Decision ID: de952e2d-9370-5dbb-a7e9-b53c29b9e015
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden ersuchten am 12. März 2020 in der Schweiz um
Asyl. Ein Abgleich mit dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-VIS)
ergab, dass Portugal ihnen Visa für den Schengenraum mit Gültigkeits-
dauer vom 27. Januar bis 11. März 2020 ausgestellt hatte.
Anlässlich der Befragung vom 20. April 2020 wurde den Beschwerde-
führenden das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensent-
scheid und der Möglichkeit einer Überstellung nach Portugal gewährt, wel-
ches gemäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines
von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-
staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-
gend: Dublin-III-VO), grundsätzlich für die Behandlung ihrer Asylgesuche
zuständig sei. Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates
wurde von den Beschwerdeführenden nicht bestritten. Jedoch machten
diese geltend, nicht nach Portugal zurückkehren zu wollen. Die Situation
dort sei die gleiche wie in Angola; an beiden Orten würden sie von den
gleichen Personen verfolgt. Es handle sich um wohlhabende Personen, für
die es einfach sei, Menschen wie sie (Beschwerdeführende) zu zerstören.
Sie hätten in Portugal Drohungen erhalten, jedoch keinen Schutz von den
portugiesischen Behörden gesucht. Der Beschwerdeführer leide sodann
an Meniskusproblemen. Diese seien in seiner Heimat nicht richtig behan-
delt worden. Im Bundesasylzentrum habe er Schmerzmittel und eine
Creme erhalten. Die Tochter leide unter Zahnbeschwerden, sei jedoch be-
reits in Behandlung. Ein Sohn habe Zysten in der Leistengegend und die
Beschwerdeführerin Zysten im Brustbereich.
B.
Am 2. April 2020 ersuchte das SEM die portugiesischen Behörden um
Übernahme der Beschwerdeführenden gemäss Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-
VO. Diesem Gesuch wurde am 14. Mai 2020 entsprochen.
C.
Mit Verfügung vom 31. Juli 2020 (eröffnet gleichentags) trat das SEM in
Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf die Asylge-
suche der Beschwerdeführenden nicht ein und verfügte die Überstellung
nach Portugal, welches gemäss Dublin-III-VO für die Behandlung ihrer
Asylgesuche zuständig sei. Gleichzeitig verfügte das SEM den Vollzug der
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Wegweisung nach Portugal und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde
gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.
D.
Mit Eingabe vom 3. August 2020 zeigte die zugewiesene Rechtsvertreterin
die Beendigung des Mandatsverhältnisses an.
E.
Die Beschwerdeführenden reichten am 5. August 2020 bei der Vorinstanz
ein Schreiben ein und machten geltend, mit dem vorinstanzlichen Ent-
scheid nicht einverstanden zu sein. Weiter stellten sie in Aussicht, eine
mandatierte Rechtsvertreterin werde sich in einigen Wochen beim Bundes-
verwaltungsgericht melden. Die Vorinstanz nahm die Eingabe als Be-
schwerde entgegennahm und leitete diese zuständigkeitshalber dem Bun-
desverwaltungsgericht weiter.
F.
Das Bundesverwaltungsgericht setzte am 10. August 2020 mit superprovi-
sorischer Massnahme den Vollzug der Überstellung gemäss Art. 56 VwVG
per sofort einstweilen aus.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 11. August 2020 (eröffnet am 17. August 2020)
hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, die Beschwerde enthalte weder
Rechtsbegehren noch eine Begründung gemäss Art. 52 Abs. 1 VwVG,
weshalb es die Beschwerdeführenden aufforderte, innert drei Tagen ab Er-
halt der Verfügung eine Beschwerdeverbesserung einzureichen, ansons-
ten auf die Beschwerde nicht eingetreten werde.
H.
Mit Beschwerdeverbesserung vom 18. August 2020 an das Bundesverwal-
tungsgericht beantragten die Beschwerdeführenden sinngemäss, die vor-
instanzliche Verfügung sei aufzuheben und auf ihre Asylgesuche sei ein-
zutreten.
Als Beweismittel reichten sie verschiedene Unterlagen zum Beruf des Be-
schwerdeführers, Whatsapp-Nachrichten auf Portugiesisch sowie Zei-
tungsartikel zu verschiedenen bekannten Persönlichkeiten aus Angola ein.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwer-
deführenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legi-
timiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist nach erfolgter Verbesserung (Art. 108 Abs. 3 AsylG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
1.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
3.
3.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingsei-
genschaft und der Gewährung von Asyl bilden demgegenüber nicht Ge-
genstand des angefochtenen Nichteintretensentscheides und damit auch
nicht des vorliegenden Verfahrens. Auf die entsprechenden Beschwerde-
anträge ist deshalb nicht einzutreten.
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4.
4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Staates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-
genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapi-
tel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän-
digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-
nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen,
die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung
im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union
(2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist
zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-
ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Staat bestimmt werden,
wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mit-
gliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
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4.3. Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Antragsteller, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag ge-
stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, 22 und 29 Dublin-III-VO aufzuneh-
men (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO).
Besitzt ein Antragsteller ein oder mehrere Visa, die seit weniger als sechs
Monaten abgelaufen sind, aufgrund deren er in das Hoheitsgebiet eines
Mitgliedstaats einreisen konnte, so sind die Absätze 1, 2 und 3 anwendbar,
solange der Antragsteller das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten nicht ver-
lassen hat (Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO). Gemäss Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-
VO ist der Staat, der ein Visum erteilt hat, für die Prüfung des Antrags auf
internationalen Schutz zuständig.
4.4. Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-
recht). Sowohl der Mitgliedstaat, in dem ein Antrag auf internationalen
Schutz gestellt worden ist und der das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates durchführt, als auch der zuständige Mitgliedstaat
kann vor der Erstentscheidung in der Sache jederzeit einen anderen Mit-
gliedstaat ersuchen, den Antragsteller aus humanitären Gründen oder zum
Zweck der Zusammenführung verwandter Personen aufzunehmen, wobei
die betroffenen Personen diesem Vorgehen schriftlich zustimmen müssen
(Art. 17 Abs. 2 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. humanitäre Klausel).
5.
5.1. Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführenden mit zent-
ralen Visa-Informationssystem (CS-VIS) ergab, dass die portugiesischen
Behörden den Beschwerdeführenden am 13. Januar 2020 in Angola
Schengen-Visa mit Gültigkeit vom 27. Januar bis 11. März 2020 ausgestellt
hatten. Das SEM ersuchte deshalb die portugiesischen Behörden am
2. April 2020 um Aufnahme der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 12
Abs. 4 Dublin-III-VO. Die portugiesischen Behörden stimmten dem Gesuch
um Übernahme am 14. Mai 2020 zu. Die grundsätzliche Zuständigkeit Por-
tugals ist somit gegeben.
5.2. Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli-
che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe-
dingungen für Asylsuchende in Portugal würden systemische Schwachstel-
len aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden
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Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich
bringen würden.
Portugal ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von
Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
5.3. Die Beschwerdeführenden fordern mit ihrem Vorbringen, in Portugal
durch andere Staatsangehörige von Angola bedroht zu sein, implizit die
Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, res-
pektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisierenden –
Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August
1999 (AsylV 1, SR 142.311), gemäss welcher das SEM das Asylgesuch
"aus humanitären Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür ge-
mäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre.
Die Beschwerdeführenden haben kein konkretes und ernsthaftes Risiko
dargetan, die portugiesischen Behörden würden sich weigern, sie aufzu-
nehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der
Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine
Gründe für die Annahme zu entnehmen, Portugal werde in ihrem Fall den
Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur Ausreise in ein
Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr laufen
würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Ausser-
dem haben die Beschwerdeführenden nicht dargetan, die sie bei einer
Rückführung erwartenden Bedingungen in Portugal seien derart schlecht,
dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3
EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Portugal verfügt über einen funkti-
onierenden Polizei- und Justizapparat und die Beschwerdeführenden
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könnten sich im Falle einer zukünftigen Bedrohungslage in Portugal die
dortige Schutzinfrastruktur in Anspruch nehmen.
Die Beschwerdeführenden haben auch keine konkreten Hinweise für die
Annahme dargetan, Portugal würde ihnen dauerhaft die ihnen gemäss Auf-
nahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten.
Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnten sie sich im
Übrigen nötigenfalls an die portugiesischen Behörden wenden und die
ihnen zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern
(vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie).
Gemäss Bericht der Pflegefachfrau des BAZ zum Gesundheitszustand der
Beschwerdeführenden vom 22. Juli 2020 habe der Beschwerdeführer eine
Schiene erhalten und sei nicht mehr in den Aktivitäten des täglichen Le-
bens eingeschränkt. Eine medikamentöse Therapie lehne er ab. Der eine
Sohn sei erfolgreich an der Leiste operiert worden und es gehe ihm sehr
gut. Die Zahnschmerzen der Tochter hätten behoben werden können. Der
Beschwerdeführerin sei ein weiterer Kontrolltermin empfohlen worden. Sie
habe keine Beschwerden geäussert (vgl. SEM-Akten act. [...]). Auf Be-
schwerdeebene machen die Beschwerdeführenden keine gesundheitli-
chen Probleme mehr geltend.
Für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV1 in Ver-
bindung mit Art. 17 Dublin-III-VO besteht demnach keine Veranlassung.
Eine Ermessenunterschreitung liegt nicht vor. Der Vollständigkeit halber ist
festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3).
5.4. Die Beschwerdeführenden monieren sodann, die Vorinstanz habe die
140-tägige Maximalfrist für einen Entscheid um zwei Tage überschritten.
Die geltend gemachte Überschreitung der 140-tägigen Frist nach Art. 24
AsylG um zwei Tage vermag an der Zuständigkeit Portugals gemäss Dub-
lin-III-VO jedoch nichts zu ändern. Es handelt sich dabei um eine Ord-
nungsfrist bezüglich der Dauer des Aufenthalts in den Zentren des Bundes,
die nach Art. 24 Abs. 5 AsylG angemessen verlängert werden kann.
Allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zusam-
menhang mit der COVID-19-Pandemie stellen – gemäss aktuellem Kennt-
nisstand – lediglich temporäre Vollzugshindernisse dar und vermögen am
Ausgang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern (vgl. Urteil des
BVGer F-1829/2020 vom 9. April 2020 E. 5.2).
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6.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten. Da
die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder
Niederlassungsbewilligung sind, wurde die Überstellung nach Portugal in
Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32
Bst. a AsylV 1).
7.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
10.
Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 10. August 2020 verfügte Vollzugs-
stopp dahin.
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