Decision ID: 9f1892c5-9365-4781-ab60-c31b9ef148ae
Year: 2005
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. A, geboren 1983, wurde seit September 2002 durch die Sozialbehörde X wirtschaftlich unterstützt. Im September 2002 kam ihr Sohn C zur Welt, für welchen die Sozialbehörde X mit Beschluss vom 21. Oktober 2002 Kleinkinderbetreuungsbeiträge von monatlich Fr. 2'000.- bewilligte. Im September 2003 konnte A eine Lehre in Y beginnen, weshalb die Sozialbehörde mit Beschluss vom 18. August 2003 den Unterstützungsbedarf neu auf monatlich Fr. 4'248.80.- (einschliesslich Krippenkosten von Fr. 1'129.80, zuzüglich Krankenkassenbeiträge) festsetzte und entsprechende Unterstützung subsidiär unter dem Vorbehalt bewilligte, dass ihre Eltern während der Erstausbildung der elterlichen Unterstützungspflicht nachkämen. Die Sozialbehörde beschloss am 10. November 2003, die wirtschaftliche Hilfe an A einzustellen und statt dessen direkt ihren Sohn C mit monatlich Fr. 1'284.65 (zuzüglich Krankenkassenbeiträge) zu unterstützen. Dieser Betrag ergibt sich aus einem Unterstützungsbedarf von Fr. 1'745.65 (enthaltend je einen Anteil am Grundbedarf und an den anrechenbaren Wohnkosten von Fr. 788.- bzw. Fr. 366.65 sowie Krippenkosten von Fr. 600.-), abzüglich Unterhaltsbeiträge der Mutter von Fr. 300.- und Kinderzulagen von Fr. 170.-. Die Beschränkung der Unterstützung auf den Sohn C sowie der bei der Bemessung in Abzug gebrachten Unterhaltsbeitrag von Fr. 300.- von A wurden damit begründet, dass Letztere ihrerseits Unterstützung ihrer Eltern beanspruchen könne. Die Kürzung der Kinderbetreuungskosten von Fr. 1'129.80 auf Fr. 600.- rechtfertige sich, weil es A zuzumuten sei, ihr Kind in die gemeindeeigene Krippe statt in die fast doppelt so teure Krippe in Y zu geben.
II.
Gegen den Beschluss vom 10. November 2003 erhob A, vertreten durch B, namens ihres Sohnes C am 7. Januar 2004 Rekurs an den Bezirksrat X mit dem Antrag, die wirtschaftliche Hilfe für Vinzent auf monatlich Fr. 2'907.50 zu erhöhen; verfahrensrechtlich wurde die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels, die Bestellung des Vertreters als unentgeltlichen Rechtsbeistand sowie die Zusprechung einer Parteientschädigung beantragt. Die Sozialbehörde X beantragte am 5. Februar 2004 Abweisung des Rekurses. Die Bezirksratskanzlei ersuchte den Rechtsvertreter am 11. März 2004 um Beantwortung verschiedener Fragen; insbesondere sei die aktuelle Situation darzulegen sowie zu belegen, dass es A nicht möglich sei, die städtische Kinderkrippe X zu benutzen; ausserdem wurde es dem Vertreter freigestellt, eine Replik einzureichen. Nachdem dieser nicht reagiert hatte, wurde er mit Schreiben vom 12. Mai 2004 aufgefordert, die gestellten Fragen bis Ende Mai 2004 zu beantworten.
Mit als "Beschluss" betiteltem Schreiben vom 17. Dezember 2004 teilte der Bezirksrat dem Rechtsvertreter mit, weil dieser nichts von sich habe hören lassen, werde das Rekursverfahren (SO.2004.00002) als gegenstandslos abgeschrieben.
III.
Mit als "Wiedererwägungsgesuch" bezeichnetem Schreiben vom 21. März 2005 ersuchte der Rechtsvertreter den Bezirksrat darum, den Beschluss vom 17. Dezember 2004 aufzuheben und das Rekursverfahren (SO.20004.00002) fortzuführen. Zur Begründung brachte er unter anderem vor, das Schreiben vom 12. Mai 2004 nie erhalten zu haben. Am 22. März 2005 reichte er sodann eine Replik (zu der im abgeschriebenen Rekursverfahren erfolgten Rekursantwort vom 5. Februar 2004) ein, worin er an seinen Rechtsbegehren vom 7. Januar 2004 festhielt. Zu beiden Eingaben äusserte sich die Sozialbehörde X am 27. Mai 2005.
Der Bezirksrat X beschloss am 10. August 2005, auf das Wiedererwägungsgesuch nicht einzutreten (Disp.-Ziff. I). Zugleich wies er die Sozialbehörde X aufsichtsrechtlich an, in der Bedarfsrechnung von C nachträglich die vollen Krippenkosten anzurechnen und solange dafür aufzukommen, bis diesbezüglich die Verwandtenunterstützung der Grosseltern festgestellt worden sei (Disp.-Ziff. II). Eine Parteientschädigung wurde nicht zugesprochen (Disp.-Ziff. III).
IV.
Dagegen erhob die Stadt X am 16. September 2005 Beschwerde an das Verwaltungsgericht mit dem Antrag, die aufsichtsrechtliche Anweisung in Disp.-Ziff. II des Bezirksratsbeschlusses vom 10. August 2005 aufzuheben (VB.2005.00366). Namens von C bzw. dessen Mutter A beantragte der Rechtsvertreter dem Gericht am 24. Oktober 2005 mangels Zuständigkeit auf die Beschwerde nicht einzutreten.
Am 21. September 2005 liess auch A durch ihren Rechtsvertreter Beschwerde an das Verwaltungsgericht erheben (VB.2005.00466). Sie beantragte, Disp.-Ziffern I und III des Beschlusses vom 10. August 2005 aufzuheben (1), auf den Rekurs vom 7. Januar 2004 einzutreten (2) und die Beschwerdeführerin "wieder in ihre Rechtsstellung vom März 2004 einzusetzen" (3), die Sozialhilfe an den Sohn der Beschwerdeführerin auf monatlich Fr. 2'515.- zu erhöhen oder eventuell für die Zeit vom 1. April 2004 bis 31. Juli 2005 Nothilfe auszurichten (4), der Beschwerdeführerin für das Rekursverfahren eine Parteientschädigung zuzusprechen oder die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren (5) sowie ihr für das Beschwerdeverfahren eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen (6). Die Stadt X beantragte am 12. Oktober 2005 Abweisung der Beschwerde.
Der Bezirksrat X beantragte dem Verwaltungsgericht am 19. Oktober 2005, auf beide Beschwerden nicht einzutreten oder eventuell diese abzuweisen.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Die Beschwerden VB.2005.00366 und VB.2005.00466 richten sich gegen den gleichen Bezirksratsbeschluss und werfen Rechtsfragen auf, die miteinander verknüpft sind. Die Beschwerden sind daher zur gemeinsamen Behandlung zu vereinigen.
1.2 Die von A erhobene Beschwerde VB.2005.00466 richtet sich gegen Disp.-Ziff. I des Bezirksratsbeschlusses vom 10. August 2005, mit welcher Anordnung der Bezirksrat auf ihr Wiedererwägungsbegehren nicht eingetreten ist. Das Verwaltungsgericht ist zur Behandlung dieser Beschwerde nach § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19c Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) zuständig.
Die Beschwerde VB.2005.00366 der Stadt X richtet sich gegen die in Disp-Ziff. II des Bezirksratsbeschlusses getroffene aufsichtsrechtliche Anordnung, in der Bedarfsrechnung von C nachträglich die vollen Krippenkosten anzurechnen und solange dafür aufzukommen, bis diesbezüglich die Verwandtenunterstützung der Grosseltern festgestellt worden sei. Entgegen der Auffassung der privaten Beschwerdeführerin kann sich die Stadt X gegen diese Anordnung mittels Rekurs bzw. Beschwerde wehren. Dass der Bezirksrat sie als Aufsichtsbehörde getroffen hat, steht ihrer Anfechtung nicht entgegen; entscheidend ist vielmehr, ob das aufsichtsrechtliche Eingreifen zu einer Anordnung mit Verfügungscharakter geführt hat (Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 41 N. 17; RB 1969 Nr. 14), was hier mit Bezug auf die Stadt X zu bejahen ist. Fraglich ist allerdings, ob Letzterer zur Anfechtung der diesbezüglichen Anordnung, die vom Bezirksrat als erste Instanz getroffen wurde, der Rekurs an den Regierungsrat offen stehe (vgl. § 19c Abs. 1 VRG); diesfalls würde die – funktionelle – Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zur Behandlung des Rechtsmittels entfallen. Die Frage ist jedoch unter den hier gegebenen Umständen zu verneinen. Da die Beurteilung des Rechtsmittels der Stadt X unmittelbar mit jener der Beschwerde der privaten Beschwerdeführerin zu koordinieren ist, drängt sich eine gleichzeitige Behandlung beider Beschwerden durch das Verwaltungsgericht auf.
1.3 Weil auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerden grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist allerdings, wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt (vgl. insbesondere E. 4.4), auf die Beschwerde VB.2005.00466 von A insoweit, als darin beantragt wird, die wirtschaftliche Sozialhilfe an den Sohn der Beschwerdeführerin auch für die Zeit ab 1. April 2004 festzulegen oder eventuell der Beschwerdeführerin und ihrem Sohn für die Zeit ab 1. April 2004 bis 31. Juli 2005 Nothilfe auszurichten.
1.3 Weil auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerden grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist allerdings, wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt (vgl. insbesondere E. 4.4), auf die Beschwerde VB.2005.00466 von A insoweit, als darin beantragt wird, die wirtschaftliche Sozialhilfe an den Sohn der Beschwerdeführerin auch für die Zeit ab 1. April 2004 festzulegen oder eventuell der Beschwerdeführerin und ihrem Sohn für die Zeit ab 1. April 2004 bis 31. Juli 2005 Nothilfe auszurichten.