Decision ID: c8520439-0c64-466e-b4c9-f750d205c41e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre 1968 geborene
X._
war seit dem
1.
Januar 1999 als
Redaktorin
Kultur bei der
Y._
AG angestellt und
als solche bei der
Suva
obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert.
Am 3
0.
September 2000 wurde die Versicherte als Fussgängerin beim Übe
rqu
e
ren eines Fussgängerstreifens
von einem Auto angefahren und zog sich multiple Ver
letzungen zu (
Urk.
9/5). Die Suva nahm in der Folge ihre Leistungspflicht wa
h
r und liess die Versicherte im Zuge der weiteren Abklärungen neurologisch, ortho
pädisch und neuropsychologisch abklären (
Urk.
9/41
-42
,
Urk.
9/50). Mit Verfü
gung vom 2
2.
November 2005 sprach sie der Versicherten ausgehend von einer Erwerbsunfähigkeit von 28
%
eine Rente der Unfallversicherung zu, neben einer Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 35
%
(
Urk.
9/84).
Im September 2016 leitete die Suva eine revisionsweise Überprüfung des Renten
anspruchs in die Wege (
Urk.
9/104). Nach Abklärung des beruflichen Sachver
halts (
Urk.
9/118) reduzierte die Suva die Rente mit Verfügung vom 2
0.
Novem
ber 2017 rückwirkend per
1.
Juli 2014 auf 18
%
, unter Rückforderung der zu viel ausbezahlten Leistungen in der Höhe von
Fr.
23'834.20 (
Urk.
9/133). An dieser Einschätzung hielt sie mit
Einspracheentscheid
vom 2
3.
April 2018 fest (
Urk.
9/154 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter der Versicherten am
8.
Mai 2018 Beschwerde und beantragte, es sei der Beschwerdeführerin die Invalidenrente weiterhin im glei
chen Betrag auszurichten und die Rückforderung von angeblich zu viel ausge
richteten Leistungen aufzuheben; eventualiter sei die Sache zwecks Vornahme weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 3
1.
Juli 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die teilweise Gutheissung der Beschwerde im Sinne des Eventualbegehrens (Urk. 8 S. 2). Mit Beschluss vom 1
8.
September 2018 wurde der Beschwerdeführerin eine Frist von 20 Tagen angesetzt, um zu der vom Gericht in Aussicht gestellten Rück
weisung der Sache an die Verwaltung zu weiteren Abklärungen und des damit verbundenen Risikos einer möglichen Schlechterstellung Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen (
Urk.
10). Mit Schreiben vom
5.
Oktober 2018 hielt der Vertreter der Beschwerdeführerin an den gestellten Anträgen fest (
Urk.
12), was der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 1
2.
Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
das Erwerbsein
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Ar
beitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor
den wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
Anlass zur Revision einer Invalidenrente im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente (zum massgeblichen Vergleichszeitpunkt vgl. BGE 133 V 108 E. 5.4), die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beein
flussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesund
heitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Ge
sundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbsbereich von Bedeu
tung; dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Ange
wöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Hingegen ist die lediglich unter
schiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinwei
sen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen und E. 6.1). Entsprechend ist gegebenenfalls nicht nur der natürliche Kausalzu
sammenhang, sondern auch dessen Adäquanz für die Zukunft neu zu prüfen, wobei die im Zeitpunkt der erwogenen revisionsweisen Leistungsanpassung ge
gebenen tatsächlichen Verhältnisse massgebend sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_248/2017 vom 24. Mai 2018 E. 3.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades ist die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und – sofern Anhaltspunkte für eine Verände
rung der erwerblichen Auswirkungen einer Gesundheitsschädigung bestehen – Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 134 V 131 E. 3, 133 V 108 E. 5.3.1 und E. 5.4).
1.3
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch rea
lisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung pri
mär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstä
tigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Ar
beitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tat
sächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3; 135 V 297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
(
Urk.
2)
damit, dass aufgrund der
Pensumssteigerung
von 60 auf 70
%
ab
1.
Juli 2014
(S. 3)
von einem höheren Invalideneinkommen auszugehen sei, welches sich per 2014 auf
Fr.
83'140.15 belaufe. Das ursprünglich ermittelte
Valideneinkom
men
von Fr. 87'533.45 sei an die No
minallohnentwicklung anzupassen
, was zu einem
Valideneinkommen
von
Fr.
101'344.30 und zu einem Invaliditätsgrad von 18
%
führe (S. 6). Die für den Zeitraum vom
1.
Juli 2014 bis 3
1.
Oktober 2017 erbrachten Leistungen in der Höhe von
Fr.
23'834.20 seien dabei zurückzufordern (S. 3).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass
das ohne Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen mit 100
%
zu bewerten sei. Demgegenüber sei das
Valideneinkommen
sowohl aktuell als auch im Rahmen der Erstbeurteilung im Jahr 2005 fälschlicherweise gestützt auf ein 80
%
Pensum festgesetzt worden (
Urk.
1 S. 4 f.). Zudem habe bereits dannzu
m
al die Ab
sicht bestanden, in einem 100
%
-
Pensum zu arbeiten (S. 6). Entgegen der Einschätzung der Beschwerdegegnerin lasse im vorliegenden Fall die Invalidenkarriere klare Rückschlüsse auf den
Validenlohn
in einem 100
%
Pensum zu
, worauf die Beschwerdegegnerin trotz
einspracheweiser
Geltendma
chung mit keinem Wort eingegangen sei (S. 6). Dies führe je nach Berechnung des massgebenden
Valideneinkommen
s
anhand des aktuellen oder damaligen Lohnes zu einem Invaliditätsgrad von 30 bzw. 35
%
, sodass eine Herabsetzung des Invaliditätsgrades in jedem Fall nicht rechtens sei (S. 7 f.).
2.3
Im Rahmen der Beschwerdeantwort
führte
die Beschwerdegegnerin aus, dass bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
eine Aufrechnung auf 100
%
zu erfolgen habe, sodass die Sache zu weiteren Abklärungen an die Suva zurückzuweisen sei. Bezüglich des Invalideneinkommens sei dabei weiter beachtlich, dass auch der medizinische Sachverhalt, insbesondere bezüglich der Frage, ob die Beschwerde
führerin ihre verbleibende Restarbeitsfähigkeit
voll ausschöpft, ergänzend abzu
klären sei (
Urk.
8 S. 3 f.).
2.4
Vergleichsbasis im vorliegenden Revisions
verfahren bildet die Verfügung der Be
schwerdegegnerin vom 2
5.
November 2005 (
Urk.
9/84), welche sich in medizi
ni
scher Hinsicht
insbesondere
auf das
neuropsychologische Gutachten vom
8.
April 2005
stützte
.
Dr.
phil.
Z._
führte
dannzumal
aus
, dass die von
der
Beschwer
deführerin vorgenommene Reduktion des Pensums auf 60
%
dringend erforder
lich sei; diese stehe am Limit (
Urk.
9/50 S. 2 und 4). Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
87'533.45 sei aufgrund des tatsächlich erzielten Einkommens von einem Invalideneinkommen von
Fr.
63'116.50 auszugehen, was zu einer Erwerbsein
busse von 28
%
führe (
Urk.
9/
77,
Urk.
9/84).
3.
3.1
Unbestritten ist mittlerweile, dass bei vor dem Unfall teilzeitlich erwerbstätigen Versicherten die Ermittlung des
Valideneinkommen
s
unter Aufrechnung auf ein 100%iges Pensum zu erfolgen hat; die Leistungskorrektur erfolgt über den versi
cherten Verdienst (
Urk.
1 S. 4 ff.,
Urk.
8 S. 3
, vgl. etwa auch
Rumo
-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bunde
sgesetz über die Unfallversicher
ung,
4.
Auflage, S. 127
). Schon allein zu dieser Neu
ermittlung des massgebenden
Valideneinkommens
ist die Sache entsprechend dem Antrag in der Beschwerdeantwort sowie dem Eventualantrag in der Be
schwerde an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dabei wird sich diese auch
mit
den
einsprache
- und beschwerdeweise geltend gemachten Argumenten be
züglich der Entwicklung des
Valideneinkommen
s
(Invalidenkarriere)
auseinan
derzusetzen haben (vgl.
Urk.
1 S. 6 f.).
3.2
Darüber hinaus ist der Einwand der Beschwerdegegnerin berechtigt, dass auch in medizinischer Hinsicht weitere Abklärungen nötig sind. Auf das tatsächlich er
zielte Einkommen darf bei der Ermittlung des
Inv
alideneinkommens nur dann abgestellt werden, wenn eine versicherte Person die ihr verbleibende Restarbeits
fähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft. Diese Frage kann aufgrund der vorliegenden Akten nicht beantwortet werden, da es insbesondere an den mass
gebenden medizinischen
Unterlagen
fehlt. Aufgrund der
Pensumssteigerung
auf 70
%
per Juli 2014 bestehen dabei Anhaltspunkte für eine leichte Verbesserung der gesundheitlichen Situation, sodass die Notwendigkeit einer fundierten medi
zinischen Abklärung der Sachlage nicht in Frage zu stellen ist. Auch dazu ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.3
Zusammenfassend führt dies zur Gutheissung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung des Sachverhaltes in beruflicher und medizinischer Hinsicht. Der angefochtene
Ein
spracheentscheid
ist dementsprechend aufzuheben.
4.
Die Rückweisung einer Sache kommt einem Obsiegen der Beschwerdeführerin gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung zu
bezahlen,
wel
che in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter
Berück
-
sichtigung
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
2'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.