Decision ID: 24e9923c-d9f1-4d96-bf10-4ef9ae8aa7e9
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
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vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Zahner, Studer Anwälte AG, Haupt-
strasse 11a, Postfach 2125, 8280 Kreuzlingen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 19_, meldete sich am 6. Juni 2008 zum Bezug von IV-Leistungen
an (act. G 4.3). Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, diagnostizierte eine Persönlichkeitsstörung vom abhängigen Typus
(ICD-10: F60.7), ein mittelgradig depressives Zustandsbild bei rezidivierenden
depressiven Episoden (ICD-10: F33.1), "mehrfach traumatisierte Erlebnisse in der
Lebensgeschichte", anamnestisch einen Status nach psychotischer Episode im Alter
von 17 Jahren, einen Status nach Suizidversuch mit Tabletten im Alter von 17 Jahren
und eine leichte Minderintelligenz (ICD-10: F70). Seit spätestens Mai 2007 sei die
Versicherte zu 70% arbeitsunfähig (act. G 4.23). Eine am 13. November 2008 im
Auftrag der IV-Stelle durchgeführte IQ-Testung mit bildungsunabhängigen Verfahren
ergab eine durchschnittliche Intelligenz (unterer Durchschnittsbereich; act. G 4.29).
A.b Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 18. Dezember 2008 mit, ihr
Gesundheitszustand liesse zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen zu.
Der Anspruch auf berufliche Massnahmen würde mit der Einleitung von weiteren
Abklärungen geprüft (act. G 4.33). Dr. med. C._, Psychiatrie und Psychotherapie,
untersuchte die Versicherte am 6. März 2009. Im Gutachten vom 7. März 2009
diagnostizierte er eine Persönlichkeitsstörung vom abhängigen Typus (ICD-10: F60.7)
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mit neurotischen Begleiterscheinungen, einen Status nach mittelgradig depressiver
Episode aktuell nicht feststellbar (ICD-10: F33.1) sowie eine normale Intelligenz an der
unteren Grenze. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von höchstens 30% bis 40% (act.
G 4.37). Am 3. April 2009 gewährte die IV-Stelle der Versicherten Beratung und
Unterstützung bei der Stellensuche (act. G 4.40). Im Einverständnis mit der
Versicherten schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung am 24. April 2009 ab, da jene
sich vorerst um ihre private Situation kümmern wolle (act. G 4.45). Mit Schreiben vom
28. September 2009 liess die Versicherte um Wiederaufnahme der
Eingliederungsberatung ersuchen (act. G 4.50).
A.c Die IV-Stelle führte am 6. Oktober 2009 eine Abklärung im Haushalt der
Versicherten durch. Die Abklärungsperson kam im Bericht vom 1. Dezember 2009 zum
Schluss, die Versicherte wäre im hypothetischen Gesundheitsfall zu 80% erwerbstätig.
Im Haushalt bestehe keine gesundheitliche Beeinträchtigung (act. G 4.54).
A.d In der Mitteilung vom 26. Mai 2010 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für eine
berufliche Abklärung im Business House D._ (nachfolgend: D._) während der Dauer
vom 26. April bis 25. Oktober 2010 (act. G 4.64). Der Projektleiter des D._ berichtete,
die Versicherte hätte vom 26. April bis 11. Juni 2010 ein 50%iges, vom 14. Juni bis
16. September 2010 ein 70%iges und vom 19. September bis 25. Oktober 2010 ein
100%iges Arbeitspensum absolviert. Bei der Haupttätigkeit im Recyclingbereich habe
die Versicherte einen überdurchschnittlichen Leistungsgrad von 120% erreicht (als
100%-Basis werde die vom Arbeitsmarkt geforderte Leistung definiert). Das
Arbeitspensum habe problemlos von 50% auf 100% gesteigert werden können
(Abklärungsbericht vom 12. November 2010, act. G 4.70). Am 17. Januar 2011 schloss
die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung im Einverständnis mit der Versicherten ab (act.
G 4.74).
A.e Mit Vorbescheid vom 20. Januar 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, das Rentenbegehren mangels rentenbegründenden Invaliditätsgrads
abzuweisen (act. G 4.75). Dagegen erhob die Versicherte am 3. März 2011 Einwand
(act. G 4.81-1 ff.) und reichte einen Bericht von Dr. B._ vom 14. Februar 2011 ein,
worin dieser die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Dr. C._ nicht teilte, da die
Versicherte im Zeitpunkt von dessen Begutachtung eine "bessere Phase" gehabt habe
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(act. G 4.81-7 ff.). Der RAD empfahl daraufhin eine psychiatrische
Verlaufsbegutachtung (Stellungnahme vom 7. März 2011, act. G 4.82). Diese fand am
13. April 2011 bei Dr. med. E._, Facharzt FMH für Psychiatrie/Psychotherapie und für
Allgemeinmedizin, statt. Im Verlaufsgutachten vom 31. Mai 2011 diagnostizierte der
Experte eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F33.1; leicht bis mittelgradig)
und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0) mit abhängigen, emotional
instabilen Zügen. Bezüglich der Frage nach der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten gab Dr. E._ an, "hohe soziale Kompetenz von Mitarbeitern und Chef, gut
strukturierte Arbeit ohne hohe kognitive Anforderung, aber Anforderungen an das
handwerkliche Geschick und Ausdauer, Fleiss könnten nach einer
Arbeitstrainingsphase von einem Jahr bei 50%iger Leistungsfähigkeit mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auch eine höhere Leistungsfähigkeit von bis zu 75%
ermöglichen" (act. G 4.90). Die Versicherte nahm am 21. Juni 2011 Stellung zum
Gutachten von Dr. E._. Sie hielt die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit für unklar
(act. G 4.94). Auf eine entsprechende Nachfrage des RAD hin (vgl. Stellungnahme vom
7. Juni 2011, act. G 4.91) antwortete Dr. E._ am 5. Oktober 2011, die 50%ige bis
75%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten sei erst nach einem Jahr
Trainingsphase umsetzbar, weil die Flexibilität der Versicherten durch ihre
unterdurchschnittliche Intelligenz, Mühe mit Verantwortungsübernahme und vor allem
durch paranoides Misstrauen/Denkmuster sowie die hohe Kränkbarkeit im Rahmen der
emotional instabilen Persönlichkeitsstörung deutlich eingeschränkt sei. Die
Opferhaltung zu durchbrechen, bedürfe eines längerfristigen Vertrauensaufbaus in der
neuen Arbeitsumgebung. Der Einwand, dass die Versicherte ja schon durch
verschiedene Arbeitsprogramme genügend trainiert sei, sei nicht richtig, da dies seit
2004 durchwegs und nur in geschützten Arbeitsplätzen erfolgt sei (act. G 4.96).
Gemäss Protokoll (Triagegespräch nach Grundsatzentscheid) vom 2. Februar 2012
vertrat der RAD den Standpunkt, es seien keine erneuten beruflichen Massnahmen
angezeigt. Die geforderte "Auftrainierung" der Arbeits- und Leistungsfähigkeit der
Versicherten sei vom 26. April bis 25. Oktober 2010 erfolgreich durchgeführt worden.
Auch wenn die Versicherte beim Abschluss der Arbeitsvermittlung am 17. Januar 2011
noch keine Arbeitsstelle habe realisieren können, sei sie im Rahmen der
Arbeitsvermittlung durch das D._ und die IIE bestmöglich auf die Stellensuche
vorbereitet bzw. aktiv unterstützt worden. Der RAD bestätigte, dass nach Absolvierung
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der beruflichen Abklärung von einer mindestens 75%igen Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt ausgegangen werden
könne (act. G 4.97).
A.f Ausgehend von einem 80%igen Beschäftigungsgrad für den Gesundheitsfall und
einer 65%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten ermittelte die IV-
Stelle in der Verfügung vom 7. Februar 2012 in Anwendung der gemischten Methode
einen 15%igen Gesamtinvaliditätsgrad und wies das Rentengesuch ab (act. G 4.98).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 8. März
2012. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge
deren Aufhebung und die Zusprache der ihr zustehenden IV-Leistungen. Zur
Begründung führt sie aus, sie sei als Vollerwerbstätige für den Gesundheitsfall zu
qualifizieren. Das Gutachten von Dr. C._ sei nicht beweiskräftig, weshalb die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung zu Unrecht darauf abgestellt
habe. Inwiefern die von Dr. E._ bescheinigte 50%ige Arbeitsfähigkeit auch im ersten
Arbeitsmarkt verwertbar sei, bleibe unklar und bedürfe weiterer Abklärungen durch die
Beschwerdegegnerin (act. G 1). In Ergänzung zur Beschwerde reicht die
Beschwerdeführerin am 15. März 2012 einen Bericht von Dr. B._ vom 12. März 2012
ein, worin dieser ausführt, das Zustandsbild und die psychiatrischen Diagnosen hätten
sich grundlegend verändert. Die Beschwerdeführerin leide an einer bipolaren Störung,
gegenwärtig depressive Episode (ICD-10: F31.3). Daneben blieben die Diagnosen der
kombinierten Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und emotional instabilen Zügen
(ICD-10: F61.0) und der leichten Minderintelligenz bestehen. Da ein schneller Wechsel
von depressiven zu hypomanischen Phasen bestehe, kombiniert mit den vorhandenen
psychiatrischen Diagnosen und der Krankheitsuneinsichtigkeit, sei keine
Arbeitsfähigkeit mehr gegeben (act. G 2.1).
B.b Der RAD vertrat in der Stellungnahme vom 18. April 2012 den Standpunkt, der
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Dr. B._ im Bericht vom 12. März 2012 könne nicht
gefolgt werden. Es könne an der bisherigen Einschätzung festgehalten werden (act.
G 4.104).
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B.c Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 16. Mai 2012
die Abweisung der Beschwerde. Unter Berücksichtigung der von der
Beschwerdeführerin anlässlich der beruflichen Abklärung gezeigten Leistungen könne
gestützt auf das Gutachten von Dr. E._ von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit (zu
erbringen ganztags) ausgegangen werden. Selbst wenn die Beschwerdeführerin als
Vollerwerbstätige qualifiziert würde, resultierte ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad (act. G 4).
B.d Mit Präsidialverfügung vom 13. Juni 2012 wird dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen (act. G 5).
B.e In der Replik vom 12. Juli 2012 hält die Beschwerdeführerin unverändert an der
Beschwerde fest. Ergänzend bringt sie vor, die RAD-Stellungnahme vom 18. April 2012
sei nicht nachvollziehbar (act. G 9).
B.f Die Beschwerdegegnerin hat auf eine begründete Duplik verzichtet (act. G 11).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
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1.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
Zunächst ist zu prüfen, ob die Aktenlage eine verlässliche Grundlage für die Beurteilung
des Rentenanspruchs bildet. Währenddem die Beschwerdegegnerin der
angefochtenen Verfügung - wohl gestützt auf das Gutachten von Dr. C._ vom
7. März 2009 (act. G 4.37) - eine 65%ige Restarbeitsfähigkeit zu Grunde legte (act.
G 4.98), hält die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort unter Hinweis auf die
Einschätzung des RAD und das Gutachten von Dr. E._ eine Arbeitsfähigkeit von 75%
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für zutreffend (act. G 4, Rz 3 und Rz 4). Die Beschwerdeführerin hält diese
Einschätzungen für nicht aussagekräftig (act. G 1, Rz 8).
3.
Was das Gutachten von Dr. C._ vom 7. März 2009 anbelangt, so hat die
Beschwerdeführerin am 17. April 2009 wenige Wochen nach der Begutachtung vom 6.
März 2009 gegenüber der Eingliederungsverantwortlichen angegeben, dass sie vom
Gutachter nicht ernst genommen worden sei und er u.a. zweimal ein Telefonat geführt
habe (act. G 4.42-1). Wie es sich mit dem Ablauf der Begutachtung verhalten hat, kann
hier offen bleiben. Zwar geht auch Dr. C._ von einer die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigenden Persönlichkeitsstörung aus. Auf dessen Arbeitsfähigkeitsschätzung
kann jedoch nicht abgestellt werden, da sie - wie das Gutachten von Dr. E._ und die
Stellungnahmen des RAD zeigen - durch die weitere Entwicklung der Verhältnisse,
insbesondere die beruflichen Abklärungsmassnahmen und neuen medizinischen
Beurteilungen, überholt ist.
4.
Des Weiteren ist die Aussagekraft des Gutachtens von Dr. E._ vom 31. Mai 2011
(act. G 4.90) zu beurteilen. Vorab ist zu bemerken, dass die Beschwerdegegnerin bei
Dr. E._ zwar eine Verlaufsbegutachtung betreffend den seit März 2009 eingetretenen
Gesundheitszustand in Auftrag gegeben hat (act. G 4.85). Dr. E._ nahm allerdings in
seinem Gutachten eine Würdigung der von Dr. C._ vorgenommenen Beurteilung vor,
berücksichtigte auch die zuvor ergangene Aktenlage (act. G 4.90-2 ff.) und äusserte
sich nicht bloss zu dem seit der Begutachtung vom März 2009 eingetretenen
Gesundheitsverlauf. Im "Grund für diese medizinische Expertise" wird u.a. ausgeführt,
das drei Jahre zurückliegende psychiatrische Gutachten werde betreffend
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vom behandelnden Psychiater und der
Beschwerdeführerin in Frage gestellt (act. G 4.90-1). Das Gutachten von Dr. E._ stellt
im Licht dieser Umstände kein isoliertes Verlaufsgutachten dar. Vielmehr trägt es
obergutachterliche Züge. Die darin vorgenommene Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ist
damit retrospektiv nicht auf März 2009 beschränkt, sondern beschlägt auch den davor
bestandenen Gesundheitszustand (vgl. die damit einhergehenden Ausführungen unter
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den Titeln "Entwicklung und Verlauf des Leidens", act. G 4.90-13, und "Stellungnahme
zu früheren fachpsychiatrischen Beurteilungen, act. G 4.90-16 f.). Die
Beschwerdeführerin vertritt unter Hinweis auf den Arztbericht von Dr. B._ vom
14. Februar 2011 (act. G 4.81-7 f.) und ihre Stellungnahme vom 21. Juni 2011 (act.
G 4.94) die Auffassung, dass das Gutachten von Dr. E._ zu "hinterfragen" sei (act.
G 1, Rz 8, S. 8 oben).
4.1 Was den Hinweis der Beschwerdeführerin auf den Bericht von Dr. B._ vom
14. Februar 2011 anbelangt, worin er das Gutachten von Dr. C._ vom 7. März 2009
würdigt, ist nicht erkennbar, inwiefern sich daraus Mängel an der gutachterlichen
Einschätzung von Dr. E._ ergeben, der in Kenntnis und in Würdigung dieser
Einschätzung (act. G 4.90-7 und -16) seine eigene - davon abweichende -
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung begründete.
4.2 In der Stellungnahme vom 21. Juni 2011 rügte die Beschwerdeführerin, es sei
unklar, wie sich die angestammte Tätigkeit und die von Dr. E._ umschriebene
leidensangepasste Tätigkeit voneinander unterscheiden würden. Einerseits habe er
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für angestammte handwerkliche Berufe bescheinigt,
andererseits habe er für leidensangepasste Tätigkeiten in der Produktion mit
Anforderungen an das handwerkliche Geschick nach einem Jahr Arbeitstraining eine
75%ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Nicht nachvollziehbar sei weiter, dass in einer
geschützten Einrichtung im Recycling eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestehen soll,
währenddem Dr. E._ in einem geschützten Umfeld vom Erreichen einer 75%igen
Arbeitsfähigkeit ausgehe (act. G 4.94). In der Tat ist auf den ersten Blick nicht leichthin
verständlich, weshalb Dr. E._, der die im Rahmen der beruflichen Abklärung
ausgeübte Recyclingtätigkeit als angestammte Tätigkeit betrachtet und hierfür eine
50%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt, bezogen auf leidensangepasste handwerkliche
Tätigkeiten nach einer Arbeitstrainingsphase von einem Jahr bei 50%iger
Leistungsfähigkeit von einem überwiegend wahrscheinlichen Erlangen einer 75%igen
Arbeitsfähigkeit ausgeht (act. G 4.90-15). Aus dem Kontext des Gutachtens,
insbesondere der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (act. G 4.90-14), und seiner
ergänzenden Stellungnahme vom 5. Oktober 2011 (act. G 4.96) ergibt sich indessen,
dass Dr. E._ dem von ihm empfohlenen einjährigen Arbeitstraining bei der
Bemessung der Restarbeitsfähigkeit wesentliches Gewicht zumass. Sowohl aus der
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von ihm vorgenommenen qualitativen Umschreibung einer leidensangepassten
Tätigkeit (act. G 4.90-15 unten) als auch aus der von ihm empfohlenen "Fortführung
eines Beschäftigungsprogrammes analog zur letzten Beschäftigung" im D._ (act.
G 4.90-17) ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darauf zu schliessen, dass die
zuletzt im Rahmen der beruflichen Abklärung verrichtete Tätigkeit der von Dr. E._
umschriebenen leidensangepassten Tätigkeit entspricht. Ein Mangel, der den
Beweiswert der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung zu erschüttern vermöchte,
konnte deshalb in den Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht benannt werden.
4.3 Als nicht nachvollziehbar bezeichnet die Beschwerdeführerin ferner den Umstand,
dass Dr. E._ einerseits "zumindest" von einer Teilarbeitsfähigkeit am ersten
Arbeitsmarkt spreche, um in der Folge eine Arbeitsfähigkeit von 75% auf dem ersten
Arbeitsmarkt zu attestieren (act. G 4.94-2). Aus dieser gutachterlichen Erwägung ergibt
sich weder ein Widerspruch noch sonst ein Hinweis auf einen Mangel, weshalb unklar
bleibt, was die Beschwerdeführerin mit ihrer Kritik zum Ausdruck bringen wollte.
4.4 Der RAD (act. G 4.91 und G 4.97) sowie die Beschwerdegegnerin (act. G 4, Rz 3)
halten das Gutachten von Dr. E._ und die darin vorgenommene
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung grundsätzlich für aussagekräftig. Sie weichen indessen
insofern davon ab, als sie mit Verweis auf die berufliche Abklärungsmassnahme im
D._ davon ausgehen, die Beschwerdeführerin verfüge seit Januar 2008 über eine
75%ige Arbeitsfähigkeit, ohne dass das von Dr. E._ empfohlene einjährige
Arbeitstraining durchgeführt werden müsse.
4.4.1 Vorab ist mit dem RAD-Arzt (act. G 4.104) darauf hinzuweisen, dass den
Ergebnissen leistungsorientierter beruflicher Abklärungen nicht jegliche Aussagekraft
für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit abzusprechen ist, und eine zur
medizinischen Einschätzung der Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher
Diskrepanz stehende Leistung, wie sie während einer ausführlichen beruflichen
Abklärung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz der versicherten Person effektiv
realisiert und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisierbar ist,
ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu begründen vermag (Urteil des
Bundesgerichts vom 20. November 2013, 8C_142/2013, E. 3.5 mit Hinweisen). Dem
steht das von der Beschwerdeführerin referenzierte (act. G 1, Rz 8, S. 8), mehrere
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Jahre zurückliegende Urteil des Bundesgerichts vom 2. April 2007, I 936/05, E. 3.3,
nicht entgegen, zumal vorliegend ein einwandfreier Arbeitseinsatz festgestellt wurde
(act. G 4.70-8) und nicht die Arbeitsfähigkeitsschätzung als solche, sondern die
Notwendigkeit des zuvor zu absolvierenden Arbeitstrainings, mithin ein auch dem
Fachwissen der Berufsfachleute zuzurechnender Aspekt zur Diskussion steht.
4.4.2 Die Abklärungsperson hielt im Bericht vom 12. November 2010 gestützt auf
die während sechs Monaten gemachten eigenen Wahrnehmungen fest, die
Beschwerdeführerin sei eine ruhige, freundliche, kommunikative, fröhliche und
hilfsbereite Frau. Sie arbeite sehr motiviert, sehr speditiv, handwerklich geschickt,
qualitativ gut, verantwortungsbewusst und sehr zuverlässig. Das Arbeitspensum habe
problemlos von 50% auf 100% gesteigert werden können (act. G 4.70-8). Die
Beschwerdeführerin habe im Recyclingbereich - gemessen an der vom Arbeitsmarkt
geforderten Leistung - einen überdurchschnittlichen Leistungsgrad von 120% erreicht
und keine krankheitsbedingten Absenzen gehabt (act. G 4.70-4). Sie könne sich gut an
neue Situationen anpassen (act. G 4.70-6) und habe sich sehr gut im Team integriert,
habe rasch Verantwortung übernommen und verfüge über eine hohe Eigenkontrolle
(act. G 4.70-7). Damit gehen die Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich des
Gesprächs mit der Eingliederungsverantwortlichen vom 2. Juli 2010 einher, dass sie
auch nach der Steigerung des Arbeitstrainings von 50% auf 70% noch Ressourcen
habe und sogar anderen Teilnehmern helfe. Sie habe Freude am Team (act. G 4.71).
Vor diesem Hintergrund ist gestützt auf die schlüssigen Einschätzungen der
Berufsfachleute mit dem RAD (act. G 4.91 und G 4.97) davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch ohne einjähriges
Arbeitstraining bzw. ohne Eingliederungsmassnahme in der Lage ist bzw. war, eine
75%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten zu realisieren, zumal
Dr. E._ die abweichenden Erkenntnisse aus der beruflichen Abklärung nicht diskutiert
und die Verwertung zumindest einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit ohne weiteres
bejaht. Im Übrigen vermochte Dr. E._ auch auf Nachfrage des RAD hin nicht
schlüssig zu begründen, weshalb zur Steigerung der Restarbeitsfähigkeit von 25% ein
einjähriges Arbeitstraining erforderlich ist. Vielmehr ist seine Bemerkung, es sei nicht
richtig, dass die Beschwerdeführerin bereits durch verschiedene Arbeitsprogramme
genügend trainiert sei, da diese durchwegs nur in geschützten Arbeitsplätzen erfolgt
sei (act. G 4.96), insoweit widersprüchlich, als er gerade als Massnahme "für die
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weitere Entwicklung der Arbeitsfähigkeit" "die baldmöglichste Fortführung eines
Beschäftigungsprogramms analog zur letzten Beschäftigung" im D._ empfahl (act.
G 4.90-17).
4.5 Insgesamt ist daher gestützt auf die im Rahmen der beruflichen Abklärung
gezeigten Leistungen (act. G 4.70) sowie die Stellungnahmen des RAD vom 7. Juni
2011 (act. G 4.91) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin ab Januar 2008 (act. G 4.91; vgl. auch act. G 4.90-15) über die von
Dr. E._ grundsätzlich bescheinigte 75%ige Arbeitsfähigkeit verfügt und für deren
Verwertung keiner Eingliederungsmassnahme, insbesondere nicht des von Dr. E._
empfohlenen einjährigen Arbeitstrainings, bedarf bzw. bedurfte. Daran ändern die
davon abweichenden Einschätzungen von Dr. B._ nichts, der zunächst für jegliche
Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt teilweise eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
("höchstens in einem geschützten Rahmen" "zu etwa 30% arbeitsfähig", Bericht vom
28. August 2008, act. G 4.23-4) bzw. später im Bericht vom 14. Februar 2011
höchstens eine 30%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigte (act. G 4.81-7 f.), da sich diese
nicht mit den Ergebnissen der beruflichen Abklärung und der übrigen medizinischen
Aktenlage vereinbaren lassen. Insbesondere hat sich Dr. B._ nicht mit dem im D._
gezeigten Leistungsverhalten der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt. Hinzu
kommt, dass Dr. E._ schlüssig begründete, weshalb der Sichtweise von Dr. B._
nicht zu folgen sei (act. G 4.90-16 f.). Aus dem Bericht von Dr. B._ vom 12. März
2012 (act. G 2.1) ergibt sich keine wesentliche gesundheitliche Verschlechterung, die
längerfristig Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätte. In den von ihm beschriebenen
hypomanischen Phasen der Beschwerdeführerin ("fühle sich die Patientin psychisch
gut" und "strotze vor Kraft"), die nach ca. 7 - 10 Tagen wieder abgeklungen seien,
zeigte die Beschwerdeführerin keinen grossen Einbruch in ihrer Leistungsfähigkeit.
Dass die Beschwerdeführerin während dieser Phasen oder danach an zusätzlichen
längerdauernden Einschränkungen der Leistungsfähigkeit leide, die über das bereits
Bekannte hinausgingen, kann dem Bericht vom 12. März 2012 nicht entnommen
werden. Ergänzend kann auf die Ausführungen des RAD in der Stellungnahme vom
18. April 2012 verwiesen werden (act. G 4.104).
5.
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Entgegen der Beschwerdeführerin (act. G 1, Rz 8, S. 8) besteht kein weiterer
Abklärungsbedarf hinsichtlich der Verwertbarkeit, da diese hinreichend durch die
beruflichen Abklärungsergebnisse im D._ und das Gutachten von Dr. E._
ausgewiesen ist. Immerhin steht es der Beschwerdeführerin frei, sich mit einem neuen
Gesuch um Arbeitsvermittlung an die Beschwerdegegnerin zu wenden, nachdem diese
Massnahme im Einverständnis mit der Beschwerdeführerin am 17. Januar 2011
abgeschlossen worden war (act. G 4.74, 4.72, 4.71).
6.
Ausgehend von einer 75%igen Restarbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
kann die Statusfrage grundsätzlich offen bleiben. Denn selbst wenn mit der
Beschwerdeführerin von einer hypothetischen Vollerwerbstätigkeit ausgegangen
würde, resultierte kein rentenbegründender Invaliditätsgrad. Angesichts dessen, dass
vorliegend keine Anhaltspunkte dafür bestehen, die Beschwerdeführerin hätte im
Gesundheitsfall einen im Vergleich zum massgebenden LSE-Tabellenlohn
überdurchschnittliches Einkommen erzielt, kann der Invaliditätsgrad im Rahmen eines
Prozentvergleichs ermittelt werden. Selbst wenn zugunsten der Beschwerdeführerin
mit Blick auf den Bericht von Dr. B._ vom 12. März 2012 (act. G 2.1) u.a. ein
überdurchschnittliches Krankheitsrisiko bescheinigt würde, rechtfertigte sich insgesamt
- wenn überhaupt - höchstens ein Tabellenlohnabzug von 15%, womit ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von abgerundet 36% (25% + [75% x 15%])
resultierte.
7.
7.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
7.2 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege am 13. Juni 2012
bewilligt (act. G 5). Wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann sie
jedoch zur Nachzahlung verpflichtet werden (Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1] i.V.m. Art. 123 Abs. 1 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO/CH; SR 272]).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
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St.Galler Gerichte
7.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der
unterliegenden Beschwerdeführerin ist die Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu
befreien.
8.
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis
Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf das
Einreichen einer Kostennote. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit
erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- angemessen. Diese ist
um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes [AnwG; sGS 963.70]).
Somit entschädigt der Staat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin pauschal
(BGE 125 V 201) mit Fr. 2'800.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP