Decision ID: 25331552-db72-4e93-a6ce-d082040fe4df
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Vergehen gegen das Tierschutzgesetz etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht in
Strafsachen, vom 20. Mai 2015 (GG150008)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 17. März 2015 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 13).
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− des Vergehens gegen das Tierschutzgesetz im Sinne von dessen
Art. 26 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a
TSchV sowie
− der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz im Sinne von dessen
Art. 28 Abs. 1 lit. g in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 lit. d TSchV.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 460.– und einer Busse von Fr. 500.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jah-
re festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von einem Tag.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'500.–; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.– Gebühr Vorverfahren;
6. Die Kosten der Untersuchung (Gebühr Vorverfahren) und des gerichtlichen
Verfahrens werden der Beschuldigten auferlegt.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 58 S. 8)
1. Die Berufungsklägerin sei vom Vorwurf der vorsätzlichen Widerhand-
lung gegen die Tierschutzgesetzgebung, angeblich begangen am
26. August 2014 an der B._-Strasse in ..., freizusprechen;
2. Die Kosten des erstinstanzlichen und des oberinstanzlichen Verfahrens
seien dem Staat aufzuerlegen;
3. Der Freigesprochenen sei durch den Staat eine Entschädigung für die
ihr erstinstanzlich entstandenen Verteidigungskosten gemäss der allen-
falls von RA X2._ eingereichten Honorarnote, jedoch mindestens
im Betrag von CHF 5'000.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) auszu-
richten;
4. Der Freigesprochenen sei durch den Staat eine Entschädigung für die
ihr oberinstanzlich entstandenen Verteidigungskosten gemäss Kosten-
note vom 21. Dezember 2015, ergänzt um die seither entstandenen
Aufwendungen gemäss beiliegendem Leistungsjournal, auszurichten.
b) Der Vertreterin der Privatklägerin:
(Urk. 57 S. 2)
1. Die Berufung sei abzuweisen.
2. Die Berufungsklägerin sei in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
schuldig zu sprechen
− des Vergehens gegen das Tierschutzgesetz im Sinne von dessen
Art. 26 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 und Abs. 2
lit. a TSchV sowie
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− der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz im Sinne von
dessen Art. 28 Abs. 1 lit. g in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 lit. d
TSchV.
3. Die Berufungsklägerin sei mit einer Geldstrafe von mindestens 120 Ta-
gessätzen und einer Busse von Fr. 1'000.– zu bestrafen.
4. Der Berufungsklägerin seien die Kosten aufzuerlegen.
c) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 45)
Keine Anträge.
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Erwägungen:
I.
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 20. Mai 2015 wurde die Beschuldig-
te der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz im Sinne von Art. 26 Abs. 1
lit. b TSchG in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a TSchV (Vergehen)
sowie der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz im Sinne von Art. 28
Abs. 1 lit. g in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 lit. d TSchV (Übertretung) schuldig
gesprochen und mit einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 460.–
sowie einer Busse von Fr. 500.– bestraft. Die Probezeit für die Geldstrafe wurde
auf zwei Jahre und die Ersatzfreiheitsstrafe für das schuldhafte Nichtbezahlen der
Busse auf einen Tag festgesetzt. Gegen das Urteil vom 20. Mai 2015 meldete die
Beschuldigte am 28. Mai 2015 Berufung an und reichte am 18. September 2015
fristwahrend ihre Berufungserklärung ein (Urk. 36 und 41). Das Veterinäramt des
Kantons Zürich erklärte mit Eingabe vom 15. Oktober 2015 Anschlussberufung
(Urk. 46). Die Staatsanwaltschaft verzichtete ihrerseits auf eine Anschlussberu-
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fung (Urk. 45). Mit der Berufungserklärung beantragte die Verteidigung die Einho-
lung eines Berichtes einer sachverständigen Person zu den möglichen Wirkungen
eines Schrotschusses auf einen verletzten Fuchs und zum diesfalls bestehenden
Gefahrenbereich. Zudem sei der Artikel aus einer Fachzeitschrift zur Gefährlich-
keit des Schrotschusse zu den Akten zu nehmen sowie anlässlich der Berufungs-
verhandlung eine Einvernahme der Beschuldigten durchzuführen (Urk. 41 S. 2).
Mit Präsidialverfügung vom 14. Dezember 2015 wurde der Beweisantrag auf Ein-
holung des beantragten Berichtes einstweilen abgewiesen und der Artikel "Ge-
fährlichkeit des Schrotschusses" zu den Akten genommen (Urk. 52). Mit Eingabe
vom 21. Dezember 2015 nahm die Verteidigung von sich aus Stellung zur An-
schlussberufung der Privatklägerin, stellte einen weiteren Beweisantrag (Urk. 54)
und reichte diverse Beilagen zu den Akten (Urk. 55/1-7).
2. Die Beschuldigte ficht das Urteil vom 20. Mai 2015 vollumfänglich an
(Urk. 41 S. 2; Urk. 58 S. 8). Das Veterinäramt beantragt die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils, wobei die Beschuldigte mit einer Geldstrafe von min-
destens 120 Tagessätzen und einer Busse von Fr. 1'000.– zu bestrafen sei
(Urk. 46 S. 2; Urk. 57 S. 2). Somit sind sämtliche Dispositivziffern des vorinstanz-
lichen Urteils angefochten (Art. 402 StPO).
II.
1. In der Anklageschrift vom 17. März 2015 wird der Beschuldigten vorgewor-
fen, als zuständige Jagdpächterin am 26. August 2014, ca. 5.30 Uhr, auf der
B._-Strasse in ... einen verletzten Fuchs nicht vorschriftsgemäss abgeschos-
sen zu haben. Der Fuchs sei aufgrund seiner Verletzungen fluchtunfähig gewe-
sen, was die Beschuldigte ohne Weiteres hätte erkennen können und müssen. Es
wäre der Beschuldigten aufgrund der gegebenen Örtlichkeiten und Uhrzeit (freie
Sicht in alle Richtungen, keine Passanten, wenig bis kein Motorverkehr) zudem
gefahr- und problemlos möglich gewesen, diesen abzuschiessen, was die Be-
schuldigte gewusst habe. Stattdessen habe sie wissentlich und willentlich ihre
Schweisshündin C._ zum Fuchs geführt, um die Ausbildung zu prüfen bzw.
deren "Wildschärfe" zu trainieren. Die Hündin habe sich in den verletzten Fuchs
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verbissen, wodurch dieser unter qualvollen Schmerzen, Leiden und Ängsten zu
Tode gekommen sei, was die Beschuldigte zumindest in Kauf genommen habe
(Urk. 13 S. 2).
2.1 Die Beschuldigte bestreitet nicht, am eingeklagten Zeitpunkt als zuständige
Jagdpächterin aufgrund einer Meldung eines verletzten Fuchses an die B._-
Strasse in ... ausgerückt zu sein und ihrer Hündin den Befehl zum Abwürgen des
Fuchses gegeben zu haben (Urk. 3/2 S. 2 ff.; Urk. 3/4 S. 8; Urk. 31 S. 3 f., 7; Prot.
II S. 11). Sie bestreitet jedoch die Fluchtunfähigkeit des Fuchses (Urk. 3/2 S. 2;
Urk. 3/4 S. 4 ff.; Urk. 31 S. 5 ff.; Urk. 41 S. 2; Prot. II S. 10 f.) und bringt vor, sie
habe sich aus Sicherheitsgründen gegen einen Schusswaffeneinsatz und für den
Einsatz ihrer Hündin entschieden (Urk. 3/2 S. 2; Urk. 3/4 S. 6; Urk. 31 S. 7 f.; Prot.
II S. 13). Sie habe ihre Hündin nicht zu Trainings- bzw. Ausbildungszwecken auf
den verletzten Fuchs losgelassen (Urk. 3/2 S. 6; Urk. 3/4 S. 9).
2.2 Die Verteidigung hält der Anklage - an die Aussagen der Beschuldigten an-
knüpfend - entgegen, dass aufgrund der vorgefundenen Situation, den gegebe-
nen Örtlichkeiten und den gebotenen Sicherheitsvorschriften bei objektiver Be-
trachtung eine Schussabgabe nicht möglich gewesen sei (Urk. 33 S. 1). Aufgrund
der Umgebung (Asphalt, Wiese Gebüsch) und der Lage des Fuchses (geteerter
Radweg) habe ein Kugelfang gefehlt bzw. sei beim Aufschlagen der Schrotgarbe
auf den Asphalt des Fahrradwegs mit unkontrollierten Abprallern zu rechnen ge-
wesen (Urk. 33 S. 3). Eine sichere Schrotschussabgabe sei daher nicht möglich
gewesen, ohne die Sicherheit Dritter zu gefährden (Urk. 33 S. 3). Die Feststellung
der Staatsanwaltschaft (freie Sicht in alle Richtungen, keine Passanten, wenig bis
kein Motorverkehr) sei nicht bewiesen und werde bestritten. Im Gegenteil habe
nach Angabe der Beschuldigten und des Anzeigeerstatters ein - wenn auch ge-
ringes - Verkehrsaufkommen geherrscht (Urk. 33 S. 3). Die Beschuldigte habe
nach Eintreffen vor Ort und Beurteilung der Situation den in sitzender Stellung
vorgefundenen Fuchs als fluchtfähig taxiert und die Abgabe eines Schrotschusses
aufgrund der Nähe des Fuchses zur geteerten Strassenfahrbahn sowie zum ge-
teerten Radstreifen infolge der Gefahr von Abprallern für zu risikoreich gehalten
und daher den auf Schweiss geprüften Hund zur Hatz geschnallt, damit dieser
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dem Fuchs auf der Fluchtfährte habe habhaft werden und ihn habe töten können
(Urk. 33 S. 5).
3.1 Der Tierquälerei macht sich u.a. schuldig, wer Tiere vorsätzlich auf qualvolle
Art tötet (Art. 26 Abs. 1 lit. b TSchG in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 und Abs. 2
lit. a TSchV). Was Wildtiere betrifft, wird diese Bestimmung ergänzt durch die eid-
genössische und die kantonalen Jagdgesetzgebungen. Wildtiere, die nicht flucht-
fähig sind, sind aus Tierschutzgründen durch einen Fangschuss zu töten, wobei
zu diesem Zweck im Sinne einer Ausnahme auch Faustfeuerwaffen verwendet
werden dürfen, um das leidende und/oder gestresste Tier ohne eine Gefährdung
von Personen, Jagdhunden oder erheblichen Sachwerten schnellstmöglich zu tö-
ten. Die Zulässigkeit des Einsatzes von Jagdhunden richtet sich nach der kanto-
nalen Gesetzgebung, wobei diese eine tierschutzgerechte Jagd sicherzustellen
hat (Art. 2 Abs. 2 und Abs. 2bis JSV [SR 922.01]; Bundesamt für Umwelt, Ände-
rung der Jagdverordnung, Erläuternder Bericht, 15. Juli 2012, korrigierte Version
2, S. 12 f.). Die Jagdverordnung des Kantons Zürich sieht sodann vor, dass u.a.
Jagdpächter dazu verpflichtet sind, verletzte, anomale oder kranke Tiere während
des ganzen Jahres, falls notwendig auch zur Nachtzeit oder an Sonn- und öffent-
lichen Ruhetagen, abzuschiessen (§ 22 Abs. 1 Jagdverordnung [LS 922.11]).
Muss auf ein angeschossenes, sonstwie verletztes oder krankes Wild aus naher
Distanz ein Fangschuss abgegeben werden, dürfen zu diesem Zweck - wie be-
reits in Art. 2 Abs. 2 JSV vorgesehen - nebst den zugelassenen Jagdwaffen auch
Faustfeuerwaffen verwendet werden (§ 20 Abs. 7 Jagdverordnung). Der Einsatz
von auf Schweiss geprüften Hunden ist für die Nachsuche eines geflohenen, be-
schossenen Tieres verpflichtend vorgesehen (§ 23 Abs. 1 Jagdverordnung). Ein
ausdrückliches Verbot betreffend das Abwürgen von verletzten, fluchtunfähigen
Wildtieren durch Jagdhunde enthält das Gesetz nicht. Es hält jedoch - wie gese-
hen - positiv fest, dass u.a. Jagdpächter verletzte Tiere abzuschiessen haben
(§ 22 Abs. 1 Jagdverordnung) und dazu auch Faustfeuerwaffen verwenden dürfen
(§ 20 Abs. 7 Jagdverordnung), während die Verwendung von Hunden nur für die
Nachsuche vorgesehen ist. Das ist folgerichtig, ist die Verwendung von Hunden
gemäss eidgenössischer Gesetzgebung von den Kantonen doch tierschutzge-
recht zu regeln und sind Wildtiere, die nicht fluchtfähig sind - wie erwogen - aus
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Tierschutzgründen durch einen Fangschuss zu töten. Jagdhunde sind demnach
nur dann einzusetzen, wenn kein Abschuss möglich ist. Entgegen der Ansicht der
Verteidigung (Urk. 58 S. 5) ist der Hund - der Auffassung des Gesetzgebers fol-
gend - kein der Schusswaffe gleichwertiges Mittel. Dass ein Hund nur im Notfall
(d.h. wenn ein Wildtier flüchtet) geschnallt wird, um das verletzte Tier zu hetzen
und zu töten, ergibt sich denn auch aus der Literatur, auf welche sich die Verteidi-
gung in ihrem Plädoyer bezieht (vgl. Urk. 54 S. 9 mit Verweis).
3.2 Es steht damit ausser Frage, dass verletzte Wildtiere unter Tierschutzaspek-
ten grundsätzlich abzuschiessen und nicht durch einen Jagdhund abwürgen zu
lassen sind. Der möglichen Gefährdung von Personen, Jagdhunden oder erhebli-
chen Sachwerten beim Abschuss eines verletzten Wildtiers trägt das Gesetz
dadurch Rechnung, dass für den dafür nötigen Fangschuss nebst Jagd- auch
Faustfeuerwaffen verwendet werden dürfen. Als Jagdpächterin war die Beschul-
digte explizit für den Abschuss verletzter Wildtiere verantwortlich und musste da-
her, wenn sie zu einem Wildunfall gerufen wurde, auch über die im Lichte des
Tierschutzrechtes nötige Ausrüstung dafür verfügen. Mit der Behauptung, ein Ab-
schuss des verletzten Fuchses sei mit der von ihr mitgeführten Schrotflinte aus
Sicherheitsgründen nicht möglich gewesen, kann sich die Beschuldigte daher -
wie bereits die Vorinstanz zutreffend erwog (Urk. 40 S. 11) - nicht entlasten. Auch
musste sich die Vorinstanz ausgehend vom Erwogenen entgegen der Auffassung
der Verteidigung (Urk. 41 S. 3) nicht weiter mit der Frage auseinandersetzen, ob
ein Schrotschuss auf ein verletztes Tier dieses schmerzfrei und unmittelbar tötet
bzw. ob ein solcher effizienter ist als das Abwürgenlassen durch einen dafür aus-
gebildeten Jagdhund. Die Beschuldigte verletzte das Tierschutzgesetz als sie den
verletzten Fuchs durch ihre Jagdhündin totbeissen liess, sofern jener dadurch
qualvoll unter Schmerzen, Leiden und Ängsten zu Tode kam und es objektiv mög-
lich gewesen wäre, ihn mit einem Fangschuss aus einer für diesen Zweck zuge-
lassenen Jagd- oder Faustfeuerwaffe zu töten und der Beschuldigten ein entspre-
chender Vorsatz nachgewiesen werden kann. Damit erübrigt sich auch die im Be-
rufungsverfahren beantragte Einholung eines Berichts einer sachverständigen
Person zur Frage der möglichen Wirkungen eines Schrotschusses auf einen ver-
letzten Fuchs und des bei einem Schrotschuss bestehenden Gefahrenbereichs
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für Personen und Tiere unter Annahme eines Standorts des Fuchses im Grün-
streifen sowie unter Annahme des Standorts des Fuchses auf dem Radstreifen
(vgl. Urk. 41 S. 2).
3.3 Das Anklageprinzip wird mit der Annahme, die Beschuldigte könne sich
durch die Behauptung nicht entlasten, ein Abschuss des verletzten Fuchses sei
mit der von ihr mitgeführten Schrotflinte aus Sicherheitsgründen nicht möglich
gewesen, nicht verletzt. Die Verteidigung weist zwar richtig daraufhin, dass der
Beschuldigten in der Anklageschrift vorgeworfen werde, sie habe lebende Tiere
verwendet, um Hunde auszubilden und zu prüfen (Urk. 41 S. 4). Der Anklagevor-
wurf erschöpft sich aber nicht darin. Vielmehr wird der Beschuldigten darüber hin-
aus zur Last gelegt, vorsätzlich Tiere auf qualvolle Art oder aus Mutwillen getötet
zu haben, indem sie den verletzten, fluchtunfähigen Fuchs nicht vorschriftsge-
mäss abgeschossen, sondern ihn durch ihre Schweisshündin habe zu Tode beis-
sen lassen, wodurch der Fuchs unter qualvollen Schmerzen, Leiden und Ängsten
zu Tode gekommen sei (Urk. 13 S. 1 f.). Der Beschuldigten wird mithin explizit
vorgeworfen, das verletzte Wildtier entgegen den Vorschriften nicht abgeschos-
sen zu haben. Im Rahmen dieses Vorwurfes ist die Entlastungsbehauptung der
Beschuldigten, mit der von ihr mitgeführten Schrotflinte sei aus Sicherheitsgrün-
den objektiv und nach ihrer subjektiven Beurteilung ein Abschuss des Fuchses
nicht möglich gewesen, zu prüfen. Das hat auch die Verteidigung gesehen und
sich zur Thematik bereits vor Vorinstanz materiell geäussert (Urk. 33 S. 5).
4. Im erstinstanzlichen Urteil wurden die rechtstheoretischen Grundlagen der
Beweiswürdigung und der Würdigung von Aussagen mit der Unterscheidung zwi-
schen der allgemeinen Glaubwürdigkeit der aussagenden Person und der Glaub-
haftigkeit des konkreten Inhalts der Aussagen zutreffend aufgeführt (Urk. 40 S. 5
ff.) und die Aussagen der Einvernommenen korrekt zusammengefasst wiederge-
geben (Urk. 40 S. 8 f.), sodass darauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4
StPO). Hinsichtlich der generellen Glaubwürdigkeit gelangt die Vorinstanz zutref-
fend zum Schluss, dass sowohl der Zeuge sowie die Beschuldigte grundsätzlich
glaubwürdig erscheinen (vgl. Urk. 40 S. 8).
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5.1.1 Polizeilich befragt (Urk. 3/2) führte die Beschuldigte zur Frage der Fluchtfä-
higkeit des verletzten Fuchses aus, sie habe nach kurzer Beurteilung der Sachla-
ge ihre ausgebildete Vorsteh-Hündin mit dem Befehl "Apport" geschnallt. Darauf
habe sich der Fuchs erhoben und habe sich ins hohe Gras begeben. Der Fuchs
sei offensichtlich schwer verletzt gewesen und wäre ganz sicher geflüchtet, wenn
er dazu im Stande gewesen wäre. Füchse seinen zäh und wehrhaft. Sie hätten
sieben Leben. Auf die Frage, ob der Fuchs demnach nicht mehr fluchtfähig gewe-
sen sei, antwortete sie, man könne bei Füchsen nie wissen. Solange sie die Hün-
din im Auto gehabt habe, habe der Fuchs keine Anstalten gemacht zu fliehen.
Erst als die Hündin bei ihm gewesen sei, habe er versucht zu fliehen. Auf ent-
sprechenden Vorhalt bejahte die Beschuldigte sodann, dass es möglich gewesen
wäre, den verletzten Fuchs mit einem sicheren Schuss aus einer Distanz von acht
bis zehn Metern zu töten, ohne dass dieser die Flucht ergriffen hätte. Der Fuchs
habe beim Einsatz der Hündin Fluchtverhalten gezeigt und sei ein paar Meter ins
Grüne geflohen. Dass der Fuchs gemäss dem Melder kein Fluchtverhalten ge-
zeigt habe, stimme nicht (Urk. 3/2 S. 2 f.). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme gab sie zu Protokoll, dass der Fuchs seinen Standort nicht verän-
dert habe, solange sie vor Ort gewesen sei. Der Fuchs habe noch nicht versucht
zu flüchten. Er sei auf dem asphaltierten Radweg gesessen. Er habe sich in einer
Position zwischen sitzen und liegen befunden. Sie habe ihn als fluchtfähig einge-
stuft, weil er noch leicht am Sitzen gewesen sei. Als die Hündin sich dem Fuchs
genähert habe, sei der Fuchs weggegangen. Auf Vorhalt ihrer polizeilichen Aus-
sage, wonach der Fluchs sicher geflüchtet wäre, wenn er dazu im Stande gewe-
sen wäre, erklärte die Beschuldigte, dass ein sitzender Fuchs immer fluchtfähig
sei. Der Fuchs sei fluchtfähig, wenn er sich fortbewegen könne, die Geschwindig-
keit des Fortbewegens sei nicht massgebend. Auf die Frage, wieso sie die Flucht-
fähigkeit des Fuchses nicht näher abgeklärt habe, wie beispielsweise durch An-
nähern, entgegnete die Beschuldigte, dass dann der Fuchs unter Umständen ge-
gangen wäre (Urk. 3/4 S. 4-6). In der vorinstanzlichen Hauptverhandlung wieder-
holte sie ihre bereits gemachten Aussagen und erklärte auf die Frage, wie und
aus welcher Distanz sie geprüft habe, ob der Fuchs fluchtfähig gewesen sei, dass
sie ihn aus einer Distanz von ca. zehn Metern sitzend gesehen habe. Der Fuchs
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habe sich nicht bewegt, sei gesessen und bei Bewusstsein gewesen. Aufgrund
dieser Umstände sei sie davon ausgegangen, er sei fluchtfähig. Der Fuchs habe
einen Schock gehabt, da er von einem Auto angefahren worden sei. Ein Fuchs
sei sehr zäh und könne sich schnell von einem Schock erholen (Urk. 31 S. 5-7).
Anlässlich des Berufungsverfahrens erklärte die Beschuldigte, dass der Fuchs
möglicherweise weggegangen wäre, hätte sie sich ihm genähert. Dies habe sich
ja auch bestätigt, als die Hündin zum Fuchs hingegangen sei. Auf entsprechende
Frage erklärte die Beschuldigte, sie habe damit gerechnet, dass der Fuchs trotz
den offensichtlichen Verletzungen plötzlich hätte davonrennen können (Port. II
S. 12).
5.1.2 Der Zeuge D._ erklärte bei der Polizei, er habe einen Fuchs auf der
Strasse sitzen sehen. Dieser sei offensichtlich angefahren worden und habe
schwer verletzt gewirkt. Auf der Strasse sei Blut zu sehen gewesen und es habe
danach ausgesehen, dass der Fuchs erbrochen habe. Er, der Zeuge, habe auf
innere Verletzungen geschlossen und unverzüglich die Polizei alarmiert. Der
Fuchs habe absolut kein Fluchtverhalten gezeigt. Es habe absolut fluchtunfähig
gewirkt. So habe er, der Zeuge, sich dem Tier bis auf einen Meter nähern können,
ohne dass der Fuchs geflüchtet sei. Vermutlich habe er schwere Verletzungen im
Beckenbereich gehabt, denn er habe sich nur noch mit den Vorderpfoten krie-
chend fortbewegen können. Da sich der Fuchs noch auf der Fahrbahn befunden
habe, habe er, der Zeuge, versucht, ihn mit dem Schirm an den Rand zu treiben.
So sei er in den Grünstreifen zwischen Radweg und Strasse gekrochen. Nach ca.
30 Minuten sei dann eine Frau mit einem Pick-up zur Unfallstelle gekommen. Sie
habe sich vorgestellt. Er habe sie gefragt, ob sie den Fuchs schiessen werde. Die
Frage habe sie zu seinem Erstaunen aber verneint, denn ein Schusseinsatz wäre
absolut unproblematisch gewesen, da der Fuchs immer am gleichen Ort geblie-
ben sei und aufgrund seiner Verletzungen nicht habe fliehen können. Man hätte
sich dem Tier problemlos mit einer Waffe auf kurze Distanz nähern können. Als
die Beschuldigte auf dem Platz gewesen sei und den Hund aus dem Fahrzeug
gelassen habe, sei der Fuchs absolut ruhig an derselben Stelle im Grünstreifen
zwischen Radweg und Strasse sitzengeblieben. Es sei auch so, dass während
der Wartezeit bis zum Eintreffen der Jagdaufsicht mindestens zwei grosse Last-
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wagen von ... Richtung ... gefahren seien. Auch dabei habe der Fuchs keinerlei
Fluchtverhalten gezeigt und sei in seiner sitzenden Position am Strassenrand
verharrt (Urk. 3/1 S. 2 f.). Bei der Staatsanwaltschaft bestätigte der Zeuge diese
Aussagen im Wesentlichen. Der Fuchs sei bei seinem Eintreffen Mitten auf der
Strasse gesessen und habe mit den Hinterbeinen nicht recht gekonnt. Er sei blu-
tig gewesen. Er habe immer wieder versucht, sich zu bewegen und sei dann über
die Strasse auf die rechte Seite gekrochen. Er habe nicht mehr laufen können. Er
habe gewollt, dass der Fuchs nicht überfahren werde. Er sei nahe an ihn heran-
gegangen und habe versucht, ihn mit dem Schirm von der Strasse zu treiben. Es
seien ein paar Autos und dann zwei grosse Lastwagen gekommen. Als die Be-
schuldigte gekommen sei, sei der Fuchs im Grünen neben der Strasse gewesen.
Solange er, der Zeuge, vor Ort gewesen sei, habe der Fuchs nichts gemacht.
Zwischendurch habe er sich erbrochen, wie er, der Zeuge, glaube. Der Fuchs ha-
be nichts machen können. Er habe auch nicht reagiert als er, der Zeuge, mit sei-
nem Auto herangefahren gekommen sei. Er selber habe sich wahrscheinlich bis
auf zwei Meter an den Fuchs heranbegeben. Wahrscheinlich hätte er auch näher
gehen können. Der Fuchs sei einfach ein schwer verletztes Tier gewesen, das
nichts habe machen können. Er sei gekrochen. Hinten habe er sich nicht mehr
bewegen können, nur noch die Vorderbeine. Er, der Zeuge, habe als der Fuchs
seine Position verändert habe über die Strasse nachgeholfen. Als der Fuchs auf
der Höhe des Mittelstreifens gewesen sei, sei er wohl selber über den Veloweg
gegangen. Schnell habe er sich nicht bewegen können, er habe nur noch krie-
chen können. Der Fuchs habe sich über eine Distanz von ca. fünf Meter bewegt
und dafür ca. 3⁄4 Stunden benötigt (Urk. 3/3 S. 3 ff.).
5.1.3 Der Zeuge beobachtete den verletzten Fuchs und sein Verhalten - anders
als die Beschuldigte - während längerer Zeit aus nächster Nähe. Seine Aussagen
sind detailliert und anschaulich. Es besteht keinerlei Veranlassung, an ihnen zu
zweifeln. Aus ihnen ergibt sich, dass der Fuchs derart schwer verletzt war, dass
sich ihm ein Mensch problemlos auf ein bis zwei Meter nähern konnte. Sie stim-
men im Ergebnis mit der ersten Aussage der Beschuldigten überein, wonach der
Fuchs offensichtlich schwer verletzt gewesen sei und ganz sicher geflüchtet wäre,
wenn er dazu im Stande gewesen wäre. Konnte sich ein Mensch dem verletzten
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Fuchs aber auf kurze Distanz nähern, war es auch möglich, ihn abzuschiessen.
Fluchtfähig war der verletzte Fuchs somit objektiv nicht. Dass er sich, als der
Hund der Beschuldigten sich ihm näherte, allenfalls noch etwas wegbewegt, än-
dert daran nichts. Ernsthaftes Fluchtverhalten zeigte der Fuchs in diesem Moment
im Übrigen selbst nach der Darstellung der Beschuldigten nicht.
5.1.4 Den Fuchs abschiessen, wollte die Beschuldigte jedoch offensichtlich von
Anfang an nicht. Anders ist nicht zu erklären, dass sie auch gemäss ihren eigenen
Aussagen ohne Nachfrage beim Zeugen, welcher das verletzte Tier gemeldet hat-
te, und ohne persönlichen Versuch, sich dem verletzten Tier zu nähern, den Ein-
satz des Hundes beschloss (Urk. 3/2 S. 2; Urk. 3/4 S. 6). Dass sie die Fluchtfä-
higkeit des Fuchses nicht durch Annäherung abklärte, da dann der Fuchs unter
Umständen gegangen wäre (Urk. 3/4 S. 6; Prot. II S. 12), überzeugt angesichts
des Umstandes, dass der Beschuldigte ein ausgebildeter Schweisshund zur Ver-
fügung, um allenfalls eine Nachsuche durchzuführen, nicht. Vielmehr ist die Aus-
sage der Beschuldigten, es habe für sie keinen Grund gegeben, eine Schusswaf-
fe einzusetzen, wenn sie einen ausgebildeten Hund bei sich habe, welcher diese
Aufgabe bestens und sicherer für alle erfülle (Urk. 3/2 S. 2), im vorliegenden Zu-
sammenhang entlarvend. Ihre Aussage, wonach sie aufgrund der sitzenden Hal-
tung des Fuchses darauf geschlossen habe, dieser sei fluchtfähig, ist vor diesem
Hintergrund als Schutzbehauptung zu werten. Jedenfalls hätte sie die Fluchtunfä-
higkeit des Wildtieres aber durch Annäherung an dieses ohne Weiteres erkennen
können und müssen. Damit entfällt auch ohne Weiteres die Annahme eines - von
der Verteidigung ins Feld geführten (Urk. 41 S. 5; Urk. 58 S. 8) - Sachverhaltsirr-
tums.
5.2.1 Mit der Anklagebehörde ist sodann davon auszugehen, dass ein Abschuss
des verletzten Fuchses aufgrund der örtlichen und zeitlichen Verhältnisse (freie
Sicht in alle Richtungen, keine Passanten, wenig bis kein Motorverkehr) mit einer
für den Abschuss von verletzten Wildtieren zugelassenen Schusswaffe objektiv
möglich gewesen wäre. Zur Tatzeit, am 26. August 2014 um ca. 5.30 Uhr, regnete
es leicht und es dämmerte (Urk. 1 S. 3). Das Verkehrsaufkommen war gemäss
den Aussagen des Zeugen gering, Passanten hatte es in der Nähe keine (Urk. 3/1
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S. 4). Die Beschuldigte behauptet nichts davon Abweichendes; sie hatte keine
Passanten bemerkt und auch kein grosses Verkehrsaufkommen in Erinnerung
(Urk. 3/2 S. 3; Urk. 3/4 S. 7). Die örtlichen Verhältnisse sind übersichtlich
(Urk. 2/1). Damit erübrigt sich auch die mit Eingabe vom 21. Dezember 2015 be-
antragte Befragung von Dr. E._ als sachverständiger Zeuge in Bezug auf die
Frage, ob ein Kugelschuss auf den verletzten Fuchs geeignet gewesen wäre,
Menschen, Tiere oder Sachen zu gefährden und nur mit dem Einsatz des Hundes
diese Gefahr hätte vermieden und der Fuchs erlöst werden können (Urk. 54 S. 9).
Ob die konkreten Verhältnisse den Abschuss des Fuchses auch mit der von der
Beschuldigten mitgeführten Schrotflinte erlaubt hätte, kann wie erwogen offen
bleiben.
5.2.2 Davon, dass der Abschuss des Fuchses jedenfalls mit einer Faustfeuerwaf-
fe aufgrund der Umstände objektiv möglich gewesen wäre, geht letztlich auch die
Beschuldigte aus. Sie zog den Einsatz ihrer Hündin dem Schusswaffeneinsatz
einfach grundsätzlich vor, wie ihre Aussage zeigt, dass ein Schusswaffeneinsatz
wohl möglich gewesen wäre, es für sie aber keinen Grund gebe, eine Schusswaf-
fe einzusetzen, wenn sie einen ausgebildeten Hund bei sich habe, welche diese
Aufgabe bestens und sicherer für alle erfülle (Urk. 3/2 S. 2, 3, 6). Die Umstände,
also das Verkehrsaufkommen, allfällige Passanten und Velofahrer, standen bei ih-
rer Entscheidung, das verletzte Tier nicht abzuschiessen, denn auch explizit nicht
im Vordergrund (Urk. 3/2 S. 3; Prot. II S. 15), wozu passt, dass die Beschuldigte
zwar von Anfang an in allgemeiner Form Sicherheitsgründe erwähnte (Urk. 3/2
S. 2, 5, 6), sich aber weder an das Verkehrsaufkommen noch an allfällige Pas-
santen etc. konkret zu erinnern vermochte (Urk. 3/2 S. 3; Urk. 3/4 S. 7). Unbe-
achtlich ist daher, dass die Beschuldigte ortskundig war. Die Aussagen des Zeu-
gen bestätigen dieses Bild. Er schilderte seinen Kontakt mit der Beschuldigten de-
tailliert, lebensnah und ohne dass irgendwelche Anhaltspunkte für Übertreibungen
oder eigentliche Falschaussagen vorliegen würden. Demnach begab sich die Be-
schuldigte, nachdem sie die Frage des Zeugen, ob sie den Fuchs abschiessen
werde, verneint hatte, ohne Abklärung der Situation unverzüglich zu ihrem Auto,
öffnete dessen Türe, liess ihren Hund aus dem Wagen und führte diesen zum
Fuchs (Urk. 3/1 S. 2 f.; Urk. 3/3 S. 3; Prot. II S. 11).
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5.3 Der Zeuge schilderte bei der Polizei, dass die Hündin den Fuchs im Fang
gepackt und heftig geschüttelt habe. Dabei habe der Fuchs grauenhaft geschrien.
Die Schreie des Fuchses seinen ihm durch Mark und Bein gegangen (Urk. 3/1
S. 2). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme wiederholte der Zeu-
ge, dass die Hündin den Fuchs gepackt und geschüttelt habe. Der Fuchs habe
gequietscht. Er habe sich beschissen gefühlt, als er im Auto gewesen sei. Er habe
geheult und gedacht, dass er den Fuchs doch besser hätte überfahren lassen
(Urk. 3/3 S. 3, 6). Die Beschuldigte ihrerseits bestritt in der polizeilichen Befra-
gung nicht, dass der Fuchs allenfalls Schmerzlaute von sich gegeben habe. Das
könnte möglich sein, sie könne sich nicht mehr genau daran erinnern, da sie oft
ausrücke (Urk. 3/2 S. 4). In der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft gab
sie zu Protokoll, der Fuchs habe geklagt. Sie wisse nicht, ob der Klagelaut eine
halbe Sekunde gegangen sei. Ein Klagelaut sei immer zu lang, womit sie meine,
dass er immer herzergreifend sei (Urk. 3/4 S. 9). Es ist damit erstellt, dass der
Fuchs Klagelaute von sich gab. Klagelaute werden bei Schmerzen oder aber
auch bei Angst ausgestossen und sind auch ein Zeichen dafür, dass der Tod nicht
sofort eintritt. Durch das Abwürgen mittels der Hündin erlitt der verletzte Fuchs
somit Qualen in Form von Ängsten und Schmerzen, die er nicht erlitten hätte,
wenn er abgeschossen und so unmittelbar getötet worden wäre. Die Beschuldigte
wusste aufgrund ihrer Erfahrung, dass beim Abwürgen die betroffenen Tiere unter
Umständen herzergreifende Klagelaute ausstossen. Dadurch nahm sie zumindest
in Kauf, dass vorliegend der verletzte Fuchs durch das Abwürgen ihrer Hündin un-
ter qualvolle Schmerzen, Leiden und Ängsten zu Tode kommt.
5.4 Demnach ist erstellt, dass der Fuchs aufgrund seiner Verletzungen fluchtun-
fähig war und von der Beschuldigten aufgrund der gegebenen Örtlichkeiten und
Uhrzeit gefahr- und problemlos hätte abgeschossen werden können, was der Be-
schuldigten bewusst war oder zumindest bewusst hätte sein können und müssen.
Stattdessen führte sie ihre Schweisshündin zum Fuchs und die Hündin verbiss
sich in den Fuchs. Dadurch kam der Fuchs unter qualvollen Schmerzen, Leiden
und Ängsten zu Tode, was die Beschuldigte zumindest in Kauf nahm.
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5.5 Die rechtliche Würdigung dieses Sachverhaltes durch die Staatsanwalt-
schaft und die Vorinstanz als Vergehen gegen das Tierschutzgesetz im Sinne von
Art. 26 Abs. 1 lit. b TSchG in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a
TSchV ist zutreffend. Die Beschuldigte ist entsprechend schuldig zu sprechen.
6. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass sich die Beschuldigte gegen den Ab-
schuss des verletzten Fuchses und für den Einsatz ihre Schweisshündin ent-
schied, weil sie eine Gelegenheit sah, die Ausbildung ihrer Hündin zu prüfen bzw.
deren Wildschärfe zu trainieren. Die Vermutung liegt nahe. Sie ist aber nicht
zwingend. Jedenfalls kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Beschuldigte
den Einsatz ihrer Hündin aus in ihrer eigenen Person liegenden Gründen dem
Abschuss vorzieht. Aussagen der Beschuldigten, welche darauf schliessen lies-
sen, dass sie den Hund zu Ausbildungs- oder Trainingszwecken auf den Fuchs
losliess, liegen nicht vor. Dass die Beschuldigte die Hündin zu Trainings- bzw.
Ausbildungszwecken auf den verletzten Fuchs losliess, lässt sich aufgrund der
gegebenen Beweismitteln damit nicht rechtsgenügend erstellen. Die Beschuldigte
ist daher der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz im Sinne von dessen
Art. 28 Abs. 1 lit. g in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 lit. d TSchV freizusprechen.
7.1 Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden von der
Vorinstanz unter Hinweis auf die Lehre und Rechtsprechung korrekt und umfas-
send wiedergegeben (Urk. 40 S. 12 f.). Die zu beurteilende Widerhandlung gegen
das Tierschutzgesetz ist mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe zu
bestrafen (Art. 26 Abs. 1 lit. b TSchG in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 und Abs. 2
lit. a TSchV).
7.2 Die Beschuldigte setzte ein Wildtier in ihrer Funktion als Jagdpächterin und
damit in einer mit erhöhter Verantwortung für das Wohlergehen von Tieren ver-
bundenen Funktion einem qualvollen Tod aus. Allerdings litt der Fuchs aufgrund
seiner Verletzungen ohnehin und war dem Tod geweiht. Das widerrechtliche Ver-
halten der Beschuldigten erschöpfte sich in der Wahl des Mittels der Tötung unter
den gegebenen Umständen und der Todeskampf des verletzten Fuchses als Fol-
ge dieser falschen Wahl war nur kurz. Sie handelte weder besonders grausam
noch gemein. Objektiv wiegt das Verschulden der Beschuldigten daher noch
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leicht. Was die subjektive Tatschwere anbelangt, ist von einer eventualvorsätzli-
chen Tatbegehung der Beschuldigten auszugehen. Ihr Motiv bleibt im Dunkeln.
Jedenfalls muss sie sich aber eine nicht nachvollziehbare Nonchalance beim Tö-
ten von verletzten Wildtieren vorwerfen lassen, löste sie ihre Aufgabe doch zuge-
gebenermassen bereits in der Vergangenheit wiederholt durch den Einsatz ihrer
Hündin. Die subjektive Tatschwere vermag die objektive Schwere der Tat jeden-
falls nicht zu mindern. Das Verschulden ist daher als insgesamt noch leicht zu ta-
xieren. Es erweist sich eine Einsatzstrafe von 90 Tagessätzen als dem Verschul-
den angemessen.
7.3 Betreffend die persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten ist festzuhal-
ten, dass sie verheiratet ist und zwei volljährige Kinder hat. Sie arbeitet als selb-
ständige Immobilienmaklerin in ... und versteuert zusammen mit ihrem Ehemann
ein Einkommen in der Höhe von etwa Fr. 440'000.–. Ihr Ehemann ist pensioniert.
Sie besitzen Liegenschaften, daraus resultiere auch das Einkommen. Zudem ha-
ben sie Schulden in Form von Hypotheken (Urk. 3/2 S. 6; Urk. 3/4 S. 2; Urk. 31
S. 2; Prot. II S. 8 f.). Aus den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten erge-
ben sich keine Anhaltspunkte, die für die Strafzumessung von Bedeutung wären.
Andere straferhöhende oder strafmindernde Faktoren fehlen. Insbesondere ist die
Beschuldigte nicht vorbestraft (Urk. 8/1). Insgesamt bleibt es demnach bei einer
Gesamtstrafe von 90 Tagessätzen Geldstrafe.
7.4 Gemäss Steuererklärung 2013 versteuerte die Beschuldigte zusammen mit
ihrem Ehemann ein Einkommen von etwa Fr. 440'000.–. Sie besitzen Vermö-
genswerte in der Höhe von ca. Fr. 10'800'000.–, wobei sie Schulden in der Höhe
von Fr. 7'200'000.– ausweisen (Urk. 22/2; Prot. II S. 9). Vor diesem Hintergrund
besteht kein Anlass, von dem von der Staatsanwaltschaft beantragten und von
der Vorinstanz festgesetzten Tagessatz von Fr. 460.– abzuweichen. Ein entspre-
chender Antrag wird denn auch weder von der Beschuldigten noch von der An-
schlussberufungsklägerin gestellt.
7.5 Die Vorinstanz hat sich zutreffend zum Vollzug geäussert, worauf verwiesen
werden kann (Urk. 40 S. 15). Die Beschuldigte verfügt über keine Vorstrafe und
es ist davon auszugehen, dass sie in Zukunft von erneuter Delinquenz absehen
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wird. Die Geldstrafe ist folglich mit der Vorinstanz bedingt auszufällen. Die Probe-
zeit ist auf 2 Jahre festzusetzen.
7.6 Somit ist die Beschuldigte mit einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessät-
zen zu Fr. 460.– unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren zu bestrafen.
III.
1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziffern 5 und 6)
zu bestätigen.
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte unter-
liegt mit ihrer Berufung vollumfänglich, weshalb sie die Kosten des Berufungsver-
fahrens zu tragen hat.