Decision ID: 75b462c7-3d1f-4dba-a292-c7c4e8271222
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1967, war seit 1. März 2004 als Partner und Mitglied der Geschäftsleitung der Beratungsfirma Y._ tätig (Urk. 6/21/1-7). Am 23. April 2014 meldete er sich infolge eines follikulären Non-Hodgkin-Lymphoms und einer depressiven Störung bei der Invaliden
ver
si
che
rung an (Urk. 6/8). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und zog die Akten der Krankentaggeldversicherung AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) bei. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 6/39; Urk. 6/64) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 13. April 2016 bei einem Inva
lidi
tätsgrad von 100 % ab 1. Dezember 2015 eine ganze Rente zu (Urk. 6/75; Urk. 6/86 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 13. April 2016 (Urk. 2) erhob die AXA am 17. Mai 2016
Beschwerde mit dem Antrag auf Änderung des angefochtenen Entscheides in dem Sinne, dass dem Versicherten bereits ab dem 1. November 2014 eine ganze Rente zuzusprechen sei. Der Versicherte verzichtete ausdrücklich auf die Erhebung einer Beschwerde (vgl. Urk. 6/96 = Urk. 10). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 22. Juni 2016 die Abweisung der Be
schwerde (Urk. 5). Der am 6. Juli 2016 (Urk. 7) beigeladene Versicherte bean
trag
te mit Stellungnahme vom 16. August 2016 ebenfalls, es sei ihm ab
1. November 2014 eine ganze Rente zuzusprechen (Urk. 9). Während die Be
schwer
deführerin mit Replik vom 1. Dezember 2016 (Urk. 16) an ihrem Antrag festhielt, verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Einreichung einer Duplik
(Urk. 18). Davon wurden die Verfahrensbeteiligten am 17. Januar 2017 in Kennt
nis gesetzt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Im Bereich der Sozialversicherungen ist nach Art. 22 Abs. 1
ATSG
der Anspruch auf Leistungen weder abtretbar noch verpfändbar. Jede Abtretung oder Ver
pfändung ist nichtig. Nachzahlungen von Leistungen des Sozialversicherers können jedoch abgetreten werden: a) dem Arbeitgeber oder der öffentlichen oder privaten Fürsorge, soweit diese Vorschusszahlungen leisten; b) einer Ver
sicherung, die Vorleistungen erbringt (Art. 22 Abs. 2 ATSG).
Für den Bereich der Invalidenversicherung sieht Art. 85
bis
der
Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV) eine Regelung der Nachzahlung an bevor
schus
s
ende Dritte vor. Arbeitgeber, Einrichtungen der beruflichen Vorsorge, Kranken
versicherungen oder Haftpflichtversicherungen mit Sitz in der Schweiz, welche im Hinblick auf eine Rente der Invalidenversicherung Vorschussleistungen er
bracht haben, können verlangen, dass die Nachzahlung dieser Rente bis zur Höhe
ihrer Vorschussleistung verrechnet und an sie ausbezahlt wird. Vorbehalten bleibt die Verrechnung nach Artikel 20 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG). Die bevorschussenden Stellen haben ihren Anspruch mit besonderem Formular frühestens bei der Rentenanmeldung und spätestens im Zeitpunkt der Verfügung der IV-Stelle geltend zu machen (Abs. 1). Als Vorschussleistungen gelten nach dessen Absatz 2
:
a) freiwillige Leistungen, sofern die versicherte Person zu deren Rückerstattung verpflichtet ist und sie der Auszahlung der Rentennachzahlung an die bevor
schussende Stelle schriftlich zugestimmt hat;
b) vertraglich oder aufgrund eines Gesetzes erbrachte Leistungen, soweit aus dem Vertrag oder dem Gesetz ein eindeutiges Rückforderungsrecht infolge der Rentennach
zahlung abgeleitet werden kann.
Die Nachzahlung darf der bevorschussenden Stelle höchstens im Betrag der Vorschussleistung und für den Zeitraum, in welchem diese erbracht worden ist, ausbezahlt werden (Abs. 3).
2.2
Die Beschwerdeführerin bezahlte für den Beigeladenen im Rahmen seiner An
stellung bei der Y._ nach einer Wartefrist von 90 Tagen, welche ab 1. November 2013 begann, ab 30. Januar 2014 Taggelder (vgl. Urk. 6/62 = Urk. 3/21). Gemäss den Allgemeinen Vertragsbedingungen Ausgabe Juli 2010 der Beschwerdeführerin (AVB; Urk. 3/4) besteht bei einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 25 % nach Ablauf der Wartefrist ein Taggeldanspruch (vgl. S. 3 der AVB). Steht der Rentenanspruch einer staatlichen oder betrieblichen Ver
sicherung noch nicht fest, so erbringt die AXA gemäss Art. B10 Abs. 2 der AVB im Rahmen ihrer Leistungspflicht für die Periode ausgewiesener krankheits
be
dingter Arbeitsunfähigkeit das Taggeld im Sinne einer Vorleistung. Bei nach
träg
licher Gewährung einer Rente der Invalidenversicherung oder der beruf
lichen Vorsorge hat die AXA gegenüber diesen Versicherungen einen direkten Anspruch auf Rückforderungen beziehungsweise Verrechnung der erbrachten Vorleistung.
Die Beschwerdeführerin hatte am 12. Mai 2014 bei der IV-Stelle Zürich ein
Verrechnungsgesuch gestellt (Urk. 6/17 = Urk. 3/5), nachdem der Beigeladene a
m 9. Mai 2014 seine Zustimmung zur Verrechnung beziehungsweise Rückzahlung allfälliger IV-Rentenleistungen gegeben hatte (Urk. 6/66). Der Beigeladene trat zudem am 9. November 2015 seine Ansprüche gegenüber der Beschwerde
geg
nerin im Umfang der seit dem 30. Januar 2014 vorgeleisteten Taggelder an die Beschwerdeführerin ab (vgl. Urk. 6/65 = Urk. 3/2). Die Beschwerdeführerin ist somit beschwerdelegitimiert, was im Übrigen unbestritten ist.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid wie folgt (Urk. 2
): Der Beigeladene leide seit längerem aufgrund seiner somatischen Erkrankung an psychosozialen Belastungsfaktoren. Diese seien invaliditätsfremd und begründeten keinen erheblichen Gesundheitsschaden. Seit dem 10. Dezem
ber 2014, dem Beginn der Wartezeit, sei er aufgrund der somatischen Erkran
kung in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100 %. Zuvor hätten die Ängste, seine bereits 2008 diagnostizierte Erkrankung könne sich verschlechtern, zu einer Anpassungsstörung geführt. Eine solche sei definitionsgemäss nicht lang andauernd, ansonsten die Diagnose geändert und mit plausiblen Befunden hätte begründet werden müssen. Eine Belastung durch Angst vor Erkrankung gelte nicht als eigenständiger rechts
erheblicher Gesundheitsschaden. Auch die Erheblichkeit einer psychiatrischen Begleiterscheinung aufgrund eines somatischen Leidens, welches noch zu keiner Arbeitsunfähigkeit geführt habe, sei zu verneinen (Urk. 2 Verfügungsteil 2). Weiter sei das Aktivitätsniveau des Beigeladenen sehr gut gewesen und habe dem
jenigen einer gesunden, stellenlosen oder im Haushalt tätigen Person ent
sprochen; die Tagesstruktur sei erhalten gewesen: Der Beigeladene sei Marathon gelaufen, habe Yoga gemacht, die Zeitung gelesen, sei mit dem Hund spazieren gegangen, habe gebastelt, gekocht, mit den Kindern gespielt, eingekauft und Administratives erledigt. Es bestehe keine selbständige psychische Erkrankung; diese sei durch die Krebserkrankung verursacht und aufrecht erhalten (Urk. 5).
3.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend (Urk. 1), der Beigeladene sei gemäss ärzt
licher Beurteilung bereits ab dem 1. November 2013 vollständig arbeitsun
fähig gewesen. Dies hätten sowohl der behandelnde Psychiater wie auch der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) bestätigt. Der Beigeladene leide an einer chronifizierten Anpassungsstörung, welche ausschliesslich mit der Tumorer
kran
kung zusammenhänge und invalidisierend sei. Zudem sei gemäss BGE 141 V 281 eine Indikatorenprüfung vorzunehmen, was bislang nicht geschehen sei. Bei der Krebserkrankung handle es sich um eine Komorbidität im Sinne dieser Rechtsprechung. Schliesslich seien keine psychosozialen Faktoren ersichtlich (S. 6 ff., Urk. 16).
3.3
Der Beigeladene brachte vor (Urk. 9), er schliesse sich den Vorbringen der Be
schwerdeführerin an. Es sei zutreffend, dass er seit November 2013 arbeits
un
fähig sei. Zudem sei sein chronifizierter psychischer Zustand nach dem Auftre
ten des aggressiven Lymphoms im Dezember 2015 und der anschliessenden Chemotherapie ungenügend abgeklärt worden (S. 4).
3.4
Streitig und zu prüfen ist,
ab welchem Zeitpunkt der
Beigeladene Anspruch auf
eine Rente
hat.
Damit steht die Frage nach dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit
und damit des Wartejahres in Zusammenhang: Während die Beschwerde
füh
rerin
den Beginn des Wartejahres im November 2013 sieht, geht die Beschwer
de
geg
nerin von Dezember 2014 aus.
Unbestritten hingegen ist, dass der Beige
ladene Anspruch auf eine unbefristete ganze Rente hat.
4.
4.1
Dr. med. Z._, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie und behandelnder Arzt des Versicherten (vgl. Urk. 6/8 Ziff. 6.5), attestierte mit Zeug
nis vom 1. November 2013 (Urk. 6/2) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab de
m gleichen Tag.
Mit Bericht vom 28. März 2014 (Urk. 6/16/27-30 = Urk. 6/56 = Urk. 3/8) zuhan
den der Beschwerdeführerin stellte Dr. Z._ folgende Diagnosen (S. 3):
-
chronifizierte Anpassungsstörung bei maligner somatischer Erkrankung auf dem Hintergrund einer psychoneurotischen Persönlichkeit (ICD-10 F43.2, Z68/F60.8)
-
Differentialdiagnose (DD): Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung (F62/Z86)
Beim Versicherten sei im September 2008 Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert worden
. Im August 2009 habe er eine psychotherapeutische Behandlung bei
Dr.
phil.
A._
begonnen; er habe im Zusammenhang mit der Krebser
kran
kung
unter depressiven Verstimmungen und quälenden Angstzuständen gelitten. Die Therapie sei infolge des Weggangs dieser Therapeutin im Sommer 2012 ein
vernehmlich beendet worden. Im Juni 2013 habe sich der Versicherte bei ihm in Therapie begeben. Es sei ihm nicht mehr möglich gewesen, sich ohne psycho
therapeutische Unterstützung zu arrangieren. Zwar sei kein Fortschreiten der
Krebserkrankung festgestellt worden, aber das Damoklesschwert einer Ver
schlech
terung bestehe weiterhin. Er leide unter massiven Ängsten und Stim
mungs
einbrüchen. Hinsichtlich der objektiven Befunde hielt Dr. Z._ fest, es bestehe ausser einer deprimierten Grundstimmung und einer latenten Suizida
lität ein unauffälliger psychopathologischer Befund. Die Behandlung erfolge wöchentlich; einer antidepressiven Behandlung stehe der Versicherte ablehnend gegenüber. Seit 1. November 2013 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit.
4.2
Prof. Dr. med. B._, Leitende Ärztin Onkologie, C._, diag
nostizierte mit Bericht vom 20. Juni 2014 (Urk. 6/20/7) ein follikuläres Non-Hodgkin-Lymphom, Erstdiagnose November 2008 bei stabilem Krankheits
ver
lauf und abwartender Strategie. Der Versicherte berichte, körperlich fit zu sein, er habe gerade einen Marathonlauf absolviert. Dies kontrastiere nach Angaben des Versicherten stark mit seiner psychologischen Situation, da er in einer stän
digen Unsicherheit lebe. Über ihm schwebe das Damoklesschwert einer unheil
baren Erkrankung, die prognostisch für ihn eine kürzere Lebenserwartung be
deute. Er lebe ständig in der Angst vor drohenden Komplikationen. Daher sei er weniger leistungs- und konzentrationsfähig.
Ergänzend hielt Prof. B._ am 20. Juni 2014 (Urk. 6/20/6) fest, dass die psy
chische Situation des Patienten mit seinem guten körperlichen Befinden kon
tras
tiere. Die Diagnose belaste ihn extrem. Wegen dieser Belastung sei er in seiner Konzentration eingeschränkt und daher nur eingeschränkt leistungsfähig. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit verwies Prof. B._ an Dr. Z._.
4.3
Mit Bericht vom 29. Juli 2014 (Urk. 6/22) wiederholte Dr. Z._ die bereits ge
stellte Diagnose wie auch unverändert die früher gemachten Angaben (vgl. vorstehend E. 3.1).
4.4
Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Beraten
d
er Arzt der Beschwerdeführerin, hielt am 25. August 2014 (Urk. 6/59 = Urk. 3/14) fest, die gestellte Diagnose habe zwar Krankheitswert, begründe aber nicht eine andauernde volle Arbeitsunfähigkeit. Eine Anpassungsstörung verweise auf ein dynamisches Geschehen, bei welchem auch eine Anpassung an die veränderte
Lebenssituation erfolge. Aktuell sei eine gewisse Angstsymptomatik beschrie
ben
. Dennoch könne der Versicherte seinen Alltag gestalten und sein Leben ent
sprechend seinen Vorstellungen ausfüllen. Dies verweise auf eine zumindest
grundlegende psychische Leistungsfähigkeit. Wohl bestehe die drohende schwer
e Erkrankung, doch führe dies nicht zu einer völligen psychischen Dekom
pen
sation. Eine teilweise Arbeitsunfähigkeit (ca. 50 bis 60 %) sei aufgrund der so
ma
tischen Beschwerden respektive der Schlafstörungen etc. nachvollziehbar, daneben dürfe aber eine Arbeitsfähigkeit von 50 % als vorstellbar angenommen
werden angesichts der vorliegenden psychopathologischen Befunde. Eine wei
tere
Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei im Verlauf vorstellbar, ausser wenn es durch eine Chemotherapie zu zusätzlichen körperlichen Belastungen komme.
4.5
Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete
am 14. Januar 2015 gestützt auf die am 19. November 2014 durchgeführte Unter
s
uchung ein Gutachten zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 6/ = Urk. 3/16) und diagnostizierte eine Ende 2013 klinisch manifest gewordene, ursächlich mit
der 2008 diagnostizierten infausten Krebserkrankung zusammenhängende, mit
t
ler
weile
chronifizierte Anpassungsstörung, am ehesten in Form von Angst und depressive Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22), bei einer vorbestehenden nar
zis
stisch-akzentuierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10: Z73.1). Die Krebserkran
kung habe sich bis vor kurzer Zeit als langsam progredient und in somatischer Hinsicht asymptomatisch erwiesen, so dass zumindest medizinisch-theoretisch
von einer wenigstens teilweisen Arbeitsfähigkeit hätte ausgegangen werden können
. Dies sei nun zufolge der Notwendigkeit einer sofortigen Chemotherapie nicht mehr der Fall. Die psychogene Störung sei sozusagen zu einem Neben
schau
platz geworden (S. 15).
Auf Nachfrage bei Dr. Z._ habe dieser mitgeteilt, der Versicherte fühle sich nicht mehr arbeitsfähig. Zu einer alternativen Tätigkeit wäre er - so auch die Meinung von Dr. Z._ - zumindest bis zur neuerlichen Exazerbation seines Krebsleidens in der Lage gewesen, er habe dies aber infolge seines schwarz-weiss-Denkens nicht gewollt (oder innerlich nicht gekonnt). Dr. Z._ meine, die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung müsse in diesem Falle auch vor einem ethisch-mo
ralischen Hintergrund erfolgen, was gut nachvollziehbar sei (S. 14). Den fremdanamnestischen Angaben zufolge sei davon auszugehen, dass spätestens
seit Beginn der Chemotherapie eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden
dürfte (S. 16).
4.6
Dr. med. F._, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, RAD, hielt am 31. August 2015 (Urk. 6/60/5) fest, die Arztberichte seien plau
sibel, es könne demnach von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit seit November 2013 in jeder beruflichen Tätigkeit ausgegangen werden.
5.
5.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs.
1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychia
tri
sc
he Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar
2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November
2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzel
fall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Lei
dens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähig
keiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zu
mu
t
bar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18. April 2016 E. 4.1).
5.2
Dr. Z._ attestierte mit Zeugnis vom 1. November 2013 eine volle Arbeits
unfähigkeit des Beigeladenen ab demselben Datum (vorstehend E. 3.1) Dabei handelt es sich mangels Anamnese, Befund und Diagnose nicht um einen Arzt
bericht im eigentlichen Sinn (vgl. vorstehend E. 1.3), weshalb darauf nicht ab
gestellt werden kann. Aber auch aus dem Bericht von Dr. Z._ vom 28. März 2014 (vorstehend E. 3.1) lässt sich entgegen der Beschwerdeführerin nicht ableiten, dass der Beigeladene ab dem 1. November 2013 aus invalidenver
siche
rungsrechtlicher Sicht bereits in erheblichem Ausmass arbeitsunfähig war, denn Dr. Z._ diagnostizierte im Wesentlichen einzig eine chronifizierte Anpas
sungs
störung und hielt fest, ausser einer deprimierten Grundstimmung und einer latenten Suizidalität bestehe objektiv ein unauffälliger psychopa
tho
lo
gischer Befund. Die Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung erfolgte somit hauptsächlich gestützt auf subjektive Angaben des Beigeladenen, was nicht genügt. Dieser unauffällige Befund lässt sich mit der von Dr. Z._ angenommenen vollen Arbeitsunfähigkeit nicht vereinbaren, zumal eine Anpassungsstörung - da the
ra
peutisch angehbar - grundsätzlich nicht als invalidisierendes Leiden gilt
(
Urtei
le des Bundesgerichts
9C_4/2013 vom 1
9.
Dezember 2013, 8C_1055/2010 vom 1
7.
Febr.
2011, 9C_408/2010, 8C_322/2010).
Eine
Anpassungsstörung
ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung vielmehr
ganz allgemein im Grenzbe
reich dessen zu situieren, was überhaupt noch als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes und potentiell invalidisierendes Leiden gelten kann (Urteil des Bundes
gerichts 9C_636/2007 vom 28. Juli 2008, E.
3.3.2 mit Hinweisen).
Dieser psychi
schen Beeinträchtigung fehlt es somit bereits diagnosebedingt an einem hin
rei
chenden Schweregrad, um als invalidisierender Gesundheitsschaden zu gelten, denn grundsätzlich können einzig schwere psychische Störungen invalidi
sie
rend sein. Dementsprechend gilt die Invalidität nach Art. 4 Abs. 2 IVG erst als eingetreten, sobald sie die für die Begründung eines Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_753/2016 vom 15. Mai 2017, E. 4.4).
5.3
Die Wartezeit im Sinne
von
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit einge
treten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in fine mit Hinweisen). Unter relevanter Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Bestimmung ist eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Das heisst, es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungs
vermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit ent
sprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitsgebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Mit anderen Worten: Die Leistungseinbusse muss in aller Regel dem seinerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein. Umgekehrt ist eine in der beruflichen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Person tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig ausreichend für die Bejah
ung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Vielmehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer (überzeugenden) medizinischen Einschätzung, die ordentlicherweise echtzeitlicher Natur ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Dieser Nach
weis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2012 vom 19. Juli 2012 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
5.4
Eine solche überzeugende echtzeitliche medizinische Einschätzung liegt nicht
vor. Die Bescheinigung einer vollen Arbeitsunfähigkeit durch Dr.
Z._
ist un
ter Berücksichtigung von dessen auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zu würdi
gen (zum Beweiswert solcher Berichte vgl.
BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E.
3b/cc
). Diese zeigt sich unter anderem im Umstand, dass Dr. Z._ gegen
über Dr. E._ angab, der Versicherte fühle sich nicht mehr arbeitsfähig und die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung müsse auch vor einem ethisch-moralischen Hinter
grund erfolgen (vgl. vorstehend E. 3.5). Dies ist angesichts der gravierenden somatischen Erkrankung des Beigeladenen nachvollziehbar, aber aus invaliden
ver
sicherungsrechtlicher Sicht unbeachtlich. Fehlt einer gestellten psychia
tri
schen Diagnose ein Bezug zum Schweregrad, so ist die medizinische Anspruchs
grundlage, welche zur Anerkennung einer Invalidität führt, nicht gegeben, unge
achtet der ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit (
Urteil des Bundes
ge
richts 8C_7
53/2016 vom 15. Mai 2017, E. 4.6, unter Hinweis auf das zur Publikation vorgesehene Urteil
8C_814/2016
vom 3. April 2017
).
5.5
Im weiteren Verlauf ergab sich keine Veränderung der psychiatrischen Diag
nose. Prof. B._ verwies hinsichtlich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Beigeladenen auf Dr. Z._ (vgl. vorstehend E. 3.2). Dieser wiederholte mit Bericht vom 29. Juli 2014 die bereits gestellte Diagnose und hielt an seiner Einschätzung fest (vgl. vorstehend E. 3.3). Dr. D._ ging davon aus, dass die Diagnose nicht eine andauernde volle Arbeitsunfähigkeit begründe, und erach
tete den Beigeladenen als zu 50 % arbeitsunfähig (vgl. vorstehend E. 3.4). Auch diese Einschätzung vermag angesichts der genannten grundsätzlichen Überle
gung
en zur invalidisierenden Wirkung einer Anpassungsstörung nicht zu über
zeugen. Soweit Dr. D._ die Arbeitsunfähigkeit auch auf somatische Be
schwer
den zurückführte, lässt sich dies nicht mit dem Umstand vereinbaren, dass der Beigeladene fähig war, sich im Sommer 2014 auf einen Marathonlauf vorzubereiten und diesen zu absolvieren. Darüber hinaus ist Dr. D._ als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie grundsätzlich nicht für die Beur
tei
lung der somatischen Einschränkungen des Beigeladenen befähigt (vgl. vorsteh
end E. 4.1). Dies gilt auch für die Beurteilung durch RAD-Arzt Dr. F._, welcher Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie ist (vorstehend E. 3.6).
5.6
Dass Dr. E._ in seinem Gutachten vom 14. Januar 2015 die Anpassungs
störung als Ende 2013 klinisch manifest beurteilte (vgl. vorstehend E. 3.5), ändert nichts daran, dass diese Diagnose aus rechtlicher Sicht nicht geeignet ist, eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit zu verursachen. Somit liegen zeitnah keine echtzeitlichen Arztberichte vor, aufgrund derer mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit ein Beginn der vollen Arbeitsunfähigkeit vor Dezember 2014 anzunehmen wäre. Wie es sich nach diesem Zeitraum verhält, ist im vor
liegenden Verfahren nicht zu prüfen, sind die volle Arbeitsunfähigkeit ab 1. Dezember 2014 sowie der Anspruch des Beigeladenen auf eine ganze Rente ab 1. Dezember 2015 doch unbestritten. Abklärungen, wie es sich mit seinem Gesundheitszustand nach diesem Datum verhielt (vgl. vorstehend E. 2.3), sind somit nicht notwendig. Ebenso wenig ist eine Indikatorenprüfung nach BGE 141 V 281 vorzunehmen (vgl. vorstehend E. 2.2); es liegt weder eine
somato
forme Schmerzstörung noch ein anderes vergleichbares psychosomatisches Leide
n
vor.
5.7
Der angefochtene Entscheid erweist sich nach dem Gesagten als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 6
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss
je zur Hälfte
d
er Beschwerdeführ
erin
und dem Beige
ladenen (BGE 127 V 107 E. 6b)
aufzuerlegen.