Decision ID: d0463f0e-ffc9-4780-b2c5-546be63382ca
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1987,
war vom
1. Mai
bis 16. September
2011
als
Servicefach
frau
bei
der
Y._
AG
angestellt
und
dadurch
bei der
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
AG
insbesondere
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert
(Urk. 8/4
-5
)
.
In der Nacht vom 23. auf den
24. August 2011 zog sie sich
im Rahmen
einer
tätlichen
Auseinandersetzung mit ihrem
damaligen
Konkubinatsp
artner
Verletzungen
der Haut
und Stauungsblutungen
zu (Urk. 8/6 S.
4).
I
n der Folge
war die Versicherte längere Zeit
arbeitsunfähig (
Urk. 8/48 S. 2)
.
Mit Verfügung vom 17. November 2011 (Urk. 8/28) kürzte die
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
AG
die Geldleistungen
wegen Beteiligung
an einer Rauferei beziehungsweise
Schlägerei
um 50 %
.
Daran hielt sie auf Einsprache
der Versicherten
vom 22. Dezember 2011
(Urk. 8/
38
)
hin mit
Entscheid vom 15. Juni 2012
(Urk. 2)
fest und wies
deren
Gesuch um Bestellung von Rechts
anwalt Beat Wieduwilt als unentgeltlicher Rechtsvertreter
mangels prozessualer Bedürftigkeit
ab
.
2.
Hier
ge
gen
erhob
die Versicherte
am 6. August 2012 Beschwerde (Urk. 1)
und be
antragte
,
der angefochtene
E
insprachee
ntscheid
vom 15. Juni 2012
sei auf
zu
heben und es sei festzustellen, dass sie Anspruch auf das ungekürzte Taggeld habe. Die
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
AG schloss
in ihrer
Be
schwerdeantwort vom 31. August 2012 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 7. September 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
39 des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG
)
kann der
Bundesrat aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse bezeichnen, die in der Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung sämtlicher Leistungen oder zur Kürzung der Geldleistungen führen, wobei die Kürzung oder Ver
w
ei
gerung in Abweichung von Art. 21 Abs.
1-3 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des S
ozialversicherungsrechts (ATSG
) geordnet werden kann.
Gestützt auf diese Kompetenzdelegation legte der Bundesrat in
Art. 49
Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Unfallversicherung (
UVV
) fest, dass die Geldleis
tungen mindestens um die Hälfte gekürzt
werden
für
Nichtberufsunfälle, die sich be
i
Beteiligung an Raufereien und Schlägereien
ereignen
, es sei denn,
die
v
ersicherte
Person sei als Unbeteiligte oder bei Hilfeleis
tung für einen Wehr
losen durch die Streit
enden verletzt worden
.
1.2
Nach der Rechtsprechung
ist der Tatbestand der Beteiligung an
einer Rauferei
oder Schlä
gerei
gemäss Art. 49 Abs.
2 lit.
a UVV grundsätzlich verschuldensun
abhängig konzipiert und weiter gefasst als der Straftatbestand der Beteiligung
an einem Raufhandel gemäss Art.
133
des Schweizerischen Strafgesetzbuches (
StGB
)
. Es genügt, dass das zu sanktionierende Verhalten objektiv gesehen die Gefahr einschliesst, in Tätlichkeiten überzugehen oder solche nach sich zu ziehen, und die versicherte Person dies erkannt hat oder erkennen m
usste
(BGE
134 V 315 E.
4.5.1.2
). Der Tatbes
tand des Art.
49 Abs.
2 lit.
a UVV ist da
her nicht nur bei der Teilnahme an einer eigentlichen tätlichen Auseinanderset
zung gegeben. Es ist auch nicht notwendig, dass der Versicherte selbst tätlich geworden ist. Unerheblich ist zudem, aus welchen Motiven er sich beteiligt hat, wer mit einem Wortwechsel oder Tätlichkeiten begonnen hat und welche Wen
dung die Ereignisse in der Folge genommen haben. Entscheidend ist allein, ob die versicherte Person die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung erkannt hat oder erkennen musste (nicht publ. E. 1.1 des Urteils BGE 132 V 27, in: SVR 2006 UV Nr. 13 S. 45 [U 325/05]; RKUV 2005 Nr. U 553 S. 311 E. 2 [U 360/04]; Urteil
des Bundesgerichts
8C_579/2010 vom 1
0.
März 2011 E. 2.2.1).
Eine Leistungskürzung nach Art. 49 Abs. 2 lit.
a UVV setzt voraus, dass zwi
schen dem als Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei zu qualifizierenden Verhalten und dem Unfall ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht. Die Beurteilung der Adäquanz im Besonderen hat retrospektiv zu erfol
gen. Es ist zu fragen, ob und in
wiefern die objektiv unter Art. 49 Abs. 2 lit.
a UVV fallende Handlung als eine wesentliche Ursache des Unfalles erscheint. Dies ist dann zu bejahen, wenn die spezifischen Gefahren des allenfalls zu sank
tionierenden Verhaltens de
r
v
ersicherten
Person
sich beim Unfallereignis kon
kret aus
gewirkt haben und nach der allgemeinen Lebenserfahrung und dem ge
wöhnli
chen Lauf der Dinge geeignet sind, einen Unfall von der Art des ein
ge
tretenen herbeizuführen. Dabei ist auch ein gewisser zeitlicher Konnex notwen
dig (nicht publ. E. 1.2 des Urteils BGE 132 V 27, in: SVR 2006 UV Nr. 13 S. 45; siehe auch BGE 134 V 315 E. 4.5.1.2.; Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_579/2010
vom 1
0.
März 2011
E. 2.2.1 und 8C_363/2010 vom 2
9.
März 2011 E. 3.2; zum Ganzen:
vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
8C_932/2012 vom 2
2.
März 2013 E. 2.2 mit Hinweisen; publiziert in:
SVR 2013 UV Nr. 21 S.
78 E.
2.2
).
2.
2.1
Die Abweisung des Gesuchs
der Beschwerdeführerin
um unentgeltliche Rechts
verbeiständung im Verwaltungsverfahren
(Urk. 8/38 S. 3 und
S.
8-10)
ist be
schwerdeweise unangefochten geblieben.
Diesbezüglich
ist der angefochtene
E
insprachee
ntscheid (
Urk. 2,
Dispositiv-
Ziff. 2) in Teilrechtskraft erwachsen.
Streitig und zu prüfen ist, ob die
hälftige
K
ürzung
der Geldleistungen
wegen Beteiligung der Beschwerdeführerin an einer Raufe
rei respektive
Schlägerei im Sinne von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV zu Recht erfolgte
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin begründete
ihren
Kürzungse
ntscheid
insbesondere
da
mit
,
dass sich die
Beschwerdeführerin
im Rahmen einer verbalen Auseinander
setzung vor
ih
rem Partner aufgebaut,
diesen
in herabwürdigender Weise
(
„
wenn er Eier habe")
zur Wiederholung
einer Aussage
(
„
sie solle doch zu ihrem Lieb
haber aus der Beziehungspause gehen")
aufgefordert und ihn
– nachdem er
ih
rer Aufforderung nicht nachgekommen sei –
als Feigling oder ähnliches be
zeichnet und geohrfeigt habe. Sie habe sich bewusst sein müssen, dass sie damit eventuell gegen sie gerichtete Gewalthandlungen auslöse, durch die sie verletzt werden könnte. Bei Anwendung von Gewalt müsse mi
t Gegengewalt gerechnet werden, was in Anbetracht der Häufigkeit von Beziehungsdelikten auch gelte
, wenn der
„
Gegne
r" der eigene Lebenspartner sei
.
Das Verhalten der Beschwer
deführerin, insbesondere die Ohrfeige, sei natürlich und adäquat kausal zur Würgeattacke ihres Partners und den
von ihm zugefügten
Verletzungen
, womit der
T
atbestand von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV erfüllt
sei
.
Gleiches gelte
im Üb
ri
gen
auch für den Kürzungstatbestand der Provokation im Sinne von Art. 49 Abs. 2 lit. b UVV (Urk. 2 S. 5-7,
Urk. 7
S.
5-8
).
2.
3
Dem hielt die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
entgegen,
i
n körperlicher Hinsicht
sei es ihr (
169
cm,
57
kg
) gar nicht möglich
gewesen
, sich vor ihrem Partner (183 cm, 96.5 kg)
„
aufzubauen".
Zu
dem
bestreite sie die Verwen
dung der behaupteten Ausdrücke und könne
nicht ohne
W
eiteres
davon ausgegangen werden,
dass
eine harmlose Ohrfeige
unter
Lebenspartnern eine Rauferei respek
tive
Schlägerei im Sinne des UVG dar
stelle
.
Es sei fraglich
, ob eine harmlose Ohrfeige einer körperlich klar unterlegenen Frau das Risiko einschliesse, in Tät
lichkeiten des Partners überzugehen. Üblicherweise könne davon ausgegangen werden, dass der körperlich überlegene Partner auf ein solches Verhalten nicht mit Tätlichkeiten reagiere, da er sich der mangelnden körperlichen Bedrohung mehr als bewusst sei. Sodann bestehe für einen Lebens- oder Ehepartner, wel
cher sich in normaler psy
c
hischer Verfassung befinde, überhaupt keine Veran
lassung, auf eine harmlose Ohrfeige mit einem massiven Gewaltausbruch zu re
agieren.
Es könne we
der generell noch im konkreten Fall behauptet werden, eine harmlose Ohrfeige führe üblicherweise zu einer derart
schweren
Gewaltan
wen
dung mit Todesgefahr, insbesondere da
keine Anzeichen dafür
vorgelegen hätten
, dass der Partner zu einem derartigen Gewaltexzess fähig sei.
Schliesslich sei e
s
vor dem
fraglichen
Ereignis
in der Beziehung nie zu gewaltsamen Ausei
nandersetzungen gekommen
, sodass die Adäquanz klar zu verneinen sei
(Urk. 1 S. 7-9).
3.
3.1
Was sich in der Nacht vom 23. auf den 24. August 2011
zwischen der
Be
schwer
deführerin
und ihrem damaligen Partner in der gemeinsamen Wohnung zugetragen hat, lässt sich anhand der vorhandenen Unterlagen aufgrund der teilweise widersprüchlichen Angaben der Beteiligten nicht bis in jede Einzelheit zuverlässig bestimmen. Hinsichtlich des Geschehensablaufes steht indes fest und ist unbestritten, dass das Paar in eine verbale Auseinandersetzung geraten war, in deren Verlauf die Beschwerdeführerin ihren Partner ohrfeigte. Dieser stiess sie daraufhin auf das Bett und würgte sie mit beiden Händen bis es ihr schwarz vor Augen wurde. Sodann hielt er ihr die Hand auf den Mund (Urk. 8/21/1 S. 5).
3.2
Die gleichentags konsultierten Ärzte des Instituts für Rechtsmedizin der
Z._
berichteten am 19. September 2011 (Urk. 8/6) von frischen Haut
rö
tungen beziehungsweise -ein und -unterblutungen am Hals, am Gesicht, am Dekolleté, an den Armen, an der linken Flanke sowie am Rücken. Zudem er
wähnten sie zwei frische Hautabschürfungen. An der Kopfhaut hinter den Oh
ren, an der Haut des rechten Augenlides und des linken Unterlides waren ein
zelne punktförmige, rote Stauungsblutungen sichtbar. Die Ärzte führten aus, Stauungsblutungen träten bei diversen Formen von Strangulationshandlungen auf und entstünden als Folge einer Blutabflussstörung. Die Beschwerdeführerin habe auch angegeben, etwa zwei- bis dreimal unwillkürlichen Urinabgang ver
spürt zu haben. Dieser sei ein vegetatives Symptom, welches durch die druck
be
dingte Reizung von Verzweigungen von in den Halsweichteilen verlaufenden Nerven und auch unter akuter Sauerstoffnot auftreten könne. Symptome wie Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Schmerzen am Kiefergelenk mit erschwerter Mundöffnung, ein Druck- und Verschiebeschmerz des Kehlkopfes sowie diffuse Druckschmerzen entlang der gesamten Wirbelsäule und der Nackenmuskulatur könnten ebenfalls ohne Weiteres Folgen des Würgens sein.
Die Ärzte brachten die festgestellten Verletzungen von der Entstehung her wider
spruchslos mit dem geschilderten Ereignis in Einklang und schlossen, dass während de
s
Ereignisses eine konkrete Lebensgefahr vorgelegen habe (S. 4).
4.
4.1
Fest steht, dass die Beschwerdeführerin ihrem Lebenspartner im Rahmen der Auseinandersetzung eine Ohrfeige verpasst und sich damit rechtsprechungs
gemäss an einer Rauferei im Sinne von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV beteiligt hat. Strittig ist dagegen, ob zwischen der Beteiligung an der Rauferei und dem Unfall ein natürlicher und adäquater Kausalzus
ammenhang besteht (vgl. oben E.
1.2).
4.2
Der natürliche Kausalzusammenhang ist ohne Weiteres zu bejahen, würgte doch der Lebenspartner die Beschwerdeführerin erst, nachdem ihn diese geohrfeigt hatte und führte erst diese Handlung zur tätlichen Komponente der bisher bloss verbal geführten Auseinandersetzung.
4.3
4.3.1
Die bundesgerichtliche Umschreibung der adäquaten Kausalität („
Das Verhalten muss nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenser
fahrung geeignet sein, eine Gesundheitsschädigung von der Art des ein
getrete
nen herbeizuführen
“; BGE 134 V 315 E. 4.5.1.2;
Urteil des Bundesge
richts
8C_932/2012 vom 22. März 2013 E. 2.2 Abs. 2) wird im Bereich der Kürzung und Verweigerung von Versicherungsleistungen
aus besonderen Gründen (Art. 49
Abs. 2 UVV) dahingehend ergänzt, dass es laut Bundesgericht (wie im Urteil 8C_932/2012 E. 2.2 Abs. 1 schon im Abschnitt zum Tatbestand des Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV festgehalten) unerheblich ist, welche Wendung die Er
eignisse nach dem verpönten Verhalten des Opfers nehmen (Urteil 8C_932/
2012 E.
4). Dieses Verständnis der Adäquanz, welches bei einem entsprechenden ver
pönten Verhalten sämtliche, auch völlig abwegige Folgen noch als adäquat be
greift, wird insofern relativiert, als das Handeln des Täters immerhin nicht der
art aus
sergewöhnlich oder ausserhalb der allgemeinen Lebenserfahrung sein darf, dass damit objektiv nicht zu rechnen ist.
Damit entfällt die adäquate Kausalität im vorliegenden Zusammenhang nicht bereits, wenn die Ohrfeige nach
dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der all
gemeinen Lebenserfahrung
un
geeignet
war, eine schwere Würgeattacke mit To
desgefahr herbeizuführen, sondern erst dann, wenn letztere ausserhalb der all
gemeinen Lebenserfahrung lag und damit objektiv nicht zu rechnen war.
4.3.2
Die fragliche Ohrfeige war ohne Zweifel (Teil-)Ursache für die Eskalation der vorerst nur verbalen Auseinandersetzung. Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung war jedoch nicht damit zu rechnen, dass der körperlich weit überlegene Lebenspartner die Beschwerde
führerin fast
zu Tode würgen würde. Zu rechnen wäre wohl
–
wenn überhaupt
–
mit einem Schlag oder einem Wegstossen gewesen.
4.3.3
Relevant ist indes, ob die Folge (Würgen bis zur Todesgefahr) derart ausserge
wöhnlich war oder ausserhalb der allgemeinen Lebenserfahrung lag, dass damit objektiv nicht zu rechnen war.
Die konkreten Umstände lassen vorliegend nicht darauf schliessen, dass die Be
schwerdeführerin mit einer derart übertrieben heftigen Attacke hätte rechnen müssen. Unbestritten geblieben ist namentlich ihre Darstellung, dass es zwi
schen den Lebenspartnern bislang nie zu tätlichen Auseinandersetzungen kam. Den Akten sind lediglich Hinweise auf verbale Dispute zu entnehmen, welche zum Teil darin endeten, dass der Lebenspartner die Wohnung verliess, um die Nacht bei seinem
früheren
WG-Partner zu verbringen (Urk. 1 S. 7 Ziff. 18 und Urk. 7 S. 4 ad 4). Bei dieser Vorgeschichte musste die Beschwerdeführerin ob
jektiv nicht den Tod gewärtigen, als sie ihrem Lebenspartner eine Ohrfeige ver
passte. Dessen Verhaltensmuster war bislang durch Rückzug und nicht durch Gewaltanwen
dungen gekennzeichnet.
Die Beschwerdegegnerin hielt dafür, die gesellschaftliche Realität zeige leider, dass gewalttätige Auseinandersetzungen in Familien und Partnerschaften keine Seltenheit seien. Das Verhalten der Beschwerdeführerin sei zweifellos geeignet gewesen, zu einer gewalttätigen Reaktion des Lebenspartners zu führen (Urk. 7 S. 7 ad 23-26). Die Beschwerdeführerin befand diesen Standpunkt für absurd unter dem Hinweis, dass damit jemand beim Erteilen einer Ohrfeige in jedem Fall damit rechnen müsste, gewürgt zu werden (Urk. 1 S. 8 f. Ziff. 23 f.).
Der Beschwerdegegnerin ist insofern Recht zu geben, als gewalttätige Auseinan
dersetzungen in Partnerschaften keine Seltenheit sind. Die Frage ist aber, ob ein Würgeangriff bis
hin
zur Todesgefahr (und nicht etwa blosse Tätlichkeiten) noch im Rahmen des zu Erwartenden liegt. Todesfälle (oder Todesgefahr) nach partnerschaftlichen Konflikten kommen wohl zuweilen vor, jedoch gemessen an der Zahl der Konflikte (auch mit tätlichen Komponenten) in so verschwindend geringer Anzahl, dass die eingetretene Folge (Würgen bis zur Todesgefahr) der
art aussergewöhnlich erscheint beziehungsweise ausserhalb der allgemeinen Le
benserfahrung lag, dass damit objektiv nicht zu rechnen war.
Wenn in einer Paarbeziehung auf eine leichtere Tätlichkeit mit einer Gefähr
dung des Lebens reagiert wird, ist dies
–
nach den vorherrs
chenden (Wert-)V
or
stellungen
–
derart e
x
zessiv (und moralisch verwerflich wie auch strafrechtlich relevant), dass es als aussergewöhnlich beziehungsweise ausserhalb der allge
meinen Lebenserfahrung erscheint, weshalb damit objektiv nicht zu rechnen ist.
In seiner jüngeren Rechtsprechung mass das Bundesgericht denn auch einem Schlagen mit einer Hundeleine sowie einem dichten Auffahren mit Lichthupen keine adäquat kausale Bedeutung für nachfolgend erlittene Schläge bei und er
achtete damit
–
zumindest implizit
–
übertriebene Reaktionen als ausserhalb
dessen, womit gerechnet werden müsste (Urteile des Bundesgerichts
8C_263/2013 vom 19. August 2013 und 8C_341/2013 vom 15. April 2014).
4.3.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass zwischen der Ohrfeige und dem nach
folgenden massiven Würgen mit Todesgefahr kein adäquater Kausalzusammen
hang vorliegt, weshalb eine Leistungskürzung nach Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV ausser Betracht fällt.
4.4
Wenn bereits die Folgen einer Beteiligung an einer Rauferei nach Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV nicht als adäquat kausal erscheinen, ist das gleiche verpönte Verhal
ten auch unter dem (weniger schwer wiegenden) Titel der starken Provokation nach Art. 49 Abs. 2 lit. b UVV irrelevant (vgl. Urk. 7 S. 7 f. Ziff. 28).
5.
Damit besteht unter keinem Titel Raum für eine Leistungskürzung, weshalb der angefochtene Einspracheentscheid vom 15. Juni 2012 aufzuheben ist.
6
.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens steht de
r
Beschwerdeführer
in
gemäss
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) eine Prozessentschädigung zu, die mit
Fr.
1‘800.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwert
steuer) zu bemessen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.