Decision ID: ade2251c-1d88-4b24-b42f-3ca5dbc4eec0
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1942, arbeitete seit dem 1. Januar 1998 als Liegenschaftenverwalter/Bauleiter bei der Y._ GmbH und war dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert (Urk. 9/1).
1.2
Am 6. Januar 2011 stürzte der Versicherte auf Glatteis und zog sich dabei eine distale, nach dorsal dislozierte Radiusfraktur rechts zu (Urk. 10/50/8). In der Folge wurden mehrere operative Eingriffe durchgeführt (Urk. 2 S. 2). Die Suva erbrachte Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen.
1.3
Am 15. November 2011 hielt der Versicherte mit seinem Volvo V70 vor einem Fussgängerstreifen an, um einen Schüler die Strasse überqueren zu lassen, als von hinten eine Lenkerin eines Audi A4 auf sein Fahrzeug auffuhr (Schadenmel
dung UVG vom 17. November 2011, Urk. 9/1). Die erstbehandelnde Dr. med. Z._, welche der Versicherte gleichentags aufgesucht hatte, diagnostizierte im Arztzeugnis UVG vom 7. Februar 2012 ein leichtes Schleudertrauma nach Auto
unfall mit muskulärem Hartspann im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule (HWS und LWS; Urk. 9/17). Der Versicherte klagte insbesondere über
Kopf- und Nacken
schmerzen, Schwindel, Übelkeit
,
kognitive Aussetzer
und ein konstantes Ohrenrauschen (Urk. 9/5 und Urk. 9/15). Am 17. November 2011 wurde ein CT des Schädels und der HWS durchgeführt (Urk. 9/18/2). Die Suva erbrachte Heil
behandlungsleistungen (wegen der Folgen des Unfalls vom 6. Januar 2011 erhielt der Versicherte bereits Taggelder der Suva; vgl. Urk. 9/9).
Am 3
0.
April 2012 nahm die
A._ im Auftrag der Suva
eine
biomechanische
Kurz
beurteilung (Triage) des Unfallereignisses vom
15. November 2011
vor (Urk. 9/
48
).
Am 7. August 2012 gab Dr. med. B._, FMH Ohren-, Nasen- und Halskrank
heiten, von der Abteilung Arbeitsmedizin der Suva eine ärztliche Beurteilung ab (Urk. 9/64).
1.4
Am 23. August 2012 fuhr ein Lenker eines Volvo V70 auf den Volvo V70 des Versicherten auf (Schadenmeldung UVG vom 24. August 2012, Urk. 10/2; vgl. auch Urk. 10/24). Nachdem der Versicherte mit der Ambulanz ins Regional
spital O._ überführt worden war (Urk. 10/12), stellte Dr. med. C._, FMH Orthopädische Chirurgie,
im Dokumentationsbogen für Erstkonsulta
tionen nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma (nach
folgend: HWS
Doku
menta
tions
bogen) vom
14. September 2012
die vorläufige Diagnose eines Schleuder
traumas de
r HWS Quebec Task Force (QTF) Grad I. Der Versicherte hatte unmittelbar nach dem Unfall erbrechen müssen und
klagte insbesondere über Nacken- und Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus beidseits, Gedächtnis- und Wortfindungsstörungen (Urk. 10/9 und Urk. 10/18). Die Suva erbrachte Heil
behandlungs- und Taggeldleistungen. Am 19. Oktober 2012 wurde ein MRI der HWS durchgeführt (Urk. 10/27). Am 18. Juni 2013 wurde der Versicherte von Kreisarzt Dr. med. D._, FMH Chirurgie, untersucht (Urk. 10/50). Am 9. Juli 2014 führte Dr. med. E._, FMH Otorhinolaryngologie, von der Abteilung Arbeitsmedizin der Suva eine Untersuchung durch (Urk. 9/72).
