Decision ID: 36eee1a9-4b74-4eb7-be92-3c63892989ca
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ reichte am 9. Januar 2003 eine Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen für
Erwachsene bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen ein (IV-act. 1). Sie gab an, keine
Lehre abgeschlossen und bis zum Eintritt der vollen Arbeitsunfähigkeit in einem
Pensum von 70 Prozent als Hilfspflegerin gearbeitet zu haben. Das wurde von der
Arbeitgeberin bestätigt (IV-act. 9).
A.a.
Die rheumatologischen Fachärzte des Kantonsspitals St. Gallen hatten am 6.
September 2002 berichtet, die Versicherte leide an einem Fibromyalgie-Syndrom (IV-
act. 8-17 ff.). Sie hatten aktuell noch eine kurzfristige volle Arbeitsunfähigkeit attestiert.
A.b.
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Nach Einleiten der Therapie solle die Patientin schnellstmöglich wieder an ihren
Arbeitsplatz zurückkehren. Das Pensum solle initial 50 Prozent betragen und dann je
nach Verlauf gesteigert werden. Das Z._ erstattete zuhanden der
Krankentaggeldversicherung am 15. Januar 2003 ein Gutachten (IV-act. 8-5 ff.). Laut
diesem Gutachten litt die Versicherte an einem chronifizierten, generalisierten und
undifferenzierten Schmerzsyndrom mit einer ausgeprägten somatoformen
Schmerzstörung, einer psychosozialen Belastungssituation in der Vergangenheit sowie
einer prolongierten depressiven Anpassungsstörung. Die Sachverständigen attestierten
eine mittel- bis langfristige volle Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten. Der
regionale ärztliche Dienst (RAD) hielt am 1. Juli 2003 fest, es sei von einer vollen
Arbeitsunfähigkeit ab 24. Juli 2002 sowohl in der angestammten als auch in einer
angepassten Tätigkeit auszugehen (IV-act. 11). Weitere medizinische Abklärungen
seien nicht notwendig. Mit einer Verfügung vom 6. November 2003 wurde der
Versicherten von der IV-Stelle ab 1. Juli 2003 bei einem Invaliditätsgrad von 76 Prozent
eine ganze Invalidenrente zugesprochen (IV-act. 17). Die IV-Stelle ging dabei von einem
erwerblichen Anteil von 70 Prozent und von einem Haushaltanteil von 30 Prozent aus
(IV-act. 15).
Im November 2012 forderte die IV-Stelle die Versicherte, deren Hausarzt und
deren behandelnden Psychiater auf, verschiedene Fragen zum Gesundheitszustand zu
beantworten. Die Versicherte machte im Fragebogen betreffend die Revision der
Invalidenrente geltend, ihr Gesundheitszustand habe sich verschlechtert und sie leide
seit Monaten an zusätzlichen Beinbeschwerden (IV-act. 45). Dr. med. B._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, attestierte einen unverändert schlechten
Gesundheitszustand (IV-act. 48). Er gab an, die Versicherte verlasse kaum noch die
Wohnung und ihr Privatleben beschränke sich auf den engsten Familienkreis. Auch der
Hausarzt Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, gab einen
unveränderten Gesundheitszustand an (IV-act. 49). Der RAD notierte am 25. Januar
2013, dass die rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit der Versicherten überwiegend in
einem Leiden gemäss den Schlussbestimmungen zur sogenannten IV-Revision 6a (6.
Revision des IVG, erstes Massnahmenpaket) bestehe (IV-act. 50). Die Arztberichte
beschrieben eine prolongierte depressive Anpassungsstörung mit Somatisierung. Eine
chronische körperliche Begleiterkrankung mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und
A.c.
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ein mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik
ohne längerfristige Remission seien nicht beschrieben. Ein sozialer Rückzug in allen
Belangen des Lebens lasse sich nicht erkennen. Ebenso wenig liege ein verfestigter,
therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich
missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung vor. Weiter sei kein
unbefriedigendes Behandlungsergebnis vorhanden. Aus medizinischer Sicht seien
keine weiteren Unterlagen einzuholen. Am 29. Januar 2013 notierte ein Mitarbeiter des
Rechtsdienstes der IV-Stelle (IV-act. 51), eine Anpassungsstörung mit einer längeren
depressiven Reaktion sei rechtsprechungsgemäss nicht invalidisierend. Vorliegend
bestehe kein Rentenanspruch, weil die sogenannten Foerster’schen Kriterien nicht
erfüllt seien. Mit einem Vorbescheid vom 13. Februar 2013 eröffnete die IV-Stelle der
Versicherten, dass sie beabsichtige, die Rente auf Ende des der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats aufzuheben (IV-act. 54). Am 21. Februar 2013 wandte die
Versicherte ein, ihr Gesundheitszustand sei nicht genügend geprüft worden (IV-act. 56).
Die Meinung von Dr. B._ könne nicht einfach ignoriert werden. Sie beantrage daher,
dass weitere Abklärungen durchgeführt würden. Dem Einwand lagen diverse
medizinische Berichte bei (IV-act. 57). Der RAD notierte am 12. April 2013, aus den neu
eingereichten Berichten ergäben sich keine neuen Tatsachen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 58). Es seien keine weiteren medizinischen Unterlagen
einzuholen. Mit einer Verfügung vom 15. April 2013 hob die IV-Stelle die laufende
ganze Rente in Anwendung der lit. a Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur 6. IV-
Revision per Ende Mai 2013 auf (IV-act. 59).
Am 16. Mai 2013 erhob die Versicherte eine Beschwerde gegen die Verfügung
vom 15. April 2013 (IV-act. 65). Sie beantragte die Aufhebung der Verfügung mit der
Begründung, der Sachverhalt sei nicht genügend abgeklärt worden. Dem Bericht über
die psychiatrische Untersuchung vom 12. Dezember 2002 lasse sich eine ernsthaftere
psychiatrische Diagnose entnehmen, als von der IV-Stelle bzw. vom RAD angenommen
worden sei. Wiedereingliederungsmassnahmen seien gar nicht erst geprüft worden.
Insgesamt erweise sich die angefochtene Verfügung als rechtswidrig, weil sie auf
einem ungenügend abgeklärten Sachverhalt beruhe. Die IV-Stelle beantragte am 20.
Juni 2013 die Abweisung der Beschwerde (IV-act. 70). Zur Begründung äusserte sie im
Wesentlichen, es sei unbestritten, dass ein Leiden im Sinne der Schlussbestimmungen
A.d.
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zur IV-Revision 6a vorliege. Die Ärzte hätten bei der Versicherten einen unveränderten
Gesundheitszustand bestätigt. Der Umstand, dass die Versicherte für die weitere
Ausrichtung ihrer bisherigen Rente kämpfe, lasse ohne weiteres darauf schliessen,
dass sie sich als nicht arbeitsfähig sehe. Zudem sei die Versicherte nicht ernsthaft an
Eingliederungsmassnahmen interessiert. Wenn die Versicherte effektiv an
Eingliederungsmassnahmen interessiert sei, könne sie sich ohne Weiteres bei der IV-
Stelle melden. Am 3. Juli 2014 hob das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
die angefochtene Verfügung vom 15. April 2013 auf und wies die Sache zur
Durchführung weiterer Abklärungen und zur anschliessenden Neuverfügung im Sinne
der Erwägungen an die IV-Stelle zurück (IV-act. 75). Es erachtete die Voraussetzungen
für eine nachträgliche Überprüfung der Rentenzusprache als erfüllt (IV 2013/224, E.
2.3). Den Erwägungen war zusammenfassend zu entnehmen, dass der RAD bei der
Überprüfung im Wesentlichen auf das über zehn Jahre alte Gutachten der Z._
abgestellt habe. Die behandelnden Ärzte hätten zwar auf Nachfrage hin ausgeführt, der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich nicht wesentlich verändert. Alleine
aufgrund dieser eher vagen Angaben könne aber nicht gestützt auf das über zehn
Jahre alte Gutachten der Z._ über den aktuellen Rentenanspruch der Versicherten
befunden werden, zumal aktenkundig sei, dass diese zwischenzeitlich unter anderem
zweimal an der Wirbelsäule habe operiert werden müssen. Damit seien die vom
Gesetzgeber geforderten allseitigen Untersuchungen bezüglich des aktuellen
Gesundheitszustandes der betroffenen Person unterblieben.
Am 6. Dezember 2014 berichtete Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, der IV-Stelle (IV-act. 83), die Versicherte leide an einer anhaltenden
posttraumatischen Belastungsstörung mit einer mittlerweile andauernden
Persönlichkeitsänderung nach einer Extrembelastung nach schweren
Schussverletzungen im Kopf- und Halsbereich, an einer chronischen Schmerzstörung
bei einem Zustand nach wiederholten neurochirurgischen Operationen und
Fibromyalgie und ferner an einem hirnorganischen Psychosyndrom. Derzeit erfolge eine
ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung einschliesslich
Psychopharmakotherapie. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Hilfspflegerin erscheine
aus medizinischer Sicht mit dem aktuellen anhaltenden Gesundheitszustand keinesfalls
vereinbar. Es lägen hochgradige Einschränkungen im Konzentrations- und
A.e.
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Auffassungsvermögen sowie bei der Anpassungsfähigkeit und der Belastbarkeit vor.
Schwere Antriebs-, Denk- und Affektstörungen hätten auf Dauer eine volle
Arbeitsunfähigkeit zur Folge. Der neue Hausarzt der Versicherten, Dr. med. E._,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete der IV-Stelle am 15. Dezember 2014
(IV-Act. 84), er habe bei der Versicherten eine chronische Schmerzstörung im Rahmen
einer Fibromyalgie, eine rezidivierende depressive Störung, ein generalisiertes
lumboradikuläres Schmerzsyndrom, ein Kolon irritabile, eine beginnende Gonarthrose,
einen Eisen- und Vitamin-D- Mangel sowie eine chronische Müdigkeit und
Schlafstörungen diagnostiziert. Je nach Verlauf sei eine teilstationäre oder stationäre
Behandlung oder auch eine psychiatrische Hospitalisation zu diskutieren. Bezüglich der
Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit sei die Prognose schlecht. Dr. D._ reichte der
IV-Stelle den Bericht der psychologischen Untersuchung vom September 2013 am
Kantonsspital St. Gallen ein (IV-act. 91). Die standardisierte psychologische
Untersuchung war nicht möglich gewesen, da die Versicherte deutlich blockiert hatte,
in Tränen ausgebrochen war und nicht zur Mitarbeit hatte motiviert werden können. Die
Versicherte habe deutlich ängstlich, deprimiert und infolge ihrer psychischen Probleme
und chronischen Schmerzen in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt gewirkt. Die
Blockaden seien auf psychische Störungen zurückzuführen gewesen. Die
Anstrengungsbereitschaft habe deutlich reduziert gewirkt, wobei die Versicherte nicht
den Eindruck vermittelt habe, dass sie bewusst simuliert habe. Ihr war eine stationäre
psychiatrische Behandlung in X._, inklusive dortiger Demenzabklärung, empfohlen
worden.
Am 26. Mai 2015 erstattete das Swiss Medical Assessment- and Business-Center
(SMAB) AG der IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 103). Die Versicherte
war in den Fachgebieten Psychiatrie, Orthopädie/Traumatologie, Neurologie und Innere
Medizin begutachtet worden. Der psychiatrische Sachverständige führte aus, es hätten
sich schleichend somatoforme Störungen ausgebildet. Die Versicherte habe im Sinne
einer Anpassungsstörung depressiv reagiert und eine Dysthymie entwickelt (IV-act.
103-12 f.). Sie habe als Hauptursache der seelischen und in der Folge auch der
körperlichen Verschlechterung angegeben, dass ihr erster Ehemann sie im Jahre 1978
während den Ferien in ihrer Heimat angeschossen habe. Der psychiatrische
Sachverständige führte weiter aus, danach habe die Versicherte jahrelang gearbeitet.
A.f.
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Die Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung lägen insgesamt nicht vor
(IV-act. 103-34). Die Versicherte habe angegeben, die Schmerzen seien dann aber
gewachsen und so gross gewesen, dass sie ihr Arbeitspensum reduziert habe. Die
Schmerzen und Erschöpfung und die fehlende Konzentration seien dann so gross
geworden, dass sie schliesslich nicht mehr habe arbeiten können (IV-act. 103-27/29).
Der psychiatrische Sachverständige hielt dazu fest, diese Reduktion der Arbeitsleistung
sei aus psychiatrischer Sicht nicht nachvollziehbar (IV-act. 103-35). Die Versicherte
weise typische Symptome wie Antriebsverminderung, Verlust des Selbstvertrauens,
Pessimismus im Hinblick auf die Zukunft und Grübeln über die Vergangenheit, Neigung
zum Weinen sowie Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung auf. Allerdings
erfüllten diese Beschwerden die diagnostischen Kriterien einer depressiven Episode
nicht. Dies widerspiegle sich auch im durchgeführten Beck'schen-Depressions-
Inventar. Die Versicherte habe dieses nur mit Hilfe ausfüllen können, das
diesbezügliche Unvermögen habe aber aufgesetzt gewirkt. Gegen eine relevante
depressive Störung sprächen das sehr gepflegte Auftreten, die Pflege eines
generationsübergreifenden Familienlebens mit mehrwöchigen Reisen in die Heimat
sowie die Freizeitbeschäftigungen. Schliesslich liege bei der Versicherten eine
Neurasthenie vor. Es bestehe der Eindruck, dass die Versicherte sich in ihrer Störung
eingerichtet habe. Die drei genannten Gesundheitsstörungen entsprächen einem
syndromalen Beschwerdebild, weshalb die Förster-Kriterien zu diagnostizieren seien.
Die Beschwerden hätten zu keinem Zeitpunkt eine ausreichende, fassbare organische
Ursache gehabt. Die Pathogenese und die Ätiologie der vorliegenden
Gesundheitsstörungen könnten medizinisch nicht ausreichend erklärt werden. Die
Symptomatik der Versicherten unduliere auch nach deren eigenen Angaben. Weiter sei
auch die medikamentöse Compliance fraglich. Bisher sei keine stationäre
psychiatrische Therapie erfolgt. Bei der Versicherten lasse sich keine auffällige
prämorbide Persönlichkeitsstruktur bzw. -entwicklung finden, vielmehr bestehe
lediglich eine Persönlichkeitsakzentuierung. Andere chronische Begleiterkrankungen
fehlten. Es bestehe auch keine ausgewiesene psychische Komorbidität von erheblicher
Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer. Die Dysthymie, die somatoforme
Schmerzstörung sowie die Neurasthenie gehörten nicht dazu. Es spreche auch weiter
nichts gegen die Überwindbarkeit des syndromalen Beschwerdebildes. Die Versicherte
sei daher aus psychiatrischer Sicht uneingeschränkt belastbar (IV-act. 103-13 f.).
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Aufgrund der langen Abwesenheit vom Arbeitsplatz sei aber eine schrittweise
Erhöhung bis zum Erreichen einer vollen Arbeitsfähigkeit vorzunehmen (IV-act. 103-35).
In seinem orthopädisch-traumatologischen Gutachten hielt der entsprechende
Sachverständige fest, die Versicherte könne eine mittelschwere Tätigkeit, worunter
auch die Arbeit als Schwesternhelferin falle, nicht mehr durchführen. In einer
angepassten Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 103-14). Neurologisch
sei der Status (mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit) völlig unauffällig. Es läge keine
neurologische Diagnose vor; die geäusserten Schmerzen könnten mit einer solchen
Diagnose nicht in Verbindung gebracht werden. Internistisch gesehen sei die Therapie
gut bzw. optimal eingestellt. Die Arbeitsfähigkeit sei daher aus neurologischer und
internistischer Sicht weder in der angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit
gestört (IV-act. 103-15). Zusammenfassend ergäben sich lediglich aus orthopädischer
Sicht Einschränkungen. Der Versicherten sei demzufolge eine angepasste leichte
Tätigkeit im Wechsel von Sitzen, Stehen und Gehen zumutbar, wobei der Einsatz
beider Hände für körperlich leichte bis sehr leichte Tätigkeiten geeignet wäre. Das
Heben und Tragen von Lasten von mehr als 5 kg sowie lange Wegstrecken sollten
vermieden werden. Für eine solche Tätigkeit bestehe ab sofort eine volle
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 103-17 f./20 f.). Im Anschluss an die beiden
Bandscheibenoperationen sei jeweils von einer Arbeitsunfähigkeitszeit von ca. sechs
Monaten auszugehen, länger andauernde Arbeitsunfähigkeiten in einer angepassten
Tätigkeit über einen solchen Zeitraum hinaus seien laut der Aktenlage nicht erkennbar
(IV-act. 103-19).
Der RAD-Arzt Dr. med. F._ notierte am 2. Juni 2015, das SMAB-Gutachten sei
umfassend und schlüssig (IV-act. 104). Die im Konsens abgeleiteten medizinischen
Schlussfolgerungen seien versicherungsmedizinisch nachvollziehbar. Die wesentlichen
Einschränkungen fänden in der Beurteilung Berücksichtigung. Auf das Gutachten
könne daher abgestellt werden. Mit einem Vorbescheid vom 17. Juni 2015 kündigte die
IV-Stelle der Versicherten an, dass sie beabsichtige, die IV-Rente aufzuheben (IV-act.
109). Sie begründete dies damit, dass den vorliegenden medizinischen Unterlagen
keine objektivierbaren anatomischen Befunde zu entnehmen seien, die aus
versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründen
würden. Es lägen keine Anhaltspunkte für eine psychiatrische Komorbidität oder
A.g.
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sonstige schwere Funktionseinschränkungen vor. Weiter spreche nichts gegen eine
Schmerzüberwindbarkeit. Hiergegen wandte die Versicherte am 17. Juli 2015 ein (IV-
act. 112), das psychiatrische Teilgutachten sei nicht schlüssig und widerspreche dem
orthopädischen Befund. Daher sei eine erneute Beurteilung vorzunehmen. Weiter
reichte die Versicherte eine Stellungnahme von Dr. D._ vom 14. Juli 2015 ein (IV-act.
113). Dieser hatte angeführt, dass die gutachterliche Querschnittsdiagnostik nicht mit
der Längsschnittdiagnostik im nunmehr rund zweijährigen Behandlungsverlauf
korreliere. Bei der Versicherten bestehe eine vollumfänglich medizinisch begründete
Arbeitsunfähigkeit zu 100 Prozent für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Schwesternhilfe. Folgende psychische Fähigkeiten seien massiv eingeschränkt bis
aufgehoben und bedingten eine dauerhafte vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit:
Ordnungsbereitschaft, Problemlösung, Pünktlichkeit, Reaktionsfähigkeit,
Selbständigkeit, Sorgfalt, Arbeit, Umstellungsfähigkeit, Verantwortung, Antrieb,
Auffassung, Aufmerksamkeit, Ausdauer, Durchsetzung, Kontaktfähigkeit,
Konzentration, Kritikfähigkeit, Lernen und Merken sowie Frustrationstoleranz. Weiter
habe der Gutachter die arbeitsprognostische Abklärung im Rahmen einer neuro-
psychiatrischen Evaluation des psychischen Funktionspotenzials von Herr Dr. G._
vom Dezember 2002 unberücksichtigt gelassen. Letzterer habe in seinen Ausführungen
eine objektivierbare depressive Psychopathologie schweren Ausprägungsgrades sowie
eine psychische Wesensveränderung beschrieben. Er habe deutliche Hinweise für eine
dysfunktionale innerpsychische Fehlverarbeitung auf dem Boden der traumatisierten
psychischen Entwicklung bei einer intelligenten, engagierten und arbeitsmotivierten
Persönlichkeit gefunden. Damit hätten offenbar vor 13 Jahren bereits Hinweise auf die
heute weiter chronifizierte Symptomatik bestanden. Infolgedessen notierte die IV-Stelle
in ihrem Strategieprotokoll vom 29. Februar 2016, dass gezielte Rückfragen an die
Gutachter der SMAG AG vorzunehmen seien (IV-act. 114). In ihren Stellungnahmen
vom 21. März 2016 (IV-act. 116 und 118) führten die SMAG-Gutachter aus, dass die
Versicherte in den vergangenen Jahren immer wieder versucht habe, eine relevante,
depressive Symptomatik geltend zu machen. Weiter seien die zitierten Diagnosen aus
dem Bericht des behandelnden Psychiaters in Zweifel zu ziehen. Die B- bis D-Kriterien
für eine posttraumatische Belastungsstörung lägen nicht vor. Deshalb könne es nicht
zu einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach einer Extrembelastung gekommen
sein. Die Versicherte sei nach dem Trauma Jahrzehnte gesund und leistungsfähig
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B.
gewesen. Weiter habe auch kein hirnorganisches Psychosyndrom diagnostiziert
werden können. Die von der Versicherten dargestellten massiven Einschränkungen
hätten nicht reproduziert werden können. Die demonstrativ präsentierten Defizite seien
nicht durchgehend vorhanden gewesen, was per se den Verdacht auf eine Aggravation
gelenkt habe. Hinzu komme, dass der Heilungsverlauf der Versicherten nicht
nachvollziehbar sei. Trotz der psychiatrischen Behandlung sei keine Besserung erreicht
worden. Dementsprechend seien die Kriterien einer mittelgradigen depressiven
Episode nicht erfüllt. Daher erachte er die Versicherte aus psychiatrischer Sicht
weiterhin als zu 100 Prozent arbeitsfähig. In ihrem zweiten Vorbescheid vom 23.
August 2016 wies die IV-Stelle darauf hin (IV-act. 120), dass sie bei den Gutachtern
eine Rückfrage eingeholt habe. Gestützt auf diese Stellungnahme halte sie am
vorgehenden Entscheid fest. Dagegen wandte die Versicherte am 19. September 2016
ein (IV-act. 121), die Sachverständigen hätten sich nicht substantiell mit den Befunden
des behandelnden Psychiaters auseinandergesetzt. Dem Gutachten fehle es an der
notwendigen qualifizierten Auseinandersetzung mit den ernst zu nehmenden Befunden.
Insgesamt fehle es an der Schlüssigkeit des psychiatrischen Teilgutachtens im Hinblick
auf die für die Beurteilung der Gründe für die Rentenaufhebung massgebenden
Befunde. So dränge es sich auf, ein neues, unabhängiges psychiatrisches Gutachten
einzuholen. Unbestritten bleibe, dass die Versicherte in der angestammten Tätigkeit
nicht mehr arbeiten könne. Der RAD äusserte demgegenüber am 19. Dezember 2016,
die Stellungnahme der SMAB-Gutachter sei ausreichend (IV-act. 122). Am 3. Januar
2017 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt die Aufhebung der Rente. Sie machte
geltend, das Gutachten erfülle alle erforderlichen Kriterien, so dass ihm der volle
Beweiswert zukomme. Somit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit für eine
leidensadaptierte Tätigkeit (IV-act. 124).
Am 6. Februar 2017 erhob die Versicherte Beschwerde (IV-act. 128-2 ff.). Sie be
antragte die Aufhebung der Verfügung vom 3. Januar 2017 und die weitere Gewährung
einer ganzen Invalidenrente mit Wirkung ab Juni 2013. Zur Begründung brachte sie im
Wesentlichen vor, aufgrund der orthopädisch-traumatologischen Ausführungen im
SMAB-Gutachten müsse eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in adaptierten
Tätigkeitsbereichen verneint werden. Insbesondere sei aber das zentrale psychiatrische
B.a.
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Teilgutachten nicht schlüssig. Es beruhe weder auf den erforderlichen allseitigen
Untersuchungen noch berücksichtige es die bisher diagnostizierten Beschwerden. Die
sehr pauschalen Feststellungen leuchteten deshalb auch in der Darlegung der
medizinischen Zustände und Zusammenhänge nicht ein. Zwischenzeitlich sei die
Versicherte in einer stationären Behandlung in der Klinik H._. Der Bericht der
stationären Hospitalisation enthalte die Diagnosen einer komplexen posttraumatischen
Belastungsstörung, einer Persönlichkeitsänderung sowie einer mittelgradigen
depressiven Episode verbunden mit einer chronischen Schmerzstörung. Der
Gesundheitszustand habe sich seit Dezember 2012 verschlechtert. Damit sei die
Konstellation im Sinne der Schlussbestimmungen zur IV-Revision 6a nicht mehr
gegeben und die Feststellungen im SMAB-Gutachten seien offensichtlich unhaltbar.
Mit einem Schreiben vom 6. Februar 2017 (IV-act. 131) stellte die Versicherte der IV-
Stelle den Bericht der Fachärzte der Klinik H._ AG, Privatklinik für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 7. Februar 2017 (IV-act. 130) über die Hospitalisation vom 7.
Dezember 2016 bis zum 1. Februar 2017 zu; sie ersuchte sie um eine nochmalige
Prüfung der Ausgangslage. Aus dem Bericht ging hervor, dass bei der Versicherten
eine posttraumatische Belastungsstörung, eine Persönlichkeitsänderung, ein
Benzodiazepinabusus, eine mittelgradige depressive Episode, chronische Schmerz
störungen, eine beginnende Gonarthrose, eine Dyspepsie, ein Colon irritable sowie ein
Eisen- und Vitamin-D-Mangel vorlagen. Aufgrund der bestehenden Symptomatik und
den daraus resultierenden massiven Einschränkungen im Alltag werde die Versicherte
als voll arbeitsunfähig eingeschätzt. Der RAD-Arzt Dr. med. I._ empfahl daraufhin am
14. Februar 2017, aufgrund der neuen medizinischen Aktenlage ein Verlaufsgutachten
einzuholen (IV-act. 132). Am 15. Februar 2017 verfügte die IV-Stelle den Widerruf ihrer
Verfügung vom 3. Januar 2017 (IV-act. 133). Infolgedessen schrieb das Versicherungs
gericht am 23. Februar 2017 (IV 2017/59) das Beschwerdeverfahren ab (IV-act. 140).
Am 9. Juni 2017 beauftragte die IV-Stelle den Psychiater der SMAB AG, Dr. med.
J._, mit der psychiatrischen Verlaufsuntersuchung (IV-act. 145). Im MRT und MRA
des Neurokraniums vom 18. August 2017 wurden keine Auffälligkeiten festgestellt (IV-
act. 150-22). Am 11. September 2017 wurde bei der Versicherten auch ein
Elektroencephalogramm durchgeführt (IV-act. 150-26). Dieses zeigte eine normale
Grundaktivität, keine Funktionsstörung, keinen Herdbefund, keine irritativen oder
B.b.
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epilepsiespezifischen Potenziale sowie ein normales EEG. Das psychiatrische SMAB-
Verlaufsgutachten wurde am 26. September 2017 ausgefertigt (IV-act. 150-1 ff.). Der
Sachverständige kam im Wesentlichen zur folgenden Beurteilung: Das Vorliegen einer
Dysthymie, einer Neurasthenie und einer somatoformen Schmerzstörung, welche im
Zuge der ersten Begutachtung angenommen worden seien, sei nicht mehr
aufrechtzuerhalten. Der Zustand der Versicherten lasse sich keinem psychiatrischen
Störungsbild zuordnen. Im Demenz-Screeningverfahren habe sich die Versicherte in
einem Zustand präsentiert, der nur durch eine schwere Demenz zu erklären wäre,
welche aber sicher nicht vorliege. Das Ergebnis spreche für ein zielgerichtetes
Vortäuschen einer nicht vorhandenen Symptomatik. Die Bildgebung und die Messung
der Hirnströme seien beide unauffällig gewesen. Im Rahmen des Mini-ICF-APP habe
sich ergeben, dass keine Beeinträchtigungen der Fähigkeit zur Anpassung an Regeln
und Routinen und zur Planung sowie Strukturierung von Aufgaben, der Flexibilität, der
Umstellung, zur Anwendung fachlicher Kompetenzen vorlägen. Weiter seien auch die
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, die Durchhaltefähigkeit, die
Selbstbehauptungsfähigkeit, die Kontaktfähigkeit zu Dritten, die Gruppenfähigkeit, die
Fähigkeit zu familiären oder intimen Beziehungen, die Fähigkeit zu Spontanaktivitäten,
die Fähigkeit zur Selbstpflege sowie die Verkehrsfähigkeit gegeben. Die im Arztbrief der
Privatklinik H._ genannten Diagnosen hätten nicht reproduziert werden können (IV-
act. 150-13). Folglich ging der psychiatrische Sachverständige von einer vollen
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer leidensadaptierten Tätigkeit aus (IV-act.
150-14). Der psychiatrische Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit der
Erstbegutachtung von 2015 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nicht verändert (IV-act.
150-20). Der RAD-Arzt Dr. med. I._ notierte am 2.Oktober 2017, dass auf das
Verlaufsgutachten der SMAB AG abgestellt werden könne (IV-act. 152).
Mit einem Vorbescheid vom 30. Oktober 2017 kündigte die IV-Stelle der
Versicherten an, dass die Rente eingestellt bleibe (IV-act-155). In der
Gesamtbetrachtung (also insbesondere unter Beachtung des orthopädisch-
traumatologischen Teilgutachtens vom 26. März 2015) sei die Versicherte in einer
leidensangepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig. Die Versicherte wandte am 5. Dezember
2017 ein (IV-act. 156), das SMAB-Verlaufsgutachten sei kein neues unabhängiges
Gutachten. Die Beurteilung der SMAB AG kontrastiere mit den Beurteilungen aller
B.c.
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C.
anderen Ärzte. Es fehle eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesen Befunden.
Die gravierende Schussverletzung werde ausgeblendet. Insgesamt leuchteten die
pauschalen Feststellungen des SMAB-Gutachtens in der Darlegung der medizinischen
Zustände und Zusammenhänge nicht ein. Die SMAB AG sei weder unabhängig noch
unbefangen, sondern verteidige pauschal die frühere Beurteilung; sie genüge auch den
massgebenden Kriterien für ein Gutachten nicht. Die Versicherte verlangte daher eine
neue, unabhängige psychiatrische Beurteilung. Dem Einwand war ein Schreiben von
Dr. D._ vom 29. November 2017 beigelegt (IV-act. 156-4 f.). Dieser hatte darin den
psychiatrischen Feststellungen im SMAB-Verlaufsgutachten widersprochen und
geltend gemacht, es sei nicht nachvollziehbar, wieso der psychiatrische
Sachverständige die Diagnosekombination nicht erkannt habe. Die Beurteilung und die
Einschätzung der Versicherten während der mehrwöchigen stationären Behandlung
erscheine ihm höherwertiger und auch seine langjährige Kenntnis der Patientin solle
nicht unberücksichtigt bleiben. Er empfehle daher eine erneute Begutachtung. Am 12.
Februar 2018 hielt der RAD fest, dass aus dem Einwand und dem Schreiben des
behandelnden Psychiaters keine neuen wesentlichen medizinischen Erkenntnisse
hervorgingen (IV-act. 157). Ergänzende medizinische Abklärungen seien nicht
angezeigt. Am 14. Februar 2018 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt (IV-act. 158).
Das Dispositiv dieser Verfügung lautete: Die Rente bleibt eingestellt.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erhob am 16. März 2018
Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle des Kantons St. Gallens (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) vom 14. Februar 2018 (act. G 1). Sie beantragte die Aufhebung
dieser Verfügung, die Gewährung einer ganzen Invalidenrente über den 31. Mai 2013
hinaus, die Einholung eines neuen, unabhängigen psychiatrischen Gutachtens und die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung. Zur
Begründung liess sie im Wesentlichen geltend machen, dass das psychiatrische
Verlaufsgutachten dem ersten psychiatrischen Teilgutachten der SMAB AG
widerspreche. Im Verlaufsgutachten sei der psychiatrische Sachverständige davon
ausgegangen, dass überhaupt keine psychiatrische Diagnose vorliege, während er im
ersten Gutachten noch zum Schluss gekommen sei, dass psychiatrische Diagnosen
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden. Das Verlaufsgutachten setze sich
C.a.
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zudem nicht mit den psychiatrischen Diagnosen auseinander, welche anlässlich des
stationären Aufenthaltes in der Klinik H._ erhoben worden seien. Weiter habe das
Versicherungsgericht in seinem Entscheid vom 3. Juli 2014 (IV 2013/224) auf das
Gutachten von Dr. G._ vom 12. Dezember 2002 abgestellt. Die Klinik H._ sei wie
der behandelnde Psychiater Dr. D._ zu ähnlichen Befunden wie damals Dr. G._
gelangt. Es handle sich daher um eine ernsthafte diagnostische Feststellung, die nicht
mit dem Hinweis, dass die Symptomatik vorgetäuscht sei, vom Tisch gewischt werden
dürfe. Am Befund der SMAB AG bestünden begründete Zweifel und der Gutachter
setze sich nur ungenügend mit den früheren Befunden auseinander. Widersprüche
würden nicht ausgeleuchtet und die Schlussfolgerungen seien nicht prüfend
nachvollziehbar. Darüber hinaus stehe bezüglich des Folgegutachtens die
Unparteilichkeit und Unabhängigkeit in Frage. Es sei nur eine eher summarische
Untersuchung erfolgt, welche das Gutachten vom 26. Mai 2015 einfach pauschal
bestätigt habe.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 11. April 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Sie machte geltend, der Sachverhalt und somit auch die
Arbeitsfähigkeit seien gemäss der Rechtsprechung neu und ohne Bindung an frühere
Invaliditätseinschätzungen zu ermitteln. Die SMAB-Gutachten enthielten eine
vollständige Anamnese, setzten sich genügend mit den Vorakten, insbesondere auch
dem Bericht der Klinik H._, auseinander, berücksichtigten die geklagten
Beschwerden, leuchteten in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge ein
und enthielten begründete Schlussfolgerungen. Den Gutachten sei deshalb die volle
Beweiskraft zuzumessen. Der psychiatrische Sachverständige habe in beiden
Gutachten keine einschränkenden objektiven Befunde erkennen können. Die
Schlussfolgerung, dass ein zielgerichtetes Vortäuschen einer nicht vorhandenen
Symptomatik und somit eine Simulation bestehe, widerspreche den Feststellungen im
ersten Gutachten nicht. Die erhobenen Eindrücke und Verhaltensbeobachtungen seien
durch die zweite Untersuchung untermauert worden. Die Ausführungen seien
insgesamt nachvollziehbar und liessen klar auf eine Simulation schliessen. Es seien
keine weiteren Abklärungen angezeigt. Im Weiteren bestünden keine Hinweise für eine
fehlende Unabhängigkeit oder Unparteilichkeit. Es gehöre zur Aufgabe des Gutachters,
allfällige Anzeichen einer Simulation oder Aggravation zu erwähnen und bei der
C.b.
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Erwägungen
1.
Gemäss lit. a Abs. 1 Satz 1 der Übergangsbestimmungen zur 6. IV-Revision ist eine
Invalidenrente, die bei einem pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen
Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage zugesprochen worden ist,
innerhalb von drei Jahren nach dem Inkrafttreten der Gesetzesänderung (1. Jan. 2012)
zu überprüfen. Mit seinem Entscheid vom 3. Juli 2014 (IV 2013/224) hat das
Versicherungsgericht gestützt auf Art. 56 Abs. 2 Satz 2 VRP SG bereits rechtskräftig
entschieden, dass die Voraussetzungen für eine nachträgliche Überprüfung der
Rentenzusprache und eine allfällige Anpassung an die geänderte Bundesgerichtspraxis
erfüllt seien (vgl. für weitere Ausführungen den Entscheid IV 2013/224 vom 3. Juli 2014,
E. 1 und 2). Dass diese Voraussetzungen gegeben sind, ist denn auch nicht strittig.
Dementsprechend geht es im Folgenden nur darum, den Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin bzw. die Rentenaufhebung zu prüfen.
2.
Diagnoseerstellung zu berücksichtigen. Für unsachliche Motive liessen sich keine
Anhaltspunkte finden.
Am 19. April 2018 wurde das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung gutgeheissen (act. G 4).
C.c.
Mit einer Replik vom 8. Mai 2018 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest (act. G 6).
C.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 30. Mai 2018 auf eine
Duplik (act. G 8).
C.e.
Gemäss dem zweiten Satz des ersten Absatzes der lit. a der
Übergangsbestimmungen wird die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, wenn die
Voraussetzungen des Art. 7 ATSG nicht erfüllt sind, selbst wenn die Voraussetzungen
von Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt sind. Das kann nur so gemeint sein, dass eine
Anpassung einer laufenden Rente an das geänderte Recht nur dann notwendig ist,
wenn nicht bereits eine nachträgliche Veränderung des anspruchsbegründenden
Sachverhalts allein die (revisionsweise) Herabsetzung oder Aufhebung der Rente
zulässt. Zunächst muss also gestützt auf den Art. 17 Abs. 1 ATSG geprüft werden, ob
2.1.
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die von der Beschwerdegegnerin verfügte Rentenaufhebung rechtmässig gewesen ist.
Ob die Beschwerdeführerin bei der Rentenzusprache am 6. November 2003 tatsächlich
an einem chronischen, generalisierten undifferenzierten Schmerzsyndrom (ausgeprägte
somatoforme Schmerzstörung mit vegetativer Begleitsymptomatik, anamnestisch
psychosoziale Belastungssituationen in der Vergangenheit und prolongierte depressive
Anpassungsstörung mit Somatisierung) gelitten hat und falls ja, ob dies zu einer
Arbeitsunfähigkeit in jeder Art von Erwerbstätigkeit von 100 Prozent (und zu einer
Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent im eigenen Haushalt) geführt hat, lässt sich nicht
mehr ermitteln, da überzeugende, d.h. auch die Frage nach einer Aggravation/
Simulation beantwortende, echtzeitliche medizinische Berichte fehlen und da die
aktuelle Abklärung auf diese Frage keine überzeugende Antwort hätte liefern können,
weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin seit 2003 erheblich verändert haben könnte. In einer solchen
Situation geht das Versicherungsgericht praxisgemäss (vgl. etwa den Entscheid IV
2016/364 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 25. Juni 2019, E. 1.1, mit
Hinweisen) davon aus, dass die von Art. 17 Abs. 1 ATSG vorausgesetzte nachträgliche
Veränderung des Invaliditätsgrades anhand eines Vergleichs zwischen der
Sachverhaltsannahme, den die Beschwerdegegnerin der damaligen Rentenzusprache
zugrunde gelegt hat, und dem aktuellen Sachverhalt geprüft wird. Hier bildet also ein
Invaliditätsgrad von 100 Prozent die Vergleichsgrundlage, denn die
rentenzusprechende Verfügung hat auf der Annahme beruht, die Beschwerdeführerin
sei im erwerblichen Bereich vollständig arbeitsunfähig, und nur diese Annahme ist
massgebend, da die Beschwerdeführerin im fiktiven Gesundheitsfall im hier
massgebenden Zeitpunkt zu 100 Prozent erwerbstätig gewesen wäre, weil sie keine
Kinder mehr hätte betreuen müssen.
Für die Beantwortung der Frage nach der aktuellen Arbeitsfähigkeit kommt den
beiden Gutachten der SMAB AG eine entscheidende Bedeutung zu. Die
Sachverständigen der SMAB AG haben die Beschwerdeführerin im Rahmen des
Gutachtens vom 26. Mai 2015 (IV-act. 103) persönlich untersucht und sie haben die
umfangreichen medizinischen Vorakten eingehend gewürdigt und die subjektiven
Klagen der Beschwerdeführerin aufgenommen. In den Akten finden sich keine
Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin von den Sachverständigen der SMAB
AG nicht umfassend untersucht worden wäre. Damit haben die Gutachter über eine
umfassende Kenntnis des relevanten medizinischen Sachverhaltes verfügt, die es ihnen
ermöglicht hat, sich durch die Würdigung der Untersuchungsbefunde fundiert zu den
Diagnosen und zur Arbeitsfähigkeit zu äussern. Auch die psychiatrische
Erstbegutachtung ist im Sinne der Rechtsprechung inhaltlich vollständig, umfassend
2.2.
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und frei von Widersprüchen (BGE 141 V 281); es lassen sich diesbezüglich keine
Mängel erkennen. Damit überzeugt das SMAB-Gutachten vom 26. Mai 2015 (IV-act.
103); so hat dies auch der RAD-Arzt Dr. F._ am 2. Juni 2015 beurteilt (IV-act. 104).
Über die Notwendigkeit eines psychiatrischen Verlaufsgutachten ist die
Beschwerdeführerin am 9. Juni 2017 orientiert worden (IV-act. 145); dessen Anordnung
ist unbestritten geblieben. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin rügt, das
Verlaufsgutachten habe sich zu wenig mit den Diagnosen im Bericht der Klinik H._
vom 7. Februar 2017 (IV-act. 130) auseinandergesetzt. Die Berichte der Klinik H._
sind jedoch im Rahmen der Verlaufsbegutachtung sehr wohl berücksichtigt worden (IV-
act. 150-6). Der Bericht vom 7. Februar 2017 ist zwar nicht explizit erwähnt worden,
doch geht aus den Schilderungen zum Bericht vom 1. Februar 2017 auf S. 6 des
Verlaufsgutachtens hervor, dass auch der Bericht vom 7. Februar 2017 erfasst worden
ist. Sämtliche im Rahmen des stationären Aufenthalts festgestellten Diagnosen sind
durch den SMAB-Verlaufsgutachter aufgelistet und entsprechend in seine
Begutachtung einbezogen worden. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin hat
sich das Verlaufsgutachten also mit den von der Klinik H._ gestellten Diagnosen
auseinandergesetzt. So hat der Verlaufsgutachter auch explizit erläutert, dass ihm die
Berichte der Privatklinik H._ vorgelegen hätten, dass er aber die dort genannten
Diagnosen im Rahmen der Begutachtung nicht habe reproduzieren können (IV-act.
150-13). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat weiter geltend gemacht, die
Unparteilichkeit und Unabhängigkeit des psychiatrischen Sachverständigen der SMAB
AG stehe in Frage, insbesondere weil dieser bereits das Erstgutachten erstellt habe.
Rechtsprechungsgemäss ist eine Gutachtenstelle, die bereits das Erstgutachten
erstattet hat, für die Beurteilung des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit und der Entwicklung
des Gesundheitszustands seit der Erstbegutachtung im Vergleich mit noch nicht mit
dem Fall einer versicherten Person befassten Gutachtenstellen prädestiniert (Urteil des
Bundesgerichts vom 14. September 2009, 9C_273/2009, E. 4.3; vgl. auch BGE 132 V
110 E. 7.2.2). Der Umstand, dass sich das Gutachtensinstitut schon einmal mit einer
versicherten Person befasst hat, schliesst dessen späteren Beizug daher nur aus, wenn
Gesichtspunkte vorliegen, die den Anschein der Befangenheit objektiv zu begründen
vermögen, etwa wenn das ursprüngliche Gutachten nicht neutral und sachlich
abgefasst worden ist (vgl. den einen Sachverständigen betreffenden Entscheid des
Bundesgerichts vom 21. August 2015, 9C_700/2014, E. 4.2.2). Hier fehlt - über die
Erstbegutachtung hinaus - jeder Hinweis auf ein voreingenommenes oder sonst wie
sachfremdes Verhalten des psychiatrischen SMAB-Gutachters. Im Übrigen liegt für
sich allein keine unzulässige Vorbefassung vor, wenn das ursprüngliche Gutachten (für
eine Partei) ungünstige Schlussfolgerungen enthalten hat (vgl. BGE 132 V 110 E. 7.2.2).
2.3.
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Auch der Umstand, dass der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin die
Erstbegutachtung der SMAB AG bemängelt und der psychiatrische Verlaufsgutachter
davon Kenntnis genommen und sich dazu im Rahmen des Verlaufsgutachtens
geäussert hat, vermag keine Befangenheit zu begründen. Somit ist die Unabhängigkeit
des psychiatrischen Sachverständigen für das Verlaufsgutachten gegeben. Zudem hat
der psychiatrische Sachverständige die Anamnese insbesondere in jenen Punkten
ergänzt, in welchen seit der Erstbegutachtung Änderungen eingetreten waren; für die
unveränderten Punkte hat er jeweils auf die Erstbegutachtung verwiesen. Die
Beschwerdeführerin ist erneut persönlich untersucht worden; in diesem Rahmen sind
auch diverse Tests durchgeführt worden. Die Beschwerdegegnerin hat dem
Verlaufsgutachter drei Zusatzfragen gestellt, welche dieser beantwortet hat. Die
Schlussfolgerungen in der versicherungsmedizinischen Beurteilung sind so begründet
worden, dass sie (gestützt auf die Testergebnisse oder die Angaben der
Beschwerdeführerin) einleuchtend und nachvollziehbar sind. Der Zweck eines
Verlaufsgutachtens besteht offensichtlich darin, den Verlauf der gesundheitlichen
Entwicklung seit der Erstbegutachtung zu beurteilen. Aufgrund von Veränderungen
kann es geschehen, dass ein Gutachter im Verlaufsgutachten zu einem anderen
Schluss als in der Erstbegutachtung gelangt. Entgegen der Auffassung des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin ist der veränderte (verbesserte)
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin deutlich aufgezeigt worden. Die
Schlussfolgerungen, insbesondere auch diejenige, dass keine psychiatrischen
Diagnosen hätten erhoben werden können, sind aufgrund der Untersuchungsresultate
nachvollziehbar. Insgesamt weist das Verlaufsgutachten keine Mängel auf; es ist
vollständig. Damit überzeugt auch das psychiatrische Verlaufsgutachten vom 26.
September 2017 (IV-act. 150). Entsprechendes hat auch der RAD-Arzt Dr. I._ am 2.
Oktober 2017 geäussert (IV-act. 152).
Aus dem Gutachten vom 26. Mai 2015 ergibt sich also, dass die
Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit schon seit langer Zeit, also auch schon am 31. Mai 2013,
uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen ist. Damit liegt eine im Sinne des Art. 17 Abs. 1
ATSG erhebliche Veränderung des Invaliditätsgrades vor. Die ganze Rente muss also
rein revisionsrechtlich eingestellt werden. Das bedeutet, dass der erste Satz der Ziff. 1
der lit. a der Übergangsbestimmungen zur 6. IV-Revision nicht zur Anwendung
kommen darf, weil sich die Rechtsänderung im Fall der Beschwerdeführerin gar nicht
ausgewirkt hat.
2.4.
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Das Dispositiv der angefochtenen Verfügung lautet: "Die Rente bleibt eingestellt".
In der Verfügungsbegründung wird darauf hingewiesen, dass der bisherige IV-
Entscheid bestätigt werden könne. Gemeint ist mit dem "bisherigen Entscheid" die
vom Gericht am 3. Juli 2014 aufgehobene Verfügung vom 15. April 2013, mit der die
Beschwerdegegnerin die laufende Rente per 31. Mai 2013 hatte aufheben wollen. Die
Beschwerdegegnerin ist also davon ausgegangen, dass der Wirkungszeitpunkt der hier
angefochtenen Verfügung vom 14. Februar 2018 entgegen dem Wortlaut des Art. 88
Abs. 2 lit. a IVV nicht der erste Tag des zweiten auf die Zustellung der angefochtenen
Verfügung folgenden Monats, sondern der erste Tag des zweiten auf die Zustellung der
aufgehobenen Verfügung vom 15. April 2013 folgenden Monats, also der 31. Mai 2013
sei. Die Aufhebungsverfügung vom 15. April 2013 ist vom Gericht im Urteil vom 3. Juli
2014 vollumfänglich aufgehoben worden; sie hat also nicht in einem (notwendigerweise
rein feststellenden) Teil, nämlich in Bezug auf den Wirkungszeitpunkt der Revision,
weiter bestanden. Die hier angefochtene Verfügung kann die Verfügung vom 15. April
2013 also nicht ergänzt haben. Der Wortlaut des Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV ist klar: Nur
die Aufhebungsverfügung kann den Wirkungszeitpunkt definieren. Da es in diesem Fall
nur eine Aufhebungsverfügung, nämlich die hier angefochtene Verfügung vom 14.
Februar 2018 gibt, müsste die revisionsweise Aufhebung der Rente also per 31. März
2018 (und nicht per 31. Mai 2013) erfolgen. Die lit. b des Art. 88 Abs. 2 IVV sieht zwar
zwei Ausnahmen von der Regel des Abs. 1 vor, aber diese beiden Ausnahmen sind im
Fall der Beschwerdeführerin nicht gegeben. Es lässt sich nämlich nicht belegen, dass
die Beschwerdeführerin die Rentenzusprache unrechtmässig erwirkt hätte und die
Beschwerdeführerin hat auch keine zumutbare Meldepflicht verletzt. Die lit. b des Art.
88 Abs. 2 IVV ist trotzdem von Bedeutung, denn sie liefert den Schlüssel zur richtigen
Interpretation beider litterae des Art. 88 Abs. 2 IVV: Wer eine Rente unrechtmässig
erwirkt hat, hat kein schutzwürdiges Vertrauen in die ursprüngliche Rentenzusprache
bis zum Erlass der Aufhebungsverfügung (bzw. bis zum letzten Tag das auf die
Eröffnung der Aufhebungsverfügung folgenden ganzen Monats). Dasselbe gilt für die
rentenbeziehende Person, die eine Sachverhaltsveränderung, die den Invaliditätsgrad
sinken lässt, pflichtwidrig nicht rechtzeitig meldet. Die lit. a des Art. 88 Abs. 2 IVV
beruht also auf dem Gedanken, dass eine nach dem Eintritt einer den Invaliditätsgrad
senkenden Sachverhaltsveränderung ausgerichtete, nun aber zu hohe Rente nicht auf
den Zeitpunkt des Eintritts dieser Sachverhaltsveränderung, sondern erst mit der
Eröffnung der entsprechenden Herabsetzungs- oder Aufhebungsverfügung eingestellt
werden soll, weil erst mit dieser Verfügung das Vertrauen in die frühere
Rentenzusprache "zerstört" wird. Die Beschwerdeführerin hat in die Rentenzusprache
vom 6. November 2003 vertrauen dürfen, bis die Aufhebungsverfügung vom 15. April
2013 ergangen ist. Auch wenn diese Verfügung vom Gericht aufgehoben worden ist,
2.5.
bis
bis
bis
bis
bis
bis
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3.
um zusätzliche Sachverhaltsabklärungen durch die Beschwerdegegnerin zu erreichen,
hat die Beschwerdeführerin ab diesem Moment damit rechnen müssen, dass die
weiteren Abklärungen das Ergebnis der bis dahin erfolgten Abklärungen bestätigen
würden, dass es also zu einer Rentenaufhebung kommen könnte. Mit der
Aufhebungsverfügung vom 15. April 2013 ist das Vertrauen in die Rentenzusprache
vom 6. November 2003 also "zerstört" worden bzw. nicht mehr schutzwürdig gewesen,
weshalb die Anwendung des Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV nicht zu rechtfertigen ist. Der
Schutz eines nicht mehr schutzwürdigen Vertrauens wäre nämlich durch den Art. 9 BV
nicht abgedeckt, würde also gegen das Legalitätsprinzip verstossen und hätte zudem
eine nicht zu rechtfertigende Ungleichbehandlung zur Folge. Die lit. b des Art. 88
Abs. 2 IVV erweist sich damit als lückenhaft, denn sie regelt nicht alle Ausnahmen zu
Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV. Diese Lücke ist durch eine dritte Ausnahme zu füllen: In
Fällen wie demjenigen der Beschwerdeführerin ist in einer Herabsetzungs- oder
Aufhebungsverfügung auf das Wirkungsdatum einer früheren Herabsetzungs- oder
Aufhebungsverfügung abzustellen, wenn diese frühere Verfügung vom Gericht
aufgehoben und durch eine Rückweisung zur ergänzenden Abklärung des
Sachverhalts ersetzt worden ist. Die Beschwerdegegnerin hat die laufende ganze
Rente also zu Recht per 31. Mai 2013 aufgehoben.
bis
bis
bis
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der unterliegenden
Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten vollumfänglich aufzuerlegen. Zufolge der
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wird sie aber von der Pflicht zur
Bezahlung dieser Kosten befreit.
3.1.
bis
Der Staat hat dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine Entschädigung für
die unentgeltliche Rechtsverbeiständung auszurichten. In einem durchschnittlich
aufwändigen IV-Rentenfall spricht das Versicherungsgericht neu eine Entschädigung
von Fr. 4'000.-- zu. In einer Plenarsitzung vom 25. Mai 2021 haben die
Versicherungsrichterinnen und Versicherungsrichter nämlich beschlossen, die
durchschnittlichen Ansätze für die Parteientschädigungen um Fr. 500.-- zu erhöhen.
Aus Praktikabilitätsgründen soll diese Praxisänderung sofort auf alle hängigen Fälle
Anwendung finden. Der im vorliegenden Fall erforderliche Vertretungsaufwand ist als
unterdurchschnittlich zu qualifizieren, da die für das mit der angefochtenen Verfügung
abgeschlossene Verwaltungsverfahren massgebenden Akten einen eher geringen
3.2.
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