Decision ID: 7f37bf2d-2b4c-4bce-bca3-5424e0f0b6f7
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1984
,
hat eine Ausbildung zur
Serv
icefachange
stellten absolviert und war zuletzt vom
4.
Januar 2007 bis 23. März 2010 (letzter effektiver Arbeitstag)
in dieser Funktion bei der Z._
AG tätig (
Urk.
11/7/10 ff., 11/8 und 11/40).
Unter Hinweis auf eine Beeinträchtigung res
pektive Hyperaktivität d
er Blase meldete sie sich am 3.
September 2010 bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk.
11/2). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte diverse erwerbliche und medi
zinische Abklärungen, wobei sie namentlich durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) eine internistische Untersuchung durchführen liess (
Urk.
11/33).
Mit Mitteilungen vom 3
1.
Juli 2012 und 1
0.
Januar 2013
erteilte sie Kostengut
sprache für eine Umschulung
und Einzelunterrichtslektionen
zur Erlangung des
Handelsdiploms (
Urk.
11/58, 11/81).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(vgl.
Urk.
11/50 ff.) sprach sie der Versicherten
im Weiteren
mit Verfügung vom
5.
Februar 2013 für den befristeten Zeitraum vom
1.
März 2011 bis 3
0.
Juni 2012 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (
Urk.
11/85).
1.2
Nachdem sie über eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation der Ver
sicherten in Kenntnis gesetzt worden war (vgl.
Urk.
11/86), brach die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen mit Mitteilung vom 2
1.
Februar 2013 ab und stellte in Bezug auf einen allfälligen Rentenanspruch den Erlass einer separaten Verfü
gung in Aussicht (
Urk.
11/89). Nach Eingang mehrerer Berichte der behandelnden Fachpersonen (
Urk.
11/90, 11/93 und 11/97 f.)
wurde der Versicherten mit Vor
bescheid vom 1
3.
Mai 2013 die Abweisung des Rentenbegehrens angekündigt (
Urk.
11/101)
, wogegen
diese
Einwand
erhob (Urk. 11/105). In der Folge holte die IV-Stelle
weitere
Arztberichte ein (Urk. 11/107, 11/113/5 ff.) und erteilte mit Schreiben vom
8.
Oktober 2013 wiederum Kostengutsprache für eine Umschu
lung zur Erlangung de
s Handelsdiploms (
Urk.
11/116). Dieses wurde der Ver
sicherten am 1
7.
Februar 2015 ausgestellt (
Urk.
11/129), worauf die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen mit Mitteilung vom
8.
Mai 2015 abschloss (
Urk.
11/132).
Nach erneut durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(vgl.
Urk.
11/135 ff.) wies sie das Rentenbegehren mit Verfügung vom 3
0.
Juni 2015 wie angekündigt ab (Urk. 11/139). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.3
Am 2
8.
Februar 2018 meldete sich die Versicherte
insbesondere unter Hinweis auf eine künstliche Blase
, Darmerkrankungen und Nierenversagen
erneut
bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug
an (
Urk.
11/147). Mit Schreiben vom
2.
März 2018 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, Beweismittel einzu
reichen, um eine wesentliche Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse glaub
haft zu machen (
Urk.
11/150). Mit Vorbescheid vom 1
1.
April 2018 stellte sie der Versicherten in Aussicht, dass auf das Leistungsbegehren nicht eingetreten werde (
Urk.
11/151), wogegen jene unter Beilage eines Schreibens von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Urologie, vom 2
2.
Februar 2018
Einwand erhob (Urk.
11/152, 11/156 f.).
Am 1
2.
Juli 2018 verfügte die IV-Stelle im angekündig
ten Sinne (Urk. 11/159 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
4.
September 2018 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die IV-Stelle sei zu verpflichten, den Sachverhalt mittels arbeitsmedizinischer Abklärung res
pektive eines polydisziplinären Gutacht
ens rechtsgenügend
abzuklären. Even
tualiter seien berufliche Massnahmen zuzusprechen. Im Weiteren ersuchte die Versicherte um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
Oktober 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), worüber die Versicherte mit Verfügung vom 2
2.
Okto
ber 2018 orientiert wurde (
Urk.
12).
Gleichzeitig
wurde ihr Gesuch um unentgelt
liche Prozessführung bewilligt.
Mit Eingabe vom 2
9.
Oktober 2018 (Urk. 14)
reichte die Versicherte weitere Arztberichte ein (
Urk.
15/1-2), worüber die IV-Stelle mit Schreiben vom 3
1.
Oktober 2018 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn di
e Voraussetzungen gemäss
Abs.
2
dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, das
s sich der Grad der Invalidität
der versicherten Person in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat.
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung verpflichtet, ob die Vorbringen der ver
sicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen (ZAK 1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen). Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf
Art.
87
Abs.
3 IVV
Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beur
teilung der
Eintretensfrage
, wenn die Verwaltung auf die Neuanmeldung einge
treten ist (BGE 109 V 108 E. 2b).
1.3
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010 vom
7.
April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 2
8.
Februar 2012 E. 3.3.2).
1.4
Richtet sich die Beschwerde gegen einen
Nichteintretensentscheid
, hat das Gericht, ungeachtet
der Vorbringen
der
beschwerdeführenden
Partei, zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das Leistungs- oder Feststellungsbegehren eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sache
(Sachentscheid) hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situation den for
mellen Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere Instanz zum Gegen
stand. Dagegen hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu befassen (BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a,
SV
R 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin zog in der angefochtenen Verfügung vom 1
2.
Juli 2018 (
Urk.
2) zusammengefasst in Erwägung,
das Leistungsbegehren der Versicherten sei letztmals am 3
0.
Juni 2015 abgewiesen worden. Am 2
8.
Februar 2018 sei eine Neuanmeldung erfolgt, wobei
trotz entsprechender Aufforderung keine Beweis
mittel
vorgelegt
worden seien.
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
sei ein Schreiben von
Dr.
A._
eingereicht
worden
. Dieses
enthalte jedoch auch keine Informationen, welche auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Versicherten schliessen lassen würden.
Da folglich auf das Gesuch nicht einzu
treten sei, könnten auch keine beruflichen Massnahmen gewährt werden.
2.2
In ihrer Beschwerdeschrift vom 1
4.
September 2018 machte die Versicherte im Wesentlichen geltend,
ihr Gesundheitszustand habe sich seit der letzten Beurtei
lung durch die Beschwerdegegnerin
erheblich
verschlechtert.
Anlässlich einer Operation im Jahr 2016 sei aus einem
Teil des
Dünndarm
s
eine neue Blase gebil
det worden (
Pouch
). Zusammen mit der zwischenzeitlich bestätigten Diagnose eines Colon
irr
it
ab
i
le
h
abe dies regelmässig
einen unkontrollierten Stuhlverlust zur Folge
. Der Diabetes lasse sich ebenfalls schlechter einstellen, da die Trink
menge aufgrund der Schwierigkeiten mit der Blase ungenügend sei. Ferner
sei eine erhöhte
Müdigkeit
vorhanden
. Vor diesem Hintergrund sei die Beschwerde
gegnerin zu Unrecht nicht auf die Neuanmeldung eingetreten und
sei zu ver
pflichten,
den Sachverhalt rechtsgenügend abzuklären.
Die angefochtene Verfü
gung sei im Übrigen verfrüht erlassen worden, da die Resultate der Abklärungen im Kantonsspital Winterthur bezüglich des Colon
irritabile
hätten abgewartet werden müssen
(
zum Ganzen
Urk.
1 S.
5 f.).
3.
3.1
Mit Verfügung vom 3
0.
Juni 2015 (
Urk.
11/139) wurde der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin letztmals materiell beurteilt. Dieser Entscheid bildet demnach den zeitlichen Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3
sowie Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 2
6.
März 2010 E. 2.1 mit Hin
weisen
).
3.2
Dem vor Erlass
der genannten Verfügung
zuletzt
von der Beschwerdegegnerin
eingeholten Bericht des Universitätsspitals
B._
, Klinik für Urologie, vom 1
6.
September 2013 ist folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit zu entnehmen:
-
Status nach
Nabelstomarevision
am
4.
Juni 2013 bei inkontinentem
hete
rotopen
Nabelpouch
und
-
Status nach
Deflux
-Unterspritzung am Nabelstoma (Oktober 2012),
-
Status nach «
painful
bladder
syndrome
» (Differentialdiagnose: chro
nisch interstitielle Zystitis) mit Status nach
laparoskopisch
roboter
assistierter, einfacher Zystektomie mit offener Anlage eines
heteroto
pen
katheterisierbaren
Ileum-
Pouches
(Juli 2011),
-
Status nach
Hydrodistension
und
Blasenquadrantenbiopsie
(März 2010),
-
Status nach Zystoskopie und Injektion von 100 Insulineinheiten Botox (August 2009),
-
Status nach
hypokapazitärer
, hyperaktiver Blase (
Urodynamik
Dezem
ber 2008).
Im Wesentlichen folgenden Diagnosen wurde demgegenüber kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen:
-
Diabetes mellitus Typ 2, bei
Malcompliance
teilweise schlecht eingestellt,
-
HAIR-AN-
Syndrominsulinresistenz
(Erstdiagnose 2004),
-
Allergien auf Penicillin, Sulfonamide, Paracetamol, Ibuprofen und
Dic
lofenac
,
-
Verdacht auf Colon
irritabile
,
-
Adipositas.
Im Rahmen der am
8.
Juli 2013 durchgeführten
Pouchographie
hätten sich dichte Verhältnisse gezeigt. Der Dauerkatheter sei entfernt worden. Im weiteren Verlauf habe sich die Versicherte problemlos selbst katheterisieren können. Zuletzt sei für den Zeitraum vom
3.
bis 3
0.
Juni 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Aktuell bestehe aus urologischer Sicht kein Grund für eine Arbeitsun
fähigkeit; prinzipiell
seien
keine körperlichen Einschränkungen
vorhanden
. Es müsse jedoch in regelmässigen Abständen von einigen Stunden ein Selbstkathe
terismus durchgeführt werden (zum Ganzen
Urk.
11/113/5 f.).
4.
4.1
Um eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes glaubhaft zu machen reichte die Beschwerdeführerin
als Beilage zum
Einwand
gegen den
Vorbescheid
vom 1
1.
April 2018 (
Urk.
11/151) ein Schreiben von
Dr.
A._
vom 2
2.
Februar 2018 ein
.
Jener stellte aus urologischer Sicht die Diagnose eines
«
painful
bladder
syndrome
»
. Als Diagnosen aus anderen Fachgebieten führte e
r einen Diabetes mellitus Typ 2
sowie ein Colon
irritabile
auf. Letztmals sei vom 7. bis 1
1.
August 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Seit dem 1
9.
September 2017 sei die gesundheitliche Situation stabil. Zur Arbeitsfähigkeit äusserte sich
Dr.
A._
nicht und empfahl eine arbeitsmedizinische Abklärung (
Urk.
11/157).
4.2
Im Beschwerdeverfahren legte die Versicherte
einerseits einen Bericht des Kan
tonsspitals Winterthur vom 2
7.
September 2018 vor
, demgemäss sie aufgrund eines nicht-
katheterisierbaren
Nabelpouchs
mit Harnverhalt und konsekutiver Akzentuierung des Nierenbeckenkelchsystems beidseits vom 2
6.
bis
27.
Septem
ber 2018 notfallmässig hospitalisiert
gewesen sei
.
Nachdem alle Versuche der Katheterisierung über den
Nabelpouch
frustran
geblieben seien, sei eine
Zysto
fixkathetereinlage
durchgeführt worden. Peri- oder
postinterventionelle
Kompli
kationen seien nicht aufgetreten und die Versicherte habe umgehend eine Linde
rung ihrer Beschwerden verspürt. Am 2
7.
September 2018 habe
sie
den
Pouch
wieder selbständig katheterisieren können und sei in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen worden (zum Ganzen
Urk.
15/1).
Andererseits reichte die Beschwerdeführerin einen Bericht des
B._
vom
8.
Okto
ber 2018
ein
, welchem im Wesentlichen folgende Diagnosen zu entnehmen sind:
-
subkutaner Prozess unklarer Ätiologie (Erstdiagnose
4.
Oktober 2018) bei Status nach nicht-
katheterisierbarem
Pouch
und Einlage eines
Zystofix
-katheters
via
suprapubischem
Zugang in den
Nabelpouch
nach mehr
fachen
frustranen
Punktion
sv
ersuchen im September 2018,
-
Status nach
Nabelstomarevision
am
4.
Juni 2013 bei inkontinentem
Nabelpouch
,
-
Status nach
Pyelonephritis
beidseits,
-
multiple Allergien / Medikamentenunverträglichkeiten.
Die Versicherte sei vom
4.
bis
8.
Oktober 2018 hospitalisiert gewesen. Es hätten sich keine Anhaltspunkte für einen intraabdominalen Abszess oder eine Fistel ergeben. Auch der
Pouch
sei intakt gewesen. Die Computertomographie habe
suprapubisch
eine verdickte
Cutis
mit
Imbibierung
des subkutanen Fettgewebes
gezeigt, welche
bis zum
Musculus
rectus
abdominis
paramedian rechts
gereicht habe. An jener Stelle habe ein kleiner, röntgendichter Fremdkörper beziehungs
weise - differentialdiagnostisch - ein beginnender entzündlicher Trakt bei iatro
genem Fremdmaterial festgestellt werden können. Nach stationärer Aufnahme und Etablierung einer empirischen antibiotischen Therapie sei die Versicherte stets schmerzkompensiert und
afebril
gewesen. Eine eindeutige
Abszesskollektion
habe in der Computertomographie ausgeschlossen werden können. Der
Pouch
sei mittels eines Dauerkatheters abgeleitet worden. Am 8. Oktober 2018 sei die Beschwerdeführerin in gutem Allgemeinzustand
nach Hause entlassen worden (zum Ganzen
Urk.
15/2).
5
.
5
.1
Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin glaubhaft gemacht hat, dass sich ihr Invaliditätsgrad im Zeitraum zwischen der Verfügung vom 3
0.
Juni 2015 (Urk. 11/139) und der angefochtenen Verfügung vom 1
2.
Juli 2018 (
Urk.
2) in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise verändert hat.
Vorab
ist darauf hinzuweisen, dass die versicherte Person die massgeblichen Tat
sachenänderungen gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bereits mit der Neuanmeldung glaubhaft machen muss. Wird ihr w
ie im konkreten Fall (vgl. Urk.
11/150) schon im Verwaltung
sv
erfahren eine angemessene Frist zur Einrei
chung ergänzender Beweismittel angesetzt unter der Androhung, dass ansonsten gegebenenfalls auf Nichteintreten erkannt werde, legt das Gericht seiner beschwerdeweisen Überprüfung den Sachverhalt zu Grunde, der sich der Verwal
tung bot (BGE 130 V 64 E. 5.2.5).
Die von der Versicherte
n
erst im Laufe des gerichtlichen Verfahrens vorgelegten ärztlichen Berichte vom
2
7.
September und
8.
Oktober 2018
(
Urk.
15/1-2) sind
demzufolge
grundsätzlich
unbeachtlich.
Das
im
Vorbescheidverfahren
eingereichte Schreiben von Dr.
A._
vom
22.
Februar 2018 (
Urk.
11/157)
enthält keine Anhaltspunkte für eine
erhebliche
Verschlechterung der gesundheitlichen Situation seit Erlass der rentenabweisen
den Verfügung
vom 3
0.
Juni 201
5.
Bei den aufgeführten Diagnosen - «
painful
bladder
syndrome
», Diabetes mellitus Typ 2 und Colon
irritabile
- handelt es sich nicht um neu hinzugetretene Krankheitsbilder (vgl.
unter anderem
Urk.
11/113/5).
Dr.
A._
ging zudem von einem
stabilen Gesundheitszustand
seit September 2017 aus und attestierte keine Arbeitsunfähigkeit. Vor diesem Hintergrund kam die Beschwerdegegneri
n berechtigterweise zum Schluss,
dass seitens der Versicherten keine wesentliche Änderung des Invaliditätsgrads glaub
haft gemacht wurde.
Insbesondere
der Umstand,
dass Dr.
A._
als Facharzt für Urologie
nicht mehr nur die Verdachtsdiagnose eines Colon
irritabile
aufführte, rechtfertigt entgegen der Argumentation der Beschwerdeführerin
(vgl.
Urk.
1 S.
5)
ebenfalls
keine andere Betrachtungsweise
, da diese Erkrankung internistisches Fachgebiet betrifft.
Im Übrigen genügt es nicht, dass die Versicherte ihre Beschwerden - etwa in Bezug auf den Stuhlgang oder den schlecht einstellbaren Diabetes - aus subjektiver Sicht schildert, ohne ent
sprechende Beweismittel vor
zulegen.
Die Beschwerdegegnerin war
namentlich
auch nicht gehalten, einen
Bericht der
Stomaberaterin
des Universitätsspitals
B._
einzuholen, da
die Ver
sicherte für das Vorliegen eines
Eintretens
tatbestandes
beweisführungsbelastet ist und der Untersuchungs
-
grundsatz insoweit keine Anwendung findet (BGE a.a.O.).
5
.2
Der Vollständigkeit halber
ist anzufügen, dass
sich der angefochtene
Nichteintre
tensentscheid
selbst unter Berücksichtigung der im Beschwerdeverfahren einge
reichten Arztberichte
(
Urk.
15/1-2) als korrekt erweist. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin innert vergleichsweise kurzer Zeit zwei Mal für wenige Tage hospitalisiert war, legt keine dauerhafte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit nahe.
Seitens der behandelnden Ärzte wurde denn auch keine Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Die Versicherte wurde überdies jeweils in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen.
6
.
Zusammenfassend
hat die Beschwerdeführerin keine anspruchsbeeinflussende Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf das Leistungsbegehren eingetreten ist. Auf den von der Versicherten im Beschwerdeverfahren gestellte
n
Eventualantrag betreffend die Zusprechung beruflicher Massnahmen ist nicht einzutreten, da sich das Gericht im konkreten Fall nicht mit den materiellen Anträgen zu befassen hat (vgl. E. 1.4).
Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung vom 1
2.
Juli 2018 (
Urk.
2) nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
7
.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Strei
twert festzulegen (
Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Sie sind der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge der ihr gewährten unentgeltlichen Prozessführung (vgl.
Urk.
12) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Beschwerdeführerin ist auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
G
SV
Ger
) hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichts
kosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.