Decision ID: 92c45fdd-42f5-4574-a311-c5151f5791a7
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Urkundenfälschung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 4. September 2019 (DG190016)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 30. März 2017 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 34).
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne
von Art. 251 Ziff. 1 StGB.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu
Fr. 30.– (entsprechend Fr. 5'400.–).
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.00 Gebühr Vorverfahren;
Fr. 4'350.25 Kosten amtliche Verteidigung (inkl. MwSt. und );
Fr. 9'050.25 Total.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
Wird auf die Begründung dieses Urteils verzichtet, so ermässigt sich die
Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
5. Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens werden der
Beschuldigten auferlegt.
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Berufungsanträge:
a) Der Beschuldigten:
(Urk. 100 S. 1)
1. Die Angeklagte sei vom Vorwurf der mehrfachen Urkundenfälschung frei-
zusprechen.
2. Die Kosten des Verfahrens inkl. derjenigen der amtlichen Verteidigung
seien auf die Staatskasse zu nehmen.
3. Die Angeklagte sei für ihre Umtriebe nach Ermessen des Gerichtes an-
gemessen zu entschädigen und es sei ihr eine Genugtuung von CHF
1'500.00 auszurichten.
b) Des Staatsanwaltschaft:
(Urk. 105, sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Zum bisherigen Verfahrensgang – insbesondere mit Blick auf die vom Ober-
gericht in dieser Sache mit Beschluss vom 22. Januar 2019 erfolgte Rückweisung
an das Bezirksgericht (Urk. 52) – kann zwecks Vermeidung unnötiger Wiederho-
lungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen Ent-
scheid verwiesen werden (Urk. 87 S. 3 f.).
2. Am 4. September 2019 verurteilte das Bezirksgericht Winterthur die Be-
schuldigte wegen mehrfacher Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1
StGB und bestrafte diese mit einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu
Fr. 30.– unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren (Urk. 87). Die Beschuldigte
liess gleichentags Berufung gegen dieses Urteil anmelden (Urk. 76). Mit Eingabe
vom 18. Februar 2020 erstattete die Beschuldigte sodann fristgerecht die Beru-
fungserklärung, mit welcher sie einen Freispruch unter Kostenfolge beantragte
(Urk. 88).
3. Innert der mit Präsidialverfügung vom 9. März 2020 (Urk. 91) angesetzten
Frist erklärte die Staatsanwaltschaft Verzicht auf Anschlussberufung und erhob
auch keinen Antrag auf Nichteintreten auf die Berufung der Beschuldigten
(Urk. 93).
4. Mit Präsidialverfügung vom 8. April 2020 wurde im Einverständnis mit den
Parteien (Urk. 96 und 97) das schriftliche Berufungsverfahren angeordnet und der
Beschuldigten Frist zur Berufungsbegründung angesetzt (Urk. 98). Letztere wurde
mit Eingabe vom 8. Mai 2020 fristgerecht erstattet (Urk. 100). In der Folge ver-
zichtete die Staatsanwaltschaft auf die Einreichung einer Berufungsantwort
(Urk. 105 und 107), womit der Schriftenwechsel abgeschlossen wurde. Das Ver-
fahren erweist sich als spruchreif.
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II. Prozessuales
1. Die Verteidigung der Beschuldigten macht die Unverwertbarkeit zahlreicher
Beweismittel geltend (Urk. 100 S. 2 ff.).
2. Zunächst ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die Aussagen des Mitbe-
schuldigten B._ (Urk. 14/1-6) sowie C._, D._ und E._
(Urk. 16/1-3; 18/1-2) nicht verwertbar sind. Die Unverwertbarkeit ergibt sich bei
diesen Personen daraus, dass der Beschuldigten hinsichtlich dieser Einvernah-
men das rechtliche Gehör nicht gewährt wurde (Möglichkeit zur Stellung von Er-
gänzungsfragen) bzw. keine Konfrontation stattgefunden hat. Die von der Vo-
rinstanz bei der Frage der Verwertbarkeit ebenfalls erwähnten Aussagen der je in
separaten Verfahren betreffend Betäubungsmitteldelikten beurteilten Beschuldig-
ten F._ und G._ befinden sich sodann gar nicht bei den Akten.
3. Zudem sind auch die von der Beschuldigten anlässlich der Befragung in der
ersten Hauptverhandlung vom 20. September 2017 gemachten Aussagen (Ver-
fahren DG170030, Prot. S. 5 ff.) nicht verwertbar, wurden diese doch vom Ober-
gericht mit Beschluss vom 22. Januar 2019 mangels Beistellung der notwendigen
Verteidigung für ungültig erklärt und die Sache zur Wiederholung dieser Be-
weisabnahme an die Vorinstanz zurückgewiesen (Urk. 52). Am 4. September
2019 erfolgte die Wiederholung der Hauptverhandlung, wobei die Beschuldigte
vorschriftsgemäss von ihrem amtlichen Verteidiger vertreten wurde (Verfahren
DG190016, Prot. S. 5 ff.). Diese Befragung der Beschuldigten durch die Vor-
instanz ist verwertbar, wobei die Beschuldigte allerdings von ihrem Aussagever-
weigerungsrecht Gebrauch machte.
4. Die Verteidigung stellt sich ferner auf den Standpunkt, auch die Einvernah-
me der Beschuldigten durch die Staatsanwaltschaft vom 20. März 2017
(Urk. 15/3) sei unverwertbar, weil die Beschuldigte bereits zu diesem Zeitpunkt
hätte notwendig verteidigt sein müssen, was nicht der Fall war (Urk. 100 S. 3). Die
Vorinstanz hat diesbezüglich erwogen, ein Fall notwendiger Verteidigung habe
zur Zeit dieser Einvernahme noch nicht vorgelegen, sondern habe sich erst an-
lässlich der Hauptverhandlung ergeben, nachdem die Staatsanwaltschaft auch im
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Verfahren gegen die Beschuldigte plädiert habe. Wie es sich damit verhält, kann
vorliegend offen bleiben. Die Beschuldigte hat an besagter Einvernahme weitest-
gehend von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, weshalb sich
aus dieser Einvernahme ohnehin keine relevanten Erkenntnisse gewinnen lassen.
5. Nichts anderes ergibt sich im Ergebnis hinsichtlich der ersten beiden polizei-
lichen Einvernahmen der Beschuldigten, in welchen diese noch als Auskunftsper-
son einvernommen wurde (Urk. 15/1-2). Die Vorinstanz kam hinsichtlich dieser
Einvernahmen einzig unter Verweis auf eine einzelne Lehrmeinung von Gunhild
Godenzi zum Schluss, dass diese nicht verwertbar seien, zumal die Beschuldigte
an diesen Einvernahmen noch nicht als beschuldigte Person gegolten und somit
nicht über ihre entsprechenden Rechte gemäss Art. 158 Abs. 1 StPO hingewie-
sen worden sei (Urk. 87 S. 6). Allerdings besteht hinsichtlich der Frage der Ver-
wertbarkeit in solchen Konstellationen entgegen dem in der vorinstanzlichen Er-
wägung vermittelten Eindruck in der Lehre keineswegs Einigkeit. Zum einen wird
vertreten, die früheren als Auskunftsperson gemachten Aussagen seien weiterhin
verwertbar, zumal der Auskunftsperson ein Aussageverweigerungsrecht zuge-
standen habe. Ein anderer Teil der Literatur hält dafür, die Aussagen dürften nicht
zu Lasten des später Beschuldigten verwertet werden, da die Auskunftsperson
die dem Beschuldigten zustehenden Verteidigungsrechte bei der Einvernahme
nicht habe wahrnehmen können (unter Verweis auf Art. 158 Abs. 2 StPO; vgl. für
eine Übersicht über die Lehrmeinungen bzw. die entsprechenden Autoren die Ur-
teile des Bundesgerichts 6B_208/2015 vom 24. August 2015 E. 1.4 sowie
1B_48/2016 vom 23. Mai 2016 E. 2.5.1.). Das Bundesgericht anerkannte in frühe-
ren Entscheiden, dass der Rollenwechsel von der Auskunftsperson zur beschul-
digten Person im Laufe des Strafverfahrens möglich sein könne und müsse, liess
die Frage der Verwertbarkeit jedoch bislang offen (vgl. etwa Urteile des Bundes-
gerichts 6B_9/2018 vom 20. Juni 2018 E. 1.3.; 6B_543/2016 vom 22. September
2016 E. 1.2.). Wenn sich die Vorinstanz also einzig mit dem Hinweis begnügt, es
habe keine Belehrung als beschuldigte Person im Sinne von Art. 158 Abs. 1 StPO
stattgefunden, worauf sie gestützt auf Abs. 2 dieser Bestimmung auf die Unver-
wertbarkeit der Einvernahme schliesst, greift diese Begründung vor diesem Hin-
tergrund zu kurz. Das gilt umso mehr, als die Beschuldigte – wenn auch unter
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Verweis auf ihre Stellung als Auskunftsperson – zu Beginn der fraglichen Einver-
nahmen gerade darauf aufmerksam gemacht wurde, dass sie nicht zur Aussage
verpflichtet sei bzw. sich nicht selbst belasten müsse (vgl. Urk. 15/1 und 15/2 je-
weils S. 1 Frage 1). Ferner wies der einvernehmende Polizist die Beschuldigte in
der zweiten Einvernahme darüber hinaus ausdrücklich darauf hin, es sei durchaus
möglich, dass die Staatsanwaltschaft gegen sie ebenfalls eine Strafuntersuchung
eröffnen werde, weshalb er sie auch ausdrücklich darauf aufmerksam machte,
dass ihr entsprechend bereits jetzt das Recht zustehe, einen Verteidiger beizu-
ziehen (Urk. 15/2 S. 1 Frage 1), wobei die Beschuldigte in dieser Einvernahme
auch verschiedentlich die Aussage verweigerte mit dem Hinweis, sie mache dazu
ohne ihren Anwalt keine Aussagen (vgl. Urk. 15/2 Antworten zu Fragen 11, 13 f.,
18 - 20, 26 f., 30 f., 33, 36 - 43). Wie eingangs erwähnt, kann die Frage nach der
Verwertbarkeit dieser beiden Einvernahmen vorliegend jedoch offen bleiben, ent-
halten diese doch – nicht zuletzt gerade deshalb, weil die Beschuldigte insbeson-
dere mit Blick auf die hier zur Beurteilung stehenden Sachverhalte ver-
schiedentlich die Aussage verweigerte – keine wesentlichen Inhalte, die sich nicht
ohnehin aus der späteren (verwertbaren) Befragung durch das Obergericht erga-
ben (dazu sogleich).
6. Schliesslich rügt die Verteidigung, die Vorinstanz gehe zu Unrecht von der
Verwertbarkeit der Aussagen der Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhand-
lung vom 22. Januar 2019 (Verfahren SB180056) aus, anlässlich welcher das
Obergericht besagten Rückweisungsbeschluss (Urk. 52) fasste. Sie vertritt den
Standpunkt, wenn das Obergericht von der Ungültigkeit der bei der Vorinstanz er-
hobenen Beweise ausgehe und die Sache deshalb an die Vorinstanz zurückwei-
se, so müsste dies auch für die Beweiserhebungen zur Sache vor Obergericht
gelten. Es müsse zuerst ein gültiges erstinstanzliches Verfahren durchgeführt
werden, bevor in zweiter Instanz Beweise zur Sache erhoben werden könnten
(Urk. 100 S. 4). Dem ist nicht zu folgen. Die Beschuldigte wurde anlässlich der
Berufungsverhandlung durch ihren amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt X._,
welcher ihr mit Präsidialverfügung vom 8. Mai 2018 bestellt wurde (SB180056,
Urk. 77), vertreten und war entsprechend genügend verteidigt (SB180056
Prot. S. 10 ff.). Ferner wurde die Beschuldigte korrekt über ihre Rechte belehrt
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und explizit darauf hingewiesen, dass ihre Aussagen als Beweismittel – auch ge-
gen sie – verwendet werden dürften (SB180056 Prot. S. 11 unten). Ihre Aussagen
machte sie entsprechend in vollem Bewusstsein über die Tragweite ihrer Mitwir-
kung in der Berufungsverhandlung. Sodann beschränkte sich die obergerichtliche
Befragung auch keineswegs darauf, der Beschuldigten ihre vor Bezirksgericht
gemachten (nachträglich als unverwertbar erkannten) Aussagen vorzuhalten und
sie zu diesen Stellung nehmen zu lassen. Vielmehr hatte man sie mit den Vorwür-
fen in der Anklageschrift bzw. den Ergebnissen der Untersuchung, insbesondere
den polizeilichen Ermittlungsergebnissen konfrontiert. Nach dem Gesagten sind
keine Gründe ersichtlich, an der Verwertbarkeit der Aussagen der Beschuldigten
in der Berufungsverhandlung vom 22. Januar 2019 zu zweifeln. Die Rüge der Ver-
teidigung erweist sich mithin als unbegründet.
7. Weiter zieht die Verteidigung – wie bereits vor Vorinstanz – die Verwertbar-
keit der von der Polizei getätigten telefonischen Auskünfte zur Überprüfung der
Kunden, welche auf den zur Beurteilung stehenden, vermeintlich falschen Rech-
nungen aufgeführt waren, in Zweifel.
7.1. Diese von der Polizei telefonisch bzw. teilweise per E-Mail getätigten Aus-
künfte würden nach Ansicht der Verteidigung "mündliche Befragungen" darstellen,
welche unter Missachtung der Teilnahmerechte der Beschuldigten gemäss
Art. 147 StPO erfolgt seien und entsprechend nicht zu ihren Lasten verwertet
werden dürften. Sodann sei die in § 12 des Polizeigesetzes des Kantons Zürich
vorgesehene Dokumentationspflicht nicht ausreichend erfüllt, weil ver-
schiedentlich nicht ersichtlich sei, wo, wann und bei wem die entsprechenden Ab-
klärungen gemacht worden seien (Urk. 100 S. 6).
7.2. Die strittigen Nachforschungen der Kantonspolizei hinsichtlich der vermeint-
lich gefälschten Rechnungen erfolgten in einem Stadium, in welchem es primär
darum ging abzuklären, ob der Beschuldigten überhaupt ein strafbares Verhalten
vorgeworfen werden kann, sie mithin als Täterin allfälliger Urkunden- oder Geld-
wäschereidelikte in Frage kam. Die von der Kantonspolizei vorgenommenen tele-
fonischen und elektronischen Auskünfte bei den verschiedenen Einwohnerkon-
trollämtern der jeweiligen Wohngemeinden der angeblichen Kunden bzw. Rech-
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nungsempfänger erfolgten aus eigenem Antrieb der Polizei und nicht etwa im Auf-
trag der Staatsanwaltschaft. Letztere hat – soweit aus den Akten ersichtlich – erst
mit der Einvernahme der Beschuldigten im März 2017 (Urk.15/3) erstmals in das
Verfahren gegen die Beschuldigte eingegriffen, dies nachdem die Kantonspolizei
Zürich am 31. Juli bzw. mit Nachtrag vom 30. September 2014 an die Staatsan-
waltschaft rapportiert hatte (Art. 307 StPO; Urk. 10 und 12), womit die Strafunter-
suchung als eröffnet galt. Diese Abklärungen erfolgten mithin im selbstständigen
polizeilichen Ermittlungsverfahren gemäss Art. 306 StPO. Wie selbst die Verteidi-
gung – zumindest teilweise – anerkennt, sind die Teilnahmerechte der beschul-
digten Person an Beweiserhebungen im selbständigen polizeilichen Ermittlungs-
verfahren erheblich eingeschränkt. Art. 147 StPO sieht die Teilnahmerechte der
Beschuldigten lediglich für Beweisabnahmen der Staatsanwaltschaft und der Ge-
richte vor. Im polizeilichen Ermittlungsverfahren besteht demgegenüber kein An-
spruch auf Parteiöffentlichkeit (SCHLEIMINGER/METTLER in: Basler Kommentar
StPO, 2. Aufl. 2014, nachfolgend "BSK StPO", N. 7a zu Art. 147 StPO). Ohnehin
stellten diese einfachen Abklärungen bei den Einwohnerkontrollämtern – entge-
gen der Ansicht der Verteidigung – keine Einvernahmen, wie dies etwa die Befra-
gung allfälliger Zeugen einer Straftat der Fall wäre, sondern lediglich Abfragen
von Daten aus den kommunalen Registern der Einwohnerkontrolle dar. Solche
Abfragen aus Registern anderer Verwaltungsstellen sind im polizeilichen Ermitt-
lungsverfahren üblich und durchaus zulässig, wenngleich sie in der Strafprozess-
ordnung nicht explizit geregelt sind (vgl. dazu RHYNER, BSK StPO, N. 36 zu
Art. 306 StPO). Im vorliegenden Fall wurden diese Abfragen durch Mitarbeitende
der jeweiligen Einwohnerkontrolle erledigt und der Kantonspolizei – in mündlicher
oder schriftlicher Form (Telefon/E-Mail) – übermittelt. Die Rolle der auskunftsertei-
lenden Mitarbeiter der Einwohnerkontrollen erschöpfte sich somit in der prakti-
schen Abfrage im jeweiligen Register und der anschliessenden Weiterleitung des
Resultats dieser Abfrage an die Kantonspolizei. Zusammenfassend ist somit fest-
zustellen, dass keine Teilnahmerechte der Beschuldigten verletzt wurden, die der
Verwertbarkeit der Auskünfte der Einwohnerkontrollen entgegen stünden.
7.3. Was die Frage nach der ebenfalls als ungenügend gerügten Dokumentation
dieser Abfragen bei den Einwohnerkontrollen betrifft (Urk. 100 S. 6 mit Verweis
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auf Urk. 101/1), ist festzuhalten, dass diese – insbesondere mit Blick auf die Post-
it Notizen auf den jeweiligen Rechnungen – zwar formell dürftig, aber dennoch
ausreichend dokumentiert wurden. So ergeben sich die von der Kantonspolizei
vorgenommenen Abklärungen zur Identität der Empfänger der fraglichen Rech-
nungsbelege einerseits aus den im beschlagnahmten Ordner 12.4 bei den jeweili-
gen Rechnungen angebrachten Post-it Notizen und E-Mails der Polizei, wonach
diese sich bei den Einwohnerkontrollen erkundigt hat, ob die auf den Belegen
aufgeführten Personen dort wohnen bzw. zum fraglichen Zeitpunkt der Rech-
nungsstellung dort gewohnt haben. Die Notizen sind mit Datum und Uhrzeit der
Anfrage versehen. Vereinzelt finden sich bereits auf den Post-its zusätzliche Ver-
merke, dass unter dem entsprechenden Namen auch kein Wegzug gemeldet
worden sei oder in einem Fall, dass die Person (Herr H._) bereits 2003 ver-
storben sei. Das Resultat der Abklärungen wurde in einer polizeilichen Aktennotiz
zusammengefasst festgehalten, aus welcher sich ergibt, dass es sich bei den auf
den Rechnungen vermerkten Adressen zwar um existierende Adressen handelt,
dass jedoch die Abfragen in sämtlichen fraglichen Fällen ergeben habe, dass die
als Kunde bzw. Rechnungsempfänger aufgeführten Personen entweder gar nie
oder jedenfalls zum Zeitpunkt der Rechnungsstellung nicht an dieser Adresse
gemeldet waren (Urk. 13/17). Aus der Zusammenfassung der Resultate dieser
Abklärungen ergibt sich nicht nur, dass diese allesamt durch den Polizisten Fw
mbA I._ vorgenommen wurden. Vielmehr erweist sich daraus auch der Ein-
wand der Verteidigung, aus den Post-it Notizen sei nicht ersichtlich, ob die Kan-
tonspolizei ihre Abklärungen auf den (relevanten) Zeitpunkt der jeweiligen Rech-
nungsstellung (2011 und 2012) oder auf den (weniger aussagekräftigen) Zeit-
punkt ihrer Abfrage (2014) gerichtet hatte, als unbegründet. Soweit sich dies nicht
bereits explizit auf den Post-it Notizen selber ergibt (vgl. zahlreiche Beispiele im
Plädoyer der Verteidigung, Urk. 101/1 S. 7 ff.), so ergibt sich spätestens aus den
Ausführungen des ermittelnde Kantonspolizisten I._ auf S. 3 der Aktennotiz
ausdrücklich, dass die Abfragen mit Blick auf die auf den Rechnungen angegebe-
nen Zeiträume der angeblich ausgeführten Schreinerarbeiten getätigt wurden
(Urk 13/17 S. 3). Dies verleiht den Abklärungen somit durchaus Aussagekraft
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über die Frage, ob die fraglichen Personen zum jeweils relevanten Zeitpunkt an
diesen Adressen gewohnt hatten.
8. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass hinsichtlich der Abklärungen zu den
vermeintlichen Kunden bzw. Rechnungsempfängern weder eine Verletzung von
Teilnahmerechten noch der Dokumentationspflicht vorliegt. Die entsprechenden
Abklärungen sind somit verwertbar.
