Decision ID: 7e15e0ea-a900-5538-8ddc-25bc418458db
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. (1990) ist Staatsbürger von Kosovo und reiste am 15. November 2012 zur
Vorbereitung der Heirat mit der Schweizerin A.Y. (1988) in die Schweiz ein. Das Paar
heiratete am 30. November 2012 in St. Gallen, worauf das Migrationsamt des Kantons
St. Gallen X.Y. am 4. Dezember 2012 eine Aufenthaltsbewilligung erteilte und diese in
der Folge bis 30. November 2015 verlängerte (vgl. Dok. 1-15 des Migrationsamtes).
In der Nacht vom 23. auf den 24. November 2013 intervenierte die Stadtpolizei
St. Gallen beim Ehepaar X.Y. und A.Y. wegen häuslicher Gewalt. Die Beteiligten der
erst verbalen und schliesslich auch handgreiflichen Auseinandersetzung – X.Y. auf der
einen, seine Ehefrau A.Y., deren Vater B.Z. und ihr Bruder C.Z. auf der anderen Seite –
verzeigten sich in der Folge gegenseitig (Untersuchungsakten in Dok. 16-21 des
Migrationsamtes). Anlässlich dieses Streits trennten sich die Eheleute; A.Y. wohnt
seither bei ihren Eltern in Q. (act. 1, Ziff. 8).
B. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs widerrief das Migrationsamt mit
Verfügung vom 9. Juli 2014 die Aufenthaltsbewilligung von X.Y. (Dok. 27 und 37 des
Migrationsamtes). Sein Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Heinz T. Stadelmann, St. Gallen,
hatte erfolglos geltend gemacht, die Ehe sei noch nicht definitiv gescheitert, und
seinem Mandanten wäre – als Opfer ehelicher Gewalt – der Aufenthalt ohnehin weiter
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zu bewilligen. Den gegen diese Verfügung erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und
Justizdepartement mit Entscheid vom 10. Oktober 2014 ab (act. 2).
C. Mit Eingabe vom 27. Oktober 2014 liess X.Y. (Beschwerdeführer) Beschwerde
beim Verwaltungsgericht erheben mit den Anträgen, der Rekursentscheid vom
10. Oktober 2014 und die Verfügung des Migrationsamtes vom 9. Juli 2014 seien unter
Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben (act. 1). Das Sicherheits- und
Justizdepartement (Vorinstanz) beantragte in seiner Vernehmlassung vom 5. Dezember
2014 Abweisung der Beschwerde; zur Begründung verwies es auf den angefochtenen
Entscheid (act. 10). Mit Schreiben vom 13. November 2014 teilte der Rechtsvertreter
dem Beschwerdeführer mit, er beende seine anwaltliche Tätigkeit und lege sein
Mandat nieder. Dieses Schreiben ging am 1. Dezember 2015 auch beim
Verwaltungsgericht ein (act. 14).
Auf die Vorbringen des Beschwerdeführers, den angefochtenen Entscheid und die
Akten wird – soweit notwendig – in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Der
Beschwerdeführer ist als Adressat des angefochtenen Entscheids zur Ergreifung des
Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerde wurde rechtzeitig erhoben und entspricht formal und inhaltlich den
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
VRP). Auf die Beschwerde ist damit grundsätzlich einzutreten. Soweit sich das
Rechtsbegehren des Beschwerdeführers gegen die Verfügung des Migrationsamtes
richtet, ist es allerdings unzulässig und auf die Beschwerde ist insoweit nicht
einzutreten. Die erstinstanzliche Verfügung ist durch den Rekursentscheid ersetzt
worden (Devolutiveffekt), was deren selbständige Anfechtung ausschliesst. Sie gilt aber
inhaltlich als durch die Beschwerde mitangefochten (vgl. BGer 1C_3/2013 vom
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19. November 2013 E. 2 mit Hinweis auf BGE 134 II 142 E. 1.4 und – statt vieler –
VerwGE B 2013/257 vom 28. April 2015 E. 1, www.gerichte.sg.ch).
2. Ausgangspunkt des vorliegenden Verfahrens ist die Verfügung des
kantonalen Migrationsamtes vom 9. Juli 2014, womit die Aufenthaltsbewilligung des
Beschwerdeführers widerrufen wurde. Die Bewilligung war bis 30. November 2015
befristet, und sie ist mit Ablauf der Gültigkeitsdauer erloschen (Art. 61 Abs. 1 lit. c des
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer, SR 142.20, AuG). Der
Rechtsstreit betrifft mithin nunmehr die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung.
3.
3.1. Ausländische Ehegatten von Schweizern und Schweizerinnen und von
Personen mit Niederlassungsbewilligungen haben Anspruch darauf, dass ihnen eine
Aufenthaltsbewilligung erteilt oder diese verlängert wird, wenn sie mit ihrem Partner
oder ihrer Partnerin zusammenwohnen (Art. 42 Abs. 1 bzw. Art. 43 Abs. 1 AuG). Die
ausländerrechtlichen Bestimmungen über den Nachzug des Ehegatten dienen dazu, in
der Schweiz eine von beiden Ehegatten gewollte eheliche Gemeinschaft zu
ermöglichen. Um die eheliche Beziehung in der Schweiz leben zu können, müssen die
Familienangehörigen nach den ausländerrechtlichen Vorgaben zusammenwohnen. Das
Fehlen einer Haushaltsgemeinschaft ohne sachliche Gründe bildet in der Regel ein
gewichtiges Indiz dafür, dass eine Umgehungsehe vorliegt, d.h. dass von Anfang an
gar keine auf Dauer angelegte wirtschaftliche, körperliche und spirituelle Verbindung
geplant war, sondern der Eheschluss im Wesentlichen dadurch motiviert war, dem
Scheinpartner die Einreise und den Aufenthalt in der Schweiz zu ermöglichen, oder,
dass die Ehe tatsächlich nicht mehr gelebt und lediglich noch versucht wird, den
abgeleiteten Bewilligungsanspruch fortdauern zu lassen. Als rechtsmissbräuchlich gilt
auch die Berufung auf eine nur noch formell bestehende, inhaltsleer gewordene Ehe,
die mit dem einzigen Ziel aufrechterhalten wird, die Anwesenheitsberechtigung nicht zu
verlieren. Vom Erfordernis des Zusammenwohnens wird ausländerrechtlich abgesehen,
wenn für getrennte Wohnorte wichtige Gründe geltend gemacht werden und die
Familiengemeinschaft weiter besteht (Art. 49 AuG). Wichtige Gründe sind vor allem
berufliche, aber auch familiäre Gründe (vgl. Art. 76 der Verordnung über Zulassung,
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR 142.201). Sind diese Voraussetzungen erfüllt,
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behält der ausländische Ehepartner seinen Anspruch auf Erteilung oder Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung, obwohl es am Zusammenleben mit dem originär
Anwesenheitsberechtigten fehlt (vgl. z.B. BGer 2C_131/2015 vom 11. September 2015
E. 4). Muss aufgrund des Zeitablaufs, der geringen Zahl und Intensität der Kontakte
zwischen den Ehegatten jedoch davon ausgegangen werden, dass die eheliche
Beziehung nicht aufrechterhalten wird, entfällt das abgeleitete Anwesenheitsrecht. Der
Aufenthaltszweck gilt als erfüllt (vgl. Art. 33 Abs. 2 AuG), und die betroffene
ausländische Person hat das Land zu verlassen (vgl. zum Ganzen Th. Hugi Yar, Von
Trennungen, Härtefällen und Delikten, in: Achermann/Caroni/Uebersax, Jahrbuch für
Migrationsrecht 2012/13, Bern 2013, S. 31 ff, hier: S. 42 und 48-56 mit Hinweisen auf
Rechtsprechung und Lehre).
3.2. Von dieser Folge sind Ausländerinnen und Ausländer mit abgeleitetem
Anwesenheitsrecht ausgenommen, deren Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre
gedauert hat und die sich hier erfolgreich integriert haben (Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG;
«Integrationsklausel») oder wenn wichtige persönliche Gründe – etwa dass sie Opfer
ehelicher Gewalt geworden sind oder dass die soziale Wiedereingliederung im
Herkunftsstaat stark gefährdet erscheint – ihren weiteren Aufenthalt in der Schweiz
erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG; «nachehelicher Härtefall»; zum Ganzen
vgl. Hugi Yar, a.a.O., S. 65 ff.). In diesen Fällen besteht der Anspruch des Ehegatten
auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach den Art. 42 und 43
AuG weiter. Er knüpft nach der gesetzgeberischen Intention an die spezifische
Lebenssituation nach dem Dahinfallen dieser abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung.
Der Gesetzgeber wollte mit Art. 50 AuG in erster Linie die Ehegatten nach Auflösung
der Ehe schützen, um sie nicht vor das Dilemma zu stellen, entweder in einer
unzumutbaren ehelichen Gemeinschaft zu verbleiben oder alleine in ein
gesellschaftliches Umfeld zurückzukehren, wo sie wegen ihrer Trennung oder
Scheidung möglicherweise geächtet werden. Ausser in den Fällen wichtiger
persönlicher Gründe («nacheheliche Härtefälle» im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG)
soll dafür aber eine kürzere als dreijährige Ehedauer nicht genügen. Ist der
Zusammenhang unterbrochen und der Anspruch nach Art. 50 AuG untergegangen, weil
es am Zusammenwohnen fehlte (ohne dass wichtige Gründe für das Getrenntleben
gegeben gewesen wären), kann dieser regelmässig nicht wieder aufleben (BGE 140 II
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289 E. 3.4.3 und 3.6.1, je mit Hinweisen). Es bedarf in diesem Sinne einer gewissen
Kontinuität bzw. Kausalität mit bzw. zur gescheiterten ehelichen Gemeinschaft.
3.3. Häusliche Gewalt meint – ausländerrechtlich – die systematische
Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben. Sie muss von einer
gewissen Intensität sein, soll sie geeignet erscheinen, nach gescheiterter Ehe einen
Anspruch auf ein originäres, eigenständiges Anwesenheitsrecht zu begründen. Sie
muss von einer Intensität sein, dass die physische oder psychische Integrität des
Opfers im Falle der Aufrechterhaltung der ehelichen Gemeinschaft schwer
beeinträchtigt würde: Die anhaltende erniedrigende Behandlung muss derart schwer
wiegen, dass von der betroffenen Person bei Berücksichtigung sämtlicher Umstände
vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, dass sie einzig aus
bewilligungsrechtlichen Gründen die Ehe aufrechterhält und in einer ihre
Menschenwürde und Persönlichkeit verneinenden Beziehung verharrt (BGer
2C_20/2015 vom 21. Juli 2015 E. 4.1 mit Hinweis BGE 138 II 229 E. 3.2.1 f.). Schutzziel
von Art. 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Abs. 2 ist es, zu verhindern, dass die im
Familiennachzug zugelassene Person durch das Zusammenleben mit der originär
berechtigten Person in ihrer Persönlichkeit ernstlich gefährdet wird (BBl 2002 3754).
Der nachgezogene Ehepartner soll nicht aus Angst vor dem Verlust des
Anwesenheitsrechts gezwungen sein, mit dem Familienangehörigen
zusammenzubleiben, der ihm gegenüber Gewalt ausübt.
Je nach Intensität kann ausnahmsweise schon ein einziger Vorfall, z.B. ein
Mordversuch, genügen, um als wichtiger persönlicher Grund einen nachehelichen
Härtefall zu begründen (vgl. BGer 2C_803/2010 vom 14. Juni 2011 E. 2.3.2). Weder
einzelne eheliche verbale Auseinandersetzungen noch ein einmaliger verbaler Streit mit
unglücklichem Ausgang (Sturz des einen Ehegatten) oder eine einmalige tätliche
Auseinandersetzung, in deren Folge die ausländische Person in psychischem
Ausnahmezustand und mit mehreren Kratzspuren im Gesicht einen Arzt aufsucht, ist
«eheliche Gewalt» im ausländerrechtlichen Sinn, die einen weiteren Aufenthalt in der
Schweiz erforderlich machen würde. Gleiches gilt, wenn der ausländische Ehepartner
nach einem Streit aus der Wohnung vertrieben wird, ohne dass er körperliche oder
psychische Schäden erlitten hätte (BGer 2C_590/2010 vom 29. November 2010 E.
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2.5.2; 2C_690/2010 vom 25. Januar 2011 E. 3.2; BGE 138 II 229 E. 3.2.1; 2C_155/2011
vom 7. Juli 2011 E. 4.6).
3.4. Ist der Anspruch gemäss Art. 42 und 43 AuG bereits untergegangen, weil es
am Zusammenwohnen fehlt, ohne dass wichtige Gründe für das Getrenntleben
gegeben sind, kommt ein Wiederaufleben nach geraumer Zeit im Rahmen von Art. 50
AuG nicht mehr in Betracht (vgl. E. 3.2 hiervor in fine). Leben die Eheleute ohne
wichtigen Grund bereits getrennt, befindet sich der Ehepartner, der nachträglich Opfer
von ehelicher Gewalt wird, nicht in einer wesentlich anderen Situation als jede andere
ausländische Person, der Gewalt durch Dritte angetan wird. Ein Wiederaufleben des
Anwesenheitsanspruchs ist (auch) in solchen Fällen ausgeschlossen, und Art. 50 Abs. 1
lit. b AuG ist nicht anwendbar (BGE 137 II 345 E. 3.2.3 und BGer 2C_590/2010 vom
29. November 2010 E. 2.5.3).
3.5. Die ausländische Person trifft bei den Feststellungen des entsprechenden
Sachverhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht (BGE 138 II 229 E. 3.2.3; 126 II 335
E. 2b/cc; 124 II 361 E. 2b). Sie muss die eheliche Gewalt bzw. häusliche Oppression in
geeigneter Weise glaubhaft machen (Arztberichte oder psychiatrische Gutachten,
Polizeirapporte, Berichte/Einschätzungen von Fachstellen [Frauenhäuser, Opferhilfe
usw.], glaubwürdige Zeugenaussagen von weiteren Angehörigen oder Nachbarn etc.).
Allgemein gehaltene Behauptungen oder Hinweise auf punktuelle Spannungen
genügen nicht; wird häusliche Gewalt in Form psychischer Oppression behauptet,
muss vielmehr die Systematik der Misshandlung bzw. deren zeitliches Andauern und
die daraus entstehende subjektive Belastung objektiv nachvollziehbar konkretisiert und
beweismässig unterlegt werden (vgl. BGer 2C_1072/2014 vom 9. Juli 2015 E. 2.4).
4. Der Beschwerdeführer macht zum einen geltend, seine Ehe bestehe
weiterhin, weshalb ihm der Aufenthalt in der Schweiz zu bewilligen sei (E. 4.1). Zum
andern bringt er vor, weil er Opfer häuslicher Gewalt geworden sei, stehe ihm weiter ein
Anwesenheitsrecht zu (E. 4.2).
4.1. Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass seine Ehefrau am 23. November
2013 aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen ist. Auch seien erste Gespräche
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über eine allfällige Scheidung geführt worden. Er gehe aber immer noch davon aus,
dass die Ehe nicht gescheitert sei und sie wieder zusammenfänden.
Solange er mit seiner Ehefrau zusammenwohnte, hatte der Beschwerdeführer
Anspruch auf Erteilung und Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung. Mittlerweile
leben die Ehegatten jedoch seit über zwei Jahren getrennt, ohne dass es zu einer
Wiedervereinigung gekommen wäre. Wie der Beschwerdeführer selbst einräumt,
besteht von Seiten der Ehefrau keinerlei Bereitschaft hierzu, und der Beschwerde
sowie den Akten sind auch keine Anhaltspunkte zu entnehmen, wonach es zu
gemeinsamen Versöhnungsbemühungen gekommen wäre. Der Wunsch nach
Aufrechterhaltung der Beziehung scheint nach den Ausführungen des
Beschwerdeführers allein auf dessen Seite weiterzubestehen. Wichtige Gründe für das
Getrenntleben im Sinne von Art. 49 AuG werden nicht geltend gemacht; solche wären
nach so langer Zeit, zumal keine regelmässigen ehelichen Kontakte zur Überwindung
der Krise (z.B. Besuch einer Ehetherapie) belegt sind, ohnehin nicht mehr beachtlich
(vgl. Spescha, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka, Kommentar Migrationsrecht,
4. Aufl. 2015, N 3 zu Art. 49 AuG). Aus der nur formell noch bestehenden Ehe kann der
Beschwerdeführer keine Anwesenheitsansprüche mehr ableiten. Er hat zudem nur rund
ein Jahr, von November 2012 bis November 2013, mit seiner Ehefrau in der Schweiz
zusammengelebt, bevor es zur definitiven Trennung kam. Zu Recht beruft er sich unter
diesen Umständen nicht auf die Integrationsklausel von Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG. Diese
kommt bekanntlich erst nach dreijähriger Ehedauer zum Tragen (vgl. E. 3.1 und 3.2
hiervor).
4.2.
4.2.1. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, am 23. November 2013 –
unmittelbar vor der Trennung – Opfer von häuslicher Gewalt geworden zu sein. Er habe
in jener Nacht ca. um halb zwei bei der Einsatzzentrale der Stadtpolizei St. Gallen
angerufen und um polizeiliche Intervention und Hilfe gebeten. Zuvor sei seine Frau
nach einem zunächst verbalen Streit ihm gegenüber tätlich geworden, habe
schliesslich ihren Vater und ihren Bruder herbeigerufen, und diese hätten ihn mit
Faustschlägen gegen den Kopf niedergestreckt und später mit einem Messer
angegriffen. Er habe dabei diverse Kratzer an der rechten Wange und
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Abwehrverletzungen an beiden Unterarmen und an der rechten Handaussenkante
erlitten. In der Folge habe er Strafanzeige gegen seine Ehefrau, deren Vater und deren
Bruder wegen Tätlichkeit und einfacher Körperverletzung eingereicht. Auch die
Letzteren hätten gegen ihn Strafanzeige eingereicht. Aufgrund der protokollierten
Aussagen sei jedoch davon auszugehen, dass er das Opfer in der ganzen
Angelegenheit sei. Er habe insbesondere massive Übergriffe und Bedrohungen durch
die Familie seiner Ehefrau über sich ergehen lassen müssen. Diese habe ihm
zukommen lassen, sie werde alles unternehmen, damit er die Schweiz verlassen und
wieder in den Kosovo zurückkehren müsse. Sei er erst einmal wieder in seinem
Heimatland, werde man schon noch mit ihm abrechnen. Diese Drohungen seien ernst
zu nehmen, und in seinem Heimatland sei er an Leib und Leben gefährdet. Im
konkreten Fall sei nicht nur auf die von seiner Frau ausgeübte Gewalt abzustellen,
sondern auch auf die aus deren Familienkreis stammende. Ein enger Zusammenhang
mit der bestehenden Ehe müsse genügen, dies umso mehr, weil beide Eheleute aus
Kulturen stammten, wo es zu den üblichen Reaktionen gehöre, dass die Ehre der
Ehefrau durch deren männliche Familienmitglieder verteidigt werde. Der
Beschwerdeführer sei gleich zu behandeln, wie wenn die eheliche Gewalt von der
Ehefrau selber ausgegangen wäre.
4.2.2. Die Vorinstanz hielt hierzu fest, der Ablauf dieser Auseinandersetzung werde
vom Beschwerdeführer und seiner Ehefrau bzw. deren Verwandtschaft völlig
kontrovers geschildert. Fest stehe lediglich, dass Ersterer Schnittwunden an den
Händen erlitten habe. Während er jedoch behaupte, sein Schwager habe ihn verletzt,
mache dieser wie auch der Schwiegervater geltend, der Beschwerdeführer sei bei
ihrem Eintreffen in die eheliche Wohnung mit einem Messer auf ihn, den Schwager,
losgegangen. Wesentlich sei jedoch, dass von der Ehefrau keine erhebliche Gewalt
ausgeübt worden sei. Dazu sei diese ohnehin nicht in der Lage gewesen, weil an ihr
einige Monate zuvor eine Lebertransplantation vorgenommen worden sei. Sie sei nicht
voll arbeitsfähig gewesen und habe Medikamente einnehmen müssen. In ihrem
rekonvaleszenten Zustand sei nicht glaubhaft, dass sie ihrem Ehemann körperlich
überlegen gewesen sei und ihm gegenüber Gewalt ausgeübt habe. Der
Beschwerdeführer habe gegenüber der Polizei angegeben, seine Frau sei vorher noch
nie tätlich geworden, es habe bislang nur verbale Streitigkeiten gegeben. Angst habe er
nicht vor seiner Frau.
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4.2.3. Die vorinstanzliche Schilderung des Vorfalles vom 23./24. November 2013
erfasst die bekannten Gesichtspunkte vollständig (vgl. Dok. 16-21 des
Migrationsamtes); dieser ist demnach nichts beizufügen. Die mit diametral
auseinanderliegenden Aussagen begründeten wechselseitigen Strafklagen versprechen
nur beschränkten Erkenntnisgewinn über die tatsächlichen Geschehnisse. Aus
ausländerrechtlicher Sicht wesentlich ist jedoch, dass es sich unbestrittenermassen um
einen einmaligen Vorfall handelte, an dem die Ehefrau des Beschwerdeführers nicht
einmal massgeblich beteiligt war. Aus den polizeilich rapportierten Aussagen des
Beschwerdeführers ergibt sich nicht, dass dieser systematisch misshandelt worden
wäre, mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben. Im Gegenteil: Dass der
Beschwerdeführer keine Angst vor seiner Ehefrau hat und nach wie vor mit ihr
zusammenwohnen will (vgl. E. 4.1) unterstreicht, dass er nicht vor der unzumutbaren
Wahl stand, entweder in einer menschenunwürdigen Beziehungssituation zu verbleiben
oder seinen Aufenthaltsanspruch zu verlieren. Hinzu kommt, dass die
Haushaltsgemeinschaft unmittelbar nach dem Gewaltvorfall aufgelöst worden ist. Das
einmalige Vorkommnis mag damals zwar zur Auflösung der Haushaltsgemeinschaft
geführt haben. Indessen beruft sich der Beschwerdeführer zur Begründung seines
Anspruchs selber auf das Fortdauern der Ehe und behauptet eine Wiederannäherung.
Nach der eigenen Darstellung kann somit die einmalige Tätlichkeit nicht derart intensiv
gewesen sein, dass ihm ein weiteres Zusammenleben mit seiner Ehefrau nicht mehr
zumutbar gewesen wäre. Der argumentative Widerspruch, einerseits Opfer von Gewalt
zu sein und andererseits mit seiner Ehefrau weiter zusammen leben zu wollen, kann
nicht zu Gunsten des Beschwerdeführers aufgelöst werden; dieser ist – auch wenn
man an den Aufenthaltsanspruch keine zu hohen Anforderungen stellt (vgl. BGer
2C_1072/2014 vom 9. Juli 2015 E. 3.3) – nicht schutzbedürftig im Sinne von Art. 50
Abs. 1 lit. b AuG. Soweit er – in keiner Weise substantiiert – vorbringt, er sei nach
Auflösung des gemeinsamen Haushalts von der Familie seiner Ehefrau bedroht
worden, fehlt es einerseits am erforderlichen engen Zusammenhang mit der Ehe, was
seinen Bewilligungsanspruch nicht wieder aufleben lassen kann. Andererseits, was die
behauptete Bedrohung (auch) im Heimatstaat anbetrifft, hat es der Beschwerdeführer
unterlassen, konkrete Anhaltspunkte zu nennen. Weshalb das überzeugende Argument
der Vorinstanz, die Familie seiner Ehefrau wohne in der Schweiz und es sei deshalb
nicht nachvollziehbar, dass er im Kosovo in Folge dieser Auseinandersetzung gefährdet
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wäre, unzutreffend sein soll, legte der Beschwerdeführer entgegen seiner qualifizierten
Mitwirkungspflicht nicht dar. Dass ihm die Ausreise nicht zuzumuten wäre, kann damit
nicht als erwiesen gelten. Entsprechende Anhaltspunkte liegen auch nicht vor,
nachdem aufgrund der Akten nichts darauf hindeutet, dass der Streit während der
Dauer des ausländerrechtlichen Verfahrens (erneut) eskaliert wäre.
4.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer einen
Bewilligungsanspruch weder aus seiner Ehe (Art. 42 Abs. 1 AuG) noch aus Art. 50 AuG
ableiten kann. Besteht kein Bewilligungsanspruch, so ist ein behördlicher
Ermessensentscheid vonnöten, mit welchem die Frage der Wegweisung bzw. der
erneuten Bewilligungserteilung geklärt werden muss (Bolzli, in: Spescha/Thür/Zünd/
Bolzli/Hruschka, a.a.O., N 4 zu Art. 33 AuG). Die Ermessensausübung der Vorinstanzen
wird vom Verwaltungsgericht nicht überprüft, solange diese nicht rechtsfehlerhaft ist
(Art. 61 Abs. 1 VRP). Die Vorinstanz hat das öffentliche Interesse an einer restriktiven
Migrationspolitik höher gewichtet als die privaten Interessen des erst seit kurzer Zeit
hier lebenden Beschwerdeführers am weiteren Verbleib in der Schweiz. Die
Ausführungen lassen nicht auf fehlerhafte Ausübung des behördlichen Ermessens
schliessen; eine solche hat der Beschwerdeführer auch nicht gerügt.
5. (...).