Decision ID: 2ac8fec1-f183-4a79-8549-d46c3028b256
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964,
hat
die Grundschule sowie das Gymnasium in
der
Türkei absolviert und schloss sein Studium an der
Y._
als diplomierter Betriebswirt ab. Zudem hat er einen Abschluss als diplomierter Über
setzer von der Dolmetscherschule in
Z._
(Urk. 10/3/
6
)
.
Ab dem Jahr 1989 war er in verschiedenen
Tätigkeiten
in jeweils kürzeren Arbeitsverhältnissen tätig und bezog
teilweise
Arbeitslosenentschädigung (Urk. 10/3/5 f., Urk. 10/41).
Zuletzt arbeitete er von
März bis August 2014 bei der
A._
als Team Leader Customer Relations, wobei das Arbeitsverhältnis durch den Arbeitgeber fristlos aufgelöst
wurde
(Urk. 10/3/5, Urk. 10/10/2).
Ab dem 12. August 2014 wurde er zu 100 % krankgeschrieben und bezog Krankentaggelder (Urk. 10/
13/2 f.
). Am 22. Dezember 2014 meldete er sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an und verwies auf seinen behandelnden Psychiater Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Urk. 10/4/5). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte
von
diesem
Berichte
ein und zog Akten der Krankentaggeldversicherung bei, insbesondere das am 27. April 2015 erstattete
Gutachten von Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Urk. 10/24/51-56, Urk. 10/19, Urk. 10/24/37-50). Mit Verfügung vom 5. Oktober 2015 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten ab, da er ab 1. Juni 2015 in seiner bisherigen Tätigkeit wieder voll arbeitsfähig sei (Urk. 10/27).
1.2
Am 12. Juni 2017 meldete sich der Versicherte
unter Hinweis auf Abnützungen an seinem Rücken an vier verschiedenen Stellen
erneut bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an
. Er verwies auf die Behandlung durch
Dr.
med. D._
, der ihn bereits im Jahr 2016 operiert habe
(Urk. 10/29).
Die IV-Stelle setzte
dem Versicherten
daraufhin am 20. Juni 2017 eine Frist bis zum 20. Juli 2017
an
, um aktuelle Beweismittel nachzureichen
. Dieses
Schreiben
wurde von der Post
als nicht abgeholt retourniert
(Urk. 10/30
-31
).
Am 18. Juli 2017 teilte die Einwohnerkontrolle der IV-Stelle auf
deren
Nachfrage hin mit, der Versicherte habe
innerhalb von
E._
eine neue Adresse, woraufhin die IV-Stelle das Schreiben
per Einschreiben
an die
besagte
Adresse schickte
. Daraufhin meldete sich der Versicherte per E
-M
ail
am 1
7.
August 2017
und auf sein Gesuch hin
erstreckte die IV-Stelle die Frist zur Einreichung der medizinischen Unterla
gen mit Schreiben vom 2
2.
August 2017
bis zum 10. September 2017 (Urk. 10/32-33, Urk. 10/35).
Da der Versicherte innert
Nachfrist
keine Beweismit
tel eingereicht hatte, kündigte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 6. Oktober
2017 an, auf die Neuanmeldung nicht einzutreten (Urk. 10/37). Am 16. Oktober 2017
reichte der
behandelnde Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurochirurgie,
bei der IV-Stelle
verschiedene Behandlungsberichte
ein (Berichte vom 17. Oktober und 7. Dezember 2016 sowie vom 27. Januar, 4. Juni und 2. September 2017
inklusive eines
MRI
-Berichts
vom 27. Januar 2017,
Urk. 10/39).
In der Folge
trat
die IV-Stelle
mit Schreiben an den Versicherten vom 2
0.
Oktober 2017
auf die Neuanmeldung ein und
kündigte die Abklärung des Leistungsanspruchs an (
Urk.
10/40).
Sie
forderte
von den Ärzten
aktuelle Berichte ein. Die ehemals behandelnde
Haus
ärztin
,
pract
.
med.
F._
,
teilte am 11. Januar 2018 mit, sie könne keinen Bericht erstatten, da der Versicherte seit längerem nicht mehr bei ihr in Behand
lung gewesen sei (Urk. 10/44). Zudem forderte die IV-Stelle Dr.
D._
schriftlich und telefonisch
mehrmals vergeblich auf,
den ihm zugestellten ärztlichen Frage
bogen «Arztbericht»
einzureichen (Urk. 10/42, Urk. 10/45-47).
Am 13. April 2018
wandte sich die IV-Stelle sodann
per Einschreiben
an den Versicherten, forderte auch ihn
auf, die Unterlagen von Dr.
D._
bis zum 30. April 2018 einzureichen
,
und drohte ihm
unter Hinweis auf
Art.
43 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
an, bei Nichterhalt
derselben
aufgrund der Akten zu entscheiden (Urk. 10/48).
Dieses Schreiben wurde
beim ersten Zustellversuch
als nicht abgeholt
und beim zweiten Zustellversuch
mit dem Vermerk «Empfänger nicht ermittelbar» retourniert (Urk. 10/49, Urk. 10/51).
Auf Nachfrage
der IV-Stelle
meldet
e die
Einwohner
kontrolle am 15.
Mai 2018, der Versicherte sei
nach
G._
umgezogen
,
und teilte
ih
r
die neue Adresse mit (Urk. 10/52-53).
Die Einwohnerkontrolle
H._
bestätigte am 1
6.
Mai 201
8
telefonisch
die Anmeldung des Versicherten
in
G._
per 2
8.
November 2017 (
Urk.
10/53).
Daraufhin forderte die IV-Stelle den Versicherten mit Schrei
ben vom 1
6.
Mai 2018 auf, die Unterlagen bis zum 31. Mai 2018 einzureichen (Urk. 10/54). Dieses
Schreiben
wurde wiederum mit dem Vermerk «Empfänger nicht ermittelbar» retourniert (Urk. 10/55). Die IV-Stelle bat den Versicherten sodann am 25. Juni 2018 um eine Rückmeldung innert 10 Tagen und liess sich die aktuelle Anschrift nochmals von der Einwohnerkontrolle bestätigen (Urk. 10/56-57).
Da innert Frist wiederum keine Unterlagen bei der IV-Stelle ein
gingen, stellte sie dem Versicherten mit Vorbescheid vom 12. September 2018 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht
.
Der Vorbescheid
wurde
aus den gleichen Gründen retourniert (Urk. 10/59-60). Nach nochmaliger Rücksprache mit der Ein
wohnerkontrolle
und Bestätigung der Anschrift
wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren mit
eingeschriebener
Verfügung
vom 22. Oktober 2018 ab (Urk. 10/61, Urk. 10/62 = Urk. 2). Diese Verfügung wurde dem Versicherten zu
gestellt (vgl. Urk. 10/63).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 14. November 2018
zunächst direkt bei der IV-Stelle
Beschwerde und legte nochmals die
durch
Dr.
D._
bereits am 16. Oktober 2017 eingereichten Berichte
bei
(Urk. 10/63, Urk. 10/39).
Am 7. Dezember 2018 teilte er der IV-Stelle sodann mit, er habe
ihre
Unterlagen auf
grund eines Fehlers der Post nicht erhalten (Urk. 10/65).
Die IV-Stelle teilte ihm am 10. Dezember 2018 mit, sie halte an ihrem Entscheid fest und habe das Leis
tungsbegehren abgewiesen, da
er
bei den Abklärungen nicht mitgewirkt habe (Urk. 10/66). Hernach überwies sie die Beschwerde an das hiesige Gericht (Urk. 10/67)
unter entsprechender Information des Beschwerdeführers (
Urk.
5)
.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 4. März 2019 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9), was dem Beschwerdeführer am 5. März 2019 mitgeteilt wurde (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversi
cherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1
.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete die
angefochtene Verfügung
damit, dass
sie den Beschwerdeführer letztmals am 16. Mai 2018 aufgefordert
habe
, bis spätes
tens 31. Mai 2018 einen Bericht von Dr.
D._
einzureichen. Es sei jedoch bis heute keine Antwort erfolgt.
Zudem habe er sie nicht über seine Adressänderung informiert.
Da er die geforderten Unterlagen nicht eingereicht habe,
sei
ein Aktenentscheid gefällt
worden
. Aufgrund
der Aktenlage
sei kein dauerhafter Gesundheitsschaden erkennbar, welcher einen Anspruch auf Leistungen begrün
den würde
. Das Leistungsbegehren werde abgewiesen
(Urk. 2 S. 1).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber vor, er habe mit seinem Facharzt mehrere Male über
die
Angelegenheit bei der Invalidenversicherung gesprochen.
Dieser
habe ihm zugesichert, dass er der Beschwerdegegnerin die geforderten Un
terlagen zugestellt habe. Er
– der Beschwerdeführer –
habe dies
von ihm
noch
mals schriftlich verlangt. Dr.
D._
sei auch in den Ferien gewesen, weshalb es lange gedauert habe, bis er ihm eine Antwort gegeben habe (Urk. 1)
.
3.
3.1
Die Verfügung vom
5. Oktober 2015
, mit
welcher
die Beschwerdegegnerin
den Anspruch
de
s
Beschwerdeführers
auf eine Rente das erste
Mal verneint
hat
(vgl. Urk. 10/27), stützt
e
sich
in medizinischer Hinsicht auf die Erkenntnisse der
psychiatrischen
Begutachtung durch
Dr.
C._
, die der Arzt
im Auftrag der Kran
ken
taggeldversicherung
gemacht hat
(
Gutachten vom 27. April 2015,
Urk. 10/24/37-50). Dr.
C._
hielt in diagnostischer Hinsicht eine mit der für den Beschwerde
führer unerwarteten Kündigung seiner
letzten Arbeitsstelle direkt in
Zusammen
hang stehenden, mittlerweile von der beobachtbaren Symptomatik her jedoch als weitgehend abgeklungen zu bezeichnende
,
längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21) bei einer vorbestehenden narzisstisch-akzentuierten Persönlich
keit (ICD-10 Z73.1) fest (Urk. 10/24/49).
Dazu fügte er an, eine Wiederaufnahme der Arbeit sei dem Beschwerdeführer ab sofort wieder zumutbar, sowohl in seiner bisherigen als auch in einer
seinen Ressourcen
angepassten Tätigkeit, wobei
aus psychiatri
scher Sicht
ein Wiederbeginn der Berufstätigkeit zu 50 % für maximal einen Monat ab Untersuchungszeitpunkt vertretbar sei (Urk. 10/24/50).
3.2
Nach erfolgter Neuanmeldung
nannte Dr.
D._
in seinem
Sprechstundenbericht vom 2. September 2017 die
in den anderen
Berichten (Urk. 10/39/1, Urk. 10/39/4, Urk. 10/39/6, Urk. 10/39/8)
erwähnten
Diagnosen des
lumbovertebrogenen
und
lumboradikulären
Schmerzsyndrom
s
rechts bei
Spondylarthrose
und paramedia
ner Diskushernie L2/L3 rechts, paramedianer Diskushernie L3/L4 rechts,
Spondylarthrose
und
mediolateraler
Diskushernie L4/L5 rechts sowie medianer Diskushernie L5/S
1.
Ferner hielt er den Status nach fraktionierter
periduraler
Infiltration mit
Kathether
auf
der
Höhe L1/L2, L2/L3, L3/L4, L4/L5 und L5/S1 vom 4. bis 8. Oktober 2016
fest
. Zudem
bemerkte er
eine
Exazerbation des
genannten
lumbovertebrogenen
und
lumboradikulären
Schmerzsyndroms
(Urk. 10/39/12
)
. Dazu ergänzte er,
d
er Beschwerdeführer klage
seit zirka einem Monat
über starke Lumbalgien sowie
Lumboischialgien
rechts beim Gehen, Sitzen und Liegen. Die Lumbalgien sowie
Lumboischialgien
rechts hätten deutlich zugenommen.
Die medizinische Therapie
bringe teilweise eine moderate, vorübergehende Besserung der Schmerzsymptomatik.
Der Beschwerdeführer
sei unter sozialen und finanzi
ellen Belastungen in einem deprimierten Zustand. Mit diesen Schmerzen könne er nicht mehr arbeiten. Seit dem 1. November 2016 sei er zu 100 % arbeitsunfä
hig. Aus neurochirurgischer Sicht sei es nicht mehr möglich, dass der Beschwer
deführer in der bisherigen Weise arbeiten könne (Urk. 10/39/13).
3.3
RAD-Arzt Dr. med. I._
, Facharzt für Orthopädie und Traumatolo
gie, führte in seiner Stellungnahme vom 1. November 2017 aus, in den Berichten von Dr.
D._
würden sich keine Aussagen zur Arbeitsfähigkeit in einer
Ver
weistätigkeit
sowie zum Belastungsprofil finden. Im Weiteren bat er die Beschwerdegegnerin, bei Dr.
D._
sowie der Hausärztin,
pract
. med.
F._
, Berichte einzuholen,
welche sich über die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in angestammter sowie angepasster Tätigkeit
äusser
ten
und ein Belastungsprofil definieren würden
. Danach sei das Dossier ihm – Dr.
I._
– erneut vorzule
gen (Urk. 10/58/3).
4.
4.1
Nachdem die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit Vorbescheid vom 6. Oktober 2017 angedroht hatte, auf sein Leist
ungsbegehren nicht einzutreten (Urk. 10/37)
,
reichte dieser die Berichte von Dr.
D._
ein (Urk. 10/39).
Diese zeigen, dass sich die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers in dem Sinne verändert hat, dass er nunmehr an einem
lumbovertebrogenen
und
lumbo
radikulären
Schmerzsyndrom rechts bei
Spondylarthrose
und paramedianer Dis
kushernie L2/L3 rechts, paramedianer Diskushernie L3/L4 rechts,
Spondylarthrose
und
mediolateraler
Diskushernie L4/L5 rechts sowie medianer Diskushernie L5/S1
,
leide
t
. Bei der
erstmaligen Abweisung des Leistungsbegehrens
bestand demgegenüber
ausschliesslich
eine psychische Problematik
.
Damit war eine an
spruchsrelevante Veränderung des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht und
die Beschwerdegegnerin
trat
richtigerweise auf das Leistungsbegehren ein (Urk. 10/40).
Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin korrekt vorgegangen ist, als sie das
Leistungsbegehren gestützt auf
die vorhandenen
Akten abwies, w
eil der Beschwerdeführer den Bericht von Dr.
D._
nicht
einreichte und ihr
nach erfolgter Neuanmeldung seinen Umzug
respektive seine Adressänderung
nicht meldete
(Urk. 10/48/1, Urk.
10/60/1, Urk.
2 S. 1
)
.
4.
2
4.2.1
Wer Versicherungsleistungen beansprucht, muss unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versiche
rungsleistungen erforderlich sind (
Art
.
28
Abs
.
2
ATSG
).
Die Auskunftspflicht betrifft
dabei
die Abklärung im Hinblick auf die Beschlussfassung und Verfügung über den Leistungsanspruch, während die Meldepflicht
bei veränderten Verhält
nissen
gemäss
Art.
31
Abs.
1 ATSG das spätere Stadium des laufenden Leis
tungs
bezuges beschlägt (
Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversiche
rung, 3
. Auflage 2014, N 10 zu Art.
53-
57 mit Hinweis
)
.
4.2.2
Laut
Art
. 43
Abs
. 1 Satz 1
ATSG
prüft der Versicherungsträger
sodann
die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein.
Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (
Art.
43
Abs.
2 ATSG).
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspru
chen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger
auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (
Art.
43
Abs.
3 ATSG
).
4.2.3
Gemäss Art. 6a
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
ermächtigt die versicherte Person mit der Geltendmachung des Leistungsan
spruchs die in der Anmeldung erwähnten Personen und Stellen, den Organen der Invalidenversicherung alle Auskünfte zu erteilen und alle Unterlagen zur Verfü
gung zu stellen, die für die Abklärung von Leistungs- und Regressansprüchen erforderlich sind. Diese Personen und Stellen sind zur Auskunft verpflichtet.
4.
3
Der Beschwerdeführer hat der Beschwerdegegnerin seinen Umzug innerhalb des Kantons Zürich nicht gemeldet. Dies bestreitet er in seiner Beschwerde auch nicht (Urk. 1).
Trotzdem
ist nicht ersichtlich,
inwiefern
diese
allfällige Verletzung der Auskunftspflicht
im vorliegenden Fall einen Aktenentscheid gerechtfertigt hätte.
Denn
Art. 43 Abs. 3 ATSG
will die Abklärung des
Leistungsbegehrens
sicherstel
len
(
Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Base
l/Genf
2020
,
Art. 43 N
101
f.
). Vorliegend
war es
jedoch
nicht die unterlassene
Umzugsmeldung
, welche der Beschwerdegegnerin die Abklärung des medizinischen Sachverhaltes
erschwerte
, sondern die Tatsache, dass Dr.
D._
den
ihm zugestellten
ärztlichen Fragebogen
«
Arztbericht
»
nicht ausfüll
te und einreichte. Insofern war es auch nicht der Beschwerdeführer, welcher die Beschwerdegegnerin durch die Verlet
zung seiner Auskunftspflicht daran hinderte, eine invalidenversicherungsrecht
lich relevante Veränderung des Gesundheitszustandes abzuklären (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_733/
2
010 vom 10. Dezember
2
010 E. 3.2
).
Überdies war der Beschwerdegegnerin die korrekte Adresse spätestens seit dem 15. Mai 2018 durch die mehrmals bestätigte Auskunft der Einwohnerkontrolle bekannt (Urk. 10/52, Urk. 10/53, Urk. 10/57, Urk. 10/61)
. Ferner hatte
sie
Kenntnis von der
Telefon
nummer sowie
der
E-Mail
a
dresse des Beschwerdeführers, sodass sie
ihn auch anderweitig –
beispielsweise zwecks Aufbietung zu einer fachärztlichen Untersu
chung
(vgl.
Art.
43
Abs.
2 ATSG,
Art.
69
Abs.
2 IVV)
–
hätte kontaktieren kön
nen
.
Derartige
Bemühungen zur Kontaktaufnahme
lassen sich den Akten jedoch nicht entnehmen.
Weshalb die Post an den
Beschwerdeführer
teilweise auch bei Zustellung an die korrekte Adresse
nicht
zu
gestellt werden ko
nnte, ist nicht
klar, braucht vorliegend aber auch nicht weiter geprüft zu werden. Der Beschwerde
führer machte dazu
geltend
, die fehlerhaften Zustellungen seien auf ein Verschul
den der Post zurückgegangen, weshalb er auch andere Korrespondenz nicht erhalten habe (
Urk.
10/65).
Erstellt
ist, dass der Beschwerdeführer zu Unrecht seine Adressänderungen nicht von sich aus gemeldet hatte, dass es die Beschwer
degegnerin jedoch korrekt von sich aus geschafft hatte, die Adresse ausfindig zu machen und dem Beschwerdeführer die Post schliesslich zustellen konnte. Damit war die Nichtmeldung der Adressänderung nicht kausal für die Unmöglichkeit der Beschwerdegegnerin, den mutmasslich geänderten gesundheitlichen Sachver
halt abzuklären. Und es
ergibt sich, dass die nicht erfolgte Meldung der Adress
änderung keinen Aktenentscheid gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG rechtfertigte.
4.
4
Ein Aktenentscheid kommt nach
Art.
43
Abs.
3 ATSG nur in Frage, wenn die versicherte Person oder eine Person, die Leistungen beanspruchen will, die ihr obliegende
Mitwirkungspflicht
schuldhaft
verletzt.
Im vorliegenden Fall war es jedoch nicht der Beschwerdeführer, welcher seiner Mitwirkungspflicht in Bezug auf das Einreichen des Berichtes nicht nachkam
. Vielmehr kam
Dr.
D._
seiner Pflicht zur Auskunftserteilung gemäss Art. 6a
Abs.
1 IVG nicht nach.
Für die
se Pflichtverletzung
hat
der Gesetzgeber jedoch
keine Sanktion vorgese
hen.
Wird die Auskunftspflicht durch einen Arzt nicht befolgt, kann dies
insbesondere auch
nicht zum Vorgehen f
ühr
en, welches in Art. 43 Abs.
3 ATSG festgelegt ist
, mithin ist ein Aktenentscheid in einer derartigen Konstellation nicht zulässig
(
BGE 134 V
189 E. 3.1 ff.,
Kieser
,
a.a.O
,
Art. 43
N
100).
Es war dem Beschwerdeführer denn auch gar nicht möglich, den Bericht einzureichen, da dieser zuerst von Dr.
D._
selbst
ausgefüllt werden musste.
Er selbst gab in der Neuanmeldung bekannt, dass er bei Dr.
D._
in Behandlung sei, womit er die erforderliche Ermächtigung im Sinne von Art. 6a
Abs.
1 IVG erteilte (Urk. 10/29).
Dem Beschwerdeführer
darf es
somit
nicht zum Nachteil gereichen, dass von anderer Seite nicht alle
gewünsch
ten
Unterlagen zur Verfügung gestellt wurden.
Infolgedessen durfte die IV-Stelle das Leistungsbegehren nicht gestützt auf Art. 4
3
Abs.
3 ATSG abweisen.
In sol
chen Fällen ist vielmehr mittels sonstiger Abklärungsmassnahmen anzustreben, den massgebenden Sachverhalt abzuklären (
Kieser
, a.a.O., Art. 43 N 100).
Dr.
D._
erwähnte
in einem Bericht an die damalige Hausärztin vom
2.
Septem
ber 2017
, der Beschwerdeführer sei seit dem 1. November 2016 zu 100 % arbeits
unfähig und es sei aus neurochirurgischer Sicht nicht mehr möglich, dass er in der bisherigen Weise arbeiten könne
(Urk. 10/39/13). Damit äusserte er sich e
nt
gegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (Urk. 2 S. 1, Urk. 9 S. 1) zumindest zur Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigke
it
. Da Dr.
D._
trotz Aufforderung das Formular «Arztbericht» nicht einreichte, hätte die Beschwerdegegnerin gege
benenfalls eine anderweitige fachärztliche Abklärung ins Auge fassen müssen. Dies hätte sich umso mehr mit Bezug auf die Abklärung
zu
einer allfälligen Ver
weistätigkeit aufgedrängt, zu der Dr.
D._
keine Angaben machte.
Dies hat die Beschwerdegegnerin zu Unrecht unterlassen.
Auch
von der neurochirurgischen Klinik des
J._
, in welcher
sich
der Beschwerdeführer im Mai 2016
abklären liess
(Urk. 10/39/1), hat die Beschwerdegegnerin keinen Bericht eingeholt.
Im Übrigen erweist sich auch die Begründ
ung der angefochtenen Verfügung,
gemäss
welcher
kein dauerhafter Gesundheitsschaden erkennbar sei
, als nicht nachvollziehbar
(Urk. 2 S. 1). Denn
es ist
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin, den Gesundheitszu
stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen,
in welchem Umfang und be
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Perso
n arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
256 E. 4
, vgl. E. 1.3 hiervor
).
Immerhin
erklärte
auch der RAD-Arzt Dr.
I._
,
es sei
ihm das Dossier nach Einholung der weiteren medizinischen Berichte noch
mals vorzulegen (Urk. 10/58/3). Damit schloss auch er einen
relevanten
Gesund
heitsschaden
respektive eine anspruchsrelevante Veränderung des Gesundheits
zustandes seit der
renten
verneinenden Verfügung vom 5. Oktober 2015
nicht aus.
4.
5
Zusammenfassend ergibt sich, dass
die Beschwerdegegnerin zu Unrecht einen Aktenentscheid gefällt hat. Vielmehr sind
weitere
medizinische
Abklärungen hin
sichtlich der Frage nötig, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der anspruchsverneinenden Verfügung vom 5. Oktober 2015 in invalidenver
sicherungsrechtlich relevanter Weise verändert hat
. Zu diesem Zweck ist die an
gefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (
BGE 137 V 57 E. 2.2
). Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG sind ermessens
weise auf Fr. 7
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.