Decision ID: 7fe96f84-0123-518d-922a-54a7e903777a
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 17. Juni 2015 bei der Gemeinde Schwarzenburg
ein Baugesuch ein für den Neubau eines Lagerplatzes für Landmaschinen, Motorfahrzeuge
und Futtermittel, für das Erstellen einer Entwässerungsanlage, für die Einkofferung der
neuen Zufahrtsstrasse sowie ein nachträgliches Baugesuch für eine Natursteinmauer
westlich der neuen Zufahrtsstrasse. Der Lagerplatz befindet sich auf dem südlichen Teil
der Parzelle Schwarzenburg Grundbuchblatt 2 Nr. G._, welcher als
Baurechtsparzelle zugunsten der Beschwerdegegnerin ausgeschieden ist
(Baurechtsparzelle Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. H._). Die Zufahrt führt
über die Parzelle Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. I._. Die Parzellen liegen in
der Arbeitszone A3 und im Gewässerschutzbereich B. Gegen das Bauvorhaben erhoben
die Beschwerdeführenden Einsprache. Während des Baubewilligungsverfahrens änderte
die Beschwerdegegnerin das Projekt dahingehend, dass sie auf zwei Abstellplätze für
Personenwagen verzichtete. Mit Gesamtentscheid vom 7. September 2016 erteilte das
Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 5. Oktober 2016 gemeinsam
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragen die Aufhebung des Gesamtentscheides vom 7. September 2016 und die
Erteilung des Bauabschlags, eventualiter die Rückweisung an die Vorinstanz zu neuer
Beurteilung und subeventualiter die Ergänzung des angefochtenen Gesamtentscheides mit
zusätzlichen Auflagen bezüglich Lärmschutz. Sie machen insbesondere geltend, die
Erschliessung des Bauvorhabens sei nicht gegeben und sie kritisieren den angefochtenen
Entscheid hinsichtlich der Beurteilung der Lärmimmissionen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland und die Gemeinde Schwarzenburg stellen in ihren Eingaben vom 31. Oktober
und 2. November 2016 keinen Antrag. Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer
Beschwerdeantwort vom 9. November 2016 die Abweisung der Beschwerde. Danach holte
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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das Rechtsamt beim Amt für Berner Wirtschaft (beco), Immissionsschutz, einen
Fachbericht zum Lärmschutz ein. Zudem zog es die Archivakten RA Nr. 110/2014/86 und
110/2014/99 zum Verfahren bei. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Fachbericht
des beco zu äussern und Schlussbemerkungen einzureichen.
4. Auf die Rechtsschriften, den Fachbericht des beco sowie die Vorakten und
Archivakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde,
sind als unmittelbare Nachbarn durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert
und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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2. Erschliessung
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, das Bauvorhaben sei nicht genügend
erschlossen. Sie verweisen auf den von der BVE erteilten Bauabschlag für eine früher an
derselben Stelle geplante Maschinenhalle mit Werkstatt und bringen vor, es brauche eine
Zonenplanänderung für die Erschliessung mit Genehmigung durch das Amt für Gemeinden
und Raumordnung (AGR). Allenfalls sei eine Überbauungsordnung oder eine
Baubewilligung erforderlich.
b) Nach Art. 7 Abs. 1 BauG dürfen Bauvorhaben nur bewilligt werden, wenn
sichergestellt ist, dass das Baugrundstück auf den Zeitpunkt der Fertigstellung des Baus
oder der Anlage, wenn nötig bereits bei Baubeginn, genügend erschlossen sein wird. Die
verkehrsmässige Erschliessung ist genügend, wenn die Zufahrtsstrasse hinreichend nahe
an Bauten und Anlagen heranführt und diese für Feuerwehr und Sanität gut erreichbar sind
(Art. 7 Abs. 2 BauG). Für Erschliessungsanlagen auf fremdem Grund ist deren rechtliche
Sicherstellung nachzuweisen. Dies setzt nach Art. 4 Bst. c BauV4 voraus, dass im
Zeitpunkt der Baubewilligung entweder ein für die Grundeigentümer verbindlicher
Überbauungs- oder Strassenplan oder eine Vereinbarung mit der Grundeigentümerschaft
vorliegt, die der Bauherrschaft das Recht zur Erstellung und Erhaltung der Anlagen
einräumt.5 Bei der Vereinbarung handelt es sich regelmässig um einen
Dienstbarkeitsvertrag, der ein Wegrecht für die Benützung einer bestehenden Zufahrt oder
– falls diese noch nicht besteht – das Recht zu deren Erstellung und Erhaltung einräumt.
c) Das Bauvorhaben ist auf dem südlichen Teil der Parzelle Schwarzenburg 2
Grundbuchblatt Nr. G._ geplant, auf dem die Beschwerdegegnerin über ein
selbständiges und dauerndes Baurecht verfügt. Die Erschliessung erfolgt von der
J._strasse im Norden über das neu abparzellierte Grundstück Schwarzenburg 2
Grundbuchblatt Nr. I._, welches im Eigentum der Einwohnergemeinde
Schwarzenburg steht. Die rechtliche Situation unterscheidet sich damit gegenüber dem von
der BVE beurteilten Baugesuch der Beschwerdegegnerin für das Errichten einer
Maschinenhalle mit Werkstatt.6 Die Beschwerdeführenden können aus dem genannten
4 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 5 Vgl. auch Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 7/8 N. 12 6 BDE 110/2014/99 vom 20.11.2014
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Entscheid nichts zu ihren Gunsten ableiten. Ein Teil der Zufahrt über die Parzelle
Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. I._ ist bewilligt und besteht bereits.7 Im
südlichen Bereich muss ein kurzes Stück der Zufahrt noch erstellt werden. Dieses Stück ist
Gegenstand des vorliegenden Baugesuchs ("Einkofferung der neuen Zufahrtsstrasse").
d) Die Gemeinde hat das Baugesuch der Beschwerdegegnerin als Grundeigentümerin
der Parzellen Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nrn. I._ und G._
mitunterzeichnet und dem Bauvorhaben inklusive der Einkofferung der Zufahrt damit
zugestimmt (vgl. Art. 10 Abs. 2 BewD8).9 Entgegen den Vorbringen der
Beschwerdeführenden ist die Unterzeichnung des Baugesuchs durch die Gemeinde auch
rechtsgültig erfolgt. Der Gemeindepräsident hat das zuerst eingereichte Baugesuch
zusammen mit der Sekretärin unterzeichnet, während der Vizepräsident infolge
Ferienabwesenheit des Gemeindepräsidenten das verbesserte Baugesuch mit der
Sekretärin unterzeichnete. Die Unterschriftsberechtigung ist in der Verordnung über die
Verwaltungsorganisation der Einwohnergemeinde Wahlern vom 4. Oktober 2004 (VVO)
geregelt. Demnach unterschreiben für den Gemeinderat und die Kommissionen das
Präsidium und das Sekretariat gemeinsam (Art. 55 VVO). Bei Verhinderung des
Gemeindepräsidenten ist der Vizepräsident zur Ausübung der Funktionen befugt (Art. 2
VVO). Die Unterschrift durch den Gemeindepräsidenten und die Sekretärin bzw. durch den
Vizepräsidenten und die Sekretärin ist damit genügend. Die Beschwerdegegnerin ist zur
Erstellung des fehlenden Abschnitts der Zufahrt mit Erteilung der Baubewilligung
berechtigt.
Die Beschwerdegegnerin ist auch dazu berechtigt, die Zufahrt auf dem Boden der
Einwohnergemeinde Schwarzenburg zu nutzen. Gemäss Parzellierungsurkunde vom 7.
April 2016 (Urschrift Nr. K._) erklärt die Einwohnergemeinde Schwarzenburg mit
Ziffer III.2.bb allfällige Leitungen irgendwelcher Art sowie die Wegrechte, welche das
abgetrennte Teilstück betreffen könnten, ohne Grundbucheintrag zu dulden. Die
Einwohnergemeinde Schwarzenburg widmet diese Strasse dauernd dem öffentlichen
Gebrauch.10 Die Beschwerdegegnerin darf die Zufahrt damit auch nutzen. Im Übrigen
7 Beschwerdeantwort, Beilage 2; Gesamtbauentscheid des Regierungsstatthalteramts Bern-Mittelland vom 29. Mai 2012 (bbew 109/2012) 8 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 9 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N. 10 10 Vorakten, pag. 225
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ergibt sich das Recht zur Erstellung der Erschliessungsanlagen, die für den Bau und die
Benützung der auf dem Baurechtsareal erstellten Bauten notwendig sind, bereits aus Ziffer
7 des Baurechtsvertrags vom 6. September 2012 (Urschrift Nr. L._).11
e) Zusammengefasst steht damit fest, dass die Beschwerdegegnerin dazu berechtigt
ist, den fehlenden Teil der Zufahrt über fremden Grund zu erstellen und diese zu nutzen.
Es ist daher weder ein Strassenplan noch eine Überbauungsordnung erforderlich. Die
Zufahrt ist in der Arbeitszone A3 ohne weiteres zonenkonform, so dass dafür keine
Zonenplanänderung und keine Genehmigung durch das AGR erforderlich sind.
3. Weitere Rügen in Zusammenhang mit der Erschliessung
a) Die Beschwerdeführenden rügen erstmals im Beschwerdeverfahren, die zulässige
Strassenbreite sei überschritten und der geltende Strassenabstand sei nicht eingehalten.
b) Die Einsprecher sind im Rahmen ihrer Einsprachegründe zur Beschwerde befugt
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Neue Rügen können im Beschwerdeverfahren damit grundsätzlich
nicht mehr vorgebracht werden. Eine Ausnahme gilt nur für Rügen betreffend die
Verletzung von Bundesrecht, von Völkerrecht und von kantonalem Verfassungsrecht; sie
dürfen im Beschwerdeverfahren noch neu vorgebracht werden.12 Die Bestimmung von Art.
40 Abs. 2 BauG gelangt damit nur zur Anwendung, wenn die Rüge einer einfachen
Verletzung von kantonalem oder kommunalem Recht zur Diskussion steht.
Die Rügen betreffend Strassenbreite und Strassenabstand beziehen sich allein auf
kantonales bzw. kommunales Recht. Art. 40 Abs. 2 BauG gelangt damit zur Anwendung.
Da die genannten Rügen mit der Einsprache nicht vorgebracht wurden, sind sie im
Beschwerdeverfahren verspätet. Demnach kann nicht darauf eingetreten werden. Die
Rügen sind aber ohnehin unbegründet.
c) In Art. 6 ff. BauV sind die Anforderungen an die Zufahrt vom allgemeinen
Strassennetz zum Baugrundstück geregelt. Bei der Strassengestaltung, insbesondere bei
der Bemessung der Fahrbahnbreite, ist auf die Verkehrssicherheit sowie auf Landschaft
11 Vorakten, pag. 031 bis 057 12 VGE 2012/441 vom 22. März 2013, E. 3; VGE 2010/90 vom 1. November 2010, E. 2.3–2.5
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und Ortsbild Rücksicht zu nehmen; besonderen Verhältnissen ist Rechnung zu tragen (Art.
6 Abs. 3 BauV). Für die Fahrbahnbreite sieht Art. 7 BauV Mindest- und Maximalwerte vor.
So darf die Fahrbahnbreite nach Art. 7 Abs. 4 BauV bei Quartiersammelstrassen
höchstens 6 m, bei den übrigen Strassen höchstens 5 m erreichen. Allerdings kann bei
besonderen Bedürfnissen, z.B. in der Industriezone, von dieser Bestimmung abgewichen
werden.13
Geplant ist ein Abstellplatz für Landmaschinen wie Traktoren, Mähdrescher und
Maishäcksler. Es handelt sich dabei um grosse Fahrzeuge und das Bauvorhaben befindet
sich in der Arbeitszone A3. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die Fahrbahnbreite
gegenüber Art. 7 Abs. 4 BauV grösser dimensioniert wird. Zudem wird im Rahmen des
vorliegenden Bauvorhabens lediglich ein Abschnitt von wenigen Metern neu erstellt. Gut
die Hälfte der Zufahrt von der J._strasse zur Baurechtsparzelle besteht bereits.
d) Auch die Rüge, der Strassenabstand von 3,60 m sei nicht eingehalten, ist
unbegründet. Im bewilligten Plan "Grundriss" vom 17. Juni 2015 ist der Strassenabstand
gegenüber der Parzelle Schwarzenburg 2 Grundbuchblatt Nr. I._ mit 3,60 m
eingetragen. Die Baubewilligung sieht damit keine Nutzung dieses Streifens als
Abstellfläche vor. Sollte die Beschwerdegegnerin diesen entgegen der Baubewilligung und
damit unzulässigerweise für das Abstellen von Fahrzeugen oder Futtermitteln nutzen, so
wäre es an der Gemeinde als Baupolizeibehörde, einzuschreiten. Hingegen hat der
gekofferte Platz selbst keinen Strassenabstand einzuhalten. Auf zwei Abstellplätze für die
Parkierung von Personenwagen hat die Beschwerdegegnerin während des
vorinstanzlichen Verfahrens mit Projektänderung verzichtet, so dass die verbleibenden
Abstellplätze ebenfalls nicht im Strassenabstand liegen.
4. Lärmschutz
a) Die Beschwerdeführenden rügen, das beco gehe in seinen vor der Vorinstanz
eingereichten Fachberichten von einem falschen Sachverhalt hinsichtlich dem
Verkehrsaufkommen, dem Warenumschlag, der Dauer der Lärmbelastung und der Anzahl
Fahrzeuge aus. Zudem sei erst im zweiten Fachbericht eine Berechnung des Lärms erfolgt
13 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 7/8 N. 17
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und das beco habe zu geringe Pegelkorrekturen K2 und K3 gewählt. Die Vorinstanz habe
die Angaben des beco übernommen, ohne diese kritisch zu würdigen.
b) Das Rechtsamt stellte dem beco Zusatzfragen und gab den Verfahrensbeteiligten
Gelegenheit, zum Fachbericht des beco vom 13. Dezember 2016 Stellung zu nehmen. Die
Beschwerdeführenden bemängeln, das beco nehme ungenaue Berechnungen vor und
gebe die Resultate nicht korrekt an; manchmal würden Komma-Stellen benutzt, manchmal
nicht. Die Beschwerdeführenden verlangen, mit der Baubewilligung sei die Anzahl
Fahrzeuge inkl. genauer Definition der Fahrzeugtypen und Angabe des maximal
zulässigen dB(A)-Werts pro Fahrzeug zu ergänzen und die Fahrzeugbewegungen seien zu
beschränken. Weiter verlangen sie, es sei der Warenumschlag in der Nacht zu verbieten.
Das Pressen von Siloballen sei nicht Teil des Baugesuchs, damit nicht bewilligt und zudem
in der Nacht ohnehin nicht nötig.
c) Laut Art. 11 Abs. 1 USG14 werden Luftverunreinigungen, Lärm, Erschütterungen und
Strahlen durch Massnahmen bei der Quelle begrenzt (Emissionsbegrenzung). Unabhängig
von der bestehenden Umweltbelastung sind Emissionen im Rahmen der Vorsorge so weit
zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist
(Vorsorgeprinzip, Art. 11 Abs. 2 USG). Die Emissionsbegrenzungen werden verschärft,
wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der
bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig werden (Art. 11 Abs. 3 USG). Zur
Beurteilung der Schädlichkeit oder Lästigkeit von Lärmeinwirkungen dienen die
Belastungsgrenzwerte der LSV15. Sie bestimmen die höchstzulässigen Lärmimmissionen
am Ort ihrer Einwirkung. Die LSV differenziert zwischen drei Stufen von
Belastungsgrenzwerten: den Planungswerten, den Immissionsgrenzwerten und den
Alarmwerten. Deren Höhe differiert je nach Zone, in der die Lärmeinwirkung zu beurteilen
ist. Die Lärmemissionen von neuen ortsfesten Anlagen müssen einerseits soweit begrenzt
werden, als dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist und
andererseits soweit, dass die von der Anlage allein erzeugten Lärmimmissionen die
Planungswerte in der Umgebung nicht überschreiten (Art. 25 Abs. 1 USG und Art. 7 Abs. 1
Bst. b LSV).
