Decision ID: 35750d90-beb3-5964-9269-734806d96e84
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
D._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente (Nichteintreten)
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
Am 28. Mai 2001 meldete sich D._ zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (besondere medizinische Eingliederungsmassnahmen; Rente) an
(IV-act. 3). Das Ärztliche Begutachtungsinstitut (ABI), Basel, diagnostizierte eine
koronare 1-Ast-Erkrankung und eine leichte depressive Episode ohne somatische
Symptome und erachtete eine körperlich leichte, adaptierte, vorwiegend sitzend
durchzuführende Tätigkeit ganztägig bei um 20 % verminderter Leistungsfähigkeit als
zumutbar (IV-act. 15). Mit Verfügung vom 28. November 2002 wies die IV-Stelle
St. Gallen das Rentengesuch ab (IV-act. 29). Ausgehend von einem Invaliditätsgrads
von 36 % bestätigte das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die ablehnende
Verfügung mit Urteil vom 20. November 2003. Das Eidgenössische
Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts) erhöhte mit Urteil I 39/04 vom 20. Juli 2004 den Invaliditätsgrad auf 38
%, wies ansonsten die gegen den kantonalen Entscheid gerichtete
Verwaltungsgerichtsbeschwerde ab.
B.
B.a Am 8. Februar 2007 meldete sich D._ erneut zum Bezug von IV-Leistungen
(Rente) an. Er gab an, an Rheuma, Herz- und Gelenkbeschwerden sowie an
psychischen Problemen zu leiden (IV-act. 56). Mit Schreiben vom 16. Februar 2007
wies die IV-Stelle den Versicherten darauf hin, dass in einem Revisionsgesuch eine
anspruchserhebliche Änderung des Invaliditätsgrades glaubhaft zu machen sei. Bis
19. März 2007 habe er deshalb Nachweise einzureichen, aus denen sich der Verlauf
und die allfälligen rechtserheblichen Änderungen seit dem Urteil des EVG vom 20. Juli
2007 ersehen lasse. Sollte er innert Frist keine Unterlagen oder lediglich solche
einreichen, die keine Revisionsgründe nachwiesen, müsse er mit einem
Nichteintretensentscheid rechnen (IV-act 59). Nachdem D._ die Frist unbenutzt hatte
verstreichen lassen (vgl. act. G 6), teilte ihm die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 4. April
2007 mit, sie könne auf sein Leistungsbegehren nicht eintreten. Eine Veränderung der
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tatsächlichen Verhältnisse seit dem Urteil des EVG sei mangels neuer Tatsachen nicht
glaubhaft dargelegt worden (IV-act. 63).
B.b Mit Einwand vom 15. Mai 2007 (IV-act. 69) beantragte der Rechtsvertreter des
Versicherten, Rechtsanwalt Robert Baumann, St. Gallen, es sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge auf das Leistungsbegehren einzutreten und dem Versicherten
seien gestützt auf die rechtsgenügliche Abklärungen die gesetzlichen Leistungen,
insbesondere eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Dem Urteil des EVG habe der
medizinische Sachverhalt gemäss ABI-Gutachten vom 23. Mai 2002 (IV-act. 15)
zugrunde gelegen, wonach dem Versicherten bei einer verminderten Leistungsfähigkeit
von 20 % körperlich leichte Tätigkeiten zumutbar seien. Die Tatsache, dass das ABI-
Gutachten fünf Jahre und das Urteil des EVG, in dem ein Invaliditätsgrad von 38 %
festgelegt worden seien, bald drei Jahre zurück liege, führe zwingend dazu, dass ein
IV-Abklärungsverfahren an die Hand zu nehmen sei, sofern auch ein nur einigermassen
nachvollziehbarer Anlass für die nun höhere Arbeitsunfähigkeit bestehe. Eine erhebliche
Verschlechterung des Gesundheitszustands sei gestützt auf die eingereichten
ärztlichen Berichte mehr als ausreichend glaubhaft gemacht. Allenfalls seien zum
Nachweis der organischen und psychischen Beschwerden entsprechende
Begutachtungen zu veranlassen. Dr. A._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, stellte
in seinem Bericht vom 9. Mai 2007 eine Verschlechterung des Gesundheitszustands
seit Herbst 2006 fest. Der Versicherte leide an einer koronaren Herzkrankheit (Status n.
AKB USZ 30.11.00; aktuell Angina pectoris NYHA II), an chronischen Thoraxschmerzen
bei Verdacht auf Titzesyndrom, chronischen thoraco- und lumbovertebralen
Schmerzen, an Periarthropathia humeroscapularis (PHS) Schulter li mehr als re sowie
an anhaltend depressiver Episode. Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100 %. Die Prognose
sei eher als ungünstig einzuschätzen. Dr. B._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, bescheinigte dem Versicherten im Bericht vom 5. Mai 2007 eine
anhaltend depressive Störung leichter bis mittelschwerer Ausprägung mit im
Vordergrund stehenden generalisierten Schmerzen, Nervosität und Schlaflosigkeit
(ICD-10-F34.8). Aus psychischen Gründen bestehe in stressfreien Umständen eine
Arbeitsfähigkeit von 50 %. Jegliche Form der Belastung führe mit hoher
Wahrscheinlichkeit zu einer Zunahme der Beschwerden. Es sei nicht davon
auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit durch medizinische oder sonstige Massnahmen
signifikant verbessert werden könne. Der Versicherte sei seit dem 5. Januar 2007 bei
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ihr in Behandlung, und es werde eine integrierte psychiatrische Behandlung in
monatlichen Abständen durchgeführt (IV-act. 69).
B.c Mit Verfügung vom 20. August 2007 trat die IV-Stelle auf das Gesuch
(Neuanmeldung) vom 8. Februar 2007 nicht ein. Sie führte aus, der Versicherte habe
keine neuen Tatsachen geltend gemacht (IV-act. 71). Laut Stellungsnahme des RAD-
Arztes vom 20. August 2007 spreche der im Bericht von Dr. B._ aufgeführte
einmonatige Therapierhythmus nicht für ein hoch-akutes Geschehen. Die Diagnose
entspreche im Prinzip jener des ABI-Gutachtens vom 23. Mai 2002, wobei die
Diagnose ICD F34.8 sogar die mildere Form klassifiziere. Laut Bericht von Dr. A._ sei
seit Herbst 2006 eine Verschlechterung des Gesundheitszustands festzustellen,
allerdings ohne Hinweis oder klinischen Befund. Die Auswirkungen der koronaren
Herzkrankheit seien unverändert. Eine PHS werde zwar als neue Diagnose aufgeführt,
doch fehlten dazu klinische Angaben. Zu beachten sei, dass der Hausarzt die
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers seit Jahren konservativer einschätze als die
Gutachter. Insgesamt könne die von den beiden Ärzten attestierte Verschlechterung
der Arbeitsunfähigkeit als andere Meinung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen
Sachverhalts angesehen werden (IV-act. 70-2/2).
C.
Der Versicherte lässt gegen diese Verfügung am 18. September 2007 (act. G 1) und mit
Ergänzung vom 23. Oktober 2007 (act. G 3) Beschwerde erheben und beantragen, die
Verfügung vom 20. August 2007 sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge
vollumfänglich aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, auf das
Leistungsbegehren des Beschwerdeführers einzutreten. Der Rechtsvertreter bringt im
Wesentlichen vor, der veränderte Sachverhalt sei ausreichend belegt. Gemäss den
Arztberichten von Dr. B._ sei allein aus psychischen Gründen von einer
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 % auszugehen. Unter Berücksichtigung der
organischen und psychischen Leiden ergebe sich insgesamt eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 %. Der Sachverhalt habe sich nicht nur in medizinischer Hinsicht verändert,
sondern auch die Arbeitsunfähigkeitseinschätzungen wiesen gegenüber früheren eine
beträchtliche Erhöhung aus. Das ABI, dessen Gutachten dem Urteil des EVG zugrunde
gelegen habe, habe festgestellt, dass dem Beschwerdeführer bei einer um 20 %
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verminderten Leistungsfähigkeit ganztags lediglich noch körperlich leichte Tätigkeiten
zumutbar seien. Neben einer leichten depressiven Episode ohne somatische
Symptome (ICD-10-F32.00) seien mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit koronare 1-Ast-
Erkrankungen (ICD-10/25.1) diagnostiziert worden (Status nach einfachem AKB am
Universitätsspital Zürich vom 30.11.2000 bei komplexer, proximaler RIVA-Stenose und
persistierende Dyspnoe NYHA II bei gleichzeitig bestehender Adipositas. Als
Risikofaktoren seien aufgeführt worden: Status nach Nikotinabusus [ca. 70 py] bis
1995, eine derzeit nicht behandelte anamnestisch Dyslipidämie, Adipositas [BMI 32 kg/
m2] sowie eine fragliche positive Familienanamnese). Es sei von einem glaubhaft
gemachten veränderten Sachverhalt auszugehen. Neu diagnostiziert seien das PHS,
wobei Schulter links mehr als Schulter rechts, die chronisch thoraco- und
lumbovertebralen Schmerzen sowie die chronischen Thoraxschmerzen bei Verdacht
auf Titzesyndrom. In Bezug auf die psychischen Leiden werde neu von einer
anhaltenden depressiven Störung leichter bis mittelschwerer Ausprägung
ausgegangen. Bei allfälligen Zweifeln seien ergänzende Arztberichte bei Dr. B._ und
Dr. A._ einzuholen. Neben diesen veränderten Befunden und Diagnosen seien auch
die weiteren Umstände sowie zusätzliche Anhaltspunkte zu berücksichtigen.
Insbesondere falle in Betracht, dass die Vergleichsverfügung schon bald fünf Jahre
zurückliege. Demzufolge dürften an die Glaubhaftmachung des veränderten
Gesundheitszustands keine übermässigen Anforderungen gestellt werden.
D.
D.a In ihrer Beschwerdeantwort vom 29. November 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Sie bringt vor, es gelinge dem
Beschwerdeführer nicht, eine erhebliche Sachverhaltsveränderung seit der
rechtskräftig verfügten Rentenabweisung glaubhaft zu machen (act. G 6).
D.b Mit Replik vom 22. Februar 2008 hält der Beschwerdeführer an seinem Antrag fest.
Mit Blick auf den neuen Bericht von Dr. B._ vom 31. Januar 2008 führt er aus, es sei
sehr wohl von einer substantiellen Veränderung des psychischen Leidens des
Beschwerdeführers auszugehen. Der ICD-10-Code für die anhaltende depressive
Störung leichter bis mittelschwerer Ausprägung laute F38.8, nicht F34.8, wie sie in
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ihrem Bericht vom 5. Mai 2007 (IV-act. 69) versehentlich klassiert, jedoch zutreffend
formuliert habe (act. G 12; G 12.1).
D.c Mit Replikergänzung vom 2. Juni 2008 bestätigt Dr. A._ die Arbeitsunfähigkeit
des Beschwerdeführers von 100 %. Seit Herbst 2007 seien Verschlechterungen im
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers festzustellen. Zudem seien seit dem
Frühjahr 2008 chronisch wiederkehrende Schmerzen im Bereich des Unterschenkels
aufgetreten (act. G 20.1).
D.d Mit Duplik vom 10. Juni 2008 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest
(act. G 22).
D.e Nach Abschluss des ordentlichen Schriftenwechsels reicht der Rechtsvertreter am
22. Juli 2008 Dr. B._s Stellungnahme zum Bericht des RAD-Arztes ein. Die Ärztin
weist erneut darauf hin, dass dem Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht lediglich
eine adaptierte Tätigkeit im Umfang von 50 % zumutbar sei. Die pessimistische
Grundhaltung sowie die andauernde depressive Grundhaltung würden dem
Beschwerdeführer eine adäquate Präsentation bzw. Integration in den Arbeitsprozess
verunmöglichen (act. G 24).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
E. 1b), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen
Bestimmungen anzuwenden.
2.
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2.1 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrads verweigert, so wird
gemäss Art. 87 Abs. 4 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Art. 87 Abs. 3 IVV erfüllt sind. Nach jener Bestimmung muss in einem Revisionsgesuch
resp. einer Neuanmeldung glaubhaft gemacht werden, dass sich der Grad der
Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Diese
Eintretensvoraussetzung soll verhindern, dass sich die Verwaltung immer wieder mit
gleichlautenden und nicht näher begründeten Rentengesuchen befassen muss, die
keine Veränderung des Sachverhalts darlegen (BGE 133 V 112 E. 5.3.1). Diesem Zweck
kann nur wirksam Rechnung getragen werden, wenn sich die versicherte Person das
Ergebnis der letztmaligen materiellen Überprüfung des Rentenanspruchs – mit
rechtsgenüglicher Abklärung des Gesundheitszustands und gesetzeskonformer
Ermittlung des Invaliditätsgrads – im Rahmen eines erneuten Leistungsgesuchs
entgegenhalten lassen muss (BGE 133 V 108 ff.).
2.2 Nach der Rechtsprechung ist unter Glaubhaftmachung im Sinn von Art. 87 Abs. 3
IVV kein Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden Grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 121 V 47 E. 2a) zu verstehen. Dem Zweck
der Eintretenshürde von Art. 87 Abs. 3 IVV gemäss muss es sich bei der
Glaubhaftmachung um eine deutlich reduzierte Beweisanforderung handeln. Es genügt,
dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse
Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist,
dass eine eingehende Sachverhaltsabklärung die behauptete Veränderung nicht
bestätigen wird (Urteil des Bundesgerichts 9C_688/2007 vom 22. Januar 2008 E. 2.2).
2.3 Aufgrund des klaren Wortlauts des Art. 87 Abs. 3 IVV ("Im Gesuch ist glaubhaft zu
machen") steht fest, dass eine versicherte Person, die sich nach einer früheren
Leistungsverweigerung bei der IV-Stelle neu anmeldet und – wie hier – eine Rente
verlangt, die "Glaubhaftmachungslast" (im Sinne einer Beweisführungslast) trägt. Sie
muss also jene Indizien beschaffen und der IV-Stelle vorlegen, mit denen sie ihre
Behauptung einer anspruchserheblichen Gesundheitsverschlechterung glaubhaft
machen will. Sie kann sich nicht darauf beschränken, eine solche Veränderung zu
behaupten, um dann abzuwarten, wie die IV-Stelle Indizien sammelt. Damit wäre die
Glaubhaftmachung als Eintretenshürde nämlich zwecklos, weil nur eine
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"Behauptungslast" übrig bliebe. In diesem Verfahrensstadium gilt demnach der
Untersuchungsgrundsatz nicht (Urteil des Versicherungsgerichts IV 2007/137 vom
19. August 2008 E. 1.3).
3.
3.1 Umstritten ist, ob der Beschwerdeführer eine anspruchserhebliche
Verschlechterung seines Gesundheitszustands hat glaubhaft machen können resp. ob
sich der massgebliche medizinische Sachverhalt in einer für den Rentenanspruch so
erheblichen Weise geändert hat, dass die Beschwerdegegnerin zu Unrecht nicht auf
die Neuanmeldung vom 8. Februar 2007 eingetreten ist.
3.2 Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung
des Invaliditätsgrads bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen
Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V
108 ff.). Der massgebliche Vergleichszeitraum liegt somit zwischen der Verfügung vom
28. November 2002 und dem Erlass der streitigen Verfügung vom 20. August 2007.
Nicht abzustützen ist hingegen auf den Entscheid des EVG vom 20. Juli 2004.
4.
4.1 Der RAD-Arzt hat festgehalten, die psychiatrische Diagnose (ICD-10-F34.8)
entspreche im Prinzip jener des ABI-Gutachtens (ICD-10-F32.00). Dr. B._ habe sogar
die mildere Form diagnostiziert (IV-act. 70-2/2). Obgleich Dr. B._s Schreiben vom
31. Januar 2008, mit dem sie die Klassifizierung korrigiert (ICD-10-F38.8), erst nach
Erlass der streitigen Verfügung erstellt wurde, ist es zu berücksichtigen und in die
Würdigung einzubeziehen. Denn es handelt sich dabei nicht um ein unzulässigerweise
(nach Erlass der streitigen Verfügung, vgl. E. 3.2) nachträglich eingereichtes neues
Indiz, sondern lediglich um die Berichtigung einer versehentlich falsch klassifizierten,
aber richtig formulierten Diagnose. Bei seiner Stellungnahme hätte der RAD bei
gebotener Sorgfalt feststellen müssen, dass sich Klassifizierung und
Diagnosebeschreibung widersprechen. Es trifft daher nicht zu, dass sich die Diagnosen
im massgebenden Vergleichszeitraum im Prinzip entsprechen. Die vormals leichte
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depressive Episode scheint sich zu einer anhaltenden depressiven Störung leichter bis
mittelschwerer Ausprägung verstärkt zu haben. Entsprechend hat Dr. B._ die
Arbeitsfähigkeit von 50 % gegenüber dem ABI-Gutachten tiefer eingeschätzt (IV-act.
69-6/8). Dass sich die gesundheitliche Verschlechterung auf die Arbeitsunfähigkeit
auswirkt, ist möglich.
4.2 Nach Dr. A._s Einschätzung könne der Beschwerdeführer keine Tätigkeit
ausüben und sei zu 100 % arbeitsunfähig (IV-act. 69-7/8). Daraus, dass der Hausarzt
die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers seit Jahren konservativer einschätze als
die Gutachter, kann die Beschwerdegegnerin nichts zu ihren Gunsten ableiten (IV-act.
70-2/2). Denn vorliegend hat Dr. A._ neu chronische thoraco- und lumbovertebrale
Schmerzen sowie ein PHS diagnostiziert. Es ist möglich, dass sich diese neuen
Diagnosen neben den bereits vom ABI attestierten und andauernden organischen
Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirken.
4.3 Die Beschwerdegegnerin kritisiert, dass die Verschlechterung des
Gesundheitszustands seit 2006 ohne jeden Hinweis oder klinischen Befund sei. Auch
bezüglich des PHS würden klinische Angaben fehlen. Insgesamt würden die beiden
Arztberichte keine Statusangaben enthalten, weshalb die attestierten
Arbeitsunfähigkeiten nicht überprüfbar seien. Die Beschwerdegegnerin verkennt, dass
bei der Eintretensfrage ein geringes Beweismass erfüllt sein muss. Es interessiert
einzig, ob die Sachverhaltsveränderung im Vergleichszeitraum glaubhaft dargelegt
worden ist. Demnach genügt, dass für den geltend gemachten rechtserheblichen
Sachumstand wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, selbst wenn mit der
Möglichkeit zu rechnen ist, dass die behauptete Veränderung bei einer eingehenden
Abklärung nicht bestätigt wird. Erst die nach dem Eintreten folgende neue materielle
Prüfung ermittelt das aktuelle gesundheitliche Schadensbild (und gewichtet die daraus
resultierende Invalidität). Die neu gestellten Diagnosen deuten auf eine
(renten)erhebliche Beeinträchtigung des somatischen und psychischen
Gesundheitszustands hin. Dass die beiden Ärzte einen im Wesentlichen gleichen
medizinischen Sachverhalt lediglich anders einstufen, wie von der Beschwerdegegnerin
behauptet, ist daher nicht von vornherein erwiesen. Zudem ist zu beachten, dass bei
der Prüfung der Eintretensvoraussetzung der glaubhaft gemachten
Sachverhaltsänderung die Verwaltung zu berücksichtigen hat, ob die frühere Verfügung
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lediglich kürzere oder schon längere Zeit zurückliegt und dementsprechend höhere
oder weniger hohe Anforderungen an die Glaubhaftmachung zu stellen sind (SVR 2003
IV Nr. 25 E. 2.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_688/2007 vom 22. Januar
2008 E. 2.2). Da zwischen der Verfügung vom 28. November 2002 und dem Erlass der
streitigen Verfügung vom 20. August 2007 eine Zeitspanne von nahezu fünf Jahren
liegt, sind an die Glaubhaftmachung umso geringere Beweisanforderungen zu stellen.
4.4 Da Indizien für eine Sachverhaltsänderung vorliegen, hätte die
Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers eintreten müssen.
5.
5.1 Im Sinn der Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 20. August 2007 gutzuheissen und die Sache zur Behandlung der
Neuanmeldung vom 8. Februar 2007 zurückzuweisen.
5.2 Dem Beschwerdeführer ist eine ungekürzte Parteientschädigung zuzusprechen.
Diese bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit
des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Vorliegend rechtfertigen diese Kriterien eine
Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
5.3 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin werden ihr die
Gerichtskosten auferlegt. Diese werden nach dem Verfahrensaufwand im Rahmen von
Fr. 200.-- bis 1'000.-- bemessen (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 400.-- erscheint angemessen.
5.4 Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird dem Beschwerdeführer
zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG