Decision ID: 104acfb3-e6bc-4f56-bcfb-f5f2c41ee33e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, absolvierte in der Türke
i fünf Schuljahre, erlernte kei
nen Beruf und reiste im Jahr 1980 in die Schweiz ein. Hier heiratete sie im Jahre 1982 und gebar in den Jahren 1984 und 1990 zwei Kinder (
Urk.
11/6). Die Versicherte arbeitete in unterschiedlichen Pensen an verschiedenen Stellen, grösstenteils in Wäscherei und Reinigung (
Urk.
11/8, 11/29/41). Zuletzt war sie bis August 2011 bei der
Y._
als Aushilfe angestellt nebst einem per Juli 2014 beendigten Arbeitsverhältnis - ebenfalls als Aushilfe - im Personalrestaurant der
Z._
AG, wobei der letzte Einsatz im Januar 2012 stattfand (
Urk.
11/13,
Urk.
11/16).
1.2
Am
2.
Mai 2014 (
Urk.
11/6) meldete sie sich bei der Eidgenössischen Inv
aliden
versicherung zum Leistungsbezug an. Die Soz
ialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, zog einen Auszug aus dem individuellen Konto (
Urk.
11/8) bei, holte Auskünfte verschiedener ehemaliger Arbeitgeber ein (
Urk.
11/13,
Urk.
11/14,
Urk.
11/16) und tätigte medizinische Abklärungen; unter anderem liess sie die Versicherte durch
Dr.
med. und
Dr.
sc. nat. ETH
A._
, Innere Medizin FMH spez. Rheumaerkrankungen, und
Dr.
med.
B._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Klinik
C._
, begutachten (Expertise vom 1
2.
März 2015,
Urk.
11/30).
Mit Vorbes
cheid vom 2
3.
März 2015 (
Urk.
11
/33)
stellte die IV-Stelle der Versi
cherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen
diese am 1
6.
April 2015 (
Urk.
11
/40) Einwand erhob. In der Folge gingen verschiedene medizinische Berichte der behandelnden Ärzte der Versic
herten ein, worauf die IV-Stell
e bei den Gutachtern wiederholt ergänzende
Stellungnahmen einholte (
Urk.
11/49,
Urk.
11/51,
Urk.
11/61,
Urk.
11/71). Am
2.
März 2016
verfügte sie im ange
kündigten Sinne (
Urk.
11/75).
Diesen Entscheid schützte das Sozialver
sicherungsgericht mit Urteil vom 1
6.
Oktober 2017 (Prozess Nr. IV.2016.00390;
Urk.
11/83). Auf die
dagegen erhobene
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten trat das Bundesgericht mit Urteil vom 1
3.
Dezember
2017 nicht ein (U
rteil
des Bundesgerichts
8C_860/2017;
Urk.
11/85).
1.3
Am
7.
Februar 2019 meldete sich die Versicherte unter Beilage von Berichten ihrer behandelnden Ärzte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/86, 11/87). Daraufhin holte diese bei den behandelnden Ärzten weitere Berichte ein und liess ihren Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Sache Stellung nehmen (
Urk.
11/92+94,
Urk.
11/96,
11/98,
Urk.
11/100,
Urk.
11/111). Nach durchgeführtem
Vorbescheidv
erfahren
verneinte sie
mit Verfügung vom
4.
September 2019
einen Anspruch auf eine Invalidenrente
(
Urk.
2,
Urk.
11/101,
Urk.
11/108).
2.
Dagegen liess
die
Versicherte, vertreten durch Milosav
Milovanovic, Beratungs
stelle für Ausländer, am
3.
Oktober 2019 Beschwerde
erheben und die Zuspre
chung einer ganzen Invalidenrente, eventualiter die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz beantragen (
Urk.
1 S. 1). In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um unentgeltliche Prozessführung (
Urk.
1 S. 1). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom
5.
November 2019 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), was der
Beschwerdeführerin
zur Ken
ntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Mit Eingabe vom 1
7.
September 2019 liess sich die
Beschwerdeführerin
, nunmehr
vertreten durch Rechtsanwalt Stephan
Stutz,
nochmals
vernehmen. In materieller Hinsicht hielt sie an den gestellten Anträgen fest. In prozessualer Hin
sicht
stellte sie das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
und beantragte
, ihr sei ihr jetziger Rechtsvertreter als unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen. Weiter
erklärte sie, Gerichtsschreiber Sonderegger
habe bereits beim früheren Entscheid als Geric
htsschreiber fungiert. Ihm fehle
daher die notwend
ige Unab
hängigkeit
(
Urk.
26).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl.
auch BGE
133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad
seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit
schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die
von der Beschwerdeführer
i
n
monierte fehlende Unabhängigkeit des Gerichts
schreibers Sonderegger aufgrund dessen
Mitwirkung a
m Urteil vom 1
6.
Dezember
2017 (Prozess Nr. IV.2016.00390
) ist als
Ausstandsbegehren
zu behandeln. Darauf ist vorweg einzugehen.
2.2
Gemäss § 5c Abs. 2
lit
. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) entscheiden die voll- und teilamtlichen Mitglieder einer Kammer über
Ausstandsbegehren
, die gegen die Mitwirkung von Angehörigen des Gerichts in einer Kammer gerichtet sind.
2.3
Wird ein Ausstand ausschliesslich aus Gründen verlangt, die von vornherein un
tauglich sind, so ist ein solches Begehren unzulässig und es ist darauf nicht ein
zutreten. Nach der Rechtsprechung kann eine Behörde selbst über ihren eigenen Ausstand respektive über denjenigen ihrer Mi
tglieder bestimmen, wenn die ge
stellten Ablehnungsbegehren unzulässig sind (Urteile des Bundesgerichts 8C_712/2011 vom 18. Oktober 2011 E. 3.3 und 2C_305/2011 vom 22. August 2011 E. 2.6). Bei diesem Nichteintretensentscheid dürfen auch die abgelehnten Gerichtspersonen mitwirken (Urteile des Bundesgerichts 8C_102/2011 vom 27. April 2011 E. 2.2 und 9C_509/2008 vom 29. Dezember 2008 E. 3.2).
2.4
Gemäss
Art.
6
Ziff.
1 der Europäischen Menschenrechtskonvention und
Art.
30
Abs.
1 der Bundesverfassung haben die Prozessparteien Anspruch darauf, dass ihre Sache von einem unabhängigen, unvoreingenommenen und unbefangenen Gericht ohne Einwirkung sachfremder Umstände
entschieden wird. Diese Ver
fah
rensgarantie ist verletzt, wenn bei objektiver B
etrachtung Gegebenheiten vor
lie
gen, welche den Anschein der Befangenheit
und die Gefahr der Voreinge
nom
menheit zu begründen vermögen (BGE 134 I 20 E. 4.2; 133 I 1 E.
6.2; 131 I 113 E. 3.4; 128 V 82 E. 2a). Solche Umstände können in einem bestimmten Ver
halten der Gerichtsperson oder in äusseren Gegebenhe
iten funktioneller und organisa
torischer Natur begründet sein. Für den Ausstand wird nicht verlangt, dass die Richterperson tatsächlich befangen ist. Es genügt, wenn Umstände vor
liegen, die bei objektiver Betrachtung den Anschein d
er Befangenheit und Vor
eingenom
menheit erwecken (BGE 133 I 1 E. 6.2; 131 I 24
E. 1.1 mit Hinweisen). Das
sub
jektive Empfinden einer Partei vermag dageg
en keine
Ausstandspflicht
zu be
gründen (BGE 134 I 20 E. 4.2; 133 I 1 E. 5.2).
2.5
Die Beschwerdeführerin begründet ihr
Ausstandsbegehren
einzig damit, dass Gerichtsschreiber Sonderegger
a
m Urteil vom 1
6.
Oktober 2017 mitgewirkt habe, weshalb seine Unabhängigkeit nicht mehr gegeben sei (
Urk.
26 S. 2).
Dam
it ver
mag sie
nicht durchzudringen. Die Mitwirkung an einem früheren Verfahren desselben Gerichts bi
ldet für sich allein keinen
Aus
standsgrund
. Einer Gerichts
person kann die Unabhängigkeit nicht bereits deshalb abgesprochen werden, weil sie in einem früher
en Verfahren gegen den Beschwer
deführer entschieden hat. Der Umstand allein, dass diesem das Ergebnis eines früheren Verfahrens nicht genehm ist, stellt keinen Grund für den Ausstand einer in jenem Verfahren mit
wirkenden Gerichtsperson dar (vgl. BGE 114
Ia
278 E. 1; 105 Ib 301 E. 1c). Um Vorbefassung annehme
n zu können, müssen konkrete An
haltspunkte dafür vor
liegen, dass sich die einzelne Gerichtsperson bereits in einer Art festgelegt hat, dass sie einer anderen Bewertung der Sach- und Rechtslage nicht mehr zugäng
lich und der Verfahrensausgang deswegen nicht mehr offen erscheint (vgl. BGE 131 I 113 E. 3.7; Urteil des Bundesgerichts 8C_543/2011 vom 2
5.
August 2011 E.
2.4).
An solchen Anhaltspunkten fehlt es vorl
iegend und werden von der Beschwerdeführerin denn auch nicht behauptet.
Da sich das
Ausstandsbegehren
als untauglich und unzulässig erweist, ist darauf nicht einzutreten.
3.
3.1
Nachdem die IV-Stelle
auf die Neuanmeldu
ng eingetreten ist und das Leistungs
begehren der Beschwerdeführerin
einer materiellen Prüfung unterzogen hat, ist zu beurteilen, ob seit der früheren rechtskräftigen Verneinung des Anspruchs auf eine Invalidenr
ente (Verfügung vom
2.
März 2016
) bis zur neuerlichen Renten
ablehnung (Verfügung vom
4.
September 2019
) eine erhebliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen stattgefunden hat, welche
nunmehr einen
Anspruch auf eine Invalidenrente begründet.
3.2
Die IV-Stelle verneinte in der angefochtenen Verfügung eine massgebliche Ver
änderung (
Urk.
2).
Die Beschwerdeführerin kritisiert beschwerdeweise
das Gut
achten der
Dres
.
A._
und
B._
.
Im Weiteren beruft sie sich auf die Berichte ihrer behandelnden Ärzte, die eine Verschlechterung des Gesundheits
zustandes ausweisen würden. Üb
erdies wirft
sie der IV-Stelle vor, den Sachverhalt nur ungenügend abgeklärt zu haben (
Urk.
1 S. 2 ff.,
Urk.
26).
4.
4.1
Der rentenabweisenden Verfügung vom
2.
März 2016 lagen folgende Berichte zu Grunde.
4.2
Der seit April 2008 behandelnde Hausarzt
Dr.
med
.
D._
, Facharzt für Allge
meine Medizin, diagnostiz
ierte am
2.
August 2014 (
Urk.
11
/12/1-4) eine depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig
e Episode sowie ein Raynaud-Syn
drom der Hände und Füs
se. Er berichtete von
seit mehreren Monaten per
sistierenden Depressionen mit Insuffizien
zgefühlen und Weinen, Schwindel
ge
fühl, Kopfschmerzen und schmerzhafter Bl
ässe der Hände und Füsse. Er at
testierte eine deutliche Leistungseinschränkung im Berufsleben, konnte indes keine siche
ren Angaben machen.
4.3
Mit Bericht vom 1
1.
Augus
t 2014 (
Urk.
11
/15) führte die a
m
2.
Mai 2014 zur Thematik einer Polyneuropathie einmalig konsultierte
Dr.
med.
E._
, FMH Neurologie, aus, die neurologische und elektrophysiologische Untersuchung
habe
eine leichtgradige Karpaltunnelsyndrom (
CTS)-Konstellation beidseits ge
zeigt, jedoch keine Polyneuropathie der Beine. Es finde sich keine neurologische Erklärung für die angegebenen Beschwerden, weswegen der Beschwerdeführerin eine rheumatologische Untersuchung empfohlen worden sei.
4.4
4.4.
1
Dr.
A._
schilderte in ihrem Gut
achten vom
7.
März 2015 (
Urk.
11
/29/2-27) die von der Beschwerdeführerin vorgetragenen Beschwerden im Sinne eines seit Jahren verminderten Gefühls in den Händen und Füssen sowie kalter Hände und Füsse. Sie habe in den Händen keine Kraf
t. Sie könne deshalb keine Zwie
beln oder Tomaten schneiden, weil sie sie nicht in den Händen halten könne. Es sei eine Adipositas Grad I vorhanden. Der normale Gang sei unauffällig wie auch der Zehen- und Fersengang. Beide Hände und beide Füsse wiesen eine normale Farbe auf. Eine Verfärbung der Haut
, wie sie bei einem Raynaud-Syn
drom auftrete, finde sich bei dieser Untersuchung weder an den Händen noch an den Füssen. Alle drei Wirbelsäulenabschnitte (HWS, BWS und LWS) seien normal beweglich. Radikuläre Zeichen seien nic
ht vorhanden. Alle grossen peri
pheren Gelenke seien normal beweglich. Gelenksergüsse, Synovitiden oder überwärmte Gelenke seien nicht vorhanden. Die beiden vierten Zehen seien kongenital leicht verkürzt. Die Bioimpedanz-Analyse zeige trotz der Adipositas eine Muskelmasse von 39
%
, welche dem
Normwert von 40
%
praktisch ent
spreche. Die Röntgenuntersuchung beider Hände (Februar 2015) zeige beidseits altersentsprechende Befunde. Die Messung
der Knochendichte mit der DEXA-Methode (Februar 2015) ergebe im Bereich
der LWS
osteopene
Knochendichte
werte. Dagegen sei die Knochendichte in beiden Oberschenkelknochen sowie in den beiden Radiusknochen der beiden Vorderarme normal. Dies zeige, dass sie beide Hände bzw. Arme seit langem normal einsetze. Ein lang andauernder Mindergebrauch beider Hände bzw. Arme, wi
e ihn die Beschwerdeführerin be
richte, hätte sicher zu einer deutlich vermin
de
rten Knochendichte in beiden Ra
diusknochen der Vorderarme geführt, was bei ihr jedoch nicht der Fall sei. Bei einem lang andauernden Mindergebrauch eine
s Armes (z.B. bei einer Halbsei
tenlähmung nach Hirnschlag oder nach ein
er lang andauernden Immobilisie
rung durch Ruhigstellung im Gips) trete schon nach wenigen Monaten eine deutliche Verminderung der Knochendichte
im betroffe
nen Arm auf. Ihre An
gabe, dass sie mit beiden Armen bzw. mit beiden Händen nichts halten könne, sei offensichtlich falsch (S. 22).
Dr.
A._
führte weiter aus, die ausgedehnte Blutuntersuchung zeige einen mässigen Vitamin D-Mangel. Die aktuelle
hormonale Substitution der Hypo
thyreose sei ausreichend. Es seien leicht erhöhte Entzündungszeichen
(Blut
sen
kung und C-reaktives Protein) und leicht erhö
hte Rheumafaktoren bei unauf
fäl
ligen Anti-Citrullin-Antikörpern vorhanden. Im ENA-Suchtest seien die Zentromer
CenpB
-
IgG
-Antikörper erhöht, während die zwölf anderen geprüften Antikörper sowie die
ds
-DNA-Antikörper alle normal gewesen seien. Von den drei geprüften Medikamenten seien die beiden Antidepressiva Cymbalta und
Remeron
nachweisbar. Vom Antihypertensivum
Nebilet
habe
dagegen jede Spur in ihrem Blut
gefehlt
. Ein Schmerzmittel habe si
e bei der Untersuchung nicht ge
braucht. Bei der Beschwerdeführerin sei im März 2010 ein Raynaud-Syndrom festgestellt worden. Damals sei die Kapillarmikroskopie unauffällig gewesen und die antinukleären Antikörper erhöht. Diese Konstellation sei typisch für ein Raynaud-Syndrom. Die aktuelle klinische
und rheuma-immunologische Unter
su
chung bestätige die Diagnose eines Raynaud-Syndroms.
Die Beschwerdeführerin habe nach der D
iagnosestellung des Raynaud-Syn
droms ihre befristete Tätigkeit am
5.
Juli 2010 mit 23 Wochenstunden bei der
Y._
AG begonnen und regulär gemäss dem befristeten Vertrag am 1
9.
August 2011 beendet. Parallel
zur Tätigkeit bei der
Y._
AG sei sie auch als Aushilfe auf Abruf im Personalrestaurant der
Z._
AG beschäftigt gewesen. Ihr letzter
effektiver Arbeitstag im Perso
nalrestaurant sei im Januar 2012 gewesen. Da
nach sei sie nicht mehr aufgebo
ten worden wegen fehlender Einsatzmöglichkeiten. Der
Z._
AG sei kein Gesundheitsschaden bekannt gewesen. Die Diagnose des Raynaud-Syndroms habe die Beschwerde
führerin offensichtlich nicht daran gehindert, bei der
Y._
AG und parallel dazu bei der
Z._
AG zu arbeiten.
Zusammenfassend bestünden bei der Beschwerdeführerin keine strukturellen Ver
änderungen, die ihre Leistungsfähigkeit verminderten. Sie könne daher sämtliche Tätigkeiten uneingeschränkt ausübe
n, die Frauen ihres Alters übli
cherweise machen könnten (S. 23).
4.4
.2
Dr.
B._
schilderte in seinem Guta
chten vom 1
2.
März 2015 (
Urk.
11
/30) die von der Beschwerdeführerin geklagte psychische Krankheitsentwicklung unter Hinweis auf die Sensibilitätsstörungen der Hände. Im März 2014 habe sie sich umbringen wollen, sie könne nicht sagen, weshalb. Sie habe ein Messer an sich genommen, um sich umzubringen, worauf ihr
e Kinder sie aber davon abgehal
ten hätten. Diese hätten sie zu einem Arzt gebracht, der sie zu einem Psychiater über
wiesen habe. Sie habe Medikamente ve
rschrieben bekommen, die ihr ge
holfen hätten. Wenn früher jemand mit ihr ges
prochen habe, habe sie stets un
ter dem Gefühl gelitten, man wolle ihr etwas antun und alle seien gegen sie, weshalb sie sich habe umbringen wollen. Dies sei in der Phase passiert, als ihre Tochter sich verlobt habe. Sie stehe im Zentrum
F._
bei der Psycho
login Frau
G._
in Behandlung und suche auch den Psychiater
Dr.
H._
auf, der aus der Türkei stamme. Unter dieser Therapie fühle sie sich nicht mehr so aggressiv und belaste ihre Kinde
r nicht mehr wie vorher. Ihr Zu
stand habe sich derart verschlimmert, dass sie zu Hause nicht mehr erwünscht gewesen sei. Ohne Medikamente hätte sie sich in die Limmat gestürzt. Trotz der Medikamente ver
spüre sie manchmal das Gefühl, nicht mehr leben zu wollen, weil sie wegen ihrer Hände nicht arbeiten könne. Sie möchte gerne einer Arbeit nachgehen, zu Hause fühle sie sich stets schlecht, sie möchte aber noch bei Kräften bleiben, um ihre Enkelkinder sehen zu können. Mit den Medikamenten schlafe sie gut, ohne diese könne sie aber nicht schlafen. In der Regel gehe sie zwischen 20.30 Uhr und 21.3
0 Uhr ins Bett und schlafe bis 4.00 Uhr oder
5.00 Uhr morgens durch. Fürs Morgengebet s
tehe sie dann auf, ihr Sohn verlasse um
6.00 Uhr die Wohnung. Nach dem Aufstehen und dem Gebet bereite sie ihrem Sohn das Frühstück zu und un
ternehme nach dem Essen Spazier
gänge. Sie gehe meistens mit einer Kollegin entlang der Limmat laufen. Sie kenne einige gute Kolleginnen, sie würden sic
h untereinander sehr gut verste
hen. Zu Hause koche sie, wenn die Familien
angehörigen das Gemüse schneiden würden, da sie in ihren Händen keine Kraft verspüre. Sie gehe öfters nach draussen, zu Hause halte sie sich möglichst selten auf, sie fühle sich besser, wenn sie mit jemandem reden könne. Sie höre gerne Musik, die sie ablenke. Im letzten Jahr sei sie zwei Mal in die Türkei gereist. Von Mai bis September 2014 habe sie sich wegen der Vorbereitungen für di
e Hochzeit ihrer Tochter im Heimatland aufgehalten. Am 1
9.
September
2014 sei sie in die S
chweiz zurückgeflogen, am
6.
November
2014 sei ihre Mutter gestorben, wes
halb sie wieder in
die Türkei gereist und am
9.
Februar
2015 wiederum in die Schweiz
zurückgekommen sei. Seitdem fühle sie sich nicht gut, sei oft nervös, auch aggressiv, ihre Tochter sei in der Türkei geblieben, was sie sehr traurig stimme
. Sie fühle sich wegen der Hand
beschwerden und nicht wegen der Psyche arbeitsunfähig (S. 4 f.).
Dr.
B._
führte in seiner Beurteilung aus, bei der Beschwerdeführerin seien aufgrund der anamnestischen Angaben weder eine genetische Vulnerabilität noch Persönlichkeitsfaktoren für die Entwicklung psychiatrischer Erkrankungen festzustellen. Ihre Kindheit bzw. Persönlichkei
tsentwicklung seien ohne gra
vie
rende traumatisierende Ereignisse abgelaufen, womit sich keine Hinweise auf die Bildung einer Persönlichkeitsstörung ergäben. Die Beschwerdeführerin habe im Heimatland die Grundausbildung abgeschlossen, womit bei ihr sowohl eine Intelligenzminderung als auch Verhaltensstörungen oder sonstige psychische Probleme mit Krankheitswert in der Kindheit und Pubertät
ausgeschlossen wer
den könnten. Sie sei im Erwachsenenalter d
en sozialen Anforderungen jahre
lang weitgehend gewachsen gewesen. Bei fe
hlenden Hinweisen auf ein anhal
tend auffälliges Verhaltensmuster bezüglich K
ognitionen, Affektivität und Im
puls
kontrolle sowie fehlenden Hinweisen auf Störungen sozialer Interaktionen könnten bei der Beschwerdeführerin psychische Probleme mit Krankheitswert inklusive einer Persönlichkeitsstörung auch
im Erwachsenenalter klar ausge
schlossen werden. Aus seiner -
Dr.
B._
s - Sicht sei es bei der Explorandin bei der vorbestehenden (richtig wohl: anstehenden) Heirat ihrer Tochter zu einer Ver
schlechterung ihres psychischen Zustandes gekommen, initial im Sinne einer Akzentuierung der ängstlich-abhängigen Persönlichkeitszüge und im Verlauf zum Ausbruch einer Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt. Die etablierten therapeutische
n Massnahmen inklusive einer Ge
sprächs
psychotherapie und
Psychopharmako
-
th
erapie sowie die Zeitspanne hät
ten zu einer zunehmenden Beruhigung und
Verbesserung des psychischen Zu
standes der Beschwerdeführerin geführt. Abgesehen von
einer leichten Ängst
lichkeit und leichten Affektlabilität habe sich die Beschwerdeführerin anlässlich der Untersuchung am 1
9.
Februar 2015
in psychopathologischer Hinsicht
ganz unauffällig präsentiert, weshalb von einer w
eitgehenden Remission der Anpas
sungsstörung ausgegangen werden könne. Bei der Beschwerdeführerin seien keine Einschränkungen der psychokognitiv
en Funktionen festzustellen (Ge
dächtnisfunktionen, Merkfähigkeit, Auffas
sungs
vermögen, Konzentrations
fä
higkeit, Gedankenfluss bzw. geistige Flexibilität, Antrieb und Psychomotorik), womit ihr aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden könne (S. 7).
4
.4
.3
In der interdiszip
linären Zusammenfassung (
Urk.
11/30/8-10) stellten die Gut
ach
ter
Dres
.
A._
und
B._
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkungen nannten sie eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver
Reaktion gemischt, ein
e Akzentuierung ängstlich-abhän
gi
ger Persönlichkeitszüge, eine Adipositas Grad I, eine arterielle Hyperto
nie, ein Raynaud-Syndrom der Hände und Füsse, ein leichtes Karpaltunnelsyn
drom beidseits, eine Hypothyreose sowie eine kongenitale Deformation der
4.
Zehe beidseits. Sie befanden die Beschwerdeführerin als uneingeschränkt arbeitsfähig.
4
.5
4
.5
.1
Facharzt
I._
(Psychiatrie und Psychotherap
ie FMH) sowie der klinische Psy
chologe
J._
vom Zentrum
F._
nahmen am 1
6.
Mai 2015 (
Urk.
11
/44) Stellung zum Gutachten der Klinik
C._
. Sie monierten eine oberflächliche Erhebung der Beschwerden und ergänzten diverse Symptome (seit August 2011 Angst [im Keller, erwürgt zu werden, auf der Strasse, im Auto, in geschlossenen Räumen bei
Toilette, duschen], Schweissaus
brüche, starke innere Unruhe, an Depressionen zu lei
den, Aggressionen, Miss
trauen, Auf
regen über Kleinigkeiten, Lust- und Interesselosigkeit, Müdigkeit [kein Schlaf durch Schlafstörungen], kein
e Appetitverminderung, Gedanken
kreisen, Rückzug, Antriebslosigkeit, Vergess
lichkeit im Alltag, weniger Kon
zentrationsstörungen, oft Streit mit dem Ehemann). Sie erachteten die ICD-10 Kriterien für eine mittel
gradige Depression als vo
llständig erfüllt, von einer Re
mission könne keine Rede sein, die vom psychiatrischen Gutachter erfassten Suizidideen seien von ihm nicht erklärt. Der Tagesablauf sei unvollständig und zu optimistisch erfasst wor
den. Eine Kollegi
n sei vorhanden, die Beschwerde
führerin müsse aber immer wieder liegen wegen den Schmerzen auch durch den Tag. Im Haushalt könne sie nur noch wenig tun, der Ehemann helfe. Es stelle sich die Frage,
wie die Beschwerdeführerin
in der freien Wirtschaft arbei
ten sollte, wenn sie den Alltag
nicht einmal bewältigen könne.
Sodann entspreche der psychische Befund nicht dem AMDP-System und sei sehr rudimentär (vom
F._
festgehalten: äusserlich gepflegt, bewusstseinsklar und all
seits orientiert, in der Kontaktaufnahme gehemmt, sachlich, aktiv im Spontan
verhalten, Stimmung deutlich resigniert, deutliche Störung des Vital-gefühls, affektiv unkontrolliert, motorisch unruhig, immer wieder aufstehend, Gestik und Mimik gespannt, im Gesprächsverla
uf verbal mitteilungsaktiv, kog
nitiv in Auf
merksamkeit, Merkfähigkeit und Gedächtnis verlangsamt, deutliche Vergesslich
keit, keine Auffassungsstörunge
n, Denken beweglich, keine Denk
verlangsamung, Denkeinengung, Gedanken
drängen oder inhaltlich problem
zentriert, erhaltene Krankheitseinsicht, keine circadiane Schwankung der Symptomatik, Schmerzen 24 Stunden vorhand
en, keine Anhaltspunkte für psy
chotische Erlebnisweisen, keine quantitative B
ewusstseinsstörung, keine forma
len Denkstörungen, keine Zwänge, keine G
edankenausbreitung, Gedankenein
geben, Gedankenentzug, keine
Gefühllosigkeit, anamnes
tisch Suizidgedanken/
-wünsche, keine Selbstbe
schädigungen).
Die Fachpersonen diagnostizierten eine rezidivie
rende depressive Störung, gegen
wärtig mittelgradige Episode, und ein Raynaud-Syndrom der Hände und Füsse ohne Hinweise auf eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK). Sie attestierten eine vollumfänglich
e
Arbeitsunfähigkeit.
4
.5
.
2
Am 2
8.
September 2015 (
Urk.
11
/57 S. 5 f.) berichteten die Fachpersonen des
F._
über die interdisziplinäre
Schmerzbehandlung. Der Anästhe
sist/Schmerz
therapeut forderte für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einen Arbeitsversuch für eine leichte angepass
te Tätigkeit. Der Wirbelsäulenchirurg
erklärte alle Tätigkeiten mit Heben
oder Tragen von
schweren
Lasten, wirbel
säulenbelastende Tätigkeiten und solche in
Zwangshaltung, mit langan
dauern
dem reinen Stehen, in vorübergeneigter Körperhaltung, mit repetitiven Rumpf- oder HWS-rotieren
den Stereotypien sowie A
rbeiten überwiegend im Überkopf
bereich für nicht zumutbar. Für eine entsprechend angepasste Tätigkeit mit
He
ben von Lasten bis 5 kg (kurzfristig) respektive 2 kg (längerfristig) attestierte er eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Aus rein orthopä
discher Sicht gebe es keine Hin
dernisse, in leichter Arbeit wieder eine Eingliederung zu versuchen, eventuell halbtags beginnend. Psychiatrisch hingegen
sei die Beschwerdeführerin voll
umfänglich arbeitsunfähig.
4.6
Die Ärzte der Klinik für Rheumatologie des Universitätsspitals
K._
, wo die Beschwerdeführerin am 25. August 2015 ambulant und vom 31. August bis 3. September stationär behandelt worden war, stellten mit Bericht vom 17. De
zember 2015 (Urk. 11/65/6-9) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
1.
systemische Sklerose, Erstdiagnose August 2015 mit/bei
-
Raynaud-Syndrom und
puffy
fingers
2.
chronisches
zervikospondylogenes
,
zervikozephales
und
lumbovertebrales
Schmerz
syndrom mit
-
Fehlhaltung und Haltungsinsuffizienz
-
segmentalen Dysfunktionen der HWS sowie ISG-Dysfunktion links
3.
Periarthropathia
humeroscapularis
(PHS) links mit
-
Totalruptur der Supraspinatussehnen beidseits und Partialruptur der lan
gen Bizepssehne rechts sowie AC-Gelenksarthrose beidseits
4.
Depression mit posttraumatischer Belastungssituation
Die Ärzte führten aus, zum aktuellen Zeitpunkt bestünden keine Hinweise für eine relevante Beteiligung innerer Organe, sodass zumindest aktuell von einem
günstigen Verlauf auszugehen sei. Eine Basistherapie sei aktuell nicht notwendig. Die aktuelle Therapie stütze sich auf symptomorientierte Massnahmen mit Behandlung des Raynaud-
Syndromes
durch Calcium-Antagonisten sowie ergo
therapeutische Massnahmen, Lymphdrainage und bei
zervikospondylogenem
Schmerzsyndrom sowie PHS links auf die Durchführung von Physiotherapie.
Zur Arbeitsfähigkeit hielten die Ärzte fest, aufgrund des
zervikospondylogenen
Schmerzsyndroms und der PHS sei die Beweglichkeit im Bereich der Halswir
bel
säule und Schultergelenke beidseits vor allem beim Heben von Lasten sowie Über
kopfarbeiten eingeschränkt. Aufgrund des bestehenden Raynaud-
Syndromes
könne sie nicht in der Kälte arbeiten. Eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne langes Gehen, Stehen oder Sitzen und ohne das Heben mittelschwerer und schwerer Lasten sei möglich, es sollten aber regelmässige Pausen möglich sein.
4.7
4.7
.1
Das Sozialversicherungsgericht stellte im Urteil vom 1
6.
Oktober 2017
(Urk.
11/83)
auf das Gutachten der
Dr
es
.
A._
und
B._
vom 1
2.
März 2015 ab. Es erwog, i
n organischer Hinsicht
ergebe
sich, dass die Beschwerde
führerin vorweg an einem Raynaud-Sy
ndrom der Hände und Füsse leide
. Die involvierte Neurologin
habe
(ausser einer leichtgradigen CTS
Konstellation) keine neurologische Erklärung für die angegebenen Beschwerden finden
können,
die auf Rheumaerkrankungen spezialisierte Gutachterin Dr.
A._
habe
die Diagnose aufgrund der klinischen und rheuma-immunologischen Untersuchung
bestätigt. Allerdings
habe
sie daraus keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ab
geleitet
. Angesichts der erhaltenen Muskelmasse, altersentsprechender Röntgen
befunde der Hände sowie unauffälliger Knochendichte in den Radius
knochen der
Vorderarme habe
sie auf einen normalen Gebrauch der Arme und Hände
geschlossen
. Unter Verweis auf die uneingeschränkt ausgeübte Tätigkeit in der
Y._
(23
Wochenstunden) sei
sie von einer erhaltenen Arbeits
fähigkeit aus
gegangen
. Diese Feststellungen basier
t
en auf umfassenden Untersu
chungen, einer Auseinandersetzung mit den geklagten Beschwerden s
owie den
Vorakten
und würden
als begründet
erscheinen
. Namentlich die unauffälligen klinischen und bildgebenden Befunde mach
t
en die dargelegte massgeblich erhal
tene A
rbeitsfähigkeit nachvollziehbar (E. 4.1.1).
Die von den
F._
-Ärzten attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit
sei
dagegen nicht überzeugend begründet. Währenddem das zulässige Stelle
nprofil noch nachvoll
ziehbar sei, fehle
jede Begründung, weshalb eine solche Tätigkeit nicht vollzeit
lich zumutbar sein
sollte. Das Quantitativ würden
die
F._
-Ärzte denn auch selber in Frage
stellen
, indem sie eine Eingliederung nicht aussch
liessen
, sondern ledig
l
ich eve
ntuell halbtags empfählen
(E. 4.1.2).
In diesem Sinne seien
denn auch die
K._
-Ärzte von einer - in angepasster Tätig
keit - erhaltenen Arbeitsfähigkeit aus
gegangen
bei regelmässigen Pausen. In ihrer Beurteilung vom 17.
Dezember 2015 hätten
sie ergänzend auf eine systemische Sklerose sowie eine neu entdeckte PHS mit Totalruptur der Supraspinatussehnen beidseits und Partialruptur der langen Bizepssehne rechts sowie AC-Gelenks
arthrose beidseits
verwiesen
.
Entsprechende Beschwerden habe
die Beschwerde
führerin anlässlich der Begutachtung noch keine geschildert. Trotz diesen seit der Begutachtung hinzugetrete
nen Erkrankungen hätten
die
K._
Ärzte keine mass
gebliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in einer auf die Be
s
chwerden Rücksicht nehmenden Tätigkeit
attestiert
.
Hiervon sei
auszuge
hen (E. 4.1.3).
4.7
.2
Weiter führte das Sozialversicherungsgericht aus, in psychiatrischer Hinsicht habe der
Gutachter Dr.
B._
in nachvollziehbarer Weise dar
gelegt
, weshalb er keine die Arbeitsfähigkeit beeinträchti
gende Erkrankung erkannt habe. So seien
die suizidalen Tendenzen sowie die Angstproblematik der Beschwerdeführerin nicht unerkannt
geblieben, allerdings habe
er einen aktuell praktisch unauffälli
gen klinischen Befund
geschildert
. Dr.
B._
habe
denn auch massgebende psychosoziale Belastungsfaktoren
benannt
, namentlich die Heirat der Tochter samt Verbleib in der Türkei sowie den Tod der Mutter im Jahr 201
4.
Insoweit sei
erstellt, dass das klinische Beschwerdebild massgeblich in Beein
trächtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühr
ten, bestehe
, was Dr.
B._
denn auch explizit bestätigt habe
. Psychiatrisch klar zu unterscheidende Befunde - namentlich die im Raum stehende Depression
- habe
Dr.
B._
nicht erkennen
können. Damit aber lä
gen im Wesentlichen Befunde vor, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umstände
n ihre hinrei
chende Erklärung fä
n
den, gleichsam in ihnen aufgingen
, womit kein invalidi
sierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben
sei
.
Die allenfalls anders in
terpretierbare Angstproblematik
sei
offenkundig nicht derart ausgeprägt, dass sie eigenstän
dig diagnostiziert worden wäre (E. 4.2.1).
Die Kritik der
F._
-Ärzte vermöge
nicht zu überzeugen. Soweit sie Dr.
B._
Oberflächlichkeit
in der Befunderhebung vorwerfen würden
,
sei
festzuhalten, dass dieser selbstredend nur das von der Beschwerdeführerin auch Geschilderte in das Gut
achten habe einfliessen lassen können
. Wenn sie weniger ausgeprägte Anga
ben als
gegenüber den
F._
-Ärzten gemacht habe, könne
das nicht dem Gut
achter angelastet werden. Dr.
B._
habe
denn auch Einsicht in die Berichter
stattung des
F._
genommen und sei
entsprechend orientiert
gewesen
. Die von den
F._
-Ä
rzten erwähnten Befunde hätten
sich in einer umfangreichen Auf
zählung (mitsamt teilweise unauffälligen Aspekten
)
erschöpft
, indes - mit weni
gen Ausnahmen - ohne
die Intensität in nachvollziehbare Weise durch Alltag
schilderungen zu dokumen
tieren (E. 4.2.2).
Bei dieser Ausgangslage und Fehlen von objektivierbaren Umständen, welche dem
Gutachter entgangen wären, bestehe
keine Veranlassung, von der Einschät
zung Dr.
B._
s abzuweichen. Dies
gelte
umso mehr, als sich eine vollum
fäng
liche Arbeitsunfähigkeit nur schwer mit den von den
F._
Fach
personen geschil
derten Umständen
vereinbaren lasse
. Namentlich
sei
nicht einleuchtend, weshalb der Beschwerdeführerin bei
fast unauffälligem Tagesablauf
gar keine Tätigkeit mehr zumutbar sein sollte. Die Qualifikation des von Dr.
B._
erhobenen Tagesabla
ufs als „zu optimistisch“
vermöge
nicht zu überzeugen, legten doch die
F._
-Ärzte - mit Ausnahme geklagter Schmerzen - nicht dar, inwiefern die Schil
derungen Dr.
B._
s unzutreffend sein sollten (E. 4.2.2).
Bei Fehlen einer relevanten, die Arbeitsfähig
keit einschränkenden psychiatri
schen Pathologie l
iege
diesbezüglich keine Invalidität vor. Die - erst nach der Begutachtung in der Klinik
C._
- festge
stellte Schulterpathologie führe
eben
falls zu keiner wesentlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Die qualitative Einschränkung sowie der leicht erhöhte Pausenbedarf führ
t
en - bei identischen Vergleichseinko
mmen (die Beschwerdeführerin habe
die letzte Stelle nicht gesundheitsbedingt verloren und wäre i
n einer einfachen Tätigkeit kör
perlicher oder handwerklicher Art beschäftigt, was nach wie vor mögl
ich sei
) - nicht zu einer Einschränkung von 40
%
, selbst wenn man für Pausen 10
%
der Arbeitszeit veranschlagen und den höchstmöglichen Tabellenlohnabzug von 25
%
gewähren wollte, was j
edenfalls nicht angemessen wäre (E. 5).
5.
5.1
Den Berichten
,
die im Zuge
der Neuanmeldung vom
7.
Februar 2019
(
Urk.
11/87)
von der Beschwerdeführerin eingereicht bzw. von der Verwaltung eingeholt wurden, ist Folgendes zu entnehmen.
5.2
Die Ärzte des Rehaz
entr
ums
L._
führten im Bericht vom 3
0.
Januar 2018
(
Urk.
11/105
) aus, die Beschwerdeführerin habe
vom
7.
Februar bis 2
8.
März
2018
an einem ambulanten Schmerzprogramm teilgenommen. Die Aufnahme in das Programm sei aufgrund eines chronischen
zervikophalen
,
zer
v
ikospondylogenen
und
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms beidseits erfolgt. Unter entspre
chenden Beschwerden leide die Beschwerdeführerin seit 201
1.
Im Rahmen der durchgeführten Therapie habe sich keine Verbesserung der Schmerzsymptomatik gezeigt. Die Beschwerdeführerin sei über längere Zeit dem Programm fernge
blieben, da ihr Vater in der Türkei erkrankt sei und sie ihn deswegen besucht habe. Sie habe das Programm als gut empfunden, am besten hätten ihr die Gesprächs- und Entspannungstherapie getan. Insgesamt hätte aber keine der Therapien etwas zur Verbesserung der
Schmerzsymptomatik beigetragen
.
5.3
Im Bericht der
K
linik
M._
, Psychiatrische und Psycho
thera
peutische Spezialklinik für Frauen, vom 2
4.
Januar 2019
betreffend Hospitalisa
tion vom 14. November bis 18. Dezember 2018
(
Urk.
11/86/1-7)
wurde als psychiatrische Hauptdiagnose eine vordiagnostizierte rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psyc
hotische Symptome
,
und als Nebendiagnose ein Verdacht auf eine nicht
näher
bezeichnete Demenz gen
annt. Dazu wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin
sei von ihrem behandelnden Psychiater des
F._
überwiesen worden. Bei Aufnahme in die Klini
k habe sie sich
wach, allseits orientier
t, mit ausgeprägten Auffassungs-
, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, im Denken gehemmt, verlangsamt, umständlich, eingeengt auf die Schmerzen und perseverierend, anhaltend grübelnd, gedankendrängend und mit Wortfindungsstörungen gezeigt. Diagnostisch habe die schwere depressive Episode bestätigt werden können.
Die Beschwerdeführerin habe immer wieder darauf verwiesen, das
s im Kopf etwas nicht stimme.
Es sei daher versucht worden, eine demenzielle Entwicklu
ng anzusprechen
und zu erläutern
.
Diesbe
züglich empfehle sich eine neurokognitive Abklärung.
Bis zum Austritt sei die depressive Symptomatik teilremittiert. Restsymptome
hätten sich in Form von Zukunftsängsten sowie Grübeln über frühere belastende Ereignisse
gezeigt
.
5.4
Die Fachpersonen
des
F._
hielten im Berich
t vom 1
8.
März 2019
(Urk.
11/96/7
10)
- wie bereits im Bericht vom 1
9.
November 2018, der von der Beschwerdeführerin mit der Neuanmeldung eingereicht worden war (Urk.
11/86/11-18
,
insbs
. S. 6
) - fest, die Beschwerdeführer
in
sei
seit 2011 auf
grund von Schmerzen a
n Händen und Schulter zu 100
%
arbeitsunfähig. Im Ver
lauf habe sich eine depressive Störung entwickelt. Die Beschwerdeführerin beschreibe Panikattacken in verschiedenen Situationen sowie die Tendenz, bestimmte Situationen zu vermeiden (u.a. öffentlicher Verkehr, Keller, WC, Auto). Es sei nicht auszuschliessen, dass sich diese Angstsymptome zu einer Panik
störung mit Agoraphobie entwickeln könnten. Die bisherigen Behandlungen hätten zu keiner Besserung der körperlichen Beschwerden geführt.
Aufgrund der körperlichen Beschwerden seien körperlich schwere Tätigkeiten, etwa in der Reinigung oder Wäscherei, nicht mehr zuzumuten. Des Weiteren weise die Beschwerdeführerin aufgrund der depressiven Störung eine ausgeprägte Müdig
keit, eine leichte Erschöpfbarkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsstörungen
auf
. Aufgrund der chronischen Schmerzen und der depressiven Störung sei die Beschwerdeführerin auch in einer leichten, angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig
.
5.5
Am 1
6.
April 2019 berichteten die Ärzte der Klinik für Rheumatologie des
K._
über das jährliche
Skler
odermieassessment
.
Sie sprachen
von einem erfreulichen Verlauf ohne Entwicklung von Organkomplikationen (
Urk.
11/98/8-10).
Bereits
im Vorjahr, im Rahmen der Untersuchung
vom 1
8.
April 2018
,
hatten sie
die Befunde als unauffällig bezeichnet
.
Zur Arbeitsfähigkeit vermerkten
sie damals
, dass aufgrund der limitierten systemischen Sklerose mit
Raynoud
-Syndrom und
puffy
fingers
keine Tätigkeiten in kalter oder
n
asser Umgebung zumutbar seien. Aufgrund der
puffy
fingers
sei die Beschwerdeführerin zudem in der Feinmotorik eingeschränkt. Ideal für sie sei eine wechselbelastende Tätigkeit mit
der Möglich
keit einer Positionsveränder
ung
nach spätestens 30 Minuten (Bericht vom 1
5.
Mai 2018,
Urk.
11/92). Diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit bestätigten die Ärzte im Wesentlichen im Bericht vom
8.
Juli 2020 (
Urk.
27/1).
5.6
Die Ärzte des
F._
machten im Bericht vom 1
5.
Januar 2020
(
Urk.
17)
Aus
führungen zum Verlauf seit
1.
März 2018 und hielten im Wesentlichen fest,
die Beschwerdeführerin berichte seit Jahren über Schmerzen im Rücken. Es finde sich aber keine Deformation, die an eine Arthrose denken lasse (S. 2 u. 8). Die Problematik an den Fingern habe sich verschlechtert (S. 2). I
nterventionelle Massnahmen seien jedoch nicht
indiziert
(S. 8)
. Aus psychiatrischer Sicht wiesen sie erneut auf Panikattacken in vers
chiedenen Situationen,
die Tendenz, bestimmte Situationen zu vermeiden (u.a. öffentlicher Verkehr, Keller, WC, Auto),
sowie auf die
depressive Störung
hin
(S. 8 f.)
.
Sie bestätigten
die von ihnen attestierte gänzliche Arbeitsunfähigkeit sowohl aus somatischer als auch
psychiatri
scher Sicht
.
5.7
Im Bericht vom 2
0.
Juni 2020
(
Urk.
21) erklärten die
Ärzte
des
F._
, dass sich der Gesundheitszustand
seit 2019
weiter verschlechtert habe
.
Im Jahr 2020 sähen die Beschwerden nun wie folgt aus: Nach wie vor bestünden deutliche Ängste und Depressionen.
Am deutlichsten sei die Veränderung an den progredienten Schmerzen an den Händen sichtbar. Damit einhergehend sei
es zu einer deutli
chen Verstärkung der Depressionen und Ängste bis hin zu rezidivierenden Suizidideen gekommen. Insgesamt sei somit heute eine schwere D
epression zu beobachten (S. 2
).
6.
6.1
Da zu prüfen ist, ob
seit der früheren rechtskräftigen Verneinung des Anspruchs auf eine Invalidenrente (Verfügung vom
2.
März 2016) bis zur neuerlichen Rentenablehnung (Verfügung vom
4.
September 2019) eine erhebliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen stattgefunden hat, welche den Anspruch au
f ein
e Invalidenrente begründet (E. 3
.1 hiervor),
ist
auf die Einwände
der Beschwer
deführerin gegen das Gutachten der
Dres
.
A._
und
B._
vom 1
2.
März 2015
nicht näher einzugehen
(
Urk.
1 S. 2,
Urk.
26 S. 1)
.
Mit Urteil
vom 1
7.
Okto
ber 2017 wurde rechtskräftig entschieden, dass diesem Gutachten voller Beweis
wert zukommt. Die nun geäusserte Kritik am Gutachten erschöpft sich im Wesentlichen in der angeblichen Versicherungsfreundlichkeit der beiden Gutach
ter (
Urk.
1 S. 2,
Urk.
26 S. 1). Dazu reichte die Beschwer
deführerin einen Artikel aus der Zeitschrift
Plädoyer
aus dem Jahre 2015
ein (
Urk.
27/2).
Abgesehen davon, dass damit eine fehlende Unparteilichkeit der beiden Gutachter nicht bewiesen ist, wäre dessen Beibringung bereits im ersten Verfahren möglich gewesen. Damit sind auch die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision nach
Art.
5
3
Abs.
1 ATSG, die ein Zurückkommen auf das rechtskräftige Urteil e
rmöglicht hätte,
nicht gegeben.
6.2
6.2.1
Der RAD der IV-Stelle verneinte in den Stellungnahmen vom
4.
Juni
und 4.
Sep
tember
2019 und
in Würdigung der medizinischen Aktenlage eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes
(
Urk.
11/100/7,
11/111/4). Dieser Ein
schätzung ist beizupflichten.
6.2.2
Gestützt auf den Bericht der Klinik
M._
ist
nicht auszuschliessen, dass es zwischenzeitlich zu einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands gekommen war. Jedoch war diese spätestens zum Zeitpunkt des frühestmöglichen
Rentenbeginns per
1.
August 2019 (sechs Monate nach erfolgter Neuanmeldung vom
7.
Februar 2019;
Art.
29
Abs.
1
i.V.m
.
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
) nicht mehr von Relevanz.
In die Klinik war die Beschwerdeführerin w
egen einer Exazerbation
der depressiven Symptomatik eingewiesen worden.
Die Klinikärzte
bestätigten bei ihrem Eintritt
am 1
4.
November 2018 die vordiagnostizierte depressive Störun
g, gegenwärtig schwere Episode. Bis zum Austrit
t am 1
8.
Dezember 2018
remittiert
e die Störung jedoch weitgehend
. Restsymptome bestanden einzig noch in Form von Zukunftsängsten sowie Grübeln über frühere belastende Erlebnisse (
Urk.
11/86/2-6).
Entsprechende Angaben hatte
die Beschwerdeführerin
bereits früher
gege
nüber den Ärzten des
F._
gemacht
(
Urk.
11/44; E. 4.4.1 hiervor
). In deren Berichte hatte
Dr.
B._
Einsicht genommen und war entsprechend
orientiert. Er selber wies aufgrund des von ihm erhobenen klinischen
Befund
s
auf die leichte Ängstlichkeit und Affektlabilität hin (
Urk.
11/30/7). Bei den erwähnten Restsymptomen handelt es sich somit nicht um
neue Befunde.
Selbst wenn dem so wäre, liesse sich damit keine wesentliche Änderung
in den tatsächlichen Ver
hältnissen
begründen
, die geeignet wäre einen Rentenanspruch auszulösen.
Gleich
verhält es sich hinsichtlich des
vo
n den Klinikärzten im Rahmen d
er Nebendiagnose geäusserte
n
Verdacht
s
auf eine nicht näher bezeichnete Demenz
, weshalb sie
eine
weitere neurokognitive Abklärung empfahlen
.
Diese Verdachts
diagnose wurde aufgrund der Aussage der Beschwerdeführerin gestellt, dass etwas in ihrem Kopf nicht stimme (
Urk.
11/86/5
+7
). Über kognitive Beeinträchti
gungen (wie eingeschränkte Gedächtnisfunktionen, Merkfähigkeit,
Konzentra
tionsfähigkeit) klagt
die Beschwerdeführerin bereits seit 2011 (Urk.
11
/44), die jedoch gutachterlich
auch gestützt auf testpsychologische
Abklärungen
nicht bestätigt werden konnten (
Urk.
11/30/7).
Die behandelnden Ärzte übernahmen
diese Verdachtsdiagnose denn auch nicht (
Urk.
11/96/7-16,
Urk.
17,
Urk.
21
).
6.
2.3
Die Berichte des
F._
vom 1
9.
November 2018
(
Urk.
11/86/11-18)
und 2
8.
März 2019
(
Urk.
11
/96/7-10)
unterscheiden sich inhaltlich nicht v
on den
Bericht
en
vom 1
6.
Mai 2015
(
Urk.
11/44) und 3
0.
September 2015 (
Urk.
11/57)
.
So wird jeweils auf Ängste in gewissen Situationen hingewiesen und es werde
n
in etwa die gleichen Depressionssymptome (bei durchwegs diagnostizierten mittel
gradigen
depressiven
Episoden) beschrieben. Au
s diesen beiden, im Zuge der Neu
anmeldung eingereichten Berichten
kann somit
keine Verschlechterung abgeleitet werden.
Während im Bericht vom 1
5.
Januar 2
020 in psychiatrischer Hinsicht
das Zustandsbild
explizit
als unverändert beschrieben
wird
(
Urk.
17 S. 4), erklär
t
en die Ärzte des
F._
im Bericht
vom
2
0.
Juni 2020, dass es
als Folge der progre
dienten Schmerzen
an den Händen
ab 2019 zu einer Verschlechterung des depressiven
Geschehen g
ekommen sei. Heute - also zum Zeitpunkt der Redaktion des Berichts vom 2
0.
Juni 2020
- sei nun eine schwere Depression zu beobachten (
Urk.
21 S. 4).
D
ie
Diagnose einer schweren Depression lässt sich indessen nicht aufgrund erhobener Befunde nachvollziehen.
Sodann wird im Bericht vom 2
0.
Juni 2020 die Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes als Folge einer progredienten Schmerzentwicklung an den Händen beschrieben. Di
esbezüglich ist den
fachärztlichen Beurteilung
en
der Ärzte der Klinik für Rheumatologie aber gegenteilig zu entnehmen, dass sich
der Verlauf positiv gestaltet.
Angesichts dessen und der vorherigen
Ausführungen
ist
generell ein grosses Fragezeichen hinsichtlich des Beweiswerts
der jeweiligen Berichte des
F._
anzubringen. Eine Verschlechterung der Handproblematik ist jedenfalls aus
zuschliessen.
Vor diesem Hintergrund erscheint fraglich, ob
es im 2020 überhaupt zu einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands kam. Wie es sich damit verhält, kann indessen offenbleiben, da das Sozialversicherungsgericht nach
ständiger Rechtsprechung
die Gesetzmässigkeit der Verwaltungsver
fügungen in der Regel
, so auch hier,
nach dem Sachverhalt
beurteilt
, der zur Zeit des Verfügungserlasse
s gegeben war
(BGE
131 V 342 E.
2.1).
6.2.4
I
n somatischer Hinsicht ist
ebenfalls
keine massgebliche Veränderung ausge
wiesen.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, es lägen nun weitere ein
schränkende Diagnosen vor, wie
sie
dem Bericht des
F._
vom 2
0.
Juni 2020 zu entnehmen seien, nämlich ein chronisches
zervikospondylogenes
,
zervikozepha
les
und
lumbovertbrales
Schmerzsyndrom, eine
Periarthropathia
humeroscapula
ris
links, eine arterielle Hypertonie und eine
Hypthyreose
(
Urk.
26 S. 2), verkennt sie,
dass
diese Diagnosen im
Zeitpunkt der abweisenden Verfügung
vom
2.
März 2016 respektive im Urteilszeitpunkt vom 1
6.
Oktober 2017 bekannt waren und berücksichtigt wurden
(vgl. E. 4.4.3, E. 4.6 u. E.
4.7.2 hiervor).
Aufgrund der Aussagen der
Ärzte der
Klinik für Rheumatologie des
K._
ist bezüglich der
systemischen Sklerose
von einem stabilen Zustand, allenfalls gar von einer Verbesserung auszugehen. Eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestieren sie nicht. Zwar formulieren sie
in den Berichten vom 1
8.
April 2018 (
Urk.
11/92), 1
6.
April 2019 (
Urk.
11/98/8-10) und
8.
Juli 2020 (
Urk.
27/1) - wie übrigens bereits im Bericht vom 2
5.
August 2015 (Urk.
11/65/6
9) -
in qualitativer Hinsicht ein eingeschränkteres Zumutbarkeits
profil als
Dr.
A._
. Dabei
handelt es sich jedoch um eine andere Würdigung dessen, was beim gleich geblieben
en
Sachverhalt noch möglich ist, und sie ist insofern unbeachtlich.
Doch selbst wenn mit den Rheumatologen des
K._
davon
ausgegangen wird, dass der Beschwerdeführerin
keine feinmotorischen Verrich
tungen und
bloss noch
eine wechselbelastende Tätigkeit mit der Möglichkeit einer Positionsverände
rung
nach
spätestens 30 Minuten
möglich ist, ändert dies nichts an der Annahme einer vollen Arbeitsfähigkeit. Denn sie verlor die letzte Stelle nicht gesundheitsbedingt und wäre in einer einfachen Tätigkeit körperlicher oder handwerklicher Art beschäftigt
. Den genannten Einschränk
ungen könnte dabei
hinreichend Rechnung getragen werden.
6.2.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine relevante Veränderung in den tat
sächlichen Verhältnissen ausgewiesen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuwei
sen.
7.
7.1
Die Beschwerdeführerin
stellte in der Beschwerde
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk.
1 S. 1
).
In der R
eplik ersuchte sie
sodann um unentgelt
l
iche Rechtspflege
(
Urk.
23 S. 1)
, also neben der Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung auch
um Gewährung der unentgeltlichen Rechts
vertretung.
7.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Als bedürftig gilt eine Person, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Familie nötigen Lebensunterhalts nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten, wobei die Einkommens- wie die Vermögensverhältnisse beider Ehe
gatten zu berücksichtigen sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_617/2009 vom 15. Januar 2010 E. 6.2.1 mit Hinweisen). Grundsätzlich obliegt es der gesuch
stellenden Person, ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse umfassend darzustellen und soweit wie möglich auch zu belegen (BGE 12
0
Ia
179 E. 3a).
7
.3
Mit Verfügung vom
7.
Oktober 2019
(Urk.
5
) wurde die Beschwerdeführerin auf
gefordert, das Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit vollständig ausgefüllt und unter Beilage sämtlicher Belege zur aktuellen finanziellen Situa
tion – wobei diesbezüglich ein Hinweis auf Ziff. 12 des Formulars erfolgte – ein
zureichen unter der Androhung, dass bei ungenügender Substantiierung oder fehlenden oder ungenügenden Belegen zur finanziellen Situation davon ausge
gangen werde, dass keine prozessual
e Bedürftigkeit bestehe.
Die von der
Beschwerdeführerin
eingereichten Unterlagen
weisen
im Wesentlichen dieselben Mängel auf wie im Prozess Nr. IV.2016.00390, in welchem das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mangels hinreichendem Nachweis der Bedürftigkeit abgewiesen wurde
(vgl.
Urk.
11/83/15 f.)
.
Im am 31.
Oktober 2019
ins
Recht gelegten Formular (Urk. 8
) gab sie unter anderem an, in der Türkei ein Haus im Wert von Fr.
35
‘000.-- zu besitzen
(Ziff. 10). Dies ist
trotz Aufforderung zur Beibringung von Belegen zu allen Vermögens
positionen (Verkehrswert
schätzung)
unbelegt geblieben.
Der
angegebene
Wert
liegt
über der
praxis
ge
mässen
Frei
grenze
v
on
Fr.
20‘000.-- für Ehepaare. D
amit
verbleiben
genügend Mittel, um die Prozess
kosten zu begleichen.
Die Beschwerdeführerin macht weder (substantiiert) geltend, ein
Verka
uf des Ferienhauses
sei
unzumut
bar
oder unmöglich,
noch hat sie
den Nachweis erbracht, dass
die Belehnung der Liegenschaft bzw. Aufnahme eines Hypothekarkredits
zur Begleichung der Prozesskosten
nicht möglich war
.
Weiter reichte sie keine Steuereinschätzung ins Recht, obschon sie dazu aufge
fordert worden war, was die Überprüfbarkeit ihrer Angaben erschwert.
7.4
Eine Person, die ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege stellt, hat ihre Ein-kommens- und Vermögensverhältnisse darzulegen und sich zur Sache sowie über ihre Beweismittel zu
äussern (
§
28
lit
. a
GSVGer
i.V.m
.
Art.
119
Abs.
2 Satz 1 der Zivilprozessordnung [ZPO]). Im Verfahren betreffend die unentgeltliche Rechts
pflege gilt ein durch die umfassende Mitwirkungsobliegenheit eingeschränkter Untersuchungsgrundsatz. Der Gesuchsteller hat zur Erfüllung seiner Mitwir
kungsobliegenheit zunächst seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse dar
zulegen und zu belegen. Die mit dem Gesuch befasste Behörde hat danach weder den Sachverhalt von sich aus nach jeder Richtung hin abzuklären, noch unbese
hen alles, was behauptet wird, von Amtes wegen zu überprüfen. Sie muss den Sachverhalt nur dort (weiter) abklären, wo noch Unsicherheiten und Unklarheiten bestehen, sei es, dass sie von einer Partei auf solche hingewiesen wird, sei es, dass sie solche selbst feststellt (Urteil des Bundesgerichts 4A_274/2016 vom 1
9.
Okto
ber 2016 E. 2.3).
Die
anwaltlich resp. professionell vertretene
Beschwerdeführerin ist ihrer Mitwir
kungspflicht insbesondere im Zusammenhang mit der Darstellung des Vermögens offensichtlich unzureichend nachgekommen und hat die Diskrepanzen nicht erläutert. Unter diesen Umständen kann dem Gesuch um unentgeltliche Prozess
führung und Rechtsverbeiständung mangels hinreichender Substantiierung der Bedürftigkeit nicht stattgegeben werden (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_173/2016 vom 1
7.
Mai 2016 E. 5).
7.5
Selbst bei ausgewiesener Bedürftigkeit müsste das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung abgewiesen werden.
G
emäss kantonalzürcherischer Praxis
erfolgt die Bewilligung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtsvertretung erst
a
b Stellung des Begehrens (vgl. dazu
§
28
lit
. a
GSVGer
i.V.m
.
Art.
119
Abs.
4 ZPO sowie U
rteil
des Bundesgerichts
8C_83/2008 vom
9.
Dezember 2008 E. 4.2.4
) und fällt damit erst ab dem 1
7.
September 2017 in Betracht.
Zu diesem Zeitpunkt war der
(
erste
)
Schriftenwechsel bereits
durchgeführt, in welchem die Beschwerde
führer übrigens bereits vertreten war. Danach erfolgten von Seiten des Gerichts keine prozessualen Schritte mehr. Solche waren angesichts der knappen, auf vier Zeilen verfassten Beschwerdeantwort
der IV-Stelle
auch nicht angezeigt. Für die Eingabe vom 1
7.
September 2020 bestand daher keinerlei Notwendigkeit. Damit ist
das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung
auch
mangels Notwendigkeit abzuweisen.