Das Bauvorhaben der Beschwerdegegnerin wie auch die Parzellen der
Beschwerdeführenden befinden sich in der Arbeitszone A3. Für diese gilt nach Art. 5 Abs.
14 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, SR 814.01) 15 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41)
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4 GBR16 die Empfindlichkeitsstufe (ES) IV gemäss Art. 43 LSV. Der Betrieb der
Beschwerdeführerin gilt lärmschutztechnisch als neurechtliche Anlage; es sind daher die
Planungswerte massgebend. Diese betragen gemäss Tabelle 1, Anhang 6 LSV für
Industrie- und Gewerbelärm in der ES IV während der akustischen Nachtzeit von 19.00–
07.00 Uhr 55 dB(A) und während der akustischen Tagzeit von 07.00–19.00 Uhr 65 dB(A).
d) Die Beschwerdegegnerin verfügt über 12 selbstfahrende Fahrzeuge, bestehend aus
7 Traktoren, 3 Mähdrescher und 2 Maishäcksler. Sie bringt vor, das Verkehrsaufkommen
werde eher tief sein, da der Lagerplatz nur als temporärer Abstellplatz diene und noch
diverse überdachte Abstellmöglichkeiten zur Verfügung stünden. Im Normalfall würden
einzelne Fahrzeuge über Nacht abgestellt und am Morgen wieder weggefahren.
Maschinen oder Aufbauten würden über längere Zeit dort stehen und bei Bedarf
abgeholt.17
Auf diese Angaben der Beschwerdegegnerin ist abzustellen und darauf muss sie sich
behaften lassen. Das beco hat die Berechnung im Fachbericht vom 13. Dezember 2016
gestützt auf diese Angaben mit allen landwirtschaftlichen Fahrzeugen, d.h. mit 7 Traktoren,
3 Mähdreschern, 2 Maishäckslern, und zusätzlich 5 Autos vorgenommen und aufgezeigt,
dass der nächtliche Planungswert selbst dann eingehalten ist, wenn alle diese Fahrzeuge
jede Nacht zu- und wegfahren.
e) Das beco hat für die Lärmemission eines Traktors entsprechend der Fachliteratur
einen Schallpegel von 89 dB(A) in einem Meter Entfernung eingesetzt, was einen sehr
hohen Wert darstellt. Denselben Wert hat das beco für die Mähdrescher und Maishäcksler
eingesetzt, da es sich bei diesen um selbständig fahrende Fahrzeuge handelt und bei
Fahrbewegungen nur der Motor in Betrieb ist, der für die Fortbewegung benötigt wird. Die
Lärmemissionen dieser Fahrzeuge beim Zu- und Wegfahren können demnach mit
denjenigen von Traktoren verglichen werden. Es ist daher nicht erforderlich, den Lärm der
einzelnen Fahrzeuge zu messen und es ist auch darauf zu verzichten, Betriebszeiten für
die einzelnen Fahrzeuge vorzuschreiben, wie dies die Beschwerdeführenden verlangen.
Dies würde die Beschwerdegegnerin unverhältnismässig in der Ausübung ihres Gewerbes
einschränken und wäre mit vernünftigem Aufwand auch nicht zu kontrollieren.
16 Baureglement der Einwohnergemeinde Wahlern vom 8. Dezember 2008 17 Vorakten, pag. 081
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f) Das beco hat die Dauer einer Fahrzeugbewegung mit 5 Minuten angenommen,
wobei eine Fahrzeugbewegung in einem Wegfahren vom Abstellplatz auf das öffentliche
Strassennetz und einem Zurückkehren auf den Abstellplatz besteht. Die vom beco
angenommene Dauer von 5 Minuten für eine Zu- und Wegfahrt ist nicht nur plausibel,
sondern erscheint angesichts der kurzen Anfahrt von der J._strasse auf den
geplanten Abstellplatz sogar als eher grosszügig. Daran ändert auch das Vorbringen der
Beschwerdeführenden nichts, moderne landwirtschaftliche Fahrzeuge benötigten für das
Aufstarten der elektronischen Systeme mehr Zeit.
g) Die Beschwerdeführenden rügen pauschal und ohne nähere Begründung, das beco
habe die Pegelkorrekturen K2 und K3 falsch bestimmt. Das beco erläutert, mit der
Pegelkorrektur K2 werde die Tonhaltigkeit berücksichtigt. Fahrzeuge emittierten ein
breitbandiges Geräusch, welches keinen spezifischen Tonanteil aufweise. Es sei daher für
K2 ein Wert von 0 dB(A) eingesetzt worden. Die Pegelkorrektur K3 berücksichtige die
Impulshaltigkeit. Ein laufender Motor emittiere kaum impulshaltige Geräusche, weshalb für
den Strassenverkehr zugelassene gut unterhaltene Fahrzeuge nur wenig impulshaltige
Geräusche emittierten. Die impulshaltigen Geräusche bestünden im Anlassen und
Ausschalten des Motors und im Öffnen und Schliessen von Fahrzeugtüren. Es sei ein
Pegelzuschlag K3 von 2 dB(A) gewählt worden.
Die Ausführungen des beco überzeugen. Die Beschwerdeführenden erklären denn auch
nicht, worin die Tonhaltigkeit des Motorengeräusches bestehen soll oder weshalb von einer
höheren Impulshaltigkeit ausgegangen werden müsste. Zu beachten ist im
Zusammenhang mit den Pegelkorrekturen sodann, dass das beco für die Pegelkorrektur
K1, welche direkt aus Anhang 6 der LSV entnommen werden kann, nicht den für Verkehr
auf dem Betriebsareal anzuwendenden K1 von 0 dB(A) eingesetzt hat, sondern 5 dB(A).
Dies mit der Begründung, dass Güterumschlag auf dem geplanten Platz nicht völlig
ausgeschlossen werden könne. Das beco hat in seiner Berechnung damit zuungunsten der
Beschwerdegegnerin eine Reserve von 5 dB(A) eingebaut, so dass die Pegelkorrekturen
sowohl einzeln als auch gesamthaft betrachtet nicht zu tief ausgefallen sind.
h) Mit den genannten Angaben wird nach den Berechnungen des beco beim Wohnhaus
der Beschwerdeführenden ein Schallpegel von 53.2 dB(A) erreicht. Der geltende
Planungswert von 55 dB(A) ist damit gut eingehalten. Dabei ist zu beachten, dass die
Berechnung des beco von 365 Betriebstagen ausgeht. Der Planungswert ist demnach
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auch dann eingehalten, wenn die 12 landwirtschaftlichen Fahrzeuge während 365 Tagen
im Jahr jeden Tag während der akustischen Nachtzeit auf den geplanten Platz zu- und
wegfahren. Dies ist auch dann noch der Fall, wenn zusätzlich 5 Autos berücksichtigt
werden. Da diese im Vergleich zu den landwirtschaftlichen Fahrzeugen viel leiser sind,
haben sie auf die Gesamtlärmbelastung keine Auswirkungen. Der Planungswert ist damit
eingehalten, ohne dass eine Beschränkung der Anzahl Fahrten oder Fahrzeuge
erforderlich ist.
Nicht zu beanstanden ist, dass das beco bei der Berechnung weitgehend auf die Angabe
von Kommastellen verzichtet hat. Das beco hat wie ausführlich dargelegt, sämtliche
Annahmen zum Betrieb der Beschwerdegegnerin zu deren Ungunsten getroffen und damit
grosse Reserven vorgesehen und dennoch bleibt der Planungswert eingehalten. Die Rüge
der ungenauen Berechnung durch das beco ist damit unbegründet.
i) Gegenstand des Baugesuchs ist auch die Lagerung von Futtermitteln, was mit einem
gewissen Warenumschlag verbunden ist. Die Beschwerdegegnerin hat die Dauer des
Warenumschlags nicht genau beziffert, aber in ihrem Schreiben vom 6. November 2015
und in ihrer Beschwerdeantwort vom 9. November 2016 ausgeführt, in seltenen Fällen sei
ein minimaler Warenumschlag im Zusammenhang mit der Ernte auch während der
akustischen Nachtzeit erforderlich. Das beco hat im Fachbericht vom 13. Dezember 2016
daher die Berechnung vom geltenden nächtlichen Planungswert von 55 dB(A) her
vorgenommen und ermittelt, mit welcher täglichen Dauer während des gesamten
Betriebsjahres (365 Tage) der Planungswert erreicht würde. Dabei hat das beco für den
Warenumschlag den Schallpegel eines Traktors eingesetzt, der wie erwähnt sehr hoch ist,
und so einen Wert von 90 Minuten berechnet. Die Beschwerdegegnerin würde damit den
Planungswert erst erreichen, wenn sie in 365 Nächten je während 90 Minuten
Warenumschlag vornehmen würde. Weiter hat das beco ausgerechnet, nach wie vielen
Nächten der Planungswert erreicht wird, wenn während der gesamten Nachtzeit – d.h.
während je 12 Stunden – Warenumschlag erfolgt. Es resultiert ein Wert von 45 Nächten.
Aufgrund der Angabe der Beschwerdegegnerin, wonach lediglich vereinzelt und
geringfügig Warenumschlag während der akustischen Nachtzeit stattfinden werde, ist
ausgeschlossen, dass solche Arbeitszeiten erreicht werden. Auf diese Angabe muss sich
die Beschwerdegegnerin behaften lassen. Damit ist es weder zulässig, jede Nacht Waren
umzuschlagen, noch während einzelnen Nächten während 12 Stunden Warenumschlag
vorzunehmen.
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Zwar bringen die Beschwerdeführenden zu Recht vor, das beco habe die
Gesamtlärmbelastung aus den Fahrbewegungen und dem Warenumschlag nicht
berechnet. Ihre eigene Berechnung geht jedoch bereits dahingehend fehl, als sie für den
Warenumschlag die Zahlen des beco übernehmen, welches wie dargelegt vom
Planungswert her auf die maximal mögliche Dauer zurückgerechnet und nicht den Lärm
des voraussichtlich zu erwartenden Warenumschlags berechnet hat. Erforderlich wäre
gewesen, die Gesamtlärmbelastung auf den Planungswert hin zu berechnen und zu
ermitteln, welche Dauer des nächtlichen Warenumschlags neben den Zu- und Wegfahrten
noch zulässig wäre. Wird für den Warenumschlag eine tägliche Dauer von 30 Minuten
eingesetzt, so resultiert nach der Formel des beco ein Wert von 50.2 dB(A).18 Dies ergibt
Zusammen mit den Zu- und Wegfahrten eine Gesamtlärmbelastung von 55 dB(A), womit
der Planungswert bei einem täglichen Warenumschlag von 30 Minuten pro Nacht
eingehalten wäre. Dabei ist zu beachten, dass in der Berechnung immer noch erhebliche
Reserven vorhanden sind. So hat das beco bei den Fahrzeugbewegungen bereits einen
Korrekturpegel K1 von 5 dB(A) gewählt, weil Warenumschlag nicht ausgeschlossen
werden kann. Wird der Warenumschlag jedoch separat berechnet, so ist für den
Korrekturpegel K1 0 dB(A) einzusetzen, so dass für die Fahrzeugbewegungen ein
Schallpegel von 48.2 dB(A) resultiert. In diesem Fall würde die Gesamtlärmbelastung auch
mit einem täglichen Warenumschlag von 60 Minuten pro Nacht den Planungswert
einhalten. Dabei werden bei all diesen Rechenbeispielen zuungunsten der
Beschwerdegegnerin Annahmen getroffen, die gemäss ihren Angaben zu den
Betriebsdaten in der Realität nicht eintreten werden. Daher lässt sich festhalten, dass die
Berücksichtigung des nächtlichen Warenumschlags nichts daran ändert, dass der
Planungswert eingehalten ist.
k) Das Pressen von Siloballen ist mit dem Baugesuch für einen Lagerplatz nicht
beantragt und damit auch nicht Gegenstand der Baubewilligung oder des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens. Sollte die Beschwerdegegnerin solche Arbeiten auf dem geplanten
Lagerplatz in einem baubewilligungspflichtigen Umfang beabsichtigen, so müsste sie ein
entsprechendes Baugesuch einreichen. Hingegen ist ein Verbot solcher Arbeiten im
angefochtenen Bauentscheid nicht erforderlich.
18 Lr = 57 dB(A) + 5 + 0 + 2 + 10 * log (60/720) = 50.2
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l) Zusammengefasst hat das beco als für die Beurteilung des Lärms zuständige
Fachbehörde nachvollziehbar und überzeugend aufgezeigt, dass der Planungswert auch
dann eingehalten ist, wenn alle 12 landwirtschaftlichen Fahrzeuge und 5 Autos während
365 Tagen im Jahr ausschliesslich während der akustischen Nachtzeit auf den
projektierten Platz zu- und wegfahren. Neben der Anzahl Fahrzeuge und Betriebstage sind
auch die Dauer einer Fahrzeugbewegung sowie die Pegelkorrekturen grosszügig gewählt
worden. Das beco ist damit zuungunsten der Beschwerdegegnerin von einem worst case
ausgegangen und dennoch ist der Planungswert eingehalten. Dies auch unter
Berücksichtigung eines gelegentlichen und geringfügigen nächtlichen Warenumschlags.
Die Beschwerde ist damit unbegründet.
5. Vorsorgliche Massnahmen
a) Die Beschwerdeführenden verlangen, der Warenumschlag sei auf die
Tagesarbeitszeit von 7.00 Uhr bis 19.00 Uhr zu beschränken und das einmalige Zu- und
Wegfahren von 7 Fahrzeugen sei während der Erntezeit im Sommer und Herbst an
maximal 20 Arbeitsnächten zwischen 19.00 Uhr und 6.00 Uhr zu erlauben. Mit
Stellungnahme zum Fachbericht des beco bzw. den Schlussbemerkungen änderten die
Beschwerdeführenden letzteren Antrag geringfügig, indem sie den Zeitraum auf 19.00 bis
7.00 Uhr ändern und die Fahrbewegungen während dieser Zeit auf Zufahrten beschränken
wollen.
b) Unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung sind Lärmemissionen einer
neuen ortsfesten Anlage im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen, als dies
technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG, Art. 7
Abs. 1 Bst. a LSV).
c) Die Beschwerdegegnerin betreibt ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen mit
Traktoren und Erntemaschinen. Die Fahrzeuge werden auf dem projektierten Platz
temporär abgestellt. Sie fahren am frühen Morgen zur Arbeit auf das Feld und kehren am
Abend zurück. Es ist nachvollziehbar, dass diese Zu- und Wegfahrten aus betrieblichen
Gründen teilweise während der akustischen Nachtzeit von 19.00 bis 7.00 Uhr erfolgen
müssen. Es ist allgemein bekannt, dass die Hauptarbeit eines landwirtschaftlichen
Lohnunternehmens während der Erntezeit anfällt. Zudem spielt bei der Ernte – wie auch
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bei anderen landwirtschaftlichen Tätigkeiten – die Witterung eine bedeutende Rolle. Die
Beschwerdegegnerin ist daher mit ihrem Betrieb auf zeitliche Flexibilität und teils lange
Arbeitstage angewiesen. Auch kann die Erntezeit nicht präzis festgelegt werden und der
von den Beschwerdeführenden vorgeschlagene Zeithorizont Sommer und Herbst ist nicht
zielführend bzw. ist eine Beschränkung der Fahrten auf 20 Nächte während der
Hauptsaison des Betriebes der Beschwerdegegnerin ist zu einschneidend. Dies würde den
Geschäftsgang der Beschwerdegegnerin unverhältnismässig einschränken und ist ihr
daher wirtschaftlich nicht zumutbar.
Gleiches gilt für die Beschränkung des Warenumschlags auf die akustische Tagzeit.
