Decision ID: bad0ba69-919c-56f5-8e71-4b6c5c831a6e
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
T._,
Beschwerdeführerin,
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St.Galler Gerichte
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Gmür, Obere Bahnhofstrasse 11,
Postfach 253, 9501 Wil SG 1,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente (Nichteintreten auf neues Leistungsbegehren)
Sachverhalt:
A.
T._ (Jg. 1953) meldete sich am 27. Juni 2000 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie
gab an, sie habe den Beruf einer Coiffeuse erlernt. Gemäss den Angaben von Dr. med.
A._ vom 19. September 2000 litt sie an einer chronischen Zervikobrachialgie
rechtsbetont bei Osteochondrose C5/6. Diese Krankheit hatte gemäss den Angaben
der Versicherten schon seit über zwanzig Jahren chronische Nackenschmerzen mit
Ausstrahlung in den rechten Arm zur Folge. Bei einer Haushaltabklärung vom 9. Januar
2001 gab die Versicherte an, im hypothetischen "Gesundheitsfall" wäre sie zu 50%
erwerbstätig. Der Orthopäde Dr. med. B._ berichtete in einem Gutachten vom 24.
September 2001, die Versicherte klage über stechende Nackenschmerzen mit
Ausstrahlung beidseits in den Schultergürtel, über stechende lumbale Schmerzen, über
stechende Ellbogenschmerzen und über stechende Schmerzen in beiden Knien. Alle
diese Schmerzen seien zunehmend. Die Versicherte habe aber angegeben, sie nehme
keine Schmerzmittel ein. Dr. med. B._ diagnostizierte eine Osteochondrose und
Unkarthrose mit begleitender Diskusdegeneration und flachbogiger subligamentärer
zirkumferentieller, nicht komprimierender Diskushernie C4/5, C5/6 und C6/7, eine
Trapeziusmyogelose bds., einen V. a. eine leichte Chondropathie bei St. n. medialer
Teilmeniskektomie links, einen V. a. eine leichte Chondropathie am rechten Kniegelenk,
Senk-/Spreizfüsse bds., anamnestisch ein lumbovertebrales Syndrom und
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anamnestisch Ellbogenschmerzen bds. Die MEDAS Ostschweiz stellte in einem
polydisziplinären Gutachten vom 26. Februar 2003 folgende Diagnosen:
Undifferenzierte Somatisierungsstörung bei histrionischer Persönlichkeit und diffuses
chronisches Schmerzsyndrom vorwiegend zervikozephal und panvertebral mit vielen
vegetativen Begleitbeschwerden. Sie führte dazu aus, bei der aktuellen Untersuchung
habe die Versicherte über seit vielen Jahren bestehende Schmerzen im Nacken und
Hinterkopf, im ganzen Rücken, speziell im Kreuz, und in den meisten Gelenken geklagt.
Die Rückenstatik und –beweglichkeit sei normal gewesen. Auch die peripheren
Gelenke seien normal beweglich gewesen. Die ausgiebigen radiologischen
Abklärungen hätten degenerative Veränderungen der unteren HWS gezeigt, die aber
ein übliches Altersmass nicht wesentlich überstiegen hätten. Es seien viele Zeichen
nicht-organischen Krankheitsverhaltens festzustellen gewesen (diffuse
Symptombeschreibung, sehr hohe Schmerzbewertung, weitgehende Erfolglosigkeit
bisheriger Behandlungen, nicht plausibles Ausmass der angeführten Behinderung im
Vergleich zu den klinischen und radiologischen Beurteilungen, extrem tiefe Bewertung
der eigenen Leistungsfähigkeit im PACT-Test). In einer Ergänzung zum Gutachten teilte
die MEDAS Ostschweiz am 21. Juli 2003 u.a. mit, Osteochondrosen, Unkarthrosen und
subligamentäre Diskushernien an der unteren HWS seien bei einem hohen Prozentsatz
(auch beschwerdefreier) 50-jähriger Personen vorhanden. Eine leichte Chondropathie
sei keine sehr erhebliche Diagnose. Die mediale Teilmeniskektomie links sei ein
Routineeingriff gewesen, der üblicherweise kaum wesentliche Folgen hinterlasse.
Senk- und Spreizfüsse könnten durch Einlagen korrigiert werden.
B.
Der Rheumatologe Dr. med. C._ berichtete dem Hausarzt Dr. med. A._ am 10. Juni
2004, er habe folgende Diagnosen erhoben: Fibromyalgiesyndrom, chronisches
Panvertebralsyndrom bei muskulärer Dysbalance, multisegmentale Dysfunktionen und
degenerative Veränderungen der HWS und leicht auch der LWS, Restless legs-
Syndrom anamnestisch, St. n. arthroskopischer Meniskusoperation rechts 8/2003,
Thalassaemia minor. Die MEDAS Ostschweiz führte am 23. Februar 2005 (richtig:
23. Februar 2006) in einem zweiten Gutachten aus, die Versicherte habe über eine
chronische Müdigkeit, Schmerzen von den Füssen bis zum Kopf bereits nach
leichtesten körperlichen Tätigkeiten, über rezidivierendes nächtliches Erwachen, über
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schmerzhafte Blockaden der HWS und über morgendliche Anlaufbeschwerden mit
erneuter Verschlechterung gegen Abend geklagt. Folgende Diagnosen seien erhoben
worden: undifferenzierte Somatisierungsstörung, histrionische Persönlichkeitsstruktur,
chronifiziertes diffuses, generalisiertes Schmerzsyndrom, zervikozephal und
panvertebral betont (Osteochondrosen, Unkovertebralspondylosen mit flachbogigen
subligamentären Diskushernien C4/5 bis C6/7 ohne Neurokompression, mässiggradige
Spondylarthrose der distalen LWS, Skoliose, dorsaler Überhang, Haltungsinsuffizienz),
Knicksenkfüsse bds. mit Insuffizienz der Tibialis posterior-Sehne rechts (op.
Reinsertion der Tibialis posterior-Sehne rechts 1/2002) sowie – ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit – St. n. zweimaliger arthroskopischer Meniskusteilresektion rechts
(letztmals 8/2003), Operation IV. Zehe rechts und navikuläre Verschmälerung bds.
11/1993, Osteopenie, subklinische Hypothyreose, Thalassaemia minor, anamnestisch
Restless-legs-Syndrom. Bei der Untersuchung sei eine deutliche Diskrepanz zwischen
den von der Versicherten geschilderten Beschwerden und den objektivierbaren
klinischen Befunden aufgefallen. Die bildgebenden Untersuchungen der ganzen
Wirbelsäule, der Füsse bds. und der OSG bds. hätten gegenüber den Voraufnahmen
keine Progredienz der degenerativen Veränderungen mit unveränderten
Osteochondrosen C4/5 bis C6/7, Unkovertebralspondylosen und mässigen
Spondylarthrosen der distalen LWS gezeigt. Aus somatischer Sicht sei keine
Verschlechterung seit dem Vorgutachten zu objektivieren. Auch die psychiatrische
Beurteilung habe eine unveränderte Situation ergeben. Als Coiffeuse sei die Versicherte
zu 35% arbeitsfähig, in einer leidensadaptierten Erwerbstätigkeit zu 60% und als
Hausfrau zu 90%. In Anwendung der gemischten Methode ermittelte die IV-Stelle einen
Invaliditätsgrad von 4%. Mit einer Verfügung vom 21. April 2006 wies sie das
Rentengesuch der Versicherten ab. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
C.
Am 13. Dezember 2007 füllte die Versicherte erneut eine Anmeldung zum Bezug von
IV-Leistungen aus. Im Gesuchsformular wurden folgende Diagnosen genannt:
chronifiziertes diffuses generalisiertes Schmerzsyndrom zervikozephal und
panvertebral, chronische Fussschmerzen bds. bei Knick-Senkfüssen bds. und St. n.
mehreren Operationen und weiterhin bestehender Fehlstellung D IV rechts, subakutes
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lumbospondylogenes Schmerzsyndrom links mit/bei Facettensyndrom L3/4, kleine
mediale Diskushernie L3/4, Varusgonarthrosen, leichte Anämie bei bekannter
Thalassaemia minor, interstitielle Zystitis (St. n. Operation 04/2007). Die IV-Stelle wies
die Versicherte am 21. Dezember 2007 darauf hin, dass eine für den Anspruch
erhebliche Veränderung glaubhaft gemacht werden müsse. Sie forderte die Versicherte
auf, entsprechende Unterlagen einzureichen. Die Versicherte stellte verschiedene
medizinische Unterlagen zu. Dr. med. D._ vom RAD fasste den Inhalt dieser
Unterlagen am 11. Februar 2008 folgendermassen zusammen: irritative
Miktionsbeschwerden bei hypokapazitativer Harnblase (alle 30 bis 60 Min. auf die
Toilette, Behandlung durch die Versicherte abgebrochen), St. n. Fraktur Metatarsale V
rechts (konsolidiert) und Fehlstellung D IV rechts, minimale mediale Diskushernie L3/4
ohne neurale Kompression (fragliche Relevanz für das aktuelle Beschwerdebild),
Rückenproblematik und artikuläre Beschwerden in eindrücklicher Weise durch
weichteilrheumatische Beschwerden überlagert, Korrektur-OP der Zehen IV und V
vorgesehen. Dr. med. D._ ging davon aus, dass eine Veränderung des
Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht sei. Ihrer Auffassung nach war aber noch
offen, ob sich dies auf die Arbeitsfähigkeit auswirkte. Sie empfahl, die Fussoperation
abzuwarten. Am 12. Februar 2008 forderte die IV-Stelle einen entsprechenden
Arztbericht an. Dr. med. E._ übermittelte am 13. Juni 2008 eine Zusammenfassung
der Krankengeschichte: Am 18. Dezember 2007 war festgestellt worden, dass eine
erneute Fussoperation notwendig war. Die Operation war am 22. Februar 2008 erfolgt.
Am 4. März 2008 hatte die Versicherte keine Beschwerden mehr verspürt. Am 14. April
2008 hatte sie angegeben, sie sei mit der Position der Zehe IV rechts sehr zufrieden.
Dasselbe hatte sie am 27. Mai 2008 angegeben. Allerdings war beim Tragen modischer
Schuhe im Bereich des lateralen Narbenrandes ein brennender Schmerz im rechten D
IV aufgetreten. Dr. med. E._ hatte reizlose Narbenverhältnisse mit anatomischer
Zehenposition und einen leichten Druckschmerz im Bereich des quer verlaufenden
lateralen Hohmannschnittes diagnostiziert. Dr. med. D._ hielt am 30. Juni 2008 fest,
der Gesundheitszustand habe sich verändert. Neu seien die irritative
Blasenentleerungsstörung und eine Korrektur der Zehenfehlstellung. Postoperativ habe
die Versicherte noch Probleme bei längerem Stehen. Wegen der Blasenstörung müsse
die Versicherte häufig die Toilette aufsuchen. Dr. med. D._ ging von einer
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Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit von nach wie vor 60% aus.
Notwendig seien eine Sitzgelegenheit und eine in der Nähe gelegene Toilette.
D.
Mit einem Vorbescheid vom 13. August 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie beabsichtige, nicht auf die Neuanmeldung einzutreten. Die Versicherte wandte
am 2. September 2008 ein, sie müsse alle 20 Min. Wasser lösen. Das sei nicht die
Folge einer Entzündung, sondern einer chronischen Erkrankung. Es sei schwierig, mit
dieser Krankheit auszukommen. Die Fibromyalgie bestehe schon seit längerer Zeit. Mit
einer Verfügung vom 26. September 2008 trat die IV-Stelle nicht auf die Neuanmeldung
vom 13. Dezember 2007 ein.
E.
Die Versicherte erhob am 17. Oktober 2008 Beschwerde gegen diese Verfügung. Sie
machte geltend, ihr Gesundheitszustand habe sich stark verschlechtert. Sie müsse alle
20 Min. Wasser lösen. Ursache sei eine chronische Krankheit. Welcher Arbeitgeber
stelle jemanden ein, der dauernd auf der Toilette sei. Der fast wöchentliche Gang zum
Chiropraktiker und eine bevorstehende Operation zeigten zudem ebenfalls eine
Verschlechterung.
F.
Die IV-Stelle beantragte am 9. Januar 2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie führte
aus, in orthopädischer Hinsicht seien keine Umstände erkennbar, die eine dauernde
Verschlechterung glaubhaft machen könnten. Die operativen Eingriffe hätten bloss zu
einer passageren Verschlechterung geführt. Es sei nicht glaubhaft, dass die
Miktionsstörung das behauptete Ausmass habe. Zudem sei davon auszugehen, dass
dieses Problem seit Jahren bestehe. Die Versicherte habe angegeben, die
Erstdiagnose sei im Januar 2006 erfolgt. Massgebend sei aber nur die
Sachverhaltsentwicklung seit dem 21. April 2006. Die Glaubhaftmachung sei also an
der fehlenden Wesentlichkeit der geltend gemachten Veränderungen gescheitert.
G.
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Die Versicherte liess am 2. Februar 2009 die Aufhebung der angefochtenen
Nichteintretensverfügung und die Rückweisung an die IV-Stelle zur Festlegung des
Invaliditätsgrades beantragen. Zur Begründung liess sie ausführen, die Behauptung, es
sei keine Veränderung glaubhaft gemacht, müsse als aktenwidrig qualifiziert werden. In
der Stellungnahme des RAD vom 30. Juni 2008 sei nämlich von einer Veränderung des
Gesundheitszustandes ausgegangen worden. Nach dem Erlass der
Abweisungsverfügung am 21. April 2006 seien folgende Krankheiten diagnostiziert
worden: leichtgradige chronische, nicht aktive Gastritis, Pollakisurie, Nykturie,
Duodenitis, Antrumgastritis, intermittierende Refluxbeschwerden, funktionelle
Darmbeschwerden mit Stuhlunregelmässigkeiten, Splenomegalie, schmerzhafter,
derber und anteflektierter Uterus, subakutes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom,
Fibromyalgie, Varusgonarthrosen, chronische Refluxkrankheit, Laktoseintoleranz,
mediane Diskushernie L3/4. All diese Beschwerden seien nicht Gegenstand des am 21.
April 2006 abgeschlossenen Verfahrens gewesen. Sie seien also als neu zu betrachten.
Unbeachtlich sei, ob diese Beschwerden am 21. April 2006 bereits bestanden hätten
oder nicht. Es genüge, dass sie am 21. April 2006 nicht in die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit eingeflossen seien. Im Vordergrund stünden die Darm- und
Blasenbeschwerden. Diese hätten sich trotz Operationen und der Verabreichung
diverser Medikamente nicht verbessert. Die Blasenbeschwerden hätten zur Folge, dass
sie keiner geregelten Erwerbstätigkeit mehr nachgehen könne. Es sei ein Bericht des
Hausarztes einzuholen. Am 27. Februar 2009 liess die Versicherte einen Bericht des
Kantonsspitals St. Gallen vom 12. Februar 2009 einreichen. Gemäss diesem Bericht
lagen eine hyperaktive Blase mit ausgeprägt irritativen Miktionsbeschwerden bei
hypokapazitativer Blase, anamnestisch mit Unverträglichkeit von Anticholinergika, mit
St. n. Zystoskopie mit Harnblasenspülzytologie sowie PE Blase und Blasendistension
am 12.04.07, mit St. n. Botulinumtoxin-Injektion am 16.04.07 und mit St. n.
Zystoskopie, Injektion von Botulinumtoxin und Blasendistension am 16.
Dezember 2008 bei erneuter Zunahme der Beschwerden vor. Dazu hatten die Ärzte
des Kantonsspitals ausgeführt, laut Miktionsprotokoll komme es zu dreissig Miktionen
pro Tag. Die Urinproduktion betrage 4 L pro Tag, weil die Versicherte sehr viel trinke.
Die maximalen Portionen seien 330 ml, jedoch öfters auch kleinere Mengen von nur
30-40 ml. Man habe der Versicherten empfohlen, die tägliche Trinkmenge von 4 L auf 2
L zu reduzieren. Im Begleitschreiben zuhanden des Rechtsvertreters der Versicherten
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hatte Dr. med. F._ angegeben, mit der Notwendigkeit, dreissigmal täglich die Toilette
aufzusuchen, sei eine deutlich reduzierte Fähigkeit verbunden, den Beruf der Coiffeuse
auszuüben. Der Rechtsvertreter der Versicherten machte am 27. Februar 2009 geltend,
das treffe natürlich auch für die Tätigkeit im Haushalt zu.
H.
Die IV-Stelle wandte am 26. März 2009 ein, die neu eingereichten Akten seien zum
vornherein nicht geeignet, eine wesentliche Veränderung glaubhaft zu machen, denn
Streitgegenstand sei nur die Frage, ob die Versicherte bis zum Erlass der
Nichteintretensverfügung eine wesentliche Veränderung glaubhaft gemacht habe. Es
sei ausschliesslich die Aufgabe der Versicherten gewesen, die zur Glaubhaftmachung
notwendigen Unterlagen beizubringen. Massgebend seien nur Veränderungen im
Gesundheitszustand, die nach der Abweisungsverfügung eingetreten seien. Es sei eine
erhebliche Veränderung glaubhaft zu machen. Die Miktionsproblematik sei
vorbestehend. Ausserdem sei dabei stark übertrieben worden. Höchstwahrscheinlich
könnte die Situation dadurch beherrscht werden, dass die Trinkmenge auf ein
normales Mass reduziert würde.

Erwägungen:
1.
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird eine
neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV
erfüllt sind, wenn im neuen Leistungsgesuch also glaubhaft gemacht wird, dass sich
der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert habe
(Art. 87 Abs. 4 IVV). Entgegen der von der Beschwerdeführerin offenbar vertretenen
Auffassung genügt es demnach nicht, irgendeine Veränderung des
Gesundheitszustandes glaubhaft zu machen. Vielmehr muss es sich um eine (glaubhaft
gemachte) Veränderung des Gesundheitszustandes handeln, die einen anderen
Invaliditätsgrad bewirkt. Diese Veränderung des Invaliditätsgrades muss zudem für den
Anspruch erheblich sein. Erheblich ist sie in Fällen wie dem vorliegenden nur, wenn neu
ein Invaliditätsgrad von mindestens 40% (Art. 28 Abs. 2 IVG) glaubhaft gemacht ist.
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Auch wenn der Wortlaut der Abs. 4 und 3 des Art. 87 IVV dies nicht zum Ausdruck
bringt, muss die erhebliche Veränderung des Invaliditätsgrades doch nach der
Abweisung des früheren Rentenbegehrens eingetreten sein. Das ergibt sich aus dem
Wesen der Revision (Art. 17 ATSG), die ausschliesslich der Anpassung rechtskräftig
festgesetzter, laufender Dauerleistungen an eine nachträgliche Änderung des
leistungserheblichen Sachverhalts dient. Die bereits vor der Eröffnung der
Abweisungsverfügung eingetretene Veränderung des leistungserheblichen
Sachverhalts gehört in den Anwendungsbereich der prozessualen Revision bzw. der
Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 1 und 2 ATSG). Art. 87 Abs. 3 IVV regelt die
Voraussetzungen des Eintretens auf ein Revisionsgesuch, also auf ein Gesuch um eine
Anpassung einer laufenden Rente an eine nachträgliche Veränderung des
Invaliditätsgrades. Deshalb muss auch Art. 87 Abs. 4 IVV, der die Voraussetzungen des
Art. 87 Abs. 3 IVV ohne Modifikation oder Einschränkung analog anwendet, auf
nachträgliche Sachverhaltsveränderungen beschränkt sein. Eine
Sachverhaltsveränderung, die vor der Eröffnung der Abweisungsverfügung erfolgt ist,
kann also nie ein Eintreten auf eine Neuanmeldung gestützt auf Art. 87 Abs. 4 IVV
erlauben. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin gilt das auch für eine
Sachverhaltskomponente, die bei der Eröffnung der Abweisungsverfügung bereits
verändert, der IV-Stelle aber noch nicht bekannt war oder bekannt sein konnte. Mit
dem Erlass einer Verfügung ist nämlich notwendigerweise die Fiktion verbunden, dass
der gesamte relevante (Dauer-) Sachverhalt, wie er sich bis zum Tag der
Verfügungseröffnung entwickelt hat, erhoben und gewürdigt worden sei. Dass eine
bestimmte, möglicherweise leistungserhebliche Sachverhaltsentwicklung, die der
Eröffnung der Abweisungsverfügung vorausgegangen ist, bei der
Sachverhaltswürdigung übersehen oder nicht als solche erkannt worden ist, ändert
deshalb nichts daran, dass die Abweisungsverfügung die Rechtswirkungen des
(Dauer-) Sachverhalts bis und mit dem Eröffnungstag regelt. Deshalb ist es
ausgeschlossen, im Sinne des Art. 87 Abs. 4 IVV eine relevante Erhöhung des
Invaliditätsgrades glaubhaft zu machen, indem man medizinische Unterlagen beibringt,
die auf eine unzureichende Sachverhaltserhebung bis zur Eröffnung der
Abweisungsverfügung hindeuten. Im vorliegenden Fall muss eine allfällige relevante
Sachverhaltsveränderung gemäss Art. 87 Abs. 4 IVV also nach dem 21. April 2006
eingetreten sein.
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2.
Art. 87 Abs. 4 IVV überträgt der sich nach einer rechtskräftigen Abweisung neu
anmeldenden versicherten Person die Glaubhaftmachungslast. Die sich neu
anmeldende Person kann sich also nicht darauf beschränken, eine nachträgliche
erhebliche Erhöhung ihres Invaliditätsgrades zu behaupten und es dann der IV-Stelle
unter Berufung auf den Untersuchungsgrundsatz überlassen, herauszufinden, ob diese
Behauptung glaubhaft sei oder nicht. Vielmehr muss sie selbst der IV-Stelle
Arztzeugnisse u.ä. vorlegen, welche die behauptete nachträgliche Erhöhung des
Invaliditätsgrades als glaubhaft erscheinen lassen. Unterlässt die versicherte Person
die Glaubhaftmachung der behaupteten Erhöhung oder vermögen die der IV-Stelle
zugestellten Belege die behauptete Erhöhung nicht glaubhaft zu machen, so tritt die IV-
Stelle nicht auf die Neuanmeldung ein. Diese Nichteintretensverfügung entspricht Art.
87 Abs. 4 IVV und ist deshalb rechtmässig. Würde man nun das Novenrecht im
Beschwerdeverfahren so auslegen, dass die Glaubhaftmachung durch neue Belege im
Beschwerdeverfahren nachgeholt werden könnte, müsste eine rechtmässige
Nichteintretensverfügung als rechtswidrig aufgehoben und durch den Entscheid ersetzt
werden, auf die Neuanmeldung einzutreten. Das kann das Novenrecht im
Beschwerdeverfahren nicht leisten. Die gegenteilige Behauptung beruht auf einer
fehlerhaften Definition des Streitgegenstandes bei derartigen Beschwerdeverfahren.
Streitgegenstand ist nicht die Glaubhaftmachung selbst, sondern nur die Frage, ob die
IV-Stelle zu Recht gestützt auf die ihr vorgelegten Belege nicht auf die Neuanmeldung
eingetreten sei. Als Noven können in einem solchen Beschwerdeverfahren also
höchstens Belege zugelassen werden, die der Klärung der Frage nach der
Glaubhaftmachung bereits vor der IV-Stelle dienen. Nicht zugelassen sind Belege, die
direkt der Glaubhaftmachung der behaupteten nachträglichen erheblichen
Sachverhaltsveränderung gegenüber dem Versicherungsgericht dienen. Die von der
Beschwerdeführerin erst im Beschwerdeverfahren eingereichten Akten, die der
Beschwerdegegnerin nicht vorgelegen haben, sind deshalb aus dem Recht zu weisen,
weil sie nur der Nachholung der Glaubhaftmachung der behaupteten nachträglichen
erheblichen Erhöhung des Invaliditätsgrades dienen können.
3.
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Die rechtskräftige Abweisungsverfügung beruht in bezug auf den medizinischen Teil
des Sachverhalts auf dem MEDAS-Gutachten vom 23. Februar 2006. Der von den
Sachverständigen der MEDAS ermittelte Gesundheitszustand bildet somit weitgehend
die Vergleichsbasis, an der die Behauptung der Beschwerdeführerin zu prüfen ist, dass
sich ihr Gesundheitszustand und damit ihr Invaliditätsgrad nachträglich
leistungserheblich verändert habe. Verglichen wird nicht mit dem am 13. Dezember
2007 (Datum der Neuanmeldung) objektiv bestehenden Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin, sondern mit dem Gesundheitszustand, wie er in den der
Beschwerdegegnerin mit der Neuanmeldung bzw. im Verfahren der Eintretensprüfung
zugegangenen medizinischen Akten dargestellt worden ist. Im MEDAS-Gutachten sind
folgende Diagnosen angeführt: undifferenzierte Somatisierungsstörung, histrionische
Persönlichkeitsstruktur, chronifiziertes diffuses generalisiertes Schmerzsyndrom,
zervikozephal und panvertebralbetont (Osteo-chondrosen, Unkovertebralspondylosen
mit flachbogiger subligamentärer Diskushernie C4/5 bis C6/7 ohne Neurokompression,
mässiggradige Spondylarthrose der distalen LWS, Skoliose, dorsaler Überhang,
Haltungsinsuffizienz), Knicksenkfüsse bds. mit Insuffizienz der Tibialis posterior-Sehne
rechts. Die der Beschwerdegegnerin mit oder nach der Neuanmeldung zugegangenen
medizinischen Unterlagen äussern sich nicht zur psychischen Gesundheitssituation.
Die Beschwerdeführerin hat also gar nicht versucht, eine relevante Veränderung ihres
psychischen Zustandes glaubhaft zu machen. Eine allfällige relevante Veränderung
müsste demnach somatischer Natur sein. In bezug auf die Rückenproblematik taucht
in den neuen Unterlagen eine Beeinträchtigung im Bereich L3/4 auf. Diese
Beeinträchtigung ist aber nicht neu, auch wenn erstmals ein Facettensyndrom L3/4 und
eine kleine mediale Diskushernie L3/4 angegeben worden sind. Es scheint also
höchstens eine nachträgliche Verschlechterung eingetreten zu sein. Diese
Verschlechterung hat aber keine relevanten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
entfaltet. Sensomotorische und motorische Defizite sind nämlich nicht vorhanden und
die Schmerzsymptomatik hat durch eine Infiltration L3/4 deutlich reduziert werden
können. Bei der Nachkontrolle hat die Beschwerdeführerin angegeben, sie sei
beschwerdearm. Die Diagnose einer Fibromyalgie ist bereits vor dem Erlass der
rechtskräftigen Abweisungsverfügung von einem behandelnden Arzt gestellt, von den
medizinischen Sachverständigen aber nie bestätigt worden. Auch die MEDAS hat in
ihrem zweiten Gutachten statt der Fibromyalgie ein diffuses generalisiertes
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Schmerzsyndrom angegeben. Es ist also nicht neu eine Fibromyalgie aufgetreten,
sondern ein und dasselbe - unveränderte – Krankheitsbild ist erneut von einem
behandelnden Arzt als Fibromyalgie interpretiert worden. Die früher als Hauptproblem
betrachteten Beeinträchtigungen der HWS tauchen in den von der Beschwerdeführerin
im Rahmen der Neuanmeldung eingereichten medizinischen Unterlagen gar nicht mehr
auf. In bezug auf die Rückenbeschwerden sowohl im LWS- als auch im HWS-Bereich
hat die Beschwerdeführerin demnach keine für ihren Invaliditätsgrad erhebliche
Veränderung glaubhaft gemacht. Dasselbe gilt für die Knieprobleme, denn bereits im
zweiten MEDAS-Gutachten ist dieser Beeinträchtigung Rechnung getragen worden
und die neuen medizinischen Unterlagen weisen diesbezüglich weder eine
Veränderung noch eine Verschlimmerung aus. In bezug auf die Probleme mit dem
rechten Fuss hat sich insofern eine Veränderung ergeben, als nach der Abweisung des
Rentengesuchs eine Operation durchgeführt worden ist. Diese Operation hat den
Gesundheitszustand aber verbessert, so dass es sich dabei zum vornherein nicht um
eine erhebliche Sachverhaltsveränderung handeln kann. Somit verbleibt die irritative
Blasenstörung als einzige mögliche relevante Veränderung des Gesundheitszustandes.
Die von der Beschwerdeführerin mit oder nach der Neuanmeldung eingereichten
medizinischen Unterlagen zeigen, dass diese Gesundheitsbeeinträchtigung bereits seit
langer Zeit bestanden hat. Es fehlt aber jeder Hinweis darauf, dass nach der
rechtskräftigen Abweisung des Rentengesuchs eine erhebliche Verschlechterung
eingetreten wäre, dass die Beschwerdeführerin also erst seit kurzer Zeit mit dem
Problem einer übermässig hohen Miktionsfrequenz zu kämpfen hätte. Selbst wenn eine
solche Verschlimmerung eingetreten wäre, läge keine für den Invaliditätsgrad relevante
Veränderung vor, denn die Notwendigkeit, tagsüber alle 30 bis 60 Min. die Toilette
aufzusuchen, schränkt die Arbeitsfähigkeit nicht merklich ein, wenn sowohl die
Erwerbstätigkeit als auch der Arbeitsplatz dieser Beeinträchtigung Rechnung tragen.
Auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt finden sich Arbeitsplätze, die
nicht nur allen anderen behinderungsbedingten Anforderungen, sondern auch dem
häufigen Miktionsbedarf angepasst sind.
4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin mit denjenigen
medizinischen Unterlagen, die sie mit der Neuanmeldung oder während des Verfahrens
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der Eintretensprüfung durch die Beschwerdegegnerin eingereicht hat, keine
leistungserhebliche nachträgliche Sachverhaltsveränderung hat glaubhaft machen
können. Im Umstand, dass die Beschwerdegegnerin selbst einen Bericht von Dr. med.
E._ angefordert hat, kann kein stillschweigender Eintretensentscheid der
Beschwerdegegnerin erblickt werden, denn dabei hat es sich – ständiger Praxis des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen gemäss – um eine grundsätzlich
zulässige Hilfestellung der Beschwerdegegnerin bei der Glaubhaftmachung gehandelt,
die auch darin hätte bestehen können, die Beschwerdeführerin auf die Notwendigkeit
des Einreichens eines Berichts von Dr. med. E._ aufmerksam zu machen. Die
Beschwerdegegnerin ist mit der angefochtenen Verfügung vom 26. September 2008 zu
Recht nicht auf die Neuanmeldung vom 13. Dezember 2007 eingetreten, so dass die
Beschwerde abzuweisen ist. Die vollumfänglich unterliegende Beschwerdeführerin hat
die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens zu bezahlen. Diese bemessen sich
nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser Aufwand rechtfertigt eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-, die durch den von der Beschwerdeführerin geleisteten
Kostenvorschuss in gleicher Höhe gedeckt ist. Das Begehren um die Zusprache einer
Parteientschädigung ist abzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht