Decision ID: 9fa56f7c-a04c-446e-a58a-996e9d98d58f
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962,
arbeitete als
Leiterin
Hauswirtschaft
(
Urk.
9/21
/2)
.
Im November 2014
meldete
sie
sich wegen einer
seit einem Jahr bestehenden
Tumorerkrankung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
(nachfolgend: IV-Stelle), zum Leistungsbezug an
(
Urk.
9
/1
)
.
Diese holte einen Auszug aus dem Individuellen Konto (
Urk.
9/6)
,
diverse Arztberichte (
Urk.
9/11
, 9/27
, 9/31
)
sowie einen Bericht des Arbeit
gebers ein (
Urk.
9/21).
Ferner
zog
sie
die Akten der Taggeldversicherung
(
Urk.
9/18 und 9/33
)
–
einschliesslich des psychiatrischen Gutachtens vom 29. Dezember 2015 (
Urk.
9/33/10 ff.
)
– bei
.
Am 3. Juni 2015
teilte
die IV-Stelle
der Versicherten
so
dann
mit,
berufliche
Eingliederungsmassnahmen
seien nicht möglich
(
Urk.
9/25).
Weiter
kündigte
sie ihr mit Vorbescheid vom 29. August 2016 die Verneinung eines Leis
tungsanspruches
an
(
Urk.
9/42). Dagegen erhob die Versicherte Einwand
(
Urk.
9/45 und 9/48) unter Beilage eines neuen Arztberichts (
Urk.
9/49).
Schliesslich verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 30. November 2016 einen
invalidenversicherungsrechtlichen
Leistungsanspruch (
Urk.
9/50 =
Urk.
2).
Im Übrigen hatte d
ie Taggeldversicherung ihre Leistungen
bereits
per Ende Februar 2016
eingestellt
(
Urk.
9/33/16).
2.
Gegen
die Verfügung vom 30. November 2016
erhob di
e Versicherte am 9.
Januar 2017 Beschwerde (
Urk.
1
) unter Beilage neuer Arztberichte (
Urk.
3/1-3). Auf Anfrage
präzisierte
sie
, eine Invalidenrente zu beantragen (
Urk.
4).
Mit Eingabe vom 3. Februar 2017 (
Urk.
6) reichte sie weitere
Arzt
berichte
ein (
Urk.
7/1-2). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwer
deantwort vom 10. Februar 2017 (
Urk.
8
) und
Eingabe
vom 23. Februar 2017 eine teilweise Gutheissung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung der Sache an sie (
Urk.
12).
Die Beschwerdeführerin
verzichtete auf eine
Stellung
nahme
hierzu
(
Urk.
10, 11 und 13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6
ATSG
) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
1.3
Die
IV-Stelle
hat sodann
von Amtes wegen die notwendigen Abklärungen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen (Art. 43 Abs. 1 ATSG).
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an
diese
zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechts
mittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen,
wenn
lediglich
eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutacht
lichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 mit Hin
wei
sen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
Die
Beschwerdegegnerin
erwog in der angefochtenen Verfügung
, die
Arbeits
unfähigkeit der
Beschwerdeführerin
sei seit
Mai 2015 nicht mehr
in
der Tumorerkrankung, sondern in
der depressiven Verstimmung
nach dem Tod ihres Ehemannes
verbunden mit finanziellen Sorgen
begründet.
Dank
einer Psychotherapie
seien die
se
Beschwerden
bereits
bei der Begutachtung
im September 2015
rückläufig gewesen und die Beschwerdeführerin ab Ende Februar 2016 wieder zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
2).
Dem hielt die Beschwer
deführerin
in der Beschwerde
entgegen
,
seit
der Bru
stkrebs-Operation starke Schmerzen und Schlafstörungen
zu haben
. Psychosoziale Fak
t
oren würden dabei keine Rolle spielen. Zudem habe sie starkes Asthma (
Urk.
1
und 6
).
Dazu
reichte
sie
im Lauf
e
des Verfahrens
diverse Arztberichte ein (
Urk.
3/1-3
und
Urk.
7/1-2
).
Die Beschwerdegegnerin
beantragte
in der Beschwerdeant
wort
sowie
ihrer Stellungnahme
vom 23.
Februar 2017
die Rückweisung der Sache an sie
. Dazu erläuterte sie, die angefochtene Verfügung sei
versehent
lich
erlassen worden,
denn
der
Regionale Ärztliche Dienst (
RAD
)
habe
geschlussfolgert, es
sei die Einholung wei
tere
r
medizinische
r
Unterlagen nötig (
Urk.
8
und 12
).
Zu diesem Antrag äusserte sich die Beschwerdeführerin nicht
(
Urk.
10 und 13).
3.
3.1
Aus somatischer Sicht diagnostizierte
Y._
, operierender
Fach
arzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, in seinem
letzten
Bericht vom 1
3.
November 2016 ein multifokales, gut differenziertes tubuläres
Mamma
-
karzinom
links
und wies auf die diesbezüglich erfolgten Operationen am
5.
Dezember 2013,
6.
März 2014 sowie 1
8.
Juni 2014
(vgl. auch
Urk.
7/18/44)
hin.
Als Nebendiagnosen nannte er eine
Patellofemoral
-Arth
rose und eine mediale Meni
s
k
usläsion links, eine Bandscheibenvorwölbung
L
4
/
L
5, eine Diskushernie L5/S1 ohne Wurzelkontakt und eine
n
Status nach
Disektomie
L5/S1 sowie eine ödematöse Schwellung
Dig
.
I-II links bei Lymphödem.
Dazu
stellte er fest, die Beschwerdeführerin leide aufgrund der Grunderkrankung bzw. der operativen und antihormonellen Therapie zunehmend an Rücken-, Schulter- und Nackenbeschwerden sowie therapie
resistenten Schlafstörungen, die zu einer massiven Leistungseinschränkung führen würden. Es treffe
also
nicht zu, dass die gesundheitlichen Beeinträch
tigungen der Tumorerkrankung im Mai 2015 abgeschlossen gewesen seien. Richtig sei, dass die Beschwerdeführerin im April 2015 vom Versterben ihres Ehemannes erfahren habe, was diese depressiv verstimmt habe, und sie die stark angespannte finanzielle Situation bis heute
sehr
belaste. Sie schulde einem
neu
seeländische Gläubiger über Fr.
100‘000.–-. Zusammenfassend sei die Beschwerdeführerin nicht aufgrund invaliditätsfremder
Faktoren erkrankt
und
stehe
in psychologischer Behandlung
. Es scheine ausgeschlossen, dass die bisherige Arbeitsfähigkeit wieder erreicht werden könne
(
Urk.
9/49).
3.2
Diese
Beurteilung
steht
im Wi
derspruch
zu früheren Einschätzungen von
Y._
, insbesondere derjenigen
vom 1
2.
Januar 201
5.
Darin wies
er zw
ar bereits
auf ei
nen labilen psychischen Zustand
, eine Erschöpfung sowie zunehmende Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Hitzewallung als Nebenwirkungen der
a
ntihormonellen Therapie hin und
machte
die Prognose grundsätzlich vom Verlauf abhängig. Letztlich
prognostizierte er damals
jedoch
eine langsame
Steigerung der Arbeitsfähigkeit
auf 100
%
, beginnend mit einem Arbeitsp
ensum von 50
% ab März 2015 (
Urk.
9/11).
Jenem Bericht vorausgegangen waren zahlreiche Arztzeugnisse,
in
denen
regelmässig
eine
Arbeitsunfähigkeit
von 80
%
oder mehr
attestiert
wurde, ausgenommen
eine
Arbeits
un
fähigkeit von
nur
50
%
im Zeitraum vom 15.
September bis 2
6.
November 201
4.
Die Gründe
für die Schwankungen
sind nicht bekannt (
Urk.
9/18/18
-28,
9/18/3
-40, 9/18/42
).
Hervorzuheben ist schliesslich der zur Vorlage beim Arbeitgeber bestimmte Bericht vom
3
0.
Januar 201
5.
Darin hielt
Y._
ausdrücklich fest
,
die Beschwerdeführerin
sei
bereits seit
dem
1
6.
Januar 2015 aufgrund einer Diagnose krankgeschrieben,
die
mit der vorangegangenen Krankschreibung in keinem kausalen Zusammenhang stehe (
Urk.
9/18/46).
3.
3
Gestützt
wird
Y._
s letzte Beurte
ilung
indes
durch den Bericht von Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, datiert vom
5.
Dezember 201
6.
Sie berichtete ebenfalls von c
hronisch fluk
tuierende
n
Beschwerden im Bereich Schulter/
Scapulae
/Brust- und Halswir
belsäule sowie therapieresistente
n
Schlafstöru
ngen
.
Ferner
führte
sie
aus, die Beschwerdeführerin befinde sich seit dem Jahr 2015 in ihrer Behandlung, wobei momentan recht gute, jedoch nicht nachhaltige Erfolge mit Osteopa
thie erzielt würden. Sie b
at
sodann
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Innere Medi
zin und
mit
Weiterbildungstiteln
insbesondere
in den Bereichen
Manuelle Medizin,
Triggerpunkt
t
herapie
und
Interventionelle
Schmerztherapie
,
um Beurteilung
und Therapievorschläge (
Urk.
3/1).
Dieser kam zum Schluss, in der klinischen Untersuchung könne er die d
eut
lic
hen Beschwerden muskulär gut au
s
l
ö
s
en.
Zusätzlich bestünden segmentale Dysfunktionen an der Halswirbelsäule, dem
zervikothorakalen
Übergang und der zweiten Rippe rechts. Auffällig sei die Haltungsinsuffizienz mit thoraka
ler Hyperkyphose und betonter
Schulterprotraktion
rechts mehr als links.
Das protrahierte Schmerzsyndrom könne er sich gut durch die Stresssituation nach dem Mam
ma
karzinom, die veränderte Statik im Brustwirbelsäulen-Schulterbereich nach dem operativen Vorgehen und zusätzlich
d
i
e doch deutlichen Haltungsinsuffizienz
erklären. Zur Behandlung
führte er aus
, er mache noch zwei weitere Termine,
danach richte sich
das weitere Vorgehen nach dem Verlauf
und den aktuellen Beschwerden. In seinem Bericht
wies
Dr.
A._
auch
auf die sportlichen Aktivitäten der Beschwerdeführerin (regelmässig Fitness, Skifahren, Wandern Schneeschuh
laufen
) hin (
Urk.
7/2).
3.4
Ergänzend
diagnostizierte
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Lungenkrank
heiten und Allgemein
e
I
nnere Medizin,
im Bericht vom 14. Dezember 2016
ein Asthma bronchiale
. Dazu erläuterte er, er behandle dieses seit dem Jahr 201
4.
M
it
Symbi
cort
hochdosiert habe eine ordentliche Einstellung, aber nie eine Normalisierung der Lungenfunktion oder vollständige Unterdrückung des subjektiv stark störenden Hustens erreicht werden können. Die Sekun
denkapazität schwanke zwischen 1,21 und 2,46 Liter
n
(
Urk.
3/2-3).
4.
4.1
Aus psychiatrischer Sicht
berichtete
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psycho
therapie und Psychiatrie
, am 1
6.
Januar 2017, die Beschwerdeführerin stehe sei
t
2
9.
April 2015 ohne Unterbrechung in regelmässiger ambulanter psychi
atrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Diagnostisch handle es sich wei
terhin um eine mittelschwere depressive Symptomatik mit teilweiser Thera
pieresistenz durch Medikamentenunverträglichkeit (ICD-10: F32.1). Aktuell berichte die Beschwerdeführerin über hartnäckige Schlafstörungen, Müdig
keit bis zeitweise Apathie, Konzentrationsstörungen und affektive Niederge
schlagenheit. Seit November 2015 arbeite sie wieder zu 30
%
, eine Steige
rung sei bisher aus medizinischen Gründen nicht gelungen. Aufgrund medi
kamentöser Nebenwirkungen ebenfalls nicht gelungen sei eine erfolgreiche Neueinstellung. Die Beschwerdeführerin habe inzwischen mehrere Psycho
pharmaka in adäquater Dosierung erhalten, aber leider bei allen über anhal
tende Nebenwirkungen wie Benommen
heit
, Müdigkeit und Schwindel tags
über geklagt. Deswegen sei auf eine medikamentöse Einstellung verzichtet worden. Seit wenigen Wochen werde erneut versucht, sie zur Schlaf
-
för
derung
auf
Trimipramin
Tropfen einzustellen. Aktuell sei nicht absehbar, ob und
wann
die psychische und körperliche Belastbarkeit und damit das Arbeitspensum gesteigert
werden könne
(
Urk.
7/1).
4.2
Wie bereits bei
Y._
fällt auch bei
Dr.
C._
auf, dass die aktuelle Beurteilung
nicht mit den früheren Berichten in Einklang zu bringen ist.
Am
7.
Juli 2015
hatte
er
im Bericht an die Beschwerdegegnerin
nämlich
noch
„
einen Status nach
“
mittelschwerer depressiver Episode ohne psycho
tische Symp
tome (ICD-10: F32.1) nach Mamma
karzinom sowie eine Anpas
sung
s
störung nach dem Tod des Ehemann
es im Januar 2015
diagnostiziert. Er
wies
damals
darauf hin, dass die depressive
n Symptome nach der Krebs
diagnose mit
Deprivita
,
Valdoxan
,
Trittico
,
Redormin
und
Zo
l
pidem
vorbe
handelt worden
seien, sich
nach dem Tod des
Ehemannes jedoch erneut ver
schlechtert hätten.
Es sei eine intensive Psychotherapie und Einstellung auf
Remeron
erfolgt. Zur Prognose hielt er fest, es bestehe ein teilremittiertes depressives Zustandsbild ohne Suizidalität. Von einer stationären Einweisung könne aufgrund der bisherigen positiven Behandlungsdynamik abgesehen werden. Die erreichte Teilremission solle weiterhin stabilisiert und vertieft werden. Von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit könne jedoch erst in den nächsten Monaten, spätestens jedoch
ab
Oktober 2015 ausgegangen werden. Ziel
sei
die Aufnahme einer 50%-Arbeitstätigkeit ab
1.
September 2015 (
Urk.
9/27).
Einen ähnlichen Bericht verfasste
er
am 2
4.
Juli 2015 zuhanden der Taggeld
versicherung. Darin sprach er gar von einer wesentlichen und nachhaltigen Besserung des Zustandsbildes
. Man habe
die Psychopharmaka schrittweise ausschleichen können.
Eine
Arbeitsfähigkeit sei
indes
noch nicht wieder erreicht worden. Eine vollständige Remission sei
aber
in den folgenden zwei bis drei Behandlungsmonaten realistisch. Geplant sei eine Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit in
nert
sechs Wochen (
Urk.
9/33/6 f.).
Im Februar 2016 teilte
er
der Beschwerdegegnerin
schliesslich
in einer kurzen Notiz mit, ab Ende Februar 2016 bestehe wieder eine volle Arbeitsfähigkeit.
Allerdings attestierte er der
Beschwerdeführerin
entgegen seiner Prognose
für Februar 2016
immer
noch eine 70
%
-
Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
7/31).
4.3
Noch v
or der Behandlung durch
Dr.
C._
suchte die Beschwerdeführerin vom 2. März bis 2
7.
April 2015 einmal wöchentlich
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Nuklearmedizin mit einem Weiterbildungstitel im Bereich Psy
chosomatische und Psychosoziale Medizin
, auf. Die Behandlung brach sie
ab, nachdem die Wiederaufnahme einer 50%-Arbeitstätigkeit
bereits
ab 2
7.
April 2015
und
kurz darauf eine
Erhöhung auf eine 100%-Arbeitstätigkeit ab 1
5.
Mai 2015 besprochen worden war (
Urk.
9/33/20 f.).
4.
4
Bei
den Akten liegt
schliesslich auch
das
von der Taggeldv
ersicherung in Auftrag gegebene
psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Pharmazeutische Medizin,
vom 29.
Dezember 201
5.
Diesem ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin seit November 2015 bei einem neuen Arbeitgeber jeweils an drei Tag pro Woche jeweils vier Stunden arbeitet.
Ferner erklärte sie, es belaste sie, dass ihre betagten, in Berlin lebenden Eltern krank seien und ihre Tante vor zwei Wochen gestorben sei. Dies habe zu einer Zuspitzung ihrer Beschwerden geführt.
Weiter führte sie aus
, seit Monaten an Rückenschmerzen zu leiden
. Zudem stelle
es nach wie vor eine erhebliche Belastung dar, dass ihr Ehe
mann verstorben sei, ohne dass sie zuletzt bei ihm gewesen sei. Angespannt sei die Lage unter anderem auch dadurch, dass der Geldgeber, der den Ehe
mann finanziell unterstützt habe, eine Rückzahlung wolle. Eine Übereinkunft
mit diesem sei
noch nicht erzielt worden
(
Urk.
9/33/12 f.)
.
Der psychopathologische Befund war bei weitgehend wieder ausgeglichener Stimmungslage, grösstenteils intakter affektiver Auslenkbarkeit und intakten kognitiven Fähigkeiten grundsätzlich unauffällig. Gedanklich beschäftigte sich die Beschwerdeführerin mit ihrer schwierigen persönlichen Situation angesichts einer schweren körperlichen Erkrankung mit nachfolgenden ein
greifenden Behandlungen, einer Trauer um ihren verstorbenen Ehemann und einer dem Vernehmen nach finanziell angespannten Lage
(
Urk.
9/33/13)
.
Dr.
E._
kam zum Schluss, diagnostisch liege nach der Vorgeschichte, der Beschwerdeschilderung, dem bisherigen Krankheitsverlauf und dem aktuellen Befund eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21) vor, die inzwischen am Zurückgehen sei. Die Erkrankung sei in erster Linie als psychische Reaktion auf eine für die Beschwerdeführerin schwierige persönliche Situation aufzufassen, dies zunächst mit Blick auf eine schwere körperliche Krankheit, später auf den Tod des Ehegatten. Differentialdiag
nostisch könne man das Krankheitsbild auch einer leichten bis mittelgra
digen depressiven Episode (ICD-10: F32.0/1) zuordnen. Diese Variante lasse sich jedoch angesichts eines insgesamt rückläufigen klinischen Verlaufs nicht mehr rekonstruieren. Eine Arbeitsunfähigkeit von 60
%
könne
somit
längs
tens noch bis Ende
Januar
2016 attestiert werden, danach sei
die Arbeits
fähigkeit wieder in vollem Umfang umzusetzen. Grundsätzliche Einschrän
kungen beruflicher Aktivität bestünden seitens des psychiatrischen Fachge
bietes nicht. Die genannten Diagnosen würden
keine Arbeitsdispens
über einen längeren Zeitraum hinweg rechtfertigen, auch nicht im Sinne einer Teilarbeitsfähigkeit. Es sei offensichtlich, dass Rückschläge im persönlichen,
gesundheitlichen bzw. familiären Bereich
am Zustandekommen bzw. Auf
rechterhalten des Beschwerdebildes beteiligt seien. Die fortgesetzte Attestie
rung von Arbeitsunfähigkeit würde in dieser Situation keinen Vorteil bieten. Die Prognose sei unter sachgerechter Behandlung prinzipiell günstig zu bewerten. Es sei grundsätzlich davon auszugehen, dass eine solche Erkran
kung innerhalb weniger Monate deutlich rückläufig sei. Dies sei im vorlie
genden Fall bereits überwiegend eingetreten, zuletzt auch ohne antidepres
sive Medikation
(
Urk.
9/33/13
f.
).
5.
A
ngesichts dieser Aktenlage
ist
festzuhalten, dass der medizini
sche Sachver
halt der umfassenden
polydisziplinären
Abklärung durch
nichtbehandelnde
Fachpersonen bedarf.
Insbesondere
nicht schlüssig
sind
die wiederholt
attes
tierte
hohe Arbeits
un
fähigkeit
mit Bezug auf die gestellten
Diagnosen (
z.B.
Urteile des Bun
desgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1
zu leichten bis mittelgradigen depres
siven Episoden)
,
die
wiederholt betonten psychosozialen Faktoren
(z.B. Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.1 mit Hinwei
sen)
und
die im Voraus immer wieder als günstig beurteilte Prognose. Es ist daher vorab zu klären, ob die behandelnden Ärzte medizinische Gründe hierfür zu nennen vermögen.
Klärungsbedürftig
sind
in diesem Zusammen
hang auch die angeblich neu aufgetretene Therapieresistenz bzw. Unverträg
lichkeit von Psychopharmaka und Schlafmitteln sowie die Nebenwirkungen der antihormonellen Therapie. A
ufgrund der Unterlagen des Arbeitgebers (
Urk.
9/21) ist im Übrigen auch nicht ohne zusätzliche Erläuterungen nach
vollziehbar, wie viele Stunden die Beschwerdeführerin seit ihrer Erkrankung
effektiv arbeitete.
Da somatische
, allenfalls psychosomatische und
psychi
sche Beschwerden bestehen, bedarf es
schliesslich
einer Gesamtwürdigung
der Beschwerden mit Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
in der angestammten und gegebenenfalls in einer angepassten Tätigkeit
.
Dabei sollte zur Plausibi
lisierung auch auf die Ressourcen im Alltag eingegangen werden (vgl.
BGE 141 V 281 zur neuen Rechtsprechung betreffend psychosomatische Leiden, z.B.
Urteile des Bundesgeri
chts 8C_624/2015 vom 25. Januar 2015 E.
3.2.2 und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 4.4
zur depressiven Episode als
blosse
Begleiterscheinung).
In diesem Sinne ist der RAD-Ärztin
Dr.
med.
F._
beizupflichten, welche am
5.
Dezember 2016 festhielt, das Vorliegen von Folgebeschwerden nach dem Mammakarzinom sei nicht auszuschliessen. Allerdings kann der von ihr vor
geschlagene ausführliche IV-Arztbericht unter Angabe von objektiven Befunden, Therapien und Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen für die bisherige
und angepasste Tätigkeit (prozentual und im Verlauf seit spätestens Februar 201
6
) angesichts der
zu hinterfragenden
Angaben der Behandlungspersonen
allein nicht mehr genügen
. Dieser kann
und muss vielmehr Teil der kritisch zu würdigenden
Entscheidgrundlagen
eines polydisziplinäres Gutachtens bil
den. Die
Sache ist folglich antragsgemäss gestützt auf § 26 Abs. 1
GSVGer
zur Durchführung der notwendigen Abklärungen
und neuer Entschei
dung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl. E. 1.3). In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und die ang
efochtene Verfügung aufzuheben.
7
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 6
00.-- festzu
setzen. Nach ständi
ger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständi
ges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegeg
nerin aufzuerlegen sind.