Decision ID: 8b252b63-452b-5958-8c1e-61fef8b297a2
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Die Kollektivgesellschaft Y mit Sitz in A bezweckt die Ausführung von
Warentransporten und die Metallrückgewinnung. Gesellschafter sind C und D Y. Im
Jahr 2003 vereinbarten die Y und die Z mit Sitz in B, bei der Aufbereitung und dem
Vertrieb von Roh- und Wertstoffen zusammenzuarbeiten. Zu diesem Zweck gründeten
sie am 27. November 2003 als Joint-Venture die X mit Sitz in A. Diese bezweckt die
Aufbereitung von metall- und/oder mineralhaltigen Stoffgemischen. Als deren
Gesellschafter amten die Z sowie C Y. Die Y führte für die X seit deren Gründung
Transporte und weitere Arbeiten durch. Aufgrund der schlechten Ertragslage konnte
die Auftraggeberin die Rechnungen nicht vollumfänglich bezahlen. Die Y und die Z
vereinbarten daher im Hinblick auf die weitere Zusammenarbeit mündlich, dass die Y
ihre Guthaben jeweils als Darlehen stehen lässt und diese nur dann verzinst werden
müssen, wenn die X dazu finanziell in der Lage ist.
B.- Aufgrund des Rechnungsabschlusses per 31. Dezember 2010 deklarierte die X für
2010 einen Gewinn von Fr. 155'029.– und ein Kapital von Fr. 175'029.–. Als Aufwand
wurde unter anderem die Verzinsung der Darlehen der Y für die Jahre 2005 bis 2010 in
der Höhe von Fr. 116'899.– verbucht. Das kantonale Steueramt erachtete die
Darlehenszinsen für die Jahre 2005 bis 2009 als periodenfremd und nahm beim
Gewinn eine Aufrechnung von Fr. 80'000.– (Fr. 100'000.– abzüglich Fr. 20'000.– darauf
anfallende Steuer) vor. Mit Verfügung vom 25. Februar 2013 wurde die X für das Jahr
2010 mit einem steuerbaren Gewinn von Fr. 235'000.– veranlagt. Das steuerbare
Eigenkapital für die Kantonssteuer 2010 wurde auf Fr. 175'000.– festgelegt. Die gegen
die Veranlagungsverfügungen aufgrund des Rechnungsabschlusses per Ende 2010
erhobenen Einsprachen wies das kantonale Steueramt mit Entscheiden vom 14. Mai
2013 ab.
C.- Mit Eingabe ihrer Vertreterin vom 11. Juni 2013 erhob die X gegen die
Einspracheentscheide bei der Verwaltungsrekurskommission Rekurs bzw.
Beschwerde. Sie beantragte, die Einspracheentscheide seien aufzuheben und die
Rekurrentin bzw. Beschwerdeführerin sei mit einem steuerbaren Gewinn von Fr.
155'000.-- zu veranlagen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz
beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 8. August 2013 die kostenfällige Abweisung
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der Rechtsmittel. Die Rekurrentin und Beschwerdeführerin nahm dazu mit Schreiben
vom 28. August 2013 Stellung. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat
stillschweigend auf eine Vernehmlassung zur Beschwerde verzichtet.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge sowie auf
weitere Einzelheiten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Angefochten sind die Einspracheentscheide hinsichtlich der Veranlagungen der
Kantonssteuer und der direkten Bundessteuer aufgrund des Rechnungsabschlusses
per 31. Dezember 2010. Zwar müssen für Rekurs und Beschwerde verschiedene
Entscheide ergehen; sie können indessen in einem einzigen Dokument mit
Verweisungen und einem gemeinsamen Dispositiv, das die beiden Steuern allerdings
ausdrücklich auseinanderhält, enthalten sein (vgl. BGE 130 II 509 = Pra 2005 Nr. 114
E. 8.3, BGE 135 II 260 = Pra 2010 Nr. 37 E. 1.3.1).
2.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurs- sowie zur Beschwerdeerhebung ist gegeben. Der Rekurs sowie die
Beschwerde vom 11. Juni 2013 sind rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllen in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des
St. Galler Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 140 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der
Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h
Ziff. 1 und Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs sowie auf die Beschwerde ist einzutreten.
3.- Streitig ist, ob die im Jahr 2010 von der Rekurrentin für ihre Darlehensschulden
bezahlten Zinsen für die Jahre 2005 bis 2009 in der Höhe von Fr. 100'000.–
geschäftsmässig begründeten Aufwand darstellen.
a) aa) Die Rekurrentin und Beschwerdeführerin macht zur Hauptsache geltend, es liege
ein Besserungsschein vor. Bei Wiederaufleben der Forderung könnten gemäss
Kreisschreiben der Eidgenössischen Steuerverwaltung sowohl der Forderungsbetrag,
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sofern die Abschreibung echter Sanierungserfolg gewesen sei, als auch die Zinsen als
Aufwand geltend gemacht werden. Die Y als Darlehensgläubigerin habe unter
Vorbehalt der Besserung der Vermögenslage der Rekurrentin und Beschwerdeführerin
auf die Zinsforderung verzichtet. Im Jahr 2005 sei die Rekurrentin und
Beschwerdeführerin überschuldet gewesen. Daher habe die Y auf Guthaben in der
Höhe von Fr. 213'000.– den Rangrücktritt erklärt. Im Jahr 2009 habe der Rangrücktritt
wegen erneuter Überschuldung auf Fr. 425'000.– erhöht werden müssen. Erst im Jahr
2010 habe sich die Rekurrentin finanziell erholt, weshalb die Rangrücktritte hätten
aufgehoben werden können. Es seien somit Sanierungsmassnahmen ergriffen worden,
was auch für die Vorinstanz erkennbar gewesen sei. Entgegen der Ansicht der
Vorinstanz sei die Kollektivgesellschaft Y als Gläubigerin nicht an der Rekurrentin und
Beschwerdeführerin beteiligt. Die Y habe im Interesse der weiteren Zusammenarbeit
und nicht als Gesellschafterin vorläufig auf die Zinsen verzichtet. Da es sich nicht um
einen Vertrag mit dem Vertreter der Gesellschaft handle, komme die Formvorschrift von
Art. 718b OR nicht zur Anwendung. Für den Entscheid über den Zinsverzicht sei
sowohl die Zustimmung der Gesellschafterin Z bzw. von deren Vertreter E als auch jene
des zweiten Gesellschafters der Y, D Y, nötig gewesen.
In den entsprechenden Jahren 2005 bis 2009 sei kein Zinsaufwand verbucht worden.
Die Zinsforderung sei erst nach Eintreten der finanziellen Besserung im Jahr 2010
entstanden. Es liege daher kein periodenfremder Aufwand vor. Da sowohl bei der
Gläubigerin (Y) als auch bei der Schuldnerin (Rekurrentin und Beschwerdeführerin)
Drittpersonen zu je 50% beteiligt seien, sei der Zins zwischen Drittpersonen vereinbart
worden und stelle somit geschäftsmässig begründeten Aufwand dar. Andernfalls würde
eine geldwerte Leistung vorliegen, was von der Vorinstanz jedoch verneint werde.
Indem die Vorinstanz den Zinsaufwand bei der Rekurrentin und Beschwerdeführerin als
periodenfremd ansehe, gleichzeitig aber den Zinsertrag bei der Y besteuere, handle sie
widersprüchlich.
Im Kanton St. Gallen werde das Periodizitätsprinzip nicht strikt angewendet.
Regelmässig würden nachträgliche Verbuchungen von Erträgen, nachträgliche
Wertberichtigungen sowie Verbuchungen von periodenfremden Aufwendungen
zugelassen. Falls die Schuldzinsen in den vorangegangenen Perioden entstanden
wären, hätten sie in jenen Jahren verbucht werden müssen. Die früheren Abschlüsse
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wären demnach handelsrechtswidrig. Das Verwaltungsgericht habe entschieden, das
Totalgewinnprinzip sei dort anzuwenden, wo die Bildung einer Rückstellung in den
nach dem Periodizitätsprinzip massgeblichen und rechtskräftig veranlagten
Steuerperioden handelsrechtswidrig unterlassen worden sei, sofern dies nicht
steuerlich motiviert sei. Diese Voraussetzungen seien vorliegend gegeben. Es seien
keine Gewinne in eine Bemessungslücke verschoben worden und es sei mit der
Periodenverschiebung keine grössere Verlustverrechnung erreicht worden. Auch unter
Berücksichtigung der gesunkenen Steuersätze für juristische Personen per 1. Januar
2013 sei der geringe Steuervorteil auf Ebene der Gesellschaft durch die Nachteile auf
Ebene der Gesellschafter ausgeglichen worden. Dass die Vorinstanz jegliche
Leistungen der Gesellschaft an Beteiligte oder nahestehende Dritte als steuerlich
motiviert klassiere, sei sachlich nicht gerechtfertigt. Vorliegend sei nicht erkennbar,
weshalb eine steuerliche Motivation fingiert werden solle, wenn keine geldwerte
Leistung zur Diskussion stehe. Da für die Rekurrentin und Beschwerdeführerin in den
fraglichen Jahren keine Zinspflicht bestanden habe und das Eintreten der Bedingung
nicht erkennbar gewesen sei, habe der Zinsaufwand erst bei Eintritt der Bedingung
verbucht werden können.
bb) Dem hält die Vorinstanz im Wesentlichen entgegen, bei der Rekurrentin und
Beschwerdeführerin seien in den vergangenen Jahren für die Steuerbehörden keine
Sanierungsmassnahmen erkennbar gewesen, die gestützt auf Art. 820 OR in
Verbindung mit Art. 725 OR eingeleitet worden seien. Im Gegenteil sei offenbar alles
unternommen worden, um eine Sanierung zu vermeiden. Auf die Verzinsung des
Kontokorrentdarlehens gegenüber Nahestehenden oder Beteiligten sei verzichtet und
die Kontokorrentschulden in nachrangige Darlehen umgewandelt worden. Da es an
einer Sanierung fehle, könne auch kein Besserungsschein vorliegen. Obschon der
Besserungsschein an keine Formvorschrift gebunden sei, müssten Verträge zwischen
der Gesellschaft und ihrem Vertreter nach Art. 814 Abs. 4 OR in Verbindung mit Art.
718b OR schriftlich abgefasst werden, was vorliegend nicht der Fall sei. C Y sei zu
50% an der Darlehensgläubigerin beteiligt. Zudem amte er als Geschäftsführer bei der
Y und als Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Rekurrentin und
Beschwerdeführerin. Demnach verfüge er für beide Gesellschaften über entsprechende
Kompetenzen, weshalb ein Besserungsschein gemäss Kreisschreiben nicht möglich
sei.
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Da zwischen der adäquaten Zinszahlung von 3% und der Hingabe des Kapitals kein
Missverhältnis bestehe, liege keine verdeckte Gewinnausschüttung vor. Die
Aufrechnung der Zinsen der Jahre 2005 bis 2009 sei denn auch wegen
periodenfremder Verbuchung erfolgt. Der Vorwurf des widersprüchlichen Verhaltens im
Zusammenhang mit der Besteuerung der Zinserträge bei den Empfängern schlage fehl.
Bei der Rekurrentin und Beschwerdeführerin handle es sich um eine juristische Person,
welche nach dem zweiten Abschnitt des StG und dem dritten Teil des DBG veranlagt
werde. Steuerliche Fragen von anderen Steuersubjekten seien daher für die Beurteilung
nicht entscheidend und nur zurückhaltend einfliessen zu lassen. Die Überprüfung eines
geschäftsmässig begründeten Aufwands erfolge in erster Linie auf Basis der
Gesellschaft. Die Steuerbehörden seien dabei nicht verpflichtet, Abklärungen über die
steuerliche Behandlung einer Zahlung beim Empfänger vorzunehmen. Nicht jeder
geschäftsmässig begründete Aufwand beim Empfänger gelange zur Besteuerung und
nicht jeder geschäftsmässig nicht begründete Aufwand werde beim Empfänger nicht
besteuert. Die Besteuerung der Zinszahlungen beim Ehepaar Y im Jahr 2010 sei zu
Recht erfolgt. Die in den Vorjahren nicht erfolgten Zahlungen stellten nach dem
geltenden Handelsrecht bei der Kollektivgesellschaft Y noch nicht realisierte Erträge
dar, welche nach dem Imparitätsprinzip nicht als Ertrag hätten verbucht werden dürfen.
Gemäss Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen sei die
steuerwirksame Nachholung von nicht verbuchten Aufwendungen aus früheren
Steuerperioden in Abweichung vom Periodizitätsprinzip nur statthaft, wenn der Grund
der Zahlung immer noch gegeben sei, die Nachholung innerhalb der Verlustperiode
erfolge und die nachträgliche Verbuchung nicht missbräuchlich sei. Bei der Anwendung
dieser Ausnahmeregelung habe es sich jedoch stets um Zahlungen an staatliche
Gläubiger gehandelt. Das Totalgewinnprinzip müsse dort seine Schranken finden, wo
einmalige Nachzahlungen von periodischen Leistungen nachträglich auf einen Schlag
an Beteiligte oder Nahestehende erfolgten. Da das Verwaltungsgericht von
Missbräuchlichkeit und nicht von Steuerumgehung spreche, sei es legitim, die
Erfordernisse tiefer anzusetzen. Die Steuerbehörden seien daher unbefangen, bei
periodenfremden Zahlungen an Beteiligte oder Nahestehende grundsätzlich von einer
steuerlichen Motivierung auszugehen und das Periodizitätsprinzip in solchen Fällen
über das Totalgewinnprinzip zu stellen. Ansonsten stünde der ungehemmten
Steuerplanung Tür und Tor offen. Die Nichtverbuchung von Kontokorrentzinsen sei
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weder handels- noch steuerrechtswidrig. Auch daher gelange das Totalgewinnprinzip
nicht zur Anwendung.
b) Der steuerbare Gewinn setzt sich gemäss Art. 58 Abs. 1 DBG zusammen aus dem
Saldo der Erfolgsrechnung unter Berücksichtigung des Saldovortrags des Vorjahres;
allen vor Berechnung des Saldos der Erfolgsrechnung ausgeschiedenen Teilen des
Geschäftsergebnisses, die nicht zur Deckung von geschäftsmässig begründetem
Aufwand (vgl. auch Art. 59 DBG) verwendet werden, wie insbesondere Kosten für die
Anschaffung, Herstellung oder Wertvermehrung von Gegenständen des
Anlagevermögens, geschäftsmässig nicht begründete Abschreibungen und
Rückstellungen, Einlagen in die Reserven, Einzahlungen auf das Eigenkapital aus
Mitteln der juristischen Person, soweit sie nicht aus als Gewinn versteuerten Reserven
erfolgen, offene und verdeckte Gewinnausschüttungen und geschäftsmässig nicht
begründete Zuwendungen an Dritte sowie den der Erfolgsrechnung nicht
gutgeschriebenen Erträgen, mit Einschluss der Kapital-, Aufwertungs- und
Liquidationsgewinne, vorbehältlich Art. 64 DBG (Ersatzbeschaffungen). Auf kantonaler
Ebene besteht mit Art. 82 und 84 StG eine nahezu identische Regelung (vgl. auch
Art. 24 f. des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der
Kantone und Gemeinden, SR 642.14). Die steuerliche Erfolgsermittlung knüpft an die
handelsrechtliche an, sofern die handelsrechtlichen Vorschriften eingehalten wurden
(sog. Massgeblichkeitsprinzip). Folglich entfällt die steuerliche Verbindlichkeit nur
insoweit, als diese offensichtlich den zwingenden Vorschriften des Handelsrechts
zuwiderläuft oder als steuerliche Korrekturvorschrift zu beachten sind (Urteil des
Bundesgerichts 2A.44/2007 vom 6. Juni 2007 E. 4.1).
Das schweizerische Einkommenssteuerrecht beruht auf dem Gedanken der
Periodizität. Es wird dasjenige Einkommen besteuert, das einer steuerpflichtigen
Person während einer bestimmten Periode zufliesst (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 38 der VB zu Art. 16–39 DBG). Das
Periodizitätsprinzip besagt, dass es die Steuerpflichtigen nicht in der Hand haben zu
bestimmen, wann sie die Steuern entrichten, sondern dass die Besteuerung in jener
Periode erfolgen soll, in welcher das Einkommen wirtschaftlich erzielt wird (Höhn/
Waldburger, Steuerrecht Band 1, 9. Aufl. 2001, § 18 N 15). Die Ergebnisse der
Geschäftsperioden dürfen folglich nicht untereinander ausgeglichen werden.
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Unzulässig ist es, die Ergebnisse einer bestimmten Periode zugunsten oder zulasten
einer anderen zu vermindern oder zu erhöhen. Nach dem Grundsatz der Periodizität
sind auch Aufwände grundsätzlich derjenigen Periode zuzuweisen, in der sie
entstanden sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_392/2009 vom 23. August 2010
E. 2.1). Fehlt der Periodenbezug eines Aufwandes, so ist dieser nicht geschäftsmässig
begründet und darf nicht vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Wird das
Periodizitätsprinzip offensichtlich verletzt, so ist dies steuerlich zu korrigieren (vgl.
Entscheid des Verwaltungsgerichts B 2011/200 vom 12. April 2012, E. 2.2.2 mit
Hinweisen, unter: www.gerichte.sg.ch).
Das Gesetz regelt nicht, wann der steuerpflichtigen Person Einkommen zugeflossen
oder Ausgaben abgeflossen sind. Der Einkommenszufluss ist ein faktischer Vorgang,
der damit abgeschlossen ist, dass der Steuerpflichtige die wirtschaftliche
Verfügungsmacht über die zugeflossenen Vermögenswerte innehat. Voraussetzung des
Zuflusses ist somit ein abgeschlossener Rechtserwerb, der Forderungs- oder
Eigentumserwerb sein kann (sog. Soll-Methode; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O.,
N 19 ff. zu Art. 210 DBG). Grundsätzlich sind nur unbedingte Leistungsansprüche als
realisiertes Einkommen zu betrachten. Bei aufschiebend bedingten Rechtsgeschäften
bleibt deshalb der Erwerb von Einkommen bis zum Eintritt eines künftigen Ereignisses
in der Schwebe, so dass der Einkommenszufluss erst in dem Zeitpunkt erfolgt, in
welchem der Schwebezustand wegfällt und feststeht, dass der Empfänger das
fragliche Einkommen ohne weitere Gegenleistung behalten kann (Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 29 f. zu Art. 210 DBG). Die zeitliche Abgrenzung des
Abflusses von Einkommen muss nach den gleichen Kriterien vorgenommen werden
wie jene des Zuflusses von Einkommen. Aufwendungen fliessen somit grundsätzlich zu
dem Zeitpunkt ab, in welchem die steuerpflichtige Person zur Zahlung verpflichtet ist.
Relativiert wird das Periodizitätsprinzip durch das Totalgewinnprinzip, welches besagt,
dass die Summe aller Periodeneinkünfte den totalen Einkünften entsprechen soll. Eine
Anwendung dieses Prinzips stellt die gesetzlich vorgesehene Möglichkeit der
Verlustverrechnung für die der Steuerperiode vorangegangenen sieben Geschäftsjahre
(vgl. Art. 67 DBG und Art. 86 StG) dar. Im Unternehmenssteuerbereich stellt sich
insbesondere die Frage, inwieweit unterlassene Rückstellungen in späteren
Steuerperioden nachgeholt werden können. Die verwaltungsgerichtliche
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Rechtsprechung erachtet es als zulässig, dass die handelsrechtswidrig unterlassene
Bildung einer Rückstellung in einer Handelsbilanz, die Grundlage einer rechtskräftigen
Veranlagung gebildet hat, steuerwirksam in einer späteren Steuerperiode, die noch
innerhalb der Verlustverrechnungsperiode liegt, nachgeholt werden kann, sofern der
Rückstellungsgrund noch besteht und die Unterlassung nicht missbräuchlich erfolgt ist
(vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts B 2011/200 vom 12. April 2012, E. 2.2.4 mit
Hinweisen, unter: www.gerichte.sg.ch). Ferner wird die Nachholung unterlassener
Abschreibungen als zulässig erachtet, sofern diese mangels steuerbarer Einkünfte nicht
vorgenommen werden konnten, sofern darin keine Steuerumgehung liegt und sofern
die Schranken der Verlustverrechnung beachtet werden (vgl. Entscheid des
Verwaltungsgerichts B 2011/261 vom 3. Juli 2012, E. 2.3.2 mit Hinweisen, unter
www.gerichte.sg.ch).
c) Da die Rekurrentin und Beschwerdeführerin ihren Verbindlichkeiten gegenüber der
Kollektivgesellschaft Y nicht nachkommen konnte, häuften sich auf dem
Kontokorrentkonto Nr. 2160 seit 2004 grössere Schuldbeträge an (act. 9/3-3). In den
Jahren 2004 bis 2009 wurden darauf keine Zinszahlungen verbucht. Gemäss
unbestrittener Darstellung der Rekurrentin und Beschwerdeführerin vereinbarten die
involvierten Parteien mündlich, dass die Y diese Guthaben als Darlehen stehen lässt
und diese erst und nur dann verzinst werden müssen, wenn die Rekurrentin und
Beschwerdeführerin dazu finanziell in der Lage ist. Bei dieser Vereinbarung handelt es
sich um ein aufschiebend bedingtes Rechtsgeschäft. Bevor die Rekurrentin und
Beschwerdeführerin zur Leistung von Zinszahlungen finanziell nicht in der Lage war,
entstand für diese keine Zinsschuld. Mangels Eintretens dieser Bedingung in den
Jahren 2005 bis 2009 durfte die Rekurrentin und Beschwerdeführerin folglich aus
handelsrechtlicher Sicht gar keinen Zinsaufwand verbuchen, denn eine Verpflichtung
zur Zinszahlung bestand in den fraglichen Jahren nicht. Erst mit Erzielung des
ansehnlichen Gewinns im Jahr 2010 trat die Bedingung für die Entstehung der
Zinspflicht sowohl für das laufende Geschäftsjahr als auch für die Geschäftsjahre 2005
bis 2009 ein.
Es stellt sich einzig noch die Frage, ob die Rekurrentin und Beschwerdeführerin
handelsrechtlich verpflichtet gewesen wäre, in den Rechnungsabschlüssen der Jahre
2005 bis 2009 entsprechende erfolgswirksame Rückstellungen zu bilden. Ob für eine
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bedingte Verbindlichkeit eine Rückstellung zu bilden ist, entscheidet sich nach der
Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme. Wird mit der Inanspruchnahme ernsthaft
gerechnet, so sind dafür Rückstellungen zu bilden (J. Stoll, Die Rückstellung im
Handels- und Steuerrecht, Zürich 1992, S. 108 und 181). Da jedoch für den Fall, dass
solche Rückstellungen von der Rekurrentin und Beschwerdeführerin
handelsrechtswidrig unterlassen worden wären, deren Nachholung ohnehin
handelsrechtlich geboten und auch steuerlich anzuerkennen wäre, kann diese Frage
offen bleiben (vgl. Stoll, a.a.O., S. 155 f. und 246 f.). Die Nachholung läge zeitlich
innerhalb der siebenjährigen Verlustverrechnungsperiode und Anzeichen für eine
steuerlich motivierte Unterlassung sind nicht ersichtlich. Massgebend ist nach der
Praxis des Verwaltungsgerichts, dass die Frist für die Verlustverrechnung gegenüber
der gesetzlichen Ordnung nicht ausgedehnt und keine ungerechtfertigten
Steuervorteile erzielt werden (Entscheid des Verwaltungsgerichts B 2011/261 vom 3.
Juli 2012, E. 2.3.2, unter: www.gerichte.sg.ch). Auch eine Beschränkung der
Nachholung von Rückstellungen auf Forderungen staatlicher Gläubiger, wie sie die
Vorinstanz geltend macht, ist der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung nicht zu
entnehmen (vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts B 2011/200 vom 12. April 2012,
E. 2.2.4 mit Hinweisen, unter: www.gerichte.sg.ch).
d) Die Verbuchung des gesamten Zinsaufwandes von Fr. 116'899.– per 31. Dezember
2010 – sei es nun als gesamthaft in der Steuerperiode 2010 entstandene
Verbindlichkeit oder als teilweise Nachholung unterlassener Rückstellungen (für die
Jahre 2005 bis 2009) – erfolgte damit periodengerecht. Der Zinssatz von 3% ist zudem
nicht überhöht. Unter diesen Umständen kann offen bleiben, ob ein Besserungsschein
vorliegt.
e) Zusammenfassend erweist sich der von der Rekurrentin und Beschwerdeführerin im
Rechnungsabschluss per 31. Dezember 2010 verbuchte Zinsaufwand von
Fr. 116'899.– als geschäftsmässig begründet, weshalb Rekurs und Beschwerde
gutzuheissen sind. Die angefochtenen Einspracheentscheide vom 14. Mai 2013 sind
daher aufzuheben. Die Rekurrentin und Beschwerdeführerin ist für die Kantonssteuer
und direkte Bundessteuer aufgrund des Rechnungsabschlusses per 31. Dezember
2010 mit einem steuerbaren Gewinn von Fr. 155'000.– zu veranlagen. Das steuerbare
Kapital bleibt unverändert bei Fr. 175'000.–.
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4.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Verfahrenskosten dem Staat
aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG und Art. 95 Abs. 1 VRP). Da Rekurs und
Beschwerde in ein und demselben Entscheid beurteilt werden, ist eine Gebühr von Fr.
1'500.-- angemessen (Art. 144 Abs. 5 DBG i.V.m. Art. 7 Ziff. 122
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Rekurrentin und Beschwerdeführerin ist
der Kostenvorschuss von Fr. 2'000.-- zurückzuerstatten.
b) Die vertretene Rekurrentin und Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine
ausseramtliche Entschädigung (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren, SR 172.021, und Art. 98 Abs. 2 VRP).
Eine Kostennote ist nicht eingereicht worden. Die Rekurrentin wird durch ein
Treuhandbüro vertreten. Auch wenn ein Vertreter desselben Rechtsanwalt ist, wird in
der Praxis eine gegenüber dem Anwaltstarif reduzierte Entschädigung zugesprochen
(R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
St. Gallen 2004, S. 198 f.). Angesichts der nicht sehr umfangreichen Akten, des
ersichtlichen Aufwands für die Rekurs- und die Beschwerdeeingabe und der zulässigen
zusätzlichen Stellungnahme erscheint eine Entschädigung von Fr. 1'500.-- inkl.
Mehrwertsteuer als angemessen (vgl. Art. 19, 22 Abs. 1 lit. b und 28 der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75). Kostenpflichtig
ist der Staat (kantonales Steueramt).