Decision ID: 1f6195a8-2860-40b4-aaf5-ac58bdc5434f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der
1961
geborene
X._
war zuletzt vom
2. Mai 1996
bis
31. Dezem
ber 2016
als
Lagerist
bei der
Y._
AG
angestellt. Am
11. August 2016
mel
dete er sich unter Hinweis auf
Depressionen sowie Schmerzen in
Nacken, Schul
tern und Beine
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/5, Urk.
7/24/1
-6
)
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und liess den Versicherten ins
besondere durch die
Z._
polydisziplinär
begutachten (Expertise vom
9
. August 2018
;
Urk.
7/83/3 ff.
). Nach durchgefüh
rtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/85, Urk. 7/97
) wies sie das
Leistungsbegehren
mit Verfügung vom
5. Juni 2019
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
8. Juli 2019
Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die angefochtene Verfügung
vom 5. Juni 2019
sei aufzuheben und
die vorliegende Streitsache sei zu weiteren Abklärungen (insbesondere einer psychi
atrischen Begutachtung) an die IV-Stelle zurückzuweisen; unter Kosten- und Ent
schädigungsfolgen zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer zu Lasten der Beschwerde
gegnerin (S. 2). Die IV-Stelle schloss am 10. September 2019 (Urk.
6) auf Abwei
sung der Beschwerde.
Mit
Verfügung vom 11. September 2019 (Urk. 8)
ordnete das Gericht einen zweiten Schriftenwechsel an.
Mit Replik vom 11. Oktober 2019 (Urk. 9) hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest. Mit Eingabe vom 1. November 2019 (Urk. 11) teilte die Beschwer
degegnerin mit, dass sie auf das Einreichen einer Duplik verzichte, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
5. November 2019 (Urk. 12)
zu
r Kenntnis gebracht wurde
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43
V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.2
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder
aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemesse
n werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E.
7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressi
ven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines struk
turierten Bew
eisverfahrens (BGE 143 V 409 E.
4.5.3; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_580/20
17 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
1.
3.3
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Einschränkun
gen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141
V 281 E. 2.2.1, BGE 131 V 49 E.
1.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9
C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E.
4.1).
Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungs
einschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das
aggra
vatorische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Stö
rung zurückzufüh
ren wäre (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.2
; vgl. Urteile des Bundes
gerichts 8
C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 6.1 und 9C_899/2014 vom 29.
Juni 2015 E. 4.2).
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Kons
tellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durchfüh
rung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. BGE
141
V
281 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_899/
2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.4).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 5. Juni 2019 (Urk. 2) unter Hinweis auf das
Z._
-Gutachten vom 9. August 2018 (Urk. 7/83
/3 ff.
) zur Hauptsache, die im Gutachten festgestellten Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdefüh
rers. Somit bestehe keine IV-relevante gesundheitliche Einschränkung. Es bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 2 S. 1).
In ihrer Beschwerdeantwort
vom 10
. September 2019 (Urk. 6) wies die Beschwer
degegnerin ergänzend darauf hin, dass auch die beschwerdeweise erwähnten ärztlichen Berichte keinen Grund böten, an der gutachterlichen Beurteilung zu zweifeln (S. 1). Auch gingen aus den Berichten keinerlei Hinweise hervor, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit dem Zeitpunkt der Begutachtung durch die
Z._
verschlechtert hätte. Damit handle es sich bei der höher attestierten Arbeitsunfähigkeit lediglich um eine andere Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten Sachverhaltes (S. 2).
2.2
Dagegen wendet der Beschwerdeführer (Urk. 2) im Wesentlichen ein, indem die Beschwerdegegnerin auf die
Z._
-Beurteilung und die Stellungnahme
ihres Regional
en
Ärztlichen Dienstes (RAD) abgestellt habe, sei der Untersuchungs
grundsatz gemäss
Art.
43 ATSG verletzt worden (S. 3).
Dabei sei darauf hinzu
weisen, dass insbesondere das psychiatrische Teilgutachten der
Z._
weder schlüssig noch nachvollziehbar sei und zudem noch aktenwidrig erstellt worden sei. Während sich aus somatischer Sicht keine weiteren Abklärungen aufdräng
t
en, sei vorliegend auch unter Berücksichtigung der neuen Berichte nach dem
Z._
-Gutachten ein neues psychiatrisches Gutachten zu erstellen (S. 7
; vgl. auch Urk. 9
).
3.
3.1
3.1.1
In ihrer Beurteilung im Rahmen einer Funktionsorientierten Medizinischen Abklärung (FOMA)
für die Krankentaggeldversicherung
vom 5. Dezember 2016 (Urk. 7/32
/
4-11) stellten die unterzeichnenden medizinischen Fachpersonen
vom Zentrum
A._
beim Beschwer
deführer
zur Hauptsache folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (S.
1 f.):
-
Zervikozephales
und
zervikobrachiales
Schmerzsyndrom links
-
Lumbales Schmerzsyndrom bei linkskonvexer Skoliose
-
Dysfunktionelles
Krankheitsverhalten mit Erweiterung der Schmerz
-
symptomatik
-
Schwere depressive Episode (ICD-10 F32.2)
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei schwieriger Arbeitssituation (ICD-10 F43.21)
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie (S. 2):
-
Labile Hypertonie
-
Diabetes mellitus
-
Hypercholesterinämie
-
Verdacht auf Raynaud-Erkrankung
Sie gelangten zum Schluss, objektiv stehe die Nackenproblematik sowie die Prob
lematik im Lendenwirbelsäulenbereich mit der degenerativen Veränderung HWK
3/4 und 4/5 mit
Bandscheibenprotrusion
und degenerativen Veränderungen im Wirbelkörper HWK
4/5:
Osteochondrose
und
Spondylarthrose
im Vordergrund. Es könne auch zu intermittierender Reizung der 5. Halsnervenwurzel links kom
men. Im Lendenbereich gehe es um einen Bandscheibenvorfall
L4/5 mit mögli
chem Kontakt zur L5
-Wurzel und relativer Spinalkanalstenose. Im Vordergrund werde aber ein gemischtes Bild gesehen, wo orthopädisch-rheumatologische Beschwerden deutlich durch den psychischen Zustand und Verhaltensauffällig
keiten des Beschwerdeführers überlagert seien. Bei der Untersuchung sei der Beschwerdeführer deutlich muskulär verspannt, selbstlimitiert, zeige kaum Bewe
gung, sei ausgeprägt schmerzempfindlich. Schon bei der Erhebung der Anamnese zirkulierten seine Gedanken im Kreis und dadurch habe er eine Hyper
hidrose und Tremor der Hände mit Anstieg des Blutdrucks bis 220/120
mmHG
entwickelt. Nach Einnahme der mitgebrachten Baldriantabletten und einer Tablette
Dafalgan
sei innerhalb etwa einer halben Stunde eine deutliche Senkung des Blutdrucks auf 180/120
mmHG
festgestellt worden. Aufgrund dieses Zustands des Beschwer
deführers mit erhöhtem Blutdruck, Selbstlimitierung, allgemeiner Verspannung und
dysfunktionellem
Krankheitsverhalten seien keine Tests durchgeführt wor
den. Vor allem der erhöhte Blutdruck sei Kontraindikation für die Durchführung
solcher körperlicher Tests
. Medizinisch-theoretisch aufgrund der Anamnese und den vorliegenden radiologischen Befunden könnte der Beschwerdeführer eine zumindest mittelschwere, angepasste Tätigkeit ganztags ausführen (S. 2 f.).
3.1.2
Im Rahmen der versicherungsmedizinischen Evaluation des neuropsychiatrischen Funktionspotenzial
s
vom 5. April 2017 (Bericht vom 8. Juni 2017; Urk. 7/52/16-26)
zu Händen der Krankentaggeldversicherung
stellten die unterzeichnenden
Gutachter
der Begutachtungsstelle
B._
fest, die berufsbezogene neuropsychologische-ver
haltensneurologische Abklärung ergebe im kognitiven Bereich unter Berücksich
tigung eines prämorbid tiefen bis höchstens mittleren Leistungsprofil
s
Diskrepan
zen zwischen den Testleistungen sowie dem beobachtbaren Verhalten und den Angaben zum Verlauf, die nicht mit dem zu erwartenden Leistungspotential über
einstimmten und auf ein suboptimales Leistungsverhalten sowie eine bewusst
seinsnahe Antwortverzerrung hinwiesen. So zeige der Beschwerdeführer bei zeit
limitierten Aufgaben eine extrem betont langsame Vorgehensweise, ohne dass eine Antriebsminderung oder psychomotorische Verlangsamung vorliege. Zudem erreiche der Versicherte in Symptomvalidierungstests Resultate, die extrem weit unter de
nen
lägen, die bei motivierter Mitarbeit zu erreichen seien und sogar von Patienten mit demenziellen Syndromen problemlos bearbeitet werden könnten. Auch bei der Prüfung der sonstigen kognitiven Domänen zeig
e
sich eine subop
timale Leistungsbereitschaft. Eine valide Beurteilung der kognitiven Leistungsfä
higkeit sei daher nicht möglich. Unter Berücksichtigung der Verhaltensbeobach
tung, den eigenen anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers und dem in den Unterlagen aufge
f
ührte
n
Verlauf liessen sich aber keine relevanten kogniti
ven Einschränkungen an die im angestammten Beruf des Beschwerdeführers gestellten Anforderungen ableiten. Auch das Alltagsaktivitätsspektrum des Beschwerdeführers sei durch neurokognitive Symptome nicht limitiert. Eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund
depressogener
/affektpathologischer oder selbständiger neurokognitiver Defizite lasse sich zusammenfassend nicht begründen
. Die für die Bemessung von Arbeitsfähigkeitsprozenten nach versiche
rungsmedizinischen Kriterien geforderte klinisch-objektive Schweregradbeurtei
lung impliziere aus psychiatrisch-psychopathologischer Sicht medizinisch-theo
retisch eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit; hingegen aus neuropsychologisch-leis
tungspsychologischer Sicht für die angestammte Tätigkeit als Lagerist sowie für jede andere bildungsadäquate Tätigkeit bei demonstriertem dysfunktionalem Krankheitsverhalten und suboptimaler Leistungsbereitschaft im Sinne einer for
cierten Aggravation, entsprechend der Aktenlage mit Symptomausweitung, eine volle Arbeitsfähigkeit
(S. 6).
