Decision ID: 9d97dd33-77e1-4a3c-893c-7483dabe0849
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981,
absolvierte eine Lehre als
Service
fach
ange
stellte
und
ging hernach der erlernten Tätigkeit nach, zuletzt von September bis Dezember 2006 im
Z._
(Urk. 12/14,
Urk.
12/16/2, Urk. 12/22-23,
Urk.
12/26,
Urk.
12/45,
Urk.
12/48).
Unter Hinweis auf verschiedene psychische Leiden hatte sie sich am 3
1.
Januar 2006 bei der Invalidenversicherung angemeldet und um die Durchführung beruflicher Massnahmen ersucht (Urk. 12/14). Mit Schreiben vom 2
4.
Mai 2006 hatte die Versicherte ihr Leistungsgesuch indes wieder zurückgezogen (Urk. 12/31).
Am 2
2.
August 2007 wurde
X._
im Sinne von
Art.
394 des Zivilgesetzbuches (ZGB) ein Beistand bestellt (
Urk.
12/37).
Am 2
6.
November 2007 ersuchte die Versicherte erneut bei der Invalidenversicherung um Ein
gliederungsmassnahmen respektive um eine Rentenzusprechung (
Urk.
12/42). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
ergänzte die bisherigen Abklärungen durch einen aktuellen
Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug;
Urk.
12/45)
und
einen Arbeitgeberfragebogen (
Urk.
12/48)
und holte
diverse Arzt
berichte ein (
Urk.
12/49 f.,
68
und 72).
Am
9.
Januar 2009 teilte sie der Versicherten mit, dass kein Anspruch auf berufliche Mass
nahmen bestehe (
Urk.
12/75).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
12/79 ff.) wurde ihr sodann mit Verfügung vom 1
6.
September 2009 mit Wirkung ab
1.
Mai 2008 eine ganze Invalidenrente zugesprochen
(
Urk.
12/90).
Eine hiergegen erhobene Beschwerde der Versicherten hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 1
6.
Februar 2010 insofern gut, als die Angelegenheit zwecks Durchführung weiterer Abklärungen an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde (
Urk.
12/104).
Nach Einholung eines weiteren Arbeitgeberfragebogens (
Urk.
12/111) und aktueller Arztberichte (
Urk.
12/121 und 128)
sprach
diese
der Versicherten ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 80
%
schliesslich nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
12/133 ff.) mit Verfügung vom
7.
Dezember 2012
mit Wirkung ab
1.
November 2006 eine ganze Invali
denrente zu (
Urk.
12/166).
1.2
Nachdem die Versicherte am
8.
November 2013 geheiratet
(
Urk.
12/174/1)
und am
5.
Dezember 2013
ihr erstes
Kind zur Welt gebracht hatte
(
vgl.
Urk.
12/175/1)
, holte
die IV-Stelle
im Rahmen eines
Rentenrevisionsverfah
rens
ab Dezember 2014
nebst einem von der Versicherten ausgefüllten Fra
gebogen (
Urk.
12/181) einen aktuellen IK-Auszug (
Urk.
12/182) sowie
einen
Bericht des
behandelnden Psychiaters
ein (
Urk.
12/183)
.
Ferner liess sie einen Haushaltsabklärungsbericht erstellen
(
Urk.
12/192).
Am 3
1.
März 2015 gebar die Versicherte
ihr zweites Kind
(
Urk.
12/187).
Mit Vorbescheid vom 1
9.
Juni 2015
wurde
ihr
die Aufhebung der Rente auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats in Aussicht gestellt (
Urk.
12/191).
Mit Eingabe vom 1
7.
August 2015 (
Urk.
12/197) sowie Ergänzung vom 2
1.
September 2015 (
Urk.
12/204) erhob die
Versicherte hiergegen Einwand, worauf die IV-Stelle indes am 1
3.
Oktober 2015 wie angekündigt verfügte
,
und einer allen
falls dagegen erhobenen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzog (
Urk.
12/206 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 1
1.
November 2015 Beschwerde (
Urk.
1) mit den Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin die bisherige Rente auszurichten.
Des Weiteren
ersuchte die Versicherte um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
Dezember 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11). Nachdem die Versicherte zwecks Darlegung ihrer finanziellen Verhältnisse weitere Unter
lagen eingereicht hatte (
Urk.
9 f. und 13 f.) wurde ihr mit Verfügung vom 1
1.
Januar 2016
(
Urk.
16)
die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsver
tretung
gewährt.
Gleichzeitig
wurde ein
von der Versicherten mit Eingabe vom 1
7.
Dezember 2015 gestellter Sistierungsantrag (
Urk.
9) abgewiesen.
Die
von
Seiten der Versicherten
getätigten
weiteren
Eingaben
samt Beilagen (
Urk.
9 f., 13 und 18 f.)
wurden der IV-Stelle
mit Verfügungen vom 1
1.
Januar und 1
8.
Juli 2016 (
Urk.
16 und 20)
zur Kenntnis gebracht, worauf sich diese indes nicht mehr vernehmen liess.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Lei
den
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl.
Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Zeitliche
Vergleichs
basis
für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.
5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht
[
GSVGer
]
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rück
weisung
– da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige
Ermessensent
scheide
zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt unge
nügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung
vom 1
3.
Oktober 2015
(
Urk.
2) auf den Standpunkt, dass die Versicherte
zum Zeit
punkt der Rentenzusprechung am
7.
Dezember 2012 als zu 100
%
im Erwerbsbereich tätig qualifiziert worden sei. Am 3
1.
März 2015 habe sie einen Sohn geboren
, weshalb
d
ie Beschwerdeführerin
nach Abklärungen des Aussendienstes neu
zu 80
%
im Haushalt und zu 20
%
im Erwerbsbereich tätig zu qualifizieren
sei
.
Da im Haushalt eine krankheitsbedingte Einschrän
kung von 18
%
und im Erwerbsbereich eine solche in Höhe von 80
%
gege
ben sei, resultiere
insgesamt
ein Invaliditätsgrad von 31
%
.
Demzufolge
bestehe kein Rentenanspruch mehr
(S. 2)
.
Bezugnehmend auf die Einwände der Beschwerdeführerin im
Vorbescheidver
fahren
führte die IV-Stelle sodann an, dass
die Frage der Erwerbsfähigkeit bei guter Gesundheit mit der Versicherten mehrmals detail
liert besprochen worden sei. Sie sei ferner auf die Wichtigkeit dieser Frage aufmerksam gemacht worden und durchaus in der Lage gewesen, darauf zu antworten. Zusätzlich sei die
Beiständin
während des Abklärungsgesprächs als Bezugsperson anwesend gewesen. Die Versicherte sei zu keinerlei Aussage gedrängt worden. Sie habe klar formuliert, sich vorstellen zu können, bei guter Gesundheit im Umfang eines 20%-Pensums einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Allein die Tatsache, dass der Ehemann bis Sommer 2016 in einer Zweitausbildung sei, begründe noch keine 100%ige Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit (S. 3).
2.2
Gegen die
se
Beurteilung brachte die Versicherte in ihrer Beschwerde vom 1
1.
November 2015 (
Urk.
1) im Wesentlichen vor, dass
sie die anlässlich der Haushaltsabklärung an sie gerichteten hypothetischen Fragen bezüglich der Situation im Gesundheitsfall nicht verstanden habe und auch
krankheitsbe
dingt
nicht habe verstehen können.
D
ie
Beiständin
habe
ebenfalls
bestätigt, dass die Versicherte im Rahmen der Befragung mehrfach gesagt habe, sie verstehe die Fragen nicht.
Hinzu komme, dass sich die Antworten der viel zu kurz nach der Niederkunft erfolgten Abklärung nur auf den Abklärungstag während der Periode des Mutterschutzes bezogen habe, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne (S. 5 f.).
Im Weiteren könne im konkreten Fall auf die Aussagen der ersten Stunde nicht abgestellt werden, da klare Indizien - vorliegend das äusserst geringe Einkommen des Ehemannes - gegen deren Beweiskraft sprechen
würden
(S. 7).
Unter Bezugnahme auf die Qualifikation der Versicherten wurde sodann gel
tend gemacht, dass
sich der Ehemann bereits um eine Zweitausbildung als Maler bemüht habe, als das erste Kind geboren worden sei. Damals hätte die
Beschwerdeführerin als gesunde Person nach der Mutterschaftszeit weiterhin zu 100
%
gearbeitet, da die Familie nicht auf ihr Einkommen hätte verzich
ten können. Auch nach der Geburt des zweiten Kindes wäre sie im
Gesund
heitsfall
weiterhin die Haupterwerbstätige gewesen und hätte mit einem vol
len Pensum zum Familieneinkommen beigetragen. Obwohl im
Haushaltsab
klärungsbericht
die geringen Einkünfte des Ehemannes aufgelistet worden seien, habe keine Auseinandersetzung damit stattgefunden, dass die Annahme einer Tätigkeit im Aufgabenbereich zu 80
%
bei dieser finanziellen Lage völlig unrealistisch wäre (S. 8 f.).
2.3
Mit Eingabe vom
7.
Juli 2016 rügte die Beschwerdeführerin zusätzlich unter Bezugnahme auf das Urteil
7186/09
des Europäischen Gerichtshofs für Men
schenrechte (EGMR) in Sachen Di
Trizio
gegen die Schweiz vom 2. Februar 2016 (
Urk.
19/2
), dass die gemischte Methode EMRK-widrig und diskrimi
nierend sei. Auch gestützt auf diese Rechtsprechung sei im konkreten Fall zwecks Berechnung des Invaliditätsgrades die allgemeine Methode anzuwen
den (
Urk.
18).
3.
3.1
Der Gesundheitszustand der Versicherten lässt sich anhand der Aktenlage zusammenfassend wie folgt darstellen:
Gemäss Bericht des Kantonsspitals
B._
vom
2.
September 2005 wurde die Beschwerdeführerin am 3
0.
August 2005 nach einem Parasuizid mit
Trazo
don
in
unbekannter Menge notfallmässig eingewiesen. Zuvor war sie
bereits
von November 2004 bis Februar 2005
aufgrund einer
Borderline
-Störung in der
C._
und im September 2001 infolge einer Intoxikation - unter anderem mit Alkohol und Kokain - im Stadtspital
D._
, hospitalisiert
gewesen
(
Urk.
12/49/
9 und
11).
3.2
Med.
pract
.
E._
, Oberarzt des
Psychiatriezentrum
s
F._
,
führte in seinem Bericht vom
6.
April 2006 folgende Diagno
sen a
n
(
Urk.
12/25/1):
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.31)
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01)
Die Versicherte sei seit dem
5.
Oktober 2005 und bis auf weiteres in teil
-
statio
närer Behandlung in der Tagesklinik.
Sie leide seit mehreren Jahren an wechselhaft depressive
n
Zustandsbildern sowie Angst- und Panik
-
attacken. Die Beschwerdeführerin interpretiere dies primär in Zusam
menhang mit sexuellen Übergriffen in ihrer Familie durch den älteren Bruder. Am 1
4.
Juli 2005 sei es zudem an ihrem Arbeitsplatz als Servicefachangestellte zu einem sexuellen Übergriff durch den Arbeitgeber gekommen, weshalb sie seitdem durch den Hausarzt arbeitsunfähig geschrieben sei.
In den letzten Jahren habe die Versicherte immer wieder Beziehungen, Beschäf
tigungen und Berufslehren abgebrochen.
Sie traue sich nicht mehr ausser Haus; einkaufen könne sie nur mit Einkaufszetteln und wenn es schnell gehe. Sie leide an Panikattacken mit Herzrasen, Schwitzen, Zittern und dem Gefühl, es könne etwas Lebensgefährliches sein. Die Beschwerde
führerin traue sich auch nicht, öffentliche
Verkehrsmittel zu benutzen. Die Angst- und Paniksymptomatik würde teilweise aus heiterem Himmel auftre
ten (zum Ganzen
Urk.
12/25/2). Auf ihren Wunsch sei der Versicherten ab dem
1.
März 2006 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden. Vom 1
7.
Jul
i 2005 bis 2
8.
Februar 2006 habe
hingegen eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit
bestanden
(
Urk.
12/25/1 f.).
Med.
pract
.
E._
teilte sodann in sei
nem Bericht vom
3.
Mai 2006 mit, dass im gemeinsamen Einvernehmen mit der Versicherten deren Klinikaustritt auf den 2
1.
April 2006 beschlossen worden sei (
Urk.
12/49/7 f.).
3.3
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
stellte in seinem Bericht vom 2
0.
Dezember 2007 die folgenden Diagnosen (
Urk.
12/49/2):
-
P
sychische Erkrankung mit emotional instabiler Persönlichkeits
-
störung (
Borderline
-Störung)
-
Agoraphobie
-
Soziophobie
-
ADHS
-
Legasthenie
-
W
iederholte Suizidversuche
und
Hospitalisationen
in psychiatrische
n
Kliniken
-
Alkohol- und
Drogenabusus
Wiederholt sei es zu Arbeitsunfähigkeiten im Umfang von 100
%
gekommen, wobei eine solche nun auch bis auf weiteres seit Mai 2007 bestehe (
Urk.
12/49/2).
Dr.
G._
schätzte den Gesundheitszustand der Versicher
ten jedoch als besserungsfähig ein (
Urk.
12/49/3). Aufgrund ihrer psychi
schen Leiden sei
die Beschwerdeführerin
allerdings sicherlich nicht mehr als Serviceangestellte einsetzbar, da ansonsten mit Rezidiven zu rechnen
sei
(
Urk.
12/49/5).
3.4
Vom 2
1.
Juni 2007 bis
3.
Januar 2008 war die Versicherte im Psychiatrie
-
zent
rum
H._
in stationärer Behandlung (
Urk.
12/50/3).
Im Bericht vom
6.
Januar 2008
wurden die folgenden Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (
Urk.
12/50/2):
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen Anteilen vom
Borderline
-Typ mit Selbstverletzungen, selbstunsicheren,
depen
denten
, depressiven, paranoiden und antisozialen Anteilen (ICD-10 F61.0)
-
ADHS (ICD-10 F90.0)
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01)
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin sei besserungsfähig und aus medizinischer Sicht sei eine berufliche Umstellung zu prüfen, wobei vorstell
bar sei, dass die Versicherte nach einer Umschulung zu 100
%
arbeitsfähig sein werde (
Urk.
12/50/4 und 6 f.).
3.5
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
schloss in seinem Bericht vom
2.
November 2008 gestützt auf die folgenden Diag
nosen auf eine seit Jahren und bis auf weiteres bestehende 100%ige Arbeits
unfähigkeit (
Urk.
12/72/1):
-
Gemischte Persönlichkeitsstörung mit Anteilen von
Borderline
-Typ sowie zwanghaften, depressiven, paranoiden und
histrionischen
Anteilen
-
Aufmerksamkeitsdefizit vom Typ Aktivitätssyndrom
-
Schädlicher Gebrauch von Alkohol
Die Arbeitsfähigkeit könne indes durch Weiterführen der begonnenen
Phar
mako
-, Sozio- und Gesprächspsychotherapie verbessert werden (
Urk.
12/72/2 f.). Eine Erwerbstätigkeit über eine geschützte Eingliederungs
-
massnahme
hinaus sei zum heutigen Zeitpunkt nicht zumutbar und
insbe
-
sondere im Gastgewerbe
würden
sich die Nähe zum Alkohol
sowie die
wechselnden Belastungen kontraproduktiv aus
wirken
(
Urk.
12/72/3).
3.6
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, benannte in seiner Stellungnahme vom 2
8.
April 2011 die folgenden Diagnosen:
-
Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) bestehend aus einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3) und einer narzisstisch-exzentrischen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8)
Momentan und bis auf weiteres benötige die Versicherte eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung und es bestehe nach wie vor eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Beschwerdeführerin sei nicht in der Lage, dauerhaft und regelmässig einer Arbeit nachzugehen und
ihre
Ausdauer sei vielfach sehr stark eingeschränkt
(
Urk.
12/128/1).
Sie sei ausserdem zum Teil kognitiv und
mnestisch
eingeschränkt und habe dadurch zum Teil erhebliche
Kon
zentrationsschwierigkeiten
. Die bisherige Tätigkeit sei in keinem Fall mehr zumutbar, da eine
Chronifizierung
des psychischen Störungsbildes drohe. Bis auf weiteres sei auch eine behinderungsangepasste Tätigkeit nicht möglich
(
Urk.
12/128/2).
3.7
Dr.
J._
führte mit Bericht vom 2
3.
Januar 2015
sodann
unter Bezugnahme auf die
nach
folgenden Diagnosen aus, dass der Beschwerdeführerin gegen
wärtig und für mindestens zwei weitere Jahre keine berufliche Tätigkeit möglich sei
(
Urk.
12/183/1 f.)
:
-
Bipolare affektive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F31.4)
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Soziale Phobie (ICD-10 F40.1)
Aus fachärztlicher Sicht könne man eher von einer schlechten Prognose ausge
hen.
Es bestehe eine
Chronifizierung
einer seit vielen Jahren bekannten und vielfach fachärztlich behandelten psychischen Erkrankung ohne nach
haltige Verbesserung (
Urk.
12/183/3).
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin berechtigter
weise gestützt auf den Haushaltsabklärungsbericht vom 1
0.
Juni 2015 (
Urk.
12/192) und
in
Anwendung der gemischten Methode
die Aufhebung der Invalidenrente der Versicherten verfügt hat (
Urk.
2).
4.2
4.2.1
M
it Verfügung vom
7.
Dezember 2012
wurde der Versicherten
mit Wirkung ab
1.
November 2006 eine ganze Invalidenr
ente zugesprochen (
Urk.
12/166), wobei dazumal
im Rahmen der Qualifikation von einer 100%igen Tätigkeit im Erwerbsbereich ausgegangen
und der Invaliditätsgrad anhand eines
Ein
kommensvergleichs
auf 80
%
festgesetzt wurde (
Urk.
12/161/3
;
Urk.
2 S. 2
).
Im Haushaltsabklärungsbericht vom 1
0.
Juni 2015 (
Urk.
12/192/9) sowie in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2 S. 2) wurde die Versicherte - nachdem sie zwei Kinder geboren hatte - als zu 80
%
im Haushalt und zu
20
%
im Erwerbsbereich tätig qualifiziert. Mittels gemischter Methode wurde ein
ren
tenausschliessender
Invaliditätsgrad von 31
%
errechnet.
4.2.2
In Anbetracht des am
2.
Februar 2016 ergangenen Urteils 7186/09 des EGMR in Sachen Di
Trizio
gegen die Schweiz
lässt sich die am 1
3.
Oktober 2015 verfügte Rentenaufhebung nicht damit begründen, die Beschwerdeführerin sei nach der Geburt ihrer Kinder nicht mehr als Vollerwerbstätige zu qualifi
zieren
(vgl. dazu BGE 143 I 50 E. 4.1 f., BGE 143 I 60 E. 3.3.2 f., Urteil des Bundesgerichts 9C_297/2017 vom
7.
April 2017, E. 3.2.2 f.; vgl. auch IV-Rundschreiben Nr. 355 vom 3
1.
Oktober 2016)
.
Eine Rentenaufhebung liesse sich
aber
mit einer allfälligen Verbesserung des Ges
undheitszustandes recht
fertigen, wofür einige Anhaltspunkte
vorliegen
.
Eine künftige
Arbeitstätig
keit
, zumindest in einer angepassten Tätigkeit, schloss der behandelnde Psy
chiater
Dr.
J._
auch in seinem jüngsten Bericht nicht aus, so dass von einer Besserungsfähigkeit der Krankheitssymptomatik nach wie vor auszuge
hen ist. Sodann
fäl
lt auf, dass sich die Versicherte trotz diverser diagnosti
zierter psychischer Leiden
(vgl. E.
3.6 f
.)
und auch vom behandelnden
Arzt als notwendig erachteter engmaschiger Behandlungsbedürftigkeit (
Urk.
12/128/2)
nur noch im Abstand von mehreren Monaten in psychiat
rische Behandlung begibt (
Urk.
12/192/3).
Infolge der Schwangerschaften setzte sie ausserdem die ihr verordneten Medikamente ab
(
Urk.
12/
1
83
/3)
, was
die Bewältigung der alltäglichen Haushaltsarbeiten
in der Folge
nicht in tief
greifender Weise
beeinträchtigt
e
.
Seit dem massgeblichen Zeitpunkt der Rentenzusprechung war die Versicherte des Weiteren
nicht mehr in statio
närer
psychiatrischer
Therapie
und es besteht soweit aktenkundig
auch keine Alkohol- oder Drogenproblematik mehr (vgl. E. 3.3 ff.).
4.2.3
Der Gesundheitszustand und die damit verbundene Arbeitsfähigkeit lassen sich allerdings aufgrund der medizinischen Aktenlage nicht abschliessend beurteilen.
Zwecks Abklärung einer möglichen Veränderung der gesundheit
lichen Situation der Versicherten seit der Rentenzusprechung
im
Dezember 2012
und anschliessendem Neuentscheid
ist die Sache daher an die IV-Stelle zurückzuweisen.
Die noch offenen Aspekte wird die Beschwerdegegnerin im Rahmen des laufenden ordentlichen Revisionsverfahrens zu klären haben.
In Betracht zu ziehen
wird dabei
insbesondere eine psychiatrische und gegebe
nenfalls orthopädische Begutachtung
sein
, da die Versicherte nun zusätzlich an Rückenbeschwerden zu leiden scheint und physiother
a
peutisch behandelt wird (
Urk.
12/181/2;
Urk.
12/192/2).
Da die Beschwerdegegnerin die Rückweisung zu verantworten hat, ist der Versicherten für die Dauer des Verwaltungsverfahrens bis zu einem
Neuent
scheid
die bisherige ganze Invalidenrente auszurichten. Die Kinderrenten, für deren Entstehung die Geburten der zwei Kinder massgebend sind, sind ebenfalls bis zu einem Neuentscheid als Kinderrenten zu einer ganzen Invali
denrente auszurichten.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Prozessaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozes
ses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbin
dung mit
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Nach ständiger Rechtsprechung gilt die
Rück
weisung
der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Rechtsanwältin Stephanie Schwarz reichte am
2
2.
Juli 2016
eine
Honorar
note
ein,
wobei sie einen Aufwand von 11
Stunden sowie Barauslagen in Höhe von
Fr.
72.60 geltend machte (
Urk.
21
).
Der geltend gemachte Aufwand erweist sich angesichts der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses als angemessen.
Hieraus resultiert eine Entschädigung von
Fr.
2‘692.-- (11
Stunden x
Fr.
220.-- zuzüglich Bar
auslagen von
Fr.
72.60
.-- zuzüglich Mehrwertsteuer von 8
%
). Die Beschwerdegegnerin
hat Rechtsan
wältin Step
hanie Schwarz folglich mit
Fr.
2‘692.--
zu entschädigen.