Decision ID: 813d700d-8a11-4081-8da4-0ee7f32650b6
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Rosenbergstrasse 51, Postfach 1121,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
R._ (Jg. 1964) meldete sich am 22. März 1999 zum Bezug von IV-Leistungen an. Im
entsprechenden Formular gab sie u.a. an, sie sei gelernte Krankenschwester. Dr. med.
A._ berichtete am 8. April 1999, die Versicherte leide an Coccygodynie nach einem
Unfall am 5. März 1998, an einem LWS-Syndrom und an einer Depression. In ihrem
Beruf sei die Versicherte seit dem 19. Oktober 1998 zu 100% arbeitsunfähig. Das
Pflegeheim teilte am 16. April 1999 mit, es habe die Versicherte seit Dezember 1997
vollzeitlich als Krankenschwester beschäftigt. Die Orthopädin Dr. med. B._ führte in
einem Gutachten vom 17. Oktober 1999 aus, gemäss eigenen Angaben sei die
Versicherte auf nassem Boden ausgerutscht und mit beiden Beinen in der Luft auf das
Gesäss gestürzt. Die Gutachterin stellte folgende Diagnosen: chronische Sacrologie
und Coccygodynie mit pseudoradikulärer Ausstrahlung und nicht dermatombezogenen
Hyposensibilitätszonen am linken Bein nach direkter Kontusion am 5. März 1998 ohne
degenerative oder posttraumatische Veränderungen, Insertionstendinose linker hinterer
Beckenkamm, muskuläre Insuffizienz (Rumpfmuskulatur) und Dekonditionierung. Sie
führte weiter aus, die Versicherte klage über Schmerzen am Steissbein, die nach
cranial bis zum lumbosacralen Übergang reichten und auch in die Beine, links mehr als
rechts, bis zu den Fersen ausstrahlten. Zeitweise komme es zu einer schmerzbedingten
"Blockierung" des linken Beins. Die Schmerzen seien immer vorhanden. Sitzen, Gehen,
Stehen und Stuhlgang seien besonders schmerzhaft. Die Gutachterin wies darauf hin,
dass durch die starke Schonung im Alltag bereits eine Dekonditionierung eingetreten
sei. Klinisch sei eine gute Wirbelsäulenbeweglichkeit festzustellen gewesen. Einzig
beim Aufrichten aus der Inklination habe die Versicherte angegeben, sie müsse sich
abstützen. Bei der Palpation im Stehen und im Liegen sei vor allem über dem Coccyx
eine Dolenz reklamiert worden, allerdings ohne viel Schmerzmimik und ohne
Ausweichbewegung. Auch bei der dorsalen Palpation des Coccyx sei es nicht zu einer
Ausweichbewegung oder einer Sfincterabwehrspannung gekommen. Die Versicherte
habe nur verbal Schmerzen geäussert. Klinisch habe sich zusätzlich eine
Insertionstendinose am hinteren Beckenkamm links mit Palpationsdolenz und schlaffer
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lumbaler Muskulatur gezeigt. Ausserdem habe eine antalgische Schonhaltung nach
rechts bestanden. Verschiedene frühere Abklärungen (CT, MRI) hätten blande
Resultate ergeben. Eine direkte Coccyx-Kontusion bleibe zwar bekanntlich lange Zeit
schmerzhaft, aber es handle sich meist nur um wenige Monate. Sie vermöge deshalb
die Persistenz der Schmerzen über eineinhalb Jahre nicht zu erklären. Die jetzt
geklagten Schmerzen seien vermutlich eher auf eine muskuläre Dysbalance
zurückzuführen, die asymptomatisch vorbestehend gewesen sei. Therapeutisch
scheine alles ausgeschöpft. Allenfalls könnte eine stationäre Rehabilitation mit
Eingehen auf die psychosomatische Seite versucht werden. Bei der Untersuchung
seien eine verminderte Mimik und eine langsame und monotone Sprache aufgefallen,
so dass psychosomatische Faktoren vorliegen könnten. Als Krankenschwester müsste
die Versicherte zu 50% arbeitsfähig sein, wenn sie keine Lasten über 10 kg heben und
bewegen müsse, wenn sie immer wieder Kurzpausen einlegen könne und wenn sie die
Arbeitszeit auf zwei Stunden am Vormittag und zwei Stunden am Nachmittag aufteilen
dürfe. Auch in einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Der
Psychiater Dr. med. C._ berichtete in seinem Gutachten vom 10. Mai 2000, er habe
folgende Diagnosen erhoben: anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit
Verarbeitungsproblematik somatischer Befunde (ICD-10 F45.4) und reaktive
Depression und Angst gemischt (ICD-10 F41.2) bei etwas zwanghafter
Grundpersönlichkeit (ICD-10 F60.5). Dr. med. C._ führte weiter aus, aufgrund des
zähen und verlängerten Behandlungsverlaufs sei es zunehmend zu einer Verzweiflung
im Hinblick auf die mögliche Zukunft gekommen. Die dauernd vorhandenen, glaubhaft
geschilderten Schmerzen hätten dazu beigetragen, die Kräfte aufzuzehren. Die
Versicherte habe bewusstseinsfern mit einer Fixierung auf das Beschwerdebild
reagiert. Zusammenfassend handle es sich um eine lang anhaltende psychische
Störung mit Krankheitswert, bei der die bisherigen Behandlungsversuche keinen
wesentlichen Erfolg gehabt hätten. Die Arbeitsfähigkeit sei um 50% eingeschränkt.
B.
Der Psychiater Dr. med. D._ führte in einem Verlaufsgutachten vom 23. Juli 2004 aus,
die Tochter der Versicherten habe übersetzt. Auf einfachste Fragen habe die
Versicherte ihrer Tochter sehr ausführliche, meist sehr lange Antworten gegeben,
welche die Tochter dann zusammengefasst habe. Nach einem 75-minütigen Gespräch
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und anlässlich einer insistierenden Frage nach der ehelichen Beziehung seien zuerst
die Tochter und dann auch die Versicherte in Tränen ausgebrochen. Dr. med. D._
stellte folgende Diagnosen: phobische Fixierung auf Schmerzempfindung (ICD-10
F40.2), anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und Persönlichkeit
mit narzisstischen, anankastischen und histrionischen Zügen (ICD-10 F60.8). Er führte
dazu aus, er habe bei der Exploration keine anankastischen Züge feststellen können.
Diesen Aspekt habe er einfach aus dem psychiatrischen Vorgutachten übernommen.
Hingegen scheine anhand des Gesamterscheinungsbildes mit einem seduktiven und
appellativen Verhalten in Kombination mit der mangelnden Nachvollziehbarkeit des
subjektiven Leidens eine konversionsneurotische Komponente vorzuliegen. Aufgrund
des Ausweichens bei intimen und familiären Fragen liege der Verdacht nahe, dass in
dieser Hinsicht idealisiert werde. Es sei auch anzunehmen, dass die ausgebildete
Kinderkrankenschwester die Kündigung in der Probezeit wegen eines Sturzes als
kränkend empfunden habe. Im Gespräch habe sich keine Beeinträchtigung durch ein
früher angeblich vorhandenes depressives Syndrom gezeigt. Die demonstrierte
Unfähigkeit, lange zu sitzen oder zu stehen, entspreche keinem bekannten
Funktionsausfall und sei wenig glaubhaft, wenn man höre, dass die Versicherte
regelmässig nach Montenegro reise und dass sie dort bei den Verwandten ihr Leiden
dissimuliere. Zwar sei anzunehmen, dass die Versicherte dabei leide, aber bei einem
Arbeitsversuch dürfte soviel Schmerz schon auch zugemutet werden. Entweder habe
sich das Leiden seit der letzten Begutachtung etwas zurückgebildet oder der
Vorgutachter sei milde gewesen. Weder auf psychisch-geistiger Ebene noch im
sozialen Bereich seien wesentliche Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit zu eruieren.
Die Tätigkeit als Krankenpflegerin sei unter Berücksichtigung der somatisch bedingten
Einschränkungen an zweimal drei Stunden täglich zumutbar. Dabei bestehe eine um
25% verminderte Leistungsfähigkeit aufgrund des Schmerzvermeidungsverhaltens und
der Notwendigkeit spontaner Haltungswechsel. Die psychische Störung mache sich im
Sozialverhalten nicht bemerkbar. Die Fixierung auf das Vorliegen einer körperlichen
Krankheit werde die Leistungsbereitschaft in einer Erwerbstätigkeit aber so stark
schmälern, dass das indirekt zu einer Belastung für das Team werden könnte. An
einem Arbeitsplatz sollten sich die Bezugspersonen, vornehmlich Vorgesetzte, nicht
durch das Schmerzgebaren einschüchtern lassen. Sie sollten anfangs eine gewisse
Toleranz zeigen, ohne allzu viel Mitleid zu demonstrieren. Das Arbeitsklima müsste
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bestätigend sein. Anfänglich seien zweimal drei Stunden täglich zumutbar. Seit der
letzten Begutachtung sei keine Verschlechterung, sondern eher eine Verbesserung
eingetreten. Es seien nämlich keine depressive Verstimmung, keine psychomotorische
Hemmung und keine Störung des Denkens mehr festzustellen gewesen.
C.
Dr. med. B._ berichtete in einem Gutachten vom 9. August 2004, auch diesmal habe
wieder die Tochter der Versicherten übersetzt. Dr. med. B._ gab folgende Diagnosen
an: chronische Sacralgie und Coccygnodynie posttraumatisch mit pseudoradikulärer
Ausstrahlung bei St. n. direkter Kontusion am 5. März 1998 und fehlenden
degenerativen oder posttraumatischen Veränderungen coccygnal, chronische
Lumbago (lumbosakraler Übergang) bei Chondrose L4/5, Insertionstendinose linker
hinterer Beckenkamm, muskuläre Insuffizienz (Rumpfmuskulatur) und
Dekonditionierung, zeitweilige Thoracalgie bei chronischer stellungswechselnder Fehl-/
Schonhaltung mit reaktiver muskulärer Verspannung, muskulärer Insuffizienz und
Dekonditionierung. Dazu kamen als nicht orthopädische Diagnosen: chronische
Kopfschmerzen, Vergesslichkeit, V. a. gestörte Schmerzverarbeitung und V. a.
Depression. Die Gutachterin führte weiter aus, die Versicherte habe eigentlich über
dieselben Beschwerden geklagt wie bei der ersten Begutachtung, nämlich über
Schmerzen im Steissbein mit schmerzbedingter Blockierung des linken Beins,
neuerdings auch hie und da des rechten Beins. Die Schmerzen seien weiterhin immer
vorhanden. Sitzen, Gehen, Stehen und Stuhlgang seien nach wie vor besonders
schmerzhaft. Die Versicherte habe Nackenschmerzen verneint. Hingegen bestünden
starke Kopfschmerzen und eine sehr ausgeprägte Vergesslichkeit. Diese
beeinträchtigten die Versicherte mindestens so sehr wie der Steissbein- und
Rückenschmerz. Nach wie vor sei eine Coccygodynie nach starker direkter Kontusion
erklärbar. Es sei bekannt, dass Coccygodynien hartnäckig und sehr therapieresistent
seien. Das erlebte Schmerzmass sei aber nach wie vor nicht rein orthopädisch
erklärbar. Die Spezialuntersuchungen böten keine ausreichende Erklärung. Die im
letzten MRT beschriebenen Diskusprotrusionen erklärten die Ausstrahlungen in die
Beine nicht. Diese seien nach wie vor als pseudoradikulär zu interpretieren. Der
zusätzliche lumbosakrale Schmerz sei mit der Chondrose L4/5 und mit der muskulären
Dysbalance/Insuffizienz mit Insertionstendinosen und mit den variablen Schon-/
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Fehlhaltungen zu erklären. Der spondylogene Schmerzanteil sei noch sehr gering und
es überwiege die muskuläre Schmerzkomponente. Auch die zeitweiligen thorakalen
Schmerzen seien so zu erklären. Zur Arbeitsfähigkeit der Versicherten hielt die
Gutachterin fest, die starken Kopfschmerzen und die Vergesslichkeit hätten sehr
wahrscheinlich mindestens den gleichen, wenn nicht sogar einen höheren Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit als das orthopädische Problem. Die Berufe im Pflegebereich seien
mit einer ausgeprägten Vergesslichkeit nicht vereinbar. Die Arbeitsfähigkeit müsse eher
von Seiten des Neurologen und des Psychiaters beurteilt werden. Sie wäre nicht
erstaunt, wenn schliesslich eine vollständige Arbeitsunfähigkeit resultieren würde.
D.
Der Berufsberater der IV-Stelle hielt am 6. April 2005 fest, die Versicherte habe zu
verstehen gegeben, dass sie keiner Arbeit nachgehen könne. Da unter dieser
Voraussetzung keine erfolgreiche berufliche Massnahme möglich sei, müsse eine klare
Ausgangsbasis geschaffen werden. Dazu sei als erster Teilschritt die Rentenfrage zu
beantworten. Mit einer Verfügung vom 22. April 2005 wies die IV-Stelle das Gesuch um
berufliche Massnahmen ab. Am 11. Juni 2007 beauftragte die IV-Stelle das Ärztliche
Begutachtungsinstitut ABI mit einer interdisziplinären Abklärung. Der Rechtsvertreter
der Versicherten stellte am 13. Juni 2007 verschiedene Zusatzfragen, die von der IV-
Stelle am 18. Juni 2007 an das ABI weitergeleitet wurden. Dr. med. F._ berichtete
dem Hausarzt Dr. med. A._ am 5. Januar 2008, die Versicherte leide an einer
Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühl und Sozialverhalten (ICD-10
F43.25), an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und an
einer Persönlichkeit mit narzisstischen, anankastischen und histrionischen Zügen
(ICD-10 F60.8). Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 60%.
D.a Im Gutachten des ABI vom 5. Februar 2008 wurde berichtet, die psychiatrische
Untersuchung sei unter Beizug einer Dolmetscherin erfolgt. Die differenziert wirkende
Versicherte sei bei klarem Bewusstsein und zeitlich, örtlich und autopsychisch voll
orientiert gewesen. Ihr Gedankengang habe sich formal geordnet, inhaltlich deutlich auf
das Leiden eingeengt entfaltet. Hinweise auf ein psychotisches Geschehen hätten nicht
beobachtet werden können. Insbesondere hätten Wahnideen, Halluzinationen oder
eine Ichstörung gefehlt. Wahrnehmung, Auffassung und Gedächtnis seien klinisch nicht
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als beeinträchtigt erschienen. Die Versicherte sei in der Lage gewesen, ihre
Konzentration und Aufmerksamkeit ohne Ermüdungszeichen über die ganze
Untersuchungsdistanz zu halten. Die Mimik und die Gestik seien deutlich leidend und
schmerzgeprägt gewesen. Die Versicherte habe sich dysphorisch und weinerlich
verhalten, aber es habe kein eigentlich niedergedrückter Affekt bestanden. Das
Kontaktverhalten zur Dolmetscherin sei offen und lebendig gewesen und das Gespräch
sei flüssig verlaufen. Die Versicherte habe auf alle Fragen eingehen und sie umgehend
beantworten können. Die Schwingungsfähigkeit sei erhalten gewesen. Es habe keine
aktive Suizidalität bestanden. Die Versicherte habe sich freundlich und kooperativ
verhalten. Sie sei auf die Steissbeinschmerzen fixiert gewesen. Die Versicherte habe
das typische Bild einer chronischen Schmerzstörung mit Reizbarkeit,
Unkonzentriertheit, Schlafstörung, Hoffnungslosigkeit und Stimmungslabilität gezeigt.
Es habe nur eine Schmerzverarbeitungsstörung mit Symptomausweitung diagnostiziert
werden können. Zudem habe keine Komorbidität, weder eine depressive Störung noch
ein anderer psychopathologischer Befund, bestanden. Die Versicherte zeige nach wie
vor eine aktive Gestaltung ihres Alltags. Es liege kein eigentliches soziales
Rückzugsverhalten vor. Die Versicherte stehe auf gutem Fuss mit den Nachbarn und
den Familienmitgliedern, sie habe Kontakt zu ihrem Bruder in der Schweiz und sie
besuche regelmässig ihre Mutter und ihre Schwester in Bosnien. Vom Bosnienkrieg sei
sie nicht tangiert worden. In der Anamnese und der Biographie fehlten psychosozial
belastende Faktoren. Deshalb könne keine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
diagnostiziert werden. Der gemessene Serumspiegel für Deanxit und Trimin habe unter
der Nachweisgrenze gelegen, was hinsichtlich der Compliance Fragen aufgeworfen
habe. Aus der Schmerzverarbeitungsstörung ohne begleitende Komorbidität habe sich
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergeben. Eine Willensanstrengung in diesem
Sinn habe der Versicherten nämlich zugemutet werden können. Die Versicherte sei in
ihrer angestammten und in jeder möglichen Verweistätigkeit voll belastbar. Die von Dr.
med. E._ im Gutachten vom 10. Mai 2000 gestellten Diagnosen hätten nicht bestätigt
werden können. Auch die von Dr. med. D._ im Gutachten vom 23. Juli 2004
angegebenen Diagnosen seien nicht nachvollziehbar gewesen. Es sei zwar zu
verstehen gewesen, was Dr. med. D._ mit der phobischen Fixierung auf die
Schmerzen gemeint habe, aber eine solche Diagnose sei im ICD-10 nicht vorgesehen.
Wegen der massiven Überlagerung der Persönlichkeit durch die Schmerzen habe sich
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die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung nicht nachvollziehen lassen,
denn die Schmerzüberlagerung verhindere eine Persönlichkeitsdiagnostik. Im
Schreiben von Dr. med. F._ vom 5. Januar 2008 sei ein Zustandsbild geschildert
worden, das in etwa den Beobachtungen anlässlich der aktuellen Untersuchung
entsprochen habe. Die diagnostischen Schlussfolgerungen von Dr. med. F._ seien
aber nicht folgerichtig gewesen. Deshalb könne die von Dr. med. F._ angegebene
Arbeitsunfähigkeit von 60% nicht bestätigt werden.
D.b Der orthopädische Gutachter des ABI führte aus, der gesamte orthopädische
Status sei weitgehend unauffällig mit einer lediglich spontan geäusserten Druckdolenz
im lumbosakralen Übergangsbereich und sakrokokzygeal gewesen. Die Beweglichkeit
des gesamten Rumpfes und aller Extremitäten sei nicht eingeschränkt und nicht von
Schmerzangaben begleitet gewesen. Auch die Kraftentfaltung habe sich nach
entsprechendem Gegendruck des Untersuchers auf ein normales Mass mit
symmetrischer Ausprägung steigern lassen. Die MRT der lumbalen Wirbelsäule hätten
leichte Diskusalterationen L4/5 und L5/S1 gezeigt, die die neuralen Strukturen aber
nicht wesentlich beeinträchtigt hätten, was gut zum klinischen Befund gepasst habe.
Die degenerativen Veränderungen der Zwischenwirbelgelenke seien nur gering
ausgeprägt gewesen und Hinweise auf posttraumatische Veränderungen hätten
gefehlt. Die angegebenen Beschwerden hätten sich somit kaum objektivieren lassen.
Es hätten lediglich leichte degenerative Veränderungen im lumbosakralen
Übergangsbereich bestanden, die die von der Versicherten angegebene ausgeprägte,
seit Jahren bestehende Schmerzproblematik nicht zu erklären vermocht hätten. In
Anbetracht der wenig präzisen Schilderung der Schmerzlokalisation und der nahezu
vollständigen Therapieresistenz habe davon ausgegangen werden müssen, dass die
Ursache der Problematik im Wesentlichen auf nichtorganischer Ebene zu suchen
gewesen sei. Für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit eine Hebe- und
Traglimite von 15 kg, ohne länger dauernde Zwangshaltungen der unteren LWS habe
eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestanden. Für die
Tätigkeit als Krankenschwester sei demnach von einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit auszugehen gewesen, was allerdings für den letzten Arbeitsplatz nicht
zutreffend gewesen sei, weil die Versicherte dort gelegentlich übermässig körperlich
belastet gewesen wäre. Dr. med. B._ habe eine Arbeitsunfähigkeit von 50%
angegeben. Gleichzeitig habe sie darauf hingewiesen, dass sich für die kokzygealen
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Beschwerden kein klinisches Korrelat habe finden lassen und dass es ungewöhnlich
sei, wenn sich die Kokzygodynie nicht vorwiegend im Sitzen bemerkbar mache. Weiter
habe Dr. med. B._ angegeben, die thorakolumbalen Schmerzen seien vorwiegend
auf die muskuläre Dysbalance/Insuffizienz zurückzuführen gewesen und die Chondrose
L4/5 habe als normale Entwicklung angesehen werden können. Angesichts dieser
Feststellungen von Dr. med. B._ sei nicht nachvollziehbar gewesen, weshalb sie eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% aus rein orthopädischer Sicht angegeben habe. Die
Schulthess Klinik habe am 28. August 2006 eine Einschätzung aus orthopädischer
Sicht abgegeben, die sehr gut mit dem Ergebnis der aktuellen orthopädischen
Abklärung übereingestimmt habe.
