Decision ID: 8d0f6df5-7326-54d4-b937-b991fc2e5836
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._, geboren am (...) 1997, Schweizer Bürger und bei seinen El-
tern in Singapur wohnhaft, beantragte durch seine Mutter und gesetzliche
Vertreterin B._ am 23. Juni 2008 bei der Invalidenversicherungs-
Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz)
wegen einseitiger Taubheit als Folge eines seit Geburt bestehenden kon-
genitalen Cholesteatoms die Ausrichtung von Leistungen der Schweizeri-
schen Invalidenversicherung (nachfolgend: IV; IV-act. 2, 4, 6).
B.
B.a Mit Verfügung vom 22. Januar 2009 (IV-act. 19) sprach die IVSTA
A._ medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 des Bundesgeset-
zes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG, SR 831.20)
zur Behandlung des Geburtsgebrechens Nr. 447 der Verordnung vom
9. Dezember 1985 über Geburtsgebrechen (GgV, SR 831.232.21) für den
Zeitraum vom 24. Juni 2007 bis zum 31. August 2011 zu.
B.b Gegen diese Verfügung erhob A._, vertreten durch seine Mut-
ter, mit Eingabe vom 14. Februar 2009 (IV-act. 25) Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht und beantragte, es seien ihm nebst den medi-
zinischen Massnahmen auch Massnahmen pädagogisch-therapeutischer
Art zuzusprechen, da nur diese ihm eine spätere Eingliederung in das
Erwerbsleben ermöglichten.
B.c Mit Urteil C-1090/2009 vom 25. August 2009 (IV-act. 31) hiess das
Bundesverwaltungsgericht – entsprechend dem Antrag der Vorinstanz in
der Vernehmlassung (IV-act. 29) – die Beschwerde in dem Sinne gut,
dass die angefochtene Verfügung vom 22. Januar 2009 aufgehoben und
die Sache zur ergänzenden Abklärung und Neubeurteilung an die Vorin-
stanz zurückgewiesen wurde. Aufgrund der vorliegenden Akten war das
Bundesverwaltungsgericht nicht in der Lage, hinsichtlich des Anspruchs
auf pädagogisch-therapeutische Massnahmen einen Entscheid zu fällen.
B.d In der Folge holte die IVSTA bei der Mutter von A._ zwecks
Prüfung des Leistungsgesuchs Unterlagen und Angaben bezüglich der in
der Zeit von 2006 bis Ende 2007 durchgeführten pädagogisch-
therapeutischen Massnahmen ein (IV-act. 35, 37). Die IVSTA ersuchte
den IV-Stellenarzt Dr. med. D._ daraufhin um dessen Stellung-
nahme (IV-act. 42) zu den eingereichten Unterlagen (IV-act. 38-40). Ge-
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stützt auf dessen Beurteilung vom 30. März 2010, wonach aufgrund der
eingereichten Unterlagen in der Zeit bis Ende 2007 nicht eine pädago-
gisch-therapeutische Massnahme, sondern eher eine – von E. _
durchgeführte – Psychotherapie dokumentiert ist (IV-act. 43), verlangte
die IVSTA bei der Mutter von A._ zusätzliche Unterlagen und An-
gaben hinsichtlich der festgestellten medizinischen Massnahme (IV-
act. 44, 45). Weil die nachgereichten Unterlagen (IV-act. 46-51) nicht aus-
reichten bzw. nicht die besagte Therapie betrafen, bat die IVSTA um Zu-
stellung des entsprechenden Arztberichtes (IV-act. 52-54). Ein solcher
wurde der IVSTA mit Schreiben vom 18. September 2010 eingereicht (IV-
act. 55). Gleichzeitig stellte die Mutter von A._ den Antrag, den
zugesprochenen Anspruch auf medizinische Massnahmen über den
31. August 2011 hinaus zu verlängern (IV-act. 56). Die IVSTA unterbreite-
te die zusätzlich eingeholten Dokumente wiederum dem IV-Stellenarzt
Dr. D._ (IV-act. 57), welcher in seiner Antwort vom 20. Oktober
2010 (IV-act. 58) die von E._ durchgeführte Betreuung weiterhin
nicht als pädagogisch-therapeutische Massnahme, sondern als Psycho-
therapie beurteilte. Im Anschluss daran holte die IVSTA beim IV-
Stellenarzt Dr. med. F._ weitere Informationen unter anderem zur
Frage ein, ob die bei E._ vorgenommene Therapie von der IV be-
zahlt werden könne (IV-act. 59). In seiner Stellungnahme vom 11. Januar
2011 (IV-act. 60) führte Dr. F._ im Wesentlichen aus, dass es sich
bei der besagten Therapie klar um eine Art Psychotherapie handle, die al-
lerdings nur während eines Zeitraumes von sechs Monaten stattgefunden
habe, so dass eine Übernahme dieser Therapiekosten durch die IV nicht
in Frage komme (IV-act. 60).
C.
C.a Mit Vorbescheid vom 1. Februar 2011 (IV-act. 61) teilte die IVSTA der
der Mutter von A._ mit, dass das Leistungsbegehren hinsichtlich
der vom 3. September 2007 bis zum 17. Dezember 2007 stattgefundenen
Psychotherapie abgewiesen werden müsse, da diese nur während eines
Zeitraumes von drei Monaten stattgefunden habe und damit die Voraus-
setzungen für die Gewährung von medizinischen Massnahmen durch die
IV nicht erfüllt seien.
C.b Die Mutter von A._ erhob gegen diesen Vorbescheid mit
Schreiben vom 14. März 2011 (IV-act. 68) Einwände. Sie bestritt, dass es
sich bei der von E._ durchgeführten Therapie um eine Psychothe-
rapie gehandelt habe, zumal E._ keine ausgewiesene Psychothe-
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rapeutin sei, und ersuchte um Erlass einer beschwerdefähigen Verfü-
gung.
C.c Mit Verfügung vom 4. April 2011 (IV-act. 70) entschied die IVSTA in
Bestätigung ihres Vorbescheides, das Leistungsbegehren (Gesuch um
Kostenübernahme der von E._ durchgeführten Therapie) abzu-
weisen. Die Begründung entsprach derjenigen des Vorbescheides und
enthielt die Bemerkung, dass die den Einwänden gegen den Vorbescheid
beigelegten Unterlagen (IV-act. 66, 67) bereits vorhanden seien und die
Schlussfolgerungen des Vorbescheides nicht in Zweifel zu ziehen ver-
möchten.
D.
Gegen diese Verfügung vom 4. April 2011 erhob die Mutter und gesetzli-
che Vertreterin von A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Ein-
gabe vom 6. Juni 2011 (Aufgabe in Singapur: 6. Juni 2011) Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht (Eingang: 16. Juni 2011; act. 1). Sie stell-
te in der Beschwerdeschrift unter anderem den Antrag, die zwischen dem
25. September 2007 und 31. Dezember 2007 in Bezug auf G._
(bei E._) in Singapur entstandenen Therapiekosten von gesamt-
haft S$ 1'350.- (Fr. 915.66) seien von der IV zu bezahlen; eventualiter sei
die Sache der zuständigen behördlichen Instanz zuzuweisen. Weiter führ-
te sie aus, dass es zur Durchführung einer Psychotherapie eines Psycho-
logen oder einer Psychologin bedürfe. Aus den zahlreichen Diplomen von
E._, welche der Beschwerde beigelegt seien, ergebe sich klar,
dass E._ keine Psychologin, sondern eine Sprach- und Bewe-
gungstherapeutin für Kinder im frühen Lernalter sei. Die Mutter des Be-
schwerdeführers erklärte weiter, dass die edukativen Leistungen ihres
Sohnes seit seiner Einschulung durch den Geburtsfehler stark beein-
trächtigt seien und seit Erkennung medizinische, logopädische, sprach-
therapeutische, optometrische und schulpsychologische Massnahmen,
Therapien und Abklärungen vorgenommen würden, damit eine geregelte,
altersgerechte und schulische Integration möglich sei.
Die Mutter des Beschwerdeführers stellte in der Beschwerde vom 6. Juni
2011 ausserdem einen Antrag, welcher die Kostenübernahme der Be-
handlung bei H._ ab 1. Januar 2008 betraf und sich gegen den
Vorbescheid der IVSTA vom 5. April 2011 (IV-act. 72) richtete. Das Bun-
desverwaltungsgericht entschied in der Folge mit Urteil vom 7. Septem-
ber 2011, dass auf die Beschwerde nicht eingetreten werde, soweit sie
sich gegen den Vorbescheid der IVSTA vom 5. April 2011 richte, und
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überwies die Sache zur Weiterführung des Vorbescheidverfahrens an die
Vorinstanz (siehe Verfahren C-3501/2011).
Soweit sich die Beschwerde vom 6. Juni 2011 sodann gegen die Verfü-
gung der IVSTA vom 5. April 2011 (IV-act. 71) richtet, erfolgt eine Behand-
lung im konnexen Verfahren C-3694/2011.
E.
Mit Schreiben vom 7. Juli 2011 (act. 2) wurde die Mutter des Beschwerde-
führers eingeladen, dem Bundesverwaltungsgericht eine Zustelladresse
in der Schweiz anzugeben. Dieser Einladung kam sie mit Eingabe vom
19. August 2011 nach und bezeichnete in der Schweiz ein Zustelldomizil
(act. 3).
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 26. Oktober 2011 (act. 5) beantragte die
Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der ange-
fochtenen Verfügung. Als Begründung führte sie aus, dass die streitigen,
von E._ durchgeführten Behandlungen in der Zeit von September
bis Dezember 2007 gemäss der übereinstimmenden Beurteilung von
zwei IV-Stellenärzten aufgrund ihrer Natur als Psychotherapie und nicht
als pädagogisch-therapeutische Massnahmen zu qualifizieren seien. Be-
schwerdeweise würden sich keine neuen Gesichtspunkte ergeben. Die
vielseitige Ausbildung von E._ sei anlässlich der Beurteilung des
ärztlichen Dienstes bereits bekannt gewesen. Psychotherapie als medizi-
nische Massnahem könne gemäss dem massgebenden Kreisschreiben
über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der IV (Rz. 645.5)
erst ab dem zweiten Behandlungsjahr übernommen werden. Die vorlie-
gende Therapie habe indessen nur vier Monate gedauert, weshalb eine
Übernahme der Kosten durch die IV ausgeschlossen sei.
G.
Der Beschwerdeführer hat von der ihm eingeräumten Gelegenheit zur
Replikeinreichung keinen Gebrauch gemacht (act. 6).
H.
Mit Verfügung vom 18. Januar 2012 erklärte das Bundesverwaltungsge-
richt den Schriftenwechsel – vorbehältlich weiterer Instruktionsmassnah-
men – für geschlossen (act. 7).
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Seite 6
I.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften wird – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69
Abs. 1 Bst. b IVG sowie Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) beurteilt das
Bundesverwaltungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland ge-
gen Verfügungen der IVSTA.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). In-
des findet das VwVG aufgrund von Art. 3 Bst. d bis
VwVG keine Anwen-
dung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bundesgesetz vom
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) anwendbar ist. Gemäss Art. 2 ATSG sind die Bestim-
mungen dieses Gesetzes auf die bundesgesetzlich geregelten Sozialver-
sicherungen anwendbar, wenn und soweit die einzelnen Sozialversiche-
rungsgesetze es vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Bestimmungen des
ATSG auf die Invalidenversicherung anwendbar, soweit das IVG nicht
ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Dabei finden nach
den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln in formellrechtlicher
Hinsicht mangels anderslautender Übergangsbestimmungen grundsätz-
lich diejenigen Rechtssätze Anwendung, welche im Zeitpunkt der Be-
schwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.3 Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist die Verfü-
gung der IVSTA vom 4. April 2011. Der durch seine Mutter (gesetzlich)
vertretene Beschwerdeführer ist durch diese Verfügung berührt und hat
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 59
ATSG).
Gemäss Art. 60 Abs. 1 ATSG ist die Beschwerde innert 30 Tagen nach
Eröffnung der Verfügung einzureichen. Der angefochtene Einspracheent-
scheid datiert vom 4. April 2011. Die Beschwerdeschrift wurde am 6. Juni
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2011 der EMS Speedpost in Singapur übergeben (act. 1/36) und ging am
16. Juni 2011 beim Bundesverwaltungsgericht ein (act. 1 S. 1). Das Zu-
stellungsdatum des angefochtenen Entscheides, welcher von der Vorin-
stanz zwar mit eingeschriebener Post, aber nicht mit Rückschein ver-
sandt wurde, ist nicht nachgewiesen. Die Beweislast für den Beginn der
Frist liegt aber bei der eröffnenden Behörde (ULRICH HÄFELIN/GEORG
MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zü-
rich/St. Gallen 2010, Rz. 1651), welche die Einhaltung der Beschwerde-
frist vorliegend nicht bestreitet. Aus diesen Gründen ist zugunsten des
Beschwerdeführers davon auszugehen, dass seine Beschwerde vom
6. Juni 2011 fristgerecht und auch formgerecht (Art. 60 ATSG und Art. 52
Abs. 1 VwVG) eingereicht wurde. Damit ist auf die Beschwerde einzutre-
ten.
2.
Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdeverfah-
rens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes sowie Unange-
messenheit des Entscheides rügen (Art. 49 VwVG).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer ist Schweizer Staatsangehöriger und wohnt
bei seinen Eltern in Singapur. Daher bestimmt sich die Frage, ob der Be-
schwerdeführer einen Anspruch auf Leistungen der schweizerischen In-
validenversicherung hat, nach schweizerischem Recht.
3.2 In materiellrechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechts-
sätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder
zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 215
E. 3.1.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_606/2011 vom 13. Januar 2012
E. 3.1). Ein allfälliger Leistungsanspruch ist für die Zeit vor einem
Rechtswechsel aufgrund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach
den neuen Normen zu prüfen (BGE 130 V 445 E. 1).
3.3 Im vorliegenden Verfahren sind Leistungen für den Zeitraum von Sep-
tember 2007 bis Dezember 2007 streitig. Den Akten ist zu entnehmen,
dass das Leiden des Beschwerdeführers im Januar 2004 erkennbar wur-
de (IV-act. 15 Ziff. 1.2). Der Versicherungsfall trat damit frühestens zu je-
nem Zeitpunkt ein (BGE 108 V 61 E. 2b, BGE 103 V 130). Bei den mate-
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riellen Bestimmungen des IVG und der Verordnung über die Invalidenver-
sicherung (IVV) ist daher auf die Fassung gemäss den am 1. Januar
2004 in Kraft getretenen Änderungen (4. IV-Revision; AS 2003 3837 und
AS 2003 3859) abzustellen. Die mit der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
in Kraft getretenen Gesetzes- und Verordnungsänderungen (AS 2007
5129 und AS 2007 5155) sind hier ebenso wenig anzuwenden wie das
am 1. Januar 2012 in Kraft getretene erste Massnahmenpaket der 6. IV-
Revision (IVG in der Fassung vom 18. März 2011 [AS 2011 5659]). Fer-
ner sind das ATSG in der Fassung der 4. IVG-Revision (AS 2003 3854)
sowie die Verordnung vom 11. September 2002 über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV, SR 830.11) anwendbar.
4.
Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der
Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des
Erlasses der streitigen Verwaltungsverfügung (hier: 4. April 2011) einge-
tretenen Sachverhalt ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen
Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand
einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
5.
Im Folgenden werden die für die Beurteilung der Streitsache massgeben-
den Bestimmungen des Invalidenversicherungsrechts und die von der
Rechtsprechung dazu entwickelten Grundsätze dargelegt.
5.1 Art. 8 IVG (in der bis am 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fas-
sung) regelt den Grundsatz für den Anspruch auf Eingliederung. Gemäss
Abs. 1 haben Invalide oder von einer Invalidität unmittelbar bedrohte Ver-
sicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, sofern diese notwen-
dig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu
verbessern; der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unab-
hängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität.
Gemäss Abs. 2 besteht der Anspruch auf Leistungen nach Massgabe der
Artikel 13, 19 und 21 unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung
ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich. Die Eingliederungsmass-
nahmen bestehen nach Abs. 3 in: a) medizinischen Massnahmen, b)
Massnahmen beruflicher Art, c) Massnahmen für die besondere Schu-
lung, d) der Abgabe von Hilfsmitteln und e) der Ausrichtung von Taggel-
dern. Die Eingliederungsmassnahmen werden ausnahmsweise auch im
Ausland gewährt (Art. 9 Abs. 1 IVG). Die entsprechenden Voraussetzun-
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Seite 9
gen sind für obligatorisch Versicherte in Art. 23 bis
IVV und für freiwillig
Versicherte in Art. 23 ter
IVV geregelt.
5.2 Die Invalidität (Art. 8 ATSG) kann Folge von Geburtsgebrechen,
Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Die Invalidität gilt als einge-
treten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige
Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Abs. 2).
5.3 Gemäss Art. 12 IVG (in der bis am 31. Dezember 2007 gültig gewe-
senen Fassung) haben Versicherte Anspruch auf medizinische Mass-
nahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern un-
mittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbe-
reich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu
verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren.
5.4 Nach Art. 13 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten
20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen
(Art. 3 Abs. 2 ATSG) notwendigen medizinischen Massnahmen. Der Bun-
desrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt
werden. Wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist, kann die
Leistung ausgeschlossen werden (Abs. 2).
5.5 Als Geburtsgebrechen im Sinne von Art. 13 IVG gelten Gebrechen,
die bei vollendeter Geburt bestehen. Die blosse Veranlagung zu einem
Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeitpunkt, in dem ein Ge-
burtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (Art. 1 Abs. 1 der
Verordnung über Geburtsgebrechen [GgV, SR 831.232.21] in der bis En-
de 2007 gültig gewesenen Fassung). Gemäss Abs. 2 sind die Geburts-
gebrechen in der Liste im Anhang aufgeführt. Das Eidgenössische Depar-
tement des Inneren kann die Liste jährlich anpassen, sofern die Mehr-
ausgaben einer solchen Anpassung für die Versicherung insgesamt drei
Millionen Franken pro Jahr nicht übersteigen.
5.6 Nach Art. 2 Abs. 1 GgV beginnt der Anspruch auf medizinische Mass-
nahmen mit deren Einleitung, frühestens jedoch nach vollendeter Geburt.
Wird die Behandlung eines Geburtsgebrechens nur übernommen, weil
eine im Anhang festgelegte Therapie notwendig ist, so beginnt der An-
spruch mit der Einleitung dieser Massnahme; er umfasst alle medizini-
schen Massnahmen, die in der Folge zur Behandlung des Geburtsgebre-
chens notwendig sind (Abs. 2). Als medizinische Massnahmen, die für die
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Seite 10
Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche
Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissen-
schaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und
zweckmässiger Weise anstreben (Abs. 3).
5.7 Die medizinischen Massnahmen der IV umfassen gemäss Art. 14
Abs. 1 Bst. a IVG (in der bis am 31. Dezember 2007 gültig gewesenen
Fassung) die Behandlung, die vom Arzt selbst oder auf seine Anordnung
durch medizinische Hilfspersonen in Anstalts- oder Hauspflege vorge-
nommen wird. Als medizinische Hilfspersonen gelten dabei Personen, die
folgenden Tätigkeiten ausüben: Krankenpflege, Physiotherapie, Ergothe-
rapie, Ernährungsberatung, Psychotherapie, und welche die kantonalen
Vorschriften betreffend die Berufsausübung erfüllen, sofern eine ärztliche
Anordnung vorliegt (Kreisschreiben über die medizinischen Eingliede-
rungsmassnahmen der Invalidenversicherung [KSME, gültig ab
1. November 2005], Rz. 1202).
5.8 Gemäss aArt. 19 IVG, der bis zum 31. Dezember 2007 Geltung hatte
(AS 2007 5779), wurden an die Sonderschulung bildungsfähiger Versi-
cherter, die das 20. Altersjahr noch nicht vollendet hatten und denen in-
folge Invalidität der Besuch der Volksschule nicht möglich oder nicht zu-
mutbar war, Beiträge gewährt. Die Beiträge umfassten unter anderem be-
sondere Entschädigungen für zusätzlich zum Schulunterreicht notwendi-
ge Massnahmen pädagogisch-therapeutischer Art, wie Sprachheilbe-
handlung für schwer Sprachgebrechliche, Hörtraining und Ableseunter-
richt für Gehörgeschädigte (vgl. aArt. 19 Abs. 2 Bst. c IVG). Der Bundes-
rat erliess gestützt auf aArt. 19 Abs. 3 IVG in der IVV unter anderem auch
Vorschriften über die Gewährung entsprechender Beiträge an Massnah-
men für invalide Kinder, die die Volksschule besuchten (aArt. 9 ff. IVV,
gültig bis 31. Dezember 2007). Es handelte es sich bei diesen Massnah-
men für besondere Schulung – wie schon erwähnt – ebenfalls um Ein-
gliederungsmassnahmen (vgl. E. 5.1).
5.9 Handelt es sich um einen Komplex von Massnahmen verschiedener
Art, deren vorwiegender Eingliederungszweck ohne gleichzeitig durchge-
führte akzessorische medizinische Behandlung gefährdet wäre, kann
auch die medizinische Behandlung als Eingliederungsmassnahme gewer-
tet werden. So geht zum Beispiel die eine Sonderschulung oder Sprach-
therapie begleitende Psychotherapie zulasten der IV, sofern nur dadurch
der Erfolg erreicht oder gesichert werden kann (KSME Rz. 76). Die Vor-
aussetzungen zur Kostenübernahme einer Psychotherapie ist daher ge-
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geben im Falle von Minderjährigen, bei welchen Massnahmen für die
Sonderschulung durch eine psychische Störung behindert oder verun-
möglicht werden. Es muss sich dabei um eine die Sonderschulmassnah-
me ergänzende Massnahme handeln, wobei die Behandlung des Leidens
deutlich im Hintergrund steht (KSME Rz. 645.7). Die Unterstützungs-
massnahme zur Sprachheilbehandlung kann allerdings nur auf begründe-
ten Antrag des behandelnden Arztes oder der Abklärungsstellen über-
nommen werden und sie ist aufgrund von Art. 12 oder 13 IVG zuzuspre-
chen (Kreisschreiben über die Behandlung von Sprachgebrechen in der
IV, gültig ab 1. November 1978, Stand: 1. Januar 2007, Rz. 13, 28).
6.
Mit Verfügung vom 22. Januar 2009 (IV-act. 19) sprach die Vorinstanz
dem Beschwerdeführer medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 IVG
für den Zeitraum vom 24. Juni 2007 bis 31. August 2011 zu. Dieser An-
spruch des Beschwerdeführers auf medizinische Massnahmen blieb un-
angefochten und ist damit unbestritten.
7.
Streitig und zu prüfen ist indessen, ob die von E._ vom September
bis Dezember 2007 durchgeführte Behandlung als pädagogisch-
therapeutische Massnahme oder als Psychotherapie und damit medizini-
sche Massnahme zu qualifizieren ist.
7.1 Die Rechtsprechung versteht unter pädagogisch-therapeutischen
Massnahmen Vorkehren, bei denen der Aspekt der Erziehung im Sinne
der günstigen Beeinflussung des Verhaltens und der anlagemässig gege-
benen Möglichkeiten im Vordergrund steht. Sie dienen nicht unmittelbar
der Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten in schulischen Belan-
gen, sondern sind hauptsächlich darauf ausgerichtet, die Schulung beein-
trächtigende Auswirkungen der Invalidität zu mildern oder zu beseitigen.
Der Begriff "therapeutisch" verdeutlicht, dass die Behandlung des Leidens
im Vordergrund steht. Wie die in aArt. 19 Abs. 2 Bst. c IVG und aArt. 9
Abs. 2 IVV aufgezählten Massnahmen zeigen, geht es dabei vornehmlich
um die Verbesserung gewisser körperlicher oder psychischer Funktionen
im Hinblick auf den Schulunterricht (BGE 131 V 9 E. 5.2.1, Urteil des
Bundesgerichts I 120/05 vom 13. Juli 2005 E. 2.2, je mit Hinweisen). Die
Abgrenzung gegenüber den medizinischen Massnahmen erfolgt danach,
ob das pädagogische oder das medizinische Moment überwiegt. Welcher
der beiden Gesichtspunkte überwiegt, beurteil sich nach den konkreten
Umständen des Einzelfalls (Urteil des Bundesgerichts I 120/05 vom
C-3388/2011
Seite 12
13. Juli 2005 E. 2.2 mit Hinweisen auf BGE 122 V 206 E. 3a, BGE 121 V
11 E. 3b, BGE 114 V 22 E. 3a).
7.2 Die Vorinstanz qualifizierte die strittige Behandlung durch E._
als Psychotherapie. Sie stützte sich dabei auf die Stellungnahmen ihres
internen medizinischen Dienstes: Nach Ansicht von Dr. D._ han-
delte es sich bei der besagten Behandlung kaum um eine pädagogisch-
therapeutische Massnahme, sondern eher um eine psychologische
Betreuung bzw. eine Psychotherapie (IV-act. 43, 58). Dr. F._ äus-
serte sich ebenfalls dahingehend, dass es sich bei den von E._
durchgeführten Sitzungen klar um eine Art Psychotherapie gehandelt ha-
be (IV-act. 60). Die IV-Stellenärzte wiesen in ihren Stellungnahmen darauf
hin, dass zu prüfen sei, ob allenfalls ein Leiden an sich behandelt worden
sei, welches Auswirkungen auf den Schulbesuch gehabt habe (IV-act. 60)
bzw. ob die psychologische Betreuung für den Schulbesuch notwendig
gewesen und aufgrund von KSME Rz. 645.7 von der IV zu übernehmen
sei (IV-act. 43, 58). Die Vorinstanz prüfte die Behandlung durch
E._ in der Folge aufgrund von KSME Rz. 645.5, wonach die Kos-
tenübernahme einer Psychotherapie bei schweren erworbenen psychi-
schen Leiden von Minderjährigen erst ab dem zweiten Behandlungsjahr
erfolgen kann. Da vorliegend die Behandlung unbestrittenermassen we-
niger als ein Jahr gedauert hatte, lehnte die Vorinstanz die Kostenüber-
nahme in der Folge ab. Eine Prüfung gemäss KSME Rz. 645.7, wonach
die Voraussetzungen zur Kostenübernahme einer Psychotherapie bei
Minderjährigen gegeben sind, bei welchen Massnahmen für die Sonder-
schulung durch eine psychische Störung behindert oder verunmöglicht
werden (vgl. auch E. 5.9), nahm die Vorinstanz nicht vor.
7.3 Es ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die strittige Behand-
lung zunächst unter dem Aspekt der medizinischen Massnahme geprüft
hat. Dieses Vorgehen entspricht dem Kreisschreiben über die pädago-
gisch-therapeutischen Massnahmen in der IV (gültig ab 1. März 1975,
Stand: 1. Januar 2007), welches in Rz. 4 vorsieht, dass vorgängig immer
zu prüfen sei, ob keine medizinische Behandlungsart vorliege, wie dies
z.B. bei Psychotherapie immer zutreffe. Dass die Vorinstanz die von
E._ vorgenommene Behandlung – gestützt auf die Stellungnah-
men ihres ärztlichen Dienstes – als Psychotherapie beurteilt hat, ist nach-
vollziehbar. Aus dem Bericht von E._ vom 3. Februar 2010 (IV-
act. 67) ergibt sich nämlich deutlich, dass sie nicht die Hörschädigung
des Beschwerdeführers therapierte, sondern bei diesem die folgenden
Probleme feststellte: fehlende Motivation für den Schulbesuch, hohe Zer-
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streutheit, generalisierte Ängste, welche sich in Bauchschmerzen und
Besuchen bei der Krankenschwester manifestieren, geringes Selbstwert-
gefühl sowie negatives Selbstgespräch. Im Bericht wurde auch erwähnt,
dass der Beschwerdeführer Gruppenspiele in der Schule meide, sich
ausgeschlossen fühle, sich von anderen zurückziehe und das Bedürfnis
nach Kontrolle habe. Diese psychologischen und schulischen Probleme,
welche mit der Hörschädigung des Beschwerdeführers in Zusammen-
hang stehen können, wurden von E._ laut Bericht unter anderem
behandelt mit Sandspielen und -aktivitäten, mit der Bezeichnung, Skalie-
rung und Sortierung von Gefühlen, der Erforschung von inneren Stärken,
emotionalen Entspannungsübungen, Puppen- und Dramaspielen sowie
Storyboard mit Verbindung zum Helden. Angesichts des im Bericht ge-
nannten Beschwerdebildes und der vorgenommenen Behandlungsart
kann durchaus von einer "psychologischen Betreuung" (IV-act. 43) oder
"Art Psychotherapie" (IV-act. 60) gesprochen werden.
7.4 Der Beschwerdeführer, welcher keine Sonderschule, sondern die
Volksschule besucht (IV-act. 4 S. 2, 69), erhielt aufgrund seines Geburts-
gebrechens von November 2006 bis Februar 2009 (IV-act. 64) eine
Sprachheilbehandlung ("Structured multi-sensory Literacy"), wofür ihm die
Vorinstanz gemäss Verfügung vom 7. Juni 2011 (IV-act. 76) für die Zeit
von 1. Juni 2007 bis 31. Dezember 2007 Eingliederungsmassnahmen
gemäss Art. 19 IVG zusprach. Die von E._ durchgeführte Behand-
lung könnte daher allenfalls als eine Unterstützungsmassnahme zu dieser
Sprachheilbehandlung betrachtet werden, zumal aufgrund des erwähnten
Behandlungsberichts nicht nur eine Leidensbehandlung durchgeführt,
sondern auch ein Eingliederungszweck (z.B. Strategien für den Erfolg auf
dem Schulplatz) verfolgt wurde. Wie bereits erwähnt (E. 5.9), kann eine
zusätzliche, die Sprachheilbehandlung unterstützende medizinische
Massnahme allerdings nur auf begründeten Antrag des behandelnden
Arztes oder der Abklärungsstellen übernommen werden. Für eine Kos-
tenübernahme durch die IV müssen die Voraussetzungen von Art. 12 IVG
erfüllt sein (vgl. KSME Rz. 76). Erforderlich ist eine ärztliche Anordnung,
in welcher Beginn, Art und Umfang der durchzuführenden Psychotherapie
festgelegt sind (vgl. KSME Rz. 1203). Die Vorinstanz hat die notwendigen
ärztlichen Angaben (Diagnose, Befunde mit Auswirkungen auf den Schul-
besuch, bisheriger Verlauf, vorgesehene Behandlungsmethode, Ziel und
Zweck, geplante Dauer der Behandlung, Anzahl Sitzungen [Frequenz])
bei der Mutter des Beschwerdeführers mehrfach angefordert (vgl. IV-
act. 44, 45, 52, 53, 54). Vorgelegt wurde zunächst der Formularbericht
des Dr. I._ vom 22. Mai 2010, welcher sich ausschliesslich auf das
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Geburtsgebrechen des Beschwerdeführers bezog und in welchem von
einer Psychotherapie nicht die Rede ist (IV-act. 49). Schliesslich reichte
die Mutter des Beschwerdeführers den Bericht des Dr. J._ vom
16. September 2010 (IV-act. 55) ein, worin festgehalten wird, dass der
Beschwerdeführer aufgrund seiner Hörschädigung sprachliche Therapien
("hearing, language and speech therapies") besucht habe und/oder besu-
chen sollte ("was [and/or shall] to receive") zwecks Verbesserung seiner
persönlichen und schulischen Entwicklung. Dabei wird die bei E._
besuchte Einzeltherapie (11 Einheiten) – ohne weitere Ausführungen –
unter den vom Beschwerdeführer besuchten sprachlichen Therapien er-
wähnt. Von der Notwendigkeit einer Psychotherapie wird auch in diesem
Bericht nicht gesprochen. Aufgrund der vorliegenden Auskünfte können
die Voraussetzungen zur Kostenübernahme der streitigen Behandlung als
medizinischer Massnahme gemäss Art. 12 IVG deshalb nicht bejaht wer-
den. Dem Beschwerdeführer bzw. dessen Mutter ist keine Verletzung der
Mitwirkungspflicht nach Art. 28 Abs. 1 und 2 ATSG sowie Art. 13 VwVG
vorzuwerfen. Weitere Abklärungen erübrigen sich, nachdem der rechtser-
hebliche Sachverhalt genügend dokumentiert ist und von weiteren Unter-
suchungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind. Zudem ist ohne-
hin fraglich, ob E._ die beruflichen Anforderungen der IV für die
Durchführung von psychotherapeutischen Behandlungen erfüllt (vgl. Ur-
teil des Bundesgerichts I 187/00 vom 14. September 2000 E. 3; Art. 24
Abs. 3 IVV in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung).
Den vorgelegten Diplomen (act. 1/6-9; IV-act. 66) ist nämlich zu entneh-
men, dass E._ – wie die Mutter des Beschwerdeführers richtig be-
tont – weder über einen Studienabschluss im Hauptfach Psychologie
noch über eine spezielle Ausbildung zur Psychotherapeutin verfügt, son-
dern vielmehr ausgebildete Sonderschulpädagogin ("master of special
education") ist, welche diverse Kurse im Bereich Counselling absolviert
hat.
7.5 Selbst wenn die von E._ durchgeführte Behandlung – wie von
der Mutter des Beschwerdeführers geltend gemacht – als pädagogisch-
therapeutische Massnahme qualifiziert würde, könnten deren Kosten von
der IV aber nicht übernommen werden. Für Kinder, welche die Volksschu-
le besuchen, fallen gemäss dem hier anwendbaren aArt. 9 Abs. 2 IVV als
pädagogisch-therapeutische Massnahme ausschliesslich die Sprachheil-
behandlung, das Hörtraining und der Ableseunterricht sowie die psycho-
motorische Therapie in Betracht (Kreisschreiben über die pädagogisch-
therapeutischen Massnahmen in der IV, a.a.O., Rz. 3). Diese Aufzählung
ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung abschliessend (BGE 128
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V 95 E. 4b). Die Sprachheilbehandlung umfasst die eigentlichen logopä-
dischen Massnahmen – welche der Verbesserung der Sprache, des
Sprechens, der Stimme, des Schluckens sowie der nonverbalen Kommu-
nikation dienen (vgl. www.kispi.uzh.ch  Rehabilitationszentrum) – sowie
das Hörtraining und den Ableseunterricht (Kreisschreiben über die Be-
handlung von Sprachgebrechen in der IV, a.a.O., Rz. 27). Die von
E._ vorgenommene Behandlung (vgl. E. 7.3) geht eindeutig über
eine Sprachheilbehandlung hinaus und kann daher von der IV nicht ver-
gütet werden.
7.6 Aus den genannten Gründen ist die Beschwerde daher abzuweisen
und die angefochtene Verfügung zu bestätigen.
8.
Die Mutter des Beschwerdeführers stellte bei der Vorinstanz mit Schrei-
ben vom 18. September 2010 den Antrag, der Anspruch ihres Sohnes auf
medizinische Massnahmen sei über den 31. August 2011 hinaus zu ver-
längern (IV-act. 55). Im Schreiben vom 17. Juni 2011 (IV-act. 77), das
ebenfalls an die Vorinstanz gerichtet war, erneuerte sie diesen Antrag. In
der vorliegenden Beschwerdeschrift vom 6. Juni 2011 wurde dieser Ver-
längerungsantrag angekündigt, aber kein entsprechendes Begehren ge-
stellt. Für die Behandlung des Verlängerungsantrags ist daher die Vorin-
stanz zuständig, nachdem diese Frage ohnehin über den vorliegenden
Anfechtungsgegenstand hinausgeht und die Vorinstanz sich in der Ver-
nehmlassung nicht dazu geäussert hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_309/2011 vom 12. Dezember 2011 E. 5.1 sowie 9C_967/2009 vom
2. Juni 2010 E. 3.1, je mit Hinweisen auf BGE 130 V 501 E. 1.2 sowie
BGE 122 V 34 E. 2a; BVGE 2009/37 E. 1.3.1; UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, Art. 61 Rz. 56).
9.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
9.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG sind die Verfahrenskosten der unterlie-
genden Partei aufzuerlegen. Da der Beschwerdeführer unterlegen ist, hat
er die Verfahrenskosten zu tragen. Diese sind nach dem Verfahrensauf-
wand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 -1'000 Franken
festzulegen (Art. 69 Abs. 1 bis
IVG). Für das vorliegende Verfahren sind die
Verfahrenskosten auf Fr. 300.- festzusetzen.
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9.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Als Bundes-
behörde hat die IVSTA jedoch keinen Anspruch auf Parteientschädigung
(Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
9.3 Der unterliegende Beschwerdeführer hat ebenfalls keinen Anspruch
auf Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).