Decision ID: 37ec8c25-a231-5d2a-8e2a-9114b921ff53
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 1. Juni 2001 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH,
berichtete am 19. Juni 2001, der Versicherte leide seit ca. 1996 an einer
Spinalkanalstenose LW4/5 mit beidseitiger Wurzelreizsymptomatik L5. Seit 14. August
2000 sei der Versicherte praktisch durchgehend zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 6-1
ff.). Im Auftrag der IV-Stelle (IV-act. 17) wurde der Versicherte durch Ärzte der Klinik für
Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) untersucht. Diese befanden am 1.
Februar 2002, der Versicherte leide an einer Lumbago und an einer Lumboischialgie.
Nach wie vor sei die schon im Juni 1999 empfohlene operative Dekompression
angezeigt. Als Maschinenführer, als Umspinner und als Mitarbeiter in einer
Fensterfabrik könne der Versicherte nur noch im Umfang von 30% eingesetzt werden.
Für bandscheibenschonende Tätigkeiten liege dagegen keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit vor (IV-act. 20). Mit einer Verfügung vom 28. Mai 2002 wies die IV-
Stelle das Leistungsbegehren ab (IV-act. 34). Eine dagegen erhobene Beschwerde wies
das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen am 1. Mai 2003 ab (IV-act. 41).
A.a.
Am 28. Mai 2003 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an (IV-act. 42). Dr. med. C._, Facharzt für
Allgemeinmedizin FMH, hatte am 2. Februar 2003 berichtet, der Versicherte klage
weiterhin über anhaltende Schmerzen über der Lendenwirbelsäule (LWS) mit
Ausstrahlung in die Oberschenkel (OS) beidseits. Die Schmerzen hätten in letzter Zeit
A.b.
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eher zugenommen, der Versicherte brauche auch mehr Schmerzmedikamente. Für
schwere Arbeiten sei der Versicherte zu 100% arbeitsunfähig. Gemäss seinen eigenen
Angaben sei der Versicherte auch für leichte Arbeiten mit langem Stehen oder Sitzen
nicht über 50% arbeitsfähig (IV-act. 43). Am 1. September 2003 berichtete Dr. C._,
dass es seit der Begutachtung durch die Klinik für Neurochirurgie des KSSG zu keinen
objektivierbaren Veränderungen des Gesundheitszustands des Versicherten
gekommen sei (IV-act. 46). Mit Verfügung vom 11. Dezember 2003 trat die IV-Stelle
nicht auf das Leistungsbegehren ein (IV-act. 49). Die am 28. Januar 2004 dagegen
erhobene Einsprache (IV-act. 50) wies sie mit einem Entscheid vom 19. März 2004 ab
(IV-act. 57). Dieser Einspracheentscheid wurde vom Eidgenössischen
Versicherungsgericht am 17. Februar 2005 letztinstanzlich bestätigt (I 781/04; vgl. IV-
act. 69).
Am 20. April 2005 liess der Versicherte bei der IV-Stelle ein "Revisionsgesuch"
einreichen (IV-act. 72). Am 15. August 2005 erliess die IV-Stelle eine
Nichteintretensverfügung (IV-act. 80). Dagegen liess der Versicherte am 19. September
2005 eine Einsprache erheben (IV-act. 81), die von der IV-Stelle am 12. Januar 2006
abgewiesen wurde (IV-act. 94).
A.c.
Im Januar 2007 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an (IV-act. 100). Mit einer Verfügung vom 21. Juni 2007 trat
die IV-Stelle nicht auf diese Neuanmeldung ein (IV-act. 122). Gleichentags wies sie das
Begehren um berufliche Massnahmen ab (IV-act. 121). Gegen die
Nichteintretensverfügung liess der Versicherte am 23. August 2007 Beschwerde
erheben (IV-act. 123). Die Nichteintretensverfügung wurde vom Bundesgericht am 26.
Januar 2009 letztinstanzlich bestätigt (9C_888/2008; IV-act. 151).
A.d.
Am 12. August 2010 meldete sich der Versicherte wieder zum Leistungsbezug an
(IV-act. 156). Wegen einer Diskopathie und einer Spondylarthrose L4/5 hatte er sich am
7. Juni 2010 im KSSG einer transforaminalen interkorporellen Fusion (TLIF) L4/5 und
einer Beckenkammspongiosaentnahme rechts unterzogen (IV-act. 164-9 ff.). RAD-Arzt
Dr. med. D._ hielt am 24. Januar 2011 fest, angesichts der operativen Behandlung
sei eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes des Versicherten
ausgewiesen. Für adaptierte Tätigkeiten sei aber nach wie vor von einer
A.e.
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uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act. 165). Mit einem Vorbescheid
vom 23. Februar 2011 stellte die IV-Stelle dem Versicherten ein Nichteintreten auf sein
Leistungsbegehren in Aussicht (IV-act. 168). Dagegen liess der Versicherte am 25.
März 2011 einwenden, sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert, so dass eine
umfassende neue Abklärung bzw. ein medizinisches Gutachten angezeigt sei (IV-act.
174, vgl. IV-act. 179). RAD-Arzt Dr. D._ empfahl am 20. Juli 2011 die Einholung eines
"formalisierten" Arztberichtes der Klinik für orthopädische Chirurgie des KSSG (IV-act.
180). Diese gab am 9. August 2011 an, der Versicherte sei mit der Behandlung
unzufrieden gewesen und daher nicht mehr zu den Kontrolluntersuchungen erschienen,
weshalb die Fragen der IV-Stelle nicht beantwortet werden könnten (IV-act. 181). RAD-
Arzt Dr. med. E._ führte am 7. September 2011 aus, eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes sei nicht belegt (IV-act. 184). Gleichentags teilte die IV-Stelle
dem Versicherten mit, dass sie an ihrem Entscheid festzuhalten gedenke (IV-act. 185).
Damit erklärte sich der Versicherte am 23. September 2011 nicht einverstanden (IV-act.
186). Auf Empfehlung von RAD-Arzt Dr. E._ (vgl. IV-act. 187) beauftragte die IV-Stelle
die Medas Ostschweiz mit einer polydisziplinären (neurologisch, orthopädisch,
psychiatrisch) Begutachtung (IV-act. 188). In ihrem Gutachten vom 15. März 2012
führten die abklärenden Ärzte aus, der Versicherte leide an einem chronischen
lumbospondylogenen Schmerzsyndrom sowie an einer Spinalkanalstenose bei einem
Zustand nach einer TLIF und einer Beckenkamm-Spongiosaentnahme rechts. Eine
psychiatrische Erkrankung liege nicht vor. Aus orthopädischer Sicht könne dem
Versicherten eine adaptierte, wechselbelastende Tätigkeit ohne Heben von Lasten über
fünf Kilogramm vollumfänglich zugemutet werden. In der klinisch-neurologischen
Untersuchung hätten keine relevanten Befunde objektiviert werden können (IV-act.
192). Mit einer Verfügung vom 11. Juni 2012 wies die IV-Stelle das Rentengesuch des
Versicherten ab (IV-act. 197).
Am 13. September 2012 reichte der Versicherte erneut eine Anmeldung bei der IV-
Stelle ein (IV-act. 199). Dr. med. F._, Fachärztin für Allgemeinmedizin, berichtete am
19. Dezember 2012, der Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit der
letzten Untersuchung verschlechtert. Im Juli 2012 sei ein Neurostimulator implantiert
worden. Dies habe einen epiduralen Abszess zur Folge gehabt, weshalb der Stimulator
im August 2012 wieder habe entfernt werden müssen. Vorübergehend sei der
A.f.
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Versicherte deswegen vollständig arbeitsunfähig gewesen. Der Operateur habe
festgehalten, dass die Arbeitsunfähigkeit längerfristig bei etwa 50 Prozent liegen dürfte
(IV-act. 207). RAD-Arzt Dr. E._ notierte am 9. Januar 2013, dass die Einschätzungen
der Medas Ostschweiz - mit Ausnahme einer vorübergehenden Verschlechterung des
Gesundheitszustandes im Zeitraum vom 18. Juli bis 10. September 2012 -
vollumfänglich Gültigkeit hätten (IV-act. 209). Mit einem Vorbescheid vom 4. Februar
2013 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs in
Aussicht (IV-act. 215). Dagegen liess der Versicherte am 26. April 2013 einwenden, es
fehlten umfassende medizinische Abklärungen für den Zeitraum ab März 2012. Auf das
widersprüchliche Gutachten der Medas Ostschweiz könne nicht mehr abgestellt
werden (IV-act. 221, 225). Auf Nachfrage der IV-Stelle führte der zuständige
Sachverständige der Medas Ostschweiz am 10. Juni 2013 aus, die Einwände des
Versicherten gegen das Gutachten beruhten auf der Unkenntnis des klassifikatorischen
ICD-10 Systems, sie seien medizinisch unbegründet (IV-act. 232). Der neue Hausarzt,
Dr. med. G._, führte am 19. Juni 2013 aus, der Gesundheitszustand des Versicherten
habe sich seit dem 28. Dezember 2012 verschlechtert. Der Versicherte befinde sich
nun neu auch in psychiatrischer Behandlung (IV-act. 236). Am 4. Juli 2013 berichtete
Dr. med. H._, Oberarzt im Psychiatrie-Zentrum I._, über eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (IV-act. 237). RAD-Arzt
Dr. E._ befand am 5. August 2013, es bleibe bei den bisherigen Beurteilungen des
RAD seit der Medas-Begutachtung (IV-act. 238). Am 13. August 2013 teilte die IV-Stelle
dem Versicherten mit, dass sie an ihrem Entscheid festhalte (IV-act. 239). Mit einer
Verfügung vom 21. August 2013 wies sie das Rentengesuch mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab (IV-act. 243). Dagegen liess der Versicherte
am 5. September 2013 eine Beschwerde erheben (IV-act. 253). Im Verlauf des
Beschwerdeverfahrens liess der Versicherte diverse medizinische Berichte, unter
anderem bezüglich im Frühjahr 2015 erfolgte stationäre Behandlungen im Spital J._
sowie in den Kliniken Valens, einreichen (vgl. IV-act. 262 ff.). Mit einem Urteil vom 5.
November 2015 wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die
Beschwerde ab (IV-act. 266). Das Bundesgericht bestätigte dies am 23. Februar 2016
(9C_939/2015; IV-act. 273).
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B.
Am 11. September 2013 hatte der Versicherte für den Fall, dass seine gegen die
Verfügung vom 21. August 2013 erhobene Beschwerde nicht vollumfänglich
gutgeheissen werde, bei der IV-Stelle ein Revisionsbegehren stellen lassen (IV-act.
251). Die IV-Stelle teilte ihm am 10. März 2016 mit, mit den eingereichten Unterlagen
sei eine relevante Änderung des rechtserheblichen Sachverhalts seit dem Gerichtsurteil
vom 23. Februar 2016 noch nicht ausreichend dokumentiert. Sie setzte ihm eine Frist
zur Einreichung weiterer Dokumente, ansonsten sie auf das Gesuch nicht eintreten
werde (IV-act. 276). Dr. G._ berichtete am 2. April 2016 über eine Verschlechterung
des psychischen und somatischen Gesundheitszustandes (IV-act. 279). Dr. med. K._,
Psychiatrie-Zentrum I._, hielt am 20. April 2016 nach einer Erstkonsultation als
Diagnose psychologische Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei andernorts
klassifizierten Krankheiten (ICD-10: F54) fest; aus psychiatrischer Sicht könne er eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht bestätigen (IV-act. 282-1 f.). Der
behandelnde Arzt des KSSG berichtete am 11. April 2016, der Versicherte beklage
noch intensivere Schmerzen. Zumindest bildgebend habe er keine so relevanten
Veränderungen des Rückens, dass sich daraus ein chirurgischer Handlungsbedarf
ergeben würde. Er weise einen weitgehend normalen postoperativen Status auf. Die
Einschätzung, dass der Versicherte nicht über 50% einsatzfähig werden dürfte, fusse
primär auf der Tatsache, dass er sich nicht vorstellen könne, wie man einen
Versicherten nach einer 15-jährigen Arbeitsabstinenz wieder vernünftig ins Berufsleben
reintegrieren könne. Man werde die Arbeitsunfähigkeit beim Versicherten weniger über
den somatischen Zustand der Wirbelsäule als über die psychosoziale Alteration
definieren müssen (IV-act. 282-5 f.). RAD-Arzt Dr. E._ befand am 20. Mai 2016,
anhand der eingereichten Unterlagen sei es medizinisch nicht plausibel
nachvollziehbar, dass sich der Gesundheitszustand verändert und dass dies einen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätte (IV-act. 283). Mit Vorbescheid vom 20. Mai 2016
stellte die IV-Stelle dem Versicherten das Nichteintreten auf dessen Leistungsbegehren
in Aussicht (IV-act. 285).
B.a.
Nach einer ersten Sprechstunde stellte Dr. med. L._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Klinik M._, am 20. Juni 2016 die (vorläufige) Diagnose einer
andauernden Persönlichkeitsänderung bei jahrelangen chronischen Schmerzen
B.b.
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(ICD-10: F62.80) (IV-act. 287). Dr. G._ befand am 9. Juli 2016, beim Versicherten
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 60% (IV-act. 291-3, vgl. auch den
Bericht von Dr. G._ in IV-act. 291-1). RAD-Arzt Dr. E._ führte am 23. August 2016
aus, eine Veränderung des Gesundheitszustandes seit der Referenzsituation sei
glaubhaft gemacht. Deshalb sei eine erneute polydisziplinäre Begutachtung zu
veranlassen (IV-act. 295). Im Auftrag der IV-Stelle (vgl. IV-act. 297) wurde der
Versicherte im Dezember 2016 durch Ärzte der Medas Zentralschweiz polydisziplinär
abgeklärt. In ihrem Gutachten vom 28. April 2017 nannten diese als Diagnosen mit
einer wesentlichen Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit ein failed back
surgery-syndrome (FBSS) mit einem chronischen lumbospondylogenen Syndrom links,
eine Morton-Neuralgie Strahl II/III rechts und eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F43.41). Der psychiatrische
Teilgutachter Dr. med. N._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, befand zudem, die
diagnostischen Kriterien für eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS) seien erfüllt, wobei sich die Diagnostik aber vor allem auf die Angaben des
Versicherten abstütze. Aus psychiatrischer Sicht seien keine sicheren Angaben zur
Arbeitsfähigkeit möglich. Aus neurologischer und neuropsychologischer Sicht
bestünden keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Der rheumatologische
Teilgutachter Dr. med. O._, Facharzt FMH Rheumatologie, betrachtete die
angestammte Tätigkeit als seit Juli 2012 nicht mehr zumutbar. Für eine adaptierte
Tätigkeit bestehe hingegen seither eine Restarbeitsfähigkeit von insgesamt 50%. Der
allgemein-internistische Gutachter hielt lediglich körperliche Schwerarbeiten für nicht
mehr möglich (IV-act. 302). Die zuständigen RAD-Ärzte notierten am 13. bzw. 14.
November 2017, auf das Medas-Gutachten vom 28. April 2017 könne nur teilweise
abgestellt werden. Die von Dr. O._ getroffenen Schlussfolgerungen zum
(veränderten) Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit seien nicht nachvollziehbar.
Seit dem Medas-Gutachten im Jahr 2012 sei keine objektivierbare Verschlechterung
des Gesundheitszustandes eingetreten. Die im Medas-Gutachten 2017 festgestellte
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 50% sei somit lediglich eine andere
Beurteilung des gleichen medizinischen Sachverhalts. Somit sei weiterhin auf die
orthopädische Beurteilung des Medas-Gutachtens 2012 abzustellen und von einer
Arbeitsfähigkeit von 100% in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen (IV-act. 307).
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C.
Mit einem neuen Vorbescheid vom 21. November 2017 stellte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades in Aussicht (IV-act. 310). Dagegen liess der Versicherte am 11.
Januar 2018 einen Einwand erheben (IV -act. 311). Nach einer weiteren Stellungnahme
der zuständigen RAD-Ärztin (vgl. IV-act. 313) verfügte die IV-Stelle am 8. Februar 2018
die Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 314).
B.c.
Gegen die Verfügung vom 8. Februar 2018 liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 12. März 2018 Beschwerde erheben. Er liess beantragen, die
Verfügung sei aufzuheben und ihm seien die gesetzlichen Leistungen auszurichten.
Weiter sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung zu gewähren; alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Er liess ausführen, das Gutachten der Medas
Zentralschweiz 2017 erfülle die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an ein
Gutachten vollumfänglich. Entgegen der Ansicht des RAD könne auf das Gutachten
abgestellt werden, so dass für die Bemessung der Versicherungsleistungen von einer
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% auszugehen sei. Bei dem daraus
resultierenden Invaliditätsgrad von 55% habe er Anspruch auf mindestens eine halbe
Invalidenrente. Dabei seien die zu wenig abgeklärten psychischen Einschränkungen
noch nicht berücksichtigt. Zudem habe er einen Anspruch auf berufliche Massnahmen
(act. G1).
C.a.
Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 22. Mai 2018 die
Abweisung der Beschwerde. Sie machte geltend, ob ein Rentenanspruch bestehe,
beurteile sich in analoger Anwendung der für die Rentenrevision geltenden Regeln. Die
Verfügung vom 21. August 2013 beruhe in medizinischer Hinsicht massgeblich auf dem
Gutachten der Medas Ostschweiz vom 15. März 2012. Bis zum Gutachten der Medas
Zentralschweiz vom 28. April 2017 sei keine objektivierbare Verschlechterung des
Gesundheitszustandes eingetreten. Die in diesem Gutachten festgehaltene
Arbeitsunfähigkeit von 50% in einer adaptierten Tätigkeit sei lediglich eine andere
Beurteilung des gleichen Sachverhaltes, weshalb weiterhin auf die im Gutachten der
Medas Ostschweiz vom 15. März 2012 attestierte 100%-ige Arbeitsfähigkeit
abzustellen sei. Der rheumatologische Teilgutachter der Medas Zentralschweiz habe
C.b.
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Erwägungen
1.
weder bildgebend noch klinisch korrelierende Befunde als Erklärung für die geklagten
ausgeprägten Rückenschmerzen feststellen können. Da er keine relevanten klinisch-
pathologischen Befunde habe erheben könne, sei die somatisch-rheumatologisch
begründete 50%-ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
nicht nachvollziehbar. Inwiefern sich das psychische Zustandsbild des
Beschwerdeführers in einer revisionserheblichen Weise geändert haben könnte, sei
ebenfalls nicht erkennbar. Da sich im Rahmen der Abklärungen keine erhebliche
Änderung der tatsächlichen Verhältnisse ergeben habe, bestehe kein Anlass zur
Durchführung eines neuen Einkommensvergleichs. Es bleibe also bei dem in der
Verfügung vom 21. August 2013 festgestellten Invaliditätsgrad von 0% (act. G3).
Am 28. Mai 2018 entsprach die Verfahrensleitung dem Gesuch des
Beschwerdeführers um die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (act. G4).
C.c.
In seiner Replik vom 27. Juni 2018 liess der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
festhalten. Er liess vorbringen, sein Gesundheitszustand habe sich seit dem Gutachten
der Medas Ostschweiz vom 15. März 2012 verschlechtert. Er sei innert zwei Monaten
(Juli und August 2012) dreimal thorakolumbal operiert worden. Nach den Eingriffen sei
es zu einer anhaltenden und deutlichen Beschwerdeverschlimmerung gekommen.
Ausserdem habe sich sein psychischer Gesundheitszustand verschlechtert. Einem
FBSS liege oft kein eindeutiges organisches Substrat zugrunde. Auch bei ihm handle
es sich um ein Beschwerdebild, das neben den somatischen Ursachen auch durch
psychische Belastungen beeinflusst sei. Gemäss den gutachterlichen Ausführungen
habe auch die komplexe posttraumatische Belastungsstörung eine Auswirkung auf die
Schmerzgenese. Da sich der Sachverhalt seit dem Frühling 2012 erheblich verändert
habe und da das Gutachten aus dem Jahr 2012 unvollständig sei, könne nicht mehr auf
dieses Gutachten abgestellt werden (act. G6).
C.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G8).C.e.
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Das Verwaltungsverfahren, das mit der angefochtenen Verfügung vom 8. Februar 2018
abgeschlossen worden ist, hat keine erstmalige Anmeldung zum Leistungsbezug zum
Gegenstand gehabt. Der Beschwerdeführer hatte sich nämlich bereits mehrmals zum
Leistungsbezug angemeldet und die Beschwerdegegnerin hatte sein
Leistungsbegehren letztmals mit einer Verfügung vom 21. August 2013 mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades abgewiesen (IV-act. 239). Beim
"Revisionsbegehren" vom 11. September 2013 hat es sich folglich um eine
Neuanmeldung im Sinne des Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (SR 831.201; IVV) gehandelt. Gemäss dieser Bestimmung wird,
wenn eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden ist,
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die versicherte Person glaubhaft gemacht hat,
dass sich die für die Bestimmung des Invaliditätsgrades relevanten tatsächlichen
Verhältnisse in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise geändert haben. Der
Versicherungsträger ist verpflichtet, solche Neuanmeldungen rechtsgleich zu
behandeln, weshalb im Beschwerdefall überprüft werden muss, ob er zu Recht auf eine
Neuanmeldung eingetreten oder nicht eingetreten ist. Vorliegend hat der
Beschwerdeführer am 11. September 2013, noch während des laufenden
Beschwerdeverfahrens gegen die abweisende Verfügung vom 21. August 2013, für den
Fall, dass seine Beschwerde nicht vollumfänglich gutgeheissen werde, ein
"Revisionsbegehren" gestellt (IV-act. 251). Nach dem Abschluss des
Beschwerdeverfahrens hat der Beschwerdeführer zur Glaubhaftmachung einer
Veränderung des für den Invaliditätsgrad massgebenden Sachverhalts diverse
Arztberichte eingereicht (IV-act. 282), was ihm bis zum Entscheid der
Beschwerdegegnerin über das Eintreten auf die Neuanmeldung vom 11. September
2013 möglich gewesen ist. Diesen Berichten ist nach der damaligen Auffassung der
Beschwerdegegnerin keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes zu
entnehmen gewesen, weshalb die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit
einem Vorbescheid vom 20. Mai 2016 ein Nichteintreten in Aussicht gestellt hat (IV-act.
285). In seinem Bericht vom 20. Juni 2016 hat Dr. L._ jedoch neu die Diagnose einer
andauernden Persönlichkeitsänderung bei jahrelangen chronischen Schmerzen gestellt
(IV-at. 287). Dies weist insofern auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
hin, als der psychiatrische Teilgutachter der Medas Ostschweiz im März 2012 noch
davon ausgegangen war, es liege keine psychiatrische Erkrankung vor (IV-act. 192-24
f.). Zudem hat Dr. G._ über eine Verschlechterung des psychischen und somatischen
Gesundheitszustandes berichtet und den Beschwerdeführer als zu mindestens 60%
arbeitsunfähig erachtet (IV-act. 291, vgl. IV-act. 279). Damit ist eine Verschlechterung
1.1.
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des Gesundheitszustandes glaubhaft gewesen, weshalb die Beschwerdegegnerin zu
Recht auf die erneute Anmeldung eingetreten ist.
Die Beschwerdegegnerin geht in Übereinstimmung mit der entsprechenden
höchstrichterlichen Auffassung (vgl. BGE 109 V 108 und BGE 117 V 198 E. 3a S. 198)
davon aus, Gegenstand des Beschwerdeverfahrens sei die Frage, ob sich der
rechtserhebliche Sachverhalt seit der letzten Abweisung eines Rentengesuchs
massgeblich verändert hat. Nach dieser Ansicht geht es also darum, in analoger
Anwendung des Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) eine Anpassung einer rentenablehnenden
Verfügung an nachträglich veränderte tatsächliche Verhältnisse zu prüfen. Dahinter
dürfte wohl der Gedanke stehen, dass bei unveränderten tatsächlichen Verhältnissen
ein gleichlautender Entscheid (Abweisung) resultieren müsse. Tatsächlich soll das
Handeln der Verwaltung für den Bürger voraussehbar und insbesondere
widerspruchsfrei sein. Es wäre mit dem Grundsatz von Treu und Glauben nicht zu
vereinbaren, wenn dieselbe Behörde in Anwendung derselben rechtlichen
Bestimmungen innerhalb eines gewissen Zeitverlaufs über einen Anspruch
unterschiedlich befinden würde, ohne dass sich der rechtserhebliche Sachverhalt
wesentlich verändert hätte und ohne dass dafür sonstige nachvollziehbare Gründe
angeführt werden könnten. Als ein solcherart nachvollziehbarer Grund ist dabei
insbesondere die bessere Erkenntnis zu qualifizieren, etwa wenn die Verwaltung bei
einer erneuten Prüfung feststellt, dass sie im Rahmen des ersten Verfahrens die
massgebenden Rechtsnormen teilweise falsch interpretiert und angewendet hat oder
dass sie von einem falschen Sachverhalt ausgegangen ist. Die erwähnte
höchstrichterliche Auffassung geht allerdings zu weit. Wenn nämlich jedes neue
Verfahren nicht mehr als (umfassendes) Verfahren zur erstmaligen Prüfung eines
bestimmten Anspruchs, sondern als Revisionsverfahren im Sinne von Art. 17 ATSG
verstanden wird, wird ein früher begangener Rechtsanwendungsfehler oder ein früher
begangener Fehler bei der Sachverhaltserhebung oder -würdigung perpetuiert. Im
Rahmen eines Revisionsverfahrens darf nämlich nach dem klaren Wortlaut und nach
dem eindeutigen Sinn und Zweck des Art. 17 Abs. 1 ATSG ausschliesslich einer
Veränderung des Sachverhalts Rechnung getragen werden (vgl. Ralph Jöhl, Die
Revision nach Art. 17 ATSG, in: JaSo 2012 S. 153 ff.). Früher begangene Fehler, die zu
einer rechtskräftigen Fehlentscheidung geführt haben, können nicht im Rahmen einer
Revision behoben werden; hierfür müsste der betroffene Entscheid vielmehr in
Wiedererwägung gezogen oder so genannt prozessual revidiert werden (Art. 53 Abs. 1
und 2 ATSG). Die erwähnte Beschränkung der Möglichkeit, laufende Leistungen im
Rahmen von Revisionsverfahren anzupassen, ist gesetzlich verankert. Eine analoge
1.2.
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2.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 8. Februar 2018 hat sich die
Beschwerdegegnerin ausschliesslich zu einem allfälligen Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente geäussert, weshalb nur der potentielle
Beschränkung der Möglichkeit, nicht laufende Leistungen ("Nichtleistungen" oder
"Nichtrenten") "anzupassen", ist dagegen gesetzlich nicht vorgesehen. Mit anderen
Worten besteht weder eine gesetzliche Grundlage dafür, neuerliche Verfahren nach
Abweisung eines Gesuchs auf die Frage etwaiger nachträglicher Veränderungen der
tatsächlichen Verhältnisse zu begrenzen, noch eine Notwendigkeit für eine solche
Beschränkung. Während der Versicherte darauf vertrauen darf, dass eine laufende
Leistung nicht ohne relevante Veränderungen der tatsächlichen Verhältnisse
abgeändert werden kann, besteht kein entsprechender Vertrauensschutz in Bezug auf
Abweisungen von Leistungsgesuchen. Im Interesse der Versicherten wäre ein solcher
augenscheinlich nicht, aber auch die Verwaltung hat kein entsprechendes rechtlich
beachtenswertes Interesse, da sie letztlich einzig dem Zweck zu dienen hat, das
massgebende Recht richtig anzuwenden, das heisst, jene Leistungen zuzusprechen,
auf die ein Anspruch besteht, und jene Leistungen zu verweigern, auf die kein
Anspruch besteht. Weder allfällige fiskalische Interessen noch ein Interesse an einer
Beschränkung des Verwaltungsaufwandes auf ein Minimum vermögen eine
schutzwürdige Position des Sozialversicherungsträgers zu begründen. Schliesslich
scheint auch das Konzept einer Dauerwirkung der Abweisung eines Gesuchs
fragwürdig. Mit der Abweisung eines Rentengesuchs wird nämlich nicht eine
"Dauernichtleistung" verfügt, sondern ein entsprechender Anspruch auf eine
Dauerleistung im Zeitpunkt der Prüfung bzw. der Verfügung verneint. Abgesehen vom
Verbot, sich im Vergleich zu einer früheren Prüfung widersprüchlich zu verhalten, lässt
es sich vor dem Gleichbehandlungsgrundsatz nicht rechtfertigen, eine versicherte
Person, die sich erneut zum Bezug einer Invalidenrente anmeldet, ausserhalb der
Eintretenshürde des Art. 87 Abs. 3 IVV anders zu behandeln als eine versicherte
Person, die sich zum ersten Mal zum Bezug einer Invalidenrente anmeldet (vgl. Urteil
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. November 2012, IV
2010/428, E. 1.2; bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts vom 5. August 2013,
9C_965/2012). Aus diesen Gründen bildet den Gegenstand des Beschwerdeverfahrens
– nachdem die Beschwerdegegnerin auf die entsprechende Neuanmeldung eingetreten
ist – nicht die Frage, ob und allenfalls inwiefern sich der Sachverhalt seit der letzten
abweisenden Verfügung vom 21. August 2013 verändert hat, sondern vielmehr jene, ob
die Beschwerdegegnerin (bei umfassender Würdigung) einen Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zu Recht (erneut) verneint hat.
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Rentenanspruch den Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens bildet. In einem
Schreiben vom 27. April 2016 sowie in der Beschwerde hat der Beschwerdeführer
sinngemäss auch berufliche Massnahmen beantragt (IV-act. 281, act. G1 S. 11 N. 37).
Berufliche Massnahmen würden im Sinne des Grundsatzes "Eingliederung vor Rente"
dann in Betracht fallen, wenn ein Rentenanspruch "drohen" würde (vgl. zum Grundsatz
etwa Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Vorbemerkungen N 86 ff.). Wie sich
nachfolgend ergibt, ist die Streitsache jedoch mangels Spruchreife an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, so dass noch gar nicht bekannt ist, ob ein
Rentenanspruch "droht". Auf den entsprechenden Teil des Beschwerdebegehrens
kann das Gericht deshalb nicht eintreten.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG wird unter Invalidität die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden.
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der
für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16
ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.1.
Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a am Schluss, BGE 117 V 282 E. 4.a).
2.2.
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3.
Die Beschwerdegegnerin argumentiert im Wesentlichen gestützt auf die Beurteilung
der zuständigen RAD-Ärzte vom 13. bzw. 14. November 2017 (vgl. IV-act. 307), laut der
aufgrund des Gutachtens der Medas Zentralschweiz vom 28. April 2017 keine
objektivierbare Verschlechterung des Gesundheitszustandes im Vergleich zum
Gutachten der Medas Ostschweiz vom 15. März 2012 nachgewiesen sei. Die vom
rheumatologischen Teilgutachter der Medas Zentralschweiz, Dr. O._, 2017
festgestellte Arbeitsunfähigkeit von 50% in einer adaptierten Tätigkeit sei lediglich eine
andere Beurteilung des gleichen medizinischen Sachverhalts. Daher sei auf die
orthopädische Beurteilung des Gutachtens der Medas Ostschweiz 2012 abzustellen
und weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 100% in einer adaptierten Tätigkeit
auszugehen (IV-act. 307, 314, act. G3). Tatsächlich enthält das rheumatologische
Teilgutachten der Medas Zentralschweiz aus dem Jahr 2017 aber Hinweise auf eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes. So hat der rheumatologische
Teilgutachter Dr. O._ eine zwischenzeitlich aufgetretene und sich auf die
Arbeitsfähigkeit auswirkende Morton-Neuralgie Strahl II/III rechts diagnostiziert.
Ebenfalls hat er abweichend vom früheren Medas-Gutachten die Diagnose eines FBSS
mit einem chronischen lumbospondylogenen Syndrom links gestellt (IV-act. 302-73). Er
hat ausgeführt, im Juli 2012 sei es zur Implantation eines Neurostimulators mit
nachfolgend zwei Revisions-Operationen mit schliesslich einem Ausbau des
Neurostimulators im August 2012 wegen eines Infekts mit einer epiduralen Abszess-
Bildung gekommen. Seit dem Eingriff im Juli 2012 sei eine anhaltende
Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten (IV-act. 302-83, 302-85,
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.3.
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302-88). Die Beschwerdegegnerin hat den Gesundheitszustand seit der Begutachtung
durch die Medas Ostschweiz (2012) als unverändert erachtet und deshalb
insbesondere in rheumatologischer Hinsicht ohne weitere Prüfung auf das damalige
Gutachten (2012) abgestellt, d.h. sie hat den Beweiswert jenes Gutachtens ohne
weiteres als ausreichend betrachtet, wohl weil jenes Gutachten zu einer rechtskräftigen
Beurteilung geführt hatte. Die Beschwerdegegnerin hätte jedoch den Beweiswert des
Gutachtens der Medas Ostschweiz vom 15. März 2012 (vgl. IV-act. 192) von Grund auf
neu prüfen müssen, weil es in dem mit der angefochtenen Verfügung abgeschlossenen
Verwaltungsverfahren ein Beweismittel wie jedes andere (neu produzierte) gewesen ist.
4.
Vorab ist die Frage zu klären, ob die medizinische Situation und damit die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers rechtsgenüglich abgeklärt wurden. Der
Beschwerdeführer hält das Gutachten der Medas Zentralschweiz (2017) für
beweiskräftig, während die Beschwerdegegnerin die Diagnosestellung und die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für nicht überwiegend wahrscheinlich hält (act. G1, G3,
G6).
4.1.
Dr. N._ hat in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 28. Dezember 2016
als Diagnose mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41)
festgehalten. Zudem hat er befunden, die diagnostischen Kriterien für eine komplexe
PTBS seien erfüllt; in seiner Diagnoseliste hat er die komplexe PTBS jedoch nicht
erwähnt (IV-act. 302-100 f., 302-105 f.). Er hat ausgeführt, anhand der ihm zur
Verfügung stehenden Informationen und Unterlagen seien keine sicheren Angaben zur
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers möglich. Dieser habe letztmals im Jahr 2008 in
einem Pensum von 50% gearbeitet. Ab diesem Zeitpunkt seien keine Anstrengungen,
wieder einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, dokumentiert. Arbeitsversuche hätten nicht
mehr stattgefunden. Es hätten keine zeitnah erstellten Akten, insbesondere
medizinische Berichte, zur Verfügung gestanden, die das Verhalten des
Beschwerdeführers bei Schmerzen und vor allem auch die Auswirkungen der
Schmerzen bei alltäglichen Verrichtungen dokumentiert hätten. Deshalb sei es nicht
möglich gewesen, den funktionellen Schweregrad, d. h. die Auswirkung der
psychischen Störung im Alltag unter Arbeitsbedingungen, zu quantifizieren (IV-act.
302-108 f.). Daraus ist zu schliessen, dass sich Dr. N._ nicht im Stande gesehen hat,
4.1.1.
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die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen, bevor der Beschwerdeführer nicht einen
Arbeitsversuch unternommen hat. Dr. N._ hat zwar erwähnt, dass medizinisch
theoretisch aus psychiatrischer Sicht sicher von einer 50%-igen Restarbeitsfähigkeit
auszugehen sei. Dabei dürfte er sich jedoch auf die vom Beschwerdeführer zuletzt in
einem Pensum von 50% ausgeübte Tätigkeit bezogen haben. Er hat also keine für die
Bemessung des Invalideneinkommens ausreichende, definitive
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben (IV-act. 302-107).
Die Beschwerdegegnerin ist gestützt auf die Stellungnahme von RAD-Arzt Dr.
med. P._ vom 14. November 2017 davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer
aus psychiatrischer Sicht voll arbeitsfähig sei (IV-act. 307). Die vorhandenen Akten
lassen diese Schlussfolgerung aber nicht zu. Entgegen der Auffassung des RAD-Arztes
Dr. P._ (vgl. IV-act. 307) ist der Beschwerdeführer dem psychiatrischen
Sachverständigen Dr. N._ während der klinischen Untersuchung als psychisch nicht
kompensiert erschienen. Dr. N._ hat zwar festgehalten, der Beschwerdeführer mache
weder einen schmerzerfüllt leidenden noch einen depressiven Eindruck. Die affektive
Schwingungs- und Resonanzfähigkeit des Beschwerdeführers hat er jedoch als
beeinträchtigt betrachtet. Es sei spürbar gewesen, dass der Beschwerdeführer als Kind
und Jugendlicher unter seelischen Schmerzen gelitten habe. Der Beschwerdeführer
habe grosse Mühe gehabt, seine Gefühle wahrzunehmen und zu formulieren (IV-act.
302-99 f., 302-102). Wie RAD-Arzt Dr. P._ richtig notiert hat (IV-act. 307), ist zwar
gemäss Dr. N._ keine richtungsgebende Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustanden seit der letzten Erwerbstätigkeit im Jahr 2008 objektivierbar
gewesen (IV-act. 302-107). Daraus ist aber nicht zu schliessen, dass Dr. N._
entsprechend dem Gutachten der Medas Ostschweiz (2017) von einer Arbeitsfähigkeit
von 100% ausgegangen wäre, zumal er das psychiatrische Teilgutachten der Medas
Ostschweiz 2012 kritisiert hat (vgl. IV-act. 302-102, 302-104). Schliesslich kann
entgegen dem Standpunkt von RAD-Arzt Dr. P._ dem Gutachten von Dr. N._ nicht
entnommen werden, dass keine relevante Funktionseinschränkung mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit vorliege (vgl. IV-act. 307). Dr. N._ hat festgehalten, es seien keine
sicheren Aussagen darüber möglich, inwieweit die Folgen der chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren eine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hätten (IV-act. 302-100 f.). Daraus lässt sich
lediglich schliessen, dass Dr. N._ nicht in der Lage gewesen ist, die Arbeitsfähigkeit
aus der Sicht seines Fachgebietes zu schätzen, nicht aber dass die Arbeitsfähigkeit zu
100% erhalten gewesen wäre. Insgesamt vermag die Einschätzung von RAD-Arzt
4.1.2.
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P._, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht beeinträchtigt sei, nicht
zu überzeugen.
Demnach lässt sich die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers weder anhand
der psychiatrischen Teilgutachten noch anhand der Einschätzung des RAD mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit bestimmen. Auch die Berichte der (objektiv
anscheinsbefangenen) behandelnden Ärzte lassen dies nicht zu. Der Sachverhalt ist
demnach bezüglich einer möglichen psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit
ungenügend abgeklärt worden. Das bedeutet, dass die Beschwerdegegnerin ihre
Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) verletzt hat. Die angefochtene Verfügung
ist deshalb rechtswidrig und muss aufgehoben werden. Die Sache ist zur weiteren
psychiatrischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die
Beschwerdegegnerin wird, wie von Dr. N._ vorgeschlagen, einen Arbeitsversuch
durchführen. Dessen Ergebnis wird sie Dr. N._ vorlegen, damit dieser gestützt darauf
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers beurteilen wird.
4.1.3.
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht ist die
Beschwerdegegnerin von der Beurteilung durch den Teilgutachter Dr. O._
abgewichen; sie hat stattdessen auf das orthopädische Teilgutachten der Medas
Ostschweiz aus dem Jahr 2012 abgestellt (IV-act. 307, 314). Das ist nicht zulässig
gewesen, da es deutliche Hinweise auf eine seit der Begutachtung von 2012
eingetretene Veränderung des somatischen Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführers gegeben hat (vgl. E. 3). Dr. O._ hat zahlreiche qualitative
Einschränkungen genannt, welche bei einer adaptierten Tätigkeit zu berücksichtigen
wären. In einer solchen ideal adaptierten Tätigkeit hat er die tägliche Arbeitspräsenz auf
maximal sechs Stunden mit einer Leistungseinschränkung von rund 30% aufgrund der
schmerzbedingt notwendigen zusätzlichen Pausen und des schmerzbedingt
langsameren Arbeitstempos geschätzt. Er hat ausgeführt, insgesamt erachte er den
Beschwerdeführer, übereinstimmend mit den Beurteilungen von Dr. med. Q._,
Facharzt FMH für Neurochirurgie, und Dr. med. R._, KSSG, adaptiert als zu 50%
arbeitsfähig (IV-act. 302-87 f.). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass Dr. R._ am 11.
April 2016 die Arbeitsfähigkeit zwar tatsächlich auf höchstens 50% geschätzt hat. Er
hat jedoch festgehalten, seine Einschätzung beruhe weniger auf bildgebenden oder
klinischen Befunden als auf der Tatsache, dass er sich nicht vorstellen könne, wie man
den Beschwerdeführer nach einer 15-jährigen Arbeitsabstinenz wieder vernünftig in
das Berufsleben integrieren könne (IV-act. 282-5 f., vgl. auch seine frühere Beurteilung
in IV-act. 263-3 f.). Er hat also keine objektive Schätzung der medizinisch-theoretischen
Arbeitsfähigkeit vorgenommen, denn er hat soziale Momente einfliessen lassen. Dr.
4.2.
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5.
Q._ hatte am 4. April 2013 die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auf 50%
geschätzt, dies jedoch nicht begründet (IV-act. 224). Der Verweis von Dr. O._ auf die
Einschätzungen dieser beiden Ärzte reicht damit nicht aus, um eine Arbeitsunfähigkeit
adaptiert von 50% zu belegen. Auch die weitere Begründung der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. O._ ist nicht nachvollziehbar. So ist nicht
einzusehen, weshalb Dr. O._ die Präsenzzeit auf sechs Stunden täglich und die
Leistungseinschränkung auf 30% festgelegt hat. Der nur ganz pauschal genannte
schmerzbedingt erhöhte Pausen- und Zeitbedarf könnte ebenso gut eine höhere oder
eine tiefere Arbeitsfähigkeit erklären. Zudem hat Dr. O._ in seinem Gutachten
festgehalten, im Wissen um die Unmöglichkeit der Einteilung des FBSS im Grenzgebiet
zwischen Soma und Psyche werde ein rein rheumatologisch aufgezeigtes
Leistungsprofil der Sachlage nicht gerecht. Falls die Beschwerdegegnerin genauere
Angaben über das Belastungs- bzw. Leistungsprofil haben wolle, schlage er eine
Evaluation bzw. Erprobung an einem konkreten Arbeitsplatz unter längerer
Beobachtung vor (IV-act. 302-85). Die Beschwerdegegnerin wird damit nach der
Durchführung der von Dr. N._ vorgeschlagenen beruflichen Abklärung bei Dr. O._
eine Begründung für die im Gutachten abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung oder
allenfalls eine neue Arbeitsfähigkeitsschätzung einholen.
Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung vom 8. Februar 2018 in
Gutheissung der Beschwerde vom 12. März 2018 aufzuheben und die Sache ist an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird den Sachverhalt weiter abklären und
anschliessend gestützt auf einen überwiegend wahrscheinlich erstellten Sachverhalt
über das Rentenbegehren verfügen. Auf das Begehren um die Zusprache beruflicher
Eingliederungsmassnahmen kann nicht eingetreten werden, da diese Leistungen vom
Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens nicht abgedeckt sind.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
5.3.
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