Decision ID: ed4940b6-9a69-4834-b13a-c0739bfd99ea
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde im Mai 2003 unter Hinweis auf ein Geburtsgebrechen zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 1). Laut einem Bericht der
Klinik für Neonatologie des Universitätsspitals Zürich vom Juni 2003 litt sie an einem
atrio-ventrikulären Septumdefekt und an einer Polyglobulie (IV-act. 5). Der Kinderarzt
Dr. med. C._ wies im November 2003 auf eine Trisomie 21 hin (IV-act. 20). Wenige
Stunden nach einer Herzoperation erlitt die Versicherte einen Hirninfarkt, der zu einem
rechtsseitigen Hemisyndrom führte (IV-act. 34).
A.b Im Dezember 2011 wurde die Versicherte zum Bezug einer Hilflosenentschädigung
für Minderjährige angemeldet (IV-act. 73). Ihre Eltern machten geltend, sie sei beim An-
und Auskleiden auf eine regelmässige Hilfe angewiesen. Man müsse sie anleiten und
ihr auch direkt helfen: Der Sitz der Kleidung müsse morgens, abends und nach dem
Toilettengang kontrolliert werden. Auch beim Essen sei die Versicherte auf eine
regelmässige Hilfe angewiesen: Die Nahrung müsse in mundgerechte Stücke
geschnitten werden. Die Körperpflege könne die Versicherte nicht selbständig
verrichten. Man müsse ihr das Gesicht waschen, sie beim Zähneputzen überwachen,
sie anweisen, die Hände zu waschen und die Haare zusammen zu binden, und ihr beim
Baden und Duschen helfen. Die Versicherte könne die Notdurft nur mit Hilfe und unter
Anleitung verrichten. Ihr Unterleib und die Kleidung müssten stets kontrolliert werden.
Nachts trage sie Windeln. Im Freien könne sie sich nicht selbständig fortbewegen, da
sie Gefahren nicht oder nur schlecht erkenne und die Orientierung verliere. Den
Schulweg könne sie nur mit dem Schulbus zurücklegen. Sie müsse kontrolliert und
begleitet werden. Da ihre Atemwege zu eng seien, müsse ihre Nase täglich gepflegt
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werden. Sie erhalte prophylaktisch Spülungen. Sie leide an einer Dauerinfektion der
Nase, die behandelt werden müsse.
A.c Am 22. Februar 2012 fand eine Abklärung in der Wohnung der Eltern der
Versicherten statt (IV-act. 91). Die Abklärungsperson hielt in ihrem Bericht fest, die
rechtsseitige Lähmung betreffe nicht nur den rechten Arm, sondern auch das rechte
Bein. Die Versicherte werde beim Gehen mehrheitlich an der Hand geführt, sie könne
nicht klettern und sich nicht selbst auf eine Schaukel setzen. Das Sprachzentrum sei
durch den Hirninfarkt stark geschädigt worden. Der Muskeltonus sei allgemein
schwach. Die Versicherte benötige regelmässig Hilfe beim An- und Auskleiden; die
Kleider müssten ihr jeweils bereitgelegt werden. Aufstehen, absitzen und abliegen
könne die Versicherte selbständig. Die Nahrung müsse zerkleinert werden. Die
Körperpflege werde vollständig durch die Eltern verrichtet, da die Versicherte deren
Notwendigkeit nicht einsehe und bestimmte Teilverrichtungen infolge ihrer körperlichen
Defizite gar nicht selbständig durchführen könne. Hin und wieder nässe sie sich ein. Sie
müsse immer wieder an den Toilettengang erinnert werden. Vor und nach dem
Verrichten der Notdurft müsse ihr beim Ordnen der Kleidung geholfen werden.
Tagsüber verklemme sie den Stuhlgang, weshalb sich regelmässig Kotspuren in den
Unterhosen befänden. Treppensteigen könne die Versicherte grundsätzlich
selbständig, doch sei ihr dies nur dann im Erwachsenenschritt möglich, wenn sie sich
an einer Person halten könne. Im Freien werde die Versicherte ständig begleitet. Die
Pflege von gesellschaftlichen Kontakten sei ihr nicht möglich. Sie benötige eine
ständige Überwachung. Die Abklärungsperson bezifferte den invaliditätsbedingten
Mehraufwand auf eine Stunde und 40 Minuten (An- und Auskleiden: 20 Minuten;
Aufstehen/Absitzen/Ab¬liegen: kein Mehraufwand; Essen: 20 Minuten; Körperpflege:
35 Minuten; Verrichten der Notdurft: 23 Minuten; Begleitung zu Therapien: zwei
Minuten). Sie führte aus, zusätzlich sei eine Überwachungspauschale von zwei Stunden
zu berücksichtigen. Der Vater der Versicherten unterzeichnete den Bericht, brachte
aber diverse Anmerkungen an. Er machte geltend, der Mehraufwand für das An- und
Auskleiden belaufe sich nicht auf 20, sondern auf 25 Minuten. Seine Tochter könne
sich nicht alleine zudecken. In der Nacht müsse mindestens zweimal kontrolliert
werden, ob sie zugedeckt sei. Dafür müsse bei der Lebensverrichtung Aufstehen/
Absitzen/Abliegen eine regelmässige Hilfe von fünf Minuten berücksichtigt werden.
Beim Essen müsse ihr nicht nur für Suppen, sondern für alle Speisen ein Latz
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angezogen werden. Der Mehraufwand belaufe sich nicht auf 20, sondern auf 25
Minuten. Erledige die Versicherte den Stuhlgang tagsüber, wiesen nicht nur die
Unterhosen, sondern auch die Toilettenbrille und der Boden Kotspuren auf. Der
Mehraufwand belaufe sich auf 30 (und nicht auf 23) Minuten. Entgegen der Angabe der
Abklärungsperson benötige die Versicherte tags und nachts eine dauernde Hilfe im
Rahmen der Behandlungspflege (fünf Minuten) im Zusammenhang mit ihrer dauernd
verstopften Nase. Der Mehraufwand belaufe sich auf zwei Stunden und sieben Minuten
pro Tag. Die Abklärungsperson hielt dazu fest, dass für das nicht täglich auftretende
Einnässen zwei Minuten mehr Aufwand berücksichtigt werden könnten. Angesichts der
Einschränkung bei fünf Lebensverrichtungen liege eine Hilflosigkeit mittleren Grades
vor. Mit einem Vorbescheid vom 17. Juli 2012 teilte die IV-Stelle dem Vater der
Versicherten mit, dass sie die Zusprache einer Entschädigung bei einer Hilflosigkeit
mittleren Grades mit Wirkung ab dem 1. Januar 2007 vorsehe (IV-act. 94). Am 5.
Oktober 2012 verfügte die IV-Stelle entsprechend (IV-act. 98). Diese Verfügung
erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
A.d Am 12. Juni 2015 füllte der Vater der Versicherten einen Fragebogen zur Revision
der Hilflosenentschädigung aus (IV-act. 132). Er gab an, der Gesundheitszustand seiner
Tochter habe sich verbessert, nachdem im November 2013 eine Halsmandeloperation
durchgeführt worden sei. Die Versicherte sei beim An- und Auskleiden, beim Essen, bei
der Körperpflege, bei der Verrichtung der Notdurft, bei der Fortbewegung und bei der
Pflege gesellschaftlicher Kontakte auf eine regelmässige Dritthilfe angewiesen.
Tagsüber benötige sie zudem eine andauernde Pflege. Sie sei nicht auf eine
persönliche Überwachung angewiesen. Am 20. Juni 2015 gab der Kinderarzt Dr. med.
D._ an, diese Angaben des Vaters der Versicherten stimmten mit seinen eigenen
Feststellungen überein (IV-act. 137). Anlässlich einer telefonischen Abklärung gab der
Vater der Versicherten am 20. Juli 2015 an (IV-act. 143), der Allgemeinzustand seiner
Tochter entspreche ungefähr noch jenem im Jahr 2012. Die Versicherte sei weiterhin
auf eine regelmässige Hilfe beim An- und Auskleiden angewiesen. Sie könne
selbständig aufstehen, absitzen und abliegen. Das Zudecken werde meist als Ritual
von den Eltern übernommen. Weiterhin könne die Versicherte nicht mit dem Messer
umgehen, weshalb sie nur in mundgerechte Stücke geschnittene Nahrung zu sich
nehmen könne. Die Körperpflege und die Verrichtung der Notdurft seien ohne eine Hilfe
der Eltern nicht durchführbar. Bei der Fortbewegung sei die Versicherte ebenfalls
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weiterhin auf eine regelmässige Hilfe angewiesen. Unverändert benötige sie auch eine
persönliche Überwachung. Der Vater der Versicherten unterzeichnete diesen
Abklärungsbericht, wies aber darauf hin, dass seine Tochter auch beim Abliegen und
Absitzen auf eine regelmässige Hilfe angewiesen sei. Er führte aus, die Versicherte
müsse nach wie vor von den Eltern zugedeckt werden. Sie falte die Bettdecke nicht
auseinander und wäre nur unzureichend zugedeckt, wenn die Eltern ihr nicht helfen
würden. Auch beim Absitzen habe sie Mühe. Sie könne zwar einen Kinderstuhl
benutzen, sich aber nicht nah genug an den Tisch setzen. Auch wenn sie einen
Erwachsenenstuhl benutze, müsse sie von den Eltern an den Tisch geschoben werden.
A.e Mit einer Mitteilung vom 5. August 2015 eröffnete die IV-Stelle dem Vater der
Versicherten, dass weiterhin ein Anspruch auf eine Entschädigung bei einer
mittelgradigen Hilflosigkeit bestehe (IV-act. 145). Sie führte aus, hinsichtlich der
Hilflosigkeit bei der alltäglichen Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen sei
irrelevant, ob die Versicherte den Stuhl zum Tisch ziehen könne. Das Zudecken sei
bereits bei der Überwachungspauschale berücksichtigt. Dagegen wandte der Vater am
31. August 2015 ein (IV-act. 147), das Zubettgehen erfolge ritualisiert, doch auch ohne
das allabendliche Ritual würde sich die Versicherte nur unzureichend zudecken. Die
Bettdecke müsse aufgefaltet und die Versicherte müsse zugedeckt werden. Das
dauere zwei Minuten. Mindestens einmal pro Nacht müsse kontrolliert werden, ob die
Versicherte richtig zugedeckt sei, was nochmals eine Minute dauere. Sie könne zwar
selbständig absitzen, sich aber nicht an einen Tisch setzen. Sie verfüge weder über die
motorischen noch über die kognitiven Fähigkeiten, die erforderlich seien, um sich mit
dem Stuhl an den Tisch zu rücken. Die Hilfe beim Einnehmen der richtigen Sitzposition
nehme jeweils zwei Minuten in Anspruch. Zum Aufstehen stosse sich die Versicherte
mitsamt dem Stuhl vom Tisch weg, was alles andere als altersgerecht sei. Er
beantragte eine Erhöhung der Hilflosenentschädigung und für den Fall, dass seinem
Antrag nicht stattgegeben werde, ersuchte er um die Zustellung eines anfechtbaren
Vorbescheides (recte: Verfügung). Eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle notierte am 9.
September 2015 (IV-act. 151), beim Zudecken handle es sich nicht um eine erhebliche
Hilfestellung. Auch das Heranschieben des Stuhles an den Tisch stelle keine erhebliche
Hilfestellung dar, denn das dauere jeweils nur ein, zwei Sekunden. Am 11. September
2015 führte eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle ein Telefonat mit der Schule der
Versicherten (IV-act. 152). Diese Abklärung ergab, dass die Versicherte auch in der
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Schule Mühe zeigte, sich an einen Tisch zu setzen. Eine Drittperson müsse sie jeweils
noch ganz an den Tisch schieben. Teilweise sei eine verbale Aufforderung notwendig,
damit die Versicherte wieder aufstehe. Am 23. Oktober 2015 erliess die IV-Stelle, wie
vom Vater der Versicherten beantragt, eine Verfügung, mit der sie das Begehren um die
Erhöhung der Hilflosenentschädigung ablehnte (IV-act. 165).
B.
B.a Am 24. November 2015 erhob der Vater der Versicherten (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 23. Oktober 2015
(act. G 1). Er beantragte die Erhöhung auf eine Entschädigung bei einer schweren
Hilflosigkeit. Zur Begründung führte er aus, seine Tochter müsse jeden Abend
zugedeckt werden. Jede Nacht müsse kontrolliert werden, ob sie noch zugedeckt sei.
Ein gleichaltriges, aber gesundes Mädchen würde sich nicht mehr von den Eltern zu
Bett bringen lassen, sondern sich eher im Wohnzimmer verabschieden. Die Versicherte
könne sich nicht an einen Tisch setzen. Deshalb sei es ihr auch nicht selbständig
möglich, eine ergonomische Sitzposition einzunehmen. Sie könne nicht richtig vom
Tisch aufstehen und sei auch nicht in der Lage, sich im Auto selbständig
abzuschnallen. Die letzte Abklärung liege nun dreieinhalb Jahre zurück. Die
Abklärungsergebnisse seien veraltet. Ein gesundes Kind wäre in dieser Zeit schon sehr
viel selbständiger geworden.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 19. Januar
2016 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, es
liege kein Revisionsgrund vor, der eine Erhöhung der Hilflosenentschädigung erlauben
würde. Zudem benötige die Beschwerdeführerin nur geringfügige Hilfestellungen im
Bereich Aufstehen/Absitzen/Abliegen, weshalb diesbezüglich keine Hilflosigkeit
vorliege.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 23. Februar 2016 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 8). Ihr Vater führte aus, die Beschwerdegegnerin habe sich gar nicht mit seiner
Argumentation in der Beschwerdeschrift auseinander gesetzt, sondern auf
Stellungnahmen des Fachbereichs verwiesen, womit sie den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt habe. Das allein müsse schon zur
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Aufhebung der angefochtenen Verfügung führen. Entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin liege ein Revisionsgrund vor, denn die Entwicklung der
Beschwerdeführerin sei weniger rasch als jene bei einer gesunden Gleichaltrigen
verlaufen.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).
B.e Am 13. September 2016 wies das Versicherungsgericht den Vater der
Beschwerdeführerin darauf hin (act. G 11), dass die Beschwerdegegnerin den
Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt haben könnte, weil sie
ihr die Telefonnotiz vom 11. September 2015 nicht zur Kenntnis- und Stellungnahme
zugestellt habe. Das Gericht bot der Beschwerdeführerin die Möglichkeit, auf der
Behebung eines entsprechenden Formmangels zu bestehen oder der materiellen
Erledigung den Vorzug zu geben. Der Vater der Beschwerdeführerin antwortete am 14.
September 2016, er bevorzuge eine materielle Leistungsprüfung und sei bereit, einen
allfälligen Formmangel zu ignorieren (act. G 12).

Erwägungen
1.
1.1 Verlangt die versicherte Person als Adressat einer Mitteilung (Art. 74quater Abs. 1
IVV) den Erlass einer anfechtbaren Verfügung und entspricht diese Verfügung dann
inhaltlich der Mitteilung, so erfüllt die Mitteilung in der Regel die Aufgabe des
Vorbescheides (Art. 57a Abs. 1 IVG), so dass der versicherten Person kein Vorbescheid
mehr zugestellt werden muss, also direkt die Verfügung erlassen werden kann. Hat das
Begehren der versicherten Person um den Erlass einer anfechtbaren Verfügung aber
zur Folge, dass die IV-Stelle weitere Sachverhaltsabklärungen vornimmt oder dass sie
neue rechtliche Gesichtspunkte einfliessen lässt, so kann die Mitteilung die Aufgabe
des Vorbescheides nicht erfüllen. Die versicherte Person muss nämlich über die
nachträglich vorgenommenen Sachverhaltsabklärungen oder über die neuen
Gesichtspunkte der Beurteilung informiert werden und sie muss die Möglichkeit haben,
dazu Stellung zu nehmen. Das kann nur durch einen Vorbescheid erreicht werden. Die
Beschwerdegegnerin hat nach dem Eingang des Begehrens um den Erlass einer
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anfechtbaren Verfügung eine Auskunft der Schule zu einem allfälligen Bedarf der
Beschwerdeführerin nach Hilfe beim Aufstehen und Absitzen eingeholt. Deshalb hätte
sie vor dem Erlass der anfechtbaren (und nun angefochtenen) Verfügung einen
Vorbescheid erlassen müssen. Das hat sie rechtswidrigerweise unterlassen.
1.2 An sich muss eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör im
Verwaltungsverfahren (Art. 42 ATSG) – und damit auch der Vorbescheidspflicht – stets
zur Aufhebung jener Verfügung führen, mit der das Verfahren abgeschlossen worden
ist, in dem es zu einer derartigen Pflichtverletzung gekommen war. Die Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör bzw. auf einen Vorbescheid stellt nämlich eine
Rechtswidrigkeit dar, die nur dadurch behoben werden kann, dass das Verfahren
nochmals – nun aber korrekt – durchgeführt und mit einer neuen Verfügung
abgeschlossen wird. In Anbetracht der „zudienenden“ Funktion des Verfahrensrechtes
besteht aber praxisgemäss im Interesse einer raschen materiellen Beurteilung die
Möglichkeit, eine formelle Rechtswidrigkeit nicht zum Anlass zu nehmen, die Verfügung
aufzuheben und die Sache zu einem formell korrekten Ablauf des Verfahrens an die
Verwaltung zurückzuweisen (missverständlich als „Heilung“ bezeichnet). Da nur die
versicherte Person ein Interesse an einem raschen materiellen Abschluss des
Verfahrens haben kann, kann auch nur sie allein darüber entscheiden, ob eine formelle
Rechtswidrigkeit direkt zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung führen solle.
Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch der Beschwerdeführerin auf
rechtliches Gehör verletzt. Sie hat nämlich weitere Abklärungen getätigt, nachdem die
Beschwerdeführerin Einwände gegen die Mitteilung vom 5. August 2015 erhoben hatte.
Anschliessend hat sie direkt verfügt, ohne der Beschwerdeführerin die Möglichkeit
einzuräumen, Stellung zu den Ergebnissen dieser weiteren Abklärungen zu nehmen.
Nun hat die Beschwerdeführerin aber ausdrücklich erklärt, nicht an einer Aufhebung
der angefochtenen Verfügung aus formellen Gründen, sondern vielmehr an einer
raschen materiellen Beurteilung interessiert zu sein. Folglich führt die Gehörsverletzung
nicht zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung.
2.
2.1 Schon vor der ursprünglichen Leistungszusprache im Oktober 2012 hatte der Vater
der Beschwerdeführerin geltend gemacht, diese müsse abends von den Eltern
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zugedeckt werden, da sie sich nicht selbst ordentlich zudecken könne. Nachts müsse
mindestens einmal kontrolliert werden, ob die Beschwerdeführerin noch richtig
zugedeckt sei. Die Beschwerdeführerin könne sich zudem nicht selbständig an einen
Tisch setzen (vgl. IV-act. 91–5). Damals war die Beschwerdeführerin neun Jahre alt
gewesen. Gesunde neunjährige Kinder sind in der Lage, sich selbständig zuzudecken.
Verrutscht die Bettdecke in der Nacht, können sie sich ohne die Hilfe der Eltern wieder
selbst richtig zudecken. Zudem können sie sich selbständig an einen Tisch setzen. Sie
können einen gewöhnlichen Stuhl benutzen und diesen ohne Hilfe an den Tisch rücken.
Das bedeutet, dass der Vater der Beschwerdeführerin im ursprünglichen Verfahren, das
im Oktober 2012 mit der erstmaligen Zusprache einer Hilflosenentschädigung geendet
hatte, hinsichtlich der alltäglichen Lebensverrichtung des Aufstehens, Absitzens und
Abliegens einen behinderungsbedingten Bedarf an regelmässiger Dritthilfe geltend
gemacht hatte. Die von ihm angegebenen Hilfestellungen waren also nicht auf eine
„normale“ entwicklungsbedingte Hilflosigkeit im Kindesalter, sondern ausschliesslich
auf die Gesundheitsbeeinträchtigung seiner Tochter zurückzuführen. Die
Beschwerdegegnerin hatte diesen Hilfebedarf allerdings nicht als erheblich qualifiziert
und deshalb keine relevante Hilflosigkeit hinsichtlich der Lebensverrichtung des
Aufstehens, Absitzens und Abliegens anerkannt. Da folglich nicht für sämtliche
alltägliche Lebensverrichtungen eine relevante Hilflosigkeit anerkannt war, hatte nur
eine Entschädigung bei einer mittelgradigen Hilflosigkeit und nicht eine solche bei einer
schwergradigen Hilflosigkeit zugesprochen werden können (Art. 37 Abs. 1 IVV). Die
entsprechende Verfügung vom 5. Oktober 2012 ist unangefochten in formelle
Rechtskraft erwachsen und damit verbindlich geworden.
2.2 Im Revisionsverfahren (Art. 17 Abs. 2 ATSG), das mit der angefochtenen Verfügung
vom 23. Oktober 2015 abgeschlossen worden ist, hat der Vater der
Beschwerdeführerin wiederum geltend gemacht, seine Tochter müsse regelmässig an
den Tisch geschoben und abends zugedeckt werden; zudem müsse nachts die Lage
der Bettdecke kontrolliert werden (IV-act. 142). Seinen Angaben zufolge hatte sich der
rechtlich relevante Sachverhalt seit der Leistungszusprache im Oktober 2012 also nicht
verändert. Ohne eine solche Sachverhaltsveränderung hat aber kein Revisionsgrund
vorgelegen, weshalb die Hilflosenentschädigung nicht in Anwendung des Art. 17 Abs. 2
ATSG hat erhöht werden können. Soweit die Eingabe des Vaters der
Beschwerdeführerin vom 29. Juli 2015 (IV-act. 142) auf eine anderslautende
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Beurteilung des unveränderten Sachverhaltes abgezielt hat, ist ihr die verbindliche
Verfügung vom 5. Oktober 2012 entgegen gestanden (vgl. UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 17 N 26, mit Hinweisen). Bei dieser Eingabe könnte es
sich allerdings auch um ein Wiedererwägungsgesuch gehandelt haben, mit dem der
Vater der Beschwerdeführerin eine Korrektur der von ihm als zweifellos unrichtig
erachteten Verfügung vom 5. Oktober 2012 bezweckt hätte (vgl. Art. 53 Abs. 2 ATSG).
Die Beschwerdegegnerin hat die Eingabe aber nicht unter diesem Aspekt geprüft, so
dass die angefochtene Verfügung vom 23. Oktober 2015 offensichtlich kein
Wiedererwägungsverfahren abgeschlossen hat, sondern eine reine Revisionsverfügung
gewesen ist. Als solche erweist sie sich angesichts des unverändert gebliebenen
Sachverhaltes als rechtmässig.
3.
Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. Die Beschwerdeführerin hat nach wie vor
einen Anspruch auf eine Entschädigung bei einer mittleren Hilflosigkeit. Da zweifelsfrei
feststeht, dass der massgebende Sachverhalt unverändert geblieben ist, und da die
Rechtslage hinsichtlich der Voraussetzungen für eine revisionsweise
Leistungsanpassung eindeutig ist, kann dieser Entscheid einzelrichterlich gefällt
werden (Art. 17 Abs. 2 GerG; Art. 19 Abs. 2 OrgV). Die angesichts des der
einzelrichterlichen Beurteilung entsprechenden unterdurchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 400 Franken festzusetzenden Gerichtskosten sind der
unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Diese Gebühr ist durch den von ihr
geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Der Restbetrag von 200
Franken wird ihr zurückerstattet.