Decision ID: 8d9a2bfe-111b-49b4-b7bc-828f0ea08210
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1964 in
Y._
geborene
X._
, verheiratet in zweiter Ehe seit 2004, war nach der Einreise in die Schweiz im Jahre 1991 zunächst
bis zur Ver
büssung einer Gefängnisstrafe in den Jahren 2003 bis 2005
mit Unterbrüchen an verschiedenen Stellen tätig, unter anderem als Maschinenbediener, wobei er
in diesem Zeitraum
auch zwei Semester Maschinenbau studierte und zeitweise als
Selbständigerwerbender
tätig war; nach Verbüssung
der
Gefängnisstrafe
war er vor allem in Einsatzprogrammen und zuletzt im Jahr 2010 als Taxichauffeur tätig (
Urk.
8/17,
Urk.
8/23,
Urk.
8/3
6/3-5).
Am 1
7.
April 2012 meldete er sich bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/
1
7). Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und holte von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten vom 2
8.
Mai 2013 ein (
Urk.
8/36). Gestützt darauf verneinte die IV
Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidv
erfahren
(
Urk.
8/39,
Urk.
8/46
) mangels Vor
liege
ns eines relevanten Gesundheits
schadens einen Anspruch auf eine Invali
denrente
oder berufliche Massnahmen
(Verfügung vom
3.
Januar 2014,
Urk.
2).
2.
Dagegen liess der Versicherte am
5.
Februar 2014 Beschwerde erheben mit dem Antrag
(
Urk.
1 S. 2 und 6)
, in Aufhebung der angefochtenen Verfügun
g sei
ihm
eine ganze Invalidenrente
auszurichten;
andernfalls
sei die Sache zwecks wei
terer Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. Ergänzend reichte er am 1
4.
Februar 2014 ein Schreiben von
Dr.
med. A._
, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie, vom 1
3.
Februar 2014
ein
(
Urk.
4-5). In der Ver
nehmlassung vom
4.
April 2014 (Urk. 7) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 1
2.
Oktober 2015 gab das
Sozialversiche
rungsgericht
den Parteien Gelegenheit, unter dem Blickwinkel
von
BGE 14
1
V 281
Stellung zu nehmen
(
Urk.
10). In der Folge
nahmen
die IV
Stelle am
4.
Novemb
er 2015 und der Versicherte am 2
0.
November 2015 dazu Stellung
(
Urk.
12,
Urk.
16).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer
Gesundheits
schaden
führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als ange
nommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in
Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungs
-
zuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
.
Ist anderseits eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig erwartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil
des Bundesgerichts
9C_710/2011 vom 2
0.
März 2012 E. 4.2).
1.2
Unabhängig davon, ob es sich um eine nachweisliche organische Pathologie oder um ein unklares Beschwerdebild handelt, setzt ein Anspruch auf Leistun
gen der Invalidenversicherung stets eine nachvollziehbare ärztliche Beurteilung der Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeits- und Erwerbsfähig
keit voraus. Bei medizinisch unklaren Beschwerdebildern nimmt die
Plausibili
tätsprüfung
naturgemäss einen besonderen Stellenwert ei
n (BGE 140 V 290 E.
3.3.2
). Die medizinischen Experten, denen eine entscheidende Rolle zukommt, haben
daher
im Einzelnen zu begründen und mittels ihrer Feststellungen und Einschätzungen zu Leidensdruck, psychischen Ressourcen oder funktionellen Defiziten darzulegen, in welchem Ausmass die Arbeits
fähigkeit eingeschränkt ist, oder aber festzuhalten, dass die Beantwor
tung dieser Frage - trotz Aus
schöpfung aller Möglichkeiten fachgerechter Explo
ration - nicht oder nicht sicher genug möglich ist (vgl.
Ulrich Meyer
, Die psychiatrische Begutachtung als Angelpunkt der juristischen Beurteilung: Entwicklung und Perspektiven, in:
Gächter
/
Mosimann
[Hrsg.], Berufliche Vorsorge, Stellwerk der Sozialen Sicher
heit, FS Hermann Walser, 2013, S. 136). Bleiben die Aus
wirkungen eines objek
tivierbaren wie auch eines nicht (
bild
gebend
) fassbaren Leidens auf die Arbeits
fähigkeit trotz in Nachachtung des
Untersuchungs
grundsatzes
sorgfältig durchgeführter Abklärungen vage und unbestimmt, ist der der versicherten Person obliegende Beweis für die Anspruchsgrundlage nicht geleistet und nicht
zu erbringen und besteht kein Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt
(BGE 140 V 290 E. 4.1, 139 V 547 E. 8.1
).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
tels
rente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) stellte sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt,
mit einer zumutbaren Willens
anstrengung
könne die zuletzt ausgeübte Tätigkeit zu 100
%
ausgeübt werden, weshalb kein relevanter
Gesund
heitsschaden
vorliege.
2.2
In der Beschwerde bringt der Beschwerdeführer zusammengefasst vor,
sämtliche Ärzte, die ihn untersucht hätten, würden eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit fest
stellen. Diejenigen Ärzte, die ihn zudem über längere Zeit begleitet hätten, wür
den von einer eigenständigen, nicht überwindbaren psychischen Erkrankung ausgehen.
2.3
Streitig und zu prüfen ist
somit
, ob beim Beschwerdeführer ein
renten
relevanter Gesundheitsschaden vorliegt.
3.
3.1
Die medizinischen Akten zeigen folgendes Bild über den Gesundheitszustand und
die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers:
Die Ärzte
des B._
, psychiatrische Poliklinik,
diagnosti
zierten in ihrem Bericht vom
4.
Dezember 2008 (
Urk.
8/26/8-12
) ein
e
leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), unklare
Körper
be
schwerden
mit einer wahrscheinlich
somatoforme
n
Überlagerung mit Anteilen
einer
somatoformen
Schmerz- wie auch
einer
Funktionsstörung (ICD
10: F45.3
4), differentialdiagnostisch mit einer organischen Komponente
(fraglich)
sowie einen Vitamin-B12-Mangel und einem Vitamin-D-Mangel
(substituiert)
.
In thera
peutischer Hinsicht empfahlen sie in erster Linie eine psychiatrische Depressionsbehandlung mit einem psychotherapeutischen und einem
psycho
pharmakologischen
Ansatz.
3.2
Die Ärzte des
C._
, wo der Versicherte in der Zeit vom 2
7.
Juni bis zum 2
2.
August 2011 in einer tagesklinischen Behandlung war, diagnostizierten in
ihrem Bericht vom 3
1.
Oktober 2011 (
Urk.
8/26/13-17) eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) und einen Status nach einem Konflikt mit dem Gesetz (ICD-10: Z65.1).
Weiter
gaben sie an, der Versi
cherte sei im Zeitpunkt der Entlassung
zu
100
%
arbeitsunfähig gewesen,
auch für angepasste Tätigkeiten
.
3.3
Dr.
med
.
D._
, Facharzt für Innere Medizin und Hausarzt des Versicher
ten, diagnostizierte in seinem Bericht vom 1
6.
Juli 2012 rezidivierende depres
sive Störung
en
mindestens mittelschwer bis schwer, zurzeit
bei einer mittelgra
digen
Episode mit massiven
Somatisierungstendenzen
(ICD-10: F33.1
1
)
,
und
eine
post
traumatische Belastungsstörung
(ICD-10: F43.1). Der Versicherte sei seit Juli 2011 im Wesentlichen arbeitsunfähig.
3.4
In ihren Berichten vom 2
0.
und 2
8.
September 2012 (
Urk.
8/31-32) diagnostizier
ten die Ärzte des
C._
e
ine mittel
gradige
depressive
Episode (ICD-10: F32.1)
und
gaben
an, der Versicherte sei seit Dezember 2010 zu 100
%
arbeitsunfähig, auch für angepasste Tätigkeiten
.
3.5
Dr.
Z._
diagnostizierte in seinem Gutachten vom 2
8.
Mai 2013 (
Urk.
8/36) eine Anpassungsstörung seit circa 2005 nach einem zweijährigen
Gefängnis
aufent
halt
(2004/2005, ICD-10: Z65.1)
mit einer chronischen, zur Zeit mittel
gradigen (anamnestisch leicht bis
schwergradige
n
) depressiven Verstimmung, Dysphorie und Energielosigkeit (ICD-10: F43.23), eine anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
(ICD-10: F45.4) und eine
somatoforme
autonome Funktions
störung (ICD-10: F45.3) mit Beginn circa 2005 sowie einen Verdacht auf Nichtbefolgung ärztlicher Anordnungen (ICD-10: Z91.1).
Der Versicherte sei aktuell zu 100
% arbeitsunfähig für alle bisher ausgeübte
n
Tätigkeiten. Aktuell
könne
höchstens eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer geschützten Werkstatt als zumutbar angesehen w
erden
.
4
.
4.1
In somatischer Hinsicht besteht aufgrund der medizinischen Aktenlage kein Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwer
de
führers, was unbestritten ist (
Urk.
1 S. 5 f.). In psychischer Hinsicht erfüllt das Gutachten von
Dr.
Z._
vom 2
8.
Mai 2013
grundsätzlich
die Anforderungen an ein schlüssiges Gu
tachten (
BGE 125 V
351 E. 3a
).
Die
bei d
er Begutachtung
erhobenen
objektiven Befunde (
Urk.
8/36/8 f.)
sind
– abgesehen von einem gehemmten, verlangsamten und eingeengten Denken, einer leichten bis mittel
gradig depressiven Stimmung, welche aber stark hypochondrisch auf Schmerzen und andere Sensationen im Körper fixiert ist
,
sowie verschiedenen Beobach
tungen im Zusammenhang mit de
r
Compliance (dazu nachfolgend) –
weit
gehend
unauffällig. Damit
fra
gt es sich, ob
aus der dia
gno
sti
zierten
Anpassungs
störung
,
der
anhaltenden
somatoformen
Schmerz
störung
und
der
somatoformen
autonomen Funktionsstörung
schlüssig im Sinne der obigen Erwägungen
eine anspruchsrelev
ante Einschränkung der Arbeits
fähig
keit
abge
leitet werden kann
.
Dies ist aus den folgenden Gründen zu verneinen:
Zunächst spielen psychosoziale Belastungsfaktoren (Gefängnisstrafe,
Migra
tions
hint
ergrund
) eine erhebliche Rolle. Denn
mit der als unrecht empfundenen Haftstrafe
wurden
die Erfolge des verhältnismässig gut integrierten Beschwerde
führers rückgängig gemacht, verbunden mit verschiedenen negativen
sozialen
Folgen wie sozialer Abstieg und Verschuldung. Die
diagnostizierte
Sympto
ma
tik
, die parallel dazu verläuft,
ist daher im Zusammenhang mit diesen psy
cho
sozialen Faktoren zu sehen (
B._
-Bericht vom
4.
Dezember 2008,
Urk.
8/26/8; Gutachten von
Dr.
Z._
,
Urk.
8/36/10). Sodann hielt der Gutachter unter ande
rem Folgendes fest
(
Urk.
8/36/8
-9 und
Urk.
8/36/11
)
: „
Während der ersten Konsultation.
.. sass er unruhig im Sessel, seufzte, stöhnte und be
wegte vor allem unruhig sein recht
e
s Bein. Ich interpretier
t
e das als
Ver
deutlichungs
tendenz
. In den nachfolgenden Sitzungen verhielt er sich motorisch nicht mehr so unruhig. ... Oft musste ich
die
Fragen wiederholen, insistieren, weil er dane
ben redete. Auf einfachste Fr
a
gen reagierte er stark grimassierend, die Stirne runzelnd, den Kopf schüttelnd, seufzend, mimisch andeutend, dass er intensiv nachdenke.
Litaneimässig
wiederholte er, dass er sich nicht erinnern könne, weil „Kopf wie besoffen; ich weiss einfach nicht; Kopf überfordert; mein Kopf ist wie abwesend wegen Sorgen und viel Denken; wie dreht
.
..“
. ...
Ich habe von ihm den bestimmten Eindruck gewonnen, dass bei ihm
.
..
auch
eine Tendenz und ein Wille besteht, keine präzisen Auskünfte zu geben. Er hat mir auf Aufforderung hin keine Arbeitszeugnisse gebracht, keine Dokumente über seine „Matur“, seine Ausbildungen (
Urk.
8/36/9). Er liess mich im Unklaren über die Zahl der Tab
letten, die er einnimmt. Über die Anstellungsdauer an den ve
r
schiedenen Stellen nach dem Gefängnis bekam ich inkonsistente Angaben. Er bemühte sich nie mir entgegenzukommen bei meinen Nachfragen nac
h präzisen Auskünften, sondern
erklärte jeweils umgehend „weiss nicht genau“. ... Die Serumspie
ge
l-Bestim
mung am 1
6.
Mai 2013 zeigte Werte, die nahe legen, dass der Explorand prak
tisch kein
Efexor
schluckt. ... Ich habe – nicht nur wegen diesem
Efexor
-Spi
egel – sondern auch wegen seines
gesamten Antwortverhalten
s
den starken Verdacht bekommen, der Explorand sei nicht offen und ehrlich gewesen in seinen Anga
ben mir gegenüber. ...
Ich kann mich auch
nicht der Vermutung erwehren, der Explorand habe während der juristischen Untersuchung und im
Gefängnisauf
enthalt
entdeckt, dass eine generelle Haltung des „
Ka
n
nitver
s
tan
“ und der
Pseu
dodemenz
gewisse Vorteile bringt (
Urk.
8/36/11). Die Weiterführung dieser Haltung nach dem Gefängnisaufenthalt hat sicher einen sekundären
Krank
heitsgewinn
gebracht“.
Aufgrund dieser unbestritten gebliebenen Feststellung ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Versicherte seit dem
Gefängnis
aufenthalt
bewusst und
systematisch
eine Haltung mangelnder Compliance ein
nimmt
, unter anderem mit dem Zweck
der Erzielung von rechtlich grundsätzlich unbeachtlichen sekundären
Krankheitsgewinnen wie d
ie
F
ürsorge durch die Ehefrau und d
i
e Unterstützung durch das Sozialamt ohne
Leistung eines eigenen
Beitrag
s
(Gutachten,
Urk.
8/36/10 f.).
Auffallend ist in
diesem Zusam
menhang
auch
, dass
der Versicherte seine letzte Tätigkeit als Taxifahrer gemäss den
ebenfalls
unbestrittenen Feststellungen im Gutachten nicht
von sich aus
infolge
seiner
Beschwerden aufgegeben hat, sondern vor allem auf Druck des Sozialamtes hin
(
Urk.
8/36/6
)
.
Im Weiteren ergibt sich aus den dargelegten gut
achterlichen Feststellungen, dass auch eine konsequente Depressionstherapie mit der Ausschöpfung aller therapeutischen Möglichkeiten nicht erfolgt
ist, zumal
auch
der
Hausarzt
des Versicherten
schlechte Erfahrungen
mit dessen Compliance gemacht habe
, was unbestritten ist
(
Gutachten,
Urk.
6/36/11)
.
4.2
Bei dieser Sachlage ist eine
krankheitsbedingte
Beeinträchtigung der Arbeits
fähig
keit nicht
schlüssig
im Sinne der obigen Erwägungen
erstellt. Dem entspricht auch, dass im
Gutachten
die Frage nach der
zumutbaren Arbeitsfä
higkeit mit der Frage der
trotz mangelnder Compliance
tatsächlich realisierba
ren Arbeitsfähigkeit vermischt wurde
, weshalb
in diesem Punkt dem Gutachten
nicht
gefolgt werden kann
. Im Übrigen aber
ist das Gutachten grundsätzlich b
eweiskräftig (Urteil des Bundesg
erichts
8C_441/2015 vom 2
1.
August 2015
E.
3), zumal der Gutachter, worauf der Beschwerdeführer selber verweist (
Urk.
1 S. 3), ihn
in
mehreren
Sitzungen eingehend untersucht hat. Insbesondere fehlen Anhaltspunkte dafür, dass der Gutachter
anamnestisch wesentliche Punkte nicht beachtet hätte, und auch der Beschwerdeführer selber macht dies nicht geltend.
Daher ist
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
auf weitere Erhebun
gen
und damit auch auf die beantragte Einholung eines Berichts von
Dr.
A._
zu verzichten (antizipierte Beweiswürdigung, BGE 127 V 491 E. 1b).
Dies
gilt umso mehr, als der Behandlungszeitraum bei
Dr.
A._
vom 2
3.
Februar 2009 bis
zum
1
5.
Dezember 2011 sowie
ab
dem 2
0.
Januar 2014
(
Urk.
5)
nicht
den vorliegend zu beurteilenden
rentenrelevanten Zeitraum
betrifft
(Anmeldung vom 1
7.
April 2012,
Urk.
8/17,
Art.
29
Abs.
1 IVG; angefochtene Verfügung vom
3.
Januar 2014)
.
Nach dem Gesagten ist eine relevante Einschränkung der
Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit nicht hinreichend erstellt,
weshalb
sich die diesbezügliche Beweislosigkeit zu Laste
n des Versicherten aus
wirkt
.
Daran ändert auch der pauschale
Einwand
des Versicherten nichts
,
dass
der Hausarzt
Dr.
D._
und die
behandelnde
n
Ärzte des
C._
von einer vollen
Arbeitsunfähigkeit ausgegangen seien
; diesbezüglich ist auf die Erfahrungstat
sache hinzuweisen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auf
tragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussag
en (BGE 135 V 465 E. 4.5.
).
Bei den Ärzten des
C._
kommt hinzu, dass sie in ihrem Bericht vom 3
1.
Oktober 2011
angaben
, der Versicherte sei im Zeitpunkt der Entlassung zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen (
Urk.
6/26/16), obwohl sie an anderer Stelle
festhielten
, im Zeitpunkt der Entlassung sei er zu 60
%
arbeitsfähig gewesen (
Urk.
6/26/14), und dass sie diesen Widerspruch auch in ihren späteren Berichten nicht aufge
löst haben.
Dr.
D._
, welcher kein psychiatrischer Facharzt ist, geht in seinem Bericht vom 1
6.
Juli 2012
zudem
von einer posttraumatischen
Belastungsstö
rung
aus, was
in Übereinstimmung mit
den Ausführungen im Gutachten
unzu
treffend ist
.
Gesamthaft gesehen ist auch das im Gutachten in
Ergebnisform
dargelegte
und nicht weiter nachvollziehbar in die übrigen Ausführungen ein
bezogene
Mini-ICF-Rating für Aktivitäts- und Partizipationsstörungen bei psy
chischen Erkrankungen (Mini-ICF-APP) nicht ausschlaggebend. Denn
- abgese
hen davon, dass sich
dieser Test
entsprechend seiner Umschreibung auf
psychische
Erkrankung
en bezieht
,
was
vorliegend gerade
nicht erstellt
ist
-
einem testmässigen Erfassen der Psychopathologie
kann
im Rahmen der psychi
atrischen Exploration generell nur ergänzende Funktion beigemessen werden, während die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung,
Symptomer
fassung
und Verhalt
en
sbeobachtung ausschlaggebend bleiben (Urteil des Bun
desgerichts 9C_391/2010 vom 1
9.
Juli 2010 E. 3.2.1).
4.3
Nach dem Gesagten mangelt es infolge
erheblicher
psychos
ozialer
Belastungs
fak
toren
und
wegen Vorliegens von
Ausschlussgründen
an einer
anspruchs
relevanten
Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit. D
ie
Beschwer
de
gegnerin
hat
einen Rentenanspruch
daher zu Recht
verneint.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
5
.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab
hän
gig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Sie sind auf Fr.
700
.-- festzulegen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unter
liegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.