Decision ID: aa5f745e-ac1c-5eb8-971c-18022c431fbe
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 26. Juni 2013 schlossen die Einwohnergemeinde C._, D._, Mitarbeiter des Regionalen Sozialdienstes C._ (nachfolgend Sozialdienst C._) sowie A._ und B._ (nachfolgend Ehepaar A._ und B._ bzw. Beschwerdeführer) vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland, Strafabteilung, eine am 27. Juni 2013 gerichtlich genehmigte und unangefochten gebliebene Vereinbarung (Akten der Einwohnergemeinde C._ [act. II], 1 f.), welche u.a. Folgendes vorsieht:
Ziffer 7: „Das Ehepaar A._ und B._ bezahlt einen Anteil an die Parteikosten von D._ und der Einwohnergemeinde C._ in der Höhe von CHF 9‘000.00. Sie haften solidarisch für diesen Betrag.“
Ziffer 8: „Die mit der Erbschaft mandatierte Notarin [...] wird gerichtlich angewiesen, den Betrag in der Höhe von CHF 9‘000.00, vor Erbauszahlung an B._, an Fürsprecher E._, [...], zu überweisen [...].“
Mit Schreiben vom 15. Oktober 2013 (act. II 3) stellte Fürsprecher E._ D._ die Honorarnote zu und hielt fest, es resultiere ein Saldo in der Höhe von Fr. 5‘990.-- zu dessen Gunsten. Am 6. Oktober 2014 (act. II 4) gelangte das Ehepaar A._ und B._ an den Sozialdienst C._ und forderte diesen auf, den Betrag von Fr. 5‘990.-- „an das Konto Frau B._ [...] zu überweisen“, andernfalls werde um Zustellung einer beschwerdefähigen Verfügung ersucht. Mit Schreiben vom 17. Oktober 2014 (act. II 7) teilte der Sozialdienst C._ A._ mit, aufgrund der Vereinbarung vom 26. Juni 2013 stehe der Einwohnergemeinde C._ der gesamte Betrag von Fr. 9‘000.-- zu. Im Übrigen sei das fragliche Dokument eine Vereinbarung vom Regionalgericht Bern-Mittelland, welches durch das Ehepaar A._ und B._ unterzeichnet worden und inzwischen in Rechtskraft erwachsen sei. In der Folge erneuerte das Ehepaar A._ und B._ mit Schreiben vom 6. November 2014 (act. II 6) ihre Forderungen gegenüber dem Sozialdienst C._, welcher indes darauf nicht reagierte. Die hierauf am 21. November 2014 (Akten der Vorinstanz [act. IIA] 001 f.) erhobene Beschwerde nahm das
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. März 2015, SH/15/20, Seite 3
Regierungsstatthalteramt (RSA) Bern-Mittelland (Vorinstanz) als Rechtsverweigerungsbeschwerde entgegen und wies diese mit Entscheid vom 12. Dezember 2014 ab (act. IIA 004 ff.).
B.
Dagegen erhob das Ehepaar A._ und B._ mit Eingabe vom 9. Januar 2015 Beschwerde. Es beantragt sinngemäss die Rückerstattung von Fr. 5‘990.-- oder den Erlass einer „beschwerdefähigen Verfügung“. In der Begründung machen die Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, gemäss Abrechnung von Fürsprecher E._ seien von den Fr. 9‘000.-- (gemäss Ziffer 8 der Vereinbarung vom 26. Juni 2013) lediglich Fr. 3‘010.-- „gebraucht“ worden, weshalb das „restliche Erbegeld“ von Fr. 5‘990.-- an B._ zurückzuerstatten sei und nicht dem Sozialdienst C._ zustehe. Ferner ergebe sich aus dem Entscheid des RSA Bern-Mittelland vom 16. Juli 2014 (Akten der Beschwerdeführer [act. I] 5), dass die Einwohnergemeinde C._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) selber für die Anwaltskosten aufzukommen habe. Schliesslich habe der Sozialdienst C._ – indem er keine Verfügung erlassen habe – eine Rechtsverweigerung begangen.
Mit Beschwerdeantwort vom 16. Januar 2015 hielt der Sozialdienst C._ sinngemäss fest, die Rückerstattung von Fr. 5‘990.-- sei zu Recht verweigert worden; im Übrigen handle es sich bei der gerichtlich genehmigten Vereinbarung (vom 26. Juni 2013) um ein „rechtsgültiges Dokument“, weshalb nicht zu beanstanden sei, dass keine Verfügung erlassen worden sei.
Die Vorinstanz verzichtete auf eine Vernehmlassung (Schreiben vom 16. Januar 2015). Ferner machten die Beschwerdeführer von der ihnen mit prozessleitender Verfügung vom 19. Januar 2015 gewährten Replikmöglichkeit keinen Gebrauch.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. März 2015, SH/15/20, Seite 4

Erwägungen:
1.
1.1 Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 (VRPG; BSG 155.21) und Art. 54 Abs. 2 des Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) i.V.m. Art. 18 Abs. 2 des Organisationsreglements des Verwaltungsgerichts vom 22. September 2010 (OrR VG; BSG 162.621) zuständig (vgl. auch Art. 52 Abs. 3 des Gesetzes über die öffentliche Sozialhilfe vom 11. Juni 2001 [Sozialhilfegesetz, SHG; BSG 860.1]). Die Beschwerdeführer haben am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, sind durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 Abs. 2 VRPG).
1.2 Angefochten ist der Entscheid des RSA Bern-Mittelland vom 12. Dezember 2014 (act. IIA 004 ff.). Streitig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz (die als solche behandelte) Rechtsverweigerungsbeschwerde der Beschwerdeführer zu Recht abgewiesen hat.
1.3 Die Beschwerdeführer verlangen eine Verfügung über die behauptete Rückerstattungsforderung von Fr. 5‘990.--. Damit erreicht der Streitwert den Betrag von Fr. 20‘000.-- nicht, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG).
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. März 2015, SH/15/20, Seite 5
2.
2.1 Der Sozialdienst trifft und eröffnet seine Entscheide grundsätzlich in Form einer beschwerdefähigen Verfügung (Art. 51 Abs. 1 SHG). Im Übrigen richtet sich das sozialhilferechtliche Verfahren nach den Bestimmungen des VRPG, soweit das SHG keine abweichenden Bestimmungen enthält (Art. 10 SHG).
2.2 In Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen haben die Parteien Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung sowie auf Beurteilung innert angemessener Frist (Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV; SR 101] und Art. 26 Abs. 2 der Verfassung des Kantons Bern [KV; BSG 101.1]). Eine formelle Rechtsverweigerung liegt nach der Praxis des Bundesgerichts vor, wenn eine Behörde auf eine ihr frist- und formgerecht unterbreitete Sache nicht eintritt, obschon sie darüber befinden müsste (vgl. BGE 135 I 6 E. 2.1 S. 9). Dies ist namentlich dann der Fall, wenn die Voraussetzungen für die Einleitung eines Verwaltungsverfahrens – Gesuch bzw. Antrag, Zuständigkeit, schutzwürdiges Interesse, verfügungsfähige Rechte und Pflichten – an sich erfüllt sind (vgl. MARKUS MÜLLER, in Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar VwVG, 2008, Art. 46a N. 4).
3.