Decision ID: 379beebf-29f1-52eb-8d76-7f7aec19edfa
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1982, ist seit
1.
Januar 2010 bei der
Y._
als kaufmännische Angestellte tätig (
Urk.
10/10). Am
2.
März 2015 meldete sie sich wegen psychischen Problemen und Drogensucht bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
10/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und teilte der Versicherte
n
am 1
2.
November 2015 mit, dass keine beruflichen Massnahmen möglich seien (
Urk.
10/17). Sodann auferlegte sie der Versicherten mit Schreiben vom
1.
Juni 2016 eine Schadenminderungspflicht (regelmässige psychiatrische-psychotherapeutische Behandlung und mindestens sechs Monate Cannabisabsti
nenz mit Laborkontrolle;
Urk.
10/21).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/45;
Urk.
10/50) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
8.
Januar 2018 einen Leistungsanspruch der Versicherten (
Urk.
10/56 =
Urk.
2).
2.
Am 2
1.
Februar 2018 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
8.
Januar 2018 und beantragte deren Aufhebung und die
Zusprache
der gesetz
lichen Leistungen, namentlich einer ganzen Rente und Integrationsmassnahmen. Eventualiter seien ein psychiatrisches Gutachten einzuholen und Zeugen zu be
fragen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
März 2018 (
Urk.
9) bean
tragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Mit Replik vom 1
3.
September 2018 (
Urk.
16) hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (
Urk.
19), was der Beschwerdeführerin mit Gerichtsverfügung vom
1.
November 2018 mitgeteilt wurde. Gleichzeitig wurde ihr Antrag auf Gewährung
der unent
geltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung
mangels Bedürftigkeit
abgewie
sen (
Urk.
20). Am
6.
Dezember 2018 wurde der Beschwerdeführerin eine Kopie des beigezogenen Auszugs aus dem individuellen Konto (IK-Auszug;
Urk.
23/1-2) zugestellt (
Urk.
24).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Die Beschwerdeführerin habe die Schadenminderungspflicht nicht erfüllt. Die
Konsultationen beim Psychiater fänden mindestens einmal im Monat statt, genauere Angaben lägen nicht vor. Bei monatlichen Sitzungen könne nicht von einem hohen Leidensdruck ausgegangen werden. Eine Totalabstinenz von Can
nab
i
s werde nicht eingehalten, es werde weiterhin ein- bis zweimal monatlich konsumiert.
Zwar beeinflusse ein solch geringer Konsum die Arbeitsfähigkeit nur in geringem Mass oder gar nicht. Das Nichterfüllen der Auflage sei jedoch nicht der Hauptgrund für die Leistungsablehnung.
Weiter werde die angegebene Abs
tinenz von Opioiden, welche seit Juni 2016 bestehen solle, nicht mit entsprechen
den Laborwerten belegt. Die Diagnose einer komplexen
Traumafolgestörung
könne nicht nachvollzogen werden, da die entsprechenden Kriterien nicht erfüllt seien
.
Es bestehe keine lang anhaltende, sprich dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Aktenlage erlaube eine Beurteilung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD). Weiter würden Integrationsmassnahmen Sinn machen, wenn eine gewisse Arbeitsfähigkeit oder Belastbarkeit bestehe. Gemäss dem be
handelnden Arzt bestehe aktuell eine zu geringe Belastbarkeit für berufliche Mas
snahmen, die familiären Pflichten stünden im Vordergrund. Zudem müsse eine IV-relevante gesundheitliche Beeinträchtigung bestehen, um Anspruch auf IV-Leistungen zu begründen. Weiter habe sich die einfache A
ktivitä
ts- und Auf
merksamkeitsstörung medikamentös v
erbessert und es bestünden erhebliche Res
sourcen (S. 2-3).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend (
Urk.
1), es genüge, dass die Wartefrist erfüllt sei. Für die
Zusprache
einer Rente sei ein Dauerleiden kein zusätzliches Erfordernis und es sei auch für ein therapierbares Leiden eine Rente geschuldet (S. 6).
Sie sei auch heute auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig, auch wenn die Behandlung schöne Erfolge gezeitigt habe. Eine IV-relevante Er
krankung liege vor (S.
7). Eine Diagnose sei erfüllt und eine relevante Beeinträch
tigung sei gegeben. Eine
Indikatorenprüfung
sei bislang nicht vorgenommen worden, ergebe jedoch eine erhebliche Belastung und eine krankheitsbedingte dauerhafte volle Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 10 ff.).
Weiter erziele sie in ihrer Anstellung bei der Firma ihres Vaters, der
Y._
, einen Soziallohn
im Sinne einer Überbrückungszahlung. Für die
Z._
habe sie auf Abruf als Handlangerin gearbeitet. Ein schriftlicher Arbeitsvertrag existiere nicht und sie habe nie ein Vollpensum verrichtet. Es sei wegen Differenzen zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gekommen. Sie sei nun wieder ohne Beschäftigung (
Urk.
16 S. 2 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen sind die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Dr.
med. A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, stellte mit Be
richt
vom 1
9.
April 2015
(
Urk.
10/13) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Störung des Sozialverhaltens (ICD-10 F91)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F19.2)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum
anderer psychotroper Substanzen: Sonstige psychische und Verhaltensstörungen (ICD-10 F19.8)
Zur Anamnese hielt
Dr.
A._
fest, die Beschwerdeführerin sei Mutter eines 7-jährigen Sohnes und gelernte Masseurin. Der Kindsvater leide an einer parano
iden Schizophrenie. Die Beschwerdeführerin wohne bei ihrem Vater und sei aus Kulanz in dessen Treuhandbetrieb beschäftigt, wo sie bis November 2012 unre
gelmässig gearbeitet habe. Der Lebensunterhalt werde vom Vater finanziert. Ein Haschischkonsum sei bereits seit Ende der Sekundarschule vorhanden. Die Sucht
problematik habe nach einem traumatischen Ereignis, bei dem der ehemalige Le
benspartner mit dem Sturmgewehr auf sie losgegangen und geschossen worden sei, ihren dramatischen Lauf genommen. Die Beschwerdeführerin sei in den letz
ten Jahren wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt gekommen bei Handel und Konsum von Betäubungsmitteln (
Ziff.
1.4).
Zur Prognose hielt
Dr.
A._
fest, bei suchtbedingter
Malcompliance
finde keine Behandlung statt. Eine regelmässige psychiatrische Behandlung sei wün
schenswert und sei in der Vergangenheit mehrmals im Jahr 2013 und 2014 in der
B._
abgebrochen worden. Aktuell sei die Behandlung bei
Dr.
C._
aufgenommen worden (
Ziff.
1.4).
Die Beschwerdeführerin sei
seit 3
0.
November 2012
aufgrund der Suchtproble
matik und dem regelmässigen Gebrauch von Betäubungsmitteln bis 1
1.
Februar 2015 zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6).
3.2
Dr.
med.
C._
, Oberarzt an der
D._,
stellte mit Bericht vom
8.
April 2016 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff
1.1):
-
komplexe
Traumafolgestörung
(ICD-10 F62.88)
-
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
Ein ebenfalls bestehendes Abhängigkeitssyndrom von Opioiden (ICD-10 F11.22), aktuell Substitution, habe keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Zum Befund hielt
Dr.
C._
fest, die Beschwerdeführerin sei bewusstseinsklar, vollständig orientiert. Das Gedächtnis sei gut, die Aufmerksamkeit unter
Concerta
verbessert. Das Denken sei geordnet, die Intelligenz gut. Die Stimmung sei
ge
genüber dem Behandlungsbeginn deutlich verbessert und ausgeglichener, die Be
schwerdeführerin habe grosse Freude an Sport (
Ziff.
1.4).
Bei Behandlungsbeginn
im März 2015
habe er eine tief verunsicherte, gestresste und schwer depressive Patientin getroffen. Die Substitution der Heroinabhängig
keit habe zu einer ersten Beruhigung geführt. Kurz nach Behandlungsbeginn
habe sie eine eigene Wohnung beziehen können, was ihre direkte Abhängigkeit vom Vater reduziert habe
. F
inanziell sei sie weiterhin ganz auf ihn angewiesen, wei
l sie nicht aufs Sozialamt dürfe
. Seither sei ihre Hauptaufgabe, für sich und ihren Sohn den Haushalt zu führen. Die Behandlung mit
Concerta
sei nochmals positiv gewesen. Insgesamt habe die Beschwerdeführerin seit Behandlungsbeginn grosse Fortschritte gemacht und habe die Depression überwunden. Ausser etwas Canna
bis zur Entspannung konsumiere sie
keine Drogen mehr (
Ziff.
1.5).
Die Beschwerdeführerin sei
seit etwa 2013
nicht mehr in der Lage einer Erwerbs
tätigkeit als medizinische Masseurin oder Bürohilfe nachzugehen (
Ziff.
1.6). Das Hauptproblem seien die reduzierte Belastbarkeit und die Beziehungsprobleme. Bis auf weiteres könne der Beschwerdeführerin keine Erwerbstätigkeit zugemutet werden (
Ziff.
1.7). Der Zeitpunkt der Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit sei unklar (
Ziff.
1.8).
3.3
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD
, hielt am 2
4.
Mai 20
1
6 (
Urk.
10/44/3 f.) fest, mit der traumatischen Auflösung der Be
ziehung zum Kindsvater könne die Diagnose einer komplexen
Traumafolgestö
rung
nicht begründet werden. Die Diagnose einer andauernden Persönlichkeits
änderung nach Extrembelastung benötige ein andauerndes
Ausgesetztsein
in le
bensbedrohlichen Situationen, etwa als Opfer von Terrorismus, andauernde Ge
fangenschaft mit unmittelbarer Todesgefahr, Folter, Katastrophen, Konzentrati
onslagererfahrung. Die entsprechenden Befunde
seien im psychopathologischen Befund nicht festgehalten,
ebensowenig
wie die Symptome einer posttraumati
schen Belastungsstörung. Worauf die Diagnose ICD-10 F62.88 (sonstige andau
ernde Persönlichkeitsänderung) gründe,
sei nicht nachvollziehbar. Die einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung habe sich unter
Concerta
offenbar ver
bessert und könne nicht Grund für die Arbeitsunfähigkeit sein, da die Beschwer
deführerin damit früher habe einer Tätigkeit nachgehen können. Es sei anzuneh
men, dass die Suchtproblematik Auslöser einer Arbeitsunfähigkeit gewesen sei. Warum aktuell trotz Abstinenz keine Arbeitsfähigkeit gegeben sei, sei nicht nach
vollziehbar. Unklar sei auch d
er Einfluss des Cannabiskonsums.
3.4
Mit Verlaufsbericht vom
3.
August 2017 (
Urk.
10/38) wiederholte
Dr.
C._
die bereits gestellten Diagnosen (vgl. vorstehend E. 3.2), erachtete nun jedoch auch die Diagnose eines A
bhängigkeitssyndroms von Opioid
en, Status nach Narkose
entzug im Juni 2016, seither abstinent (ICD-10 F11.20)
,
als sich auf die Arbeits
fähigkeit auswirkend (
Ziff.
1.2). Der Gesundheitszustand sei verbessert (
Ziff.
1.1).
Psychisch und physisc
h sei die Patientin jetzt seit L
ängerem in verhältnismässig guter Verfassung, sicher viel besser als zu Behandlungsbeginn. Es bestünden aber weiterhin emotionale Instabilität, Impulsivität und vor allem interpersonelle Probleme, hauptsächlich mit dem Vater und der Mutter, weniger mit Freunden und Bekannten. Unklar sei, ob sie nachhaltig an einem Arbeitsplatz funktionieren könnte, ob Zuverlässigkeit, Ausdauer, Belastbarkeit und Konfliktfähigkeit genüg
ten. Wahrscheinlich sei die Leistung der Patientin sehr abhängig von der Arbeits
atmosphäre. Es bestehe ein sozial verträglicher Konsum von Cannabis ein bis zweimal pro Monat und ein sozialer Konsum von Alkohol, aber keine Abhängig
keit und kein schädlicher Konsum (
Ziff.
1.3).
Hinsichtlich des Ressourcenprofils für berufliche Tätigkeiten
hielt
Dr.
C._
fest, die Patientin kümmere sich hauptsächlich um ihren Sohn, sei Hausfrau, dazu helfe sie Freunden und Bekannten und kümmere sich um Arbeitsversuche, die mit ihren familiären Pflichten kompatibel seien. Eine nachhaltig verwertbare Ar
beitsfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt bestehe
zur Zeit
wahrscheinlich nicht. Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sei unklar (
Ziff.
2.1).
Die Behandlung erfolge mittels integrierter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung mit Konsultationen mindestens einmal im Monat. Im Juni 2016 habe die Patientin einen Opioid-Narkoseentzug im Spital gemacht und sei seither ohne Substitution. Am
4.
August 2016 seien alle Tests negativ gewesen. Nun lebe sie zusammen mit ihrem Sohn und ihrer Mutter im Haus, das ihrem Vater gehöre, was ihre Abhängigkeit wieder erhöht habe. Positiv sei, dass sie im August 2016 die
Fahrprüfung bestanden habe. Sieben Wochen lang habe sie einen Bekannten herumchauffiert und ihm als Hilfskraft auf dem Bau gedient. Bei einem Landwirt helfe sie immer wieder im Gartenbau, und vor Kurzem habe sie sich bei einem Dorfladen als Verkäuferin beworben (
Ziff.
3.1).
Die Prognose sei unklar.
Zur Zeit
sei die Beschwerdeführerin vor allem als Haus
frau und Mutter beschäftigt, so dass die Ressourcen für eine berufliche Rehabili
tation beschränkt seien. Es sei auch unklar, wie stark die komplexe
Traumafolge
störung
zu interpersonellen Problemen führe, die ein Arbeiten in einem Team erschweren oder verunmöglichen könnten (
Ziff.
3.3).
Zur Zeit
bestehe noch zu wenig Belastbarkeit für berufliche Massnahmen (
Ziff.
4.2). Bei gutem Verlauf in den nächsten Monaten sei gut vorstellbar, dass berufliche Massnahmen Sinn ma
chen. Hier würde sich auch zeigen, ob eine berufliche Rehabilitation möglich sei oder die psychischen Störungen dies verunmöglichten (
Ziff.
4.4).
3.5
Dazu hielt
Dr.
E._
am
4.
August 2017 (
Urk.
10/44/6) fest, es lägen keine Labor
resultate von Drogentests vor. Die Beschwerdeführerin konsumiere weiterhin ein- bis zweimal pro Monat. In diesem Sinne könne nicht bestätigt werden, dass die Schadenminderungspflicht erfüllt worden sei. Allerdings wäre ein Cannabiskon
sum im genannten Ausmass ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Die psychi
sche und physische Verfassung werde als sicher viel besser beschrieben. Weiter
hin bestünden interpersonelle Probleme, allerdings hauptsächlich mit den Eltern. Es könne nicht nachvollzogen werden, warum keine verwertbare Arbeitsfähigkeit bestehe. Aktuell sei kein langanhaltender Gesundheitsschaden ausgewiesen.
4.
4.1
Dr.
A._
stellte in seinem Bericht vom 1
9.
April 2015 (vorstehend E. 3.1) verschiedene psychiatrische Diagnosen und ging aufgrund der Suchtproblematik von einer vollen Arbeitsunfähigkeit
vom
3
0.
November 2012 bis 1
1.
Februar 2015 aus. Nebst dem Umstand, dass echtzeitliche Angaben über eine Arbeitsun
fähigkeit ab November 2012 fehlen und
Dr.
A._
keine Angaben zur Ar
beitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit machte, kann auch aufgrund der Qualifikation von
Dr.
A._
als Facharzt für Allgemeine Innere Medizin nicht von verlässlichen Angaben ausgegangen werden. Denn f
ür die ver
lässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte bei
zuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des
Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundes
gerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4).
Auf den Bericht von
Dr.
A._
kann somit nicht abgestellt werden.
4
.2
Mit
Dr.
C._
ist zwar ein Facharzt für Psychiatrie beteiligt, dessen Berichten jedoch, wie nachfolgend zu zeigen ist, ebenfalls nicht genügender Beweiswert zugemessen werden kann. So ist, wie
Dr.
E._
feststellte, fraglich, ob die von
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.2)
beschriebenen Symptome (bewusstseinsklar, voll
ständig orientiert, gutes Gedächtnis, geordnetes Denken, gute Intelligenz und ver
besserte Stimmung, Ausgeglichenheit und Freude am Sport) mit der Diagnose einer komplexen
Traumafolgestörung
zu vereinbaren sind. Die von
Dr.
C._
verwendete Codierung (ICD-10 F62.88) beschreibt zudem eine
"
sonstig
e
andau
ernde Persönlichkeitsänderung
"
, wobei als Beispiel Erlebnisse wie die Persönlich
keit bei chronischem Schmerzsyndrom und andauernde Persönlichkeitsänderung nach einem Trauerfall genannt werden (
Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), 1
0.
Auflage, S.
289).
Über das genannte auslö
sende Ereignis liegen keine weiteren Akten wie beispielsweise Strafakten oder Akten der Opferhilfe vor.
Ungeklärt blieb auch, weshalb
Dr.
C._
das Abhän
gigkeitssyndrom zunächst als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beur
teilte (vorstehend E. 3.2), nach erfolgten Entzug und bei Abstinenz jedoch Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit zumass (vorstehend E. 3.4). Insbesondere aber enthalten die Berichte von
Dr.
C._
keine genauen Angaben zur Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin. So erachtete er die Tätigkeit als Bürohilfe seit etwa 2013 nicht mehr für zumutbar (vorstehend E. 3.2), was
jedoch
im Widerspruch steht zum Umstand, dass sie gemäss Arbeitgeberbericht seit 2010 in ungekündig
ter Anstellung als kaufmännische Angestellte tätig ist (vgl.
Urk.
10/10
Ziff.
2.1, Ziff.2.7) und entgegen den Angaben im Arbeitgeberbericht (
Urk.
10/10
Ziff.
2.8) gemäss IK-Auszug (
Urk.
23/1) seit 2012 weiterhin in dieser Anstellung ein Ein
kommen erzielte.
Dass ihr bis auf weiteres keine Erwerbstätigkeit zugemutet wer
den könnte, entspricht somit nicht den Tatsachen. Unklar ist jedoch das Ausmass der Arbeitsfähigkeit. Dies hielt
Dr.
C._
denn in seinem Verlaufsbericht (vor
stehend E. 3.4) ausdrücklich so fest. Wenngleich die Fähigkeiten der Beschwer
deführerin mit dem erreichten Entzug, den Arbeitstätigkeiten, dem Erlangen des Fahrausweises und den Aufgaben als Mutter auf erhebliche Ressourcen schliessen lassen, stellt sich doch die Frage nach einem anspruchsrelevanten Gesundheits
schaden. Diese kann erst verlässlich beantwortet werden, wenn eine nachvoll
ziehbare fachärztliche Beurteilung vorliegt. Die Angaben von
Dr.
E._
sind dies
bezüglich zu
wenig genau, zumal es sich dabei nicht um Arztberichte im Rechts
sinne handelt (vgl. vorstehend E. 1.3).
Weitere Akten, wie beispielsweise die Be
richte über die Behandlungen in der
B._
in den Jahren 2013 und 2014 und Be
richte im Zusammenhang mit der Taggeldversicherung (vgl.
Urk.
10/28) sind nicht vorhanden.
Bei fehlenden Angaben zur Arbeitsfähigkeit kann auch keine Prüfung der Stan
dardindikatoren (
BGE 141 V 281 E. 4.3.1)
vorgenommen werden. Dies ist nach
zuholen, wenn fachärztlich eine Einschränkung festgestellt werden sollte.
Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherun
gsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.2
Vorliegend wurde der Sachverhalt nicht genügend abgeklärt. Es ist deshalb an
gezeigt, die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin psychiat
risch abkläre und hernach erneut über einen allfälligen Leistungsanspruch ent
scheide. Dabei wird auch abzuklären sein, ob es sich beim bei der
Y._
erzielten Lohn um Soziallohn handelt.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
sind auf Fr. 6
00.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
,
die
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
)
und beim praxisgemässen Stundenan
satz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2'500.-- (inklusive Baraus
lagen und
MwSt
) festzusetzen
ist.