Decision ID: be85fb54-42c1-4285-ba0c-0ec432b2e095
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde erstmals am 10. Juli 2006 durch ihren Beistand wegen
Verhaltensauffälligkeiten zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
angemeldet (IV-act. 1). Am 20. März 2007 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache
für ambulante Psychotherapie ab 11. Juli 2005 bis 10. August 2007 und für den
stationären Aufenthalt vom 30. Mai 2006 bis 31. August 2006 in der Klinik B._ (IV-
act. 23 und IV-act. 6).
A.a.
Mit Bericht vom 27. März 2008 stellte Dr. med. C._, FMH Psychiatrie/
Psychotherapie, folgende Diagnosen: Kombinierte Störung von Sozialverhalten und
Emotionen (ICD-10 F92.8) bei Anorexie und Polytoxikomanie in Remission (IV-act. 33).
A.b.
Am 15. Juli 2008 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für ambulante
Psychotherapie für die Dauer von weiteren zwei Jahren (IV-act. 54) und am 8. August
2008 eine Kostengutsprache für interne Sonderschulmassnahmen (IV-act. 57).
Nachdem die Versicherte sich am 2. Februar 2009 für Massnahmen für die berufliche
Eingliederung angemeldet hatte (IV-act. 67), gewährte die IV-Stelle ihr mit Mitteilung
vom 26. März 2009 Berufsberatung und Abklärung der beruflichen
Eingliederungsmöglichkeiten (IV-act. 76). Mit Verfügung vom 19. November 2010
lehnte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für erstmalige berufliche Ausbildung ab, da
die Versicherte nicht an beruflichen Massnahmen interessiert sei und eine
Suchtmittelproblematik im Vordergrund stehe (IV-act. 95).
A.c.
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Am _ 2011 gebar die Versicherte eine Tochter (vgl. IV-act. 103-2). Am 23.
September 2011 meldete sie sich, vertreten durch den damaligen Beistand, zur
Früherfassung und am 5. Oktober 2011 erneut zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 97 f. und IV-act. 103). Am 22. November 2011
gewährte die IV-Stelle Berufsberatung (IV-act. 115). Am 26. April 2013 sprach die IV-
Stelle der Versicherten die Übernahme der Kosten für berufliche Abklärung vom
15. April 2013 bis 12. Juli 2013 im D._, zu (IV-act. 135). Per 4. Mai 2013 brach die
Versicherte die berufliche Abklärung im D._ wegen Überforderung ab (IV-act. 137;
vgl. auch act. 138-2 f.).
A.d.
Auch eine Schnupperlehre in der Hauswirtschaft der E._ brach die Versicherte
vorzeitig ab. Sie teilte mit, dass sie eine Lehre im Technischen Dienst des F._
absolvieren wolle. Aufgrund des knappen schulischen Potentials empfahl das F._
eine BBT-Anlehre zur Hauswartspraktikerin (IV-act. 148). Am 16. August 2013 erteilte
die IV-Stelle Kostengutsprache für eine entsprechende erstmalige berufliche
Ausbildung ab 1. August 2013 (IV-act. 153). Die Ausbildung sollte in einem Pensum von
80% absolviert und durch Lerncoaching begleitet werden (IV-act. 157). Im zweiten
Ausbildungsjahr reduzierte die Versicherte ihr Arbeitspensum auf 60%, um nebst der
Ausbildung ihre Tochter betreuen zu können (IV-act. 175-3 und 175-6). Am 31. Juli
2015 schloss die Versicherte die Anlehre ab (IV-act. 175-9 f.). In der Folge beendete die
IV-Stelle die berufliche Unterstützung, indem sie weitere berufliche Massnahmen mit
Mitteilung vom 3. September 2015 ablehnte (IV-act. 179).
A.e.
Mit Bericht vom 8. März 2016 stellte Dr. med. G._, Allgemeine Medizin FMH,
unter anderem folgende Diagnosen: mittelgradige depressive Episode 5/12, Borderline-
Syndrom seit circa 1996, Hyperventilations- und Panikattacken 8/13 und
Spannungskopfschmerzen 8/13. Die Versicherte sei als alleinerziehende Mutter einer
vierjährigen Tochter völlig überfordert. Es würden Konzentrationsstörungen, eine
ausgeprägte Gemütslabilität, depressive Verstimmungen und Schlafstörungen
bestehen (IV-act. 193-2 f.).
A.f.
Mit Bericht vom 11. März 2016 diagnostizierte Dr. med. H._, Facharzt für Kinder-
und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie FMH, eine kombinierte Störung des
Sozialverhaltens und der Emotionen (ICD-10 F92.9). Es gebe Phasen mit völligem
A.g.
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Rückzug, dazu Dauerangst, dass man ihr die Tochter wegnehmen könnte. Sie habe
Mühe, zuverlässig Zeiten einzuhalten. Im depressiven Zustand nehme sie keine
Termine mehr wahr und melde sich bei niemandem, könne sich nicht strukturieren und
nicht motivieren, obwohl sie arbeiten wolle (IV-act. 194-2 f.). Am 30. Mai 2016 gab die
IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten (inkl. Intelligenztestung) bei Dr. C._in Auftrag
(IV-act. 198).
Mit Gutachten vom 3. November 2016 stellte Dr. C._ folgende Diagnosen:
kombinierte Persönlichkeitsstörung F61.0 bei Z.n. rezidivierenden Suizidversuchen,
kombinierte Störung von Sozialverhalten und Emotionen F92.9 bei
unterdurchschnittlicher Intelligenz und ADHS F90.1, Cannabisabusus F12.24 bei Z.n.
