Decision ID: bafb5a4c-357b-477c-8256-71c0a84be131
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Z._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. rer. publ. Michael B. Graf, Vadianstrasse 44, Post-
fach 262, 9001 St. Gallen,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
betreffend
Arbeitslosenentschädigung (Anspruchsverwirkung)
Sachverhalt:
A.
A.a Z._ meldete sich am 17. Oktober 2003 zum Bezug von Leistungen der
Arbeitslosenversicherung an (act. G 3.5). Da der Versicherte als Gesellschafter und
Geschäftsführer seines letzten Arbeitgebers (A._) im Handelsregister eingetragen
war, klärte die kantonale Arbeitslosenkasse St. Gallen zunächst den Lohnfluss ab und
verneinte am 26. Oktober 2004 bzw. 30. November 2004 die Anspruchsberechtigung
ab 17. Oktober 2003 mangels rechtzeitigen Nachweises eines solchen (act. G 3.36 und
3.39 [Dossier 2]). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen entschied mit Urteil
vom 19. Januar 2006, dass von einem tatsächlichen Lohnfluss auszugehen sei und
wies die Angelegenheit zur Prüfung der übrigen Anspruchsvoraussetzungen an die
Verwaltung zurück (act. G 3.60 [Dossier 2]).
A.b Mit Verfügung vom 25. April 2006 und (in Rechtskraft erwachsenem)
Einspracheentscheid vom 10. August 2006 wies die Arbeitslosenkasse in der Folge den
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung für den Zeitraum vom 17. Oktober 2003 bis
31. Dezember 2003 ab, da der Versicherte die "Angaben der versicherten Person" nicht
rechtzeitig eingereicht habe (act. G 3.61 und 3.63 [Dossier 2]). Zuvor änderte die
Arbeitslosenkasse die bestehende Rahmenfrist (17. Oktober 2003 bis 16. Oktober
2005; act. G 3.35 [Dossier 2]) mit Mutation vom 18. April 2006 rückwirkend auf den
Zeitraum vom 2. Januar 2004 bis 1. Januar 2006 (act. G 3.29 bis 3.31).
A.c Mit Schreiben vom 24. April 2006 forderte das RAV St. Gallen den
Versicherten auf, für die gesamte Dauer der Rahmenfrist von Januar 2004 bis
Dezember 2005 den Nachweis für die Arbeitsbemühungen zu erbringen sowie die
Formulare "Angaben der versicherten Person" für die Monate Juli 2004 bis Dezember
2005 bis 2. Mai 2006 einzureichen (act. G 3.33). Der Versicherte und dessen damaliger
Rechtsanwalt liessen insgesamt fünf Fristerstreckungen bis 16. August 2006
verstreichen, ohne die verlangten Unterlagen einzureichen (act. G 3.35 bis 3.40).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.d Nachdem das Amt für Arbeit des Kantons St. Gallen trotz der fehlenden
Arbeitsbemühungen die Vermittlungsfähigkeit des Versicherten für den Zeitraum vom 2.
Januar 2004 bis 1. Januar 2006 bejaht hatte (Verfügung vom 6. Juli 2007; act. G 3.42),
gelangte der nunmehr durch Rechtsanwalt Michael B. Graf vertretene Versicherte am
11. Juli 2007 wiederum an die Arbeitslosenkasse und forderte die Auszahlung der
Leistungen für den Zeitraum von Juli 2004 bis Dezember 2005 (act. G 3.43). Mit
Verfügung vom 23. Juli 2007 wies die Kasse den Anspruch ab. Obwohl dem
Versicherten die Formulare "Angaben der versicherten Person" für die Monate Juli
2004 bis Dezember 2005 am 24. April 2006 nochmals zugestellt worden seien, habe er
diese nicht eingereicht (act. G 3.49). Die dagegen erhobene Einsprache, mit welcher im
Wesentlichen geltend gemacht wurde, der Einsprecher sei vor dem 24. April 2006
niemals aufgefordert worden, die AvP-Formulare ab Juli 2004 einzureichen, wies die
Kasse mit Entscheid vom 31. August 2007 ab. Der Einsprecher sei nach Vorliegen des
Entscheides des Versicherungsgerichts vom 19. Januar 2006 explizit aufgefordert
worden, die Formulare einzureichen. Da diese Fristen ungenutzt verstrichen seien,
könnten die Ausfalltage ab dem 1. Juli 2004 nicht entschädigt werden (act. G 3.50 und
3.51).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 27.
September 2007 mit den Anträgen, der Einspracheentscheid vom 31. August 2007 sei
aufzuheben und es seien dem Beschwerdeführer rückwirkend für die Zeit vom 1. Juli
2004 bis zum 31. Dezember 2005 Arbeitslosentaggelder auszurichten. Nachdem die
Beschwerdegegnerin am 11. Juni 2004 die versicherungsmässigen Voraussetzungen
verneint und dies mit Verfügung vom 26. Oktober 2004 bestätigt habe, seien dem
Beschwerdeführer keine AvP-Formulare mehr zugestellt worden. Dies sei erstmals
wieder am 24. April 2006 geschehen, als der Beschwerdeführer rückwirkend zur
Einreichung aufgefordert worden sei. Gemäss Art. 29 Abs. 3 AVIV hätte die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer sodann eine angemessene Frist für die
Vervollständigung der Unterlagen setzen und ihn auf die Folgen der Unterlassung
aufmerksam machen müssen. Nachdem die Beschwerdegegnerin am 11. Juni 2004 die
versicherungsmässigen Voraussetzungen verneint habe, hätte sie den
Beschwerdeführer um so mehr darauf hinweisen müssen, dass er die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kontrollvorschriften trotzdem erfüllen müsse. Diese Aufforderung sei jedoch erst nach
Vorliegen des Versicherungsgerichtsentscheides mit Schreiben vom 24. April 2006
erfolgt. Die Beschwerdegegnerin habe somit ihre Aufklärungspflichten nach Art. 27
Abs. 1 ATSG verletzt. Demnach seien die interessierten Personen über ihre Rechte und
Pflichten aufzuklären. Zum Kerngehalt dieser Pflicht gehöre, die versicherten Personen
darauf hinzuweisen, dass sie durch ihr Verhalten ihren Anspruch auf Leistungen
gefährdeten. Es könne dem Beschwerdeführer nun nicht vorgeworfen werden, er habe
die Formulare nicht eingereicht. Er wäre der Aufforderung mit Sicherheit
nachgekommen, wenn er diese früher, d.h. zwischen der ablehnenden Mitteilung vom
11. Juni 2004 und dem Gerichtsentscheid vom 19. Januar 2006 erhalten hätte. Im
Übrigen ergebe es keinen Sinn, die AvP-Formulare nun nachträglich zu rekonstruieren
und auszufüllen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 12. Oktober 2007 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Zwar sei der Beschwerdeführer nach Ablehnung seines
Anspruchs offenbar tatsächlich zu wenig darüber informiert worden, dass er seinen
Pflichten weiter nachgehen müsse. Dies sei jedoch nach Vorliegen des Gerichtsurteils
vom 19. Januar 2006 nachgeholt worden. Nach diversen Fristerstreckungen seien dann
keine weiteren Unterlagen mehr eingegangen. Mithin habe die Verwaltung ihre
Aufklärungspflicht erfüllt. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer
nicht in der Lage gewesen sei, die Formulare nachzureichen, bereite doch das
Ausfüllen der AvP-Formulare auch nach Ablauf einer gewissen Zeit keine Probleme. Es
erscheine rechtsmissbräuchlich, wenn sich der Beschwerdeführer nun auf eine
ungenügende Auskunft der Behörden berufe (act. G 3).
B.c Mit Replik vom 30. Oktober 2007 macht der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, die erstmalige Aufforderung vom 24. April
2006, die AvP-Formulare einzureichen, sei verspätet erfolgt. Zu diesem Zeitpunkt sei es
nicht mehr möglich gewesen, die im Formular verlangten Angaben wahrheitsgetreu zu
rekonstruieren. Entscheidend sei lediglich, dass dem Beschwerdeführer die Formulare
für die Zeit vom Juli 2004 bis Dezember 2005 nicht periodengerecht jeden Monat
zugestellt worden seien. Die Beschwerdegegnerin habe damit ihre Aufklärungspflicht
verletzt (act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtet mit Schreiben vom 9. November
2007 auf eine Duplik (act. G 8).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen:
1.
1.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung erlischt, wenn er nicht innert dreier
Monate nach dem Ende der Kontrollperiode, auf die er sich bezieht, geltend gemacht
wird (Art. 20 Abs. 3 Satz 1 AVIG). Als Kontrollperiode gilt jeder Kalendermonat, für den
die arbeitslose Person Entschädigungsansprüche geltend macht (vgl. Art. 27a AVIV in
Verbindung mit Art. 18a AVIG). Die in Art. 20 Abs. 3 Satz 1 AVIG gesetzte Frist ist eine
Verwirkungsfrist, die weder einer Erstreckung noch einer Unterbrechung, aber einer
Wiederherstellung zugänglich ist. Eine Fristwiederherstellung kann gewährt werden,
wenn die gesuchstellende Person für ihre Fristversäumnis entschuldbare Gründe
vorbringen kann (BGE 114 V 123; ARV 1993/94 Nr. 33 S. 234 E. 1b; ARV 2000 Nr. 6 S.
31 E. 2a; vgl. auch Art. 41 Abs. 1 ATSG).
1.2 Wie der Anspruch geltend zu machen ist, wird in Art. 29 AVIV unterschiedlich
geregelt, je nachdem ob der Entschädigungsanspruch für die erste Kontrollperiode
während der Rahmenfrist für den Leistungsbezug sowie bei erneuter Arbeitslosigkeit
nach einem Unterbruch von wenigstens sechs Monaten (Abs. 1) oder - wie vorliegend -
für die weiteren Kontrollperioden (Abs. 2) in Frage steht. Für die weiteren
Kontrollperioden gilt, dass die versicherte Person der Kasse unter anderem das
Formular "Angaben der versicherten Person" vorzulegen hat (Art. 29 Abs. 2 lit. a AVIV).
Nötigenfalls setzt die Kasse der versicherten Person eine angemessene Frist für die
Vervollständigung der Unterlagen und macht sie auf die Folgen der Unterlassung
aufmerksam (Art. 29 Abs. 3 AVIV). Zweck der in Art. 20 Abs. 3 AVIG in Verbindung mit
Art. 29 Abs. 2 AVIV statuierten dreimonatigen Verwirkungsfrist (vgl. BGE 117 V 244 E.
3a und b S. 245, 114 V 123) für die Geltendmachung des Taggeldanspruchs ist es, der
Arbeitslosenkasse die rechtzeitige Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen und
Bemessungsgrundlagen zu ermöglichen sowie allfällige Missbräuche zu verhindern
(Urteil des Bundesgerichts, I. sozialrechtliche Abteilung, vom 7. März 2007 [C 159/06]
Erw. 2.2, mit Hinweisen auf BGE 124 V 75 E. 4b/bb S. 80, 113 V 66 E. 1b S. 68 sowie
Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.],
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Bd. XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl.,
S. 2204, Rz 80). Die nach Art. 29 Abs. 3 AVIV einer versicherten Person einzuräumende
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nachfrist setzt voraus, dass der Anspruch – zwar unvollständig – aber doch in klarer
Weise innert der dreimonatigen Frist geltend gemacht wurde (ARV 1998 Nr. 48, Urteil
des EVG vom 19. Dezember 2003 [C 112/03] in Sachen G., E. 3.3).
1.3 In Nachachtung des im Sozialversicherungsrecht allgemein geltenden
Grundsatzes, dass schwere Rechtsnachteile als Folge pflichtwidrigen Verhaltens nur
dann Platz greifen dürfen, wenn die versicherte Person vorgängig ausdrücklich und
unmissverständlich auf diese Rechtsfolge hingewiesen wurde, hat das Eidgenössische
Versicherungsgericht (seit 1. Januar 2007: sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts) im in ARV 2005 Nr. 11, S. 135 ff. publizierten Urteil entschieden, dass
es Pflicht der Verwaltung ist, die versicherte Person ausdrücklich und
unmissverständlich über die Verwirkungsfolge bei verspäteter Geltendmachung des
Anspruchs aufzuklären. Weiter wurde dargelegt, dass dieser Grundsatz seinerseits
Ausfluss des verfassungsrechtlichen Verhältnismässigkeitsprinzips ist und seinen
Niederschlag namentlich in Art. 29 Abs. 3 AVIV - ebenso in den gleich lautenden Art. 26
Abs. 2bis AVIV und Art. 77 Abs. 2 AVIV - findet und dass es sich beim Untergang der
Anspruchsberechtigung infolge verspäteter Geltendmachung des Taggeld- oder
Insolvenzentschädigungsanspruchs um eine derart einschneidende Rechtsfolge
handelt, dass deren Eintritt nach den erwähnten Normen die Einhaltung strenger
Verfahrensvorschriften voraussetzt.
2.
2.1 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer die Formulare "Angaben
der versicherten Person" für die Perioden Juli 2004 bis Dezember 2005 jeweils nicht
innert der erforderlichen Frist von drei Monaten eingereicht hat. Weiter ist unbestritten,
dass ihn die Kasse während der Rahmenfrist bzw. bis zum 31. März 2006 (Ablauf der
letzten Frist für die Dezember 2005-AVP) auch nie dazu aufgefordert hat. Am 24. April
2006 forderte ihn dagegen das RAV auf, unter anderem die Angaben der versicherten
Person für den Zeitraum von Juli 2004 bis Dezember 2005 einzureichen. Es ist deshalb
zu prüfen, ob unter den gegebenen Umständen die Verwirkungsfolge gemäss Art. 20
Abs. 3 AVIG eintreten konnte.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2 Vorliegend kann nicht davon ausgegangen werden, der Beschwerdeführer habe
seinen Anspruch nicht bloss unvollständig, sondern überhaupt nicht im Sinn von Art.
20 AVIG geltend gemacht. Zwar hat der Beschwerdeführer nichts eingereicht.
Nachdem er aber für den massgebenden Zeitraum von Juli 2004 bis Dezember 2005
bei der Beschwerdegegnerin und vor Versicherungsgericht (erfolgreich) um die
Anerkennung der Anspruchsvoraussetzung der erfüllten Beitragszeit (Lohnfluss) stritt,
musste der Beschwerdegegnerin klar sein, dass der Beschwerdeführer grundsätzlich
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung erhebt.
2.3 Die Beschwerdegegnerin hätte somit dem Beschwerdeführer gemäss Art. 29 Abs.
3 AVIV eine Nachfrist zur Einreichung der Unterlagen setzen und ihm für den
Säumnisfall die Verwirkung seines Anspruchs androhen müssen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts, I sozialrechtliche Abteilung, vom 1. Dezember 2005 [C 240/04], Erw.
2.2.4). Dies hat sie unbestrittenermassen nicht getan. Die Beschwerdegegnerin stellt
sich jedoch auf den Standpunkt, sie habe ihre Pflicht nach Vorliegen des
Gerichtsurteils vom 19. Januar 2006 durch die Aufforderung des RAV St. Gallen, die
Formulare einzureichen, nachgeholt (unter gleichzeitiger impliziter Wiederherstellung
der Frist). Nachdem auch diese Nachfrist unbenützt abgelaufen sei, sei der Anspruch
definitiv verwirkt. Abgesehen davon, dass nach dem klaren Wortlaut von Art. 29 Abs. 3
AVIV die Kasse - und nicht das RAV - die versicherte Person zu mahnen hat, ergibt sich
gemäss Aktenlage, dass auch das RAV St. Gallen den Beschwerdeführer nie auf den
drohenden Rechtsverlust aufmerksam gemacht hat. Zwar forderte das RAV St. Gallen
mit Schreiben vom 24. April 2006 nebst den Arbeitsbemühungen auch die AvP-
Formulare ein (act. G 3.33). Die Säumnisfolge der Verwirkung wurde indessen auch hier
nicht angedroht. Statt dessen wurden immer wieder Fristverlängerungen bis
schliesslich am 12. Dezember 2006 gewährt. Insbesondere wurde auch im letzten
Schreiben vom 22. November 2006 an den jetzigen Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers beiläufig die Einreichung der AvP-Formulare verlangt, jedoch
wiederum ohne Hinweis auf den ultimativen Charakter der angesetzten Frist (act. G 3.
34 - 40 und act. G 11.9). Mithin konnte grundsätzlich die Verwirkungsfolge nicht
eintreten. Die Pflicht der Verwaltung, den Beschwerdeführer unter Fristansetzung auf
die Verwirkungsfolge aufmerksam zu machen, wird auch nicht durch den allgemeinen
Hinweis auf den AvP-Formularen (Dreimonatsfrist und Verwirkungsfolge) aufgehoben,
zumal dem Beschwerdeführer die Formulare nach Ablehnung seines Anspruchs
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unbestrittenermassen ab Juli 2004 im Oktober 2004 gar nicht mehr ausgehändigt
wurden. Ebensowenig erlischt die Pflicht der Verwirkungsandrohung durch die
Tatsache, dass der Beschwerdeführer anwaltlich vertreten ist.
2.4 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers stellt sich sodann auf den
Standpunkt, die nachträgliche Einreichung der fehlenden Formulare sei überflüssig.
Implizit macht er damit geltend, der Beschwerdeführer sei gleich so zu stellen, wie
wenn er die AvP-Formulare rechtzeitig eingereicht hätte. Dem ist jedoch entgegen zu
halten, dass diese Formulare grundsätzlich für die Berechnung des Anspruchs benötigt
werden (vgl. Erw. 1.2). So hat der Beschwerdeführer denn auch bis Ende September
2005 Taggelder der Unfallversicherung bezogen (act. G 3.32) und ist offenbar bei der IV
angemeldet (vgl. Verfügung vom 6. Juli 2007 [act. G 3.42], vgl. auch act. G 3.34]). Auch
hat die versicherte Person weitere Angaben zu machen, wie, ob sie arbeitsunfähig
gewesen war oder einen Zwischenverdienst erzielt hat. Insgesamt handelt es sich um
eine Deklarationspflicht der versicherten Person, die auch unterschriftlich zu bestätigen
hat, dass die Angaben der Wahrheit entsprechen. Es reicht nicht aus, dass die Kasse
allenfalls einzelne Angaben aus den Akten ersehen oder zusammentragen könnte. Auf
die Einreichung der Formulare ist umso weniger zu verzichten, als der
Beschwerdeführer bis heute keine plausible Erklärung liefern konnte, inwiefern ihm die
Beibringung der Formulare nicht möglich sein sollte. Die in den
Fristerstreckungsgesuchen seines früheren Rechtsvertreters aufgeführten
Begründungen (angespannte persönliche Situation [ohne nähere Spezifikation], act. G
11.5 - 11.7) vermögen diesbezüglich jedenfalls nicht zu genügen.
3.
3.1 Vielmehr ist die Streitsache unter Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 31. August 2007 an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit diese - unter erneuter Fristansetzung und korrekter Androhung
der Säumnisfolgen - dem Beschwerdeführer nochmals Gelegenheit gibt, die verlangten
AvP-Formulare einzureichen. Anhand der eingereichten Formulare wird die
Beschwerdegegnerin die Arbeitslosenentschädigung für den einzig umstrittenen
Zeitraum 1. Juli 2004 bis 30. Dezember 2005 festsetzen können.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen hat der
Beschwerdeführer bei diesem Verfahrensausgang, der im Hinblick auf die
Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen gilt, Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.12'000.--. Vorliegend erscheint eine Entschädigung von Fr.
3'000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG