Decision ID: 9adbf462-67e9-4d6f-abe1-2bb7b6bbfe66
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1
1.
1
Der
im Jahr
1975 geborene
X._
,
gelernte
r
Auto
er
satzteilverkäufer
,
war
– unterbrochen durch Arbeitslosigkeit – an verschiedenen Stellen tätig, zuletzt im
Sicherheits
dienst
(vgl. A
uszug individuelles Konto,
Urk.
6/57)
.
A
m 19
. Januar 200
6
(Eingangsdatum)
meldete er sich
erstmals
aufgrund psychischer Beschwer
den
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leis
tungsbezug an (Urk. 6/4).
Die IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und holte ein psychiatrisches Gutachten ein, welches am 10. Okt
o
ber 2006 erstattet wurde (
Urk. 6/27). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 14. Mai 2007 ab (Urk. 6/46).
D
ie d
agegen
beim hiesigen Gericht erhobene
B
eschwerde (vgl. Pro
zessnummer IV.2007.00874)
, wies das Gericht mit
Urteil vom 28. Januar 2008 ab (Urk. 6/56).
Am
28. Mai 2014 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leis
tungsbezug an
(Urk. 6/67)
.
Gestützt auf das
psychiatrische Gutachten
von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
3. Juli 2015 (Urk. 6/95)
verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 6. April 2016 erneut
einen Leistungsanspruch
(Urk. 6/111).
1.2
Mittels Formular meldete sich der Versicherte unter Angabe
eines psychischen Leidens am 19
. Februar 2018
(Eingangsdatum)
wiederum bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 6/114
)
.
Nach Einreichung weiterer Unterlagen (vgl. Urk. 6/118
-
120) wurde dem Versicherten mit Vorbescheid vom 9. April 2018 das Nichteintreten auf das Leistungsbegehren in Aussicht gestellt (Urk. 6/122).
Nach
dem
durch die IV-Stelle ein
weiterer
Arztber
icht (Urk. 6/134) eingeholt worden war
,
wurde ihm mit Vorbescheid
vom 11. Januar 2019 die Abweisung des Leis
tungsbegehrens in Aussicht gestellt
(Urk. 6/139)
. Dagegen liess der Versicherte
durch Rechtsanwältin Sigg
am 7. März 2019 Einwand erheben und
beantrage
n
, der Vorbescheid vom 11. Januar 2019 sei aufzuheben und
ihm sei
eine Rente zuzusprechen
(Urk. 6/143)
. In prozessualer Hinsicht ersuchte
er
um
Gewährung der
unentgeltliche
n
Rechtsverbeistän
d
ung
und
um
Bestellung
von Rechtsanwäl
tin Sigg als unentgeltliche Rechtsvertreterin (Urk. 6/143).
Mit Verfügung vom 23. Mai 2019
lehnte
die IV-Stelle das Gesuch um unentgel
tliche
Rechtsverbei
ständung
mangels Notwendigkeit
einer anwaltlichen Vertretung
ab (
Urk. 2 [=
Urk. 6/153
]
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 6. Juni 2019 Beschwerde und beantragte sinn
gemäss, es sei ihm für
das
Verwaltungsverfahren die unentgeltliche
Rechtsver
beiständung
zu gewähren und Rechtsanwältin Sigg als unentgeltliche Vertreterin zu ernennen. Mit Beschwerdeantwort vom 2. August 2019 schloss die Beschwer
degegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was dem Beschwerdeführer am 6. August 2019 (Urk. 7) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird
,
soweit erforderlich,
im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1
.
1.
1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Gemäss
Art.
37
Abs.
4
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (
ATSG
)
wird der gesuchstellenden Person im Sozialversiche
rungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern. Unentgeltliche
Verbeiständung
im Verwaltungsverfahren wird gewährt, wenn die Partei bedürftig ist, die Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheinen und die Vertretung im konkreten Fall sachlich geboten ist (vgl.
Art.
29
Abs.
3
der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
[
BV
]
).
1.
3
Ob die anwaltliche
Verbeiständung
notwendig oder doch geboten ist, beurteilt sich nach den konkreten objekti
ven und subjektiven Umständen. Praktisch ist im Ein
zelfall zu fragen, ob eine nicht bedürftige Partei unter sonst glei
chen Umstän
den vernünftigerweise eine Rechts
anwältin oder einen Rechtsanwalt beizie
hen würde, weil sie selber zu wenig rechtskun
dig ist und das Interesse am Prozess
ausgang den Aufwand rechtfertigt (BGE 103 V 46, 98 V 115; vgl. auch BGE 130 I 180 E. 2.2, 128 I 225 E. 2.5.2 mit Hinweisen).
Beim Erfordernis der Notwendigkeit einer unentgeltlichen
Verbeiständung
im Verwaltungsverfahren ist ein strenger Massstab anzulegen, dies namentlich mit Blick darauf, dass der Untersuchungsgrundsatz gilt, die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzelnen Sozialversicherungen also den rechtserheb
lichen Sachverhalt unter Mitwirkung der Parteien nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität, Neutralität und Gesetzesgebundenheit (BGE 136
V
376) zu ermitteln haben (Art. 43 ATSG). Im Verwaltungsverfahren besteht nur in Ausnahmefällen ein Anspruch auf anwaltliche
Verbeiständung
; es müssen sich schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen und eine Interessenwah
rung durch Dritte (Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere Fach- und Ver
trauensleute sozialer Institutionen) muss ausser Betracht fallen (Urteil des Bun
desgerichts 8C_676/2015 vom 7. Juli 2016 E. 7.1; BGE 132 V 200 E. 4.1 in
fine
). Zu berücksichtigen sind die Umstände des Einzelfalles, die Eigenheiten der anwendbaren Verfahrensvorschriften sowie die Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens. Dabei fallen neben der Komplexität der Rechtsfragen und der Unübersichtlichkeit des Sachverhalts auch in der Person des Betroffenen liegende Gründe in Betracht, wie etwa seine Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden (Urteil des Bundesgerichts 8C_557/2014 vom 18. November 2014 E. 4.2 mit wei
teren Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) dafür, dass sich im aktuell pendenten
Vorbescheidverfahren
keine medizinisch oder rechtlich komplexen Fragestellungen ergeben würden, die den
Beizug
einer unentgeltlichen Rechtsvertretung rechtfertigten. Es sei hauptsächlich strittig, inwiefern eine allfällige IV-relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten
sei
. Nach konstanter Rechtsprechung sei dies keine komplexe Frage
stellung. Des Weiteren sei im Einwand einzig auf die Berichte der behandelnden Ärzte verwiesen worde
n
, ohne weitere stichhaltige Gründe für eine IV-relevante Verschlechterung vorzubringen, weshalb dafür keine unentgeltliche
Rechtsver
beiständung
erforderlich sei. Der Beschwerdeführer werde zudem seit Jahren durch das
Sozialamt
Z._
unterstützt;
im letztmaligen Verfahren
sei er gar
durch eine juristische Fachperson der Stadt
Z._
vertreten worden. Eine (wei
tere) Vertretung durch das
Soziala
mt sei zumutbar, weshalb keine Anhaltspunkte ersichtlich seien, die nun eine anwaltliche Vertretung als zwingend erforderlich erscheinen liessen.
2.2
Demgegenüber brachte der Bes
c
hwerdeführer im Wesentlichen vor (Urk. 1)
, eine Vertretung durch das Sozialamt sei keineswegs zumutbar und des Weiteren auch nicht gewährt worden. Bei der letzten Neuanmeldung im Jahr 2016 sei es die Schuld des Sozialamtes gewesen, dass die
Einsprachefrist
unbenützt
verstrichen sei. Es sei ihm
nun
durch das Sozialamt mitgeteilt worden,
er
werde in dieser Angelegenheit nicht mehr unterstütz
t
.
3.
In Anbetracht der praxisgemäss strengen Anforderungen an die Frage der Not
wendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im Verwaltungsverfahren ist diese Voraussetzung als erstes zu prüfen.
3.1
Die Verwaltung wies in der angefochtenen Verfügung zu Recht darauf hin, dass der Anspruch auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
im Verwaltungsverfahren nur ausnahmsweise besteht, nämlich wo sich schwierige rechtliche oder tatsäch
liche Fragen stellen und eine Interessenwahrung durch Dritte ausser Betracht fällt (vgl. E. 1.3).
Ein solcher Ausnahmefall liegt hier indes nicht vor. So steht in recht
licher Hinsicht
eine
Neuanmeldung
und damit
die Prüfung
ein
er Veränderung des Gesundheitszustandes seit Erlass
der letzten Verfügung in Frage
;
im weiteren Sinne ist festzustellen, ob der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers allen
falls weiter abzuklären ist. I
m Zeitpunkt des Eintritts der Rechtsvertreterin in das Verfahren
ging es
darum, zum Vorbescheid vom 11. Januar 2019 Stellung zu nehmen (vgl. Urk. 6/139). Dass sich dabei besondere rechtliche Schwierigkeiten gezeigt hätten, ist nicht ersichtlich
.
Die Fragestellung
, ob eine IV
-
r
elevante Verän
derung des Gesundheitszustandes eingetreten ist,
erforder
t
zwar gewisse medizi
ni
sche Kenntnisse und juristischen Sachverstand, um Schwachstellen einer (fach-)
ärztlichen Expertise und deren rechtliche Relevanz zu erkennen. Es kann nach konstanter Rechtsprechung insoweit aber nicht von einer komplexen Fragestel
lung gesprochen werden, die eine anwaltliche Vertretung geböte. Die gegenteilige Auffassung liefe darauf hinaus, dass der Anspruch auf unentgeltliche
Rechtsver
beiständung
in praktisch allen
Vorbescheidverfahren
bejaht werden müsste, in denen medizinische Unterlagen zur Diskussion stehen, was der Konzeption von Art. 37
Abs.
4 ATSG als einer Ausnahmeregelung widerspräche (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juli 2016 8C_676/2015 E. 7.2 mit Hinweisen). Es liegt auch in tatsächlicher Hinsicht kein besonders unübersichtlicher oder komplexer Fall vor, zumal mit der Neuanmeldung
(bloss)
zwei neue Arztberichte eingereicht und durch die Beschwerdegegnerin ein weiterer Bericht eingeholt wurden. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers wies in der Ergänzung zum Einwand vom 23. April 2019 (Urk. 6/150)
einzig
darauf hin,
es sei
inzwischen
von einer mittelschweren chronischen Depression auszugehen, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige, weshalb
der Beschwerdeführer aufgrund der Abklärungspflicht und des Untersuchungsgrundsatzes weiter abzuklären
sei
. Inwiefern ein beson
ders komplexer Sachverhalt gegeben sein soll, wird
hingegen
weder von der Rechtsvertreterin noch seitens des Beschwerdeführers konkret geltend gemacht.
3.2
So
weit
sich der Beschwerdeführer darauf beruft, eine weitere Vertretung durch das Sozialamt sei ihm nicht mehr zumutbar,
vermag dies nichts zu ändern. Zum einen ist nicht dargetan, dass eine Unterstützung durch weitere - neben dem Sozialamt in Frage kommende Institutionen - gänzlich ausser Betracht gefallen wäre. Zum andern ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer durchaus in der Lage war, gegenüber der IV-Stelle zu agieren und sich im Verfahren ein
zubringen. So war es ihm möglich, sich für den Einwand gegen den Vorbescheid vom 9. April 2018 Hilfe von seinem Behandler zu beschaffen (Urk. 6/126; vgl. Urk. 1, wonach er sich nach der negativen Erfahrung mit der Sozialhilfe selber mit seiner Therapiestelle arrangiert habe). Sodann reichte er die vorliegende Beschwerde eigenständig ein. Mithin fehlt es an Hinweisen dafür, dass sich der Beschwerdeführer im - vom Untersuchungsgrundsatz beherrschten - Verfahren nicht selbst zurechtfinden würde.
Bei dieser Sachlage ist die anwaltliche Rechts
vertretung im Verwaltungsverfahren nicht geboten (vgl. hierzu insbesondere auch Urteil des Bundesgerichts 8C_676/2015 vom 7. Juli 2016 E. 7.2).
3.
3
Zusammenfassend kann somit weder den Akten noch den Ausführungen in der Beschwerde
schrift
entnommen werden, inwiefern sich im
Vorbescheidverfahren
besonders schwierige rechtliche oder tats
ächliche Fragen gestellt hätten, welche ausnahmsweise einen Anspruch auf unentgeltliche Rechtsvertretung im Verwal
tungsverfahren rechtfertigen würde. Ebenso wenig ist ersichtlich, dass der
Beizug
von Fach- und Vertrauensleuten sozialer Institutionen/unentgeltlicher Rechtsbe
ratungen
gänzlich
ausser Betracht gefallen
wäre.
Schliesslich bestehen keine Hin
weise dafür, dass
sich
der Beschwerdeführer im – vom Untersuchungsgrundsatz beherrschten – Verfahren nicht selbst zurechtfinden würde.
Somit hat die Beschwerdegegnerin
das Gesuch um Gewährung
eines
unentgeltlichen Re
c
hts
beistandes im Verwaltungsverfahren
zu Recht
mange
ls Notwendigkeit abgelehnt.
Angesichts dieser Gegebenheiten kann von der Prüfung der weiteren Vorausset
zungen zur Gewährung der unentgeltlichen
Verbeiständung
(vgl. E. 1.2) abgese
hen werden.
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
4
.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung, IVG, e
contrario
).