Decision ID: d43c8c83-29cd-445a-ba6f-91b5507de0f2
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Mord etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, I. Abteilung, vom 27. November 2015 (DG150023)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 10. Juni
2015 (Urk. 67), sowie die Eventualanklage vom 1. November 2015 (Urk. 197) und
die Zusatzanklage vom 4. November 2015 (Urk. 206) sind diesem Urteil beige-
heftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 280 S. 137 ff.)
"1. Die Beschuldigte A._ ist schuldig - des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB;
- des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB;
- des gewerbsmässigen Diebstahles im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 i.V.m. Art. 139 Ziff. 2 StGB betreffend die ND 1, ND 2, ND 3 und ND 6.
2. Die Beschuldigte A._ wird vom Vorwurf des Diebstahles betreffend die ND 7,
ND 9 und ND 10 freigesprochen.
3. Die Beschuldigte B._ ist schuldig
- des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB; - des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB;
- des mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 aSVG.
4. Die Beschuldigte B._ wird vom Vorwurf des Diebstahls im Sinne von Art. 139
StGB gemäss Zusatzanklage vom 4. November 2015 (act. 206) freigesprochen.
5. Die Beschuldigte A._ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren, wo-
von bis und mit heute 747 Tage durch Untersuchungshaft sowie vorzeitigen Straf-
vollzug erstanden sind. Die Freiheitsstrafe der Beschuldigten A._ wird voll-
zogen.
6. Die Beschuldigte B._ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 10 1⁄2 Jahren,
wovon bis und mit heute 730 Tage durch Untersuchungshaft sowie vorzeitigen Straf-
vollzug erstanden sind. Die Freiheitsstrafe der Beschuldigten B._ wird voll-
zogen.
7. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri/Bremgarten vom 16. Januar 2013
über die Beschuldigte B._ bedingt ausgefällte Geldstrafe von 15 Tagessätzen
zu Fr. 30.– wird widerrufen.
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8. Die Beschuldigte A._ wird verpflichtet, Fr. 100.– Schadenersatz an die Privat-
klägerin C._ zu bezahlen.
9. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin D._ wird abgewiesen.
10. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin E._ wird im Umfang von
Fr. 1'650.– gutgeheissen, im Mehrbetrag von Fr. 1'500.– (die Uhr betreffend) auf den
Zivilweg verwiesen und im Umfang von Fr. 600.– (den Siegelring betreffend) abge-
wiesen.
11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 25. April 2014
(Ordner 14, act. 54/1/1) beschlagnahmte Flasche Tramadol-Mepha (SK ...; Aufbe-
wahrungsort: Gerichtskasse des Bezirksgerichts Horgen) wird eingezogen und nach
Rechtskraft des Urteils der Gerichtskasse des Bezirksgerichts Horgen zur Vernich-
tung überlassen.
12. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 5. Mai 2014
(Ordner 14, act. 54/2/1) bzw. vom 2. September 2014 (Ordner 14, act. 54/6/1) bzw.
vom 1. September 2014 (Ordner 14, act. 55/8/2) beschlagnahmten Gegenstände
(Aufbewahrungsort: Gerichtskasse des Bezirksgerichts Horgen) werden den Hinter-
bliebenen der Geschädigten †F._ nach Rechtskraft des Urteils auf erstes Ver-
langen herausgegeben:
- 1 silberfarbene Armbanduhr (IWC) (SK ...)
- 1 Armreif (vergoldet) (SK ...) - 1 Fingerring mit 18 Brillanten (SK ...)
- 1 blattförmige Brosche mit 5 Brillanten (SK ...)
- 1 Kette mit Kristalltropfen (SK ...)
- 1 Armband (silber/goldig) (SK ...)
- 1 silberne Halskette mit Kreuz (SK ...)
- 1 goldene Halskette mit Herz (SK ...)
- 1 Bankkundenkarte CS, lautend auf F._ (SK ...) - 1 Radio SAILOR Concerto 1 (SK ...)
Als Hinterbliebene der Geschädigten †F._ gelten:
- G._, geb. tt. September 1923, von H._ ZH und Zürich ZH
- I._, geb. tt. Februar 1947, von ... UR und H._ ZH - J._, geb. tt. Juni 1950, von ... UR und H._ ZH
- K._, geb. tt. Juni 1945, von H._ ZH und ... SG
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Verlangen die Hinterbliebenen der Geschädigten †F._ nicht bis spätestens
3 Monate nach Rechtskraft des Urteils die Gegenstände heraus, werden sie einge-
zogen und der Gerichtskasse des Bezirksgerichts Horgen zur gutscheinenden Ver-
wendung überlassen.
13. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 11. Juni 2014
(Ordner 14, act. 54/3/1) beschlagnahmten Gegenstände (Aufbewahrungsort: Ge-
richtskasse des Bezirksgerichts Horgen) sind der Beschuldigten B._ nach
Rechtskraft des Urteils herauszugeben:
- 1 Mobiltelefon Samsung GT ... weiss (SK ...)
- 1 iPad 3, weiss (SK ...) - 1 Navigationsgerät ... (SK ...)
- 1 externe Harddisc (SK ...)
- 1 HP Pavillon dv7 (SK ...)
14. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 10. Juni 2014
und 17. September 2014 (Ordner 14, act. 54/7/1) bzw. vom 1. September 2014
(Ordner 14, act. 54/4/1) beschlagnahmten Gegenstände (Aufbewahrungsort: Ge-
richtskasse des Bezirksgerichts Horgen) sind der Beschuldigten A._ nach
Rechtskraft des Urteils herauszugeben:
- 1 Plastiksäckchen verknotet (SK ...) - 5 Taschenlampen (SK ...)
- 1 Mobiltelefon iPhone 5 (A._) (SK...)
15. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 1. September
2014 (Ordner 14, act. 54/5/1) beschlagnahmte Schlüssel (Aufbewahrungsort: Ge-
richtskasse des Bezirksgerichts Horgen) ist dem Alterszentrum L._ nach
Rechtskraft des Urteils herauszugeben: - 1 Schlüssel KESO ... (SK ...)
16. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 25. November 2011
(Ordner 14, act. 54/8/1) beschlagnahmten Gegenstände (Aufbewahrungsort: Ge-
richtskasse des Bezirksgerichts Horgen) werden eingezogen und nach Rechtskraft
des Urteils der Gerichtskasse zur gutscheinenden Verwendung überlassen. Ein all-
fälliger Verwertungserlös wird zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet:
- 1 Armbanduhr Marke Diesel (SK ...)
- 1 Fingerring mit Brillanten (SK ...)
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17. Der amtliche Verteidiger der Beschuldigten B._, Rechtsanwalt lic. iur. Y._,
wird für seine Bemühungen und Auslagen (unter Berücksichtigung der am 24. April
2014 erfolgten Akontozahlung in der Höhe von Fr. 9'000.–) mit Fr. 39'654.45 (inkl.
Fr. 3'604.05 Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
18. Der amtliche Verteidiger der Beschuldigten A._, Rechtsanwalt MLaw X._,
wird für seine Bemühungen und Auslagen mit Fr. 26'522.30 (inkl. Fr. 1'964.60 Mehr-
wertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
19. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 22'000.– ; die weiteren Kosten betragen: Fr. 60'000.– Gebühr Vorverfahren
Fr. 28'790.70 Auslagen Vorverfahren Fr. 12'840.– Psychiatrisches Gutachten B._ Fr. 22'642.90 Psychiatrisches Gutachten A._ Fr. 375.– Entschädigung Dolmetscher M._ (Vorverfahren) Fr. 50.– Entschädigung Zeuge N._ Fr. 100.– Entschädigung Zeuge Dr. med. O._ Fr. 300.– Entschädigung Zeuge Dr. med. P._ Fr. 1'598.85 Entschädigung Sachverständiger Zeuge Dr. med. Q._
Fr. 3'400.– Entschädigung Sachverständige Zeugen Prof. Dr. med. R._ und Dr. med. S._
Fr. 1'070.– Entschädigung Sachverständiger Zeuge Dr. med. T._ Fr. 48'654.45 Entschädigung RA Y._ Fr. 26'522.30 Entschädigung RA X._ Fr. 13'132.80 Entschädigung RA Z._ Fr. 241'477.– Total
Weitere Kosten bleiben vorbehalten.
20. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen die
Kosten für die Erstellung des jeweiligen psychiatrischen Gutachtens und der amtli-
chen Verteidigung, werden den Beschuldigten je hälftig auferlegt. Die Kosten der
psychiatrischen Begutachtung und der amtlichen Verteidigung werden den jeweils
betroffenen Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen wer-
den einstweilen auf die Gerichtskasse genommen, wobei die Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
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21. Die von der Beschuldigten A._ zu tragenden Kosten stellen sich wie folgt zu-
sammen:
Fr. 11'000.– Hälfte Gerichtskosten Fr. 30'000.– Hälfte Kosten Vorverfahren
Fr. 14'395.35 Hälfte Auslagen Vorverfahren Fr. 22'642.90 Psychiatrisches Gutachten A._ Fr. 375.– Entschädigung Dolmetscher M._ (Vorverfahren) Fr. 25.– Hälfte Entschädigung Zeuge N._ Fr. 50.– Hälfte Entschädigung Zeuge Dr. med. O._ Fr. 150.– Hälfte Entschädigung Zeuge Dr. med. P._ Fr. 799.45 Hälfte Entschädigung Sachverständiger Zeuge Dr. med. Q._
Fr. 3'400.– Entschädigung Sachverständige Zeugen Prof. Dr. med. R._ und Dr. med. S._
Fr. 26'522.30 Entschädigung RA X._ Fr. 13'132.80 Entschädigung RA Z._ Fr. 122'492.80 Total
22. Die von der Beschuldigten B._ zu tragenden Kosten stellen sich wie folgt zu-
sammen:
Fr. 11'000.– Hälfte Gerichtskosten Fr. 30'000.– Hälfte Kosten Vorverfahren
Fr. 14'395.35 Hälfte Auslagen Vorverfahren Fr. 12'840.– Psychiatrisches Gutachten B._ Fr. 25.– Hälfte Entschädigung Zeuge N._ Fr. 50.– Hälfte Entschädigung Zeuge Dr. med. O._ Fr. 150.– Hälfte Entschädigung Zeuge Dr. med. P._ Fr. 799.45 Hälfte Entschädigung Sachverständige Zeugen Dr. med. Q._ Fr. 1'070.– Entschädigung Sachverständiger Zeuge Dr. med. T._ Fr. 48'654.45 Entschädigung RA Y._ Fr. 118'984.25 Total
23. (Mitteilungen)
24. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 10 ff.)
a) Der Verteidigung der Beschuldigten A._:
(Urk. 341 S. 46)
1. Frau A._ sei von den Vorwürfen des Mordes gemäss Art. 112
StGB sowie des Raubes gemäss Art. 140 StGB und der fahrlässigen
Tötung gemäss Art. 117 StGB freizusprechen.
2. Eventualiter sei Frau A._ von den Vorwürfen des Mordes gemäss
Art. 112 StGB und der fahrlässigen Tötung gemäss Art. 117 StGB frei-
zusprechen und wegen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1
StGB zu verurteilen.
3. Frau A._ sei von den Vorwürfen des einfachen Diebstahls im Sin-
ne von Art. 139 Abs. 1 StGB wie auch des gewerbsmässigen Dieb-
stahls gemäss Art. 139 Abs. 2 StGB freizusprechen.
4. Eventualiter sei Frau A._ von den Vorwürfen des gewerbsmässi-
gen Diebstahls gemäss Art. 139 Abs. 2 StGB freizusprechen und we-
gen einfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Abs. 1 StGB zu verur-
teilen.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.
b) Der Verteidigung der Beschuldigten B._
(Urk. 342 S. 2 f.)
1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Horgen, I. Ab-
teilung, vom 27. November 2015 bezüglich der Dispositivziffer 3
(Schuldsprüche betreffend Mord im Sinne von Art. 112 StGB, Raub im
Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB und mehrfaches Fahren in fahrunfähi-
gem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 aSVG), Dispositivziffer 4
(Freispruch vom Vorwurf des Diebstahls gemäss Zusatzanklage vom
4. November 2015), Dispositivziffer 7 (Widerruf der mit Strafbefehl der
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Staatsanwaltschaft Muri/Bremgarten vom 16. Januar 2013 bedingt
ausgefällten Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 30.–), Dispositiv-
ziffer 13 (Herausgabe der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des
Kantons Zürich vom 11. Juni 2014 beschlagnahmten Gegenstände),
Dispositivziffer 17 (Entschädigung der amtlichen Verteidigung) und
Dispositivziffer 19, 20 und 22 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft er-
wachsen ist.
2. Die Beschuldigte B._ sei von der Anklage des qualifizierten Rau-
bes im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB freizusprechen. Ebenso von der
Anklage des qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3
StGB.
3. Die Beschuldigte B._ sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von
10 1⁄2 Jahren, wovon bis und mit heute (7. Dezember 2016) 1'106 Tage
durch Untersuchungshaft sowie vorzeitigen Strafvollzug erstanden
sind.
4. Die Freiheitsstrafe der Beschuldigten B._ sei zu vollziehen.
5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien hinsichtlich der Beschuldig-
ten B._ auf die Staatskasse zu nehmen.
c) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 340 S. 1 f.)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 27. November 2015 sei
grundsätzlich zu bestätigen, mit folgenden Ausnahmen
2. Dispositiv Ziff. 1 – Schuldspruch Raub: Die Beschuldigte A._ sei
schuldig zu sprechen im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB
3. (Eventualantrag) Dispositiv Ziff. 1 – Schuldspruch Raub: Die Beschul-
digte A._ sei eventualiter schuldig zu sprechen im Sinne von
Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB
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4. Die Beschuldigte A._ sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von
18 Jahren (Dispositiv Ziff. 5)
5. Dispositiv Ziff. 3 – Schuldspruch Raub: Die Beschuldigte B._ sei
schuldig zu sprechen im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB
6. (Eventualantrag) Dispositiv Ziff. 3 – Schuldspruch Raub: Die Beschul-
digte B._ sei eventualiter schuldig zu sprechen im Sinne von
Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB
7. Die Beschuldigte B._ sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von
15 Jahren (Dispositiv Ziff. 5)
d) Der Privatklägerschaft:
keine Anträge

Erwägungen:
I. Prozessverlauf
1. Untersuchung und Anklage
Am 10. November 2013 wurde †F._, geb. tt. August 1925, tot in ihrer Woh-
nung in der Alterssiedlung L._ in H._ aufgefunden (Urk. 1/1). Da die To-
desursache unklar war, wurde die Kantonspolizei Zürich eingeschaltet (Urk. 1/2).
Am 11. November 2013 wurde U._ am Zollamt in Kreuzlingen kontrolliert,
wobei im Fahrzeug eine verbotene Waffe und in den Effekten eine Bankkarte der
Geschädigten †F._ sichergestellt wurden. Nachdem U._ zunächst an-
gab, die Karte gehöre seiner Grossmutter, gestand er kurze Zeit später ein, dass
diese Bankkarte einer Frau aus dem Altersheim gehöre (Urk. 1/3). In der Folge
stellte sich heraus, dass die Freundin von U._, die Beschuldigte (A'._)
A._, in der Alterssiedlung L._ arbeitete, weshalb sie in den polizeilichen
Ermittlungsfokus geriet. Nach umfangreicher Untersuchung erhob die Staatsan-
waltschaft IV des Kantons Zürich am 10. Juni 2015 Anklage gegen die Beschul-
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digte A._ und die Beschuldigte B._ wegen Mordes, Raubes, gewerbs-
mässigen Diebstahls (A._) und Fahrens in fahrunfähigem Zustand (B._)
beim Bezirksgericht Horgen (Urk. 67). Am 1. November 2015 wurde die Anklage
im Sinne einer Eventualanklage auf fahrlässige Tötung ergänzt (Urk. 197) und am
4. November 2015 erfolgte eine Zusatzanklage betreffend Diebstahl zulasten der
Beschuldigten B._ (Urk. 206).
2. Erstinstanzliches Verfahren
Das Bezirksgericht Horgen verurteilte die Beschuldigte A._ mit oben
im Dispositiv aufgeführtem und gleichentags mündlich eröffnetem Urteil vom
27. November 2015 wegen Mordes, Raubes und gewerbsmässigen Diebstahls,
die Beschuldigte B._ wegen Mordes, Raubes und mehrfachen Fahrens in
fahrunfähigem Zustand (Urk. 280 S. 137 ff.; Prot. I S. 69). Es bestrafte sie mit
13 Jahren (A._) bzw. 10 1/2 Jahren (B._) Freiheitsstrafe.
3. Berufungsverfahren
3.1. Berufungsanmeldungen
Gegen das Urteil meldeten die Staatsanwaltschaft am 1. Dezember 2015 (Post-
stempel 30. November 2015; Urk. 262) und die Beschuldigte A._ am
7. Dezember 2015 (Poststempel 4. Dezember 2015) Berufung an (Urk. 266). Die
Mitbeschuldigte B._ meldete keine Berufung an. Das begründete Urteil wur-
de den Parteien am 3. Februar 2016 zugestellt (Urk. 278/1-3).
Die Berufungserklärung des Verteidigers der Beschuldigten A._ ging hierorts
am 16. Februar 2016 (Urk. 281), die beiden Berufungserklärungen der Staats-
anwaltschaft am 22. Februar 2016 (Poststempel 19. Februar 2016) ein, beide so-
mit rechtzeitig innert der 20-tägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO (Urk. 287 und
289). Innert der mit Verfügung vom 4. März 2016 angesetzten 20-tägigen Frist er-
klärte der amtliche Verteidiger der Beschuldigten A._ mit Eingabe vom
7. März 2016 Anschlussberufung, wobei er dieselben Anträge in der Sache stellte
wie in seiner Berufungserklärung (Urk. 293).
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3.2. Beweisanträge der Beschuldigten
Der Verteidiger der Beschuldigten A._ stellte den Antrag, es sei ein Obergut-
achten zum Autopsiegutachten sowie ein Glaubhaftigkeitsgutachten über die Mit-
beschuldigte B._ zu erstellen (Urk. 289 und Urk. 293). Ebenso wurde eine
Rekonstruktion der Tat beantragt. Die Staatsanwaltschaft nahm dazu am 11. April
2016 Stellung (Urk. 303), worauf die Verteidigung von A._ mit Eingabe vom
14. April 2016 replizierte (Urk. 305). Die Beweisanträge wurden mit Verfügung
vom 20. Juni 2016 einstweilen abgewiesen mit der Begründung mangelnder Not-
wendigkeit (Urk. 320). Anlässlich der Berufungsverhandlung erneuerte der Vertei-
diger der Beschuldigten A._ die gestellten Beweisanträge (vgl. nachstehende
Erw. II. 4).
3.3. Sicherheitshaft
Die Beschuldigte A._ wurde am 11. November 2013 verhaftet (Urk. 61/1).
Auf ihr Gesuch hin war sie vom 2. April 2014 bis zum 23. Dezember 2014 im vor-
zeitigen Strafvollzug, danach wieder in Untersuchungs- und Sicherheitshaft
(Urk. 61/8/1 und Urk. 61/12/1). Die Beschuldigte B._ wurde am
28. November 2013 in Haft genommen und befindet sich seit dem 25. November
2014 im vorzeitigen Strafvollzug (Urk. 62/2 und Urk. 62/13/1).
Mit Verfügung vom 3. Mai 2016 wurden der Staatsanwaltschaft und der Beschul-
digten A._ Frist angesetzt, um zur Fortdauer der Sicherheitshaft Stellung zu
nehmen (Urk. 309). Mit Verfügung vom 20. Mai 2016 wurde die Fortdauer
der Sicherheitshaft für A._ bis zum Entscheid der Berufungsinstanz über die
Anklage angeordnet (Urk. 314).
3.4. Zur Berufungsverhandlung am 7. Dezember 2016 erschienen die Beschul-
digten in Begleitung ihrer amtlichen Verteidiger sowie der Vertreter der Staats-
anwaltschaft (Prot. II S. 10). Die Beschuldigte A._ liess vorgängig am
18. November 2016 (eingegangen am 21. November 2016) eine 22-seitige schrift-
liche Stellungnahme zum Anklagevorwurf einreichen und mitteilen, dass sie an
der Berufungsverhandlung keine weiteren Aussagen zum Sachverhalt machen
werde (Urk. 329 und Urk. 331).
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II. Umfang der Berufungen
1. Beschuldigte
Die Verteidigung der Beschuldigten A._ verlangt einen Freispruch vom Vor-
wurf des Mordes, des Raubes und des gewerbsmässigen Diebstahls (Urk. 281
S. 2; Prot. II S. 10). Die Verteidigung der Beschuldigten B._ beantragt die
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils, soweit es sie betrifft (Prot. II S. 11). Die
Anschlussberufung der Beschuldigten A._ deckt sich inhaltlich mit den An-
trägen in der Berufungserklärung, weshalb ihr keine selbständige Bedeutung zu-
kommt (Urk. 293, Prot. II S. 16).
2. Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft erachtet den Tatbestand des qualifizierten Raubes im
Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB für gegeben (Lebensgefahr, schwere Körper-
verletzung oder grausame Behandlung). Entsprechend verlangt sie für beide Be-
schuldigten einen Schuldspruch im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB anstelle des
Grundtatbestands von Art. 140 Ziff. 1 StGB (Urk. 289, Prot. II S. 12). Im Sinne ei-
nes Eventualantrages verlangt sie die Verurteilung der Beschuldigten nach
Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB (Prot. II S. 12). Weiter verlangt sie höhere Strafen,
nämlich 18 Jahre für die Beschuldigte A._ und 15 Jahre für die Beschuldigte
B._, anstelle der von der Vorinstanz ausgesprochenen 13 und 10 1/2 Jahre
(Urk. 287 und 289, Prot. II S. 12).
3. Nicht angefochtene Punkte des vorinstanzlichen Urteils
Die Berufung hat gemäss Art. 402 StPO im Umfang der Anfechtung aufschieben-
de Wirkung. Dementsprechend ist das vorinstanzliche Urteil im nicht angefochte-
nen Teil rechtskräftig. Es ist somit festzuhalten, dass das vorinstanzliche Urteil in
Bezug auf die Dispositivziffer 2 (Freispruch von A._ vom Vorwurf des Dieb-
stahls betreffend ND 7, ND 9 und ND 10), Dispositivziffer 3 alinea 1 und alinea 3
(Schuldspruch B._ bezüglich Mord und mehrfachen Fahrens in fahrun-
fähigem Zustand), Dispositivziffer 4 (Freispruch B._ vom Vorwurf des Dieb-
stahls gemäss Zusatzanklage), Dispositivziffer 7 (Widerruf des Aufschubs der
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Geldstrafe der Mitbeschuldigten B._ gemäss Strafbefehl vom 16. Januar
2013), Dispositivziffer 9 (Abweisung Schadenersatzbegehren der Privatklägerin
D._), Dispositivziffern 11 - 16 (Verwendung beschlagnahmter Gegenstände),
Dispositivziffern 17 und 18 (Entschädigung der amtlichen Verteidiger), sowie Dis-
positivziffer 19 (Festsetzung der erstinstanzlichen Kosten) in Rechtskraft erwach-
sen ist.
4. Beweisanträge an der Berufungsverhandlung
Die Verteidigung der Beschuldigten A._ erneuerte im Rahmen des Beweis-
verfahrens ihre Beweisanträge und verlangte – wie bereits im Vorfeld der Beru-
fungsverhandlung (Urk. 281, 293, 305, 318) – die Einholung eines Obergutach-
tens, die Nachstellung der Tat, und die Befragung von Frau V._ (Prot. II
S. 14). Auf die gestellten Beweisanträge wird, soweit erforderlich, untenstehend
im jeweiligen Sachzusammenhang einzugehen sein.
III. Sachverhalt Raubmord
1. Anklagevorwurf
Die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich wirft den Beschuldigten vor, in der
Nacht vom 9. auf den 10. November 2013, ca. 01.00 Uhr, mit einem durch die
Beschuldigte A._ an einem nicht näher bekannten Datum, Tage zuvor, ent-
wendeten Passepartout-Schlüssel für die Wohnungen, Zimmer und Räum-
lichkeiten des Alterszentrums L._ in die Wohnung von †F._ (Geschädig-
te) im Alterszentrum L._ an der ...strasse ... in H._ eingedrungen zu
sein, um aus dieser Wohnung Schmuck, Geld und Uhren der Geschädigten zu
behändigen und mitzunehmen, um diese Vermögenswerte für eigene Zwecke zu
verwenden. Dabei hätten sie vorgängig dunkle Kleidung angezogen und Einweg-
handschuhe mitgenommen, um zu verhindern, dass sie Spuren hinterliessen.
Unmittelbar nach dem Eintreten in das Schlafzimmer hätten die Beschuldigten ein
mitgeführtes Tuch mit flüssigem Gift "Salmiakgeist 12 %" getränkt, welches Gift
der Klasse 3 die Beschuldigte A._ am 8. November 2013 bei der Apothe-
ke/Drogerie ... in W._ für den Verwendungszweck zumindest der Betäubung
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gekauft habe, wobei die Beschuldigten vorgängig des Kaufs gemeinsam entspre-
chende Internet-Recherchen hinsichtlich dieses Gifts über das Mobiltelefon der
Beschuldigten A._ getätigt hätten. Die Beschuldigte B._ habe sodann
dieses mit Salmiakgeist genässte Tuch der Geschädigten während ca. 1 bis 3 Mi-
nuten gegen das Gesicht, insbesondere gegen die Atemöffnungen (Mund und
Nase) gedrückt, wobei die Beschuldigte A._ dabei zunächst die Geschädigte
an den Beinen bzw. Armen gehalten habe. In der Folge habe die Beschuldigte
A._ das Schlafzimmer der Geschädigten nach Bargeld, Schmuck und Wert-
gegenständen durchsucht. Später habe auch die Beschuldigte A._ das er-
wähnte mit dem flüssigen Gift Salmiakgeist 12 % genässte Tuch der Geschädig-
ten gegen das Gesicht, insbesondere gegen die Atemöffnungen der Geschädig-
ten (Mund und Nase) gedrückt. lm Rahmen der Durchsuchung der Wohnung der
Geschädigten hätten die beiden Beschuldigten Geld (Fr. 3'000.--), Schmuck (1
IWC-Uhr, 1 Halskette aus Weissgold, 1 Fingerring Weissgold mit 18 Brillanten, 1
Schmuckanhänger mit Kreuzform aus Weissgold mit 11 Brillanten, 1 Armband)
und eine Bankkarte, lautend auf die Geschädigte, behändigt und mit dem genann-
ten Deliktsgut die Wohnung verlassen, wobei vorgesehen gewesen sei, das Bar-
geld und den Erlös aus dem verkauften Schmuck gleichmässig zu teilen. Durch
das Drücken des mit Salmiak genässten Tuchs gegen Mund und Nase habe die
Geschädigte Ätzverletzungen im Mund-Wangenbereich, linksseitig betont, erlitten
und sei infolge Erstickens (mechanisches Verlegen der Atemwege) verstorben,
wobei die beiden Beschuldigten anlässlich des geschilderten Tuns (mehrmaliges
Drücken des mit flüssigem Gift der Klasse 3, Salmiakgeist 12 % genässten Tuchs
gegen die Atemwege der Geschädigten über einen längeren Zeitraum; beim ers-
ten Mal ca. 1 bis 3 Minuten), um die Möglichkeit des Todeseintritts bei †F._
gewusst und deren Tod zumindest in Kauf genommen hätten. Die Tötung der Ge-
schädigten sei dabei insbesondere deshalb besonders skrupellos gewesen, weil
die Beschuldigten der schlafenden ahnungslosen, betagten (88-jährigen), ge-
brechlichen und völlig wehrlosen Geschädigten, welche an einer schweren Lun-
genkrankheit gelitten habe (was insbesondere für die Beschuldigte A._ als
ausgebildete Fachangestellte Gesundheit mit Erfahrung in Altersheimen ohne
Weiteres erkennbar gewesen sei, habe sich doch ein Sauerstoffgerät im Schlaf-
- 15 -
zimmer der Geschädigten befunden), mit doch gewissem Druck das mit ätzender
Flüssigkeit getränkte Tuch gegen Mund und Nase gedrückt hätten, wodurch
†F._ erstickt sei, und weil die Beschuldigten die Geschädigte im Rahmen der
Begehung eines Raubüberfalls, allein zwecks Erlangung eines finanziellen Vor-
teils, mithin aus Habgier, getötet hätten (act. 67 S. 3 ff.).
2. Standpunkt der Beschuldigten
2.1. Die Mitbeschuldigte B._ anerkannte sowohl in der Untersuchung wie
auch vor Bezirksgericht bei der Tatausübung dabei gewesen zu sein. Sie hat den
vorinstanzlichen Schuldspruch nicht angefochten.
2.2. Die Beschuldigte A._ anerkannte nach anfänglichem Abstreiten die
Tat (Urk. 3/4). Monate später widerrief sie ihr Geständnis und bestritt eine Beteili-
gung an der Tat (Urk. 3/20). Sie sei zum Tatzeitpunkt zu Hause gewesen und ha-
be nichts gemacht (Urk. 3/20 S. 5). Die Mitbeschuldigte B._ belaste sie
wahrheitswidrig.
3. Beziehung der Beteiligten untereinander
3.1. Die beiden Beschuldigten waren zumindest bis zu ihrer Verhaftung gute
Freundinnen. Die Beschuldigte B._ schilderte, dass sie in die Beschuldigte
A._ verliebt gewesen sei und ihr dies auch eröffnet habe (Urk. 224 S. 12 ff.,
Urk. 339 S. 26). Zu sexuellen Kontakten sei es allerdings nicht gekommen.
A._ schilderte, dass sie dies etwas merkwürdig gefunden habe, weil B._
doch einen Freund gehabt habe (Urk. 223 S. 22). An der Berufungsverhandlung
erklärte sie, dass sie es im Nachhinein als lächerlich erachte (Urk. 339 S. 11). Die
Gefühle von B._ ihr gegenüber hätten sie aber nicht gestört und das Thema
sei dann nicht weiter erörtert worden. Sie hätten sich gegenseitig vertraut und fast
täglich gesehen. Sie könne nicht sagen, dass B._ wie eine Schwester gewe-
sen sei, weil sie gar keine Schwester habe (Urk. 223 S. 20 ff.). Es sei aber fast
schon schwesternmässig gewesen. Sie habe sie ins Herz geschlossen und voll
akzeptiert (Urk. 339 S. 10).
- 16 -
3.2. A._ arbeitete als Nachtwache im Alterszentrum L._, wo die Tat
stattfand. B._ arbeitete als Kioskverkäuferin im Einkaufszentrum ... und habe
die Beschuldigte A._ einige Male im Alterszentrum besucht, als diese
Nachtwache hielt (Urk. 4/2 S. 2 und 6). Sie sei jeweils auch gekommen, um den
Hund abzuholen (Urk. 339 S. 11).
3.3. U._ war ab 2011 der Freund der Beschuldigten A._. Anlässlich
einer polizeilichen Kontrolle am Zoll konnte bei ihm Deliktsgut sichergestellt wer-
den (Urk. 1/4a S. 8). Am 16. Juli 2014 gebar die Beschuldigte ein Kind von
U._. Anlässlich der Geburt habe sie ihn im Spital gesehen. Danach hätten
sie sich gestritten und seither nie mehr Kontakt gehabt (Urk. 223 S. 5, Urk. 339
S. 6). Im Nachhinein habe sich herausgestellt, dass er das Kind gar nie gewollt
habe (Urk. 339 S. 6). Es sei nichts mit aufrichtiger Partnerschaft, sondern alles
verlogen gewesen (Urk. 339 S. 4).
3.4. AA._, der Bruder von U._, war der Freund der Beschuldigten
B._.
4. Glaubwürdigkeit der beiden Beschuldigten
4.1. Die Vorinstanz hat bereits Ausführungen zur Glaubwürdigkeit der Beschul-
digten gemacht, auf welche im zustimmenden Sinne verwiesen werden kann
(Urk. 280 S. 20 - 23; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.2. Von der Glaubwürdigkeit der Beschuldigten B._ ist auszugehen. Es
liegen auch keine plausiblen Gründe vor, weshalb sie die Beschuldigte A._
zu Unrecht mit einer solch schweren Straftat belasten sollte, zumal die beiden
Beschuldigten früher sehr freundschaftlich miteinander verbunden waren und die
Beschuldigte B._ gar in die Beschuldigte A._ verliebt war. Wie sie an-
lässlich der Berufungsverhandlung darlegte, habe sie gar ihren Freund für die Be-
schuldigte A._ verlassen (Urk. 339 S. 20, 26) und sie unter keinen Um-
ständen verlieren wollen (Urk. 339 S. 42). Denkbar wäre allenfalls, dass B._
jemand anderen decken wollte. Dies würde jedoch in keiner Weise bedingen,
dass sie zu diesem Zweck A._ zu Unrecht beschuldigt. Läge eine Falsch-
- 17 -
belastung vor, wäre auch kaum erklärbar, weshalb die Beschuldigte A._
dann nicht sofort vehement dagegen protestiert hätte. Es war im Gegenteil
A._, welche zeitlich vor B._ ein Geständnis ablegte. Darauf wird nach-
folgend noch eingegangen.
4.3. Demgegenüber muss die Glaubwürdigkeit von A._ erheblich in Frage
gestellt werden, insbesondere weil sie gegenüber dem Vater ihres Kindes,
U._, heute stark negative Gefühle hat. Von relevanter Bedeutung ist auch,
dass die Beschuldigte A._ im Laufe der Untersuchung mehrfach und zuge-
gebenermassen gelogen hat, so beispielsweise als sie geltend machte, sie sei
von einem unbekannten Schwarzen erpresst und zu den Diebstählen genötigt
worden (Urk. 3/4 S. 3) oder als sie ihre Jugendzeit wahrheitswidrig schlimmer
darstellte, um "auf Mitleid zu machen" und besser davon zu kommen, wie sie sich
später wörtlich ausdrückte (Urk. 223 S. 9, vgl. auch Urk. 339 S. 7). Kommt hinzu,
dass dem psychiatrischen Gutachten zu entnehmen ist, dass Lügen und Täu-
schen ein offensichtlicher Bestandteil des Verhaltensrepertoires der Beschuldig-
ten sei (Urk. 63/11/4 S. 38). Die Aussage vom 28. November 2013 (dazu weiter
unten) zeigt exemplarisch, wie lügenhaft das Aussageverhalten der Beschuldigten
ist, indem sie mehrfach Dinge ganz entschieden abstritt, welche sie in der Folge,
insbesondere auf Vorhalte von Untersuchungsergebnissen, zugab.
4.4. Wie bereits die Vorinstanz unter Verweis auf die bundesgerichtliche Recht-
sprechung festhielt, ist die Glaubwürdigkeit im Allgemeinen zwar von untergeord-
neter Bedeutung, aber vorliegend in Bezug auf die Beschuldigte A._ trotz-
dem von Belang, weil sie eben das Gesamtbild der Beweiswürdigung noch zu-
sätzlich stützt. Massgebend ist in erster Linie aber die Glaubhaftigkeit der Aus-
sagen der in dieses Strafverfahren involvierten Personen.
5. Würdigung der Beweislage
5.1. Anfängliche Bestreitungen
Die Beschuldigte A._ wurde am 11. November 2013 verhaftet. In ihren ersten
Befragungen vom 12. November 2013 und 13. November 2013 stellte sie in Ab-
- 18 -
rede, etwas mit dem Raub bzw. dem Todesfall der Geschädigten zu tun zu haben
(Urk. 3/1 und 3/2).
5.2. Version Schwarzer Mann
Mit Brief vom 15. November 2013 machte die Beschuldigte A._ dann gel-
tend, ein unbekannter schwarzer Mann habe sie gezwungen, im Altersheim zu
stehlen, indem er ihr angedroht habe, dass ansonsten ihr oder ihrem Sohn etwas
Schlimmes passiere (Urk. 3/3). Dieser Mann sei um Mitternacht bei ihr vor der
Haustüre gestanden und habe ihr die Bankkarte von Frau †F._ gegeben. Da-
rauf habe sie diese Karte ihrem Partner U._ in seine Tasche gesteckt. Sie
schwöre, dass U._ unschuldig sei. Sie selbst habe mit der Bewohnerin
†F._ nichts zu tun (Urk. 3/3).
Zu Beginn der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 28. November 2013
machte die Beschuldigte A._ dann nähere Ausführungen zu dieser Version
(Urk. 3/4). Der unbekannte Schwarze, bei welchem sie ab und zu Kokain gekauft
habe, habe ihr gesagt, sie solle mit der Karte Geld abheben (Urk. 3/4 S. 2). Wel-
cher Name auf der Karte gestanden habe, habe sie nicht gelesen, sondern diese
Karte einfach in die Tasche von U._ gesteckt, ohne ihm etwas zu erzählen.
Sie habe keine Ahnung, weshalb U._ aussagte, dass die Karte einer Frau im
Altersheim gehöre (Urk. 3/4 S. 3). Der Schwarze habe sie über das Altersheim
L._ ausgefragt und sie angewiesen, dort Portemonnaies, Karten, Geld und
Schmuck zu stehlen (Urk. 3/4 S. 5). Sie habe dann tatsächlich eine Uhr bei einer
Frau namens E._ gestohlen. Schmuck habe sie aber nie gestohlen, auch
nicht in anderen Altersheimen (Urk. 3/4 S. 7). Sie habe auch noch nie im Leben
zuvor Schmuck verkauft (Urk. 3/4 S. 7).
5.3. Geständnis
Im weiteren Verlauf der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 28. November
2016 damit konfrontiert, dass bei ihr kurz nach der Verhaftung ein Portemonnaie
sichergestellt werden konnte, welches einer Bewohnerin aus dem Alterszentrum
L._ zuzuordnen war (vgl. ND 6/1), gab sie dann zu, dieses und aus vier wei-
teren Portemonnaies Geld entwendet zu haben (Urk. 3/4 S. 6). Bei der Geschä-
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digten †F._ habe sie aber nichts gestohlen; damit habe sie nichts zu tun
(Urk. 3/4 S. 6). Auf ausdrückliche Fragen hin bekräftigte sie mehrmals, dies sei
die Wahrheit (Urk. 3/4 S. 8). Auf Vorhalt von Diebstahlsanzeigen in Altersheimen,
wo die Beschuldigte A._ früher gearbeitet hatte, gab sie schliesslich zu, auch
dort Geld und Schmuck gestohlen und später verkauft zu haben (Urk. 3/4 S. 8).
Im Altersheim L._ habe sie bei Frau AB._, Frau AC._, Frau
E._ und einer weiteren Dame Geld und Schmuck gestohlen (Urk. 3/4 S. 6, 11
f.). Auf erneute Frage, wie sie in den Besitz der Bankkarte von Frau †F._ ge-
kommen sei, gab sie schliesslich zu Protokoll: "Es ist so, dass ich und B._
am Samstagabend dort hin gingen, uns rein schlichen und dann haben wir ein
Couvert mit Geld gefunden und ein Kärtchen." Das Couvert sei in einer braun-
schwarzen Handtasche gewesen, welche auf einem Stuhl neben dem Bett ge-
standen habe. Sie seien mit einem Passepartout, welchen sie [die Beschuldigte
A._] bereits zwei Wochen zuvor an sich genommen habe, zwischen ca. Mit-
ternacht und 01:00 Uhr ins Zimmer gelangt. Bei der Wohnung von Frau †F._
handle es sich um eine Zweizimmerwohnung im Parterre. Mit dem Tod von Frau
†F._ habe sie aber nichts zu tun. Sie hätten nur Geld, Schmuck und das
Kärtchen sowie einen Papierzettel mit dem PIN-Code genommen und sich dann
davon gemacht (Urk. 3/4 S. 12 ff.). Auf Vorhalt, ob es nicht so sei, dass die Ge-
schädigte † F._ aufgewacht und sie beim Diebstahl ertappt habe, gestand
die Beschuldigte A._ dann ein, dass sie im Internet auf dem Handy nachge-
schaut hätten, was zu tun sei, wenn jemand aufwache und wie die Person wieder
zum Schlafen komme (Urk. 3/4 S. 15). Es sei ihr dann gesagt worden, dass man
Ammoniak gegen die Nase halte und die Person wieder für fünf bis zehn Minuten
einschlafe. Sie – die Beschuldigte A._ – habe das Ammoniak auf ein Tuch
getan und B._ habe der Geschädigten den Lumpen – noch bevor sie hätte
aufwachen können – vor das Gesicht gehalten, ca. fünf Minuten lang (Urk. 3/4
S. 16 und S. 17). Auf die Frage, ob die Geschädigte aufgewacht sei, erwiderte die
Beschuldigte A._: "Sie hat für einen Moment so zwei- dreimal gezuckt mit
den Armen. Dann war nichts mehr" (Urk. 3/4 S. 16). Sie hätten wirklich gedacht,
dass die Geschädigte eingeschlafen sei und dann erschrocken, als sie hörten,
dass die Frau tot sei. "Ich hörte Geräusche, ich sah Zuckungen. Ich kann aber
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nicht sagen, dass sie sich wehrte oder so" (Urk. 3/4 S. 23). Damit konfrontiert,
dass Frau †F._ ein frisches, unerklärbares Hämatom im Gesicht aufgewie-
sen habe und ob sich Frau †F._ nicht gewehrt habe, als man ihr das Tuch
auf das Gesicht gedrückt habe, erklärte die Beschuldigte A._: "Sie zuckte
schon. Ob sie das Gesicht [recte: Tuch] derart fest ins Gesicht drückte, dass es
Hämatome gibt, das weiss ich nicht" (Urk. 3/4 S. 21). Das Ammoniak habe sie, die
Beschuldigte A._, in einer Apotheke gegenüber der ... in W._ gekauft.
Die Verkäuferin habe ihr gesagt, es sei nicht stark (Urk. 3/4 S. 16). Die Karte habe
sie dann U._ gegeben und ihm gesagt, er solle sie aufbewahren (Urk. 3/4 S.
16). Das gestohlene Geld hätten sie aufgeteilt. Die beiden Taschenlampen, das
Ammoniak und die Plastikhandschuhe, welche sie getragen hätten, habe sie dann
in einen Müllsack geworfen. Sie hätten "Schiss" gehabt, dass es jemand hätte
entdecken können, zum Beispiel U._ (Urk. 3/4 S. 17 und S. 18). Das Tuch
sei blau gewesen aus Frottéstoff (Urk. 3/4 S. 19). Auf entsprechende Frage gab
die Beschuldigte an, Frau †F._ sei zugedeckt im Bett gelegen. Die Beschul-
digte zeigte dann auf einem Tisch, wie das Opfer gelegen habe, nämlich etwas
seitlich auf der linken Körperseite, mit dem linken Arm nach oben. Diese Lage
stimmt in hohem Masse mit der Lage überein, welche von der Polizei am Tatort
fotografisch festgehalten wurde (Urk. 3/4 letzte beiden Seiten). Während der Tat
sei im Zimmer das Radio der Geschädigten eingeschaltet gewesen und als sie
das Zimmer wieder verlassen hätten, sei die Musik immer noch gelaufen (Urk. 3/4
S. 23). Nachdem B._ der Geschädigten das Tuch gegen das Gesicht ge-
drückt habe, habe sie anschliessend das Bücherregal gegenüber dem Bett durch-
sucht (Urk. 3/4 S. 24). Die Einvernahme setzte sich wie folgt fort: Frage: "Durch-
suchte man auch das Nachttischlein direkt neben dem Bett am Kopfende?" Ant-
wort: "Ich glaube nicht". Frage: "Durchsuchte man die Kommode, welche in der
Ecke links stand, das heisst, am Fussende des Betts hinter dem Stuhl?" Antwort:
"Ja, das habe ich durchsucht. Sie auch noch." Frage: "Hatte man die Uhr von
dort?" Antwort: "Diese war nicht in der Kommode, sondern auf der Kommode."
Frage: "Was war die Marke?" Antwort: "Dazu kann ich nichts sagen. Es war eine
silbrige Uhr." Auf die Frage, ob sie das Sauerstoffbeatmungsgerät, dass im Zim-
mer gestanden habe bemerkt hätten, erwiderte die Beschuldigte: "Ja, aber erst
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als wir rausliefen". Auf die Frage, ob das Fenster offen gewesen sei, sagte die
Beschuldigte: "Es war offen." Das stimmt mit der Aussage von B._ überein
(Urk. 4/3 S. 12). Am Ende der Einvernahme gab die Beschuldigte zudem zu, dass
die Geschichte mit dem unbekannten schwarzen Mann erfunden gewesen sei
(Urk. 3/4 S. 27).
Solche Antworten auf Fragen mit Details zur Einrichtung des Zimmers, die mit den
polizeilichen Tatortfeststellungen übereinstimmen, gibt niemand, der nie am Tatort
gewesen sein will und vom Raub nur vom Hörensagen weiss. So beispielsweise,
dass noch Musik im Radio lief, als sie die Wohnung verliessen, was mit den poli-
zeilichen Feststellungen am Tatort übereinstimmt (Urk. 3/4 S. 23, Urk. 3/5 S. 8,
Urk. 1/2 S. 4). Ebenso bliebe ohne vernünftige Erklärung, weshalb die Beschul-
digte eine exakte Zeichnung vom Schlafzimmer der Geschädigten †F._ samt
Einrichtung erstellen konnte, bzw. einzeichnen konnte oder erklären konnte, wel-
che Gegenstände sich wo befanden (Urk. 339 S. 32) wenn sie nicht selbst anwe-
send gewesen wäre (Urk. 3/4 S. 31). Schliesslich fällt auf, dass die Beschuldigte
A._ von Plastikhandschuhen wie in der Pflege (Urk. 339 S. 34) sprach und
damit in der Lage war, die Art der verwendeten Handschuhe zu präzisieren.
5.4. Es kann mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass sie diese Details
über die Möblierung und die Position der Möbel einzig von der Schilderung der
Tat von B._ weiss (vgl. auch nachstehende Erw. 5.7). Es hätte gar keinen
Grund für die Beschuldigte B._ gegeben, den Tatort derart detailliert zu
schildern. Abgesehen davon ist es völlig lebensfremd, dass jemand beim Bericht
über einen Raubüberfall sich derart in unwesentliche Details wie die Position der
Möbel verliert.
5.5. Detaillierte Bestätigung des Geständnisses in späteren Einvernahmen
5.5.1. In ihrer Einvernahme vom 13. Dezember 2013 schilderte die Beschuldigte
A._ nochmals den Ablauf der Tat, einschliesslich weiterer Details. So er-
wähnte sie beispielsweise, als sie die Wohnung verlassen hätten, habe sie das
Tuch mit dem Ammoniak mitgenommen und die Handschuhe abgezogen
- 22 -
(Urk. 3/5 S. 6). Weiter gab sie zu, den Schmuck und die Uhr U._ zusammen
mit der Bankkarte übergeben zu haben, damit dieser ihn verkaufe (Urk. 3/5 S. 7).
5.5.2. Ebenso hielt die Beschuldigte in ihrer Einvernahme vom 6. Februar 2014 an
ihrem Geständnis fest, indem sie weitere Angaben zur Tat und zum Verkauf der
Beute machte (Urk. 3/8). So beschrieb die Beschuldigte im Detail, wie sie zu-
sammen mit B._ zunächst vergeblich versucht hätten, via Keller in die Woh-
nung der Geschädigten zu gelangen (Urk. 3/8 S. 6). Der Hauswart habe ihr ein-
mal den Weg erklärt, wegen der Heizung. Sie hätten in dieser Nacht dann aber
den Weg nicht gefunden, weshalb sie wieder zurück und dann oberirdisch direkt
zur Wohnung gegangen seien (Urk. 3/8 S. 6).
5.5.3. In der polizeilichen Befragung vom 28. Februar 2014 anerkannte die Be-
schuldigte auf entsprechenden Vorhalt, dass sie B._ am Abend der Tat vom
9. November 2013, um 17:13 Uhr, ein SMS mit folgendem Inhalt gesendet hatte:
"Nimm öpis für i usgang und nimm schwarzi sportlechi sache .... Mer hend hüt
öpis .... Und danach Party" (Urk. 3/9 und 3/9/4). Schon in einer früheren Befra-
gung hatte die Beschuldigte ausgeführt, dass sie bei der Tat schwarze Kleidung
getragen hätten, welche sie danach entsorgt hätten (Urk. 3/5 S. 2). Das stimmt
mit dem auf dem iPhone der Beschuldigten A._ gespeicherten Bild überein
(aufgenommen am 9. November 21:47 Uhr), welches jene in schwarzem Rollkra-
genpullover und schwarzer Kappe abbildet (Urk. 321 S. 6).
5.5.4. In der Konfrontationseinvernahme zwischen den Beschuldigten vom
6. März 2014 wurde der ganze Ablauf der Tat besprochen und von beiden gross-
mehrheitlich übereinstimmend bestätigt (Urk. 3/14). Diese Einvernahme enthält
Passagen, welche die gemeinsame Tatbegehung klar dokumentieren (Urk. 3/14
S. 10 ff.):
Frage an A._: "Hat man zunächst bei einer anderen Wohnung versucht ein-
zudringen?" Antwort A._: "Ja". Antwort B._: "Wir sind in den Keller, lan-
deten in der Tiefgarage und nahmen dann eine andere Türe, gelangten in den
zweiten oder dritten Stock, versuchten es dann dort, scheiterten und gingen dann
zurück in den Keller und kamen dann irgendwann wo anders hin, zu einem Zim-
mer." Antwort A._: "Das stimmt. Wir sind dann aber nicht in den Keller zu-
- 23 -
rück, sondern ins Parterre und dann zur Wohnung †F._." (...) Frage: Wissen
Sie, wer dort wohnte, wo die Wohnung verriegelt war?" Antwort A._: "Keine
Ahnung". Antwort B._: "Keine Ahnung". (...) Frage: Ab welchem Zeitpunkt
haben Sie Handschuhe getragen? Antwort B._: "Nachdem wir reingegangen
waren." Frage an B._: Heisst das, dass sie die Türe ohne Handschuhe auf-
gemacht haben? Antwort B._: "Ja." Antwort A._: "Ja." Frage an
A._: Sie sagten, dass B._ das Tuch ca. gegen fünf Minuten Frau
†F._ gegen das Gesicht hielt?" Antwort A._: "Ja das stimmt. Vielleicht
sind fünf Minuten auch zu viel. Vielleicht habe ich damit übertrieben. (...) Vielleicht
hielt sie das Tuch auch nur ein paar Sekunden hin. Vielleicht auch eine Minute.
(...) Ich war beschäftigt mit dem Geld rausnehmen, dem Schmuck rausnehmen."
(...) Frage an B._: Können Sie dieses Zucken von Frau †F._ bestäti-
gen? Antwort B._: "Ja". Frage an B._: Stand A'._ [Rufname von
A._] daneben? Antwort B._: "Da wir beide zusammen dort hin liefen und
A'._ hinter mir war, war sie dabei mit mir, als ich der Geschädigten das Tuch
gegen das Gesicht hielt. Nachdem das Zucken vorbei war, hat A'._ dann
nach Wertgegenständen gesucht." Frage an B._: "Wie lange schätzen Sie,
dass Sie das Tuch der Geschädigten gegen das Gesicht drückten? Antwort
B._: "Maximal eine Minute."
Für diese Kohärenz der Aussagen in der Konfrontation liessen sich noch mehr
Beispiele anführen. Solche Aussagen können nur von Täterinnen stammen, die
eine Tat gemeinsam ausgeführt haben. Es ist ausgeschlossen, dass solche Aus-
sagen zu Protokoll gegeben worden wären, wenn die Tat alleine von B._
ausgeführt worden wäre und B._ die Beschuldigte wahrheitswidrig der Teil-
nahme bzw. Mittäterschaft bezichtigen würde. Insbesondere fällt auf, dass die
Beschuldigte A._ die Angaben von B._ sogar korrigierte bzw. präzisier-
te.
5.5.5. Eine erneute Bestätigung der gemeinsamen Tatausführung erfolgte anläss-
lich der Konfrontationseinvernahme zwischen den Beschuldigten A._,
B._ und U._ am 27. März 2014 (Urk. 3/17). Wiederum wurden von den
Beschuldigten A._ und B._ zahlreiche Details übereinstimmend geschil-
dert. U._ verweigerte allerdings mehrheitlich jegliche Aussagen. Auf die Fra-
- 24 -
ge, was mit dem Erlös des Schmuckes hätte geschehen sollen, den U._ zum
Verkauf erhalten habe, antwortete A._: "Den hätten ich und B._ geteilt"
und B._: "Das ist so, wie es A'._ sagt" (Urk. 3/17 S. 8).
5.6. Widerruf des Geständnisses
Rund fünf Monate nach ihrem Geständnis widerrief die Beschuldigte dieses mit
Brief vom 25. April 2014 (Urk. 3/18): "Ich, A._ widerrufe meine sämtlichen
Aussagen, da ich unter Druck Sachen zugeben musste, die ich nicht gemacht ha-
be." Kurze Zeit danach erfolgte ein Wechsel der Person des Verteidigers (Urk.
3/19). In ihrer Einvernahme vom 12. September 2014 vermochte die Beschuldigte
keine plausible Erklärung für den Widerruf ihres Geständnisses vorzubringen
(Urk. 3/20). Auf die Frage, wer denn Druck auf sie ausgeübt habe, gab sie zur
Antwort: "Der Druck der kompletten Situation" (Urk. 3/20 S. 2). Sie habe bloss er-
zählt, was ihr B._ von der Tat geschildert habe (Urk. 3/20 S. 4). Auf die Fra-
ge, wer denn an den Passepartout-Schlüssel gelangt sein solle, meinte sie, dies
müsse B._ gewesen sein. Dass sie zunächst ausgesagt habe, sie wisse
nicht, wie U._ in den Besitz der Bankkarte der Geschädigten †F._ ge-
langt sei, erklärte sie mit dem Umstand, dass sie U._ habe decken wollen
(Urk. 3/20 S. 3). Den belastenden SMS-Verkehr zwischen ihr und B._ erklär-
te sie zunächst mit dem Umstand, dass eben jeder Zugang zu ihrem Handy ge-
habt habe (Urk. 3/20 S. 4). Später behauptete sie, U._ habe sie geheissen,
fragliches SMS an B._ zu senden (Urk. 223 I S. 28). Dabei blieb sie auch in
ihrer schriftlichen Stellungnahme sowie an der Berufungsverhandlung (Urk. 331
S. 4 und Urk. 339 S. 31 f.).
Immerhin anerkannte sie, dass sie das Ammoniak gemeinsam mit U._ ge-
kauft habe (Urk. 3/20). Allerdings ist dieser Kauf durch ihre Unterschrift auf dem
Formular der Apotheke und die Zeugenaussagen der Apothekerin auch bewiesen
(Urk. 14/3, Urk. 6/9 S. 4 f. sowie Anhang). Die Beschuldigte machte aber geltend,
U._ habe es kaufen wollen (Urk. 3/20 S. 5). Sie habe es dann B._ über-
geben (Urk. 3/20 S. 5). B._ habe weder gesagt, wofür sie es brauche noch
habe sie (die Beschuldigte A._) B._ danach gefragt (Urk. 3/20 S. 6). Im
Zimmer der Geschädigten †F._ sei sie nicht gewesen (Urk. 3/20 S. 6). Zu-
- 25 -
treffend sei, dass sie Schmuck von B._ erhalten habe (Urk. 3/20 S. 11). Die-
sen Schmuck habe sie dann U._ zum Verkauf weitergegeben, aber nicht
gewusst, woher er stammte (Urk. 3/20 S. 11). Mit U._ sei sie nun nicht mehr
zusammen, weil er sie hingehalten, angelogen und betrogen habe (Urk. 3/20 S.
13). Er habe wohl das Ganze geplant und deshalb auch das Ammoniak gekauft
(Urk. 3/20 S. 15 und S. 16). Sie habe gewusst, dass er dieses für eine Straftat
gebrauche, allerdings nicht, dass damit jemand umgebracht werde (Urk. 3/20 S.
16). An dieser Version hielt die Beschuldigte in der Konfrontationseinvernahme
vom 24. November 2014 zwischen ihr, B._ und U._ fest (Urk. 3/21). Bei
Kauf des Ammoniaks habe sie nur unterschrieben, aber nicht gewusst, wofür es
U._ brauche (Urk. 3/21 S. 3). In ihrer schriftlichen Stellungnahme führte sie
aus, U._ habe ihr gesagt, dass sie tun solle, was er sage. Aufgrund ihres Ko-
kainkonsums habe sie keine Lust auf Diskussionen gehabt und sei ihm in die
Apotheke gefolgt (Urk. 331 S. 4). An der Berufungsverhandlung führte sie aus,
dass sich die ganze Situation so entwickelt und sie unterschrieben habe, sei
dumm gelaufen (Urk. 339 S. 31). Das Ammoniak habe sie am Abend der Tat
B._ übergeben (Urk. 3/20 S. 5). Den Schmuck und die Bankkarte an
U._ (Urk. 3/20 S. 11). Eine vernünftige Erklärung, weshalb sie selbst diese
Dinge an U._ überreichte, obschon sie am Raub völlig unbeteiligt war, gab
sie nicht an (Urk. 3/21 S. 4). Weiter beschuldigte sie B._, sie (die Beschuldig-
te A._) bestohlen zu haben. B._ habe ihre eine ganze Liste von Gegen-
ständen, Schmuck und Kleider etc. weg genommen. B._ anerkannte demge-
genüber, der Beschuldigten Fr. 500.– genommen zu haben als Entgelt für den
Unterhalt des Hundes (Urk. 3/21 S. 5). B._ hielt an dieser Konfrontationsein-
vernahme an ihrem Geständnis fest (Urk. 3/21 S. 10). Sie habe die Tat zusam-
men mit A._ begangen und wisse nicht, weshalb diese nun eine Beteiligung
abstreite (Urk. 3/21 S. 10). B._ gab wiederum zahlreiche Details zu Protokoll,
so beispielsweise zum Passepartout, welchen A._ besorgt habe (Urk. 3/21 S.
12).
In der vorinstanzlichen Befragung gab die Beschuldigte A._ an, zwischen Tür
und Angel mitbekommen zu haben, dass U._ den Raub mit zwei Kollegen
geplant habe (Urk. 223 S. 29). Bei dieser Version blieb sie auch in ihrer schriftli-
- 26 -
chen Stellungnahme und an der Berufungsverhandlung. Demnach habe U._
geplant, während ihrer Schicht an ihrem Arbeitsort einen Raub zu begehen und
sie hierzu zu betäuben (Urk 331 S. 1 f, Urk. 339 S. 30).
5.7. Würdigung der Aussagen
Bei einer Gesamtwürdigung bestehen keinerlei Zweifel, dass die Beschuldigte
A._ an der Tat zum Nachteil von †F._ beteiligt war. Ihr Geständnis war
viel zu detailliert, als dass sie nur Dinge vom Hörensagen erzählt hätte.
So beispielsweise bezüglich dem Sauerstoffgerät und dem Passepartout. Die Be-
schuldigte A._ sagte auf die Frage, was mit dem Passepartout-Schlüssel ge-
schehen sei, aus: "Den hatte B._. Ich nahm Handschuhe, Tuch und Flasche
und bin damit raus gesprungen. Sie kam hintendrein" (Urk. 3/5 S. 6). B._ hat-
te ausgesagt, dass sie den Passepartout vor lauter Nervosität in der Wohnung der
Geschädigten liegen gelassen habe und er wurde denn auch von der Polizei dort
sichergestellt (Urk. 4/7 S. 15, Urk. 7/1 S. 1).
Noch deutlicher ist die aufgrund der Beschreibungen von A._ angefertigte
Zeichnung von der Möblierung des Zimmers der Geschädigten †F._ zu inter-
pretieren; dies vor dem Hintergrund ihrer Behauptung, nie in der Wohnung der
Geschädigten gewesen zu sein (Urk. 30/20 S. 6; Urk. 223 S. 38). Sie habe auch
nie mit der Geschädigten gesprochen und diese nicht gekannt (Urk. 223 S. S. 43).
Solche Übereinstimmungen in den Aussagen von A._ mit dem Ermit-
tlungsergebnis – den örtlichen Gegebenheiten am Tatort – kann kein Zufall zu-
grunde liegen. Kommt hinzu, dass die Beschuldigte A._ in der Lage war, die
Möblierung des Schlafzimmers derart genau anzugeben, dass gestützt darauf ei-
ne detailgetreue und mit der tatsächlichen Situation übereinstimmende Skizze
angefertigt werden konnte (Urk. 3/4 S. 30), wohingegen sich bei den Angaben der
Beschuldigten B._ hinsichtlich der Position des Stuhles ein Fehler einge-
schlichen hatte (Urk. 4/3 S. 17, vgl. zur Tatortsituation Urk. 8). Wenn die Beschul-
digte A._ dies damit zu erklären versucht, dass es durchaus möglich sei,
dass die Beschuldigte B._ den Stuhl – und nur gerade den Stuhl – vielleicht
ja gerade extra an einem falschen Ort eingezeichnet haben könnte (Urk. 339
S. 33), erscheint dies als unbehelflicher Rechtfertigungsversuch, welcher jeglicher
- 27 -
logischen Grundlage entbehrt. Viel plausibler ist, dass die Beschuldigte A._
sich die Lage des Stuhles deshalb so gut einprägen konnte, weil sie es gewesen
war, die – gemäss den übereinstimmenden (allerdings seitens der Beschuldigten
A._ hernach widerrufenen) Angaben der Beschuldigten – die Handtasche auf
dem Stuhl nach Wertgegenständen durchsucht hatte (Urk. 3/4 S. 12, Urk. 3/14
S. 11 f., Urk. 4/3 S. 4).
Dass die Beschuldigte A._ in der Tatnacht vor Ort gewesen sein muss, ergibt
sich auch aus dem Umstand, dass sie im Rahmen ihres Geständnisses nicht nur
hinsichtlich des Ablaufs innerhalb der Alterswohnung, sondern auch betreffend
die Vorgänge zuvor auf dem Parkplatz sowie über die Umstände, wie man
schliesslich in die Wohnung von Frau †F._ gelangte, bestens in der Lage
war, Auskunft zu geben und die diesbezüglichen Aussagen der Beschuldigten
B._ in der Konfrontationseinvernahme vom 6. März 2014 gar noch ergänzte
bzw. korrigierte (vgl. vorstehende Erw. 5.4.2 und 5.4.4). Anzunehmen, dass ihr
diese sämtlichen Details in Einzelbildern gleich eines Filmes durch die Beschul-
digte B._ mitgeteilt worden sein könnten, ist völlig lebensfremd, zumal selbst
die Beschuldigte A._ an der Hauptverhandlung ausführte, dass ihr die Be-
schuldigte B._ lediglich geschildert habe, was innerhalb der Wohnung pas-
siert sei (Urk. 223 S. 50). Absolut unglaubwürdig ist sodann, wenn die Beschuldig-
te A._ behauptet, dass ihr die Beschuldigte B._ zwar die Tatnacht bis
ins letzte Detail geschildert habe, ihr dabei aber nicht preisgegeben haben soll,
wer bei der Tatausführung bei ihr gewesen sei (Urk. 339 S. 39) und sie auch nicht
nachgefragt habe (Urk. 223 S. 37).
Die Beschuldigte kann auch keinen plausiblen Grund für ein falsches Geständnis
angeben. Vor Vorinstanz gab sie zu Protokoll, es sei die Angst gewesen und der
Anwalt, der nach einer Woche vorbeigekommen sei und gesagt habe, sie solle mit
dem Staatsanwalt kooperieren (Urk. 223 S. 31). Unter Druck gesetzt habe sie – ausser U._ – aber niemand. Es sei die ganze Situation gewesen, die sie
erdrückt habe (Urk. 223 S. 38). Dass es ihr ehemaliger Verteidiger gewesen sei,
der ihr zum Geständnis geraten habe, machte sie auch in ihrer schriftlichen Stel-
lungnahme geltend. Überdies habe sie auch Angst gehabt, U._ zu erwähnen
(Urk. 331 S. 14 f.). Die Annahme, sie würde schneller aus der Untersuchungshaft
- 28 -
entlassen, wenn sie einen Raubmord gesteht (Urk 223 S. 37, 42, 45; Urk. 331
S. 14 f.; Urk. 339 S. 38, 40 f.), ist abwegig.
Zudem ist auch lebensfremd, dass A._ in der Alterssiedlung L._ als
Nachtwache tätig und mit den dortigen Verhältnissen vertraut war, das Ammoniak
bzw. den Salmiakgeist besorgte, anerkanntermassen Internetrecherchen über
Ammoniak tätigte, der Beschuldigten am Nachmittag vor der Tatnacht in eigenem
Namen ein SMS schrieb, wonach diese schwarze Kleidung tragen sollte, da sie
noch etwas vor hätten, und schliesslich einen Teil der Beute einschliesslich der
Bankkarte erhielt und an U._ übergab, wenn sie nicht an der Tat beteiligt
gewesen wäre. Hinzu kommt, dass die Beschuldigte A._ – gemäss dem si-
chergestellten Foto auf ihrem iPhone (Urk. 31 S. 6) – in der Tatnacht schwarz ge-
kleidet war und die Beschuldigte A._ aufgrund ihres Arbeitsverhältnisses Zu-
gang zu dem später verwendeten Passepartout hatte.
Schliesslich ist auch kein vernünftiges Motiv von B._ ersichtlich, A._
derart schwer zu belasten, zumal diese – wie gesehen (vgl. vorstehende Erw. 4.2)
– der Beschuldigten A._ im Tatzeitpunkt sehr zugetan war und auch heute
nicht den Eindruck hinterlassen hat, Rachegefühle gegen A._ zu hegen
(vgl. Urk. 339 S. 25). Die Beschuldigte A._ führte darauf angesprochen aus:
"Entweder weil sie sich nicht getraut, die wahre Person zu nennen und weil sie
wahrscheinlich auch irgendeinen Druck hat oder aus Eifersucht" (Urk. 223 S. 41).
Eine überzeugende Erklärung ist dies nicht. Schliesslich ist auch der Umstand
erwähnenswert, dass es die Beschuldigte A._ war, welche sich zuerst ge-
ständig zeigte. Erst einige Tage danach, auf Vorhalt des Geständnisses von
A._, legte auch die Beschuldigte B._ ein Geständnis ab, bei welchem
sie dann bis heute blieb (Urk. 4/2 S. 10 und Urk. 4/3). Soweit die Beschuldigte
A._ immer wieder – meist implizit – U._ als möglichen Mittäter ins Spiel
bringt (vgl. etwa Urk. 223 S. 29 ff., 39 f., 44; Urk. 331 S. 1 f., 5, 8, 12, 14 f., 18;
Urk. 339 S. 30, 39, 41), ist dem entgegenzuhalten, dass keineswegs einsichtig ist,
weshalb die Beschuldigte B._ diesen mit einer Falschbelastung
A._s hätte entlasten sollen. Die Darstellung der Beschuldigten A._, wo-
nach die Beschuldigte B._ ein Verhältnis mit U._ gehabt habe (Urk. 339
S. 14), erscheint konstruiert und wird durch keinerlei äussere Anhaltspunkte ge-
- 29 -
stärkt. Vielmehr hat die Beschuldigte B._ – wie gesehen – immer wieder
glaubhaft versichert, in die Beschuldigte A._ verliebt gewesen zu sein und
deshalb geplant zu haben, ihren Verlobten AA._ zu verlassen. Dass die Be-
schuldigte B._ der Beschuldigten A._ ihre Gefühle offenbarte, wird von
letzteren denn auch nicht in Abrede gestellt. Damit erscheint es reichlich aben-
teuerlich, dass sie gleichzeitig eine Affäre mit dem Freund der Beschuldigten
A._, dem Bruder von AA._, gehabt haben soll. Vor diesem Hintergrund
kann auf eine Zeugeneinvernahme von Frau V._, welche angeblich Angaben
zu diesem Verhältnis machen könne, verzichtet werden. Wie die Beschuldigte
A._ selbst vorbringt, kann ihre ehemalige Mitgefangene Frau V._ – wel-
che innerhalb von zwei Jahren zweimal in U-Haft genommen werden musste –
lediglich Aussagen vom Hörensagen machen (Urk. 339 S. 14). Der Beweiswert
solcher Aussagen ist sehr beschränkt. Selbst wenn Frau V._ als Zeugin be-
stätigen könnte, gehört zu haben, dass die Beschuldigte B._ angeblich ein
Verhältnis mit U._ gehabt habe, wäre dadurch der Beweis nicht erbracht,
dass dem so war. Jedenfalls vermöchte auch eine dahingehende Zeugenaussage
die Überzeugungskraft der beiden in sich stimmigen Geständnisse der beiden
Beschuldigten nicht zu entkräften. Auf eine Einvernahme von Frau V._ ist
demnach zufolge nicht zu erwartendem Erkenntnisgewinn zu verzichten.
Auch die von B._ erfolgte umfangreiche Schilderung des Tatvorgehens und
der gesamten Umstände ist derart ausführlich und detailliert, dass eine wahr-
heitswidrige Belastung von A._ durch B._ mit Sicherheit ausgeschlos-
sen werden kann. Hätte B._ in ihrer Schilderung die Person ihrer Mittäterin
einfach ausgetauscht, hätte sie sich zweifellos in Widersprüche verstrickt oder es
wären gelegentlich Versprecher aufgetaucht.
Umgekehrt spricht auch der Detailierungsgrad der Aussagen der Beschuldigten
A._ gegen eine Falschaussage. Abgesehen davon, dass sich – wie mehrfach
aufgezeigt – nicht erklären lässt, weshalb die Beschuldigte A._ derart genau
über das Tatgeschehen informiert sein konnte, wenn sie nicht dabei gewesen sein
soll, entspricht es nicht dem Aussageverhalten einer sich bewusst zu Unrecht be-
lastenden Person, derart detaillierte Angaben zu machen. Sodann ist nicht ein-
- 30 -
sichtig, weshalb sie auch die weiteren Diebstähle (vgl. nachstehende Erw. IV.)
hätte zugeben sollen.
Entsprechend ist ohne weiteres auf das – widerrufene – Geständnis der Beschul-
digten A._ abzustellen.
5.8. Einwände der Verteidigung
5.8.1. Nicht gefolgt werden kann der Verteidigung, wenn sie den Wahrheitsgehalt
der Geständnisse nur deshalb in Frage stellt, weil diese "zu gut übereinstimmend"
seien, was misstrauisch machen müsse und auf eine Absprache hindeute
(Urk. 341 S. 4).
Entgegen der Auffassung der Verteidigung ist es nicht so, dass über weite Teile
deckungsgleiche Aussagen per se als Indiz für eine Falschaussage zu werten wä-
ren. Es ist nicht einzusehen, weshalb zwei Zeugen zum selben Sachverhalt
grundsätzlich zwei verschiedene Abläufe erzählen sollten (Urk. 341 S. 4, 7). Etwa-
ige Lügensignale, wie etwa die immer gleiche Wortwahl, die die Aussagen einstu-
diert und stereotyp wirken lassen, sind bei den Geständnissen, wie vorstehend
aufgezeigt, nicht ersichtlich. Vielmehr ergänzen sich die Aussagen der beiden Be-
schuldigten in stimmiger Weise (vgl. insbesondere vorstehende Erw. 5.4.4). Hinzu
kommt, dass es durchaus einzelne Abweichungen in den Aussagen gibt, die sich
aber entweder auf ausgesprochene Detailfragen beziehen oder sich – wie von der
Verteidigung erwartet – mit dem Umstand erklären lassen, dass die beiden Be-
schuldigten die Situation nicht exakt gleich wahrgenommen hatten. So gab etwa
lediglich die Beschuldigte A._ zu Protokoll, beim Verlassen der Wohnung ein
Sauerstoffgerät gesehen zu haben, während dies die Beschuldigte B._ nicht
bestätigen konnte (Urk. 3/14 S. 14, Urk. 224 S. 37 f.). Ferner sprach die Beschul-
digte zur Farbe des mit Ammoniak getränkten Lappens befragt, von einem ver-
blassten Grün (Urk. 4/4 S. 5), während die Beschuldigte A._ von einem blau-
en Frotteewaschlappen sprach (Urk. 3/4 S. 19).
Schliesslich fällt auf, dass die Beschuldigten teilweise den Tatbeitrag des jeweils
anderen gewichtiger darzustellen versuchten, was unter Berücksichtigung der
Schwere des Tatvorwurfes nicht erstaunt. So stellte sich die Beschuldigte
- 31 -
A._ auf den Standpunkt, dass sie die Internetrecherchen betreffend das
Ammoniak zusammen mit der Beschuldigten B._ vorgenommen habe, was
diese in Abrede stellte (Urk. 3/14 S. 5). Ebenso nicht deckungsgleich sind die
Aussagen hinsichtlich der Frage, ob die Beschuldigte A._ neben der Be-
schuldigten B._ gestanden hatte, als diese das Tuch gegen den Mund des
Opfers hielt und ob hernach auch die Beschuldigte A._ das Tuch gegen das
Gesicht des Opfers drückte (Urk. 3/14 S. 11 ff., Urk. 224 S. 29, 34). Mit der Vor-
instanz ist – insbesondere aufgrund der Relativierung der Beschuldigten B._
vor Vorinstanz (Urk. 224 S. 36) – zugunsten der Beschuldigten A._ nicht da-
von auszugehen, dass auch sie das Tuch gegen den Mund des Opfers hielt
(vgl. Urk. 280 S. 65, 72).
5.8.2. Entgegen der Verteidigung ist der Tatablauf, wie ihn die Vorinstanz an-
genommen hat, keineswegs unhaltbar (Urk. 341 S. 7). Die Vorinstanz geht zu-
sammenfassend davon aus, dass das Tuch mit erheblichem Druck gegen das
Gesicht gehalten worden sei, wobei Mund und Nase vollständig mit dem Tuch
bedeckt gewesen sei. Dabei müsse sich die Geschädigte gewehrt haben, indem
sie versucht habe, das Tuch von ihrem Gesicht zu reissen. Weiter sei davon aus-
zugehen, dass die Beschuldigte A._ die Geschädigte am linken Bein und die
Beschuldigte B._ am Arm festgehalten habe (Urk. 280 S. 69). Den diesbe-
züglich überzeugenden Erwägungen kann ohne weiteres gefolgt werden.
Mit der Vorinstanz ergibt sich schon aus den Verletzungen an den Innen- und
Aussenseiten der Lippen des Opfers (vgl. Urk. 8, Urk. 10/1 und 11/1), dass das
Tuch mit erheblichem Druck gegen die Nasen-/Mundpartie hingehalten worden
sein muss, was auch durch die Einschätzung der Sachverständigen gestützt wird
(Urk. 280 S. 60, 67 f; Urk. 226 S. 20, 33, 35, 39, 46 f., 55). Sodann hat die Be-
schuldigte A._ schon zu Beginn ihres Geständnisses und hernach bis zu
dessen Widerruf immer wieder erklärt, dass das Opfer für "einen Moment" bzw.
"zwei bis dreimal" bzw. "ein wenig" gezuckt habe (Urk. 3/4 S. 16, 21, 23; Urk. 3/14
S. 11), was die Beschuldigte B._ anlässlich der Konfrontationseinvernahme
vom 6. März 2014 auf entsprechende Frage bestätigte (Urk. 3/14 S. 12) und diese
Begriffsumschreibung in der Folge auch in ihre eigenen Ausführungen übernahm
(Urk. 224 S. 30 f.). Schon aufgrund des "Zuckens" ist davon auszugehen, dass
- 32 -
das Opfer zumindest kurzzeitig erwachte, was die Beschuldigte B._ anläss-
lich der Hauptverhandlung auch bestätigte (Urk. 224 S. 310). Das deckt sich auch
mit den Ausführungen von Dr. med. Q._, der anlässlich der Hauptverhand-
lung vor der ersten Instanz ausführte, dass man aufgrund des extrem beissenden
Geruchs von Salmiak ganz sicher aufwacht, wenn einem ein damit getränktes
Tuch auf das Gesicht gedrückt werde (Urk. 226 S. 46). Damit ist aber auch
gleichzeitig erstellt, dass sie sich gewehrt haben muss: Wie auch für einen Laien
anhand des Bildmaterials (vgl. Urk. 8, Urk. 10/1 und 11/1) unschwer erkennbar
und durch das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin Zürich erstellt, erlitt das
Opfer Verätzungen im Mund- und Wangenbereich (Urk. 11/3 S. 3, 5). Ganz abge-
sehen davon, dass es im hohen Masse verängstigend sein muss, in den eigenen
vier Wänden von zwei dunkel gekleideten Personen aus dem Schlaf gerissen und
überrascht zu werden, muss die Verätzung von Gesichtspartien mit nicht uner-
heblichen Schmerzen verbunden gewesen sein. Kommt hinzu, dass das Opfer
aufgrund der (zumindest teilweise) verlegten Atemwege – wenn überhaupt – si-
cher nur ganz eingeschränkt Atmen konnte. Mit der Staatsanwaltschaft können
daher keine Zweifel bestehen, dass sich Frau †F._ – soweit es ihr aufgrund
ihres gebrechlichen Zustandes und der Fixation durch die Beschuldigten möglich
war (dazu nachfolgend) – gewehrt haben muss (Prot. II S. 20). Wenn die Vor-
instanz diesen Vorgang als Todeskampf umschreibt, ist dies – entgegen der Ver-
teidigung (Urk. 341 S. 7) – nicht zu beanstanden. Dass bei dieser Ausganslage
(mechanisches Verlegen der Atemwege mit einem mit Ammoniak getränktem
Tuch mit ätzender Wirkung und beissendem Geruch) eine Gegenwehr zu erwar-
ten ist, bestätigten auch die Sachverständigen anlässlich der Hauptverhandlung
vor Vorinstanz (Urk. 226 S. 23, 39). Dass die Beschuldigte A._ – und her-
nach auch die Beschuldigte B._ – diese Gegenwehr als Zuckungen be-
schrieben, ist vor dem Hintergrund, dass die Beschuldigten das Opfer gemäss
den glaubhaften Ausführungen der Beschuldigten B._ an Armen und Beinen
fixierten, indem sie sich darauf abgestützt hätten (Urk. 4/11 S. 13 f., Urk. 224
S. 30, 34) nachvollziehbar. Die Fixation durch die Beschuldigten lässt sich – wie
dies die Sachverständigen anlässlich der Hauptverhandlung überzeugend aus-
führten – auch mühelos mit dem Verletzungsbild des Opfers am Brustkork, Armen
- 33 -
und Beinen in Einklang bringen (vgl. Urk. 226 S. 33). Daran ändert auch nichts,
dass das Opfer vor ihrem Tod mit Kortison behandelt wurde. Zwar trifft es gemäss
Dr. med. AD._ zu, dass eine Kortisontherapie typischerweise zu einer Alters-
haut führe und Einblutungen, wie sie beim Opfer festgestellt wurden, bereits durch
Bagatelltraumata entstehen können. Gleichwohl schliesst dieser Umstand aber
– entgegen der Verteidigung (Urk. 341 S. 11 ff.) – eine Fremdbeibringung nicht
aus (Urk. 226 S. 33 f., 41). Vielmehr sei insbesondere die Brustverletzung auf-
grund ihrer Lokalisation für eine Fremdbeibringung geradezu hochverdächtig
(Urk. 226 S. 33, 55).
5.8.3. Ebenso unbegründet ist die Kritik der Verteidigung an den Ausführungen
der Sachverständigen betreffend die Eingrenzung des Todeszeitpunktes
(Urk. 341 S. 9 ff.). Wie dies die Vorinstanz überzeugend dargelegt hat, führten
sowohl Dr. med. P._ als auch Dr. med. Q._ anlässlich der Hauptver-
handlung nachvollziehbar aus, dass es bei der Berechnung des Todeszeitpunktes
Korrekturfaktoren gebe und im vorliegenden Fall insbesondere die Körpertempe-
ratur als Unsicherheitsfaktor zu gelten habe (Urk. 280 S. 56, 61 mit Verweis auf
Urk. 226 S. 43 f. und 48, Urk. 226 S. 17). Insbesondere zu berücksichtigen sei,
dass das Resyl plus bzw. das Guaifenesin – welches im Blut des Opfers nachge-
wiesen werden konnte (Urk. 11/4 S. 3, Urk. 226 S. 35) –, auf einen Ateminfekt
hinweise, was zu einer höheren Ausgangstemperatur führte (Urk. 280 S. 61,
Urk. 226 S. 43). Ferner in Betracht zu ziehen sei, dass der Körper bei körperlicher
Anstrengung , wie dies die Gegenwehr sein kann, Wärme generiere, was ebenso
zu einer höheren Ausgangstemperatur führte (Urk. 226 S. 43). Dass unter diesen
Umständen die im Rahmen der Legalinspektion gemessene Körpertemperatur
von 35.7o C (Urk. 10/1) bei der Berechnung des Todeszeitpunktes eine andere
Bedeutung erhält und sich bei erhöhter Ausgangstemperatur der Todeszeitunkt
nach vorn verschiebt, ist einsichtig. Entsprechend besteht keine Veranlassung,
die gutachterliche Schlussfolgerung, wonach nicht ausgeschlossen sei, dass der
Tod zwischen 01:00 Uhr und 02:15 Uhr eingetreten sein könnte (Urk. 226
S. 43, 51), anzuzweifeln.
5.8.4. Der Bericht der Legalinspektion von Dr. med. P._ (Urk. 10/1), die Fest-
stellungen im Gutachten (Urk. 11/3) sowie die nachvollziehbaren Ausführungen
- 34 -
von Dr. med. Q._ sowie Dr. med O._ anlässlich der Hauptverhandlung
(Urk. 226 S. 29 ff., insbesondere S. 35) lassen in Kombination mit der übrigen
Beweislage, insbesondere der Aussagen der Beschuldigten, keine Zweifel zu,
dass der Tod durch mechanische Verlegung der Atemwege mittels eines mit
Ammoniak getränkten Tuchs verursacht wurde. Insbesondere kann mangels aus-
geprägter Überwässerung des Hirns sowie der Lunge ein langsames Dahinster-
ben ausgeschlossen werden (Urk. 226 S. 40 f.). Entgegen der Kritik der Verteidi-
gung (Urk. 341 S. 16) wurde sodann mittels der CT-Untersuchung ein akutes
Herzversagen als Todesursache ausgeschlossen (Urk. 226 S. 31).
5.8.5. Vor diesem Hintergrund sind die seitens der Verteidigung gestellten Be-
weisanträge auf Einholung eines Obergutachtens sowie einer Nachstellung der
Tat (Urk. 341 S. 8, Prot. II S. 14) abzuweisen. Die Todesursache durch mechani-
sche Verlegung der Atemwege ist erstellt.
5.9. Fazit
In objektiver Hinsicht ist der Sachverhalt, wie in der Anklageschrift beschrieben,
mit nachfolgenden Präzisierungen erstellt:
Es ist davon auszugehen, dass die Mitbeschuldigte B._ der Geschädigten
†F._ den mit Salmiakgeist getränkten Lappen kurzzeitig während mindestens
einer Minute gegen Mund und Nase drückte, während sie sich mit einem Arm auf
dem Opfer der Geschädigten im Bereich des Oberkörpers abstützte und die Be-
schuldigte A._ die Geschädigte an den Beinen fixierte.
Die Annahme der Vorinstanz, es seien mindestens drei Minuten gewesen, wäh-
renddessen die Beschuldigte B._ das Tuch mit erheblichem Druck gegen die
Mund-/Nasenpartie gedrückt habe, geht von den wörtlichen Angaben der Be-
schuldigten B._ aus, welche diese später wieder relativierte (Urk. 280 S. 72).
Da Zeitschätzungen bekanntlich sehr subjektiv sind und meistens zu hoch ausfal-
len, ist zugunsten der Beschuldigten B._ von mindestens einer Minute aus-
zugehen. Nicht nachgewiesen werden kann sodann, dass auch die Beschuldigte
A._ das Tuch gegen die Mund-/Nasenpartei des Opfers gehalten hatte. Nicht
erstellt ist darüber hinaus, dass die Beschuldigte A._ im Zeitpunkt der Tat
- 35 -
wusste, dass die Geschädigte †F._ an einer schweren Lungenkrankheit litt,
sagte sie doch aus, das Sauerstoffgerät erst beim Verlassen der Wohnung be-
merkt zu haben. Im Übrigen ist der objektive Anklagesachverhalt erstellt. Erstellt
ist auch die Mitnahme des Deliktguts gemäss Anklage (Urk. 67 S. 4).
Subjektiv ist erwiesen, dass die Beschuldigten den Tod der Geschädigten
†F._ in Kauf genommen haben, wie in der Anklageschrift dargestellt (Urk. 67
S. 5). Dazu wird nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Würdigung nochmals
einzugehen sein.
IV. Sachverhalt gewerbsmässiger Diebstahl
Ebenso unglaubhaft ist der Widerruf des Geständnisses der Beschuldigten
A._ betreffend den gewerbsmässigen Diebstahl. In ihrer Einvernahme vom
28. November 2013 gab die Beschuldigte A._ an, sie habe im Senioren-
zentrum AE._ in AF._, wo sie von 2003 bis 2006 ihre Ausbildung ge-
macht habe, mindestens 10 Mal Geld und Schmuck gestohlen (Urk. 3/4 S. 8). Je-
des Mal im Wert von ca. Fr. 1'000.–, Goldketten, Ringe, Uhren, Armbänder, Bro-
schen, Halsketten. Diese Schmuckstücke habe sie bei der Firma AG._ in
AH._ verkauft (Urk. 3/4 S. 9). Nach einem Unterbruch habe sie im Heim
AI._ in AH._ gearbeitet. Dort habe sie schätzungsweise 5 bis 10 Mal
Geld zwischen Fr. 1'000.– bis Fr. 2'000.– sowie Schmuck gestohlen (Urk. 3/4 S.
10). Den Schmuck habe sie wiederum bei AG._ und bei der Schmuckbörse
in AH._ verkauft. Dafür habe sie einen Betrag von über Fr. 5'000.– erhalten.
Auch als sie in der Alterssiedlung L._ gearbeitet habe, habe sie dort gestoh-
len. Sie habe ein Portemonnaie, drei Mal Geld aus einem Portemonnaie und eine
Uhr geklaut, bei Frau AB._, bei Frau AC._, bei Frau E._ und einer
weiteren Frau im zweiten Stock (Urk. 3/4 S. 11). Sie habe insgesamt Fr. 1'000.– in
bar gestohlen. Für die Uhr habe sie bei der Firma AG._ Fr. 1'500.– erhalten.
Frau AC._ habe einmal ihren Rollator draussen stehen lassen, worauf sie
das Portemonnaie, ein braunes, genommen habe. Frau AB._ sei einmal im
Spital gewesen und habe ihr Türe nicht abgeschlossen gehabt (Urk. 3/4 S. 12).
Bei Frau E._ habe sie die Sachen genommen, als diese sich auf dem WC
- 36 -
gewaschen habe. Bei der weiteren Frau sei es ebenfalls gewesen, als sich diese
gewaschen habe. Die Zugaben der Beschuldigten erfolgten aus eigenem Antrieb
und ihre Angaben dazu machte sie in freier Rede und detailliert. Sie schilderte
auch ausführlich ihre damalige finanziell bedrängte Situation, was Grund für die
Diebstähle gewesen sei. Am entsprechenden Geständnis der Beschuldigten
A._ bestehen aufgrund der Detailliertheit trotz des späteren Widerrufs keine
rechtserheblichen Zweifel.
Zu diesen Diebstählen in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung befragt, bestritt
die Beschuldigte alles mit einem pauschalen Nein, ohne nähere Angaben
(Urk. 223 S. 45ff.). Auch an der Berufungsverhandlung bestritt sie, mit den ihr zur
Last gelegten Diebstähle etwas zu tun zu haben (Urk. 339 S. 37 ff.), ohne jedoch
einen plausiblen Grund nennen zu könne, weshalb sie die Diebstähle ursprünglich
eingestanden hatte.
Auch dieser Anklagesachverhalt ist – soweit er im vorliegenden Berufungsverfah-
ren noch zu überprüfen ist (ND 1, ND 2, ND 3 und ND 6) –, aufgrund des Ge-
ständnisses der Beschuldigten A._ erstellt. Es kann auf die entsprechenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 280 S. 96 - 100; Art. 82
Abs. 4 StPO). Wenn die Verteidigung vorbringt, dass die Diebstähle auch durch
"fremde Personen in Zimmern von bestohlenen Heimbewohnern" hätten vorge-
nommen werden können (Urk. 341 S. 21), vermag diese Mutmassung die Glaub-
haftigkeit des ursprünglich abgelegten und hernach widerrufenen Geständnisses
der Beschuldigten A._ nicht erschüttern. Insbesondere liesse sich bei einer
Dritttäterschaft nicht erklären, weshalb das braune Portemonnaie, welches die
Beschuldigte (anerkanntermassen) aus dem Rollator von Frau AC._ entwen-
det hatte, kurz nach der Verhaftung bei der Beschuldigten A._ sichergestellt
werden konnte (vgl. Urk. 5/3). Ebenso liesse sich nicht erklären, weshalb das
Tramadol, welches sie gemäss dem ursprünglichen Geständnis bei Frau
AB._ entwendet habe (Urk. 3/7 S. 3 f.), in der Wohnung von U._, wo sie
sich öfters aufgehalten hatte, sichergestellt werden konnte (Urk. 51/4 S. 5). Dass
es U._ gewesen sei, der die Gegenstände gestohlen habe und sie das
Portemonnaie ganz zufälligerweise beim Aufräumen der Wohnung gefunden ha-
- 37 -
be, just in dem Augenblick, als die Polizei an der Türe geklingelt habe, wie die
Beschuldigte A._ in der schriftlichen Stellungnahme angibt (Urk. 331
S. 12 f.), erscheint konstruiert und ist damit unglaubhaft.
V. Rechtliche Würdigung
1. Eventualvorsätzliche Tötung
Gemäss früherer Giftverordnung sind auch unter dem heutigen Chemikalien-
gesetz sechs Giftklassen üblich. Salmiakgeist ist eine wässrige Ammoniaklösung
der Giftklasse 3. Stoffe dieser Klasse gelten im Bereich von 50 - 500 mg als töd-
lich. Salmiakgeist ist nur in speziellen Geschäften wie zum Beispiel Apotheken
gegen Unterschrift und unter Nachweis der Personalien erhältlich. Es hat einen
stechenden Geruch, ist stark ätzend und sollte ohne weitere Verdünnung mit
Wasser nur mit Handschuhen und in gut belüfteten Räumen, allenfalls mit Atem-
schutz angewendet werden. Dementsprechend befinden sich auf der Flasche
deutliche Hinweise auf die hohe Giftigkeit bzw. Gefährlichkeit, einerseits durch ei-
nen Texthinweis, andererseits durch Kennzeichnung mit den entsprechenden Ge-
fahrensymbolen (Urk. 4/4 S. 11). Es ist unglaubhaft wenn die Beschuldigte
A._ behauptet, sie habe diese Hinweise nicht gelesen, zumal sie dieses Gift
ja ganz bewusst mit der Absicht gekauft hatte, jemanden zwecks Raubes ausser
Gefecht zu setzen. Kennzeichnend ist auch die Aussage von der Beschuldigten
A._, "man habe ihr gesagt" mit Ammoniak könne man jemanden betäuben,
ohne näher auszuführen wer ihr dies wann gesagt habe (Urk. 3/4 S. 15). Solch
unbestimmte Aussagen gelten im Allgemeinen als Lügensignale. Salmiakgeist ist
zwar als gefährliches Reinigungsmittel, nicht aber als Betäubungsmittel bekannt,
wie beispielsweise Chloroform. Im Gegensatz zu Letzterem würde auch niemand
wegen der stark ätzenden Dämpfe einen Selbstversuch mit Salmiakgeist wagen.
Bereits ein einzelner Atemzug an einer offenen Flasche führt zu einer starken Re-
aktion des Probanden, sei es Brechreiz, Übelkeit, Husten oder starkes Augen-
brennen. Das Verschlucken von Salmiakgeist kann zu einem schmerzhaften Tod
führen. Die fotografisch dokumentierten Verätzungen der Geschädigten †F._
- 38 -
um den Mund herum sprechen eine deutliche Sprache (Urk. 8 S. 2, Urk. 9 S. 55
ff.). Wer einer betagten Person einen mit Salmiakgeist getränkten Lappen min-
destens eine Minute lang an den Mund drückt, bis diese erschlafft, kann – unab-
hängig von den angewendeten Krafteinheiten – nicht mehr ernsthaft behaupten,
er habe die Person nur betäuben wollen. Aufgrund der mehrjährigen beruflichen
Tätigkeit in der Betreuung betagter Personen wusste insbesondere die Beschul-
digte A._ bestens, dass eine alte Frau die Verlegung der Atemwege mit ei-
nem feuchten Tuch nicht mehr gleich erträgt wie eine junge Person mit kräftigen
Lungen. Die Möglichkeit des Todes liegt derart nahe, dass man umgekehrt von
ausserordentlichem Glück sprechen müsste, wenn die Geschädigte diesen Angriff
überlebt hätte. Zum objektiven und subjektiven Tatbestand kann im Übrigen auf
die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 280 S. 81 -
88. Ziff. 4.3.1 - Ziff. 4.3.3). Es ist von eventualvorsätzlicher Tötung auszugehen,
da ein direkter Vorsatz nicht nachgewiesen werden kann.
2. Qualifikation als Mord
Die Tötung der 88-jährigen †F._ war eine völlig sinnlose Tat. Das Opfer
schlief zu dieser Zeit in ihrem Bett, und wäre sie wegen des Einbruchs der beiden
Beschuldigten aufgewacht, wären die Beschuldigten ihr körperlich weit überlegen
gewesen. Die Beschuldigten hätten sich in diesem Falle ohne Probleme uner-
kannt wieder aus der Wohnung entfernen können. In diesem Sinne war das Am-
moniak nicht einmal nötig für die Durchführung des Raubs, sondern diente "bloss"
zur Vermeidung von Störungen während des Raubs. Die Beschuldigten wollten
jegliches Risiko ausschalten und drückten der Geschädigten den Lappen mit dem
Salmiakgeist bereits "prophylaktisch" auf den Mund, als diese schlief und noch
gar keine Bedrohungs- bzw. Alarmsituation bestand. Wenn jemand im Alter der
Geschädigten zu Hause im eigenen Bett im Schlaf überrascht und beraubt wird,
verbleiben für überlebende Opfer in der Regel gravierendste psychische Folgen.
Die Verunsicherung und Angst sind danach derart gross, dass ein Opfer oftmals
jegliche Lebensfreude verliert. Nach einem 88 Jahre dauernden Leben ein derar-
tiges Ende zu finden, wie die Geschädigte es erleiden musste, ist äusserst tra-
gisch. Die Verwendung von ätzenden Dämpfen beim Ersticken führt zu einem
- 39 -
qualvollen Tod. Wer dies in Kauf nimmt, bloss um Schmuck und Bargeld in unbe-
kanntem Umfang bzw. mutmasslich in nicht sehr hohen Wert zu erbeuten und so
handelt, obschon das Ammoniak für das Handlungsziel möglicherweise gar nicht
nötig gewesen wäre, offenbart eine erhebliche Skrupellosigkeit.
Die Vorinstanz hat die Tat der Beschuldigten deshalb zu Recht als eventualvor-
sätzlichen Mord im Sinn von Art. 112 StGB qualifiziert (Urk. 280 S. 95). Auf ihre
Erwägungen zur rechtlichen Würdigung kann ohne Einschränkungen verwiesen
werden (Urk. 280 S. 76 - 92, Art. 82 Abs. 4 StPO).
3. Raub
Wer ein Opfer zum Widerstand unfähig macht um einen Diebstahl zu begehen,
macht sich des Raubes im Sinne von Art. 140 StGB schuldig. Von qualifiziertem
Raub ist gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB auszugehen, wenn die Täterin das Opfer in
Lebensgefahr bringt, ihm eine schwere Körperverletzung zufügt oder es grausam
behandelt. In welchem Verhältnis dieser qualifizierte Tatbestand zur schweren
Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB und zur Lebensgefährdung von Art. 129
StGB steht, lässt einige Fragen offen. Allerdings beinhaltet Art. 140 Ziff. 4 StGB
nicht die Tötung des Opfers, weshalb in Bezug auf die Folgen der Tat unechte
Konkurrenz zu Art. 140 Ziff. 4 StGB besteht. Gemäss Wortlaut dieser Bestimmung
verbleibt deshalb einzig das Qualifikationsmerkmal der Grausamkeit, welches al-
lerdings nicht bereits dann gegeben ist, wenn das Opfer ermordet wird, denn all-
gemein betrachtet ist ein Mord immer grausam. Grausamkeit im Sinne dieser Be-
stimmung ist nur die Zufügung von Qualen um ihrer selbst willen (Trechsel/
Crameri, Praxiskommentar StGB, N 21 zu Art. 140; Donatsch, Strafrecht III,
10. Aufl. Zürich 2013, S. 179). Vorliegend wurde die Tötung jedoch eventualvor-
sätzlich begangen und das Ausschalten des Opfers geschah einzig zum Zwecke
des Raubes, nicht um des Quälens willen. Wenngleich das Tatmittel, Ersticken
durch ätzende Dämpfe, keine schöne Art des Versterbens darstellt, unterscheidet
es sich von zahlreichen anderen Arten der Tötung – beispielsweise das Stossen
vor ein fahrendes Auto oder Messerstiche in den Hals mit langsamem Verbluten
usw. – nicht derart krass, dass eine bedeutend schwerere Qualifikation als der
Grundtatbestand von Art. 140 StGB nötig wäre. Gleiches gilt in Bezug auf die sei-
- 40 -
tens der Staatsanwaltschaft vor Berufungsgericht neu geltend gemachte Sub-
sumtion unter den Tatbestand von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB wegen besonderer
Gefährlichkeit (Prot. II S. 12, Urk. 340 S. 7). Räuber bringen per se eine gewisse
Gefährlichkeit mit sich. Vorliegend hat sich diese latente Gefahr realisiert, wes-
halb das Qualifikationsmerkmal der besonderen Gefährlichkeit durch die Verurtei-
lung wegen eventualvorsätzlichen Mordes abgegolten bzw. konsumiert zu gelten
hat, ähnlich wie Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB umgekehrt den Tatbestand der Ge-
fährdung des Lebens bzw. eine einfache Körperverletzung konsumiert (BSK StGB
II-Niggli/Riedo, 3. Auflage 2013, Art. 140 N 118). Die Vorinstanz ist deshalb zu
Recht vom Grundtatbestand nach Art. 140 Ziff. 1 StGB ausgegangen (Urk. 280
S. 94 Ziff. 4.3.3.).
4. Gewerbsmässiger Diebstahl von A._
Zur rechtlichen Würdigung des gewerbsmässigen Diebstahls kann auf die vor-
instanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 280 S. 100 - 102; Art. 82
Abs. 4 StPO). Die Beschuldigte beging diese Diebstähle, um einen Teil ihrer
Lebenshaltungskosten zu bestreiten, insbesondere weil ihr damaliger Partner
nicht habe arbeiten wollen (Urk. 3/7 S. 1 f., Urk. 280 S. 97). Mit der Vorinstanz ist
die Beschuldigte des gewerbsmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1
StGB i.V.m. Art. 139 Ziff. 2 StGB schuldig zu sprechen.
VI. Strafzumessung
1. Strafrahmen
Für die Strafzumessung ist vom Tatbestand des Mordes als schwerste Tat aus-
zugehen und eine Einsatzstrafe im Bereich von zehn Jahren bis zu lebenslänglich
festzusetzen (Art. 112 StGB). In der Folge sind die Strafen für den Raub und den
gewerbsmässigen Diebstahl zu bestimmen (Art. 140 StGB und Art. 139 Ziff. 2
StGB). Strafmilderungsfaktoren, die eine Unterschreitung des Strafrahmens recht-
fertigten, sind keine ersichtlich.
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2. Objektive Tatschwere Mord
Die Täterinnen mussten eine Gegenwehr des Opfers überwinden, indem sie es
auf dem Bett fixierten. Wenn ein Opfer im vertrauten Bereich, d.h. im Bett in den
eigenen vier Wänden nachts durch ihre Mörderinnen überrascht, überwältigt und
dann mit einem mit einer stark ätzenden Flüssigkeit getränktem Tuch erstickt
wird, ist dies ein qualvoller, äusserst würdeloser Tod. Aus Sicht des Opfers kann
die Strafe deshalb – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 341 S. 44) –
nicht am untersten Rahmen liegen.
Die Beschuldigte A._ plante die Tat. Sie war es, welche im Voraus im Inter-
net recherchierte, wie ein Opfer ausser Gefecht zu setzen ist, sie besorgte den
Salmiakgeist und sie gab der Mitbeschuldigten B._ mittels SMS das Signal
zur Ausführung der Tat und hiess sie mit schwarzer Kleidung zu kommen. Sie
schüttete den Salmiakgeist auf das Tuch und wies die Mitbeschuldigte B._
an, dieses dem Opfer gegen den Mund zu halten. Sie hatte die Führungsrolle und
übernahm auch die Beute zwecks Erzielung eines Erlöses. Demgegenüber war
B._ nur die Mitläuferin, welche auf Geheiss von A._ handelte. Nichts
desto trotz machte die Beschuldigte B._ aber völlig freiwillig und ohne Zwang
mit bei der Tat und scheute sich nicht davor, mit ihren eigenen Händen das betag-
te Opfer zu ersticken und übernahm damit einen gewichtigen Tatbeitrag, was
auch die Verteidigung der Beschuldigten B._ anerkennt (Urk. 342 S. 6). Man
kann zwar einwenden, dass die Beschuldigte B._ ohne die Beschuldigte
A._ die Tat wohl nicht aus eigenem Antrieb begangen hätte; umgekehrt ist
aber auch nicht erwiesen, dass die Beschuldigte A._ die Tat ohne Mitwirkung
der Beschuldigten B._ ausgeführt hätte. Zudem nahm die Beschuldigte
B._ unmittelbar nach der Tat auch die Hälfte des gestohlenen Bargeldes
(Urk. 4/3 S. 8). In diesem Sinne tragen beide Beteiligte eine hohe Verantwortung
und Schuld.
Die Vorinstanz hat bereits darauf hingewiesen, dass die Terminologie bei der
Verschuldensbewertung immer relativ zur Tat betrachtet werden muss und nicht
absolut im Vergleich zu anderen Straftaten, denn moralisch trägt ein Mörder im-
mer schwerstes Verschulden (Urk. 280 S. 113). Im Rahmen aller möglichen Tat-
- 42 -
varianten gibt es bei Mord noch zahlreiche andere Arten der Tatausführung,
welche als noch gravierender zu bewerten sind (z.B. lebendiges Begraben des
Opfers oder längeres Quälen, Ergötzen des Täters am Leiden, Tötung im Ange-
sicht von Angehörigen etc.). Das objektive Tatverschulden ist deshalb vorliegend
als erheblich zu taxieren.
3. Subjektive Tatschwere Mord
Die Beschuldigten wussten, dass das in der Alterswohnung wohnhafte Opfer be-
tagt und somit gegenüber den beiden jungen Täterinnen wehrlos war. Die zu er-
wartende Beute war im Verhältnis zum Wert eines Lebens äusserst gering. Die
Tötung war auch unverhältnismässig, weil sie nicht erfolgte, um den Raub zu be-
gehen, sondern einzig um einer allfälligen Störung zuvor zu kommen. Die Skru-
pellosigkeit der Beschuldigten zeigt sich auch im Umstand, dass sie nach der Tat
an eine Party gingen, wo sie sich amüsierten, als wäre nichts geschehen
(vgl. etwa Urk. 6/2 S. 5, Urk. 6/4 S. 5). Diesen subjektiv erschwerenden Faktoren
steht allerdings der Eventualvorsatz gegenüber, d.h. die Tötung wurde zwar in
Kauf genommen, sie war aber nicht das Handlungsziel. Die eventualvorsätzlich
Handelnde will die Erfüllung des Tatbestands, aber nicht mit der gleichen Inten-
sität wie die Täterin, welche mit direktem Vorsatz handelt. Ausreichend für den
Eventualvorsatz ist freilich, wenn der Erfolgseintritt der Täterin gleichgültig oder
gar unerwünscht ist (Donatsch/Tag, Strafrecht I, 9. Auflage 2013, S. 120). Insge-
samt wird die Tatschwere durch die subjektiven Komponenten deshalb in nicht
unerheblichem Umfang gemildert.
Aufgrund der bereits vorgängig geschilderten Rollenteilung bzw. der führenden
Rolle der Beschuldigten A._, muss die Einsatzstrafe für die Beschuldigte
A._ deutlich höher liegen als jene für die Mitbeschuldigte B._. Auch der
sachverständige Gutachter vermittelte anlässlich der Hauptverhandlung vor Vo-
rinstanz das Bild einer Person, welche nicht den Lead in einer Gruppe übernimmt,
sondern eher anerkennungs- und anlehnungsbedürftig ist (Urk. 230 S. 9, vgl.
auch das psychiatrische Gutachten vom 30. Juni 2014, Urk. 64/8/4). Illustrativ ist
auch die Aussage von A._, welche von der Mitbeschuldigten B._ sagte:
"Manchmal hat sie mir zugestimmt, aber sich nicht getraut etwas zu sagen. Sie
- 43 -
hat es dann einfach rausgelassen, wenn sie Alkohol getrunken hatte; ich habe es
auch ohne Alkohol gesagt" (Urk. 223 S. 23).
Für die Beschuldigte A._ ist eine Einsatzstrafe für das Tatverschulden im Be-
reich von 13 Jahren angemessen, für die Beschuldigte B._ eine solche im
Bereich von 12 Jahren.
4. Tatschwere Raub
Der Strafrahmen für Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB liegt im Bereich von
180 Tagessätzen Geldstrafe bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe.
Die Vorinstanz hat die massgebenden Faktoren bei der Bewertung der Tatschwe-
re des Raubs aufgeführt (Urk. 280 S. 113 Erw. 4.2.). Die Beute im Wert von
ca. Fr. 5'000.– war nicht besonders hoch. A._ war die treibende Kraft hinter
dieser Tat, weil ihr die blosse Begehung von Diebstählen in Altersheimen bzw.-
wohnungen nicht mehr genügte und sie mehr Beute erzielen wollte. Sie beschaff-
te den Passepartout-Schlüssel, kannte die örtlichen Begebenheiten einschliess-
lich des Sicherheitspersonals, besorgte Handschuhe und Taschenlampen, gab
vor, schwarze Kleidung zu tragen, bewegte die Mitbeschuldigte B._ zur Teil-
nahme und übernahm schliesslich die Beute zur Versilberung. Sie hatte ihre Ver-
trauensstellung als Nachtwache in der Alterssiedlung aufs Übelste missbraucht.
Wer wehrlose betagte Leute in ihrer eigenen Wohnung zu Opfern eines Raub-
überfalls macht, zerstört ganze Leben. Die kriminelle Energie muss als hoch be-
zeichnet werden. Wäre das Opfer nicht gestorben bzw. müsste allein dieser Raub
beurteilt werden, wäre mit Sicherheit keine Strafe mehr im vollbedingten Bereich
angemessen gewesen. Die Tatschwere beim Raub ist als mittelschwer zu qualifi-
zieren und hat sich bei beiden Beschuldigten in einer deutlichen Straferhöhung
auszuwirken. Anders als bei der Beschuldigten B._ ist bei der Beschuldigten
A._ zusätzlich der Missbrauch der Vertrauensstellung straferhöhend zu be-
rücksichtigen. Die vorinstanzliche Asperation von einem Jahr bei der Beschuldig-
ten A._ bzw. von 9 Monaten bei der Beschuldigten B._ erweist sich vor
diesem Hintergrund als deutlich zu tief (Urk. 280 S. 115, )
- 44 -
5. Tatschwere gewerbsmässiger Diebstahl in Bezug auf die Beschuldigte A._
Für gewerbsmässigen Diebstahl ist gemäss Art. 139 Ziff. 2 StGB eine Strafe zwi-
schen Geldstrafe nicht unter 90 Tagen bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe auszu-
fällen. Die Beschuldigte A._ beging innert eines Zeitraums von 10 Monaten
insgesamt vier Diebstähle in Altersheimen. Die Beute von rund Fr. 2'200.– war re-
lativ gering, weshalb das objektive Tatverschulden noch leicht ist. Allerdings nütz-
te die Beschuldigte A._ auch hier ihre Vertrauensstellung als Angestellte in
Altersheimen aus und das Aussuchen von alten Leuten als Opfer ist in subjektiver
Hinsicht besonders verwerflich. Insofern handelte sie bereits bei den dem Mord
vorangegangenen Diebstählen betreffend Tatort und Opferauswahl nach dem
gleichen Muster wie in der Nacht vom 9. auf den 10. November 2013. Damit er-
scheint auch hinsichtlich des gewerbsmässigen Diebstahls nur eine Freiheits-
strafe als dem Verschulden der Beschuldigten A._ angemessene und damit
einzig zweckmässige Sanktion. In Bezug auf die Beschuldigte A._ ist die
aufgrund der eventualvorsätzlichen Tötung festgesetzte und wegen des Raubes
deutlich erhöhte Einsatzstrafe nochmals leicht zu erhöhen.
6. Gesamtstrafe
6.1. Grundsatz der Strafschärfung
Hat eine Täterin mehrere Strafen erwirkt, sind die einzelnen Strafen nicht einfach
zu addieren, sondern die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt ist unter Berück-
sichtigung der weiteren Delikte angemessen zu erhöhen (Art. 49 Abs. 1 StGB).
Das Ausmass dieser Strafschärfung unterliegt einem weiten richterlichen Ermes-
sen, es darf allerdings auch nicht sein, dass zusätzliche Delikte praktisch folgen-
los bleiben. Die gesamte Strafe muss letztlich den Unrechtsgehalt sämtlicher Ta-
ten widerspiegeln.
6.2. Beschuldigte A._
Ausgehend von einer Einsatzstrafe für die Beschuldigte A._ von 13 Jahren
für den Mord, einer deutlichen Straferhöhung für den Raub sowie einer leichten
- 45 -
Straferhöhung für den gewerbsmässigen Diebstahl, erscheint insgesamt eine
Freiheitsstrafe von 15 Jahren angemessen.
6.3. Beschuldigte B._
Bei der Beschuldigten B._ resultiert für den Mord und den Raub unter Be-
rücksichtigung des Strafschärfungsprinzips eine Strafe von 13 1⁄2 Jahren.
In Bezug auf das Fahren in fahrunfähigem Zustand aufgrund von Kokaineinfluss
ist nach neuerer Bundesgerichtsrechtsprechung eine separate Geldstrafe festzu-
setzen. Die Beschuldigte B._ fuhr von W._ nach H._ an den Tatort,
dann wieder zurück nach W._, später nach AJ._ und schliesslich wieder
zurück nach W._. Sie konsumierte sowohl vor der ersten Fahrt als auch in
AJ._. Die Strecken waren nicht kurz. Das Tatverschulden ist nicht mehr
leicht. Eine Einsatzstrafe von 70 Tagessätzen erscheint deshalb angemessen.
7. Täterkomponenten
7.1. Beschuldigte A._
7.1.1. Persönliche Verhältnisse und Vorleben
Nach eigenen Angaben habe die Beschuldigte A._ eine normale, glückliche
Kindheit und Jugendzeit verlebt (Urk. 223 S. 9). Die Schilderung der Vorinstanz
der persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten A._ stammt mehrheitlich
aus den Angaben der Beschuldigten A._ gegenüber dem psychiatrischen
Gutachter (Urk. 280 S. 120): Ihre Familie stamme aus AK._ [Staat in Südost-
europa]. Ihr Vater sei bereits als Kind in die Schweiz gekommen. Er habe keinen
Beruf erlernt und als Lagerist gearbeitet. Ihre Mutter sei Krankenschwester gewe-
sen, jetzt sei sie IV-Rentnerin. Sie habe einen Bruder, mit welchem sie sich gut
verstehe. Sie sei in ... aufgewachsen und habe dort den Kindergarten und die
Primarschule besucht. Danach habe sie die Realschule absolviert und das
10. Schuljahr in ... besucht. Mit 17 Jahren habe sie ein Praktikum in der Pflege im
Pflegezentrum AL._ absolviert, anschliessend habe sie ein halbes Jahr bei
ihren Grosseltern in AK._ verbracht. Im August 2003 habe sie die 3-jährige
Lehre als Fachfrau Gesundheit im Altersheim in AF._ angefangen. Da sie in
- 46 -
der Ausbildung schwanger geworden sei, habe sie ein Jahr wiederholt. Ihr Sohn
AM._ sei 2005 zur Welt gekommen, ihre Mutter habe die Pflegschaft für
AM._ übernommen. Im Jahr 2007 habe sie mit ihrem damaligen Ehemann in
... gewohnt und nicht gearbeitet. Dieser habe sie aber im Sommer 2008 ohne
Vorankündigung verlassen und mit Schulden zurückgelassen, woraufhin sie wie-
der zu ihren Eltern nach AH._ gezogen sei. Im Februar 2012 habe sie eine
Stelle in AN._ gefunden. Zunächst sei sie gependelt, während ihre Eltern
sich um AM._ gekümmert hätten. Ab August 2012 habe sie eine Wohnung in
AN._ gefunden, Anfang 2013 sei auch ihr Bruder zu ihr gezogen und sie hät-
ten zusammen mit ihrem Sohn dort gelebt. Im Juni 2012 habe sie einen Unfall
gehabt und sei lange krank geschrieben gewesen. Ab Januar 2013 habe sie in
H._ im Alterszentrum L._ eine neue Stelle gefunden. Sie habe auf ihren
Wunsch hin nur im Nachtdienst gearbeitet, so habe sie tagsüber Zeit für ihren
Sohn gehabt. Mitte 2012 habe sie über das Internet U._ kennengelernt. Ab
Frühjahr 2013 sei sie mehr oder weniger zu ihm gezogen. Sie hätten gemeinsam
eine grosse Wohnung gesucht, um mit U._s Töchtern aus einer früheren Be-
ziehung und mit ihrem Sohn zusammen zu wohnen. Sie hätten auch ein gemein-
sames Kind bekommen wollen. Im Juni 2013 habe sie eine Fehlgeburt erlitten und
sei daraufhin depressiv verstimmt gewesen. Im gleichen Monat habe sie sich ei-
nen Hund zugelegt. Ab Sommer 2013 habe sie zudem begonnen, Kokain zu kon-
sumieren. Sie habe zudem einen Kredit von Fr. 40'000.– aufgenommen, um sich
ein neues Auto zu kaufen, in die Ferien zu fahren und Rechnungen zu bezahlen.
Die Beschuldigte B._ habe sie im Oktober 2012 kennengelernt; sie sei die
Freundin des Bruders von U._ gewesen. B._ habe auch einen Hund
gehabt und der Kontakt sei zunächst über die Hunde zustande gekommen. Im
Sommer hätten sie fast jeden Abend grilliert (Urk. 63/11/4 S. 23 ff.; Urk. 63/4).
Gegen die Beschuldigte A._ liefen am 10. März 2014 22 Betreibungen
(Urk. 63/7). Am 16. Juli 2014 gebar die Beschuldigte einen Sohn, dessen Vater
U._ sei. An der Hauptverhandlung führte die Beschuldigte aus, im Gefängnis
gehe es ihr den Umständen entsprechend. Sie erhalte jede Woche Besuch von
ihrem kleinen Sohn und einmal im Monat von ihrem Vater. Ihr grösserer Sohn le-
be bei ihrer Mutter in AN._, der kleinere lebe im Kinderheim. U._ pflege
- 47 -
keinen Kontakt zu seinem Sohn. Die Beziehung zu ihm würde sie rückblickend als
Lüge bezeichnen. Bei der Geburt des gemeinsamen Sohnes AO._ sei er da-
bei gewesen; dann hätten sie sich zerstritten und seither keinen Kontakt mehr. Ihr
Leben würde sie als nicht speziell bezeichnen. Ihre früheren Aussagen, wonach
sie ein Opfer und das schwarze Schaf in der Familie sei, würden nicht stimmen
(act. 223 S. 2 ff.). Vor Berufungsgericht bestätigte sie die vor Bezirksgericht ge-
machten Ausführungen (Urk. 339 S. 2 ff.).
Das psychiatrische Gutachten über die Beschuldigte A._ spricht von auf-
fälligen Persönlichkeitszügen im Grenzbereich einer Persönlichkeitsstörung, die
aber nicht das Ausmass einer diagnostisch anerkannten Persönlichkeitsstörung
erreichten (Urk. 63/11/4 S. 52). Die Beschuldigte weise eine oberflächliche Affek-
tivität auf und im Bestreben nach Anerkennung und Aufmerksamkeit zeige sie ei-
ne deutliche Tendenz, sich in den Mittelpunkt zu stellen (Urk. 63/11/4 S. 51). Auch
ein manipulatives und lügenhaftes Verhalten sei erkennbar. Sie orientiere sich
mehr an den Bedürfnissen des Augenblicks als einer längerfristigen Perspektive.
Zudem weise sie trotz ihres Alters eine gewisse Unreife aus, insbesondere was
die Verantwortungsübernahme und Empathie betreffe (Urk. 63/11/4 S. 53). Sie
zeige eine hohe Bereitschaft, Normen und Pflichten zu missachten (Urk. 63/11/4
S. 52). Sie zeichne sich mehr durch eine rücksichtslose Haltung als durch eine
Gewaltbereitschaft aus (Urk. 63/11/4 S. 61). Das Risiko künftiger Gewalttaten sei
eher gering, jedoch bestehe eine gewisse Rückfallwahrscheinlichkeit für Eigen-
tumsdelikte (Urk. 63/11/4 S. 16). Im Übrigen empfahl der Gutachter aufgrund des
nicht unerheblichen Kokainkonsums der Beschuldigten eine Suchttherapie
(Urk. 63/11/4 S. 64).
Die persönlichen Verhältnisse von A._ wirken sich insgesamt auf die Straf-
zumessung neutral aus.
7.1.2. Vorstrafe
Die Vorstrafe von A._ aus dem Jahre 2011, eine Geldstrafe von einem
Tagessatz zu Fr. 60.– und eine Busse von Fr. 100.– wegen Nichtabgabe von
Ausweisen und/oder Kontrollschildern (Urk. 285), bleibt angesichts des vorliegend
auszusprechenden hohen Strafmasses ohne relevanten Einfluss.
- 48 -
7.1.3. Strafempfindlichkeit
Wie die Vorinstanz unter Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu-
treffend ausführte, rechtfertigt die mit Strafvollzug verbundene Trennung von Kin-
dern und Familie grundsätzlich keine Sonderbehandlung (Urk. 280 S. 122; Urteile
des Bundesgerichts vom 21. Oktober 2010, 6B_540/2010, Erw. 4.1.2 sowie vom
23. November 2009, 6B_470/2009, Erw. 2.5 mit Hinweisen). In Bezug auf den im
Jahr 2005 geborenen Sohn AM._ kann der Beschuldigten demnach keine
erhöhte Strafempfindlichkeit zugesprochen werden. Anders zu würdigen ist hin-
gegen die Situation in Bezug auf ihren im Jahr 2014 während der Inhaftierung ge-
borenen Sohn AO._. Wie die Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhand-
lung ausführte, wusste sie im Tatzeitpunkt noch nichts von ihrer Schwangerschaft
(Urk. 339 S. 5). Entsprechend konnte sie sich die mit dem Strafvollzug ver-
bundenen Konsequenzen in Bezug auf AO._ nicht vor Augen führen. Diese
Umstände sind zugunsten der Beschuldigten A._ leicht strafmindernd zu be-
rücksichtigen.
7.1.4. Nachtatverhalten
Ein widerrufenes Geständnis ist kein Geständnis. Zwar wird zu einem Geständnis
im Zusammenhang mit der Strafzumessung manchmal auch erwogen, dass es
die Untersuchung erleichtert habe. Dieser Aspekt darf im Allgemeinen aber nicht
überbewertet werden, schliesslich wird nach hiesigem Rechtsverständnis die
Strafbarkeit von Delikten primär mit dem Schutz von Opfern und der Gesellschaft
begründet und nicht mit dem (unnötigen) Aufwand für die Justiz. Die Erleichterung
der Untersuchung vermag bei der Strafzumessung vorwiegend bei umfangreichen
Untersuchungen wegen Vermögensdelikten eine Rolle spielen, weniger aber bei
Delikten gegen Leib und Leben. Etwas anderes ist die Frage, ob gar keine Mög-
lichkeit bestanden hätte, das Delikt nachzuweisen, weil das Geständnis das einzi-
ge Beweismittel darstellte. Davon kann vorliegend keine Rede sein. Die Beschul-
digte A._ wird auch belastet durch die Aussagen der Beschuldigten B._,
die geschilderte SMS-Nachricht, durch den nachgewiesenen Kauf des Salmiak-
geistes, durch ihre Beziehung zu U._, bei welchem die gestohlene Bankkarte
- 49 -
sichergestellt wurde oder allein durch ihre berufliche Tätigkeit als Nachtwache in
der Alterssiedlung.
Hauptgrund für die strafmindernde Auswirkung eines Geständnisses ist die Ein-
sicht des Täters, seine Bereitschaft zur Tat zu stehen und damit – auch gegen-
über dem Opfer und den Hinterbliebenen – eine Art Reue zu zeigen. Ein Ge-
ständnis kann auch der erste Schritt zur Besserung und somit der Resozial-
isierung bedeuten. Deshalb zeugt ein Widerruf eines Geständnisses bei einer
derart erdrückenden Beweislage wie vorliegend umgekehrt sogar von einer be-
sonderen Unverfrorenheit, von mangelnder Einsicht und von einer Einstellung,
welche egoistische Motive über jegliche moralische und gesetzliche Normen stellt.
Der Widerruf wirkt sich deshalb zwar nicht straferhöhend aus, weil eine beschul-
digte Person auch nicht verpflichtet ist, sich selbst zu belasten. Das temporäre
Geständnis kann umgekehrt aber auch entgegen der Auffassung der Vorinstanz
nicht strafmindernd in Anschlag gebracht werden, zumal das Strafverfahren nach
widerrufenem Geständnis durch dieses auch nicht mehr erleichtert wurde.
7.1.5. Fazit
Die Täterkomponenten bei der Beschuldigten A._ wirken sich deshalb neut-
ral auf das Tatverschulden aus, weshalb es bei eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren
bleibt.
Anzurechnen ist der Freiheitsentzug seit dem 11. November 2013 von inzwischen
1123 Tagen (Art. 51 StGB).
7.2. Beschuldigte B._
7.2.1. Persönliche Verhältnisse und Vorleben
Zu den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten B._ können die ent-
sprechenden Ausführungen der Vorinstanz wiederholt werden (Urk. 280 S. 124).
B._ führte aus, ihre Eltern seien nie verheiratet gewesen, ihren Vater habe
sie nicht wirklich gekannt. Sie habe keine leiblichen Geschwister, sie sei Einzel-
kind. Sie würde ihre Kindheit und Jugend als kompliziert bezeichnen. Ihre Mutter
habe sie geschlagen und ihre Aggressionen an ihr ausgelassen. Sie sei im Inter-
- 50 -
nat aufgewachsen. Bis sie ca. 13 Jahre alt gewesen sei, sei sie bei der Mutter
aufgewachsen, dann sei sie ins Heim für Schwererziehbare "AP._" gekom-
men. Zwischenzeitlich sei sie auch bei Pflegefamilien gewesen. Sie sei oft umge-
zogen, mit ihrem ersten Partner sei sie im Alter von 16 Jahren zusammen gezo-
gen. Zuletzt sei sie im Dezember 2012 zu U._ gezogen. Den Kindergarten
und die 1. bis 3. Primarschulklasse habe sie in ... SG besucht, wobei sie die erste
Klasse habe wiederholen müssen. Dann seien sie nach
... BL gezogen, wo sie die 4. und 5. Klasse besucht habe, die 6. Klasse habe sie
in ... TG besucht. Danach sei sie ein halbes Jahr in ... GR in die 1. Oberstufe ge-
gangen, bevor sie ins Internat in ... gekommen sei. In ... SO habe sie das 9.
Schuljahr beendet. Sie habe dann die Lehre als Detailhandelsfachfrau begonnen,
jedoch nach neun Monaten abgebrochen, da ihr Lehrmeister schwerer Alkoholiker
gewesen sei. Im Jahr 2009 habe sie eine Weiterbildung zur Nagelkosmetikerin
angefangen, jedoch nicht beendet, da sie durch Krankheit eingeschränkt gewesen
sei. Dann habe sie im Service gearbeitet, wobei sie teilweise gemobbt und aus-
genützt worden sei. Für kurze Zeit habe sie auch im Escort-Service gearbeitet.
Seit August 2013 habe sie beim Kiosk gearbeitet. Im Jahr 2011 habe bei ihr ein
Unterleibstumor entfernt werden müssen. Am 16. Januar 2014 habe sie eine
Fehlgeburt erlitten. Sie habe keinen Bekanntenkreis, nur zwei Kolleginnen, eine
davon sei die Beschuldigte A._. Sie habe private Schulden in der Höhe von
Fr. 6'000.– bis Fr. 7'000.–. Die Beschuldigte A._ sei eine sehr gute Kollegin
von ihr, sie (die Beschuldigte B._) habe ihr gestanden, dass sie sich in sie
verliebt habe (Urk. 64/3; Urk. 64/8/4 S. 19 ff.). Am 24. März 2014 lagen gegen die
Beschuldigte zwei Betreibungen vor (Urk. 64/5). Anlässlich der Hauptverhandlung
führte die Beschuldigte ergänzend aus, im Gefängnis habe sie eine Therapie
angefangen, welche ihr gut tue. Sie habe eine Persönlichkeitsstörung, welche vor
allem auf ihre Familiensituation und die sexuellen Übergriffe in ihrer Kindheit
zurückzuführen sei. Weiter gehe es darum, den Vorfall in H._, welcher sie
sehr belaste, zu verarbeiten. (Urk. 224 S. 2 ff.). Vor Berufungsgericht bestätigte
sie die vor Bezirksgericht gemachten Ausführungen (Urk. 339 S. 15 ff.). Insbe-
sondere betonte sie, sich nach wie vor im Rahmen einer Therapie intensiv mit ih-
rer Vergangenheit sowie mit der Tat auseinanderzusetzen (Urk. 339 S. 15 f.).
- 51 -
Dass die Beschuldigte eine schwere Kindheit hatte, steht nach Durchsicht ihrer
Biographie ausser Frage und wird auch durch den psychiatrischen Gutachter
bestätigt (act. 64/8/4 S. 36 ff.). Sie musste immer wieder umziehen, gehörte
nie irgendwo dazu und konnte nie Freundschaften oder dauerhafte Kontakte
schliessen. Schliesslich fand sie in der Beschuldigten A._ eine verlässliche
Freundin, der sie vertraute, der sie aber gemäss Gutachten nicht hörig war. Ge-
mäss Gutachter war die Beschuldigte B._ auch nicht submissiv, so dass sie
unterwürfig alles gemacht hätte, was die Beschuldigte A._ ihr gesagt hätte
oder dass sie alle Befehle blind ausgeführt hätte. In Bezug auf die Beschuldigte
A._ habe eine Mischung zwischen Sympathie, Freundschaft und einer mode-
raten Verliebtheit bestanden (Urk. 230 S. 9). Die Beschuldigte B._ muss auf-
grund ihrer Persönlichkeit als leicht beeinflussbar bezeichnet werden. Der schwie-
rigen Kindheit und Jugend der Beschuldigten B._ ist mit einer ganz leichten
Strafminderung Rechnung zu tragen.
7.2.2. Vorstrafe
Die Beschuldigte B._ weist eine Vorstrafe vom 16. Januar 2013 wegen fahr-
lässiger Verletzung der Verkehrsregeln und Fahren in fahrunfähigem Zustand auf
(Urk. 286). Die Beschuldigte wurde mit einer bedingten Geldstrafe von
15 Tagessätzen zu Fr. 30.–, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren, sowie
mit einer Busse von Fr. 1'000.– bestraft. Diese Vorstrafe ist einschlägig in Bezug
auf das von der Beschuldigten begangene Verkehrsdelikt, welches sie zudem
während laufender Probezeit beging, und muss sich bezüglich der erneuten Ver-
kehrsregelverletzung leicht straferhöhend auswirken. Im Zusammenhang mit dem
Mord und dem Raub verbleibt die Vorstrafe allerdings ohne relevanten Einfluss
auf die Höhe der Freiheitsstrafe.
7.2.3. Strafempfindlichkeit
Eine erhöhte Strafempfindlichkeit besteht bei der Beschuldigten B._ sodann
entgegen den Ausführungen ihres Verteidigers und im Einklang mit der oben be-
reits geschilderten Rechtsprechung nicht (Urk. 241 S. 20).
7.2.4. Nachtatverhalten
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Die Beschuldigte B._ ist geständig. Dieses Geständnis erfolgte zwar nicht zu
Beginn der Untersuchung, aber in einem frühen Stadium, nach Vorhalt des Ge-
ständnisses von A._ (Urk. 4/2 S. 10). Wenngleich die Beschuldigte B._
nach wie vor geltend macht, sie habe den Tod der Geschädigten nicht gewollt und
sei von den Folgen ihrer Tat überrascht gewesen, so zeigte sie doch während der
gesamten weiteren Untersuchung Einsicht und Reue. Die Vorinstanz konzedierte
der Beschuldigten B._ eine Strafreduktion aufgrund des Geständnisses um
einen Viertel (Urk. 280 S. 127). Die Staatsanwaltschaft rügt, dass eine solche
Strafreduktion vorliegend nicht angemessen ist (Urk. 289 S. 2, Urk. 340 S. 11).
Gemäss Bundesgerichtspraxis kann eine Reduktion im Maximalumfang nur bei
besonderen Verhältnissen zugebilligt werden, beispielsweise wenn die Tat ohne
Geständnis gar nie aufgedeckt worden wäre und wenn das Geständnis vollum-
fänglich und ganz zu Beginn der Untersuchung erfolgte, d.h. in Bezug auf den ob-
jektiven wie auch den subjektiven Tatbestand. Vorliegend kann der Beschuldigten
B._ lediglich eine Strafreduktion im Umfang von ca. einem Fünftel zugebilligt
werden. Dies erscheint auch im Lichte der Mindeststrafe von 10 Jahren für den
Mord angemessen, zumal noch ein Raub hinzukommt.
7.2.5. Fazit
Die Beschuldigte B._ ist deshalb mit einer Freiheitsstrafe von 10 1⁄2 Jahren
und einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu bestrafen. Aufgrund ihrer finanziellen
Verhältnisse bzw. dem Umstand, dass sie während des Vollzugs der mehr-
jährigen Freiheitsstrafe abgesehen vom Peculium kein Erwerbseinkommen
wird erzielen können, ist der Tagessatz auf Fr. 20.– anzusetzen. Die Geldstrafe ist
bedingt auszusprechen. Angesichts der einschlägigen Delinquenz während der
Probezeit ist aber die Probezeit auf 3 Jahre festzusetzen. Anzurechnen ist der
Freiheitsentzug seit dem 28. November 2013 von inzwischen 1106 Tagen (Art. 51
StGB).
VII. Zivilforderungen
Die Schadenersatzbegehren der sich als Privatklägerinnen konstituierten Ge-
schädigten C._ und E._ wegen des Diebstahls durch die Beschuldigte
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A._ sind im Sinne der Erwägungen der Vorinstanz gutzuheissen (Urk. 280 S.
130 ff.). Der Verteidiger hat zu diesen Forderungen auch eventualiter keine sub-
stantiierten Einwendungen erhoben (Prot. II S. 10 f.). Die Schadenersatzforderung
der Geschädigten C._ von Fr. 100.-- entspricht dem Deliktsbetrag (Urk. 2/2
und Urk. 67 S. 7). Die Schadenersatzforderung der Geschädigten E._ um-
fasst das entwendete Bargeld von Fr. 150.-- sowie die Uhr, für welche A._
nach eigenen Angaben einen Erlös von Fr. 1'500.-- erzielte (Urk. 2/2 und Urk. 3/4
S. 11). Soweit das Schadenersatzbegehren durch die Vorinstanz teilweise abge-
wiesen bzw. den Zivilweg verwiesen wurde, kann wegen dem Verschlechterungs-
verbot im Rechtsmittelverfahren nicht anders entschieden werden.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Kosten des Berufungsverfahrens entfallen zu zwei Dritteln auf das Ver-
fahren gegen die Beschuldigte A._ und zu einem Drittel auf das Verfahren
gegen die Beschuldigte B._. Dies ist nachfolgend bereits berücksichtigt, in-
dem sich die genannten Bruchteile auf die gesamten Kosten des Berufungsver-
fahrens beziehen.
2. Die Beschuldigte A._ unterliegt mit ihrem Antrag in der Berufung auf ei-
nen Freispruch vollumfänglich. Die Staatsanwaltschaft obsiegt mit ihrem Beru-
fungsantrag hinsichtlich des Strafmasses teilweise und unterliegt hinsichtlich der
rechtlichen Qualifikation des Raubes. Die Beschuldigte A._ hat deshalb die
Hälfte der gesamten Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten
der amtlichen Verteidigung, zu tragen. Der restliche auf das gegen die Beschul-
digte A._ geführte Verfahren entfallende Kostenanteil von einem Sechstel
der gesamten Kosten des Berufungsverfahrens entfällt auf die Staatsanwaltschaft
und ist somit auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Vertei-
digung von A._ sind zu einem Viertel definitiv und zu drei Vierteln einstweilen
auf die Gerichtskasse zu nehmen. Im Umfang von drei Vierteln bleibt eine Nach-
forderung bei der Beschuldigten A._ im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO vor-
behalten.
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Die Beschuldigte B._ obsiegt mit ihrem Antrag auf Bestätigung des vor-
instanzlichen Urteils ganz grossmehrheitlich. Die zusätzlich ausgesprochene
Geldstrafe ist im Gesamtkontext vernachlässigbar und hat sich deshalb nicht auf
die Kostenverlegung auszuwirken. Es rechtfertigt sich deshalb, in Bezug auf das
gegen die Beschuldigte B._ geführte Strafverfahren sämtliche Kosten des
Berufungsverfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung, auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
Mithin ist die Hälfte der gesamten Kosten des Berufungsverfahrens auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
Die vorinstanzliche Kostenauflage ist gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO zu bestä-
tigen.