Decision ID: b16a7b7d-9ac8-5eed-97c2-cd8860a31b87
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer ist syrischer Staatsangehöriger arabischer Eth-
nie und stammt aus B._, wo er gemäss seinen Angaben in Syrien
zuletzt wohnte. Er stellte am 15. September 2015 im Empfangs- und Ver-
fahrenszentrum (EVZ) in Basel ein Asylgesuch. Er wurde am 24. Februar
2016 und am 19. September 2016 beim SEM angehört (A8, A13). Als Do-
kumente gab er sein Diplom des (...)studiums, den Anstellungsbeschluss
als (...)(respektive eine Beförderung "von der zweiten in die erste Katego-
rie als [...]"), den Entlassungsbeschluss (in den Akten in Kopie mit Über-
setzungen (A9 BM 10, 12-14), seine Identitätskarte im Original (A9 BM 16),
Fotos (A9 BM 11) sowie verschiedene Ausdrucke aus dem Internet (A9
BM1-9) ab.
A.b Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen Folgendes geltend:
Nach Abschluss seines (...)studiums im Jahr 1997 habe er die Grundaus-
bildung des syrischen Militärdienstes geleistet. Danach habe er (...) in der
Umgebung von B._ (...), ab 2003 sei er (...) in B._ gewesen.
Er habe von 2004 bis 2007 ausserdem (...) studiert, dieses Studium aber
nicht abgeschlossen. Bei Beginn der Demonstrationen in Syrien habe er
angefangen, sich politisch zu betätigen. Sie hätten Demonstrationen orga-
nisiert, Plakate und Transparente geschrieben, die Demonstrationen foto-
grafiert sowie gefilmt und die Videos und Fotos nach Qamishli geschickt,
damit diese bei Nachrichtenkanälen wie Arabia, Al-Jazeera und Orient ge-
zeigt wurden. Die Demonstrationen seien häufiger und grösser geworden.
Am 6. März 2012 sei er (...) vom politischen Sicherheitsdienst festgenom-
men und an einen unbekannten Ort gebracht worden. Er sei in der Folge
immer wieder geschlagen, misshandelt sowie gedemütigt worden und man
habe ihm gedroht, die Finger abzuschneiden, damit er nicht mehr Plakate
herstellen könne; es seien ihm Fotos von den Plakaten, die er angefertigt
habe, gezeigt worden. Er sei schliesslich am 8. Mai 2012 aus der Haft ent-
lassen worden, nachdem er versprochen habe, sich nicht mehr gegen As-
sad aufzulehnen und nichts mehr zu machen. In der Folge habe er nicht
mehr an Demonstrationen teilgenommen.
Am 8. August 2012 sei er im Rahmen einer Massenverhaftung in seinem
Wohnquartier C._ in B._ durch den militärischen Sicher-
heitsdienst festgenommen worden. Obwohl er sich seit der Haftentlassung
nicht mehr politisch engagiert habe, sei ihm wiederum die Teilnahme an
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Demonstrationen vorgeworfen worden beziehungsweise er sei beschuldigt
worden, «die Leute in Bewegung gebracht zu haben». Wiederum sei er
geschlagen, verbal gedemütigt und bedroht worden. Am 10. September
2012 sei er aus der Haft entlassen worden. Nachträglich habe er erfahren,
dass sein Bruder für die Haftentlassung 500'000 syrische Lira bezahlt
habe. Er habe sich in der Folge auch weiterhin nicht mehr an Demonstra-
tionen beteiligt.
Von Anfang 2013 bis November 2014 habe das syrische Regime keinen
Zugang zu seinem Wohnquartier mehr gehabt, weil es dort eine bewaffnete
Einheit gegeben habe, die das Quartier abgeschirmt habe. Ende Novem-
ber 2014 habe die Regierung das Wohnquartier zwecks Umsiedlung mili-
tärisch umstellt. Dabei hätten sämtliche Zivilisten – darunter auch er – das
Quartier verlassen. Nach der Rückkehr hätten sie die Häuser ausgeraubt
vorgefunden. Am 3. Dezember 2014 sei er abends zuhause vor dem Fern-
seher gesessen, als laut an die Tür geklopft worden sei. Weil dort eine Ka-
mera platziert gewesen sei, habe er bewaffnete Männer in Zivil gesehen.
Er sei davon ausgegangen, dass dies wiederum Leute von der Regierung
gewesen seien. Er habe sein Mobiltelefon und seinen Ausweis genommen,
habe die Wohnung über das Dach verlassen und sei über die Dächer ge-
flüchtet. Er habe weit entfernt von seinem Haus (am anderen Ende des
Quartiers) bei einem Freund übernachtet. Am nächsten Morgen habe er
sich auf den Weg zu seiner Schwester nach D._ gemacht und un-
terwegs in E._ einen Freund aufgesucht, um Geld zu holen. In
E._ sei er vom sogenannten "Islamischen Staat" (IS) verhaftet wor-
den. In der IS-Haft sei er geschlagen und gefoltert worden. Ihm sei im We-
sentlichen vorgeworfen worden, er habe sich gegen das Tragen von Waf-
fen ausgesprochen, und es sei von ihm verlangt worden, die Leute aufzu-
fordern, sich dem IS anzuschliessen. Von den Verletzungen in der IS-Haft
habe er bis heute Narben. Schliesslich sei er vor einen Richter des IS, der
aus Saudi Arabien stammte, geführt worden; dieser habe seine Freilas-
sung angeordnet, weil er als Zivilist "nichts Schlimmes getan" habe. Aufla-
gen habe es keine gegeben. Am 11. Januar 2015 sei er freigelassen wor-
den. Zurückgekehrt zu seinem Freund nach E._, habe er erfahren,
dass er von zwei Personen aus B._ an den IS verraten worden sei.
In der Folge sei er zu seiner Schwester nach D._ gegangen. Dort
habe er erfahren, dass nach seiner Flucht vom 3. Dezember 2014 sein
Bruder F._, der sich am nächsten Tag bei den Behörden erkundigt
habe, was die bewaffneten Männer am Vorabend von ihm – dem Be-
schwerdeführer – gewollt hätten, an seiner Stelle verhaftet und nach Da-
maskus mitgenommen worden sei und in der Folge dort verstorben sei. Er
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sei in einem Massengrab beerdigt worden. Ab Januar 2015 bis zur Aus-
reise sei er bei seiner Schwester in D._ geblieben. Etwa am 1. Sep-
tember 2015 sei er, um seine Familie nicht weiter zu gefährden, ausgereist.
B.
Am 24. August 2016 wurde der Beschwerdeführer vom Bundesamt für Po-
lizei (Fedpol), Bundeskriminalpolizei (BKP), wegen Verdachts des Verstos-
ses gegen Art. 2 des Bundesgesetzes über das Verbot der Gruppierung
«al-Qaïda» und «Islamischer Staat» sowie verwandter Organisationen
vom 12. Dezember 2014 (SR 122) als Auskunftsperson polizeilich einver-
nommen (A14). Die BKP stellte am 26. Oktober 2016 bei der Bundesan-
waltschaft Strafanzeige gegen ihn. Am 4. Oktober 2017 erfolgte eine dele-
gierte Einvernahme des Beschwerdeführers durch die BKP als Beschuldig-
ter (A23). Am 21. August 2018 stellte die Bundesanwaltschaft die Strafun-
tersuchung gemäss Art. 319 ff. StPO (SR 312.0) ein (A27).
C.
Mit Verfügung vom 15. Oktober 2019 (eröffnet am 16. Oktober 2019; A38
f.) verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers, lehnte sein Asylgesuch ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Gleich-
zeitig schob sie den Vollzug der Wegweisung infolge Unzumutbarkeit zu
Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf und beauftragte den Kanton
G._ mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme.
D.
D.a Am 15. November 2019 (Postaufgabe) erhob der Beschwerdeführer
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, beantragte die Aufhebung
der Verfügung vom 15. Oktober 2019 und die Gewährung von Asyl. Even-
tualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und die Sache zur Neube-
urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Er beantragte weiter, es sei
ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen, auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses zu verzichten und ihm ein Rechtsbeistand seiner Wahl
zu bestellen (Beschwerdeakten [B-act.] 1).
D.b Am 20. November 2019 ging die Sozialhilfebestätigung H._ ein
(B-act. 4).
D.c Mit Zwischenverfügung vom 22. November 2019 hielt die Instruktions-
richterin fest, dass der Beschwerdeführer aufgrund der vom SEM angeord-
neten vorläufigen Aufnahme den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz
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abwarten dürfe, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und verschob den Entscheid betreffend das Gesuch um Gewährung der
amtlichen Verbeiständung auf einem späteren Zeitpunkt. Sie forderte den
Beschwerdeführer gleichzeitig auf, eine Rechtsverbeiständung zu bezeich-
nen, welche amtlich beigeordnet werden solle, und eine entsprechende
Vollmacht einzureichen (B-act. 5).
D.d Nach Einreichung einer Vollmacht vom 29. November 2019 hiess die
Instruktionsrichterin das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung am
4. Dezember 2019 gut und ordnete dem Beschwerdeführer MLaw Sophia
Delgado als amtliche Rechtsbeiständin bei (B-act. 7).
D.e In ihrer Vernehmlassung vom 19. Dezember 2019 hielt die Vorinstanz
an ihrem Standpunkt und ihren Erwägungen vollumfänglich fest (B-act. 8).
D.f Replikweise hielt der Beschwerdeführer – nunmehr durch seine
Rechtsvertreterin – am 2. März 2020 an den Ausführungen seiner Be-
schwerde fest und beantragte wiederum die Gutheissung der Beschwerde,
eventualiter sei die Sache für weitere Abklärungen und zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen (B-act. 14).
Der Replik legte er die Akten der BKP (Einvernahme als Auskunftsperson
vom 24. August 2016, delegierte Einvernahme als Beschuldigter vom
4. Oktober 2017; vgl. oben Bst. B) beziehungsweise der Bundesanwalt-
schaft (Einstellungsverfügung vom 21. August 2018, vgl. oben Bst. B) bei.
D.g Am 19. März 2019 reichte die Rechtsvertreterin ihre Kostennote für
den Zeitraum vom 29. November 2019 bis 28. Februar 2020 ein (B-act.
15).
E.
Mit Schreiben vom 24. Juni 2021 erkundigte sich der Beschwerdeführer
nach dem Verfahrensstand und ersuchte um eine beförderliche Behand-
lung seiner Beschwerde. Die Instruktionsrichterin beantwortete die Anfrage
mit Schreiben vom 29. Juni 2021.
F.
Am 19. Oktober 2021 reichte der Beschwerdeführer aufforderungsgemäss
seinen «Nachweis Bedürftigkeit» mit ausgefülltem Formular «Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege» nebst Belegen ein (B-act. 23).
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.5 Nachdem das SEM eine vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers
verfügt hat, sind Gegenstand des Beschwerdeverfahrens die Verneinung
der Flüchtlingseigenschaft, die Verweigerung des Asyls sowie die Anord-
nung der Wegweisung als solche.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
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3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1
4.1.1 Das SEM hielt in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen hin-
sichtlich der Festnahme beziehungsweise Entführung durch den IS am
5. Dezember 2014 und der anschliessenden Haft fest, der Beschwerdefüh-
rer habe die Festnahme in zwei komplett verschiedenen Versionen geschil-
dert. Die Umstände seien widersprüchlich und daher als unglaubhaft ein-
zuschätzen. In der ersten Version sei er von einer Person, die er nament-
lich genannt habe, bei seinem Freund in E._ zuhause am Freitag-
abend, 5. Dezember 2014, mitgenommen worden (A8 F57 S. 10 oben).
Gemäss der zweiten Version habe er bei einem Freund in E._ über-
nachtet. Am nächsten Tag sei er zusammen mit diesem auf einem Motorrad
zu einem Internetcafé beim Markt gefahren und auf dem Weg von mehre-
ren Personen, die nach seinem Namen gefragt hätten, in einem Pick-Up
entführt worden (A13, F23-F28). Er habe die Unterschiede in den Schilde-
rungen nicht erklären können. Zudem seien die Angaben zur Tageszeit der
Festnahme unvereinbar und die Konversation mit den IS-Leuten unter-
schiedlich.
Auch hinsichtlich der IS-Haft stellte das SEM Unterschiede in den Schilde-
rungen des Beschwerdeführers fest. Gemäss seinen Angaben in der ers-
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ten Anhörung sei er während der gesamten Haft beim IS immer wieder ge-
schlagen und gefoltert worden (A8 F57-60). In der zweiten Anhörung habe
er indes explizit erklärt, dass er nur in den ersten sieben Tagen der insge-
samt 37-tägigen Haft misshandelt worden sei (A13 F41).
Schliesslich habe er auch den Anlass, der angeblich zielgerichtet gegen
seine Person zur Festnahme und anschliessenden Haft durch den IS ge-
führt habe, widersprüchlich dargestellt. Einerseits habe er dargelegt, zwei
ihm namentlich bekannte Personen aus seinem Wohnquartier hätten ihn
an den IS verraten, wie er von seinem Freund erfahren habe. Andererseits
habe er zu Protokoll gegeben, nicht zu wissen, wer ihn verraten habe; er
sei sich nicht sicher bezüglich der Denunzianten und wolle keine Falsch-
angaben machen. Insgesamt bleibe der Grund, weshalb ausgerechnet der
Beschwerdeführer vom IS gezielt festgenommen und einer mehrwöchigen
Haft mit Folterungen und Verhören unterzogen worden sei, in der Gesamt-
betrachtung der Angaben unklar beziehungsweise vage und damit nicht
genügend substantiiert (A8 F57-60; A13 F31 f., F37f., F41).
Unter diesen Umständen seien seine Vorbringen bezüglich der Festnahme
beziehungsweise Entführung und Haft mit Folter und Verhören durch den
IS als unglaubhaft gemäss Art. 7 AsylG zu beurteilen. Seiner geltend ge-
machten Furcht vor einer erneuten IS-Verfolgung bei einer Rückkehr nach
Syrien sei demzufolge die Grundlage entzogen, sodass auf die Aktualität
bezüglich der IS-Präsenz in B._ nicht weiter eingegangen werden
müsse. Die dargelegten Widersprüche würden die Glaubhaftigkeit seiner
Angaben im Asylverfahren insgesamt erschüttern. Das SEM behalte sich
vor, weitere Unglaubhaftigkeitselemente (wie beispielsweise, dass er an-
geblich Namen und Herkunft von vier IS-Wächtern habe erfahren können,
bei denen es sich allerdings um im IS-Kontext relativ geläufige Namen
handle) allenfalls später anzuführen (A38 Teil II E. 1.1 ff. S. 6 f.).
4.1.2 Zum Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend eine Verfolgung
durch das syrische Regime am 3. Dezember 2014 stellte das SEM eben-
falls Unglaubhaftigkeitselemente fest. Einerseits habe er angegeben, beim
Auftauchen der Sicherheitsleute des syrischen Regimes sei er mit seiner
Schwester zuhause gewesen; andererseits sei er angeblich alleine gewe-
sen (A8, F57, S. 9; A13, F76). Der Unterschied, ob er im Moment des Er-
scheinens der syrischen Sicherheitskräfte mit seiner Schwester zuhause
gewesen sei oder alleine, sei entscheidend, zumal seinen Angaben ge-
mäss die Schwester nicht fix bei ihm gewohnt habe (A13 F105 f.). Es sei
auch nicht nachvollziehbar, dass er, obwohl er sich das Bein bei der Flucht
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gebrochen habe, sich einer Festnahme durch die syrischen Sicherheits-
kräfte durch die Flucht über die Hausdächer habe entziehen können (A38
Teil II E. 1.2 – 1.2.2 S. 7 f.).
4.1.3 Auch hinsichtlich der Angaben zu den zwei Inhaftierungen des Be-
schwerdeführers im Jahr 2012 zog das SEM verschiedene Unglaubhaftig-
keitskriterien in Erwägung. Die entsprechenden Aussagen seien teils nicht
genügend konsistent und präzise. Widersprüchlich habe er ferner geschil-
dert, wie und von wem er von der Festnahme seines Bruders durch die
syrischen Behörden im Dezember 2014 erfahren habe. Im Übrigen sei
nicht nachzuvollziehen, dass er nach zwei (angeblichen) Inhaftierungen
durch das syrische Regime (wovon die zweite gemäss seinen Angaben
grundlos gewesen sei) sich nicht vor weiteren Konsequenzen gefürchtet
habe und keine Vorsichtsmassnahmen getroffen oder sein Zuhause ver-
lassen, sich nicht versteckt habe oder (früher) geflohen sei. Dies gelte auch
für den Bruder F._, welcher sich trotz den beiden Inhaftierungen
des Beschwerdeführers zu den Behörden begeben habe, um nach dem
Grund für die Verfolgung zu fragen (A38 Teil II E. 1.2.3 – 1.2.6 S. 8 f.).
4.1.4 Angesichts der Aussagen des Beschwerdeführers zu den jeweiligen
Haftbedingungen und Folterungen führte das SEM aus, es könne nicht
ausgeschlossen werden, dass er einmal aus anderen Gründen und in ei-
nem anderen Kontext inhaftiert gewesen sei, oder – mit Bezug auf die Ein-
vernahmen durch die BKP und die vorliegende Aktenlage – ein Gefängnis
mit entsprechenden Haftbedingungen aus der Perspektive einer nicht in-
haftierten Person, wie z. B. Gefängnispersonal, erlebt haben könnte. We-
gen den festgestellten Unglaubhaftigkeitselementen sei indessen zwin-
gend davon auszugehen, dass er nicht im angegebenen politischen Kon-
text und Zeitpunkt durch das syrische Regime festgenommen, misshandelt
und inhaftiert worden sei (A38 S. 10 oben).
4.1.5 Zu den eingereichten Beweismitteln (A9) führte die Vorinstanz aus,
diese vermöchten die vorstehenden Erwägungen nicht zu erschüttern. Was
den Entlassungsentscheid (gemäss SEM: des IS, BM10) betreffe, sei die-
ser nur in Kopie eingereicht worden. Seine Echtheit könne daher nicht
überprüft werden. Zu den eingereichten Fotos hinsichtlich der Narben aus
der IS-Haft (BM11) erwog das SEM, diese würden auf unglaubhaften Vor-
bringen beruhen; die Narben könnten in einem anderen Kontext entstan-
den sein. Was die Internetausdrucke (BM3, BM4, BM6, BM9, BM1 und
BM8) betreffe, handle es sich um Unterlagen wie Facebook-Einträge oder
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Blogs, die nicht offizielle oder staatliche Meinungen oder Äusserungen in-
ternational anerkannter NGOs, sondern lediglich Berichte und Einträge von
Drittpersonen beinhalten würden; solche Einträge seien leicht manipulier-
bar; bei Nachforschungen seien ferner die Webadressen teilweise nicht
auffindbar gewesen; deren Echtheit sei deshalb anzuzweifeln. Den Be-
weismitteln komme letztlich nur der Beweiswert von Gefälligkeitsschreiben
zu (A38 Teil II E. 1.3 ff. S. 10 ff.). Soweit sich die Beweismittel auf die Iden-
tität und berufliche Laufbahn des Beschwerdeführers bezögen, könnten sie
die Asylvorbringen nicht belegen.
4.1.6 Ergänzend erwog das SEM, dass die Vorbringen bezüglich der bei-
den Inhaftierungen im Jahr 2012 insofern nicht asylrelevant seien, als sie
einerseits gegen Auflagen beziehungsweise Geldzahlung abgegolten und
somit nicht mehr kausal zur Ausreise am 1. September 2015, dreieinhalb
Jahre danach, gewesen seien. Andererseits seien, auch in Anbetracht der
unglaubhaften Verfolgung durch das Regime am 3. Dezember 2014, ge-
mäss den vorliegenden Akten keine konkreten Hinweise für eine objektiv
begründete Furcht vor einer aktuellen oder künftigen Verfolgung durch das
syrische Regime vorhanden. Aus diesen Gründen komme den Vorbringen
betreffend die zwei Inhaftierungen im Jahr 2012 ebenfalls keine Asylrele-
vanz zu (A 38 S. 12 Mitte).
4.1.7 Zum Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft und einer aktuell begrün-
deten Furcht im Sinne von Art. 3 AsylG führte die Vorinstanz aus, die An-
gaben des Beschwerdeführers zur allgemeinen politischen Situation in Sy-
rien, vor allem während den Jahren 2011 bis 2014, würden sich auf die
allgemeine politische und sicherheitsrelevante Lage in Syrien (in dieser
Zeit) beziehen. Dies gelte auch für die von ihm genannte zwangsweise
Umsiedlung und das Ausrauben von leerstehenden Häuser. Die diesbe-
züglichen Vorbringen begründeten keine gegen ihn persönlich gerichtete
Verfolgung, sondern bezögen sich primär auf die allgemeine Lage und
seien nicht asylrelevant. Auch hinsichtlich der angegebenen Teilnahme an
Demonstrationen lägen keine objektiven Hinweise für eine aktuelle begrün-
dete Furcht vor Verfolgung vor.
4.2 Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde geltend, seine
Angaben hinsichtlich den beiden Inhaftierungen im Jahr 2012 seien nicht
widersprüchlich, und äusserte sich weiter zu einigen von der Vorinstanz
geltend gemachten Differenzen in seinen Aussagen. Ausserdem würden
sich von der Vorinstanz geltend gemachte Widersprüche aus der mangel-
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haften Übersetzung ergeben. Er habe die Mangelhaftigkeit der Überset-
zung aufgrund seiner fehlenden Deutschkenntnisse nicht bemerkt, aber die
Hilfswerksvertretung (HWV) habe dies auf dem Unterschriftenblatt ange-
merkt. Was das Beweismittel 10 anbelange, betreffe dieses nicht – wie
fälschlicherweise in der Verfügung ausgeführt – seine Entlassung aus der
IS-Haft, sondern vielmehr seine Entlassung aus der (...).
Zur Sache führte er im Wesentlichen Folgendes an: Der dritten Verhaftung
durch das syrische Regime Anfang Dezember 2014 habe er sich durch
Flucht entziehen können. Bei seiner Flucht habe er einen Misstritt gemacht,
nicht das Bein gebrochen. Seine Schwester sei an jenem Abend auch zu-
hause gewesen; sie habe die Tür geöffnet, weil für sie keine Gefahr be-
standen habe. Es handle sich um ihr Elternhaus, seine Schwester gehe
dort ein und aus. Auch bezüglich dem Verhaftungszeitpunkt durch den IS
bestehe kein Widerspruch, es sei am Freitagabend beim Eindunkeln ge-
wesen. Was die Umstände betreffe, sei ihm nicht klar, weshalb im ersten
Anhörungsprotokoll stehe, es sei bei seinem Freund zuhause gewesen. Er
sei bei der Anhörung sehr aufgeregt und aufgewühlt gewesen, was auch
aus dem Protokoll hervorgehe (A8 f. F50 ff.). Die Erlebnisse seien sehr
traumatisch für ihn, er wolle dies alles so schnell wie möglich vergessen.
Die Festnahme habe auf dem Nachhauseweg aus dem Internetcafé statt-
gefunden, am Freitagabend beim Eindunkeln. Sie seien gerade daran ge-
wesen, auf das Motorrad zu steigen, als die Leute vom IS gekommen seien
und ihn mitgenommen hätten. Er habe dies so auch bei den Befragungen
bei der BKP erzählt. Bei der Gefangenschaft des IS sei er in den ersten
Tagen gefoltert worden. Schliesslich äusserte er sich zu den in der Verfü-
gung vorgebrachten Widersprüchen hinsichtlich seiner Angaben in den bei-
den Anhörungen, wonach er an den IS verraten worden sei (B-act. 1).
4.3 In ihrer Vernehmlassung vom 19. Dezember 2019 hielt die Vorinstanz
im Wesentlichen an ihren Erwägungen fest. Hinsichtlich der vorgebrachten,
angeblich durch sprachliche Probleme bedingten Widersprüche hielt sie
fest, dass es sich dabei um sachliche Diskrepanzen handle, die nicht durch
eine ungenaue Übersetzung der Dolmetscherin erklärbar seien. In beiden
Anhörungen habe der Beschwerdeführer angegeben, dass er die Dolmet-
scherin «gut» beziehungsweise «sehr gut» verstanden habe (A13 F1,
F116; A8 F1). Dies widerspreche seinen Ausführungen in der Beschwerde-
schrift. Ausserdem sei dem Beschwerdeführer das Protokoll jeweils rück-
übersetzt worden und er habe damit die Möglichkeit gehabt, alles zu prü-
fen. Er habe sich mit dem übersetzten Inhalt der beiden Protokolle unter-
schriftlich einverstanden erklärt, weshalb seine diesbezüglichen Einwände
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fehl gingen. Hinsichtlich Beweismittel 10 (Entlassungsentscheid) sei nicht
auszuschliessen, dass es sich um ein Missverständnis handle und der Ent-
scheid von (...) (und nicht vom IS) stammen könnte. Ein allfälliger Entlas-
sungsentscheid (...) ändere indes nichts, da eine (...)entlassung keine Ver-
folgung durch das syrische Regime oder den IS belege.
Bezüglich der verschiedenen festgestellten Unglaubhaftigkeitselemente
wies das SEM darauf hin, dass die Protokolle der Einvernahmen durch die
BKP ebenfalls mehrere Widersprüche beinhalten würden, übersetzt wor-
den seien und der Beschwerdeführer sich mit dem ihm übersetzten Inhalt
einverstanden erklärt habe. Die BKP und die Bundesanwaltschaft hätten
ebenfalls Widersprüche in den Vorbringen des Beschwerdeführers festge-
stellt. Damit seien seine Vorbringen anlässlich von mehreren Befragungen
und durch mehrere Schweizer Behörden als unglaubhaft beurteilt worden
(B-act. 8).
4.4 In seiner Replik verwies der Beschwerdeführer einleitend darauf, dass
aufgrund der vermerkten Hinweise der Hilfswerkvertretung klar ersichtlich
sei, dass die Dolmetscherin nicht bloss «ungenau» übersetzt habe, son-
dern dass grobe Mängel in der Übersetzung bestanden hätten, welche
häufiges Nachfragen durch die Sachbearbeiterin und Protokollführerin nö-
tig gemacht hätten. Es sei offensichtlich, dass in einem solchen Kontext
inhaltliche Übersetzungsfehler passieren würden, die über das «ungenaue
Übersetzen» hinausgehen würden. Diese Fehler dürften ihm nicht als Wi-
dersprüche und Unglaubhaftigkeitselemente vorgehalten werden. Auf-
grund seiner mangelhafter Deutschkenntnisse habe er keine Möglichkeit
gehabt, die Falschübersetzung zu erkennen. Somit habe er auch bei der
Rückübersetzung nicht überprüfen können, ob inhaltliche Mängel vorhan-
den gewesen seien, da diese wahrscheinlich wieder falsch rückübersetzt
worden seien. Was den Entlassungsentscheid (...), in welcher er (...) ge-
wesen sei, betreffe (BM10), handle es sich offensichtlich um ein Missver-
ständnis. Der Entscheid datiere gemäss der aktenkundigen Übersetzung
nicht vom 21. Dezember 2014, sondern vom 23. August 2015. Er sei ent-
lassen worden, nachdem er seiner Arbeit 15 Tage unerlaubt ferngeblieben
sei. In der Anhörung habe er angegeben, dass er in dieser Zeit im Gefäng-
nis beim IS gewesen sei (A8 F60). Hinsichtlich dieses Dokuments sei nicht
nachvollziehbar, dass die Vorinstanz auch nach Übersetzung des Doku-
ments davon ausgegangen sei, dass es sich um einen Entlassungsent-
scheid des IS handle. Das Beispiel zeige exemplarisch, dass die Befragung
und Sachverhaltsermittlung in seinem Asylverfahren unpräzis und mangel-
haft verlaufen sei und die Vorinstanz es unterlassen habe, durch gezieltes
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Nachfragen Klarheit zu schaffen. Insgesamt habe die Vorinstanz den Un-
tersuchungsgrundsatz verletzt, zumal sie von Amtes wegen für die richtige
und vollständige Abklärung des Sachverhalts hätte sorgen müssen. Des-
halb sei die Sache, im Sinne des Eventualantrags der Beschwerde, für wei-
tergehende Abklärungen und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen.
Soweit Widersprüche hinsichtlich der Festnahme durch den IS nicht durch
die Ungenauigkeit der Übersetzung hätten geklärt werden können, sei er-
gänzend festzuhalten, dass er mehrere Wochen festgehalten worden sei;
die Narben an seinem Rücken würden von den Folterungen während der
Haft beim IS zeugen. Es bereite ihm noch heute Mühe, darüber zu erzäh-
len. Erläuternd zur Beschwerde könne ergänzt werden, dass sich das In-
ternetcafé in der Nähe des Hauses seines Freundes befunden habe und
sie beide mit dem Motorrad hingefahren seien, weil er sich bei der Flucht
durch einen Misstritt den Fuss verletzt und dabei einen Zeh gebrochen
habe. Hinsichtlich der beiden Inhaftierungen durch das syrische Regime
habe er ausführlich und stringent berichtet und mittels Gesten ausführlich
dargestellt, wie die Festnahme abgelaufen sei. Auch habe er während der
ganzen Schilderung seiner Festnahme und Folter stark gezittert, was ein
weiteres Realkennzeichen sei (A8 F50 ff.). Die wenigen Unklarheiten be-
züglich einzelner Punkte vermöchten seine generelle Glaubwürdigkeit
nicht umzustossen, zumal diese – im Übrigen nebensächlichen – Diskre-
panzen durch sprachliche Unklarheiten und Fehler bei der Übersetzung
erklärt werden könnten.
Hinsichtlich der Protokolle der polizeilichen Befragungen sei überdies frag-
lich, ob diese für das Asylverfahren überhaupt verwendbar seien, zumal die
Schwerpunkte und die Akzente in einer Asylbefragung sich wesentlich von
einer Befragung im Strafverfahren unterscheiden würden. Das Strafverfah-
ren sei eingestellt worden. Die Vorinstanz sei jedoch trotz der geltenden
Unschuldsvermutung voreingenommen gewesen und nehme direkten Be-
zug auf das Strafverfahren, indem sie davon ausgehe, dass er die geschil-
derte Folter und die Haftbedingungen nicht selbst erlebt, sondern aus Per-
spektive einer nicht inhaftierten Person (wie z.B. Gefängnispersonal) erlebt
habe. Die Annahme stützte sich lediglich auf die Beschuldigungen im –
eingestellten – Strafverfahren. Die Einschätzung der Vorinstanz im Hinblick
auf die detaillierten und mit zahlreichen Realkennzeichen versehenen Aus-
sagen im Asylverfahren seien verfehlt, und sie habe bei ihrer Beurteilung
der Glaubhaftmachung statt einer Gesamtbetrachtung aller Elemente nur
diejenigen Elemente berücksichtigt, welche gegen ihn sprechen würden.
E-6044/2019
Seite 14
Er wies weiter darauf hin, dass sich die Beschuldigungen im Strafverfahren
einzig auf Aussagen anderer Asylsuchender abgestützt hätten, bei denen
er zum Teil selbst einen Verdacht auf eine Verbindung zum IS geäussert
habe (B-act. 14).
5.
5.1 Die Vorinstanz verneint die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers, da seine Vorbringen weder die Anforderungen an das Glaubhaftma-
chen gemäss Art. 7 AsylG noch die Voraussetzungen einer aktuellen
Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllen würden. Sie hält
insbesondere die zentralen Fluchtgründe – die Flucht vor dem syrischen
Regime am 3. Dezember 2014, mit einem Aufenthalt bei einem Freund in
E._, wo der Beschwerdeführer durch den IS verhaftet worden sein
soll, sowie die anschliessende IS-Haft – nicht für glaubhaft, da seine Anga-
ben dazu widersprüchlich und teilweise vage sowie nicht genügend sub-
stantiiert seien.
Wie aus den nachfolgenden Erwägungen hervorgeht, schliesst sich das
Bundesverwaltungsgericht dieser Auffassung an.
5.1.1 Die vom Beschwerdeführer in den Anhörungen des SEM geltend ge-
machten Angaben erweisen sich nicht als logisch und – wie die Vorinstanz
zu Recht dargelegt hat – an massgebenden Stellen als widersprüchlich.
Die geschilderte überstürzte Flucht am 3. Dezember 2014 im Pyjama ein-
zig mit Ausweis und Handy über die Dächer erscheint übermässig drama-
tisch, und es bleibt aufgrund der verschiedenen Versionen der Angaben
unklar, ob der Beschwerdeführer an dem Abend alleine zuhause oder auch
noch seine Schwester anwesend gewesen sei, die gemäss Angabe in der
Beschwerde den syrischen Sicherheitskräften gar die Tür geöffnet haben
soll (B-act. 1 S. 5). Es ist – in Berücksichtigung der geltend gemachten
Vorgeschichte mit zwei Inhaftierungen durch das syrische Regime im Jahr
2012 – nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer relativ sorglos
vor dem Fernseher gesessen haben will, im Wissen, dass seit Rückkehr
der syrischen Regimes ins Quartier die Sicherheitskräfte von Haus zu Haus
gegangen seien und die Leute einfach mitgenommen hätten (A8 F57). Un-
ter diesen Umständen erweist sich auch die Erwägung der Vorinstanz als
korrekt, dass es sich nicht als nachvollziehbar erweist, dass der Bruder des
Beschwerdeführers sich am nächsten Tag bei den Behörden nach den Ge-
schehnissen erkundigt habe, da auch er um die Gefahr durch die syrischen
Behörden hätte wissen müssen. Es bleibt ebenfalls ungeklärt, in welchem
Mass der Beschwerdeführer sich bei seiner Flucht über die Dächer verletzt
E-6044/2019
Seite 15
hat und welche Auswirkungen dies auf die weitere Flucht hatte, da er beim
SEM dazu keine Angaben machte (siehe dazu hiernach E. 5.1.2).
5.1.2 Auch die Umstände der Verhaftung durch den IS sind widersprüchlich
und nicht nachvollziehbar. In einer Version soll der Beschwerdeführer am
Freitag in der Nacht bei seinem Freund zuhause verhaftet worden sein von
einer namentlich genannten Einzelperson (A8 F57 S. 10), gemäss einer
anderen Version sei die Verhaftung bei einem Internetcafé in der Nähe des
Wohnortes des Freundes erfolgt (A13 F23). Im Beschwerdeverfahren wird
geltend gemacht, der Beschwerdeführer habe sich auf der Flucht über die
Dächer am 3. Dezember 2014 bei einem Misstritt den Fuss verletzt und
dabei den Zeh gebrochen (B-act. 1 S. 5 und B-act. 14 S. 4). Obwohl es
sich bei einer derartigen Fussverletzung in der beschriebenen Fluchtsitua-
tion um ein entscheidendes Detail handelt, hat der Beschwerdeführer dies
bei den Anhörungen des SEM nicht erwähnt, was erhebliche Zweifel weckt,
zumal dies eine Behandlung nach sich zog beziehungsweise den Be-
schwerdeführer wohl während einer gewissen Zeit beim Gehen beeinträch-
tigte. Jedenfalls dürfte es sich um eine gröbere Verletzung als nur den
Bruch des Zehs gehandelt haben, zumal der Beschwerdeführer am 20.
Februar 2015, zweieinhalb Monate nach der Flucht aus B._ und
dem Misstritt respektive knapp sechs Wochen nach der angegebenen Ent-
lassung aus der IS-Haft, noch eine Gehhilfe benötigte. Unter diesen Um-
ständen ist das Verschweigen dieses «Details» hinsichtlich der Flucht nicht
nachvollziehbar und stellt die Glaubhaftigkeit der Darstellungen in Frage.
5.1.3 Weiter konnte der Beschwerdeführer – wie die Vorinstanz zu Recht
ausführt – nicht nachvollziehbar erklären, weshalb er – als (ehemaliger)
Gegner des syrischen Regimes und (Mit-)Organisator der ersten Proteste
im Frühling 2011 – auf seiner erneuten Flucht vor dem syrischen Regime
gezielt vom IS gesucht und verhaftet worden sein sollte. Ausserdem ist
nicht logisch, dass der IS aufgrund der Hinweise von Denunzianten in
B._, die den Beschwerdeführer verraten haben sollen, gewusst ha-
ben soll, dass er sich an diesem Nachmittag oder Abend in E._ bei
dem genannten Internetcafé (oder beim Freund zuhause) aufhalte. Die
Aussagen zu den Personen, die ihn angeblich beim IS denunziert haben
sollen, sind denn auch wiederum widersprüchlich ausgefallen. Einerseits
nannte der Beschwerdeführer beim SEM die Namen zweier Personen, die
ihn denunziert hätten (A8 F60); andererseits nannte er die selben Namen
in der zweiten SEM-Befragung in anderem Zusammenhang als zwei an-
gebliche IS-Angehörige aus seinem Wohnquartier in B._ (A13 F 10
ff.), ohne nun aber einen Zusammenhang zur Denunzierung zu machen
E-6044/2019
Seite 16
(A13 F28, 31, 45) und vielmehr anzugeben, die Denunzianten kenne er
nicht (A13 F34 f.).
5.1.4 Was die angegebene Inhaftierung beim IS vom 5. Dezember 2014
bis 11. Januar 2015 betrifft, bezweifelt die Vorinstanz diese, zumal die Um-
stände der Verhaftung widersprüchlich erläutert wurden und in der Folge
auch deren Grund nicht nachvollziehbar war. Die Umstände einer allfällig
tatsächlich erlittenen IS-Haft können jedoch letztlich offen bleiben, da der
Beschwerdeführer nach der Entlassung aus der IS-Haft am 11. Januar
2011 noch während fast neun Monaten bei seiner Schwester in D._
im (damaligen) IS-Gebiet blieb und in der Folge auch seine Flucht nach
Europa durch (damaliges) IS-Gebiet via Aleppo und Idlib in die Türkei or-
ganisierte (A8 F 34. 65). Daraus ergibt sich, dass er offenbar keine (wei-
tere) Verfolgung durch den IS fürchtete.
5.2 Die Vorinstanz stellt auch eine aktuelle Verfolgung des Beschwerde-
führers durch das syrische Regime in Frage. Ihr ist dahingehend zuzustim-
men, dass der Beschwerdeführer nicht überzeugend begründete, weshalb
die syrischen Sicherheitskräfte ihn am 3. Dezember 2014 gezielt wegen
der Vorgeschichte im Jahr 2012 verhaften wollten. Gemäss seinen Anga-
ben zu jenen Ereignissen seien die Sicherheitskräfte jede Nacht zu den
Leuten gekommen, hätten sie einfach mitgenommen und festgenommen
(A8 F57). Nachdem der Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben im
September 2012 aus der Haft des militärischen Geheimdienstes entlassen
und danach nicht mehr behelligt worden war, kann damit für den 3. Dezem-
ber 2014 nicht von einer gezielten Behelligung des Beschwerdeführers
(wegen der Vorgeschichte im Jahr 2012) ausgegangen werden. Es ist auch
nicht nachvollziehbar, weshalb er gerade aus diesem Anlass B._
verlassen wollte, nachdem er zuvor während über zwei Jahren in seinem
Haus geblieben war. Daran ändert auch der geschilderte Frontenwechsel
im Quartier von Anfang 2013 bis November 2014 und die kurzzeitige Um-
siedlung nichts (A8 F56 in fine, F57).
5.3
5.3.1 Die Vorinstanz führt schliesslich zu Recht aus, dass die Ereignisse
hinsichtlich der geschilderten Verfolgung des Beschwerdeführers durch
den politischen und den militärischen syrischen Geheimdienst im Jahr
2012 nicht kausal zu der Flucht im September 2015 gewesen seien. Des-
halb sei keine begründete Furcht vor einer aktuellen Verfolgung durch das
syrische Regime mehr ersichtlich. Unter diesen Umständen muss auf die
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Seite 17
dahingehenden Ausführungen der Vorinstanz zur Glaubhaftigkeit der Ver-
folgung durch den syrischen Staat im Jahr 2012 (A38 Teil 2 E. 1.2, 1.2.3-
1.2.6) und auf die entsprechenden Ausführungen in der Replik (B-act. 14
S. 4) nicht weiter eingegangen werden.
5.3.2 Ergänzend bleibt Folgendes anzumerken: Gemäss den Akten wurde
der Beschwerdeführer mit Beschluss des Gouverneurs von B._
vom 24. November 2011, nach Genehmigung des (...)ministeriums vom 4.
August 2011 und der Einwilligung des Gouverneurs vom 7. Juni 2011, bei
der (...) in B._ von der zweiten in die erste Kategorie als (...) beför-
dert respektive angestellt (A9 BM14 mit Übersetzung). Er behielt die Stelle,
bis er gemäss den Akten mit Beschluss vom 23. August 2015 entlassen
wurde, nachdem er mehr als 15 Tage seit 21. Dezember 2014 unentschul-
digt von der Arbeit ferngeblieben war (BM10). Es fällt auf, dass der Be-
schwerdeführer trotz den geltend gemachten Verfolgungen und zwei Inhaf-
tierungen mit Folterungen durch syrische Behörden im Jahr 2012 und auch
bei wechselnden Fronten in B._ in den Jahren 2013 und 2014 seine
staatliche Stelle als (...) behielt. Dass er gleichzeitig vom syrischen Staat
(weiterhin) als Gegner betrachtet worden wäre, ist nicht nachzuvollziehen.
Ausserdem ist der Beschwerdeführer, wie bereits erwähnt, trotz angege-
bener zweimaliger Haft und Folterung durch syrische Behörden im Jahr
2012 und dem Frontenwechsel an seinem Wohnort geblieben und hat auch
nicht ersichtlich Massnahmen hinsichtlich einer Flucht wegen einer drohen-
den erneuten Verhaftung durch syrische Behörden unternommen. Unter
diesen Umständen steht der behauptete erneute Verhaftungsversuch
durch das syrische Regime vom 3. Dezember 2014 nicht in einem Zusam-
menhang mit den früheren Internierungen durch das syrische Regime, so-
weit er sich überhaupt als nachvollziehbar erweist. Somit kommt das Bun-
desverwaltungsgericht wie die Vorinstanz zum Schluss, dass ein sachli-
cher und zeitlicher Kausalzusammenhang zwischen den Ereignissen im
Jahr 2012 und der Flucht im Herbst 2015 fehlt.
5.4 Was die Ausführungen der Vorinstanz zu den eingereichten Beweismit-
teln betrifft (A38 Teil II E. 1.3) betrifft, sind diese im Wesentlichen zu bestä-
tigen, zumal der Beschwerdeführer daraus nichts zu seinen Gunsten ab-
leiten kann (zu BM10 siehe allerdings hiernach E. 5.5.1).
5.5 Schliesslich bleibt auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachten
Übersetzungsfehler und die Rüge der unvollständigen Sachverhaltsabklä-
rung einzugehen. Weiter macht er geltend, es sei fraglich, ob die Strafakten
überhaupt für das vorliegende Verfahren verwendet werden dürften, zumal
E-6044/2019
Seite 18
die Akzente in einer Asylbefragung sich wesentlich von einer Befragung im
Strafverfahren unterscheiden würden.
5.5.1 Der Beschwerdeführer bringt zu Recht vor, dass die Hilfswerkvertre-
tung bei beiden Anhörungen beim SEM anmerkte, die Dolmetscherin habe
bei der Übersetzung Mühe gehabt, die Sätze korrekt zu formulieren, was
einige Nachfragen seitens der Sachbearbeiterin und der Protokollführerin
nötig gemacht habe (A8 S. 16, A13 S. 18). Auch was das Beweismittel 10
(Entlassungsschreiben) betrifft, ist anhand der aktenkundigen Übersetzung
offensichtlich, dass es sich dabei um die Entlassung des Beschwerdefüh-
rers aus (...) handelt, weil er während 15 Tagen seit 21. Dezember 2014
unentschuldigt der Arbeit ferngeblieben sei. Weshalb die Vorinstanz zum
Schluss kam, das genannte Beweismittel solle die Entlassung aus der IS-
Haft belegen, ist nicht nachvollziehbar und als offensichtliches Missver-
ständnis zu werten. Der Argumentation der Vorinstanz in der Vernehmlas-
sung ist indes zuzustimmen, dass dies keinen Einfluss auf die hier in Frage
stehende Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers hat.
5.5.2 Die Fehlinterpretation eines Beweismittels und eine allfällige unge-
naue Übersetzung ändern insgesamt nichts an den aktenkundigen und
hiervor dargelegten zahlreichen Widersprüchen und Unklarheiten in den
Darlegungen des Beschwerdeführers, die – entgegen seinen Ausführun-
gen – nicht mit einer ungenügenden Übersetzung erklärt werden können.
5.5.3 In seiner Replikschrift bezweifelt der Beschwerdeführer, ob seine
Aussagen vor der BKP – wo er in zwei Befragungen (als Auskunftsperson,
A14, beziehungswiese als Beschuldigter, A23) die selben, angeblich im
Heimatland erlebten Ereignisse schilderte – überhaupt beigezogen werden
dürften, zumal sich eine Asylbefragung wesentlich von einer Befragung im
Rahmen einer Strafverfolgung unterscheide (B-act. 14 S. 4 ff). Diese Frage
kann vorliegend offenbleiben. Namentlich ist festzuhalten, dass das SEM
in der angefochtenen Verfügung seine Erwägungen betreffend die Glaub-
haftigkeitsprüfung nicht auf die BKP-Protokolle abgestützt hat und auf
diese erst in der Vernehmlassung Bezug nimmt; die Protokolle sind dem
Beschwerdeführer im Übrigen bekannt, hat er sie doch mit seiner Replik zu
den Akten gereicht. Jedenfalls kann von einer Verletzung des Untersu-
chungsgrundsatzes durch die Vorinstanz oder einer Verletzung des recht-
lichen Gehörs keine Rede sein. Der Eventualantrag auf Rückweisung der
Sache an die Vorinstanz zur vollständigen Sachverhaltsabklärung ist da-
hingehend abzuweisen.
E-6044/2019
Seite 19
5.6 Zusammenfassend erfüllen die vorgebrachten Fluchtgründe des Be-
schwerdeführers die Voraussetzungen der Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7
AsylG nicht. Zudem ist auch keine begründete (aktuelle und künftige)
Furcht des Beschwerdeführers vor Verfolgungsmassnahmen im Sinne von
Art. 3 AsylG ersichtlich – weder ausgehend vom syrischen Staat noch vom
IS. Es liegt daher kein Anspruch auf Asyl gemäss Art. 2 und 3 AsylG vor.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
6.3 Da das SEM in seiner Verfügung vom 15. Oktober 2019 die vorläufige
Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeordnet hat, erübri-
gen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und
Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
8.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und ein allfälliges Honorar für
die Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers.
8.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat dem Beschwerdeführer mit Zwi-
schenverfügung vom 22. November 2019 (B-act. 5) die unentgeltliche Pro-
zessführung, gestützt auf die damals belegte Bedürftigkeit, gewährt. Mit
Zwischenverfügung vom 4. Dezember 2020 (B-act. 7) wurde Frau MLaw
Sophia Delgado, (...), dem Beschwerdeführer als amtliche Rechtsbeistän-
din beigeordnet.
8.2 Der Beschwerdeführer hat am 19. Oktober 2021 aufforderungsgemäss
das ausgefüllte Formular «Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege» nebst
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Seite 20
Belegen zu seinem aktuellen Einkommen (Einsätze als Stapelfahrer via
Temporärpersonalvermittlung sowie Entschädigungen der Arbeitslosenver-
sicherung, je abzüglich Sozialabzügen und Quellensteuern) und Belegen
zu seinen Auslagen (insbesondere Wohnungsmiete, Krankenversicherung,
nicht gedeckte Krankheits- und Zahnarztkosten, Reisekosten zum Arbeits-
platz) und einen aktuellen Bankauszug eingereicht.
Aus diesen Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer nicht mehr von
der Sozialhilfe unterstützt wird und mit den belegten Einkommen seinen
Lebensunterhalt knapp zu decken vermag. Unter Berücksichtigung eines
angemessenen Grundbedarfs ist jedoch weiterhin von der prozessualen
Bedürftigkeit auszugehen. Demnach sind dem unterliegenden Beschwer-
deführer (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG) keine Verfahrenskosten aufzuerlegen
(Art. 65 Abs. 1 VwVG).
8.3 Die beigeordnete amtliche Rechtsbeiständin hat in ihrer Honorarnote
vom 19. März 2020 (B-act. 15) einen Aufwand von 6 Stunden und 40 Mi-
nuten ab 29. November 2019 (inkl. Erstellung der Replik, Besprechung mit
dem Beschwerdeführer, Aufwand für Fristerstreckungen sowie Aktenstu-
dium und Einholung der Einvernahmeprotokolle im Strafverfahren beim
ehemaligen Rechtsvertreter), sowie Telefongebühren und Porti von
Fr. 30.– und Fotokopien (à Fr. –.50) von Fr. 25.– geltend gemacht. Mass-
geblich ist der Stundenansatz von Fr. 150.–.
Der ausgewiesene Aufwand ist angemessen; allerdings ist praxisgemäss
ein Aufwand für die Einreichung von Fristerstreckungsgesuchen (vorlie-
gend werden diesbezüglich 20 Minuten ausgewiesen) nicht zu entschädi-
gen; hingegen ist für die Einreichung des Bedürftigkeitsnachweises ein
Aufwand von 40 Minuten zu veranschlagen. Der zu entschädigende Auf-
wand beläuft sich demnach auf 7 Stunden. Mehrwertsteuern sind keine ge-
schuldet. Demnach ist der amtlichen Rechtsbeiständin ein Honorar von
Fr. 1050.– zuzüglich Auslagen von Fr. 55.–, insgesamt Fr. 1'105.–, aus der
Gerichtskasse auszurichten.
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