Decision ID: 17df2fac-eab3-4185-9af4-fb8595aa33c8
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1979
geborene
X._
war seit 1
7
.
November 2014
bei der
Y._
als S
achbearbeiterin Customer Service
angestellt und damit bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen vers
ichert. Mit Scha
den
meldung vom 5
.
November
2015 wurde der Suva angezeigt, d
ass
die Versi
cherte
am 4. Mai 2015
zwei
Zeckenbiss
e
bemerkt
habe
(Urk. 6
/1)
. Die Suva holte B
ericht
e bei den behan
delnden Ärzten,
Z._
, praktische Ärztin FMH (Urk. 6/9) und Dr.
A._
, Arzt für Allgemeinmedizin
in
Österreich (Urk. 6/16)
ein
und legte
diese
ihrem Arbeitsmediziner Dr. med.
B._
, Fach
arzt Allgemeinmedizin und
Arbeitsmedizin FMH, vor (Urk. 6/18). Mit Schreiben vom 12
.
Januar 2016
verneinte
die Suva
einen Anspruch auf Versicherungs
leistunge
n mit der Begründung, dass ein
Kausal
zusammenhang zwischen Ze
ckenstich
und den Beschwerden
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sei (Urk. 6/2
1).
Nach Einwendungen der
Avanex
Versicherungen AG
vom 2. März 2016 (U
rk. 6/25) erliess die Suva am 16
.
März 2016
eine
ent
sprechende Verfügung (Urk. 6/28
). Die dagegen erhobene Einsprache
der
Avanex
Versicherungen AG
vom 15
.
April 2016
(Urk. 6/31
) wies die Suva mit
Einspracheentscheid vom 18. Mai 2016 ab (Urk.
34 = Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
die
Avanex
Versicherungen AG
am 25. Mai 2016 Beschwerde und beantragte (Urk. 1 S. 2), der Einspracheentscheid vom 18. Mai 2016 sei auf
zuheben u
nd die Suva sei zu verpflichten,
die gesetzlichen Leistungen zu er
bringen
;
eventualiter sei die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen und Neuverfügung an die Suva zurückzuweisen.
Die Suva schloss
in ihrer Be
schwerdeantwort vom 21. Juni 2016 (Urk. 5
) auf A
bweisung der Beschwerde, was der
Beschwerdeführer
in am 24
. Juni 2016 zur
Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallver
sicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu be
urteilende Unfall hat sich am 4. Mai 2015
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in
dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Nach der Rechtsprechung erfüllt der Zeckenbiss sämtliche Merkmale des Unfallbe
griffs gemäss Art. 4 ATSG, wobei massgebend ist, ob aufgrund der fachärztlichen Stellungnahmen darauf geschlossen werden kann, dass im Zeit
punkt der vorhandenen Versicherungsdeckung überwiegend wahrscheinlich von einem Zecken
biss
auszugehen ist, der die Gesundheitsschädigung bewirkt hat. Der erfolgte Kontakt mit dem Borreliose-Erreger kann mit serologischen Unter
suchungen belegt werden; indessen genügen diese nicht für den Schluss auf eine daraus entstandene Lyme-Borreliose. Deren Diagnose - gleich welchen Sta
diums - setzt ein entsprechendes klinisches Beschwerdebild (Müdigkeit, Malaise, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Fieber, Arthralgien, Myalgien, Heiserkeit, Nausea, Erbrechen, Konjunktivitis, Gewichtsverlust, Diarrhöe) und den Aus
schluss von Differentialdiagnosen voraus, wobei je nach Krankheitsstadium ein pathologischer laborchemischer Test die Wahrscheinlichkeit der Diagnose erhö
hen kann. Ebenso hilfreich können bei rückblickender Einschätzung der Verlauf und die Ergebnisse einer Therapie sein. Weitere Indizien sind denkbar (Urteil des Bundesgerichts 8C_831/2016 vom 7. Mä
rz 2017 E. 2.2
mit diversen weiteren Hinweisen, unter anderem auf J.
Evison
und Mitautoren, Abklärung und Thera
pie der Lyme-Borreliose bei Erwachsenen und Kindern, Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für
Infektiologie
, Teil 1: Epidemiologie und Diag
nostik, in: Schweizerische Ärztezeitung 2005, S. 2332 ff., S. 2333 Ziff. 3).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Einspracheentscheid damit, dass entsprechend der Beurteil
ung der Sachlage durch Dr.
B._
die
Versicherte
nicht an einer Borreliose leide und die von ihr beklagten, unspezi
fischen Beschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem na
türlichen Kausalzusammenhang mit einem Zecken
biss
stünden. Eine davon ab
weichende, begründete ärztliche Kausalitätsbeurteilung liege
nicht
vor
und
die
Beurtei
lung von Dr.
B._
decke sich auch mit den übrigen medizinischen
Berichten
(Urk. 2 S. 7 f.).
2.2
Dem hielt die
Beschwerdeführer
in
entgegen (Urk. 1),
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung setzte die Diagnose einer Lyme-Borreliose - gleich welchen Stadiums
-
ein entsprechendes klinisches Beschwerdebild und den Ausschluss von Differentialdiagnosen voraus, wobei je nach Krankheitsstadium ein patho
logischer laborchemischer Test die Wahrscheinlichkeit der Diagnose erhöhen könne. Das klinische Beschwerdebild sei vorliegend gemäss den medizinischen Unterlagen ausgewiesen. Das typische Beschwerdebild bestehe gerade aus un
spezifischen Symptomen wie schwere Müdigkeit, Abgeschlagenheit
und
Schwä
chegefühl. Eine Differentialdiagnose sei nicht ausgewiesen und der erfolgte Kontakt mit dem Borreliose-Erreger habe mittels serologischer Untersuchung belegt werden könne
n
(Urk. 1 S. 3).
2.3
Streitig und zu prü
fen ist, ob
die Versicherte
am 4. Mai 2015 zwei Zecken
bisse
erlitten hat, auf die
ihre
gesundheitlichen Beschwerden natürlich und bejahen
denfalls adäquat kausal zurückzuführen sind.
3.
3.1
Dem Arztzeugnis U
VG des erstbehandelnden Dr.
A._
(vgl.
Schadenmeldung Urk. 6/1 Ziff. 11) vom 9
.
Dezember
2015 kann entnommen werde
n, dass die Erstbehandlung
der Versicherten
am 10
.
August
2015 stattgefunden hat.
Als Erstbefund führte er ein allgemeines Schwächegefühl auf und
nannte
als Diag
nose ein
Fatigue
-Syndrom
bei
positive
n
Borreliosetit
er
(Immunglobulin
IgM
pos
itiv
und
IgG
neg
ativ
).
Es wurde festgehalten
,
zum Zeitpunkt der Untersu
chung sei noch kein Anstieg des
IgG
festgestellt worden.
E
ine Kontrolle
sei
in zwei Monaten empfohlen
worden
,
und die weitere Therapie
erfolge in der Schweiz
(Urk. 6/16
S. 1
).
Dem Bericht wurden die Laborwerte vom 14. August 2015 beigelegt (Urk. 6/16 S. 3).
3.2
Die Ärztin
Z._
, welche die Beschwerdeführerin seit dem 8. Oktober 2015 behandelte,
wies im Bericht vom 16. November 2015 darauf hin, die
Ver
sicherte
habe die Laborwerte des früheren Arztes mitgebracht.
Die nach einem Zecken
biss
im Mai
erhobenen
Werte sei
en mit Bezug auf
die
Borrelia
Ak
(Bor
reliose-Antikörper)
IgM
positiv
gewesen
. Am 8. Oktober 2015 habe die
Versi
cherte
über schwere Müdigkeit
und „
Geschlagenheitsgefühl
“ geklagt. Andere Symptome, zum Beispiel Fieber
und
Hautveränderungen
seien
verneint
worden
,
und Abnormitäten
hätten in der Untersuchung keine festgestellt werden kön
nen
. Im Labor sei
en
eine Eisenmangelanämie und wieder positive
IgM
Borrelia
-
Antikörper
entdeckt worden. Die Versicherte sei mit einer Eiseninfusion und antibiotisch mit
Doxysol
gegen die
Borrellia
behandelt worden (Urk. 6/9).
Es wurden die Laborwerte vom 11. November 2015 beigelegt (Urk. 6/9 S. 2 bis
S. 4).
3.3
Der Arbeitsmediziner der Beschwerdegegnerin, Dr.
B._
, befand im Bericht vom 23
.
Dezember 2015, sowohl das Schwächegefühl, das Dr.
A._
am 10.
August 2015 fest
ge
stellt
habe
,
als auch die Müdigkeit und Abgeschlagen
heit, über welche die Versicherte
anlässlich
der Konsultation am
8.
Oktober 2015 bei der Ärztin
Z._
berichtet habe, stellten sehr unspezifische Symptome dar.
Ohne weitere
Borreliose-spezifischere Symptome
sei
nicht an eine Borreliose als Ursache
zu
denken.
Dazu komme
, dass sowohl die Borrelien-Serologie vom
14.
August 2015 als auch diejenige vom 8. Oktober 2015 ledig
lich für
IgM
positiv gewesen seien, nicht aber für
IgG
. Dies spreche dafür, dass es sich bei diesem Resultat um ein
„
falsch positives
“
handle. Festzuhalten sei, dass aufgrund der unspezifischen Symptomatik auch ein positives Resultat für
IgG
eine Borreliose als Ursache der Beschwerden nicht wahrscheinlich machen würde (Urk. 6/18).
4.
Aufgrund der vorliegenden Laborbefunde
,
die jeweils
positive
IgM
,
jedoch keine positiven
IgG
bestätigt haben
(
Urk. 6/16 S. 3 und
Urk. 6/9 S. 2 bis S. 4
)
,
sowie der Ein
schätzung der involvierten Ä
rzte
besteht
zwar
die Möglichkeit
, dass die Versicherte
zu irgend einem Zeitpunkt
in der Vergangenheit eine immunologi
sche Auseinandersetzung mit dem Erreger
Borrelia
burgdorferi
gehabt hat
. Dies allein genügt
aber selbst im Falle eines zusätzlich positiven
IgG
für einen Kau
salitätsnach
weis nicht (vgl. E. 1.4
hievor
; ferner etwa auch Leitlinie für Diag
nostik und Therapie in der Neurologie, Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Kapitel Entzündliche und erregerbedingte Krankheiten,
Neuroborreliose, Stand Septem
ber 2012, S. 5 f.
).
Eine eindeutige akute Borreliose lässt sich
aus der Anamnese
nicht eruieren.
Auch konnte die behandelnde Ärztin a
usser
den po
sitiven
IgM
-Werten und
eine
r
Eisenmangelanämie
sowie
der gekl
agten schwe
ren Müdigkeit und d
em Niedergeschlagenheitsgefühl
keine weiteren Befunde erheben (
vgl.
E. 3.2)
,
und
der erstbehandelnde Arzt
stellte
aufgrund der Symp
tomatik die
Diagnose eines
Fatigue
-Syndroms
(
vgl.
E. 3.1).
Angesichts fehlende
r
weitere
r
Befunde
und mit Bli
ck darauf,
das
s mit dem
diag
nostizierte
n
Fatigue
-Syndrome
und dem
Eisenmangel
andere Ursachen zur Er
klärung der Symptomatik
nicht ausgeschlossen werden können
, sind die Fol
gerungen
von Dr.
B._
unter Hinweis auf die vorerwähnten Empfehlungen der
Schweizeri
schen Gesellschaft für
Infektio
logie
sowie
die Leitlinien
der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
,
wo dargelegt wird, welche
Erkrankungen und klinischen Be
funde im Zusammenhang mit einer Lyme-Borreliose typisch sind
(E. 1.4),
nachvollziehbar.
Dieser Einschätzung von Dr.
B._
stehen die Berichte der behandelnden Ärzte nicht entgegen
. Damit besteht
auch
kein An
lass
,
von der
Beurteilung abzuweichen,
wonach
die
geklagten unspezifischen Beschwer
den
anlässl
ich der Erstuntersuchung
vom 8.
Oktober 2015
— rund sechs Monate nach den
fraglichen
Zecken
bissen
—
nicht mit überwiegender Wahrschein
lich
mit diesem Ereignis
in Zu
sammenhang gebracht werden
k
ön
nen
.
V
on weiteren Abklärungen
sind diesbezüglich
keine
neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb
darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung
;
BGE 124 V 90 E. 4b
).
Dies führt
zur Abweisung der Beschwerde
.