Decision ID: a43fe5b0-7091-5529-84c0-634da27102f0
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der 1967 geborene, in seiner Heimat Deutschland wohnhafte A._
(im Folgenden: Versicherter oder Beschwerdeführer) war in seiner Eigen-
schaft als Grenzgänger ab dem 4. September 2000 für die Bauunterneh-
mung B._ AG in (...) als Maurer erwerbstätig und entrichtete Bei-
träge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV).
Nach durchgeführten Kataraktoperationen mit Implantation einer Kunst-
linse am linken Auge am 8. Dezember 2005 und am rechten Auge am 18.
Januar 2006 meldete er sich am 22. April 2006 erstmals bei der IV-Stelle
des Kantons C._ (im Folgenden: IV-Stelle C._) zum Bezug
von Leistungen der schweizerischen IV in Form der Kostenübernahme für
die beidseitigen Staroperationen und von Hilfsmitteln (Brillen) an (Akten [im
Folgenden: act.] der Invalidenversicherungs-Stelle für Versicherte im Aus-
land [im Folgenden: IVSTA oder Vorinstanz] 3.1, 7 S. 3, 9, 10 bis 12, 17,
23 S. 3, 24, 35 und 38.1). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren
(act. 25) erliess die IV-Stelle C._ am 29. Januar 2008 eine Verfü-
gung, mit welcher sie das Leistungsbegehren um Kostenübernahme ab-
wies (act. 26). Diese Verfügung erwuchs – soweit aus den Akten ersichtlich
– unangefochten in Rechtskraft.
B.
B.a Nachdem der Versicherte seit dem 31. August 2015 arbeitsunfähig ge-
wesen war, meldete ihn die D._ Krankenversicherungs AG (im Fol-
genden: D._ oder Krankenversicherung) mit Datum vom 14. Januar
2016 bei der IV-Stelle C._ neu an. Auf dem von ihm am 10. Januar
2016 unterzeichneten Anmeldeformular erwähnte er zur Art der Behinde-
rung Atemnot bei Belastung und Knieschmerzen rechts (act. 29 bis 31, 42).
Nach Vorliegen von medizinischen Dokumenten (act. 33, 36, 37, 38.3, 43,
47 und 48) und der im Zusammenhang mit dem Unfallereignis des Versi-
cherten vom 28. Mai 2016 – er wurde von einem Personenwagen angefah-
ren – erstellten Akten der schweizerischen E._ (im Folgenden:
E._; act. 49) gab med. pract. F._, Facharzt für Allgemeine
Medizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (im Folgenden: RAD) am 5.
Dezember 2016 eine erste Stellungnahme ab (act. 51). Daraufhin erhielt
der Versicherte am 16. Dezember 2016 Versicherungsleistungen in Form
von Beratung und Unterstützung bei der beruflichen Integration (act. 53,
58, 72, 73).
C-5275/2018
Seite 3
B.b Am 7. März 2017 gingen bei der IV-Stelle C._ (erneut)
E._-Akten ein (act. 65.1 und 65.2 bis 65.101). Nachdem die
E._ mit Datum vom 6. März 2017 die Versicherungsleistungen be-
treffend das Unfallereignis vom 28. Mai 2016 eingestellt hatte (act. 65.2 S.
1 bis 3), nahm med. pract. F._ vom RAD in Kenntnis weiterer medi-
zinischer Unterlagen (act. 68) am 16. Mai 2017 erneut Stellung (act. 70).
In der Folge übermittelte die IVSTA der IV-Stelle C._ am 3. Juli 2017
Kopien des Rentenbescheids und des Formulars E 205 DE vom 19. Juni
2017 sowie die von der deutschen Rentenversicherung erhaltenen ärztli-
chen Unterlagen (act. 71). Nach Vorliegen des Abschlussberichts betref-
fend die Unterstützung im Hinblick auf den Arbeitsplatzerhalt vom 5. Sep-
tember 2017 (act. 75) erliess die IV-Stelle C._ am 7. September
2017 einen Vorbescheid, mit welchem dem Versicherten der Abschluss der
beruflichen Massnahmen in Aussicht gestellt wurde (act. 77). Gleichentags
verlangte die IV-Stelle C._ bei Dr. med. G._ einen Verlaufs-
bericht für die Zeit ab 11. Oktober 2016 (act. 78), bei der D._ deren
Akten (act. 79) sowie beim Versicherten weitere Angaben im Zusammen-
hang mit seinen medizinischen Behandlungen (act. 80). Nach Eingang des
Dossiers der D._ in Kopie (act. 81) und der vom Versicherten ver-
langten Angaben (act. 82) sowie weiterer medizinischer Berichte (act. 85
und 86) erliess die IVSTA am 7. November 2017 eine Verfügung, mit wel-
cher die beruflichen Massnahmen abgeschlossen wurden; betreffend
Rente wurde dem Versicherten eine separate Verfügung in Aussicht ge-
stellt (act. 90). Dieser Entscheid vom 7. November 2017 erwuchs – soweit
aus den vorliegenden Akten ersichtlich – ebenfalls unangefochten in
Rechtskraft.
B.c Mit Datum vom 18. Januar 2018 forderte die IV-Stelle C._ bei
der D._ erneut deren Akten an (act. 93). Nachdem sie am 14. Feb-
ruar 2018 beim RAD um die Beantwortung von mehreren Fragen ersucht
hatte (act. 94) und gleichentags die Akten des Krankenversicherers einge-
gangen waren (act. 95), gab Dr. med. H._, Facharzt für orthopädi-
sche Chirurgie und Traumatologie, vom RAD am 19. Februar 2018 die ver-
langte Stellungnahme ab (act. 97). In der Folge erliess die IV-Stelle
C._ am 10. April 2018 einen Vorbescheid, mit welchem sie den Ver-
sicherten bei einem Invaliditätsgrad von 13 % über die Verneinung des An-
spruchs auf Rentenleistungen informierte (act. 98). Nach Abschluss des
Vorbescheidverfahrens (act. 98 bis 106) erliess die IVSTA am 26. Juli 2018
eine dem Vorbescheid im Ergebnis entsprechende Verfügung (act. 108 und
Akten im Beschwerdeverfahren [im Folgenden: B-act.] 1 Beilage 2).
C-5275/2018
Seite 4
C.
C.a Hiergegen liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt An-
dreas Clavadetscher, beim Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe vom
13. September 2018 Beschwerde erheben und beantragen, die Verfügung
vom 26. Juli 2018 sei aufzuheben und die Sache sei an die Vorinstanz
zwecks weiterer gesundheitlicher Abklärungen und zum Erlass einer neuen
Verfügung (mindestens halbe IV-Rente) zurückzuweisen (B-act. 1).
Zur Begründung wurde in materieller Hinsicht zusammengefasst ausge-
führt, während die Vorinstanz von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in ei-
ner angepassten Tätigkeit ausgehe, halte Dr. med. G._, Facharzt
für Orthopädie, in seinem Bericht vom 8. September 2018 fest, anzustre-
ben sei eine Wechseltätigkeit von vier Stunden täglich bei erhöhtem Pau-
senbedarf und selbstständiger Pauseneinteilung etc. Bereits im Attest vom
27. Juni 2017 habe dieser Orthopäde festgehalten, das damalige Leis-
tungsbild umfasse eine vierstündige Wechselbelastung bei erhöhtem Pau-
senbedarf mit Verzicht auf Heben und Tragen mittlerer Lasten etc. Mit ärzt-
lichem Attest vom 5. September 2018 habe Dr. med. I._, Fachärztin
für Allgemeine Medizin, festgehalten, der Versicherte sei bei ihr seit Anfang
2014 in regelmässiger hausärztlicher Behandlung und könne nicht mehr
auf einer Baustelle arbeiten. Im Bericht vom 6. Juli 2018 habe Dr. med.
J._ als Diagnosen eine zunehmende Belastungsdispnoe, ein mit-
telschweres Schlafapnoesyndrom, eine Refluxerkrankung sowie eine arte-
rielle Hypertonie festgehalten und eine nochmalige kardiale Evaluation
empfohlen. Der Beschwerdeführer habe am "Schonarbeitsplatz" wegen
seiner Schmerzen nicht einmal die vorgesehene halbe Leistung am halben
Tag erbringen können. Die vom RAD bzw. der Vorinstanz angenommene
Arbeitsfähigkeit in vollem Pensum an wechselbelastender Arbeitsstelle er-
achte der Beschwerdeführer als bei weitem nicht zumutbar angesichts sei-
ner Bemühungen am "Schonarbeitsplatz", welche letztlich gescheitert
seien. Angesichts der divergierenden medizinischen Einschätzungen sei
eine gutachterliche Überprüfung des Gesundheitszustands unerlässlich.
C.b Mit Zwischenverfügung vom 20. September 2018 wurde der Be-
schwerdeführer unter Hinweis auf die Säumnisfolgen (Nichteintreten auf
die Beschwerde) aufgefordert, innert Frist einen Kostenvorschuss von
Fr. 800.- in der Höhe der mutmasslichen Verfahrenskosten zu leisten (B-
act. 2 und 3); dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer nach (B-act.
4).
C-5275/2018
Seite 5
C.c In ihrer Vernehmlassung vom 7. Dezember 2018 verwies die
Vorinstanz auf die (undatierte) Stellungnahme der IV-Stelle C._ und
beantragte die Abweisung der Beschwerde (B-act. 8).
Die IV-Stelle C._ beantragte vernehmlassungsweise ebenfalls die
Abweisung der Beschwerde und führte aus, sie verweise auf die Erläute-
rungen und Begründungen in der Verfügung (recte: Verfügungsentwurf)
vom 11. Juli 2018 sowie auf die entsprechenden Akten und habe den er-
wähnten Ausführungen nichts beizufügen.
C.d Mit prozessleitender Verfügung vom 13. Dezember 2018 wies die In-
struktionsrichterin die Parteien darauf hin, dass ohne Eingang einer Stel-
lungnahme des Beschwerdeführers innert Frist der Schriftenwechsel als
abgeschlossen gelte; weitere Instruktionsmassnahmen blieben vorbehal-
ten (B-act. 9).
C.e In seiner Eingabe vom 28. Januar 2019 liess der Beschwerdeführer
einen radiologischen Bericht vom 8. November 2018 nachreichen und aus-
führen, gestützt darauf und auf die bisherigen Akten ersuche er um Rück-
weisung der Sache an die Vorinstanz zwecks Anordnung einer umfassen-
den Begutachtung. Weiter liess er darauf hinweisen, dass zwischenzeitlich
eine Begutachtung stattgefunden habe, über deren Ergebnis er noch kei-
nen Bericht habe, und er beantrage die Einholung des entsprechenden
Gutachtens (B-act. 10). Nach einer am 31. Januar 2019 seitens des Be-
schwerdeführers erfolgten Klarstellung (B-act. 11) wurde der Vorinstanz mit
prozessleitender Verfügung vom 28. Februar 2019 Gelegenheit zur Einrei-
chung einer Duplik gegeben (B-act. 12).
C.f In ihrer Duplik vom 2. Mai 2019 verwies die Vorinstanz auf die Stellung-
nahme der IV-Stelle C._ vom 29. April 2019; im Rahmen dieser
wurde auf eine weitere Vernehmlassung verzichtet und an den bisherigen
Ausführungen in der Verfügung vom 26. Juli 2018 festgehalten (B-act. 15).
C.g Mit prozessleitender Verfügung vom 16. Mai 2019 schloss die Instruk-
tionsrichterin den Schriftenwechsel ab (B-act. 16).
C.h Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften und Be-
weismittel der Parteien ist – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Er-
wägungen einzugehen.
C-5275/2018
Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kog-
nition, ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und ob auf eine Be-
schwerde einzutreten ist (Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]); BVGE
2016/15 E. 1; 2014/4 E. 1.2).
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs. 1
Bst. b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni
1959 (IVG; SR 831.20) sowie Art. 40 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die
Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV; SR 831.201) ist das Bun-
desverwaltungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zu-
ständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG bleiben in sozialversicherungsrechtlichen
Verfahren die besonderen Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 6. Ok-
tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) vorbehalten. Gemäss Art. 2 ATSG sind die Bestimmun-
gen dieses Gesetzes auf die bundesgesetzlich geregelten Sozialversiche-
rungen anwendbar, wenn und soweit die einzelnen Sozialversicherungs-
gesetze es vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG
auf die IV anwendbar (Art. 1a - 26bis und 28 - 70 IVG), soweit das IVG nicht
ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Nach den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln finden diejenigen Verfahrensregeln An-
wendung, welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung in Kraft stehen
(BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.3 Als direkter Adressat ist der Beschwerdeführer von der angefochtenen
Verfügung vom 26. Juli 2018 (B-act. 1 Beilage 2) berührt und kann sich auf
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung berufen
(Art. 59 ATSG; Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1
VwVG) ist, nachdem auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde
(B-act. 4), einzutreten.
1.4 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
C-5275/2018
Seite 7
Verfügung vom 26. Juli 2018, mit der die Vorinstanz das Leistungsbegeh-
ren des Beschwerdeführers abgewiesen hat. Streitig und vom Bundesver-
waltungsgericht zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf
eine schweizerische Invalidenrente.
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer ist deutscher Staatsangehöriger und wohnt in
Deutschland. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni
1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur
Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des
FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen
Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009
(SR 0.831.109.268.11), zur Anwendung. Seit dem 1. Januar 2015 sind
auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und
Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der
Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer an-
spruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbe-
reich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem
Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom
16. Januar 2013 E. 4).
2.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 26. Juli 2018 in Kraft standen; weiter aber auch solche,
die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die aber für die
Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche von Belang
sind.
2.3 Anspruch auf eine ordentliche Rente haben Versicherte, die bei Eintritt
der Invalidität während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet haben
(Art. 36 Abs. 1 IVG). Für die Erfüllung der dreijährigen Mindestbeitrags-
dauer können Beitragszeiten, die in einem EU/EFTA-Staat zurückgelegt
worden sind, mitberücksichtigt werden (Art. 6 und Art. 45 VO [EG]
C-5275/2018
Seite 8
883/2004; vgl. auch BGE 131 V 390). Der Beschwerdeführer hat während
mehr als drei Jahren Beiträge in diesem Sinn geleistet (act. 35), so dass
die Anspruchsvoraussetzung der Mindestbeitragsdauer erfüllt ist.
2.4 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
2.5 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliede-
rungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können
(Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
(Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8
ATSG) sind (Bst. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % be-
steht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe
Rente, bei mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens
70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Beträgt der Invaliditäts-
grad weniger als 50 %, so werden die entsprechenden Renten nur an Ver-
sicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt
(Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben (Art. 29 Abs. 4 IVG). Diese Ein-
schränkung gilt jedoch nicht für die Staatsangehörigen eines Mitgliedstaa-
tes der EU und der Schweiz, sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU
Wohnsitz haben (Art. 7 VO [EG] 883/2004; vgl. BGE 130 V 253 E. 2.3 und
E. 3.1). Dies trifft auf den Beschwerdeführer zu.
C-5275/2018
Seite 9
2.6 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen
und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen
sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tä-
tigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweis-
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Be-
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-
hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-
folgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutachtende medizinische Fachperson
muss über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des
BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen). Den
von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten
Gutachten von medizinischen Sachverständigen, die den Anforderungen
der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht vollen Beweiswert zu-
erkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 2.2.2; 135 V 465 E. 4.4).
Die Stellungnahmen des RAD oder des medizinischen Dienstes der IVSTA,
welche nicht auf eigenen Untersuchungen beruhen, können wie Aktengut-
achten beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich festste-
henden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Be-
fassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile
des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015 vom
8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1, je mit Hin-
weisen). Die Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen besteht
insbesondere darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfe-
stellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche
in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den me-
dizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizi-
nisch zu würdigen (vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [Urteil 8C_756/2008] E. 4.4 mit
Hinweis; Urteil des BGer 9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 E. 3.3). Sie
haben die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht zu würdigen,
wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten
eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die an-
dere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu-
nehmen ist (BGE 142 V 58 E. 5.1). Enthalten die Akten für die streitigen
C-5275/2018
Seite 10
Belange keine beweistauglichen Unterlagen, kann die Stellungnahme ei-
ner versicherungsinternen Fachperson in der Regel keine abschliessende
Beurteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weitergehenden Abklärun-
gen Anlass geben (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011
E. 3.3).
3.
Die Vorinstanz stützte sich im Rahmen des Erlasses der angefochtenen
Verfügung vom 26. Juli 2018 betreffend den Gesundheitszustand und des-
sen Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit insbesondere auf
die RAD-Berichte von Dr. med. H._, Facharzt für orthopädische
Chirurgie und Traumatologie, vom 19. Februar (act. 97) und 4. Juni 2018
(act. 106) sowie von med. pract. F._, Facharzt für Allgemeine Me-
dizin, vom 5. Dezember 2016 (act. 51) und 16. Mai 2017 (act. 70). Diese
ärztlichen Dokumente sind im Folgenden – nebst weiteren – zusammen-
gefasst wiederzugeben und einer Würdigung zu unterziehen. Anhand die-
ser medizinischen Akten ist zu prüfen, ob der medizinische Sachverhalt
rechtsgenüglich erstellt ist.
3.1
3.1.1 Med. pract. F._ führte am 5. Dezember 2016 zusammenge-
fasst aus, der Versicherte sei gelernter Maurer. Mit den vorliegenden me-
dizinischen Berichten und Diagnosen seien Einschränkungen für diese Tä-
tigkeiten nachvollziehbar. Die zumutbare Arbeitsfähigkeit von 80 % mit ei-
ner Leistungseinschränkung von 10 % am aktuellen Schonarbeitsplatz sei
(noch) nachvollziehbar. In gut angepassten Tätigkeiten sei jedoch zumin-
dest von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 80 bis 100 % auszugehen,
da neben den orthopädischen Einschränkungen keine wesentlichen sons-
tigen objektiven Funktionseinschränkungen ausgewiesen seien. Weder
kardiologisch noch pneumologisch lägen Diagnosen mit objektiven Ein-
schränkungen der Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten vor. Das zu-
mutbare Tätigkeitsprofil sei weitgehend identisch mit dem von Dr. med.
G._ im Schreiben vom 10. Oktober 2016 beschriebenen. Formal
invalidenversicherungsmedizinisch handle es sich dabei um wechselbelas-
tende leichte bis mittelschwere körperliche Arbeiten ohne repetitive
Zwangshaltungen der Wirbelsäule. Die zur Diskussion stehende Reduktion
des Arbeitspensums auf 40 % sei arbeits- und versicherungsmedizinisch
nicht nachvollziehbar (act. 51).
C-5275/2018
Seite 11
3.1.2 In seiner Stellungnahme vom 16. Mai 2017 berichtete med. pract.
F._, im Austrittsbericht der K._-Klinik vom 2. Mai 2017 seien
die Orthopäden im Wesentlichen zur gleichen Beurteilung gekommen wie
der RAD im Dezember 2016, nämlich dass angepasste Tätigkeiten voll-
schichtig zumutbar seien. Aus Sicht des RAD sei diese Beurteilung arbeits-
und versicherungsmedizinisch nachvollziehbar und korrekt. Eine grund-
sätzliche Neubeurteilung der gesundheitlichen Situation sei nicht notwen-
dig. Im Wesentlichen gelte unverändert die RAD-Stellungnahme vom
5. Dezember 2016. Zusammenfassend sei die Tätigkeit als Maurer nicht
mehr zumutbar. Alle angepassten Tätigkeiten seien vollschichtig zumutbar.
Ein präzises zumutbares angepasstes Tätigkeitsprofil sei im Austrittsbe-
richt der K._-Klinik vom 2. Mai 2017 angegeben worden. Mit den
Ausführungen im Erstbericht Eingliederungsberatung vom 11. Januar 2017
müsse nach Ansicht des RAD angenommen werden, dass sich der Versi-
cherte subjektiv bereits stark auf ein ihm maximal mögliches Pensum von
50 % auch in angepassten Tätigkeiten fixiert habe (act. 70).
3.1.3 In seinem Bericht vom 19. Februar 2018 listete Dr. med. H._
zahlreiche medizinische Dokumente auf und führte zusammengefasst aus,
gemäss Abhilfebescheid des Landratsamtes L._ sei der seit dem 2.
November 2015 bestehende Grad der Behinderung von 30 % mit Wirkung
ab 31. August 2016 auf 50 % erhöht worden. Eine Rentenzusprache er-
folge auch in Deutschland nicht innert der nächsten zehn Jahre. Den
Schreiben von Dr. med. M._, Facharzt für Innere Medizin, Kardio-
logie, seien mit Ausnahme des BMI, des Blutdrucks und eines Blutzucker-
werts weder genaue Befunde noch Diagnosen zu entnehmen. In Kenntnis
der multiplen ärztlichen Befundberichte von Dr. med. J._, der Com-
putertomographie des Thorax und den ärztlichen Befundberichten von Dr.
med. N._, Kardiologie, sollte Dr. med. M._ das cardiovasku-
läre Risikoprofil zwingend auf ein Minimum reduzieren. Gleichzeitig sollte
er nicht mehr für Beurteilungen auf orthopädisch-traumatologischem Fach-
gebiet bemüht werden. "Starke Komplikationen mit Entzündung und Was-
seransammlung" seien ebenso wenig dokumentiert wie "zu wenig Gelenks-
masse in den Knien". Ohne grundlegende Befundänderung zur Vorunter-
suchung sei die "bekannte links mediolaterale Protrusion in LWK 4/5 [...
ohne] Nachweis einer Spinalkanalstenose" aus dem MRI der LWS vom 10.
Mai 2017 bei fehlenden höhergradigen foraminalen oder rezessalen Engen
und jegliche radikuläre Kompression als strukturelles Phänomen ohne
funktionelle Signifikanz zu klassifizieren. Ohne Angabe eines objektivierba-
ren pathologischen Befundes stellten ausschliesslich bildtechnisch zur
C-5275/2018
Seite 12
Darstellung kommende Veränderungen oder altersphysiologische Modifi-
kationen keine Behinderung dar. Die Beurteilung von Dr. med. M._
vom 8. Mai 2017 habe allenfalls noch anekdotische Evidenz. In der ange-
stammten Tätigkeit als Maurer bestehe seit dem 31. August 2015 eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer angepassten Tätigkeit habe vom 31.
August 2015 bis Ende April 2016 (sechs Monate nach der Operation vom
3. November 2015) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Im An-
schluss daran sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, unter-
brochen durch die nicht dislocierte Fraktur an der Basis des Grosszehen-
grundgliedes links mit einer maximal vierwöchigen 100%igen Arbeitsunfä-
higkeit vom 28. Mai 2016 bis Ende Juni 2016. Nach der Metallentfernung
aus dem rechten Unterschenkel am 2. Februar 2017 sei von einer zweiwö-
chigen 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Weitere medizinische
Abklärungen seien nicht angezeigt. Es bestünden keine unausgeschöpften
Behandlungsmöglichkeiten, die die Arbeitsfähigkeit der versicherten Per-
son in absehbarer Zeit wesentlich zu steigern vermöchten. Die RAD-Stel-
lungnahmen vom 5. Dezember 2016 und 16. Mai 2017 hätten nichts an
Aktualität eingebüsst (act. 97).
3.1.4 Nach Auflistung und Würdigung zahlreicher medizinischer Doku-
mente hielt Dr. med. H._ in seiner Stellungnahme vom 4. Juni 2018
fest, darin liessen sich weder Widersprüche noch ein instabiler Gesund-
heitszustand erkennen. Die medizinischen Abklärungen seien lückenlos
und vollständig (act. 106).
3.1.5 Im Bericht vom 25. September 2015 diagnostizierte Dr. med.
J._, Facharzt für Pneumologie, eine Belastungsdyspnoe/bekannte
bronchiale Hyperreagibilität, eine mögliche Schlafapnoe und weiterhin
keine exogen-allergischen Sensibilisierungen. Weiter erwähnte er, lungen-
funktionell liege eine leichte Besserung der Parameter vor. Die kardiologi-
sche Diagnostik stehe aktuell im Vordergrund (act. 95 S. 15).
3.1.6 Dr. med. N._, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinme-
dizin, Kardiologie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 29. September
2015 insbesondere eine Belastungsdyspnoe und eine arterielle Hypertonie
und führte weiter aus, er könne die Belastungsdyspnoe kardial momentan
nicht erklären, es bestünden Hinweise auf eine Hypertonie (act. 95 S. 16).
3.1.7 Gemäss Operationsbericht vom 3. November 2015 wurde an diesem
Tag beim Versicherten eine Arthroskopie des rechten Kniegelenks durch-
geführt (act. 95 S. 27).
C-5275/2018
Seite 13
3.1.8 Am 27. November 2015 berichtete Dr. med. J._ zusätzlich von
einem mittelschweren Schlafapnoe-Syndrom und wies auf die vereinbarte
polysomnographische Untersuchung im Schlaflabor hin (act. 95 S. 31; vgl.
auch S. 50, S. 59 und 60).
3.1.9 In seinem Bericht vom 27. Dezember 2015 stellte Dr. med.
G._, Facharzt für Orthopädie, folgende Diagnosen: "Z. n. Operation
varisierende Tibiakopfumstellungsosteotomie bei Varusgonarthrose re.
Spondylolisthesis im Segment L4/5 bei Ventralposition von L4 um L5 um
ca. 2 bis 3mm und einem bds. deutlich entzündlichem Reizzustand der Fa-
cettengelenke. Bursitis trochanterica li.". Weiter erwähnte er, die Arbeitsfä-
higkeit in der bisherigen Tätigkeit sollte sechs Monate postoperativ zu
100 % wiedererlangt werden. Krankheitsfremde Faktoren lägen keine vor
(act. 95 S. 33 und 34). Diese Angaben bestätigte er in einem weiteren Be-
richt vom 26. März 2016 (act. 95 S. 53 und 54).
3.1.10 Die Allgemeinmedizinerin Dr. med. I._ diagnostizierte in ih-
rem Bericht vom 4. April 2016 einen "Upside-down-Magen", Knieschmer-
zen, eine Belastungsdyspnoe, eine Gastritis, ein akutes LWS-Syndrom, ei-
nen Fersensporn, eine Lumboischialgie, eine Chondropathie des Knies,
eine Spondylolisthesis, eine Bandscheibenprotrusion, einen Harnwegin-
fekt sowie Fieber. Weiter war sie der Auffassung, es bestehe für die Tätig-
keit als Baufacharbeiter bis auf weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Als Magaziner bestehe in vier Wochen eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Zu-
mutbar seien Tätigkeiten ohne schweres Heben und Tragen, ohne Arbeiten
auf Leitern und Gerüsten, ohne Treppensteigen. Die Tätigkeiten sollten im
Wechsel von Gehen, Stehen und Sitzen erfolgen (act. 95 S. 55 und 56).
3.1.11 Im vorläufigen Entlassungsbericht des Kreiskrankenhauses
O._ vom 29. Mai 2016 wurde eine Prellung/Quetschung des linken
Beins, eine Schürfung am Unterschenkel links sowie eine Basisfraktur pro-
ximale Phalanx D1 am linken Fuss diagnostiziert sowie der Hergang des
Unfallereignisses vom 28. Mai 2016 geschildert (act. 65.42).
3.1.12 Dr. med. M._, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie,
führte in seinem Bericht vom 12. Juni 2016 zur Arbeitsfähigkeit aus, nach
verantwortbarem Abschluss der unfallkausalen Symptomatik lasse sich die
Rückkehr in die 50%ige Arbeitsfähigkeit erlauben. Das Tätigkeitsfeld solle
dasselbe sein als Magaziner. Wann ein Anstieg der aktuellen Arbeitsfähig-
keit möglich sein werde, hänge von der Umsetzung und Ansprechbarkeit
C-5275/2018
Seite 14
der genannten Massnahmen ab. Dies müsse in gegenseitigem Einver-
ständnis mit Dr. med. G._ erfolgen (act. 95 S. 71 bis 73).
3.1.13 In seinem Bericht vom 10. Oktober 2016 erwähnte Dr. med.
G._ den Unfall vom 28. Mai 2016; der Versicherte sei zwischen der
Autotüre und dem Radkasten eines Anhängers eingeklemmt worden. Die
unfallkausalen Beeinträchtigungen würden voraussichtlich bis Ende des
Jahres 2016 vollständig abgeheilt sein. Aus orthopädischer Sicht sei die
bisherige Tätigkeit in einem zeitlichen Pensum von 80 % mit einer 10%igen
Leistungsminderung aufgrund vermehrten Pausenbedarfs und der
Schmerzbelastung zumutbar (act. 95 S. 87 bis 89).
3.1.14 Am 13. Januar 2017 vertrat Dr. med. G._ die Auffassung,
dass aus orthopädischer Sicht die bisherige Tätigkeit in einem zeitlichen
Pensum von 50 % zuzumuten sei (act. 95 S. 108 und 109).
3.1.15 Dr. med. P._, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, diagnostizierte in ihrem kreis-
ärztlichen Bericht vom 22. Februar 2017 einen Status nach Quetschtrauma
Ober- und Unterschenkel, undislozierte Basisfraktur proximale Phalanx D1
Fuss links nach Verkehrsunfall als Fussgänger am 28. Mai 2016. Weiter
erwähnte sie, die Beschwerden seien bezüglich des Quetschtraumas des
linken Beines vollständig regredient. Von dieser Seite sei die Behandlung
abgeschlossen. Es bestehe bezogen auf die Unfallfolgen eine volle Ar-
beitsfähigkeit (act. 65.9).
3.1.16 Im Entlassungsbericht der K._-Klinik vom 20. April 2017 wur-
den unter anderem folgende Diagnosen gestellt: Mässige Funktionsminde-
rung bei Gonarthrose rechts, 11/2015 Umstellungsosteotomie Knie rechts,
2/2017 Metallentfernung re. Kniegelenk (ICD-10: M17.1), Spondylolisthe-
sis L4/5 mit Spinalkanalstenose (ICD-10: M48.06), BS-Protrusion L5/S1
(ICD-10: M51.2), arterielle Hypertonie (ICD-10: I10.90). Betreffend die Ar-
beits- und Leistungsfähigkeit wurde weiter berichtet, unter Berücksichti-
gung der orthopädischen und internistischen Diagnosen könne der Versi-
cherte eine vollschichtige, mittelschwere körperliche Tätigkeit im Wechsel
von Gehen, Stehen und Sitzen ohne Ersteigen von steilen Leitern/Gerüs-
ten, ohne häufiges Treppensteigen, ohne Gehen auf unebenem Boden,
ohne tiefe Hocke, ohne entscheidende Vibrationsbelastungen und ohne
andauernde, WS-belastende Zwangshaltungen ausüben. Die letzte beruf-
liche Tätigkeit, so wie sie der Versicherte beschreibe, könne mit diesem
C-5275/2018
Seite 15
Leistungsbild nicht mehr fortgeführt werden. Eine innerbetriebliche Umset-
zung sei indiziert (act. 95 S. 129 bis 136).
3.1.17 Dr. med. M._, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie,
führte in seinem Bericht vom 8. Mai 2017 im Zusammenhang mit dem Ent-
lassungsbericht der K._-Klinik vom 20. April 2017 aus, nach Aus-
schluss sämtlicher aufgezählter Aktivitäten resultiere keine verwertbare Tä-
tigkeit. Auch ohne diese sei keine mittelschwere körperliche Tätigkeit mög-
lich. Wenn der Austrittsbericht unter Punkt 2.3 auf diese Auflagen hinweise,
so verstehe er, Dr. med. M._, in demselben Bericht unter Punkt 4.4
dokumentierte Ignoranz. Grundsätzlich gehe er von einer adäquaten Com-
pliance seitens des Versicherten aus. Nach Durchführung eines maximal
dreimonatigen strengen Ernährungs- und Bewegungsprogrammes müsse
die Aufnahme der angepassten Tätigkeit im Bereich Schonarbeitsplatz auf-
genommen werden, wobei die dann möglichen Belastungsgrenzen noch
zu definieren seien (act. 95 S. 146 bis 148; vgl. auch Schreiben an die
Dres. med. I._ und G._ vom 8. Mai 2017 [act. 74 S. 4]).
3.1.18 Dr. med. Q._, Facharzt für Innere Medizin, führte in seinem
ärztlichen Gutachten für die gesetzliche deutsche Rentenversicherung
vom 2. Juni 2017 aus, der Entlassungsbericht der K._-Klinik sei
ausführlich, weitgehend schlüssig und nachvollziehbar, sodass der darin
gegebenen Leistungsbeurteilung und der Empfehlung zu Leistungen zur
Teilhabe am Arbeitsleben gefolgt werde. In der früheren Tätigkeit als Bau-
facharbeiter bestehe ein unter dreistündiges Leistungsvermögen. Eine
dem positiven und negativen Leistungsbild entsprechende Tätigkeit könne
täglich während sechs Stunden und mehr ausgeübt werden (act. 71 S. 8
bis 12; vgl. auch S. 13 bis 23).
3.1.19 Im Bericht der Klinik für Neurochirurgie vom 7. August 2017 wurde
ausgeführt, die Kernspintomographien von Anfang 2016, Oktober 2016
und Mai 2017 zeigten eine allenfalls mässig degenerierte Lendenwirbel-
säule mit gut erhaltenen Bandscheiben. Es finde sich keine umschriebene
Stenosierung des Wirbelkanals oder Kompression der austretenden Ner-
venwurzeln in den Foramina intervertebralia. Recessusstenosen seien
ebenfalls nicht vorhanden, jedoch eine deutliche Degeneration der Facet-
tengelenke, betont in Höhe LW 4/5 linksbetont. Die Funktionsaufnahmen
zeigten keine Überbeweglichkeit der Lendenwirbelsäule. Auch indirekte
Hinweise auf eine instabile Wirbelsäule seien nicht erkennbar. Bei der lo-
kalen Untersuchung finde sich kein umschriebener Durchschmerz. Eine
operative Behandlung sei nicht angezeigt. Bildgebend wäre vor allem das
C-5275/2018
Seite 16
Facettengelenk LW 4/5 links auffällig. Man wisse jedoch, dass dies nicht
unbedingt mit den tatsächlichen Beschwerden des Versicherten korreliere
(act. 85).
3.1.20 Im Verlaufsbericht (für die Zeit ab 11. Oktober 2016) vom 8. Oktober
2017 führte Dr. med. G._ zusammengefasst aus, die Beschwerden
seien weitestgehend unverändert. Zur Voruntersuchung liege keine grund-
legende Befundänderung vor (MRT LWS vom 10. Mai 2017). Betreffend
Diagnosen und aktuelle somatische Befunde existierten keine resp. keine
wesentlichen Änderungen zum Bericht vom 11. Oktober 2016 (act. 78 und
86).
3.1.21 In ihrem Bericht vom 19. Oktober 2017 informierte Dr. med.
I._, Fachärztin für Allgemeinmedizin, dahingehend, dass die bishe-
rige Tätigkeit aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar sei. Im Zusam-
menhang mit leidensadaptierten Tätigkeiten erachtete sie bloss wechsel-
belastende Tätigkeiten bei einer Gewichtslimite von 10 kg als teilzeitlich
zumutbar (act. 92).
3.2 Wie bereits dargelegt wurde (vgl. E. 2.6 hiervor), kann auf Stellungnah-
men von Fachärztinnen und –ärzten des RAD nur unter der Bedingung ab-
gestellt werden, dass deren Beurteilungen den allgemeinen beweisrechtli-
chen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht (resp. an ein Gutachten)
genügen und zudem die beigezogenen Ärztinnen und Ärzte über die im
Einzelfall gefragten persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügen.
Den Berichten im Sinne von Art. 59 Abs. 2bis IVG von med. pract.
F._ und Dr. med. H._ könnte – obwohl solche ohne eigene
Untersuchung resp. Abklärung vor Ort verfasst wurden – volle Beweiskraft
zukommen, wenn die übrigen, von der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung herausgearbeiteten Kriterien erfüllt sind. RAD-Stellungnahmen kön-
nen wie Aktengutachten beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund
vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines
an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (vgl. bspw. Urteil
des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1 mit Hinweisen). Da dies
vorliegend jedoch nur beschränkt der Fall ist resp. gewisse Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Feststellungen von med. pract. F._ und Dr. med. H._ beste-
hen, kann auf ergänzende medizinische Abklärungen nicht verzichtet wer-
den (BGE 142 V 58 E. 5.1 f. mit Hinweisen; BGE 135 V 465 E. 4.4 mit
Hinweis), wie im Folgenden zu zeigen ist.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-V-58%3Ade&number_of_ranks=0#page58 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-V-465%3Ade&number_of_ranks=0#page465
C-5275/2018
Seite 17
3.2.1 Die Unfallversicherung ist – im Gegensatz zur Invalidenversicherung
– nicht als finale, sondern als kausale Versicherung konzipiert. Bezogen
auf die reinen Folgen aus dem Unfallereignis vom 28. Mai 2016 mit an-
schliessender Hospitalisation im Kreiskrankenhaus O._ (act. 65.42)
ist der Beschwerdeführer gemäss des überzeugenden und schlüssigen,
kreisärztlichen Berichts von Dr. med. P._, Fachärztin für Orthopädi-
sche Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom
22. Februar 2017 zwar voll arbeits- und leistungsfähig.
3.2.2 Weiter ist festzuhalten, dass sich gemäss dem Bericht der Klinik für
Neurochirurgie vom 7. August 2017 (act. 85) beim Beschwerdeführer eine
(allenfalls) mässig degenerierte, nicht überbewegliche Lendenwirbelsäule
mit gut erhaltenen Bandscheiben gezeigt hat und keine Recessusstenosen
sowie Stenosierung des Wirbelkanals oder Kompression der austretenden
Nervenwurzeln in den Foramina intervertebralia gefunden werden konnten.
Angaben zu den allenfalls daraus resultierenden Einschränkungen in der
Arbeits- und Leistungsfähigkeit lassen sich diesem Bericht jedoch nicht
entnehmen, was exemplarisch auch für die Berichte des Pneumologen
Dr. med. J._ vom 25. September und 27. November 2015 (act. 95
S. 15 und 31) sowie den Bericht von Dr. med. N._, Facharzt für
Innere Medizin und Allgemeinmedizin, Kardiologie, vom 29. Februar 2015
(act. 95 S. 16) gilt.
3.2.3 Betreffend die Zumutbarkeit in der angestammten Tätigkeit als Mau-
rer (act. 9) vertraten med. pract. F._ und Dr. med. H._ die
Auffassung, dass dem Beschwerdeführer diese Arbeit seit dem 31. August
2015 nicht mehr zumutbar sei (act. 70, 97 und 106). Diese Beurteilungen
stehen einerseits zu denjenigen von Dr. med. I._ in deren Berichten
vom 4. April 2016 (act. 95 S. 55 und 56) und 19. Oktober 2017 (act. 92) in
Übereinstimmung. Andererseits stehen sie mit der Auffassung von
Dr. med. G._ in dessen Berichten vom 27. Dezember 2015 (act. 95
S. 33 und 34) und 26. März 2016 (act. 95 S. 53 und 54) insofern in Wider-
spruch, als Dr. med. G._ davon ausgegangen war, dass der Be-
schwerdeführer die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit – somit die
angestammte Arbeit als Maurer – sechs Monate postoperativ – demnach
mit Blick auf das Operationsdatum 3. November 2015 (act. 95 S. 27) ab
Mai 2016 – wiedererlangt habe. An dieser zeitlich vor Beginn der Aufnahme
der Tätigkeit an einem Schonarbeitsplatz am 18. April 2016 (act. 95 S. 58)
abgegebenen Beurteilung hielt Dr. med. G._ auch in der Folge in
seinen Berichten vom 10. Oktober 2016 (act. 95 S. 87 bis 89) und 8. Okto-
ber 2017 (act. 78 und 86) fest, obwohl er zwischenzeitlich im Bericht vom
C-5275/2018
Seite 18
13. Januar 2017 ohne Angabe von Gründen die Auffassung vertrat, dass
die bisherige Tätigkeit noch in einem zeitlichen Pensum von nur noch 50 %
zuzumuten sei (act. 95 S. 108 und 109). Hinzu kommt schliesslich, dass
aufgrund des Gutachtens von Dr. med. Q._ vom 2. Juni 2017 bzw.
der Aussage, wonach in der Tätigkeit als Baufacharbeiter ein unter drei-
stündiges Leistungsvermögen bestehe (act. 71 S. 8 bis 12), ebenfalls nicht
hinreichend geklärt ist, ab welchem Zeitpunkt und in welchem zeitlichen
Umfang genau diese Tätigkeit nicht mehr zumutbar ist.
3.2.4 Mit Ausnahme der Zeiträume von Ende August 2015 bis Ende April
2016, vom 28. Mai bis Ende Juni 2016 und vom 2. bis 16. Februar 2017, in
welchen der Beschwerdeführer in einer angepassten Verweisungstätigkeit
zu 100 % leistungsunfähig gewesen sei, vertrat Dr. med. H._ die
Auffassung, dass der Beschwerdeführer in einer leidensadaptierten Ver-
weisungstätigkeit voll leistungsfähig sei. Zwar steht diese Auffassung in
Übereinstimmung mit den Ausführungen von med. pract. F._ in des-
sen Stellungnahme vom 16. Mai 2017 (act. 70) und mit dem Entlassungs-
bericht der K._-Klinik vom 20. April 2017 (act. 95 S. 129 bis 136).
Obwohl auch der Gutachter Dr. med. Q._ diesen Entlassungsbe-
richt als weitgehend schlüssig und nachvollziehbar qualifiziert hatte, steht
mit Blick auf seine weiteren Ausführungen, wonach eine dem positiven und
negativen Leistungsbild entsprechende Tätigkeit täglich während sechs
Stunden und mehr ausgeübt werden könne, letztlich der genaue Umfang
einer möglichen leidensadaptierten Verweisungstätigkeit in Prozenten
ebenfalls nicht fest.
3.2.5 Weiter kommt hinzu, dass Dr. med. I._ in ihrem Bericht vom
4. April 2016 die Tätigkeit als Magaziner bloss als zu 50 % zumutbar er-
achtet hatte (act. 95 S. 55 und 56). In ihrem späteren Bericht vom 19. Ok-
tober 2017 erachtete sie einzig wechselbelastende Tätigkeiten bei einer
Gewichtslimite von 10 kg als teilzeitlich zumutbar (act. 92). Obwohl sich
diese Ärztin in diesem Bericht nicht näher zum zeitlichen Ausmass, zum
Rendement und zu allfälligen zusätzlichen Einschränkungen in einer lei-
densadaptierten Verweisungstätigkeit geäussert hatte, stehen ihre Ausfüh-
rungen dennoch in bisher ungeklärtem Widerspruch insbesondere zu den-
jenigen von Dr. med. H._, med. pract. F._ und der
K._-Klinik. Hinzu kommt weiter, dass auch Dr. med. M._ in
seinem Bericht vom 12. Juni 2016 bloss noch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
als Magaziner resp. eine andere Arbeit, die dem Tätigkeitsfeld eines Ma-
gaziners entspricht, postuliert hat (act. 95 S. 71 bis 73). Schliesslich vertrat
er in seinem Bericht vom 8. Mai 2017 die Meinung, dass nach Ausschluss
C-5275/2018
Seite 19
sämtlicher im Entlassungsbericht der K._-Klinik aufgezählten Akti-
vitäten keine verwertbare Tätigkeit resultiere und die Belastungsgrenzen
erst im Anschluss an ein dreimonatiges strenges Ernährungs- und Bewe-
gungsprogramms und der Aufnahme der angepassten Tätigkeit im Bereich
Schonarbeitsplatz zu definieren seien (act. 95 S. 146 bis 148). Unter diesen
Aspekten kommt die Vorinstanz resp. die IV-Stelle C._ nicht umhin,
auch bezüglich einer leidensadaptierten Verweisungstätigkeit weitere Ab-
klärungen in die Wege zu leiten.
3.2.6 Betreffend die Stellungnahmen von med. pract. F._ ergibt sich
weiter was folgt: Während er in seiner Stellungnahme vom 5. Dezember
2016 (act. 51) noch die Auffassung vertrat, in gut angepassten Tätigkeiten
sei von einer zumutbaren Leistungsfähigkeit von 80 bis 100 % auszuge-
hen, vertrat med. pract. F._ im Bericht vom 16. Mai 2017 die Mei-
nung, alle angepassten Tätigkeiten seien vollschichtig zumutbar. Eine ex-
plizite Erklärung und Begründung für die spätere Ausserachtlassung der
reduzierten Leistungsfähigkeit lässt sich der Stellungnahme vom Mai 2017
jedoch nicht entnehmen.
3.2.7 Ergänzend zu erwähnen ist, dass zahlreiche Berichte und Stellung-
nahmen aus der Zeit vor Mitte 2017 datieren (vgl. E. 3.1.1 und 3.1.2 sowie
E. 3.2.1 bis 3.2.14) und es ihnen somit mit Blick auf den massgeblichen
Verfügungszeitpunkt (26. Juli 2018) ohnehin an Aktualität fehlt.
3.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist zusammenfassend festzu-
halten, dass der medizinische Sachverhalt nicht rechtsgenüglich erstellt ist,
weshalb sich die Fragen, ob der Beschwerdeführer ab dem 31. August
2015 während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnitt-
lich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen war (vgl. Art. 28 Abs. 1 Bst.
b IVG) und er nach Ablauf des Wartejahres (vgl. E. 3.5.2 hiervor) zu min-
destens 40 % invalid war resp. ist (vgl. Art. 28 Abs. 1 Bst. c IVG), nicht
rechtsgenüglich beantworten lassen. Aus diesem Grund kann auf weitere
medizinische Abklärungen nicht verzichtet werden.
4.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich zusammenfassend,
dass sich aufgrund der vorliegenden Aktenlage der gesundheitliche Zu-
stand des Beschwerdeführers und dessen Auswirkungen auf die Arbeits-
und Leistungsfähigkeit sowohl in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Mau-
rer als auch in leidensadaptierten Verweisungstätigkeiten nicht schlüssig
und zuverlässig beurteilen lässt (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb; vgl. zum
C-5275/2018
Seite 20
Ganzen auch E. 2.6 hiervor). Die Stellungnahmen von med. pract.
F._ und Dr. med. H._ sowie weitere aktenkundige medizini-
sche Berichte vermögen keine aktuellen und abschliessenden Beurtei-
lungsgrundlagen zu bilden, sondern geben Anlass zu weitergehenden Ab-
klärungen. Somit wurde im vorliegend zu beurteilenden Beschwerdever-
fahren der rechtserhebliche Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt
und gewürdigt (Art. 43 ff. ATSG sowie Art. 12 VwVG). Eine Rückweisung
der Sache in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1
ATSG) an die Vorinstanz zur weiteren medizinischen Abklärung in der
Schweiz ist – obwohl retrospektive Beurteilungen der Arbeits- und Leis-
tungsunfähigkeit schwierig sind und entsprechende Begutachtungen des-
halb erhöhten Ansprüchen genügen müssen (vgl. hierzu Urteil des BVGer
C-1421/2013 vom 29. September 2014 E. 3.4.2 mit Hinweis) – unter den
gegebenen Umständen notwendig und möglich, zumal eine Verlagerung
der Expertentätigkeit von der administrativen auf die gerichtliche Ebene
sachlich nicht wünschbar ist (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.2). Mit Blick auf die
beim Beschwerdeführer vorhandenen Beschwerden ist die neue umfas-
sende medizinische Begutachtung interdisziplinär durchzuführen (Urteil
des BGer 8C_189/2008 vom 4. Juli 2008 E. 5 mit Hinweis auf 8C_321/2007
vom 6. Mai 2008, E. 6.3), wobei die Gutachtensstelle nebst den Fachdis-
ziplinen Innere Medizin/Kardiologie, Pneumologie und Orthopädie allfällige
weitere Disziplinen selber zu bestimmen hat (vgl. hierzu BGE 139 V 349 E.
3.3). Im Rahmen dieser notwendigen medizinischen Begutachtung sind
sämtliche bisher verfassten ärztlichen Berichte – auch diejenigen, die im
vorliegenden Beschwerdeverfahren mit Blick auf den Verfügungszeitpunkt
vom 26. Juli 2018 unberücksichtigt zu bleiben haben (B-act. 1 Beilagen 4
und 7; vgl. hierzu BGE 130 V 138 E. 2.1) – von den Expertinnen und/oder
Experten zu würdigen. Diese haben sich ebenfalls rechtsgenüglich zu den
vorliegenden Diagnosen sowie zum Beginn und zum Umfang der Arbeits-
und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers in der angestammten Tä-
tigkeit als Maurer und in leidensangepassten Verweisungstätigkeiten zu
äussern.
5.
Nach neuer Ermittlung des vollständigen und richtigen medizinischen
Sachverhalts hat die Vorinstanz einen neuen Einkommensvergleich durch-
zuführen und abzuklären, in welchem Ausmass der Beschwerdeführer zu-
folge seines Gesundheitszustandes auf dem ihm nach seinen Fähigkeiten
noch offenstehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch
erwerbstätig sein könnte (vgl. hierzu etwa Urteil des BGer 9C_921/2009
C-5275/2018
Seite 21
vom 22. Juni 2010, E. 5.3). Dabei ist zu berücksichtigen, dass an die Kon-
kretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten praxisge-
mäss nicht übermässige Anforderungen zu stellen sind (vgl. hierzu Urteile
des BGer 9C_744/2008 vom 19. November 2008 E. 3.2 und 9C_236/2008
vom 4. August 2008 E. 4.2; Urteil des EVG I 349/01 vom 3. Dezember 2003
E. 6.1) und die Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person nach der Tätig-
keit zu beurteilen ist, die sie – im Rahmen der Schadenminderungspflicht
(vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG) – nach ihren persönlichen Verhältnissen und ge-
gebenenfalls nach einer gewissen Anpassungszeit bei gutem Willen ausü-
ben könnte (vgl. Urteil des BVGer C-4315/2009 vom 22. August 2011
E. 5.2 mit Hinweisen).
6.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist zusammenfassend festzuhal-
ten, dass die Beschwerde insoweit gutzuheissen ist, als die angefochtene
Verfügung vom 26. Juli 2018 aufzuheben ist und die Akten im Sinne der
Erwägungen an die Vorinstanz zur Durchführung von weiteren umfassen-
den medizinischen Abklärungen und anschliessendem Erlass einer neuen
Verfügung zurückzuweisen sind.
7.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
7.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Da eine Rückweisung pra-
xisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Partei gilt (BGE 132
V 215 E. 6), sind im vorliegenden Fall dem Beschwerdeführer keine Kosten
aufzuerlegen. Der von ihm geleistete Kostenvorschuss von Fr. 800.- ist ihm
nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuerstatten.
Der Vorinstanz werden ebenfalls keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63
Abs. 2 VwVG).
7.2 Der obsiegende, anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat gemäss
Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädi-
gung zu Lasten der Vorinstanz. Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist
die Entschädigung aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2
VGKE). Unter Berücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen
C-5275/2018
Seite 22
und aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der
Schwierigkeit des vorliegend zu beurteilenden Verfahrens ist eine Partei-
entschädigung von Fr. 2‘800.- (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertsteuer [vgl.
dazu auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C-6173/2009 vom 29.
August 2011 mit Hinweis]; Art. 9 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2
VGKE [Stundenansatz für Anwälte/Anwältinnen mindestens Fr. 200.- und
höchstens Fr. 400.- und für nichtanwaltliche Vertreter und Vertreterinnen
mindestens Fr. 100.- und höchstens Fr. 300.-]) gerechtfertigt.