Decision ID: 36cd7bcb-2291-5500-bc4b-1e5d57018f9a
Year: 2004
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ a) R. S., geboren 1966, ist Staatsangehörige von Brasilien. Sie hielt sich in den
Jahren 1991 bis 1993 mit Kurzaufenthaltsbewilligungen als Tänzerin in der Schweiz auf.
Am 19. Dezember 1994 wurde sie wegen widerrechtlichen Aufenthalts mit einer
Einreisesperre von zwei Jahren belegt.
b) Am 19. Januar 1995 heiratete R. in Rio de Janeiro den Schweizer Bürger C., geboren
1965. In der Folge wurde die Einreisesperre aufgehoben. Am 25. Februar 1995 gebar
R.-C. in Brasilien die Tochter B., welche ebenfalls das Schweizer Bürgerrecht besitzt.
Sie reiste am 8. April 1995 im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz ein und
erhielt in der Folge eine Aufenthaltsbewilligung. Anfang 1998 zog sie mit ihrem
Ehemann vom Kanton Thurgau nach Rorschach. Ihre Aufenthaltsbewilligung wurde
letztmals bis 1. Juni 1999 verlängert.
c) Am 22. November 1998 tötete R.-C. im Verlauf einer gewalttätigen
Auseinandersetzung ihren Ehemann Roger C. mit einem Messerstich. Sie wurde
deswegen mit Urteil des Bezirksgerichtes Rorschach vom 27. Juni 2001 der
vorsätzlichen Tötung schuldig gesprochen und zu einer Zuchthausstrafe von vier
Jahren und neun Monaten und einer Landesverweisung von zehn Jahren verurteilt. Die
Landesverweisung wurde bedingt ausgesprochen und eine Probezeit von vier Jahren
festgelegt. Seit 11. März 2002 befindet sich R.-C. im Strafvollzug in Hindelbank. Mit
Verfügung vom 12. Februar 2004 ordnete das Justiz- und Polizeidepartement bei
weiterem klaglosen Verhalten die bedingte Entlassung auf den 12. März 2004 an.
d) Mit Verfügung vom 3. Juni 2002 verweigerte das Ausländeramt die Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung und wies die Betroffene an, nach der Entlassung aus dem
Strafvollzug den Kanton St. Gallen zu verlassen.
B./ Gegen die Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung erhob die
Betroffene mit Eingabe vom 18. Juni 2002 Rekurs.
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Am 9. Mai 2003 heiratete R.-C. in St. Gallen den Schweizer Jean-Pierre S., geboren
1974.
Das Justiz- und Polizeidepartement wies den Rekurs mit Entscheid vom 17. November
2003 ab.
C./ Mit Eingaben vom 28. November und 17. Dezember 2003 erhob R.S. durch ihren
Rechtsvertreter Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der
Rekursentscheid vom 17. November 2003 sei aufzuheben und es sei ihrem Gesuch um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung um ein Jahr zu entsprechen, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 23. Dezember 2003 unter
Hinweis auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids auf Abweisung der
Beschwerde.
In der Folge forderte das Gericht die Vorinstanz auf, zu dem vom der
Beschwerdeführerin eingereichten, von der Vormundschaftsbehörde der Stadt St.
Gallen eingeholten Gutachten zur Frage einer allfälligen Fremdplazierung der Tochter
der Beschwerdeführerin Stellung zu nehmen. Die Vorinstanz hielt an ihrem Begehren
fest. Sie wies darauf hin, dass der Gutachter eine Plazierung bei der in Deutschland
lebenden Grossmutter empfiehlt. Solange die Tochter in deren Obhut sei, könnte die
Beschwerdeführerin gestützt auf die Beziehung zur Tochter kein Anwesenheitsrecht in
der Schweiz mehr geltend machen.
Die Beschwerdeführerin liess mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 11. März 2004
darauf hinweisen, dass der Gutachter eine Fremdplazierung mit der Auflage eines
Besuchsrechts verbunden habe.
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen näher eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
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1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 28. November und
17. De-zember 2003 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ Nach Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) hat die ausländische Ehegattin eines
Schweizer Bürgers Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung. Der Anspruch erlischt, wenn ein Ausweisungsgrund vorliegt.
Nach Art. 10 Abs. 1 ANAG kann ein Ausländer aus der Schweiz ausgewiesen werden,
wenn er wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich bestraft wurde (lit. a). Die
Ausweisung soll nur verfügt werden, wenn sie nach den gesamten Umständen
angemessen erscheint (Art. 11 Abs. 3 Satz 1 ANAG).
a) Für die Beurteilung der Angemessenheit der Ausweisung im Sinn von Art. 11 Abs. 3
ANAG bzw. der Verhältnismässigkeit sind namentlich die Schwere des Verschuldens,
die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz sowie die dem Betroffenen und seiner
Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (Art. 16 Abs. 3 der
Vollziehungsverordnung zum ANAG, SR 142.201, abgekürzt ANAV). In der Prüfung der
Angemessenheit im Sinne von Art. 11 Abs. 3 ANAG, d.h. der Verhältnismässigkeit, geht
auch diejenige auf, ob die Massnahme im Sinne von Art. 8 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK) verhältnismässig bzw. als in
einer demokratischen Gesellschaft notwendig erscheint (BGE 120 Ib 130 f.).
Die Beschwerdeführerin hat einen Ehemann und eine Tochter aus der vorherigen Ehe
mit Roger C.. Der derzeitige Ehemann sowie die Tochter verfügen über das Schweizer
Bürgerrecht, weshalb die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 7 Abs. 1 ANAG und Art.
8 Ziff. 1 EMRK einen Rechtsanspruch auf Erteilung bzw. Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung hat. Diesem Rechtsanspruch steht ein Ausweisungsgrund
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entgegen. Zu prüfen ist somit im folgenden, ob die Verweigerung der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin verhältnismässig ist.
b) Ausgangspunkt und Massstab für die Schwere des Verschuldens und die
fremdenpolizeiliche Interessenabwägung ist die vom Strafrichter verhängte Strafe (BGE
129 II 216).
Die Beschwerdeführerin wurde wegen der Tötung ihres Ehemannes mit vierdreiviertel
Jahren Zuchthaus bestraft. Das Gericht attestierte ihr eine mittel- bis schwerwiegende
Verminderung der Zurechnungsfähigkeit. Im Tatzeitpunkt wies sie eine schwere
Alkoholisierung mit einem Blutalkoholgehalt von 3,03 Gewichtspromillen auf. Das
Gericht attestierte ihr Notwehr, hielt aber fest, sie habe das Notwehrrecht exzessiv
überschritten.
In der Beschwerde wird ausgeführt, die ausgesprochene Strafe sei bei den gegebenen
Strafminderungs- und Strafmilderungsgründen nicht Ausdruck eines sehr hohen
Verschuldens, sondern Ausdruck dafür, dass die Beschwerdeführerin eben wegen der
Begehung eines schweren Deliktes verurteilt worden sei. Wenn das Gericht unter das
Mindeststrafmass von fünf Jahren Zuchthaus gegangen sei, werde damit deutlich, dass
verschuldensmässig erhebliche Abstriche gemacht worden seien. Dies gelte es auch
bei der fremdenpolizeilichen Beurteilung zu berücksichtigen.
Es ist unbestritten, dass das Gericht das Verschulden der Beschwerdeführerin
insbesondere im Hinblick auf die Notwehrsituation und die vorbelastete eheliche
Beziehung gewürdigt hat. Hinzu kam die mittel- bis stark verminderte
Zurechnungsfähigkeit. Diese Aspekte sind auch bei der fremdenpolizeilichen
Interessenabwägung zu berücksichtigen.
Unbestritten ist weiter, dass das Gericht die strafrechtliche Landesverweisung bedingt
ausgesprochen hat, was bei der fremdenpolizeilichen Beurteilung ebenfalls zu
berücksichtigen ist (BGE 122 II 435).
Die Rechtmässigkeit bzw. Verhältnismässigkeit einer fremdenpolizeilichen Ausweisung
ist nicht nach denselben Grundsätzen zu beurteilen wie die Frage des Vollzugs bzw.
des Aufschubs einer strafrechtlichen Landesverweisung. Zwar trifft es zu, dass im
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Interesse der Rechtssicherheit und Rechtseinheit eine gewisse Koordination geboten
ist. Dies gilt insbesondere, wenn dieselbe Verwaltungsbehörde über den Vollzug einer
strafrechtlichen und einer fremdenpolizeilichen Massnahme zu entscheiden hat (GVP
1998 Nr. 24 mit Hinweis). Das Bundesgericht bestätigte aber in einem unlängst
ergangenen Entscheid seine Praxis, wonach abweichende Entscheidungen zulässig
sind. So erwog es, die Voraussetzungen für die beiden Entfernungsmassnahmen seien
nicht deckungsgleich. Sie beruhten auf unterschiedlichen Interessenlagen. Die
strafrechtliche Landesverweisung sei vorab auf die Person des betreffenden
Ausländers ausgerichtet. So sei für den Entscheid über den bedingten Vollzug der
strafrechtlichen Landesverweisung die Prognose über ein künftiges Wohlverhalten des
Ausländers in der Schweiz entscheidend. Für den Entscheid über den probeweisen
Aufschub nach Art. 55 Abs. 2 StGB sei einzig auf die Resozialisierungs-chancen
abzustellen, wobei regelmässig die Aussichten auf Wiedereingliederung in der Schweiz
denjenigen im Heimatland gegenüberzustellen seien. Demgegenüber stehe für den
Entscheid über die fremdenpolizeiliche Ausweisung das allgemeine Interesse der
öffentlichen Ordnung und Sicherheit im Vordergrund. Der konkreten Prognose über das
Wohlverhalten sowie dem Resozialisierungsgedanken des Strafrechts sei zwar im
Rahmen der umfassenden fremdenpolizeilichen Interessenabwägung ebenfalls
Rechnung zu tragen, die beiden Umstände gäben aber nicht den Ausschlag (BGE 125
II 110 mit Hinweisen).
Zutreffend ist, dass das Strafgericht vor dem Hintergrund des psychiatrischen
Gutachtens zum Schluss kam, es könne nicht von einer eigentlichen Rückfallgefahr
gesprochen werden, weshalb grundsätzlich eine günstige Prognose zu stellen sei.
Allerdings hielt das Gericht auch fest, dass gerade bei einer weiteren Tätigkeit in Bars
immer noch die Problematik des Alkoholkonsums und der damit verbundenen
Aggressivität nicht vollends verneint werden könne. Hinzu kommt, dass der
psychiatrische Gutachter, welcher im Auftrag der Vormundschaftsbehörde die
Fremdplazierung bzw. Familienplazierung der Tochter der Beschwerdeführerin zu
beurteilen hatte, bei dieser eine erhöhte Rückfallgefahr feststellte und dies mit
fehlender Therapiebereitschaft, der Wiederholungstat und der fehlenden Einsicht in die
vorhandene psychische Störung begründete. Unter diesen Umständen ist die vom
Strafrichter attestierte günstige Prognose in gewissem Grade zu relativieren. Hinzu
kommt, dass die Strafvollzugsbehörde im Rahmen der Bewilligung der vorzeitigen
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bedingten Entlassung aufgrund eines Berichtes der Strafanstalt festhielt, die
Beschwerdeführerin habe keine Bereitschaft gezeigt, sich in einer Gesprächstherapie
mit ihrem Verhaltensmuster auseinanderzusetzen. Die Rückfallgefahr könne jedoch
unter Einfluss von Alkohol bzw. einer erneuten Alkoholabhängigkeit zunehmen; dieser
Gefährdung sei mit einer Schutzaufsicht zu begegnen.
Die Strafvollzugsbehörde stellte ausserdem die günstige Prognose im Hinblick auf die
vorzeitige bedingte Entlassung unter der Voraussetzung, dass die Beschwerdeführerin
die Schweiz voraussichtlich verlassen wird. Sie hielt fest, ihr könne für ein Leben in der
Heimat, wo sie mit den Wertvorstellungen, Sitten und Gebräuchen vertraut sei, eine
Bewährungschance gegeben werden.
Die Beschwerdeführerin hält sich mit Unterbrüchen seit 1991 und damit seit rund
dreizehn Jahren in der Schweiz auf. Diese relativ lange Aufenthaltsdauer in der Schweiz
ist bei der Interessenabwägung zu ihren Gunsten zu berücksichtigen. Allerdings ist
auch zu berücksichtigen, dass das Strafgericht festhielt, dass nicht von einer
eigentlichen Integration der Beschwerdeführerin gesprochen werden könne.
Zusammenfassend ist aufgrund der vorstehenden Erwägungen von einem gewichtigen
öffentlichen
Interesse an der Fernhaltung der Beschwerdeführerin auszugehen. Ihr Verschulden ist
mit dem Strafrichter als schwer einzustufen, und aufgrund der besonderen
Persönlichkeitsstruktur ist in fremdenpolizeilicher Hinsicht im Lichte der Feststellungen
der Strafjustiz- und Strafvollzugsbehörden von einer nicht unerheblichen Rückfallgefahr
auszugehen. Diesem öffentlichen Interesse steht das private Interesse der
Beschwerdeführerin an der Aufrechterhaltung ihrer familiären Beziehungen zu ihrem
Ehemann und zu ihrem Kind entgegen.
c) aa) Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ist ein Eingriff in das Recht auf Schutz des
Familienlebens statthaft, wenn er gesetzlich vorgesehen ist und eine Massnahme
darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft für die nationale Sicherheit, die
öffentliche Ruhe und Ordnung und das wirtschaftliche Wohl des Landes, die
Verteidigung der Ordnung sowie Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutz
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der Gesundheit und Moral sowie der Rechte und Freiheiten anderer notwendig ist. Die
EMRK verlangt somit ebenfalls ein Abwägen der sich gegenüberstehenden privaten
Interessen am Belassen der Bewilligung und dem öffentlichen Interesse an deren
Entzug, wobei die öffentlichen Interessen in dem Sinn überwiegen müssen, dass sich
der Eingriff als notwendig erweist (BGE 122 II 6 mit Hinweisen). Bei der
Interessenabwägung ist zu fragen, ob den hier anwesenheitsberechtigten
Familienangehörigen zugemutet werden kann, dem Ausländer, der ausgewiesen wird,
ins Ausland zu folgen. Die Frage der Zumutbarkeit beurteilt sich nicht nach den
persönlichen Wünschen der Betroffenen, sondern ist unter Berücksichtigung ihrer
persönlichen Verhältnisse und aller Umstände objektiv zu beurteilen (BGE 122 II 6 mit
Hinweis auf BGE 116 Ib 353 und 115 Ib 3). Eine allfällige Unzumutbarkeit der Ausreise
für die hier lebenden Angehörigen ist mitabzuwägen, führt aber nicht zwingend für sich
allein zur Unzulässigkeit einer Ausweisung. Wenn es den Familienangehörigen
zumutbar ist, ihr Familienleben im Ausland zu führen, ist Art. 8 Ziff. 1 EMRK zum
vornherein nicht verletzt (BGE 122 II 297 mit Hinweisen auf Literatur und Judikatur).
Den öffentlichen Interessen sind somit die privaten Interessen der Beschwerdeführerin
an einem Verbleib in der Schweiz gegenüberzustellen. Je länger ein Ausländer in der
Schweiz lebt und je gewichtiger sein Interesse an der Aufrechterhaltung der familiären
Beziehung einzustufen ist, desto strengere Anforderungen sind grundsätzlich an die
Anordnung einer Ausweisung zu stellen. Entscheidend bleibt in jedem Fall die
Verhältnismässigkeitsprüfung gestützt auf die gesamten wesentlichen Umstände des
Einzelfalls.
bb) Die elterliche Obhut der Beschwerdeführerin über ihre Tochter wurde nach dem
Tötungsdelikt aufgehoben. Die Vormundschaftsbehörde der Stadt St. Gallen bestätigte
in ihrem Beschluss vom 20. Mai 2003 diese Massnahme. In der Folge gab sie ein
psychiatrisches Gutachten im Hinblick auf die Plazierung der Tochter in Auftrag. Der
Expertise des Psychiaters vom 31. Oktober 2003 ist zu entnehmen, dass eine
Fremdplazierung der Tochter auch nach der Entlassung der Beschwerdeführerin aus
dem Strafvollzug angezeigt ist. Der Gutachter hielt aufgrund eines Gesprächs mit der
Beschwerdeführerin fest, ihre Aussagen vermittelten den Eindruck, dass weniger ihre
Gefühle für das Kind ausschlaggebend seien, sondern ihr Wunsch, zeigen zu können,
dass sie eine gute Mutter sei, wodurch sie ihre Tochter für ihre Interessen
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instrumentalisiere. Die Beschwerdeführerin vermöge nicht wirklich die Verantwortung
für sich zu übernehmen. Sie externalisiere die Verantwortung nach aussen, z.B. indem
sie die Schuld für die Probleme der Tochter in der Pflegefamilie suche und die Schweiz
für ihr Unglück verantwortlich mache. Sie bagatellisiere zudem ihren früheren
Alkoholkonsum und habe erklärt, nie Alkoholikerin gewesen zu sein. Es sei der
Eindruck entstanden, als ob sie sich nicht wirklich mit der Tatsache auseinandergesetzt
habe, dass sie unter Alkoholeinfluss wiederholt Straftaten begangen habe. Sie stelle
sich als arme Frau dar, die einen Mann gehabt habe, der Drogen genommen und sie
geschlagen habe, so dass sie sich im Affekt - zu heftig - gewehrt habe. Die
Beschwerdeführerin habe nur einige Therapiestunden während des
Gefängnisaufenthaltes gehabt. Sie habe wiederholt die Termine vergessen und habe
deswegen Fr. 10.-- bezahlen müssen. Deshalb habe sie die Therapie abgebrochen.
Ihre Motivation für eine Therapie sei als klein einzustufen.
Der Betreuer der Strafanstalt Hindelbank hielt gegenüber dem Gutachter fest, der
Beschwerdeführerin sei es schwer gefallen, Ideen zu entwickeln, was sie im Hafturlaub
mit ihrer Tochter hätte machen können. Sie gehe die Dinge in einer unreifen, nicht
kindgerechten Art und Weise an, habe früher öfters intrigiert und der Tochter Sachen
versprochen, die sie nicht halten könne.
Die ehemalige Pflegemutter der Tochter hielt fest, das Verständnis der
Beschwerdeführerin für die Schwierigkeiten des Mädchens sei nicht gross. Die
Beschwerdeführerin sei unberechenbar, halte sich nicht an Abmachungen und sei
immer wieder unangemeldet zu Besuchen erschienen.
Der Gutachter kam zum Schluss, bei der Beschwerdeführerin sei die Prognose für die
Zukunft instabil. Sie weise viele Zeichen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung auf,
wie instabile, intensive und wechselhafte Beziehungen, Impulsivität, übermässige,
starke Wut und Mühe, diese zu kontrollieren, ausgeprägte Ambivalenz und
Unsicherheit bezüglich ihres zukünftigen Wohnortes und der Plazierung der Tochter.
Der Gutachter kam weiter zum Schluss, er empfehle, die Tochter versuchsweise bei
der Grossmutter väterlicherseits und deren Mann zu plazieren. Als flankierende
Massnahme benötigten die beteiligten Hauptbetroffenen, nämlich die Tochter, die
Beschwerdeführerin und die Grossmutter fachliche therapeutische Unterstützung. Als
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Folge ihrer Persönlichkeit mit emotionaler Instabilität und ausgeprägter Ambivalenz
verfüge die Beschwerdeführerin nur über eine stark eingeschränkte
Erziehungsfähigkeit. Die Beschwerdeführerin vermöge die Bedürfnisse ihrer Tochter nur
ungenügend zu erkennen und auf sie einzugehen. Es dürfte für sie unmöglich sein, die
Tochter bei der Aufarbeitung ihres Traumas als Inhaberin der elterlichen Obhut zu
unterstützen. Durch schwierige Erziehungssituationen würde sie rasch in eine
Ueberforderung geraten. Zudem wäre die Tochter einer andauernd chronischen
Ambivalenz ausgesetzt, mit der Mutter, die für den Verlust des Vaters verantwortlich
sei, zusammenleben zu müssen. Dies würde den bestehenden Loyalitätskonflikt
zusätzlich verstärken. Deshalb unterstütze er die Empfehlung des Kinder- und
Jugendpsychiatrischen Dienstes, wonach die Tochter bis zur Vollendung ihres
achtzehnten Lebensjahres nicht bei der Mutter plaziert sein sollte. Dies würde es
ermöglichen, dass die Tochter bis zur Volljährigkeit die Chance habe, in einem stabilen
Umfeld das dramatische Geschehen zu verarbeiten und eine förderliche Entwicklung
machen zu können. Damit wäre die grösstmögliche Aussicht gegeben, die Beziehung
zur Mutter positiv gestalten zu können. Ein weiterer Faktor, der gegen eine Plazierung
bei der Beschwerdeführerin spreche, sei deren Ambivalenz bezüglich des Wohnortes.
Wenn sie ins Ausland auswandern würde, müsste die Tochter mit dem definitiven
Verlust der primären Bezugsperson der Grossmutter und gewichtigen schulischen
Benachteiligungen fertig werden. Diese zusätzlichen Belastungen wären eine
zusätzliche Traumatisierung und würden eine positive Entwicklung wahrscheinlich ganz
verunmöglichen. Ein Auswandern nach Brasilien dürfte für die Tochter zudem die
Gefahr beinhalten, eine ähnliche Lebensgeschichte wie die Mutter durchzumachen.
Weiter hielt der Gutachter fest, eine Ausweisung der Beschwerdeführerin würde den
Loyalitätskonflikt der Tochter zusätzlich verschärfen und eine vernünftige
Besuchsregelung verunmöglichen. Beim Entscheid über die Ausweisung seien
sämtliche Aspekte, insbesondere diejenigen der Tochter, miteinzubeziehen und damit
eine Entflechtung der verschiedenen Interessenebenen zu garantieren.
cc) In der Beschwerde wird geltend gemacht, eine Ausweisung der
Beschwerdeführerin hätte für das Wohl der Tochter schwerwiegende Folgen. Im
Hinblick auf das Wohl der Tochter sei auch das private Interesse der
Beschwerdeführerin an einem Verbleib in der Schweiz zu gewichten. Wenn die Tochter
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künftig bei ihren Grosseltern in Deutschland lebe, könne der Kontakt der
Beschwerdeführerin zur Tochter nur sichergestellt werden, wenn sie weiterhin eine
Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz besitze.
Die Vormundschaftsbehörde der Stadt St. Gallen ordnete gestützt auf das eingeholte
Gutachten eine Fremdplazierung der Tochter bei der Grossmutter mütterlicherseits in
Deutschland an. Diese erfolgte auf den 30. Januar 2004.
dd) Im gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Ausübung des Besuchsrechts der
Beschwerdeführerin gegenüber ihrer Tochter stark beeinträchtigt. Die Erschwerung
gründete bisher unter anderem auf dem Strafvollzug, der dazu führte, dass die
regelmässigen Kontakte zur Tochter erheblich eingeschränkt waren. Nach der
vorzeitigen Entlassung aus dem Strafvollzug besteht nun die Schwierigkeit, dass die
Tochter in Deutschland fremdplaziert ist und dass die Beschwerdeführerin auch nach
eigener Darstellung keine Aufenthaltsbewilligung für Deutschland erhalten wird. Der
Kontakt zur Tochter würde somit voraussetzen, dass die Tochter von der Grossmutter
in die Schweiz gebracht wird. Ob die Vormundschaftsbehörde die Grosseltern dazu
verpflichtet, ist offen. Jedenfalls ist die Ausübung bzw. Wahrnehmung des persönlichen
Kontakts aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen ungeachtet der streitigen
fremdenpolizeilichen Massnahme stark eingeschränkt. Allerdings schliesst auch eine
Rückkehr nach Brasilien eine Aufrechterhaltung der Beziehung nicht völlig aus. Zum
einen ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin mit einem Schweizer
verheiratet ist. Somit besteht die Möglichkeit, dass der Ehemann ihr periodische
Aufenthalte in der Schweiz ermöglicht. Sie behauptet jedenfalls nicht, ihr Ehemann sei
mittellos und könnte ihr dies nicht ermöglichen. Zum andern kann die
Beschwerdeführerin den Kontakt zu ihrer Tochter auch mittels brieflichen und
telefonischen Kontakten aufrechterhalten. Im übrigen läge es an den deutschen
Behörden, über eine Einreiseerlaubnis für die Beschwerdeführerin zur Ausübung ihres
Besuchsrechts in Deutschland zu befinden.
Die Rahmenbedingungen für eine Aufrechterhaltung der Beziehung der
Beschwerdeführerin zu ihrer Tochter würden durch eine Verweigerung der
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zweifelsohne erheblich verschlechtert.
Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass nach den Feststellungen des
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Gutachters ein weiterer intensiver Kontakt der Beschwerdeführerin mit der Tochter für
diese auch negative Aspekte hat, da sich die Tochter im Spannungsfeld der Interessen
der Beschwerdeführerin und ihrer Grossmutter und deren Mann befindet. Der
Gutachter verweist auf die Gefahr einer Steigerung der destruktiven Dynamik zwischen
der Beschwerdeführerin einerseits und der Grossmutter. Ein weiterer Kontakt zur
Beschwerdeführerin birgt daher auch eine gewisse Gefährdung der Entwicklung der
Tochter. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin offenbar nur eingeschränkt
imstande ist, auf die Bedürfnisse ihrer Tochter einzugehen. Namentlich fehlt ihr
teilweise die Einsicht in die Schwierigkeiten, welche entstanden sind, dass sie ihren
Ehemann und Vater ihrer Tochter umgebracht hat.
ee) Im vorliegenden Fall erweist sich die Einschränkung des aus Art. 8 Ziff. 1 EMRK
fliessenden Anspruchs auf Familienleben als verhältnismässig. Aufgrund der
vorstehenden Erwägungen hat ein enger Kontakt der Beschwerdeführerin zur Tochter
für diese nicht nur positive Aspekte. Vielmehr besteht auch eine gewisse Gefahr, dass
ein enger Kontakt mit der Beschwerdeführerin für die Entwicklung der Tochter negative
Auswirkungen hat. Jedenfalls führt die Berücksichtigung des Kindeswohls dazu, dass
das Interesse der Beschwerdeführerin an einem weiteren Verbleib in der Schweiz
vergleichsweise geringer zu gewichten ist als bei einer problemlosen Beziehung einer
Mutter zu deren Kind. In Abwägung der massgebenden Umstände rechtfertigt sich die
Annahme jedenfalls nicht, der weitere Aufenthalt der Beschwerdeführerin liege
uneingeschränkt im Kindeswohl. Dies lässt die Verweigerung der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung und die damit verbundene Einschränkung des aus Art. 8 Ziff. 1
EMRK fliessenden Rechts der Beschwerdeführerin auf Wahrung des Familienlebens in
Bezug auf ihre Tochter verhältnismässig erscheinen.
ff) Die Beziehung zum Ehemann kann hingegen bei der Gewichtung der privaten
Interessen der Beschwerdeführerin nicht entscheidend ins Gewicht fallen. Die
Beschwerdeführerin heiratete ihren derzeitigen Ehemann am 9. Mai 2003. Beide
Ehegatten wussten daher, dass der Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Schweiz
nicht gesichert war und dass sie ihre Ehe womöglich nicht in der Schweiz leben
können.
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gg) Unter Berücksichtigung der dargelegten Umstände gelangt das Verwaltungsgericht
zum Schluss, dass die privaten Interessen der Beschwerdeführerin an einem Verbleib
in der Schweiz das öffentliche Interesse an einer Verweigerung des weiteren
Aufenthalts nicht zu überwiegen vermögen. Folglich ist die Beschwerde als
unbegründet abzuweisen.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).