Opiatabusus bis 2016 (Kokain), Z.n. Heroinabusus (IV-act. 211-25). Die Diagnose der
kombinierten Störung von Sozialverhalten und Emotionen bestätige sich seit Kindheit
durch erhebliche Stimmungsschwankungen und Stimmungsinstabilität in Form
depressiver Symptome, Reizbarkeit, Interesselosigkeit, Antriebsschwierigkeit,
Ängstlichkeit, Traurigkeit und Freudlosigkeit. Verhaltensschwierigkeiten zeige die
Versicherte insbesondere in Form eines ausgeprägten Vermeidungsverhaltens in
Konfliktsituationen, bei Konfrontation mit persönlichen Schwierigkeiten und
Belastungen sowie einer Flucht in Drogen, rasch wechselnden Beziehungen und
ausgeprägt abhängiges Verhalten in spezifischen Beziehungen (Mutter, Exmann).
Hinsichtlich Spezifizierung der Persönlichkeitsstörung zeige sich ein Schwerpunkt bei
der emotionalen Instabilität, ängstlich vermeidendem sowie abhängigem Verhalten. Die
schizoiden, selbstunsicheren, abhängigen und vermeidenden Anteile kämen dabei
vorrangig zum tragen. In der Persönlichkeitsstruktur bestünden Essstörungen. Es
bestehe eine deutliche Frustrationsneigung und Neigung zur Zurückgezogenheit sowie
Impulsivität und ausgeprägt schnelle Stimmungswechsel. Zwar seien viele Kriterien
einer posttraumatischen Belastungsstörung erfüllt. Einige wesentliche Kriterien seien
jedoch nicht erfüllt, sodass diese Diagnose nicht gestellt werden könne (IV-act. 211-27
ff.). Die Versicherte zeige vor allem im Antrieb und in der Durchhaltefähigkeit schwere
funktionelle Einschränkungen in Beschäftigungssituationen und Konfliktsituationen
(eingeschränkte Kritikfähigkeit, Verweigerungshaltung, Blockaden). Es bestünden
schwere Einschränkungen in der Selbstbehauptungsfähigkeit (unangemessene,
affektive Reaktionen), in der Anpassung an Regeln und Routineabläufe (häufige
A.h.
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Absenzen, zu spät kommen, viele Ausnahmeregelungen), in der Umstellungsfähigkeit
und Flexibilität sowie in der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit (unterdurchschnittliche
Intelligenz, emotionale Instabilität, Interesselosigkeit; IV-act. 211-29 f.). Die
Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt betrage 40%. Die Ausübung dieser
Erwerbstätigkeit sei in einem zeitlichen Rahmen von fünf Stunden täglich möglich,
wobei eine um 30% verminderte Leistungsfähigkeit bestehe. Die geschätzte
Gesamtarbeitsfähigkeit betrage 40% auf ein 100%-Pensum (IV-act. 211-32).
Auf dem Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt
vom 25. April 2017 gab die Versicherte unter anderem an, ohne Behinderung wäre sie
im Ausmass von 50 bis 70% in der Reinigung bzw. als Hauswartin tätig (IV-act. 221-1).
A.i.
Mit Stellungnahme vom 15. November 2017 hielt RAD-Ärztin I._, Fachärztin für
Kinder- und Jugendpsychiatrie, fest, nach Durchsicht des gesamten Dossiers zeige die
Versicherte seit frühester Kindheit massive Einschränkungen und Auffälligkeiten trotz
Behandlung. Hypothetisch könne somit davon ausgegangen werden, dass sie in den
Zeiten, in denen sie keinen beruflichen Aufgaben nachging, zu 100% arbeitsunfähig
gewesen sei. Medizinische Berichte, die dies belegen würden, würden nicht vorliegen
(IV-act. 222).
A.j.
Im Abklärungsbericht Haushalt vom 22. Mai 2018 wurde eine Einschränkung im
Haushalt von 5% festgehalten. Gegenüber der Abklärungsperson gab die Versicherte
an, im Gesundheitsfall würde sie zu 70% einer Erwerbstätigkeit nachgehen und sich zu
30% dem Haushalt, insbesondere der Betreuung ihrer Tochter widmen (IV-act. 230-4
und 230-11).
A.k.
Mit Vorbescheid vom 15. August 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Zusprache einer Viertelsrente ab 1. Januar 2018 in Aussicht (IV-act. 233). Gegen diesen
Vorbescheid erhob die Versicherte, nun vertreten durch Z._, Procap St. Gallen-
Appenzell, am 12. Oktober 2018 Einwand. Sie sei nicht damit einverstanden, dass sie
zu 30% als im Haushalt tätig eingestuft werde. Sie kenne ein Leben als gesunde
Person nicht. Zudem bestehe bei ihr eine Minderintelligenz. Insofern sei es ihr gar nicht
möglich, die rein hypothetische Frage des Arbeitspensums im Gesundheitsfall zu
beantworten. Sie habe nie eine adäquate berufliche Ausbildung absolvieren, sondern
A.l.
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B.
nur eine Anlehre durchlaufen können. Im Gesundheitsfall hätte sie keine Ausbildung auf
so tiefem Niveau mit weit unterdurchschnittlichem Einkommen angestrebt. Es handle
sich deshalb um eine Invalidenkarriere. Als alleinerziehende Mutter, welche vom
Kindsvater keine Alimente erhalte und vom Sozialamt unterstützt werde, müsste sie
einer 100%igen Arbeitstätigkeit nachgehen. Dies wäre ihr zumutbar, da die Tochter die
Schule besuche und die ganze Woche in der Kindertagesstätte (nachfolgend: Kita)
betreut werde (IV-act. 238).
Mit Verfügung vom 8./9. April 2019 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine
Viertelsrente ab 1. Januar 2018 zu. Zur Begründung führte sie aus, auf dem
Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt habe die
Versicherte angegeben, dass sie im Gesundheitsfall einer Erwerbstätigkeit von 50 bis
70% nachgehen würde. Dieser Fragebogen sei wie der Bericht über die Abklärung im
Haushalt durch sie und ihre Beiständin unterzeichnet worden. Den Aussagen der ersten
Stunde kämen gegenüber späteren Vorrang zu. Die IV-Stelle halte deshalb an ihrer
Qualifikation fest, wonach die Versicherte im Gesundheitsfall zu 70% im Erwerb und zu
30% im Haushalt tätig wäre. Die Versicherte habe die Ausbildung zur
Hauswartpraktikerin BBT absolviert und damit zureichende Berufskenntnisse erworben.
Diese könne sie auf dem freien Arbeitsmarkt umsetzen. Für die Periode vor dem
1. Januar 2018 sei die alte Rechtsprechung anzuwenden und im Einkommensvergleich
das Einkommen ohne gesundheitliche Einschränkung nicht auf ein Vollpensum
aufzurechnen. Demnach bestehe bis zu diesem Zeitpunkt ein Invaliditätsgrad von 32%,
danach einer von 44% (IV-act. 242 i.V.m. IV-act. 240).
A.m.
Gegen diese Verfügung erhob A._, vertreten durch Rechtsanwältin Gabriela
Grob Hügli, Procap Schweiz, am 27. Mai 2019 Beschwerde. Sie beantragt, die
Verfügung vom 8./9. April 2019 sei aufzuheben. Ihr sei eine Invalidenrente gemäss
Art. 26 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201)
zuzusprechen. Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten
der Beschwerdegegnerin. Sie sei erwiesenermassen seit früher Kindheit in ihrer
Gesundheit beeinträchtigt. Ihre Ausbildung zur Hauswartpraktikerin (BBT-Anlehre) habe
B.a.
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sie im geschützten Rahmen absolviert. Es sei augenfällig, dass eine solche Ausbildung
nicht mit jener verglichen werden könne, die eine gesunde Frau absolviert hätte. Die
Verdienstmöglichkeiten würden offensichtlich unter denjenigen liegen, welche sie hätte,
wenn sie ihre Ausbildung auf dem üblichen Weg analog einer gesunden Frau
abgeschlossen hätte, selbst wenn sie eine Stelle in der freien Wirtschaft finden könnte.
Ihre Berufskarriere entspreche nicht einer Validen-, sondern einer Invalidenkarriere.
Dr. C._ führe aus, ihre Gesamtarbeitsfähigkeit in der angelernten Tätigkeit betrage
nur gerade 40% bei einer Leistungsminderung von 30%. Das ergebe eine
Restarbeitsfähigkeit von nur mehr 28%. Sie habe einen weit unterdurchschnittlichen IQ
und leide zudem seit frühester Jugend an schwerwiegenden psychischen
Beeinträchtigungen. Sie sei vom Sozialamt abhängig und werde vom Vater ihrer
achtjährigen Tochter nicht finanziell unterstützt. Die Tochter werde in der Kita betreut
und wohne teilweise beim Vater. Deshalb müsste sie schon aus rein finanzieller Sicht
einer vollen Arbeitstätigkeit nachgehen, wobei die Betreuungspflichten geregelt wären.
Sie sei deshalb als Vollzeiterwerbstätige einzustufen, was Anspruch auf eine ganze
Rente auslöse (act. G1).
Mit Beschwerdeantwort vom 19. Juni 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Die genannte Leistungsminderung von 30% beziehe sich
auf eine Präsenzzeit von fünf Stunden täglich, was rund einem 60%-Pensum
entspreche. Würden davon 30% (Leistungsminderung) abgezogen, resultiere eine
tatsächlich verwertbare Leistung von rund 40%. Der IQ der Beschwerdeführerin
bewege sich zwischen 63 und 76, im Durchschnitt sei er somit 70. Nach konstanter
Rechtsprechung werde bei einem IQ von 70 und mehr ein
invalidenversicherungsrechtlich massgeblicher Gesundheitsschaden verneint. Von der
gemischten Methode könne wegen des Standardarguments der schlechten finanziellen
Lage nicht abgesehen werden. Die Beschwerdeführerin würde vom Sozialamt mehr
erhalten, als sie mit ihrer geringen Schulbildung je erzielen könnte. Ausserdem
erscheine eine Finanzierung einer Kita für fünf Tage pro Woche fraglich, zumal sich
bekanntermassen nicht einmal gutverdienende Eltern eine durchgehende Betreuung
durch die Kita leisten könnten. Die Beschwerdeführerin habe bereits während der
beruflichen Massnahmen ausdrücklich wegen der Kinderbetreuung ihr Pensum
reduziert. Ausserdem sei die Betreuung während Freizeit und Ferien nicht geregelt. Die
B.b.
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Erwägungen
1.
Aufteilung zwischen Erwerb und Haushalt von 70% zu 30% sei deshalb schlüssig
(act. G4).
Am 11. Juli 2019 genehmigte die Verfahrensleitung der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung (act. G6).
B.c.
Mit Replik vom 11. September 2019 macht die Beschwerdeführerin geltend, selbst
wenn eine Arbeitsfähigkeit von 40% auf dem ersten Arbeitsmarkt realisiert werden
könnte, ändere das nichts an der Tatsache, dass sie ohne Beeinträchtigung keine
Ausbildung im geschützten Bereich absolviert hätte. Eine Ausbildung im geschützten
Bereich und zudem auf niederschwelliger Basis entspreche einer Invalidenkarriere.
Indem keine zureichenden beruflichen Kenntnisse hätten erworben werden können,
müsse sich das entsprechend bei der Invaliditätsberechnung niederschlagen. Der IQ
liege nicht bei durchschnittlich 70, sondern bei 69.5. Es werde beantragt, bei Dr. C._
nachzufragen, wie seine Arbeitsfähigkeitsfestsetzung zu verstehen sei. Die Kosten der
Kita seien sozial abgestuft. Gerade alleinerziehende Mütter würden dadurch dennoch
verhältnismässig stark belastet. Trotz dieser Tatsache entspreche es nicht der
allgemeinen Lebenserfahrung, dass alleinerziehende Mütter deshalb keine
Vollerwerbstätigkeit ausüben würden. Die Tochter der Beschwerdeführerin sei
inzwischen acht Jahre alt und nicht mehr im selben Umfang auf Betreuung angewiesen
wie ein Kleinkind. Deshalb würde die Beschwerdeführerin, wenn sie gesund wäre, bei
ansonsten gleichen Verhältnissen eine Arbeitsstelle zu 100% übernehmen (act. G8).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G9 f.).B.e.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) versicherte Personen, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
1.1.
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über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung. Er entsteht nicht, solange die
versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann. Die Rente wird
vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (vgl.
Art. 29 IVG).
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
1.3.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 157 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
1.4.
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2.
3.
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).
Vorab ist zu bestimmen, ab wann die Beschwerdeführerin frühestens Anspruch auf
eine Invalidenrente hat.
2.1.
Die Beschwerdeführerin hat sich am 5. Oktober 2011 wieder bei der
Beschwerdegegnerin angemeldet (IV-act. 103). Gestützt auf das Gutachten Dr. C._s
vom 3. November 2016 (vgl. insbesondere IV-act. 211-27 f.) kann davon ausgegangen
werden, dass sie damals bereits in vergleichbarem Umfang gesundheitlich
eingeschränkt war wie im Zeitpunkt der Begutachtung, zumal die Störung von
Sozialverhalten und Emotionen bereits im Kindes- und Jugendalter vorlagen und sich
durch massive Auffälligkeiten sowohl im schulischen als auch in den anderen
Lebensbereichen äusserten (vgl. beispielhaft IV-act. 51-10 ff., IV-act. 41 oder IV-
act. 86). Auch die RAD-Stellungnahme vom 15. November 2017 (IV-act. 222) legt dies
nahe. Das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG war zum Zeitpunkt ihrer
Wiederanmeldung am 5. Oktober 2011 demnach erfüllt. Davon geht auch die IV-Stelle
aus (vgl. IV-act. 232-3).
2.2.
Da der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten ab Anmeldung
entsteht (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG), hat die Beschwerdeführerin frühestens ab April 2012
Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind.
2.3.
Beide Parteien anerkennen das Gutachten Dr. C._s grundsätzlich als
beweiskräftig an. Es erfüllt denn auch unstreitig die Anforderungen hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes (siehe E. 1.3 vorstehend), sodass sich
diesbezügliche Weiterungen erübrigen.
3.1.
Uneinigkeit besteht zwischen den Parteien einzig darüber, wie die
Arbeitsfähigkeitsschätzung Dr. C._s zu interpretieren ist. Diesbezüglich ist der
3.2.
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4.
Beschwerdegegnerin zuzustimmen. Dr. C._ wollte zweifelsohne zum Ausdruck
bringen, dass die Beschwerdeführerin auf dem ersten Arbeitsmarkt in einer
angepassten Tätigkeit (zu der auch die Tätigkeit einer Hauswartpraktikerin zählt) eine
Arbeitsfähigkeit von 40% erreichen kann. Im Detail ist dazu Folgendes festzuhalten.
Die Frage 8.1 nach der Arbeitsfähigkeit beantwortete der Gutachter
dahingehend, die 40%ige Arbeitsfähigkeit am ersten Arbeitsmarkt ergebe sich aus den
Erfahrungen im F._, was im Zusammenhang mit den gesundheitlichen
Einschränkungen schlüssig sei. Auf die Frage 8.1.2, in welchem zeitlichen Rahmen die
Ausübung einer angepassten Tätigkeit möglich sei, antwortete Dr. C._ mit "5
Stunden täglich". Die gleich anschliessende Frage 8.1.3, ob dabei eine verminderte
Leistungsfähigkeit bestehe, bejahte er. Es bestehe eine 30%ige Leistungsminderung.
Unter 8.1.4 schätzte er die Gesamtarbeitsfähigkeit bezogen auf ein 100%-Pensum auf
40%.
3.2.1.
Schon aus dem systematischen Aufbau des Gutachtens lässt sich mithin
ablesen, dass die Angaben zum zeitlichen Rahmen und der verminderten
Leistungsfähigkeit untergeordneter Natur sind und die geschätzte Arbeitsfähigkeit von
40% weiter erklären sollen. Rechnerisch entsprechen fünf Stunden pro Tag einer
Wochenarbeitszeit von 25 Stunden. Bei einer betriebsüblichen Wochenarbeitszeit von
41.7 Stunden (siehe Anhang 2 der von der Informationsstelle AHV/IV herausgegebenen
IV-Textausgabe, Ausgabe 2019 [nachfolgend: IV-Textausgabe], S. 228, basierend auf
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung [nachfolgend: LSE] des Bundesamtes für
Statistik [nachfolgend: BFS]) entspricht dies einem Arbeitspensum von gerundet 60%.
Wird davon eine Leistungsminderung von 30% abgezogen, resultiert eine
Arbeitsleistung von 42% (welche in einem zeitlichen Pensum von 60% erbracht wird).
