Decision ID: 344a23b9-236a-50e1-bcd6-18f7024f0f97
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1
.
X._
, geboren
1950, arbeitete vom 1
8.
September 1992 bis 28. Februar 2007 als Servicemitarbeiter
im
Restaurant
Y._
in einem 100%igen Pensum (
Urk.
6/17
).
Die Kündigung erfolgte am 28.
November 2006 durch den Arbeitgeber
unter Angabe
eines gestörten Vertrauensverhältnisses (
Urk.
6/18 S. 2
i.V.m
.
Urk.
6/17 und
Urk.
6/18 S. 1).
Am
2.
April 2008 meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die erwerblichen (
Urk.
6/1 und
Urk.
6/29), persönlichen (
Urk.
6/3 und
Urk.
6/4), medizinischen (
Urk.
6/15-16,
Urk.
6/20,
Urk.
6/24 und
Urk.
6/26) und beruflichen (
Urk.
6/17-18) Verhältnisse des Vers
icherten ab und liess ihn am 1.
September 2010 durch
Dr.
med
.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und
Psy
chotherapie, psychiatrisch untersuchen (
Psychiatrisch
-psychotherapeutisches Gutachten vom 2
1.
Februar 2011,
Urk.
6/37).
Nach erfolgtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/39 ff.) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügun
g vom
8.
März 2012 (
Urk.
2) vom
1.
November 2007 bis 31. August 2008 eine befristete ganze Invalidenrente aufgrund eines 100%igen Invaliditätsgrads zu.
2.
Gegen die Verfügung vom
8.
März 2012 (
Urk.
2)
erhob der Versicherte am 18.
April 2012 Beschwerde
mit dem Antrag
(
Urk.
1 S. 1)
, e
s sei
ihm
ab September 2008 weiterhin eine unbefristete ganze Rente zuzusprechen.
Sodann ersuchte er um
unentgeltliche Rechtspflege.
Mit Beschwerdeantwort vom 1
6.
Mai 2012 (
Urk.
5) schloss die Beschwerde
-
gegne
rin
auf Beschwerdeabweisung.
Mit Replik vom 1
3.
Juni 2012 (
Urk.
12) stellte der Versicherte für den Fall, dass keine unbefristete Rente zugesprochen werden könne,
eventualiter den
Antrag, es seien ergänzende Abklärungen anzuordnen.
Zudem reichte er einen
Arztbe
richt
von
Dr.
med.
A._
, Praktischer Arzt,
ein (
Urk.
13).
Mit Verfügung vom 2
7.
Juni 2012 (
Urk.
14) wurde dem Versicherten die unent
geltliche Prozessführung gewährt
,
und am 2
5.
Juli 2012 verzichtete die
Be
schwerdegegnerin
auf die Einreichung einer Duplik (
Urk.
15).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften und die weiteren Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes
über die Invalidenversicherung;
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.
2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E
. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
festzuse
tzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E.
6b/
dd
mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände
rung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Ver
gleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des
Renten
beginns
mit demjeni
gen zur Zeit der Aufhebung bzw.
Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versi
cherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die un
bestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (BGE 125 V 413 f. E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfas
sen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hin
weisen).
1.
6
Gemäss
Art.
88a
Abs.
1 IVV ist bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen oder bei einer Ver
minderung der Hilflosigkeit, des invaliditätsbedingten Betreuungsaufwandes oder des Hilfebedarfs die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabset
zung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin an
dauern wird. Die hierzu notwendige Prognose unterliegt dabei dem im Sozial
versicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wah
rscheinlichkeit (BGE 119 V 7 E.
3c/
aa
mit Hinweisen).
Nach der bundesgerichtlichen Praxis zu
Art.
88a
Abs.
1 IVV ist eine Rente bei Wegfall der Invalidität im Normalfall erst nach Ablauf von drei Monaten seit dem Eintritt der anspruchserheblichen Veränderung aufzuheben (BGE 119 V 98 E. 4a, Urteil des Bundesgerichts I 569/06 vom 20. November 2006 E. 3.3).
1.7
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E
. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM
1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle stützte die mit Verfügung vom
8.
März 2012
(
Urk.
2) erfolgte
Zuspra
che
der befristeten ganzen Invalidenrente fü
r den Zeitraum vom 1.
November 2007 bis zum 3
1.
August 2008 im Wesentlichen auf das Gutachten von
Dr.
Z._
vom 2
1.
Februar 2011
(
Urk.
6/37)
und die Beurteilungen der medizinischen Unterlagen durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom
6.
Mai
(
Urk.
6/38 S. 4)
und 5. Oktober 2011 (
Urk.
6/38 S. 5 am Anfang).
2.2
Dagegen wendet der Versicherte im Wesentlichen ein, sein Gesundheitszustand
habe sich entgegen der Auffassung des Gutachters ab September 2008 nicht verbessert, weshalb ihm
auch
ab jenem Zeitpunkt
die
ganze Invalidenrente weiter
auszurichten sei.
D
em Ar
ztbericht von
Dr.
A._
vom 14.
April 2012
sei zudem zu
entnehmen, dass er von Januar
bis Ende Okto
ber
2011 mit Mühe versucht habe
zu arbeiten, aber leider ohne Erfolg. Deshalb bestehe seit Oktober 2011 weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
12-13).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit
,
ob die per Ende
August
2008 erfolgte
Rentenauf
hebung
rechtens war oder ob d
er
Beschwerdefü
hrer
für einen länge
ren Zeitraum Anspruch auf eine Invalidenr
ente hat.
3.
3.1
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurologie,
wies in seiner
B
eurteilung für die Krankentaggeldversicherung vom Juni 2007
(Urk. 6/24 S. 14-17)
auf einen im Grossen und Ganzen regelrechten somatischen Befund hin. Der neurologi
sche Befund sei mit Ausnahme eines
feinschlägigen
Tremors und einer
diskreten Sensibilitätsstörung an den Beinen durchwegs normal, weshalb somatisch
keine Arbeitsunfähig
keit vorliege
(Urk. 6/24 S. 16
Ziff.
2)
.
3.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie
,
diagnostizierte in seiner
B
eurteilung vom 1
2
.
Juni
2007 (Urk.
6/24 S. 6-8
) eine agitierte mittel
schwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) und, differenzialdiagnostisch, eine Anpassungsstörung mit Depression nach Kündi
gung der Arbeitsstelle (ICD-10: F43.20
;
Urk.
6/24 S. 7 am Ende
).
Aufgrund des agitierten depressiven Zustand
s
bildes sei der Versicherte nicht in der Lage, in der angestammten oder in einer leidensangepassten Tätigkeit zu ar
beiten. Die Arbeitsfähigkeit werde verunmöglicht durch die depressiven Symp
tome wie Gedankenkreisen, Schlafstörungen, Freudlosigkeit und Ängste, ver
bunden mit Agitiertheit und Unruhe.
Unter einer fachärztlichen Behandlung sollte nach Erreichen einer Remission der depressiven Symptomatik
in einigen Monaten eine Teilzeit
tätigkeit
zumut
bar sein. Da sich der Versicherte durch seine korrekte und fleissige Arbeitsein
stellung definiere und grundsätzlich motiviert sei, wieder zu arbeiten, sei eine entsprechend frühe Wiedereingliederung erstrebenswert. Zudem soll
t
e
eine fachärztliche psychiatrische Behandlung in die Wege geleitet werden
,
und eine Erhöhung der antidepressiven Medikation könne den Heilungsprozess beschleu
nigen. Die Prognose hänge massgeblich davon ab, ob der V
ersicherte nach Ver
besserung des psychischen Zustandsbildes eine Arbeitstätigkeit finden könne, da er sich über die Arbeit definiere. Eine länger dauernde Arbeitslosigkeit würde sich sehr negativ auf den weiteren Verlauf auswirken und das Abgleiten in eine Chronizität begünstigen (Urk. 6/24 S. 8).
3.
3
Das
D._
,
wo
der Versicherte vom 31.
März bis 28.
Mai 2008 in der tagesklinischen Rehabilitationsbehandlung
war
, diag
nostizierte im Bericht vom 2
9.
August 2008
(
Urk.
6/24 S. 9 ff.)
eine mittelgra
dige depressive Episode (ICD-10: F32.1). Während der Behandlung seien eine leichte Reduktion der
Depression, eine Reduktion des sozialen Rückzugs sowie der Spannungskopfschmerzen und eine Steigerung des Aktivitätsniveaus er
reicht worden.
Der Versicherte sei am 2
8.
Mai 2008 mittelgradig gebessert
,
aber immer noch zu 100 % arbeitsunfähig aus der tagesklinischen
Rehabilitationsbe
handlung
entlassen worden. Prognostisch ungünstig seien die fortschreitende
Chronifizierung
und die fehlende Selbstwirksamkeitserwartung. Dem Versicher
ten sei empfohlen worden, den sozialen Rückzug zu reduzieren, sich regelmäs
sig sportlich zu betätigen und
sich
in eine psychotherapeutische Nachbehand
lung zu begeben (Urk. 6/24 S. 12)
.
3.
4
Dr.
A._
, bei dem
sich der Versicherte seit dem 2
1.
Dezember 2006 in Behand
lung befindet,
diagnostizierte im Arztbericht vom 2
6.
März 2009 (Urk. 6/24
S. 1
-5
) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), eine Gastritis und
lumbospondylogene
Schmerzen, be
stehend seit 2006 (
Urk.
6/24 S. 2
Ziff.
1.1).
Der Versicherte
gebe an
, seit der am 2
8.
November 2006 erfolgten Kündigung an depressive
r
Stimmung, innere
r
Unruhe, Gefühl
en
der Minderwertigkeit, Hilf
s
- und Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle
n
, Müdigkeit, verminderte
r
Kon
zentrations
- und Entscheidungsfähigkeit, sinnlose
m
Gedankenkreisen, Schlaf
störungen und Appetitverminderung zu leiden. Es erfolgten eine medikamentöse Therapie und Gespräche. In der angestammten Tätigkeit als Kellner bestehe
seit
dem 21. Dezember 2006
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
6/24 S. 3
Ziff.
1.4-6)
.
Die Art und das Ausmass
der psychischen Beeinträchtigung
impli
zierten eine 60- bis 80%ige Arbeitsunfähigkeit, weshalb
höchstens mit einer Einsatzfähigkeit
von
20 bis 40
%
gerechnet werden
könne (
Urk.
6/24 S. 4
Ziff.
1.9)
.
3.5
Dr.
Z._
diagnostizierte in seinem p
sychiatrisch-psychotherapeutischen Gut
achten vom 2
1.
Februar 2011 eine
Dysthymia
(ICD-10: F34.1), bestehend seit Juni 2008, bei Status nach Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2)
infolge der
im November 2006
erfolgten Kündigung des Arbeitsplatzes
(
Urk.
6/37 S. 9 Ziff. 4)
.
Aufgrund der aktuellen objektiven Untersuchungsergebnisse, der subjektiven Angaben des Versicherten und der Akten sei davon auszugehen, dass die in
folge der Kündigung des Arbeitsplatzes im November 2006 aufgetretene
An
passungsstörung
(ICD-10: F43.2)
für die Zeit vom 2
8.
November 2006 bis einige Monate nach der von
Dr.
C._
am
6
.
Juni 2007 erfolgten Untersuchung
(
Urk.
6/24 S. 6 ff.)
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für jede Art von ausser
häuslicher Tätigkeit begründet habe. Retrospektiv sei aufgrund einer fehlenden fachärztlichen Behandlung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszu
gehen, dass bis zur tagesklinischen Behandlung vom 3
1.
März bis 2
8.
Mai 2008 i
m
D._
(
Urk.
6/24 S. 9-13)
keine wesentliche Änderung eingetreten sei. Auf
grund
der
teilstationäre
n
Hospitalisation
gelte die Einschätzung von
Dr.
C._
bis zum Ende der tagesklinischen Behandlung
im
D._
am 2
8.
Mai 2008
.
Für die Zeit ab Juni 2008 sei hingegen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die Diagnose einer
Dysthymia
gemäss ICD-10: F34.1 zu stellen. Eine
Dysthymia
und die
damit erklärbaren gering ausgeprägten und vor allem weitgehend im rein Subjektiven verbleibenden Defizite begründeten keine relevante längerfris
tige Arbeitsunfähigkeit. Es seien zudem keine besonderen Hinweise vorhanden, die schwere Defizite
aufgrund eines Gesundheitsschadens und/oder
eine
Unzu
mutbarkeit
zu deren
Überwindung begründen könnten (z.B. durch
krankheits
bedingt
fehlende Ressourcen oder durch eine fehlende Kapazität zur Verarbei
t
ung innerpsychischer Konflikte;
Urk. 6/37 S. 13).
3.
6
Im Arztbericht vom 1
4.
April 2012 (
Urk.
13) attestierte
Dr.
A._
eine starke
Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Versicherten. Diese sei einge
treten, nachdem er von Januar bis Ende Oktober 2011 mit Mühe
–
jedoch ohne Erfolg
– versucht habe zu arbeiten
. Der Versicherte leide weiterhin und stärker an depressiver Stimmung, er sei erschöpft und immer müde, traurig, nervös, habe Angst, sei besorgt und leide an innerer Unruhe, Schlaf-, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen. Es erfolge eine Behandlung mit Antidepressiva
,
und alle 1 bis 2 Wochen
erfolgten Gespräche mit dem Versicherten
in seiner
Muttersprache. Der allgemeine und der psychische Zustand implizierten seit Oktober 2011
wieder
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Je nach Verlauf werde die Anmeldung des Versicherten in einem psychiatrischen Zentrum oder in ei
nem Spital erfolgen.
4.
4.1
Die Begutachtung
von
Dr.
Z._
(
Urk.
6/37) beruht auf den erforderlichen fach
ärztlichen Untersuchungen psychiatrischer Art
,
berücksichtigt
die geklagten Beschwer
den
und
ist
für die streitigen Belange
umfassend. Die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation werden eingehen
d erörtert und die Schlussfolge
rungen sind begründet.
Dr.
Z._
legte aufgrund der durchgeführten Tests, insbesondere aufgrund des MADRS-Tests, der eine objektive Beurteilung der subjektiv beri
chteten Symp
tome erlaubt (vgl.
Urk.
6/37 S. 8), und in Würdigung der Akten überzeugend dar, dass spätestens seit dem Abschluss der
Behandlung in der
D._
Ende
Mai 2008 die Diagnose einer depressiven Episode, auch einer solchen nur leichten Grades, nicht mehr gerechtfertigt ist. Daran ändert nichts, dass die
D._
dem Beschwerdeführer im Anschluss an die Behandlung trotz der attestierten
Besserung des Gesundheitszustandes weiterhin eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit bescheinigte. Denn einerseits kann diese Beurteilung, selbst wenn sie beim Abschluss der Behandlung zugetroffen haben sollte, nicht für längere Zeit Gültigkeit beanspruchen, ohne dass eine weitere Behandlung oder Kontrolle stattgefunden hat, und anderseits leuchtet die Schlussfolgerung von
Dr
.
Z._
, es liege
nur eine die Arbeitsfähigkeit nicht einschränkende
Dysthymie
vor, gerade angesichts der Tatsache,
dass nach der Behandlung in
der
D._
keine psychotherapeutische Behandlung mehr erfolgte, ohne Weiteres ein.
Das Gleiche gilt in Bezug auf den
Bericht von
Dr.
A._
vom 2
6.
März 2009 (
Urk.
6/24 S. 1-5).
Dr.
A._
ist praktischer Arzt und nicht Facharzt für Psychi
atrie und als behandelnder Hausarzt zudem seinem Patienten verpflichtet (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Gemäss den überzeugenden Ausführungen im Gut
achten von
Dr.
Z._
lag beim Beschwerdeführer keines der für die Diagnose einer depressiven Episode erforderlichen Symptome in zureichender Schwere beziehungsweise ausreichend lang vor. Die Ausführungen von
Dr.
A._
mit den geschilderten subjektiven Beeinträchtigungen und seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, die kaum begründet ist, kommen gegen die gutachterliche Be
urteilung nicht an.
4.
2
Der Versicherte macht unter Hinweis auf den Arztbericht
von
Dr.
A._
vom
1
4.
April 2012 (
Urk.
13)
geltend, sein Gesundheitszustand habe sich
ab November 2011 erneut verschlechtert.
Hierzu ist festzuhalten, dass
Dr.
A._
im Zusammenhang mit der
angege
benen
Verschlechterung de
s Gesundheitszustandes des
Beschwerdefüh
rers keine
ge
naue Diagnose stellte und nicht spezifizierte, welche Medikamente der Versi
cherte einnimmt.
Die erwähnten Symptome entsprechen im Wesentli
chen den bereits im Bericht vom 2
6.
März 2009 (
Urk.
6/24 S. 1-5) Genannten. Da indes trotz der geltend gemachten Verschlechterung des psychischen Ge
sundheitszu
standes, die seit Oktober 2011, also seit gut einem halben Jahr an
dauere, keine spezifische fachärztliche Behandlung erfolgte, sondern die
haus
ärztliche
Betreu
ung und die Abgabe von Antidepressiva als ausreichend erach
tet wurde, ist - auch in Beachtung der Ausführungen im Gutachten
von
Dr.
Z._
zur erfor
derlichen Schwere und Dauer der depressiven
Symtome
- eine die Arbeitsfähig
keit massgeblich beeinträchtigende Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht überwiegend wahrscheinlich.
Sollte sich, wie
Dr.
A._
im Brief vom 1
4.
April 2012 (
Urk.
13)
anführte, bei einer weiteren Verschlechterung eine psychiatrische Behandlung oder gar eine Hospitalisierung als angezeigt erweisen, steht es dem Beschwerdeführer frei, sich erneut bei der Invalidenversicherung anzumelden.
4.
3
Im Ergebnis ist somit festzuhalten, dass
sich der Gesundheitszustand des
Versi
cherten entsprechend der vo
n
Dr
.
Z._
vorgenommenen Beurteilung
per Ende
Mai
2008
verbessert hat, und ab dann
keine Invalidität mehr vor
gelegen hat
, weshalb die Befristung der zugespr
ochenen ganze Rente bis zum 31.
August 2008
unter Berücksichtigung von
Art.
88a
Abs.
1 IVV (vgl. obige E.
1.6)
richtig war. Die angefochtene Verfügung ist
somit
korrekt
, und die Beschwerde ist ab
zuweisen.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Ver
fahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1'000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und
in diesem Verfahren
auf Fr. 600.-- an
zusetzen. Ent
sprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegen
den Beschwer
deführer aufzuerlegen.
Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
14) werden diese einstweilen auf die Gerichtskasse ge
nommen.
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach
er
zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Auslagen für die Vertretung ver
pflichtet werden kann, sofern
er
dazu in der Lage ist.