III. Sachverhalt
1. Fälschung von 49 Einnahmebelege für Schreinerarbeiten
1.1. Die Staatsanwaltschaft wirft der Beschuldigten zusammengefasst vor, sie ha-
be als Buchhalterin der Schreinerfirma "B1._" und Lebensgefährtin des Mit-
beschuldigten B._ in 49 Fällen falsche Rechnungen verfasst bzw. ins Reine
geschrieben, welche ihr durch den Mitbeschuldigten in Form von Entwürfen vor-
gegeben worden seien. Gegenstand der Rechnungen sollen Schreinerleistungen
gewesen sein, welche tatsächlich nie ausgeführt worden seien. Diese so erstell-
ten Rechnungen seien – nachdem der Mitbeschuldigte eigenhändig den Eingang
der Kundenzahlung tatsachenwidrig quittiert hatte – schliesslich durch die Be-
schuldigte in die Betriebsbuchhaltung der Schreinerei einbezogen worden, indem
sie die Rechnungen als Buchführungsbelege ablegte und die entsprechenden
vermeintlichen Kundenzahlungen als Einnahmen im Konto "Kasse" verbuchte. Im
Übrigen kann auf die detaillierten Ausführungen in der Anklageschrift (Urk. 34 S. 1
- 4) sowie auf die Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 87 S. 9 f.) verwiesen wer-
den.
1.2. Wie eingangs hinsichtlich der Verwertbarkeitsthematik bereits dargelegt, sind
diesbezüglich insbesondere die verwertbaren Aussagen der Beschuldigten aus
der Befragung durch das Obergericht an der Berufungsverhandlung vom
22. Januar 2019 relevant (SB180056 Prot. S. 15 ff.). Es kann diesbezüglich vorab
auf die Zusammenfassung ihrer Aussagen durch die Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 87 S. 10).
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1.3. Die Beschuldigte bestreitet nicht, die fraglichen Rechnungen wie in der An-
klage beschrieben erstellt zu haben, indem sie diese auf dem Computer ins Reine
schrieb. Zutreffend sei auch, dass ihr Lebenspartner und Mitbeschuldigter
B._ jeweils auf den Rechnungen eigenhändig den Eingang der Kundenzah-
lungen quittiert habe und sie diese Belege schliesslich im Kassenbuch abgelegt
und verbucht habe. Sie stellt sich aber auf den Standpunkt, dass es sich dabei um
echte Kunden gehandelt habe, zu deren Gunsten die in den Rechnungen ver-
merkten Leistungen auch tatsächlich erbracht worden seien. Dass die Kunden an
den angegebenen Adressen nicht gewohnt hätten, stimme nicht. Sie habe jeweils
überprüft, ob die Adressen für die jeweiligen Kunden korrekt seien (SB180056
Prot. S. 16 ff.).
1.4. Aus den wie dargelegt verwertbaren Abklärungen der Kantonspolizei im Er-
mittlungsverfahren – d.h. aus den mit Post-it Notizen und E-Mails versehenen
Rechnungen gemäss Buchhaltung der B1._ für die Jahre 2011 und 2012,
Ordnern 12.4 und 12.7 sowie der Aktennotiz Urk. 13/17 – ergibt sich, dass hin-
sichtlich der fraglichen Rechnungen bei der jeweiligen Einwohnerkontrolle abge-
klärt wurde, ob im Zeitraum, in welchem gemäss den Rechnungen jeweils die an-
geblichen Schreinerarbeiten durchgeführt worden sein sollen, die auf den Rech-
nungen vermerkten Kunden an den Rechnungsadressen gewohnt hatten. Die Ab-
klärungen ergaben, dass in keinem einzigen der Fälle, in welchem ein Kunde an-
gegeben war, eine Person mit Namen des vermeintlichen Kunden an besagter
Adresse wohnhaft bzw. gemeldet war. Entsprechend drängt sich unweigerlich der
Schluss auf, dass die auf den Rechnungen aufgeführten Kunden entweder fiktiv
waren oder zumindest nicht – in den meisten Fällen wohl gar nie, jedenfalls aber
nicht zum fraglichen Zeitpunkt – dort gewohnt hatten. Entsprechend muss daraus
geschlossen werden, dass die auf den Rechnungen aufgeführten Arbeiten auch
nie ausgeführt und die durch B._ als Kundenzahlungen quittierten Barein-
gänge nicht bzw. jedenfalls nicht durch diese Kunden erfolgt waren. Es muss folg-
lich davon ausgegangen werden, dass die von der Beschuldigten erstellten Kun-
denrechnungen inhaltlich falsch sind, indem sie Vorgänge dokumentieren, die tat-
sächlich nie stattgefunden hatten.
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1.5. Nicht überprüft werden konnten die Kunden einzig hinsichtlich jener fünf
Rechnungen, welche anstelle eines Kundennamens und einer Adresse nur der
Vermerk "Direktverkauf" vermerkt wurde:
− Rechnung vom 2. Februar 2011, Direktverkauf Katzentüre: Fr. 450.–
(Ordner 12.9 Griff 2)
− Rechnung vom 21. März 2011, Deckenmontage Täfer: Fr. 1'890.–
(Ordner 12.9 Griff 3)
− Rechnung vom 29. April 2011, Verkauf Holzdesign-Pyramide: Fr. 2'800.–
(Ordner 12.9 Griff 4)
− Rechnung vom 14. Dezember 2011, Tischrestauration: Fr. 608.–
(Ordner 12.9 Griff 12)
− Rechnung 26. November 2012, Restauration Zimmertüren: Fr. 1 '660.–
(Ordner 12.4 Griff 11)
Die Vorinstanz führte diesbezüglich an, dass es sich bei den auf diesen Rech-
nungen vermerkten Leistung seitens der Schreinerei B1._ nicht um Direkt-
verkäufe, sondern vielmehr um erbrachte Dienstleistungen handle (Urk. 87 S. 17).
Das mag wohl zutreffen, weisen die Leistungsbeschriebe auf diesen Rechnungen
– mit Ausnahme der Holzdesign-Pyramide – doch eher auf ausgeführte Schrei-
nerarbeiten hin. Die insofern etwas irreführende Bezeichnung als "Direktverkauf"
allein kann aber nicht entscheidend sein. Gleiches gilt hinsichtlich der Tatsache,
dass kein Kundenname erfasst wurde. Wenngleich aufgrund der unüblich hohen
Barbeträge, die für diese Leistungen bezahlt worden sein sollen, zwar auch hier
der Verdacht besteht, dass es sich – wie bei den übrigen Rechnungen – um fikti-
ve Rechnung handelt, ist dennoch nicht ausgeschlossen, dass diese Arbeiten tat-
sächlich geleistet und bar bezahlt wurden, die Rechnungen mithin keinen falschen
Inhalt aufweisen. Im Gegensatz zu den übrigen Fällen, in welchen die vermeintli-
chen Kunden überprüft und als fiktiv entlarvt werden konnten, fehlt in diesen fünf
Fällen dieses gewichtige Indiz. Diese Beweislage reicht – wie die Verteidigung zu-
treffend ausführte (Urk. 100 S. 14) – nicht für einen Schuldspruch. Angesichts der
verbleibenden Zweifel ist gestützt auf die Beweiswürdigungsregel in dubio pro reo
von der für die Beschuldigte günstigeren Sachlage auszugehen. Es kann dem-
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nach nicht als erstellt gelten, dass es sich in diesen fünf Fällen um fiktive Rech-
nungen handelt.
1.6. Die Verteidigung präsentiert – zusätzlich zu den bereits behandelten Einwän-
den zur Verwertbarkeit und Dokumentationspflicht – eine Vielzahl von Gründen,
weshalb das Ergebnis der polizeilichen Abklärungen bei den jeweiligen Einwoh-
nerkontrollen nicht aussagekräftig sein soll. So könnten etwa Verschreiber hin-
sichtlich Namen und Adressen der Grund für das negative Ermittlungsergebnis
gewesen sein. Ferner sei es auch möglich, dass die betreffenden Kunden zwar an
den jeweiligen Adressen gewohnt, sich jedoch bei der Gemeinde nicht angemel-
det hätten. Mit diesen Einwände ist die Verteidigung allerdings nicht zu hören,
verkennt sie doch offensichtlich das Gesamtbild, dass sich anhand der Abklärun-
gen zu den fraglichen Rechnungen präsentiert. Dass in gewissen Einzelfällen
Schreibfehler hinsichtlich Adressen oder Hausnummern auftreten könnten und
dass einzelne Kunden der Pflicht zur Anmeldung auf der Einwohnergemeinde
nicht nachgekommen sind, wäre zwar grundsätzlich denkbar, aber nur soweit dies
Einzelfälle betrifft. Entsprechend käme diesem Vorbringen dann allenfalls eine
gewisse Berechtigung zu, wenn der Grossteil der Rechnungsempfänger bei der
Einwohnerkontrolle hätte verifiziert werden können, und nur sehr vereinzelt keine
Übereinstimmung mit den Registern bestanden hätte. Vorliegend fielen die Ab-
gleiche mit den Einwohnerregistern jedoch in 44 geprüften Fällen negativ aus (zu
den realen Einnahmebelegen vgl. nachfolgend E. 1.7). Dass Tippfehler oder  Anmeldungen zu diesem homogenen Ermittlungsergebnis geführt ha-
ben, erscheint ausgeschlossen.
1.7. Eine Gesamtbetrachtung der Beweislage drängt sich sodann mit Blick auf die
gesamten Buchhaltungsunterlagen der Jahre 2011 bis 2013 auf. Wie die Vor-
instanz zutreffend darlegte, finden für diese Geschäftsjahre – neben den 44 ver-
meintlich falschen Rechnungen – auch 17 Einnahmebelege, hinsichtlich welcher
die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass die darin ausgewiesenen Leistungen
seitens des Schreinereibetriebs tatsächlich erbracht und auch von realen Kunden
bezahlt wurden (vgl. Urk. 87 S. 13; Ordner 12.9 Griff 12; Ordner 12.4 zweiter Griff
12). Tatsächlich zeigen sich hinsichtlich dieser Geschäftsvorgänge bemerkens-
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werte Unterschiede zu den 44 vermeintlich falschen Rechnungen. So wurden ers-
tere allesamt mittels Einzahlungsschein oder Banküberweisung auf das Konto der
Schreinerei überwiesen und sind entsprechend in der Buchhaltung mit einem
Kontobeleg über den Zahlungseingang versehen. Demgegenüber handelt es sich
bei den fraglichen 44 Fällen ausschliesslich um angebliche Barzahlungen. Wie die
Vorinstanz zutreffend anführte, fällt auf, dass hinsichtlich der unverdächtigen Auf-
träge verschiedentlich beidseits unterzeichnete Offerten oder Auftragsbestätigun-
gen vorliegen. Auffällig ist sodann, dass der Grossteil dieser 17 Aufträge auf Ar-
beiten für Familienangehörige der Beschuldigten und insbesondere des Mitbe-
schuldigten B._ entfällt. Ferner weisen zahlreiche dieser Rechnungen, wel-
che durch Banküberweisung bezahlt wurden, nicht nur runde Frankenbeträge,
sondern auch Rappenbeträge aus, was in den 44 vermeintlich falschen Rechnun-
gen weitestgehend nicht der Fall ist. Beispielhaft kann die Rechnung Nr. 092911
an J._ und K._ aus L._ [Ortschaft] vom 29. September 2011 er-
wähnt werden (vgl. Ordner 12.9, hinterer Griff 12). In den Belegen zu diesem Ge-
schäftsfall befinden sich in der Buchhaltung neben der Rechnung über
Fr. 3'638.55 eine beidseits unterzeichnete Offerte "Ausbau Badezimmer" sowie
eine Auftragsbestätigung und schliesslich der entsprechende Auszug aus dem
Postkonto, welcher die Einzahlung (abzüglich einer bereits in der Offerte vorge-
sehenen Teilzahlung nach Arbeitsbeginn) belegt. Die Ausgestaltung und Doku-
mentation dieses Geschäftsvorgangs ist nachvollziehbar. Demgegenüber er-
schöpft sich die Dokumentation der 44 fraglichen Fällen in der von der Beschul-
digten und dem Mitbeschuldigten B._ erstellten und quittierten Rechnung.
Auffällig ist diesbezüglich auch, dass in sämtlichen 44 Fällen – darunter sehr statt-
liche vierstellige Frankenbeträge (beispielsweise Fr. 7'250.– gemäss Rechnung
an M._ vom 3. April 2012, Ordner 12.4 zweiter Griff 4) – in bar bezahlt wor-
den sein sollen, was für sich bereits sehr unüblich ist. Ferner sollen die Kunden
die ihnen gemäss Rechnung an sich eingeräumte Zahlungsfrist von 30 Tagen of-
fenbar allesamt nicht in Anspruch genommen haben und den Rechnungsbetrag
umgehend nach Abschluss der vermeintlichen Arbeiten dem Mitbeschuldigten
B._ sogleich vollumfänglich in bar übergeben haben (vgl. dazu auch die Bei-
spiele im vorinstanzlichen Urteil Urk. 87 S. 13 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Schliesslich
- 16 -
gilt auch hier wieder, was bereits gesagt wurde: Ein solcher untypischer Vorgang
wäre in einer kleinen Zahl von Einzelfällen noch denkbar, nicht aber in sämtlichen
44 fraglichen Fällen. Entsprechend ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass der
durch die Rechnungsbelege suggerierte Ablauf der Zahlungsabwicklung schlicht-
weg als lebensfremd erscheint.
1.8. Hinsichtlich der übrigen Einwände der Verteidigung, welche diese weitestge-
hend bereits im vorinstanzlichen Verfahren erhoben hat und – teilweise unter
Verweis auf ihre Plädoyernotizen zur erstinstanzlichen Hauptverhandlung – auch
im Berufungsverfahren wiederholt (Urk. 100 S. 10 ff.), kann – soweit diese hiervor
nicht ohnehin bereits behandelt wurden – auf die Ausführungen der Vorinstanz
verwiesen werden, in welchen diese die Einwände der Verteidigung mit überzeu-
gender Begründung verwirft (vgl. Urk. 87 S. 15 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.9. Nach dem Gesagten präsentiert sich somit hinsichtlich der verbleibenden 44
fraglichen Rechnungen in einer Gesamtbetrachtung ein klares Bild: Die Beweisla-
ge lässt vernünftigerweise einzig den Schluss zu, dass die mit diesen Rechnun-
gen dokumentierten Geschäftsvorgänge tatsächlich nie stattgefunden haben. Die
sich bei den Akten befindliche Kundenliste (Beilage 4 zu Urk. 14/4) fügt sich naht-
los in dieses Bild ein, die Liste, welche unter dem Titel "Jedes Jahr 5 neue Kun-
den" eine grossen Auswahl von Namen aufführt, erweckt – wiederum in einer Ge-
samtbetrachtung sämtlicher vorhandener Indizien – klar den Eindruck, dass es
sich dabei um eine Auswahlsendung möglicher Namen handelt, die für fiktive
Rechnungen verwendet werden konnten. Dabei korrespondieren auffällig viele auf
der Liste aufgeführte Nachnamen mit solchen, an welche in den Jahren 2011 und
2012 falsche Rechnungen verschickt wurden, was insbesondere auf jene Namen
zutrifft, welche mit entsprechenden Jahreszahlen versehen sind. Eine andere
plausible Erklärung zur Verwendung dieses Dokuments ist nicht ersichtlich. Ins-
besondere das Vorbringen, dass es sich dabei um Akquisitionsziele handeln
könnte, macht wenig Sinn und wurde von der Vorinstanz denn auch mit überzeu-
gender Begründung verworfen (Urk. 87 S. 17; Art. 82 Abs. 4 StPO). Diesbezüglich
lässt auch die Tatsache, dass es sich bei den aufgelisteten Namen durchwegs um
in der Schweiz sehr häufig, teilweise wohl zu tausenden vorkommende Familien-
- 17 -
geschlechter (wie Meier, Fischer, Moser oder Graf) handelt, welchen auf der Liste
aber keine weiteren Individualisierungsmerkmale wie etwa Vornamen zugeordnet
sind, weitere Zweifel daran aufkommen, dass es sich um tatsächlich existierende
Personen – etwa bisherige oder potentielle Kunden – handelt.
1.10. Anzumerken bleibt noch, dass die Verteidigung im Berufungsverfahren auch
diesbezüglich den Einwand erhob, die fragliche Liste stelle einen Bestandteil der
nicht verwertbaren Einvernahme von B._ dar und sei somit ebenfalls nicht
verwertbar (Urk. 100 S. 14 f.). Damit ist sie nicht zu hören. Aus der Beschlagnah-
meverfügung vom 30. März 2017 ergibt sich, dass die Beschlagnahme der blauen
Mappe, aus welcher diese Aufstellung stammt, auch für das Verfahren gegen die
Beschuldigte als Beweismittel beschlagnahmt wurde (Urk. 22/23 S. 2). Wenn-
gleich der Verteidigung insoweit recht zu geben ist, dass die diesbezüglichen
Aussagen des Mitbeschuldigten B._ wie dargelegt nicht zum Nachteil der
Beschuldigten verwendet werden dürfen, so steht doch der Verwertbarkeit dieser
Urkunde für sich nichts entgegen.
1.11. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass – abgesehen von den fünf Fällen
von "Direktverkäufen" – die Indizienlage hinsichtlich der 44 verbleibenden fragli-
chen Rechnungen, welche die Beschuldigte in Absprache mit B._ verfasst
und schliesslich in der Betriebsbuchhaltung erfasst hat, klar darauf schliessen
lässt, dass diese keine tatsächlich erbrachten Leistungen der Schreinerei
B1._ zum Gegenstand hatten und die auf den Rechnungen bescheinigten
Zahlungseingänge in Form von Barzahlungen von Kunden folglich so ebenfalls
nicht stattgefunden hatten. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festhielt, wäre
die Beschuldigte bei dieser Sachlage gehalten gewesen, allfällige Anhaltspunkte
zu bezeichnen, welche das insgesamt erdrückende Beweisergebnis relativieren
könnten. Schliesslich trifft die beschuldigte Person für das Vorhandenseins entlas-
tender Umstände eine Substanziierungslast (Urteil des Bundesgerichts
6B_1047/2018 vom 19. Februar 2019 E. 1.3.1.). Die Beschuldigte war jedoch
nicht einmal ansatzweise in der Lage, klärende Auskünfte zu den gemäss ihren
Behauptungen echten Kundenbeziehungen zu geben (vgl. Urk. 87 S. 18).
- 18 -
1.12. Im Ergebnis ist der äussere Sachverhalt hinsichtlich dieser 44 Rechnungen
so, wie in die Anklage umschreibt, als erstellt zu erachten. Nicht rechtsgenüglich
erstellt ist er demgegenüber hinsichtlich der fünf Rechnungen "Direktverkäufe".
2. Fälschung Mietvertrag N._ und Sammelrechnungen
2.1. Im zweiten Anklagepunkt wird der Beschuldigten sodann vorgeworfen, zu-
sammen mit ihrem Partner B._ einen falschen Mietvertrag mit dem fiktiven
Mieter "N._" und sodann eine entsprechende "Sammelrechnung" für die
Mietzinsen erstellt zu haben, worauf beide Dokumente schliesslich vom Mitbe-
schuldigten B._ unterzeichnet worden seien. Zur Vermeidung unnötiger Wie-
derholungen kann auf die zutreffende Wiedergabe des Anklagevorwurfs im vo-
rinstanzlichen Urteil (Urk. 87 S. 19) sowie auf die Anklageschrift (Urk. 34 S. 4)
verwiesen werden.
2.2. Die Beschuldigte bestreitet wiederum nicht, den Mietvertrag erstellt zu haben
und stellt sich auch hier auf den Standpunkt, dieser würde wahre Tatsachen ab-
bilden. N._ habe den Vertrag eigenhändig unterschrieben, wobei sie ihn an
diesem Anlass selber gesehen habe. Hinsichtlich ihrer Aussagen kann wiederum
auf das vorinstanzliche Urteil verweisen werden (Urk. 87 S. 19 f.). Der fragliche
Mietvertrag befindet sich als Urk. 6/3, die Sammelrechnung samt Begleitschreiben
an N._ als Urk. 11/2 bei den Akten.
2.3. Die Vorinstanz gelangte in ihrem Urteil zum Ergebnis, es sei davon auszuge-
hen, dass N._ nicht existiere und das Mietverhältnis entsprechend fiktiv ge-
wesen sei, womit es sich bei den fraglichen von der Beschuldigten erstellten Do-
kumenten (Mietvertrag, Sammelrechnung) um inhaltlich falsche Dokumente hand-
le (Urk. 87 S. 20 f.). Dem ist vollumfänglich zuzustimmen. N._ konnte weder
vor Ort in dessen angeblicher Wohnung angetroffen noch sonst wo ausfindig ge-
macht werden. Bei der Hausdurchsuchung vom 15. April 2014 wurden in der
Wohnung "N._" vorwiegend Hanfanlagen und entsprechendes Zubehör, aber
keine eigentliche Wohneinrichtung aufgefunden. Aus den bei den Akten liegenden
Fotos ergibt sich, dass in den fraglichen Räumen niemand gewohnt hat (vgl. Urk.
22/4 Fotos 7-10; vgl. Beschreibung Urk. 22/3 S. 3 f.). Auch hier machte die Be-
- 19 -
schuldigte keine Angaben, wie "N._" zu erreichen sei, obwohl sie bei der
Liegenschaftsverwaltung mitgewirkt und entsprechend auch den fraglichen Miet-
vertrag und die Sammelrechnung für die Mieten erstellt hatte.
2.4. Weitere Ungereimtheiten in der Dokumentation des angeblichen Mietverhält-
nisses stützen diesen Schluss: So ergibt sich aus der Sammelrechnung, welche
dem Begleitschreiben an "N._" beigelegt wurde, dass bereits für die Monate
Oktober, November und Dezember 2013 Mietzinsen geschuldet seien. Sowohl
der Mietvertrag als auch der darin vereinbarte Mietbeginn datiert jedoch vom 1.
Januar 2014.
2.5. Was die Verteidigung dagegen vorbringt (Urk. 100 S. 16 ff.), verfängt nicht.
Richtig ist zwar, dass die Wohnung, die N._ gemietet haben soll, offenbar
seit dem Auszug des letzten Mieters O._, gemäss Schlüsselprotokoll
(Urk. 8/4) ab Ende August 2013 frei gewesen sein dürfte. Gemäss Verteidigung
könne es – nachdem ein Mietvertrag auch mündlich abgeschlossen werden kann
– durchaus sein, dass N._ bereits ab Oktober 2013 aufgrund einer mündli-
chen Vereinbarung in der Wohnung gewohnt und ein schriftlicher Mietvertrag
dann erst drei Monate später erstellt worden sei. Das wäre zwar eine denkbare
Variante, bleibt aber nicht mehr als eine Theorie der Verteidigung, ist doch keine
plausible Begründung für ein solches Vorgehen ersichtlich und behauptet doch
nicht einmal die Beschuldigte, dass sich so etwas zugetragen hatte. Ohnehin wä-
re diesfalls zu erwarten gewesen, dass die Parteien den Mietbeginn auf den tat-
sächlichen Mietantritt zurückbezogen bzw. solches im Vertrag zumindest irgend-
wie vermerkt hätten.
2.6. Nichts zugunsten der Beschuldigten abzuleiten vermag die Verteidigung so-
dann, wenn sie darauf hinweist, dass die betreffenden Mieten jeweils tatsächlich
einbezahlt wurden (Urk. 100 S. 17). Unter normalen Umständen würde dies als
klares Indiz gelten, dass der fragliche Mieter tatsächlich in der betreffenden Woh-
nung wohnte bzw. zumindest existierte. Vorliegend steht jedoch gerade auch der
Vorwurf im Raum, dass die Mietzinsen durch den Mitbeschuldigten B._,
sprich durch den Vermieter selber bezahlt wurden. Ein klarer Hinweis darauf
ergibt daraus, dass sich in den sichergestellten Buchhaltungsunterlagen im Ord-
- 20 -
ner "Einzahlungen 2014" in den Griffen 5 bis 12 die Einzahlungsscheine für die
Mieten von N._ für die Monate Mai bis Dezember 2014 befindet. Die auf den
Einzahlungsscheinen angegebene Rechnungsnummern stimmt mit den dem Mie-
ter N._ übermittelten Rechnungsnummern der Einzahlungsscheine gemäss
oben erwähntem Schreiben bzw. der Sammelrechnung überein (Ordner 12.3 Grif-
fe 5 - 12; Urk. 11/2). Falls der Mieter N._ tatsächlich existiert haben sollte,
wäre die Beschuldigte wohl kaum im Besitz der Einzahlungsscheine für die Mie-
ten, die man diesem zugeschickt haben will (vgl. Begleitscheiben vom 1. Oktober
2013 an N._, mit Vermerk "Beilage/n: Sammelrechnung, 15 P._ [Bank]
Quick Einzahlungsscheine", Urk. 11/2). Dass gerade die Einzahlungsscheine für
die Vormonate inkl. April 2014 nicht mehr vorhanden sind, jedoch noch jene ab
Mai 2014, weist ebenfalls darauf hin, dass es sich so zugetragen hat, wie in der
Anklage beschrieben. B._ wurde Mitte April 2014 verhaftet; die nächste Mie-
te für Mai 2014 wäre Anfang Mai 2014 fällig gewesen.
2.7. Insgesamt erweist sich die Beweislage auch in diesem Anklagepunkt als klar.
Wie die Vorinstanz zutreffend anführte, wäre von der Beschuldigten zu erwarten
gewesen, dass sie auf allfällige entlastende Umstände hingewiesen bzw. zumin-
dest Anhaltspunkte vorgebracht hätte, die ihre Darstellung hätten stützen können.
Stattdessen beschränkte sich die Beschuldigte weitgehend auf pauschale Bestrei-
tungen der Vorwürfe bzw. der Behauptung, N._ sei echt und sie habe ihn ge-
sehen. Dass da eine grobe Personenbeschreibung (SB180056 Prot. S. 20) für
sich alleine nicht genügt, um vor diesem Hintergrund die Existenz des vermeintli-
chen Mieters N._ bzw. des Mietverhältnisses glaubhaft zu machen, hat auch
die Vorinstanz zutreffend erwogen (Urk. 87 S. 21). Nach dem Gesagten bestehen
für das Obergericht keine rechtserheblichen Zweifel daran, dass N._ bzw. je-
denfalls das fragliche Mietverhältnis fiktiv war und es sich bei den Aussagen der
Beschuldigten entsprechend um Schutzbehauptungen handelt. Vor diesem Hin-
tergrund erscheint mit der Vorinstanz denn auch klar, dass die Beschuldigte im
vollem Bewusstsein der wahren Gegebenheiten die anklagegegenständlichen Ur-
kunden falsch beurkundete und die insofern fingierten Einnahmen schliesslich in
der Liegenschaftsbuchhaltung verbuchte. Im Ergebnis ist somit erstellt, dass sich
der Sachverhalt wie in der Anklage umschrieben zugetragen hat, dass also so-
- 21 -
wohl der Mietvertrag als auch die darauf basierende Sammelrechnung samt Ein-
zahlungsscheinen von der Beschuldigten zusammen mit dem Mitbeschuldigten
B._ für ein fiktives Mietverhältnis erstellt worden waren.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Zunächst kann auf die zutreffenden rechtlichen Ausführungen der Vor-
instanz zum Tatbestand der Urkundenfälschung, namentlich zur Urkundenquali-
tät, verwiesen werden (Urk. 87 S. 22 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Eine genauere Betrachtung erfordert zunächst der Tatvorwurf der Urkunden-
fälschung hinsichtlich des Mietvertrags mit "N._".
2.1. Die Vorinstanz hat die Urkundenqualität im Sinne von Art. 251 StGB beim
fiktiven Mietvertrag bejaht, dies mit der Begründung, dieser sei als Beleg der Lie-
genschaftsbuchhaltung bestimmt gewesen (Urk. 87 S. 23). Die Vorinstanz sieht
den Tatbestand von Art. 251 StGB in der Tatbestandsvariante der Falschbeur-
kundung im Sinne einer echten Urkunde mit falschem Inhalt als erfüllt. Der Be-
schuldigten wird vorliegend jedoch zunächst vorgeworfen, zusammen mit dem
Mitbeschuldigten B._ einen Mitvertrag zwischen dem Mitbeschuldigten und
einem nicht existierenden Mieter namens "N._" erstellt zu haben, welchen
der Mitbeschuldigte schliesslich nicht nur in seinem Namen, sondern auch im
Namen von "N._" unterzeichnete. Damit haben die beiden Beschuldigten ei-
ne unechte Urkunde erstellt bzw. im Sinne von Art. 251 eine Fälschung im enge-
ren Sinne begangen: Eine Urkunde ist echt, wenn tatsächlicher Urheber und der
aus ihr ersichtliche Aussteller (Anscheinsaussteller) identisch sind. Die Urkunde
ist unecht (falsch, gefälscht), wenn sie nicht von dem aus ihr ersichtlichen Aus-
steller, sondern von einem anderen stammt bzw. wenn sie den Anschein erweckt,
sie rühre von einer anderen Person als ihrem tatsächlichen Urheber her. Es liegt
mit anderen Worten eine Täuschung über die Identität ihres Urhebers vor (vgl.
dazu statt vieler BOOG, in Basler Kommentar StGB II, 4. Aufl. 2019, nachfolgend
"BSK StGB II", N. 3 zu Art. 251 StGB, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
- 22 -
2.2. Vorliegend hat die Beschuldigte und der Mitbeschuldigte B._ damit, dass
sie den Mietvertrag mit Namen, Vornamen und Adresse des vermeintlichen Mie-
ters erstellt und mit einer fiktiven Unterschrift unterzeichnet haben, über die Identi-
tät des Vertragspartners getäuscht. Entgegen der Vorinstanz (Urk. 87 S. 24) han-
delt es sich beim Mietvertrag somit nicht um eine echte Urkunde mit unwahrem
Inhalt, sondern vielmehr um eine gefälschte Urkunde. Ob der vorgetäuschte Ur-
heber der Erklärung in Wirklichkeit existiert, spielt dabei keine Rolle (BGE 132 IV
57 E. 5.1.1). Dass die fiktive handschriftliche Unterzeichnung schliesslich durch
den Mitbeschuldigten B._ erfolgte, schliesst für die Strafbarkeit der Beschul-
digten nicht aus. Denn zum einen ist für eine Urkundenfälschung im Sinne einer
Identitätstäuschung über den Urheber derselben nicht zwingend, dass eine fal-
sche eigenhändige Unterschrift vorliegt, kann doch bereits ein falscher Briefkopf
oder schlicht ein falscher Name dafür genügen (BOOG, BSK StGB II, N. 45 zu
Art. 110 Abs. 4 StGB). Andererseits gingen die Beschuldigte und der Mitbeschul-
digte B._ bei der Erstellung der Falschurkunde in arbeitsteiliger Weise vor,
indem B._ der Beschuldigten den Inhalt des Vertrages vorgab, diese den
Mietvertrag auf dem Computer erstellte und das Dokument schliesslich wiederum
vom Mitbeschuldigten mit einer fiktiven Unterschrift versehen wurde. Damit kam
ihr einerseits faktisch eine wesentliche Rolle in der physischen Erstellung des ge-
fälschten Mietvertrages zu. Dabei war der Mitbeschuldigte B._ schliesslich
auch deshalb auf die Beschuldigte – seine Lebenspartnerin – angewiesen, da er
wegen seiner illegalen Tätigkeit (Betäubungsmitteldelikte, Verfahren SB180055;
Urteil des Obergerichts vom 10. März 2020, noch nicht rechtskräftig) die entspre-
chenden Arbeiten nicht einer aussenstehenden Person anvertrauen konnte. Nach
dem Gesagten hat die Beschuldigte den objektiven Tatbestand von Art. 251
Abs. 1 StGB in der Variante des Herstellens einer gefälschten Urkunde bereits er-
füllt.
2.3. Dass die Beschuldigte dabei in Kenntnis der tatsächlichen Begebenheiten
handelte, wurde bereits dargelegt. Sie handelte entsprechend vorsätzlich. Mit
Blick auf die übrigen subjektiven Tatbestandselemente der Täuschungs- sowie
der Vorteils- oder Schädigungsabsicht ist unter Verweis auf die zutreffenden
rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 87 S. 25) festzuhalten, dass auch
- 23 -
diese Elemente vorliegend erfüllt sind. Zwar kann nicht erstellt werden, dass die
Beschuldigten den Mietvertrag tatsächlich je gegenüber Dritten vorgelegt haben.
Gegenüber der Bank P._ als Hypothekargläubigerin wurde – soweit aus den
Akten ersichtlich – lediglich aufforderungsgemäss ein sogenannter Mieterspiegel
(tabellarische Übersicht über die Mietverhältnisse in der verpfändeten Liegen-
schaft) vorgelegt (vgl. Ordner 205 "Liegenschaft Q._ - P._ AG", Griff 6,
Mieterspiegel vom 17. Februar 2017), auf welchem auch der fiktive Mieter
N._ aufgelistet war. Der Tatbestand erfordert aber auch gar nicht, dass die
Urkunde gegenüber einem Dritten tatsächlich vorgelegt wird, und damit aktiv ver-
sucht wird, diesen zu täuschen. Die Absicht, die Urkunde nötigenfalls zur Täu-
schung zu verwenden, genügt. Vorliegend sind keine anderen Gründe ersichtlich,
weshalb die Beschuldigten sich die Mühe gemacht hätten, einen Mietvertrag zu
fälschen, wenn sie damit nicht beabsichtigten, diesen nötigenfalls einem Dritten
als Beleg für den Bestand des Mietverhältnisses vorzulegen und ihn entspre-
chend über die wahren Begebenheiten – dass in der betreffenden Wohnung in
Tat und Wahrheit nicht der Mieter N._ wohnte, sondern eine Hanfplantage
betrieben wurde – zu täuschen. Das mit der Urkunde vorgegaukelte legale Miet-
verhältnis diente entsprechend auch einzig dem Zweck, bei allfälligen Überprü-
fungen – sei dies von Seiten der Hypothekarbank oder auch von anderer Seite –
den Eindruck einer legalen Nutzung dieser Mietwohnung und ein regelmässiges
legales Einkommen aus deren Vermietung zu erwecken. Damit sollte einerseits
der illegale Gebrauch der Wohnung für die Hanfplantage verheimlicht und ande-
rerseits gegenüber der Hypothekargläubigerin bessere legale Einkommensver-
hältnisse vorgegaukelt werden, damit die Fremdfinanzierung der Liegenschaft
trotz illegaler Nutzung weiterhin würde aufrecht erhalten werden können. Entspre-
chend ging die Mitwirkung der Beschuldigten bei der Herstellung der gefälschten
Urkunde mit einer Vorteilsabsicht zugunsten des Mitbeschuldigten B._, wel-
chem die Liegenschaft gehört und der darin eine illegale Hanfplantage betrieb,
und – da die Beschuldigte durch B._ finanziell unterstützt wurde – auch zu
ihren eigenen Gunsten einher. Damit ist auch der subjektive Tatbestand erfüllt.
2.4. Zusammenfassend hat die Beschuldigte somit bereits mit der Erstellung des
Mietvertrags den Tatbestand der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB
- 24 -
erfüllt. Auf die Frage, welche Bedeutung der Vertragsurkunde im Rahmen der
Liegenschaftsbuchhaltung zukam, braucht entsprechend nicht vertieft eingegan-
gen zu werden. Lediglich der Vollständigkeit halber ist jedoch auf Folgendes hin-
zuweisen: Zwar dürfte der fiktive Mietzins von Fr. 1'600.–, den die Beschuldigten
auch im fraglichen Mietvertrag auswiesen, in die Liegenschaftsbuchhaltung eige-
flossen sein bzw. hätte in diese einfliessen sollen. In den beschlagnahmten Akten
ist jedoch für den tatrelevanten Zeitraum, auf den sich die vorliegende Urkunde
bezieht (ab Oktober 2013 bzw. ab Januar 2014), weder eine eigentliche – weder
laufende noch abgeschlossene – Buchhaltung vorhanden (vgl. Ordner 12.2 für die
Jahre 2013 und 2014, im Gegensatz zu den Jahren 2011 und 2012 im Ordner
12.5), noch wurde der Mietvertrag (auch nicht als Kopie) in den entsprechenden
Ordnern als Beleg abgelegt. Dass der Mietvertrag also als Buchhaltungsbeleg er-
stellt bzw. verwendet wurde, ist somit nicht ohne Weiteres klar. Äusserst fraglich
ist aber ohnehin, ob die "Liegenschaftsbuchhaltung" denn überhaupt geeignet wä-
re, einer für diese erstellten echten, aber inhaltlich falschen Urkunde eine erhöhte
Glaubwürdigkeit zu verleihen. Dies wäre jedoch für die Strafbarkeit der Beschul-
digten entscheidend, wird mit diesem Kriterium doch die strafbare Falschbeur-
kundung von der straflosen einfachen schriftlichen Lüge abgrenzt. Nach langjäh-
rig etablierter Rechtsprechung geniessen Belege und Rechnungen unter anderem
dann eine erhöhte Glaubwürdigkeit, wenn sie Bestandteil der "kaufmännischen"
Buchhaltung im Sinne von Art. 957 ff. OR bilden (exemplarisch BGE 138 IV 130
E. 2.2.1). Die buchhalterische Zusammenstellung der finanziellen Verhältnisse
rund um ein von einer Privatperson (in casu des Mitbeschuldigten B._) ver-
mietetes Mehrfamilienhaus ohne jegliche Beziehungen zu einem kaufmännischen
Betrieb, stellt prima facie jedenfalls keine kaufmännische Buchhaltung dar. Dies
kann nach dem Gesagten jedoch letztlich offen bleiben, denn diese restriktive
Rechtsprechung im Bereich der Falschbeurkundung, nach welcher der Urkunde
erhöhte Glaubwürdigkeit zukommen und der Adressat jener ein besonderes Ver-
trauen entgegenbringen muss, gelangt bei der Fälschung einer Urkunde (Herstel-
lung einer unechten Urkunde) gerade nicht zur Anwendung (Urteil des Bundesge-
richts 6B_473/2016 vom 22. Juni 2017 E. 4.2.1.).
- 25 -
2.5. Die gleichen Bedenken gelten sodann auch für die von der Anklage ebenfalls
umfassten Sammelrechnung für die Mietzinsen von "N._" aus (Urk. 11/2).
Bei diesem Dokument handelt es sich um eine reine Rechnung resp. Zahlungs-
orientierung für die Mieterschaft, deren Inhalt sich darauf beschränkt, den ver-
meintlichen Mieter zu informieren, wann er den entsprechenden Mietzins zu zah-
len hat (SB180056 Prot. S. 15). Eine Verwendung als Beleg einer kaufmänni-
schen Buchhaltung im obengenannten Sinne ist auch hier nicht ersichtlich. Ent-
sprechend gelten in casu die Sammelrechnung samt dem dazugehörigen Begleit-
schreiben und den beigelegten Einzahlungsscheinen – entgegen der Vorinstanz –
nicht als Urkunden im strafrechtlichen Sinne und der Tatbestand der Urkundenfäl-
schung gemäss Art. 251 Abs. 1 StGB insoweit nicht als erfüllt.
2.6. Im Ergebnis ist hinsichtlich des Sachverhaltskomplexes gemäss S. 4 der An-
klageschrift der Tatbestand von Art. 251 Ziff. 1 StGB somit nur betreffend den
Mietvertrag erfüllt, und zwar in der Begehungsform der Urkundenfälschung.
3. Mit Blick auf die 49 anklagegegenständlichen Rechnungen konnte hinsicht-
lich der 5 Rechnungen "Direktverkauf" der angeklagte Sachverhalt nicht erstellt
werden. Die Beschuldigte ist entsprechend vom Vorwurf der Urkundenfälschung
in diesem Umfang freizusprechen.
3.1. Hinsichtlich der übrigen 44 Rechnungen ist der Sachverhalt dagegen erstellt.
Im Gegensatz zum Sachverhaltskomplex rund um den Mietvertrag handelt es sich
hierbei nun um eine Falschbeurkundung im Rechtssinne. Die Rechnungen wur-
den von den beiden Beschuldigten im Namen der B1._, der Einzelfirma des
Mitbeschuldigten, erstellt und von letzterem der Erhalt des Rechnungsbetrags
durch Unterschrift im eigenen Namen quittiert. Es handelt sich entsprechend um
eine echte Urkunde, mit welcher jedoch ein falscher Inhalt verurkundet wurde.
Diese 44 fiktiven Rechnungen wurden sodann offensichtlich unter anderem zum
Zweck erstellt, die Bilanz und Erfolgsrechnung der B1._ zu beschönigen. Die
Rechnungen wurden von der Beschuldigten entsprechend – versehen mit der ei-
genhändigen Quittierung der Barzahlung durch den Mitbeschuldigten B._ –
auch tatsächlich als Buchhaltungsbelege in die jeweiligen Buchhaltungsordner
(Ordner 12.4 und 12.9) der Schreinerei für die Jahre 2011 und 2012 eingeordnet.
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Nachdem es sich bei der B1._ um eine Einzelfirma handelt, welche gemäss
Art. 957 Abs. 1 bzw. Abs. 2 OR verpflichtet ist, eine kaufmännische Buchhaltung
zu erstellen, kommt der Verwendung der fiktiven Rechnungen im Lichte der oben
zitierten Rechtsprechung auch erhöhte Glaubwürdigkeit und entsprechend Ur-
kundenqualität im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 110
Abs. 4 StGB zu. Insoweit ist der vorinstanzlichen Würdigung, wonach die Be-
schuldigte durch ihr Mitwirken an der Herstellung dieser 44 fiktiven Rechnungen
den objektive Tatbestand der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Abs. 1 StGB in
der Tatbestandsvariante der Falschbeurkundung erfüllt hat, zuzustimmen. Auf
diese Ausführungen der Vorinstanz sowie insbesondere auch auf die Erwägungen
zu den subjektiven Tatbestandselemente (Vorsatz, Täuschungsabsicht und Vor-
teils- bzw. Schädigungsabsicht) kann an dieser Stelle entsprechend verwiesen
werden (Urk. 87 S. 22 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2. Mit Blick auf die Teilnahmeform ist das Verhalten der Beschuldigten hinsicht-
lich sämtlicher Urkundenfälschungen als in Mittäterschaft zu qualifizieren. Die Be-
schuldigte hat für ihren Partner hinsichtlich der Schreinerei sämtliche Computer-
arbeiten selbständig verrichtet und die kaufmännische Buchhaltung erstellt. Ihr
kam somit eine wesentliche Rolle bei der Erstellung der Urkunden und der an-
schliessenden Verbuchung derselben in der Finanzbuchhaltung zu. Dabei war der
Mitbeschuldigte B._ – wie bereits erwähnt – schliesslich auch deshalb auf die
Beschuldigte – seine Lebenspartnerin – angewiesen, da er wegen seiner illegalen
Tätigkeit (vgl. oben S. 22) die entsprechenden Arbeiten nicht einer aussenste-
henden Person anvertrauen konnte.
3.3. Das Tatvorgehen der Beschuldigten und des Mitbeschuldigten B._ hin-
sichtlich der 44 inhaltlich falschen Rechnungen präsentierte sich zwar stets prak-
tisch identisch und erfolgte – über den Gesamten Deliktszeitraum vom Mitte Ja-
nuar 2011 bis Anfang 2013 betrachtet – auch mit einer gewissen Regelmässig-
keit. Dennoch lagen zwischen den Erstelldaten der einzelnen Rechnungen jeweils
mehrere Tage oder teilweise gar Wochen. Es ist entsprechend nicht davon aus-
zugehen, dass sämtliche Taten auf einem einheitlichen Tatentschluss basierten.
Es ist mithin von mehreren Einzeltaten und nicht von Tateinheit auszugehen.
- 27 -
4. Weder für die Fälschung des Mietvertrages noch für die Falschbeurkundun-
gen der 44 Rechnungen sind Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe er-
sichtlich. Die Beschuldigte ist entsprechend der mittäterschaftlich begangenen
mehrfachen Urkundenfälschung schuldig zu sprechen. Im Ergebnis ist die Be-
schuldigte hinsichtlich der 44 Rechnungen (1. Abschnitt der Anklageschrift, S. 2
ff.) sowie hinsichtlich des Mietvertrags mit "N._" (2. Abschnitt der Anklage-
schrift, S. 4) der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1
StGB schuldig zu sprechen. Nicht schuldig ist die Beschuldigte dagegen hinsicht-
lich der Erstellung der "Sammelrechnung / P._ Quick Einzahlungsscheine"
vom 1. Oktober 2013 (Anklageschrift S. 4) sowie hinsichtlich der fünf Rechnungen
"Direktverkauf" (Anklageschrift S. 2 f.).
V. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz stellte in ihrem Urteil zunächst fest, dass das seit dem
1. Januar 2018 geltende neue Sanktionenrecht für die Beschuldigte nicht milder
sei, da dieses unter anderem neu eine Strafuntergrenze von 3 Tagessätzen Geld-
strafe vorsehe. Entsprechend ging sie von der Anwendbarkeit des alten, zum
Zeitpunkt der Tatbegehungen geltenden Recht aus (Urk. 87 S. 27). Im Rahmen
ihrer Strafzumessung hat sie sodann auf der Seite der Tatkomponente sämtliche
Urkundenfälschungen, d.h. sämtliche gefälschten Rechnungen sowie den ge-
fälschten Mietvertrag samt Sammelrechnung, zusammen beurteilt und gestützt
darauf für sämtliche Taten eine gemeinsame Einsatzstrafe von 240 Tagessätzen
Geldstrafe zugemessen, welche sie im Rahmen der Täterkomponente wegen
Verletzung des Beschleunigungsgebots um 60 Tagessätze reduzierte. Entspre-
chend bestrafte sie die Beschuldigte mit einer Gesamtgeldstrafe von 180 Tages-
sätzen (Urk. 87 S. 29 ff.).
2. Mit Blick auf die Frage des anwendbaren Rechts ist der vorinstanzliche Ent-
scheid im Ergebnis nicht zu beanstanden. Wie nachfolgend zu zeigen sein wird,
resultiert im Ergebnis aufgrund des Verschlechterungsverbots eine Strafhöhe von
180 Tagessätzen Geldstrafe. Bei diesem Strafmass ist das neue Sanktionenrecht
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jedenfalls nicht milder, weshalb das zum Tatzeitpunkt geltende Recht zur Anwen-
dung gelangt.
3. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung und die an sie
gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt (BGE 136 IV 55
E. 5.4 ff. mit Hinweisen). Darauf kann vorweg verwiesen werden. Entsprechendes
gilt für die Bildung der Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in
Anwendung des Asperationsprinzips (BGE 144 IV 217 E. 2.2 f.; 132 IV 102 E. 8 f.;
Urteil des Bundesgerichts 6B_460/2010 vom 4. Februar 2011 E. 3.3.4, je mit Hin-
weisen).
3.1. Die Bildung einer Gesamtstrafe setzt gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB voraus,
dass die zu beurteilenden Strafen gleichartig sind. Dabei ist die Frage nach der
Art der auszusprechenden Sanktion nach der konkreten Methode für jedes Delikt
einzeln zu bestimmen (BGE 144 IV 217 E. 2.2). Nachdem vorliegend nur die Be-
schuldigte ein Rechtsmittel ergriffen hat, stellt sich die Frage, ob für einzelne Ta-
ten eine Freiheitsstrafe auszusprechen gewesen wäre, bereits aufgrund des Ver-
schlechterungsverbots von vornherein nicht mehr. Ohnehin wären aber bei der
nicht vorbestraften Beschuldigten hinsichtlich keinem der begangenen Delikte
Gründe ersichtlich, die einzig eine Freiheitsstrafe als wirksame Sanktion erfordern
würden. Damit liegen vorliegend für sämtliche Delikte gleichartige Strafen vor und
es ist entsprechend eine Gesamtgeldstrafe zu bilden.
3.2. Nach der gesetzlich vorgesehenen Methode (Art. 49 Abs. 1 StGB) geht das
Gericht bei der Bildung einer Gesamtstrafe von der Einsatzstrafe für das schwers-
te Delikt aus und erhöht diese im Rahmen einer Gesamtwürdigung angemessen.
Bei der Bemessung der Gesamtstrafe müssen die einzelnen Straftaten in einem
selbständigen Schritt innerhalb des Strafrahmens gewürdigt werden. Nicht zuläs-
sig ist es, für sämtliche Delikte in einer Gesamtbetrachtung in einem Schritt ge-
stützt auf die Tatkomponente eine einheitliche Einsatzstrafe festzulegen. Vielmehr
ist zunächst das schwerste Delikt zu bestimmen, für welches unter Gewichtung
der dafür relevanten Tatkomponenten eine Einsatzstrafe zu bilden ist. Diese ist in
der Folge anhand der Tatkomponenten für die weiteren Delikte angemessen zu
erhöhen.
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4. Vorliegend erweist sich die Fälschung des Mietvertrages gegenüber der
Falschbeurkundung der 44 Einzelrechnungen als das schwerste der zur Beurtei-
lung stehenden Urkundendelikte. Der abstrakte Strafrahmen der Urkundenfäl-
schung erstreckt sich von 1 Tagessatz Geldstrafe bis 5 Jahre Freiheitsstrafe
(Art. 251 Ziff. 1 StGB).
4.1. Auf der Seite der objektiven Tatschwere ist vorliegend relevant, dass die Be-
schuldigte und B._ mit dem Mietvertrag ein Rechtsverhältnis mit einem fikti-
ven Mieter beurkundeten. Mit Blick auf das Tatvorgehen liegt zwar keine beson-
dere Raffinesse vor und die Beschuldigten mussten für die Erstellung des Vertra-
ges auch keinen übermässigen Aufwand treiben, scheinen sie dafür doch eine
Standard-Vorlage für einfache Mietverträge verwendet zu haben. Gleichzeitig
wirkt die Fälschung aber auch gerade deshalb insgesamt professionell und ent-
hält alle relevanten Parameter (Name und bisherige Adresse des fiktiven Mieters,
detaillierte Angaben zur Wohnung samt Aufschlüsselung der Nebenkosten). Dank
der authentisch wirkenden Unterschrift von "N._", die sich vom Schriftbild her
auch von jener des gleichzeitig als Vermieter unterzeichnenden Mitbeschuldigten
B._ unterscheidet, ist die Fälschung für Dritte praktisch nicht zu erkennen.
Ferner handelte es sich beim gefälschten Mietvertrag um ein unbefristetes Dauer-
schuldverhältnis, welches angesichts der fortlaufenden, monatlich wiederkehren-
den fiktiven Zahlungsverpflichtungen (Fr. 1'600.– monatlich) entsprechend geeig-
net war, über längere Zeit eine nicht unerhebliche Rechtswirkung zu fingieren. Da
wie dargelegt nicht nachgewiesen ist, dass die Urkunde auch tatsächlich zur Täu-
schung gegenüber einem Dritten benutzt wurde, beschränkten sich die Auswir-
kungen der Tat auf diese abstrakte Gefährdung des Vertrauens in den Urkunden-
beweis bzw. die nur potentielle Gefährdung allfälliger privater Geschäftsinteres-
sen Dritter. Die abstrakte Gefahr war jedoch aufgrund der geschickten Fälschung
beträchtlich. In Anbetracht dessen sowie des Umstands, dass die Beschuldigte
zwar einen wesentlichen Tatbeitrag leistete, die Initiative sowie die Vorgaben für
den Mietvertag wie auch die falsche Unterschrift vom Mitbeschuldigten B._
ausging, erweist sich das objektive Tatverschulden in Relation zum relativ weiten
Strafrahmen von bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe somit dennoch klar als leicht.
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4.2. Mit Blick auf die subjektive Tatkomponente ist festzuhalten, dass die Be-
schuldigte mit direktem Vorsatz handelt, was für sich jedoch nicht verschuldens-
erhöhend zu berücksichtigen ist. Gleiches gilt mit Blick auf die finanziellen Motive
(Beschönigung der Ertragslage aus der Liegenschaft und entsprechend erhöhte
Kreditwürdigkeit), sind solche Motive doch bereits von der Tatbestandsvorausset-
zung der unrechtmässigen Vorteilsabsicht erfasst und entsprechend in der Straf-
zumessung neutral zu gewichten. Leicht strafmindernd ist zu berücksichtigen,
dass die Beschuldigte im tatrelevanten Zeitraum aufgrund gesundheitlicher Prob-
leme keiner Tätigkeit nachgehen konnte. Vielmehr wurde sie von B._ finan-
ziell unterstützt (Antrag auf IV-Rente abgelehnt, SB180056, Prot. S. 12 f.). Er liess
sie bei sich wohnen und zahlte ihr einen kleinen Lohn für die Büro- und Buchhal-
tungsarbeiten. Die Beschuldigte war entsprechend gewissermassen auf ihren
Partner angewiesen, was sie wiederum unter gewissen Druck gesetzt haben dürf-
te, diesen bei seiner eben auch illegalen Tätigkeit zu unterstützen. Ein Handeln in
schwerer Bedrängnis im Sinne eines Strafmilderungsgrundes (Art. 48 lit. a Ziff. 2
StGB) ist aber nicht gegeben. In Anbetracht des insgesamt noch klar leichten Tat-
verschuldens ist die Einsatzstrafe auf 80 Tagessätze festzusetzen.
5. Die Einsatzstrafe ist folglich für die 44 Falschbeurkundungen hinsichtlich der
falschen Rechnungen, für welche wie dargelegt ebenfalls eine Geldstrafe auszu-
sprechen ist, gestützt auf Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen.
5.1. Das Tatvorgehen der Beschuldigten und des Mitbeschuldigten B._ war
in sämtlichen 44 Fällen identisch. Erneut kam der Beschuldigten im Rahmen der
arbeitsteiligen Vorgehensweise der beiden zwar eine weniger tragende Rolle zu,
als ihrem Mitbeschuldigten, war es doch wiederum B._ als gelernter Schrei-
ner, welcher der Beschuldigten vorgab, welche Leistungen die von ihr zu erstel-
lenden Rechnungen zu beinhalten hatten, und der sodann auch den fiktiven (bzw.
legalen) Eingang der entsprechenden Beträge als Barzahlung quittierte. Gleich-
zeitig war die Beschuldigte aber dennoch dessen rechte Hand, wenn es um
Buchhaltungs- und Computerarbeiten ging. Dabei setzte sie ihre kaufmännischen
Kenntnisse ganz gezielt ein und verrichtete die Büroarbeiten – darunter fiel auch
die Herstellung der Urkunden mit falschem Inhalt und deren Einbringen in die
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Buchhaltung – durchwegs selbständig. Ihre Rolle ist deshalb nicht zu verharmlo-
sen. Die beiden Beschuldigten gingen dabei mit bemerkenswerter Regelmässig-
keit über einen langen Deliktszeitraum von rund zwei Jahren fast schon routiniert
zur Sache. Mit Blick auf das Ausmass der Rechtsgutgefährdung wies die Vor-
instanz zu Recht darauf hin, dass diese 44 Rechnungen für die Jahre 2011 und
2012 den Grossteil der Einnahmen der Schreinerei darstellten und die Beschul-
digte durch das verbuchen dieser Rechnungen die Bilanz- und Erfolgsrechnung
der Schreinerei entsprechend massiv verfälscht hatte. Wie bereits gesagt schüt-
zen Urkundendelikte zwar in erster Linie die Allgemeinheit im Sinne des öffentli-
chen Vertrauens in den Urkundenbeweis im Rechtsverkehr. Darüber hinaus
schützen sie jedoch auch private Geschäftsinteressen des Einzelnen vor einer
unmittelbaren Verletzung durch qualifiziert unrichtige Erklärungen (vgl. BOOG,
BSK StGB II. N. 6 zu Vor Art. 251 StGB, mit Verweisen auf die Rechtsprechung),
in casu also etwa einen Gläubiger der Schreinerei, der sich auf deren Bilanz
stützt, um die Kreditwürdigkeit derselben zu beurteilen. Nachdem die falschen
Rechnungen bzw. Einnahmebelege sich auf die Bilanz- und Erfolgsrechnung der
Schreinerei umso stärker auswirkten, je höher der Betrag war, wiegt das objektive
Tatverschulden – wenn auch nur bis zu einem gewissen Grad – etwas schwerer,
je höher der falsch beurkundete Rechnungs- bzw. Einnahmebetrag war. Nach-
dem nicht nachgewiesen (und ohnehin auch nicht angeklagt) ist, dass die fal-
schen Rechnungsbelege bzw. die insoweit verfälschte Bilanz- und Erfolgsrech-
nung zu einer konkreten Schädigung oder Benachteiligungen Dritter geführt hatte,
erschöpften sich auch hier die Tatfolgen in einer abstrakten Gefährdung der ge-
nannten Allgemeininteressen sowie der potentiellen Gefährdung der Geschäftsin-
teressen Dritter. Entsprechend bewegte sich das objektive Tatverschulden hin-
sichtlich der einzelnen Taten in Relation zum weiten Strafrahmen jeweils stets im
leichten bis sehr leichten Bereich. Hinsichtlich der subjektiven Tatkomponenten
kann auf das bereits zum gefälschten Mietvertrag Gesagte verwiesen werden
(hiervor E. V.4.2.), welche sich entsprechend auch hier leicht verschuldensmin-
dernd auswirken. Bei einer isolierten Betrachtung wäre das Strafmass für die
Falschbeurkundung der einzelnen Rechnungen somit – je nach Höhe des darin
verurkundeten Rechnungsbetrags (zwischen Fr. 450.– bis Fr. 7'250.–) – zwischen
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15 - 20 Tagessätzen zu veranschlagen gewesen. In Anbetracht des engen sachli-
chen und zeitlichen Zusammenhangs der 44 gleichartigen Taten ist jedoch ein
niedriger Asperationsfaktor anzuwenden. Die Einsatzstrafe ist entsprechend für
die 44 Falschbeurkundungen insgesamt um 180 Tagessätze auf 260 Tagessätze
Geldstrafe zu erhöhen.
5.2. Mit Blick auf die Täterkomponente kann hinsichtlich der persönlichen Verhält-
nisse der Beschuldigten auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden,
welche auf den Aussagen der Beschuldigten zur Person anlässlich Berufungsver-
handlung basieren (Urk. 87 S. 30 f.). Aus der Biografie der Beschuldigten ergeben
sich keine Umstände, welche das strafbare Verhalten erklären würden. Ihre be-
reits im Tatzeitraum bestehenden gesundheitlichen bzw. die damit verbundenen
beruflichen Einschränkungen allein vermögen ihre Taten nicht zu rechtfertigen.
Insbesondere handelte die Beschuldigte auch nicht aus einer dringenden finanzi-
ellen Not heraus, hat sie es doch etwa nicht für nötig empfunden, sich allenfalls
bei der Sozialhilfe anzumelden (SB180056 Prot. S. 14). Die persönlichen Verhält-
nisse bleiben somit – soweit sie nicht bei der Bewertung des subjektiven Tatver-
schuldens berücksichtigt wurden – ohne Auswirkungen auf die Strafzumessung.
Ferner ist die Beschuldigte nicht vorbestraft (Urk. 110). Das fehlende Geständnis
kann vor dem Grundsatz, wonach sich die beschuldigte Person nicht selber belas-
ten muss, nicht zu ihrem Nachteil berücksichtigt werden, genauso wie die fehlen-
de Reue, ist diese doch wiederum Ausfluss ihres Bestreitens der Taten. Diese
Umstände und damit die Täterkomponenten insgesamt wirkt sich entsprechend
strafzumessungsneutral aus.
5.3. Die Vorinstanz hat zu Recht eine Verletzung des Beschleunigungsgebotes
festgestellt, nachdem sich das Verfahren wie eingangs dargelegt aufgrund der
Rückweisung aus formalen Gründen um rund zwei Jahre verzögert hat, und die
Verfahrensdauer seit den ersten Ermittlungshandlungen im Jahr 2014 auch ins-
gesamt bereits sehr lange hinzieht. Als problematisch erweist sich überdies, dass
in den Jahren 2015/2016 über mehrere Monate keine bedeutenden Untersu-
chungshandlungen (auch nicht im Verfahren Parallelverfahren gegen den Be-
schuldigten B._) durchgeführt wurden. Die von der Vorinstanz veranschlagte
- 33 -
Strafminderung im Umfang von 60 Tagessätzen erscheint unter diesen Umstän-
den angemessen. Überdies ist die Verletzung des Beschleunigungsgebots nach
ständiger Rechtsprechung im Dispositiv festzustellen (Urteil des Bundesgerichts
6B_176/2017 vom 24. April 2017 mit Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts
6B_987/2016 vom 28. Oktober 2016 E. 1.2.1).
6. Im Ergebnis würde entsprechend eine Geldstrafe von 200 Tagessätzen re-
sultieren. Aufgrund des Verschlechterungsverbots bleibt es jedoch bei der von der
Vorinstanz festgelegten Gesamtstrafe von 180 Tagessätzen Geldstrafe.
7. Die Vorinstanz hat die Tagessatzhöhe angesichts des nicht vorhandenen
Erwerbseinkommens der Beschuldigten auf Fr. 30.– festgesetzt (Urk. 87 S. 32).
Die finanziellen Verhältnisse der Beschuldigten haben sich seit dem vorinstanzli-
chen Urteil nicht verbessert. Die Beschuldigte verfügt weiterhin über kein Er-
werbseinkommen (Urk. 101/2, 101/3b) und dürfte entsprechend weiterhin einzig
durch ihren Partner, den Mitbeschuldigten B._, unterstützt werden. Ange-
sichts der weiterhin knappen finanziellen Verhältnisse erscheint die vom Erstge-
richt festgelegte Tagessatzhöhe von Fr. 30.– angemessen.
8. Nach dem Gesagten ist die Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 180 Ta-
gessätzen zu Fr. 30.– als Gesamtstrafe zu bestrafen.
VI. Vollzug
Die Vorinstanz hat in ihrem Urteil entschieden, die Geldstrafe bedingt aus-
zusprechen (Urk. 87 S. 33 f.). Einer Änderung der Vollzugsart hin zu einer teil-
oder gar unbedingten Strafe stünde vorliegend bereits das Verschlechterungsver-
bot entgegen. Ohnehin wären aber keine Gründe ersichtlich, welche für einen
(teilweisen) Vollzug der Strafe sprechen würden. Nichts anderes gilt auch hin-
sichtlich der vorinstanzlich festgelegten Probezeit. Es bleibt entsprechend beim
bedingten Aufschub der Geldstrafe bei einer Probezeit von zwei Jahren.
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VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Nachdem die vorinstanzlichen Schuldsprüche weitestgehend bestätigt wer-
den, ist an der vorinstanzliche Kostenregelung (Dispositiv Ziffern 4 und 5) keine
Änderung vorzunehmen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte unter-
liegt mit ihrer Berufung grösstenteils. Sie obsiegt einzig im Hinblick auf den neu
erfolgten Freispruch hinsichtlich der Sammelrechnung sowie hinsichtlich fünf der
49 zur Anklage gebrachten Fällen von Falschbeurkundung. Angesichts des nur
marginalen Gewichts dieses Freispruchs gegenüber den im Übrigen vollständig
bestätigten Schuldsprüchen und in Anbetracht dessen, dass sich diese vorliegend
auch nicht im Strafmass zugunsten der Beschuldigten auswirken, sind ihr die Ver-
fahrenskosten des Berufungsverfahrens zu 9/10 aufzuerlegen.
3. Angesichts der Schuldsprüche sind die Begehren der Beschuldigten um
Schadenersatz und Genugtuung abzuweisen (Art. 429 Abs. 1 StPO).
4. Der amtliche Verteidiger ist aus der Gerichtskasse zu entschädigen (Art. 135
Abs. 1 StPO). Der mit Kostennote vom 8. Mai 2020 (Urk.102) geltend gemachte
Aufwand (inkl. Barauslagen) von Fr. 4'990.10 erscheint grundsätzlich als ange-
messen. Allerdings weist der Verteidiger auf seiner Honorarnote am 8. Mai 2020
einen Zeitaufwand von 0.5 Stunden für "Kopien" aus. Nachdem allgemeine Sekre-
tariatsarbeiten, also u.a. Fotokopierzeit, praxisgemäss nicht entschädigt werden
(vgl. Leitfaden amtliche Mandate der Oberstaatsanwaltschaft Zürich, S. 55), er-
scheint es angemessen, Rechtsanwalt lic. iur. X._ für seine Tätigkeit als amt-
licher Verteidiger im vorliegenden Berufungsverfahren mit abgerundet Fr. 4'900.–
zu entschädigen. Die Rückzahlungspflicht der Beschuldigten gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO ist im Umfang von 9/10, mithin Fr. 4'410.–, vorzubehalten.