Decision ID: 0be0439e-2603-486b-bcc5-3e717d221742
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1973 geborene
X._
meldete sich unter Hinweis auf ein psychisches
Leiden am 1
9.
September 2012 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
9/8). Die IV-Stelle traf daraufhin medizinische und erwerbliche Abklärungen und verneinte mangels einer im Wartejahr vorgelegenen durchschnittlichen Mind
estarbeitsunfähigkeit von 40
%
mit Verfügung vom 1
4.
März
2013 einen Rentenanspruch (
Urk.
9/25).
Am
8.
Mai
2013 stellten die Therapeuten der
Y._
,
Z._
, für
X._
ein Gesuch um berufliche Massnahmen (
Urk.
9/26).
Wenige Tage später meldete sich die Versicherte ebenfalls
erneut
zum Leistungs
bezug an (
Urk.
9/27 und
Urk.
9/31). In der Folge
gewährte die IV-Stelle Kostengutsprache für eine vom
1.
September bis am 3
0.
November 2013 dauernde berufliche Abklärung und ein im Anschluss daran bis am 3
1.
Mai 2014 stattfindendes Arbeitstraining bei
A._
(Miteilungen vom 15. August und
5.
Dezember 2013 [Urk. 9/42 und
Urk.
9/54]).
Nachdem die Versicherte Letzteres
am 28. Februar
2014
zugunsten einer intensiven psychologisch—psychiatrischen
Therapie beendet hatte (
Urk.
9/63 S.
3), teilte die Verwaltung mit Mitteilung vo
m
8.
April 2014 den Abbruch der beruflichen Massnahmen mit (
Urk.
9/65). Zur Klärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse zog sie alsdann nebst einem Auszug aus de
m
individuellen Konto (
Urk.
9/70) die Akten des Kranke
ntaggeldversicherers bei (
Urk.
9
/71
und Urk. 9/87
) und holte Berichte der behandelnden Ärzte und Psychologen
(Urk. 9
/72,
9/73, 9/82 und 9/86) ein. In Bestätigung ihres Vorbescheids vom 19. November
2014 (
Urk.
9/89) verfügte sie daraufhin – unter Hinweis auf das Fehlen eines invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschadens – am 1
4.
Januar 2015 die abermalige Abweisung des Leistungsbegehrens (
Urk.
2 = Urk. 9/94).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 1
2.
Februar 2015 Beschwerde
mit folgendem Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 2):
"1.
Die Verfügung vom 1
4.
Januar 2015 sei aufzuheben und der Beschwer
deführerin sei ab
1.
Juni 2014 eine ganze Rente zuzusprechen.
2.
Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den medizinisch
en Sachverhalt rechtskonform abkläre und alsdann erneut über den Rechts
anspruch entscheide.
3.
Subeventualiter
sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und zur Vervollständigung der Abklärungen ein gerichtliches Gutachten einzu
holen und alsdann über den Rentenanspruch erneut zu entscheiden.
4.
In prozessualer Hinsicht stelle ich für das Beschwerdeverfahren ein Ge
such um unentgeltliche Prozessführung und
Verbeiständung
durch den Unterzeichnenden.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerde
gegnerin
.“
Mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
März 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8), was der Beschwerdeführerin am 1
8.
März 2015 mitge
teilt wurde. Gleichentags reichte die Beschwerdeführerin Unterlagen zur Sub
stantiierung ihrer prozessualen Bedürftigkeit ein (
Urk.
11-14/1-4).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit
Krank
heitswert
besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130
V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember
2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts
8C_616/2014 vom 25. Februar
2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Be
richt für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweis
mittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 und BGE 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Abweisung des Leistungsbegehrens damit,
die ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit
sei
bei einer rezidiv
ierenden depressiven Störung
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht nicht langan
dauernd und somit überwindbar. Die Beschwerden seien daher behandelbar und die
Arbeitsunfähigkeit
sei
nicht dauerhaft beziehungsweise längerfristig einge
schränkt
(
Urk.
2)
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber
im Wesentlichen
auf den Standpunkt,
sie leide ausweislich der Akten seit Jahren an massiven psychi
schen Problemen, die ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen würden. Die de
pressive Symptomatik sei einzig teilremittiert und damit noch nicht auskuriert. Der behandelnde
Dr.
B._
sei
der
Ansicht, dass ein Aufbau der Arbeitsfähig
keit mit anfänglich
en
30-50
%
im geschützten Rahmen möglich sei. Dass dieser Versuch von Erfolg gekrönt sei, sei indes nicht sicher.
Die Meinung von
Dr.
B._
sei im Vergleich zu derjenigen des RAD-Arztes höher zu gewichten,
da ersterer Facharzt sei. Anhand der nach wie vor attestierten 100%igen Arbeits
unfähigkeit sei erstellt, dass es ihr nicht möglich sei, ihre Restarbeitsfähigkeit zu verwerten respektive
sie
verfüge überhaupt nicht über eine solche. Sie sei daher
seit Juni 2013 ununterbrochen zu 100
%
arbeitsunfähig, weshalb sie ab
1.
Juni 2014 Anspruch auf eine ganze Rente habe (
Urk.
1 S. 7).
2.3
In Bezug auf die streitgegenständliche Frage ist vorweg Folgendes zu bemerken:
Nach Eingang einer Neuanmeldung und Prüfung der
Eintretensvoraussetzung
(Art. 87 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVV) hat die Verwaltung grundsätzlich zu prüfen, ob seit der ursprünglichen Abweisung des Leistungsgesuchs eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des
Invalidi
tätsgrades
im Sinne von Art. 17 ATSG eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis). Wurde ein Rentengesuch jedoch zufolge Nichtablaufs der Wartezeit (
Art.
28 Abs.
1 IVG
)
rechtskräftig abgewiesen, so darf die Verwaltung im Hin
blick auf ein neues Gesuch nicht geltend machen, die Invalidität habe nicht zu
genommen (vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
[IVG], 3. Auflage 2014, S. 456
Rz
118 mit Hinweis auf BGE 97 V 58 E. 2).
Die Beschwerdegegnerin hat das erste Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 14. März 2013 (Urk. 9/25) mit der Begründung abgewiesen, das Wartejahr mit einer durchschnittlich mindestens 40%igen Arbeitsunfähig
keit sei nicht erreicht. Damit hat die Beschwerdegegnerin weder eine materielle Beurteilung der invalidisierenden Wirkung des Gesundheitsschadens noch eine Prüfung des Invaliditätsgrades vorgenommen. Demzufolge darf das neuerliche Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin vom Mai 2013 nicht unter dem
–
ein
geschränkten - Blickwinkel der Revision geprüft werden, sondern ist wie eine erstmalige Anmeldung zu behandeln.
3.
3.1
Nachdem die Beschwerdeführerin vom
2.
März bis am 1
0.
Mai
2012 und vom 6. bis am 2
7.
September 2012 in der Privatklinik
Y._
,
Z._
, stationär behandelt worden war, stellte die dort tätige
Dr.
med.
C._
, Stations
ärztin
,
in ihrem undatierten Bericht (Eingangsdatum bei der Beschwerdegegnerin
am 2
1.
November 2012 [
Urk.
9/19/6-11
]
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3)
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73)
Ausgebranntsein
(ICD-10 Z73.0)
Als ohne
Einfl
uss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilte sie nachstehende Diagnosen
(S. 2):
Eisenmangelanämie (ICD-10 D50)
Allergische Rhinitis (ICD-10 J31)
Sie attestierte vom
2.
März bis am 1
3.
Mai 2012 eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit, anschliessend bis am 2
0.
Mai 2012 eine solche von 20
%
, vom
6.
bis am 3
0.
September 2012 wiederum eine volle Arbeitsunfähigkeit und vom
1.
bis am 7
.
Oktober 2012 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Betreffend die nachfolgend zu beurteilende Arbeitsfähigkeit verw
ie
s sie auf die Einschätzung der behan
delnden Psychiaterin (S. 4).
3.
2
Dr.
med.
D._
, Facharzt F
MH
für Gynäkologie und Geburtshilfe, diagnostizierte am 2
0.
Dezember 2012 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4). Dem chroni
schen Eisenmangel und der allergischen Rhinitis (ICD-10 J31)
mass er
keinen Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit bei.
Er gab an, s
eit 2
4.
September 2012 bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr (
Urk.
9/21
; vgl. auch Urk.
9/72/5-6
).
Seit März 2013 stand die Beschwerdeführerin nicht mehr in seiner Behandlung (Urk. 9/72/1).
3.3
Die an der Privatklinik
Y._
,
Z._
, tätigen
Dr.
med.
E._
, Oberarzt, und Dipl.-Psych.
F._
, Psychologische Psychotherapeutin, stellten –
nachdem die Beschwerdeführerin zum dritten Mal vom 2
2.
März bis am 12. Juni
2013 hospitalisie
rt gewesen und anschliessend bis am 2
3.
Juli 2013 ambulant behandelt worden war
– in ihrem undatierten, bei der Beschwerdegegnerin am
8.
Mai 2014 eingegangenen
Bericht
(
Urk.
9/73/2-8)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 1):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
Akzentuierung von Persönlichkeitszügen (vorrangig
dependente
und emotional-instabile Züge vom
Borderline
-Typ, ICD-10 Z73.1)
Der Allergie gegenüber Penizillin (Eigenanamnese) massen sie keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei (S. 1).
Die Therapeuten berichteten, sie hätten die Beschwerdeführerin am 1
3.
Juli 2013
(richtig wohl 2
3.
Juli
2013) zu 100
%
arbeitsunfähig entlassen. Sie verwiesen betreffend die weitere Prognose der Arbeitsfähigkeit auf die Beurteilung durch
Dr.
D._
(S. 1 f.).
3.
4
Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
MSc
G._
,
dipl.
analyt
. Psychologe
, diagnostizierten
in ihrem mit
2
6.
Februar
2014 datier
ten
,
bei der Beschwerdegegnerin
am 1
4.
Juli
2014 eingegangenen Bericht
(
Urk.
9/82)
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig teilremittiert
(ICD-10 F32.2) und eine Akzentuierung der Persönlichkeit im Sinne von
depen
dent
und emotional instabil (
Borderline
-Typ; ICD-10 Z73.1). Sie schilderten, die Beschwerdeführerin habe sich seit Antritt der ambulanten Therapie mit erhebli
chen Schwankungen im Leistungsniveau stabilisieren und mit der grundlegen
den Aufarbeitung ihrer Traumatisierung in der Kindheit beginnen können. Durch
die wöchentlichen Einzelsitzungen und die sporadische Teilnahme an Gruppen
sitzungen habe sie sich ein erweitertes Repertoire von
Copingstrategien
erarbei
tet und sei offene Fragen im engeren sozialen Beziehungsgeflecht konstruktiv angegangen. Nach wie vor bestehe eine stark erhöhte Vulnerabilität bei gestei
gerter Affektlabilität mit depressiver, teilweise submanischer Exazerbation und plötzlich einschiessenden Suizidgedanken.
Die Beschwerdeführerin sei in ihrer Arbeitsleistung stark reduziert. Ein Arbeitspensum von 20
%
bringe sie bereits an ihre Leistungsgrenze. Innerhalb der nächsten 24 Monate könne mit einer Arbeitsleistung von 50
%
bei einem Pensum von maximal 40
%
gerechnet werden (S.
1). Im gleichen Bericht hielten die Therapeuten der Beschwerdefüh
rerin fest, die bisherige Tätigkeit sei ihr nicht mehr zumutbar. Eine
behinde
rungsangepasste
Arbeit
, die in zwei
Teilen
auszuüben sei,
sei ihr
zu 50
%
mög
lich, wobei eine Arbeitsleistung von 30
%
bestehe
(S. 2). Sie hielten zudem fest, dass mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden könne, und zwar im Umfang von 30
%
– 40
%
bei einer stufenweisen Steige
rung (S. 3).
3.5
Der Bericht der nämlichen Therapeuten vom
6.
November
2014 (
Urk.
9/86) unter
scheidet sich von demjenigen vom 2
6.
Februar 2014 (E.
3.3.2
hievor
) einzig darin, dass von einer 20%igen Arbeitsleistung seit Januar 2015 ausgegangen wird und dass innerhalb der nächsten 18 Monate mit einer Arbeitsleistung von 50
%
bei einem Pensum von maximal
40
%
gerechnet werden könne (S. 1).
4.
4.1
Aufgrund der erfolgten Abklärungen
kann – entgegen der Beschwerdegegnerin – nicht ohne
weiteres
davon ausgegangen werden, dass aus
invalidenversiche
rungsrechtlicher
Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
der Beschwer
deführerin
vorliegt.
So
finden sich in den Akten einzig Berichte der behandeln
den Therapeuten, die von einer
erheblichen
Reduktion der Arbeitsfähigkeit aus
gehen.
Eine
von der Beschwerdegegnerin veranlasste
Untersuchung
durch einen Facharzt respektive eine Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
– auch nicht
des regionalen ärztlichen Dienstes
–
, d
ie
den gestellten Diagnosen oder
der abgegebenen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit widersprochen hätte,
erfolgte
indes nicht.
Die Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin verzichtete vielmehr
explizit darauf und führte
lediglich
eine
„
Überwindbarkeitsprüfung
"
durch (Urk.
9/88
S.
4).
Im Gegenzug kann angesichts der Aktenlage auch nicht unbe
sehen davon ausgegangen werden,
dass sich das psychische Leiden aufgrund einer gescheiterten adäquaten Depressionsbehandlung als resistent erweist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_908
/2015 vom 1
4.
April 2016 E.
4.2)
. Folglich drängt sich
die
Zusprache
einer ganzen Rente – wie von der Beschwerdeführerin beantragt (
Urk.
1 S.
2) – ebenfalls nicht auf
, zumal aus den Berichten von
Dr.
B._
und
MSc
G._
auch nicht geschlossen werden kann, dass der Ver
sicherten (anfänglich) einzig noch eine Tätigkeit im geschützten Rahmen mög
lich sei (
Urk.
1 S. 7).
Dies
gilt umso mehr, als
die
Be
richte von Dr.
B._
und
MSc
G._
ohnehin
in Bezug auf
die
Höhe der Arbeitsfähigkeit
in einer adap
tierten Tätigkeit
unklar sind
und
hinreichende
Angaben zur Ausgestal
tung einer angepassten Arbeit
fehlen.
Offen bleibt zudem, ob
jeweils ein
Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie effektiv an der
Behandlung
mitgewirkt hat oder ob die Berichte (fach-)ärztlicherseits lediglich
visiert wurden, g
ab
doch die Beschwer
deführer
in
an, die ambulante Therapie finde bei
MSc
G._
statt (
Urk.
9/
67
S.
3 und S.
6
; vgl. auch den Austrittsbericht der Privatklinik
Y._
vom
6.
Juni 2012, der im Einklang damit an
MSc
G._
adressiert ist [
Urk.
9/72/14-1
8 S. 1]).
4.2
Nach dem Gesagten lässt sich aufgrund der vorhandenen medizinischen Berichte
nicht zuverlässig beurteilen, ob und gegebenenfalls inwieweit die Beschwerde
führerin aufgrund ihrer
psychischen
Beeinträchtigungen in
invalidenversiche
rungsrechtlich
relevanter Weise in der Zeit bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war. Da nach der gesetzli
chen Konzeption dem Versicherungsträger die Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 2
IVV
) obliegt und es entsprechend dem Untersuchungsgrundsatz in erster Linie Sache der zuständigen Behörde ist, die materielle Wahrheit zu ermitteln (Urteil des
damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 478/04 vom 5. Dezember 200
6 E. 2.2.4.3), ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl.
hiezu
auch BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 mit Hinweisen), damit sie entsprechende Abklärungen
– auch hinsichtlich der Frage, inwiefern psychosoziale
Belastungs
faktoren
das Beschwerdebild mitprägen –
treffe und hernach über den Renten
anspruch neu befinde.
5.
5.1
Die Kost
en des Verfahrens sind auf Fr. 7
00.-- festzulegen und, da die
Rückwei
sung
an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (vgl. etwa Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 199/02 vom 10. Februar 2004 E. 6, mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR
1999 IV Nr.
10 S.
28 E.
3), ausgangsgemäss von der Beschwerdegegne
rin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
5.2
Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat sodann ausgangsgemäss ge
stützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine
Prozessent
schädigung
. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache sowie der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr. 2‘2
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.
5.3
Bei diesem Ausgang
des Verfahrens erweist sich das
für das vorliegende Verfah
ren
gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(
Urk.
1 S. 2)
als obsolet.