Decision ID: 955edebf-fb5d-4aec-98b7-c3c1bbb849da
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ (nachfolgend: Steuerpflichtige oder Beschwerdeführerin) führt
unter der Firma B._ ein in C._ domiziliertes Einzelunterneh-
men, das sich ausweislich ihres Handelsregistereintrags (...) widmet. Sie
ist seit dem 1. Januar 1995 im Register der Mehrwertsteuerpflichtigen bei
der Eidgenössischen Steuerverwaltung ESTV (nachfolgend auch: Vor-
instanz) eingetragen (Internet-Handelsregister und UID-Register-Auszüge
zur Firmennummer [...], abgerufen am 23. November 2022).
B.
Mit Schreiben vom 30. September 2020 teilte die ESTV der Steuerpflichti-
gen mit, dass sie – nachdem die Mehrwertsteuerabrechnung für das
1. Quartal 2020 bis dato nicht eingereicht worden sei – den geschuldeten
Steuerbetrag wie angekündigt schätze. Sie setzte den provisorisch be-
stimmten Steuerbetrag auf Fr. 8'800.– fest und forderte die Steuerpflichtige
auf, diesen Betrag innert 20 Tagen zu begleichen, ansonsten die Betrei-
bung eingeleitet werde. Weiter wies sie darauf hin, dass die Zahlung der
Schätzung keinen Einfluss auf die endgültige Steuerforderung habe, und
hob hervor, dass diese Schätzung mittels nachträglich eingereichter Ab-
rechnung innerhalb der Verjährungsfrist korrigiert werden könne (Akten der
Vorinstanz [ESTV-act.] 1).
C.
Die ESTV leitete die Betreibung ein. Gegen den am 16. Dezember 2020
aus- und zugestellten Zahlungsbefehl über den Betrag von Fr. 8'800.– zu-
züglich Verzugszins von 4 % seit dem 1. Januar 2021 erhob die Steuer-
pflichtige am 5. Januar 2021 Rechtsvorschlag (ESTV-act. 2).
D.
Mit Entscheid vom 18. Februar 2021 («Rechtsöffnungsverfügung») hielt die
ESTV fest, dass die Steuerpflichtige für die Abrechnungsperiode 1. Quar-
tal 2020 eine zu bezahlende provisorische Steuerschuld von Fr. 8'800.–
zuzüglich Verzugszins zu 4 % ab dem 1. Januar 2021 habe (Dispositiv
Ziff. 1) und hob den Rechtsvorschlag gegen den Zahlungsbefehl vom
16. Dezember 2020 auf (Dispositiv Ziff. 2). Die Rechtsmittelbelehrung wies
auf die 10-tägige Anfechtungsfrist mittels Einsprache hin. Der Versand der
Verfügung erfolgte im Verfahren «A-Post Plus» durch die Schweizerische
Post (ESTV-act. 3).
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Seite 3
E.
Mit einer auf den 21. Januar 2021 (recte wohl: 10. März 2021, vgl. Be-
schwerde, S. 1) datierten Eingabe, die bei der ESTV am 12. März 2021
einging, erhob die Steuerpflichtige Einsprache gegen die besagte Rechts-
öffnungsverfügung.
F.
Mit einer als «Einspracheentscheid und Rechtsöffnung» betitelten Verfü-
gung vom 27. April 2021 trat die ESTV auf die Einsprache der Steuerpflich-
tigen nicht ein (Dispositiv Ziff. 1). Weiter stellte sie fest, dass die Rechtsöff-
nungsverfügung vom 18. Februar 2021 in Rechtskraft erwachsen sei (Dis-
positiv Ziff. 2) und die Steuerpflichtige für die Abrechnungsperiode 1. Quar-
tal 2020 eine provisorische Steuerforderung von Fr. 8'800.– gemäss Er-
gänzungsabrechnung zu bezahlen habe (Dispositiv Ziff. 3). Im Umfang der
Steuerforderung hob sie den gegen den Zahlungsbefehl vom 16. Dezem-
ber 2020 erhobenen Rechtsvorschlag auf (Dispositiv Ziff. 4). Die ESTV er-
hob weder Kosten noch richtete sie eine Parteientschädigung aus (Dispo-
sitiv Ziff. 5) (ESTV-act. 6, «angefochtener Entscheid»).
G.
Dagegen erhebt die Steuerpflichtige (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
mit Eingabe vom 27. Mai 2021 Beschwerde, welche sie zuhanden des Bun-
desverwaltungsgerichts der ESTV einreichte und die von der ESTV dem
Bundesverwaltungsgericht zuständigkeitshalber am 31. Mai 2021 weiter-
geleitet wurde. Die Beschwerdeführerin stellt folgende Begehren: 1. Es sei
anzuerkennen, dass ihre Antwort (gemeint: Einsprache) rechtzeitig einge-
gangen sei; 2. Es seien ihr wichtige Entscheidungen per Einschreiben zu-
zusenden; 3. Es sei ihr erneut Frist für ihre Einsprache anzusetzen; 4. Der
Einspracheentscheid vom 27. April 2021 sei für ungültig zu erklären.
H.
In ihrer Vernehmlassung vom 5. Juli 2021 beantragt die Vorinstanz die kos-
tenfällige Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
I.
Am 23. November 2022 teilte das Gericht der Beschwerdeführerin zwei
Wechsel im Spruchkörper (Instruktionsrichterin und Gerichtsschreiber) mit.
Auf die detaillierten Vorbringen der Parteien wird – soweit für den Entscheid
wesentlich – in den Erwägungen eingegangen.
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Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes (VGG, SR 172.32)
beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen
nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVG, SR 172.201). Die
ESTV gehört als Behörde nach Art. 33 VGG zu den Vorinstanzen des Bun-
desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im
Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist
folglich für die Beurteilung der vorliegenden Sache zuständig.
1.2 Das Beschwerdeverfahren richtet sich nach den Bestimmungen des
Verwaltungsverfahrensgesetzes, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz
nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerdeführerin hat sich am vorinstanzlichen Verfahren betei-
ligt. Sie ist mit der angefochtenen Verfügung formell und materiell be-
schwert und hat – unter Vorbehalt der nachstehenden E. 1.5 – ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung (Art. 48 Abs. 1
VwVG). Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht
(Art. 50 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 VwVG; vgl. auch Art. 20 Abs. 2 und Art. 8
Abs. 1 VwVG), der eingeforderte Gerichtskostenvorschuss fristgerecht be-
zahlt (Art. 63 Abs. 4 i.V.m. Art. 21 Abs. 3 VwVG).
1.4 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die
Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich der Überschreitung und des
Missbrauchs des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit ge-
rügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das
Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist an die Begründung der Begehren
nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den gel-
tend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgebend ist
grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (Art. 62
Abs. 4 VwVG; vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.w.H.).
1.5 Das Gericht ist an den Streitgegenstand gebunden. Dieser besteht im
Rechtsverhältnis, das Gegenstand der angefochtenen Verfügung – und
zwar in der Regel im Dispositiv – ist, soweit es im Streit liegt, also ange-
fochten ist. Der Streitgegenstand kann sich im Beschwerdeverfahren nur
verengen, nicht ausweiten. Fragen, über welche die erstinstanzlich verfü-
gende Behörde nicht entschieden hat, darf die zweite Instanz nicht beur-
teilen; spiegelbildlich sind neue Rechtsbegehren, die den Streitgegenstand
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Seite 5
über den Verfügungsgegenstand hinaus erweitern, nicht zulässig. Aus-
nahmsweise sind Erweiterungen aus prozessökonomischen Gründen zu-
lässig, wenn sie in einem (sehr) engen Zusammenhang mit dem Streitge-
genstand stehen und die Verwaltung im Laufe des Verfahrens Gelegenheit
hatte, sich zu der neuen Streitfrage zu äussern (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEU-
BÜHLER/KAYSER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,
3. Aufl. 2022, Rz. 2.8 ff., 2.208 ff.; ANDRÉ MOSER, in: Auer/Müller/Schindler
[Hrsg.], Kommentar VwVG, 2. Aufl. 2018, Rz. 3 zu Art. 52 VwVG).
Der Streitgegenstand, wie ihn die Beschwerdeanträge eingrenzen, hat sich
somit grundsätzlich innerhalb der Grenzen zu bewegen, die das gegen-
ständliche Dispositiv zieht, gegebenenfalls unter klärendem Beizug der Be-
gründung (vgl. MADELEINE CAMPRUBI, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
op.cit., Rz. 24 zu Art. 61 VwVG; WEISSENBERGER/HIRZEL, in: Wald-
mann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Rz.
43 f. zu Art. 61 VwVG).
1.6 Im Rahmen einer Beschwerde gegen einen Nichteintretensentscheid
ist einzig Streitgegenstand, ob die Vorinstanz zu Recht das Bestehen der
Eintretensvoraussetzungen – hier: die Fristwahrung – verneint hat. Trifft
dies zu, so hat es beim Nichteintretensentscheid sein Bewenden. Erweist
sich dieser dagegen als unzutreffend, so ist die Sache an die Vorinstanz
zur weiteren Beurteilung in der Sache zurückzuweisen (vgl. BGE 144 II 184
E. 1.1, 135 II 38 E. 1.2; BVGE 2011/30 E. 3).
1.6.1 Auf die Beschwerde kann damit insoweit eingetreten werden, als die
Beschwerdeführerin (sinngemäss) die Aufhebung des angefochtenen Ent-
scheides beantragt (Rechtsbegehren 4). Eine Rückweisung an die Vor-
instanz im Falle der Gutheissung ergibt sich aus der Sache, da die Aufhe-
bung eines Nichteintretensentscheides – wie soeben erwähnt – per se kas-
satorisch wirkt. Ein entsprechender Antrag kann implizit den Rechtsbegeh-
ren 2 und 3 – die im Kern Verfahrensanträge für das weitere Verfahren vor
Vorinstanz formulieren – entnommen werden.
1.6.2 Die mit Rechtsbegehren 1 aufgeworfene Fragestellung der Fristwah-
rung ist Teil der Begründung des Antrags auf Aufhebung des angefochte-
nen Entscheides; ein eigenständiges Interesse an der Feststellung besteht
nicht; darauf ist nicht einzutreten.
1.6.3 Das Bundesverwaltungsgericht ist Rechtsmittelinstanz, nicht aber
vorgesetzte Behörde mit allgemeiner Aufsichts- und Weisungsbefugnis.
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Käme das Gericht zum Schluss, die Zustellung mittels A-Post Plus ver-
möge generell den Nachweis der Zustellung nicht zu erbringen, hätte dies
zwar einen Einfluss auf den künftigen Umgang der Vorinstanz mit behörd-
lichen Zustellungen – eine direkte, generell-abstrakte Anweisung an die
Vorinstanz, Zustellungen mittels eingeschriebener Post vorzunehmen,
steht dem Gericht aber nicht zu. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass
das Bundesgericht bereits entschieden hat, dass die Behörden grundsätz-
lich Verfügungen mit der Zustellungsart A-Post Plus eröffnen dürfen (vgl.
statt vieler: Urteil des BGer 2C_463/2019 vom 8. Juni 2020 E. 3.2.2 und
3.2.3, weitere Hinweise auf die Rechtsprechung unten E. 2.2.6 f.). Auf das
Rechtsbegehren 2 ist somit nicht einzutreten.
1.6.4 Mit Rechtsbegehren 3 verlangt die Beschwerdeführerin eine «er-
neute Frist für meine Einsprache» und begründet, es sei ihr «gar keine Zeit
[geblieben], fundiert zu antworten, da [sie] unter einem enormen Zeitdruck
stand. [Sie] antwortete also am Tag nach dem Empfang». Dies kann unter-
schiedlich verstanden werden. Im Einzelnen:
1.6.4.1 Möglicherweise will die Beschwerdeführerin eine Wiederherstel-
lung der Einsprachefrist beantragen. Zuständig für die Behandlung von
Wiederherstellungsbegehren nach Art. 24 Abs. 1 VwVG ist jene Instanz,
welche bei Gewährung der Wiederherstellung über die nachgeholte
Parteihandlung bzw. Rechtsvorkehr entscheiden muss (Urteile des BVGer
A-3540/2017 vom 21. August 2017 E. 1.2, A-3159/2017 vom 20. Juni 2017
E. 1.1, A-8109/2015 vom 18. Oktober 2016 E. 3.2), mithin die Vorinstanz.
Gleichzeitig setzt das Begehren auf Wiederherstellung der Frist gedanklich
voraus, dass nicht innert Frist gehandelt wurde. In anderen Worten hätte
die Vorinstanz dann über ein solches Gesuch zu entscheiden, wenn das
vorliegende Verfahren mit einer rechtskräftigen Beschwerdeabweisung en-
dete.
1.6.4.2 Allenfalls ist das Rechtsbegehren als Rüge aufzufassen, die Vor-
instanz habe eine Fristwiederherstellung nicht geprüft. Dem wäre entge-
genzuhalten, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Einsprache
die Wiederherstellung der Einsprachefrist nicht – auch nicht als Eventu-
alantrag – beantragt hatte. So verstanden geht das Rechtsbegehren über
den Streitgegenstand hinaus und es kann darauf nicht eingetreten werden
(vorne, E. 1.5).
1.6.4.3 Die Rüge der Beschwerdeführerin, es sei ihr nach Erhalt der
Rechtsöffnungsverfügung zu wenig Zeit für eine Einsprache zur Verfügung
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gestanden, kann in anderem Zusammenhang geprüft werden (nachste-
hend, E. 4.5).
1.7 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in dieser Sache endgültig
(vgl. E. 2.1.4).
2.
2.1
2.1.1 Die für die Mehrwertsteuer steuerpflichtige Person hat gegenüber der
ESTV innert 60 Tagen nach Ablauf der Abrechnungsperiode unaufgefordert
in der vorgeschriebenen Form über die Steuerforderung abzurechnen
(Art. 71 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 12. Juni 2009 über die Mehrwert-
steuer, Mehrwertsteuergesetz, MWSTG, SR 641.20). Ebenfalls innert 60
Tagen nach Ablauf der Abrechnungsperiode hat sie die in diesem Zeitraum
entstandene Steuerforderung zu begleichen (Art. 86 Abs. 1 MWSTG).
2.1.2 Erbringt die steuerpflichtige Person keine oder eine ungenügende
Zahlung, so setzt die ESTV den für die fragliche Abrechnungsperiode pro-
visorisch geschuldeten Steuerbetrag nach vorangehender Mahnung in Be-
treibung (Art. 86 Abs. 2 Satz 1 MWSTG). Liegt auch keine oder eine unge-
nügende Abrechnung vor, so bestimmt die ESTV vorgängig den proviso-
risch geschuldeten Steuerbetrag nach pflichtgemässem Ermessen (Art. 86
Abs. 2 Satz 1 MWSTG).
2.1.3 Die steuerpflichtige Person eröffnet mit der Erklärung des Rechtsvor-
schlages (Art. 74 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 22. April 1889 über
Schuldbetreibung und Konkurs, SchKG, SR 281.1) das Rechtsöffnungs-
verfahren. Dieses wird durch die ESTV im Rahmen des Verfügungs- und
Einspracheverfahrens durchgeführt (Art. 86 Abs. 3 und Art. 89 Abs. 3
MWSTG; vgl. Art. 82 f. MWSTG und Art. 79 SchKG).
2.1.4 Gegen die Verfügung betreffend die Rechtsöffnung ist folglich bei der
ESTV Einsprache einzulegen, und dies innert einer verkürzten Frist von 10
Tagen (Art. 86 Abs. 4 MWSTG; vgl. Art. 83 Abs. 1 MWSTG). Der Entscheid
der ESTV ist endgültig, es sei denn, diese habe vorgängig der Betreibung
den provisorisch geschuldeten Steuerbetrag nach Ermessen festgesetzt;
(nur) dann steht die Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht offen
(Art. 86 Abs. 4 Satz 2 und Abs. 5 Satz 1 MWSTG). Diese Beschwerde hat
in der Regel keine aufschiebende Wirkung und der Entscheid darüber ist
endgültig, d.h. kann in keinem Fall ans Bundesgericht weitergezogen wer-
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den (Art. 86 Abs. 5 Sätze 2 und 3 MWSTG; FELIX GEIGER, in: Gei-
ger/Schluckebier [Hrsg.], MWSTG Kommentar, Schweizerisches Bundes-
gesetz über die Mehrwertsteuer, 2. Aufl. 2019 [nachfolgend: MWSTG-
Kommentar], N. 23 zu Art. 86 MWSTG).
2.1.5 Die Feststellungsklage auf Nichtbestehen respektive Stundung der
Schuld im Sinne von Art. 85a SchKG ist ausgeschlossen (Art. 86 Abs. 5
MWSTG).
2.1.6 Die Festsetzung des provisorisch geschuldeten Steuerbetrages be-
rührt die Festsetzung der endgültigen Steuerforderung nicht; es sei denn,
die Festsetzung erfolge infolge Untätigkeit der steuerpflichtigen Person
nicht innerhalb der Frist der Festsetzungsverjährung (Art. 86 Abs. 7
MWSTG). Das Betreibungsverfahren hat lediglich Sicherungsfunktion und
keinen Bezug zur Festsetzung des definitiven Steuerbetrags; dies gilt auch
für das Rechtsmittelverfahren (im Detail FELIX GEIGER, MWSTG-Kommen-
tar, N. 26 ff. zu Art. 86 MWSTG).
2.2 Im Verfahren der Mehrwertsteuer kommen – vom hier nicht interessie-
renden Fall der Einfuhrsteuer abgesehen (Art. 50 MWSTG) – grundsätzlich
die Bestimmungen des VwVG zur Anwendung (Art. 81 Abs. 1 MWSTG).
2.2.1 Das Mehrwertsteuergesetz hält zur Eröffnung von Verfügungen der
ESTV namentlich fest, diese seien schriftlich zu eröffnen und müssten eine
Rechtsmittelbelehrung sowie eine angemessene Begründung enthalten
(Art. 82 Abs. 2 MWSTG; entsprechend auch Art. 34 Abs. 1 und Art. 35
Abs. 1 VWVG). Zur Form der Einsprache hält es fest, diese sei schriftlich
bei der ESTV einzureichen und habe einen Antrag, dessen Begründung,
die Bezeichnung der Beweismittel, allenfalls eine Vollmacht des Vertreters
und eine Unterschrift aufzuweisen (Art. 83 Abs. 2 MWSTG; entsprechend
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Anordnungen zur Zustellung empfangsbedürftiger Mitteilungen oder zur
Fristwahrung enthält das Mehrwertsteuergesetz nicht. Es kommen somit
die Regeln des Verwaltungsverfahrensgesetzes zur Anwendung.
2.2.2 Die Frist zur Einsprache gegen den Rechtsöffnungsbescheid bei vor-
gängiger ermessensweise erfolgter Festsetzung des provisorisch geschul-
deten Steuerbetrages dauert zehn Tage (vorne, E. 2.1.4). Die Frist beginnt
mit dem an dem auf die Mitteilung an die Partei folgenden Tag zu laufen
(Art. 20 Abs. 1 VwVG). Die Frist für schriftliche Eingaben ist eingehalten,
wenn sie spätestens am letzten Tag der Frist der Behörde eingereicht oder
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Seite 9
zu deren Handen der schweizerischen Post oder einer schweizerischen
diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (Art. 21
Abs. 1 VwVG).
2.2.3 Mitteilungsbedürftige Verfügungen gelten rechtsprechungsgemäss
als eröffnet, sobald sie ordnungsgemäss zugestellt sind und die betroffene
Person davon Kenntnis nehmen kann. Dies ist der Fall, sobald sich das
Schriftstück im Machtbereich der betroffenen Person befindet (vgl. Urteil
des BGer 2C_1032/2019 vom 1. März 2020 E. 3.2). Dass die betroffene
Person davon tatsächlich Kenntnis nimmt, ist hingegen nicht erforderlich
(vgl. BGE 142 III 599 E. 2.4.1, 122 I 139 E. 1 und 122 I 139 E. 1).
2.2.4 Die ESTV eröffnet ihre Verfügungen – und damit auch Einsprache-
entscheide – schriftlich; aus den gesetzlichen Grundlagen geht keine An-
ordnung über die Art der Zustellung hervor (vorne, E. 2.2.1). Es ist der
ESTV damit freigestellt, in welcher Weise sie ihren Einspracheentscheid
versenden will. Auch steht in ihrem Ermessen, eine nicht eingeschriebene
Form der Zustellung zu wählen (vgl. Urteil des BGer 2C_189/2022 vom
8. März 2022 E. 3.2.2 und [das mit diesem Urteil des BGer bestätigte] Urteil
des BVGer A-5238/2021 vom 27. Januar 2022 E. 2.2, je m.w.H.).
2.2.5 Für die ordnungsgemässe Zustellung der Verfügungen ist die Verwal-
tungsbehörde beweisbelastet (BGE 142 III 599, E. 2.4.1; FELIX UHL-
MANN/ALEXANDRA SCHILLING-SCHWANK, in: Waldmann/Weissenberger
[Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016,
N 10 zu Art. 34). Für die Einhaltung der Beschwerdefrist trägt hingegen die
Partei bzw. ihre Vertretung die Beweislast (BGE 139 V 176 E. 5.2; URS
PETER CAVELTI, in: Christoph Auer/Markus Müller/Benjamin Schindler
[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren
[VwVG], 2. Aufl. 2019, N. 13 zu Art. 21 mit weiteren Hinweisen).
2.2.6 Im Verfahren A-Post Plus werden Sendungen wie gewöhnliche un-
eingeschriebene Sendungen in den Briefkasten oder ins Postfach des Ad-
ressaten gelegt, ohne dass dieser den Empfang unterschriftlich bestätigen
müsste. Dementsprechend erfolgt bei dieser Versandart im Fall der Abwe-
senheit des Adressaten – im Unterschied zur eingeschriebenen Sendung
– keine Avisierung durch Hinterlegung einer Abholungseinladung. A-Post
Plus Sendungen werden jedoch ebenfalls mit einer Nummer versehen, was
die elektronische Sendungsverfolgung im Internet (sog. «Track & Trace»)
und damit die Verfolgung der Sendung bis zum Empfänger ermöglicht
(BGE 142 III 599 E. 2.2; Urteil des BGer 2C_463/2019 vom 8. Juni 2020
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E. 3.2.2; Urteil des BVGer A-5238/2021 vom 27. Januar 2022 E. 3.2.2).
Dabei wird die Zustellung erfasst, wenn die Sendung in das Postfach oder
in den Briefkasten des Empfängers gelegt wird und sich damit in dessen
Machtbereich befindet (BGE 144 IV 57 E. 2.3.1; Urteil des BGer
2C_463/2019 vom 8. Juni 2020 E. 3.2.2).
2.2.7 Bei eingeschriebener Briefpost gilt eine natürliche Vermutung für die
ordnungsgemässe Zustellung der Abholungseinladung im Briefkasten bzw.
Postfach des Adressaten. Dasselbe gilt rechtsprechungsgemäss auch für
das Verfahren A-Post Plus, bei welchem – wie erläutert (vgl. E. 2.2.6) – der
Zustelldienst den Brief nicht nur in den Briefkasten legt, sondern zugleich
den Zustellzeitpunkt im elektronischen System für die Sendungsverfolgung
festhält (vgl. Urteile des BGer 2C_189/2022 vom 8. März 2022 E. 3.2.3,
2C_463/2019 vom 8. Juni 2020 E. 3.2.2 und 2C_476/2018 vom 4. Juni
2018 E. 2.3.2 sowie Urteil des BVGer A-5238/2021 vom 27. Januar 2022
E. 2.5). Mit dem entsprechenden Eintrag im «Track & Trace» Auszug wird
somit die Zustellung nicht direkt bewiesen. Bewiesen wird damit lediglich,
dass die Post einen entsprechenden Eintrag in ihrem Erfassungssystem
gemacht hat. Im Sinne eines Indizes lässt sich aus diesem Eintrag aber
dennoch schliessen, dass die Sendung in den Briefkasten oder in das Post-
fach des Adressaten gelegt wurde (vgl. BGE 142 III 599 E. 2.2.; Urteile des
BGer 2C_189/2022 vom 8. März 2022 E. 3.2.3, 2C_463/2019 vom 8. Juni
2020 E. 3.2.3).
2.2.8 Die natürliche Vermutung gehört zur freien Beweiswürdigung (Art. 81
Abs. 3 Satz 1 MWSTG; Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 des Bundesgesetzes
vom 4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP, SR 273]; vgl.
MAX GULDENER, Schweizerisches Zivilprozessrecht, Zürich 1979,
S. 321 ff.). Bei tatsächlichen (oder natürlichen) Vermutungen handelt es
sich um Erfahrungsvermutungen, um Wahrscheinlichkeitsfolgerungen, die
das Gericht auf Grund der individuellen Gegebenheiten des konkreten Ein-
zelfalles glaubt ziehen zu können. Es ist das Abwägen, ob eine Sachbe-
hauptung durch bewiesene umliegende Sachumstände so wahrscheinlich
gemacht ist, dass sie sich zur richterlichen Überzeugung verdichtet (MAX
KUMMER, Grundriss des Zivilprozessrechts, 2. Aufl. 1974, S. 123; derselbe,
Berner Kommentar, 1966, Einleitungsband, N 362 ff. zu Art. 8 ZGB, zusam-
menfassend: BGE 119 II 1 E. 3.b). Sie stellt eine Beweiserleichterung dar,
indem eine bereits vorhandene, aber nicht mit letzter Schlüssigkeit mögli-
che Beweisführung unterstützt wird. Da sich die natürliche Vermutung nur
in der Beweiswürdigung auswirkt, hat sie keine Umkehr der Beweislast zur
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Seite 11
Folge. Die natürliche Vermutung weicht bereits dem Gegenbeweis, nicht
erst dem Beweis des Gegenteils (KUMMER, a.a.O., S. 123).
2.2.9 Ausgehend von der Feststellung einer natürlichen Vermutung und
des Erfordernisses des erbrachten Gegenbeweises ist auf die Darstellung
der Adressatin oder des Adressaten, dass eine fehlerhafte Postzustellung
vorliege, nur abzustellen, wenn die Darlegung der Umstände nachvollzieh-
bar ist und einer gewissen Wahrscheinlichkeit entspringt, wobei der gute
Glaube auf Empfängerseite zu vermuten ist (BGE 142 III 599 E. 2.4.1).
Rein hypothetische Überlegungen und die nie auszuschliessende Möglich-
keit von Zustellfehlern genügen für sich allein nicht, um die Vermutung um-
zustossen. Vielmehr müssen konkrete Anzeichen für einen Fehler vorhan-
den sein (BGE 142 IV 201 E. 2.3; Urteile des BGer 2C_189/2022 vom
8. März 2022 E. 3.2.3, 2C_566/2020 vom 10. Juli 2020 E. 4.2.1,
2C_901/2017 vom 9. August 2019 E. 2.2.2, 2C_16/2019 vom 10. Januar
2019 E. 3.2.2).
3.
3.1 Die Vorinstanz führt im angefochtenen Entscheid aus, die Rechtsöff-
nungsverfügung vom 18. Februar 2021 sei der Beschwerdeführerin am
19. Februar 2021 zugestellt worden, die am 12. März 2021 eingegangene,
auf den 21. Januar 2021 datierte Einsprache sei zu spät erfolgt.
3.2 Die Beschwerdeführerin hält dem in der Beschwerde entgegen, sie
habe die Rechtsöffnungsverfügung am 9. März 2021 im Briefkasten vorge-
funden. Ihre Einsprache habe sie am 10. März 2021 verfasst – was sich
aus deren Fusszeile und Dateinamen ergebe – und per Einschreiben ver-
sandt. Es gehe nicht an, die Einsprache wegen der falschen Datierung «ab-
zutun». Die Zustellung mittels A-Post Plus sei notorisch unzuverlässig,
auch die Post selber räume in einer Medienmitteilung vom 2. März 2018
Einschränkungen in der Zustellpünktlichkeit ein. Die Zustellung mittels
A-Post Plus sei gerade in Pandemiezeiten unzulänglich und berücksichtige
mögliche Abwesenheiten und Verhinderungen nicht. Sie, die Beschwerde-
führerin, sei altersbedingt gesundheitlich angeschlagen und nicht immer
voll arbeitsfähig. Verfügungen sollten «juristisch angemessen verschickt
werden», nämlich per Einschreiben an ihre Büroadresse; das Sekretariat
würde ihr solche Post «rasch und kontaktlos» zustellen. Aufgrund des ver-
späteten Eintreffens der Rechtsöffnungsverfügung sei ihr keine Zeit für
eine fundierte Antwort verblieben. Ein nicht angekommener Brief könne ei-
nen rechtsgültigen Entscheid nicht angemessen übermitteln.
A-2545/2021
Seite 12
3.3 Die Vorinstanz führt auf Beschwerdeebene aus, die Zustellung des
Rechtsöffnungsentscheides sei an die aktuelle Sitzadresse gemäss Han-
delsregister nachweislich am 19. Februar 2021 erfolgt. Die Zustellung mit-
tels A-Post Plus sei eine «rechtsgültige Möglichkeit», einen Entscheid zu-
zustellen. Zum Beleg der am 19. Februar 2021 erfolgten Zustellung legt die
Vorinstanz das Bordereau der am 18. Februar 2021 versandten Mitteilun-
gen vor.
4.
Das Bundesverwaltungsgericht erwägt in Würdigung der Akten und Aus-
führungen von Vorinstanz und Beschwerdeführerin Folgendes:
4.1 Wesentlich für die Fristeinhaltung ist das fristgerechte Einreichen der
Rechtsschrift, vorliegend die Postaufgabe (vorne, E. 2.2.2). Die Vorinstanz
zieht im angefochtenen Einspracheentscheid keine Schlussfolgerungen
aus der falschen Datierung des Einspracheschreibens. Sie zitierte dieses
wie üblich mit der Datierung zu dessen Identifizierung, wobei sie ohne Wer-
tung klarmachte, dass die Datierung falsch sein musste. Dies ist üblich und
nicht zu beanstanden.
4.2 Die Vorinstanz legte mit den Akten einen Auszug aus dem «Track and
Trace»-System der Schweizerischen Post vor, gemäss welchem die
Rechtsöffnungsverfügung am Freitag, den 19. Februar 2021 um 09.56 Uhr
zugestellt wurde. Die Zustelladresse entspricht der Sitzadresse der Einzel-
unternehmung der Beschwerdeführerin (ESTV-act. 4 und 8). Damit besteht
die natürliche Vermutung, dass die Zustellung auch tatsächlich an jenem
Tag erfolgte (vorne, E. 2.2.7).
4.3 Die natürliche Vermutung vermöchte die Beschwerdeführerin mittels ei-
nes Gegenbeweises umzustossen (vorne, E. 2.2.8). Dazu müsste sie
nachvollziehbare Umstände dartun, die mit einer gewissen Wahrschein-
lichkeit gegen die Zustellung am 19. Februar 2021 und für den tatsächli-
chen Eingang – angesichts der 10-tägigen Einsprachefrist – maximal elf
Tage vor dem 10. März 2021 sprächen (vorne, E. 2.2.9). Das gelingt ihr
nicht:
4.3.1 Die Rechtsprechung erachtet den Zustelleintrag in der Zustellart
A-Post Plus als geeignet, die natürliche Vermutung der erfolgten Zustellung
zu begründen (vorne, E. 2.2.7). Die Ausführungen der Beschwerdeführerin
über die angeblich notorische Unzuverlässigkeit dieser Zustellart erfolgen
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frei, ohne irgendeinen Bezug auf einen Beleg. Es handelt sich um subjek-
tive, allgemein gehaltene Generalisierungen, die den konkreten Zustel-
lungsnachweis nicht erschüttern können. Die Beschwerdeführerin macht
keine konkreten Unregelmässigkeiten bei der vorliegend streitigen Zustel-
lung geltend; auch wäre dergleichen nicht offen ersichtlich.
4.3.2 Aus einer Medienmitteilung der Post vom 2. März 2018 – gemäss
welcher 98 % der A-Post-Briefe und 99 % der B-Post-Briefe ihre Empfän-
ger rechtzeitig erreichten, schliesst die Beschwerdeführerin, die Post ar-
beite nicht zu 100 % zuverlässig, schon zu normalen Zeiten (d.h. nicht un-
ter Pandemiebedingungen) komme es «also zu routinemässigen Verzöge-
rungen». Das ist zum einen eine eigenwillige Interpretation der beiden Pro-
zentzahlen und geht zum andern an der Sache vorbei: Vorliegend stellt
sich nicht die Frage, ob die streitbetroffene Sendung – gemessen an der
Zielvorgabe für eine A-Post Plus-Zustellung – zeitgerecht ankam, sondern
ob der Zustelleintrag falsch sei. Dazu ergibt sich aus dieser Medienmittei-
lung nichts.
4.3.3 Gleiches gilt für die Ausführungen der Beschwerdeführerin zu den
Folgen der Pandemie zu sagen, die «immer wieder zu stärkeren Verzöge-
rungen» geführt hätten. Es mag sein, dass Postzustellungen bei verschärf-
ter Pandemielage infolge hoher Stückzahlen und Personalausfällen verzö-
gert erfolgten. Daraus folgt aber nicht, dass die Pandemie systematisch zu
unzuverlässigen Zustellnachweisen geführt hätte. Insbesondere ist damit
nicht erwiesen, dass die streitbetroffene Sendung an die Beschwerdefüh-
rerin verspätet zugestellt wurde. Einen Beleg benennt die Beschwerdefüh-
rerin auch hierfür nicht.
4.3.4 Für die Darstellung, die fragliche Zustellung sei (erst) am 9. März
2021 erfolgt, vermag die Beschwerdeführerin denn auch keinen Nachweis
(Eingangsvermerk oder Ähnliches) vorzulegen.
4.4 Unklar ist, was die Beschwerdeführerin mit dem Hinweis auf ihren Ge-
sundheitszustand bezweckt. Ihre behaupteten Einschränkungen sind in
sehr allgemeiner Darstellung gehalten. Es ist aber weder konkret geltend
gemacht noch nachgewiesen, dass sie tatsächlich aus gesundheitlichen
Gründen die Post seitens der Vorinstanz nicht entgegennehmen konnte.
Ohnehin wäre dies für die Einhaltung der Einsprachefrist nicht von Bedeu-
tung, sondern höchstens im Rahmen eines allfälligen Fristwiederherstel-
lungsgesuches zu prüfen. Ein solches ist jedoch nicht Gegenstand dieses
Verfahrens (vorne, E. 1.6.4).
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4.5 Die Einsprachefrist beträgt zehn Tage, beginnend ab dem Folgetag der
Zustellung. Wäre die Zustellung tatsächlich erst – nachweislich – am
9. März 2021 erfolgt, hätten ihr zehn Tage, beginnend ab dem 10. März
2021, für eine Einsprache zur Verfügung gestanden. Ohnehin steht die
Rüge der Beschwerdeführerin, sie habe nur (zu) kurze Zeit gehabt, die Ein-
sprache zu verfassen, in keinem Bezug zur Frage, wann der Rechtsöff-
nungsentscheid zugestellt worden war.
4.6 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass sich die Be-
schwerdeführerin in einem Prozessrechtsverhältnis mit der Vorinstanz be-
fand. Sie ist nicht nur quartalsweise abrechnungspflichtig, sondern musste
sich spätestens mit der Zustellung des Zahlungsbefehls vom 16. Dezem-
ber 2020 im Klaren sein, dass ein Verfahren hängig sei. Das Prozess-
rechtsverhältnis verpflichtet die Beschwerdeführerin als Verfahrenspartei,
sich nach Treu und Glauben zu verhalten und dafür zu sorgen, dass ihr
behördliche Akte zugestellt werden können. Sie hat ihre Post regelmässig
zu kontrollieren, die Behörden über Abwesenheiten zu informieren und ihr
gegebenenfalls einen Stellvertreter zu bezeichnen bzw. eine Zustella-
dresse anzugeben (BGE 138 III 225 E. 3.1, 130 III 396 E. 1.2.3, 141 II 429
E. 3.1; Urteil des BGer 2C_101/2021 vom 17. Februar 2022 E. 7.1). Wenn
die Beschwerdeführerin ausführt, eine Zustellung an die Büroadresse sei
möglich, wo das Sekretariat technisch in der Lage sei, ihr die Post rasch
und kontaktlos zu übermitteln, bestätigt sie letztlich eine ihr obliegende
Pflicht; für die Frage der Rechtzeitigkeit der Einsprache kann sie daraus
nichts zu ihren Gunsten ableiten.
5.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Beschwerdeführerin der Nachweis
der rechtzeitigen Einspracheerhebung nicht gelingt. Die Vorinstanz trat
folglich zu Recht auf die Einsprache nicht ein. Die Beschwerde ist abzu-
weisen, soweit darauf einzutreten ist.
6.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese werden in An-
wendung der massgeblichen Grundsätze (Art. 1 ff. des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) auf Fr. 500.– festgesetzt und
dem in derselben Höhe geleisteten Kostenvorschuss entnommen.
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