Decision ID: 72b0f319-f6ee-5842-b2cb-2563f5eb35cf
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ (vormals: B._ [IV-act. 45.1/8, 22 und 26]; nachfolgend:
Beschwerdeführer) wurde 1975 geboren und ist nordmazedonischer (vor-
mals: madezonischer) Staatsangehöriger. Am 29. April 1990 reiste er in die
Schweiz ein und arbeitete in den Jahren 1993 bis 2001 in einer eigenen
Reinigungsfirma (IV-act. 4; IK-Auszug in Beilage zu BVGer-act. 20). Am
19. März 2002 meldete er sich erstmals bei der IV-Stelle des Kantons
C._ (nachfolgend: kantonale IV-Stelle) zum Bezug von Leistungen
der schweizerischen Invalidenversicherung an. Als Krankheitsgrund gab er
eine Depression an (IV-act. 4). Mit Verfügung vom 2. Dezember 2002
sprach die kantonale IV-Stelle dem Beschwerdeführer eine ganze Invali-
denrente (inklusive Zusatzrenten für den Ehegatten und die [zu jenem Zeit-
punkt vier] Kinder) mit Wirkung ab dem 1. August 2002 zu (IV-act. 27).
Diese Rentenleistungen bestätigte die kantonale IV-Stelle mit Mitteilung
vom 8. Januar 2007 (IV-act. 31).
A.a Am 16. März 2009 gewährte die Staatsanwaltschaft C._ der
kantonalen IV-Stelle die Gelegenheit, im Rahmen eines gegen den Be-
schwerdeführer laufenden Strafverfahrens eine Entschädigungsforderung
zu stellen (IV-act. 32). Am 11. November 2009 leitete die kantonale
IV-Stelle ein Revisionsverfahren betreffend die dem Beschwerdeführer
ausgerichteten Rentenleistungen ein (IV-act. 33). Mit Verfügung vom
20. November 2009 sistierte die kantonale IV-Stelle die Rentenleistungen
des Beschwerdeführers mit sofortiger Wirkung, da aufgrund eines laufen-
den Strafverfahrens betreffend Verdacht auf gewerbsmässige Geldwä-
scherei und gewerbsmässigen Betrug, eventualiter mehrfache Veruntreu-
ung, ein unrechtmässiger Leistungsbezug vorliegen könnte (IV-act. 34).
A.b Mit Stellungnahme vom 9. April 2010 empfahl der regionale ärztliche
Dienst (nachfolgend: RAD) der kantonalen IV-Stelle, einen Bericht des
Hausarztes des Beschwerdeführers einzuholen sowie anschliessend eine
psychiatrische Begutachtung anzuordnen (IV-act. 59). Am 21. April 2010
betraute die kantonale IV-Stelle Dr. med. D._ mit der Erstellung ei-
ner psychiatrischen Begutachtung des Beschwerdeführers (IV-act. 70).
Das Gutachten vom 12. Juni 2010 ging am 15. Juni 2010 bei der kantona-
len IV-Stelle ein (IV-act. 78). Nach der Durchführung des Vorbescheidver-
fahrens (IV-act. 101) hob die kantonale IV-Stelle mit Verfügung vom
3. März 2011 die dem Beschwerdeführer bisher ausgerichtete ganze Inva-
lidenrente rückwirkend ab dem 31. Dezember 2005 infolge eines unter
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40 % liegenden Invaliditätsgrades sowie einer Verletzung der Meldepflicht
des Beschwerdeführers auf (IV-act. 108). Hiergegen erhob der anwaltlich
vertretene Beschwerdeführer mit Eingabe vom 28. März 2011 Beschwerde
beim Sozialversicherungsgericht C._ (IV-act. 114).
A.c Mit Urteil vom 30. Mai 2011 erklärte das Strafgericht des Kantons
C._ den Beschwerdeführer des mehrfachen gewerbsmässigen Be-
trugs, unter anderem zu Lasten der Invalidenversicherung (vgl. ergän-
zende Anklageschrift vom 28. Dezember 2010 in IV-act. 113), der Misswirt-
schaft, der mehrfachen Urkundenfälschung und der mehrfachen Erschlei-
chung einer falschen Beurkundung schuldig (IV-act. 118). Der Beschwer-
deführer erhob gegen dieses Urteil mit Eingabe vom 26. September 2011
Berufungserklärung beim (...) gericht des Kantons C._
(IV-act. 120). Im laufenden Berufungsverfahren in Strafsachen reichte der
Beschwerdeführer das Privatgutachten von Dr. med. E._ vom
17. März 2014 (adressiert an den behandelnden Psychiater Dr. med.
F._) beim (...) gericht des Kantons C._ ein (IV-act. 218). Das
(...) gericht des Kantons C._ bestätigte mit Urteil vom 4. April 2014
das Urteil des Strafgerichts des Kantons C._ vom 30. Mai 2011 wei-
testgehend (IV-act. 151).
A.d Am 12. Januar 2015 ging bei der kantonalen IV-Stelle die Neuanmel-
dung des Beschwerdeführers mittels Formular "Anmeldung für Erwach-
sene: Berufliche Integration/Rente" vom 9. Januar 2015 ein. Als Krank-
heitsgrund gab der Beschwerdeführer "Schizoaffektive-Psychose" an
(IV-act. 161). Mit Mitteilung vom 21. Januar 2015 teilte die kantonale
IV-Stelle dem nach wie vor anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer mit,
die von ihm eingereichte Beschwerde gegen die Aufhebungsverfügung
vom 3. März 2011 sei noch beim Sozialversicherungsgericht C._
hängig. Sie werde erst nach Abschluss jenes Beschwerdeverfahrens wei-
tere Abklärungen vornehmen und über das Gesuch entscheiden (IV-act.
167). Mit Urteil 6B_734/2014 vom 5. Mai 2015 wies das Bundesgericht die
vom Beschwerdeführer gegen das Urteil des (...) gerichts des Kantons
C._ vom 4. April 2014 erhobene Beschwerde ab (IV-act. 181 S. 2-
5). Mit Urteil vom 18. April 2016 bestätigte das Sozialversicherungsgericht
C._ die Rentenaufhebung gemäss der Verfügung der kantonalen
IV-Stelle vom 3. März 2011 (IV-act. 185).
A.e Mit Schreiben vom 16. September 2016 teilte die kantonale IV-Stelle
dem Beschwerdeführer mit, sie könne auf die neue IV-Anmeldung nur ein-
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treten, wenn der Beschwerdeführer eine gegenüber März 2011 aufgetre-
tene erhebliche Verschlechterung seines Gesundheitszustands glaubhaft
mache und bat ihn um die Zustellung entsprechender medizinischer Unter-
lagen (IV-act. 187). Daraufhin reichte der Beschwerdeführer bei der kanto-
nalen IV-Stelle das Privatgutachten von Dr. G._, (...) (Nordmaze-
donien) vom 13. Oktober 2016 samt Übersetzung ein (IV-act. 189).
B.
Am 1. März 2015 verlegte der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz nach
Nordmazedonien (IV-act.193 S.6 [Anm.: infolge Ausweisung aus der
Schweiz per 28. Februar 2015; vgl. IV-act. 189 S. 19]). In der Folge nahm
die nunmehr zuständige IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (nach-
folgend: Vorinstanz; vgl. IV-act. 195) die medizinischen sowie wirtschaftli-
chen Abklärungen betreffend die Neuanmeldung des Beschwerdeführers
vom 9. Januar 2015 (vgl. Sachverhalt Bst. A.d) an die Hand.
B.a Mit Stellungnahme vom 24. Januar 2017 empfahl der medizinische
Dienst, zur Überprüfung der vom Beschwerdeführer geltend gemachten
Verschlechterung seines Gesundheitszustands eine psychiatrische Begut-
achtung einzuholen (IV-act. 198). Mit Mitteilung vom 1. Mai 2017 infor-
mierte die kantonale IV-Stelle den Beschwerdeführer, dass sie Facharzt
Dr. med. H._ mit der psychiatrischen Begutachtung betraue (IV-
act. 213). Am 19. Oktober 2017 wurde der Beschwerdeführer von Dr. med.
H._ psychiatrisch untersucht. Das daraufhin von Dr. med.
H._ verfasste Gutachten datiert vom 15. Januar 2018 (IV-act. 232).
Mit Vorbescheid vom 21. März 2018 kündigte die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer an, sie werde sein (neues) Leistungsbegehren abweisen,
da gemäss dem eingeholten Gutachten vom 15. Januar 2018 keine aus-
reichende durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres vor-
liege (IV-act. 239).
B.b Hiergegen erhob der Beschwerdeführer, nunmehr vertreten durch Ad-
vokat Dr. iur. Delvoigt (vgl. Anwaltsvollmacht in IV-act. 240), mit Eingabe
vom 26. April 2018 Einwand bei der Vorinstanz (IV-act. 241). In der Ein-
wandbegründung vom 26. Juni 2018 kritisierte der Beschwerdeführer in
verschiedener Hinsicht das Gutachten von Dr. med. H._ vom
15. Januar 2018 und ersuchte um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege (IV-act. 247). Mit Bericht vom 28. August 2018 nahm Dr. med.
I._ des medizinischen Dienstes zum Einwand des Beschwerdefüh-
rers Stellung (IV-act. 254). Mit Verfügung vom 22. Oktober 2018 hiess die
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Vorinstanz das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Verbei-
ständung im Vorbescheidverfahren gut (IV-act. 269). Mit Verfügung vom
8. November 2018 wies die Vorinstanz das Leistungsbegehren des Be-
schwerdeführers ab. Zum Einwand des Beschwerdeführers gegen den
Vorbescheid vom 21. März 2018 hielt sie fest, die vom Beschwerdeführer
gegen das Gutachten vom 15. Januar 2018 vorgebrachten Argumente
seien keinesfalls derart schwerwiegend, als dass sie die Qualität des Gut-
achtens in Zweifel zu ziehen vermöchten (IV-act. 271).
C.
Hiergegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. Dezember
2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht mit den Anträgen, es
sei die Verfügung vom 8. November 2018 aufzuheben sowie ihm mit Wir-
kung spätestens ab Juni 2015 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Un-
ter dem Eventualstandpunkt beantragt er, die Angelegenheit sei zur weite-
ren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Ausserdem stellt der Be-
schwerdeführer ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege (BVGer-act. 1).
D.
Mit Zwischenverfügung vom 1. Februar 2019 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche
Rechtspflege gut, verzichtete entsprechend auf die Erhebung von Verfah-
renskosten und gewährte dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwalt Delvoigt (BVGer-act. 6).
E.
In ihrer Vernehmlassung vom 5. März 2019 beantragt die Vorinstanz, die
Beschwerde sei abzuweisen und die angefochtene Verfügung sei zu be-
stätigen (BVGer-act. 9).
F.
Mit Replik vom 24. Mai 2019 hält der Beschwerdeführer an seinen Rechts-
anträgen fest (BVGer-act. 13).
G.
Mit Eingabe vom 24. Juni 2019 verzichtet die Vorinstanz auf die Einrei-
chung einer Duplik (BVGer-act. 15).
H.
Mit Verfügung vom 28. Juni 2019 schloss das Bundesverwaltungsgericht
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den Schriftenwechsel – unter Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen
– ab (BVGer-act. 16).
I.
Mit Instruktionsverfügung vom 26. Juni 2020 wies das Bundesverwaltungs-
gericht darauf hin, dass es gemäss BGE 141 V 281 der rechtsanwenden-
den Behörde (Verwaltung) obliege, die Standardindikatoren (respektive die
diesbezüglich vorhandenen gutachterlichen Feststellungen) zu prüfen und
gestützt darauf gesamthaft zu beurteilen, ob aus rechtlicher Sicht eine Ar-
beits(un)fähigkeit anzunehmen sei. Da in den vorliegenden Akten eine sol-
che Prüfung der Standardindikatoren durch die Vorinstanz fehle, ersuchte
das Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz, diese Prüfung – unter Ein-
bezug des RAD – nachzuholen (BVGer-act. 21).
J.
Mit Eingabe vom 28. Juli 2020 reichte die Vorinstanz beim Bundesverwal-
tungsgericht die Stellungnahme des medizinischen Dienstes vom 20. Juli
2020 ein, in welcher dieser die Standardindikatoren geprüft und gestützt
darauf das Vorliegen einer relevanten Arbeitsunfähigkeit des Beschwerde-
führers verneint hatte (BVGer-act. 24).
K.
Mit Eingabe vom 30. September 2020 nahm der Beschwerdeführer seiner-
seits zur Prüfung der Standardindikatoren durch die Vorinstanz Stellung
(BVGer-act. 26).
L.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen
wird – soweit erforderlich und rechtserheblich – in den nachfolgenden Er-
wägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
den Vorschriften des VGG, des VwVG [vgl. auch Art. 37 VGG]) sowie des
ATSG (SR 830.1; vgl. auch Art. 3 Bst. dbis VwVG).
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1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern – wie im vorlie-
genden Fall – keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen
gelten die in Art. 33 VGG genannten Behörden. Zu diesen gehört die
IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (Art. 33 Bst. d VGG; vgl. Art. 69
Abs. 1 Bst. b IVG [SR 831.20]). Das Bundesverwaltungsgericht ist somit
zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.3 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men; er ist als Adressat der angefochtenen Verfügung durch diese beson-
ders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
oder Abänderung, weshalb er zur Erhebung der Beschwerde legitimiert ist
(Art. 48 Abs. 1 VwVG; siehe auch Art. 59 ATSG).
1.4 Nachdem ausserdem mit Verfügung vom 1. Februar 2019 auf die Er-
hebung von Verfahrenskosten infolge Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege verzichtet wurde, ist auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde einzutreten (Art. 50 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 und Art. 63
Abs. 4 VwVG; siehe auch Art. 60 ATSG).
2.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstands des vor-
liegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 8. November 2018, mit welcher die Vorinstanz das neue
Leistungsgesuch des Beschwerdeführers mangels anspruchsbegründen-
der Invalidität abgelehnt hat. Vorliegend streitig sowie vom Bundesverwal-
tungsgericht zu prüfen ist somit der Anspruch des Beschwerdeführers auf
eine schweizerische Invalidenrente im Rahmen einer Neuanmeldung.
3.
In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung des recht-
lichen Gehörs, indem die Vorinstanz auf seine im Einwand vorgebrachte
Begründung nicht näher eingegangen sei.
3.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 42 ATSG)
gewährleistet der vom Entscheid in ihrer Rechtsstellung betroffenen Per-
son insbesondere das Recht, sich vor Erlass des Entscheids zur Sache zu
äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu neh-
men, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhe-
bung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest
zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid
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Seite 8
zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1). Der Gehörsanspruch verpflichtet
die Behörde, die Vorbringen der betroffenen Person auch tatsächlich zu
hören, zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen, weshalb
sie ihren Entscheid zu begründen hat (BGE 134 I 83 E. 4.1). Die Pflicht der
Behörde, ihre Verfügungen – sofern sie den Begehren der Parteien nicht
voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG) – zu begründen, bezweckt
insbesondere, die betroffene Person in die Lage zu versetzen, eine Verfü-
gung gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu können (BGE 124 V 180
E. 1a, vgl. auch 134 I 83 E. 4.1 m.w.H., Urteil C-1169/2019 des BVGer vom
19. Februar 2020 E. 5.1).
3.2 Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde geltend, er habe in
seinem Einwand auf mehreren Seiten begründet, dass das psychiatrische
Gutachten von Dr. med. H._ vom 15. Januar 2018 die Anforderun-
gen der einschlägigen Qualitätsleitlinien nicht erfülle. Diese Begründung
habe die Vorinstanz mit einigen "lapidaren" Vermerken beiseitegeschoben.
3.3 In ihrer Vernehmlassung vom 5. März 2019 weist die Vorinstanz darauf
hin, dass sie aufgrund des Einwands des Beschwerdeführers eine zusätz-
liche ärztliche Stellungnahme eingeholt und diese in der angefochtenen
Verfügung berücksichtigt habe.
3.4 Im Vorbescheidverfahren hat die Vorinstanz die zahlreichen Rügen des
Beschwerdeführers zum psychiatrischen Gutachten von ihrem RAD prüfen
lassen. Dieser hat diesbezüglich am 28. August 2018 ausführlich Stellung
genommen (IV-act. 254). Diese Stellungnahme hat die Vorinstanz in ihrer
Verfügung berücksichtigt, ohne jedoch explizit darauf Bezug zu nehmen.
Damit hat sie die Einwände des Beschwerdeführers zwar materiell gewür-
digt, diese Würdigung in der Verfügungsbegründung jedoch nur rudimentär
dargelegt. Immerhin enthält die Verfügungsbegründung indessen die we-
sentlichen Überlegungen, von denen sich die Vorinstanz in Bezug auf die
Einwände des Beschwerdeführers hat leiten lassen. Ausserdem war es
dem Beschwerdeführer augenscheinlich möglich, die Verfügung vom
8. November 2018 trotz der eher kurzen Begründung sachgerecht beim
Bundesverwaltungsgericht anzufechten. Unter diesen Umständen ist vor-
liegend keine Verletzung des rechtlichen Gehörs des Beschwerdeführers
auszumachen.
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Seite 9
4.
4.1 Der Beschwerdeführer ist nordmazedonischer Staatsangehöriger und
lebt in Nordmazedonien, weshalb vorliegend das Abkommen vom 9. De-
zember 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der
Republik Mazedonien über Soziale Sicherheit (SR 0.831.109.520.1; nach-
folgend: Sozialversicherungsabkommen) zur Anwendung gelangt. Nach
Art. 4 Abs. 1 des Sozialversicherungsabkommens sind die Staatsangehö-
rigen des einen Vertragsstaates in ihren Rechten und Pflichten aus den
Rechtsvorschriften des anderen Vertragsstaates, zu denen gemäss Art. 1
Abs. 1 Bst. a in Verbindung mit Art. 2 A Bst. ii des Sozialversicherungsab-
kommens auch die Bundesgesetzgebung über die schweizerische Invali-
denversicherung gehört, den Staatsangehörigen dieses Vertragsstaates
gleichgestellt; abweichende Bestimmungen in diesem Abkommen bleiben
vorbehalten. Mangels vorliegend anwendbarer, abweichender Vorschriften
bestimmt sich der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der In-
validenversicherung demnach ausschliesslich nach schweizerischem
Recht.
4.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
gebend, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts-
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1),
weshalb jene Vorschriften Anwendung finden, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 8. November 2018 in Kraft standen; weiter aber auch
Vorschriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren,
die aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprü-
che von Belang sind.
4.3 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 8. November 2018) eingetretenen Sachver-
halt ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither
verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwal-
tungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b). Diese sind indessen soweit
zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzu-
sammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Erlasses der Verfügung zu beeinflussen (vgl. Urteil des BGer 9C_24/2008
vom 27. Mai 2008 E. 2.3.1).
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Seite 10
5.
5.1 Wurde eine Rente auf der Basis eines früheren Leistungsbegehrens
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so richtet sich die
Prüfung eines neuen Leistungsgesuches grundsätzlich nach den Regeln
der Rentenrevision (BGE 130 V 71 E. 3.1). Gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV (SR
831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzun-
gen gemäss Abs. 2 dieser Verordnungsbestimmung erfüllt sind. Danach ist
vom Versicherten im Gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der
Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Urteil
des Bundesgerichts I 556/02 vom 25. März 2003 und BGE 109 V 262 zu
aArt. 87 Abs. 4 IVV).
5.2 Nach Eingang der Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prü-
fung verpflichtet, ob die versicherte Person die genannte Veränderung
glaubhaft dargelegt hat. Verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne
weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei hat sie unter anderem zu
berücksichtigen, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere
Zeit zurückliegt, um dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere
oder weniger hohe Anforderungen zu stellen. Insofern steht ihr ein gewis-
ser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektie-
ren hat. Daher prüft das Gericht die Behandlung der Eintretensfrage durch
die Verwaltung nur, wenn diese streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung
gestützt auf Art. 87 Abs. 3 IVV Nichteintreten beschlossen hat, und die ver-
sicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine
richterliche Beurteilung der Eintretensfrage, wenn die Verwaltung auf die
Neuanmeldung eingetreten ist (Urteil des BGer I 888/05 vom 7. Juni 2006
E. 2; BGE 109 V 108 E. 2b, 109 V 262 E. 3; Urteil des BVGer
C-2520/2006 vom 3. September 2007 E. 4.1).
Vorliegend ist die Vorinstanz mit Verfügung vom 8. November 2018 auf das
neue Leistungsgesuch des Beschwerdeführers vom 9. Januar 2015 einge-
treten und hat dieses aufgrund einer materiellen Beurteilung abgewiesen.
Vom Bundesverwaltungsgericht ist damit ausschliesslich die Frage zu prü-
fen, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine schweizerische Invaliden-
rente hat (siehe E. 2). Ob die Vorinstanz zu Recht auf die Neuanmeldung
des Beschwerdeführers vom 9. Januar 2015 eingetreten ist, hat das Bun-
desverwaltungsgericht hingegen nicht zu überprüfen.
5.3 Eine Änderung des Invaliditätsgrads setzt stets auch eine Änderung
der tatsächlichen Verhältnisse voraus. Ausgangspunkt zur Beurteilung die-
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Seite 11
ser Veränderung ist dabei der Sachverhalt im Zeitpunkt der letzten der ver-
sicherten Person eröffneten rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer
materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver-
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens-
vergleichs beruht.
Dieser Ausgangspunkt bestimmt sich vorliegend nach Massgabe der ren-
tenaufhebenden Verfügung vom 3. März 2011 (Sachverhalt Bst. A.b). Ihm
ist als aktuellen Referenzzeitpunkt der Zeitpunkt des Erlasses der ange-
fochtenen Verfügung, das heisst der 8. November 2018, gegenüberzustel-
len (vgl. BGE 131 V 242 E. 2.1).
5.4 Die Veränderung der Verhältnisse zwischen den beiden Referenzzeit-
punkten muss erheblich sein (Art. 17 ATSG). Erheblichkeit bedeutet vorlie-
gend, dass diese Veränderung einen Einfluss auf den Invaliditätsgrad und
damit auf den Rentenanspruch der versicherten Person hat (BGE 130 V
343 E. 3.5 m.w.H).
5.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und
im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können. Es sind somit nicht nur die Erwerbsmög-
lichkeiten im angestammten Beruf, sondern auch in zumutbaren Verwei-
sungstätigkeiten zu prüfen (leidensangepasste Verweisungstätigkeit; ZAK
1986 S. 204 f.). Bei der Bemessung der Invalidität ist auf die objektiven
wirtschaftlichen Folgen der funktionellen Behinderung abzustellen, welche
nicht zwingend mit dem vom Arzt festgelegten Grad der funktionellen Ein-
schränkung übereinstimmen müssen (BGE 125 V 256 E. 4, BGE 115 V 133
E. 2, BGE 110 V 275 E. 4a).
5.6 Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträ-
ger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, das heisst ohne
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Dies bedeutet für das Gericht, dass es alle Beweismittel, unabhängig, von
wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob
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Seite 12
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander wider-
sprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne
das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa-
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt
(BGE 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c).
5.7 Gleichwohl erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der
freien Beweiswürdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung
in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten auf-
zustellen (vgl. hierzu BGE 125 V 352 E. 3b; AHI 2001 S. 114 E. 3b; Urteil
des BGer I 128/98 vom 24. Januar 2000 E. 3b). So ist den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärzte, wel-
che aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Be-
funde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung
volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3b/bb, mit wei-
teren Hinweisen). Ein Parteigutachten besitzt demgegenüber nicht den
gleichen Rang wie ein vom Gericht oder vom Versicherungsträger nach
dem vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten. Es verpflichtet
indessen das Gericht, den von der Rechtsprechung aufgestellten Richtli-
nien für die Beweiswürdigung folgend, zu prüfen, ob es in rechtserhebli-
chen Fragen die Auffassung und Schlussfolgerungen des vom Gericht oder
vom Versicherungsträger förmlich bestellten Gutachters derart zu erschüt-
tern vermag, dass davon abzuweichen ist (vgl. BGE 125 V 351) oder zu-
mindest weitere Abklärungen angezeigt sind (vgl. Urteil des BGer
8C_412/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 4.2). Berichte der behandelnden
Ärzte sind aufgrund deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zum Pa-
tienten mit Vorbehalt zu würdigen (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Dies gilt für
den allgemein praktizierenden Hausarzt wie auch für den behandelnden
Spezialarzt (Urteil des BGer I 655/05 vom 20. März 2006 E. 5.4 mit Hin-
weisen; vgl. aber das Urteil des BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008
E. 2.3.2).
5.8 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-
lung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi-
C-7014/2018
Seite 13
zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Exper-
ten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich
somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder
Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a).
5.9 Die Stellungnahmen des RAD oder des medizinischen Dienstes der
IVSTA, welche nicht auf eigenen Untersuchungen beruhen (Art. 49 Abs. 3
IVV), können beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und
es im Wesentlichen um die Beurteilung eines an sich feststehenden medi-
zinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der
versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Art. 59 Abs. 2bis IVG; Art.
49 Abs. 3 IVV; vgl. Urteil des BGer 9C_335/2015 vom 1. September 2015
E. 3.1). Ein förmlicher Anspruch auf eine versicherungsexterne Begutach-
tung besteht mithin nicht. Eine solche ist indes anzuordnen, wenn auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versiche-
rungsinternen ärztlichen Feststellungen bestehen. Ein externes, meist po-
lydisziplinäres Gutachten ist namentlich einzuholen, wenn der interdiszipli-
näre Charakter einer medizinischen Problemlage dies gebietet, wenn der
RAD oder der medizinische Dienst nicht über die nötigen fachlichen Res-
sourcen verfügt, sowie wenn zwischen der Stellungnahme des RAD oder
des medizinischen Dienstes und dem allgemeinen Tenor im medizinischen
Dossier eine relevante Differenz besteht (vgl. BGE 137 V 210 E. 1.2.1; 135
V 465 E. 4.6).
5.10 Geht es um psychische Erkrankungen, namentlich eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomati-
sches Leiden (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen
leicht- bis mittelgradiger Natur (BGE 143 V 409), sind für die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren (sog. Standardindikatoren)
beachtlich, die – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Be-
lastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen)
anderseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ein-
zuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; 143 V 418 E. 6 ff.).
Ausgangspunkt der Prüfung und damit erste Voraussetzung bildet eine
psychiatrische, lege artis gestellte Diagnose (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1;
143 V 418 E. 6 und E. 8.1). Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit er-
wähnten Indikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE
141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) mit
den Komplexen «Gesundheitsschädigung» (Ausprägung der diagnosere-
levanten Befunde und Symptome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg
C-7014/2018
Seite 14
oder -resistenz; Komorbiditäten [E. 4.3.1]), «Persönlichkeit» (Persönlich-
keitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen
[E. 4.3.2]) und «sozialer Kontext» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz»
(Gesichtspunkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbe-
reichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus-
gewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2).
6.
In der – mit Urteil des Sozialversicherungsgerichts C._ vom 18. Ap-
ril 2016 bestätigten (vgl. Sachverhalt Bst. A.d) und – mittlerweile in Rechts-
kraft getretenen Verfügung vom 3. März 2011 erklärte die kantonale
IV-Stelle, es sei aus ärztlicher Sicht davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer seit 2006 lediglich noch zu 20 % arbeitsunfähig sei. Des-
sen Geschäftsaktivitäten untermauerten die diesbezüglichen medizini-
schen Feststellungen (IV-act. 108). In medizinischer Hinsicht stützte sich
die kantonale IV-Stelle hauptsächlich auf das von ihr eingeholte psychiatri-
sche Gutachten vom 12. Juni 2010.
Im Gutachten vom 12. Juni 2010 erkannte Dr. med. D._ als Diag-
nose mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schizoaffektive Stö-
rung mit einem leichtgradig depressiven Syndrom (ICD-10 F25.1). Keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe die Haft gemäss ICD-10 Z65
(Kontaktanlässe mit Bezug auf andere psychosoziale Umstände). Der Gut-
achter wies indessen darauf hin, dass Hinweise auf eine zumindest im Ver-
lauf stattgefundene Aggravation deuteten. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
hielt er fest, es sei aus psychiatrischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von
80 % (bei einem zeitlichen Arbeitspensum von 100 % und einer leichten
Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 20 %) in jeder den Fähigkeiten
des Beschwerdeführers entsprechenden Tätigkeit auszugehen. In die Be-
urteilung der medizinisch-theoretischen Zumutbarkeit einer beruflichen Tä-
tigkeit seien die IV-fremden Faktoren (geringe kulturelle Integration, gerin-
ger Ausbildungsstand, Dekonditionierung, finanzielle Probleme, hängiges
Strafverfahren und laufendes versicherungsrechtliches Verfahren) nicht
eingeflossen (IV-act. 77).
Diese Beurteilung stellt vorliegend den rechtlich entscheidenden Aus-
gangspunkt für die Beurteilung, ob beim Beschwerdeführer eine erhebliche
Veränderung seines Gesundheitszustands eingetreten ist, dar (vgl.
E. 5.3 f.).
C-7014/2018
Seite 15
7.
In der angefochtenen Verfügung vom 8. November 2018 hielt die
Vorinstanz in medizinischer Hinsicht fest, sie habe zur Abklärung des Ge-
sundheitszustands des Beschwerdeführers eine mono-disziplinäre Begut-
achtung in der Schweiz organisiert. Die Begutachtung in der Fachrichtung
Psychiatrie habe am 19. Oktober 2017 stattgefunden. Aus dem Gutachten
vom 15. Januar 2018 gehe hervor, dass keine ausreichende durchschnitt-
liche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % während eines Jahres vor-
liege. Die diagnostizierte schizoaffektive Störung zeige sich einzig durch
eine Dysthymie. Eine solche könne keine für die Invalidenversicherung re-
levante Arbeitsunfähigkeit begründen. Somit lägen keine wesentlichen
funktionellen Einschränkungen vor, die der Ausübung einer Erwerbstätig-
keit im Wege stünden. Obwohl beim Beschwerdeführer ein gewisser Lei-
densdruck gegeben sei, gelte dieser als invaliditätsfremd, da er mit psy-
chosozialen Faktoren und nicht mit einem Gesundheitsschaden von Krank-
heitswert zu begründen sei (IV-act. 108).
7.1 In dem von der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zitierten
Gutachten vom 15. Januar 2018 stellte Dr. med. H._ die Diagnose
einer schizoaffektiven Störung (ICD-10 F25) mit Dysthymia (ICD-10 F34.1).
Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe die Diagnose der depres-
siven Episode/Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4/F33.4), bei
vielfältigen sozialen Belastungen. Es sei eine Verdeutlichungstendenz/Ag-
gravation seit März 2014 bekannt, die sich aktuell als bewusstseinsnahe
Aggravation bei einem Rentenbegehren bestätige. Die subjektive Schilde-
rung der affektiven und kognitiven Beschwerde bleibe spärlich; das
beobachtbare Verhalten und die objektivierbaren psychopathologischen
Befunde seien weitgehend unauffällig. Die Limitierung des Aktivitäten-
niveaus sei weit überwiegend durch die Selbsteinschätzung des Be-
schwerdeführers zu begründen. Aus rein psychiatrisch-psychotherapeuti-
scher Sicht könne beim Beschwerdeführer aufgrund der leichten schizoaf-
fektiven Störung mit Dysthymia und den damit verbundenen objektiv maxi-
mal gering ausgeprägten Defiziten zu keinem Zeitpunkt eine relevante, das
heisst über 20 % liegende, anhaltende Arbeitsunfähigkeit für ausserhäusli-
che Tätigkeiten sowie für Hausarbeiten angenommen werden. In Bezug
auf das Gutachten von Dr. med. D._ vom 12. Juni 2010 sei insofern
von keiner wesentlichen tatsächlichen Veränderung (Verschlechte-
rung/Verbesserung) des Gesundheitszustands auszugehen. Es könne da-
her weiterhin auf die dort erläuterte Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit ab-
gestellt werden (IV-act. 232).
C-7014/2018
Seite 16
7.2 In seiner Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kritisiert der Be-
schwerdeführer das Gutachten von Dr. med. H._ in vielerlei Hin-
sicht. Er macht geltend, dieses genüge den Anforderungen gemäss den
Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten nicht.
Im Einzelnen rügt der Beschwerdeführer, der Gutachter Dr. med.
H._ habe auf die Erhebung einer sorgfältigen und umfassenden
Anamnese verzichtet. Die gesamte Kindheit, Jugend und Adoleszenz habe
er in nur einem Satz umschrieben. Über die Kindheit, die Beziehung zu den
Eltern sowie die schulische Laufbahn stehe kein Wort. Auf Nachfragen, wie
der Beschwerdeführer die Geschehnisse persönlich erlebt habe, habe der
Gutachter verzichtet, sondern diesbezüglich aus anderen Arztberichten ab-
geschrieben. Damit sei keine Reflexion der Wechselwirkungen zwischen
Gutachter und Exploranden möglich gewesen, wie dies die Qualitätsricht-
linien erforderten. Auch über die Entwicklung des Beschwerdeführers so-
wie seinen aktuellen Zustand sei aus dem Gutachten wenig zu erfahren.
Im Gutachten werde nicht einmal erwähnt, dass der Beschwerdeführer ak-
tuell bei seiner Mutter lebe, geschweige denn die Beziehung zu ihr erläu-
tert. Dasselbe gelte für die Beziehung zu einem Cousin, der den Beschwer-
deführer offenbar betreue und ihn unterstütze, sowie zu der schwerstbe-
hinderten Schwester des Beschwerdeführers. Indem der Gutachter bezüg-
lich der Anamnese aus anderen Gutachten abgeschrieben habe, ergäben
sich Widersprüche, die der Gutachter in der Folge nicht auflöse. Darüber
hinaus sei auch der im Gutachten gestellte Befund widersprüchlich und
nicht nachvollziehbar. So werde der Beschwerdeführer einerseits als nur
mässig kooperativ bis unwillig beschrieben, andererseits habe der Be-
schwerdeführer im freien Bericht spontan, flüssig, differenziert und meist
strukturiert gesprochen. Dieser Widerspruch werde ebenfalls nicht aufge-
löst. Die vom Gutachter beschriebene ausweichende Schilderung der Be-
schwerden stehe im Gegensatz zu der ebenfalls im Gutachten erwähnten
elegischen Selbstdarstellung. Aus der anfangs beschriebenen Verdeutli-
chungstendenz mache der Gutachter schliesslich ohne entsprechende Be-
gründung eine bewusstseinsnahe Aggravation. Die im Gutachten behaup-
tete minimale Anstrengungsbereitschaft widerspreche dem Umstand, dass
der Beschwerdeführer angegeben habe, er würde gerne in der Baufirma
seines Cousins arbeiten. Entgegen den Anforderungen der Qualitätsleitli-
nien habe der Gutachter sodann nicht nach der eigenen Einschätzung des
Beschwerdeführers bezüglich seiner Arbeitsfähigkeit gefragt. Die rückwir-
kende Verneinung einer Arbeitsunfähigkeit widerspreche schliesslich den
C-7014/2018
Seite 17
fachärztlich bestätigten Arbeitsunfähigkeiten. Insgesamt enthalte das Gut-
achten weder einen korrekten Befund noch sei es insgesamt nachvollzieh-
bar.
7.3 Bezüglich der bereits im vorinstanzlichen Vorbescheidverfahren erho-
benen Kritiken des Beschwerdeführers gegen das Gutachten von Dr. med.
H._ vom 15. Januar 2018 hat die kantonale IV-Stelle die Stellung-
nahme des medizinischen Dienstes vom 28. August 2018 eingeholt.
Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte
darin aus, der Beschwerdeführer behaupte immer wieder, der Gutachter
habe von anderen Gutachten abgeschrieben. Diese Behauptung sei nicht
nachvollziehbar. Dass es zu Wiederholungen komme, wenn ein Versicher-
ter mehrfach begutachtet werde, sei unvermeidlich. Ausserdem gehe aus
der Erörterung der Vorakten eindeutig hervor, dass sich der Gutachter ein-
gehend mit den Vorakten auseinandergesetzt habe. Der Hinweis des Be-
schwerdeführers, dass er gemäss Gutachten einerseits im freien Bericht
spontan, flüssig, differenziert und meist strukturiert gesprochen habe, der
Gutachter jedoch an einer anderen Stelle schreibe, der Beschwerdeführer
antworte auf Fragen nur mässig kooperativ bis unwillig, stelle keinen Wi-
derspruch dar, da es sich bei dem einen um den freien Bericht und beim
anderen um Antworten zu direkten Fragen handle. Auch wenn der Gutach-
ter in einigen, meist weniger wichtigen Dingen nicht nachgefragt haben
möge, um den Lauf der Begutachtung nicht übermässig zu stören und in
die Länge zu ziehen, sei es unzutreffend, dass das Gutachten unsorgfältig
erstellt worden sei und die Schlussfolgerungen nicht nachvollziehbar oder
nicht plausibel begründet worden seien. Vielmehr sei die Erörterung der
Vorakten hervorragend gelungen, was in diesem Fall besonders wichtig
gewesen sei. Im Übrigen wies der RAD darauf hin, dass der Beschwerde-
führer gegen die erhobene Diagnose keine Einwände erhoben habe. Ins-
gesamt seien die Kritiken des Beschwerdeführers keineswegs derart
schwerwiegend, als dass sie das hervorragende Gutachten in Frage stel-
len könnten (IV-act. 254).
7.4 In ihrer Vernehmlassung vom 5. März 2019 führt die Vorinstanz dies-
bezüglich ergänzend aus, Dr. med. H._ sei entgegen der Auffas-
sung des Beschwerdeführers auf allfällige Diskrepanzen beziehungsweise
Widersprüche eingegangen. So habe er dargelegt, dass eine Diskrepanz
zwischen der subjektiven Einschätzung und den objektivierbaren depres-
siven Befunden bestehe. Diese Diskrepanz erkläre sich weit überwiegend
durch eine Aggravation bei einem Rentenbegehren sowie anhaltenden be-
ziehungsweise neuen sozialen Belastungen.
C-7014/2018
Seite 18
7.5 Aufgrund der bundesverwaltungsgerichtlichen Nachinstruktion (vgl.
Sachverhalt Bst. I f.) nahm Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie des medizinischen Dienstes, sodann am 20. Juli 2020
zu den Standardindikatoren gemäss der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung (vgl. hierzu vorangehend E. 5.10) Stellung. Er prüfte auf der Basis
der im Gutachten von Dr. med. H._ enthaltenen Angaben jeden
vom Bundesgericht vorgegebenen Standardindikator einzeln. Zusammen-
fassend ergänzte er so beispielsweise die gutachterlichen Angaben bezüg-
lich Komplex "Gesundheitsschädigung" dahingehend, dass gemäss dem
Gutachter Dr. med. H._ die Diagnose der depressiven Störung weit
überwiegend im Vordergrund gestanden habe, ohne dass dieser die Diag-
nose der schizoaffektiven Störung, welche bereits in den Jahren 2001/2002
aufgrund der vom Beschwerdeführer deklarierten Wahrnehmungsstörun-
gen gestellt worden sei, formell in Frage gestellt hätte. Ein Behandlungser-
folg sei zu bejahen, indem die durchgeführte fachärztliche Behandlung ver-
mutlich zu einer Verbesserung der depressiven Symptomatik und der Sta-
bilisierung auf dem Niveau einer Dysthymia beigetragen habe. Der Fortbe-
stand der residuellen, sehr leichten depressiven Symptomatik sei mit ex-
ternen sozialen Faktoren zu erklären. Arbeitsversuche seien nicht doku-
mentiert. Es lägen ebenfalls keine Komorbiditäten vor, welche mit den psy-
chischen Störungen in einer direkten Wechselwirkung stünden oder die
psychischen Ressourcen des Beschwerdeführers negativ beeinflussen
würden. Bezüglich Komplex "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik,
persönliche Ressourcen) erklärte Dr. med. J._, in den Akten werde
keine Pathologie der Persönlichkeit beschrieben, die über das Ausmass
akzentuierter Persönlichkeitszüge hinausgehe. Trotz des wenig strukturier-
ten sozialen Kontextes bestünden beim Versicherten genügend persönli-
che Ressourcen, um seinen täglichen Verpflichtungen mehrheitlich selb-
ständig nachzukommen. Hinsichtlich der Kategorie "Konsistenz" (Ge-
sichtspunkte des Verhaltens) wies Dr. med. J._ darauf hin, dass seit
März 2014 eine Verdeutlichungstendenz / Aggravation bekannt sei, die sich
anlässlich der Untersuchung von Dr. med. H._ im Sinne einer be-
wusstseinsnahen Aggravation bestätigt habe. Ausserdem habe Dr. med.
H._ eine aussergewöhnliche Diskrepanz zwischen der subjektiv
wahrgenommenen und der objektivierbaren Arbeitsunfähigkeit mit einer
ungleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus (indem der Be-
schwerdeführer zwar nicht arbeite, aber dennoch seinen Haushalt teilweise
selbständig besorge, Kontakte pflege etc.) festgestellt. Bezüglich der Com-
pliance des Beschwerdeführers lägen aufgrund der Befunde von Dr. med.
H._ immerhin Zweifel vor. Insgesamt verneinte Dr. med. J._
C-7014/2018
Seite 19
im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens das Vorliegen einer rele-
vanten Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers und bestätigte die Er-
gebnisse gemäss dem Gutachten von Dr. med. H._. Er empfahl,
weiterhin auf dieses Gutachten abzustellen (Beilage zu BVGer-act. 24).
7.6 Mit Stellungnahme vom 30. September 2020 wiederholte der Be-
schwerdeführer mehrere seiner bereits beschwerdeweise erhobenen Kriti-
ken am Gutachten von Dr. med. H._. Insbesondere führte er aus,
dieses sei in mehreren Hinsichten widersprüchlich. So stelle es zwar die
Diagnose einer schizoaffektiven Störung, behaupte jedoch gleichzeitig, die
damit verbundenen psychopathologischen Befunde seien gar nicht ausge-
prägt. Ebenfalls schreibe der Gutachter, dass die depressiven Symptome
weit im Vordergrund stünden, behaupte jedoch im Gegensatz hierzu eine
Remission der Depression. Schliesslich beschreibe das Gutachten eine
aussergewöhnliche Diskrepanz zwischen der subjektiv wahrgenommenen
und der objektivierbaren Arbeitsfähigkeit, bejahe aber das Vorliegen einer
subjektiven Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Im Gutachten sei fer-
ner die Komorbidität nicht rechtsgenügend geprüft worden. So habe Dr.
med. H._ die im Gutachten von Dr. med. E._ diagnostizierte
andauernde Persönlichkeitsänderung nicht diskutiert, sondern eine be-
wusstseinsnahe Aggravation behauptet. Ebenso wenig habe der Gutachter
die Ressourcen geprüft. Dass die Vorinstanz nun im Zirkelschluss ableite,
die Limitierung der Aktivitäten sei nicht krankheitsbedingt, genüge nicht.
Der soziale Komplex sei ebenfalls nicht richtig geprüft worden. Die be-
wusstseinsnahe Aggravation habe der Gutachter lediglich behauptet, aber
nicht begründet (BVGer-act. 26).
7.7 Wie Dr. med. I._ in der Stellungnahme vom 28. August 2018
dargelegt hat, ist das Gutachten von Dr. med. H._ beweiskräftig. Es
ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersu-
chungen, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden, wurde in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben und leuchtet in der Beurteilung
der medizinischen Situation ein. Die darin gestellten Befunde und Diagno-
sen sowie auch die Beurteilung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit des Be-
schwerdeführers wurden nachvollziehbar begründet (E. 5.8). Überdies hat
der Gutachter auf den Seiten 37 bis 45 des Gutachtens die Standardindi-
katoren geprüft und in seine Beurteilung einbezogen. Mit dieser Beurtei-
lung hat sich sodann auch Dr. med. J._ des medizinischen Dienstes
in seiner Stellungnahme vom 20. Juli 2020 vertieft auseinandergesetzt, in-
dem er eine eingehende Prüfung der Standardindikatoren vorgenommen
C-7014/2018
Seite 20
und aufgrund dieser Beurteilung die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ge-
mäss dem Gutachten von Dr. med. H._ bestätigt hat (Beilage zu
BVGer-act. 24). Die Stellungnahme des RAD-Arztes überzeugt und bekräf-
tigt den Beweiswert des Gutachtens.
7.8 Die vom Beschwerdeführer beschwerdeweise gegen das Gutachten
von Dr. med. H._ vom 15. Januar 2018 erhobenen Kritiken betreffen
allesamt die gutachterliche Erhebung der Anamnese sowie der Befunde.
Gegen die im Gutachten gestellte Diagnose sowie festgestellte Arbeitsfä-
higkeit hat der Beschwerdeführer hingegen keine Einwände erhoben. Die
Rügen gegen die vom Gutachten Dr. med. H._ erstellte Anamnese
hat der Beschwerdeführer sodann bereits im vorinstanzlichen Verfahren
vorgebracht. Diesbezüglich ist abzustellen auf die Einschätzung des RAD-
Arztes vom 28. August 2018, wonach die vom Beschwerdeführer vorge-
brachten Einwände lediglich unbedeutendere Elemente der Anamnese be-
träfen und daher nicht derart schwerwiegend seien, als dass sie die im
Gutachten getroffenen Schlussfolgerungen in Frage zu ziehen vermöch-
ten. Indem der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vom 30. Sep-
tember 2020 bezüglich der Prüfung der Standardindikatoren rügt, der Gut-
achter Dr. med. H._ habe die Fragen der Komorbidität, Ressourcen
und des sozialen Komplexes nicht genügend geprüft, übersieht er, dass
das Bundesverwaltungsgericht zu diesem Zweck eine nachträgliche Stel-
lungnahme der Vorinstanz eingeholt hat und sich Dr. med. J._ des
medizinischen Dienstes in diesem Zusammenhang auf der Seite 2 seiner
Stellungnahme vom 20. Juli 2020 einlässlich sowie ergänzend zum Gut-
achten von Dr. med. H._ geäussert hat (vgl. vorangehend E. 7.1
und 7.3). Nachdem damit keine hinreichenden Gründe gegen die Zuver-
lässigkeit des Gutachtens von Dr. med. H._ vom 15. Januar 2018
sprechen, durfte die Vorinstanz diesem die volle Beweiskraft zuzuerkennen
und auf dieses für die Beurteilung des Gesundheitszustands des Be-
schwerdeführers im vorliegenden Vergleichspunkt abstellen (vgl. vorange-
hend E. 5.7). Damit steht vorliegend aufgrund der Feststellungen von Dr.
med. H._ in Ergänzung der Beurteilung von Dr. med. J._
fest, dass beim Beschwerdeführer seit der Begutachtung von Dr. med.
D._ vom 12. Juni 2010 keine wesentliche tatsächliche Veränderung
des Gesundheitszustands eingetreten ist.
7.9 Der Beschwerdeführer fordert sodann, es sei auf das Gutachten von
Dr. med. E._ vom 17. März 2014 abzustellen, da dieses wider-
spruchfrei, nachvollziehbar und umfassend seinen Gesundheitszustand
C-7014/2018
Seite 21
aufzeige. Ausserdem enthalte dieses eine ausführliche Exploration des Be-
schwerdeführers und berücksichtigte die bei der Ehefrau und dem Bruder
des Beschwerdeführers erhobenen Fremdanamnesen.
7.9.1 Der Beschwerdeführer hatte das Privatgutachten von Dr. med.
E._ vom 17. März 2014 in dem damals laufenden Strafverfahren
vor dem (...) gericht des Kantons C._ eingereicht, um eine depres-
sionsbedingte Unfähigkeit, die angeklagten deliktischen Tätigkeiten auszu-
üben, zu belegen (vgl. IV-act. 163 S. 16 und Sachverhalt Bst. A.c).
7.9.2 Dr. med. H._ hat in seinem Gutachten vom 15. Januar 2018
unter anderem auch das Gutachten von Dr. med. E._ vom 17. März
2014 berücksichtigt (vgl. IV-act. 232 S. 10). Diesbezüglich hielt er im Gut-
achten fest, Dr. med. E._ habe bei der Einordnung des depressiven
Syndroms und dem Postulat einer (eigenständigen) Panikstörung fast voll-
ständig auf die Selbstbeschreibung des Beschwerdeführers sowie teil-
weise der Ehefrau des Beschwerdeführers abgestellt (IV-act. 232 S. 17).
Hingegen habe Dr. med. E._ nicht erörtert, dass seine Art der Ex-
ploration zumindest das Risiko berge, durch eine suggestive ("aktiv umfas-
sende") Befragung unglaubhafte Antworten zu erhalten. Dies überrasche
insofern, als er selbst eine Verdeutlichungstendenz beziehungsweise Ag-
gravation durch den Beschwerdeführer anlässlich der Untersuchung er-
kannt habe (IV-act. 232 S. 27).
7.9.3 Das (...) gericht des Kantons C._ hat im Urteil vom 4. April
2014 auf den Seiten 16 ff. festgehalten, die im Gutachten von Dr. med.
E._ vorgenommene Einschätzung des psychischen Leistungsver-
mögens basiere in erster Linie auf anamnestischen Angaben des Be-
schwerdeführers, seines Bruders und seiner Mutter. Deren Angaben seien
jedoch unter den gegebenen Umständen mit familiärer Abhängigkeit und
der drohenden Ausschaffung des Beschwerdeführers aufgrund seiner
Straffälligkeit als höchst fragwürdig einzustufen. Überdies falle auch einem
medizinischen Laien auf, dass sich die von Dr. med. E._ diagnosti-
zierte schizoaffektive Störung ebenfalls einzig auf die Angaben des Be-
schwerdeführers sowie der Familienangehörigen stütze, wonach er kom-
mentierende und dialogische Stimmen höre. Es sei bekannt, dass der Vater
des Beschwerdeführers an Stimmenhören gelitten habe. Ob hier nicht ein-
fach Symptome des Vaters als eigene angegeben würden, sei höchst frag-
lich. Auch die im Gutachten geschilderten Panikattacken, welche der Gut-
achter als der Depression untergeordnete Panikstörung interpretiert habe,
basierten ausschliesslich auf den Angaben des Beschwerdeführers. Der
C-7014/2018
Seite 22
Gutachter habe nicht in Erwägung gezogen, dass das Herzrasen und die
Angstträume auch von der drohenden Ausweisung herrühren könnten.
Schliesslich wies auch das (...) gericht des Kantons C._ darauf hin,
dass gemäss Gutachter Dr. med. E._ (auf der Seite 13 des Gutach-
tens) der Beschwerdeführer seine Schwächen verdeutlicht und aggraviert
habe (IV-act. 163, S. 3-131 [Anm.: Die Seiten des Urteils sind in den Vorak-
ten nicht chronologisch geordnet]).
Aufgrund dieser Feststellungen des (...) gerichts des Kantons C._
und der Einschätzung des Gutachters Dr. med. H._, sowie auch
aufgrund des Umstands, dass das Gutachten von Dr. med. E._ vom
17. März 2014 im Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
8. November 2018 bereits über viereinhalb Jahre alt war, ist dieses eben-
falls nicht geeignet, das aktuelle Gutachten von Dr. med. H._ vom
15. Januar 2018 in Frage zu stellen.
7.10 In den vorinstanzlichen Akten liegt sodann das Privatgutachten von
Dr. G._, (...) (Nordmazedonien) vom 13. Oktober 2016. Dieses hat
der Beschwerdeführer zur Glaubhaftmachung einer Verschlechterung sei-
nes Gesundheitszustands bei der Vorinstanz eingereicht (vgl. IV-act. 189
S. 1 f.). Tatsächlich beschreibt das Privatgutachten, dass sich der Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers seit seiner Wohnsitznahme in Nord-
mazedonien zunehmend verschlechtert habe; dies insbesondere auch in-
folge der (aus IV-rechtlicher Sicht unbeachtlichen) Trennung von seiner Fa-
milie. Im Gutachten wird die Diagnose einer rezidivierenden depressiven
Störung (ICD-10 F33.2) gestellt (IV-act. 189). Angaben zum Grad der Ar-
beitsunfähigkeit fehlen demgegenüber in dem Gutachten, weshalb dieses
vorliegend ebenfalls nicht zur Entkräftung des Gutachtens von Dr. med.
H._ herangezogen werden kann, was der Beschwerdeführer je-
doch zu Recht auch nicht geltend macht.
7.11 Schliesslich beantragt der Beschwerdeführer, es sei ein psychiatri-
sches Gerichtsgutachten einzuholen, sofern das Gericht dem Gutachten
von Dr. med. E._ nicht folge. Nachdem das Bundesverwaltungsge-
richt indessen bereits festgestellt hat, dass dem Gutachten von Dr. med.
H._ volle Beweiskraft zukommt und die Vorinstanz auf dieses ab-
stellen durfte (E. 7.4), erübrigt sich vorliegend die Einholung eines Ober-
gutachtens. Durch ein solches sind denn auch keine neuen Erkenntnisse
zu erwarten. Damit ist der Antrag des Beschwerdeführers auf die Einholung
eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens in antizipierter Beweiswürdigung
C-7014/2018
Seite 23
(vgl. hierzu z.B. Urteil des BGer 4A_601/2018 vom 13. März 2019 E. 4.2.2
m.w.H.) abzuweisen.
8.
Zusammenfassend hat die Vorinstanz für die Prüfung, ob seit dem vorlie-
genden Ausgangspunkt der rentenaufhebenden Verfügung vom 3. März
2011 eine erhebliche Veränderung des Gesundheitszustands des Be-
schwerdeführers eingetreten ist, zu Recht auf das Gutachten von Dr. med.
H._ vom 15. Januar 2018 abgestellt. In diesem hat Dr. med.
H._ diese Frage verneint und festgestellt, dass die Arbeitsunfähig-
keit des Beschwerdeführers nach wie vor nicht über 20 % liege. Diese Fest-
stellung hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hat der
RAD in seiner Stellungnahme vom 20. Juli 2020 nach einer einlässlichen
Prüfung der Standardindikatoren im Rahmen des strukturierten Beweisver-
fahrens bestätigt. Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung ge-
stützt auf die erwähnten gutachterlichen Feststellungen gefolgert, dass
beim Beschwerdeführer keine gemäss Art. 28 IVG ausreichende durch-
schnittliche Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres vorliege. Tatsächlich
setzt Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG für die Entstehung eines Rentenanspruches
unter anderem voraus, dass ein Versicherter während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent ar-
beitsunfähig war. Die Erfüllung dieses Wartejahres ist vorliegend trotz des
früheren Bezugs von Rentenleistungen durch den Beschwerdeführer für
die Entstehung eines neuerlichen Rentenanspruchs vorausgesetzt (Art.
29bis IVV e contrario). Nachdem damit vorliegend weder das Wartejahr ge-
mäss Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG abgelaufen noch eine erhebliche Verände-
rung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers gegenüber dem
Zeitpunkt der rentenaufhebenden Verfügung vom 3. März 2011 eingetreten
ist, erweist sich die angefochtene Verfügung vom 8. November 2018 als
rechtens und die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Als unterliegende Partei hat der Beschwerdeführer grundsätzlich die
Verfahrenskosten zu tragen. Indes wurde ihm im Beschwerdeverfahren mit
Zwischenverfügung vom 1. Februar 2019 die unentgeltliche Rechtspflege
bewilligt (Sachverhalt Bst. D). Damit sind ihm keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen.
9.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat dem Beschwerdeführer mit Zwi-
schenverfügung vom 1. Februar 2019 ausserdem die unentgeltliche Ver-
beiständung durch Advokat Dr. iur. Axel Delvoigt gewährt. Advokat Dr. iur.
C-7014/2018
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Delvoigt ist daher für die unentgeltliche Verbeiständung des Beschwerde-
führers eine pauschale Entschädigung von Fr. 2'800.– (inkl. Barauslagen)
auszurichten. Beizufügen bleibt, dass die begünstigte Partei gemäss Art.
65 Abs. 4 VwVG der Gerichtskasse Ersatz zu leisten hat, wenn sie später
zu hinreichenden Mitteln gelangt.