Decision ID: 1f986441-1881-5b86-a8ef-77cc667a7775
Year: 2012
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer ist seit dem 5. Januar 2011 Eigentümer des Grundstücks
Sigriswil Gbbl.-Nr. A._ (Stockwerkeigentum, 4 1⁄2 - Zimmerwohnung im Dach- und
Galeriegeschoss, B._strasse 29, Sigriswil). Die Wohnung ist als Erstwohnung mit
einem Zweckentfremdungsverbot belastet. Mit Verfügung vom 8. Dezember 2011 belegte
die Gemeinde Sigriswil die Wohnung ab 1. April 2012 mit einem Benützungsverbot.
Gleichzeitig hielt sie fest, das Benützungsverbot gelte als aufgehoben, wenn der
Beschwerdeführer bis zum 1. April 2012 die Voraussetzungen für Erstwohnungsbenutzer
selbst erfülle oder die Wohnung von einer anderen Person, die diese Voraussetzungen
erfüllt, bewohnt werde. Diese Verfügung blieb unangefochten.
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Mit Schreiben vom 24. Januar 2012 teilte der Beschwerdeführer der Gemeinde mit, er und
seine Frau hätten sich entschlossen, getrennte Wohnsitze zu führen und er werde sich in
Sigriswil anmelden; damit erfülle er die Anforderungen an Erstwohnungsbenutzer. Der
Beschwerdeführer meldete sich in der Folge am 1. Februar 2012 in Sigriswil an. Mit
„Vollstreckungsverfügung“ vom 21. März 2012 hielt die Gemeinde Sigriswil fest, der
Beschwerdeführer erfülle die Voraussetzungen an eine definitive und vollständige
Wohnsitznahme nicht, das Benützungsverbot für die umstrittene Wohnung werde ab dem
31. Mai 2012 wirksam.
2. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 24. April 2012
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragen, die Vollstreckungsverfügung vom 21. März 2012 und das am 8. Dezember
2011 verfügte Benützungsverbot seien aufzuheben. Eventualiter sei die
Vollstreckungsverfügung vom 21. März 2012 aufzuheben und es sei eine
Ausnahmebewilligung für die Benützung der umstrittenen Wohnung als Zweitwohnung bis
am 31. Dezember 2012 zu erteilen und den Beschwerdeführenden eine angemessene
Entschädigung auszurichten. Subeventualiter sei die Vollstreckungsverfügung vom 21.
März 2012 aufzuheben und es sei für die Einhaltung des Zweckentfremdungsgebotes eine
Übergangsfrist bis 31. Dezember 2012 zu gewähren und den Beschwerdeführenden eine
angemessene Entschädigung auszurichten. Zur Begründung machen sie insbesondere
geltend, gemäss dem massgebenden Dienstbarkeitsvertrag vom 15. September 1986
gälten als Erstwohnungen Einheiten, die von ortsansässigen Personen ständig benutzt
würden. Ortsansässig seien Personen mit Steuerdomizil oder festem Wohnsitz nach Art.
23 ZGB1. Die beiden Voraussetzungen müssten nicht kumulativ erfüllt sein. Die Behörden
hätten einer Steuerteilung zugestimmt. Dass der Beschwerdeführer sein Steuerdomizil in
Sigriswil habe, sei unbestritten, daher erfülle er die erforderlichen Voraussetzungen.
Zudem habe er auch seine Schriften in Sigriswil deponiert, halte sich dort während mehr
als sechs Monaten jährlich auf und gehe seinen Hobbys nach. Auch sein zivilrechtlicher
Wohnsitz befinde sich daher neu in Sigriswil. Das Benützungsverbot sei daher
rechtswidrig. Im Übrigen hätten die Beschwerdeführenden aufgrund diverser Auskünfte der
Gemeinde darauf vertrauen dürfen, dass sie nach der beantragten Steuerteilung und der
1 Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 201)
3
Anmeldung eines Ehegatten in Sigriswil die Voraussetzungen der Erstwohnungsnutzung
erfüllen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, edierte die
Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde beantragt die Abweisung
der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden kann. Sie führt zur Begründung aus, es
sei nicht richtig, dass den Beschwerdeführenden ein positiver Entscheid in Aussicht gestellt
worden sei. Weiter sei die Verfügung vom 8. Dezember 2011, insbesondere auch Ziff. 3
des Dispositivs, wonach das Benützungsverbot als aufgehoben gelte, wenn der
Beschwerdeführer oder ein anderer Bewohner die Voraussetzungen von Art. 32 GBR3
erfülle, in Rechtskraft erwachsen. Daher könne nicht mehr gerügt werden, die im
Grundbuch eingetragene Erstwohnungsbeschränkung sei anders auszulegen als Art. 32
GBR. Im Übrigen stimmten die Anforderungen von Dienstbarkeitsvertrag und
Baureglement überein. Auch die Rügen betreffend Vertrauensschutz hätten bereits mit
einer Beschwerde gegen die Verfügung vom 8. Dezember 2011 vorgebracht werden
müssen; auf sie sei nicht einzutreten. Massgebend sei, dass die Wohnung trotz formeller
Wohnsitznahme des Beschwerdeführers nicht von einer Person bewohnt werde, die
definitiv und vollständig gemäss Art. 32 GBR in Sigriswil Wohnsitz habe.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG4 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die Beschwerdeführenden sind als Adressaten durch die angefochtene Verfügung
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 3 Baureglement der Einwohnergemeinde Sigriswil vom 22. Juni 1996 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Aufschiebende Wirkung
a) Die Beschwerdeführenden beantragten, es sei ihrer Beschwerde die aufschiebende
Wirkung zu erteilen.
b) Das Benützungsverbot, das gemäss angefochtener Verfügung ab dem 31. Mai 2012
wirksam sein soll, ist nicht ein sofort vollstreckbares Benützungsverbot gemäss Art. 46
Abs. 1 BauG, sondern ein Benützungsverbot im Sinne einer
Wiederherstellungsmassnahme gemäss Art. 46 Abs. 2 BauG.5 Die Beschwerde der
Beschwerdeführenden gegen die Vollstreckungsverfügung hat daher von Gesetzes wegen
aufschiebende Wirkung (Art. 68 VRPG6). Die Beteiligten wurden vom Rechtsamt mit
Verfügung vom 29. Mai 2012 auf diesen Umstand hingewiesen.
c) Da der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt, haben
die Beschwerdeführenden kein Rechtsschutzinteresse an der Beurteilung ihres Antrages.
Es wird daher nicht darauf eingetreten.
3. Anfechtungsobjekt / res iudicata
a) Die Beschwerdeführenden haben die Wiederherstellungsverfügung vom 8.
Dezember 2011 nicht angefochten. Diese Verfügung ist daher in Rechtskraft erwachsen
und die umstrittene Wohnung rechtskräftig mit einem Benützungsverbot belegt worden.
Ziff. 2 des Dispositivs der genannten Verfügung fordert den Beschwerdeführer auf, die
Wohnung bis am 1. April 2012 zu räumen und droht als Vollstreckungsmassnahme an, die
Wohnung anschliessend zu versiegeln. Ziff. 3 der Verfügung hält fest, das
Benützungsverbot gelte als aufgehoben, wenn der Beschwerdeführer bis am 1. April 2012
selbst die Voraussetzungen nach Art. 32 GBR erfülle oder die Wohnung von einer anderen
5 Vgl. dazu Heidi Walther, Das baupolizeiliche Benützungsverbot, KPG-Bulletin 4/1992 S. 16 ff. und 5/1992 S. 26 ff. 6 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
5
Person, die diese Voraussetzungen erfülle, bewohnt werde. Damit wurde dem
Beschwerdeführer die Gelegenheit geboten, den rechtmässigen Zustand wieder
herzustellen (Art. 46 Abs. 2 BauG).
b) Innert der angesetzten Frist meldete sich der Beschwerdeführer am 1. Februar 2012
in der Gemeinde Sigriswil an und bat um eine Bestätigung der Aufhebung des
Benützungsverbots. Daraufhin prüfte die Gemeinde, ob er die Anforderungen an eine
definitive und vollständige Wohnsitznahme in Sigriswil erfüllt und erliess am 21. März 2012
eine Feststellungs- und Vollstreckungsverfügung. Darin hielt sie fest, dass der
Beschwerdeführer die erforderlichen Voraussetzungen nicht erfüllt (Ziff. 1 des Dispositivs
der Verfügung vom 21. März 2012), und legte die Frist zur Räumung der Wohnung neu fest
auf 31. Mai 2012 (Ziff. 2 und 3 des Dispositivs der Verfügung vom 21. März 2012). Diese
Verfügung haben die Beschwerdeführenden angefochten.
c) Die Wiederherstellungsverfügung vom 8. Dezember 2012 ist in Rechtskraft
erwachsen und kann nicht mehr angefochten werden. Verfahrensgegenstand ist nur die
Vollstreckungsverfügung vom 21. März 2012. Bei Vollstreckungsverfügungen wird im
Beschwerdeverfahren grundsätzlich einzig die Zulässigkeit der Vollstreckungsmodalitäten
geprüft. Die vorliegend angefochtene Vollstreckungsverfügung enthält aber nicht nur
Vollstreckungsmodalitäten, sondern auch die Feststellung, dass der Beschwerdeführer
innert der angesetzten Frist den rechtmässigen Zustand nicht wieder herstellte, d.h. die
Anforderungen an Erstwohnungsbenutzer nicht erfüllt. Auch diese Feststellungsverfügung
ist somit Gegenstand des Beschwerdeverfahrens; die Frage, ob der Beschwerdeführer
heute die erforderlichen Voraussetzungen erfüllt, ist daher nachfolgend zu prüfen.
Rechtskräftig entschieden ist dagegen, ob im Falle einer Steuerteilung die
Voraussetzungen des Dienstbarkeitsvertrages bzw. jene von Art. 32 GBR erfüllt sind.
Ebenfalls rechtskräftig beurteilt sind das von den Beschwerdeführenden gestellte
Ausnahmegesuch betreffend Benutzung während einer Dauer von zwei Jahren und die
geltend gemachte Verletzung von Art. 9 BV7 soweit Ereignisse vor dem 8. Dezember 2011
betroffen sind. Auf die entsprechenden Rügen der Beschwerdeführenden wird nicht
eingetreten. Selbst wenn auf diese Rügen eingetreten werden könnte, wären sie
unbegründet (vgl. nachfolgend Ziff. 6, 8.c und 9).
7 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101)
6
4. Erstwohnungsnutzung
a) Von den Beschwerdeführenden wird nicht bestritten, dass die Wohnung Sigriswil
Gbbl.-Nr A._ nur als Erstwohnung benutzt werden darf. Umstritten ist dagegen, ob
sich die von den Bewohnern zu erfüllenden Voraussetzungen nach Art. 32 GBR oder nach
dem Dienstbarkeitsvertrag vom 15. September 1986 bestimmen. Die
Beschwerdeführenden vertreten die Auffassung, das Verhältnis zwischen der
Nutzungsbeschränkung gemäss Dienstbarkeitsvertrag vom 15. September 1986 und der
später in Kraft getretenen Regelungen im GBR werde im Dienstbarkeitsvertrag geregelt.
Gemäss Dienstbarkeitsvertrag soll eine Anpassung des Dienstbarkeitsvertrages nur dann
erfolgen, falls sich später erlassene öffentlichrechtliche Vorschriften zu Gunsten der
Dienstbarkeitsbelasteten auswirken; Verschärfungen dagegen werden nicht berücksichtigt.
Die Gemeinde habe daher fälschlicherweise die Anforderungen an Erstwohnungsbenutzer
unter dem Blickwinkel von Art. 32 GBR geprüft und gefordert, dass die Bewohner sowohl
ihren zivilrechtlichen als auch ihren steuerrechtlichen Wohnsitz in Sigriswil haben müssen.
Die Gemeinde dagegen vertritt den Standpunkt, die Nutzungsbeschränkung gemäss
Grundbucheintrag stimme mit der Vorschrift von Art. 32 GBR überein. Gefordert werde in
beiden Fällen die ständige Benutzung durch eine ortsansässige Person. Ein reines
Steuerdomizil genüge diesen Anforderungen nicht.
b) Die Nutzungsbeschränkung gemäss Ziff. 2 des Dienstbarkeitsvertrages vom 15.
September 1986 lautet: „Erstwohnungen sind Wohnungen und in der Wohnzone W2
zulässige Gewerbe- oder Dienstleistungsräume, die als Einheit von ortsansässigen
Personen (mit Steuerdomizil oder festem Wohnsitz in Sigriswil, vgl. Art. 23 ZGB) ständig
benutzt werden.“
Art. 32 Abs. 2 GBR ist wie folgt formuliert: „Erstwohnungen sind Wohnungen, die von
ortsansässigen Personen (mit festem Wohnsitz bzw. Steuerdomizil in Sigriswil, vgl. Art. 23
ZGB) ständig benutzt werden. Zu den Erstwohnungen zählen im Übrigen gewerblich
genutzte Bruttogeschossflächen.“
7
Inhaltlich besteht zwischen diesen beiden Regelungen kein Unterschied. Beide verlangen,
dass die Erstwohnungen „von ortsansässigen Personen ständig benutzt werden“. Dies ist
die Hauptaussage; weiter verweisen beide Formulierungen hinsichtlich der Voraussetzung
„ortsansässig“ auf Art. 23 ZGB sowie auf den festen Wohnsitz oder das Steuerdomizil.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden ist die Abkürzung „bzw.“ in Art. 32
GBR dem Ausdruck „oder“ gleichgestellt; sie bedeutet nicht „und“. Der
Dienstbarkeitsvertrag und Art. 32 GBR beinhalten somit die gleiche Regelung und stellen
zwei kumulative Anforderungen: Der oder die Bewohner müssen ortsansässig sein, d.h.
ihren zivilrechtlichen oder/und steuerrechtlichen Wohnsitz in Sigriswil haben, und die
Wohnung ständig benutzen.
5. Wohnsitz / Steuerdomizil im Allgemeinen
a) Der Wohnsitz einer Person nach Art. 23 Abs. 1 ZGB befindet sich an demjenigen Ort,
an dem sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält. Nach ständiger
Rechtsprechung müssen für die Begründung des Wohnsitzes zwei Merkmale erfüllt sein:
Zum Einen ein objektives äusseres Merkmal, der Aufenthalt, sowie zum Anderen ein
subjektives inneres Merkmal, die Absicht dauernden Verbleibens. Dabei kommt es nicht
auf den inneren Willen an, sondern darauf, welche Absicht objektiv erkennbar ist.8 An
welchem Ort eine Person den Mittelpunkt der Lebensinteressen und damit ihren
zivilrechtlichen Wohnsitz hat, bestimmt sich nach der Gesamtheit der objektiven, äusseren
Umstände, aus denen sich diese Interessen erkennen lassen, nicht nach den bloss
erklärten Wünschen der betreffenden Person.9 Dem polizeilichen Domizil, wo die Schriften
hinterlegt sind oder wo die politischen Rechte ausgeübt werden, kommt dagegen keine
entscheidende Bedeutung zu; das sind bloss äussere Merkmale, die ein Indiz für den
Wohnsitz bilden können, wenn auch das übrige Verhalten der Person dafür spricht.10
Wenn eine Person sich abwechslungsweise an zwei Orten aufhält, ist für die Bestimmung
des Wohnsitzes darauf abzustellen, zu welchem Ort sie die stärkeren Beziehungen
unterhält. Jener Ort, den eine Person nach Massgabe ihres äusseren Verhaltens zum
8 BGE 137 II 122 E. 3.6 mit Hinweisen 9 BVR 2001 S. 1, E. 2b) 10 BGer 2C_397/2010 vom 6. Dezember 2010, E. 2.2 mit Hinweisen; Staehelin, Basler Kommentar, ZGB I, 4. A., Art. 23 N 23
8
Mittel- oder Schwerpunkt der Lebensbeziehungen gemacht hat, ist der Wohnsitz. Dieser
Mittelpunkt ist regelmässig dort zu sehen, wo die familiären Interessen und Bindungen und
Beziehungen zu Freundes- und Bekanntenkreis am stärksten lokalisiert sind.11 Die Frage,
zu welchem der Aufenthaltsorte eine Person die stärkeren Beziehungen unterhält, ist
jeweils aufgrund der Gesamtheit der Umstände des Einzelfalls zu beurteilen.12
Bei Ehegatten, die das Zusammenleben nicht aufgegeben haben, sind getrennte
Wohnsitze möglich, wenn auch sehr selten. Voraussetzung dafür ist, dass zwei klar
getrennte Sphären bestehen, d.h. der eine Ehegatte seinen Lebensmittelpunkt an einem
Ort und der andere Ehegatte an einem anderen Ort hat, und sich die Ehegatten
gegenseitig besuchen.13 Keine getrennten Wohnsitze liegen vor, wenn sich die Ehegatten
oft gemeinsam an beiden Orten aufhalten bzw. beide Ehegatten zu beiden Orten ähnlich
starke Beziehungen haben.
b) Die Gesetze des Bundes und der Kantone über die direkten Steuern knüpfen die
subjektive Steuerpflicht natürlicher Personen primär an den steuerrechtlichen Wohnsitz
an.14 Als steuerrechtlicher Wohnsitz (Steuerdomizil) gilt grundsätzlich der zivilrechtliche
Wohnsitz, d.h. der Ort, wo sich die steuerpflichtige Person mit der Absicht dauernden
Verbleibens aufhält.15 Die Steuergesetze und die Rechtsprechung zum
Doppelbesteuerungsverbot definieren den steuerrechtlichen Wohnsitz somit grundsätzlich
gleich wie Art. 23 Abs. 1 ZGB.16
Eine natürliche Person kann grundsätzlich nur ein Hauptsteuerdomizil haben, nämlich an
ihrem Wohnsitz. Dort ist sie für ihr ganzes Einkommen und Vermögen steuerpflichtig,
ausser wenn das Doppelbesteuerungsrecht einzelne Teile davon einem anderen Kanton
zuweist (z.B. Einkommen aus Liegenschaften im Liegenschaftskanton; diesfalls besteht ein
11Tuor/Schnyder/Schmid, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 12. A., S. 92; Staehelin, Basler Kommentar, ZGB I, 4. A., Art. 23 N 11 12 BGE 132 I 29 E. 4.2 mit Hinweisen 13 Staehelin, Basler Kommentar, ZGB I, 4. A., Art. 23 N 10 14 Art. 3 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11), Art. 4 des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 (StG, BSG 661.11) 15 Arnold, Der steuerrechtliche Wohnsitz natürlicher Personen im interkantonalen Verhältnis nach der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung, ASA 68 S. 449 ff, S. 451; BGE 1331 I 145 E. 4.1, in Praxis 95/2006 Nr. 28; Art. 4 Abs. 2 StG 16 Art. 3 DBG; Art. 4 Abs. 2 StG, BGE 125 I 54 E. 2; Arnold, a.a.O., S. 452. Abweichungen vom Zivilrecht bestehen insofern, als das Steuerrecht den fiktiven und gesetzlichen Wohnsitz (Art. 24 Abs. 1 und Art. 25 Abs. 1 ZGB) nicht kennt und einen alternierenden Wohnsitz anerkennt.
9
Nebensteuerdomizil oder ein Spezialsteuerdomizil).17 Hält sich eine Person
abwechslungsweise an zwei Orten auf, ist für die Bestimmung des (Haupt-)Steuerdomizils
darauf abzustellen, zu welchem Ort sie die stärkeren Beziehungen unterhält.18 Wie auch
bei der Bestimmung des zivilrechtlichen Wohnsitzes bestimmt sich der Mittelpunkt der
Lebensinteressen der steuerpflichtigen Peron nach der Gesamtheit der objektiven
Umstände und nicht nach den erklärten Wünschen der betreffenden Person; das
Steuerdomizil ist nicht frei wählbar.19 Das Hinterlegen der Schriften bildet bloss ein Indiz für
den steuerrechtlichen Wohnsitz, genügt aber nicht für die Begründung eines
Hauptsteuerdomizils.20 Bei der Festlegung des steuerrechtlichen Wohnsitzes haben
wirtschaftliche Gegebenheiten (Arbeitsplatz) ein etwas höheres Gewicht als bei der
Bestimmung des zivilrechtlichen Wohnsitzes. Aber auch im Steuerrecht werden die
persönlichen und familiären Beziehungen als stärker erachtet, als jene, die sich aus der
beruflichen Tätigkeit ergeben.21
Bei Aufenthalten ausserhalb des Hauptsteuerdomizils von über 90 Tagen jährlich wird in
der Regel ein zweites Steuerdomizil angenommen, allerdings nur ein sekundäres, d.h. ein
Nebensteuerdomizil. Im Gegensatz zum Zivilrecht ist im Steuerrecht aber ausnahmsweise
auch ein alternierender Wohnsitz, d.h. zwei gleichwertige Steuerdomizile möglich. Dies
wird zugelassen, wenn der Steuerpflichtige zu beiden Orten, an welchen er sich
regelmässig aufhält, ähnlich starke Beziehungen unterhält und sich ungefähr gleich lange
pro Jahr an beiden Orten aufhält. Bei Ehegatten müssen diese Voraussetzungen bei
beiden Ehegatten gemeinsam zutreffen.22 Ein alternierender steuerrechtlicher Wohnsitz
bewirkt grundsätzlich eine hälftige Steuerteilung zwischen den betroffenen Kantonen.23
Ehegatten haben grundsätzlich ein einziges und gemeinsames Steuerdomizil. Dabei
werden bei verheirateten Personen mit Aufenthalten an mehreren Orten die persönlichen
und familiären Beziehungen zum Ort, wo sich ihre Familie (Ehegatte und Kinder) aufhalten,
17 Arnold, a.a.O., S. 451 f. 18 BVR 2001 S. 1, E. 2b f.; BGE 104 Ia 266 E. 2; BGE 131 I 145 E. 4.2, in Praxis 95/2006 Nr. 28 19 BGer 2P.2/2003 vom 7. Januar 2004 E. 2.2, BGer 2P.200/2006 vom 14. Dezember 2006 E. 3.1 20 BGE 131 I 145 E. 4.1 mit Hinweisen, in Praxis 95/2006 Nr. 28; Arnold, a.a.O., S. 452; Höhn/Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, 4. A., § 7 N 28 21 BGE 125 I 54 E. 2; Bger 2C_518/2011 vom 1. Februar 2012 E. 2.1, Bger 2C_26/2012 vom 8. Mai 2012, E. 3.2 22 Höhn/Mäusli, a.a.O., § 7 N 45 23 BGE 131 I 145 E. 4.2, in Praxis 95/2006 Nr. 28; BGE 100 Ia 242 e. 2b
10
am stärksten gewichtet.24 Halten sich die Ehegatten gemeinschaftlich regelmässig an
mehreren Orten auf, ist derjenige Ort ihr (gemeinsames) Hauptsteuerdomizil, an dem sie
die stärkeren Beziehungen pflegen.25 Haben Ehegatten, die das Zusammenleben nicht
aufgegeben haben, nach Zivilrecht getrennte Wohnsitze, wird dies auch vom Steuerrecht
anerkannt.
6. Steuerteilung / alternierender steuerrechtlicher Wohnsitz
a) Die Beschwerdeführenden gehen davon aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund
einer Steuerteilung ein Steuerdomizil in Sigriswil hat und damit die Anforderungen an
Erstwohnungsbenutzer erfüllt.
b) Ob eine Steuerteilung zwischen dem Kanton Basel-Landschaft und dem Kanton Bern
tatsächlich bewilligt und durchgeführt wird, ergibt sich nicht abschliessend aus den Akten.
Entsprechende Verfügungen oder Veranlagungen der Steuerbehörden haben die
Beschwerdeführenden nicht eingereicht; solche Verfügungen liegen allenfalls aus
zeitlichen Gründen auch gar noch nicht vor. Die Beschwerdeführenden haben im
vorinstanzlichen Verfahren nur ein Schreiben der Steuerverwaltung des Kantons Basel-
Landschaft vom 20. Oktober 2010 eingereicht. Dieses enthält einzig allgemeine Aussagen
zu den Voraussetzungen einer Steuerteilung, aber keine Zusicherung im konkreten Fall.
Weiter enthalten die Akten eine Notiz des Steuerregisterführers der Gemeinde Sigriswil
vom 5. November 2010 wonach aus Sicht des Kantons Bern eine Steuerteilung bewilligt
werden könnte. Ob eine Steuerteilung tatsächlich von beiden Kantonen bewilligt wird, ist
aber vorliegend unerheblich. Die Vorinstanz hat bereits rechtskräftig entschieden, dass mit
einer Steuerteilung bzw. mit einem alternierenden steuerrechtlichen Wohnsitz zu je 50% in
C._ und in Sigriswil den Anforderungen an Erstwohnungsbenutzer nicht Genüge
getan ist. Diese Frage ist daher nicht mehr Verfahrensgegenstand. Im Übrigen wäre der
Entscheid der Vor-instanz, wonach ein alternierender Wohnsitz der im
Dienstbarkeitsvertrag und in Art. 32 GBR enthaltenen Voraussetzung „ständige Benutzung
durch ortsansässige Person“ nicht entspricht, nicht zu beanstanden. Sowohl die
Nutzungsbeschränkung gemäss Dienstbarkeitsvertrag als auch die Vorschrift des GBR
stellen nicht allein auf das Kriterium „ortsansässig“ ab, sondern verlangen eine ständige
24 Arnold, a.a.O., S. 479 mit Hinweisen 25 BGE 123 I 289 E. 2b und c
11
Benutzung. Die Gemeinde ist der Auffassung, bei einem alternierenden Wohnsitz werde
eine Wohnung nicht „ständig“ sondern nur teilweise benutzt. Eine andere Interpretation
würde Umgehungsmöglichkeiten schaffen. Diese Auslegung der Gemeinde ist ohne
Weiteres haltbar.
7. Getrennter Wohnsitz der Ehegatten
a) Der Beschwerdeführer hat am 1. Februar 2012 seine Schriften in der Gemeinde
Sigriswil hinterlegt und ist der Meinung, damit einen von seiner Ehefrau getrennten
zivilrechtlichen Wohnsitz begründet zu haben. Die Vorinstanz dagegen vertritt die
Auffassung, sein tatsächlicher Wohnsitz befinde sich immer noch bei seiner Ehefrau in
C._.
b) Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers genügt es zur Begründung eines
zivilrechtlichen Wohnsitzes nicht, sich in einer Gemeinde anzumelden und einen
entsprechenden Wunsch zu äussern (vgl. Ziff. 5.a vorstehend). Massgebend ist, wo eine
Person tatsächlich den Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen hat; dies bestimmt sich nach der
Gesamtheit der objektiven äusseren Umstände, aus denen sich diese Interessen erkennen
lassen. Dabei kommt – gerade bei Ehepaaren – den familiären Bindungen das stärkste
Gewicht zu. Deshalb werden bei Ehegatten, die das eheliche Zusammenleben nicht
aufgegeben haben, getrennte Wohnsitze nur sehr selten angenommen. Voraussetzung
dafür wäre, dass tatsächlich zwei getrennte Sphären bzw. Lebensmittelpunkte bestehen.
Dies wird aber von den Beschwerdeführenden nicht geltend gemacht und auch durch
nichts belegt. Sie argumentieren einzig, der Beschwerdeführer sei als Rentner nicht mehr
an einen Arbeitsort gebunden und verbringe mehr als sechs Monate im Jahr in Sigriswil,
wo er auch seinen Hobbys nachgehe. Selbst wenn dies zutrifft, genügt es nicht, um einen
getrennten Wohnsitz der Beschwerdeführenden zu bejahen. In ihrer Korrespondenz mit der
Steuerverwaltung Basel-Landschaft und der Gemeinde Sigriswil halten die Ehegatten fest,
dass sie ihr Haus in C._ behalten wollen und beide – sie benutzen immer die „wir“-
Form – sowohl in C._ und in Sigriswil wohnen möchten, jeweils zu etwa 50% (vgl.
Schreiben vom 16. Oktober 2010 an die Steuerverwaltung Basel-Landschaft und Brief vom
31. Dezember 2010 an den Gemeinderat und die Hochbaukommission Sigriswil). So
halten sie in ihrem Schreiben an die Steuerverwaltung Basel-Landschaft beispielsweise
fest: „Wir wollen unser Haus in C._ weiterhin behalten und bewohnen – geplant ist
12
eine Nutzung der beiden Wohnorte C._/BL und Sigriswil/BE zu je rund 50
Prozent.“ Und weiter: „Das bietet uns Gelegenheit, inskünftig unser Leben und Wohnen
zwischen C._ und Sigriswil je nach Jahreszeit, Opportunität und Befinden
aufzuteilen.“ Dies zeigt deutlich, dass die Beschwerdeführenden keine getrennte
Wohnsitze, d.h. zwei unabhängige Sphären anstreben, sondern sich meist gemeinsam an
beiden Orten aufhalten möchten. Weiter wird aus den Vorakten deutlich, dass die
Beschwerdeführenden die Möglichkeit getrennter Wohnsitze erst nach Erlass des
Benützungsverbotes in Erwägung zogen in der Hoffnung, damit den Anforderungen an
Erstwohnungsnutzer genügen zu können (vgl. Schreiben der Beschwerdeführenden an
den Gemeinderat und die Hochbaukommission Sigriswil vom 24. Januar 2012).
Der Beschwerdeführer hat daher keinen zivilrechtlichen Wohnsitz in Sigriswil begründet,
sondern hat aufgrund der familiären / ehelichen Beziehungen seinen Wohnsitz nach wie
vor in C._, wo seine Ehefrau unbestrittenermassen ihren Wohnsitz hat. Die Vor-
instanz hat daher zu Recht festgestellt, dass der Beschwerdeführer die Anforderungen an
Erstwohnungsbenutzer nicht erfüllt.
8. Vertrauensschutz
a) Die Beschwerdeführer berufen sich weiter auf den in Art. 9 BV verankerten
Grundsatz von Treu und Glauben und machen geltend, es sei ihnen in Aussicht gestellt
worden, dass eine Steuerteilung zur Erfüllung der Voraussetzungen an
Erstwohnungsnutzer genüge. Später sei ihnen zumindest eine Übergangslösung bzw. die
Bewilligung eines Ausnahmegesuches in Aussicht gestellt worden. Schliesslich habe man
sie im Nachgang zur Wiederherstellungsverfügung vom 8. Dezember 2011 darauf
aufmerksam gemacht, dass die Anmeldung eines Ehegatten in Sigriswil erforderlich sei;
von einer Wohnsitznahme beider Ehegatten sei nicht die Rede gewesen.
b) Der Grundsatz von Treu und Glauben gemäss Art. 9 BV und Art. 11 Abs. 2 KV26
verleiht dem Bürger einen Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche
Zusicherungen bzw. falsche Auskünfte. Vorausgesetzt wird, dass die Auskunft für einen
bestimmten Einzelfall aufgrund einer vollständigen und richtigen Darstellung des
26 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1)
13
Sachverhalts vorbehaltlos erteilt wurde, die Amtsstelle zur Auskunftserteilung zuständig
war oder gutgläubig als zuständig erachtet werden durfte, die Unrichtigkeit der Auskunft bei
pflichtgemässer Aufmerksamkeit nicht ohne weiteres erkennbar war, im Vertrauen auf die
Richtigkeit der Auskunft unwiderrufliche oder nicht ohne Nachteil rückgängig zu machende
Dispositionen getroffen wurden und die Rechtslage sich seit der Auskunftserteilung nicht
geändert hat.27
c) Soweit die Beschwerdeführenden Ereignisse vor Erlass der
Wiederherstellungsverfügung vom 8. Dezember 2011 ansprechen, ist auf ihre Rügen nicht
einzutreten. Die Vor-instanz hat sich in dieser Verfügung mit den Rügen der
Beschwerdeführer auseinandergesetzt und Ansprüche aus dem Vertrauensschutzprinzip
verneint. Dagegen haben die Beschwerdeführenden keine Beschwerde erhoben. Im
Übrigen ergeben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte, die für Zusicherungen oder
falsche Auskünfte der Gemeinde Sigriswil sprechen: Der Bauverwalter von Sigriswil hat mit
Schreiben vom 16. Dezember 2010 festgehalten, dass eine Steuerteilung die Vorschriften
betreffend Erstwohnungsanteilspflicht nicht erfülle und verweist auf eine bereits früher
erfolgte entsprechende Stellungnahme. Weiter wies der Bauverwalter auf die Möglichkeit
eines Ausnahmegesuches hin, ohne allerdings die Gutheissung eines solchen in Aussicht
zu stellen.
d) Nach Erlass der Wiederherstellungsverfügung vom 8. Dezember 2011 fand ein
Gespräch zwischen dem Beschwerdeführer und dem Gemeinderatspräsidenten
D._ statt. Der Beschwerdeführer hält dazu in einem Schreiben vom 24. Januar
2012 an den Gemeinderat und die Hochbaukommission Folgendes fest: Herr D._
habe signalisiert, dass die Anmeldung eines Ehepartners kombiniert mit einer Steuerteilung
eine prüfenswerte Lösung sein könnte, er müsse dies aber zuerst mit seinen Leuten klären.
In einem späteren Telefonat habe Herr D._ gesagt, dass die Hochbaukommission
mehrere ähnlich gelagerte Fälle grundsätzlich prüfen wolle. Da diese Äusserungen von der
Gemeinde nicht bestritten werden und die Beschwerdeführenden keine weiteren
Behördenauskünfte geltend machen, kann auf die beantragte Einvernahme von Zeugen
verzichtet werden.
27 VGE 20699 vom 25. September 1999 in BVR 2000 S. 170 E. 4b mit Hinweisen; Beatrice Weber-Dürler, Falsche Auskünfte von Behörden, in: ZBl 92/1991 S. 8 ff.
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Aus den Äusserungen von Herrn D._ können die Beschwerdeführenden nichts zu
ihren Gunsten ableiten. Zum Einen musste den Beschwerdeführenden aufgrund der
früheren Korrespondenz und der Wiederherstellungsverfügung klar sein, dass der
Gemeinderatspräsident D._ nicht zuständig für den Entscheid über die Erfüllung
der Voraussetzungen für Erstwohnungsnutzer ist. Zum Anderen hat Herr D._ nicht
in Aussicht gestellt, dass die Anmeldung eines Ehegatten die Anforderungen erfüllen
würde. Er hat – wie die Beschwerdeführenden selbst beschreiben – nur gesagt, diese
Frage müsse er mit anderen Personen klären und die Hochbaukommission wolle solche
Fälle prüfen. Damit hat er deutlich gemacht, dass der Entscheid über die Fragestellung
noch offen ist. Eine Zusicherung oder eine falsche Auskunft hat er nicht erteilt.
9. Ausnahmebewilligung
a) Die Beschwerdeführenden beantragen eventualiter, ihnen sei eine
Ausnahmebewilligung bis am 31. Dezember 2012 zu erteilen oder es sei bis zu diesem
Zeitpunkt zur Einhaltung des Zweckentfremdungsverbotes eine Übergangsfrist zu
gewähren.
b) Da die Vorinstanz bereits mit (unangefochtener) Verfügung vom 8. Dezember 2011
rechtskräftig über das Ausnahmegesuch der Beschwerdeführenden entschieden hat, wird
auf diese Anträge nicht eingetreten. Im Übrigen hat die Vorinstanz zu Recht darauf
hingewiesen, dass die Beschwerdeführenden keine Ausnahmegründe geltend gemacht
haben. Soweit die Beschwerdeführenden die Gewährung einer Übergangsfrist mit einer
Verletzung des Vertrauensprinzips begründen, wird auf die Ausführungen in Ziff. 8
verwiesen.
10. Frist
Da die den Beschwerdeführenden angesetzte Frist zur Räumung der Wohnung während
des Beschwerdeverfahrens abgelaufen ist, ist eine neue Frist zur Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes anzusetzen. Eine Frist von rund drei Monaten, d.h. bis Ende
September 2012 erscheint verhältnismässig.
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11. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie haben die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.00. Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1
und 4 VRPG).