Decision ID: 7ee9216b-9b5d-4f81-bf6e-425f56dabe7a
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend Versicherte) bezieht rückwirkend ab dem 1. August 2012 eine
Viertelsrente der Invalidenversicherung (IV). Bezüglich des Sachverhalts bis zur
Zusprache der Rente wird auf den rechtskräftigen Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 23. Februar 2018 (IV 2015/307, IV 2015/367) verwiesen.
A.a.
Im Januar 2019 beantragte die Versicherte aufgrund eines verschlechterten
Gesundheitszustands eine Rentenrevision (IV-act. 176). In diesem Zusammenhang
reichte sie mehrere Arztberichte ein (IV-act. 177 ff.). Am 6. Mai 2019 stellte die
Versicherte zudem ein Gesuch um Zusprechung einer Hilflosenentschädigung (IV-act.
181). Die medizinischen Unterlagen wurden dem regionalen ärztlichen Dienst (RAD)
vorgelegt, welcher mit Beurteilung vom 10. Mai 2019 eine massgebliche
Verschlechterung des Gesundheitszustands verneinte (IV-act. 182). Mit Vorbescheid
vom 14. Mai 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des
Revisionsbegehrens bzw. des Erhöhungsgesuchs in Aussicht (IV-act. 187). Am 4. Juni
2019 reichte der langjährig behandelnde med. pract. B._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie FMH, einen ausführlichen Arztbericht ein, worin er zum
Vorbescheid Stellung nahm (IV-act. 190). Am 18. Juli 2019 beantragte die Versicherte,
vertreten durch Rechtsanwältin Linda Keller, St. Gallen, eine höhere Invalidenrente.
Eventualiter sei eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag zu geben (IV-act. 203).
Auf Empfehlung des RAD (IV-act. 220) veranlasste die IV-Stelle in der Folge eine
psychiatrische und neuropsychologische Begutachtung bei Dr. med. C._, Facharzt
A.b.
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für Neurologie FMH, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Dr. phil. D._,
Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP (IV-act. 222 ff.). Im neuropsychologischen
Gutachten vom 3. Februar 2020 (IV-act. 234) diagnostizierte Dr. D._ eine nicht
authentische kognitive Störung im Rahmen einer wahrscheinlichen Aggravation von
kognitiven Beschwerden (IV-act. 234-18). Dr. C._ führte im psychiatrischen
Gutachten vom 18. März 2020 (IV-act. 236) aus, dass die früher festgestellte
rezidivierende depressive Störung ausgeheilt, also remittiert sei. Ausreichende
Hinweise für eine Borderline-Persönlichkeitsstörung seien nicht vorhanden, wenngleich
nach klinischem Eindruck eine Persönlichkeitsakzentuierung mit selbstunsicheren und
abhängigen Aspekten sowie eine Impulskontrollstörung gefunden worden seien. Für
eine posttraumatische Belastungsstörung hätten sich keine Anhaltspunkte mehr
ergeben. Eine gravierende psychische Erkrankung liege nicht vor. Eine 20%-ige
Beeinträchtigung des Leistungsvermögens in der bisherigen Tätigkeit könne am
ehesten in Zusammenhang mit einer gewissen emotionalen Instabilität im Rahmen der
Persönlichkeitsakzentuierung und leichten Erschöpfbarkeit angenommen werden. In
angepasster Tätigkeit bestehe eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit, wobei eine etwas
liberalere Pausenregelung die Aufrechterhaltung einer vollen Leistungsfähigkeit am
ehesten unterstütze. Der aktuelle Zustand entspreche einer weiteren Verbesserung
gegenüber dem damaligen Befund im Zeitpunkt der Verfügung vom 24. August 2015,
das Ausmass der Leistungseinschränkungen könne nur noch geringer festgestellt
werden. Diese Veränderung könne ab dem Untersuchungszeitpunkt angenommen
werden. Ein spezifischer Unterstützungsbedarf sei nicht zu erkennen (IV-act. 236-58
ff.).
Nach Vorlage des Gutachtens beim RAD (IV-act. 237) ersetzte die IV-Stelle den
Vorbescheid vom 14. Mai 2019 mit einem solchen vom 9. April 2020 und stellte die
Aufhebung der Rente Ende des Folgemonats (IV-act. 241), mit Vorbescheid vom 22.
April 2020 sodann die Abweisung des Gesuchs auf Hilflosenentschädigung in Aussicht
(IV-act. 245). Am 30. Juni 2020 beantragte Rechtsanwältin Keller eine Invalidenrente
basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 %. Das Verfahren sei bis zum
Vorliegen der Berichte des Epilepsiezentrums Zürich und der Klinik für Neurologie St.
Gallen zu sistieren (IV-act. 257). Am 31. Juli 2020 beantragte die Versicherte die
Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung für eine Hilflosigkeit leichten Grades.
A.c.
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B.
Eventualiter sei das Verfahren zu sistieren, bis die aktuellen medizinischen Abklärungen
durchgeführt worden seien (IV-act. 259). Dem Antrag auf Sistierung wurde
stattgegeben (IV-act. 261). In der Folge reichte Rechtsanwältin Keller mehrere
Untersuchungsberichte ein (IV-act. 282). Mit Verfügung vom 20. Mai 2021 wurde das
Gesuch um Zusprechung einer Hilflosenentschädigung abgewiesen (IV-act. 281). Diese
Verfügung blieb unangefochten. Am 21. Juli 2021 meldete Rechtsanwältin Keller die
Beendigung des Vertretungsverhältnisses mit der Versicherten (IV-act. 286). Nachdem
dem RAD die eingereichten Untersuchungsberichte zu erneuter Stellungnahme
vorgelegt worden waren (IV-act. 288), verfügte die IV-Stelle am 28. Juli 2021 die
Aufhebung der Rente auf Ende des Folgemonats (IV-act. 289).
Gegen diese Verfügung vom 28. Juli 2021 reichte die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin), neu vertreten durch Fürsprecher Daniel Küng, St. Gallen, am 2.
September 2021 Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ein
(act. G 1). Die Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und der Beschwerdeführerin
eine ganze IV-Rente ab wann rechtens, spätestens ab Februar 2019, zuzusprechen
und zu entrichten. Allenfalls sei die Prozedur zur Vornahme weiterer Abklärungen und
anschliessender Neuverfügung an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Im Weiteren sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Prozessführung zu bewilligen und der Unterzeichnende zu ihrem unentgeltlichen
Rechtsbeistand zu ernennen (act. G 1).
B.a.
Mit Schreiben vom 4. Oktober 2021 zog Fürsprecher Küng sein Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung zurück (act. G 4).
B.b.
Mit Beschwerdeantwort vom 12. Oktober 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 6).
B.c.
Mit Replik vom 26. Januar 2022 hielt die Beschwerdeführerin vollumfänglich an
ihren Rechtsbegehren fest (act. G 16).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G
18).
B.e.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit
der verfügten (Viertels-)Renteneinstellung bzw. ein Anspruch auf eine höhere Rente.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
B.f.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden. Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20; in der bis 31. Dezember 2021 gültigen, im
vorliegenden Verfahren anzuwendenden und im folgenden zitierten Fassung; vgl. dazu
Rz. 9100 f. des Kreisschreibens über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung
[KSIR]) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 % invalid
ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50 % vor, so besteht Anspruch auf eine
halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % auf eine Viertelsrente.
1.1.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
1.2.
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gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten (Administrativ-)Gutachten von
externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4).
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG in der bis 31. Dezember 2021
gültigen, im vorliegenden Verfahren anzuwendenden und im folgenden zitierten
Fassung). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den
tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist somit nicht nur bei einer
wesentlichen Änderung des Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar,
wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Zeitlicher
Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte
rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur
Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4). Dagegen stellt die
bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen
unverändert gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein
genommen keinen Revisionsgrund im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. November 2008, 9C_562/2008, E. 2.1).
1.3.
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2.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (vgl. Art. 43 Abs. 1 und Art.
61 lit. c ATSG). Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt,
ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen
haben Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche
Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a). Die Verwaltung resp. das
Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem
Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit
eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht
hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b mit
Hinweisen).
1.4.
Vorliegend ist der Sachverhalt im Zeitpunkt der rentenzusprechenden Verfügungen
vom 24. August und 5. Oktober 2015 (IV-act. 140, 145) mit demjenigen im Zeitpunkt
der streitigen Revisionsverfügung vom 28. Juli 2021 (IV-act. 289) im Sinne der
erwähnten bundesgerichtlichen Vorgaben zu vergleichen. Die Beschwerdeführerin
vertritt den Standpunkt, es liege seither gestützt auf die medizinischen
Untersuchungsberichte eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands
vor, weshalb die Viertelsrente zu erhöhen sei. Demgegenüber hält die
Beschwerdegegnerin in Anlehnung an das psychiatrische und neuropsychologische
Gutachten von Dr. C._ vom 18. März 2020 und Dr. D._ vom 3. Februar 2020 eine
wesentliche Verbesserung für ausgewiesen und erachtet die Aufhebung der
Viertelsrente per Ende August 2021 für rechtens.
2.1.
Die Verfügungen vom 24. August und 5. Oktober 2015 basierten auf dem
beweiswerten (vgl. dazu die E. 4 und 5 im Entscheid des Versicherungsgerichts vom
23. Februar 2018 [IV 2015/307, IV 2015/367]) neurologischen und psychiatrischen
Gutachten (mit testpsychologischer Zusatzuntersuchung) vom 27. Februar 2015 durch
Dr. med. E._, Facharzt FMH Psychiatrie und Neurologie (IV-act. 126). Der Gutachter
diagnostizierte und begründete eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline Typ (ICD-10: F60.31). Eine neurologische Erkrankung hielt er für nicht
2.2.
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nachgewiesen (IV-act. 126-17 f.). Eine Psychose, wie von Dr. med. F._, Fachärztin
FMH für Psychiatrie, im Jahr 2012 vermutet worden sei, liege nicht vor. Eine
posttraumatische Belastungsstörung, die der behandelnde Psychiater med. pract.
B._ diagnostiziert habe, könne nicht als nachgewiesen gelten. Eine rezidivierende
depressive Störung sei aus aktueller Perspektive nicht nachweisbar. Auch eine
neuropsychologische Funktionsstörung sei mangels Leistungsbeeinträchtigung nicht
ausgewiesen (IV-act. 126-19). Alle nachweisbaren Ergebnisse und Befunde würden in
der Diagnose der Persönlichkeitsstörung aufgehen. Im Falle der Versicherten liege eine
mittelschwere Ausprägung der Borderline Persönlichkeitsstörung vor, mit aktuell
deutlichen Auswirkungen. Allerdings seien auch Lebensphasen vorgekommen, in
denen die Auswirkungen deutlich geringer gewesen seien oder eine volle berufliche
Leistungsfähigkeit vorhanden gewesen sei. Die Untersuchung habe auch Hinweise
geliefert, dass die Versicherte nicht immer von sich aus alle ihre Ressourcen, die ihr
eigentlich zur Verfügung stünden, mobilisiere (IV-act. 126-21). Die aktuellen Störungen
und Funktionsdefizite würden sich auf das Arbeitstempo auswirken und vermehrte
Erholungszeiten notwendig machen. Die theoretische Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit betrage 50 %, in adaptierten Tätigkeiten etwa 60 %. Diese
Einschränkung gelte mindestens seit der Untersuchung (IV-act. 126-21 ff.). Es handle
sich um ein chronisches Krankheitsbild, dessen Auswirkungen im Laufe des Lebens
deutlich schwanken könnten. Die Schwere der Störung und die Auswirkungen würden
im Laufe des Lebens meistens abnehmen, ohne dass es zu einer vollständigen
Ausheilung komme. In der aktuellen Lebensphase des jungen Erwachsenenalters seien
die Auswirkungen meistens grösser. Wegen der möglichen Besserungen im Verlauf
könne sich das Leistungsbild in zwei Jahren relevant verbessern (IV-act. 126-24).
Gestützt auf diese Beurteilung bzw. einzig aufgrund der Auswirkungen der
diagnostizierten emotionalen instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typ
(verringertes Arbeitstempo/vermehrte Erholungszeiten) erhielt die Beschwerdeführerin
bei 60%-iger Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit und einem Invaliditätsgrad von
49 % gestützt auf Art. 28 Abs. 2 IVG eine Viertelsrente ab 1. August 2012 (vgl. dazu die
E. 4, 5 und 6 im Entscheid des Versicherungsgerichts vom 23. Februar 2018 [IV
2015/307, IV 2015/367]).
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Als Basis für die Aufhebung der Rente diente der Beschwerdegegnerin das
psychiatrische und neuropsychologische Gutachten von Dr. C._ vom 18. März 2020
(IV-act. 236) und Dr. D._ vom 3. Februar 2020 (IV-act. 234). Zu prüfen ist, ob diesem
externen Administrativgutachten Beweiswert zukommt und bejahendenfalls damit eine
wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen ausgewiesen ist.
2.3.
Die Beurteilungen der Dres. C._ und D._ basieren auf einer eingehenden
klinischen Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltens
beobachtung. Die Beschwerdeführerin konnte sich ausführlich äussern (IV-act. 234-11
ff., 236-34 ff.). Die Befunde wurden sorgfältig, inklusive umfassender Testung und
Validierung, erhoben (IV-act. 234-14 ff., 236-40 ff.), der Verlauf nachvollziehbar
dargelegt und die schliesslich abgeleiteten Diagnosen und Einschränkungen schlüssig,
insbesondere auch in Würdigung der teils divergierenden früheren und aktuellen
medizinischen Aktenlage, begründet (IV-act. 234-17 f., 236-48 ff.). Die Schätzung der
Arbeitsfähigkeit (100 % in adaptierter Tätigkeit) erfolgte lege artis unter
Berücksichtigung der leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren wie auch der
Kompensationspotentiale (Ressourcen) bzw. in Würdigung der Konsistenz von
Beschwerdesymptomatik und Verhalten resp. der erkennbaren Auswirkungen im Alltag
(IV-act. 236-59 ff.). Insgesamt entsprechen die Gutachten den Anforderungen der
Rechtsprechung vollumfänglich, womit ihnen grundsätzlich voller Beweiswert
zuzuerkennen ist.
2.3.1.
Auf neuropsychologischem Gebiet liessen sich weiterhin (vgl. dazu die
Ausführungen im Gutachten von Dr. E._; IV-act. 126-20) keine sich auf die
Arbeitsfähigkeit relevant auswirkenden kognitiven Funktionsstörungen objektivieren
bzw. es wurde eine nicht authentische kognitive Störung im Rahmen einer
wahrscheinlichen Aggravation von kognitiven Beschwerden diagnostiziert (IV-act.
234-17 ff.). Diesbezüglich ist damit – entgegen dem Einwand der Beschwerdeführerin –
überwiegend wahrscheinlich von keiner Verschlechterung im Vergleich zum
Gesundheitszustand bei Rentenzusprache auszugehen bzw. ist eine
neuropsychologische Funktionsstörung mit Leistungsbeeinträchtigung weiterhin nicht
rechtsgenüglich bewiesen. An dieser Einschätzung vermögen die eingereichten
Untersuchungsberichte nichts zu ändern. Zwar erwähnen, im Gegensatz zur
Beurteilung der Dres. C._ und D._, mehrere Ärzte deutliche Defizite und
Verschlechterungen im kognitiven Bereich im Vergleich zu früher (IV-act. 282-23 f.,
282-27, 282-29 f.). Es wird indes mehrfach – wie sich auch bei der Untersuchung durch
Dr. D._ gezeigt hat – auf Auffälligkeiten in den Symptomvalidierungsverfahren
hingewiesen (IV-act. 282-23, 282-27) und die Anstrengungsbereitschaft der
2.3.2.
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Beschwerdeführerin in Frage gestellt (IV-act. 282-23, 282-50). Im Übrigen wird der
klinische Eindruck als deutlich besser beschrieben (IV-act. 282-27). Damit bleibt aber
die im Vergleich zu 2015 von der Beschwerdeführerin geltend gemachte
verschlechterte neuropsychologische Symptomatik/Problematik zumindest
unbewiesen. Die Folgen daraus hat die Beschwerdeführerin zu tragen. An dieser
Beurteilung ändert nichts, dass Prof. Dr. med. Dr. scient. med. Dr. iur. Dr. phil. G._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Allgemeinmedizin (D),
zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, zertifizierter Arbeitsfähigkeitsassessor
ZAFAS/SIM, in seiner Beurteilung vom 5. März 2021 die auffällige neuropsychologische
Symptomvalidierung und Plausibilität durch eine bei emotional instabilen
Persönlichkeitsstörungen häufig anzutreffende dissoziative Symptomatik für erklärbar
hält und eine entsprechende Verdachtsdiagnose stellt (IV-act. 282-54 ff.). Damit liefert
er zwar eine mögliche Erklärung für die Auffälligkeiten. Dieses Leiden ist durch die
blosse Verdachtsdiagnose indes nicht gesichert und bleibt – wie auch allfällige damit
einhergehende kognitive Defizite – beweislos, wobei die durchgehend unauffälligen
psychopathologischen Untersuchungsbefunde (IV-act. 126-13 f., 236-40 ff., 282-49 f.)
eher gegen eine relevante dissoziative Störung sprechen. Von weiteren medizinischen
Abklärungen sind bei bereits zahlreich durchgeführten Untersuchungen und Testungen
keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter
Beweiswürdigung zu verzichten ist.
Die Gutachter Dres. C._ und D._ sprechen gar von einer Verbesserung des
Zustands im Vergleich zum Referenzzustand 2015 (IV-act. 236-63). Damals
diagnostizierte Dr. E._ eine Borderline Persönlichkeitsstörung mittelschwerer
Ausprägung mit damit einhergehenden schwankenden Auswirkungen, insbesondere
auf das Arbeitstempo, resp. die Notwendigkeit vermehrter Erholungszeit (vgl.
vorstehende E. 2.2). In der aktuellen Untersuchung fand Dr. C._ keine ausreichenden
Hinweise für eine Borderline-Persönlichkeitsstörung. Nach klinischem Eindruck sei
indes von einer Persönlichkeitsakzentuierung mit selbstunsicheren und abhängigen
Aspekten sowie einer Impulskontrollstörung auszugehen (IV-act. 236-58). Insgesamt
könne das Ausmass der Leistungseinschränkung nur noch geringer festgestellt werden
(IV-act. 236-63 f.). Vorab ist festzuhalten, dass die unterschiedliche Diagnosestellung
(früher Persönlichkeitsstörung/aktuell Persönlichkeitsakzentuierung) nicht automatisch
dazu führt, dass von einem verbesserten Gesundheitszustand auszugehen wäre. Diese
Krankheitsbilder sind symptomatisch ähnlich resp. die Abgrenzung ist fliessend.
Demnach bedarf es weiterer objektivierbarer Punkte, welche für einen verbesserten
Zustand resp. eine geringere funktionelle Ausprägung der Gesundheitsschädigung
2.3.3.
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sprechen. Der Vergleich des psychopathologischen Untersuchungsbefunds von Dr.
E._ aus dem Jahr 2015 (IV-act. 126-13 f.) mit demjenigen von Dr. C._ aus dem Jahr
2020 (IV-act. 236-40 ff.) zeigt im Wesentlichen dieselben unauffälligen Befunde. Auch
war die Beschwerdeführerin bereits im Rahmen der Abklärung bei Dr. E._ im Jahr
2015 in der Lage, die Untersuchung ausdauernd, konzentriert und ohne Ermüdung zu
bewältigen (IV-act. 126-19). Dasselbe Bild zeigte sich im Rahmen der Untersuchungen
bei Dr. D._ (IV-act. 234-17), Dr. C._ (IV-act. 236-56) und Dr. phil. H._,
Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, Kantonsspital St. Gallen (IV-act. 282-63).
Gestützt auf diese Ausführungen lässt sich kein relevant veränderter
Gesundheitszustand resp. lassen sich keine relevant veränderten Auswirkungen auf die
durchschnittliche Leistungsfähigkeit herleiten, selbst wenn auch die aktuell
bescheinigte 100%-ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit nachvollziehbar
erscheint. Dasselbe gilt im Übrigen für die Einschätzung von Dr. E._, welcher
seinerseits bei im Wesentlichen gleichen Befunden die Auswirkungen der
Gesundheitsschädigung bei schnellerer Erschöpfbarkeit (IV-act. 126-20) höher
gewichtete, wobei er dem wellenmässigen resp. schwankenden Verlauf des damaligen
Beschwerdebilds – das grundsätzlich bestehen geblieben ist – einleuchtend Rechnung
trug. Damit handelt es sich bei der Einschätzung der Dres. C._ und D._ aber
überwiegend wahrscheinlich lediglich um eine unterschiedliche Beurteilung der
Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustands
auf die Arbeitsfähigkeit, welche für sich allein genommen keinen Revisionsgrund
darstellt (vgl. vorstehende E. 1.3). Bezüglich der unterschiedlichen Einschätzungen
betreffend die Diagnose und die Auswirkungen ist schliesslich festzuhalten, dass die
ärztliche Beurteilung und die medizinische Folgenabschätzung, insbesondere auch auf
psychiatrischem Fachgebiet ohne objektivierbare Schädigung, von der Natur der Sache
her unausweichlich Ermessenszüge tragen und die Exploration dem begutachtenden
Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum eröffnet, innerhalb dessen
verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und
rechtlich zu respektieren sind, sofern der Experte, wie vorliegend Dr. E._ (aber auch
die Dres. C._ und D._), lege artis vorgegangen ist (vgl. nebst vielen die Urteile des
Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 9C_18/2020, E. 4.1, und vom 23. Januar 2019,
9C_804/2018, E. 2.2.). Damit ist ein relevant verbesserter Gesundheitszustand, auch in
Beachtung einzelner Anhaltspunkte, welche für eine geringere Ausprägung der
psychiatrischen Problematik sprechen, nicht hinlänglich ausgewiesen (zum offenbar
auch nach der Begutachtung durch Dr. C._ wiederholten Scheitern von weiteren
Versuchen, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen, vgl. im Übrigen IV-
act. 282-55, drittletzter Abschnitt). Von weiteren medizinischen Abklärungen sind bei
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3.