Decision ID: d4ccc714-d024-4665-a4f8-18c7784ebc60
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1967 geborene
X._
, Mutter zweier Töchter (geboren 1986 und 1997), reiste im Jahr 2003 in die Schweiz ein, wo sie als Hausfrau tätig war und stundenweise Reinigungsarbeiten verrichtete. Im Juli 2005 traten bei der Versicherten Blutungsstörungen auf. Im Rahmen der deswegen getätigten ärztli
chen Abklärungen wurde ein
Zervixkarzinom
festgestellt, weswegen am 19. Oktober 2005 eine erweiterte radikale Hysterektomie nach Wertheim-
Meigs
mit
perviner
und
paraortaler
Lymphonodektomie
vorgenommen und vom 20. Dezember 2005 bis 30. Januar 2006 eine kombinierte Radio-/Chemotherapie durchgeführt wurde. Seither litt die Versicherte unter Abdominal- und
ver
schiedensten anderen Beschwerden und ging keiner Erwerbstätigkeit mehr
nach (Urk. 6/
7/2,
Urk.
6/20/2 und Urk. 6/29-32
).
Am 9. März und 27. April 2010 wur
den im Spital
Y._
eine diagnostische Laparoskopie
und partielle
Adhäsio
lyse
respektive
eine Revisionslaparotomie und komplette
Adhäsiolyse
bei seg
mental postaktinischer Entzündung des Darmes, Appendektomie und partieller rechtsseitiger
Omentektomie
durchgeführt
(Urk. 6/10/10-11 und Urk. 6
/10/14
-
15).
Am 27. April 2010 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
erstmals
zum Leis
tungsbezug
an
(Urk. 6
/2).
Nach Vornahme erwerblicher und medizinischer Abklärungen, in deren Rahmen unter anderem eine Untersuchung beim Regiona
len Ärztlichen Dienst (RAD) stattfand (RAD-Untersuchungsbericht vom 21. Feb
ruar 2011
[
Urk. 6
/18
]) und die IV-Stelle die Beeinträchtigungen im Haushalt vor Ort abklärte (Abklärungsbericht der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und
Haushalt [
Urk. 6
/20
]) sowie nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 4. Juli
2011 [
Urk. 6
/24
]
; Einwand vom 3. August 2011 [
Urk. 6
/25])
verneinte die IV-Stelle, ausgehend von einer 50%igen Erwerbs- und einer 50%igen Haushalttätigkeit im Gesundheitsfall und einem Gesamtinvalidi
tätsgrad von 12 %, mit Verfügung vom 20. Januar 2012 einen Anspruch
der Ver
sicherten
auf eine Invalidenrente (
Urk. 6
/32).
1.2
Am 7. April 2014 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
(
Urk. 6
/34).
Mit Vorbescheid vom 16. Mai 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht, auf das Leistungsbegehren nicht einzutreten
(
Urk. 6
/40).
Hieran hielt die IV-Stelle nach dem Einwand der Versi
cherten vom 30. Mai 2014 (Schreiben von Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Allgemeine
Innere
Medizin, vom 23. Mai
2014 [
Urk. 6
/43])
mit Verfügung vom 6. November 2014
fest (
Urk. 6
/46).
Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom
hiesigen Gericht mit Urteil
IV.2014.01256
vom 13. Juni 2016 abgewiesen (Urk. 6/51).
1.3
Sodann meldete sich die Versicherte am 6. April 2017 (Eingangsdatum) erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 6/57). Ihrer Anmeldung legte sie einen Bericht von
Dr.
Z._
vom 3. April 2017 bei (Urk. 6/56). Ferner reichte Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
zwei psychiatrische Berichte
ein, datierend vom
23. März 2017
und
vom 19. Oktober 2017 (Urk. 6/60, Urk. 6/65).
Mit Vorbescheid vom 30. Oktober 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten einen
Nichteintretensentscheid
in Aussicht (Urk. 6/67), wogegen die Versicherte – unter Beilage eines Schreibens von Dr.
Z._
(Urk. 6/68) – mit Eingabe vom 25. November 2017 Einwand erhob (Urk. 6/69).
Mit Mitteilung vom 18. Januar 2018 informierte die IV-Stelle die Versicherte über die Notwendigkeit einer polydisziplinären Untersuchung (Urk. 6/72). Am 25. Januar 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass auf eine Begutachtung verzichtet werde (Urk. 6/73). Mit Verfügung vom 30. Januar 2018 trat die IV-Stelle auf das Leistungsbegehren der Versicherten nicht ein (Urk. 2 = Urk. 6/75).
2.
Gegen die Verfügung vom 30. Januar 2018
erhob die Versicherte mit Eingabe vom 8. Februar 2018 Beschwerde und beantragte
sinngemäss
, es sei die ange
fochtene Verfügung aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin
anzuweisen, auf das Leistungsbegehren einzutreten (Urk. 1, unter Beilage
eines
Schreibens von Dr.
Z._
vom 8. Februar 2018 [Urk. 3])
. Mit Beschwerdeantwort vom 19. März 2018 schloss die
Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage ihrer Akten Urk. 6/1-76), was der
Beschwerdeführerin
mit Verfü
gung vom 20. März 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7). Am 10. April 2018
äusserte sich Dr.
Z._
ergänzend zu seinem Schreiben vom 8. Februar 2018 (Urk. 8). Die betreffende Eingabe wurde der
Beschwerdegegnerin
sodann
mit Mitteilung vom 12. April 2018 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk.
9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2
dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revi
sionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versi
cherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
1.2
Zur Frage des Bedeutungsgehalts des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV hat das Bundes
gericht in BGE 130 V 64 E. 5.2.5 festgehalten, dass die versicherte Person mit dem Revisionsgesuch oder der Neuanmeldung die massgebliche Tatsachenände
rung glaubhaft machen muss, ihr mithin ausnahmsweise eine Beweisführungslast zukommt. Tritt die Verwaltung auf das erneute Leistungsbegehren ein, hat sie demgegenüber gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungs
rechts, ATSG;
Art. 57
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, IVG,
in Ver
bindung mit Art. 69 ff. IVV; SVR 2006 IV Nr. 10 S. 39 E. 4.1 [I 457/04]; vgl. auch BGE 117 V 198 E. 3a).
1.3
Mit
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweige
rung immer wieder mit
gleich lautenden
und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen mu
ss (BGE 109 V 108 E. 2a, 262 E.
3). Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwür
dig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungs
begehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in rechtlicher) Hinsicht allsei
tig zu prüfen (BGE 117 V 198 E.
3a und E
. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E.
5.2, 7
1 E.
2.2 mit Hinweisen).
1.4
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt
sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010 vom
7.
April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 2
8.
Februar 2012 E. 3.3.2).
1.5
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung
ist von Amtes wegen zu prüfen
, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichteintretensverfü
gungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begrün
dungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ers
ten Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prüfung des geltend gemach
ten Rentenanspruchs und wurde dieser nach rechtskonformer Sachverhaltsabklä
rung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungsan
sprechende Person dieses Ergebnis – vorbehältlich der Rechtsprechung zur Wie
dererwägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinwei
sen) – bei einer weiteren Neuanmeldung entgege
nhalten lassen (BGE 130 V 71 E.
3.2.3
; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.
).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde
im Wesentlichen
erwogen, es
habe
keine wesentliche Änderung der beruflichen oder medizinischen Situation festgestellt werden können. Folglich könne nicht auf das neue Gesuch eingetreten werden (Urk. 2).
2.2
Die
Beschwerdeführerin
stellte sich dagegen – mit Verweis auf das Schreiben von Dr.
Z._
vom 8. Februar 2018
(Urk. 3)
– auf den Standpunkt, ihre gesundheit
lichen Probleme hätten sich seit 2014 verstärkt. Trotz den Behandlungen beim Psychiater und mit verschiedenen Medikamenten sei sie nicht in der Lage, eine Erwerbstätigkeit zu suchen und auszuführen (Urk. 1).
3.
3.1
Vorliegend gilt es zu prüfen, ob
von der
Beschwerdeführerin
glaubhaft dargelegt wurde, dass sich der Grad ihrer Invalidität seit dem Erlass d
er Verfügung vom 20. Januar 2012
(Urk. 6/32) in einer anspruchsrelevanten Weise geändert hat (vgl. E. 1.1).
Der
Verfügung
der IV-Stelle
vom 6. November 2014
(Urk. 6/46)
bezie
hungsweise
dem Urteil des
hiesigen Gerichts vom 13. Juni 2016 (Urk. 6/51)
ging
keine materielle
Prüfung des Rentenanspruchs vor
aus
,
weshalb
diese Entscheide
nicht als
Vergleichsbasis
taugen
(vgl. E. 1.5)
.
3.2
Die Verfügung vom 20. Januar 2012
basierte in medizinischer Hin
sicht auf dem RAD-Untersuchungsbericht von Dr. med.
B._
, Fachärztin FMH für
Allge
meine
Innere Medizin, vom 21. Februar 2011 (Urk. 6/18). Diesem können fol
gende Diagnosen entnommen werden (Urk. 6/18/3):
-
Status nach
Zervixkarzinom
pT1 b2 pN1 (3/57) G2 R0 mit erweiterter radi
kaler Hysterektomie nach Wertheim mit
pelviner
und
paraaortaler
Lymph
nodektomie
10/2005
-
Status nach kombinierter Radiotherapie und Chemotherapie mit
Cispla
tin
20.12.2005 – 30.01.2006
-
Status nach diagnostischer
Laparaskopie
und partieller
Adhäsiolyse
am 09.03.2010
-
Status nach
Revisionslaparatomie
mit
Adhäsiolyse
bei segmental post
ak
ti
nischer Entzündung des Darmes, Appendektomie und partiell rechtssei
tiger
Omentektomie
04/2010
Zur versicherungsmedizinischen Beurteilung führte Dr.
B._
aus, die
Versicherte
leide an chronischen
Abdominalbeschwerden
. Die Schmerzen tr
ä
ten vor allem unter Belastung auf
, beispielsweise
wenn die
Versicherte
Gegenstände heb
e
. Objektiv finde sich in der Anamnese ein Status nach einem
Ze
rvi
xkarzinom
mit Bestrahlung und Chemotherapie und zweimaliger operati
ver Behebun
g von Ver
wachsungen. Weiterhin sei
eine verlangsamte Darmpas
sage objektiv ausgewie
sen. Aufgrund der operativen Vorgeschichte und der Beschwerden
sei der
Versi
cherten
keine Tätigkeit mehr zuzumuten
,
in der sie mehr als 5 kg schwere Gewichte heben m
ü
ss
e
. Die unspezifischen allge
meinen Gelenkbeschwerden
, wel
che
die
Versicherte
ang
e
b
e
,
würden
bei dieser Einschätzung ebenfalls berücksich
tigt.
Die
Versicherte
sollte eine Tätigkeit ausüben
,
in der sie regelmässig kleine Mahlzeiten zu sich nehmen k
ö
nn
e
und ausgiebig Zeit für die Essenspausen
erhalte
. Bezüglich der geklagten Inkontinenz
,
welche beim Laufen auftr
ete, sei
zu empfehlen, dass die
Versicherte
nicht in Nässe oder Kälte arbeite
,
da hierdurch eine vermehrte Gefahr von Harnwegsinfekten besteh
e,
und
dass
jederzeit eine Toilette auf
ge
such
t
wer
den könne. Die
im
Arztz
eugnis
von Dr. med.
C._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Medizin, vom 1
6.
Juni 2010
postulierte 100
%ige
Arbeitsunfähigkeit
als Reinigungsangestellte seit
dem
25.
August
2005 k
ö
nn
e
nachvollzogen wer
den. Dies deck
e
sich mit der Einschätzung von
Dr. med.
D._
,
FMH
für
All
gemeinmedizin,
welche
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Rei
nigungsfrau für nicht mehr zumutbar h
a
lt
e
und ang
ebe
, dass seit
dem Jahr
2005 das Heben von Lasten
grösser als
4 kg
wegen der Abdominal-
B
eschwerden nicht mehr möglich
sei
.
Die Beurteilung von Dr.
C._
im Bericht
zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 16. Juni
2010 über eine angepasste Tätigkeit
,
rein sit
zend
,
4 St
unden
pro Tag und wechselbelastend
2-4
Stunden pro
Tag, geltend ab 2
6. August 2005, sei nachvollziehbar.
Zusammenfassend k
ö
nn
e
von einer 100%
igen Arbeitsunfähig
keit
als Reinigungsangestellte seit
dem Jahr
2005 aus
gegangen werden und
von
einer A
rbeitsfähigkeit
von 4 St
unden
pro Tag an
5
Tagen
in der
Woche (d
.h.
100 % Arbeitsfähigkeit
in
einer
angepasste
n
Tätigkeit
,
bezogen auf das zuletzt ausgeübte Pensum von 3 Stunden
pro Tag während
5
Tage
n
in der
Woche) in einer wechselbelastenden, überwiegend sitzenden Tätig
keit ohne das Heben von Gewichten von 4 oder 5 kg, ohne Arbeiten in Nässe und Kälte und der Möglich
keit, regelmässig kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen und jederzeit eine Toi
lette aufzusuchen
.
Eine Einschränkung im Haushalt
sei
durch die Einschränkung
beim
Heben und Tragen schwerer Gegenstände mit überwie
gender Wahrschein
lichkeit zu erwarten. Medizinische Massnahmen zur Verbes
serung der A
rbeits
fähigkeit
könn
t
en nicht benannt werden
.
Eine psychiatrische Beurteilung erschein
e
nicht nötig, die im Vordergrund stehenden Abdominal
-Beschwerden seien
durch Verwachsungen nach mehreren Bauchoperationen und einer Bestrahlungstherapie nach
der
Krebserkrankung und einer objektiv verzö
gerten Darmpassage erklärbar
(Urk. 6
/18/5)
.
3.3
3.3.1
Im Rahmen der Neuanmeldung
vom 6
. April 2017 wurden im
Wesentlichen fol
gende ärztliche
Berichte eingereicht
(
Urk.
6/66; hinsichtlich der im Rahmen der Neuanmeldung vom
7.
April 2014 [vgl. Sachverhalt Ziffer. 1.2] eingereichten Arztberichte siehe E. 3.2 des Urteils IV.2014.01265 vom 1
3.
Juni 2016 [
Urk.
6/51/6-8]).
3.3.2
Dr.
Z._
hielt im Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 3. April 2017 fest, die Beschwerdeführerin leide an chronischen Bauchschmerzen, welche sie unvor
hersehbar überfielen und auch den Schlaf störten. Sie müsse daher Opioide als Dauertherapie nehmen. Im Juni 2014 sei auf der Chirurgie des Stadtspital
s
E._
eine
Revisionslaparatomie
mit
Adhäsiolyse
vorgenommen worden. Bezüglich Schmerzen habe der Eingriff keine nachhaltige Besserung gebracht. Eine stationäre Therapie habe die Patientin abgelehnt, da sie aus sprachlichen und psychischen Gründen ein Aufenthalt in fremder Umgebung, getrennt von ihren
Angehörigen, nicht ertrage.
Die Beschwerdeführerin habe stützende Gesprä
che in seiner Sprechstunde. Sie sei zudem längere Zeit bei der Psychotherapeutin
lic
. phil.
F._
und bei
Dr.
G._
in Gesprächstherapie gewesen. Im März 2017 habe eine Untersuchung bei einem Facharzt für Psychiatrie durchge
führt werden können, seines Wissens das erste Mal.
Dr.
A._
habe die Beschwerdeführerin in Muttersprache befragt und punkto psychiatrischer Diag
nosen weiter Klarheit schaffen können. Die Tochter der Beschwerdeführerin sei inzwischen volljährig, so dass
sie jetzt
eine Vollzeitstelle annehmen könnte. Auf
grund der erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen könne sie
dies jedoch nicht realisieren (Urk. 6/56).
3.3.3
Dr.
A._
hielt im zuhanden von
Dr.
Z._
verfassten «Psychiatrischen Konsilium vom
8.
März 2017 und 2
2.
März 2017 folgende Diagnosen fest (Urk. 6/60/6):
-
Komplexe Angststörung, da verschiedenste Lebensbereiche erfassend gemäss ICD-10 am ehesten im Sinne einer Generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F
43.1) bei einer ganzen Kette frühkindlicher Traumatisierung mit a) psychischer und physischer Gewalt
einwirkung durch Mutter, später auch durch Bruder, b) sexuelle Übergriffe durch pädophilen Nachbarn vom 5.-
8.
Lebensjahr, c) traumatisches Erleb
nis im Zug mit Zigeunerin als Kind, d) Gewalteinwirkung durch Kindes
vater der ersten Tochter
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Generalisierte
Tendinomyopathie
-
Chronische Bauchschmerzen, teils als Folge wiederholter Darm-Adhäsio
nen und operativer Eingriffe mit
Adhäsiolyse
sowie Teilresektion Duo
denum
Dr.
A._
formulierte folgenden Psychostatus: Bald 50-jährige Patientin, das Gespräch erfolgte auf Portugiesisch, Bewusstsein klar, Aufmerksamkeit und Gedächtnis gut, Konzentration subjektiv vermindert, Intelligenz normal, formales Denken normal, inhaltlich auffallende verschiedene Lebensbereiche erfassende Ängste wie
Zugangst
, Angst vor Dunkelheit, Angst, ihr Gegenüber mit ihrem Lei
den zu «kontaminieren», Angst vor einer erneuten Operation,
agoraphobe
Ängste für das Aufsuchen grösserer Menschenansammlungen i.a. mit sehr starkem und invalidisierendem Vermeidungsverhalten (Patientin verlasse Wohnung nur noch für kleinere Einkäufe von Lebensmittel
n
und ansonsten nur im Beisein ihres Ehe
mannes). Kein
Anhaltspunkt
für Wahn, Sinnestäuschungen oder Ic
h-Störungen. Im Affekt deutlich
bedrückte und ängstliche Stimmungslage, stark verminderte Vitalgefühle, Interessenverlust, starke Ängste (siehe oben bei inhaltliches Den
ken), häufige Flashbacks und Albträume für traumatische Ereignisse (sexuelle
Überg
riffe durch pädophilen Nachbar
n
, häusliche psychische und physische Gewalt durch Mutter und später auch Bruder), keine circadianen Besonderheiten, gut affektmoduliert, gut spürbar. Antrieb vermindert, psychomotorisch Mühe zu entspannen. Häufige Suizidgedanken und konkrete Pläne (unter Zug springen, sich mit Messer Pulsadern aufzuschneiden). Appetit nicht exploriert, Libido sowie Vita Sexualis seit Jahren erloschen, Schlaf durch wiederholte Albträume oft mit
telgradig beeinträchtigt (Urk. 6/60/6).
3.3.4
In seinem Bericht vom 1
9.
Oktober 2017 bestätigte
Dr.
A._
die
im Vorbe
richt
gestellten Diagnosen und übernahm
auch den darin
formulierten Psycho
status wortwörtlich
(Urk.
6/65
/1
und Urk. 6/65/6
, vgl. E. 3.3.2
)
.
Die Prognose beurteilte Dr.
A._
als klar ungünstig. Es bestehe ein
e starke
Chronifizie
rung
der ob
genannten Störungen, die sich gegenseitig ungünstig beeinflussten. Die Schmerzproblematik sei ebenfalls stark
chronifiziert
und werde gemäss Erfahrung des Referenten in der Regel auch die therapeutische Bearbeitung der
Traumafolgeerkrankungen
ungünstig beeinträchtigen. Daneben bestünden auch krankheitsfremde Faktoren wie ein äusserst dominanter, die Patientin stark unterdrückender Ehemann, welcher jegliche Autonomiebestrebungen der Patien
tin im Keim zu ersticken und auch deren Therapie zu verhindern versuche
,
sowie nahezu fehlende Deutschkenntnisse und seit ca. 8-10 Jahren fehlende Arbeitstä
tigkeit in der Schweiz (Urk. 6/65/6). Es bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit seit mindestens 2012 bis dato und auf Weiteres.
Hinsichtlich der bisherigen Tätigkeit bestünden Einschränkungen in Bezug auf Antrieb, der geistigen und körperlichen Belastbarkeit, der raschen Ermüdung, der eingeschränkten Konzentration,
anflu
te
nden
Ängsten bei Belastung und
Einschränkungen aufgrund der Schmerzprob
lematik (Urk. 6/65/7-8).
3.3.5
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Chirurgie,
vom RAD nahm
am
24.
Oktober
2017
eine
Aktenbeurteilung vor
(Urk. 6/66/
3-5
)
. Es sei mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit versicherungsmedizinisch theoretisch davon auszugehen, dass die lebensbedrohende Diagnose eines Cervix-Karzinoms sowie die späteren Kompli
kationen eine Verstärkung der psychiatrischen Vorbelastung hätte auslösen müs
sen und diese damit in irgendeiner Weise in die Arztberichte der damals behan
delnden Ärzte hätte einfliessen müssen. Auch ohne die Extra-Belastung mit dem malignen Leiden wäre
n
überwiegend wahrscheinlich einem der behandelnden Kollegen im Laufe der Jahre die als so massiv und schon lange bestehenden psy
chischen Beschwerden aufgefallen. Daher seien die von Dr.
A._
gestellten Diagnosen
in diesem kat
astrophal beschriebenen Ausmass
nicht nachvollziehbar. Es sei versicherungsmedizinisch theoretisch mit an Sicherheit grenzender Wahr
scheinlichkeit davon auszugehen, dass sich keine Verschlechterung des Gesund
heitszustandes ergeben habe. Im Falle eines
Einwandes werde
ein
Medas
-Gutach
ten
in den
Fachrichtungen Psychiatrie, Chirurgie und Rheumatologie
empfohlen
(Urk. 6/66/4).
3.3.6
Im von der Beschwerdeführerin mit
ihrem Einwand
eingereichten
Bericht
vom 25. November 2017
führt
e
Dr.
Z._
aus, die abdominelle Symptomatik habe sich verstärkt und belaste die Patientin im Alltag mehr als in früheren Jahren. Die
A
d
häsiolyse
und Dünndarmsegmentresektion
im Juni 2014
habe nur vorüber
gehend eine Erleichterung gebracht. Derzeit sei die Patientin auf die andauernde Einnahme von Opioiden und verschiedenen Abführmitteln angewiesen. Aber auch damit sei sie nicht von unvorhersehbaren Schmerzattacken geschützt. Bei der Untersuchung durch einen Facharzt Psychiatrie im März 2017 sei erstmals die komplexe psychische Störung der Patientin spezialärztlich erfasst und diag
nostisch
festgelegt worden (Urk. 6/68).
4.
4.1
Die von Dr.
A._
diagnostizierten psychischen Leiden
(k
omplexe Angststö
rung,
p
osttraumatische Belastungsstörung, rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelgradige Episode) sind im Vergleich zu dem der
einen Renten
anspruch verneinenden
Verfügung vom 20. Januar 2012
zugrundeliegenden
medizinischen Sachverhalt neu
(vgl. E. 3.2, E. 3.3.
2
und E. 3.3.
4
).
4.2
Die
Beschwerdegegnerin
vertritt diesbezüglich den
Standpunkt
, die in den Berichten angegebenen Befunde liessen mit adäquater Therapie keine dauerhafte Verschlechterung des Gesundheitszustandes annehmen
, womit keine wesentliche Veränderung der medizinischen Situation gegeben sei
(Urk. 2).
4.3
Dr.
A._
gab in seinem Bericht vom 19. Oktober 2017 an, es bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit seit mindestens 2012 bis dato
und auf Weiteres (Urk. 6/65/7
).
Die dieser Einschätzung
zugrundeliegende
Untersuchung wurde
auf Portugiesisch, somit in der Muttersprache der Beschwerdeführerin
,
geführt (vgl. Urk. 6/65/6).
Dem Bericht ist eine
umfassende
Anamne
se zu entnehmen (Urk. 6/65/2-6)
und die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit erfolgte gestützt auf einen
ausführlichen
Psychostatus, welcher psychopathologische Befunde, namentlich eine Angst- und d
epressive Symptomatik, ausweist
(
Urk.
6/65/6).
Neben den
von Dr.
A._
erstellten Berichte
n
(Urk. 6/60, Urk. 6/65)
liegen keine weiteren
fachpsychiatrische
n
Berichte vor.
Entsprechend war es
Dr.
A._
nicht möglich,
seine
Befunde und
seine Einschätzung der Leis
tungsfähigkeit
mit einem fachpsychiatrischen Vorb
ericht
ab
zu
gleichen und
sich mit allfälligen Abweichungen auseinanderzusetzen.
Seine Schlussfolgerungen werden auch
nicht durch eine andere fachärztliche Beurteilung in Zweifel gezo
gen.
So wurde die RAD-Stellungnahme
vom 24. Oktober 2017
, in welchem
die von Dr.
A._
gestellten Diagnosen in d
em beschriebenen Ausmass
als nicht nachvollziehbar
bezeichnet wu
rden, nicht von einem
Facharzt für Psychiatrie
,
sondern von einem Facharzt für Chirurgie
(
Dr.
H._
)
,
erstattet
(vgl. Urk. 6/66/4).
Darüber hinaus erscheint nicht stringent, dass
Dr.
H._
in
der betreffenden
Stellungnahme
eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
mit
an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
verneint
,
für den Fall eines Einwan
des aber dennoch eine
polydisziplinäre
Begutachtung
empfiehlt
(vgl. Urk. 6/66/4).
Ferner ist
hinsichtlich der Notwendigkeit einer Begutachtung
auf die unentschlos
sen wirkende Vorgehensweise der
Beschwerdegegnerin
hinzuweisen:
Obwohl die
Beschwerdegegnerin
die
Beschwerdeführerin
– n
ach erhobenem Einwand
–
am
18. Januar 2018
über
die
Erforderlichkeit
einer pol
ydisziplinären Untersuchung informierte (vgl. Urk. 6/72), brachte sie dieser am
25. Januar 2018
in unbegrün
deter Weise
zur Kenntnis, dass auf eine Begutachtung verzichtet
würde
(
Urk. 6/73).
Gesamthaft
ergibt sich, dass gestützt auf die fachärztlichen Berichte von Dr.
A._
neue objektive Befunde bestehen
, welche eine massgebliche Tat
sachenänderung
im Sinne einer Verschlechterung des psychischen Gesundheits
zustandes glaubhaft erscheinen lassen. Entgegen der Auffassung der Bes
chwer
degegnerin sind damit
die eingangs genannten Voraussetzungen für ein Eintreten auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom
6.
April 2017 erfüllt. Die Frage, ob und inwieweit die von
Dr.
A._
gestellten psychiatrischen Diag
nosen nachvollziehbar und
invalidenversicherungsrechtlich
tatsächlich
von Belang sind, bildet
erst
Bestandteil der von der Beschwerdegegnerin vorzuneh
menden
tatsächlichen und rechtlichen Prüfung des Leistungsbegehrens
.
Insbe
sondere
ist auch auf
die Frage, ob ein psychisches Leiden voraussichtlich von längerer Dauer oder behandelbar ist,
(noch) nicht bei der Prüfung der
Eintretens
voraussetzungen
einzugehen, sondern erst
im Rahmen der materiellen Behand
lung der Neuanmeldung (vgl. Urteil
e
des Bundesgerichts 9C
_36
7/2016 vom 10. August 2016 E. 2.1
und
8C_664/2017 vom 25. Januar 2018 E. 10).
Zu erwähnen bleibt, dass s
owohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenan
spruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmel
dungsverfahren
die Methode der Invaliditätsbemessung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen
ist
(BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die Beschwerdegegnerin ging in der einen Rentenanspruch verneinenden Verfü
gung vom 20. Januar 2012 gestützt auf den Abklärungsbericht vom 19. April 2011 (Urk. 6/20) davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall zu
50 % erwerbstätig und zu 50 % im Haushalt tätig wäre. Sie berechnete dement
sprechend den Invaliditätsgrad in Anwendung der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG), wobei sie ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 50 % und einer Einschränkung im Haushaltbereich von 16 % einen Gesamtinvaliditätsgrad von 12 % ermittelte (Urk. 6/21, Urk. 6/20/6 und Urk. 6/32). Im Abklärungsbericht vom 19. April 2011 war festgehalten worden, dass die Beschwerdeführerin erklärt habe, sie wäre bei guter Gesundheit, wenn sie frei wählen könnte, gern zu 50 % erwerbstätig; daneben hätte sie genug Zeit, sich um den Haushalt und die (damals 14-jährige) noch schulpflichtige jüngere Tochter zu kümmern (Urk. 6/20/2).
Es trifft zwar zu, dass die Volljährigkeit der jüngeren Tochter nicht automatisch eine Änderung der «Berechnungsgrundlage» zu begründen vermag (vgl. Urk. 2)
. Dass sie ca. anfangs März 2017 ausgezogen ist (vgl. Urk. 6/60/4), stellt jedoch durchaus eine potentiell relevante
Änderung hinsichtlich des für die Methoden
wahl massgeblichen (hypoth
etischen) Sachverhalts dar
.
4.4
Nach dem Gesagten ist die Beschwerdegegnerin zu Unrecht nicht auf die Neu
an
meldung der
Beschwerdeführerin
vom
6. April 2017
(Urk. 6/
57
) ein
ge
treten. Die angefochtene Verfügung vom 30. Januar 2018 (Urk. 2) ist daher in
Gutheissung
der Beschwerde aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, auf das Leistungsgesuch der
Beschwerdeführerin
vom 6. April 2017 einzu
treten und nach Vornahme der erforderlichen Abklärungen über den Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin
zu verfügen.
5
.
Da der Streitgegenstand die Be
willigung oder Verweigerung von Versicherungs
leistungen betrifft, ist das Ver
fahren kostenpflichtig.
Die Kosten des Verfahrens sind gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG auf
Fr.
6
00.-- festzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollstän
diges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2), weshalb die G
erichtskosten der Beschwerdegeg
nerin aufzuerlegen sind.