Decision ID: ba175bd3-d323-4f74-8853-ed309e955609
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste gemeinsam mit seiner Mutter (N [...]) am
27. Juni 2022 in die Schweiz ein. Am darauffolgenden Tag suchten beide
um Asyl nach. Nach der Personalienaufnahme (PA) vom 15. August 2022
wurde der Beschwerdeführer am 5. September 2022 zu den Asylgründen
angehört.
B.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer gel-
tend, er stamme aus B._, Georgien, wo er mit seinen Eltern und
seiner Schwester im Haus seiner Familie gelebt habe. Er sei seit (...) Jah-
ren krank und in medizinischer Behandlung. Zwischenzeitlich sei es ihm
besser gegangen und er habe arbeiten können. Aber die gesundheitliche
Situation habe sich wieder verschlimmert. Er habe eine (...). Ferner habe
er Probleme mit der (...). Er habe bereits diverse (...) eingenommen, die
aber nicht geholfen hätten. Auch die (...) habe nichts gebracht. Da es in
Georgien gemäss Angaben seiner Ärzte keine heilende Behandlung gebe,
habe er, auf Anraten der Ärzte hin, sein Heimatland im Juni 2022 verlassen
und sei in die Schweiz gereist. Hier gebe es Therapieformen (insb. [...]-
Therapie), die ihn allenfalls heilen könnten. Falls er nach Georgien zurück-
kehren müsse, habe er Angst, dass er nie gesund werde. Er wolle nicht so
weiterleben.
Er reichte seinen georgischen Reisepass und seine Identitätskarte sowie
ein Schreiben des (...) vom 10. Juni 2022 mit Bericht vom 27. Mai 2022,
einen Arztbericht aus Georgien vom 15. April 2022 sowie einen Ausdruck
der Homepage einer Klinik in der Schweiz ein.
Ferner wurden medizinische Unterlagen der Pflege im Bundesasylzentrum
(BAZ) und der C._ (C._) D._ zu den Akten gereicht.
Aus diesen geht hervor, dass der Beschwerdeführer seit seiner Ankunft in
der Schweiz insbesondere aufgrund von (...) dreimal (evtl. viermal) (...)
gewesen sei. Bei den ersten beiden (...) habe er selbst über den (...) ent-
schieden. Ferner sei eine (...) wichtig. Für die gewünschte (...)-Therapie
sei keine Indikation ersichtlich.
C.
Die Vorinstanz unterbreitete der zugewiesenen Rechtsvertretung des Be-
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schwerdeführers am 12. September 2022 den Entscheidentwurf zur Stel-
lungnahme. Diese reichte am darauffolgenden Tag eine Stellungnahme
ein.
D.
D.a Mit Verfügung vom 14. September 2022 trat das SEM auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers (gestützt auf Art. 31a Abs. 3 AsylG,
SR 142.31) nicht ein, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und dem
Schengen-Raum und ordnete den Vollzug an. Den zuständigen Kanton be-
auftragte sie mit dem Vollzug der Wegweisung und händigte dem Be-
schwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis
aus.
Zur Begründung des angeordneten Wegweisungsvollzugs führte das SEM
insbesondere aus, die vorliegend geltend gemachten gesundheitlichen Be-
schwerden würden nicht gegen die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs
(Art. 3 EMRK) sprechen. Beim Beschwerdeführer handle es sich nicht um
eine schwerkranke Person, die durch eine Abschiebung – mangels ange-
messener medizinischer Behandlung im Zielstaat – einem realen Risiko
einer ernsten und raschen Verschlechterung des Gesundheitszustands
ausgesetzt wäre. Im Heimatstaat Georgien bestehe die Möglichkeit, (...)
Erkrankungen adäquat zu behandeln. Dies bestätigten die Aussagen des
Beschwerdeführers sowie die eingereichten medizinischen Unterlagen aus
Georgien. Überdies verfüge er über ein stabiles soziales Netzwerk, wel-
ches ihn weiterhin unterstützen könne. Allfälligen (...) könne im Falle einer
(zwangsweisen) Rückführung bei der Ausgestaltung der Modalitäten durch
angemessene Vorbereitung mit geeigneten Massnahmen Rechnung getra-
gen werden. Da sich der Beschwerdeführer in der Schweiz in ärztlicher
Behandlung befinde, könne einer allfällig auftretenden (...) entgegenge-
wirkt werden. An der Zulässigkeit ändere die Tatsache nichts, dass in der
Schweiz noch nicht alle medizinischen Untersuchungen abgeschlossen
seien. Es liege bereits eine Diagnose aus Georgien vor, der Beschwerde-
führer habe vor seiner Ausreise Zugang zu einer engmaschigen und auf-
wendigen gesundheitlichen Versorgung gehabt und das georgische Ge-
sundheitssystem habe in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht.
Daher könne in antizipierter Beweiswürdigung auf das Abwarten weiterer
Befundergebnisse und Arztberichte betreffend mögliche Therapien in der
Schweiz verzichtet werden. Sodann erweise sich der Wegweisungsvollzug
auch als zumutbar. Die notwendige medizinische Behandlung sowie ein
Sozialhilfeprogramm stünden in Georgien zur Verfügung, womit eine men-
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schenwürdige Existenz gewährleistet sei – auch wenn nicht alle Behand-
lungsmethoden (wie z.B. die vom Beschwerdeführer als vielversprechend
eingeschätzte [...]-Therapie) verfügbar seien. Daran änderten die medizi-
nischen Unterlagen aus Georgien nichts. Diese zeigten vielmehr, dass der
Beschwerdeführer Zugang zu medizinischen Behandlungen gehabt habe.
Zwar werde es für ihn aufgrund seiner (...) Erkrankung möglicherweise
schwierig sein, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Sein Vater habe aber
eine Anstellung und ein geregeltes Einkommen. Die Familie besitze ein ei-
genes Haus, ein Auto und ein Landstück. Ferner sei es ihnen offenbar fi-
nanziell möglich gewesen, die tertiäre Ausbildung (...) des Beschwerdefüh-
rers zu ermöglichen. Weiter verfüge der Beschwerdeführer über eine staat-
liche Krankenversicherung, die bisher einen Teil seiner Behandlungskos-
ten übernommen habe. Die in Georgien erhältlichen und staatlich finanzier-
ten Behandlungen würden möglicherweise von der Qualität ähnlicher Be-
handlungen in der Schweiz abweichen. Dies ändere nichts an der Feststel-
lung, dass eine menschenwürdige Versorgung durch die staatliche Kran-
kenkasse sichergestellt und dem Beschwerdeführer zugänglich sei. Mithin
würden keine medizinischen Wegweisungsvollzugshindernisse bestehen.
Im Falle einer Rückführung von weggewiesenen Asylsuchenden mit drin-
gend behandlungsbedürftigen Erkrankungen würden entsprechende Vor-
kehrungen seitens des SEM getroffen. Schliesslich sei auf die medizini-
sche Rückkehrhilfe hinzuweisen.
D.b Gleichentags wurde auch über das Gesuch der Mutter des Beschwer-
deführers entschieden.
E.
Am 15. September 2022 zeigte die dem Beschwerdeführer zugewiesene
Rechtsvertretung dem SEM die Beendigung des Mandatsverhältnisses an.
F.
F.a Mit Eingabe vom 21. September 2022 erhob der Beschwerdeführer
durch seine neu mandatierte Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundes-
verwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzu-
heben und die Vorinstanz sei anzuweisen, in vollständiger und richtiger
Würdigung des rechtserheblichen Sachverhalts erneut in der Sache zu ent-
scheiden, eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Vorinstanz in
Feststellung der Unzumutbarkeit und Unzulässigkeit des Wegweisungs-
vollzugs anzuweisen, ihn in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Pro-
zessual beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege.
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Der Beschwerdeführer gab an, er leide seit (...) Jahren an einer (...) Krank-
heit, die mit einem (...) verbunden sei. Seine Behandlungen hätten sich als
unwirksam erwiesen. Er und seine Mutter hätten alle zur Verfügung ste-
henden Behandlungsmethoden ausgeschöpft, bis sie sich zur Reise in die
Schweiz entschieden hätten. Ferner seien die Behandlungen in Georgien
von der Versicherung nicht finanziell unterstützt worden. Der Wegwei-
sungsvollzug sei daher unzumutbar. Sodann befinde er sich erneut in einer
(...) (C._) und ein Bericht habe noch nicht verfasst werden können.
Das SEM habe bei der Entscheidung nicht über ausreichende Informatio-
nen über seine Krankheit verfügt, weshalb der Antrag auf Rückweisung be-
gründet erscheine. Wegen der allgemeinen Lage in Georgien und aufgrund
von individuellen Umständen gesundheitlicher Art müsse von einer exis-
tenziellen Notlage im Falle einer Rückkehr ausgegangen werden.
F.b Die Mutter des Beschwerdeführers reichte gleichentags ebenfalls eine
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein (E-4230/2022).
G.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Gericht am 23. September 2022 in
elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
H.
Mit Schreiben vom 26. September 2022 bestätigte das Gericht dem Be-
schwerdeführer den Eingang der Beschwerde.
I.
Am 27. September 2022 ging eine vom BAZ D._ ausgestellte «Be-
dürftigkeitsbescheinigung» beim Gericht ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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2.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet einzig die
Frage des Vollzugs der Wegweisung (Dispositivziffern 3 und 4 der ange-
fochtenen Verfügung). Im Übrigen ist die Verfügung des SEM vom 14. Sep-
tember 2022 mangels Anfechtung in Rechtskraft erwachsen.
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl.
BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
Aufgrund der familiären Verbindung wird das vorliegende Verfahren mit
demjenigen der Mutter des Beschwerdeführers (E-4230/2022) zeitlich ko-
ordiniert und vom gleichen Spruchkörper behandelt.
6.
Nach Durchsicht der Akten ist zunächst festzuhalten, dass der medizini-
sche Sachverhalt im vorliegenden Fall aufgrund der Arztberichte aus Ge-
orgien und der Schweiz und der Angaben des Beschwerdeführers als er-
stellt erachtet werden kann. Der Beschwerdeführer hat vor seiner Ausreise
regelmässig und seit Jahren medizinische Behandlungen im Heimatland in
Anspruch genommen. Die von den Ärzten in Georgien gestellte Diagnose
(insb. [...]) wurde von den behandelnden Ärzten in der Schweiz bestätigt.
Auch die Therapiemöglichkeiten wurden in den Berichten thematisiert (vgl.
SEM-Akten A1179125-16/11 [nachfolgend Akte A16] F42 und A17). Entge-
gen der Ansicht des Beschwerdeführers ist daher davon auszugehen, dass
die Vorinstanz im Entscheidzeitpunkt über ausreichend Informationen zu
seiner Krankheit verfügt hat. Ergänzungen macht er auf Beschwerdeebene
nicht. Nach dem Gesagten kann auf das Abwarten des weiteren Berichts
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der C._ hinsichtlich des Gesundheitszustands des Beschwerdefüh-
rers verzichtet werden. Das Begehren um Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zur neuen Entscheidung ist abzuweisen.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
7.2.1 Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, findet das in Art. 5
AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement im
vorliegenden Verfahren keine Anwendung. Sodann sind keine Anhalts-
punkte für eine in Georgien drohende menschenrechtswidrige Behandlung
im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV und von Art. 3 des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ersichtlich.
7.2.2 Soweit sich der Beschwerdeführer auf seinen Gesundheitszustand
beruft, könnte die Bestimmung von Art. 3 EMRK – soweit das Verbot der
unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung betreffend – der Zuläs-
sigkeit des Wegweisungsvollzugs entgegenstehen. Allerdings kann eine
zwangsweise Wegweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen
nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen,
wie von der Vorinstanz zutreffend aufgezeigt (vgl. Verfügung S. 4 f.).
Der von seiner Familie unterstützte Beschwerdeführer leidet seit mehreren
Jahren namentlich an einer (...), welche in Georgien stets ärztlich behan-
delt worden sei, nicht aber habe geheilt werden können. Anhaltspunkte da-
für, dass eine Therapie nicht auch künftig zur Verfügung stehen sollte, lie-
gen nicht vor. Auch hat er nicht geltend gemacht, seine (...) Erkrankung
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habe sich trotz der Behandlungen in Georgien drastisch verschlechtert.
Demnach ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei ei-
ner Rückkehr in Gefahr geraten würde, einer ernsten, raschen und unwie-
derbringlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgesetzt
zu werden. Daran vermag der Umstand, dass er seit der Ankunft in der
Schweiz wegen (...) mehrfach (...) behandelt worden ist, nichts zu ändern.
Die Vorinstanz hat zutreffend darauf hingewiesen, dass eine (...) einem
Wegweisungsvollzug nicht grundsätzlich entgegensteht, dieser Umstand
jedoch bei der Ausgestaltung der Vollzugsmodalitäten durch die damit be-
auftragten kantonalen Behörden gebührend zu berücksichtigen wäre (vgl.
auch u.a. Urteil des BVGer E-2332/2022 vom 1. Juni 2022 E. [...]). Der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vermag eine Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs – in Übereinstimmung mit der Einschätzung der
Vorinstanz – mithin nicht zu rechtfertigen.
7.2.3 Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Georgien lässt den
Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei-
nen.
7.2.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zulässig.
7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.1 Georgien gilt als verfolgungssicherer Heimat- oder Herkunftsstaat im
Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG. Dies bedeutet, dass eine Rückkehr
von abgewiesenen Asylsuchenden nach Georgien in der Regel als zumut-
bar gilt (Art. 83 Abs. 5 AIG). Der Beschwerdeführer vermag die gesetzliche
Vermutung mit seinen Vorbringen im vorinstanzlichen Verfahren und den
Ausführungen in der Beschwerdeschrift nicht umzustossen. Zur Vermei-
dung von Wiederholungen kann auf die zutreffenden und ausführlichen Er-
wägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. S. 6 f.).
Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer gemein-
sam mit seiner Mutter, in deren Beschwerdeverfahren zeitgleich ein Ent-
scheid ergeht, in die Heimat zurückkehren kann, wo sich sein Vater und
seine Schwester aufhalten (SEM-Akte A16 F11–13). Damit verfügt er über
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ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz und eine gesicherte Wohnsitua-
tion in Georgien. Es ist anzunehmen, dass er auch künftig auf die Unter-
stützung seiner Familienangehörigen zurückgreifen kann.
7.3.2 Zur gesundheitlichen Situation ist festzuhalten, dass Gründe medizi-
nischer Natur den Vollzug im Allgemeinen nicht als unzumutbar erscheinen
lassen, es sei denn, die notwendige medizinische Behandlung sei im Hei-
matland nicht erhältlich. Entsprechen die Behandlungsmöglichkeiten im
Heimatland nicht dem medizinischen Standard in der Schweiz, bewirkt dies
allein noch nicht die Unzumutbarkeit des Vollzugs. Von einer solchen ist
erst dann auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit der Weiterbe-
handlung eine drastische und lebensbedrohende Verschlechterung des
Gesundheitszustands nach sich zieht (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3, 2009/2
E. 9.3.2). Nach Kenntnisstand des Gerichts verfügt Georgien über ein funk-
tionierendes Gesundheitssystem (vgl. u.a. Urteil des BVGer D-572/2022
vom 12. April 2022 E. 9.1.1 m.w.H.). Wie erwähnt ist davon auszugehen,
dass sich der Beschwerdeführer, wie in den letzten (...) Jahren, auch künf-
tig in Georgien adäquat behandeln lassen kann, auch wenn die Qualität
der verfügbaren Behandlungen und Therapien möglicherweise nicht den
schweizerischen Standards entspricht. Er verfügt über eine Krankenversi-
cherung und eine Familie, die ihn unterstützt. Ferner sei er auch bereits
von gemeinnützigen Organisationen finanziell unterstützt worden (vgl.
SEM-Akte A16 F67). Dass die in Georgien vorhandenen Therapieformen
nach Einschätzung des Beschwerdeführers bislang unwirksam gewesen
seien, bedeutet nicht, dass weitere dortige Behandlungen respektive die
Rückkehr eine drastische und lebensgefährdende Beeinträchtigung seines
Gesundheitszustands nach sich ziehen könnten. Hinzu kommt, dass der
Beschwerdeführer selbst angibt, die von ihm geforderte (...)-Therapie
könne ihm nur vielleicht helfen (SEM-Akte A16 F41). Den im vorinstanzli-
chen Verfahren eingereichten medizinischen Unterlagen ist zudem zu ent-
nehmen, dass der behandelnde (...) eine (...) empfiehlt und keine Indika-
tion für die vom Beschwerdeführer geforderte (...)-Therapie sieht (vgl.
SEM-Akten A16 F77, A17 S. 8).
7.3.3 Insgesamt lassen daher weder die allgemeine Lage in Georgien noch
individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers
im Falle einer Rückkehr schliessen.
7.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als
zumutbar.
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7.4 Schliesslich verfügt der Beschwerdeführer über gültige Reisepapiere,
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist
(Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 49
VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist ab-
zuweisen, da die Rechtsbegehren als aussichtslos zu bezeichnen waren
(Art. 65 Abs. 1 VwVG).
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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