Decision ID: 90e6ecc4-f618-42e8-b0cb-1091d72a7e70
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend vorsätzliche Tötung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 16. März 2016 (DG150181)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 26. Juni
2015 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 55).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 138 S. 99 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 13 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heu-
te 700 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind.
3. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 20. Mai 2014 beschlagnahmten
CHF 7'500.-- werden zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet.
4. Das Guthaben der Beschuldigten auf dem Konto Nr. ... bei der C._ Bank AG
wird per sofort beschlagnahmt und nach Eintritt der Rechtskraft zur Deckung der
Verfahrenskosten verwendet.
Die C._ Bank AG wird nach Eintritt der Rechtskraft angewiesen, das Konto zu
saldieren und den Saldo der Kasse des Bezirksgerichts Zürich zu überweisen.
5. Das Guthaben der Beschuldigten auf dem Konto Nr. ... bei der Bank D._ AG
wird per sofort beschlagnahmt und nach Eintritt der Rechtskraft zur Deckung der
Verfahrenskosten verwendet.
Die Bank D._ AG wird nach Eintritt der Rechtskraft angewiesen, das Konto zu
saldieren und den Saldo der Kasse des Bezirksgerichts Zürich zu überweisen.
6. Das Guthaben der Beschuldigten auf dem Konto Nr. ... bei der E._ AG wird
per sofort beschlagnahmt und nach Eintritt der Rechtskraft zur Deckung der Verfah-
renskosten verwendet.
Die E._ AG wird nach Eintritt der Rechtskraft angewiesen, das Konto zu sal-
dieren und den Saldo der Kasse des Bezirksgerichts Zürich zu überweisen.
7. Ein allfälliger Restbetrag nach Tilgung der ihr auferlegten Verfahrenskosten wird
der Beschuldigten auf ein von ihr zu bezeichnendes Konto überwiesen.
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8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 24. August 2015 beschlagnahmten
Mobiltelefone Sony Ericsson W910i und Sharp GX 30 inklusive zugehöriger Lade-
geräte, lagernd bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich (Sachkaution ...), werden
der Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgege-
ben.
Bei Nichtabholung innert drei Monaten seit Eintritt der Rechtskraft werden diese
Mobiltelefone samt Zubehör vernichtet.
9. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ Schadenersatz von
CHF 6'385.-- zu bezahlen.
Im Übrigen wird das Schadenersatzbegehren im Umfang von CHF 2'554.-- ab-
gewiesen und die Privatklägerin B._ wird mit ihrem Schadenersatzbegehren
im Mehrbetrag auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
10. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger F._ Schadenersatz von
CHF 432.-- zu bezahlen.
Der Privatkläger F._ wird mit seinem Schadenersatzbegehren im Mehrbetrag
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
11. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ CHF 8'000.-- als Ge-
nugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren
abgewiesen.
12. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger F._ CHF 8'000.-- als Ge-
nugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren
abgewiesen.
13. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 10'000.-- ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'778.85 Kosten der Kantonspolizei
Fr. 12'000.-- Gebühr Anklagebehörde
Fr.
75'430.14
Auslagen Untersuchung (inkl. Blutspurengutachten und zwei Monatsmieten)
Fr. 63'279.15 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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14. Die Kosten der Untersuchung, ausgenommen diejenigen für das Blutspurengutach-
ten in der Höhe von CHF 6'883.44 und der Kosten für zwei Monatsmieten für die
Wohnung des Opfers in der Höhe von CHF 2'554.--, werden der Beschuldigten auf-
erlegt.
15. Die gemäss Dispositiv-Ziff. 14 nicht der Beschuldigten auferlegten Kosten der Un-
tersuchung im Umfange von CHF 9'437.44 werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen.
16. Die Kosten des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen
Verteidigung, werden der Beschuldigten auferlegt.
17. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
18. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidi-
ger des Beschuldigten (unter Berücksichtigung der bereits erhaltenen Akontozah-
lungen in der Höhe von CHF 26'951.60) mit CHF 36'327.55 (inkl. Mwst.) aus der
Gerichtskasse entschädigt.
19. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ für das gesamte Ver-
fahren eine Prozessentschädigung von CHF 3'272.90 (inkl. Mwst.) zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird auf ihren Entschädigungsantrag nicht eingetreten.
20. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger F._ für das gesamte Ver-
fahren eine Prozessentschädigung von CHF 5'859.60 (inkl. Mwst.) zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird auf seinen Entschädigungsantrag nicht eingetreten.
21. (Mitteilungen)
22. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 5 ff.)
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 172 S. 1 ff.)
1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 16. März 2016 aufzuheben
und die Beschuldigte A._ von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Der Beschuldigten sei eine Prozessentschädigung im Betrag von
CHF 186'000.– auszurichten.
3. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 20. Mai 2014 beschlagnahm-
te Barschaft von CHF 7'500.– sei der Beschuldigten auf ihr erstes Verlangen
herauszugeben.
4. Die mit Urteil der Vorinstanz vom 16. März 2016 beschlagnahmten Gutha-
ben der Beschuldigten bei der C._ Bank AG, Bank D._ AG und
E._ AG (Urteil Disp. Ziff. 4-6) seien der Beschuldigten auf ihr erstes
Verlangen herauszugeben.
5. Die mit Urteil der Vorinstanz vom 16. März 2016 der Privatklägerschaft
eingeräumten Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche (Urteil Disp.
Ziff. 9-12) seien aufzuheben (bzw. die von der Privatklägerschaft geltend
gemachten Zivilansprüche abzuweisen).
6. Die Kosten des Untersuchungsverfahrens sowie des erst- und zweitinstanz-
lichen Gerichtsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
7. Die mit Urteil der Vorinstanz vom 16. März 2016 der Privatklägerschaft zu-
gesprochenen Prozessentschädigungen (Urteil Disp. Ziff. 19-20) seien auf-
zuheben (bzw. die von der Privatklägerschaft geltend gemachten Prozess-
entschädigungen abzuweisen).
8. Unter ausgangsgemässer Regelung der Kostenfolgen.
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Für den Fall, dass das Obergericht die Beschuldigte heute nicht freisprechen soll-
te, stellt die Verteidigung folgende
Eventualanträge:
9. Die Beschuldigte sei wegen vorsätzlicher Tötung mit einer Freiheitsstrafe
von max. 7 Jahren zu bestrafen, unter Anrechnung der bereits erstandenen
Polizei-, Untersuchungs- und Sicherheitshaft.
10. Es sei der Beschuldigten von den mit Urteil der Vorinstanz vom 16. März
2016 beschlagnahmten Guthaben bei der C._ Bank AG, Bank D._
AG und E._ AG (Urteil Disp. Ziff. 4-6) einen Betrag von mind.
CHF 25'000.– umgehend auf ein von ihr zu bezeichnendes Konto herauszu-
geben.
11. Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz vom 16. März 2016 zu bestätigen.
12. Unter ausgangsgemässer Regelung der (zweitinstanzlichen) Kostenfolgen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 174)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Vertretung der Privatklägerin 1, RA lic. iur. Y._:
(schriftlich, Urk. 140)
Keine Anträge (Rückzug der Berufung)
d) Der Vertretung des Privatklägers 2, RA lic. iur. Z._:
(schriftlich, Urk. 164)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
16. März 2016 wurde die Beschuldigte A._ anklagegemäss der vorsätzlichen
Tötung von †G._ schuldig gesprochen und mit 13 Jahren Freiheitsstrafe be-
straft (Urk. 55 und Urk. 138 S. 99). Gegen diesen Entscheid liessen die Beschul-
digte durch ihren amtlichen Verteidiger mit Eingabe vom Folgetag sowie die Pri-
vatklägerin B._ durch ihren Rechtsvertreter mit Eingabe vom 21. März 2016
innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 123 und
Urk. 125). Die Berufungserklärung der Verteidigung ging ebenfalls innert gesetzli-
cher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 14). Die An-
klagebehörde hat auf Anschlussberufung verzichtet (vgl. Urk. 145; Art. 400 Abs. 2
f. und Art. 401 StPO). Die Privatklägerin 1 hat ihre Berufung mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 21. April 2016 zurückgezogen (Urk. 140, vgl. Urk. 145).
Beweisergänzungsanträge wurden im Berufungsverfahren – abgesehen von der
Einreichung von Unterlagen (Prot. II S. 8) – nicht gestellt (Art. 389 Abs. 3 StPO;
Urk. 143). Die Verteidigung hat die Berufung in ihrer Berufungserklärung aus-
drücklich nicht beschränkt (Urk. 143; Art. 399 Abs. 4 StPO). Die Anklagebehörde
beantragt die Bestätigung des angefochtenen Entscheides (Urk. 174).
2. Demnach ist das vorinstanzliche Urteil in keinem Punkt in Rechtskraft erwach-
sen und im Berufungsverfahren vollumfänglich angefochten (Art. 404 StPO).
II. Schuldpunkt
1.1. Die Anklagebehörde wirft der Beschuldigten A._ in ihrer Anklageschrift
vom 26. Juni 2015 vor, am 11. März 2014 im Zeitraum zwischen 11.17 und 16.17
Uhr an der H._-Strasse ... in ... Zürich in seiner Wohnung im vierten Stock
das Opfer †G._ mit einem unbekannten Gegenstand erschlagen zu haben
(Urk. 55 S. 2).
1.2. Die Beschuldigte hat ab initio im gesamten bisherigen Verfahren und auch
heute die Tat bestritten. Sie sei im Tatzeitraum nicht in der Wohnung des Opfers,
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sondern vielmehr in ihrer – damaligen – Wohnung an der I._ ... in ... Zürich
gewesen (Urk. 4/1 S. 15; Urk. 114 S. 7; Urk. 171 S. 5, Prot. II S. 14).
1.3. Die Beschuldigte war seit 2000 die Lebenspartnerin von F._, dem Sohn
des Opfers †G._. Zum näheren persönlichen Umfeld des Opfers gehörten
weiter dessen Tochter B._ und deren Lebenspartner J._. Anklagebe-
hörde und Vorinstanz bezeichnen diesen Personenkreis – zutreffend – als "tatort-
berechtigte Bezugspersonen" (Urk. 138 S. 31), da – einzig – diese über einen
Schlüssel zur Wohnung des Opfers respektive Zugang zu einem solchen verfüg-
ten. Mit der Verteidigung (Urk. 117 S. 50, Urk. 172 S. 21) ergänzend anzufügen
ist, dass die Beschuldigte in der ersten Einvernahme erwähnt hatte, dass wäh-
rend ihrer und F._s Ferienabwesenheit – welche offenbar von Mitte Dezem-
ber 2013 bis am 1. Februar 2013 dauerte (Urk. 5/2/4 S. 5, Urk. 117 S. 50,
Urk. 172 S. 21) – ein Kollegenpaar von F._ die Wohnung von †G._ ge-
putzt habe (Urk. 4/1 S. 10), was im weiteren Verfahren aber von keiner Seite wei-
ter thematisiert wurde. Vor diesem Hintergrund kann letztlich nicht mit Sicherheit
ausgeschlossen werden, dass dieses Kollegenpaar – zumindest zeitweise – auch
im Besitz eines Schlüssels war.
1.4. Allseits anerkanntermassen liegt im vorliegenden Fall kein schlagendes, di-
rektes, objektives, belastendes Beweismittel für die Täterschaft der Beschuldigten
vor: Es gibt weder ein Geständnis der Beschuldigten, noch einen Tatzeugen noch
die Beschuldigte als Täterin überführende Spuren am Tatort oder in ihrer – dama-
ligen – Wohnung. Das vorliegende Verfahren ist ein sog. Indizienprozess. Zur
Problematik der Beurteilung von Indizien in der richterlichen Beweiswürdigung ist
– zur Vermeidung von Wiederholungen – ein erstes Mal auf die entsprechenden
theoretischen Erwägungen im angefochtenen Entscheid zu verweisen (Urk. 138
S. 27 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO; vgl. Entscheid des Bundesgerichts 6B_678/2013
vom 3. Februar 2014 E. 3.3. m.V.).
1.5. Für die Täterschaft der Beschuldigten liegen in der Tat Indizien vor, was auch
die Verteidigung anerkennt. In der Folge versucht die Verteidigung, diese belas-
tenden Indizien zu entkräften respektive die Beschuldigte entlastende Indizien ins
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Feld zu führen, um Zweifel an der Täterschaft der Beschuldigten zu wecken
(Urk. 117 S. 5 und S. 16; Urk. 172 S. 11 ff.).
2.1. In concreto ist vorentscheidend, ob von einem unbestimmt grossen, mögli-
chen Täterkreis auszugehen ist, oder ob dieser auf bestimmte Personen begrenzt
werden kann.
2.2. Gemäss ihren Aussagen hat B._ das Opfer am Abend des Tattages ge-
funden. Die Wohnungstüre sei ge-, jedoch nicht verschlossen gewesen; der
Schlüssel des Opfers habe auf der Innenseite im Türschloss gesteckt. Da
B._ (und auch ihr Lebenspartner J._ zwingend als Täter ausscheiden,
vgl. nachstehende Erwägungen), ist an dieser Sachdarstellung nicht zu zweifeln
(Urk. 5/1/1-3).
Die Anklagebehörde geht davon aus, das vorliegende Spurenbild lasse zweifels-
frei darauf schliessen, dass der Täter sich nicht gewaltsam Zugang zur Wohnung
von †G._ verschafft habe, sondern dass das Opfer den Täter in die Woh-
nung eingelassen habe, respektive dieser über einen Schlüssel verfügt habe und
Wohnungs- und/oder zumindest die Hauseingangstüre selber habe öffnen kön-
nen. Das Opfer habe den Täter gekannt; es liege ein Beziehungsdelikt vor
(Urk. 115 S. 24 Mitte, Urk. 174 S. 2 ff.).
2.3. Die Verteidigung macht ausdrücklich nicht geltend, der Täter habe sich ge-
waltsam Zugang zum Tatort verschafft. Der mögliche Täterkreis sei jedoch nicht
auf die bekannten vier Schlüsselinhaber (Kinder des Opfers sowie deren Partner)
zu beschränken. Allenfalls habe das Opfer geheime Bekanntschaften gepflegt, so
z.B. eine sexuelle Affäre oder Kontakte zu Prostituierten. Ferner sei nicht auszu-
schliessen, dass das Kollegenpaar, welches während der Ferienabwesenheit bei
†G._ geputzt habe, (noch) über einen Schlüssel verfügte. Ebenso denkbar
sei, dass sich ein Unbekannter unter einem Vorwand in die möglicherweise un-
verschlossene Wohnung eingeschlichen habe. Allenfalls habe ein Unbekannter –
ohne Wissen der Kinder des Opfers – über einen weiteren Schlüssel verfügt
(Urk. 117 S. 46-53, Urk. 172 S. 18-22).
2.4. Die Vorinstanz hat vorab die notwendigen theoretischen Ausführungen zur
richterlichen Sachverhaltserstellung (Urk. 138 S. 16-19) und anschliessend eine
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schon eigentlich beispielhaft gründliche, ausführliche und sorgfältige Beweis-
würdigung angestellt (Urk. 138 S. 20 ff.). Darauf wird im Folgenden wiederholt zu
verweisen sein.
2.5. Als B._ das Opfer fand, war die Wohnungstüre geschlossen, jedoch un-
verschlossen und der Schlüssel des Opfers steckte auf der Innenseite im Tür-
schloss (Urk. 13/2 S. 8). Gewohnheitsmässig und gemäss Absprache mit seinen
Kindern hielt †G._ die Wohnungstüre verschlossen und hängte den Schlüs-
sel neben die Türe (vgl. Urk. 138 S. 29 mit Verweisen). Die angetroffene Situation
lässt nun die folgenden Möglichkeiten offen:
1) Der Täter wurde vom Opfer eingelassen und das Opfer liess seinen Schlüssel
an der Türe hängen.
2) Der Täter öffnete mit einem eigenen Schlüssel die Wohnungstüre und steckte
beim Verlassen der Wohnung den Schlüssel des Opfers ins Schloss, um die Tat-
sache zu verschleiern, dass er sich mit einem eigenen Schlüssel Einlass ver-
schafft hatte.
3) Der Täter schlich sich – da sowohl Haus- wie Wohnungstüre entgegen der Re-
gel offen waren – in die Wohnung.
Version 1 erscheint grundsätzlich als möglich: Dazu ist relevant, dass der getötete
†G._ auf dem Sofa sass, mit dem Rücken Richtung Wohnzimmereingang
(Urk. 13/2); er trug nur Unterwäsche und vor ihm stand auf dem Couchtisch eine
gefüllte Urinflasche (Urk. 13/2); ein eigentlicher Kampf fand nicht statt, höchstens
eine schützende Abwehrhaltung des Angegriffenen durch seine Arme oder Hände
(Urk. 138 S. 30 mit Verweisen) und entgegen der Verteidigung (Urk. 117 S. 39) ist
mit der Vorinstanz gestützt auf das entsprechende Untersuchungsergebnis auch
erstellt, dass zahlreiche Schläge von seitlich hinten gegen den Kopf des Opfers
geführt wurden (Urk. 138 S. 22 mit Verweisen).
