Decision ID: 2f2b9ce9-3d29-5712-92c3-fb8747c5443a
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X._ (Jg. 1999) besucht die Kantonsschule A._. Am 23. November 2016 regelte die
Klassenlehrperson mit ihm das Vorgehen bei Absenzen und Urlaubsgesuchen. Mit
Schreiben vom 14. Februar 2017 wurde X._ wegen zahlreicher unentschuldigter
Absenzen und unerledigter Hausaufgaben ein schriftlicher Verweis erteilt. Zusätzlich
wurde er verpflichtet, anstelle der vielen offenen Strafarbeiten beim Hausdienst einen
selbstorganisierten Arbeitseinsatz in einer sozialen Institution während acht Stunden zu
leisten. Ab 14. August 2017 galten für X._ strengere Absenzenregelungen, welche ihm
am 3. Juli 2018 nochmals erklärt wurden. Am 10. Juli 2018 sprach die Rektorin gegen
X._ eine bis 3. Juli 2019 befristete Androhung des Ausschlusses von der Schule aus
(Ultimatum gemäss Art. 47 Abs. 2 Ziff. 1 des Mittelschulgesetzes, sGS 215.1, MSG).
Als Grund für das Ultimatum wurde angeführt, X._ habe sich in den letzten Wochen oft
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nicht an die Absenzenregelungen gehalten und sich beim Sekretariat telefonisch nicht
abgemeldet. Zudem habe er einige unentschuldigte oder nicht rechtzeitig entschuldigte
Absenzen. Die Strafarbeit, die er bis Ende Februar 2018 hätte erledigen sollen und
deren Frist um weitere zwei Monate verlängert worden sei, habe er am 18. April 2018
erledigt. Die Bestätigung dafür habe er jedoch erst im Juli 2018 nach mehrmaliger
Aufforderung abgegeben. Die beiden "V-Pässe", die er als Strafmassnahmen wegen
der vielen Verspätungen bekommen habe, seien bis heute nicht erledigt worden. Die
Verfügung (Ultimatum) erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B. Am 13. November 2018 gaben X._ und ein Mitschüler im Fach Deutsch eine
Teamarbeit ab, welche sich in der Folge als Dokument aus einer Onlinelernhilfe
(Plagiatsvorwurf) herausstellte. Aufgrund vieler Verspätungen hätte X._ zudem eine
Lektion zusätzliche Arbeit leisten müssen. Weil er dem ersten Aufgebot dazu keine
Folge geleistet hatte, wurde die zusätzliche Arbeit auf drei Lektionen erhöht. Als er sich
deswegen am 3. Dezember 2018 beim Leiter des Hausdienstes zur Vereinbarung eines
Termins meldete, kam es zwischen ihnen zu einem verbalen Disput – der genaue
Wortlaut ist dabei umstritten. Schliesslich nahm X._ mehrere Termine für die
Einreichung und Besprechung von Vorarbeiten zur Maturitätsarbeit nicht wahr. Ebenso
erfüllte er gemäss Aussagen verschiedener Lehrpersonen weiter ihm gestellte
Aufgaben nicht oder verliess unerlaubt das Schulzimmer.
Nachdem die Rektorin am 10. Dezember 2018 wegen dieser Vorkommnisse sowohl die
Klassenkonferenz als auch die Rektoratskommission angehört hatte, beantragte sie
beim Bildungsdepartement des Kantons St. Gallen mit Schreiben vom 13. Dezember
2018 den Ausschluss von X._ von der Schule. Am 24. Januar 2019 nahm der
Rechtsvertreter von X._ zum Antrag der Rektorin Stellung. Nach einem weiteren
Schriftenwechsel schloss der Vorsteher des Bildungsdepartements mit Verfügung vom
13. März 2019 X._ von der Kantonsschule A._ aus.
C. X._ (Beschwerdeführer) erhob gegen die Verfügung des Bildungsdepartements
(Vorinstanz) vom 13. März 2019 mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 28. März
2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er beantragte, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei die angefochtene Verfügung vollumfänglich aufzuheben;
allenfalls sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen bzw. Neubeurteilung an die
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Vorinstanz zurückzuweisen. Dem gleichzeitig gestellten Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege wurde am 8. Mai 2019 entsprochen, der
Beschwerdeführer von allfälligen Gerichtskosten vorläufig befreit und Rechtsanwalt
MLaw Benjamin Nüesch, Wil, mit Wirkung ab 3. Mai 2019 zum unentgeltlichen
Rechtsvertreter bestimmt.
Die Kantonsschule A._ (Beschwerdegegnerin) beantragte in ihrer Vernehmlassung
vom 7. Juni 2019, die Beschwerde sei abzuweisen, wobei sie auf weitere Ausführungen
verzichtete und zur Begründung auf den angefochtenen Entscheid verwies. Die
Vorinstanz hat stillschweigend auf eine Vernehmlassung verzichtet. Am 19. Juni 2019
teilte der Beschwerdeführer mit, auf eine weitere Stellungnahme zu verzichten.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten, den angefochtenen Entscheid und die
Akten ist – soweit notwendig – in den nachstehenden Erwägungen einzugehen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...)
2. In der Beschwerde werden diverse formelle Rügen erhoben, welche sich allesamt als
unbegründet erweisen.
2.1. Zunächst wirft der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin vor, es sei
stossend, dass er im Ausschlussverfahren erstmals von den (bestrittenen) Vorwürfen
höre. Soweit er damit eine Verletzung von Art. 37 der Mittelschulverordnung
(sGS 215.11, MSV) geltend macht, kann ihm nicht gefolgt werden. Zu berücksichtigten
ist, dass während des Ultimatums auch geringfügige Disziplinarfehler genügen, um
einen Schulausschluss zu rechtfertigen. Allein der Umstand, dass vorliegend ein
Ausschluss angeordnet wurde, kennzeichnet die einzelnen Disziplinarfehler, die dem
Beschwerdeführer vorgeworfen werden, nicht als schwer im Sinn von Art. 37 Abs. 1
MSV. Im vorliegenden Fall wurde denn auch keine förmliche Disziplinaruntersuchung
durch die Rektorin oder durch eine von ihr beauftragte Person gemäss Art. 37 Abs. 1
MSV durchgeführt. Daher ist im Umstand, dass der Beschwerdeführer erst durch den
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Antrag der Beschwerdegegnerin auf Ausschluss von der Schule von den gegen ihn
erhobenen Vorwürfen Kenntnis erhielt, keine Verletzung des rechtlichen Gehörs zu
erblicken. Vorliegend räumte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom
13. Dezember 2018 die Gelegenheit ein, zum Antrag der Beschwerdegegnerin Stellung
zu nehmen. Dabei erhielt er Einsicht in den begründeten Antrag sowie in die dem
Entscheid der Schulleitung zugrundeliegenden Akten. Der Beschwerdeführer hatte
mithin durchaus die Möglichkeit, sachgerecht zum Verfahrensgegenstand Stellung zu
nehmen, und sein Vertreter hat sich denn auch gegenüber der Vorinstanz in einer
immerhin 13 Seiten umfassenden Eingabe zu den einzelnen Vorwürfen geäussert.
Damit wurde sein Anspruch auf rechtliches Gehör hinreichend gewahrt (vgl. VerwGE
B 2007/172 vom 5. November 2007 E. 2.1, www.gerichte.sg.ch, bestätigt mit Urteil des
Bundesgerichts 2C_704/2007 vom 1. April 2008 E. 2 [nicht publiziert in BGE 134 I
153]). An dieser Beurteilung ändert nichts, dass ihm die Namen der einzelnen
Lehrpersonen nicht bekannt gegeben worden sei. Im Übrigen ergibt sich aus den
Akten, dass das gerügte Verhalten die Fächer Physik und Französisch betraf. Damit
dürfte es dem Beschwerdeführer ohne weiteres möglich gewesen sein, sich zu den
entsprechenden Vorhaltungen und den beteiligten Lehrpersonen zu äussern.
2.2. Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, das Verhalten der
Beschwerdegegnerin verstosse gegen den Grundsatz von Treu und Glauben. So sei
ihm mit E-Mail vom 12. November 2018 zugesichert worden, er könne das Schuljahr
wiederholen. Aus der Mitteilung kann er indes nichts zugunsten seiner Anliegen
ableiten. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage der
Rechtmässigkeit des Schulausschlusses. Der Antrag auf Schulausschluss wird im
Wesentlichen einerseits damit begründet, dass der Beschwerdeführer am
13. November 2018 eine Teamarbeit, welche sich als aus dem Internet stammend
herausstellte, abgegeben hat. Andererseits wird angeführt, er habe am 3. Dezember
2018 den Leiter des Hausdienstes beleidigt. Der Beschluss über den Antrag auf
Schulausschluss wurde damit erst nach dem Versand der E-Mail vom 12. November
2018 gefasst. Aufgrund der zeitlichen Abfolge kann bereits daher im Verhalten der
Schulleitung kein treuwidriges Handeln erblickt werden. Der Beschwerdeführer wusste
im Übrigen, dass das Ultimatum bis 3. Juli 2019 galt. Er konnte daher nicht darauf
vertrauen, die Mitteilung der Prorektorin, wonach er bei einer Nichtabgabe der
Maturaarbeit lediglich das Jahr wiederholen, jedoch die Schule nicht verlassen müsse,
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bedeute, dass von (weiteren) Disziplinarmassnahmen abgesehen werde. Ein Verstoss
gegen den Grundsatz von Treu und Glauben ist daher nicht ersichtlich.
3. Art. 47 MSG ist die gesetzliche Grundlage der Disziplinarordnung an staatlichen
Mittelschulen. Disziplinarfehler sind nach Art. 47 Abs. 1 MSG die Vernachlässigung von
Schülerpflichten (lit. a), die Verletzung der Schulordnung (lit. b) und Verhalten in Schule
und Öffentlichkeit, welches mit der Zugehörigkeit zur Mittelschule nicht vereinbar ist
(lit. c). Für derartige Regelverstösse können gemäss Art. 47 Abs. 2 MSG als schwerste
Disziplinarmassnahmen die befristete Androhung des Schulausschlusses (durch die
Rektoratskommission; Ziff. 1) und der Ausschluss aus der Schule (durch das
Bildungsdepartement; Ziff. 2) verfügt werden. Die Disziplinarordnung wird durch
Art. 30 ff. MSV näher bestimmt und ergänzt. Gemäss Art. 33 MSV richtet sich die
Disziplinarsanktion nach den Beweggründen, dem Mass des Verschuldens, dem
bisherigen Verhalten an der Schule sowie nach Umfang und Bedeutung der gestörten
oder gefährdeten Interessen.
3.1. Der Beschwerdeführer hat seine jüngsten Verfehlungen, die schliesslich zum
streitigen Schulausschluss geführt haben, während der Bewährungsfrist eines
Ultimatums begangen. Die entsprechende Androhung des Schulausschlusses enthielt
nicht nur einen schweren Tadel für sein bisheriges Fehlverhalten, sondern hatte
zugleich die rechtliche Wirkung, dass während der festgelegten Frist schon
geringfügige neue Disziplinarfehler den Schulausschluss nach sich ziehen können (BGE
134 I 153 E. 3.3 mit Hinweis). Gegen den Beschwerdeführer wurde am 10. Juli 2018 als
Disziplinarmassnahme die befristete Androhung des Schulausschlusses im Sinn von
Art. 47 Abs. 2 lit. a MSG (Ultimatum) verfügt und das Ultimatum bis 3. Juli 2019
befristet. Diese Massnahme erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Daher ist auf die
Gründe, welche zum Ultimatum geführt haben, im vorliegenden Verfahren nicht weiter
einzugehen (VerwGE B 2013/117 vom 9. Oktober 2013 E. 2.1 mit Hinweis auf BGE
134 I 153 E. 3.3, www.gerichte.sg.ch).
3.2. Fest steht, dass der Beschwerdeführer während der Bewährungsfrist erneut
negativ aufgefallen ist. Den Vorwurf einer plagiierten Arbeit bestreitet er denn auch
nicht substantiiert. Er anerkennt vielmehr, dass der Mitschüler offenbar die Inhalte des
Arbeitsblattes – wenn auch ohne Kenntnis des Beschwerdeführers – vom Internet
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heruntergeladen habe. Da es sich um eine Teamarbeit handelte, wäre es am
Beschwerdeführer gelegen, die Arbeit des Mitschülers nicht unbesehen zu
übernehmen, sondern deren Herkunft und Inhalt zu überprüfen. Letzteres umso mehr,
als es sich bei der Arbeit um eine zwingende Voraussetzung handelt, aufgrund derer
das Maturitätszeugnis erworben wird. Indem er dies unterliess, nahm er bereits die
Möglichkeit einer plagiierten Arbeit in Kauf, was er sich nun entgegenhalten lassen
muss. Weiter ist unbestritten, dass es zwischen dem Beschwerdeführer und dem Leiter
des Hausdienstes zu einem verbalen Disput gekommen ist. Ob von seiner Seite die
Aussage "Sie geben mir Straflektionen, weil Sie keinen Bock haben, selber zu arbeiten"
oder aber "Es kommt mir so vor, als hätten Sie einfach keine Lust auf Ihre Arbeit"
gefallen ist, spielt mit Blick auf die im Streit stehende Frage letztlich keine
entscheidende Rolle. So oder anders handelt es sich dabei um eine respektlose
Äusserung, welche den gebührenden Anstand missen lässt. Unbestritten blieb auch,
dass der Beschwerdeführer nach wie vor nicht in der Lage war, die ihm auferlegte
Absenzenregelung alters- und bildungsgemäss einzuhalten, und dies obwohl ihm diese
mehrmals – letztmals am 3. Juli 2018 – erläutert wurde und auch daher als bekannt
vorausgesetzt werden muss. Im Fach Physik fehlte er bis zum 3. Dezember 2018 14-
mal. Daher, wie auch wegen Verspätungen bzw. diverser Versäumnisse, musste er
denn auch mehrere Arbeitseinsätze leisten. Ausserdem erledigte er die Hausaufgaben
grösstenteils nicht. Im Fach Französisch wurde ihm schliesslich eine schlechte
Arbeitshaltung attestiert. Der Beschwerdeführer anerkennt zudem, dass die
Kommunikation bezüglich der Abgabe der Maturaarbeit "etwas unglücklich" gewesen
sei. Wie diese Verfehlungen für sich allein gesehen disziplinarrechtlich zu gewichten
und zu sanktionieren wären, bedarf hier keiner näheren Erörterung. Mit dem erwähnten
Verhalten verstiess der Beschwerdeführer selbst bei Berücksichtigung der von ihm
geltend gemachten Umstände klar gegen die Disziplinarordnung. Mit dem Ultimatum
wurde ausdrücklich festgehalten, dass mit der Bewährungsfrist die Schranke für den
Ausschluss erheblich gesenkt und schon eine geringfügige Verfehlung den sofortigen
Ausschluss von der Schule zur Folge haben werde. Der Beschwerdeführer fuhr
ungeachtet des laufenden Ultimatums fort, seine Schülerpflichten zu verletzen und
gegen die Schulordnung zu verstossen, weshalb ihn die Schulbehörden grundsätzlich
von der Schule ausschliessen konnten, ohne dadurch in Willkür gemäss Art. 9 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) zu verfallen.
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Beschwerdegegnerin und Vorinstanz machten zu Recht von ihrer Disziplinargewalt, die
ihnen zur Sicherung eines geordneten und effizienten Lehrbetriebs von Gesetzes
wegen zusteht, Gebrauch, wenn sich ein Schüler – wie vorliegend offensichtlich der Fall
– immer wieder um seine Pflichten foutiert und den Lehrbetrieb stört.
3.3. Nach der Verfügung des Ultimatums vom 10. Juli 2018 war der
Ermessensspielraum der Vorinstanz insofern begrenzt, als für allfällige weitere
Verstösse bereits eine konkrete Massnahme bzw. Sanktion (Ausschluss) angedroht
war. Der streitige Ausschluss hat aber gleichwohl dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit im Sinn von Art. 5 BV zu genügen.
Gegen den Beschwerdeführer lief ab dem 10. Juli 2018 ein Ultimatum, welches bis zum