Decision ID: c20fa45a-95b7-44e3-a258-f4b8e2893e3e
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 01.06.2017 Art. 8 Abs. 1 ATSG, Art. 16 ATSG, Art. 43 Abs. 1 und 3 ATSG, Art. 28 Abs. 1 IVG Eine Verfügung nach Art. 43 Abs. 3 ATSG fällt dahin, sobald die versicherte Person ihre Mitwirkungspflicht erfüllt hat und der Sachverhalt weiter abgeklärt werden kann, da ebendies der einzige Zweck einer solchen Verfügung ist. Wenn vor der beruflichen Eingliederung gleichzeitig eine Arbeitsunfähigkeit und eine Eingliederungsunfähigkeit vorliegen, besteht eine grundsätzlich rentenbegründende Invalidität. Deshalb hat die versicherte Person einen Anspruch auf eine vorübergehende IV-Rente (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 1. Juni 2017, IV 2014/421). Entscheid vom 1. Juni 2017 Besetzung Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiberin Annemarie Haase Geschäftsnr. IV 2014/421 Parteien A._, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Nadeshna Ley, Blumenbergplatz 1, 9000 St. Gallen, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rente Sachverhalt
Entscheid Versicherungsgericht, 01.06.2017
A.
A.a A._ meldete sich erstmals am 29. November 2006 bei der IV-Stelle der
Sozialversicherungsanstalt St. Gallen (nachfolgend IV-Stelle) zum Bezug von IV-
Leistungen an. Der Versicherte gab an, unter Persönlichkeitsstörungen mit körperlichen
Beschwerden zu leiden und keinen Schulabschluss zu haben (IV-act. 16). Im Rahmen
der durch die IV-Stelle in Auftrag gegebenen medizinischen Abklärung stellte Dr. med.
B._, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie FMH, am 5. Dezember
2007 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Leichte depressive
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Episode, somatoforme autonome Funktionsstörung, narzisstische
Persönlichkeitsentwicklungsstörung sowie - als Differentialdiagnose - beginnende,
schleichend verlaufende schizophrene Psychose. Nach eigenen Angaben sei der
Versicherte im Frühjahr 2006 nach einem Streit mit einem Lehrer von der Schule
freigestellt worden. Berufliche Massnahmen durch die IV lehne er ebenso ab wie eine
psychotherapeutische Begleitung. Dr. B._ stellte fest, dass die
Persönlichkeitsentwicklungsstörung und die somatoforme autonome Funktionsstörung
zum sozialen und schulischen Versagen des Versicherten geführt habe. Dessen
Situation habe sich derart verschlechtert, dass heute nur noch drei Stunden leichte
Arbeit täglich möglich seien. Die jetzige Ablehnung von beruflichen und medizinischen
Massnahmen sei Teil der Störung. Die Prognose sei ungünstig und an eine berufliche
Ausbildung könne nicht gedacht werden, bevor nicht stabile Rahmenbedingungen
geschaffen worden seien. Der Versicherte könne keiner regelmässigen Tätigkeit
nachgehen, seine Arbeitsfähigkeit sei eingeschränkt und könne durch eine ambulante
psychotherapeutische Begleitung nicht verbessert werden (IV-act. 45).
A.b Im ärztlichen Bericht der psychiatrischen RAD-Untersuchung des Versicherten
vom 18. März 2008 diagnostizierte Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, eine narzisstische Persönlichkeitsentwicklungsstörung. Sie führte aus,
dass aktuell beim Versicherten aufgrund fehlender Motivation keine Eingliederungs-
und Arbeitsfähigkeit vorliege. Grundsätzlich führe eine narzisstische
Persönlichkeitsentwicklungsstörung bei entsprechender Motivationslage in einer
einfachen Hilfstätigkeit jedoch zu keiner wesentlichen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. Da der Gesundheitszustand des Versicherten aktuell nicht stabil sei,
werde eine erneute Überprüfung in einem Jahr empfohlen (IV-act. 51, 53).
A.c Am 29. Mai 2008 schloss die IV-Stelle die Berufsberatung ab (IV-act. 56).
Nachdem sich der Versicherte am 20. Juni 2008 erneut für berufliche Massnahmen
angemeldet, dann jedoch einen Auslandaufenthalt geplant hatte, schloss die IV-Stelle
die Berufsberatung am 2. Oktober 2008 abermals ab (IV-act. 57, 71, 74).
B.
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B.a Der Versicherte meldete sich am 20. August 2010 erneut bei der IV-Stelle zur
beruflichen Integration/Rente an. Er gab an, in der Vergangenheit je für einige Monate
als Verkaufsagent, Hilfsarbeiter und Call Agent gearbeitet, jedoch stets nur kurzfristig
Erfolg gehabt zu haben, da er nach einiger Zeit nicht mehr pünktlich und regelmässig
zur Arbeit erschienen sei (IV-act. 75 f.). Die IV-Stelle ordnete eine Abklärung der
medizinischen Situation während der Frühinterventionsphase an (IV-act. 89).
B.b In dem von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen MEDAS-Gutachten vom 4. Mai
2011 gab Dr. med. D._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, folgende Diagnosen
mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit an: Kombinierte Störung des Sozialverhaltens
und der Emotionen mit depressiver Störung (ICD-10 F 92.0), Verdacht auf
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (ICD-10
F33.0), und Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsentwicklungsstörung mit
narzisstischen, emotional instabilen und histrionischen Zügen (ICD-10 F61). Weiter hielt
Dr. D._ fest, gemäss den Angaben des Versicherten bestehe seit mindestens einem
Jahr ein schädlicher Gebrauch von verschiedenen Drogen. Da diese ernstzunehmende
und behandlungsbedürftige Suchtproblematik die anderen Diagnosen überlagere,
könnten deren Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Versicherten
nicht bestimmt werden. Dies werde erst nach einer erfolgreichen Behandlung der
Suchtproblematik möglich sein. Es sei anzunehmen, dass dann keine wesentliche
Arbeitsunfähigkeit mehr bestehen werde, da sich insbesondere aus somatischer Sicht
keine Hinweise auf eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergäben.
Aufgrund der Suchtproblematik liege derzeit kein Eingliederungspotential im Sinne
einer beruflichen Ausbildungsfähigkeit vor. Immerhin befinde sich der Versicherte nach
einer längeren behandlungsfreien Zeit seit Dezember 2010 in psychiatrischer
Behandlung bei Dr. E._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH (IV-act. 91 f., 107).
B.c Am 6. Juni 2011 machte die IV-Stelle den Versicherten darauf aufmerksam, dass
er im Rahmen seiner Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht eine dauerhafte
Drogenabstinenz einzuhalten und die notwendigen Nachweise einzureichen habe. Der
Nachweis der Drogenabstinenz könne als belegt akzeptiert werden, wenn sich in
zweimal monatlich durchgeführten Drogenurinuntersuchungen durchgehend kein
Substanznachweis von Suchtmitteln finde. Ausserdem müsse die regelmässige
fachpsychiatrische Behandlung bei Dr. E._ weitergeführt werden (IV-act. 111).
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B.d Im Bericht über die RAD Abklärung vom 9. September 2011 hielt Dr. med. F._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, fest, aktuell sei keine Diagnose
einer leichten Depression zu stellen. Die kombinierte Störung des Sozialverhaltens und
der Emotionen sei aus dem Längsschnitt weiterhin gültig, während sich der
vorbestehende Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsentwicklungsstörung mit
narzisstischen, emotional instabilen und histrionischen Zügen im aktuellen Kurzkontakt
nicht aufdränge. Da der Versicherte erklärt habe, noch nie Drogen konsumiert zu haben
und dies in der Vergangenheit nur deshalb angegeben zu haben, weil er gedacht habe,
ihm werde dann schneller staatliche Hilfe gewährt, müsse der vordiagnostizierte
Drogenabusus in Frage gestellt werden. Der Versicherte wolle seine Angaben, die
bereits durch die negativen Urinbefunde des Gutachtens vom 4. Mai 2011 gestützt
würden, mittels einer retrospektiven Haaranalyse verifizieren (IV-act. 124).
B.e Die IV-Stelle erinnerte den Versicherten am 27. Oktober 2011 an die Auflagen vom
6. Juni 2011 u.a. hinsichtlich der Urinuntersuchungen und forderte ihn auf, den
entsprechenden Anordnungen bis zum 11. November 2011 nachzukommen, da
ansonsten die Erhebungen eingestellt würden und auf sein Gesuch nicht eingetreten
werde (IV-act. 129). Am 10. November 2011 gingen die Resultate einer Haaranalyse
des Versicherten ein, die eine Drogenabstinenz während fünf bis sechs Monaten vor
der Probennahme am 27. September 2011 bestätigten (IV-act. 133). Daneben reichte
der Versicherte ein Schreiben ein, mit welchem er sich von der Invalidenversicherung
abmeldete. Zur Begründung seines Entschlusses führte er aus, er nehme an, dass die
IV-Stelle, die primär zu versuchen scheine, Gesuche der Versicherten abzuweisen, ihm
sowieso nicht helfen werde (IV-act. 132).
B.f Am 5. Januar 2012 verfügte die IV-Stelle ein Nichteintreten auf das
Leistungsbegehren des Versicherten um berufliche Massnahmen/Rente. Zur
Begründung führte sie aus, der Versicherte habe die letzte Frist ungenutzt verstreichen
lassen und wiedersetze sich weiterhin den zumutbaren Massnahmen (IV-act. 135).
Daraufhin meldete sich der Versicherte am 12. Januar 2012 bei der IV-Stelle und
beanstandete, dass auf die von ihm eingereichte Haaranalyse sowie seine Schreiben
nicht eingegangen worden sei und dass er stattdessen eine Sanktionsverfügung
erhalten habe. Er wolle eine Lastwagenfahrerausbildung machen (IV-act. 136). Am 17.
Januar 2012 erklärte eine Mitarbeiterin der IV-Stelle dem Versicherten, dass die
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Sanktionsverfügung grundsätzlich zu Recht erlassen worden sei, woraufhin der
Versicherte betonte, er habe eine Haarprobe abgegeben und er sei seit Dezember 2010
alle zwei Wochen bei Dr. E._ in Behandlung gewesen und jetzt arbeitsfähig. Die
Mitarbeiterin der IV-Stelle zeigte ihm zwei mögliche Vorgehensweisen auf, indem er
entweder eine Beschwerde gegen die Sanktionsverfügung erheben oder ein neues
Gesuch um IV-Leistungen einreichen könne (IV-act. 137). Daraufhin meldete sich der
Versicherte am 20. Januar 2012 erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an und
gab an, sich zu 100% arbeits- und ausbildungsfähig zu fühlen (IV-act. 38).
B.g Dr. E._ stellte am 19. April 2012 folgende Diagnosen: Narzisstische
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.80), rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F33.10), somatoforme
autonome Funktionsstörung (ICD-10 F45.3). Weiter gab er an, die Prognose sei
grundsätzlich offen, da bei einem langjährigen Verlauf seit frühester Kindheit eine
schwere narzisstische Persönlichkeitsstörung mit rezidivierenden depressiven Krisen
vorliege und der Versicherte immer wieder versuche, in das berufliche Leben zu finden,
und sich dann bei Krisen stets zurückziehe. Es komme häufig zu
zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen. Der Versicherte reagiere auf Kritik und
Zurückweisung mit innerlicher Unruhe, Angespanntheit und sozialem Rückzug.
Grundsätzlich sei ihm jedoch eine Tätigkeit in einem Pensum von 50% zumutbar (IV-
act. 154).
B.h Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 30. April 2012 mit, dass die
Voraussetzungen für eine Berufsberatung erfüllt seien (IV-act. 161). Am 24. Januar
2013 erklärte der neue behandelnde Psychiater Dr. med. G._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, aufgrund der anamnestischen Angaben, der umfangreichen
medizinischen Berichte sowie seiner aktuellen Untersuchungsbefunde könne davon
ausgegangen werden, dass der Versicherte seit 2006 weder ausbildungs- noch
arbeitsfähig gewesen sei. Der Versicherte benötige berufliche Massnahmen im Sinne
eines Belastbarkeits- mit anschliessendem Arbeitstraining in einem geschützten
Rahmen (IV-act. 190).
B.i Im Schlussbericht der durch die IV-Stelle in Auftrag gegebenen BEFAS-Abklärung
vom 14. März 2013 wurde festgehalten, dass der Versicherte bereits über breit
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gefächerte Kenntnisse im Informatikbereich verfüge und für die Ausbildung zum
Informatiker EFZ geeignet sei. Er habe in einem Ganztagespensum normale Leistungen
mit einem aufgrund seines Anspruches auf Genauigkeit und Fehlerlosigkeit
verlangsamten Arbeitstempo gezeigt. Obwohl er innerhalb der vier untersuchten
Wochen konsistent gearbeitet habe, dürfe dies vor dem Hintergrund der
psychiatrischen Diagnose nicht auf die freie Wirtschaft übertragen werden. Es sei
wichtig, dass er bei der Gewöhnung an freiwirtschaftliche Verhältnisse unterstützt
werde. Aus medizinischer Sicht sei er in der freien Wirtschaft derzeit nicht vermittelbar,
verfüge aber über ein gutes intellektuelles Potential und könne, wenn er seinen
Schulabschluss nachgeholt habe, in den Bereichen KV und Informatik eine Ausbildung
absolvieren. Er sei eingliederungswillig, sehr motiviert und habe angegeben, zunächst
Arbeitserfahrung sammeln und sich anschliessend für eine Lehrstelle im Sommer 2014
bewerben zu wollen (IV-act. 185, 198).
B.j Am 16. April 2013 liess der Versicherte festhalten, der RAD habe gemäss der
medizinischen Aktenlage wiederholt einen invalidisierenden Gesundheitsschaden
anerkannt und als Grund dafür bestätigt, dass er seinen Schulabschluss und eine erste
berufliche Ausbildung bisher nicht habe absolvieren können. Zudem seien seine
verschiedenen, selbstständig vorgenommenen Arbeitsversuche gescheitert. Daher
bestehe ein Rentenanspruch. Der Rentenbeginn sei der 1. Dezember 2008, da er
bereits vor Vollendung seines 18. Lebensjahres bei der IV angemeldet gewesen sei und
somit sämtliche in Betracht kommenden Leistungen geltend gemacht worden seien.
Da er in der Vergangenheit mehrfach um die Entscheidung der Rentenfrage gebeten
habe (vgl. IV-act. 86, 155) und da die zunehmende finanzielle Unsicherheit eine immer
grösser werdende erhebliche Belastung für ihn darstelle, die sich erschwerend auf die
Eingliederung auswirke, seien die Voraussetzungen zur Rentenprüfung erfüllt (IV-act.
205). Die IV-Stelle erklärte daraufhin am 13. Mai 2013, dass der Grad der Invalidität erst
nach Durchführung der Eingliederungsmassnahmen bestimmt werde (IV-act. 211).
B.k Am 13. Juni 2013 ging der Schnupperbericht der H._ AG bei der IV-Stelle ein,
aus dem hervorging, dass der Versicherte keine Ausbildung im kaufmännischen
Bereich machen wolle (IV-act. 212). Dr. G._ gab am 15. Juli 2013 telefonisch an, der
Versicherte plane eine Ausbildung als Lastwagenfahrer. Derzeit zeichne sich ein
aussergewöhnlich erfolgreicher Therapieverlauf ab. Es sei zu erwarten, dass sich die
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Persönlichkeit des Versicherten bei erfolgreicher beruflicher Eingliederung weg von
einer Störung entwickeln werde, womit eine bleibende 100%ige Arbeitsfähigkeit zu
erwarten sei (IV-act. 218). Daraufhin unterzeichneten die IV-Stelle und der Versicherte
am 19. August 2013 eine Zielvereinbarung und die IV-Stelle teilte am 23. August 2013
mit, dass die Kosten für die Lastwagenchauffeurausbildung sowie für den Staplerkurs
als Frühinterventionsmassnahmen übernommen würden (IV-act. 222, 224). Nachdem
der Versicherte sowohl die theoretische als auch die praktische Lastwagenprüfung C
erfolgreich bestanden und im Februar 2014 eine Arbeitsstelle bei I._ AG gefunden
hatte und nachdem seitens der IV-Stelle weitere Frühinterventionsmassnahmen in
Form von Englisch-Sprachkursen vorgenommen worden waren, bestand kein
Anspruch mehr auf berufliche Massnahmen (IV-act. 238 f., 242 f.).
B.l Mit einem Vorbescheid vom 9. Mai 2014 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung seines Rentenbegehrens in Aussicht. Zur Begründung führte sie aus, dass
er seit dem 1. Februar 2014 als Lastwagenfahrer tätig sei und ein
rentenausschliessendes Erwerbseinkommen von Fr. 61'100.-- verdiene, womit sich ein
Invaliditätsgrad von 0% er¬gebe (IV-act. 247). Dagegen erhob der Versicherte am 13.
Juni 2014 Einwand. Er wiederholte sinngemäss die Ausführungen des Schreibens vom
16. April 2013 und hielt ergänzend fest, Dr. G._ habe bestätigt, dass ihm seit dem
Erwachsenenalter bis zum Abschluss der beruflichen Massnahmen 2013 eine
anhaltende 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden könne. Er habe schon
mehrfach um die Überprüfung seines Rentenanspruches gebeten. Seine hohen
Schulden führten zu Ängsten und wirkten sich auf seinen zukünftigen Lebensweg und
seine Gesundheit negativ aus, weshalb er die Zusprache einer befristeten Rente
beantrage (IV-act. 251 vgl. auch IV-act. 205).
B.m Am 23. Juli 2014 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab. Zu
seinen Einwänden führte sie aus, dass aus medizinischer Sicht ein relevanter
Gesundheitsschaden bestehe, er jedoch keine Änderung geltend gemacht habe, die
nicht bereits zum Zeitpunkt des Vorbescheids bekannt gewesen wäre. In Anbetracht
des bisherigen Verlaufs in Bezug auf die Anmeldungen bei der IV habe in jeder Hinsicht
ein Anspruch auf Unterstützung bei der Absolvierung einer erstmaligen Ausbildung
bestanden. Das Verfahren habe allerdings aufgrund der Tatsache, dass der Versicherte
keine Berufsberatung habe annehmen wollen, sich im Ausland befunden habe oder im
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Jahr 2010 die ihm obliegende Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht nicht erfüllt
habe, abgebrochen oder abgeschlossen werden müssen. Über einen IV-
Rentenanspruch könne erst nach der Prüfung und der Durchführung zumutbarer
beruflicher Eingliederungsmassnahmen entschieden werden. Obwohl der Versicherte
keine erstmalige berufliche Ausbildung absolviert habe, habe er im Rahmen von
Frühinterventionsmassnahmen die Voraussetzungen für die aktuelle Tätigkeit als
Lastwagenfahrer in der freien Wirtschaft geschaffen und erziele seit dem 1. Februar
2014 ein Erwerbseinkommen. Daher bestehe weder aktuell noch rückwirkend ein
Anspruch auf eine IV-Rente (IV-act. 253).
C.
C.a In seiner am 15. September 2014 dagegen erhobenen Beschwerde liess der
Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführer) die Ausrichtung einer befristeten ganzen
IV-Rente vom 1. Dezember 2008 bis 31. Januar 2014 beantragen. Zur Begründung
liess er ausführen, er habe im Verlauf des Verfahrens mehrfach um eine Rentenprüfung
ersucht; er sei aufgrund seines Gesundheitszustandes von 2006 bis 2013 nicht
eingliederungsfähig gewesen. Somit seien die Voraussetzungen für die Rentenprüfung
und das Ausrichten einer ganzen Invalidenrente erfüllt gewesen. Sein Rentenanspruch
könne nicht mit der angeblich verletzten Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht
verneint werden, da eine solche Verletzung gar nie stattgefunden habe. Auch sein
übriges Verhalten - vom RAD und der Berufsberatung als Ausdruck der diagnostizierten
Störung anerkannt - beeinflusse den Rentenanspruch nicht. Da er seit 2006
eingliederungsunfähig gewesen und am 27. November 2008 volljährig geworden sei,
entstehe sein Rentenanspruch per 1. Dezember 2008. Sein Rentenanspruch ende
aufgrund der Tatsache, dass eine Rente auch während der beruflichen Massnahmen
auszurichten sei und diese bis Ende Januar 2014 gedauert haben, erst zu diesem
Zeitpunkt (act. G1).
C.b Darauf entgegnete die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) am 6.
November 2014, Eingliederungsmassnahmen gingen Rentenleistungen vor. Letztere
würden nur erbracht, wenn die versicherte Person nicht oder in bloss ungenügendem
Masse eingegliedert werden könne. Somit hätte ein Rentenanspruch frühestens sechs
Monate nach Einreichung der Wiederanmeldung vom 20. Januar 2012 entstehen
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können. Für die Zeit nach Juni 2012 sei jedoch aufgrund der Akten nicht ersichtlich,
inwiefern der Beschwerdeführer einen Rentenanspruch haben sollte. Es möge allenfalls
zutreffen, dass er ab 2006 bis zu einem gewissen Zeitpunkt nicht eingliederungsfähig
gewesen sei, doch sei den Akten nicht zu entnehmen, dass er auch ab Juni 2012 nicht
eingliederungsfähig gewesen wäre (act. G 7).
C.c In seiner Replik vom 24. Februar 2015 liess der Beschwerdeführer dazu ausführen,
dass die Nichteintretensverfügung vom 5. Januar 2012 zweifellos unrichtig gewesen
sei, da er seiner Mitwirkungspflicht innert Frist nachgekommen sei. Indem er diese
Verfügung umgehend nach Erhalt gerügt habe, habe er ein entsprechendes
Wiedererwägungsgesuch gestellt. Auf dieses sei die Beschwerdegegnerin eingetreten
und habe von ihm namentlich noch das Erbringen weiterer Nachweise für die Erfüllung
der Mitwirkungspflichten, deren vermeintliche Nichterfüllung zur unrichtigen
Nichteintretensverfügung geführt habe, verlangt. Dieser Aufforderung sei er
nachgekommen. Die Wiedererwägungsvoraussetzungen seien erfüllt gewesen. Dass
sein Schreiben die Überschrift "Anmeldung" getragen habe, sei irrelevant, da er darin
zum Ausdruck gebracht habe, dass das Verfahren weiterzuführen sei. Die
Beschwerdegegnerin habe daraufhin weitere, auf die Abklärung der materiellen
Anspruchsvoraussetzungen gerichtete Abklärungen eingeleitet und somit dem
Wiedererwägungsgesuch offensichtlich stattgegeben. Abgesehen davon habe die
Beschwerdegegnerin ihm erklärt, dass er die Nichteintretensverfügung gerichtlich
anfechten oder aber ein neues Gesuch einreichen könne. Darauf, dass er im Falle eines
Rechtsmittelverzichts mit einem erheblichen Rechtsverlust zu rechnen habe, habe die
Beschwerdegegnerin ihn jedoch nicht hingewiesen, sondern habe ihn glauben lassen,
das neue Gesuch führe zu weiteren, fortführenden Abklärungen. Da sein Vertrauen auf
die behördliche Auskunft zu schützen sei, bleibe sein Leistungsanspruch in Bezug auf
seine Anmeldung im Jahr 2010 in jedem Fall bestehen (act. G 14).

Erwägungen
1.
1.1
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Zunächst ist zu prüfen, ob die "Nichteintretensverfügung" vom 5. Januar 2012 dazu
geeignet gewesen ist, das auf die Anmeldung vom 20. August 2010 folgende Verfahren
hinsichtlich der Überprüfung von beruflichen Massnahmen und eines Rentenanspruchs
des Beschwerdeführers zu beenden. Bei der Verfügung vom 5. Januar 2012 hat es sich
um ein "Druckmittel" gehandelt, das den Beschwerdeführer zur Erfüllung der
geforderten Auflagen hat bewegen sollen. Die Beschwerdegegnerin hat damit also eine
verfahrensleitende Massnahme im hängigen Verwaltungsverfahren erlassen, deren
Wirkung bei Erfüllung ihres Zwecks naturgemäss vollständig dahinfällt (vgl. dazu
TOBIAS BOLT, Folgen einer Mitwirkungspflichtverletzung, in: Jahrbuch zum
Sozialversicherungsrecht 2016, Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.]). Mit dem
Nachweis, sechs Monate abstinent zu sein, hat der Beschwerdeführer dazu beitragen
sollen, seine "Abklärungsfähigkeit" wiederherzustellen, um eine medizinische
Untersuchung und damit die Einschätzung seiner Arbeitsfähigkeit zu ermöglichen.
Indem der Beschwerdeführer die verlangten regelmässigen Urintests nicht eingereicht
hat, hat er grundsätzlich seine Pflicht, bei der Sachverhaltsabklärung mitzuwirken
respektive deren Fortführung zu ermöglichen, verletzt. Die Verfügung vom 5. Januar
2012 ist demnach gestützt auf Art. 43 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; ATSG) erlassen worden. Bei
der mit dieser Verfügung angedrohten Sanktion muss es sich um eine
Verfahrenseinstellung gehandelt haben. Ein Nichteintreten hat nicht mehr angedroht
werden können, da die Beschwerdegegnerin bereits begonnen hatte, den Sachverhalt
abzuklären, womit sie faktisch auf die frühere Anmeldung des Beschwerdeführers vom
20. August 2010 eingetreten war (IV-act. 91, 107, vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts St. Gallen vom 4. November 2016, EL 2015/23, TOBIAS BOLT,
a.a.O., Fn 5). Mit der Androhung einer Verfahrenseinstellung hat die
Beschwerdegegnerin also erreichen wollen, dass der Beschwerdeführer die ihm
obliegende Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung erfüllt.
1.2 Der Beschwerdeführer hatte am 10. November 2011 eine Haarprobe eingereicht,
die belegt hatte, dass er fünf bis sechs Monate vor der Probenentnahme am 27.
September 2011 keine Drogen konsumiert hatte (IV-act. 133). Aus den Akten geht
hervor, dass die Beschwerdegegnerin diese Haarprobe erst akzeptiert hat, nachdem
med. pract. J._ am 30. Januar 2012 bestätigt hatte, dass die Haarprobe unter
Aufsicht entnommen worden sei (IV-act. 139). Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist die
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Mitwirkungspflichtverletzung, die mit der Verfügung vom 5. Januar 2012 hat aus dem
Weg geräumt werden sollen, weggefallen und der massgebliche Sachverhalt ist
entsprechend erstellt gewesen, indem festgestanden hat, dass der Beschwerdeführer
abstinent gewesen ist. Die am 5. Januar 2012 erlassene (auflösend bedingte)
Verfügung ist demnach spätestens mit ihrer Zweckerfüllung am 30. Januar 2012
dahingefallen. Da die am 10. November 2011 eingereichte Abmeldung des
Beschwerdeführers zudem weder ernst gemeint gewesen noch ernst genommen
worden ist (vgl. IV-act. 132, 135) und da der Beschwerdeführer die Voraussetzungen
für einen Leistungsverzicht gemäss Art. 23 ATSG nicht erfüllt hat (vgl. hierzu auch UELI
KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, 2015, Rz 6 f. und 23 f. zu Art. 23), hat die
Beschwerdegegnerin mit ihrem Schreiben vom 3. Februar 2012 nicht auf eine
Neuanmeldung des Beschwerdeführers (IV-act. 138) reagiert, sondern lediglich das seit
dem 20. August 2010 laufende Verfahren und die entsprechenden
Sachverhaltsabklärungen wieder aufgenommen (IV-act. 142).
1.3 Der Beschwerdeführer hat eine befristete Rente von 2008 bis 2013 beantragt. Dies
hat er damit begründet, dass er seit 2006 eingliederungsunfähig gewesen und am 27.
November 2008 volljährig geworden sei, weshalb sein Rentenanspruch per 1.
Dezem¬ber 2008 entstanden sei (act. G 1). Seine Anmeldung im Jahr 2006 kann
aufgrund des damaligen Alters des Beschwerdeführers nur eine Anmeldung zur
beruflichen Eingliederung gewesen sein (vgl. IV-act. 16). Ausserdem ist der verbindliche
Abschluss des entsprechenden Verfahrens am 29. Mai 2008 vom Beschwerdeführer
akzeptiert worden, da er andernfalls auf der Ausrichtung einer Rente ab seinem 18.
Altersjahr bestanden hätte (IV-act. 56, 64). Massgebender Zeitpunkt für den Beginn
eines allfälligen Rentenanspruchs des Beschwerdeführers ist demnach der Tag, an
dem sich der Beschwerdeführer für berufliche Massnahmen und Rentenleistungen neu
angemeldet hat, also der 20. August 2010.
2.
2.1 Gemäss Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (SR
831.20; IVG) besteht frühestens sechs Monate nach der Geltendmachung eines
Leistungsanspruchs ein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Da sich
der Beschwerdeführer am 20. August 2010 bei der IV-Stelle für berufliche Massnahmen
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und eine Invalidenrente angemeldet hat, ist ein Anspruch auf eine Invalidenrente ab
dem 1. Februar 2011 zu prüfen. Invalid ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG, wer
voraussichtlich bleibend oder während längerer Zeit ganz oder teilweise
erwerbsunfähig ist. Die Erwerbsunfähigkeit setzt gemäss Art. 7 Abs. 1 ATSG nicht nur
eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit, sondern auch den Abschluss der medizinischen und
beruflichen Eingliederung voraus. Aus diesem Grundsatz "Eingliederung vor Rente"
folgt, dass auch derjenige im Sinne von Art. 7 Abs. 1 ATSG als erwerbsunfähig gilt, der
nicht eingliederungsfähig ist. Im vorliegenden Fall ist daher zunächst zu prüfen, ob der
Beschwerdeführer ab dem 1. Februar 2011 in einem grundsätzlich einen IV-Grad von
mindestens 40% begründenden Ausmass arbeitsunfähig und zudem objektiv
eingliederungsunfähig gewesen ist.
2.2 Dr. D._ ist in seinem Gutachten vom 4. Mai 2011 davon ausgegangen, dass sich
der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit 2007 nicht verbessert habe, da
sich der Beschwerdeführer seitdem nicht mehr in adäquater Behandlung befunden
habe (IV-act. 107). Zuletzt hatte Dr. B._ im Jahr 2007 die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers als Aushilfe im Restaurant dessen Mutter auf drei Stunden täglich
geschätzt (IV-act. 45). Dr. E._, bei dem der Beschwerdeführer seit Dezember 2010 in
psychiatrischer Behandlung gewesen ist (IV-act. 107 S. 21), hat im April 2012
angegeben, dass dem Beschwerdeführer aufgrund seiner Ressourcen, trotz seiner
reduzierten Belastbarkeit und der Tatsache, dass es immer wieder zu
zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen komme, grundsätzlich eine - nicht näher
beschriebene - Tätigkeit mit Pensum von 50% zugemutet werden könne (IV-act. 154).
Zudem hat der neue Psychiater Dr. G._ am 24. Januar 2014 angegeben, der
Beschwerdeführer sei aufgrund der anamnestischen Angaben, der vorliegenden
medizinischen Berichte sowie der aktuellen Untersuchungsbefunde seit 2006 bis jetzt
weder ausbildungs- noch arbeitsfähig (IV-act. 190). Obwohl Dr. G._ seine
Einschätzung nicht weiter medizinisch begründet hat, liegen damit insgesamt drei
Berichte vor, die darauf hinweisen, dass der Beschwerdeführer ab dem 1. Februar
2011 in einer leidensadaptierten Tätigkeit in einem erheblichen Ausmass in seiner
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen sein dürfte. Da jedoch in Bezug auf den Grad
der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers verschiedene Aussagen gemacht
worden sind und auch eine adaptierte Tätigkeit nicht konkret umschrieben worden ist,
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hat die Beschwerdegegnerin in Erfüllung des Untersuchungsgrundsatzes
diesbezügliche Abklärungen anzustellen.
2.3 Um eine Erwerbsunfähigkeit annehmen zu können, hat der Beschwerdeführer auch
eingliederungsunfähig sein müssen. Während Dr. B._ im Jahr 2007 festgehalten hat,
Eingliederungsmassnahmen seien derzeit unmöglich, ist Dr. D._ im Jahr 2011
insbesondere aufgrund der (vermeintlichen) Suchtproblematik von einem fehlenden
Eingliederungspotential ausgegangen (IV-act. 45 S. 7, 107 S. 38). Dr. E._ hat den
Beschwerdeführer im April 2012 immerhin zu 50% als arbeitsfähig erachtet und
angenommen, dass eventuell durch die Intensivierung der aktuellen ambulanten
Behandlungen irgendwann die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen möglich
werden könnte (IV-act. 154 S. 2). Weder aus dieser Einschätzung noch aus der
Arbeitsfähigkeitsschätzung lässt sich schliessen, dass der Beschwerdeführer
eingliederungsfähig gewesen wäre, da sich bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50% die
Dauer einer Ausbildung regelmässig mindestens verdoppeln würde. Da Dr. G._ dem
Beschwerdeführer zudem am 24. Januar 2013 eine (Arbeits- und) Ausbildungsfähigkeit
seit 2006 komplett aberkannt hat (IV-act. 190), die vom 11. Februar bis 8. März 2013
dauernde BEFAS-Abklärung ergeben hat, dass der Beschwerdeführer in der freien
Wirtschaft nicht vermittelbar sei (IV-act. 198 S. 9), der Beschwerdeführer die
Schnupperwoche bei der H._ AG grösstenteils gar nicht erst besucht hat (IV-act.
212, 238 S. 14), Dr. G._ auch im Juni 2013 davon ausgegangen ist, dass eine
dreijährige Ausbildung selbst im geschützten Rahmen keine Aussicht auf Erfolg hätte
(IV-act. 238 S. 17) und der Beschwerdeführer vor der erneuten Rentenanmeldung
zahlreiche Selbsteingliederungsversuche vorgenommen hat, die regelmässig
gescheitert sind (vgl. IV-act. 71, 75 f., 107 S. 32), liegen zahlreiche Indizien dafür vor,
dass der Beschwerdeführer seit dem 1. Februar 2011 eingliederungsunfähig gewesen
sein könnte. Ob der Beschwerdeführer seit seiner IV-Anmeldung im Jahr 2010 nicht
dennoch zwischenzeitlich ein Erwerbseinkommen erzielt hat, ist nicht bekannt (vgl. IV-
act. 230, wonach er während seiner Ausbildung zum Lastwagenchauffeur im Oktober
und November 2013 nach eigenen Angaben für kurze Zeit gearbeitet hat).
2.4 Gesamthaft wird die Beschwerdegegnerin in Erfüllung des Art. 43 Abs. 1 ATSG
noch abzuklären haben, in welchem Umfang der Beschwerdeführer in der Zeit von
Februar 2011 bis Februar 2014 arbeitsunfähig und ob er in diesem Zeitraum auch
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eingliederungsunfähig gewesen ist. Sie wird zudem abklären müssen, ob der
Beschwerdeführer während dieser Zeit allenfalls ein Erwerbseinkommen erzielt hat.
Anschliessend wird sie ihm während einer allfälligen Eingliederungs- bzw.
Arbeitsunfähigkeit eine Invalidenrente ausrichten. Für die Bestimmung des
Valideneinkommens wird sie dabei berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer keine
abgeschlossene schulische Ausbildung vorzuweisen hat und dass seine Tätigkeit als
Lastwagenfahrer bereits eine Invalidenkarriere ist. Das für den Einkommensvergleich
herbeizuziehende Valideneinkommen soll jedoch den Lohn widerspiegeln, den eine
versicherte Person verdienen könnte, wenn sie gesund wäre (vgl. Art. 16 ATSG).
Anhand der vorliegenden Akten erweist sich das Valideneinkommen des
Beschwerdeführers somit als nicht bestimmbar; insbesondere kann nicht auf sein
Einkommen als Lastwagenfahrer abgestellt werden. Vielmehr ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer ohne seine
gesundheitliche Einschränkung seine schulische Ausbildung erfolgreich abgeschlossen
und einen Beruf erlernt hätte (vgl. IV-act. 198 S. 12, 212). Daher ist im vorliegenden Fall
gemäss Art. 26 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (SR 831.201;
IVV) von den nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten
Medianwertes gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE)
auszugehen. Für die Bestimmung des Invalideneinkommens wird auf die Verhältnisse
im Zeitpunkt des potentiellen Rentenbeginns abzustellen sein.
3.
Da der Sachverhalt in Bezug auf die Arbeits- und die Eingliederungsfähigkeit des
Beschwerdeführers in der Zeit ab dem 1. Februar 2011 unvollständig abgeklärt worden
ist, ist die angefochtene Verfügung vom 23. Juli 2014 in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben. Die Sache ist zur weiteren Abklärung im Sinne der
Erwägungen und zur anschliessenden Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Obwohl den Begehren des Beschwerdeführers nicht voll entsprochen
worden ist, gilt dieser Verfahrensausgang praxisgemäss als volles Obsiegen der
beschwerdeführenden Partei (vgl. BGE 132 V 215 E. 6.2). Die gemäss dem Art. 69 Abs.
1bis IVG zu erhebenden und angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes
auf Fr. 600.-- festzusetzenden Gerichtskosten sind folglich der unterliegenden
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Die Beschwerdegegnerin hat dem
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Beschwerdeführer eine Parteientschädigung auszurichten, die angesichts des
durchschnittlichen Vertretungsaufwandes praxisgemäss auf Fr. 3'500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt wird.