Decision ID: 548a8fa2-3bd7-52af-8ad3-e5adc8c29c49
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1986, ist Staatsangehöriger von Taiwan (Chinesisches Taipei) und zog am 2. April 2016 nach Zürich (Urk. 6/1 Beilage Datenstand vom 22. Juni 2016). Am 11. Juli 2016 ersuchte der Versicherte um Befreiung von der obligatorischen Krankenversicherungspflicht, da er bei der National
Health
In
surance (obligatorische Krankenversicherung) sowie bei der
Cathay
Life Insu
rance (Zusatzversicherung) versichert sei (Urk. 6/4). Mit Verfügung vom 13. Juli 2016 wies die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich (nachfolgend: Gesund
heitsdirektion) das Gesuch ab (Urk. 6/5). Die dagegen erhobene Einsprache (Urk. 6/12/2) wies sie mit Verfügung (richtig:
Einspracheentscheid
) vom 1. November 2016 ab (Urk. 6/14 = Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1. November 2016 (Urk. 2) erhob der Versi
cherte am 30. November 2016 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Befreiung von der Versiche
rungspflicht (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 18. Januar 2017 beantragte die Gesundheitsdirektion die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was dem Be
schwerdeführer am 19. Januar 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen
Einspracheentscheid
zutreffend dargelegt, dass im vorliegenden Fall schweizerisches Recht zur Anwendung ge
langt (
Urk. 2 S. 1 f. Ziff. 1
). Auf diese unbestritten gebliebenen und korrekten Ausführungen wird verwiesen.
2.
2.1
Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) schreibt vor, dass sich jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz innert drei Monaten nach der
Wohnsitznahme
oder der Geburt in der Schweiz für Krankenpflege versichern oder von ihrem gesetzlichen Vertreter beziehungsweise ihrer gesetz
lichen Vertreterin versichern lassen muss. Der Wohnsitz bestimmt sich nach Art. 23-26 des Zivilgesetzbuches (ZGB; Art. 13 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, und Art. 3 Abs. 1 KVG).
Dieses allgemeine
Versicherungsobligatorium
für die gesamte schweizerische Wohnbevölkerung stellt ein unverzichtbares Instrument zur Gewährleistung der Solidarität zwischen Gesunden und Kranken dar (Gebhard
Eugster
, in: Schwei
zerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Si
cherheit, Ulrich Meyer, Hrsg., 3.
Aufl.
, Basel/Genf/München, 2016
, E
.
Krankenversicherung, S.
4
18
Rz
29
). In Anbetracht dieser gesetzgeberischen Absicht ist es folgerichtig, dass die Ausnahmen von der Versicherungspflicht und damit von der Zugehörigkeit zur Solidargemeinschaft eng umschrieben werden. Der Zweck des
Obligat
oriums
besteht nicht nur darin
zu verhindern, dass infolge Fehlens einer Versicherung unter Umständen bei Risikoeintritt das Gemeinwesen für höhere oder alle Kos
ten aufkommen muss, sondern auch darin, die Solidarität zwischen Gesunden und Kranken zu gewährleisten (BGE 132 V 310 E. 8.3, E. 8.5.6).
2.2
Art. 3 Abs. 2 KVG ermächtigt den Bundesrat, Ausnahmen von der Versicherungs
pflicht vorzusehen.
Die gestützt auf Art. 3 Abs. 2 KVG erlassenen Ausnahmebestimmungen finden sich in Art. 2 Abs. 1-8
der Verordnung über die Krankenversicherung (
KVV
)
und in Art. 6 Abs. 1 KVV. In Art. 2 Abs. 1 KVV und in Art. 6 Abs. 1 KVV werden die Personenkategorien aufgezählt, die von vornherein vom
Versicherungsobligatorium
ausgenommen sind. Sodann ist in Art. 2 Abs. 2-8 KVV die Möglichkeit für verschiedene Personenkategorien gere
gelt, auf Gesuch hin vom
Versicherungsobligatorium
befreit zu werden.
Die Ausnahmen
gemäss
Verordnung stellen
abschliessende
Aufzählungen dar und unterliegen grundsätzlich einer restriktiven Interpretation (
Eugster
,
a.a.O., S. 423
Rz
46
).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) im Wesentli
chen davon aus, der Beschwerdeführer unterstehe
gemäss
Art. 1 Abs. 2
lit
. a KVV der Krankenversicherungspflicht. Eine Befreiungsmöglichkeit von der Ver
sicherungspflicht gestützt auf Art. 2 Abs. 2 KVV sei nicht möglich, da er den Nachweis, dass er in Taiwan obligatorisch krankenversichert sei, nicht erbracht habe (S. 3 Ziff. 4). Sodann könne der Beschwerdeführer auch nicht gestützt auf die Härtefallregelung
gemäss
Art. 2 Abs. 8 KVV befreit werden (S. 3 f. Ziff. 5). Der Beschwerdeführer sei daher verpflichtet, eine Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung)
abzuschliessen
und der Wohngemeinde einen Versiche
rungsnachweis vorzulegen (S. 4 Ziff. 7).
Daran hielt die Beschwerdegegnerin mit Beschwerdeantwort fest (Urk. 5).
3.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf den Stand
punkt (Urk. 1), er habe alle verlangten Unterlagen vorgelegt, aus welchen hervorgehe, dass er in Taiwan obligatorisch krankenversichert sei (S. 1 Ziff. 1). Insbesondere habe er das Formular D unterschrieben eingereicht und damit be
stätigt, dass er in Taiwan krankenpflegeversichert sei und nicht von der Versi
cherungspflicht befreit werden könne. Weiter habe er damit bestätigt, dass die bestehenden Versicherungen bei seinem Aufenthalt in der Schweiz gleichwer
tige Leistungen im Vergleich zum KVG erbrin
gen würden
. Die Abweisung des Gesuchs um Befreiung von der Versicherungspflicht sei daher weder nachvoll
ziehbar noch rechtens
(S. 2 ff. Ziff. 2.2.1 f.).
3.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Befreiungs
grund zum
Versicherungsobligatorium
verneinte.
Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer Wohnsitz in der Schweiz hat und damit grundsätzlich dem schweizerischen
Versicherungsobligatorium
unterstellt ist (vgl. vorstehend E. 2.1).
4.
4.1
Der Befreiungsgrund von Art. 2 Abs. 2 KVV, auf welchen sich der Beschwerde
führer für die Befreiung vom
Versicherungsobligatorium
stützt, setzt eine aus
ländische obligatorische Krankenversicherung mit einem für Behandlungen in der Schweiz gleichwertigen Versicherungsschutz voraus.
Sodann ist erforder
lich, dass der Einbezug in die schweizerische Versicherung für den Beschwer
deführer eine Doppelbelastung bedeuten würde.
4.2
Mit Schreiben vom 3. Juni 2016 wurde von der National
Health
Insurance bestä
tigt, dass der Beschwerdeführer seit dem 1. März 1995 an deren Versiche
rungsprogramm teilnimmt (vgl.
Urk.
6/1 Beilagen). Die National
Health
Insu
rance reichte aber gerade nicht die erforderliche Bestätigung ein, dass der Be
schwerdeführer obligatorisch versichert sei und nicht von der Versicherungs
pflicht befreit werden könne, selbst wenn er in der Schweiz wohnhaft ist (vgl. dazu die im Formular D genannten erforderlichen Angaben
, namentlich feh
lende Unterschrift
). Im genannten Schreiben vom 3. Juni 2016 fehlen diese An
gaben. Überdies geht auch aus den Versicherungsbedingungen der National
Health
Insurance (National
Health
Insurance Act, Urk. 6/12/3; sowie auch die übrigen detaillierteren Bedingungen in Urk. 6/12/4-9) nichts dergleichen hervor.
4.3
Sodann ist der Beschwerdeführer
g
emäss
ausgefülltem und
am 4. Juni 2016 unterzeichnetem Formular D
seit dem
4.
Dezember 1997 auf Lebenszeit bei der
Cathay
Life Insurance versichert. Dem „
certificate
of
policy
in
force
“ ist zu ent
nehmen, dass die aufgelisteten Leistungen infolge Krankheit oder Unfall limi
tiert sind. Insgesamt steht dem Beschwerdeführer beispielsweise für stationäre Behandlungen maximal der Betrag von NT$ 3‘700‘000.-- (US-Dollar 114‘693.12) zu (vgl. zum Ganzen Urk. 6/1 Beilagen). Indem für die Deckung von Krankheitskosten eine Obergrenze gilt, fehlt es bereits an einem gleichwertigen Versicherungsschutz, da das schweizerische Krankenversicherungssystem
ge
mäss
KVG keine solche Limitierung kennt.
Zudem führte der Beschwerdeführer selbst aus, er habe die Versicherung bereits abbezahlt (vgl. Urk. 1 S. 4 Ziff. 2.2.4), womit es
schliesslich
auch an der erfor
derlichen finanziellen Doppelbelastung (vgl.
Art.
2
Abs.
2 KVV) fehlt.
4.4
Der Beschwerdeführer machte geltend, die Beschwerdegegnerin habe sich wider
sprüchlich und willkürlich verhalten, indem er zwar alle erforderlichen Unterla
gen eingereicht habe, die Beschwerdegegnerin aber die Befreiung vom
Versi
cherungsobligatorium
mit der Begründung verneinte, er habe weder den Nach
weis erbracht, dass er im Ausland nicht von der Versicherungspflicht befreit werden könne, noch erbringe seine bestehende Versicherung bei einem Aufent
halt in der Schweiz gleichwertige Leistungen (vgl. Urk. 1 S. 3 oben sowie S. 5 Ziff. 3.3).
Der Vorwurf des widersprüchlichen und willkürlichen Verhaltens verfängt nach dem Gesagten nicht:
Nur
weil der Beschwerdeführer die geforderten Unterlagen beibrachte, belegt dies noch nicht, dass ohne weiteres beispielsweise von einem gleichwertigen Versicherungsschutz auszugehen ist. Insbesondere beweist dies ein vom ausländischen Versicherer unterzeichnetes Formular D nicht ohne wei
teres. Die Beschwerdegegnerin prüfte die erforderlichen Voraussetzungen zu Recht nach und kam ebenfalls zu Recht zum Schluss, dass es an mehreren er
for
derlichen - unter Erwägung 4.1-4.3
dargelegten - Voraussetzungen zur Be
freiung vom
Versicherungsobligatorium
fehlt.
4.5
Die weiteren, in Art. 2 Abs. 4-8 KVV vorgesehenen Ausnahmen treffen auf den vorliegenden Sachverhalt nicht zu und wurden vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht (vgl. insbesondere Urk. 1 S. 5 oben).
4.6
Zusammenfassend untersteht der Beschwerdeführer dem schweizerischen
Kran
kenversicherungsobligatorium
,
und es liegen keine Befreiungsgründe vor.
Damit erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens, weshalb die dage
gen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.