Decision ID: a6a68f84-04b5-42b4-9ccd-7920f4291d1d
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1979 geborene X._ ist gelernte zahnmedizinische Assis
tentin. Ausserdem hat sie eine Handelsschule absolviert. Ab dem 1. Oktober 2004 arbeitete sie als Sachbearbeiterin bei der A._ AG (Urk. 7/2/5, Urk. 7/30/4). Unter Hinweis auf eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit Ende Januar 2007 wegen einer Anorexie meldete sie sich am 26. März 2008 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2/7-9). Nach ersten beruf
lichen Abklärungen (Urk. 7/5-6) unterstützte die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
die Versicherte mittels eines
Job Coaching
s
bei der Arbeitsplatzerhaltung und Steigerung ihres Arbeitspensums (
Urk.
7/10,
Urk.
7/16,
Urk.
7/20,
Urk.
7/30
, Urk. 7/36). Nach einer
graduellen Steigerung des Beschäfti
gungsgrades war die Versicherte ab
1.
November 2008 wieder zu 50
%
arbeitsfä
hig (
Urk.
7/18/4,
Urk.
7/21/5,
Urk.
7/30/6-7). Gestützt auf ihre weiteren Abklä
rungen (
Urk.
7/21) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom
11. Juni 2009 ab 1. Januar 2008 eine ganze Rente sowie ab 1. November 2008 bei einem Invaliditätsgrad von 56 % eine halbe Rente zu (Urk. 7/27, Urk. 7/33). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Das Job Coaching zwecks Arbeitsplatzerhalt konnte aufgrund der bei 50 % stabilisierten Arbeitsfä
higkeit und der erfolgreichen Eingliederung bei der bisherigen Arbeitgeberin im Oktober 2009 abgeschlossen werden (Urk. 7/35, Urk. 7/37-
38).
1.2
Eine im März 2010 von Amtes wegen eingeleitete Rentenrevision ergab, dass die
Versicherte
ihr Beschäftigungspensum zwischenzeitlich auf 60
%
steigern konnte. Die IV-Stelle ermittelte neu einen
Invaliditätsgrad von 48
%
(
Urk.
7/49) und setzte die halbe Rente mit Verfügung vom
9.
September 2010 ab dem
1.
Novem
ber 2010 auf eine Viertelsrente herab (
Urk.
7/52,
Urk.
7/55).
Diese Verfügung blieb unangefochten.
Weitere Revisionen der Rente im Mai 2011 (
Urk.
7/56) und Oktober 2012 (
Urk.
7/63) ergaben, dass die Versicherte aufgrund der gleichge
bliebenen Arbeitsfähigkeit weiterhin Anspruch auf eine Viertelsrente hatte, was ihr mit Mitteilungen vom 3
1.
August 2011 (
Urk.
7/62) und vom 2
6.
April 2013 (
Urk.
7/77) eröffnet wurde.
Mangels Anfechtung wurden diese rechtskräftig.
Nach ihrer Heirat im November 2013 (
Urk.
7/78) gebar
die Versicherte
im Dezem
ber 2013 Zwillinge (
Urk.
7/78).
Aus diesem Grund
kündigte sie ihre Arbeitsstelle per
1.
April 2014 (
Urk.
7/81
, Urk. 7/96/1
).
Im März 2014 leitete die IV-Stelle eine
erneute
Revision des Renten
anspruchs
ein
(
Urk.
7/82
, Urk. 7/84
)
. In diesem Rah
men klärte sie auch die Beeinträchtigung der Versicherten im Haushalt ab und ging aufgrund ihrer Erhebungen davon aus, dass sie wegen der Geburt der Kinder als Gesunde zu 40 % im Erwerbsbereich und zu 60 % im Haushalt tätig wäre (Abklärungsbericht vom 8. Dezember 2015, Urk. 7/96). Unter Berücksichtigung der dazu in Anwendung der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) ergangenen Rechtsprechung qualifizierte sie die Beschwerdeführerin weiterhin als Vollerwerbstätige. Hingegen ging die IV-Stelle gestützt auf die medizinischen Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte von einer relevanten gesundheitlichen Besserung aus. Deshalb hob sie die Viertelsrente nach Durchführung des Vorbe
scheidverfahrens (Urk. 7/103-104, Urk. 7/107) mit Verfügung vom 5. April 2017 auf (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Yolanda Schweri, mit Eingabe vom 18. Mai 2017 Beschwerde und beantragte, es sei ihr weiterhin eine Viertelsrente auszurichten; eventualiter sei die IV-Stelle zu verpflichten, er
gänzende medizinische Abklärungen durchzuführen (Urk. 1). Mit Beschwerde
antwort vom 20. Juni 2017 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Be
schwerde (Urk. 6), wovon dem Beschwerdeführer am 23. Juni 2017 Kenntnis ge
geben wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
li
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des ak
tuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des Invali
di
tätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkun
gen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_297/2016 vom 7. April 2017 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 143 V 77, aber in SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152).
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (
Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Renten
revision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (
Art.
51 ATSG), ist im darauf folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 2
9.
März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Aufhebung der Rente in der angefochtenen Verfü
gung damit, bei
der weiterhin als Vollerwerbstätige zu qualifizierenden Be
schwerdeführerin sei keine invalidisierende gesundheitliche Beeinträchtigung mehr ausgewiesen. Laut den ärztlichen Verlaufsberichten hätten sich sowohl die somatische als auch die psychische Situation verbessert und stabilisiert. Ihr BMI (Body Mass Index) sei von 16.7 auf 18 gestiegen, so dass nur noch von einem leichten Untergewicht gesprochen werden könne. Zudem befinde sich die Be
schwerdeführerin gemäss eigenen Angaben seit November 2012 nicht mehr in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Im Dezember 2013 habe sie Zwillinge zur Welt gebracht. Der behandelnde Psychiater habe im Rahmen eines im Februar 2017 durchgeführten Gesprächs festgestellt, dass eine weitere psycho
therapeutische Behandlung
der Anorexie
nicht angezeigt sei, da die gesundheit
liche Situation durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ausreichend stabilisiert sei. Aus psychiatrischer Sicht sei deshalb von einer klaren Verbesse
rung des Gesundheitszustandes auszugehen (
Urk.
2 S. 2; vgl. auch
Urk.
6).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, sie habe unverändert Anspruch auf eine Viertelsrente; eine seit der letzten Rentenrevision eingetretene relevante Verbesserung ihres Gesundheitszustandes sei nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erwiesen. Wegen ihrer Anorexie könne sie ihr Gewicht nach wie vor nur mittels Nahrungsergänzungs
mitteln knapp halten. Bei jeder Überforderung sinke auch das Gewicht sofort wie
der, weshalb Gewichtsschwankungen von 2-3 kg mehr oder weniger zufällig seien. Bereits anlässlich der vorletzten Rentenrevision im Jahr 2012 habe ihr BMI knapp 18 betragen. Der von Dr. B._ im September 2016 erhobene BMI von knapp 18 entspreche deshalb nicht einer substantiellen und nachhaltigen Verbes
serung des Gesundheitszustandes. Seit der Geburt ihrer Kinder sei sie in ein enges Betreuungsnetz eingebunden, damit die Versorgung der Kinder gewährleistet sei und ihre psychische Verfassung stabil bleibe. Bei der Kinderbetreuung werde sei tageweise von den Schwiegereltern, ihrer Mutter und ihrem Ehemann unterstützt, und die Kinder seien einen Tag pro Woche in der Krippe. Alleine wäre sie damit überfordert.
Sie halte sich an einen strikten Tagesablauf, der ihr
H
alt gebe. Dass keine regel
mässige psychiatrische Therapie erfolge, bedeute nicht, dass es ihr bes
ser gehe und kein Leidensdruck mehr bestehe. Der langjährig behandelnde Psy
chiater Dr. C._, welcher sie im Februar 2017 abermals gesehen habe, sei der Auffassung, dass die Situation aktuell dank der engen familiären Struktur und der therapeutischen Behandlung mit Nahrungsergänzungsmitteln ausreichend stabilisiert sei. Sie leide jedoch nach wie vor an der Anorexie, der ebenfalls diag
nostizierten Persönlichkeitsstörung und den somatischen Problemen wie Tinni
tus/Hyperakusis, chronischen zervikalen Beschwerden und Osteoporose. Alle diese Erkrankungen seien nicht heilbar; dass sie in den letzten Jahren auf stabi
lem Niveau hätten gehalten werden können, bedeute keineswegs, dass sich ihre Leistungsfähigkeit in der Zwischenzeit verbessert habe (Urk. 1 S. 4 f.). Eventuali
ter sei die IV-Stelle zu verpflichten, ergänzende medizinische Abklärungen durchzuführen (Urk. 1 S. 2).
3.
3.1
Zeitliche Vergleichsbasis zur Beurteilung der Frage, ob eine relevante Verände
rung des Sachverhalts ausgewiesen
ist, bildet die letzte materielle Beurteilung
und Bestätigung des A
nspruchs
auf eine Viertelsrente
mit
Mitteilung
vom
26
.
April 2013
(
Urk.
7/
77
)
, da diese auf einer rechtskonformen Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung beruht und unangefochten in Rechtskraft erwachsen ist (vgl. Urk. 7/67 und Urk. 7/76 sowie vorstehend Erwägung 1.4).
3.2
Der Mitteilung
vom
26
.
April 2013 lag in medizinischer Hinsicht die Beurteilung des behandelnden Dr. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 10. Dezember 2012 zu Grunde (vgl. Urk. 7/67/2 und Urk. 7/76). Dr. C._, welcher die Beschwerdeführerin seit 2009 alle 2-3 Wochen während einer Stunde sah und ohne Medikation mit einem supportiven verhaltenstherapeutischen An
satz behandelte, diagnostizierte eine Anorexia Nervosa (ICD-10 F. 50.0). Weiter hielt er fest, die Beschwerdeführerin arbeite momentan während insgesamt 24 Stunden pro Woche. Dieser Belastung sei sie knapp gewachsen; es komme öfter zu kurzen Krankheitsausfällen von wenigen Tagen (Urk. 7/63/3).
Gestützt auf die
sen Bericht ging
Dr. D._
, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie vom Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
, in seiner Stellungnahme vom 1
3.
Januar 2013 von einem stationären Gesundheitszustand und einer Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin von 40
%
für sämtliche T
ätigkeiten aus (
Urk.
7/67/2-3).
In seinem vorherigen Verlaufsbericht vom 23. August 2011 hatte der behan
delnde Psychiater Dr. C._ praktisch unveränderte Befunde im Vergleich zum Zustand ein Jahr zuvor erwähnt und über ein Gewicht konstant an der Grenze zum Untergewicht (47 kg bei 164 cm; BMI 17,5) berichtet. Als Diagnose hatte er zusätzlich einen Tinnitus bei Hyperakusis genannt. Jenem Bericht ist auch zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin vor allem in Stresssituationen restriktiv ass und bei körperlichen Beschwerden wie Nacken- und Ohrschmerzen jeweils zu Rückzug, katastrophisierendem Denken und depressiver Verstimmung mit deut
licher Abnahme der Leistungsfähigkeit neigte. Weiter hatte Dr. C._ darin fest
gehalten, es gebe seines Erachtens keine dem Leiden besser angepasste Tätigkeit als die bisherige Arbeit als Sachbearbeiterin. Wegen hoher Lärmempfindlichkeit, verminderter Belastbarkeit und erhöhter Ermüdbarkeit sei die Beschwerdeführerin in dieser Tätigkeit seit dem 25. Januar 2010 zu 40 % arbeitsunfähig (Urk. 7/59/2). Auch dieser Einschätzung war Dr. D._ vom RAD in seiner versicherungsmedi
zinischen Stellungnahme vom 31. August 2011 gefolgt (Urk. 7/61/3).
3.3
Im Rahmen der im März 2014 eingeleiteten Überprüfung des Renten
anspruchs
holte die IV-Stelle zunächst beim behandelnden Psychiater Dr. C._ den Bericht vom 1. Oktober 2014 ein. Diesem ist zu entnehmen, dass Dr. C._ die Beschwer
deführerin letztmals am 13. November 2012 sah und die weitere Behandlung da
nach vom Hausarzt übernommen wurde. Gestützt auf ein Ende September 2014 mit ihr geführtes Telefonat führte Dr. C._ bei den Diagnosen nach wie vor die Anorexia Nervosa auf. In anamnestischer Hinsicht erwähnte er, die Beschwerde
führerin sei Ende 2012 (richtig 2013; Urk. 7/96/1) Mutter von Zwillingen gewor
den. Seither übe sie keine Erwerbstätigkeit mehr aus. Ihr Gewicht habe sich nach der Schwangerschaft auf tiefem Niveau bei 45 kg stabilisiert. Sie benötige wei
terhin Ergänzungsnahrung, und es komme nach wie vor zu gesundheitlichen Ein
brüchen. Der Belastung als Mutter von Zwillingen scheine sie knapp gewachsen zu sein (Urk. 7/91).
Der Hausarzt Dr. B._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt in seinem Verlaufsbericht vom 9. Dezember 2014 fest, aktuell werde die Be
schwerdeführerin lediglich von ihm wegen der somatischen Beschwerden behan
delt. Ausser einem Nahrungsergänzungsmittel zur Stabilisierung des Gewichts nehme sie keine Medikamente ein. Seit einigen Monaten bestehe ein deutlicher Gewichtsverlust mit einem BMI von nur noch 16,7, Tendenz weiter abnehmend. Um einer Exazerbation entgegenzuwirken, müsse die Beschwerdeführerin die Kinder in den Hort geben. Sobald die dortige Betreuung sichergestellt sei, werde sich die Situation wahrscheinlich beruhigen. Die Beschwerdeführerin werde durch die Kinderbetreuung vollumfänglich in Beschlag genommen und werde vermut
lich keiner Arbeit mehr nachgehen können. Ansonsten würden weiterhin die früheren Arbeitsunfähigkeiten gelten (Urk. 7/94).
Am 2. Dezember 2015 erhob die IV-Stelle die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin im Haushalt. Laut dem Abklärungsbericht vom 8. Dezember 2015 kün
digte die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsstelle nach der Geburt ihrer Zwillinge, da danach keine Möglichkeit bestand, die Arbeit mit dem von ihr gewünschten reduzierten Pensum von 40 % wieder aufzunehmen. Aufgrund ihrer Angaben qualifizierte die Abklärungsperson die Beschwerdeführerin neu als zu 40 % im Erwerbsbereich und zu 60 % im Haushalt tätige Person. Die weiteren Erhebungen ergaben, dass sie in der Haushaltführung in den Bereichen Ernährung (zu 10 %) und Kinderbetreuung (zu 60 %) eingeschränkt war (Urk. 7/96).
Am 8. September 2016 berichtete Dr. B._ erneut über den Verlauf. Der BMI betrage nun knapp 18. Die Beschwerdeführerin könne die Betreuung ihrer Kinder nicht alleine bewältigen. Sie werde während 4-6 Tagen pro Woche durch die Mutter, die Schwiegereltern, den Ehemann und die Kinderkrippe entlastet. Zudem halte sie eine strikte Tagesstruktur ein. In diesem Rahmen scheine die psychische Situation stabil zu sein. Mit Hilfe des Nahrungsergänzungsmittels Fresubin könne sie ihr Gewicht stabil halten. Auch hinsichtlich der übrigen kör
perlichen Beschwerden (coxagene Schmerzen, chronische zervikale Beschwerden, Tinnitus und Osteoporose) liege eine stabile Situation vor. Die Ausrichtung einer Viertelsrente sei weiterhin gerechtfertigt (Urk. 7/101).
E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie vom RAD, schloss in Würdigung der medizinischen Akten, dass sich aus den Berichten des Hausarztes Dr. B._ vom 9. Dezember 2014 und 8. September 2016 eine Steigerung des BMI von 16,7 auf knapp 18 ergebe. Ein BMI von 17-18,5 gelte als leichtes Untergewicht. Eine psychotherapeutische Behandlung erfolge nicht mehr, wobei im Gegensatz zu früheren Berichten keine Depression mehr diagnostiziert werde. Somit sei von einer Besserung des Gesundheitszustandes auszugehen. Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden bestehe nicht mehr (Urk. 7/102/3-4).
4.
4.1
Laut Haushaltabklärungsbericht vom
8. Dezember 2015
wäre die Beschwerdefüh
rerin als Gesunde nach der Geburt ihrer Zwillinge im Dezember 2013 neu nur noch zu 40
%
erwerbstätig und würde sich während der restlichen Zeit um die Kinder und den Haushalt kümmern
(Urk. 7/96/3-4)
. Da für diesen Statuswechsel
von vollerwerbstätig zu teilerwerbstätig
, welcher grundsätzlich
einen
Revisions
grund
darstellen könnte
(vgl. die vorstehende Erwägung 1.4)
,
allein familiäre Gründe verantwortlich sind, ist er unbeachtlich (BGE
144 V 77 E. 3.2.3;
143 I 50 E. 4). Die IV-Stelle hat die Beschwerdeführerin zu Recht invalidenversicherungs
rechtlich weiterhin als Vollerwerbstätige behandelt (
Urk.
7/102/4).
4.2
Zu prüfen bleibt, ob sich der medizinische Sachverhalt seit Erlass
der
Mitteilung vom 26.
April
2013 wesentlich verändert hat.
Die behandelnden Ärzte
Dr. C._
und
Dr. B._
attestierten der Beschwer
deführerin in ihren aktuellen Verlaufsberichten einen weitgehend stationären Ge
sundheitszustand.
Dr. B._
hielt in seinen Berichten vom
9.
Dezember 2014 und vom
8.
September 2016 zudem fest, dass die Beschwerdeführerin unverän
dert zu 40
%
arbeitsunfähig wäre, wenn sich ihre familiäre Situation nicht geän
dert
hätte
und sie noch arbeiten würde, weshalb sie seines Erachtens weiterhin Anspruch auf die Viertelsrente habe (
Urk.
7/94/5,
Urk.
7/101). Im Haushaltabklä
rungsbericht vom
8.
Dezember 2015 werden signifikante Einschränkungen der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin bei der Zubereitung des Essens (zu 10
%
) und der Betreuung der Kinder (zu 60
%
) erwähnt (
Urk.
7/96). Auch dies deutet eher auf einen stationären Verlauf des Gesundheitszustandes und der Ar
beitsfähigkeit hin.
Der IV-Stelle ist allerdings zu folgen, soweit sie Indizien für eine zwischenzeitli
che Besserung des Gesundheitszustandes erkannt hat. Zunächst fällt auf, dass die Beschwerdeführerin seit 1
3.
November 2012, also bereits deutlich vor der Geburt ihrer Kinder im Dezember 2013, keine psychotherapeutische Behandlung mehr in Anspruch nahm. Dies
deutet eher auf eine Verbesserung
des psychischen Gesund
heitszustandes
hin, zumal
die stab
ile Partnerschaft mit d
em Ehemann, die zur Gründung einer Familie führte,
einen positiven Einfluss auf den Gesundheitszu
stand gehabt haben dürfte. Dr. C._ gab der IV-Stelle den Abbruch der Psycho
therapie im November 2012 erstmals in seinem Bericht vom 1. Oktober 2014 be
kannt (Urk. 7/91; vgl. auch Urk. 7/63/3), also nach Erlass der als zeitliche Ver
gleichsbasis dienenden Mitteilung vom 26
.
März 2013
(
Urk.
7/
77
)
. Deshalb darf dies im Revisionsverfahren als neue Tatsache berücksichtigt werden
(vgl. Meyer, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
,
3.
Auflage 2014, S. 433 Rz 49 mit Hinweis).
Auf eine Verbesserung der Anorexie
weist grundsätzlich
auch der auf knapp 18 angestiegene BMI
hin
, wobei der Beschwerdeführerin zuzuge
stehen ist, dass ihr BMI bereits früher ähnlich hoch war und generell schwankte (vgl.
Urk.
7/59/2,
Urk.
7/94).
Aufgrund dieser Indizien
und weil
die Beschwerdeführerin noch jung ist und
sich inzwischen als zweifache Mutter in einer veränderten privaten und beruflichen Situation befindet, hätte die IV-Stelle ihren Gesundheitszustand und die Arbeits
fähigkeit im Rahmen des Revisionsverfahrens näher prüfen
müssen. E._
vom RAD ist zwar Facharzt für Psychiatrie, hat die Beschwerdeführerin aber nicht persönlich untersucht und seine Beurteilung, dass kein invalidisieren
der Gesundheitsschaden mehr bestehe, nur rudimentär begründet. Deshalb beste
hen Zweifel an der Schlüssigkeit und Zuverlässigkeit seiner Beurteilung. Nach geltender Rechtsprechung
zum Beweiswert von RAD-Berichten
kann daher nicht darauf abgestellt werden
(Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
Mithin besteht weiterer Abklärungsbedarf. Die
IV-Stelle, an welche die Sache zu
rückzuweisen ist, wird die Entwicklung der Arbeitsfähigkeit
in der angestammten und in behinderungsangepassten Tätigkeiten im relevanten Zeitraum seit Erlass der Mitteilung vom
26
.
März 2013 weiter abzuklären und hernach erneut über den Rentenanspruch zu verfügen haben. Da die Beschwerdeführerin sowohl unter psychischen als auch verschiedenen somatischen Beeinträchtigungen litt, wird die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten einzuholen haben. In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen.
5.
5.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- zulasten der unter
liegenden IV-Stelle (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Nach § 34
Abs. 3
des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (GSVGer)
wird der Anspruch
auf
Ersatz der Parteikosten
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache
,
der Schwierigkeit des Prozesses
und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer)
.
Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze
ist die Prozessentschädigung der Be
schwerdeführerin ermessensweise auf Fr. 1’700.-- festzusetzen (inklusive Bar
aus
lagen und Mehrwertsteuer).