Decision ID: 3b5ab107-ade4-5353-af30-881d1777ba5f
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 7. November 2013/17. Februar 2014 zum Bezug von
Ergänzungsleistungen zur IV an (Aktenverzeichnis II-act. 38). In der Folge wurden
Abklärungen zum Sachverhalt getroffen. Mit Schreiben vom 18. September 2014 (II-
act. 20) teilte Rechtsanwältin D._ unter Einreichung einer Vollmacht vom 7. März
2008 (betreffend Versicherungsrecht) mit, dass sie die EL-Ansprecherin (hinsichtlich
deren Ergänzungsleistungen) anwaltlich unterstütze. Am 22. Oktober 2014 (II-act. 16)
erteilte sie für diese dann Auskünfte zu einer Anfrage der Sozialversicherungsanstalt
des Kantons St. Gallen/EL-Durchführungsstelle und erklärte, sie sei zu deren
Formulierung beigezogen worden. Die weitere Korrespondenz sei aber wieder mit der
EL-Ansprecherin zu führen. In der Folge erging eine Anfrage der
Sozialversicherungsanstalt an die Rechtsanwältin, allerdings nicht als Rechtsvertreterin
der EL-Ansprecherin im EL-Verfahren, sondern als Rechtsvertreterin im UV-Verfahren,
und die Anwältin gab die gewünschte Auskunft zum UV-Verfahren (II-act. 8 f.). Mit
Verfügung vom 30. Januar 2015 (III-act. 43; der EL-Ansprecherin eröffnet) wies die
Sozialversicherungsanstalt das Gesuch um Ergänzungsleistungen (ordentliche
Ergänzungsleistungen, Prämienpauschale Krankenversicherung, ausserordentliche
Ergänzungsleistungen) ab 1. Januar 2011 ab.
A.b Mit Schreiben vom 17. Februar 2015 (III-act. 46) ersuchte Rechtanwältin D._ für
die Ansprecherin um Einsicht in die EL-Akten, worauf ihr diese am 20. Februar 2015
(III-act. 45) zugestellt wurden.
A.c Am 11. März 2015 (III-act. 42) und am 12. März 2015 (III-act. 41) gingen von der
EL-Ansprecherin verfasste Eingaben bei der Sozialversicherungsanstalt ein, nämlich
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eine Einsprache vom 8. März 2015 gegen die EL-Verfügung vom 30. Januar 2015
sowie eine Ergänzung dazu vom 10. März 2015.
A.d Mit Mail vom 13. März 2015 (III-act. 39) ersuchte eine Sachbearbeiterin der Pro
Infirmis die Sozialversicherungsanstalt um Akteneinsicht. Am 18. März 2015 (III-act. 37)
stellte die Sozialversicherungsanstalt auch ihr die Akten zu.
A.e In der Zeit vom 19. März 2015 bis 1. Juni 2015 kommunizierten die EL-
Ansprecherin und die Sozialversicherungsanstalt mehrmals telefonisch und schriftlich
miteinander (vgl. III-act. 36, 33, 32, 31, 30 und 29). Mit Schreiben vom 19. Juni 2015
(III-act. 28) wandte sich die Sozialversicherungsanstalt an Rechtsanwältin D._ und
ersuchte betreffend einen Kostenvoranschlag vom 19. März 2015 für eine
Zahnbehandlung (wohl am 27. März 2015 von der EL-Ansprecherin eingereicht, III-act.
33) um ergänzende Unterlagen. Am 19. Juni 2015 (III-act. 27) erkundigte sich die
Ansprecherin nach ihrem Einspracheverfahren; am 26. Juni 2015 (Eingang, III-act. 25)
machte sie eine Eingabe, deren Eingang die Sozialversicherungsanstalt am 6. Juli 2015
(III-act. 24) bestätigte. Mit Schreiben vom 17. Juli 2015 (III-act. 22) teilte Rechtsanwältin
D._ mit, ihr Mandat umfasse Fragen im Zusammenhang mit den
Ergänzungsleistungen nicht. Am 21. Juli 2015 (III-act. 23) ersuchte die
Sozialversicherungsanstalt daher die EL-Ansprecherin persönlich um Einreichung von
Unterlagen. Am 22. Juli 2015 (III-act. 20) ging ein Schreiben der Ansprecherin vom 21.
Juli 2015 (III-act. 21) ein. Wie ihr bestätigt worden sei, gehörten Rente, Hilfsmittel,
Hilflosenentschädigung und EL zusammen und der Brief werde überall hingehen. Sie
sei invalid und sie benötige die Ergänzungsleistungen. Am 27. Juli 2015 (III-act. 18)
bestätigte die Sozialversicherungsanstalt diese Eingabe. Gleichentags und am 10.
August 2015 (III-act. 23) rief die Ansprecherin die Sozialversicherungsanstalt wegen
des zahnärztlichen Kostenvoranschlags an. Am 21. Juli/14. August 2015 (III-act. 4;
Eingangsstempel SVA: 19. August 2015) schrieb sie an die "SVA - EL, zu EL u IV u
B._ + HLE, C._" unter anderem, sie benötige die Ergänzungsleistung und ersuche
darum, die Berechnungen zu machen.
A.f Am 18. August 2015 (I-act. 4-6; Eingangsstempel SVA: 19. August 2015) zeigte
Rechtsanwalt E._ der Sozialversicherungsanstalt (adressiert an "SVA St. Gallen,
B._") an, die Versicherte in den in der beigelegten Vollmacht vom 13. August 2015
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aufgeführten Angelegenheiten zu vertreten, und beantragte die Zustellung der Akten im
Zusammenhang mit den (IV-)Hilfsmitteln. Die Vollmacht betraf "Hilfsmittel,
Hilflosenentschädigung, Assistenzbeiträge und Ergänzungsleistungen der IV" (I-act.
4-9).
A.g Mit Datum vom 20. August 2015 (I-act. 3-1 ff.; III-act. 13) erliess die
Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle einen an Rechtsanwalt E._
adressierten Einspracheentscheid betreffend die angefochtene Verfügung vom 30.
Januar 2015. Der Entscheid trägt den Zustellvermerk "A-Post Plus".
A.h Mit Schreiben vom 21. August 2015 (I-act. 4-4 f.) ersuchte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen Rechtsanwältin D._ als
(bisherige) Rechtsvertreterin gegenüber der IV-Stelle um eine Klärung der
Vertretungsverhältnisse gegenüber diesem Versicherungsträger bis 10. September
2015.
A.i Mit Schreiben vom 24. August 2015 (III-act. 4b) teilte die
Sozialversicherungsanstalt Rechtsanwalt E._ mit, das Schreiben der EL-Ansprecherin
vom 21. Juli/ 14. August 2015 habe sich unglücklicherweise mit dem Erlass des
Einspracheentscheids gekreuzt. In den Akten befinde sich seine Vollmacht betreffend
Ergänzungsleistungen. Somit werde sie den Einspracheentscheid und künftige
Schreiben an ihn richten. Da der Einspracheentscheid bereits erlassen worden sei,
seien weitere Vorbringen vor Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen anzubringen.
A.j Mit Mail vom 25. August 2015 (III-act. 2 f., 22. August 2015; vgl. I-act. 6) ersuchte
die EL-Ansprecherin um eine Zusendung der ihr in Aussicht gestellten "Verfügung".
Oder ob es, erkundigte sie sich, etwa so sei, dass der Erlass hinausgezögert werde,
weil sie nun einen Anwalt habe. Dieser sei dazu da, ihr zu helfen, wenn ein negativer
Bescheid oder - wie jetzt wieder - keine Verfügung komme. Es sei ihr zu antworten, da
ihr Anwalt nach Angaben des Mitarbeiters der IV-Stelle (vgl. Schreiben vom 21. August
2015) noch nicht akzeptiert werde. In einem Mail vom 7. September 2015 (I-act. 6-1)
wurde der EL-Ansprecherin mitgeteilt, es seien ihr mit Schreiben vom 2. Sep¬tember
2015 die EL-Akten zur Akteneinsicht zugestellt worden.
B.
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Gegen den Einspracheentscheid vom 20. August 2015 richtet sich die von
Rechtsanwältin D._ für die Betroffene am 23. September 2015 erhobene
Beschwerde. Der angefochtene Entscheid sei Rechtsanwalt E._, der sich mit
Vollmacht vom 13. August 2015 als (zusätzlicher) Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin ausgewiesen habe, am 24. August 2015 zugestellt worden. Jenes
Vertretungsverhältnis habe die Beschwerdegegnerin in Frage gestellt. Sie habe den
Entscheid alsdann auch der Beschwerdeführerin selber eröffnet. Fristauslösende
Wirkung könne nur diese zweite Zustellung haben. Die Beschwerdefrist sei aber so
oder anders gewahrt.
C.
Die Beschwerdegegnerin bringt in ihrer Beschwerdeantwort vom 8. Oktober 2015
betreffend Rechtzeitigkeit der Beschwerde vor, der angefochtene Entscheid sei am 22.
August 2015 zugestellt worden, wie sich aus der Sendungsverfolgung der
Schweizerischen Post ("Track & Trace"; I-act. 1) ergebe. Die Beschwerdefrist habe am
23. August 2015 zu laufen begonnen und am 21. September 2015 geendet. Auf die
Beschwerde vom 23. September 2015 sei demnach nicht einzutreten. Eine
fristauslösende zweite Zustellung an die Beschwerdeführerin selber sei nicht erfolgt. Es
seien ihr lediglich die Akten zugestellt worden. Am 15. September 2015 habe das
Sekretariat des betroffenen Rechtsanwalts im Übrigen telefonisch bestätigt, dass der
Einspracheentscheid an die Beschwerdeführerin weitergeleitet worden sei. Auf deren
Kenntnisnahme komme es aber für den Lauf der Beschwerdefrist nicht an. Sollte wider
Erwarten darauf eingetreten werden, sei die Beschwerde abzuweisen.
D.
In ihrer Replik vom 25. Februar 2016 schildert die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin, dass sie diese in den UV-Renten- und in IV-Verfahren (betreffend
Hilflosenentschädigung und Rente) vertrete. In EL-Belangen habe die
Beschwerdeführerin ihre Interessen (mit einer Ausnahme unter entsprechendem
Hinweis) selbst wahrgenommen, habe selber Einsprache geführt und im
Einspracheverfahren mit der Beschwerdegegnerin korrespondiert. Rechtsanwalt E._
habe am 18. August 2015 um Akteneinsicht im Zusammenhang mit den Hilfsmitteln
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ersucht und eine Vollmacht mit dem Titel "Hilfsmittel, Hilflosenentschädigung,
Assistenzbeiträge und Ergänzungsleistungen der IV" beigelegt. Obwohl sich dieser
Brief samt Vollmacht nicht in den Akten der Beschwerdegegnerin finden lasse, habe
diese den Einspracheentscheid jenem Anwalt zugestellt. Der Anwalt sei allerdings nur
konsultiert worden, um unabhängig von den laufenden Verfahren prüfen zu lassen, ob
sich aus einem im Frühjahr 2014 erlittenen Unfall nicht ein eigenständiger Anspruch auf
Hilfsmittel, eventuell auf Hilflosenentschädigung und Assistenzbeiträge, ergebe.
Hinsichtlich der Ergänzungsleistungen sollte er erst aktiv werden, falls der
Einspracheentscheid zu Ungunsten der Beschwerdeführerin ausfallen sollte.
Entsprechend habe der Anwalt nur um Akteneinsicht im Zusammenhang mit den
Hilfsmitteln ersucht. Noch vor Erlass des Einspracheentscheids, nämlich gemäss
Eingangsstempel am 19. August 2015, sei der Beschwerdegegnerin ein Schreiben der
Beschwerdeführerin vom 21. Juli/14. August 2015 mit der Aufforderung zum Erlass des
Einspracheentscheids zugegangen. Am selben Tag sei der Brief von Rechtsanwalt
E._ eingegangen. Die Beschwerdegegnerin habe somit erkennen müssen, dass
dessen Ankündigung sich nur auf eine Mandatsübernahme betreffend Hilfsmittel
beschränkt habe. Die nachfolgende Korrespondenz habe dies bestätigt: Die
Beschwerdegegnerin habe sich einerseits am 24. August 2015 beim Anwalt für die
Zustellung des Einspracheentscheids entschuldigt. Anderseits habe der Rechtsdienst
der Beschwerdegegnerin ihr (der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin) gegenüber
festgehalten, sie könne nur einen Rechtsvertreter für die Beschwerdeführerin
akzeptieren und eigene Eingaben der betroffenen Person seien problematisch. Beide
Anwälte hätten in der Folge übereinstimmend erklärt, nur sie (die Rechtsvertreterin)
handle für die Beschwerdeführerin. Noch vor Kenntnisnahme vom Einspracheentscheid
habe die Beschwerdeführerin mit Brief vom 22. August 2015 auf dessen Zustellung an
sich beharrt. Sie habe darauf hingewiesen, dass sie den Anwalt vorsorglich schon
konsultiert habe für den Fall, dass ein negativer Bescheid oder wieder keine Verfügung
komme. Die Beschwerdegegnerin sei somit nicht berechtigt gewesen, den
Einspracheentscheid Rechtsanwalt E._ zu eröffnen. Die entsprechende Zustellung
habe keine fristauslösende Wirkung gehabt. Sie (die Rechtsvertreterin) gehe davon aus,
dass die Zustellung an den Anwalt am 24. August 2015 erfolgt sei. Die
Sendungsverfolgung weise den Sendungsempfänger nicht aus und lasse daher keinen
Rückschluss darauf zu, ob es sich tatsächlich um die massgebliche Sendung handle.
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Der Nachweis der - wie behauptet - früheren Zustellung sei nicht erbracht. Gemäss
dem Eingangsstempel sei die Zustellung am 24. August 2015 erfolgt. Der
Beschwerdeführerin persönlich sei der Entscheid ca. Mitte September 2015 zugestellt
worden. Auf die Beschwerde sei einzutreten.
E.
Die Beschwerdegegnerin hat am 7. Mai 2016 an ihren Ausführungen und ihrem Antrag
festgehalten.

Erwägungen
1.
1.1 Im Streit liegt die Beschwerde vom 23. September 2015 gegen einen
Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 20. August 2015, insbesondere die
Rechtzeitigkeit deren Erhebung unter dem Aspekt des Beginns des Fristenlaufs.
1.2 Gegen Einspracheentscheide (oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache
ausgeschlossen ist) kann Beschwerde erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 ATSG). Die
Beschwerde ist nach Art. 60 Abs. 1 ATSG innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung
des Einspracheentscheids einzureichen. Die Artikel 38 bis 41 sind sinngemäss
anwendbar (Art. 60 Abs. 2 ATSG).
1.3 Der Fristenlauf beginnt somit nach der Eröffnung des Entscheids. Eine bestimmte
Zustellart ist hierfür nicht vorgeschrieben (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. A.
2015, N 51 zu Art. 49 ATSG). Für Tatsachen, die für die Zustellung einer Verfügung
oder eines Einspracheentscheids (den Abschluss des ordentlichen
Verwaltungsverfahrens im Rahmen der Massenverwaltung) erheblich sind, genügt der
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (und ist nicht der volle Beweis
erforderlich; vgl. Bundesgerichtsurteile vom 4. Mai 2011, 9C_61/11 E. 2.3, und vom 27.
Oktober 2009, 9C_348/09 E. 2.1).
1.4 Der angefochtene Einspracheentscheid trägt das Datum vom 20. August 2015 und
ist an die Postfachadresse von Rechtsanwalt E._ in 90XX St. Gallen adressiert. Er
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trägt als Zustellart die Bezeichnung "A-Post Plus". Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin bestätigt, dass die Sendung dem betreffenden Anwalt zugestellt
worden ist (die eingereichte Kopie trägt denn auch einen Stempel des entsprechenden
Advokaturbüros, [....]), und geht davon aus, dass dies am 24. August 2015 der Fall
gewesen sei (und ihre Beschwerde vom 23. September 2015 daher rechtzeitig erhoben
sei).
1.5 Die Beschwerdegegnerin hat jedoch ein Dokument "Sendungen verfolgen" der
Schweizerischen Post (I-act. 1) eingereicht, wonach eine Sendung mit einer
bestimmten Nummer (XXXXXX) am 20. August 2015 mit A-Post Plus-Versand
aufgegeben und am Samstag, dem 22. August 2015, um [....] Uhr ins Postfach eines
Empfängers in 90XX St. Gallen - wo der betroffene Anwalt sein Postfach hat - gelegt
worden ist. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin erachtet es als nicht
ausgewiesen, dass dieser Beleg tatsächlich die massgebliche Sendung (mit dem
angefochtenen Einspracheentscheid) betreffe, da er den Sendungsempfänger nicht
ausweise. Ein Zweifel dieser Art ist indessen mit nichts plausibel gemacht und ein
Gegenbeweismittel nicht eingereicht worden, obwohl dies durch Beleg der
gegebenenfalls anderen Sendungsnummer auf dem Couvert des Einspracheentscheids
möglich - und gegebenenfalls zu erwarten - gewesen wäre. Es ist unter diesen
Umständen mit ausreichendem Beweisgrad davon auszugehen, dass die
Beschwerdegegnerin den zutreffenden Sendungsnachweis eingelegt hat und der
Einspracheentscheid am Samstag, dem 22. August 2015, in den Machtbereich des
Anwalts gelangt ist. Die Mitteilung (vgl. Art. 38 Abs. 1 ATSG) erfolgte somit an jenem
Tag und der Fristenlauf begann (sofern die Eröffnung nicht mangelhaft war, vgl. dazu
unten E. 1.8) am Tag darauf.
1.6 Die auf dem Eingangsstempel des Anwalts ersichtliche, berechnete Frist (23.
September 2015) deutet darauf hin, dass der Einspracheentscheid erst am nächsten
Arbeitstag, am Montag, dem 24. August 2015, vom Postfach abholt und zur Kenntnis
genommen worden sein mag. Dass der Adressat eine Sendung tatsächlich in Empfang
nimmt, ist allerdings für den Fristenlauf nicht von Bedeutung: Fristauslösend ist nach
ständiger bundesgerichtlicher Praxis bei uneingeschriebenen Sendungen (wie unter
anderem A-Post Plus-Sendungen) die Zustellung in den Briefkasten oder in das
Postfach des Adressaten, womit diese sich in dessen Verfügungsbereich befinden (vgl.
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Bundesgerichtsurteil vom 1. Oktober 2015, 2C_855/15 E. 2.1.). Auch in das Postfach
von Anwaltskanzleien, die am Wochenende geschlossen sind, kann nach der
Rechtsprechung am Samstag eine fristauslösende Zustellung erfolgen, da ein
Empfänger grundsätzlich jederzeit faktischen Zugang zu seinem Briefkasten oder
Postfach hat (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 20. Februar 2015, 2C_1126/14 E. 2.4).
Dass Letzteres vorliegend anders gewesen sein könnte, ist nicht vorgebracht worden
und nicht anzunehmen.
1.7 Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat in der Beschwerde des Weiteren
eingewendet, die Beschwerdegegnerin habe das - also anerkanntermassen
bestehende - Vertretungsverhältnis mit Rechtsanwalt E._ in Frage gestellt und den
Einspracheentscheid ein zweites Mal - der Beschwerdeführerin persönlich - eröffnet.
Fristauslösend habe nur diese zweite Zustellung sein können. Indessen wurden mit
dem Schreiben vom 21. August 2015 nicht die Vertretungsverhältnisse in EL-Sachen,
sondern jene gegenüber der Invalidenversicherung abgeklärt, und zwar erst nachdem
der hier angefochtene Einspracheentscheid in EL-Sachen (am 20. August 2015) bereits
mangelfrei (vgl. auch nachfolgend E. 1.8) eröffnet gewesen war. Eine zweite Eröffnung
des EL-Einspracheentscheids ist zudem nicht aktenkundig; die Beschwerdegegnerin
hat der Beschwerdeführerin lediglich die EL-Akten zur Einsicht zugestellt.
1.8 In der Replik stellt sich die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin auf den
Standpunkt, E._ hätte in EL-Sachen als Vertreter für die Beschwerdeführerin erst
tätig werden sollen, falls der Einspracheentscheid zu ihren Ungunsten ausfallen würde.
Die Beschwerdeführerin hat jedoch am 13. August 2015 einen Auftrag und eine
Vollmacht an E._ unterzeichnet, welche unter anderem die Interessenwahrung in der
Angelegenheit der Ergänzungsleistungen zur IV umfasste (I-act. 4-9 f.). Auf eine
sachliche (auf IV-Angelegenheiten) oder zeitliche Beschränkung der Vollmacht oder
einen Willensmangel bei deren Erteilung gibt es keinen Hinweis. Gegen solche
Annahmen spricht im Gegenteil der Inhalt des (nachträglichen, aber kurz nach Erlass
des Einspracheentscheids gesandten) Mails der Beschwerdeführerin vom 25. August
2015, worin sie gegenüber der "Abt. Ergänzungsleistung" darauf hinweist, dass sie nun
einen Anwalt habe. Der beauftragte Anwalt hat der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen denn auch mit Schreiben vom 18. August 2015 sein Mandat
angezeigt und dabei ausdrücklich auf den in der Vollmacht beschriebenen
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Auftragsumfang hingewiesen, der wie erwähnt (unter anderem) die
Ergänzungsleistungen umfasste. Die Beschwerdegegnerin war daher berechtigt (und
gehalten), den EL-Einspracheentscheid vom 20. August 2015 (zwei Tage nach der
Anzeige) ihm zu eröffnen. Selbst wenn die Stellvertretung in EL-Sachen vom damaligen
Rechtsvertreter weisungswidrig zu früh kundgetan worden und die intern erteilte
Vollmacht (bzw. der Auftrag) damit überschritten worden wäre, änderte das nichts an
der Rechtmässigkeit der Eröffnung des Einspracheentscheids an Rechtsanwalt E._.
Denn der Beschwerdegegnerin wurde nichts Entsprechendes (d.h. keine Beschränkung
der Vollmacht) mitgeteilt. Namentlich enthält das der Kundgabe der Vollmacht durch
den Rechtsvertreter vorangegangene Schreiben der Beschwerdeführerin vom 21. Juli/
14. August 2015 keine Ausführungen des Inhalts, dass die am 13. August 2015 erteilte
Vollmacht beschränkt worden wäre. Die Beschwerdegegnerin wäre also für die Fälle
einer Vollmachtsüberschreitung gutgläubig gewesen; entsprechende Umstände
könnten ihr angesichts der Kundgabe der uneingeschränkten Vollmacht nicht
entgegengehalten werden (vgl. dazu Art. 33 Abs. 3 OR und Art. 34 Abs. 3 OR; vgl.
Roger Zäch, Berner Kommentar VI/1/2/2, N 109 und 118 zu Art. 33 OR, N 39 zu Art. 34
OR; vgl. Christian Zünd/Brigitte Pfiffner Rauber, Hrsg., Gesetz über das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, 2. A. 2009, 164 f.; vgl. auch Art. 26
Abs. 1 AnwG/SG). Die Beschwerdegegnerin durfte (und musste) bei Erlass des
Einspracheentscheids am 20. August 2015 davon ausgehen, dass E._ (ohne
Einschränkung) Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in EL-Sachen sei. Ihr
Schreiben vom 24. August 2015 ist denn auch nicht als Eingeständnis einer
Fehlzustellung des Einspracheentscheids zu deuten, denn sie hielt ausdrücklich fest,
sie werde (auch) künftige Schreiben (sc. angesichts des Vertretungsverhältnisses) an
den Anwalt richten. Als unglücklich bezeichnete die Beschwerdegegnerin darin
vielmehr den Umstand, dass sie die (inhaltlichen) Vorbringen in der Eingabe der
Beschwerdeführerin (vom 21. Juli/14. August 2015) nicht mehr berücksichtigt hat. Aus
der nachträglichen Aufforderung der IV-Stelle, die Vertretungsverhältnisse zu klären,
ergibt sich wie erwähnt nichts Abweichendes. Die Eröffnung des Einspracheentscheids
war daher nicht mangelhaft.
1.9 Rechtsanwältin D._ hat in der Folge als Rechtsvertreterin für die
Beschwerdeführerin gegen den Einspracheentscheid Beschwerde erhoben, allerdings
in der irrtümlichen, wohl durch den oben erwähnten Fristvermerk des früheren
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Rechtsvertreters auf dem Entscheidexemplar ("23.9.15") verursachten Annahme, die
Frist laufe am 23. September 2015 ab.
1.10 Bei ordnungsgemässer Zustellung des Einspracheentscheids am 22. August
2015 begann die Frist gemäss Art. 38 Abs. 1 ATSG jedoch am 23. August 2015 zu
laufen und endete am Montag, dem 21. September 2015. Die Beschwerde vom 23.
September 2015 ist daher verspätet erhoben worden. Auf sie kann mangels
Rechtzeitigkeit nicht eingetreten werden.
2.
2.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
2.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben.