Decision ID: 4046bb11-4756-5538-9174-11edba7c0396
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die am (...) 1973 geborene, geschiedene, schweizerische Staatsangehö-
rige A._ (nachfolgend: Versicherte oder Beschwerdeführerin) ist
Mutter von vier am (...) 1992, (...) 1996, (...) 2002 und (...) 2014 gebore-
nen Kindern. Die Versicherte reiste 1987 aus Mazedonien in die Schweiz
ein und ist in (...) wohnhaft (vgl. dazu auch D.b). Nach Absolvieren von
zwei Vorlehrjahren für eine Ausbildung zur Coiffeuse ohne diese Ausbil-
dung abzuschliessen, übte sie verschiedene Tätigkeiten aus und leistete
entsprechende Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung (AHV/IV). So war sie ab April 1995 als Pflege-
helferin im Universitätsspital B._ (USB._) tätig, ab Novem-
ber 1997 für ein knappes halbes Jahr im Verkauf, ab Oktober 1998 für
sechs Monate als Wäschereimitarbeiterin, ab November 1999 wiederum
für sechs Monate in einem Coiffeursalon und ab Juni 2003 erneut in der
Wäscherei des USB._. Zuletzt arbeitete sie zwischen November
2005 und März 2007 teilzeitlich als Hauspflegerin bei einer Gesellschaft für
die Betreuung von pflegebedürftigen Menschen. Seither ging sie keiner Er-
werbstätigkeit mehr nach (Akten der Invalidenversicherungs-Stelle für Ver-
sicherte im Ausland [nachfolgend: IVSTA-act.] 2; 5; 44; 133).
B.
Am 16. Januar 2004 meldete sich die Versicherte erstmals unter Hinweis
auf eine psychische Erkrankung, Depressionen und Kopfschmerzen bei
der IV-Stelle der Sozialversicherungsanstalt des Kantons C._
(nachfolgend: IV-Stelle C._) zum Bezug von Leistungen der Invali-
denversicherung an (IVSTA-act. 2 und 3). Nach Abklärungen in medizini-
scher und erwerblicher Hinsicht verfügte die IV-Stelle C._ am
11. August 2004 die Ablehnung des Rentenanspruchs (IVSTA-act. 9), was
mit Einspracheentscheid vom 26. November 2004 bestätigt wurde (IVSTA-
act. 15). Die dagegen erhobene Beschwerde an das Sozialversicherungs-
gericht des Kantons C._ wurde am 16. November 2005 abgewie-
sen (IVSTA-act. 22).
C.
C.a Am 15. März 2007 meldete sich die Beschwerdeführerin erneut zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IVSTA-act. 69 = 86).
Infolge der gestellten Diagnosen (Verdacht auf depressive Episode mittle-
ren Grades bei psychosozialer Überbelastung, ADHS, Panvertebralsyn-
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drom und beidseitiger Coxarthrose, insbesondere gestützt auf das Gutach-
ten von Dr. med. D._ vom 22. Oktober 2007 [vgl. auch Feststel-
lungsblatt der IV-Stelle C._, IVSTA-act. 30, S. 1-4; 38] und med.
pract. E._, Psychiatrische Universitätsklinik F._ [IVSTA-
act. 33 f.]), wurde der Versicherten mit Verfügung vom 21. Februar 2008
mit Wirkung ab dem 1. Mai 2007 eine ganze Invalidenrente zugesprochen
(IVSTA-act. 43).
C.b Am 5. November 2008 verfügte die IV-Stelle C._ die Neufest-
setzung der Rente mit Wirkung ab dem 1. Mai 2007 infolge eines neu be-
rechneten durchschnittlichen Jahreseinkommens (IVSTA-act. 44).
C.c Im Rahmen der amtlichen Revisionen vom 15. Oktober 2010 und
15. März 2011 hielt die IV-Stelle C._ fest, dass sie bei der Überprü-
fung des Invaliditätsgrades keine Änderung festgestellt habe, die sich auf
die Rente auswirken würde. Es bestehe weiterhin ein Anspruch auf die bis-
herige ordentliche Invalidenrente (IVSTA-act. 53 und 58).
C.d Mit Verfügung vom 5. April 2011 setze die IV-Stelle C._ die
ganze Invalidenrente betragsmässig herab, da sie von einem niedrigeren
durchschnittlichen Jahreseinkommen ausging (IVSTA-act. 54, S. 6 ff.).
D.
D.a Die Beschwerdeführerin meldet sich am 1. Oktober 2010 für eine le-
benspraktische Begleitung an (vgl. IVSTA-act. 55, S. 1-4; 56; 57, S. 6). Mit
Vorbescheid vom 22. Juli 2011 wurde ihr eine Hilflosenentschädigung ab
dem 1. Oktober 2009 durch die IV-Stelle C._ in Aussicht gestellt
(IVSTA-act. 56).
D.b Die Beschwerdeführerin verlegte ihren Wohnsitz am 30. Juni 2011 in
die Republik Kosovo. In der Folge überwies die IV-Stelle C._ das
Gesuch um Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung am 12. Oktober
2011 zuständigkeitshalber an die IV-Stelle für Versicherte im Ausland
(nachfolgend: IVSTA oder Vorinstanz; IVSTA-act. 57, 60). Die weiteren Ak-
ten wurden sodann am 6. Juni 2012 an die IVSTA weitergeleitet (IVSTA-
act. 68). Die Beschwerdeführerin kehrte zu einem späteren, nicht akten-
kundigen, Zeitpunkt wieder zurück nach (...) (Beilage 1 zu BVGer-act. 5).
D.c Mit Mitteilung vom 1. Februar 2012 stellte die Vorinstanz der Be-
schwerdeführerin in Aussicht, dass weiterhin ein Anspruch auf eine ganze
IV-Rente zuzüglich Kinderrenten ab dem 1. November 2011 bestehe (IV-
STA-act. 62). Entsprechend ihrem Vorbescheid hiess die IVSTA die weitere
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Ausrichtung der Rente mit Verfügung vom 19. April 2012 gut (IVSTA-
act. 67).
D.d Mit Verfügung vom 11. April 2012 wurde der Beschwerdeführerin die
in Aussicht gestellte Hilflosenentschädigung ab dem 1. Oktober 2009 zu-
gesprochen. Aufgrund ihres Wegzugs aus der Schweiz wurde dieser An-
spruch bis zum 30. Juni 2011 befristet (IVSTA-act. 65 und 66).
D.e Mit Verfügung vom 29. August 2014 hiess die Vorinstanz die weitere
Ausrichtung einer ordentlichen Invalidenrente gut und ersetzte gleichzeitig
die Verfügung vom 19. April 2012 (IVSTA-act. 70).
E.
E.a Am 29. Dezember 2015 informierte die Vorinstanz die Beschwerdefüh-
rerin über die erneute Durchführung einer amtlichen Rentenrevision und
holte medizinische und erwerbliche Auskünfte ein (IVSTA-act. 72).
E.b Am 26. Januar 2016 liess die Beschwerdeführerin der Vorinstanz den
Fragebogen für im Haushalt tätige Versicherte (IVSTA-act. 74) sowie den
Arztbericht von Dr. G._, Neuropsychiaterin aus (...), vom 26. Ja-
nuar 2016 (IVSTA-act. 73 = 96; 75) zukommen (IVSTA-act. 76). Der Fra-
gebogen für die Rentenrevision wurde am 23. Februar 2016 nachgereicht
(IVSTA-act. 78).
E.c Am 26. März 2016 nahm die Ärztin des regionalen ärztlichen Dienstes
(nachfolgend: RAD-Ärztin) Dr. H._, Fachärztin FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, zertifizierte Gutachterin (SIM), Fähigkeitsausweis Vertrau-
ensärztin, Stellung zu den Eingaben. Sie zweifle daran, dass die Versi-
cherte nun mit den inzwischen grossen Kindern im Haushalt tatsächlich
vollständig arbeitsunfähig sei. Sollte sich dies abklären lassen, sei zu er-
fragen, welche Hilfeleistungen erbracht werden und was die Versicherte
selber tue (IVSTA-act. 82).
E.d Die IVSTA nahm in der Folge medizinische Abklärungen vor und er-
suchte am 22. April 2016 I._, Bereichsleiter Internationales, Minis-
terium für J._ der Republik Kosovo, eine psychiatrische Untersu-
chung der Beschwerdeführerin zu veranlassen (IVSTA-act. 83; vgl. auch
IVSTA-act. 84 und 85). Gestützt auf die ärztlichen Berichte von
Dr. K._ vom 12. Februar 2007, von Dr. G._ vom 11. April
2016 und 17. Mai 2016 sowie einer ambulanten Untersuchung der Be-
schwerdeführerin wurde der IVSTA am 23. Juni 2016 ein detaillierter ärzt-
licher Bericht von Prof. utr. sc. L._, Internist-Kardiologe, und Ass.
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Dr. M._, M. Sc., Neuropsychiater, erstattet (IVSTA-act. 97 und 100).
Dabei wurde eine bipolare affektive Störung (F31.3) diagnostiziert und eine
Arbeitsfähigkeit für leichte Arbeiten festgestellt (vgl. IVSTA-act. 100, S. 15).
E.e Die IVSTA liess die entsprechenden Akten am 7. Juli 2016 erneut
Dr. H._ zur Beurteilung zukommen (IVSTA-act. 101). Die RAD-Ärz-
tin kam am 24. August 2016 zum Schluss, dass der Beschwerdeführerin
eine Verweistätigkeit zu 100 % bzw. eine Tätigkeit im Haushalt zu 80 %
zumutbar sei (IVSTA-act. 102).
E.f Am 6. September 2016 teilte die IVSTA Dr. H._ mit, dass ihrer-
seits eine präzisierende Stellungnahme zur Verbesserung des Gesund-
heitszustandes der Versicherten notwendig sei (IVSTA-act. 103). Die RAD-
Ärztin empfahl am 28. September 2016 die Einholung eines interdisziplinä-
ren Gutachtens (IVSTA-act. 104).
E.g Am 25. Oktober 2016 informierte die Vorinstanz die Beschwerdeführe-
rin darüber, dass eine medizinische Abklärung in der Schweiz durch
Dr. N._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr. O._, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumaerkrankun-
gen, manuelle Medizin (SAMM) und Neuraltherapie (ÖÄK), stattfinden
werde (IVSTA-act. 107). Am 9. März 2017 wurde die Versicherte zu einem
Gutachtertermin in (...) aufgeboten. Dabei wurde ein bidisziplinäres Gut-
achten vom 22. März 2017 basierend auf den zur Verfügung gestellten Ak-
tendokumenten sowie rheumatologischen und psychiatrischen Untersu-
chungen erstellt, das am erstattet wurde und eine Arbeitsunfähigkeit von
65 % in der angestammten Tätigkeit, von 25 % in Verweistätigkeiten und
von 20 % in Haushaltstätigkeiten ab dem Datum der Untersuchung be-
stehe, bescheinigt (IVSTA-act. 126 und 128).
E.h Dieses bidisziplinäre Gutachten vom 22. März 2017 (IVSTA-act. 126
und 128) sowie eine ärztliche Bescheinigung von Dr. G._ vom 10.
Februar 2017 wurden Dr. H._ am 4. April 2017 zur Stellungnahme
vorgelegt (IVSTA-act. 131). Die RAD-Ärztin führte aus, das (Teil-)Gutach-
ten von Dr. N._ beruhe auf einem ausführlichen Studium der Vorak-
ten und einer allseitigen Untersuchung. Die Beurteilung sei ausführlich dis-
kutiert und aus medizinischer Sicht nachvollziehbar. In der rheumatologi-
schen Untersuchung habe eine somatische Ursache für das Schmerzsyn-
drom der Versicherten ausgeschlossen werden können (IVSTA-act. 132).
C-5447/2017
Seite 6
E.i Am 17. Mai 2017 erliess die Vorinstanz einen Vorbescheid (IVSTA-
act. 134), wonach sie beabsichtige, die Ausrichtung der Invalidenrente ab
dem 1. Oktober 2017 einzustellen. Aus den Abklärungen habe sich erge-
ben, dass sich der Gesundheitszustand seit dem 1. Juni 2016 deutlich ver-
bessert habe. Da sich aus den Einschränkungen in den Bereichen der Ver-
weisungstätigkeiten (Erwerbseinbusse von 42 %) sowie Tätigkeiten im
Haushalt (zu 80 % zumutbar) ein Invaliditätsgrad von 33 % ergeben habe,
bestehe ab dem 1. Oktober 2017 kein Anspruch mehr auf eine Invaliden-
rente (IVSTA-act. 134).
E.j Entsprechend ihrem Vorbescheid verfügte die IVSTA am 15. August
2017 die Aufhebung der Invalidenrente per 1. Oktober 2017 (IVSTA-
act. 148 = Beilage 2 zu BVGer-act. 1).
F.
F.a Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin, vertreten durch
Rechtsanwalt Daniel Christe, mit Eingabe vom 25. September 2017 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung
der rentenaufhebenden Verfügung sowie die Bestätigung des Anspruchs
auf die bisherige Rente. Zur Begründung brachte sie insbesondere vor,
dass ihr Gesundheitszustand unverändert geblieben sei. Gleichzeitig
stellte die Beschwerdeführerin ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
und Verbeiständung (Akten im Beschwerdeverfahren [nachfolgend:
BVGer-act.] 1).
F.b Mit Verfügung vom 24. Mai 2018 hiess die Instruktionsrichterin das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbeistän-
dung gut (BVGer-act. 6).
F.c Mit Beschwerdeergänzung vom 6. Juni 2018 reichte die Beschwerde-
führerin den Austrittsbericht der Akutpsychiatrie für Erwachsene der
P._ , unterzeichnet von Dres. Q._ und R._, vom
31. Januar 2018 (Beilage 1 zu BVGer-act. 7) sowie den Arztbericht von
Dr. med. S._, Fachärztin FMH für Neurologie, vom 14. April 2018
(Beilage 2 zu BVGer-act. 7) ein und führte zur ergänzenden Begründung
ihrer Beschwerde aus, dass dem P._-Bericht zu entnehmen sei,
dass sie vom 28. November 2017 bis zum 10. Januar 2018 infolge einer
akuten Psychose habe stationär psychiatrisch behandelt werden müssen.
Gemäss dem Bericht von Dr. S._ bestehe eine anterograd-amnes-
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tische Störung sowie eine mittelschwere bis schwere Beeinträchtigung at-
tentionaler und frontal-exekutiver Funktionen, woraus eine vollständige Ar-
beitsunfähigkeit resultiere (BVGer-act. 7).
F.d Mit Vernehmlassung vom 16. Juli 2018 stellte die Vorinstanz den An-
trag auf Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der angefochtenen
Verfügung (BVGer-act. 11). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen
aus, dass der Gesundheitszustand der Versicherten im Abklärungsverfah-
ren unter Berücksichtigung sämtlicher medizinischer Unterlagen im Rah-
men einer interdisziplinären Begutachtung ausführlich gewürdigt worden
sei. Dabei habe sich ergeben, dass sich der Gesundheitszustand der Ver-
sicherten seit dem Jahr 2007 bis zur Aufhebung der Rente erheblich ver-
bessert habe, so dass keine rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit in an-
gepassten Tätigkeiten mehr vorliege. Dabei seien insbesondere die Stan-
dardindikatoren gemäss im Beschwerdeverfahren eingeholter fachärztli-
cher Stellungname im Gutachten von Dr. N._ vom 22. März 2017
ausführlich und nachvollziehbar diskutiert worden. Den Gutachten komme
somit voller Beweiswert zu.
Im Abklärungs- und Anhörungsverfahren seien auch mehrmals Stellung-
nahmen des medizinischen Dienstes eingeholt worden (IVSTA-act. 102,
104 und 132). Die Psychiaterin, Dr. H._, habe bestätigt, dass die
depressive Periode remittiert sei. Die Persönlichkeitsstörung begründe zu-
dem keine vollständige Arbeitsunfähigkeit (IVSTA-act. 132). Im Hinblick auf
den beschwerdeweise eingereichten Austrittsbericht der Dres. Q._
und R._ vom 31. Januar 2018 habe man nochmals eine Stellung-
nahme des ärztlichen Dienstes eingeholt. Die beurteilende Psychiaterin
habe in ihrem Bericht vom 27. Juni 2016 festgestellt, dass der aufgenom-
mene Psychostatus mit den Untersuchungsbefunden bei Dr. N._ im
März 2017 vergleichbar sei. Aufgrund der Befunde komme weder eine de-
pressive Episode noch die Diagnose einer Schizophrenie in Frage. Auch
aus somatischer Sicht bestehe gemäss der RAD-Ärztin, Dr. T._,
Fachärztin FMH für Rheumatologie, keine Einschränkung der Arbeitsfähig-
keit (BVGer-act. 11 samt Beilagen).
F.e Mit Replik vom 17. September 2018 hielt die Beschwerdeführerin wei-
terhin am gestellten Antrag auf weitere Ausrichtung einer ganzen Invaliden-
rente fest (BVGer-act. 13). Sie brachte insbesondere vor, bei hauptsächli-
cher Berücksichtigung des Gutachtens von Dr. N._ könne nicht mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einer wesent-
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Seite 8
lichen Verbesserung des Gesundheitszustandes im Vergleich zum frühe-
ren Gutachten von Dr. D._ ausgegangen werden. Als wesentliche
Diagnose sei in beiden Gutachten eine Persönlichkeitsstörung gestellt wor-
den, was mit den jeweils erhobenen Befunden ohne weiteres korreliere.
Die zusätzliche Diagnose einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeits-
störung im Gutachten von Dr. D._ sei damals neu erfolgt und habe
in erster Linie dazu gedient, die sich über viele Jahre entwickelte Persön-
lichkeitsstörung in deren Entwicklung zu begründen. Die rezidivierende de-
pressive Störung mittelgradigen Ausmasses sei zudem nicht als eigenstän-
dige Diagnose gestellt worden, sondern als Begleiterscheinung der Per-
sönlichkeitsstörung.
Demgegenüber habe Dr. N._ die Diagnose einer depressiven Stö-
rung sowie einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung als
nicht erfüllt angesehen. Es sei dem Gutachter allerdings zu entnehmen,
dass er das Vorliegen der depressiven Erkrankung im Begutachtungszeit-
punkt durch Dr. D._ als nicht wahrscheinlich betrachte. Nach An-
sicht von Dr. N._ seien die depressiven Syndrome lediglich Aus-
druck der Überforderung der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Persön-
lichkeitsmerkmale. Somit habe er lediglich eine andere Gewichtung der de-
pressiven Syndrome und der hyperkinetischen Störung vorgenommen als
die Vorgutachterin Dr. D._.
Weiter gehe Dr. N._ in Bezug auf den Schweregrad der Persönlich-
keitsstörung einerseits bezogen auf den Zeitraum von 2007 bis zu einem
nicht genau zu bestimmenden Datum von einer mittelschwer ausgeprägten
kombinierten Persönlichkeitsstörung aus, wobei sich diese Einschätzung
ausdrücklich aufgrund der aktuellen Untersuchung ergebe. Andererseits
wolle er aktuell aber dann nur noch von einer leicht ausgeprägten kombi-
nierten Persönlichkeitsstörung ausgehen. Dies widerspreche seinen wei-
teren Ausführungen, wonach die Prognose einer Persönlichkeitsstörung
meist chronisch stabil sei und wonach der Nutzen einer Behandlung kaum
in einer relevanten Steigerung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Die Formulie-
rungen im Gutachten würden darauf hinweisen, dass es sich nicht um ei-
nen wesentlich verbesserten Gesundheitszustand handle, sondern um
eine unterschiedliche fachärztliche Beurteilung eines im Wesentlichen
gleich gebliebenen Gesundheitszustandes.
Gegen eine wesentliche Verbesserung würden sodann auch die Berichte
P._ vom 31. Januar 2018 und von Dr. S._ vom 14. April 2018
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Seite 9
sprechen. Auch wenn insbesondere im P._-Bericht eine andere Di-
agnose als in den psychiatrischen Gutachten gestellt werde, gehe daraus
eine seit Jahren bestehende schwere psychische Erkrankung hervor, die
sich in keiner Weise verbessert habe. Im Bericht sei entsprechend die
Rede einer seit mehreren Jahren bestehenden reproduktiven Psychose.
Im November 2017 habe eine akute Suizidalität bestanden, welche eine
mehrwöchige stationäre Behandlung erforderte. Die vollständig invalidisie-
renden psychischen Probleme würden sodann durch die Abklärung durch
Dr. S._ bestätigt.
F.f Mit Duplik vom 9. Oktober 2018 hielt die Vorinstanz an ihren Anträgen
unverändert fest (BVGer-act. 15) und brachte insbesondere vor, dass aus
medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar sei, inwiefern lediglich eine un-
terschiedliche fachärztliche Beurteilung vorliegen solle, da Dr. N._
eindeutig davon ausgehe, dass sich der Gesundheitszustand der Versi-
cherten verbessert habe und zudem anschaulich dargelegt habe, wie diese
Verbesserung zum Ausdruck komme. Diese Verbesserung würde zudem
durch die mehrfachen medizinischen Stellungnahmen des ärztlichen
Dienstes bestätigt. Ebenfalls seien die beschwerdeweise eingereichten
Berichte bereits berücksichtigt und in die ärztliche Beurteilung miteinbezo-
gen worden.
F.g Mit Triplik vom 13. November 2018 hielt die Beschwerdeführerin erneut
an ihren Anträgen unverändert fest (BVGer-act. 17). Sie verwies zur Be-
gründung vollumfänglich auf die Replik und führte ergänzend aus, dass
insbesondere gestützt auf den Bericht des P._ sogar eher von einer
Verschlechterung des psychischen Zustandes ausgehen sei.
F.h Mit Zwischenverfügung vom 16. November 2018 schloss die Instrukti-
onsrichterin den Schriftenwechsel – vorbehältlich weiterer Instruktions-
massnahmen – ab (BVGer-act. 18).
G.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird,
soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.
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Seite 10

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]) und die Beschwerdeführerin ist als Adressatin der ange-
fochtenen Verfügung zur Erhebung der Beschwerde legitimiert (Art. 48
Abs. 1 VwVG; siehe auch Art. 59 ATSG [SR 830.1]). Nachdem die Be-
schwerdeführerin aufgrund der gewährten unentgeltlichen Prozessführung
keinen Kostenvorschuss zu leisten hat (BVGer-act. 6), ist auf die frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde vom 25. September 2017 einzutre-
ten (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG; siehe auch Art. 60 ATSG).
2.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 15. August 2017 (Beilage 2 zu BVGer-act. 1), mit welcher
die Vorinstanz die seit dem 1. Juni 2007 ausgerichtete ganze IV-Rente (IV-
STA-act. 44, S. 3) der Beschwerdeführerin per Ende Mai 2016 aufgehoben
hat. Aufgrund des materiellen Rechtsbegehrens der Beschwerdeführerin,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die bisherige Rente wei-
ter auszurichten, ist streitig und zu prüfen, ob die Vorinstanz die IV-Rente
der Beschwerdeführerin zu Recht per 1. Oktober 2017 aufgehoben hat und
in diesem Zusammenhang, ob sie den Sachverhalt insbesondere in medi-
zinischer Hinsicht rechtsgenüglich abgeklärt und gewürdigt hat.
3.
3.1 Zur Durchführung von Revisionsverfahren ist die IV-Stelle zuständig, in
deren Kantonsgebiet der Versicherte bei Eingang des Revisionsgesuchs
oder bei Wiederaufnahme des Verfahrens seinen Wohnsitz hat. Der Bun-
desrat ordnet die Zuständigkeit in Sonderfällen (Art. 88 Abs. 1 i.V.m.
Art. 55 Abs. 1 IVG). Für Versicherte, die ihren Wohnsitz im Ausland haben,
ist die IV-Stelle für Versicherte im Ausland zuständig (Art. 40 Abs. 1 Bst. b
der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Verlegt
indes eine versicherte Person, die ihren Wohnsitz im Ausland hat, während
des Verfahrens ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihren Wohnsitz in die
Schweiz, so geht die Zuständigkeit auf die IV-Stelle über, in deren Tätigkeit
die versicherte Person oder ihren Wohnsitz hat (Art. 40 Abs. 2ter IVV).
3.2 Die Beschwerdeführerin hatte im Zeitpunkt der Einleitung des Revisi-
onsverfahrens im Februar 2016 (Fragebogen Rentenrevision vom 23. Feb-
ruar 2016, IVSTA-act. 30) ihren Wohnsitz in der Republik Kosovo. Somit
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Seite 11
hat die IVSTA zu Recht Abklärungen zum Leistungsanspruch vorgenom-
men und die angefochtene Verfügung vom 15. August 2017 erlassen. Die
nach Verfügungserlass erfolgte erneute Wohnsitznahme in der Schweiz
(vgl. BVGer-act. 3) ist in diesem Zusammenhang unbeachtlich.
4.
4.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
4.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Im vorliegenden Verfahren finden demnach jene Vorschriften Anwendung,
die spätestens beim Erlass der Verfügung vom 15. August 2017 in Kraft
standen (so auch die Normen der am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen
Fassung des IVG vom 18. März 2011 [6. IV-Revision]); weiter aber auch
solche, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die
aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche
von Belang sind.
4.3 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 15. August 2017) eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Spätere Arztberichte (und andere einschlä-
gige Dokumente) sind in die Beurteilung miteinzubeziehen, soweit sie
Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsver-
fahrens gegebene Situation erlauben (Urteil des BGer 9C_534/2018 vom
15. Februar 2019 E. 2.1 m.H. auf BGE 121 V 362 E. 1b in fine). Tatsachen,
die den Sachverhalt seither verändert haben, sollen daher im Normalfall
Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362
E. 1b).
4.4 Sowohl das Verwaltungsverfahren wie auch der erstinstanzliche Sozi-
alversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht
(vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG; Art. 61 Bst. c ATSG; Art. 12 VwVG). Danach hat
die Verwaltung und im Beschwerdeverfahren das Gericht von Amtes we-
gen für die richtige und vollständige Abklärung des erheblichen Sachver-
halts zu sorgen (vgl. BGE 136 V 376 E. 4.1.1). Sofern das Gesetz nicht
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Seite 12
etwas Abweichendes vorsieht, gilt im Sozialversicherungsrecht der Be-
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 143 V 168 E. 2; 138
V 218 E. 6).
4.5 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Im Rahmen seiner Kognition
kann es die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten
Gründen gutheissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit
einer Begründung bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (vgl.
Urteil des BGer 2C_393/2015 vom 26. Januar 2016 E. 1.2; BGE 132 II 47
E. 1.3 m.H.).
5.
5.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
5.2 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliede-
rungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können
(Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
(Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8
ATSG) sind (Bst. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % be-
steht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe
C-5447/2017
Seite 13
Rente, bei mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens
70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
5.3
5.3.1 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwal-
tung und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztli-
chen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stel-
len sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4; 125
V 256 E. 4).
5.3.2 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel
zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfah-
ren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versi-
cherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h.
ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu wür-
digen. Dies bedeutet für das Gericht, dass es alle Beweismittel, unabhän-
gig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden
hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strei-
tigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander wi-
dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c).
5.3.3 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend,
ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation ein-
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertinnen und Experten be-
gründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Ausschlaggebend
für den Beweiswert ist somit grundsätzlich weder die Herkunft des Beweis-
mittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen
medizinischen Beurteilung als Bericht, Gutachten oder Stellungnahme
(vgl. BGE 125 V 351 E. 3.a; 122 V 157 E. 1c). Eine begutachtende medizi-
nische Fachperson muss aber über die notwendigen fachlichen Qualifika-
tionen verfügen (Urteil des BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017
E. 3.1 m.H.).
C-5447/2017
Seite 14
5.3.4 Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG ein-
geholten Gutachten von medizinischen Sachverständigen, die den Anfor-
derungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht vollen Be-
weiswert zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverläs-
sigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 2.2.2; 135 V 465 E. 4.4).
5.3.5 Der Beweiswert von Berichten der regionalen ärztlichen Dienste
(RAD) nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sach-
verständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen An-
forderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen
und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt
(vgl. BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärzt-
licher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – kann allerdings
nicht abgestellt werden und es sind ergänzende Abklärungen vorzuneh-
men, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüs-
sigkeit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2; Urteil des BGer 8C_262/2016
vom 22. September 2016 E. 4.2 m.H.).
5.3.6 Eine direkte Leistungszusprache einzig gestützt auf die Angaben der
behandelnden Ärztinnen und Ärzte (z.B. Hausärzte oder Spezialärztinnen)
kommt im Beschwerdeverfahren kaum in Frage, zumal deren Berichte in
der Regel nicht die materiellen Anforderungen an ein Gutachten erfüllen.
Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte stehen in einem auftragsrechtlichen
Verhältnis zur versicherten Person und haben sich in erster Linie auf die
Behandlung zu konzentrieren. Bei der Würdigung ihrer Berichte hat das
Gericht sowohl dem Unterschied zwischen Behandlungs- und Begutach-
tungsauftrag wie auch der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher
zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, Rechnung zu tragen (BGE 135 V
465 E. 4.5). Der Umstand allein, dass eine Einschätzung von der Hausärz-
tin oder dem Hausarzt stammt, darf jedoch nicht dazu führen, sie als von
vornherein unbeachtlich einzustufen. Die einen längeren Zeitraum abde-
ckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärztinnen und
Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor (Urteil des BGer
8C_278/2011 vom 26. Juli 2011 E. 5.3). Ihre Berichte können insbesondere
geeignet sein, die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit von versicherungsin-
ternen medizinischen Stellungnahmen in Zweifel zu ziehen (BGE 135 V
465 E. 4.5).
C-5447/2017
Seite 15
5.3.7 Geht es um psychische Erkrankungen, namentlich eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomati-
sches Leiden (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen
leicht- bis mittelgradiger Natur (BGE 143 V 409), sind für die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Be-
rücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits
und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das
tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; 143 V 418 E. 6 ff.). Ausgangspunkt der Prüfung
und damit erste Voraussetzung bildet eine psychiatrische, lege artis ge-
stellte Diagnose (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1; 143 V 418 E. 6 und E. 8.1).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erwähnten Indikatoren hat das
Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie
«funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheits-
schädigung» (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symp-
tome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz; Komorbidi-
täten [E. 4.3.1]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struk-
tur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und «sozialer Kon-
text» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhal-
tens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitä-
tenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und be-
handlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens-
druck (E. 4.4.2).
5.4 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Ren-
tenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Ge-
such hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho-
ben (Art. 17 Abs. 1 ATSG; Art. 86ter ff. IVV).
5.4.1 Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat-
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit
den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist deshalb nicht
nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, son-
dern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (o-
der die Auswirkungen auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des
an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert ha-
ben. Dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer An-
gewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Ein Revisionsgrund ist
ferner unter Umständen auch dann gegeben, wenn eine andere Art der
Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des
Aufgabenbereichs eingetreten ist (BGE 141 V 9 E. 2.3, 130 V 343 E. 3.5).
C-5447/2017
Seite 16
Eine weitere Diagnosestellung bedeutet nur dann eine revisionsrechtlich
relevante Gesundheitsverschlechterung oder eine weggefallene Diagnose
eine verbesserte gesundheitliche Situation, wenn diese veränderten Um-
stände den Rentenanspruch berühren (BGE 141 V 9 E. 5.2). Liegt eine
erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Rentenanspruch in
rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung
des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlaggebenden Tatsa-
chenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen
zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3; 117 V 198 E. 4b; SVR 2011 IV Nr. 37 S. 109
E. 1.1). Dagegen ist die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli-
chen unverändert gebliebenen Sachverhaltes, namentlich des Gesund-
heitsschadens oder auch der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit,
unerheblich (BGE 112 V 371 E. 2b m.H.; Sozialversicherung Rechtspre-
chung [SVR] 2006 IV Nr. 45 E. 2; 2004 IV Nr. 5 E. 3.3, 3.4; 1996 IV Nr. 70
E. 3a; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 17 Rz. 26). Auch
eine neue Verwaltungs- oder Gerichtspraxis rechtfertigt grundsätzlich
keine Revision des laufenden Rentenanspruchs zum Nachteil der versi-
cherten Person (BGE 135 V 201 E. 6.1.1 m.H., u.a. auf BGE 115 V 308
E. 4a/dd).
5.4.2 Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich
im Aufgabenbereich zu betätigen, ist die anspruchsbeeinflussende Ände-
rung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt
an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie vo-
raussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksich-
tigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate ange-
dauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a Abs. 1
IVV). Bei Versicherten, welche die Leistung weder unrechtmässig erwirkt
noch die Meldepflicht verletzt haben, erfolgt die Herabsetzung oder Aufhe-
bung der Renten frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung
der Verfügung folgenden Monats an (Art. 88bis Abs. 2 IVV).
5.4.3 Ob eine unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten erhebliche Än-
derung eingetreten ist, beurteilt sich durch den Vergleich des Sachverhal-
tes, wie er im Zeitpunkt der letzten, der versicherten Person eröffneten
rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Ren-
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi-
gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten
für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszu-
standes) beruht, mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfü-
gung; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und
C-5447/2017
Seite 17
prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4). Unter einer Sachverhalts-
abklärung im Sinne von BGE 133 V 108 muss eine Abklärung verstanden
werden, die – wenn sie inhaltlich zu einem anderen Ergebnis führt – geeig-
net ist, eine Rentenerhöhung, -herabsetzung oder -aufhebung zu begrün-
den (Urteil des BGer 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 6.2).
5.5 Die Bemessung der Invalidität erfolgt bei erwerbstätigen Versicherten
in der Regel nach der Einkommensvergleichsmethode (Art. 28a Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 16 ATSG), bei nichterwerbstätigen Versicherten durch einen Be-
tätigungsvergleich nach der spezifischen Methode (Art. 28a Abs. 2 IVG
i.V.m. Art. 27 IVV [SR 831.201]) und bei teilerwerbstätigen Versicherten mit
einem Aufgabenbereich nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3
IVG und Art. 27bis IVV i.V.m. Art. 28a Abs. 1 und 2 IVG; Art. 16 ATSG und
Art. 27 IVV).
6.
Es sind in einem ersten Schritt die beiden massgebenden Vergleichszeit-
punkte zu bestimmen:
6.1 Als zeitliche Vergleichsbasis ist einerseits der Sachverhalt im Zeitpunkt
der ursprünglichen Rentenverfügung und anderseits derjenige zur Zeit der
streitigen Revisionsverfügung zu berücksichtigen (BGE 130 V 343 E. 3.5.2,
125 V 368 E. 2; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 166 E. 3.1). Wurde die Rente zuvor
bereits revidiert oder bestätigt, so ist als zeitliche Vergleichsbasis die letzte
rechtskräftige Verfügung heranzuziehen, sofern eine materielle Überprü-
fung des Leistungsanspruches tatsächlich stattgefunden hat, d.h. eine
rechtskonforme (medizinische) Sachverhaltsabklärung, eine Beweiswürdi-
gung und gegebenenfalls – sofern Hinweise für eine Änderung in den er-
werblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands bestanden – ein Ein-
kommensvergleich durchgeführt worden sind (BGE 133 V 108 E. 5.4). Die
weitere Ausrichtung einer Invalidenrente nach einer von Amtes wegen
durchgeführten Revision, sofern dabei keine leistungsbeeinflussende Än-
derung der Verhältnisse festgestellt wurde, bedarf gemäss Art. 74ter Bst. f
IVV keiner Verfügung. Die blosse Mitteilung eines solchen Revisionsergeb-
nisses ist, wenn keine Verfügung verlangt wurde (Art. 74quater Abs. 1 IVV),
in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer rechtskräftigen Verfügung
gleichzustellen (SVR 2013 IV Nr. 44 S. 135 E. 3.1.2).
6.2 Die ursprüngliche, mit rechtskräftiger Verfügung vom 5. November
2008 (IVSTA-act. 44) zugesprochene IV-Rente erfolgte gestützt auf einer
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Seite 18
umfassenden materiellen Anspruchsprüfung, insbesondere in psychiatri-
scher Hinsicht (IVSTA-act. 95). Am 19. April 2012 erliess die IVSTA eine
weitere rechtskräftige Verfügung (IVSTA-act. 67), mit der weiterhin eine
ganze ordentliche Invalidenrente zugesprochen wurde. Diese rechtskräf-
tige Verfügung beruhte ebenfalls auf einer materiellen Prüfung des Ren-
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung und Beweiswür-
digung von fünf Arztberichten sowie insbesondere des Facharztberichtes
von Dr. K._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (IV-
STA-act. 49). Mangels Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerbli-
chen Auswirkungen des Gesundheitszustands wurde auf die Durchführung
eines Einkommensvergleichs verzichtet. Im Sinne der Rechtsprechung von
BGE 133 V 108 E. 5.4 kann hinsichtlich des Referenzzeitpunkts auf diese
Verfügung abgestellt werden. Keinen Referenzzeitpunkt bilden hingegen
die Mitteilungen der IV-Stelle C._ vom 15. Oktober 2010 (IVSTA-
act. 53) sowie vom 15. März 2011 (IVSTA-act. 58), da die IV-Stelle
C._ im Rahmen dieser formlosen Entscheide keine umfassenden
Sachverhaltsüberprüfungen vornahm.
6.3 Unter diesen Umständen bilden die zeitlich massgeblichen Vergleichs-
zeitpunkte die rentenbestätigende Verfügung vom 19. April 2012 (IVSTA-
act. 67) sowie die vorliegend angefochtene Verfügung vom 15. August
2017 (Beilage 2 zu BVGer-act. 1). Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob sich
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Zeitraum vom 19. Ap-
ril 2012 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung am 15. August 2017
in rentenrelevanter resp. rentenausschliessender Weise verbessert hat.
7.
7.1 Der mit rentenbestätigender Verfügung vom 19. April 2012 (IVSTA-
act. 67) zugesprochenen ganzen IV-Rente lag in psychisch-psychiatrischer
Hinsicht insbesondere der psychiatrische Verlaufsbericht von Dr. med.
K._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
13. März 2011 (IVSTA-act. 49) zugrunde. Dr. K._ stellte nachfol-
gende Diagnosen:
– Paranoide Schizophrenie (F20.0)
– Bipolare affektive Störung, gegenwärtig hypomanisch (F31.0)
– Schizoaffektive Psychose, aktuell (F25.0)
– Aufmerksamkeits-Defizits-Syndrom mit Hyperaktivität (F90.1)
Dr. K._ hielt fest, dass jede Diagnose für sich per se einen negati-
ven Einfluss auf die Erwerbsfähigkeit habe, die mehrfache Komorbidität
C-5447/2017
Seite 19
potenziere die negative Auswirkung weiter. Es bestehe seit Jahren und bis
auf weiteres eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit. Die Beschwerdeführerin
habe mehrmals in der Psychiatrischen Universitätsklinik F._ hospi-
talisiert werden müssen, wo die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie
validiert worden sei. Auch seien die rezidivierenden depressiven Episoden
seit langem bekannt gewesen. Die langjährige Beobachtung habe zudem
gezeigt, dass die Versicherte auch hypomanische Phasen durchmachen
würde. Eine solche habe zum Zeitpunkt der Begutachtung ebenfalls be-
standen, wobei sogar die Kriterien einer rezidivierenden bipolaren Störung
mit manischen und depressiven Auslenkungen erfüllt gewesen seien. Die
paranoide Schizophrenie äussere sich in erster Line im Stimmenhören.
Diese Stimmen forderten die Beschwerdeführerin bspw. auf, sich zu verlet-
zen oder sich vom Balkon herunterzustürzen. Die Beschwerdeführerin
würde sich fast vollständig von sozialen Kontakten zurückziehen.
Dr. K._ wies zudem darauf hin, dass er in den letzten Monaten die
schizophrenen und hypomanischen Symptome in einem Mischzustand be-
obachtet habe und dieser Zustand nun die Regel sei. Die Hypomanie
könne zwar durch eine depressive Befindlichkeit abgelöst werden, aber
das schizophrene Moment würde nie verschwinden. Die Versicherte würde
auch in besseren Phasen Stimmen hören, wobei sie lediglich gelernt habe,
besser damit umzugehen.
7.2 Die Vorinstanz stütze die angefochtene Rentenaufhebungsverfügung
vom 15. August 2017 insbesondere auf die von Dres. N._, Facharzt
für FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und O._, Facharzt
FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, vom 22. März 2017 erstellten
Gutachten, die auf ambulanten psychiatrischen und rheumatologischen
Untersuchungen am 9. März 2027 basierten (IVSTA-act. 126 und 128),
dem durch die Abteilung für Rentenangelegenheiten des Ministeriums für
J._ in (...), eingeholten ärztlichen Bericht (IVSTA-act. 97 und 100)
sowie auf die im Verlauf des Vorverfahrens eingeholten Stellungnahmen
des medizinischen Dienstes der IVSTA. Diese medizinischen Dokumente
sind nachfolgend zusammengefasst wiederzugeben und einer Würdigung
zu unterziehen.
7.2.1 Im ärztlicher Bericht von Prof. utr. sc. L._, Internist-Kardio-
loge, und Ass. Dr. M._, Neuropsychiater, vom 18. Mai 2016 wurde,
basierend einer ambulanten Untersuchung der Beschwerdeführerin sowie
auf dem ärztlichen Bericht von Dr. K._ vom 12. Februar 2007 sowie
diversen Berichten von Dr. G._, folgende Diagnose gestellt (IVSTA-
act. 97 und 100):
C-5447/2017
Seite 20
– Bipolare affektive Störung (F31.3)
Die Erkrankung habe einen episodischen Charakter (S. 15), wobei sich,
basierend aus den früheren fachärztlichen Berichten, eine mentale Ver-
schlechterung der grundlegenden Verfassung sowie des depressiven Zu-
standes und der Gedanken begleitet mit einer leichten Abnahme, feststel-
len lasse (S. 5). Die Beschwerdeführerin habe ein gutes Bewusstsein in
Bezug auf die Orientierung hinsichtlich Raum und Zeit gezeigt, ohne Ver-
änderungen der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit oder der Form und
Inhalt des Denkens. Grundsätzlich sei die Versicherte leicht ansprechbar
gewesen und habe eine leichte Stimmungsschwankung aufgewiesen, wo-
bei diese aber derzeit ohne nennenswerte spezifische psychopathologi-
scher Inhalte gewesen sei. Dynamisch sei sie volutiv, lasziv und könne ihre
Lüste gut modulieren. Sie sei leicht introvertiert und reaktionsfähig bei Rei-
zen, wobei dies bei provokativen Reizen unwichtig sei. Das intellektuelle
Niveau entspräche zudem der Bildung (S. 13). Prof. utr. sc. L._ und
Ass. Dr. M._ attestierten der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähig-
keit für leichte Arbeiten (vgl. IVSTA-act. 100, S. 15).
7.2.2 Nach Einsicht in den ärztlichen Bericht vom 18. Mai 2017 (IVSTA-
act. 97 und 100) nahm Dr. H._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom IV-internen medizinischen Dienst am 24. August
2016 dazu Stellung und hielt fest, dass die Versicherte gemäss dem ein-
gereichten Arztbericht nun unter der Diagnose einer bipolaren Störung
laufe (aktuell remittiert). Es würden sich aus dem Dossier keine Hinweise
auf schwere Manien oder schwere depressive Einbrüche ergeben. Das
Ausfüllen des Haushaltsfragebogens durch die Versicherte lasse sich mit
den vorliegenden Diagnosen nicht erklären, dies sei vielmehr Ausdruck ei-
ner Verdeutlichungstendenz. Es scheine bereits lange zu einer Stabilisa-
tion gekommen zu sein. Die Ehe halte seit 1992. Dies spreche klar gegen
eine schwere Persönlichkeitsstörung. Der anhaltende Kinderwunsch und
die Geburt dreier Kinder sei bei einer anhaltenden schweren psychischen
Krankheit kaum vorstellbar. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer bisherigen
Tätigkeit in der Pflege zu 100 % arbeitsunfähig, hingegen sei ihr eine Ver-
weistätigkeit zumutbar. Für Arbeiten im Haushalt bestehe eine Arbeitsun-
fähigkeit von 20 % ab dem 1. Juni 2016 (IVSTA-act. 102).
7.2.3 Im bidisziplinären Gutachten vom 22. März 2017 stellte Dr. med.
O._, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumaerkrankungen,
C-5447/2017
Seite 21
Manuelle Medizin (SAMM), Neuraltherapie (ÖÄK), die nachfolgenden Di-
agnosen mit langdauernder Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IVSTA-
act. 126):
– Kombinierte Persönlichkeitsstörung, gemäss psychosomatisch-psychiatrische Be-
gutachtung von Dr. N._
Keine langandauernde Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten die Di-
agnosen:
– Chronisch rezidivierendes, phasenweises generalisiertes Schmerzsyndrom
– nicht ausreichend somatisch abstützbar
– krankheitsfremde Faktoren
– primäres Fibromyalgie-Syndrom
– diffuse Druckschmerzangabe
– Polyarthralgien axialer und peripherer Gelenke
– multiple Beschwerden wie Schlafstörungen, Müdigkeit, Atembeschwerden,
Schmerzen im Brustkorb und Bauchraum, Zittern der Beine
– Anamnestisch Panvertebralsyndrom möglich mit diffuser Ausstrahlung in den Kopf
und in alle Extremitäten (Hemisakralisation rechts)
– Coxarthrose links
– Nikotinkonsum von circa 45 pack years
– Anamnestisch Reizmagen-Syndrom
Dr. O._ beurteilte die Arbeitsfähigkeit aus rein somatisch-rheuma-
tologischer Sicht und hielt fest, dass diese für die von der Versicherten frü-
her in der Schweiz ausgeübten beruflichen Tätigkeiten für keinen Zeitraum
anhaltend eingeschränkt gewesen sei. Seit der rentenberechtigenden Ver-
fügung habe sich zudem der Gesundheitszustand leichtgradig verbessert.
Für Haushaltsarbeiten mit einem leicht- bis mittelgradig körperlich belas-
tenden Arbeitsprofil könne, aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht
beurteilt, keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit formuliert werden (IV-
STA-act. 126, S. 14).
7.2.4 Im psychiatrisch-psychotherapeutischen Teilgutachten vom 23. März
2017 stellte Dr. med. N._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psy-
chotherapie, Psychosomatische und psychosoziale Medizin (SAPPM), zer-
tifizierter Gutachter (SIM), infolge einer persönlichen Untersuchung vom
9. März 2017 die folgende Diagnose (IVSTA-act. 128):
– Kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0)
C-5447/2017
Seite 22
– mit narzisstischen, emotional expressiven/histrionischen, dissoziativen und
emotional instabilen/impulsiven Anteilen,
– mit depressiver Störung (gegenwärtig remittiert, F32.4/ F33.4)
– bei einem Status nach hyperkinetischer Störung (ADS/ ADHS, St. n. F90).
Die in den Akten dokumentierte depressive Störung sei gegenwärtig remit-
tiert (F32.4/F33.4). Auch eine eigenständige hyperkinetische Störung
(ADHS) könne nicht mehr abgegrenzt werden (Status nach ADS/ADHS,
St. n. F90). Ausser «Stimmenhören» würden schliesslich keine weiteren,
allfällig relevanten psychopathologischen Befunde von der Versicherten
beschrieben und / oder in den Akten aufgeführt (IVSTA-act. 128, S. 23 ff.).
In Bezug auf die festgestellten Gesundheitsschäden führte der Gutachter
in Beantwortung der Fragen der Vorinstanz eine Indikatorenprüfung durch
(IVSTA-act. 128, S. 32 ff.):
Die Gesundheitsschädigung scheine im Fall der Versicherten als eine kom-
binierte Persönlichkeitsstörung, wobei im Vordergrund ein narzisstisches
Selbstverständnis und eine histrionische Selbstdarstellung stünden. Die
objektiven psychopathologischen Befunde seien aus psychiatrisch-psy-
chotherapeutischer Sicht gering ausgeprägt. Die Limitierung des Aktivitä-
tenniveaus ergebe sich für alle vergleichbaren Lebensbereiche aufgrund
deutlicher Abweichungen im Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in den Be-
ziehungen zu anderen. Dabei seien gegenwärtig leichte bis mittelschwere
Beeinträchtigungen in den Bereichen Anpassung an Regeln / Routinen,
Flexibilität / Umstellungsfähigkeit, Kontakt- / Gruppenfähigkeit und Durch-
haltefähigkeit zu beachten. Eine Willensanstrengung zur Bewältigung die-
ser Defizite seien zumutbar und tatsächlich möglich (bspw. regelmässige
Aktivitäten des täglichen Lebens inkl. Mitarbeit im Haushalt und aufwän-
dige persönliche Hygiene). Die kombinierte Persönlichkeitsstörung behin-
dere vor allem die berufliche Reintegration der Versicherten. Sie sei aber
für keinen Zeitraum gleichzusetzen mit einer schweren psychiatrischen
Störung. Die Versicherte erfülle die Kriterien der Kategorie vor allem durch
ihre gestörte berufliche Integration aufgrund ihrer interaktionellen Defizite.
Eine soziale Desintegration sei nicht vorhanden. Der soziale Kontext sei
subjektiv und geordnet.
Beim Verlauf der Störung der Versicherten seien ein Rentenwunsch, eine
bewusstseinsnahe Aggravation und vielfältige nicht krankheitsbedingte
(soziale) Faktoren zu nennen. Diese Gesichtspunkte würden vor allem the-
rapeutische bzw. sozialarbeiterische Relevanz besitzen. Sie gingen nicht
C-5447/2017
Seite 23
in die Beurteilung einer medizinisch-theoretischen Zumutbarkeit einer all-
fälligen Tätigkeit aus versicherungspsychiatrischer Sicht mit ein, würden
hingegen die Möglichkeiten und die Motivation zur Leistungssteigerung
sehr deutlich beeinträchtigen. Sie behinderten (als nicht krankheitsbe-
dingte Aspekte) die medizinisch zumutbare Willensanstrengung zur Bewäl-
tigung der Defizite und erklärten auch die anlässlich der aktuellen Untersu-
chung erkennbare aussergewöhnliche Diskrepanz zwischen der subjektiv
wahrgenommenen und objektivierbaren Arbeitsunfähigkeit. Ein Suchtlei-
den bestünde aus versicherungspsychiatrischer Sicht bei der Versicherten
nicht.
Betreffend die Beschreibung des Alltags habe die Versicherte ausgeführt,
den Tag sehr unterschiedlich zu verbringen. Sie stehe zwischen 3 Uhr und
6 Uhr auf; sie gehe zwischen 19 Uhr und 21 Uhr zu Bett. Am Morgen trinke
sie zunächst Kaffee oder einen Energy Drink und rauche Tabakzigaretten.
Ab und zu koche sie etwas, gehe einkaufen oder erledige Hausarbeit. Je-
den Tag komme eine Haushaltshilfe, die die meiste Arbeit besorge. Die
Versicherte kümmere sich um ihre aufwändige persönliche Hygiene. Sie
betreue ihre Kinder, höre Radio und nutze das Internet. Sie ruhe sich aus,
lege sich hin und schlafe auch tagsüber. Die Versicherte pflege regelmäs-
sig soziale Kontakte (u.a. Kinder, Ehemann, Hausangestellte, Psychiaterin)
und es würden von ihr auch entsprechende persönliche Ressourcen be-
schrieben (bspw. gute Kommunikationsfähigkeit, angepasste soziale Kom-
petenzen). Die Aktivitäten des täglichen Lebens seien zwar spärlich, aber
angemessen.
In der bidisziplinären Einschätzung der Arbeitsfähigkeit könne vollumfäng-
lich auf die versicherungspsychiatrische Einschätzung abgestützt sowie für
Tätigkeiten im Haushalt seit dieser aktuellen Begutachtung keine anhal-
tende Arbeitsunfähigkeit begründet werden.
Aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht seien relevante Behand-
lungsmassnahmen seit 2002 durchgeführt worden. Die Persönlichkeitsstö-
rung stelle weiterhin grundsätzlich eine Indikation für eine regelmässige,
strukturierte fachärztliche psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
dar. Deren allfälliger Nutzen sei mit Blick auf eine relevante Steigerung der
Arbeitsfähigkeit der Versicherten aus rein medizinischer Sicht aber nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Der Einsatz sei rein
therapeutisch-ethisch im Zusammenhang eines bio-psycho-sozialen
Krankheitsmodells motiviert, denn medizinisch-theoretisch sei die Prog-
C-5447/2017
Seite 24
nose einer Persönlichkeitsstörung (oft trotz langjähriger psychiatrisch- psy-
chotherapeutischer Therapie) meist chronisch stabil. Eine Motivation für
eine solche Behandlung würde die Versicherte bestätigen. Eingliederungs-
massnahmen seien in den Akten nicht dokumentiert, diese seien aus Sicht
des Gutachters zumutbar.
In den Akten sei der Versicherten eine erhebliche Minderung der Belast-
barkeit attestiert worden. Eine Willensanstrengung zur Bewältigung von
Defiziten sei nur in engen Grenzen möglich. Mit Bezug auf die ihm vorlie-
genden Informationen könne der Gutachter feststellen, dass zwischen
2007 und einem nicht genau zu bestimmenden Datum eine mittelschwere
Ausprägung der Persönlichkeitsstörung bestanden habe. Diese Ausprä-
gung sei gegenwärtig nicht mehr erkennbar. Im Vergleich zum Gutachten
vom 22. Oktober 2007 von Dr. D._ sei es zu einer deutlichen Ver-
besserung der Störung gekommen. Es könne somit aus rein psychiatrisch-
psychotherapeutischer Sicht festgestellt werden, dass die jetzt noch leicht
ausgeprägte kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0) auch weiterhin ei-
nen relevanten (krankheitsbedingten) Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt haben werde.
Für die früher in der Schweiz ausgeübte Tätigkeit als Spitexmitarbeiterin /
Pflegerin sei eine Arbeitsunfähigkeit von 65 % anzunehmen, weil hier in-
teraktionelle Kompetenzen ausdrücklich im Vordergrund stehen würden.
Bei angepassten Tätigkeiten (Toleranz bzgl. der interaktionellen Defizite,
keine erhöhten Anforderungen an interpersonellen Kontakt, wenig Leis-
tungsdruck, freie Zeiteinteilung) sei aufgrund der persönlichkeitsbedingten
Basisdefizite noch von einer Arbeitsunfähigkeit von 25 % auszugehen. Für
Tätigkeiten im Haushalt könne jedoch von keiner relevanten (≥ 20 %) Ar-
beitsunfähigkeit mehr ausgegangen werden. Auf diese Einschätzung
könne ab dem Datum der Untersuchung abgestützt werden. Aufgrund un-
zureichender (fach-)ärztlicher Dokumentation könne jedoch nicht mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit geschätzt werden, ob und ab wann genau
allfällig zwischen Oktober 2007 und März 2017 darauf abgestellt werden
könne.
7.2.5 Am 15. April 2017 nahm die RAD-Ärztin Dr. H._ erneut Stel-
lung zum vorgelegten Dossier (IVSTA-act. 132). Gestützt auf die Akten
stellte Dr. H._ folgende Hauptdiagnose:
– kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0)
C-5447/2017
Seite 25
Nebendiagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
– generalisiertes Schmerzsyndrom
Sie hielt fest, dass es aktuell um eine leichte gesundheitliche Einschrän-
kung mit Beeinträchtigung im Bereich der Anpassung, der Flexibilität und
der Durchhaltefähigkeit gehe. Die Einschränkungen lägen vor allem im in-
teraktionellen Bereich. Für die letztmals ausgeübte Tätigkeit in der Spitex
sei durch den Gutachter von einer 65 % Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(im angestammten Bereich) ausgegangen worden, da in diesem Bereich
interaktionelle Fähigkeiten gefragt seien. Die Einschränkung in einer ange-
passten Tätigkeit würden hingegen maximal 25 % betragen. Die Versi-
cherte würde einen Arbeitsplatz ohne Ansprüche im interpersonellen Be-
reich und ohne Hektik und Drucksituationen benötigen. In der Haushaltung
seien die Einschränkungen hingegen minimal. Bei der Begutachtung sei
zudem auf Verdeutlichungstendenzen und Aggravation hingewiesen wor-
den. Es hätten sich auch Diskrepanzen in den Angaben, die abhängig vom
Gutachter und dem Gegenstand der Untersuchung waren, ergeben (S. 1).
Aufgrund der Erhebungen im interdisziplinären Gutachten bestehe seit je-
her eine kombinierte Persönlichkeitsstörung. Diese Störung sei wahr-
scheinlich dafür verantwortlich gewesen, dass es bei Tätigkeiten, in denen
der interaktionelle Bereich gefragt gewesen sei, zu Stellenwechseln ge-
kommen sei (S. 2). Zum Zeitpunkt der Begutachtung 2007 (durch
Dr. D._, IVSTA-act. 95) sei die Diagnose einer mittelgradigen de-
pressiven Episode festgehalten worden. Anschliessend sei (am 13. März
2011 durch Dr. K._; IVSTA-act. 49) eine bipolare Störung diagnos-
tiziert worden. Diese Störung sei nun im Arztbericht (vom 18. Mai 2016)
von als remittiert bezeichnet worden. Die Remission habe sich auch bei
der Begutachtung durch Dr. N._ bestätigt. Dieser habe zudem eine
Aggravation und Verdeutlichungstendenz festhalten können (S. 2). Das
Gutachten von Dr. N._ sei wie üblich ausführlich gewesen und habe
auf einem gründlichen Studium der Vorakten sowie einer allseitigen Unter-
suchung beruht. Die Beurteilung sei ausführlich diskutiert worden und aus
medizinischer Sicht nachvollziehbar. In der rheumatologischen Untersu-
chung habe zudem eine somatische Ursache für das Schmerzsyndrom der
Versicherten ausgeschlossen werden können.
Die im Gutachten von Dr. D._ (IVSTA-act. 95) beschriebene de-
pressive Episode sei bereits länger remittiert gewesen, und aus der Per-
sönlichkeitsstörung lasse sich keine vollständige Arbeitsunfähigkeit be-
gründen (S. 3). Die Beschwerdeführerin könne somit ganztags sitzend,
C-5447/2017
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stehend und in Wechselposition arbeiten, Gewichte von bis zu 10 kg heben
und eine Arbeit mit Verantwortung, aber nicht in einem Team oder mit
Stress, übernehmen. In der bisherigen Tätigkeit liege die Arbeitsunfähigkeit
ab dem 1. Juni 2016 bei 65 %, für Arbeiten im Haushalt seit langem bei
20 % und in einer Verweisungstätigkeit bei 25 % (S. 2).
7.3 Schliesslich reichte die Beschwerdeführerin im Rahmen des vorliegen-
den Verfahrens folgende neuen medizinischen Berichte ein:
7.3.1 Dem Austrittsbericht der P._, unterzeichnet von Dres.
Q._ und R._, vom 31. Januar 2018 (Beilage 1 zu BVGer-
act. 7) sind folgende Diagnosen zu entnehmen:
– Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie (F20.0)
– Iatrogene Benzodiazepin-Abhängigkeit (F13.3)
– Varikosis beide Beine, links Z. n. Stripping
– ADS mit Impulskontrollstörung (vordiagnostiziert) (F90.0)
– Lumbo- und Thoraco-vertebrales Schmerzsyndrom bei Diskushernie LWK 4/5, Be-
ckentiefstand links, Hemisacralisation L5 (vordiagnostiziert)
– Z. n. rez. Depressiven Episoden (vordiagnostiziert)
– Schizophrenes Residuum (vordiagnostiziert) (F20.5)
– Leichte Coxarthrose links bei Osteolyse supraacetabulär (vordiagnostiziert)
Die Beschwerdeführerin habe sich vom 28. November 2017 bis zum
10. Januar 2018 in stationärer Behandlung befunden. Dabei sei sie freiwil-
lig auf Einweisung ihres Hausarztes wegen einer erneuten Dekompensa-
tion der vorbekannten Psychose zur Aufnahme gekommen, da die Gefahr
bestünde, dass sie sich in Folge der imperativen Stimmen suizidiere. Die
seit mehreren Jahren bestehende produktive Psychose habe durch Ein-
stellung auf Clozapin in einer Dosis von zuletzt 450 mg gut gebessert wer-
den können. Die Versicherte habe zuletzt angegeben, dass die quälenden
akustischen Halluzinationen beinahe vollständig abgeklungen seien. Sie
würden empfehlen, das seit vielen Jahren verordnete Lorazapam (recte:
Lorazepam [«Temesta»]) vorsichtig zu reduzieren; beigefügt war die Liste
der aktuellen Medikation (17 verschiedene Arzneimittel). Trotz des langen
und schweren Krankheitsverlaufs seien die Persönlichkeit und die kogniti-
ven Fähigkeiten der Patientin gut erhalten.
7.3.2 Aus dem Arztbericht von Dr. med. S._, Fachärztin FMH für
Neurologie, vom 14. April 2018 (Beilage 2 zu BVGer-act. 7) geht hervor,
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Seite 27
dass die Beschwerdeführerin durch Dr. V._, Facharzt FMH für Psy-
chiatrie und Psychotherapie, an Dr. S._ überwiesen worden sei
zwecks Durchführung einer verhaltensneurologisch-neuropsychologi-
schen Untersuchung bei paranoider Schizophrenie im Hinblick auf die Be-
urteilung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Dabei entsprächen die erhobe-
nen kognitiven Befunde einer Funktionsstörung fronto-limbischer Regel-
kreise, etwas linkshemisphärisch betont, leichter bis mittelschwerer und
zum Teil schwerer Ausprägung, gut mit den Auswirkungen der primär psy-
chiatrischen Erkrankung (paranoide Schizophrenie) vereinbar, zusätzlich
aggraviert durch medikamentöse Faktoren. Aufgrund dieser Befunde sei
aktuell von keiner verwertbaren Arbeitsfähigkeit auszugehen.
7.4 Nach Einsicht in die beschwerdeweise eingereichten medizinischen
Dokumente holte die Vorinstanz erneut Stellungnahmen ihres ärztlichen
Dienstes ein:
7.4.1 Die RAD-Ärztin Dr. H._ hielt am 27. Juni 2018 fest, dass im
Austrittsbericht des P._ die Vordiagnosen, die in den vorliegenden
Akten so nicht gestellt wurden, eindrücklich seien (schizophrenes Resi-
duum, ADS, paranoide Schizophrenie). Aufgrund des beschriebenen Psy-
chostatus habe im Zeitpunkt der Hospitalisation mit Sicherheit keine de-
pressive Episode vorgelegen. Diese Diagnose sei auch nicht gestellt wor-
den. Der Psychostatus sei vergleichbar mit den Untersuchungsbefunden
von Dr. N._ im März 2017, der einen guten affektiven Rapport und
sehr gut modulierte Affekte beschreibe. Damit komme die Diagnose eines
schizophrenen Residuums nicht in Frage, da bei der Negativsymptomatik
die psychomotorische Verlangsamung und eine starke Störung des An-
triebs zwingend seien. Bezüglich der Diagnose der paranoiden Schizo-
phrenie könne ebenfalls auf das Gutachten verwiesen werden. So erfülle
die Versicherte einzig aufgrund ihrer anamnestischen Angaben ein Krite-
rium der Diagnose. Dies sei auch im P._ so gewesen.
Betreffend den Bericht der verhaltensneurologischen Untersuchung von
Dr. S._ führte die RAD-Ärztin aus, dieser sei zu wenig spezifisch.
Es fehlten unter anderem Angaben über die Leistungsfähigkeit der Versi-
cherten in der Schule und bei der Ausbildung. Die ehemals festgestellte
Diagnose einer Depression sei aufgrund der beiden Berichte weiterhin als
remittiert zu beurteilen (Beilage 1 zu BVGer-act. 11).
7.4.2 Die RAD-Ärztin Dr. T._, Fachärztin FMH für Rheumatologie,
bestätigte in ihrer Stellungnahme vom 10. Juli 2018 im Wesentlichen die
C-5447/2017
Seite 28
im (Teil-)Gutachten von Dr. O._ gestellten Diagnosen und damit
verbunden die Schlussfolgerung, wonach aus somatischer Sicht keine Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit, weder in ihrer angestammten noch in ei-
ner angepassten Tätigkeit, bestehe (Beilage 3 zu BVGer-act. 11).
7.4.3 W._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in sei-
ner kurzen Stellungnahme vom 22. Juli 2018 fest, dass die Standardindi-
katoren im Gutachten von Dr. N._ vom 22. März 2017 ausführlich
und nachvollziehbar diskutiert worden seien und der Fall damit anhand des
strukturierten Beweisverfahrens geprüft worden sei (Beilage 6 zu BVGer-
act. 11).
7.5 Vorab ist festzuhalten, dass das bidisziplinäre Gutachten der
Dres. N._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und
O._, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, vom
22. März 2017 grundsätzlich die an den Beweiswert eines ärztlichen Gut-
achtens gestellten Kriterien erfüllt. Es ist für die streitigen Belange umfas-
send, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten
Beschwerden und wurde in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgege-
ben. Zudem erfolgte die Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in Einklang mit der neu geltenden Rechtslage nach
Massgabe der im Regelfall heranzuziehenden Standardindikatoren ge-
mäss BGE 141 V 281 (vgl. E. 5.3.7). Schliesslich ist das Gutachten auch
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurtei-
lung der medizinischen Situation an sich einleuchtend und in den Schluss-
folgerungen begründet, so dass darauf dem Grundsatz nach abgestellt
werden kann. Damit kann es jedoch nicht sein Bewenden haben. Vielmehr
hat die Vorinstanz aufgrund der nachfolgenden Erwägungen die gutachter-
lichen Ausführungen erneut teilweise klarstellen, präzisieren und ergänzen
zu lassen (vgl. hierzu bspw. Urteil des BGer 9C_646/2010 vom 23. Februar
2011 E. 4; vgl. auch SVR 2010 IV Nr. 49 S. 151, 9C_85/2009 E. 3.5). Inso-
fern erweist sich der medizinische Sachverhalt und dessen Auswirkungen
auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit als noch nicht vollständig rechts-
genüglich abgeklärt (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb), und es kann bei dieser
Sachlage nicht auf weitere Abklärungen verzichtet werden (vgl. zum Ver-
zicht auf solche resp. zur antizipierten Beweiswürdigung vgl. BGE 136 I
229 E. 5.3; vgl. auch BGE 122 V 157 E. 1d; SVR 2005 IV Nr. 8 S. 37 E. 6.2,
2003 AHV Nr. 4 S. 11 E. 4.2.1; vgl. zum Ganzen Urteil des BGer
8C_189/2008 vom 4. Juli 2008 E. 5 mit Hinweisen). Dazu, was folgt:
C-5447/2017
Seite 29
7.5.1 In Bezug auf den Aspekt der Komorbiditäten fordert die neue Recht-
sprechung eine Gesamtbetrachtung der Wechselwirkungen und sonstigen
Bezüge der Schmerzstörung zu sämtlichen begleitenden krankheitswerti-
gen Störungen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3). Selbst wenn die Annahme des
psychiatrischen Gutachters zutreffen sollte, dass die kombinierte Persön-
lichkeitsstörung (F61.0) für sich allein keine Auswirkung auf die Arbeitsfä-
higkeit hat, so schliesst dies nicht aus, dass diese zusammen mit anderen
Befunden, wie insbesondere der Schmerzproblematik, welche der rheuma-
tologische Gutachter festgestellt hat (vgl. IVSTA-act. 126, S. 126), die Ar-
beitsfähigkeit beeinträchtigt (BGE 143 V 418 E. 5.1 und 8.1). Vorliegend
haben die Gutachter nicht abschliessend geklärt, inwiefern zwischen den
somatischen und den psychiatrischen Diagnosen Wechselwirkungen be-
stehen (vgl. dazu auch Urteil des BVGer C-1582/2016 vom 11. September
2017 E. 4.2.4). Vielmehr findet die durch den rheumatologischen Gutachter
gestellte Diagnose des chronisch rezidivierenden, phasenweisen generali-
sierten Schmerzsyndroms im psychiatrischen Teilgutachten mit keinem
Wort Erwähnung.
7.5.2 Weiter sind auch die Aussagen im Rahmen der Indikatorenprüfung
widersprüchlich, wonach verschiedene (nicht krankheitsbedingte) Aspekte
offenbar die zumutbare Willensanstrengung behinderten (IVSTA-act. 128,
S. 33, 35), gleichzeitig aber festgehalten wird, eine Willensanstrengung sei
aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht zumutbar und möglich (IV-
STA-act. 128, S. 38).
7.5.3 Sodann mutet es befremdlich an, wenn der Gutachter angibt (IVSTA-
act. 128, S. 33), es bestehe kein schweres Suchtleiden, gemäss Angaben
der Beschwerdeführerin bestehe ein geringer Gebrauch von Alkohol und
ein Konsum von Tabak, der sozial als üblich einzuordnen sei sowie eine
Abstinenz bezüglich weiterer nicht ärztlich verordneter psychotroper Sub-
stanzen (inklusive Drogen), wenn berücksichtigt wird, wie viele Medika-
mente die Versicherte seit Jahren einnimmt und entsprechend wohl ver-
ordnet bekommt.
7.5.4 In diesem Zusammenhang wird insbesondere auch eine Exploration
eines möglichen Abhängigkeitssyndroms im Gutachten vermisst. Dem psy-
chiatrischen Teilgutachten sind gestützt auf die Blutprobe vom 21. März
2017 im Medikamentenspiegel stark erhöhte Werte von Paroxetin (742
nmol/l, Referenzbereich: 91-365) und Lorazepam (194.0 nml/l, Referenz-
bereich: 32.0-48.0) zu entnehmen. Auch ist in den Akten geradezu augen-
C-5447/2017
Seite 30
scheinlich, dass bereits ein seit Jahren bestehender Gebrauch von Ben-
zodiazepinen besteht. So ist unter anderem aus dem ärztlichen Bericht der
Psychiatrischen Universitätsklinik F._, unterzeichnet von med.
pract. E._, Oberarzt, sowie Frau X._, Psychologin, vom
20. Juni 2007 ersichtlich, dass bereits zu diesem Zeitpunkt Temesta durch
die Beschwerdeführerin eingenommen wurde (IVSTA-act. 34; siehe auch
IVSTA-act. 97 S. 12 = 99). Dies obschon bei Temesta gemäss Fachinfor-
mation eine möglichst kurze Behandlungsdauer indiziert ist und die Ein-
nahme von Benzodiazepinen zu einer psychischen und physischen Abhän-
gigkeit führen kann. Dieses Risiko ist unter anderem erhöht bei längerer
Einnahme und hoher Dosierung (<https://compendium.ch/product/20229-
temesta-tabl-2-5-mg/MPro>; abgerufen am 5. März 2020). Zwischenzeit-
lich bestand denn bei der Beschwerdeführerin auch eine Medikation mit
Lexotanil (vgl. IVSTA-act. 45, S. 3), Valium (vgl. IVSTA-act. 57), Xanax (IV-
STA-act. 73 = 96; 97 S. 14) sowie Rivotril (dies seit 2014, vgl. IVSTA-
act. 75; 97 S. 15 f.), bei welchen es sich ebenfalls um Benzodiazepine han-
delt und entsprechend dieselbe Abhängigkeitsproblematik besteht
(Lexotanil: <https://www.swissmedicinfo.ch/>, abgerufen am 10. März
2020; Valium: <https://compendium.ch/product/23849-valium-tabl-10-
mg/MPro>; Xanax: <https://compendium.ch/product/22006-xanax-tabl-2-
mg/MPro>; Rivotril: <https://compendium.ch/product/6834-rivotril-tabl-2-
mg/MPro>, alle abgerufen am 5. März 2020). Bemerkenswert ist im vorlie-
genden Fall auch, dass bei einigen dieser Medikamente Halluzinationen
als häufige Nebenwirkung erwähnt wird; ein Umstand, dem bei den vorlie-
genden medizinischen Unterlagen keinerlei Rechnung getragen wurde,
obschon die akustischen Halluzinationen bei der Versicherten ein Diagno-
sekriterium bildeten.
7.5.5 Auch wenn die von der Beschwerdeführerin beschwerdeweise ein-
gereichten medizinischen Berichte erst nach Erlass der vorliegend ange-
fochtenen Verfügung entstanden sind und grundsätzlich nur die bis zum
Verfügungserlass vorliegenden medizinischen Akten zu berücksichtigen
(vgl. E. 4.3 hiervor), können gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
auch Arztberichte zum Krankheitsverlauf, welche nach Verfügungserlass
entstanden sind, in die Beurteilung miteinbezogen werden, soweit sie
Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsver-
fahrens gegebene Situation erlauben (statt vieler: Urteil BGer 8C_71/2017
vom 20. April 2017 E. 8.3). So wird denn im Austrittsbericht P._ vom
31. Januar 2018 eine itarogene Benzodiazepinabhängigkeit (F13.2) diag-
nostiziert (Beilage 1 zu BVGer-act.7). Auch wenn der Austrittsbericht die
Anforderungen an ein ärztliches Gutachten nicht erfüllt, so vermag er doch
https://compendium.ch/product/20229-temesta-tabl-2-5-mg/MPro https://compendium.ch/product/20229-temesta-tabl-2-5-mg/MPro https://www.swissmedicinfo.ch/ https://compendium.ch/product/23849-valium-tabl-10-mg/MPro https://compendium.ch/product/23849-valium-tabl-10-mg/MPro https://compendium.ch/product/22006-xanax-tabl-2-mg/MPro https://compendium.ch/product/22006-xanax-tabl-2-mg/MPro https://compendium.ch/product/6834-rivotril-tabl-2-mg/MPro https://compendium.ch/product/6834-rivotril-tabl-2-mg/MPro
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Seite 31
mit Blick die übrigen vorliegenden Akten (vgl. E. 7.5.3) Zweifel an der Voll-
ständigkeit des Gutachtens erwecken.
7.5.6 Schliesslich weist die RAD-Ärztin Dr. H._ mit Blick auf den
Austrittsbericht des P._ ebenfalls daraufhin, dass eine Benzodiaze-
pinabhängigkeit in der Regel zur Abflachung der Affekte führt. Die Versi-
cherte sei auf Clozapin in hoher Dosis eingestellt worden. Dieses Medika-
ment werde bei therapieresistenten Schizophrenien eingesetzt. Nach der
beschriebenen Verbesserung der Halluzinationen müsse die Medikation
auf eine niedrige Erhaltungsdosis eingestellt werden. Geplant sei gewe-
sen, dass die Therapie mit Benzodiazepinen reduziert werde. Für diesen
Entzug könne Clozapin hilfreich sein (S. 2 unten). Und betreffend den Be-
richt der verhaltensneurologischen Untersuchung von Dr. S._ führt
die RAD-Ärztin aus, die Untersuchung sei unter 4 mg Temesta, 400 mg
Clozapin und Zolpidem durchgeführt worden. Ein Medikamentenblutspie-
gel sei nicht abgenommen worden und es sei darauf zu verweisen, dass
sich bei der interdisziplinären Untersuchung herausgestellt habe, dass
zwei Medikamente stark erhöhte Medikamentenblutspiegel aufgewiesen
hätten (vgl. E. 7.5.6 hiervor).
7.6 Mit dem jüngst publizierten Entscheid BGE 145 V 215 hat das Bundes-
gericht vor dem Hintergrund der Rechtsprechung zur Ausdehnung des
strukturierten Beweisverfahrens gemäss BGE 141 V 281 auf sämtliche
psychischen Störungen (BGE 143 V 409 und 418) und nach vertiefter Aus-
einandersetzung mit den Erkenntnissen der Medizin die bisherige Recht-
sprechung, wonach primäre Abhängigkeitssyndrome bzw. Substanzkons-
umstörungen zum vornherein keine invalidenversicherungs-rechtlich rele-
vanten Gesundheitsschäden darstellen können und ihre funktionellen Aus-
wirkungen deshalb keiner näheren Abklärung bedürfen, fallen gelassen
(BGE 145 V 215 E. 5.3.3; Urteil des BGer 8C_245/2019 vom 16. Septem-
ber 2019 E. 4).
Das Bundesgericht hat entschieden, dass fortan – gleich wie bei allen an-
deren psychischen Erkrankungen – nach dem strukturierten Beweisverfah-
ren zu ermitteln sei, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich
diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähig-
keit der versicherten Person auswirke. Dabei könne und müsse im Rahmen
des strukturierten Beweisverfahrens insbesondere dem Schweregrad der
Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung getragen werden (BGE
145 V 215 E. 6.3). Diesem komme nicht zuletzt deshalb Bedeutung zu, weil
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bei Abhängigkeitserkrankungen – wie auch bei anderen psychischen Stö-
rungen – oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger Störung sowie psy-
chosozialen und soziokulturellen Faktoren vorliege. Letztere seien auch
bei Abhängigkeitserkrankungen auszuklammern, wenn sie direkt negative
funktionelle Folgen zeitigen würden. Weiter wird im Urteil festgehalten,
dass auch bei Vorliegen eines Abhängigkeitssyndroms die Schadenminde-
rungspflicht (Art. 7 IVG) zur Anwendung komme, so dass von der versi-
cherten Person etwa die aktive Teilnahme an zumutbaren medizinischen
Behandlungen verlangt werden könne (Art. 7 Abs. 2 Bst. d IVG). Komme
sie den ihr auferlegten Schadenminderungspflichten nicht nach, sondern
halte willentlich den krankhaften Zustand aufrecht, sei nach Art. 7b Abs. 1
IVG i.V.m. Art. 21 Abs. 4 ATSG eine Verweigerung oder Kürzung der Leis-
tungen möglich (BGE 145 V 215 E. 5.3.1).
7.7 Diese neue Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisände-
rung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des BGer 8C_245/
vom 16. September 2019 E. 5; Urteil 8C_756/2017 E. 4 mit weiterem Hin-
weis) und somit auch im vorliegenden Fall massgebend, sollte ein Abhän-
gigkeitssyndrom durch Sedativa oder Hypnotika nachvollziehbar und
schlüssig durch eine Fachperson diagnostiziert werden.
7.8 Nach dem Gesagten ist im Sinne eines Zwischenfazits festzuhalten,
dass die Vorinstanz ihrer Untersuchungspflicht nach Art. 43 Abs. 1 ATSG
nicht hinreichend nachgekommen ist und sie den rechtserheblichen medi-
zinischen Sachverhalt bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung nicht
genügend abgeklärt hat. Die Sache ist deshalb schon aus diesem Grund
an die Vorinstanz zu weiteren Abklärungen zurückzuweisen, um festzustel-
len, ob ein solches Abhängigkeitssyndrom bei der Versicherten vorliegt und
ob und wenn ja welche Behandlungen ihr im Rahmen ihrer Schadenmin-
derungspflicht zumutbar sind.
8.
Betreffend die Bemessung der Invalidität ergibt sich weiter was folgt:
8.1 Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig
oder als nichterwerbstätig einzustufen ist (Statusfrage), was jeweils zur An-
wendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung führt, ergibt
sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Um-
ständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Ent-
scheidend ist nach der Rechtsprechung nicht, welches Ausmass der Er-
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werbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet wer-
den könnte, sondern in welchem Pensum sie (unter Berücksichtigung der
gesamten persönlichen, familiären, beruflichen und sozialen Situation) hy-
pothetisch erwerbstätig wäre. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie
sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für
die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er-
werbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 141 V 15 E. 3.1
mit Hinweisen; Urteile des BGer 9C_883/2017 vom 28. Februar 2018
E. 4.1.1; 9C_552/2016 vom 9. März 2017 E. 4.2).
8.1.1 In Bezug auf die erwerblichen Verhältnisse geht aus den Akten her-
vor, dass die Versicherte zwei Vorlehrjahre für eine Ausbildung zur Coif-
feuse absolvierte, ohne diese Ausbildung abzuschliessen. Danach übte sie
verschiedene Tätigkeiten aus: Ab April 1995 arbeitete sie als Pflegehelferin
im USB._, ab November 1997 für ein knappes halbes Jahr im Ver-
kauf, ab Oktober 1998 für sechs Monate als Wäschereimitarbeiterin, ab
dem 29. November 1999 bis zum 30. April 2000 zu 100 % als Coiffeuse
(IVSTA-act. 10), wobei sie anschliessend krankheitsbedingt kündigte (IV-
STA-act. 6). Ab Juni 2003 war sie erneut in der Wäscherei des
USB._ tätig. Zwischen November 2005 und März 2007 arbeitete sie
in der Schweiz teilzeitig als Hauspflegerin und war seither nicht mehr er-
werbstätig (IVSTA-act. 133).
8.1.2 Im Zusammenhang mit der rentenbegründenden Verfügung vom
5. November 2008 hielt die Vorinstanz noch fest, dass auf eine genaue
Bemessung verzichtet werden könne, da psychische Beschwerden im Vor-
dergrund stehen würden und die Einschränkung im Haushalt ebenfalls
100 % betragen würde (IVSTA-act. 30). An dieser Einschätzung hielt die
Vorinstanz hinsichtlich der rentenbestätigenden Verfügung vom 19. April
2012 fest (IVSTA-act. 60 S. 1). Hinsichtlich der rentenaufhebenden Verfü-
gung vom 15. August 2017 liess die Vorinstanz 2. Mai 2017 einen Einkom-
mensvergleich durchführen und berechnete die Erwerbseinbusse mit 42 %
(IVSTA-act. 133). In der darauffolgenden Verfügung vom 15. August 2017
hielt die Vorinstanz fest, dass die Erwerbseinbusse infolge Ausübung einer
dem Gesundheitszustand angepassten Tätigkeit 42 % betrage, die Arbeit
im Haushalt mittlerweile wieder zu 80 % zumutbar sei und sich daher aus
den Einschränkungen in beiden Bereichen ein Invaliditätsgrad von 33 %
ergebe (Beilage 2 zu BVGer-act. 1).
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8.1.3 Obwohl im Einkommensvergleich vom 2. Mai 2017 nur von einer In-
validität im Erwerbsteil die Rede ist (IVSTA-act. 133), wird am 15. August
2017 trotzdem infolge einer nicht dargelegten Rentenberechnung nach der
gemischten Methode verfügt und von einer Erwerbseinbusse von 33 %
ausgegangen (Beilage 2 zu BVGer-act. 1). Die Auseinandersetzung mit
den Werten zur Arbeitsunfähigkeit sowie dem Einkommensvergleich (42 %
Erwerbseinbusse in Verweistätigkeiten sowie 20 % Arbeitsunfähigkeit im
Haushalt) zeigt, dass die Vorinstanz von einem Erwerbspensum von 59 %
ausgegangen sein muss ([59 % * 42 %]+[41 % * 20 %] = 33 %). Ein derar-
tiges Pensum entbehrt sich hingegen jeglicher Grundlage in den Akten und
ist auch sonst nicht rechtsgenüglich nachvollziehbar.
8.2 Nach dem Gesagten ist die Vorinstanz ihrer Untersuchungspflicht nach
Art. 43 Abs. 1 ATSG auch im Hinblick auf den beruflich-erwerblichen Sach-
verhalt nicht genügend nachgekommen und hat damit Bundesrecht ver-
letzt. So fand keine Befragung der Beschwerdeführerin dahingehend statt,
ob sie bei voller Gesundheit wieder zu 100 % erwerbstätig wäre (wie da-
mals als Coiffeuse), oder nur Teilzeit arbeiten würde (wie während ihrer
Tätigkeit als Hauspflegerin, wobei diesbezüglich unklar ist, ob diese Re-
duktion krankheitsbedingt oder freiwillig erfolgte). Die Vorinstanz hat sich
vielmehr ohne entsprechende Abklärungen damit begnügt, von der Mass-
geblichkeit der gemischten Methode auszugehen und auf ein fiktives Er-
werbspensum abzustellen. Zu klären sind insbesondere die Frage nach
dem vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeübten Be-
schäftigungsgrad sowie die Frage, ob die Reduktion des Pensums aus rein
gesundheitlichen Gründen oder aus freien Stücken erfolgte (durch Einho-
len von Auskünften bei der Spitex und Berichten der damals behandelnden
Ärzte). Sollte sich im Rahmen der weiteren Abklärungen und unter einläss-
licher Würdigung der gesamten Verhältnisse ergeben, dass die Beschwer-
deführerin im hypothetischen Gesundheitsfall nicht als vollzeitlich, sondern
nur als teilzeitlich Erwerbstätige zu qualifizieren ist, wäre die Vorinstanz
angehalten, zusätzlich eine Haushaltsabklärung durchzuführen.
9.
Im Ergebnis erweist sich der Sachverhalt bis zum Erlass der angefochte-
nen Verfügung vom 15. August 2018 weder in medizinischer noch in beruf-
lich-erwerblicher Hinsicht rechtsgenügend abgeklärt. Demzufolge ist es
nicht möglich, mit dem im Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweis-
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beurteilen, ob die Be-
schwerdeführerin gegebenenfalls weiterhin Anspruch auf eine Rente der
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Invalidenversicherung hat und falls ja, in welcher Höhe dieser Anspruch
noch besteht.
9.1 Die Sache ist folglich gestützt auf Art. 61 Abs. 1 VwVG zur weiteren
Abklärung bzw. Vervollständigung der Akten in medizinischer Hinsicht so-
wie zur anschliessenden Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Die Rückweisung an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung ist hier
rechtsprechungsgemäss (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4; 141 V 281 E. 6.4)
ausnahmsweise möglich, da im vorliegenden Gutachten relevante Fragen
bisher vollständig ungeklärt blieben. Würde diese mangelhafte Sachver-
haltsabklärung bzw. -würdigung durch Einholung eines Gerichtsgutachtens
im Beschwerdeverfahren korrigiert, bestünde die Gefahr der unerwünsch-
ten Verlagerung der den Durchführungsorganen vom Gesetz übertragenen
Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem Untersuchungs-
grundsatz abzuklären (Art. 43 Abs. 1 ATSG), auf das Gericht (vgl. Urteil des
BVGer C-6529/2014 vom 4. Juli 2016 E. 7.4).
9.2 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung dauert der Entzug
der aufschiebenden Wirkung einer Beschwerde, welche gegen eine anpas-
sungsweise verfügte Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung erhoben
wird, bei Rückweisung der Sache an den Versicherungsträger auch für den
Zeitraum des anschliessenden Abklärungsverfahrens bis zum Erlass einer
neuen Verfügung an (BGE 129 V 370 E. 4 mit Hinweis auf BGE 106 V 18;
KIESER, a.a.O., Art. 54 Rz. 14). Der mit der angefochtenen Verfügung an-
geordnete Entzug der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde fällt daher
gemäss der genannten Praxis des Bundesgerichts mit der vorliegenden
Rückweisung nicht dahin. Die streitige IV-Rente gelangt somit auch weiter-
hin nicht zur Auszahlung.
9.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom
25. September 2017 insofern gutzuheissen, als die angefochtene Verfü-
gung vom 15. August 2017 aufzuheben ist und der Sachverhalt zur Durch-
führung weiterer Abklärungen, zur erneuten Invaliditätsbemessung sowie
anschliessendem Erlass einer neuen Verfügung zurückzuweisen ist.
10.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
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10.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Da eine Rückweisung pra-
xisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Partei gilt (BGE 137
V 57 E. 2.1 m.H.), sind der Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten
aufzuerlegen. Der Vorinstanz werden ebenfalls keine Verfahrenskosten
auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
10.2 Die obsiegende, anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat ge-
mäss Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteient-
schädigung zu Lasten der Vorinstanz. Da keine Kostennote eingereicht
wurde, ist die Entschädigung aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14
Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Berücksichtigung des Verfahrensausgangs,
des gebotenen und aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung der Streitsa-
che und der Schwierigkeit des vorliegend zu beurteilenden Verfahrens ist
eine Parteientschädigung von Fr. 2'800.– (inklusive Auslagen und 8 %iger
Mehrwertsteuer bis Ende Dezember 2017; seit 1. Januar 2018 7.7 % [vgl.
Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Mehrwertsteuer vom 12. Juni
2009 {MWSTG; SR 641.20}]; zur Berücksichtigung der Mehrwertsteuer bei
der Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistands vgl. BGE 141 III
560 E. 2. und 3.) gerechtfertigt.
(Für das Urteilsdispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen).
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