Decision ID: 0a79e790-0a41-4672-b635-83a08a6b9974
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ ist bei der KPT Krankenkasse AG obligatorisch krankenpflegeversichert. Diese
erliess am 7. November 2017 einen abweisenden Einspracheentscheid und
verpflichtete den Versicherten zur Entrichtung von Spitalbeiträgen (act. G1.1).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 7. November 2017 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 9. Dezember 2017 (Postaufgabe am 11. Dezember
2017). Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) beantragte darin dessen
Aufhebung (act. G1).
B.b Mit Schreiben vom 27. Dezember 2017 teilte die Verfahrensleitung dem
Beschwerdeführer mit, gemäss beigezogener Sendungsverfolgung sei der mit A-Post
Plus versandte Einspracheentscheid am 8. November 2017 durch Ablage in sein
Postfach zugestellt worden. Seine Beschwerde scheine verspätet erhoben worden zu
sein (act. G2).
B.c In seiner Stellungnahme vom 15. Februar 2017 beantragte der Beschwerdeführer,
es sei zu erkennen, dass die Beschwerdeschrift rechtzeitig eingegangen sei und das
Versicherungsgericht deshalb grundsätzlich auf die Beschwerde einzutreten habe. Er
machte geltend, der Einspracheentscheid sei ihm am 8. November 2017 mit A-Post
Plus in sein Postfach zugestellt worden, entgegengenommen habe er ihn aber erst am
10. November 2017. Die Rechtsmittelfrist habe am Folgetag zu laufen begonnen und
am Tag der Postaufgabe seiner Beschwerde vom 11. Dezember 2017 geendet (act.
G7).
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B.d Die KPT (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) reichte am 12. März 2018 eine
Stellungnahme ein und beantragte das Nichteintreten auf die Beschwerde; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie brachte vor, massgebend für die
ordnungsgemässe Eröffnung des Entscheides sei das Datum der Zustellung. Die
Versandart A-Post Plus sei bei behördlichen Verfügungen und Einspracheentscheiden
zulässig und die vorliegende Beschwerde verspätet erhoben worden (act. G9).

Erwägungen
1.
Streitig ist vorliegend einzig die Frage der Rechtzeitigkeit der unbestritten am 11.
Dezember 2017 der Schweizerischen Post übergebenen Beschwerde. Zu prüfen ist,
wann der Einspracheentscheid vom 7. November 2017 dem Beschwerdeführer
rechtsgültig und damit fristauslösend eröffnet wurde. Nicht Gegenstand dieses
Verfahrens sind hingegen die Leistungspflicht des Beschwerdeführers gegenüber der
Beschwerdegegnerin sowie die weiteren vom Beschwerdeführer geltend gemachten
formellen und materiellen Mängel des Einspracheentscheids (vgl. act. G1, G7).
2.
2.1 Gemäss Art. 49 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) erlässt der Versicherungsträger seine
Verfügungen schriftlich. Aus einer mangelhaften Eröffnung einer Verfügung darf der
betroffenen Person kein Nachteil erwachsen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG). Art. 60 Abs.
1 ATSG zufolge ist die Beschwerde gegen einen Einspracheentscheid innerhalb von 30
Tagen nach der Eröffnung einzureichen, wobei die Frist am Tag nach der Zustellung zu
laufen beginnt (Art. 60 Abs. 2 i.V.m. Art. 38 Abs. 1 ATSG). Eine Mitteilung, die nur
gegen Unterschrift des Empfängers oder einer anderen berechtigten Person überbracht
wird, gilt spätestens am siebenten Tag nach dem ersten erfolglosen
Zustellungsversuch als erfolgt (Art. 38 Abs. 2bis ATSG). Die Rechtsmittelfrist ist
gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist dem
Versicherungsgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post
oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben
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wird (Art. 60 Abs. 2 i.V.m. Art. 39 Abs. 1 ATSG). Ist der letzte Tag der Frist ein Samstag,
ein Sonntag oder ein vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht anerkannter
Feiertag, so endet sie am nächstfolgenden Werktag, wobei das Recht des Kantons
massgebend ist, in dem die Partei oder ihre Vertretung Wohnsitz oder Sitz hat (Art. 38
Abs. 3 ATSG).
