Decision ID: bcb92739-e452-52c1-a290-be77c9904f7a
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 4. Dezember 2013 bei der Gemeinde Orpund
ein Baugesuch ein für den Abbruch von zwei erhaltenswerten Gebäuden und den Neubau
von sechs Mehrfamilienhäusern mit Einstellhalle und einer gewerblichen Nutzung im
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Erdgeschoss/Tiefparterre entlang der Strasse D._ auf den Parzellen Orpund
Grundbuchblatt Nrn. E._, F._, G._, H._, I._,
J._ und K._. Die Parzellen liegen im Anwendungsbereich der Teil-
Überbauungsordnung L._ vom 12. August 20131 (im Folgenden: ÜO L._).
Mit Ausnahme des Hauses A1 liegen sämtliche Häuser im Gewässerschutzbereich B. Das
Haus A1 liegt teilweise innerhalb des Gewässerschutzbereichs AU. Die Einstellhalle und die
Keller der Mehrfamilienhäuser liegen unterhalb des mittleren Grundwasserspiegels. Gegen
das Bauvorhaben erhoben unter anderen der Beschwerdeführer 1 und die
Beschwerdeführerin 2 Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom 18. September 2014 erteilte
das Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten sowohl der Beschwerdeführer 1 als auch die Beschwerdeführerin 2
am 18. Oktober 2014 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des
Kantons Bern (BVE) ein. Beide beantragen die Aufhebung des Gesamtentscheides vom
18. September 2014 und die Erteilung des Bauabschlags. Dabei machten sie insbesondere
geltend, dass die Auswirkungen des Vorhabens auf den Grundwasserstrom mangelhaft
geprüft worden seien, die Grundstückentwässerung ungenügend sei und die
Nachbarliegenschaften aufgrund der Grundwasserproblematik sowie wegen der
Grundstückentwässerung stark beeinträchtigt würden.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das AWA nahm mit Schreiben vom
6. November 2014 zum Bauvorhaben und den Beschwerden Stellung. Es erachtet das
geplante Projekt aus Sicht des Grundwasserschutzes bei Einhaltung der im Amtsbericht
vom 10. März 2014 formulierten Auflagen als bewilligungsfähig. Mit Blick auf die
Nachbarliegenschaften empfahl das AWA jedoch, die Auswirkungen der Einbauten ins
Grundwasser durch eine hydrogeologisch kompetente Fachperson im Detail überprüfen zu
lassen und die notwendigen Ersatzmassnahmen vorzusehen. Das
Regierungsstatthalteramt beantragt mit Stellungnahme vom 13. November 2014 die
1 Teil-Überbauungsordnung L._ (L._) vom 12. August 2013, genehmigt durch das AGR am 23. September 2013. 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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Abweisung der Beschwerden, soweit darauf eingetreten werden kann. Die Gemeinde
führte in ihrer Stellungnahme vom 13. November 2014 aus, dass die Baukommission an
ihrem positiven Amtsbericht vom 13. März 2014 und am Gesamtbauentscheid des
Regierungsstatthalteramts vom 18. September 2014 festhalte. Die Beschwerdegegnerin
reichte mit Beschwerdeantwort vom 18. November 2014 Ergänzungsbemerkungen von
spezialisierten Fachbüros betreffend Hochwasserschutz (M._),
Grundwasserproblematik (N._ AG) und Grundstücksentwässerung
(O._AG) ein und beantragt die Abweisung der Beschwerden.
4. Auf Aufforderung des Rechtsamts reichte die Beschwerdegegnerin einen
rechnerischen Nachweis der Kompensationsmassnahmen zum Ausgleich des
Grundwasserspiegels (von der Firma N._ AG vom 19. Dezember 2014) inkl.
schematischer Darstellung ein. Zudem reichte sie einen angepassten Plan
Kanalisation/Entwässerung 1:200 vom 4.12.2013 ein, auf welchem die
Ringausgleichsleitung neu bzw. genauer festgelegt wurde. Dieser Plan wurde vom
Rechtsamt als Projektänderung im Sinne von Art. 43 BewD3 entgegengenommen. Mit
Stellungnahme vom 14. Januar 2015 kam das AWA zum Ergebnis, dass mit den
rechnerisch nachgewiesenen Kompensationsmassnahmen im Endzustand und den
Massnahmen während der Bauphase die von den Beschwerdeführenden gerügten
negativen Auswirkungen auf ihre Liegenschaften ausgeschlossen werden können. Das
geplante Bauvorhaben dürfe aus Sicht des Grundwasserschutzes bewilligt werden.
Die Parteien erhielten Gelegenheit, zur Projektänderung Stellung zu nehmen und
Schlussbemerkungen einzureichen.
5. Auf die Rechtsschriften, die im Rechtsmittelverfahren eingereichten Ergänzungen der
spezialisierten Fachbüros sowie die Stellungnahmen des AWA wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
3 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
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II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG4. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG5 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerden gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 10 KoG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer 1 und die
Beschwerdeführerin 2, deren Einsprachen abgewiesen wurden, sind unmittelbare
Nachbarn der Bauparzellen. Sie sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid
beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Die Beschwerden sind innert der
Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1 BauG) und enthalten einen Antrag und
eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG6). Auf die form- und fristgerecht eingereichten
Beschwerden ist damit einzutreten.
2. Projektänderung
a) Mit Verfügung vom 1. Dezember 2014 stellte das Rechtsamt der BVE fest, dass die
für den ungehinderten Wasserfluss vorgesehene Ringausgleichsleitung um das
Untergeschoss trotz den gegenteiligen Ausführungen der Firma N._ in den von
der Beschwerdegegnerin eingereichten Ergänzungsbemerkungen vom 18. November 2014
im Plan Kanalisation/Entwässerung 1:200 vom 4. Dezember 2013 nicht zu einem Ring
geschlossen sei. Die Beschwerdegegnerin reichte daraufhin mit Schreiben vom 19.
Dezember 2014 einen angepassten Plan Kanalisation/Entwässerung 1:200 vom 4.
Dezember 2013 (Revisionsdatum: 12. Dezember 2014) ein. Darin wurde die
Grundwasserausgleichsleitung neu als geschlossene Ringleitung, welche um die
4 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 6 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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Einstellhalle und die Untergeschosse der südlichen Gebäude A1, A2, A3 und A4 geführt
werden soll, eingetragen und mit diversen Kontrollschächten versehen. In der Legende
wurde die Grundwasserausgleichsleitung näher umschrieben (Rohrdurchmesser DN = 250
mm, geschlitzt, Vollrohr, bei Bereichen mit belastetem Aushub als Vollrohr, ohne
Kiespackung).
b) Laut Art. 43 BewD kann der Baugesuchsteller während der Hängigkeit eines
Baubewilligungsverfahrens oder eines nachfolgenden Beschwerdeverfahrens vor der BVE
eine Projektänderung einreichen, ohne dass deshalb ein neues Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden muss. Erfolgt die Projektänderung im Beschwerdeverfahren, sind die
Gemeinde, die Gegenpartei und die von der Projektänderung berührten Dritten anzuhören.
Das Projekt bleibt in den Grundzügen gleich. Deshalb nahm das Rechtsamt den
angepassten Plan Kanalisation/Entwässerung 1:200 vom 4. Dezember 2013 als
Projektänderung im Sinne von Art. 43 Abs. 1 BewD an die Hand. Die darin vorgenommene
Änderung betrifft einzig die unterirdische Grundwasserausgleichsleitung und ist damit
untergeordneter Natur. Damit sind mit der Projektänderung keine öffentlichen oder
wesentlichen nachbarlichen Interessen zusätzlich betroffen, weshalb auf die Anhörung
Dritter und auf eine Publikation verzichtet werden konnte.
c) Der Projektänderungsplan ersetzt das ursprüngliche Baugesuch und damit den
ursprünglich eingereichten Plan Kanalisation/Entwässerung 1:200 vom 4. Dezember 2013.
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens ist somit nur das geänderte Projekt gemäss dem
Plan Kanalisation/Entwässerung 1:200 vom 4. Dezember 2013 (Revisionsdatum: 12.
Dezember 2014) mit dem Stempel „Projektänderung“ und dem Eingangsstempel
Rechtsamt BVE vom 8. Januar 2015. Ob diesbezüglich das von der Vorinstanz beurteilte
Projekt bewilligungsfähig gewesen wäre, ist nicht mehr zu prüfen.
3. Grundwasser
a) Die Beschwerdeführenden rügen, mit dem Bau der Einstellhalle werde ein Riegel in
den Grundwasserstrom gebaut, wodurch sich das Grundwasser staue. Die Auswirkungen
des Bauvorhabens auf den Grundwasserstrom könnten nicht nachgewiesen oder
abgeschätzt werden, weil die Unterlagen dazu in den Baugesuchsakten fehlen würden. Die
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Planung sei somit unvollständig und mangelhaft. Es müsse davon ausgegangen werden,
dass sich der ganze Wasserhaushalt im Untergrund neue Wege suchen müsse und somit
die Nachbargrundstücke nachteilig belastet würden. Die von den Fachbehörden verlangte
ringförmige Drainageleitung bei jedem Gebäude sei in den Plänen nicht eingezeichnet. Die
Bauherrschaft habe sich auf eine halbringförmige Drainageleitung mit unbekanntem
Durchmesser um die Einstellhalle und zwei Sickerschächte beschränkt.
b) Das geplante Projekt befindet sich mit Ausnahme von Haus A1 im
Gewässerschutzbereich B. Das Haus A1 liegt teilweise (südlicher Bereich) noch innerhalb
des Gewässerschutzbereichs AU. Der Gewässerschutzbereich AU umfasst gemäss Anhang
4 Ziff. 111 Abs. 1 der GSchV7 die nutzbaren unterirdischen Gewässer sowie die zu ihrem
Schutz notwendigen Randgebiete. Die Einstellhalle und die Keller der Mehrfamilienhäuser
liegen unterhalb des mittleren Grundwasserspiegels, wobei gemäss den Ausführungen des
AWA in der Stellungnahme vom 6. November 2014 die Einstellhalle bis 2.78 m und das
Kellergeschoss des Hauses A1 57 cm unter den mittleren Grundwasserspiegel reichen.
c) Grundsätzlich sind nach Art. 21 Abs. 1 BauG Bauten und Anlagen so zu erstellen, zu
betreiben und zu unterhalten, dass weder Personen noch Sachen gefährdet werden. Bei
der Erstellung von Bauten und Anlagen sind die anerkannten Regeln der Baukunde
einzuhalten. Personen und Sachen dürfen weder durch den Bauvorgang noch durch den
Bestand oder Betrieb von Bauten und Anlagen gefährdet werden (Art. 57 Abs. 1 BauV8).
Bauten unterhalb des mittleren Grundwasserspiegels sowie Arbeiten im Spezialtiefbau im
Grundwasserbereich bedürfen nach Art. 11 KGSchG9 i.V.m. Art. 26 Abs. 2 Bst. g KGV10
einer Gewässerschutzbewilligung durch das AWA. Neben dieser generellen
Bewilligungspflicht für Arbeiten im Grundwasserbereich sind Bauten im
Gewässerschutzbereich AU unter dem mittleren Grundwasserspiegel grundsätzlich
verboten. Das AWA kann Ausnahmen bewilligen, soweit die Durchflusskapazität des
Grundwassers gegenüber dem unbeeinflussten Zustand um höchstens 10 Prozent
vermindert wird (Anhang 4 Ziff. 211 Abs. 2 GSchV).
7 Gewässerschutzverordnung des Bundesrates vom 28. Oktober 1998 (GSchV; SR 814.201). 8 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) . 9 Kantonales Gewässerschutzgesetz vom 11. November 1996 (KGSchG; BSG 821.0). 10 Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 24. März 1999 (KGV; BSG 821.1).
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d) Beim hier umstrittenen Vorhaben liegt einzig der südliche Teil des Hauses A1 im
Gewässerschutzbereich AU. Das AWA führte in seiner Stellungnahme vom 6. November
2014 hierzu aus, das Kellergeschoss des Hauses A1 reiche 57 cm unter den mittleren
Grundwasserspiegel und befinde sich vollständig im Strömungsschatten der Einstellhalle.
Ein rechnerischer Nachweis der Durchflusskapazität für das Haus A1 sei deshalb aus
hydrogeologischer Sicht nicht nötig und sei entsprechend vom AWA auch nicht verlangt
worden. Es ist nachvollziehbar, dass für den kleinen Bereich des Bauvorhabens, welcher
sich im Gewässerschutzbereich AU befindet und vollständig im Strömungsschatten der
tiefer liegenden Einstellhalle im Gewässerschutzbereich B liegt, kein Nachweis der
Durchflusskapazität des Grundwassers und damit kein Ausnahmegesuch im Sinne von
Anhang 4 Ziff. 211 Abs. 2 GSchV verlangt wurde. Dies wird auch von den
Beschwerdeführenden nicht bemängelt.
e) Der überwiegende Teil des Bauvorhabens liegt im Gewässerschutzbereich B, in
welchem Bauten unter dem Grundwasserspiegel bei Vorliegen einer
Gewässerschutzbewilligung zulässig sind. Diese wurde der Beschwerdegegnerin mit dem
angefochtenen Gesamtentscheid vom 18. September 2014 auf Grundlage des
Amtsberichts des AWA vom 10. März 2014 unter Bedingungen und Auflagen erteilt.
In der Stellungnahme vom 6. November 2014 führte das AWA aus, die geplante
Einstellhalle unterbreche den natürlichen Grundwasserdurchfluss massiv und verändere
die örtlichen Grundwasserverhältnisse. Negative Auswirkungen auf die
Nachbargrundstücke könnten deshalb nicht ausgeschlossen werden. Da sich die geplanten
Bauten im Gewässerschutzbereich B befänden, sei das AWA indessen nicht verpflichtet,
allfällig vorgesehene Massnahmen zum Erhalt der Durchflusskapazität zu prüfen. Im
Rahmen des Baubewilligungsverfahrens werde durch das AWA nur geprüft, ob die
geplanten Vorkehren mit den massgebenden Gewässerschutzvorschriften vereinbar seien;
nicht geprüft würden die Auswirkungen auf die Grundstücke der Beschwerdeführenden. Mit
den verlangten Auflagen gemäss Amtsbericht vom 10. März 2014 sei das geplante Projekt
aus Sicht des Grundwasserschutzes bewilligungsfähig. Indessen habe man bereits im
Amtsbericht (Ziff. 1.7) empfohlen, wegen der Aufstaugefahr und der allfälligen
Beeinträchtigung von Nachbargebäuden die entsprechenden Massnahmen zum Erhalt der
natürlichen Grundwasserströmungsverhältnisse vorzusehen. Auch in der geotechnischen
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Baugrundbeurteilung von N._ vom 6. September 201211 sei auf diese Problematik
hingewiesen und entsprechende Ersatzmassnahmen (ringförmige Drainageleitung im
Fundationsbereich, Hinterfüllung mit kiesigem, gut durchlässigem Material) vorgeschlagen
worden. Diese Vorkehren seien sinnvoll und würden bezwecken, die Einbauten ins
Grundwasser quantitativ zu kompensieren. Weiter fehle ein rechnerischer Nachweis bzw.
eine Grundwassermodellierung mit und ohne Kompensationsmassnahmen, was von den
Beschwerdeführenden gerügt werde. Das AWA empfahl deshalb, dass im Sinne der
Beschwerdeführenden eine entsprechende Überprüfung für den Endzustand durch eine
hydrogeologisch kompetente Fachperson noch vorgenommen werde. Dem Vorwurf der
Beschwerdeführenden, die Auswirkungen des Vorhabens seien ungenügend bwz. nicht
nachvollziehbar abgeklärt worden, gab die Fachbehörde insofern Recht.
Gestützt auf diese Ausführungen des AWA und die Aufforderung des Rechtsamts reichte
die Beschwerdegegnerin neben dem angepassten Plan Kanalisation/Entwässerung 1:200
vom 4. Dezember 2013, in welchem neu die bereits von der Firma N._ in der
geotechnischen Baugrundbeurteilung verlangte ringförmige Grundwasserausgleichsleitung
vorgesehen ist (vgl. E. 2), einen "rechnerischen Nachweis der
Kompensationsmassnahmen zum Ausgleich des Grundwasserspiegels" von der Firma
N._ vom 19. Dezember 2014 ein.
Das AWA prüfte diese Unterlagen und führte mit Stellungnahme vom 14. Januar 2015 aus,
mit dem rechnerischen Nachweis ohne und mit Ersatzmassnahmen sowie den geplanten
Massnahmen während der Bauphase und im Endzustand seien sie einverstanden. Die
Dokumente seien fachgerecht und in der notwendigen Ausführlichkeit erstellt worden.
Durch die geplante Einstellhalle werde der natürliche Grundwasserdurchfluss um 62%
vermindert. Als Ersatzmassnahme sei eine geschlitzte Ausgleichsleitung mit einem
Durchmesser von 200 mm (auf den Plänen sogar 250 mm) um die Einstellhalle und die
Untergeschosse geplant. Der Nachweis zeige, dass mit dieser Massnahme ein
rechnerischer Sicherheitsfaktor von mehr als 100 erreicht werde (d.h. der mögliche
Durchfluss im Ausgleichsrohr ist gut 100 mal grösser als der berechnete natürliche
Grundwasserdurchfluss der gesamten Fläche). Das Modell für die Berechnung und die
Annahmen (Durchlässigkeitsbeiwert, Gefälle und Grundwasserspiegel), welche für den
Nachweis getroffen worden seien, seien plausibel. Mit diesem Sicherheitsfaktor könne die
11 Vorakten Gemeinde, Register 9 des zweiten Registers.
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Gefahr eines Aufstaus auch bei ungünstigen Bedingungen noch ausgeschlossen werden.
Durch die zwei ausserhalb der umspundeten Baugrube angeordneten Pumpschächte
werde der Grundwasserspiegel während der Bauphase auf einem natürlichen Niveau
stabilisiert und so ein Aufstau verhindert. Insgesamt könnten mit den rechnerisch
nachgewiesenen Kompensationsmassnahmen im Endzustand und den Massnahmen
während der Bauphase die von den Beschwerdeführern gerügten negativen Auswirkungen
auf ihre Liegenschaften ausgeschlossen werden. Das geplante Bauvorhaben dürfe aus
Sicht des Grundwasserschutzes bewilligt werden.
f) Die BVE sieht keinen Anlass, von dieser Einschätzung der Fachbehörde
abzuweichen. Auch die Beschwerdeführenden bringen im Rahmen der
Schlussbemerkungen keine Einwände dagegen vor. Ein Aufstau von Grundwasser soll mit
den folgenden Vorkehren verhindert werden:
Während der Bauphase wird die Baugrube im Schutze einer Spundwand ausgehoben.
Durch diese temporäre Blockierung wird das Wasser seitlich um die Baugrube
herumfliessen, so dass mit einem gewissen Aufstau stromaufwärts zu rechnen ist. Mit der
Auflage 4.19 des Amtsberichts vom 10. März 2014 wird verlangt, dass die
Grundwasserstände innerhalb und ausserhalb der Baugrube in Grundwassermessstellen
vor, während und nach Abschluss der Bauarbeiten periodisch überwacht und protokolliert
werden. Hierzu soll gemäss Vorschlag von N._ neben den bereits bestehenden
Piezometerrohren bei den Liegenschaften der Beschwerdeführenden je ein weiteres
Piezometerrohr zur Kontrolle des Grundwasserspiegels versetzt werden (S. 4
rechnerischer Nachweis). Durch diese Überwachung der Wasserspiegel soll frühzeitig
erkannt werden, falls ein Aufstau ein schädliches Ausmass annimmt. Im Hinblick auf eine
Stabilisierung des Grundwasserspiegels auf der Anströmseite der Spundwand sollen
zudem gemäss Vorschlag von N._ an zwei Stellen bis in das Grundwasser
eintauchende Pumpschächte erstellt werden, aus welchen bei zu hohem Spiegel Wasser
abgepumpt werden kann (S. 5 rechnerischer Nachweis). Die bereits vorhandenen und die
neu vorgesehenen Piezometerrohre sowie die beiden neuen Pumpschächte sind im
Situationsplan 1:500, welcher von N._ mit dem rechnerischen Nachweis
eingereicht wurde (Anhang 1), ersichtlich. Die Beschwerdegegnerin erklärte sich mit den
vorgeschlagenen Standorten für die neuen Piezometerrohre und Pumpschächte und der
Aufnahme einer entsprechenden Auflage ausdrücklich einverstanden (vgl. Schreiben vom
21. Januar 2015). Der angefochtene Gesamtentscheid wird daher mit einer zusätzlichen
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Auflage ergänzt, wonach die Beschwerdegegnerin vor Baubeginn zwei weitere
Piezometerrohre sowie zwei Pumpschächte gemäss Plan Situation 1:500, gestempelt vom