Decision ID: 2a103c91-0d9b-5609-8ed3-7a3537f02a24
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1977, arbeitete zuletzt seit dem
1.
September 2001 als Leiter Export Luftfracht bei der
Y._
AG in
O._
. Unter Hinweis auf eine Panikstörung (Angstkrankheit)
meldete
ihn
die Arbeitgeberin
am
2.
August 2010 bei der Invalidenversicherung zur Früherfassung
an
(
Urk.
6/3)
. A
m 16.
August 2010
meldete sich der Versicherte
zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/6
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
nische und erwerbliche Situation (
Urk.
6/9-12,
Urk.
6/17,
Urk.
6/21) ab und teilte dem Versicherten am
1.
Februar 2011 mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
6/23). Daraufhin veranlasste die IV-Stelle eine psychiatrische Begutachtung, über welche am 21.
Juni
2011
(
Urk.
6/31)
sowie ergänzend am 2
5.
Juli 2011
(
Urk.
6/35) berichtet wurde
.
In der Folge sprach die IV-Stelle dem Versicherten m
it Verfügung vom
4.
Januar 2012 (
Urk.
6/43) eine befristete halbe Rente für die Zeit vom
1.
März bis 3
0.
April 2011 zu.
1.2
Am 2
8.
März 2012 bat d
ie Arbeitgeberin des Versicherten die IV-Stelle um Unter
stützung,
da der Versicherte erneut zu 100
%
kra
nkgeschrieben sei
(
Urk.
6/44).
Daraufhin teilte die IV-Stelle dem Versicherten am
9.
Juli 2012
mit,
dass
ein Arbeitsplatzerhalt mit Job-
Coaching zurzeit nicht möglich sei (
Urk.
6/47).
Die zuständige Taggeldversicherung meldete den Versicherten zudem am 2
5.
September 2012 zur Früherfassung an (
Urk.
6/51). Am
7.
März 2013 auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten
sodann
als Schadenminde
rungs
pflicht eine nachhaltige Psycho- und Pharmakotherapie (
Urk.
6/56). Darauf
hin tätigte sie weitere Abklärungen der medizinischen Situation (
Urk.
6/57,
Urk.
6/63-64,
Urk.
6/68) und veranlasste insbesondere ein psy
chiatri
sches Ver
laufsgutachten, welches am
2.
Mai 2014 erstattet wurde (
Urk.
6/70).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
6/73,
Urk.
6/81) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
6.
September 2014 (
Urk.
6/84 =
Urk.
2) einen
Leistungs
an
spruch des Versicherten.
2.
Der Versicherte erhob am 2
0.
Oktober 2014 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
6.
September 2014 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Invalidenrente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2). Nachdem die IV
Stelle mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
November 2014 (
Urk.
5) die Abw
ei
sung der Beschwerde beantragt hatte
, wurde mit Verfügung vom
2.
Februar 2015 (
Urk.
7) die Pensionskasse des Beschwerdeführers, die Basler Versicherung
AG, zum Prozess beigeladen. Diese verzichtete mit Schreiben vom
4.
Februar 2015 (
Urk.
9) auf eine Stellungnahme. Am 2
1.
Mai 2015
nahm
der Beschwer
deführer unter Beilage eines Arztberichtes
erneut Stellung
(
Urk.
11
12).
Sowohl
die
Beigeladene
als auch
die Beschwerdegegnerin verzichteten mit Schreiben vom 1
1.
Juni 2015 (
Urk.
15)
respektive
vom 2
6.
Juni 2015
(
Urk.
16)
auf eine
weitere
Stellungnahme, was den
jeweils anderen
Verfahrensbeteiligten am 3
0.
Juni 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit k
önnen in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesun
dheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, dass die diagnostizierte mittelgradige depressive Episode
ein vorübergehen
des Leiden sei. Die
Folgen
seien
mit einer zumutbaren Willensanstrengung
über
windbar, so dass diese
Diagnose
kein
e Invalidität
zu
begründe
n vermöge
. Es gebe
keine Hinweis
e
dafür, dass die psychischen Ressourcen des Beschwer
deführers
eine volle Erwerbstätigkeit
nicht erlauben würden. Der Beschwerde
führer werde im Rahmen der Schadenminderungspflicht darauf aufmerksam gemacht, dass er seine Leistungsfähigkeit durch eine nachhaltige fachärztliche Psycho- und Pharmakotherapie verbesser
n soll
e (S. 2).
2.2
Demgegenüber vertrat der Beschwerdeführer den Standpunkt (
Urk.
1),
die
Aus
führungen
der Beschwerdegegnerin
betreffend die Foerster-Kriterien
würden an der Sache vorbeigehen
. Im Zentrum seiner Beschwerde
n
stehe nicht die Depres
sion, sondern die Angststörung sowie das Depersonalisations- und Derealisa
tionssyndrom. Eine Depressivität sei häufig als Symptom dieser Erkrankung anzutreffen. Die Beschwerdegegnerin verkenne somit das Problem. Sie verletze
den Anspruch
auf rechtliches Gehör und
auf
nachvollziehbare Begründung des Entscheids (S. 14). Bei einer Angststörung handle es sich sodann um eine objektivierbare Diagnose. Alle Ärzte
würden darin übereinstimmen
, dass sich die Diagnose auf die Arbeitsfähigkeit auswirke und er seit mindestens Oktober 2012 zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Es bleibe kein Raum für die Prüfung der Überwindbarkeit.
S
elbst wenn eine solche geprüft w
erde
, wäre diese –
aus näher genannten Gründen – zu verneinen (S. 15 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers und dabei insbesondere die Frage, ob in psychischer Hinsicht ein invalidisierender Gesund
heitsschaden vorliegt.
3
.
3
.1
Der rechtskräftigen Verfügung vom
4.
Januar 2012 (
Urk.
6/43)
lagen im Wesentli
chen die nachfolgenden Berichte zugrunde.
3
.2
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte mit Bericht vom
9.
Juni 2010
(
Urk.
6/12/5)
eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) aufgrund massiver Angstzustände, Hyperventilation sowie gedrückter Stimmung. Der Beschwerdeführer sei seit dem 1
2.
April 2010 bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig.
3
.3
Die Ärzte des Sanatoriums
A._
gaben mit Bericht vom 1
5.
September 2010 (
Urk.
6/11/7-10) an, dass sich der Beschwerdeführer aufgrund einer nicht näher bezeichneten Angststörung (ICD-10 F41.9) seit dem 1
7.
Mai 2010 in der tagesklinischen Behandlung befinde (S. 1). Der Zustand des Beschwerdeführers habe sich während des teilstationären Aufenthaltes
verbessert. Nach wie vor best
ehe
allerdings
die Angst vor der Angst, die Depersonalisation, gewisse kör
perliche Symptome sowie eine Grübelneigung. In der Zeit vom 2
3.
August bis
5.
September 2010 sei bei einer 100%igen Krankschreibung ein Arbeitsversuch
in
einem Pensum von 20
%
erfolgt. Seit dem
6.
September 2010 habe das Arbeitspensum auf 40
%
erhöht und der Beschwerdeführer um diesen Teil gesund geschrieben werden können. Der Beschwerdeführer übe in diesem Pen
sum jedoch noch nicht seine bisherige Tätigkeit aus, da er aktuell noch wenig belastbar und die bisherige Tätigkeit mit viel Stress verbunden sei. Mit der Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit sei zu rechnen. Es werde eine regelmässige, ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Weiter
behandlung empfohlen (S. 2 f.).
Mit erneutem Bericht vom 1
7.
November 2010 (
Urk.
6/17/3-4) informierten die Ärzte des Sanatoriums
A._
, dass sich der Beschwerdeführer seit dem 2
4.
September 2010 nicht mehr in der tagesklinischen Behandlung befinde und sich der Gesundheitszustand bis zum Austritts
tag
nicht verbessert habe (S. 1).
3
.
4
Dr.
med
.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, gab mit Bericht vom
9.
Dezember 2010 (
Urk.
6/21/7-12) an, dass er den Beschwerdeführer seit dem 2
0.
September 2010 behandle (S. 2
Ziff.
4.1) und diagnostizierte eine Angststörung
seit Juni 2009
(ICD-10 F41.1) als mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
2.1). Die Kriterien für eine generalisierte Angststörung seien nicht erfüllt. Es bestünden kaum somatische Symptome. Dennoch
treffe
diese Diagnose am ehesten zu (S. 2
Ziff.
4.5). Der Beschwerdeführer sei
in der bisherigen Tätigkeit
seit dem
1.
Januar 2011 zu 60
%
arbeitsfähig (S. 5
Ziff.
6.2). Eine
Pensumserhöhung
in den kommenden Wochen sei möglich (S. 6).
3
.
5
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Chefarzt, Klinik
D._
, erstattete sein psychiatrisches Gutachten zuhanden der Beschwerdegegnerin am 2
1.
Juni 2011 (
Urk.
6/31). Dabei konnte er keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte er eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
,
einhergehend mit psychophysischer Erschöpfung (ICD-10 Z73.0)
,
auf (S. 6
Ziff.
5). Nach teilweiser - attestierter und auch plausibler - Ar
beitsunfähigkeit sei der Beschwerdeführer seit dem
1.
Juni 2011 in der bis
heri
gen und in jeglicher anderen
Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig. Aus psychiatri
scher Sicht bestehe kein Bedarf nach adaptierten Tätigkeiten. Unter konsequenter Weiterführung der therapeutischen Massnahmen sei von der Erhaltung der vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die Prognose sei günstig. Der Beschwerde
führer fühle sich gegenwärtig wieder voll arbeitsfähig, was auch mit den objek
tiven Befunden übereinstimme (S. 7 f.
Ziff.
7-8).
Mit ergänzendem Schreiben vom 2
5.
Juli 2011 (
Urk.
6/35) führte
Dr.
C._
aus, dass die Angststörung im August 2009 ausgebrochen sei. Der Beschwerde
führer habe von November 2009 bis März 2010 allerdings wieder gearbeitet, so dass im Verlauf des Jahres 2009 noch nicht von einer längeren und anhalten
den Arbeitsunfähigkeit au
sgegangen werden könne. Erst von
März 2010 bis Ende Februar 2011 sei der Beschwerd
eführer in jeglicher Tätigkeit
zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Ab März 2011 sei es zu einer zunehmenden Verbesse
rung des psychischen Zustandes gekommen und der Beschwerdeführer habe seine Tätigkeit wieder zu 50
%
aufgenommen. Ab dem
1.
Juni 2011 arbeite der Beschwerdeführer wieder zu 100
%
(S. 1).
3
.6
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Regiona
ler Ärztlicher Dienst (RAD), empfahl mit Stellungnahme vom
7.
Juli 2011 auf das Gutachten von
Dr.
C._
abzustellen (
Urk.
6/37 S. 5).
Die Beschwerdegegner
in sprach dem Beschwerdeführer
gestützt darauf mit Ver
fü
gung vom
4.
Januar 2012 (
Urk.
6/43) eine befristete halbe Rente für die Zeit vom
1.
März bis 3
0.
April 2011 zu.
4
.
4
.1
Beim Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügun
g vom 1
6.
September 2014
(
Urk.
2) lagen im Wesentlichen die nachfolgenden Berichte vor.
4
.2
Die Ärzte der
F._
AG in
informierten
mit Aus
trittsbe
richt vom 2
8.
Dezember 2012 (
Urk.
6/54
) über die stationäre Hospi
ta
li
sation des Beschwerdeführers vom 1
6.
Oktober bis 2
1.
November 2012 und führten folgende Diagnosen auf (S. 1):
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
Depersonalisations- und Derealisationssyndrom (ICD-10 F48.1)
schädlicher Gebrauch von Sedativa, seit vier Wochen abstinent
akzentuierte Persönlichkeitszüge, narzisstisch (ICD-10 Z73.1)
Bei
m
Eintritt
in die Klinik
sei die schwere depressive Symptomatik auf dem Boden einer generalisierten Angststörung im Vordergrund gestanden (S. 1, S. 4). Der Beschwerdeführer habe die Klinik in einem
ver
besserten
Zustand verlassen können. Es werde dringend die Fortführung der ambulanten psychiatrisch-psy
chotherapeutischen Behandlung empfohlen (S. 4 f.).
4
.3
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte mit Bericht vom 2
1.
März 2013 (
Urk.
6/57) ein Depersonalisations- und Derealisa
tionssyndrom (ICD-10 F48.1) sowie eine generalisierte Angststörung (ICD-10
F41.1) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 1
Ziff.
1.1). Zum jetzigen Zeitpunkt könne noch keine Prognose abgegeben wer
den (S. 3
Ziff.
1.4). Der Beschwerdeführer sei in der bisherigen Tätigkeit seit dem
3.
Juli 2012 zu 100
%
arbeitsunfähig. Bei einer Teilremission s
ei die bishe
rige Tätigkeit frühestens ab Juni 2013
wieder
zu 50
%
zumutbar (S. 3
Ziff.
1.
6
1.
7).
Mit erneutem Bericht vom 1
7.
September 2013 (
Urk.
6/63) bestätigte
Dr.
G._
die bisher gestellten Diagnosen (S. 1
Ziff.
1.1). Die Prognose sei eher ungünstig, da eine Therapieresistenz vorliege (S. 3
Ziff.
1.4). Der Beschwerdeführer sei weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig in der bisherigen Tätigkeit. Bei einer Teil
remission sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zu erwarten (S. 3 f.
Ziff.
1.6-7).
4
.4
Dr.
C._
erstattete sein psychiatrisches Verlaufsgutachten zuhanden der Beschwerdegegn
erin am
2.
Mai 2014 (
Urk.
6/70) und führte als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10 F32.11) sowie eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) auf. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen schädlichen multiplen Substanzgebrauch (ICD-10 F19.1), gegenwärtig abstinent
,
abgesehe
n von der Einnahme von Temesta im therapeutischen
Setting (S. 7
Ziff.
5).
Ein Depersonalisations- und Derealisationsyndrom könne auch bestätigt werden, welches allerdings die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nie nachhaltig beeinflusst habe (S. 9 f.).
Im Vergleich zur Voruntersuchung
im
Juni 2011 sei eine deutliche Ver
schlechte
rung des psychischen Zustandes zu verzeichnen. Die Therapie
optionen seien noch nicht ausgeschöpft
. Die Hospitalisation sei zu kurz gewe
sen, um die psychischen Probleme bearbeiten zu können. Die nachfolgende psycho
pharmakologische Behandlung sei ungenügend gewesen und habe auch die Ohnmachts
gefühle des Beschwerdeführers verstärkt. Der Beschwerdeführer brauche vor der beruflichen Wiedereingliederung eine stationäre medizinische Reha
bilitation in einer psychosomatisch orientierten Klinik. Erst nach vier- bis achtwöchiger Rehabilitation könne von einer Verbesserung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit sowie der psychischen Belastbarkeit des Beschwerdeführers ausgegangen werden (S. 8)
.
Mindestens seit Oktober 2012 sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
in
jegliche
r
Tätigkeit auszugehen. Die Frage nach einer dem Leiden angepassten Tätigkeit könne erst nach Durch
führung einer stationären Rehabili
t
ation durch einen Job
-C
oach beantwortet werden. Trotz unerfreuli
chem Verlauf seit Oktober 2012 könne
insgesamt von einer günstigen Prognose bezüglich Wiederherstellung und Erhaltung der vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (S. 9).
4
.5
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, RAD, gab mit Stellungnahme vom
6.
Mai 2014 an, dass das Gutachten von
Dr.
C._
voll
ständig und schlüssig sei. Als Schadenminderungspflicht sei eine nachhaltige fachärztliche Psycho- und Pharmakotherapie aufzuerlegen. Die medizinische Überprüfung habe spätestens in einem halben Jahr zu erfolgen, auch im Hin
blick auf die Eingliederung (
Urk.
6/72 S. 3).
4
.6
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Arbeitsmedizin, RAD, bat mit ergänzender Stellungnahme vom
6.
Mai 2014 um die Überprüfung der Nachvollziehbarkeit der Schlussfolgerungen des Gutach
tens von
Dr.
C._
. Der Beschwerdeführer nehme
nach wie vor hochdosiert Benzodiazepine ein. Das Aktivitätsniveau sei hoch und ein sozialer Rückzug habe nicht stattgefunden. Der Beschwerdeführer habe mit Fussballspielen angefangen, sei in einer Beziehung und empfange abends Besuche oder besuche
selbst
Kollegen (
Urk.
6/72 S. 4).
4
.7
Die Psychotherapeutin
Dr.
phil.
J._
informierte mit Schreiben vom 1
1.
August 2014 (
Urk.
3/2), dass sie den Beschwerdeführer seit Anfang April 2014 behandle, wobei die Behandlung einmal wöchentlich, gelegentlich zwei
mal pro Woche
,
stattfinde. Der Beschwerdeführer leide an einer generalisierten Angststörung, einer Depersonalisation/Derealisation sowie einer mittelgradigen Depressivität mit somatischem Syndrom. Es sei absolut klar, dass der Beschwer
deführer anhand der Symptomatik zu 100
%
arbeitsunfähig sei.
4
.8
Dr.
G._
bestätigte mit Schreiben vom 1
9.
September 2014 (
Urk.
3/3) wiederum die bereits gestellten Diagnosen. Viele Personen mit generalisierter Angststö
rung würden auch körperliche Symptome
sowie
eine übertriebene Schreck
reaktion erleben. Auch depressive Symptome seien häufig (S. 1). Der Beschwer
deführer sei bisher psychopharmakotherapeutisch mit über ze
hn verschiedenen Antidepressiva,
Benzodiazepinen, Antipsychotika
sowie
weiteren Substanzen erfolglos behandelt worden.
Der Beschwerdeführer sei zu 100
%
arbeitsunfähig. Der bisherige Krankheitsverlauf sei wegen der Therapieresistenz ungünstig. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werde der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätig
keit arbeitsunfähig bleiben (S. 2).
4
.9
Mit erneutem Schreiben vom 2
0.
Mai 2015 (
Urk.
12) führte
Dr.
G._
aus, dass die Depression ein eigenes, diagnostisch abgrenzbares Krankheitsbild darstelle, welches mit
grosser
Wahrscheinlichkeit kausal mit der Grunderkrankung zusammenhänge. Die depressive Störung sei von erheblicher Schwere, Intensität und Ausprägung der Symptome. Es liege ein mehrjähriger Krankheitsverlauf vor. Die Symptomatik habe weder mit stationären noch mit ambulanten inten
siven psychotherapeutischen und psychopharmakotherapeutischen Massnahmen
beeinflusst werden können. Mit der Dauer der Krankheit ohne (Teil-)Remission sei es zu einer Progredienz der Symptomatik gekommen (S. 1). Der Beschwer
deführer
habe
wenigstens teilweise im Rahmen der psychotherapeutischen Interventionen
-
trotz enormer Ängste und Ak
tivit
ätseinschränkungen
-
sportli
che Aktivitäten und soziale Kontakte wahrnehmen
können
. Der Beschwerde
führer befolge den Behandlungsplan konsequent (S. 2).
5
.
5
.1
Unbestritten und aufgrund der Aktenlage ausgewiesen ist, dass sich der psychi
sche Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der letztmaligen Beurtei
lung verschlechtert hat
.
Anlässlich der Erstellung des
Verlaufsgutachtens h
ielt
Dr.
C._
ausdrücklich fest, dass es im Vergleich zur Voruntersuchung im Juni 2011 z
u
einer deutlichen Verschlechterung des psychischen Zustandes gekom
men sei (
Urk.
6/70 S.
8
).
Sodann stellten die
Ärzte
im Wesentlichen
übereinstimmende
Diagnosen. Diese erscheinen anhand der erhobenen Befunde als
nachvollziehbar und
blieben im Übrigen
auch von den Parteien
unbestritten
. Der Beschwerdeführer leidet dem
nach
im Wesentlichen
an einer generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.1), einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode (ICD-10 F32.11
,
F32.2
) sowie an einem Depersonalisations- und Derealisationssyndrom (ICD-10 F48.1)
.
Alle Ärzte erachteten den Beschwerdeführer ausserdem als zu 100
%
arbeitsun
fähig.
5
.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte indessen einen Renten
anspruch des Beschwer
deführers mit der Begründung,
die diagnostizierte mittelgradige depressive Episode
sei vorübergehend und deren Folgen
seien
mit einer zumut
baren Willensanstrengung überwindbar
(vorstehend E. 2.1
).
Allerdings verkennt die Beschwerdegegnerin dabei, dass
nach Lage der Akten
nicht die affektive Störung, sondern die generalisierte Angststörung im Vordergrund steht. Diese führte die Beschwerdegegnerin bei der Prüfung der Überwindbarkeit
sowie
im Vorbescheid
zwar
am Rande
auf, erwähnte sie in
der angefochtenen Verfügung
allerdings
überhaupt
nicht mehr
(
Urk.
2,
Urk.
6/72 S. 4
,
Urk.
6/73 S.
2
)
.
Bereits
bei der Zusprache der befristeten
halben
Rente
für die Zeit vom
1.
März bis 3
0.
April 2011
stand klar eine Angststörung des Beschwerdeführers im Vorder
grund, wurde damals eine affektive Störung noch gar nicht diag
nostiziert (vgl. vorstehend E. 3.
2-3.5
).
Auch im vorliegenden Verfahren brachten die Ärzte klar zum Ausdruck, dass sich die depressive Episode lediglich im Rahmen der gene
ralisierten Angststörung entwickelte und somit
nur
eine Begleiterscheinung darstellt. So erfolgte der Eintritt in die stationäre Hospitalisation aufgrund einer
schweren depressiven Symptomatik auf dem Boden einer generalisierten Angststörung (
Urk.
6/54 S. 1).
Dr.
G._
führte
sodann
erklärend aus, dass bei Personen mit generalisierter Angststörung
häufig
depressive Symptome
zu ver
zeichnen seien (
Urk.
3/3 S. 1).
Durch dieses Vorgehen
verletzte die Beschwerdegegnerin
ihre Begründungs
pflicht und damit den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör
(
Art.
42 ATSG;
Art.
29
Abs.
2 der Bundesverfassung)
.
Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs kann vorliegend allerdings abgesehen werden, zumal der Beschwerdeführer eine solche nicht beantragte (
Urk.
1 S. 14) und diese lediglich zu einem formalistischen Leerlauf führen würde (BGE 132 V 387 E. 5.1).
5
.3
Bei der Beantwortung der Frage, ob
die
gestellte
n
Diagnose
n eine Invalidität begründen
, gilt es zu berücksichtigen, dass der Arztperson bei der Folgenab
schätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeits
fähigkeit keine abschliessende
Beurteilungskompetenz zukommt.
Die Beurtei
lung, ob ein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt, ist eine Rechtsfrage und obliegt damit nicht den Ärztinnen und Ärzten, sondern den rechtsanwen
denden Behörden. Es ist folglich mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vereinbar, einem Gutachten vollen Beweiswert zuzuerkennen, jedoch von der medizinischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung sozial
versicherungsrechtlicher Aspekte abzuweichen (BGE 140 V 193 E. 3.1 f., 132 V 393 E. 3.1 f., 130 V 352 E. 3; Urteil des Bundesgerichts 9C_636/2007 vom 2
8.
Juli 2008 E. 3.3.1).
5
.4
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, dass die Überwindbarkeit nicht zu prüfen sei, da die Foerster-Kriterien nicht zur Anwendung gelangen (
Urk.
1 S.
14 f.
), ist ihm in dem Sinne zuzustimmen, als sowohl eine generalisierte Angststörung als auch eine depressive Störung nicht zu den pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne organische Grund
lage zählen, bei welchen die Foerster-Kriterien analog zur Anwendung gelang
t
en (Urteile des Bundesgerichts 9C_420/2014 vom 2
7.
November 2014 E.
3.1,
8C_371/2014 vom 2
9.
September 2014 E. 5.2.1 und
8C_14/2014 vom 3
0.
April 2014 E. 4.2.5). Indessen
ist
stets eine objektive Betrachtung des Forderbaren vorzunehmen
, wobei ein psychischer Gesundheitss
chaden
nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit führt, wenn die Verwertung der Arbeitsfähigkeit der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar ist
(vgl. vorstehend E. 1.
1 und E. 1.
3
;
Art.
7
Abs.
2 ATSG
).
5.5
Hierzu gilt es
zunächst festzuhalten, dass das Gutachten von
Dr.
C._
sämtli
che praxisgemässen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrund
lagen erfüllt (vorstehend E. 1.7).
Dr.
C._
attestierte eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit bereits seit mindestens Oktober 2012, das heisst im Zeitpunkt
der Begutachtung seit mehr als eineinhalb
Jahren
(
Urk.
6/70 S. 9)
.
Die Beurteilung erfolgte aus objektiver Sicht
und nicht gestützt auf das subjektive Empfinden des Beschwerdeführers, hielt
Dr.
C._
doch ausdrücklich fest, dass der Umstand, dass sich der Beschwerdeführer gegenwär
tig nicht arbeitsfähig fühle, auch mit den objektiven Befunden übereinstimme (
Urk.
6/70 S. 9
Ziff.
8.5; vgl. hierzu BGE 141 V 281 E.
3.7.1).
Fern
er erfolgte die Einschätzung durch
Dr.
C._
in Kenntnis des geschilderten Tagesablaufes (
Urk.
6/70 S. 5 f.), wobei er den psychischen Beschwerden
dennoch
so viel Gewicht beigemessen hat, dass sie
trotz gewisser verbliebener
Aktivitäten
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit zu begründ
en vermögen.
Zum geschilderten Tagesablauf und den von der Beschwerdegegnerin zur Ver
nei
nung eines invalidisierenden Gesundheitsschadens herangezogenen Ressour
cen des Beschwerdeführers gilt es Folgendes zu erwähnen: Entgegen den Aus
führungen der Beschwerdegegnerin lässt der geschilderte Tagesablauf kein
wirklich
hohes
Aktivitätsniveau erkennen. So stehe
d
er
Beschwerdeführer
mor
gens manchmal um 9 Uhr, manchmal um 10 Uhr, 11 Uhr oder auch erst um 12
Uhr auf. Er nehme dann seine Medikamente, worauf sich der Zustand ein wenig beruhige, fühle sich unter den Tabletten aber benebelt. Er verspüre keine Lust und keine Kraft, habe nur noch im Kopf, so nicht mehr weiterleben zu wollen. Er halte sich häufig im Garten auf und hüte jetzt für drei Monate den Hund einer Kollegin und gehe mit ihm laufen. Er versuche den Haushalt zu erledigen oder zu kochen. Im letzten Jahr sei er oft Joggen gegangen, was nicht mehr der Fall sei. Er habe jetzt mit Fussballspielen begonnen und bemühe sich, dreimal pro Woche das Training zu besuchen, was er jedoch nicht immer schaffe. Häufig flüchte er sich in einen Tagesschlaf und stehe dann nicht mehr gerne auf. Abends würden er und seine Freundin manchmal Besuche empfangen oder gemeinsam Kollegen besuchen. Geschlossene Lokale möge er nicht, annulliere auch häufig Besuche bei seinen Kollegen (
Urk.
6/70 S. 5 f.).
Dabei gilt es ins
besondere in Bezug auf das Fussballspielen zu erwähnen,
dass dem Beschwer
deführer aus ärztlicher Sicht aufgrund der Derealisation eine körperliche Betäti
gung
ausdrücklich
empfohlen wurde (
vgl.
Urk.
6/68).
Ins
gesamt erscheint es damit als plausibel und nachvollz
iehbar, dass
Dr.
C._
trotz einigen wenigen
Alltagsaktivität
en
und entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestierte.
5.6
Der Beschwerdeführer befand sich
ferner
vom 1
6.
Oktober bis 2
1.
November 2012 in stationärer Therapie in der
F._
AG
,
zu welcher
er durch den behandelnden Psychiater
Dr.
G._
zugewiesen wurde
(
Urk.
6/48 S. 4,
Urk.
6/
54
S. 1)
. Bei diesem erfolgte danach auch weiterhin eine psychothera
peutische Behandlung. Seit April 2014 findet die psychotherapeutische Behandlung zudem durch
die Psychotherapeutin
J._
statt, wobei diese einmal wöchentlich, gelegentlich zweimal pro Woche
,
stattfinde (
Urk.
3/2).
Sodann
hat der Beschwerdeführer – nach eigenen Angaben – bereits über dreissig ver
schiedene Medikamente ausprobiert (
Urk.
6/70 S. 8).
Die b
ereits am
7.
März 2013 auferlegte Schadenminderungspflicht im Sinne einer nachhaltigen Psycho- und Pharmakotherapie (
Urk.
6/56)
erachtete RAD
Arzt
Dr.
H._
in seiner
Stellungnahme vom 2
9.
Oktober 2013 als erfüllt (
Urk.
6/72 S. 3). Aus dem Umstand, dass
Dr.
C._
in der nachfolgenden Begutachtung festhielt, dass die Therapien noch nicht ausgeschöpft seien (
Urk.
6/70 S. 8), kann nicht geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer den Behandlungsplan nicht konsequent befolgte. Vielmehr hielt
Dr.
G._
sogar
ausdrücklich fest, dass der Beschwerdeführer diesen konsequent befolge (
Urk.
12 S. 2).
Eine allfällig noch auszubauende und zu optimierende Therapie kann demnach nicht dem Beschwerdeführer angelastet werden.
5.7
Schliesslich
ist darauf hinzuweisen
, dass aus der von
Dr.
C._
gestellten günsti
gen Prognose bezüglich Wiederherstellung und Erhaltung der vollen Arbeits
fähigkeit nach erfolgter stationärer Rehabilitation und beruflicher Wiedereingliederung mit Unterstützung durch e
inen Job-Coach (
Urk.
6/70 S. 9)
nicht geschlossen werden kann, dass kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt. So ist nach der Rechtsprechung, wenn ein medizinisches Gutachten die versicherte Person als arbeitsunfähig erklärt, aber gleichzeitig festhält, dass nach durchgeführter erfolgreicher Eingliederung wieder eine deutlich bessere Arbeitsfähigkeit erreichbar sein sollte, der Anspruch auf eine Rente für die zurückliegende Zeit so lange nicht ausgeschlossen, als die bestehende Erwerbs
unfähigkeit nicht (oder noch nicht) mit geeigneten Eingliederungsmassnahmen tatsächlich behoben oder in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise verringert werden konnte (Urteil des Bundesgerichts I 968/06 vom 1
0.
Sep
tember 2007 E. 4.3). Die von
Dr.
C._
gestellte Prognose ist von einer erfolg
reichen Therapie und Wiedereingliederung abhängig, weshalb es nicht nachvoll
ziehbar ist, weshalb die Beschwerdegegnerin die vorgeschlagene
-
ver
gleichsweise kurze -
stationäre vier- bis achtwöchige Therapie nicht abgewartet und hernach einen weiteren Bericht zum psychischen Gesundheitszustand ein
geholt hat. Zudem wäre es der Beschwerdegegnerin unbenommen gewesen, der vorgeschlagenen stationären Therapie mittels Auferlegung einer Schadenmin
derungspflicht Nachdruck zu verleihen – wie sie
dies auch getan hat (vgl.
Urk.
2 S. 2
) – und revisionsweise zu überprüfen, ob der Beschwerdeführer dieser Pflicht auch wirklich nachgekommen ist. Dies empfahl im Übrigen auch der RAD-Arzt
Dr.
H._
, welcher die 100%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund des schlüssigen Gutachtens von
Dr.
C._
a
l
s ausgewiesen erachtete und die Auferlegung einer nachhaltigen fachärztlichen Psycho- und Pharmakotherapie als Schaden
minderungspflicht sowie
eine
medizinische Überprüfung in spätestens einem halben Jahr empfahl (
Urk.
6/72 S. 3).
5.
8
Nach dem Gesagt
e
n
ist
der Beschwerdeführer
mit dem im Sozialversicherungs
recht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
gestützt auf das Gutachten von
Dr.
C._
seit mindestens Oktober 2012 in jeglicher Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig, wobei ihm die Verwertung einer Arbeitsfä
higkeit sozial-praktisch nicht zumutbar ist.
6.
6.1
Der Beschwerdeführer ist
aufgrund der Erwerbsbiographie
als zu 100
%
Erwerbs
tätiger zu qualifizieren
, was im Übrigen auch die Beschwerdegegnerin festgehalten hat (vgl. Feststellungsblatt für den Beschluss vom
2.
Juli 2014,
Urk.
6/72 S. 5). Somit wäre grundsätzlich ein Einkommensvergleich nach
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG vorzunehmen. Ein solcher erübrigt sich vorliegend allerdings, da bei einer vollständigen Arbeitsunfähig
keit in sämtlichen Tätigkeiten der Invaliditätsgrad 100
%
beträgt, womit dem Beschwerdeführer eine ganze Rente der Invalidenversicherung zusteht.
Zu prü
fen bleibt der Beginn des Rentenanspruchs.
6
.
2
Wurde die Rente nach Verminderung des Invaliditätsgrades aufgehoben, erreicht dieser jedoch in den folgenden drei Jahren wegen einer auf dasselbe Leiden zurückzuführenden Arbeitsunfähigkeit erneut ein rentenbegründendes Ausmass, so werden gemäss
Art.
29
bis
IVV bei der Berechnung der Wartezeit nach
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG früher zurückgelegte Zeiten angerechnet
.
Aus den vorliegenden Akten ist nicht klar ersichtlich, wann genau die erneute Anmeldung zum Leistungsbezug erfolgte. So meldete sich
am 2
8.
März 2012
zuerst die Arbeitgeberin des Beschwerdeführers
bei der Beschwerdegegnerin und bat um Unterstützung. Dabei gab sie an, dass der Beschwerdeführer momentan zu 100
%
krankgeschrieben sei und sein Arztzeugnis bis am
3.
April 2012 gelte (
Urk.
6/44). Die zuständige Taggeldversicherung meldete den Beschwerdeführer zudem am 2
5.
September 2012 zur Früherfassung an (
Urk.
6/51). Ferner wird im Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung ein Zusatzgesuch vom
8.
Mai 2012 erwähnt (
Urk.
6/48 S. 1), dessen Inhalt den Akten allerdings nicht ent
nommen werden kann.
Eine eigentliche Anmeldung zum Leistungsbezug ist nicht ersichtlich. Die Überprüfung des Rentenanspruchs wurde allerdings in
jedem Fall im Jahr 2012 eingeleitet und erfolgte damit innert dreier Jahre nach Einstellung der Invalidenrente per Ende April 2011 (vgl.
Urk.
6/43). Ursächlich für die erneute Arbeitsunfähigkeit war die im Vordergrund stehende generali
sierte Angststörung und somit das gleiche Leiden, welches bereits zuvor zur Zusprechung der befristeten Rente geführt hatte, weshalb die Wartezeit von einem Jahr nach der Bestimmung von
Art.
29
bis
IVV nicht neu erfüll
t werden musste.
6.3
Wie es sich mit der Anwendung von
Art.
29
Abs.
1 IVG in der gegebenen Kons
tellation verhält
,
hat das Bundesgericht bisher offen gelassen (BGE 140 V 2 E.
5.1; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2011 vom
7.
Mai 2012 E.
5.2). Es ist nicht ersichtlich, weswegen Versicherte, die gemäss
Art.
29
bis
IVV von der Erfüllung der Wartefrist im Sinne von
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG befreit sind, erneut die Karenzzeit von sechs Monaten gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG bestehen sollten.
Art.
29
Abs.
1 IVG, der im Rahmen der
5.
IVG-Revision erlassen wurde, bezweckt die Schaffung eines Anreizes, sich möglichst früh
zeitig, das heisst, spätestens sechs Monate nach Eintritt der Arbeits
unfähigkeit bei der Invaliden
versicherung anzumelden, um so gegebenenfalls frühzeitig Eingliederungsmass
nahmen einleiten zu können. Darüber hinaus soll keine Schlechterstellung stattfinden. Bei rechtzeitiger Anmeldung kommt die ver
sicherte Person weiter
hin nach Ablauf des Wartejahres in den Genuss der Rente (BGE 138 V 475 E. 3.2.1). Soll die versicherte Person, die beim Wiederaufleben der Invalidität innert der Frist von drei Jahren im Sinne von
Art.
29
bis
IVV erneut einen Anspruch geltend macht und damit vom Bestehen des Wartejahres gemäss
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG befreit ist, trotzdem die Karenzzeit von
Art.
29
Abs.
1 IVG abwarten, führte dies zu einer vom Gesetzgeber gerade nicht gewollten Schlechterstellung. Entsprechend ist a
uch im Kreisschreiben über Invalidität und Hilfslosigkeit in der IV (KSIH) vorgesehen, dass der Renten
anspruch nach der Wiederanmeldung im Sinne von
Art.
29
bis
IVV unverzüglich auflebt (R
z 4005, Beispiele).
6.4
Wie zuvor ausgeführt, kann vorliegend nicht abschliessend beurteilt werden, wann
genau
die erneute Anmeldung zum Rentenbezug erfolgte (vorstehend E.
6.2).
Ungeachtet dessen ergibt sich aus den vorliegenden Akten eine
100%ige
Arbeitsunfähigkeit gestützt auf das Gutachten von
Dr.
C._
mindestens seit Oktober 2012, dem Eintritt des Beschwerdeführers in die
F._
AG (
Urk.
6/70 S. 9
Ziff.
7.2), wogegen der behandelnde Psychiater
Dr.
G._
eine solche ab dem
3.
Juli 2012 attestierte (
Urk.
6/57 S. 3,
Urk.
6/63 S. 3). An diesem Tag wurde der Beschwerdeführer auch von der Arbeit freigestellt (
Urk.
6/48 S. 4 unten). Für die von der Arbeitgeberin in ihrem E-Mail vom 2
8.
März 2012 (
Urk.
6/44) erwähnte Krankschreibung findet sich in den Akten
hingegen
kein ärztliche
r
Bericht.
Da
sich aus dem Verlaufsprotokoll der Eingliederungsbera
tung
auch
Hinweise darauf
ergeben
, dass der Beschwerdeführer
auch
nach der Meldung der Arbeitgeberin im März 2012
noch
-
zumindest teilweise
-
ar
beits
tätig war (vgl.
Urk.
6/48),
rechtfertigt
es sich unter den gegebenen Umständen
gestützt auf die attestierte
vollständige
Arbeitsunfähigkeit ab dem
3.
Juli 2012
den Rentenanspruch
ab dem
1.
Juli 2012 anzunehmen.
Mit dieser Feststellung und in Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung somit aufzuheben.
7
.
7
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
7
.2
Ausgangsgemäss steht dem obsiegenden
Beschwerdeführer eine Prozessent
schädi
gung zu, die
gemäss
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
-
ohne Rück
sicht auf den Streitwert
-
nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen
ist
.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien
und beim bis Ende 2014 für Rechtsanwälte gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
200.--
sowie ab
1.
Januar 2015 von
Fr.
220.--
ist die Prozessen
tschädigung vorliegend auf
Fr.
2‘500.--
(inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen.