Decision ID: 4f747f50-1284-5f83-8e70-90eac82a1e1c
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
Y._
mit Sitz in
Z._
war der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen und rechnete mit ihr die paritätischen und FAK-Beiträge ab (Urk.
8/515
). Mit Verfügung vom 23. Juni 2009 eröffnete der Konkursrichter des Bezirksgerichts Pfäffikon
über die Gesellschaft den Konkurs (Urk. 17).
Am
10. September 2009 meldete die Ausgleichskasse im Konkurs der
Y._
eine Forderung für geschuldete Beiträge an die AHV/IV/EO, FAK und ALV in der Höhe von
Fr.
495‘778.45 (Wert per
23. Juni 2009) an (Urk. 8/436).
Am 25. Juni 2010 wurden Kollokationsplan und Inventar zur Einsicht aufgelegt (Urk. 8/493, 8/502
, vgl. auch Urk. 3/20
). Mit Schreiben vom 23. September 2010 teilte das Konkursamt Illnau mit, dass vermutlich neben einer grundpfandversicherten Gläubigerin nur die Gläubiger der ersten Klasse teilweise gedeckt werden könnten. Die Gläubiger der zweiten und dritten Klasse würden voraussichtlich vollständig zu Verlust kommen (Urk. 8/502).
Mit Verfügu
ng vom 6. Juli 2011
verpflichtete die Ausgleichskasse
X._
, den ehemaligen Gesellscha
fter und einzigen Geschäftsführer der
Konkursitin
, zur Bezahlung von Schadenersatz in der Höhe von
Fr.
495‘778.45 (Urk. 8/510). Die dagegen erhobene Einsprache (Urk. 8/512) hiess die Ausgleichskasse mit Ent
scheid vom 7. November 2011 teilweise gut und reduzierte die geforderte
Scha
denersatzsumme
auf
Fr.
472‘748.
4
5 (Urk. 2 = Urk. 8/513).
2.
Dagegen
liess
X._
mit Eingabe vom 7. Dezember 2011 Beschwerde erheben und folgendes Rechtsbegehren stellen
(Urk. 1 S. 2 f.):
1.
Der
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 7. November 2011 betreffend der
Abr
.-Nr. D41.395,
Y._
, in Sachen Verfügung vom 6. Juli 2011 gegen den Beschwerdeführer bezüglich Schadenersatz nach Art. 52 AHVG sei aufzuheben.
2.
Die Verfügung vom 6. Juli 2011 der Beschwerdegegnerin vom 7. Novem
ber 2011 betreffend der
Abr
.-Nr. D41.395,
Y._
, bezüglich Schadenersatz für entgangene Beiträge, ergangen gegen den Beschwer
deführer
, sei mit aufzuheben.
3.
Eventualiter sei festzustellen, dass sowohl die Verfügung vom 6. Juli 2011 der Beschwerdegegnerin bezüglich
Abr
.-Nr. D41.395,
Y._
, betreffend Schadenersatz für entgangene Beträge, ergangen gegen den Beschwerdeführer, als auch der darauf beruhende
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 7. November 2
0
11 bezüglich der
Abr
.-Nr. D41.395,
Y._
, nichtig sind.
4.
Es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der
Abr
.-Nr. D41.395,
Y._
, der Beschwerdegegnerin keinen Schadenersatz für entgangene Beiträge schuldet.
5.
Es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer durch die Einforderung von Schadenersatz
für entgangene Beiträge im Zusammenhang mit der
Abr
.-Nr. D41.395,
Y._
, vor Rechtskraft der Verteil
ungsliste
im Konkurs über die Beitragsschuldnerin
Y._
in
Liq
.
i
n seinen verfassungsmässigen sowie in seinen durch die EMRK geschützten Rechten verletzt worden ist.
6.
Eventualiter sei die Streitsache zwecks Beseitigung von Verfahrensfehlern sowie zwecks Ergänzung des Sachverhalts, insbesondere unter de
taillierten, dem Einzelfall gerecht werden
den
Anweisungen zur konkreten, gesetzeskonformen Umsetzung der Untersuchungsmaxime, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.
Es sei eine öffentliche Verhandlung durchzuführen.
Unter angemessenen, der tatsächlichen und rechtlichen Komplexität der Beschwerdesache gerecht werdenden Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Gunsten des Beschwerdeführers, zuzüglich Mehrwertsteuer.
Die Beschwerdegegnerin schlo
ss in der Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2012 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Replicando
und
duplicando
hiel
ten die Parteien an ihren Anträgen fest (Urk. 11, 15).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52
Abs.
1
des Bundesgesetzes über
die Alters- und
Hinterlassenenversi
cherung
(AHVG)
hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften einen Schaden verschuldet, diesen der Ausgleichskasse zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Per
son, so können subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe in An
spruch genommen werden (BGE 123 V 12 E. 5b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5). Haben mehrere Arbeitgeber oder mehrere Organe einer juristischen Person einen Schaden verursacht, haften sie solidarisch (BGE 114 V 213 E. 3 mit Hinweisen).
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung), Erwerbsersatz
- (Art. 21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädi
gung
)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bun
desgesetz über die Familienzulagen (Art. 25
lit
. c). Gleiches gilt für die bis 31. Dezember 2008 nach kantonalem Recht erhobenen FAK-Beiträge (
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2
007 gültig gewesenen Fassung beziehungsweise
§
33 des ab 1. Januar 2008 bis 30. Juni 2009 gültig gewesenen Kinderzulagengesetzes; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts 2P.251/19
96 vom 30. Juni 1997).
1.2
1.2.1
Der Schaden gilt als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben wer
den können (BGE 126 V 443 E. 3a, 121 III 382 E. 3bb, 388 E. 3a, je mit Hin
weisen). Dies trifft dann zu, wenn die Beiträge im Sinne von Art. 16 Abs. 1 AHVG verwirkt sind (vgl. beispielsweise BGE 112 V 156, 98 V 26) oder wenn ihre Entrichtung wegen Zahlungsunfähigkeit des beitrags
pflichtigen Arbeitge
bers nicht mehr möglich ist (vgl. beispielsweise BGE 121 V 234, 240). Im ersten Fall gilt der Schaden als eingetreten, sobald die Beiträge verwirkt sind (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 112 V 156 E. 2, 108 V 189 E. 2d, je mit Hinweisen)
. Im zweiten Fall gilt der Scha
denseintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen der Zahlungsunfähigkeit des Ar
beitgebers nicht mehr im ordent
lichen Verfahren nach Art.
14 ff. AHVG erhoben werden kön
nen (BGE 123 V 12 E. 5b, 170 E. 2a, 121 III 382 E. 3bb, 113 V 256, 112 V 156 E. 2).
1.2.2
Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige
Aus
gleichskasse
vom Schaden Kenntnis erhalten hat, jedenfalls fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können unterbrochen werden. Der Arbeitge
ber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten (
Art.
52
Abs.
3 AHVG; vgl. auch BGE 131 V 4 oben).
1.2.3
Kenntnis des Schadens im Sinne von
Art.
52
Abs.
3 AHVG ist in der Regel von dem Zeitpunkt an gegeben, in welchem die Ausgleichskasse unter Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit erkennen muss, dass die tatsächlichen Ge
gebenheiten nicht mehr erlauben, die Beiträge einzufordern, wohl aber eine Schadenersatzpflicht begründen können (BGE 131 V 425 E. 3.1, 129 V 193 E. 2.1, 128 V 15 E. 2a, 126 V 443 E. 3a, 452 E. 2a, 121 III 386 E. 3b, je mit Hin
weisen).
Im Falle eines Konkurses oder Nachlassvertrages mit Vermögensabtretung hat die Kasse nicht notwendigerweise erst Kenntnis des Schadens im Sinne von
Art.
52
Abs.
3 AHVG, wenn sie in die Verteilungsliste und Schlussrechnung des Konkursamtes oder Liquidators Einsicht nehmen kann oder einen Verlustschein erhält; denn wer im Rahmen solcher Verfahren einen Verlust erleidet und auf
Ersatz klagen will, hat praxisgemäss in der Regel bereits dann ausreichende Kenntnis des Schadens, wenn die Kollokation der Forderungen eröffnet bezie
hungsweise der Kollokationsplan (und das Inventar) zur Einsicht aufgelegt wird. In diesem Zeitpunkt ist oder wäre der Gläubiger im Allgemeinen in der Lage, den Stand der Aktiven, die Kollokation seiner Forderung und die voraussichtli
che Dividende zu kennen (BGE 126 V 443 E. 3a, 119 V 89 E. 3, je mit Hinwei
sen).
1.2.4
Im Konkurs der
Y._
wurden - wie erwähnt - am 25. Juni 2010 der Kollokationsplan und das Inventar zur Einsicht aufgelegt, so dass nach Ablauf der zwanzigtägigen Auflagefrist die zweijährige Verjährungsfrist von
Art.
52
Abs.
3 AHVG begonnen hatte.
Mit Erlass der Schadenersatzverfügung vom 6. Juli 2011 wahrte die Beschwerdegegnerin die genannte Frist. Die
streitgegen
ständliche
Forderung ist demnach nicht verjährt.
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach
Art.
52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
deter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in
Art.
14
Abs.
1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die
Arbeitge
berbeiträge
zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
Die
Ausgleichskasse hat den Schaden so weit zu
substanziieren
, dass er über
prüft werden kann. Ein
erseits hat sie den geltend gemachten
Forderungsbetrag zeitlich und
masslich
zu spezifizieren, also gestützt auf eine Beitragsübersicht darzulegen, wie sich der eingeklagte Betrag zusammensetzt. Andererseits hat sie den Betrag zu belegen. Dies geschieht etwa durch Einreichen von
Lohnsum
menmeldungen
, Rechnungen,
Revisorenberichten
, Nachzahlungs- oder
Veranla
gungsverfügungen
und ist nur erforderlich, wenn die Forderun
g
masslich
mit konkreten, nicht ohne weiteres widerlegbaren Einwendungen bestritten wird oder sich auf Grund der Akten greifbare Anhaltspunkte für Unrichtigkeiten er
geben
. A
nd
erseits obliegt es dem belangten
Arbeitgeber,
substanziiert
darzule
gen, weshalb und gegebenenfalls in welchen Punkten die geltend gemachte
Zahlungspflicht unbegründet is
t (Bundesgerichtsentscheid
9C_314/2008
vom 25. August 2008 E. 3.2
, Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts H 34/04 vom 15. September 2004 E. 5.2.1).
2.2
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Forderung gegenüber dem Beschwerdefüh
rer im Wesentlichen auf die Jahresrechnungen der
Y._
für die Jahre 2006
bis 2009 (Urk. 8/103, 8/166, 8/176, 8/343, 8/343, 8/435, 8/518)
, den Revisionsbericht vom
2.
September 2009 (Urk. 8/434), die Beitragsübersicht vom 27. Januar 2012 (Urk. 8/517) und den Kontoauszug desselben Datum
s
(Urk. 8/516). Des Weiteren liegen zahlreiche Mahnungen (etwa Urk. 8/7
-8, 8/18, 8/20, 8/31
,
8/35
,
8/47
,
8/95
, 8/100, 8/161
,
8/194
,
8/238-240
, 8/262,
8/301
),
Verzugs
zinsabrechnungen
(Urk.
8/44
,
8/99, 8/181
, 8/204, v
gl. auch Urk. 8/431
),
Betrei
bungsbegehren
(Urk.
8/9
, 8/19, 8/21
,
8/37
,
8/48
,
8/144
,
8/245
,
8/315
,
8/339
) und Zahlungsbefehle (Urk.
8/12
, 8/22, 8/24,
8/26
,
8/33
8/49
,
8/82
,
8/84
,
8/112
,
8/154
,
8/195
,
8/224
, 8/317,
8/327
,
8/341
,
8/369
) bei den Akten.
Aus den Jahresabrechnu
ngen 2006 bis 200
9 (Urk. 8
/103, 8/166, 8/176, 8/343
, 8/435, 8/518) ist ersichtlich, dass die
Y._
im genannten Zeitraum Lohnzahlungen von insgesamt
Fr.
4‘399‘774.--
(=
Fr.
1‘725‘104.-- +
Fr.
1‘928‘681
.--
[
=
Fr.
1‘782‘514
.--
+
Fr.
146‘167.--
]
+
Fr.
745‘989.--) ausge
richtet hat. Der Ausstand resultiert aus der Gegenüberstellung der gemäss Kon
toauszug und Beitragsübersicht geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge zu
züglich Nebenkosten und der von der
Y._
geleisteten Zahlungen. Danach besteht ein Saldo von
Fr.
472‘748.
4
5 zu Gunsten der Beschwerdegegnerin (Urk. 8/516-517).
2.3
2.3.1
Der Beschwerdeführer vertritt die Ansicht,
der von der Beschwerdegegnerin ein
geforderte Schaden sei unkorrekt,
da nicht sämtliche Zahlungen der
Y._
an die Ausgleichskasse
berücksichtigt worden seien. Zudem sei die B
erechnung
des Schadens nicht nachvollziehbar.
2.3.2
Dazu ist zunächst
festzuhalten
, dass der Beschwerdeführer offenbar die Eigenheiten des Buchhaltungsprogramms der Beschwerdegegnerin verkennt. Bei diesem werden die Gutschriften nicht (immer) bei den offenen Positionen ver
bucht, zu denen sie sachlich und zeitlich gehören, sondern sie werden zur De
ckung der ältes
te
n Ausstände verwendet. Dieses Vorgehen kann zum Wider
spruch mit der gesetzlichen
Regelung nach
Art.
86
des Obligationen
rechts
füh
ren
. Nach dieser Bestimmung ist der Schuldner berechtigt
, bei der Zahlung zu erklären, welche Schuld er tilgen will.
Davon machte d
er Beschwerdeführer
denn auch
vereinzelt Gebrauch (vgl. etwa Urk. 8/254
, 8/265
).
Eine Umbuchung
von der einen zur anderen Position hat indessen keine Auswirkungen auf die Höhe des Gesamtausstandes.
Für den Beschwerdeführer
wirkte
sich übrigens
das Vorgehen der Beschwerdegegnerin in Hinblick auf die zu leistenden
Verzugs
zinse
positiv aus.
I
m Folgenden
sind die
konkreten Einwendungen des Beschwerdeführer
s zu prü
fen.
Auf allgemein gehaltene
Bestreitungen
(vgl. Urk. 1 S. 14) wird mangels hinreichender
Substantiierung
nicht eingegangen.
2.3.3
Hinsichtlich der Schadensberechnung monie
rt der Beschwerdeführer
,
d
ie
mit
Gutschriftsanzeigen
vom 10. und
27. November 2007
bestätigten Zahlungen von je
Fr.
4‘453.55 seien nicht verbucht worden. Dazu hat die
Beschwerdegeg
nerin
in der Beschwerdeantwort nachvollziehbar ausgeführt, dass sich die bei
den Anzeigen auf dieselbe
Gutschrift beziehen
und es sich mithin um eine
ein
zige
Zahlung handelt
. Verbucht wurde sie
im Kontoauszug
unter
den Positionen
2006/0015 und 2007/0001 (Urk. 8/516)
. Dass
in den
beiden
Gutschriftsanzeigen
auf die Rechnungsnummern 2006/0003 bez
iehungsweise 2006/0004 verwiesen wird
(Urk. 3/8+10), bedeutet nicht, dass damit zwei verschiedene „ursprüngli
che“ Rechnungen identifiziert würden, wie der Beschwerdeführer behauptet (Urk. 12 S. 5), sondern ist darauf zurückzuführen, dass die Gutschrift in der Kontoführung zunächst diesen
Positionen gutgeschrieben
wurde, bevor
(aus bu
chhalterischen Gründen) eine Umbuchung auf die
Positionen 2006/
0015 und 2007/0001 erfolgte
(vgl. Urk. 6 S. 1 f.)
.
Ebenso
wurde der in der
Gutschriftsan
zeige
vom 23. Juni 2008 erwähnte Betrag
von
Fr.
3‘471.20
(Urk. 3/8) verbucht. Bezahlt wurde er
von der
Y._
am 19. Mai 200
8 (Urk. 8/517 S. 8). B
uchhaltungstechnisch
erfasst
wurde er
unter
den Positionen 2008/0
002 (E.HABÜB) und 2
008/0
004 (HABENHER; Urk. 8/516
). Die V
errechnung der
Y._
vom 18. November 2008 betreffend Kinderzulagen in der Höhe von
Fr.
3‘510.-- wurde unter
der Position 2008/0013 vorgenommen
(Urk. 8/516).
Die vom Beschwerdeführer in der Beschwer
de unter Hinweis auf die
Buchhal
tung
der
Konkursitin
aufgeführten zehn Zahlungen finden sich auch in der
Bei
tragsübersicht
der Beschwerdegegnerin
und wurden dementsprechend berück
sichtigt
.
Soweit der Beschwerdeführer den exakten Konnex zwischen diesen Zahlungen und den in der Beitragsübersicht aufgelisteten Verbuchungen be
streitet, kann ihm nicht gefolgt werden. Die Verbuchungen gemäss
Beitrags
übersicht
einerseits und gemäss Buchhaltung der
Konkursitin
anderseits stim
men in
betraglicher
Hinsicht überein und tragen das gleiche Datum bez
ie
hungsweise enthalten
eine Abweichung
von einem Tag
(Urk. 1 S. 10, Urk. 3/18,
Urk. 8/517,
Urk. 12 S. 7)
.
Beim vom Beschwerdeführer als erratisch kritisierten Betrag
von
Fr.
4‘
080.--, der auf Seite 2 in der Beitragsübersicht aufgeführt ist
(Urk. 1 S. 14)
, handelt sich
um eine Verrec
hnungsbuchung. Ihr Korrelat findet sich
im Kontoauszug unter
der Position 2006/
0001 (Urk. 8/516;
vgl. dazu auch Urk. 6 S. 2
). Die weitere Behauptung des Beschwerdeführers
, die
Beschwerde
gegnerin
habe vom Betrag von 612‘
991.--
partizipiert
, welchen er an das Be
treibungsamt geleistet ha
be (Urk. 1 S. 10),
ist mangel
s Substantiierung nicht zu hören und
überdies
schon allein
deshalb nicht plausibel, weil
gemäss Schreiben
des Konkursamtes
vom 23. September 2010
nicht einmal sämtliche Gläubiger der ersten Klasse befriedigt werden können.
2.3.4
Weiter bringt der Beschwerdeführer
vor, die Abrechnung
der
Beschwerdegegne
rin
über die von der
Y._
im Jahr 2009 ausgerichteten Kinderzulagen sei unkorrekt. In der Beschwerde brachte er vor, diese hätten sich auf
Fr.
36‘100.-- belaufen (Urk. 1 S. 16). In der Jahresrechnung 2009 deklarierte die
Y._
die Ausrichtung von Kinderzulagen in der Höhe von
Fr.
34‘500.-- (Urk. 8/435).
Aufgrund der
Akten ergibt sich
indessen
, dass die
Y._
effektiv
Kinderzulagen in der Höhe von
Fr.
33‘500.-- ausbezahlt
hatte
(
Urk. 8/437-441, 8/443-447, 8/449-451, 8/483, 8/498, 8/500-501, 8/506-7, 8/518-520).
Die Beschwerdegegnerin korrigierte die Abrechnung dahingehend.
Dass die Korrek
tur
ohne Einräumung einer Gelegenheit zur Stellungnahme erfolgte, stellt entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, da die Korrektur basierend auf
den von ihm beziehungsweise der
Y._
eingereichten Unterlagen erfolgte. Nachdem die Beschwerdegegnerin die Berechnung des Betrags von
Fr.
33‘500.-- in der Beschwerdeantwort ausführlich dargelegt hatte
(Urk. 6 S. 3)
, bemängelte der Beschwerdeführer
dessen Richtigkeit einzig
noch
insofern, als er geltend machte, der Arbeitnehmer
A._
habe im Juni 2009 Tagge
ld bezogen und der Anspruch auf Kinderzulage des Arbeitnehmers
B._
betrage
Fr.
2‘000.-- und nicht - wie von der Beschwerdegegnerin berücksichtigt -
Fr.
1‘000.--
(Urk.
12 S. 11).
Der Beschwerdeführer
verkennt, dass
die Kinderzulagen von der
Y._
im Jahr 2009
lediglich
in den Monaten Ja
nuar bis Mai ausgerichtet wurden
(Urk. 8/435). Ob
A._
im Juni 2
00
9 Taggeld bezog, ist deshalb
unbeachtlich
.
Es
trifft zu, dass die Beschwerdegegnerin davon ausging, dass
B._
von der Arbeitgeberin im Jahr 2009 (Januar bis Mai 2009) Kinderzulagen von insgesamt
Fr.
1‘000.-- ausbezahlt wurden,
also
Fr.
200.-- pro Monat
. Dabei stützte
sie sich auf die eigenen
Angabe
n
der
Y._
(Urk. 8/435). Von diesem Sachverhalt
ist somit auszugehen.
Daran ändert nichts, dass der
verfügte monatliche Anspruch von
B._
auf Kinderzulagen
Fr.
400.-- beträgt
(Urk. 8/451
; vgl. auch Urk. 3/29
).
Denn die Arbeitgeber fungieren lediglich als reine Zahlstelle der FAK. Sie zahlen den anspruchsberechtigten Arbeitnehmern
(
in der Regel
)
die
Familienzulagen aus (
Art.
15
Abs.
2
FamZG
)
. Diese werden alsdann mit den von ihnen geschuldeten Beiträgen verrechnet (vgl.
Kieser
/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Familienzulagen, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2010,
N.
13 zu
Art.
15
FamZG
). Da die
Y._
B._
lediglich
Fr.
1‘
000.-- ausbezahlte, kann
sie denn auch ledigli
ch eine Forderung
gegen die Beschwerdegegnerin in dieser Höhe geltend machen.
Ein
allfälliger Anspruch von
B._
auf weitere Kinderzulag
en ist
nicht
T
hema
des vorliegenden Prozesses
.
Abgesehen davon, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Forderung gemäss Aktenlage nicht liquid ist, ist zu beachten, das
s es sich dabei
um eine kantonalrechtliche Forderung (kantonalrechtliche Kinderzulagen gemäss der Rechtslage bis Ende 2009
[vgl. oben E. 1.1]) handelt
. Gemäss Art. 125 Ziffer 3 OR können wider den Willen des Gläubigers Verpflichtungen gegen das Gemeinwesen aus öffentlichem Rechte nicht durch V
errechnung getilgt werden
. Der Beschwerdegegnerin als selbständige Anstalt des öffentlichen Rechts stehen die Sozialversicherungsbeiträge als
öffentlichrechtliche
Forderung zu. Demnach könnte sie selbst bei ei
nem unbestrittenen Bestand der Kinderzulagenforderung auf einer vollständigen Bezahlung der Beiträge beziehungsweise des Schadenersatzes beharren.
2.3.5
Schliesslich
zieht der Beschwerdeführer in
masslicher
Hinsicht die Rechtmässig
keit der von der Beschwerdegegnerin in Rechnung gestellten Verwaltungskosten in Frage (
Urk.
1 S.
15
,
Urk.
12 S. 10). Der Ansatz von 3
%
ist indessen nicht zu beanstanden,
nachdem gemäss Verordnung über den Höchstansatz der
Verwal
tungsbeiträge
in der AHV
(SR 831.143.41) ein solcher
von bis 5
%
zulässig ist
. Unklar ist ferner, was der Beschwerdeführer aus
Urk.
8/474 ableiten will (
Urk.
12 S
. 21 f. und 26). Es handelt
sich dabei
um eine Abrechnung
der
Be
schwerdegegnerin
gegenüber der Arbeitslosenkasse, betrifft den Zeitraum nach der Konkurseröffnung und ist mithin im vorliegenden Zusammenhang uner
heblich.
Im Übrigen wurden - entgegen der Annahme des Beschwerdeführers (
Urk.
12 S. 25) - die
Verrechnung
sgutschriften
betreffend
C._
(
Fr.
975.--)
,
D._
(
Fr.
450.--)
und
E._
(
Fr.
340.--)
von der Beschwerdegegnerin berücksichti
gt (vgl. Kontoauszug,
Urk.
8/516
S. 6
, 14 und 15).
Soweit der Beschwerdeführer
bemängelt
, gemäss Beitragsübersicht und
Kontoauszug
seien der
Y._
Beiträge
für die Zeit vor
ihrer
Anmel
dung bei der Beschwerdegegnerin per 1. September 1999
in
Rechnung gestellt worden (
Urk.
12 S. 22)
, ist
darauf hinzuweisen, dass diesen Rechnungsstellungen
Rück
zahlungsverbuchungen
gegenüber stehen.
Den Empfang von Rückzahlungen
bestritt er
mit Nichtwissen (
Urk.
12 S. 23), was aber der Substantiierungspflicht nicht genügt.
Nichts zu seinen Gunsten vermag der Beschwerdeführer sodann
aus der Ta
tsache abzuleiten, dass die Beschwerdegegnerin mit Kontoauszug vom 9. März 2
009 bloss einen Ausstand von
Fr.
193‘821.40 gemeldet hatte (
Urk.
1 S. 18,
Urk.
3/23). Dies hat nicht zur Folge, dass die Beschwerdege
gnerin nicht berechtigt wäre
, d
en
gesamten effektiv geschuldeten
Betrag
zu beanspru
chen.
2.4
Aus dem Gesagten folgt, dass keine Anzeichen
dafür
ersichtlich sind, dass die Zahlungen der
Y._
unkorrekt verbucht worden wären. Vielmehr hat die Beschwerde
gegnerin
den Schaden mit der Beitragsübersicht, dem Konto-Auszug, den Lohnabrechnungen, den Betreibungsakten, dem
Arbeitgeberkon
trollbericht
sowie den weiteren Unterlagen in hinreichender Weise substantiiert und belegt.
Nach dem Gesagten ist von einem Schaden der Beschwerdegegnerin von
Fr.
472‘748.
4
5 auszugehen
unter Abzug einer allfälligen Konkursdividende.
Die Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin
, aufgrund der ungewissen Höhe de
r Konkursdividende den Beschwerdeführer
zum Ersatz des gesamten der
Aus
gleichskasse
entgangenen Betrages gegen Abtretung beziehungsweise Anrech
nung von all
fälligen Dividenden zu verpflichten
(vgl.
Urk.
8/510)
, ist
rechtens. Dieses auch auf den Gebieten des Zivilrechts und des öffentlichen Rechts ge
wählte Vorge
hen ist vom Bundesgericht
aus Gr
ünden der Verfahrensökono
mie und der Rechtssicherheit sowie unter dem Gesichtspunkt der Zielsetzung des Schadenersatzrechts auf Forderungen gemäss Art. 52 AHVG und Art. 82 Abs. 1
der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV)
so
wohl bei Konkursen als auch in Fällen von Nachlassverträgen mit
Vermögens
abtretung
für anwendbar erklärt worden (BGE 116 V 76).
Zu beachten ist, dass im Rahmen von
Art.
52 AHVG nicht etwa für Sozialversicherungsbeiträge ge
haftet wird, sondern für Schaden. Beiträge und Schadenersatzforderungen sind rechtlich nicht identische Forderungen (BGE 121 III 385 E. 3c). Dies verkennt der Beschwerdeführer, wenn er die verfrühte Geltendmachung des Schadener
satzanspruchs reklamiert (
Urk.
12 S. 15 ff.
). Würde die Beschwerdegegnerin den Ausgang des Konkursverfahrens abwarten, wie vom Beschwerdeführer gefor
dert, riskierte sie
die Verjährung ihrer Forderung.
Im Zusammenhang mit der monierten verfrühten Geltendmachung des Schadenersatzanspruchs
macht der Beschwerdeführer eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
geltend. Er habe
diese Rüge in seiner mündlich erhob
enen Einsprache vorgetragen;
sie
sei aber nicht protokolliert worden
(
Urk.
1 S. 16 ff.).
In der Tat findet sich im
Einspracheprotokoll
kein
en
tsprechender Hinweis auf diese Rüge
(
Urk.
8/
512). D
ieses ist jedoch
v
on ihm unterschrieben worden, so dass
von dessen Vollständigkeit auszugehen
ist
, was
dem vom Beschwerdefüh
rer behaupteten Sachverhalt
entgegen
steht
.
Selbst wenn dem nicht so wäre, hätte eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs
als geheilt zu gelten, zu
mal der Beschwerdeführer die Möglichkeit hat, sich vor dem Gericht als Be
schwerdeinstanz zu äussern, welches den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann.
3.
3.
1
Art.
14
Abs.
1 AHVG und die
Art.
34 ff.
AHVV
schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu brin
gen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu ent
richten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch
Abrech
nungsunterlagen
über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und ver
fügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeit
gebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 AHVG und zieht die volle
Scha
dendeckung
nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die
Y._
den ihr als Arbeitgeberin obliegenden Zahlungsverpflichtungen in den Jahren 2006 bis 2009 nur un
vollständig
beziehungsweise nicht zeitgerecht
nachkam. Die
Beschwerdegegne
rin
sah sich deshalb veranlasst, die Gesellschaft wiederholt zu mahnen und zahlreiche Schuldbetreibungsverfahren einzuleiten. Insgesamt blieben geschul
dete Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Neben
kosten) in der Höhe von
Fr.
4
72‘748.4
5 unbezahlt (vgl. E. 2
). Es bedarf keiner weiteren Ausführungen, dass die
Y._
Vorschriften im Sinne von
Art.
52
Abs.
1 AVG verletzt hat, weshalb der von ihr verursachte Schaden grundsätzlich voll zu decken ist.
Zu prüfen bleibt, inwieweit diese Missachtung
öffentlichrechtlicher
Arbeitgeber
pflichten
auf grobfahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten des Beschw
erdefüh
rers zurückzuführen ist.
4.
4.1
Die wesentliche Vora
ussetzung für die Schadenersatz
pflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vor
schriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden
ist (BGE 108 V 186 E. 1a
). Absicht bzw. Vorsatz und
Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG sta
tuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sin
ne von Ab
sicht oder grober Fahrlässigkeit aus
schliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätz
licher Missachtung der AHV
Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, ab
er trotzdem nicht schadenersatz
pflichtig wird, wenn besondere Um
stände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen las
sen (BGE 108 V 186 E. 1b
; ZAK 1985 S. 576 E. 2). So kan
n es sein, dass es einem Arbeit
geber, der sich in schwieriger finanzieller Lage befindet, durch das Nichtbezahlen der Beiträge gelingt, die Existenz seines Unternehmens zu retten. Ein solches Vorgehen führt allerdings nur dann nicht zu einer Haftung gemäss Art. 52
Abs.
1 AHVG, wenn der Arbeitgeber im Zeit
punkt seiner Entscheidung aufgrund der objektiven Umstände und einer seriö
sen Beur
teilung der Lage damit re
chnen durfte, dass er die Forde
rung der
Aus
gleichskasse
innert nützlicher Frist würde befriedi
gen können (BGE 108 V 188
; ZAK 1992 S. 248 E.
4b; vgl. BGE 132 III 530
).
Liegt ein
Selbst- oder Mitverschulden der
Ausgleichskasse vor, kann
dies
in sinngemässer Anwendung
von
Art.
44
Abs.
1 OR zu einer Herabsetzung der geltend gemachten Forderung
führen.
Voraussetzung dafür ist, dass sich die Verwaltung einer groben Pflichtverletzung schuldig
gemacht hat, was nament
lich dann der Fall ist, wenn sie elementare V
orschriften der
Beitragsveranla
gung
und des Beitragsbezugs missachtet hat. E
ine Herabsetzung kann nur erfol
gen, wenn und soweit das pflichtwidrige Verha
lten der Verwaltung für die Ent
stehung oder Verschlimmerung des Schadens adäquat kausa
l gewesen ist (BGE 122 V 189 E
. 3c).
4.2
4.2.1
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetz
licher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines
Arbeitge
bers zu ermitteln (BGE 108 V 202 E. 3a
; ZAK 1985 S. 51 E. 2a,
620
E. 3b; vgl. BGE 132 III 529 E. 4.6
).
4.2.2
Nicht jedes einer Fir
ma als
solcher anzulastende Ver
schulden
muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und in
wieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfa
chen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in
Organstel
lung
zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitgehend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einz
iges Verwaltungsorgan an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
4.2.3
Formell eingesetzte Geschäftsführer einer GmbH wie auch Personen, die faktisch die Funktion eines Geschäftsführers ausüben, haften für den der
Ausgleichs
kasse
zufolge nicht bezahlter Bundessozialversicherungsbeiträge entstandenen Schaden nach den gleichen Grundsätzen wie Organe einer Aktiengesellschaft. Dagegen besteht für den blossen Gesellschafter einer GmbH vorbehältlich einer abweichenden statutarischen Regelung keine Pflicht zur Kontrolle oder Überwa
chung der Geschäftsführung, weshalb ihm das Fehlverhalten der Gesellschaft auch nicht angerechnet werden darf (BGE 126 V 237 ff.)
.
5.
5.1
Der
Beschwerdeführer bringt zu seiner Entlastung vor, dass die
Y._
über eine intakte Auftragslage verfügt habe. Es hätten deshalb ernsthafte
Sa
nierungsaussichten
bestanden. Vor allem macht er aber ein
Mitverschulden der Beschwerdegegnerin
geltend. Diese hätte ihm den zweiten Zahlungsplan nicht bewilligen dürfen. Sie habe es verschlafen, unbezahlte Beiträge ohne Verzug auf dem Weg der Betreibung einzuziehen, was eine Vergrösserung des
Betreibungs
ausstandes
bewirkt habe (
Urk.
1 S.
24 ff.).
5.2
Vorweg ist festzuhalten, dass in diesem Prozess nicht zu untersuchen ist,
ob der Konkurs der
Y._
allenfalls hätte vermieden werden können oder ob am vorliegenden Verfahren nicht beteiligten Drittpersonen diesbezüglich irgendein Schuldvorwurf gemacht werden
könnte.
Es ist einzig zu entscheiden, ob die
Y._
die ihr als Arbeitgeberin obliegenden Pflichten verletzt hat und ob gegebenenfalls ein qualifiziertes Verschulden des Beschwerdeführers zu bejahen ist.
Soweit der Beschwerdeführer grundsätzliche Kritik an der Rechtsprechung des Bundesgerichts zu
Art.
52 AHVG übt (
Urk.
1 S.
19 ff.
), ist er darauf hinzuwei
sen, dass das Bundesgericht in ständiger Praxis daran festhält (129 V 11; Bun
desgerichtsurteile 9C_276/2013 vom 28. Juni 2013
E. 2, 9C_330/2010 vom 18. Januar 2011 E. 1).
Darauf kann verwiesen werden.
5.3
5.3
.1
Der Beschwerdeführer war
einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer der
Y._
. Bei dieser Gesellschaft handelte
es sich um ein relativ kleines Unternehmen
mit einfacher Verwaltungsstruk
tur
(vgl. etwa
Urk.
8/166, 8/176, 8/343, 8/435). Bei
solch
leicht überschaubaren Verhältnissen muss von einem Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung verlangt werden, dass er den Überblick über alle wesentlichen Belange des Unternehmens hat. In besonderem Masse gilt das für den einzigen Geschäftsführer.
Der Beschwerdeführer muss sich demnach den Vorhalt gefallen lassen, dass die
Y._
der Beschwerdegegnerin Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Nebenkosten) in der Höhe von
Fr.
472’
7
48.
4
5 schuldig bl
ieb, in den Jahren 2006 bis 2009
aber Lohnzahlungen von insgesamt
Fr.
4‘399‘774.-- ausrichtete (vgl. E. 2.2).
Mit anderen Worten wurde den Lohnzahlungen Priorität vor der Beitragsentrichtung eingeräumt, wodurch die Beschwerdegegnerin zu Schaden kam. Indem der Beschwerdeführer nicht gegen das pflichtwidrige Handeln der
Y._
einschritt beziehungsweise selbst diese Vorgehensweise (prioritäre
beziehungsweise bevorzugte Behandlung der Lohnzahlungen) wählte, verletzte er seine
öffentlichrechtlichen
Pflichten als Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Er hätte nämlich dafür sorgen müssen, dass die
Y._
nur Löhne ausrichtet, für die die Gesellschaft auch die entsprechenden Sozialversicherungsbeiträge zu leisten imstande ist (für viele
etwa: Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts H 26/06 vom 10. April 2006 mit Hinweis
;
vgl. ferner Marco
Reichmuth
, Die Haftung des Arbeitgebers und seiner Organe nach
Art.
52 AHVG, 2008, S. 158
Rz
674)
.
5.3.2
D
er Beschwerdeführer kann sich zur Rechtfertigung dieses Verstosses gegen die gesetzliche Beitragszahlungspflicht nicht auf die oben in E. 4.1 wiedergegebene höchstrichterliche Praxis berufen, wonach es in schwierigen finanziellen Situa
tionen unter Umständen gerechtfertigt sein kann, die Beiträge nicht zu bezah
len, um die Existenz des Unternehmens zu retten. Es ist nämlich zu betonen, dass ein solches Vorgehen nur dann nicht zu einer Haftung nach
Art.
52 AHVG führt, wenn der Arbeitgeber im Zeitpunkt seiner Entscheidung aufgrund der objektiven Umstände
und einer seriösen Beurtei
lung der Lage annehmen darf, er
werde die geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist, d.h. höc
hstens innerhalb eines Jahres (Bundesgerichtsu
rteil 9C_111/2007 vom 17. September 2007 E. 3.1) nachzahlen können und ein gezieltes, auch in zeitlicher Hinsicht konkretes
Sa
nierungskonzept
vorliegt (Bundesgerichtsurteil 9C_117/2011 vom 29. März 2011 E. 4).
Im vorliegenden Fall bestehen keine solchen Umstände.
Zwar war das Stammkapital in den Jahren 2006 und 2007 zu
mehr als 100
%
gedeckt (
Urk.
1
S. 27,
Urk.
3/30-31). Dieses betrug aber lediglich
Fr.
20‘000.--, was bei einer Bilanzsumme von über
Fr.
3 Mio. nicht wesentlich i
ns Gewicht fällt. Diese De
ckung
änderte den
n
auch nichts an den Liquiditätsproblemen der
Y._
.
Anhaltspunkte für das Vorliegen eines Sanierungskonzepts
, welches die Bezahlung
der geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist erlaubt hätte
, beste
hen in den Akten nicht und werden vom Beschwerdeführer auch nicht darge
legt
. Der blosse Hinweis auf eine
(angeblich)
intakte Auftragslage genügt
hiefür
nicht.
Zu keinem anderen Ergebnis führt
, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2009 private Mittel in der Höhe von
Fr.
260‘000.-- investiert hatte (vgl.
Urk.
1 S. 30).
Dies gilt umso mehr, als daraus allein ein Bemühen, die
Beitragszah
lungs
- und Ablieferungspflicht rechtzeitig zu erfüllen, nicht
ersichtlich ist (
vgl.
Urteil des
Eidg
. Versicherungsgerichts H 30/
06 vom 19. Juli 2006 E. 5.3.2).
5.3.3
Ebenfalls
z
u verneinen
ist
ein Selbst- oder Mitverschulden der Beschwerdegegnerin
, das zu
einer Herabsetzung der geltend gemachten Forde
rung berechtigen würde
.
Macht ein
Beitragspflichtiger glaubha
ft
, dass er sich in
finan
zieller Bedrängnis befindet,
so kann die Ausgleichskasse einen Zahlungs
aufschub gewähren, sofern sich
der Beitragspflichtige zu regelmässigen Ab
schlagszahlungen verpflichtet, die erste Za
hlung sofort leistet und begrün
dete Aussicht besteht, dass die weiteren Absc
hlagszahlungen sowie die laufen
den Beiträge fristgemäss entrichtet werden können
(
Art.
34b
Abs.
1 AHVV)
. Die Ausgleichskasse setzt die Zahlungsbedingungen, insbesondere die
Verfallter
mine
und die Höhe der Abschlagszahlungen, unter Berücksichtigung der beson
deren Verhältnisse des Beitragspflichtigen schriftlich fest (
Art.
34b
Abs.
2 AHVV).
Nach der Rechtsprechung ändert ein Zahlungsaufschub mit
Tilgungs
plan
an der Widerrechtlichkeit der nicht ordnungsgemässen Bezahlung der Bei
träge nichts. Bei der Beurteilung der Frage, ob die verantwortlichen
Arbeitge
berorgane
ihren Sorgfaltspflichten im Zusammenhang mit der Einhaltung der Beitragszahlungspflicht nachgekommen sind, ist ein mit der Ausgleichskasse vereinbarter Zahlungsaufschub mit Tilgungsplan
mitzuberücksichtigen
, soweit dem Beitragspflichtigen damit ein Abweichen von den ordentlichen Zahlungs
terminen zugestanden wird (BGE 124 V 253).
Der Beschwerdeführer hatte am 26. September 2006 ein erstes Ratenzahlungsgesuch gestellt, welches am 3. November
2006 bewilligt wurde (
Urk.
8/
64, 8/78). Die darin enthaltenen Raten in der Höhe von zweimal
Fr.
15‘000.-- sowie einmal
Fr.
16‘513.-- wurden in der Folge an die
Ausgleichs
k
asse
geleistet (
Urk.
8/516 S. 25
).
Ein zweites Gesuch vom 7. Januar 2008 be
willigte die Beschwerdegegnerin am 25. Januar 2008 (
Urk.
8/160).
Deren Rechtmässigkeit hing e
ntgegen de
r Ansicht des Beschwerdeführers nicht von der Frage nach bestehenden Ausständen aus dem Jahr 2006 ab
(
Urk.
1 S. 25). Voraussetzung war lediglich, aber immerhin, dass begründete Aussicht bestand
, dass die weiteren Abschlagszahlungen sowie die laufenden Beiträge frist
gemäss entrichtet würden.
Dafür sprach insbesondere die bisherige
positive
Erfahrung mit der Gewährung von Ratenzahlungen.
Ob der
zweite
Zahlungsaufschub zu Recht erteilt wurde, braucht
aber nicht abschliessend beurteilt zu werden. Denn vorliegend wurde die getroffene Vereinbarung nur für die ersten drei Raten ein
gehalten und danach nicht mehr,
weshalb der Zahlungsaufschub schon kurz nach dessen Bewilligung dahinfiel (vgl.
Art.
34b
Abs.
3 AHVV) und deshalb als Exkulpations
grund nicht taugt. Das
Ausbleiben der vierten Rate
mahnte die Beschwerdegegnerin
bereits am 1
9.
März 2008 (
Urk.
8/168). Auch sonst kann ihr nicht
vorgeworfen werden, das Beitragsinkasso zu wenig resolut
vorange
trieben zu haben. Wenn
der Beschwerdeführer
der Beschwerdegegnerin nun vorwirft, sie habe die Restausstände nicht unverzüglich vollstrecken lassen
(
Urk.
1 S. 25),
ist er darauf hinzuweisen, dass generell das Verhalten
der
Aus
gleichskasse
nicht leichthin als grobfahrlässig angesehen werden
darf
, wenn sie eine mit finanziellen Problemen kämpfende Firma nicht mit voller Härte an
packt (
vgl.
Urteil des
Eidg
. Versicherungsgerichts H 379/01 vom 3
0.
Oktober 2002 E. 4;
Nussbaumer, Das Schadenersatzverfahren nach
Art.
52 AHVG, in: Aktuelle Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998 S. 106).
So verhält es sich auch hier.
5.3.4
Aus dem Gesagten folgt, dass weder Rechtfertigungs- noch
Schuldausschluss
gründe
gegeben sind. Das Verhalten
des Beschwerdeführers
ist zum
i
ndest als grobfahrlässig zu betrachten.
6.
Unter den gegebenen Umständen ist das Verhalten beziehungsweise die Passivi
tät des Beschwerdeführers ohne Weiteres auch als adäquat kausal (BGE 119 V 406 E. 4a mit Hinweisen) für den bei der Beschwerdegegnerin eingetretenen Sc
haden in der Höhe von
Fr.
472‘748.
4
5 (vgl. E. 2
) zu betrachten, weshalb er zu Recht verpflichtet wurde, dafür Ersatz zu leisten.
Der Beschwerdeführer erklärt Verrechnung im Umfang von
Fr.
260‘000.--, dem Betrag seiner privaten Einschüsse in die
Y._
Ende April 2009 (
Urk.
1 S. 28). Diesem Antrag kann schon allein deswegen nicht stattgegeben werden, weil es an der Identität der Verrechnungsgegner fehlt. Schuldner der Schadenersatzforderung nach
Art.
52 AHVG ist der Beschwerdeführer. Schuld
ner der Forderung von
Fr.
260'000.-- wäre die
Y._
beziehungsweise
die
Konkursmasse.
Nach dem Gesagten
ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
Ferner stellte der Beschwerdeführer
den Antrag, es sei eine öffentliche Verhand
lung durchzuführen (
Urk.
1 S. 32
).
Von einer beantragten öffentlichen Verhandlung kann bei hoher
Technizität
der zur Diskussion stehenden Materie abgesehen werden, was etwa auf rein rechne
rische, versicherungsmathematische oder buchhalterische Probleme zutrifft (BGE 136 I 279). Diese Voraussetzung ist hier erfüllt. Bei der primär im Streit stehen
den Frage der Schadensberechnung handelt es sich um eine rechnerische
bezie
hungsweise buchhalterische
Frage von hoher
Techni
zität
.
Zudem begründete der Beschwerdeführer
den Antrag auf öffentliche Verhandlung
mit der Unmittelbar
keit der Beweisführung. Seine Anwesenheit verschaffe dem Gericht die Mög
lichkeit, ihn als Partei zu befragen
.
Wird lediglich eine persönliche Anhörung oder Befragung, ein Parteiverhör, eine Zeugeneinvernahme oder die Durchfüh
rung eines Augenscheins verlangt, darf das Gericht daraus schliessen, dass es dem Antragsteller um die Abnahme bestimmter Beweismittel und nicht um die Durchführung einer Verhandlung mit Publikums- und Pres
seanwesenheit geht (BGE 122 V 55
E. 3a S. 55 ; SVR 2009 IV Nr. 22 S. 62 E. 1.2 [9C_599/2008]
), so dass auch aus diesem Grund von einer öffentlichen Verhandlung abzusehen ist. Abgesehen davon sind von einer Parteibefragung keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten (
antizipierte Beweiswürdigung,
BGE 136 I 236 E. 5.3, 134 I 148 E. 5.3, 124 V 94 E. 4b).