Decision ID: a12e65c7-eff9-405a-8b98-558da558c91e
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Der Vorstand der Gemeinde B._ beschloss am 3. Juli 2018 gestützt
auf Art. 21 KRG über das ganze Gemeindegebiet eine zweijährige
Planungszone mit folgendem Planungsziel: Prüfung einer Reduktion von
Bauzonen (Wohn-, Misch- und Zentrumszonen; WMZ) ausserhalb und am
Rand des weitgehend überbauten Gebiets entsprechend den Vorgaben in
Art. 15 Abs. 2 RPG sowie im kantonalen Richtplan (KRIP-S) vom 20. März
2018. Der Erlass dieser Planungszone mit gestaffeltem Inkrafttreten wurde
mit Hinweis auf die 30-tägige Frist zu deren Anfechtung mittels
Planungsbeschwerde bei der Regierung im Kantonsamtsblatt
Graubünden am 13. Juli 2018 publiziert. Am 12. Mai 2020 verlängerte der
Gemeindevorstand die Planungszone bei gleichgebliebenem
Planungsziel und namentlich unter Zusammenführung mit einer seit
längerer Zeit bestehenden Planungszone betreffend die Teilrevision der
Ortsplanung einstweilen bis zum 2. Juli 2022, nachdem das Departement
für Volkswirtschaft und Soziales dem mit Verfügung vom 3. Juni 2020
zugestimmt hatte. Auch diese Verlängerung der Planungszone wurde im
Kantonsamtsblatt publiziert, wobei wiederum auf die Möglichkeit einer
Anfechtung mittels Planungsbeschwerde bei der Regierung hingewiesen
wurde.
2. A._ reichte am 12. November 2020 zwei Baugesuche (C._ und
D._) für den Neubau zweier Einfamilienhäuser auf ihren Parzellen
E._ (bereits teilweise überbaut; Fläche 1'130 m2) und F._
(unüberbaut; Fläche: 543 m2) in der Dorfzone der Fraktion G._ ein.
3. Mit Schreiben vom 2. Dezember 2020 stellte der Gemeindevorstand
A._ in Aussicht, ihre Baugesuche der Planungszone zu unterstellen
und damit zu sistieren bis das neue Recht in Kraft trete. Die in der Bauzone
liegende Fläche der Parzellen E._ und F._ würden nicht nur im
Planentwurf betreffend "potenzielle Auszonungsflächen" als solche
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bezeichnet, sondern auch – was entscheidend sei – voraussichtlich von
dem für die Planungszone massgeblichen Planungsziel erfasst. Der
Gemeindevorstand räumte der Baugesuchstellerin zugleich die
Gelegenheit ein, sich zu der in Aussicht gestellten
Unterstellungsverfügung vernehmen zu lassen.
4. Mit Schreiben vom 21. Dezember 2020 brachte A._ im Wesentlichen
vor, ihre Grundstücke fielen bei genauerer Betrachtung nicht unter die
Planungszone, da diese weder ausserhalb noch am Rand des weitgehend
überbauten Gebiets lägen. Bei ihren Parzellen bestehe kein
Auszonungspotenzial. Ihre Baugesuche seien gemäss den geltenden
Zonenvorschriften zu bewilligen und das künftige Recht würde diesen
nicht entgegenstehen.
5. Mit Entscheid vom 19. Januar 2021, mitgeteilt am 21. Januar 2021,
unterstellte der Gemeindevorstand die Baugesuche von A._
betreffend Neubau von zwei Einfamilienhäusern auf den
Parzellen E._ und F._ der Planungszone und sistierte sie
vorläufig. Dazu führte er unter anderem aus, die Parzellen E._ und
F._ könnten weder als weitgehend überbautes Gebiet noch als
Baulücke im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung qualifiziert
werden. Sie lägen folglich am Rand des weitgehend überbauten Gebiets
und würden damit vom Planungsziel der Planungszone erfasst. Die beiden
Bauvorhaben auf den Parzellen E._ und F._ seien mithin der
Planungszone zu unterstellen.
6. Dagegen liess A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin) am
22. Februar 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden erheben und neben der Aufhebung des Entscheids des
Gemeindevorstands von B._ vom 19. Januar 2021 beantragen, die
Gemeinde B._ sei anzuweisen, die Baugesuche der
Beschwerdeführerin weiterzubearbeiten. Dazu führte sie
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zusammenfassend aus, die Unterstellung ihrer Baugesuche unter die
Planungszone sei zu Unrecht erfolgt. Einerseits könne die Gemeinde
B._ keine gefestigte Planung vorlegen, welche dies rechtfertigen
würde. Massgeblich seien die Auszonungspotenziale (AZP) des Amtes für
Raumentwicklung Graubünden (ARE GR). Ihre Grundstücke würden
davon nicht erfasst. Es gehe nicht an, wenn sich die Gemeinde auf
irgendwelche internen Arbeitspapiere berufe oder auf ein kommunales
räumliches Leitbild, dessen Inhalt völlig unklar sei. Ferner sei eine
Auszonung ihrer Grundstücke auch deshalb nicht gerechtfertigt, da sich
diese im weitgehend überbauten Gebiet befänden. Es handle es sich um
eine Baulücke, die geschlossen werden müsse. Zudem seien die
Voraussetzungen für Auszonungen gemäss dem kantonalen Richtplan
nicht erfüllt. Nur am Rande sei erwähnt, dass ihre Grundstücke gerade mal
0.43 % der unüberbauten Wohn-, Misch- und Zentrumszone in B._
ausmachten. Deren Auszonung könnte nur in einem untergeordneten Teil
zur Erfüllung der Herausforderungen in der Ortsplanung beigetragen.
Schliesslich habe es die Gemeinde im Sinne einer
Verhältnismässigkeitsprüfung unterlassen, mildere Massnahmen zur
Unterstellung abzuklären. Hätte die Gemeinde diese Prüfung seriös
vorgenommen, wäre sie zum Schluss gelangt, dass eine Befristung der
Baubewilligung verhältnismässiger wäre als die Unterstellung unter die
Planungszone. Schliesslich seien auch die ihr mit dem Entscheid vom
19. Januar 2021 auferlegten Kosten unverhältnismässig.
7. In ihrer Vernehmlassung vom 22. April 2021 schloss die Gemeinde
B._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei, und ergänzte die bereits im
Entscheid des Gemeindevorstands vom 19. Januar 2021 angeführte
Begründung anhand der beschwerdeführerischen Vorbringen. Dabei
gelangte sie namentlich zum Schluss, dass die streitgegenständlichen
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Baugesuche in den zeitlichen, sachlichen und räumlichen
Anwendungsbereich der Planungszone fielen.
8. Die Beschwerdeführerin hielt am 10. Juni 2021 replicando an ihren
Anträgen fest und vertiefte ihre bereits mit der Beschwerde vorgetragene
Argumentation.
9. Die Beschwerdegegnerin duplizierte am 21. Juni 2021 bei ebenfalls
unveränderten Rechtsbegehren, wozu die die Beschwerdeführerin
wiederum am 28. Juni 2021 Stellung nahm.
10. Am 16. Februar 2022 stellte die Instruktionsrichterin das bei der Gemeinde
Kosters edierte kommunale räumliche Leitbild (KRL) sowie weitere
Unterlagen den Verfahrensbeteiligten zu und räumte ihnen die Möglichkeit
ein, dazu Stellung zu nehmen.
11. Die Beschwerdeführerin führte mit Eingabe vom 10. März 2022 aus, die
edierten Akten hätten zu keinen neuen Erkenntnissen geführt, weshalb
vollumfänglich an den bisherigen Vorbringen festgehalten werde. Die
Beschwerdegegnerin liess sich nicht vernehmen.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften der Parteien, den
Entscheid vom 19. Januar 2021 sowie die weiteren Akten, wird, sofern
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Entscheid des
Gemeindevorstands der Gemeinde B._ vom 19. Januar 2021, womit
die Baugesuche der Beschwerdeführerin der Planungszone (betreffend
Bauzonendimensionierung) unterstellt und vorläufig sistiert wurden.
Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das
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Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von Gemeinden,
soweit diese nicht bei einer anderen Instanz angefochten werden können
oder nach kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind. Der
angefochtene Entscheid des Gemeindevorstands vom 19. Januar 2021 ist
weder endgültig noch kann er bei einer anderen Instanz angefochten
werden. Die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde fällt demzufolge in
die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts.
1.2. Verfahrensleitende Anordnungen und vorsorgliche Massnahmen sowie
andere Zwischenentscheide sind gemäss Art. 49 Abs. 4 VRG aber nur
anfechtbar, wenn sie für die betroffene Partei einen Nachteil zur Folge
haben, der sich später voraussichtlich nicht mehr beheben lässt (lit. a),
oder ausdrücklich als selbstständig anfechtbar erlassen werden, wenn
sich das Verfahren dadurch möglicherweise vereinfachen lässt (lit. b). Der
vorliegende Entscheid über die Unterstellung von zwei Baugesuchen unter
eine im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung geltende Planungszone stellt
im Rahmen des Baubewilligungsverfahren gemäss Art. 92 des
Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden (KRG; BR 801.100)
und Art. 41 ff. der Raumplanungsverordnung für den Kanton Graubünden
(KRVO; BR 801.110) bloss einen Schritt auf dem Weg zum Endentscheid
dar, da dieser das eingeleitete Baubewilligungsverfahren nicht
abschliesst, sondern vielmehr zur Folge hat, dass dieses einstweilen
sistiert wird. Damit würde es sich grundsätzlich um einen
Zwischenentscheid handeln (vgl. Urteile des Bundesgerichts
1C_573/2019 vom 29. September 2020 E.1.2 und 1C_91/2011 vom
26. Oktober 2011 E.1.1 f.; vgl. auch Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden [VGU] R 18 26 vom 19. Februar 2019 E.1, Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Luzern V 10 216_1 vom 15. November
2010 E.2b/aa und LGVE 2021 IV Nr. 1 E.1.3.1). Bis anhin trat das
Verwaltungsgericht jeweils auf entsprechende Beschwerde gegen
(sistierende) Unterstellungsverfügungen ein, ohne die Voraussetzungen
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von Art. 49 Abs. 4 lit. a oder b VRG vertieft zu prüfen (vgl. dazu etwa R 20
66 vom 14. September 2021 E.1, R 19 78 vom 15. April 2020 E.1.1 und
R 17 101 vom 19. Juni 2018 2018 E.1.1, R 10 34 vom 2. September 2010
E.3a und R 07 10 vom 24. August 2007). Der angefochtene Entscheid