Decision ID: 089c36f6-0ab1-4c25-b768-d2d0876b8991
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1947, geschieden seit 24. April 1984 sowie Bezü
ger
einer Altersrente, meldete sich am 16. August 2011 beim Amt für Zusatz
leis
tungen zur AHV/IV der Stadt Zürich (nachfolgend AZL) zum Bezug von Zusatz
leistungen an (zum Sachverhalt im Folgenden: Urteile des
Sozialver
sicherungs
gerichts
ZL.2012.00017 vom 21. Juni 2013 [
Urk.
7/48] und ZL.2014.00089 vom 31. Januar 2015 [
Urk.
7/89]). Nach entsprechenden Abklä
rungen sprach ihm das AZL mit Verfügung vom 7./11. Oktober 2011 ab 1. August 2011 monatliche Ergänzungsleistungen von Fr. 1‘076.- zu. Gleichzei
tig verneinte es einen Anspruch auf kanto
nale Bei
hilfe
und
Gemeindezuschüsse. Daran hielt es nach erhobener Einsprache vom 21. November 2011 mit Entscheid vom 19. Januar 2012 fest
. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das
Sozial
ver
sicherungs
-
gericht mit Urteil ZL.2012.00017 vom 21. Juni 2013 in dem Sinne gut, dass es die Sache an das AZL zurückwies, damit diese
s
nach erfolgter Abklärung über die früheren Wohnsitzverhältnisse über den Anspruch auf Bei
hilfe und Gemeindezuschüsse ab August 2011 neu verfüge (
Urk.
7/48 Disposi
tiv Ziff. 1). Das AZL nahm daraufhin weitere Abklärungen vor. Hernach wies es die Einsprache vom 21. November 2011 nach Vergleichsbemühungen mit Entscheid vom 18. Juli 2014 erneut ab. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das
Sozi
alversicherungsgericht
, soweit es darauf eintrat, mit Urteil ZL.2014.00089 vom 31. Januar 2015 in dem Sinne gut, dass es die Sache
zur Durchführung des korrekten Verwaltungsverfahrens mit Erlass einer Verfügung und gegebenen
falls eines
Einspracheentscheids
an das AZL zurückwies
(
Urk.
7/89
Dispositiv Ziff. 1)
.
1.2
In Nachachtung dieses U
rteils
sprach das AZL dem
Versicherten mit Verfügung vom
23. Februar 2015 (
Urk.
7/124/15)
ab 1. August 2011 bis Januar 2015 monatliche Ergänzungsleistungen von zuletzt
Fr.
1‘079.- und ab 1.
Juni 2013
bis Januar 2015 zudem monatliche kanton
ale Beihilfe
von
Fr.
202.- zu; im Übrigen
verneinte es einen Anspruch auf kanto
nale Bei
hilfe
und
Gemeinde
-
zu
schüsse
für die Zeit ab 1. August 2011
. Daran hielt es nach erhobener Einsprache vom
6. März 2015 (
Urk.
7/111) mit Entscheid vom 28. Mai 2015
fest
(
Urk.
2)
.
2.
Dagegen erhob
X._
am
1. Juni 2015
Beschwerde (Urk. 1) mit dem Antrag, in Aufhebung des angefochtenen Entscheids und in Gutheis
sung seiner Einsprache vom
6. März 2015
seien ihm Fr. 4‘840.- zuzüglich eines Zinses von 5
%
seit dem 15. Juli 2012, Fr. 600.- zuzüglich eines Zinses von 5
%
seit dem 15. Juli 2013 und rückwirkend seit Juli 2011 Fr. 325.- pro Monat, mindestens aber
Fr. 15‘600.- zuzüglich eines Zinses von 5 % seit dem 15. Juli 2013 zuzusprechen; eventualiter sei das AZL anzuweisen, die Beihilfe,
Gemein
dezuschüsse
und die Einmalzulage gemäss dem Beschluss des Stadtrates der Stadt Zürich rückwirkend seit 1. Juni 2011 zu gewähren. In der
Beschwer
de
antwort
vom
3. Juli 2015
schloss das AZL auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Gegenstand des angefochtenen Entscheids (Urk. 2) ist, entsprechend dem
Urteil des Sozialversicherungsgerichts ZL.2014.0008
9 vom 31. Januar 2015 (Urk. 7/89
), der Anspruch auf Beihilfe
und Gemeindezuschüsse für die Zeit ab August 2011. Soweit der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (Urk. 1) andere
Leistungen
beantragt, sind diese nicht Gegenstand des angefochtenen Ent
scheids, weshalb insoweit auf die Beschwerde nicht einzutreten ist.
2.
2.1
Personen mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz haben un
ter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Ergänzungsleistungen (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenversicherung, ELG). Der Begriff "Wohnsitz" und "gewöhnli
cher Aufenthalt" richtet sich gemäss Art. 4 Abs. 1 ELG nach Art. 13 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG)
, welcher bezüglich des Begriffs des „Wohnsitzes“ wiederum auf die Bestimmung
en der Artikel 23–26 des Zivilgesetzbuches (ZGB) verweist.
2.2
Gemäss Art. 23 Abs. 1 ZGB befindet sich der zivilrechtliche Wohnsitz einer Per
son an dem Ort, wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält und
den sie sich zum Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen gemacht hat, wobei es nicht auf
den inneren Willen ankommt, sondern darauf, auf welche Absicht die er
kenn
baren Umstände objektiv schliessen lassen. Um den Wohnsitz einer Person fest
zustellen, ist die Gesamtheit ihrer Lebensumstände in Betracht zu ziehen:
Der Mittelpunkt der Lebensinteressen befindet sich an demjenigen Ort bezie
hungs
weise in demjenigen Staat, wo sich die meisten Aspekte des persönlichen, sozialen und beruflichen Lebens der betroffenen Person konzentrieren, sodass de
ren Beziehungen zu diesem Zentrum enger sind als jene zu einem anderen Ort beziehungsweise Staat (Urteil des Bundesgerichts P 23/00 vom 26. Juli 2001, E.
3a, mit Hinweisen).
Die nach aussen erkennbare Absicht muss auf einen dau
ernden
–
das heisst
im Sinne von "bis auf
Weiteres
" - Aufenthalt ausgerichtet sein. Allerdings schliesst die Absicht, einen Ort später wieder zu verlassen, ei
nen Wohnsitz nicht aus. Nicht massgeblich, sondern nur Indizien für die Beur
teilung der Wohnsitzfrage sind die Anmeldung und Hinterlegung der Schriften,
die Ausübung der politischen Rechte, die Bezahlung der Steuern,
fremdenpoli
zei
liche
Bewilligungen sowie die Gründe, die zur Wahl eines bestimmten Wohn
sit
zes
veranlassen (
Urteil des Bundesgerichts P 21/04 vom 8. August 2005, E. 4.1.1, mit Hinweisen). Nach Art. 24 Abs. 1 ZGB bleibt sodann der einmal be
gründete Wohnsitz einer Person bis zum Erwerb eines neuen Wohnsitzes beste
hen.
2.3
Die Ausrichtung von Beihilfe
im Kanton Zürich setzt voraus, dass die versi
cher
te
Person die Voraussetzungen für Ergänzungsleistungen gemäss Art. 4-6 ELG erfüllt und in den letzten 25 Jahren vor der Gesuchstellung während einer
Min
dest
dauer
im Kanton Zürich gewohnt hat. Diese beträgt für Personen mit Schwei
zer Bürgerrecht 10 Jahre (§ 13 Abs. des Gesetzes über die Zusatz
leistun
gen zur eidgenös
sischen Alters-, Hinterlassenen- und In
validen
versicherung, ZLG).
Ausserdem darf der Wohnsitz im Kanton Zürich in den letzten zwei Jah
ren vor Ausrichtung der Beihilfe nicht aufgegeben worden sein. Ausgenommen hiervon sind frühere Bezüger, welche in den Kanton zurückkehren (§ 13 Abs. 2 ZLG).
2.4
Nach der Verordnung der Stadt Zürich über den Vollzug des Gesetzes über die Zu
satzleistungen zur eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden
versicherung und die Gewährung von Gemeindezuschüssen (VO) ist die
Bezugs
berechtigung
von jährlichen Gemeindezuschüssen gegeben, wenn unter ande
rem alle persönlichen Voraussetzungen zum Bezug der gesetzlichen Beihilfe erfüllt sind (Art. 2
lit
. a VO) und der Gesuchsteller seit mindestens fünf Jahren zivilrechtlichen Wohnsitz in der Stadt hat (Art. 2
lit
. b Satz 1 VO); ausgenom
men hiervon sind frühere Empfängerinnen und Empfänger des jährlichen
Ge
meindezuschusses
, die in die Stadt zurückkehren (Art. 2
lit
. b Satz 2 VO).
3
.
3
.1
Unbestritten ist (vergleiche dazu Urteil
ZL.2012.00017
vom 21. Juni 2013,
E. 21
;
Urk.
7/48
), dass der Beschwerdeführer sich am 1. August 2004 bei der Ein
wohnerkontrolle in
Y._
, von der Stadt Zürich her kommend, angemeldet und
sich am 31. Mai 2005 in
Y._
unter Angabe einer Adresse in
Z._
(
A._
) aus der Schweiz abgemeldet und dass er sich im Juni 2005 ein Kapital der beruflichen Vorsorge von
Fr.
157‘537.50 infolge eines „Endgül
tigen
Verlassens der Schweiz“
hatte auszahlen lassen
(Auskunft der Ein
woh
ner
kon
trolle
Y._
vom 24. August 2011). In der Zeit ab
Frühsommer
2005 bis zum 20. Juni 2011 lebte er mehrheitlich im Ausland. Streitig und zu prüfen ist nun (
Urk.
1,
Urk.
2), ob
die Beschwerdegegnerin
zu Recht
infolge Nichterfüllung der zwei- und fünfjährigen Karenzfristen (
§ 13 Abs. 2 ZLG;
Art. 2
lit
. b VO)
einen Anspruch auf Gemeindezuschüsse
im massgebenden Zeitraum ab 1. August 2011 bis zum
28. Mai 2015
(Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids, Urk. 2)
verneint respektive einen solchen auf kantonale Beihilfe erst ab Juni 2013 bejaht hat.
Bei der Beantwortung dieser Streitfrage
kann
die
Frage, ob der Beschwerdeführer noch vor seiner Abreise ins Ausland im Frühsommer 2005 in
Y._
Wohnsitz genommen hat (
Urk.
7/48 E. 3.1)
, gemäss den nachfolgenden Erwägungen offen bleiben.
3
.2
Denn im vorliegenden Fall lassen alle wesentlichen Umstände darauf schliessen, dass der Beschwerdeführer im
Frühsommer
2005 seinen W
ohnsitz ins Ausland verlegt hat:
So
hat
er
sich wie erwähnt am 31. Mai 2005 in
Y._
unter
Angabe einer Adresse in
Z._
(
A._
) aus der Schweiz abgemeldet und im Juni 2005
liess er sich
ein Kapital der beruflichen Vorsorge von
Fr.
157‘537.50 infolge eines „Endgültigen
Verlassens der Schweiz“ auszahlen
.
Seine Mietwoh
nung wurde vor
der Abreise von seiner Tochter übernommen (
Urk.
1 S. 8).
Zudem
ist er
gemäss den Akten
nicht allein
,
sondern mit seiner damalige
n
Lebenspartnerin ins Ausland gezogen und hat
in der Folge mit ihr im Ausland zusammen gelebt;
erst gegen
Ende der Reisetätigkeit
ging diese Partnerschaft auseinander
(
Urk.
3/
1
5,
Urk.
1 S. 11; Urteil ZL.2012.00017 vom
21. Juni 2013, E. 3.2). Schliesslich
dauerte der Auslandaufenthalt des Beschwerdeführers gemäss dessen Angaben
rund sechs
Jahre (von Frühsommer 2005
bis zu
r
Wiedereinreise in die Schweiz im Juni 2011
,
Urk.
7/55). Unterbrochen wurde dieser langjährige
Aus
landaufenthalt
einzig
durch
drei
kurzfristige Aufen
t
halte in der Schweiz, wobei der letzte Unterbruch im Jahr 2010 bedingt durch einen damals erlittenen und in der Folge
in der Schweiz
behandelten
Herzinfarkt
etwas länger
dauerte.
Diese
Umstände sprechen
gesamthaft
klar dafür, dass der Beschwerdeführer den Mittel
punkt seiner Lebensbeziehungen im Sinne der oben erwähnten Rechtsprechung in diesem Zeitraum
bis Juni 2011
ins Ausland verlegt hat
te
. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der
Beschwerdeführer
subjektiv keinen
ausländischen Wohnsitz begründet
haben
will, um den schweizerischen Wohnsitz beizubehalten. Vielmehr ist entscheidend, dass aus den gesamten Umständen auf eine Verlegung des Schwerpunktes der Lebensbeziehungen ins Ausland zu schliess
en
ist.
Dies gilt
im Übrigen
umso mehr, als der Versicherte in seinem Schreiben vom 24. August 2011 (vergleiche
Urk.
7/48 E. 3.2) unter anderem ausführte, zwei nicht vorher
sehbar
gewesene
Gründe hätten ihn in die Schweiz zurückkehren lassen.
Der
Einwand des Versicherten, dass er damals auf Reisen gewesen sei, ändert nichts daran, lebte er doch zum Beispiel gemäss eigenen Angaben vom 18. Sep
tember 2005 bis
zum
13. Juni 2006 ausschliesslich in
Z._
und
B._
(
Urk.
7/55).
Da
aufgrund der erwähnten Umstände bereits ein Aufenthalt kürzes
ter Dauer
(Einzug
)
zur Begründung eines Wohnsitzes genügt (
Staehelin
in: Basl
er Kommentar, Zivilgesetzbuch I
,
5. Auflage, Basel 2014
,
Art.
23
Rz
21), ist davon auszugehen, dass
bereits
damals
zumindest in einem der beiden Länder eine
Wohnsitznahme
im obigen Sinne erfolgt
e
. Dabei kann der Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass er zu seinem Auslandaufenthalt bloss summarische und
global
auf Länder bezogene
Angaben
macht
,
ohne dazu detailliertere Informatio
nen zu geben und Nachweise zu führen
, nichts zu seinen Gunsten ableiten, da er diesbezüglich Rechte ableitet und daher die Beweislast trägt (
Urteil des Bundes
gerichts 9C_915
/2013 vom 3. April 2014, E. 2).
Nicht au
s
schlaggebend sind gemäss den obigen Erwägungen die fremdenpolizeilichen Bewilligungen. Da sich bereits der Sachverhalt in dem vom Beschwerdeführer zitierten BGE 138 II 300 – in welchem die Wohnsitzverhältnisse eines Steuerpflichtigen (bloss) während des Jahres von dessen Ausreise aus der Schweiz
beurteilt wu
rden, wobei dessen Ehe
frau
(in einer tatsächlich gelebten Ehe)
während dieser Zeit in der Schweiz l
ebte, wo die Eheleute Grundbesitz hatten (E. 3.6.4)
- wesentlich vom vorliegenden Fall unterscheidet, kann der Versicherte
auch
daraus nichts zu seinen Gunsten ablei
ten. Auch kommt b
ei dieser Sachlage
Art.
24
Abs. 1 ZGB, wonach der einmal begründete Wohnsitz bis zum Erwerb eines neuen Wohnsitzes bestehen bleibt, nicht zur Anwendung
. Denn diese Bestimmung legt einen formellen, fiktiven Wohnsitz fest, auf den nur abzustellen ist, wenn die primären Wohnsitztat
-
bestände
(
Art.
23
ZGB
)
nicht gegeben sind (ZAK 1990 S. 248 E. 3b).
Zum gleichen Ergebnis kommt man auch, wenn man berücksichtigt, dass die Annahme eines
rein
formellen Wohnsitzes in der Schweiz nach
Art.
24 Abs. 1 ZGB in Anbetracht des tatsächlichen langjährigen Schwerpunktes der Lebensbeziehungen des Versi
cherten im Ausland dem Sinn der erwähnten zwei- und fünfjährigen Karenzfris
ten offenkundig widersprechen würde, weshalb man selbst in diesem Falle im Sinne einer funktionalisierenden Auslegung von der Anwendung von
Art.
24 Abs. 1 ZGB absehen müsste.
3.3
Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass der Versicherte den Wohnsitz im Sinne
von
Art.
23
Abs.
1 ZGB
nach seiner Ausreise im Frühsommer 2005
zumin
dest
bis zu seiner
Wiedereinreise
am
2
1.
Juni 2011
(
Urk.
7/55) im Ausland hatte.
Zu Recht hat
die Beschwerdegegnerin
daher infolge Nichterfüllung der zwei- und fünfjährigen Karenzfristen
(E. 2.3-4)
einen Anspruch auf Gemeindezuschüsse verneint respektive einen solchen auf kantonale Beihilfe erst ab Juni 2013 bejaht.
Im Übrigen blieb die Berechnung der Zusatzleistungen unbestritten und es liegen diesbezüglich keine
konkreten
Anhaltspunkte für
Fehler
vor.
4
.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde, soweit auf sie einzutre
ten ist.