Decision ID: 86c9d503-444c-5d75-b8eb-45989150b47c
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dominik Schorno, St. Leonhardstrasse 32,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 23. Februar 2010 wegen einer Teilamputation der Finger IV
und V der rechten Hand (Arbeitsunfall vom 18. Mai 2009), Depressionen und Trauma
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (berufliche Massnahmen,
Rente [act. G 4.1/1]). Das Arbeitsverhältnis wurde von der Arbeitgeberin, B._ AG, per
30. April 2010 aufgelöst (act. G 4.1/10.1). Die behandelnde Psychiaterin, Dr. med.
C._, Psychiatrisches Zentrum D._, diagnostizierte eine posttraumatische
Belastungsstörung, eine Wiederholung von traumatischen Erlebnissen, die durch die
protrahierte Hilfeleistung beim Arbeitsunfall reaktiviert worden seien. Durch die
psychische Instabilität bestehe aktuell keine Arbeitsfähigkeit (Berichte vom 1. April und
16. Juli 2010 [act. G 4.1/15.1 und 34.1 f.]). Mit Verlaufsbericht vom 26. Dezember 2010
meldete Dr. C._ einen unveränderten Gesundheitszustand und dementsprechend
eine unveränderte Diagnose. Eine Arbeitstätigkeit sei der Versicherten nach wie vor
nicht zumutbar, da ein instabiles psychisches Zustandsbild bestehe. Immerhin seien
die Schmerzen an der rechten Hand besser geworden, nachdem im Februar 2010
operiert worden sei (act. G 4.1/43).
A.b Mit Bericht vom 6. September 2010 an die Unfallversicherung Swica
diagnostizierte der behandelnde Handchirurge Dr. med. E._, Klinik F._,
Restbeschwerden nach Amputationsverletzung Dig. IV/V rechts. Subjektiv wie objektiv
sei eine deutliche Verbesserung der Situation eingetreten und die Versicherte habe sich
auch psychisch erholt. Ab 1. September 2010 könne eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit in
jeglicher manueller Tätigkeit zugemutet werden (act. G 4.2). Ein von der
Unfallversicherung Swica in Auftrag gegebenes psychiatrisches Gutachten vom 26.
November 2010 kam zum Schluss, dass in erster Linie eine posttraumatische
Belastungsstörung (F43.1) vorliege, bestehend seit ca. 1999 (Kriegstrauma im G),
zeitweise remittiert, 1. Rezidiv 2003, 2. Rezidiv seit dem Arbeitsunfall 2009. Im Weiteren
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diagnostizierte der Gutachter, Dr. med. G._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, Schmerztherapeut SGSS, zertifizierter Gutachter SIM, eine
Panikstörung (F41.0) sowie eine leichte bis mittelschwere Depression (F32.1), beide
Diagnosen wahrscheinlich reaktiv nach Arbeitsunfall in Verbindung mit der gesamten
psychosozialen Belastungssituation. Die bisherige Tätigkeit sei der Versicherten nicht
mehr zumutbar. Ohne Berücksichtigung der Situation als Hausfrau und Mutter und
ohne Berücksichtigung der Einschränkung an der rechten Hand sei eine Tätigkeit als
Verpackerin zu 50 % zumutbar, steigerbar auf 100 %. Für die Tätigkeit als Hausfrau
und Mutter sei von einer Arbeitsfähigkeit von 60 % auszugehen, wahrscheinlich
ebenfalls steigerbar auf 100 % (act. G 4.2).
A.c Am 10. Mai 2011 fand eine Haushaltsabklärung (AOS) statt, wobei unter
Berücksichtigung der Mithilfe der Familienangehörigen (Ehemann, ältere Kinder) eine
Einschränkung von 41 % ermittelt wurde. Zur Qualifikation wurde ausgeführt, die
Versicherte sei ausschliesslich als Hausfrau und Mutter anzusehen. Eine 70 %-ige
Erwerbstätigkeit, auch nur eine 50 %-ige, sei schlicht nicht vorstellbar beim genannten
Aufgabenbereich, ohne Mobilität und mit der gelebten Untrennbarkeit vom Baby (act.
G 4.1/51.9 ff.).
A.d Mit Stellungnahme vom 8. Juli 2011 hielt der RAD Ostschweiz dafür, an der
bisherigen Stelle bestehe weiterhin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In einer
adaptierten Tätigkeit sei medizinisch-theoretisch ab November 2010 eine 50 %-ige
Arbeitsfähigkeit ausgewiesen (Industriearbeit unter Ausschluss des Arbeitens mit Blut,
Fleisch und abtrennenden Maschinen). Die in der AOS erhobene Einschränkung decke
sich mit der gutachterlich festgestellten Einschränkung im Haushalt (act. G 4.1/54.2).
A.e Mit Feststellung vom 10. August 2011 hielt die IV-Stelle St. Gallen dafür, die Ver
sicherte sei ausschliesslich als Hausfrau zu qualifizieren. Da in der gutachterlichen
Schätzung der Arbeitsfähigkeit im Haushalt von 60 % die Schadenminderungspflicht
zu Lasten der Angehörigen noch nicht berücksichtigt sei, und die von der
Abklärungsperson AOS festgestellte Einschränkung von 41 % sehr hoch gegriffen sei,
resultiere ein Invaliditätsgrad von unter 40 % (act. G 4.1/60). Mit Verfügung vom 26.
September 2011 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab, nachdem sie mit Mitteilung
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vom 10. August 2010 bereits berufliche Massnahmen abgelehnt hatte (act. G 4.1/37
und 65).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 27. Oktober
2011 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Zudem sei der
Beschwerdeführerin eine Viertelsrente auszurichten, ab erstmaliger Geltendmachung
des Versicherungsanspruchs. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Die Abklärungsergebnisse der Beschwerdegegnerin seien sowohl
bezüglich der medizinischen Situation wie auch der persönlichen Umstände,
insbesondere den Haushalt betreffend, unzutreffend und teilweise unvollständig. So sei
die Beschwerdeführerin bereits zum dritten Mal operiert worden, trotzdem
verschlimmerten sich die entsprechenden Beschwerden zusehends. Die
Beschwerdeführerin sei nach wie vor 100 % arbeitsunfähig. Unzutreffend seien auch
die von der Beschwerdegegnerin getroffenen Haushaltsabklärungen und die Einstufung
der Beschwerdeführerin als Hausfrau zu 100 %. Schliesslich werde die
Schadenminderungspflicht zu Lasten der Angehörigen gleich doppelt berücksichtigt,
was nicht angehe (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 24. Januar 2012 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Die Statusfrage beurteile sich praxisgemäss nach den
Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung entwickelt haben würden,
wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten
Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich sei. Im Vergleich zum Unfallzeitpunkt
habe sich die familiäre Situation erheblich geändert. Kurz nach dem Unfall sei die
Beschwerdeführerin zum zweiten Mal Mutter geworden und wenig später habe der
Ehemann noch die Obhut über seine drei Kinder aus erster Ehe übernommen.
Entgegen den Angaben im Abklärungsbericht stehe der Ehemann zudem in einem
unbefristeten Arbeitsverhältnis im Vollzeitpensum. Es sei davon auszugehen, dass
dieser die Beschwerdeführerin bei der Bewältigung der häuslichen Aufgaben nur
bedingt unterstützen könne. Im Weiteren bleibe unklar, inwieweit die genannten
Verwandten die Beschwerdeführerin bei der Kinderbetreuung konkret unterstützten. Es
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sei daher nicht überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin bei der
gegenwärtigen Belastung als Hausfrau und Mutter im hypothetischen Gesundheitsfall
noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Die Bewertung der Arbeitsfähigkeit
durch den psychiatrischen Gutachter auf 60 % sei plausibel, weshalb ihr mehr Gewicht
einzuräumen sei als der Abklärung an Ort und Stelle. Zusätzlich sei jedoch die
Schadenminderungspflicht der Angehörigen zu berücksichtigen, womit der mögliche
Invaliditätsgrad unter 40 % zu liegen komme (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 5. März 2012 macht die Beschwerdeführerin geltend, sie habe von
Anfang an geplant, auch nach der Geburt ihrer Söhne zumindest in einem 70 %-
Pensum weiterhin zu arbeiten. Der Ehemann habe seit jeher im Schichtbetrieb
gearbeitet, womit er durchaus in der Lage sei, die Beschwerdeführerin im Haushalt und
bei der Kinderbetreuung zu unterstützen. Ausserdem sei dessen Beschäftigung nicht
stabil, arbeite er doch lediglich in Temporärarbeitsverhältnissen mit unbestimmten
Einsatzzeiten. Die Beschwerdeführerin sei somit als Teilerwerbstätige zu qualifizieren
(act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 9).
