Decision ID: 71351b9a-e569-51ad-844c-4e67dc8dc512
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 3. Januar 2020 im Bundesasylzent-
rum (BAZ) der Region (...) um Asyl nach. Nach der Personalienaufnahme
(PA) vom 9. Januar 2020 wurde er am 28. Januar 2020 ein erstes Mal und
am 13. Februar 2020 ergänzend angehört. Am 20. Februar 2020 wurde er
mit der Begründung, es seien weitere Abklärungen nötig, dem erweiterten
Verfahren zugewiesen.
A.b Anlässlich der PA und der beiden Anhörungen gab der Beschwerde-
führer an, er sei kolumbianischer Staatsangehöriger und stamme aus
B._ ([...]), wo er seit vielen Jahren sowohl an der Universität (...)
als auch an der (...) gearbeitet habe. An der (...) habe er in Zusammenar-
beit mit dem (...) auch Aktivitäten zum Thema Menschenrechte koordiniert.
Zudem habe er sich in einem in weiten Gegenden im (...) Kolumbiens ak-
tiven (...) engagiert. Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages im
Jahr 2016 (in welchem es unter anderem um die Rückgabe von sich zwi-
schenzeitlich im Besitz von in Drogengeschäfte involvierte Politikern befin-
dende Ländereien und Anbauflächen an die Bauern und an die indigene
Bevölkerung gehe) habe er sich mit dem (...) für dessen Umsetzung ein-
gesetzt.
Am 21. November 2019 hätten landesweit friedliche und symbolische
Kundgebungen stattgefunden. Er selber habe als Mitglied der (...) an der
Demonstration in B._ teilgenommen. Als er danach am Abend mit
seinem Auto nach Hause gefahren sei, hätten sich ihm zwei Männer auf
einem Motorrad genähert und ihn beschimpft sowie mit dem Tod bedroht.
Am folgenden Tag habe er diesen Vorfall auf der Ombudsstelle für Men-
schenrechte der Gemeinde B._ angezeigt, wobei man ihm gesagt
habe, er würde in rund 60 Tagen kontaktiert und über das weitere Vorgehen
informiert. Am 26. November 2019 hätte ein (weiterer) nationaler Streiktag
stattfinden sollen. In B._ sei es an diesem Tag zu einer Auseinan-
dersetzung zwischen der Polizei und Zivilisten gekommen, bei welcher ein
Polizist fast getötet worden sei. Die Polizei habe mit Gewalt reagiert und
viele Studenten festgenommen; er – der Beschwerdeführer – habe sich
dann gemeinsam mit anderen um die Freilassung der Studenten bemüht.
Als sich die Situation im Verlauf des Nachmittags wieder beruhigt habe, sei
er in die (...) zurückgekehrt, um sich zu vergewissern, dass alle Studenten
freigekommen seien. Auf dem Weg dorthin sei er erneut von einem Mann
auf einem Motorrad angegriffen worden; dieser habe ihm einen Schlag auf
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die Schulter versetzt, so dass er gestürzt sei, und ihn mit dem Tod bedroht.
Nach diesem Vorfall sei er zusammen mit seiner Lebensgefährtin in ein
anderes Haus im B._ umgezogen.
Für den auf den (...) angesetzten Besuch des kolumbianischen Präsiden-
ten Ivan Duque in B._ habe er zusammen mit seinen Mitstreitern
einen Protest organisiert und koordiniert. Der Präsident habe indessen die
Orte des Protestes umgangen. Als er – der Beschwerdeführer – nach Ende
der Veranstaltung etwa um 15 Uhr sein Auto einen Block von seinem Haus
entfernt parkiert habe, habe er gesehen, wie sich ein etwa 25-jähriger
Mann langsam auf einem Motorrad genähert und mit einer Waffe auf ihn
gezielt habe. Er habe sich jedoch unter dem Auto versteckt und um Hilfe
gerufen, woraufhin der Angreifer ihn als Verräter beschimpft und ihm zuge-
rufen habe, er werde das Jahr nicht überleben. Als Nachbarn, die seine
Hilferufe gehört hätten, gekommen seien, sei der Mann weggefahren. In
der Folge habe er seine Situation mit seiner Lebensgefährtin, seiner Mutter
sowie seinen Mitstreitern besprochen und sich schliesslich – auch ange-
sichts bereits verübter Morde an andern Streikorganisatoren – entschlos-
sen, das Land zu verlassen. Zwischen dem 21. Dezember 2019 und dem
11. Januar 2020 seien mehrere ihm bekannte kolumbianische Aktivisten
ermordet worden.
Aus den Einträgen in seinem Reisepass und dem sich bei den Akten be-
findlichen Flugticket ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer Kolumbien
am 27. Dezember 2019 verliess und auf dem Luftweg via Paris nach Genf
gelangte, wo er noch gleichentags in die Schweiz einreiste.
A.c Im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerde-
führer nebst seinem Reisepass, seiner Identitätskarte und seinem Flugti-
cket verschiedene, in der angefochtenen Verfügung unter Ziff. I 4. einzeln
aufgelistete Beweismittel (zwei Medienberichte betreffend die Ermordung
von acht sozialen Führungskräften und Menschenrechtsaktivisten, eine
Anzeige und ein Wahlplakat in Kopie sowie Bestätigungen und Bescheini-
gungen betreffend seine beruflichen und menschenrechtlichen Aktivitäten
im Original) zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 27. Januar 2021 – eröffnet am 28. Januar 2021 – stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, und lehnte dessen Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an.
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Seite 4
C.
Mit Eingabe vom 26. Februar 2021 erhob der Beschwerdeführer durch
seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er
beantragte die Aufhebung der SEM-Verfügung vom 27. Januar 2021, die
Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung des Asyls.
Eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, die vorläufige Aufnahme anzu-
ordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses sowie um Beiordnung der Unterzeichnenden als amtliche
Rechtsbeiständin ersucht.
Zur Stützung der in der Beschwerdeschrift enthaltenen Ausführungen liess
der Beschwerdeführer unter anderem eine – bereits zusammen mit der An-
zeige auf der (...) (vgl. Beweismittelverzeichnis SEM Akte 6) im vorinstanz-
lichen Verfahren eingereichte – Kopie eines Nachweises der Anmeldung
für die Aufnahme im "Registro Único de Victimas" sowie eine am 8. Februar
2021 von der (...) ausgestellte Bedürftigkeitsbestätigung zu den Akten ge-
ben. Gleichzeitig verwies er auf zahlreiche Berichte betreffend die Lage in
Kolumbien.
D.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 1. März 2021
den Eingang der Beschwerde vom 26. Februar 2021.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Da Bundesverwaltungsgericht ist daher für
die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Es entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder das
AsylG nichts Anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und Art. 105 ff.
AsylG).
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Seite 5
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel
in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper; Art. 21
Abs. 1 VGG). Das Gericht kann – wie vorliegend – auch in solchen Fällen
auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1
AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken.
4.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von
bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu
werden drohen. Die erlittene Verfolgung muss sachlich und zeitlich kausal
für die Ausreise aus dem Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeit-
punkt des Asylentscheids noch aktuell sein. Massgeblich für die Beurtei-
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lung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation im Zeitpunkt des Entschei-
des, wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende
begründete Furcht vor Verfolgung – im Sinne einer Regelvermutung – auf
eine andauernde Gefährdung hinweist. Veränderungen der Situation zwi-
schen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asyl-
suchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2; 2009/51
E. 4.2.5; 2007/31 E. 5.2 f., je m.w.H.).
Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimatstaat keinen adäquaten Schutz finden
kann, weil dort keine Infrastruktur besteht, die ihr Schutz bieten könnte
(sog. Schutztheorie, vgl. BVGE 2011/51 E. 7, m.w.H.), oder weil der Staat
ihr keinen Schutz gewährt, obwohl er dazu in der Lage wäre (vgl. BVGE
2011/51 E. 7.1 und E. 7.4 S. 1017 f. m.w.H.). Zudem besteht ein Schutz-
bedürfnis auch dann, wenn die bestehende Schutzinfrastruktur der von
Verfolgung betroffenen Person nicht zugänglich ist oder ihr deren Inan-
spruchnahme aus individuellen Gründen nicht zuzumuten ist. Über das Be-
stehen eines Schutzbedürfnisses ist im Rahmen einer individuellen Einzel-
fallprüfung unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes zu
befinden, wobei es den Asylbehörden obliegt, die Effektivität des Schutzes
vor Verfolgung im Heimatstaat abzuklären und zu begründen (vgl. BVGE
2011/51 E. 7.4 S. 1018 m.w.H.). Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung im
Heimatstaat ist als ausreichend zu qualifizieren, wenn die betreffende Per-
son effektiv Zugang zu einer funktionierenden und effizienten Schutzinfra-
struktur hat, unabhängig von persönlichen Merkmalen wie Geschlecht oder
Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder religiösen Minderheit, und ihr die
Inanspruchnahme eines solchen innerstaatlichen Schutzsystems individu-
ell zumutbar ist (vgl. BVGE 2011/51 E. 7.4 sowie statt vieler Urteil des
BVGer E-3772/2020 vom 12. August 2020 E. 4.2).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
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5.1 Das SEM gelangte in seiner angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers vermöchten keine Asylrelevanz zu
entfalten und hielten daher den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.
5.1.1 Es stellte dabei (vgl. S. 4) fest, bei den Vorbringen des Beschwerde-
führers, er sei wegen seines Engagements als (...) dreimal von unbekann-
ten Männern beschimpft und bedroht worden, handle es sich um Übergriffe
beziehungsweise Drohungen Dritter. Solche Übergriffe seien nur asylrele-
vant, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht nachkomme oder nicht in
der Lage sei, Schutz zu gewähren. Generell sei Schutz gewährleistet,
wenn der Staat geeignete Massnahmen treffe, um die Verfolgung zu ver-
hindern, beispielsweise durch wirksame Polizei- und Justizorgane zur Er-
mittlung, Strafverfolgung und Ahndung von Verfolgungshandlungen, und
wenn Antragsteller Zugang zu diesem Schutz hätten.
Der kolumbianische Staat verfüge über eine funktionierende Schutzinfra-
struktur, welche eine effektive Strafverfolgung ermögliche; Massnahmen
gegen Leib und Leben könnten bei den Behörden zur Anzeige gebracht
werden. Der Beschwerdeführer habe jedoch einzig den ersten Vorfall bei
der Ombudsstelle für Menschenrechte der Gemeinde B._ gemel-
det. In der eingereichten Anzeige stehe, dass er sich an die zuständigen
Behörden wenden sollte, was er indessen nicht gemacht und damit den
kolumbianischen Behörden nicht die Möglichkeit gegeben habe, ihn zu be-
schützen. Es liege aber in der eigenen Verantwortung des Beschwerdefüh-
rers, sich bei den Behörden zu melden und Schutz zu verlangen. Seine
Erklärung, er habe keine Strafanzeige bei den Behörden erstattet, weil er
in einem solchen Fall seine Telefonnummer und andere Informationen hät-
ten preisgeben müssen, sei indes gar nicht nachvollziehbar, benötigten
doch die Behörden Informationen über die zu beschützende Person.
Gleichzeitig müsse festgehalten werden, dass es keinem Staat gelingen
könne, die absolute Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger jederzeit
und überall zu garantieren.
5.1.2 Die kolumbianische Regierung habe für den Schutz bedrohter Perso-
nen eine zuständige Institution geschaffen, die dem Innenministerium an-
gegliederte Unidad de Protección Nacional (UNP). Personen oder Gemein-
schaften, welche zu gewissen vordefinierten Bevölkerungsgruppen gehör-
ten, könnten einen Antrag auf staatlichen Schutz stellen, welcher von der
UNP geprüft und je nach resultierender Risikoeinschätzung genehmigt
werde. Die möglichen Schutzmassnahmen reichten von Panikknöpfen
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oder Notfallnummern bis zu schusssicheren Fahrzeugen, mehrfachem
Personenschutz und Umsiedlungen. Das Budget der UNP habe sich in den
vergangenen Jahren stetig erhöht auf aktuell ungefähr 250 Millionen US-
Dollar. Zurzeit stünden mehrere Tausend Personen unter einer dieser
Schutzmassnahmen, und auch Menschenrechtsorganisationen seien sich
grundsätzlich einig, dass die UNP in vielen Fällen ihren Zweck erfülle.
Der Beschwerdeführer als (...) und am Friedensprozess beteiligter (...)
qualifiziere sich für den Schutz durch die UNP. Er könne mit deren Hilfe
auch in einen anderen Teil von Kolumbien umziehen und sich so den Be-
drohungen entziehen. Er sei daher nicht auf den Schutz der Schweiz an-
gewiesen.
5.1.3 Bei fehlender Asylrelevanz könne auf die Prüfung der anderen einge-
reichten Beweismittel verzichtet werden. Abgesehen von der bereits ge-
nannten Anzeige bei der Ombudsstelle für Menschenrechte und den Be-
stätigungen über die Arbeit als (...) sowie die Tätigkeit in (...) handelten die
anderen Beweismittel von der allgemeinen Situation in Kolumbien und be-
träfen den Beschwerdeführer nicht persönlich.
5.2 In der Beschwerdeschrift (vgl. S. 5) wird vorab festgestellt, dem ange-
fochtenen Entscheid könne nicht entnommen werden, dass die Vorinstanz
die Glaubwürdigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers anzweifle. Im
Weiteren wird – unter Wiederholung der anlässlich der Anhörungen ge-
schilderten Ereignisse – geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe
nicht nur eine asylrelevante Vorverfolgung erlitten, sondern auch begrün-
dete Furcht vor künftiger Verfolgung. Er habe im Rahmen der Anhörungen
zahlreiche Namen von Aktivisten und Aktivistinnen sowie Weggefährten
genannt, welche zeitnah zu seiner eigenen Bedrohungslage umgebracht
worden seien. Die Tatsache, dass die kolumbianischen Behörden Listen
mit Opfern und bedrohten Personen führten und eine spezielle nationale
Schutzeinheit, die UNP, wenn auch lediglich mit vermeintlich protektiver
Wirkung, geschaffen hätten, sei selbstredend, erachte doch auch das SEM
den Beschwerdeführer aufgrund seines politischen Engagements als ge-
fährdet (vgl. Beschwerde S. 7 unten).
Sodann wird – unter Hinweis auf zahlreiche im Internet einsehbare Berichte
zur Lage in Kolumbien – gerügt, die Vorinstanz verkenne die Realität in
Kolumbien. Insbesondere könne dem Beschwerdeführer keine innerstaat-
liche Schutzalternative entgegengehalten werden. Dabei habe es das SEM
unterlassen, die Effektivität des Schutzes vor Verfolgung im Heimatstaat
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abzuklären und zu begründen (vgl. Beschwerde S. 8). Trotz Corona-Epi-
demie sei im vergangenen Jahr die Zahl der getöteten Umweltaktivisten
und Menschenrechtler angestiegen, wobei ein Grossteil der Gewalttaten
bislang ungeklärt geblieben sei. Entgegen der Einschätzung der Vorinstanz
seien die staatlichen Institutionen und die von diesen teilweise angebote-
nen Schutzmechanismen als ineffektiv zu bezeichnen; der Beschwerde-
führer kenne Aktivisten aus seinem persönlichen Umfeld, welche trotz der
von der UNP zur Verfügung gestellten Schutzmassnahmen ihr Leben ver-
loren hätten (vgl. Beschwerde S. 9 ff.). Wie sodann der eingereichten Re-
gistrierungsbestätigung entnommen werden könne, habe sich der Be-
schwerdeführer tatsächlich um Schutz bemüht. An die Polizei habe er sich
aber nicht wenden wollen, weil ein solcher Schritt zusätzliches Gefahren-
potenzial generiert hätte. Die Polizei geniesse in der Bevölkerung aufgrund
ihres fehlenden Aufklärungswillens und ihrer sozialen Stigmatisierung so-
zialer Aktivistinnen und Aktivisten nicht viel Vertrauen. Im Übrigen sei es
sogar möglich, dass es sich bei den ihn bedrohenden Personen um Poli-
zisten in Zivil gehandelt habe; falls dies zutreffen würde, hätte eine Anzeige
bei der Polizei eine weitere Gefährdung seiner Person zur Folge gehabt
(vgl. Beschwerde S. 13 f.).
6.
6.1 Soweit in der Beschwerdeschrift formelle Rügen (eine Verletzung der
Pflicht zur genauen Abklärung und Begründung in Bezug auf die Effektivität
des Schutzes vor Verfolgung im Heimatstaat; vgl. Beschwerde S. 8) erho-
ben werden, sind diese vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wären,
eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung herbeizuführen.
6.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen (vgl.
BVGE 2012/21 E. 5.1. m.w.H.).
Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör,
welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer Partei ein-
zuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
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angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so abgefasst sein,
dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2).
6.3 Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, dass das SEM seine
Pflicht zur richtigen und vollständigen Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts nicht ausreichend wahrgenommen hätte. In seiner Verfügung
vom 27. Januar 2021 (vgl. S. 3–5) hat es hinreichend differenziert darlegt,
wieso es zum Schluss gelangte, dass der Beschwerdeführer nicht auf den
Schutz der Schweiz angewiesen sei und die Flüchtlingseigenschaft nicht
erfülle. Gestützt darauf konnte der Beschwerdeführer denn auch die Ver-
fügung rechtsgenüglich anfechten. Der blosse Umstand, dass der Be-
schwerdeführer die vom SEM gezogenen Schlüsse nicht teilt, ist keine Ver-
letzung der Begründungspflicht beziehungsweise des Anspruchs auf recht-
liches Gehör, sondern eine materielle Frage. Dasselbe gilt auch für den
Vorwurf der Verletzung der Abklärungspflicht, soweit sich dieser im Kern
nicht gegen die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz, sondern gegen
die rechtliche Würdigung der Vorbringen richtet.
6.4 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die SEM-Verfügung vom
27. Januar 2021 aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur
vollständigen Sachverhaltsabklärung beziehungsweise zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen.
7.
7.1 Nach eingehender Prüfung der Akten ist festzustellen, dass die grund-
sätzlich als glaubhaft zu qualifizierenden Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG
nicht standhalten, wobei zur Vermeidung von Wiederholungen im Wesent-
lichen auf die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen
werden kann (vgl. auch vorstehend E. 5.1).
7.2 Wie das SEM zutreffend dargelegt hat, handelt es sich bei den geschil-
derten Behelligungen um Übergriffe Dritter. Ohne die auf Beschwerde-
ebene geltend gemachte, in verschiedenen Gegenden Kolumbiens biswei-
len prekäre Sicherheitslage in Abrede stellen zu wollen, geht auch das Bun-
desverwaltungsgericht einerseits von der grundsätzlichen Schutzfähigkeit
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und Schutzwilligkeit der kolumbianischen Strafverfolgungs- und Justizbe-
hörden aus. Anderseits ist nicht ersichtlich, dass und weshalb dem Be-
schwerdeführer die bestehende Schutzinfrastruktur nicht zugänglich oder
ihm deren Inanspruchnahme aus individuellen Gründen nicht zuzumuten
gewesen wäre.
Diese Annahme wird durch die Tatsache bestätigt, dass sowohl der vom
Beschwerdeführer am 22. November 2019 auf der (...) zur Anzeige ge-
brachte Vorfall vom 21. November 2019 als auch die Anmeldung für die
Aufnahme ("Constancia de Solicitud de Inscripción") im "Registro Único de
Victimas" am 20. Dezember 2019 entgegengenommen wurde, wobei trotz
nicht expliziter Nennung des Namens des Antragsstellers davon auszuge-
hen ist, dass die Anmeldung für die Aufnahme im "Registro Único de Victi-
mas" den Beschwerdeführer betrifft. Entgegen der entsprechenden Fest-
stellung der Vorinstanz (vgl. angefochtene Verfügung S. 4, 7. Abschnitt) ist
in der Anzeige vom 22. November 2019 höchstens sinngemäss vermerkt,
dass der Beschwerdeführer sich an die zuständigen Behörden wenden
müsse (Dieses Protokoll wird auf Antrag der Betroffenen erstellt, um die
entsprechenden Massnahmen vor den zuständigen Stellen voranzutrei-
ben). In der Anmeldung für die Aufnahme im "Registro Único de Victimas"
wurde der Antragsteller indes ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die
Bearbeitung seines Antrages bis zu 60 Arbeitstage in Anspruch nehmen
könne. Indem der Beschwerdeführer jedoch bereits in der Nacht vom 26.
auf den 27. Dezember 2019, mithin weniger als eine Woche nach der An-
meldung für die Aufnahme ins Register – und ohne die weiteren, im
Schweizer Asylverfahren geschilderten Vorfälle zur Anzeige zu bringen –
Kolumbien in Richtung Europa verliess, kam er dem Ergreifen von Schutz-
massnahmen behördlicherseits zuvor. Die diesbezüglich in der Beschwer-
deschrift abgegebenen Erklärungen (etwa die Bemerkung, in Aussicht ge-
stellte Schutzmassnahmen würden sehr oft zu spät installiert und seien
nicht wirksam; vgl. Beschwerde S. 12) oder der allgemeine Hinweis auf
gravierende Mängel im kolumbianischen Justizsystem (vgl. Beschwerde
S. 13) ändern daran nichts. Alleine die Vermutung, es könnte sich beim
Angreifer des letzten Vorfalles um einen Polizisten gehandelt haben, ver-
mag den Beschwerdeführer ebenfalls nicht von der Pflicht, primär bei den
heimatlichen Behörden um Schutz zu ersuchen, zu entbinden. Es ist auch
nicht davon auszugehen, dass die in den beiden im vorinstanzlichen Ver-
fahren eingereichten Medienberichten für die Zeit vom 19. bis zum 24. De-
zember 2019 dokumentierte Ermordung mehrerer Aktivisten im Beschwer-
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deführer den unmittelbaren Entschluss zum Verlassen seines Landes ge-
weckt haben könnte, liess er sich doch bereits am 18. Dezember 2019 ei-
nen (neuen) Reisepass ausstellen.
Die vom Beschwerdeführer des Weiteren mit Hinweis auf entsprechende
Literatur vorgetragenen Zweifel an der Effizienz der kolumbianischen
Schutzstrukturen führen ebenfalls zu keinem anderen Ergebnis. Dabei ist
insbesondere mit dem SEM darauf hinzuweisen, dass es keinem Staat ge-
lingt, seinen Bürgerinnen und Bürgern immer und überall vollumfänglichen
Schutz zu gewährleisten. Insofern kann nicht davon ausgegangen werden,
nur perfekte heimatliche Schutzstrukturen würden die Anwendung des
Subsidiaritätsprinzips ermöglichen.
7.3 Insgesamt ist vorliegend davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-
rer in seinem Heimatstaat hinreichenden Schutz im Sinne der sogenannten
Schutztheorie (vgl. oben E. 4.2) hätte erhalten können beziehungsweise
dass ihm – falls notwendig – auch nach seiner Rückkehr solcher zugäng-
lich sein wird. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdefüh-
rer sich alternativ auch in einer anderen Region Kolumbiens, etwa in der
Hauptstadt Bogotá aufhalten könnte, falls er sich in seiner Heimatstadt
B._ trotz der Schutzmassnahmen unsicher fühlen sollte.
7.4 Nach dem Gesagten hat das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft
des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]).
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Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
9.2.2 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist
das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG – wie in der angefochtenen Verfügung zu-
treffend bemerkt wurde – nicht anwendbar.
9.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des
Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für
den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen
Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Fol-
terausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real
risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rück-
schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur-
teil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124127 m.w.H.). Das ist ihm jedoch – insbesondere auch
mit dem allgemeinen Hinweis auf die Gefährdungslage von Menschen-
rechtsaktivisten (vgl. Beschwerde S. 15) – nicht gelungen.
9.2.4 Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zulässig.
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
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9.3.2 Weder die allgemeine Lage in Kolumbien noch individuelle Gründe
wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur lassen auf eine kon-
krete Gefährdung der Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr
schliessen.
Die Vorinstanz hat diesbezüglich zu Recht darauf hingewiesen, dass die
ganze Familie des Beschwerdeführers (Mutter, zwei Kinder aus einer
früheren Beziehung, Bruder sowie mehrere Onkel und Tanten) in Kolum-
bien lebt. Er hat bis Ende 2019 immer in seiner Heimat gelebt und in den
letzten 16 Jahren vor seiner Ausreise in B._ als (...) gearbeitet, wo-
mit er ein eher überdurchschnittliches Einkommen erzielt haben dürfte; dort
ist er auch in (...) tätig gewesen. Es ist daher davon auszugehen, dass sein
breites Netz an privaten, geschäftlichen und politischen Kontakten dem –
gemäss eigenen Angaben gesunden – Beschwerdeführer den Wiederein-
stieg in die heimatliche Gesellschaft erleichtern wird. Der Umstand, dass
er und seine Lebensgefährtin sich angeblich mittlerweile getrennt haben
(vgl. Beschwerde S. 14, Ziff. 5.5.3), vermag daran nichts zu ändern.
9.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls zusätz-
lich notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegwei-
sung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zusam-
menhang mit der Coronavirus-Pandemie (COVID-19) stellen – gemäss ak-
tuellem Kenntnisstand – lediglich temporäre Vollzugshindernisse dar und
vermögen am Ausgang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern (vgl.
statt vieler: Urteil des BVGer D-139/2020 vom 19. Juni 2020 E. 9.6 m.w.H.)
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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11.
11.1 Das Gesuch um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses
(Art. 63 Abs. 4 VwVG) ist mit vorliegendem Direktentscheid gegenstands-
los geworden.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die Beschwerde
jedoch nicht als aussichtslos zu qualifizieren war und die Bedürftigkeit des
Beschwerdeführers durch eine entsprechende Bestätigung belegt wird, ist
das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen. Folglich
sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Gleichzeitig ist auch das Ge-
such um Beiordnung von lic. iur. Isabelle Müller als amtliche Rechtsbei-
ständin im Sinne von Art. 102m Abs. 1 AsylG gutzuheissen.
11.3 Gemäss Praxis wird bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem
Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte und
Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nichtanwaltliche Vertreterinnen und Vertreter
ausgegangen (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und nur der notwendige Auf-
wand entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE).
11.4 Die in der Beschwerde in Aussicht gestellte detaillierte Honorarnote
wurde bis jetzt nicht nachgereicht. Es wird jedoch ein genereller Aufwand
von 10,5 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 180.– geltend gemacht
(vgl. Beschwerde S. 16 oben). Der zeitliche Aufwand erscheint vorliegend
angemessen, indessen ist ein Stundenansatz von Fr. 150.– (vgl. E. 11.3)
zu berücksichtigen. Der Rechtsvertreterin ist zu Lasten der Gerichtskasse
ein amtliches Honorar in der Höhe von (gerundet) Fr. 1'710.– (inkl. Ausla-
gen und Mehrwertsteuerzusatz) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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