Decision ID: d71c4b8d-cc83-4226-8b04-3e3cf9f04c9c
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 03.11.2009 Art. 87 Abs. 4 i.V.m. Abs. 3 IVV. Glaubhaftmachung einer anspruchsrelevanten Sachverhaltsentwicklung nach vorheriger Leistungsverweigerung. In diesem Verfahrensstadium obliegt die Beweisführungslast der versicherten Person; der Untersuchungsgrundsatz gilt insofern (noch) nicht (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 3. November 2009, IV 2008/187).
Vizepräsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug
und Marie Löhrer; Gerichtsschreiberin Miriam Lendfers
Entscheid vom 3. November 2009
in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Reto Joos, Rechtsanwälte Roos/Roos-
Niedermann, Postgasse 5, 9620 Lichtensteig,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente (Nichteintreten auf neues Leistungsbegehren)
Sachverhalt:
A.
A.a S._, Jahrgang 1960, meldete sich im November 2003 erstmals zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Eine schliesslich im Oktober und
November 2004 durchgeführte polydisziplinäre Abklärung bei der MEDAS Ostschweiz
ergab insbesondere die Diagnosen chronifizierte belastungsabhängige Schmerzen und
intermittierende Kribbelparästhesien rechtsbetont im Bereich der oberen Extremitäten,
chronisches Lumbovertrebralsyndrom und Alkoholabhängigkeitssyndrom mit
ständigem Substanzgebrauch. In der angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter/Schlos
ser bestehe vollständige Arbeitsunfähigkeit. Diese resultiere vordergründig aus der
Alkoholkrankheit und der damit verbundenen Eigen- und Fremdgefährdung,
insbesondere für Arbeiten an gefährlichen Maschinen bzw. in sturzgefährdenden
Höhen. Für Arbeiten mit körperlich schweren Hebeleistungen liege eine Einschränkung
von 30% vor. Für körperlich leichte, adaptierte Tätigkeiten mit wechselnder
Körperhaltung und in ungefährlicher Umgebung schätze man die Arbeitsfähigkeit als
nicht wesentlich eingeschränkt (IV-act. 33-16 ff.). Mit Verfügung vom 12. August 2005
lehnte die IV-Stelle einen Anspruch auf IV-Leistungen (Rente und berufliche
Massnahmen) ab (IV-act. 41).
A.b Im Juli 2006 meldete sich der Versicherte erneut zum IV-Leistungsbezug an. Er gab
an, dass sieben Operationen am linken und vier am rechten Arm erfolgt seien. Dadurch
sei die Beweglichkeit und die Kraft in beiden Armen massiv eingeschränkt worden (IV-
act. 43). Am 24. März 2006 war es zu einer operativen Vorverlagerung und Neurolyse
des Nervus ulnaris bei Rezidiv Sulcus ulnaris-Syndrom rechts gekommen, und am
29. Juni 2006 hatte der Versicherte bei einem Sturz eine Köpfchenfraktur Dig. V an der
linken Hand erlitten (IV-act. 47-2). Dr. med. A._, Facharzt FMH für Innere Medizin und
Pneumologie, verwies im Arztbericht vom 18. August 2006 auf eine chronische
periphere Neuropathie des Nervus ulnaris links, einen Status nach Neurolyse des
Nervus ulnaris rechts 1/2000 und ein chronisches Karpaltunnelsyndrom rechts. Die
Unterarme belastende Arbeiten seien problematisch. Angepasste Tätigkeiten seien
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jedoch vollzeitlich und mit voller Leistungsfähigkeit zumutbar (IV-act. 55-1 ff.). Die IV-
Stelle lehnte einen Leistungsanspruch mit Verfügung vom 27. April 2007 erneut ab (IV-
act. 72).
A.c Die dritte IV-Anmeldung des Versicherten erfolgte im November 2007.
Übermässiger Alkoholkonsum habe seine Leistungsfähigkeit etwas eingeschränkt,
weshalb er nicht mehr in der Lage sei, ein volles Erwerbseinkommen zu erzielen (IV-
act. 74). Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, hielt im Arztbericht vom
9. Dezember 2007 fest, die Beschwerden im Bereich der Arme schildere der
Versicherte derzeit nicht mehr als sehr gravierend. Die Rückenschmerzen seien
gegenüber der Beurteilung bezüglich IV-Berentung sicherlich unverändert.
Allgemeininternistisch bestehe kein pathologisch schwerer Befund. Geistig sei der
Versicherte nie beurteilt worden. Allenfalls sei eine Abklärung in diesem Bereich
notwendig und sinnvoll, damit entschieden werden könne, ob die IV sich an der
Reintegration beteiligen könne (IV-act. 81). Nach Rückfrage bei ihrem Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD) beschloss die IV-Stelle am 5. März 2008 verfügungsweise das
Nichteintreten. Eine erhebliche Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse seit der
Verfügung vom 27. April 2007 werde nicht glaubhaft gemacht (IV-act. 87).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Reto Roos in
Vertretung des Versicherten am 21. April 2008 erhobene Beschwerde. Er beantragt die
Aufhebung der Verfügung. Auf das Leistungsbegehren sei einzutreten. Es sei ein
interdisziplinäres Gutachten zu erstellen, das sowohl den geistigen als auch den
körperlichen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers beurteile. Schliesslich sei
der Invaliditätsgrad neu zu bemessen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Zudem lässt der Beschwerdeführer um unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
ersuchen (act. G 2). Das Nichteintreten der Vorinstanz sei willkürlich, weil sie die
tatsächliche Situation nicht berücksichtigt habe und die vorgeschriebene notwendige
Abklärung von Amtes wegen nicht vorgenommen habe. Im MEDAS-Gutachten vom
2. Dezember 2004 sei klar darauf hingewiesen worden, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in den kommenden Jahren irreversibel
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negativ verändern würde, wenn er weiterhin übermässig Alkohol konsumiere. Der
Beschwerdeführer absolviere ein Praktikum, in dem er nur sehr einfache Arbeitsabläufe
zu bewältigen habe. Aber selbst diese einfachsten Tätigkeiten bereiteten ihm
Schwierigkeiten. Sobald mehr als ein Arbeitsschritt zusammenwirkten, sei er
überfordert. Es fehle ihm am vernetzten Denken, an der nötigen Intelligenz sowie an
den verlangten Fähigkeiten. Zudem sei er extrem vergesslich. Diese Gesundheits- und
Arbeitsdefizite hätten sich erst im Lauf der letzten Jahre entwickelt und seien Folge des
übermässigen Alkoholkonsums. Der geistige Zustand des Beschwerdeführers habe im
Vergleich zu den vorangegangenen Jahren bewiesenermassen massiv nachgelassen.
Es sei daher unumgänglich, mittels interdisziplinärem Gutachten das heutige
Krankheitsbild des Beschwerdeführers exakt abzuklären und die Arbeitsfähigkeit in
qualitativer und quantitativer Hinsicht festzustellen. Diese Ansicht vertrete auch
Dr. B._. Im MEDAS-Gutachten 2004 sei festgestellt worden, dass der Alkoholkonsum
primär und noch nicht invalidisierend sei. Der begutachtende Arzt habe die Prognose
gestellt, dass ohne strukturierende Massnahmen in den nächsten Jahren irreversible
Folgeschäden auch des Zentralnervensystems auftreten dürften (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2008
die Abweisung der Beschwerde. Dem Beschwerdeführer sei nicht gelungen, eine
wesentliche Veränderung seines Gesundheitszustands glaubhaft zu machen. Der
Bericht von Dr. B._ reiche hierfür nicht aus. Dr. B._ habe lediglich eine
Aktenbeurteilung vorgenommen und auf die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers abgestellt. Es treffe nicht zu, dass die geistigen Fähigkeiten des
Beschwerdeführers nie beurteilt worden seien. So seien anlässlich der psychiatrischen
Exploration bei der MEDAS die kognitiven Fähigkeiten des Beschwerdeführers geprüft
worden. Dieser habe damals eine kognitive Schwäche gezeigt. Zudem seien keine
irreversiblen Folgen des Alkoholkonsums objektivierbar gewesen. Der Bericht von
Dr. B._ bilde keine taugliche Grundlage, die Schwelle der Glaubhaftmachung zu
überwinden (act. G 4).
B.c Der zuständige Verfahrensleiter des Versicherungsgerichts bewilligte am 29. Mai
2008 das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den
Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung; act. G 6).
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B.d Der Beschwerdeführer lässt am 10. Juni 2008 an seinen Anträgen festhalten. Der
Bericht von Dr. B._ sei rund drei Jahre nach dem MEDAS-Gutachten erstellt worden.
Der MEDAS-Gutachter habe offensichtlich darauf hinweisen wollen, dass im Zeitpunkt
der Begutachtung wohl noch keine invalidisierenden Gegebenheiten vorgelegen hätten,
in der Zukunft aber mit grosser Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden müsse,
sollten sich die Umstände nicht ändern. Seit der Begutachtung hätten sowohl Dr. B._
als auch der momentane Arbeitgeber des Beschwerdeführers Indizien erkannt, die den
Eintritt der damals prognostizierten irreversiblen Schäden bestätigen würden (act. G 7).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 13. Juni 2008 auf die Einreichung einer
Duplik (act. G 9).
B.f Auf weitere Vorbringen der Parteien wird – sofern entscheidwesentlich – im

Rahmen der Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
1.1 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird
gemäss Art. 87 Abs. 4 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs. 3 erfüllt sind. Nach jener Bestimmung muss in einem Revisionsgesuch glaubhaft
gemacht werden, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat. Diese Eintretensvoraussetzung soll verhindern, dass
sich die Verwaltung immer wieder mit gleich lautenden und nicht näher begründeten,
d.h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE
130 V 76 Erw. 3.2.3).
1.2 Nach der Rechtsprechung ist unter Glaubhaftmachung im Sinn von Art. 87 Abs. 3
IVV kein Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden Grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 121 V 47 Erw. 2a) zu verstehen. Gemäss
dem Zweck der Eintretenshürde von Art. 87 Abs. 3 IVV muss es sich bei der
Glaubhaftmachung um eine deutlich reduzierte Beweisanforderung handeln. Es genügt,
dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand wenigstens gewisse
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Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist,
dass eine eingehende Sachverhaltsabklärung die behauptete Veränderung nicht be
stätigen wird. Grundsätzlich unterliegt das Glaubhaftmachen nach Art. 87 Abs. 3 IVV
weniger strengen Anforderungen als im Zivilprozessrecht (SVR 2003 IV Nr. 25 Erw. 2.2
mit Hinweisen, Urteil 9C_688/2007 des Bundesgerichtes vom 22. Januar 2008).
1.3 Aufgrund des klaren Wortlauts des Art. 87 Abs. 3 IVV ("Im Gesuch ist glaubhaft zu
machen") steht fest, dass eine versicherte Person, die sich nach einer früheren
Leistungsverweigerung bei der IV-Stelle neu anmeldet und eine Rente verlangt, die
"Glaubhaftmachungslast" (im Sinn einer Beweisführungslast) trägt. Sie muss also jene
Indizien beschaffen und der IV-Stelle vorlegen, mit denen sie ihre Behauptung einer
anspruchserheblichen Gesundheitsverschlechterung glaubhaft machen will. Sie kann
sich nicht darauf beschränken, eine solche Veränderung zu behaupten. In diesem
Verfahrensstadium gilt demnach der Untersuchungsgrundsatz nicht.
2.
2.1 Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung
des Invaliditätsgrads ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts auch bei einer
Neuanmeldung nach vorangegangener Abweisung die letzte rechtskräftige Verfügung,
die auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruhte (vgl. BGE 130 V 71).
2.2 Demgegenüber wird allerdings auch die Auffassung vertreten, dass die Rechtskraft
einer Anspruchsablehnung sich nicht gleich auswirke wie die Rechtskraft einer
leistungszusprechenden Verfügung. Bei der Abweisung eines Leistungsgesuchs kann
einem Betroffenen nicht zugemutet werden, gewisse Unzulänglichkeiten der Verfügung
zu rügen, sofern sie im Ergebnis (trotzdem) richtig ist. Der allgemeine
Verfahrensgrundsatz der Eintretenshürde bei Neuanmeldungen nach einer
vorausgegangenen Rentenabweisung, den Art. 87 Abs. 4 IVV aufnimmt, bringt nach
dieser Auffassung lediglich zum Ausdruck, dass der Gesuchsteller das Vorliegen eines
aktuell rentenbegründenden Sachverhalts glaubhaft machen muss. Ein
Sachverhaltsvergleich auf der Zeitachse ist– anders als im Rentenrevisionsverfahren –
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hier nicht erforderlich (Franz Schlauri in SBVR XIV, 2. Aufl., Die Militärversicherung,
Rz. 137, Fn. 187; anders BGE 130 V 71 Erw. 3.2.3 und BGE 133 V 112 Erw. 5.4).
2.3 Vorliegend kann offen bleiben, ob die Glaubhaftmachung eines aktuell
rentenbegründenden Sachverhalts ausreicht oder ob eine Veränderung seit der letzten
rechtskräftig verfügten Abweisung glaubhaft zu machen ist und welche Konsequenzen
sich aus der Differenzierung ergeben könnten. Im vorliegenden Fall wurde der
somatische Sachverhalt letztmals im Rahmen der im Juli 2006 erfolgten zweiten
Anmeldung überprüft. Dabei ergab sich, dass keine sich auf die Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit negativ auswirkende Veränderung der somatischen Situation
eingetreten ist. Entsprechend erfolgte mit Verfügung vom 27. April 2007 eine
Leistungsabweisung (IV-act. 72). Die aktuellen medizinischen Akten enthalten keine
Hinweise auf eine relevante Verschlechterung der somatischen Situation seit April
2007. Diesbezüglich wurden, abgesehen vom Bericht von Dr. B._ vom 9. Dezember
2007, keine neuen Akten eingereicht. Dr. B._ gab wieder, dass der Beschwerdeführer
die Beschwerden im Bereich beider Ellbogen und Arme als nicht mehr sehr gravierend
schildere. Er habe immer noch leichte Sensibilitätsstörungen im Bereich der linken
Hand und das linke Handgelenk schmerze bei Belastung. Ebenfalls habe er wiederholt
Rückenschmerzen. Diese seien jedoch sicherlich gegenüber der Beurteilung bezüglich
IV-Berentung unverändert. Allgemeininternistisch bestehe kein pathologisch schwerer
Befund bei Nikotinabusus (IV-act. 81). In Bezug auf diese Problembereiche ist folglich
seit April 2007 keine relevante Verschlechterung glaubhaft. Auch wenn man gemäss
den obigen Ausführungen auf einen Sachverhaltsvergleich auf der Zeitachse verzichtet,
ist das Bestehen von Leistungsansprüchen aufgrund der somatischen Situation nicht
glaubhaft.
2.4 Zu prüfen bleibt die psychische Seite bzw. die Frage, ob die aktenkundige
Alkoholsucht eine Verschlechterung des Gesundheitszustands bzw. einen
Leistungsanspruch als möglich erscheinen lässt.
2.4.1 In Anwendung der Rechtsprechung des Bundesgerichts müsste eine relevante
Veränderung seit der letzten rechtskräftigen Abweisung vom April 2007 glaubhaft
gemacht werden. Eine solche wird jedoch weder substantiiert behauptet und noch
ergibt sie sich aus den Akten.
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2.4.2 Selbst wenn ein Vergleich mit dem Gesundheitszustand, wie er der Abweisung
vom 12. August 2005 zugrunde lag, entgegen der Praxis des Bundesgerichts möglich
wäre, gelänge die Überwindung der Glaubhaftmachungshürde nicht. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers weist zwar zutreffend darauf hin, dass im
MEDAS-Gutachten vom 13. Juni 2005 keine gute Prognose gestellt wurde. Der
psychiatrische Teilgutachter hatte festgehalten, dass noch keine irreversiblen Folgen
der Alkoholsucht objektivierbar seien, die die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigten.
Alarmierend sei die starke Leugnung der Sucht, die für einen Grossteil der Alkoholiker
spezifisch sei und leider für eine schlechte Prognose spreche. Gemäss IV-Recht dürfte
es sich um einen Fall von primärem Alkoholkonsum ohne Folgeschäden handeln, noch
nicht invalidisierend. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus Gründen der Sucht sei
qualitativ. Mit kontrollierenden Strukturen und einem geregelten Arbeitsablauf sei die
Prognose mittelfristig gut, langfristig offen. Ohne strukturierende Massnahmen dürften
in den nächsten Jahren irreversible Folgeschäden auch des zentralen Nervensystems
auftreten (IV-act. 34-6 ff.). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers liegen im
aktuellen Verfahren keine hinreichenden Indizien vor, dass nicht die wenigstens
mittelfristig gute, sondern die schlechte Prognose eingetreten ist. Bei
Wiederanmeldung bei der IV im November 2007 war der Beschwerdeführer immerhin
schon während mehrerer Monate wieder in die Arbeitswelt integriert und hatte insofern
einen geregelten Arbeitsablauf. Eine definitive Anstellung beim vom Sozialamt
vermittelten Arbeitgeber war zwar offenbar noch nicht erfolgt, weil der
Beschwerdeführer noch keine hinreichende Arbeitsleistung erbracht hatte. Immerhin
hatte er die versuchsweise erhaltene Stelle jedoch noch nicht verloren, sondern die
Anstellung war für mehrere Monate verlängert worden. Das Sozialamt berichtete über
Defizite in den Bereichen Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis, Lernfähigkeit
und Problemlösungsstrategien (IV-act. 75-1). Es ist jedoch nicht hinreichend dargelegt,
dass diese Probleme durch die Alkoholsucht ausgelöst oder entscheidend verstärkt
worden und pathologischer Natur wären. Von qualitativen Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit war wie erwähnt bereits im MEDAS-Gutachten berichtet worden.
Dr. B._ hatte am 9. Dezember 2007 festgehalten, dass die lange arbeitsfreie Zeit
beim eher einfach strukturierten Beschwerdeführer eine wesentliche Rolle spielen
dürfte, da er ja bereits eine Schlosserlehre nicht abgeschlossen habe (IV-act. 81).
Selbst wenn man also entgegen dem Bundesgericht die Situation bei der erstmaligen
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Leistungsablehnung 2005 als Vergleichszeitpunkt betrachten würde, ist eine relevante
Verschlechterung des Gesundheitszustands aufgrund der vorhandenen Akten nicht
hinreichend glaubhaft gemacht worden.
2.4.3 Auch wenn kein Sachverhaltsvergleich auf der Zeitachse vorzunehmen wäre,
sondern nur ein aktuell leistungsbegründender Zustand glaubhaft gemacht werden
müsste, sind die Akten hierfür nicht ausreichend. Zu beachten ist, dass in diesem
Verfahrensstadium der Untersuchungsgrundsatz entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers noch nicht greift; er selbst trägt (noch) die Beweisführungslast. Er
hat von sich aus relevante Indizien für das Bestehen eines möglichen
Leistungsanspruchs beizubringen; dies könnte er gegebenenfalls etwa mit einer selbst
veranlassten neuropsychologischen oder psychiatrischen Abklärung tun. Zumindest
müsste eine anspruchserhebliche Gesundheitsbeeinträchtigung ärztlicherseits
bescheinigt sein, was vorliegend mit dem Bericht von Dr. B._ nicht zutrifft. Sollte der
Beschwerdeführer über entsprechende taugliche Hinweise verfügen, steht einer
Wiederanmeldung bei der IV nichts entgegen.
3.
Gemäss der Rechtsprechung des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen hat
auch dem Nichteintreten auf eine Rentenrevisionsgesuch ein Vorbescheid (Art. 57a
Abs. 1 IVG) vorauszugehen (vgl. das Urteil IV 2008/167 des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 24. April 2009, Erw. 2.3). Die Beschwerdegegnerin hat keinen
als solchen bezeichneten und ausgestalteten Vorbescheid erlassen, bevor sie am
5. März 2008 das Nichteintreten auf das Rentenrevisionsgesuch des
Beschwerdeführers verfügt hat. Mit Schreiben vom 4. Dezember 2007 hatte sie ihn
aber darauf hingewiesen, dass sie weitere Unterlagen benötige, ansonsten sie auf das
Gesuch nicht eintreten könne (IV-act. 79). Der Beschwerdeführer war mit jenem
Schreiben also in die Lage versetzt zu erkennen, dass seine Behauptung, sein
Invaliditätsgrad sei wesentlich angestiegen, noch nicht glaubhaft gemacht war und
dass er deshalb mit dem Erlass einer Nichteintretensverfügung rechnen musste. Die
Beschwerdegegnerin hat ihm eine Frist bis 5. Januar 2008 angesetzt, um weitere
Indizien beizubringen und so die behauptete Veränderung doch noch glaubhaft zu
machen und ein Eintreten auf sein Rentenrevisionsgesuch zu erreichen. Inhaltlich hat
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das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 4. Dezember 2007 an den
Beschwerdeführer also das erreicht, was die Aufgabe eines formal korrekten
Vorbescheids gewesen wäre. Unter diesen Umständen wäre es allzu formalistisch, die
angefochtene Nichteintretensverfügung unter Verweis auf die obengenannte
Rechtsprechung wegen einer Verletzung der Vorbescheidspflicht aufzuheben. Der
einzig in der Verwendung der falschen Form bestehende Verfahrensfehler bleibt also
aus prozessökonomischen Gründen rechtsfolgenlos (vgl. den Entscheid IV 2008/224
vom 3. November 2009, Erw. 4).
4.
4.1 Gemäss den obigen Erwägungen ist die angefochtene Verfügung nicht zu
beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung am 29. Mai 2008 bewilligt. Wenn seine wirtschaftlichen
Verhältnisse es gestatten, kann er jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten, der
Auslagen für die Vertretung und der vom Staat entschädigten Parteikosten verpflichtet
werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
4.2.1 Dem unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von
Fr. 600.- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung
zu befreien.
4.2.2 Der Staat ist zufolge der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu verpflichten,
für die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers aufzukommen. Die Höhe
der Parteientschädigung ist vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen ist ein
Honorar von pauschal Fr. 3'500.- inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer. Im Rahmen
der unentgeltlichen Prozessführung wird dieses Honorar um 20% reduziert (Art. 31
Abs. 3 des Anwaltsgesetzes). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist somit mit
Fr. 2'800.- zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG