Decision ID: f8c9a020-e5d4-4947-912f-a252a421f450
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war und ist Gesellschafter und Geschäftsführer der B._ GmbH, und bei ihr
als Gipser angestellt (vgl. UV-act. II-16). Aufgrund dieser Anstellung war und ist er bei
der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten
versichert. Am 21. August 2014 rutschte er auf einer Baustelle aus und zog sich dabei
Verletzungen am Rücken zu (Schadenmeldung vom 25. August 2014, UV-act. II-1). Der
behandelnde Dr. med. C._, Facharzt für Innere Medizin, St. Gallen, diagnostizierte
eine Lendenwirbelsäulenstauchung und eine Sakroiliakalgelenkprellung rechts mit
fraglicher sensibler Neurologie rechts bei vorbestehend bekannten Rückenschmerzen
und bescheinigte dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Arztzeugnis vom
18. September 2014, UV-act. II-8). Die Suva übernahm die Kosten der Heilbehandlung
und erbrachte Taggeldleistungen (UV-act. II-9). Am 27. Januar 2015 liess der
Versicherte einen Rückfall melden, da die Rückenschmerzen wieder aufgetreten seien
(UV-act. II-16). Dr. C._ berichtete am 6. Februar 2015, der Versicherte leide an einem
lumbospondylogenen Syndrom mit SIG- und Piriformis-Symptomatik rechts nach Sturz
am 21. August 2014 sowie an vorbestehenden degenerativen LWS-Veränderungen
(UV-act. II-22). Der Kreisarzt Dr. med. D._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt eine Unfallkausalität nicht für
überwiegend wahrscheinlich (Stellungnahme vom 23. März 2015, UV-act. II-29),
woraufhin die Suva das Leistungsgesuch des Versicherten mit Verfügung vom 30. März
2015 abwies (UV-act. II-31).
A.a.
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Am 6. April 2015 meldete die B._ GmbH einen weiteren Unfall des Versicherten.
Er sei am 27. März 2015 auf einer Baustelle gestolpert und eine Treppe
hinuntergefallen (UV-act. I-1). Die erstbehandelnden medizinischen Fachpersonen der
Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates am
Kantonsspital St. Gallen (KSSG) diagnostierten eine Acromioclavicular-Gelenksluxation
Rockwood I-II Schulter rechts (Bericht vom 1. April 2015, UV-act. I-3). Die Suva
erbrachte in der Folge Versicherungsleistungen (UV-act. I-4; zu den Taggeldleistungen
siehe UV-act. I-97). Dr. C._ gab im Bericht vom 21. April 2015 an, der Versicherte
leide an einem lumbovertebralen Schmerzsyndrom bei Status nach Diskushernie L4/5
sowie L5/S1, an einer aktivierten Facettengelenksarthrose mittlere/untere LWS sowie
an einer AC-Gelenk-Luxation Schulter rechts am 28. März 2015. Schwere körperliche
Arbeiten als Gipser auf dem Bau seien dem Versicherten nicht mehr zumutbar (UV-
act. I-15). Nach einer persönlichen Untersuchung des Versicherten am 12. Mai 2015
gelangte der Kreisarzt Dr. med. E._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, zur Ansicht, es sei davon auszugehen, dass
die Folgen einer Kontusion nach medizinischen Erfahrungswerten spätestens nach
Ablauf von drei Monaten abklingen würden und die über diesen Zeitpunkt beklagten
Beschwerden des AC-Gelenks der unfallunabhängig vorbestehenden Arthrose
zuzuordnen seien. «Damit würde der Status quo sine eintreten» (kreisärztlicher
Untersuchungsbericht vom 19. Mai 2015, UV-act. I-16).
A.b.
Am 26. Oktober 2015 unterzog sich der Versicherte wegen der AC-Gelenks
arthropathie und SLAP-II-Läsion an der rechten Schulter einer u.a. von Prof. Dr. med.
F._, Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
am KSSG, durchgeführten Schulterarthroskopie, Bicepstenotomie, Acromioplastik und
AC-Resektion rechts (UV-act. I-41). Der peri- und postoperative Verlauf gestaltete sich
komplikationslos (Bericht von Prof. F._ vom 29. Oktober 2015, UV-act. I-42-2 f.). In
der Folge trat ein sichtbar distalisierter Muskelbauch des Biceps auf. Zudem klagte der
Versicherte anlässlich der Untersuchung vom 10. Dezember 2015 noch über
Restbeschwerden vor allem im Schulterbereich (UV-act. I-46). Der Kreisarzt Dr. E._
empfahl in der Stellungnahme vom 19. Januar 2016, dass vier Monate nach der
operativen Versorgung ein Arbeitsversuch als Gipser im Rahmen eines 50%igen
Pensums gestartet werde. Danach sei eine langsame Steigerung der Arbeitsfähigkeit
A.c.
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bis auf 100% möglich (UV-act. I-50). Wegen einer protrahierten Schmerzsymptomatik
unterzog sich der Versicherte in der Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates am 29. Februar 2016 einer therapeutischen
Infiltration des AC-Gelenks, glenohumeral und subacromial Schulter rechts (UV-
act. 57).
Der Kreisarzt Dr. E._ untersuchte den Versicherten am 12. Mai 2016 erneut. Er
gelangte zur Auffassung, dass die fortgeschrittene Acromioclaviculargelenksarthrose
rechtsseitig, die SLAP-Läsion Typ II nach Snyder sowie der Zustand nach
subacromialer arthroskopischer Dekompression, nach arthroskopischer Resektion des
lateralen Claviculaendes und nach Bicepstenotomie am rechten Schultergelenk
unfallunabhängig seien. Unfallabhängig sei die Kontusion des rechten Schultergelenks.
Die weiterführende Behandlung einschliesslich der am 26. Oktober 2015
durchgeführten Operation des rechten Schultergelenks seien nicht den Unfallfolgen,
sondern den Symptomen der unfallunabhängig vorbestehenden schwereren und
aktiven Arthrose des Acromioclaviculargelenks rechtsseitig «geschuldet» gewesen.
Aufgrund der engen zeitlichen Zusammenhänge habe die Administration der
Unfallversicherung die Kosten für die weiterführende Behandlung und die operative
Versorgung übernommen. In Absprache mit ihr solle auch die weiterführende
Abklärung der noch glaubwürdig beklagten Beschwerdesymptomatik zu Lasten der
Suva gehen, bis dann endgültig der Status quo sine eintrete. Es werde eine erneute
diagnostische Abklärung des rechten Schultergelenks empfohlen. Zurzeit sei der
Versicherte in seiner angestammten schweren körperlichen Tätigkeit als Gipser zu
100% arbeitsunfähig (Untersuchungsbericht vom 17. Mai 2016, UV-act. I-69). Nach
einer Würdigung der Ergebnisse der am 16. Juni 2016 erfolgten bildgebenden
Abklärungen (CT-Arthro und MR-Arthrographie des rechten Schultergelenks; UV-
act. I-81) vertrat der Kreisarzt den Standpunkt, es müsse nun vom Eintritt des Status
quo sine ausgegangen werden (Stellungnahme vom 27. Juli 2016, UV-act. I-83).
Daraufhin verfügte die Suva am 13. September 2016 die Einstellung der bisherigen
Versicherungsleistungen (Taggeld und Übernahme der Heilkosten) und wies das
Gesuch um weitere Versicherungsleistungen ab (UV-act. I-87).
A.d.
Dagegen erhob der Versicherte am 13. Oktober 2016 Einsprache und brachte
darin vor, es sei der Nachweis nicht erbracht, dass der Unfall vom 27. März 2015
A.e.
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jegliche kausale Bedeutung für seine Beschwerden und Leistungseinschränkungen
verloren habe (UV-act. I-92; zum miteingereichten Bericht von Dr. C._ vom
4. Oktober 2016 siehe UV-act. I-94). Die Suva widerrief in der Folge die angefochtene
Verfügung und sicherte die Erbringung der gesetzlichen Versicherungsleistungen zu
(Schreiben vom 21. November 2016, UV-act. I-99), da zur Zeit immer noch von einer
unfallbedingten richtungsgebenden Verschlimmerung ausgegangen werden müsse
(UV-act. I-123).
Anlässlich des Gesprächs mit der Suva-Sachbearbeiterin am 11. Januar 2017 gab
der Versicherte nähere Auskünfte u.a. über seine Beschwerden und über die Tätigkeit
der B._ GmbH (UV-act. I-121). U.a. gestützt auf bildgebende
Untersuchungsergebnisse (zur MR Arthro Schulter rechts nativ und mit Kontrastmittel
vom 9. Mai 2017 siehe UV-act. I-146) berichtete Dr. med. G._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, St. Gallen, am
29. Mai 2017, der Versicherte leide an Restbeschwerden an der rechten Schulter bei
Status nach Schulterarthroskopie, Bizepstenotomie, Akromioplastik, AC-Resektion
rechts bei AC-Gelenksarthropathie, SLAP II-Läsion am 26. Oktober 2015 (UV-
act. I-145).
A.f.
Der Kreisarzt Dr. E._ hielt das Erreichen des Status quo sine nicht mehr für
möglich, da anlässlich des Eingriffs vom 26. Oktober 2015 strukturelle Veränderungen
am AC-Gelenk vorgenommen worden seien. Der Zeitpunkt für den Fallabschluss sei
aber gekommen (Aktennotiz vom 13. Juni 2017, UV-act. I-148). Im kreisärztlichen
Abschlussuntersuchungsbericht vom 7. September 2017 wiederholte der Kreisarzt
Dr. E._, dass der medizinische Endzustand erreicht sei. Dem Versicherten seien
aufgrund der Unfallfolgen Arbeitsbelastungen mit körperfernem Tragen von Gewichten
auf Horizontale und darüber nicht mehr zuzumuten. Überkopf-Arbeiten mit Belastung
des rechten Arms seien ihm ebenfalls nicht mehr zumutbar. Gleiches gelte für
Arbeitsbelastungen mit Schlagen oder Hämmern oder Tätigkeiten an schnell
rotierenden Maschinen oder vibrierenden Geräten. Für leichte bis gelegentlich
mittelschwere körperlich angepasste Tätigkeiten könne der Versicherte vollschichtig
unter Einhaltung der betriebsüblichen Pausen eingesetzt werden (UV-act. I-163). Den
Integritätsschaden schätzte der Kreisarzt auf 15% (UV-act. 164). In der Folge fand
zwischen dem rechtskundig vertretenen Versicherten und der Suva eine Diskussion
A.g.
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B.
Betreffend die Höhe des Rentenanspruchs erhob der Versicherte am 25. Januar 2018
Einsprache (UV-act. I-194), welche die Suva mit Einspracheentscheid vom
19. November 2018 abwies (UV-act. I-211).
C.
C.a. Gegen den Einspracheentscheid vom 19. November 2018 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 7. Januar 2019. Darin beantragte der Beschwerdeführer
dessen Aufhebung und dass die Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, ihm ab
1. November 2017 mindestens eine monatliche Invalidenrente von Fr. 2'924.-- bei
einem Invaliditätsgrad von 43% auszurichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass die Beschwerdegegnerin das
Valideneinkommen zu tief ermittelt habe. Bei Selbstständigerwerbenden, wozu in
Bezug auf das Valideneinkommen auch die Alleininhaber einer GmbH zählten, sei zu
berücksichtigen, in welcher Weise sich das Unternehmen der versicherten Person
voraussichtlich weiterentwickelt hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Es sei
namentlich auf die beruflichen und persönlichen Fähigkeiten, die Art der Tätigkeit der
versicherten Person sowie die Geschäftslage und den Geschäftsgang des
Unternehmens vor Eintritt der Invalidität abzustellen. Die Beschwerdegegnerin habe
daher zu Unrecht ausschliesslich auf den bisher ausbezahlten Lohn abgestellt. Zu einer
aussagekräftigen Ermittlung des Valideneinkommens sei ein betriebswirtschaftliches
Gutachten einzuholen (act. G 1).
C.b. Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 8. Februar
2019 die Abweisung der Beschwerde. Der angefochtene Einspracheentscheid sei
aufzuheben und es sei festzustellen, dass dem Beschwerdeführer kein
unfallversicherungsrechtlicher Rentenanspruch zustehe. Eventuell sei der
Einspracheentscheid zu bestätigen. Die Beschwerdegegnerin vertrat den Standpunkt,
über die Höhe des Validen- und Invalideneinkommens statt (siehe etwa UV-act. I-167
und UV-act. I-170-1 f.). Mit Verfügung vom 15. Dezember 2017 sprach die Suva dem
Versicherten ab 1. November 2017 eine 11%ige Invalidenrente und eine
Integritätsentschädigung von 15% zu (UV-act. I-177).
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dass bezüglich der Bestimmung des Valideneinkommens auf die früheren zum Taggeld
vorgenommenen Lohnangaben des Beschwerdeführers abzustellen sei. Nach seinem
Unfall habe der Beschwerdeführer inzwischen ein vergleichsweise viel höheres
Erwerbseinkommen zu erzielen vermocht. Es liege folglich gar keine
Erwerbsunfähigkeit vor (act. G 3).
C.c. In der Replik vom 13. März 2019 hielt der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 8).
C.d. Die Beschwerdegegnerin hielt ihrerseits in der Duplik vom 25. April 2019 an den
gestellten Rechtsbegehren fest (act. G 10).
C.e. Am 21. September 2020 teilte das Versicherungsgericht dem Beschwerdeführer
mit, dass es zur Auffassung gelangt sei, die Unfallfolgen würden zu keiner
rentenbegründenden Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität führen. Zur Begründung führte
es aus, dass zur Bestimmung des Verlusts der Erwerbsfähigkeit des
Beschwerdeführers auf seine kaufmännischen Fähigkeiten abzustellen sei. Ihm wurde
die Gelegenheit für eine Stellungnahme und einen Beschwerderückzug eingeräumt
(act. G 12). In der Eingabe vom 30. Oktober 2020 hielt der Beschwerdeführer an der
Beschwerde fest und führte aus, dass er seine kaufmännische Ausbildung
kriegsbedingt nicht habe abschliessen können. Er spreche gebrochen deutsch und sei
der deutschen Schriftsprache nicht mächtig. Seine nicht abgeschlossene
kaufmännische Ausbildung sei in der Schweiz nicht verwertbar (act. G 15).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch auf eine
Invalidenrente.
1.1. Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens 10% invalid (Art. 8 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Invalidität ist die
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voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.2. Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten
Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 Satz 1 UVG). Die
Invalidenrente beträgt bei Vollinvalidität 80% des versicherten Verdienstes; bei
Teilinvalidität wird sie entsprechend gekürzt (Art. 20 Abs. 1 UVG). Als Grundlage für die
Bemessung der Renten gilt der innerhalb eines Jahres vor dem Unfall bei einem oder
mehreren Arbeitgebern bezogene Lohn, einschliesslich noch nicht ausbezahlter
Lohnbestandteile, auf die ein Rechtsanspruch besteht (Art. 22 Abs. 2 Satz 1 der
Verordnung über die Unfallversicherung [UVV; SR 832.202]).
1.3. Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
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einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
2.
Die Parteien vertreten unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Höhe der
Vergleichseinkommen. Nicht umstritten ist namentlich, dass der vom
Beschwerdeführer geklagte Gesundheitsschaden eine Unfallfolge darstellt. Ob diese
Betrachtungsweise zutrifft, kann vorliegend offengelassen werden, da ohnehin kein
rentenbegründender Mindestinvaliditätsgrad vorliegt, wie sich aus den nachfolgenden
Erwägungen ergibt.
2.1. Wie den massgebenden gesetzlichen Bestimmungen von Art. 7 Abs. 1 und Art. 16
ATSG zu entnehmen ist, bilden die Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt bzw. bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
das rentenversicherte Gut und dessen Verlust den rentenversicherten Schaden.
Massgebend für die Bestimmung der Invalidität ist der Verlust an
Erwerbsmöglichkeiten und zwar ausdrücklich bezogen auf einen hypothetisch
angenommenen ausgeglichen Arbeitsmarkt, d.h. im Rahmen einer hypothetisch
angenommenen unselbstständigen Erwerbstätigkeit auf demselben. Der Verlust an
Erwerbsmöglichkeiten ist damit gerade nicht identisch mit einem konkreten
Einkommens- (BGE 119 V 475 ff. Regeste und E. 2b = Praxis 1994, Nr. 287, S. 942 ff.)
oder Ertragsverlust, sei es nun im Rahmen einer selbstständigen oder
unselbstständigen Erwerbstätigkeit, zumal betriebliche Umsätze zu einem erheblichen
Teil durch validitätsfremde konjunkturelle sowie strukturelle Faktoren und die
unternehmerische Gestaltung bestimmt sind (Entscheid des Versicherungsgerichts
vom 20. Juli 2020, IV 2019/230, E. 3.3).
2.2. Nicht massgebend für die Ermittlung der versicherten Erwerbsmöglichkeiten einer
Person und folglich auszublenden sind ausserhalb des ausgeglichenen Arbeitsmarkts
liegende Faktoren. Dies gilt namentlich für die Ertragskraft eines Unternehmens
mitbestimmende Faktoren wie Kapitalinvestitionen, Konjunkturlage, konkrete
Marktbeschaffenheit, konkrete Konkurrenz- bzw. Wettbewerbssituation und Einsatz
von Arbeitskraft allfällig weiterer Mitarbeitenden. Bezüglich des letztgenannten
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Gesichtspunkts ist zu ergänzen, dass die vom Unternehmen bzw. Geschäftsinhaber
bzw. von der Geschäftsinhaberin an Mitarbeitende bezahlten Löhne sich nicht
gleichmässig zum Geschäftserfolg entwickeln. Die Entschädigung für den
Arbeitskrafteinsatz eines Mitarbeitenden bemisst sich nämlich nicht entsprechend dem
konkreten Beitrag zum Unternehmenserfolg. Aus der jeweiligen Differenz entsteht für
den Geschäftsinhaber bzw. die Geschäftsinhaberin entweder ein Verlust oder Gewinn,
welche eben nicht Ausdruck der Erwerbsfähigkeit des Geschäftsinhabers bzw. der
Geschäftsinhaberin bildet.
2.3. Ausserdem versichert die Unfallversicherung nicht den Umsatz oder den Ertrag der
von einer versicherten Person beherrschten Gesellschaft und die von ihr hierfür als
Kapitalgeberin oder Kapitalgeber getätigten Investitionen bzw. ihre diesbezüglich
eingegangenen finanziellen Verpflichtungen, sondern allein ihre Erwerbsmöglichkeiten
bezogen auf einen ausgeglichen Arbeitsmarkt. Eine andere Betrachtungsweise würde
nicht bloss eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung von Versicherten, die in einer
von ihnen beherrschten Gesellschaft bzw. selbstständig erwerbstätig sind, im Vergleich
zu Versicherten, die in einem «normalen» Anstellungsverhältnis arbeiten, bedeuten,
sondern auch zu einem von Art. 7 Abs. 1 ATSG abweichenden Validitäts- und
Invaliditätsbegriff führen (vgl. den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 20. Juli
2020, IV 2019/230, E. 3.3 am Schluss). Entgegen der Sichtweise des
Beschwerdeführers (act. G 1, Rz 28) bildet damit nicht seine Leistungsfähigkeit als
Inhaber einer GmbH oder als Arbeitgeber das versicherte Gut.
2.4. Nach dem Gesagten muss bei der Bestimmung des Valideneinkommens die Frage
beantwortet werden, welches die Erwerbsmöglichkeiten («possibilités de gain») einer
versicherten Person sind, von welcher angenommen wird, dass sie sie voll ausnützt. Es
ist ein hypothetisches Einkommen in Betracht zu ziehen, das aufgrund der Fähigkeiten
und der persönlichen Situation der versicherten Person geschätzt wird; dabei ist auf
einen Lohn abzustellen, den eine gesunde Person gleichen Alters und gleicher Bildung
unter vergleichbaren Umständen erzielen würde; die Durchschnittslöhne der
betreffenden Branche können ebenfalls als Vergleichsbasis dienen (BGE 119 V 481
E. 2b mit zahlreichen Hinweisen auf die Literatur = Praxis 1994, Nr. 287, E. 2b, S. 946
Mitte). Das vom Beschwerdeführer beantragte betriebswirtschaftliche Gutachten (act.
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G 1, Rz 25) dient gerade nicht der Beantwortung der relevanten Fragestellung, weshalb
darauf zu verzichten ist.
2.4.1. Aus dem individuellen Konto bezüglich der Jahre ab 2008 geht hervor, dass der
Beschwerdeführer wiederholt mehrere Monate Arbeitslosentschädigung bezog und im
Vergleich zum LSE-Hilfsarbeiterlohn erheblich tiefere Jahresverdienste als
unselbstständig erwerbender Gipser erzielte (UV-act. I-205; zur Tätigkeit als Gipser
siehe auch die Angaben des Beschwerdeführers in UV-act. 121-1 f.). Es lässt sich
weder daraus noch aus den übrigen Akten der Schluss ziehen, dass der
Beschwerdeführer als (angelernter) Gipser (act. G 1, Rz 28) über eine über dem LSE-
Hilfsarbeiterlohn liegende Erwerbsfähigkeit verfügte. Wie die Beschwerdegegnerin
zudem zutreffend darlegte, fiel denn auch der Ausfall des Beschwerdeführers als
Gipser für die Betriebserträge nicht ins Gewicht. Vielmehr steigerten sich diese (act.
G 10). Ins Bild passt und das ist letztlich entscheidend, dass der Beschwerdeführer
nach eigenen Angaben über eine Ausbildung zum Kaufmann verfügt, die ihn zu einem
Geschäftsführer befähigt (act. G 1, Rz 28). Er erledigt denn auch die «fachliche
Geschäftsführung» (etwa Vertretung der Gesellschaft gegenüber Kunden, «Vermassung
auf der Baustelle» und Bauleitung; act. G 1, Rz 7) und vermag zumindest einen Teil der
in der eigenen Gesellschaft anfallenden administrativen Tätigkeiten zu erledigen (wie
etwa Erstellen von Offerten, Zahlungsverkehr und Bestellungen; UV-act. I-121-2 und
UV-act. I-86-1). Es ist offensichtlich, dass die damit verbundenen
Erwerbsmöglichkeiten auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt höher sind als
diejenigen als angelernter Gipser. Der als ausgeglichen anzunehmende Arbeitsmarkt
beinhaltet die Fiktion, dass (realistisch verwertbare) Erwerbsmöglichkeiten einer
versicherten Person arbeitgeberseits nachgefragt werden (vgl. Andreas Traub, N 20 zu
Art. 7, in: Ghislaine Frésard-Fellay/ Barbara Klett/Susanne Leuzinger [Hrsg.],
Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Basler Kommentar, 2019). Es ist
folglich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
verwertbaren Erwerbsmöglichkeiten des Beschwerdeführers als kaufmännischer
Angestellter oder (angestellter) Geschäftsführer eines Gipsereibetriebs oder eines
vergleichbaren Unternehmens bei voller Ausnützung auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt nachgefragt würden und bezüglich erzielbarer Lohnhöhe besser sind als
diejenigen als angelernter Gipser. Zur Bestimmung des Valideneinkommens ist deshalb
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auf eine solche kaufmännische bzw. geschäftsführende unselbstständige Tätigkeit
abzustellen.
2.4.2. An dieser Sichtweise ändert das Vorbringen des Beschwerdeführers in der
Stellungnahme vom 30. Oktober 2020 nichts, er habe die in H._ ab 1989 absolvierte
kaufmännische Ausbildung anfangs April 1992 kriegsbedingt abbrechen müssen (act.
G 12, Rz 2). Vielmehr ist aus dieser ungefähr dreijährigen Ausbildungszeit zu
schliessen, dass der Beschwerdeführer zumindest wesentliche kaufmännische
Kenntnisse zu erwerben vermochte, die sich nicht massgeblich von einer förmlich
abgeschlossenen Ausbildung unterscheiden. Davon ging der Beschwerdeführer denn
auch - bis zu seinem damit im Widerspruch stehenden Vorbringen vom 30. Oktober
2020 - selbst aus. So geht aus verschiedenen Akten hervor, dass er sich selbst als
gelernten Kaufmann betrachtete (siehe etwa UV-act. I-69-3, UV-act. I-163-4 mit
Hinweisen auf von ihm erledigten administrativen Tätigkeiten; act. G 1, III. Rz 28). In
damit zu vereinbarender Weise hob der Beschwerdeführer wiederholt hervor, dass er
über geschäftsführerische bzw. kaufmännische Qualitäten verfüge. Er sei «der
wichtigste Angestellte seiner Firma. Er erledigte die fachliche Geschäftsführung
(Vertretung der Firma gegenüber Kunden, Vermassung auf der Baustelle, Offertstellung,
Bauleitung)» (act. G 1, III. Rz 7; zum erheblichen Anteil bzw. zur Verwertung der
persönlichen Ressourcen für die Geschäftsführertätigkeit siehe etwa die Angaben des
Beschwerdeführers in act. G 8, Rz 9 und Rz 15). Darunter fallen des Weiteren
«Besprechungen auf den Baustellen, Überwachung und Anleitung der Angestellten und
Unterakkordanten, das Erteilen von Anweisungen bei unvorhergesehenen Problemen,
kurzfristige Materialbeschaffungen, die Vertragsabwicklung mit Unterakkordanten
usw.» (act. G 8, Rz 15; zur «Vorbild- und Aufpasserfunktion» siehe act. G 8, Rz 20). Er
verfüge «über gute unternehmerische Fähigkeiten, was er wohl seiner Ausbildung als
Kaufmann zu verdanken hat» (act. G 1, III. Rz 28). Zudem forderte er selbst, dass zur
Bestimmung des Valideneinkommens und damit der Erwerbsfähigkeit vor dem Eintritt
der gesundheitlichen Beeinträchtigung auf eine Geschäftsführertätigkeit abzustellen sei
(act. G 1, III. Rz 28 f. mit Ausführungen zum entsprechenden Mindestlohnpotential; zur
Selbstbeurteilung seiner «Wertschöpfung der Arbeitsleistung» siehe act. G 8, Rz 19).
Weshalb dies nicht auch für die Bemessung der Resterwerbsfähigkeit gelten soll (siehe
hierzu nachstehende E. 2.5), vermag der Beschwerdeführer nicht darzutun.
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2.4.3. Der Beschwerdeführer machte in der Eingabe vom 30. Oktober 2020 zudem
eingeschränkte Deutschkenntnisse geltend (act. G 15, Rz 3). Diese scheinen den
Beschwerdeführer bislang nicht daran gehindert haben, seine kaufmännischen
Qualitäten bzw. seine Geschäftsführerqualitäten in der Schweiz erfolgreich zu
verwerten (siehe vorstehende E. 2.4.2, insbesondere die dort erwähnten Aufgaben die
mit hohen Anforderungen an die Kommunikationskompetenz verbunden sind, wie etwa
Offertstellungen, Anleitungen, Vertragsabwicklung sowie Besprechungen). Im Übrigen
vermochte der Beschwerdeführer auch problemlos an Besprechungen mit dem Case
Manager teilzunehmen (UV-act. I-162-1 oben) und auch der Kreisarzt bezeichnete die
Kommunikation in deutscher Sprache - abgesehen von Nachfragen - als
uneingeschränkt (UV-act. I-69-4). Jedenfalls bestehen keine stichhaltigen Gründe, die
es nachvollziehbar erscheinen lassen, dass der Beschwerdeführer aufgrund der von
ihm vorgebrachten Deutschkenntnisse seine bisher umgesetzten Qualitäten im
kaufmännischen Bereich bzw. als angestellter Geschäftsführer nicht auch an anderen
Arbeitsplätzen zumindest in baugewerbenahen bzw. handwerklich orientierten
Betrieben - wie sie auch ein ausgeglichener Arbeitsmarkt enthält - zu verwerten
vermöchte.
2.5. Da die Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter vollumfänglich dem
Anforderungsprofil einer leidensangepassten Tätigkeit entspricht (siehe hierzu UV-
act. I-163-7 und vorstehende lit. A.g), ist auch bezüglich der Bestimmung des
Invalideneinkommens darauf abzustellen. Damit beruhen beide Vergleichseinkommen
auf derselben Grundlage, womit eine konkrete betragliche Ermittlung unterbleiben und
stattdessen ein Prozentvergleich vorgenommen werden kann (vgl. hierzu etwa das
Urteil des Bundesgerichts vom 6. April 2016, 8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweisen). Mit
Blick darauf, dass der Beschwerdeführer auch mit dem Gesundheitsschaden in einem
ebenfalls angestammten Bereich seine Erwerbsmöglichkeiten verwerten könnte und
zudem keine weiteren lohnmindernden Umstände erkennbar sind, ist kein
Tabellenlohnabzug vorzunehmen. Somit resultiert ein Invaliditätsgrad von 0%.
2.6. Zu wiederholen bleibt, dass die Unfallversicherung keinen Kapitalschutz für in ein
eigenes Geschäft investiertes Vermögen übernimmt (siehe vorstehende E. 2.3). Vor
diesem Hintergrund und in Nachachtung des gesetzlich vorgesehenen Validitäts-/
Invaliditätsbegriffs (Art. 8 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 ATSG) ist für die
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Bestimmung des Verlusts der Erwerbsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt bzw. der Invalidität nicht von Bedeutung, dass der Beschwerdeführer eine
eigene Gesellschaft gründete und dort sein Einkommen erzielt. Im Übrigen wäre ihm
die Aufgabe bzw. der Verkauf seiner erst 2014 gegründeten Gesellschaft zumutbar,
zumal sie nach seinen eigenen Angaben floriert und erhebliche stille Reserven gebildet
werden konnten (act. G 1, Rz 23). Folglich erscheint die Gesellschaft für einen
potenziellen Käufer attraktiv, womit bei deren Verkauf wohl nicht mit relevanten
Investitionsverlusten zu rechnen wäre. Erst recht als zumutbar erscheint, dass sich der
Beschwerdeführer zugunsten einer vollzeitlichen Verwertung seiner
Erwerbsmöglichkeiten in einer leidensangepassten Tätigkeit lediglich als
Geschäftsführer aus der eigenen Gesellschaft zurückzieht, ohne die Gesellschaft zu
verkaufen.
3.
3.1. Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid zu Ungunsten des
Beschwerdeführers zu korrigieren. Wie von der Beschwerdegegnerin beantragt (act.
G 3), ist der Einspracheentscheid aufzuheben und das Rentengesuch des
Beschwerdeführers abzuweisen.
3.2. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
3.3. Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.