie die Anspruchsvoraussetzung von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG (auch für eine befristete Rente der Invalidenversicherung) erst erfüllt, wenn sie ab März 2006 während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig gewesen wäre, mithin im März 2007, also 34 Monate nach dem Unfallereignis vom 28. Mai 2004.
2.3.2
Dem lässt sich zwar entgegenhalten, dass bei der Festlegung des Zeitraums, wel
cher für die zumutbare Überwindung einer Gesundheitsstörung einzuräumen ist, die Zeit, welche für die Entwicklung dieser Störung benötigt wurde, nicht
mitgerechnet werden darf (da die Störung ja erst überwunden werden kann, nachdem sie aufgetreten ist). Bei dieser Betrachtungsweise stellt sich jedoch die Frage, ob bzw. inwieweit das bei Eintritt einer Arbeitsunfähigkeit, welche den Lauf der Wartezeit auslösen würde, bereits fast zwei Jahre zurückliegende
Unfallereig
nis
noch als deren Ursache gelten könnte. Denn aufgrund von über
prüfbaren Fakten nachweisen lässt sich ein solcher Kausalzusammenhang bei nicht objek
tivierbaren Gesundheitsstörungen nicht, und im vorliegenden Fall liegt eine psychiatrisch-fachärztliche Beurteilung aus der Zeit kurz nach Ablauf des (hypothetischen)
War
tejahrs
im März 2007 vor, welche nachvollziehbar darlegt, dass die Beschwer
deführerin nicht an einer (hirn-)organischen oder psychoreaktiv auf das
Unfall
ereignis
vom 28. Mai 2004 zurückzuführenden Störung litt, sondern die Exazer
bation der im März 2005 durch somatische Befunde nicht mehr erklärbaren Schmerz- und Erschöpfungsproblematik und deren seitherige Aufrechterhaltung als Folge einer beruflichen
Überforderungs
situation
erklärt (
versicherungspsy
chiatrisches
Teilgutachten von Dr. med.
G._
, Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH, vom 27. April 2008, Urk. 8/27/29-54).
Indem das Gericht in seinem Urteil UV.2009.00191 vom 10. Februar 2011 (Urk. 12) nach eingehender Auseinandersetzung mit diesem Gutachten und der damals akten
kundigen Kritik daran (E. 2.4.2) offen liess, ob die ab März 2006 auf
getretene Schmerz- und
Erschöpfungs
problematik
der Beschwerdeführerin noch teilweise als Folge des Unfalls vom 28. Mai 2004 anzusehen oder ob der Auffassung Dr.
G._
zu folgen sei (E. 2.5), machte es deutlich, dass die Darstellung Dr.
G._
aufgrund der damaligen Faktenlage zumindest einen durch die ande
ren ärztlichen Beurteilungen nicht widerlegten möglichen Sach
verhalt dar
stellte.
An dieser Würdigung vermag die Wiederholung der bereits im
unfallversiche
rungsrechtlichen
Prozess vorgebrachten Einwände gegen das Gutachten
G._
unter Berufung auf die damals vorgelegenen abweichenden ärztlichen Beurteilungen (vgl. Urk. 1 S. 9 f.) genauso wenig etwas zu ändern, wie die - vom
F._
(
pract
. med.
H._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH) als nicht nachvollziehbar bezeichnete (vgl. Urk. 8/75/9) - Beurteilung
D._
/
E._
(Gutachten vom 10. Dezember 2009, Urk. 8/49). Auch nach den ergänzenden Sachverhaltsabklärungen der Beschwerdegegnerin liegt keine ärztliche
Sachver
haltsdarstellung
vor, welche gegenüber derjenigen von Dr.
G._
Anspruch auf überwiegende Wahrscheinlichkeit erheben könnte. Zudem ist - insoweit ist der Beschwerdeführerin zu folgen (vgl. Urk. 8/68 und Urk. 8/72) - auch nicht zu erwarten, dass weitere gutachterliche Abklärungen die Faktenlage bezüglich der
hier interessierenden Kausalität der Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdefüh
rerin zwischen März 2007 und April 2011 noch wesentlich verändern könnten.
Soweit die Beschwerdeführerin die Auffassung Dr.
G._
, gemäss der die Beschwerdeführerin im März 2006 wegen beruflicher Überforderung
dekom
pensiert
war, als spekulativ bezeichnet (Urk. 1 S. 10), ist zunächst darauf hin
zuweisen, dass sich diese Aussage nicht auf die bis zum Unfall vom 28. Mai 2004 ausgeübte Tätigkeit bezieht, sondern auf die Tätigkeit in der nach dem Unfall (seit März 2005) neu ausgeübten Funktion als Teamleiterin. (Dies hat of
fensichtlich auch der von der Beschwerdeführerin auf Seite 9 f.
der Beschwer
deschrift
zitierte Gutachter Dr.
C._
verkannt). Dass sich ihre damals noch vorhandenen Ausbildungsdefizite in Sachen Rechnungswesen und Buchhaltung (vgl. Urk. 1 S. 17 zur beruflichen Ausbildung, vgl. Anmeldeformular, Urk. 8/3) in dieser Funktion belastend ausgewirkt haben könnten, ist nicht von der Hand zu weisen, wenn man die Möglichkeit bedenkt, dass ihr Mitarbeiterinnen ohne derartige Defizite hätten unterstellt werden können. Im Übrigen ist der Beschwerdeführerin entgegenzuhalten, dass die von anderen Experten vertre
tene Auffassung, wonach nicht objektivierbare Residuen des Unfalls vom 28. Mai 2004 zur Dekompensation im März 2006 geführt (oder zumindest bei
getragen) haben sollen, überhaupt nicht mit Fakten belegt werden kann und deshalb um einiges spekulativer ist.
Unter diesen Umständen kann aufgrund der Fakten kein überwiegend wahrschein
licher Sachverhalt ermittelt werden und kann daher auch nicht fest
gestellt werden, ob sich an eine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin von durchschnittlich mindestens 40 % während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch ab März 2006 eine Invalidität von mindestens 40 % im Sinne von Art. 8 ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG angeschlossen hat.
Demzufolge ist kein anspruchsbegründender Sachverhalt beweisbar, weshalb das Begehren um
Zusprache
einer befristeten Rente abzuweisen ist.
3.
Ausgangsgemäss sind die gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG nach dem
Verfahrens
auf
wand
zu bemessenden und hier auf Fr. 600.-- festzusetzenden
Verfahrens
kosten
der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.