Damit ist das Gutachten Dr. C._s in diesem Punkt in sich schlüssig und lässt keinen
Spielraum in der Interpretation der Arbeitsfähigkeit offen.
3.2.2.
Nach dem Gesagten ist von einer Arbeitsfähigkeit von 40% (bei einer Anwesenheit
von fünf Stunden pro Tag und einer Leistungsminderung von 30%) auszugehen.
3.3.
Zwischen den Parteien ist streitig, ob für die Festsetzung des Valideneinkommens
Art. 26 Abs. 1 IVV zur Anwendung kommt. Gemäss dieser Bestimmung entspricht das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person als Nichtinvalide erzielen könnte,
gewissen nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten
Medianwertes gemäss LSE, wenn die versicherte Person wegen der Invalidität keine
zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben konnte.
4.1.
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Geburts- und Frühinvalide im Sinn von Art. 26 Abs. 1 IVV sind Versicherte, die seit
ihrer Geburt oder Kindheit einen Gesundheitsschaden aufweisen und deshalb keine
zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben konnten (ZAK 1973 S. 579, 1969 S.
260). Darunter fallen all jene Personen, welche infolge ihrer Invalidität überhaupt keine
Berufsausbildung absolvieren können. Ebenso gehören dazu Versicherte, welche zwar
eine Berufsausbildung beginnen und allenfalls auch abschliessen, zu Beginn der
Ausbildung jedoch bereits invalid sind und mit dieser Ausbildung nicht dieselben
Verdienstmöglichkeiten realisieren können wie eine nichtbehinderte Person mit
derselben Ausbildung (Entscheide des Bundesgerichts vom 12. September 2019,
8C_291/2019, E. 5.2 und vom 19. Februar 2015, 9C_611/2014, E. 3.2; Kreisschreiben
über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], Stand: 1. Januar
2018, Rz 3035).
4.2.
Als Erwerb von „zureichenden beruflichen Kenntnissen“ ist die abgeschlossene
Berufsausbildung zu betrachten, sofern sie der versicherten Person praktisch die
gleichen Verdienstmöglichkeiten eröffnet wie Nichtbehinderten mit der gleichen
(ordentlichen) Ausbildung. Dazu gehören auch Anlehren, wenn sie auf einem
besonderen, der Invalidität angepassten Bildungsweg ungefähr die gleichen
Kenntnisse vermitteln wie eine eigentliche Lehre oder ordentliche Ausbildung und den
Versicherten in Bezug auf den späteren Verdienst praktisch die gleichen Möglichkeiten
eröffnen (KSIH, Rz 3037 mit Hinweisen).
4.3.
Die Beschwerdeführerin wurde bereits nach der Schulreifeabklärung im März 1999
in den Schulkindergarten zurückgestellt, musste später die vierte Klasse repetieren,
wurde fremdplatziert und erhielt Sonderbeschulung (vgl. IV-act. 8-2 und IV-act. 57).
Einen Schulabschluss erwarb sie nicht, da sie im letzten Schuljahr insbesondere wegen
einer Suchtmittelproblematik und einer mit ihrer psychischen Erkrankung
zusammenhängenden Verweigerungshaltung aus ihrem damaligen Internat
ausgeschlossen worden war (vgl. IV-act. 92-2). Eine reguläre Schulausbildung fehlt ihr
deshalb (vgl. auch IV-act. 88-3 und IV-act. 105-1, wo die Schulstofflücken der
Beschwerdeführerin erwähnt werden).
4.4.
Nach dem missglückten Austritt aus der Schule ging die Beschwerdeführerin
vorübergehend keiner geordneten Tätigkeit nach und zeigte auch kein Interesse an
einer Ausbildung (vgl. IV-act. 85-4 und 85-1 sowie IV-act. 211-18). Dies änderte sich
nach der Geburt ihres Kindes, da die Beschwerdeführerin den Wunsch hatte, dass ihre
Tochter (welche nach der Geburt fremdplatziert worden war) bei ihr leben sollte (vgl.
etwa IV-act. 130-1). Angesprochen auf ihre Berufswünsche nannte die
Beschwerdeführerin im Wissen um ihre gesundheitlichen Einschränkungen schliesslich
4.5.
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Coiffeuse, Malerin, Kosmetikerin/Nagelpflegedesignerin, Verkäuferin im Detailhandel
(Parfümerie, Schmuck oder Kleidung), Assistentin in der Gerichtsmedizin, Stewardess
oder Kellnerin. Weil sie darin gute Stellenaussichten sah, interessierte sie sich auch für
eine Bürotätigkeit (IV-act. 130-4 ff.). Bei ihrer Suche nach einer Lehrstelle war die
Beschwerdeführerin grundsätzlich offen für verschiedene Berufsfelder, so etwa für
Wäscherei, Gastronomie, Hotellerie oder Hauswirtschaft (vgl. IV-act. 99 und 130).
Trotz ihrer Beeinträchtigungen zeigte die Beschwerdeführerin bereits in der Schule
ihren Möglichkeiten entsprechend Fleiss, Motivation, Wissensdurst, eine schöne
Handschrift und Gestaltung beim Schreiben oder auch Selbständigkeit bei der Lösung
von Aufgaben (vgl. beispielhaft IV-act. 51-11 f., IV-act. 105-1). Als sie sich wieder bei
der Beschwerdegegnerin meldete, um eine Ausbildung machen zu können, hatte sie
erhebliche Schwierigkeiten, eine Schnupperlehre aufzunehmen. Die
Beschwerdegegnerin hielt dazu fest: "Nichts desto trotz besticht die Versicherte mit
guter Einsatz- und Leistungsbereitschaft und einer Beharrlichkeit, mit welcher sie trotz
vieler Rückschläge am Thema berufliche Integration dran bleibt." (IV-act. 148-1). Es
sind somit keine Anhaltspunkte ersichtlich, wonach die Beschwerdeführerin ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung die gleiche Ausbildung absolviert hätte, zumal sie
bereits während der Schnuppertage im F._ kundtat, dass die ihr dort angebotene
Ausbildung im Technischen Dienst nicht ihr "Traumjob" sei (IV-act. 148-1). Auch
anlässlich der IQ-Testung zeigte sich die Beschwerdeführerin kooperativ, obwohl sie an
ihre Grenzen stiess (vgl. IV-act. 211-40). Es ist somit überwiegend wahrscheinlich, dass
sie im Gesundheitsfall einen anderen beruflichen Werdegang eingeschlagen hätte und
heute in erwerblicher Hinsicht wesentlich besser gestellt wäre. Damit entspricht eine
Tätigkeit als Hauswartpraktikerin der Invalidenkarriere und nicht etwa einer
Validenkarriere.
4.6.
Schon zu Beginn der Anlehre zur Hauswartpraktikerin wurde festgehalten, die
Beschwerdeführerin sei für die Ausbildung auf einen geschützten Rahmen angewiesen
(IV-act. 148-1). Die Anlehre konnte die Beschwerdeführerin trotz der Tatsache, dass sie
im geschützten Rahmen stattfand, nur unter grosser Anstrengung und dank einem
weitgehenden Entgegenkommen sowohl des Anlehrbetriebs (F._) als auch der
Berufsschule abschliessen. Im Schlussbericht der Berufsberatung vom 30. Juli 2015
wird dazu ausgeführt, das zweite Lehrjahr sei von grosser psychischer Instabilität und
Absenzen von über 100 Tagen gezeichnet gewesen. Das externe Praktikum habe die
Beschwerdeführerin erst im zweiten Anlauf angetreten und aufgrund einer
Überforderungskrise nach einer Woche abgebrochen (IV-act. 177; siehe auch IV-
act. 176-9). Auch besuchte die Beschwerdeführerin ab Februar 2015 die Berufsschule
4.7.
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5.
kaum, zuletzt gar nicht mehr (vgl. IV-act. 176-14 ff.). Allgemein kam die
Beschwerdeführerin oft zu spät zur Arbeit, zeigte in den Morgenstunden
Leistungseinbussen als Folge von Müdigkeit und benötigte zusätzlich vermehrte
Pausen. Zudem war ihre Arbeitsqualität bei einfachen Tätigkeiten oft erst nach
mehrmaligen Kontrollen und Nachbesserungen knapp genügend, bei für sie
anspruchsvollen Aufgaben arbeitete sie fahrig und ungenau. Betreffend
Teamkonstellation zeigte die Beschwerdeführerin sich sehr unflexibel und stellte
Ansprüche betreffend Zusammensetzung der Gruppe (IV-act. 175-4 f.). Das Zertifikat
der Attestausbildung hat sie zwar erworben. Es ist jedoch nicht davon auszugehen,
dass sie damit auch nur annähernd gleichwertig zu einem üblichen Lehrabschluss für
die Arbeitswelt befähigt wurde. Zudem konnte trotz erheblicher Unterstützung und
Begleitung durch einen Arbeitsassistenten des F._ keine Anschlusslösung für die
Beschwerdeführerin gefunden werden (vgl. IV-act. 175-8). Im Schlussbericht der
Berufsberatung vom 30. Juli 2015 wurde vermerkt, dass es aufgrund der weiterhin
prekären privaten und gesundheitlichen Situation fraglich sei, in welchem Ausmass
eine Verwertbarkeit der Leistungsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt gegeben sei
(IV-act. 177).
Bei dieser Sachlage ist auch in einem wohlwollenden Umfeld und bei optimalem
Verhalten der Beschwerdeführerin nicht zu erwarten, dass ihr auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt die gleichen Verdienstmöglichkeiten offenstehen, wie einer Person mit
einem eigentlichen Lehrabschluss oder einer sonstigen ordentlichen Ausbildung.
4.8.
Nach dem Gesagten ist entgegen der Beschwerdegegnerin nicht von einem
"erfolgreichen Abschluss" eines eidgenössischen Berufsattests mit intakten
Erwerbsaussichten auszugehen, sondern es liegt ein Anwendungsfall von Art. 26
Abs. 1 IVV vor, womit das Valideneinkommen nach dem Medianwert gemäss LSE zu
bestimmen ist.
4.9.
Die Beschwerdegegnerin wendet bei der Berechnung des Invaliditätsgrades die
gemischte Methode an. Die Beschwerdeführerin erachtet dies als unzulässig und
macht geltend, im Gesundheitsfall wäre sie 100% erwerbstätig, sodass ein reiner
Einkommensvergleich zu erfolgen habe. Es ist deshalb zu prüfen, welche
Berechnungsmethode vorliegend anzuwenden ist.
5.1.
Für die Bemessung der Invalidität (Invaliditätsgrad) von erwerbstätigen
Versicherten wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
5.2.
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(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; sog. allgemeine
Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird nach der gesetzlichen
Anordnung von Art. 28a Abs. 3 IVG für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG
festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für
diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Methode). Dabei ist das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit
hochzurechnen. Die prozentuale Erwerbseinbusse wird anhand des
Beschäftigungsgrads gewichtet, den die Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (Art. 27 Abs. 3 IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrades in Bezug auf die
Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkung bei der
Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person
nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen
dem Beschäftigungsgrad nach Art. 27 Abs. 3 lit. b IVV und einer Vollerwerbstätigkeit
gewichtet (Art. 27 Abs. 4 IVV).
5.3.
bis
bis
bis
Gemäss konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind die in Art. 27 IVV
eingefügten Abs. 2 bis 4 mit Blick auf den Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verfügung erst für den Zeitraum ab ihrem Inkrafttreten, mithin ab dem 1. Januar 2018,
anwendbar (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 20. Januar 2020, 9C_690/2019,
E. 4.2 mit Hinweisen). Für den Zeitraum vor dem 1. Januar 2018 wendet das
Bundesgericht weiterhin seine bisherige Berechnung der gemischten Methode an.
Demnach sei nicht entscheidend, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der
versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem
Pensum sie diesfalls hypothetisch erwerbstätig wäre (vgl. BGE 133 V 504; BGE 137 V
334). In erster Linie sind für diese Feststellung die Angaben und Absichten der
versicherten Person zu berücksichtigen. Sie sind zur Erreichung des im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrads der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
anhand weiterer Faktoren zu prüfen. Denn die hypothetischen Willensentscheidungen
sind als innere Tatsachen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in
aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden. Als nächstliegender
Anhaltspunkt ist dabei deshalb zu beachten, welches die individuellen, tatsächlichen
Verhältnisse der versicherten Person vor dem Eintritt der gesundheitlichen
5.4. bis
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Beeinträchtigung waren. Sind die letzten tatsächlichen Verhältnisse nicht repräsentativ,
so sind die hypothetischen Verhältnisse im Gesundheitsfall anhand weiterer
persönlicher und beruflicher Voraussetzungen der betroffenen versicherten Person zu
prüfen, etwa der persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse, der
allfälligen Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, dem Alter, der
beruflichen Fähigkeiten und der Ausbildung sowie den persönlichen Neigungen und
Begabungen (Entscheid des Bundesgerichts vom 15. April 2014, 8C_823/2013, E. 2.2;
BGE 137 V 334 E. 3.2; BGE 141 V 15 E. 3.1). Der Entscheid über die Statusfrage bleibt
ein solcher über eine Hypothese, da sie sich immer dann stellt, wenn in Wirklichkeit
eine gesundheitliche Beeinträchtigung eingetreten ist. Die reale Einteilung von Erwerb
und Haushalt ist dabei meist bereits durch die Invalidität beeinflusst. Die konkrete
Situation und die Vorbringen der Versicherten sind nach Massgabe der allgemeinen
Lebenserfahrung zu würdigen (Entscheid des Bundesgerichts vom 24. Juli 2006, I
116/06, E. 5.1 mit Hinweis).
Vorliegend stützt sich die Beschwerdegegnerin einerseits auf die Angaben der
Beschwerdeführerin im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit /
Haushalt vom 25. April 2017 (IV-act. 221). Darin hatte die Beschwerdeführerin die
Frage, in welchem Ausmass sie heute ohne Behinderung eine Erwerbstätigkeit
ausüben würde, mit "50 - 70%" beantwortet (IV-act. 221-1). Darauf kann indes nicht
abgestellt werden. Die Beschwerdeführerin hat nämlich in demselben Fragebogen auch
vermerkt, sie wäre im Gesundheitsfall in der Reinigung bzw. als Hauswartin tätig (IV-
act. 221-1) und die aufgeführten Einschränkungen im Haushalt seien seit ungefähr
Januar 2015 vorhanden (IV-act. 221-7). Im Januar 2015 trat bei der Beschwerdeführerin
eine Krise auf, welche beinahe zu einem Abbruch der Anlehre als Hauswartpraktikerin
beim F._ führte (vgl. IV-act. 176-10 ff.). Die Beschwerdeführerin hat im Fragebogen
somit nicht ihre allgemeine Lage mit einer Situation ganz ohne Behinderung verglichen,
sondern ihren damals aktuellen Zustand mit jenem vor Januar 2015. Sie hat sich mit
anderen Worten vorgestellt, welcher Erwerbstätigkeit sie mit ihrer Behinderung im
Idealfall (einfache, strukturierte Aufgaben in einem kleinen, verständnisvollen Team mit
wohlwollendem Vorgesetzten etc.) nachgehen würde. Sie bzw. ihre Beiständin gaben
lediglich die Arbeitsfähigkeitseinschätzung des F._ in dessen Schlussbericht wieder
(wonach der Beschwerdeführerin in einfachen wiederholenden Tätigkeiten eine
Leistung von 70% zugetraut werde, bei Arbeiten, die nicht routinemässig erledigt
werden könnten, eine solche von 50%; IV-act. 175-8).
5.5.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich sodann auf den Abklärungsbericht Haushalt
vom 22. Mai 2018, wonach die Beschwerdeführerin angegeben habe, im
5.6.
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Gesundheitsfall würde sie zu 70% einer Erwerbstätigkeit nachgehen und sich zu 30%
im Haushalt betätigen. Begründet hat die Beschwerdeführerin dies damit, bei einem
70%-Pensum könne sie für die Wohnung, Krankenkasse und den Lebensunterhalt
aufkommen und auch noch etwas mit ihrer Tochter unternehmen, beispielsweise den
Zoo besuchen, was ihr sehr wichtig sei (IV-act. 230-4). Auch darauf kann indes nicht
abgestellt werden. Die Beschwerdeführerin ist seit ihrer Kindheit gesundheitlich
angeschlagen und verfügt über eine unterdurchschnittliche Intelligenz. Sie war
anlässlich der Haushaltsabklärung nicht in der Lage, sich realistisch vorzustellen, wie
ihr Leben als Gesunde aussehen würde. Insbesondere wäre es einer gesunden Person
möglich, auch bei einem Vollzeitpensum etwas mit ihrem Kind zu unternehmen, sei es
an den Wochenenden, einem freien Nachmittag oder in den Ferien. Beachtlich
erscheint in diesem Zusammenhang, dass die Beschwerdeführerin ihr Arbeitspensum
explizit mit ihrer finanziellen Situation verknüpfte, indem sie angab, sie wolle in einem
Pensum erwerbstätig sein, welches ihr die Finanzierung ihrer Lebenshaltungskosten
sowie gelegentliche Aktivitäten mit und Geschenke an ihre Tochter ermögliche (vgl. IV-
act. 230-1 und 230-4). Dies ist gerade als Indiz für eine volle Erwerbstätigkeit im
Gesundheitsfall zu werten, da die Beschwerdeführerin so als alleinerziehende Mutter
am ehesten die Bestreitung des Lebensunterhalts für sich und ihre Tochter
sicherstellen könnte. Auch mit Blick auf die spätere Altersvorsorge und die Minimierung
des finanziellen Risikos bei allfälligem Eintritt eines Unfalls, einer Erkrankung oder einer
Invalidität würde eine gesunde Alleinerziehende in der Situation der
Beschwerdeführerin eine Vollzeitanstellung suchen. Schliesslich würden auch die
Behörden die Beschwerdeführerin dazu anhalten, ein 100%-Pensum aufzunehmen,
wenn sie andernfalls von Sozialhilfe abhängig wäre.
Vorliegend wäre die Beschwerdeführerin überwiegend wahrscheinlich zu 100%
erwerbstätig, zumal sie vom Vater ihrer Tochter keine Unterhaltszahlungen erhält,
dieser dafür wöchentlich alternierend das Kind betreut, und sie als Alleinerziehende
finanziell darauf angewiesen wäre.
5.7.
Konkret tritt die Tatsache hinzu, dass die Tochter der Beschwerdeführerin nach
der Geburt fremdplatziert wurde und erst seit dem Jahr 2014 bei ihr lebt. Die
Beschwerdeführerin hatte sodann Ende September 2011 einen befristeten
Arbeitsvertrag (Vorlehre) mit Vollzeitbeschäftigung bei einer Wäscherei unterzeichnet
mit der Absicht, anschliessend ab August 2012 im gleichen Betrieb eine Anlehre zu
machen (IV-act. 99 i.V.m. IV-act. 112-2). Im Zeitpunkt des möglichen Rentenbeginns,
d.h. im April 2012 lebte somit die Tochter nicht bei der Beschwerdeführerin, weshalb
es für diesen Zeitpunkt keinen Grund für die Anwendung der gemischten Methode gibt.
5.8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
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6.
Daran ändert auch nichts, dass die Beschwerdeführerin krankheitsbedingt und in der
Hoffnung, ihre Tochter bald zu sich holen zu können, das Arbeitspensum zunächst auf
50% reduzierte und das Anstellungsverhältnis bald darauf wieder beendete. Vielmehr
hat die Beschwerdeführerin mit dem Antritt der Vorlehre gezeigt, dass sie einer
Vollzeitbeschäftigung nachgehen wollte, wenn sie es könnte. Zumindest für den
Zeitpunkt des Rentenbeginns, als die Tochter in einer Pflegefamilie bzw. im Kinderheim
war, ist somit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall voll
erwerbstätig und nicht teilweise im Haushalt tätig gewesen wäre. Demnach ist bereits
für diesen Zeitpunkt nicht die gemischte Methode, sondern die allgemeine Methode
der Invaliditätsbemessung anzuwenden.
Für das Valideneinkommen ist jeweils auf Art. 26 Abs. 1 IVV abzustellen. Diese
Bestimmung sieht nach Alter abgestufte Prozentsätze des jährlich aktualisierten
Medianwertes gemäss LSE als Valideneinkommen vor. Bis zur Vollendung des
21. Altersjahres beträgt der Prozentsatz 70, bis zur Vollendung des 25. Altersjahres 80,
danach 90 (Art. 26 Abs. 1 IVV). Die nachfolgend verwendeten Medianwerte werden der
IV-Textausgabe, S. 139, entnommen.
6.1.
Für das Invalideneinkommen ist auf die Angaben des F._ in dessen
Schlussbericht vom 9. Juli 2015 abzustellen, wonach der branchenübliche Brutto-
Jahreslohn einer Hauswartspraktikerin bei vollem Pensum und voller Leistung
Fr. 39'000.-- beträgt (IV-act. 175-8).
6.2.
Der erste Zeitraum für die Berechnung des Invaliditätsgrades dauerte von April
2012 (frühestmöglicher Rentenbeginn) bis November 2013 (Vollendung des
21. Altersjahres im Dezember 2013). Das Valideneinkommen betrug in diesem Zeitraum
70% von Fr. 77'000.-- (Art. 26 Abs. 1 IVV; IV-Textausgabe, S. 139), mithin Fr. 53'900.--.
Das Invalideneinkommen betrug 40% des Brutto-Jahreslohn einer
Hauswartspraktikerin, mithin Fr. 15'600.--.
6.3.
Der Invaliditätsgrad betrug somit 71% (100 x [Fr. 53'900.-- - Fr. 15'600.--] /
Fr. 53'900.--), womit die Beschwerdeführerin für diesen Zeitraum Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente hat.
6.4.
Da das Valideneinkommen mit der Vollendung des 21. und 25. Altersjahres jeweils
um 10% des aktualisierten Medianwertes ansteigt, erhöhte sich auch der
Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin in späteren Phasen entsprechend. Auf eine
genaue Berechnung des späteren Invaliditätsgrades kann an dieser Stelle jedoch
6.5.
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7.