Decision ID: 5e72c293-2411-5eb2-aec0-7a4cf9cd30f0
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X._ war an der Universität St. Gallen im Studien-Programm "Master of Arts [...]"
eingeschrieben und reichte am 16. November 2015 die Masterarbeit zum Thema "[...]"
ein. Die Masterarbeit wurde mit Verfügung vom 24. Februar 2016 mit der Note 3.5
bewertet.
B. Im dagegen bei der Rekurskommission der Universität St. Gallen angestrengten
Rekursverfahren stellte X._ die Bewertung seiner Masterarbeit nicht in Frage, machte
aber geltend, der 16. November 2015 sei der letztmögliche Abgabetermin gewesen, mit
dem er die ansonsten zwangsweise erfolgende Exmatrikulation wegen überschrittener
Maximalstudiendauer von konkret acht Semestern habe verhindern können. Weil laut
geltender Prüfungsordnung keine Möglichkeit zur Fristerstreckung bestehe, habe er die
Arbeit abgegeben, obwohl die Strafuntersuchungsbehörden des Kantons Zürich elf
Tage vor dem Termin im Zuge eines gegen seinen Vermieter gerichteten
Strafverfahrens in zwei von ihm gemieteten Wohnungen Hausdurchsuchungen
vorgenommen und dabei sämtliche in seinem Eigentum stehenden Datenträger und
Unterlagen sichergestellt hätten. Weil die Studienzeitbeschränkung auch für derart
aussergewöhnliche Fälle keine Möglichkeit zur Verlängerung der maximalen
Studiendauer vorsehe, würden die entsprechenden Bestimmungen gegen
höherrangiges Recht verstossen. Dies habe die Rekurskommission festzustellen und
ihn so zu behandeln, als ob eine Fristerstreckungsmöglichkeit von Anfang an
vorgesehen gewesen wäre. Die Rekurskommission wies das Rechtsmittel mit
Entscheid vom 19. Mai 2016 ab.
Mit Eingabe vom 22. Juli 2016 erhob X._ gegen den Entscheid der Rekurskommission
Rekurs beim Universitätsrat der Universität St. Gallen. Er beantragte, die Streitsache
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sei als (Sprung-)Beschwerde dem Verwaltungsgericht zu überweisen, der Entscheid
der Rekurskommission sei aufzuheben und die Streitsache gemäss seinen dort
gestellten Anträgen zu entscheiden. Allenfalls sei der angefochtene Entscheid
aufzuheben und die Streitsache zur Sachverhaltsermittlung und Neubeurteilung an die
Rekurskommission zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Am
30. September 2016 wies der Präsident des Universitätsrats den Antrag auf
Sprungbeschwerde ab. Auf eine dagegen erhobene Beschwerde trat das
Verwaltungsgericht mit Entscheid vom 20. Januar 2017 nicht ein mit der Begründung,
der angefochtene Zwischenentscheid bewirke keinen nicht wiedergutzumachenden
Nachteil (vgl. VerwGE B 2016/209 vom 20. Januar 2017).
In der Folge hiess der Universitätsrat der Universität St. Gallen den Rekurs mit
Entscheid vom 11. Dezember 2017 im Eventualantrag gut und hob den Entscheid der
Rekurskommission vom 19. Mai 2016 sowie die Notenverfügung vom 24. Februar 2016
auf (Ziff. 1 des Rechtsspruchs). Er verlängerte die Studiendauer des Masterstudiums
"[...]" für X._ um zwei Semester, das heisst vom 1. Februar 2018 bis 31. Januar 2019,
zur Einreichung einer neuen Masterarbeit (Ziff. 2). Die amtlichen Kosten der Verfahren
wurden der Rekurskommission auferlegt, wobei auf die Erhebung verzichtet wurde
(Ziff. 3), und die Kostenvorschüsse wurden X._ zurückerstattet (Ziff. 4). Ausseramtliche
Kosten wurden keine zugesprochen.
C. Mit Eingabe vom 11. Januar 2018 erhob X._ (Beschwerdeführer) gegen den
Entscheid des Universitätsrats der Universität St. Gallen (Vorinstanz) vom
11. Dezember 2017 Beschwerde beim Verwaltungsgericht (Verfahren B 2018/15) mit
folgenden Anträgen:
1. Die Beschwerde sei bis zur Behandlung des beim Universitätsrat am 26. Dezember
2017 eingereichten Erläuterungsgesuchs zu sistieren.
2. Der Entscheid des Universitätsrats sei aufzuheben und zur Neubeurteilung an diesen
zurückzuweisen. Eventualiter sei die Beschwerde vom Verwaltungsgericht in der Sache
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selbst zu behandeln und diese entsprechend den nachfolgend gestellten Anträgen
gutzuheissen:
a) Die Gutheissung des Eventualantrags zur Bearbeitung eines neuen Masterarbeits-
Themas sei aufzuheben und der Hauptantrag zur Neueinreichung des bereits
angemeldeten Themas beim zugeteilten Referenten gutzuheissen.
b) Es sei festzustellen, dass die Bestimmung des Art. 58 PO MA hinsichtlich
Studienzeitbeschränkungen vorliegend nicht anwendbar ist. Entsprechend sei die in
Ziff. 2 des Dispositivs festgelegte Maximalstudiendauer bis zum 31. Januar 2019
aufzuheben.
c) Es sei festzustellen, dass die Überschreitung der in Ziff. 2 des Dispositivs genannten
Frist bis zum 31. Januar 2019 nicht die Rechtsfolge des Art. 58 Abs. 2 Satz 1 PO MA
nach sich ziehen würde.
d) Es sei festzustellen, dass vorliegend alle Rechte aus Punkt 5 des Merkblatts
"Regelungsthema Master-Arbeit" zu Zeitpunkt und Dauer der Bearbeitung der
Masterarbeit gelten und diese nicht durch die Festlegung der Immatrikulationsdauer
beschränkt werden können.
e) Es sei nicht nur, wie in Ziff. 3 des Dispositivs vorgesehen, ein Ersatz der amtlichen
Kosten, sondern auch der ausseramtlichen Kosten und Umtriebe anzuordnen.
3. [aufschiebende Wirkung]
4. Der Entscheid sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates zu
fällen. Er habe eine Entschädigung der Umtriebe und ausseramtlichen Kosten zu
umfassen und CHF 8'000 zu betragen.
[...]
5. [Kostenvorschuss]
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Am 17. Januar 2018 wies die Vorinstanz das betreffend ihren Entscheid gestellte
Erläuterungsgesuch vom 26. Dezember 2017 ab. In der Folge erhob der
Beschwerdeführer dagegen mit Eingabe vom 19. Januar 2018 ebenfalls Beschwerde
beim Verwaltungsgericht (Verfahren B 2018/29) und beantragte, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen sei die Vorinstanz zu verpflichten, dem Erläuterungsgesuch zu
entsprechen; allenfalls seien die Erläuterungen durch das Verwaltungsgericht
vorzunehmen. Die Vorinstanz beantragte am 19. Februar 2018 (B 2018/29) bzw.
9. März 2018 (B 2018/15) die kostenfällige Abweisung der Beschwerden.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten, die angefochtenen Entscheide und die
Akten ist – soweit notwendig – in den nachstehenden Erwägungen einzugehen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
1.1. [...]
1.2. [...]
1.3. Ist der Rechtsspruch unklar, unvollständig oder widersprüchlich, so erläutert ihn
die zuständige Instanz auf Antrag oder von Amtes wegen. Das Erläuterungsgesuch ist
schriftlich einzureichen. Es bezeichnet die beanstandeten Punkte des Rechtsspruchs
(Art. 93 und 93 Abs. 1 VRP). Erläuterungsinstanz ist die Behörde, die den
betreffenden Entscheid erlassen hat (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl.
2003, Rz. 1071). Als unklar und zweideutig erweist sich ein Dispositiv, wenn es aus
objektiver Sicht verschieden verstanden werden kann. Ein Widerspruch kann zwischen
verschiedenen Ziffern des Dispositivs oder mit Blick auf die Urteilsmotive bestehen. Die
Begründung des Entscheids allein ist der Erläuterung nicht zugänglich, es sei denn,
das Dispositiv nehme ausdrücklich darauf Bezug. Dies trifft insbesondere auf
Entscheide zu, mit denen eine Streitsache im Sinne der Erwägungen zu neuer
Beurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. Ferner ist ein allfälliger
quater quinquies
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Widerspruch zwischen Begründung und Dispositiv zu klären (BGer 1G_4/2018 vom
13. Juni 2018 E. 1). Gestützt auf Art. 93 Abs. 1 VRP kann die Ablehnung der
Erläuterung mit dem gleichen Rechtsmittel weitergezogen werden wie der Entscheid,
dessen Erläuterung beantragt wird.
Die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Erläuterung sind vorliegend nicht erfüllt. Mit
seinen Vorbringen beanstandet der Beschwerdeführer die Begründung des
Rekursentscheids. Damit verkennt er, dass die Begründung eines Urteils allein nicht
Gegenstand einer Erläuterung bilden, sondern ein Urteil nur in Bezug auf das Dispositiv
erläutert werden kann. Dass das Dispositiv des Rekursentscheids vom 17. Dezember
2017 unklar, unvollständig oder zweideutig wäre oder dass es mit der Begründung im
Widerspruch stünde, zeigt er jedoch nicht auf und ist auch nicht ersichtlich. Die
Ablehnung der Erläuterung durch die Vorinstanz ist folglich nicht zu beanstanden,
weshalb die Beschwerde B 2018/29 abzuweisen ist.
2. Die Vorinstanz setzte sich ausführlich mit der Auslegung von Art. 58 der
Prüfungsordnung für die Master-Stufe der Universität St. Gallen (PO MA; abrufbar auf:
www.unisg.ch/de/studium/master/allgemeineinformationen/pruefungssystem)
auseinander und kam überzeugend zum Schluss, dass aufgrund des Vorliegens eines
Härtefalls eine Ausnahmebewilligung zur Verlängerung der maximalen Studiendauer
von acht Semestern zu erteilen ist. Anstelle von Wiederholungen kann daher auf die
entsprechenden Ausführungen verwiesen werden (vgl. E. 6 und 7 des angefochtenen
Entscheids). Streitgegenstand ist damit lediglich, ob der Beschwerdeführer als
Rechtsfolge davon eine neue Masterarbeit einzureichen hat (nachfolgend E. 3) und ob
die Dauer für die Bearbeitung der Masterarbeit beschränkt werden kann (nachfolgend
E. 4).
3.
3.1. Die Vorinstanz stützt sich auf Art. 40 Abs. 2 PO MA, wonach die Masterarbeit mit
einem neuen Thema wiederholt werden muss, wenn eine Note unter 4.0 erzielt wurde.
Der Beschwerdeführer wendet dagegen insbesondere ein, indem die Vorinstanz die
Notenverfügung vom 24. Februar 2016 aufgehoben habe, sei gar keine ungenügende
Note erzielt worden. Er sei deshalb so zu behandeln, als hätte er die Masterarbeit nie
sexies
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zur Benotung eingereicht. Art. 40 PO MA sei ausschliesslich auf rechtskräftig verfügte
ungenügende Noten anzuwenden, nicht aber auf aufgehobene Noten. Da er sich
überdies seit dem Herbstsemester 2013 bereits im zweiten Versuch befinde, sei es ihm
gestützt auf Art. 40 Abs. 3 und 4 PO MA untersagt, Thema und Referent seiner
Masterarbeit erneut zu wechseln.
3.2. Die PO MA regelt in Art. 40 PO MA den Fall des Nichtbestehens und der
Wiederholung von Prüfungen. Nach Abs. 1 dieser Bestimmung können Prüfungsteile
mit ungenügenden Leistungen im gleichen Versuch der Masterstufe nicht wiederholt
werden. Eine Ausnahme besteht für die Masterarbeit; diese muss mit einem neuen
Thema wiederholt werden, wenn eine Note unter 4.0 erzielt wurde. Das
Masterprogramm gilt als nicht bestanden und es kann ein zweiter Versuch gestartet
werden (Art. 40 Abs. 2 PO MA). Wird bei der Masterarbeit ein weiteres Mal eine Note
unter 4.0 erzielt, gilt das ganze Masterprogramm als im Wiederholungsfall nicht
bestanden (Art. 40 Abs. 3 PO MA). In Abs. 4 der nämlichen Bestimmung wird
klargestellt, dass mit einem Referentenwechsel ein zweiter Versuch beginnt, wobei der
Studiensekretär bei Vorliegen von objektiven Gründen Ausnahmen bewilligen kann.
Eine ausdrückliche Regelung, wie bei einer Annullierung des Prüfungsergebnisses
vorzugehen ist, enthält die PO MA dagegen nicht.
3.3. Eine Lücke des Gesetzes liegt vor, wenn sich eine gesetzliche Regelung als
unvollständig erweist, weil sie auf eine bestimmte Frage keine Antwort gibt. Bevor eine
ausfüllungsbedürftige Lücke angenommen werden darf, ist durch Auslegung zu
ermitteln, ob das Fehlen einer ausdrücklichen Anordnung nicht eine bewusst negative
Antwort des Gesetzes bedeutet, das heisst ein so genanntes qualifiziertes Schweigen
darstellt. In diesem Fall hat das Gesetz eine Rechtsfolge nicht übersehen, sondern
stillschweigend – im negativen Sinn – mitentschieden. Für Analogie und richterliche
Lückenfüllung ist kein Platz (Häfelin/Müller/ Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,
7. Aufl. 2016, Rz. 202). Das Bundesgericht nimmt eine vom Gericht zu schliessende
Lücke an, wenn die gesetzliche Regelung nach den dem Gesetz zugrundeliegenden
Wertungen und Zielsetzungen als unvollständig und daher ergänzungsbedürftig
erachtet werden muss (BGE 102 Ib 224 E. 2). Beim Ausfüllen einer Gesetzeslücke hat
ein Gericht allgemeine Rechtsgrundsätze zu befolgen. Grundsätzlich hat es diejenigen
Regeln zu bilden, die es als Gesetzgeber aufstellen würde. Eine Lückenfüllung kann
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auch durch Analogieschluss in Anlehnung an bestehende gesetzliche Regelungen oder
durch Berufung auf allgemeine Rechtsgrundsätze erfolgen (Wiederkehr/Richli, Praxis
des allgemeinen Verwaltungsrechts, Band I, Bern 2012, Rz. 1237 ff.; vgl. auch Art. 1
Abs. 1 und 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs, SR 210).
Die PO MA wurde gestützt auf Art. 9 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Universität
St. Gallen (sGS 217.11, UG) erlassen, wobei auch dem UG nicht zu entnehmen ist, wie
bei Annullierungen von Prüfungsergebnissen vorzugehen ist. Schliesslich ist auch in
der Studienordnung für die Master-Stufe der Universität St. Gallen (StO MA; in:
www.unisg.ch/de/studium/master/allgemeineinformationen/
rechtlichegrundlagenundmerkblaetter) nichts über die Annullierung von Prüfungen
geregelt. Hinweise, dass der Gesetzgeber im UG und gestützt darauf der
Universitätsrat in der PO MA bzw. in der StO MA die Annullierung von
Prüfungsergebnissen bewusst nicht geregelt hat, sind nicht ersichtlich. Davon scheint
im Übrigen auch die Vorinstanz auszugehen, ansonsten sie nicht ohne weitere
Begründung Art. 40 Abs. 2 PO MA analog angewendet hätte. Da die PO MA folglich
unvollständig und somit ergänzungsbedürftig ist, ist die Lücke entsprechend zu füllen.
Zunächst ist daher zu prüfen, ob eine analoge Anwendung von Art. 40 Abs. 2 PO MA
zweckmässig erscheint.
3.4. Gestützt auf Art. 11 Abs. 2 StO MA kann zwar eine Masterarbeit nicht zur
Überarbeitung zurückgewiesen werden. Entsprechend sieht Art. 40 Abs. 2 PO MA vor,
dass die Masterarbeit mit einem neuen Thema wiederholt werden muss. Vorliegend ist
jedoch zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer lediglich deshalb eine
Masterarbeit eingereicht hatte, weil er nicht wusste und insbesondere auch nicht
wissen musste (vgl. dazu E. 7b S. 25 letzter Absatz des angefochtenen Entscheids),
dass in Härtefällen eine Fristerstreckung über die maximale Studiendauer von acht
Semestern möglich gewesen wäre. Dass er in Unkenntnis dieser Sachlage die Arbeit
einreichte und diese nunmehr bereits korrigiert wurde, darf jedenfalls nicht zu seinen
Lasten ausgelegt werden. Das Ergebnis der Masterarbeit ist lediglich deshalb bekannt,
weil der Beschwerdeführer nicht auf die Möglichkeit einer Fristerstreckung hingewiesen
wurde, weshalb er sich gezwungen sah, die Masterarbeit am letztmöglichen
ordentlichen Termin einzureichen. Es handelt sich folglich auch nicht um einen Fall
einer Zurückweisung der Arbeit zur Überarbeitung im Sinn von Art. 11 Abs. 2
bis
bis
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StO MA. Im Übrigen wird nach der Lehre eine Annullierung der Prüfung – eine solche
kommt in Frage, wenn der Kandidat glaubhaft darzutun vermag, dass er aus Gründen,
für die er nicht einzustehen hat, nicht an der Prüfung teilnehmen kann – nicht als
Versuch gewertet und bleibt somit ohne Rechtsfolgen (vgl. M. Koller, Was heisst "Faire
Prüfung"? – Die wesentlichen rechtlichen Aspekte bei Prüfungen an schweizerischen
Mittel- und Hochschulen, St. Gallen 2001, S. 103; vgl. auch Art. 35 PO MA).
3.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Notenverfügung der
Rekurskommission als Folge davon zwar zu Recht aufhob. Nicht gefolgt werden kann
ihr unter den gegebenen Umständen jedoch, soweit sie dem Beschwerdeführer
lediglich die Möglichkeit einräumt, eine Masterarbeit mit einem neuen Thema
einzureichen. Insbesondere ist die Aufhebung der Verfügung nicht mit dem
Nichtbestehen einer Prüfung gleichzusetzen. Eine analoge Anwendung von Art. 40
Abs. 2 PO MA bietet sich daher nicht an. Der Beschwerdeführer ist vielmehr so zu
stellen, als hätte er ein Fristerstreckungsgesuch zur Nachreichung der Masterarbeit
gestellt. Die Beschwerde ist folglich in diesem Punkt gutzuheissen und dem
Beschwerdeführer ist die Möglichkeit einzuräumen, seine Masterarbeit zum Thema
"[...]" erneut einzureichen. Ziffer 2 des angefochtenen Entscheids ist entsprechend
abzuändern. Auf das in Ziffer 2d gestellte Rechtsbegehren ist unter diesen Umständen
nicht weiter einzugehen.
4. Die Vorinstanz verlängerte die Studiendauer des Beschwerdeführers für die
Einreichung einer neuen Masterarbeit um zwei Semester vom 1. Februar 2018 bis
31. Januar 2019. Die Abgabefrist ist aufgrund des vorliegenden Verfahrens bereits
vorüber, weshalb eine neue Frist anzuordnen ist. Dem Beschwerdeführer ist vielmehr
eine neue angemessene Nachfrist für die Einreichung seiner Masterarbeit einzuräumen.
Zu berücksichtigen ist, dass der Beschwerdeführer die Arbeit gemäss eigenen
Aussagen nach Rücksprache mit dem Referenten und Durchführung einer Recherche
in der Bibliothek über den neusten Stand der Forschung innert ein bis zwei
Arbeitswochen (40 bis 80 Stunden Arbeitszeit) zur Niederschrift bringen könne (vgl.
act. 1 S. 13).
Gemäss den Ausführungsbestimmungen Master-Stufe ist die Masterarbeit in
gebundener und in elektronischer Form einzureichen. An vier vom Senatssauschuss
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bezeichneten Terminen werden die bis zu diesem Zeitpunkt eingereichten Arbeiten an
die Referenten zur Begutachtung weitergeleitet. Als Einreichungstermine sind der
15. November, 15. Februar, 15. Mai und 15. August vorgesehen. Vorliegend erscheint
es daher gerechtfertigt, als spätesten Einreichungstermin den 15. Mai 2019
vorzusehen. Damit hat der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung seiner eigenen
Ankündigung, ein bis zwei Arbeitswochen zu benötigen, genügend Zeit, seine
Masterarbeit zu beenden. Da gemäss Art. 75 Abs. 1 des Universitätsstatuts
(sGS 217.15) Prüfungen an der Universität nur absolvieren kann, wer immatrikuliert ist,
ist die Studiendauer entsprechend zu verlängern. Das in Ziffer 2b gestellte
Rechtsbegehren erweist sich damit als hinfällig und es ist nicht weiter darauf
einzugehen. Nicht einzutreten ist zudem mangels aktuellen Feststellungsinteresses auf
Ziffer 2c des Rechtsbegehrens. Die Rechtsfolgen, sollte der Beschwerdeführer innert
Frist keine Masterarbeit einreichen, sind dannzumal zu entscheiden.
5.
5.1. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde betreffend den
Rekurs gegen die Masterarbeit (B 2018/15) teilweise gutzuheissen, soweit darauf
einzutreten ist. Dem Verfahrensausgang entsprechend – der Beschwerdeführer obsiegt
weitestgehend – gehen die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens B 2018/15
zulasten der Universität St. Gallen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 1'500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12);
auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Dem Beschwerdeführer ist der
für das Beschwerdeverfahren B 2018/15 geleistete Kostenvorschuss von CHF 1'500
zurückzuerstatten. Bei Gutheissung eines Rechtsmittels ist zugleich von Amtes wegen
über die amtlichen Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens zu entscheiden. In der
Regel erfolgt die entsprechende Kostenverlegung in Bezug auf die Beteiligten und
deren Anteile analog dem Rechtsmittelentscheid (R. Hirt, Die Regelung der Kosten
nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 103). Da
im vorinstanzlichen Verfahren die amtlichen Kosten der Universität St. Gallen auferlegt
wurden, unter Verzicht auf die Erhebung, kann es indes bei der vorinstanzlichen
Kostenregelung bleiben.
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5.2. Da die Beschwerde betreffend Ablehnung des Erläuterungsgesuchs (B 2018/29)
abzuweisen ist, sind die entsprechenden Kosten vollumfänglich dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 500 ist angemessen
(Art. 7 Ziff. 222 Gerichtskostenverordnung). Diese ist mit dem geleisteten
Kostenvorschuss in Höhe von CHF 1'000 zu verrechnen und der Restbetrag von
CHF 500 ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
5.3. Ausseramtliche Kosten sind weder in den beiden Beschwerdeverfahren B 2018/15
und 29 noch im vorinstanzlichen Verfahren zu entschädigen. Der obsiegende
Beschwerdeführer ist nicht anwaltlich vertreten und die Voraussetzungen für die
(ausnahmsweise) Zusprechung der beantragten Umtriebsentschädigung sind nicht
erfüllt (vgl. BGer 5A_20/2017 vom 29. November 2017 E. 10 mit Hinweis auf BGE 110 V
132 E. 4d; vgl. auch VerwGE B 2018/171 vom 21. Januar 2019 E. 4 mit Hinweis auf
VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014 E. 4.4, www.gerichte.sg.ch).