Decision ID: f7bff11d-285d-409e-b351-0f49fe9f3451
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Michael Weissberg, Plänkestrasse 32, Postfach,
2501 Biel/Bienne,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilfsmittel (automatischer Türöffner)
Sachverhalt:
A.
Die am 24. Februar 1946 geborene S._ leidet an einer sensomotorisch inkompletten
Tetraplegie sub C4 unklarer Aetiologie mit einer autonomen Dysregulation mit Herz/
Kreislauf-, Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstörung und an chronischen
Schulterschmerzen mit Bewegungseinschränkung rechts nach Abriss der
Supraspinatussehne. Die IV-Stelle richtete ihr eine ganze Invalidenrente und eine
Entschädigung bei der schweren Hilflosigkeit aus. Mit einer Verfügung vom 16. Juni
2005 bewilligte die IV-Stelle der Versicherten einen Teil der beantragten Umbauten der
Wohnung an der A._strasse .. in B._. Der Ehemann der Versicherten teilte der IV-
Stelle am 2. Februar 2006 mit, sie zögen um. Am 22. Februar 2006 erteilte die IV-Stelle
eine Kostengutsprache für den Rückbau der Wohnung an der A._strasse ... Die
Versicherte liess am 22. August 2007 der IV-Stelle beantragen, die Kosten eines
Servicevertrages für die von der Schweizer Paraplegikerstiftung übernommenen
Automatisierung der Haustüre und der Wohnungstüre zu übernehmen. Die IV-Stelle
wies diesen Antrag am 2. November 2007 mit der Begründung ab, der Wohnsitz sei
ohne behinderungsbedingten Grund von der umgebauten Wohnung in eine andere
Wohnung verlegt worden. Im Rahmen der Schadenminderungspflicht könnten die
Kosten einer behinderungsgerechten Einrichtung der neuen Wohnung nicht
übernommen werden.
B.
Die Versicherte füllte am 26. August 2009 die Anmeldung zum Bezug einer Altersrente
aus. Das Schweizer Paraplegiker-Zentrum stellte am 12. Oktober 2009 für die
Versicherte das Gesuch um einen behinderungsbedingten Umbau der Wohnung (per
Knopfdruck aktivierbare automatische Türöffner für die Haus- und die Wohnungstüre).
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Sie begründete dieses Gesuch damit, dass die vorhandenen Türantriebe trotz
zweimaliger Revision nicht einwandfrei funktionierten. Mit einem Vorbescheid vom 7.
Januar 2010 teilte die Sozialversicherungsanstalt St. Gallen der Versicherten mit, dass
sie beabsichtige, das Gesuch um die Übernahme der Kosten der Automatisierung der
Haus- und der Wohnungstür abzuweisen. Automatische Türöffner könnten gemäss der
Ziffer 13.05* der Liste im Anhang zur HVI nur abgegeben werden, wenn damit eine
Leistungssteigerung im Aufgabenbereich von mindestens 10% möglich sei. Die
Versicherte könne nur noch gelegentlich im Haushalt mithelfen. Die Einkäufe und
Besorgungen machten höchstens 10% der gesamten Haushaltführung aus. Demnach
sei die Voraussetzung einer Leistungssteigerung im Haushalt um 10% nicht erfüllt. Die
kantonale Ausgleichsklasse sprach der Versicherten am 27. Januar 2010 mit Wirkung
ab 1. März 2010 eine Altersrente und eine Hilflosenentschädigung der AHV zu. Das
Schweizer Paraplegiker-Zentrum wandte am 8. Februar 2010 gegen den Vorbescheid
der Sozialversicherungsanstalt St. Gallen vom 7. Januar 2010 ein, massgebend sei
nicht die Ziffer 13.05*, sondern die Ziffer 15.05 der Liste im Anhang zur HVI. Die beiden
Türöffner seien Umweltkontrollgeräte, weil sie es der Versicherten ermöglichten, sich
selbständig fortzubewegen und soziale Kontakte zu pflegen. Der Ehemann könne der
Versicherten unmöglich ständig zur Seite stehen. Mit einer Verfügung vom 19. April
2010 wurde das Gesuch um die Übernahme der Kosten der beiden automatischen
Türöffner von der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen abgewiesen. Zur
Begründung wurde zusätzlich ausgeführt, mit den Umweltkontrollgeräten sei nur die
selbständige Fortbewegung innerhalb der Wohnung gemeint, da schwerstgelähmte
Personen in den wenigsten Fällen allein nach draussen gingen und weil dazu noch
weitere Massnahmen (z.B. Treppenlift, automatisches Öffnen anderer Türen) nötig
wären.
C.
Die Versicherte liess am 19. Mai 2010 Beschwerde erheben und sinngemäss
beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Sozialversicherungsanstalt sei anzuweisen, die anbegehrte Kostengutsprache für den
automatischen Türöffner zu erteilen. Ihr Rechtsvertreter führte zur Begründung aus, der
Leistungsantrag müsse unter dem Aspekt von Ziffer 15.05 HVI (Umweltkontrollgeräte)
geprüft werden. Zweck dieser Hilfsmittel sei es, Behinderten den Kontakt mit der
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Umwelt zu ermöglichen. Das schliesse die Überwindung des Wohnungszugangs ein. Er
verwies auf ein entsprechendes Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 8. Februar 2010 (IV 2009/291). Der Rechtsvertreter der Versicherten machte
weiter geltend, es könne nicht davon ausgegangen werden, dass immer Hilfspersonen
zur Verfügung stünden, wenn die Versicherte den Wohnungszugang überwinden wolle.
