Decision ID: 14eb14e1-8b75-5ff9-9f7c-7feb085cf66c
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
X._
GmbH
in Liquidation
,
welche die Etablissements Y._
in
Z._
und
A._/B._
(nachfolgend:
A._) in C._
betrieb,
ist
der
GastroSocial
Ausgleichskasse
seit dem
1.
Juli 2015 als
beitragspflicht
ig
e Arbeitgeberin
angeschlossen
(
Urk.
2 S. 2)
. Am 1
1.
März 2020 führte der Revisor der
GastroSocial
Ausgleichskasse bei der
X._
GmbH
für den
Zeitraum vom
1.
Juli 2015 bis zum 3
1.
Dezember 2018
eine
A
rbeitgeberkontrolle durch.
Gemäss
dessen
A
ngaben wurden
für diverse Angestellte der
X._
GmbH die
Lohnbei
träge
nicht oder nicht korrekt abgerechnet
(
Urk.
8/3
Beilage
)
.
Mit
Verfügung
vom 1
8.
Juni 2020 forderte die
GastroSocial
A
usgleichskasse von der
X._
GmbH für den Zeitraum vom
1.
Juli 2015 bis zum 3
1.
Dezember 2018 Lohnbei
träge
von
Fr.
63'907.10
(inkl. Verwaltungskosten) und
Verzugszinsen
von
Fr.
8'109.15
(
Urk.
8/1).
Die
dagegen
von der
X._
GmbH am 1
4.
Juli 2020
erhobene Einspra
che (
Urk.
8/3
) wies die
GastroSocial
Ausgleichskasse mit Entscheid vom 1
6.
November 2020 (
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob die
X._
GmbH am 1
6.
Dezember 2020 Beschwerde und bean
tragte, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben (
Urk.
1). Die Beschwerde
gegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
4.
Februar 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin am 1
8.
Februar 2021 ange
zeigt wurde (
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid da
mit, dass die Erwerbstätigkeiten
, we
lche die Sexarbeiterinnen im Zeitraum Juli 2015 bis Dezember 2018
für die Beschwerdeführerin ausgeübt hätten, als unse
lbständig zu qualifizieren seien.
Ein Blick auf die Homepage
der Y._
z
eige, dass die Werbung unter dem
Namen
des Etablissements
und nicht der einzelnen Frauen erfolge.
Die Sexarbeiterinnen hätten keine Plattform, um ihre Dienstleistungen
differenziert und unmittelbar anzubieten.
Deren Fotografien
un
d
«Spezialitäten»
würden sich zwar auf der Homepage
finden.
Die
Möglichkeit, sich mit ihnen
direkt
in Verbindung zu setzen, bestehe
aber
nicht. Der Kunde sei vielmehr gehalten, sich an das Etablissement zu wenden. Ausserdem würden auf der Homepage
der Y._
die Öffnungszeiten und die Daten angegeben, an welchen die Sexarbeiterinnen anwesend seien. Ebenso werde bis 21 Uhr verbind
lich für alle Frauen eine Preisreduktion angeboten. Diese Kriterien würden alle
samt
dafür sprechen
, dass die fraglichen Sexarbeiterinnen ganz erheblich in die
Betriebsorganisation der
Y._
eingebunden seien. Im Weiteren könnten die Sexarbeiterinnen ihre Tätigkeit
in der
Y._
ohne grossen eigenen Aufwand - weder in organisatorischer noch in finanzieller Hinsicht
- aufnehmen, dieser nachgehen oder sie wieder beenden. Bei diesem von vornherein klar kalkulierbaren und einfach zu begrenzenden Risiko kö
nne nicht von einem
Unternehmerrisiko gesprochen werden. Ferner rechne die Beschwerdeführerin für die Sexarbeiterinnen Quellensteuern ab. Aus den eingereichten
Aufenthalts
bewilligungen
der zuständigen Migrationsämter
gehe lediglich hervor, ob die betreffende Sexarbeiterin eine Bewilligung als Selbständig- oder als
Unselbstän
digerwerbende
erhalten habe. Es sei aber nicht ersichtlich, ob die Versicherten, für welche die Aufrechnungen vorgenommen werden müssten,
als
Selbständi
gerwerbende
bereits einem a
nderen Sozialversicherer
angeschlossen seien
respektive
ob für die fraglichen Entgelte schon anderweitig Sozialversicherungs
beiträge entrichtet worden seien. Ohne
den
Nachweis
der Beschwerdeführerin
, dass die festgestellten Beiträge sozialversicherungsrechtlich bereits
verabgabt
worden seien, könne auf die Nachbelastung nicht
verzichtet werden
. Die Beschwerdeführerin habe die benötigten Unterlagen auch nach wiederholter Aufforderung nicht beigebracht
(
Urk.
2 S. 4 ff.
).
1.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, dass sie das L
okal
Y._
in
Z._
betreibe und bis zum 3
0.
September 2020 auch das
A._
in C._
betrieben habe. Der Beschwerdeführerin sei von der Beschwerde
gegnerin auferlegt worden, für die beiden Betriebe getrennte Lohnmeldungen einzureichen, da in den Kantonen Thurgau und Zürich unterschiedliche Vorschriften gelten könnten. Währenddessen anlässlich der Revision der Beschwerdegegnerin für das
A._
keine Beanstandungen festgestellt worden seie
n, seien hinsichtlich der
Y._
erhebliche Nachbelastungen geltend gemacht worden. Die vorliegend geltend gemachten Nachbelastungen würden nun aber zu 100
%
Tätigkeiten betreffen, die durch selbständige erotische Masseusen
im
A._
in C._
erbracht worden seien. Nur schon aus diesem Grund sei die Nachforderung nicht rechtens. Im Kanton Thurgau würden die Sexarbeiterinnen
als
unselbständig
erwerbend
gelten und entsprechende Aufent
halts-/Arbeitsbewilligungen erhalten.
Für alle
erotischen
Masseusen, die in der
Y._
gearbeitet hätten, seien deshalb Lohnabrechnungen erstellt worden. Dass diese Sexarbeiterinnen
unselbständ
igerwerbend
seien, sei korrekt
. Deren Einkommen rechne die Beschwerdeführerin seit jeher mit der Beschwerde
gegnerin ab. Im Kanton Zürich seien hingegen allen erotischen Masseusen Bewilligungen als
Selbständigerwerbende
ausgestellt worden. Wenn
diese
ihre Dienste
im
A._
angeboten hätten, sei dies in
den Lohnabrechnungen der
Y._
speziell vermerkt worden.
In der Lohnmeldung der Beschwerde
gegnerin
habe die Beschwerdeführerin
die Einkünfte aus selbständiger Erwerbs
täti
gkeit natürlich nicht angegeben. Die Quellensteuern
seien im Kanton Thurgau abgeliefert worden. Damit die
gleichen erotischen M
asseusen ihre
Tätigkeit
en
im Kanton Zürich nicht noch einmal hätten abrechnen müssen,
habe das Steueramt
Z._
der Beschwerdeführerin aufgetragen,
auch
die Einkünfte aus der ausserkantonalen selbständigen Erwerbstätigkeit direkt mit dem Steueramt
Z._
abzurechnen. Dies sei jedoch kein Hinweis auf eine unselbständige Erwe
rbstätigkeit. Schon im Jahr 2012
, als der Betrieb noch als Einzelfirma geführt worden sei, h
abe die Steuerbehörde C._
unter Hinweis auf ein Gerichtsurteil im Zusammenhang mit
der Mehrwertsteuer versucht, vom Inhaber der
Einzelfirma
als Arbeitgeber
eine hor
rende Summe Quellensteuern
für die selb
ständigen erotischen Masseusen einzutreiben. Im
Einspracheverfahren
des Kantonalen Steueramt
s
sei jedoch festgestellt worden, dass von einer selbstän
digen Erwerbstätigkeit der Sexarbeiterinnen auszugehen
sei
und die Einzelfirma von der Abrechnungspflicht im Quellensteuerverfahren freigestellt
werde.
Nach
dem bereits früher eine Arbeitgeberkontrolle durchgeführt worden sei und keine Beanstandungen vorgelegen hätten, könne es nicht sein, dass nun plötzlich
Selb
ständigerwerbende
in
Unselbständigerwerbende
umqualifiziert
und der Beschwerdeführerin über
Fr.
70'000.-- nachbelastet würden. Anlässlich eines Telefongesprächs vom 1
1.
August 2020 habe die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin erklärt, dass sich die Gesetzeslage seit der letzten Arbeit
geberkontrolle geändert habe. Der Beschwerdeführerin sei
jedoch
keine Gesetzes
änderung bekannt. Hinsichtlich des Vorwurfs der Beschwerdegegnerin, dass die Beschwerdeführerin nicht hinreichend mit ihr zusammengearbeitet habe, sei darauf hinzuweisen, dass sie alle verfügbaren Bewilligungen herausgesucht und in Form eines USB-Sticks
eingereicht
habe. Da die betreffenden Sexarbeiterinnen
selbständigerwerbend
gewesen seien, habe die Beschwerdeführerin keine weiteren Unterlagen beibringen können (
Urk.
1).
2.
2.1
2.1.1
Erlässt eine Ausgleichskasse im Gebiet der Lohnbeiträge eine Verfügung, so stellt sie eine Beitragsschuld sowohl der
Arbeitgebenden
als auch der
Arbeit
nehmenden
fest (Art. 4 und 5 sowie Art. 12 und 13
des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
,
AHVG). Die
Arbeitgebenden
und die
Arbeitnehmenden
sind in gleicher Weise betroffen, weshalb die Verfügung im Hinblick auf die Wahrung des rechtlichen Gehörs grundsätzlich beiden zu eröffnen ist (BGE 113 V 1 E. 2, 132 V 257 E. 2.4.1, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_252/2019 vom 3
0.
Juli 2019 E. 1.3 mit Hinweis). Ausnahmen von diesem Grund
satz sind indessen dort zugelassen, wo der Ausgleichskasse aus praktischen Gründen die Zustellung von Verfügungen an die
Arbeitnehmenden
nicht zugemutet werden kann. Dies trifft beispielsweise zu, wenn es sich um eine grosse Zahl von
Arbeitnehmenden
handelt, wenn sich der Wohnsitz der
Arbeit
nehmenden
im Ausland befindet oder wenn es sich lediglich um geringfügige Beiträge handelt (BGE 113 V 1 E. 2 mit Hinweisen). Diese Grundsätze gelten nicht nur, wenn das Beitragsstatut oder die Natur einzelner Zahlungen streitig ist, sondern auch bei nachträglichen Lohnerfassungen, wenn umstritten ist, ob bestimmte Vergütungen zum massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 AHVG gehören (BGE 113 V 1 E. 3a).
Ist eine Beitragsverfügung nur dem
Arbeitgebenden
eröffnet worden und hat dieser Beschwerde erhoben, so hat das erstinstanzliche Gericht - ausser in den genannten Ausnahmefällen - entweder den
Arbeitnehmenden
beizuladen oder die Sache an die Verwaltung zurückzuweisen, damit diese durch Zustellung der Beitragsverfügung an die betroffenen
Arbeitnehmenden
deren Verfahrensrechte wahrt (BGE 113 V 1 E. 4a; Urteil des Bundesgerichts 9C_295/2012 vom 6. August 2012 E. 2.1.2 mit Hinweis).
2.1.2
Vorliegend
sind 52
erwerbstätige Personen betroffen, deren aktueller
Aufent
haltsort
unbekannt
ist bzw.
wahrscheinlich im Aus
land
liegt
(vgl. Urk.
8/3)
. Dass die Beschwerdegegnerin
diesen Versicherten
die
Verfügung vom 1
8.
Juni 2020 (
Urk.
8/1)
und
den
Einspracheentscheid
vom 1
6.
November 2020 (
Urk.
2)
nicht zugestellt hat
, ist
unter diesen Umständen
nicht zu beanstanden.
Von deren Beiladung kann
im
vorliegenden
Beschwerdeverfahren abgesehen werden.
2.2
2.2.1
Vom Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit,
massgebender
Lohn genannt, werden paritätische Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge erhoben (
Art.
5 Abs. 1 und
Art.
13 AHVG). Als
massgebender
Lohn gilt jedes Entgelt für
in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit (
Art.
5
Abs.
2 AHVG). Vom Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit wird demgegenüber ein Beitrag des
Selbständigerwerbenden
erhoben (
Art.
8 AHVG). Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit ist jedes Erwerbsein
kommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt (
Art.
9 Abs. 1 AHVG).
Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht auf Grund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse vermögen dabei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einer oder einem
Arbeitgebenden
in betriebswirtschaftlicher beziehungsweise arbeitsorganisatorischer Hinsicht
abhängig ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt. Aus diesen Grunds
ätzen allein lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch anwend
baren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutref
fenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerb
stätigen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 146 V 139 E. 3.1 mit Hinweis).
2.2.2
Gemäss der vom Bundesamt für Sozialversicherungen herausgegebenen Weglei
tung über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO (WML; in der seit 1. Januar 2021 gültigen Fassung; vgl. zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen BGE 133 V 587 E. 6.1) sind Merkmale für das Bestehen eines Unternehmerrisikos im Allgemeinen das Tätigen erheblicher Investitionen, die Verlusttragung, das Tragen des Inkasso- und Delkredererisikos, die Unkostentragung, das Handeln in eigenem Namen und auf eigene Rechnung, das Beschaffen von Aufträgen, die Beschäftigung von Personal sowie eigene Geschäftsräumlichkeiten (
Rz
1019). Das wirtschaftliche beziehungsweise arbeitsorganisatorische Abhängigkeitsverhältnis kommt demgegenüber in der Regel beim Vorhandensein der folgenden Gegeben
heiten zum Aus
druck: Weisungsrecht, Unterordnungsverhältnis, Pflicht zur persönlichen Aufgabenerfüllung, Konkurrenzverbot, Präsenzpflicht (
Rz
1020).
2.2.3
Eine Prostituierte, die im Bordell tätig ist, übt - unter Berücksichtigung des Dienstleistungsvertrags sowie der weiteren konkreten Umstände - eine unselbst
ständige Erwerbstätigkeit aus (SVR 2012 AHV Nr. 6, Urteil des Bundesgerichts
9C_246/2011 vom 2
2.
November 2011 E. 6;
Kieser
, Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
,
3.
Auflage,
Zürich/Basel/Genf
2012, N 100 zu Art.
5).
2.3
Art.
14 Abs.1
AHVG
schreibt
vor,
dass
d
ie Beiträge vom Einkommen aus unselb
ständiger Erwerbstätigkeit
bei jeder Lohnzahlung in Abzug zu bringen und vom Arbeitge
ber zusammen mit dem Ar
beit
geberbeitrag periodisch zu entrichten
sind
(
Art.
3 und 8
AHVG;
Art. 2
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung, IVG;
Art. 26 und 27 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz
, EOG;
Art.
2
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol
venzentschädigung, AVIG;
Art. 16
Abs. 2
des Bundesgesetzes ü
ber die Familien
zulagen
und Finanzhilfen an Familienorganisationen
,
FamZG
).
Erhält eine Ausgleichskasse Kenntnis davon, dass ein Beitragspflichtiger keine oder zu niedrige Beiträge bezahlt hat, so hat sie die Nachzahlung der geschul
deten Beiträge zu verlangen und nötigenfalls durch Verfügung festzusetzen. Vorbehalten bleibt die Verjährung nach Art. 16 Abs. 1 AHVG (Art. 39 Abs. 1
der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
,
AHVV
,
in Verbin
dung mit Art. 14 Abs. 4
lit
. c AHVG).
Zur
Deckung ihrer Verwaltungskosten erheben die Ausgleichskassen von ihren Mitgliedern besondere Beiträge, die nach der Leistungsfähigkeit der Pflichtigen abzustufen sind (Art. 69 Abs. 1 Satz 1 AHVG).
2.4
Nach
Art.
41
bis
Abs.
1
lit
. b
AHVV
haben
Beitragspflichtige auf für vergangene Kalen
derjahre nachgeforderten Beiträ
gen ab dem 1. Januar nach Ablauf des Kale
nderjahres, für welches die Beiträge geschuldet sind, Verzugszinsen zu entrichten.
Der Satz für die Verzugs- und der Vergütungszinsen beträgt 5 Prozent im Jahr (
Art.
42
Abs.
2 AHVV).
3.
3.1
Dem Bericht
der Beschwerdegegnerin
über die
Arbeitgeberkontrolle vom 11.
März 2020
betreffend den Zeitraum vom
1.
Juli 2015 bis zum 3
1.
Dezember 2018
ist zu entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin
für folgende Löhne keine Beiträge abgerechnet habe (
Urk.
8/3
Beilage
):
Jahr 2015:
Fr.
85'293.--
Jahr 2016:
Fr.
83'679.--
Jahr 2017:
Fr.
96’215.--
Jahr 2018:
Fr.
83'279.--
Total:
Fr.
348'466
.--
Der Revisor der Beschwerdegegnerin gab an, dass d
ie
aufgelisteten
Positionen 1
bis 52 die Nachträge der Sexarbeiterinnen des
A._
und die Differenzen
der Sexarbeiterinnen der
Y._
betreffen
würden
. Bei den Nachträgen sei nicht zwischen dem
A._
und der
Y._
unterschieden worden. Die Quellen
steuern seien alle über das Steueramt des Ka
ntons Thurgau abgerechnet worden
(
Urk.
8/3
Beilage
).
3.2
Gemäss den von der
Beschwerdeführerin eingereichten
Tabellen
erzielten
die
Sexarbeiterinnen des
A._
folgende Lohnsummen
(
Urk.
3/16-18
):
Jahr 2016:
Fr.
164'976.25
Jahr 2017:
Fr.
1
72'243.05
Jahr 2018:
Fr.
1
50'403.20
Total:
Fr.
487'622.50
Gemäss den von der Beschwerdeführerin eingereichten Tabellen erzielten
die Sexarbeiterinnen der
Y._
folgende Lohnsummen (
Urk.
3/19-21):
Jahr 2016:
Fr.
112'650.--
Jahr 2017:
Fr.
79'125.--
Jahr 2018:
Fr.
61'857.30
Total:
Fr.
253'632.30
3.3
Die Namen f
olgende
r
35
Sexarbeiterinnen
finden sich sowohl im Bericht zur
Arbeitgeberkontrolle
vom 1
1.
März 2020
(
Urk.
8/3
Beilage
)
als auch in den Tabellen der Beschwe
rdeführerin betreffend die
Y._
(
Urk.
3/19-21)
: D._
,
E._, F._
, G._
,
H._
,
I._
,
J._
,
K._, L._, M._
,
N._
,
O._
,
P._, Q._
,
R._
,
S._, T._
,
U._
,
V._, W._,
AA._
_, AB._
, AC._, AD._
,
AE._
,
AF._
,
AG._
,
AH._
,
AI._
,
AJ._, AK._, AL._, AM._, AN._
,
AO._
.
Die Sexarbeite
rinnen
AD._
_ und T._
sind
sowohl im Bericht zur
Arbeitgeberkontroll
e
vom 1
1.
März 2020
(
Urk.
8/3
Beilage
)
als auch in der Tabelle der Beschwerdeführerin
des Jahres 2018
betreffend das
A._
(Urk.
3/18) aufgeführt.
4.
4.1
Wie aufgrund der dargelegten Akten erhellt, betreffen die von der Beschwe
rde
gegnerin für den Zeitraum vom
1.
Juli 2015
bis
zum 3
1.
Dezember
2018 nach
geforderten Lohnbeiträge
– entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin
(vgl. E
. 1
.2)
–
in erster Linie
Löhne der S
exarbeiterinnen
der
Y._
in
Z._
, aber auch solche
des
A._
in C._
.
4.2
Weshalb di
e Sexarbeiterinnen in der
Y._
unselbständigerwerbend
sind, hat die Beschwerdegegnerin
im angefochtenen
Einspracheentscheid
(vgl. E
. 1
.1
)
überzeugend
begründet. Die Beschwerdeführerin hat
deren AHV-Beitragsstatut
auch nicht in Zweifel gezogen
(vgl. E
. 1.2
)
.
Demnach
erübrigen sich
hierzu
weitere
Erörterungen.
4.3
In Ergänzung dazu ist
darauf hinzuweisen, dass die B
eschwerdeführerin
nicht geltend machte
, dass
sich
die Betriebsorganisation
im
A._
,
das
sie bis
zum 3
0.
September 2020 ebenfalls
betrieb
,
wesentlich
von jener
in der
Y._
unterschied
.
Allfällige
Anhaltspunkte dafür
finden sich auch nicht in den Akten
.
Aus den
von der Beschwerdeführerin
eingereichten Tabellen
geht
vielmehr
hervor, dass
die
Sexarbeit
erinnen im
A._
monatliche
Fixlöhne
zwischen
b
rutto
Fr.
1'2
00.
-- und
Fr.
3'600.
--
erzielten
(
Urk.
3/16-18)
.
Eine einzige
Sexar
beiterin (
AP._
_
)
des
A._
wurde offenbar – so
wie auch die Sexar
beiterinnen
der
Y._
(
Urk.
3/15
und
Urk.
3/19-21
)
- pro
«
Massagesitzung
»
entschädigt.
Unter diesen Umständen
kann
davon ausgegangen wer
den, dass die Arbeitszeiten und
die
Anzahl Arbeitsstunden im
A._
weit
est
gehend
vorge
geben sein mussten
und die Sexarbeiterinnen diesbezüglich weisungsgebunden waren
(dies möglicherw
eise mehr noch als in der
Y._
, wo keine
Fixlöhne
ausbezahlt wurden)
.
Dieser S
chluss drängt sich
auch deshalb auf
,
weil sich
in der Tabelle der Beschwerdeführerin
aus dem Jahr 2018
bei der Sexarbeiterin
AQ._
_
der V
ermerk findet, dass sie in den Monaten April bis Dezember
bei einem Lohn von
Fr.
1'800.--
«50
%
» gearbeitet habe
(
Urk.
3/18).
Im Weiteren kann vor diesem Hintergrund
auch von einer
Präsenzpflicht der Sexarbeiterinnen
ausgegangen werden
. Den
Tabellen der B
eschwerdeführerin
ist überdies
zu entnehmen
, dass
AP._
_
, welche von 2016 bis 2018 im
A._
tätig war,
jeweils F
amilienzulagen ausbezahlt wurden (
Urk.
3/16-18
)
.
Als
Selbstän
digerwerbender
wären ihr die Familienzulagen indes nicht von der Beschwerde
führerin ausbezahlt worden, sondern sie hätte sie direkt von
der zuständigen Familienausgleichskasse
beziehen müssen
(
vgl. zum Kanton Zürich:
§
7
Abs.
1 des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die Familienzulagen
, EG
Fam
Z
G
).
All dies spricht für das Vorliegen einer unselbständigen Erwerbstätigkeit der Sexarbeiterinnen des
A._
.
Der
Umstand, dass
der Beschwerdeführerin gemäss deren
eigenen
Angaben
aufgetragen wurde
, auch die Einkünfte
der Sexarbeiterinnen
aus der ausserkan
tonalen Erwerbstätigkeit direkt mit dem St
eueramt
Z._
abzurechnen
(vgl. E. 1.2
)
, deutet darauf hin, dass
auch
das
Steueramt
Z._
die Einkünfte
des
Sexarbeiterinnen des
A._
als Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätig
ke
it qualifizierte.
Entsprechende Steuerunterlagen sind allerdings nicht akten
kundig. O
b die
Einkünfte der Sexarbeiterinnen des
A._
vom Steueramt
Z._
tatsächlich
als Ei
nkommen
aus
unselbständiger Tätigkeit
qualifiziert wurde
n
,
muss indes nicht abschliessend geklärt werden
.
Die
beitragsrechtliche Qualifikation
durch das Steueramt
ist für die
Ausgleichskasse
nämlich
nicht verbindlich
. Ob Einkommen aus selbständiger oder unselbständiger Erwerbs
tätigkeit vorliegt, hat die Ausgleichskasse aufgrund des AHV-Rechts zu beur
teilen
(vgl. BGE
145 V 326 E. 4.2
mit Hinweisen).
Bereits aus diesem Grund kann di
e Beschwerdeführerin denn
auch aus dem – Jahre zuvor ergangenen - Schreiben
des Kantonalen Steueramts Zürich
vom
5.
Juli 2012, wonach
nach nochmaliger Beurteilung der Akten von einer selbständigen Tätigkeit der in
den Clubs «B._
» (=
A._
), «
AR._
_» und «AS._
» tätigen Masseusen
auszugehen sei (
Urk.
3/12
)
, nichts zu ihren Gunsten ableiten.
Schliesslich
ist auch
die Tatsache, dass den im
A._
tätigen Sexarbeiterinnen vom Amt für Wirt
schaft und Arbeit des Kantons Zürich
Arbeitsbewilligungen
für
Selbstän
diger
werbende
ausgestellt wurde
n
(
Urk.
3/15), aus sozialversicher
ungsrechtlicher Sicht nicht
massgebend.
4.4
Die
Erwerbstätigkeit der Sexarbeiterinnen des
A._
zwischen
dem
1.
Juli 2015 und dem 3
1.
Dezember 2018
ist demnach als unselbständig zu qualifizieren.
5.
5.1
Die von der Beschwerdegegnerin
in der
Verfügung vom 1
8.
Juni 2020 (
Urk.
8/1)
angegebene zusätzliche
Lohnsumme
von insgesamt
Fr.
348'466.
-- (vgl. dazu die
detaillierte Auflistung der einzelnen
Arbeitnehmerinnen mit
deren Lohn nach Monat und Jahr im Bericht zur Arbeitgeberkontrolle
vom 1
1.
März 2020
; Urk.
8/3
Beilage
)
, auf welcher sie nachträglich
Beiträge
erhob,
hat die
Beschwer
deführerin in
masslicher
Hinsicht nicht bestritten (
Urk.
1). Anzeichen für falsche
Berechnungen oder dergleichen bestehen
nicht
.
Es kann deshalb darauf abgestellt werden.
5.2
Die
Beschwerdegegnerin
setzte
mit Verfügung vom 1
8.
Juni 2020
(
Urk.
8/1
)
nicht nur
die
AHV-, IV-, EO- und
ALV-Beiträge
sowie die Beiträge an die Kantonale Familienausgleichskasse (FAK) und an einen branchenbezogenen Berufs
bildungsfonds «Berufsbildung TG/
GastroSuisse
» (
v
gl.
Art.
60 des Bundesgesetzes über die Berufsbildung, BBG;
Art.
68a der Verordnung über die Berufsbildung, BBV)
fest
, sondern
auch die Beiträge
an
die
Zusatzversicherungen
(«Zusatz»,
«Kollektiv»)
zum
Bundesgesetz über die Unfallversicherung
(UVG)
und
zur
Kran
kentaggeldver
sicherung
(KTG)
.
Zusatzversicherungen
gemäss dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG)
unterliegen
jedoch grundsätzlich
der Zivil
gerichtsbarkeit.
Der Ka
nton Zürich hat zwar von der in
Art.
7 der Schweize
rischen Zivilprozessordnung (ZPO) eingeräumten Kompetenz Gebrauch gemacht, dass für Streitigkeiten betreffend Ansprüche aus Zusatzversicherungen nach VVG zur sozialen Krankenversicherung, die an sich privatrechtlicher Natur wären, das Sozialversiche
rungsgericht des Kantons Zürich zuständig ist (
§
2
Abs.
2
lit
. d
des Gesetzes über das Sozia
lversicherungsgericht,
GSVGer
).
Ob eine sachliche Zuständigkeit
des Sozialversicherungsgerichts
für Klagen aus Zusatzversiche
rungen zum UVG besteht, kann
sodann
offen bleiben
. Denn die
Beiträge
der Zusatzversicherungen sind
klageweise geltend zu machen. F
ür deren
Eintreibung steht das Verfügungs- und Beschwerdeverfahren nicht offen.
Für die Beiträge an den Berufsbildungsfon
d
s TG ist das hiesige Gericht ausserdem nicht Beschwer
deinstanz.
Die Beschwerdegegnerin verfügte somit zu Recht
folgende
, hier zu beurteilende
Lohnbeiträge:
AHV/IV/EO:
Fr.
35'760.45
ALV:
Fr.
7'666.30
FAK
:
Fr.
4'262.45
Verwaltungskosten
:
Fr.
924.45
Total:
Fr.
4
8'
613.65
5.3
Mit Erlass
der Verfügung vom 1
8.
Juni 2020 (
Urk.
8/1) wahrte die Beschwerde
gegnerin die fünfjährige Frist seit Ablauf der Kalenderjahre, für welche die Beiträge geschuldet sind (
Art.
16
Abs.
1 AHVG). Die Forderung ist demnach nicht ver
wirkt
.
5.4
N
icht zu beanstanden sind
schliesslich die von der Beschwerde
gegnerin
auf den AHV-/IV-/EO- und ALV-B
eiträgen und den
Verwaltungskosten
erhobenen Verzugszinsen in der Höhe von insgesamt
Fr.
8'109.15 (
Urk.
8/1).
6.
In
Abweisung
der Beschwerde ist der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 1
6.
November 2020
(
Urk.
2)
demnach
hinsichtlich der verfügten paritätischen Lohnbeiträge einschliesslich Verwaltungskosten (
Fr.
48'613.65) sowie der Verzugszinsen (
Fr.
8'019.15)
,
somit im Umfang von F
r.
56'632.80
zu
bestätigen.
Im Übrigen ist
auf
die Beschwerde
nicht einzutreten
.
7.
Gemäss dem nach
Art.
1
Abs.
1 AHVG anwendbaren
Art.
61
lit
. g
des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
ist der Anspruch auf Parteientschädigung auf die Beschwerde führende Partei beschränkt. D
amit wird klargestellt, dass der
Beschwerdegegner
in
– das heisst dem Versicherungsträger – keinesfalls ein Parteientschädigungsanspruch zusteht (
Kieser
, Kommentar ATSG,
4.
Auflage, Zürich
/Basel/Genf 2020, N 218 zu Art.
61). Ein Anspruch der Beschwerdegegnerin auf eine Parteientschädigung
infolge teilweisen Obsiegens ist demnach zu verneinen (vgl.
Urk.
7).