Sollte das Opfer den Täter also selber in die Wohnung gelassen haben, sprechen
diese Umstände dagegen, dass es sich bei diesem um eine dem Opfer unbe-
kannte Person gehandelt hat: Abgesehen davon, dass †G._ durch seinen
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Sohn F._ generell als "sehr vorsichtig" beschrieben wird (Urk. 5/2/1 S. 9),
hätte er wohl kaum eine ihm nicht sehr vertraute Person nur in Unterhosen und
mit einer vollen Urinflasche auf dem Tisch eingelassen. Er hätte sich wohl auch
kaum auf das Sofa gesetzt und einem Unbekannten vertrauensvoll den Rücken
zugewandt.
Version 2 erscheint – entgegen der unbegründet gebliebenen Mutmassung im
angefochtenen Entscheid (Urk. 138 S. 29 f.) – in jeder Hinsicht plausibel. Es
spricht nichts dagegen.
Version 3 schliesslich scheidet – da äusserst unrealistisch – praktisch aus: Ge-
mäss den übereinstimmenden Aussagen der nahen Bezugspersonen des Opfers
(bereits verwiesen) entsprach diese hypothetische Schliesssituation weder betref-
fend Haus- noch betreffend Wohnungstüre dem Usus. Erstellter- und anerkann-
termassen wurde die Wohnung weder durchwühlt, noch wurden irgendwelche
Wertgegenstände gestohlen, obschon solche vorhanden waren (Urk. 138 S. 30 f.
mit Verweisen). Ein Einschleichdieb ist als Täter somit nicht zu vermuten. Auf das
Opfer wurde sodann mit einer Gewalt eingewirkt, die weit über das Notwendige
hinausging, um es einfach zu töten (vgl. Urk. 138 S. 30 mit Verweisen; vgl.
rechtsmedizinisches Gutachten Urk. 10/6 S. 6). Diese Aggressions-Eruption lässt
in der Tat auf eine sehr hohe und im Tatzeitpunkt unkontrollierte Emotionalität des
Täters schliessen, was gegen einen Unbekannten als Täter spricht, wie bei-
spielsweise einen Einbrecher, der sich die Flucht sichern oder sich eines Zeugen
entledigen will. Entsprechend hält auch die Verteidigung dafür, dass die Annahme
eines Beziehungsdelikts "zugegebenermassen nicht von der Hand zu weisen" sei
(Urk. 172 S. 11, 13, 18 f.).
Somit ist davon auszugehen, dass der Täter gemäss Version 1 durch das Opfer
eingelassen wurde oder gemäss Version 2 über einen eigenen Schlüssel ver-
fügte. Jedenfalls muss es sich um eine dem Opfer gut bekannte, vertraute Person
gehandelt haben.
Die Verteidigung mutmasste vor Vorinstanz und auch heute, †G._ habe al-
lenfalls ein geheimes Doppelleben, so beispielsweise eine sexuelle Affäre, geführt
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und eine geheime Geliebte oder eine Prostituierte in seine Wohnung eingelassen
(Urk. 117 S. 51 f., Urk. 172 S. 19 f.). Die Anklagebehörde hat diesen Einwurf
replicando zu Recht als "Nebelpetarde" bezeichnet (Prot. I S. 22): Das Opfer war
zum Zeitpunkt seiner Tötung knapp 78 Jahre alt, gesundheitlich massiv ange-
schlagen und stark übergewichtig. Sein Sohn F._ bezeichnete ihn als ge-
brechlich; er habe zum Atmen ein Sauerstoffgerät und zum Laufen einen Rollator
benötigt (Urk. 5/2/1 S. 3). Er sass in seiner Unterwäsche und mit einem Schlauch
an die Sauerstoffanlage angehängt auf dem Sofa, vor sich eine gefüllte Urinfla-
sche (Urk. 13/2). Ihm zu unterstellen, er habe in dieser Verfassung seiner Familie
komplett verborgen gebliebenen Ausschweifungen gefrönt, ist wohl mehr als un-
realistisch. Hätte er tatsächlich Damenbesuch gehabt, stellte sich auch hier wie-
derum die Frage, weshalb er diesen in einer mehr als zwanglosen, unvorteilhaften
Aufmachung empfangen hätte, respektive weshalb beispielsweise eine Prostitu-
ierte eine derart hochemotionale und unkontrollierte Gewaltorgie veranstalten soll-
te. Gleiches hat in Bezug auf das Kollegenpaar von F._ zu gelten, das ge-
mäss der Darstellung der Beschuldigten während ihrer und F._s Ferienab-
wesenheit die Wohnung von †G._ geputzt haben soll. Die weitere – um bei
der Formulierung der Anklagebehörde zu bleiben – Nebelpetarde, †G._ habe
ominösen Umgang mit iranischen Telefonverbindungen gepflegt (Urk. 117 S. 50
f.), erwies sich umgehend als Rohrkrepierer, da es sich dabei nicht um iranische
Anschlüsse, sondern vielmehr um lapidare Rufumleitungsnummern handelte
(Urk. 138 S. 44 f. mit Verweisen). Die Vorinstanz hat die Darstellungen des in der
Untersuchung ausnahmslos befragten – überschaubaren – sozialen Umfelds von
†G._ detailliert wiedergegeben und daraus korrekt geschlossen, es lägen
keinerlei Hinweise für eine Dritttäterschaft vor. Die wenigen sozialen Kontakte, die
†G._ unterhielt (im Übrigen seit vielen Jahren immer mit denselben Perso-
nen), erfolgten ausserhalb seiner Wohnung (Urk. 138 S. 42 f.). Die Verteidigung
ist in keiner Weise in der Lage, ein gespanntes Verhältnis des Opfers jedwelcher
Art zu irgendjemanden auch nur ansatzweise zu substantiieren. Sie gibt dies auch
unumwunden zu (Urk. 117 S. 48). Sie wirft vielmehr einfach pauschal in den
Raum: "Wir wissen nicht, ob †G._ irgendwelche Feinde hatte" (Urk. 117
S. 52). Solches ist jedoch wie erwogen schlicht auszuschliessen.
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Entgegen der Verteidigung gibt es somit keine "unbestimmte Zahl von möglichen
Tätern" (Urk. 117 S. 48). Der mögliche Täterkreis beschränkt sich auf die "tatort-
berechtigten Bezugspersonen". Unbegründet ist der Einwand der Verteidigung,
wonach es nicht weiter erstaunlich sei, dass es am Schluss keine Hinweise auf
eine Dritttäterschaft geben könne, wenn man entsprechenden Hinweisen nicht
einmal ansatzweise nachgehe (Urk. 172 S. 22). Zwar trifft es zu, dass aufgrund
der Darstellung der Beschuldigten anlässlich der ersten polizeilichen Einver-
nahme zumindest nicht auszuschliessen ist, dass das Kollegenpaar von F._,
welches offenbar während der Ferienabwesenheit der Beschuldigten sowie
F._s die Wohnung geputzt hatte, möglicherweise über einen Schlüssel ver-
fügt haben könnte, wenn dies auch als eher unwahrscheinlich zu gelten hat, zu-
mal auch F._ in seinen Einvernahmen konstant angegeben hatte, dass nur
Personen aus dem engen Familienkreis über einen Schlüssel verfügten
(Urk. 5/2/1 S. 5, Urk. 5/2/4 S. 9). Wie gesehen fällt das Kollegenpaar als mögliche
Täterschaft aber schon deshalb ausser Betracht, weil aufgrund der Tatsituation
(Gewaltexzess, spärliche Bekleidung des Opfers, Urinflasche auf dem Tisch, Po-
sition des Opfers auf dem Sofa sitzend mit dem Rücken Richtung Wohnzimmer-
eingang, keine Anzeichen für eine Kampfsituation) von einem Beziehungsdelikt
auszugehen ist. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass dem ein-
maligen Hinweis auf das Kollegenpaar nicht näher nachgegangen worden ist und
erscheint es mit der Staatsanwaltschaft konstruiert, wenn die Verteidigung daraus
eine mögliche Dritttäterschaft ableiten will, zumal sie es auch selbst unterlassen
hat, diesem Hinweis in irgendeiner Form nachzugehen bzw. diesbezüglich Ergän-
zungsfragen oder Beweisanträge zu stellen (Prot. II S. 10).
Mithin beschränkt sich der mögliche Täterkreis auf die "tatortberechtigten Be-
zugspersonen" aus dem engen Familienkreis des Opfers. Von diesen Personen
verfügen alle ausser der Beschuldigten, nämlich F._, B._ und J._,
betreffend den gesamten möglichen Tatzeitraum über ein Alibi (vgl. Urk. 138
S. 31-33 mit Verweisen), was auch die Verteidigung nicht bestreitet (Urk. 117
S. 47, Urk. 172 S. 14). Anerkanntermassen kann "als einzige" die Beschuldigte
"für einen Teil des möglichen Tatzeitraums unglücklicherweise kein Alibi vorwei-
sen" (Urk. 117 S. 16 ff.; S. 47; Urk. 172 S. 14).
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Gemäss medizinischem Gutachten wurde †G._ am Tattag zwischen 11'17
und 16'17 Uhr getötet (Urk. 10/6 S. 5). Der langjährige Lotto-Freund K._ hat-
te am Tattag – wie jeden Dienstag – eine Verabredung mit dem Opfer im Restau-
rant "...", zu welcher dieses nicht erschien, weshalb K._ ca. um 15'30 Uhr an
der Haustüre an der H._-Strasse ... klingelte, jedoch keine Antwort erhielt
(Urk. 6/3). Dies lässt darauf schliessen, dass †G._ um diese Zeit wohl bereits
tot war. Die Verteidigung macht geltend, die Beschuldigte hätte nicht vor 12'52
Uhr am Tatort sein können (Urk. 117 S. 18 f.). Die Vorinstanz geht davon aus, die
Beschuldigte verfüge "für den Nachmittag des 11. März 2014 ab ca. 13 Uhr über
kein Alibi" (Urk. 138 S. 36).
Für die vorliegend in concreto zu erfolgende Beurteilung ist im Übrigen der dies-
bezügliche Verweis der Vorinstanz auf eine Statistik, wonach 70% der Opfer von
Tötungsdelikten den Täter kannten (Urk. 138 S. 28), eigentlich irrelevant.
3. Nebst dem vorstehend abgehandelten, zentralen Indiz der Tatortsituation und
der daraus abgeleiteten Feststellung, dass von einem Beziehungsdelikt auszuge-
hen und die Täterschaft eines unbekannten Dritten auszuschliessen ist, liegen
weitere belastende Indizien gegen die Beschuldigte vor:
3.1. Die Vorinstanz hat sich äusserst detailliert mit den Aussagen der Beschuldig-
ten, wie sie sie im gesamten Verfahren deponiert hat, auseinandergesetzt
(Urk. 138 S. 36-42 und S. 45-59) und zusammengefasst geschlossen, das Aus-
sageverhalten der Beschuldigten sei mit Widersprüchen und Ungereimtheiten ge-
spickt und mehrfach dem jeweils aktuellen Beweisergebnis angepasst worden
(Urk. 138 S. 59).
Auch wenn die Verteidigung die Aussagen der Beschuldigten vor Vorinstanz noch
als "in zahlreichen Einvernahmen im Kerngehalt durchaus konstant und schlüs-
sig" bezeichnet hatte (Urk. 117 S. 10), stellte sie anlässlich der Berufungs-
verhandlung nicht in Abrede, dass es im Verlaufe der zahlreichen Einvernahmen
der Beschuldigten zu einigen Ungereimtheiten und Widersprüchen gekommen sei
und einzelne Aussagen der Beschuldigten durch die TK-Ergebnisse widerlegt
werden konnten (Urk. 172 S. 23, 28). Dabei wird konzediert, dass es mit Bezug
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auf die Ereignisse vom Vortag des Tattages "einige Abweichungen" gäbe und sie
vorerst bestritten habe, am Vortag der Tat das Opfer angerufen zu haben
(Urk. 117 S. 11, Urk. 172 S. 23). Die Ungereimtheiten seien eine Folge des
Suizidversuchs sowie des Medikamentenkonsums; die anschliessende Aus-
sageverweigerung sei "legitim und nachvollziehbar" (Urk. 117 S. 10; Urk. 172
S. 23 f., 28).
Zutreffend ist, dass die Aussageverweigerung, wie sie die Beschuldigte ab Ende
ihrer zweiten Befragung wiederholt an den Tag gelegt hat, "legitim", d.h. strafpro-
zessual zulässig, ist (Art. 158 Abs. 1 lit. b StPO). Nachvollziehbar ist sie mitnich-
ten und die Verteidigung begründet auch nicht, weshalb dies so sein sollte: Die
Beschuldigte hätte auf Vorhalt von bisherigen Widersprüchen und Unklarheiten
vielmehr die Gelegenheit gehabt, diese aufzuklären; vorausgesetzt, es hätte dafür
eine plausible Klärungsmöglichkeit gegeben. Mit der Verweigerung der Aussage
begann die Beschuldigte auffälligerweise nach einem ersten zusammenfassen-
den Vorhalt des aktuellen Ermittlungsergebnisses, verbunden mit der Frage, ob
sie nun nicht die Wahrheit sagen wolle (Urk. 4/2 S. 22).
Die Vorinstanz hat detailliert aufgezeigt, dass die Beschuldigte zu Beginn der Un-
tersuchung wahrheitswidrig bestritt, sich am Vorabend der Tat in der Nähe des
Wohnortes des Opfers aufgehalten und diesen am Tat-Vortag auch telefonisch
kontaktiert zu haben (Urk. 138 S. 45-51). Dies lässt mit der Vorinstanz und entge-
gen der Verteidigung zweifellos darauf schliessen, dass die Beschuldigte sich
bemühte, mit †G._ möglichst nicht in Zusammenhang gebracht zu werden
und ihre tatsächlich kurz vor dessen Tod stattgefundenen Kontakte zu minimieren
(Urk. 138 S. 45). Die Verteidigung führte aus, es sei nicht nachvollziehbar, wes-
halb die Untersuchungsbehörde auf den Geschehnissen des Vorabends der Tat
"herumhacke", die Tat habe ja erst am 11. März 2014 nach 11'17 Uhr stattgefun-
den. Aus dem Umstand, dass sich die Beschuldigte am Vorabend während 50
Minuten in relativer Nähe des Tatortes aufgehalten habe, ergäbe sich keine Be-
lastung (Urk. 117 S. 30 und 32). Natürlich ist eine Person, die sich am Vorabend
einer Tat in der Nähe des Tatortes aufhält, nicht per se als Täter überführt. Wenn
in concreto die Beschuldigte jedoch zuerst solches leugnet (in Verbindung mit
- 16 -
dem ebenfalls geleugneten Anruf offensichtlich mit dem Motiv, eine nicht dagewe-
sene innere Distanz zum Opfer vorzugeben), und wenn der Zweck dieses Aufent-
halts in der Nähe des Tatortes dann in keiner Weise plausibel gemacht wird (was
wiederum das anfängliche Bestreiten und folgende Lavieren erklärt), ist dies ent-
gegen der Verteidigung äusserst suspekt!
In der Folge hat die Vorinstanz wiederum in allen Details herausgearbeitet, dass
die Angaben der Beschuldigten zu den Umständen ihrer Schlaftabletten-
Einnahme widersprüchlich sind und augenfällig darauf abzielen, ihr für den
Nachmittag des Tattages ein Alibi zu verschaffen (Urk. 138 S. 51-56).
Entgegen der Verteidigung lässt sich dieses durch Widersprüche geprägte Aus-
sageverhalten der Beschuldigten nicht durch eine Beeinträchtigung des Erinne-
rungsvermögens durch die Einnahme von Benzodiazepinen erklären. Es mag
zwar zutreffen, wenn die Verteidigung – unter Verweis auf einen Online-Bericht
von Prof. L._ (Urk. 173/4 S. 6) sowie eines Wikipedia Artikels zur anterogra-
den Amnesie (Urk. 173/5) – geltend macht, dass Benzodiazepine bekannt dafür
seien, dass sie Gedächtnislücken verursachten und gelegentlich gar zu Gedächt-
nisirrtümern sowie Konfabulationen führen könnten (Urk. 172 S. 29 ff.). Dadurch
lässt sich aber nicht erklären, weshalb die Beschuldigte die Vorkommnisse vom
10. und 11. März 2014 über Monate hinweg immer wieder anders schilderte. So
passte sie beispielsweise auch ihr Aussageverhalten hinsichtlich der Frage, ob sie
am Tattag Besuch erhalten habe, immer wieder an das Untersuchungsergebnis
an. Gemäss den glaubhaften Aussagen von M._, welche überdies mit den
Ergebnissen der rückwirkenden Teilnehmeridentifikation vereinbar sind, ist davon
auszugehen, dass M._ am 11. März 2014 – auf Ersuchen seiner Mutter –
zweimal (einmal um ca. 11:30 Uhr und dann nochmals um 16:30 Uhr) bei der Be-
schuldigten vorbeigegangen ist, um nach ihr zu schauen (Urk. 138 S. 40 ff. mit
Verweis auf Urk. 6/9 S.5, Urk 6/10 S. 7). Am 12. Juni 2014 dazu befragt, erklärte
die Beschuldigte zunächst, am Tattag überhaupt keinen Besuch erhalten zu ha-
ben. Auf erneute Frage und mit der Aussage von M._ – wonach er bei ihr
gewesen sei und sie aus dem Fenster geschaut habe – konfrontiert, erklärte sie
dann, dass sie ja gesagt habe, nicht mehr zu wissen, wann er bei ihr gewesen sei
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(Urk. 4/5 S. 7, 13) und auch am 3. Juli 2014 erklärte sie, nicht mehr zu wissen, ob
M._ am 10. oder 11. März 2011 vorbeigekommen sei (Urk. 4/6 S. 12). Erst
nach Konfrontation mit den Aussagen von N._, welcher – gemäss den über-
einstimmenden Aussagen von N._ und M._ (Urk. 6/18 S. 2; Urk. 6/19
S. 3 f., 5; Urk. 6/9 S. 5; Urk. 6/10 S. 8) – zusammen mit seinem thailändischen
Sohn und M._ am späten Nachmittag vom 11. März 2011 vorbeigeschaut
hat, erwähnte die Beschuldigte, dass sie an jenem Nachmittag gehört habe, dass
jemand an ihrer Türe geklingelt habe, sie jedoch nicht rechtzeitig habe öffnen
können, da sie auf dem WC gewesen sei (Urk. 4/8/8). Damit passte sie ihre Aus-
sagen betreffend den Besuch bzw. die Besuche von M._ dreimal an das je-
weilige Untersuchungsergebnis an, wobei die letzte Version dann aber nicht mehr
in Einklang mit ihren – ebenso nicht konstanten – Aussagen betreffend den Zeit-
punkt der Tabletteneinnahme am späteren Vormittag, Mittag oder frühen Nachmit-
tag zu bringen sind. Bei der geltend gemachten Überdosis von 100 bis 150
Schlaftabletten hätte die Beschuldigte am späten Nachmittag die Türklingel jeden-
falls sicher nicht mehr gehört (Urk. 138 S. 54 f. mit Verweisen).
Mit der Vorinstanz (Urk. 138 S. 57-59) immerhin bemerkenswert ist sodann die
Tatsache, dass bei der Beschuldigten anlässlich ihrer Verhaftung Handnotizen si-
chergestellt wurden, mittels welchen sie in Frage- und Antwortform die bisherigen
Einvernahmen festhielt (Anhang zu Urk. 4/10). Wer aus dem Gedächtnis heraus
tatsächlich Erlebtes und Vorgefallenes schildert, braucht keine Notizen. Insbe-
sondere braucht er auch kein Memo dazu, was er auf welche Fragen geantwortet
hat. Dies ist vielmehr das Vorgehen eines Befragten, der eine Geschichte zum
Besten gegeben hat und befürchtet, sich in einer weiteren Befragung in Wider-
sprüche zu verstricken (was ja denn wie erwogen auch geschah), da er sich ja
nicht an Erlebtes erinnern kann, sondern bestenfalls an seine früheren Aussagen.
3.2. Mit der Darstellung der Anklagebehörde und der Vorinstanz und entgegen
der Verteidigung ist ein aggressives Verhalten der Beschuldigten nicht nur gegen
sich selber, sondern auch gegen andere Personen sodann alles andere als per-
sönlichkeitsfremd: Die Beschuldigte war von 1988 bis 1992 mit M._ verheira-
tet (Urk. 6/10 S. 3). Im Jahr 1991 befand sich die Beziehung in der Auflösung, die
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Ehe sollte geschieden werden. Im Rahmen einer geplanten Unterzeichnung der
Scheidungskonvention schlug die Beschuldigte dem damaligen Noch-Ehemann
M._, welcher sich anschickte, sie zu verlassen, von hinten mit der scharfen
Kante eines Gemüsemessers auf den Kopf. Dies gesteht die Beschuldigte aus-
drücklich ein (Urk. 4/5 S. 13). Sie wurde dafür rechtskräftig wegen Körperverlet-
zung verurteilt (Beizugsakten Urk. 25/3). Der Einwand der Verteidigung, dieser
Angriff der Beschuldigten habe nichts mit der Trennung oder Scheidung zu tun
gehabt und sei lediglich eine Reaktion auf einen Schlag von M._ gewesen
(Urk. 117 S. 34, Urk. 172 S. 32 f.), ist unbehelflich: Die Beschuldigte schlug
M._ mit einem gefährlichen Gegenstand von hinten auf den Kopf und die vo-
rausgegangene Auseinandersetzung hatte ihren Ursprung eindeutig in der Auflö-
sung der Beziehung. Ebenso unbehelflich ist die Behauptung, es gäbe keine Pa-
rallele zur heutigen Tat, da †G._ nicht von hinten auf den Kopf geschlagen
worden sei (Urk. 117 S. 39). Wie bereits vorstehend erwogen, ist diese Behaup-
tung durch das Untersuchungsergebnis des IRM klar widerlegt (vgl. Urk. 10/6).
Im Folgenden war die Beschuldigte mit O._ verheiratet. Kurz nach der Auflö-
sung dieser Ehe schoss die Beschuldigte mit einem Revolver in Richtung des auf
der Toilette sitzenden Ex-Ehemannes und verfehlte diesen nur knapp. Es resul-
tierte im Jahr 1998 eine rechtskräftige Verurteilung wegen Gefährdung des Le-
bens (Beizugsakten, Urk. 69). Gemäss Verteidigung sei der Grund für die
Schussabgabe nicht die Auflösung der Ehe durch O._ gewesen (Urk. 117
S. 35 und S. 37, Urk. 172 S. 33 f.). Wenn die Beschuldigte kurz nach Auflösung
der Ehe unvermittelt in Richtung des auf der Toilette sitzenden Ex-Manns
schiesst, ist jedoch schwerlich ein anderes Motiv denkbar als unverarbeitete Diffe-
renzen im Zusammenhang mit der problembeladenen Ehe und deren Auflösung.
Auffällig ist auf jeden Fall die absolut überschiessende Handlungsweise der Be-
schuldigten!
Der erste Ehemann M._ bezeichnete die Beschuldigte in der Untersuchung
als liebevoll, fürsorglich, häuslich, hilfsbereit, fleissig und freundlich, bei Mei-
nungsdifferenzen jedoch als gewalttätig, jähzornig, unbeherrscht und stark eifer-
süchtig (Urk. 6/9 S. 3). F._ beschrieb sie als zurückhaltend, ruhig und ange-
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nehm, sie habe jedoch wegen Kleinigkeiten aufbrausend und aggressiv werden
können und sich habe sich nicht mehr unter Kontrolle gehabt (vgl. Urk. 138 S. 61
mit zahlreichen Verweisen; statt vieler: Urk. 5/2/2 S. 8). Es gibt entgegen der Ver-
teidigung (Urk. 117 S. 15) keinen Grund, an der Beschreibung von M._ zu
zweifeln; diejenige von F._ kritisiert die Verteidigung nicht (Urk. 117 S. 12 ff.).
Schliesslich wurde die Beschuldigte in der Untersuchung forensisch-psychiatrisch
begutachtet: Der Gutachter attestierte der Beschuldigten nach ausführlicher Ex-
ploration neben einer depressiven Symptomatik ein eingeschliffenes Verhaltens-
muster, in Trennungssituationen gewalttätig zu werden, was sich – ausdrücklich
ohne Berücksichtigung des vorliegend zu beurteilenden Tötungsdelikts – vor
allem in kurzschlüssigen (impulsiven) Handlungsbereitschaften mit der Ausblen-
dung von rechtlichen Konsequenzen geäussert habe (Urk. 52/8/1 S. 71).
Vor diesem Hintergrund wirkt sich die deliktische Vorgeschichte der Beschuldig-
ten entgegen der Behauptung der Verteidigung natürlich sehr wohl und zwar
massiv belastend für die Beschuldigte aus. Dass die zwei Verurteilungen lange
Zeit zurückliegen, hilft ihr dabei nicht (Urk. 117 S. 41, Urk. 172 S. 35): Die Be-
schuldigte befand sich ja die letzten 14 Jahre vor der Tat in einer konstanten Be-
ziehung und war somit nicht dem Stress einer Trennung ausgesetzt. Sie hatte
über viele Jahre gar keinen Anlass, in das ihr fachärztlich als typisch attestierte
Verhaltensmuster, in Trennungssituationen aggressiv zu werden, zu verfallen.
Immerhin hat aber auch F._ ausgesagt, sie habe gegen Ende der Bezie-
hung, als die Spannungen sich mehrten, begonnen, sich aggressiv und un-
kontrolliert zu verhalten (Urk. 5/2/4 S. 4 f.).
3.3. Ergänzend hinzuzufügen ist das folgende belastende Indiz: Gemäss der ärzt-
lichen Beurteilung der tödlichen Verletzungen, die †G._ zugefügt wurden,
war das Tatwerkzeug mutmasslich ein Hammer mit 3,5 cm Kantenlänge
(Urk. 10/6 S. 7). F._ war sich zwar nicht "zu 100% sicher", aber es "war ihm
so", dass es vor der Tat im Putzschrank der Wohnung des Opfers einen Hammer
hatte (Urk. 5/2/4 S. 10). Die Beschuldigte putzte einmal wöchentlich die Wohnung
des Opfers und kannte daher fraglos auch den Putzschrank und dessen Inhalt.
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4.1. Die Verteidigung macht geltend, die Beschuldigte habe im Verlauf der viel-
jährigen Bekanntschaft mit dem Opfer nie eine Auseinandersetzung oder irgend-
welche Streitigkeiten gehabt. Sie habe nicht den geringsten Anlass gehabt,
†G._ etwas anzutun (Urk. 117 S. 37, Urk. 172 S. 35). F._ hat rundweg
bestätigt, dass zwischen †G._ und der Beschuldigten kein Streit bestand
(Urk. 5/2/2 S. 5). F._ sagte hingegen aus, er habe dem Opfer mitgeteilt, dass
er sich von der Beschuldigten trennen wolle. †G._ habe ihm beigepflichtet; er
sei auf seiner – F._s – Seite gewesen (Urk. 5/2/1 S. 6). †G._ habe ihm
gegenüber bestätigt, er wisse schon lange, dass die Beschuldigte nicht gut zu
F._ sei, es sei halt eine Thailänderin (Urk. 5/2/2 S. 5). Es gäbe – so die
Äusserung von †G._ – nur eines, Trennen, die Wohnung auflösen und die
Beschuldigte soll entweder zurück nach Thailand oder zum Sozialamt gehen
(Urk. 5/2/2 S. 18). F._ konnte sich auch vorstellen, dass die Beschuldigte das
Gespräch mit dem Opfer gesucht habe (Urk. 5/2/2 S. 18). B._ sagte aus, das
Opfer habe sie am Vormittag des Tatvortages angerufen und erzählt, die Be-
schuldigte habe ihn angerufen und wegen der Trennungsabsicht von F._ mit
Selbstmord gedroht. †G._ habe sie gefragt, ob er mit der Beschuldigten dar-
über sprechen solle. Sie habe ihm davon abgeraten, da er eine kühle und direkte
Art gehabt habe. Er habe gesagt, man solle die Wohnung auflösen, sich trennen
und zum Sozialamt gehen, wenn man finanziell nicht klarkomme. Sie, B._,
sei zwar auch "der härtere, direkte Typ", aber so etwas hätte sie nie gesagt
(Urk. 5/1/2 S. 3 und S. 8; Urk. 5/1/3 S. 6).
†G._ hiess somit die Trennungsabsicht seines Sohnes F._ zumindest
gut oder unterstützte sie sogar. Natürlich ist offen, was allenfalls bei einem Be-
such der Beschuldigten in der Wohnung des Opfers vor dessen Tötung bespro-
chen wurde und wie genau sich das Opfer allenfalls geäussert hat. Falls sich
†G._ jedoch in seiner nüchternen, wenig empathischen Art dahingehend
äusserte, dass die Trennung durch F._ eine zu akzeptierende Tatsache sei,
wäre es nicht persönlichkeitsfremd, wenn die Beschuldigte eruptiv einen grossen
Hass auf †G._ empfunden hätte und unkontrolliert gegen diesen aggressiv
geworden wäre. Ein allenfalls sehr spontan entstandenes Motiv zur Tötung des
Opfers ist somit entgegen der Verteidigung in keiner Weise realitätsfremd.
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4.2. Nicht zielführend ist die weitere Bemerkung der Verteidigung, anlässlich der
beiden zurückliegenden Trennungen habe sich die Beschuldigte aggressiv direkt
gegen den jeweiligen Ex-Partner und nicht gegen einen Dritten verhalten
(Urk. 117 S. 37, Urk. 172 S. 36). F._ reiste nach der Eröffnung der Trennung
nach P._ und bestätigte diese telefonisch aus der Distanz. Er war für eine
physische Konfrontation somit gar nicht erreichbar. Es ist heute müssig darüber
zu spekulieren, was passiert wäre, wenn am 11. März 2014 der die Beschuldigte
verlassende Lebenspartner F._ nicht in P._, sondern zuhause in Zürich
gewesen wäre. Immerhin hat die Beschuldigte im Streit auch gegenüber F._
geäussert, sie hätte am liebsten, wenn er tot wäre (Urk. 5/2/2 S. 4).
4.3. Die Verteidigung machte weiter geltend, die Beschuldigte habe bis zu ihrer
Verhaftung keinerlei Anstalten zur Flucht ins Ausland gemacht und während des
Klinikaufenthaltes sogar von sich aus die Polizei kontaktiert (Urk. 117 S. 41 ff.,
Urk. 172 S. 39 ff.). Die Vorinstanz hat hiezu erwogen, dass die Beschuldigte nach
der Tat hohe Geldbeträge von der Bank abgehoben und teilweise nach Thailand
verschoben hat, ohne dafür eine plausible Erklärung liefern zu können (Urk. 114
S. 13 f.; Urk. 138 S. 63 f.). Selbst wenn der Vorwurf des Fluchtversuchs – mit der
Staatsanwaltschaft (Prot. II S. 11) – etwas konstruiert erscheinen mag, vermag
dies die Beschuldigte aber auch nicht zu entlasten. Telefonate mit der Polizei mit
rein organisatorischem Inhalt indizieren sodann ihre Unschuld in keiner Weise
(vgl. Urk. 138 S. 66). Vielmehr hat sich die Beschuldigte so verhalten, wie jemand,
der sich nicht verdächtig machen will.
4.4. Schliesslich legt die Verteidigung grössten Wert darauf, dass der Beschuldig-
ten aufgrund der festgestellten Randdaten ihres Mobiltelefons nicht nachgewiesen
werden kann, dass sie sich am Tattag in der Nähe des Tatortes befunden habe.
Die entsprechenden Daten würden vielmehr belegen, dass sich das Mobiltelefon
in jener Zeit, für welche die Beschuldigte kein Alibi aufweise, in ihrer Wohnung an
der I._ ... befunden habe (Urk. 117 S. 20, Urk. 172 S. 15). Die ganzen Mut-
massungen, die die Verteidigung für den Tat- sowie den Folgetag im Zusammen-
hang mit dem Mobiltelefon der Beschuldigten anstellt (Urk. 117 S. 19 ff.), sind irre-
levant und gehen an der Sache vorbei: Es liegen tatsächlich keine Antennen-
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standort-Belege vor, welche die Beschuldigte überführen würden, sich am Tattag
in der Nähe des Tatortes aufgehalten zu haben. Dieser Beweis ist durch andere
Beweismittel und Indizien zu führen (wie in den vorstehenden Erwägungen aus-
führlich geschehen). Selbst wenn sich das Mobiltelefon jedoch den ganzen
Nachmittag des Tattages – ob ein- oder ausgeschaltet – in der Wohnung an der
I._ ... befand, widerlegt dies natürlich in keiner Weise, dass sich die Be-
schuldigte in diesem Zeitraum zum Tatort begeben hat. Ebenso wenig beweist es,
dass sich die Beschuldigte die ganze massgebliche Zeitspanne in der Wohnung
aufgehalten hat.
5.1. Die Vorinstanz hat zum Abschluss ihrer Beweiswürdigung zusammengefasst
erwogen, mit Blick auf die erörterte Indizienlage spreche alles für und nichts ge-
gen die Berechtigung des Anklagevorwurfs. Die Situation am Tatort sowie die
Schliessverhältnisse sprächen deutlich dafür, dass das Opfer die Täterschaft ge-
kannt habe. Die Beschuldigte als langjährige Freundin des Sohnes von †G._
habe ihn nicht nur gekannt, sondern auch über einen Schlüssel zu seiner Woh-
nung verfügt. Die Beschuldigte verfüge als einzige Schlüsselinhaberin nicht für
den ganzen verfahrensrelevanten Zeitraum von 11.17 Uhr bis 16.17 Uhr am
11. März 2014 über ein Alibi. Verstärkt werde diese Wirkung durch ihr Verhalten
im Verfahren (insbesondere ihre in mehrfacher Hinsicht widersprüchlichen, teil-
weise dem Beweisergebnis angepassten, teilweise schlicht wahrheitswidrigen
Angaben sowie das Vorhandensein von Handnotizen über ihre in der allerersten
Einvernahme gemachten Kernaussagen, an denen sie im weiteren Verlauf der
Untersuchung jedoch nicht festhalten konnte), das ungleich besser zu einer Per-
son passe, die etwas zu verbergen habe, als zu jemandem, der immer die Wahr-
heit gesagt habe. Als weiterer für die Beschuldigte belastender Umstand habe die
Beschuldigte bereits früher bei Beziehungsproblemen, namentlich in vergleich-
baren Trennungssituationen ein gewalttätiges Verhalten an den Tag gelegt. Die
Tat sei somit persönlichkeitsadäquat. Ferner fehlten jegliche Hinweise auf eine
Dritttäterschaft und das Nachtatverhalten der Beschuldigten sei mit einer Flucht-
vorbereitung vereinbar. In Würdigung des gesamten Beweisergebnisses ergäben
sich keine vernünftigen Zweifel daran, dass die Beschuldigte †G._ getötet
habe, indem sie am Nachmittag des 11. März 2014 mit einem stumpfen Gegen-
- 23 -
stand zahlreiche Male massiv auf seinen Kopf geschlagen habe. Die davon ab-
weichende Sachverhaltsdarstellung der Beschuldigten sei eine unglaubhafte
Schutzbehauptung. Der äussere Anklagesachverhalt sei rechtsgenügend erstellt.
Dass eine Vielzahl von massiven Schlägen (die Zertrümmerung des Felsenbeins
und damit des härtesten Knochens im menschlichen Körper belege die sehr gros-
se Schlagenergie) mit einem stumpfen Gegenstand gegen den Kopf für den der-
art traktierten Menschen tödlich ende, sei allgemein bekannt und dies habe auch
die Beschuldigte gewusst. Wer auf diese Art und Weise gegen einen anderen
Menschen vorgehe, wolle diesen Menschen töten (und nehme dessen Tod nicht
bloss in Kauf). Anders könne ein derartiges Verhalten schlechterdings nicht inter-
pretiert werden. In diesem Sinne sei auch der innere Sachverhalt zweifelsfrei er-
stellt (Urk. 138 S. 68-70).
5.2. Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, ist diese Gesamtwürdi-
gung der Vorinstanz in allen Teilen zutreffend und zu übernehmen. Während die
Verteidigung sich vor Vorinstanz für den Fall eines Schuldspruchs noch auf den
Standpunkt stellte, die Beschuldigte sei lediglich wegen Totschlags im Sinne von
Art. 113 StGB zu verurteilen, anerkannt sie nunmehr die von der Vorinstanz vor-
genommene rechtliche Würdigung (Urk. 172 S. 51). Die Begründung der Vor-
instanz ist denn auch in allen Teilen überzeugend, insbesondere auch hinsichtlich
des inneren Sachverhaltes. Wer einer praktisch wehrlosen Person mit äussert
massiven und zahlreichen Schlägen mit einem Werkzeug nicht nur auf den Kopf
schlägt, sondern ihr eigentlich wörtlich den Schädel einschlägt, will diese Person
töten und nimmt den Todeseintritt nicht nur in Kauf.
Und schliesslich doch noch, wenn auch nur zur Abrundung: Es ist in allerhöchs-
tem Masse unwahrscheinlich und darum schlicht auszuschliessen, dass der be-
tagte †G._ auf mysteriöse Weise und ohne ersichtliches Motiv von einem
Unbekannten bestialisch getötet wird, just nachdem sich sein Sohn von der lang-
jährigen Lebenspartnerin trennt, die darob psychisch dermassen derangiert ist,
dass sie sich selber das Leben nehmen will, diese erwiesenermassen dazu neigt,
in Trennungssituationen aggressiv zu reagieren und die Beherrschung zu verlie-
- 24 -
ren und †G._ mit der ehemaligen Lebenspartnerin Kontakt hatte, wobei er
mutmasslich klar Position gegen sie bezogen hat.
6. Die Beschuldigte ist damit in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils der (di-
rekt-)vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB schuldig zu sprechen.
III. Sanktion
1.1. Die Anklagebehörde hat im Hauptverfahren (ausgehend von zumindest even-
tualvorsätzlicher Tötung) eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren gefordert (Urk. 115
S. 1). Vor Vorinstanz hat die Verteidigung eventualiter (ausgehend von Totschlag)
eine Freiheitsstrafe von maximal 3,5 Jahren beantragt (Urk. 117 S. 61). Die Vor-
instanz hat die Beschuldigte (wie erwogen zutreffend wegen direktvorsätzlicher
Tötung) mit 13 Jahren Freiheitsstrafe bestraft (Urk. 138 S. 99). Während die
Staatsanwaltschaft die Bestätigung des vorinstanzlich festgesetzten Strafmasses
beantragt (Urk. 174), erachtet die Verteidigung die Strafe als zu hoch und be-
antragt für den Fall eines Schuldspruchs wegen vorsätzlicher Tötung eine Frei-
heitsstrafe von maximal 7 Jahren (Urk. 172 S. 53).
1.2. Die Vorinstanz hat vorab ausführliche theoretische Erwägungen zur Strafzu-
messung angestellt sowie den anwendbaren Strafrahmen korrekt umrissen
(Urk. 138 S. 73-78), worauf zur Vermeidung von Wiederholungen zu verweisen
ist.
1.3. Zur Tatkomponente und dort zur objektiven Tatschwere hat die Vorinstanz
erwogen, die Beschuldigte habe den Vater ihres langjährigen Lebenspartners ge-
tötet. Eine problematische Beziehung zum Opfer, die sich allenfalls verschuldens-
relativierend auswirken könnte, habe nicht vorgelegen. Die Tat habe sich gegen
einen betagten, gesundheitlich angeschlagenen Mann gerichtet, der arg- und
wehrlos auf dem Sofa sass. Die Tatverübung sei von aussergewöhnlicher, gera-
dezu erschreckender Brutalität und einer menschenverachtenden Gesinnung ge-
prägt gewesen. Die Hemmschwelle, die bei derartigen Gewalteinwirkungen gegen
einen Menschen überwunden werden muss, sei ungleich höher, als bei der Ver-
wendung einer Schusswaffe aus grösserer Distanz. Entsprechend bedürfe es
- 25 -
auch einer höheren kriminellen Energie, um die besagte Schwelle in der gesche-
henen Art zu überwinden. Die Verwerflichkeit des Handelns rücke die Tat in die
Nähe des Mordtatbestandes. Mit der Staatsanwaltschaft sei davon auszugehen,
dass die Tat nicht von langer Hand geplant gewesen, sondern dass der entspre-
chende Entschluss vor Ort gefasst worden sei. Angesichts der am Tatort vorge-
fundenen Situation habe die Beschuldigte die Wohnung des Opfers nach der Tat
nicht Hals über Kopf verlassen, sondern noch Verrichtungen vorgenommen, was
eine abgebrühte Kaltblütigkeit belege. Die objektive Tatschwere sei als sehr
schwer einzustufen, was eine Einsatzstrafe von etwa 18 Jahren angemessen er-
scheinen lasse (Urk. 138 S. 78 f.).
Die Verteidigung hat im Hauptverfahren keinerlei Ausführungen zum Verschulden
gemacht (Urk. 117 S. 61). Die Erwägungen der Vorinstanz sind zutreffend mit der
einzigen Präzisierung, dass sich die abgebrühte Kaltblütigkeit nicht auf die Tat-
ausführung selber, sondern auf das Verbleiben und die mutmasslichen Aufräum-
arbeiten nach der Tat beziehen muss. Die Tat selber erfolgte wohl in keiner Weise
kaltblütig, sondern vielmehr – worauf auch die Verteidigung verweist (Urk. 172
S. 52) – in einem unkontrollierten Ausbruch von Aggressivität.
1.4. Zur subjektiven Tatschwere wurde das über die Beschuldigte erstellte foren-
sisch-psychiatrische Gutachten zitiert, in welchem der Beschuldigten für den Tat-
zeitpunkt eine psychische Störung in Form einer rezidivierenden depressiven Stö-
rung mittelgradiger Ausprägung sowie einer Persönlichkeitsakzentuierung mit
emotional-instabilen und dependenten Anteilen, die sich in konflikthaften gewalt-
haltigen Auseinandersetzungen mit Lebenspartnern, Reizbarkeit, Neigung zu
selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizid-
versuchen, starken Trennungsängsten, klammerndem Verhalten, geringem
Selbstbewusstsein und depressiver Grundstimmung zeige, attestiert wird. Ausge-
hend von einer stark affektgetragenen, impulsiven Tathandlung im Rahmen eines
Streites mit dem Opfer – wie ihn auch die Vorinstanz zu Gunsten der Beschuldig-
ten korrekt annimmt – führe dies aus psychiatrischer Sicht zu einer mittelgradigen
Minderung der Schuldfähigkeit. Die Verminderung der Schuldfähigkeit muss sich
gemäss Vorinstanz in casu bei der Gewichtung des Verschuldens deutlich aus-
- 26 -
wirken. Das Verschulden der Beschuldigten relativiere sich aufgrund der Ver-
minderung der Schuldfähigkeit dahingehend, als sich das objektiv sehr schwere
Verschulden auf ein erhebliches Verschulden reduziere. Schliesslich habe die
Beschuldigte direktvorsätzlich gehandelt (Urk. 138 S. 79-82).
Die Verteidigung kritisiert das psychiatrische Gutachten nicht und geht ebenfalls
ausdrücklich von einer Verminderung der Schuldfähigkeit in mittlerem Masse aus
(Urk. 117 S. 61, Urk. 172 S. 52).
Auch diese Erwägungen der Vorinstanz sind korrekt. Zu ergänzen ist immerhin,
dass das Motiv der Beschuldigten im Moment der Tatausführung äusserst egois-
tisch war: †G._ hat sich zur Frage der Beziehungsauflösung auf die Seite
seines Sohnes und somit gegen sie gestellt, was in ihr das überschiessende Be-
dürfnis auslöste, diesen eigentlich zu vernichten.
1.5. Wenn die Vorinstanz nach der Beurteilung der Tatkomponente das Verschul-
den der Beschuldigten als insgesamt erheblich taxiert und im mittleren Bereich
ansiedelt sowie eine hypothetische Einsatzstrafe von ca. 13 Jahren bemessen
hat, erscheint dies – unter Berücksichtigung der verminderten Schuldfähigkeit im
mittleren Massen – als angemessen.
1.6. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz den Werdegang und die persönli-
chen Verhältnisse der Beschuldigten angeführt (Urk. 138 S. 83 f.). Nachdem die
sich seither in Haft befindliche Beschuldigte anlässlich der heutigen Berufungs-
verhandlung nichts Neues vorgebracht hat (Urk. 171 S. 1 ff.), kann vollumfänglich
auf die vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden.
Die persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten wirken sich strafzumessungs-
neutral aus. Eine besondere Strafempfindlichkeit weist sie nicht auf. Da ihre frühe-
ren Verurteilungen infolge Zeitablaufs aus dem Strafregister gelöscht sind
(Urk. 139), gilt sie als nicht vorbestraft, was ebenfalls neutral wiegt. Ein positives
Nachtatverhalten in Form eines Geständnisses, von Reue oder Einsicht liegt nicht
vor.
- 27 -
1.7. Auf die nach der Beurteilung der Tatkomponente bemessene hypothetische
Einsatzstrafe wirkt sich die Beurteilung der Täterkomponente weder erhöhend
noch senkend aus. Somit ist die Beschuldigte in Bestätigung des angefochtenen
Entscheides mit 13 Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen.
2. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen (Art. 42 Abs. 1 und Art. 43 Abs. 1 StGB).
3. Der Anrechnung von bis heute 930 Tagen erstandener Haft (vgl. Urk. 51/2)
steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
4. Die Verteidigung hat es im Hauptverfahren der Vorinstanz überlassen, ob eine
ambulante Massnahme angeordnet werden soll (Urk. 117 S. 62). Die Vorinstanz
hat davon mit zutreffender Begründung abgesehen (Urk. 138 S. 85 f.). Die Vertei-
digung ficht dies im Berufungsverfahren nicht an (Urk. 143). Somit hat es damit
ohne weiteres sein Bewenden (Art. 391 Abs. 2 StPO; BGE 139 IV 282 E.2.).
IV. Zivilforderungen
1. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Urteil über die Schadenersatzforderungen
der Privatkläger 1 und 2 befunden (Urk. 138 S. 86-90). Die Verteidigung hat die
entsprechende Regelung im Hauptverfahren dem Ermessen des Gerichts über-
lassen (Urk. 117 S. 63 unten) und beantragt berufungsweise für den Fall eines
Schuldspruchs die Bestätigung der vorinstanzlichen Regelung (Urk. 172 S. 3, 55).
Die Erwägungen der Vorinstanz sind in allen Teilen zutreffend und ihr Entscheid
ist zu bestätigen.
2. Die Vorinstanz hat mit überzeugender Begründung der Privatklägerin 1 und
dem Privatkläger 2 je eine Genugtuung von Fr. 8'000.-- zugesprochen. Damit hat
sie die gestellten Begehren erheblich gekürzt, wobei sie dem entsprechenden An-
trag der Verteidigung gefolgt ist (Urk. 117 S. 63; Urk. 138 S. 90-92). Die Privat-
kläger opponieren im Berufungsverfahren nicht. Auch dies ist zu bestätigen.
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V. Beschlagnahmungen
1. Die Verteidigung hat sich im Hauptverfahren für den Fall einer Verurteilung der
Beschuldigten einer Einziehung der beschlagnahmten Barschaft sowie von Mobil-
telefonen nicht widersetzt (Urk. 117 S. 63). Die Vorinstanz hat in der Folge dar-
über entschieden (Urk. 138 S. 93 f.), was zu bestätigen ist.
2.1 Ferner wurden die Guthaben auf den Bankkonten der Beschuldigten bei der
C._ Bank (Urk. 25), der Bank D._ (Urk. 26) und der E._ (Urk. 27)
zur Deckung der ihr aufzuerlegenden Verfahrenskosten eingezogen (Urk. 138
S. 94 f.). Auch dies ist zu bestätigen (Art. 268 Abs. 1 StPO).
2.2 Nicht gefolgt werden kann dem Antrag der Verteidigung auf Herausgabe von
mind. Fr. 25'000.– der beschlagnahmten Guthaben vor Eintritt der Rechtskraft des
Obergerichtsurteils (Urk. 172 S. 52 ff.). Entgegen der Auffassung der Verteidigung
ist es nicht angezeigt, auch nur einen Teil der beschlagnahmten Guthaben an die
Beschuldigte herauszugeben, bevor nicht die Deckung sämtlicher der Beschuldig-
ten auferlegten Verfahrenskosten sichergestellt sind, was erst nach Rechtskraft
des vorliegenden Entscheids gewährleistet sein wird.
VI. Kosten
1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung
zu bestätigen, zumal auch die Verteidigung in diesem Sinne Antrag gestellt hat
(Urk. 117 S. 64; Urk. 172 S. 3, 55).
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 5'000.-- festzu-
setzen.
3. Die appellierende Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren mit ihren An-
trägen vollumfänglich. Daher sind ihr die Kosten dieses Verfahrens (exklusive
Kosten der amtlichen Verteidigung) aufzuerlegen (Art. 428 StPO). Die Kosten der
amtlichen Verteidigung sind einstweilen und unter Vorbehalt der Rückzahlungs-
pflicht der Beschuldigten auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 Abs. 4
StPO).
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4. Die Zusprechung einer Prozessentschädigung für das Berufungsverfahren zu-
gunsten der Privatklägerschaft fällt mangels entsprechendem Antrag ausser Be-
tracht (Art. 433 Abs. 2 StPO).