Mit Verfügung vom 19. Dezember 2014 hielt die Suva fest, dass weitere Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) bezüglich der unfallbedingten HWS
Beschwerden entfallen würden. Zudem verneinte sie einen Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente und sprach ihm aufgrund einer Hörschädi
gung bei einer ermittelten Integritätseinbusse von 5 % eine Integritätsentschädi
gung von Fr. 6'300.-- zu (Urk. 9/75). Dagegen erhob der Versicherte am 19. Januar 2015 Einsprache (Urk. 9/79). Mit Eingabe vom 30. März 2015 bean
tragte er die Sistierung des Einspracheverfahrens, da betreffend den Unfall vom 6. Januar 2011 (Handgelenk) aufgrund der am 27. März 2015 erfolgten Operation ein Revisionsgrund vorliege (Urk. 9/87). Mit Schreiben vom 14. April 2015 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass das Einspracheverfahren sistiert werde, bis der Rückfall betreffend das Handgelenk abgeschlossen sei (Urk. 9/89).
1.5
Am 3. März 2016 stürzte der Versicherte nachts aus dem Bett, schlug mit dem Gesicht auf dem Nachttisch auf und erlitt dabei einen Zahnschaden (Urk. 3/5).
1.6
Am 27. Januar 2017 nahm Kreisarzt Dr. D._ eine ärztliche Beurteilung vor (Urk. 10/138). Mit Verfügung vom 10. Februar 2017 zog die Suva die Verfügung vom 19. Dezember 2014 zurück und hielt fest, dass die Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und Taggeld) bezüglich der Unfallereignisse vom 15. November 2011 und vom 23. August 2012 per 1. Januar 2015 eingestellt würden. Zudem verneinte sie einen Anspruch auf eine Invalidenrente und/oder eine Integritäts
entschädigung (Urk. 10/139). Dagegen erhob der Versicherte am 17. Februar 2017 Einsprache (Urk. 10/140; Einspracheergänzung am 6. März 2017, Urk. 10/144), welche die Suva mit Entscheid vom 29. März 2017 (Urk. 2) abwies. Dies unter Hinweis darauf, dass für den Tinnitus bereits eine Integritäts
ent
schä
digung auf der Basis von 5 % ausbezahlt worden sei, obwohl er nicht objektiviert werden könne. Aufgrund dessen seien jedenfalls keine weiteren Leistungen geschuldet.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 27. April 2017 Beschwerde und beantragte, es seien ihm in Aufhebung des angefochtenen Entscheids für die erlittenen Unfälle die gesetzlichen Leistungen gemäss Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) zu erbringen, insbesondere Taggeld ab November 2016 (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 29. Juni 2017 die Abweisung der Beschwerde, soweit auf sie einzutreten sei (Urk. 8 S. 2). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 2. August 2017 angezeigt (Urk. 11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des
UVG
und der Ver
ordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Sep
tember 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Die hier in Frage stehenden Unfälle haben sich vor dem 1. Januar 2017
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vor
liegen
den Fall Anwendung finden und in
dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6
Abs. 1 UVG
werden
-
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt
die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfälle
n und Berufskrankheiten gewährt.
1.3
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des So
zialversicherungsrechts, ATSG),
hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet der Versicherte durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat er Anspruch auf eine angemessene Integritätsent
schädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.4
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
ge
henden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der ver
sicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
mass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschl
ossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2
UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
In diesem Zeit
punkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2.
Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen
).
1.5
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittel
bare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Wor
ten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheit
liche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.6
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publi
ziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahin
fallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesund
heits
scha
dens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/aa).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfall
e
s genügt nicht.
Da es sich hie
r
bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweis
last
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausal
zusammenhang gegeben ist
-
nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
1.7
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang prak
tisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.8
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurück
zuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Recht
sprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzu
sammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beein
trächtigung bei leich
ten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kri
terien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herange
zogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleuder
trauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten ver
zichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/aa und 367 E. 6a).
1.9
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass die Unfallereignisse vom 15. November 2011 und vom 23. August 2012 gemäss den in den Akten liegenden Arztberichten keine objektivierbaren Folgen im Sinne von strukturellen Veränderungen bewirkt hätten. Spätestens im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 31. Dezember 2014 habe durch weitere medizinische Massnahmen keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands mehr erreicht werden können. Die noch bestehenden, zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas gehörenden Beeinträchtigungen würden keine adäquaten Unfallfolgen darstellen. Die Taggelder und Heilkosten (in Bezug auf die Schleu
dertrauma-Unfälle) seien daher zu Recht per 31. Dezember 2014 eingestellt worden. Für den Tinnitus, für den auf der Basis von 5 % bereits eine Integritäts
e
nt
schädigung ausbezahlt worden sei, seien keine weiteren Leistungen geschul
det. Der Beschwerdeführer habe die Störung mässig bis gut kompensiert und Strategien entwickelt, um sich von den Beschwerden abzulenken (Urk. 2 S. 10 ff.).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass er nach wie vor an den Folgen der vier erlittenen Unfälle leide. Es bestünden somatische und psychiatrische Befunde. Es handle sich nicht um einen Fall eines pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildes. Die verschiedenen Unfall
folgen stünden in Wechselwirkung zueinander. Auch deshalb könnten nicht nach Belieben zwei der Unfälle herausgepickt und abgeschlossen werden. Zudem wür
den auch bezüglich dieser beiden Unfälle somatische und psychiatrische Befunde vorliegen, welche als adäquat kausal angesehen werden müssten. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Folgen der Unfälle noch wesentlich bessern würden. Die Folgen des Unfallereignisses vom 3. März 2016 seien schliesslich noch in keiner Weise abgeklärt worden (Urk. 1 S. 8 f.).
3.
3.1
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Folgen der Unfälle vom 15. November 2011 und vom 23. August 2012
Verfügungsgegenstand des zu beurteilenden Ein
spracheentscheids vom 29. März 2017 (Urk. 2) bilden. Hinsichtlich der Folgen des Unfalls vom 6. Januar 2011 (Beschwerden am Handgelenk rechts) hat die Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen veranlasst (Urk. 2 S. 3). Ferner sind auch die Folgen des vom Beschwerdeführer am 3. März 2016 erlittenen Sturzes (Zahnschaden; Urk. 3/5) nicht Gegenstand des angefochtenen Einsprache
ent
scheids.
Da bei Vorliegen von mehreren Unfallereignissen der Anspruch auf Leistungen für jeden Unfall einzeln zu prüfen ist und die Unfallereignisse vom 6. Januar 2011 und 3. März 2016 überdies anderweitige Beschwerden zur Folge hatten als die Unfälle vom 15. November 2011 und 23. August 2012 (vgl. Sachverhalt E. 1.2-6), ist das Vorgehen der Beschwerdegegnerin, über diese beiden Unfälle separat zu verfügen, nicht zu beanstanden.
Demnach ist auf die Beschwerde, soweit aufgrund der anderen beiden Unfälle Leistungen beantragt werden, nicht einzutreten.
3.2
Bezüglich der Unfallereignisse vom 15. November 2011 und vom 23. August 2012 liegen im Wesentlichen folgende Beurteilungen vor:
3.3
Dr. med. F._, Leitender Arzt der Abteilung für Radiologie des Spitals G._, hielt im an Dr. med. H._ gerichteten Bericht vom 17. November 2011 fest, dass sich in den CT intrakraniell keine Blutung und kein Frakturnach
weis betreffend den dargestellten Gesichts- und Kalottenschädel sowie der HWS zeigen würden. Nebenbefundlich sei eine Blockwirbelbildung des Halswirbel
körpers (HWK) 2/3 im Sinne einer Segmentationsanomalie (Klippel-Feil-Syn
drom) ersichtlich (Urk. 9/18/2).
3.4
Dr. med. I._, Leitender Arzt Neurologie des Spitals G._, führte im Bericht vom 5. März 2012 zuhanden von Dr. med. J._, FMH Allge
meine Innere Medizin, aus, dass das vom Beschwerdeführer beschriebene Lhermitte-Phänomen auf eine stärkere Einwirkung der HWS hinweise. Erfreuli
cherweise hätten sich klinisch keine Schädigungszeichen gezeigt. Auffallend sei der psychische Zustand mit einer Vulnerabilität, wie sie ihm in der Konsultation zuvor nicht aufgefallen sei. Wie anlässlich der früheren vom Beschwerdeführer durchlebten schweren psychischen Belastungen sei es wohl auch aktuell zu einer posttraumatischen Belastungsstörung gekommen (Urk. 9/40).
3.5
Die am
30. April 2012
von der
A._
erstattete biomech
anische Kurzbeur
teilung
ergab, dass aufgrund der technischen Bewertung und der medi
zinischen Unterlagen die ansch
liessend an das Ereignis beim Beschwerde
führer
festge
stell
ten, von der HWS ausgehenden B
eschwerden und Befunde
durch die Kollisions
einwirkung im Normalfall
eher erklärbar seien
(Urk.
9/48/5
)
.