Die bereits abgegebenen Umweltkontrollgeräte, die das selbständige Lesen und
Telefonieren ermöglichten, vermöchten den freien Hauszugang nicht zu ersetzen.
D.
Die Sozialversicherungsanstalt beantragte am 16. August 2010 die Abweisung der
Beschwerde. Sie wies darauf hin, dass die Vergütung der Kosten einer Türautomation
gestützt auf die Ziffer 13.05* der Liste im Anhang zur HVI ausgeschlossen sei, weil die
Versicherte keiner Erwerbstätigkeit nachgehe und weil diese Hilfsmittelversorgung im
Haushalt keine Leistungssteigerung von mindestens 10% bewirke. Das kantonale
Urteil, das eine Türautomation unter der Ziffer 15.05 der Liste im Anhang zur HVI
zugelassen habe, sei noch nicht rechtskräftig. Die aktuelle bundesgerichtliche
Rechtsprechung (Urteil vom 15. März 2007, I 133/06) lasse die Türautomation nur
innerhalb der Wohnung als Umweltkontrollgerät zu. Im übrigen erhalte die Versicherte
eine Hilflosenentschädigung dafür, dass sie für die Fortbewegung im Freien auf Hilfe
angewiesen sei. Andernfalls würde lediglich noch verlangt, dass eine versicherte
Person die Türe nicht selbst öffnen könne. Damit hätten alle Rollstuhlfahrer einen
Anspruch auf einen automatischen Türöffner.
E.
Die Versicherte beharrte am 7. September 2010 darauf, dass gestützt auf die Ziffer
15.05 der Liste im Anhang zur HVI ein Anspruch auf die Übernahme der Kosten der
Türautomation bestehe.
F.
Die Sozialversicherungsanstalt verzichtete am 16. September 2010 auf eine
Stellungnahme.

Erwägungen:
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1.
Bei der Einreichung des Gesuchs um die Übernahme der Kosten bestimmter baulicher
Veränderungen in der Wohnung war die Beschwerdeführerin noch invalidenversichert.
Deshalb hat sie das entsprechende Gesuch zu Recht bei der Beschwerdegegnerin (als
IV-Stelle) eingereicht. Mit dem Erreichen des 64. Altersjahres und mit der Zusprache
einer Altersrente ab 1. März 2010 hat aber ein Wechsel des Sozialversicherungsträgers
stattgefunden, der auch für eine allfällige Hilfsmittelberechtigung massgebend
gewesen ist. Die entsprechenden Bestimmungen der Invalidenversicherung (Art. 21 IVG
i.V.m. Art. 14 lit. a IVV und der HVI) beschränken den Kreis der Anspruchsberechtigten
nämlich auf die bei diesem Sozialversicherungsträger versicherten Personen. Dazu
zählt die Beschwerdeführerin seit dem 1. März 2010 nicht mehr. Damit ist die
Grundvoraussetzung eines Hilfsmittelanspruchs der Beschwerdeführerin gegenüber
der Invalidenversicherung weggefallen. Da keine rückwirkende Hilfsmittelzusprache
(z.B. eine Vergütung eines vor dem Wechsel von der versicherten Person selbst
angeschafften Hilfsmittels) zur Diskussion gestanden hat, hat die Beschwerdegegnerin
das Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin abweisen müssen, weil die
Beschwerdeführerin die Anspruchsvoraussetzungen gar nicht mehr hat erfüllen
können. Dass die Beschwerdegegnerin das Leistungsgesuch mit einer nicht
zutreffenden Begründung abgewiesen hat, schadet nicht. Die angefochtene Verfügung
erweist sich somit als rechtmässig. Das Leistungsgesuch kann nicht
zuständigkeitshalber an die kantonale Ausgleichskasse Glarus überwiesen werden, da
die Beschwerdeführerin ihr Leistungsgesuch korrekt noch bei der Beschwerdegegnerin
eingereicht hat, also kein Zuständigkeitsfehler vorliegt. Ein allfälliges neues
Leistungsgesuch, nun gestützt auf Art. 43 AHVG, wäre wohl bei der kantonalen
Ausgleichskasse Glarus einzureichen.
2.
Da sich die angefochtene Verneinung eines Anspruchs auf die Übernahme der Kosten
baulicher Veränderungen in der Wohnung als rechtmässig erweist, ist die Beschwerde
abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst
sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Da der konkrete
Verfahrensaufwand deutlich unter dem Durchschnitt liegt, rechtfertigt sich
ter
bis
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praxisgemäss eine Gerichtsgebühr von Fr. 400.-, die von der vollumfänglich
unterliegenden Beschwerdeführerin zu tragen ist. Das Gesuch der Beschwerdeführerin
um die Zusprache einer Parteientschädigung ist abzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG