Decision ID: a40f6b01-5eb3-4bb8-a8a7-85cb513d5de8
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1983 geborene
X._
erlitt am 13. März 2007 während des Militär
dienstes
(
Wiederholungskurs
[WK]
,
vgl. Urk. 10/9)
einen Verkehrsunfall.
Der
gleichentags aufgesuchte
Truppen
arzt stel
l
te multiple Prellungen
im Bereich von Nacken, Schulte
r, Ellbogen und Zehen links fes
t
(Urk. 10/7.1).
Am 14. März 2007
erfolgte die vorzeitige – administrative – Entlassung aus dem Dienst (Urk. 10/7.1, Urk. 2 S. 2
, Urk. 10/7
).
Der erstmals am 15.
März 2007 konsultierte Hausarzt
Y._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin
,
diagnosti
zierte eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) sowie diverse Kontusionen und attestierte dem Versicherten ab dem 13. März 2007 eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit (Urk. 10/7)
. Am 13. April 2007 ersuchte
Y._
die Militärversi
cherung darum, den Versicherten schnellstmöglich kreisärztlich untersuchen
zu lassen und den Verlauf
intensiv
zu überwachen
(Urk. 10/8
, Urk. 10/10
).
Ab dem 7. Mai 2007 bestand
wieder
eine
Teil-
(Urk. 10/25
,
Urk. 10/28)
und ab dem
27. Juli 2007
eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/
40
, Urk. 10/46
f.
, Urk. 10/54
).
Nachdem dem Versicherten
die Stelle als Bauarbeiter
aus konjunk
turellen Gründen per Ende November 2007 gekündigt worden war (Urk. 10/47
, Urk. 10/62
),
bezog er Taggelder der Arbeitslosenversicherung (Urk. 10/50
, Urk. 10/56.1 f.
).
Vom 21. April bis
20.
Juni 2008 absolvierte er eine
n
von der Arbeitslosenversicherung finanzierten
Grundkurs in Lagerlogistik (Urk. 10/56.3)
.
Am 12. August
2008
meldete der Versicherte der Militärversicherung
- unter Hinweis auf zunehmende Schmerzen im Hals- und Wirbelsäulenbereich -
einen Rückfall (Urk. 10/58).
Mit Schreiben vom 15. September 2008 (Urk. 10/62) teilte die Militärversicherung ihm mit, dass sie für Heilbehandlungskosten, die im Zusammenhang mit auf den dienstlichen Unfall zurückzuführenden Wirbel
säulenbeschwerden stünden,
vorläufig weiterhin
aufkommen werde. Taggelder würden angesichts der vollen Vermittelbarkeit als Arbeitsloser nicht ausgerich
tet.
Da die psychische Symptomatik keine adäquat kausale Spätfolge des Un
falls darstelle, bestehe diesbezüglich kein Anspruch auf Leistungen.
Am 30. September 2008 bekräftigte die Militärversicherung, dass sie – trotz der zwischenzeitlich
vom Versicherten
eingereichten ärztlichen Bescheinigung einer (unfallbedingten) 100%igen Arbeitsunfähigkeit (Urk. 10/63) – keine Taggeld
leistungen erbringen werde (Urk. 10/64).
Nachdem sich
X._
vom 24. März bis 28. April 2009 stationär in der
Z._
hatte behan
deln lassen (vgl. Austrittsbericht
vom 11. Mai 2009, Urk. 10/94),
lehnte
es
die
Militärversicherung
mit Vorbescheid vom 9. Juni 2009 (Urk. 10/98) ab,
im Zu
sammenhang mit physischen Beschwerden noch
über den 27. Juli 2007 hinaus Taggelder zu erbringen; betreffend die psychische Störung bestehe gar kein Leistungsanspruch.
Daran hielt sie - auf Opponieren des Versicherten hin (Urk. 10/108) – mit Verfügung vom 3. September 2009 (Urk. 10/109) fest.
Die gegen diesen Entscheid gerichtete Einsprache (Urk. 10/111) wies sie am 27. Januar 2012 ab (Urk. 2).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, hatte dem Versi
cherten zwischenzeitlich mit Verfügung vom 4. August 2011 (Urk. 10/124) mit Wirkung ab 1. August 2009 eine auf einem Invaliditätsgrad von 97 % beru
hende ganze Rente zugesprochen. Dabei war sie davon ausgegangen, dass in physischer Hinsicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe, dem Versicherten indes aufgrund der psychischen Störung seit August 2008
(Beginn der einjährigen Wartezeit)
lediglich noch eine Tätig
keit in geschütztem Rahmen im Pensum von 30 % zumutbar sei.
2.
Gegen d
en
Einspracheentscheid
der Militärversicherung vom 27. Januar 2012
(Urk. 2) liess
X._
am 28. Februar 2012 mit folgenden Anträgen Be
schwerde erheben (Urk. 1/1 S. 2):
1.
Der Einspracheentscheid vom 27. Januar 2012 sei aufzuheben, und es
seien dem Beschwerdeführer die g
esetzlichen Leistungen, insbesondere eine Invalidenrente und eine Integritätsschadenrente, zuzusprechen.
Eventualiter sei der Einspracheentscheid vom 27. Januar 2012 aufzuhe
ben und die Sache zur weiteren Abklärung an die Militärversiche
rung/SUVA zurückzuweisen.
2.
Dem Beschwerdeführer sei für dieses Verfahren die vollständige unent
geltliche Rechtspflege zu gewähren und es sie ihm der unterzeichnende Anwalt beizuordnen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die Militärversicherung schloss am
19
. April 2012 auf Abweisung der Be
schwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk.
