Decision ID: b58afc73-1a54-4345-89c7-e9111eca76c6
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 15.11.2009 Art. 57a Abs 1 IVG; Art. 73bis Abs. 1 IVV; Art. 87 Abs. 3 und 4 IVV. Vorbescheid. Auch einer Verfügung, mit der auf eine Neuanmeldung nicht eingetreten wird, hat ein Vorbescheid vorauszugehen. Nur so wird der Gesuchsteller in die Lage versetzt, rechtzeitig alle Unterlagen einzureichen, mit denen er die behauptete Sachverhaltsänderung glaubhaft machen will. Keine Heilung der Gehörsverletzung im Beschwerdeverfahren (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. November 2009, IV 2009/108).
Art. 57a Abs 1 IVG; Art. 73 Abs. 1 IVV; Art. 87 Abs. 3 und 4 IVV. Vorbescheid.
Auch einer Verfügung, mit der auf eine Neuanmeldung nicht eingetreten wird, hat
ein Vorbescheid vorauszugehen. Nur so wird der Gesuchsteller in die Lage
versetzt, rechtzeitig alle Unterlagen einzureichen, mit denen er die behauptete
Sachverhaltsänderung glaubhaft machen will. Keine Heilung der
Gehörsverletzung im Beschwerdeverfahren (Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 15. November 2009, IV 2009/108).
Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterin Marie Löhrer,
Versicherungsrichter Franz Schlauri; Gerichtsschreiberin Andrea Keller
Entscheid vom 15. November 2009
in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
bis
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gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente (Nichteintreten)
Sachverhalt:
A.
A.a M._, geboren 1948, meldete sich erstmals im Jahr 1994 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an (act. G 4.1/26), zog die Anmeldung jedoch
wieder vorbehaltlos zurück (act. G 4.1/23). Am 2. Juni 1999 erfolgte eine erneute
Anmeldung bei der IV wegen Beschwerden in der Lendenwirbelsäule (act. G 4.1/21). Im
Auftrag der IV wurde der Versicherte am 12. August 1999 durch Dr. med. A._,
Orthopädie FMH / Sportmedizin, untersucht. Mit Gutachten vom 13. August 1999
diagnostizierte Dr. A._ eine Spondylolyse L5 beidseits mit Spondylolisthesis L5/S1
Grad II, eine Osteochondrose der LWS und eine wahrscheinlich beginnende
Coxarthrose links. Nach Einschätzung von Dr. A._ betrage die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Plattenleger noch 66 %, eine Tätigkeit mit
Wechselbelastung ohne regelmässiges Heben von schweren Lasten könnte zu 100 %
ausgeübt werden (act. G 4.1/13). Gestützt auf dieses Gutachten ermittelte die
Sozialversicherungsanstalt (SVA) des Kantons St. Gallen, IV-Stelle, mit Verfügung vom
27. März 2000 einen Invaliditätsgrad von 11 % und wies das Leistungsbegehren ab
(act. G 4.1/2).
A.b Am 9. Juli 2002 erfolgte eine erneute Anmeldung bei der IV, wiederum wegen
Rückenbeschwerden (act. G 4.1/27). Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am
12. Februar 2003 durch Dr. med. B._, FMH Physikalische Medizin, untersucht. Mit
Gutachten vom 14. Februar 2003 stellte Dr. B._ folgende Diagnosen: Chronisches
Lumbovertebralsyndrom mit intermittierender spondylogener Ischialgie rechts bei
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Spondylolyse mit Olisthesis L5 gegen S1 von 1.5 cm, deutlicher Osteochondrose L5/
S1 und beginnender Chondrose und Spondylose L2/3, Linksskoliose; rezidivierendes
Cervicalsyndrom bei degenerativen Veränderungen C5 - C7; beginnende Coxarthrose
links; leichte PHS rechts, Supraspinatussyndrom und leichte laterale Epicondylitis
rechts; anamnestisch Migräneanfälle seit der Kindheit; beginnende DIP-Arthrosen,
asymptomatisch (act. G 4.1/45). Zur Arbeitsfähigkeit führte Dr. B._ aus, der
Versicherte leide an multiplen Veränderungen im Bewegungsapparat sowohl an der
Lendenwirbelsäule als auch am Nacken und der linken Hüfte. Zudem habe er
belastungsabhängige weichteilrheumatische Beschwerden in der rechten Schulter und
im rechten Ellbogen. Bei diesen multiplen, teils degenerativ, teils
überlastungsbedingten Schmerzen sei der Versicherte für einen schwer belastenden
Beruf nicht geeignet. Als Plättlileger sei der Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig. Eine
körperlich wenig belastende Tätigkeit sei dem Versicherten jedoch zu 80 - 100 %
zumutbar (act. G 4.1/45). Mit Verfügung vom 12. Dezember 2003 entschied die IV-
Stelle, es bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Die Abweisung wurde damit
begründet, dass in der bisherigen Tätigkeit des Versicherten als Plättlileger eine
Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit bestehe. Aufgrund der vorliegenden Unterlagen
bestehe für körperlich wenig belastende Arbeiten eine volle Arbeitsfähigkeit. Aufgrund
eines Einkommensvergleichs ermittelte die IV-Stelle einen rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad von 15.13 % (act. G 4.1/52).
A.c Am 15. September 2008 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle erneut zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Er gab an, er leide neu auch an
einer Augenkrankheit (Riss oder Loch in der Netzhaut) und an einer rheumatoiden
Arthritis in der linken und rechten Hand (act. G 4.1/53). Auf Anfrage durch den
Regionalen Ärztlichen Dienst der Invalidenversicherung (RAD) reichte der Hausarzt des
Versicherten, Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, am 27. Oktober 2008 Berichte
von Operationen (1. Mai 2007: Leistenhernie; 19. Mai 2008: Augenoperation) ein und
hielt fest, es bestehe ein "im Übrigen altersentsprechend guter AZ" (Allgemeinzustand).
Funktionsausfälle, welche die Arbeitsfähigkeit einschränken, wurden von Dr. C._
nicht angegeben (act. G 4.1/68 - 2/7). Mit Arztbericht vom 20. November 2008 erklärte
D._, Fachärztin für Ophthalmolgie FMH, wegen des Augenleidens habe sie nie eine
Arbeitsunfähigkeit attestiert (act. G 4.1/71). Mit Stellungnahme vom 23. Februar 2009
hielt der zuständige RAD-Arzt fest, seit Dezember 2003 habe sich der gesamte
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Gesundheitszustand nicht dauerhaft und relevant verändert. Somit bleibe auch die
Arbeitsfähigkeit im Vergleich zu Dezember 2003 unverändert (act. G 4.1/72).
A.d Mit Verfügung vom 4. März 2009 entschied die IV-Stelle, dass auf das neue
Leistungsbegehren des Versicherten nicht eingetreten werde, weil dieser in seinem
neuen Gesuch nicht glaubhaft dargelegt habe, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse
seit der letzten Verfügung verändert hätten (act. G 4.1/75).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 24. März 2009. Der
Beschwerdeführer beantragt sinngemäss die Aufhebung der Verfügung und die
Prüfung seines Leistungsbegehrens. Materiell beantragt er eine Teilrente. Er macht
geltend, seit Dezember 2003 sei eine Veränderung des Gesundheitszustands
eingetreten. Neben den schon 2003 bekannten Rückenproblemen, die auch nicht
besser geworden seien, sei 2007/2008 eine rheumatoide Arthritis im Bereich der
Handgelenke, Finger und Schulter dazu gekommen. Ebenfalls seit 2007/2008 bestehe
eine Augenkrankheit (Netzhautablösung). Die Behandlung (Laser und Vereisung) sei gut
verlaufen. Jedoch bestünden nach wie vor Sehschäden. Beim Arbeiten sei es, als habe
er einen Nebel-Vorhang vor den Augen, der sich bewege (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 11. Juni 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Die angefochtene Verfügung vom 4. März 2009 sei
irrtümlich ohne vorgängigen Vorbescheid ergangen. Dies stelle zwar eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs dar, die aber vorliegend als geheilt gelten könne. Der
Beschwerdeführer habe diesen Mangel nicht gerügt, und er habe seine Argumente im
Beschwerdeverfahren vortragen können. Eine Rückweisung würde einen
formalistischen Leerlauf bedeuten, da die Vorbringen des Beschwerdeführers die IV-
Stelle nicht zu einem anderen Entscheid zu bewegen vermöchten. Dazu komme, dass
den Beschwerdeführer im Verwaltungsverfahren die Obliegenheit treffe, eine
Veränderung des Gesundheitszustands glaubhaft zu machen. Der Beschwerdeführer
habe bei seiner Neuanmeldung keinerlei medizinische Unterlagen eingereicht. Im
Interesse einer Verfahrensbeschleunigung habe die IV-Stelle die wesentlichen
Unterlagen selber beigebracht, woraus eine Besserstellung des Beschwerdeführers
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resultiere. In materieller Hinsicht bringt die Beschwerdegegnerin vor, wesentlich sei,
dass mit rechtskräftiger Verfügung vom 12. Dezember 2003 die Invalidität des
Beschwerdeführers anhand eines Einkommens in einer leidensangepassten Tätigkeit
festgelegt worden sei. Die Leistungsfähigkeit im angestammten Beruf als Plattenleger
sei deshalb nicht mehr massgebend. Die Argumentation des Beschwerdeführers
beschränke sich auf die Darstellung von zusätzlichen Einschränkungen im
angestammten Beruf. Weder aus seinen Ausführungen, noch aus den durch die IV
eingeholten Akten ergebe sich, dass für eine leidensangepasste Tätigkeit neue
Einschränkungen erheblicher und dauernder Natur dazugekommen wären. Schliesslich
sei ein Nichteintreten auf eine Neuanmeldung kein gravierender Entscheid, da er keine
materielle Beurteilung darstelle. Dem Beschwerdeführer sei es unbenommen, jederzeit
mit neuen Belegen und besser begründeten Darstellungen eine neue Rentenprüfung zu
verlangen (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 7. August 2009 rügt der Beschwerdeführer, die Verletzung des
rechtlichen Gehörs sei nicht geheilt worden. Er habe einen Kostenvorschuss von
Fr. 600.- leisten müssen, um Beschwerde erheben zu können. Mit einem Vorbescheid
wäre es vielleicht nicht zu einem Beschwerdeverfahren gekommen. Weiter sei am 8.
Juli 2009 in der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen
(KSSG) ein MRI durchgeführt und eine gerissene Rotatorenmanschette diagnostiziert
worden; diese Diagnose sei erst gestellt worden, nachdem ihn der Hausarzt endlich,
nämlich nach einem halben Jahr, an die Klinik für Orthopädische Chirurgie am KSSG
überwiesen habe. Für ihn seien es einfach chronische Schmerzen gewesen. Eine
Operation sei unbedingt erforderlich und die Rehabilitation sei sehr langwierig (4-6
Monate). Er beantragt weiter auch eine Umschulung durch die IV (act. G 6).
B.d Mit Duplik vom 24. August 2009 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag auf
Abweisung der Beschwerde fest; eventualiter sei die Replik zur Behandlung als
Neuanmeldung an die IV-Stelle zu überweisen. Sie macht geltend, der
Beschwerdeführer unterlasse es erneut, medizinische Akten beizubringen. Zudem sei
es das erste Mal, dass der Beschwerdeführer im laufenden Verfahren die
Schulterbeschwerden überhaupt erwähne. Bis zum Beweis des Gegenteils sei davon
auszugehen, dass die Schulterproblematik erst nach dem 4. März 2009 eingetreten sei.
Auch bei korrekter Durchführung des Vorbescheidverfahrens hätte der
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Beschwerdeführer unmöglich auf das Ergebnis des MRI verweisen können. Aus dem
Gesagten ergebe sich, dass der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren qualifiziert
neue Tatsachen vorbringe. Folglich seien diese Tatsachen nicht geeignet, die
Rechtmässigkeit des Nichteintretensentscheids in Frage zu stellen, da sie zum
damaligen Zeitpunkt noch gar nicht bestanden hätten. Der Beschwerdeführer werde
eingeladen, sich unter Beilage der neuesten medizinischen Akten wieder bei der IV
anzumelden (act. G 8).

Erwägungen:
1.
1.1 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird
gemäss Art. 87 Abs. 4 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 3
erfüllt sind. Nach jener Bestimmung muss in einem Revisionsgesuch glaubhaft
gemacht werden, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat. Diese Eintretensvoraussetzung soll verhindern, dass
sich die Verwaltung immer wieder mit gleich lautenden und nicht näher begründeten,
d.h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE
130 V 71 E. 3.2.3).
1.2 Nach der Rechtsprechung ist unter Glaubhaftmachung im Sinn von Art. 87 Abs. 3
IVV kein Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden Grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 121 V 45 E. 2a) zu verstehen. Dem Zweck
der Eintretenshürde von Art. 87 Abs. 3 IVV gemäss muss es sich bei der
Glaubhaftmachung um eine deutlich reduzierte Beweisanforderung handeln. Es genügt,
dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse
Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist,
dass eine eingehende Sachverhaltsabklärung die behauptete Veränderung nicht
bestätigen wird. Grundsätzlich unterliegt das Glaubhaftmachen nach Art. 87 Abs. 3 IVV
weniger strengen Anforderungen als im Zivilprozessrecht. Bei der Prüfung der
Eintretensvoraussetzung der glaubhaft gemachten Sachverhaltsänderung
berücksichtigt die Verwaltung - oder im Beschwerdefall das Gericht -, ob die frühere
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Verfügung nur kürzere oder schon längere Zeit zurückliegt. Sie wird dementsprechend
an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen (SVR 2003
IV Nr. 25 E. 2.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichtes vom 22. Januar 2008,
9C_688/2007, E. 2.2).
1.3 Aufgrund des klaren Wortlauts des Art. 87 Abs. 3 IVV ("Im Gesuch ist glaubhaft zu
machen") steht fest, dass eine versicherte Person, die sich nach einer früheren
Leistungsverweigerung bei der IV-Stelle neu anmeldet und - wie hier - eine Rente
verlangt, die "Glaubhaftmachungslast" (im Sinne einer Beweisführungslast) trägt. Sie
muss also jene Indizien beschaffen und der IV-Stelle vorlegen, mit denen sie ihre
Behauptung einer anspruchserheblichen Gesundheitsverschlechterung glaubhaft
machen will. Sie kann sich nicht darauf beschränken, eine solche Veränderung zu
behaupten. In diesem Verfahrensstadium gilt demnach der Untersuchungsgrundsatz
nicht. Nun pflegt die Beschwerdegegnerin aber regelmässig die sich neu anmeldende
Person bei der Glaubhaftmachung zu unterstützen, indem sie die naheliegendsten
Beweismittel, welche die sich neu anmeldende Person an sich ihrem Gesuch hätte
beilegen müssen, selbst einholt. Gemeint sind der Bericht des Hausarztes und
gegebenenfalls der Bericht des Arbeitgebers. Mit dieser Hilfestellung bewegt sich die
Beschwerdegegnerin nach einer langjährigen, konstanten Praxis des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen (vgl. z.B. die Urteile vom 30. Juni 2003,
IV 2002/102, E. 2 und vom 10. März 2005, IV 2004/98, E. 1a) noch im Rahmen der
Eintretensprüfung. Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin im Rahmen ihrer
Sachverhaltsabklärung nicht mehr getan, als den Bericht des Hausarztes Dr. C._ (act.
G 4.1/68) und den Bericht der Augenärzte (act. G 4.1/71) einzuholen. Damit hat sie sich
noch im Rahmen der Eintretensprüfung bewegt.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat die angefochtene Verfügung erlassen, ohne zuvor das
gesetzlich vorgesehene Vorbescheidverfahren durchgeführt zu haben. Gemäss Art. 57a
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) hat die IV-
Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein
Leistungsbegehren mittels eines Vorbescheids mitzuteilen. Als Endentscheid gilt ein
Entscheid, der das Verfahren prozessual abschliesst, sei dies mit einem materiellen
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Entscheid oder durch Nichteintreten. Gegenstand eines Vorbescheids sind laut
Art. 73 Abs. 1 IVV aber nur jene Fragen, die in den Aufgabenbereich der IV-Stellen
gemäss Art. 57 Abs. 1 lit. a bis d IVG fallen. Gemeint ist damit die frühere, bis zur 5. IV-
Revision geltende Fassung des Art. 57 Abs. 1 IVG. Somit ist ein Vorbescheid zu
erlassen, wenn die vorgesehene Verfügung die Abklärung der versicherungsmässigen
Voraussetzungen (lit. a), die Abklärung der Eingliederungsfähigkeit, die Berufsberatung
und die Arbeitsvermittlung (lit. b), die Bestimmung und Überwachung der
Eingliederungsmassnahmen (lit. c) oder die Bemessung des Invaliditätsgrads (lit. d)
voraussetzt. Wäre die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung des
Beschwerdeführers eingetreten, hätte sie eine Invaliditätsbemessung vornehmen
müssen. Die anschliessend zu erlassende Verfügung wäre also "vorbescheidpflichtig"
gewesen. Dies rechtfertigt es - über den allzu engen Gesetzeswortlaut hinausgehend
und dem Sinn und Zweck des Vorbescheides Rechnung tragend - auch für das
Nichteintreten auf eine Neuanmeldung von einer "Vorbescheidpflicht" auszugehen (vgl.
Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. April 2009, IV
2008/167, E. 2.3 und vom 19. Juni 2009, IV 2008/417, E. 2.1). In diesem Vorbescheid
hätte nicht nur das Nichteintreten auf die Neuanmeldung angekündigt, sondern auch
der Grund für den vorgesehenen Nichteintretensentscheid genannt werden müssen.
Der Beschwerdeführer wäre also darüber zu informieren gewesen, dass die bis dahin
vorliegenden medizinischen Unterlagen - die an sich vom Beschwerdeführer hätten
eingereicht werden müssen - nicht genügten, eine rentenbegründende
Arbeitsunfähigkeit glaubhaft darzulegen, und der Beschwerdeführer hätte zur
Beibringung neuer Arztberichte aufgefordert werden müssen.
2.2 Indem die Beschwerdegegnerin die angefochtene Verfügung erlassen hat, ohne
das Vorbescheidverfahren durchgeführt zu haben, wurde der Anspruch des
Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör zweifellos verletzt (vgl. für viele BGE 125 V
401; SVR-IV 1999 Nr. 29, 87). Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des
rechtlichen Gehörs kann dann abgewichen werden, wenn dieses Vorgehen zu einem
formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen im Verfahren führen
würde, die mit dem (gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten) Interesse des
Versicherten an einer möglichst beförderlichen Beurteilung seines Anspruchs nicht zu
vereinbaren sind (BGE 116 V 182 E. 3d; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
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Bundesgerichts] vom 7. August 2000, I 184/00, E. 1a). Im vorliegenden Fall wurde der
Beschwerdeführer von der Beschwerdegegnerin nie darüber informiert, dass ihn die
"Glaubhaftmachungslast" treffe, und er wurde nie aufgefordert, neue Arztberichte
einzureichen. Auch in der angefochtenen Verfügung vom 4. März 2009 wird nur
unzureichend auf die "Glaubhaftmachungslast" des Beschwerdeführers hingewiesen
(vgl. act. G 4.1/75). Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin wurde die
Gehörsverletzung deshalb nicht dadurch geheilt, dass der Beschwerdeführer seine
Argumente im Beschwerdeverfahren vorbringen konnte. Die Ausführungen des
Beschwerdeführers in der Beschwerdeschrift, wonach er von der IV eine ehrliche
Behandlung und Untersuchung und nachher eine Beurteilung erwarten dürfte (vgl. act.
G 1), deuten darauf hin, dass dem Beschwerdeführer als juristischem Laien nicht
bewusst war, dass ihn eine "Glaubhaftmachungslast" getroffen hatte, sondern dass er
vielmehr von einer Pflicht der Beschwerdegegnerin zur Sachverhaltsabklärung
entsprechend dem Untersuchungsgrundsatz ausgegangen ist. Eine "Heilung" der
Gehörsverletzung im Beschwerdeverfahren wäre demnach nur möglich, wenn dem
Beschwerdeführer vor Versicherungsgericht Gelegenheit zur Einreichung neuer
medizinischer Unterlagen eingeräumt würde. Eine "Heilung" der Verletzung der
"Vorbescheidpflicht" ist unter diesen Umständen nicht angebracht. Die Rückweisung
an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung eines Vorbescheidverfahrens und damit
einer Beurteilung der Eintretensfrage unter Berücksichtigung allfälliger weiterer
medizinischer Unterlagen, zu deren Einreichung der Beschwerdeführer aufzufordern ist,
erfordert nur einen bescheidenen Zeitaufwand, so dass von einer "Heilung" der
"Vorbescheidpflicht" durch das Gericht, d.h. einer direkten gerichtlichen Beurteilung
der Eintretensfrage anhand aller - nach der Aufforderung an den Beschwerdeführer,
allfällige weitere Unterlagen noch nachzureichen - vorliegenden medizinischen Akten
kein relevanter verfahrensökonomischer Vorteil zu erwarten ist. Weiter wird so
gewährleistet, dass dem Beschwerdeführer wieder der ganze Rechtsmittelweg zur
Verfügung steht, während gegen ein Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen über die Eintretensfrage nur noch die Beschwerde an das in seiner Kognition
stark eingeschränkte Bundesgericht möglich wäre (vgl. das Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. April 2009, IV 2008/167, E. 2.4).
Die Sache ist somit zwecks Durchführung eines korrekten Vorbescheidverfahrens an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dabei ist dem Beschwerdeführer die
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Gelegenheit einzuräumen, weitere medizinische Unterlagen, insbesondere auch das in
der Replik erwähnte MRI vom 8. Juli 2009, einzureichen. Da die angefochtene
Verfügung vom 4. März 2009 wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs rechtswidrig
ist, spielt es keine Rolle, ob die beizubringenden medizinischen Unterlagen aus der Zeit
nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung am 4. März 2009 stammen. Im Übrigen
ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer bereits in seiner Beschwerdeschrift
geltend machte, er leide seit "2007 + 2008" u.a. an Schulterbeschwerden (act. G 1).
3.
3.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung vom
4. März 2009 aufzuheben, und die Sache ist zur Durchführung eines korrekten
Vorbescheidverfahrens und zur anschliessenden neuen Entscheidung über die Frage
des Eintretens auf die Neuanmeldung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr.
1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Aufgrund des unterdurchschnittlichen
Verfahrensaufwandes wird die Gerichtsgebühr auf Fr. 400.- festgesetzt. Diese
Gerichtsgebühr ist von der vollumfänglich unterliegenden Beschwerdegegnerin zu
tragen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG