Decision ID: f49d3466-4d7b-4f6c-9e74-4363442da31f
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ bezog seit Jahren eine Ergänzungsleistung zu einer halben Rente der
Invalidenversicherung. Im Juni 2011 gab die zuständige AHV/IV-Zweigstelle anlässlich
einer periodischen Überprüfung des Ergänzungsleistungsanspruchs an, die EL-
Bezügerin habe gemäss der Selbstdeklaration für die direkte Steuer im Jahr 2010 ein
Einkommen von 14'517 Franken aus einer selbständigen Erwerbstätigkeit angegeben
(act. G 3.1.56). Da dieses Einkommen leicht tiefer als das von der EL-
Durchführungsstelle für die Zeit ab dem 1. Januar 2011 angerechnete
Erwerbseinkommen (16'227 Franken; vgl. act. G 3.1.62) war und da auch die
Zinserträge minimal gesunken waren (von 29 auf 17 Franken; vgl. act. G 3.1.47 mit act.
G 3.1.62), erhöhte die EL-Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung mit einer
Verfügung vom 4. Juni 2012 rückwirkend ab dem 1. Juni 2011 von 1'094 Franken (vgl.
act. G 3.1.61) auf 1'190 Franken pro Monat; für die Zeit ab dem 1. Januar 2012 setzte
sie die Ergänzungsleistung auf 1'202 Franken pro Monat herauf (act. G 3.1.46). Mit
einer Verfügung vom 27. Dezember 2012 erhöhte sie die Ergänzungsleistung per 1.
Januar 2013 auf 1'213 Franken pro Monat (act. G 3.1.45). Bei all diesen
Anspruchsberechnungen hatte sie ein Erwerbseinkommen von 14'517 Franken
berücksichtigt (act. G 3.1.44). Mit einer Verfügung vom 27. Dezember 2013 erhöhte sie
die Ergänzungsleistung per 1. Januar 2014 auf 1'225 Franken (act. G 3.1.41).
Wiederum hatte sie bei der Anspruchsberechnung ein Erwerbseinkommen von 14'517
Franken berücksichtigt (act. G 3.1.40). Am 10. September 2014 meldete die EL-
Bezügerin einen Wohnungswechsel (act. G 3.1.38). Da der Mietzins nun minimal tiefer
war, setzte die EL-Durchführungsstelle mit einer Verfügung vom 13. November 2014
die Ergänzungsleistung per 1. Oktober 2014 auf 1'200 Franken pro Monat herab, wobei
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sie allerdings auf eine Rückforderung der Differenz zur für den Oktober und November
2014 bereits ausbezahlten höheren Ergänzungsleistung verzichtete (act. G 3.1.34). Mit
einer Verfügung vom 22. Dezember 2014 setzte sie die Ergänzungsleistung per 1.
Januar 2015 auf 1'221 Franken pro Monat herauf (act. G 3.1.33). Wiederum hatte sie
ein Erwerbseinkommen von 14'157 Franken berücksichtigt (act. G 3.1.32). Im Juni 2015
meldete die EL-Bezügerin einen weiteren Wohnungswechsel (act. G 3.1.30). Da der
(relevante) Mietzins erneut minimal tiefer ausfiel, setzte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistung mit einer Verfügung vom 21. Juni 2015 per 1. Juli 2015 auf 1'218
Franken herab (act. G 3.1.25).
A.b Im Juni 2015 forderte die EL-Durchführungsstelle die EL-Bezügerin auf, einen
Fragebogen zur periodischen Überprüfung der Ergänzungsleistung auszufüllen (act. G
3.1.23). Diese reichte in der Folge unter anderem die Jahresrechnung ihres
Unternehmens für das Jahr 2014 ein (act. G 3.1.20), der sich entnehmen liess, dass sie
im Jahr 2014 ein Betriebsergebnis von 19'397.75 Franken und im Jahr 2013 ein
solches von 17'342.92 Franken erzielt hatte. In der Folge holte die EL-
Durchführungsstelle die Steuerveranlagungsverfügungen für die Jahre 2011–2014 ein.
Laut diesen hatte die EL-Bezügerin im Jahr 2011 ein Einkommen von 24'182 Franken,
im Jahr 2012 ein solches von 11'774 Franken, im Jahr 2013 ein solches von 17'342
Franken und im Jahr 2014 ein solches von 19'397 Franken erzielt (vgl. act. G 3.1.4–2).
Am 24. August 2015 teilte die IV-Stelle der Ausgleichskasse mit, dass eine
Rentenrevision einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente ab dem 1. November 2014
ergeben habe (act. G 3.1.18). In der Folge setzte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistung rückwirkend ab dem 1. Juni 2011 neu fest (act. G 3.1.8). Bei der
Anspruchsberechnung berücksichtigte sie die in den Jahren 2011–2014 erzielten
Erwerbseinkommen und den höheren Rentenanspruch ab November 2014 (vgl. act. G
3.1.9 mit act. G 3.1.47, act. G 3.1.16 mit act. G 3.1.48, act. G 3.1.10 mit act. G 3.1.44,
act. G 3.1.11 mit act. G 3.1.40, act. G 3.1.15 mit act. G 3.1.35, act. G 3.1.14 mit act. G
3.1.32 und act. G 3.1.13 mit act. G 3.1.26). Daraus resultierte ein tieferer
Ergänzungsleistungsanspruch, weshalb die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistung mit einer Verfügung vom 17. September 2015 rückwirkend per 1.
Juni 2011 herabsetzte und von der EL-Bezügerin unrechtmässig bezogene
Ergänzungsleistungen von 14'568 Franken zurückforderte (act. G 3.1.8).
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A.c Am 9. Oktober 2015 liess die nun vertretene EL-Bezügerin eine Einsprache gegen
die Verfügung vom 17. September 2015 erheben (act. G 3.1.2). Am 10. November 2015
liess sie die Aufhebung der Verfügung, eventualiter den Erlass der Rückforderung
sowie die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren
beantragen (act. G 3.2.16). Ihre Vertreterin führte zur Begründung aus, die EL-
Durchführungsstelle sei im Besitz der IK-Auszüge gewesen und hätte deshalb schon im
Jahr 2012 erkennen müssen, dass die EL-Bezügerin schwankende Einkommen erzielt
hatte. Zudem habe diese ja schon davor seit Jahren Ergänzungsleistungen bezogen
und schwankende Einkommen erzielt. Spätestens zum Zeitpunkt des Einganges des
Fragebogens betreffend die Rentenrevision bei der IV-Stelle am 10. Juni 2014 hätte die
EL-Durchführungsstelle erkennen müssen, dass das Erwerbseinkommen der EL-
Bezügerin geschwankt habe. Die EL-Durchführungsstelle, die Ausgleichskasse und die
IV-Stelle gehörten schliesslich alle zusammen zur Sozialversicherungsanstalt. Wäre ein
korrekter Datenfluss gewährleistet gewesen, hätte die EL-Durchführungsstelle im Juni
2014 Kenntnis von den höheren Erwerbseinkommen gehabt. Folglich habe die relative
Verwirkungsfrist der Rückforderung ab jenem Zeitpunkt zu laufen begonnen. Da die
Rückforderungsverfügung mehr als ein Jahr später ergangen sei, sei die Rückforderung
verwirkt. Im Übrigen habe die EL-Bezügerin die Ergänzungsleistungen gutgläubig
bezogen. Sie sei fast blind, was auch der Grund für den Rentenbezug sei, und sie habe
daher die Berechnungsblätter nicht detailliert kontrollieren können. Ein Sachbearbeiter
der EL-Durchführungsstelle notierte am 24. November 2015 (act. G 3.2.12), die
Beitragsverfügungen der Ausgleichskasse ergingen jeweils automatisiert gestützt auf –
ebenfalls automatisierte – Steuermeldungen, weshalb die Annahme der EL-Bezügerin,
die EL-Durchführungsstelle erhalte jeweils Kenntnis von den steuerbaren Einnahmen,
nicht zutreffe. Ohnehin treffe diese aber eine Meldepflicht. Diese habe sie nicht erfüllt.
Wenn es ihr aus gesundheitlichen Gründen tatsächlich nicht möglich sein sollte, die
Verfügungen adäquat zu prüfen, müsse sie sich um eine entsprechende Hilfe bemühen.
Mit einem Entscheid vom 16. Dezember 2015 wies die EL-Durchführungsstelle sowohl
die Einsprache gegen die Verfügung vom 17. September 2015 als auch das Gesuch
um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung ab (act. G 3.2.9). Zur Begründung führte
sie aus, bei der EL-Durchführungsstelle, bei der IV-Stelle und bei der Ausgleichskasse
handle es sich um je eigenständige Sozialversicherungsträger, die sich nicht
gegenseitig das Wissen der jeweils anderen Sozialversicherungsträger anrechnen
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lassen müssten. Ohnehin treffe die EL-Bezügerin ungeachtet der internen Abläufe eine
unbedingte Meldepflicht, die sie vorliegend verletzt habe. Die Rückforderung sei
folglich entgegen der Ansicht der EL-Bezügerin nicht verwirkt, da die EL-
Durchführungsstelle erst im Sommer 2015 Kenntnis von den höheren Einkommen in
den Jahren 2011–2014 und von der Rentenerhöhung erhalten habe. Der Erlass der
Rückforderung werde erst geprüft, wenn diese rechtskräftig festgesetzt geworden sei.
Eine anwaltliche Vertretung sei nicht notwendig gewesen, weshalb kein Anspruch auf
eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung bestehe.
B.
B.a Am 28. Januar 2016 liess die nun durch eine Rechtsanwältin vertretene EL-
Bezügerin (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine Beschwerde erheben (act. G 1).
Ihre Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 17. September
2015, eventualiter den Erlass der Rückforderung sowie die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Verwaltungs- und für das Beschwerdeverfahren. Zur
Begründung führte sie aus, die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) habe von Beginn des Ergänzungsleistungsbezuges weg
Kenntnis von der selbständigen Erwerbstätigkeit gehabt. Folglich sei ihr bekannt
gewesen, dass die Höhe des Erwerbseinkommens der Beschwerdeführerin
geschwankt habe. Zudem müsse die Beschwerdegegnerin Zugriff auf die Akten der IV-
Stelle und der Ausgleichskasse gehabt haben. Sie hätte ihren Fehler somit schon viel
früher erkennen können, weshalb die Rückforderung verjährt sei. Die
Beschwerdeführerin habe die Ergänzungsleistungen gutgläubig bezogen. Sie habe
infolge ihrer Sehschwäche die Verfügungen nur teilweise auf deren Korrektheit
überprüfen können und darauf vertraut, dass die Beschwerdegegnerin den
massgebenden Sachverhalt von sich aus abklären werde. Zudem habe sie so viele
Verfügungen erhalten, dass sie den Überblick verloren habe. Wenn die Rückforderung
nicht verwirkt sei, müsse sie folglich erlassen werden. Auch die Voraussetzungen für
eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Verwaltungs- und das
Beschwerdeverfahren seien erfüllt, da sich schwierige tatsächliche und rechtliche
Fragen stellten, da das Begehren der Beschwerdeführerin nicht aussichtslos sei und da
diese bedürftig sei.
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 9. Februar 2016 unter Hinweis auf die
Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 3).
B.c Am 16. Februar 2016 teilte die verfahrensleitende Richterin der
Beschwerdeführerin mit, dass keine finanzielle Bedürftigkeit vorliege, die eine
unentgeltliche Rechtsverbeiständung rechtfertigen würde (act. G 4). Die
Beschwerdeführerin könne bis spätestens am 7. März 2016 ihr Nichteinverständnis mit
dieser formlosen Abweisung ihres Begehrens um eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren erklären.
B.d Am 26. Februar 2016 liess die Beschwerdeführerin geltend machen, ihr
Einkommen sei massiv gesunken, was die gerade fertiggestellte Jahresrechnung für
das Jahr 2015 belege (act. G 6).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 8).

Erwägungen
1.
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat die Aufhebung der Verfügung vom
17. September 2015 beantragt. Auf dieses Begehren kann nicht eingetreten werden,
denn das ELG sieht keinen vom ATSG abweichenden Instanzenzug vor, weshalb im
Bereich der Ergänzungsleistungen nur verfahrensleitende Verfügungen (Art. 52 Abs. 1
ATSG und Art. 56 Abs. 1 ATSG) und Einspracheentscheide (Art. 56 Abs. 1 ATSG) mit
einer Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht angefochten werden können.
Das schliesst eine beschwerdeweise Anfechtung der verfahrensabschliessenden
Verfügung vom 17. September 2015 aus. Die Prüfung der Eintretensfrage darf sich
allerdings nicht auf eine rein grammatikalische Interpretation des Beschwerdeantrages
beschränken. Die Rechtsvertreterin hat ihrer Beschwerde als erste Beilage den
Einspracheentscheid vom 16. Dezember 2015 im Original beigelegt. Das Dispositiv des
Einspracheentscheides hat sich, soweit es sich auf die Verfügung vom 17. September
2015 beziehungsweise auf die dagegen erhobene Einsprache bezogen hat, auf eine
Abweisung der Einsprache beschränkt, was den (falschen) Eindruck erweckt haben
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könnte, die Verfügung vom 17. September 2015 sei nach wie vor existent gewesen.
Zudem entsprechen die ersten Beschwerdeanträge auch wortwörtlich den Anträgen in
der Einsprache. Obwohl jene noch von einer anderen Vertreterin verfasst worden war,
liegt der Schluss nahe, dass die neue Rechtsvertreterin die Anträge unbesehen kopiert
und es dabei versehentlich versäumt hat, die Aufhebung des Einspracheentscheides
anstelle der Aufhebung der Verfügung zu verlangen. Gesamthaft erscheint es als
eindeutig, dass sich die Beschwerde – entgegen ihrem Wortlaut – nicht gegen die
Verfügung vom 17. September 2015, sondern vielmehr gegen den
Einspracheentscheid vom 16. Dezember 2015 richtet, weshalb auf sie einzutreten ist.
2.
Würde der angefochtene Einspracheentscheid nur eine Rückforderung von
Ergänzungsleistungen beinhalten, müsste er aufgehoben werden, weil die formell
rechtskräftigen Verfügungen vom 4. Juni 2012, vom 27. Dezember 2012, vom 27.
Dezember 2013, vom 13. November 2014, vom 22. Dezember 2014 und vom 21. Juni
2015 einer solchen Rückforderung entgegen stünden. Eine Ergänzungsleistung, die mit
einer formell rechtskräftigen und damit verbindlichen Verfügung zugesprochen worden
ist, kann nicht im Sinne des Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG unrechtmässig bezogen
werden, selbst wenn die entsprechende(n) leistungszusprechende(n) Verfügung(en)
teilweise materiell unrichtig sein sollte(n). Bevor die Beschwerdegegnerin einen Teil der
ausgerichteten Ergänzungsleistungen hat zurückfordern können, hat sie folglich die
erwähnten Verfügungen korrigieren müssen. Das hat sie – in der Verfügung vom 17.
September 2015 und auch im angefochtenen Einspracheentscheid – getan, denn der
Inhalt der Verfügung beziehungsweise des Einspracheentscheides hat sich nicht nur
auf die Rückforderung beschränkt, sondern auch eine Neufestsetzung der
Ergänzungsleistung rückwirkend ab dem 1. Juni 2011 und für die Zukunft umfasst. Es
handelt sich also um eine „doppelte“ Verfügung respektive um einen „doppelten“
Einspracheentscheid, nämlich einerseits um eine rückwirkende Neufestsetzung
beziehungsweise Korrektur der Ergänzungsleistung (für die Vergangenheit und für die
Zukunft) und andererseits um eine Rückforderung. Beide Teilgehalte müssen je
eigenständig auf ihre Rechtmässigkeit überprüft werden.
3.
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3.1 Die Beschwerdeführerin hat schon seit Jahren eine Ergänzungsleistung bezogen.
Bei der Verfügung vom 17. September 2015 scheint es sich vor diesem Hintergrund auf
den ersten Blick um eine – rückwirkende – Revisionsverfügung im Sinne des Art. 17
Abs. 2 ATSG zu handeln. Auf den zweiten Blick zeigt sich aber, dass bereits am 4. Juni
2012 eine Revisionsverfügung ergangen ist, die denselben Wirkungszeitpunkt wie jene
vom 17. September 2015 gehabt hat, nämlich ebenfalls den 1. Juni 2011. Folglich kann
es sich bei der Verfügung vom 17. September 2015 nicht um eine Revisionsverfügung,
sondern nur um eine Korrektur der Revisionsverfügung vom 4. Juni 2012 gehandelt
haben. Eine solche Korrektur ist nur auf dem Wege der sogenannt prozessualen
Revision (Art. 53 Abs. 1 ATSG) oder der Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG)
zulässig. Hinweise auf eine qualifiziert neue Tatsache im Sinne des Art. 53 Abs. 1 ATSG
sind nicht ersichtlich. Die rückwirkende Korrektur der Ergänzungsleistung per 1. Juni
2011 kann also nur Wiedererwägung gewesen sein, mit der die Revisionsverfügung
vom 4. Juni 2012 sowie die jener Verfügung folgenden Revisionsverfügungen integral
ersetzt worden sind.
3.2 Eine Wiedererwägung ist zulässig, wenn die ursprüngliche Verfügung zweifellos
unrichtig ist und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2
ATSG). Die Beschwerdegegnerin hat ihrer ursprünglichen Revisionsverfügung vom 4.
Juni 2012 für die Zeit ab dem 1. Juni 2011 das Erwerbseinkommen zugrunde gelegt,
das die Beschwerdeführerin im Jahr 2010 erzielt hatte. Das entspricht zwar der Regel
des Art. 23 Abs. 1 ELV. Daraus kann aber nicht ohne Weiteres gefolgert werden, die
Verfügung vom 4. Juni 2012 habe nicht an einem qualifizierten Mangel im Sinne des
Art. 53 Abs. 2 ATSG leiden können, was bedeuten würde, dass eine Wiedererwägung
unzulässig wäre. Die jährliche Ergänzungsleistung bezweckt naturgemäss die Deckung
des jeweils aktuellen tatsächlichen Bedarfs, der nicht durch andere Mittel gedeckt
werden kann. Diesem Sinn und Zweck entsprechend muss die Ergänzungsleistung
notwendigerweise ausgehend von den jeweils aktuellen Ausgaben und Einnahmen
berechnet werden. Würde auf veraltete Beträge abgestellt, so würde die
Ergänzungsleistung einen veralteten anstelle des aktuellen Bedarfs decken, womit sie
ihren Zweck verfehlen würde. Würde der Art. 23 Abs. 1 ELV eine Abweichung von
diesem Grundsatz vorsehen, müsste er als gesetzwidrig qualifiziert werden; ihm
müsste die Anwendung verwehrt bleiben. Das ist aber nicht der Fall, denn der
Verordnungsgeber hat mit dem Art. 23 Abs. 1 ELV nur die Sachverhaltsabklärung für
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den häufigsten Fall erleichtern wollen, nämlich jenen, in dem ein EL-Bezüger (als
Arbeitnehmer) über Jahre hinweg ein unverändertes Erwerbseinkommen erzielt. In
einem solchen Fall entspricht das aktuelle Einkommen dem Vorjahreseinkommen,
weshalb das aktuelle Einkommen nicht ausgehend von den neusten monatlichen
Lohnabrechnungen auf den entsprechenden Jahresbetrag hochgerechnet werden
muss, sondern direkt vom Lohnausweis für das Vorjahr abgelesen werden kann. Nur
auf diesen Fall kann sich die „in der Regel“ anwendbare Vereinfachung der
Sachverhaltsabklärung im Sinne des Art. 23 Abs. 1 ELV beziehen. In allen anderen
Fällen muss auf das jeweils aktuelle Einkommen abgestellt werden, was ja
beispielsweise in Bezug auf Rentenleistungen in der Praxis auch mit aller
Selbstverständlichkeit gemacht wird. Niemand käme auf die Idee, statt der aktuellen,
der Teuerung angepassten Rente der ersten Säule den tieferen Rentenbetrag aus dem
Vorjahr zu berücksichtigen. Bei einem Arbeitnehmer, der einen stark schwankenden
Lohn erzielt (beispielsweise bei einem Verkäufer, der Provisionen erhält, oder bei einem
Arbeitnehmer, der unregelmässig Nacht- oder Wochenenddienst verrichten muss), liegt
kein Regelfall im Sinne des Art. 23 Abs. 1 ELV vor, denn in einem solchen Fall trifft die
Annahme, das aktuelle Erwerbseinkommen entspreche dem Vorjahreseinkommen,
offenkundig nicht zu. In einer solchen Situation kann die EL-Durchführungsstelle
deshalb gezwungen sein, die Ergänzungsleistung monatlich neu zu berechnen, wofür
sie den EL-Bezüger jeweils zur umgehenden Einreichung der neusten monatlichen
Lohnabrechnung anhalten muss (vgl. den Entscheid EL 2014/51 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 24. Mai 2016, E. 3.4).
3.3 Auch ein selbständig erwerbstätiger EL-Bezüger erzielt in der Regel ein stark
schwankendes Erwerbseinkommen, weshalb für ihn grundsätzlich dasselbe wie für den
Arbeitnehmer mit einem stark schwankenden Lohn gelten muss. Zwar nicht in
rechtlicher, aber in tatsächlicher Hinsicht besteht allerdings ein gravierender
Unterschied zwischen einem selbständig erwerbstätigen und einem angestellten EL-
Bezüger: Der selbständig erwerbstätige EL-Bezüger erhält keine monatlichen
Lohnabrechnungen. Sein Erwerbseinkommen entspricht vielmehr der in der
Erfolgsrechnung seines Unternehmens abgebildeten Differenz zwischen dem Aufwand
und dem Ertrag. Rein theoretisch wäre es möglich, die Betriebsrechnung monatlich
durchzuführen und der EL-Durchführungsstelle entsprechend jeden Monat das jeweils
aktuelle Betriebsergebnis (das dem Erwerbseinkommen entspricht) zu melden. Die
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Erstellung der Betriebsrechnung ist aber aufwendig und zwingt in aller Regel zum
Beizug eines Buchhalters. Mit der Aufforderung an einen EL-Bezüger, monatlich eine
Betriebsrechnung einzureichen, würde dessen Mitwirkungspflicht deshalb in
unzumutbarer Weise überstrapaziert. Da sich das jeweils aktuelle Erwerbseinkommen
auch nicht auf eine andere Weise ermitteln lässt, ist es also unmöglich, das jeweils
massgebende Erwerbseinkommen („rechtzeitig“) zu ermitteln. Vor diesem Hintergrund
bleibt der EL-Durchführungsstelle gar nichts anderes übrig, als die jährliche
Betriebsrechnung für das Vorjahr abzuwarten und die Ergänzungsleistung gestützt auf
deren Ergebnis zu berechnen. Dadurch wird zwar das System der Ergänzungsleistung
als bedarfsgerechte und damit notwendigerweise jeweils ausgehend vom aktuellen
Bedarf berechnete Sozialversicherungsleistung durchbrochen, aber angesichts der
dargestellten Beweisschwierigkeiten bleibt nichts anderes als diese an sich
systemwidrige Vorgehensweise übrig. Nun ist aber selbst die Betriebsrechnung
regelmässig keine ausreichend zuverlässige Grundlage für die Berechnung der
Ergänzungsleistung, denn nicht selten wird das Betriebsergebnis durch Buchungen
verfälscht, die nicht den Anforderungen an eine sorgfältige und gewissenhafte
Buchhaltung entsprechen. In der Praxis kommt es deshalb im Rahmen der
Steuerveranlagung, bei der unter anderem geprüft wird, ob die Buchhaltung lege artis
geführt worden ist, regelmässig zu Korrekturen des Betriebsergebnisses. Erst das der
Steuerveranlagung zugrunde gelegte Betriebsergebnis kann im Einzelfall als
überwiegend wahrscheinlich richtig qualifiziert werden. Der Art. 23 Abs. 2 ELV enthält
deshalb den Grundsatz, dass auf die Steuerveranlagungsverfügungen – und nicht etwa
auf die Betriebsrechnungen – abzustellen sei. Das führt aber dazu, dass es in vielen
Fällen aus zeitlichen Gründen nicht möglich ist, die Ergänzungsleistung ausgehend
vom Vorjahreseinkommen zu berechnen, denn bis eine Steuerveranlagungsverfügung
betreffend einen selbständig erwerbstätigen EL-Bezüger vorliegt, vergeht nicht selten
deutlich mehr als ein ganzes Jahr. Wie diesem zusätzlichen Problem zu begegnen ist,
kann im vorliegenden Fall allerdings offen gelassen werden, denn die
Beschwerdeführerin hat ihre Buchhaltung jeweils so geführt, dass in der
Steuerveranlagung unverändert auf das von ihr ermittelte Betriebsergebnis hat
abgestellt werden können. Das erlaubt es, bei der Ermittlung der Ergänzungsleistung
jeweils auf die Betriebsrechnung aus dem Vorjahr abzustellen. Die
Beschwerdegegnerin hätte die Ergänzungsleistung folglich jedes Jahr gestützt auf die
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Betriebsrechnung für das jeweilige Vorjahr berechnen können. Das hat sie für die Zeit
ab dem 1. Juni 2011 auch tatsächlich getan, indem sie das Betriebsergebnis für das
Jahr 2010 als Erwerbseinkommen berücksichtigt hat. Für die Zeit ab dem 1. Januar
2012 ist sie allerdings aus nicht nachvollziehbaren Gründen anders vorgegangen:
Anstatt das jeweilige Vorjahreseinkommen zu berücksichtigen, hat sie jeder weiteren
Revisionsverfügung das Betriebsergebnis im Jahr 2010 zugrunde gelegt. Das muss im
Lichte der obigen Ausführungen als rechtswidrig qualifiziert werden, weshalb die
ursprüngliche Revisionsverfügung vom 4. Juni 2012 zweifellos unrichtig und folglich
wiedererwägungsweise zu korrigieren ist.
3.4 Bevor jedoch auf die Folgen dieser Rechtswidrigkeit eingegangen werden kann,
muss die Frage beantwortet werden, ob auch im Wiedererwägungsverfahren jeweils
auf die Vorjahreseinkommen oder aber auf die – im Zeitpunkt der Eröffnung der
Wiedererwägungsverfügung bereits bekannten – jeweiligen aktuellen Einkommen
abzustellen ist. Anders als im ursprünglichen Verfahren hat sich nämlich vorliegend im
Wiedererwägungsverfahren kein beweisrechtliches Problem im Sinne der E. 3.3 mehr
gestellt, das zu einer Abweichung von der systemkonformen Vorgehensweise im Sinne
der E. 3.2 gezwungen hätte. Auf den ersten Blick scheint dieser Umstand für eine
Berücksichtigung der jeweils aktuellen Einkommen zu sprechen. Das dürfte die
Beschwerdegegnerin veranlasst haben, im Wiedererwägungsverfahren entsprechend
vorzugehen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass ein solches Vorgehen zu
einer Verletzung des Gleichbehandlungsgebotes führen würde. Die Ergänzungsleistung
der Beschwerdeführerin würde damit nämlich für die Zeit vom 1. Juni 2011 bis zum 31.
Dezember 2014 (für die Zeit vom 1. Januar 2015 bis zum 17. September 2015 hat die
Beschwerdegegnerin gezwungenermassen nochmals das Betriebsergebnis im Jahr
2014 berücksichtigen müssen) anders als die Ergänzungsleistung eines anderen
selbständig erwerbstätigen EL-Bezügers berechnet, dessen Ergänzungsleistung nicht
wiedererwägungsweise, sondern jährlich in einem Revisionsverfahren neu festgesetzt
werden müsste. Die unterschiedliche Natur der jeweiligen Verfahren
(Wiedererwägungs- oder „gewöhnliches“ Revisionsverfahren) kann eine solche
Ungleichbehandlung nicht rechtfertigen. Mit Blick auf das Rechtsgleichheitsgebot
muss die Ergänzungsleistung deshalb auch in dem im Jahr 2011 einsetzenden
Wiedererwägungsverfahren (systemwidrig) gestützt auf das jeweilige
Vorjahreseinkommen berechnet werden.
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3.5 Die ursprüngliche Revisionsverfügung vom 4. Januar 2012 ist in Bezug auf den
Zeitraum vom 1. Juni 2011 bis zum 31. Dezember 2011 als rechtmässig zu
qualifizieren, da der Anspruchsberechnung das Betriebsergebnis im Jahr 2010
zugrunde gelegt worden ist und da sich die Berechnung auch in jeder anderen Hinsicht
als korrekt erweist. Das könnte zur Annahme verleiten, die Wiedererwägungsverfügung
(und damit auch die Rückforderungsverfügung) vom 17. September 2015 sei
rechtswidrig, weil die Verfügung vom 4. Januar 2012 nicht an einer zweifellosen
Unrichtigkeit leide und deshalb gar nicht hätte in Wiedererwägung gezogen werden
dürfen. Allerdings ist mit der Verfügung vom 4. Januar 2012 nicht nur die
Ergänzungsleistung für die Zeit vom 1. Juni 2011 bis zum 31. Dezember 2011, sondern
auch jene für die Zeit ab dem 1. Januar 2012 revisionsweise neu festgesetzt worden.
Diesbezüglich erweist sich die Verfügung vom 4. Januar 2012 im Lichte der obigen
Ausführungen als rechtswidrig, da auch für die Zeit ab dem 1. Januar 2012 auf das
Erwerbseinkommen im Jahr 2010 abgestellt worden ist. Die Beschwerdegegnerin hat
es mit anderen Worten versäumt, das Erwerbseinkommen zu aktualisieren. Da das im
Jahr 2011 erzielte Erwerbseinkommen, das für die Zeit ab dem 1. Januar 2012
richtigerweise hätte berücksichtigt werden müssen, deutlich höher (24'182 Franken) als
das im Jahr 2010 erzielte Erwerbseinkommen (14'517 Franken) gewesen ist und da
deshalb die Berücksichtigung des veralteten Einkommens einen deutlich zu hohen
Ausgabenüberschuss und damit auch eine deutlich zu hohe Ergänzungsleistung zur
Folge gehabt hat, ist die Berichtigung dieses Fehlers von erheblicher Bedeutung. Die
Revisionsverfügung vom 4. Juni 2012 muss deshalb wiedererwägungsweise korrigiert
werden.
3.6 Die späteren Revisionsverfügungen vom 27. Dezember 2012, vom 27. Dezember
2013, vom 13. November 2014, vom 22. Dezember 2014 und vom 21. Juni 2015
enthalten zwar je ein vollständiges Dispositiv und eine entsprechende Begründung in
Form einer kompletten Anspruchsberechnung. Das jeweilige Verfahren, das mit diesen
Verfügungen abgeschlossen worden ist, hat aber nicht sämtliche Sachverhaltselemente
betroffen, sondern sich – revisionstypisch – jeweils nur auf jene Sachverhaltselemente
beschränkt, die sich seit der letzten Revision verändert hatten. Das zeigt sich am
deutlichsten bei den beiden Verfügungen vom 13. November 2014 und vom 21. Juni
2015, mit denen die Ergänzungsleistung jeweils für die Zukunft an eine Veränderung
des Mietzinses infolge eines Wohnungswechsels angepasst worden ist. Die
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Sachverhaltswürdigung hat sich in diesen beiden Verfahren nur auf die Veränderung
des Mietzinses beschränkt. Den restlichen Sachverhalt hat die Beschwerdegegnerin
nicht erneut gewürdigt. Vielmehr hat sie abgesehen vom Mietzins jeweils die aktuellste
der früheren Sachverhaltswürdigungen übernommen. Dasselbe gilt sinngemäss auch in
Bezug auf die Verfügungen zum Jahresbeginn (27. Dezember 2012, 27. Dezember
2013, 22. Dezember 2014), obwohl die Beschwerdegegnerin mit jenen Verfügungen
nicht nur einer, sondern mehreren Sachverhaltsveränderungen (z.B. Erhöhung der
Prämienpauschale der obligatorischen Krankenpflegeversicherung) Rechnung getragen
hat. Dogmatisch gesehen hat die Verfügung vom 4. Juni 2012 also das „Fundament“
der Verfügung vom 27. Dezember 2012 gebildet, die dann wiederum das „Fundament“
der Verfügung vom 27. Dezember 2013 gebildet hat. So haben alle erwähnten
Verfügungen auf der jeweils vorangehenden Verfügung basiert, auch wenn sich das im
jeweiligen Dispositiv, das zur Vereinfachung der Vollstreckung nicht auf eine Erhöhung
oder eine Reduktion der Ergänzungsleistung (z.B. „ab dem 1. Januar 2013 erhalten Sie
monatlich zwölf Franken mehr“), sondern auf den neuen Gesamtbetrag gelautet hat,
auf den Blick nicht widergespiegelt hat. Wenn nun die Verfügung vom 4. Juni 2012 in
Wiedererwägung gezogen wird, wird allen späteren Revisionsverfügungen die
Grundlage entzogen, denn die Wiedererwägung führt im ersten Schritt zur
vollständigen Aufhebung der in Wiedererwägung gezogenen Verfügung vom 4. Juni
2012. Der ganze „Verfügungsturm“ muss folglich in sich zusammenfallen und neu
aufgebaut werden, weil für jede spätere Revisionsverfügung jene Verfügung wegfällt,
die sie modifiziert hat. Das Wiedererwägungsverfahren muss sich deshalb stets sowohl
auf die ursprüngliche, wiedererwägungsweise zu ersetzende Verfügung als auch auf
sämtliche danach ergangenen Revisionsverfügungen beziehen. Mit anderen Worten ist
im Wiedererwägungsverfahren stets der gesamte Zeitraum bis zum Abschluss dieses
Wiedererwägungsverfahrens massgebend. Eine Beschränkung des
Wiedererwägungsverfahrens nur auf die ursprüngliche, wiedererwägungsweise zu
ersetzende Verfügung wäre folglich rechtswidrig. Im Wiedererwägungsverfahren muss
also den zwischenzeitlichen Veränderungen – wie bei einer rückwirkenden abgestuften
Leistungszusprache – in analoger Anwendung des Art. 17 Abs. 2 ATSG Rechnung
getragen werden. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb vorliegend im
Wiedererwägungsverfahren betreffend die Revisionsverfügung vom 4. Juni 2012 völlig
zu Recht auch die in den automatisch dahingefallenen Verfügungen vom 27. Dezember
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2012, vom 27. Dezember 2013, vom 13. November 2014, vom 22. Dezember 2014 und
vom 21. Juni 2015 enthaltenen Revisionen nachvollzogen und dabei den schon in der
Revisionsverfügung vom 4. Juni 2012 enthaltenen Fehler korrigiert.
3.7 Zusammenfassend erweist sich das Vorgehen der Beschwerdegegnerin im am 17.
September 2015 abgeschlossenen Wiedererwägungsverfahren grundsätzlich als
rechtmässig. Allerdings ist die Anrechnung des jeweils aktuellen Erwerbseinkommens
aus Gleichbehandlungsgründen falsch gewesen. Richtigerweise muss für die Zeit ab
dem 1. Juni 2011 das Erwerbseinkommen im Jahr 2010, für die Zeit ab dem 1. Januar
2012 jenes im Jahr 2011, für die Zeit ab dem 1. Januar 2013 jenes im Jahr 2012 und so
weiter angerechnet werden. Die Berechnung der Beschwerdegegnerin muss
entsprechend korrigiert werden.
4.
4.1 Im Rahmen der wiedererwägungsweisen Neufestsetzung der Ergänzungsleistung
für den Zeitraum vom 1. Juni 2011 bis zum 17. September 2015 muss noch einer
weiteren Sachverhaltsveränderung Rechnung getragen werden: Per 1. November 2014
ist die Rente der Invalidenversicherung um die Hälfte (von einer halben auf eine
Dreiviertelsrente) erhöht worden. Diese Rentenerhöhung ist tatsächlich erst am 15.
September 2015 verfügt worden (vgl. act. G 3.1.17); für die Zeit vom 1. November 2014
bis zum 30. September 2015 hat die Beschwerdeführerin also eine Nachzahlung
erhalten. Ausgehend von den tatsächlichen Verhältnissen müsste an sich ab dem 1.
Oktober 2015 die höhere Rente und zusätzlich der Vermögenszuwachs infolge der
Rentennachzahlung bei der EL-Anspruchsberechnung berücksichtigt werden. Das
Bundesgericht hat aber völlig zu Recht erkannt, dass dies zu einer diskriminierenden
Besserstellung jener Rentenbezüger führen würde, die eine (höhere) Rentenleistung
nicht sofort, sondern erst „verspätet“ erhalten würden (vgl. etwa das Urteil
9C_139/2015 vom 9. März 2015, E. 3). Die einzige Möglichkeit, dem
Rechtsgleichheitsgebot in einer solchen Situation zum Durchbruch zu verhelfen,
besteht in der Fiktion, die (höhere) Rente sei sofort ab dem Entstehen des Anspruchs
ausbezahlt worden. Statt der Nachzahlung als Vermögenszuwachs wird also
rückwirkend die höhere Rente so angerechnet, wie wenn sie ab dem Zeitpunkt ihrer
Erhöhung ausgerichtet worden wäre (vgl. zum Ganzen den Entscheid EL 2016/44 des
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St. Galler Versicherungsgerichtes vom 20. März 2017, E. 3.2). Folglich hat die
Beschwerdegegnerin zu Recht rückwirkend ab dem 1. November 2014 den höheren
Betrag der Dreiviertelsrente angerechnet. Insofern erweist sich ihre Berechnung als
korrekt. Auch die übrigen Berechnungspositionen sind korrekt ermittelt worden. Damit
steht fest, dass die wiedererwägungsweise Neuberechnung des
Ergänzungsleistungsanspruchs der Beschwerdeführerin für den Zeitraum vom 1. Juni
2011 bis zum 17. September 2015 nur hinsichtlich des Betrages des anzurechnenden
Erwerbseinkommens falsch gewesen ist.
4.2 In der Zeit vom 1. Juni 2011 bis zum 31. Dezember 2011 hat die
Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung von 1'190 Franken
pro Monat (vgl. act. G 3.1.47). Für das Jahr 2012 ist anstelle eines (im Jahr 2012
erzielten) Erwerbseinkommens von 11'774 Franken beziehungsweise von 7'182
Franken (sog. privilegierte Anrechnung; vgl. act. G 3.1.16) ein solches von 24'182
Franken beziehungsweise von 15'454 Franken (vgl. act. G 3.1.9) anzurechnen. Das
ergibt anstelle des von der Beschwerdegegnerin ermittelten Ausgabenüberschusses
von 16'243 Franken einen solchen von 7'971 Franken. Damit hat die
Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine monatliche Ergänzungsleistung von 665
Franken für das Jahr 2012. Für das Jahr 2013 beläuft sich der Anspruch auf 1'365
Franken pro Monat (= [12'667 Franken + 10'894 Franken – 7'182 Franken] ÷ 12; vgl.
act. G 3.1.10 und G 3.1.16). Für die Zeit vom 1. Januar 2014 bis zum 31. Oktober 2014
hat die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine monatliche Ergänzungsleistung
von 1'068 Franken (= [11'441 Franken + 12'264 Franken – 10'894 Franken] ÷ 12; vgl.
act. G 3.1.10 f.). Der Ergänzungsleistungsanspruch für den Monat November 2014
beträgt Franken 609 Franken (fiktive Rentenerhöhung per 1. November 2014; vgl. act.
G 3.1.12), jener für den Monat Dezember 2014 beträgt Franken 584 Franken
(Mietzinsreduktion per 1. Dezember 2014; vgl. act. G 3.1.15). Der
Ergänzungsleistungsanspruch für die Monate Januar bis und mit Juni 2015 beläuft sich
auf 490 Franken pro Monat (vgl. act. G 3.1.14). Für die Zeit vom 1. Juli 2015 (erneute
Mietzinsreduktion) bis zum 17. September 2015 (Erlass der
Wiedererwägungsverfügung) hat die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine
monatliche Ergänzungsleistung von 487 Franken (vgl. act. G 3.1.13).
5.
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5.1 Die Beschwerdeführerin hat im Zeitraum vom 1. Juni 2011 bis zum 30. September
2015 Ergänzungsleistungen im Gesamtbetrag von 62'965 (= 7 × 1'190 + 12 × 1'202 +
12 × 1'213 + 11 × 1'225 + 1'200 + 6 × 1'221 + 3 × 1'218) Franken bezogen. Ihr
rechtmässiger Anspruch für diesen Zeitraum hat sich aber nur auf 48'964 (= 7 × 1'190
+ 12 × 665 + 12 × 1'365 + 10 × 1'068 + 609 + 584 + 6 × 490 + 3 × 487) Franken
belaufen. Folglich hat sie 14'001 Franken zu viel bezogen. Diese im Sinne des Art. 25
Abs. 1 Satz 1 ATSG unrechtmässig bezogenen Ergänzungsleistungen muss sie
gemäss jener Bestimmung zurückerstatten. Der Betrag der Rückforderung fällt minimal
tiefer aus als jener, der im angefochtenen Einspracheentscheid geltend gemacht
worden ist. Insofern ist der angefochtene Einspracheentscheid zu korrigieren.
5.2 Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass die Rückforderung verwirkt sei,
weil die Beschwerdegegnerin ihren Fehler schon lange vor dem 17. September 2015
hätte erkennen und beheben müssen. Damit hat sie sich auf eine langjährige
bundesgerichtliche Rechtsprechung zur relativen Verwirkungsfrist des Art. 25 Abs. 2
ATSG bezogen (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 25 N 56 ff.).
Das Bundesgericht hat jene Rechtsprechung in zwei neueren Entscheiden – völlig zu
Recht – ignoriert und festgehalten, dass ein Sozialversicherungsträger erst ab jenem
Zeitpunkt eine ausreichend sichere Kenntnis von seinem Rückforderungsanspruch
habe, in dem die entsprechende Korrekturverfügung formell rechtskräftig geworden sei
(vgl. die Urteile des Bundesgerichtes 8C_642/ 2014 vom 23. März 2015 und
8C_640/2014 vom 19. Dezember 2014). Das Versicherungsgericht hat diese
Rechtsprechungsänderung begrüsst, weil es keinen Grund gesehen hat, versicherte
Personen, die unrechtmässig Leistungen bezogen haben, durch eine (zu) kurze
Verwirkungsfrist besonders zu schonen; der entsprechende Entscheid vom 28.
November 2016 (IV 2014/559; vgl. dessen E. 2.2) ist unangefochten in formelle
Rechtskraft erwachsen. So gesehen hat die Beschwerdegegnerin die unrechtmässig
bezogenen Ergänzungsleistungen nicht etwa zu spät, sondern eher zu früh, nämlich vor
dem Eintritt der formellen Rechtskraft ihrer Wiedererwägungsverfügung,
zurückgefordert. Das schadet allerdings nicht. Die relative, einjährige Verwirkungsfrist
ist jedenfalls gewahrt, da sie noch gar nicht zu laufen begonnen hat. Auch die absolute,
fünfjährige Verwirkungsfrist ist offensichtlich eingehalten.
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5.3 Das Erlassgesuch der Beschwerdeführerin hat nicht zum Gegenstand des mit dem
angefochtenen Einspracheentscheid abgeschlossenen Einspracheverfahrens gehört.
Auf das entsprechende Beschwerdebegehren kann folglich nicht eingetreten werden.
Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass das Vorgehen der
Beschwerdegegnerin korrekt gewesen ist, denn über einen allfälligen Erlass kann erst
entschieden werden, wenn die Rückforderungsverfügung formell rechtskräftig
geworden ist.
6.
Für das Verwaltungs- und für das Einspracheverfahren wird ein unentgeltlicher
Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse dies erfordern (Art. 37 Abs. 4 ATSG), das
heisst wenn sich schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen, die es der
versicherten Person verunmöglichen, ihre Rechte ohne die Hilfe eines Rechtsanwaltes
zu wahren (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 37 N 35 ff., mit
zahlreichen Hinweisen). Die unentgeltliche Rechtsverbeiständung ist im
Sozialversicherungsverfahren im Anwaltsregister eingetragenen Anwälten vorbehalten
(BGE 132 V 200; STEFAN MEICHSSNER, Das Grundrecht auf unentgeltliche
Rechtspflege, Diss. 2008, S. 187 f.). Die Beschwerdeführerin ist im Wiedererwägungs-
und im Einspracheverfahren durch eine Person vertreten gewesen, die weder das
Anwaltspatent noch das Rechtsagentenpatent besitzt und dementsprechend nicht im
Anwaltsregister eingetragen sein kann. Folglich kann kein Anspruch auf eine
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren bestehen. Soweit sich
die Beschwerde gegen die Abweisung des Gesuchs um eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Verwaltungs- und für das Einspracheverfahren richtet,
ist sie folglich abzuweisen.
7.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Die Beschwerdeführerin ist
mit ihrem Hauptanliegen – der Korrektur des von ihr als rechtswidrig erachteten
Einspracheentscheides – durchgedrungen, denn der Betrag der Rückforderung ist
(geringfügig) zu reduzieren. Bezüglich des Hauptpunktes der Beschwerde ist deshalb
von einem Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen. Das bedeutet, dass diese
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einen Anspruch auf eine Parteientschädigung für den erforderlichen
Vertretungsaufwand hat. Der Vertretungsaufwand ist als minimal zu qualifizieren, da
sich die Beschwerdebegründung mehrheitlich auf eine Wiederholung der
Einsprachebegründung beschränkt hat. Das Aktendossier ist unterdurchschnittlich
umfangreich. Der Rechtsstreit hat sich nur auf wenige isolierte Rechtsfragen erstreckt.
Der Begründungsteil für den guten Glauben und die grosse Härte ist überflüssig
gewesen, da der Erlass gar nicht Streitgegenstand sein kann, weil er auch nicht
Gegenstand der Verfügung und des Einspracheentscheides gewesen ist. Hinsichtlich
der Verweigerung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung unterliegt die
Beschwerdeführerin, weshalb für den entsprechenden Aufwand ihrer Rechtsvertreterin
kein Anspruch auf eine Parteientschädigung besteht. Gesamthaft rechtfertigt es sich,
die Parteientschädigung auf 1'000 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen.