Decision ID: 74897e01-aeb7-4c1f-bb91-4fb5297233c8
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967, war vor dem Eintritt ge
sund
heitlicher Beschwerden zuletzt mit
Pen
sen
von 90 % bei der
Y._
AG sowie 20
% bei der
Z._
AG als Buchhalterin tätig.
Während die Versicherte das Arbeitsverhältnis mit der
Y._
AG im September 2011 per Ende Oktober 2011 kündigte (Urk. 10/29/1, 10/60/28), be
steht dasjenige mit der
Z._
AG unverändert fort (Urk.
10/77/1)
. Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Allgemeinmedizin, attestierte der Ver
sicherten aufgrund der Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung eine 10
0%ige Arbeitsunfähigkeit ab 25.
Oktober 2011 (Urk.
10/26/2, 10/37)
.
Die Versicherte meldete sich
aufgrund dieser gesundheitlichen Beeinträchtigung
am
15.
Juni 2012 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum
Leis
tungs
bezug
an
(Urk.
10/
17)
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (Urk.
10/13
). Über
dies tätigte sie erwerbliche (Urk.
10/1, 10/19, 10/29, 10/37, 10/66, 10/77
) und medi
zi
nische (Urk.
10
/
12, 10/13, 10/26-28, 10/38-40, 10/62/4, 10/79, 10/83, 10/85/2
)
Abklärungen. Gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten
der
B._
,
welches die Fachbereiche Allgemein-Internistische Medizin, Rheumato
logie, Neu
rologie und Psychiatrie
abdeckt (Urk. 10/60)
,
wurde der Versicherten mit Vor
bescheid vom 4. Juli 2014 aufgrund einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Buchhalterin die Ausrichtung einer halben Rente der Invalidenversicherung ab Dezember 2012 in Aussicht gestellt (Urk. 10/65). Mit Schreiben
vom 4.
August 2014 (Urk. 10/71) erhob die Versi
cherte Einwand gegen diesen Vorbescheid. Mit Schreiben vom 1
2.
August 2014 (Urk. 10/74) zeigte R
echtsanwalt
Manfred
Lehmann der
IV-Stelle
seine Mandatierung durch
die Versicherte an und erhob ebenfalls Einwand.
Mit Schreiben vom 27.
Septem
ber 2014 (Urk. 10/82)
begründete er diesen. Mit Verfügung vom 2
6.
März 2015 (Urk. 10/100
= Urk. 2
) sprach die
IV-Stelle
der Versicherten w
ie vorbeschieden eine halbe Invalidenr
ente ab Dezember 2012 zu.
2.
Gegen die Verfügung vom 2
6.
März 2015 liess die
Versicherte am 2
1.
April 2015 Beschwerde erheben (
Urk.
1).
Ihr Rechtsvertreter beantragt
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen, eventualiter die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz.
So
dann ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung
und sein
e
Einsetzung al
s unentgeltlicher
Rechts
vertreter
.
Mit
Beschwer
deantwort
vom 27. Ma
i
2015 (Urk. 9) beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung der B
e
schwerde. Mit Verfügung vom 3.
Juni 2015 (Urk. 11) wurde der Beschwerde
füh
rerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechts
anwalt Lehmann als
ihr unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende
Be
schwerdeverfahren
bestellt. Mit Replik vom
10. Juni 2015 (Urk. 12) nahm die Beschwerdeführerin
Stel
lung zur Beschwerdeantwort. Mit Schreiben vom 29. Juni 2015 (Urk. 14)
teilte
die Beschwerdegegnerin
ihren Verzicht
auf eine Duplik
mit
.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit er
forderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil de
s Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte (sog.
Invalidenein
kommen
),
in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Validenein
kommen
). Der
Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst ge
nau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der
Ein
kommensdifferenz
der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Me
thode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch reali
sierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung pri
mär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die ver
sicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Er
werbs
tätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E.
3b/
aa
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 850/05 vom 21. August 2006 E. 4.2). Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheits
schadens
keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätig
keit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne ge
mäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstruk
turerhebungen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu
berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu
grunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende
be
triebsübliche
Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
1.5
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen.
Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass ver
sicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit ver
richteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbei
ten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durch
schnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu
einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem
Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merk
male der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Au
s
wirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte da
für bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merk
male ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allge
mei
nen Arbeits
markt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merk
male auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des
Tabellen
lohnes
zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75).
Der Umstand, dass die versicherte Person zwar ganztags arbeitsfähig, hierbei aber nur reduziert leistungsfähig ist, rechtfertigt im Gegensatz zu gesundheitlich
bedingter Teilzeitarbeit grundsätzlich keinen Abzug vom Tabellenlohn (vgl.
Urteil
des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E. 3.1.2 mit Hin
weisen).
1.6
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frü
hest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensent
wick
lung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worde
n wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit er
stellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
Das
Angewiesensein
auf das Entgegenkommen eines verständnisvollen Arbeit
gebers stellt praxisgemäss kein anerkanntes eigenständiges Abzugskriterium dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_176/2012 vom 3. September 2012 E. 8, Urteil 8C_91/2013 vom 2
2.
August 2013 E. 3.3.4).
2.
2.1
Die Vorinstanz stellte in ihrer Verfügung vom 26. März 2015
(Urk. 2)
sinnge
mäss
fest, dass die Beschwerdeführerin in der Arbeitsfähigkeit seit dem 2
5.
Oktober 2011 erheblich eingeschränkt sei und ihr insbesondere unter Be
rücksichtigung des polydisziplinären Gutachtens die bisherige Tätigkeit als Buchhalterin weiter
hin in einem Pensum von 50 %
zumutbar sei. Diese Er
werbstätigkeit sei
mit
Vor
teil
ganztä
g
ig mit einer Leistungseinbusse für erhöh
ten Zeitbedarf und ver
mehrte Pausen auszuüben. Aufgrund verschiedener Ar
beitsstellen in den ver
gang
enen Jahren und der Dauer des letzten Arbeitsver
hältnisses von rund einem
Jahr sei von Tabellenlöhnen auszugehen.
2
.2
Mit Beschwerde vom 2
1.
April 2015 (Urk. 1) lässt die Beschwerdeführerin
gel
tend
machen, e
s sei
hinsichtlich des
Valideneinkommens
stets vom
vor
der In
vali
di
tät erzielten Einkommen auszugehen und
es seien
sämtliche Nebenein
künfte un
d regelmässig geleistete
n
Überstunden zu berücksichtigen. Die Bestim
mung des Invalideneinkommens aufgrund der Lohnstrukturerhebung sei
dage
gen
korrekt, da die Beschwerdeführerin aktuell einzig einem 20%igen Pensum nachgehe. Unter Annahme einer 50%igen Anstellung ergebe sich ein
I
nvalidi
tätsg
rad
von 62 %. Beim vorgeschlagenen Arbeitsmodell mit einer 100%igen Präsenz bei einer Leistung von 50 % müsse mit einer Lohneinbusse
von 15 %
gerechnet werden.
Mit der Korrektur des
Valideneinkommens
und der Berück
sichtigung des leidensbedingten Abzuges ergebe sich ein Invaliditätsgrad, der mindestens zu einer
Dreiviertel
s
rente
beziehungsweise zu einer
ganzen
Rente führe.
2
.
3
Dem entgegnet die Beschwerdegegnerin mit Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2015 (Urk. 9)
sinngemäss
, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2011
bei zwei Arbeitgeber
n beschäftigt gewesen
sei
, der
Y._
AG sowie der
Z._
AG.
Das Einkommen unterliege einer deutlichen Schwankung, weshalb das
Valideneinkommen
anhand der Auszüge aus dem Individuellen Konto nicht zuverlässig ermittelt werden könne. Es sei daher zu
R
echt auf den Tabellenlohn abgestellt worden.
2
.
4
Mit Replik vom 10. Juni 2015 (Urk. 12) hält die Beschwerdeführerin an den ge
stellten Anträgen fest und äussert sich zu den Vorbringen in der
Beschwerde
antwort
. Gemäss dem
B._
-Gutachten vom 13. Juni 2014 (Urk. 10/60/42 f.)
sei
sie
seit Oktober 2011 zu 50 % arbeitsunfähig.
Sie
habe vom 1. Oktober 2010 bis zum 31. Oktober 2012 (richtig: 2011) beim
Y._
AG und zusätzlich seit dem 1. November 2000 im noch bestehenden Arbeitsverhältnis mit der
Z._
AG
gearbeitet
. Dies ergebe ein Jahreseinkommen von Fr. 100‘250.-- (Fr. 6‘210.-- x 13 + Fr. 1‘430.-- x 13 + Fr. 930.-- (vgl. Urk. 10/20/1
f., 10/29/11 f., 10/37/7). In den Ausführungen der
Beschwerde
geg
nerin
werde übersehen, dass die Wartezeit am 25. Oktober 2011 begonnen habe
und dementsprechend der Verdienst bei der
Y._
AG für die Mona
te
November und Dezember 2011 nicht mehr voll angefallen se
i. Entgegen den Aus
führungen der Beschwerdegegnerin habe die Beschwerdeführerin vor dem Eintritt der Krankheit in einer Tätigkeit gear
beitet, die sie ohne Krankheit weiter ausgeübt hätte.
Sie
habe dieses
V
alideneinkommen
in guten Treuen erzielt.
2.5
2.5.1
Aus den Rechtsschriften der Parteien geht hervor, dass d
er medizinische Sach
verhalt und insbesondere die aufgrund der polydisziplinären Begutachtung
durch
die
B._
(Urk. 10/60/43)
ermittelte Arbeitsfähigkeit
von 50 %
sowohl in der an
gestammten als auch in einer optimal leidensangepassten Tätigkeit nicht strittig
ist
. Nachdem das
Gutachten in Bezug auf die geltend gemachten ge
sundheitlichen Beschwerden der Versicherten umfassend ist, auf Untersuchun
gen in den jeweiligen Fachgebieten basiert, in Kenntnis der gesamten
Vorakten
abgegeben wurde
(vgl. Urk.
10/
60/2)
, in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und die Schlussfolgerungen begründet sind, kann auf dieses und die darin gezogenen Schlüsse abgestellt werden.
Von der Beschwerdeführe
rin nicht bestritten und
durch die Vorinstanz korrekt
festgelegt wurden auch der Beginn
und
Verlauf
der Arbeitsunfähigkeit
sowie der allfällige
Beginn des Ren
tenanspruchs
.
Damit ist von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ab
25. Oktober
2011
und
aufgrund
der
am 15. Juni 2012 - verspätet - erfolgten Anmeldung zu
m Leistungsbezug (Urk. 10/17) von
einem frühestmöglichen Beginn des Renten
an
spruchs am
1. Dezember 2012
auszugehen.
2.5.2
Zwischen den Parteien ist
jedoch
strittig, auf welcher Grundlage das für die
Bemessung der Invalidität der Beschwerdeführerin
zu berücksichtigende
Vali
den
einkommen
festzulegen ist und ob vom Invalideneinkommen ein
leidensbe
dingter
Abzug vorzunehmen ist
.
3
.
3.1
3.1
.1
Die Beschwerdeführerin vertritt die Ansicht, dass der vor der
krankheitsbeding
ten
Einschränkung erzielte Verdienst von Fr. 100’250.--
(
Urk. 10/20/2
) als
Vali
deneinkommen
zu berücksichtigen sei. Als Ausgangspunkt für
dessen
Berech
nung sei stets das vor dem Eintritt der zur Invalidität führenden Arbeitsunfä
higkeit erzielte Einkommen zu wählen (vgl.
Urk
1 S. 3, Urk. 12 S. 2).
Da
gegen
ver
tritt
die Beschwerdegegnerin unverändert die Ansicht, das
Valideneinkom
men
sei
ebenfalls auf der Grundlage der Tabellenlöhne gemäss LSE 2010 zu be
stimmen. Sie macht sinngemäss geltend, dass das Einkommen der Beschwerde
führerin einer deutlichen Schwankung unterliege und zuvor w
esentlich geringer gewesen sei
(vgl. Urk. 9).
3.
1
.
2
Ist der zuletzt bezogene Verdienst markant überdurchschnittlich hoch, ist er nur dann als
Valideneinkommen
heranzuziehen, wenn mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit feststeht, dass er weiterhin erzielt worden wäre (
Meyer/
Reich
muth
,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
3.
Auflage, Zürich 2014,
Art.
28
N
51
mit Hinweisen
).
3.
1
.
3
Aus
dem
im Recht liegenden Auszug aus dem Individuellen Konto der Be
schwer
deführerin (Urk. 10/90) ist ersichtlich, dass diese im Zeitraum zwischen 2006 und 2011 für sieben verschiedene Arbeitgeber tätig war und zeitweise zusätzlich zu unselbständigen Erwerbstätigkeiten auch einer selbständigen Er
werbstätigkeit nachging.
Es zeigt sich
zudem
, dass das Jahresbruttoeinkommen 2011 von Fr. 94‘259.-- die in den Vorjahren erzielten jährlichen Bruttoein
kommen von Fr. 68‘149.-- (2006), Fr. 73‘501.-- (2007), Fr. 68‘148.--, (2008), Fr. 64‘930.-- (2009),
Fr.
68‘323.-- (2010) deutlich übersti
e
g.
3.
1
.
4
Wie
dem Arbeitgeberbericht
vom 25. Januar 2013 (Urk.
10/
29/2) und dem damit
eingereichten
Auszug aus dem Jahreslohnkonto 2011 (Urk.
10/
29/11 und
10/29/
12)
er
sichtlich
ist
, erhöhte
die Beschwerdeführerin
ihr Pensum
bei der
Y._
AG
im März 2011 auf 90 %. Somit war sie vor der
krank
heits
bedingten
Arbeitsunfähigkeit nur knapp neun Monate
mit dem
zuletzt aus
geübten
Pensum
tätig.
Im Rahmen der Anamnese für die polydisziplinäre
Begutachtung
führte die Be
schwerdeführerin sinngemäss aus, neben der 20%-Stelle bei der
Z
._
AG habe sie im Jahr 2010 eine Anstellung mit einem Pensum von 60 % bei der
Y._
AG angenommen. Dort sei es aber im Lauf der Zeit zu einer ständigen Zunahme ihrer Arbeitsbelastung gekommen, da sie die einzige Buchhalterin gewesen sei. Ihr Chef habe sie daher immer wieder ge
be
t
en
, mehr zu arbeiten
,
und sie
vertröstet, es gebe bald eine Entlastung, was aber nie der Fall gewesen sei. Am Schluss habe sie 11 bis 12 Stunden täglich arbei
ten müssen und sei völlig überfordert gewesen (Urk.
10/
60/11 f.). Zudem berichtete sie sowohl gegenüber ihrer Hausärztin,
Dr.
A._
(vgl. Urk. 10/26/2, 10/26/18, 10/26/22)
,
als auch anlässlich der polydisziplinären Be
gutachtung (Urk. 10/60/19) von Mobbing durch den Vorgesetzten. Als Gründe für die häu
figen Stellenwechsel der letzten Jahre brachte sie vor, dass sie Ab
wechslung möge und deshalb ihre Arbeitsstelle wechselte, sobald die Buch
hal
tung bereinigt
gewesen
sei (Urk. 10/60/28).
3.
1
.
5
Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände des Arbeitsverhältnisses bei der
Y._
AG (Dauer, hohe Belastung, zwischenmenschliche Probleme, Kündigung durch die Beschwerdeführerin) und der fehlenden Kontinuität im Erwerbsleben in der jüngeren Vergangenheit ist es nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwer
deführerin im Gesundheitsfall weiterhin das zuletzt erzielte Einkommen erzielen würde. Entsprechend hat die Beschwerdegegnerin den
Validenlohn
zu
R
echt mithilfe d
er Tabellenwerte gemäss LSE 2010 des Bundesamtes für Statistik
fest
gelegt.
3.
2
Die Beschwerdegegnerin legt in ihrer Verf
ügung vom 26. März 2015 (Urk. 2 S. 3
)
dem von der Beschwerdeführerin erzielbaren
Valideneinkommen
ein den
Zent
ral
wert
(
Median
)
für weibliche
Arbeitnehmende
d
es Anforderungsprofils 3 aus TA
7
Ziff. 21
[monatlicher Bruttolohn nach Tätigkeit, Anforderungsniveau des Arbeits
platzes und Geschlecht, Privater und öffentlicher Sektor (Bund), Rechnungs- und Personalwesen]
der LSE 2010 unter Berücksichtigung der Jahresteuerung für die Jahre 2011 und 2012 sowie einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 41.6 Stunden (anstelle des Wertes von 40 Stunden pro
Woche gemäss LSE) zugrunde. Daraus
ergibt sich folgende Rechnung:
Fr.
6‘190.-- / 40 x
41.6 x 12 x 1.001 x 1.001 =
Fr.
77
‘
4
0
6
.--
Diese Berechnung erweist sich als korrekt, weshalb von einem
V
alideneinkom
men
von Fr.
77
‘
4
0
6
.-- auszugehen ist.
3.
3
3.3
.1
Gemäss den unbestritten gebliebenen Feststellungen im polydisziplinären Gut
achten (Urk. 10/60/36) führten die vorliegenden Symptome mit
Konzentrati
onsstörungen
, Schlafstörungen mit frühmorgendlichem Erwachen ohne erneutes Einschlafen und einer entsprechend verkürzten Schlafdauer zu einer Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit um 50 %. Aus diesen Schlafstörungen resultiere eine Tagesmüdigkeit und eine schnellere Erschöpfbarkeit, so dass die Beschwerde
führerin mehr Zeit für die gleiche Arbeit benötige und einen erhöhten
Pausen
bedarf
aufweise, weshalb es sinnvoll sei, die 50%ige Leistung bei 100%iger Anwesenheit zu erbringen.
In Bezug auf die Bestimmung des
Invalidenein
kommens
besteht grundsätzliche Einigkeit zwischen den Parteien, dass auf die
Ta
bellenlöhne
gemäss LSE 2010 abzustellen ist.
3.
3
.2
Weil
die Beschwerdeführerin aktuell einer Arbeitstätigkeit bei der
Z._
AG mit einem Pensum von 20 % nachgeht, ist jedoch zu prüfen, ob das Invalideneinkommen nicht auf dieser Grundlage zu bestimmen ist. Gemäss
bun
des
gerichtlicher
Rechtsp
rechung ist das Invalideneinkommen auf der Grundlage der aktuell ausgeübten Erwerbstätigkeit auszuüben, wenn diesbezüg
lich kumu
lativ besonders stabile Arbeitsverhältnisse vorliegen, die verbleibende Arbeits
fähigkeit in zumutbarer Weise voll ausgeschöpft wird und dabei ein Ein
kommen erzielt wird, welches als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint
(
BGE 129 V 472 E. 4.2.1
)
.
3.
3
.3
Vorliegend besteht das zu beurteilende Arbeitsverhältnis seit dem 1. November 2000
(vgl. Urk. 10/17/4, 10/20/1 und 10/77/1)
, wurde auch nach Eintritt der krankheitsbedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufrecht erhalten und kann damit als besonders stabil bezeichnet werden. Der erzielte
monatliche
Bruttolohn von Fr. 1‘549.15 (inkl. Anteil am 13. Monatslohn) (Urk. 8/1) er
scheint
unabhängig von der Berücksichtigung des mit Replik vom 10. Juni
2015
(Urk. 12)
geltend gemachten jährlichen Bonus von Fr. 930.-- als
angemessen für di
e von der Beschwerdeführerin ausge
übte Tätigkeit als Buchhalterin mit einem Pensum von 20 %. Entsprechend ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin ihre verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft.
Da indessen
nicht strittig ist, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Buchhalterin zu 50 % arbeitsfähig ist, stellt das effektiv ausgeübte Pensum von 20 % keine volle Ausschöpfung der Arbeitsfähigkeit dar. Es gibt zudem in den Verfahrensakten keine dahingehenden Anhaltspunkte, dass die Beschwer
deführerin ihr Pensum bei der aktuellen Arbeitgeberin ohne Weiteres ausdehnen könnte. Einerseits wird eine Erweiterung des Pensums im Schreiben des Arbeit
gebers an die IV-Stelle vom 12. August 2014 (Urk. 10/77) nicht erwähnt.
Die Beschwerdeführerin wechselte ihre Arbeitgeber in der Vergangenheit häufig und hatte jeweils mehrere Stellen parallel inne, weshalb anzunehmen ist, dass
dieses Arbeitsverhältnis
nicht seit
mittlerweile mehr als 15 Jahren mit unverändertem Pensu
m fortbestehen würde, wenn eine Erhöhung des Pensums der Beschwer
de
führerin ohne
Weiteres
möglich wäre. Entsprechend ist das
Invalidenein
kommen
mangels Möglichkeit zur vollen Ausschöpfung der verbliebenen Ar
beitsfähigkeit in der aktuellen Tätigkeit auf der Grundlage der LSE zu bestim
men.
3.3
.4
Die Beschwerdegegnerin
legt
e
in ihrer Verfügung vom
26. März 2015 (Urk. 2 S.
3
)
dem von der Beschwerdeführerin erzielbaren Invalideneinkommen
ein 50%iges Pensum gemäss dem
Zentralwert für
weibliche
Arbeitnehmende
d
e
s
Anforde
rungsprofil
s
3 aus TA 7 Ziff. 21 der LSE 2010
(vgl. vorne E.
3.2)
unter Berücksichtigung der Jah
resteuerung für die Jahre 2011 und 2012 sowie
einer
durchschnittlichen
Wo
chenarbeitszeit
von 41.6 Stunden
(anstelle des Wertes von 40 Stunden pro Wo
che gemäss LSE)
zugrunde. Damit ergibt sich folgende Rechnung:
Fr.
6‘190.-- / 40 x 41.6 x 12 x 1.001 x 1.001
x 50 %
=
Fr.
38
‘
703
.--
Diese Berechnung erweist sich als korrekt, weshalb von einem
Invalidenein
kommen
von Fr. 38‘703.-- auszugehen ist.
3.4
3.
4
.1
In der Beschwerdeschrift vom 21. April 2015 wird vorgebracht, beim von der
Beschwerdegegnerin vorgeschlagenen Arbeitsmodell mit einer Präsenz von 100 %
und einer Leistung von 50 % müsse mit einer Lohneinbusse gerechnet werden. Dieses Arbeitsmodell lasse sich nur mit einer finanziellen Einbusse am Arbeits
markt
verwerten. Die Arbeitgeberin müsse die ganze Infrastruktur
zu
100 % zur Verfügung stellen. Eine langsame Mitarbeiterin mit langen und vielen Pausen sei für das Betriebsklima nicht förderlich. Aufgrund der famili
ä
ren Struktur und der Erkrankung der Beschwerdeführer
in
sei ein Homeoffice nicht möglich. Insgesamt ergebe sich ein zu berücksichtigender leidensbedingter
Ab
zug von mindestens 15 % (vgl. Urk. 1, S.
4). Die Beschwerdegegnerin äusserte
sich in ihrer Beschwerdeantwort vom 27. Mai
2015 nicht zu diesem Thema (Urk. 9).
3.4
.2
Gemäss ständiger Praxis des Bundesgerichts ist bei Personen, welche zwar ganz
tags arbeitsfähig
,
dabei aber nur reduziert leistungsfähig sind, kein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen (
vgl.
Urteil des
B
undesg
er
ichts
9C_796/2013 vom 2
8.
Januar 2014
E. 3.1.2
). Dabei ist insbesondere auch zu berücksichtigen, dass die
arbeitnehmende
Person während der ganzen betriebsüblichen Arbeits
zeit präsent ist und so bei Bedarf zumindest kurzfristig abgerufen werden kann, beispielsweise für eine Auskunftserteilung
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts
8C_379/2011
vom 26. August
2011
E.
4.2.3).
Gerade im kaufmännisch-admi
ni
stra
tiven Bereich, in welchem die Beschwerdeführerin tätig ist, bringt ein sol
ches Arbeitsmodell Vorteile für den Arbeitgeber mit sich. Dabei ist
insbesondere
an eine
mögliche
Stellvertretun
g beim Telefondienst zu denken. D
amit
liegen
keine
Gründe
vor, welche
die Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges rechtfertigen würden. Es ist damit von einem Invalideneinkommen von Fr. 38‘703.-- auszugehen.
Es ergibt sich
ein Invaliditätsgrad von 50 % und da
mit ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Damit erweist sich
die Verfü
gung vom 26. März 2015
als rechtens
und die Beschwerde ist
abzuweisen
.
4.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von Fr. 700.-- als ange
messen.
Weil
die Beschwerde abzuweisen ist,
sind die Kosten der Beschwerde
führerin aufzuerlegen
.
Z
ufolge Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung
werden diese
einstweilen auf die Staatskasse
genommen
.
5.
5.1
Dem une
ntgeltlichen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
, Rechtsanwalt Lehmann, steht eine Prozessentschädigung zu, welche nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwie
rigkeit des Prozesses, und nach dem Zeitaufwand festzusetzen ist.
5.2
Mit Verfügung vom 30. Juni 2015 (Urk. 15) wurde Rechtsanwalt Lehmann eine Kopie der Duplik vom 29. Juni 2015 (Urk. 14) zugestellt,
unter Hinweis auf die Möglichkeit zur Einreichung einer detaillierten Zusammenstellung über den bis
herigen Zeitaufwand und die bisher angefallenen Barauslagen und unter An
drohung der Festsetzung nach Ermessen im Unterlassungsfall.
5.3
Nachdem Rechtsanwalt Lehmann
keine Zusammenstellung über seine anwaltli
chen Bemühungen einreichte, erfolgt die Festsetzung seiner Entschädigung
an
drohungsgemäss
nach Ermessen. Unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass Rechtsanwalt Lehmann
bereits im
Einwandverfahren
als unentgeltlicher Rechts
vertreter der Versicherten amtete,
seither nur in sehr beschränktem Mass Aktenstudium erforderlich war und die Argumentation in der Beschwerde
schrift
vom 21. April 2014 (Urk. 1)
im Grossen und Ganzen derjenigen in der
Ein
wandbegründung
vom
27. September 2014
(Urk. 10/
80) entspricht,
ist
die
Pro
zessentschädigung
ermessensweise auf Fr. 1’300.-- (inklusive Barauslagen und 8 % Mehrwertsteuer) festzusetzen.