Decision ID: 39227a66-82ee-4baf-a9a7-b1d0d5bc27bd
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1964 geborene
X._
verfügt über die
vor dem Hanseatischen Ober
landesgericht Hamburg abgelegte
Staatsprüfung der einstufigen Juristen
ausbil
dung mit Befähigung zum Richteramt und zum höheren Verwaltungsdienst (Urk. 8/4/13)
und war
in der Schweiz
zuletzt als Praktikantin im Bereich (Klein
)Kinder
erziehung tätig (Urk. 8/4/1-2
, Urk. 8/25
)
. Am 3
0.
September 2015 (Eingangs
datum) meldete sie sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 8/5).
Nach ersten medizinischen Abklärungen (Urk. 8/13) erliess
diese
am 1
1.
Januar 2016 einen negativen Vor
bescheid (Urk. 8/15). Auf entsprechenden Einwand hin (Urk. 8/20 und Urk. 8/24) holte
die IV-Stelle
im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
diverse Arztberichte ein (Urk. 8/32, Urk. 8/34). Mit Verfügung vom 2
7.
April 2017 (Urk. 2 [=Urk. 8/
50])
wies sie das Leistungsbegehren ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
1.
Juni 2017 Beschwerde (Urk. 1) und liess beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihr die gesetz
lichen Leistungen
, namentlich eine Invalidenrente,
auszurichten. Eventua
li
ter sei die Sache zu weiteren medizinischen Abklärungen,
sub
eventualiter
zur Abklärung beruflicher Mass
nahmen an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Pro
zessführung und
Verbeiständung
sowie die Durchführung eines zweiten Schrif
tenwechsels.
Mit Beschwerdeantwort vom
6.
Juli 2017 schloss die Beschwerde
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung v
om 1
4.
Juli 2017 (Urk. 12) angezeigt w
u
rd
e
. Gleichzeitig hielt das Gericht fest, es erachte einen
zweite
n
Schriftenwechsel
nicht für angezeigt
.
Mit Verfügung vom 20.
August 2018 (Urk. 13) wurde die Beschwer
de
führerin dazu aufgefordert, die von ihr lediglich auszugsweise ein
gereichte Beilage Nr. 3 zur Beschwerdeschrift (Urk. 3/3) vollständig einzureichen. Mit Schreiben vom 1
1.
Sep
tember 2018 (Urk. 15)
legte die Beschwerdeführerin
Urk.
16 auf
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver
lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
gliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbs
unfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwer
defall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
ben
enfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
1.4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbs
tätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sach
entscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachli
chen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Ver
si
cherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungs
ergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
ge
wisser
massen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Ver
wal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu ent
schei
den haben
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kommt den RAD-Berichte
n
nach Art. 49 Abs. 2
IVV, die den al
lgemeinen beweisrechtlichen An
forderungen an einen ärztlichen Bericht genügen
(BGE 134 V 231 E. 5.1; vgl. E. 1.4.1 vorstehend
), Beweiswert zu (BGE 137 V 210 E. 1.2.1, 135 V 254 E. 3.3.2; Urteile des Bundes
ge
richts 8C_120/2014 vom
8.
Juli 2014 E. 4.1 und 9C_28/2015 vom
8.
Juli 2015 E.
3.2, je mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) erwog die Beschwerdegegnerin, die Arbeits
unfähigkeit der Beschwerdeführerin sei in deren Alkoholabhängigkeit begründet
, womit
keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vor
liege
. Es würden keine Diagno
sen und Befunde vorliegen, welche die Arbeitsfähigkeit
dauerhaft
einschränken würden. Ein somatischer Gesundheitsschaden sei nicht ausgewiesen. Bei adäqua
ter konsequenter Physiotherapie und Alkoholabstinenz sei von einer Besserung des Gesundheitszustandes mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die Beschwerdeführerin habe sich im Rahmen der Schadenminderungspflicht ent
sprechenden medizinischen Massnahmen zu unterziehen.
2.2
Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor (Urk. 1), die medizinische Situation sei unzureichend abgeklärt worden. Es bestünden diverse Beschwerden, welche die Arbeitsfähigkeit einschränk
t
en. Im Übrigen könne auf die Stellungnahme des RAD nicht abgestellt werden, da es sich um eine reine Aktenbeurteilung handle, an welcher aufgrund der unzureichenden zugrunde
liegenden Dokumentation Zweifel zu erheben seien.
Die Beschwerde
gegnerin
sei ihrer Abklärungspflicht nicht nachgekommen.
Auch mit Bezug auf berufliche Massnahmen seien entsprechende Abklärungen vorzunehmen und es seien solche zu gewähren respektive durchzuführen.
Zudem sei die Auferlegung einer Schaden
minderungspflicht, bei gleichzeitiger Negierung eines invalidisierenden Gesundheitsschadens widersprüchlich; ausserdem nehme die Beschwerdeführerin die entsprechenden medizinischen Massnahmen bereits wahr, weshalb auf die Auferlegung einer Schadenminderungspflicht zu verzichten sei.
3.
3.
1
Im Sommer 2004 war die Beschwerdeführerin zum somatischen Alkoholentzug in der
Y._
hospitalisiert. Die Klinikärzte diagnostizierten ein
Alkoholabhängigskeitssyndrom
(ICD
10 F10.2) und äusserten einen Verdacht auf eine Persönlichkeit mit selbstunsicheren und ängstlich vermeidenden Zügen (ICD
10 F61.0)
(Urk. 8/34/28-30 und Urk. 8/34/36).
Im Februar 2007 wurde die Beschwerdeführerin durch ihren Hausarzt aufgrund einer akuten Alkoholintoxikation mit Selbstgefährdung der
Z._
zu einem fürsorgerischen Freiheitsentzug zugewiesen. Die Klinikärzte notierten al
s Diagnosen eine a
kute Alkoholintoxikation (ICD
10 F10.0) sowie eine Störung durch
Alkoholabhängigskeitssyndrom
, gegen
wärtig abstinent aber in ärztlicher Ü
berwachung (ICD
10 F19.21)
.
Während des Aufenthaltes erfolgte ein
Alkoholentzug, wodurch sich die bei Eintritt bestehen
den kognitiven Auffälligkeit
en rasch bessert
en
. Eine dauerhafte
Alkohol
abstinenz lehnte die Beschwerdeführerin allerdings ab
(Urk. 8/34/18-21).
Im September 2007 war die Beschwerdeführerin im
A._
hospitali
siert, da sie sich in betrunkenem Zustand eine Schnittverletzung am Fuss zuge
zogen hatte
.
Die Ärzte stellten fest, dass ein chronischer
Alkoholabusus bestehe. Im Rahmen des stationären Aufenthalts wurde ein Alkoholentzug mit Entzugs
prophylaxe durchgeführt (Urk. 8/34/11-13, Urk. 8/34/35).
3.
2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
seit September 2011 Hausarzt der Beschwerdeführerin,
führte in seinem Bericht vom
2.
Januar 2016 (Urk. 8/13) aus,
bei der Beschwerdeführerin bestünden Störungen infolge eines Alkoholabhängigkeits-Syndroms sowie eine leichte
Antrumgastritis
und ein Status nach Hysterektomie. Die Alkoholkrankheit mit intermittierenden Depression
en
bestehe seit vielen Jahren. Eine Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh
rerin nahm
Dr.
B._
nicht vor.
D
ie bisherige Tätigkeit erach
tete er als eher nicht mehr zumutbar
, während er
zu einer angepassten Tätig
keit
keine
Beurteilung abgeben
konnte
.
3.
3
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatologie,
D._
, nannte in ihrem Bericht vom 2
8.
Oktober 2016 (Urk. 8/44) als Diagnose ein belastungs
abhängiges
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom sowie eine Osteopenie. Sie verordnete der Beschwerdeführerin Physiotherapie und medizinische Trainings
the
rapie. Ausserdem empfahl sie eine Östrogensubstitution, zusätzlich
eine
Kal
zium-Vitamin D3 Prävention und eine Sistierung des Alkoholkonsums.
E
ine Einschrän
kung der Arbei
t
sfähigkeit
attestierte sie nicht
.
3.
4
In seiner Stellungnahme vom
9.
März 2017 (Urk. 8/48/4 f.)
hielt
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, RAD, gestützt a
uf die vorhandenen Arztberichte
fest
, bei der Beschwerdeführerin bestünden keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Er führte aus, dass aufgrund der Rückensymptomatik keine schweren körperlichen Arbeiten mit Zwangshaltungen möglich seien, was aber für die angestammte Tätigkeit als Juristin keine Einschränkungen bewirke. Auf
grund des Alkoholkonsums sei die Beschwerdeführerin seit 2006 nur einge
schränkt arbeitsfähig. Bei einer Sistierung des Alkoholkonsums könne eine massive Verbesserung des Gesundheitszustands erreicht werden. Die Alkoholab
hängigkeit stelle keinen invaliden
versicherungs
rechtlich relevanten Gesundheits
schaden dar.
4.
4.1
Alkoholismus und Medikamentenmissbrauch (wie auch Drogensucht) begründen nach ständiger Rechtsprechung keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird eine solche Sucht invalidenversicherungsrechtlich erst bedeutsam, wenn sie ihrerseits eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein kör
perlicher oder geistiger die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheits
scha
den eingetreten ist, oder aber wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, welchem Krankheitswert zukommt (vgl.
BGE 124 V 265
E. 3c; AHI 2002 S. 30, I 454/99 E. 2a).
4.2
Die aufliegenden Akten weisen ohne Zweifel eine schwere
,
primäre
Alkoholsucht der Beschwerdeführerin aus.
So erfolgte bereits 2004 eine Hospitalis
ierung
infolge des A
bhängig
keitssyndroms
und i
m Jahr 2007
war ein stationärer Alko
hol
entzug
auf
grund akute
r
Alkoholintoxikation
zweimal
erforderlich
(E.
3.
1
).
Auch der Hausarzt der Beschwerdeführerin berichtete über eine seit vielen Jahren bestehende Alkohol
such
t
problematik (E. 3.
2
). Die gesundheitliche Beein
trächti
gung auf
grund von Alkoholismus ist vorliegend augenfällig.
Hin
weise auf wei
tere Erkrankungen
-
nebst der Alkoholsucht -
,
liessen
sich
anlässlich der Abklä
rungen durch die Beschwerdegegnerin
nicht erhärten.
So blieb insbe
sondere
der 2004 geäusserte
Verdacht auf eine Persönlichkeit mit selbst
unsiche
ren und ängst
lich vermeiden
den Zügen (ICD
10 F61.0)
in den späteren medizi
nischen Unterla
gen
un
erwähnt. Es blieb bei einer blossen Verdachtsdiagnose, welche einen inva
liden
versicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden nicht
zu begründen vermag
.
Z
udem
ist
anzumerken, dass Persönlichkeits
störungen immer in der Kindheit oder Jugend beginnen und sich auf Dauer im Erwachsenenalter mani
festieren
(vgl. die klinisch-diagno
s
tischen Leitlinien der Internatio
nalen Klassifi
kation psychischer Gesundhei
ts
störungen der Welt
gesund
heitsorganisa
tion, ICD
10 Kapitel V [F],
Dilling
/
Mom
bour
/
Schmidt [Her
aus
geber], 1
0.
Auflage, Bern 2015, S. 276 f.).
Dass die Beschwerde
führerin in ihrer Kindes- und Jugendzeit eine Persönlich
keitsstörung entwickelt haben soll, wider
spricht aber bereits ihre
n
eigenen Angabe
n,
wonach sie eine normale und schöne Kindheit verbracht habe (Urk. 8/34/19, Urk. 8/34/29).
Auch d
ie von der Beschwerde
führerin vorgebrach
ten Beschwerden wie etwa inter
mittierende Depression (Urk. 1 S.
4)
, Gang
unsi
cher
heit
, Konzentrationseinbussen und Schwindel (Urk. 1 S. 7)
sind ohne weiteres mit
der Alkoholsucht
in Einklang zu bringen. Jedenfalls
deuten
sie
nicht auf eine weitere
, eigenständige
Erkrankung hin, zumal eine solche von den behande
l
nden Ärzten nie festgestellt wurde, sondern
stets ausschliesslich über den Al
koholmiss
brauch
berichtet wurde.
E
ine zeitweilige Alkoholabstinenz
führte denn auch
unmittelbar
zu einer Besserung der gesundheitlichen Beschwerden (vgl. E. 3.
1
)
.
Die IV-Stelle kam
angesichts dieser
Aktenlage
mit der Einholung der aufliegen
den Arztberichte ihrer Unter
s
uchungs
pflicht vollumfänglich nach
und eine Ver
letzung der Abklärungspflicht – wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht
kann nicht festgestellt werden.
4.3
Sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die Beur
teilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt
, können auch reine Aktengutachten beweiskräftig sein. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen regionaler ärztlicher Dienste (Urteil des Bundesgerichts 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1
m.w.H
.
)
. Vor
liegend handelt es sich
bei der Stellungnahme des RAD (E. 3.
4
) um
eine solche Beurteilung eines feststehe
nden medizinischen Sach
verhalts.
Die Ausführungen des
RAD-Arzt
es
Dr.
E._
sind einleuchtend und seine Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet, weshalb seine Stellung
nahme beweiskräftig ist. Sein Schluss
, es liege bei der Beschwerde
führerin keine invalidenversicherungsrecht
lich relevante Gesund
heits
schädigung vor, ist vor dem Hintergrund de
s Gesagten nicht zu beanstanden
,
begründet ein reines Suchtgeschehen doch keine Invalidi
tät im Sinne des Gesetzes (E. 4.1).
4.4
Hieran vermögen die Einwände der Beschwerdeführerin nicht
s
zu ändern.
So wirkt sich das durch
Dr.
C._
diagnostizierte
lumbovertebrale
Schmerz
syndrom
(E. 3.
3
)
-
wie durch den RAD-Arzt nachvollziehbar
dargelegt
(E. 3.
4
)
-
offensichtlich
nicht auf die angestammte Tätigkeit der Beschwer
de
führerin als Juristin aus.
Ebenso wenig lässt sich gestützt auf die CT-Abklärung des
Neurokraniums
vom 3
0.
Januar 2013 (
Urk.
16 S. 2) eine relevante gesund
heitliche Einschränkung belegen, liess sich mit der genannten Untersuchung doch einzig eine leicht über das Altersmass (der Beschwerdeführerin) hinausgehende Veränderung nachweisen. Die Ärzte der
A._
sahen denn auch keine Veranlassung, in ihrem Bericht vom 1
3.
Februar 2013 die Diagnose einer (leichtgradigen) Hirnatrophie zu nennen. Aus dem Bericht erschliesst sich demgegenüber, dass eine intrazerebrale Blutung (als mögliche Ursache der anamnestisch rezidivierenden Stürzen) computertomographisch hatte ausgeschlossen werden können, die
Abdomensonographie
sich weitgehend unauffällig präsentierte und Hinweise auf eine portal-venöse Hypertonie fehlten, während - erneut - eine Alkoholentzugstherapie zu installieren war (
Urk.
16).
Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich monieren lässt, es sei widersprüchlich, einerseits eine IV-Relevanz der gesundheitlichen Leiden zu verneinen, anderer
seits aber eine Schadenminderungspflicht aufzuerlegen (
Urk.
1 S. 11), kann ihr nicht gefolgt werden. Dass der RAD angesichts des reinen Suchtgeschehens eine
Abstinenz zur Prophylaxe möglicher Folgeschäden dringend empfahl (Urk. 8/48/5), ist nicht widersprüchlich, sondern
gegenteils
folgerichtig.
4.5
Zusammengefasst ist ein invaliden
versicherungsrechtlich relevanter Gesund
heits
schaden
nicht
ausgewiesen.
Es
be
steht daher kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung, weder auf eine Rente noch auf berufliche Mass
nahmen.
D
ie Beschwerde
ist daher abzuweisen
.
5.
5.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt (
Urk. 10+11
). Antragsgemäss (Urk. 1) ist der Beschwerdeführerin deshalb die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und die unentgeltliche Rechtsvertretung in der Person von Rechts
an
walt Martin Hablützel zu gewähren.
5.2
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
siche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und
unab
hän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
legt
.
Vorliegend erw
eist sich eine Kostenpauschale von
Fr. 6
00.
--
als angemessen.
Ausgangsgemäss
ist diese de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, zufolge Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5
.3
Da zudem die anwaltliche Vertretung de
r Beschwerdeführerin
geboten war, ist ih
r
Rechtsanwalt
Martin Hablützel
als unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen. Eine Honorarnote wurde nicht eingereicht, womit die Entschädigung nach Ermessen festzusetzen ist. Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses ist eine
Entschädigung in Höhe von Fr. 1
‘
2
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) angemessen.
D
ie
Beschwerdeführer
in
ist auf
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozial
versiche
rungsgericht,
GSVGer
,
hinzuweisen, wonach
sie
zur Nachzahlung der Prozess
kosten
und der Auslagen für die unentgeltliche Rechtsvertretung
ver
pflichtet ist, sobald
sie
dazu in der Lage ist.