Decision ID: 58748525-79db-5f55-b024-bc58da2d76c9
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X erwarb den Führerausweis für die Fahrzeugkategorie B am 27. August 1986.
Zudem ist er seit dem 17. April 1987 für die Fahrzeugkategorie A fahrberechtigt. Er ist
im Administrativmassnahme-Register nicht verzeichnet.
B.- Am Montag, 20. Juli 2015, um 7.35 Uhr, lenkte X einen Personenwagen auf der
Autobahn A3 in Mols von Sargans in Fahrtrichtung Zürich. Beim Rastplatz Walensee/
Bergsboden verliess er die Autobahn. Auf dem Parkplatz fuhr er einen Abhang
hinunter. Die Fahrzeugfront verfing sich in einem Wildschutzzaun. Nachdem die
Alkoholatemlufttests mit 1,96 und 1,98 Gewichtspromille positiv ausgefallen waren,
wurde eine Blutprobe angeordnet. Der Führerausweis wurde X auf der Stelle
abgenommen. Die Auswertung der Probe ergab für den Zeitpunkt des Ereignisses eine
Blutalkoholkonzentration von mindestens 2,35 und höchstens 3,03 Gewichtspromille.
C.- Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes Uznach vom 15. Oktober 2015 wurde X
wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (FiaZ; qualifizierte Blutalkoholkonzentration)
sowie Nichttragens des Sicherheitsgurtes schuldig gesprochen und zu einer bedingten
Geldstrafe in der Höhe von 150 Tagessätzen zu je Fr. 90.– sowie zu einer Busse von Fr.
2‘100.– verurteilt. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
D.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen bestätigte am
27. Juli 2015 die vorläufige Abnahme des Führerausweises durch die Polizei. Es
eröffnete am 6. August 2015 gegenüber X ein Verfahren zur Abklärung der Fahreignung
und verbot ihm vorsorglich das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien ab sofort.
Die daraufhin am 1. September 2015 vom Strassenverkehrsamt angeordnete
verkehrsmedizinische Untersuchung wurde am 23. Oktober 2015 an der
verkehrsmedizinischen Abteilung des Instituts für Rechtsmedizin am Kantonsspital St.
Gallen (IRM) durchgeführt. Im Gutachten vom 17. November 2015 wurde festgehalten,
genügend konkrete Anhaltspunkte für eine Alkoholabhängigkeit gemäss ICD-10 lägen
nicht vor, eine derartige Problematik könne aber auch nicht ausgeschlossen werden.
Die Fahreignung könne aus verkehrsmedizinischer Sicht nicht befürwortet werden; es
liege zumindest ein verkehrsrelevanter Alkoholkonsum mit Gefährdung vor.
E.- Mit Verfügung vom 14. Dezember 2015 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis wegen einer Alkoholproblematik auf unbestimmte Zeit und ordnete eine
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Sperrfrist von drei Monaten an (20. Juli bis 19. Oktober 2015). Als Bedingungen für die
Aufhebung des Entzugs wurden eine kontrollierte und fachlich betreute
Alkoholabstinenz (Beratungsstelle) von mindestens sechs Monaten (gemäss Info-Blatt)
und eine verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung festgelegt. Einem allfälligen
Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. X wurde zudem darauf
hingewiesen, dass die Abstinenz bis zur Neubeurteilung bzw. Wiedererteilung des
Führerausweises fortgesetzt werden sollte, zumal mit entsprechenden Auflagen zu
rechnen sei.
F.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 23. Dezember 2015 (Eingang
beim Gericht am 30. Dezember 2015) Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission
und beantragte sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Die
Vorinstanz verzichtete am 7. März 2016 auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen im Rekurs wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 23. Dezember 2015 (Eingang beim
Gericht am 30. Dezember 2015) ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekursverfahren ist umstritten, ob die Vorinstanz gestützt auf das
verkehrsmedizinische Gutachten vom 17. November 2015 die Fahreignung zu Recht
verneint und dem Rekurrenten den Führerausweis wegen eines verkehrsrelevanten
Alkoholmissbrauchs auf unbestimmte Zeit entzogen sowie die Wiedererteilung des
Führerausweises von einer Alkoholabstinenz und verkehrsmedizinischen Untersuchung
abhängig gemacht hat.
bis
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Der Rekurrent bringt dagegen vor, es sei ihm klar, dass er mit seinem Verhalten gegen
das Gesetz verstossen habe. Aber er sei kein Alkoholsüchtiger. In der Zeit von Juli bis
Oktober 2015 habe es einige Familienfeiern gegeben, an denen er Alkohol getrunken
habe. Er lebe seit sechs Jahren in der Schweiz und arbeite als Elektriker. Für die Arbeit
benötige er einen Führerschein, denn er müsse Material transportieren und wohne 30
km vom Arbeitsort entfernt. Mit dem schweizerischen Gesetz sei er noch nie in Konflikt
geraten. Er sei ein achtsamer und vorsichtiger Fahrer. Den Zwischenfall bedauere er
sehr. Was die Alkoholabstinenz anbelange, so sei zu berücksichtigen, dass er nicht mit
einem Therapeuten sprechen könne, denn er verstehe die deutsche Sprache nicht.
Deshalb sei ein Termin für eine verkehrsmedizinische Untersuchung anzusetzen, ohne
dass er eine Therapie machen müsse.
3.- a) Führerausweise sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen
Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Sie werden dem Lenker auf
unbestimmte Zeit entzogen, wenn er an einer Sucht leidet, welche seine Fahreignung
ausschliesst (sog. Sicherungsentzug; Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG), wie beispielsweise
Alkohol-, Betäubungs- und Arzneimittelabhängigkeit (Botschaft zur Änderung des
Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4491). Die
Rechtsprechung bejaht eine Trunksucht, wenn die betroffene Person regelmässig so
viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit vermindert wird und sie diese Neigung
zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu überwinden oder
zu kontrollieren vermag. Auf eine fehlende Fahreignung darf geschlossen werden, wenn
die Person nicht mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und Strassenverkehr zu trennen,
oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht, dass sie im akuten Rauschzustand am
motorisierten Strassenverkehr teilnimmt. Der Suchtbegriff des Verkehrsrechts deckt
sich somit nicht mit dem medizinischen Begriff der Alkoholabhängigkeit. Auch bloss
suchtgefährdete Personen, bei denen aber jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt,
können demnach vom Führen eines Motorfahrzeugs ferngehalten werden (BGE 129 II
82 E. 4.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6A.8/2007 vom
1. Mai 2007 E. 2.1). Zweck des Sicherungsentzuges ist es, die zu befürchtende
Gefährdung der Verkehrssicherheit durch einen ungeeigneten Fahrzeugführer in der
Zukunft zu verhindern. Daraus ergibt sich, dass der Sicherungsentzug immer auf
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unbestimmte Zeit anzuordnen ist (BGE 133 II 331 E. 9.1; Philippe Weissenberger,
Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Art. 16d N 8 und 10).
Da ein Sicherungsentzug tief in den Persönlichkeitsbereich des Betroffenen eingreift,
ist nach der Rechtsprechung in jedem Fall und von Amtes wegen eine genaue
Abklärung der persönlichen Verhältnisse und insbesondere der Trinkgewohnheiten des
Betroffenen vorzunehmen. Das Ausmass der notwendigen behördlichen
Nachforschungen, namentlich die Frage, ob ein medizinisches Gutachten eingeholt
werden soll, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im
pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde (BGE 129 II 82 E. 2.2 mit Hinweisen;
vgl. BGer 1C_98/2007 vom 13. September 2007 E. 2.1-3).
b) Das verkehrsmedizinische Gutachten vom 17. November 2015 stützt sich einerseits
auf die Vorgeschichte und die Angaben des Rekurrenten, andererseits auf die
Resultate der Laboruntersuchungen und die Auskünfte des Hausarztes des
Rekurrenten ab. Im Gutachten wird ausgeführt, bereits die hohe
Blutalkoholkonzentration im Ereigniszeitpunkt weise auf eine deutliche Trinkfestigkeit
als Zeichen einer Toleranzentwicklung hin, die Folge eines episodenhaften oder
chronischen Alkoholüberkonsums sei. Die erhobenen Resultate der Haaranalyse mit
Ethylglucuronidwerten von über 100 pg/mg würden für einen regelmässig vermehrten
Konsum sprechen, woraus sich eine Alkoholgewöhnung als Folge eines chronisch
erhöhten Konsums ableiten liesse. Auch die hausärztliche Blutuntersuchung mit
auffälligen Leberwerten, insbesondere die GGT-Werte, seien bei Fehlen einer
anderweitigen medizinischen Erklärung in erster Linie als alkoholbedingt zu werten. Der
Rekurrent habe einen durch äussere Faktoren beeinflussten Alkoholkonsum
geschildert. Ein derartiges Trinkmuster sei Zeichen eines psychischen Verlangens. Vor
einigen Jahren habe der Rekurrent bereits eine stationäre Behandlung wegen
Alkoholproblemen absolviert. In der Folge sei es aber wieder zu einem erheblichen
Konsum gekommen. Im Rahmen der Untersuchung sei zudem ein Zittern der Hände
aufgefallen, was ebenfalls alkoholbedingt sein könnte. Im Urin sei Ethylglucuronid
nachgewiesen worden, was für einen Alkoholkonsum in den letzten drei Tagen vor der
Probennahme spreche und nicht zum geltend gemachten letzten Konsum – sechs
Tage vor der Untersuchung – passe. Genügend konkrete Anhaltspunkte für eine
Abhängigkeit gemäss ICD-10 lägen nicht vor, eine derartige Problematik könne aber
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auch nicht ausgeschlossen werden. Insgesamt würden sich derzeit genügend
Anhaltspunkte zumindest für einen verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch mit
Suchtgefährdung ergeben, weshalb die Fahreignung aus verkehrsmedizinischer Sicht
nicht befürwortet werden könne (vgl. act. 9/46-49).
c) aa) Nach der Rechtsprechung gehören zu den für den Nachweis einer Trunksucht
erforderlichen Abklärungen etwa eine gründliche Prüfung der persönlichen
Verhältnisse, welche namentlich die Einholung von Fremdberichten von Hausarzt,
Arbeitgeber und Familienangehörigen usw. umfasst, eine einlässliche Aufarbeitung der
konkreten Trunkenheitsfahrt, eine Alkoholanamnese, d.h. die Erforschung des
Trinkverhaltens (Trinkgewohnheiten und Trinkmuster) des Betroffenen und seiner
subjektiven Einstellung dazu sowie eine umfassende, eigens vorzunehmende
körperliche Untersuchung mit besonderer Berücksichtigung von alkoholbedingten
Hautveränderungen (BGE 129 II 82 E. 6.2.2). Da sich der direkte Nachweis des
Alkoholkonsums durch die Haaranalyse durchgesetzt hat, erübrigen sich
weitergehende und teils durchaus heikle Abklärungen im Umfeld in der Regel, um zu
einem sicheren Befund zu gelangen. Der Umfang der Nachforschungen richtet sich
nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen Ermessen der
Entzugsbehörde. Beweiserhebungen sind nach den allgemeinen Grundsätzen nur
soweit durchzuführen, als sie erforderlich sind (vgl. BGer 6A.8/2007 vom 1. Mai 2007
E. 2.5).
bb) Anders als bei der Laboranalytik anhand der aus dem Blut ermittelten Parameter
CDT, GGT, GOT, GPT und MCV (vgl. BGE 129 II 82 E. 6.2.1), mit welcher
Alkoholkonsum nicht direkt nachgewiesen werden kann, handelt es sich bei der
forensisch-toxikologischen Haaranalyse auf EtG um eine direkte, beweiskräftige
Analysemethode, deren Resultate objektive Rückschlüsse zum Alkoholkonsum eines
Probanden während einer bestimmten Zeit erlauben (vgl. zum Ganzen Schweizerische
Gesellschaft für Rechtsmedizin, Arbeitsgruppe Haaranalytik, Bestimmung von
Ethylglucuronid [EtG] in Haarproben, Version 2014, Ziff. 3.1). Das EtG ist ein nicht
oxidatives Nebenprodukt des Stoffwechsels von Trinkalkohol (Bruno Liniger, Die
forensisch-toxikologische Haaranalyse auf Ethylglucuronid – eine beweiskräftige
Untersuchungsmethode zur Überprüfung des Alkoholkonsums in der
verkehrsmedizinischen Begutachtung, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2006,
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St. Gallen 2006, S. 41 ff.). Weil EtG ein Abbauprodukt von Alkohol ist, korreliert die
festgestellte EtG-Konzentration mit der aufgenommenen Menge an Trinkalkohol.
Aufgrund des Kopfhaar-Längenwachstums von rund einem Zentimeter pro Monat
lassen sich Aussagen über den Alkoholkonsum während der entsprechenden Zeit vor
der Haarentnahme machen (vgl. BGer 1C_615/2014 vom 11. Mai 2015 E. 2.3.1; BGE
140 II 334 E. 3 mit Hinweisen).
Die dem Rekurrenten am 18. September 2015 im IRM abgenommene Kopfhaarprobe
von 4,5 bis 5,5 cm Länge wies einen EtG-Gehalt von über 100 pg/mg auf (act. 9/56).
Wie im verkehrsmedizinischen Gutachten vom 17. November 2015 dazu korrekt
ausgeführt wird, weist diese hohe Konzentration auf einen regelmässigen und
übermässigen Alkoholkonsum in den rund vier bis fünf Monaten vor der
Probeentnahme hin. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist dies bereits bei
EtG-Werten von 45 und 66 pg/mg der Fall (vgl. BGer 1C_150/2010 vom 25. November
2010 E. 5.3). Ein EtG-Wert von 94 pg/mg begründet nach der Praxis des
Bundesgerichts ein schwerwiegendes Indiz für einen verkehrsrelevanten
Alkoholmissbrauch mit Suchtgefährdung im Sinne von Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG
(vgl. BGer 1C_243/2010 vom 10. Dezember 2010 E. 2.7). Der vorliegend festgestellte
EtG-Wert entspricht einem Mehrfachen des Wertes von 30 pg/mg, wo die Medizin die
Grenze zum übermässigen Alkoholkonsum lokalisiert (vgl. Schweizerische Gesellschaft
für Rechtsmedizin, a.a.O., Ziff. 6.2; vgl. BGE 140 II 334 E. 7). Bereits eine Konzentration
von 30 pg/mg EtG deutet auf einen massiven täglichen Alkoholkonsum von über
60 Gramm Ethanol hin (vgl. Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin, a.a.O.,
Ziff. 6.1 und 6.2; Consensus of the Society of Hair Testing on Hair Testing for Chronic
Excessive Alcohol Consumption 2009, in: Toxichem Krimtech 76/2009 S. 252,
www.gtfch.org). Der im Gutachten ausgewiesene EtG-Wert von über 100 pg/mg belegt
damit einen durchschnittlichen Alkoholkonsum von weit mehr als 60 Gramm Ethanol
pro Tag, was einem massiven täglichen Alkoholüberkonsum in den rund vier bis fünf
Monaten vor der Entnahme der Haarprobe vom 18. September 2015 entspricht.
cc) Nach der Rechtsprechung ermöglichen biochemische Analyseresultate von Blut-
und Haarproben objektive Rückschlüsse zum Alkoholkonsum eines Probanden
während einer bestimmten Zeit. Ein deutlich überhöhter Wert kann dabei ein Indiz
darstellen für einen verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch mit Suchtgefährdung
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(vgl. E. 3 lit. c/bb). Hingegen erlauben auch signifikant erhöhte biochemische Werte in
der Regel noch keinen zweifelsfreien Schluss auf eine den Sicherungsentzug
rechtfertigende fehlende Fahreignung im Sinn von Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG. Dies gilt
sowohl für Analysen von Blut- und Urinproben, insbesondere für den CDT-Marker, als
auch für die Haaranalyse auf EtG. Zwar können deutlich erhöhte EtG-Werte ein
wichtiges Indiz für mangelnde Fahrtüchtigkeit darstellen. Sie vermögen jedoch eine
ausreichende verkehrsmedizinische Abklärung als Voraussetzung für den
Sicherungsentzug nicht vollständig zu ersetzen. Es muss hinreichend dargetan sein,
dass der Betroffene seine Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den
eigenen Willen nicht zu überwinden oder zu kontrollieren vermag (BGer 1C_150/2010
vom 25. November 2010 E. 5.1 mit Hinweisen und E. 5.3 sowie 1C_615/2014 vom
11. Mai 2015 E. 2.5.1).
Im verkehrsmedizinischen Gutachten vom 17. November 2015 wird zwar keine
Alkoholabhängigkeit im medizinischen Sinn festgestellt; eine solche wird aber auch
nicht ausgeschlossen. Kann eine Alkoholabhängigkeit im Sinn von ICD-10 nicht
diagnostiziert werden, stellt sich die Frage nach der Verkehrsrelevanz eines
Alkoholmissbrauchs, namentlich nach der Fähigkeit der betroffenen Person,
Alkoholüberkonsum und Fahren hinreichend konsequent trennen zu können. Obwohl
eine Trunkenheitsfahrt als solche schon den Bezug zum Strassenverkehr und somit die
verkehrsrelevante Bedeutung des im Einzelfall zu beurteilenden Alkoholproblems
hinreichend belegt, kommt den detaillierten FiaZ-Umständen sowie dem FiaZ-
Problembewusstsein zusätzlich sehr grosse Bedeutung zu (vgl. Bruno Liniger,
Verkehrsmedizin: Fahreignungsbegutachtung und Auflagen in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2004, St. Gallen 2004, S. 94).
dd) Der Alkoholkonsum des Rekurrenten wurde am 20. Juli 2015 verkehrsrelevant. Er
lenkte damals ein Fahrzeug mit einer sehr hohen Blutalkoholkonzentration von
mindestens 2.35 und maximal 3.03 Gewichtspromille und verursachte in der Folge
einen Selbstunfall mit Sachschaden. Da ein Sicherungsentzug nicht wegen eines
schuldhaften Verhaltens des Ausweisinhabers erfolgt, sondern im Interesse der
Verkehrssicherheit, gilt die Unschuldsvermutung nicht und darf beim
Alkoholisierungsgrad auf den Mittelwert abgestellt werden (BGE 140 II 331 E. 6). Dieser
beträgt 2.69 Gewichtspromille und weist klar auf eine allgemeine Alkoholgewöhnung
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des Rekurrenten hin. Für Personen, welche nur selten Alkohol trinken, ist es gar nicht
möglich, eine Blutalkoholkonzentration von 2.0 Gewichtspromille überhaupt zu
erreichen, zumal sie – aufgrund der alkoholtoxischen Wirkung – schon vorher mit
zunehmender Übelkeit, Bewusstseinsstörungen und beispielsweise Erbrechen
reagieren. Derart beeinträchtige Personen sind nicht mehr in der Lage, nur noch
halbwegs zielgerichtete Handlungen auszuführen, geschweige denn das Fahrzeug zu
finden und dieses einigermassen korrekt bedienen und führen zu können (vgl. Liniger,
a.a.O., S. 92). In der Fachliteratur wird zudem darauf hingewiesen, dass von der
durchschnittlich alkoholgewohnten Bevölkerung Werte von über 1,6 Gewichtspromille
nicht erreicht werden und das einmalige Erreichen oder Überschreiten dieses Wertes
auch ohne aktive Verkehrsteilnahme bereits ein Beleg eines gesundheitsschädigenden
und missbräuchlichen Umgangs mit Alkohol ist, welcher mit einer Suchtgefährdung
einhergeht (vgl. Liniger, a.a.O., S. 93). Allein aufgrund des hohen
Alkoholisierungsgrades im Ereigniszeitpunkt muss beim Rekurrenten – in
Übereinstimmung mit dem Gutachten – von einer erheblichen Toleranzentwicklung
ausgegangen werden, welche sich nur durch ein längerfristiges normabweichendes
Trinkverhalten entwickeln kann. Beim fraglichen Ereignis wird es sich deshalb kaum um
einen einmaligen Alkoholüberkonsum gehandelt haben. Dazu kommt, dass der
Rekurrent gegenüber der Polizei aussagte, dass er sich im Zeitpunkt des Unfalls – trotz
des massiven Alkoholüberkonsums – fahrfähig gefühlt habe (act. 9/15). Das Verhalten
gegenüber der Polizei war ruhig und normal, die Sprache unauffällig und die Pupillen
waren normal. Die Polizisten stellten zudem einen sicheren Stand fest (act. 9/22). Bei
der verkehrsmedizinischen Untersuchung gab er an, dass eine Menge von vier bis fünf
Schnäpsen und Bier für ihn kein Problem sei; davon sei er nicht betrunken (act. 9/51).
Der übermässige Alkoholkonsum am Ereignistag stand nach Angaben des Rekurrenten
im Zusammenhang mit einem Fest. Gegenüber dem Gutachter erklärte er,
anlassbezogen Alkohol zu trinken. Er trinke am Samstag im Ausgang ein bis zwei kleine
Biere. Während der Befragung korrigierte er sich dahingehend, dass er am Freitag nach
der Arbeit mit Kollegen etwas trinke. Die grösste konsumierte Menge Alkohol sei vor
dem Ereignis vom 20. Juli 2015 sowie an Weihnachten gewesen. Bei Stress trinke er
einen kleinen Schnaps (act. 9/51). Der Alkoholkonsum des Rekurrenten wird damit
durch äussere Faktoren beeinflusst, weshalb der Schluss auf einen
belastungsabhängigen Konsum und ein psychisches Verlangen nach Alkohol naheliegt.
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Das Trinkverhalten änderte der Rekurrent seit dem Ereignis vom 20. Juli 2015
zumindest bis zur verkehrsmedizinischen Untersuchung am 23. Oktober 2015 nicht.
Wenige Tage vor dem Termin konsumierte er noch Alkohol. Ein ausreichendes
Problembewusstsein lässt sich damit nicht erkennen (vgl. Bruno Liniger,
Verkehrsmedizin: Bericht über den Stand der Wissenschaft, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 112). Dafür spricht auch, dass der
Rekurrent gemäss eigenen Angaben bereits einmal für längere Zeit in einer stationären
Behandlung aufgrund seines Alkoholkonsums war. Zudem stimmen die Angaben des
Rekurrenten zu seinem Trinkverhalten nicht mit dem Analyseergebnis der Haarprobe
überein, was auf eine Bagatellisierung seiner Trinkgewohnheiten schliessen lässt. Der
Rekurrent gab gegenüber dem Gutachter an, primär Bier zu trinken. Normalerweise
trinke er nicht so viel. Vielleicht trinke er im Ausgang ein bis zwei kleine Biere. Er trinke
einmal alle zwei Monate ein paar Schnäpse und Bier. Weiter gab er an, ca. 200 Gramm
Wodka zu trinken, dies seien etwa zwei Deziliter. Bei Stress trinke er einen kleinen
Schnaps, vielleicht auch ein Bier, mehr nicht (act. 9/51). Angesichts des hohen EtG-
Wertes der Haarprobe von über 100 pg/mg ist jedoch erstellt, dass die tatsächliche
Trinkmenge des Rekurrenten wesentlich höher sein muss und deutlich über 60 Gramm
Ethanol pro Tag liegt (vgl. E. 3 lit. c/bb). Ein solch übermässiges Konsumverhalten
erlaubt es kaum je, ausreichend zwischen dem Suchtmittelkonsum und der Teilnahme
am Strassenverkehr zu trennen (vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 16d N 30). Auch wenn
im Gutachten keine Alkoholabhängigkeit gemäss ICD-10 diagnostiziert wurde, muss
unter den gegebenen Umständen von einem verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch mit
Suchtgefährdung ausgegangen werden. Der Rekurrent ist damit mehr als jede andere
Person der Gefahr ausgesetzt, sich in einem Zustand ans Steuer eines Fahrzeugs zu
setzen, der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet. Diese Gefahr hat sich am 20.
Juli 2015 verwirklicht. Die Fahreignung des Rekurrenten ist damit zu verneinen,
weshalb ein unbefristeter Sicherungsentzug auszusprechen ist (vgl. Art. 16d Abs. 1 lit.
b SVG; BGE 129 II 82 E. 4.1; BGer 6A.8/2007 vom 1. Mai 2007 E. 2.1). Eine allfällige
berufliche Angewiesenheit auf den Führerausweis kann nicht berücksichtigt werden, da
dieses Kriterium administrativrechtlich einzig für die Bemessung der Dauer eines
Warnungsentzugs, nicht aber für einen Sicherungsentzug relevant ist (vgl. Art. 16
Abs. 3 SVG; BGer 6A.23/2004 vom 11. Juni 2004 E. 2.2). Auch dem ungetrübten
automobilistischen Leumund des Rekurrenten kommt im vorliegenden Verfahren des
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Sicherungsentzugs keine entscheidende Bedeutung zu; denn bei Vorliegen einer
fehlenden Fahreignung muss zwingend ein Entzug auf unbestimmte Zeit erfolgen
(vgl. Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG; BGE 133 II 331 E. 9.1; Weissenberger, a.a.O., Art. 16d
N 10).
Dass der Gutachter unter den gegebenen Umständen darauf verzichtete, eigene
Erkundigungen im familiären und beruflichen Umfeld des Rekurrenten einzuholen, ist
angesichts des klaren Ergebnisses der Analyse der Haarprobe, der konkreten
Umstände der Trunkenheitsfahrt vom 20. Juli 2015 und den eigenen Angaben des
Rekurrenten zu seinem Alkoholkonsum nicht zu beanstanden (vgl. BGer 6A.8/2007
vom 1. Mai 2007 E. 2.5). Insgesamt erweist sich die Schlussfolgerung eines
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs mit Gefährdung im Gutachten vom 17.
November 2015 als widerspruchsfrei, nachvollziehbar und schlüssig.
4.- Gemäss Art. 17 Abs. 3 SVG kann der auf unbestimmte Zeit entzogene
Führerausweis bedingt und unter Auflagen wiedererteilt werden, wenn eine allfällige
gesetzliche oder verfügte Sperrfrist abgelaufen ist und die betroffene Person die
Behebung des Mangels nachweist, der die Fahreignung ausgeschlossen hat. Eine
Wiedererteilung des Ausweises bei einem Sicherungsentzug wegen fehlender
Fahreignung kommt somit nur in Frage, wenn die Fahreignung wiederhergestellt ist. Die
vom Entzug betroffene Person hat ein Gesuch um Wiedererteilung des
Führerausweises zu stellen und mit den erforderlichen Beweismitteln zu belegen, dass
der Mangel, der die Fahreignung ausgeschlossen hat, behoben ist (BSK SVG-Rütsche/
Weber, Art. 17 N 22). Bei einer Alkoholproblematik wird der Führerausweisentzug
aufgehoben, wenn eine erfolgreiche Behandlung des Suchtleidens stattgefunden hat.
Dies bedeutet, dass die betreffende Person eine kontrollierte Alkoholabstinenz von in
der Regel mindestens einem Jahr Dauer nachweisen muss und eine erneute
verkehrsmedizinische Begutachtung positiv verläuft. Die Einhaltung der Totalabstinenz
wird durch den Hausarzt, allenfalls den behandelnden Psychiater, ein Institut für
Rechtsmedizin und/oder eine Suchtberatungsstelle kontrolliert. Die Wiederbewerbung
und somit auch die damit verbundene verkehrsmedizinische Neubeurteilung ist erst
dann sinnvoll, wenn das vorliegende Alkoholproblem therapeutisch erfolgreich
angegangen wurde und die verlangte Totalabstinenz auch wirklich belegt werden kann
(Seeger, Alkohol und Fahreignung, in: Arbeitsgruppe Verkehrsmedizin [Hrsg.],
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Handbuch der verkehrsmedizinischen Begutachtung, 1. Aufl. 2005, S. 27). Auch nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei Suchtleiden die Wiedererteilung des
Führerausweises an die Einhaltung einer kontrollierten Abstinenz zu knüpfen (BGer
1C_26/2011 vom 25. Juli 2011 E. 4.1).
Dass die Vorinstanz die Wiedererteilung des Führerausweises von einer kontrollierten
und fachlich betreuten Alkoholabstinenz (Beratungsstelle) von mindestens sechs
Monaten Dauer und einer die Fahreignung befürwortenden verkehrsmedizinischen
Untersuchung (inkl. Haaranalyse) abhängig gemacht hat, ist nicht zu beanstanden; dies
entspricht der gängigen Praxis des Strassenverkehrsamts bei einer Alkoholproblematik.
Da insbesondere die Änderung des Alkoholtrinkverhaltens stabil gefestigt und eine
allfällige den Alkoholmissbrauch bedingende Persönlichkeitsproblematik erkannt und
entscheidend korrigiert worden sein muss, gehört zu den Minimalkriterien für den
Nachweis der kontrollierten Alkoholabstinenz das Aufsuchen einer Beratungs- oder
Therapiestelle (Seeger, a.a.O., S. 27 f.). Ohne fachspezifische Therapie sind ein
grundlegender Einstellungswandel und ein entsprechendes Problembewusstsein nur
schwer zu erreichen. Auf eine fachtherapeutische Beratung kann deshalb nicht
verzichtet werden. Daran mag auch das Vorbringen des Rekurrenten, er sei der
deutschen Sprache nicht mächtig und könne deshalb mit einem Therapeuten kein
Gespräch führen, nichts zu ändern. Immerhin gab der Rekurrent bei der polizeilichen
Befragung am 20. Juli 2015 als Verhandlungssprache Deutsch an und verzichtete auf
einen Übersetzer (act. 9/18). Bei der verkehrsmedizinischen Untersuchung vom
23. Oktober 2015, wo der Rekurrent zu seiner Krankengeschichte, zum Alkohol und
zum Ereignis vom 20. Juli 2015 Angaben machte, war ebenfalls kein Übersetzer
anwesend (act. 9/50-52); jedenfalls geht nichts Dergleichen aus den Akten hervor.
5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht auf das
verkehrsmedizinische Gutachten vom 17. November 2015 abgestellt, die Fahreignung
des Rekurrenten gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG verneint, den Führerausweis auf
unbestimmte Zeit entzogen, die Wiedererteilung von einer kontrollierten und fachlich
betreuten Alkoholabstinenz von mindestens sechs Monaten Dauer sowie einer
erneuten verkehrsmedizinischen Untersuchung mit Befürwortung der Fahreignung
abhängig gemacht und für das Fahren in angetrunkenem Zustand eine Sperrfrist von
drei Monaten festgelegt hat. Dementsprechend ist der Rekurs abzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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6.- Mit dem Sicherungsentzug soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn der Rekurrent während des
Beschwerdeverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
7.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1‘500.– (vgl. Art. 7
Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12) erscheint angemessen. Der
Kostenvorschuss von Fr. 1‘500.– ist zu verrechnen.