Soweit der nächtliche Warenumschlag in unmittelbarem Zusammenhang mit der Ernte
steht, ist es nachvollziehbar, dass es der Beschwerdegegnerin betrieblich nicht möglich ist,
gänzlich auf diesen zu verzichten. Dies gilt umso mehr, als betrieblich nicht nötiger
nächtlicher Warenumschlag wirtschaftlich nicht interessant sein dürfte und die
Beschwerdegegnerin schon aus diesem Grund darauf verzichten dürfte. Ein gänzliches
Verbot für nächtlichen Warenumschlag kann daher im Rahmen der Vorsorge nicht verfügt
werden. Allerdings muss sich auch hier die Beschwerdegegnerin auf ihre Angabe behaften
lassen, dass nächtlicher Warenumschlag nur in seltenen Fällen in minimalem Umfang
erforderlich ist.
d) Der vorliegende Fall kann auch nicht mit demjenigen der M._ verglichen
werden, in dem die Vorinstanz und die BVE im Rahmen der Vorsorge zeitliche
Betriebsbeschränkungen vorsahen.19 Zwar handelt es sich auch bei der M._ um
ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen. Anders als die Beschwerdegegnerin führt die
M._ am Standort jedoch Arbeiten aus; sie betreibt eine Silosackbefüllungsanlage,
eine mobile Säge und eine Holzfräse. Zudem wäre der Planungswert bei einem zeitlich
unbeschränkten Betrieb massiv überschritten gewesen. Die Einschränkung der
Betriebszeiten war daher bereits zur Einhaltung des Planungswertes erforderlich und es
konnte im Rahmen der Vorsorge eine zusätzliche Beschränkung erfolgen, weil die
M._ wirtschaftlich nicht auf unbeschränkte Betriebszeiten angewiesen war.
Demgegenüber stellt die Beschwerdegegnerin ihre Fahrzeuge auf dem projektierten Platz
nur ab. Wird ihr jedoch das Zu- und Wegfahren während der akustischen Nachtzeit
untersagt, so kann sie ihre Fahrzeuge nicht richtig einsetzen; der Abstellplatz wäre für sie
weitgehend sinnlos. Arbeiten werden vor Ort – abgesehen von geringfügigem
19 BDE 110/2014/86 vom 16.2.2015 E. 6
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Güterumschlag – nicht vorgenommen. Der vorliegende Fall kann daher nicht mit
demjenigen der M._ verglichen werden. Zusammengefasst ist auf die Anordnung
von vorsorglichen Massnahmen zur Lärmreduktion zu verzichten. Die Beschwerde ist auch
in diesem Punkt abzuweisen.
e) Allerdings muss sich die Beschwerdegegnerin wie mehrfach erwähnt auf ihren
Angaben zu den Betriebsdaten behaften lassen. Daher ist es sinnvoll, das Schreiben mit
den Betriebsdaten vom 18. August 2015 sowie die Präzisierung hinsichtlich des
nächtlichen Warenumschlags in den Schreiben vom 6. November 2015 und 9. November
2016 zur Klarstellung auch im Dispositiv der Baubewilligung zu erwähnen.
Dementsprechend wird der Einleitungssatz von Ziff. 4.1.1 des angefochtenen
Gesamtentscheids von Amtes wegen mit einer entsprechenden Klammerbemerkung
ergänzt. Da diese Ergänzung von Amtes wegen lediglich der Klarstellung dient und der
Gesamtentscheid in der Sache dadurch unverändert bleibt, ist dies im Kostenpunkt nicht zu
berücksichtigen. Diese Ergänzung entspricht insbesondere auch nicht den Anträgen der
Beschwerdeführenden in ihrem Sub-eventualantrag.
6. Begehung durch das beco ohne Parteien
a) Die Beschwerdeführenden stören sich daran, dass das beco mit der
Beschwerdegegnerin vor Ort war, ohne dass von dieser Begehung ein Protokoll erstellt
worden sei und ohne dass sie die Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hätten.
b) Die Parteien sind berechtigt, an Instruktionsverhandlungen und amtlichen
Augenscheinen teilzunehmen, Personenbefragungen beizuwohnen und um Beantwortung
von Ergänzungsfragen zu ersuchen (Art. 22 VRPG20). Die Instruktionsbehörde muss die
Beteiligten zu einem Augenschein beiziehen, wenn dabei ein streitiger Sachverhalt
festgestellt werden soll und keine Gründe für einen Ausschluss vorliegen. Eine
Ortsbesichtigung darf dann ohne Beizug der Verfahrensbeteiligten erfolgen, wenn sie bloss
der informellen Orientierung der entscheidenden Behörde dient, diese also das aus den
Akten gewonnene und zur Beurteilung genügende Bild abrunden will. Sind aber vor Ort
noch zusätzliche Feststellungen über den entscheidrelevanten Sachverhalt zu treffen, so
20 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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muss den Beteiligten die Teilnahme ermöglicht werden.21 Nach der Rechtsprechung
besteht kein Anspruch auf Teilnahme bei amtsinternen Besichtigungen von Bauvorhaben
durch Fachstellen, wie beispielsweise der Kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und
Landschaftsbilder (OLK) und der Stadtbildkommission.22
c) Die Zuständigkeit für den Beschwerdeentscheid liegt bei der BVE, für welche das
Rechtsamt das Verfahren als Instruktionsbehörde leitet.23 Das Rechtsamt hat keinen
Augenschein angeordnet und an der Begehung des beco auch nicht teilgenommen. Es
handelt sich damit nicht um einen Augenschein der Instruktionsbehörde. Das Rechtsamt
hat vielmehr das beco als Fachbehörde im Sinne von Art. 22 BewD dazu beauftragt,
verschiedene Frage betreffend die Lärmsituation zu beantworten. Es ist daher nicht zu
beanstanden, dass das beco die Besichtigung ohne Avisierung der Beschwerdeführenden
und ohne Erstellung eines Protokolls durchführte. Zudem erhielten die Parteien
Gelegenheit, sich zum Fachbericht des beco zu äussern.
7. Rechtliches Gehör und Aktenführungspflicht
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Vorinstanz habe das rechtliche Gehör verletzt,
indem sie ihnen teilweise die Einsicht in Akten verweigert habe, mit dem Argument, diese
seien ungültig und nicht mehr in den Akten. Trotzdem habe sich die Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid auf diese Aktenstücke abgestützt.
b) Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV24) und damit auf Einsicht
in die Verfahrensakten (Art. 23 Abs. 1 VRPG) sowie aus dem Grundsatz der Schriftlichkeit
des Verfahrens (Art. 31 VRPG) ergibt sich die Pflicht der Verwaltung zur vollständigen
Aktenführung. In den Akten ist von Verfahrensbeginn weg alles festzuhalten, was zur
Sache gehört und entscheidwesentlich sein kann. Die Behörden haben die Vollständigkeit
der im Verfahren eingebrachten und erstellten Akten sicherzustellen.25 Eine geordnete und
21 BDE 110/2008/58 vom 28. Oktober 2008 E. 2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 22 N. 3, mit Hinweisen; KPG-Bulletin 2/2006, S. 50 f. 22 BVR 1994 S. 22; KPG-Bulletin 2/2006, S. 50 f. 23 Art. 7 OrV BVE 24 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 25 BVR 2013 S. 407 E. 3.2, 2012 S. 252 E. 3.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 23 N. 10
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übersichtliche Aktenführung ist nicht nur Grundlage eines effektiven Akteneinsichtsrechts
der Verfahrensbeteiligten; sie steht auch im Interesse der korrekten Entscheidfindung bzw.
der richtigen Rechtsanwendung sowie der Überprüfbarkeit des Entscheids in einem
allfälligen Rechtsmittelverfahren.26
c) Die Beschwerdeführenden rügten in ihrer Beschwerde, es fehlten die eingereichten
ungültig gewordenen Formulare. Sowohl das ungültige erste Begleitschreiben wie auch
das ungültige erste Baugesuchsformular 1.0 sind jedoch in den Vorakten enthalten.27 Zwar
ist den Beschwerdeführenden darin zuzustimmen, dass keine Korrespondenz zwischen der
Vorinstanz (oder allenfalls der Gemeinde) und der Beschwerdegegnerin oder andere
Unterlagen, welche erklären weshalb und inwiefern das zuerst eingereichte Baugesuch
korrigiert und ersetzt worden ist, enthalten sind. Ein Vergleich der ursprünglich
eingereichten Dokumente mit den definitiven zeigt jedoch, dass in der Projektbeschreibung
die Einkofferung der neuen Zufahrtsstrasse sowie das nachträgliche Baugesuch für die
bereits bestehende Natursteinmauer westlich der neuen Zufahrtsstrasse ergänzt wurden.
Es ist also durchaus erkennbar, was verändert wurde. Zudem ist letztlich nur das
(verbesserte) Baugesuch zu beurteilen, was vorliegend aufgrund der vorhandenen Akten
ohne weiteres möglich ist. Selbst wenn von einer geringfügigen Verletzung der
Aktenführungspflicht ausgegangen würde, könnte dies daher nicht zur Aufhebung des
angefochtenen Entscheids führen.
d) Allerdings hätte die Vorinstanz den Beschwerdeführenden Akteneinsicht in die
ungültigen Formulare gewähren müssen. Dass diese letztlich ungültig und nicht mehr Teil
des Baugesuchs sind, ändert nichts daran, dass sie sich in den Akten befinden und dass
daher ein Einsichtsrecht besteht. Insofern hat die Vorinstanz eine geringfügige
Gehörsverletzung begangen. Allerdings haben die Beschwerdeführenden im
Beschwerdeverfahren die Gelegenheit zur Akteneinsicht erhalten und diese auch genutzt.
Zudem konnten sie sich vor der BVE nochmals äussern. Es ist auch nicht ersichtlich,
inwiefern ihnen durch die geringfügige Gehörsverletzung ein Nachteil entstanden sein
sollte und die Beschwerdeführenden legen auch keinen solchen dar. Die Gehörsverletzung
ist damit vor der BVE, welche über volle Kognition verfügt, geheilt worden und es besteht
angesichts der Geringfügigkeit der Gehörsverletzung auch kein Grund, diesem Umstand im
Kostenpunkt Rechnung zu tragen.
26 VGE 2014/304 vom 12.3.2015 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen 27 Vorakten, pag. 025 und 005
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8. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf
eine Pauschalgebühr von Fr. 1'800.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19
Abs. 1 GebV28).
b) Die Beschwerdeführenden haben zudem der Beschwerdegegnerin die Parteikosten
zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Der Anwalt der Beschwerdegegnerin hat eine
Kostennote im Umfang von Fr. 4'771.65 (Honorar Fr. 4'172.00; Reisekosten Fr. 37.60;
Auslagen Fr. 208.60; Mehrwertsteuer Fr. 353.45) eingereicht. Die Beschwerdegegnerin ist
mehrwertsteuerpflichtig29 und kann somit die von ihrem Rechtsvertreter auf sie überwälzte
Mehrwertsteuer in ihrer eigenen Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihr
fällt daher betreffend Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der
Mehrwertsteuer käme einer mit Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren
Überentschädigung gleich. Die in der Kostennote des Rechtsvertreters der
Beschwerdegegnerin aufgeführte Mehrwertsteuer ist daher bei der Bestimmung des
Parteikostenersatzes nicht zu berücksichtigen.30 Ansonsten gibt die Kostennote des
Anwaltes der Beschwerdeführerin zu keinen Bemerkungen Anlass. Die
Beschwerdeführenden haben somit der Beschwerdegegnerin die Parteikosten von
Fr. 4'418.20 zu ersetzen.