Decision ID: 8ab04985-0760-44b0-bd81-273f2912f433
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
Die 1967
geborene
X._
absolvierte eine Ausbildung als Damen
schneiderin und war anschliessend in verschiedenen Bereichen
erwerbs
tätig (Urk. 7/1,
Urk.
7/53/1-2). Seit
dem
1.
Oktober 2005 ist sie in einem
90%igen Pensum
als Pflegehelferin am
Y._
angestellt
(Urk.
7/67/2
8). Am
14.
August 2011 meldete sich die Versicherte bei der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, wegen Schmerzen und Steifig
keit in Muskeln und Gelenken am ganzen Körper zur beruflichen Inte
gration sowie zum Rentenbezug a
n (Urk.
7/57/1-6). Die IV-Stelle nahm er
wer
bliche und med
izinische Abklärungen vor (Urk. 7/62/1-4, Urk. 7/67/2-8, Urk.
7/71/1-5
, Urk. 7/79/1-12, Urk. 7/80/4-15, Urk. 7/80/19-22, Urk.
7/82/3
). Ferner zog
die IV-Stelle
bei der
Z._
ein ver
trauensärztli
ches Gutachten von Dr.
med.
A._
, Facharzt für Rheuma
tologie und Innere Medizin,
vom 2
9.
Dezember 2011 bei (Urk.
7/76/2-
21). Im Vorbescheid vom 2
4.
August 2012 ermittelte die IV-Stell
e einen Invaliditätsgrad von 22
% (Urk.
7/84/1-2). Einen Einwand erhob die Versicherte nicht.
Mit Verfügung vom 4.
Oktober 2012 hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid fest und verne
inte ei
nen Rentenanspruch (Urk. 7/86/1-2 = Urk.
2).
2.
Dagegen liess die Versicherte, vertreten durch die CAP Rechtsschutz-Vers
iche
rungsgesellschaft AG, am 5.
November 2012 Beschwerde erheben.
Sie bean
tragte, die Verfügung sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistun
gen zuzusprechen. Eventualiter seien weitere Abklärungen vorzunehmen (Urk. 1).
Die IV-Stelle schloss in
ihrer Beschwerdeantwort vom 12.
Dezember
2012
auf Abweisung der Beschwerde
(Urk.
6). Mit Verfügung vom 17.
Dezember 2012 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 8). Die Beschwerdeführerin
erstattete mit Eingabe vom 31.
Januar 2013 ihre Replik, wobei sie an
ihren Anträgen festhielt (Urk.
11). Zudem reichte sie mit dieser Replik eine
wei
tere
Begutachtung
von
Dr.
A._
vom 18.
Oktober 2012 ein, welche dieser zu
Handen
der
Z._
erstattet
hatte (Urk.
12).
Die IV-Stelle
verzichtete mit Eingabe vom 2.
April 2013 auf eine Duplik (Urk.
15), w
as der Beschwerdeführerin am 3.
Ap
ril 2013 mitgeteilt wurde (Urk.
16).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder tei
lweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, K
rankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden au
sgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Si
cht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden ein
e Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenver
sicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbs
fähig
keit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die ver
bleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgegliche
nen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähig
k
eit (Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwer
tung der Arbeits
fähigkeit (Art.
6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Anspruch a
uf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens
40 Prozent arbeitsunfähig (Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mind
estens 40 Prozent invalid (Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Pro
zent auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs.
2 IVG).
1.
3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art.
16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invaliden
-
einkom
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
I
m Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches stellt sich unter dem
Gesichtspunkt des Art. 28a Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren
Invaliditätsbemessungsmethode.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich,
Betätigungsver
gleich
, gemischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beein
trächtigung bestünde.
Ist anzunehmen, die versicherte Person wäre ohne gesundheitliche Beeinträchti
gung teilerwerbstätig, ohne daneben in einem andern Aufgabenbereich tätig
zu sein, ist die Invalidität
aus
schliesslich
nach den Grundsätzen für Erwerbstätige, somit nach
Art. 16 ATSG zu bemessen (Art.
27
bis
in Verbindung mit
Art.
27
der Verordnung über die Invalidenversicherung [
IVV
]
). Die gemischte Methode ge
langt hier ebenso wenig zur Anwendung wie bei ohne Gesundheitssc
haden voll Erwerbstätigen (Art.
27
bis
IVV). Das
Valideneinkommen
ist nach
Massgabe
der ohne Gesundheitsschaden ausgeübten Teilerwerbstätigkeit festzulegen. Das
In
valideneinkommen
bestimmt sich entsprechend den gesetzlichen Vorgaben da
nach, was die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durch
führung allfälliger
Eingliederungsmassnahmen
durch eine
ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage er
zielen könnte. Dabei kann das
vom Arzt festzulegende - Arbeitspensum unter Umständen grösser sein als das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung geleistete (vgl. BGE 131 V 51 E. 5.1.2).
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S.
70 E.
4b/cc).
Jede psychogene Störung, ob einfache oder neurotische Form, kann im Einzel
fall Krankheitswert haben, weshalb jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss. Notwendig sind in jedem Fall ein ausführlicher ärztlicher Bericht oder ein entsprechendes fachärztliches Gutachten sowie die Abklärung der erwerblichen Umstände (AHI 1997 S. 43 E. 5c). Dabei müssen psychiatrische Berichte in der Regel auf einer persönlichen Untersuchung beruhen (RKUV 2001 Nr.
U 438 S.
345, Urteile des Bundesgerichts 9C_602/2007 vom 11. April 2008 E.
5.3 und I
169/06 vom 8. August 2006 E.
4.4 mit Hinweisen). Für die verlässliche Beurtei
lung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatri
sche Fachärzte beizuziehen (BGE
130 V 352 E.
2.2.3., Urteil des Bundesgerichts 8C_9
89/2010 vom 16. Februar 2011 E.
4.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle wies in ihrer Verfügung vom
4.
Oktober 2012 das Begehren der Beschwerdeführerin mit der Begründung ab, dass ihr die bisherige Tätigkeit als Pflege
helferin weiterhin zumutbar sei, jedoch nur noch
in einem Pensum von 70
%. Die
Pensumsreduktion
werde durch einen erhöhten Pausenbedarf begrün
det.
Die Beschwerdeführerin habe ohne Gesundheitsschaden in einem 90%
igen
Pensum gearbeitet. Da kein Aufgabenbereich auszumachen sei, sei sie als Voll
zeit
-
e
rwerbstätige zu qualifizieren.
Aufgrund der Abklärungen ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 22
%, weshalb die Beschwerdeführerin keinen An
spruch auf eine Invalidenrente habe (Urk
.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin liess zusammengefasst geltend machen, dass sie auch an psychischen Beschwerden leide
und
deren Auswirkungen auf die Arbeits
fä
higkeit
nicht berücksichtigt worden seien. Es seien somit bezüglich dieser Fra
gestellung weitere Abklärungen vorzunehmen. Zudem sei sie neben ihrer Er
werbstätigkeit auch im Aufgabenbereich tätig
und müssten die diesbezüglichen Einschränkungen auch berücksichtigt werden
(Urk.
1 und Urk.
11).
3.
3.
1
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemein
e M
edizin, führte in einem
Arztbe
richt
für die Beurteilung des Anspruchs von Erwachsenen auf Massnahmen für die berufliche Eingliederung vom 27.
August 2011 aus, die
Versicherte
komme in den letzten zwei Jahren nur noch wegen kleineren beziehungsweise
invali
ditäts
irrelevanten
Problemen zu ihm und ihre
Hauptbehandlung finde am
C._
statt. Betreffend Prognose und Behandlung verweise er auf das
C._
.
Bei der
Versicherten
bestünde wegen einer Rücken- und Schulterproblematik eine leichte Einschränkung
bei der Arbeit
. Normale Arbeit sei der
Versicherte
n möglich und ihre Beschwerden hätten bei mittlerer Belastung keine Auswirkung. Die bisherige Tätigkeit sei ihr aus medi
zinischer Sicht noch als Vollzeittätigkeit zumutbar, wobei keine
invaliditäts
rele
vante
Verminderung der Leistungsfähigkeit vorliege. Es sei seines Erachtens keine I
nvalidenrente
angezeigt (
Urk.
7/62/1-4).
3.
2
Im von der IV-Stelle bei der Rheumaklinik und dem Institut für Physikalische Medizin
des
C._
eingeholten Bericht vom 10.
November
2011 wurden die nachfolgenden
als arbeitsrelevant eingestuften
Diagnosen ge
stellt:
Periarthropathia
humeroscapularis
tendinotica
rechts (
ICD-10
M75.1)
Periarthropathia
humeroscapularis
tendinotica
links (
ICD-10
M75.3)
Rezidivierendes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom linksbetont (
ICD
10
M
54
.4
)
Es wurde im Bericht ausgeführt, das
arbeitsbezogene relevante Problem bestehe in einer frühzeitigen Ermüdbarkeit beider Arme sowie einer verminderten Belastungstoleranz der rechten Schulter für repeti
tive Bewegungen. Zudem sei eine
verminderte Beinkraft beobachtet worden. Die
Versicherte
habe über lang
jährige belastungsabhängige Rückenschmerzen berichtet und sei vor c
irca
zehn
Jahren wegen einer Diskushernie operiert worden. Seit 2008 stehe sie wegen ihres Rückens in physiotherapeutischer Behandlung. Zudem bestehe
seit c
irca
drei Jahren
eine beidseitige Schulterproblematik mit belastungs
-
abhängi
gen Schulterschmerzen. Von der
Versicherten
würden unter Belastung
Schmerzen am ganzen Körper, betont in den beiden Schultern, Händen, Knien und Sprunggelenken, sowie Rückenschmerzen thorakal und im Kreuz beklagt.
Die funktionelle Leistungsfähigkeit liege zum Teil unter den Belastungs
anforde
rungen der bisherigen Arbeit. Mühe bereiteten insbesondere das ganztä
gige Stehen und Gehen, das vorgeneigte Stehen sowie die repetitiven Armbewe
gungen rechts. Daraus ergebe sich eine zumutbare Arbeitsfähigkeit in der zu
letzt ausgeübten Arbeitstätigkeit von 50
%. Durch medizinische Massnahmen könne diese Leistungsfähigkeit noch gesteigert werden, wobei offen sei, ob längerfristig wieder eine volle Leistungsfähigkeit im Rahmen eines 90%
igen
Pensums erreichbar sei. Eine mittelschwere Arbeit (Gewichts
-
hantierung 10 bis maximal 25
kg
) mit Wechselbelastung sei der Beschwerdeführerin im Umfang
eines Pensums
von 75
% zumutbar, wobei sie
über den Tag verteilt zusätzliche
Pausen von ungefähr
zwei
Stunden benötige.
Eine Arbeit über Schulterhöhe, vorgeneigtes Stehen, eine Rotation im Sitzen, Knien, wiederholte Kniebeugen, Stehen und Gehen sowie Treppensteigen seien je bis maximal drei Stunden pro Tag möglich (
Urk.
7/71/1-5).
3.
3
Dr
.
A._
gelangte in der für die
Z._
verfassten Begutachtung vom 29. Dezember 2011 zu denselben medizinischen Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wie der erwähnte Bericht der Rheumaklinik und des Instituts für Physikalische Medizin
des
C._
vom 11
.
November 201
1.
Sodann führte er ebenfalls aus, die aktuelle Tätigkeit als Pflegehelferin erscheine der Beschwerdeführerin derzeit zu 50
% zumutbar und in ei
ner angepassten mittelschweren
Tätigkeit könne sie mit ver
mehrten Pausen
in einem Pensum von
75
% tätig sein. Eine abschliessende Stellungnahme zur
Arbeit
s
fähigkeit
werde allerdings erst nach Abschluss einer arbeitsbezogenen Rehabilitation und dem konsekutiv
en Belastungsaufbau mög
lich sei
n
(Urk.
7/76/2-20).
3.
4
Nach durchgeführter
Arbeitsbezogener Rehabilitation (ABR) (Urk.
7/80/4-7)
wurde von der Rheumaklinik und dem Institut für Physikalische Medizin des
C._
mit Datum vom 5.
Juni 2012
ein weiterer Arztbericht erstellt (Urk.
7/79/1-12
). E
s wurde festgestellt, dass bei Ende
der Rehabilitation eine ganztäg
ige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in ihrer Tätigkeit als Pflegeassistentin
bestehe
, wobei sie über den Tag verteilt ungefähr zwei
zusätz
liche
Stunden Pause
benötige
. Aufgrund dieser zusätzlichen
Pausen sowie eines generell leicht verlangsamten Arbeitstempos resultiere eine Leistungs
-
minde
rung
von 30
%, so dass sich eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 70
% in der zuletzt ausgeübten Arbeitstätigkeit ergebe, bezogen auf ein 100%
iges
Pensum. Dasselbe
Arbeitspensum
sei
auch in einer anderen Tätigkeit möglich, wobei eine schwere Arbeit (Gewichts
hantierung 25 bis maximal 45
kg
)
zumutbar
sei
.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
von 25
bis
30
%, so dass in absehbarer Zeit nicht mit einer w
eiteren Steigerung der aus rein
rheumatologischer Sicht zumutbaren
Arbeitsfähigkeit
über die aktuelle
Arbeits
fähigkeit von 70
%
hinaus
gerechnet werde. Bei den für
die
ABR rele
vanten Diagnosen wurde neben den Rücken und Schultern betreffenden
Be
schwerden
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leicht
e
bis mit
telschwere Episode (
ICD-10
F33.1)
,
aufgezählt (Urk.
7/79/1-12)
.
3.
5
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, vom Regiona
len Ärztlichen Dienst (RAD) führte
in seiner Stellungnahme vom 13.
August 2012 aus, die Arztberichte seien plausibel. Zusammenfassend könne in einer angepassten Tätigkeit mit dem im ABR-Bericht genannten
Belastungs
profil
von einer
Arbeits
fähigkeit
der Beschwerdeführerin
im Umfang von min
destens 70
% ausgegangen werden (Urk.
7/82/3).
3.6
Die zweite Begutachtung der
Beschwerdeführerin durch Dr.
A._
zu
Handen
der
Z._
erfolgte am
18.
Oktober
2012 und somit nach
der
Verfügung der IV-Stelle
vom 4. Oktober
201
2.
Allerdings
fand
die Untersuchung und Begu
tachtung der Beschwerde
führerin, auf welche sich
Dr.
A._
stützte, bereits
am 28.
August 2012
statt
, weshalb
diese Begutachtung
ohne
W
eiteres
berück
sichtigt werden kann. Bezüglich
Arbeit
sfähigkeit aus rein rheumatologischer Sicht schloss sich Dr.
A._
der Einschätzung der Rheumaklinik und des Instituts für Physika
lische Medizin des
C._
vom 5.
Juni
2012 an. Weiter hielt er fest, inwieweit die Fähigkeit der Versicherten
,
ihre
Arbeit
s
fähigkeit zu stei
gern und die seitens des Bewegungsapparates für zumutbar gehaltene
Arbeit
s
fähigkeit zu realisieren
,
durch ein
e psychische
Erkrankung
beeinträchtigt werde, wäre durch einen psychiatrischen
Kollegen zu beurteilen
, weshalb er eine er
gänzende fachpsychiatrisch-vertrauensärztliche Untersuchung empfehle (Urk.
12)
.
4.
4.1
Die vorliegenden Arztberichte,
Gutachten und Stellungnahmen erscheinen mit Bezug auf die R
ücken- und Schulter
beschwerden
der Beschwerdeführerin
schlüssig. Auch der Einfluss dieser Beschwerden
auf
die
Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
in ihrer bisherigen
oder einer anderen
Tätigkeit wird
nach
vollziehbar begründet und
die Schlussfolgerungen
decken sich mit den Ergeb
nissen der ABR
.
Die abweichende
Stellungnahme von Dr.
B._
ist insofern irrelevant, als dieser selbst auf das
C._
v
erwies und aus
führte, die
invaliditäts
relevanten Beschwerden der Beschwerdeführerin seit zwei Jahren nicht mehr zu behandeln.
4.2
Weiter ist anzumerken, dass die IV-Stelle korrekterweise von der
Berechnungs
methode
für eine Vollzeit erwerbstätige Person ausgegangen ist, da
nicht er
sichtlich ist, in welchem Aufgabenbereich im Sinne von Art.
27 IVV die allein
lebende Beschwerdeführerin tätig sein sollte. Zudem
wies die
IV-Stelle in der Beschwerdeantwort richtigerweise darauf hin, dass selbst unter Berücksichti
gung einer Tätigkeit im Aufgabenbereich von 10
% und der Annahme, dass diese zu 100
% betroffen wäre
,
kein Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf eine
Invalidenrente
resultieren würde
, wenn man von ihrer Arbeitsfähigkeit im Um
fang von
70
%
in Bezug auf ihre jetzige
Tätigkeit ausgeh
e
(Urk.
6).
4.
3
Im Arztbericht der Rheumaklinik und des Instituts für Physikalische Medizin des
C._
vom 5.
Juni 2012 w
urde
wie erwähnt unter anderem auch die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leicht
e bis
mittelschwere Episode (
ICD-10
F33.1)
,
gestellt
. Dabei wurde in
Bezug auf die
Arbeits
fähigkeit der Schluss gezogen, dass aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der
Arbeits
fähigkeit von 25
bis
30
% bestehe, so dass in abseh
barer Zeit nicht mit einer weiteren Steigerung der zumutbaren
Arbeits
fähigkeit über die aktuell aus rein
rheumatologischer Sicht attestierte
Arbeits
fähigkeit von 70
%
hinaus
gerechnet werde. Zudem w
urde
der Beschwerdeführerin empfohlen
,
sich weiterhin durch
ihren
Psychiater Dr.
med.
E._
psychiatrisch/psychotherapeutisch behandeln zu lassen (Urk.
7/79/3-5). Die Di
ag
nose einer Depression w
urde
im Übrigen bereits im Austrittsbericht der Medi
zinischen Poliklinik vom 30.
August 2010 erwähnt (Urk. 7/62/18)
, was aufzeigt, dass diese Problematik die Beschwerdeführerin bereit
s seit einiger Zeit
begleitet
.
Es ist unklar, wer
im Arztbericht vom 5.
Juni 2012
zum Schluss gelangte, dass die Beschwerdeführerin auch aufgrund ihrer psychischen Erkrankung nur in einem Pensum von 70
%
arbeit
sfähig
sei
und
basierend auf welchen
Unter
suchungen oder Akten dieser Schluss gezogen wurde
.
In den Akten
befindet sich
weder eine
Stellungnahme
des die Beschwerdeführerin
regelmässig
behan
d
el
nden Psychiaters
Dr
.
E._
noch eine Stellungnahme
einer
anderen
Fach
person
der Psy
chiatrie
. Aufgrund der Akten muss somit dav
on ausgegangen werden, dass Dr.
med.
F._
, Oberarzt der Rheumaklinik und des Instituts für Physikalische Medizin
des
C._
,
sowie die Ergo/Physiotherapeutin
G._
, welche keine Fachpersonen im Bereich Psychiat
rie sind
,
diese Diagnose stellten.
D
er vom RAD beigezogene Arzt Dr.
D._
ist
im Übrigen
Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie
, also
ebenfalls
keine
Fachperson
im Bereich
der Psychiatrie.
4.4
Die Aktenlage zeigt auf, dass die Beschwerdeführerin verschiedene gesundheit
liche
Befunde aufweist, deren gesamthafte Bedeutung für
ihre
Arbeits
fähigkeit
ungeklärt
ist. Gar nicht nachvollziehbar, aber auch nicht ausser Acht
zu lassen
ist
die Diagnose
einer Depression und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit.
Weiter
e
Abklärungen sind daher notwendig. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung ist Beweis über sozial
-
versicherungsrechtliche Ansprüche schwergewichtig auf der Stufe des Administrativverfahrens zu führen und nicht im gerichtlichen Prozess. Diese Grundentscheidung hat der Gesetzgeber in Art.
43 Abs.
1 ATSG getroffen und deren Abänderung müsste in einem Gesetz im formellen Sinn vorgesehen sein (BGE 136 V 376 E.
4.2.1). Auch nach der neusten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist sodann eine Rückweisung an die Verwaltung vorzunehmen, wenn sie in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_243/2010 vom 28.
Juni 2011, E. 4.4.1.4), was vorliegend der Fall ist.
4.
5
Zusammenfassend ist
somit
festzuhalten, dass die Verwaltung nach Eingang des Berichts der Rheumaklinik und des Instituts für
Physikalische Medizin des
C._
vom 5.
Juni 2012 aufgrund der
dort
aufgeführten
Diag
nose betreffend Depression gehalten gewesen wäre, weitere medizinische Abklärungen
unter Einbezug
eine
r
Fachperson der Psychiatrie
, allenfalls eine in
terdisziplinäre Begutachtung
vorzunehmen oder zu veranlassen, was nunmehr nachzuholen ist.
Dabei ist die
Z._
im nun erfolgenden Verfahren
entsprechend dem Abklärungsergebnis angemessen ein
zubeziehen.
5.
Die
Beschwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass die
Verfügung vom 4.
Oktober 2012 aufzuheben und die Sache zur ergänzenden Abklärung
an d
i
e IV-Stelle zurückzuweisen ist. Ergänzende Abklärungen sind insbesondere
in Bezug auf die psychische Erkrankung der Beschwerdeführerin
,
auf
deren Zusammenspiel mit ihren weiteren gesundheitlichen Beschwerden
sowie
auf die gesamthafte
Bedeutung
aller gesundheitlichen Beschwerden
für
die Arbeits
fähigkeit
der Beschwerdeführerin
durchzuführen
. Nach Vornahme dieser Abklä
rungen hat die IV-Stelle über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente neu zu entscheiden.
6
.
6
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgabe (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtspre
chung gilt die Rückweisung der Sache an
die
Verwaltung zur weiteren Abklä
rung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (Urteil des
Bundesge
richts U 199/02 vom 10.
Februar 2004 E.6 mi
t Hinweis auf BGE 110 V 57; SVR
1999 IV Nr.
10 S.
28 E.3). Die Kosten sind der unterliegenden
Beschwerdegeg
nerin
aufzuerlegen.
6
.2
Ferner hat die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Prozess
entschädi
gung
. Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs.
3 des Gesetzes über das
Sozialversicherungsge
richt
des Kantons Zürich [
GSVGer
]
)
.
Es kommt der
für
bei einer
Rechtsschutz
versicherung
tätige Juristen
gerichtsübliche Stundenansatz von Fr.
170.-- zur Anwendung.
Vorliegend
ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Be
schwerdeführerin eine Prozessentschädigung in der Höhe von
Fr.
1‘
7
00.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) zu bezahlen.