3.2
Der behandelnde Psychiater Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH, diagnostizierte
in seinem Bericht vom 1. November 2017 (Urk. 7/54) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit pha
senweise psychotischen Symptome
n
(ICD-10 F33.2/F33.3)
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Verdacht auf narzisstische, passiv-aggressive, impulsive und zwanghafte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.80, F60.81, F60.5)
Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er ein
en
Status nach Phleg
mone inguinal rechts Oktober 2017, eine arterielle H
ypertonie und ein
metaboli
sches Syndrom
(S. 1)
.
Im Verlaufsbericht
vom 15. Februar 2018 (Urk. 7/65)
nannte Dr.
C._
zusätz
lich
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41
)
sowie eine sonstige dis
soziative Störung (Konversionsstörung; ICD-10 F44.88) und wie
s
darauf hin, dass keine veränderten Befunde seit dem letzten Bericht vom 1. November 2017 vor
lägen. Vordergründig sei die depressive Symptomatik mit phasenweise psychoti
schen Elementen sowie die Schmerzproblematik. Es sei von einer
Chronifizierung
der Beschwerden auszugehen. Eine therapieresistente Form (nach bis jetzt ver
schiedenen Therapieversuchen) sei nicht auszuschliessen. Sowohl für
die
bishe
rige als auch für eine angepass
te Tätigkeit sei von einer 100%
igen Arbeitsunfä
higkeit auszugehen (S. 1).
3.3
3.3.1
Die für das polydisziplinäre Gutachten der
Z._
AG vom 9. August 2018 (Urk. 7/83/3 ff.) verantwortlich zeichnenden Fachgutachter
(siehe
Urk.
7/83/2)
stellten aus interdisziplinärer
Sicht
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/83/21-112 S. 5). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 5):
-
Mögliche vorangehende depressive Episode unklarer Ausprägung, remit
tiert (ICD-10 F32.8Z)
-
Arterielle Hypertonie
-
Adipositas Grad 1
-
Dyslipidämie
-
Diabetes mellitus Typ 2
-
Hämorrhoiden bei Obstipationsneigung
3.3.2
Der
internistische
Gutachter
hielt
fest, auf diesem Gebiet ergäben sich
anahand
der hiesigen objektiven Befunde keine erheblichen Beeinträchtigungen der Res
sourcen. Aus internistischer Sicht sei für eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit kein ausreichender Anhalt gegeben. Für die notwendige verbes
serte Blutdruckeinstellung sollte ein Zeitraum von vier Wochen eingeräumt wer
den, im Anschluss sei eine Arbeitsfähigkeit zu erwarten (S. 30
f.
).
3.3.3
I
n neurologischer Hinsicht legte
der
zuständige
Experte dar
, dass der hiesige Befund kein objektives Korrelat der reklamierten Lumbalgien objektiviert habe, die dargebotene Bewegungsstörung und eingeschränkte Mobilität lasse sich nicht anhand einer objektiven
nervalen
oder spinalen Pathologie erklären und folge auch keinem biologisch plausiblen Muster
. Die angegebene Schmerzprojektion habe an eine Irritation oder Kompression von S1 denken lassen, der Kennreflex sei jedoch seitengleich erhalten gewesen, was eine erhebliche
nervale
Läsion unwahrscheinlich mache (der Kennreflex sei der sensibelste Parameter einer Wur
zelkompression). Ein in ein
Dermatom
ausstrahlendes Nervendehnungszeichen (
Lasègue
) habe im hiesigen Befund ebenfalls nicht vorgelegen. Eine konsistente Schmerzbeeinträchtigung sei nicht zu erkennen gewesen (S. 57). Der hiesige Befund objektiviere keine ausreichende Erklärung der Beschwerden, die Präsen
tation habe demonstrativ gewirkt und auch aktenkundig sei eine nicht plausible Präsentation berichtet worden (Dr.
D._
), was Zweifel an der reklamierten Beeinträchtigung begründe.
Eine erhebliche Limitierung der Ressourcen lasse sich aus dem hiesigen objektiven Befund nicht ableiten (S. 59).
3.3.4
Der psychiatrische Fachgutachter führte aus
(S. 86 f.)
,
im hiesigen AMDP-konform erhobenen psychiatrischen Befund seien die ICD-10-Achsenkriterien einer depressiven Episode (vitale Traurigkeit, Antriebs- und Freud-/Interessens
verlust) nicht zu erkennen. Dieser Eindruck werde gestützt durch die Beschrei
bung der Alltagsaktivität (Spaziergänge, soziale Kontakte, Unterstützung bei der Hausarbeit) und die hiesige Verhaltensbeobachtung. Die seitens des behandeln
den Psychiaters vorbeschriebene depressive Störung sei ausweislich des hiesigen Befunds nicht (zumindest nicht mehr) zu bestätigen. Die im Rahmen der Depres
sion beschriebenen wahnhaften Wahrnehmungen (Beobachtung durch Arbeits
kollegen) würden hier nicht mehr angegeben.
Aus den Akten und den Angaben des Beschwerdeführers gehe hervor, dass sich nach einer Konfliktsituation am Arbeitsplatz eine depressive Verstimmung ein
gestellt h
abe
, die von Schlafstörungen, Reizbarkeit, kognitiven Störungen und
Lustlosigkeit begleitet worden sei
. Vor dem Hintergrund einer aktenkundig vor
beschriebenen und hier erneut festgestellten Beschwerdeaggravation sei das Aus
mass einer vorangehenden depressiven Störung also nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu bestimmen. Bei den aktenkundig vorbeschriebenen Diag
nosen einer schweren oder mittelgradigen Depression sei eine verfälsch
ende
Beschwerdedarstellung nicht diskutiert worden. Der heutige Befund spreche unabhängig davon zumindest für eine weitgehende Remission einer gegebenen
falls reaktiven depressiven Störung (unklaren Schweregrades).
Die vom behandelnden Psychiater genannte Persönlichkeitsstörung könne aus hiesiger Sicht nicht bestätigt werden. Der unauffällige soziobiographische Längs
schnitt (ungestörte Kindheit und Jugend, unauffällige Erwerbsbiographie, seit Jahrzehnten stabile Ehe) zeigten, dass die ICD-10-Diagnosekriterien einer Per
sönlichkeitsstörung nicht erfüllt seien. Darüber hinaus erlaube die verfälschte Beschwerdedarstellung im Rahmen der auch aktenkundig nachgewiesenen Aggravation/Simulation gar keine Beurteilung der Persönlichkeitsmerkmale im Sinne einer definitiven Diagnose einer Persönlichkeitsstörung.
Die
hier angegebenen chronischen
Schmerzen i
m
Bewegungsapparat seien nicht mit dem Krankheitsbild einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung ver
einbar: Im hiesigen klinischen Eindruck und mit Blick auf die Alltagsaktivitäten finde sich kein andauernder starker und quälender Schmerz und ein adäquater zugrundeliegender, zeitlich assoziierter, schwerwiegender Konflikt sei nicht her
auszuarbeiten. Die
Kodierregeln
des ICD-10
schlössen zudem eine parallele Kodierung einer somatoformen Schmerzstörung bei gleichzeitiger Diagnose einer affektiven (depressiven) Erkrankung aus
, die aktenkundige parallele Diagnose
stellung sei also nicht korrekt und allenfalls geeignet
,
den irreführenden Eindruck psychiatrischer Polymorbi
di
tät zu erwecken. Eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sei nach diesen Leitlinien ebenfalls nicht zu diagnostizieren, da Schmerzstörungen im Zusammenhang mit einer affektiven Störung (hier mögliche depressive Störung) und bei Hinweisen auf eine Aggra
vation nicht berücksichtigt würden.
Die vom Beschwerdeführer reklamierten kognitiven Störungen seien hier nicht nachvollziehbar. Der Beschwerdeführer sei wach,
attent
und zeige keine fassbare Beeinträchtigung bei der Exploration und der Beschreibung der Alltagsaktivitä
ten. Die
bei den
Kurztests demonstrierten Defizite seien auch hier am ehesten auf eine bewusste Beschwerdeverdeutlichung zurückzuführen.
Zusammenfassend gelangte der Experte zum Schluss, es ergäben sich keine aus
reichenden Hinweise für eine psychiatrisch begründbare Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Eine Arbeitsaufnahme sei auch aus therapeutischer Sicht zu
r
Stabilisierung von Tagesstrukturierung, sozialer Teilhabe, Selbstwirksamkeits- und Selbstwerterleben sowie zum Abbau von Insuffizienzverhalten zu b
efürwor
ten
.
3.4
Unter Bestätigung der am 1. November 2017 (E. 3.2) gestellten Diagnosen berich
tete Dr.
C._
am 16.
November 2018 (
Urk.
3/3
)
, die oben erwähnten Diagno
sen seien seit mindestens Anfang 2016 vorhanden. Aus medizinischer Sicht liege eine psychosomatische Komorbidität vor. Trotz therapeutischen Massnahmen
(stationär und ambulant
) hätten die Beschwerden beziehungsweise Einschrän
kungen nicht wesentlich beeinflusst werden können. Eine therapieresistente Problematik aufgrund der psychosomatischen Komorbidität sei nicht auszu
schliessen. Zusammenfassend sei es seit der Behandlung bei ihm (seit 17. März 2016) zu keinem Zeitpunkt
zu
eine
r
Verbesserung des Gesundheitszu
standes gekommen. Es sei seither eher von einer Verschlechterung des Gesund
heitszustandes auszugehen. Persistierend bleibe die depressive Symptomatik mit emotionaler und affektiver Instabilität (mit Fremdaggressivität und Kontrollver
lust mit Drohungen mit Messer gegenüber seiner Ehefrau und Kinder
n
sowie gegen sich selbst gerichtet beziehungsweise Suizidalität).
Die c
hronische Schmerzproblematik bleibe trotz medizinischer Massnahmen und Therapien nicht beeinflusst.
Eine Aggravation liege auf keine Weise vor und sei eine solche aus medizinischer Sicht auszuschliessen (S. 2).
3.5
Nach stationären Behandlungen vom 1. September bis 6. Oktober 2017, 10. Oktober bis 2
6.
Oktober 2017 sowie vom 15. November bis 11. Dezem
ber 2017
(vgl. Urk. 7/53 f., Urk. 7/62) begab sich der Beschwerdeführer l
aut dem Austrittsbericht der i
ntegrierten Psychiatrie
E._
vom 31. Januar 2019 (Urk.
3/4
)
v
om 17. Dezember 2018 bis
16. Januar 2019
erneut
in stationäre
Therapie
. Die
medizinischen Fachpersonen
hielten fest,
diagnostisch werde die bereits durch den
Vorbehandler
gestellte Diagnose der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) und die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
bestätigt. Zusätzlich werde noch eine sons
tige dissoziative Bewegungs- und Sensibilitätsstörung (ICD-10 F44.88) bezogen auf die wechselnd stark ausgeprägten Einschränkungen in der Bewegung und der Sinnesmodalitäten (Taubheitsgefühle, Kribbeln/Schmerzempfinden im Hinterkopf und Nacken) kodiert. Zur weiteren Stabilisierung werde die Fortführung der ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung bei
Dr.
C._
empfohlen. Die Medikation mit
Que
ti
apin
bei Unruhe oder Schlafstörungen scheine erfolgreich und sei dem Beschwerdeführer empfohlen worden. Des Wei
teren wäre längerfristig die Etablierung einer geeignete
n Tagesstruktur sinnvoll (S. 4).
4.
4.1
Mit Blick auf die vorliegende Aktenlage ist grundsätzlich unbestritten
(vgl. Urk. 1 S. 7, Urk. 2, E. 3.3.1)
, dass beim Beschwerdeführer infolge des somatischen Geschehens
keine
wesentliche
Einschränkung der
Leistungsfähigkeit besteht. Namentlich gelangten die Gutachter der
Z._
AG
aus internistischer und neu
rologischer Sicht (E. 3.2.2 f.) in Übereinstimmung
mit den Gutachtern
im Rahmen der FOMA vom 5. Dezember 2016 (E. 3.1.1) aus orthopädisch-rheumatologischer
Sicht
z
um Schluss, dass weder die radiologischen noch neurologischen Befunde ein hinreichendes
objektives Korrelat zur Erklärung der
dargebotenen Bewe
gungsstörung und eingeschränkten Mobilität belegen. Da aktenbasiert ebenso keine
Anhaltspunkte für eine abweichende Schlussfolgerung zu ersehen sind, i
st auf diese Einschätzung
abzustellen
.
Demnach ist dem Beschwerdeführer aus somatischer Sicht nach wie vor zumindest eine mittelschwere und somit
die
angestammte Tätigkeit als Lagerist zumutbar (E. 3.1.1, Urk. 7/24/1-6, Urk. 7/83/21-112 S. 59 f.
).
4.2
4.2.1
Uneinigkeit besteht freilich bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
in psychiatrischer Hinsicht
.
Während die Beschwerdegegnerin in Nachachtung des
Z._
-Gutachtens
eine relevante Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit verneinte (Urk.
7/84 S. 10
), erachtet der Beschwerdeführer das genannte Gutachten als zur Beurteilung seiner psychischen Situation ungenü
gend, weshalb ein neues psychiatrisches Gutachten zu erstellen sei (Urk. 1 S. 7).
4.2.2
Vorwegzuschicken ist,
dass das
Z._
-Gutachten auf den notwendigen Unter
suchungen basiert und sich somit als für die strittigen Belange umfassend erweist. Die Gutachter setzten sich detailliert mit den vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden auseinander (Urk. 7/83/14-19 S. 2, Urk. 7/83/21-112 S. 22 f., S. 51, S.
76 f.) und nahmen ihre Beurteilung in Kenntnis der wesentlichen
Vorakten
vor (Urk. 7/83/3-13, Urk. 7/83/21-112 S. 11-21, S. 39-49, S. 65-75). Die medizini
schen Zusammenhänge wurden einleuchtend dargelegt und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugen. Das
Z._
-Gutachten entspricht somit den praxisgemässen Anforderungen an eine beweiswertige Expertise (E.
1.4
).
Namentlich
legten sie dar, dass weder die radiologischen noch neurologischen Befunde ein hinreichendes objektives Korrelat zur Erklärung der
dargebotenen Bewegungsstörung und eingeschränkten Mobilität belegen
(E. 4.1) und aus psy
chiatrischer Sicht aktenanamnestisch sowie gestützt auf die eigenen Befunde
eine Beschwerdeaggravatio
n festzustellen ist (E. 3.3.4).
4.
3
4.3.1
Was der Beschwerdeführer vorbringt, vermag die gutachterlichen Schlüsse nicht in Zweifel zu ziehen. Soweit er sich auf Anerkennung einer Leistungspflicht durch den Krankentaggeldversicherer
beruft,
ist entgegenzuhalten, dass die Anordnun
gen des Krankentaggeldversicherers für die Invalidenversicherung keine Bin
dungswirkung haben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_953/2010 vom 29.
April 2011 E. 7.3) und
auch
eine Arbeitsunfähigkeit durch die Beschwerdegegnerin unabhängig zu bewerten war.
Dies gilt vorliegend umso mehr, als die Gutachter
die Einordnung der leistungspsychologischen Befunde
der im Rahmen der
versi
cherungsmedizinischen Evaluation des neuropsychiatrischen Funktionspotenzi
al
s
vom 5. April 2017
(E. 3.1.2) getätigten Abklärungen in der medizinischen Gesamtschau per se dem Rechtsanwender überliessen (Urk. 7/52/16-
26
S. 6)
. Da neuropsychologische Testungen zudem vornehmlich der Beschwerdevalidierung dienen
(vgl.
Jeger
,
Auswirkungen der neuen Rechtsprechung zu den psychoso
matischen Krankheitsbildern auf die medizinische Begutachtung
, HAVE, 2016, S. 100 ff.)
ist der Schluss der Beschwerdegegnerin in dieser Hinsicht nicht zu beanstanden. Schliesslich
hat d
as Bundesgericht bereits mehrfach und wiederholt im Zusammenhang mit angestren
gten Strafverfahren gegen
Leiter medizinischer Abklärungsstellen festgehalten, dass ein solches Verfahren nicht dazu führen kann, nunmehr alle Gutachten pauschal als unglaubwürdig zu betrachten (Urteil 9C_939/2012 vom
5.
September 2013 E. 2.2.1). Auch im vorliegenden Fall erge
ben sich keine konkreten Anhaltspunkte, die auf eine Verfälschung der Abklä
rungsergebni
sse schliessen lassen
. Damit sind die formellen Beanstandungen gegen die Expertise der
Z._
AG
nicht gerechtfertigt.
4.3.2
Alsdann steht fest – u
nd wird auch nicht bestritten
–
, dass in somatischer Hinsicht keine Pathologien zur Erklärung der geklagten Beeinträchtigungen fest
zustellen
sind
. In diesem Zusammenhang ist z
u berücksichtigen, dass in Bezug auf Schmer
zen naturgemäss Beweisschwierigkeiten bestehen, folglich die subjektiven Schmerzangaben der versicherten Person für die Begründung einer (teilweisen) Arbeitsunfähigkeit allein nicht genügen, sondern die Schmerzangaben durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde hinreichend erklärbar sein müssen (BGE 143 V 124 E. 2.2.2)
.
Wie hiervor festgehalten, traf dies vorliegend gerade nicht zu.
Vielmehr
wiesen
sowohl die
medizinischen Fach
personen
im Rahmen der FOMA
sowie der
versicherungsmedizinischen Evalua
tion des neuropsychiatrischen Funktionspotenzial
s
als auch die Gutachter der
Z._
AG
auf eine nicht plausible Präsentation der Schmerzen
beziehungsweise psychische Überlagerung des somatischen Geschehens
und Selbstlimitierung
hin, wobei insbesondere eine Diskrepanz zwischen Beschwerdeschilderung und Ver
ha
ltensbeobachtung notiert wurde
(
E. 3.1, E. 3.3
). So
war dem Beschwerdeführer trotz beschriebener erheblicher multiple
r Beschwerden im Rückenbereich ein Bücken problemlos möglich und ebenfalls das Sitzen während einer zweistündi
gen Exploration (Urk. 7/52/
16-26
S. 3 f.). Auch währen
d
der internistischen sowie neurologischen Untersuchung zeigte der Beschwerdeführer keine Schonhaltung, kein Schonsitz oder Schon
gang
, das
Aus
ziehen gelang selbständig und geschickt, während das Ankleiden unter demonstrativem Klagen dreimal so lange dauerte und der Kopf konnte spontan frei in alle Richtungen bewegt werden
(Urk. 7/83/21-112 S. 26, S. 53)
. Darüber hinaus
erkannte
n
sowohl
die neuropsy
chologische-verhaltensneurologische
Expertin im Rahmen
der versicherungsme
dizinischen Evaluation des neuropsychiatrischen Funktionspotenzial
s
vom
5.
April 2017
(E. 3.
1.2
) als auch der Gutachter der
Z._
(E. 3.3.4) damit vereinbar Hinweise auf
aggravierendes
Verhalten. Erstere berichtete von einge
schränkter Kooperation und verminderten Anstrengungs- und Leistungsbereit
schaft des Beschwerdeführers, obwohl keine Antriebs- oder Initiationsstörung vorlag sowie
von Resultate
n
in Symptomvalidierungstests, welche extrem weit unter dem liegen würden, was bei motivierter Mitarbeit zu erreichen sei und sogar von Patienten mit demenziellen Syndromen problemlos bearbeitet werden könn
ten (Urk. 7/52/
16-26
S. 5 f., E. 3.1.2).
Damit übereinstimmend hielt der Gutachter der
Z._
fest, dass bei den orientierenden Tests zur Beschwerdevalidierung sich deutliche Hinweise auf ein nicht glaubwürdiges Antwortverhalten ergeben hätten und auch bei der orientierende
n
Prüfung der Gedächtnis- und Konzentra
tionsleistung sich im Vergleich zum übrigen Gespräch nicht plausible Defizite gezeigt hätten (Urk. 87/83/21-112 S. 79)
.
Den Akten ist sodann zu entnehmen, dass
der Beschwerdeführer
die benutzte Ge
h
hilfe während der internistischen Exploration links führte (Urk. 7/83/21-112 S.
2
6)
,
wohingegen während der psychiatrischen Begutachtung eine rechtsseitige Benutzung der Ge
h
hilfe notiert wur
de
und ebenso
, dass die auf diese Art benutzte Ge
h
hilfe nicht zur Entlastung
des beeinträchtigten rechten Beines führt (Urk. 7/83/21-112 S. 79
f.). Im Weiteren beschreibt beziehungsweise demonstriert der Beschwerdeführer im Verlauf multiple Beschwerden und Einschränkungen wie er könne den Kopf nicht drehen und müsse sich mit dem gesamten Körper umdrehen
, Schwindel, Sehstörungen, Konzentrationsprobleme sowie eine Schmerzproblematik am ganzen Körper und insbesondere Gefühlsstörungen im Bereich des linken Armes und rechten Beines (vgl. Urk. 7/21/6-8 S. 6, Urk. 7/32/4-11 S. 2, S. 7, Urk. 7/52/
16-26
S. 3, Urk.
7/53 S. 2, Urk. 7/54 S. 3,
Urk. 7/83/21-112 S. 23
, S. 75
)
.
Dies lässt sich jedoch nur schwer mit dem Lenken eines PKWs mit Schaltgetriebe vereinbaren, was dem Beschwerdeführer nach eigener Aussage jedoch ununterbrochen möglich war (Urk. 7/15 S. 3, Urk. 7/52/
16-26
S. 4,
Urk. 7/83/14-20 S. 4, Urk. 7/83/21-112 S. 25).
4.3.3
Der Beschwerdeführer machte weiter geltend,
die vom Behandler bereits seit l
an
gem diagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung habe sich durch polizei
lich aktenkundige Fälle bestätigt, weshalb die Ausführungen des Gutachters nicht zutreffen könnten (Urk. 1 S. 6). Auch leide er massiv unter seinen psychischen Beschwerden, weshalb er sich zur erneuten Hospitalisierung überreden liess (Urk. 1 S. 7).
Persönlichkeitsstörungen im Sinne von ICD-10 F60-62 umfassen tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren
Reaktionen auf unterschied
liche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen. Dabei findet man bei Personen mit Persönlichkeitsstörungen gegenüber der Mehrheit der betreffenden Bevölkerung deutliche Abweichungen im Wahrnehmen, Denken, Fühlen und in Beziehungen zu anderen. Solche Verhaltensmuster sind meistens stabil und beziehen sich auf vielfältige Bereiche von Ve
rhalten und psychischen Funktio
nen. Häufig gehen sie mit persönlichem Leiden und gestörter sozialer Funktions- und Leistungsfähigkeit einher. Persönlichkeitsstörungen unterscheiden sich von Persönlichkeitsänderun
gen durch den Zeitpunkt und die Art und Weise ihres Auftretens. Sie beginnen in der Kindheit oder Adoleszenz und dauern bis ins Erwachsenenalter an. Per
sönlichkeitsänderungen dagegen werden im Erwachsenenalter erworben (Welt
gesundheitsor
ganisation: Internationale Klas
sifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], 1
0.
Aufl. 2015, S. 274 f. F60-62; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 36/04 vom 1
4.
Juni 2004 E. 4.3).
Den Akten kann nicht entnommen werden, dass der Beschwerdeführer in seiner Jugend erhebliche Probleme gehabt haben sollte.
Vielmehr
spricht er selbst von einer unauffälligen Entwicklung, fürsorglichen Eltern und er habe kein aggressi
ves Verhalten gezeigt (Urk. 7/83/21-112 S. 77).
Er war zudem während
Jahrzehn
ten
erwerbstätig, ohne dass Konflikte am Arbeitsplatz ersichtlich wären.
Inwiefern angesichts dessen polizeilich registrierte Vorfälle Einfluss auf die gutachterliche Einschätzung zu nehmen vermöchten, ist nicht ersichtlich, zumal solche vorlie
gend nicht aktenkundig sind
und
sich
der Beschwerdeführer eine Bedrohungssi
tuation lediglich überlegt hatte (Urk.
3/4
S. 2).
Eine Persönlichkeitsstörung kann damit – wie dies
der explorierende Psychiater der
Z._
ausführlich begründete - nicht nachvollzogen werden.
Auch aus der letzten stationären Behandlung vom 17. Dezember 2018 bis 15. Januar 2019 (
E. 3.5
) vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
Einerseits blieb den behandelnden Klinikärzten der Grund für den Eintritt unklar (S. 2). Andererseits k
ann eine Klinik, die einen Patienten
(so
lange)
behandelt
, gar nicht anders, als schwerwiegende Gesundheitsbeeinträchtigungen zu attestieren, andernfalls sie den erfüllten Behandlungs
auftrag in Frage stellen würde (Entscheid des Bundesgerichts
9C_841/2019
vom 30. März 2020 E. 4.3)
.
Dies umso mehr,
als
trotz dreier stationärer Aufenthalte im Wesentlichen unver
änderte Verhältnisse bestehen und keine nennenswerte Verbesserungen auszu
machen sind
(vgl. Urk.3/4
,
Urk. 7/53 f., Urk. 7/62).
4.3.4
Endlich vermag auch der Bericht des behandelnden Psychiaters Dr.
C._
vom 16. November 2018 (E. 3.4)
die gutachterliche Einschätzung nicht in Zweifel zu ziehen.
Externen Beurteilungen, die nach
Art.
44 ATSG im Verwaltungsverfahren eingeholt wurden, ist bei überzeugendem Beweisergebnis volle Beweiskraft zuzu
erkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl.
BGE 137 V 210
E. 1.3.4 S. 227;
125 V 351
E. 3b/
bb
S. 353). Insbe
sondere lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der thera
peutisch tätigen (Fach-) Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztper
sonen beziehungsweise Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil diese wichtige - und nicht rein subjektiver Interpretation ent
springende - Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder unge
würdigt geblieben sind (Urteil
des Bundesgerichts
8C_317/2019 vom 3
0.
Septem
ber 2019 E. 2.3 mit Hinweis).
Bei genanntem
Bericht handelt es sich einerseits
um die Einschätzung eines behandelnden Arztes. Zudem setzt sich dieser nicht mit den Schlussfolgerungen
des psychiatrischen
Experten
im
Gutachten vom
9. August 2018 (E. 3.3.4)
ausei
nander. Schlie
sslich vermag er
keine wichtigen
, nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation
entspringenden Aspekte aufzuzeigen, die eine andere Beurteilung überzeugender erscheinen lassen würden
. Insbesondere belässt es
Dr.
C._
bei der pauschalen Feststellung, eine Aggravation liege
«
auf keine Weise
»
vor, ohne
kritische Diskussion der gutachterlichen Ausführungen
unter Darlegung nach
vollziehbarer medizinischer Zusammenhänge
.
Selbiges trifft
auch
auf die übrige medizinische Aktenlage zu, woraus sich keine Anhaltspunkte ergeben,
welche eine abweichende Beurteilung aufdrängen
. Dass das
Z._
-Gutachten auf objektiv fehlerhaften beziehungsweise fehlerhaft wie
dergegebenen Information
en
basiert
, macht schliesslich der Beschwerdeführer weder geltend noch ist solches ersichtlich
.
4.4
Nach dem Gesagten ergeben sich somit aus den Akten erhebliche Hinweise dafür, dass die von
Dr.
C._
und den medizinischen Fachpersonen der
E._
attestier
ten Leistungseinschränkungen nicht primär durch die
von ihnen
diagnostizierten psychischen Störungen, sondern durch Aggravation begründet sind. Eine Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit im Sinne von
Art.
6 und
Art.
7 ATSG ist vor diesem Hin
tergrund nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit erstellt, was sich nach den Regeln über die materielle Beweis
last zuungunsten des
Beschwerdeführer
s
auswirkt.
Bei diesem Ergebnis
sind
keine
Anhaltspunkte gegeben, welche weitere Abklärungen als notwendig erscheinen
lassen
. Der relevante Gesichtspunkt, ob nunmehr ein anspruchserheblicher Gesundheitsschaden vorliegt, lässt sich aufgrund der bestehenden Aktenlage ver
lässlich beurteilen, weshalb sich in antizipierter Beweiswürdigung keine weiteren Abklärungen aufdrängen (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
Ebenso
kann auch von einem nach BGE 143 V 418 bei psychischen Erkrankung grundsätzlich durchzuführenden strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden
(E. 1.3.3)
.
Damit ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens-aufwand und unabhängig vom Streitwert i
m Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt. Vorliegend sind die Kosten des Verfahrens auf Fr.
800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.