Decision ID: b9f58956-7986-44c5-9c3b-40e2258b36db
Year: 2013
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

brachte vorab diverse Ergänzungen des Sachverhalts vor (vgl. Ziff. 2. lit.
a-h, S. 3 ff.). Der Rückerstattungsanspruch sei bei Erlass der Verfügung
am 8. März 2012 verwirkt bzw. verjährt gewesen, weil die
Arbeitslosenkasse vor diesem Datum Kenntnis des
Rückforderungsanspruches gehabt habe. Die Verwaltung habe ihm
gegenüber auch falsche Auskünfte erteilt bzw. eine Unterlassung
begangen, weil sie ihre Meldepflichten versäumt habe. Der
Beschwerdeführer habe aufgrund der (angeblichen) Doppelzahlungen
Dispositionen getroffen, welche nun nicht mehr ohne Nachteil für ihn
rückgängig gemacht werden könnten. Ein Revisionsgrund liege – laut
Kreisschreiben RVEI Rz. A8 und A25 – nicht vor, da keine neuen
erheblichen Tatsachen entdeckt worden seien, welche die
Arbeitslosenkasse nicht schon vorher gekannt habe oder hätte kennen
müssen.
14. In der Vernehmlassung beantragte das KIGA (Beschwerdegegner) die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung machte der
Beschwerdegegner geltend, dass er nur zufälligerweise zur
Taggeldabrechnung des Krankenversicherers vom 6. April 2011 gelangt
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sei. Der Beschwerdeführer habe den empfangenen Betrag von Fr.
95‘868.55 verschwiegen. Die Berufung auf die Verjährung bzw.
Verwirkung sei zumindest stossend. Der Fristenlauf habe frühestens mit
Kenntnis der Taggeldabrechnung des Krankenversicherers am 6. April
2011 zu laufen begonnen. Mit der Rückforderungsverfügung vom 8. März
2012 sei die gesetzliche Anfechtungsfrist daher eingehalten worden.
15. In der Replik ergänzte der Beschwerdeführer noch, dass der
Beschwerdegegner von Anfang an vollständig darüber informiert gewesen
sei, dass der Beschwerdeführer beim Krankenversicherer Antrag auf
Weiterzahlung des Krankentaggeldes gestellt habe. Der
Beschwerdeführer habe dem Beschwerdegegner schon 2008 mitgeteilt,
dass er nicht in eine Einzelversicherung übergetreten sei. Der
Beschwerdegegner habe offenkundig vor dem 27. März 2009 Kenntnis
vom Rückerstattungsanspruch gehabt, andernfalls kein Anlass bestanden
hätte, an diesem Datum einen Verrechnungsantrag zu stellen. Aus den
Gesprächsprotokollen – spätestens also am 10. März 2010 – hätten klare
Hinweise bestanden, dass der Beschwerdeführer Leistungen des
Krankenversicherers beansprucht habe. Wegen offenbar unsorgfältiger
Dossierführung sei die rechtzeitige Feststellung des behaupteten
Rückforderungsanspruchs versäumt worden. Der Beschwerdegegner
könne daraus nichts zu seinen Gunsten herleiten, denn er sei zur
systematischen Unterlagenerfassung nach Art. 46 ATSG verpflichtet
gewesen. Nachdem der Beschwerdegegner einen Verrechnungsantrag
gegenüber dem Krankenversicherer gestellt habe, sei es ihm nicht mehr
erlaubt gewesen, Rückforderungen an den Beschwerdeführer zu richten
(Kreisschreiben RVEI Rz. B8). Der Verrechnungsanspruch sei auch nach
dem Grundsatz von Treu und Glauben nicht zu schützen.
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16. Nach der Zustellung der beschwerdegegnerischen Akten an den
Beschwerdeführer durch das Gericht ergänzte der Beschwerdeführer die
Replik noch wie folgt: In den Protokollen des Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) sei einiges nicht korrekt. Daraus
ergebe sich aber, dass der Beschwerdegegner bereits im Laufe 2008
Kenntnis davon gehabt habe, dass der Krankenversicherer vom
Beschwerdeführer in Anspruch genommen worden sei. Gemäss den
Akten habe der Beschwerdegegner den Verrechnungsanspruch beim
Krankenversicherer bereits im März 2009 angemeldet. Im Protokoll vom
März 2010 des RAV – wenn auch zuhanden der Invalidenversicherung -
sei ein Verrechnungsantrag bereits erwähnt worden. Der Brief des
Krankenversicherers an die Arbeitslosenkasse vom Juli 2010 bestätige,
dass eine Taggeldversicherung bestanden habe. Der Beschwerdegegner
habe folglich weit mehr als ein Jahr bzw. zwei Jahre vor Erlass der
Verfügung Kenntnis vom Rückforderungsanspruch gehabt.
17. Der Beschwerdegegner verzichtete auf die Einreichung einer Duplik.
18. Auf Aufforderung der zuständigen Instruktionsrichterin reichte der
Beschwerdegegner am 22. August 2013 die vollständigen Akten samt
Aktenverzeichnis ein. Der Beschwerdeführer verzichtete mit Schreiben
vom 12. September 2013 auf eine Stellungnahme zu den nachgereichten
Akten.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, soweit für die
Entscheidung von Bedeutung, im Rahmen der nachfolgenden
Erwägungen noch näher eingegangen.
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Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Einspracheentscheid vom 14.
Dezember 2012, worin das Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit
Graubünden (Beschwerdegegner), die Verfügung von 8. März 2012 der
Arbeitslosenkasse betreffend Rückforderung zu Unrecht bezogener
Leistungen in der Höhe von Fr. 44‘278.30 (Zeitraum Mai 2008 bis Juli
2009) bestätigte und damit die dagegen erhobene Einsprache des
Beschwerdeführers vom 19. April 2012 abwies. Strittig und zu klären ist,
ob der geltend gemachte Rückforderungsanspruch inzwischen verjährt
bzw. verwirkt ist oder andere Gründe gegen die Rechtmässigkeit und das
Inkasso der betreffenden Geldforderung durch den Beschwerdegegner
sprechen. Liegen solche Gründe vor, ist auf die Rückforderung zu
verzichten bzw. kann diese nicht (mehr) mit Erfolg geltend gemacht
werden; sind solche Rechtfertigungsgründe zu verneinen, ist die
Rückforderung berechtigt und sind die Beiträge zu erstatten, wobei dem
Beschwerdeführer diese Forderung immer noch, auf entsprechendes
Gesuch hin, durch den Beschwerdegegner erlassen werden kann.
b) Ausgangspunkt sind die unterschiedlichen Sachdarstellungen der
Parteien. Der Beschwerdegegner begründet seinen ablehnenden
Entscheid hauptsächlich damit, dass der Beschwerdeführer ihn nicht
korrekt informiert habe. Dieser habe ihm nämlich absichtlich
verschwiegen, dass er für den gleichen Zeitraum auch Leistungen des
Krankenversicherers beantragt habe, weshalb er eben auch nicht früher
einen Verrechnungsanspruch habe geltend machen können. Der
Krankenversicherer habe sodann (ohne Kenntnis der Arbeitslosenkasse)
direkt an den Beschwerdeführer gezahlt. Der Beschwerdegegner sei
deshalb zur Rückforderung der zu viel (doppelt) ausgerichteten
Leistungen verpflichtet. Der Krankenversicherer habe den Fall für lange
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Zeit zu den Akten gelegt und auch der Beschwerdeführer habe sich nach
September 2009 nicht mehr um Taggelder des Krankenversicherers
gekümmert. Im Jahre 2010 habe sich der Krankenversicherer zwar um
die Akten der Arbeitslosenkasse bemüht, danach habe er sich aber
wieder in Schweigen gehüllt. Weder der Krankenversicherer noch der
Beschwerdeführer hätten dem Beschwerdegegner mitgeteilt, dass der
Krankenversicherer dem Beschwerdeführer am 6. April 2011
Krankentaggelder von Fr. 95‘868.55 ausgerichtet habe. Der
Beschwerdegegner habe nur zufälligerweise von dieser Auszahlung
erfahren. Die Frist für die Rückforderung habe demnach frühestens mit
der Taggeldabrechnung am 6. April 2011 zu laufen begonnen, womit die
Verfügung vom 8. März 2012 (Rückforderung von Fr. 44‘278.30)
rechtzeitig erfolgt sei bzw. zum Inkasso weder die absolute noch die
relative Verjährungsfrist abgelaufen sei. In der Folge wird die
Rechtmässigkeit dieser Vorgaben im Einzelnen geprüft.
2. a) Nach Art. 25 Abs. 1 des Gesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sind unrechtmässig
bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Dies kann jedoch nur dann der
Fall sein, wenn in verfahrensrechtlicher Hinsicht entweder die für eine
Revision oder eine Wiedererwägung erforderlichen Voraussetzungen
gemäss Art. 53 ATSG erfüllt sind (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts
Graubünden S 09 95 vom 1. September 2009 E.2a). Formell
rechtskräftige Verfügungen und Einspracheentscheide müssen in
Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der
Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen
entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht
möglich war (Art. 53 Abs. 1 ATSG). Der Versicherungsträger kann auf
formell rechtskräftige Verfügungen oder Einsprache-entscheide
zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre
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Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG). Die
Berechtigung zu einer Revision oder einer Wiedererwägung gilt
unabhängig davon, ob die zur Rückforderung Anlass gebenden
Leistungen förmlich oder formlos verfügt worden sind (BGE 129 V 110
E.1, 125 V 475 E.1; vgl. auch UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Aufl.,
Zürich u.a. 2009, Art. 53 Rz. 10 und 28; BARBARA KUPFER BUCHER,
Rechtsprechung des Bundesgerichtes zum
Arbeitslosenversicherungsgesetz, 4. Aufl., Zürich u.a. 2013, Art. 95 S.
342). Die Taggeldabrechnung der Arbeitslosenkasse vom 7. März 2012
(beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 14), welche vorliegend nicht in
Form einer förmlichen Verfügung erfolgte, weist aber materiell
Verfügungscharakter auf (Urteil des Bundesgerichts C 7/02 vom 14. Juli
2003 E.3.1; BGE 122 V 367 E.3, 121 V 51 E.1). Dabei gilt die
Rechtsbeständigkeit bei solch formlosen Verfügungen als eingetreten,
wenn anzunehmen ist, ein Versicherter habe sich mit einer getroffenen
Regelung abgefunden. Derartig formlose Entscheide können nur
innerhalb einer Frist von 30 Tagen voraussetzungslos abgeändert
werden. Zu einem späteren Zeitpunkt bedarf ein Zurückkommen auf eine
faktische Verfügung – wie z.B. eine Taggeldabrechnung – hingegen eines
Rückkommenstitels gemäss Art. 53 ATSG, also einer Revision oder
Wiedererwägung (vgl. zum Ganzen auch das Kreisschreiben über
Rückforderung, Verrechnung, Erlass und Inkasso [KS RVEI], April 2008,
Abschnitte A + B). Vorliegend ist die Unrechtmässigkeit der bezogenen
Leistungen des Beschwerdegegners durch den Beschwerdeführer zu
Recht nicht bestritten worden. Ebenso wurde die Höhe der
Rückforderungssumme von Fr. 44‘278.30 vom Beschwerdeführer zu
Recht nicht angezweifelt. An der nach Monaten gegliederten
Zusammenstellung (Mai 2008 bis Juli 2009) und Gesamtberechnung in
der Taggeldabrechnung vom 7. März 2012 gibt es somit nichts
auszusetzen (Bg-act. 14). Die vom Beschwerdegegner gebilligte
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Vorleistungspflicht ergibt sich aus Art. 70 Abs. 2 lit. b ATSG. Die
betragsmässige Beschränkung der Rückerstattungspflicht – hier von Fr.
95‘868.55 auf Fr. 44‘278.30 – ist gesetzlich in Art. 95 Abs. 1bis des
Arbeitslosenversicherungsgesetzes (AVIG; SR 837.0) verankert und gibt
deshalb ebenfalls zu keinen Korrekturen Anlass.
b) Nachfolgend sind aber noch die bis zuletzt strittig gebliebenen
Rechtsfragen betreffend (Nicht-)Vorliegen eines Rückkommenstitels
(E.3), Verwirkung des Rückerstattungsanspruchs (E.4), Bedeutung des
Verrechnungsantrags vom 27. März 2009 (E.5) sowie Verzicht auf die
Rückforderung aus Gründen des Vertrauensschutzes (E.6) zu klären und
zu entscheiden.
3. a) Art. 53 ATSG regelt die Voraussetzungen der Revision (Abs. 1; siehe
vorne E.2a) und der Wiedererwägung (Abs. 2) als unverzichtbaren
Rückkommenstitel für unrechtmässig bezogene
Sozialversicherungsleistungen. Während der Beschwerdeführer die
Ansicht vertritt, dass keine neuen erheblichen Tatsachen vorlägen,
welche der Beschwerdegegner zuvor nicht kannte oder hätte kennen
können (vgl. KS RVEI Rz. A8 und A25), ist der Beschwerdegegner dazu
gerade gegenteiliger Meinung. Der Beschwerdegegner stellt sich auf den
Standpunkt, dass die Missachtung von Tatsachen, eine andere
Beurteilung derselben oder die nachträgliche Entdeckung von vorher
falsch ausgelegten Tatsachen noch nicht ausreichten, um eine neue
rechtliche Würdigung herbeizuführen.
b) Nach Auffassung des Gerichts liegt eine neue erhebliche Tatsache vor,
weil für den gleichen Zeitraum von Mai 2008 bis Juli 2009 nebst den
formlos erbrachten Taggeldleistungen der Arbeitslosenkasse rückwirkend
auch noch Krankenversicherungstaggelder in der Höhe von Fr. 95‘868.55
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bis zur Ausschöpfung der Rahmenfrist von 730 Tagen – hier also bis Juli
2009 – an den Beschwerdeführer aus-/nachbezahlt wurden (Bg-act. 6).
Am doppelten Bezug von Sozialversicherungsbeiträgen für dieselbe
Zeitspanne besteht daher kein Zweifel. Diese Erkenntnis stellt aber eine
neue erhebliche Tatsache im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG dar, deren
Unkenntnis hier nicht die Arbeitslosenkasse zu vertreten hat (so auch
BGE 132 V 357 E.3.1), weil diese mit ihrem Verrechnungsantrag vom 27.
März 2009 (Bg-act. 3) an den Krankenversicherer offensichtlich bemüht
war, Ordnung und Klärung in die Leistungspflichten der involvierten
Versicherungsträger zu bringen. Im gleichen Sinne dürfen auch die
beiden Schreiben vom 12. April 2011 und 22. September 2011 der
Arbeitslosenkasse an den Beschwerdeführer verstanden werden, worin
die Arbeitslosenkasse den betreffenden Leistungsempfänger
unmissverständlich über ihre Abklärungen bezüglich Doppelbezug von
Sozialversicherungsgeldern informierte und ihn dann zur Stellungnahme
einlud (vgl. Bg-act. 7 und 10). Diese Vorgehens- und Verhaltensweise der
Arbeitslosenkasse belegt hinreichend, dass sie im hier allein
massgeblichen Zeitraum von Mai 2008 bis Juli 2009 gerade noch nicht
um die wahren Verhältnisse des zweifachen Leistungsbezugs durch den
Beschwerdeführer wusste bzw. wissen konnte und dieser Umstand
deshalb nun als Grund für eine prozessuale Revision und damit eben
auch als Rückkommenstitel für die Erstattung der zu Unrecht bezogenen
Arbeitslosentaggeldleistungen berücksichtigt werden kann. Selbst wenn
man diesbezüglich aber anderer Meinung sein sollte und die
Voraussetzungen für eine Revision verneinen wollte, wären vorliegend
zumindest die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung – wozu sich
der Beschwerdeführer nicht äusserte – als erfüllt zu betrachten. Gemäss
Art. 28 Abs. 2 und 4 AVIG sowie Art. 73 Abs. 1 des
Krankenversicherungsgesetzes (KVG; SR 837.0) gilt nämlich was folgt:
Taggelder der Krankenversicherung, die Erwerbsersatz darstellen,
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werden von der Arbeitslosenentschädigung abgezogen. Arbeitslose, die
ihren Anspruch nach [Art. 28] Absatz 1 ausgeschöpft haben, weiterhin
vorübergehend vermindert arbeitsfähig sind und Leistungen einer
Taggeldversicherung beziehen, haben, sofern sie unter Berücksichtigung
ihrer verminderten Arbeitsfähigkeit vermittelbar sind und die übrigen
Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, Anspruch auf (lit. a) das volle
Taggeld, wenn sie zu mindestens 75 % arbeitsfähig sind, oder (lit. b) das
um 50 % gekürzte Taggeld, wenn sie zu mindestens 50 % arbeitsfähig
sind. Entsprechendes wird in Art. 73 Abs. 1 KVG bezüglich der
Koordination mit der Arbeitslosenversicherung bestimmt. Eine
Wiedererwägung gestützt auf Art. 53 Abs. 2 ATSG hat jeweils dann zu
erfolgen, wenn Verfügungen oder Einspracheentscheide zweifellos
unrichtig sind und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Beides
kann hier aufgrund der Akten bejaht werden. Zunächst richtete der
Krankenversicherer dem Beschwerdeführer ein volles Taggeld basierend
auf einer Arbeitsunfähigkeit von 70-80 % aus und ab dem 26. Februar
2010 noch auf einer Basis von 55 %. In korrekter Anwendung der beiden
vorerwähnten Bestimmungen (Art. 28 Abs. 2 und 4 AVIG und Art. 73 Abs.
1 KVG) hätte für die Zeitspanne vor dem 25. Februar 2010 somit aber
überhaupt kein Anspruch auf Taggeldleistungen der
Arbeitslosenversicherung und ab dem 26. Februar 2010 lediglich ein
Anspruch auf reduzierte Arbeitslosentaggelder bestanden. Die
Ausrichtung der vollen Taggelder durch die Arbeitslosenkasse an den
Beschwerdeführer im fraglichen Zeitraum war folglich zweifellos unrichtig.
Das zweite Erfordernis für die Wiedererwägung – die erhebliche
Bedeutung der Berechtigung – darf angesichts der doch beträchtlichen
Rückforderungssumme von Fr. 44‘278.30 ebenfalls klar als erfüllt
angesehen werden, zumal die Grenze dafür betragsmässig bereits bei
wenigen Hundert Franken liegt (vgl. KIESER, a.a.O., Art. 53 Rz. 34 mit
weiteren Hinweisen). Damit steht fest, dass mindestens einer der beiden
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Rückkommenstitel gemäss Art. 53 ATSG für die Überprüfung der
Streitfragen gegeben ist.
4. a) Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres
(relative Verwirkungsfrist), nachdem die Versicherungseinrichtung davon
Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren
(absolute Verwirkungsfrist) nach der Entrichtung der einzelnen Leistungen
(Art. 25 Abs. 2 Satz 1 ATSG). Laut Rechtsprechung des Bundesgerichts
handelt es sich bei diesen Fristen – gleich wie bei der Rückforderung
gestützt auf Art. 95 AVIG - um Verwirkungsfristen (BGE 139 V 6 E.2, 138
V 74 E.4.1). Unter dem für den Fristbeginn massgebenden Datum der
„Kenntnisnahme“ ist dabei jener Zeitpunkt zu verstehen, in welchem die
Verwaltung bei Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit hätte
erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Rückforderung
bestehen (so BGE 139 V 6 E.4.1; Urteile des Bundesgerichts
9C_983/2010 vom 16. Mai 2011 E.2.2 und 9C_1010/2009 vom 28. Mai
2010 E.3.1; BGE 124 V 380 E.1, 122 V 270 E.5a; vgl. überdies ZBJV
4/2013 S. 388; KUPFER BUCHER a.a.O. S. 351). Der Verwaltung müssen
alle im konkreten Einzelfall erheblichen Umstände zugänglich sein, aus
deren Kenntnis sich der Rückforderungsanspruch dem Grundsatz nach
und in seinem Ausmass ergibt. Es genügt aber nicht, dass Umstände, die
möglicherweise zu einem solchen Anspruch führen können, aus den
Akten ersichtlich sind, der Amtsstelle sonst wie bekannt werden oder dass
dieser Anspruch nur dem Grundsatz nach, nicht aber in quantifizierbarer
Hinsicht feststeht. Nach herrschender Rechtsprechung ist zudem nicht
das erstmalige unrichtige Handeln fristauslösend, sondern es ist jeweils
auf jenen Tag abzustellen, an dem sich die Amtsstelle später (z.B.
anlässlich der Rechnungskontrolle) unter Anwendung der ihr zumutbaren
Aufmerksamkeit über ihren Fehler hätte Rechenschaft ablegen müssen
(so bereits Eidgenössisches Versicherungsgericht P 17/02 vom 2.
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Dezember 2002 E.3.3, BGE 110 V 306 E.2b; bestätigt in SVR 2002 IV Nr.
2 S. 5; Urteil des Verwaltungsgerichts Graubünden S 09 95 vom 1.
September 2009 E.2b). Ist für die Leistungsfestsetzung oder die
Rückforderung das Zusammenwirken mehrerer mit der Durchführung der
Versicherung betrauter Behörden notwendig, genügt es für den Beginn
des Fristenlaufs, dass die nach der Praxis erforderliche Kenntnis bei einer
der zuständigen Verwaltungsstellen vorhanden ist (BGE 119 V 431 E.3a,
112 V 180 E.4c; ZAK 1989 S. 558, Urteile des Bundesgerichts
9C_534/2009 vom 4. Februar 2010 E.3.2.2 und 9C_1057/ 2008 vom 4.
Mai 2009 E.4.1.2). Art. 25 Abs. 2 Satz 1 ATSG verlangt nur, dass die
Versicherungseinrichtung vom Rückforderungsanspruch Kenntnis erhält;
auf welchem Wege dies geschieht, spielt grundsätzlich keine Rolle. So
hat sich eine Ausgleichskasse das Wissen um einen zur
Rentenrückforderung Anlass gebenden Sachverhalt
rechtsprechungsgemäss auch dann anrechnen zu lassen, wenn ihr dieser
im Zusammenhang mit der beitragsrechtlichen Erfassung des
Rentenbezügers als Nichterwerbstätiger zur Kenntnis gelangt ist (vgl.
BGE 139 V 6 E.5.2; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I
26/93 vom 25. Oktober 1995 E.4d).
b) Der Beschwerdeführer bestreitet die Rückerstattungspflicht vorliegend
zwar nicht im Grundsatz, er bringt indes vor, dass diese aufgrund der
verstrichenen Zeitdauer seit Erlass der strittigen Verfügung vom 8. März
2012 verwirkt sei, da die Arbeitslosenkasse weit mehr als ein respektive
zwei Jahre vor Erlass ihrer Rückforderungsverfügung bereits Kenntnis
von den Taggeldzahlungen des Krankenversicherers gehabt habe. Zur
Begründung verweist der Beschwerdeführer auf die vorher dazu
ergangene Korrespondenz. Danach habe die Arbeitslosenkasse mehrfach
– teils direkt selbst, teils über die Regionale Arbeitsvermittlung – von den
Bemühungen des Beschwerdeführers zur Erlangung von Leistungen
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durch den Krankenversicherer Kenntnis erhalten. Dabei habe es sich um
Krankentaggelder gehandelt, die tatsächlich bezahlt worden seien (vgl.
beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 2-10). Spätestens ab der letzten
internen Revision am 8. Januar 2009 sei dieser Umstand der
Arbeitslosenkasse bekannt gewesen (Bf-act. 11). Die Arbeitslosenkasse
habe zudem im Jahre 2008 bereits einmal eine kleinere Verrechnung –
anstelle einer Rückforderung – vorgenommen (Bf-act. 7-9). Die
Arbeitslosenkasse hätte sich also schon damals darum kümmern können
und müssen, was sie aber nachweislich bis März 2012 versäumt habe.
Die Arbeitslosenkasse habe sodann auch die entsprechende Meldung an
den Krankenversicherer unterlassen, obwohl sie dazu verpflichtet
gewesen wäre (Bf-act. 13). Auch aufgrund der IV-Mitteilung vom 23.
Dezember 2009 hätte die Arbeitslosenkasse das Meldeverfahren einleiten
können, was zeitlich ebenfalls viel früher zur Rückforderung geführt hätte.
Die Arbeitslosenkasse habe durch den Verrechnungsantrag vom 27. März
2009 an den Krankenversicherer ausserdem selbst bewiesen, dass sie
über die Ausrichtung von Krankentaggeldern informiert gewesen sei (Bg-
act. 3). Der Beschwerdegegner sei bei seinen Zusagen zu behaften,
wonach beim RAV auch die Auseinandersetzungen mit dem
Krankenversicherer immer wieder ein Thema gewesen seien. Der
Beschwerdeführer habe deshalb weder etwas verheimlicht noch die
Unwahrheit gesagt. Die Arbeitslosenkasse sei von Anfang an vollständig
darüber informiert gewesen, dass der Beschwerdeführer beim
Krankenversicherer seines Arbeitgebers Antrag auf Weiterzahlung des
Taggeldes gestellt habe. Der Beschwerdeführer habe der
Arbeitslosenkasse bereits im Jahre 2008 mitgeteilt, dass er nicht in eine
Einzelversicherung übergetreten sei (Bg-act.7). Aus all diesen Gründen
sei die Beschwerde daher gutzuheissen.
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c) Das Gericht ist demgegenüber zu einer anderen Auffassung gelangt und
erachtet die vom Beschwerdeführer erhobenen Einwände als nicht
stichhaltig. Wie sich dem Schreiben des Beschwerdeführers vom 18.
März 2008 (Bf-act.1) sowie den nachgereichten Vorakten des
Beschwerdegegners (Bg-Ordner F18) entnehmen lässt, hatte der
Krankenversicherer die Taggeldleistungen auf dieses Datum hin
eingestellt, weil seither ein Leiden ohne Krankheitswert vorliege. Richtig
ist, dass die Krankentaggelder in den Beratungsgesprächen
verschiedentlich ein Thema waren (Bg-act. 2); was durch die
Gesprächsprotokolle vom 6. Mai 2009, 29. September 2008, 18. Juni
2008 und 14. Mai 2008 bestätigt wird. Entgegen der Meinung des
Beschwerdeführers ergibt sich daraus aber nichts, woraus der
Beschwerdegegner bei Beachtung der ihm zumutbaren Aufmerksamkeit
hätte erkennen müssen, dass die Voraussetzungen für eine
Rückforderung gegeben und ihm alle im konkreten Einzelfall erheblichen
Umstände zugänglich waren, aus deren Kenntnis sich der
Rückforderungsanspruch dem Grundsatz nach und in seinem Ausmass
gegenüber dem Beschwerdeführer ergeben hätte (vgl. zur
Rechtsprechung vorne E.4a). Auch ist nicht ersichtlich, inwiefern sich eine
solche Kenntnis aus der letzten internen Revision vom 8. Januar 2009
hätte ergeben sollen, da dort einzig Abrechnungskorrekturen für die
Monate Mai 2008 (Abzug Warte- und Einstelltage) und Juni 2008
(Korrektur der aufgrund seiner Arbeitsunfähigkeit zu viel bezahlten 3.3
Taggelder) zur Diskussion standen, die nichts mit der vorliegenden
Rückforderung betreffend doppelt bezogener Leistungen zu tun haben
(vgl. Bf-act.11 S. 2; Schreiben der Arbeitslosenkasse vom 9. Januar
2009). Richtig ist, dass die Arbeitslosenkasse am 27. März 2009 und
offenbar erneut am 13. November 2009 einen Verrechnungsantrag an
den Krankenversicherer stellte. Diese zwei Anträge blieben indessen – im
Gegensatz zu denjenigen an die Invalidenversicherung und die berufliche
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Vorsorgeeinrichtung – aktenkundig unbeantwortet (Bg-act. 3; Vorakten
Bg-Ordner F10-12), womit erstellt ist, dass die Arbeitslosenkasse im
Ungewissen über den Bezug von Krankentaggeldern durch den
Beschwerdeführer gelassen wurde. Wie aus dem Schreiben des
Krankenversicherers vom 20. Juli 2010 hervorgeht, verlangte derselbe
erst viel später – d.h. 18 respektive 9 Monate danach - bei der
Arbeitslosenkasse Akteneinsicht (Bg-act. 5). Wiederum erst geraume Zeit
später, nämlich am 6. April 2011, erliess der Krankenversicherer die
Taggeldabrechnung (Bg-act. 6; Vorakten Bg-Ordner F13; vgl. Bf-act. 6
Schreiben vom 18. März 2011 mit Hinweis auf
Wiedererwägungsentscheid vom 18. März 2008 betreffend Einstellung
der Krankentaggeldleistungen per 15. März 2008). Im Schreiben des
Krankenversicherers vom 20. Juli 2010 an die Arbeitslosenkasse wurde
zwar auch festgehalten, dass der Beschwerdeführer durch den
ehemaligen Arbeitgeber beim Krankenversicherer für Taggeldleistungen
versichert war (Bg-act. 5). Allein aus der Bestätigung der Existenz dieser
Versicherung kann aber nicht gefolgert werden und war für die
Arbeitslosenkasse daher auch noch nicht erkennbar, dass auch
tatsächlich Krankentaggelder an den Beschwerdeführer aus-/nach-
bezahlt wurden. Das gilt vorliegend umso mehr, als derselbe
Krankenversicherer mit Wiedererwägungsentscheid vom 18. März 2008 ja
gerade die Ausrichtung von Taggeldern per 15. März 2008 einstellte (Bf-
act. 6). Gleichermassen kann auch aus der mit Schreiben vom 6. August
2008 vorgenommenen geringfügigen Verrechnung (Korrektur
Abrechnungen für die Monate Mai/Juni 2008 in der Höhe von Fr. 541.35)
der Arbeitslosenkasse gegenüber dem Beschwerdeführer nichts
hergeleitet werden, weil es damals nicht um doppelt bezahlte
Versicherungsleistungen ging, sondern um die Verneinung eines
Selbstverschuldens an der Arbeitslosigkeit sowie den medizinisch
attestierten Arbeitsunfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers (Bf-act. 9).
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Aufgrund der erwähnten Korrespondenzen und aufgezeigten Faktenlage
ist das Gericht deshalb zur Überzeugung gelangt, dass die
Arbeitslosenkasse erst mit der Taggeldabrechnung des
Krankenversicherers vom 6. April 2011 zuverlässig Kenntnis über die
tatsächliche Dauer (Mai 2008 bis Juli 2009) und die präzise Höhe (Fr.
95‘868.55) der - parallel zu ihren Arbeitslosengeldern – ausbezahlten
Krankenversicherungsbeiträgen erhielt. Der Beginn des Fristenlaufs seit
„Kenntnisnahme“ der zu viel bezogenen Sozialversicherungsleistungen ist
bezüglich der Arbeitslosenkasse daher auf den 6. April 2011 festzulegen
(vgl. zur Rechtsprechung vorne E.4a). Die einjährige Verwirkungsfrist
nach Art. 25 Abs. 2 Satz 1 ATSG wäre demnach am 6. April 2012
eingetreten. Die Verfügung der Arbeitslosenkasse datiert aber
aktenkundig vom 8. März 2012 (Bg-act. 1), womit der geltend gemachte
Rückforderungsanspruch von Fr. 44‘278.30 noch rechtzeitig erfolgt bzw.
eben nicht infolge Verwirkung bereits untergegangen ist. Dem Inkasso der
betreffenden Rückforderung steht unter diesem Gesichtspunkt somit
nichts entgegen.
5. Zur Bedeutung und den Wirkungen des Verrechnungsantrags vom 27.
März 2009 der Arbeitslosenkasse an den Krankenversicherers gilt es
zunächst auf Art. 94 Abs. 2 AVIG zu verweisen. Darin wird zur
Verrechnung von bereits erbrachten Leistungen durch verschiedene
Sozialversicherungsträger bestimmt: Hat eine Kasse einem anderen
Sozialversicherer die Verrechnung einer fälligen Leistung angezeigt, so
kann dieser seine Leistung im Umfang der Verrechnung nicht mehr
befreiend an die versicherte Person bezahlen. Diese Regelung gilt auch
für den umgekehrten Fall. - Im konkreten Fall wendet der
Beschwerdeführer dazu ein, dass die Arbeitslosenkasse schon im März
2009 die strittige Verrechnung gegenüber dem Krankenversicherer
beantragt habe (Bg-act. 3) und es ihr daher später nicht mehr erlaubt
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gewesen sei, ihre Rückforderung auch noch direkt an den
Beschwerdeführer zu stellen (KS RVEI Rz. B8). Die Arbeitslosenkasse
habe mit ihrem Verrechnungsantrag folglich selbst das Recht auf ein
späteres Vorgehen gegen den Beschwerdeführer verwirkt. Dieser
Einwand des Beschwerdeführers ist zwar grundsätzlich nicht falsch; er
erweist sich hier bei näherer Betrachtungsweise indessen als
unbegründet. Vorweg gilt es klarzustellen, dass die Voraussetzungen für
eine Verrechnung im Sozialversicherungsrecht analog den
Bestimmungen des Obligationenrechts (Art. 120 ff. OR; SR 220) folgen
und nach diesen Kriterien durchzuführen sind, weil das ATSG selbst
keine eigenständigen Vorschriften kennt und somit die Verrechnung auch
nicht regelt. Bei analoger Anwendung von Art. 120 OR für die Zulässigkeit
einer Verrechnung ist somit auch vorliegend massgebend, dass die zur
Diskussion stehenden Forderungen verschiedener Versicherungsträger
gegenseitig und gleichartig sind und zum Zeitpunkt der Verrechnung
überdies schon fällig waren (vgl. BGE 132 V 127 E.6.4.3.1 mit weiteren
Hinweisen). Im Weiteren ist die Verrechnung nur dann möglich, falls
gegenseitige Forderungen zwischen den einzelnen Versicherungsträgern
überhaupt noch bestehen. Bereits getilgte Forderungen können
demgegenüber nicht mehr miteinander verrechnet bzw. in eine spätere
Verrechnung einbezogen werden (vgl. HONSELL/VOGT/WIEGAND [Hrsg.]
Basler Kommentar zum OR, 5. Aufl., Basel 2011, zu Art. 120 Rz. 2, 2.
Absatz Satz 1, S. 748). Vorliegend fehlt es für die Zulässigkeit der
Verrechnung bereits an der Fälligkeit der gegenseitigen Forderungen im
Zeitpunkt des Verrechnungsantrags am 27. März 2009. Der so datierte
Verrechnungsantrag der Arbeitslosenkasse dürfte somit frühestens am
30./31. März 2009 beim Krankenversicherer eingegangen sein. Die
Taggeldleistungen der Arbeitslosenkasse waren zu diesem Zeitpunkt aber
bis und mit März 2009 bereits getilgt und daher zum vornherein nicht
mehr mit anderen Versicherungsleistungen in Verrechnung zu bringen
- 20 -
(vgl. Bg-act. 14; Vorakten Bg-Ordner, Rubrik I). Im Zeitpunkt des
Verrechnungsantrags Ende März 2009 waren damit lediglich noch die
Forderungen ab April 2009 bis Juli 2009 fällig und nicht bereits getilgt.
Umgekehrt haben für diese Zeitspanne aber auf Seiten des
Krankenversicherers keine fälligen und damit verrechenbaren
Forderungen bestanden, weil dessen Taggeldleistungen aktenkundig ja
schon viel früher, nämlich per 15. März 2008, eingestellt worden waren
(Bg-act. 1; Vorakten Bg-Ordner F18). Dieser Einstellungsentscheid wurde
erst im März 2011 in Wiedererwägung gezogen (Bf-act. 6) und die darauf
folgenden Taggeldleistungen des Krankenversicherers erst wieder im
April 2011 aus-/nachbezahlt. Eine (interne) Verrechnung zwischen den
zwei beteiligten Sozialversicherungsträgern wäre demnach nicht statthaft
bzw. nicht rechtens gewesen, weshalb die Arbeitslosenkasse ihre
Rückforderung mit Verfügung vom 8. März 2012 (für den Zeitraum Mai
2008 bis Juli 2009) mangels Erfüllung aller gesetzlichen
Verrechnungskriterien zu Recht direkt und persönlich an den
Beschwerdeführer stellte. Dem Rückforderungsanspruch steht
infolgedessen auch insofern nichts im Wege, was das Inkasso der zu
Unrecht zu viel bezogenen Leistungen in der Höhe von Fr. 44‘278.30
durch den Beschwerdegegner verunmöglicht hätte.
6. a) Zum beantragten Verzicht auf die Rückforderung aus Gründen des
Vertrauensschutzes nahm das Bundesgericht in einem ähnlich gelagerten
Fall (vgl. Urteil C 25/02 vom 29. August 2002) bereits wie folgt Stellung:
Der in Art. 9 BV verankerte Grundsatz von Treu und Glauben schützt den
Bürger in seinem berechtigten Vertrauen auf behördliches Verhalten und
bedeutet unter anderem, dass falsche behördliche Auskünfte von
Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eine vom
materiellen Recht abweichende Behandlung der Rechtsuchenden
gebieten (BGE 127 I 36 E.3a). Als verfassungsmässiger Grundsatz gilt
- 21 -
der Vertrauensschutz im gesamten Bereich des
Bundessozialversicherungsrechts und ist auch dort zu beachten, wo das
Gesetz – wie in Art. 95 Abs. 2 AVIG – Bestimmungen über die
Rückerstattung zu Unrecht erbrachter Leistungen enthält (Urteil 2C 25/02
E.2b). Diese Grundsätze gelten umso mehr, falls die Behörde nicht nur
eine Auskunft erteilt, sondern Anordnungen getroffen hat; denn mit dem
Erlass einer konkreten Verfügung wird in der Regel eine noch viel
eindeutigere Vertrauensbasis geschaffen als mit einer blossen Auskunft
(E.3a). Entscheidend unter dem Gesichtspunkt des Vertrauensschutzes
ist, dass der Versicherte den Sachverhalt wahrheitsgetreu dargestellt hat
und die Verwaltung ihm in Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse
Leistungen erbracht hat. Überdies wird vorausgesetzt, dass der
Versicherte die Unrichtigkeit der Leistungszusprechung ohne Weiteres
hätte erkennen können und er im Vertrauen auf die Richtigkeit der
Auskunft Dispositionen getroffen hat, die nicht (mehr) ohne Nachteil
rückgängig gemacht werden können (E.3b; vgl. zum Ganzen: ALEXANDRA
RUMO-JUNGO, Die Instrumente zur Korrektur der
Sozialversicherungsverfügung, in: Verfahrensfragen in
Sozialversicherung, St. Gallen 1996, S. 284 f.; und BGE 122 V 270 E.4;
KUPFER BUCHER a.a.O. S. 347; KS RVEI Rz. A25).
b) Der Beschwerdeführer brachte diesbezüglich in der Beschwerde vor,
dass die Arbeitslosenkasse ihre Meldepflichten versäumt habe, obwohl
sie von Gesetzes wegen dazu verpflichtet gewesen wäre (Beschwerde
Ziff. 3a S. 10). Der Beschwerdeführer habe im Zusammenhang mit den -
allfälligen – Doppelzahlungen Dispositionen getroffen, deren
Rückgängigmachung für ihn Nachteile ergäbe. So habe er konkret den
AHV-Minimalbeitrag, den er zur Vermeidung von Versicherungslücken
jährlich einzuzahlen habe, durch die entsprechenden Abzüge an den
bezogenen Arbeitslosentaggeldern geleistet. Somit würden, wenn die
- 22 -
Arbeitslosenkasse ihre Taggelder zurückerhalten würde, auch diese
Beiträge storniert, womit eine AHV-Beitragslücke und im Ergebnis bei der
Erreichung des Rentenalters eine Rentenkürzung die Folge wäre (Ziff. 3b
S. 10). Die Arbeitslosenkasse habe den Anspruch des
Beschwerdeführers auf Arbeitslosentaggelder, zumindest in prozentual
beschränktem Umfang, durch die Eröffnung einer Rahmenfrist (vom 1.
Mai 2008 bis 30. April 2010) auf der Basis eines versicherten Verdienstes
von Fr. 2‘924.-- selbst vorbehaltlos bejaht und durch entsprechende
Abrechnungen und Zahlungen (vgl. Bf-act.15 und 16) bis zur
Rückforderung untermauert. Es könne hier deshalb offen gelassen
werden, ob die Arbeitslosenkasse den Anspruch damals zu Recht
anerkannt habe, nachdem die ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers schon damals durchgehend deutlich unter 50 %
gelegen habe (Bf-act. 14). Jedenfalls sei die vorgenommene
Einschränkung, nämlich dass das Arbeitslosentaggeld lediglich bei einer
Arbeitsunfähigkeit von weniger als 50 % und einer dafür entsprechend
höheren Vermittelbarkeit geschuldet sei, für den Beschwerdeführer nicht
erkennbar gewesen. In diesem guten Glauben müsse der
Beschwerdeführer nun geschützt werden. Zu diesen Vorwürfen betreffend
behördliche Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben äusserte
sich der Beschwerdegegner nicht (Verzicht auf Duplik).
c) Im konkreten Fall sind keine vertrauensbegründenden Massnahmen von
Seiten der Arbeitslosenkasse erkennbar, welche den Beschwerdeführer
im Vertrauen auf den Erhalt von Arbeitslosengeldern getäuscht hätten
und deshalb eine Rückforderung der offensichtlich zu viel bezogenen
Sozialversicherungsleistungen ausgeschlossen hätten. Die Interessens-
und Güterabwägung zwischen dem Schutz des Vertrauens in den
Bestand der rückwirkend aufzuhebenden Verfügung einerseits und dem
Grundsatz der Rechtsgleichheit und Gesetzmässigkeit staatlichen
- 23 -
Handelns andererseits fällt vorliegend zu Gunsten der Einhaltung und
Beachtung des Legalitätsprinzips aus, was einen Verzicht auf die strittige
Leistungsrückforderung nicht zu rechtfertigen vermöchte. Im Besondern
gilt es indessen noch den Einwand der – auf falscher Vertrauensbasis -
getroffenen Dispositionen des Beschwerdeführers zu klären; namentlich
derjenigen Handlungen die für ihn nicht mehr ohne Nachteil wieder
rückgängig gemacht werden könnten (Eintritt AHV-Beitragslücke mit
späterer Rentenkürzung). Den diesbezüglich gehegten Befürchtungen
des Beschwerdeführers ist entgegenzuhalten, dass die von ihm zur
Diskussion gestellten Sozialversicherungsbeiträge (hier konkret die
obligatorischen AHV/IV/EO-Beiträge) in der Praxis jeweils direkt von
Taggeldern der Arbeitslosenkasse abgezogen werden, was zur
Konsequenz hat, dass jeweils einzig der Nettobetrag der geschuldeten
Arbeitslosentaggelder zur Auszahlung gelangt (vgl. dazu
Taggeldabrechnungen; Vorakten Bg-Ordner Rubrik I act. 2/1-2, 3-7, 8/1-3,
9/1-3, 10/1-3, 11/1, 12/1-2, 13/1-3, 14/1-3, 15/1-5, 16/1-2, 17/1-2, 18/1-2,
19/1-3, 20/1-3, 21/1-2, 22/1-2, 23/1-2). Bei diesem Abrechnungssystem
kann ein Versicherter – hier namentlich der Beschwerdeführer – aber zum
vornherein überhaupt keine eigenen Dispositionen treffen, die ihm später
zu einem nicht wieder rückgängig zumachenden Nachteil gereichen
könnten. Im Übrigen bestünde für den Beschwerdeführer stets noch die
Möglichkeit, allfällige Beitragslücken bis zur Erreichung des
Pensionierungsalters aus eigener Kraft freiwillig zu schliessen.
Nichterwerbstätige zahlen dabei einen AHV-Beitrag nach ihren sozialen
Verhältnissen (so Art. 10 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10]). Überdies
sind die Taggelder wegen Krankheit oder Unfall – im Gegensatz zu
denjenigen der Arbeitslosenversicherung – überhaupt nicht AHV-pflichtig
(vgl. Urteil des Bundesgerichts C 352/05 vom 27. Juni 2006 E.2.3.2; UELI
KIESER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Alters- und
- 24 -
Hinterlassenenversicherung, 2. Aufl., Zürich u.a. 2005, Art. 5 Rz 143 S.
70 mit Hinweis auf BGE 113 V 161 E.5b; ALEXANDRA RUMO-JUNGO,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Unfallversicherungsgesetz, 3.
Aufl., Zürich u.a 2003, Art. 3 Abs. 5 S. 14). Sollte vorliegend aber
tatsächlich aufgrund der Rückerstattung der Taggelder an die
Arbeitslosenkasse eine AHV-Beitragslücke entstanden sein, bliebe es
dem Beschwerdeführer unbenommen, sich bei der zuständigen
Ausgleichskasse als Nichterwerbstätiger zu melden und so allfällige
Beitragslücken selbst zu schliessen. Ein entsprechendes Defizit wäre hier
– wenn überhaupt – bloss für die Zeitspanne bzw. Kontrollperiode von
Mai 2008 bis Februar 2009 denkbar (vgl. Bg-act. 14). Zusammengefasst
lässt sich damit festhalten, dass der Beschwerdeführer auch mit der
Berufung auf den Vertrauensschutz wegen irreversibler Nachteile bei
seiner Altersvorsorge nicht durchdringt, da die Voraussetzungen dafür im
konkreten Fall ebenfalls nicht erfüllt sind.
d) Schliesslich sei einzig noch darauf hingewiesen, dass der
Beschwerdeführer immer noch ein Gesuch um Erlass der Rückforderung
– im Sinne von Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG in Verbindung mit Art. 95 Abs.
3 AVIG - einreichen kann, weil im Bereich der sozialversicherungsrechten
Rückforderung auch das Institut des Erlasses für den gebotenen
Interessenausgleich zwischen dem Vertrauensschutz und dem
Legalitätsprinzip sorgen kann (vgl. BGE 122 V 270 E.4 in fine; KIESER,
ATSG-Kommentar, a.a.O. Art. 25 Rz. 28-37 S. 360-363; KUPFER BUCHER
a.a.O. S. 353; KS RVEI Rz. C1-12 [zum Erlassverfahren]).
7. a) Der angefochtene Einspracheentscheid vom 14. Dezember 2012
betreffend Bestätigung der Rückforderung in der Höhe von Fr. 44‘278.30
wegen zu Unrecht bezogener Taggeldleistungen der Arbeitslosenkasse
durch den Beschwerdeführer ist demnach in jeder Beziehung rechtmässig
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und schützenswert, was im Ergebnis zur Abweisung der Beschwerde vom
31. Januar 2013 führt.
b) Gerichtskosten werden nicht erhoben, da das kantonale
Beschwerdeverfahren nach Art. 61 lit. a ATSG grundsätzlich kostenlos ist.
Eine aussergerichtliche Entschädigung steht dem obsiegenden
Beschwerdegegner nicht zu (Umkehrschluss aus Art. 61 lit. g ATSG).