Decision ID: 44ba4f39-2ae4-451f-8247-4a7e29f2aebd
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
einfache Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 24. November 2011 (GG110252)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 19. September 2011
(Urk. 18) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 8 Monaten Freiheitsstrafe.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger
C._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach
schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des
Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger auf den Weg des Zivil-
prozesses verwiesen.
5. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger
C._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach zur Leistung
einer Genugtuung verpflichtet ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges
der Genugtuung wird der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses ver-
wiesen.
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'200.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 60.– Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
8. (Mitteilung)
9. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Des Beschuldigten:
(schriftlich; Urk. 40 S 1)
Das Urteil sei im Sinne der unbedingten Haftstrafe von 8 Monaten
aufzuheben.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich; Urk. 44)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
I. Verfahrensgang; Gegenstand des Rechtsmittelverfahrens
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil vom 24. November
2011 sprach die Einzelrichterin des Bezirksgerichts Zürich den Beschuldigten der
einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig
und bestrafte ihn mit 8 Monaten Freiheitsstrafe, wobei der Vollzug der Freiheits-
strafe nicht aufgeschoben wurde. Hinsichtlich der Zivilansprüche wurde fest-
gestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger C._ aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig und
zur Leistung einer Genugtuung verpflichtet ist. Zur genauen Feststellung des
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Umfanges des Schadenersatzanspruches und der Genugtuung wurde der Privat-
kläger auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen (Urk. 38 S. 20 f.).
2. Gegen dieses Urteil hat der Beschuldigte rechtzeitig Berufung erklärt
(Art. 399 Abs. 1 StPO) und verlangt, das Urteil sei aufzuheben, da die Begehung
der einfachen Körperverletzung durch ihn nicht zweifelsfrei nachgewiesen und
eine unbedingte Freiheitsstrafe von 8 Monaten nicht gerechtfertigt sei. Die Grund-
lage für Schadenersatz und Genugtuung sei nicht gesichert (Urk. 37/1+2; Urk. 40;
Art. 399 Abs. 3 StPO). Die Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl teilte mit Eingabe vom
13. März 2012 ihren Verzicht auf eine Anschlussberufung mit und beantragte die
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 44; Art. 401 StPO). Der Privatkläger
liess sich nicht vernehmen. Somit blieb auch die Verweisung der Zivilansprüche
auf den Weg des Zivilprozesses (Dispositivziffern 4 und 5) von Seiten der
Privatklägerschaft unangefochten (Urk. 37/2; Urk. 42 f.). Beweisanträge wurden
von keiner Seite gestellt.
Am 21. Februar 2012 wurde ein Auszug aus dem Schweizerischen Straf-
register eingeholt (Urk. 39), und am 22. März 2012 reichte der Beschuldigte das
ausgefüllte Datenerfassungsblatt mit Belegen zu seinen wirtschaftlichen Verhält-
nissen ein (Urk. 45/1-6).
3. Aufgrund der Anträge des Beschuldigten ist das gesamte vorinstanzliche
Urteil angefochten und somit einer Überprüfung zu unterziehen (Art. 404 StPO).
Da weder die Staatsanwaltschaft noch die Privatklägerschaft Anschlussberufung
erklärt haben, ist das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 und 3 StPO) zu
beachten.
II. Prozessuales
1. Gemäss Art. 454 Abs. 1 der am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen
Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO) ist bei Rechtsmitteln gegen erstin-
stanzliche Entscheide, die nach Inkrafttreten dieses Gesetzes gefällt wurden,
neues Rechts anzuwenden. Dem entsprechend ist das neue Prozessrecht
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(StPO und GOG) auf die Berufung gegen das Urteil der Einzelrichterin des
Bezirksgerichts Zürich vom 24. November 2011 anzuwenden.
2. Der Geschädigte C._ hat am 4. Februar 2010, mithin drei Tage nach
dem Vorfall, fristgerecht und formgültig einen Strafantrag wegen Körperverletzung
gegen den Beschuldigten gestellt (Urk. 3). Zudem hat er im Vorverfahren mit
Eingabe vom 14. April 2010 Zivilansprüche geltend gemacht (Urk. 8/1). Wie
bereits von der Vorinstanz zutreffend erwogen, hat sich der Geschädigte damit als
Privatkläger konstituiert (Urk. 38 S. 4; Art. 118 Abs. 1 und 2 StPO, Art. 122 Abs. 1
StPO; Art. 82 Abs. 4 StPO).
III. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 1. Februar 2010 um
ca. 22.15 Uhr, kurz nachdem sich C._ an Krücken gehend zur im 6. Stock
gelegenen Wohnung von B._ begeben habe, aus dieser Wohnung gekom-
men zu sein und C._ einen Faustschlag gegen den Mund versetzt zu haben,
wodurch dieser eine blutende Mundverletzung mit aufgerissener Unterlippe erlit-
ten habe, was der Beschuldigte in Kauf genommen habe. Als C._ die Treppe
hinunter geflüchtet sei, habe der Beschuldigte diesen verfolgt, ihn im 4. Stock zu
Boden gebracht und, als dieser wehrlos am Boden gelegen habe, diesem mehre-
re Fusstritte gegen die linke Schulter und gegen den Rücken versetzt. Ausserdem
habe der Beschuldigte diesen mit der Krücke, welche er diesem zuvor wegge-
nommen habe, auf den Oberkörper geschlagen. Durch die Fusstritte und Schläge
mit der Krücke habe er C._ eine Thoraxkontusion mit dorsaler Prellmarke,
welche noch über eine Woche lang sichtbar gewesen sei, sowie eine Becken-
kammkontusion, zugefügt, was der Beschuldigte mit seinen Schlägen in Kauf ge-
nommen habe (Urk. 18 S. 2).
2. Der Beschuldigte hat den ihm zur Last gelegten Sachverhalt stets im Kern
bestritten. Er habe zwar Streit mit dem Privatkläger gehabt, sei wütend auf ihn
gewesen und habe diesen schlagen wollen, habe diesen aber bestimmt nicht
geschlagen oder getreten. Es könne sein, dass der Privatkläger sich den Stock
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selber ins Gesicht geschlagen habe, als er (der Beschuldigte) diesen im Gerangel
vor der Türe losgelassen habe. Auch könne sein, dass der Privatkläger die
Treppe hinunter gestürzt sei. Er habe diesem nur helfen wollen. Dieser wolle
einen Unfall inszenieren und Geld erlangen. Er habe diesen bestimmt nicht
verletzt. Dieser habe ihn mit dem Gehstock verletzt. Dank seinem Kollegen
B._ habe er den Privatkläger nicht totgeschlagen. Dieser sei ein "Oberarsch-
loch" (Urk. 5/1 S. 1 ff., Urk. 5/2 S. 1 f., Urk. 5/3 S. 2 f., Urk. 5/4 S. 2 ff., Prot. I
S. 4 f.).
Bei dieser Darstellung blieb der Beschuldigte auch anlässlich der
Berufungsverhandlung (Urk. 49 S. 3f.).
3. Die teilweisen Zugaben des Beschuldigten zum Sachverhalt, wonach er
Streit mit dem Privatkläger im Zusammenhang mit der an diesen untervermieteten
Wohnung im 4. Stock gehabt habe, es im Verlaufes dieses verbalen Streites zu
einem kleinen Gerangel vor der Wohnungstüre im 6. Stock gekommen sei und er
dem Privatkläger eine von dessen Krücken aus der Hand habe nehmen wollen
sowie dass er den Privatkläger habe zusammenschlagen wollen, dieser aber
geflüchtet sei und er diesem die Treppe hinunter gefolgt sei (Urk. 5/1 S. 1 ff.,
Urk. 5/3 S. 2 f., Prot. I S. 5), sind glaubhaft und decken sich mit dem übrigen
Untersuchungsergebnis, weshalb auf diese abzustellen ist.
4. Die bestrittenen Teile des Sachverhalts, wonach
- der Beschuldigte dem Privatkläger vor der Wohnungstüre im 6. Stock einen Faustschlag gegen den Mund versetzt habe, wodurch dieser eine blutende Mundverletzung mit aufgerissener Unterlippe erlitten habe,
sowie - dass er den die Treppe hinunter flüchtenden Privatkläger verfolgt und im
4. Stock zu Boden gebracht habe - dem wehrlos am Boden liegenden Privatkläger anschliessend mehrere
Fusstritte gegen die linke Schulter und gegen den Rücken versetzt und mit einer von dessen Krücken ausserdem auf den Oberkörper geschlagen habe,
- wodurch dieser eine Thoraxkontusion mit dorsaler über eine Woche lang sichtbarer Prellmarke sowie eine Beckenkammkontusion erlitten habe,
sind daher aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten
Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen.
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4.1. Die allgemeingültigen Beweisregeln und die bei der Würdigung von Partei-
und Zeugenaussagen zu berücksichtigenden Kriterien, wie die Glaubwürdigkeit
der aussagenden Person und die Glaubhaftigkeit der relevanten Aussagen,
wurden im angefochtenen Entscheid zutreffend und umfassend dargelegt, es
kann darauf verwiesen werden (Urk. 38 S. 5 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.2. Der besseren Verständlichkeit der nachfolgenden Aussagewürdigung
wegen ist zunächst eine das vorinstanzliche Urteil ergänzende Zusammen-
fassung der wesentlichen Aussagen der befragten Personen vorzunehmen:
4.2.1. Am 11. Februar 2010 gab der Beschuldigte zehn Tage nach dem Vorfall
bei der Polizei im Wesentlichen zu Protokoll (Urk. 5/1 S. 1 ff.), er habe den Privat-
kläger im November 2009 kennengelernt. Wegen seiner (des Beschuldigten)
finanziellen Probleme und da er seine Wohnung nicht habe aufgeben wollen, sei
er mit dem Privatkläger übereingekommen, dass dieser in seine Wohnung ein-
ziehe. In der Folge sei es immer wieder zu Problemen zwischen ihnen gekom-
men, da er noch Sachen in seiner Wohnung gehabt habe, der Privatkläger ihn
aber nicht mehr in die Wohnung gelassen habe. Vor der Tat habe dieser ihm um
22 Uhr angerufen. Er habe im Moment bei Herr B._, einem langjährigen
Kollegen im selben Haus geschlafen. Plötzlich habe der Privatkläger dann an der
Wohnungstüre von B._ geklopft. Da er habe schlafen wollen, habe dieser die
Türe geöffnet. B._ habe zu ihm dann gesagt, er solle das Problem mit die-
sem Mann endlich lösen. Der Privatkläger habe ihm vorgängig telefoniert, ihn be-
leidigt und beschuldigt, den Strom in dessen Wohnung abgestellt zu haben. Als er
zur Türe gekommen sei, habe er zu B._ gesagt, dieser solle wieder zu Bett
gehen. Der Privatkläger habe ihm einen Stock hingehalten und ihn schlagen wol-
len. Es sei zu einem verbalen Streit gekommen. Er habe den Stock festgehalten
und den Privatkläger gefragt, was er wolle. Der Privatkläger habe den Stock dann
zurückziehen und er ihm diesen aus der Hand reissen wollen. Schliesslich habe
er den Stock losgelassen. Der Privatkläger sei die Treppe hinunter gegangen und
auf einmal habe jemand laut im Treppenhaus umhergeschrien. Er habe sich
ebenfalls in den unteren Stock begeben. Der Privatkläger habe am Boden gele-
gen und immer wieder laut "Hilfe Hilfe Polizei" geschrien. Das Ganze sei insze-
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niert gewesen. Dieser wolle ihn beschuldigen, da dieser wisse, dass er vorbestraft
sei. Er habe nachgedacht. Vermutlich habe der Privatkläger an der Unterlippe
geblutet, da er sich den Stock (selber) an dessen Unterlippe geschlagen habe, als
er diesen beim Hin und Her losgelassen habe. Er habe gesehen, dass dieser sich
den Stock ins Gesicht geschlagen habe. Dass dieser in jenem Moment geblutet
hätte, habe er nicht gesehen. Wenn er zugeschlagen hätte, würde er dies wissen.
Als der Privatkläger die Treppe hinunter gelaufen sei, habe er sich zurück in die
Wohnung begeben und habe seine Jacke angezogen. B._ habe zu ihm ge-
sagt, er solle hier bleiben. Er habe gehört, dass der Privatkläger nach der Polizei
gerufen habe. Das habe das ganze Haus gehört. Deshalb sei er nach unten
gegangen. Der Privatkläger sei im Korridor gelegen und habe gesagt, dass die
Polizei komme. Er habe diesem nichts gemacht. Dieser habe alles gespielt und
wolle vermutlich IV, daher beschuldige ihn dieser falsch. Mit Bestimmtheit sei er
diesem nicht unmittelbar die Treppe hinunter nachgelaufen. Er sei erst später aus
der Wohnung gegangen. Sie hätten schon Streit gehabt, aber geschlagen habe er
diesen nicht. Es könne sein, dass der Privatkläger beim die Treppe hinunterlaufen
gestürzt sei. Bei der Auseinandersetzung sei sonst niemand dabei gewesen. Es
seien erst Leute aus der Wohnung gekommen, als der Privatkläger bereits am
Boden gelegen und um Hilfe geschrien habe. Vielleicht sei ihm an diesem Tag
sonst irgendwo etwas passiert und dieser wolle nun ihm dafür die Schuld geben.
Er habe an diesem Abend Alkohol getrunken, aber er wisse, was er tue.
4.2.2. Rund achteinhalb Monate nach dem Vorfall gab der Beschuldigte anläss-
lich seiner ersten staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 17. November 2010 im
Wesentlichen zu Protokoll (Urk. 5/2 S. 1 ff.), die Vorwürfe stimmten nicht. Der
Privatkläger habe ihn mit dem Gehstock verletzt. Er habe am Gehstock gezogen.
Als er diesen plötzlich losgelassen habe, habe sich der Privatkläger selbst damit
verletzt. Er habe Wut gegen diesen gehabt und diesen schlagen wollen, dann sei
dieser selber die Treppe hinunter abgehauen. Im 4. Stock bei der Wohnung ... sei
dieser liegengeblieben und habe um Hilfe geschrien. Er sei unter grosser Wut
gewesen, da er am nächsten Tag einen Termin gehabt habe. Der Privatkläger sei
gestolpert oder sonst wie zu Boden gekommen. Er habe ihm beim Aufstehen
helfen wollen, dieser habe aber gesagt, er solle weggehen. Es stimme nicht, dass
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eine Zeugin gesehen habe, wie ein Mann mit dem Fuss gegen einen anderen, am
Boden liegenden Mann, getreten habe. Es sei niemand im Treppenhaus
gewesen. Erst als dieser geschrien habe, seinen Leute gekommen. Der Privat-
kläger mache alles, zum Beispiel an der Klingel sturmläuten, den Namen vom
Briefkasten wegnehmen, ihm Sachen schreiben, mit dem geplanten Ziel, denn
dieser wisse, dass er vorbestraft sei. Auch habe dieser ihm Sachen aus seiner
Wohnung entwendet und das Schloss gewechselt, damit er keinen Zugang mehr
habe.
4.2.3. Gut eineinhalb Jahre nach dem Vorfall gab er bei der Staatsanwaltschaft
am 7. September 2011 im Wesentlichen zu Protokoll (Urk. 5/3 S. 2 f.), er habe
den Privatkläger nicht geschlagen und auch nicht getreten. Er sei so gegen
21.50 Uhr in der Wohnung von seinem langjährigen Kollegen B._ zu Bett
gegangen. Dieser sei an jenem Tag aus dem Spital entlassen worden und habe
Hilfe benötigt. Dank diesem habe er den Privatkläger an diesem Abend nicht tot-
geschlagen. Dieser sei ein "Oberarschloch". Dieser habe ihn aus seiner Wohnung
an der D._strasse ... im 4. Stock werfen wollen, welche er diesem zuvor zur
Verfügung gestellt habe. Der Privatkläger sei ein Schmarotzer, ein Idiot und ein
Simulant. Damals sei er bei B._ im 6. Stock gewesen. An jenem Abend
habe er in seine Wohnung gehen wollen, um seine persönlichen Sachen aus der
Wohnung zu nehmen, aber der Zylinder sei ausgewechselt gewesen. An jenem
Abend habe der Zivilkläger ihm angerufen und ihm gesagt, er würde "seine Mutter
in den Arsch ficken". Plötzlich habe es um 21.55 Uhr an der Türe geklopft, als er
kurz vor dem Einschlafen gewesen sei. Er habe den Streit an der Türe gehört und
sei aufgestanden. Er sei nur mit Unterhosen bekleidet gewesen. Der Privatkläger
habe dessen Krücke auf ihn gerichtet, und er habe diese ergriffen. Dieser habe
dagegen gezogen. Da habe er die Krücke losgelassen, und die Krücke habe den
Privatkläger dadurch am Mund verletzt. Da sei er zurück ins Zimmer und habe
kurze Hosen angezogen. Er habe diesen zusammenschlagen wollen, aber dieser
sei geflüchtet. Plötzlich habe er diesen im 4. Stock um Hilfe rufen hören und sei
zu ihm gegangen. Er habe diesen nicht getreten. Dessen Verletzungen müssten
vom Sturz sein.
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4.2.4. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Schlusseinvernahme vom
19. September 2011 erklärte der Beschuldigte im Wesentlichen (Urk. 5/4 S. 2 ff.),
es stimme nicht, was die Zeugin E._ (soeben) ausgesagt habe. Wenn diese
im 4. Stock gewesen wäre, dann hätte sie so etwas behaupten können. Er sei
damals in der Unterhose gewesen, da er sich zum Schlafen bereitgemacht habe.
Er bestreite den Schlussvorhalt.
4.2.5. In der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 24. November 2011 gab
der Beschuldigte zur Sache schliesslich zu Protokoll (Urk. 29 S. 4 f.), er habe dem
Privatkläger nur helfen wollen, habe diesen nicht berührt und verweise auf seine
bisherigen Aussagen. Der Vorwurf stimme nicht. Es stimme, dass er diesem die
Treppe hinunter gefolgt sei. Es stimme aber nicht, dass er diesen zu Boden
gebracht habe. Dieser habe sich bereits am Boden befunden. Er habe diesem
keine Fusstritte versetzt und ihn auch nicht mit der Krücke geschlagen. Vielmehr
habe dieser ihn vor der Türe verletzt. Er habe den Privatkläger vor der Türe
schlagen wollen, aber dann sei er von B._ zurückgehalten worden. Der Pri-
vatkläger habe Angst bekommen und sei die Treppe hinunter geflüchtet. Er sei
diesem nachgegangen, und dieser habe um Hilfe geschrien. Er habe diesem
beim Aufstehen helfen wollen, aber der Privatkläger habe das abgelehnt. Dieser
habe nur simuliert, weil er IV wolle und wisse, dass er vorbestraft sei. Das nutze
dieser aus. Die Vorwürfe würde nicht zutreffen.
4.2.6. Der Privatkläger und Geschädigte C._ gab am 4. Februar 2010, drei
Tage nach dem Vorfall, bei der Polizei im Wesentlichen zu Protokoll (Urk. 6/1
S. 1 ff.), er sei am Abend des Vorfalles um ca. 22 Uhr nach Hause gekommen. In
seiner Wohnung an der D._strasse ... sei kein Licht gewesen. Der Strom sei
ganz weggewesen. Der Beschuldigte habe ihm vorgängig angerufen und gefragt,
wo er sei. Deshalb habe er dann dem Beschuldigten angerufen und diesem ge-
sagt, dieser solle wieder Strom machen, da dieser ihm die Sicherungen ausge-
dreht haben müsse. Der Beschuldigte habe erklärt, er würde dies sicher nicht tun.
Darauf sei er zum Beschuldigten in den 6. Stock zur Wohnung B._ gegangen
und habe dort geläutet. Er habe den Beschuldigten und Herr B._ in der
Wohnung reden gehört, doch die Türe hätten sie ihm nicht geöffnet, weshalb er
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an die Türe geklopft habe. B._ habe geöffnet und gesagt, der Beschuldigte
sei nicht dort. Er habe nach dem Beschuldigten verlangt. Es sei zum Streit mit
B._ gekommen. B._ habe zu ihm gesagt: "Ich ficke deine Mutter." Zu-
dem habe dieser ihn an der Jacke gepackt, gesagt, er solle aufpassen, und ihm
mit der Faust gegen die linke Schulter geschlagen. Als er wieder die Treppe run-
ter in seine Wohnung habe gehen wollen, sei der Beschuldigte aus der Wohnung
gekommen und habe mit dessen Faust in sein Gesicht geschlagen. Er habe sich
noch am Treppengeländer festhalten können. Daraufhin habe der Beschuldigte
ihm den rechten Stock aus der Hand genommen. Er habe schnell in seine Woh-
nung gehen wollen, habe aber nicht schnell laufen können, da er an Stöcken ge-
he. Als er die Treppe hinuntergelaufen sei, habe der Beschuldigte ihn immer wie-
der mit dem Stock geschlagen bis er dort gestürzt sei, wo er von der Polizei ge-
funden worden sei. Als er am Boden gelegen habe, sei er vom Beschuldigten am
Becken und an der Schulter getreten worden. Dieser habe immer wieder zu ihm
gesagt, steh auf, Arschloch, gehe mal in deine Wohnung. Du musst nicht warten
bis die Polizei kommt. Es seien viele Leute aus den Wohnungen in den Korridor
gekommen. Es sei ziemlich laut gewesen. Der Beschuldigte habe ihn immer an-
geschrien. Irgendwann habe dann jemand die Polizei angerufen. Er habe dies
ebenfalls getan, als er am Boden gelegen habe. Herr B._ habe noch bei der
Türe gestanden. Der Beschuldigte sei auf ihn zugekommen und habe sofort mit
der Faust in sein Gesicht geschlagen. Herr B._ habe daneben gestanden
und habe alles gesehen. Es sei glaublich die rechte Faust gewesen. Der Be-
schuldigte habe nichts gesagt und ihn immer wieder von hinten mit dem Stock
gegen seinen Rücken und die Schulter geschlagen, die ganzen zwei Stockwerke.
Er habe kaum die Treppe runter laufen können. Als er im 4. Stock kurz vor seiner
Wohnung gewesen sei, habe der Beschuldigte mit einem Fuss gegen seine Beine
geschlagen. Er habe nur eine Krücke gehabt und sei gestürzt. Dann habe der Be-
schuldigte ihn einmal gegen seine rechte Hüfte und zweimal gegen seine linke
Schulter getreten und habe gesagt, er solle aufstehen, er müsse nicht warten, bis
die Polizei komme. Er habe sich nicht wehren können und habe den Beschuldig-
ten nicht geschlagen. Er habe so schnell wie möglich in seine Wohnung gewollt.
Er habe eine Handverletzung und gehe an Krücken. Er habe keine Chance gegen
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den Beschuldigten. Herr B._ sei in dessen Wohnung zurückgegangen und
nicht mit ihnen gekommen. Es schmerze ihn der ganze Rücken, und an der linken
Schulter habe er einen blauen Fleck vom Fussschlag. Seine Unterlippe sei vom
Faustschlag innen und aussen gerissen. Er habe jedoch nicht nähen müssen.
Wegen eines Bauunfalles vor vier Jahren sei er schon dreimal operiert worden.
Es sehe überhaupt nicht gut aus. Der Arzt habe gesagt, er müsse vielleicht sein
ganzes Leben lang an Krücken gehen. Auch seine rechte Hand habe operiert
werden müssen. Dies habe aber nichts mit dem Vorfall zu tun. Er könne nicht sa-
gen, ob jemand gesehen habe, wie er geschlagen worden sei. Es seien 5 bis 6
Leute im Korridor gewesen. Er wisse aber nicht, ob diese vorher oder nachher
aus ihren Wohnungen gekommen seien. Den Beschuldigten kenne er seit 5 Mo-
naten. Dieser sei ein Landsmann und habe ihm die Wohnung, in der er jetzt sei,
vermittelt und weitergegeben, da dieser die Miete nicht habe bezahlen können.
Der Vertrag laufe noch auf den Beschuldigten. Dieser wohne bei B._.
4.2.7. Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung als Auskunftsperson
vom 17. November 2010, gab C._ in Gegenwart des Beschuldigten im We-
sentlichen zu Protokoll (Urk. 6/2 S. 1 ff.), er kenne den Beschuldigten nun seit ca.
einem Jahr und sei mit diesem weder befreundet noch verfeindet. Damals
habe er bereits seit ca. 2 Monaten in dessen früherer Wohnung gewohnt. Der
Beschuldigte habe ihn angerufen und gesagt, er müsse seine Sachen haben,
welche sich noch in der Wohnung befinden würden. Er habe ihm gesagt, dass er
vielleicht erst um 22 Uhr nach Hause komme. Als er nach Hause gekommen sei,
habe es keinen Strom in der Wohnung gehabt. Er habe die Sicherungen nicht
gefunden und habe erfolglos versucht, den Beschuldigten telefonisch zu
erreichen. Er sei in den 6. Stock hinauf gegangen, dort wo der Beschuldigte bei
B._ wohne und habe geläutet. B._ habe erst geöffnet, als er an die Türe
geklopft habe. Er habe diesen gefragt, ob dieser ihm den Strom einschalte. Dann
habe B._ ihn mit der einen Hand an der linken Schulter gehalten, ihm mit der
anderen Hand eine Ohrfeige gegeben und gesagt: "Ich ficke deine Mutter." Er
habe diesen gebeten, ihn loszulassen. Dann sei plötzlich der Beschuldigte aus
dem Zimmer gekommen und habe ihm einen Faustschlag gegen den Mund
gegeben, so dass er geblutet habe. Dann habe der Beschuldigte einen seiner
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zwei Gehstöcke genommen. B._ habe ihn losgelassen, und der Beschuldigte
habe den Stock unten angefasst. Dieser habe ihn damit bis hinunter in den
4. Stock geschlagen und ihn zu Boden gebracht, indem er ihn mit dessen Bein auf
sein rechtes Bein getreten habe, so dass er auf der rechten Seite liegend zu
Boden gekommen sei. Nun habe ihm dieser noch mit dem Fuss gegen die linke
Schulter getreten. Er habe blaue Flecken am Rücken gehabt. Er könne nicht mehr
sagen, wie oft er getreten worden sei. Es seien dann Leute hinzugekommen, und
der Beschuldige habe ihm zugerufen, er solle aufstehen, "Arschloch", er dürfe
nicht warten, bis die Polizei komme. Er wisse nicht, ob diese Leute Tritte gesehen
hätten. Er verlange vom Beschuldigten Fr. 5'000.-- wegen Körperverletzung und
weil er Angst gehabt habe. Er sei nicht in der Lage gewesen, sich gegen den
Beschuldigten zur Wehr zu setzen. Er habe nur gesagt, dieser solle ihn in Ruhe
lassen bis die Polizei kommt. Er habe den Eindruck gehabt, der Beschuldigte
habe unter Alkoholeinfluss gestanden. Auch er sei alkoholisiert gewesen. Auf
Ergänzungsfrage des Beschuldigten erklärte er noch, er habe nicht gegen die
Türe getreten, sondern nur mit der Hand geklopft. Es stimme nicht, dass im
ganzen Haus der Strom abgeschaltet gewesen sei.
4.2.8. Anlässlich ihrer staatsanwaltschaftlichen Befragung als Zeugin vom
19. September 2011, gab die ca. 63-jährige E._ in Gegenwart des
Beschuldigten rund 19 1⁄2 Monate nach dem Vorfall im Wesentlichen zu Protokoll
(Urk. 6/3 S. 2 f.), sie kenne weder den Beschuldigten, den Privatkläger, noch
B._. Sie habe am 1. Februar 2010 zuerst nur Lärm gehört, weil sie wegen ih-
rer Katze ihre Türe einen Spalt weit offen gehabt habe. Sie sei der Lärmquelle
nach den Stock runter zum Treppenabsatz gegangen und habe dort nach rechts
den Gang reingeschaut. Da habe sie gesehen, wie ein anderer Mann auf diesen
Mann am Boden mit Füssen eingetreten habe. Es seien noch andere Leute her-
umgestanden, aber die hätten nichts gemacht. Da der Mann am Boden um Hilfe
gerufen habe, sei sie zurück in die Wohnung und habe die 117 angerufen. Wie-
dererkennen würde sie keinen der Männer, da sie damals ihre Brille nicht getra-
gen habe. Der Mann habe "mittelmässig" getreten, zwei Mal habe sie gesehen,
dann habe sie kehrtgemacht. Auf Ergänzungsfrage des Beschuldigten bestätigte
die Zeugin (Urk. 6/3 S. 3), sie wohne im selben Haus im 5. Stock.
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4.3. Hinsichtlich der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten hat die
Vorinstanz bereits zutreffend auf dessen Interessenlage hingewiesen (Urk. 38
S. 8; Art. 82 Abs. 4 StPO). Schon seit geraumer Zeit vor dem Streit im Treppen-
haus vom 1. Februar 2010 hatte der Beschuldigte andauernde gewichtige
Differenzen mit dem Privatkläger im Zusammenhang mit der diesem in Unter-
miete zur Verfügung gestellten Wohnung im 4. Stock. Die von ihm in den
Befragungen gemachten grob abwertenden Äusserungen über den Privatkläger,
wonach dieser ein "Oberarschloch", ein "Schmarotzer", ein "Idiot und Simulant"
sei (Urk. 5/3 S. 2, Prot. I S. 5), zeigen seine feindliche Haltung diesem gegenüber.
Hinzukommt die vom Beschuldigten selber mehrfach betonte grosse Wut, die er
beim Streit vom 1. Februar 2010 gegenüber dem Privatkläger entwickelt hatte
(Urk. 5/2 S. 1, Urk. 5/3 S. 2 f). Die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist daher
erheblich beeinträchtigt. Seine Aussagen sind dementsprechend mit besonderer
Sorgfalt zu würdigen und kritisch zu hinterfragen.
4.4. Was die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten anbelangt, bleibt
in Ergänzung zur im angefochtenen Entscheid aufgezeigten uneinheitlichen und
widersprüchlichen Darstellung folgendes zu ergänzen:
4.4.1. Der Beschuldigte räumte selber mehrmals ein, er habe den Privatkläger
schlagen wollen, aber dieser sei geflüchtet, und nur dank der Einflussnahme von
B._ habe er diesen damals nicht totgeschlagen (Urk. 5/2 S. 2, Urk. 5/3 S. 2,
Prot. I S. 12). Sodann beschränkten sich die Differenzen unter der Wohnungstüre
im 6. Stock entgegen der beschönigenden Wortwahl des Beschuldigten nicht
bloss auf einen verbalen Streit zwischen ihnen. Es handelte sich vielmehr auch
gemäss den weiteren Beschreibungen des Beschuldigten im Zusammenhang mit
dem Gezerre um die Krücke des Privatklägers bereits um ein tätliches, hand-
greifliches Gerangel, was die Beteuerung des Beschuldigten, den Privatkläger
nicht angefasst zu haben, wenig glaubhaft erscheinen lässt.
4.4.2. Weshalb sollte der Privatkläger aus Angst die Treppe hinunter flüchten, wie
der Beschuldigte mehrmals erklärte (Urk. 5/3 S: 3, Prot. I S. 12), wenn er ihm
nicht durch sein Vorgehen einen triftigen Grund dafür geliefert hätte. Wäre der
Beschuldigte nämlich, wie er geltend macht, nachdem er die Krücke des Privat-
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klägers losgelassen hatte, zuerst zurück in die Wohnung, um sich etwas anzu-
ziehen, hätte der Privatkläger gar keine Veranlassung gehabt, die Treppe hinunter
zu flüchten. Auch diese Ungereimtheiten sprechen gegen wahrheitsgemässe
Aussagen des Beschuldigten.
4.4.3. Zudem geht die Darstellung des Beschuldigten in zeitlicher Hinsicht nicht
auf. Weshalb hätte er in jenem Zeitpunkt überhaupt zurück in die Wohnung gehen
wollen, um etwas anzuziehen, nachdem - immer gemäss seiner Darstellung - der
Privatkläger sich ja vom Streit im 6. Stock entfernt hatte, der Streit demnach
beendet schien. Die Hilferufe des Privatklägers konnten ja erst ertönen, nachdem
dieser - wiederum gemäss Darstellung des Beschuldigten - bereits im 4. Stock
angekommen und dort angeblich ohne Zutun des Beschuldigten gestürzt war.
Erst das Hilfegeschreie hatte den Beschuldigten nach eigener Darstellung
(Urk. 5/1 S. 3 f., Antworten auf Fragen 6, 7 und 15, Urk. 5/3 S. 3) dazu veranlasst,
sich ebenfalls nach unten in den 4. Stock zu begeben, angeblich um dem Privat-
kläger - auf den er nur einen kurzen Moment zuvor so wütend war, dass er diesen
am liebsten totgeschlagen hätte - zu helfen (Prot. I S. 4 und 5).
4.4.4. Ebenso wenig nachvollziehbar ist die Aussage des Beschuldigten, wonach
er sich, wie erwähnt, einerseits zuerst in die Wohnung zurückgezogen haben will,
andererseits aber erklärte, es sei niemand im Treppenhaus gewesen; erst als der
Privatkläger geschrien habe, seien Leute gekommen (Urk. 5/1 S. 4, Antwort auf
Frage 16, Urk. 5/2 S. 2 Mitte). Tatsächlich wissen konnte der Beschuldigte dies
wohl nur, wenn er sich zur fraglichen Zeit ebenfalls im Treppenhaus und nicht in
der Wohnung B._ aufgehalten hatte. Das selbe trifft auch auf seine Stellung-
nahme zu den Aussagen der Zeugin zu. Obwohl er zur eigentlichen Tatzeit gar
nicht im Treppenhaus gewesen sein will, gab er auf den Vorhalt, dass eine Zeugin
gesehen habe, wie ein Mann mit dem Fuss gegen einen anderen, am Boden
liegenden Mann getreten habe, zu Protokoll, dies stimme nicht, niemand sei im
Treppenhaus gewesen (Urk. 5/4 S. 2).
4.4.5. Diese zeitlichen Ungereimtheiten und Widersprüche finden sich schliess-
lich auch in den uneinheitlichen und wenig überzeugenden Aussagen des
Beschuldigten im Zusammenhang mit seiner Bekleidung zur Zeit der Auseinan-
- 16 -
dersetzung mit dem Privatkläger. Bei der Bekleidung handelt es sich um eine so
einfache Einzelheit, dass ihre uneinheitliche Beschreibung in den verschiedenen
Befragungen sich nicht mit der zwischen den einzelnen Befragungen vergange-
nen Zeit erklären liesse. Bei der Polizei hatte er erklärt, er sei zurück in die
Wohnung, um eine Jacke anzuziehen (Urk. 5/1 S. 2 f., Antwort auf Frage 6). Bei
der Staatsanwaltschaft erklärte er rund ein halbes Jahr später, er sei nur mit
Unterhosen bekleidet an die Türe gegangen. Nach dem Gerangel mit der Krücke
sei er ins Zimmer gegangen und habe eine kurze Hose angezogen (Urk. 5/3 S. 2).
Am 19. September 2011 sagte er dazu, er sei in der Unterhose gewesen. Er habe
sich damals zum Schlafen bereitgemacht (Urk. 5/4 S. 2). Die von ihm geltend
gemachte spärliche Bekleidung macht unter den gegeben Umständen den
Anschein einer erfolglosen Schutzbehauptung, mit dem Versuch, seine Aussage
zu stützen und damit plausibel zu machen, dass er dem Privatkläger wegen
seiner angeblich spärlichen Bekleidung zunächst gar nicht im Treppenhaus nach
unten hätte folgen können, sondern sich zuerst etwas habe anziehen müssen. Da
diese Aussagen über die einzelnen Kleidungsstücke von Befragung zu Befragung
abweichen, überzeugen sie nicht.
4.4.6. Nach dem Dargelegten kann zusammenfassend festgehalten werden,
dass die Aussagen des Beschuldigten derart widersprüchlich sind, dass bereits
deshalb nicht unbesehen auf seine Darstellung und seine Bestreitungen im Kern-
gehalt abgestellt werden kann.
4.5. Die allgemeine Glaubwürdigkeit des Privatklägers wurde im angefochtenen
Urteil ebenfalls zutreffend erörtert und darauf hingewiesen, dass seine Aussagen
auch im Zusammenhang mit seinen finanziellen Interessen angesichts der gestell-
ten Zivilforderungen mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen sind (Urk 38 S. 8;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte macht geltend, der Privatkläger habe ihn
als Opfer ausgesucht, um Vorfälle zu inszenieren und mittels Zivilklage Geld vom
Beschuldigten zu erhalten (Urk. 40 S. 2), resp. er habe die Beschuldigungen
erfunden, um eine IV zu erhalten (Urk. 29 S. 5). Angesichts der Forderung des
Beschuldigten über total Fr. 24'000.— (Urk. 8/1) ist darauf näher einzugehen:
Hätte der Privatkläger bewusst eine Situation inszeniert, um daraus geldwerte
- 17 -
Vorteile zu ziehen, hätte er sich mit Sicherheit als „Opfer“ nicht eine Person aus-
gewählt, die praktisch mittellos ist. Der Privatkläger wusste ja, dass er die
Wohnung des Beschuldigten zur Untermiete erhalten hatte, weil dieser den
Mietzins nicht mehr bezahlen konnte. Es musste ihm daher von Anfang an klar
sein, dass er beim Beschuldigten keine namhafte Entschädigung erwarten
konnte, auch wenn er eine solche im Strafverfahren später beantragte. Hinzu
kommt, dass der Privatkläger die Verweisung seiner Zivilforderung auf den Zivil-
weg durch die Vorinstanz nicht angefochten hat, was ebenfalls keinen Sinn
ergäbe, wenn es ihm einzig um die Zivilklage gegangen wäre. Dass der Privat-
kläger den Vorfall erfunden haben könnte, um eine IV erhältlich zu machen, über-
zeugt ebenfalls nicht, denn dann hätte er zweifellos viel gravierendere Verletzun-
gen – etwa aus dem Sturz resultierende Rückenverletzungen – simulieren
müssen und auch können, d.h. nicht bloss solche, welche gemäss Arztzeugnis
nicht einmal eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatten (Urk. 7/4 S. 1). Die
Argumente des Beschuldigten zur Motivlage des Privatklägers überzeugen daher
nicht.
4.6. Bei der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers ist vorab festzu-
halten, dass seine Darstellung des äusseren Sachverhaltes und die Zeitangaben
mit jenen Aussagen des Beschuldigten übereinstimmen, was dafür spricht, dass
sie stimmt. So gab auch er an, dass die Geschehnisse sich ab ca. 22 Uhr im
Treppenhaus zunächst vor der Türe der Wohnung B._ im 6. Stock und
anschliessend im 4. Stock abgespielt haben. Im Übrigen ist den Folgerungen der
Vorinstanz zuzustimmen, dass der Privatkläger grundsätzlich widerspruchsfrei
und konstant ausgesagt hat, wonach er zuerst ins Gesicht geschlagen und nach
seiner Flucht mit dem Stock geschlagen und mit den Füssen getreten worden sei
(Urk. 38 S. 9 Ziff. 2.3.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.6.1. Ergänzend dazu wird im angefochtenen Urteil erwähnt, dass Einzelheiten
zum Randgeschehen Widersprüche aufweisen würden, was gewisse Zweifel an
der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers aufkommen lasse (Urk. 38
S. 9, Ziff. 2.3.), allerdings ohne näher darauf einzugehen. Als wesentlicher Wider-
spruch im Randgeschehen ist bei den Aussagen des Privatklägers seine unein-
- 18 -
heitliche Beschreibung des Streites mit B._ zu Beginn des Vorfalls unter der
Türe vor dessen Wohnung im 6. Stock auszumachen. Bei der Polizei schilderte er
diesbezüglich, B._ habe ihn an der Jacke gepackt, gesagt, er solle aufpas-
sen, und ihm mit der Faust gegen die linke Schulter geschlagen. Als er wieder die
Treppe runter in seine Wohnung habe gehen wollen, sei der Beschuldigte aus der
Wohnung gekommen und habe mit dessen Faust in sein Gesicht geschlagen
(Urk. 6/1 S. 1 f.). Bei der Staatsanwaltschaft beschrieb er diese Situation wie folgt:
B._ habe erst geöffnet, als er an die Türe geklopft habe. Er habe diesen ge-
fragt, ob dieser ihm den Strom einschalte. Dann habe B._ ihn mit der einen
Hand an der linken Schulter gehalten, ihm mit der anderen Hand eine Ohrfeige
gegeben und gesagt: "Ich ficke deine Mutter." Er habe diesen gebeten, ihn loszu-
lassen (Urk. 6/2 S. 2).
4.6.2. Diese uneinheitliche und widersprüchliche Aussage des Privatklägers,
wonach er in der einen Befragung einen Faustschlag und in der anderen eine
Ohrfeige erhalten haben will, ist ein Anzeichen dafür, dass er diesbezüglich keine
wahrheitsgemässen Aussagen gemacht hat. Die Vorinstanz ist daher zu recht
zum Schluss gelangt, dass auch seine Aussagen gewisse Zweifel an der Glaub-
haftigkeit aufkommen lassen (Urk. 38 S. 9 a.E.). Daraus ist allerdings nicht zu
folgern, dass auch alle weiteren, nicht widersprüchlichen und durch allfällige
weitere Beweismittel bestätigten Aussagen des Privatklägers unwahr sein
könnten.
4.7. Was die generelle Glaubwürdigkeit der Zeugin E._ anbelangt, wurde im
angefochtenen Urteil mit zutreffender Begründung erwogen, dass bei ihr keine
Anhaltspunkte für Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit bestünden. Es kann vollum-
fänglich darauf verwiesen werden (Urk. 38 S. 8; Art. 82 Abs. 4 StPO). Obwohl sie
im selben Mehrfamilienhaus wie der Beschuldige und der Privatkläger lebte, war
sie vor den von ihr gemachten kurzen Beobachtungen mit keinem der beiden
bekannt. Sie war zufällig durch den Lärm im Treppenhaus auf den Vorfall auf-
merksam geworden. Es handelt sich bei ihr somit um eine unabhängige Zeugin
ohne irgend welche eigenen Interessen am Vorfall und am Ausgang des Ver-
fahrens. Sie konnte ihre kurze Beobachtung eines Teils des Vorfalles aus eigener,
- 19 -
direkter Wahrnehmung schildern. Ihre Aussagen erfolgten zudem unter Hinweis
auf die Straffolgen einer wissentlich falschen Zeugenaussage gemäss Art. 307
StGB, weshalb sie der Wahrheitspflicht unterstand.
4.7.1. Bezüglich der Würdigung ihrer Aussagen kann vollumfänglich auf die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden, welche zurecht zum
Schluss kam, dass an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Zeugin keinerlei
Zweifel bestehen (Urk. 38 S. 10; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.7.2. Der Beschuldigte wendet in seiner schriftlichen Berufung vom 1. März
2012 im Zusammenhang mit der Zeugin E._ ein, es sei unmöglich, von deren
Wohnungstür im 5. Stock etwas zu sehen, was im 4. Stock geschieht, insbe-
sondere wenn die Wohnungstüre nur einen Spalt geöffnet sei. Hinzu komme,
dass der Erinnerungsverlust der Zeugin ein Jahr nach dem Ereignis stark zuge-
nommen habe. Sie habe keine Personen identifizieren können, geschweige denn
Personen im 4. Stock. Ihre Aussagen hätten daher keine Beweiskraft (Urk. 40
S. 2).
4.7.3. Laut glaubhafter telefonischer Angabe vom 22. Februar 2010 gegenüber
der Polizei und ihrer Zeugenaussage bei der Staatsanwaltschaft vom
19. September 2011 wurde E._ durch wiederholte Hilferufe auf die
Geschehnisse aufmerksam. Entgegen der in der Berufung geäusserten Ver-
mutung hat die Zeugin ihre kurze Beobachtung nicht von ihrer Wohnungstüre aus
gemacht. Sie hatte sich vielmehr der Lärmquelle folgend den Stock hinunter zum
Treppenabsatz begeben und ihre kurze Beobachtung von dort aus gemacht
(Urk. 1 S. 6 f., Urk. 6/3 S. 2 f.).
4.7.4. Bereits gegenüber der Polizei hatte die Zeugin damals angegeben, sie
habe sich nicht einzuschreiten getraut, habe nur kurz geschaut und sei dann
sofort wieder in ihre Wohnung zurückgegangen, weshalb sie die beiden Personen
nicht wiedererkennen würde und nicht sagen könne, wie genau geschlagen
worden sei. Sie wusste offenbar bereits damals nicht, ob die beiden Männer in
ihrem Haus lebten (Urk. 1 S. 7). In ihrer Zeugenbefragung erklärte sie dann auch
noch glaubhaft, damals ihre Brille nicht getragen zu haben (Urk. 6/3 S. 3). Der
- 20 -
Umstand, dass sie die Männer nicht identifizieren konnte, hat daher nichts mit
ihrem Erinnerungsvermögen zu tun.
4.7.5. Entgegen der in der Berufung geäusserten Meinung (Urk. 40 S. 2), es sei
ursprünglich falsch festgehalten worden, die Zeugin wohne im 4. Stock anstatt in
der 5. Etage, wurde nirgends so etwas festgehalten. Bereits im Anzeigerapport
der Stadtpolizei Zürich wurde korrekt aufgeführt, dass die Zeugin im 5. Stock
wohnte (Urk. 1 S. 3 und S. 6).
4.7.6. Es sind keinerlei Anhaltspunkte dafür vorhanden, dass die völlig unabhän-
gige Zeugin eine Falschaussage gemacht haben könnte und lügen sollte. Sie hat
niemanden namentlich und konkret belastet, sondern einfach bestätigt, dass sie
dort anlässlich ihrer kurzen Beobachtung einen Mann am Boden liegend und
einen zweiten Mann gesehen habe, der auf jenen am Boden eingetreten habe.
Offenbar sah sie eine Sequenz von zwei Mal treten. Diesen Aussagen kommt
entgegen der in der Berufung geäusserten Auffassung sehr wohl Bedeutung und
Beweiskraft zu. Es ist vollumfänglich auf diese abzustellen. Dass es sich bei den
beiden Männern im Treppenhaus um den Beschuldigten und den Privatkläger
handelte, ist im Übrigen durch deren diesbezüglich übereinstimmende eigene
Aussagen erstellt. Schliesslich hat auch der Beschuldigte nie behauptet, im
4. Stock sei ein weiterer, unbekannter Mann gewesen, welcher auf den Privat-
kläger eingetreten haben könnte.
4.8. Schliesslich belegen die bei den Akten liegenden weiteren objektiven
Beweismittel, wie die polizeilichen Bildaufnahmen der Verletzungen des Privat-
klägers und die ärztlichen Berichte, die im Anklagesachverhalt aufgeführten, dem
Beschuldigten vorgeworfenen Verletzungen des Privatklägers. Der ärztliche
Befund von Chefarzt, Prof. F._, und der Assistenzärztin Dr. med. G._
wurde zudem formgerecht und beweisrechtlich verwertbar unter Hinweis auf die
Strafbestimmung von Art. 307 StGB (Strafandrohung bei Abgabe eines wissent-
lich falschen Gutachtens) erstellt (Urk. 7/3 f.).
4.8.1. Dass sich der Privatkläger die Mundverletzung selber durch ein Zurück-
schnellen der Krücke zugezogen haben könnte, als der Beschuldigte die Krücke
- 21 -
beim Gerangel vor der Türe im 6. Stock losgelassen hatte, wie er geltend machte,
erscheint wenig lebensnah. An der Aussage des Privatklägers, wonach der
Beschuldigte mit der Faust zugeschlagen habe, bestehen demgegenüber nach
dem Dargelegten und aufgrund der gesamten Umstände sowie der Tatsache,
dass es dort auch nach der Darstellung des Beschuldigten ein Gerangel gegeben
hatte und er diesen ja auch tatsächlich habe schlagen wollen, keine unüberwind-
baren Zweifel, weshalb auf die diesbezügliche Darstellung des Privatklägers
abzustellen ist.
4.8.2. Aufgrund der von den ausgerückten Polizeibeamten am 1. Februar 2010
angetroffenen Situation, wonach der Privatkläger bei ihrer Ankunft auch eine
blutende Wunde an der Unterlippe aufwies (Urk. 1 S. 5), kann überdies auch aus-
geschlossen werden, dass der Privatkläger sich zwischen dem Vorfall und dem
Erstellen der Bildaufnahmen anderswo oder selber am Mund verletzt haben
könnte, da der Beschuldigte selber vor der Türe im 6. Stock noch kein Blut am
Mund des Privatklägers gesehen hatte (Urk. 5/1 S. 2, Antwort auf Frage 5).
4.8.3. Die Vorinstanz hat ihre Beweiswürdigung zutreffend mit den Erwägungen
abgeschlossen, dass die Aussagen des Privatklägers zusätzlich durch die durch-
wegs glaubhaften Ausführungen der Zeugin gestützt werden, während die
pauschalen und teilweise widersprüchlichen Bestreitungen des Beschuldigten an
deren Darstellung keine unüberwindbaren Zweifel zu schüren vermögen (Urk. 38
S. 12 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen und daher
vollumfänglich auf die diesbezüglichen Aussagen des Privatklägers abzustellen.
Überdies können auch die ärztlich festgestellten Verletzungen des Privatklägers
mit dem eingeklagten Tathergang in Einklang gebracht werden.
4.9. Nach dem Dargelegten bestehen somit keine ernsthaften und unüberwind-
baren Zweifel daran, dass der Beschuldigte den Privatkläger in der eingeklagten
Weise angegriffen und verletzt hat. Der Anklagesachverhalt erweist sich somit
sowohl in objektiver als auch subjektiver Hinsicht vollumfänglich erstellt.
- 22 -
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Staatsanwaltschaft hat die dem Beschuldigten zur Last gelegten Tat-
handlungen als einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB gewürdigt (Urk. 18 S. 2).
2. Die vom Beschuldigten am 1. Februar 2010 anlässlich der Auseinander-
setzung beim Privatkläger verursachten Verletzungen wurden im angefochtenen
Entscheid mit zutreffender Begründung und unter Hinweis auf die massgeblichen
Kommentarstellen ebenfalls unter den Tatbestand der einfachen Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB subsumiert und zurecht auf ein
zumindest eventualvorsätzliches Tatvorgehen geschlossen. Es kann vorab darauf
verwiesen werden (Urk. 38 S. 13 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.1. Die vom Privatkläger erlittene Thoraxkontusion mit dorsalseitiger Prellmarke,
die Beckenkammkontusion rechts sowie die oberflächliche Hautwunde im linken
Mundwinkel stellen eine nicht mehr bloss harmlose Beeinträchtigung der körperli-
chen Integrität oder des gesundheitlichen Wohlbefindens dar. Es handelt sich
dabei um mehrere Quetschungen mit Blutergüssen und einer oberflächlichen
Hautwunde am Mund, welche nicht genäht werden musste. All diese Verletzun-
gen gehen um einiges über blosse Kratzer hinaus, verursachten zwar keine
Arbeitsunfähigkeit, waren aber mit erheblichen Schmerzen verbunden und schon
deswegen einfache Körperverletzungen im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
(Urk. 6/1 S. 3, Antwort auf Frage 8; Urk. 7/1 und Urk. 7/4, Urk. 2).
2.2. In leichten Fällen sieht Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB eine fakultative Straf-
milderung vor (vgl. auch Roth/Berkemeier in: Niggli/Wiprächtiger, BSK Strafrecht
II, N 7 zu Art. 123 StGB). Als leichte Fälle im Sinne dieser Bestimmung sind
Angriffe auf die körperliche Integrität eines Menschen in der untersten Bandbreite
des Grundtatbestandes zu werten (Roth/Berkemeier, a.a.O., N 8 zu Art. 123
StGB; BGE 103 IV 69). Das Bundesgericht beurteilte Zeichen eines Faust-
schlages am rechten Auge und an der Unterlippe sowie eine Quetschung,
beim einen Opfer, und eine Prellung der Unterkieferregion rechts, eine Rippen-
kontusion links vorne sowie Schürfwunden am rechten Vorderarm und an der
- 23 -
linken Hand, beim anderen Opfer, als einfache Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (BGE 103 IV 70 E.II.2.d).
2.3. Die im erwähnten Bundesgerichtsentscheid beurteilte Gewalteinwirkung und
die daraus resultierten Verletzungen sind vergleichbar mit den vorliegend zu beur-
teilenden Einwirkungen auf die körperliche Integrität des Privatklägers. Die
tätliche Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger
war von einiger Dauer und fand im 6. und im 4. Stock im Treppenhaus statt. Sie
umfasste somit mehrere Phasen. Sie begann mit dem Faustschlag ins Gesicht im
6. Stock und endete mit dem gewaltsamen Zufallbringen des Privatklägers im
4. Stock und den abschliessenden Fusstritten gegen mehrere Körperstellen des
bereits am Boden liegenden Privatklägers. Dieses gesamte Vorgehen des
Beschuldigten überschreitet damit einen leichten Fall bei weitem. Aufgrund der
verursachten Verletzungen und Schmerzen beim Privatkläger liegt indessen noch
eine nicht allzu gravierende einfache Körperverletzung in der Bandbreite des
Grundtatbestandes im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB vor (vgl. auch
Urk. 2).
2.4. Der vorinstanzliche Schuldspruch ist somit zu bestätigen und der Beschul-
digte der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen.
V. Sanktion
1. Die Vorinstanz erachtete die von der Anklagebehörde beantragte unbeding-
te Freiheitsstrafe von 8 Monaten angesichts der sich gemäss dem angefochtenen
Entscheid aus der Täterkomponente ergebenden starken Straferhöhung als
angemessen (Urk. 38 S. 17, Ziff. 3.3.3.). Da wie erwähnt keine Anschluss-
berufung erhoben wurde, kommt aufgrund des Verschlechterungsverbot (Verbot
der reformatio in peius: Art. 391 Abs. 2 StPO) eine strengere Bestrafung schon
von vornherein nicht in Betracht.
2. Der Beschuldigte macht in seiner schriftlichen Berufung vom 1. März 2012
geltend (Urk. 40 S. 2), die Bestrafung mit 8 Monaten Freiheitsstrafe überspanne
- 24 -
den Ermessensspielraum des Bezirksgerichts und bewerte seine Vergangenheit
zu stark straferhöhend.
3. Der theoretisch mögliche Strafrahmen umfasst beim Tatbestand der
einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB Freiheits-
strafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen. Ein Tages-
satz beträgt höchstens Fr. 3'000.– (Art. 34 StGB).
Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe liegen keine vor.
3.1. Innerhalb des genannten Strafrahmens ist die Strafe nach dem Verschulden
des Täters zu bemessen (Art. 47 Abs. 1 StGB). Die einzelnen Kriterien für die
Bemessung des Verschuldens wurden im angefochtenen Urteil unter Hinweis auf
die Unterscheidung zwischen Tatkomponente und Täterkomponente zutreffend
und vollständig aufgeführt. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann darauf ver-
wiesen werden (Urk. 38 S. 14, Ziff. 3.1. ff.).
3.2. Bei der objektiven Tatschwere hat die Vorinstanz zutreffend erwogen, dass
der Beschuldigte dem Privatkläger zahlreiche Schläge an verschiedene Körper-
stellen versetzte und diesen insbesondere auch noch weiter getreten hat, als der
Privatkläger bereits wehrlos am Boden lag, was im angefochtenen Urteil zurecht
als besonders verwerflich eingestuft wurde. Erschwerend kommt hinzu, dass der
Privatkläger gehbehindert war und an Krücken ging (Urk. 38 S. 15, Ziff. 3.2.2.;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Das Einschlagen auf den körperlich unterlegenen Privatklä-
ger zeugt von einer gewissen Feigheit und beachtlicher Gewaltbereitschaft beim
Beschuldigten, der gemäss eigener Angaben grosse Wut empfand und diese
somit unkontrolliert zum Ausbruch kam. Nach einem ersten unvermittelten Faust-
schlag gegen den Mund des Privatklägers hörte der Beschuldigte nicht auf,
sondern folgte diesem in den 4. Stock hinunter und schlug und trat diesen weitere
Male. Der Privatkläger erlitt nicht allzu gravierende einfache Verletzungen, welche
ihm aber Schmerzen verursachten und eine notfallmässige ambulante Spital-
behandlung, nicht aber eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatten. Die Verletzung
beim Mund musste nicht genäht werden. Die beim Privatkläger verursachten Ver-
letzung nahm der Beschuldigte zumindest billigend in Kauf. Der Vorinstanz ist da-
- 25 -
rin beizupflichten, dass die objektive Tatschwere auch im Rahmen des Grundtat-
bestandes der einfachen Körperverletzung zwar - wie gesagt - noch nicht allzu
gravierend; aber auch nicht mehr als leicht zu gewichten ist.
3.3. Bei der subjektiven Tatschwere ist mit der Vorinstanz zu berücksichtigen
und zu seinen Gunsten davon auszugehen, dass der Beschuldigte zur fraglichen
Zeit eine Blutalkoholkonzentration von ca. 1.63 Gewichtspromille aufwies
(Urk. 1 S. 2 f.; Urk. 38 S. 16, Ziff. 3.2.3.). Dieser nicht mehr leichte Alkoholisie-
rungsgrad liegt noch unter der Schwelle einer Verminderung der Schuldfähigkeit
im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB. (BGE 122 IV 49, Bommer/Dittmann in: Nig-
gli/Wiprächtiger, BSK Strafrecht I, N 62 zu Art. 19 StGB). Aufgrund der summa-
risch als enthemmend zu bezeichnenden Wirkung des Alkohols (Bommer/ Ditt-
mann, a.a.O., N 63 zu Art.19 StGB), war es dem Beschuldigten indessen
bereits etwas erschwert, seine Wut gegenüber dem Privatkläger zu kontrollieren.
Er schlug nicht aus nichtigem Anlass zu. Die seit längerem anhaltenden Differen-
zen mit dem Privatkläger aufgrund der diesem überlassenen Wohnung im
4. Stock sowie die unmittelbar vor der Tat erfolgten gegenseitigen Provokationen
führten schliesslich zusammen mit der enthemmenden Wirkung des Alkohols
dazu, dass der wütende Beschuldigte die Kontrolle verlor und auf den offenbar
ebenfalls leicht alkoholisierten (ca. 1.10 Gewichtspromille, vgl. Urk. 1 S. 2 f.)
Privatkläger einschlug und -trat. Diese inneren Unstände beim Beschuldigten sind
demzufolge leicht verschuldensmindernd zu berücksichtigen.
3.4. Die von der Vorinstanz (bei einem Strafrahmen von bis zu drei Jahren Frei-
heitsstrafe oder Geldstrafe) als angemessen bezeichnete hypothetische Einsatz-
strafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe liegt im untersten Fünftel des möglichen
Strafrahmens. Sie erweist sich angesichts der noch nicht allzu gravierenden
einfachen Verletzungen des Privatklägers sowie aufgrund der den Schlägen
vorausgegangenen Streitereien und Provokationen als zwar streng, aber nicht
unangemessen. Die Einsatzstrafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe ist daher zu
bestätigen.
3.4.1. Wie im angefochtenen Entscheid zutreffend festgehalten wurde (Urk. 38
S. 14 Ziff. 2.1. f.; Art. 82 Abs. 4), muss das Gericht die Wahl der Sanktionsart
- 26 -
begründen und dabei als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimm-
ten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie
ihre präventive Effizienz beachten. Der Allgemeine Teil des Strafgesetzbuches
sieht für den Bereich der leichteren Kriminalität als Regelsanktion Geldstrafe
(Art. 34 StGB) und gemeinnützige Arbeit (Art. 37 StGB), für den Bereich der
mittleren Kriminalität Geldstrafe und Freiheitsstrafe (Art. 40 StGB) vor. Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung soll nach dem Prinzip der Verhältnismässig-
keit bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen im Regelfall diejenige
gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen
eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart trifft, weshalb bei Sanktionen von sechs
Monaten bis zu einem Jahr die Geldstrafe als die gegenüber der Freiheitsstrafe
mildere Sanktion darstellt (BGE 134 IV 197 E. 4.2.2; BGE 134 IV 82 E.4.1.).
3.5. Was die Täterkomponente anbelangt wurde im angefochtenen Urteil zutref-
fend dargelegt, dass diese das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie das
Verhalten des Beschuldigten nach der Tat und im Strafverfahren umfasst. Sodann
hat die Vorinstanz seinen Werdegang und seine prekären wirtschaftlichen
Verhältnisse korrekt wiedergegeben und den zutreffenden Schluss gezogen, dass
sich aus seinen persönlichen Verhältnissen keine strafzumessungsrelevanten
Faktoren ableiten lassen. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann voll-
umfänglich darauf verwiesen werden (Urk. 38 S. 16; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.5.1. Die zwei eingetragenen Vorstrafen des Beschuldigten aus Vergehen im
Strassenverkehr aus den Jahren 2004 und 2010 wurden im angefochtenen Urteil
korrekt und vollständig aufgeführt, weshalb auch darauf verwiesen werden kann
(Urk. 38 S. 16; Art. 82 Abs. 4 StPO). Diese Vorstrafen betreffen zwar keine
Delikte gegen das Rechtsgut der körperlichen Integrität und sind daher nicht
einschlägig. Dennoch scheint der Vollzug der älteren Vorstrafe von 6 Monaten
Gefängnis, aus welcher der Beschuldigte am 1. Juni 2005 bedingt entlassen und
eine Probezeit von 3 Jahren angesetzt worden war, wie auch der Vollzug der
jüngeren Vorstrafe von 160 Stunden gemeinnützige Arbeit im Sommer 2011
(Urk. 29 S. 3 f.; Urk. 39), den Beschuldigten nicht genügend beeindruckt zu
haben, um sich in der Folge wohl zu verhalten. Der Einschätzung der Vorinstanz,
- 27 -
wonach der Beschuldigte als besonders unbelehrbar und uneinsichtig erscheint,
ist unter den gegebenen Umständen beizupflichten, zumal er die vorliegend zu
beurteilende Tat vom 1. Februar 2010 nur rund einen Monat nach seiner letzten
Verurteilung vom 4. Januar 2010 begangen hatte.
3.5.2. Die im angefochtenen Urteil aufgrund der dargelegten Täterkomponente
vorgenommene Erhöhung der Einsatzstrafe von 6 Monaten um einen Drittel auf
8 Monate Freiheitsstrafe erweist sich insgesamt ebenfalls als angemessen und ist
zu bestätigen.
3.5.3. Der Beschuldigte hat - wie erwähnt - jedoch bereits eine sechsmonatige
Freiheitsstrafe verbüsst und wurde kurz vor der heute zu beurteilende Tat zu
160 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, was ihn offensichtlich von erneuter
Delinquenz nicht abhielt. Es ist deshalb davon auszugehen, dass ihn eine
(mildere) Geldstrafe kaum von weiteren Straftaten abhalten würde, weshalb aus
Gründen der Zweckmässigkeit und der präventiven Effizienz auf eine Freiheits-
strafe zu erkennen ist (vgl. die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz
Urk. 38 S. 14 Ziff. 2.2; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.6. Der Beschuldigte hat sich seit dem Vorfall vom 2. Februar 2010, mithin
während über zwei Jahren, wohlverhalten. Wohlverhalten während längerer Zeit
wirkt strafmindernd (Wiprächtiger, BSK Strafrecht I, N 109 zu Art. 47 StGB).
3.6.1. Der zu beurteilende Vorfall liegt nunmehr rund 2 1⁄4 Jahre zurück, weshalb
sich die Frage der relativ langen Verfahrensdauer bei einem relativ einfach
gelagerten Fall wie dem vorliegenden stellt.
3.6.2. Das in Art. 5 Abs. 1 StPO, in Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK und
Art. 14 Ziff. 3 lit. c UNO-Pakt II festgeschriebene Beschleunigungsgebot ver-
pflichtet die Behörden, das Strafverfahren zügig voranzutreiben, um die beschul-
digte Person nicht unnötig über die gegen sie erhobenen Vorwürfe im Unge-
wissen zu lassen. Dies gilt für das ganze Verfahren, angefangen von der ersten
Orientierung der beschuldigten Person über die gegen sie erhobenen Vorwürfe
bis zum letzten Entscheid in der Sache. Welche Verfahrensdauer angemessen
- 28 -
ist, hängt von den konkreten Umständen ab, die in ihrer Gesamtheit zu würdigen
sind. Dabei sind insbesondere die Komplexität des Falls, das Verhalten der
beschuldigten Person, die Behandlung des Falls durch die Behörden und dessen
Bedeutung für die beschuldigte Person zu berücksichtigen (BGE 130 IV 54
E. 3.3.3., Wiprächtiger, a.a.O., N 137 zu Art. 47 StGB).
3.6.3. Da es sich beim gegen den Beschuldigten erhobenen Vorwurf um einen
sehr einfachen, überschaubaren Sachverhalt im Inland handelt, bei dem keine
allzu grosse Anzahl einfacher Untersuchungshandlungen zu tätigen war,
erscheint die Dauer zwischen dem Vorfall vom 1. Februar 2010 bis zur Anklage-
erhebung am 19. September 2011 als eher lang. Aus den Akten sind insbesonde-
re keine Gründe ersichtlich für den längeren Zeitraum der Untätigkeit von rund
neun Monaten zwischen der Befragung des Beschuldigten vom 17. November
2010 bis zur nächsten Vorladung zu weiteren Einvernahmen im Vorverfahren am
10. August 2011 (vgl. Urk. 5/2, Urk. 11/5, Urk. 6/2 und Urk. 6/3). Die Verletzungs-
folgen beim Privatkläger waren beispielsweise bereits Ende März 2010 fertig ab-
geklärt (Urk. 7/1-4). Angesichts der langen Ungewissheit über eine erneute Verur-
teilung mit einem möglichen Freiheitsentzug und seines Wohlverhaltens seit der
Tat erweist sich eine leichte Strafminderung von 1/8 als angemessen. Festzuhal-
ten bleibt aber immerhin, dass die Vorinstanz nach Eingang der Anklage beim
Einzelgericht am 28. September 2011 (Urk. 38 S. 1) umgehend zur Hauptver-
handlung vorgeladen hat und bereits zwei Monate später das Urteil gefällt wurde.
3.7. Unter Berücksichtigung der sich aus den Strafminderungsgründen ergeben-
den Reduktion um einen Monat ergibt sich eine Freiheitsstrafe von 7 Monaten.
Die von der Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe von 8 Monaten ist
demgemäss um einen Monat auf 7 Monate zu reduzieren.
VI. Vollzug
Die Voraussetzungen für den bedingten Strafvollzug wurden im angefochte-
nen Urteil unter Hinweis auf Art. 42 Abs. 1 StGB korrekt aufgeführt und zutreffend
erwogen, dass in objektiver Hinsicht die Voraussetzungen für eine Gewährung
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des bedingten Strafvollzuges erfüllt sind, es kann darauf verwiesen werden
(Urk. 38 S. 17; Art. 82 Abs. 4 StPO). Im Weiteren hat die Vorinstanz mit zutreffen-
der Begründung erwogen, dass die private und berufliche Situation des Beschul-
digten nicht stabil ist. Er verfügt nur über unregelmässiges, sehr knappes
Erwerbseinkommen und wohnt bei Bekannten, da er sich eine eigene Wohnung
nicht leisten kann (Urk. 29 S. 1 ff., vgl. auch vorstehend, Erw. V.3.4.3.). Durch die
frühere Verbüssung einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe im Jahre 2005 liess der
Beschuldigte sich offensichtlich nicht genügend beeindrucken, um sich inskünftig
wohlzuverhalten. Die vorliegend zu beurteilende Tat vom 1. Februar 2010 beging
er überdies nur rund einen Monat nach seiner letzten Verurteilung vom 4. Januar
2010 (vgl. vorstehend, Erw. V.3.5.1.). Es liegt daher eine ungünstige Prognose
vor, weshalb die Voraussetzungen für eine Gewährung des bedingten Strafvoll-
zuges in subjektiver Hinsicht nicht erfüllt sind.
Die ausgefällte Freiheitsstrafe von 7 Monaten ist daher zu vollziehen.
VII. Zivilansprüche
1. Bei der Beurteilung der Zivilansprüche des Privatklägers ist die Vorinstanz
mit zutreffender Begründung zum Schluss gekommen, dass die Schadenersatz-
pflicht des Beschuldigten und der Genugtuungsanspruch des Privatklägers dem
Grundsatze nach gegeben sind, diese infolge fehlender Begründung beziehungs-
weise wegen mangelnder Substantiierung zur Feststellung des Umfanges der
Ansprüche auf den Weg des ordentlichen Zivilprozesses zu verweisen sind. Um
Wiederholung zu vermeiden, ist vollumfänglich darauf zu verweisen (Urk. 38
S. 18 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Nachdem die Verweisung der Zivilansprüche auf den Weg des Zivilprozes-
ses (Dispositivziffern 4 und 5) von Seiten der Privatklägerschaft unangefochten
geblieben ist (Urk. 37/2; Urk. 42 f.), hat es damit sein Bewenden.
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VIII. Kostenfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziffer 6 u. 7) zu
bestätigen (Art. 428 Abs. 3 StPO).
2. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechts-
mittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens und Unterliegens.
Nachdem der Beschuldigte mit seiner Berufung nur marginal durchdringt,
rechtfertigt es sich, ihm die gesamten Kosten des Berufungsverfahrens aufzu-
erlegen. Somit sind die Kosten der Untersuchung und der gerichtlichen Verfahren
in beiden Instanzen dem Beschuldigten aufzuerlegen.