Decision ID: a5748173-843f-4de6-8757-4b122c594a26
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
54
,
war seit dem
1. Mai 1995 bei der
Y._
als Bäcker
angestellt
(
Urk.
7/3/4
und 7/12
)
, als er mit seinen Vorgesetzten in Konflikt geriet, weil er
am 27. Dezember 2012
in die
Z._
flog
,
um seinen
kranken V
ater zu besuchen,
obwohl
sein
gleichentags gestellte
s
Gesuch um zusätzliche freie Tage
abgelehnt
worden war
(vgl.
Urk.
7/2
und 7/4/18
)
.
Der Versicherte nahm am 3.
Januar 2013 um 17:
00 Uhr
die Arbeit wieder auf und legte ein
Z._
Zahnarztzeugnis vom gl
eichen Tag vor, das ihm vom 27.
Dezember 2012 bis zum 3. Januar 2013 eine krankheitsbedingte Arbei
tsun
fähigkeit attestierte (Urk.
7/2/1 und 7/2/3).
Dr. med.
A._
, Facha
rzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie,
bescheinigte
dem
Versicherten ab dem
7. Januar 2013
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(Urk.
7/2/1
). Die
Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG
richtete de
m
Versicherten
ab dem 21.
Januar 2013
(
d.h. nach
Ablauf der Wartefrist
, deren Beginn sie
auf den
7.
Januar 2013
festgesetzt hatte
)
Krankentaggelder aus (vgl. Urk.
7
/
4/5
und 7/4/35
).
Am
8
.
Mai
201
3
meldete sich der
Versicherte bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
7/3
). Diese zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (Urk.
7
/
4
und 7/17
) und
führte
am 3.
Juni 2013
mit dem Versicherten ein Standortgespräch durch (
Urk.
7/10). Überdies
tät
igte
sie
weitere erwerbliche (Urk.
7/12
und 7/18
) und medizinische (
vgl.
Urk.
7/11
, 7/14
-
15, 7/17 und
7/29
-32
) Abklärungen.
Sie gab ein psychiat
risches Gutachten in Auftrag (vgl.
Urk.
7/36
und 7/45), das am 3.
Januar 2015 von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattet wurde (
Urk.
7/52).
Am 1
6
.
März
201
5
erliess
die IV-Stelle
einen negati
ven Vorbescheid (Urk.
7
/
6
1).
Dagegen liess der Versicherte Einwand erheben (vgl.
Urk.
7/62 und 7/66) und einen
weiteren Arztb
ericht vom 23. April 2015 einreichen (
Urk.
7/65).
Mit Verfügung vom
6
.
Juli
2015 verneinte
die I
V
-Stelle
einen Rentenanspruch (
Urk.
2 =
7
/
68
).
2.
Gegen die Verfügung vom
6
.
Juli
2015
liess
der
Versich
erte, vertreten durch Rechts
anwä
lt
in
Ursula Reger-
Wyttenbach
, mit Eingabe vom
6
.
August
2015
(Urk. 1)
Beschwerde erheben
mit dem Antrag, es sei ihm ab dem 1. Dezember 2013 eine ganze Invalidenrente auszurichten; unter Kosten- und
Ent
-
schädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten der
Beschwerdegeg
nerin
(
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss am
8
. September 2015 auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
6
). Davon wurde der Gegenpartei mit Verfügu
ng vom 1
4. September 2015 Kenntnis gegeben (Urk.
8
).
Auf die Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und die im
Beschwer
de
verfahren
neu eingereichte Unterlage
(
Urk.
3
/4
) wird, soweit erfor
der
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der ver
sicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach Art. 8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychoso
ziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.
4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und
gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialver
sicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gut
achten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
Die Beschwerdegegnerin zog in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen in Betracht,
es sei auf
das
psychiatrische
Gutachten von
Dr.
B._
vom 3. Januar 2015
abzustellen
. Demnach sei
kein invaliditätsrelevanter
Ge
sund
heitsschaden
ausgewiesen
.
Die
gesundheitlichen Einschränkungen
seien
auf eine Re
i
he von ps
ychosozialen Belastungsfaktoren
–
wie die Erkrankung von Ange
hörigen und die Kündigung durch d
ie
Arbeitgeber
in
–
zurückzuführen (vgl.
Urk.
2).
Demgegenüber lässt der Beschwerdeführer
gegen das Gutachten von
Dr.
B._
diverse Einwände erheben und geltend machen,
es
sei
stattdessen
auf die sorg
fältigen ärztlichen Beurteilungen der behandelnden Fachpersonen abzustellen (vgl.
Urk.
1).
3.
3.1
Dr.
A._
und die
den Beschwerdeführer
delegiert behandelnde Fachpsycho
login für Psyc
hotherapie FSP,
lic
. phil.
C._
,
diagnostizierten
gemäss
ihrem Bericht
vom 24. Januar 2013 eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.10) und eine Panikstörung (ICD-10: F41.0). Die Arbeitsfähigkeit sei
wegen
der
starke
n
Schlafstörungen, innerer Unruhe, Panikattacken, Verdau
ungsstörungen und Konzentrationsschwäche durch Gedanken
drehen
einge
schränkt
(
Urk.
7/4/33
)
.
Einem weiteren
Bericht
vom 4. Februar 2013 (vgl.
Urk.
7/4/30
f.
)
zufolge stell
ten sie
überdies
die Diagnose
eine
r
Agoraphobie mit Panikstö
rung (ICD-10:
F40.01)
.
In der
Vorgeschichte
des
aktuellen Leiden
s
erwähnten
sie
die überraschende Kündigung
des Arbeitsverhältnisses
und die zusätzliche Belas
tung durch die tödliche Erkrankung des in der
Z._
lebenden Vaters
des Ver
sicherten
.
Nebst den bereits
festgestellten
Beeinträchtigungen leide der
Versi
cherte
auch unter
Schuldgefühlen und Angst in Menschenmengen.
Die Arbeits
fähigkeit sei wegen der
unvermittelt auftretenden Panikattacken und
der
Angst in Menschenmen
gen
, welche die Verlässlichkeit und die Konzentration stark
einschränkten, nicht vorhanden
. Ebenso
beeinträchtigten
die starken Schlaf
stör
ungen die Leistungsfähigkeit
. Zudem sei der frühere Arbeitsplatz stark mit Angst besetzt
(
Urk.
7/4/30)
.
Krankheitsfremde Faktoren, die im Heilungsverlauf eine Rolle spielen könnten, seien keine bekannt
(
Urk.
7/4/31)
.
Die am
7. Januar 2013
begonnene
Behandlung
habe
in Form von
wöchent
lichen Gesprächen stattgefunden
, mit einem Unterbruch wegen einer Reise des
Versicherten
zu seinem erkrankten Vater. Überdies habe der Hausarzt Citalopram und
Temesta
verordnet. Es sei ein Termin bei
Dr.
A._
geplant, um eine allfällige Än
derung der Medikation zu prüfen
. Überdies sei der Ver
sicherte
zur Behandlung in der Tagesklinik angemeldet
(
Urk.
7/4/30)
.
3.2
Vom 5. Februar
bis zum 10. Mai 2013 wurde der
Beschwerdeführer während fünf Tagen pro Woche in der
Akut-Tagesklinik des
D._
behandelt
(
Urk.
7/4/19
,
7/11/7
und 7/14/2
)
.
Dort wurde die Diagnose Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10: F41.2), gestellt (
Urk.
7/4/18
,
7/11/7
und 11/14/2)
.
Für den Behandlungszeitraum wurde eine
100%ige Arbei
tsunfähigkeit bescheinigt (Urk.
7/14/6). Zur Beantwortung der Frage, in welchem Umfang und seit wann eine behinderungsangepasste Tätigkeit möglich sei, wurde auf eine
arbeitsthera
peutische
Abklärung beziehungsweise eine Potentialabklärung verwiesen (
Urk.
7/14/7).
Beim
Aufnahmegespräch
habe der
Versicherte
davon
berichtet
, dass er Ende Dezember
2012
in die
Z._
habe fliegen müssen, da sein Vater im Koma liege.
Sein Vorgesetzter habe
ihn nicht gehen lassen wollen; mit Abmeldung
sei er
trotzdem geflogen. Als er am 3.
Januar 2013 wieder nach Zürich zurückgekehrt sei, habe er die Kündigung
des Arbeitsverhältnisses
per Ende März 2013 erhal
ten. Er sei dann noch drei Tage arbeiten gegangen.
Am
dritten Tag
habe er
keine Konzentration mehr gehabt
,
nicht mehr mit den Kollegen reden können und sich zurückgezogen. Er sei daraufhin zum Hausarzt gegangen, der ihn krankgeschrieben habe.
Überdies
habe
er
sich
psychiatrische Hilfe
gesucht
. Er leide vor allem unter den Panikattacken
, die
in verschiedenen Situationen
auf
träten
. Rückblickend betrachtet gehe es ihm
bereits
seit Anfang Dezember 2012 anders. Seiter stimme etwas nicht; er fühle sich beobachtet, habe Panikattacken und schlafe schlecht
(
Urk.
7/4/18
,
7/11/7
und 7/14/4
)
.
Aufgrund des
erhobenen
psychopathologischen Eintrittsb
efundes und der damit verbundenen Einschränkungen
attestierten die behandelnden Ä
rzte dem Ver
sicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Zurzeit
sei
nicht davon auszugehen, dass krankheitsfremde Faktoren im Heilungsverlauf eine Rolle spielten (
Urk.
7/4/19).
Nach Abschluss der
Behandlung, welche
therapeutische Einzelgespräche,
eine medikamentöse Therapie
, Ergotherapie, Kunsttherapie, Yoga, Bewegungsthera
pie, Ressourcengruppe und kognitives Training umfass
t
e
,
gelangten die behan
delnden Ä
rzte zum Schluss,
das Zustandsbild,
der Schlaf und die Stimmung
hätten sich
leicht verbessert
(Urk.
7/11/10
und 7/14/4
)
.
Als entlastend habe der
Versicherte
einerseits die Lohnfortzahlungen nach Bei
ziehen eines Anwalts empfunden, der die Unrechtmässigkeit der Kündigung bestätigt habe, andererseits das Erwachen des Vaters aus dem Koma. Es habe eine medikamentöse Optimierung stattgefunden
.
Mit Hilfe des hausinternen
Sozi
aldienstes
habe man Administratives klären können und es sei eine IV-Anmeldung erfolgt (
Urk.
7/11/10
und 7/14/4
).
Wiederholt als belastend
empfunden
habe der
Versicherte
den schwankenden Gesundheitszustand seiner Ehefrau, der ihm Sorgen bereitet habe. In einem gemeinsamen Gespräch mit der Ehefrau seien die verschiedenen Problembe
reiche besprochen und dadurch der
Versicherte
temporär entlastet worden (
Urk.
7/11/10). Während des Gespräches habe die Ehefrau unter anderem
erklärt
, eine Verschlechterung des Zustandsbildes ihres Ehemannes
sei ihr
erst
mals vor ca. einem Jahr infolge eines als schikanierend wahrgenommenen Ver
haltens
des Arbeitgebers aufgefallen
(Urk. 7/11/11)
.
In der
letzten Woche
seiner Behandlung in der Akut-Tagesklinik habe der Ver
sicherte
ambivalent (teils ängstlich, teils freudig)
davon
berichtet
, dass seine Ehefrau, die zurzeit in der
Z._
Urlaub mache, ihm ohne sein Wissen ein Flugticket organisiert habe, damit er sie besuchen könne. Bei fehlenden Hin
weisen auf akute Eigen- und/oder Fremdgefährdung
sei
er
deshalb am 10.
Mai 2013 in die bestehenden Verhältnisse und in ambulante Behandlung entlassen
worden
. Zur weiteren Stabilisierung bei fehlender Tagesstruktur sei eine Anmel
dung in der rehabilitativen Tagesklinik im Hause
erfolgt
(Urk. 7/11/11
und 7/14/4
).
Ferner wurde
erwähnt
,
es seien
zur
Vervollständigung der Diagnostik bei para
noid-psychotischem Erleben eine Laboruntersuchung, ein EEG und ein MRI durchgeführt worden. Dabei hätten sich keine Hinweise auf organische Ur
-
sachen der beschriebenen Symptomatik ergeben. Die berichteten psycho
tischen Erlebensinhalte
,
wie unter anderem inhaltliche
Denkstörungen, Halluzi
nationen und
die irrationale Angst vor Wasser bei
m
Duschen
, würden
nach Rücksprach
e mit der Ehefrau, dem Hausarzt und
der ambulant behandelnden Therapeutin
nicht im Rahmen einer Erkrankung aus dem schizophrenen
For
menkreis
, sondern als Symptome im Rahmen depressiver Symptome und der ausgeprägten Angstsymptomatik gesehen (Urk. 7/11/11
und 7/14/5
).
3.3
Dr.
A._
und
lic
. phil.
C._
setzten
die
ambulante Behandlung
des Beschwer
deführers auch während der Behandlung durch die
Akut-Tagesklinik
fort
(vgl.
Urk.
7/4/25)
. In
ihrem
Verlaufsbericht vom 19.
April 2013
(Urk.
7/4/11 f.)
hielten
sie
fest,
es stünden
nach wie vor
die
Ängste im Vordergrund
, die für den
Versicherten
unberechenbar auftauch
t
en. Aktuell leide
er
unter
Pan
ikat
tacken
mit Atemnot, Zittern und
Schweissausbrüchen, starken Schlafstörungen, innerer Unruhe, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, Gedankendrehen, Schuldgefühlen, Angst in Menschenmengen, Zukunftsängsten und verminder
tem Selbstvertrauen.
Er sei dadurch so
eingeschränkt, dass eine Arbeitstätigkeit vorläufig nicht möglich sei. Die angestrebten Veränderungen verliefen langsam.
Zwar schlafe er
etwas besser,
seine
Ängste, insbesondere im Kontakt mit Men
schen,
schränkten ihn
indessen
nach wie vor stark ein
.
Lic
. phil.
C._
attestierte dem Beschwerdeführer in ihrem Bericht vom 4.
Juni 2013
(
Urk.
7/11/1-6)
wegen der
diagnostizierten
mittelgradige
n
depressive
n
Episode (ICD-10: F32.10) und
der
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F40.01)
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
für sämtliche Tätigkeiten
. Die Symp
tome seien stark ausgeprägt nach der überraschen
den Kündigung der Arbeits
stelle
aufgetreten.
Die Kündigung Ende 2012 und die damit verbundene feh
lende Wertschätzung
hätten
eine grundlegende existentielle Verunsicherung ausg
elöst, die sich in der Angsterkrankung und der depressiven Episode mani
festiert habe.
Eine zusätzliche Belastung sei zum damaligen Zeitpunkt auch die lebensbedrohliche Erkrankung des in der
Z._
lebenden Vaters gewesen. Der
Versicherte
habe allerdings berichtet,
es seien
bereits vor zwei Jahren erste Panikattacken a
ufgetreten
, als sich seine Ehefrau einer schweren Operation habe unterziehen müssen, was bei ihm
auch
starke Verlustängste und erste depressive Symptome ausgelöst
h
a
be
(
Urk.
7/11/1 und 7/11/2)
.
Die Symptome hätten sich seit Behandlungsbeginn nur unwesentlich verbessert. Der
Versicherte
stehe aber allen Therapieangeboten sehr offen gegenüber.
Nach ihrer
Einschätzung
sei
eine längere Arbeitsunfähigkeit zu erwarten. Möglicher
weise werde ein Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess nicht mehr möglich sein.
Eine verlässlich
e
und regelmässige Arbeitstätigkeit sei insbesondere wegen der Panikattacken und der hohen Ängstlichkeit im öffentlichen Verkehr und in Menschengruppen nicht möglich. Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und starke Unruhe seien weitere
Einsch
r
ä
nkungen
(
Urk.
7/11/3
)
.
3.
4
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
unter
suchte den Beschwerdeführer im Auftrag des Krankenversicherers am 17. Juni 2013 und erstattete hernach sein Gutachten vom
2
2.
Juni 2013
(Urk.
7/
52
/
45-51
).
Er diagnostizierte eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21), wobei das Krankheitsbild mittlerweile überwiegend am Zurückgehen sei (
Urk.
7/52/49).
Der
Versicherte
habe
unter anderem
erzählt,
dass er
Ende 2012
am Krankenbett seines Vaters
in der
Z._
Panik bekommen habe. Er sei umgekippt und habe sich dabei eine Gesichtsverletzung zugezogen.
Be
im Sturz
habe er sich
auch Oberkieferzähne herausgeschlagen. Als er am 3. Januar 2013 wieder am Arbeitsplatz erschienen sei, habe ihm der Chef die Kündigung übermittelt. Er habe weiterarbeiten wollen, aber es sei nicht gegangen. Er habe sich hilfe
suchend an seinen Hausarzt gewandt, der ihm als Notfallmedikation
Temesta
mitgege
ben und ihn zur weiteren ambula
n
t
en Behandlung an
Dr.
A._
ver
wiesen habe. Er sehe
Dr.
A._
weiterhin in grösseren zeitlichen Abständen
und gehe
regelmässig einmal pro Woche zu
lic
. phil.
C._
in die
psycho
thera
peutische Sprechstunde (
Urk.
7/52/47).
Es
gehe ihm überhaupt nicht gut. Er leide unter nächtlichen Albträumen und schlafe nachts zu wenig. Er leide unter häufigem Schwindel, unter schnellem Herzschlag und unter Zittern. Er besuche an vier Tagen pro Woche nachmittags die Akut-Tagesklinik. Er könne jeweils nur eine Station mit dem Tram fahren. Zugfahren gehe gar nicht. Es stimme etwas nicht mit ihm. Nachdem er Mitte Januar
dieses Jahres
auf
der Langstrasse einen Verkehrsunfall erlitten habe, habe er auch Angst, selbst mit dem Auto zu fahren.
Z
um aktuellen Termin in
F._
habe ihn deshalb eine Kollegin chauffiert. Er leide unter Existenz
ängsten, nachdem ihm die langjährige Arbeitsstelle gekündigt worden sei (
Urk.
7/52/48).
Im Zeitpunkt der Evaluation sei der psychopa
t
hologische Befund durch eine weitgehend wieder ausgeglichene Stimmungslage gekennzeichnet. Die affektive Ausle
n
kbarkeit sei ebenfalls intakt. Im Affekt wirke der Versicherte allerdings nach wie vor beträchtlich gekränkt über die für ihn seit längerem belastende Situation am Arbeitsplatz und die zuletzt erfolgte K
ündigung, ausserdem besorgt hin
s
i
chtlich seiner weiteren beruflichen Zukunft. Psychomotorisch sei er ausgeglichen. Im Auftreten wirke er situationsangemessen und freundlich. Die kognitiven Fähigkeiten wie Konzentration, Auffassung, Merkfähigkeit, Erinne
rung und Umstellungsfähigkeit im Gespräch
,
seien im Rahmen der klinischen Prüfung während der Evaluation intakt. Ein flüssiger Gesprächs
verlauf sei durchgehend möglich
. Im äus
seren Erscheinen wirke der Versi
ch
er
te gepfleg
t
. Im formalen Denken sei er strukturiert und geordnet. Das inhaltliche Denken sei
situationsentsprechend auf die Schilderung von Biographie und
Krankheitsent
wicklung
gerichtet.
Gedanklich überwögen eine Besch
äftigung mit der belasten
den persönlichen Situation im Rahmen de
s bestehenden Konfliktes mit dem Arbeitgeber
und der kürzlich erfolgten Kü
n
digung. In
s
gesamt sei der Versicherte in seinem Denken erst teilweise wieder auf seine berufliche
Z
ukunft ausgerich
tet. Eine Rückkehr an seinen Arbeitsplatz während der
K
ündigungsfrist
schliesse er genauso aus
wie eine Wiederaufnahme seiner Berufstätigkeit als Bäcker. Zeichen psychotischen Denkens, Erlebens, Wahrnehmens oder Verhaltens
lies
sen sich nicht finden
(
Urk.
7/52/48).
Der aktuelle
psychopathologische Befund
sei
mit einer reaktiven Depression vereinbar, die
bereits
weitgehend
abgeklungen
sei.
Subjektiv seien nach wie vor einerseits krankheitsunspezifische Beschwerden vorherrschend, andererseits eine nachvollziehbare gedankliche Auseinandersetzung mit dem
Krankheitsge
schehen
im Sinne einer Verarbeitung des Erlebten. Im Augenblick sei der Versi
cherte in seinem Denken erst teilweise wieder nach vorne orientiert und wirke emotional zwar gefestigter, jedoch immer noch erheblich gekrän
k
t. Man gewinne im Gespräch den Eindruck
,
er nehme
sein Befinden schlechter w
a
h
r, als es den objektiven Tatsachen entspreche. Je nach Themenwahl könne er durchaus engagiert am Gespräch teilnehmen. Komme das Gespr
ä
ch
zur Thema
tik der
Situation am letzte
n
Arbeitsplatz, verdüsterten sich Miene und Tonlage sofort. Auch sei nicht vollständig klar, wie stark die geschilderten panikartigen Ängste tatsächlich ausgeprägt seien. Einerseits gebe der Versicherte an, sich deshalb mehrheitlich zurückzuziehen, andererseits plane er
R
eisen
in die
Z._
(Urk.
7/52/48 f.).
Hinweise auf eine affektive Erkrankung mit episodenartigem Verlauf einer Depression beziehungsweise einer bipolaren Störung
liessen sich nicht finden
. Die Erkrankung sei in erster Linie als psychische Reaktion auf eine für
den
Ver
sicherten
schwierige persönliche Situation im Zuge wiederholter Kränkungen am langjä
hrigen Arbeitsplatz aufzufassen
, zuletzt auf die Kündigung des Arbeitsverhältnisses.
Die
Konstellation
entspreche
einer narzisstischen Krise.
Objektiv sei das K
rankheitsbild bereits weitgehend abgeklungen. Die vom Versi
cherten geschilderten panischen Ängste seien noch vereinbar mit der
Anpas
sungs
s
törung
, mithin als eines der Sym
ptome derselben zu werten (Urk.
7/52/49).
Die dem Versicherten ärztlich attestierte Arbeitsunfähigke
it von zuletzt 100
%
als Bäcker
sei
in der klinischen Ausprägung des vorliegenden Krankh
eitsbildes aus psychiatrischer S
icht bislang angemessen gewesen. Nach der aktuellen Befundlage sei allerdings davon auszugehen, dass
die
Arbeitsunfähigkeit nur
noch für einen begrenzten Ze
i
traum
,
bis längstens Ende Oktober 2013
,
for
t
zu
schreiben sei. Ab spätestens Anfang November 2013 sei wieder von einer voll
ständigen Arbeitsfähigkeit
im
erlernten Beruf als Bäcker beziehungsweise auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auszugehen. Eine Rückkehr an den angestamm
ten Arbeitsplatz bis zum Auslaufen des Arbeitsvertrages sei aus medizini
s
chen Gründen nicht zu empfehlen, da die Gefahr eines Rückfalls beziehungs
weise einer erneuten Zunahme de
r
sich im Abklingen begriffenen Symptomatik bestünde (
Urk.
7/52/49).
Der genannte Ze
i
traum von weiteren rund vier Monaten Arbeitsunfähigkeit sei für eine nachhaltige Depressionslösung mehr als angemessen und berücksich
tige auch den Umstand, dass der Versicherte nach wie vor unter Ängsten leide. Allerdings müsse man sich fragen, wie stark ausgeprägt die Ängste tatsächlich seien, wenn er einerseits ang
ebe, er könne innerhalb der näh
er
e
n Region nicht mit Tram und S-Bahn fahren, andererseit
s
wiederholt
R
eisen in die
Z._
unternehme. Auch von daher sollte die Arbeitsunfähigkeit längstens bis Ende Oktober 2013 begrenzt werden (Urk.
7/52/49).
Es sei offensichtlich,
dass
im vorliegenden Fall
psychosoziale Faktoren bzw. Lebensumstände vorlägen, die sich zuletzt ungünstig auf das gesundheitliche Befinden des Versicherten ausgewirkt hätten. Ungeachtet dessen habe sich die Bewertung der Arbeitsfähigkeit rein an medizinisch belegbaren Befunden zu bemessen. Anders
gesagt sei eine weitere fortgesetzte Attestierung
einer
Arbeitsunfähigkeit über einen längeren Zeitraum hinweg zur Lösung psychoso
zialer Schwierigkeiten – möchten diese noch so plausibel und nachvollziehbar sein – ungeeignet. Im Gegenteil
,
verzögere man pragmatisches Herangehen an psychosoziale Hürden,
so
verschlimmere sich die Gesamtsituation des Betroffe
nen zumeist noch. Konkret sei es auf diesen Fall bezogen wichtig,
den
nach
den
Bedingungen der heutigen Arbeitswelt bereits älteren Berufstätigen möglichst bald wieder dem Arbeitsmarkt zuzuführen, zumal sich ein beruflicher Wieder
beginn umso schwieriger gestalten dürfte, je länger jemand – aus welchen Gründen auch immer – nicht berufstätig gewesen sei (
Urk.
7/52/50).
Die Prognose des vorliegenden Krankheitsbildes sei prinzipiell günstig zu wer
ten. Grundsätzlich sei davon auszugehen, dass eine längere depressive Reaktion innerhalb weniger Monate deutlich rückläufig sei. Dies sei hier mittlerweile mehrheitlich bereits der Fall. In Rechnung zu stellen sei sicher die belastende persönliche Situation des Versicherten angesichts einer zuletzt offenbar schwie
rigen Ko
n
stellation am
langjährigen Arbeitsplatz, was
nachvollziehbar kränkend wirke. Dennoch sei festzuhalten, dass dessen ungeachtet die Erkrankung bereits überwiegend am Zurückgehen sei und der psycho
s
ozialen Belastung für sich
genommen kei
n Krankheitswert im engeren Sin
n
e
zukomm
e. Durch weitere Gewöhnung und A
npassung sei mit einem vollständigen Beschwerderückgang im Laufe der kommenden Wochen und Monate zu rechnen (
Urk.
7/52/50).
3.
5
Am 21.
Juni
2013 begab sich der Beschwerdeführer in die teilstationäre Behand
lung des
Ambulatoriums G._
des
D._
(
Urk.
7/17/6 f.). Zusätzlich nahm er weiterhin die Behandlung von
Dr.
A._
und
lic
. phil.
C._
in Anspruch
. Diese hielten in ihren
Verlaufsbericht
en vom 9. September (
Urk.
7/17/8
f.) und
vom 23. Oktober 2013
(
Urk.
7/15)
fest, dass sich der Gesundheitszustand des
Versicherten
in den letzten
Wochen
respektive
Monaten deutlich verschlechtert habe. Es bestehe die Vermutung einer Erkrankung an paranoider Schizophrenie (ICD-10: F20.0) mit psychotischen Symptomen, welche die Leistungsfähigkeit zusätzlich stark einschränk
t
e
n
.
Er
leide nach wie vor unter unberechenbar auftretenden Panikattacken mit Atemnot, Zittern, Herzrasen und Schweissausbrüchen. Dazu komme seit
einiger Zeit
das Hören von Stimmen, die Befehle gäben und en
twerteten, selten auch lobten.
Ebenso leide
er
unter einer akustische
n Halluzination in Form eines Z
ischens, das er konstant höre. Starke Schlafstörungen, innere Unruhe, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, Gedankendrehen, Schuldgefühle, Angst in Menschenmengen, Zukunftsängste und vermindertes Selbstvertrauen seien unvermindert prä
sent. Auch in kleinen Gruppen von Menschen könne
er sich
zum aktuellen Zeitpunkt nur kurze Zeit ohne starke Ängste mit körperlichen Symptomen aufhalten.
Z
ur
zeit
sei er
in keiner Weise stabil genug, um wieder in seinem angestammten Beruf als Bäcker tätig zu sein. Auch in einer angepassten Tätigkeit sei er nicht arbeitsfähig
(Urk. 7/15/2)
.
Dem
Verlaufsber
icht des
Ambulatoriums G._
vom 2
2.
Oktober 2013 (
Urk.
7/
17/6 f.)
zufolge
zeigte
der Beschwerdeführer seit dem 21. Juni 2013 ein
schwankendes Zustandsbild mit teils psychotischer Symptomatik während der Angstzustände und im späteren Verlauf auch auftretenden
akustischen
Halluzi
nationen (
Ak
o
asmen
, Stimmenhören) ausserhalb dieser stärkeren E
rregungs
zustände
.
Seit
etwa drei Monaten
leide er
an einem Tremor des rechten Armes und der rechten Hand, der
grobschlägig
in Ruhe erscheine und sich bei Tätig
keiten verstärke. Der
Versicherte
habe berichtet, dass er
sich
in kürzerer Zeit
zweimal
auf dem Boden aufgefunden
habe
, ohne sich an den Vorgang
zuvor
zu erinnern. Er habe auch einmal im Tram die Kraft verloren und sei von einem
anderen Fahrgast
aufgefangen worden. Zur Abklärung der körperlichen Symp
tomatik habe er im Dezember einen Termin in der Klinik für Neurologie des
H._
(Urk. 7/17/6)
.
Der
Versicherte
habe nicht nur von den
Modulen der Tagesklinik (Ergotherapie, Krisenmanagement/Achtsamkeitstraining un
d Ärztliche Informationsgruppe), sondern auch von einer Anpassung der medikamentösen Therapie profitiert. Unter Erhöhung der
Quetiapin
-Dosis (
Seroquel
XR, 800 mg/d) sei es zu einem Abfall der Intensität und einer verminderten Häufigkeit der akustischen Hallu
zinationen gekommen.
Nach
einer Neueinstellung von
Pregabalin
(
Lyrica
, 200 mg/d) seien die Ängste weniger geworden und habe sich der Tremor vermindert. Die Medikation mit C
i
talopram (40 mg/d) und
Zopidem
(
Stilnox
, 12,5 mg/d)
habe man
unverändert beibehalten (
Urk.
7/17/6).
3
.6
Der
Kranken
taggeld
versicherer holte eine
ergänzende
Stellungnahme von
Dr.
E._
vom 26. Oktober 2013
ein
(Urk.
7/17/2-5)
.
Dieser fasste die ihm
vor
gelegten Berichte von
Dr.
A._
und
lic
. phil
.
C._
vom 9. September 2013
(vgl.
Urk.
7/17/8 f.)
und des
Ambulatoriums G._
des
D._
vom 22
. Oktober 2013
(
Urk.
7/17/6 f.)
zusammen (
Urk.
7/17/3 f.)
. Er zog in Betracht, gemäss dem letztgenannten Bericht
bestünden
keine Hinweise auf organische Urs
achen der geklagten Beschwerden
. Auch eine Erkrankung aus dem schizo
phrenen Formenkreis schein
e
nicht vorzuliegen, wie er die Ausführungen im Bericht des
Ambulatoriums G._
interpretiere. Die berichteten psycho
tischen Erlebnisinhalte würden von den Kollegen als Symptome im Rahmen einer Depression und einer ausgeprägten Angstsymptomatik interpretiert. Auch im psychopathologischen Befund
fänden sich
keine Hinweise auf eine wahn
hafte Symptomatik.
Eine w
eitere im Dez
ember 2013 vorgesehene
Diagnostik sei noch ausstehend, konkret eine neurologische Untersuchung (Urk. 7/17/4).
Zum aktuellen Zeitpunkt sollte trotzdem der Versuch einer beruflichen Reintegra
tion unternommen werden. Nach wie vor bestünden Symptome von Krankheitswert. Dennoch wären Wiedereingliederungsmassnahmen zumutbar. Aus seiner Sicht käme ab sofort ein berufliches Belastbarkeitstraining in Frage. Formal gehe er somit im Moment noch von der Arbeitsunfähigkeit des Ver
sicherten aus
. Um es zu wiederhol
en, es sei nun aber der Zeitpunkt gekommen, intensive Schritte zur beruflichen Wiedereingliederung in die Wege zu leiten. Im Rahmen der Mitwirkungspflicht seien dem Versicherten die erwähnten
Integra
tionsmassnahmen
im gegenwärtigen Zeitpunkt zumutbar (
Urk.
7/17/4)
.
3.
7
Im Auftrag des Krankentaggeldversicherers
untersuchte
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
den Beschwerdeführer am 25. April 2014 und erstattete
am 6. Mai 2014
in Kenntnis der medizinischen
Vorakten
s
ein Gu
tachten
(
Urk.
7/52/32-43).
Darin
diagnostizierte
er
eine längere depre
ssive Reaktion (ICD-10: F43.21),
familiäre Schwierigkeiten und
Arbeits
platzprobleme
(ICD-10: Z63, Z56).
Dr.
I._
erhob einen im Wesentlichen unauffälligen Befund
. Der
Ver
sicherte
verfolge
das Gespräch aufmerksam und
mit ausreichender Konzent
ration.
Das Kurzzeit- und das Langzeitgedächtnis seien nicht eingeschränkt. Das Denken sei weder gehemmt noch umständlich und es seien keine inhaltlichen Denkstörungen feststellbar (
Urk.
7/52/38). Die
Medikamentenspiegel
von Citalopram,
Risperdal
,
Seroquel
und
Temesta
in der am 25. April 2014 entnom
menen Blutprobe
lägen
alle weit unter dem Referenzbereich
(
Urk.
7/52/39
und 7/52/44
). Am Schluss der Besprechung habe er den
Versicherten
auf seinen recht dunklen Hautteint angesprochen, worauf
ihm der Versicherte
erklärt habe,
er halte sich sehr oft im Freien
, unter anderem im Wald, auf. Diese Aussage stehe im Gegensatz zu seinen Angaben, wonach er das Haus nur selten verlasse (
Urk.
7/52/37). Nach der Besprechung habe die Arztsekretärin den
Versicherten
ins Labor an der
J._
begleitet und beobachtet, dass er beim Gehen auf de
r Strasse nicht gezittert, recht fröhlich gewirkt und einen deutlich weniger auffälligen Eindruck gemacht habe, als dies während der Untersuchung der Fall gewesen sei. Es liessen sich also
aggravierende
Tendenzen feststellen (
Urk.
7/52/39).
Dr.
I._
gelangte zur Beurteilung, der Grund für die aktuelle psychische Krise
seien
Arbeitsplatzprobleme
(
Urk.
7/52/39)
. Als
der
Versicherte
nach sei
nem unerlaubten Fehlen am Arbeitsplatz und der Kündigung wieder einige Tage gearbeitet habe, sei er in eine depressive Reaktion geraten. Er habe die dafür typische Symptomatik (Konzentrationsstörungen, Panik
,
Zittern, Verstimmun
gen usw.) gezeigt. Im Juni 2013 habe bei der vertrauensärztlichen Untersuchung eine Besserung der depressiven Reaktion beobachtet werden können
, worauf man
von einer zum grossen Teil wiederhergestellten Arbeitsfähigkeit ausgegan
gen
sei
. Mit dieser Beurteilung sei der Explorand nicht einverstanden gewesen. Er habe
nun
ein Krankheitsbild entwickelt, das als Psychose imponiere, da er angebe, nächtliche Stimmen zu hören und Geräusche zu vernehmen. Dieses in doch relativ spätem Alter auftretende
psychoseähnliche
Zustandsbild sei auffäl
lig, zumal der
Versicherte
nie unter derartigen Symptomen gelitten habe und in der Familie keine Psychosen bekannt seien. Bei der Untersuchung
am
25. April 2014 habe unter anderem beobachtet werden können, dass der
Versicherte
stark zittere. Er habe über vor allem in der Nacht auftretende Halluzinationen berichtet. Die nächtliche
n
Stimmen belasteten ihn, manchmal versteh
e
er sie nicht. Es sei nicht ganz auszuschliessen, dass der
Versicherte
die
psychoseähn
-
li
chen
Symptome teilweise produziere, um zu zeigen, wie schwer krank er sei. Sein Anwalt
habe ihm
seinen Schilderungen zufolge
erklärt
, dass er 720 Tage krank sei
n
könne. Auf
aggravierende
Tendenz
en lasse
das
Verhalten
des Ver
sicherten
vom 25.
April 2014 schliessen. So zeige er ein doch normaleres Ver
halten, wenn er nicht mehr im Untersuchungszimmer dem Arzt gegenüber sitze, sondern der Strasse entlang ins Labor gehe. Dabei lasse sich beobachten, wie das Zittern verschwinde. Er wirke relativ charmant und zeige ein wenig auffäl
liges Bild (
Urk.
7/52/39 f.).
In diagnostischer Hinsicht sei weiterhin von einer depressiven Reaktion auszu
gehen, da die Ursache der Störung in den Konflikten mit dem Arbeitgeber gele
gen habe. Im September 2013 sei eine paranoide Schizophrenie vermutet wor
den. Diese Vermutung sei nicht nachvollziehbar, da
d
er
Versicherte
die typi
schen Symptome einer Schizophrenie nicht zeige. Auffällig sei zudem, dass die angebliche Psychose kurz nach dem für
ihn
negativen Bericht des Vertrauens
arztes
aufgetreten sei. In späteren ärztlichen Berichten
werde vermutet
, die
psy
choseähnlichen
Zustände
stünden
mit
der Depression im Zusammenhang
. Diese Annahme sei wahrscheinlich, auch depressive Reaktionen könnten relativ stark ausgeprägt sein. Der Versicherte werde intensiv medikamentös und auch sonst ps
ychiatrisch behandelt. Alle Medikamentenspiegel
vom
25. April 2014
seien
indessen ungenügend (Urk.
7/52/40 f.).
Aus der mässigen Psychopathologie könne keine vollständige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
abgeleitet werden. Auf die
aggravierenden
Tendenzen sei
bereits
hingewiesen worden. Zudem habe der
Versicherte im Jahr
2013 allein in die
Z._
reisen können, was bei einer schweren Depression nicht möglich wäre. Er berichte auch nicht über Suizidtendenzen. Zudem sei er fähig, den Tag regelmässig zu gestalten. In Bezug auf seine erhaltenen Fähigkeiten falle auf, dass er zuerst angegeben habe, das Haus kaum zu verlassen. Als er dann auf seinen dunklen Hautteint angesprochen worden sei, habe er erwidert, sich sehr oft im Freien, unter
anderem im Wald, aufzuhalten. Auch d
ieses Verhalten spre
che gegen eine
schwergradige
depressive Erkrankung.
Zusammenfassend
sei davon auszugehen,
dass die depressive Reaktion noch nicht abgeheilt sei und vermutlich im Sommer 2013 eine gewisse Verstärkung erfahren habe. Das Ausmass der Depressivität sei am 25
. April 2014
knapp mit
telgradig, er verweise
auf die mässigen Befunde. Daraus lasse sich eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit von 40
%
ableiten.
Die Prognose sei unklar. Vor allem sollte der
Versicherte
die Medikamente in ausreichendem Ausmass einnehmen, was derzeit keineswegs der Fall sei
. Eine genügende medikamentöse Compliance werde die Arbeitsfähigkeit innerhalb von 1-2 Monaten deutlich steigern. Eine derartige Therapie sei zumutbar und zielführend (
Urk.
7/52/41).
Es seien krankheitsfremde Faktoren vorhanden, die im Heil
ungsverlauf eine Rolle spielten:
der Status nach Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber,
fehlende Motivation zur Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit, schwierige Lebenssituation und eine Tendenz zur Aggravation (
Urk.
7/52/43).
3.
8
Mit dieser Einschätzung erklärten sich
Dr.
A._
und
lic
. phil
.
C._
in ihrem Bericht vom
26.
Mai
2014
(
Urk.
7/30/12 f.) nicht einverstanden. Ein
Wiederein
stieg
in eine berufliche Tätigkeit sei zum aktuellen Zeitpunkt und in den nächsten Monaten absolut unmöglich.
Die
Wahrscheinlichkeit
sei
hoch, dass eine berufliche Tätigkeit auch längerfristig nicht mehr möglich sein werde
(
Urk.
7/30/12)
.
Nach
wie vor
leide der Versicherte
unter massiven und seinen Alltag stark ein
schränkenden Ängsten. Dazu kämen vorwiegend paranoide psychotische Symptome wie das Hören von Stimmen und das Sehen von Personen, auch das Erleben von Verfolgung durch halluzinierte Personen. Weiter leide er nach wie vor unter einer akustischen Halluzination in Form eines Zischens, das er kon
stant höre. Panikattacken mit Atemnot, Zittern und Schweissausbrüchen, starke Schlafstörungen, innere Unruhe, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, Gedankendrehen, Schuldgefühle, Angst in Menschenmengen, Zukunftsängste und vermindertes Selbstvertrauen seien unvermindert präsent (
Urk.
7/30/12
).
Die wöchentlichen psychotherapeutischen Gespräche seien weitergeführt wor
den
.
Seit Juli 2013 nehme der
Versicherte
überdies am teilstationären Angebot
der K._
teil.
Er
erscheine nach wie vor sehr zuverlässig zu den Terminen und sei offen und kooperativ bezüglich aller Behandlungsangebote. Er gelange allerdings aufgrund der Quantität und der Dauer der Angebote rasch an die Überforderungsgrenze und habe die Gruppenangebote zeitweise vor Abschluss verlassen müssen (
Urk.
7/30/12).
Die Medikation könne möglicherweise noch optimiert werden. Die behandelnde Ärztin
in der Tagesklinik
Militärstrasse,
Dr.
med.
Anastasia
L._
,
habe die Medikamente verordnet.
Es erscheine nicht als realistisch, dass
eine optimierte Medikation in kurzer Zeit die Arbeitsfähigk
eit wesentlich verändern werde
. Der
Versicherte
sei aufgrund seiner Ängste und der psychotischen Symptome in keiner Weise stabil genug, um in einen Arbeit
sprozess einzusteigen (Urk.
7/30/13).
Auch die
Tagesklinik
G._
nahm in einem Bericht vom
28.
Mai
2014
zur Arbeitsfähigkeit Stellung (
Urk.
7/30/9-11). Zum aktuellen psychopatholo
gi
schen Befund
wurde festgehalten
, die vom
Versicherten
geklagten
Konzentrati
ons
- und Aufmerksamkeitsstörungen
im Gespräch
hätten
objektiv
festgestellt werden können. Er sei formalgedanklich grübelnd, eingeengt auf seine Ängste, dass er wieder halluzinieren werde. Inhaltlich bestünden Verfolgungs- und Beeinträchtigungsideen. Es gebe akustische Halluzinationen in Form von diffu
sen Geräuschen und in Form von kommentierenden, entwertenden, aber auch teilweise lustigen Stimmen. Überdies bestünden optische Halluzinationen (tan
zende Frauen, Männer, die ihn umbringen würden). Frei flottierende generali
sierte und soziale Ängste, Ich-Störungen in Form von Depersonalisations- und
Derealisationserleben
, es würden dissoziative
Fuguen
berichtet. Im Affekt sei der
Versicherte
verängstigt, deprimiert und habe Insuffizienzgefühle. Der Antrie
b sei vermindert und es gebe einen
intermittierende
n
Handtremor, angstgedingt.
Zudem bestünden
Ein- und Durchschlafstörungen
und
Schlaflähmungen
, der
Appetit
sei
vermindert
, jedoch gebe es keine
c
ircadianen Besonderheiten (Urk.
7/30/9).
Trotz der regelmässigen und motivierten Teilnahme am teilstationären
Thera
pieprogramm
und der zusätzlich
en
engmaschigen ambulanten Betreuung durch
Dr.
A._
und
lic
. phil
.
C._
sei es leider zu keiner Verbesserung des psy
chopathologischen Befunds gekommen.
Aktuell zeige der Versicherte
ein depressives Zustandsbild mit psychotischen Symptomen in Form von akus
tischen und optischen Halluzinationen. Zudem bestehe eine dissoziative Symp
tomatik, die vor allem im Rahmen seiner
ausgeprägten Angstzustände auftrete.
Er
sei in seinem Alltag
durch
diese
Symptome
so schwer beeinträchtigt, dass
er
selbst einfache Aktivitäten des täglichen Lebens (Haushalt, Nutzung von öffent
lichen Verkehrsmitteln, Pflege sozialer Kontakte) nur mit grosser Mühe
ausüben
könne
. Krankheitsfremde Faktoren, wie zum Beispiel das Alter, familiäre Prob
leme, finanzielle Schwierigkeiten, kulturelle Hintergründe usw. spielten bei der Erkrankung
des Versicherten keine Rolle (Urk.
7/30/9 f.).
Aufgrund
d
er psychotischen Symptomatik sei im Dezember 2013 eine
neurolep
tische
Medikation mit
Risperidon
angesetzt worden, die bisher zu keiner deutli
chen Verbesserung geführt habe. Gemäss eigenen und fremdanam
n
estischen Angaben seiner Ehefrau nehme der
Versicherte
die verordneten Medikamente regelmässig ein. Trotzdem werde man nun, wie vorgeschlagen, eine Optimie
rung der
pharmakotherapeutischen
Behandlung vornehmen. Da die Wirksamkeit
von
Med
i
kamente
n
im Einzelfall jedoch von vielen Faktoren abhängig sei, könne der Einsatz einer medikamentösen Therapie nicht ohne
Weiteres
mit einer Verbesserung des Zustandsbildes und einer Erhöhung der Arbeitsfähigkeit gleichgesetzt werden. Aus Sicht der behandelnden Ärzte sei daher eine unmit
telbare Verbesserung der schweren und komplexen Symptomatik beziehungs
weise eine umgehende Steigerung der Arbeitsfähigkeit durch die medikamen
töse Behandlung nicht realistisch (Urk. 7/30/10).
Der
Versicherte
leide immer noch unter einer ausgeprägten depressiven und psychotischen Symptomatik. Der Wiedereinstieg in die Arbeit als Bäcker
(Schicht- und Nachtarbeit) würde wahrscheinlich zu einer Dekompensation seines psychischen Zustands führen. Aktuell zeige er eine deutlich einge
schränkte Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit, so dass selbst eine angepasste Tätigkeit oder eine Tätigkeit in einem geschützten Rahmen nicht erreichbar schienen. Die während der teilstationären Behandlung beobachteten Einschrän
kungen und der Verlauf der Erkrankung wiesen auf einen ungünstigen Verlauf bezüglich der Überwindbarkeit der Symptomatik beziehungsweise einer Ver
besserung des Funktionsniveaus in Bezug auf die Arbeit hin. Der
Versicherte
sei zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
7/30/10).
3.
9
In einer ergänzenden Stellungnahme vom 1
2.
Juni 2014 (
Urk.
7/30/5-7) führte
Dr.
I._
zum Bericht
vo
n
Dr.
A._
und
lic
. phil
.
C._
vom
28.
Mai 2013
(richtig: 26. Mai 2013)
aus
,
es würden darin diverse Beschwerden beschrieben, die den
Versicherten
störten.
Bei der
Exploration
habe dieser ihm
mitgeteilt,
die
wahrgenommenen Geräusche und Stimmen
träten
vor allem nachts auf. Nachts auftretende Stimmen führten aber nicht zu einer Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit.
Zudem hätten
bei
der Laboruntersuchung vom 25. April 2014 alle Blutspiegel der Psychopharmaka, die
d
er
Versicherte
verord
net erhalten habe, weit unter dem Referenzbereich gelegen. D
ie Aussage, eine Medikation werde die Arbeitsfähigkeit nicht
in kurzer Zeit
wesentlich verän
dern, sei
verfrüht
, solange keine genügende Compliance vorhanden sei. Die Ärzte sollten Wert darauf legen, dass der
Versicherte
die Medikamente tatsäch
lich einnehme
,
und diesbezüglich Kontrollen durchführen. Grundsätzlich könne nicht über den therapeutischen Nutzen einer Medikation befunden werden solange sie nicht erfolge. Ferner sei die am 25. April 2014 beobachtete Aggra
vation
im fraglichen Bericht nicht
berücksichtigt
worden
(
Urk.
7/30/6).
Hinsichtlich des B
ericht
s
der Tagesklinik
G._
vom 28. Mai 2014
stellte
Dr.
I._
fest,
es werde darin
keine Diagnose gestellt. Mit Bezug auf die darin beschriebene Symptomatik verweise er auf seine bereits gemachten Aus
führungen.
Es sei diesem Bericht ebenfalls nicht
zu entnehmen, dass die
Medi
kamenteneinnahme
kontrolliert worden sei. Es werde bloss auf die Angaben des Versicherten und seiner Ehefrau abgestellt, was ungenügend sei (
Urk.
7/30/6).
Im vorliegenden Fall müssten die Therapeuten die Einnahme der Medikamente kontrollieren, bevor sie darüber bef
ä
nden, ob eine medikamentöse Behandlung die Arbeitsfähigkeit rasch steigern könne oder nicht.
Die neu eingereichten Berichte vermöchten folglich nichts an seiner Beurteilung vom 6. Mai 2014 zu ändern (
Urk.
7/30/13).
3.
10
Dr.
A._
und
lic
. phil.
C._
wiesen in ihrem Verlaufsbericht vom 20. Juni 2014
(
Urk.
7/29)
darauf hin, dass der
Versicherte
für einen stationären Aufent
halt in der Klinik
M._
angemeldet sei. Er erlebe nach wie vor stark einschränkende Ängste, insbesondere im öffentlichen Raum, in geschlos
senen Räumen und im Kontakt mit Menschen. Zugfahren sei ihm seit längerer Zeit nicht mehr möglich. Beim Tramfahren müsse er im Verlauf jeder
Fahrt wie
derholt das Verkehrsmittel verlassen, weil er sich eingeengt und bedroht fühle. Ein Flug in die
Z._
im letzten Winter sei nur unter Medikation und unter Mitnahme ihres Schreibens mit der Bitte um Unterstützung durch das Flugper
sonal möglich gewesen (
Urk.
7/29/1).
Nach
wie vor
leide der Versicherte
unter psychotischen Symptomen, insbeson
dere unter akustischen und visuellen Halluzinationen, die er teilweise als stark bedrohlich erlebe. Panikattacken und Schlafstörungen seien immer noch stark einschränkend, ebenso innere Unruhe, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, Gedankendrehen, Schuldgefühle, Angst in Menschenmengen, Zukunftsängste und vermindertes Selbstvertrauen. Aufgrund der schweren Erkrankung sei eine Wiederaufnahme der Tätigkeit als Bäcker zum aktuellen Zeitpunkt nicht mög
lich. Auch in einer angepassten Tätigkeit
sei er nicht arbeitsfähig (Urk.
7/29/2).
Die behandelnden Ärzte
der Tagesklinik
G._
vertraten
in einem
Verlaufs
bericht
vom 25. Juni 2014 (
Urk.
7/32)
die Auffassung
,
seit
Behand
lungsbeginn
am 21. Juni 2013
sei es
zu einer Verschlechterung des psychop
a
thologischen Befundes gekommen
, so dass nun der Schweregrad einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen erfüllt sei. Zudem bestehe eine dissoziative Symptomatik, die vor allem im Rahmen der ausg
eprägten Angstzustände auftrete
. In der Zusammenschau bleibe festzuhalten, dass der
Versicherte
nun schon seit mindestens 1 1⁄2 Jahren durchgängig die Symptome einer klinisch relevanten Depression zeige. Eine Wiederaufnahme der ursprüng
lichen Tätigkeit als Bäcker sei nicht möglich. Aktuell zeige
er
eine deutlich ein
geschränkte Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit, eine verringerte
Frustra
tionstoleranz
und ein mittelschwer bis schwer beeinträchtigtes Sozialverhalten. Der Einstieg in die ursprüngliche Tätigkeit erscheine daher unerreichbar.
In
sämtlichen Tätigkeiten
sei er
zu 1
00
% arbeitsunfähig. Die aktuellen geistigen und vor allem psychischen Einschränkungen wirkten sich erheblich auf die Leistungsfähigkeit aus, so dass
selbst eine angepasste Tätigkeit oder ein
e
Tätig
keit in geschütztem Rahmen nicht erreichbar schienen. Die während der
teilsta
tionären
Behandlung beobachteten Einschränkungen und der Verlauf der Erkrankung wiesen auf einen ungünstigen Verlauf bezüglich einer
Überwind
barkeit
der Symptomatik beziehungsweise einer Verbesserung des
Funktions
niveaus
in Bezug auf die Arbeit hin
(
Urk.
7/32/2)
.
Dreimal
wöchentlich
besuche der Versicherte
das Therapieprogramm der
Tages
klinik
und einmal pro Woche
werde er
ambulant durch
lic
. phil.
C._
betreut. Im Septembe
r
2013 sei aufgrund der psychotischen Symptomatik eine
neuro
leptische
Medikation mit
Quatiapin
angesetzt worden, die aufgrund der fehlen
den Wirkung im Dezember 2013 auf
Risperidon
umgestellt worden sei
(
Urk.
7/32/2)
.
Die diagnostische Einordnung der Symptome bleibe bisher unbefriedigend. Aktu
ell gehe man aber eher von einer psychotischen Symptomatik auf dem Boden einer depressiven Störung aus. Parallel erfülle der
Versicherte
die
Diag
nosekriterien
einer generalisierten Angststörung. Zudem würden mit den frei flottierenden Ängsten verbundene dissoziative Zustände beobachtet. Eine aus
führliche diagnostische Abklärung zum Ausschluss einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis im stationären Setting sei vorgesehen. Je nach Diagnose wäre im Anschluss daran eine Optimierung der medikamentösen Behandlung sinnvoll. Allerdings erscheine trotzdem eine unmittelbare Verbes
serung der schweren und komplexen Symptomatik beziehungsweise eine Stei
gerung der Arbeitsfähigkeit des Patienten durch eine solche Anpassung nicht realistisch
(
Urk.
7/32/2)
.
Ebenfalls im Juni 2014, das heisst im selben Zeitraum,
führte
der
Beschwerde
führer im
M._
ein Vorgespräch (
Urk.
7/52/53). Zu Beginn habe er sich
dort
stark angespannt gezeigt. Während des Gespräches habe er gezittert und beim Erzählen oft den Faden verloren und Mühe gehabt, sich zu konzentrieren. Er habe erklärt,
alles habe
vor zwei Jahren begonnen. Zuerst habe er vermehrt unter Schlafstörungen gelitten, was aufgrund sein
er Arbeit mit Tag- und
Nachtumkehr als Bäcker nicht ungewöhnlich gewesen sei. Hinzu
gekommen sei die schwere Erkrankung der Ehefrau mit zahlreichen Operatio
nen, die sie zu häufigen Urlauben im Ferienhaus in der
Z._
gezwungen hätten, wo sie auch aktuell weile. Dies habe er als arg belastend empfunden. Als völlig traumatisch habe er die Kündigung seiner Arbeitsstelle erlebt. Seitdem habe er quasi täglich Angst, vor allem
unter Menschen. Er habe häufige
Pani
kattacken und könne nicht mehr schlafen. Oft sei ein Realitätskontrollverlust mit dissoziativen Zuständen vorhanden. Er fühle sich kraftlos und habe keinen Antrieb. Seit einem Jahr höre er überdies Stimmen, die ihm Befehle gäben und ihm zusätzlich Angst machten,
und leide unter akustischen Halluzinationen (Zischen, das Rauschen der Dusche), teilweise auch optischen Halluzinationen (tanzende Frauen in weissen Gewänder
n
). Unter
Seroquel
habe sich die Symp
tomatik etwas gebessert. Vor zwei Wochen sei jedoch eine erneute Verschlech
terung aufgrund der drastischen Taggeldkürzung durch den Krankentaggeld
versicherer einge
treten. Es sei ein herber Schlag
gewesen, dass er als zu 60
%
arbeitsfähig beurteilt worden sei. Seit diesem Montag (23. Juni 2014) ginge es ihm schon wieder etwas besser, er habe weniger optische Halluzinationen. Neurologisch sei er wegen seines Zitterns komplett abgeklärt worden; man habe keine Ursache gefunden (Urk. 7/52/53).
3.1
1
Am
2
2.
August 2014
verfassten
Dr.
A._
und
lic
. phil.
C._
zu
Handen
des Krankenversicherers einen Bericht
(
Urk.
7/52/22-24)
, in dem sie
eine paranoide Schizophren
i
e mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F20.0), eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F40.01) und ausserordentlich belastende Ereignisse in der Kindheit, die den Verlust des Selbstwertgefühls zur Folge haben (ICD-10: Z61.3), als Diagnosen fest
hielten
(Urk. 7/52/22). In demselben führten sie auch aus, die in der
Z._
lebenden Eltern des Versicherten
seien
schwer krank und
lebten
vermutlich nicht mehr lange. Dies
bedeute
für
den
Versicherten
eine zusätzliche Belastung. Im Frühling 2014 habe er überdies eine grosse und unerwartet
e
Belastung dadurch erlebt, dass ihn der Krankentaggeldversicherer nach einer vertrauensärztlichen Untersuchung als nur noch zu einem kleinen Teil arbeitsunfähig eingeschätzt und dementsprechend die Zahlungen deutlich reduziert habe. Diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit stehe indessen in deutli
chem Gegensatz zu derjenigen der Behandler. Die Reduktion der Zahlungen habe für den Versicherten und seine Ehefrau finanzielle Probleme zur Folge gehabt und beim Versicherten grosse Zukunftsängste mit einer Symptomver
stärkung ausgelöst. Die verstärkten Symptome hätten dazu geführt, dass er sich für einen stationären Aufenthalt in der Klinik
M._
entschieden habe, insbesondere mit dem Ziel zu überprüfen, ob die medikamentöse Behandlung weiter optimiert werden könne. Seit dem 31. Juli 2014 sei er nun in stationärer Behandlung, die er bisher als hilfreich erlebt habe. Seine Ehefrau sei älter und leide unter schweren Erkrankungen im Herz- und Lungenbereich. Im Juli
2014
sei bei ihr eine notfallmässige Operation im Darmbereich notwendig geworden. Ihre körperliche Instabilität sei eine zusätzlich
e
Belastung für den
Versicherten
(
Urk.
7/52/23).
3.12
Vom 31. Juli bis zum 30. September 2014
befand sich der Beschwerdeführer in stationärer Behandlung des
M._
(
Urk.
7/52/30 und 7/52/52). Dort wurden eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.3), differentialdiagnostisch eine paranoide Schizophrenie, und eine Panikstörung, episodisch paroxysmale Angst (ICD-10: F41.0), diagnostiziert (Urk.
7/52/30 und
7/52/52).
Für die Zeit während des Klinikaufenthaltes wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (
Urk.
7/52/31).
Der
stationäre Aufenthalt
sei aufgrund einer schweren depressiven Episode,
begleitet
von deutlichen psychotischen Symptomen
,
und einer psychosozialen
Belastungssituation indiziert gewesen (
Urk.
7/52/30).
Die Zuweisung sei auf
grund zunehmender, nicht berechenbarer Panikattacken,
schwergradiger
Angst und Halluzinationen
bei Verdacht auf eine paranoide Schizophrenie
durch
lic
. phil.
C._
(delegiert durch
Dr.
A._
_
)
erfolgt (
Urk.
7/52/52).
Bei
der
aktuellen
Anamnese habe der
Versicherte
geschildert
,
er
habe
seit dem Vorgespräch
vom Juni 2014
häufiger unter den Realitätsverlusten gelitten
,
ver
mehrt (teilweise imperative) Stimmen gehört und auch öfters unter den akust
i
schen Halluzinationen gelitten. Da er es zuh
ause manchmal nicht mehr ausge
halten habe, sei er nach draussen gegangen, bevorzugt in die Stadt, weniger in den Wald, da er sich dort weniger wohl gefühlt habe, teilweise auch verfolgt. Die Angst- und Panikattacken hätten sich nicht weiter gehäuft.
Derealisations
erleben
sei vorhanden (dissoziative Zustände, Zurückholen mit Gummi, Chili,
Coldpacks
). Seine Ehefrau sei aus der
Z._
zurück
gekehrt. Sie sei
bereits vor einer Woche operiert worden und nun wiede
r zuh
ause. Es sei
daheim
aber eher schwierig gewesen, da beide sich nicht gegenseitig zur Last fallen wollten, so dass er froh sei, nun in der Klinik zu sein. Suizidgedanken kenne er
.
E
s seien jedoch keine Suizidpläne
eruierbar
. Manchmal höre
d
er
Versicherte
Stimmen,
die
ihm beföhlen, auf den Balkon zu gehen und zu springen. Bisher habe er sich dagegen wehren können. In der Kl
inik fühle er sich sicher (Urk.
7/52/53).
Bereits durch die stationäre Aufnahme habe sich der
Versicherte
deutlich entlas
tet gefühlt
(
Urk.
7/52/55)
.
Das Zustandsbild aus
den anamnestischen Angaben und dem Verlaufsbericht
habe man am ehesten
als eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen interpretiert, so dass eine medikamen
töse Therapie mit
Olanzapin
(
Zyprexa
) etabliert und schrittweise auf
25 mg/d
aufdosiert
worden sei
(
Urk.
7/52/55 f.)
. Die bereits vor Eintritt bestehende Medi
kation mit
Risperdal
6 mg/d, bei der sich
gemäss
dem Zuweisungsschreiben ein Spiegel unterhalb des thera
peutischen Ber
e
ichs gezeigt ha
b
e
, sei überlappend und mit schrittweiser Reduktion für ca. vier Wochen fortgeführt und nach und nach ohne Exazerbation erneuter psychotischer Symptome a
usgeschlichen wor
den. Das
Seroqu
el
XR 50 mg/
d
sei gestoppt worden. Bereits nach wenigen Tagen hätten sich die geklagten Schlafstörungen
regredient
gezeigt. Auch sei die langjährig bestehende Medikation mit
Stilnox
Retard zur Nacht im weiteren Verlauf abgesetzt worden, ohne dass der
Versicherte
erneut über Schlafstö
rungen geklagt habe. Aufgrund der scheinbar ungenügenden antidepressiven Wirkung
und
eine
s
deutlich ängstlich-depressiven Zustandsbild
s
sei die Medi
kation mit
Cipralex
durch
Paroxetin
40 mg/d ersetzt worden. Unter der geschil
derten Medikamentenkombination habe sich eine rasche Verbesserung des psychischen Zustandsbildes gezeigt.
Wegen der beobachteten Gewichtszunahme habe
man
Paroxetin
durch
Fluoxetin
ersetzt. Das oft in angespannt-
ängstlichen
Situationen ausgeprägte Zittern habe sich
regredient
verhalten. Auch habe der
Versicherte
eine deutliche Abnahme der inneren Unruhe und der Anspannung verspürt. Im weiteren Verlauf habe zudem die Häufigkeit der optischen Halluzi
nationen abgenommen, worüber
er sich erleichtert gezeigt habe
. Mit Hil
fe des Sozialdienstes habe der Versicherte
diverse Belange in finanzieller Hinsicht regeln können, vor allem die Taggeldversicherung betreffend. Dafür sei ein Einsenden des aktuellen Medikamentenspiegels erforderlich
gewesen
, was erfolgt sei. Eine Fortsetzung der Zahlung durch die Taggeldversicherung sei aufgrund weiterer Prüfung von Seiten des Versicherers noch ausstehend. Die ersten Belastungsurlaube, vor allem die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrs
mitteln, hätten sich für
den
Versicherten
ausgesprochen schwierig gestaltet. Die Besuche daheim seien jedoch zunehmend positiv
verlaufen
, so dass
er
in einem psychisch stabilisierten Zustand,
bei
fehlender Suizidalität und verbesserter Stimmung
,
mit
effizienter medikamentöser Einstellung regelrecht nach Hause habe entlassen werden können
. Ab dem 6. Oktober 2014 werde er wieder das tagesklinische Setting in der Militärstrasse in Anspruch nehmen
(
Urk.
7/52/56).
3.1
3
In einem weiteren Bericht vom 31. Oktober 2014 (
Urk.
7/52/27-29)
vertraten
Dr.
A._
und
lic
. phil.
C._
die Auffassung
, dass sich der gesundheitliche Zustand des
Versicherten
durch den
stationären
Klinikaufenthalt insofern ver
bessert habe, als der Tremor in der linken Hand nicht mehr auftrete. Die visuel
len Halluzinationen träten weniger häufig
und weniger angsteinflössend auf
. Das Selbstvertrauen im Umgang mit der Erkrankung habe gestärkt werden kön
nen. Damit hätten sich die Zukunftsängste leicht vermindert. Zum aktuellen Zeitpunkt träten aber stärker als vor dem Klinikaufenthalt Problem
e
mit dem Gedächtnis und
d
er Konzentration auf (
Urk.
7/52/28).
Die unberechenbar auftretenden Ängste, die Einschränkungen in der Mobilität im öffentlichen Raum und im Kontakt mit Menschen, weiter die akustischen und visuellen Halluzinationen und die Schwierigkeiten in den Bereichen Gedächtnis und Konzentration machten eine Arbeitstätigkeit nach wie vor zu 100
%
unmöglich (
Urk.
7/52/29).
3.
1
4
Dr.
B._
untersuchte den Beschwerdeführer am 20. Oktober 2014 und erstat
tete am 3. Januar 2015 sein Gutachten (vgl.
Urk.
7/52). Darin gelangte er zum Schluss, dass keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit vorlägen.
Die
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei multifaktorieller psychosozialer Belastungssituation (ICD-10: F43.21) und
die
Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit narzisstischen Anteilen
(ICD-10: Z73.1)
seien ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit (Urk.
7/52/18)
.
Befragt zu seinem aktuellen Tagesablauf habe der Versicherte erklärt
, er gehe spazieren, helfe im Haushalt und versorge seine Ehefrau, die vor einem Monat operiert worden sei.
Hinsichtlich seiner Beschwerden
habe er
angegeben
,
unter „komischen Wahrnehmungen“
zu leiden
. Vor dem stationären Aufenthalt in
M._
seien sie sehr stark gewesen, jetzt gehe es mit den neuen Medika
menten wieder besser. Er sei oft innerlich unruhig und zittere dann am ganzen Körper. Er fühle sich verfolgt und habe auch Platzangst. Teils könne er sich nicht mehr bewegen, kaum mehr atmen. Aktuell nehme er Geräusche und Stimmen im Kopf wahr, die von wechselnder Intensität und teils von imperati
vem Charakter seien. Er leide deswegen auch
an
K
opfschmerzen, sehe teils Bil
der und
leide an Albträumen. Die Beschwerden träten tagsüber und nachts auf. Teilweise sehe er tanzende Frauen um sich herum, dies nur, wenn er die Augen offen habe, teils fühle er sich davon bedroht. Ein- bis zweimal pro Woche habe er Suizidgedanken, weil er es nicht mehr mit den Halluzinationen und Albträu
men aushalte. Er fahre noch Auto, aber nur noch selten. Er sei mit dem Tram zu
r Untersuchung gekommen. Wegen
Ä
ngsten sei er
beim Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel
eingeschränk
t, er fühle sich verfolgt (Urk.
7/52/16 f.).
Dr.
B._
erhob eine verhaltene Mimik und Gestik. Der
Versicherte
sei wach und allseits orientiert. Er spreche mit monotoner Stimme. Auffassung, Kon
zentration und Gedächtnis wirkten kursorisch geprüft unauffällig. Im formalen Denken sei
d
er Explorand kohärent. Inhaltlich sei er eingeengt auf seine psy
chosoziale Belastungssituation und seine Beschwerden. Anamnestis
ch
bestün
den Hinweise auf Wahn und
Sinnestäuschungen in allen Modalitäten, welche aber in ihrer Art und im Kontext des Krankheitsverlaufes wenig nachvollziehbar wirkten. Es gebe keine inadäquaten Ängste und keine Zwänge. Im Affekt wirke
der Versicherte
etwas herabgestimmt, aber gut schwingungsfähig und spürbar. Es bestünden
k
eine Hinweise auf akute Suizidalität oder Fremdgefährdung (
Urk.
7/52/17 f.).
Der Krankheitsverlauf sei für eine relevante psychische oder gar psychotische Erkrankung untypisch. Der Explorand sei bis zum Krankheitsausbruch im Rah
men eines Arbeitskonfliktes 2012 psychisch unauffällig und nie in
psychiatri
scher
Behandlung gewesen. Auch in der Familienanamnese seien keine psychi
schen Erkrankungen bekannt. Das Erkrankungsalter sei für den Ausbruch einer solchen Erkrankung absolut untypisch, auch die geschilderten Symptome und das gleichzeitig präsentierte klinische Bild sprächen eher gegen eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis. So wirke der Patient durchaus
schwin
gungsfähig
und affektiv auslenkbar, auf die bereits festgestellte
Aggravations
neigung
sei in den früheren Gutachten hingewiesen worden. Es seien wiederholt Widersprüche in den Aussagen des Exploranden festgestellt worden. So habe er angegeben, an schweren
klaustrophobischen
und agoraph
ob
ischen Störungen
zu leiden, die ihm die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel praktisch verun
möglichten
(Urk. 7/52/18)
. Trotzdem sei er mobil, bewege sich in seinem sozia
len Umfeld, fahre Auto und sei mehrmals mit dem Flugzeug
problemlos
alleine
in die
Z._
gereist. Die von den Behandlern gestellte Diagnose einer schweren depressiven Störung mit psychotischen Symptomen sei in diesem Kontext frag
würdig. Zusammenfassend sei nicht davon auszugehen, dass der Explorand an einer relevanten psychotischen Störung leide. Es stelle sich die Frage, inwiefern er tatsächlich aufgrund einer psychischen Symptomatik eingeschränkt sei
(Urk. 7/52/19)
.
Es sei darauf zu verweisen, dass
d
er
Explorand
bei der Untersuchung durch
Dr.
I._
über kaum nachweisbare Medikamentenspiegel verfügt habe, wodurch davon auszugehen sei, dass er die Medikation nur sehr unregelmässig und vereinzelt eingenommen habe. Auch spreche der Eifer, mit dem er am intensiven Therapieprogramm der Tagesklinik und der ambulanten Behandlung teilnehme, eher gegen eine schwere psychische Störung, die eine langfristige Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen würde. Es sei beim Exploranden von einer erheblichen Aggravationsneigung auszugehe
n, welche auch
in den
Vorakten
dokumentiert sei. Die von den Behandlern gestellten Diagnosen seien grössten
teils auf Aussagen des Versicherten und nicht auf kongruenten klinischen Beobachtungen begründet. Interessant wäre es, im Rahmen einer Observation die tatsächliche alltägliche Leistungsfähigkeit zu evaluieren. Bei einer reaktiven depressiven Störung im Rahmen krankheitsfremder äusserer Belastungsfaktoren bestehe kein psychischer Gesundheitsschaden, der eine langfrist
ige Arbeitsun
fähigkeit rechtfer
t
i
gen würde. Aufgrund des Ausmasses der narzisstischen Kränkung und der vehementen Verweigerung jeglicher Arbeitsversuche sei eine Persönlichkeitsakzentuierung zu vermuten. Diese habe den Versicherten aber nicht daran gehindert, während 18 Jahren regelmässig und unter erschwerten Bedingungen (Nachtschicht) in einer Führungsposition vollzeitig zu arbeiten. Abschliessend fehlten aufgrund der Angaben in den umfangreichen
Vorakten
und
der Er
geb
nisse der aktuellen gutachterlichen Untersuchung Hinweise auf einen relevanten psychischen Gesundheitsschaden, der eine langfristige Arbeitsunfähigkeit a
u
f dem ersten Arbeitsmarkt rechtfertigen würde. Rein
ver
-
si
cherungsmedizinisch
bestehe aktuell eine 100%ige Arbeitsfä
h
igkeit für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt
(Urk.
7/52/19)
.
Bezüglich des Verlaufs der Arbeitsunfähigkeit sei auf die sorgfältigen und nach
vollziehbaren Beurteilungen der Vorgutachter
I._
und
E._
abzustellen. Demnach habe ab November 2013 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt bestanden (
Urk.
7/52/20).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zur Beurteilung des medizi
nischen Sachverhalts auf das Gutachten von
Dr.
B._
vom 3. Januar 2015 abstellen durfte
(vgl.
Urk.
1 und 2)
.
4
.2
Das zur Diskussion stehende Gutachten basiert auf
der fachärztlichen Untersu
chung des Beschwerdeführers am 20. Dezember 2014 und den Akten der IV-Stelle
, darunter diejenigen
des
Krankentaggeldversicherers (
Urk.
7/52/1 und 7/52/2)
.
Die gestellten
Fra
ge
n beantwortet es umfassend. Überdies setzt es sich detailliert mit anders
lau
tenden Beurteilungen, namentlich
derjenigen
der den Beschwerdeführer behandelnden Personen (
Urk.
7/52/19)
, auseinander.
4.3
Der Beschwerdeführer l
iess
geltend machen, das Untersuchungsgespräch
habe
maximal 15 Minuten gedauert, was als graviere
nder Mangel zu werten sei (Urk.
1 S. 15). Hierzu ist generell festzuhalten, dass ein Gutachter einen Explo
randen in der Regel nur für eine beschränkte Zeit sieht und sich aus der Anzahl und der Dauer der geführten Gespräche keine Rückschlüsse auf die Wertigkeit eines Gutachtens ziehen lassen. Einen krankheitswertigen Befund oder das Feh
len eines solchen kann ein erfahrener Diagnostiker ohne
Weiteres
auch nach einem einmaligen Gespräch feststellen. Eine Mindestdauer ist bei einem solchen nicht zwingend einzuhalten. Den Ausführungen von Dr.
B._
lässt sich
ent
nehmen, dass
der Beschwerdeführer
seine aktuellen Beschwerden und deren Behandlung, seine sozialen Verhältnisse, seinen Tagesablauf etc. eingehend schil
der
te
.
Es
fand eine ausführliche
Anamnese und
Befunderhebung statt (vgl. Urk.
7
/
52
/1
5
-1
8
). Unter diesen Umständen kann offen bleiben, wie lange die fragliche Explo
ration tatsächlich gedauert hat, da
Dr.
B._
in diesem Punkt
kein Versäumnis
vorzuwerfen ist
.
4.4
Gegen das Gutachten
wurde
weiter
eingewandt,
Dr.
B._
stütze seine Beurtei
lung zur Hauptsache auf die Ausführungen von
Dr.
E._
und Dr.
I._
(
Urk.
1 S.
12).
Naturgemäss konnte
Dr.
B._
lediglich die Situa
tion im Zeitpunkt der Begutachtung
am
20. Dezember 2014
aufgrund
selbst
erhobener anamnestische
r
Angaben und Befunde beurteilen. Für die Zeit davor hatte er die vorhandenen medizinischen Akten
, darunter auch
die gutachterli
chen Beurteilungen von
Dr.
E._
und
Dr.
I._
,
zu
prüfen und zu
würdi
gen.
All dies
tat
er
eingehend und
korrekt
.
Überdies
begründete
er
auch
nach
vollziehbar
und einleuchtend
, wesh
alb er die Einschätzung von Dr.
E._
und
Dr.
I._
teilt und weswegen
ihm diejenige der behandelnden Ä
rzte
als
nicht
überzeugend erscheint.
Insbesondere legte
Dr.
B._
ausführlich dar,
aus welchen Gründen
er die von den behandelnden Ä
rzten mehrfach gestellte
D
iag
nose einer schweren Depression für unzutreffend erachtet
(vgl
. Urk.
7/52/18-19)
.
Das
Fehlen entsprechender Ausführungen
w
urde
deshalb
zu Unrecht gerügt
(
Urk.
1 S.
14).
E
ntgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Ansicht
(
Urk.
1 S. 12)
lässt sich dem Gutachten von
Dr.
B._
auch nicht ansatzweise entnehmen,
dieser
sei
bei der Untersuchung
am
20. Oktober 2014
von einer
aktuell
noch
bestehen
den
Malcompliance
hinsichtlich der Medikamenteneinnahme
ausgegangen
.
Das
Gutachten
enthält einzig die Feststellung
,
aufgrund
des
anlässlich der Unter
suchung durch
Dr.
I._
(
am
25. April 2014
) ermittelten
Medikamenten
spiegels
sei davon auszugehen
, die Medikamente seien
n
ur sehr unregelmässig und vereinzelt eingenommen worden
(
Urk.
7/52/19)
.
Diese Schlussfolgerung überzeugt und steht mit
den
damals erhobenen Laborbefunden
in Einklang
(
Urk.
7/52/44
)
,
selbst unter Berücksichtigung dessen, dass
der Beschwerdeführer die Medikamente frühmorgens eingenommen haben
soll
te
(
Urk.
1 S. 13)
.
Dem im Beschwerdeverfahren neu eingereichten
Schreiben der Conc
ordia
Schweize
rische Kranken- und Unfallversicherung AG
vom 8.
Oktober 2014
ist
denn auch lediglich
zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer
die
ihm
verordneten Medi
kamente
seit
dem
31. Juli 2014
eingenommen
hatte
, worauf der
Taggeldversi
cher
er
die
100%ige Arbeitsunfähigkeit
und seine
Leistungspflicht
zu 100
%
rückwirkend per 31. Juli 2014
a
nerkannte
(
Urk.
3/4)
. Daraus
lässt sich
im vor
liegenden Verfahren
jedoch
nichts zu
Gunsten
des Beschwerdeführers
ableiten.
Insbesondere werden die gutachterlichen Ausführungen von
Dr.
B._
dadurch nicht erschüttert
(
Urk.
1 S.
12 f.)
.
Ebenso wenig
werden
sie
durch das ärztliche Attest von
Dr.
A._
und
lic
. phil.
C._
vom 24. Juni 2013 in Frage gestellt (
Urk.
1 S. 13 mit Hinweis auf
Urk.
3/5 =
7/65/4
). Darin bestätig
t
en
sie
lediglich, den Beschwerdeführer seit Beginn des Jahres 2013 im Zusammenhang mit Panikattacken und
Depres
-
sio
nen
zu behandeln. Dieser leide insbesondere auch unter starker Flugangst und sei auf Flugreisen auf unterstützende Medikamente angewiesen. Von Seiten des Flughafenpersonals könnten i
h
m das Einchecken über den Schalter de
r
Busi
ness-Class und eine Platzzuweisung im Flugzeug vorne und am Fenster wert
volle Unterstützung bieten (
Urk.
3/5
).
Diese Ausführungen vermögen nichts daran zu ändern, dass der Beschwerdeführer offenkundig wiederholt dazu in der Lage war, alleine mit dem Flugzeug zu reisen
(vgl. Urk.
7/4/2
, 7/4/30, 7/11/11, 7/14/4 und 7/19/1
)
, was
– ebenso wie dessen weitere Mobilität –
gemäss der insoweit
plausiblen Einschätzung von Dr.
B._
mit einer schweren depressi
ven Störung mit psychotischen Symptomen wohl nicht möglich
gewesen
wäre (Urk.
7/52/19).
Soweit die
gutachterlichen Feststellungen zur Mobilität des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 7/52/19)
als
nicht den tatsächlichen Verhältnissen
entsprechen
d gerügt werden (
Urk.
1 S. 13), ist zu bemerken, dass d
er
Beschwer
deführer
selbst
gegenüber
Dr.
B._
erklärte
, er gehe
spazieren
,
fahre
noch Auto – wenn auch selten – und
sei
mit dem Tram zur Untersuchung gekommen (Urk. 7/52/16 f.).
Auch in den
Vorakten
wurden nicht nur Flugreisen, sondern auch wiederholt unternommene Tramfahrten dokumentiert
(
Urk.
7/17/6,
7/29/1
und 7/52/48
).
Das
regelmässige Wahrnehmen der diversen ambulanten
Thera
pieangebote
und
der Aufenthalt im Wald
etc.
(
Urk.
7/30/9, 7/30/12, 7/32/2 und 7/52/38)
dürften ebenfalls
eine gewisse Mobilität voraus
gesetzt haben
.
Lediglich
der Vollständigkeit halber
bleibt zu
bemerken, dass
sich
die Ausführungen
von
Dr.
B._
nicht nur
auf
Frage
n bezüglich der Mobilität und
der
Medikamen
teneinnahme
beschränkte
n
. Vielmehr flossen
auch
die
bereits in den
Vorakten
festgestellte
Aggravationsneigung des Beschwerdeführers, d
essen widersprüch
liche
Aussag
en
, sein
tatsächlich gezeigtes Verhalten
und
die von den Behand
lern objektiv erhobenen Befunde
in
die
gutachterliche
Beurteilung
mit ein (Urk.
7/52/18-19).
4.5
In der Beschwerdeschrift wu
rd
e
gerügt
,
Dr.
B._
sei nicht auf die Tatsache eingegangen, dass sich der Krankheitsverl
auf nicht den Prognosen von Dr.
E._
und
Dr.
I._
entsprechend entwickelt habe
(
Urk.
1 S. 13)
.
Dav
on ging
Dr.
B._
gerade nicht aus (vgl. Urk.
7/52/20)
, weshalb in dieser Hinsicht auch kein Erörterungsbedarf bestand
.
4.6
Des Weiteren wu
rd
e
von Seiten des Beschwerdeführers
der Vorwu
rf erhoben,
Dr.
B._
habe dem
sich aus den vorliegenden ärztlichen Berichten klar ersichtlichen Verlauf keine Beachtung geschenkt.
So
habe
er ausser Acht gelas
sen
, dass im Sommer 2014 eine gesundheitliche Verschlechterung eingetreten sei, die immerhin einen zweimonatigen stationären Klinikaufenthalt erforderlich gemacht habe (
Urk.
1 S. 14).
Hierzu ist zu bemerken, dass
Dr.
B._
den Krankheitsverlauf sehr wohl diskutierte und als untypisch qualifizierte, wie es auch bereits bei den früheren Begutachtungen festgestellt worden sei (Urk. 7/52/18). Darüber hinaus
zog
Dr.
B._
in Betracht
,
dass der vom Versi
cherten gezeigte Eifer, mit dem er am intensiven Therapieprogramm der
Tages
klinik
und
an
der ambulanten Behandlung teilgenommen habe, gegen eine schwere psychische Störung spreche. Die von den Behandlern gestellten Diag
nosen seien grösstenteils auf Aussagen des Versicherten und nicht auf kongru
enten klinischen Beobachtungen begründet (
Urk.
7/52/19). Diese Einschätzung überzeugt.
Sie wird
insbesondere
durch
die
von
den
Behandlern
zwischen Ende Mai und Ende Juni 2014 verfassten Berichte
untermauert
,
in welchen
keine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation aufgrund objektiv erhobener Befunde zum Ausdruck kommt (vgl.
Urk.
7/29, 7/30/12 f. und 7/32).
Der Beschwerdeführer selbst hatte im Juni 2014 ausgeführt, es sei aufgrund der
drastischen Taggeldkürzung durch den Krankentaggeldversicherer, welche ihm mit Schreiben vom 20. Mai 2
014 mitgeteilt worden war (Urk.
7/24/2), zu einer Verschlechterung seiner gesundheitlichen Situation gekommen. Es sei ein herber Schlag gewesen, dass er als zu 60
%
arbeitsfähig beurteilt worden sei. Seit diesem Montag (23. Juni 2014) ginge es ihm schon wieder etwas besser, er habe weniger optische Halluzinationen. Neurologisch sei er wegen seines Zitterns komplett abgeklärt worden; man habe keine Ursache gefunden (Urk. 7/52/53).
Den diversen Behandlern waren die verschiedenen psychosozia
len und soziokulturellen Belastungsfaktoren
von Anfang an
hinlänglich
bekannt (
Urk.
7/4/18, 7/4/30, 7/11/1, 7/11/2, 7/11/7,
7/11/10,
7/14/4, 7/52/23,
7/52/30,
7/52/48 und 7/52/53).
Umso mehr wäre
zu erwarten, dass
sie
die gestellten
Diagnosen
sorgfältig mit
objektive
n
Befunde
n
begründen
, was sie weitgehend
versäumt
en
.
Ebenso
wenig fand
in ihren Berichten
eine Auseinan
dersetzung mit der
zur
Diskussion
stehenden Aggravation und mangelhaften Medikamenteneinnahme
statt
.
Schliesslich
wurde
auch nicht
auf
die
Tatsache
eingegangen
, dass
mit der
Verbesserung der Lebensumstände jeweils
auch
eine Verbesserung der
geklagten Beschwerden
zu beobachten war
(vgl.
Urk.
7/11/10,
7/14/4
und 7/52/53
). Auf die Berichte der behandelnden Personen kann daher nicht abgestellt werde
n
, ungeachtet
d
er Erfahrungstatsache,
dass
behandelnde Ärzte mi
tunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei
felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen
und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc)
.
4.
7
Schliesslich
wu
rd
e
von Seiten des Beschwerdeführers
auf Ungereimtheiten hinge
wiesen, die sich aus den Ausführungen von
Dr.
med. N._
,
Facharzt FMH für Allgemeinmed
i
zin und zertifizierter Gutachter SIM
, vom
Regionalen Ä
rztlichen Dienst
(RAD)
ergäben (
Urk.
1 S. 15).
Im
Einwandverfahren
hatten
Dr.
A._
und
lic
. phil.
C._
zur Unterstützung des Beschwerdeführers
–
insoweit korrekt
(vgl.
Urk.
7/60/4) –
bemerkt
,
Dr.
N._
habe am 5. Dezember 2013 die Arbeitsunfähigkeit von 100
%
als wohl bleibend eingeschätzt (
Urk.
7/65/2). In der erwähnte
n Stellungnahme bezeichnete Dr.
N._
die Prognose
jedoch ausdrücklich als unsicher
und
empfahl
eine
medi
zinische Ü
berprüfung spätestens in einem halben Jahr
(Urk.
7/60/4)
.
Die
ange
führte Aussage
wird damit
erheblich relativiert
.
Auch sonst ist die fragliche
Aktenbeurteilung
un
geeignet
, die gutachterlichen Ausführungen von
Dr.
B._
(samt seiner Vorgutachter)
oder die Entscheidungen der
Beschwer
degegnerin
in Frage zu stellen
. Dies muss umso mehr gelten, als
weder
Dr.
N._
noch
Dr.
O._
, welche die Stellungnahme visierte
und den Beschwerde
führer ebenso wenig persönlich untersucht
hatt
e
, über eine fachärztliche Eig
nun
g im Bereich Psychiatrie verfüg
en.
Aus denselben
Gründen
ist auch
die spätere Aktenbeurteilung
von
Dr.
N._
,
dass
aufgrund des
Verlaufsberichts der
H._
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeder Erwerbstätigkeit ausgewiesen
sei
und die Prognose
schlecht bleibe
(
Urk.
7/60/6)
, nicht höher zu gewichten als die gutachterlichen Ausführungen
.
4.
8
Aus dem Gesagten folgt, dass nichts vorgetragen wurde, was das Gutachten
von
Dr.
B._
als
nicht schlüssig er
schei
nen liesse oder sonst in Zweifel zu ziehen vermöchte. Ebenso wenig ist etwa
s Derartiges aus den Akten ersichtlich. Viel
mehr erfüllt das Gutachten sämtli
che von der Rechtsprechung statuierten Anforderungen an ein medizi
ni
sches Gutachten (vgl. auch BGE 134 V 231 E. 5.1 und 125 V 351 E. 3a). Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin darauf abgestellt hat.
5.
Mit dem Gutachten
von
Dr.
B._
ist
ausgewiesen, dass
der Beschwerde
führer zwischen
November 2013
und seiner Begutachtung am 20. Oktober 2014 an keinem
psychische
n
Gesundheitsschaden
litt
, der
ihn
in
invali
den
-
versicherungsrechtlich relevanter Weise in seiner
Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit einschränkt
e
.
Anhaltspunkte für eine bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung am 6. Juli 2015
seither
eingetretene Verschlechterung der gesund
heitlichen Situation sind keine vorhanden. Solche ergeben sich insbesondere auch nicht aus dem Bericht von
Dr.
A._
und
lic
.
phil
Helen
C._
vom 23.
April 2015 (
Urk.
7/65)
, welcher inhaltlich weitgehend mit der Einwand- und Beschwerdebegründung identisch ist
(vgl.
Urk.
1 und 7/66)
.
Es erweist sich des
halb als korrekt, dass die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch
des Beschwerdeführers
verneint hat.
Denn ungeachtet des Umstands, dass Störun
gen aus dem depressiven Formenkreis nach der Rechtsprechung des Bundesge
richts nur bei ausgewiesener Therapieresistenz einen Rentenanspruch zu begründen vermögen (BGE 141 V 281 E.3.7.1-3.7.3, 140 V 193 E.3.3), bestand hier keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit während mehr als einem Jahr, so dass die Wartezeit gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG nicht erfüllt war und schon aus diesem Grund kein Anspruch auf eine Invalidenrente entstehen konnte.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- festzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten de
m
unterliegenden Beschwerde
führer aufzuerlegen.