Decision ID: 8f3003fc-0147-4554-b2e3-fa7f1b0c9241
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1947, bezieht eine Altersrente (
Urk.
5).
Er lebt ge
mäss seinen Angaben mit der Absicht dauernden Verbleibs auf einem Camping
platz in der Gemeinde
A._
und hat eine Wohnung in der Stadt
Y._
ge
mie
tet, wobei er „nur auf dem Papier“ Wohnsitz in der Stadt
Y._
ha
be
(
Urk.
1)
.
Das Amt für Zusatzleistungen
zur
AHV/IV der Stadt
Y._
(AZL) lehnte
ein
Gesuch
des Versicherten
um Ausrichtung
von
Zusatzleistungen mit Verfügung v
om 1
9.
Juni 2015 mangels Zuständigkeit ab, da sich der Aufenthalt und Wohn
sitz des Versicherten ausserhalb der Stadt
Y._
, nämlich in
A._
,
befinde (
Urk.
3/5). Hiergegen liess der Versicherte, vertreten durch die Sozialen Dienste der Stadt
Y._
, am 2
0.
Juli 2015 Einsprache erh
e
ben (
Urk.
3/6).
Diese Ein
spra
che wurde mit
Einspracheentscheid
des AZL vom 1
2.
August 2015 ab
gewiesen (
Urk.
3/7). Hiergegen erhob der Versicherte
am
7.
September 2015
Beschwerde ans Sozialversicherungsgericht (
Urk.
3/8)
. Diese Beschwerde wird
im Verfahren ZL.2015.00093
des Sozialversicherungsgerichts
beurteilt werden.
Mit einem als Protokoll-Auszug bezeichneten Schreiben vom 1
8.
August 2015
informierte
der Gemeinderat
A._
de
n Versicherten
, dass e
r
eine Kopie sei
ner
an das AZL gerichteten Einsprache erhalten h
ab
e. Die Begründung eines Wohn
sitzes auf dem Ca
m
pingplatz „
B._
“ sei nicht gestattet, weshalb sich Cam
per
nicht bei der Einwohnerkontroll
e in
A._
anmelden könnten (
Urk.
3/11). Mit
Protokoll-Auszug vom 1
5.
September 2015 teilte der Gemein
derat
A._
dem
Versicherten den Beschluss mit, dass ihm die
Wohnsitz
nahme
(Anmeldung) in der Gemeinde verweigert
werde
und dass die Ausrich
tung von Zusatzleis
tung
en zur AHV/IV mangels Zuständigkeit abgelehnt werde
. Ziffer 3 des Beschlusses (Ablehnung der Ausrichtung von Zusatzleistungen) sei mit Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht anfechtbar
(
Urk.
2).
2.
Daraufhin erhob der Versicherte
, vertreten dur
ch die Sozialen Dienste
Y._
, am 1
3.
Oktober 2015
Beschwerde
. Er beantragte, es seien ihm ab sofort provi
so
risch Ergänzungsleistungen auszurichten, es sei ein Wohnsitz in
A._
fest
zu
stellen
, es seien ihm rück
wirkend ab Mai 2015 Ergänzungsleistungen aus
zu
richten, es
sei
das Verfahren mit dem Verfahren ZL.2015.00093 gegen das AZL zu
vereinigen und es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh
ren (
Urk.
1
S.
2
). Am 1
3.
November 2015 erklärte
der
Gemeindeschrei
ber
der Gemein
de
A._
anlässlich eines Telefongesprächs
mit dem Gericht
, dass vor dem Beschluss vom 1
5.
September 2015 keine Verfügung ergangen sei. Es sei jedoch ein Brief versandt worden und der Versicherte habe nach dessen Erhalt einen
Einspracheentscheid
verlangt, um ans Gericht gelangen zu können (
Urk.
6).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen,
zu denen die zustän
dige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – im Verfahren betreffend Zusatz
leistungen in Form
einer Verfügung und
eines
Einspracheentscheids
– Stell
ung genommen hat. Insoweit bestimmt der
Einspracheentscheid
den
be
schwer
deweise
weiterzieh
ba
ren
Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegen
stand
und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
2.
Gemäss Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozi
alversicherungsrechts
(ATSG) kann gegen sozialversicherungsrechtliche Verfü
gungen innerhalb von dreissig Tagen bei der verfügenden Stelle Einspra
che er
ho
ben werden.
Im Gesetz über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinter
lasse
nen- und Invalidenversicherung ist diesbezüglich keine Ausnahme vorge
sehen, weshalb in diesen Verfahren zwingend ein
Einspracheverfahren
durch
lau
fen werden muss. Vom
Einspracheverfahren
ausgenommen sind gemäss Art. 52
Abs. 1 ATSG nur prozess- und verfahrensleitende Verfügungen.
3.
In den Akten befindet sich keine vor dem Beschluss vom 15. September 2015 ergangene Verfügung der Beschwerdegegnerin. Eine solche wird auch weder im
Entscheid vom 15. September 2015 (Urk. 2) noch in der Beschwerde vom 13. Okto
ber 2015 (Urk. 1) erwähnt. Beim Schreiben der Beschwerdegegnerin vom
18. August 2015 (Urk. 3/11) handelt es sich um einen Brief und nicht um eine Verfügung. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass es an einer Rechtsmittel
belehrung fehlt und keine Anordnungen ergingen, sondern um die Kenntnis
nahme von Informationen gebeten wurde. Auch die Parteien gehen nicht davon aus, dass es sich bei diesem Schreiben um eine Verfügung handelt (Urk. 1 S. 4, Urk. 2 S. 1). Dies zeigt sich auch darin, dass der Versicherte den Beschluss vom 15. September 2015 in seiner Beschwerde als Verfügung bezeichnen liess (Urk. 1 S. 4). Weiter führte der Gemeindeschreiber von
A._
auf die ent
sprechende Nachfrage hin telefonisch aus, dass der „
Einspracheentscheid
“ vom 15. September 2015 nach dem Brief vom 18. August 2015 und ohne vorange
gangene Verfügung erfolgt sei, da der Versicherte einen solchen Entscheid ver
langt habe, um ans Gericht gelangen zu können (Urk. 6).
4
.
Ziffer 3 des Beschlusses vom 1
5.
September 2015
(
Urk.
2)
stellt von seinem tat
sächlichen rechtlichen Bedeutungsgehalt her eine
Nichteintretensverfügung
we
gen örtlicher Unzuständigkeit im Sinne von
Art.
35
Abs.
3 ATSG dar (vgl. BGE 132 V 74 E. 2). Als solche setzt sie dem Verwaltungsverfahren ein Ende, zumin
dest in denjenigen Fällen, in denen - wie hier - eine Weiterleitung an die als zuständig erachtete Stelle ausser Betracht fällt. Als Endverfügung im Sinne von
Art.
5
Abs.
1
lit
. c des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren kann eine solche
Nichteintretensverfügung
nicht als blosse prozess- und
verfahrenslei
ten
de
Verfügung im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 ATSG qualifiziert werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_727/2010 vom 2
7.
Januar 2012, E. 2.2 mit weiteren Hinwei
sen).
Der Gemeinderat
A._
hätte somit
zunächst über den Anspruch auf Zu
satzleistungen verfügen müssen und erst nach durchgeführtem
Einsprache
verfahren
einen
am Sozialversicherungsgericht
anfechtbaren
Einspracheent
scheid
erlassen dürfen
. Es stand ih
m
hingegen nicht offen,
am 1
5.
September 2015 einen direkt am
Sozialversicherungsge
richt
anfechtbaren
Beschluss
zu erlassen
.
Auf die Sache kann daher mangels ei
nes anfechtbaren Entscheides nicht ein
getreten werden. Die
Sache
ist mitsamt den Akten an
die Gemeinde
A._
zu überweisen, damit diese das gesetzlich zwingend vorgesehene
Verfügungs- und
Einspracheverfahren
durchführe.
5.
Das Verfahren ist kostenlos, weshalb sich der Antrag des Beschwerdeführers auf unentgeltliche Prozessführung als gegenstandslos erweist.