Decision ID: 03afbf3d-1d5b-51fd-a140-e691ee17074b
Year: 2020
Language: de
Court: FR_TC
Chamber: FR_TC_011
Canton: FR
Region: Espace_Mittelland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Am 29. April 2016 stellte A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) für sich und ihre fünf Kinder (Jahrgänge 1999, 2001, 2003, 2005 sowie 2007) bei der Ausgleichskasse des Kantons B._ ein Gesuch um Ausrichtung einer Witwen- bzw. Halbwaisenrente. Dies nachdem der (geschiedene) Ehemann der Beschwerdeführerin und (Stief-)Vater der Kinder am 30. April 2015 verstorben war.
Das Gesuch ging am 17. Juni 2016 bei der AHV-Zweigstelle C._ ein. Mit Schreiben vom 13. Dezember 2018 stellte die Ausgleichskasse des Kantons B._ die Anmeldung der Ausgleichskasse des Kantons Freiburg (nachfolgend: Ausgleichskasse) zu, nachdem sie  hatte, dass der Rentenfall in den Zuständigkeitsbereich der letzteren falle.
B. In der Folge ersuchte die Ausgleichskasse mit Schreiben vom 20. Dezember 2018 das Amt für Migration des Kantons Freiburg sowie das Zivilstandsamt D._ um Auskunft zu den Personalien und den Aufenthaltsorten des Verstorbenen. Die Anfragen wurden im Januar 2019 beantwortet.
Im Februar 2019 informierte die Stadt C._, Direktion Sicherheit und Soziales, Abteilung Soziales (nachfolgend: Gemeinde) die Ausgleichskasse telefonisch dahingehend, dass die Rentenverfügung für das Stipendiumsgesuch der Tochter E._ benötigt werde, worauf die Ausgleichskasse der Gemeinde mitteilte, dass die Unterlagen vollständig seien. Eine Verfügung werde wohl bis spätestens Mitte März vorliegen. Auf telefonische Nachfrage der Gemeinde im März 2019 hin bestätigte die Ausgleichskasse, dass sich das Dossier in Bearbeitung befinde.
Mit Schreiben vom 23. Juli 2019 wandte sich die Gemeinde erneut an die Ausgleichskasse mit der Aufforderung, einen Entscheid bis zum 25. Juli 2019 zu fällen. Die Gemeinde machte die Ausgleichskasse darauf aufmerksam, dass die Tochter E._ ihrer Stipendienansprüche verlustig gehen könnte, sollte nicht bis Ende Juli eine Rentenverfügung vorliegen. Mit Schreiben vom 6. Februar 2020 forderte die Gemeinde die Ausgleichskasse erneut auf, innert 14 Tagen eine Verfügung zu erlassen.
C. Am 23. April 2020 verneinte die Ausgleichskasse den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Witwenrente. Betreffend den Anspruch der Kinder auf eine Halbwaisenrente wandte sich die Ausgleichskasse zwecks Erteilung zusätzlicher Auskünfte bzw. Unterlagen mit Schreiben vom  Tag an die Gemeinde.
D. Mit Rechtsverzögerungsbeschwerde vom 24. April 2020 (Datum des Poststempels) an das Kantonsgericht Freiburg verlangt die Beschwerdeführerin, die Ausgleichskasse sei anzuweisen, eine Verfügung betreffend ihre Witwen- bzw. die Halbwaisenrenten der Kinder zu erlassen.
In ihrer Stellungnahme vom 3. Juni 2020 beantragt die Ausgleichskasse die Abweisung der Rechtsverzögerungsbeschwerde.
Ein weiterer Schriftenwechsel wurde nicht durchgeführt.

Die weiteren Elemente des Sachverhalts ergeben sich, soweit sie für die Urteilsfindung  sind, aus den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen.
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Erwägungen
1.
1.1. Einspracheentscheide oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, können mit Beschwerde angefochten werden. Beschwerde kann auch erhoben werden, wenn der Versicherungsträger entgegen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung oder keinen Einspracheentscheid erlässt (Art. 56 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1], welches gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10] anwendbar ist).
Art. 56 Abs. 2 ATSG bezieht sich auf die Sachverhalte von Rechtsverzögerung und . Rechtsverzögerung ist anzunehmen, wenn der Versicherungsträger das Verfahren nicht innert angemessener Frist abschliesst; Rechtsverweigerung liegt vor, wenn der  trotz entsprechender Pflicht eine ihm obliegende Amtshandlung nicht vornimmt. In beiden Fällen kann gestützt auf Art. 56 Abs. 2 ATSG Beschwerde erhoben werden (KIESER, , 4. Auflage 2020, Art. 56 N. 24 ff.). Die Rechtsverzögerungs- bzw.  ist im Rechtspflegeverfahren nach Art. 56 ff. ATSG zu beurteilen (BGE 130 V 90 E. 2).
Zur Beschwerde berechtigt ist nach Art. 59 ATSG, wer durch die angefochtene Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Die Berechtigung, einen bundessozialversicherungsrechtlichen Anspruch auf dem Rechtsmittelweg geltend zu machen, steht in einem engen Zusammenhang mit der Befugnis, die versicherte Person zum Bezug der entsprechenden Leistung anzumelden. Nach dem Grundsatz der Einheit des Prozesses vermittelt das dafür erforderliche Rechtsschutzinteresse bereits den Anspruch auf Erlass einer Verfügung. Ist eine Person berechtigt, die Anmeldung vorzunehmen, kommt ihr deshalb  auch die Legitimation zu, den streitigen Anspruch im Verwaltungsprozess selbständig zu  (BGE 138 V 292 E. 4.3.1 f.; 130 V 560 E. 4.3). Zur Geltendmachung des Anspruchs auf eine Hinterlassenenrente sind nach Art. 67 Abs. 1 der Verordnung über die Alters- und  vom 31. Oktober 1947 (AHVV; SR 831.101) der Rentenansprecher bzw. für ihn unter anderem sein gesetzlicher Vertreter oder seine Eltern befugt.
1.2. Mit ihrer Rechtsverzögerungsbeschwerde vom 24. April 2020 verlangt die  den Erlass einer Verfügung betreffend ihre Witwen- bzw. die Halbwaisenrenten ihrer Kinder. Die Rechtsverzögerungsbeschwerde wurde von der Beschwerdeführerin formgerecht eingereicht; Rechtsverzögerungsbeschwerde kann jederzeit erhoben werden.
1.3. Bezüglich der Halbwaisenrenten der Kinder der Beschwerdeführerin liegt noch keine  vor, weshalb ohne weiteres ein schutzwürdiges Interesse daran besteht, dass das sachlich und örtlich zuständige Kantonsgericht Freiburg, II. Sozialversicherungsgerichtshof, prüft, ob eine unzulässige Rechtsverzögerung vorliegt, und gegebenenfalls die Ausgleichskasse anweist, die verlangte Verfügung innert nützlicher Frist zu erlassen.
Dabei ist festzustellen, dass die beiden ältesten Kinder im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung bereits volljährig und damit grundsätzlich handlungs- und prozessfähig waren. Eine  der volljährigen Kinder auf den Namen ihrer Mutter liegt der Beschwerde nicht bei. Wie
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hiervor ausgeführt, war die Beschwerdeführerin als Mutter der – damals noch minderjährigen – Kinder durchaus befugt, deren Rentenansprüche anzumelden. Gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. BGE 138 V 292) kommt ihr entsprechend auch die Legitimation zu, die Ansprüche auf dem Rechtsmittelweg selbständig zu verfolgen. Auch soweit ihre – nach wie vor – minderjährigen Kinder betroffen sind, ist die Beschwerdeführerin ohne weiteres befugt,  zu erheben.
Damit ist auf die Beschwerde – soweit sie die Halbwaisenrenten der Kinder betrifft – einzutreten.
1.4. Nicht einzutreten ist jedoch auf die Rechtsverzögerungsbeschwerde, soweit sie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Witwenrente betrifft, liegt doch im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung keine Rechtsverzögerung mehr vor, da die Ausgleichskasse am 23. April 2020 – mithin einen Tag vor Einreichung der Beschwerde – über den Witwenrentenanspruch verfügt hat. Die Beschwerdeführerin war damit im Zeitpunkt der Einleitung des  bereits nicht mehr beschwert.
2.
Art. 56 Abs. 2 ATSG legt den Streitgegenstand bei Rechtsverzögerungs- und  nicht ausdrücklich fest. Rechtsprechungsgemäss bilden die materiellen Rechte oder Pflichten nicht Streitgegenstand entsprechender Beschwerden, sondern dieser beschränkt sich auf die Frage der Rechtsverzögerung bzw. Rechtsverweigerung. Die in Art. 56 Abs. 2 ATSG eingeräumte Befugnis, welche auf den Erhalt eines Entscheids unter Verkürzung des  (Ausschaltung des Verfügungs- bzw. Einspracheverfahrens) ausgerichtet ist, kann nicht beinhalten, materielle Fragen zu beurteilen (KIESER, Art. 56 N. 27 f.). Entsprechend ist der  im Falle der Gutheissung einer Rechtsverzögerungs- bzw.  durch die Gerichtsinstanz anzuweisen, das Verfahren innert nützlicher Frist  bzw. die fragliche Handlung vorzunehmen (KIESER, Art. 56 N. 40). Die Rechtsprechung betrachtet es als grundsätzlich genügende Genugtuung, dass die Gerichtsinstanz eine unzulässige Rechtsverzögerung feststellt (BGE 129 V 411 E. 3.4; bestätigt in BGE 131 II 361 E. 4.6).
Damit ist im Folgenden einzig zu prüfen, ob im konkreten Fall eine unzulässige Rechtsverzögerung vorliegt.
3.
3.1. Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) legt fest, dass jede Person in Verfahren vor Gerichts- und  Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist hat. Im  kommt der Raschheit der Entscheidung eine besonders hohe Bedeutung zu, was darauf zurückzuführen ist, dass – bei leistungsrechtlichen Fragen – regelmässig über den Anspruch auf existenzsichernde Mittel zu entscheiden ist (KIESER, Art. 56 N. 31).
3.2. Gemäss Art. 49 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen. Die Verfügungen sind mit einer Rechtsmittelbelehrung zu versehen und zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 Sätze 1 und 2 ATSG).
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Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die nicht unter Art. 49 Abs. 1 ATSG fallen, können in einem formlosen Verfahren behandelt werden. Die betroffene Person kann jedoch den Erlass einer Verfügung verlangen (Art. 51 ATSG).
3.3. Welches die zeitlichen Grenzen sind, bei deren Überschreiten eine Rechtsverzögerung anzunehmen ist, wird durch Art. 56 Abs. 2 ATSG nicht bestimmt, sondern hat eine Reihe von , welche sich nach dem jeweiligen Verfahrensstand richten, zu berücksichtigen (KIESER, Art. 56 N. 33). Massgebend ist, ob die Natur der Sache und die gesamten übrigen Umstände die  Dauer noch als angemessen erscheinen lassen oder nicht (vgl. BGE 131 V 407). Zu  sind die Schwierigkeit des Falls, die Schwere der Betroffenheit der Partei sowie das Verhalten der Beteiligten (Urteil BGer 8C_210/2013 vom 10. Juli 2013 E. 2.2).