D.c Der neurologische Gutachter des ABI führte aus, die Versicherte leide laut
Eigenangaben und gemäss den Akten unter Schmerzen im Kreuz und im
Steissbeinbereich mit einer Ausstrahlung rechtsbetont bds. in beide Beine seitlich bis
in die Fersen. Hinzugekommen sei später ein Schmerzpunkt auf der Höhe der mittleren
BWS. Die Versicherte habe auch Schmerzen im rechten Arm und Kopfweh geltend
gemacht. Bei der klinischen Untersuchung sei eine S-förmige Torsionsskoliose der
Wirbelsäule mit einem linksseitigen Schulterhochstand und mit einer lumbal leicht
linkskonvexen Torsionsskoliose festgestellt worden. Die Beweglichkeit des
Achsenorgans sei nicht eingeschränkt gewesen. Die paravertebrale Muskulatur habe
keine Verspannung aufgewiesen. Insbesondere seien lumbal keine Verhärtungen
festzustellen gewesen. Klinisch hätten Anhaltspunkte für eine radikuläre Reiz- oder
Ausfallsymptomatik gefehlt. Kernspintomographisch hätten sich im Bereich der LWS
degenerative Veränderungen in der Form von Dehydratationen der beiden kaudalen
Bandscheiben gezeigt. Zusätzlich sei ein kleiner Riss im Anulus fibrosus lumbosakral
zu erkennen gewesen. Auch bildgebend sei keine Wurzelkompression zu erkennen
gewesen. Deskriptiv habe somit ein chronisches lumbosakrales (und thorakales)
Schmerzsyndrom mit pseudoradikulärer Irritation in beide Beine rechtsbetont
vorgelegen. Die angegebenen Beschwerden hätten mit den klinischen und
neuroradiologischen Befunden nicht erklärt werden können. Es habe eine deutliche
Diskrepanz bestanden. Die Kopfschmerzen seien phänomenologisch von
Spannungstyp gewesen. Die Exazerbationen hätten migräniformen Charakter gehabt,
aber die Diagnose einer Migräne habe nicht gestellt werden können. Die
Kopfschmerzen seien deshalb im Rahmen der übrigen Schmerzproblematik zu
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interpretieren gewesen. Aus neurologischer Sicht habe keine Arbeitsunfähigkeit
bestanden. Arbeiten mit Heben und Tragen von Lasten über 15 kg, in
Zwangshaltungen oder ohne die Möglichkeit von Positionswechseln seien allerdings
nicht zu empfehlen gewesen.
D.d Die Gesamtdiagnose lautete: chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom ohne
radikuläre Symptomatik, akzentuiert lumbosakral und thorakal (breitbasige
Diskusprotrusionen L4/5 und L5/S1, klinisch und MRtomographisch ohne
Neurokompression, beginnende Spondylarthrosen der unteren LWS) sowie – ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – Schmerzverarbeitungsstörung nach Unfall, V. a.
Symptomausweitung und chronisches Spannungstyp-Kopfweh mit migräniformen
Exazerbationen. Die Gutachter hielten gestützt auf einen multidisziplinären Konsensus
fest, dass für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit einer Hebe- und Traglimite von
15 kg und ohne länger dauernde Zwangshaltungen der unteren Wirbelsäule eine
zumutbare Arbeitsfähigkeit bestehe. Für Tätigkeiten mit einer darüber hinausgehenden
Belastung sei eine vollständige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. In der angestammten
Tätigkeit als Kinderkrankenschwester sei die Versicherte demnach uneingeschränkt
arbeitsfähig. Am letzten Arbeitsplatz in einem Alters- und Pflegeheim würde es
gelegentlich zu einer körperlichen Belastung kommen, welche die Limite überschreiten
würde. Demnach wäre die Versicherte am letzten Arbeitsplatz nur noch einsetzbar,
wenn sie die Limite nicht überschreiten müsste. Die ermittelte Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bestehe seit Mitte März 1998.
E.
Mit einem Vorbescheid vom 25. Juni 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
sie beabsichtige, das Leistungsbegehren abzuweisen. Auf eine entsprechende Anfrage
des Rechtsvertreters der Versicherten gab das ABI am 19. August 2008 an, Dr. med.
H._ habe als internistischer Konsiliarius an der Begutachtung mitgewirkt. Die
Untergutachten seien alle vollständig von A bis Z im Gutachten integriert worden.
Deshalb hätten alle involvierten Teilgutachter das Gutachten unterschrieben. In der
Stellungnahme vom 28. August 2008 zum Vorbescheid liess die Versicherte
einwenden, gemäss den Angaben von Dr med. B._ bestehe rein orthopädisch eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50%. Aus psychiatrischer Sicht seien früher
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Arbeitsunfähigkeiten von 50%, von 25% und von 60% angegeben worden. Mit einer
Verfügung vom 30. Oktober 2008 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der
Versicherten ab.
F.
Die Versicherte liess am 29./30. November 2008 Beschwerde erheben und die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab März 1999, eventualiter die Rückweisung an
die IV-Stelle zur weiteren Abklärung beantragen. Der Beschwerde lag ein Schreiben
von Dr. med. B._ an den Rechtsvertreter der Versicherten vom 11. November 2008
bei. Dr. med. B._ hatte darin ausgeführt, im Gutachten des ABI sei die Diskrepanz in
der Arbeitsfähigkeitsschätzung hervorgehoben worden. Tatsächlich habe aber auch
eine Diskrepanz in den orthopädischen Befunden bestanden. Bei ihrer Untersuchung
sei es eindeutig zu mehr Schmerzreklamationen als bei der Untersuchung im ABI
gekommen, sowohl bei der Palpation als auch bei den Bewegungsprüfungen. Der
Neurologe des ABI habe noch eher einen ähnlichen Befund wie sie erhoben, während
der Orthopäde des ABI praktisch einen blanden Befund postuliert habe. Auffallend sei
die immer wechselnde Stand-Haltung gewesen, die mit grösster Wahrscheinlichkeit
jeweils einer momentanen Schmerz-Ausweichhaltung entsprochen habe. Also schienen
eben doch effektiv Schmerzen vorhanden zu sein. Die Versicherte habe sich eine
Sitzhaltung mit Entlastung des Steissbeins angewöhnt. Deshalb fielen die
Steissbeinschmerzen im Sitzen weniger auf, zumal sie auch weniger beklagt würden.
Bei einer gezielten Palpation sei immer eine Dolenz vorhanden gewesen. Dass die
Dolenz nur verbal geäussert und nicht von einer Ausweichbewegung begleitet gewesen
sei, sei kein Beweis für das Fehlen einer Dolenz. Auch die fehlende Schmerzmimik sei
kein Beweis. Das Gleiche gelte für das Fehlen radiologischer Veränderungen im
Coccyxbereich. Die Tätigkeit als Krankenschwester sei keine leichte Arbeit, eine
Tätigkeit als Pflegerin in einem Altersheim erst recht nicht. Für die Tätigkeit im
angestammten Beruf bleibe es deshalb bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50%. Falls sich
der klinische Befund tatsächlich so gebessert haben sollte, wie es der Orthopäde des
ABI beschrieben habe, könnte die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
tatsächlich höher sein. Sie bezweifle aber, dass eine Arbeitsfähigkeit von 100% erreicht
werden könne. Sie sei erstaunt, dass die Kopfschmerzen nach der Auffassung der
Gutachter des ABI keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten, dass die
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Vergesslichkeit nicht besonders berücksichtigt worden sei und dass auch die gestörte
Schmerzverarbeitung keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben solle. Der
Rechtsvertreter der Versicherten machte am 22. Mai 2009 geltend, diese Ausführungen
von Dr. med. B._ seien stichhaltig. Deshalb könne allein aus orthopädischer Sicht
kein Invalideneinkommen von mehr als Fr. 24'896.- angenommen werden. Dr. med.
B._ habe nicht als behandelnde Ärztin, sondern als Gutachterin eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Die psychiatrische Arbeitsfähigkeitsschätzung
des ABI treffe nicht zu, denn Dr. med. E._, Dr. med. D._ und Dr. med. F._ hätten
eine Arbeitsunfähigkeit angegeben. Dr. med. E._ und Dr. med. D._ hätten ihre
Einschätzung als unabhängige Gutachter abgegeben. Dr. med. D._ werde zudem
regelmässig von der MEDAS Ostschweiz als Gutachter beigezogen. Das zumutbare
Invalideneinkommen reduziere sich auf Fr. 14'900.-. Das ergebe einen Anspruch auf
eine ganze Rente ab März 1999. Selbst bei einer Teilarbeitsfähigkeit wäre mit einem
zusätzlichen Abzug von 25% von einem zumutbaren Invalideneinkommen von lediglich
Fr. 14'900.- auszugehen.
G.
Die IV-Stelle beantragte am 6. Juli 2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie machte
insbesondere geltend, es gebe keinen Hinweis darauf, dass die Versicherte durch die
Gutachter des ABI nicht gründlich genug untersucht worden wäre. Entgegen dem
"Bericht B._" seien keine orthopädischen Befunde vorhanden, welche die geltend
gemachten Beschwerden erklären könnten. Die Ausführungen im "Bericht B._" seien
nicht überzeugend, denn es sei vor allem auf die Schmerzäusserungen der
Versicherten und auf deren Körperhaltung bei der Untersuchung abgestellt worden. Die
Arbeitsfähigkeit sei jedoch nach objektiven Faktoren zu ermitteln. Aus der dramatisch
geäusserten Symptomatik könne keine Invalidität abgeleitet werden. Die muskuläre
Dysbalance und die Dekonditionierung seien nicht invalidisierend und könnten deshalb
keine Arbeitsunfähigkeit erklären. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. E._
sei nicht nachvollziehbar. Dr. med. D._ habe nicht aufgrund des psychischen,
sondern aufgrund des somatischen Gesundheitszustandes eine Arbeitsunfähigkeit von
35% attestiert. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. F._ sei nicht relevant,
weil per se eine Befangenheitssituation vorliege. Zudem attestiere Dr. med. F._
verwaltungs- und gerichtsnotorisch zu tiefe Arbeitsfähigkeiten. Weil für die Versicherte
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keine repräsentative Einkommensbasis zur Verfügung stehe, sei der Invaliditätsgrad
anhand statistischer Durchschnittslöhne von Hilfsarbeiterinnen zu ermitteln. Das
Validen- und das Invalideneinkommen seien gleich hoch, denn es sei kein zusätzlicher
Abzug gerechtfertigt, weil die Versicherte auch körperlich mittelschwere Arbeiten
ausführen könne.
H.
Am 14. Januar 2010 liess die Versicherte eine Reihe von Arztberichten einreichen. Der
Neurochirurge Dr. med. G._ hatte dem Hausarzt Dr. med. A._ am 18. März 2009
über eine sakrale epidurale Infiltration berichtet. Dabei hatte er ausgeführt, er habe am
23. März 2009 telephonisch von der Versicherten erfahren, dass die Schmerzen in den
Beinen und im Kreuz nachgelassen hätten, dass im Kreuz noch leichtere dumpfe
Schmerzen bestünden und dass die Versicherte in den Beinen, mit Ausnahme eines
isolierten Schmerzes in der Ferse, keine Schmerzen mehr habe. Insgesamt sei die
Versicherte mit dem Effekt der Infiltration zufrieden gewesen. Am 27. Juni 2009 hatte
Dr. med. G._ dem Hausarzt berichtet, die Versicherte habe angegeben, nach zwei
Wochen hätten sich die alten Schmerzen wieder eingestellt. Neu aufgetreten sei eine
Ausstrahlung an der Vorderseite des rechten Oberschenkels bis zur Kniekappe,
zeitweise auch in die rechte Seite des Rückens bis in das Hinterhaupt. Die neuen MRI-
Bilder der LWS zeigten keine Veränderung. Sichtbar seien Dehydratationszeichen L4/5
und L5/S1 mit einer Fehlhaltung. Die Facettengelenke wiesen Veränderungen auf. Es
bestehe keine Kompression der Nervenstrukturen. Es sei vorgesehen, ab Mitte August
eine sakrale epidurale Infiltration zu wiederholen. Am 8. November 2009 hatte Dr. med.
G._ dem Hausarzt mitgeteilt, der Effekt der zweiten Infiltration sei nicht mehr so
eindeutig gewesen. Ende September durchgeführte Facettengelenksinfiltrationen
hätten keine Besserung gebracht. Dr. med. F._ hatte die Versicherte im
medizinischen Zentrum Geissberg (Rehabilitationszentrum für Psychosomatik)
angemeldet.
I.
Die IV-Stelle verzichtete am 22. Januar 2010 auf eine Duplik.

Erwägungen:
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1.
Die angefochtene Verfügung trägt zwar die Überschrift "Verfügung: Kein Anspruch auf
eine Invalidenrente", aber das Verfügungsdispositiv verwendet nicht das Wort
"Rentenbegehren", sondern das Wort "Leistungsbegehren". Damit wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass neben dem Rentenbegehren auch das Begehren um
Arbeitsvermittlungsbemühungen abgewiesen wird. In der angefochtenen Verfügung
wird nämlich ausdrücklich festgehalten, dass das RAV für die Stellenvermittlung
zuständig sei. Das kann nur so interpretiert werden, dass ausschliesslich das RAV
zuständig sein soll, weil die Leistungsvoraussetzungen nach Art. 18 Abs. 1 IVG nicht
erfüllt seien. Die Verfügung vom 30. Oktober 2008 ist also in dem Sinn eine
"zusammengesetzte" Verfügung, als sie über zwei unabhängig voneinander zu
prüfende Leistungsbegehren, Rente und Arbeitsvermittlung, entscheidet. Im ersten Teil
des Beschwerdebegehrens ist zwar von der vollumfänglichen Aufhebung der
Verfügung die Rede, aber der zweite Teil des Begehrens zeigt, dass damit nur der
Rententeil der Verfügung gemeint ist. Richtet sich die Beschwerde nur gegen die
Abweisung des Rentenbegehrens, so ist nur eine allfällige Rentenberechtigung der
Beschwerdeführerin Gegenstand des Beschwerdeverfahrens. In Bezug auf die
Abweisung des Begehrens um Arbeitsvermittlung ist die Verfügung vom 30. Oktober
2008 somit unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
2.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Die Ermittlung des Validen- und des zumutbaren
Invalideneinkommens setzt die vorgängige Definition der Validen- und der
Invalidenkarriere voraus.
2.1 Die Beschwerdeführerin ist gelernte Krankenschwester. Wäre sie nicht krank
geworden, hätte sie diesen Beruf noch im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
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Verfügung ausgeübt. Es gibt nämlich keine Indizien dafür, dass sich ihre –
notwendigerweise hypothetische – Validenkarriere anders entwickelt hätte.
Insbesondere besteht kein Anlass, mit der Beschwerdegegnerin anzunehmen, dass die
Beschwerdeführerin ohne die Krankheit als Hilfsarbeiterin tätig gewesen wäre. Dass die
Validenkarriere bis zur altersbedingten Pensionierung durch die Arbeit im Pflegeheim
bestimmt worden wäre, ist unwahrscheinlich, denn die Beschwerdeführerin wäre mit
zunehmender Arbeitserfahrung in der Schweiz in der Lage gewesen, eine besser
entlöhnte Stelle anzunehmen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt für qualifiziertes
Pflegepersonal war nämlich in der Zeit ab 1998 aus Arbeitnehmersicht günstig. Das
Valideneinkommen wird deshalb nicht durch den im Arbeitsvertrag mit dem Pflegeheim
vereinbarten Lohn definiert. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin schon bald in der Lage gewesen wäre, eine Stelle als
Krankenschwester anzunehmen, an der sie einen durchschnittlichen Lohn erzielt hätte.
Das Valideneinkommen entspricht somit dem durchschnittlichen Lohn einer
Krankenschwester.
2.2 Die Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin
trotz ihrer Krankheit in der Lage sei, als Krankenschwester zu arbeiten. Demgegenüber
hat die Beschwerdeführerin sinngemäss die Auffassung vertreten, diese Tätigkeit sei ihr
nicht mehr zumutbar oder nicht mehr möglich, weil sie einen grossen Teil der in diesem
Beruf auszuübenden Arbeiten gar nicht mehr, nicht mehr richtig oder nur noch mit einer
unzumutbaren Anstrengung ausüben könne. Die Beschwerdeführerin hat sich dabei
insbesondere auf die Ausführungen von Dr. med. B._ im Schreiben vom
11. November 2008 an ihren Rechtsvertreter gestützt, in dem Dr. med. B._ ihre
früheren Angaben zusammengefasst und gegen die abweichende Beurteilung durch
die Gutachter des ABI "verteidigt" hat. Dr. med. B._ hat angenommen, dass die
Coccygodynie die Beschwerdeführerin bei der Arbeit als Krankenschwester in einem
erheblich grösseren Ausmass beeinträchtige, als die Gutachter des ABI angenommen
hätten. Dazu komme, dass die Beschwerdeführerin durch die starken Kopfschmerzen
und durch die ausgeprägte Vergesslichkeit eher noch mehr beeinträchtigt sei als durch
das orthopädische Leiden. Dr. med. B._ ist sinngemäss davon ausgegangen, dass
die Beschwerdeführerin als Krankenschwester stark eingeschränkt sei, weil dieser
Beruf hohe Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit, an die intellektuelle
Leistungsfähigkeit usw. stelle. Diesen Anforderungen sei die Beschwerdeführerin
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wegen der Kopfschmerzen und wegen der Gedächtnisstörung nicht mehr gewachsen.
Die neurologische Abklärung durch das ABI hat zwar chronische Kopfschmerzen vom
Spannungstyp mit migräniformen Exazerbationen ergeben. Der neurologische
Gutachter hat aber aus dem angegebenen, dauernd vorhandenen Spannungskopfweh
keine Arbeitsunfähigkeit abgeleitet, offenbar weil die Beschwerdeführerin selbst nicht
über eine durch das Spannungskopfweh bedingte Beeinträchtigung ihrer
Arbeitsfähigkeit geklagt hat. Unter diesen Umständen ist mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass das Kopfweh vom Spannungstyp die
Beschwerdeführerin bei der Ausübung ihrer Arbeit als Krankenschwester nicht
beeinträchtigen würde. Dasselbe gilt für die migräniformen Exazerbationen, denn diese
treten gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin gegenüber dem Neurologen des
ABI im Schnitt nur alle zehn Tage auf und sie können durch Schmerzmittel bekämpft
werden. Sowohl im psychiatrischen als auch im neurologischen Teilgutachten des ABI
fehlt jeder Hinweis auf Gedächtnisstörungen, d.h. die Beschwerdeführerin hat nicht
über derartige Störungen geklagt. Der psychiatrische Gutachter des ABI hat
angegeben, die Beschwerdeführerin sei in der Lage gewesen, ihre Konzentration und
ihre Aufmerksamkeit ohne Ermüdungszeichen über die ganze Untersuchungsdistanz zu
halten. Wäre eine Störung des Gedächtnisses aufgetaucht, hätte der Gutachter das
sicherlich erwähnt, da es sich dabei um einen wichtigen Punkt in der Anamnese
gehandelt hätte. Bereits Dr. med. E._ hat in seinem psychiatrischen Gutachten vom
10. Mai 2000 festgehalten, dass die Beschwerdeführerin im Bereich Aufmerksamkeit
und Konzentration nicht beeinträchtigt gewesen sei. Er hat keine Probleme mit der
Gedächtnisleistung erwähnt. Auch im psychiatrischen Gutachten von Dr. med. D._
vom 23. Juli 2004 fehlt ein Hinweis auf Klagen der Beschwerdeführerin über
Gedächtnisprobleme. Dasselbe gilt für das Schreiben von Dr. med. F._ vom 5.
Januar 2008. Die Behauptung von Dr. med. B._, die Beschwerdeführerin sei auch
aufgrund einer Gedächtnisstörung nicht mehr in der Lage, alle Arbeiten zuverlässig
auszuführen, die zur Tätigkeit einer Krankenschwester gehörten, findet also in den
übrigen medizinischen Unterlagen keine Stütze. Das zwingt zur Schlussfolgerung, dass
sich Dr. med. B._ diesbezüglich vollumfänglich auf die – offenbar mit Überzeugung
vorgetragenen – Selbstangaben der Beschwerdeführerin abgestützt und in der Folge
keine anderslautenden Hinweise mehr zur Kenntnis genommen hat. Unter diesen
Umständen ist eine Voreingenommenheit von Dr. med. B._ nicht auszuschliessen.
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Sie bewirkt zusammen mit dem fehlenden Nachweis eines beeinträchtigenden
Ausmasses der Kopfschmerzen und eines relevanten Gedächtnisproblems, dass die
Aussagen von Dr. med. B._ zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht zu
überzeugen vermögen. Nichts anderes gilt für die auf die Diagnose einer Coccygodynie
gestützte Aussage von Dr. med. B._, die Beschwerdeführerin sei auch körperlich
nicht mehr in der Lage, alle Arbeiten auszuführen, die von einer Krankenschwester
verlangt würden. Der orthopädische Gutachter des ABI hat weder bei der bildgebenden
noch bei der klinischen Untersuchung Gesundheitsbeeinträchtigungen festgestellt,
welche die von der Beschwerdeführerin angegebenen Beschwerden bestätigt hätten.
Dem hat Dr. med. B._ am 11. November 2008 entgegen gehalten, bei ihrer
Untersuchung sei es bei den Bewegungsprüfungen und den Palpationen zu mehr
Schmerzreklamationen als bei der Untersuchung durch den Orthopäden des ABI
gekommen. Das sei darauf zurückzuführen, dass die Beschwerdeführerin sich
inzwischen eine steissbeinschonende Sitzhaltung angewöhnt habe, wodurch es
automatisch zu weniger Schmerzäusserungen gekommen sei. Weder das Fehlen von
Ausweichbewegungen noch das Fehlen einer Schmerzmimik bei den Untersuchungen
könne beweisen, dass es der Beschwerdeführerin besser gehe. Dasselbe gelte für das
Fehlen radiologischer Veränderungen im Coccyxbereich. Immerhin habe sich die
Beschwerdeführerin beim Stehen während der Abklärung durch das ABI immer wieder
bewegt, was als schmerzausweichendes Manöver zu interpretieren sei. Grundsätzlich
könnte es tatsächlich so sein, wie Dr. med. B._ annimmt, nämlich dass die
Beschwerdeführerin trotz des weitgehenden Fehlens der üblichen Zeichen für
erhebliche somatische Beschwerden an eben solchen Beschwerden litte, so dass sie
also nur gegenüber Dr. med. B._ objektive Angaben zu ihren
Gesundheitsbeeinträchtigungen gemacht hätte. Effektiv ist dies aber sehr
unwahrscheinlich, denn die Beschwerdeführerin hatte nicht die geringste Veranlassung,
sich ausgerechnet gegenüber den Gutachtern des ABI so zusammenzureissen, dass
praktisch keine somatische Beeinträchtigung mehr zu erkennen war. Viel
wahrscheinlicher ist, dass die Beschwerdeführerin sich anlässlich der klinischen
Untersuchungen durch die Gutachter des ABI so gegeben hat, wie sie sich tatsächlich
gefühlt hat, auch wenn das für die Untersuchung durch Dr. med. B._ bedeuten
würde, dass diese Gutachterin ein aggravatorisches Verhalten nicht als solches erkannt
hätte. Da der massgebende Sachverhalt nur mit dem Beweismass der überwiegenden
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Wahrscheinlichkeit feststehen muss, ist vorliegend davon auszugehen, dass die
Einschätzung des orthopädischen Gutachters des ABI die richtige ist. Das bedeutet,
dass der Beschwerdeführerin eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit mit
einer Hebe- und Traglimite von 15 kg ohne länger dauernde Zwangshaltung zumutbar
ist. Die Gutachter des ABI sind davon ausgegangen, dass es Arbeitsplätze für
Krankenschwestern gebe, an denen diese Limiten nicht überschritten werden müssten,
ohne dass es dadurch zu einer zusätzlichen Belastung der Arbeitskolleginnen mit den
körperlich schweren oder mit den körperlich ungeeigneten Tätigkeiten käme. Auch hier
hat Dr. med. B._ eine andere Meinung vertreten. Sie ist davon ausgegangen, dass es
keine Stellen für Krankenschwester gebe, an denen keine schweren Arbeiten und keine
Arbeiten in Zwangshaltungen erforderlich seien. Sie ist also davon ausgegangen, dass
eine allfällige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht mehr im Beruf der
Krankenschwester verwertet werden könne. Im Normalfall müsste die Frage nach der
Verwertbarkeit gestützt auf eine zusätzliche berufsberaterische Abklärung beantwortet
werden, da begutachtende Ärzte in der Regel nicht über das Spektrum an Tätigkeiten
informiert sind, die in einem bestimmten Beruf erforderlich sind. Im vorliegenden Fall
kann eine solche Abklärung aber unterbleiben, weil Ärzte aufgrund ihrer
Zusammenarbeit mit Krankenschwestern wissen, ob es Stellen für Krankenschwestern
gibt, die den qualitativen Anforderungen der Beschwerdeführerin vollumfänglich
gerecht werden. Auch hier gilt deshalb wieder, dass den Aussagen der Gutachter des
ABI und nicht denjenigen von Dr. med. B._ die erforderliche Überzeugungskraft
beizumessen ist. Deshalb steht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass es der
Beschwerdeführerin zumutbar ist, weiterhin als Krankenschwester zu arbeiten. Die
Invalidenkarriere ist deshalb ebenfalls diejenige einer Krankenschwester.
2.3 Zu prüfen bleibt, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin als
Krankenschwester zumutbarerweise noch tätig sein könnte.
2.3.1 Dr. med. B._ hat im Gutachten vom 17. Oktober 1999 eine
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als Krankenschwester von 50% angegeben.
Sie hat die Arbeit als Krankenschwester sogar als recht gut adaptiert bezeichnet,
sofern gewisse Beschränkungen bestünden (keine Lasten über 10 kg usw.). Bei jener
ersten Begutachtung hat sie die Schmerzangaben der Beschwerdeführerin ohne
weiteres als objektives Mass der somatischen Beeinträchtigung akzeptiert, obwohl sie
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diese Angaben nicht allein mit der Kontusion des Steissbeins hat erklären können. Dr.
med. B._ hat vermutet, dass als zweite Ursache eine muskuläre Dysbalance in Frage
komme. Bei der zweiten Begutachtung im Sommer 2004 hat Dr. med. B._ wieder
eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Beruf als Krankenschwester von 50%
ermittelt, sofern dabei die bereits früher angegebenen Einschränkungen berücksichtigt
werden könnten. Ursache der geklagten Schmerzen waren immer noch die
Coccygodynie und die nun als Lumbagoprobleme bezeichneten Rückenbeschwerden.
Auch dieses Gutachten von Dr. B._ beruht auf der Annahme, dass die geklagten
Beschwerden in Art und voller Stärke objektiv vorhanden seien. Dr. med. B._ hat
versucht, mit der Diagnosestellung den geklagten Beschwerden gerecht zu werden,
wie es für einen behandelnden Arzt typisch ist. Als unabhängige Gutachterin wäre es
aber ihre Aufgabe gewesen, die geklagten Beschwerden – und damit auch die
subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung – anhand der objektiv nachgewiesenen
somatischen Beeinträchtigungen auf ihre Plausibilität zu prüfen. Dass für Dr. med.
B._ die von der Beschwerdeführerin geschilderten Beschwerden ausschlaggebend
waren, zeigt die Stellungnahme vom 11. November 2008 zum ABI-Gutachten deutlich.
Dr. med. B._ ist dort sogar so weit gegangen, das Ausmass der anlässlich der
Abklärung durch das ABI geklagten Beschwerden als unzureichend zu qualifizieren und
zu erklären, weshalb die Beschwerdeführerin nicht alle ihre Beschwerden in vollem
Ausmass angegeben habe, so dass die Einschätzung der somatischen
Beeinträchtigung und der daraus resultierenden Arbeitsunfähigkeit durch den
orthopädischen Gutachter des ABI zu optimistisch ausgefallen sei. Der orthopädische
Gutachter des ABI hat die Art und die Schwere der Gesundheitsbeeinträchtigung (und
damit die Arbeitsunfähigkeit) nicht nach den Beschwerdeschilderungen, sondern nach
den klinisch und bildgebend ermittelten Befunden bestimmt. Dabei hat er festgestellt,
dass sich nicht alle Beschwerdeschilderungen der Beschwerdeführerin objektiv
erklären liessen. Die Ursache der Differenzen hat er auf der nichtorganischen Ebene
vermutet. Seine Einschätzung erweist sich nach dem oben Ausgeführten als
überzeugender als diejenige von Dr. med. B._. In somatischer Hinsicht ist die
Beschwerdeführerin also mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in ihrem Beruf als
Krankenschwester zu 100% arbeitsfähig, wenn sie die nicht mehr zumutbaren
körperlichen Belastungen vermeiden kann.
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2.3.2 Dr. med. E._ hat in seinem Gutachten vom 10. Mai 2000 Diagnosen
gestellt, die der psychiatrische Gutachter das ABI nicht hat nachvollziehen können. In
der Tat besteht ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den gegenüber Dr. med.
E._ geschilderten, eher leichten psychischen Beeinträchtigungen und den von Dr.
med. E._ gestellten Diagnosen, die einer massiven Beeinträchtigung entsprechen.
Hinzu kommt, dass bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. E._ nicht klar ist,
ob sie eine Gesamteinschätzung unter Einschluss der von Dr. med. B._ angegebenen
Arbeitsunfähigkeit ist oder ob Dr. med. E._ aus psychiatrischer Sicht allein eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% angenommen hat. Dieses Gutachten vermag deshalb keine
Zweifel an der Richtigkeit des psychiatrischen Gutachtens des ABI zu wecken.
Dasselbe gilt für das Gutachten von Dr. med. D._ vom 23. Juli 2004. Das ist zum
einen darauf zurückzuführen, dass Dr med. D._ die Tochter der Beschwerdeführerin
als Dolmetscherin eingesetzt hat und damit Gefahr gelaufen ist, auf seine Fragen nicht
die Antworten der Beschwerdeführerin, sondern die persönliche Ansicht der Tochter zu
hören. Dass die Tochter der Beschwerdeführerin emotional stark beteiligt war, lässt
sich insbesondere daran erkennen, dass sie bei der Frage nach der ehelichen
Beziehung der Beschwerdeführerin selbst in Tränen ausgebrochen ist. Dr. med. D._
hat denn auch darauf hingewiesen, dass die Tochter nicht alles übersetzt, sondern
zumeist stark zusammengefasst habe. Dabei handelt es sich um einen eklatanten
formalen Fehler, der für sich allein schon genügt, um dem Gutachten jede
Überzeugungskraft abzusprechen. Zum anderen krankt das Gutachten von Dr. med.
D._ daran, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht aus rein psychiatrischer Sicht
abgegeben worden ist. Dr. med. D._ hat eine Gesamtschätzung unter Einbezug der
von Dr. med. B._ angegebenen Arbeitsunfähigkeit vorgenommen. Er hat eine
Arbeitsunfähigkeit von 25% aufgrund des Schmerzvermeidungsverhaltens und der
Notwendigkeit spontaner Haltungswechsel angegeben, was offenkundig nicht
psychisch bedingt gewesen ist. Er hat aber auch angegeben, dass weder auf der
psychisch-geistigen Ebene noch im sozialen Bereich eine wesentliche
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zu eruieren gewesen sei. Auch das Gutachten
von Dr. med. D._ vermag also keine Zweifel an der Richtigkeit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung im psychiatrischen Teil des ABI-Gutachtens zu wecken.
Erst recht muss das für den Bericht von Dr. med. F._ vom 5. Januar 2008 gelten. Die
ausgeprägt therapeutische Haltung von Dr. med. F._ bei der Abgabe von
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Arbeitsfähigkeitsschätzungen ist nämlich tatsächlich notorisch. Bei Dr. med. F._
haben erfahrungsgemäss all jene Umstände besonderes Gewicht, die behandelnde
Ärzte daran hindern, objektive Arbeitsfähigkeitsschätzungen abzugeben.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die abweichenden psychiatrischen
Meinungsäusserungen nicht geeignet sind, die Überzeugungskraft der
Arbeitsfähigkeitsschätzung im psychiatrischen Teil des ABI-Gutachtens zu erschüttern.
Der psychiatrische Gutachter hat nachvollziehbar erläutert, dass die
Beschwerdeführerin über jene Willenskraft verfüge, die erforderlich sei, um die
subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung zu überwinden. Das psychiatrische
Teilgutachten weist keine Mängel auf, so dass es volle Überzeugungskraft entfaltet. Es
steht deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin
durch die Beeinträchtigung ihrer psychischen Gesundheit nicht in ihrer Arbeitsfähigkeit
als Krankenschwester eingeschränkt ist.
2.4 Die Beschwerdegegnerin hat mittels des Gutachtens des ABI vom 5. Februar
2008 mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen, dass die Beschwerdeführerin seit dem Ablauf des sogenannten
Wartejahres in einer adaptierten Tätigkeit als Krankenschwester durchgehend zu 100%
arbeitsfähig gewesen ist. Da es keinen statistischen Nachweis dafür gibt, dass eine
adaptierte Tätigkeit als Krankenschwester schlechter entlöhnt würde als eine ganz
normale Tätigkeit als Krankenschwester, ist von einem zumutbaren
Invalideneinkommen im Betrag des Valideneinkommens auszugehen, m.a.W. es
besteht keine Invalidität. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Recht einen
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint.
3. Entsprechend den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Da die Beschwerdeführerin vollumfänglich unterliegt, ist ihr Gesuch um eine
Parteientschädigung zulasten der Beschwerdegegnerin abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr richtet sich nach dem
Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser ist vorliegend als durchschnittlich
einzustufen, so dass praxisgemäss eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- zu erheben ist.
Diese Gerichtsgebühr ist durch den von der Beschwerdeführerin in gleicher Höhe
geleisteten Vorschuss gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG