Decision ID: b5f8c8b8-1db9-4ac2-a654-60e281fc0213
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, bezog bei ei
nem Invaliditätsgrad von 40
%
von
Juli bis
September 1999 eine
Viertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von 50
%
vo
n
Oktober 1999 bis März 2000 sowie ab
1.
April 2000 eine halbe Rente
(
Urk.
7/
10-12)
. A
b
1.
Mai 2002
bezog er bei einem Invaliditäts
grad von 80
%
eine ganze Rente
(
Urk.
7/28), welche die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom
2
5.
Januar 2007
(
Urk.
7/80) aufhob.
Das hiesige Gericht hiess die dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil vom 2
1.
Juni 2007 in dem Sinne gut, dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zur neuen Abklärung und Entscheidung zurückgewiesen
wurde (Prozess Nr. IV.2007.00296;
Urk.
6/94). Nach weiteren Abklärungen
ver
neinte
die IV-Ste
lle mit unangefochten in Rechtskraft erwachsener Verfügung vom 1
7.
Dezem
ber 2008 einen Rentena
nspruch des Versicherten (
Urk.
7
/114).
1.2
Im Rahmen von Integrationsbemühungen (vgl.
Urk.
7/115) erfolgte am
2.
Juni 2009 eine psychiatrische Begutachtung des Versicherten durch den Regionalen Ärzt
lichen D
ienst der IV-Stelle (RAD;
Urk.
7
/11
7). Aufgrund einer anonymen Mel
dung
erstattete
die IV-Stelle am
8.
Juni 2012 Strafanzeige gegen den Versi
cherten w
egen versuchten Betruges (
Urk.
7/141) und
verneinte mit unange
foch
ten in Rechtskraft erwachse
ner
Verfügung vom 1
5.
Januar 2013 einen Leis
tungs
anspruch des Versicherte
n (
Urk.
7
/147).
Das Strafverfahren wurde mit
Verfügung vom 2
3.
März 2015 ein
gestellt
(
Urk.
7/212/6-13
).
1.3
Am 2
1.
Mai 2014 (
Urk.
7
/176)
machte
der Versicherte eine Verschlechterung seines Zustandes geltend.
D
ie IV-Stelle
trat
mit Verfügung vom
3.
Februar 2015 auf das neue Gesuch nicht ein (
Urk.
7/202
).
Die dagegen am
6.
März 2015 erho
bene Beschwerde (
Urk.
7/
208/3-16)
hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom
9.
Jun
i 2015 in dem Sinne gut, als es die IV-Stelle anwies, auf die
erneute Anmeldung
vom 2
1.
Mai 2014 einzutreten (Prozess Nr. IV.2015.00295;
Urk.
7/214).
1.4
In der Folge
holte
die IV-Stelle ein
Gutachten ein, das von den Ärzten des
Y._
am 1
3.
Dezember 2016 erstattet wurde
(
Urk.
7/255).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/266;
Urk.
7/272
;
Urk.
7/283
), in dessen Rahmen eine Stellungnahme der
Y._
-Gutachte
r (
Urk.
7
/277) eingeholt wurde, verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
8.
Juni 2018 einen Rentenanspruch des Versicherten (
Urk.
7/286 =
Urk.
2).
2.
Am 1
1.
Juli 2018 erhob der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom
8.
Juni 2018
(
Urk.
2)
und beantragte die
Zusprache
einer ganzen Rente ab 1.
Novem
ber 2014 (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
August 2018 (
Urk.
6) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde
, was dem Beschwerdeführer am 3
0.
Oktober 2018 unter gleichzeitiger Gutheissung des
Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsver
tre
tung
(
Urk.
1 S. 2) mitgeteilt wurde (
Urk.
12). Der Beschwerdeführer zog das
ge
nannte
Gesuch am
2.
April 2019 zurück (
Urk.
14), wovon
Vormerk
genommen wird.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
ab
gesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung
(BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
wei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
li
chen
gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist von Amtes wegen zu prüfen, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichteintretens
ver
fü
gungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begrün
dungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ersten
Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prüfung des geltend gemachten Rentenanspruchs und wurde dieser nach rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhalts
punk
ten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheits
zustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungsansprechende Person dieses Ergebnis – vorbehältlich der Rechtsprechung zur Wiedererwägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinweisen) – bei einer weiteren Neuanmeldung entgegenhalten lassen (BGE 130 V 71 E. 3.2.3; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.).
1
.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
a
us (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidi
tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine
Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) wie folgt: Gestützt auf das medizinische Gutachten sei davon auszugehen, dass die angestammte Tätigkeit als Hilfspfleger nicht mehr, eine körperlich leichte Tätig
keit
in Wechselpositionen und ruhigem Umfeld ohne hohe Geräuschpegel jedoch zu 70
%
zumutbar sei. Die reduzierte Arbeitsfähigkeit ergebe sich aus einem erhöhten Pausenbedarf. Die vom behandelnden Arzt geäusserten Bedenken, dass der Beschwerdeführer einem Arbeitgeber nicht zumutbar sei, könn
t
e
n
auch auf geringe Motivation zurückgeführt werden. Die Auswirkung der Einnahme von
Immunsuppressiva
auf die Psyche sei mit einer Einschränkung der Leistungs
fähig
keit von 20
%
beurteilt
und in der Gesamtwürdigung berücksichtigt
worden
(S. 1-2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte geltend (
Urk.
1), das Gutachten sei aus verschie
denen, näher ausgeführten Gründen nicht beweiswertig. So sei die Diagnose einer leicht- bis mittelgradigen depressiven Episode nicht nachvollziehbar begründet
. Die Ressourcen seien nicht genügend erhoben worden. Demgegenüber gehe sein behandelnder Psychiater von einer erheblichen Einschränkung
auch
im ersten Arbeitsmarkt
aus. Medizinische Abklärungen der Pensionskasse hätten ergeben, dass keine Restarbeitsfähigkeit mehr vorhanden sei
. Auch seien die Auswir
kung
en der
Immunsuppressiva
zu wenig abgeklärt und die angenommene Arbeits
fähig
keit von 70
%
sei insgesamt zu wenig begründet worden (S. 7 ff.).
Aus näher dargelegten Gründen sei der Einkommensvergleich nicht korrekt erfolgt und es sei ein Abzug von mindestens 15
%
zu gewähren (S. 16 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob seit Erlass der anspruchsverneinenden Verfügung vom 1
5.
Januar 2013 (
Urk.
7/147) eine anspruchsrelevante Veränderung einge
tre
ten ist (vgl. E. 2.3 des Urteils vom
9.
Juni 2015;
Urk.
7/214; und vorstehende E. 1.2 und 1.3).
3.
3.1
Im Zeitpunkt der letzten leistungsverneinenden Verfügung vom 15. Januar 2013
stellte sich der medizinische Sachverhalt wie folgt dar.
Med.
pract
.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, stellte
mit Bericht vom 25. Juni 2009 (Urk. 7/117) folgende Diagnosen (S. 4):
-
leicht depressives Zustandsbild im Sinne einer Anpassungsstörung mit vorwiegender Störung anderer Gefühle (F43.23) bei
-
akzentuierten Persönlichkeitszügen (passiv-aggressiv/narziss
tisch/
anan
kastisch/histrionisch/paranoid
)
-
Differentialdiagnose: andauernde Persönlichkeitsänderung bei Schwer
hörigkeit (F62.88)
-
hereditäres Alport-Syndrom mit
-
Status nach Nierentransplantation im September 2003
-
beidseitige mittel-bis hochgradige Schwerhörigkeit
-
Myopie beidseits
Der Beschwerdeführer habe berichtet, dass er den Kollegenkreis aus Scham in der letzten Zeit eher vernachlässigt habe. Seit einiger Zeit gehe er aber zweimal wöchentlich mit Kollegen zum Bowling, gelegentlich gehe er rudern. Ansonsten sei er meistens zuhause und schaue fern. Er gehe bewusst erst nach Mitternacht ins Bett, um morgens länger schlafen zu können. Er fühle sich seit Jahren ein
geschränkt und sehe keinen Sinn mehr im Leben (S. 1-2). Er erlebe seine
Kon
zentrations
- und Merkfähigkeit als deutlich vermindert. Der Gutachter hielt dazu fest, dass im psychiatrischen Gespräch grobkursorisch keine Auffälligkeit bezüg
lich der kognitiven Leistungsfähigkeit eruiert werden könne. Weiter seien die Schwerhörigkeit und das Tragen von Hörgeräten wie auch der verminderte
Visus
und die damit verbundenen Einschränkungen deutlich schambelastet, was einer
seits zu einem Vermeidungsverhalten mit sozialem Rückzug und andererseits zum Versuch, die genannten Einschränkungen vor anderen zu vertuschen, führe. Eine
depressive Stimmungslage sei indes nicht spürbar und die affektive Schwing
un
gs
fähigkeit sei erhalten. Der Antrieb sei subjektiv vermindert (S. 3 unten f.). Der Beschwerdeführer benötige eine möglichst stressarme Umgebung sowie ein em
pa
thisches Umfeld.
Entsprechend könne in der bisherigen Tätigkeit in der Alten
pflege weiterhin von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. In ein
er angepassten Tätigkeit ohne übermässigen Druck und in der kein
e hohen Anfor
de
rungen an die Kommunikation gestellt würden, könne seit mindestens Juni 2008, wahrscheinlich aber bereits seit Februar 2006
,
wieder von einer mindestens 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (S. 4).
3.2
Dr. med. A._
,
B._
am
C._
, diagnostizierte mit einem undatierten Bericht aus dem Jahr 2011 (Urk.
7
/131/1-3) einen Status nach Nierentransplantation bei Alport-Syndrom sowie eine mittelgradige,
senso
ri
neurale
Schwerhörigkeit beidseits (Ziff. 1.1). Es sei weiterhin mit einer Zu
nahme der Schwerhörigkeit zu rechnen. Es sei keine Arbeitsunfähigkeit attestiert
worden; aufgrund der Schwerhörigkeit sei trotz Hörgerätversorgung die Kommuni
kation bei Nebengeräuschen eingeschränkt. Arbeiten im Lärm sowie bei hoher Luft
feuchtigkeit seien wegen der Notwendigkeit des Tragens der Hörgeräte ungeeig
net; Telefonieren sei nur beschränkt möglich (Ziff. 1.4, Ziff. 1.6-1.7).
3.3
Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Abklärungen stellte sich heraus, dass
der Beschwerdeführer - ohne dies der Beschwerdegegnerin mitzuteilen, insbeson
dere auch
nicht
anlässlich der psychiatrischen Untersuchung (vorstehend E. 3.1) - seit Jahren Stammgast im
D._ w
ar und bei Pokerturnieren unter dem Pseudonym „
E._
“ teilnahm. Nach Angaben der Casino-Leitung habe er im Dezembe
r 2010 anlässlich eines Turnier
s einen spektakulären Gewinn erzielt und die Gesamtwertung gewonnen. Hinzu seien eine grössere Anzahl kleinerer Ge
winne bei anderen Turnieren sowie eventuelle, nicht bekannte Gewinne beim Cas
h Game gekommen. Die Casino-Mitarbeiter gingen davon aus, dass der Beschwer
de
führer sehr viel Poker spiele und gespielt habe (vgl. das Schreiben vom 3. Mai 2011; Urk.
7
/138/7).
3.4
Gestützt auf diese Aktenlage ging die Beschwerdegegnerin von einer
70%igen Arbeitsfähigkeit aus
und verneinte mit Verfügung vom 15. Januar 2013 einen
Leistungsanspruch des Beschwerdeführers (Urk.
7
/147). Diese Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft
4.
4.1
Der
erneuten A
nmeldung vom 21. Mai 2014 (Urk.
7
/176) lagen folgende B
erichte zugrunde: Dr. med.
F._
, Fachärztin für
Allgemeine
Innere Medi
zin, stellte
mit
vertrauensärztlichem Bericht vom 19. April 2013 (Urk.
7
/184) folgende Diag
nosen (S. 7):
-
Alport-Syndrom mit Status nach schwerer, dialysepflichtiger Nierenin
suffizienz und Status nach Nierentransplantation 2003
-
Schwerhörigkeit
-
hinterer
Lentikonus
beidseits, Katarakt beidseits,
perimakuläre
Flecken, progrediente Myopie
-
Anpassungsstörung
-
Depression
-
Hypercholesterinanämie
Die
nephrologischen
Kontrollen seien normal ausgefallen. Die beidseitige Schwe
r
hörigkeit könne durch das Tragen eines Hörgerätes teilweise kompensiert werden. Die beidseitige Seh-Verschlechterung könne durch Anpassen der Sehhilfe korri
giert werden. Medizinisch-theoretisch bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Dies basiere auf dem subjektiven Krankheitserleben, verbunden mit der psychia
trisch diagnostizierten Anpassungsstörung, der beidseitigen Schwerhörigkeit, welche eine Arbeitsunfähigkeit von 15
%
verursache, und dem eingeschränkten Sehvermögen, welches eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % verursache. Im ange
stammten Beruf als Krankenpfleger sei der Beschwerdeführer nicht arbeitsfähig. In keinem der bisherigen Berichte seien die Nebenwirkungen der einzuneh
men
den immunsuppressiven Medikamente berücksichtigt worden. Es sei bekannt, dass
Steroide psychische Veränderungen verursachten, was auch von Sandimmun als Nebenwirkung bekannt sei. Dies sei bei der Beurteilung mit einzubeziehen (S. 6).
4.2
Im Auftrag der Staatsanwaltschaft erstatteten die Ärztinnen der
G._
am 1. Oktober 2013 ein psychiatrisches Gutachten (Urk.
7
/164 = Urk.
7
/175/4-19
= 7/255/47-62
) und stellten folgende Diagnosen (S. 12):
-
rezidivierende depressive Störung, seit 1999, gegenwärtig mittelschwere Episode (F33.1)
-
andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (F62.0)
-
Differentialdiagnose: andauernde Persönlichkeitsänderung nach psychi
scher Erkrankung (F62.1)
-
Alport-Syndrom
mit Status nach schwerer, dialysepflichtiger Nieren
in
suffizienz und Status nach Nierentransplantation 2003
-
Schwerhörigkeit
beidseits (Hypakusis)
-
hinterer
Lentikonus
beidseits, Katarakt beidseits,
perimakuläre
Flecken, progrediente Myopie
-
Hypercholesterinanämie
Es sei zu diskutieren, ob die depressive Symptomatik durch die immunsuppressive medikamentöse Behandlung aufrechterhalten werde.
Immunsuppressiva
hätten massgeblich einen
depressiogenen
Effekt, wobei beim Beschwerdeführer
die soma
tische Diagnose mit den beschriebenen Symptomen allein ausreichend sei, um zur Entwicklung einer depressiven Erkrankung zu führen. Im Zusammen
hang mit der beschriebenen körperlichen Erkrankung, der daraus resultierenden depressi
ven Entwicklung und den gemachten Erfahrungen sei zudem die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung zu stellen. Auch wenn der Be
schwerde
füh
rer keine Traumatisierung im Sinne von Konzentrationslager-, Folter-
oder Kata
strophenerfahrung durchgemacht habe, so stelle die schwere körperliche Erkran
kung mit dem progredienten und absehbaren Verlauf (Blindheit, Taubheit, erneu
te
dialysepflichtige Niereninsuffizienz und damit verbundene Isolation) für ihn eine anhaltende Bedrohung des eigenen Lebens dar. Zudem sei er durch die depressive Störung und die negativen Erfahrungen so geprägt worden, dass sich die Erfah
rungen auf seine Persönlichkeit ausgewirkt hätten (S. 13 f.).
Aufgrund der psychiatrischen Diagnosen
bestehe rückwirkend bis zum Jahr 2007
eine volle Arbeitsunfähigkeit
. Der Beschwerdeführer sei auch aktuell nicht arbeits
fähig (S. 14). Es sei insbesondere aufgrund der andauernden Persönlichkeits
än
de
rung davon auszugehen, dass er nicht wieder arbeitsfähig werde. Er sei in
seinen sozialen, beruflichen und zwischenmenschlichen Funktionen massiv einge
schränkt. So sei er weder kritik- noch konfliktfähig, reagiere rasch gereizt und sei somit nicht teamfähig. Unter Arbeits- und Zeitdruck reagiere er überfordert und mit Rückzug. Eine angepasste Tätigkeit wäre deshalb nur in einer geschützten Stätte denkbar (S. 15).
4.3
Auf entsprechende Anfrage der Staatsanwaltschaft (Urk.
6/169) hielten die
G._
-Ärztin
am 3. März 2014 (Urk.
7
/173 =
7/
175/1-3) ergänzend fest, dass aus psy
chiatrischer Sicht trotz des Glücksspiels die Arbeits
unfähigkeit gleich einzu
schätzen sei und damit rückwirkend bis 2007 und darüber hinaus 100 % betrage.
Bereits vor 2007 hätten sowohl somatische als auch psy
chische Einschränkungen
bestanden, welche eine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt verunmög
licht hätten. Die im Gutachten beschriebenen Beeinträch
tigungen seien selbst mit einer Arbeit in einer angepassten Tätigkeit nicht ver
einbar, da sie verschiedene Fähigkeitsbereiche wie die soziale Interaktion, die
Konzentrationsfähigkeit
,
die Anpassungsfähigkeit und die
Belastbarkeit stark ein
schränkten. Die Informationen zum Pokerspiel seien bei der Begutachtung bekannt gewesen, aber mangels
Rele
vanz nicht weiter ausgeführt worden (S. 2 Ziff. 4.1). Aus der Beschreibung der psychischen Entwicklung gehe hervor, dass der Be
schwerdeführer bereits vor dem Jahr 2007 im Rahmen der somatischen Erkran
kung eine depressive Störung ent
wickelt habe, welche ihn in seiner Genuss- und Erlebnisfähigkeit so stark einge
schränkt habe, dass er nicht mehr fähig gewesen sei, alltäglichen Aufgaben nach
zukommen. Durch die zusätzlich bestehende Myopie
und Hypakusis seien d
ie
Möglichkeiten der Freizeitgestaltung stark einge
schränk
t gewesen. Die beschrie
bene Persönlichkeitsveränderung mit erhöhtem Misstrauen, Rückzug und ver
mehr
tem Groll gegenüber anderen habe zur Bevor
zugung
einzelgängerischer
Tätigkeiten, wozu auch die Casinobesuche gehörten, geführt.
4.4
Dr. med. H._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte am 23. Juli 2014 (Urk.
7
/178/2 unten f.) aus, dass das Gutachten der
G._
nicht überzeuge. So habe der Beschwerdeführer die
gleichen Angaben gemacht wie gegenüber den
Y._
-Gutachtern im Jahr 20
08.
Zudem sei nicht nachvollziehbar, weshalb gemäss
G._
-Gutachten trotz des jahre
langen professionellen Pokerspiels dennoch rückwirkend eine volle Arbeitsun
fähig
keit bestehe. Wahrscheinlich hätten die
G._
-Gutachterinnen nicht gewusst, welche
psychischen Anforderungen bei diesem Spiel erfüllt sein müssten, um regel
mässig
Erfolg zu haben. Hierzu gehörten eine rasche Auffassungsgabe, hohe anhaltende
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistungen, gute Gedächtnis
funk
tionen und
eine affektive Kontrolle der Mimik. Zudem sei die Diagnose einer Persönlich
keitsveränderung nach Extrembelastung nicht nachvollziehbar, da dafür ein ent
sprechendes Trauma fehle. Es würden keine neuen medizinischen Tat
sa
chen vorgebracht.
4.5
Das Gericht hielt dazu in seinem Urteil vom
9.
Juni 2015
F
olgendes fest (E. 5):
Im Vergleich zur medizinischen Aktenlage, wie sie sich im Januar 2013 präsen
tierte, kann eine Verschlechterung nicht ausgeschlossen werden, denn der Be
schwerdeführer leidet in somatischer Hinsicht an einer fortschreitenden Krank
heit.
Dr.
A._
hatte im Jahr 2011 bereits darauf hingewiesen, dass mit einer Zunahme der Schwerhörigkeit zu rechnen sei.
Dr.
F._
stellte unter anderem eine progrediente Myopie fest und attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit v
on 50
%
. Wenn
gleich
Dr.
F._
diese
Ein
schätzung auch auf das grund
sätzlich nicht zu berücksichtigende subjektive
Krankheitserleben des Beschwer
deführers sowie auf eine psychische Erkrankung, dere
n Beurteilung nicht in ihr Fachg
e
biet fällt, zurückführte und zudem offenbar ke
ine Kenntnis vom früheren Poker
spiel hatte, wird
dadurch doch eine Ver
schlech
terung der Arbeitsfähigkeit aus somatischen Gründen glaubhaft gemacht
. Insbesondere bedarf der Hinweis von
Dr.
F._
, wonach die Einna
hme
von
Immunsuppressiva
psychi
sche Auswirkungen haben kann, näherer Abklä
run
g.
Auf diesen Umstand wiesen auch die Ärztinnen der
G._
hin und stellten zur Dis
kussion, ob die depressive Symptomatik du
rch die Medikamente aufrecht
er
halten werde. Zwar ist fraglich, wie sich - wi
e dies die
G._
-Ärztinnen vertreten
- die offenbar stark eingeschränkte Konzentrations- und Anpassungsfähigkeit und die eingeschränkte Belastbarkeit mit
dem früheren regel
mässigen abendli
chen Pokerspiel a
uf hohem Niveau vereinbaren lassen. An
dererseits bedeutet die frühere „Tätigkeit“ im Casino nicht, dass von nun an der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers gleichbleibend sein wird und ihm bis auf weiteres eine volle Arbeitsfähigkeit zu attestieren ist.
Nach dem Gesagten bestehen Anhaltspunkte für eine mögliche versicherungs
medizinisch relevante Verschlechterung. Das Fortschreiten der Krankheit und der Verdacht auf eine Mitbeteiligung der
Immunsuppressiva
am psychischen Zustand des Beschwerdeführers reichen für ein Glaubhaftmachen aus. Zudem liegt ein Attest des
I._
der
G._
vom
2.
September 2014 bei den Akten, wonach der Beschwerdeführer vorübergehend zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Gemäss Angaben des Rechtsvertreters handelte es sich dabei um eine stationäre Krisenintervention nach einem Suizidversuch.
Die Beschwerdegegnerin ist s
omit auf die Neuanmeldung zu Un
recht nicht ein
ge
treten, weshalb die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur materiellen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. Über den inhaltlichen Aus
gang dieser Anspruchsprüfung ist damit allerdings noch nichts ausgesagt.
4.6
Mit Bericht vom 2
3.
Oktober 2015 (
Urk.
7/227) über die ambulante Behandlung des Beschwerdeführers vom 1
2.
bis 3
0.
Juli 2015 stellten die Ärzte der
J._
folgende Diagnosen (S.1):
-
mittelgradige depressive Episode
-
mit somatischem Syndrom bei chronischer psychosozialer
Belastungs
situation (ICD-10 F32.1)
-
Alport-Syndrom
Der Patient habe sich aufgrund eines krisenhaften Zustandes mit Existenzängsten vorgestellt. Dieser sei dadurch ausgelöst worden, dass ihm aufgrund von Nach
for
schungen die IV-Unterstützung gestrichen worden und zusätzlich Rückfor
de
rungen entstanden seien
(S. 1). Die tiefsitzende Verbitterung angesichts der in seinen Augen ungerechtfertigten Beendigung der IV-Unterstützung sei durch
gängig zu spüren gewesen. Zum
dysthymen
Zustand seien im Behandlungs
verlauf zweimalig depressive Krisen hinzugetreten, Suizidalität sei jedoch nicht aufgetreten. Der Patient habe die Behandlung auf eigenen Wunsch beendet (S. 2).
4.7
Dr.
med.
K._
,
L._
am
C._
, stellte mit Bericht vom 1
2.
Januar 2016 (
Urk.
7/232/2-4) folgende
, hier
verkürzt genannte
Diagnosen (S. 1):
-
Nierenallotransplantation
iliacal
links September 2003
-
Alport-Syndrom
-
rezidivierende depressive Störung seit 1999
-
Osteopenie
-
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom
-
Status nach atypischen
Thoraxschmerzen
-
Status nach Gicht Fuss rechts
Es bestehe eine
über 20%ige Arbeitsunfähigkeit vor allem bei chronischen Schmerzen, psychischer Belastung und Unerträglichkeit des Hörgeräts nicht kor
ri
gierter Schwerhörigkeit
. Aus rein
nephrologischer
Sicht bestehe
zur Zeit
eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Eine Verschlechterung sei
in Zukunft nicht auszuschliessen (S. 2).
4.8
4.8.1
Am 1
3.
Dezember 2016 erstatteten die Ärztinnen und Ärzte des
Y._
ihr unter Be
rücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer
internistischen, psychiatrischen, rheumatologischen,
nephrologischen
,
otorhino
la
ryn
go
logischen
und
ophtalmologischen
Untersuchung
erstelltes Gutachten
(
Urk.
7/255)
. Sie stellten folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 38
f.
Ziff.
5
.1
):
-
Alport-Syndrom
-
Nephropathie
-
pantonale Schallempfindungsschwerhörigkeit beidseits, Zustand nach
binauraler
Hörgeräteversorgung
-
Augenbeteiligung:
Lenticonus
,
Makulaatrophie
-
Status nach
Nierenallotransplantation
iliaca
links 2003
-
Grunderkrankung Allport-Syndrom
-
CMV intermediate
Risk
D/R +/-
-
Nachweis von de
novo
DSA im HLA-Antikörperscreening vom November 2015
-
aktuell leichte Niereninsuffizienz Stadium 2 nach KDIGO
-
leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0/F32.1)
-
Sehschärfenminderung beidseits
-
Alport-Syndrom mit Augenbeteiligung
-
anlagebedingte Fehlsichtigkeit (Myopie, Astigmatismus)
-
Alterssichtigkeit
-
chronische Benetzungsstörung
-
Cataracta
incipiens
-
latentes Aussenschielen
-
Tinnitus beidseits
-
chronisches zervikal- und thorakal betontes
Panvertebralsyndrom
bei leich
ten degenerativen Veränderungen der unteren HWS und der mittle
ren BWS
Die folgenden Diagnosen hätten
keinen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit (S. 39
Ziff.
5.2):
-
Störung durch Stimulantien (Ecstasy, gemäss Urintoxikologie), schädli
cher
Gebrauch (ICD-10 F15.1)
-
atypische
Thoraxschmerzen
-
Echokardiographie unauffällig
-
Ergometrie unauffällig
-
keine Koronarsklerose, keine Koronarstenosen, Ausschluss einer koro
naren Herzkrankheit
-
Hypercholesterinanämie
-
anamnestisch Verdacht auf symptomatische Prostatahyperplasie
Die Blutanalyse
habe
einen Nachweis von
Escitalopram
und
Trazodon
im thera
peutischen Referenzbereich
ergeben
. Die Urinanalyse
habe
einen positiven Wert von Ecstasy
gezeigt
(S. 18 Mitte). Aus allgemeininternistischer Sicht sei der Be
schwerdeführer in jeder Tätigkeit uneingeschränkt und ganztags arbeitsfähig
, was auch rückwirkend gelte (S. 19 oben).
4.8.2
Anlässlich der psychiatrischen Begutachtung habe der Beschwerdeführer ange
geben, keine Drogen zu konsumieren (S.
19 oben). Er stehe um 11 Uhr auf, sitze und schaue fern und beschäftige sich mit Facebook. Nach dem Essen sei er regel
mässig müde und schlafe dann auch. Die Ehefrau erledige die Hausarbeiten. Selten gehe er kleine Sachen
selbst einkaufen. Kollegen habe er keine mehr, er habe nur noch in der Familie Kontakte. Letztes Mal verreist sei er im Februar, alleine auf die Philippinen
. Dort sei es jeweils besser, er habe mehr Kontakte und sei weniger zurückgezogen. In der Schweiz habe er vor allem Angst wegen des Gehörs, dass er nichts verstehe. Er sei alleine mit dem Zug zur Begutachtung
an
gereist (S. 21 oben).
Das Gespräch habe 50 Minuten gedauert.
Es bestehe eine leichte bis mittelgradige depressive Episode, gekennzeichnet durch verminderte Freudeempfin
dungs
fähig
keit mit Besorgtheit, erhöhte Ermüdbarkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen und negative Zukunftsperspektiven bezüglich der gesundheitlichen und beruf
lichen Situation. Die depressive Störung habe sich im Rahmen von somatischen Problemen mit einer schweren chronischen Nierenproblematik entwickelt, zu der auch aus somatischer Sicht Stellung genommen werden
müsse. Eine ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung, auch mit antidepressiver Medi
ka
tion, werde wahrgenommen. Der Beschwerdeführer fühle sich aber heute nicht mehr arbeitsfähig und begründe dies mit erhöhter Ermüdbarkeit, Konzentra
tions
störungen und Vergesslichkeit. Im Untersuchungsgespräch seien zwar
leichte Konzentrationsstörungen bei der genauen Angabe von Lebensdaten, aber auch eine gewisse Inkonsistenz aufgefallen, indem er gewisse Lebensdaten wieder sehr gut habe angeben können. Er wirke vor allem wegen der Nierenproblematik sehr
besorgt, mit Ängsten, dass sich seine Nierenfunktion wieder verschlechtern könne
. Diese Ängste seien im Rahmen der Depression zu sehen; eine spezifische Angst
störung könne nicht diagnostiziert werden. Es bestehe ein chronischer Verlauf, aber auch eine deutlich ausgeprägte
Krankheits- und Behinderungsüberzeugung.
Durch den Konsum von Ecstasy könnten die Schlafstörungen verschlechtert w
er
den. Auch von der immunsuppressiven Medikation wisse man, dass sie zu depres
siven Symptomen führen könne (S. 22).
Es bestehe in allen den Fähigkeiten entsprechenden und aus somatischer Sicht angepassten Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
, auch ganztags realisier
bar, mit der Möglichkeit zu vermehrten Pausen
(S. 23 oben).
Die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung könne aufgrund der heutigen Untersuchung nicht bestätigt werden. Zwar bestehe eine gewisse Angespanntheit mit Nervosität, es fehle aber
eine deutliche Entfremdung, die für diese Diagnose auch gefordert werde. Der Beschwerdeführer sei jedoch im Ge
spräch gut zugänglich gewesen und habe sich gut verbalisieren können. Eine Abstumpfung der Umgebung gegenüber bestehe nicht.
Die Beurteilung durch die Ärztinnen der
G._
sei aufgrund der aktuellen Untersuchung nicht nachvoll
zieh
bar; eine andauernde Persönlichkeitsänderung bestehe nicht und unter genauer Berücksichtigung der Kriterien nach ICD-10
sei nicht von einer mittelgradigen depressiven Episode auszugehen. In der
J._
sei 2015 eine mittelgradige depres
sive Episode mit somatischem Syndrom diagnostiziert worden. Es sei gut möglich, dass die Depression punktuell im Sinne einer mittelgradigen depressiven Episode auch etwas stärker ausgeprägt gewesen sei, nicht aber gemittelt über den Verlauf
. Eine Depression könne unter Behandlung günstig beeinflusst werden, so dass es sehr selten sei, dass sie länger schwerer ausgeprägt verlaufe. Es komme aber durchaus vor, dass eine leichtere depressive Episode
lang anhaltend
bestehe (S.
23). Auch unter einer intensivierten Behandlung sei wohl kaum zu erreichen, dass der Beschwerdeführer wieder einer Erwerbstätigkeit nachgehen werde
(S. 24 oben).
4.8.3
Bei der rheumatologischen Beurteilung seien die Spontanbewegungen ungehin
dert, das Aufsitzen aus der Rückenlage ohne Beachtung der Rückendisziplin problemlos und der Barfussgang normal gewesen. Die Untersuchung aller grossen und kleinen Gelenke habe keine relevanten Auffälligkeiten gezeigt. Im Bereich der Wirbelsäule fänden sich leichte Bewegungseinschränkungen an der Lenden- und Brustwirbelsäule (LWS und BWS)
sowie etwas deutlichere Bewegungs
ver
min
derungen an der Halswirbelsäule (HWS), ausserdem
supraskapuläre
Myogelo
sen
und zervikale Irritationszonen rechts. Der kursorische Neurostatus sei unauf
fällig, insbesondere fehlten Hinweise für ein
zerviko
- oder
lumboradikuläres
Syndrom. Aktuelle
Röntgenbilder zeigten leichte degenerative Veränderungen an der unteren HWS und der mittleren BWS, im Bereich der LWS lägen keine relevanten Auffälligkeiten vor, Hinweise für eine entzündliche Wirbelsäulen
erkrankung stellten sich nicht dar und die Höhe der Wirbelkörper sei in allen Abschnitten erhalten. Zusammenfassend entspreche das Beschwerdebild einem
zerviko
- und thorakal betonten
Panvertebralsyndrom
ohne Hinweise für eine neurologische
Komplikation oder eine andere spezifische Wirbelsäulener
kran
kung
.
Die Beschwerden am linken Oberarm fänden kein klinisches Korrelat, die Untersuchung des linken Schultergelenks sei durchwegs unauffällig. Funktionell liege eine leicht eingeschränkte Wirbelsäulenbelastbarkeit vor (S. 28).
Körperlich schwere Tätigkeiten mit starker Rückenbelastung seien nicht mehr, mittelschwere Tätigkeiten mit mittelstarker Rückenbelastung seien nur noch mit einer Ein
schrän
kung von 50
%
zumutbar. Körperlich leichte Tätigkeiten
mit leichter Rücken
belastung sowie Möglichkeiten zu Wechselpositionen, ohne monoton-repetitive Haltungen oder Bewegungen und ohne
gehäufte Überkopfarbeit
,
seien uneingeschränkt zumutbar. Gestützt auf die aktuellen Befunde sei davon aus
zugehen, dass auch zu einem früheren Zeitpunkt keine Einschränkungen für eine geeignete Tätigkeit vorgelegen hätten (S. 29).
4.8.4
Die
nephrologische
Begutachtung ergab einen 13 Jahre nach der Nieren
trans
plan
tation erfreulichen Verlauf mit stabiler, sehr guter Transplantatfunktion (S.
30). Es bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus
nephrologischer
Sicht. Die angegebene erhöhte Ermüdbarkeit könne allenfalls auf die Polymedi
kation zurückgeführt werden, so dass eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit um 20
%
infolge erhöhten Pausenbedarfs attestiert werden könne
. Somit bestehe in jeder Tätigkeit sechs Monate nach der Transplantation eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
(S. 31).
4.8.5
Aus
ophthalmologischer
Sicht zeigten sich an beiden Augen eine kegelförmige Linse und es bestünden Netzhautveränderungen, die zu einer Sehschär
fen
min
derung und einer vermehrten Blendungsempfindlichkeit führten. Aufgrund einer beginnenden Linsentrübung bestehe eine weitere vermehrte Blendungsemp
find
lichkeit und Sehschärfenreduktion. Aufgrund einer Benetzungsstörung verspüre der Explorand Beschwerden wie Augenbrennen und -tränen. Es bestehe deshalb eine 15%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkeiten, die ein durchschnittliches Sehvermögen erforderten. Dies begründe sich durch den etwas
erhöhten Pausenbedarf, welcher der erhöhten Anstrengung beziehungsweise Kom
pensationsleistung
geschuldet
und durch die Sehdefizite
verursacht
sei
(S. 33).
4.8.6
Seitens der audiologischen Untersuchungsbefunde, mit Zustand nach
binauraler
Hörgeräteversorgung bei pantonaler Schallempfindungsschwerhörigkeit beidseits
, bestünden qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit, so dass Tätigkeiten, welche ein gutes Sprachverständnis unter
Störlärm
voraussetzten, oder Tätig
keiten unter erhöhtem Umgebungsgeräuschpegel mit möglicher Zunahme der audi
tiven Schwierigkeiten sowie des Tinnitus nicht geeignet seien. Aus rein
otorhinolaryngologischer
Sicht bestehe unter Beachtung dieser Einschränkungen keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit; die Einschränkung sei qualitativer Natur (S. 37 unten f.).
4.8.7
In ihrer Gesamtbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss,
dass dem Be
schwerdeführer
eine
körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeit wie die zuletzt als Hilfspfleger ausgeübte nicht mehr zumutbar seien. In einer körperlich leichten, adaptierten Tätigkeit, unter Berücksichtigung der im
otorhinolaryn
go
logischen
Teilgutachten dargelegten Arbeitsplatzbedingungen, bestehe eine Arbeits-
und Leistungsfähigkeit von 70
%
. Die Einschränkungen aus psychia
trischer,
nephrologischer
und
ophthalmologischer
Sicht ergänzten sich bezüglich möglicher Pausen
, es entstehe kein additiver Effekt. Das Pensum könnte voll
schichtig umgesetzt werden mit erhöhtem Pausenbedarf von 10 bis 15 Minuten pro Stunde und leicht reduziertem Rendement (S. 40 unten f.).
Über die Zeit gemittelt könne unverändert von dieser Arbeitsfähigkeit ausge
gangen werden. Retrospektiv könne
nicht genau erfasst werden, ab wann die im rheumatologischen Teilgutachten dargelegte volle Arbeitsunfähigkeit für körper
lich schwere beziehungsweise 50%ige Arbeitsunfähigkeit für mittelschwere Tätig
keiten und somit auch für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit gelte, weshalb dies ab Mitte November 2016 angenommen werde (S. 41 Mitte).
Der Explorand erachte sich in jeglicher Tätigkeit als nicht mehr arbeitsfähig, was in deutlichem Gegensatz zur medizinischen Beurteilung stehe. Diese Diskrepanz begründe sich wohl dadurch, dass er
davon ausgehe, sich vollständig gesund fühlen zu müssen und zu keiner Zeit Beschwerden verspüren zu dürfen, um einer beruflichen Erwerbstätigkeit nachgehen zu können, wogegen die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus medizinisch-theoretischer Sicht auf einer anderen Grund
lage festgelegt werde. Weiter sei darauf hinzuweisen, dass
den Akten eine Suchtproblematik (Alkohol, Kokain, Opioide) zu entnehmen sei. Die aktuelle urintoxikologische Untersuchung sei
negativ für diese Stoffe, jedoch
positiv für Ecstasy gewesen; der Beschwerdeführer habe allerdings den Untersuchern gegen
über den Konsum illegaler Drogen verneint. Es sei deshalb möglich, dass
er auch sonst nicht immer der Wahrheit entsprechende Angaben gemacht habe. Ferner sei es ihm auch weiterhin möglich, Langstreckenflüge in die Heimat zu tätigen, was mit einer vollständigen Invalidisierung nicht zu vereinbaren sei (S. 41).
4.9
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte mit Bericht vom 2
3.
Juni 2017 (
Urk.
7/262) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, Juni 2016 mittelgradig, aktuell leicht- bis mittelgradig (ICD-10 F33.0/1), seit 1999
-
andauernde Persönlichkeitsveränderung nach psychischer und somati
s
cher Erkrankung, seit 1999
-
Alport-Syndrom mit
sensorineur
aler
Schwerhörigkeit beidseits und
Fun
dus
veränderungen
, seit zirka 1999
-
Anämie,
Osteopenie
, chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom
Der Beschwerdeführer habe sich von März 2006 bis November 2007 in seiner Behandlung befunden und die letzte Kontrolle sei am
8.
Juni 2017 erfolgt (
Ziff.
1.2).
Die früheren Ereignisse mit Pokerspielen, Geldgewinnen, Rückzah
lung
en ans Sozialamt und Strafverfahren hätten
,
zusammen mit den invalidi
sie
renden und sich chronisch verschlechternden somatischen und psychischen Grund
erkrankung, die ihn arbeitsunfähig machen würden und wo er einen an
haltenden
frustranen
«
Kampf
»
mit der Beschwerdegegnerin erleben müsse, zu einer bis heute und auch auf längere Sicht anhaltenden schweren psychischen Störung geführt, die seine Persönlichkeit und sein Verhalten sehr verändert hätten.
Gegenüber den früher gestellten Diagnosen der Alkoholabhängigkeit und des schädlichen Gebrauchs von Kokain und Opiaten seien höchste Zweifel ange
bracht, da dies nie zuvor ein Thema gewesen und vom Patienten auch klar ver
neint worden sei.
Die depressive Seite zeige sich in den eingeschränkten sozialen Kontakten innerhalb der Kernfamilie und der fehlenden Mithilfe im Haushalt, den nur noch selektiven Aussenkontakten wie Arzt- und Kirchenbesuchen und weni
gen Kontakten mit vertrauten Personen. Auch für eine
tagesstrukurierende
ange
passte, noch so einfache Tätigkeit sei er viel zu schwach und stelle für jeden
Arbeitgeber letztlich nur eine Belastung dar
. Auch eine Tätigkeit im zweiten Arbeits
markt sei aufgrund der Einschränkungen zum Scheitern verurteilt (
Ziff.
1
.4).
4.10
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
nahmen die Ärzte des
Y._
am 1
6.
April 2018 Stellung (
Urk.
7/
277) und hielten fest, dass eine zu untersuchende Person einem Arbeitgeber nicht zumutbar sei, wie vom Behandler geäussert, könne viele Gründe haben, sage aber nichts über eine allfällige, medizinisch begründbare Arbeitsunfähigkeit aus. Die im Gutachten getätigten Einschätzungen seien hin
reichend begründet.
Eine Persönlichkeitsänderung habe eindeutig nicht bestätigt werden können.
5.
5.1
Im Januar 2013 ging die Beschwerdegegnerin aufgrund der Diagnosen eines leichten depressiven Zustandsbildes im Sinne einer Anpassungsstörung mit vor
wiegender Störung anderer Gefühle (bei akzentuierten Persönlichkeitszügen, differentialdiagnostisch bei andauernder Persönlichkeitsänderung bei Schwer
hö
rigkeit), eines hereditären Alport-Syndroms mit Status nach Nierentrans
plan
ta
tion und Schwerhörigkeit sowie einer beidseitigen Myopie (vgl. vorstehend E. 3.1)
sowie
unter Berücksichtigung der Aktivitäten des Beschwerdeführers beim Poker
spiel
weiterhin
von
der bisher bestehenden
70%igen Arbeitsfähigkeit
in der ange
stammten Tätigkeit als Hilfspfleger und in einer angepassten Tätigkeit aus (
Urk.
7/147; vgl.
Urk.
7/125 und
Urk.
7/114
).
5.2
Das von der Beschwerdegegnerin eingeholte Gutachten des
Y._
vom 1
3.
Dezem
ber 2016 (vorstehend E. 4.8) erging unter Berücksichtigung der praxisgemässen
Anforderungen
(vgl. vorstehend E. 1.5)
, weshalb es grundsätzlich beweiswertig is
t. Insbesondere enthält es als einzige der vorhandenen medizinischen Akten eine umfassende Beurteilung sämtlicher Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers.
In somatischer Hinsicht trat im Vergleich zu 2013 eine Veränderung ein, indem zusätzlich zu den bestehenden Beeinträchtigungen eine leichte Nierenin
suf
fi
zienz, ein beidseitiger Tinnitus sowie ein chronisches
Panvertebralsyndrom
mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt wurden (vgl. vorstehend E
.
4.8.1). Der rheumatologische Gutachter erachtete deshalb eine körperlich sch
were Tätigkeit nicht mehr und eine mittelschwere Tätigkeit lediglich noch eingeschränkt
als
zumutbar, was die bisherige Tätigkeit als Hilfspfleger nun aus
schliesst.
Damit ist ein Revisionsgrund zu bejahen.
5.3
In psychiatr
ischer Hinsicht diagnostizierte der
Y._
-Gutachter eine leichte bis mittelgradige Episode, welcher
er
einen Einfluss a
uf die Arbeitsfähigkeit zumass
(vgl. vorstehend E. 4.8.1). Eine bis zu mittelgradig ausgeprägte Depression wurde bereits in früheren fachärztlichen Beurteilungen erkannt (vgl. vorstehend E. 3.1, 4.2, 4.6) und auch vom behandelnden Psychiater
Dr.
M._
gestellt (vgl. 4.9). Abweichung
en ergeben sich in der Frage der
Auswirkungen
dieser Diagnose auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers (zum Beweiswert der übrigen vorhan
denen psychiatrischen Beurt
eilungen vgl. nachfolgende E. 5.9
).
5.4
Da ein Revisio
nsgrund zu bejahen ist, ist ein strukturiertes Beweisverfahren
not
wendig.
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich
erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
lidi
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) über
wie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Janu
ar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
5.5
Mit BGE 145 V 215
liess das Bundesgericht die bisherige Rechtsprechung fallen, wonach primäre Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Substanzkon
sumstö
rungen zum vornherein keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesund
heitsschäden darstellen können, und ihre funktionellen Auswirkungen deshalb keiner näheren Abklärung bedürfen. Fortan ist - gleich wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen - nach dem strukturierten Beweisverfahren zu ermitt
eln, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Ab
hängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person auswirkt. Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann immerhin dort von einem strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder geeig
net ist. Es bleibt daher etwa dann entbehrlich, wenn f
ür eine - länger dauernde (Art. 28 Abs. 1
lit
.
b IVG) - Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine Hinweise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus ande
ren Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (E.
7).
Da der anlässlich der Begutachtung festgestellte Konsum von Ecstasy weder als Sucht noch als sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkend beurteilt wurde (vgl. vor
stehend E. 4.8.1), ist dieser nicht in das strukturierte Beweisverfahren mitein
zu
beziehen.
5.6
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.7
Der psychiatrische Gutachter
setzte sich eingehend mit den Standardindikatoren
auseinander (vgl. S. 24 f.
des Gutachtens
).
Seine
Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde.
Er
ist bei der Beantwortung der Frage, wie
er
das Leistungsvermögen ein
schätzte, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, hat
ausschliesslich
funktionelle
Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind
, und
seine
versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf objek
tivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren einge
schätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachweisen. Insbesondere wurde zum beweisrechtlich entscheidenden Aspekt der Konsistenz nachvollziehbar dargelegt, dass sich der Beschwerdeführer durchaus habe konzentrieren können, wenn er sich zusammengenommen habe, was in Anbetracht der früher bei unveränderter Diagnose erfolgreich möglichen Pokerspiel
en
zu überzeugen vermag. Ebenfalls
sind allein
bewältigte Langstreckenflüge bei der Konsistenz berücksichtigt worden
, wie auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer den Gebrauch von Ecstasy verschwieg. Auf die attestierte Arbeitsunfähigkeit von 30
%
ist deshalb abz
u
stellen, zumal auch aus einer
Indikatorenprüfung
keine höhere Arbeitsunfähigkeit als die gutachterlich attestierte resultieren kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_279/2019 vom
5.
September 2019 E. 4.2.3).
5.8
Dass, wie der Beschwerdeführer vorbringt, eine mittelgradige und nicht eine leicht- bis mittelgradige depressive Episode vorliege (vgl.
Urk.
1 S. 7 unten f.), vermag nicht zu überzeugen, da i
nvalidenversicherungsrechtlich nicht die Diag
nosen und deren Anzahl, sondern die Auswirkungen der gesundheitlichen Beein
trächtigungen auf die Arbeitsfähigkeit
entscheidend sind
(BGE 136 V 279 E.3.2.1 S. 281 mit Hinweis auf BGE 127 V 294).
Diese wurden nachvollziehbar beurteilt. Im Übrigen ging auch der behandelnde Therapeut
Dr.
M._
von einer aktuell leicht- bis mittelgradigen Ausprägung aus (vgl. vorstehend E. 4.9). Was die Kritik hinsichtlich der Verwendung von Testverfahren angeht (vgl.
Urk.
1 S.
8 unten), kann der Beschwerdeführer auf die Rechtsprechung verwiesen werden:
Dem
test
mässigen
Erfassen der Psychopathologie
ist
im Rahmen der psychiatrischen Explo
ration generell nur eine ergänzende Funktion beizumessen. Ausschlag
ge
bend bleibt die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomer
fassung und Verhaltensbeobachtung
(Urteil 9C_344/2013 vom 1
6.
Oktober 2013 E. 3.1.5 mit Hinw
eisen), welche vorliegend lege
artis
erfolgte.
5.9
Die übrigen fachärztlichen Berichte vermögen die gutachterliche Beurteilung nicht umzustossen. So schienen die Fachärztinnen der
G._
, wie
Dr.
H._
zu Recht ausführte (vgl. vorstehend E. 4.4), zu verkennen, über welche Fähigkeiten ein erfolgreicher Pokerspieler verfügen muss. Es ist nicht nachvollziehbar und blieb dies auch auf Nachfrage hin (vgl. vorstehend E. 4.3), weshalb
trotz der bekannten Erfolge als Pokerspieler
von einer massiven Einschränkung in sozia
len, beruflichen und zwischenmenschlichen Funktionen ausgegangen und das Pokerspiel
«
mangels Relevanz
»
nicht in die Beurteilung mit einbezogen
wurde.
Weshalb die Diagnose einer Persönlichkeitsveränderung nicht genügend schlüssig
sei, wurde im
Y._
-Gutachten nachvollziehbar erklärt (vgl. vorstehend E. 4.8.2). Insgesamt vermag die Beurteilung durch die
G._
-Ärztinnen nicht zu überzeugen.
Der Bericht der Ärzte der
J._
(vgl. vorstehend E. 4.6) enthält kein
e
Angaben zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, jedoch Hinweise
auf eine psychosoziale Beteiligung: D
er krisenhafte Zustand sei dadurch ausgelöst worden, dass ihm
Versicherungsleistungen entzogen worden seien. Diese psychosozialen Umstände wurden au
ch von
Dr.
M._
genannt
, der zudem offensichtlich ohne Kenntnis der Feststellungen im
Y._
-Gutachten davon ausging, dass ein Substanzgebrauch
«
nie ein Thema
»
gewesen sei und von den alleine bewältigten Langstreckenflügen wohl nichts wusste, ansonsten er kaum den Beschwerdeführer selbst für eine tagesstrukturierende einfache Tätigkeit als zu schwach beurteilt hätte (vgl. vor
stehend E. 4.9). Den genannten Berichten fehlt es zudem an verlässlichen Anga
ben hinsichtlich der Indikatoren.
5.10
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass gestützt auf das
Y._
-Gutachten die angestammte Tätigkeit nicht mehr, eine behinderungsangepasste Tätigkeit jedoch zu 70
%
zumutbar ist, sofern es sich um eine körperlich leichte Tätigkeit ohne gutes Sprachverständnis unter
Störlärm
oder Tätigkeiten mit erhöhtem
Umge
bungsgeräuschepegel
handelt.
Der Einfluss der
Immunsuppressiva
wurde
im Rah
men des erhöhten Pausenbedarfs berücksichtigt (vgl. vorstehend E. 4.8.4).
Die Ein
schränkungen aus psychiatrischer,
nephrologischer
und
ophthalmologischer
Sicht ergänzten sich bezüglich möglicher Pausen, es entstehe kein additiver Effekt
. Das Pensum könnte vollschichtig umgesetzt werden mit erhöhtem Pausenbedarf von 10 bis 15 Minuten pro Stunde und leicht reduziertem Rendement
(vgl. vor
stehend E. 4.8.7).
6.
6.1
Da die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar ist, wurde ein neuer Ein
kommensvergleich durchgeführt. Der Beschwerdeführer verkennt (vgl.
Urk.
1 S.
16
Ziff.
2.1), dass
diese Veränderung
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen
. Die Invalidität ist daher neu zu be
messen, d.h. in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend (
«
allseitig
»
) zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (
BGE 141 V 9
E.
2.3
).
6.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid
geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
6.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1;
134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) be
rechnet werden, wobei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenenfalls rele
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen
sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2;
128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundesgerichts 9C_887/2015 vom 12. April 2016 E. 4.2).
Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1).
Bei der Festsetzung des
Valideneinkommens
ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch ein beruflicher Aufstieg im Gesundheitsfall zu berück
sich
tigen, den eine versicherte Person normalerweise vollzogen hätte; dazu ist aller
dings erforderlich, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ohne ge
sund
heitliche Beeinträchtigung ein beruflicher Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen tatsächlich realisiert worden wären. Die Absicht, beruflich weiterzukommen, muss durch konkrete Schritte wie Kursbesuche, Ablegung von Prüfungen usw. kundgetan worden sein. Die theoretisch vorhandenen beruflichen Entwicklungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten sind nur dann zu berücksichtigen, wenn sie mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit eingetreten wären (BGE 96 V 29; AHI 1998 S. 166 E. 5a, I 287/95; RKUV 1993 Nr. U 168 S. 97 E. 3b, U 110/92; Urteil des Bundesgerichts 9C_757/2010 vom 24. November 2010 E. 4.2 mit Hin
weisen).
6.4
Da der Beschwerdeführer
nicht mehr als Hilfspfleger tätig war, ermittelte die Be
schwerdegegnerin das hypothetische
Valideneinkommen
gestützt auf die statis
tischen Werte
im Gesundheits- und Sozialwesen (LSE TA 1
Ziff.
86-88) für Männer im Kompetenzniveau 1
im Jahr 2014
(vgl.
Urk.
2 und
Urk.
7/264). Ein berufliches Fortkommen (vgl.
Urk.
1 S. 17 oben) ist nach Lage der Akten nicht überwiegend wahrscheinlich, zumal der Beschwerdeführer die
bis anhin
besteh
ende Restarbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
von 70
%
nie verwertete. Die Berechnung des hypothetischen
Valideneinkommens
ist somit nicht zu bean
standen.
6.5
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3,
135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung
,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Die Beschwerdegegn
erin
ermittelte ausgehend von den statistischen Werten im Jahr 2014 für Männer in Hilfsarbeiten im Niveau 1
(
LSE TA 1
Total) ein hypo
thetisches Invalideneinkommen von
Fr.
47'218.30 für ein Pensum von 70
%
(vgl.
Urk.
7/264), was nicht zu beanstanden
ist und vom Beschwerdeführer grund
sätz
lich nicht bestritten wird
. Jedoch rügt er einen fehlende
n
Abzug vom Tabellen
lohn (
Urk.
1 S. 17)
.
6.6
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
sch
nitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienst
jahre,
Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswir
kungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurch
schnitt
lichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beur
teilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschrän
kungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs ein
fliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil
des Bundesgerichts
9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen; vgl.
auch
Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abwei
chende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2 und
8C_808/2013 vom 14. Februa
r 2014 E. 7.1.1 mit Hinweisen).
Mit Bezug auf den behinderungs- beziehungsweise leidensbedingten Abzug ist zu beachten, dass das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum tretende qualitative oder quantitative Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit darstellt, wodurch in erster Linie das Spektrum der erwerblichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter Berück
sich
tigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versicherten Person
realistischerweise
noch in Frage kommen. Davon zu unterscheiden ist die
Ge
genstand des Abzugs vom Tabellenlohn bildende
Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage ver
glichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohnein
busse reale Chancen für eine Anstellung bestehen (Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3.1.1 mit Hinweisen).
Ist von einem genü
gend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen, können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) als ausserordentlich zu bezeichnen sind (
Urteil des Bundesgerichts 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.1 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_826/2015 vom 13. April 2016 E. 3.2.1).
Die gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, weiterhin körperlich schwere Arbeit zu verrichten, führt nicht automatisch zu einer V
erminderung
des hypothetischen Invalidenlohns. Vielmehr ist der Umstand allein, dass nur mehr leichte bis mittel
schwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 (bis LSE 2010 Anforderungsniveau 4) bereits eine Viel
zahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundes
ge
richts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.2 unter Hinweis auf 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.4 und 9C_386/2012 vom 18. September 2012 E. 5.2).
Bei Versicherten, die aus gesundheitlichen Gründen nur noch teilzeitlich erwerbs
tätig sein können, ist unter dem Titel «Beschäftigungsgrad» ein Abzug vom Tabel
lenlohn vorzunehmen, wenn Teilzeitarbeit nach der im konkreten Fall anwend
baren Tabelle vergleichsweise weniger gut
entlöhnt
wird als eine Vollzeittätigkeit (Urteil 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.2 mit Hinweisen). Dagegen recht
fertigt der Umstand, dass die versicherte Person zwar ganztags arbeitsfähig, hier
bei aber nur reduziert leistungsfähig ist, grundsätzlich keinen Abzug vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts 9C_581/2016 vom 24. Januar 2017 E. 3 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_421/2017 vom 19. September 2017 E. 2.1.1).
6.7
Unter
Berücksichtigung der vorgenannten Kriterien erscheint vorliegend ein Ab
zug nicht als angemessen, denn den Einschränkungen des Beschwerdeführers wurde mit der Reduktion des zumutbaren Leistungsvermögens bereits Rechnung getragen. Die Gutachter hielten fest, dass ihm ein vollschichtiges Pensum in einer geeigneten Tätigkeit mit einem erhöhten
Pausenbedarf von 10 bis 15 Minuten pro Stunde und leicht reduziertem Rendement
zumutbar sei (vgl. vorstehend E.
5.10), womit ein Abzug vom Tabellenlohn gemäss der vorstehend dargelegten Rechtsprechung nicht gerechtfertigt ist. Es ist auch unter Berücksichtigung der Einschränkungen des
Beschwerdeführers von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweistätigkeiten auszugehen.
6.8
Beim ermittelten Invaliditätsgrad von 22
%
besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
Die angefochtene Verfügung ist somit rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
Die Gerichtskosten nach
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
1'0
00.-- a
nzusetzen und ausgangsgemäss dem
u
nterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen.