Decision ID: ce195553-1679-4d85-b990-7ad0b03e459e
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung (vorsorgliche Massnahmen)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Hinwil vom 29. Mai 2017 (FE160178-E)
- 2 -
Rechtsbegehren:
(vgl. Wiedergabe in Urk. 2 S. 2 und S. 9)
Verfügung des Einzelgerichts am Bezirksgericht Hinwil vom 29. Mai 2017:
(Urk. 2 S. 13 f.)
1. Das Gesuch der Klägerin auf Verpflichtung des Beklagten zur Leistung eines Prozesskostenvorschusses wird abgewiesen.
2. Das Gesuch der Klägerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abgewiesen.
3. Das Gesuch des Beklagten um Beizug eines Gutachtens und Anordnung von Kindesschutzmassnahmen wird abgewiesen.
4. Der Klägerin wird eine einmalige Frist bis 29. September 2017 angesetzt, um eine schriftliche Klagebegründung im Doppel einzureichen.
Darin hat sie ihre Anträge zu stellen und zu begründen, ihre eigenen  aufzustellen, die Beweismittel dazu (Zeugen, Urkunden, Augenschein, Gutachten, schriftliche Auskünfte, Parteibefragungen oder Beweisaussage) genau zu bezeichnen und ein Verzeichnis sämtlicher  beizulegen. Verfügbare Urkunden, welche als Beweismittel  sollen, sind zusammen mit der Klagebegründung und zusätzlich je in Kopie für die Gegenseite einzureichen.
Bei Säumnis wird die Klage als gegenstandslos abgeschrieben.
5. C._ wird mit separatem Schreiben zu einer Anhörung eingeladen.
6. Über die Kosten- und Entschädigungsfolgen wird im Endentscheid .
7. (Schriftliche Mitteilung)
8. (Rechtsmittel: Beschwerde gegen Ziffer 1 und 2)
9. (Rechtsmittel: Berufung gegen Ziffer 3)
Berufungsanträge:
des Beklagten und Berufungsklägers (Urk. 1 S. 2):
"1. Es sei Dispositiv-Ziff. 3 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und es seien die Gründe für den Kontaktabbruch zwischen dem
- 3 -
Sohn C._ und dem Berufungskläger mittels Gutachten oder in einer anderen geeigneten Form abzuklären.
Es seien sodann für die Dauer des Scheidungsverfahrens  Kindesschutzmassnahmen anzuordnen, die helfen, einer durch den Kontaktabbruch zwischen dem Sohn C._ und dem Berufungskläger bestehenden Gefährdung bzw. Beeinträchtigung des Kindeswohls entgegenzuwirken.
2. Es sei Dispositiv-Ziff. 5 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und es sei auf eine Kindesanhörung durch die Vorinstanz ganz, eventualiter vorläufig zugunsten eines Gutachtens bzw. einer  geeigneten Abklärung im Sinne von Antrag Ziff. 1  zu verzichten. Subeventualiter sei die Kindesanhörung durch eine psychologisch geschulte Fachperson durchzuführen.
3. Subsubeventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei die Vorinstanz anzuweisen, das in Ziff. 1 vorstehend beantragte Gutachten (bzw. die Abklärung in anderer, geeigneter Form) in Auftrag zu geben sowie die sich aus der Abklärung  bzw. die darin empfohlenen Kindesschutzmassnahmen anzuordnen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8% MWSt.) zu Lasten der Berufungsbeklagten."
der Klägerin und Berufungsbeklagten (Urk. 8 S. 2):
"1. Es seien die Anträge des Beklagten und Berufungsklägers in der Berufungseingabe vom 19. Juni 2017 vollumfänglich abzuweisen und es sei die Dispositivziffer 3 der Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Hinwil vom 29. Mai 2017 vollumfänglich zu bestätigen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des  und Berufungsklägers."

Erwägungen:
1.1. Die Parteien sind seit 1992 verheiratet. Sie haben zwei gemeinsame Söhne,
D._ (geboren am tt. Juni 1979) und C._ (geboren am tt.mm.2000;
Urk. 4/2). Seit dem 8. September 2016 stehen sie bei der Vorinstanz in einem
Scheidungsverfahren (Urk. 4/1). Am 29. Mai 2017 erliess die Vorinstanz den ein-
gangs wiedergegebenen Entscheid (Urk. 4/43 = Urk. 2).
- 4 -
1.2. Dagegen erhob der Beklagte und Berufungskläger (nachfolgend Beklagter)
rechtzeitig (vgl. Urk. 4/44 S. 1) Berufung, wobei er obgenannte Anträge stellte
(Urk. 1 S. 2 f.). Der vom Beklagten mit Verfügung vom 10. Juli 2017 einverlangte
Kostenvorschuss von Fr. 3'000.– ging rechtzeitig ein (Urk. 5 und 6). Die Klägerin
erstattete die Berufungsantwort am 11. September 2017 (Urk. 8). Am 25. Sep-
tember 2017 folgte eine Stellungnahme des Beklagte (Urk. 10), welche der Kläge-
rin zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11). Weitere Eingaben erfolgten nicht.
1.3. Der Rechtsmittelantrag Ziff. 2 ist Gegenstand des Beschwerdeverfahrens
PC170028-O, weshalb an dieser Stelle nicht weiter darauf einzugehen ist.
2. Mit der Berufung können unrichtige Rechtsanwendung und unrichtige Fest-
stellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Beru-
fungsinstanz verfügt über eine umfassende Überprüfungsbefugnis der Streitsa-
che, d.h. über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen, ein-
schliesslich der Frage richtiger Ermessensausübung (Angemessenheitsprüfung;
BGer 5A_184/2013 vom 26. April 2013, E. 3.1). In der schriftlichen Berufungsbe-
gründung (Art. 311 ZPO) ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstin-
stanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu betrachten
ist bzw. an einem der genannten Mängel leidet (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer
5A_751/2014 vom 28. Mai 2015, E. 2.1). Was nicht oder nicht in einer den gesetz-
lichen Begründungsanforderungen genügenden Weise beanstandet wird, braucht
die Rechtsmittelinstanz nicht zu überprüfen. Das gilt zumindest solange, als ein
Mangel nicht geradezu ins Auge springt (BGer 4A_258/2015 vom 21. Oktober
2015, E. 2.4.3; BGer 4A_290/2014 vom 1. September 2014, E. 5).
3. Die Vorinstanz erwog, der Sohn C._ sei im Rahmen des Eheschutzver-
fahrens zwischen den Parteien in den Jahren 2014 und 2015 zweimal angehört
worden. In der ersten Anhörung habe er erklärt, er habe dem Beklagten bereits im
Herbst 2014 mitgeteilt, dass er Abstand brauche. Er wolle erst nach den Weih-
nachtstagen 2014 wieder Kontakt mit dem Beklagten aufnehmen. Anlässlich der
zweiten Anhörung habe C._ ausgeführt, er habe ursprünglich nach den
Weihnachtstagen 2014 auf den Beklagten zugehen wollen. In der Zwischenzeit
seien jedoch neue Probleme hinzugekommen, weshalb er erst nach dem Ab-
- 5 -
schluss des Verfahrens wieder Kontakt mit dem Beklagten aufnehmen wolle. Die-
sen Willensäusserungen von C._ sei Rechnung zu tragen, auch wenn die
entsprechenden Aussagen nunmehr rund zwei Jahre zurücklägen. C._ sei
bereits mit 15 Jahren in der Lage gewesen, seinen eigenen Willen zu bilden und
sich klar und überlegt zu äussern. Es sei davon auszugehen, dass sich daran
auch zwei Jahre später nichts geändert habe. Das tatsächliche Verhalten von
C._, namentlich der vollständige Abbruch des Kontakts zum Beklagten, stelle
eine zusätzliche Form der Willensäusserung dar. Es stehe ausser Frage, dass die
Ablehnung des Kontakts zum Beklagten dem eigenen Willen von C._ ent-
spreche. Allein die Tatsache, dass C._ nach zwei Jahren immer noch nicht
bereit sei, einen regelmässigen Kontakt mit dem Beklagten zu pflegen, lasse ent-
gegen der Ansicht des Beklagten noch nicht auf eine schwere Kindeswohlgefähr-
dung schliessen, zumal ein eindeutiger Positionsbezug eine häufig verfolgte Stra-
tegie von Kindern und Jugendlichen sei, welche infolge der Scheidung ihrer Eltern
in einen Loyalitätskonflikt gerieten. Es sei zwar erforderlich, dass das Gericht den
Gründen für die Kontaktverweigerung nachgehe und sich vergewissere, dass kei-
ne schwerwiegende Gefährdung des Kindeswohls bestehe. Dafür genüge aber
vorerst eine erneute Anhörung von C._. Angesichts der klaren Willensäusse-
rungen von C._ scheine fraglich, dass mit Kindesschutzmassnahmen etwas
erreicht werden könne. Auch bestehe die Gefahr, dass sie sich kontraproduktiv
auswirken könnten. Weiter sei zu beachten, dass C._ in einem Jahr volljährig
werde, womit für Kindesschutzmassnahmen und Anordnungen betreffend Kontak-
te mit dem Beklagten keine Rechtsgrundlage mehr bestehen werde (Urk. 2
S. 9 ff.).
4.1. Der Beklagte rügt, die Vorinstanz habe verkannt, dass die Äusserungen von
C._ in den beiden Anhörungen noch keineswegs auf einen Kontaktabbruch
hingedeutet hätten. Nach dem Eheschutzverfahren habe es denn auch noch eini-
ge kurze Treffen gegeben, bevor der Kontakt ganz abgebrochen sei. Zu Anfang
sei er von C._ noch spontan mit einer Umarmung begrüsst worden. Später
habe C._ ihn mit haltlosen Vorwürfen zu überhäufen begonnen. Schliesslich
habe C._ ihn beim letzten Aufeinandertreffen weder begrüsst noch verab-
schiedet, sondern ihn völlig ignoriert. Dieses Verhalten habe mit der von ihm in
- 6 -
den Anhörungen geäusserten Bereitschaft, sich mit seinem Vater nach dem Ab-
schluss des Eheschutzverfahrens wieder zu treffen, nichts gemein. Offensichtlich
habe nach Abschluss des Eheschutzverfahrens eine weitere, im Eheschutzver-
fahren so nicht antizipierte Entwicklung stattgefunden. Da er, der Beklagte, mit
C._ nach dem Eheschutzverfahren nur wenig Kontakt gehabt habe, liege die
Vermutung nahe, dass die Ablehnung durch C._ auf Dritteinfluss basiere und
nicht auf einem direkten Zerwürfnis zwischen C._ und ihm. Das Abstellen der
Vorinstanz auf die Äusserungen von C._ im Eheschutzverfahren im Hinblick
auf den Kontaktabbruch stelle eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts bzw.
eine willkürliche Beweiswürdigung dar. Des Weiteren liege eine unzulässige anti-
zipierte Beweiswürdigung vor, wenn die Vorinstanz den Kontaktabbruch als Wil-
lensäusserung von C._ deute und diesen auf einen Loyalitätskonflikt zurück-
führe, ohne den Sachverhalt weiter abzuklären. Da die Vorinstanz gänzlich auf
Abklärungen verzichtet habe, habe sie gerade nicht eruieren können, was die Ur-
sache für den Kontaktabbruch gewesen sei. Die Erwägungen der Vorinstanz hier-
zu seien ausschliesslich spekulativ und damit willkürlich (Urk. 1 S. 6 ff.).
4.2. Die Klägerin bringt dagegen vor, vom Beklagten werde nicht substantiiert
dargelegt, weshalb eine Anhörung von C._ ungeeignet sein soll, um seinen
Willen und die Gründe für den Kontaktabbruch zu ermitteln. Die Berufungsanträge
seien daher abzuweisen. Weiter macht die Klägerin geltend, es bestünden keiner-
lei Anhaltspunkte für eine Fremdbeeinflussung oder für eine Kindeswohlgefähr-
dung. C._ habe nach dem Eheschutzverfahren den Beklagten getroffen. Der
daraufhin erfolgte erneute Kontaktabbruch stelle eine klare Willenskundgebung
von C._ dar. Ausserdem sei C._ mittlerweile 17 Jahre alt und könne
selbst entscheiden, ob er den Beklagten treffen wolle. Die Gründe dafür könnten
durch eine Anhörung hinreichend ermittelt werden, ein Gutachten sei dafür nicht
notwendig (Urk. 8 S. 2 f.).
5.1. Nach Art. 315a Abs. 1 ZGB trifft das Gericht, wenn es nach den Bestimmun-
gen über die Scheidung die Beziehungen der Eltern zu den Kindern zu gestalten
hat, die nötigen Kindesschutzmassnahmen. Es gilt die Offizial- und Untersu-
chungsmaxime (Art. 296 ZPO) und das Kind ist vom Gericht oder von einer Fach-
- 7 -
person persönlich anzuhören, sofern sein Alter oder andere wichtige Gründe nicht
dagegen sprechen (Art. 298 Abs. 1 ZPO). Dabei muss sich das Gericht von den
massgeblichen Verhältnissen grundsätzlich ein persönliches Bild machen. Die
Anhörung soll nur an eine unabhängige Drittperson übertragen werden, wenn da-
für (beispielsweise kinderpsychiatrische) Spezialkenntnisse erforderlich sind
(BGer 5A_52/2015 vom 17. Dezember 2015, E. 5.2.3.1; BGE 133 III 553 E. 4).
5.2. Die Vorinstanz erwog, es sei erforderlich, dass sie den Gründen für die Kon-
taktverweigerung nachgehe und sich auch vergewissere, dass keine schwerwie-
gende Gefährdung des Kindeswohls bestehe. Dafür genüge aber vorerst eine er-
neute Anhörung von C._ (Urk. 2 S. 12). Obwohl die Vorinstanz somit eine
Kindeswohlgefährdung nicht ausschloss, wies sie das Begehren um Anordnung
von Kindesschutzmassnahmen ohne weitere Abklärungen und insbesondere be-
reits vor der Anhörung von C._ ab (Urk. 2 S. 13).
5.3. Die Untersuchungspflicht des Gerichts reicht so weit und dauert so lange,
bis über die Tatsachen, die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforder-
lich sind, hinreichende Klarheit besteht. Art. 296 Abs. 1 ZPO schreibt dem Sach-
gericht indessen nicht vor, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären ist.
Ebenso wenig erfasst diese Bestimmung die Art der Erhebung von Beweismitteln.
Die Untersuchungsmaxime schliesst auch eine vorweggenommene Würdigung
von Beweisanerbieten nicht aus. Verfügt das Gericht über genügende Grundlagen
für eine sachgerechte Entscheidung, kann es auf weitere Beweiserhebungen ver-
zichten (BGer 5A_645/2016 vom 18. Mai 2017, E. 3.2.3; BGE 130 III 734
E. 2.2.3). Zu prüfen ist daher im Folgenden, ob die Vorinstanz allein gestützt auf
die beiden Anhörungen von C._ in den Jahren 2014 und 2015 davon ausge-
hen konnte, das Kindeswohl sei trotz des erfolgten vollständigen Abbruchs des
Kontakts zum Vater nicht gefährdet.
5.4. Vom Kontaktabbruch betroffen ist der gegenseitige Anspruch des Beklagten
und von C._ auf persönlichen Verkehr gemäss Art. 273 Abs. 1 ZGB. Dabei
handelt es sich um ein gegenseitiges Pflichtrecht, wobei es in erster Linie dem In-
teresse des Kindes bzw. Jugendlichen dient und oberste Richtschnur für die Aus-
gestaltung das Kindeswohl ist, welches anhand der Umstände des konkreten Ein-
- 8 -
zelfalles zu beurteilen ist. Auszugehen ist von der kinderpsychologischen Er-
kenntnis, dass in der Regel eine Beziehung zu beiden Elternteilen sehr wichtig ist,
da sie bei der Entwicklung und Identitätsfindung des Kindes eine wichtige Rolle
spielen kann. Insbesondere ist gerade bei Jungen die Orientierungsmöglichkeit an
einer väterlichen Identifikationsfigur für die Entwicklung der Männlichkeit von
grosser Bedeutung (BGer 5A_367/2015 vom 12. August 2015, E. 5.1.3; BGE 130
III 585 E. 2.2.2 m.w.H.).
Der Wille des Kindes bzw. Jugendlichen ist umso stärker zu gewichten, je äl-
ter das Kind bzw. der Jugendliche ist, je konstanter seine Willenskundgebungen
und je mehr diese mit nachvollziehbaren und auf das Kindeswohl zielenden Ar-
gumenten unterlegt sind. Er ist jedoch stets als eines von mehreren und nicht als
einziges Kriterium zu berücksichtigen; anderenfalls würde der Kindeswille mit dem
Kindeswohl gleichgesetzt, obwohl sich die beiden Elemente durchaus widerspre-
chen können. So dürfte selbst umfassend urteilsfähigen Kindern bzw. Jugendli-
chen nicht bewusst sein, dass die einseitige Verweigerung des Besuchsrechts bei
der Bestimmung der Unterhaltspflicht nach Erreichen der Volljährigkeit eine zent-
rale Rolle spielen kann, weil sie für den betroffenen Elternteil die Leistung von
Volljährigenunterhalt im Sinne von Art. 277 Abs. 2 ZGB trotz gegebener Leis-
tungsfähigkeit allenfalls unzumutbar werden lässt (BGer 5A_200/2015 vom
22. September 2015, E. 7.2.3.1; BGer 5A_367/2015 vom 12. August 2015, E. 5.1;
BGer 5A_719/2013 vom 17. Oktober 2014, E. 4.2 - 4.4).
5.5. In beiden Anhörungen während des Eheschutzverfahrens brachte C._
zum Ausdruck, dass er den Beklagten (zumindest nach Abschluss des Ehe-
schutzverfahrens) wieder regelmässig sehen möchte (Urk. 4/7 Prot. S. 16 und
S. 38 ff.). Dementsprechend vereinbarten die Parteien ein im Wesentlichen ge-
richtsübliches Besuchsrecht (Urk. 4/7/43), was mit Urteil vom 9. Juni 2015 ge-
nehmigt wurde (Urk. 4/7/46 S. 2). Nach Abschluss des Eheschutzverfahrens fan-
den gemäss unbestritten gebliebener Darstellung des Beklagten zwar zunächst
einige kurze Kontakte statt, bei welchen aber die Klägerin stets anwesend war.
Als der Beklagte der Klägerin bei einem solchen Treffen mitgeteilt habe, er habe
eine neue Partnerin, sei der Kontakt mit C._ jedoch gänzlich und dauerhaft
- 9 -
abgebrochen (Urk. 1 S. 4 und Urk. 4/24 S. 3; vgl. auch Urk. 8 und Urk. 4/37 S. 4).
Angesichts dieser Entwicklung der Kontakte von C._ zum Beklagten hätte
die Vorinstanz nicht davon ausgehen dürfen, die diesbezüglichen Aussagen von
C._ seien noch aktuell. Gerade dies wäre jedoch Voraussetzung gewesen,
um von einer erneuten Anhörung von C._ absehen zu können (BGE 133 III
553 E. 4).
5.6. Da sich C._ über die Gründe für den dauerhaften Kontaktabbruch bis-
her nicht äussern konnte, ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz den-
noch zum Schluss kam, es stehe ausser Frage, dass die Ablehnung des Kontakts
mit dem Beklagten dem eigenen Willen von C._ entspreche (Urk. 2 S. 12).
Im Gegenteil lassen der einseitige Positionsbezug von C._ zugunsten der
Klägerin und einzelne Aussagen von C._ darauf schliessen, dass sich die
Klägerin ihm gegenüber nicht immer mit der gebotenen Zurückhaltung äusserte
und ihn dadurch beeinflusste. So führte C._ aus, seine Mutter habe ihm er-
zählt, sein Vater miete eine schöne neue Wohnung in Luzern und wolle gleichzei-
tig, dass sie beide in eine billigere Wohnung umziehen würden. Dies habe bei ihm
den Eindruck erweckt, sein Vater kümmere sich in finanzieller Hinsicht nur um
sich (Urk. 4/7 Prot. S. 38). In die gleiche Richtung deuten auch weitere Aussagen
von C._ anlässlich der beiden Anhörungen:
− [Der Beklagte] habe die Mutter behandelt, als "wäre sie nichts für ihn". Die Mutter habe es mit dem Vater aber wieder versucht (Urk. 4/7 Prot. S. 15);
− Der Vater habe der Mutter keinen richtigen Lohn bezahlt, sondern nur hin und wieder jeweils Fr. 1'000.– (Urk. 4/7 Prot. S. 15);
− [Der Beklagte] habe die Mutter unfair behandelt, nicht wie eine richtige Ehefrau (Urk. 4/7 Prot. S. 15);
− Er [C._] brauche noch bis Ende Jahr Abstand vom Vater, damit dieser merke, dass er seine Mutter schlecht behandle (Urk. 4/7 Prot. S. 16);
− Er [C._] denke, es gehe dem Vater ums Geld. Er wolle die Mutter verarmen lassen (Urk. 4/7 Prot. S. 16).
Angesichts dessen stellt sich vorliegend die Frage, ob die ablehnende Haltung
von C._ im Wesentlichen auf eigene negative Erfahrungen mit dem Beklag-
- 10 -
ten zurückzuführen ist oder ob sie überwiegend durch die Einstellung der Klägerin
geprägt ist. Diesbezüglich scheinen weitere Abklärungen, insbesondere eine er-
neute Anhörung von C._, zwingend erforderlich. Gestützt darauf wird als-
dann zu entscheiden sein, ob und gegebenenfalls welche Kindesschutzmass-
nahmen mit dem Ziel einer Kontaktanbahnung zum Beklagten anzuordnen sind.
5.7. In diesem Zusammenhang ist schliesslich auf das Vorbringen des Beklagten
einzugehen, eine übliche Kindesanhörung sei nicht geeignet, bezüglich schwer
gestörter Formen des Kontakts zwischen Elternteil und Kind irgendwelche Er-
kenntnisse zu erbringen. Es handle sich um ein Phänomen, welches nur von
Fachpersonen adäquat beurteilt werden könne (Urk. 1 S. 13). Dem kann nicht ge-
folgt werden. Es ist nicht ersichtlich, weshalb bei einer Anhörung von C._
(welcher 17 Jahre alt ist und das Gymnasium besucht) durch das Gericht keine
Erkenntnisse über die Gründe und Motive für den Kontaktabbruch gewonnen
werden können sollten. Soweit der Beklagte der Vorinstanz unterstellt, sie könnte
allenfalls nicht in der Lage sein, unvoreingenommen einen neuen Entscheid be-
züglich Kindesschutzmassnahmen zu fällen, da sie sich in Bezug auf die Frage,
ob eine Kindeswohlgefährdung vorliege, bereits dezidiert geäussert habe und da-
her in der Anhörung den eigenen ablehnenden Entscheid bestätigt sehen wolle
(Urk. 1 S. 13 f.), handelt es sich um blosse Spekulation, weshalb nicht weiter da-
rauf einzugehen ist.
5.8. Zusammenfassend erweist sich die Rüge des Beklagten, die Vorinstanz ha-
be den Sachverhalt unrichtig festgestellt, als begründet. Da der Sachverhalt in
wesentlichen Teilen zu vervollständigen ist, ist die Dispositiv-Ziffer 3 des ange-
fochtenen Entscheids aufzuheben und die Sache zwecks Ergänzung des Sach-
verhalts und neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 318
Abs. 1 lit. c Ziff. 2 ZPO).
6. Die Entscheidgebühr für das Berufungsverfahren ist gestützt auf § 5 Abs. 1,
§ 6 Abs. 1, § 8 Abs. 1 und § 12 Abs. 1 und 2 GebV OG auf Fr. 3'000.– festzuset-
zen. Gemäss ständiger Praxis des Obergerichts sind die Kosten des Verfahrens
in Bezug auf die Kinderbelange – unabhängig vom Ausgang – den Parteien hälftig
aufzuerlegen und die Parteientschädigungen wettzuschlagen, wenn die Parteien
- 11 -
unter dem Gesichtspunkt der Kinderinteressen gute Gründe zur Antragsstellung
hatten (OGer ZH LY160047 vom 16. Juni 2017, E. III/2; OGer ZH LE170002 vom
23. Mai 2017, E. IV/1; OGer ZH LE140047 vom 21. Januar 2015, E. IV/2; OGer
ZH LE110067 vom 13. April 2012, E. II/8; ZR 84 Nr. 41). Dies war vorliegend der
Fall. Es rechtfertigt sich daher für das Berufungsverfahren eine hälftige Kosten-
aufteilung und ein Wettschlagen der Parteientschädigungen.