Decision ID: 01edef3f-718f-4985-b2ea-217192859ed5
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 1. November 2022 in der Schweiz um
Asyl. Ein Abgleich mit dem zentralen Visa-Informationssystem (CS-VIS)
ergab, dass Spanien ihm ein Visum für den Schengenraum mit Gültigkeits-
dauer vom 12. Mai bis 12. November 2022 ausgestellt hatte. Er brachte
vor, er habe Russland am 16. Juni 2022 verlassen und sei über Bahrein
und Frankreich am 18. Juni 2022 in die Schweiz eingereist.
Anlässlich der Befragung vom 16. November 2022 wurde ihm das rechtli-
che Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der Möglich-
keit einer Überstellung nach Spanien gewährt, welches grundsätzlich für
die Behandlung seines Asylgesuchs zuständig sei (gemäss Verordnung
[EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz [Dublin-III-VO]). Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses
Mitgliedstaates wurde vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Jedoch
machte er geltend, nicht nach Spanien zurückkehren zu wollen, da seine
Mutter in der Schweiz lebe und sie sich gegenseitig helfen würden. Sie
befände sich in einem schwierigen psychischen Zustand. Zurzeit werde sie
zwar nicht in einem Krankenhaus behandelt; dies sei zuvor jedoch der Fall
gewesen. Aufgrund der Scheidung von ihrem Ehemann und der Angst, ihn
(Beschwerdeführer) zu verlieren, leide sie unter Depressionen. In der
Schweiz habe er sich sodann bereits eingelebt und lerne die Sprache, wo-
gegen er Spanien nicht kenne.
B.
Am 17. November 2022 ersuchte das SEM die spanischen Behörden um
Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 12 Abs. 2 oder 3 Dublin-
III-VO. Diesem Gesuch wurde am 23. November 2022 entsprochen.
C.
Mit Verfügung vom 29. November 2022 (eröffnet tags darauf) trat das SEM
in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung nach
Spanien, welches gemäss Dublin-III-VO für die Behandlung seines Asyl-
gesuchs zuständig sei, und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Gleich-
F-5575/2022
Seite 3
zeitig beauftragte es den Kanton B._ mit dem Vollzug der Wegwei-
sung und hielt fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid
komme keine aufschiebende Wirkung zu.
D.
Mit Eingabe vom 30. November 2022 zeigte die ursprünglich zugewiesene
Rechtsvertretung die Beendigung des Mandatsverhältnisses an.
E.
Mit Beschwerde vom 2. Dezember 2022 (Poststempel tags darauf) an das
Bundesverwaltungsgericht beantragte der Beschwerdeführer, die vor-
instanzliche Verfügung sei aufzuheben und auf sein Asylgesuch sei einzu-
treten. In prozessualer Hinsicht ersuche er um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege unter Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistands.
F.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 5. Dezember 2022 setzte die In-
struktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung einstweilen aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Be-
schwerdeführer ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG
und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
F-5575/2022
Seite 4
2.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
2.3. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, seine Mutter be-
fände sich aufgrund ihrer misslichen Lage in einem kritischen Zustand und
sie habe Angst, ihn zu verlieren. Er könne nicht nach Russland zurückkeh-
ren, da er ansonsten in den Militärdienst eingezogen werde und in den
Krieg gegen die Ukraine ziehen müsse. Aus diesem Grund ersuche er um
kurzfristiges Asyl, bis der Krieg zu Ende sei und er nach Russland zurück-
kehren könne. Für den Fall, dass seine Beschwerde abgewiesen werde,
ersuche er um Hilfe bei der Reise nach Spanien. Er habe vom SEM seinen
Reisepass noch nicht zurückerhalten und sich auch kein Ticket nach Spa-
nien kaufen können. Er wisse nicht, wie er ohne Papiere die Schweiz ver-
lassen könne.
4.
4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall
eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind die in
Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufge-
führten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl.
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im
F-5575/2022
Seite 5
Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mitglied-
staat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO).
5.
Besitzt der Antragsteller ein gültiges Visum, so ist der Mitgliedstaat, der das
Visum erteilt hat, für die Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz
zuständig, es sei denn, dass das Visum im Auftrag eines anderen Mitglied-
staats im Rahmen einer Vertretungsvereinbarung gemäß Artikel 8 der Ver-
ordnung (EG) Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft erteilt wurde. In
diesem Fall ist der vertretene Mitgliedstaat für die Prüfung des Antrags auf
internationalen Schutz zuständig. (Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO).
Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit dem zentra-
len Visa-Informationssystem (CS-VIS) ergab, dass die spanischen Behör-
den ihm am 26. April 2022 in Russland ein Schengen-Visum mit Gültigkeit
vom 12. Mai bis 12. November 2022 ausgestellt hatten. Das SEM ersuchte
deshalb die spanischen Behörden am 17. November 2022 um Aufnahme
des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 12 Abs. 2 Dublin-III-VO. Diese
stimmten dem Gesuch um Übernahme am 23. November 2022 zu, wes-
halb die grundsätzliche Zuständigkeit Spaniens gegeben ist.
6.
6.1. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den zunächst als
zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechte-
charta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzu-
stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann.
Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der
Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit-
gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird
der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat
(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
6.2. Spanien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
F-5575/2022
Seite 6
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von
Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt.
7.
Ist ein Elternteil eines Antragstellers, der sich rechtmässig in einem Mit-
gliedstaat aufhält, auf die Unterstützung des Antragstellers angewiesen, so
entscheiden die Mitgliedstaaten in der Regel, den Antragsteller und sein
Elternteil nicht zu trennen bzw. zusammenzuführen, sofern die familiäre
Bindung bereits im Herkunftsland bestanden hat und die betroffenen Per-
sonen ihren Wunsch schriftlich kundgetan haben (vgl. Art. 16 Abs. 1 Dublin-
III-VO).
Der Beschwerdeführer reicht auf Beschwerdeebene einen medizinischen
Bericht zum Gesundheitszustand seiner Mutter ein. Dieser datiert jedoch
vom 25. März 2021, neuere Dokumente liegen nicht vor. Bis zur Einreise
des Beschwerdeführers war es der Mutter sodann möglich, ohne seine
Hilfe in der Schweiz zu leben. Es ist damit nicht von einem Abhängigkeits-
verhältnis auszugehen. Des Weiteren liegt auch keine schriftliche Bestäti-
gung der Mutter bezüglich des Verbleibs des Beschwerdeführers bei ihr
vor. Die Voraussetzungen von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO sind damit nicht
erfüllt.
8.
8.1. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbst-
eintrittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung
kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann be-
handeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig
F-5575/2022
Seite 7
wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist
der Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
8.2. Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-
getan, die spanischen Behörden würden sich weigern, ihn aufzunehmen
und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln
der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Wie erwähnt, bestehen keine Hinweise
darauf, dass Spanien seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen aus der
EMRK, der FoK und der FK sowie dem Zusatzprotokoll der FK nicht nach-
kommt. Dem Beschwerdeführer steht es nach erfolgter Überstellung nach
Spanien offen, dort um Asyl nachzusuchen und damit Zugang zu den asyl-
rechtlichen Aufnahmestrukturen zu erhalten.
8.3. In medizinischer Hinsicht macht der Beschwerdeführer geltend, sein
Gesundheitszustand habe sich nach Erhalt der vorinstanzlichen Verfügung
stark verschlechtert, nachdem dieser bereits zufolge der Kriegssituation in
Russland und der Weltlage instabil gewesen sei. Medizinische Belege
reicht er keine ein, weshalb nicht davon auszugehen ist, sein Gesundheits-
zustand sei derart gravierend, als dass eine Rückweisung nach Spanien
einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen würde (vgl. Urteil des EGMR
Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 20126, Grosse Kammer
41738/10, §§ 180–193 m.w.H.). Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass
Spanien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt. Die
Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellern die erforderliche medi-
zinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbedingt
erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psychischen Stö-
rungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie);
den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medi-
zinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten
psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtli-
nie).
8.4. Nach dem Gesagten ist die Überstellung nach Spanien unter Beach-
tung der massgeblichen völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig zu
erkennen, womit keine zwingenden Gründe für einen Selbsteintritt auf das
Asylgesuch des Beschwerdeführers in Anwendung der Ermessensklausel
gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ersichtlich sind. Der Vollständigkeit
halber ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein
Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen
(vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3).
F-5575/2022
Seite 8
8.5. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspiel-
raum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter die-
sem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine
Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Un-
terschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich des-
halb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen.
9.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er
nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung
ist, wurde die Überstellung nach Spanien in Anwendung von Art. 44 AsylG
ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
10.
Das Fehlen von Überstellungshindernissen ist bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG, weshalb
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen sind (vgl. BVGE 2015/18
E. 5.2 m.w.H.).
11.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen. Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 5. Dezem-
ber 2022 angeordnete Vollzugsstopp dahin. Der Kanton B._ ist mit
dem Vollzug der Wegweisung beauftragt und der Beschwerdeführer hat
sich – soweit er auf Beschwerdeebene um Unterstützung bei der Organi-
sation der Reise nach Spanien ersucht – an das Migrationsamt des Kan-
tons B._ zu wenden.
12.
12.1. Die Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege unter Beiordnung eines
amtlichen Rechtsbeistands ungeachtet einer allfälligen prozessualen Be-
dürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 102m Abs. 1 Bst.
a AsylG).
12.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
F-5575/2022
Seite 9
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
F-5575/2022
Seite 10