Decision ID: b503dc55-79a3-48d2-96b0-bce72661ee7d
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1982, meldete sich am
2
1.
März
2011
wegen eines Rückenleidens bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung z
um
Leis
tungsbezug
an (Urk. 9/8
0
)
.
Zuvor hatte er bereits am 1
9.
August 1998 und am
9.
Oktober 2001 Gesuche um Durchführung von beruflichen Massnahmen gestellt, welche von der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle (im Folgenden: IV-Stelle), abgewiesen worden waren (
Urk.
9/16 und
Urk.
9/26). Mit Verfü
gung vom 3
0.
September 2008 hatte die IV-Stelle schliesslich auch einen Rentenanspruch verneint (
Urk.
9/78).
2
.
In der Folge erteilte die IV-Stelle
in Bezug auf die Neuanmeldung vom 21. März 2011 (
Urk.
9/80) zunächst
erneut Kostengutsprache für eine berufli
che Abklärung (Urk.
9/95, 9/97), sowie für zwei Ausbildungsjahre einer erst
malige
n
beruflichen Ausbildung zum Hauswirtschaftspraktiker (Urk. 9/
113, 9/123) und richtete entsprechende Taggelder aus (Urk. 9/106, 9/118, 9/120,
9/125, 9/128).
Weiter tätigte sie
medizinische (Urk. 9/81, 9/83, 9/86
, 9/149/2
5, 9/165/2-6
) Abklärungen und
holte ein psychiatrisches Gutachten mit neuropsychologischer Testung (Urk. 9/147) sowie ein orthopädisch-rheuma
tologisches Gutachten unter Einbezug der Ergebnisse einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (nachfolgend: EFL) (Urk. 9/158) ein.
Am 19. März 2015
stellte ihm
die IV-Stelle
mittels Vorbescheid die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 9/167). Mit Verfügung vom 1. Juni 2015 (Urk. 9/184 = Urk. 2) entschied die IV-Stelle wie angekündigt.
3
.
Mit Beschwerde vom 24. Juni 2015 (Urk. 1) beantragte der Beschwerdeführer die
Zusprache
einer Invalidenrente, eventualiter die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zu weiteren Abklärungen
betreffend die berufliche Integration und zum Neuentscheid
. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Mit Beschwerdeantwort vom 18. September 2015 (Urk.
8) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abwei
sung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 21. September 2015 (Urk. 10) wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung gewährt und ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet.
Auf sein Gesuch vom 21. Oktober 2015 (Urk. 12) hin, wurde dem Beschwerdeführer m
it Verfügung vom 26. Oktober 2015 (Urk. 15)
der ihn neu vertretende
R
echtsanwalt
Hablützel als
unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt.
Mit Replik vom 18. Januar 2016 (Urk. 19)
ergänz
t
e der Beschwerdeführer sein Rechtsbegehren um den Even
tualantrag einer Rückweisung zur Durch
führung einer verwaltungsexternen polydisziplinären Begutachtung
und
hielt
am
bisherigen
Eventualantrag als Subeventualantrag fest
. Mit Schreiben vom 5. Februar 2016 (Urk. 25) teilte die Beschwerdegegnerin ihren Verzicht auf das Einreichen einer Duplik mit, was de
m
Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 9. Februar 2016 (Urk. 26) mitgeteilt wurde. Mit Schreiben vom 23. Dezember 2016 (Urk. 28
)
reichte
der Rechtsvertreter eine
Zusammenstellung über
seine
n
Aufwand im Zusammen
hang mit diesem
Beschwerde
verfahren
ein
(Urk. 29)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ist
der Anspruch auf
eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades ver
neint worden
und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17
des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetre
ten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Dies ist hier der Fall, nachdem mit Verfügung vom 30. September 2008 (Urk. 9/78) ein Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 17 % verneint w
o
rde
n war
und die IV-Stelle auf die Neuanmeldung ein
getreten ist
.
1.
2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.
5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines
Einkommensver
gleichs
zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizini
schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Validen
einkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Verneinung eines
Leistungs
anspru
ches
damit, dass die nach Abschluss der beruflichen Massnahmen eingehol
ten medizinischen Gutachten ergeben hätten, dass dem Beschwerde
führer sowohl die bisherige Tätigkeit als
Hau
swirtschafts
praktiker
, wie
auch
leidens
angepasste
Tätigkeiten mit einer täglichen Präsenz von acht Stunden und vermehrten Pausen von zwei Stunden zumutbar seien. Nach Durch
führung eines muskulären Kräftigungstrainings während einer Dauer von drei bis sechs Monaten
seien dem
Beschwerdeführer jegliche leichte
n
bis knapp mittelschwere
n
, wechselbelastende
n
Tätigkeit
en
ganztags und ohne ver
mehrte Pausen
zumutbar
. Weitere Eingliederungsmassnahmen seien nicht angezeigt
(Urk. 2)
.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer mit Beschwerde vom 24. Juni 2015 (Urk. 1) geltend, sein Gesundheitszustand habe sich erheblich ver
schlechtert. Die Schmerzen seien
chronifiziert
und er leide an einer mittel
schweren bis schweren Depression.
Zudem bestehe auf dem rechten Ohr ein Hörverlust von rund 78 % und auf dem
linken
ein solcher von ungefähr 74 %. Die Teilnahme an einem halbjährigen Qualifikationsprogramm für Stellensuchende der Bereiche Gastronomie und Reinigung habe ergeben, dass
sein Einsatz auf dem
ersten Arbeitsmarkt
nicht möglich sei
, was
der Ein
schätzung des Ausbildungsbetriebs
Y._
in einem früheren Bericht entspreche.
2.3
Die Beschwerdegegnerin entgegnete dem in ihrer Beschwerdeantwort vom
18. September 2005 (Urk. 8), dass die Einschätzung der
Y._
bezüg
lich der Leistungsfähigkeit des Versicherten überwiegend
auf rein subjektiven Angaben des Beschwerdeführers basiere und die geltend gemachten Schmer
zen in diesem Ausmass medizinisch in keiner Weise objektiviert seien. Es bestünden Indizien für eine Selbstlimitierung. Aus den eingeholten Gutach
ten ergebe sich in optimal angepassten Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfä
higkeit.
2.4
Mit
Replik vom 18. Januar 2016 (Urk. 19) führte der Beschwerdeführer aus,
eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes noch vor Erlass des Vorbescheides sei durch das Faxschreiben des Sanatoriums
Z._
vom 18. März 2015 ausgewiesen. Im Rahmen des
Einwandverfahrens
sei ein ärztliches Zeugnis mit einer attestierten Arbeitsunfähigkeit von 50 % einge
reicht und die Einholung von Unterlagen beim Sanatorium
Z._
bean
tragt worden. Ab 1. Juni 2015 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden.
Trotzdem
sei der rechtserhebliche Sachverhalt in Bezug auf Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit, insbesondere aus psychiatrischer Sicht,
im Folgenden
nicht
weiter
abgeklärt worden.
I
n den eingeholten Gut
achten
fehle eine
rechtsgenügliche
Auseinandersetzung mit den bestehenden medizinischen Akten und den Erkenntnissen und Resultate
n
aus den berufli
chen Massnahmen. Auch sei die Frage nach der Notwendigkeit eines geschützten Arbeitsplatzes nicht beantwortet worden, obschon den
Vorakten
hierzu klare Aussagen zu entnehmen seien. Die Aussage der neuropsycholo
gischen Gutachterin, wonach die Ergebnisse aus der neuropsychologischen Testung nicht verwertbar seien, sei nicht kritisch diskutiert worden. Zudem stehe sie i
m
Widerspruch zu den Feststellungen des psychiatrischen Gutach
ters und der
Y._
, wonach der Beschwerdeführer nicht in der Lage sei, seine Leistungen zu beeinflussen beziehungsweise sein Verhalten zu ändern. Der psychiatrische Gutachter habe zudem festgehalten, dass es frag
lich sei, ob der Beschwerdeführer überhaupt verstanden habe, worum es bei der neuropsychologischen Testung gehe.
3
.
3
.
1
Der Hausarzt des Beschwerdeführers, KD
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin, berichtete der Beschwerdegegne
rin i
m
März 2011
(Urk. 9/81)
über den Beschwerdeführer.
Er nannte als Diagnose mit Aus
wir
kung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
Thorakovertebral
syndrom
. Kei
nen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mass er einem Wolff-Parkinson-White-Syndrom (Herzrhythmusstörung) nach Kokainkonsum im April 2010 und einem Status nach Radiofrequenzablation bei.
Gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers attestierte er in der angestammten Tätigkeit in zeitlicher Hinsicht eine Arbeitsfähigkeit von 50 % mit einer auf 50 % verminderten Leistungsfähigkeit.
3
.
2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Trauma
tolo
gie des Bewegungsapparates
, äusserte sich am 7. Juli 2011 (Urk. 9/83) zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers. Er diagnosti
zierte eine thorakale Kyphose von 70° bei Morbus Scheuermann. In der angestammten Tätigkeit als Koch, welche nicht gut geeignet sei, bestehe seit dem Beginn seiner Behandlung am 15. Mai 1998 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %.
Aus ortho
pädischer Sicht seien die Belastbarkeit und die Arbeitsdauer eindeutig ein
geschränkt.
In einer angepassten Tätigkeit sei eine
mindestens
halbtägige Arbeit möglich.
Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin vom 22. Juli 2011 (Urk. 9/84)
,
führte
Dr.
B._
am 25. August 2011 (Urk. 9/86) aus, dass
dem Beschwerde
führer
in einer optimal leidensangepassten, körperlich leichten, wechselbe
lastend gehend und stehend ausgeübten Tätigkeit ohne monotone und repe
titive körperliche Zwangshaltungen während fünf Stunden pro Tag eine Arbeit mit kurzen Pausen, entsprechend einem Arbeitspensum von 50 %, zugemutet werden könne
.
3
.
3
Auf Empfehlung ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (nachf
olgend: RAD) hin (Urk. 9/149/4)
, gab die Beschwerdegegnerin ein psychiatrisches Gutach
ten
,
unter Einschluss einer neuropsychologischen Testung
,
in Auftrag, um den vermuteten psychisch kognitiv leistungsmindernden Aspekt zu eva
luieren.
Dieses wurde von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
lic
. phil
.
D._
, Neuropsychologin, am 25. Sep
tember 2014 erstattet (Urk. 9/147).
3
.
4
Wiederum aufgrund einer
Stellungnahme
ihres
RAD
(Urk. 9/
149/5
)
gab die Beschwerdegegnerin
sodann
bei der
E._
AG (nachfolgend:
E._
) ein rheumatologisch-orthopädisches Gutachten unter Einbezug der Ergebnisse einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (nachfolgend: EFL) in Auftrag. Dieses wurde von
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation, sowie zertifizierte medizinische Gutachterin SIM, PD
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Facharzt für Rheumatologie, sowie zertifizierter medizinischer Gutachter
, und der Physiotherapeutin
H._
am 26. Januar 2015 (Urk. 9/158) erstattet.
In
ihrem Fachgebiet stellten sie die Diagnose eines
thorako-lumbovertebralen
Schmerzsyndroms, welchem sie einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beimassen.
Unter dem Titel „Schlussfolgerungen gemäss EFL“ hielten die Gutachter fest, d
ie Konsistenz bei den EFL-Tests sei mässig
gewesen
. Die
Leistungs
bereit
schaft
werde als fraglich beurteilt. Die Belastbarkeit liege allgemein im Bereich einer min
destens knapp mittelschweren, wechselbelastenden Tätig
keit. Die ange
stammte Tätigkeit als hauswirtschaftlicher Betriebsgehilfe sei grundsätzlich weiterhin zumutbar, wobei sich durch das ständige Stehe
n und Gehen Ein
schränkungen ergä
ben, denen mit zusätzlichen Pausen von zwei Stunden pro Tag sowie einer Mittagspause von mindestens eineinhalb Stun
den Rechnung zu tragen sei. Angepasste Tätigkeiten, das heiss
e
solche körperlich mindes
tens knapp mittelschwerer, wechselbelastender Art
,
seien nach einer medizi
nischen Trainingstherapie ganztags zumutbar, wobei nur
selten, e
ntspre
chend 1-5 % der Arbeitszeit
, über Schulterhöhe und vorgeneigt stehend gearbeitet werden sollte. Rotation im Stehen, Knien, Hocke, Knie
-
beugen und Stehen seien auf einen zeitlichen Anteil von 6-33 %
pro Tag
zu begrenzen.
Das arbeitsbezogen
rel
e
vante
Problem bestehe in einer verminderten
Belas
tungstoleranz
im Rücken, insbesondere im Übergang der Brust- zur
Lenden
wirbelsäule
(Rundrücken/Skoliose). Deshalb bereiteten
ihm
länger andau
ernde Haltungen wie langes Sitzen und Stehe
n
sowie statische Haltungen Mühe, namentlich vorgeneigtes Stehen und Arbeiten über Schulterhöhe.
In den Tests lasse sich eine mässig verminderte Kraftausdauer der
Rumpf
muskulatur
objektivieren.
Er benötige
, wie auch von
Dr.
I._
erwähnt,
dringend ein muskuläres Kräftigungstraining, wobei aufgrund seiner persön
lichen Fähigkeiten eine gezielte Instruktion und Begleitung
im Rahmen
eine
r drei- bis sechsmonatigen medizinischen Trainingstherapie
notwendig sei, damit er dies anschliessend eigenverantwortlich in Zukunft in einem Fitness
center umsetzen könne. Nach Durchführen eines mindestens sechsmonatigen Trainings sollte der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht in der Lage sein, die beschriebene Arbeit ganztags und ohne vermehrte Pausen
, nebst de
n
üblichen,
auszuführen
(Urk. 9/15
8
/9 f.)
.
4.
4
.1
Dr.
C._
stellte
in seinem psychiatrischen Gutachten
einzig Diagnosen, denen er keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beimass: eine leichte
Min
derintelligenz
im Rahmen einer Lernstörung, eine akzentuierte Persönlichkeit mit unreifen Zügen (ICD-10:
Z73.1)
sowie eine Cannabisabhängigkeit mit gegenwärtigem Substanzgebrauch (ICD-10: F12.24). Die festgestellten depressi
ven Symptome würden nicht die Kriterien für eine depressive Episode erfüllen. Für eine Anpassungsstörung mit depressiven Symptomen würden auslösende Faktoren fehlen. Sicherlich bestünde eine grenzwertige Intelli
genz, welche im Bereich einer Lernbehinderung liege. Aufgrund der Kombi
nation mit einer akzentuierten Persönlichkeit mit unreifen Zügen sei der Beschwerdeführer nicht im Stand, Zusammenhänge zwischen seinem Ver
halten und seiner aktuellen Lebenssituation zu erfassen. Er sei nicht fähig zur Selbstreflexion und damit kaum in der Lage, sein Verhalten zu verändern. Zudem bestünden erhebliche Motivationseinbussen und psychosoziale Belastungen. An Ressourcen verfüge er über ein freundliches Wesen. Er sei in der Lage, einfache repetitive Tätigkeiten auszuführen. Dass der Versicherte
auf dem ersten Arbeitsmarkt
nicht
vermittelbar sei, habe multifaktorielle Gründe. Diese seien zu einem erheblichen Teil bedingt durch psychosoziale Belastungsfaktoren und die begrenzten intellektuellen Fähigkeiten, wobei eine Minderintelligenz gemäss ICD-10 nicht diagnostiziert werden könne. Die Prognose sei insgesamt unsicher.
Was den
Schluss von Dr.
C._
betrifft, es liege
keine Minderintelligenz gemäss ICD-10 vor (Urk. 9/147/19)
,
kann allerdings d
em Gutachten nicht entnommen werden, wie er zu diesem Ergebnis gelangte. Der sein Gutachten ergänzende neuropsychologische Untersuchungsbericht hat
dafür jedenfalls
keine bestätigenden Ergebnisse erbracht.
Dr.
C._
hat
sich darauf beschränk
t
, die telefonischen Aussagen des Hausarztes wiederzugeben (Urk. 9/147/14) und ohne weitere Abklärungen festzuhalten, dass die Intelli
genz grobkursorisch geprüft im unteren Normbereich liege (Urk. 9/147/15). Ebenfalls nicht begründet
wurde
die Diagnose einer akzentuierten Persön
lichkeit mit unreifen Zügen (ICD-10: Z73.1), welche zwar eine Beeinflussung des Gesundheitszustandes
bedeuten kann
, aber keine Krankheit oder Schädi
gung darstellt (Urteil des Bundesgerichts 8C_237/2016 vom 17. Juni 2016 E.
3.2 mit Verweis auf Urteil I 514/06 vom 25. Mai 2007 E. 2.2.2). Damit fehlt es insbesondere auch an der wichtigen Abgrenzung zur Diagnose einer
Per
sönlichkeitsstörung
, welche Krankheitswert aufweist und damit die Arbeits
fähigkeit einschränken kann.
D
er Gutachter
führte
aus, aus psychiatrischer Sicht
bestehe
keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit
. Die
fehlende Vermittelbarkeit des Beschwerde
führers auf dem ersten Arbeitsmarkt
sei
auf multifaktorielle Gründe zurück
zuführen
,
zu einem erheblichen Teil
auf
psychosoziale Belastungsfaktoren
, aber auch
die begrenzten intellektuellen Fähigkeiten, wobei keine
Minderin
telligenz
gemäss ICD-10 vorliege (Urk. 9/147/19). Worum es sich seiner Meinung nach bei der verbleibenden Teilursache handelt, legt
e
er indessen nicht dar. Ferner
mass
der Gutachte
r
der verminderten Intelligenz zunächst keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei, um danach festzustellen, dass diese dazu beigetragen habe, dass der Beschwerdeführer auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht reüssiert habe.
Schliesslich fand offenbar auch keine Konsensbeurteilung zwischen der neu
ropsychologischen Gutachterin und dem psychiatrischen Gutachter statt, anlässlich
welch
er der zwischen den beiden Teilgutachten bestehende Widerspruch hätte ausgeräumt werden können. Im Ergebnis kann damit nicht auf das psychiatrische Teilgutachten von Dr.
C._
abgestellt werden.
Es ist
indessen noch
darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer den Gutachter auf seine Hörprobleme aufmerksam
gemacht hatte
(Urk. 9/147/15).
4
.2
Die neuropsychologische Gutachterin
lic
. phil.
D._
hielt fest, dass die formale neuropsychologische Untersuchung ein deutlich überlagertes Bild ergeben habe. Die formalen Leistungen seien stark schwankend und nicht nachvollziehbar gewesen. Sie stünden in keinem Verhältnis zu den Beobachtungen und dem klinischen Eindruck im Gespräch. Der Beschwerde
führer habe sich demonstrativ und überzeichnet präsentiert. Er habe sich teilweise nicht richtig auf die Aufgaben einlassen können oder habe
Teilauf
gaben
frühzeitig abgebrochen. Auf bemerkte oder aufgezeigte Fehler habe er kaum oder gleichgültig reagiert und eine Konfabulationstendenz gezeigt. Die verminderten Leistungen in den Bereichen Aufmerksamkeit,
Erfassungs
spanne
, Kurz- und Langzeitgedächtnis sowie auch bezüglich der
Exekutiv
funktionen
seien auffällig, nicht konsistent und daher nicht interpretierbar. Auch die beiden durchgeführten Symptomvalidierungsverfahren hätten auf
fällige Resultate hervorgebracht, was einen Hinweis auf verminderte Leistungsbereitschaft und Kooperation darstelle. Dies müsse als
Einfluss
faktor
für die ungenügende Leistung beurteilt werden, wodurch auch die Validität der Testergebnisse eingeschränkt sei. Vor diesem Hintergrund sei eine abschliessende neuropsychologische Einschätzung kaum möglich (Urk. 9/147/4).
Die Ergebnisse der neuropsychologischen Testung sind
teilweise
nicht nach
voll
ziehbar, denn es werden keine Testergebnisse dargestellt und - mit Ausnahme der beiden Validierungstests - auch die durchgeführten
Testver
fahren
nicht genannt. Da die durchgeführten Tests nicht bekannt sind, ist es denkbar, dass die sehr starke beidseitige Einschränkung des Hörvermögens des Versicherten (vgl. Urk. 9/189) einen Einfluss auf den
aus Sicht der Gut
achterin unbefriedigenden
Verlauf der Testung und damit auch auf deren Ergebnisse hatte. Damit ist auch die Feststellung der Neuropsychologin, wonach die anamnestisch diskrete,
unkorrigierte
Hörminderung sich in der Abklärung nicht einschränkend ausgewirkt habe (Urk. 9/147/3), in Frage zu stellen. Entsprechend vermag die Begründung, wonach wegen verminderter Kooperation und Leistungsbereitschaft des Beschwerdeführers auf eine neu
ropsychologische Einschätzung (Urk. 9/147/4) verzichtet worden sei, nicht restlos zu überzeugen. Dies gilt umso mehr, als die Annahme einer vermin
derten Kooperation und Leistungsbereitschaft auch im Widerspruch zur Beurteilung des psychiatrischen Gutachters steht, wonach der Beschwerde
führer nicht im Stande sei, Zusammenhänge zwischen seinem Verhalten und
sei
ner Lebenssituation zu erfassen
und
gleichermassen
nicht fähig zur
Selbst
reflektion
sei, weshalb er kaum in der Lage sei, sein Verhalten zu verändern (Urk. 9/147/19). Zusätzlich stellte er fest, es
sei
fraglich, ob der Beschwerde
führer überhaupt den Grund für die neuropsychologische Untersuchung habe nachvollziehen können: Er habe beim zweiten Termin ausgeführt, dass es ihm gut getan habe, über seine Probleme zu sprechen (Urk. 9/14/18). Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass für die Frage, ob beim Beschwerdeführer eine Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit besteht, nicht auf die von
lic
. phil.
D._
durchgeführte neuropsychologi
sche Testung abgestellt werden kann.
4
.3
Das
unter Erwägung 3.4 zusammengefasst wiedergegebene
orthopädisch-rheu
ma
tologische Gutachten des
E._
nahm für den Beschwerdeführer sowohl in der angestammten Tätigkeit als Hauswirtschaftspraktiker, wie auch in angepassten Tätigkeiten gemäss Belastungsprofil, eine ganztägige Arbeitsfähigkeit an, wobei ein um zwei Stunden erhöhter Pausenbedarf zu berücksichtigen sei. Nach Durchführung einer sechsmonatigen medizinischen Trainingstherapie seien keine vermehrten Pausen mehr erforderlich.
Am Anfang des orthopädisch-rheumatologischen
E._
-Gutachtens werden wohl die medizinischen
Vorakten
und die Ergebnisse der beruflichen Mass
nahmen wiedergegeben (Urk. 9/158/2-5). Hingegen fehlt eine Diskussion abweichender Beurteilungen, obschon die Gutachter anlässlich der Auf
tragserteilung explizit darauf hingewiesen worden waren, dass im Gutachten eine solche erfolgen müsse (Urk. 9/151). Die Einschätzung im Gutachten divergiert
denn auch
erheblich von derjenigen von
Dr.
B._
vom 7. Juli (Urk. 9/83) respektive 25. August 2011 (Urk. 9/86). Dr.
B._
hat sowohl in der angestammten Tätigkeit als Koch wie auch in angepassten Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 50 % attestiert.
Der Verlauf der beruflichen Massnahmen
wird
zwar wiedergegeben (Urk. 9/158/3
f., 9/158/7). Die Gutachter verzichteten aber in der Folge darauf, deren Ergebnisse zu diskutieren oder zu würdigen. Sie
ver
wiesen bezüg
lich der
Vorakten
einzig auf
Dr.
I._
und erwähnten, dass auch er dem Beschwerdeführer dringend ein muskuläres Kräftigungstraining empfehle (Urk. 9/158/9). Indessen wäre ebenfalls eine Auseinandersetzung mit der Feststellung der
Y._
angezeigt gewesen, wonach ein Einsatz auf dem ersten Arbeitsmarkt gar nicht möglich sei. Die Beschwerdegegnerin hat es zudem versäumt, die Gutachter zu einer Stellungnahme zu den angeführ
ten Punkten
aufzufordern (Urteil des Bundesgerichts 9C_554/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 3.4 mit Hinweis auf Urteil 9C_833/2007 vom 4. Juli 2008 E. 3.3.2).
4
.4
Somit kann weder auf das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten vom 2
5.
September 2014 (Urk. 9/147), noch auf das orthopädisch-rheumato
logische Gutachten vom 26. Januar 2015 (Urk. 9/158) abgestellt werden. Dazu kommt, dass die bereits 2014 festgehaltenen Hörprobleme des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 9/147/3, 9/147/15) sich gemäss dem Hörtest vom 9. Juni 2015 verstärkt haben
(Urk. 9/189). Dieser Hörtest fand nur wenige Tage nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung statt und kann deshalb, auch wenn der Zeitpunkt des Verfügungserlasses in zeitlicher Hin
sicht die Grenze der gerichtlichen Überprüfungsbefugnis darstellt (BGE 138 V 218 E. 6), berücksichtigt werden, da
die Hörprobleme
bereits beim Erlass
der Verfügung bestanden haben mü
ss
en
.
4
.5
Schliesslich führt die Kombination mehrerer Funktionsstörungen nicht notwen
digerweise zu einer Addition der in verschiedenen Fachdisziplinen attestierten Arbeitsunfähigkeiten. Bei ihrem Zusammentreffen überschneiden sich die erwerblichen Auswirkungen in der Regel. Deshalb ist der Grad der Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich in einer Gesamtbeurteilung zu bestimmen (Urteil des Bundesgerichts 9C_204/2015 vom 29. April 2015 E. 6 mit Hinweis auf das Urteil des Bundes
gerichts 9C_948/2012 vom 22. Juli 2013 E. 4.3). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb die ungenügenden beziehungsweise fehlen
den Abklärungen betreffend den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Rahmen einer mehrdisziplinären Begutachtung mit Gesamtbeurteilung vorzunehmen, damit die Wechselwirkungen allfälliger Einschränkungen berücksichtigt werden können. Die Begutachtung muss dabei insbesondere auch den Einfluss des Hörverlustes auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten umfassen.
Die Beschwerde ist damit insoweit gutzuheissen, als die angefochtene Verfü
gung aufzuheben und die Sache zur ergänzenden Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum neuen Entscheid über den Rentenanspruch an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
5
.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweige
rung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung
gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
Zudem hat der obsiegende Beschwerdeführer An
spruch auf Ersatz der
Partei
kos
ten
, welche gemäss
Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses, und nach dem Zeitaufwand
zu bemessen sind.
In
seiner
Kostennote
vom 23. Dezember 2016 (Urk. 29)
weist
Rechtsanwalt Hablützel einen
Zeita
ufwand von
elf Stunden 24
Minuten und Barauslagen in Höhe von Fr. 102.60 geltend.
Diese Aufwendungen erscheinen gerechtfer
tigt. Die
Prozessentschädigung
wird
deshalb
auf Fr. 2‘
819.45
(inkl.
Barausla
gen
und Mehrwertsteuer)
festgelegt
.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass d
i
e angefochtene
Verfügung
vom
1. Juni 2015
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklä
rung im Sinne der Erwägungen,
über den Rentenanspruch des Beschwerdefüh
rers
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Martin Hablützel, Zürich,
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
2'819.45
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Martin Hablützel
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.