Decision ID: 62e8f828-ecd3-42d5-8d55-5e9c1341c245
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 25.06.2012 Art. 2 Abs. 1 lit. e KVV; VO 1408/71; Art. 2 Abs. 2 und 8 KVV: Unter die Ausnahmebestimmung von Art. 2 Abs. 1 lit. e KVV fallen nur Rentner und Rentnerinnen, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Ausnahmebestimmungen von Art. 2 Abs. 2 und 8 KVV setzen ein bewilligtes Gesuch durch die zuständige kantonale Behörde voraus. Fehlt es an einem entsprechenden Gesuch besteht eine obligatorische Versicherungsunterstellung und es sind entsprechend Prämien zu bezahlen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 25. Juni 2012, KV 2011/17).Präsident Martin Rutishauser, Versicherungsrichterin Monika Gehrer, Versicherungsrichter Joachim Huber; a.o. Gerichtsschreiberin Karin KastEntscheid vom 25. Juni 2012in SachenA._,Beschwerdeführerin,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Hermann Just, Masanserstrasse 35, Postfach 414, 7001 Chur,gegenCM Fonction publique Verwaltung, Rue du Nord 5, 1920 Martigny,Beschwerdegegnerin,betreffendVersicherungsobligatorium und ForderungSachverhalt:
A.
A._ ist seit dem 1. September 2009 bei der CM Fonction publique (nachfolgend:
Krankenkasse) und seit dem 1. Januar 2011 bei der Philos Krankenversicherung AG –
beides Mitglieder der Groupe Mutuel – obligatorisch krankenpflegeversichert (act. G
12.1/2). Mit Schreiben vom 14. September 2010 (act. G 6.2) teilte die Versicherte der
Krankenkasse mit, dass sie als ehemalige Staatsangestellte des Landes C._ seit ihrer
Pensionierung am 1. Januar 2007 eine Kranken- und Unfallversicherung auf Lebzeiten
habe, welche für die EU und die Schweiz gültig sei. Sie brauche deshalb keine
Grundversicherung und bitte um Zustellung der nötigen Unterlagen. Die Versicherte
legte dem Schreiben eine Kopie des Originalversicherungsnachweises der Union-
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Gesundheitsversicherungsanstalt (nachfolgend: Union), eine Kopie der Übersetzung
des Originalversicherungsnachweises der Union und eine Kopie des
Versicherungsausweises der Union bei (act. G 6.3, 6.4 und 6.5). Mit Schreiben vom
24. September 2010 (act. G 6.6) wies die Versicherte die Krankenkasse darauf hin,
dass sie auf ihr Schreiben vom 14. September 2010 noch keine Antwort erhalten habe.
Am 14. Oktober 2010 liess die Krankenkasse der Versicherten ein Schreiben betreffend
Wohnortwechsel (act. G 12.1/7) zukommen und bat sie, den beiliegenden
Antwortcoupon ausgefüllt zu retournieren. Nachdem die Versicherte die Krankenkasse
mit zwei Schreiben vom 16. Oktober 2010 (act. G 6.7) und vom 27. Oktober 2010 (act.
G 6.8) erneut erfolglos auf ihre im Land C._ bestehende lebenslange
Grundversicherung hingewiesen hatte, kündigte sie mit Schreiben vom 10. November
2010 (act. G 6.9) den Versicherungsvertrag. Die Krankenkasse reichte am 9. Dezember
2010 beim Betreibungsamt B._ ein Betreibungsbegehren (act. G 12.1/19) betreffend
unbezahlte Prämien KVG vom September 2010 ein. Das Betreibungsamt B._ stellte
am 13. Dezember 2010 den Zahlungsbefehl Nr. 102070 aus, wogegen die Versicherte
am 15. Dezember 2010 Rechtsvorschlag erhob (act. G 12.1/20). Anlässlich eines
Telefongesprächs vom 31. Januar 2011 (act. G 6.10) wurde der Versicherten durch die
Krankenkasse bestätigt, dass eine Kopie der Union Police bei ihrer Rechtsabteilung zur
Abklärung vorliege, es aber seine Zeit brauche. Mit Schreiben vom 16. Februar 2011
(act. G 12.1/11) teilte die Krankenkasse der Versicherten mit, dass sie die Kündigung
des Versicherungsvertrags erst akzeptieren könne, wenn eine
Versicherungsbestätigung des aktuellen Versicherers vorliege. Mit Schreiben vom 21.
März 2011 (act. G 12.1/13) erläuterte sie der Versicherten die Voraussetzungen für eine
Befreiung von der Versicherungspflicht und wies diese daraufhin, dass sie sich mit
einem Gesuch um Befreiung von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung an die
Gemeindeverwaltung richten müsse. Deren Entscheid sei der Krankenkasse
baldmöglichst mitzuteilen. Mit Verfügung vom 20. Juni 2011 (act. G 6.14) hob die
Krankenkasse den Rechtsvorschlag gegen den Zahlungsbefehl Nr. 102070 des
Betreibungsamts B._ auf.
B.
B.a Die gegen die Verfügung betreffend den Zahlungsbefehl Nr. 102070 sowie gegen
die Verfügung betreffend den Zahlungsbefehl Nr. 110457 vom 20. Juni 2011
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eingereichte Einsprache vom 20. Juli 2011 (act. G 6.15) wies die Krankenkasse mit
Entscheid vom 9. August 2011 ab (act. G 1.1).
B.b Der zuständige Abteilungspräsident des Versicherungsgerichts bewilligte mit
Zwischenentscheid vom 30. September 2011 (act. G 9) das am 9. September 2011
(act. G 4) gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung.
B.c Gegen den Einspracheentscheid vom 9. August 2011 richtet sich die am 28.
September 2011 von Rechtsanwalt lic. iur. Hermann Just, Chur, für die Versicherte
eingereichte Beschwerde (act. G 7) mit den Anträgen, der Einspracheentscheid vom
9. August sei aufzuheben und die Einsprache vom 20. Juli 2011 gegen die Verfügung
vom 20. Juni 2011 sei gutzuheissen. Es sei festzustellen, dass die mit Verfügung vom
20. Juni 2011 im Betreibungsverfahren Nr. 102070 verfügten Prämien nicht geschuldet
seien. Weiter sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund des
Versicherungsausweises der Union nicht dem Versicherungsobligatorium nach Art. 3
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) unterliege
und damit die Versicherungsprämien ab Vertragsabschluss nicht geschuldet seien;
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Am 24. Oktober 2011 reichte der
Rechtsvertreter der Versicherten einen zweiten Einspracheentscheid vom 9. August
2011 betreffend Betreibung Nr. 110457 nach und beantragte eine Präzisierung von
Ziffer 2 des Rechtsbegehrens, als sich die Feststellung des Nichtbestehens der
Forderung auch auf das Betreibungsverfahren Nr. 110457 beziehen solle (act. G 10).
B.d Mit Beschwerdeantwort vom 31. Oktober 2011 (act. G 12) beantragt die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen, der Einspracheentscheid vom
9. August 2011 sei zu bestätigen und es sei ihr in der Betreibung Nr. 102070 des
Betreibungsamts B._ vollumfänglich Rechtsöffnung zu erteilen, jegliche
anderweitigen Begehren seien abzuweisen. Mangels Nachweises der Befreiung von der
Versicherungspflicht unterstehe die Beschwerdeführerin nach ihrem Informationsstand
weiterhin der Versicherungspflicht nach KVG und folglich seien auch die Prämien der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu bezahlen. Es sei nicht Aufgabe der
Krankenversicherung darüber zu befinden, ob ein Befreiungstatbestand vorliege. Die
Frage, ob die Voraussetzungen für eine Befreiung von der Versicherungspflicht im
vorliegenden Fall erfüllt seien, sei somit auch nicht Gegenstand des vorliegenden
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Verfahrens. Ein entsprechendes Gesuch sei an die zuständige kantonale Stelle zu
richten und auf dementsprechenden Weg zu entscheiden. Des Weiteren führt die
Beschwerdegegnerin aus, der Vorwurf der fehlenden Abklärung treffe nicht zu. Wie den
Akten zu entnehmen sei, habe sie versucht, von der Beschwerdeführerin weitere
Informationen zur Klärung der Angelegenheit zu erhalten. Sie habe damit die ihr
obliegende Informationspflicht mit dem Schreiben vom 21. März 2011 wahrgenommen
und es könne ihr keine fehlende Aufklärung vorgeworfen werden. Im Übrigen sei darauf
hinzuweisen, dass auch die Versicherte gemäss Art. 28 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) gewisse
Mitwirkungspflichten habe und sie dazu verpflichtet gewesen wäre, die nötigen Schritte
zu unternehmen und die Krankenkasse zu informieren. Die Beschwerdeführerin sei
trotz verzögerter Reaktion auf ihre Schreiben im September 2010 und Oktober 2010 in
korrekter Weise über die vorzunehmenden Schritte informiert worden. Sofern die
Beschwerdeführerin in der Beschwerde sinngemäss die Verletzung des rechtlichen
Gehörs geltend mache, sei festzuhalten, dass eine allfällige nicht besonders schwer
wiegende Gehörsverletzung geheilt werden könne, was im Rahmen des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens möglich sei. Eigentlicher Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens bilde ausschliesslich die Frage, ob die Betreibung der
Krankenkasse für die Prämie September 2010 zu Recht erfolgt sei und die Aufhebung
des Rechtsvorschlags mittels Einspracheentscheids vom 9. August 2011 rechtens sei.
Die Frage sei zu bejahen, da die Beschwerdeführerin mit der Bezahlung der Prämie in
Verzug geraten und der entsprechende Betrag auch nach erfolgloser zweifacher
Mahnung und eingeleiteter Betreibung noch nicht beglichen sei. Mit
Beschwerdeantwortergänzung vom 3. November 2011 (act. G 14) erklärte sich die
Beschwerdegegnerin mit der Ausdehnung der Beschwerde auf den
Einspracheentscheid vom 9. August 2011 betreffend das Betreibungsbegehren
Nr. 110457 einverstanden; an den Ausführungen in der Beschwerdeantwort vom 31.
Oktober 2011 werde festgehalten.
B.e In der Replik vom 10. Januar 2012 (act. G 18) hielt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin an seinen Anträgen unverändert fest.
B.f In der Duplik vom 31. Januar 2012 (act. G 20) hielt auch die Beschwerdegegnerin
an ihren Anträgen unverändert fest.
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Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin für die Monate
September bis Dezember 2010 zur Bezahlung der Krankenversicherungsprämien
verpflichtet war und die Betreibung dafür zu recht erfolgte. Dazu ist im Folgenden die
Frage zu klären, ob die Beschwerdeführerin für die entsprechende Zeit der
obligatorischen Krankenversicherung unterstellt und damit beitragspflichtig war bzw.
ob sie einen Befreiungsgrund von der schweizerischen Versicherungspflicht geltend
machen kann.
2.
2.1 Das KVG sieht in Art. 3 Abs. 1 ein allgemeines Versicherungsobligatorium für die
gesamte schweizerische Wohnbevölkerung vor (vgl. Gebhard Eugster,
Krankenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit,
2. Aufl. Basel 2007, Rz. 23). Danach muss sich jede Person mit Wohnsitz in der
Schweiz innert drei Monaten nach der Wohnsitznahme oder der Geburt in der Schweiz
für Krankenpflege versichern oder von ihrem gesetzlichen Vertreter beziehungsweise
ihrer gesetzlichen Vertreterin versichern lassen. Nach der Ausführungsbestimmung in
Art. 1 Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV; SR 832.102)
sind zudem Ausländer und Ausländerinnen mit einer Kurzaufenthalts- oder
Aufenthaltsbewilligung nach den Art. 32 und 33 des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer (AuG; SR 142.20), die mindestens drei Monate gültig ist,
versicherungspflichtig. Die Versicherungspflicht gilt gemäss Art. 1 Abs. 2 lit. f KVV auch
für Personen mit einer Kurzaufenthalts- oder einer Aufenthaltsbewilligung nach dem
Freizügigkeitsabkommen oder dem EFTA-Abkommen, die mindestens drei Monate
gültig ist. In Art. 3 Abs. 2 KVG wird der Bundesrat ermächtigt, Ausnahmen von der
Versicherungspflicht vorzusehen, namentlich für Personen, die im Sinn von Art. 3 Abs.
2 des Bundesgesetzes über die von der Schweiz als Gaststaat gewährten Vorrechte,
Immunitäten und Erleichterungen sowie finanziellen Beiträge (Gaststaatgesetz, GSG;
SR 192.12) mit Vorrechten, Immunitäten und Erleichterungen begünstigt sind. Dies hat
er mit den Ausnahmebestimmungen in Art. 2 und Art. 6 KVV getan.
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2.2 In Art. 2 Abs. 1 und Art. 6 Abs. 1 KVV werden jene Personenkategorien genannt,
die zum Vornherein, d.h. ex lege, vom Versicherungsobligatorium ausgenommen sind.
Art. 2 Abs. 2 - 8 KVV und Art. 6 Abs. 3 KVV nennen die Personen, die sich auf Gesuch
hin von der Versicherungspflicht befreien lassen können.
3.
3.1 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht zunächst die automatische
Befreiung von der Versicherungspflicht nach Art. 2 Abs. 1 lit. e KVV geltend. Danach
unterstehen Personen, die keinen Anspruch auf eine schweizerische Rente haben, aber
nach dem Freizügigkeitsabkommen sowie seinem Anhang II Anspruch auf eine Rente
eines Mitgliedstaats der Europäischen Gemeinschaft haben, nicht der
Versicherungspflicht. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin führt in der Replik
(act. G 18) aus, die Beschwerdeführerin beziehe seit ihrer Pensionierung am 12. Januar
2009 eine Rente des Landes C._. Da diese das Existenzminimum nicht einmal
ansatzweise decke, sei sie gezwungen gewesen, in der Schweiz zusätzliche Einkünfte
zu erwirtschaften. Zwischen den einzelnen Einsätzen sei sie jeweils wieder in das Land
C._ zurückgereist. Die Beschwerdeführerin habe keinen Anspruch auf eine
schweizerische Rente. Damit seien die in Art. 2 Abs. 1 lit. e KVV statuierten
Voraussetzungen erfüllt. Es kann vorliegend offen bleiben, ob diese Voraussetzungen
tatsächlich erfüllt sind, denn in diesem Zusammenhang gilt es die bis 31. März 2012
geltende Verordnung EWG Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung
der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren
Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (AS 2004 121;
nachfolgend: VO 1408/71) zu berücksichtigen (Art. 95a Abs. 1 lit. a KVG).
Heranzuziehen ist die VO 1408/71 und nicht die sie ersetzende, ab 1. April 2012 in Kraft
getretene Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (SR
0.831.109.268.1), da rechtsprechungsgemäss in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich
diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen
führenden Tatbestands Geltung haben. Ferner stellt das Sozialversicherungsgericht bei
der Beurteilung eines Falls grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des
streitigen Einspracheentscheids (hier 9. August 2011) eingetretenen Sachverhalt ab
(BGE 129 V 356 E. 1 mit Hinweisen).
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3.2 Nach Art. 2 Abs. 1 VO 1408/71 ist die Verordnung anwendbar auf Arbeitnehmer
und Selbstständige sowie Studierende, für welche die Rechtsvorschriften eines oder
mehrerer Mitgliedstaaten gelten oder galten, soweit sie Staatsangehörige eines
Mitgliedstaats sind oder als Staatenlose oder Flüchtlinge im Gebiet eines Mitgliedstaats
wohnen, sowie für deren Familienangehörige und Hinterbliebene. Die
Beschwerdeführerin war seit ihrem Zuzug in die Schweiz unbestrittenermassen
erwerbstätig (act. G 16.5 – act. G 16.10) und fällt damit in den Anwendungsbereich der
VO 1408/71. Diese enthält in ihrem Art. 17a (9) besondere Vorschriften für Rentner und
Rentnerinnen, denen die Rente nach den Rechtsvorschriften eines oder mehrerer
Mitgliedstaaten geschuldet werden. Art. 17a (9) der VO 1408/71 bestimmt, dass
Rentner und Rentnerinnen, denen eine Rente nach den Rechtsvorschriften eines
Mitgliedstaats oder Renten nach den Rechtsvorschriften von mehreren Mitgliedstaaten
geschuldet werden und die im Gebiet eines anderen Mitgliedstaats wohnen, auf Antrag
von der Anwendung der Rechtsvorschriften dieses letzteren Staates freigestellt
werden. Dies unter der Voraussetzung, dass sie diesen Rechtsvorschriften nicht
aufgrund der Ausübung einer Erwerbstätigkeit unterliegen. Gemäss Art. 13 (9) Abs. 2 lit.
a VO 1408/71 unterliegt eine im Gebiet eines Mitgliedstaats abhängig beschäftigte
Person den Rechtsvorschriften dieses Staates, und zwar auch dann, wenn sie im
Gebiet eines anderen Mitgliedstaats wohnt oder ihr Arbeitgeber oder das
Unternehmen, das sie beschäftigt, seinen Wohnsitz oder Betriebssitz im Gebiet eines
anderen Mitgliedstaats hat. Die Beschwerdeführerin hat unbestrittenermassen
Wohnsitz in der Schweiz und war hier auch erwerbstätig. Sie unterliegt deshalb den
schweizerischen Rechtsvorschriften und somit der Versicherungspflicht nach Art. 3
Abs. 1 KVG. Die Ausnahmebestimmung von Art. 2 Abs. 1 lit. e KVV greift nicht, d.h. die
Beschwerdeführerin ist nicht automatisch von der Versicherungspflicht befreit. Es ist
daher zu prüfen, ob – wie vom Vertreter der Beschwerdeführerin weiter geltend
gemacht – die Ausnahmetatbestände von Art. 2 Abs. 2 und 8 KVV erfüllt sind. Die
übrigen Befreiungstatbestände, insbesondere diejenigen, die in Art. 2 Abs. 4 - 7 KVV
aufgeführt sind, stehen im vorliegenden Fall nicht zur Diskussion und werden auch
nicht geltend gemacht. Schliesslich ist festzuhalten, dass die Befreiungstatbestände im
Bundesrecht und den zwischenstaatlichen Abkommen abschliessend geregelt sind
(vgl. RKUV 1999 Nr. KV 81 S. 340 E. 3b). Es besteht demnach kein
Ermessensspielraum der Verwaltung, im Einzelfall Befreiungen vom
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Versicherungsobligatorium vorzunehmen, ohne dass einer der gesetzlich vorgesehenen
Befreiungsgründe gegeben wäre.
3.3 Nach Art. 2 Abs. 2 KVV von der Versicherungspflicht ausgenommen sind
Personen, die nach dem Recht eines Staates, mit dem keine Regelung über die
Abgrenzung der Versicherungspflicht besteht, obligatorisch krankenversichert sind,
sofern der Einbezug in die schweizerische Versicherung für sie eine Doppelbelastung
bedeuten würde und sie für die Behandlung in der Schweiz über einen gleichwertigen
Versicherungsschutz verfügen. Nach Massgabe von Art. 2 Abs. 8 KVV auf Gesuch hin
von der Versicherungspflicht ausgenommen sind Personen, für die eine Unterstellung
unter die schweizerische Versicherung eine klare Verschlechterung des bisherigen
Versicherungsschutzes oder der bisherigen Kostendeckung zur Folge hätte und die
sich auf Grund ihres Alters und/oder ihres Gesundheitszustands nicht oder nur zu
kaum tragbaren Bedingungen im bisherigen Umfang zusatzversichern könnten. Dem
Gesuch ist in beiden Fällen eine schriftliche Bestätigung der zuständigen
ausländischen Stelle mit allen erforderlichen Angaben beizulegen. Im Fall von Art. 2
Abs. 8 KVV kann die betreffende Person die Befreiung oder einen Verzicht auf die
Befreiung ohne besonderen Grund nicht widerrufen. Die Ausnahmetatbestände von
Art. 2 Abs. 2 und 8 KVV setzen unter anderem ein Gesuch um Befreiung von der
Versicherungspflicht voraus. Über die Gesuche entscheidet die zuständige kantonale
Behörde (Art. 6a Abs. 3 KVG und Art. 10 Abs. 2 KVV). Im Kanton St. Gallen vollzieht die
politische Gemeinde die Bestimmungen über die Versicherungspflicht (Art. 4 Abs. 1
des Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung; EG-
KVG; sGS 331.11). Das Gesuch zur Ausnahme von der Versicherungspflicht ist im
Kanton St. Gallen gemäss Art. 7 der Verordnung zum Einführungsgesetz zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (VO EG-KVG; sGS 331.111) der
Kontrollstelle für Krankenversicherung einzureichen, d.h. jener politischen Gemeinde, in
der die versicherungspflichtige Person ihren zivilrechtlichen Wohnsitz hat (Art. 4 Abs. 1
VO EG-KVG). Obgleich Gesetz und Verordnung keine Frist vorsehen, innert welcher ein
Gesuch um Befreiung vom Krankenversicherungsobligatorium einzureichen ist, kann
die Dreimonatsfrist ab Wohnsitznahme in der Schweiz nach Art. 3 Abs. 1 KVG als
Ordnungsfrist betrachtet werden, da eine neu zugezogene Person, wenn sie kein
Gesuch stellt, innerhalb dieser Zeit ansonsten einer schweizerischen Versicherung
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beitreten müsste (Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18.
November 2009, KV 2009/4, E. 3.3).
3.4 Den Akten ist zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin mit Schreiben
vom 8. April 2011 (act. G 12.1/14) an die Gemeinde D._ (nachfolgend: Gemeinde)
wandte und ihr mitteilte, sie habe bei der Union eine gültige Grundversicherung, welche
für die EU und die Schweiz gültig sei und sie werde die erforderliche Bestätigung über
ihre Versicherung bei der Union besorgen und umgehend der Gemeinde zustellen. Da
den Akten nicht zu entnehmen ist, ob der Gemeinde die erforderlichen Unterlagen
zugestellt wurden, kann nicht beurteilt werden, ob vorliegend ein gültiges Gesuch i.S.v.
Art. 2 Abs. 2 und 8 KVV gestellt wurde. Liegt kein bewilligtes Gesuch um Befreiung von
der Versicherungspflicht vor, besteht gemäss Art. 3 Abs. 1 KVG eine obligatorische
Versicherungspflicht in der Schweiz. Da die Beschwerdeführerin kein bewilligtes
Gesuch vorlegen kann, untersteht sie der obligatorischen Versicherungspflicht und ist
somit beitragspflichtig i.S.v. Art. 61 KVG. Die Beschwerdegegnerin hat die Prämien zu
Recht erhoben, womit auch die Betreibung aufgrund nicht bezahlter Prämien zu Recht
erfolgte. Selbst wenn das Schreiben vom 8. April 2011 an die Gemeinde als Gesuch
i.S.v. Art. 2 Abs. 2 und 8 KVV gelten sollte, würde dies nichts an der genannten
Rechtsfolge ändern. Denn rechtsprechungsgemäss stellt das
Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung einer Streitsache auf den bis zum
Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Einspracheentscheids (hier 9. August 2011)
eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 132 V 220 E. 3.1.1; BGE 129 V 169 E. 1; BGE 129 V
4 E. 1.2 je mit Hinweis). Bis zu diesem Zeitpunkt verfügte die Beschwerdeführerin zwar
über diverse Unterlagen zum Bestehen einer Krankenversicherung im Land C._, aber
es lag noch kein Entscheid der Gemeinde über das von der Beschwerdeführerin
gestellte Gesuch zur Befreiung von der Versicherungspflicht vor. Bis zur Bewilligung
des Gesuchs um Befreiung von der Versicherungspflicht ist die Beschwerdeführerin
aber der Versicherungspflicht unterstellt und deshalb auch beitragspflichtig i.S.v. Art.
61 KVG.
4.
4.1 Nach Art. 27 ATSG trifft den Versicherer eine Aufklärungs- und Beratungspflicht.
Der Versicherer hat durch Aufklärung und Beratung darauf hinzuwirken, dass die
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Versicherten den sozialen Schutz der Krankenversicherung möglichst optimal
wahrnehmen können. Gegenstand der Aufklärung und Beratung nach Art. 27 Abs. 1
und 2 ATSG bilden ausschliesslich die Rechte und Pflichten aus dem KVG.
Interessierte Personen i.S.v. Art. 27 Abs. 1 ATSG sind die obligatorisch Versicherten
des aufklärungspflichtigen Versicherers. Die Beratung geht weiter als die Aufklärung.
Sie umfasst die Aufklärung oder Belehrung über jene Tatsachen, welche die
aufklärungsbedürftige Person kennen muss, um ihre Rechte und Pflichten gegenüber
der sozialen Krankenversicherung in einer bestimmten Entscheidungssituation richtig
wahrnehmen zu können. Allenfalls besteht sie darüber hinaus auch in einer
Empfehlung. Wer eine Beratung beansprucht, hat ein berechtigtes Interesse daran
glaubhaft zu machen. Den Versicherer trifft eine Beratungspflicht, wenn er darum
ersucht wird, er einen Beratungsbedarf erkennt oder nach den Umständen erkennen
muss. Hat eine versicherte Person aufgrund einer unrichtigen, unvollständigen oder
unterlassenen Aufklärung einen irreversiblen Schaden erlitten, hat der
Krankenversicherer dafür einzustehen. Die versicherte Person ist
krankenversicherungsrechtlich rückwirkend so zu stellen, wie wenn sie korrekt
aufgeklärt bzw. beraten worden wäre (Eugster, a.a.O., Rz. 1190).
4.2 Eine vom Vertreter der Beschwerdeführerin geltend gemachte
Informationspflichtverletzung durch die Beschwerdegegnerin ist vorliegend nicht zu
prüfen. Denn selbst wenn eine solche vorliegen sollte, ändert dies nichts an dem
Umstand, dass bis zum Erlass des Einspracheentscheids noch kein durch die
zuständige Behörde bewilligtes Gesuch zur Befreiung von der Versicherungspflicht
vorlag und die Beschwerdeführerin deshalb nach wie vor der Versicherungspflicht
unterstellt ist. Ob der Beschwerdeführerin durch eine allenfalls gegebene
Informationspflichtverletzung durch die Beschwerdegegnerin tatsächlich ein
irreversibler Schaden entstanden ist, für den diese einzustehen hätte, lässt sich erst
beurteilen, wenn die Gemeinde über das Gesuch um Befreiung von der
Versicherungspflicht entschieden hat.
5.
5.1 Die Prämien sind nach Art. 90 KVV im Voraus und in der Regel monatlich zu
bezahlen. Bezahlt die versicherte Person fällige Prämien nicht, so hat der Versicherer
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sie schriftlich zu mahnen, ihr eine Nachfrist von dreissig Tagen einzuräumen und sie auf
die Folgen des Zahlungsverzugs hinzuweisen (Art. 64a Abs. 1 KVG). Der Versicherer
muss unbezahlte fällige Prämien im Rahmen der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung, nachdem er mindestens einmal an diese Ausstände
erinnert hatte, getrennt von allfälligen anderen Zahlungsausständen spätestens drei
Monate ab Fälligkeit schriftlich mahnen. Mit der Mahnung muss er der versicherten
Person eine Frist von 30 Tagen zur nachträglichen Erfüllung ansetzen und sie auf die
Folgen der Nichtbezahlung hinweisen (Art. 105b Abs. 1 KVV). Bezahlt die versicherte
Person innerhalb der angesetzten Frist nicht, so muss der Versicherer die Forderung
innerhalb von weiteren vier Monaten getrennt von allfälligen anderen
Zahlungsausständen in Betreibung setzen (Art. 105b Abs. 2 KVV). Verschuldet die
versicherte Person Aufwendungen, die bei rechtzeitiger Zahlung nicht entstanden
wären, so kann der Versicherer angemessene Bearbeitungsgebühren erheben, sofern
er in seinen allgemeinen Bestimmungen über die Rechte und Pflichten der Versicherten
eine entsprechende Regelung vorsieht (Art. 105b Abs. 3 KVV). Für fällige
Beitragsforderungen sind gemäss Art. 26 Abs. 1 ATSG Verzugszinsen zu leisten. Der
Satz für den Verzugszins auf fälligen Prämien nach Art. 26 Abs. 1 ATSG beträgt
5 Prozent im Jahr (Art. 105a KVV). Die Krankenversicherer können in den Ver
sicherungsbedingungen die Fälligkeit der Prämien autonom regeln (Eugster, a.a.O., Rz.
1024). Sie haben die Befugnis, mit Verfügung über den Bestand ihrer Forderungen
gegenüber versicherten Personen zu entscheiden und einen im Betreibungsverfahren
erhobenen Rechtsvorschlag analog zu Art. 79 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG; SR 281.1) zu beseitigen (BGE 121 V 109; Art.
54 Abs. 2 ATSG).
5.2 Jeweils im Nachgang zu zwei erfolglos gebliebenen Mahnungen setzte die
Beschwerdegegnerin die Prämienbeträge betreffend den Monat September 2010 von
Fr. 207.--, nebst Zins zu 5 % ab 8. Dezember 2010, zuzüglich Fr. 30.-- Mahnkosten
und Fr. 80.-- Dossiereröffnungskosten und betreffend die Monate Oktober bis
Dezember 2010 von insgesamt Fr. 621.--, nebst Zins zu 5 % ab 4. März 2011,
zuzüglich Fr. 90.-- Mahnkosten und Fr. 90.-- Dossiereröffnungskosten in Betreibung
(act. G 14.1). Die Erhebung angemessener Mahngebühren und Umtriebsspesen beim
Verzug in der Zahlung von Prämien und Kostenbeteiligungen ist – wie erwähnt – unter
der Voraussetzung der schuldhaften Verursachung der (bei rechtzeitiger Zahlung
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unnötigen) Aufwendungen durch die versicherte Person im Bereich des KVG zulässig,
sofern der Krankenversicherer in seinen allgemeinen Bestimmungen über die Rechte
und Pflichten der Versicherten eine entsprechende Regelung vorsieht (BGE 125 V 277
E. 2c/bb). Eine Regelung zur Erhebung von Verzugszinsen sowie Verwaltungskosten,
insbesondere für Mahnungen, Zahlungsaufforderungen und Betreibungen nach Ablauf
der angesetzten Zahlungsfrist findet sich in Art. 3 Abs. 1 der Ergänzenden
Ausführungsbestimmungen zur obligatorischen Krankenpflegeversicherung gemäss
KVG der CM Fonction Publique als Mitglied der Groupe Mutuel, Ausgabe 1. Januar
2008 (nachfolgend: AVB). Die Höhe der jeweilig zu erhebenden Kosten ist nicht
festgelegt, weshalb die Beurteilung der Angemessenheit unter Berücksichtigung des
Äquivalenzprinzips zu erfolgen hat (Eugster, a.a.O., Rz. 1045 FN 1635). Die Höhe der in
diesem Zusammenhang von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten Mahnspesen
– jeweils Fr. 10.-- für den ersten und Fr. 30.-- für den zweiten Mahnbrief pro Ausstand
(act. G 14.1), insgesamt Fr. 120.-- – lässt sich nicht beanstanden. Die Mahnspesen sind
demgemäss zu Recht verfügt worden. Dagegen lassen sich die in Betreibung gesetzten
"Dossiereröffnungskosten" von Fr. 80.-- und Fr. 90.--, d.h. insgesamt Fr. 170.--, nicht
ohne Weiteres unter die Verwaltungskosten im Sinn von Art. 3 Abs. 1 AVB
subsumieren. Inwiefern sie mit den durch die Zahlungsausstände bedingten Umtrieben
und Korrespondenzen begründet sind und ob sich ihr sachlicher Anwendungsbereich
nicht mit den erwähnten Mahngebühren deckt, lässt sich den Akten nicht entnehmen.
Mangels ausreichend bestimmter reglementarischer Grundlagen kann der erwähnte
Betrag von Fr. 170.-- nicht in die Rechtsöffnung mit einbezogen werden (vgl. dazu
Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. Mai 2011, KV
2010/17, E. 4.2; vom 11. Juni 2010, KV 2010/3, E. 3 und vom 18. November 2009, KV
2009/4, E. 4.4).
5.3 Die Beschwerdegegnerin macht gestützt auf Art. 3 Abs. 1 AVB Verzugszinsen von
5 % geltend. In Bezug auf allfällige KVG-Prämienforderungen ist ein Verzugszins
(Art. 26 Abs. 1 ATSG) auch für geringe Beträge und kurzfristige Ausstände geschuldet
(RKUV 2004 Nr. KV 306 S. 465 f. E. 5.3.4). Die Beschwerdeführerin hat daher im Sinn
der Anträge der Beschwerdegegnerin ab den jeweiligen nach Fälligkeit der
Prämienbeträge angesetzten Daten, d.h. in der Betreibung Nr. 102070 ab 8. Dezember
2010 auf den ausstehenden Prämien von Fr. 207.-- und in der Betreibung Nr. 110457
ab 4. März 2011 auf dem Betrag von Fr. 621.-- Verzugszinsen von 5 % zu bezahlen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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St.Galler Gerichte
6.
6.1 Die Beschwerde ist dementsprechend im dem Sinn abzuweisen, dass die
Beschwerdeführerin verpflichtet wird, der Beschwerdegegnerin die Beträge von Fr.
237.-- (Prämien von Fr. 207.-- und Mahngebühren von Fr. 30.--) zuzüglich Zins zu 5 %
seit 8. Dezember 2010 auf den ausstehenden Prämien sowie Fr. 711.-- (Prämien von
Fr. 621.-- und Mahngebühren von Fr. 90.--) zuzüglich Zins zu 5 % seit 4. März 2011 auf
den ausstehenden Prämien zu bezahlen. In diesem Umfang sind die in den
Betreibungen Nr. 102070 und Nr. 110457 des Betreibungsamts B._ erhobenen
Rechtsvorschläge zu beseitigen.
6.2 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtsverbeiständung am
30. September 2011 bewilligt. Wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten,
kann sie jedoch zur Nachzahlung verpflichtet werden (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Zufolge der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung ist der Staat zu verpflichten, für die Kosten der Rechtsvertretung
der Beschwerdeführerin aufzukommen. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b Honorarordnung (HonO; sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. In der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit erscheint mit Blick auf die Anforderungen und Komplexität der
Streitsache eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- angemessen. Diese ist
um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes [AnwG; sGS 963.70]).
Somit hat der Staat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal mit
Fr. 2'800.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP