Decision ID: 42c3b620-891a-43ca-990f-99b6e54b59b9
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1964 geborene
X._
absolvierte eine Lehre als Radio- und
Fern
sehelektroniker
und bildete sich im Nachdiplomstudium an der
Techniker
schule
zum Informatiker
weiter
(
Urk.
6/23/2).
V
or
knapp
20 Jahren
eröffnete er eine
Unternehmung
(
Netzwerkinformatik
)
und war anfangs nebenbe
ruflich
, seit 15 Jah
ren voll
zeitlich
selbständig erwerbstätig (
Urk.
6/23/2).
Am
7.
Juni 2013 meldete er sich unter Hinweis auf eine seit Oktober 2012 bestehende mittel
gra
dige de
pressive Episode mit somatischem Syndrom bei der
Invalidenver
siche
rung
zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/5).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zog die Akten des
Krankentaggeldversiche
rers
bei (
Urk.
6/9,
Urk.
6/12,
Urk
6/22) und holte einen Auszug aus dem indivi
duellen Konto sowie ärztliche Berichte ein. Am 2
8.
August 2014 erfolgte eine Unter
suchung des Versicherten durch den regionalen ärztlichen Dienst (RAD
,
Bericht
vom 3
1.
Oktober 2014,
Urk.
6/23). Mit
Vorbescheid vom
4.
Dezember 2014
stellte
s
ie
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
6/24)
.
Nach Ein
gang der Stellungnahme des Versicherten vom
5.
Januar 2015 (
Urk.
6/30) ver
fügte sie am 1
9.
Februar 2015 im angekündigten Sinne (
Urk.
2).
2.
Am 1
6.
März 2015 erhob
X._
dagegen
Beschwerde mit dem
sinn
gemässen
Rechtsbegehren um Zusprechung einer Invalidenrente (
Urk.
1). Mit
Beschwerde
antwort
vom 1
0.
April 2015 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
5)
, was dem Versicherten am 1
5.
April 2015 (
Urk.
7) zur Kennt
nis gebracht wurde
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne
oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand
(BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
in der seit 1. Januar 2004 geltenden Fassung
).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des
Leistungsan
spruchs
. Die geeigneten Prüf
me
thoden können sie im Rahmen ihrer medizini
schen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundes
amtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD
können Versicherte bei Bedarf selber ärzt
lich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere An
sicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin wies das Leistungsbegehren ab mit der Begründung,
eine
depressive Episode
sei
eine Erkrankung, die in der Regel mit adäquater Therapie und Medikation besserungsfähig sei, und
stelle
somit keine langandau
ernde Erkrankung im Sinne des
Invalidenversicherungsrechts
dar
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt dagegen, er könne zurzeit nach wie vor nur mit Mühe und Not 60
%
seines Arbeitspensums absolvieren. Ob und wann er mehr arbeiten könne
,
sei noch sehr ungewiss
(
Urk.
1).
3.
3
.1
Vom 3
0.
November bis 2
4.
Dezember 2012 war der Beschwerdeführer in der
Privatk
linik
Y._
,
Z._
, hospitalisiert
.
Seit 2
5.
Januar 2013 bef
i
nd
et
er
sich
selbenorts
in
wöchentlicher
ambulanter Behandlung
bei
Dr.
med.
A._
, Stationsärztin
.
Diese
stellte im Bericht vom 1
7.
Juni 2013 (
Urk.
6/8) folgende Diagnose
n:
- Mittelgradige depressive Episode
mit somatischem Syndrom
(ICD-10 F32.11)
- Hörsturz (ICD-10 H91.2)
- Allergie gegenüber Penicillin (ICD-10 Z88.0)
Sie
führte aus,
dass
die ersten Symptome des Beschwerdeführers nach dem Tod seines Sohnes
(Arbeitsunfall mit 16 Jahren)
im Jahr 2009
aufgetreten
seien
. Die Zuweisung
sei
Ende Oktober
2012
aufgrund einer mittelgradig
en
depressiven Episode mit somatischem Syndrom mit deutlicher Zunahme seit August 2012
erfolgt
.
Sie beschrieb eine g
edrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, ausgeprägte Schlafstö
rungen, Gedankenkreisen
sowie eine
Somatisierungstendenz
.
Aktuell bestehe eine deutliche Besserung der beschriebenen Symptome, voraussichtlich
sei ein
Berufswiedereinstieg ab August 2013
möglich
.
Sie bescheinigte dem Be
schwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis auf
w
eiteres
, eventuell
sei
ein Wiedereinstieg
mit 60
%
ab August
2013
möglich
.
3
.2
Im Bericht vom 2
2.
Mai 2014
(
Urk.
6/18)
stellte
Dr.
A._
erneut
die Diag
nose einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1)
.
S
ie hielt fest, s
eit November 2013 bestehe eine deutliche Zustandsverbesserung, der Affekt sei stabil, der Schlaf mit wenigen Ausnahmen ungestört, vereinzelt bestünden psy
chosomatische Symptome in Form von Kopfrauschen und Rückenschmerzen, häufig ausgelöst durch Arbeitsstress, Konflikte mit
dem
älteren Sohn oder bei der Trauerverarbeitung. Die Einzeltherapie habe reduziert werden können auf eine Sitzung alle zwei Wochen. Die Dosis des Antidepressivums
Mirtazapin
und
Pregabalin
könne stetig reduziert werden.
Konzentrations- und
Aufmerksam
keitsstörungen
bestünden nur noch selten (S. 2).
Seit dem 2
4.
April 2014 arbeite der Beschwerdeführer in einem 60
%
Pensum in seinem alten Beruf. Diese Stei
gerung sei schrittweise möglich gewesen. Aktuell zeige sich jedoch, dass eine weitere Erhöhung der Arbeitsfähigkeit noch nicht möglich sei. Mehr als 80
%
Arbeitsfähigkeit scheine in Zukunft auch nicht möglich zu sein. Es werde ver
sucht, eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in den nächsten vier bis sechs Monaten zu erreichen (S. 3).
3
.
3
Dr.
med. Dipl.
-
Psych.
B._
erstattete
zu Händen
des
Krankentaggeld
ver
sicherer
s
a
m 2
9.
Juni 2014 (
Urk.
6/22/
31 und
Urk.
6/22/
55-67
) ein Gutachten
, in welchem er
folgende Diagnosen
stellte
(S. 9)
:
-
Generalisierte Angststörung (ICD-10 F.41.1)
-
Anhaltende, zum Untersuchungszeitpunkt leicht- bis mittelgradig ausgeprägte
depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.01/32.11)
Er hielt fest
,
s
ubjektiv habe der Versicherte nach wie vor über leichte depressive, aber vor allem ängstlich ausgerichtete Erlebniswelten, Beklemmungsgefühle,
Palpitatio
nen
, Kopfschm
erzen, Ohrensausen, Fallneigung und
agoraphobische Ängste berich
tet. Nach wie vor bestehe eine vermehrte Erschöpfbarkeit,
Kraft
minderung
,
Kon
zentrationsminderung
, Schlafstörungen,
Libidominderung
sowie innere Unruhe. Objektiv habe sich eine gedrückte, in der affektiven Modu
la
tionsfähigkeit leicht verminderte Stimmungslage gezeigt. Der Antrieb sei leicht vermindert gewesen, Mimik und Gestik leicht eingebunden. Circadiane Beson
derheiten im Sinne ei
nes Morgentiefs seien berichtet worden. Es hätten sich agoraphobische, paro
xysmale und generalisierte Ängste gezeigt.
Formalge
dank
lich
seien eine leichte Verlangsamung,
Grübelneigung
sowie Einengung auf Insuffizienzgefühle und diffuse Ängste
eruierbar
gewesen. Die kognitiven Funk
tionen seien in der
Un
tersuchungssituation
nicht wesentlich gestört gewesen, bei subjektiv erlebter Konzentrationsminderung im Alltag (S. 10 f.).
Die nach den klinisch-diagnosti
schen Leitlinien der ICD-10 bei einer generalisierten Angst
störung (ICD-10 F41.1) typischen Symptome seien vom
Beschwerdeführer
beschrieben worden.
Er
habe in der Untersuchung eine anhaltend und auf ver
schiedenste Bereiche fokussierte Besorgnis beschrieben, eine beständige An
spannung, innere Unruhe und Nervosität im Sinne eines
Hyperarousals
.
Kon
zen
trationsprobleme
und eine Alltagsvergesslichkeit seien beschrieben worden. Der Beschwerdeführer habe neben der körperlichen Unruhe, Schwindelgefühle, Angst vor Kontrollverlust, eine Unfähigkeit, sich zu entspannen bei gleichzeitig rascher Ermüdbarkeit und Erschöpfung beschrieben. Schwindel (zum Teil
unge
richtet
, zum Teil
Liftge
fühle
), Beklemmungsgefühle,
Palpitationen
, Schwitzen, innere Unruhe
und
Durchschlafstörungen seien vom Beschwerdeführer be
schrie
ben worden. Psychometrisch habe sich der Beschwerdeführer in der Selbst
beschreibung als deutlich ängstlich beschrieben, was mit dem klinischen Befund korrespon
diere (S. 11 f.).
Dr.
B._
beurteilte die bislang attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50
%
aus psychiatrischer Sicht als ausgewiesen. Eine rasche Steigerung der Arbeitsfähig
keit über das genannte Ausmass sei kurz- bis mittelfristig nicht
zu erwarten
(
S.
14
).
3
.4
RAD-Arzt med.
pract
.
C._
stellte im Bericht vom 3
1.
Oktober 2014 (
Urk.
6/23)
keine
Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diag
nosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen
Tinnitus
und einen
Status nach mittelgradiger depressiver Episode (S. 4
f.)
Er führte aus, der psychische Befund enthalte nur wenige und leichte patho
lo
gische Symptome: Gedankengang leicht verlangsamt, affektive Modulations
fähigkeit leicht vermindert, Mimik und Gestik leicht eingebunden. Auf der Hamilton-Depressionsskala habe er damals 20 Punkte erreicht, was Dr.
B._
als mittelgradiges depressives Symptom gewertet habe, allerdings gelte der Be
reich von 10 bis 20 normalerweise als leichtgradig. Somit wäre zum damaligen Zeitpunkt nur eine leichtgradige Depression zu diagnostizieren gewesen. Im Befund fänden sich keine Belege für eine generalisierte Angststörung. Diese
Diagnose beruhe also nur auf der Anamnese des Beschwerdeführers. Dr.
B._
habe im Beck-Angst-Inventar einen Wert mit klinisch relevanter Angst fest
gestellt, allerdings sei das Inventar ein subjektives Selbstbeurteilungsinstrument. Es sollte eigentlich auffallen, dass der
Beschwerdeführer
in der wichtigen
Unter
suchungssituation
keine objektiv erkennbaren Angstsymptome zeige. Die ange
ge
bene Störung der sozialen Interaktion lasse sich bei
der
Untersuchung nicht feststellen. Somit könne aus objektiver Sicht keine gravierende Angststörung (mehr) vorliegen. Die von Dr.
B._
diagnostizierte Angststörung beziehe sich wahrscheinlich weitgehend auf frühere Zustände. Die Angaben des
Beschwerde
führer
s gegenüber Dr.
B._
(Er sei auf gutem Weg, komme langsam zurück ins Leben) und seine Angaben in der späteren RAD-Untersuchung wiesen auf eine erfreuliche Besserung hin. Bei genauer Betrachtung hätte
von
Dr.
B._
keine generalisierte Angststörung diagnostiziert werden dürfen, sondern ein
Zustand nach generalisierter Angststörung. Aus versicherungsmedizinischer Sicht
ergebe sich für den Zeitpunkt ab Juni 2014 kein Anhalt für eine Arbeits
unfähigkeit (S. 5 f.).
Med.
pract
.
C._
attestierte dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsfähig
keit mindestens seit der Untersuchung vom 2
8.
August 201
4.
Gemäss seiner Beurteilung des Gutachtens des
Dr.
med.
B._
habe
bereits im Juni 2014 keine Arbeitsunfähigkeit
mehr bestanden
(
Urk.
6/23 S. 6).
Den
Tagesablauf des Be
schwerdeführers
schilderte med.
pract
.
C._
wie folgt:
Der Beschwerde
führer
stehe
meistens zwischen 7.00 bis 8.00 Uhr auf, mache seine Übungen, dusche, frühstücke teils alleine, teils mit seiner Frau. Vormittags gehe er gerne mit sei
ner Frau raus und sei dann mittags wieder zurück oder er mache seine
Arztter
mine
. Er gehe auch gerne einkaufen und vertrage es inzwischen, an der Kasse zu stehen. Das Mittagessen um 12.30 Uhr mache meistens seine Frau. Um ca.
13.15 Uhr sei er dann im Büro bei der Arbeit, sitzend am PC oder bei Sitzungen. Er arbeite bis 17.00 Uhr oder meistens bis 18.00 Uhr. Anschliessend sei er noch gerne am See oder laufe auf dem Laufband, oder er gehe mit Frau
und Hund spazieren. Das Abendessen nehme er um 19.00 Uhr ein. An
schlies
send
sehe er fern oder führe Gespräche mit den Kindern, besonders mit dem älteren Sohn. Er gehe um ca. 23.00 oder 24.00 Uhr zu Bett (
Urk.
6/23
).
3
.5
Dr.
med.
A._
führte im Bericht vom
5.
Februar 2015
(
Urk.
6/32)
aus, dass beim Beschwerdeführer bis zum 3
0.
September 2014 eine 50%ige Arbeitsfähig
keit bestanden habe. Seit dem
1.
Oktober 2014 habe die Arbeitsfähigkeit auf 60
%
gesteigert werden können. Eine weitere Steigerung sei bis zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht möglich gewesen. Im Herbst 2014 sei ein erneuter psy
chischer Einbruch erfolgt, da der Beschwerdeführer einen schweren privaten Rückschlag erlitten habe, der eine massive psychosoziale Belastung darstelle. Durch seine stark reduzierte Resilienz mit den damit verbundenen psychischen Symptomen wie Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit, Erschöpfung,
Ge
dankenkreisen
, Selbstzweifel Insuffizienzgefühle, Zukunftsängste und körperli
che Symptome (Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Verstärkung de
s
be
kannten Tinnitus)
sei der Beschwerdeführer stark eingeschränkt und vermindert leistungs- und belastungsfähig. Durch die ambulante psychiatrisch-psychothe
rapeutische Behandlung versuchten sie momentan
,
die aktuelle Arbeitsfähigkeit aufrecht zu erhalten und einer erneuten schweren depressiven Episode vorzu
beugen. Aufgrund der seit Oktober 2012 bestehenden reduzierten Arbeitsfähig
keit und der weiterhin fehlenden psychischen Stabilität schätzten sie die Prog
nose bezüglich der Arbeitsfähigkeit zum jetzigen Zeitpunkt als ungünstig ein.
4
.
4.1
Aus den medizinischen Berichten geht hervor, dass
der Beschwerdeführer
im
Herbst 2012 an einer mittelgradigen
depressiven Episode erkrankte.
Diese ent
stand
massgeblich durch ein Zusammentreffen von belastenden Lebensum
stän
den,
namentlich dem Tod seines Sohnes und dem jahrelangen Gerichtsverfahren ge
gen dessen ehemaligen Arbeitgeber.
Bei dieser Ausgangslage ist davon auszugehen, dass die psychische Problematik im Wesentlichen in den psychosozialen Belastungsfaktoren aufgeht. Die schwie
rigen Lebensumstände haben zur vorliegenden Beeinträchtigung geführt und
eine davon abgrenzbare andauernde Depression ist nicht ausgewiesen. Wenn man
gleichwohl von einem selbständigen Gesundheitsschaden ausgehen will, ergibt sich
F
olgendes.
4.2
Vorwegzuschicken ist, dass laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis in der Regel therapierbar sind und invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit führen (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteile des Bundesgerichts 9C_836/2014 vom 23. März
2015 E.
3.1; 9C_667/2013 vom
29. April
2013 E.
4.3.2; 9C_917/2012 vom 14. August
2012 E.
3.2 und 9C_736/2011
vom 7. Februar 2012 E. 4.2.2.1; vgl. auch Rahel Sager, Die bundesgerichtliche Rechtsprechung betreffend Depressionen, in: SZS 2015 S.
308 ff., 317 f. Ziff. 5.2). Daran hat auch BGE 141 V 281 nichts geändert (Urteil des Bundesgerichts 9C_892/2015 vom 22. Januar 2016 E. 2).
Die invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung ist allerdings nicht schlechthin
auszuschliessen
; deren Annahme bedingt nach den höchstrichterlichen Vorgaben jedoch, dass es sich nicht
bloss
um die Begleit
erscheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbständiges, vom psy
chogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden handelt (Urteile des Bundesgerichts 9C_917/2012 vom 14. August
2013 E.
3.2 und 9C_210/2012 vom 9. Juli 2012 E. 3.1). Im Weiteren ist vorausgesetzt, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent aus
weist. Fehlt es daran, ist nach der Rechtsprechung in der Regel keine invali
di
sierende Wirkung des Gesundheitszustandes anzunehmen (Urteil des Bundes
gerichts 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.1).
Dabei stellt das Bundesgericht sowohl an die
Langjährigkeit
(verneint im vor
genannten Urteil 9C_892/2015 bei einer Therapiedauer von weniger als andert
halb Jahren) als auch an die Intensität der Therapiebemühungen (vgl. etwa das vorgenannte Urteil 9C_454/2013 E. 4.1) hohe Anforderungen.
4.3
Ab 3
1.
Oktober 2012 bestand beim Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit (
Urk.
6/8/2).
Nach einem knapp vierwöchigen stationären Aufenthalt begab
er sich ab 2
5.
Januar 2013 einmal wöchentlich in ambulante Behandlung (
Urk.
6/8/1 f.).
Die Arbeitsfähigkeit konnte ab November 2013 schrittweise aufgebaut werden, sodass der Beschwerdeführer ab 2
4.
April 2014 in einem 60
%
Pensum seinen
bisherigen
Beruf ausüben konnte (
Urk.
6/18/3).
Ab
spätestens
Mai 2014 besuchte er nur noch alle zwei Wochen die ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Be
hand
lung (
Urk.
6/18/3).
Dank der
zunächst
intensiven Therapie konnte eine 60%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden. Deshalb ist es nicht nachvollziehbar,
weshalb
die
Therapie
sitzun
gen
reduziert wurden.
Nach der Rechtsprechung, welche sich auf Fachliteratur stützt,
beinhaltet
eine intensive Psychotherapie mindestens eine Sitzung pro Woche (BGE 137 V 70 E. 5.2).
Nach Rechtsprechung, welche sich auf Fachli
t
e
ratur stützt, beinhaltet eine Psychotherapie mindestens eine Sitzung pro Woche (BGE 137 V 64 E. 5.2).
Vorliegend kann von einer Ausschöpfung der therapeu
tischen und medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten nicht gesprochen wer
den.
Der Beschwerdeführer hat
wohl
eine Depressionstherapie befolgt,
nicht je
doch in genügend konsequenter
W
eise,
welche das Scheitern des Leidens als resistent ausweisen würde.
Demgemäss
kann dem Leiden des Be
schwerdeführers keine invalidisierende Wirkung zuerkannt werden
.
Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus der Einschätzung der behandelnden Psychiaterin, welche zuletzt nach wie vor auf eine Arbeitsunfähigkeit schloss. Es fehlt eine Auseinander
setz
ung mit dem unauffälligen Tagesablauf des
Beschwerdeführer
s und seinen akten
kun
digen Ressourcen (E. 3.5).
4.
4
D
as dokumentierte Aktivitätsverhalten spricht
eben
falls nicht
ein ausge
prägtes psychisches Leiden.
Zwar zeigt
Dr.
B._
‘ Schilderung des Tagesablaufs des Beschwerdeführers aufgrund der Untersuchung vom 2
0.
Juni 2014 zunächst noch einige kleinere Einschränkungen. So habe der Beschwerdeführer etwa Mühe, aus dem Bett zu kommen, leide an Antriebslosigkeit und habe an eigentlichen
Hobbies das Inte
resse verloren
.
Er
versuche
,
am Nachmittag
zu arbeiten,
helfe im Haushalt mit und gehe spazieren (
Urk.
6/22/57).
Der durch med.
pract
.
C._
geschilderte Tagesablauf des Beschwerdeführers
aufgrund der Untersuchung vom 2
8.
August 2014
(
E.
3.4) ist
dagegen
gänzlich
unauffällig
: Der Beschwerdeführer stehe morgens zwischen 7.00 bis 8.00 Uhr auf, mache seine Übungen, gehe gerne mit seiner Frau raus
und
gehe auch
gerne einkaufen. Nachmittags arbeite er und gehe anschliessend gerne an den Se
e oder laufe auf dem Laufband oder gehe mit Frau und Hund spazieren. Nach dem Abendessen sehe er fern oder führe Gespräche mit seinem älteren Sohn.
Bei dem geschilderten Tagesablauf sind keine Einschränkungen im Alltag mehr ersichtlich, was
dar
auf
hindeutet, dass
keine erhebliche Beeinträchtigung der
Gesundheit
(mehr) besteht
beziehungsweise eine erhebliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit wegen des depressiven Geschehens nicht als konsistent erschiene
.
4.
5
Hinsichtlich der durch
Dr.
B._
festgestellten
generalisierten
Angststörung
ist darauf hinzuweisen, dass kein anderer Arzt
diese
Diagnose stellte, auch nicht
die langjährige behandelnde Ärztin
Dr.
A._
. Gemäss der Einschätz
ung des RAD Arztes med.
pract
.
C._
(
Urk.
6/23)
hatte der Beschwerdeführer im Rah
men der depressiven Episode auch einige Angstsymptome entwickelt, die in
zwischen weitgehend abgeklungen und
offenkundig
überwindbar sind (
S.
5
). Im Befund fin
den sich gemäss med.
pract
.
C._
keine Belege für eine gene
ralisierte Angst
störung. Diese Diagnose beruh
t
e
nur auf der Anamnese des Beschwerde
führers
sowie des
subjektiven
Selbstbeur
teilungsinstrument
s
des
Beck-Angst-Inventars
. Aus objektiver Sicht
wurde
eine gravierende Angststö
ru
ng
ausgeschlossen
(
S. 7
).
Med.
pract
.
C._
s Einschätzung ist begründet und nachvollziehbar. In Anbe
tracht der Tatsache, dass kein anderer Arzt beim Beschwerdeführer eine Angst
störung
auch nun thematisierte
und unter Berücksichtigung von med.
pract
.
C._
Ausei
nandersetzung mit dieser gestellten Diagnose ist
erstellt
, dass beim Beschwerdeführer keine Angststörung (mehr) vorliegt.
4.6
Angesichts dieser Umstände
ergibt sich
, dass invalidenversicherungsrechtlich nicht von einer dauerhaften Leistungsunfähigkeit des Beschwerdeführers auszu
gehen ist.
Liegt
beim Beschwerdeführer keine Krankheit vor
, welche
invalidenversiche
rungs
rechtlich
zur Annahme einer andauernden Arbeitsunfähigkeit führt
,
be
steht keine Invalidität und ist
die Beschwerde gegen die leistungsverweigernde Verfügung der
Beschwerde
gegnerin
abzuweisen
.
5
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
600.
--
festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).