Decision ID: 4e185808-6da4-41fc-920f-5a3398f75a30
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967,
meldete sich am 18. September 2013 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 3. Dezember 2014 verneinte die IV-Stelle
, ausgehend von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten,
einen Renten
anspruch (Urk. 7/8). Dagegen erhob der Versicherte am 20. Januar 2015 b
eim hiesigen Gericht Beschwerde. Bei Vo
rliegen übereinstimmender Parteianträge
wurde die Sache mit Urteil vom 16. April 2015
zur weiteren Abklärung der Arbeitsfähigkeit an die IV-Stelle zurückgewiesen (Urk. 7/33).
1.2
Das Arbeitsverhältnis mit der
Y._
, bei welcher
X._
als Produktionsmitarbeiter angestellt war, wurde durch die Arbeitgebe
rin a
m 22. Mai 2015
aufgrund der
Erschöpfung des Krankentaggeld
anspruches
per 31. August 2015
aufgelöst (Urk. 7/7, 7/17). Daraufhin
meldete sich der Ver
sicherte a
m
10.
Juli 2015 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Zürich
Nansenstrasse
zur Arbeitsvermittlung an (Urk. 7/1) und beantragte ab dem 1. September 2015 Arbeitslosenentschädigung
, wobei er angab, zu 100 % arbeitsunfähig zu sein
(Urk. 7/2).
Mit
Verfügung vom 11. September 2015
ver
neinte die Arbeitslosenkasse
des Kantons Zürich
einen Anspruch auf
Arbeitslo
senentschädigung
mangels Vermittlungsfähigkeit
(Urk. 7/26). Die vom Versi
cherten dagegen am 7. Oktober 2015 erhobene Einsprache (Urk. 7/30)
wies sie mit
Einspracheentscheid
vom 8. Dezember 2015 ab (Urk. 2 [= 7/40]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 22. Januar 2016 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei ihm
eine
Arbeitslosenentschädigung auszurichten, eventualiter sei die Sache zu
r weiteren
Abklärung und Neubeurteilung an die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 3. Februar 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung
vom
10. Februar 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9). Mit Eingabe vom 25. Februar 2016 (Urk. 10) reichte der Beschwerdeführer weitere Unterlagen ein (Urk. 11/1-2).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf
Arbeitslosenentschä
digung
ist die Vermittlungsfäh
i
gkeit (
Art.
8
Abs.
1
lit
. f
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insol
venzentschädigung,
AVIG). Gemäss
Art.
15
Abs.
1 AVIG ist die arbeitslose Per
son vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzuneh
men und an Eingliederungsmassnahmen teilzuneh
men. Zur Vermittlungsfäh
i
gkeit gehör
t demnach nicht nur die Arbeits
fähigkeit im objektiven Sinn, sondern subjektiv auch die Bereitschaft, die Arbeitskraft entsprechend
den persönlichen Verhältnissen währ
e
nd der üblichen Arbeitszeit einzu
setzen (BGE 125 V
51 E. 6a).
Der Begriff der Vermittlungsfähigkeit als Anspruchsvoraussetzung schliesst gradu
elle Abstufungen aus. Entweder ist die versicherte Person
vermittlungsfä
hig
, insbesondere bereit, eine zumutbare Arbeit im Umfang von mindestens 20
%
eines Normalarbeitspensums anzunehmen, oder nicht (BGE 136 V 95
E.
5.1).
1.2
Nach
Art.
15
Abs.
2 Satz 1 AVIG gilt der körperlich oder geistig Behinderte als vermittlungsfähig, wenn ihm bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage, unter Berücksichtigung seiner Behinderung, auf dem Arbeitsmarkt eine zumutbare Arbeit vermittelt werden könnte.
Art.
15
Abs.
3
der Verordnung über die obli
gatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (
AVIV
)
legt fest, dass ein Behinderter, der unter der Annahme einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage nicht offensichtlich vermittlungsunfähig ist, und der sich bei der Invalidenversicherung oder einer anderen Versicherung nach
Art.
15
Abs.
2 AVIV angemeldet hat, bis zum Entscheid der anderen Versicherung als
ver
mittlungsfähig
gilt.
In diesem Sinn sieht
Art.
70
Abs.
2
lit
. b
des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
vor, dass die Arbeitslosenversi
cherung für Leistungen, deren Übernahme durch die Arbeitslosenversicherung, die Krankenversicherung, die Unfallversicherung oder die Invalidenversicherung umstritten ist, vorleistungspflichtig ist. Aufgrund dieser Bestimmungen hat die Arbeitslosenversicherung arbeitslose, bei einer anderen Versicherung angemel
dete Person zu entschädigen, falls ihre Vermittlungsunfähigkeit nicht offen
sichtlich ist. Dieser Anspruch auf eine ungekürzte Arbeitslosenentschädigung besteht namentlich, wenn die voll arbeitslose Person aus gesundheitlichen Gründen lediglich noch teilzeitlich arbeiten könnte, solange sie im Umfang der
ihr ärztlicherseits attestierten Arbeitsfähigkeit eine Beschäftigung sucht und bereit ist, eine neue Anstellung mit entsprechendem Pensum anzutreten (BGE 136 V 95 E. 7.1). Will eine versicherte Person aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkung allerdings gar nicht mehr arbeiten oder schätzt sie sich selber als ganz arbeitsunfähig ein, so ist sie vermittlungsunfähig.
Selbst wenn in einem sol
chen Fall eine ärztliche Bestätigung vorliegt, wonach entgegen der subjekti
ven Einschätzung der behinderten Person eine (teilweise) Arbeitsfähigkeit bestehe, bleibt es bei der Vermittlungsunfähigkeit mangels
Vermittlungs
bereit
schaft
.
Unter diesen Umständen hat die versicherte Person keinen Anspruch auf (Vor-) Leistungen der Arbeitslosenversicherung (BGE 136 V 95 E. 7.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_401/2014 vom 2
5.
November 2014 E. 2.2).
2.
2.1
Die
Arbeitslosenkasse erwog im angefochtenen Entscheid
,
gemäss den eingereich
ten Unterlagen (Taggeldkarte des Krankentaggeldversicherers sowie ärztliches Zeugnis des behandelnden Arztes) sei der Beschwerdeführer seit
dem 10. De
zember 2014 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. Der Beschwerdeführer sei somit
offensi
chtlich nicht vermittlungsfähig, weshalb
kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
bestehe
(Urk. 2).
2.2
Demgegenüber
wird
beschwerdeweise im Wesentlichen vor
gebracht
,
aus
den
Angaben im Antragsformular und den
damit
eingerei
chten Unterlagen gehe
zumindest indirekt hervor, dass
sich der Beschwerdeführer
für vermittelbar erachtet habe
, zumal er dem Antragsformular die Verfügung
der IV-Stelle
vom 3. Dezember 2014 beigelegt habe, gemäss welcher eine Arbeitsfähigkeit
in angepassten Tätigkeiten
bestehe.
Solange die IV-
Stelle
die
weiteren
medizini
schen Abklärungen nicht vorgenommen und über den Leistungsanspruch ent
schieden habe, bestehe eine Vorleistungspflicht
der Arbeitslosenkasse (Urk. 1).
Mit Eingabe vom 25. Februar 2016
wies
d
er
Beschwerdeführer
ausserdem auf die
zwischenzeitlich durchgeführten
Abklärungen im IV-Verfahren hin und hielt fest, gemäss der Beurteilung des
Regionalen Ärztlic
hen Dienstes der IV-Stelle vom 21
.
Dezember
2015
sei er in
angepassten Tät
igkeiten zu 100 % arbeitsfä
hig
.
Da somit eine Arbeitsfähigkeit attestiert worden sei,
habe er Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
, auch wenn er den Beweiswert dieses
RAD-Abklä
rungsbericht
es
grundsätzlich in Frage stelle (Urk. 10).
3.
3.1
Der
Versicherte
gab im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 10. Juli 2015 an,
er sei zu
100 % arbeitsunfähig
(Urk. 7/2
)
und
reichte
die Taggeldkarte
n
des Krankentaggeldversicherers ein,
auf welchen von seinen behandelnden Ärzten seit dem 10. Dezember 2014 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attes
tiert
worden war
(Urk. 7/
4-5
).
Auch in
den Formular
en
„Angaben der versi
cherten Person
“
der Monate September bis Dezember 201
5 vermerkte
der
Versi
cherte
, bis auf weiteres arb
eitsunfähig zu sein (Urk. 7/27,
7/38-41).
Arbeits
be
mühungen
wurden nach
Lage der Akten keine
getätigt.
3.2
Unter diesen Umständen
ist kein anderer Schluss möglich als derjenige, dass sich der Beschwerdeführer selber als
nicht
arbeits
fähig erachtete
, weshalb die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die Vermittlungsfähigkeit mit Ver
fügung vom 11. September 2015 und
Einspracheentscheid
vom 8. Dezember 2015 zu Recht absprach (vgl. E. 1.2)
.
Dass der Beschwerdeführer seiner Anmel
dung die
Verfügung
der IV-Stelle
vom
3
. Dezember 201
4
beilegte, in welcher davon ausgegangen
worden war
,
dass
er in angepassten Tä
tigkeiten zu 80 % arbeitsfähig sei, vermag
daran nichts zu ändern
.
Auch aus dem
im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht des RAD-Arztes vom 21. Dezember 2015 (Urk. 11/1)
,
in welchem
dem
Beschwerde
führer in angepassten Tätigkeiten
eine 100
%
ige Arbeitsfähigkeit attestiert wurde
, vermag der Beschwerdeführer sodann nichts zu seinen Gunsten abzulei
ten
.
Es liegt somit zwar eine ärztliche Bestätigung vor, wonach eine Arbeitsfä
higkeit
in angepassten Tätigkeiten
zumutbar ist
(vgl.
auch
das
heute
ergangene
Urteil des
hiesigen Gerichts im Verfahren Nr.
IV.2016.00573
, wonach auf diese Beurteilung abzustellen ist
)
.
Dies bleibt jedoch vorliegend ohne
Relevanz für den Leistungsanspruch gegenüber der Arbeitslosenversicherung
, da die
Ver
mittlungsfähigkeit
nicht mangels Arbeitsfähigkeit
, sondern mangels
Vermitt
lungsbereitschaft
zu
Recht verneint wurde
.
Dass
sich der Beschwerdeführer sel
ber als nicht vermittelbar erachtet
e
,
wird in diesem Bericht im Übrigen erneut bestätigt. So wird darin festgehalten
, der Beschwerdeführer habe angegeben, er könne sich aufgrund seiner Schmerzen zurzeit nicht vorstellen, einer
Arbeitst
ä
tigkeit
nachzugehen
(Urk. 11/1 S. 3).
3.3
Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch auf Leistungen der Arbeitslosenversi
cherung
somit
zu Recht verneint. Die dagegen gerichtete Beschwerde ist abzuweisen.