Decision ID: 5833804f-fde9-44ec-8a46-12ec8ed63ba9
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1979 geborenen
X._
wurden zur Behandlung von Geburtsge
brechen gemäss Ziffer
201, 426, 427, 466, 495 und 496 des Anhangs zur Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
) medizinische Massnahmen gewährt (Urk. 6/1). Am 9. September 2009 (Eingangsdatum) beantragte sie bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, Hörgeräte als Hilfsmittel (Urk. 6/2). Die IV-Stelle holte
zwei Expertisen
betreffend Hörgeräte
abgabe ein (Urk. 6/4
) und liess einen Kostenvoranschlag bei der KIND Hör
zentra
le
n
AG erstellen (Urk. 6/5). Mit Schreiben vom 11.
Mä
rz 2010 (Urk. 6/7) teilte sie der Versicherten mit, dass die Kosten für die Abgabe von
2
Hörgeräten
KINDlive
9 EX
metall
gemäss Indikationsstufe 2 im Betrage von Fr. 3‘604.60
über
nommen würden.
1.2
Am 2
6.
Mai 2016 (Eingangsdatum) liess
X._
durch die
Neuroth
Hörcenter AG ein Gesuch um Wiederversorgung mit
zwei
Hörgeräten stellen und wünschte
zugleich
eine Härtefallabklärung (Urk. 7/
1
0
).
Mit Schreiben
vom 15. September 2016 stellte die Versicherte einen Härtefall-Antrag
und
beschrieb die bestehenden Probleme bei der Hörgeräteversorgung (Urk. 6/15-16). Mit Schreiben vom 30. September 2016 sprach die IV-Stelle
X._
eine Hörgerätepauschale für eine beidseitige Hörgeräteversorgung im Betrage von Fr. 1‘650.-- zu (Urk. 6/20). Im Weiteren prüfte sie die Voraussetzungen für einen Hörgeräte-Härtefall, holte einen Kostenvoranschlag ein (Urk. 6/31) und liess die Versicherte durch die
Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesicht
s
chirurgie (ORL-Klinik)
des Universitätsspitals
Y._
audiologisch
abklären
(
Härtefall-Gutachten vom 5. Januar
2017, Urk. 6/39 S. 4-5). Mit Verfügung vom 13. Januar 2017 wies die IV-Stelle
gestützt auf dieses Härtefall-Gutachten
das Leistungsbegehren ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 9. Februar 2017 Beschwerde und bean
tragte die nochmalige Prüfung des Härtefallgesuches und die vollumfängli
che Kostengutsprache für die Hörgeräteversorgung (Hörgeräte
binaural
KIND
zeno
EX K4) im Betrag von Fr. 6‘590.-- (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 20. März 2017 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 6/1-44).
Am
7. Mai
2017 (Urk.
9
-10/1-3
) erstattete
die
Beschwerdeführer
in ihre Replik.
Mit Schreiben vom
7. Juni
2017 (Urk.
12
) teilte die Beschwerdegegnerin ihren Verzicht auf eine Duplik mit, was de
r
Beschwerdeführer
in
mit Verfügung vom
13. Juli
2017 (Urk.
13
) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
[
GSVGer
]
).
2.
2.1
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Art.
13 und 21
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliede
rung ins Erwerbsleben oder in den Aufg
abenbereich (Abs.
2). Nach Massgabe von Art
.
16 Abs
.
2
lit
.
c
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu er
halten oder zu verbessern (Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Mass
nahmen (
lit
. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
.
d).
2.2
Gemäss
Art.
21 IVG hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung
der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbil
dung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedarf (Abs. 1). Versi
cherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedür
fen, haben im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rück
sicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel (Abs. 2). Die Versicherung gibt die Hilfsmittel zu Eigentum oder leihweise in einfacher und zweckmässiger Ausführung ab. Ersetzt ein Hilfsmittel Gegenstände, die der Versicherte auch ohne Invalidität anschaffen müsste, so hat er sich an den Kosten zu beteiligen (Abs. 3). Der Bundesrat kann vorsehen, dass der Versi
cherte ein leihweise abgegebenes Hilfsmittel nach Wegfall der Anspruchsvo
raussetzungen weiter verwenden darf (Abs. 4).
2.3
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vorschriften im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 IVG hat der Bundesrat in
Art.
14 IVV an das Eidgenössische Departement des Innern übertragen, welches die Verord
nung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit anhangsweise aufgeführter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut
Art.
2 HVI besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fortbewegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge notwendig sind (
Abs.
1). Anspruch auf die in dieser Liste mit * bezeichneten Hilfsmittel besteht nur, soweit diese für die Aus
übung einer Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für die in der zutreffenden Ziffer des Anhangs ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (
Abs.
2; BGE 122 V 212 E. 2a).
2.4
Gemäss
Ziff. 5.07 HVI-Anhang sind Hörgeräte bei Schwerhörigkeit abzugeben, sofern das Hörvermögen durch ein solches Gerät namhaft verbessert wird und die versicherte Person sich wesentlich besser mit der Umwelt verständigen kann. Die versicherte Person hat Anspruch auf eine Pauschalvergütung, die höchstens alle 6 Jahre beantragt werden kann. Die Pauschale für eine
binaurale
Versor
gung beträgt Fr. 1‘650.--, dies ohne Reparaturen und Batteriekosten.
Gemäss
Ziff. 5.07.2 HVI-Anhang (Härtefallregelung Hörgeräteversorgung) legt das Bun
desamt für Sozialversicherungen (BSV) fest, in welchen Fällen über der Pau
schale nach Ziffer 5.07 liegende Beiträge an
binaurale
Versorgungen ausge
richtet werden können.
2
.
5
Im Hinblick auf die Umsetzung der HVI beauftragte das BSV die Kommission für Audiologie und Expertenwesen der Schweizerischen Gesellschaft für
OtoRhino
-Laryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie mit der Erstellung der „Richt
linien für ORL-Expertenärzte zum Abklärungsauftrag zur Vergütung von Hör
geräten durch die Sozialversicherungen IV und AHV“ (nachfolgend: ORL-Ex
pertenrichtlinien [orl-hno.ch, „Für Patienten, Informationen & Links]), welche ab
1.
Juli 2011 gültig erklärt und per
1.
Januar 2016 revidiert wurden
.
Sodann machte das BSV Gebrauch von seiner Befugnis, die Härtefälle bzw. Über
nahme der Mehrkosten über dem Pauschalbetrag zu regeln.
Gemäss
Rz
.
2053* seines Kreisschreibens über die Abgabe von
Hilfsmittel
n durch die Invalidenversicherung (KHMI, in der ab 1. Januar 2013 geltenden Fassung, Stand per 1. Januar 2016) ist die Härtefallregelung nur anwendbar, wenn der Ver
sorgungsaufwand und die daraus resultierenden Kosten eine durch
schnittli
che, einfache und
zweckmässige
Versorgung in unzumutbarer Weise über
stei
gen. Voraussetzung ist, dass die versicherte Person einer Erwerbs
tätig
keit
beziehungsweise
Tätigkeit im Aufgabenbereich nachgeht oder in Schulung
beziehungsweise
Ausbildung steht. Eine
Zusprache
der Härtefall
regelung bedeutet, dass die invaliditätsbedingten Mehrkosten über dem Pauschalbetrag, aber immer noch im Rahmen einer einfachen und
zweck
mässigen
Versorgung, durch die Invalidenversicherung übernommen werden können. Erläuternd und ergänzend hierzu
erliess
das BSV
die
IV
Rund
schreiben Nr. 304 vom 23. De
zember 2011 und Nr. 342 vom 14. Dezember 2015. Darin listete es vorab die für die Beurteilung eines Härte
falls
massgeblichen
audiologisch-medizi
ni
schen Kri
te
rien auf, die zusammen mit den HNO-Kliniken ausgearbeitet wurden, welche die versicherten Personen untersuchen
,
wobei die
Kriterien laufend
überprüft und gegebenenfalls angepasst werden
.
2.6
Bei einem Kreisschreiben handelt es sich um eine von der Aufsichtsbehörde für richtig befundene Auslegung von Gesetz und Verordnung. Die Weisung ist ihrer Natur nach keine Rechtsnorm, sondern eine im Interesse der gleichmässigen Gesetzes
anwendung abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen Aufsichtsbehörde. Solche Verwaltungsweisungen sind wohl für die Durch
führungs
organe, nicht aber für die Gerichtsinstanzen verbindlich (BGE 118 V 206 E. 4c, vgl. auch 123 II 16 E. 7, 119 V 255 E. 3a mit Hinweisen). Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzel
fall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Es weicht anderseits insoweit von den Weisungen ab, als sie mit den anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 123 V 70 E. 4a mit Hinweisen).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der
leistungsabweisenden
Verfügung vom 13. Januar 2017
(Urk. 2)
auf den Standpunkt, dass die Voraussetzungen eines Härtefalles
gemäss Ziffer 5.07.02* des Anhangs der Verordnung für die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung nicht gegeben seien, weshalb die Beschwerdeführerin nur Anspruch auf eine Pauschalvergütung für eine
binaurale
Hörversorgung habe. Dabei verweist sie auf das Härtefall-Gut
achten der
ORL-
Klinik des Universitätsspitals
Y._
vom 5. Januar 2017 (Urk. 6/39).
3.2
Die Beschwerdeführerin begründet dagegen ihren Antrag auf vollumfängliche Kosten
übernahme der Hörgeräteversorgung damit, dass zu Unrecht bloss auf das Härtefa
ll-Gutachten der ORL-Klinik des Y._
vom 5. Januar 2017 abgestellt werde. So sei weder auf das Tragejournal noch auf den Anpas
sungsbericht des Akustikers der KIND Hörzentrale AG Bezug genommen worden. Die Beschwerdegegnerin h
abe insbesondere die gesundheit
liche Beein
trächtigung in der konkreten beruflich-erwerblichen Situation nicht berück
sichtigt
, wie dies das bundesgerichtliche Urteil 9C_75/2015 vom 11. Mai 2015 voraussetze
. In ihrem sozialpädagogischen Beruf als Hortleiterin von 35 4
8
jährigen Kindern habe sie hohe Anforderungen für Sprachverständnis zufolge Hintergrundlärms und komplexen Hörsituationen zu bewältigen. Auf
grund dieser Umstände sei sie auf die Hörgeräteversorgung mit den ausge
wählten Hörgeräten
binaural
KINDzeno
EX K4
angewiesen (Urk. 2 und Urk.
9).
4.
4
.1
In der ärztlichen Erstexpertise vom 21. September 2016 stellte
Dr.
med.
Z._
, Spezialärztin FMH ORL, Hals- und Gesichtschirurgie, einen Hörverlust von insgesamt 30.7 % fest (Urk. 6/18). Beim bekannten Turner-Syn
drom liege zudem eine kombinierte Schwerhörigkeit beidseits, linksbetont, vor.
4
.2
Die Hörgeräteakustikmeisterin
A._
führte in ihrem Anpassungsbe
richt Hörsystemversorgung vom 5. Oktober 2016 aus, dass die Beschwerde
führerin seit ihrer Kindheit am Turner-Syndrom und an einer kombinierten Schwerhörigkeit leide, welche jedoch erstmals vor 7 Jahren mit Hörgeräten aus
geglichen worden sei. Früher habe sie oft Mittelohrentzündungen gehabt, was sich in den letzten Jahren aber beruhigt habe. Das Gehör sei schwankend. Für die Beschwerdeführerin stelle neben dem undeutlichen Verstehen aufgrund des asymmetrischen Hörverlustes auch das Richtungshören ein Problem dar. Hinter
grundgeräusche störten sie enorm, wenn sie differenziert verstehen müsse.
Besonders in ihrem Beruf als Hortleiterin sei dies eine grosse Herausforderung. Sie leide zudem an einem Tinnitus, der sich als Pfeifton auf beiden Ohren bemerkbar mache. Von einer möglichen Mittelohroperation sei aktuell abgese
hen worden, da die Schwierigkeiten mit Hörgeräten lösbar seien. Die Erfahrun
gen der Beschwerdeführerin mit dem Hörgerät
KINDzeno
EX K4 zeigten, dass der Klang natürlicher sei, in lärmigen Situation angenehmer und weniger schrill sei, das Sprachverstehen zufriedenstellend sei, sie sich beim arbeiten mit den Kindern sicher fühle, sie auch in lauten Situationen Fragen beantworten könne, dieses Gerät für ihre Arbeitssituation am angenehmsten sei.
4
.3
Das Härtefall-Gutachten der ORL-Klinik des Universitätsspitals
Y._
vom 5. Januar 2017
(Urk. 6/39)
nannte folgende Diagnosen:
-
Mittelgradige gemischte Schwerhörigkeit links
-
Otitis
media
chronica
simplex
rechts
mit leichtgradiger
Schallleitungs
schwerhörigkeit rechts
-
Turner-Syndrom
Im Rein
tonaudio
gramm zeige sich ein Hörverlust nach CPT-AMA rechts von 18 %, links von 51 %. Rechtsseitig zeige sich eine leichtgradige Schalleitungs
schwer
hörigkeit im Tieftonbereich mit einem Hochtonabfall ab 6 kHz. Links zeige sich eine mittelgradige Schallleitungsschwerhörigkeit im Tieftonbereich bei Hoch
ton
abfall. Im Basler
Satztest
betrage der absolute Nutzstörschallabstand bei 70 dB rechts 3 dB, links 12.2 dB (durchschnittlich 7.6 dB). Im Sprach
audio
gramm zeige sich ein Hörverlust gemäss Sozialindex rechts von 5 %, links von 50%. Eine 50%ige Verständlichkeit werde rechts bei 52 dB, links bei 75 dB erreicht. Anhand der ausführlichen audiologischen Untersuchung sei leider kein Härte
fallkriterium erfüllt.
4
.4
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte die Beschwerdeführerin folgende weitere Berichte ein:
4
.4.1
Die Hörgeräteakustikmeisterin
A._
führte in ihrem Bericht vom 16. Januar 2017 (Urk. 3/1) aus, dass die Versorgung der Beschwerdeführerin mit den zuzahlungsfreien Hörgeräten aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen nicht ausreichend sei. Sie sei auf Störlärmunterdrückung, Spracherkennung, Richt
mikrofontechnologie und Impulslärmunterdrückung angewiesen.
4
.4.2
Im Bericht Audiologie ORL des Universitätsspitals
Y._
vom 23. Januar 2017 (Urk. 3/3) wurde bestätigt, dass
bei der
Beschwerdeführerin eine mittel- bis
schwergradige
, kombinierte Schwerhörigkeit vorliege, welche den Hauptsprach
bereich miteinschliesse. Für berufliche Tätigkeiten mit intensiver Kommunika
tions
tätigkeit, insbesondere an Arbeitsplätzen mit relevantem Störgeräuschpegel
(im Freien, in geschlossenen oder hallenden Räumen, Grossraumbüros, in Menschen
gruppen), wie im Falle der Beschwerdeführerin als Sozialpädagogin, bestehe eine signifikante Einschränkung der Sprachverständlichkeit und somit ein Erschwernis der Berufsausübung. Eine leistungsstarke Hörgeräteversorgung, welche zusätzliche Optionen wie eine selektive Störgeräuschunterdrückung biete, sei empfohlen. Dieses Anforderungsprofil werde durch eine Standard
ge
räteversorgung nicht erfüllt.
5.
5
.1
Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin die Voraussetzungen von Ziffer 5.07 HVI-Anhang erfüllt und Anspruch auf eine Pauschalvergütung für ein
binaurale
Hörversorgung hat (Verfügung vom 3
0.
September 2016, Urk. 6/20, Urk. 5). Strittig ist dagegen, ob die Beschwerdeführerin gestützt auf die Härt
e
fall
regelung gemäss Ziffer 5.07.2* HVI-Anhang Anspruch auf einen höheren als den Pauschalbetrag hat.
5
.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte
dabei
das Vorliegen eines Härtefalls, da die audiologischen Kriterien
gemäss
der Härtefallregelung nicht erfüllt
seien
. Wie das Bundesgericht in E. 3 seines Urteils 9C_75/2015 vom 11. Mai 2015 festhielt, kommt es jedoch für eine rechtskonforme Konkretisierung des
Invali
ditäts
-
be
griffes bezüglich aller invaliditätsspezifisch definierten Leistungs
ansprüche darauf an, wie sich die gesundheitliche Beeinträchtigung in der kon
kre
ten beruf
lich-erwerblichen Situation auswirkt. Das ergibt sich direkt aus Art. 4 Abs. 2 IVG, wonach die Invalidität als eingetreten gilt, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat.
Obwohl das Härtefall-Gutachten der ORL-Klinik vom 5. Januar 2017 explizit das Vorliegen eines Härtefalles verneint (vgl. E. 4.3), führte dieselbe ORL-Klinik am 2
3.
Januar 2017 aus, dass eine Standardhörgeräteversorgung angesichts der beruflichen Arbeitsbedingungen der Beschwerdeführerin nicht ausreiche (vgl. E. 4.4.2). Auch die Hörgeräteakustikmeisterin
A._
führte in ihren Berichten aus, dass die Arbeitsbedingungen der Beschwerdeführerin als Hort
leiterin ein Hörgerät mit Störlärmunterdrückung, Spracherkennung, Richt
mikrofon
technologie und Impulslärmunterdrückung - wie das von der KIND Hör
zentrale AG offerierte für Fr. 6‘590.-- (Urk. 6/31) - benötige (vgl. E. 4.2 und E. 4.4.1).
A
ufgrund der relativ geräuschvollen Arbeitsumgebung und den beruf
lichen Anforderungen an die Kommunikation
erscheint
als nachvollziehbar
, dass
m
it
einfachen Hörgeräten die Problematik nicht
behoben werden
kann, weshalb ein Härtefall zu anerkennen ist. Soweit die
Härtefallregelung des BSV eine dem vorliegenden Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht zu
lässt, ist davon
abzuweichen
.
5.3
Das Gesetz will jedoch allgemein die Eingliederung durch die Abgabe von
Hilfs
mittel
n lediglich soweit sicherstellen, als der voraussichtliche Erfolg der
Ein
gliederungsmassnahme
in einem vernünftigen Verhältnis zu ihren Kosten steht, wobei die gesamten tatsächlichen und rechtlichen Umstände des kon
kreten Ein
zelfalls zu berücksichtigen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_308/2014 vom 19. Mai 2015 E. 4.3 mit Hinweisen). Diesem Grundsatz ist auch unter der aktuell geltenden Regelung der Hörgeräteversorgung in der HVI Rechnung zu tragen. Vorliegend sind mangels entsprechender Abklärungen keine aussage
kräftigen Feststellungen zum Kosten-Nutzen-Verhältnis der bean
tragten Hör
geräte möglich. Diesbezüglich ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die Mehr
kosten
lediglich
Fr. 4‘9
40
.-- betragen und an die Steigerung der Leistungsfähig
keit folglich keine übertriebenen Anforderungen zu stellen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_931/2015 vom 24. Februar 2016 E. 2.4).
5.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid der Sachver
halt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
GSVGer
). Nach dem vorstehend Gesagten kann mangels Ausführungen zur finanziell-wirtschaftlichen
Verhält
nismässigkeit
nicht ohne weitere Abklärungen über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Vergütung der über dem mitgeteilten Pauschalbetrag liegenden Kosten ihrer Hörgeräteversorgung im Rahmen der Härtefallregelung entschieden werden. Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese die entspre
chenden Abklärungen treffe und
anschliessend
neu verfüge.
6.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens
gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 600.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.