Decision ID: 302e3f73-b082-4197-83ad-999f88639a56
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1964 geborene
X._
, welcher als EDV-Berater und
Entwickler selbständig erwerbstätig war, meldete sich am 3
0.
September 2005 (Eingangsdatum gemäss Aktenverzeichnis) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/3). Nach Vor
nahme medizinischer und erwerblicher Abklärungen sprach ihm die IV
Stelle mit Verfügung vom 19. April 2007 mit Wirkung ab
1.
Mai 2005 bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente zu (
Urk.
8/41).
Im April 2008 leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein (Fragebogen vom 3
0.
April/1
4.
Mai 2008,
Urk.
8/54/1-2). Zur Abklärung des Leistungsanspruchs von
X._
nahm die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen vor, in deren Rahmen sie unter anderem bei der
Z._
ein Gutachten einholte (Gutachten vom 2
0.
Oktober 2008,
Urk.
8/66, und Ergänzun
g vom
5.
Januar 2009,
Urk.
8/70). Mit Vorbescheid vom 1
7.
Februar 2009 stellte die IV-Stelle die Einstellung der Invalidenrente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats in Aussicht (
Urk.
8/74). Nachdem
X._
dagegen am 2
3.
März 2009 Einwand erhoben (Urk. 8/78) und die
Z._
dazu Stellung genommen hatte (Stellung
nahme vom 2
5.
Juni 2009,
Urk.
8/81), gab die IV-Stelle beim
A._
ein neurologisches und neuropsychologisches Gutachten in Auf
trag (Mitteilung vom
3.
Juli 2009,
Urk.
8/83). Dieses wurde am 2
3.
Juli 2010 erstattet (
Urk.
8/101). In der Folge nahm die IV-Stelle weitere erwerbliche Abklärungen vor und klärte die berufliche Situation von
X._
ab (vgl. Abklärungsbericht des
Z._
vom
5.
Juli 2013,
Urk.
8/140,
und
Ver
laufsprotokoll
Berufsberatung vom 1
1.
Juli 2013,
Urk.
8/141). Mit Mitteilung vom 1
9.
Juli 2013 schloss sie das Revisionsverfahren unter Feststellung eines unveränderten Invaliditätsgrades ab (
Urk.
8/146).
1.2
Im September 2015 leitete die IV-Stelle erneut ein Revisionsverfahren ein (Frage
bogen vom 2
8.
September 2015,
Urk.
8/151) und teilte
X._
am 1
8.
März 2016 mit, dass sie die Kosten für eine polydisziplinäre medizinische Untersuchung übernehme (
Urk.
8/158). Nachdem
X._
dazu Stellung genommen hatte (Stellungnahme vom 3
1.
Mai 2016,
Urk.
8/167), informierte ihn die IV-Stelle am
5.
Juli 2016, dass die Begutach
tung im
B._
durchgeführt werde. Gleichzeitig gab sie die begutachtenden Ärzte bekannt (
Urk.
8/172).
X._
teilte der IV-Stelle daraufhin durch seinen Rechtsvertreter mit, dass bevor über die Frage, ob überhaupt eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig sei, rechtskräftig entschieden worden sei, er nicht verpflichtet sei, zu den einzelnen
Gutachtern Stellung zu nehmen (
Urk.
8/174). Am 1
8.
Juli 2016 verfügte die IV-Stelle eine Begutachtung von
X._
im
B._
(
Urk.
8/176 =
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
am 1
4.
September 2016 Beschwerde (
Urk.
1) erheben und beantragen:
„Es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, auf eine Begutachtung des Beschwerdeführers ganz zu verzichten. Eventuell sei nur eine neurologische/neuropsychologische Begutachtung unter Feder
führung des Neurologen Prof.
C._
des
A._
durchzuführen.“
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
Oktober 2016 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer am 1
9.
Oktober 2016 mitgeteilt wurde (
Urk.
9).
Mit Eingabe vom
1.
November 2016 (
Urk.
10) liess der Beschwerdeführer bean
tra
gen, die von der Beschwerdegegnerin eingereichte sogenannte Ver
nehm
lassung vom 1
8.
Oktober 2016 sei unter Fristansetzung zur Verbesserung an diese zurückzuweisen, dies unter Androhung der Gutheissung der Beschwerde im Säumnisfall. Mit Eingabe vom
1.
Dezember 2016 (
Urk.
11) teilte der Rechts
vertreter des Beschwerdeführers mit, dass er den Beschwerdeführer nicht mehr vertrete.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
§
21
Abs.
2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) kann sich die Vorinstanz im Beschwerdeverfahren vernehmen lassen. Das Gericht kann sie dazu verpflichten. Eine Pflicht zur Erstattung einer Vernehm
lassung besteht allerdings anders als die Pflicht zur Akteneinreichung nur dort, wo deren Funktion als Instrument zur Sachverhaltsaufklärung dies gebietet (vgl. Kobel in: Zünd/Pfiffner
Rauber
[Hrsg.],
GSVGer
,
2.
Auflage,
§
21 N 14).
1.2
Wie nachfolgend zu zeigen ist, kann auf die Beschwerde des Beschwerdeführers nicht eingetreten werden. Eine detaillierte Beschwerdeantwort der
Beschwerde
gegnerin
, welche die angefochtenen Verfügung vom 1
8.
Juli 2016 (
Urk.
2)
rechtsgenügend begründet hatte, ist daher in der vorliegenden Streitsache ent
gegen des Antrags des Beschwerdeführers vom
1.
November 2016 (
Urk.
10) nicht vonnöten.
2
.
Anfechtungsgegenstand ist vorliegend die Zwischenverfügung vom
1
8.
Juli 2016
(Urk. 2), mit welcher die Beschwerdegegnerin
gemäss
Dispositiv an der
Durchführung einer (polydisziplinären) Begutachtung im
B._
festgehalten hat. Hierbei handelt es sich um eine Zwischenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
(ATSG) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
), welche bei Bejahung eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93 E. 6.1) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
3
.
3
.1
Strittig ist in diesem Verfahren die Notwendigkeit der Durchführung einer
poly
dis
ziplinären
Begutachtung.
3
.2
Nach der bis im Juni 2011 geltenden höchstrichterlichen Rechtsprechung stellte die Anordnung einer Begutachtung keine anfechtbare Zwischenverfügung dar (BGE 132 V 93 E. 5). Diese Rechtsprechung wurde mit BGE 137 V 210 aufgege
ben. Es wurde festgestellt, dass die nicht sachgerechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken könne (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7; siehe auch BGE 139 V 339 E. 4.4). Aus diesem Grund sei die
Eintretensvoraussetzung
des nicht wieder gutzumachen
den Nachteils im Rahmen einer verfassungs- und konventionskonformen Aus
legung für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren bei der Anfechtung einer umstrittenen Gutachtensanordnung zu bejahen.
3
.3
Mit BGE 139 V 339 präzisierte das Bundesgericht, eine Zwischenverfügung, in welcher die Gutachterstelle noch nicht genannt, sondern lediglich die Bestim
mung einer solchen angekündigt werde, sei nicht anfechtbar. Es bestehe kein Nachteil, solange nicht auch die Gutachters
telle feststehe (Regeste und E.
4.5; bestätigt mit Urteil des Bundesgerichts
8C_12/2014 vom 3. Juli 2014 E.
1.2).
3
.4
Im Lichte dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung kann eine versicherte Per
son zwar nach erstmaliger Mitteilung der geplanten polydisziplinären Begut
achtung unmittelbar Einwendungen anbringen, damit allenfalls eine gütliche Einigung gefunden werden kann. Die gerichtliche Überprüfung bestehender Differenzen kann jedoch erst nach der endgültigen zwischenverfügungsweisen
Festlegung der Gutachterstelle und der an der Begutachtung beteiligten
Fach
personen
erfolgen. Eine einmalige und gesamthafte Überprüfung sämtlicher im vorangegangenem Verfahren strittig gebliebener Aspekte unter allen
Gerichts
punkten
erst im Zeitpunkt nach der Bekanntgabe der mit der Begutachtung betrauten Stelle sowie der mit der Begutachtung betrauten Personen trägt den Mitwirkungsrechten der versicherten Person
grundsätzlich
genügend Rechnung
(vgl. Beschlüsse des hiesigen Gerichts IV.2015.00577 vom 3
1.
August 2015 E.
2.4 und IV.2015.01244 vom 1
2.
Februar 2016 E. 2.4)
.
4
.
4
.1
Die angefochtene Zwischenverfügung vom 1
8
.
Juli
201
6
(Urk. 2) hält lediglich fest, dass eine
Begutachtung im
B._
durchgeführt werde
.
D
ie Namen sowie die Facharzttitel der mit der Begutachtung zu betrauenden Personen wurden indessen in der Zwischenverfügung
nicht
festgelegt.
4
.2
Damit bewirkt die Zwischenverfügung vom
1
8.
Juli 2016
(Urk. 2) keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil,
kann die Notwendigkeit der Begutachtung und die Gutachterstelle doch
auch noch
nach der endgültigen Festlegung der an der Begutachtung beteiligten Fachpersonen
überprüft werden
. Folglich
sind die Anordnungen
in der Zwischenverfügung vom 1
8.
Juli
2016
(Urk. 2)
noch nicht gerichtlich überprüfbar, weshalb auf die Beschwerde nicht einzutreten ist.
5
.
5
.1
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Beschwerdeverfahren kostenlos (Art. 61
lit
. a ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversi
cherung,
IVG]).
5.2
Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
(Art. 61
lit
. g ATSG und
§ 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht,
GSVGer
).
Ausnahmsweise entsteht der Anspruch auf Ersatz der Parteikosten
jedoch
auch dann, wenn
eine
Partei nicht obsiegt. Es gilt der Grundsatz, dass eine Partei unabhängig von ihrem allfälligen Prozesserfolg die von ihr unnötigerweise verursachten oder verschuldeten Kosten selber zu tragen hat (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3. Auflage
, Art. 61
N 206).
Auch wenn die Beschwerdegegnerin die angefochtene Zwischenverfügung erliess und diese mit einer Rechtsmittelbelehrung versah, besteht vorliegend kein Anlass, sie zur Ausrichtung einer Parteientschädigung an den Beschwer
deführer zu verpflichten
,
forderte der Beschwerdeführer doch die
Beschwerde
gegnerin
mit Schreiben vom 1
2.
Juli 2016 (
Urk.
8/174) explizit zum Erlass der angefochten Verfügung auf.