Decision ID: 2c15ecb4-16a4-4a4d-afca-9b50bf5e20d8
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend falsche Anschuldigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht Strafsachen, vom 18. Mai 2017 (GG170014)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 2. Februar
2017 (Urk. 24) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
- der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 in Ver-
bindung mit Ziff. 2 StGB,
- des Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG
und
- der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG, in
Verbindung mit Art. 27 SVG, Art. 4a Abs. 5 VRV und Art. 22 SSV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu
CHF 160.–, wovon 1 Tag durch Haft erstanden ist, sowie mit einer Busse
von CHF 1'000.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die Busse ist zu bezahlen.
Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 1'350.00 ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 2'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
CHF 2'380.00 Auslagen (Gutachten)
CHF 5'730.00 Total Kosten
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Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert
sich die Entscheidgebühr um einen Drittel.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 53 S. 1)
1. Der Beschuldigte sie vollumfänglich freizusprechen.
2. Die Untersuchungs- und Gerichtskosten seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
3. Der Beschuldigte sei für die Kosten der erbetenen Verteidigung im vor-
instanzlichen Verfahren sowie im Berufungsverfahren angemessen zu
entschädigen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:
(Urk. 48, sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Berufung des Beschuldigten
1.1. Mit dem vorstehend im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vor-
instanz vom 18. Mai 2017 wurde der Beschuldigte anklagegemäss der falschen
Anschuldigung, des Fahrens ohne Berechtigung und der Verletzung der Ver-
kehrsregeln schuldig gesprochen und mit einer, unter einer Probezeit von 2 Jah-
ren stehenden, bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 160.– sowie ei-
ner Busse von Fr. 1'000.– bestraft (Urk. 42).
1.2. Mit Eingabe seines Verteidigers vom 24. Mai 2017, welche bei der Vor-
instanz am 26. Mai 2017 einging, liess der Beschuldigte gegen dieses erstinstanz-
liche Urteil fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 37). Nach Erhalt des begründe-
ten Entscheids der Vorinstanz am 26. Juli 2017 (Urk. 40), liess er sodann wiede-
rum innert Frist die auf den 28. Juli 2017 datierte Berufungserklärung einreichen,
welche am 31. Juli 2017 beim hiesigen Gericht einging (Urk. 43). Gemäss dersel-
ben ficht der Beschuldigte das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich an und ver-
langt einen Freispruch unter entsprechenden Kosten- und Entschädigungsfolgen.
1.3. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf ein Rechtsmittel (vgl. Urk. 48)
und beantragt dementsprechend sinngemäss die Bestätigung des vorinstanzli-
chen Urteils.
2. Privatgutachten des Beschuldigten
2.1. Der Beschuldigte behielt sich mit seiner Berufungserklärung vom
28. Juli 2017 nachträgliche Beweisanträge vor. Mit Eingabe vom 27. November
2017 liess er eine "Gutachterliche Stellungnahme (Kurzgutachten)" vom 23. No-
vember 2017 von Dr. phil. nat. B._ – zusammen mit zwei Beilagen (Bilderrei-
he Radarbild/A._/Bruder C._ sowie Ausdruck der Homepage von
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B._) – einreichen, mit dem Antrag, die vorgenannten Unterlagen als Be-
weismittel zu den Akten zu nehmen (Urk. 51 und 52/1-3).
2.2. Diesem Antrag wurde (stillschweigend) stattgegeben (Zur Würdigung
dieses Privatgutachtens vgl. unten Ziff. III.2.7).
3. Berufungsverhandlung und weiterer Verfahrensgang
3.1. Am 1. Dezember 2017 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher
der Beschuldigte in Begleitung seines erbetenen Verteidigers erschien (vgl.
Prot. II S. 3 ff.). Nach Durchführung derselben erklärten diese ihr Einverständnis
zur schriftlichen Zustellung des Entscheids und damit ihren Verzicht auf mündli-
che Urteilseröffnung und -erläuterung (vgl. Prot. II S. 9).
3.2. Mit Beschluss vom 6. Dezember 2017 wurde der Beschuldigte zur Ein-
reichung folgender Unterlagen aufgefordert; einer Kopie des Passes (oder eines
anderen amtlichen Dokumentes) seines Bruders, aus welchem dessen Persona-
lien, inklusive Geburtsdatum, hervorgehen, sowie einer tatzeitnahen Fotografie
seines Bruders, auf welcher dessen Gesicht unverdeckt ersichtlich ist. Dabei wur-
de der Beschuldigte darauf hingewiesen, dass ihm das Recht zusteht, die Aussa-
ge zu verweigern, bzw. die eingeforderten Unterlagen nicht einzureichen, eine
Aussage- bzw. Herausgabeverweigerung aber im Rahmen der freien Beweiswür-
digung sachverhaltsbezogen berücksichtigt werden dürfe (vgl. Urk. 55).
Mit Eingabe seines Verteidigers vom 19. Dezember 2017 liess der Beschul-
digte mitteilen, dass er auf die aufgeforderte Mitwirkung verzichte (Urk. 57).
II. Prozessuales
1. Rüge auf Rückweisung der Anklage (betreffend Untersuchungsführung)
1.1. Vor erster Instanz hatte die Verteidigung noch beantragt, dass das Ver-
fahren aufgrund unvollständiger bzw. einseitig zu Ungunsten des Beschuldigten
geführter Untersuchung an die Anklage zurückzuweisen sei. Zur Begründung
brachte sie namentlich vor, die Strafverfolgungsbehörden hätten sich von Anfang
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an auf den Beschuldigten fokussiert, bzw. es insbesondere unterlassen, die Mög-
lichkeit anderer in Betracht kommender Fahrer zu prüfen und entsprechend Be-
fragungen weiterer Personen durchzuführen (Urk. 33 S. 7 und Prot. I S. 32 f.). Vor
Berufungsgericht wurde diese Rüge nicht aufrechterhalten.
1.2. Die Vorinstanz hat denn auch überzeugend dargetan, dass in Anbe-
tracht des vorgenommenen Untersuchungsaufwandes – d.h. der durchgeführten
Befragungen des Beschuldigten, von D._ als Verwaltungsrat der Halterin
E._ AG sowie der Beschuldigten F._ als regelmässige Lenkerin des
fraglichen Fahrzeugs, der getroffenen Abklärungen betreffend den aufgrund die-
ser Befragungen als Lenker in Betracht kommenden G._ und des eingehol-
ten morphologischen Bildvergleichgutachtens – nicht ersichtlich ist, welchen wei-
teren Abklärungen die Untersuchungsbehörden sinnvollerweise noch hätten
nachgehen sollen (Urk. 42 S. 5).
Ergänzend kann festgehalten werden, dass die Untersuchungsbehörden mit
dem Einbezug des – seitens des Beschuldigten ins Spiel gebrachten – G._ in
das morphologische Bildvergleich-Gutachten sehr wohl geprüft hat, ob neben
dem Beschuldigten ein anderer möglicher Fahrer in Betracht zu ziehen ist. Dar-
über hinaus waren die Untersuchungsbehörden aber nicht gehalten, der Frage ei-
ner allfälligen Dritttäterschaft auch noch hinsichtlich beliebiger weiterer unbe-
stimmter Personen nachzugehen, nachdem einerseits diesbezüglich weder ernst-
hafte objektive Anhaltspunkte vorlagen, noch substantiierte Vorbringen des Be-
schuldigten erhoben wurden und andererseits die inzwischen erhobenen Beweise
den Verdacht gegen den Beschuldigten immer mehr zu erhärten schienen.
2. Verwertbarkeit der Einvernahmen der Beschuldigten F._
2.1. Der Verteidiger hatte vor Vorinstanz weiter vorgebracht, dass auf die
Einvernahmen und Aussagen der Beschuldigten F._ aufgrund unzureichen-
der Verdolmetschung in englischer Sprache nicht abgestellt werden könne, die
Anklage deshalb zurückzuweisen und die Beschuldigte in ihrer Muttersprache
Portugiesisch zu befragen sei (Prot. I S. 32).
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2.2. Die Vorinstanz hat einlässlich und sorgfältig dargetan, dass die Be-
schuldigte F._ während des gesamten Verfahrens bestätigte, Englisch als
Übersetzungssprache zu verstehen, dass sich aus den Akten keine Hinweise er-
geben, wonach F._ die an sie gerichteten Fragen nicht ausreichend verstan-
den oder nicht adäquat beantwortet hätte, dass überdies jedenfalls die
Schlusseinvernahme in portugiesischer Sprache erfolgte und dass im Fazit somit
das Recht der Beschuldigten F._ auf Übersetzung gewahrt wurde, ihre Ein-
vernahmen deshalb verwertbar sind und nicht wiederholt werden müssen, und
aus diesem Gründen eine Rückweisung an die Anklagebehörde nicht vorzuneh-
men ist (Urk. 42 S. 5-8).
Der Verwertbarkeit der Einvernahmen der Beschuldigten F._ steht des-
halb auch im Berufungsverfahren nichts entgegen, was inzwischen offenbar auch
seitens der Verteidigung nicht mehr in Frage gestellt wird.
III. Schuldpunkt
A. EINLEITUNG
Hinsichtlich der allgemeinen Beweisregeln wie auch hinsichtlich der Darstel-
lung der zur Verfügung stehenden Beweismittel – d.h. der Aussagen des Be-
schuldigten, der Beschuldigten F._ und des Vaters des Beschuldigten sowie
des Bildvergleichsgutachtens und der Fotos – kann auf die zutreffenden Ausfüh-
rungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 42 S. 10-15). Die konzisen erstin-
stanzlichen Aussagenzusammenfassungen und Wiedergaben des wesentlichen
Inhalts der forensischen Unterlagen sind hier nicht zu wiederholen. Auf einzelne
Aussagen der Verfahrensbeteiligten und Erkenntnisse aus dem morphologischen
Bildvergleichsgutachten sowie auf das eingereichte Privatgutachten ist im Rah-
men der nachfolgenden Würdigungen soweit notwendig einzugehen.
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B. VERLETZUNG DER VERKEHRSREGELN UND FAHREN OHNE FÜHRERAUSWEIS
1. Anklagevorwurf
Hinsichtlich des Anklagesachverhalts kann auf die diesem Urteil beigehefte-
te Anklage vom 2. Februar 2017 (Urk. 24 S. 2) sowie die entsprechende Zusam-
menfassung im vorinstanzlichen Urteil (Urk. 42 S. 8 f.) verwiesen werden.
2. Beweiswürdigung
2.1. Aussagen des Beschuldigten
2.1.1. Die Vorinstanz hat die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten zutreffend
beurteilt, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 42 S. 8; Art. 82 Abs. 4
StPO).
Sodann hielt sie überzeugend fest, dass die Aussagen des Beschuldigten
aufgrund dessen weitgehender Berufung auf das Aussageverweigerungsrecht
und pauschalen Bestreitung des Anklagesachverhalts einer eigentlichen Würdi-
gung grundsätzlich zwar kaum zugänglich sind, seine Aussagen allerdings dort,
wo er inhaltliche Äusserungen machte, grösstenteils – so hinsichtlich seinen Feri-
enaufenthalten und des Kennens von G._ (vgl. hiezu auch unten Ziff. 2.3.2) –
widersprüchlich ausgefallen und deshalb unglaubhaft sind (Urk. 42 S. 17).
Diese Widersprüche stehen in einem Konnex zum Kerngeschehen – näm-
lich der Frage eines möglichen Alibis einerseits und der Frage eines allfälligen
Dritttäters andererseits. Sie sind deshalb nicht nebensächlich, sondern beachtlich.
Die Sachdarstellung des Beschuldigten vermag aufgrund dessen noch vor Würdi-
gung der übrigen zur Verfügung stehenden Beweismittel schon aus sich heraus
nicht zu überzeugen.
2.1.2. Ergänzend kann festgehalten werden, dass nebst diesen wider-
sprüchlichen auch weitere, auffallend pauschale Aussagen gegen die Glaubhaf-
tigkeit seiner Darstellung sprechen. Konfrontiert mit dem Radarfoto des Lenkers –
dessen optische Ähnlichkeit mit dem Beschuldigten, wie noch auszuführen sein
wird, auch für einen Laien offensichtlich ist (nachstehend Ziff. 2.5.) – meinte er la-
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konisch: "ich würde sagen, dass ich das nicht bin" (Urk. 6/1 S. 2 Rz. S. 2 Rz. 8).
Angesichts der augenfälligen Übereinstimmung der Gesichtsmerkmale wirkt eine
solche einsilbige, zudem im Konjunktiv formulierte und damit Unbestimmtheit sig-
nalisierende Feststellung ausflüchtend.
2.2. Aussagen der Beschuldigten F._
2.2.1. Die Vorinstanz hat die Glaubwürdigkeit von F._, der aus dem in-
kriminierten Sachverhalt Mitbeschuldigten und damaligen Freundin des Beschul-
digten sowie ehemaligen Angestellten des Vaters des Beschuldigten, die von die-
sem während des gesamten Strafverfahrens finanziell unterstützt wurde, über-
zeugend als beschränkt qualifiziert (Urk. 42 S. 17).
2.2.2. Uneingeschränkt gefolgt werden kann auch der erstinstanzlichen
Würdigung der Aussagen dieser Mitbeschuldigten (Urk. 42 S. 17). Die von
F._ getätigten Erstaussagen fallen tatsächlich durch Detailarmut, Pauschali-
tät und Ungereimtheiten auf. Ihre sich aus den Einzelaussagen ergebende Dar-
stellung, wonach der grundsätzlich in Italien weilende, lediglich manchmal in die
Schweiz kommende (Urk. 7/1 Rz. 14) G._ – über welchen sie keine näheren
Angaben zu machen wusste (a.a.O. Rz. 11) – während ihrer möglichen Ferien-
abwesenheit (a.a.O. Rz. 9 und Rz. 26) ohne ihr Wissen (a.a.O. Rz. 12) in ihrer
Wohnung gewesen sein und dort den Fahrzeugsschlüssel behändigt haben soll
(a.a.O. Rz. 29 f.), um sich ihres Fahrzeugs zu bedienen, erscheint konstruiert und
lebensfremd, zumal sie nie geltend gemacht hatte, dass G._ einen Schlüssel
für ihre Wohnung gehabt habe oder sie ihm einen solchen hinterlassen habe.
Ergänzend kann das Folgende festgehalten werden. Anlässlich ihrer Einver-
nahme vom 2. Februar 2015 gab F._ auf Vorhalt des Radar-Fotos ohne jeg-
liches Zögern an, der darauf abgebildete Lenker sehe aus wie G._. Die
Nachfrage des befragenden Polizisten, ob sie ihm tatsächlich sagen wolle, dass
sich der Lenker und G._ ähnlich seien, beantwortete sie mit Ja (Urk. 7/1 S. 3
Rz. 21 f.). Die Bestimmtheit und Einsilbigkeit dieser Erstaussagen wirkt auffällig,
sind doch, wie noch zu zeigen ist (Ziff. 2.4. und 2.5.), die Unterschiede in den Ge-
sichtern dieser zwei Personen relativ auffällig. Bezeichnenderweise versuchte die
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Mitbeschuldigte F._ nach Vorliegen des morphologischen Gutachtens (wel-
ches die Nichtidentität des dargestellten Lenkers mit G._ als sehr wahr-
scheinlich einstufte; dazu nachstehend Ziff. 2.4.) ihre Erstaussagen zu relativie-
ren, gab sie vor Vorinstanz doch (aktenwidrig) an, sie habe sich bei der Polizei
nach Vorlegen des Radar-Fotos gefragt, wer die dargestellte Person sei, und ha-
be gesagt, sie wisse es nicht, aber diese Person sehe aus wie G._ (Prot. I S.
26 f.).
Auch die Darstellung der Beschuldigten F._ vermag aus den genannten
Gründen bereits aus sich selbst heraus nicht zu überzeugen.
2.3. Aussagen von D._
2.3.1. Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Vaters des Beschuldigten, kann
auf die treffenden Feststellungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 42
S. 18).
2.3.2. Die erstinstanzliche Aussagenanalyse hinsichtlich dieses Beteiligten
vermag ebenfalls vollumfänglich zu überzeugen. Mit dessen Aussage anlässlich
der Konfrontationseinvernahme vom 25. November 2015, wonach G._ ein
Freund der Familie sei, den sie alle kennen würden (Urk. 8/2 S. 8), fabrizierte
D._ (ungewollt) einen Widerspruch zu den früheren Aussagen seines Soh-
nes, der bis dahin behauptet hatte, G._ nicht persönlich zu kennen (Urk. 6/1
S. 3 Rz. 20, vgl. auch S. 1 Rz. 5 f., S. 2 Rz. 15 f.). Dass der Beschuldigte unmit-
telbar an diese Aussage des Vaters unaufgefordert anfügte, er kenne G._
jetzt auch, weil G._ dieses Jahr in Ibiza (gemeint offensichtlich: in gemein-
samen Ferien) gewesen sei, wirkt nachgeschoben, um seine Darstellung derjeni-
gen seines Vaters anzugleichen.
2.4. Bildvergleichsgutachten
2.4.1. Das Bildvergleichsgutachten verglich die Radaraufnahme des Len-
kers vom 6. Juni 2014 – in der Terminologie des Gutachtens: das Bezugsbild der
Bezugsperson – mit Bilddokumenten (Vergleichsbilder) des Beschuldigten (der
Vergleichsperson 1) einerseits und des Angeschuldigten G._ (der Ver-
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gleichsperson 2) andererseits auf morphologische Merkmalsübereinstimmungen
sowie mittels Proportionsuntersuchung (Urk. 10/11 S. 4 f.). Für die Beurteilung der
Identitätsfrage wurde zunächst die Bildqualität des Bezugsbilds entsprechend ei-
ner sechsstufigen Qualitätsskala bewertet und das entsprechende Ergebnis da-
nach bei der morphologischen Merkmalsanalyse berücksichtigt. Entsprechend
beschränkte sich die Merkmalsanalyse ausschliesslich auf solche Merkmale, die
am Bezugsbild mit der nötigen Genauigkeit beurteilt werden können. Für die ab-
schliessende Beurteilung des Gesamtbefundes wurde das Ergebnis in eine verba-
le Skala von Wahrscheinlichkeitsgraden eingeordnet (vgl. a.a.O. S. 5 ff.).
Konkret kam die Sachverständige im Rahmen der Qualitätsbewertung des
Bildmaterials zum Schluss, dass die Radaraufnahme (das Bezugsbild) als ausrei-
chend im Sinne der Stufe 4 – und damit den Anforderungen einer morphologi-
schen Bewertung genügend – zu bewerten ist. Die Bildauflösung der Vergleichs-
aufnahme von G._ wurde als ausreichend, diejenige des Vergleichsfotos des
Beschuldigten als gut bewertet. Die Aufnahmen des Beschuldigten waren zudem
für eine Analyse der Gesichtsproportionen mittels Parallelprojektion geeignet
(a.a.O. S. 8 f.). Die morphologische Analyse erbrachte für die Bezugsperson ins-
gesamt 48 bewertbare Einzelmerkmale in den Regionen Hirn/Kopf/Stirn, Gesamt-
gesicht, Nase, Mund-Kinn und Ohr (a.a.O. S. 9).
Bei der vergleichenden Gegenüberstellung der Radaraufnahme des Lenkers
mit dem Beschuldigten wurden sämtliche 48 morphognostischen Einzelmerkmale
als gleichförmig bewertet. Zudem ergab die vergleichende Analyse der Gesichts-
proportionen mittels Parallelprojektion, dass die Gesichtslängenproportionen des
Beschuldigten und der auf dem Radaraufnahme abgelichteten Person gleichför-
mig verlaufen. Insgesamt kam die Sachverständige zum Ergebnis, dass die Iden-
tität des auf der Radaraufnahme abgebildeten Lenkers mit dem Beschuldigten
wahrscheinlich ist (a.a.O, S. 9 ff.).
Demgegenüber stellte die Sachverständige bei der vergleichenden Gegen-
überstellung der Radaraufnahme des Lenkers mit der Aufnahme von G._
morphologische Ausprägungsunterschiede fest, die als gewichtige Ausschlusskri-
terien zu werten seien. Das Gesicht von G._ sei in der Gesamtheit ver-
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gleichsweise robuster und markanter sowie weniger gefüllt und schmaler ausge-
prägt. Insbesondere in der Stirnregion seien sowohl die Überaugenwülste als
auch die Stirnbein-Schläfeneinzüge markanter und deutlicher ausgeprägt. Die
Region der Nasenspitze des G._ sei vergleichsweise breiter und in der Form
runder und weniger spitzförmig. Eine Absetzung der Nasenspitze sei nicht mar-
kiert und die Nasenflügel seien vergleichsweise anliegend und nicht gebläht mit
einer nahezu gerade verlaufenden Nasenflügelschweifung. Die Lippenränder
würden flacher und gleichmässiger verlaufen, während die Mundbreite ver-
gleichsweise schmaler und die Lippenhöhe proportional höher erscheine. Das Un-
terlippenprofil erscheine leicht hängend und eine Unterlippen-Kinnfurche sei deut-
licher ausgeprägt. Zudem sei die Kinnabsetzung im Vergleich zur Bezugsperson
scharf markiert und das Kinn erscheine eckig und nicht rund geformt. Gestützt da-
rauf kam die Sachverständige zum Ergebnis, dass eine Nichtidentität des
G._ mit der auf der Radaraufnahme abgebildeten Person sehr wahrschein-
lich sei (a.a.O. S. 11 f.).
2.4.2. Die Vorinstanz hat zutreffend erkannt, dass dieses Gutachten – wel-
chem für Frage, ob der Beschuldigte oder der von diesem geltend gemachte
G._ der Lenker des inkriminierten Fahrzeugs war, erhebliche Bedeutung zu-
kommt – auf der ganzen Linie überzeugt, und auf dieses deshalb ohne Ein-
schränkungen abgestellt werden kann.
a) Der Einwand der Verteidigung, die Radaraufnahme weise eine derart
schlechte Qualität auf und der darauf abgebildete Lenker trage zudem eine Son-
nebrille, so dass sich gestützt auf diese Aufnahme kein strafrechtlicher Nachweis
erbringen lasse (Urk. 33 S. 10 f.), wurde von der Vorinstanz zutreffend entkräftet
(Urk. 42 S. 19). Die Sachverständige hat die Radaraufnahme im Sinne der zu be-
achtenden standardisierten Qualitätsskala als genügend qualifiziert, womit diese
Aufnahme als ein taugliches Bezugsbild der vergleichenden Gegenüberstellung
mit den Vergleichsfotos des Beschuldigten sowie des Angeschuldigten G._
zu Grunde gelegt werden durfte. Sodann beschränkte die Sachverständige die
Merkmalsanalyse explizit ausschliesslich auf diejenigen – immerhin 48 – Merkma-
le, die am Bezugsbild mit der nötigen Genauigkeit beurteilt werden konnten. Die
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vom Verteidiger geltend gemachten Einschränkungen der Aussagekraft des Ra-
darfotos wurden damit entsprechend berücksichtigt. Die Sachverständige führte
denn auch explizit aus, dass die Qualitätseinbussen der Bezugs- und Vergleichs-
aufnahmen bei der Prädikatsvergaben bemessen worden seien (Urk. 10/11
S. 11). Im Übrigen hält selbst das vom Beschuldigten eingeholte Privatgutachten
(vgl. zur Würdigung desselben nachstehende Ziff. 2.6.) fest, dass die Qualität der
Radaraufnahme ausreichend sei, um zu einer Aussage bis zum Prädikat "mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" betreffend die Fahrereigenschaft der
Vergleichspersonen zu gelangen (Urk. 52/1 S. 1). Der vor Berufungsgericht wie-
derholte Einwand der Verteidigung, das Bildvergleichsgutachten stütze sich auf
ein mangelhaftes Radarbild (53 S. 6 unten), geht somit fehl.
Wenn das Bildvergleichsgutachten nachfolgend zum Ergebnis kam, dass
hinsichtlich sämtlicher dieser 48 Merkmale Übereinstimmung zwischen dem Be-
zugsbild des Radarfotos und den Vergleichsaufnahmen des Beschuldigten aus-
zumachen ist, und zudem noch die Gesichtslängenproportionen der auf dem Ra-
daraufnahme abgelichteten Person und des Beschuldigten gleichförmig verlaufen,
und im Ergebnis deshalb die Identität des Beschuldigten mit dem Lenker auf dem
Radarfoto – unter einem naturwissenschaftlichen Aspekt – wahrscheinlich ist, so
kommt diesem Befund in strafrechtlicher Hinsicht ein doch erhebliches Gewicht
zu. Entgegen einem weiteren Einwand des Verteidigers bedeutet dieses gut-
achterliche Wahrscheinlichkeitsprädikat "Identität wahrscheinlich" nämlich nicht,
dass eine nur vage Ähnlichkeit gegeben sei, gleichzeitig aber auch deutliche
Zweifel vorlägen, ob es sich auf Bezugs- und Vergleichsbild tatsächlich um die
gleiche Person handle (Urk. 33 S. 9 f.; Urk. 53 S. 6). Diese Umschreibung des
Verteidigers träfe allenfalls auf das Prädikat "Identität nicht entscheidbar" zu, wel-
ches dann vergeben werden muss, wenn die überprüfbaren Gesichtsmerkmale
sowohl zu positiver als auch zu negativer Identitätswahrscheinlichkeit führen (vgl.
Urk. 10/11 S. 7). Vorliegend aber führten sämtliche 48 überprüfbaren Merkmale
zu einer in jeder Einzelheit sowie im Gesamtbefund positiven Identitätswahr-
scheinlichkeit. Entgegen den Ausführungen des Verteidigers wird im Gutachten
an keiner Stelle ausgeführt, dass die Ähnlichkeit nur vage gegeben sei bzw. hin-
sichtlich der Ähnlichkeit deutliche Zweifel vorliegen würden. Dass die Sachver-
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ständige nicht zu einer höheren positiven Identitätswahrscheinlichkeit gelangte, ist
in Anbetracht des Gesamtkontextes des Gutachtens vielmehr darauf zurückzufüh-
ren, dass aufgrund der relativ geringen (aber jedenfalls genügenden) Bildqualität
des Bezugsfotos und des Umstandes, dass die Augenpartie des Lenkers durch
die Sonnenbrille verdeckt ist, nicht noch mehr als 48 überprüfbare morphologi-
sche Merkmale gewonnen werden konnten. Diese 48 Merkmale – welche gemäss
den expliziten Ausführungen im Gutachten eine individualtypische Merkmalkom-
bination darstellen (Urk. 10/11 S. 11) – waren aber für die Bejahung einer positi-
ven Identitätswahrscheinlichkeit ausreichend.
Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass der gutachterliche
Wahrscheinlichkeitsbefund hinsichtlich des Beschuldigten – für sich alleine ge-
nommen – zwar noch nicht den Nachweis für die Lenkerschaft des Beschuldigten
zu erbringen vermag (wie dies jedenfalls die höheren Wahrscheinlichkeitsprädika-
te "Identität sehr wahrscheinlich", "Identität höchstwahrscheinlich" oder "Identität
praktisch erwiesen" zu erbringen vermöchten), hierfür aber ein äusserst starkes
Indiz darstellt.
b) Dem steht – entgegen einem weiteren Einwand der Verteidigung (Urk. 33
S. 12; 53 S. 8) – auch nicht entgegen, dass die Sachverständige ihre Bewertung
explizit unter den Vorbehalt stellt, dass neben dem Beschuldigten keine engen
Blutsverwandten für die Tat in Frage kommen würden, welche per se eine mor-
phologische Ähnlichkeit aufweisen würden, und dass sie ihr Gutachten mit dem
Hinweis abschliesst, dass im Übrigen trotz der Vielfalt der möglichen Merkmal-
kombinationen eine zufällige Übereinstimmung von zwei oder mehreren Personen
in ihrem Merkmalskombinat nicht vollständig auszuschliessen sei (Urk. 10/11
S. 13). Wie die Vorinstanz (Urk. 42 S. 19) zutreffend angemerkt hat, handelt es
sich bei diesen Anmerkungen lediglich um allgemeine, theoretische Vorbehalte
und Kautelen, wie sie im Rahmen eines sorgfältigen wissenschaftlichen Gutach-
tens immer angebracht werden. Auch hat die Vorinstanz überzeugend dargetan
(Urk. 42 S. 19), dass bei Betrachtung der durch die Verteidigung eingereichten
Aufnahmen des Bruders des Beschuldigten zwar eine deutliche Ähnlichkeit des-
selben mit dem Beschuldigten festgestellt werden kann, das im Gesicht des Ers-
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teren klar erkennbare jüngere Alter aber gegen die Identität mit dem Lenker auf
dem Radarfoto spricht.
Ergänzend zu den erstinstanzlichen Ausführungen kann sodann festgehal-
ten werden, dass der Beschuldigte sowie die Mitbeschuldigte F._ und des-
sen Vater D._ im Untersuchungsverfahren nicht geltend gemacht haben,
dass es möglicherweise der jüngere Bruder gewesen sei, der am 6. Juni 2014 das
inkriminierte Fahrzeug gefahren habe.
c) Der Beschuldigte sowie die Mitbeschuldigte F._ machten vielmehr
während der Untersuchung und bis zum Vorliegen des morphologischen Gutach-
tens konstant und mit Bestimmtheit geltend, dass es G._ gewesen sei, der
das Fahrzeug zur eingeklagten Tatzeit gefahren habe. Die Mitbeschuldigte
F._ will gemäss ihren Erstaussagen G._ gar auf dem Radarfoto erkannt
haben.
Demgegenüber kam die Sachverständige zum objektiv nachvollziehbaren
und einleuchtenden Schluss, dass die Nichtidentität des Lenkers mit G._ von
einem wissenschaftlichen Standpunkt aus als sehr wahrscheinlich bewertet wer-
den muss. Mit dieser klaren gutachterlichen Feststellung ist die gegenteilige Be-
hauptung des Beschuldigten und der Mitbeschuldigten F._ – welche schon je
aus sich heraus aufgrund der dargelegten Widersprüche nicht zu überzeugen
vermochten – endgültig widerlegt.
Der Umstand, dass der Beschuldigte und dessen damalige Freundin nach-
weislich wahrheitswidrig einen Dritten als Lenker vorzuschieben und damit den
Verdacht vom Beschuldigten wegzulenken versuchten, stellt ein weiteres sehr
deutliches Indiz für die Lenkerschaft des Beschuldigten dar.
2.5. Gerichtseigene Beurteilung der zur Verfügung stehenden Fotos
2.5.1. Die Vorinstanz hat sodann festgehalten, dass auch schon aus der ei-
genen, laienhaften Betrachtung des Gerichts sämtlicher in den Akten liegenden
Bildaufnahmen sowie dem persönlichen optischen Eindruck des Beschuldigten
anlässlich der Gerichtsverhandlung, die sichere Überzeugung gewonnen werden
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kann, dass der Beschuldigte der auf der Radaraufnahme abgebildete Lenker ist
(Urk. 42 S. 20).
2.5.2. Diese erstinstanzliche Feststellung kann geteilt werden. Auch das Be-
rufungsgericht konnte sich anlässlich der Verhandlung einen persönlichen Ein-
druck von der optischen Erscheinung des Beschuldigten machen. Die Ähnlichkeit
zwischen der auf der Radaraufnahme abgebildeten Person und den Fotos sowie
der persönlichen Erscheinung des Beschuldigten ist in der Tat frappierend und
springt deshalb selbst einem morphologischen Laien sofort ins Auge. Insbesonde-
re etwa die leicht füllige Gesichtskontur, die markante Form der Nase sowie die
relativ lang gezogenen Lippen zeigen deutlich die Übereinstimmung zwischen
Radaraufnahme und Foto des Beschuldigten (vgl. die Aufnahmen im Gutachten,
Urk. 10/11 S. 16). Demgegenüber zeigt die Aufnahme von G._ (vgl. die Auf-
nahmen im Gutachten, Urk. 10/11 S. 17), welcher auch für den Laien eindeutig
erkennbar kantigere und schlankere Gesichtszüge als der Beschuldigte aufweist,
deutliche Unterschiede zur Radaraufnahme.
Diese bereits aus Laiensicht feststellbare frappante Ähnlichkeit zwischen
dem Lenker auf dem Radarfoto und dem Beschuldigten stellt mit Blick auf ent-
sprechende Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. z.B. die Urteile
6B_812/2011 vom 19. April 2012 E. 1.5. und 6B_820/2009 vom 12. November
2009 E. 2.4.) ein zusätzliches starkes Indiz für dessen Lenkerschaft bzw. Täter-
schaft dar.
2.6. Weitere Umstände
Die Vorinstanz führte schliesslich auch überzeugend aus, dass noch weitere
Umstände für die Lenkerschaft des Beschuldigten sprechen, nämlich dass das
fragliche Fahrzeug im Tatzeitpunkt unbestrittenermassen der damaligen Freundin
des Beschuldigten als Geschäftsauto von der Firma des Vaters des Beschuldig-
ten als deren Arbeitgeber zur Verfügung gestellt, die Schlüssel an sie übergeben
worden waren (Urk. 6/1 S. 1; Urk. 7/1 S. 2; Urk. 8/1 S. 1 f.) und das Fahrzeug in
der Regel vor der damaligen gemeinsamen Wohnung des Beschuldigten und der
Mitbeschuldigten F._ oder in der Tiefgarage des Büros nebenan parkiert war
- 17 -
(Urk. 6/1 S. 2 f.; Urk. 7/1 S. 4 f.; Urk. 8/1 S. 2.). Auch wenn sich allenfalls ein wei-
terer Autoschlüssel in der Firma des Vaters des Beschuldigten befunden hat, hät-
te jedenfalls nicht jeder Beliebige, sondern nur ein beschränkter Kreis von Perso-
nen überhaupt die Möglichkeit gehabt, das fragliche Auto am 6. Juni 2014 mit ei-
nem Schlüssel zu lenken. Dass jemand anderer, als der behauptete G._
bzw. jemand aus dem Geschäft des Vaters des Beschuldigten das Auto gefahren
habe, wurde auch seitens des Letzteren nie substantiiert geltend gemacht.
2.7. Privatgutachten des Beschuldigten
2.7.1. Wie bereits ausgeführt, liess der Beschuldigte ein von Dr. phil. nat.
B._ verfasstes Kurzgutachten einreichen. Mittels diesem soll laut den Aus-
führungen des Verteidigers aufgezeigt werden können, dass erhebliche Zweifel
daran bestünden, dass es sich beim Fahrer auf dem Radarbild um den Beschul-
digten handelt. Auch soll damit aufgezeigt werden können, dass die Person auf
dem Radarbild gleichermassen eine Ähnlichkeit mit zahlreichen anderen jungen
Männern aufweise (Urk. 51). So komme das Gutachten von B._ zum
Schluss, dass (zum Einen) erhebliche Zweifel zwischen dem Fahrer und dem Be-
schuldigten bestehen würden, und dass (zum Andern) vieles für die Identität der
Fahrers mit dem Bruder des Beschuldigten spreche, so dass dieser Bruder als
Fahrer nicht ausgeschlossen werden könne. Das Gutachten von B._ bestäti-
ge damit gerade den von der Verteidigung bereits vor Vorinstanz vorgebrachten
Einwand, dass die auf dem qualitativ schlechten Radarbild erfasste Person auch
mit zahlreichen anderen jungen männlichen Personen und unter anderem auch
mit dem Bruder des Beschuldigten eine Ähnlichkeit aufweise (Urk. 53 S. 10 f.).
Die Ausführungen der Verteidigung vermögen aus den nachstehend darge-
legten Gründen nicht zu überzeugen.
2.7.2. Zu diesem Kurzgutachten von Dr. phil. nat. B._ ist zunächst
ganz allgemein festzuhalten, dass dieses ein Privatgutachten darstellt und als ein
solches nur zur Kenntnis zu nehmen ist. Die Tatsachen, dass der Privatgutachter
nicht von der Strafbehörde, sondern von einer am Ausgang des Prozesses inte-
ressierten Partei ausgewählt, instruiert und entschädigt wird, dass die Möglichkeit
- 18 -
einer strafrechtlichen Haftbarmachung gestützt auf Art. 307 StGB ausscheidet,
dass der Privatgutachter möglicherweise nicht in alle Akten Einsicht hat, sowie die
Erfahrung, dass ein Privatgutachten nur dann eingereicht wird, wenn es für den
Auftraggeber günstig lautet, führt dazu, dass einem Privatgutachten generell le-
diglich der Beweiswert von blossen Parteivorbringen beigemessen wird (Donatsch
in Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen StPO, 2. Aufl.,
2014, Art. 182 N 15).
2.7.3. Hinzu kommt im vorliegenden Fall, dass der in der Schweiz unbe-
kannte Gutachter Dr. phil. nat. B._ in der Fachwelt und der Presse Deutsch-
lands wegen mehrerer zweifelhafter Gutachten sehr umstritten ist, wie selbst die
Verteidigung einräumt (Urk. 53 S. 9 f.) und sich durch eine Internetrecherche
schnell und deutlich verifizieren lässt (siehe hierzu den aktuellen Eintrag zu
Dr. B._ in der Wikipedia mit Hinweisen u.a. auf einen Artikel des Magazins ...
vom tt. August 2001 ["...mann für ...urteile"] auf das Urteil des Oberlandesgerichts
Frankfurt vom 2. Oktober 2007 und auf einen Artikel auf ... vom tt. März 2015 ["...
setzt umstrittenen Gutachter ..."]).
2.7.4. Entscheidend ist sodann, dass das Kurzgutachten von Dr. B._
inhaltlich nicht zu überzeugen vermag.
Dieses hält fest, dass "aufgrund von teilweise erfassbaren Merkmalsun-
stimmigkeiten (bspw. der rechten Stirnkontur, des linken Nasenflügelunterrand-
verlaufs sowie insbesondere der linken Ohrkontur im Ohrläppchenbereich) Zweifel
an der Identität zwischen dem Fahrer und" dem Beschuldigten bestehen würden,
wogegen der Bruder des Beschuldigten "keine Merkmalsabweichungen, sondern
weitestgehende Übereinstimmung hinsichtlich der oben genannten und weiteren
Merkmalen, so dass vieles für die Identität des Fahrers spricht und er [der Bruder]
als Fahrer nicht ausgeschlossen werden" könne (Urk. 52/1 S. 2). Diese behaupte-
ten (drei) Merkmalabweichungen an der Nase, an der Stirn und am Ohrläppchen
zwischen dem Beschuldigten einerseits und dem Fahrer sowie dem Bruder des
Beschuldigten andererseits können nicht nachvollzogen werden. Vielmehr zeigen
die vom Privatgutachter verwendeten Vergleichsgutachter für den unbefangenen
(Laien-)Betrachter zweifelsohne eine hohe Übereinstimmung nicht nur in den ge-
- 19 -
nannten Bereichen, sondern hinsichtlich sämtlicher erkennbarer Gesichtskontu-
ren. Es ist offensichtlich, dass sich der Beschuldigte und sein Bruder sehr stark
gleichen (und es erstaunt deshalb keineswegs, dass beide eine hohe Überein-
stimmung mit dem auf dem Radarfoto abgebildeten Fahrer erreichen). Der Privat-
gutachter legt nun aber mit keinem einzigen Wort dar, in welchen konkreten De-
tails sich die behaupteten drei Merkmalsunstimmigkeiten beim Beschuldigten ma-
nifestieren. Auch setzt er sich in keinster Weise mit dem Bildvergleichsgutachten
auseinander, welches nicht nur wie bereits ausgeführt, nicht nur "keine Ausprä-
gungsunterschiede", sondern "insgesamt 48 übereinstimmende Merkmale" fest-
stellen konnte (Urk. 10/11 S. 11, vgl. vorne Ziff. 2.4.).
Dass sodann der Privatgutachter eine weitestgehende Übereinstimmung
zwischen dem Fahrer und dem Bruder des Beschuldigten ausmachen konnte,
führt nicht zu einem Widerspruch zum Bildvergleichsgutachten, welches (wie be-
reits ausgeführt) seine Ergebnisse ausdrücklich und völlig nachvollziehbar unter
den Vorbehalt stellte, dass nebst dem Beschuldigten kein enger Blutsverwandter
für die Tat in Frage komme, der per se eine morphologische Ähnlichkeit aufweise
(Urk. 10/11 S. 13). Ein solch enger, morphologisch ähnlicher Blutsverwandter ist
in der Person des Bruder des Beschuldigten zweifelsohne gegeben. Indes kann
dieser Bruder mit rechtsgenügender Sicherheit als Fahrer der inkriminierten Fahrt
vom 6. Juni 2014 ausgeschlossen werden. Seitens des Beschuldigten ist nicht
geltend gemacht worden, dass dieser möglicherweise als Fahrer in Frage komme;
auch sein Verteidiger betont in seinem Schreiben vom 19. Dezember 2017 aus-
drücklich, dass man diesbezüglich keine eigene Schlussfolgerung ziehe, sondern
lediglich das Kurzgutachten zitiere (Urk. 57). Hinzu kommt, dass der gemäss ei-
ner Aussage des Beschuldigten im Zeitpunkt der Berufungsverhandlung vom
1. Dezember 2017 siebzehnjährige Bruder (Prot. II S. 7) im Tatzeitpunkt zwischen
13 und 14 Jahren alt war (derweil der Beschuldigte über 22 Jahre alt war). Dieses
junge Alter spricht klar gegen die Lenkerschaft des Bruders des Beschuldigten.
Dies nicht allein deswegen, weil Dreizehn- bis Vierzehnjährige notorischerweise
äusserst selten als Fahrzeuglenker auf den Strassen anzutreffen sind, sondern
insbesondere auch deswegen, weil das Radarfoto mit rechtsgenügender Deut-
lichkeit nicht einen Teenager, sondern einen jungen Erwachsenen zeigt. Bezeich-
- 20 -
nenderweise wird denn auch das Alter des Bruders des Beschuldigten im Privat-
gutachten nicht thematisiert und weigerte sich der Beschuldigte, eine tatzeitnahe
Fotographie seines Bruders einzureichen (vgl. Urk. 55 und 57), derweil davon
auszugehen ist, dass das dem Privatgutachten zu Grunde gelegte Foto des Bru-
ders (welches diesen mit Sonnenbrille und in einer mit dem Radarfoto überein-
stimmender Kopfposition zeigt) erst im Hinblick auf dieses Privatgutachten erstellt
wurde (und ihn somit als ca. Siebzehnjährigen zeigt).
2.7.5. Unabhängig davon, dass das Privatgutachten inhaltlich nicht zu über-
zeugen vermag, kann aus diesem auch nicht die von Verteidigung behauptete
Bestätigung ihres Einwandes herausgelesen werden, dass die auf dem Radarbild
erfasste Person auch mit zahlreichen anderen jungen männlichen Personen eine
Ähnlichkeit aufweise. Das Privatgutachten bringt lediglich vor, dass die auf dem
Radarbild erfasste Person eine weitestgehende Übereinstimmung mit dem Bruder
des Beschuldigten aufweise. Es verweist damit auf einen Umstand, der, wie be-
reits ausgeführt, angesichts der engen genetischen Verwandtschaft zwischen
dem Beschuldigten und seinem Bruder weder erstaunt noch etwas zu Gunsten
des Ersteren hergibt. Dass die auf dem Radarbild erfasste Person neben dem
Bruder des Beschuldigten auch zahlreichen anderen jungen Männern ähnlich se-
he, wird im Privatgutachten indes (zu Recht) nirgendwo geltend gemacht. Der
Verteidiger begründete seinen Einwand letztlich mit dem Hinweis auf das seines
Erachtens qualitativ mangelhafte ("vage") Radarfoto (Urk. 53 S. 8), worin ihm
aber, wie bereits ausgeführt (Ziff. 2.4.2.a.), selbst sein Privatgutachter wider-
spricht.
Eine unbekannte Dritttäterschaft kann denn auch mit rechtserheblicher Si-
cherheit ausgeschlossen werden. Zwar ist es durchaus denkbar, dass im Gross-
raum Zürich Personen existieren, welche dem Beschuldigten aufs Haar gleichen.
Als Fahrer der inkriminierten Fahrt kämen indes nur diejenigen in Betracht, wel-
che Zugang zu einem Fahrzeugschlüssel gehabt hätten (vgl. hierzu vorstehend
Ziff. 2.6.). Als Dritttäter in Frage kommt deshalb höchstens eine Person aus dem
Kreis der Bekannten des Beschuldigten oder der Mitarbeiter des Geschäfts des
Vaters. Dass der Beschuldigte in diesem engen Umfeld einen Doppelgänger be-
- 21 -
sitzt, kann ausgeschlossen werden, nachdem er dies selber nicht geltend ge-
macht hat.
2.8. Fazit der Beweiswürdigung
In Gesamtwürdigung sämtlicher Indizien – d.h. einerseits der widersprüchli-
chen und ausflüchtenden Aussagen des Beschuldigten und der Mitbeschuldigten
F._ und andererseits des eindeutigen Resultats der morphologischen Bild-
vergleichs, des klaren Eindrucks aus der gerichtseigenen Betrachtung der rele-
vanten Aufnahmen sowie der übrigen den Beschuldigten belastenden Umstände
– ergibt sich mit rechtsgenügender Gewissheit, dass es sich beim Lenker auf dem
Radarfoto um den Beschuldigten handelte. Dass G._ oder der Bruder des
Beschuldigten oder ein unbekannter Dritttäter das Fahrzeug zur eingeklagten Tat-
zeit gefahren haben könnte, kann ausgeschlossen werden.
Auch für das Berufungsgericht steht demnach fest, dass der Beschuldigte
am 6. Juni 2014, 11.24 Uhr das Fahrzeug "BMW 325i Cabrio", ZH ..., in 8406
Winterthur auf der Zürcherstrasse stadtauswärts mit einer Geschwindigkeit von 84
km/h (nach Abzug der Toleranz) gelenkt hat. Die dabei erfolgte Geschwindig-
keitsüberschreitung der dort signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h in-
nerorts um 24 km/h ist unbestritten und durch die Radaraufnahmen belegt.
3. Rechtliche Würdigung
Entsprechend den zutreffenden, seitens der Verteidigung unbestritten ge-
bliebenen rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 42 S. 22 f.), auf welche
verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO), ist der Beschuldigte somit ankla-
gegemäss des Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG
und der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Ver-
bindung mit Art. 27 SVG, Art. 4a Abs. 5 VRV und Art. 22 SSV schuldig zu spre-
chen.
- 22 -
C. FALSCHE ANSCHULDIGUNG
1. Anklagevorwurf
Hinsichtlich des Anklagesachverhalts kann auf die Anklage vom 2. Februar
2017 (Urk. 24 S. 2) und die entsprechende Zusammenfassung im vorinstanzli-
chen Urteil (Urk. 42 S. 9) verwiesen werden.
2. Beweiswürdigung
Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, äusserte der Beschuldigte in der
polizeilichen Einvernahme vom 27. November 2014 gegenüber der einverneh-
menden Polizistin den Verdacht, dass ein ihm angeblich nicht bekannter, auslän-
discher Kollege seiner damaligen Freundin das Fahrzeug im Tatzeitpunkt gelenkt
habe. Dabei hielt er fest, dass er G._ auf der Radaraufnahme nicht identifi-
zieren könne, da er ihn nie persönlich kennengelernt habe. Der Beschuldigte hat
folglich (entgegen der Formulierung der Anklage) wortwörtlich nicht ausgesagt,
dass G._ der Lenker gewesen sei. Auch behauptete er nicht, ihn auf der
Aufnahme des Radargeräts erkannt zu haben. Er gab jedoch zu verstehen,
G._ habe das Fahrzeug am besagten 6. Juni 2014 mutmasslich ausgeliehen
und gelenkt. Zudem erklärte er, seine Freundin könne dies bei einer entsprechen-
den Befragung bestätigen.
Als nachweislich tatsächlicher Lenker des inkriminierten Fahrzeugs wusste
der Beschuldigte selbstverständlich, dass G._ das Fahrzeug zu diesem Zeit-
punkt nicht gelenkt und die eingeklagte Geschwindigkeitsüberschreitung nicht be-
gangen hatte. Demnach erfolgte eine allfällige Bezichtigung (was im Rahmen der
rechtlichen Würdigung zu entscheiden ist) klar wider besseres Wissen. Indem er
die Tat seit Anbeginn des Strafverfahrens abstreitet und einen anderen als mögli-
chen Lenker nennt, wollte er die Untersuchung von sich weg auf einen anderen
lenken.
Demzufolge lässt sich durch die Aussagen des Beschuldigten auch der
Sachverhalt betreffend falsche Anschuldigung – mit der erwähnten Einschränkung
betreffend den objektiven Sachverhalt – rechtsgenügend erstellen.
- 23 -
3. Rechtliche Würdigung
3.1. Die Vorinstanz hat mit sorgfältigen und überzeugenden Erwägungen
dargetan, dass das Verhalten des Beschuldigten den Tatbestand der falschen
Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 StGB
erfüllt. Auf ihre Argumentation kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 42
S. 23-26).
a) Seitens der Verteidigung wurde vor Berufungsgericht erneut der Einwand
erhoben, dass das Verhalten des Beschuldigten objektiv nicht tatbestandsmässig
sei, da dieser mit seinen Aussagen G._ weder beschuldigt noch eine ent-
sprechende Vermutung geäussert habe, vielmehr gegenüber der Polizei klar zum
Ausdruck gebracht habe, er wisse nicht, ob es sich beim fraglichen Lenker um
G._ handle (Urk. 53 S. 12 f. und 15 f.; Urk. 33 S. 17). Die Vorinstanz hat die-
sen Einwand überzeugend entkräftet: Eine Bezichtigung im Sinne von Art. 303
Ziff. 1 Abs. 2 StGB liegt vor, wenn mündlich, schriftlich oder auf sonstige Weise
tatsächliche Umstände mitgeteilt werden, die geeignet sind, einen Anfangsver-
dacht zu begründen, aufgrund dessen die Strafverfolgungsorgane zur Einleitung
eines Strafverfahrens verpflichtet sind (Stratenwerth/Wohlers, Schweizerisches
Strafgesetzbuch Handkommentar, 3. Aufl., Bern 2013, Art. 303 N. 3; Do-
natsch/Wohlers, Strafrecht IV, 4. Aufl., Zürich 2011, S. 367 m.w.H.). Der Beschul-
digte gab anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 27. November 2014
auf Vorhalt der inkriminierten Fahrt vom 6. Juni 2014 mit dem BMW 326i Cabriolet
zur Antwort, er habe von diesem Fall gehört, da dieses Auto seiner Freundin ge-
höre. Seine Freundin habe ihm einmal von einem Vorfall erzählt, bei dem ein aus-
ländischer Kollege mit diesem Auto gefahren sei. Es könne sein, dass G._
dieser Kollege sei. Weiter erklärte er, seine Freundin könne, wenn man mit ihr
sprechen würde, bestätigen, dass G._ am besagten 6. Juni 2014 gefahren
sei (Urk. 6/1 S. 1 und 3). Diese bei der Polizei deponierten Aussagen des Be-
schuldigten, welcher klar wusste, dass nicht G._, sondern er selber der ge-
suchte Fahrzeuglenker war, sind ohne Weiteres als Bezichtigung zu qualifizieren.
Gestützt auf diese Aussagen veranlasste die Behörde weitere Abklärungen, näm-
lich die Befragung der damaligen Freundin des Beschuldigten sowie schliesslich
- 24 -
die Erstellung des Bildvergleichsgutachtens, aufgrund dessen G._ als Lenker
ausgeschlossen werden konnte. Irrelevant ist, dass gegen G._ letztendlich
kein Verfahren eröffnet wurde, ist doch der objektive Tatbestand bereits mit der
Bezichtigung vollendet.
b) Auch der weitere, vor Berufungsgericht erneuerte Einwand der Verteidi-
gung, wonach der Beschuldigte G._ nicht wider besseres Wissen habe an-
schuldigen wollen (Urk. 53 S. 17; Urk. 33 S. 18), wurde von der Vorinstanz mit
überzeugender Argumentation zurückgewiesen. Der Beschuldigte wusste genau,
dass er zur Tatzeit das Fahrzeug selber gelenkt hatte und damit die Geschwin-
digkeitsübertretung selber zu verantworten hat, gleichwohl nannte er wahrheits-
widrig G._ als möglichen Lenker. Die Bezichtigung erfolgte somit subjektiv
eindeutig wider besseres Wissen. Dabei muss es dem Beschuldigten darum ge-
gangen sein, den Verdacht der eigenen Täterschaft auf eine Drittperson zu lenken
und sich der Strafverfolgung zu entziehen. Mit seinen Verdachtsäusserungen
nahm er zumindest in Kauf, dass gegen G._ wegen der Geschwindigkeits-
übertretung ein Verfahren eingeleitet wird. Damit sind sämtliche Voraussetzungen
in subjektiver Hinsicht, nämlich die Beschuldigung wider besseres Wissen und die
(Eventual-)Absicht, eine Strafverfolgung herbeizuführen, erfüllt.
3.1. Die Verteidigung bringt sodann neu vor, dass der Tatbestand von
Art. 303 StGB selbst bei einem tatbestandlichen Handeln des Beschuldigten nicht
bejaht werden könne. Dies deshalb, da die polizeilichen Ermittlungen, ob G._
in Betracht kommen würde, bereits vor der Einvernahme des Beschuldigten und
unabhängig von dessen Aussageverhalten aufgenommen worden seien. Da ge-
gen G._ zum Zeitpunkt der Aussagen des Beschuldigten bereits polizeilich
ermittelt worden sei, könne der Tatbestand nach Lehre und Rechtsprechung nicht
mehr erfüllt werden; der Verteidiger verweist zur Stützung seiner Auffassung auf
Stratenwerth/Wohlers, Schweizerisches Strafgesetzbuch Handkommentar. 3. Auf-
lage 2013, Art. 303 N 3.
Der Auffassung der Verteidigung kann nicht gefolgt werden. Straten-
werth/Wohlers führen an der vom Verteidiger angeführten Stelle aus, dass eine
Bezichtigung den objektiven Tatbestand dann nicht erfüllt, wenn bereits unabhän-
- 25 -
gig von dieser Bezichtigung ein Verfahren eingeleitet worden ist. Präziser als die-
se leicht missverständliche Literaturmeinung stellt die weitere Lehre und Recht-
sprechung fest, dass der (objektive) Tatbestand von Art. 303 StGB (erst) dann
nicht (mehr) erfüllt werden kann, wenn die Bezichtigung bei der Behörde wider
besseres Wissen vorgebracht wird, nachdem bereits eine Strafuntersuchung ge-
gen die betreffende Person hängig ist. Dasselbe gilt, wenn (subjektiv) bezweckt
wird, eine hängige Strafuntersuchung fortdauern zu lassen (vgl. BSK Strafrecht -
Delnon/Rüdy, Art. 303 N 30; PK-StGB, Trechsel/Pieth, Art. 303 N 9; Bundesge-
richtsurteile 6B_859/2014 vom 24. März 2014, E. 1.3.1. und 6B_243/2015 vom
12. Juni 2015, E.2.2.; BGE 111 IV 159, 164; BGE 102 IV 103, 106 f.). Im vorlie-
genden Fall war im Zeitpunkt der Aussagen des Beschuldigten vom 27. Novem-
ber 2014 keine Strafuntersuchung gegen G._ hängig. Vielmehr befand sich
das Strafverfahren erst im Stadium allgemeiner erster polizeilicher Ermittlungen:
Laut Polizeirapport der Stadtpolizei Winterthur vom 10. Oktober 2014 richtete sich
der Vorwurf der Geschwindigkeitsüberschreitung zum damaligen Zeitraum aus-
drücklich gegen eine "unbekannte Person" und wurde deshalb die Stadtpolizei
Zürich gebeten, "den fraglichen Lenker zu ermitteln", wobei die Stadtpolizei Win-
terthur davon ausging, dass der Beschuldigte der gesuchte Fahrzeuglenker sei,
und dass der Vater des Beschuldigten mit seiner Angabe betreffend G._ –
welche er in einer E-Mail Nachricht gegenüber der Stadtpolizei ... machte (vgl. die
Beilagen zum Rapport, Urk. 2/2 Rückseite und Urk. 3, vgl. auch Urk. 5) – eine
Falschaussage getätigt hatte, um seinen Sohn zu schützen. Im Zeitpunkt der
Aussagen des Beschuldigten richtete sich das Strafverfahren somit nicht gegen
G._, sondern gegen eine unbekannte Täterschaft, wobei der Verdacht auf
den Beschuldigten fiel. Die Polizei hatte bis anhin keine gegen G._ gerichtete
Ermittlungen aufgenommen. Das Verhalten des Beschuldigten war zum damali-
gen Zeitpunkt somit durchaus geeignet, eine Strafuntersuchung gegen G._
herbeizuführen (vgl. den gleich gelagerten Fall in Urteil 6B_859/2014 vom
24. März 2014, E. 1.3.2.).
3.3. Der Beschuldigte ist somit der falschen Anschuldigung im Sinne von
Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 StGB schuldig zu sprechen (wie die
Vorinstanz in Urk. 42 S. 23-25 richtig geprüft und entschieden hat; ihre letzten
- 26 -
zwei Nennungen a.a.O. S. 26 [Art. 303 Ziff. 1 Abs. 2 StGB] stellen demgegenüber
ein offensichtliches Versehen dar).
IV. Sanktion
1. Strafrahmen und Allgemeines zur Strafzumessung
Die Vorinstanz hat den zur Anwendung gelangenden Strafrahmen korrekt
ermittelt. Auch die allgemeinen Regeln der Strafzumessung hat sie richtig wieder-
gegeben. Auf die entsprechenden erstinstanzlichen Erwägungen kann verwiesen
werden (Urk. 42 S. 26-28).
2. Einsatzstrafe für die falsche Anschuldigung
2.1. Tatkomponente
2.1.1. Hinsichtlich des objektiven Tatverschuldens ist mit der Vorinstanz zu
berücksichtigen, dass es sich vorliegend um eine einmalige und erstmalige De-
liktsbegehung handelt. Dass der Beschuldigte dem Angeschuldigten G._ le-
diglich eine Übertretung anzuhängen versuchte, fand seine Berücksichtigung be-
reits in der Anwendung des privilegierten Strafrahmens gemäss Art. 303 Ziff. 2
StGB, und ist deshalb, wie die Vorinstanz richtig erkannte, dem Beschuldigten im
Rahmen des objektiven Tatverschuldens nicht noch einmal zu Gute zu halten. Zu
gewichten ist indes die Schwere der bezichtigten Übertretung (vgl. StGB PK -
Trechsel/Affolter-Eijstein, Art. 303 11). Eine Geschwindigkeitsüberschreitung um
24 km/h bei einer signalisierten zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h
innerorts ist unmittelbar an der Grenze zur groben Verkehrsverletzung angesie-
delt. Die Bezichtigung des Beschuldigten betrifft demnach eine Übertretung im
obersten möglichen Bereich, was mit der Vorinstanz verschuldenserhöhend zu
gewichten ist. Zutreffend zu Gunsten des Beschuldigten berücksichtigt hat die
Vorinstanz andererseits, dass es nicht zur Einleitung einer Untersuchung gegen
G._ kam und dieser keine merklichen Nachteile zu gewärtigen hatte. Dass
der Beschuldigte die Bezichtigung als "blossen" Verdacht formulierte, vermag ihn
- 27 -
nur unwesentlich zu entlasten. Mit der Vorinstanz ist das Verschulden in objekti-
ver Hinsicht als noch leicht zu qualifizieren.
2.1.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist mit der Vorinstanz (erschwerend)
zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte aus rein egoistischen Motiven handel-
te. Er wusste, dass er selbst das Fahrzeug gelenkt hat und er mit einer schärferen
Bestrafung zu rechnen hätte, da er nicht im Besitz eines Führerausweises war
und bereits einen getrübten automobilistischen Leumund hatte. Andererseits lag
dem Handeln des Beschuldigten das Motiv der Selbstbegünstigung zu Grunde,
was leicht verschuldensmindernd in Rechnung zu stellen ist. Zu seinen Gunsten
hat die Vorinstanz weiter berücksichtigt, dass der Beschuldigte allenfalls damit
rechnete, dass aufgrund des ausländischen Wohnsitzes des Angeschuldigten
keine Strafuntersuchung gegen diesen eingeleitet wird, sofern die Busse bezahlt
würde. Dieser wohlwollenden Erwägung soll heute gefolgt werden. Insgesamt
führt das subjektive Tatverschulden zu keiner Relativierung des objektiven.
2.1.3. Mit der Vorinstanz ist das Gesamtverschulden des Beschuldigten
hinsichtlich der falschen Anschuldigung somit als noch leicht einzustufen, und er-
scheint es angemessen, die verschuldensangemessene hypothetische Einsatz-
strafe auf 90 Tagessätze Geldstrafe festzusetzen.
2.2. Täterkomponente
2.2.1. Hinsichtlich des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse –
welche sich gemäss den Angaben des Beschuldigten anlässlich der Berufungs-
verhandlung zwischenzeitlich nicht wesentlich verändert haben (vgl. Prot. II S. 3
ff.) – kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 42 S. 31). Aus dem Lebenslauf des Beschuldigten lassen sich keine für die
Strafzumessung relevanten Aspekte erkennen.
2.2.2. Straferhöhend zu gewichten ist der getrübte automobilistische Leu-
mund des Beschuldigten, wie die Vorinstanz zutreffend erkannt hat (Urk. 42
S. 31)
- 28 -
2.3. Einsatzstrafe
Unter Berücksichtigung aller Strafzumessungsgründe erweist sich für das
Delikt der falschen Anschuldigung eine hypothetische Einsatzstrafe von
100 Tagessätzen Geldstrafe als angemessen.
3. Asperation aufgrund des Fahrens ohne Berechtigung
3.1. Tatkomponente
3.1.1. Bezüglich der objektiven Tatschwere ist mit der Vorinstanz festzuhal-
ten, dass der Beschuldigte ein Fahrzeug lenkte, obwohl er noch nie einen Führe-
rausweis besessen hat. Damit gefährdete er die übrigen Verkehrsteilnehmenden
potenziell mehr als Personen, die zwar keine Fahrberechtigung haben, jedoch be-
reits eine Fahrausbildung absolviert bzw. einmal einen Führerausweis erlangt ha-
ben. Da es sich beim fraglichen Fahrzeug um das Geschäftsauto seiner damali-
gen Freundin handelte, welches sie normalerweise in Zürich vor ihrer damaligen
Wohnung bzw. ihrem Büro nebenan parkierte, ist aufgrund der Entfernung zum
Tatort davon auszugehen, dass der Beschuldigte am 6. Juni 2014 nicht nur weni-
ge Meter, sondern eine längere Strecke gefahren ist. Ins Gewicht fällt weiter, dass
er dabei die Geschwindigkeitsvorschriften innerorts in einem Masse missachtete,
das unmittelbar unter dem Grenzwert für eine grobe Verkehrsregelverletzung
liegt. Wie die Vorinstanz zutreffend resümiert hat, schuf der Beschuldigte mit sei-
nem Verhalten eine erhebliche Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer.
3.1.2. Im Hinblick auf die subjektive Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass
der Beschuldigte ohne speziellen Grund lenkte und damit aus rein egoistischen
Motiven handelte.
3.2. Täterkomponente
Hinsichtlich der sich leicht straferhöhend auswirkenden Täterkomponente
kann auf die vorstehenden Erwägungen verwiesen werden (oben Ziff. 2.2.).
- 29 -
3.3. Asperation
Unter Würdigung aller strafzumessungsrelevanten Faktoren erscheint es
angezeigt, die vorstehend festgesetzte hypothetische Einsatzstrafe aufgrund des
Nebendelikts des Fahrens ohne Berechtigung um 50 Tagessätze zu erhöhen.
3.4. Höhe des Tagessatzes
Aufgrund der im Wesentlichen unveränderten finanziellen Verhältnisse des
Beschuldigten ist die Tagessatzhöhe auf Fr. 160.– festzusetzen, wobei auf die
erstinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden kann (Urk. 42 S. 31).
4. Verletzung der Verkehrsregeln
Zur Sanktionierung der Übertretung von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung
mit Art. 27 SVG, Art. 4a Abs. 5 VRV und Art. 22 SSV rechtfertigt sich eine Busse
von Fr. 1'000.–, wie es die Vorinstanz – auf deren Ausführungen verwiesen wer-
den kann – überzeugend begründet hat (Urk. 42 S. 32 f.).
5. Fazit Strafzumessung
Zusammengefasst ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 150 Ta-
gessätzen zu Fr. 160.– sowie mit einer Busse von Fr. 1'000.– zu bestrafen.
An die Geldstrafe ist 1 Tag erstandene Haft anzurechnen.
6. Strafvollzug
6.1. Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass dem Beschuldigten der
bedingte Vollzug der Geldstrafe zu gewähren und die Probezeit auf 2 Jahre anzu-
setzen ist. Auf ihre Erwägungen kann verwiesen werden (Urk. 42 S. 33 f.)
6.2. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung
der Busse ist mit der Vorinstanz auf 10 Tage anzusetzen.
- 30 -
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Bei diesem Verfahrensausgang ist die erstinstanzliche Kostenregelung (Dis-
positivziffern 5 und 6) zu bestätigen und sind dem Beschuldigten auch die Kosten
des Berufungsverfahrens aufzuerlegen.