Decision ID: a9c1527b-4c97-5b02-99f6-fac4f1249911
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- A Y ist Zahntechniker und betreibt ein Einzelunternehmen, welches das
Geschäftsjahr jeweils am 31. März abschloss; B Y-Z ist Pflegefachfrau und im
Gemeindealtersheim G angestellt. Die Eheleute Y-Z wohnen zusammen mit ihren
beiden Kindern im eigenen Einfamilienhaus in G. A Y verfügt zudem über
Grundeigentum im Kanton T.
B.- Für 2010 deklarierten die Eheleute Y-Z am 8. Juli 2011 ein steuerbares Einkommen
von Fr. 84'434.--. Der Steuererklärung lag ein unterzeichneter "Jahresabschluss 2010
(01.04.2010-31.12.2010)" der U bei, der einen Geschäftserfolg von Fr. 76'187.50
auswies. Die Veranlagungsbehörde forderte am 28. November 2011 den
"Jahresabschluss 01.04.2009-31.03.2010" inkl. Kontodetails sowie die Kontodetails
zum Jahresabschluss April – Dezember 2010 nach. Die Steuervertreterin der Eheleute
Y-Z reichte am 5. Dezember 2011 die geforderten Unterlagen ein und hielt fest, der
Jahresabschluss per 31. März 2010, der auf die V, A Y, erstellt wurde und einen
Geschäftserfolg von Fr. 79'855.65 auswies, sei noch von dem im Jahr 2010
verstorbenen früheren Treuhänder der Steuerpflichtigen erstellt worden; die
Kontodetails seien leider nicht vollständig. In der Folge rechnete die
Veranlagungsbehörde den Geschäftserfolg des am 31. März 2010 abgeschlossenen
Geschäftsjahres auf und veranlagte die Eheleute Y-Z für die direkte Bundessteuer 2010
mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 159'600.--. Das kantonale Steueramt wies
die dagegen erhobene Einsprache am 7. März 2012 ab.
C.- Gegen den Einspracheentscheid vom 7. März 2012 erhoben A und B Y-Z mit
Eingabe ihrer Vertreterin vom 2. April 2012 Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, in der Steuerperiode 2010 sei bei den
Einkünften aus selbständiger Erwerbstätigkeit lediglich das Geschäftsergebnis des
Jahresabschlusses per 31. März 2010 zu erfassen. Der Abschluss per 31. Dezember
2010 sei irrtümlich erstellt worden. Auf die Ausführungen zur Begründung des Antrages
wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das kantonale Steueramt beantragte unter Hinweis auf den angefochtenen Entscheid
am 14. Mai 2012 die Abweisung der Beschwerde. Die Eidgenössische
Steuerverwaltung verzichtete stillschweigend auf eine Vernehmlassung.
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Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom 2. April 2012 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 140 Abs. 2 Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR
642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.- Die Beschwerdeführer wenden sich gegen die gleichzeitige Erfassung der
Geschäftsergebnisse gemäss Rechnungsabschluss per 31. März 2010 (1. April 2009
bis 31. März 2010) und Rechnungsabschluss per 31. Dezember 2010 (1. April bis
31. Dezember 2010) bei den in der Steuerperiode 2010 erzielten steuerbaren
Einkünften aus der selbständigen Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers.
a) Im System der Postnumerandobesteuerung mit Gegenwartsbemessung bemisst sich
das steuerbare Einkommen gemäss Art. 210 Abs. 1 DBG nach den Einkünften in der
Steuerperiode. Für die Ermittlung des Einkommens aus selbständiger Erwerbstätigkeit
ist das Ergebnis des in der Steuerperiode abgeschlossenen Geschäftsjahres
massgebend; Steuerpflichtige mit selbständiger Erwerbstätigkeit müssen in jeder
Steuerperiode einen Geschäftsabschluss erstellen (Art. 210 Abs. 2 und 3 DBG). Das
Ergebnis des Geschäftsabschlusses wird in seinem tatsächlichen Umfang für die
Bemessung des für die Steuerperiode massgeblichen Einkommens herangezogen
(Art. 3 Abs. 2 der Verordnung über die zeitliche Bemessung der direkten Bundessteuer
bei natürlichen Personen; SR 642.117.1, nachfolgend: VDBG). Bei ganzjähriger
Steuerpflicht ist für die Satzbestimmung das Ergebnis des Geschäftsabschlusses ohne
Umrechnung heranzuziehen (Art. 3 Abs. 3 VDBG). Die ordentlichen Gewinne eines
Geschäftsjahrs, das zwölf oder mehr Monate umfasst, werden für die Satzbestimmung
auch bei unterjähriger Steuerpflicht nicht umgerechnet (Art. 3 Abs. 4 VDBG).
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Besonderheiten können sich ergeben, wenn der Geschäftsabschluss nicht per Ende
Jahr, sondern im Verlauf der Steuerperiode erfolgt. Für diese Fälle bestimmt das
Gesetz, es sei für die Ermittlung des Einkommens aus selbständiger Erwerbstätigkeit
jeweils der in die Steuerperiode fallende Geschäftsabschluss massgebend. Dabei soll
ein Geschäftsjahr grundsätzlich zwölf Monate umfassen. Erfolgen in der Steuerperiode
ausnahmsweise zwei Geschäftsabschlüsse, bilden beide Abschlüsse
Bemessungsgrundlage; sie werden als Einheit behandelt (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 126 zu Art. 210 DBG). Bei
ganzjähriger Steuerpflicht in der Schweiz ist stets auf die in der Steuerperiode
abgeschlossenen Geschäftsjahre abzustellen. Es findet nie eine Umrechnung auf ein
Jahr statt (vgl. B. Walker, Die Besteuerung der Einkünfte aus selbständiger
Erwerbstätigkeit im System der Postnumerandobesteuerung und im Übergang, in: StR
55/2000 S. 2 ff., S. 3).
b) Der Beschwerdeführer hat zusammen mit der Steuererklärung für die Steuerperiode
2010 einen Geschäftsabschluss per 31. Dezember 2010 eingereicht, der die Zeit vom
1. April bis 31. Dezember 2010 umfasste. Auf die entsprechende Aufforderung der
Veranlagungsbehörde hin reichte der Beschwerdeführer auch den Geschäftsabschluss
per 31. März 2010, der das Geschäftsjahr vom 1. April 2009 bis 31. März 2010
umfasste, ein. Er machte dabei nicht geltend, der Abschluss eines unterjährigen
Geschäftsjahres per 31. Dezember 2010 sei irrtümlich erfolgt, weil der frühere
Buchhalter im Lauf des Jahres 2010 verstorben sei. Ebensowenig berief sich der
Beschwerdeführer in der Einsprache auf einen solchen Irrtum. Vielmehr kann der
Einsprachebegründung der Vertreterin entnommen werden, der auf die Monate April
bis Dezember 2009 entfallende Gewinn hätte im entsprechenden Kalenderjahr
besteuert werden müssen. Erstmals kann aus den Ausführungen im Rekurs
geschlossen werden, mit dem Abschluss per 31. Dezember 2010 sei nicht die Absicht
verbunden gewesen, für die selbständige Erwerbstätigkeit das Geschäftsjahr mit dem
Kalenderjahr in Übereinstimmung zu bringen. In der Einsprache wurde lediglich
festgehalten, das Geschäftsjahr ende jeweils am 31. März.
c) Eine Anpassung des Geschäftsjahres an das Kalenderjahr setzt im Fall des
Einzelunternehmens des Beschwerdeführers eine Verschiebung des Endes des
Geschäftsjahres vom 31. März auf den 31. Dezember voraus. Die Beschwerdeführer
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machen geltend, das Verschieben des Abschlussdatums sei nicht zulässig. Sie berufen
sich auf die st. gallische Praxis, nach welcher das Verschieben des Abschlussdatums
nur zulässig ist, wenn sich eine solche aus sachlichen, wirtschaftlich vertretbaren
Gründen geradezu aufdrängt (vgl. StB 67 Nr. 1). Da die Buchführung bei einem
Geschäftsjahr, das sich mit dem Kalenderjahr deckt, einfacher ist, weil beispielsweise
die Banken und die Post die von ihnen geführten Konti ebenfalls per Jahresende
abschliessen, ist es sachlich durchaus gerechtfertigt, das Geschäftsjahr mit dem
Kalenderjahr in Einklang zu bringen. Deshalb war die Vorinstanz nicht gehalten, den
Jahresabschluss per 31. Dezember 2010 als unzulässig zu behandeln und bei der
Veranlagung für die Steuerperiode 2010 nicht zu berücksichtigen. Dies galt umso mehr,
als der Beschwerdeführer weder im Zusammenhang mit der Einreichung des per
31. März 2010 erstellten Abschlusses noch in der Einsprache erläuterte, aus welchen
Gründen er diesen ebenfalls in die Steuerperiode 2010 fallenden Geschäftsabschluss
zunächst nicht einreichte. Auf die Absicht, das Geschäftsjahr mit dem Kalenderjahr zur
Deckung zu bringen, konnte auch der Umstand hinweisen, dass der Beschwerdeführer
die Bezeichnung seines Einzelunternehmens – von "V, A Y" in "U" – änderte.
Dem per 31. Dezember 2010 erstellten Abschluss liegt die – den rechtlichen Vorgaben
nicht entsprechende – Auffassung der Vertreterin des Beschwerdeführers zugrunde,
bei Geschäftsjahren, die sich nicht mit dem Kalenderjahr decken, sei der ausgewiesene
Gewinn auf die beiden betroffenen Kalenderjahre zu verteilen. In dieser Auffassung
kommt das Bestreben zum Ausdruck, das Geschäftsjahr mit der Steuerperiode in
Einklang zu bringen. Zudem hätte die Auffassung, die Einkünfte aus der selbständigen
Erwerbstätigkeit seien zeitlich auf die betroffenen Kalenderjahre zu verteilen,
konsequenterweise dazu führen müssen, zusammen mit der Steuerklärung für 2010
auch den per 31. März 2010 erstellten Abschluss einzureichen. Schliesslich ist – worauf
die Vorinstanz hinweist – die Handelsbilanz für das Steuerrecht grundsätzlich auch
beim Selbständigerwerbenden, der eine ordnungsmässe Buchhaltung führt,
massgeblich (vgl. Art. 18 in Verbindung mit Art. 58 DBG; Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, a.a.O., N 135 zu Art. 18 DBG und N 6 zu Art. 58 DBG).
Die gemeinsame Besteuerung der Einkünfte gemäss den Abschlüssen per 31. März
2010 und per 31. Dezember 2010 führt auch nicht zu einer doppelten Erfassung von
Einkünften aus der selbständigen Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers. Weder
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gelangte der Erfolg gemäss Abschluss per 31. März 2010 bereits in der Steuerperiode
2009 zur Besteuerung noch wird der Erfolg gemäss Abschluss per 31. Dezember 2010
in der Steuerperiode 2011 erneut erfasst werden. Die Verschiebung wirkt sich einzig
dahin gehend aus, dass im Jahr 2010 Einkünfte besteuert werden, die während
insgesamt 21 Monaten erzielt wurden. Gleichzeitig führt diese zeitliche Ausdehnung
jedoch dazu, dass anlässlich der Aufgabe der Erwerbstätigkeit mit dem letzten
Abschluss die Einkünfte der neun, in das vorangehende Kalenderjahr fallenden Monate
nicht mehr erfasst werden. Ob sich der Wechsel des Abschlusszeitpunktes steuerlich
wegen des progressiven Steuersatzes insgesamt zugunsten oder zulasten des
Beschwerdeführers auswirken wird, kann mangels Kenntnis' der zukünftigen
Steuerordnung ohnehin nicht beurteilt werden.
d) Dementsprechend erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie ist
abzuweisen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Verfahrens den
Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 800.-- ist angemessen (vgl. Art. 144 Ziff. 5 DBG in Verbindung mit Art. 7 Ziff. 122
der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist zu
verrechnen.