Decision ID: 3a91fe5d-dcb1-439d-b4e3-fab8a8a18398
Year: 2007
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Am 16. Oktober 2002 eröffnete die Bundesanwaltschaft gegen A. ein  Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der  (Akten BA/EAII/2/02/0181, Band I, Rubrik 1). Auf Antrag der  eröffnete das Eidgenössische Untersuchungsrichteramt (nachfolgend „Untersuchungsrichteramt“) am 28. April 2004 eine  gegen A. sowie gegen allfällige Drittbeteiligte wegen des  der Geldwäscherei und allfälliger weiterer, sich aus der  ergebender Tatbestände (Akten URA, VU.2004.19, Ordner 1, Rubrik 1, pag. 006 f.). In seinem Schlussbericht vom 21. Juni 2006 beantragte das Untersuchungsrichteramt der Bundesanwaltschaft, das gegen A. geführte Verfahren wegen mehrfacher Geldwäscherei, mehrfacher  (Falschbeurkundung), Titelanmassung und Widerhandlung gegen das UWG einzustellen. Eventualiter sei gegen A. wegen der genannten Tatbestände Anklage zu erheben. Betreffend Kostenauflage beantragte das Untersuchungsrichteramt der Bundesanwaltschaft, dass die Kosten auf die Staatskasse zu nehmen seien. Eventualiter seien die Kosten dem  A. anteilsmässig aufzuerlegen (Akten URA, VU.2004.19,  1, Rubrik 9, pag. 018 f.). Am 1. November 2006 erliess die  die entsprechende Einstellungsverfügung. Hierbei bestimmte sie die Verfahrenskosten auf Fr. 144'653.95. Davon auferlegte sie 10%,  Fr. 14'465.40, dem Beschuldigten A. (act. 1.2).
B. Hiergegen erhob A. am 13. November 2006 Beschwerde an die  des Bundesstrafgerichts und stellte die folgenden Anträge (act. 1):
1. Es sei Ziffer 2 der Einstellungsverfügung der Schweizerischen Bundesanwaltschaft
vom 1. November 2006 (Verfahrens-Nr. BA/EAI/7/04/0548) aufzuheben;
2. Sämtliche Kosten seien auf die Staatskasse zu nehmen;
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.
Die Bundesanwaltschaft beantragte in ihrer Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2006 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde (act. 7). Beide Parteien hielten im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels an ihren Anträgen fest (act. 10 und 12).
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen.
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Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 105bis Abs. 2 BStP i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. a SGG sowie Art. 9
Abs. 2 des Reglements für das Bundesstrafgericht vom 20. Juni 2006 (SR 173.710) ist gegen Amtshandlungen und wegen Säumnis des  die Beschwerde nach den Verfahrensvorschriften der Artikel 214 – 219 BStP an die I. Beschwerdekammer zulässig. Die Beschwerde steht den Parteien und einem jeden zu, der durch eine Verfügung oder durch die Säumnis des Bundesanwalts einen ungerechtfertigten Nachteil erleidet (Art. 214 Abs. 2 BStP). Ist die Beschwerde gegen eine  des Bundesanwalts gerichtet, so ist sie innert fünf Tagen, nachdem der Beschwerdeführer von der Amtshandlung Kenntnis erhalten hat, .
1.2 Die Eintretensvoraussetzungen sind vorliegend erfüllt und geben zu keinen
weiteren Bemerkungen Anlass. Auf die Beschwerde ist demnach .
2. 2.1 Bei Nichtanhandnahme des Ermittlungsverfahrens sowie bei Einstellung
des Ermittlungsverfahrens oder der Voruntersuchung trägt in der Regel die Bundeskasse die Verfahrenskosten (Art. 246bis Abs. 1 BStP). In  von diesem Grundsatz können die Kosten ganz oder teilweise dem Beschuldigten auferlegt werden, wenn dieser das Verfahren rechtswidrig und schuldhaft veranlasst oder erschwert hat (Art. 246bis Abs. 2 lit. a BStP).
Nach der neueren, gegenüber den früher herrschenden Anschauungen einschränkenden Bundesgerichtspraxis ist dazu ein unter zivilrechtlichen Gesichtspunkten vorwerfbares Verhalten notwendig, also ein gegen  oder ungeschriebene rechtliche Verhaltensnormen klar  Verhalten. Es ist dies ein Verhalten, welches eine pflichtgemäss handelnde Strafverfolgungsbehörde zur Einleitung des Strafverfahrens , oder aber ein solches, welches in entsprechender Weise zu einer Erschwerung eines Verfahrens führte. Es handle sich hier – so wird betont – nicht um eine Haftung für strafrechtliches Verschulden, sondern eine  Grundsätzen angenäherte Haftung für fehlerhaftes Verhalten („prozessuales Verschulden“), wobei ein objektiver Massstab anzulegen sei. Denkbar sei auch, dass dieses Verhalten gleichzeitig einen Straftatbe-
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stand erfülle. Eine so begründete Kostenauflage widerspricht grundsätzlich weder der Unschuldsvermutung von Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK noch nach bisheriger Betrachtungsweise dem aus Art. 4 aBV und nunmehr Art. 9 BV fliessenden Willkürverbot. Damit unvereinbar ist eine Kostenauflage jedoch, wenn diese den Eindruck erweckt, der Betreffende werde nach wie vor als schuldig betrachtet (vgl. SCHMID, Strafprozessrecht, 4. Aufl., Zürich – Basel – Genf 2004, N. 1206; zum Ganzen auch /SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl.,  2005, § 108 N. 17 ff. sowie TPF BK.2006.3 vom 30. August 2006 E. 2.1 jeweils m.w.H.). Das Verletzen bloss moralischer oder ethischer Pflichten, welche zur Einleitung des Verfahrens Anlass gab, stellt hierbei kein die Kostenauflage rechtfertigendes leichtfertiges oder verwerfliches Verhalten dar. Zur Kostenauflage können nur qualifiziert rechtswidrige und zudem rechtsgenüglich nachgewiesene Sachverhalte führen, vorab die  besonderer gesetzlicher Pflichten oder aber Verhaltensweisen mit  bzw. provokativer, offensichtlich straftatbestandsnaher , auf die der Staat vernünftigerweise nicht anders als mit der Einleitung eines Strafverfahrens reagieren konnte. Eine Kostenauflage wegen  des Verfahrens setzt andererseits eine klare Verletzung  Pflichten voraus (vgl. SCHMID, a.a.O., N. 1207; a.M. /SCHWERI/HARTMANN, a.a.O., § 108 N. 20).
2.2 Die Beschwerdegegnerin begründet die von ihr verfügte Auferlegung von
10% der Verfahrenskosten damit, dass der Beschwerdeführer bei der  von Konten für durch ihn vertretene Gesellschaften durch  Angaben betreffend der wirtschaftlichen Berechtigung der  auf den Formularen A rechtlich erhebliche Tatsachen (wenn auch fahrlässig) unrichtig beurkundet und somit rechtswidrig gehandelt . Der Beschwerdeführer habe gemäss eigenen Aussagen zu jenem  nicht die entsprechenden Kenntnisse betreffend Sitzgesellschaften besessen und die Dokumente kaum gelesen und zudem übereilt . Als Rechtsanwalt mit Tätigkeitsschwerpunkt im schweizerischen und internationalen Handels- und Wirtschaftsrecht und damit als Fachmann hätte er wissen müssen, dass wirtschaftlich Berechtigter einer  nur eine operativ tätige Gesellschaft oder eine natürliche Person sein könne. Daher habe er fahrlässig und schuldhaft gehandelt. Des  habe er durch sein rechtswidriges, schuldhaftes Verhalten das  erschwert, indem der Verdacht der mehrfachen Falschbeurkundung bei Bankgeschäften erweckt worden sei. Namentlich im Fall der Gründung der B. GmbH von C. habe er mit seinem Verhalten den gegen ihn  Verdacht der Involvierung in die Geldwäschereitätigkeiten des C.
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verstärkt, weswegen die Ermittlungen intensiviert und in die Länge gezogen worden seien.
Der Beschwerdeführer bestreitet demgegenüber, widerrechtlich gehandelt zu haben. Da die Kostenauflage allein auf Grund eines allenfalls  bzw. allein unter allenfalls ethischen Gesichtspunkten vorwerfbaren Veranlassens einer Untersuchung gestützt werde, verletze diese wegen  Strafcharakters die in Art. 6 Ziff. 2 EMRK sowie Art. 9 BV statuierte . Des Weiteren habe er auch nicht fahrlässig gehandelt, so sei ihm die Ausnahmeregelung betreffend Sitzgesellschaften weder  gewesen noch hätte er diese kennen müssen. Abschliessend bringt der Beschwerdeführer vor, dass nicht ersichtlich sei, wie sein Verhalten höhere Verfahrenskosten verursacht habe.
2.3 Der Beschwerdeführer macht vorab geltend, dass nur die vorsätzliche Ur-
kundenfälschung strafbar sei. Eine Norm, gemäss welcher die fahrlässige Urkundenfälschung zivilrechtlich vorwerfbar sein solle, sei nicht ersichtlich.
Wie bereits ausgeführt geht es hier nicht um ein strafrechtliches , sondern um eine den Grundsätzen des Zivilrechts angenäherte  für fehlerhaftes Verhalten. In Frage steht vorliegend die mehrfach, übereilt und unsorgfältig vorgenommene Unterzeichnung einer Bestätigung der wirtschaftlichen Berechtigung auf dem Formular A. Die I. Zivilabteilung des Bundesgerichts führt in ihrem Urteil BGE 111 II 471 E. 3 das Folgende aus: „Wer über Verhältnisse befragt wird, in die er Kraft seiner Stellung  Einblick besitzt, hat – wenn er sich überhaupt auf eine Antwort einlässt – wahrheitsgetreu Auskunft zu geben, sofern für ihn erkennbar ist, dass diese für den Adressaten voraussichtlich folgenschwere Bedeutung hat oder haben kann; er darf nicht absichtlich falsche Tatsachen behaupten oder leichtfertig Angaben machen, deren Unrichtigkeit oder Ungenauigkeit ihm ohne lange Prüfung in die Augen springen muss (BGE 57 II 86, 41 II 82 E. 5). Der Anfragende darf zwar nicht mit besonders sorgfältigen  der Bank rechnen, wohl aber damit, dass die Auskunft in guten Treuen und nicht leichtfertig erteilt wird und die Bank ihm das, was sie weiss, loyal, ohne Rückhalt mitteilt (zit. Urteil des Bundesgerichts in SJZ 31/1934-35, S. 187 E. 4). Der Angefragte handelt nicht bloss dann , wenn er wider besseres Wissen oder leichtfertig unrichtig  Angaben macht, sondern ebenso, wenn er Tatsachen verschweigt, die ihm bekannt sind und von denen er sich sagen muss, dass ihre Kenntnis den in Frage stehenden Entschluss beeinflussen könnte (BGE 80 III 54 E. 4).“
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Somit ist klar, dass sich der Beschwerdeführer auch durch die leichtfertig (fahrlässig) vorgenommene Unterzeichnung einer Bestätigung gemäss Formular A eine Widerrechtlichkeit im Sinne von Art. 41 OR zuschulde kommen lassen kann.
2.4 Der Beschwerdeführer bestreitet weiter, fahrlässig gehandelt zu haben. So
seien Firmengründungen nicht sein Spezialgebiet gewesen. Namentlich habe er die Spezialregelung nicht gekannt, wonach Sitzgesellschaften nicht wirtschaftlich Berechtigte von Vermögenswerten sein können. Zumal habe der Beschwerdeführer lediglich die für ihn vorbereiteten Dokumente . Den Leuten, welche diese Formulare für ihn vorbereitet hätten, sei offensichtlich auch nichts aufgefallen. Weder der beteiligte Notar noch der beteiligte Banker hätten gemerkt, dass die Formulare falsch ausgefüllt seien.
Hierzu hat jedoch der Beschwerdeführer im Verlaufe des Verfahrens  mehrerer Einvernahmen selber wiederholt eingeräumt, dass die Formulare fehlerhaft ausgefüllt worden seien, er diese übereilt  und somit fahrlässig gehandelt habe (Einvernahmeprotokoll der  vom 3. Dezember 2003, S. 8 Z. 14 ff., S. 9. Z. 7 ff., S. 17 Z. 4 f.; Einvernahmeprotokoll des Untersuchungsrichteramts vom 5.  2004, S. 5. Z. 115 ff., S. 8 Z. 253 ff., Einvernahmeprotokoll des  vom 24. Juni 2005, S. 15 Z. 610, S. 17 Z. 673 ff., Einvernahmeprotokoll des Untersuchungsrichteramts vom 30. Mai 2006, S. 4 Z. 107 ff.). Diesbezüglich erübrigt sich auch eine Berücksichtigung des Einwands des Beschwerdeführers, wonach er nicht mit den ihn  Zeugen bzw. Auskunftspersonen konfrontiert worden sei. Der  selber hat sein eigenes Verhalten wiederholt als Fehler  oder als fahrlässig qualifiziert. Der Beschwerdeführer kann sich diesbezüglich nicht auf sein angeblich fehlendes Wissen bezüglich der bei Sitzgesellschaften anwendbaren Sonderregelung berufen oder seine  Verantwortung auf die allenfalls mitbeteiligten Personen abschieben. Er hat mit seiner eigenen, übereilt bzw. unsorgfältig geleisteten Unterschrift die Richtigkeit der im Formular A festgehaltenen Angaben bestätigt. Dies muss er sich vorliegend entgegen halten lassen.
2.5 Der Beschwerdeführer rügt schliesslich, dass die Abklärung des Sachver-
halts betreffend der Urkundenfälschung hinsichtlich des Formulars A  keinen Aufwand verursacht habe. Insbesondere sei damit auch der Verdacht der Involvierung des Beschwerdeführers in  Dritter nicht verstärkt worden.
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Diese Auffassung des Beschwerdeführers ist unzutreffend. Durch sein  hat der Beschwerdeführer den Verdacht der mehrfachen  erweckt. Namentlich im Fall der Gründung der B. GmbH des C., welcher wegen Geldwäscherei verurteilt worden ist, verstärkte der  durch sein Verhalten den gegen ihn bestehenden Verdacht der Involvierung in die Geldwäschereiaktivitäten des C. Der  hat mit seinem widerrechtlichen und schuldhaften Verhalten starke Indizien geliefert, welche den gegen ihn bestehenden Anfangsverdacht der Geldwäscherei verstärkt haben. Ohne die erfolgten geldwäschereitypischen Falschbeurkundungen hätte sich der Anfangsverdacht bereits früher , so dass auf eine Intensivierung der Ermittlungen bzw. auf die  einer Voruntersuchung hätte verzichtet werden können. Auf Grund der allein beim Untersuchungsrichteramt angefallenen Verfahrenskosten von Fr. 15'634.30 sowie angesichts der Umstände stellt die Auferlegung von 10% der Verfahrenskosten für den Beschwerdeführer eine milde  dar.
2.6 Insgesamt ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin durch die verfügte
Auferlegung von 10% der Verfahrenskosten den ihr zustehenden  nicht verletzt hat. Im Gegenteil wäre es ihr angesichts der Umstände sogar möglich gewesen, dem Beschwerdeführer einen noch höheren Anteil der Verfahrenskosten aufzuerlegen. Die Beschwerde ist demnach als unbegründet abzuweisen.
3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten
desselben zu tragen (Art. 156 Abs. 1 OG i.V.m. Art. 132 Abs. 1 BGG und Art. 245 BStP [in der Fassung vom 19. Dezember 2003]). Die  wird angesetzt auf Fr. 1'500.-- (Art. 3 des Reglements über die  vor dem Bundesstrafgericht vom 11. Februar 2004; SR 173.711.32), unter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in der Höhe von Fr. 1'000.--.
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