Decision ID: 093d698c-8a27-4623-a3ed-0909f77a85b6
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde wegen einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) im Mai 2018 bei der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von medizinischen Massnahmen sowie
einer Hilflosenentschädigung angemeldet (IV-act. 10, 12; vgl. die Berichte des
Kantonsspitals B._, IV-act. 20). Am 4. Oktober 2018 teilte die IV-Stelle den Eltern des
Versicherten mit, dass sie die Kosten für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff.
405 vom 11. Mai 2018 bis 31. Mai 2028 übernehme (IV-act. 26). Mit Verfügung vom 13.
Februar 2019 sprach die IV-Stelle dem Versicherten ab dem 1. Februar 2018 bis 28.
Februar 2020 (Revision beim Erreichen des _. Altersjahrs) eine Entschädigung wegen
einer Hilflosigkeit leichten Grades zu. Zur Begründung führte sie an, der Versicherte sei
im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern ohne Besonderheiten seit Februar 2017 in den
Bereichen An-/Auskleiden und der Verrichtung der Notdurft auf Hilfe angewiesen. Beim
Aufstehen/Absitzen/Abliegen, beim Essen und in der Fortbewegung zu Hause sei der
Versicherte mehrheitlich selbständig. Die Fortbewegung im Freien werde erst ab dem
5. Altersjahr evaluiert. Bei der Körperpflege sei ein Hilfsbedarf bis zum 6. Lebensjahr
altersentsprechend. Der tägliche Mehraufwand für die Grund- und Behandlungspflege
belaufe sich im Durchschnitt auf unter vier Stunden und die erforderliche Überwachung
sei ebenfalls altersentsprechend. Demnach seien die Kriterien für einen
Intensivpflegezuschlag nicht erfüllt (IV-act. 44).
A.a.
Nachdem der Versicherte im Jahr 2020 das 6. Altersjahr vollendet hatte, leitete die
IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein. Im Revisionsfragebogen zur
Hilflosenentschädigung hielt die Mutter des Versicherten am 11. März 2020 fest, dass
der Versicherte in allen Lebensverrichtungen hilflos und auf lebenspraktische
A.b.
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Begleitung angewiesen sei und dass er überwacht werden müsse. Sie hielt
insbesondere fest, dass in Stresssituationen das An- und Auskleiden nicht möglich sei.
Der Versicherte habe grosse Mühe beim Einschlafen. Dies funktioniere nur mit
Dauerpräsenz und Halten durch die Eltern und könne bis zu einer Stunde gehen. In der
Nacht wache er mehrmals auf und brauche wieder Nähe. In Überforderungssituationen
habe er Schmerzen in den Beinen und könne dann nicht aufstehen oder gehen. Das
Essen müsse dem Versicherten zerkleinert und hergerichtet werden. Er könne wegen
der Reizüberflutung erst mit dem Essen beginnen, wenn die anderen fertig seien. Die
Körperpflege müsse vollständig übernommen werden. Haare waschen sei schmerzhaft
und Duschsituationen müssten ausgiebig kommuniziert werden. Der Versicherte sei in
der Nacht noch völlig inkontinent und müsse gewickelt werden. Er melde sich nicht,
wenn die Windel voll sei. Reinigung nach der Notdurft auf der Toilette geschehe
vollständig durch Erwachsene. Schliesslich machten Wahrnehmungsschwierigkeiten
eine normale Fortbewegung im Haus unmöglich. Er könne nicht alleine in einem
Zimmer sein, da er massive Ängste habe. Er brauche die Dauerpräsenz einer anderen
Person. Bei der Fortbewegung im Freien müsse der Velo-Anhänger mitgeführt werden,
da der Versicherte einen Rückzugsort benötige. Wenn er überfordert sei, könne er nicht
mehr laufen. Auf Stress reagiere er mit Erbrechen, Schmerzen oder Schreien und er
brauche Körperkontakt (IV-act. 59). Mit einer E-Mail vom 22. März 2020 ergänzte sie
ihre Angaben zur Inkontinenz (IV-act. 61). Die Kinderärztin des Versicherten, Dr. med.
C._, bestätigte im April 2020 die Angaben der Mutter zur Hilflosigkeit (IV-act. 64).
Am 26. April 2020 wurde der Versicherte auch zum Bezug eines Assistenzbeitrags
der IV angemeldet (IV-act. 66 ff.).
A.c.
Am 12. August 2020 fand eine Abklärung an Ort und Stelle statt. Im
entsprechenden Bericht hielt die zuständige Abklärungsperson fest, dass der
Versicherte weiterhin in den Lebensverrichtungen An-/Auskleiden und Verrichten der
Notdurft und neu auch in den Bereichen Fortbewegung (ab Februar 2019) sowie Essen
und Körperpflege (ab Februar 2020) hilflos sei. In den Lebensverrichtungen An-/
Auskleiden (19 Minuten), Essen (10 Minuten), Körperpflege (21 Minuten) und Verrichten
der Notdurft (19 Minuten) könne ein zeitlicher Mehraufwand von insgesamt 69 Minuten
berücksichtigt werden. Beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen und bei der Fortbewegung
könne kein Mehraufwand berücksichtigt werden. Bei der Behandlungspflege ergebe
A.d.
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sich ein Mehraufwand von 18 Minuten und bei der Begleitung zu Arzt- und
Therapiebesuchen von 6 Minuten. Bei der Überwachung werde ein zusätzliche
Pauschale von zwei Stunden angerechnet. Damit ergebe sich ein Mehraufwand von
total 3 Stunden und 33 Minuten (IV-act. 77).
Am 21. September 2020 retournierte die Mutter den unterzeichneten Abklärungs
bericht mit einigen Ergänzungen. Sie machte insbesondere geltend, dass es nicht
korrekt sei, das Einschlafritual bei der Überwachung anzurechnen. Das Einschlafritual
habe sich mit einem neuen Medikament nur in einem kleinen Masse verringert. Das
Einschlafritual dauere in der Regel bis zu zwei Stunden, was ganz klar ein normales
Mass übersteige. Beim Essen betrage der zu berücksichtigende Mehraufwand am
Mittag mindestens 20 Minuten und je 10 Minuten morgens und abends, da sie den
Raum erst verlassen könne, wenn der Versicherte mit dem Essen fertig sei. Bei der
Notdurft sei anzufügen, dass das Wechseln der Windeln nicht innert drei Minuten
erledigt sei. Der Versicherte sei kein Kleinkind mehr und müsse jedes Mal gewaschen
werden. Ein Wechsel der Inkontinenzunterwäsche und der Hosen dauere im Schnitt 15
Minuten (IV-act. 77-11 f.). Die Mutter des Versicherten reichte zudem einen Bericht von
Dr. C._ vom 19. September 2021 ein. Diese hatte festgehalten, dass der Versicherte
an einer Ein- und Durchschlafstörung leide und dass die Anwesenheit der Eltern beim
Einschlafen weit über die für dieses Alter normale Einschlafzeit von 15 Minuten
hinausgehe (IV-act. 77-13).
A.e.
Am 6. Oktober 2020 stellte die IV-Stelle den Eltern des Versicherten die Erhöhung
der Hilflosenentschädigung für Minderjährige in Aussicht. Rückwirkend seit dem 1.
März 2020 bis zur nächsten Revision stehe den Eltern für den Versicherten neu eine
Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit mittleren Grades zu. Sie hielt fest, dass
weiterhin ein erheblicher Hilfsbedarf in den Verrichtungen An-/Auskleiden und
Verrichten der Notdurft bestehe. Zusätzlich habe ein Hilfsbedarf in der Fortbewegung
und beim Essen und in der Körperpflege festgestellt werden können und die
Überwachung sei zu berücksichtigen. Bei den vorhandenen motorischen Fähigkeiten
bestünden Möglichkeiten für verlässliche Eigenleistungen für nötige Positionswechsel
im Alltag (Aufstehen/Absitzen/Abliegen). Die bei Reizüberflutungen auftretenden,
vorübergehenden psychosomatischen Bewegungsbeschwerden hätten keine
Leistungsrelevanz. Ein Intensivpflegezuschlag sei bei einem Mehraufwand von 1.5
A.f.
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B.
Stunden in den Verrichtungen und Begleitungen und pauschal angerechneten 2
Stunden für die Überwachung nicht indiziert. Ein zeitlicher Mehraufwand für ein
Einschlafritual sei erst ab vollendetem 8. Lebensjahr zu berücksichtigen. Ein übliches
Begleiten könne durchaus um eine halbe Stunde andauern. Ebenfalls könne es in der
Nacht zu einzelnen Hilfestellungen kommen, ohne dass ein Einschlafritual ausgewiesen
sei (IV-act. 78).
Dagegen liessen die Eltern des Versicherten am 26. Oktober 2020 Einwand
erheben und die Zusprache einer Hilflosenentschädigung wegen einer Hilflosigkeit
schweren Grades sowie eines Intensivpflegezuschlags beantragen. Sie liessen geltend
machen, dass die Dritthilfe beim Ein- und Durchschlafen gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung als Teil der Verrichtung Aufstehen/Absitzen/
Abliegen zu berücksichtigen sei. Eine Berücksichtigung im Rahmen der Überwachung
sei nicht zulässig (IV-act. 82).
A.g.
Am 18. Dezember 2020 sprach die IV-Stelle dem Versicherten eine Hilflosen
entschädigung wegen einer Hilflosigkeit mittleren Grades zu. Das Begehren um die
Ausrichtung eines Intensivpflegezuschlag wurde abgewiesen. Hinsichtlich des
Einwandes verwies die IV-Stelle auf den Abklärungsbericht und den Vorbescheid. Sie
hielt insbesondere fest, dass eine Schlaflosigkeit keine Hilflosigkeit begründe und im
Bereich des Aufstehens/Absitzens/Abliegens nicht berücksichtigt werden könne. Ein
Intensivpflegezuschlag sei nicht indiziert, da kein Mehraufwand von über vier Stunden
vorliege (IV-act. 85).
A.h.
Dagegen liessen die Eltern des Versicherten am 27. Januar 2021 Beschwerde
erheben. Die Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der Verfügung und die
Zusprache einer Hilflosenentschädigung schweren Grades sowie eines
Intensivpflegezuschlags. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie machte geltend, dass der
Beschwerdeführer auch in der Verrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen auf Dritthilfe
angewiesen sei. Der Beschwerdeführer leide als Folge der von der ASS ausgelösten
Reizüberflutung an Blockaden. Diese träten regelmässig und zu nicht vorhersehbaren
Zeitpunkten auf. In diesen Momenten bedürfe der Beschwerdeführer der Dritthilfe.
B.a.
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Zudem sei der Beschwerdeführer auch beim ins Bett Gehen und beim im Bett Bleiben
(Ein- und Durchschlafen) auf Dritthilfe angewiesen. Die Rechtsvertreterin verwies dabei
auf das Urteil 8C_533/2019 des Bundesgerichtes und das Kreisschreiben über
Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung (KSIH), wonach Einschlafrituale
zu berücksichtigen seien, wenn das Ausmass deutlich über die übliche Norm an
altersentsprechender Betreuung hinausgehe. Diese Voraussetzung sei vorliegend
zweifellos erfüllt. Auch könne unruhiges Schlafverhalten und regelmässiges nächtliches
Aufwachen berücksichtigt werden, wenn die versicherte Person wieder beruhigt
werden müsse und jemand bei ihr sein müsse, bis sie wieder eingeschlafen sei. Aus
dem Anhang zum Kreisschreiben gehe hervor, dass regelmässiges Aufstehen nachts,
um das Kind zurück ins Bett zu bringen, bereits vor dem 8. Geburtstag beachtlich sei.
Zudem habe der Beschwerdeführer Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag. Beim
Aufstehen/Absitzen/Abliegen sei ein Mehraufwand von 165 Minuten pro Nacht zu
berücksichtigen. Beim Essen würden die berücksichtigten 10 Minuten nicht ausreichen,
der Mehraufwand betrage 40 Minuten pro Tag. Beim Verrichten der Notdurft ergebe
sich ein Mehraufwand von 60 Minuten pro Tag. Damit liege der behinderungsbedingte
Mehraufwand bei über 4 Stunden pro Tag (act. G 1).
Am 22. März 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Sie machte geltend, aus den medizinischen Berichten der Kinderärztin im
Zusammenhang mit der Kostenübernahme der Melatonin-Therapie gehe klar hervor,
dass durch das Medikament eine deutliche Verbesserung der Ein- und
Durchschlafstörungen eingetreten sei. Darin werde ausdrücklich festgehalten, dass das
Einschlafen noch 15 Minuten anstelle von 1.5 Stunden daure und der
Beschwerdeführer dann mehrheitlich durchschlafe. Bis zum Nachtrag vom 22. Mai
2020 lägen keinerlei medizinische Berichte vor, die darauf schliessen liessen, dass eine
Verschlechterung der Ein- und Durchschlafstörungen eingetreten wäre. Auch werde im
Nachtrag lediglich festgehalten, dass sowohl Melatonin als auch die konstante
Anwesenheit und die Nähe eines Elternteils benötigt werde, jedoch keine Zeitangabe
oder sonstige Konkretisierungen. Dr. C._ habe zunächst durchgehend von einer
Verbesserung der Ein- und Durchschlafstörungen gesprochen. Die späteren Berichte
seien zweifellos von den Äusserungen der Mutter des Beschwerdeführers gefärbt.
Diese habe im Revisionsverfahren zuerst geltend gemacht, dass das Einschlafritual
B.b.
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1-1.5 Stunden, und später, dass es jeweils von 19.00/19.15 bis 21.00 Uhr, also 1 3⁄4 bis
2 Stunden dauere. Diese Angaben seien nicht nachvollziehbar, da sie eine
Verschlechterung seit der Abgabe des Melatonins bedeuten würden. Insgesamt seien
die Ein- und Durchschlafstörungen aus den Akten zwar ersichtlich, hätten sich dann
aber unter der Abgabe von Melatonin verbessert. Seither werde in den ärztlichen
Berichten von einer altersentsprechenden Betreuung bzw. von 15 Minuten
ausgegangen. Dass das Ausmass deutlich über die übliche Norm an
altersentsprechender Betreuung hinausgehen solle, sei nicht dokumentiert und erst im
Verlauf der Revision von der Kinderärztin in die Berichte aufgenommen worden. Es
fehle somit an einer klaren Dokumentation in den ärztlichen Berichten, womit das
Schlafritual nicht berücksichtigt werden könne. Schliesslich sei kein
Intensivpflegezuschlag geschuldet. Dass der Beschwerdeführer länger für die
Einnahme der Mahlzeiten brauche als die übrigen Familienmitglieder, könne nicht über
das bereits angerechnete Mass hinweg als Mehraufwand angerechnet werden. Auch
bei der Verrichtung der Notdurft sei der angerechnete Mehraufwand von 19 Minuten
angemessen; es seien alle Aspekte (der Gang auf die Toilette, das Wechseln der
Windeln bzw. der saugfähigen Unterhosen und das Toilettentraining) berücksichtigt
worden (act. G 4).
In der Replik vom 11. Mai 2021 hielt die Rechtsvertreterin an ihren Anträgen fest
und bestätigte im Wesentlichen ihre Standpunkte. Sie machte erneut geltend, dass das
Einschlafritual inklusive Einschlagen insgesamt 1.5 bis 2 Stunden dauere. Das
Einschlafen dauere dank des Melatonins neu in der Regel nur noch lediglich 15
Minuten, nicht aber das Einschlafritual. Dabei verwies sie auf eine tabellarische
Auflistung des Einschlafrituals (act. G 6, 6.2). Die Rechtsvertreterin reichte zudem einen
Arztbericht von Dr. C._ vom 8. Mai 2021 ein. Die Ärztin hielt fest, dass zwar die
Einschlafzeit durch das Melatonin verbessert worden sei, aber das Einschlafen
abhängig sei vom tagsüber Erlebten und vom emotionalen Zustand des
Beschwerdeführers. Auf das Einschlafritual habe das Melatonin keinen eigentlichen
Effekt, da das Einschlafritual als Vorbereitungszeit für das Einschlafen nicht durch
innere Vorgänge gesteuert werde und vor allem von sozialen, emotionalen und
wahrnehmungsspezifischen Faktoren abhängig sei (act. G 6.1).
B.c.
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In der Duplik vom 19. August 2021 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag
auf Abweisung der Beschwerde fest. Sie führte unter Hinweis auf einen beigelegten
Fachbericht über schlafbezogenes Erziehungsverhalten und kindlichen Schlaf (act. G
12.1) an, dass Ein- und Durchschlafprobleme bei sehr vielen Kindern aufträten. Der
Schlaf werde besonders im Vorschul- und Grundschulalter durch das elterliche
Erziehungsverhalten stark beeinflusst. Aus interdisziplinären Leitlinien der DGKJP und
der DGPPN gehe hervor, dass der Einsatz verhaltensorientierter Interventionen durch
die Eltern bei Kindern mit ASS empfohlen werde. In einem weiteren Fachartikel über
Autismus und Schlafstörungen werde festgehalten, dass Rituale vor dem
Schlafengehen sowie ein klares Schlaftraining empfohlen würden. Entsprechend könne
davon ausgegangen werden, dass Kinder mit ASS durch ein Schlaftraining sowie ein
angepasstes Einschlafritual positiv beeinflusst würden. Gemäss dem Bericht von Dr.
C._ sollte das Melatonin eine Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen werden.
Gemäss dem eingereichten Ablauf des Schlafrituals nehme der Beschwerdeführer
bereits vor 19.00 Uhr das Melatonin ein und liege erst 19.45 im Bett, wobei dann noch
lange gesprochen und gekuschelt werde. Gemäss den Erzählungen der Mutter in
einem Podcast vom 26. Januar 2020 gebe das gemeinsame Einschlafritual der
gesamten Familie wieder Kraft; sie empfinde dieses als etwas vom Entspannenden und
Schönsten. Dementsprechend sei davon auszugehen, dass das in der Familie
etablierter Schlafritual von den Eltern so gewünscht sei und gerade nicht auf eine
günstige Schlafhygiene und ein altersentsprechendes Einschlafritual hingearbeitet
werde. Zusammenfassend sei die geltend gemachte Zeit für das Einschlafritual nicht in
erster Linie krankheitsbedingt, sondern zu weiten Teilen erlernt und die gemeinsame
Zeit werde zumindest zu einem gewissen Teil auch von den Eltern gewünscht (act. G
12).
B.d.
Am 23. Dezember 2021 beantragte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
die Durchführung einer Instruktionsverhandlung mit Befragung der Eltern (act. G 14).
Das Gericht wies diesen Antrag am 26. Januar 2022 mit der Begründung ab, dass es
nicht über die notwendige erziehungswissenschaftliche Fachkompetenz verfüge und
den Sachverhalt deshalb im Rahmen der beantragten Instruktionsverhandlung nicht mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erheben könnte (act. G 16).
Dieser Zwischenentscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.e.
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Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer hat seit dem 1. Februar 2018 aufgrund einer Autismus-
Spektrum-Störung (ASS) eine Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit leichten Grades
bezogen (Verfügung vom 13. Februar 2019; IV-act. 44). Im Rahmen des im Jahr 2020
aufgrund des Alters des Beschwerdeführers eingeleiteten Revisionsverfahrens hat die
Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Hilflosenentschädigung und auf einen Intensivpflegezuschlag überprüft. Mit der
angefochtenen Verfügung vom 18. Dezember 2020 hat sie dem Beschwerdeführer eine
Hilflosenentschädigung mittleren Grades zugesprochen. Einen Anspruch auf einen
Intensivpflegezuschlag hat sie verneint (IV-act. 85). Die Verfügung vom 18. Dezember
2020 enthält somit zwei voneinander unabhängige Entscheide, nämlich einerseits die
revisionsweise Erhöhung der Hilflosenentschädigung und andererseits die Ablehnung
des Intensivpflegezuschlags. Der Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag setzt zwar
den Bezug einer Hilflosenentschädigung voraus, beruht im Übrigen aber auf einer
anderen Gesetzesnorm und auf einem (weitgehend) anderen Sachverhalt als der
Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Bei der Hilflosenentschädigung und dem
Intensivpflegezuschlag handelt sich folglich um zwei verschiedene Leistungen, weshalb
die Verfügung vom 18. Dezember 2020 zwei Entscheide enthält, nämlich einen
Entscheid betreffend die Revision der Hilflosenentschädigung und einen Entscheid
betreffend Intensivpflegezuschlag (vgl. auch das Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 29. Juni 2020, IV 2019/269 E. 1). Zu beurteilen ist also, ob
einerseits die revisionsweise Erhöhung der Hilflosenentschädigung und andererseits
die Ablehnung des Anspruchs auf einen Intensivpflegezuschlag zu Recht erfolgt ist.
2.
Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz, die hilflos
sind, haben nach Art. 42 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Als
hilflos gilt, wer wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, SR 830.1; ATSG). Die massgebenden alltäglichen
Lebensverrichtungen betreffen sechs Bereiche: Ankleiden/Auskleiden, Aufstehen/
Absitzen/Abliegen, Essen, Körperpflege, Verrichten der Notdurft und Fortbewegung
2.1.
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(Rz. 8010 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung, KSIH, Stand 1. Januar 2021). Der Bedarf nach Hilfeleistungen
muss regelmässig und in erheblicher Weise bestehen. Regelmässig werden
Hilfeleistungen benötigt, wenn sie täglich oder eventuell täglich erbracht werden
müssen (vgl. Rz. 8025 KSIH). Erheblich sind Hilfeleistungen, wenn die versicherte
Person mindestens eine Teilfunktion einer alltäglichen Lebensverrichtung nicht mehr,
nur noch mit unzumutbarem Aufwand oder nur noch auf unübliche Art und Weise
selbst ausführen kann oder wegen ihres psychischen Zustandes ohne besondere
Aufforderung nicht vornehmen würde, oder wenn sie sie selbst mit Hilfe Dritter nicht
erfüllen kann, weil sie für sie keinen Sinn hat (vgl. Rz. 8026 KSIH). Von der direkten
Dritthilfe bei der Ausführung der alltäglichen Lebensverrichtungen ist die indirekte
Dritthilfe zu unterscheiden. Sie ist gegeben, wenn die versicherte Person die
alltäglichen Lebensverrichtungen zwar funktionsmässig selber ausführen kann, dies
aber nicht, nur unvollständig oder zu Unzeiten tun würde, wenn sie sich selbst
überlassen wäre. Die indirekte Dritthilfe setzt voraus, dass die Drittperson regelmässig
anwesend ist und die versicherte Person insbesondere bei der Ausführung der in Frage
stehenden Verrichtungen persönlich überwacht, sie zum Handeln anhält oder von
schädigenden Handlungen abhält und ihr nach Bedarf hilft (Rz. 8029 f. KSIH).
Der Begriff der dauernden persönlichen Überwachung bezieht sich nicht auf die
alltäglichen Lebensverrichtungen. Hilfeleistungen, die bereits als direkte oder indirekte
Hilfe in einem Bereich der alltäglichen Lebensverrichtung Berücksichtigung gefunden
haben, können bei der Beurteilung der Überwachungsbedürftigkeit nicht nochmals ins
Gewicht fallen. Vielmehr ist darunter eine medizinische und pflegerische Hilfeleistung
zu verstehen, welche infolge des Gesundheitszustandes der versicherten Person
notwendig ist. Eine solche persönliche Überwachung ist beispielsweise dann
erforderlich, wenn eine versicherte Person wegen geistiger Absenzen nicht während
des ganzen Tages allein gelassen werden kann oder wenn eine Drittperson mit
kleineren Unterbrüchen bei der versicherten Person anwesend sein muss, da sie nicht
allein gelassen werden kann. Die persönliche Überwachung muss ein gewisses Mass
an Intensität aufweisen. Ob dauernde Hilfe oder persönliche Überwachung nötig sind,
ist objektiv, nach dem Zustand der versicherten Person zu beurteilen. Eine
Überwachungsbedürftigkeit darf angenommen werden, wenn die versicherte Person
ohne Überwachung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sich selbst oder
Drittpersonen gefährden würde (vgl. Rz. 8035 KSIH).
2.2.
Gemäss Art. 42 Abs. 2 IVG ist zu unterscheiden zwischen schwerer,
mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit. Eine schwere Hilflosigkeit liegt vor, wenn die
2.3.
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(minderjährige) versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in
allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe
Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen
Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV, SR 831.201). Bei Minderjährigen gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die
versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten (mindestens vier;
siehe Rz. 8009 KSIH) alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher
Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (lit. a) oder in mindestens zwei alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen
ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 2 lit.
a und b IVV; lit. c gilt nur für volljährige versicherte Personen, siehe Art. 42 Abs. 5 IVG
und Art. 38 Abs. 1 IVV). Bei Minderjährigen ist nur der Mehrbedarf an Hilfeleistung und
persönlicher Überwachung im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen
Alters zu berücksichtigen.
bis
Die Hilflosenentschädigung für Minderjährige, die zusätzlich eine intensive
Betreuung brauchen, wird um einen Intensivpflegezuschlag erhöht. Der monatliche
Intensivpflegezuschlag beträgt bei einem invaliditätsbedingten Betreuungsaufwand von
mindestens acht Stunden pro Tag 100%, bei einem solchen von mindestens sechs
Stunden pro Tag 70% und bei einem solchen von mindestens vier Stunden pro Tag
40% des Höchstbetrages der Altersrente nach Art. 34 Abs. 3 und 5 AHVG. Der
Zuschlag berechnet sich pro Tag (Art. 42 Abs. 3 IVG, in Kraft seit 1. Januar 2018).
Eine intensive Betreuung liegt bei Minderjährigen vor, wenn diese im Tagesdurchschnitt
infolge der Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzliche Betreuung von mindestens
vier Stunden benötigen (Art. 39 Abs. 1 IVV). Anrechenbar als Betreuung ist der
Mehrbedarf an Behandlungs- und Grundpflege im Vergleich zu nicht behinderten
Minderjährigen gleichen Alters. Nicht anrechenbar ist der Zeitaufwand für ärztlich
verordnete medizinische Massnahmen, welche durch medizinische Hilfspersonen
vorgenommen werden, sowie für pädagogisch-therapeutische Massnahmen (Art. 39
Abs. 2 IVV). Bedarf eine minderjährige Person infolge Beeinträchtigung der Gesundheit
zusätzlich einer andauernden Überwachung, so kann diese als Betreuung von zwei
Stunden angerechnet werden. Eine besonders intensive behinderungsbedingte
Überwachung ist als Betreuung von vier Stunden anrechenbar (Art. 39 Abs. 3 IVV).
Gemäss den bundesrätlichen Erläuterungen zu den Änderungen der IVV vom 21. Mai
2003 (AHI 2003 S. 311, S. 330) entsteht ein Anspruch auf den Intensivpflegezuschlag
im Sinne von Art. 39 Abs. 3 IVV nicht bereits dann, wenn ein Kind bloss während
bestimmter Stunden am Tag pflegerische Unterstützung benötigt. Abgegolten werden
soll vielmehr die für die Eltern extrem belastende Tatsache einer
2.4.
ter
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3.
darüberhinausgehenden, rund um die Uhr notwendigen invaliditätsbedingten
Überwachung, sei es aus medizinischen Gründen (z.B. Gefahr epileptischer Anfälle), sei
es infolge einer spezifischen geistigen Behinderung oder wegen Autismus (vgl. auch
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 19. Dezember 2006, I 684/05
E. 4.4).
Zu prüfen ist vorliegend, ob der Beschwerdeführer in einem
anspruchsbegründenden Ausmass hilflos ist, ob also in den einzelnen
Lebensverrichtungen eine Hilflosigkeit besteht. Steht fest, in welchen
Lebensverrichtungen der Beschwerdeführer hilflos ist, ist der genaue
Betreuungsaufwand zu ermitteln und exakt zu beziffern. Ergibt sich dabei ein
Mehrbedarf an Betreuung im Vergleich zur Betreuung von nicht beeinträchtigten,
gleichaltrigen Minderjährigen, ist ein Intensivpflegezuschlag geschuldet. Umstritten ist
insbesondere, ob der Beschwerdeführer auch in der Lebensverrichtung Aufstehen/
Absitzen/Abliegen auf Dritthilfe angewiesen ist und wie hoch der Mehrbedarf in dieser
Lebensverrichtung sowie in den Verrichtungen Essen und Notdurft ist.
3.1.
Sowohl die Beantwortung der Frage nach dem Hilfsbedarf in den einzelnen
Lebensverrichtungen (Hilflosenentschädigung) als auch die Klärung der Frage nach
dem dabei entstandenen Zeitaufwand (Intensivpflegezuschlag) setzt einen vollständig
ermittelten, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehenden Sachverhalt voraus. Die Pflicht zur Sachverhaltsermittlung trifft den
Sozialversicherungsträger (Untersuchungspflicht; Art. 43 Abs. 1 ATSG). Die
Beschwerdegegnerin hat zwar im August 2020 eine formale Abklärung an Ort und
Stelle durchgeführt. Bei der Durchsicht des Abklärungsberichts (IV-act. 77) fällt jedoch
auf, dass sich die Abklärungsperson darauf beschränkt hat, die Mutter des
Beschwerdeführers zu befragen. Im Bericht wird lediglich der von der
Abklärungsperson interpretierte Inhalt der Aussagen der Mutter wiedergegeben. Auf
der Grundlage dieser Aussagen wird der Hilfsbedarf in den einzelnen
Lebensverrichtungen aufgelistet sowie der Zeitaufwand für die Intensivpflege
berechnet. Der Bericht enthält allerdings kein wortgetreues Befragungsprotokoll.
Wesentlich ist weiter, dass die Abklärungsperson keinen Augenschein durchgeführt
hat; sie hat den massgebenden Sachverhalt also nicht durch eigene Beobachtungen
ermittelt. Die Abklärung hätte deshalb genauso gut in den Räumlichkeiten der
Beschwerdegegnerin oder telefonisch durchgeführt werden können. Der
Abklärungsbericht vermag den Sachverhalt nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Zwar hat die Mutter des
3.2.
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4.
Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin bei
der Würdigung des Ergebnisses der nachzuholenden Sachverhaltsabklärung den
folgenden Gesichtspunkten wird Rechnung tragen müssen: Das Bundesgericht hat in
seinem Urteil 8C_533/2019 vom 11. Dezember 2019 die Auffassung vertreten, es liege
ein anspruchsrelevanter Bedarf nach einer erheblichen und regelmässigen indirekten
Dritthilfe beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen vor, wenn die Eltern abends jeweils
Beschwerdeführers nachträglich noch detaillierte Angaben zum Hilfsbedarf in den
Lebensverrichtungen Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Essen und Verrichten der Notdurft
gemacht. Insbesondere die Angaben bezüglich des Aufstehens/Absitzens/Abliegens
und des geltend gemachten Einschlafrituals vermögen aber nicht zu überzeugen, da
sie den Verdacht wecken, dass eine Überbehütung vorliegen könnte, dass also der von
den Eltern tatsächlich geleistete Pflege- und Betreuungsaufwand den objektiv
notwendigen Pflege- und Betreuungsaufwand übersteigen könnte. Hinzu kommt, dass
sich in den Akten weitere Hinweise für eine Überbehütung finden. So hatte die Mutter
des Beschwerdeführers im Rahmen eines Podcast vom Januar 2020 Aussagen zum
Einschlafritual gemacht, die eine Überbehütung nahelegen (vgl. IV-act. 96). Hinzu
kommt, dass der Beschwerdeführer einen Bruder hat, der ebenfalls an einer Autismus-
Spektrum-Störung leidet und einer aufwändigen Pflege und Betreuung bedarf. Die
Frage nach der Vereinbarkeit der Betreuung beider Kinder (insb. in Bezug auf das
umstrittene Einschlafritual) und die diesbezüglich von der Mutter gemachten Angaben
bedürfen der näheren Prüfung. Insgesamt lässt sich die Frage nach Art und Ausmass
einer allfälligen Überbehütung aufgrund der dem Gericht vorliegenden Akten und der
fehlenden Fachkompetenz der Gerichtspersonen nicht abschliessend beantworten.
Damit erweist sich der massgebende Sachverhalt als ungenügend abgeklärt. Die
angefochtene Verfügung ist aufzuheben und die Sache ist zur Vervollständigung der
Sachverhaltsermittlung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird unter
Beizug einer Fachperson für Autismus-Spektrum-Störungen eine erneute Abklärung an
Ort und Stelle durchführen. Dabei wird sie einen Augenschein vornehmen, d.h. den
Beschwerdeführer während einer längeren Zeit beobachten und die entsprechenden
Feststellungen detailliert protokollieren. Darüber hinaus wird sie die Eltern des
Beschwerdeführers eingehend zu den erbrachten Pflege- und Betreuungsleistungen
befragen. Sie wird die Fragen und die Antworten in einem wortgetreuen Protokoll
festhalten. Befragt werden könnten auch die Assistenzperson, die den
Beschwerdeführer auf dem Weg zum und vom Kindergarten begleitet, die
Ergotherapeutin des Beschwerdeführers und die Person, die mit der
heilpädagogischen Früherziehung des Beschwerdeführers betraut ist.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/15
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eine halbe bis eine dreiviertel Stunde bei ihrem Kind bleiben, es beruhigen, mit ihm
reden, es in den Arm nehmen und streicheln müssten, damit es im Bett bleibe und
einschlafe (E. 4.9). Das Bundesgericht hat also den Bedarf nach einer indirekten
Dritthilfe beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen trotz der ausgewiesenen Fähigkeit des
Kindes, selbständig aufzustehen, abzusitzen und abzuliegen mit einer
überdurchschnittlichen Betreuungsbedürftigkeit des Kindes beim Zubettgehen
begründet. Dieser Auffassung liegt eine sehr weite Interpretation des Begriffs einer
erheblichen indirekten Dritthilfe bei einer der sechs alltäglichen Lebensverrichtungen
zugrunde. Folgt man dieser bundesgerichtlichen Rechtsprechung, ist wohl jede Form
einer „Begleitung“ einer versicherten Person bei einer alltäglichen Lebensverrichtung
als eine erhebliche indirekte Dritthilfe zu qualifizieren, sofern diese „Begleitung“ einen
gewissen Aufwand verursacht. Das wäre vorliegend wohl auch im Zusammenhang mit
dem Essen der Fall, denn der Beschwerdeführer benötigt eine intensive „Begleitung“
beim Essen: Seine Mutter muss gemäss ihren eigenen – noch zu überprüfenden (vgl. E.
3) – Angaben so lange am Tisch sitzen bleiben, bis der Beschwerdeführer mit dem
Essen fertig ist, wobei der Beschwerdeführer erst mit dem Essen beginnen kann, wenn
alle anderen bereits fertig sind (vgl. IV-act. 77-12). Sofern die weiteren Abklärungen
ergeben, dass diesbezüglich nicht (auch) eine erhebliche Überbehütung vorliegt, wäre
der Beschwerdeführer vorliegend auch in der Lebensverrichtung Essen eine erhebliche
Dritthilfe im Sinne einer "Begleitung" durch seine Mutter angewiesen. Dieser
Zeitaufwand wäre wie der zeitliche Mehrbedarf beim Einschlafen im Rahmen der
Prüfung eines allfälligen Anspruchs auf einen Intensivpflegezuschlag relevant.
5.
Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung vom 18. Dezember 2020 in
teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache ist zur weiteren
Sachverhaltsabklärung und zur anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der
Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.
5.2.
bis
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