Decision ID: e756a00b-bc5a-4d4e-af63-846e7e5120f8
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Verputzer bei der B._ AG bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als die Arbeitgeberin am 6. Oktober 2017 meldete, der Versicherte
sei am 27. August 2016 beim Wandern bzw. Spazieren auf einem Gitterrost entlang
einer Strasse ausgerutscht und habe sich den rechten Meniskus verletzt. Im
Schadenformular wurden ausserdem der erstbehandelnde Arzt Dr. med. C._,
Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, sowie eine Arbeitsunfähigkeit ab 27. August 2016
angegeben (Suva-act. 1). Eine beim Versicherten im Röntgeninstitut D._ am 19.
September 2016 vorgenommene MRT-Untersuchung des rechten Kniegelenks hatte
eine Ruptur des medialen Meniskus, eine begleitende mediale Synovitis sowie eine
Chondropathie Grad II retropatellär medial gezeigt (Suva-act. 10), worauf am 5.
Oktober 2016 durch Dr. med. E._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
arthroskopisch eine mediale Teilmeniskektomie durchgeführt worden war (Suva-act.
15).
A.a.
Nachdem die Suva verschiedene Unterlagen - insbesondere ein an Dr. E._
gerichtetes Überweisungsschreiben von Dr. C._ vom 14. September 2016 (Suva-act.
16), einen Untersuchungsbericht von Dr. E._ vom 30. September 2016 (Suva-act. 12),
einen Bericht von Dr. C._ vom 1. März 2017 an den Krankentaggeldversicherer des
Versicherten (AXA Winterthur; Suva-act. 30-25), ein von Dr. C._ unterzeichnetes und
auf den 18. Oktober 2017 datiertes Dokument (Suva-act. 36-4) und das Arztzeugnis
UVG von Dr. C._ vom 1. Dezember 2017 (Suva-act. 35) - erhalten und die zuständige
A.b.
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B.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 22. April 2018 Einsprache, welche
die Suva mit Entscheid vom 29. Oktober 2018 abwies (Suva-act. 61).
C.
Schadensachbearbeiterin der Suva am 19. Oktober 2017 eine Besprechung mit dem
Versicherten durchgeführt hatte (Suva-act. 6, vgl. auch Suva-act. 36-3), lehnte die Suva
mit Verfügung vom 30. März 2018 den Anspruch des Versicherten auf
Versicherungsleistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung ab. Zur
Begründung führte sie an, dass aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sei, dass ein Unfall
vom 27. August 2016 Auslöser der Kniegelenksbeschwerden rechts gewesen sei
(Suva-act. 46).
Gegen den Einspracheentscheid erhob der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt M. Büchel, Oberuzwil, am 6.
Dezember 2018 Beschwerde mit dem Antrag, die Verfügung vom 30. März 2018 sowie
der Einspracheentscheid vom 29. Oktober 2018 seien aufzuheben und die Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen
(Heilungskosten, Taggeld) gestützt auf das Unfallereignis vom 27. August 2016 zu
erbringen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1). Dem Antrag des
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers um Einräumung einer Nachfrist für die
Einreichung der Beschwerdebegründung (act. G 1) wurde vom Versicherungsgericht
mit Schreiben vom 20. Dezember 2018 entsprochen (act. G 2). Er reichte diese am 14.
Januar 2019 zusammen mit weiteren Unterlagen ein (act. G 3).
C.a.
In der Beschwerdeantwort vom 14. Februar 2019 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 29. Oktober 2018 (act. G 5).
C.b.
Mit Replik vom 21. März 2019 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
unverändert am Beschwerdeantrag fest (act. G 7).
C.c.
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Erwägungen
1.
Die Arbeitgeberin des Beschwerdeführers meldete der Beschwerdegegnerin mit
Schadenmeldung UVG vom 6. Oktober 2017 ein Ereignis des Beschwerdeführers vom
27. August 2016 (Suva-act. 1). Dr. C._ erwähnte zwar in einem Bericht an den
Krankentaggeldversicherer vom 1. März 2017 eine Knieverdrehung des
Beschwerdeführers vom 26. September 2016 (Suva-act. 30-25). Dieser erzählte jedoch
anlässlich der Besprechung mit der zuständigen Schadensachbearbeiterin der
Beschwerdegegnerin vom 19. Oktober 2017 - in Übereinstimmung mit dem Datum in
der Schadenmeldung UVG - von einer Knieverdrehung mit einem sofort verspürten
stechenden Schmerz im rechten Knie vom 27. August 2016 (Suva-act. 6). Streitig und
zu prüfen ist mithin, ob die Beschwerdegegnerin als Unfallversicherer für die Folgen
des Ereignisses vom 27. August 2016 leistungspflichtig ist.
2.
Mit Eingabe vom 16. Mai 2019 erneuerte auch die Beschwerdegegnerin
sinngemäss ihre Anträge gemäss Beschwerdeantwort, verzichtete hingegen auf eine
umfassende Duplik (act. G 9).
C.d.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über
die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben,
und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden daher, nachdem ein Ereignis aus dem
Jahr 2016 zur Diskussion steht, die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen
Anwendung.
2.1.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Ein äusserer Faktor auf den Körper ist z.B.
2.2.
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gegeben, wenn mechanische, chemische, thermische und elektrische Kräfte oder
Strahlen auf den Körper wirken. Das Ereignis muss sich in der Aussenwelt zutragen.
Die Folgen können sich aber mit einer äusserlichen Verletzung (Wunde, Hämatom,
offene Fraktur usw.) oder ausschliesslich im Körperinnern (Hirnerschütterung,
Perforation eines Organs, Sehnen- oder Bandruptur usw.) zeigen (Alfred Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 165 f.; Gabriela
Riemer-Kafka, Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, 6. Aufl. Bern 2018, 2.41).
Das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit bezieht sich sodann nicht auf die Wirkung
des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der
Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende,
unerwartete Folgen nach sich zog (BGE 112 V 202 f. E. 1). Der äussere Faktor ist
ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder
Üblichen überschreitet (BGE 134 V 76 E. 4.1 mit Hinweis). Das für den Unfallbegriff
wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann nach Lehre und
Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen (BGE 130 V 118 E.
2.1 mit Hinweisen; André Nabold, in: Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung [UVG], Bern 2018,
N 32 zu Art. 6 UVG; BSK UVG-Irene Hofer, Basel 2019, N 37 zu Art. 6 UVG; Maurer,
a.a.O., S. 176 f.). Bei unkoordinierten Bewegungen ist das Merkmal der
Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den
natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat,
was beispielsweise dann zutrifft, wenn die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder
an einen Gegenstand anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine
reflexartige Abwehrbewegung ausführt oder auszuführen versucht (Urteil des
Bundesgerichts vom 10. April 2014, 8C_783/2013, E. 4.2 mit Hinweisen, BGE 130 V
118 E. 2.1; RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E. 4.1). Dass es tatsächlich zu einem Sturz
kommt, wird mithin nicht vorausgesetzt. Schliesslich ist festzuhalten, dass der
Nachweis eines Unfalls bei Schädigungen, die sich auf das Körperinnere beschränken,
insofern strengen Anforderungen unterliegt, als die unmittelbare Ursache der
Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt worden sein muss; denn
ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren
Schädigung, während bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein
krankheitsbedingter Ursachen besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 22. August
2017, 8C_282/2017, E. 3.1.2 mit Hinweisen; RKUV 1996 Nr. U 253 S. 204 E. 4d).
Gemäss Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren,
nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen
Auskünfte ein. Im Sozialversicherungsrecht herrscht somit der
2.3.
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3.
Untersuchungsgrundsatz. Indessen ist die leistungsansprechende Person gesetzlich
verpflichtet, bei den Abklärungen mitzuwirken (vgl. Art. 43 Abs. 3 ATSG). So sind
praxisgemäss die einzelnen Umstände des Unfalls vom Leistungsansprecher glaubhaft
zu machen. Kommt er dieser Aufforderung nicht nach, indem er unvollständige,
ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines
unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen, besteht keine
Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu
beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind (BGE 114 V
305 E. 5b). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast
insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese
Beweisregel kommt zur Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
kein wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 138 V 222 E. 6 und 117
V 264 E. 3b, je mit Hinweisen). Wird also auf dem Weg der Beweiserhebung das
Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die
blosse Möglichkeit genügt nicht (Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 N. 58; BGE 114 V 305 f. E. 5b) -, so
hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden
Person auswirkt (BGE 116 V 136 E. 4b und 114 V 305 f. E. 5b). Gelangt die Verwaltung
oder das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, der
Sachverhalt, den eine Partei beweisen will, sei nicht rechtserheblich oder der
angebotene Beweis vermöge keine entscheidrelevanten Aspekte herbeizuführen, kann
auf ein beantragtes Beweismittel verzichtet werden. In der damit verbundenen
antizipierten Beweiswürdigung kann kein Verstoss gegen das rechtliche Gehör erblickt
werden (vgl. BGE 122 V 52 E. 1d).
Im Folgenden ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer am 27. August 2016 einen
Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat.
3.1.
Der Beschwerdeführer schilderte am 19. Oktober 2017 gegenüber der zuständigen
Schadensachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin, er sei in F._ am Spazieren
gewesen, wobei er auf einer Brücke aus Eisenrosten (vgl. dazu das Bild in act. G 3.2)
ausgerutscht und gestürzt sei. Der Eisenrost sei feucht gewesen und es hätten ein paar
Blätter darauf gelegen. Er habe sich am Geländer auffangen können, habe sich jedoch
das rechte Knie verdreht. Danach sei sofort ein stechender Schmerz im rechten Knie
aufgetreten (Suva-act. 6). Ein analoger Sachverhalt wurde in der Schadenmeldung UVG
3.2.
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der Arbeitgeberin vom 6. Oktober 2017 beschrieben. Der Beschwerdeführer sei beim
Wandern bzw. Spazieren auf einem Gitterrost entlang der Strasse ausgerutscht (Suva-
act. 1). Mit den beschriebenen Ereignissen wäre der Unfalltatbestand von Art. 4 ATSG
unstreitig erfüllt (vgl. Erwägung 2.2) und die Beschwerdegegnerin grundsätzlich
leistungspflichtig, doch betrachtet diese das vom Beschwerdeführer geschilderte
Geschehen nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als
erstellt.
Mit der Beschwerdegegnerin ist jedoch folgendes zu beachten: Nur weil mit den
vorstehend geschilderten Ereignissen grundsätzlich ein Unfall im Rechtssinn
anzunehmen wäre, heisst das noch nicht, dass ein solches auch mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit stattgefunden hat. Die Unfallbeschreibungen
anlässlich der Besprechung vom 19. Oktober 2017 (Suva-act. 6) und in der
Schadenmeldung UVG vom 6. Oktober 2017 (Suva-act. 1) überzeugen nur insofern und
sind in sich widerspruchsfrei, als ein Unfallereignis gemeldet bzw. eine Leistungspflicht
des Unfallversicherers geltend gemacht wurde. Die Unfallmeldung erfolgte jedoch erst
mehr als ein Jahr nach dem Ereignis. Vor diesem Hintergrund kommt der Überprüfung
der vorgängigen Akten besondere Bedeutung zu.
3.3.
3.4.
Gemäss Angaben von Dr. C._ in einem Bericht an den
Krankentaggeldversicherer vom 1. März 2017 begann die ärztliche Behandlung des
Beschwerdeführers am 30. August 2016, also drei Tage nach dem streitigen Ereignis
(Suva-act. 30-25). Im Arztzeugnis UVG vom 1. Dezember 2017 (Suva-act. 35)
vermerkte Dr. C._ unter der Rubrik "Angaben des Patienten: Unfallhergang und
Beschwerden, Rückfall?" "Könne das rechte Bein nicht mehr belasten.". Hierbei dürfte
es sich zwar weniger um eine Ereignisschilderung als um eine Beschwerdeschilderung
bzw. den Grund für die Arztkonsultation handeln, doch ist anzunehmen, dass der
Beschwerdeführer ein erlittenes Trauma offenkundig erwähnt hätte und dieses von Dr.
C._ im Arztzeugnis UVG entsprechend beschrieben worden wäre. Im Übrigen ist
festzustellen, dass es durchaus auch üblich ist, dass ein Arzt aufgrund eines
Beschwerdebildes bzw. Gesundheitsschadens ein Trauma als Ursache in Erwägung
zieht, beim Patienten konkret nachfragt und ein solches im gegebenen Fall auf diesem
Weg Eingang in ein Arztzeugnis findet. Der Umstand, dass im Arztzeugnis UVG nichts
auf ein am 27. August 2016 erlittenes Trauma hinweist, ist damit ein gewichtiges Indiz,
welches gegen die spätere Version eines Unfallgeschehens spricht.
3.4.1.
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Mit Schreiben vom 14. September 2016 überwies Dr. C._ den
Beschwerdeführer für eine fachärztliche Beurteilung an Dr. E._. Anamnestisch hielt
Dr. C._ fest, der Beschwerdeführer klage über Knieschmerzen rechts, seitdem er
bergabwärts gelaufen sei. Ein eigentliches Trauma sei nicht erfolgt (Suva-act. 16). Der
Hausarzt erwähnte also im vorgenannten Schreiben nur eine normale, natürliche
Körperbewegung ohne störende Programmwidrigkeit und verneinte ein Trauma sogar
explizit. Gerade letzteres deutet darauf hin, dass das Thema zwischen dem
Beschwerdeführer und Dr. C._ offensichtlich angesprochen worden war. Die
Ausführungen des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers in der
Beschwerdebegründung vom 14. Januar 2019 (act. G 3) - aus dem
Überweisungsschreiben könne nicht gefolgert werden, es hätte kein Unfallereignis
stattgefunden; immerhin lasse sich der Anamnese entnehmen, dass der
Beschwerdeführer über Knieschmerzen rechts geklagt habe, seitdem er bergabwärts
gelaufen sei - deuten nicht auf ein Trauma hin bzw. liefern auch keinerlei Anhaltspunkte
dafür. Wie bereits erwähnt, ist im bergabwärts Laufen kein ungewöhnlicher äusserer
Faktor zu sehen. Zudem soll das Auftreten eines Schmerzes oder das Vorliegen einer
Meniskusruptur nicht in Abrede gestellt werden. Bei einem alleinigen Auftreten von
Schmerzen kann jedoch noch nicht von einem (ungewöhnlichen) äusseren
schädigenden Faktor gesprochen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26.
Oktober 2017, 8C_325/2017, E. 3.2; BGE 129 V 466 E. 4.2.1). Als Diagnose führte Dr.
C._ im obgenannten Überweisungsschreiben sodann den Verdacht auf eine Mono-
Gonarthritis rechts und damit eine unfallfremde Gesundheitsstörung an (vgl. Alfred M.
Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 1086). Zwar
hatte Dr. C._ zu diesem Zeitpunkt noch keine Kenntnis vom Ergebnis der MRT-
Untersuchung in der D._ vom 19. September 2016, welche eine mediale
Meniskusruptur (Suva-act. 10) und damit eine Gesundheitsschädigung, welche
grundsätzlich als Folge eines Traumas auftreten kann, zur Darstellung brachte (vgl.
dazu Debrunner, a.a.O., S. 570 ff., 1056 ff.; Alfred Bühler, die unfallähnliche
Körperschädigung, in: SZS 1996, S. 85 und 88; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch,
267. Aufl. Berlin/Boston 2017, S. 1146). Jedenfalls weist jedoch seine Diagnose eines
krankheitsbedingten Gesundheitsschadens (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 570 ff.,
1086; Pschyrembel, a.a.O., S. 148 ff.; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. München 2003,
S. 132 f.) darauf hin, dass er kein Trauma in Erwägung zog und ihm offensichtlich von
einem solchen auch nichts bekannt gewesen ist.
3.4.2.
Am 21. September 2016 wurde der Beschwerdeführer erstmals durch Dr. E._
untersucht. Auch dieser hielt in der Anamnese des Untersuchungsberichts vom 30.
3.4.3.
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September 2016 ausdrücklich fest, dass der Beschwerdeführer ohne Ereignis seit ca.
vier Wochen Kniegelenksbeschwerden habe (Suva-act. 12). Der Einwand des
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers in der Beschwerdebegründung vom 14.
Januar 2019 (act. G 3), dem vorgenannten Bericht komme insofern kein Beweiswert zu,
als er sich auf das Überweisungsschreiben von Dr. C._ vom 14. September 2016
stütze und Dr. E._ die Verneinung eines Ereignisses lediglich vom
Überweisungsschreiben übernommen habe, überzeugt nicht. Die Beschwerdegegnerin
stellte in der Beschwerdeantwort vom 14. Februar 2019 stichhaltig fest, dass Dr. E._
persönlich den Beschwerdeführer untersucht und die Anamnese erhoben habe. Nebst
dem, dass Dr. E._ ein Ereignis verneinte, hielt er in der Anamnese in Bezug auf das
rechte Knie fest, wann bzw. in welchen Situationen der Beschwerdeführer unter
Kniegelenkbeschwerden leide, dass es eine Schwellungstendenz gebe und wo der
Hauptschmerz liege. Diese anamnestischen Angaben gehen über diejenigen im
Überweisungsschreiben von Dr. C._ hinaus und wurden - wie gesagt - offenkundig
persönlich von Dr. E._ erhoben. Es wäre demzufolge unverständlich, wenn der
anamnestischen Angabe "ohne Ereignis" kein Beweiswert zuerkannt würde, während
der Beweiswert der übrigen anamnestischen Angaben nicht in Frage gestellt würde.
Wie gesagt, ist es durchaus üblich, dass der behandelnde Arzt den Patienten anlässlich
einer Konsultation nicht nur untersucht und gestützt darauf seine Befunde und
Diagnosen erhebt bzw. stellt, sondern auch die Anamnese anspricht und dabei
nachfragt, wie es laut Auffassung des Patienten zur bestehenden gesundheitlichen
Störung gekommen sei respektive gekommen sein könnte. Auch in keinem weiteren
Untersuchungsbericht von Dr. E._ (vgl. Suva-act. 13 - 15, 18 f.) ist sodann von einem
Trauma die Rede. Vielmehr wurde in seinem Operationsbericht vom 5. Oktober 2016
(Suva-act. 15) nochmals ausdrücklich bestätigt "Indikation: kein Ereignis".
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die medizinischen Unterlagen zu den
Erstkonsultationen des Beschwerdeführers bei Dr. C._ und Dr. E._ sowie das in
Erwägung 3.4.2 genannte Überweisungsschreiben vom 14. September 2016 keine
Hinweise für ein am 27. August 2016 erlittenes traumatisches Ereignis liefern und die
genannten Ärzte scheinen nicht von einem solchen ausgegangen zu sein. Aufgrund der
Ausführungen in den Erwägungen 3.4.1 bis 3.4.3 ist es wahrscheinlicher, dass der
Beschwerdeführer gegenüber den behandelnden Ärzten entsprechend den Fakten
nichts von einem besonderen traumatischen Ereignis erzählte oder ein solches sogar
explizit verneinte.
3.4.4.
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Auch die weiteren vorliegenden Akten - welche zwar teilweise Hinweise auf einen
am 27. August 2016 erlittenen Unfall enthalten - vermögen ein Trauma nicht
rechtsgenüglich zu belegen.
3.5.
Aus act. G 3.1.1 ist zwar zu schliessen, dass zwischen einer Mitarbeiterin der
Arbeitgeberin des Beschwerdeführers und der Beschwerdegegnerin ein Kontakt -
offensichtlich zur Abklärung einer Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin hinsichtlich
einer ihr in Bezug auf den Beschwerdeführer intern gemeldeten Arbeitsunfähigkeit von
50% vom 26. September bis 4. Oktober 2016, einer Knieproblematik (Meniskus) und
Meniskusoperation vom 5. Oktober 2016 (vgl. Suva-act. 15) sowie einer
anschliessenden dreiwöchigen Arbeitsunfähigkeit (vgl. interne Meldung per E-Mail vom
28. September 2016) - stattgefunden und die Beschwerdegegnerin eine
Leistungspflicht verneint sowie die Arbeitsunfähigkeit als krankheitsbedingt beurteilt
hat (vgl. E-Mail der zuständigen Mitarbeiterin der Arbeitgeberin vom 11. Oktober 2016).
Die Beschwerdegegnerin stellt sich jedoch in der Beschwerdeantwort vom 14. Februar
2019 überzeugend auf den Standpunkt, dass mit dem Inhalt von act. G 3.1.1 nicht mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ein am 27. August 2016
erlittener Unfall als Auslöser der Kniebeschwerden belegt sei. Die Abklärung einer
Leistungspflicht des Unfallversicherers durch die Arbeitgeberin sowie Abklärungen des
Unfallversicherers im Zusammenhang mit einer Meniskusläsion können ohne Weiteres
mit der Prüfung des Vorliegens einer unfallähnlichen Körperschädigung (Art. 9 Abs. 2
lit. c UVV: Meniskusriss) erklärt werden, für welche zur Begründung der Leistungspflicht
des Unfallversicherers vereinfachte Leistungsvoraussetzungen gelten (vgl. dazu Rumo-
Jungo, a.a.O., S. 80 ff.; Maurer, a.a.O., S. 201 ff.; Erwägung 4.2). Von einem
Unfallereignis ist allerdings in keinem der beiden E-Mails die Rede. Im Falle eines
solchen, hätte es wohl insbesondere in die interne Meldung vom 28. September 2016
Eingang gefunden. Erwartungsgemäss stimmt jedoch der Inhalt der vorgenannten E-
Mail mit den anamnestischen Angaben von Dr. C._ und Dr. E._ überein (vgl. dazu
Erwägungen 3.4.1 und 3.4.3). Der Beschwerdegegnerin ist schliesslich darin
zuzustimmen, dass von einer Einvernahme der zuständigen Mitarbeiterin der
Arbeitgeberin für den Beweis eines Unfallereignisses keine entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten wären, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 144 V 368 E. 6.5, 136 I 236 E. 5.3). Angesichts des Inhalts
der E-Mails vom 28. September und 11. Oktober 2016 (act. G 3.1.1) ist nicht
erkennbar, inwiefern diese zur Frage eines allfälligen Unfallsachverhalts bedeutsame
Informationen liefern könnte. Auch sie verfügte nur über die ihr mit der E-Mail vom 28.
3.5.1.
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September 2016 zugekommenen Informationen, welche - wie gesagt - keinen Hinweis
auf ein Unfallereignis enthielten.
Sowohl in seinem Bericht vom 1. März 2017 an den Krankentaggeldversicherer
des Beschwerdeführers (Suva-act. 30-25) als auch in einem vom 18. Oktober 2017
datierten, offenbar einem Auszug der Krankengeschichte des Beschwerdeführers
entstammenden Dokument (Suva-act. 36-4) schrieb Dr. C._ von einer
Knieverdrehung und im Bericht vom 1. März 2017 zudem von einem Ausgleiten auf
einer rutschigen Unterlage. Damit wird eine Programmwidrigkeit im Bewegungsablauf
bzw. ein Unfallsachverhalt beschrieben (vgl. Erwägung 2.2). Entgegen der Auffassung
des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers und in Übereinstimmung mit den
Feststellungen der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 14. Februar
2019 (act. G 5) ergeben sich jedoch sowohl aus dem Vergleich der Aussagen in den
beiden vorgenannten Dokumenten als auch aus dem Vergleich dieser Dokumente mit
dem in Erwägung 3.4.2 genannten Überweisungsschreiben vom 14. September 2016
(Suva-act. 16) Widersprüchlichkeiten bzw. Ungereimtheiten, die auch durch eine
sorgfältige Beweiswürdigung nicht zugunsten des Beschwerdeführers auflösbar sind.
Während Dr. C._ im Bericht vom 1. März 2017 (Suva-act. 30-25) über eine
Knieverdrehung vom 26. September 2016 berichtete, schrieb er im Dokument vom 18.
Oktober 2017 von einem - offenbar am 26. September 2016 in der Krankengeschichte
notierten - "Unfall mit Knieverdrehung möglich am 28.8.2016". Ob sich das Wort
"möglich" auf das Datum oder den Unfall mit Knieverdrehung bezieht, ist unklar. Sollte
ersteres der Fall sein, wäre das mögliche Datum immerhin mit dem in der
Schadenmeldung vom 6. Oktober 2017 genannten Schadendatum vom 27. August
2016 einigermassen vereinbar. Beim Ereignisdatum im Bericht vom 1. März 2017 dürfte
es sich dagegen um einen Verschrieb handeln (vgl. dazu auch Erwägung 1), zumal in
beiden fraglichen Dokumenten der 26. September 2016 genannt wird. Andererseits fällt
auf, dass Dr. C._ im Zusammenhang mit der im Bericht vom 1. März 2017 erwähnten
Erstbehandlung am 30. August 2016 und Konsultation vom 14. September 2016 keine
Knieverdrehung erwähnte, hier jedoch ein solcher Hinweis naheliegender gewesen
wäre als ein entsprechender Vermerk im Zusammenhang mit dem Datum vom 26.
September 2016. Nicht geklärt werden kann zudem auch, weshalb Dr. C._ erst
nachträglich, einige Monate später, von einer Knieverdrehung beim Ausgleiten auf einer
glitschigen Unterlage schrieb, während er offenbar am 26. September 2016 in der
Krankengeschichte eingetragen hatte, es sei beim Gehen passiert, und - dazu passend
- ein schlagartiges Stechen notiert hatte. Diesbezüglich ist nämlich zu wiederholen,
dass der Eintrag in der Krankengeschichte wiederum mit den Angaben von Dr. C._
3.5.2.
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4.
im zeitnah verfassten Überweisungsschreiben an Dr. E._ vom 14. September 2016
übereinstimmt, in welchem er (nur) von Knieschmerzen seit einem bergabwärts Laufen
geschrieben und damals ein eigentliches Ereignis verneint hatte (Suva-act. 16). Hinzu
kommt, wie gesagt, dass sich das Wort "möglich" auch auf die Angabe "Unfall mit
Knieverdrehung" beziehen könnte, die blosse Möglichkeit eines bestimmten
Sachverhalts jedoch den Beweisanforderungen nicht genügt (vgl. Erwägung 2.3).
Insgesamt kann somit nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer
nachträglich nach einem möglichen, verursachenden Ereignis für seine Knieschmerzen
gesucht und eine Knieverdrehung in Erwägung gezogen und vorgebracht hat. Ein
möglicher Sachverhalt wird jedoch dadurch nicht zu einem überwiegend
wahrscheinlichen.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass das Unfallmerkmal des ungewöhnlichen
äusseren Faktors nicht erstellt ist. Es ist zwar möglich, dass sich der Beschwerdeführer
am 27. August 2016 das rechte Knie verdreht hat, doch bleibt ein solcher Sachverhalt
insgesamt beweislos. Die Folgen dieser Beweislosigkeit hat der Beschwerdeführer zu
tragen, der aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechten ableiten wollte
(Erwägung 2.3; BGE 144 V429 E. 3.2; SVR 2016 UV Nr. 44 S. 145, 8C_358/2016 E.
3.4). Er kann daher unter dem Titel "Unfall" keine Leistungen der Beschwerdegegnerin
beanspruchen.
3.6.
Zu beurteilen ist im Weiteren, ob ein Leistungsanspruch aus unfallähnlicher
Körperschädigung besteht. Wie bereits erwähnt, werden im vorliegenden Fall
Versicherungsleistungen nach bisherigem, bis 31. Dezember 2016 gültigen Recht
gewährt (vgl. Erwägung 2.1). Gemäss dem - gestützt auf Art. 6 Abs. 2 UVG ergangenen
- Art. 9 Abs. 2 UVV sind verschiedene Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig
auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne
ungewöhnliche äussere Einwirkung Unfällen gleichgestellt. Dazu gehören gemäss lit. c
der genannten Bestimmung namentlich Meniskusrisse.
4.1.
Eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin unter dem Titel von Art. 9 Abs. 2
UVV fällt ebenfalls ausser Betracht. Zwar wurde beim Beschwerdeführer anlässlich der
in der D._ am 19. September 2016 durchgeführten MRT-Untersuchung des rechten
Kniegelenks eine Ruptur des medialen Meniskus und damit eine unfallähnliche
Körperschädigung erhoben (Art. 9 Abs. 2 lit. c UVV). Mit Ausnahme der
Ungewöhnlichkeit müssen jedoch gemäss der zu Art. 9 Abs. 2 UVV entwickelten bzw.
damals geltenden und auch vom Versicherungsgericht angewandten
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
5.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten werden in Anwendung von Art. 61 lit. a ATSG keine erhoben.