B.d Am 17. April 2012 reicht die Beschwerdeführerin ein Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ein (act. G 10).
B.e Am 25. Mai 2012 reicht die Beschwerdeführerin ein Gutachten der Rehaklinik
Bellikon vom 5. April 2012 sowie ein weiteres Schreiben der Rehaklinik vom 4. Juni
2012 ein, wonach sie zu 100 % arbeitsunfähig sei (act. G 12 - 12.1 und 14 - 14.2).

Erwägungen:
1)
Am 1. Januar 2012 sind die im Zug des ersten Teils der 6. Revision revidierten Be
stimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft
getreten. Der zu beurteilende Sachverhalt beschlägt den Zeitraum vor Inkrafttreten des
ersten Teils der 6. IV-Revision. Da sich die Definition der Invalidität und die damit
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zusammenhängenden Begriffe mit diesen Revisionen nicht geändert haben, werden
nachfolgend die seit dem 1. Januar 2012 gültigen Bestimmungen wiedergegeben.
2)
a) Invalidität im Sinne von Art. 8 ATSG ist die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Bei nicht erwerbstätigen
Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität
in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG).
b) Anspruch auf eine ganze Invalidenrente besteht gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60 % invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50 % vor,
wird eine halbe Rente zugesprochen und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % eine Viertelsrente.
3)
a) Vorliegend ist zunächst die Qualifikation der Beschwerdeführerin umstritten. Die
Beschwerdeführerin macht beschwerdeweise geltend, sie hätte im Gesundheitsfall
70 % gearbeitet. Für die Kinderbetreuung sei gesorgt, und zwar durch die Schwägerin
H._, die ebenfalls in I._ wohne. Sämtliche Kinder gingen dort zum Mittagstisch,
ebenso nach der Schule. Die genannte Schwägerin unterstütze die Familie auch in der
Haushaltsführung, etwa beim Waschen, Bügeln und Reinigen des Haushalts. Der
Beschwerdeführerin könne deshalb nicht vorgeworfen werden, es sei keine
Regelmässigkeit in der Unterstützung vorhanden. Im Übrigen könne der älteste Sohn
J._ entsprechende Verantwortung übernehmen. Dem ist jedoch mit der
Beschwerdegegnerin entgegen zu halten, dass sich die familiäre Situation der
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Beschwerdeführerin seit ihrer Erwerbstätigkeit vor dem Unfallereignis erheblich
geändert hat. Zum einen wurde nur kurze Zeit nach dem Unfall das zweite gemeinsame
Kind geboren (act. G 4.1/1.2). Zum anderen übernahm der Ehemann ebenfalls im Jahr
2009 die Obhut über seine beiden älteren Söhne aus erster Ehe , im Jahr 2010 kam der
dritte Sohn dazu (act. G 4.1/51.3 und 5). Auf diese Weise entstand innert kurzer Zeit
aus einer dreiköpfigen Kleinfamilie eine siebenköpfige Grossfamilie. Im Weiteren
kommt hinzu, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt des Unfalls
offenbar noch über eine regelmässige Anstellung verfügte (act. G 4.2/Gutachten SIVM
S. 7) und mit seiner Erwerbstätigkeit ebenfalls zu einem geregelten Familieneinkommen
und zu einem stabilen sozialen Umfeld beitragen konnte. Inzwischen scheint die
Arbeitslosigkeit und der zunehmende Drogenkonsum des Ehemannes mit Anhäufung
von erheblichen Schulden (über Fr. 100'000.--) die psychosoziale Situation zunehmend
zu belasten (act. G 12.1 S. 19 u. 21; G 10.1). Es ist nicht ersichtlich, dass sich der
Ehemann über das von der Abklärungsperson AOS in Bezug auf die
Schadenminderungspflicht festgesetzte Ausmass hinaus an der Hausarbeit beteiligt.
Schliesslich kann auch nicht erwartet werden, dass die Schwägerin H._ (im
Gesundheitsfall) über längere Zeit einen Grossteil der anfallenden Hausarbeit (und der
Kosten für die Verpflegung der Kinder) übernimmt bzw. übernommen hätte. Dies mag
bei der gelegentlichen Betreuung eines Kleinkindes noch angehen, erscheint jedoch im
genannten Rahmen nicht mehr sozialadäquat. Andere Verwandte, welche die
Beschwerdeführerin konkret unterstützen, werden nicht genannt. Weitere
Bezugspersonen der Beschwerdeführerin, wie eine weitere Schwägerin namens K._,
oder die Schwester scheiden für die regelmässige Kinderbetreuung oder Haushaltshilfe
aus. Mithin kann nicht von der familiären Situation, wie sie vor und bis kurz nach dem
Unfall bestanden hatte, auf die spätere Situation geschlossen werden. Vielmehr ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
bei einem erheblich ausgeweiteten Aufgabenbereich auch im Gesundheitsfall keiner
Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen wäre. Dies wurde anlässlich der
Haushaltsabklärung vom 10. Mai 2011 offenbar auch von der Begleitperson, der
bereits erwähnten Schwägerin K._, so gesehen (act. G 4.1/51.4 Ziff. 3.2). Die
Beschwerdeführerin ist demnach zu 100 % im Aufgabenbereich zu qualifizieren.
b) Die Abklärungsperson gelangte zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin im
Haushalt zu 41 % eingeschränkt sei. Dabei berücksichtigte sie einen Anteil von
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1,4 Stunden pro Tag (bei einer angenommenen Tagesleistung von 10 Stunden), der
den Angehörigen, d.h. dem Ehemann und den älteren Kindern, zuzumuten sei. Ohne
Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht zu Lasten der Angehörigen sei von
einer Einschränkung im Haushalt von 55 % auszugehen (act. G 4.1/51.10 f.). Während
der Invaliditätsgrad bei Nichterwerbstätigen in der Regel durch die Abklärungsperson
ermittelt wird, entspricht die (für die Bestehung des Wartejahres nötige)
Arbeitsunfähigkeit der Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen
Aufgabenbereich, die auf Grund medizinischer Stellungnahmen zu beziffern ist (Ulrich
Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl., Art. 28 Ziff. 2 S. 279).
c) Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist daher für die Bemessung des
Invaliditätsgrades auf den Abklärungsbericht abzustellen, der die konkreten
Einschränkungen berücksichtigt, und nicht auf die medizinisch-theoretische
Einschränkung der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung. Diese ist
demgegenüber massgebend für das Erfordernis einer durchschnittlich mindestens
40 %-igen Arbeitsunfähigkeit während des Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
i.V.m. Art. 6 ATSG. Nachdem der Abklärungsperson bei der Beurteilung einer
konkreten Einschränkung immer ein gewisses Ermessen zukommt, ist nicht einzusehen
und wird von der Beschwerdegegnerin nicht konkretisiert, weshalb vorliegend von
deren Schätzung abgewichen werden müsste. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin kann vorliegend nicht vom Vorrang der psychiatrischen
Begutachtung ausgegangen werden, wurde doch bei der Haushaltsabklärung im
Wesentlichen die körperliche Beeinträchtigung durch die Handverletzung
berücksichtigt und sämtliche Einschränkungen mit der Behinderung an der Hand
begründet. Die psychische Komponente ist hier noch nicht einmal enthalten, sodass
nicht von einer zu hoch bemessenen Einschränkung auszugehen ist (act. G 4.1/51.6 f.).
Mithin ist von einem Invaliditätsgrad von 41 % auszugehen.
d) Wie bereits erwähnt, ist für die Berechnung des Wartejahrs, das vom 18. Mai 2009
(Unfall) bis zum 17. Mai 2010 dauerte, auf die medizinische Schätzung abzustellen.
Diesbezüglich liegen die Angaben des psychiatrischen Gutachters des
Schweizerischen Instituts für Versicherungsmedizin vom 26. November 2010 vor. Dabei
geht Dr. G._ davon aus, dass in der angestammten Tätigkeit als Verpackerin eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe. In der Tätigkeit als Hausfrau/Mutter sei die
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Beschwerdeführerin zu 60 % arbeitsfähig (Arbeitsunfähigkeit 40 % [act. G 4.2, S. 18]).
Mithin ist mindestens bis zur Geburt des zweiten Kindes im Juli 2009 (rund 2 Mte.) bei
der damaligen Aufteilung von Erwerbsarbeit und Haushalt von rund 85 % zu 15 % (im
Schnitt der 12 dem Unfall vorangegangenen Monate [Mai 2008 bis April 2009; vgl. act.
G 4.1/10.2, 10.18 - 10.29]) von einer Arbeitsunfähigkeit von 91 % auszugehen (85 x
100 % + 15 x 40 %). Für die restlichen 10 Monate ist von einer Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 40 % auszugehen. Durchschnittlich ergibt sich damit ein
Arbeitsunfähigkeitsgrad von mindestens 48.5 % ([2 x 91 %] + [10 x 40 %] : 12).
e) Die Beschwerdeführerin hat damit Anspruch auf eine Viertelsrente. Nachdem sie sich
erst am 23. Februar 2010 bei der Invalidenversicherung angemeldet hat, besteht der
Rentenanspruch ab 1. August 2010 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
f) Mit Eingabe vom 25. Mai 2012 reichte der Rechtsvertreter ein orthopädisch-
psychiatrisches Gutachten der Rehaklinik Bellikon vom 5. April 2012 ein. Demnach
bestehe aktuell sowohl aus orthopädischer als auch aus psychiatrischer Sicht eine
100 %ige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten. Prospektiv erwartet die Reha
klinik Bellikon aus orthopädischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit, während aus
psychiatrischer Sicht der weitere Verlauf eher ungewiss sei und auch mittelfristig nicht
mit einer vollen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden könne (act. G 12.1). Im
psychiatrischen Konsilium vom 16. April 2012 geht med. pract. L._, Fachärztin
Psychiatrie und Psychotherapie, von einer gewissen Verschlechterung der Diagnose im
Verhältnis zum Vorgutachter Dr. G._ aus. Sie diagnostizierte eine posttraumatische
Belastungsstörung (F43.1) mit zweitem Rezidiv seit dem Arbeitsunfall im Mai 2009
sowie eine mittelgradige bis schwere depressive Störung (F33.2). Sie hielt es indessen
für durchaus möglich, dass zum Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. G._ nur ein
leichtes bis mittelgradiges depressives Zustandsbild bestanden hatte. Demgegenüber
konnte sie die Diagnose einer Panikstörung nicht mehr bestätigen. Seit der
Begutachtung durch Dr. G._ hat sich denn auch die psychosoziale Situation
verschlechtert, hat sich doch die Beschwerdeführerin in der Zeit der erneuten
Begutachtung (vorübergehend) von ihrem Mann getrennt und ist zu ihrer Schwester
nach Yverdon gezogen (Gutachten, S. 21). Soweit dadurch ein nach Verfügungserlass
vom 26. September 2011 eingetretener Revisionsgrund vorliegt, ist nicht im
vorliegenden Verfahren darauf einzugehen.
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4)
a) In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 26. September
2011 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. August 2010 eine
Viertelsrente zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung der Rentenhöhe sowie zur
Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
b) Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
c) Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei Anspruch
auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht
festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege
beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS
963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter hat auf die
Einreichung einer Kostennote verzichtet. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen. Bei diesem Verfahrensausgang ist das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege- und verbeiständung obsolet.