Decision ID: 5a955890-196d-4e2c-aeee-ccafacc1a923
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach der
2015 mit einem Geburtsgewicht von 1'760 Gramm, einem Atemnotsyndrom und einer
periventrikulären
Leukoma
lazie
Grad III beidseits geborenen
X._
im Laufe der Zeit verschiedene Leistungen
zu
(
Behandlung der Geburtsgebrechen 390, 395, 494 und 497
[
Urk.
7/13 ff.,
Urk.
7/27], Physiotherapie [
Urk.
7/21,
Urk.
7/28], Behandlungsgeräte [
Urk.
7/49]
)
.
Am 31. Januar 2019
(Urk. 7/59)
reichte die Versicherte bei der IV-Stelle ein Gesuch um Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung
ein. In der Folge führte die Verwaltung eine Abklärung vor Ort durch (Berich
t zu
Angaben über die Hilf
lo
sigkeit und den Betreuungsaufwand vom 11. April 2019; Urk. 7/64). Mit Vor
be
scheid vom 18. April 2019 (Urk. 7/65) stellte sie die Zusprache einer vom 1. Februar bis 31. Juli 2018 befristeten Entschädigung wegen Hilflosigkeit leich
ten Grades ohne Intensivpflegezuschlag in Aussicht. Daran hielt sie auch nach erhobenem Einwand vom 21. Juni 2019 (Urk. 7/68) mit Verfügung
vom 15. August 2019 (Urk. 2) fest.
2.
Dagegen erhob die
(gesetzlich durch ihre Mutter vertretene)
Versicherte am
2. September 2019 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte sinngemäss die Weiter
ausrichtung einer angemessenen Hilflosenentschädigung (S. 2).
Die Beschwerdegegnerin schloss am 25. Oktober 2019 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, was
der Beschwerdeführerin mit
Verfügung vom 29. Oktober 2019 (Urk. 8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des
Bun
desgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschä
digung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung
der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtun
gen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der
Verordnung über
die Invalidenversicherung [IVV]
). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
1.2
Ein Abklärungsbericht unter dem
Aspekt der Hilflosigkeit (Art.
9 ATSG) oder des Pflegebedarfs hat folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftigkeiten hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf all
tägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachperso
nen nicht nur
zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebens
verrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Erfordernissen der dauernden Pflege und der
persönlichen Überwachung (Art.
37 IVV) und der leb
ensprakti
schen Begleitung (Art.
38 IVV) gemäss sein. Schliesslich hat er in Übereinstim
mung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschrie
benen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbeson
dere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht. Diese Recht
sprechung ist auch massgeblich beim Eruieren des gesamten Hilfebedarfs mit Blick auf den Assistenzbeitrag (BGE 140 V 543 E.
3.2.1
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochten
en Verfügung
vom 15. August 2019 (Urk. 2) zur Hauptsache,
die Anspruchsvoraussetzungen für eine leichte Hilflosenentschädigung seien, dass in zwei Bereichen Hilflosigkeit vor
liege. Dies sei seit August 2018 nicht mehr gegeben. Deshalb handle es sich um einen befristeten Anspruch. Die Beschwerdeführer
in
habe deshalb ab 1. Februar bis 31. Juli 2018 Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades (S. 2).
2.2
Dagegen wendet die Beschwerdeführerin (Urk. 1) im Wesentlichen ein, sie könne
weder
die tägliche Pflege
noch andere
Aufgaben selbständig ausführen (S. 1). Bei vielen alltäglichen Bedürfnissen und Verrichtungen benötige sie enorme Hilfe (S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob auch über den 31. Juli 2018 hinaus ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Hilflosenentschädigung besteht.
3.
3.1
D
ie Beschwerdegegnerin führte am 20. März 2019
(Bericht vom 11. April 2019; Urk. 7/64) eine Abklärung vor Ort durch.
Zusammenfassend wurde in den Bereichen «Behandlungspflege» und «Begleitung zu Arzt oder Therapiebesuchen» aktuell insgesamt ein Mehraufwand von 34 Minuten pro
Tag angerechnet
und eine Hilflosigkeit im Bereich «Fortbewegung» seit Mai 2016
weiterhin bejaht. Von Mai 2015 bis Juli 2018 wurde zudem eine Hilflosigkeit im Bereich «Aufstehen/Absitzen/Abliegen» anerkannt. Gestützt hie
rauf gelangte
die Abklärungsperson
zum Schluss, dass die erfolgte Abklärung ergeben habe, dass die Hilflosigkeit in zwei Bereichen bejaht werden könne. Im Bereich Aufstehen/Absitzen/Abliegen habe mittlerweile altersentsprechende Selbständigkeit erreicht werden können. Im Bereich der Fortbewegung sei weiterhin regelmässige und erhebliche Dritthilfe notwendig. In den übrigen Bereichen bestehe altersentsprechende Selbständigkeit und zum heutigen Zeit
punkt könne die Hilflosigkeit in den übrigen Bereichen nicht bejaht werden. Es handle sich som
it um einen befr
isteten Anspruch vom 1. Februar
bis 31. Juni 2018 (ein Jahr rückwirkend bei verspäteter Anmeldung am 1. Februar 2019; S. 6).
3.2
Die Physiotherapeutin führte am
25. Juni 2019 (Urk. 7/73) aus,
die Beschwerde
führerin laufe frei in Räumlichkeiten und in
für sie
sicherer Umgebung. In der Stadt, bei vielen Kindern
oder wenn Ablenkung geben sei, dann würde die Beschwerdeführerin gerne an die Hand wollen. Denn dann fühle sie sich wieder unsicher. Bei Unebenheiten im Gelände sei die Gefahr, dass sie stolpere
,
noch sehr gross (S. 1). I
m Alltag benötige die Beschwerdeführerin teilweise Hilfe beim Anziehen von Schuhen, Hosen, Socken und T-Shirts. Das Ausziehen mache sie in ihrem Tempo gut. Bei kindgerechten Toiletten könne sie selbst das WC besuchen. Bei normalen Toiletten sei das Problem, dass sie Unsicherheiten zeige
,
sich auf einem Trittbr
ett zu drehen, vor allem mit den
fehlenden Stütz- und Haltemög
lichkeiten in den Räumlichkeiten. Hier sei also eine Begleitperson nötig
. Doch sie mache in allen Bereichen weiterhin Fortschritte und sei fleissig bei der Therapie dabei
(S. 2).
3.3
Im Bericht vom 11. Dezember 2018 (Urk. 5/2)
diagnostizierten die verantwortli
chen Ärzte des
Z._
zur Hauptsache eine bilaterale links und beinbeton
te spastische
Cerebralparese
(
G
MFCS
I, MACS I, CFCS I; S. 1) Sie
hielten fest,
seit einigen Wochen trage die Beschwerdeführerin keine Windeln mehr, sie spüre Harn- und Stuhldrang rechtzeitig und gehe selbständig zum W
C
; um aufs WC zu gelangen
,
müsse sie aktuell jedoch noch von ihrer Mutter hoch
gehoben werden. Das Ausziehen der Kleidungsstücke gelinge selbständig, beim Anziehen benötige sie noch Unterstützung, habe aber auch hier erfreuliche Fort
schritte gemacht (S.
2).
Zur Verlaufskontrolle vom 22. Mai 2019 (Bericht vom 19. Juni 2019; Urk. 5/3) berichteten sie, die Beschwerdeführerin gehe mit Unterstützung aufs WC. Um auf den WC-Sitz zu gelangen, habe die Familie ein Hilfsmittel angeschaf
f
t. Hier könne
sie sich
an den Stangen halten, da ihr sonst Gleic
hgewicht/Kraft
fehle
. Zudem übe
die Beschwerdeführerin weiterhin das An- und Ausziehen, wobei sie vor allem beim Anziehen Mühe habe. Ausziehen gehe besser,
j
edoch auch hier nur Jacken mit Reissverschluss. Bei den Socken würde sie nur eine Sorte an– und ausziehen können, tiefgeschnittene könne sie noch gar nicht anziehen. Die Beschwerdeführerin nutze primär ihre rechte Hand für feinmotorische Aktivitä
ten, müsse teilweise für
bimanuelles
Hantieren motiviert werden, setze dann aber auch ihre linke Hand ein (S. 2).
3.4
Aus ophthalmologischer Sicht
wiesen
die behandelnden Augenärzte
am 30.
August 2018 (Urk. 5/3
,
letzte Seite)
darauf hin, dass die Erstuntersuchung am 6. September 2017 einen Verdacht auf intermittierende, alternierende rechtsbetonte
Exotropie
ergeben habe
. Die Kontrolluntersuchung vier Monate später habe ein intaktes
Binokularsehen
bei gut
kompensierter, grosser
Exophorie
von -20o/-25o ergeben. Die Refraktionsprüfung in Atropin-Skiaskopie habe eine Fehlsich
tigkeit (
Hyperopie
/Astigmatismus) ergeben, wobei dieselbe bewusst nicht korri
giert worden sei, um die divergente Augenstellung nicht zu verstärken. Eine
Visusprüfung
sei bisher nicht möglich gewesen. Eine Kontrolluntersuchung sei in drei Monaten empfohlen worden. Die geplante Untersuchung vom 9. Mai 2018
sei
nicht wahrgenommen worden, worauf telefonisch erneut eine Kontrollunter
suchung habe vereinbart werden wollen. Auf Wunsch der Mutter der Beschwer
deführerin sei keine neue Kontrolluntersuchung vereinbart worden.
4.
4.1
Vorwegzuschicken ist
, dass die Beschwerdegegnerin eine Hilflosigkeit im Bereich der «Fortbewegung»
zu Recht
anerkennt. So ist die Beschwerdeführerin zufolge der diagnostizierten
bilaterale
n
links und beinbetonte
n
spastische
n
Cerebral
parese
sowie der hierdurch verzögerten Entwicklung
nach wie vor nicht in der Lage, sich im Freien und insbesondere in unebenem Gelände (beispielsweise auf dem Spielplatz) frei und ohne regelmässige sowie erhebliche Dritthilfe zu bewe
gen (vgl. Urk. 7/64 S. 3).
4.2
4.
2
.1
Wenn
die Beschwerdeführerin
darüber hinaus
vorbringt, sie leide an einer Seh
schwäche von 20-30 %
,
weise ein starkes
S
chielen auf beiden Augen auf und müsse regelmässig zum Untersuch
,
ist nicht ersichtlich, inwiefern
dies eine Hilflo
sigkeit nach sich ziehen soll. Abgesehen davon, dass der augenärztliche Unter
such
lediglich
eine
Verdachtsdiagnose auf ein äusserlich nicht wahrnehmbares und gut kompensiertes Schielen
(
Exophorie
)
ergab – wobei ein Kontrolluntersuch auf Initiative der Mutter der Beschwerdeführerin nic
ht durchgeführt w
u
rde – und somit eine hochgradige Sehschwäche von vornherein nicht erstellt ist,
gilt die Hilflosigkeit diesbezüglich als leicht,
wenn trotz der Abgabe von Hilfsmitteln wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte gepflegt werden können (
Art
.
37 Abs
.
3
lit.
d IVV
).
Anhaltspunkte, dass die Beschwerdeführerin zufolge ihrer Sehschwäche
in ihrer Kommunikationsfähigkeit
erheblich eingeschränkt ist,
ergeben sich jedoch weder aus den Akten noch macht die Beschwerdeführerin selbiges geltend. Vielmehr besucht sie nach eigener Aussage den Regelkindergarten (Urk. 1 S. 1),
wobei an
erkanntermassen (E. 4.1) zwar Schwierigkeiten betreffend die Motorik bestehen, jedoch angesichts der verständlichen
Kommunikation (vgl. Urk. 7/64 S. 3) von einer ansonsten uneingeschränkten Wahrnehmung gesellschaftlicher Kontakte auszugehen ist
.
4.2.2
Im Weiteren bringt die Beschwerdeführerin vor, sie könne keinerlei tägliche Pflege und Aufgaben selbständig ausführen (
Urk. 1
S. 1). Sie brauche bei vielen alltäglichen Bedürfnissen und Verrichtungen enorme Hilfe (S. 2). Hierbei
ist darauf hinzuweisen, dass gemäss
Art.
42
bis
Abs.
5 IVG
Minderjährige keinen An
spruch auf eine Hilflosenentschädigung
haben
, wenn sie lediglich auf lebensprak
tische Begleitung angewiesen sind. Bei ihnen ist ausserdem nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu nicht behinder
ten Minderjährigen gleichen Alters zu berücksichtigen (
Art.
37
Abs.
4 IVV). Diese Sonderregelung trägt dem Umstand Rechnung, dass bei Kleinkindern eine gewisse Hilfs- und Überwachungsbedürftigkeit auch bei voller Gesundheit besteht. Mass
gebend für die Bemessung der Hilflosigkeit bei diesen Versicherten ist daher der Mehraufwand an Hilfeleistung und persönlicher Überwachung im Vergleich zu einem nicht invaliden
Minderjährigen gleichen Alters
.
Dass
Kleinkinder bei Alltagsverrichtungen einer gewissen Unterstützung bedür
fen
,
ist
notorisch
.
Die Beschwerdeführerin war im Verfügungszeitpunkt vier Jahre alt.
Je niedriger das Alter eines Kindes, desto mehr besteht auch bei voller Gesundheit eine gewisse Hilfsbedürftigkeit
sowie
Notwendigkeit einer Ü
berwa
chung (BGE 137 V 424) und somit ein nicht unerheblicher Zeitaufwand für die Eltern. Ein darüberhinausgehender Mehrbedarf ist
auch
vorliegend nicht erkenn
bar.
Während die Beschwerdeführerin davon auszugehen scheint, die Begleitung zur Toilette, das An- und Ausziehen der Kleidung
,
ein
an den Tisch
S
chieben zum essen sowie Hilfestellungen beim Ein- und Aussteigen aus der Badadewanne ent
spreche einer entschädigungsbe
rechtigenden Hilflosigkeit
,
geht aus dem Bericht der zuständigen Abklärungsperson vom 11. April 2019 (E. 3.1) hervor, dass
die Beschwerdeführerin einfache Kleidungsstücke selber an- und ausziehen (S. 1) sowie die M
ahlzeiten einnehmen kann (S. 2),
zuverlässig trocken ist und selb
ständig zur Toilette
geht
, wobei die Reinigung und das Ordnen der Kleider nach wie vor durch Dritte erfolgt
(S. 3), was in Anbetracht vorstehender Ausführungen keine dem Alter
entsprechende
übermässige Hilfsbedürftigkeit erkennen lässt.
Namentlich ist
die Beschwerdeführerin
gemäss der im Abklärungsbericht festge
haltenen telefonischen Besprechung mit der Physiotherapeutin in der Lage, Socken und Schuhe sowie Leggins mit Gummizug s
elbständig an- und auszuzie
hen und
hat
sich in dieser Hinsicht motorisch altersentsprechend entwickelt.
Da ein selbständiges Bedienen von Rei
s
sverschlüssen und Knöpfen von einem vier
jährigen Kind nicht erwartet werden kann,
ist es ihr
demnach
altersgerecht
sowie mit Hilfe von im Rahmen der Physiotherapie erlernbaren Strategien
möglich, leidens
angepasste Kleider anzuziehen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_5
62
/2016 vom 13. Januar 2017 E. 5.2)
.
Damit ist unerheblich, ob die Beschwerdeführerin im Alltag tatsächlich von ihrer Mutter an- und ausgezogen wird.
Auch die geltend gemachten
Schwierigkeiten
bei der Körperpflege
(Hilfe beim Ein-
und
Ausstieg in die Badewanne
) lassen keine Hilflosigkeit erkennen, zumal auch ein Kind ab sechs Jahren noch der Kontrolle und Anleitung bedarf beziehungsweise ein Mehraufwand erst bei Schwerstbehinderten erkannt w
ird, wo auch ab vier Jahren aus
medizinischen Gründen noch zwei Personen zum Baden erforderlich sind (
vgl. Anhang III
Kreisschreiben über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung
KSIH
, Richtlinien zur Bemessung der massgebenden Hilflosigkeit bei Minderjährigen
)
.
Z
udem
lässt
bereits die Körper
grösse eines vierjährigen Kindes entsprechende Hilfestellungen erwarten. Selbiges gilt für den Bereich «Essen», wo
ein selbständiges an den Tisch
H
eranziehen von einem gesunden vierjährigen Kind
zufolge
seiner Körpergrösse und –kraft eben
falls nicht erwartet werden kann. Dass darüberhinausgehende nicht altersgerechte Einschränkungen bestehen, mach
t
die Beschwerdeführerin weder gelten, noch ergeben sich Hinweise darauf aus den Akten (Urk. 7/64 S. 2, E. 3.2 f.;
vgl.
Anhang III KSIH, Richtlinien zur Bemessung der massgebenden Hilflosigkeit bei Minder
jährigen
).
Schliesslich
darf
hinsichtlich dem «Verrichten der Notdurft» ab vier Jahren
vorausgesetzt werden, dass
nachts keine Windeln mehr erforderlich
sind
und ein Kind alleine zur Toilette gehen
kann
, wobei es aber noch Kontrolle (Reinigung, Kleider in Ordnung bringen) benötigt (vgl.
Anhang III KSIH, Richtli
nien zur Bemessung der massgebenden Hilflosigkeit bei Minderjährigen
). Wenn die Beschwerdeführerin nun geltend macht, sie müsse nach wie vor zur Toilette begleitet werden und benötige Hilfe bei der Reinigung sowie dem Ordnen der Kleider, entspricht dies altersgerechten Hilfestellungen,
vor allem da
sie in der Lage ist, bei behinderungs- oder altersgerechten Toiletten selbständig hinauf zu gelangen und sich während der V
errichtung zu halten (Urk. 7/64
S. 3; E. 3.2
f.
).
Endlich vermag die Beschwerdeführerin auch aus
Ziff.
1.4
des Abklärungsberichts
«Sonderfälle» nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Während
betreffend die Wah
rung gesellschaftlicher Kontakte (
Ziff.
1.4.1) kein über die anerkannte Hilflosig
keit im Bereich der «Fortbewegung» hinausgehendes derart schweres körperliches Gebrechen
vorliegt
, dass eine Fortbewegung in einer weiteren Umgebung der Wohnung trotz Benützung eines Rollstuhls nicht ohne Dritthilfe möglich ist
(
vgl. KSIH Rz
8064
)
, ergeben sich aus den Akten keine Hinweise darauf, dass eine besondere, über das bei einem Kind von vier Jahren übliche Mass hinausgehende (vgl. vorstehend) aufwändige Pflege (
Punkt 1.4.2;
beispielsweise Anlegen von medizinischen Behandlungsgeräten [vgl. Urk. 5
/
2
S. 2
], Umlagerung [vgl. Urk. 7/64 S. 2], Inhalieren, Bandagen, Stützstrümpfe
; KSIH Anhang III, Dauernde Pflege
) notwendig wäre. Darüber hinaus ist vor sechs Jahren die
persönliche Überwachung (Punkt 1.4.3) in der Regel nicht in Betracht zu ziehen. Umstände wie Erstickungsgefahr, welche ein Abweichen rechtfertigen würden, sind vorlie
gend nicht zu erkennen.
4.2.3
An diesem Ergebnis vermag der Bericht der behandelnden Ergotherapeutin vom 1
8.
Oktober 2019 (
Urk.
5/4) zu Händen der Beschwerdegegnerin nichts zu ändern, lassen sich doch daraus keine abweichenden Schlüsse per Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung gut zwei Monate zuvor ziehen. Zur im Vordergrund stehenden Situation bei der Verrichtung der Notdurft wurde ein (altersentspre
chender) Betreuungsaufwand zum Richten der Kleider bejaht; wenn eine Schutz
begleitung zum an sich selbständig möglichen Besteigen des WCs nötig ist, erscheint dies nicht als derart aufwändig, dass von einer Hilfsbedürftigkeit bei dieser Lebensverrichtung (bei gegebenem Alter) auszugehen wäre. Auch die beim Ankleiden sowie Essen geschilderten Schwierigkeiten (Hilfe beim Ankleiden; Füttern, wenn die Beschwerdeführerin müde ist) übersteigen den üblichen alters
entsprechenden Aufwand nicht erheblich, zumal das Ankleiden einfacher Klei
dungsstücke
unbestrittenermassen möglich ist (
Urk.
7/64/1), was auch die behan
delnde Physiotherapeutin explizit bestätigte (
Urk.
7/73/2).
4.3
In diesem Sinne ist eine über den anerkannten Bereich der «Fortbewegung» hinausgehende Hilflosigkeit nicht erstellt. Da der Abklärungsbericht nach Rück
spra
che mit der behandelnden Physiotherapeutin erstellt wurde und nach dem Gesag
ten keine
klar feststellbare
n
Fehleinschätzungen vorliegen
, besteht kein Anlass,
in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person
einzugreifen (E. 1.2).
Damit ist eine Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin lediglich in einer
all
täglichen Lebensverrichtung
ausgewiesen. Da auch
die Kriterien von
Art.
37 IVV
Ziff.
b - e nicht erfüllt sind
(E. 1.1.2), besteht keine anspruchsberechtigende Hilflosigkeit.
Damit ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerde
führerin
aufzuerlegen.