Decision ID: 9bed3cff-7d9b-5e23-832d-b73e6b08dd04
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis für Personenwagen am 22. Dezember 2010. Am
Freitag, 26. Dezember 2014, lenkte er um 16.15 Uhr in St. Gallen ein Fahrzeug.
Anlässlich einer Verkehrskontrolle gab er gegenüber der Polizei an, am selben Tag um
12.00 Uhr einen Marihuana-Joint geraucht zu haben. Zudem trug er rund neun Gramm
Marihuana auf sich. Ein Drogenschnelltest fiel positiv auf Tetrahydrocannabinol (THC,
Cannabiswirkstoff) aus. Das abgenommene Blut wurde am Institut für Rechtsmedizin
des Kantonsspitals St. Gallen (IRM) auf den aktiven Cannabiswirkstoff
Tetrahydrocannabinol (THC) untersucht. Dabei wurde eine mittlere Konzentration von
8,2 μg/l festgestellt. Der THC-Carbonsäure-(THC-COOH)-Gehalt betrug 52 μg/l.
Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen entzog X den
Führerausweis wegen des Vorfalls vom 26. Dezember 2014 am 21. Januar 2015
vorsorglich. Mit Verfügung vom 9. Februar 2015 wurde eine verkehrsmedizinische
Untersuchung angeordnet. Im verkehrsmedizinischen Gutachten des IRM vom 17. Juni
2015 wurde die Fahreignung des X unter Auflagen (monatliche Urinproben auf
Cannabis, Suchtberatung, Haaranalyse in sechs Monaten auf Ethylglucuronid [EtG,
Abbauprodukt von Alkohol]) bejaht.
B.- Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts St. Gallen vom 5. März 2015 wurde X des
mehrfachen Drogenkonsums (Marihuana) und des Fahrens in nicht fahrfähigem
Zustand (unter Drogeneinfluss) schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe
von 25 Tagessätzen zu je Fr. 50.– und einer Busse von Fr. 400.– verurteilt. Eine
dagegen erhobene Einsprache zog X wegen verspäteter Einreichung des
Rechtsbehelfs zurück; somit wurde der Strafbefehl rechtskräftig.
C.- Mit Verfügung vom 17. August 2015 hob das Strassenverkehrsamt den
vorsorglichen Führerausweisentzug auf, händigte X den Führerausweis wieder aus und
versah diesen mit Auflagen (vollständige, kontrollierte Cannabisabstinenz mittels
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monatlicher Urinproben, Haaranalyse im Dezember 2015 auf EtG, halbjährliche
Auflagenkontrolle am IRM, halbjährliche Einreichung von Berichten [Arzt,
Suchtfachstelle]). Den dagegen erhobenen Rekurs zog X am 14. März 2017 zurück
(Verfahren IV-2015/196).
Ebenfalls mit Verfügung vom 17. August 2015 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften (Führen eines Fahrzeugs in nicht fahrfähigem Zustand) für
drei Monate. Die Massnahme war in jenem Zeitpunkt bereits vollzogen.
D.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts hinsichtlich des Warnungsentzugs
erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 2. September 2015 und Ergänzung
vom 16. Oktober 2015 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St.
Gallen (VRK) mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zudem stellte er ein Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Begründung des Rekurses brachte er vor, er habe
Cannabis aus medizinischen Gründen zu sich genommen. Im Zeitpunkt der
Polizeikontrolle sei er zudem nicht fahrunfähig gewesen. Wegen Abwartens eines
gleich gelagerten, pendenten Strafverfahrens sowie Einholens einer
verkehrsmedizinischen Bestätigung wurde das Rekursverfahren auf Ersuchen des
Rekurrenten in der Folge sistiert.
Nachdem der Rekurrent keinen Termin zur Auflagenkontrolle vereinbart hatte, entzog
ihm das Strassenverkehrsamt den Führerausweis am 1. Februar 2016 vorsorglich. Mit
Verfügung vom 12. Dezember 2017 wurde ihm der Führerausweis wegen Verletzung
der Auflagen auf unbestimmte Zeit entzogen. Gestützt auf eine verkehrsmedizinische
Begutachtung vom 16. Mai 2018 hob das Strassenverkehrsamt den Sicherungsentzug
am 17. Mai 2018 auf und händigte dem Rekurrenten den Führerausweis wieder aus,
und zwar auf gutachterliche Empfehlung hin ohne Auflagen.
E.- Mit Schreiben vom 25. September 2020 brachte der Rechtsvertreter des
Rekurrenten vor, die Entnahme der Blutprobe am 26. Dezember 2014 sei
gesetzeswidrig erfolgt, weshalb die Verfügung des Warnungsentzugs für drei Monate
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aufzuheben sei. Gleichzeitig reichte er eine Kostennote ein. Mit Vernehmlassung vom
16. Oktober 2020 beantragte das Strassenverkehrsamt die Abweisung des Rekurses.
Auf die Ausführungen der Beteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 2. September 2015 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der
Ergänzung vom 16. Oktober 2015 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Obschon der Rekurrent den
Führerausweis bereits während der von der Vorinstanz verfügten drei Monate
abgegeben hat, besteht nach wie vor ein Rechtsschutzinteresse an der Behandlung
des Rekurses, da die Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften an sich
wie auch deren Qualifikation im Fall einer künftigen Widerhandlung für die Bemessung
der Entzugsdauer (Kaskade) von Bedeutung ist (vgl. Art. 16b Abs. 2 und Art. 16c Abs. 2
des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Auf den Rekurs ist somit
einzutreten.
2.- Umstritten ist ein Führerausweisentzug nach Art. 16c Abs. 1 lit. c SVG wegen
Führens eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem Zustand.
a) Der Rekurrent macht in formeller Hinsicht geltend, die seinerzeitige Entnahme der
Blutprobe sei gesetzeswidrig erfolgt, da sie nur von der Polizei und nicht vom
Staatsanwalt angeordnet worden sei. Es liege eine rechtswidrige
Beweismittelbeschaffung vor, weshalb das Ergebnis der Blutprobe wie auch die sich
darauf abstützende Auswertung durch das IRM nicht verwertbar seien. Die
Tatbestandsmässigkeit des Fahrens unter Drogeneinfluss sei somit nicht erwiesen.
Daran vermöge auch die entsprechende Verurteilung durch das Untersuchungsamt St.
Gallen nichts zu ändern.
bis
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b) aa) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03, abgekürzt: OBG)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Strassenverkehrsgesetz unterscheidet zwischen der leichten,
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlung (Art. 16a bis c SVG). Eine
leichte Widerhandlung nach Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG begeht, wer durch Verletzung
von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und den
dabei nur ein leichtes Verschulden trifft. Mittelschwer ist die Widerhandlung
gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG, wenn der Fahrzeuglenker durch Verletzung von
Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt.
Nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG liegt schliesslich eine schwere Widerhandlung vor,
wenn durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen wird. Eine schwere
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. c
SVG begeht unter anderem, wer wegen Betäubungsmittel- oder Arzneimitteleinflusses
oder aus anderen Gründen fahrunfähig ist und in diesem Zustand ein Motorfahrzeug
führt. Gemäss Art. 2 Abs. 2 lit. a der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11) gilt die
Fahrunfähigkeit grundsätzlich als erwiesen, wenn im Blut des Fahrzeuglenkers THC
nachgewiesen wird. Der Grenzwert, ab welchem von Fahrunfähigkeit auszugehen ist,
liegt für THC bei 1,5 μg/l (vgl. Art. 34 lit. a der Verordnung des ASTRA zur
Strassenverkehrskontrollverordnung, SR 741.013.1).
Nach Art. 55 Abs. 3 lit. a SVG (in der bis 30. September 2016 geltenden Fassung) ist
eine Blutprobe anzuordnen, wenn Anzeichen von Fahrunfähigkeit vorliegen. Soweit
Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit aufgrund des Verdachts einer
Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz oder andere Gesetze durchzuführen
sind, handelt es sich um Beweisabnahmen im Sinn der Strafprozessordnung (SR 312,
abgekürzt: StPO). Diese regelt die Zuständigkeit für die Durchführung und Anordnung
solcher Massnahmen.
Nach Art. 198 Abs. 1 der StPO können Zwangsmassnahmen durch die
Staatsanwaltschaft, die Gerichte und, in den gesetzlich vorgesehenen Fällen, durch die
Polizei angeordnet werden. Bei der Abnahme einer Blutprobe handelt es sich um einen
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Eingriff in die körperliche Integrität (vgl. Art. 252 StPO). Diese Untersuchung an einer
Person stellt eine Zwangsmassnahme im Sinn von Art. 198 StPO dar. Deren
Anordnung kann gemäss Art. 241 Abs. 1 StPO in dringenden Fällen zunächst auch
mündlich erfolgen. Die Blutentnahme ist selbst dann von der Staatsanwaltschaft
anzuordnen, wenn der Betroffene in diese einwilligt. Für eine kantonale Bestimmung,
welche die Zuständigkeit unter bestimmten Bedingungen der Polizei überträgt, besteht
kein Raum (BGE 143 IV 313 E. 5.2 mit Hinweisen). Beweise, die Strafbehörden in
strafbarer Weise oder unter Verletzung von Gültigkeitsvorschriften erhoben haben,
dürfen nicht verwertet werden, es sei denn, ihre Verwertung sei zur Aufklärung einer
schweren Straftat unerlässlich (Art. 141 Abs. 2 StPO).
bb) Die Frage, welches die zugelassenen Beweismittel sind und wie das Gericht den
einschlägigen Sachverhalt feststellt, um die angemessenen Administrativmassnahmen
auszusprechen, fällt in den Bereich des Verwaltungsrechts, welches grundsätzlich
durch das kantonale Recht geregelt wird. Nach Art. 12 VRP ermittelt die Behörde den
Sachverhalt und erhebt die Beweise von Amtes wegen durch Befragen von Beteiligten,
Auskunftspersonen und Zeugen, durch Beizug von Urkunden, Amtsberichten und
Sachverständigen, durch
Augenschein sowie auf andere geeignete Weise. Das Schicksal rechtswidrig erlangter
Beweise ist im kantonalen Recht nicht geregelt. Das öffentlich-rechtliche Prozessrecht
enthält im Gegensatz zum Strafprozessrecht keine explizite Norm zur Verwertbarkeit
rechtswidrig erhobener Beweismittel. Gemäss der Lehre ist die Thematik des
Verwertungsverbots im Verwaltungsrecht nicht restlos geklärt. Nach der Praxis des
Bundes- wie auch des Verwaltungsgerichts sollen beim Vorliegen wichtiger öffentlicher
Interessen (wie beispielsweise Umweltschutz oder Schutz der Gesundheit gegen
erhebliche Beeinträchtigungen) auch rechtswidrig beschaffte Beweise verwertet
werden dürfen, solange der Kerngehalt der Grundrechte gewahrt bleibt. Wenn
rechtswidrig beschaffte Beweise auch rechtmässig hätten beigebracht werden können,
ist ebenfalls eine Abwägung der verschiedenen Interessen vorzunehmen (vgl. BGE 139
II 95 E. 3.1 = Pra 2013 Nr. 83, 120 V 435 E. 3b; Urteile des Verwaltungsgerichts des
Kantons St. Gallen B 2019/54 vom 4. Juli 2019 E. 2.1 und B 2010/277 vom 21. Juni
2011 E. 4.3; PK VRP/SG-Märkli, Art. 12-13 N 16 mit Hinweisen). In der Lehre wird
indessen auch die analoge Anwendung der sehr detaillierten Vorschriften von Art. 141
StPO befürwortet, die Ausdruck eines fairen Prozesses nach Art. 29 Abs. 1 der
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Bundesverfassung (SR 101) seien (Kiener/Rütsche/Kuhn, Öffentliches Verfahrensrecht,
Zürich 2012, N 715).
Im Bereich der Ahndung von Straftaten im Strassenverkehr kennt das schweizerische
Recht das System des Dualismus von Straf- und Administrativverfahren: Das
Strafgericht spricht die von den Strafbestimmungen des SVG und des
Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt: StGB) vorgesehenen Sanktionen aus,
während die zuständigen Administrativbehörden über die in den Art. 16 ff. SVG
vorgesehenen Administrativmassnahmen verfügen. Eine gewisse Koordination dieser
beiden Verfahren drängt sich demnach auf. Die Rechtsprechung legte daher fest, dass
die Verwaltungsbehörde, die über einen Führerausweisentzug entscheidet, in der Regel
nicht von der Sachverhaltsfeststellung eines rechtskräftigen Strafurteils abweichen
darf. Um widersprechende Entscheide nach Möglichkeit zu verhindern, darf die
Administrativbehörde sich nicht ohne ernsthafte Gründe von der Tatsachenfeststellung
durch den Strafrichter entfernen. Von den Feststellungen im konnexen, rechtskräftigen
Strafurteil soll nur abgewichen werden, wenn die Administrativbehörde Tatsachen
feststellt und ihrer Verfügung zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren,
wenn sich die Erhebung zusätzlicher Beweise aufdrängt, wenn die Beweiswürdigung
des Strafrichters eindeutig im Widerspruch zur Tatsachenlage stand oder wenn der
Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche
Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere jene nicht, welche die Verletzung der
Verkehrsregeln betreffen. Die Verwaltungsbehörde hat insbesondere dann auf die
Tatsachen im Strafurteil abzustellen, wenn dieses im ordentlichen Verfahren mit
öffentlicher Verhandlung unter Anhörung der Parteien und Einvernahme von Zeugen
ergangen ist, es sei denn, es bestünden klare Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit dieser
Tatsachenfeststellung; in diesem Fall hat die Verwaltungsbehörde nötigenfalls
selbständige Beweiserhebungen durchzuführen (BGE 129 II 312 E. 2.4 und 124 II 103
E. 1c/aa, bestätigt unter anderem im Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_564/2019
vom 28. Mai 2020 E. 3.2; Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015,
Vorbemerkungen zu Art. 16 ff. SVG N 10). Bei der rechtlichen Würdigung des
Sachverhalts ist die Verwaltungsbehörde grundsätzlich nicht an das Strafurteil
gebunden. Eine Ausnahme besteht dann, wenn die rechtliche Beurteilung sehr stark
von der Würdigung von Tatsachen abhängt, die der Strafrichter besser kennt als die
Verwaltung, etwa, wenn er den Beschuldigten persönlich einvernommen hat (BGE 119
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Ib 158 E. 3c und 136 II 447 E. 3.1). Folglich ist die Verwaltungsbehörde in Fällen, wo
der Strafrichter seine Verfügung lediglich aufgrund eines Polizeirapports und ohne
untersuchungsrichterliche Einvernahme des Betroffenen oder von Zeugen erlassen hat,
nicht an die rechtliche Qualifikation des Sachverhalts im Strafverfahren gebunden
(BGer 1C_413/2014 vom 30. März 2015 E. 2.2 mit Hinweis auf 1C_424/2012 vom
15. Januar 2013 E. 2.3; vgl. auch Entscheid der VRK IV-2016/2 vom 4. Juli 2016 E. 3b,
im Internet abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort unter Rechtsprechung).
c) Der Rekurrent lenkte am 26. Dezember 2014 in St. Gallen einen Personenwagen.
Anlässlich einer Polizeikontrolle fiel der Drogenschnelltest positiv auf Cannabis aus. Die
anschliessend abgenommene und durch das IRM untersuchte Blutprobe ergab eine
mittlere THC-Konzentration von 8,2 μg/l. Die Anordnung der Urin- und Blutentnahme
sowie der anschliessenden Analyse durch das IRM erfolgte dabei durch einen
Stadtpolizisten (act. 18/6, 7 und 18). Die Staatsanwaltschaft war in die Anordnung der
Zwangsmassnahme nicht involviert. Es erfolgte auch keine mündliche (telefonische)
Anordnung durch den Pikettstaatsanwalt. Bei der Entnahme der Blutprobe wurde somit
die Gültigkeitsvorschrift von Art. 198 Abs. 1 lit. a StPO verletzt. Das Ergebnis der
Blutprobe, namentlich die festgestellte THC-Konzentration von 8,2 μg/l, hätte folglich
gestützt auf Art. 141 Abs. 2 StPO im Strafverfahren nicht verwendet werden dürfen,
zumal keine so schwere Straftat vorlag, dass auf das rechtswidrig erlangte
Beweismittel aufgrund wichtiger öffentlicher Interessen trotzdem hätte abgestützt
werden dürfen.
Das Beweisverwertungsverbot ist in jedem Verfahrensstadium und für alle
Entscheidungen während eines Strafverfahrens zu berücksichtigen (BSK StPO-Gless,
2. Aufl. 2014, Art. 141 N 35). Wie zuvor dargelegt, gilt es auch für das
Administrativmassnahmeverfahren, das strafähnliche Züge aufweist, wenn keine
wichtigen öffentlichen Interessen entgegenstehen. Letzteres ist vorliegend nicht der
Fall. Da die Verurteilung des Rekurrenten wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand
vom 5. März 2015 durch den Strafrichter trotz des Beweisverwertungsverbots zu
Unrecht erfolgte, besteht keine Bindung der Administrativbehörden. Diese sind in der
rechtlichen Würdigung ohnehin frei. Der Grundsatz der Koordination des Straf- und
Administrativverfahrens wird deshalb nicht verletzt.
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d) Der Nachweis, dass der Rekurrent am 26. Dezember 2014 ein Fahrzeug unter dem
Einfluss von Cannabis und damit in fahrunfähigem Zustand gelenkt hat, ist damit aus
formellen Gründen nicht erbracht, weshalb die Voraussetzungen für die Verfügung
einer Administrativmassnahme aufgrund dieses Vorfalls nicht erfüllt sind. Die Verfügung
der Vorinstanz vom 17. August 2015 (Führerausweisentzug für drei Monate) ist damit
ersatzlos aufzuheben. Dies entspricht einer Gutheissung des Rekurses.
3.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Staat
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Damit ist das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege gegenstandslos geworden. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– (vgl.
Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12) erscheint angemessen.
b) Bei diesem Verfahrensausgang hat der Rekurrent Anspruch auf volle Entschädigung
der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP), soweit diese aufgrund der Rechts- und
Sachlage als notwendig und angemessen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Im
Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistands angesichts der für einen Laien
nicht einfachen Fragen im Zusammenhang mit der Beweiserhebung geboten. Der
Rechtsvertreter reichte eine Kostennote ein (act. 13). Darin weist er einen Aufwand von
9,25 Stunden aus. Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das
Honorar nicht nach Zeitaufwand, sondern als Pauschale ausgerichtet; der Rahmen liegt
zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung, sGS
963.75; abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
bemessen (Art. 19 HonO). Angesichts der nicht allzu schwierigen Tatsachen- und
Rechtslage, der bereits vorhandenen Kenntnisse des Falls im Zusammenhang mit
anderen Verfahren sowie der langen Verfahrensdauer erscheint das geltend gemachte
Honorar von Fr. 2'405.– als tarifkonform. Hinzuzuzählen sind die Barauslagen von
Fr. 96.20 (Art. 28 Abs. 1 HonO, 4 % auf Fr. 2'405.–) und die Mehrwertsteuer von
Fr. 190.50 (Art. 29 HonO; 7,7 % auf Fr. 520.– und 8,0 % auf Fr. 1'885.–), so dass die
ausseramtliche Entschädigung insgesamt Fr. 2'595.85 beträgt; kostenpflichtig ist der
Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).