Decision ID: c4bc7b8a-10d4-50d8-b806-232eb100f962
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die X._ mit Sitz in den Bahamas hält ein Konto bei der [Bank
B._] (nachfolgend: Bank). Die Bank gelangte zum Schluss, auf-
grund der Bestimmungen zum automatischen Informationsaustausch (AIA)
handle es sich bei dieser Gesellschaft gemäss dem gemeinsamen Melde-
standard (Common Reporting Standard oder CRS) um eine so genannte
«passive Non-Financial Entity with one or more controlling persons that is
a Reportable Person» (also um ein passives Nicht-Finanzinstitut mit einem
oder mehreren Kontrollinhabern, die meldepflichtige Personen sind, wobei
in der AIA-Terminologie «meldepflichtige Person» für jene Person steht,
deren Daten übermittelt werden). Als «meldepflichtige Person» wurde
A._ identifiziert, der gemäss den Unterlagen seinen Wohnsitz in Ar-
gentinien hat.
B.
Nachdem die Bank die Informationen betreffend die X._ und
A._ an die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV; nachfolgend
auch: Vorinstanz) übermittelt hatte, ersuchte A._ Letztere mit
Schreiben vom 7. August 2019 um Datenkorrektur. Insbesondere bean-
tragte er, er sei aus den zu übermittelnden Daten zu streichen. Diesen An-
trag wies die ESTV mit Verfügung vom 15. November 2019 sinngemäss
ab, indem sie festhielt, die Informationen betreffend A._ würden an
Argentinien übermittelt.
C.
Gegen den Entscheid der Vorinstanz erhob A._ (nachfolgend: Be-
schwerdeführer) am 6. Januar 2020 Beschwerde ans Bundesverwaltungs-
gericht. Er beantragt, die Vorinstanz anzuweisen, ihn aus den zu übermit-
telnden Daten, in denen er als Kontrollinhaber geführt werde, zu streichen;
überhaupt seien die Daten nicht zu übermitteln – alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zu Lasten der Vorinstanz.
Der Beschwerdeführer sei wohl meldebetroffen, aber nicht meldepflichtig.
Die von der X._ ausgegebenen Aktien gehörten einem nach dem
Recht der Bahamas errichteten Trust. Trustee dieses Trusts sei eine nach
dem Recht der Bahamas errichtete und bestehende Trust Company. Die
Bank verwalte das Vermögen der X._ gestützt auf ein Vermögens-
verwaltungsmandat mit diskretionären Befugnissen. Die X._ hätte
als Finanzinstitut und nicht als «passive non financial entity» im Sinne des
gemeinsamen Meldestandards eingestuft werden müssen. Sie sei AIA-
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rechtlich auf den Bahamas ansässig. Die Bahamas, Argentinien und die
Schweiz praktizierten gegenseitig den automatischen Informationsaus-
tausch in Steuersachen, womit die X._ ein in einem teilnehmenden
Staat ansässiges Finanzinstitut sei. Finanzkonten eines solchen Finanz-
instituts dürften durch schweizerische Finanzinstitute und die ESTV nicht
gemeldet werden. Die Bank habe die Daten aufgrund eines Übermittlungs-
fehlers an die ESTV übermittelt. Ausserdem sei der Datenschutz in Argen-
tinien nicht ausreichend gewährt und die Daten seien auch aus diesem
Grund nicht zu übermitteln.
D.
Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 2. März 2020, die Be-
schwerde unter Kostenfolge abzuweisen. Kurz zusammengefasst bringt
sie vor, dass es sich bei der X._ um ein Finanzinstitut handle, hätte
mittels Klage gestützt auf das Datenschutzgesetz beim zuständigen Zivil-
gericht geltend gemacht werden müssen. Sie (die ESTV) nehme keine ma-
terielle Kontrolle der übermittelten Daten vor. Es handle sich nicht um einen
Übermittlungsfehler, den sie korrigieren könne. Soweit sich der Beschwer-
deführer auf den Ordre public berufe, müsse er glaubhaft dartun, dass ein
ernsthaftes und objektives Risiko einer Menschenrechtsverletzung im Part-
nerstaat bestehe, das ihn konkret betreffen könne. In Bezug auf die Daten-
sicherheit, um die es vorliegend gehe (nicht den Datenschutz), werde diese
im Hinblick auf Argentinien als angemessen erachtet. Auch sei der Mecha-
nismus, welchen das Globel Forum auslösen könne, wenn ein Partnerstaat
gegen Vorschriften im Bereich der Vertraulichkeit und der Datensicherheit
verstosse, im Fall von Argentinien bisher nie ausgelöst worden.
E.
Am 10. März 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein,
in der er an seiner Beschwerde festhält. Insbesondere macht er geltend,
dass die Bank irrtümlich eine unrichtige Klassifikation vorgenommen und
auf der Grundlage dieses Irrtums einen Übermittlungsfehler begangen
habe (Meldung statt keine Meldung). Er äussert sich nochmals zur Klassi-
fikation der X._ im Rahmen des AIA. Da die Bank mit der (fehler-
haften) Übermittlung der Daten die Herrschaft über diese verloren habe,
müssten die Daten nun bei der ESTV, wo sie lägen, korrigiert werden.
F.
Die Vorinstanz antwortete am 13. März 2020, wobei sie lediglich darauf
hinweist, dass sowohl eine Korrektur als auch eine Stornierung des Kontos
(bzw. dessen Übermittlung) durch die Bank möglich sei.
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Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die Akten
wird – soweit dies für den Entscheid wesentlich ist – in den folgenden Er-
wägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Bundes-
gesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (VGG,
SR 173.32) Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG,
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Die ESTV
ist eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts (Art. 33 Bst. d VGG).
Der angefochtene Entscheid stützt sich auf Art. 19 Abs. 2 des Bundesge-
setzes vom 18. Dezember 2015 über den internationalen automatischen
Informationsaustausch in Steuersachen (AIAG, SR 653.1) in Verbindung
mit Art. 25a VwVG. Dabei handelt es sich um eine Verfügung im Sinne von
Art. 5 VwVG. Das Bundesverwaltungsgericht ist damit in sachlicher Hin-
sicht für die Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.2
1.2.1 Es stellt sich noch die Frage nach der funktionalen Zuständigkeit.
Art. 30 AIAG befasst sich gemäss seinem Titel mit den Rechtsmitteln. Ge-
mäss Art. 30 Abs. 1 AIAG unterliegen Verfügungen nach Art. 22-29 AIAG
der Einsprache an die ESTV. Art. 30 Abs. 4 AIAG verweist dann in Bezug
auf eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid auf die allgemeinen
Bestimmungen über die Bundesrechtspflege. Die Art. 22-29 AIAG finden
sich – ebenso wie Art. 30 AIAG – im 8. Abschnitt mit dem Titel «Organisa-
tion und Verfahren». Dieser Abschnitt befasst sich insbesondere mit den
Aufgaben der ESTV und der Kontrolle, welche diese gegenüber den Fi-
nanzinstituten ausübt, sowie den Massnahmen, welche die ESTV in die-
sem Rahmen ergreifen kann. Die Botschaft hält dazu fest: «Entscheide im
Zusammenhang mit den Abkommen und dem AIA-Gesetz werden in der
Regel technischer Natur sein, weshalb das AIA-Gesetz in Abweichung zum
üblichen Verwaltungsverfahren die Möglichkeit der Einsprache bei der
ESTV vorsieht» (Botschaft vom 5. Juni 2015 zur Genehmigung der multi-
lateralen Vereinbarung der zuständigen Behörden über den automatischen
Informationsaustausch über Finanzkonten und zu ihrer Umsetzung [Bun-
desgesetz über den internationalen automatischen Informationsaustausch
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in Steuersachen] in: BBl 2015 5437 [nachfolgend: Botschaft AIAG]
S. 5510).
1.2.2 Art. 19 AIAG (auf welchen sich die Vorinstanz stützt) findet sich dem-
gegenüber im 6. Abschnitt des AIAG mit dem Titel «Rechte und Pflichten
der meldepflichtigen Personen». Das AIAG äussert sich nicht zum Rechts-
weg, wenn Art. 19 Abs. 2 AIAG angerufen wird. Der zweite Satz dieser Be-
stimmung stellt einen Bezug zu Art. 25a Abs. 2 VwVG her, in welchem aus-
drücklich festgehalten ist, dass die Behörde durch Verfügung entscheidet
(zu Art. 25a VwVG: E. 2.3.2). Ohnehin handeln Behörden in der Regel
durch Verfügung, insbesondere, wenn sie der Auffassung des Rechtsun-
terworfenen nicht folgen (ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 752 f. und 849 ff., insb.
853). Mangels Bestimmungen im AIAG können solche Verfügungen ge-
mäss Art. 31 ff. VGG in Verbindung mit Art. 5 VwVG direkt beim Bundes-
verwaltungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 44 VwVG). Art. 30 AIAG,
der gemäss der Botschaft AIAG (S. 5510) in Abweichung zum üblichen
Verwaltungsverfahren zunächst die Durchführung eines Einspracheverfah-
rens vorsieht, gilt nicht, denn er bezieht sich nach dem unmissverständli-
chem Gesetzeswortlaut – wie erwähnt (E. 1.2.1) – nur auf Verfügungen der
ESTV nach den Art. 22 bis 29 AIAG (vgl. LYSANDRE PAPADOPOULOS,
Echange automatique de renseignements [EAR] en matière fiscale : une
voie civile, une voie administrative. Et une voie de droit ?, in: Archiv für
schweizerisches Abgaberecht [ASA] 86, S. 1 ff., S. 39).
1.2.3 Die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Behandlung
der vorliegenden Beschwerde ist somit – da kein Einspracheverfahren
durchzuführen ist – auch in funktionaler Hinsicht gegeben.
1.3 Das Verfahren richtet sich nach den allgemeinen Bestimmungen über
die Bundesrechtspflege (Art. 37 VGG). Nicht einschlägig ist das Bundes-
gesetz vom 28. September 2012 über die internationale Amtshilfe in Steu-
ersachen (StAhiG, SR 651.1; vgl. Art. 1 Abs. 1 StAhiG e contrario).
1.4 Der Beschwerdeführer erfüllt als Adressat der angefochtenen Schluss-
verfügung und Person, deren Daten übermittelt werden sollen, die Voraus-
setzungen der Beschwerdelegitimation (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Be-
schwerde wurde überdies form- und fristgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1
und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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2.
2.1
2.1.1 Die Schweiz hat sich mit dem Übereinkommen vom 25. Januar 1988
(geändert durch das Protokoll vom 27. Mai 2010) über die gegenseitige
Amtshilfe in Steuersachen (SR 0.652.1; MAC; für die Schweiz in Kraft ge-
treten am 1. Januar 2017) zur Amtshilfe gegenüber Partnerstaaten ver-
pflichtet (Art. 1 MAC).
Der automatische Informationsaustausch zwischen den Vertragsstaaten
des MAC über Finanzkonten stützt sich unter anderem auf die Multilaterale
Vereinbarung der zuständigen Behörden vom 29. Oktober 2014 über den
automatischen Informationsaustausch über Finanzkonten (SR 0.653.1;
Multilateral Competent Authority Agreement; MCAA, auch als AIA-Verein-
barung bezeichnet; diese Vereinbarung beruht ihrerseits auf Art. 6 MAC;
vgl. SAMUELE VORPE/GIOVANNI MOLO, Lo scambio automatico d’informazio-
ni fiscali, in: Rivista ticinese di diritto, 2015-II, S. 625 ff., 628 f.; MARC WINI-
GER, Der automatische Informationsaustausch in Steuersachen, 2017,
S. 22). Diese Vereinbarung muss bilateral aktiviert werden, damit sie zwi-
schen zwei Vertragsstaaten in Kraft tritt (VORPE/MOLO, a.a.O., S. 629 und
661 f.; vgl. WINIGER, a.a.O., S. 27 f.). Zwischen Argentinien und der
Schweiz trat sie am 1. Januar 2018 in Kraft (AS 2017 7679, AS 2017 7673
sowie die ebenfalls unter der SR 0.653.1 veröffentlichte Liste «Geltungs-
bereich am 1. Januar 2020»). Das MCAA befasst sich (ebenso wie das
MAC) mit Standards und technischen und materiellrechtlichen Regeln des
automatischen Informationsaustauschs, die teilweise noch auf innerstaat-
licher Ebene konkretisiert werden müssen, insbesondere was die Organi-
sation, das Verfahren, die Rechtswege und die anwendbaren Strafbestim-
mungen im Inland betrifft (vgl. WINIGER, a.a.O., S. 22 f.; vgl. auch VORPE/
MOLO, a.a.O., S. 651). Solche sind dem innerstaatlichen Recht vorbehalten
(WINIGER, a.a.O., S. 76). Für die Schweiz regelt das AIAG das innerstaat-
liche Verfahren und insbesondere auch die Rechtsmittel, welche einer Per-
son, deren Daten übermittelt werden sollen, zur Verfügung stehen. Da die
Verordnung vom 23. November 2016 über den internationalen automati-
schen Informationsaustausch in Steuersachen (AIAV, SR 653.11) keine
Bestimmungen zu den Rechtsmitteln enthält, muss hier nicht auf sie ein-
gegangen werden.
Weil es vorliegend um den automatischen Informationsaustausch mit Ar-
gentinien geht, ist auf Bestimmungen zum automatischen Informationsaus-
tausch mit EU-Staaten, welche teilweise von den hier relevanten abwei-
chen, ebenfalls nicht einzugehen.
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2.1.2 Art. 19 Abs. 2 AIAG regelt folgende Konstellationen: das Auskunfts-
recht (Satz 1, erster Teil), die Berichtigung von Übermittlungsfehlern
(Satz 1, zweiter Teil; dazu E. 2.2) und Ansprüche nach Art. 25a VwVG bei
Nachteilen aufgrund fehlender rechtsstaatlicher Garantien (Satz 2; dazu
E. 2.3). Auf das Auskunftsrecht (Art. 8 des Bundesgesetzes vom 19. Juni
1992 über den Datenschutz [DSG, SR 235.1], welches sowohl gestützt auf
Art. 19 Abs. 1 AIAG gegenüber dem meldenden schweizerischen Finanz-
institut als auch gestützt auf Art. 19 Abs. 2 AIAG gegenüber der Vorinstanz
geltend gemacht werden kann; vgl. Botschaft AIAG, S. 5504) muss vorlie-
gend nicht eingegangen werden.
2.2
2.2.1 Gemäss der herrschenden Lehre sowie der Botschaft AIAG sind
Rechte einer betroffenen Person, die sich auf das DSG stützen, grundsätz-
lich gegenüber dem meldenden Finanzinstitut geltend zu machen (Art. 19
Abs. 1 AIAG), dies insbesondere, weil Art. 19 Abs. 2 AIAG abschliessend
aufzählt («ausschliesslich»), was vor der Vorinstanz geltend gemacht wer-
den kann. Gegenüber der ESTV können in diesem Zusammenhang nur
Übermittlungsfehler geltend gemacht werden (Botschaft AIAG, S. 5504;
Art. 19 Abs. 2 Satz 1, zweiter Teil AIAG; FRANCESCO NAEF/ELENA NEURONI
NAEF, Sur l’inconstitutionnalité de l’échange automatique de renseigne-
ments, in: Jusletter vom 7. Dezember 2015, Rz. 160 f. und 163 ff., wobei
die Autoren diese Beschränkung kritisieren; s.a. PAPADOPOULOS, a.a.O.,
S. 9, kritisch dazu S. 36 ff.; WINIGER, a.a.O., S. 77; GIOVANNI MOLO, in:
Molo/Schlichting/Vorpe [Hrsg.], Automatischer Informationsaustausch in
Steuersachen, Kommentar, 2018, Art. 19 AIAG N. 8 [entspricht MOLO im
italienischsprachigen Kommentar Molo/Schlichting/Vorpe {Hrsg.}, Lo
scambio automatico di informazioni fiscali, 2017, Art. 19 LSAI, wobei die
Kommentierung dieses Artikels auf S. 538 beginnt und die Randnoten je-
nen in der deutschen Fassung entsprechen]; MARK LIVSCHITZ, Rechts-
schutz beim automatischen Informationsaustausch, in: Emmenegger
[Hrsg.], Automatischer Informationsaustausch, 2016, S. 147 ff., 151; ALE-
XANDER LINDEMANN/ALEXANDRA TAKHTAROVA, Effektivität des AIA-Rechts-
schutzes?, in: ExpertFocus, 2016, S. 963 ff., 964 f.). Eine materielle Prü-
fung der Daten durch die ESTV erfolgt nicht. Diese wäre dazu – gemäss
der Botschaft – auch nicht in der Lage. Ausserdem regelten die Staatsver-
träge genau, welche Informationen über wen wann zu übermitteln seien
(Botschaft AIAG, S. 5504; mit Verweis auf die Botschaft: SAMUELE VORPE/
GIOVANNI MOLO/ PETER R. ALTENBURGER, Der automatische Informations-
austausch [AIA] von Steuerdaten, in: ASA 84, S. 745 ff., S. 771; WINIGER,
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a.a.O., S. 84; MOLO, a.a.O., Art. 19 AIAG N. 20; kritisch dazu PAPADOPOU-
LOS, a.a.O., S. 29 f.).
2.2.2 In der Botschaft AIAG (S. 5504) wird festgehalten, dass ein solcher
Übermittlungsfehler beispielsweise dann vorliegt, wenn von der Bank der
ESTV mitgeteilt wird, ein Kontosaldo betrage Fr. 10'000.--, obwohl der
Saldo tatsächlich Fr. 1'000.-- beträgt. Diesem Beispiel kann entnommen
werden, dass ein Übermittlungsfehler insbesondere dann vorliegt, wenn es
sich um so genannte Kanzleifehler handelt, deren Fehlerhaftigkeit sofort
bewiesen werden kann.
2.2.3 Nicht korrigiert werden können hingegen Daten, die bereits beim Fi-
nanzinstitut falsch aufgenommen wurden oder Fehlinterpretationen des Fi-
nanzinstituts. Diese sind gemäss der herrschenden Lehre nach Art. 19
Abs. 1 AIAG gegenüber dem Finanzinstitut gemäss dem DSG sowie gege-
benenfalls vor den Zivilgerichten geltend zu machen (vgl. Art. 15 DSG; ALE-
XANDER LINDEMANN/ALEXANDRA TAKHTAROVA, Rechtsschutz nach dem AIA-
Gesetz am Beispiel von Trusts – Effektivität des Rechtsschutzes?, in: ASA
85, S. 177 ff., S. 188 ff.; RENÉ MATTEOTTI, Verfassungskonformität des au-
tomatischen Informationsaustauschs, Kurzgutachten im Auftrag des
Staatssekretariats für Internationale Finanzfragen, vom 13. August 2015,
Fassung vom 2. September 2015, S. 18 [im Internet veröffentlicht unter:
< https://www.sif.admin.ch/dam/sif/de/dokumente/Automatischer-
Informationsaustausch/Matteotti_Verfassungskonformitaet_AIA_
Kurzgutachten_UPDATE_02092015.pdf >, letztmals abgerufen am 11. Au-
gust 2020; französische Version unter: < https://biblio.parlament.ch/
e-docs/383332.pdf >; mit Hinweis auf Matteotti: PAPADOPOULOS, a.a.O.,
S. 10 f.; LIVSCHITZ, a.a.O., S. 152 ff., der sich allerdings sehr kritisch dazu
äussert; ebenfalls kritisch: LINDEMANN/TAKHTAROVA, in: ExpertFocus,
a.a.O., S. 967 f.). Anderer Meinung ist MOLO (a.a.O., Art. 19 AIAG N. 42),
der dafürhält, auch bei einer falschen Qualifizierung eines bestimmten Kon-
tos liege ein Übermittlungsfehler vor, weil die Daten nicht hätten übermittelt
werden dürfen. Auch in diesem Fall könne die betroffene Person nach
Art. 19 Abs. 2 AIAG die Berichtigung der Daten verlangen. Diese Ansicht
von MOLO würde jedoch auf eine materielle Prüfung der vom Finanzinstitut
übermittelten Daten hinauslaufen, welche – wie dargelegt (E. 2.2.1) – nicht
von der ESTV vorgenommen wird, sondern direkt gegenüber dem Finan-
zinstitut gestützt auf Art. 19 Abs. 1 AIAG geltend zu machen wäre (wie es
sich verhalten würde, wenn nicht zu übermittelnde Daten aufgrund eines
Programmierfehlers dennoch übermittelt würden, ist hier nicht zu prüfen).
Insofern kann eine falsche Qualifikation bereits von einem Gericht (nämlich
https://www.sif.admin.ch/dam/sif/de/dokumente/Automatischer-Informationsaustausch/Matteotti_Verfassungskonformitaet_AIA_Kurzgutachten_UPDATE_02092015.pdf https://www.sif.admin.ch/dam/sif/de/dokumente/Automatischer-Informationsaustausch/Matteotti_Verfassungskonformitaet_AIA_Kurzgutachten_UPDATE_02092015.pdf https://www.sif.admin.ch/dam/sif/de/dokumente/Automatischer-Informationsaustausch/Matteotti_Verfassungskonformitaet_AIA_Kurzgutachten_UPDATE_02092015.pdf https://biblio.parlament.ch/e-docs/383332.pdf https://biblio.parlament.ch/e-docs/383332.pdf
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einem Zivilgericht) geprüft werden. Eine betroffene Person kann demnach
nicht wählen, zu welchem Zeitpunkt und wem gegenüber sie eine Fehlqua-
lifikation geltend machen will (wobei MOLO genau das in N. 44 impliziert).
Ob der Fall anders läge, wenn ein Finanzinstitut z.B. ein [rechtskräftiges]
Urteil des Zivilgerichts missachten würde oder die betroffene Person in
Missachtung seiner Pflichten gemäss AIAG gar nie über die Datenübermitt-
lung informiert hätte, ist im vorliegenden Fall nicht zu klären. Im Übrigen
hält auch MOLO fest (a.a.O., Art. 19 AIAG N. 50), dass der primäre Rechts-
schutz vor dem Zivilgericht stattfindet (so auch VORPE/MOLO, a.a.O.,
S. 653 f. und S. 657).
2.3
2.3.1 Art. 19 Abs. 2 AIAG hält weiter fest (in Satz 2), dass einer Person
dann die Ansprüche nach Art. 25a VwVG zustehen, wenn die Übermittlung
der Daten für die meldepflichtige Person Nachteile zur Folge hätte, die ihr
aufgrund fehlender rechtsstaatlicher Garantien nicht zugemutet werden
können. Dieser Satz war im ursprünglichen Gesetzesentwurf des Bundes-
rates noch nicht vorgesehen (vgl. PAPADOPOULOS, a.a.O., S. 23). Aller-
dings hielt schon der vom Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen
(SIF) beauftragte Gutachter (noch gestützt auf Art. 19 des Entwurfs zum
AIAG, dessen Abs. 2 noch keinen zweiten Satz enthielt) fest, dass es sich
bei der Übermittlung von Daten um einen Realakt handle, welcher sich auf
öffentliches Recht des Bundes stütze und Rechte oder Pflichten einer Per-
son berühre, und sich daher die Frage stelle, ob eine Verfügung nach
Art. 25a VwVG verlangt werden könne, wenn z.B. eine Verletzung des
Ordre public im Sinne von Art. 21 Abs. 2 Bst. b MAC drohe (MATTEOTTI,
a.a.O., S. 6). Die entsprechende Ergänzung wurde dann im Entwurf durch
die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrates eingefügt
(< https://www.parlament.ch/centers/eparl/curia/2015/20150046/N1%20D.
pdf >, letztmals abgerufen am 11. August 2020). Der Nationalrat übernahm
diese Bestimmung diskussionslos (AB 2015 N 1628) und der Ständerat
schloss sich dem ebenfalls ohne Diskussion an (AB 2015 S 1144). Die Auf-
nahme des Hinweises auf Art. 25a VwVG kann somit als Milderung einer
Unzulänglichkeit im ursprünglichen Gesetzestext verstanden werden (PA-
PADOPOULOS, a.a.O., S. 23).
2.3.2 Art. 25a VwVG bestimmt unter dem Titel «Verfügung über Realakte»
Folgendes:
1 Wer ein schutzwürdiges Interesse hat, kann von der Behörde, die für Hand-
lungen zuständig ist, welche sich auf öffentliches Recht des Bundes stützen
und Rechte oder Pflichten berühren, verlangen, dass sie:
https://www.parlament.ch/centers/eparl/curia/2015/20150046/N1%20D.pdf https://www.parlament.ch/centers/eparl/curia/2015/20150046/N1%20D.pdf
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a. widerrechtliche Handlungen unterlässt, einstellt oder widerruft;
b. die Folgen widerrechtlicher Handlungen beseitigt;
c. die Widerrechtlichkeit von Handlungen feststellt.
2 Die Behörde entscheidet durch Verfügung.
Was als schutzwürdiges Interesse gilt, wird in Art. 19 Abs. 2 AIAG bereits
festgelegt, wie im Folgenden gezeigt wird. Insofern schränkt Art. 19 Abs. 2
AIAG den Anwendungsbereich von Art. 25a Abs. 1 VwVG ein (dazu nach-
folgend E. 2.3.3).
2.3.3 Der Rechtsschutz gestützt auf Art. 19 Abs. 2 AIAG in Verbindung mit
Art. 25a VwVG ist eingeschränkt. Die meldepflichtige Person kann nicht
jegliche Nachteile erfolgreich geltend machen, sondern nur solche, die ihr
daraus entstehen, dass rechtsstaatliche Garantien fehlen («Sofern die
Übermittlung der Daten für die meldepflichtige Person Nachteile zur Folge
hätte, die ihr aufgrund fehlender rechtsstaatlicher Garantien nicht zugemu-
tet werden können»). Das Fehlen solcher Garantien muss dabei nach ein-
helliger Doktrin einer Verletzung des Ordre public gleichkommen
(VORPE/MOLO/ALTENBURGER, a.a.O., S. 771; die Autoren befürworten je-
doch eine weite Auslegung von Art. 19 Abs. 2 AIAG, damit der Rechts-
schutz gewährt bleibe: S. 771 f.; ebenso MOLO, a.a.O., Art. 19 AIAG
N. 34 ff., insb. N. 41; ebenso VORPE/MOLO, a.a.O., S. 656 f.; ebenso LIN-
DEMANN/TAKHTAROVA, in: Expert Focus, a.a.O., S. 966 f., insb. 967; ebenso
ROBERT WEYENETH, Der nationale und internationale ordre public im Rah-
men der grenzüberschreitenden Amtshilfe in Steuersachen, 2017, S. 85;
so offenbar auch WINIGER, a.a.O., S. 80 f., aber auch S. 84; PAPADOPOU-
LOS, a.a.O., S. 23 f. m.Hw.a. u.a. Art. 21 Abs. 2 Bst. b MAC; vgl. MATTE-
OTTI, a.a.O., S. 6 und 19 f., der Text entstand, bevor der zweite Satz in
Art. 19 Abs. 2 AIAG aufgenommen wurde; generell zur Einhaltung des
Ordre public im Rahmen des AIA: WEYENETH, a.a.O., S. 84 f.; vgl. Art. 21
Abs. 2 insb. Bst. b, e und f MAC). Dies soll etwa dann der Fall sein, «wenn
eine automatische Übermittlung einer Information zur Aufdeckung eines
Steuerdelikts führen könnte, für welches im empfangenden Staat eine dra-
konische Strafe (z.B. Todesstrafe, Körperstrafe, Kollektivstrafe oder eine
andere den Kerngehalt der Menschenwürde verletzende Strafe) angedroht
ist» (MATTEOTTI, a.a.O., S. 6; s.a. unter Hinweis darauf PAPADOPOULOS,
a.a.O., S. 24).
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2.3.3.1 Der Begriff «Ordre public» wird nicht einheitlich verstanden. Ver-
schiedene Bestimmungen definieren ihn leicht unterschiedlich (ausführlich
dazu Urteil des BVGer A-6589/2016 vom 6. März 2018 E. 4.9.2 mit zahlrei-
chen Hinweisen). Eine Aufzählung, die den Rahmen vorgibt, findet sich in
Art. 2 des Bundesgesetzes vom 20. März 1981 über internationale Rechts-
hilfe in Strafsachen (IRSG, SR 351.1). Demnach wird einem Ersuchen im
Bereich der Rechtshilfe in Strafsachen nicht entsprochen, «wenn Gründe
für die Annahme bestehen, dass das Verfahren im Ausland
a. den in der Europäischen Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze
der Menschenrechte und Grundfreiheiten oder im Internationalen Pakt vom
16. Dezember 1966 über bürgerliche und politische Rechte festgelegten Ver-
fahrensgrundsätzen nicht entspricht;
b. durchgeführt wird, um eine Person wegen ihrer politischen Anschauungen,
wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder aus
Gründen der Rasse, Religion oder Volkszugehörigkeit zu verfolgen oder zu
bestrafen;
c. dazu führen könnte, die Lage des Verfolgten aus einem unter Buchstabe b
angeführten Grunde zu erschweren oder
d. andere schwere Mängel aufweist.»
Im Zusammenhang mit dem (automatischen) Informationsaustausch in
Steuersachen nennt WEYENETH beispielsweise exorbitante Nachsteuern
oder drakonische Strafen, ungenügende Geheimhaltung von Daten,
schwere rechtsstaatliche Mängel oder politisch motivierte Steuerverfahren
als mögliche Verletzungen des Ordre public (WEYENETH, a.a.O., S. 1-4).
2.3.3.2 Als Grundrecht, welches Bestandteil des Ordre public ist, gilt das
Recht auf informationelle Selbstbestimmung (Art. 13 Abs. 2 der Bundes-
verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999
[BV, SR 101], Art. 8 Abs. 1 der Konvention vom 4. November 1950 zum
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [EMRK, SR 0.101], vgl.
Art. 17 des Internationalen Pakts vom 16. Dezember 1966 über bürgerliche
und politische Rechte [SR 0.103.2, nachfolgend: UNO-Pakt II]; WEYENETH,
a.a.O., S. 39). Wie zuvor festgehalten, kann eine Verletzung von daten-
schutzrechtlichen Bestimmungen in der Schweiz vor dem Zivilgericht ge-
rügt werden (E. 2.2.3). Im Rahmen von Art. 19 Abs. 2 Satz 2 AIAG ist nur
noch zu prüfen, ob der betroffenen Person aufgrund fehlender rechtsstaat-
licher Garantien Nachteile in einem Staat drohen, an den Informationen
übermittelt werden sollen, weil ernsthafte Gründe dafür vorliegen, dass der
betroffenen Person dort eine gegen die EMRK oder den UNO-Pakt II
verstossende Behandlung droht. Dabei muss nicht nur nachgewiesen sein,
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dass eine Verletzung des Ordre public möglich ist, sondern auch, dass der
betroffenen Person konkret eine solche droht (LINDEMANN/TAKHTAROVA, in:
ASA, a.a.O., S. 198; LIVSCHITZ, a.a.O., S. 157, der gar festhält, die be-
troffene Person müsse belegen können, bereits Opfer eines solchen
Verstosses geworden zu sein; zur internationalen Rechtshilfe in Strafsa-
chen: BGE 134 IV 156 E. 6.8, 130 II 217 E. 8.1, 109 Ib 64 E. 6b/aa).
3.
Im vorliegenden Verfahren macht der Beschwerdeführer nun geltend, ei-
nerseits dürften die Daten gar nicht übermittelt werden, weil es sich bei der
X._ nicht um eine passive NFE handle (dazu E. 3.1), und anderer-
seits, die Daten dürften aufgrund der Datenschutzsituation in Argentinien
nicht an diesen Staat übermittelt werden (dazu E. 3.2).
3.1
3.1.1 Wie oben festgestellt, hätten allfällige Fehlinterpretationen durch die
Bank im Zivilverfahren geltend gemacht werden müssen, insbesondere die
Frage nach der Qualifikation der X._ und jene, ob der Beschwerde-
führer meldepflichtige Person ist (E. 2.2.3). Der Beschwerdeführer hat gar
nicht versucht, diesen Weg einzuschlagen, obwohl er um die Qualifikation
durch die Bank wusste, hat er doch gemäss eigener Aussage bereits bei
dieser versucht, eine Korrektur zu erreichen.
3.1.2 Die Vorinstanz hat somit zu Recht sinngemäss festgestellt, dass sie
für diese Vorbringen des Beschwerdeführers nicht zuständig ist. In diesem
Punkt ist die Beschwerde abzuweisen.
3.1.3 Nur der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass eine Kor-
rektur der Daten gemäss Art. 19 Abs. 3 AIAG auch dann noch durch das
Finanzinstitut erfolgen kann, wenn dieses die Daten bereits der ESTV über-
mittelt hat. Das Finanzinstitut teilt die Korrektur, welche gemäss Gesetzes-
text durch einen rechtskräftigen Entscheid erfolgt sein muss, der ESTV mit,
welche den Partnerstaat informiert. Insofern verliert es gerade nicht die Ho-
heit über die Daten, wie der Beschwerdeführer geltend machen will (Sach-
verhalt Bst. E). Wie sinnvoll eine solche Korrektur ist, insbesondere in Fäl-
len, in denen die Daten bereits von der ESTV weitergeleitet wurden, ist hier
nicht zu erörtern.
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3.2
3.2.1 Argentinien ist Vertragsstaat des UNO-Pakt II. Es hat zwar zum zwei-
ten Teil von Art. 15 UNO-Pakt II eine Erklärung angebracht (zu finden unter
< https://treaties.un.org/Pages/ViewDetails.aspx?src=TREATY&mtdsg_
no=IV-4&chapter=4&clang=_en#EndDec >, letztmals abgerufen am
11. August 2010), nicht aber zu Art. 17 UNO-Pakt II, der sich mit der per-
sönlichen Freiheit befasst. Argentinien hat auch keine weiteren Vorbehalte
oder Erklärungen angebracht, weshalb die im UNO-Pakt II festgehaltenen
Garantien dort gelten.
3.2.2 Schweizerischerseits wurden die Vertraulichkeit und Datensicherheit
in Argentinien im Jahr 2017 als angemessen erachtet (mit Hinweis auf das
Expertenpanel des Global Forum, die Europäische Kommission und den
Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten [EDÖP] zu
letzterem auch nachfolgend E. 3.2.3]: Botschaft vom 16. Juni 2017 über
die Einführung des automatischen Informationsaustauschs über Finanz-
konten mit 41 Partnerstaaten ab 2018/2019, in: BBl 2017 4913 S. 4953 f.).
3.2.3 In der Liste des EDÖP «Stand des Datenschutzes weltweit» (Stand:
1. März 2019; < https://www.edoeb.admin.ch/dam/edoeb/de/dokumente/
2018/staatenliste.pdf.download.pdf/20181213_Staatenliste_d.pdf >, letzt-
mals abgerufen am 11. August 2020) wird auch noch im Jahr 2019 festge-
halten, dass in Argentinien ein angemessener Schutz für Daten natürlicher
Personen besteht. Damit bestehen hier keine Anhaltspunkte für eine mög-
liche Verletzung des «Ordre public» und die Voraussetzungen, um gemäss
Art. 19 Abs. 2 Satz 2 AIAG von einer Übermittlung der Informationen abzu-
sehen, sind selbst dann nicht erfüllt, wenn die Anwendung dieses Artikels
weit gefasst wird. Ob der Rechtsschutz nach Art. 19 Abs. 2 AIAG überhaupt
weit ausgelegt werden müsste (vgl. dazu Stimmen in der Literatur in
E. 2.3.3), kann hier somit offenbleiben. Dass während der Debatten im
(schweizerischen) Nationalrat Argentinien als Staat erwähnt wurde, in dem
heikle Rechtsverhältnisse bestünden, ändert daran nichts. Abgesehen da-
von, dass auch diese Umschreibung («heikle Rechtsverhältnisse») äus-
serst vage ist, müsste der Beschwerdeführer glaubhaft machen, dass ihm
konkret ein Nachteil im Sinne von Art. 19 Abs. 2 AIAG droht. Wie der Be-
schwerdeführer selbst ausführt, hat «u.a. die EU den Rechtsrahmen in Ar-
gentinien ‹auf dem Papier› für ausreichend befunden, und damit auch den
Datenschutz mit Bezug auf im Rahmen des AIA erhaltenen Daten für ge-
nügend eingestuft». Zwar macht der Beschwerdeführer weiter geltend, die
Situation in Argentinien sei damit in gleicher Weise geprüft worden, wie
https://treaties.un.org/Pages/ViewDetails.aspx?src=TREATY&mtdsg_no=IV-4&chapter=4&clang=_en#EndDec https://treaties.un.org/Pages/ViewDetails.aspx?src=TREATY&mtdsg_no=IV-4&chapter=4&clang=_en#EndDec https://www.edoeb.admin.ch/dam/edoeb/de/dokumente/2018/staatenliste.pdf.download.pdf/20181213_Staatenliste_d.pdf https://www.edoeb.admin.ch/dam/edoeb/de/dokumente/2018/staatenliste.pdf.download.pdf/20181213_Staatenliste_d.pdf
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jene in Bulgarien, wobei der AIA mit Bulgarien bereits habe ausgesetzt wer-
den müssen. Gemäss der entsprechenden Mitteilung des SIF, die der Be-
schwerdeführer nennt (< https://www.sif.admin.ch/sif/de/home/dokumentation/
fachinformationen/aia_bulgarien.html >, letztmals abgerufen am 11. Au-
gust 2020), bezog sich das Problem mit der Datensicherheit mit Bulgarien
aber konkret auf Daten, die im Rahmen des AIA übermittelt worden waren,
und war nicht gelöst worden. Gleiches kann von Argentinien nicht behaup-
tet werden. Die vom Beschwerdeführer behaupteterweise vergleichbaren
Probleme mit der Datensicherheit in Argentinien bezogen sich einerseits
nicht auf Daten, die im Rahmen des AIA erhalten wurden, und andererseits
fanden sie im Oktober 2014 und Mai 2017, und damit vor mehr als drei
Jahren, statt (siehe die vom Beschwerdeführer genannte Seite < https://
privacyinternational.org/state-privacy/57/state-privacy-argentina >, letzt-
mals abgerufen am 11. August 2020). Auch sind die genauen Umstände
dieser Datensicherheitsprobleme nicht bekannt. Somit gelingt es dem Be-
schwerdeführer nicht, glaubhaft zu machen, dass sich die Situation in Ar-
gentinien rechtswesentlich gleich darstellt wie jene in Bulgarien.
3.2.4 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Informationsaustausch
mit einem Staat ausgesetzt werden kann, wenn die zuständige Behörde
dieses Staates die Vorgaben des MCAA nicht einhält (7. Abschnitt Ziff. 3
MCAA). Dazu gehören auch die Vertraulichkeits- und Datenschutzbestim-
mungen nach Abschnitt 5 MCAA. Gegenüber Argentinien wurde dieses In-
strument nicht angewendet.
3.2.5 Dem Beschwerdeführer gelingt es nicht, glaubhaft darzulegen, dass
die Datenschutz- bzw. Datensicherheitsbestimmungen in Argentinien nicht
genügten, so dass gegen die Grundsätze gemäss Art. 19 Abs. 2 AIAG
verstossen würde. Zudem versucht er gar nicht, geltend zu machen, dass
für ihn konkret Nachteile aufgrund fehlender rechtsstaatlicher Garantien
entstehen könnten.
3.3 Insgesamt ist festzuhalten, dass es sich bei der behaupteten Fehlqua-
lifizierung der X._ nicht um einen Übermittlungsfehler handelt, der
vor der Vorinstanz bzw. im vorliegenden Verfahren erfolgreich geltend ge-
macht werden könnte (E. 3.1). Auch gelingt es dem Beschwerdeführer
nicht, den Nachweis zu erbringen, ihm entstünden in Argentinien wegen
der Datenübermittlung aufgrund fehlender rechtsstaatlicher Garantien in
diesem Land Nachteile (E. 3.2). Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
https://www.sif.admin.ch/sif/de/home/dokumentation/%20fachinformationen/aia_bulgarien.html https://www.sif.admin.ch/sif/de/home/dokumentation/%20fachinformationen/aia_bulgarien.html
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4.
Ausgangsgemäss hat der unterliegende Beschwerdeführer die Verfahrens-
kosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Diese sind auf Fr. 3'000.-- festzu-
setzen (vgl. Art. 1, 2 und 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe einbezahlte Kostenvorschuss ist zur
Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG und
Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3 VGKE).
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
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