9
). Mit Eingabe vom 10. April 2013 (Urk. 17) reichte der Beschwerdeführer
eine
Mitteilung der IV-Stelle vom 2. April 2013 betreffend unveränderte Invalidenrente (Urk. 18) ein.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 5 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Militärversicherung (
MVG
)
er
streckt sich die Haftung der Militärversicherung auf jede Gesundheitsschädi
gung, die während des Dienstes in Erscheinung tritt und gemeldet oder sonst wie festgestellt wird. Die Militärversicherung haftet nicht, wenn sie den Beweis erbringt, dass die Gesundheitsschädigung sicher vordienstlich ist oder sicher nicht während des Dienstes verursacht werden konnte (Art. 5 Abs. 2 lit. a MVG), und wenn sie zusätzlich den Beweis erbringt, dass die Gesundheitsschä
digung sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in ihrem Ablauf beschleunigt worden ist (Art. 5 Abs. 2 lit. b MVG). Wird der nach
Absatz
2
Buchstabe a geforderte Beweis erbracht, dagegen nicht der
jenige nach Absatz 2 Buchstabe b, so haftet die Militärversicherung für die Verschlimmerung der Gesundheitsschädigung (Art. 5 Abs. 3 MVG).
Wird die Gesundheitsschädigung erst nach Schluss des Dienstes durch einen Arzt, Zahnarzt oder Chiropraktor festgestellt und bei der Militärversicherung angemeldet, so haftet die Militärversicherung nur, wenn die Gesundheitsschä
digung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit während des Dienstes verursacht worden ist. Die Militärversicherung haftet auch insoweit, als eine vordienstliche Gesundheitsschädigung wahrscheinlich durch Einwirkungen während des Dienstes verschlimmert worden ist oder wenn es sich mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit um Spätfolgen oder Rückfälle einer versicherten Gesundheits
schädigung handelt (Art. 6 MVG).
Laut Art. 64 MVG werden die Leistungen angemessen gekürzt, wenn die versi
cherte Gesundheitsschädigung nur teilweise auf Einwirkungen während des Dienstes zurückgeht.
1.2
Die eine Haftung begründende Verschlimmerung kann auslösender Natur sein, indem sie eine latente Gesundheitsschädigung in eine klinisch manifeste Form überführt, oder sie kann eine klinisch manifeste Gesundheitsschädigung un
günstig beeinflussen. Im zweiten Fall kann die vorbestandene Gesundheitsschä
digung stationär oder labil (allenfalls auch progredient) gewesen sein. Die Ver
schlimmerung selbst kann vorübergehend oder dauernd sein; sie kann auch richtunggebend sein. Ist die Verschlimmerung dauernd (oder richtunggebend), haftet die Militärversicherung auf unbestimmte Zeit, ist sie lediglich vorüberge
hend, kann die Haftung befristet werden. Voraussetzung für eine zeitliche Be
grenzung der Haftung ist, dass die Verschlimmerung mit Sicherheit behoben ist
(vgl. Jürg Maeschi, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung, Bern 2000, N 40 und N 41 zu Art. 5 MVG mit Hinweisen). Die Verschlimmerung gilt als behoben, wenn der "Status quo ante" (Gesundheitszustand, in welchem sich der Versicherte vor dem Dienst befunden hat) oder der "Status quo sine" (Gesundheitszustand, in welchem sich der Versicherte befinden würde, wenn er den Einwirkungen während des Dienstes nicht ausgesetzt gewesen wäre) er
reicht ist (Maeschi, a.a.O., N 41 zu Art. 5 MVG mit Hinweisen).
1.3
Die Haftung gemäss Art. 4 und 5 MVG einerseits sowie Art. 6 MVG anderseits unterscheidet sich darin, dass im ersten Fall der adäquate Kausalzusammen
hang zwischen den Einwirkungen während des Dienstes und der Gesundheitsschädi
gung vermutet wird und nur durch den gegenteiligen Sicherheitsbeweis ausge
schlossen werden kann, während im zweiten Fall das Vorliegen adäquat kausa
ler Folgen von Einwirkungen während des Dienstes erstellt sein muss (BGE 111 V 372 E. 1b, 105 V 229 E. 3a mit Hinweisen).
1.4
1.4.1
Die Leistungspflicht des Militärversicherers
für einen während des Dienstes erlitte
nen Unfall
setzt einen natürlichen und
adäquaten
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem eingetretenen Schaden voraus
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1040/2012 vom 15. März 2013 E. 2 mit Hinweisen).
Ursa
chen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten ge
dacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bezie
hungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.4.2
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörun
gen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausal
zusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu beto
nen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürli
chen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte ge
sundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
1.4.3
Als adäquate Ursache eines Erfolges hat ein Ereignis nach der Rechtsprechung dann zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereig
nis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 456 E. 5a, 123 V 98 E. 3d, 139 E. 3c, 122 V 415 E. 2a, 121 V 45 E. 3a mit Hinweisen; RKUV 1997 Nr. U 272 S. 172 E. 3a).
1.5
1.5.1
Um zu entscheiden, ob zwischen dem Unfall und
einer psychischen
Störung ein
adäquater
Kausalzusammenhang besteht, sind in der
Militärversicherung
diesel
ben Grundsätze anzuwenden, die von der Rechtsprechung im
Unfallversiche
rungsbereich
entwickelt worden sind. Im
Sozialversicherungsrecht
spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzu
sammenhang ergebenden Haftung des Militärversicherers im Bereich klar aus
gewiesener organischer Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die
adä
quate
weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt. Anders verhält es sich bei natürlich unfallkausalen, aber organisch nicht objektiv ausgewiesenen Be
schwerden. Hier ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfälligen Ge
schehensablauf auszugehen, und es sind je nachdem weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen. Nach der für
psychische
Fehlentwicklungen nach Un
fall erarbeiteten sogenannten Psycho-Praxis werden diese Adäquanzkriterien unter Ausschluss
psychischer
Aspekte geprüft
, während nach der bei Schleu
dertraumen und äquivalenten Verletzungen der HWS sowie Schädel-Hirntrau
men anwendbaren sogenannten Schleudertrauma-Praxis auf eine Differenzie
rung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet wird
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1040/2012 vom 15. März 2013 E. 2 mit Hinwei
sen).
1.5.2
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Ge
sundheitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergange
nen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psy
chische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut ver
kraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versiche
rungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinwei
sen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf - folgende Einteilung vorgenommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/aa; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.5.3
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittel
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen mass
gebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352 E. 5b/aa, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237, 1995 Nr. U 215 S. 91).
1.5.4
Bei banalen Unfällen wie z.B. bei geringfügigem Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des Fusses und bei leichten Unfällen wie z.B. einem gewöhnlichen Sturz oder Ausrutschen kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres ver
neint werden, weil aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen (BGE 120 V 352 E. 5b/aa, 115 V 133 E. 6a).
1.5.5
Bei schweren Unfällen ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit in der Regel zu bejahen. Denn
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenser
fahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische Gesundheits
schäden zu bewirken (BGE 120 V 352 E. 5b/aa, 115 V 133 E. 6b; RKUV 1995 Nr. U 215 S. 90 E. 3b).
1.5.6
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Ge
samtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des
Un
falls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
körperliche Dauerschmerzen;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/aa).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Be
urteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie z.B. eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungsweise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenz
bereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu be
rücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zu
sammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der
Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu for
schen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbe
günstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/bb, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/aa; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.6
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Un
fall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Be
einträchtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zu
rückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesge
richts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Stö
rungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bezie
hungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adä
quate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträch
tigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittle
ren Bereichs weitere Krite
rien in die Beurteilung mit einzubeziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig da
von, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Un
falls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
erhebliche Beschwerden;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurteilung des ad
äquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und
einer psychischen Fehl
entwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Be
schwerden auf eine Differenzie
rung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht ent
scheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als orga
nischer und/oder psy
chischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109 ff.; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/aa und 367 E. 6a).
1.7
Die Beurteilung der Adäquanz in denjenigen Fällen, in denen die zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule gehörenden Beein
trächtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zu einer ausgeprägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten, ist nach der Pra
xis des Bundesgerichts nicht nach den für das Schleudertrauma in BGE 117 V 359 entwickelten Kriterien, sondern nach den in BGE 115 V 133 für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall aufgestellten Kriterien vorzunehmen (BGE 127 V 102 E. 5b/bb, 123 V 98 E. 2a, RKUV 1995 Nr. U 221 S. 113 ff., SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 1; ferner BGE 134 V 109 E. 10.2 f.).
2.
2.1
Di
e
Verweigerung von Leistungen im Zusammenhang mit der psychischen Beein
trächtigung
begründete die Militärversicherung
damit, dass diese
r Ge
sundheitsschaden
weder in einem natürlichen noch in einem adäquaten Kausal
zusammen
hang zum am 13
. März 2007 erlittenen Unfall stehe. D
en Anspruc
h auf Taggelder ab dem 27. Juli
2007
verneinte sie
mit der Begründung,
der Be
schwerdeführer sei
seit diesem Zeitpunkt
in der angestammten oder einer an
deren leidensangepassten Tätigkeit wieder uneingeschränkt
a
rbeitsfähig (Urk. 2 S. 6, Urk. 9 S. 4).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber
im Wesentlichen auf den Stand
punkt,
der Stellenverlust Ende November 2007 habe nicht konjunkturelle, sondern gesundheitliche Gründe gehabt. Tatsächlich sei er seit dem Unfall vom 1
3
. März 2007
wegen der psychischen Symptomatik
nicht mehr in der Lage, sich in ein Arbeitsumfeld einzufügen (Urk. 1
/1
S. 3). Die psychische Störung habe wohl bereits vorbestanden, bis zum fraglichen Unfall indes nie eine Ar
beitsunfähigkeit gezeitigt. Da sie nicht nur in einem natürlichen, sondern auch in einem adäquaten Kausalzusammenhang zum Ereignis vom 1
3
. März 2007 stehe, sei die Leistungsverweigerung zu Unrecht erfolgt (Urk. 1
/1
S. 4
f.
).
3.
3.1
Der nach dem Unfall vom 13. März 2007 konsultierte Truppenarzt stellte mul
tiple Prellungen am Nacken links, an Schulter und Ellbogen links sowie an den Zehen links fest. Am 14. Mär
z
2007 sei der Beschwerdeführer – aus nicht medi
zinischen Gründen – administrativ entlassen worden (vgl. Bericht Krankenab
teilung Kaserne
A._
vom 22. März 2007, Urk. 10/7.1).
3.2
Y._
teilte der Militärversicherung am 13. April 2007 telefonisch mit, der Beschwerdeführer habe sich beim Unfall vom 13. März 2007 eine HWS-Distorsion zugezogen und sei seither zu 100 % arbeitsunfähig. Der Verlauf müsse intensiv überwacht werden; es sei – so schnell wie möglich – eine kreis
ärztliche Untersuchung indiziert (Urk. 10/8
, Urk.
10/10
).
3.3
B._
, Facharzt FMH für Neurologie, diagnostizierte am 25. April 2007 einen Status nach Militärunfall am 13. März 2007 mit Kopfprellung und Überdehnungstrauma der HWS (Urk. 10/20
S. 1
).
Die Untersuchung habe eine eingeschränkte Beweglichkeit der HWS mit verdickter und druckdolenter Na
cken- und Schultermuskulatur ergeben; neurologische Ausfälle fänden sich keine. Dem Beschwerdeführer sei die Weiterführung der Physiotherapie verord
net und ab dem 7. Mai 2007 noch eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (Urk. 10/20 S. 3).
3.4
Am 6. Juni 2007 bestätigte
Y._
gegenüber der Militärversicherung telefonisch die Angaben des Beschwerdeführers, wonach sich dessen Gesund
heitszustand zunehmend bessere und seit 7. Mai 2007 wieder eine Arbeitsfähig
keit von 50 % bestehe (Urk. 10/25).
Am 8. Juni 2007 bescheinigte er dem Be
schwerdeführer ab dem 11. Juni 2007 noch eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 10/29.1)
. Ab dem 27. Juli 2007 war der Beschwerdeführer wieder vollzeit
lich tätig und erbrachte dabei eine volle Leistung (vgl. Urk. 10/43.1, Urk. 10/47).
3.5
Nachdem er den Beschwerdeführer im Frühling 2008 abschliessend untersucht hatte, hielt
Y._
am 3. Juni 2008 fest,
die Rehabilitation sei relativ langsam, aber kontinui
erlich von Statten gegangen;
teilweise
sei sie
von un
günstigen beruflichen und privaten Faktoren überlagert worden. Unter physio
therapeutischer Behandlung sei die Arbeitsfähigkeit ab dem 2. Mai 2007 stu
fenweise wieder auf 100 % erhöht worden. Arbeiten mit schwerer Belastung seien in der Tätigkeit auf dem Bau nicht mehr möglich gewesen, da sie – bei ei
nem gewissen Residualzustand und einer muskulären Vulnerabilität der HWS –
gemäss dem Beschwerdeführer
stärkere Beschwerden verursacht hätten. Die am 1. Dezember 2007 eingetretene Arbeitslosigkeit habe den Beschwerdeführer psy
chosozial belastet. Derzeit besuche er – im Hinblick auf eine Tätigkeit mit ge
ringerer körperlicher Belastung - einen Logistikkurs (Urk. 10/54).
3.6
In seinem Schreiben vom 9. August 2008 stellte
Y._
folgende Diag
nose (Urk. 10/60.1):
Protrahierte Schmerzsymptomatik nach HWS-Distorsion am 13. März 2007 mit
g
ravierenden psychosozialen Implikationen
Ein im Juni 2008 unternommener Arbeitsversuch habe zur Exazerbation der HWS- und Schultergürtelschmerzen geführt. Psychisch wirke der Beschwerde
führer, der eine Opferhaltung aufweise, neurasthenisch, verzweifelt und depres
siv. Es seien eine rheumatologische Standortbestimmung und danach allenfalls ein ambulantes Rehabilitationsprogramm mit dem Ziel, die funktionelle Leis
tungsfähigkeit samt Entwicklungspotential zu erheben und konkrete berufliche Perspektiven zu erarbeiten, indiziert.
3.7
Gestützt auf die Ergebnisse der ambulanten Untersuchung vom 21. August 2008 stellten die Ärzte des
C._
, Rheumaklinik und Institut für Physikalische Medizin, am 22. August 2008 folgende Diagnosen (Urk. 10/70 S. 1):
Chronisches zervikovertebrales Syndrom linksbetont
HWS-Distorsion am 13. März 2007 (Militärunfall mit Lastwagen)
psychosoziale Belastungssituation
aktuell: Bewegungseinschränkung der HWS, Myogelosen nuchal links
betont
Aus rheumatologischer Sicht sei der Beschwerdeführer in einer angepassten, leichten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Die Wiederaufnahme der therapeuti
schen Massnahmen (beispielsweise Physiotherapie zweimal pro Woche) sei dringend angezeigt. Sinnvoll erscheine zudem die Installation einer regelmässi
gen analgetischen Medikation. Als Alternative falle – angesichts der ungünsti
gen Kontextfaktoren – eine multidisziplinäre stationär
e
Rehabilitation in Be
tracht. Da der Beschwerdeführer die Leistungsgrenze noch nicht erreicht habe, mache eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) derzeit noch keinen Sinn. Aufgrund der zunehmenden psychosozialen Belastungssituation und der ausgeprägten Opferhaltung (das Militär ist schuld am Zustand) sei al
lenfalls eine psychologisch/psychiatrische Betreuung indiziert, wobei wegen der chronischen Schmerzproblematik mit Einschlafstörung auch eine medikamen
töse Unterstützung mittels schmerzdistanzierende
n
, schlafanstossenden Medi
kament
es
(Surmontil)
in
Erwägung zu ziehen sei
(Urk. 10/70 S. 2).
3.8
In i
hrem Schreiben vom 13. Januar 2009 an die damalige Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Urk. 10/72.2) hielten die Ärzte des
C._
, Rheumaklinik und
Institut für Physikalische Medizin, fest, da die Be
schwerden erst seit dem Ereignis vom 13. März 2007 bestünden und Brücken
symptome vorhanden seien, sei der Unfall noch von Bedeutung für die aktuelle Symptomatik. Als Hilfsarbeiter auf dem Bau bestehe eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit; in welchem Ausmass dem Beschwerdeführer die Tätigkeit als Detail
handelsangestellter zumutbar sei, müsse im
Rahmen eines Arbeitsassessments
beurteilt werden
. Derzeit finde eine intensive ambulante Therapie statt; eine analgetische Medikation lehne der Beschwerdeführer ab
(Urk. 10/72.2 S. 1).
3.9
Das MRI der HWS vom 14. Januar 2009
ergab einen unauffälligen Befund (Urk. 10/82).
3.10
Y._
diagnostiz
ierte am 12. Februar 2009 ein
chronisches zervikover
t
ebrales Syndrom linksbetont und
hielt
- unter Hinweis auf eine Chronifizierung und eine multidimensionale Problematik -
fest,
nach erfolgloser ambulanter Be
handlung sei eine stationäre mehrdimensionale Rehabilitation
in der
Z._
indiziert (Urk. 10/79).
3.11
D._
, Facharzt F
MH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, diagnostizierte in seinem Bericht vom 13. März 2009 (Urk. 10/97) eine unklare, unspezifische Zerviko-Thorakalgie rechts. Klinisch liege beim Beschwerdeführer, der wohl erhebliche psychische Probleme, insbe
sondere auch Angstzustände habe, eine äusserst komplizierte Situation vor. Eine
– auch
therapeutische Massnahmen betreffend die
psychische Symptomatik beinhaltende
–
stationäre
Behandlung in der
Z._
erscheine als sinnvoll.
3.1
2
Die Ärzte der
Z._
teilten dem Case Manager des Beschwerdefüh
rers am 27. März 2009 mit, dass ihnen gleich zu Beginn der sta
tionären Behandlung eine besondere psychische Konstellation beziehungsweise Persönlichkeit des Patienten aufgefallen sei. Bevor mit dem Therapieprogramm begonnen werden könne, sei daher eine vertiefte Abklärung (MRI des Kopfes und neurologisches Kon
s
il
ium
) erforderlich. Danach werde versucht, die Reha
bilitation so zu gestalten, dass der Beschwerdeführer auch mitmache.
Aufgrund ihrer
rehabilitative
n
Erfahrung
nähmen sie aber an
, dass es – bei merklich un
günstigen Überzeugungen des Beschwerdeführers betreffend Beschwerden und Aktivität – sehr schwierig sein werde, namhafte Fortschritte hinsichtlich der Belastbarkeit zu erreichen (Urk. 10/87).
3.1
3
Nachdem sie den Beschwerdeführer vom 24. März bis 28. April 2009 stationär behandelt hatten, stellten die Ärzte der
Z._
im Austrittsbericht vom 11. Mai 2009 folgende Diagnosen (Urk. 10/94 S. 1):
Unfall vom 13. März 2007 (Militärdienst bei LKW-Unfall): HWS-Distor
sion
zervikovertebrales Schmerzsyndrom linksbetont
Somatoforme Schmerzstörung; Hinweise für dysfunktionalen Umgang mit der Beschwerdesymptomatik vor dem Hintergrund unreifer narziss
tischer Persönlichkeitszüge
, ICD-10 F45.4
Derzeit bestünden nachstehende Probleme (Urk. 10/94 S. 1):
Dysfunktionaler Umgang mit Schmerz, Symptomausweitung und ausge
prägte Schonhaltung im Rahmen der somatoformen Schmerzstörung
Ausgeprägte psychosoziale Belastungssituation
Diffuses Beschwerdebild mit schmerzhaften Nackenverspannungen, Rü
ckenschmerzen, Schulterschmerzen links, vereinzelte Kribbelparästhesien über dem linken Handrücken, anamnestisch im Vorfeld rezidivierende Epistaxis (während der Rehabilitation nicht erwähnt und nicht be
obachtet)
Schlafstörung
Die radiologische Untersuchung, das MRI des Gehirns und das neurologische Konsilium hätten einen unauffälligen
Befund ergeben (Urk. 10/94 S. 3
).
Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich angesichts der fehlenden objektivierbaren pathologischen Befunde und der Diagnosen aus somatischer Sicht nicht erklären. Der Beschwerdeführer, der die – medizinisch zumutbaren – körperlichen Leistungstests bei Ein- und Austritt abgelehnt habe, sei aufgrund der HWS-Symptomatik als Detailhandelsverkäufer und in anderen leichten bis mittelschweren Tätigkeit
medizinisch-theoretisch
lediglich insofern eingeschränkt, als ihm keine Arbeiten über Kopfhöhe oder mit häufiger vorge
neigter Zwangshaltung im Nackenbereich (wie länger dauernde Arbeiten am PC) zumutbar seien. Aufgrund der psychischen Störung mit Krankheitswert bestehe indes eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Es seien psychotherapeutische Mass
nahmen indiziert. Von einer weiteren körperlich orientierten Behandlung sei dagegen keine wesentliche Zustandsänderung mehr zu erwarten; insofern sei der Fallabschluss angezeigt (Urk. 10/94 S. 2).
3.14
E._
, Praktischer Arzt FMH, Praxis für Psychiatrie und Psychothe
rapie, diagnostizierte am 11. Juni 2009 eine Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion, ICD-10 F43.21 (Urk. 10/102).
3.15
Am 1. Februar 2011 wurde der Beschwerdeführer im Auftrag der IV-Stelle von
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Vertrauensarzt FMH, Zertifizierter forensischer Psychiater SGFP,
untersucht. In seinem Gutachten vom 31. März 2011 (Urk. 10/131) stellte dieser die Diagnose einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen, narziss
tisch-krän
kbaren und sensitiven Anteilen,
ICD-10 F61.0
(Urk. 10/131 S.
14
).
Die Kriterien einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung seien nicht erfüllt (Urk. 10/131 S.
15
).
Die Entstehung der Persönlichkeitsstörung sei vor dem Hintergrund längerdauernder Probleme in der Kernfamilie zu sehen. Der Be
schwerdeführer sei beim Durchlaufen wichtiger Entwicklungsschritte auf sich allein gestellt gewesen und habe kein hinreichendes Selbstbewusstsein und keine entsprechende Lösungskompetenz in Konfliktsituationen erlernen können. Seine psychosoziale Leistungsfähigkeit be
züglich
eigene
r
Zukunftsplanung sei dadurch, sowohl in beruflicher Hinsicht als auch
betreffend
das Beziehungsver
halten, deutlich beeinträchtigt. Vor dem Hintergrund der Persönlichkeitsstörung sei es im Rahmen einer lang anhaltenden psychosozialen Belastungssituation nach dem Unfallereignis zu einer Dekompensation der Bewältigungsmöglich
keiten
und nachfolgend zur
querulatorischen Entwicklung gekommen, aus der sich der Beschwerdeführer derzeit nicht selbst zu lösen vermöge (Urk. 10/131 S. 13).
Seit August 2008 bestehe eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätig
keit (Urk. 10/131 S.
14
).
3.16
G._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
den
der Beschwerdeführer
zwischen dem
4. September 2009
und dem
22. Januar 2011
wiederholt konsultiert hatte (Urk. 10/132 S. 1 und S. 10)
, stellte am 2. April 2010 nachstehende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/132 S. 1):
Dysthymia, ICD-10 F34.1
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Bo
r
derline Typus, ICD-10 F60.31, mit histrionischen, narzisstischen und dissozialen Zügen
Differentialdiagnosen
n
arzisstische Persönlichkeitsstörung, ICD-10 F60.8
schizotype Störung, ICD-10 F21, oder diskrete schleichende paranoide Psychose, ICD-10 F20.2
Anamnestisch (eher fraglich): Anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ICD-10 F45.4
Anamnestisch: Zervikovertebrales Schmerzsyndrom, linksbetont, bei Sta
tus nach HWS-Distorsion bei LKW-Unfall vom 13. März 2007 im Mi
litärdienst
Der Beschwerdeführer sei ab dem
elften
Lebensjahr bei seinen Grosseltern aufge
wachsen. Als er 17 Jahre alt gewesen sei, sei sein Grossvater verstorben, was ihn stark getroffen habe. Kurz nach
dem
Unfall im Jahr 2007 sei auch seine
Grossmutter
gestorben; seither laufe sein – schon zuvor wackliges – Leben völ
lig aus dem Ruder (Urk. 10/132 S. 2).
Aufgrund der sehr cha
otischen Kind
h
e
it mit extrem unzuverlässigen primären Bezugspersonen, die ihn durchwegs im Stich gelassen hätten, habe der Beschwerdeführer als Hauptproblem eine ausge
prägte Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typus entwickelt, welche ihn seit dem frühen Erwachsenenalter sämtliche Arbeitsstellen habe verlieren lassen, zu rezidivierender Arbeitslosigkeit, Schulden und zur Vernichtung des sozialen Netzes sowie – nach dem Militärunfall, auf den er nachträglich alle Schuld ab
wälzen möchte - zu einer Verurteilung wegen Überfällen (dissoziale Züge)
ge
führt
habe
(Urk. 10/132 S. 5).
Die Schmerzproblematik spiele eine derart unter
geordnete Rolle, dass si
e
hinsichtlich ihres Einflusses auf die Befindlichkeit und die Arbeitsfähigkeit vernachlässigbar sei. Blockierend in jeglichen Handlungen und Denkbewegungen wirkten sich mehr die Angst vor körperlichen (und see
lischen) Schmerzen aus.
Die Kriterien einer somatoformen Schmerzstörung seien demnach nicht erfüllt. Die Zusammenarbeit mit dem Beschwerdeführer, der sich nicht als behandlungsbedürftig betrachte und lediglich eine Begutachtung ge
wünscht habe, sei am 22. Januar 2010 abgeschlossen worden; eine medika
mentöse
Therapie
habe nicht stattgefunden. Auf eine – dringend indizierte – Psychotherapie habe sich der Beschwerdeführer bis anhin deshalb nicht einlas
sen können, weil er seine Probleme in seinem Körper und vor allem in enttäu
schenden anderen Personen lokalisiere (Urk. 10/13
2
S. 6). Sämtliche – seit dem 20. Altersjahr sukzessive zunehmenden – Arbeitslosigkeiten seien krankheits- beziehungsweise persönlichkeitsbedingt gewesen. Insofern bestehe auch seit dem 12. August 2008 (Abklärung im
O._
)
– bis zum
allfäl
ligen
Antritt
einer
nächsten Stelle, wo er
möglicherweise
wieder für einige Wo
chen oder Monate voll arbeitsfähig sein könnte, eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit (Urk. 10/132 S. 6 f.).
4.
4.1
Au
s den
zitierten medizinischen Akten
geht hervor
, dass sich der Beschwerdefüh
rer beim Unfall vom 13. März 2007 – nebst schon bald
wieder
folgenlos abgeheilten Prellungen - eine Distorsion der HWS zuzog und in der Folge zumindest teilweise unter den für eine derartige Verletzun
g typischen Beschwerden litt (Urk. 10/7.1, Urk. 10/8, Urk. 10/10, Urk. 10/20 S. 3, Urk. 10/54
).
Diese klangen indes innert rund viereinhalb Monaten wieder wei
testgehend ab, so dass der Beschwerdeführer ab dem 27. Juli 2007 die ange
stammte Tätigkeit auf dem Bau – noch bis zur Kündigung per 30. November 2007 – wieder vollzeitlich auszuüben in der Lage war (Urk.
10/43.1, Urk. 10/47 f., Urk. 10/54
). Was den am
12. August 2008 gemeldeten
Rückfall
(Urk. 10/58) anbelangt,
ergaben d
ie umfassenden
(auch
bildgebenden
)
Untersu
chungen
(vgl. insbesondere
Urk.
10/20 S. 3, Urk. 10/82, Urk. 10/94 S. 4
) keine objektivierbaren organischen Befunde, die die
(erneut)
geklagten physischen Be
einträchtigungen zu erklären vermocht hätten
.
Die Ärzte
sahen den Grund für
die angegebenen körperlichen Beschwerden denn auch weniger
in
der am 13. März 2007 erlittenen HWS-Distorsion als
vielmehr in
einer
massiven psy
chischen S
törung
beziehungsweise
in
ungünstigen psychosozialen Faktoren (vgl. Urk. 10/70, Urk. 10/79, Urk. 10/97, Urk. 10/87, Urk. 10/94 S. 1 f., Urk. 10/102, Urk. 10/131 S. 13 ff., Urk. 10/132 S. 5 ff.).
4.2
4.2.1
Fest ste
ht
aufgrund der Akten
sodann
, dass der
– diesbezüglich nicht krank
heitseinsichtige (vgl. etwa Urk. 10/102, Urk. 10/132 S. 6) -
Beschwerdeführer
aus psychischen Gründen
seit
mindestens
August 2008 erheblich in seiner Ar
beitsfähigkeit eingeschränkt ist
(
Urk. 10/131 S. 14, Urk. 10/132 S. 6 f.
).
Ob
die psychische Symptomatik
unter die Diagnose
eine
r
kombinierte
n
Persönlich
keitsstörung mit emotional-instabilen, narzisstisch-kränkbaren und sensitiven Anteilen
zu subsumieren ist
, wie
es
F._
in seinem Gutachten vom 31. März 2011 (Urk. 10/131) annahm, oder
– entsprechend der Beurteilung des Psychiaters
G._
vom 2. April 2010 (Urk. 10/132 S. 1) -
als
emotio
nal instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typus mit histrionischen, narzisstischen und dissozialen Zügen
zu qualifizieren ist
, kann vorliegend offen bleiben.
Aufgrund der aktenkundigen medizinischen Beurteilungen, der zeitli
chen Gegebenheiten und
schon aufgrund
der Natur der Störung ist jedenfalls davon auszugehen, dass die psychische Symptomatik nicht im Rahmen des ty
pischen Beschwerdebilds einer HWS-Distorsion
(E. 1.4.2)
zu
interpretieren
, son
dern als selbständige Gesundheitsstörung zu betrachten ist. So geht aus den Arztberichten hervor, dass die psychische Beeinträch
tigung vor dem Hinter
grund ungünstiger familiärer Verhältnisse zu sehen ist und
ihren Anfang bereits in der Kindheit und Jugend nahm (
Urk. 10/70,
Urk. 10/131 S. 12, Urk. 10/132 S. 5)
.
Da der psychische Gesundheitsschaden erst
(geraume Zeit)
nach Schluss des Dienstes festgestellt und angemeldet worden ist, fällt eine diesbezügliche Haftung der Militärversicherung nur in Betracht, wenn sie während des Dienstes verursacht oder durch Einwirkungen während des Wiederholungskurses ver
schlimmert beziehungsweise als Spätfolge des am 13. März 2007 erlittenen Un
falls zu betrachten ist (vgl. E. 1.2).
4.2
.2
Was die Bedeutung des
Ereignis
ses
vom 13. März 2007 für den psychischen Gesundheitsscha
den anbelangt, war der Unfall
– wie der Beschwerdeführer zu
mindest implizit auch selbst anerkannte (Urk
.
1
/1
S. 4) -
jedenfalls nicht allei
nige Ursache der psychischen Störung.
So gelangten d
ie
Gutachter
F._
und
G._
übereinstimmend und mit durchwegs einleuchtender Be
gründung zum Schluss, dass die Persönlichkeitsstörung mit – sich seit der Kindheit ungünstig auf die Entwicklung auswirkenden – schwierigen familiären Verhältnissen zu erklären sei und im Zeitpunkt des Unfalls bereits
seit Jahren bestanden habe. Den Auslöser für die
nun anhaltende psychisch bedingte Ar
beitsunfähigkeit
sahen sie nicht im Verkehrsunfall vom 13. März 2007, sondern in
verschiedenen anderen
–
kurze Zeit danach
aufgetretenen –
belastenden
Faktoren (Urk. 10/131 S. 13, Urk. 10/132 S. 2 und S. 5).
Ungünstig wirkten sich dabei gemäss
G._
insbesondere der Tod der Grossmutter, der seit Jahren Mutterfunktion zugekommen war, und die wegen – vor dem Unfall be
gangenen
-
Überfällen erfolgte Verurteilung
zu einer
Geldstrafe
in beträchtli
cher Höhe
aus (Urk. 10/132 S. 5). Der Beschwerdeführer
selbst
, der offenbar be
reits vor dem Unfall eine private Beiständin hatte (Urk. 10/55, Urk. 10/70),
führte seine schlechte psychische Verfassung denn auch nicht auf den Unfall, sondern auf Geldsorgen (die offensichtlich nicht mit der – durch den Sozial
dienst de
r Armee
ausgeglichene - Einkommenseinbusse infolge der Taggeld
zahlungen, sondern mit der Busse
von Fr. 7‘500.
--
und anderweitigen Schulden in der Höhe von Fr. 30‘000.
--
beziehungsweise seitens der Arbeitslosenversi
cherung verfügten Einstellungen in der Anspruchsberechtigung [Urk. 10/62, Urk. 10/132 S. 3]
zu erklären waren) beziehungsweise auf die Trennung von seiner Freundin und den damit verbundenen Verlust der geme
insamen Woh
nung zurück (vgl. Urk. 10/33, Urk. 10/34 S. 3, Urk. 10/36.1, Urk. 10/39
, Urk. 10/132 S. 2 f. und S. 5
).
Insofern erscheint nicht als überwiegend wahr
scheinlich, dass der Unfall vom 13. März 2007 massgeblichen Einfluss auf die bereits vorbestandene psychische Störung
hatte i
n dem S
inne
, dass es trauma
tisch bedingt zu einer -
in der nun anhaltenden Arbeitsunfähigkeit resultieren
den
-
Verschlimmerung der psychischen Symptomatik
gekommen wäre
.
Daran ändert auch nichts, dass der Beschwerdeführer vor dem fraglichen Geschehnis
noch in der Lage war,
zu 100 %
seiner Tätigkeit auf dem Bau nachzugehen
(
Urk. 1
/1
S. 4
). Einerseits handelt es sich hiebei um einen unzulässigen
„
post hoc
,
ergo propter hoc
“
-Schluss
, wonach eine Schädigung bereits deshalb durch einen Unfall verursacht erachtet wird, weil sie nach diesem aufgetreten ist
(
vgl.
BGE 119 V 335 E. 2b/bb)
, andererseits arbeitete er
-
nach Abheilung der physi
schen Beschwerden
– auch nach dem Unfall noch während mehrerer Monate vollzeitlich auf dem Bau.
4.2.3
Selbst wenn man dennoch von der Teilursächlichkeit des während des Dienstes erlittenen Unfalls für die psychische Störung ausginge,
erwiese sich
die diesbe
zügli
che Leistungsverweigerung der Militärversicherung
als
rechtens.
Wie sich im Folgenden ergibt, ist nämlich jedenfalls der – nach dem Gesagten
nicht nach
den
in BGE 117 V 359 entwickelten und in BGE 134 V 109 präzisierten (Urk. 1
/1
S.
4 f.
), sondern nach den in BGE 115 V 133 für psychische Fehlent
wicklungen nach einem Unfall aufgestellten Kriterien zu prü
fende –
adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den psychischen Beschwerden zu verneinen.
4.2.4
Beim Unfall vom
13. März 2007
geriet der Personentransporter, in dessen Lade
raum der Beschwerdeführer mit weiteren Soldaten sass, auf einer teilweise ver
eisten Strasse
in einer Rechtskurve bei einer Geschwindigkeit von 40 bis 45 km/h
ins Rutschen,
schlitterte in einen Randleitpfosten, prallte dann
mit der rechten Seite gegen eine steil
e
ansteigende Böschung, kippte gegen die rechte Fahrzeugseite und dann wieder zurück auf alle vier Räder (Urk. 10/53 S. 2, Urk. 10/94.2).
Die im hintern Fahrzeugteil sitzenden Soldaten wurden dabei hin und her geschleudert und prallten mit den Köpfen gegen einander (Urk. 10/14 S. 1, Urk. 10/20). Sechs der acht Fahrzeuginsassen blieben dabei unverletzt; ein mitfahrender Soldat
erlitt eine Gehirnerschütterung. Am Lastwagen entstand ein Schaden in der Höhe von Fr. 2‘867.54 (Beschädigung der Blachenverdeckstan
gen und der rechten vorderen
Fe
lge, diverse kleinere Karosserieschäden [Urk. 10/53 S. 2]).
Angesichts des augenfälligen Geschehensablaufs sowie der dabei wirkenden Kräfte
ist der Unfall
als mittelschwer
es
, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen liegendes Ereignis
zu taxieren
. Von den rechtsprechungs
gemäss zusätzlich zu beachtenden Kriterien müssten demnach mindestens vier in einfach
er
Form oder aber eines in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein, damit der adäquate Kausalzusammenhang bejaht werden könnte (vgl. etwa Ur
teil des Bundesgerichts 8C_795/2012 vom 28. November 2012 E. 5.2 mit Hin
weis).
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklich
keit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht aufgrund des sub
jektiven Empfindens der versicherten Person
(Urk. 1 S. 4)
.
Bejaht wurde das Kriterium etwa bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn oder bei einem Zusammenprall zwischen einem Sattelschlepper und einem Personenwagen, wobei der Fahrer des Sattelschleppers die Kollision zunächst nicht bemerkte, den Personenwagen der versicherten Person noch auf einer längeren Distanz vor sich herschob und die Insassen des Personenwagens verzweifelt versuchten, den Unfallverursacher auf sich aufmerksam zu machen
(vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_795/2012 vom 28. November 2012 E. 5.3.1 mit Hinweisen)
. Damit ist der Unfall des Beschwerdeführers nicht zu vergleichen
; das Kriterium ist da
her zu verneinen.
Sodann zog sich der Beschwerdeführer mit
den Prellungen und der HWS-Distorsion
keine schwere oder besonders geartete Verletzung zu, die sich erfahrungsgemäss eignete, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen.
Der
Beschwerdeführer
konnte
die Arbeit bereits
rund dreieinhalb Wochen
nach dem Unfall am 7. Mai 2007
wieder zu 50 % aufnehmen
; ab dem 11. Juni 2007 wurde ihm wieder eine 70%ige und ab dem 27. Juli 2007 eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bescheinigt (Urk. 10/43.1, Urk. 10/47).
Da die erneute Arbeits
unfähigkeit seit August 2008 beziehungsweise anfangs 2009
– wie dargelegt - nicht mit physischen Beeinträchtigungen, sondern mit der psychischen Störung zu erklären ist
(Urk. 1 S. 4)
, ist auch das Kri
terium des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit zu verneinen.
Anhaltspunkte für eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, und für einen schwier
igen Heilungsverlauf beziehungs
weise erhebliche Komplikationen, gibt es in den Akten keine.
Die Behandlung nach dem Ereignis vom 13. März 2007 erschöpfte sich in einer Physiotherapie sowie der (seltenen) Einnahme von Medikamenten und konnte im März 2008 abgeschlossen
werden; die späteren therapeutischen Massnahmen sind vor dem Hintergrund der psy
chischen Störung zu sehen und daher nicht z
u berücksichtigen. Damit sind
auch
das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung und dasjenige der körperlichen Dauerschmerzen
zu verneinen
.
Da demnach
keines
der massgeblichen unfallbezogenen Merkmale erfüllt
ist
, wäre ein allfälliger natürlicher (Teil-)Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom
13. März 2007
und der psychischen Symptomatik jedenfalls nicht adäquat.
4.3
D
er
angefochtene
Einsprach
e
e
ntscheid (Urk. 2) erweist sich folglich als rechtens
.
5.
5.1
In Anbetracht der Tatsache, dass der
(nicht rechtsschutzversicherte [Urk. 12 S. 1])
Beschwerdeführer über kein Vermögen verfügt und seine – aus einer Rente der Invalidenversicherung und Ergänzungsleistungen dazu bestehenden
–
Einkünfte
die
monatlichen Ausgaben nicht übersteigen (
Urk. 3/3-10, Urk. 12, Urk. 13/1-15
)
,
ist
seine
Bedürftigkeit ausgewiesen. Da er selbst rechtsunkundig ist und ein erhebliches Interesse am Ausgang diese
s
Verfahrens hat und der vorliegende Prozess nicht als von vornherein aussichts
los be
zeichnet werden kann, ist ihm - antragsgemäss (Urk.
1
/1
S. 2) - die unentgeltliche Rechtsverbei
ständung in der Person von Rechtsanw
alt Max B. Berger, Bern,
zu gewähren (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
5.2
Unter Berücksichtigung des gemäss Honorarnote vom
18.
September 2013 (Urk. 19) für diesen Prozess angefallen Zeitaufwands von
12.86
Stunden, eines praxisgemässen Stundenansatzes von Fr. 200.-- sowie der Barauslagen von Fr.
134.10
(je zuzüglich Mehrwertsteuer) ist Rechtsanwalt Max B. Berger mit ei
nem Betrag von Fr.
2‘922.60
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.