Decision ID: 45d0eda1-41fa-4464-8133-8b4d0f9431a5
Year: 2022
Language: de
Court: AG_SVWG
Chamber: AG_SVWG_002
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Gericht entnimmt den Akten:
1.
Mit Verfügung vom 19. März 2020 wurde A. von der Steuerkommission Q.
für die Kantons- und Gemeindesteuern 2017 ermessensweise zu einem
steuerbaren Einkommen von CHF 207'600.00 (satzbestimmendes
Einkommen CHF 208'300.00) und zu einem steuerbaren Vermögen von
CHF 506'000.00 (satzbestimmendes Vermögen CHF 516'000.00)
veranlagt.
2.
Gegen die Verfügung vom 19. März 2020 erhob A. mit Schreiben vom 22.
August 2021 Einsprache. Er stellte den Antrag, die Steuerveranlagung
2017 sei gemäss dem Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 16. August
2021 betreffend seiner Steuerveranlagung 2016 (WBE.2021.191) zu
korrigieren.
3.
3.1.
Mit Schreiben vom 27. August 2021 wies das Gemeindesteueramt Q. A.
darauf hin, dass die Einsprache verspätet eingegangen sei, und forderte
ihn zur Nennung von Hinderungsgründen auf.
3.2.
Mit Entscheid vom 15. März 2022 trat die Steuerkommission Q. auf die
Einsprache nicht ein.
4.
Den Einspracheentscheid vom 15. März 2022 (Zustellung am 24. März
2022) hat A. mit Rekurs vom 3. Mai 2022 (per E-Mail zugesandt am 9. Mai
2022 an die Staatskanzlei des Kantons Aargau) an das
Spezialverwaltungsgericht, Abteilung Steuern, weitergezogen. Er stellt die
Anträge, das Einkommen 2017 sei auf CHF 0.00 zu reduzieren und es sei
ihm von der Gemeinde Q. bzw. dem Steueramtsvorsteher ein
Schmerzensgeld von CHF 50'000.00 auszurichten. Im Übrigen sei die Ge-
meinde Q. aufgrund ihrer Befangenheit als nicht mehr zuständig für seine
Steuerangelegenheiten zu erklären.
Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den Er-
wägungen eingegangen.
5.
Mit E-Mail vom 13. Mai 2022 teilte das Spezialverwaltungsgericht A. mit,
dass ein Rekurs per E-Mail grundsätzlich ungültig sei, und dass
Voraussetzung eines gültigen Rekurses eine innerhalb der Rechtsmittelfrist
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der schweizerischen Post übergebene oder einer diplomatischen
Vertretung der Schweiz im Ausland eingereichte Eingabe sei.
6.
Das Gemeindesteueramt Q. und das Kantonale Steueramt beantragen die
Abweisung des Rekurses.
7.
Mit Schreiben vom 6. Juli 2022 stellte das Spezialverwaltungsgericht A. das
voraussichtliche Nichteintreten auf den formungültigen Rekurs in Aussicht
und forderte ihn auf, dazu sowie zu den beigelegten Vernehmlassungen
des Gemeindesteueramtes Q. und des Kantonalen Steueramtes Stellung
zu nehmen.
8.
A. hat eine Replik erstattet.
- 4 -

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Der vorliegende Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeindesteuern 2017.
Massgebend für die Beurteilung des Rekurses ist das Steuergesetz vom
15. Dezember 1998 (StG).
2.
Vorab ist zu prüfen, ob der Rekurs innerhalb der Rechtsmittelfrist gültig ein-
gereicht wurde.
3.
3.1.
Die Rekursfrist beträgt 30 Tage und ist nicht erstreckbar (§ 187 Abs. 1 StG).
Es handelt sich um eine gesetzliche Frist, die als Verwirkungsfrist ausge-
staltet ist (Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 4. Auflage, Muri-Bern
2015, § 187 StG N 3). Die Rechtsmittelfristen beginnen mit dem auf die
Eröffnung der Verfügung oder des Entscheides folgenden Tag zu laufen.
Sie gelten als eingehalten, wenn die Eingabe spätestens am letzten Tag
der Frist eingegangen oder der Schweizerischen Post übergeben worden
ist. Obwohl im Gesetz nicht ausdrücklich genannt, ist die Frist auch dann
gewahrt, wenn die Eingabe spätestens am letzten Tag der Frist einer
schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung im Aus-
land übergeben wird (Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, a.a.O.,
§ 186 StG N 20 mit Hinweis). Fällt der letzte Tag auf einen Samstag, Sonn-
tag oder staatlich anerkannten Feiertag, so läuft die Frist am nächstfolgen-
den Werktag ab (§ 186 Abs. 1 und 2 StG). Die rechtzeitige Einreichung
eines Rechtsmittels ist eine Sachurteilsvoraussetzung. Nur wenn sie erfüllt
ist, darf auf das Rechtsmittel eingetreten werden (Kommentar zum Aar-
gauer Steuergesetz, a.a.O., § 187 StG N 4).
3.2.
Gemäss § 197 Abs. 4 StG in Verbindung mit § 28 Abs. 1 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 (Verwaltungs-
rechtspflegegesetz, VRPG) gilt für die Berechnung der Fristen die Zivilpro-
zessordnung. Danach stehen gesetzliche und gerichtliche Fristen still unter
anderem vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach
Ostern (Art. 145 Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom
19. Dezember 2008 [ZPO]). Die Gerichtsferien dauern somit vom Sonntag
vor Ostern bis und mit dem Sonntag nach Ostern (Kommentar zur Schwei-
zerischen Zivilprozessordnung [ZPO], 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2013,
Art. 145 ZPO N 5).
- 5 -
3.3.
Der Einspracheentscheid vom 15. März 2022 wurde dem Rekurrenten ge-
mäss Sendungsverfolgung der Post am 24. März 2022 zugestellt. Die
30-tägige Rekursfrist hat demnach am Freitag, 25. März 2022, zu laufen
begonnen und endete – unter Berücksichtigung der vom 10. bis zum
24. April 2022 andauernden Gerichtsferien – am Montag, 9. Mai 2022.
3.4.
Die E-Mail des Rekurrenten ging am 9. Mai 2022 und damit am letzten Tag
der Rechtsmittelfrist um 15.58 Uhr bei der Staatskanzlei ein. Nach Weiter-
leitung der E-Mail zunächst an das Kantonale Steueramt am 9. Mai 2022
und in der Folge an das Spezialverwaltungsgericht am 12. Mai 2022 infor-
mierte das Spezialverwaltungsgericht den Rekurrenten mit E-Mail vom
13. Mai 2022 darüber, wann die Rekursfrist abgelaufen sei und dass der
eingereichte Rekurs mangels Schriftlichkeit formungültig sei.
Aufgrund des Eingangs der E-Mail-Eingabe des Rekurrenten am letzten
Tag der Rekursfrist war eine Aufforderung zur Verbesserung nicht möglich,
da eine Nachfristansetzung nur für den Fall einer fehlenden handschriftli-
chen Unterschrift (oder bei Unklarheit oder Widersprüchlichkeit von Antrag
und Begründung, vgl. § 196 Abs. 3), nicht aber für den Fall einer per E-Mail
übermittelten Eingabe möglich ist (vgl. Kommentar zum Aargauer Steuer-
gesetz, a.a.O., § 196 StG N 26 mit Hinweis i.V.m. § 186 StG N 15a mit
Hinweisen).
Im Rahmen des Schriftenwechsels wiederholte das Spezialverwaltungsge-
richt mit Schreiben vom 6. Juli 2022 die Erklärungen zur Berechnung der
Rechtsmittelfrist sowie zur erforderlichen Schriftlichkeit des Rekurses.
Ebenso wurde festgehalten, dass bis zu jenem Zeitpunkt keine (formgül-
tige) Rekursschrift eingereicht worden sei. Mit Replik vom 27. Juli 2022 be-
stritt der Rekurrent, dass seine Rekurserhebung per E-Mail ungültig sei und
legte das (ursprüngliche) unterzeichnete Rekursschreiben "der guten Ord-
nung halber" im Original bei.
3.5.
Der Rekurs ist schriftlich einzureichen (§ 196 Abs. 1 StG). Zur Schriftform
gehört das Erfordernis der eigenhändigen Unterschrift. Die Schriftform ist
Gültigkeitserfordernis. Ein Fax genügt dem Erfordernis der Schriftlichkeit
nicht (Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, a.a.O., § 196 StG N 17 mit
Hinweis). Ebensowenig gilt eine E-Mail als schriftliche Eingabe (Kommen-
tar zum Aargauer Steuergesetz, a.a.O., § 186 StG N 15a mit Hinweisen).
Jedoch besteht gemäss § 7 Abs. 1, 3 und 5 VRPG in Verbindung mit den
Vorschriften der Verordnung über die elektronische Übermittlung in Verfah-
ren vor Verwaltungs- und Verwaltungsjustizbehörden vom 9. Mai 2012
(Übermittlungsverordnung, ÜmV) die Möglichkeit, über einen qualifizierten
elektronischen Zugang mittels elektronischer Eingabe an die Adresse des
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Spezialverwaltungsgerichts Rekurs zu erheben (§ 2 Abs. 2bis, § 2a Abs. 2
und § 5 ÜmV sowie Information über den elektronischen Rechtsverkehr auf
der Webseite des Kantons Aargau: https://www.ag.ch/de/gerichte/ueber-
uns/elektronischer-rechtsverkehr). Die Eingabe muss dabei mit einer aner-
kannten elektronischen Signatur versehen sein (§ 7 Abs. 3 VRPG; § 4
Abs. 2 ÜmV).
3.6.
Der Rekurrent hat seinen Rekurs vom 3. Mai 2022 per E-Mail vom 9. Mai
2022 an die Adresse der Staatskanzlei des Kantons Aargau (info@ag.ch)
versandt.
Die Voraussetzungen der elektronischen Einreichung von Eingaben im
Rechtsverkehr sind für den Kanton Aargau ohne Weiteres im Internet zu
finden: Gibt man auf der Startseite des Kantons Aargau (www.ag.ch) im
Suchfeld die Begriffe "elektronische Eingabe" ein, lautet bereits der zweite
Treffer "Elektronischer Rechtsverkehr". Darüber gelangt man auf eine
Seite, welche die Voraussetzungen elektronischer Eingaben beschreibt.
Auf der Seite ist ein Link angegeben (Verfahren nach Straf- und Zivilpro-
zessrecht  Gerichte Aargau: E-Mail-Adressen für die elektronische Ein-
gabe), mit dem man auf eine Folgeseite gelangt, auf der auch die E-Mail-
Adresse des Spezialverwaltungsgerichts angegeben ist
(https://www.ag.ch/de/gerichte/ueber-uns/elektronischer-rechtsverkehr).
Die verwendete Adresse ist nicht enthalten in der Liste der E-Mail-Adressen
auf der Webseite des Kantons Aargau, an die elektronische Eingaben mög-
lich sind (https://www.ag.ch/de/gerichte/ueber-uns/elektronischer-rechts-
verkehr). Die Eingabe des Rekurrenten verfügte über keine anerkannte
elektronische Signatur. Somit lag keine gültige elektronische Eingabe des
Rekurrenten innert der Rechtsmittelfrist vor.
4.
4.1.
Der Rekurrent hat den Rekurs gemäss Datierung am 3. Mai 2022 und somit
rechtzeitig sechs Tage vor Ablauf der Rechtsmittelfrist verfasst. Obwohl er
bereits am 13. Mai 2022 vom Spezialverwaltungsgericht auf die mögliche
Formungültigkeit seines Rekurses bzw. auf den fehlenden postalischen
Eingang der Eingabe hingewiesen wurde, reichte der Rekurrent das hand-
schriftlich unterzeichnete Rekursschreiben – und damit eine formgültige
Eingabe – erstmals im Rahmen des Schriftenwechsels am 27. Juli 2022
und auch dann lediglich "der guten Ordnung halber" physisch nach.
4.2.
Die Einreichung des formgültigen – unterzeichneten – Rekurses am 27. Juli
2022 stellte keine verspätete Eingabe des Rekurrenten im eigentlichen
Sinne dar, zumal sich das physisch nachgereichte Dokument in keiner
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Weise von der per E-Mail eingereichten Eingabe vom 3. bzw. 9. Mai 2022
unterschied. Vielmehr hat der Rekurrent innert Frist gehandelt, jedoch am
9. Mai 2022 die Formerfordernisse einer Rekurseingabe nicht beachtet. Der
Rekurrent kann sich damit nicht auf Hinderungsgründe berufen. Er hat
denn auch keinen Hinderungsgrund genannt, der eine Wiederherstellung
der Rekursfrist rechtfertigen würde. Ein solcher ist auch nicht ersichtlich. Er
hat das (formgültige) Rekursschreiben somit nicht deshalb verspätet ein-
gereicht, weil ein Hinderungsgrund vorgelegen hätte, sondern weil er der
Ansicht war, dass seine E-Mail vom 9. Mai 2022 der erforderlichen Form
genüge. Diese Ansicht hat er in der Replik vom 27. Juli 2022 ausdrücklich
bestätigt.
5.
5.1.
Der Rekurrent macht geltend, die Rechtsmittelbelehrung im Einspracheent-
scheid sei lückenhaft. Es sei darin nicht beschrieben, wie ein Rekurs aus
dem Ausland einzureichen sei. Ebensowenig sei vermerkt, dass ein Rekurs
nicht per E-Mail eingereicht werden könne. Es werde lediglich darauf hin-
gewiesen, dass der Rekurs zu unterzeichnen sei. Dieser Mangel in der