Decision ID: 6cdcb39a-bb2e-5768-891d-debf0fe4a372
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der im Jahre 1963 geborene
X._
war seit dem 20. April 1991 als Kü
chenhilfe für die
Z._
AG tätig und als solcher bei der SBKK Versiche
rung
en
obligatorisch gegen die Folgen von Betriebs- und Nichtbetriebsunfällen ver
si
chert
. Am 28. Mai 1991 verrenkte
er
sich auf der Treppe vom Personalzimmer
zum Restaurant das rechte Knie (Urk.
12/1). Die Erstbehandlung fand am 29. Mai
1991 am
Spital A._
statt, wobei ein Verdacht auf Ruptur des vorderen Kreuz
bandes diagnostiziert wurde
(Urk.
12/5); eine operative Sanierung des Knie
gelenks erfolgte am 19. November 1991 (Urk. 12/19). Im Verlaufe der physio
the
rapeutischen Rehabilitation musste der Versicherte ausreisen und kehrte am
23.
März 1992 nach
B._
zurück (Urk. 12/26, Urk. 12/28).
Eine für den Novem
ber
1992 geplante Verlaufskontrol
le i
m
Spital A._
(Urk.
12/46) schei
terte am für die Schweiz bestehenden Einreiseverbot (Einreisesperre bis 30.
Okto
ber 1997, Urk.
12/53, Urk.
12/49).
In der Folge wurde die Behandlung in
B._
fortgesetzt, wobei die
nunmehr zuständige SWICA Versicherungen AG
(
Swica
)
die Leistungen per 31.
März 1994 einstellte (Urk.
12/93, Urk.
12/
85).
Nach
Ab
lauf der Einreisesperre stellte die
Swica
dem Versicherten die
Kosten
über
nah
me
für eine Behandlung in der Schweiz in Aussicht, unter Hinweis darauf, dass er
für die Visa- und Flugkosten selber aufkommen müsse (Urk. 12/106).
Die Be
hand
lung wurde in der Folge nicht in der Schweiz durchgeführt.
Am 20. Okto
ber
2003 beantragte der Versicherte eine Behandlung/Beurteilung durch das
Spital A._
(Urk. 12/110). Im Zuge dieser Anfrage stellte das Spital fest, zu die
sem
Fall keine Unterlagen mehr zu haben (Urk.
12/107, Urk.
12/111). Anfangs März 2004 teilte Dr. med.
C._
, leitender Arzt am
Spital A._
, dem Ver
sicherten mit, dass
er eine Reise in die Schweiz nicht für sinnvoll erachte, viel
mehr sei eine gezielte Physiotherapie in
B._
anzustreben (Urk. 12/113).
Im Februar 2007 stellte der Versicherte erneut ein Gesuch betreffend
Kostenüber
nahme
einer Behandlung in der Schweiz (Urk.
12/120). Unter Hinweis auf die Ein
schätzung von Dr.
C._
teilte die
Swica
dem Versicherten mit, dass eine
Kostenübernahme nicht garantiert werden könne und vorerst die Kausalität ge
prüft werden müsse (Urk. 12/124); gleiches wurde dem Versicherten mit Schrei
ben
vom 11. Oktober 2010 mitgeteilt (Urk. 12/129).
Im Juli 2011 erfolgte auf Ini
tiative der
Swica
in
B._
eine orthopädische Begutachtung (Urk. 12/146). PD Dr. med.
D._
, Facharzt
FMH
für Chirurgie, erstellte am 5. Sept
em
ber
2011 eine Aktenbeurteilung (Urk. 12/149). Mit Verfügung (
Decision
) vom 5. Ja
nu
ar
2012 verneinte die
Swica
einen weiteren Leistungsanspruch mangels Kau
salität (Urk. 12/158) und hielt an daran mit
Einspracheentscheid
(
Decision
of
Objection
)
vom 13.
Juli
2012
fest (Urk.
12/168). Der
Einspracheentscheid
in deut
scher
Sprache erging am 14. November 2012 (Urk. 12/175 = Urk. 2
/1
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 25. November 2012 Beschwerde und be
an
tragte sinngemäss die Kostenübernahme für die weiterhin nötigen Behandlung
en
im Zusammenhang mit dem Unfall vom 28. Mai 1991 (Urk. 1); eine unterschrie
bene Version der Beschwerde ging am 2
1
. Dezember 2012 beim hiesigen Gericht ein (Urk. 6).
Mit Beschwerdeantwort vom 26. April 2013 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 11), was dem Beschwerdeführer mit
Schrei
ben
vom 2. Mai 2013 mitgeteilt wurde (Urk. 13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
werden
–
so
weit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Be
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen
dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
di
tät, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des na
türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen
Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann.
Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürli
chen Kau
sal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
leinige oder unmittel
bare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Er
eignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige In
te
grität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit andern Worten
nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heit
liche
Störung entfiele (BGE 129 V 177 E.
3.1, 406 E.
4.3.1, 123 V 45 E.
2b, 119 V 335 E.
1, 118 V 289 E.
1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung
ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen
Be
weisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
an
spruches
nicht (BGE 129 V 177 E.
3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E.
1b, je mit Hinwei
sen).
1.3
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (Art.
11
der Verordnung über die Unfallversicherung;
UVV). Bei einem Rückfall
handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krank
heit,
so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Ar
beits
un
fähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Verände
rung
en bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E.
2c mit Hinweisen).
1.4
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu
prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des stritti
gen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arzt
be
richtes
ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi
ni
schen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Ex
perten be
gründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 f. E. 1c, je mit Hinwei
sen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
da
mit, dass gestützt auf die Aktenbeurteilung von PD Dr.
D._
der Unfall vom
28. Mai 1991 lediglich eine mögliche Mitursache der aktuell geklagten Be
schwerden darstelle, was zur Verneinung der natürlichen Kausalität führe. Da
rü
ber hinaus habe der Beschwerdeführer schon vor dem Unfallereignis an
Knie
beschwerden
gelitten. Selbst wenn man entsprechend den Ausführungen des Be
schwerdeführers davon ausginge, dass vor dem Unfallereignis nie
Knie
be
schwerden
bestanden hätten, würde dies nicht zu einer Anerkennung der na
tür
lichen Kausalität führen (Urk. 2
/1
).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, dass
seine
gesundheitlichen Beschwerden mit dem Unfall vom 28. Mai 1991
zusammen
h
a
ngen
würden. PD Dr.
D._
habe ihn nie persönlich gesehen oder be
handelt und seine Einschätzung beruhe allein auf Annahmen
(Urk. 1).
3.
3.1
Im Juni 2011 leitete die Beschwerdegegnerin zur Beurteilung der
Leistungs
pflicht
via
E._
eine medizinische Begutachtung in
B._
in
die Wege. Eine
entsprechende Untersuchung durch Dr.
F._
(orthopä
di
sche
Chirurgie) erfolgte am 5. Juli 2011.
Dieser führte aus, d
as rechte Kniegelenk zeige die Spuren der Operation nach dem
Unfall von 1991 mit rekonstruierten und mit Nägeln wieder angeschlossenen Li
ga
menten.
Die
Beinmuskulatur
des Patienten sei schwach, d
ie akti
ven und passiven Kniebewegungen
seien auf 105° beschränkt, die Extension um 4° ge
ringer als normal.
Der Beschwerdeführer empfinde Hüftgelenksbeschwerden beim
Sitzen und Liegen. Das Bein könne kein Gewicht tragen und er könne sei
n Bein
be
im Liegen nicht hoch heben. Weiter empfinde er ein Taubheitsgefühl in seinem
rechten Bein nach 100 Meter
n
Gehstrecke. Der Patient sei im Allgemeinen eine
gesund aussehende Perso
n. Seit
der Operation von 1991 habe er
ständige Schmer
zen im Knie-
und jetzt auch im Hüftgelenk, wobei das Röntgenbild der Hüfte normal sei
. Der Beschwerdeführer sei angewiesen worden
,
die Gehstrecke zu erhöhen und die Muskulatur zu stärken
(Urk. 12/146).
Das medizinische Bord der
E._
hielt am 15. Juli 2011 nach Rück
sprache mit Dr.
F._
fest, dass die Hüftbeschwerden auf die Verände
rung
en in der Körperhaltung beim Gehen und Sitzen zurückzuf
ühren seien. Die Ein
schränkung
der Kniebeweglic
hkeit sei massgeblich da
durch beeinflusst
. Eine Ent
fernung der Nägel könne das Problem nicht lösen, vielmehr sei Physiothera
pie und medikamentöse Therapie angezeigt (Urk. 12/146 S. 2).
3.2
In seiner Aktenbeurteilung vom 5. September 2011 hielt PD Dr.
G._
fest, dass
der Beschwerdeführer bereits vor dem Unfall an Kniebeschwerden rechts gelitten habe (Distorsionstrauma). Z
urz
eit
liege
sicher eine fixierte
Bewegungs
einschränkung
des rechten Kniegelenkes vor mit begleitenden Knorpelschäden,
Muskelatrophien und konsekutiven Haltungsschäden. Die geklagte
n
Kniebe
schwer
den
seien sicher überzeichnet, vermutlich fehle es nicht nur an den the
ra
peutischen Möglichkeiten, sondern
auch an der Kollabo
ration des Beschwerde
führers. Der Unfall vom 28. Mai 1991 stelle eine mögliche Mitursache der aktuell
festgestellten gesundheitlichen Störung dar, wobei eine konsequente Nachbe
handlung
nicht erfolgte sei (Urk. 12/149).
4.
PD Dr.
G._
legt die medizinische Aktenlage in einer schlüssigen und nachvollziehbaren Weise dar und seine Einschätzung beruht entgegen den Aus
führungen des Beschwerdeführers nicht allein auf Annahmen, sondern in erster Linie auf den vorliegenden medizinischen Akten. Aus diesen ergibt sich etwa,
dass der Beschwerdeführer bereits vor dem Unfall an Kniebeschwerden rechts ge
litten hat (Urk. 12/1, Urk. 12/3).
Die Beschwerdegegnerin wies überdies zu Recht darauf hin, dass aus der Formel „
post
hoc ergo
propter
hoc“ nicht per se auf das
Vorliegen eines Kausalzusammenh
anges ge
schlossen werden kann (Urk.
2/1).
Weiter zieht sich d
ie
immer wieder
bemängelte konsequente Durchführung der Physiotherapie
durch alle Stadien der Behandlung. So hielt das
Spital A._
bereits im Januar 1992 fest, dass der Beschwerdeführer schwer zu rehabilitieren
sei (Urk.
12/19). Dr.
C._
empfahl im März 2004 nach Sichtung der Rönt
gen
bilder ebenfalls eine gezielte Physiotherapie, wobei er weiter ausführte, dass aufgrund der Röntgenbilder keine Schmerzen vorhanden sein könnten und eine Metallentfernung nicht
zu einer Besserung führen würde
(Urk. 12/113). Auch
aufgrund der orthopädischen Begutachtung in
B._
via
E._
ergibt sich in erster Linie, dass die aktuell geklagten Knie- und
Hüftbe
schwer
den
eine Folge der Fehlhaltung und mangelnden Bewegung
sind
. Demge
gen
über enthalten die medizinischen Akten keine
konkreten
Hinweise, dass die ak
tu
ellen Beschwerden
eine Spätfolge
der unfallbedingt notwendigen Operation
vor über 20 Jahren sind
.
Zusammenfassend erscheint – entsprechend der Einschätzung von PD Dr.
G._
– der Unfall vom 28. Mai 1991 lediglich
als
eine mögliche
und nicht eine überwiegend wahrscheinliche
Mitursache der aktuellen Beschwerden
.
Vor
diesem Hintergrund mangelt es an einem natürlichen Kausalzusammenhang, was
in Bestätigung des angefochtenen
Einspracheentscheids
zur Abweisung der Be
schwerde führt.