3.6
Dr. med. K._, FMH Otorhinolaryngologie
, gab im Bericht vom 7. September 2012 an, dass beim Beschwerdeführer nach wie vor ein massiver Tinnitus beidseits und heftige Kopf- und Nackenschmerzen bestehen würden. Aus ORL-Sicht seien keine Massnahmen indiziert. Es lägen keine Anzeichen einer traumatischen Ohrverletzung vor. Die Schmerztherapie habe nach wie vor Vor
rang. Die Lautstärke des Tinnitus sei von der Stärke der Schmerzen abhängig. Der Beschwerdeführer wisse, dass er zwar diesen Tinnitus habe, aber organisch durch den Unfall keine Schädigung aufgetreten sei (Urk. 9/66).
3.7
PD Dr. med. L._, Leitender Arzt des MRI-Zentrums des Spitals G._, gab im an Dr. J._ gerichteten Bericht vom 19. Oktober 2012 an, dass sich im MR der HWS eine ausgeprägte Osteochondrosis intervertebralis cervicalis C4-C7 zeige. Im Weiteren sei rechts eine neuroforaminell betonte Diskushernia
tion in der Höhe C4-C5 mit Affektion der Nerven C5 rechts und deutlicher Ein
engung des Neuroforamens auf dieser Höhe ersichtlich. Schliesslich lägen eine ausgeprägte begleitende Arthrose der intervertebralen Unkovertebralgelenke und eine massive Hyperlordose der HWS vor. Eine Myelopathie habe sich nicht nach
weisen lassen (Urk. 10/27).
3.8
Dr. med. M._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im Bericht vom 6. April 2013 fest, dass sich der Beschwerdeführer seit Ende Oktober 2012 bei ihm in regelmässiger Behandlung befinde. Die Zuweisung sei durch das Spital G._ aufgrund eines depressiven Erlebens nach stattgehabten Auffahrunfällen erfolgt. Thematisch gehe es in der Behandlung in erster Linie um die Schwierig
keiten des Beschwerdeführers, sich auf die im Prozess des Älterwerdens anste
henden Veränderungen einzulassen. Eine Psychopharmaka-Therapie finde bis anhin nicht statt, wäre im Sinne der Unterstützung aber indiziert. In diagnosti
scher Hinsicht könne auf deskriptiver Ebene von einem depressiven Zustandsbild im Sinne einer Anpassungsstörung ausgegangen werden. Den Unfällen komme dabei eine teilkausale Bedeutung zu (Urk. 10/41).
3.9
Kreisarzt Dr. D._ führte im Bericht über die ärztliche Abschlussuntersuchung vom 18. Juni 2013 aus, dass beim Beschwerdeführer subjektiv das Gefühl eines Tinnitus persistiere. Der Beschwerdeführer klage über ein
G
efühl der Kraftlosig
keit und
rezidivierend
e
Rückenschmerzen. Objektiv fänden
sich muskuläre Ver
spannungen
im Bereich des thorakolumbalen Ü
berga
nges und des oberen Trape
zius sowie
der Nackenmuskulatur beidseits bei freier Beweglichkeit der Wirbel
säule. Bezüg
lich der Rückenbeschwerden sei
dem
Beschwerdeführer
ein Rückentraining empfohlen
worden. Dieses könne
in Eigenregie erfolgen wie zum Beispiel
durch ein Schwimmtraining. I
nsgesamt
bestünden
deutliche degenera
tive Veränderungen, so dass unfallunabhängig ein muskuläres Training sehr sinnvoll wäre. Rein unfallbedingte strukturelle
Läsionen seien nicht aufgetreten (Urk. 10/50/8).
3.10
In der ärztlichen Beurteilung vom 14. Februar 2014 legte Kreisarzt Dr. D._ dar, dass sich bei Fehlen unfallbedingter struktureller Veränderungen im Bereich der HWS motorisch-funktionell keine Einschränkungen ergeben würden. Ein Status quo sine könne zum Zeitpunkt der kreisärztlichen Untersuchung vom 18. Juni 2013 angenommen werden. Allfällige Einschränkungen der HWS seien nicht unfallbedingt, sondern auf die degenerativen Veränderungen zurückzuführen (Urk. 10/79/2-3).
3.11
Dr. E._ von der Abteilung für Arbeitsmedizin der Beschwerdegegnerin erklärte im Bericht vom 21. Juli 2014, dass aufgrund der vorliegenden technischen Dokumentation bezüglich der Auffahrunfälle und aufgrund der unfallnah geklagten Beschwerden, der klinischen und audiometrischen Untersuchung sowie in Kenntnis der unfallfremden Cervicalbefunde und ORL-fachärztlichen Behand
lungen ein unfallkausaler Zusammenhang zwischen der Verstärkung der vorbe
stehenden Ohrgeräusche bei endogener Innenohrschwerhörigkeit beidseits zu den angeschuldigten Ereignissen mit der notwendigen überwiegenden Wahrschein
lichkeit gegeben sei. Dies, auch wenn Begleitumstände bekannt seien, die eben
falls einen gewissen Anteil an der heutigen Hörstörung hätten. Für die geklagten gesundheitlichen Beschwerden in Bezug auf die anhaltenden und bisher thera
pieresistenten Ohrgeräusche beidseits ergebe sich eine Integritätseinbusse von 5 %. Der Beschwerdeführer sei sich im Klaren darüber, dass es keine ursächliche, sondern nur eine abschwächende Therapie der Ohrgeräusche gebe, und dass nicht nur das Unfallereignis, sondern auch die vorbestehende erhebliche Innenohr
schwerhörigkeit und die degenerativen HWS-Veränderungen für die Ohrgeräu
sche mitverantwortlich seien. Über Vermeidungsstrategien, zum Beispiel Ablen
kung mit Musik beim Einschlafen oder andere Massnahmen wie Ent
spannungsverfahren, sei er orientiert. Sie habe den Eindruck, dass der Beschwerdeführer die Störung mässig bis gut kompensiere und seine eigenen Strategien entwickelt habe, um sich abzulenken und sich nach Erreichen des Rentenalters noch in beruflicher, sozialer und privater Weise nützlich zu machen. Den Aspekt des vom Schicksal bestraften, depressiven Patienten, der aufgrund der Ohrgeräusche den Alltag nicht bewältige, vermittle der Beschwerdeführer nicht (Urk. 9/72/4-6).
3.12
Dr. J._ erklärte im Arztzeugnis vom 9. Februar 2015, dass beim Beschwerde
führer weiterhin ein Tinnitus, Kopfschmerzen, Drehschwindel bei Lageänderung sowie Nackenbeschwerden bestünden. Diese Beschwerden seien nach dem Auto
unfall vom 23. August 2012 vermehrt aufgetreten (Urk. 9/86).
4.
4.1
Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob
über den
31. Dezember 2014 hinaus noch organische Folgen der Unfallereignisse vom 15. November 2011 und vom 23. August 2012 gegeben waren.
4.2
Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann
rechtsprechungs
ge
mäss
erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit appara
ti
ven/bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die hiebei ange
wendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlic
h anerkannt sind (BGE 138 V 248 E. 5.1
).
4.3
Was die vom Beschwerdeführer geklagten Rücken- und Kopfschmerzen anbe
langt, waren in den
zwei Tagen nach dem Unfallereignis vom 15. November 2011 durchgeführten CT des Schädels und der HWS keine intrakranielle Blutung und kein Frakturnachweis
ersichtlich (Urk. 9/18/2).
Keiner der vorliegend involvierten Ärzte hat sodann behauptet, dass die im CT festgestellte Blockwirbelbildung HWK2/6 im Sinne einer Segmentationsanomalie durch den Unfall vom 15. November 2011 bedingt oder zumindest negativ beeinflusst worden sein könnte. Es kann davon ausgegangen werden, dass - wäre dies der Fall gewe
sen
bereits der damals zuständige Radiologe Dr. F._ diesbezüglich auf mögli
che Traumafolgen hingewiesen hätte. Entgegen dem Einwand des Beschwerde
führers (Urk. 1 S. 4) sind hier somit keine zusätzlichen Abklärungen angezeigt. Im Weiteren erklärte Dr. I._ vom Spital G._ im
Anschluss an die neurologische Untersuchung vom 5. März 2012, dass sich klinisch erfreulicher
weise keine Schädigungszeichen gezeigt hätten (Urk. 9/40). Dafür, dass das von Dr. I._ im Bericht vom 9. Februar 2012 diagnostizierte C6
Reizsyndrom und sensible Ausfallsyndrom rechts (Urk. 9/38/2) auf den Unfall vom 15. November 2011 zurückzuführen sein soll, gibt es - entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 5) - keinerlei Anhaltspunkte.
In der am Unfalltag vom 23. August 2012 im Regionalspital O._ vorge
nommenen Röntgenuntersuchung der HWS war eine schwere degenerative Hyperlordose der HWS, aber ebenfalls keine (akuten) unfallbedingten Frakturzei
chen ersichtlich (Urk. 10/12). Dr. I._ hielt nach der Untersuchung vom 24. September 2012 fest, dass neurologisch keine Ausfälle bestünden (Urk. 10/19/5). Der damals nebst weitestgehend unauffälligen Befunden festge
stellte leicht schwankende Romberg ohne Fallneigung war gemäss Dr. I._ offenbar nicht von Bedeutung. Ein Lhermitte-Phänomen wurde vom Beschwer
deführer nach dem Unfallereignis vom 23. August 2012 nicht mehr beschrieben. Der Behauptung des Beschwerdeführers, wonach die im MR HWS vom 19. Oktober 2012 festgestellte Diskusherniation in der Höhe C4/5 mit Affektion der Nerven C5 rechts und deutlicher Einengung des Neuroforamens auf dieser Höhe (Urk. 10/27) unfallbedingt sein soll (Urk. 1 S. 5), liegt schliesslich ebenfalls keine ärztliche Beurteilung zugrunde, welche dies bestätigen würde.
Dass Kreisarzt Dr. D._, der den Beschwerdeführer am 18. Juni 2013 eingehend klinisch untersucht hatte (Urk. 10/50), gestützt auf die medizinischen Vorakten und seine Untersuchungsergebnisse zum Schluss kam, dass der Status quo sine hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geklagten Rücken- und Kopfschmerzen (spätestens) zum Zeitpunkt dieser Untersuchung - das heisst knapp zehn Monate nach dem letzten Unfallereignis vom 23. August 2012 - erreicht sei (Urk. 10/79/2-3 und Urk. 10/138/5), ist vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Aufgrund der von Dr. D._ bei der Untersuchung vom 18. Juni 2013 festgestell
ten muskulären Verspannungen im Bereich des thorakolumbalen Übergangs, des oberen Trapezius und der Nackenmuskulatur beidseits (bei freier Beweglichkeit der Wirbelsäule; Urk. 10/50/8) kann rechtsprechungsgemäss sodann
nicht auf ein klar fassbares unfallbedingtes organisches Korrelat des geklagten Beschwer
debil
des geschlossen werden
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_945/2008 vom 8. April 2009).
Im Übrigen ergeben sich aus dem Bericht von Dr. D._ vom 19. Juni 2013 keine
Anhaltspunkte dafür, dass er den Beschwerdeführer nicht ordnungsgemäss untersucht und bei diesem - wie in der Beschwerde vom 27. April 2017 knapp vier Jahre später erstmals vorgebracht wurde (Urk. 1 S. 7 f.) - grundlos eine Untersuchung der Hoden durchgeführt haben könnte. Wäre dies der Fall gewesen, ist davon auszugehen, dass der bereits damals anwaltlich vertretene Beschwerdeführer (Urk. 10/25) schon zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt eine entsprechende Rüge erhoben hätte. Dass Dr. D._ anders als der Operateur Dr. N._ vom Spital G._ der Auffassung war, dass die achte Operation am rechten Handgelenk vom 5. August 2016 nicht mehr auf den Unfall vom 6. Januar 2011 zurückzuführen sei (Urk. 3/8), vermag ferner keine Befangen
heit von Dr. D._ zu begründen (Urk. 1 S. 7).
4.4
Was den vom Beschwerdeführer geklagten Tinnitus betrifft, waren sich Dr. B._ in der ärztlichen Beurteilung vom 7. August 2012 (Urk. 9/64) und die behandelnde Dr. K._ im Bericht vom 7. September 2012 (Urk. 9/66) einig, dass nach dem Unfall vom 15. November 2011 keine Hinweise für eine orga
nisch-strukturelle Läsion der Hörorgane respektive eine traumatische Ohrver
letzung gegeben waren.
Dr. E._ bejahte im Bericht vom 21. Juli 2014 zwar einen überwiegend wahr
scheinlichen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den Unfall
ereignissen vom 15. November 2011 und vom 23. August 2012 und dem vom Beschwerde
führer beklagten Tinnitus beidseits. Spezielle organstrukturelle Läsionen, die in diesem Fall für die posttraumatischen Ohrgeräusche auslösend seien, erachtete sie aber ebenfalls als nicht nachgewiesen. Zudem erklärte Dr. E._, dass ihre Beurteilung aus ORL-fachärztlicher Sicht abschliessenden Charakter habe und unter Berücksichtigung des Alters des Beschwerdeführers keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit als Architekt bestünden (Urk. 9/72/5-6).
4.5
Was die von Dr. I._ genannte posttraumatische Belastungsstörung (Urk. 9/40) und die von Dr. M._ diagnostizierte Anpassungsstörung (Urk. 10/41) anbelangt, ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei diesen psychi
schen Krankheitsbildern nicht um organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolgen handelt. Schliesslich ist auch im Zusammenhang mit dem geklagten Dreh
schwin
del keine organische Unfallfolge ausgewiesen.
4.6
Aufgrund des Gesagten ist nicht zu beanstanden,
d
ass die Beschwerdegegnerin
das Vorliegen organischer Unfallfolgen
im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 3
1.
Dezember 2014 verneinte
(Urk. 10 S. 2). Eine auf die Unfallereignisse vom 15. November 2011 und vom 23. August 2012 zurückzuführende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit war zu jenem Zeitpunkt nicht mehr gegeben und eine nam
hafte Besserung des Gesundheitszustands damit nicht mehr möglich (vgl. E. 1.4).
5.
5.1
Da die
Unfalladäquanz der noch geklagten
, organisch nicht hinreichend nach
weisbaren
Beschwerden
, wozu auch der Tinnitus des Beschwerdeführers zu zählen ist (BGE 138 V 248),
nicht von Vornherein bejaht werden
kann
,
hat die Beschwerdegegnerin zu Recht die
Schleudertrau
ma-Praxis angewandt (vgl. E. 1.8
).
5.2
Im Rahmen der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs nach der Schleudertrauma-Praxi
s hat die Beschwerdegegnerin die
Unfallereignis
se
vom
15. November 2011 und vom 23. August 2012
als mittelschwer im Grenzb
ereich zu leicht eingestuft. Im Weiteren hat sie höchstens eines der sieben diesfalls zu prüfenden unfallbezogenen Kriterien als erfüllt erachtet, nämlich die lange Arbeitsunfähigkeit. Sie hat in diesem Zusammenhang jedoch darauf hingewiesen, dass dieses Kriterium nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sei, da die Arbeitsunfähigkeit vor allem auf die Handverletzung zurückzuführen sei. Dem
gemäss ist die Beschwerdegegnerin zum
Schluss gekommen, dass kein adäquater
Kausalzusammenhang zwischen den Unfallereignissen vom 15. November 2011 und vom 23. August 2012
und den
vom Beschwerdeführer
noch geklagten Beschwer
den gegeben ist (Urk. 2 S. 13 f.)
. Diese Adäquanz
beurteilung wurde
vom Beschwerdeführer
nicht in Zweifel gezogen (vgl. Urk. 1) und gibt
nicht Anlass zu Weiterungen.
Bei diesem Ergebnis kann auf eine abschliessende Beurteilung der natürlichen Kausalität verzichtet werden.
5.3
Schliesslich
sind die Voraussetzungen für eine Integritätsentschädigung, welche
auf einer
Integr
itätseinbusse von mehr als 5 % basieren würde
, nicht gegeben.
Gemäss Suva-Tabelle 13 ist selbst bei einem schweren Tinnitus, der den Betroffe
nen etwa bei Verrichtungen wie Lesen, Schreiben und Zuhören und bei Konzen
tration erfordernden Arbeiten in ruhiger Umgebung dauernd mässig oder zeit
weise stark beeinträchtigt, also höchstens mittelgradig kompensiert und von mittelgradigem Persönlichkeitswert (Leidensdruck) ist, lediglich eine Integritäts
einbusse von 5 % gegeben.
6.
Der angefochtene Einspracheentscheid, mit dem die Leistungen per 31. Dezember 2014 eingestellt wurden (Urk. 2), erweist sich damit als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen, soweit auf sie einzutreten ist.