2.2 Die Beschwerdegegnerin verschickte den Einspracheentscheid vom 7. November
2017 gleichentags per A-Post Plus. Am Mittwoch, 8. November 2017 wurde der
Einspracheentscheid gemäss Sendungsverfolgung durch die Schweizerische Post in
das Postfach des Beschwerdeführers gelegt (act. G1.1, G2). Soweit der
Beschwerdeführer sinngemäss geltend macht, durch eine Umstrukturierung der
Poststelle an seinem Wohnort könne es allenfalls sein, dass die Sendung trotz Scan
durch die Post (um 06:33 Uhr, vgl. act. G2) nicht am gleichen Morgen in sein Postfach
gelegt worden sei, ist dies nicht nachgewiesen.
2.3 Das ATSG schreibt den Versicherungsträgern für die Eröffnung von Verfügungen
nebst der Formvorschrift der Schriftlichkeit keine bestimmte Zustellart vor. Auch die
Spezialgesetzgebung zu den Krankenversicherungen und das gemäss Art. 55 Abs. 1
ATSG subsidiär anwendbare Verwaltungsverfahrensgesetz des Bundes (VwVG; SR
172.021) enthalten keine weitergehenden Bestimmungen (vgl. Art. 34 ff. VwVG). Aus
dem Schweigen des Gesetzes leitet das Bundesgericht grundsätzlich ab, dass es den
Behörden freigestellt ist, auf welche Art sie ihre Verfügungen versenden (BGE 142 III
599). Die Beschwerdegegnerin hat damit die Wahl, ihre Verfügungen mit
eingeschriebenem Brief, gewöhnlicher (A- oder B-)Post oder mit der hier gewählten
Zustellungsart A-Post Plus zuzustellen. Für den ersten Fall besteht mit der
Zustellungsfiktion gemäss Art. 38 Abs. 2bis ATSG eine klare Regelung, wann eine
Postsendung spätestens als zugegangen gilt. Bei den beiden anderen Zustellungsarten
wird die Briefpost bereits dadurch zugestellt, dass sie direkt in den Briefkasten oder ins
Postfach des Adressaten eingelegt wird und damit in den Verfügungs- und
Machtbereich des Empfängers gelangt. Die Verfügung gilt als eröffnet, wenn sie
ordnungsgemäss zugestellt ist und der Adressat davon Kenntnis nehmen kann; dass er
davon tatsächlich Kenntnis nimmt, ist nicht erforderlich (BGE 122 I 139 E. 1; 113 Ib 296
E. 2a; für A-Post Plus: BGE 142 III 599, E. 2.1 und Urteil des Bundesgerichts vom 14.
Januar 2010, 2C_430/2009, E. 2.4). Dies hat zur Konsequenz, dass Fristen bereits im
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Zeitpunkt der ordnungsgemässen Zustellung und nicht erst bei tatsächlicher
Kenntnisnahme durch den Adressaten zu laufen beginnen (Urteil des Bundesgerichts
vom 14. Januar 2010, 2C_430/2009, E. 2.4, mit Literaturhinweisen). Allerdings obliegt
es in diesen Fällen der Behörde, den Nachweis zu erbringen, dass und an welchem
Tag die Verfügung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zugestellt worden ist (vgl.
BGE 122 I 97 E. 3b; 114 III 51 E. 3c und 4; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
Bern/St. Gallen/Zürich 2015, N 14 zu Art. 38). Im Unterschied zu herkömmlichen
Postsendungen und ähnlich wie eingeschriebene Briefe sind A-Post Plus-Sendungen
mit einer Nummer versehen. Anders als bei eingeschriebenen Briefpostsendungen wird
aber der Empfang durch den Empfänger nicht quittiert (vgl. auch https://www.post.ch/
de/geschaeftlich/versenden-und-transportieren/briefe-inland/a-post-plus, abgerufen
am 16. März 2018). Die fehlende Quittierung vermag der ordnungsgemässen
Zustellung aber nicht zu schaden, da mittels elektronischer Sendungsverfolgung im
Internet ("Track & Trace") die Zustellung in den Briefkasten oder das Postfach und
damit in den Machtbereich des Adressaten nachgewiesen werden kann
(Bundesgerichtsentscheide vom 14. Januar 2010, 2C_430/2009, E. 2, vom 24. Januar
2012, 2C_570/2011 und 2C_577/2011, E. 4 und vom 13. Februar 2014, 2C_68/2014, E.
2.2). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist das elektronisch festgelegte
Datum der Einlage einer A-Post-Plus-Sendung in einen Briefkasten oder ein Postfach
für die Auslösung einer Rechtsmittelfrist verbindlich (Urteil des Bundesgerichts vom 30.
April 2015, 8C_198/2015, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
2.4 Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 7. November 2017 findet sich die