Decision ID: c9632dea-a772-5a97-b5cd-d24711c22207
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besass den Führerausweis für die Kategorie B seit dem 8. Januar 2020 auf Probe.
Im Informationssystem über die Verkehrszulassung (IVZ) ist er nicht verzeichnet. Am
Freitag, 27. März 2020, überholte er um 19.58 Uhr mit einem Personenwagen in
Gossau (innerorts) auf der St. Gallerstrasse in westlicher Richtung (Höhe Liegenschaft
Nr. 83 bis 55) mehrere Fahrzeuge mit überhöhter Geschwindigkeit; dabei überquerte er
auf der Gegenfahrbahn einen Fussgängerstreifen, der in der Strassenmitte auf beiden
Seiten mit Verkehrspollern geschützt war. Als sich X wieder rechts einordnen wollte,
kollidierte er im Bereich des nächsten Fussgängerstreifens mit drei Stahl- und einem
Plastikpoller. Der Führerausweis wurde ihm durch die Polizei auf der Stelle
abgenommen. Daraufhin ordnete der Staatsanwalt eine Blut- und Urinprobe an. Die
Blutanalyse ergab keinen Hinweis auf einen vorgängigen Konsum von Alkohol, Drogen
oder Medikamenten. Das parallel laufende Strafverfahren ist, soweit aus den Akten
ersichtlich, noch hängig.
B.- Das Strassenverkehrsamt bestätigte am 31. März 2020 die vorläufige Abnahme des
Führerausweises durch die Polizei. Aufgrund des Verkehrsunfalls vom 27. März 2020
und der Tatsache, dass X erst seit kurzem im Besitz des Führerausweises auf Probe
war, eröffnete es am 18. Juni 2020 ein Verfahren zur Abklärung der Fahreignung.
Gleichzeitig verbot es X das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien vorsorglich
ab sofort und gewährte ihm das rechtliche Gehör bezüglich der beabsichtigten
verkehrspsychologischen Untersuchung. Mit Zwischenverfügung vom 3. August 2020
ordnete es eine verkehrspsychologische Untersuchung an.
C. Die Fahreignungsabklärung wurde am 19. August 2020 durchgeführt. Im Gutachten
vom 19. Oktober 2020 verneinte der Verkehrspsychologe die Fahreignung von X aus
charakterlichen Gründen. Es bestehe eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass er
zukünftig erheblich oder wiederholt gegen strassenverkehrsrechtliche Bestimmungen
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verstossen werde. Auf die Ergänzungsfragen der Rechtsvertreterin nahm der Gutachter
am 15. Dezember 2020 Stellung.
D.- Mit Verfügung vom 11. Januar 2021 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis wegen mangelnder Fahreignung aus charakterlichen Gründen auf
unbestimmte Zeit. Als Bedingungen für die Aufhebung des Entzugs wurden ein
klagloses Verhalten (namentlich kein Fahren trotz Entzug), eine Verkehrstherapie mit
mindestens 10 bis 12 Sitzungen sowie eine positiv lautende verkehrspsychologische
Kontrolluntersuchung festgelegt. Einem allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende
Wirkung entzogen.
E.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom
26. Januar 2021 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen
(VRK) mit dem Antrag, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei die angefochtene
Verfügung aufzuheben. Am 10. Februar 2021 reichte die Rechtsvertreterin innert
erstreckter Frist eine Rekursbegründung ein. Mit Schreiben vom 25. Februar 2021
nahm das Strassenverkehrsamt zum Rekurs Stellung und beantragte dessen
Abweisung. Zur Vernehmlassung des Strassenverkehrsamtes äusserte sich die
Rechtsanwältin des Rekurrenten am 3. März 2021.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sach-entscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 26. Januar 2021 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der
Rekursergänzung (Begründung) vom 10. Februar 2021 in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz dem Rekurrenten den Führerausweis
gestützt auf das verkehrspsychologische Gutachten vom 19. Oktober 2020 zu Recht
wegen charakterlicher Nichteignung auf unbestimmte Zeit entzogen hat.
bis
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a) Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Art. 16d SVG regelt
den Führerausweisentzug wegen fehlender Fahreignung. Danach werden der Lernfahr-
oder Führerausweis einer Person unter anderem dann auf unbestimmte Zeit entzogen,
wenn sie aufgrund ihres bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass sie künftig
beim Führen eines Motorfahrzeuges die Vorschriften beachten und auf die
Mitmenschen Rücksicht nehmen wird (Abs. 1 lit. c). Ein solcher Sicherungsentzug
bezweckt, die zu befürchtende Gefährdung der Verkehrssicherheit durch einen
ungeeigneten Fahrzeugführer in Zukunft zu verhindern. Es geht nicht darum, den
Betroffenen wegen einer begangenen Verkehrsregelverletzung zu bestrafen;
entsprechend setzt der Sicherungsentzug keine schuldhafte Widerhandlung im
Strassenverkehr voraus (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_74/2011 vom 17. Mai
2011 E. 2.2; BGE 133 II 331 E. 9.1).
Aus charakterlichen Gründen sind jene Personen zum Führen von Motorfahrzeugen
nicht geeignet, die nicht über ein Minimum an Verantwortungsbewusstsein,
Beständigkeit und Selbstbeherrschung verfügen, die gleichzeitig ungeschickt,
unbeholfen und ohne Entscheidungssinn sind, die übertrieben optimistisch und ganz
ohne Bewusstsein für Gefahren sind oder die dazu neigen, sich immer im Recht zu
glauben und völlig hemmungslos sind (vgl. M. Perrin, Délivrance et retrait du permis de
conduire, Fribourg 1982, S. 49). Bezugspunkt der Beurteilung ist einzig die
Verkehrssicherheit. Diejenigen Personen sollen nicht zugelassen werden, von denen
anzunehmen ist, dass sie aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur eine besondere Gefahr
für die anderen Verkehrsteilnehmer darstellen. Massgebend ist somit die schlechte
Prognose über das Verhalten als Motorfahrzeugführer. Eine solche Gefahr liegt etwa
nahe bei sehr starker emotionaler Unausgeglichenheit, unbeherrschter Impulsivität oder
dauernder affektiver Gespanntheit. Positiv wird eine einigermassen angepasste
charakterliche Reife vorausgesetzt. Nicht jede Person mit ungünstigen
Charakteranlagen ist zum Führen von Motorfahrzeugen nicht geeignet
(vgl. R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I:
Grundlagen, Verkehrszulassung und Verkehrsregeln, 2. Aufl. 2002, Rz. 332 ff.). Welches
diese Charaktermerkmale sind, bezeichnet das Gesetz nicht. Zur Auslegung der
charakterlichen Ungeeignetheit kann Art. 15d Abs. 1 lit. c SVG herangezogen werden.
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Dieser verlangt eine Fahreignungsuntersuchung bei "Verkehrsverletzungen, die auf
Rücksichtslosigkeit schliessen lassen". Darunter werden unter anderem
Widerhandlungen verstanden, die grobfahrlässig oder vorsätzlich begangen werden,
wie Schikanestopps bei hohen Geschwindigkeiten, illegale Rennen und krasse
Geschwindigkeitsüberschreitungen (BSK SVG-Rütsche/D'Amico, 1. Aufl. 2014, Art. 16d
N 49). Gemäss Botschaft liegt in solchen Fällen ein Charakterdefizit nahe, sodass sich
die betroffene Person auf ihre charakterliche Eignung untersuchen lassen muss
(BBI 2010, 8500).
b) Die Vorinstanz stützt die angefochtene Verfügung auf das verkehrspsychologische
Gutachten vom 19. Oktober 2020, welches dem Rekurrenten die Eignung zum Führen
von Motorfahrzeugen abspricht.
aa) Das Gutachten vom 19. Oktober 2020 berücksichtigte das Ereignis vom 27. März
2020, die Angaben des Rekurrenten (verkehrsrelevante Anamnese und Exploration des
Verkehrsverhaltens), einen Aufsatz des Rekurrenten zum Thema "Mein bisheriges
Verhalten im Strassenverkehr" und die Ergebnisse zu den verkehrsrelevanten
Einstellungs- und Persönlichkeitsmerkmalen aus der verkehrspsychologischen
Testbatterie des Act- und React- Testsystems "ART 2020". Vorliegend wurden der
verkehrsbezogene Persönlichkeitstest (VPT.2), der Fragebogen für
Risikobereitschaftsfaktoren (FRF.2) und der verkehrsspezifische Itempool (VIP)
angewendet. Die zur Abklärung der verkehrsrelevanten Persönlichkeitsmerkmale
eingesetzten Fragebogentests entsprechen dem aktuellen Stand der
verkehrspsychologischen Diagnostik (vgl. J. Bächli-Biétry/M. Menn, Zum Einsatz von
Persönlichkeitsfragebogen in verkehrspsychologischen Eignungsuntersuchungen –
eine vergleichende Studie, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2015, Bern 2015,
S. 250 ff.; Bächli-Biétry, Was kann die Verkehrspsychologie im Bereich
Fahreignungsdiagnostik leisten?, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003,
St. Gallen 2003, S. 74 ff.).
bb) Mit dem Aufsatz zum Verkehrsunfall vom 27. März 2020, den die Schwester
bezüglich Rechtschreibefehler, einiger Formulierungen und Formatierung und die
Rechtsvertreterin gegengelesen haben (act. 10/31), gab der Rekurrent an, dass er
seinen Führerausweis anfangs 2020 erhalten und nur wenige Vorfälle im
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Strassenverkehr gehabt habe. Er erinnere sich an eine Situation in einem
doppelspurigen Kreisel, wo es mit einem weiteren Fahrzeug fast zu einer Kollision
gekommen sei. Über die verantwortungslose Fahrweise des anderen Fahrzeugs habe
er sich genervt. Der andere Vorfall habe sich im März ereignet und sei der Grund der
verkehrspsychologischen Untersuchung. Er sei am Abend in Gossau mit seinem
Fahrzeug in einer Kolonne gestanden und unterwegs zu einem Kollegen gewesen.
Plötzlich sei er von einem unbekannten Fahrzeug auf dem Busstreifen rechts überholt
worden. Dies habe in dermassen verärgert, dass er auf der Gegenspur neben den
anderen Fahrzeuglenker habe ranfahren wollen, damit er ihm die Meinung sagen
könne. Jedoch sei der Kreisel schnell nähergekommen und er habe es nicht mehr
geschafft, sich wieder in die Kolonne einzureihen. Es sei leider auch zu spät gewesen,
um ganz abbremsen zu können, weshalb er in eine "Biene Maja" gefahren sei. In
diesem Moment sei ihm die Kollision als mildeste Möglichkeit erschienen, damit er
seine Kollegen oder andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährde. Das sei ihm passiert,
weil er sehr unerfahren im Strassenverkehr sei. Im Moment seines Handelns sei ihm die
Gefährlichkeit nicht bewusst gewesen. Normalerweise halte er sich immer an die
Verkehrsregeln, nur in dieser Situation habe er sehr schlecht und unüberlegt gehandelt.
Wenn er mehr Erfahrungen beim Autofahren sammeln könne, lerne er besser, Gefahren
einzuschätzen. Er werde zukünftig versuchen, im Strassenverkehr zurückhaltend und
gut überlegt zu agieren (vgl. act. 10/91 f.). Gegenüber der Polizei hatte er, soweit aus
den Akten ersichtlich, mit Angaben zum Unfallablauf noch zurückgehalten. Namentlich
bestätigte er nicht, von einem anderen Fahrzeuglenker rechts überholt worden zu sein
(act. 10/31 f.).
Zu den konkreten Gründen, weshalb es zu diesem Verkehrsunfall gekommen sei, führte
der Rekurrent aus, dass er sehr überrascht gewesen sei, als ihn der Wagen rechts
überholt habe. Er sei nicht nur überrascht gewesen, dass dieser auf dem Busstreifen
überholt habe, sondern auch, weil er gleich mehrere Fahrzeuge auf einmal überholt
habe. Dessen Verhalten habe ihn so geärgert, dass er aus der Kolonne rausgefahren
sei, um ihn zurechtzuweisen. Er habe nur daran gedacht, dem anderen Fahrer die
Meinung zu sagen, und im Moment nicht überlegt, was passieren könnte, wenn er
seine Fahrspur verlasse und auf die Gegenfahrbahn wechsle. Die Gefährlichkeit seines
Handelns für andere Verkehrsteilnehmer sei ihm erst bewusstgeworden, als es zu spät
gewesen sei; er habe beim Rausfahren eine Art Kurzschlussreaktion gehabt. Aus dem
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Vorfall habe er Vieles gelernt und werde nie wieder innerorts überholen und allgemein
mehr über die Konsequenzen seines Verhaltens nachdenken (vgl. act. 10/92).
cc) Der verkehrsbezogene Persönlichkeitstest (nachfolgend: VPT.2) wurde speziell für
die Fahreignungsdiagnostik entwickelt. Mit 70 Fragen klärt er die Bereiche Offenheit
der Selbstbeschreibung, Expressivität/Selbstsicherheit, soziale Anpassung, emotionale
Ansprechbarkeit, Selbstkontrolle und Selbstreflexion ab. Als Kontrollskala für die
Beurteilung der Verwertbarkeit der Angaben in den übrigen Bereichen dient die
Offenheit der Selbstbeschreibung. In dieser Skala erzielte der Rekurrent einen
Prozentrang (PR) von 38 (Normbereich 25-75, vgl. Bächli-Biétry, Inhalt des Gutachtens,
Würdigung, Folgefragen aus verkehrspsychologischer Sicht, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2009, St. Gallen 2009, S. 66). Personen mit geringen
Offenheitswerten neigen stark dazu, sich als angepasst, emotional stabil und
kontrolliert darzustellen. Weshalb bei einem unterdurchschnittlichen Wert zur Offenheit,
ein Persönlichkeitsprofil nur mit Vorbehalt ausgewertet werden kann (vgl. Bächli-Biétry,
a.a.O., S. 65). Da dieser Wert im Normbereich liegt, besteht beim Rekurrenten keine
Tendenz zu einer beschönigenden Selbstdarstellung. Mit einem PR von 18 liegt das
Ergebnis für die Expressivität/Selbstsicherheit demgegenüber ausserhalb des
Normbereichs. Dasselbe gilt für die Selbstkontrolle mit einem PR von 20 und die
Selbstreflexion mit einem PR von 19. In den anderen Bereichen (soziale Anpassung
und emotionale Ansprechbarkeit) bewegen sich die Ergebnisse wiederum im
Normbereich (act. 10/93).
dd) Mit dem Fragebogen für Risikobereitschaftsfaktoren (nachfolgend: FRF.2) werden
verschiedene Dimensionen der Risikobereitschaft abgeklärt, und zwar in physischer,
sozialer und finanzieller Hinsicht. Erhöhte Werte ergaben sich beim Rekurrenten bei der
sozialen Risikobereitschaft mit einem PR von 90 und bei der finanziellen
Risikobereitschaft mit einem PR von 85. Hingegen lag der Wert bezüglich der
physischen Risikobereitschaft mit einem PR von 36 im Normbereich (act. 10/93).
ee) Der verkehrsspezifische Itempool (nachfolgend: VIP) deckt die Bereiche der
unkritischen Selbstwahrnehmung, der aggressiven Interaktion mit anderen
Verkehrsteilnehmern und des emotionalen Autofahrens ab. Als Kontrollskala dient der
Grad der Orientierung der Antworten an der sozialen Erwünschtheit. Deutlich erhöht
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fielen die Werte in den Bereichen aggressive Interaktion (PR 98) und emotionales
Autofahren (PR 80) aus. Die Bereiche Orientierung an sozialer Erwünschtheit und
unkritische Selbstwahrnehmung liegen dagegen im Normbereich (act. 10/93).
ff) Die ungünstige Prognose der charakterlichen Eignung begründet der Gutachter
damit, dass aufgrund der ausführlichen verkehrspsychologischen Exploration zum
jetzigen Zeitpunkt davon ausgegangen werden müsse, dass der Rekurrent die
persönlichen Hintergründe und Ursachen für seine Auffälligkeiten im Strassenverkehr
noch nicht ausreichend erkannt habe. Daher sei er nicht selbständig in der Lage,
entsprechende Konsequenzen daraus abzuleiten, um für die Zukunft keine weiteren
Auffälligkeiten im Strassenverkehr mehr folgen zu lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass
es aufgrund seiner persönlichen Einstellungsmerkmale auch in Zukunft erneut zu
Verkehrsauffälligkeiten kommen könne, sei bei ihm derzeit noch erhöht. Die
Gefahrenpotenziale würden beim Rekurrenten vor allem in einer unzureichenden
Reflexion des Fehlverhaltens und der zugrundeliegenden Persönlichkeitsanteile, einer
erhöhten Risikobereitschaft im Strassenverkehr, einem reduzierten
Gefahrenbewusstsein sowie einer zu gering ausgeprägten Verantwortungsbereitschaft
liegen. Die verkehrspsychologischen Persönlichkeitsverfahren hätten in
Übereinstimmung mit den Akten und den Angaben aus der Exploration ebenfalls
Hinweise auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit ergeben, dass es aufgrund von
persönlichen Einstellungsmerkmalen auch in Zukunft zu weiteren
Verkehrsauffälligkeiten kommen könne. Die charakterliche Fahreignung sei deshalb aus
verkehrspsychologischer Sicht zum aktuellen Zeitpunkt negativ zu beurteilen (vgl.
act 10/95 ff.).
c) Im Rekurs wird geltend gemacht, dass der Rekurrent im Aufsatz für das
verkehrspsychologische Gutachten sein Verhalten begründet habe. Entgegen den
Ausführungen der Vorinstanz sei ihm sehr wohl bewusst, weshalb es zu einer
Kurzschlussreaktion gekommen sei, und zwar aufgrund des Fehlverhaltens des grauen
Wagens. Ein weiterer Grund, weshalb nicht auf das Gutachten hätte abgestützt werden
dürfen, sei, dass bei der "Beurteilung der charakterlichen Eignungsvoraussetzungen"
lediglich die Resultate der Fragebogenverfahren festgehalten worden seien. Es könne
nicht im Geringsten nachvollzogen werden, aufgrund welcher Fragen und Antworten
die Bewertungen resultierten. Die dem Gutachten zugrundeliegenden Tests hätten dem
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Gutachten beigelegt werden müssen, um die Ausführungen überhaupt erst überprüfen
zu können. Für die Beantwortung der Frage eines Führerausweisentzugs auf
unbestimmte Zeit hätten zudem die individuellen Charaktereigenschaften in Bezug auf
das bisherige Verhalten begutachtet werden müssen. Stattdessen sei gestützt auf nicht
überprüfbare Prüfungsresultate eine Schlussfolgerung gezogen worden, die allenfalls
einem Durchschnittswert der übrigen Exploranden entspreche. Zudem sei das
Gutachten widersprüchlich. Zum einen werde festgehalten, dass es dem Rekurrenten
gelungen sei, sich mit den Umständen zu seinem Verkehrsdelikt kritisch
auseinanderzusetzen. Zum anderen werde ausgeführt, dass dem Rekurrenten die
ursächlich hinter seinem Vorfall stehenden, personenbezogenen Faktoren bis jetzt zu
wenig bewusst seien. Das Gutachten schweige sich gänzlich darüber aus, worauf sich
die Hypothese stütze, dass die kritische Selbstwahrnehmung des Rekurrenten derzeit
zu gering ausgebildet sei oder die Zusammenhänge zwischen dem Fehlverhalten und
die sich daraus ergebenden Gefahren ihm nicht ausreichend bewusst seien. Der
Gutachter habe nur Hypothesen aufgestellt, ohne diese auch nur ansatzweise zu
begründen. Gestützt auf ein solches Gutachten einen Sicherungsentzug aufgrund
charakterlicher Eigenschaften anzuordnen, sei reine Willkür und verstosse gegen
Bundesrecht. Zu den einzelnen Ergebnissen des Fragebogenverfahrens wird weiter
geltend gemacht, dass der niedrige Wert in der Skala "Selbstkontrolle" nicht stimmen
könne, da ansonsten der Rekurrent bereits mehrere Einträge im Strafregister aufweisen
würde. Auch der niedrige Wert der Skala "Selbstreflexion" könne nicht stimmen, da das
Gutachten dazu selber widersprüchliche Angaben mache.
d) aa) Das verkehrspsychologische Gutachten unterliegt der freien richterlichen
Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 VRP). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann Gutachten Beweiswert beigemessen
werden, sofern sie schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 123
V 331 E. 1c). In Sachfragen weicht das Gericht nur aus triftigen Gründen von einer
behördlicherseits in Auftrag gegebenen Expertise ab. Es prüft, ob sich aufgrund der
übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die
Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten aufdrängen. In diesem Fall hat
es nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung der Zweifel zu erheben (BGE 133 II
384 E. 4.2.3 mit weiteren Hinweisen). Das verkehrspsychologische Gutachten soll in
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der Gesamtbeurteilung die erhobenen Befunde hinsichtlich der Fragestellung würdigen
und so gewichten, dass die Schlussfolgerungen und die Beantwortung der
Fragestellung auch für einen psychologischen Laien nachvollziehbar sind (Bächli-
Biétry, Inhalt des Gutachtens, Würdigung, Folgefragen aus verkehrspsychologischer
Sicht, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2009, St. Gallen 2009, S. 58).
bb) Gemäss dem Rekurrenten erfülle der Gutachter die gesetzlichen Anforderungen
nach Art. 11b Abs. 1 lit. b der Verkehrszulassungsverordnung (SR 741.51, abgekürzt:
VZV) nicht und demzufolge dürfe auf das Gutachten nicht abgestellt werden. Die
entsprechende Bestimmung verlangt, dass bei einer medizinischen Abklärung der
Fahreignung, die kantonale Behörde den Gesuchsteller an einen Arzt mit mindestens
der Anerkennung der Stufe 3 zuweist. Vorliegend handelt es sich aber nicht um ein
verkehrsmedizinisches, sondern um ein verkehrspsychologisches Gutachten, das
aufgrund von Zweifeln an der charakterlichen Eignung des Rekurrenten durchgeführt
wurde. Hierfür ist Art. 11 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 5c VZV einschlägig. Als
Gutachter anerkannt sind Psychologen mit dem Titel "Fachpsychologe/
Fachpsychologin für Verkehrspsychologie FSP" oder einem von der Schweizerischen
Vereinigung für Verkehrspsychologie als gleichwertig anerkannten Titel. Der Gutachter
verfügt über den entsprechenden Titel und war deshalb berechtigt und qualifiziert, das
verkehrspsychologische Gutachten zu erstellen. Abgesehen davon waren es der
Rekurrent und die Rechtsvertreterin, welche den Gutachter vorgeschlagen hatten.
cc) Der Rekurrent beanstandet, dass die dem Gutachten zugrundeliegenden Tests
hätten offengelegt werden müssen. Ansonsten eine Überprüfung der Testverfahren
nicht möglich sei.
Zur gutachterlichen Erfassung von verkehrsrelevanten Persönlichkeitseigenschaften
werden in der Schweiz in der Regel neben dem Explorationsgespräch auch
standardisierte Fragebogenverfahren eingesetzt. Verschiedene Anbieter stellen
Verfahren bereit, die speziell für den Zweck der Fahreignungsbegutachtung konstruiert,
normiert und validiert worden sind. Mit diesen Verfahren werden
Persönlichkeitseigenschaften erfasst, die je nach Ausprägung für die zukünftige
Legalbewährung prognostisch günstig, neutral oder prognostisch ungünstig gewertet
werden. Für die verkehrspsychologische Diagnostik stellen die Fragebogenverfahren
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somit ein wichtiges Hilfsmittel für die Gutachter dar. Gemäss ständiger
Rechtsprechung ergibt sich indessen kein Anspruch auf Einsicht in rein interne Akten,
die für die interne Meinungsbildung bestimmt sind und welchen kein Beweischarakter
beizumessen ist. Dementsprechend besteht auch im Rahmen einer Begutachtung
grundsätzlich kein Anspruch auf Einsicht in die der internen Meinungsbildung
dienenden Notizen des Gutachters oder generell in die das Gutachten vorbereitenden
Arbeitsunterlagen, wie Hilfsmittel für die Erstellung eines Gutachtens (z.B. schriftlichen
Aufzeichnungen über Testergebnisse oder andere Befunde). Die Fragebögen der
durchgeführten Tests sind als solche Hilfsmittel zu werten, weshalb grundsätzlich kein
Anspruch auf Offenlegung besteht. Das Gericht kann immerhin zum Beizug solcher
Dokumente verpflichtet sein, wenn dies im Einzelfall zur Überprüfung der Grundlagen
und Schlussfolgerungen eines Sachverständigengutachtens angezeigt erscheint (BGer
8C_37/2014 vom 22. Mai 2014 E. 2.1). Dies kann unter anderem dann der Fall sein,
wenn das Gutachten in bestimmten Fällen nicht schlüssig ist. Zu berücksichtigen ist
auch, dass die Bewertung der Ergebnisse mittels Fragebögen durchgeführter Tests ein
besonderes (verkehrspsychologisches) Fachwissen voraussetzt. Für den Betroffenen
und die Rechtsvertreterin wäre deshalb mit der Herausgabe der Antworten auf die
verschiedenen Fragen nichts gewonnen. Selbstverständlich haben diese aber das
Recht, eine nochmalige verkehrspsychologische Begutachtung zu beantragen, wenn
sie mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind. Das Gericht wird einen solchen Antrag
gutheissen, wenn es nach eigener eingehender Würdigung ebenfalls zum Schluss
kommen sollte, dass das Gutachten nicht zu überzeugen vermag. Wie es sich damit
verhält, ist im Folgenden zu prüfen.
dd) Bei den angewendeten Fragebögen handelt es sich um Methoden, die geprüft
wurden und sich in der Praxis durchgesetzt haben. Wichtig ist in diesem
Zusammenhang, dass die Beurteilung der verkehrsrelevanten
Persönlichkeitseigenschaften nicht einzig auf solchen Testergebnissen beruht.
Fragebogenverfahren sind aber ein sinnvolles Erhebungsinstrument, sind sie doch in
einem gewissen Masse objektiver und auch standardisierter als das
Explorationsgespräch und ermöglichen so gesehen einen "neutraleren" Blickwinkel auf
den Exploranden (vgl. Bächli-Biétry/M. Menn, Zum Einsatz von
Persönlichkeitsfragebogen in verkehrspsychologischen Eignungsuntersuchungen –
eine vergleichende Studie, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2015, Bern 2015,
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S. 250 und 268). Da der Gutachter ein zertifizierter Verkehrspsychologe ist, ist davon
auszugehen, dass er den Umgang mit den Fragebögen und der Auswertung gewohnt
ist. Aus dem Gutachten selbst ergeben sich keine Hinweise, dass die Begutachtung
nicht ordnungsgemäss durchgeführt wurde.
ee) Der Gutachter leitet die mangelnde charakterliche Fahreignung des Rekurrenten im
Wesentlichen daraus ab, dass sich aufgrund der verkehrspsychologischen
Untersuchung Hinweise auf eine charakterliche Problematik ergeben habe, sodass eine
erhöhte Wahrscheinlichkeit gegeben sei, dass die untersuchte Person zukünftig
erheblich oder wiederholt gegen strassenverkehrsrechtliche Bestimmungen verstossen
werde. Die Gefahrenpotenziale lägen beim Rekurrenten in der unzureichenden
Reflexion des Fehlverhaltens und der dabei zugrundeliegenden Persönlichkeitsanteile,
in einer erhöhten Risikobereitschaft im Strassenverkehr, einem reduzierten
Gefahrenbewusstsein sowie einer zu geringen Verantwortungsbereitschaft.
ff) Das gutachterliche Hauptargument für eine fehlende Fahreignung war die
mangelnde Selbstreflexion des Rekurrenten. Daher sei er nicht in der Lage, daraus
Konsequenzen für sein Verhalten im Strassenverkehr abzuleiten. Diese Feststellung
deckt sich mit den Ergebnissen der Fragebogenverfahren. Im verkehrsbezogenen
Persönlichkeitstest konnte der Rekurrent in der Skala "Selbstreflexion" nur einen sehr
niedrigen Wert erzielen. Der gemessene Skalenwert ausserhalb des Normbereichs
deutet somit auf eine Neigung zu intuitivem Handeln und zu einer mangelnden
Fähigkeit, eigenes Verhalten selbstkritisch zu hinterfragen, hin. Dieses Manko zeigte
sich auch in den Aussagen des Rekurrenten. Zum Verkehrsunfall vom 27. März 2021
meinte er, dass er sich über das Überholmanöver des anderen Fahrzeugs auf dem
Busstreifen so geärgert habe, dass er den Fahrer habe zurechtweisen wollen. In
diesem Moment sei er sich der Gefahr seines Handelns nicht bewusst gewesen; er
habe wohl in einer Art Kurzschlussreaktion gehandelt. Dem kann nur zugestimmt
werden. Das fragliche Überholmanöver wirkt auch auf verkehrspsychologische Laien
als totale Überreaktion eines Fahrzeuglenkers, der sich nicht im Griff hat, und damit
eine massive Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer hervorgerufen hat. Die Aussagen
des Rekurrenten stehen deshalb nicht im Widerspruch zu den Schlussfolgerungen des
Gutachters. Was der Rekurrent insbesondere nicht aufzeigte, war, weshalb ein
Überholmanöver eines fremden Fahrzeugs ihn persönlich derart in Rage bringen
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konnte und ihn zu einem sehr gefährlichen Fahrmanöver verleiten liess. Im Aufsatz
beschrieb er zwar, wie es zum Verkehrsunfall gekommen ist und was aus seiner Sicht
der Auslöser des Überholmanövers gewesen ist. Dagegen setzte er sich nicht mit den
persönlichen Eigenschaften auseinander, die eine Erklärung für sein Handeln sein
könnten. Nachvollziehbar und schlüssig ist somit die Schlussfolgerung des Gutachters,
dass eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den persönlichen Anteilen an seinem
Delikt noch nicht ausreichend stattgefunden habe, sodass zurzeit keine ausreichende
Grundlage für die Entwicklung einer tragfähigen und stabilen Verhaltensmodifikation
gegeben sei. Der Einwand des Rekurrenten, dass die Ausführungen des Gutachtens
widersprüchlich seien, ist unbegründet. Keinen Widerspruch stellt auch dar, wenn im
Gutachten ausgeführt wird, der Rekurrent habe sich kritisch mit dem Verkehrsdelikt
auseinandergesetzt. Dies bedeutet insbesondere nicht, dass dies auch in einem
genügenden und sämtliche Facetten ausleuchtenden Mass stattgefunden hat. Dazu
würde vor allem das Bewusstsein gehören, dass es nicht seine Aufgabe ist, andere
Motorfahrzeugführer nach einem allfälligen Fehlverhalten im Strassenverkehr in
Sheriffmanier zur Rede stellen zu müssen.
Die verkehrsspezifischen Fragebogenverfahren zeigten weitere Auffälligkeiten, die auf
ein erhöhtes Gefährdungspotenzial für das zukünftige Verhalten des Rekurrenten im
Strassenverkehr schliessen lassen. Beim Persönlichkeitstest VPT.2 wies er bei der
Expressivität/Selbstsicherheit und Selbstkontrolle sehr tiefe Skalenwerte auf, die auf
Charaktereigenschaften wie fehlende Eigenständigkeit, Ängstlichkeit und Gehemmtheit
im Sozialkontakt und erhöhte Beeinflussbarkeit im sozialen Kontext hinweist.
Demgegenüber deuten sehr niedrige Werte bei der Selbstkontrolle auf eine eher
spontane Handlungsweise, Unzuverlässigkeit, Sprunghaftigkeit und schnelle Aufgabe
bei Schwierigkeiten hin. Weitere problematische Werte ergaben sich aus dem
Fragebogenverfahren FRF.2 bei der sozialen und finanziellen Risikobereitschaft. Im
Gutachten wird darauf hingewiesen, dass diese hohen Werte unter anderem Hinweise
für riskante Fahrmanöver, erhöhte soziale Konfliktbereitschaft und eine geringe
Beeinflussbarkeit durch soziale Kritik seien. Zudem fielen im Persönlichkeitsverfahren
VIP die Skalenwerte "aggressive Interaktion" und "emotionales Autofahren" deutlich
erhöht aus. Solche Werte sprechen für eine Neigung zu einem dominanten,
aggressiven und unüberlegten Fahrverhalten. Der vom Rekurrenten verursachte
Verkehrsunfall vom 27. März 2020 kann auch von einem verkehrspsychologischen
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Laien ohne weiteres mit den beschriebenen Persönlichkeitsmerkmalen in Einklang
gebracht werden. So stellte das überholende Fahrzeug innerorts mit überhöhter
Geschwindigkeit im Bereich von zwei Fussgängerstreifen mit durch Sicherheitspoller
geschaffenen Mittelstreifen ein extrem hohes Risiko für andere Verkehrsteilnehmer dar
und spricht für eine hohe Risikobereitschaft und ein geringes Gefahrenbewusstsein.
Bereits vor dem Vorfall vom 27. März 2020 hatte er sich eigenen Angaben zufolge über
einen anderen Automobilisten genervt, der sich seiner Meinung nach in einem Kreisel
nicht korrekt verhalten hatte und fast in ihn gefahren war (act. 10/91). Insgesamt
ergeben sich in den verkehrsspezifischen Fragebogenverfahren zur Persönlichkeit
deutliche Auffälligkeiten beim Rekurrenten, die auf ein erhöhtes Gefährdungspotenzial
für das zukünftige Verhalten im Strassenverkehr schliessen lässt.
gg) Der Rekurrent bringt weiter vor, dass weder der Gesetzeswortlaut von Art. 16d
Abs. 1 lit. c SVG, noch die bundesgerichtliche Rechtsprechung einen
Sicherungsentzug aus charakterlichen Gründen gestützt auf einen einmaligen Vorfall
legitimieren würde.
Entscheidend für den Sicherungsentzug aus charakterlichen Gründen ist die schlechte
Prognose über das Verhalten als Motorfahrzeugführer. Die Frage ist anhand der
Vorkommnisse und der persönlichen Umstände zu beurteilen. Eine solche liegt vor,
wenn hinreichend begründete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der
Motorfahrzeugführer vorsätzlich oder aufgrund seines Unvermögens rücksichtslos
fahren wird. Hierbei spielt auch die Art, Schwere, Zahl und Häufigkeit der begangenen
Verfehlungen eine Rolle (Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015,
Art. 16d SVG N 42). Das Bundesgericht hielt in indessen bereits in einem früheren Urteil
fest, dass unter besonderen Umständen bereits eine erstmalige
Geschwindigkeitsüberschreitung erhebliche Zweifel an der charakterlichen Eignung
wecken könne (BGer 1C_604/2012 vom 17. Mai 2013 E. 6.1). Es trifft deshalb nicht zu,
dass ein einmaliger Vorfall keinen Sicherungsentzug zu rechtfertigen vermöge (vgl. act.
12, S. 2). Vielmehr kann sich die charakterliche Nichteignung zum Führen eines
Motorfahrzeugs auch aus einem ersten und einzigen Ereignis ergeben, wenn es sich
wie hier um eine massiv auffällige Verhaltensweise handelt. In Bezug auf die
Fahreignung ist als besonders problematisch zu betrachten, dass der Verkehrsunfall
vom 27. März 2020 nur gerade drei Monate, nachdem der Rekurrent den
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Führerausweis auf Probe erworben hatte, geschehen ist. Zusätzlich zu berücksichtigen
ist, dass die Art des Verkehrsdelikts äusserst schwer wiegt. Der Rekurrent überholte
mit übersetzter Geschwindigkeit innerorts bei Kolonnenverkehr mehrere Fahrzeuge und
gefährdete damit weitere Verkehrsteilnehmer massiv. Aufgrund der rücksichtslosen
Fahrweise des Rekurrenten und des Umstands, dass er lediglich drei Monate im Besitz
des Führerausweises war, bestanden berechtigte Zweifel an der Fahreignung. Diese
wurden mit dem verkehrspsychologischen Gutachten vom 19. Oktober 2020 bestätigt.
hh) Die Feststellung des Gutachters, dass die verkehrspsychologische Untersuchung
auf eine charakterliche Problematik hinweise und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit
gegeben sei, dass der Rekurrent zukünftig erheblich oder wiederholt gegen das
Strassenverkehrsgesetz verstosse, erweist sich demzufolge als widerspruchsfrei,
nachvollziehbar und schlüssig. Das Gutachten zeigt auch keine offenkundigen Mängel.
Zudem bestehen keine Indizien, welche gegen dessen Zuverlässigkeit sprechen
würden. Namentlich durfte der Gutachter die Ergänzungsfragen mit Hinweisen auf die
Ausführungen im Gutachten beantworten, zumal dazu grösstenteils bereits Stellung
genommen worden war. Der mit dem Sicherungsentzug verbundene Eingriff in die
Persönlichkeitssphäre des Rekurrenten ist angesichts der auf dem Spiel stehenden
öffentlichen Interessen der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer erforderlich und
angemessen und liegt nicht zuletzt auch in seinem eigenen, wohlverstandenen
Interesse (vgl. BGer 6A.15/2000 vom 28. Juni 2000 E. 4). Zufolge fehlender
Fahreignung ist der Sicherungsentzug gemäss Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG auf
unbestimmte Dauer zu bestätigen.
3.- a) Gemäss Art. 17 Abs. 3 SVG kann der auf unbestimmte Zeit entzogene
Führerausweis bedingt und unter Auflagen wiedererteilt werden, wenn eine allfällige
gesetzliche oder verfügte Sperrfrist abgelaufen ist und die betroffene Person die
Behebung des Mangels nachweist, der die Fahreignung ausgeschlossen hat. Eine
Wiedererteilung des Ausweises bei einem Sicherungsentzug wegen fehlender
Fahreignung kommt somit nur in Frage, wenn die Fahreignung wiederhergestellt ist. Die
vom Entzug betroffene Person hat ein Gesuch um Wiedererteilung des
Führerausweises zu stellen und mit den erforderlichen Beweismitteln zu belegen, dass
der Mangel, der die Fahreignung ausgeschlossen hat, behoben ist (BSK SVG-Rütsche/
Weber, a.a.O., Art. 17 N 22). Bei einer charakterlichen Problematik wird der
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Führerausweisentzug aufgehoben, wenn eine erfolgreiche Behandlung der
beschriebenen Defizite stattgefunden hat.
b) Dass die Vorinstanz als Bedingungen für die Aufhebung des Führerausweisentzugs
ein klagloses Verhalten (namentlich kein Fahren trotz Entzug), das Absolvieren einer
Verkehrstherapie von mindestens 10-12 Sitzungen und eine positiv lautende
verkehrspsychologische Kontrolluntersuchung festlegte, ist nicht zu beanstanden. Mit
dem Gutachter ist von einer erforderlichen Verkehrstherapie auszugehen, weil die
beschriebenen Defizite unter professioneller Betreuung aufzuarbeiten sind, um neue
Methoden zu erarbeiten, die eine tiefgreifende Verhaltensänderung im Hinblick auf das
zukünftige Verhalten im Strassenverkehr hervorrufen (act. 10/97). Die Bedingung einer
positiv lautenden Kotrolluntersuchung entspricht der gängigen Praxis bei einem
Sicherungsentzug; damit kann überprüft werden, ob der charakterliche
Fahreignungsmangel behoben ist. Insgesamt sind die Bedingungen für die
Wiedererteilung zu bestätigen.
c) Zusammenfassend ist der Rekurs gegen die Sicherungsentzugsverfügung vom
11. Januar 2021 abzuweisen. Die Vorinstanz durfte nach eingehender Würdigung des
Gutachtens zu Recht auf das schlüssige und nachvollziehbare verkehrspsychologische
Gutachten vom 19. Oktober 2020 abstellen, die Fahreignung des Rekurrenten gestützt
auf Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG verneinen, den Führerausweis auf unbestimmte Zeit
entziehen und die Wiedererteilung von den obengenannten Bedingungen abhängig
machen.
4.- Mit dem Sicherungsentzug soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn er während eines
Beschwerdeverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Rekurrenten
zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– (vgl. Art. 7
Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12) erscheint angemessen. Der
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Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu verrechnen. Ein Anspruch auf eine
ausseramtliche Entschädigung besteht nicht.