Decision ID: eedff033-e18d-486f-bd5a-cb2d70cb1a82
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
CSS Versicherung AG, Recht & Compliance, Tribschenstrasse 21, Postfach 2568,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war bei der B._ AG tätig und dadurch bei der CSS Versicherung
unfallversichert, als sie dieser einen Nichtbetriebsunfall (Verletzung auf einer Jahrmarkt-
Bahn) vom 18. September 2010 melden liess (UV-act. 1/1). Sie habe auf einem Teller
gesessen, welcher hin und her geschwenkt und sich um die eigene Achse gedreht
habe. Die Wucht der Bewegung sei so gross gewesen, dass ihr Kopf ruckartig
"zurückgeschleudert" worden sei und sich ihr Rücken verkrampft habe. Kopf und Hals
hätten der Krafteinwirkung nicht standhalten können. Am nächsten Morgen habe sie
extreme Schmerzen im Nacken und Rücken verspürt sowie unter starken
Kopfschmerzen und Übelkeit gelitten (UV-act. 1/2). Dr. med. C._, Facharzt Innere
Medizin FMH, bestätigte im Bericht vom 15. Oktober 2010 ein HWS-Distorsionstrauma
mit schmerzhaften Verspannungen des Schulter- und Nackengürtels und
Myelogelosen. Seit 22. September 2010 habe eine volle und ab 4. Oktober 2010 eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (UV-act. 1/5).
A.b Mit Verfügung vom 25. Oktober 2010 gab die CSS der Versicherten bekannt, dass
das Ereignis vom 18. September 2010 weder als Unfall noch als eine unfallähnliche
Körperschädigung zu qualifizieren sei. Es gehöre zum programmgemässen Ablauf,
dass beim Besuch einer Vergnügungsbahn der Körper grossen Zentrifugalkräften
ausgesetzt werde. Die häufigen und raschen Änderungen der Bewegungsabläufe
würden nichts Ungewöhnliches im Rechtssinn darstellen. Die Leistungen aus der
obligatorischen Unfallversicherung seien daher abzulehnen (UV-act. 1/7). Die gegen
diese Verfügung erhobene Einsprache (UV-act. 1/8) wies die CSS mit
Einspracheentscheid vom 11. April 2011 ab (UV-act. 3).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, St.
Gallen, für die Versicherte am 23. Mai 2011 Beschwerde mit den Anträgen, der
Entscheid sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass es sich beim Ereignis vom
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18. September 2010 um einen Unfall gehandelt habe. Die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin zu berechnen und die ihr
zustehenden Leistungen zu erbringen. Zur Begründung legte der Rechtsvertreter unter
anderem dar, Dr. C._ habe die Beschwerdeführerin nach vollständiger und 50%iger
Arbeitsunfähigkeit ab 11. Oktober 2010 wieder vollständig arbeitsfähig geschrieben. Zu
bemängeln sei, dass die Beschwerdegegnerin es nicht für nötig befunden habe,
genauer zu prüfen, um was für eine Vergnügungsbahn es sich gehandelt habe, ob hier
die Passagiere tatsächlich üblicherweise hin und her geschleudert würden, wie die
Sicherheitsvorkehrungen seien, wie die Besucher in der Bahn sitzen würden
(angeschnallt, nicht angeschnallt) und insbesondere, ob es vorkommen könne, dass
während der Fahrt unvorhergesehene Abbremsungen oder Schwenkungen der Teller
stattfinden würden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein ungewöhnlicher
äusserer Faktor ursächlich für die bei der Beschwerdeführerin aufgetretene
Kopfbewegung gewesen sei. Der Besucher einer Vergnügungsbahn sei sich zwar
bewusst, dass häufige und rasche Änderungen in den Bewegungsabläufen stattfinden
könnten, Zentrifugalkräfte auf seine Wirbelsäule wirken könnten und dies zum
programmgemässen Bewegungsablauf gehöre. Dennoch schliesse dies nicht aus, dass
die Voraussetzung der Ungewöhnlichkeit erfüllt sein könnte, zumal es nicht zum
programmgemässen Bewegungsablauf gehören könne, dass der Kopf nicht
"nachkomme" bzw. zurückgeschleudert werde. Die Voraussetzung der
Ungewöhnlichkeit sei damit offensichtlich erfüllt. Zumindest sei sie glaubhaft gemacht
worden, weshalb die Beschwerdegegnerin zu verpflichten sein werde, weitere
Abklärungen in die Wege zu leiten. Richtig sei, dass es sich bei der diagnostizierten
HWS-Distorsion nicht um eine unfallähnliche Körperschädigung handle. Diese Frage
sei allerdings insofern irrelevant, als ein Unfall vorliege.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 22. Juni 2011 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Darlegungen im
angefochtenen Einspracheentscheid. Die Einwirkung von Zentrifugalkräften auf Kopf
und Nacken sei von der Beschwerdeführerin bewusst in Kauf genommen worden. Auch
ohne weitere Abklärungen könne festgestellt werden, dass sich im Übrigen nichts
Aussergewöhnliches (z.B. abruptes Abstellen der Vergnügungsbahn, Kopfanprall
frontal auf der Lehne) zugetragen habe. Weitere Abklärungen hätten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ohnehin zu keinem anderen Ergebnis geführt.
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B.c Mit Replik vom 13. Juli 2011 (act. G 5) und Duplik vom 28. Juli 2011 (act. G 7)
bestätigten die Parteien ihre Standpunkte.

Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden die Versicherungsleistungen, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt.
Gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] ist ein Unfall die plötzliche, nicht
beabsichtigte, schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf
den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor
selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere
Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat. Ein
äusserer Faktor ist aussergewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich
im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (RKUV
2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit
Hinweisen). Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen
äusseren Faktors kann nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten
Bewegung bestehen. So kann der Körper als Ganzes in Bewegung kommen, indem er
- z.B. bei einem Sturz - auf harter Unterlage aufschlägt und Schaden nimmt. Der
äussere und der ungewöhnliche Faktor sind hier ohne weiteres gegeben. Dies trifft
auch zu, wenn sich, wie beim Ausgleiten, Stolpern oder Abwehren eines Sturzes, bloss
einzelne Körperteile bewegen und in Verbindung mit einem in der Aussenwelt
liegenden Umstand zur gesundheitlichen Störung führen (RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199
E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b; Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1989, S. 176 f.; Rumo-Jungo, Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 3. Aufl., Zürich 2003, S. 27 f.). Weiter bejaht die Rechtsprechung
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das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors dann, wenn beim Heben oder
Verschieben einer Last ein ganz ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgt und zu einer,
gelegentlich als Verhebetrauma bezeichneten, Schädigung führt. Es muss jedoch von
Fall zu Fall geprüft werden, ob die Anstrengung im Hinblick auf Konstitution und beruf
liche oder ausserberufliche Gewöhnung der betreffenden Person ausserordentlich war
(vgl. BGE 116 V 139 E. 3b; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2). Der Bundesrat kann
sodann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalls ähnlich sind, in die
Versicherung einbeziehen (Art. 6 Abs. 2 UVG). In Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) hat er in einer abschliessenden Aufzählung
folgende Körperschäden auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen
gleichgestellt, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration
zurückzuführen sind: Knochenbrüche, Verrenkungen von Gelenken, Meniskusrisse,
Muskelrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse, Bandläsionen sowie
Trommelfellverletzungen.
1.2 Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht,
der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben
den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln. Indessen ist die
leistungsansprechende Person verpflichtet, dabei mitzuwirken. Sie muss die Umstände
des Unfalls glaubhaft machen. Im Streitfall obliegt es dem Gericht, zu beurteilen, ob die
einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime
entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann
zu diesem Zweck auch die Parteien heranziehen (RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Das
Gericht stellt auf jene Sachverhaltsdarstellung ab, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt. Der Untersuchungsgrundsatz
schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die
Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der
Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel kommt zur Anwendung, wenn im Rahmen
des Untersuchungsgrundsatzes kein wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden
kann (BGE 114 V 305 E. 2b). Wird also auf dem Weg der Beweiserhebung das
Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die
blosse Möglichkeit genügt nicht (Th. Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts,
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Bern 2003, 3. Aufl., S. 451 f.) - so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu
Lasten der den Anspruch erhebenden Person auswirkt.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin suchte am 18. September 2010 einen Jahrmarkt auf und
absolvierte dort eine Fahrt in einer Vergnügungs-Bahn, in welcher sie nach ihren
Darlegungen - auf einem Teller sitzend - starken Drehbewegungen sowie Bewegungen
in horizontaler und vertikaler Richtung ausgesetzt war, wodurch sich Krafteinwirkungen
auf die Halswirbelsäule und den (unteren) Rückenbereich ergaben. In der Folge
verspürte sie Schmerzen im Nacken und Rücken und litt unter starken Kopfschmerzen
und Übelkeit. Abgesehen davon, dass sie selten solche Bahnen besuche, hätten
"normale äussere Bedingungen" vorgelegen (vgl. UV-act. 1/2; vgl. auch act. G 1 S. 3
oben). In einem Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem
Beschleunigungstrauma verneinte Dr. C._ am 28. September 2010 das Vorliegen von
äusseren Verletzungen, vermerkte jedoch Nackenbeschwerden und muskulo-skelettale
Befunde (act. G 1/6).
2.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin erachtet weitere Abklärungen zum
Hergang des Unfallereignisses als erforderlich. Die Beschwerdegegnerin habe darauf
verzichtet, genauer zu prüfen, um was für eine Bahn es sich gehandelt habe, ob die
Passagiere tatsächlich üblicherweise hin und her geschleudert würden, wie die
Sicherheitsvorkehrungen seien, wie die Besucher in der Bahn sitzen würden und ob
unvorhergesehene Abbremsungen und Schwenkungen des Tellers vorkommen
könnten. Es könne "nicht ausgeschlossen" werden, dass ein ungewöhnlicher äusserer
Faktor ursächlich für die Kopf- und Nackenbewegung gewesen sei (act. G 1 S. 5f). Die
Schilderung der Beschwerdeführerin, wonach Kopf und Hals bei den
Bewegungsänderungen nicht mehr nachgekommen seien, deute auf eine
Programmwidrigkeit im Sinn eines unvorhergesehenen Ereignisses hin (act. G 5 S. 3).
Er zieht damit eine "Programmwidrigkeit" im Sinn einer den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitenden Gegebenheit als möglich in
Betracht bzw. vermutet eine solche, ohne diese jedoch - im Rahmen der ihm bzw. der
Beschwerdeführerin obliegenden Mitwirkungspflicht - näher zu bezeichnen. Damit ist
ein zureichender Anlass für weitere Abklärungen nicht dargetan. Konkrete
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Anhaltspunkte dafür, dass Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten worden sein
könnten, werden weder geltend gemacht noch sind solche aus den Unterlagen
ersichtlich. Es ist nicht Sache der Beschwerdegegnerin oder des Gerichts, ohne Anlass
nach allfälligen weiteren Tatbestandselementen bzw. Programmwidrigkeiten im
Unfallhergang zu "forschen". Weitere Abklärungen erscheinen in dieser Situation nicht
gerechtfertigt, zumal für die Beurteilung der Angelegenheit uneingeschränkt auf die
Unfall-Schilderung der Beschwerdeführerin abgestellt bzw. diese nicht in Frage gestellt
wird.
3.
3.1 Vorliegend sind nach Lage der Akten vier der fünf Tatbestandsmerkmale des
Unfallbegriffs - Körperverletzung, äussere Einwirkung, Plötzlichkeit und fehlende
Absicht - erfüllt. Die Beschwerdegegnerin erachtet hingegen die erforderliche
Ungewöhnlichkeit der äusseren Einwirkung als nicht gegeben. Das Begriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit wurde entwickelt, um die "tausendfältigen kleinen und kleinsten
Insulte des täglichen Lebens, die als solche gänzlich unkontrollierbar sind und deshalb
nur beim Hinzutreten von etwas Besonderem Berücksichtigung finden sollen", aus dem
Unfallbegriff auszuscheiden. Die meisten Krankheiten beruhen auf einer
Wechselwirkung von inneren und äusseren Faktoren; oft ist die letztlich pathogene
innere Ursache ihrerseits ohne Umwelteinflüsse nicht denkbar (Alfred Bühler, Der
Unfallbegriff, in: Alfred Koller [Hrsg.], Haftpflicht- und Versicherungsrechtstagung 1995,
S. 234). Das Merkmal des Ungewöhnlichen macht den alltäglichen Vorgang zum
einmaligen Vorfall. Einwirkungen, die aus alltäglichen Vorgängen resultieren, taugen in
aller Regel nicht als Ursache einer Gesundheitsschädigung. Liegt der Grund somit
allein im Innern des Körpers, ist Krankheit gegeben. Daran ändert die blosse Auslösung
des Gesundheitsschadens durch einen äusseren Faktor nichts; Unfall setzt vielmehr
begrifflich voraus, dass das exogene Element so ungewöhnlich ist, dass eine endogene
Verursachung ausser Betracht fällt (BGE 134 V 72 E. 4.1 mit Hinweisen).
3.2 Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist, dass der äussere Faktor
allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog (BGE 129 V 402 E. 2.1).
Ausschlaggebend ist, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an
Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche
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Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit. Hingegen ist die Wirkung, das
heisst die Natur des Gesundheitsschadens, mit Blick auf die Bedeutung des
Abgrenzungskriteriums im Einzelfall durchaus beachtlich. Ein gesteigertes
Abgrenzungsbedürfnis besteht dort, wo der Gesundheitsschaden seiner Natur nach
auch andere Ursachen als eine plötzliche schädigende Einwirkung haben kann, also
keine gesicherte Zuordnung zum exogenen Faktor erlaubt. Dies gilt nach der
Rechtsprechung insbesondere dann, wenn die Gesundheitsschädigung
erfahrungsgemäss auch als alleinige Folge von Krankheit, insbesondere von
vorbestandenen degenerativen Veränderungen eines Körperteils, innerhalb eines
durchaus normalen Geschehensablaufs auftreten kann. In solchen Fällen muss die
unmittelbare Ursache der Schädigung unter besonders "sinnfälligen" Umständen
gesetzt worden sein (BGE 99 V 136 E. 1; RKUV 1999 Nr. U 345 S. 422, E. 2b [U
114/97]). Ist eine Verletzung wiederholten Mikrotraumata des täglichen Lebens
zuzuschreiben, welche zu einer allmählichen Abnützung geführt haben, so ist sie (im
Bereich der obligatorischen Unfallversicherung unter Vorbehalt von Art. 9 Abs. 2 UVV)
als Krankheitsfolge zu betrachten. Somit wird eine Einwirkung ohne offensichtliche
Schadensneigung erst durch das Hinzukommen eines zusätzlichen Ereignisses zum
ungewöhnlichen äusseren Faktor. Stellt sich nach einer Fahrt auf einer
Vergnügungsbahn beispielsweise ein Zervikalsyndrom infolge Distorsion der
Halswirbelsäule ein, so bedarf es - neben den üblichen auf den Körper einwirkenden
Kräften - eines schadensspezifischen Zusatzgeschehens, damit ein Unfall
angenommen werden kann (BGE 134 V 72 E. 4.3.2.1 mit Hinweis auf RKUV 1998 Nr. U
311 S. 468 [U 2/97] und RKUV 1996 Nr. U 253 S. 199 [U 219/95]). Entsprechendes gilt
mit Bezug auf eine Hyperflexionsbewegung der Halswirbelsäule bei der Vollbremsung
eines Autos ohne Kollision, weil es hier um einen im betreffenden Lebensbereich
alltäglichen und üblichen Vorgang geht, zu dem nichts Besonderes
("Programmwidriges" oder "Sinnfälliges") hinzugetreten ist (Urteile des Bundesgerichts
[bis 31. Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG] vom 25. März
2004, U 131/03, E. 3.3 und 3.4, und vom 3. August 2000, U 349/99; vgl. auch Urteil des
EVG vom 20. Juli 2000, U 79/98, E. 3). Ein solches Zusatzgeschehen - und mit diesem
das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors im Sinne einer den normalen
Bewegungsablauf störenden Programmwidrigkeit - ist gegeben bei einem Skifahrer,
der auf einer Buckelpiste auf einer vereisten Stelle ausgleitet, ohne zu stürzen, danach
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unkontrolliert einen Buckel anfährt, abgehoben wird und bei verdrehter
Oberkörperhaltung hart auf dem Boden aufschlägt (RKUV 1999 Nr. U 345 S. 420 [U
114/97]), nicht aber, wenn beim Skifahren auf einer steilen, buckligen Piste und
Kompression in einer Wellenmulde eine Diskushernie auftritt (SUVA-Bericht 1991 Nr. 3
S. 5, U 16/91). Auch ausserhalb der unfallähnlichen Körperschädigungen (Art. 9 Abs. 2
UVV; BGE 129 V 466) kann es sich ergeben, dass von der Auswirkung eines von
aussen betrachtet regulär verlaufenden Geschehens zwangsläufig auf einen tatsächlich
ungewöhnlichen Verlauf geschlossen werden muss. So hat das EVG festgehalten, es
liege ein Unfall im Rechtssinn vor, wenn das Trommelfell eines Wasserspringers durch
den Wasserdruck perforiert wird. Wasser sei als ungewöhnlicher äusserer Faktor zu
bewerten, wenn es eine Gesundheitsschädigung bewirke, indem es plötzlich in den
Körper eines Badenden eindringe. Bei dem umstrittenen Turmsprung habe durch das
Untertauchen der äussere Druck auf das Trommelfell plötzlich zugenommen, wie ein
Schlag gewirkt und eine Perforation verursacht. Wie ein geübter Mineur einmal ein
akustisches Trauma erleiden oder wie Wasser in das Mittelohr eindringen und zu einer
tödlichen Infektion führen könne, so vermöge auch unter Umständen der Wasserdruck
das Trommelfell eines Wasserspringers zu schädigen, zumal wenn dieser vom
höchsten Brett abspringe. Ob der Sprung technisch einwandfrei ausgeführt werde oder
aber misslinge, sei in diesem Zusammenhang unerheblich (BGE 134 V 72 E. 4.3.2.2 mit
Hinweisen).
3.3 In BGE 134 V 72 kam das Bundesgericht hinsichtlich der dort in Frage stehenden
Zahnverletzung infolge eines Zusammenstosses während einer Auto-Scooter-Fahrt
zum Schluss, diese lasse sich - anders als ein Zervikalsyndrom aus gleicher Ursache -
ihrer Natur nach zweifelsfrei einem äusseren Faktor zuordnen. Zudem sei mit dem
Anschlagen des Kopfes am Lenkrad ein sinnfälliges und nicht regelmässig bei Auto-
Scooter-Fahrten vorkommendes Zusatzereignis gegeben, das für sich allein die
Ungewöhnlichkeit des Geschehens begründe (BGE 134 V 72 E. 4.3.3). Vorliegend ist
davon auszugehen, dass bei der Beschwerdeführerin aufgrund der Bewegungen des
Tellers, auf welchem sie beim Ereignis vom 18. September 2010 sass, erhebliche
Kräfte auf Halswirbelsäule und Kopf einwirkten. Jedoch fehlt es - ausgehend von ihrer
eigenen Sachverhaltsschilderung (UV-act. 1/2) - an einem aussergewöhnlichen
(programmwidrigen) Geschehen, wie es dem vorerwähnten Bundesgerichtsurteil
zugrundelag. Die in BGE 134 V 72 vorgenommene Änderung der Rechtsprechung
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bezog sich nicht auf Sachverhalte, bei welchen (ohne Anschlagen von Körperteilen
oder anderweitige Programmwidrigkeit) auf Vergnügungsbahnen eine HWS-Distorsion
eingetreten war, sondern explizit auf die in RKUV 2005, Nr. KV 351 [K 90/03] publizierte
Rechtsprechung, welcher als Sachverhalt das Aufschlagen mit dem Kiefer am Lenkrad
eines Putsch-Autos zugrundelag. Nach der in RKUV 1998 Nr. U 311 S. 468 publizierten
und in BGE 134 V 72 (E. 4.3.2.1) zitierten bzw. implizit bestätigten Rechtsprechung ist
die Distorsion der HWS, welche sich eine versicherte Person im Autoscooter beim
Zusammenprall mit einem anderen Scooter zugezogen hat, nicht der Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors zuzuschreiben. Denn bei solchen
Vergnügungsfahrten wird die Kollision mit anderen Teilnehmern gesucht und in Kauf
genommen, dass ein Aufprall unerwartet erfolgt (RKUV 1998 Nr. 311 S. 468). Dem in
RKUV 1996 Nr. U 253 S. 199 publizierten und in BGE 134 V 72 E. 4.3.2.1 ebenfalls
zitierten Fall lag der folgende Sachverhalt zugrunde: Die Versicherte besuchte eine
Vergnügungsbahn, welche in einer Richtung rotierte. Auf der rotierenden Fläche waren
mehrere kleine Wägelchen montiert, welche ihrerseits wieder in verschiedenen
Richtungen rotierten und dabei heftig hin und her schaukelten. Beim Richtungswechsel
entstand jeweils ein heftiger Ruck. Die Versicherte zog sich dabei eine Distorsion der
Halswirbelsäule zu. Das EVG hat erwogen, dass ein in verschiedene Richtungen
drehendes sowie hin und her schaukelndes Wägelchen auf einer rotierenden
Vergnügungsbahn mit sich ändernden Geschwindigkeiten den Benützer beträchtlichen
Beschleunigungs-, Brems-, Dreh-, Schaukel- und Schleuderbewegungen aussetze,
was die Attraktion solcher Fahrten ausmache. Es gehöre zu deren
programmgemässem Ablauf, dass der Körper und namentlich auch die auf
Distorsionen besonders anfällige Halswirbelsäule grossen Zentrifugalkräften ausgesetzt
werde. In dieser den Körper stark belastenden Situation zufolge häufiger und rascher
Änderungen der Bewegungsabläufe der Vergnügungsbahn könne grundsätzlich nichts
Ungewöhnliches erblickt werden. Die unerwartete Folge der Bahnfahrt konnte
angesichts des objektiv programmmässigen Bewegungsablaufes und damit des
fehlenden Ungewöhnlichkeitscharakters nicht auf einen Unfall im Rechtssinn
zurückgeführt werden (RKUV 1996 Nr. U 253 S. 199; vgl. im Übrigen auch SVR 2006
UV Nr. 18 S. 65, U 296/05). Auch vorliegend ist - mangels konkreter gegenteiliger
Anhaltspunkte für einen programmwidrigen Ablauf - davon auszugehen, dass bei
fehlendem Anschlagen von Körperteilen lediglich die für eine Vergnügungsbahn
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üblichen Kräfte auf den Körper der Beschwerdeführerin einwirkten. Der Umstand allein,
dass der Kopf der Bewegung nicht "nachkommt" bzw. zurückgeschleudert wird (vgl.
act. G 1 S. 7), stellt keine Programmwidrigkeit dar. Vielmehr bilden die einwirkenden
Kräfte üblicher Bestandteil der Fahrt mit einer Jahrmarkt-Bahn. Es lässt sich
dementsprechend nicht beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin das Vorliegen
eines Unfallereignisses verneinte. Sodann stellt die von Dr. C._ bescheinigte HWS-
Distorsion keine unfallähnliche Körperschädigung im Sinn von Art. 9 Abs. 2 lit. b UVV
(Verrenkungen von Gelenken) dar (vgl. Urteile des EVG vom 12. April 2000, U 110/99,
E. 4, und vom 8. September 2000, U 351/99, E. 2b); dies wird auch von der
Beschwerdeführerin nicht in Abrede gestellt. Eine andere Diagnose, welche auf weitere
unfallähnliche Schädigungen im Sinn von Art. 9 Abs. 2 UVV hindeuten würde, ergibt
sich aus den Akten nicht.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 11. April 2011 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39