Decision ID: 49057d17-43d7-4c24-a3fc-b4dbd061238b
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für die Fahrzeugkategorie B seit 18. April 2006. Wegen
zwei Geschwindigkeitsüberschreitungen ist er im Administrativmassnahmen-Register
mit einer Verwarnung (2007) und einem einmonatigen Führerausweisentzug (2012)
verzeichnet. Am Sonntagmorgen, 30. August 2015, 7.32 Uhr, wurde er in St. Gallen
polizeilich kontrolliert, als er mit einem Lieferwagen unterwegs war. Ein
Drogenschnelltest ergab ein positives Resultat für Marihuana und Kokain. Am Institut
für Rechtsmedizin (Fachbereich Forensische Toxikologie) des Kantonsspitals St. Gallen
(nachfolgend: IRM) wurden im Urin Cannabis und Kokain sowie im Blut 39 μg/l
Benzoylecgonin (inaktives Abbauprodukt von Kokain) und 1,5 μg/l
Tetrahydrocannabinol (THC, aktiver Cannabiswirkstoff) und 45 μg/l THC-Carbonsäure
(THC-COOH, inaktives Abbauprodukt von THC) gemessen.
B.- Aufgrund dieses Vorfalls eröffnete das Strassenverkehrsamt am 24. September
2015 ein Verfahren zur Abklärung der Fahreignung und verbot X das Führen von
Motorfahrzeugen sämtlicher Kategorien vorsorglich ab sofort. Mit Zwischenverfügung
vom 16. Dezember 2015 ordnete es eine verkehrsmedizinische Untersuchung beim
IRM an.
C.- Am 9. Februar 2016 unterzog sich X der verkehrsmedizinischen Untersuchung beim
IRM. Im Gutachten vom 15. April 2016 wurde die Fahreignung wegen Vorliegens eines
verkehrsrelevanten Drogenmissbrauchs mit Suchtgefährdung abgesprochen. Die
Gutachterin empfahl eine mindestens sechsmonatige fachtherapeutisch begleitete
Drogenabstinenz mit monatlichen Urinkontrollen auf Cannabis und halbjährlichen
Haaranalysen. Gestützt auf das Gutachten entzog das Strassenverkehrsamt X mit
Verfügung vom 31. Mai 2016 den Führerausweis auf unbestimmte Zeit. Die
Wiedererteilung wurde von einer kontrollierten und fachlich betreuten Drogenabstinenz
(Arzt und Beratungsstelle) von mindestens sechs Monaten und einer
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verkehrsmedizinischen Kontrolluntersuchung abhängig gemacht. Einem allfälligen
Rekurs entzog das Strassenverkehrsamt die aufschiebende Wirkung.
D.- Mit Eingabe vom 16. Juni 2016 und Ergänzung vom 14. Juli 2016 erhob X durch
seinen Rechtsvertreter Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte die
Aufhebung der Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 31. Mai 2016, eventualiter
sei der Ausweis mit einer Abstinenzauflage (Kokain) zu versehen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Das Strassenverkehrsamt verzichtete mit Schreiben vom 27. Juli
2016 auf eine Vernehmlassung.
Während dem Rekursverfahren beantwortete das IRM am 7. September 2016
ergänzende Fragen zum verkehrsmedizinischen Gutachten. Der Rekurrent nahm dazu
mit Eingabe vom 14. Oktober 2016 Stellung. Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur

Begründung seiner Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 16. Juni 2016 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 14. Juli 2016 in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz die Fahreignung des Rekurrenten
gestützt auf das verkehrsmedizinische Gutachten des IRM St. Gallen vom 15. April
2016 zu Recht verneinte. Darin wurde festgestellt, beim Rekurrenten sei von einem die
Fahreignung ausschliessenden verkehrsrelevanten Drogenmissbrauch mit
Suchtgefährdung (Kokain und Cannabis) auszugehen.
a) Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
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Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes [SR 741.01, abgekürzt: SVG]). Art. 16d SVG
regelt den Führerausweisentzug wegen fehlender Fahreignung. Nicht geeignet, ein
Fahrzeug zu führen, ist namentlich, wer nicht oder nicht mehr über die körperliche und
geistige Leistungsfähigkeit verfügt, um ein Motorfahrzeug sicher zu führen (Art. 16d
Abs. 1 lit. a SVG), wer an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (lit.
b), oder wer aufgrund seines bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass er künftig
beim Führen eines Motorfahrzeugs die Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen
Rücksicht nehmen wird (lit. c). Drogensucht wird nach der Rechtsprechung bejaht,
wenn die Abhängigkeit von der Droge derart ist, dass der Betroffene mehr als jede
andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich ans Steuer eines Fahrzeugs in einem –
dauernden oder zeitweiligen – Zustand zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr
gewährleistet. Im Interesse der Verkehrssicherheit setzt die Rechtsprechung den
regelmässigen Konsum von Drogen der Drogenabhängigkeit gleich, sofern dieser
seiner Häufigkeit und Menge nach geeignet ist, die Fahreignung zu beeinträchtigen
(BGE 127 II 122 E. 3c). Davon ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei
nur gelegentlichem Cannabiskonsum, d.h. bei maximal zweimaligem
Substanzgebrauch pro Woche (B. Liniger, Cannabis und Fahreignung: Die aktuellen
Richtlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin [SGRM], in:
Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehr 2014, S. 327 ff.) nicht
auszugehen, da dieses Konsumverhalten noch zu keinen verkehrsrelevanten
Leistungseinbussen führe (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6A.11/2006 vom
13. April 2006 E. 3.3). Werden daneben jedoch weitere Drogen konsumiert, ist die
Situation anders zu beurteilen. Das Bundesgericht wertete einen mehrjährigen
Mischkonsum als Indiz für einen beträchtlichen Drogenkonsum, von dem eine
erhebliche Verkehrsgefährdung ausgehen könne (BGer 6A.49/2000 vom 28. Juni 2000
E. 3c). Deshalb kann eine Person, die weder in abhängiger noch in verkehrsrelevant
missbräuchlicher Weise Cannabis konsumiert, nicht mehr ohne verkehrsmedizinische
Begutachtung als fahrgeeignet beurteilt werden, wenn sie zusätzlich Kokain verwendet
(vgl. B. Liniger, Drogen, Medikamente und Fahreignung, in: Handbuch der
verkehrsmedizinischen Begutachtung, Bern 2005, S. 37). Von Kokain geht zudem ein
sehr grosses Suchtpotenzial aus. Aufgrund der enthemmenden Wirkung dieses
Betäubungsmittels stellt dessen Konsum eine Gefahr im Strassenverkehr dar (vgl. Ph.
Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 16d N 36).
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b) Die Gutachterin des IRM stützte ihre Beurteilung auf die Vorgeschichte, die Angaben
des Rekurrenten, die Befunde der verkehrsmedizinischen Untersuchung, die Resultate
der Laboruntersuchungen und die Fremdauskünfte. Damit berücksichtigte sie die
wesentlichen Aspekte und traf die notwendigen Abklärungen (vgl. BGE 129 II 82
E. 6.2.2). In ihrer Beurteilung gelangte sie zum Schluss, die Fahreignung des
Rekurrenten sei wegen Drogenmissbrauchs nicht zu befürworten. Entgegen seiner
Darstellung, wonach er seit August 2015 kein Cannabis mehr konsumiere, sei in der
anlässlich der Untersuchung abgegebenen Urinprobe Cannabis nachgewiesen worden.
Die geltend gemachte Abstinenz könne daher nicht nachvollzogen werden und es sei
auf einen fortgesetzten Konsum zu schliessen. Der Umstand, dass der Rekurrent trotz
der bevorstehenden Begutachtung und im Wissen um die möglichen Konsequenzen
nicht in der Lage gewesen sei, auf den Konsum von Cannabis zu verzichten, sei als
erhebliches psychisches Verlangen und als verminderte Kontrollfähigkeit im Umgang
mit Drogen zu werten. Das Absinken der Kokainwerte könne zu einer eingeleiteten
Abstinenz oder zu einer Konsumreduktion passen. Die Resultate stimmten aber nicht
mit den Angaben des Rekurrenten, der jeglichen Kokainkonsum negiere, überein.
Angesichts des bereits beim Ereignis festgestellten Konsums wie auch der
Haaranalysenbefunde sei dies als suchttypische Verleugnungshaltung zu werten.
Kokain sei eine Droge mit hohem Suchtpotential. Aufgrund der verkehrsrelevanten
Wirkungen von Kokain sei ein derartiger Konsum nicht mit einer Verkehrsteilnahme
vereinbar. Kokain wirke enthemmend und erhöhe die Risikobereitschaft. Zu nennen sei
ausserdem das Gefühl der Leistungssteigerung unter Kokaineinfluss, welches im
Gegensatz zu den objektiv feststellbaren Leistungseinbussen stehe, wie beispielsweise
nachlassende Konzentrationsfähigkeit, mangelnde zielgerichtete Aufmerksamkeit oder
Fahrigkeit, aber auch die durch die Pupillenerweiterung ausgelöste erhöhte
Blendempfindlichkeit. Der Kokainrausch könne je nach psychischer Verfassung und
Persönlichkeitsstruktur verschiedenartig verlaufen und sei nicht absehbar; so seien
Angst- und Panikreaktionen bekannt. Es könne aber auch zu Einschränkungen der
Kritikfähigkeit und des Urteilsvermögens sowie zu Psychosen kommen. Gesamthaft sei
somit zumindest von einem verkehrsrelevanten Drogenmissbrauch auszugehen.
Der Rekurrent bringt dagegen zur Hauptsache vor, gemäss Gutachten des IRM hätten
nicht genügend konkrete Anhaltspunkte für eine Abhängigkeit gefunden werden
können. Von den drei Urinproben seien die letzten zwei negativ ausgefallen, die erste
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habe einen sehr tiefen Wert ergeben. Diese Ergebnisse würden gegen einen
chronischen Cannabiskonsum sprechen. Eine Sucht könne ausgeschlossen werden.
Entgegen der Schlussfolgerung der Vorinstanz könne aus der Tatsache, dass jemand
nicht vollständig auf den Konsum einer Substanz verzichte, nicht auf das Vorliegen
einer Sucht geschlossen werden. Das Resultat des kopfnäheren Haarabschnitts habe
einen so tiefen Wert ergeben, dass nicht von einer Abhängigkeit ausgegangen werden
könne. Der Rekurrent sei sich keines Kokainkonsums bewusst. Er vermute, dass er auf
der Toilette einer Bar oder in einer Discothek mit Kokain in Berührung gekommen sei.
Neue Forschungsergebnisse zeigten, dass Drogen auch von aussen in die Haare
gelangen könnten. Dies sei auch beim Rekurrenten überwiegend wahrscheinlich,
insbesondere deshalb, weil das Abbauprodukt Norcocain nicht nachgewiesen worden
sei. Selbst das IRM könne letztlich nicht ausschliessen, dass eine Kontamination der
Haare von aussen stattgefunden habe. Benzoylecgonin könne auch ausserhalb des
Körpers gebildet werden. Folglich bilde dessen Nachweis keinen verlässlichen Hinweis
auf einen entsprechenden Konsum. Die ermittelten Konzentrationsverhältnisse von 1:4
und 1:6 lägen sodann "im Graubereich", in welchem keine eindeutige Zuordnung zu
den Gruppen Kontamination oder Inkorporation erfolgen könne. Anhand von
Messungen im Abwasser sei festgestellt worden, dass der Kokainkonsum in der
Schweiz, insbesondere auch in St. Gallen, hoch sei, weshalb sich beim Rekurrenten als
Sanitärinstallateur auch von Berufs wegen eine Kontamination ergeben haben könnte.
Entscheidend komme hinzu, dass der Rekurrent noch nie ein Fahrzeug in
fahrunfähigem Zustand gelenkt habe. Der Schluss gemäss Gutachten auf einen
verkehrsrelevanten Drogenmissbrauch sei daher falsch. Der Rekurrent habe den
Drogenkonsum und die Teilnahme am Strassenverkehr stets getrennt. Der Vorwurf des
Mischkonsums mache sodann keinen Sinn, da Cannabis und Kokain gegensätzliche
Wirkungen zeigten und ohnehin nicht von einem gleichzeitigen Konsum auszugehen
sei. Im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung sei sodann zu berücksichtigen, dass
der Rekurrent für die Berufsausübung auf den Führerausweis angewiesen sei. Er habe
deswegen seine Stelle verloren.
c) aa) Der Rekurrent berichtete gegenüber der Gutachterin von regelmässigem
Cannabiskonsum in der Vergangenheit. Seit dem 21. Lebensjahr habe er ca. einmal pro
Monat einen Joint zum Relaxen geraucht. Dazwischen hätten auch einmal zwei bis drei
Monate ohne Konsum gelegen. Eine Suchtentwicklung sei nicht vorhanden gewesen.
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Der letzte Cannabiskonsum sei vor dem Ereignis am 26. August 2015 erfolgt. Diese
Angaben lassen grundsätzlich nicht auf einen übermässigen und unkontrollierten
Cannabiskonsum schliessen. Das Analyseergebnis der Urinprobe vom 9. Februar 2016
fiel indessen positiv aus (THC-COOH 26 μg/l). Die geltend gemachte Abstinenz seit
dem Ereignis trifft folglich nicht zu. Auszugehen ist demnach von einem letztmaligen
Konsum Anfang Februar 2016. Dem Rekurrenten war der Untersuchungstermin beim
IRM seit Ende Dezember 2015 bekannt. Trotz des Wissens um die bevorstehende
Begutachtung war der Rekurrent damals offenbar nicht in der Lage, auf Cannabis zu
verzichten. Die Feststellung der Gutachterin, dieser Umstand sei als erhebliches
psychisches Verlangen und als verminderte Kontrollfähigkeit zu werten, ist deshalb
nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass der Rekurrent gegenüber der Polizei am 30.
August 2015 angab, zuvor zwei bis drei Joints geraucht zu haben, was doch auf einen
höheren Konsum als jenen hinweist, den er gegenüber der Verkehrsmedizinerin
erwähnte. Immerhin fielen die folgenden Analyseergebnisse vom 18. März und 4. April
2016 diesbezüglich negativ aus. Der Zeitraum für den Nachweis einer stabilen
Verhaltensänderung ist mit zwei Monaten jedoch noch zu kurz.
bb) Der Rekurrent negierte sowohl gegenüber der Polizei als auch der Gutachterin
jeglichen Kokainkonsum. Im Widerspruch dazu waren in der Blut- und Urinprobe vom
30. August 2015 das inaktive Abbauprodukt Benzoylecgonin und in den beiden
Haaranalysen vom 9. Februar 2016 Kokain sowie Benzoylecgonin nachweisbar. Beim
kopfnahen Segment (0-3 cm ab Kopfhaut) wurde eine Kokain-Konzentration von 1200
pg/mg gemessen, im kopffernen Segment (3 bis 5 cm ab Kopfhaut) eine solche von
6500 pg/mg. Bei diesen Befunden ist ein eher regelmässiges Konsumverhalten
anzunehmen, da ein einzelner Kokainkonsum im Rahmen der Haaranalytik in der Regel
nicht feststellbar ist (I. Thiele, Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2005, S. 117; M. R.
Baumgartner, Nachweis des Konsums von psychotropen Substanzen und Alkohol
mittels Haaranalyse, in: Therapeutische Umschau 2011, S. 272, unter: www.irm.uzh.ch/
downloads). Bei der Analyse wird mit sogenannten Cut-off-Werten gearbeitet. Diese
werden allgemein in zweierlei Hinsicht verwendet: Einerseits zum Ausschluss analytisch
unsicherer Ergebnisse, d.h. zur Vermeidung falsch-positiver Resultate. In diesem Sinne
werden bei chromatographisch-spektroskopischen Verfahren Nachweis- oder
Bestimmungsgrenzen verwendet. Andererseits dienen sie bei sicher nachgewiesener
Konzentration zur Abgrenzung von für die Fragestellung irrelevanten Werten, z.B. durch
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einmaligen oder Probierkonsum. Bei einmaligem oder vereinzeltem Substanzkonsum
innerhalb eines längeren Zeitraumes liegt die Konzentration im Haar unterhalb der
Nachweisgrenze und ergibt somit einen negativen Befund (Baumgartner, a.a.O., S. 272;
vgl. auch Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs-
und Verwaltungsrecht vom 17. Juli 2013 Nr. 810 12 343 E. 5.4). Der Cut-off-Wert von
Kokain liegt gemäss SGRM bei 500 pg/mg (vgl. SGRM, Arbeitsgruppe Haaranalytik,
Bestimmung von Drogen und Medikamenten in Haarproben, Version 2014, Anhang).
Andere Autoren setzen ihn wesentlich tiefer, nämlich bei 100 pg/mg an (Madea/
Musshoff/Berghaus [Hrsg.], Verkehrsmedizin, 2. Aufl. 2012, S. 188). Die im Haar des
Rekurrenten gemessenen Konzentrationen liegen mit 1200 bzw. 6500 pg/mg deutlich
über dem von der SGRM definierten Cut-off-Wert, was auf einen mehrmaligen
Kokainkonsum hinweist.
Eine Verunreinigung der Haare mit Kokain von aussen, wie sie vom Rekurrenten
geltend gemacht wird, erscheint sodann als unwahrscheinlich. Einerseits wurde in den
Haarproben nebst Kokain auch dessen Abbauprodukt Benzoylecgonin in einem
Verhältnis von einem Viertel und einem Sechstel zur Kokain-Konzentration
nachgewiesen, was nach Auskunft des IRM für einen Konsum spricht (act. 19/1).
Andrerseits bestehen für eine Kontamination der Haare von aussen keinerlei
Anhaltspunkte. Anders als die Kinder drogenabhängiger Eltern, in deren Haaren sich
Kokain wie auch Abbauprodukte davon fanden (vgl. act. 9/3), hielt sich der Rekurrent
nicht in einem kokainaffinen Umfeld auf. Sofern man aber davon ausgeht, dass im
normalen Umfeld einer Person keine Drogen konsumiert werden, vermag die
Haaranalyse die Drogeneinnahme dieser Person zu belegen (act. 9/4). Auch mit der
Tätigkeit als Sanitärinstallateur lässt sich dies nicht erklären. Entscheidend hinzu
kommt schliesslich, dass der Rekurrent vor dem Ereignis vom 30. August 2015
aufgrund des festgestellten Benzoylecgonins im Blut nachweislich Kokain konsumiert
hatte (act. 14/29). Seine Aussage, er habe noch nie in seinem Leben Kokain
konsumiert, ist daher als suchttypische Verleugnungshaltung zu werten. Die totale
Negierung jeglichen Kokainkonsums gibt zu Bedenken Anlass, zumal Kokain ein
erhebliches Suchtpotential in sich birgt. Es besteht zwar die Vermutung, dass der
gelegentliche Kokainkonsum am Wochenende nicht zu einer dem Heroin-Missbrauch
gleichzusetzenden sozialen Schädigung und gegebenenfalls Abhängigkeit führt.
Aufgrund der äusserlich relativ unauffälligen Kokainkreise und der häufigen Verbindung
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des Kokain-Konsums mit dem Missbrauch von Alkoholika, Barbituraten usw. sind
allgemeingültige Aussagen dazu jedoch nur sehr beschränkt möglich. Auch wenn die
häufigste Konsumart des Sniffens nicht zu einer physischen Abhängigkeit führt, sind
die psychischen Abhängigkeitssymptome, unter anderem mit Angstsyndromen und
Antriebslosigkeit, derart ausgeprägt, dass die entsprechende Abhängigkeit von Kokain
mit der Abhängigkeit von anderen Opioiden vergleichbar ist (vgl. Th. Geschwinde,
Rauschdrogen, Marktformen und Wirkungsweisen, 7. Aufl. 2013, Rz 2611). In
Übereinstimmung mit der Gutachterin ist beim Rekurrenten folglich von einem
wiederholten Kokainkonsum auszugehen, welcher aufgrund der im Gutachten
beschriebenen problematischen Wirkungen auf die Fahrfähigkeit nicht mit einer
Verkehrsteilnahme vereinbar ist. An dieser Beurteilung vermag das Fehlen des
Abbauproduktes Norcocain nichts zu ändern. Das IRM führte dazu aus, dass der
fehlende Nachweis von Norcocain keinen Beweis für einen Nichtkonsum darstelle (vgl.
act. 19/1). Auch in einem früheren Entscheid der Verwaltungsrekurskommission wurde
aus dem Fehlen von Norcocain nicht zwingend auf eine Kontamination der Haare von
aussen geschlossen. Vielmehr wurde auf den Einzelfall bezogen erwogen, dass die
Haarprobe Kokain in niedriger Menge aufweise und mangels Nachweis von Norcocain
gemäss IRM eher eine Kontamination von aussen vorliege (Entscheid IV-2013/154 vom
24. April 2014 E. 2c/cc, abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Etwas anderes ergibt sich
auch nicht aus dem beim Rekurrenten tiefer ausgefallenen Wert im kopfnahen
Segment, welcher die Folge einer Einstellung oder Reduktion des Konsums von Kokain
vor dem Untersuch ist.
cc) Gestützt auf das schlüssige verkehrsmedizinische Gutachten ist somit davon
auszugehen, dass beim Rekurrenten im Verfügungszeitpunkt ein Drogenmissbrauch
mit Suchtgefährdung, namentlich ein Mischkonsum von Cannabis und Kokain, vorlag.
Eine eigentliche Sucht im Sinne der ICD-10-Klassifikation der
Weltgesundheitsorganisation (vgl. www.icd-code.de) ist hingegen nicht nachgewiesen.
Jedoch kann auch eine kombinierte Einnahme von mehreren psychotropen Substanzen
– wie beim Rekurrenten – zu einer Sucht führen, ohne dass eine solche bezüglich der
einzelnen Substanzen gegeben sein muss (BSK SVG-Rütsche/D'Amico, Art. 16d N 45).
Soweit aus den Akten ersichtlich, wurde der Rekurrent noch nie in fahrunfähigem
Zustand wegen Drogenkonsums erwischt. Dies ist im vorliegenden Fall jedoch nicht
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ausschlaggebend. Vielmehr ist im Sinne einer zukunftsgerichteten Betrachtung zu
prüfen, ob das vom Rekurrenten ausgehende Gefährdungspotential einen
Sicherungsentzug zu rechtfertigen vermag. Dass bereits einmal ein Fahrzeug unter
Drogeneinfluss gelenkt wurde, wird für einen Sicherungsentzug nicht vorausgesetzt
(Rütsche/D'Amico, a.a.O., Art. 16d N 44). Zwar ergab die Haaranalyse auf Kokain vom
9. Februar 2016 im kopfnahen Segment einen tieferen Wert als im kopffernen, was auf
einen rückläufigen oder zumindest gleichbleibenden Konsum hindeutet; die Werte
lagen mit 1100 und 6500 pg/mg aber immer noch deutlich über dem Cut-off-Wert von
500 pg/mg und weisen auf mehrmaligen Konsum hin. Dass der Rekurrent dies
gegenüber der Gutachterin bestritt, lässt an seiner Fähigkeit zweifeln, das eigene
Konsumverhalten kritisch zu reflektieren. Die Tendenz zur Verharmlosung des
Drogenkonsums ist deshalb problematisch, weil so die Auswirkungen der Drogen auf
das Verhalten im Strassenverkehr unterschätzt werden. Insbesondere Kokain wirkt
enthemmend und subjektiv leistungssteigernd bei herabgesetzter Fähigkeit zur
Selbstkritik. Dies kann zu einer erhöhten Risikobereitschaft und in der Folge zu
gefährlichem Verhalten im Strassenverkehr führen (BGer 1C_248/2011 vom 30. Januar
2012 E. 4.1; Thiele, a.a.O., S. 112 f.). Vor diesem Hintergrund ist mit der Gutachterin
von einer die Fahreignung ausschliessenden verkehrsrelevanten Drogenproblematik
auszugehen. Ihre Empfehlung, eine weitere verkehrsmedizinische Neubeurteilung von
einer mindestens sechsmonatigen fachtherapeutisch begleiteten Abstinenz abhängig
zu machen, erscheint folgerichtig.
d) Zusammenerfassend ergibt sich, dass die Voraussetzungen für einen
Sicherungsentzug erfüllt sind. Die Verfügung der Vorinstanz vom 31. Mai 2016 ist zu
bestätigen und der Rekurs abzuweisen.
3.- Die Massnahme des Sicherungsentzugs soll sicherstellen, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn der Rekurrent während eines
Rechtsmittelverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
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4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'350.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 111 und 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Hinzu kommen die Barauslagen von Fr. 150.– für die Ergänzung des
verkehrsmedizinischen Gutachtens. Der Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– ist zu
verrechnen.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).