Decision ID: 15355226-56a9-5874-8917-52710c9af39f
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (bis zur Namensänderung vom 24. Oktober 2014: B._, vgl. act. G 11.2),
geboren 1. April 1977, beantragte am 9. Februar 1999 bei der schweizerischen
Invalidenversicherung die Umschulung auf eine neue Tätigkeit, Arbeitsvermittlung
sowie Hilfsmittel (ein Korsett). Er gab im Wesentlichen an, am 19. Juli 1998 auf dem
Fussgängerstreifen von einem zivilen Polizeifahrzeug erfasst worden zu sein und unter
den Folgen einer Wirbelsäulenverletzung und unter Depressionen zu leiden (IV-act. 1).
Sein letztes Lehrverhältnis als Autolackierer war auf den 27. Februar 1998 vorzeitig be
endet worden (IV-act. 8).
A.b Mit Eingabe vom 14. Juni 1999 teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, es biete sich
ihm die Gelegenheit, bei der C._ ab Mitte August 1999 eine Lehre als Mediamatiker
zu absolvieren. Er beantragte eine finanzielle Unterstützung in der Höhe des durch den
Lehrlingslohn nicht gedeckten Teils seines Lebensbedarfs (IV-act. 22).
A.c Die behandelnden Ärzte der Klinik für orthopädische Chirurgie, Kantonsspital
St. Gallen (KSSG), führten im Arztbericht an die IV-Stelle vom 09.09.1999 (richtig wohl:
9. Juli 1999) aus, es bestehe ein Status nach LWK3-Fraktur mit dorsaler Aufrichtungs-
spondylodese am 19. Juli 1998 und ein Status nach Materialentfernung am 10. Februar
1999. Seit 19. Juli 1998 sei der Versicherte im bisherigen Beruf/Tätigkeitsbereich zu
100 % arbeitsunfähig. Berufliche Massnahmen seien ab sofort angezeigt. Es sei unklar,
ob die Arbeitsunterbrüche ausschliesslich gesundheitlich begründet seien. In einem
beigelegten Bericht vom 25. Juni 1999 an Dr. med. D._, Arzt für Allgemeine Medizin
FMH, hatten die Klinikärzte eine deutliche Diskrepanz zwischen den subjektiven und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
objektiven Befunden vermerkt und festgehalten, aus objektiver Sicht bestehe eine volle
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 23).
A.d Zur Abklärung des Anspruchs auf berufliche Massnahmen (IV-act. 25) wurde der
Versicherte im Auftrag der IV-Stelle durch die Medizinische Abklärungsstelle der
Invalidenversicherung am KSSG begutachtet (Gutachten vom 20. Dezember 1999, IV-
act. 36). Die Gutachter diagnostizierten als Hauptdiagnosen (mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit) eine in leichter Höhenminderung verheilte LWK3-Fraktur
nach offener Reposition und Metallentfernung sowie eine Anpassungsstörung nach
Verlust eines Bruders und Unfall mit Körperverletzungen, ausgedrückt durch
vorwiegend Angst und depressive und Verhaltensstörungen (IV-act. 36-10). Sie kamen
zum Schluss, eine körperlich schwere Arbeit sei dem Versicherten nicht mehr
zumutbar. In einer körperlich mittelschweren oder leichten Arbeit sei er zu 25 %
eingeschränkt (IV-act. 36-11). Am 17. Februar 2000 beantwortete der Gutachter
Dr. med. E._, Psychiatrie und Psychotherapie, zusätzliche Fragen der IV-Stelle vom
20. Januar 2000 (IV-act. 48; IV-act. 41).
A.e Anlässlich einer Besprechung am 17. April 2000 äusserte IV-Arzt Dr. F._, in
diesem Fall erscheine eine Eingliederung unmöglich. Das Verhalten des Versicherten
sei für jeden Arbeitgeber eine Zumutung und „nicht umsetzbar“. Aus medizinischer
Sicht sei der Versicherte aus psychischen Gründen in der freien Wirtschaft nicht
vermittelbar. Es sei daher die Rente zu prüfen und von einem Invaliditätsgrad von 70 %
auszugehen (IV-act. 57; vgl. auch IV-act. 55 und IV-act. 28-2).
A.f Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (IV-act. 65) sprach die IV-Stelle
dem Versicherten mit Verfügung vom 26. Oktober 2000 (IV-act. 69) gestützt auf einen
Invaliditätsgrad von 70 % ab 1. Juli 1999 eine ganze Rente zu.
A.g Mit Verfügung vom 21. Februar 2001 gewährte die SUVA dem Versicherten nebst
einer Integritätsentschädigung von 15 % eine Invalidenrente entsprechend einer
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit von 15 %. Aus medizinischer Sicht sei dem
Versicherten eine leichte bis mittelschwere Arbeit ganztags zumutbar. Vergleiche man
den Lohn eines Autolackierers mit dem Lohn, den er heute mit dem Unfall verdienen
könnte, so resultiere keine Lohneinbusse. Da der Versicherte jedoch auf dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
allgemeinen Arbeitsmarkt sicher leicht eingeschränkt sei, werde ihm eine Rente von
15 % zugesprochen (SUVA-act. 6).
A.h Mit der Zustellung des Fragebogens für Rentenrevision vom 16. Juli 2001 (IV-act.
77) an den Versicherten eröffnete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren, welches sie mit
Mitteilung vom 10. Dezember 2001 abschloss, es bestehe weiterhin Anspruch auf die
bisherige Invalidenrente (Invaliditätsgrad 70 %; IV-act. 83).
A.i Der Versicherte schloss am 9. August 2002 die Bürolehre ab (IV-act. 80; IV-
act. 140). Diese hatte er im bisherigen Lehrbetrieb nach Aufgabe seiner Lehre als
Mediamatiker am 14. August 2000 begonnen (IV-act. 81).
A.j Vom 30. September 2002 bis 12. Oktober 2002 befand sich der Versicherte in
stationärer Therapie in der Klinik Valens. Es wurde ein chronisches
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom beidseits diagnostiziert. Die arbeitsbezogene
körperliche Leistungsfähigkeit bei Austritt entspreche einer leichten
wechselbelastenden Arbeitsbelastung (10 kg, keine höhere Belastung wegen Angabe
von zunehmenden Schmerzen; IV-act. 87-4 ff., Bericht der Klinik Valens vom
31. Oktober 2002).
A.k Ein am 7. Januar 2003 (IV-act. 86) von Amtes wegen eingeleitetes
Revisionsverfahren wurde am 13. August 2003 mit der Mitteilung beendet, es bestehe
weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente (Invaliditätsgrad 70 %; IV-act. 89).
A.l Mit Verfügung vom 13. Oktober 2003 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für
einen Förderkurs zur Vorbereitung der kaufmännischen Lehrabschlussprüfung (IV-
act. 93; IV-act. 90-2).
A.m Weitere, am 14. August 2007 (IV-act. 100) und am 10. August 2009 (IV-act. 110)
eröffnete amtliche Revisionen wurden ebenfalls durch Mitteilungen vom 22. November
2007 (IV-act. 109) und vom 1. Dezember 2009 (IV-act. 118), es bestehe weiterhin
Anspruch auf die bisherige Invalidenrente (Invaliditätsgrad 70 %), erledigt.
B.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.a Am 19. Oktober 2012 leitete die IV-Stelle erneut eine amtliche Rentenrevision ein
(IV-act. 123).
B.b Im Fragebogen für Arbeitgebende gab G._, H._, am 19. Dezember 2012 (IV-
act. 127) an, der Versicherte arbeite seit 2007 bis zur Auflösung der Firma 2012
während 3 Stunden pro Tag bzw. 15 Stunden pro Woche bei ihm (allgemeine
Büroarbeit, Kundenbetreuung per Telefon, Buchhaltung, Warenpräsentation). Am
6. März 2013 wurden der Versicherte sowie G._ zum Arbeitsverhältnis im H._ und
bei I._ befragt (IV-act. 136; IV-act. 137). Dabei bestätigte G._, der Versicherte sei
sein Z._ (IV-act. 137-2). J._, der Inhaber des Geschäftes, in dem der Versicherte
seine Bürolehre absolviert habe, sei der Y._ (IV-act. 137-4; vgl. auch IV-act. 54-2).
B.c Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte durch die Medizinisches
Gutachtenzentrum Region St. Gallen GmbH (MGSG) orthopädisch (Dr. med. K._,
Spezialarzt Orthopädie FMH) und psychiatrisch (Dr. med. L._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie) begutachtet (Gutachten vom 29. August 2013, IV-
act. 160). Die Gutachter diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im
Wesentlichen eine Pseudolumboischialgie beidseits sowie eine chronische depressive
Verstimmung (Dysthymie) bei Zustand nach Anpassungsstörungen mit Angst und
depressiver Reaktion gemischt, bestehend seit einem Unfallgeschehen im Juli 1998
(ICD-10: F34.1, F43.22), sowie ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4; IV-act. 160-45). Sie hielten
fest, die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit zeige Diskrepanzen und eine
erhebliche Symptomausweitung. Das Ausmass der demonstrierten physischen
Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden aus
somatischer Sicht nur ungenügend erklären (IV-act. 160-7 ff.). Im polydisziplinären
Konsens schätzten sie die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Büroangestellter seit mindestens 1999 auf 75 %. Leidensadaptierte Tätigkeiten ohne
erhöhte emotionale Belastung, ohne Stressbelastung, ohne erforderliche geistige
Flexibilität und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung könnten seit 1999 bei voller
Stundenpräsenz zu 100 % (Arbeitsunfähigkeit 0 %) und seit dem Zeitpunkt der jetzigen
Begutachtung zu 80 % (Arbeitsunfähigkeit 20 %) zugemutet werden, wobei es sich
zusätzlich um körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen handeln sollte, die
abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt werden könnten, ohne dass dabei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
häufig inklinierte und reklinierte sowie rotierte Körperhaltungen eingenommen werden
müssten (IV-act. 160-45). Anlässlich der aktuellen radiologischen Abklärungen seien
eine Osteochondrose L2-4 und Spondylarthrose L2/3 sowie L4 bis S1 ohne neurale
Kompression nachgewiesen worden und insofern habe sich der Gesundheitszustand
im Vergleich zu 1999 verschlechtert. Aus psychiatrischer Sicht habe sich der
Gesundheitszustand seit der MEDAS-Begutachtung vom 20. Dezember 1999 nicht
wesentlich geändert. (...) Die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit könnten ähnlich
dem MEDAS-Gutachten eingeschätzt werden, wo eine 25 %ige Arbeitsunfähigkeit
angenommen worden sei (IV-act. 160-46 f.).
B.d RAD-Arzt Dr. med. M._ nahm am 4. September 2013 zum Gutachten Stellung. Er
stimme diesem vollumfänglich zu. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes sei
eingetreten. Diese liege in der Reifung der Persönlichkeit, festzustellen zum Zeitpunkt
der Begutachtung im August 2013. In schweren körperlichen Arbeiten wie Autolackierer
sei die Arbeitsfähigkeit deutlich eingeschränkt. Als Bürogehilfe, was der langjährigen
Tätigkeit im Teilzeitpensum entspreche, und für ähnliche Tätigkeiten bestehe eine
gewisse Einschränkung aus gemischt körperlichen und psychischen Gründen, die von
den Gutachtern auf 25 % beziffert worden sei (IV-act. 161).
B.e Mit Vorbescheid vom 12. November 2013 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Einstellung der Rente in Aussicht (IV-act. 163). Am 6. Januar 2014 verfügte sie, die
Rente werde auf Ende des folgenden Monats aufgehoben. Aufgrund des Gutachtens
vom 29. August 2013 sei seit Erlass der Verfügung vom 26. Oktober 2000 eine
wesentliche Veränderung des Gesundheitszustands eingetreten. Für die Bemessung
des Validen- und Invalideneinkommens sei auf den Tabellenlohn des Bundesamtes für
Statistik (BfS), Lohnstrukturerhebung (LSE) 2011, durchschnittlicher Jahreslohn für
Hilfsarbeiter, Fr. 61‘776.--, abzustellen. Eine Dysthymie sei keine invalidisierende
Krankheit, weshalb keine rentenbegründende Erwerbseinbusse mehr vorliege (IV-
act. 169).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 6. Januar 2014 lässt A._ am 6. Februar 2014
Beschwerde erheben. Die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entschädigungsfolge aufzuheben und es sei festzustellen, dass er weiterhin zu einer IV-
Rente berechtigt sei. Bis zum Abschluss erfolgreicher
Wiedereingliederungsmassnahmen sei ihm eine volle Rente zuzusprechen. Die
Beschwerdegegnerin sei anzuhalten, Wiedereingliederungsmassnahmen an die Hand
zu nehmen. Eventuell sei ein Gutachten über den heutigen Stand der Invalidität
durchzuführen. Die Beschwerdegegnerin sei bei ihren bisherigen
Revisionsentscheiden, wonach er zu einer ganzen Invalidenrente berechtigt sei, zu
behaften. Es treffe nicht zu, dass er bereits 1999 zu 75 % arbeitsfähig gewesen sei;
eine auf 14 Jahre zurückreichende Feststellung entgegen der bisherigen Verfügungen
der Beschwerdegegnerin sei nicht plausibel, umso mehr, als die Beschwerdegegnerin
selber eine Verbesserung des Gesundheitszustandes behaupte. Er sei weiterhin zu
100 % arbeitsunfähig. Für den Einkommensvergleich sei mindestens von einer um
25 % eingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen. Für das Valideneinkommen sei
vom Lohn eines Autolackierers bzw. von einem Jahreslohn von Fr. 59‘496.--
auszugehen. Beim Invalideneinkommen sei zu berücksichtigen, dass er nicht in der
Lage sei, eine Stelle für einfache Büroarbeit selbständig einzunehmen. Ein
Jahreseinkommen von über Fr. 24‘000.-- sei nicht möglich, was einen Invaliditätsgrad
von 60 % ergebe. Der von der Beschwerdegegnerin herangezogene Jahreslohn für
Hilfsarbeiten betreffe in der Regel körperliche Arbeiten, von denen er lediglich leichte
verrichten könne. Es sei ihm eine Umschulung resp. Nachschulung im Bürobereich zu
gewähren, die eine Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt
ermögliche (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 2. April 2014 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Eine Invalidenrente sei auch revidierbar, wenn sich die
erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes
erheblich verändert hätten. Seit der Rentenzusprache am 26. Oktober 2000 sei der
Anspruch nicht mehr eingehend geprüft worden, weshalb diese Verfügung als
Referenzzeitpunkt heranzuziehen sei. Der Beschwerdeführer habe ab August 2000
regelmässige Einkommen von stets über Fr. 2‘900.-- erzielt. Im Sommer 2002 habe er
die zweijährige Lehre als Büroangestellter abgeschlossen. Anfang 2007 habe er eine
neue Stelle angetreten. Somit seien Anlässe zur Revision gegeben. In medizinischer
Hinsicht sei von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes auszugehen. Der
invalidisierende Faktor der Unzumutbarkeit für einen Arbeitgeber sei im Zeitpunkt der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rentenzusprache knapp ausgewiesen gewesen, weshalb die Hürde für den Nachweis
einer relevanten Verbesserung sehr tief liege. Es sei eine Verbesserung der damals
beschriebenen Verhaltensstörungen eingetreten (act. G 4).
C.c Mit Entscheid vom 14. April 2014 hiess die Verfahrensleitung das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) gut (act. G 5).
C.d In seiner Replik vom 15. Mai 2014 (act. G 7) macht der Beschwerdeführer geltend,
er habe bei seinen Anstellungen bei Verwandten keinen festen Lohn, sondern lediglich
für untergeordnete Tätigkeiten gelegentliche Zahlungen erhalten. Es habe sich um eine
Beschäftigungstherapie gehandelt, von einer erfolgreichen Selbsteingliederung
aufgrund der zweijährigen Bürolehre könne nicht ausgegangen werden. Aus im
Wesentlichen psychischen Gründen sei er zu keinem Zeitpunkt in der Lage gewesen,
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die neue Diagnose der Dysthymie bedeute nicht
ohne Weiteres eine Verringerung der psychischen Krankheit. Hilfsarbeiten im
Bürobereich existierten heute nicht mehr. Der Beschwerdeführer beruft sich auf einen
Bericht von Dr. med. N._, Innere Medizin, vom 5. Mai 2014 (act. G 7.1). Danach
bestehe aus organischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 25 %. Die Arbeitsunfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht schätze er aktuell auf 50 % bis 70 %, wobei für eine
genauere Beurteilung ein stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik nötig sei.
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 13. Juni 2014 auf eine Duplik (act. G 9).
C.f Mit nachträglicher Eingabe vom 6. August 2015 (act. G 13) reicht der
Beschwerdeführer einen Bericht über eine teilstationäre Therapie am Psychiatrischen
Zentrum O._, vom 22. April 2015 bis 17. Juli 2015 (act. G 13.1, offenbar unrichtig
datiert vom 4. Juni 2015) ein. Die behandelnden Ärzte diagnostizierten unter anderem
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10:
F33.1), sowie anamnestisch ein generalisiertes Schmerzsyndrom und erklärten den
Beschwerdeführer für weiterhin 100 % arbeitsunfähig.

Erwägungen
1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen
Änderung des Invaliditätsgrads ist bei der Prüfung eines Gesuchs um Erhöhung der
Rente wie auch bei der Prüfung einer Rentenanpassung von Amtes wegen die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108; BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des
Bundesgerichts vom 26. März 2010, 9C_438/2009, E. 1). Anlass zur Rentenrevision gibt
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der
Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen.
Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustandes oder der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes revidierbar. Dagegen stellt die unterschiedliche
Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen
Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Januar 2008,
9C_552/2007 E. 3.1.2, mit weiteren Hinweisen). Die Beantwortung der Frage, ob eine
massgebende Änderung eingetreten ist, setzt einen Vergleich zweier Sachverhalte
voraus (U. Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich 2015, Art. 17 N 25). Praxisgemäss
genügt für die Revision einer Invalidenrente, dass eine Tatsachenänderung aus dem
gesamten anspruchserheblichen Tatsachenspektrum eingetreten ist; nicht erforderlich
ist, dass gerade die geänderte Tatsache zur revisionsweisen Neufestsetzung der
Invalidenrente führt (Urteil des Bundesgerichts vom 26. März 2014, 8C_754/2013,
E. 3.2.1). Bei gegebenem Revisionsgrund ist der Rentenanspruch gemäss
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bundesgerichtlicher Rechtsprechung umfassend neu zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3
und E. 6.1; Urteil vom 5. Dezember 2012, 9C_427/2012, E. 3.4).
1.3 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a); in
diesem Sinn trifft die Verwaltung grundsätzlich auch die Beweisführungslast.
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a).
1.4 In beweisrechtlicher Hinsicht gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung.
Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich
des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Im Sinne einer Richtlinie ist den
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E.
1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
2.
2.1 Vorliegend ist zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
in einer revisionsrechtlich relevanten Weise verbessert hat oder ob aus erwerblicher
Sicht ein Revisionsgrund gegeben ist.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2 Die ganze Rente wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 26. Oktober
2000 zugesprochen (IV-act. 69). Zwar wurden in den Revisionsverfahren 2001, 2003,
2007 und 2009 jeweils ärztliche Verlaufsberichte eingeholt (orthopädische Chirurgie
KSSG, vom 20. September 2001, IV-act. 79; Dr. D._ vom 7. Februar 2003, IV-
act. 87-1 ff., vom 10. September 2007, IV-act. 103, und vom 2. September 2009, IV-
act. 113). Diesen Berichten konnte jedoch nur ein stationärer Gesundheitszustand
entnommen werden. Für den Einkommensvergleich wurde in den Feststellungsblättern
vom 9. November 2001 (IV-act. 82), vom 21. November 2007 (IV-act. 108) und vom
26. November 2009 (IV-act. 117) jeweils das durchschnittliche Hilfsarbeitereinkommen
gemäss LSE der Nominallohnentwicklung angepasst. Den rentenbestätigenden
Mitteilungen vom 10. Dezember 2001 (IV-act. 83), vom 13. August 2003 (IV-act. 89),
vom 22. November 2007 (IV-act. 109) und vom 1. Dezember 2009 (IV-act. 118) ging
mithin keine umfassende Beurteilung des Anspruchs voraus, weshalb die aktuellen
Verhältnisse mit den der Verfügung vom 26. Oktober 2000 zugrundeliegenden zu
vergleichen sind.
2.3 Dr. E._ hatte in seinem Consiliargutachten vom 24. November 1999 eine
Anpassungsstörung nach dem Verlust des Bruders und einem Unfall mit
Körperverletzungen diagnostiziert. Er beschrieb eine unreife Persönlichkeit mit
massiver Vulnerabilität, geringer Belastungs- und Adaptationsfähigkeit. Es handle sich
um einen Zustand einer ständigen Anspannung, Unzufriedenheit, schlechter Stimmung,
von Hassgefühlen und einem unbeherrscht-aggressiven Verhalten mit Festhalten an
den körperlichen Beschwerden, Schmerzen, Schwäche und Kraftlosigkeit. Es bestehe
eine schlechte psychische Verfassung und eine dringende psychiatrische
Behandlungsbedürftigkeit, es fehle aber an der Bereitschaft des Beschwerdeführers,
sich für eine solche zu entscheiden. Der Beschwerdeführer sei im Umfange von 25 %
arbeitsunfähig (IV-act. 35-2). Der psychiatrische Gutachter Dr. L._ diagnostizierte mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische depressive Verstimmung
(Dysthymie, ICD-10: F34.1) bei Zustand nach Anpassungsstörungen mit Angst und
depressiver Reaktion gemischt (ICD-10: F 43.22), bestehend seit einem
Unfallgeschehen im Juli 1998. Er hielt im Wesentlichen fest, aus psychiatrischer Sicht
hätten sich nach dem Tod des Bruders des Beschwerdeführers und insbesondere nach
dem Unfall im Juli 1998 Anpassungsstörungen mit Angst und depressiver Reaktion
entwickelt, die in eine seit Jahren bestehende chronische depressive Verstimmung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
entsprechend einer Dysthymie übergegangen seien. Es handle sich dabei um
überwiegend leichte psychische Störungen, gekennzeichnet durch bedrückte
Stimmung mit verminderter Lust, vermindertem Antrieb einhergehend mit
Unruhezuständen, Reizbarkeit, Erregbarkeit bis Aggressivität. Hinzu komme ein
negativistisch eingeengtes Denken mit Zukunftsängsten, vermehrter Nachdenklichkeit
sowie Schlafstörungen mit Durchschlafstörungen. Zum Untersuchungszeitpunkt
beständen Symptome einer leichten depressiven Störung mit leichten Affektstörungen,
und der Beschwerdeführer wirke im Denken auf seine Beschwerden teils negativistisch,
teils hypochondrisch eingeengt. Daneben wirke er freundlich, kooperativ, ruhig, nicht
gereizt und gut kontaktfähig (IV-act. 160-35). Aufgrund der anhaltenden
Schmerzsymptomatik könne eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
angenommen werden, bei der die Schmerzen durch eine organische Störung nicht
ausreichend erklärt werden könnten (IV-act. 160-34). Der Beschwerdeführer verfüge
ausreichend über die notwendigen Ressourcen für den Umgang mit den Schmerzen.
Ein sozialer Rückzug oder unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konsequenter
Behandlungsbemühungen lägen nicht vor. Dem Beschwerdeführer sei die
Willensanstrengung zur Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit zumutbar. Auch sei
er einem Arbeitsumfeld zumutbar, bedürfe eventuell vermehrter Rücksicht und
vermehrten Verständnisses (IV-act. 160-35 f.). Der Einschätzung (der Arbeitsfähigkeit)
von Dr. E._ könne weitgehend zugestimmt werden (IV-act. 160-37). Aus rein
psychiatrischer Sicht könne ohne Berücksichtigung der körperlich begründbaren
Beschwerden in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Büroangestellter eine
Arbeitsfähigkeit von 75 % bei vollem Stundenpensum seit mindestens 1999
angenommen werden (IV-act. 160-79). In einer angepassten Tätigkeit - ohne erhöhte
emotionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck (Stressbelastung), ohne erforderliche
geistige Flexibilität und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung - betrage die
Arbeitsfähigkeit (aus psychiatrischer Sicht) 100 %. Offensichtlich sei im Verlauf auch
eine Besserung der damals beschriebenen Verhaltensstörung eingetreten (IV-
act. 160-80 f.).
2.4 Gemäss Bericht der Tagesklinik des Psychiatrischen Zentrums O._ vom 4. Juni
2015 stand der Beschwerdeführer dort seit dem 22. April 2015 in tagesklinischer
Behandlung. Er leide unter einer schweren depressiven Symptomatik mit massiven
Insuffizienzgefühlen, Antriebs- und Motivationsmangel, starkem sozialem Rückzug,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schlafstörungen, massiver Zukunftsangst, Resignation und Hoffnungslosigkeit. Vor
allem hervorstechend seien die stark ausgeprägte Unruhe und die Nervosität. Aufgrund
dieser Symptomatik bestehe weiterhin eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit. Der Versuch
einer schrittweisen Reintegration unter geschützten Bedingungen sei aktuell aufgrund
der körperlichen Einschränkungen und alltagsbeeinträchtigender depressiver
Symptomatik mit Hyperarousal-Symptomatik unwahrscheinlich und es sei davon
auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer im Rahmen einer beruflichen Integration
schnell überfordert fühle, was eine weitere Verschlechterung der bereits länger
bestehenden depressiven Symptomatik bei jetzt noch unklarer Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung bedeuten würde (act. G 13.1). Gemäss diesem
Bericht soll sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers wieder verschlechtert
haben. Er nennt jedoch keine objektiven Tatsachen, die an der Beweiskraft des
Gutachtens Zweifel zu erwecken vermöchten. Es handelt sich um eine erst nach der
angefochtenen Verfügung eingetretene und daher im vorliegenden Verfahren nicht
massgebliche Entwicklung, denn die richterliche Überprüfung einer
Verwaltungsverfügung ist grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser
Verfügung eingetretenen Sachverhalt beschränkt; nachträgliche Sachverhalts- und
Rechtsänderungen werden nicht berücksichtigt (BGE 131 V 243 E. 2.1; BGE 129 V 4 E.
1.2 mit Hinweis). Der Bericht wird daher im Rahmen der offenbar erfolgten
Neuanmeldung zu prüfen sein. Auch der Bericht von Dr. N._ vom 5. Mai 2014
(act. G 7.1) enthält keine durch die Gutachter nicht berücksichtigten medizinischen
Tatsachen, sondern der Internist beschränkt sich auf eine vorläufige, in psychiatrischer
Hinsicht abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Für eine genauere Bestimmung
wird jedoch ein stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik empfohlen. Auch
diesem Bericht ist eine Verschlechterung erst nach Erlass der angefochtenen
Verfügung bzw. als Reaktion auf diese zu entnehmen. Insofern ist auch der Bericht von
Dr. N._ nicht geeignet, das Gutachten vom 29. August 2013 zu entkräften.
2.5 In somatischer Hinsicht hatte Dr. med. P._, orthopädische Chirurgie FMH, im
orthopädischen Consilium vom 24. November 1999 festgehalten, es bestehe eine
insuffiziente paravertebrale Muskulatur mit Neigung zu Fehlhaltung in Form einer BWS-
Kyphose. Die demonstrierte Funktion der Wirbelsäule sei auf ungenügende
Kooperation zurückzuführen. Radiologisch bestehe ein ideales Resultat. Die
angegebenen Beschwerden seien von diffuser Lokalisation, in vielen Fällen gar nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dem Frakturbereich zuzuordnen. Aufgrund der Verletzung sei dem Beschwerdeführer
aber schwere körperliche Arbeit nicht zuzumuten. Eine mittelschwere Tätigkeit sei
vollschichtig ausführbar, ebenso eine von betriebsüblichen Pausen unterbrochene
sitzende Arbeit (IV-act. 34-3). Dr. K._ kam unter Hinweis auf Inkonsistenzen, auf
fehlende Bereitschaft sich anzustrengen und auf undifferenzierte, fehlende
Objektivierbarkeit von Beschwerdeangaben (IV-act. 160-8 f., 12 f., 19 f.) zum Schluss,
körperlich schwere Arbeiten in kalter und feuchter Umgebung mit häufigen inklinierten
und reklinierten sowie rotierten Körperhaltungen seien wegen einer mässigen
Osteochondrose L2-4 und wegen einer Spondylarthrose L2/3 sowie L4 bis S1 nicht
mehr vollumfänglich zumutbar (IV-act. 160-20). Die Tätigkeit als Angestellter in einem
Computergeschäft sei adaptiert und ab dem Zeitpunkt der Begutachtung mit einer
Arbeitsfähigkeit von 80 % möglich; auch hier führt er zur Begründung die Chondrose
und Spondylarthrose an (IV-act. 160-20 f.); insoweit bestehe eine Verschlechterung seit
der Begutachtung 1999 (IV-act. 160-46). Sodann gehen die Berichte der Klinik für
Orthopädische Chirurgie, Kantonsspital St. Gallen (KSSG), vom 21. Januar 2014 (IV-
act. 174) und von Dr. N._ (act. G 7.1) von einer somatisch bedingten Arbeitsfähigkeit
von 75 % aus. Diese Einschätzung der somatischen Leistungsfähigkeit von mindestens
75 % wird denn auch weder vom Beschwerdeführer noch von der
Beschwerdegegnerin ausdrücklich bestritten (vgl. act. G 4 Ziff. 5 e S. 4, der sich auf die
gesamte - somatische und psychiatrisch begründete - Arbeitsfähigkeit bezieht). Aus
somatischer Sicht ist damit eine Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von
mindestens 75% ausgewiesen. Der somatische Gesundheitszustand hat sich also seit
der Rentenzusprache vom 26. Oktober 2000 (leicht) verschlechtert.
2.6 Dem bidisziplinären Gutachten vom 29. August 2013 liegen umfassende
Untersuchungen einschliesslich einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
(EFL) und bildgebender Untersuchungen zu Grunde (IV-act. 160-6, 7). Das
psychiatrische Teilgutachten von Dr. L._ berücksichtigt die massgeblichen Akten und
die vom Beschwerdeführer geschilderten gesundheitlichen Einschränkungen und
beruht auf einer einstündigen Untersuchung (IV-act. 160-62). Es erscheint schlüssig
und nachvollziehbar, insbesondere, wenn berücksichtigt wird, dass bereits das
MEDAS-Gutachten von 1999 zu ähnlichen Ergebnissen kam und die IV-Stelle nur
darum von diesem abwich, weil sie davon ausging, dass der Beschwerdeführer mit
seiner Behinderung und seiner Wesensart aktuell keinem Arbeitgeber zumutbar sei (IV-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
act. 64). Der RAD nahm am 4. September 2013 zum MGSG-Gutachten Stellung, es sei
vollumfänglich darauf abzustellen (IV-act. 161). Insgesamt liegt somit die medizinisch-
theoretische Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit weiterhin bei 75 %.
3.
In einem nächsten Schritt ist zu beurteilen, ob die grundsätzlich weiterhin bestehende
mindestens 75%ige Leistungsfähigkeit sozialpraktisch verwertbar ist. Die Zusprache
einer ganzen Rente erfolgte mit Blick auf das damalige Verhalten des
Beschwerdeführers, aufgrund dessen der Beschwerdeführer in der freien Wirtschaft als
nicht vermittelbar eingeschätzt wurde (IV-act. 57, IV-act. 37). Der psychiatrische
Gutachter Dr. E._ konnte sich dieser Beurteilung von RAD-Arzt Dr. F._
anschliessen, wenn er auch eher von soziokulturellen Gründen für das Verhalten des
Beschwerdeführers ausging und daher die Zusprache einer Rente als verfrüht
erachtete (IV-act. 48-2; Fragen: IV-act. 41). Der Beschwerdeführer war im Vorfeld
gegenüber Dr. E._ (IV-act. 35-2, 3), gegenüber der Berufsberaterin (IV-act. 54; IV-act.
16) und gegenüber der Beschwerdegegnerin (IV-act. 45; IV-act. 40) unkontrolliert und
aggressiv fordernd in Erscheinung getreten. Verhaltensauffälligkeiten des
Beschwerdeführers zeigten sich auch im Rahmen seiner medizinischen Rehabilitation.
Im Anhang zum Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon vom 11. Mai 1999 wurde
festgehalten, durch ein unnötig langes Tragen des Korsetts habe sich der Zustand der
Muskulatur verschlechtert und die Heilung verzögert (IV-act. 15-1 ff., S. 4). Das KSSG
vermerkte bereits am 11. Dezember 1998, dass sie dem Beschwerdeführer die
Notwendigkeit des Muskelaufbaus deutlich dargelegt hätten (act. G 4.2.1-46 f.). Im
Bericht vom 25. Februar 1999 erwähnte das KSSG erneut eine mangelnde Compliance
des Beschwerdeführers bei der physiotherapeutischen Mobilisierung (IV-act. 15-6).
Auch der SUVA-Kreisarzt hielt am 8. Februar 1999 fest, dass der Beschwerdeführer
durch sein Verhalten die adäquate Rehabilitation verzögere (act. G 4.2.1-9). Zudem war
es dem Beschwerdeführer noch nicht gelungen, beruflich Fuss zu fassen. Im Zeitpunkt
der Rentenzusprache ging somit die Beschwerdegegnerin gestützt auf eine Beurteilung
von IV-Arzt Dr. F._ davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nur
im geschützten Rahmen eines Familienbetriebs umgesetzt werden könne. Der
Beschwerdeführer befand sich damals im Betrieb seines Y._ in Ausbildung (zunächst
Lehre als Mediamatiker, ab 14. August 2000 Bürolehre). In erwerblicher Hinsicht haben
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sich die Verhältnisse seit dem 26. Oktober 2000 insofern geändert, als der
Beschwerdeführer per 31. Juli 2002 seine Bürolehre erfolgreich abgeschlossen hat (IV-
act. 80; IV-act. 140) und während Jahren in den Betrieben seines Y._ bzw. Z._
allgemeine Büroarbeit, Kundenbetreuung am Telefon, Buchhaltung und
Warenpräsentation im Umfang von drei Stunden pro Tag ausgeführt hat (IV-act. 136-5,
7 f.; IV-act. 137-2 ff.). Während Dr. E._ 1999 noch eine Anpassungsstörung
diagnostizierte und festhielt, der Beschwerdeführer verfüge über eine unreife
Persönlichkeit mit massiver Vulnerabilität mit geringer Belastungs- und
Adaptationsfähigkeit (IV-act. 35-2), befinde sich in einer schlechten psychischen
Verfassung und sei dringend psychiatrisch behandlungsbedürftig (IV-act. 35-3),
diagnostiziert Dr. L._ 2013 eine depressive Verstimmung nach Anpassungsstörung
(IV-act. 160-74) und erklärt nachvollziehbar, dass sich die Verhaltensstörungen
gebessert hätten und die Persönlichkeit des Beschwerdeführers gereift sei (IV-
act. 160-76, 81). Ein Verhalten, wie es sich bei der ersten Begutachtung und im
Rahmen der beruflichen Abklärung gezeigt hatte, war denn nun auch im
Revisionsverfahren weder bei der Berufsberatung noch in der konfrontativen Befragung
durch die IV-Stelle aufgetreten. Wenn der psychiatrische Gutachter in diesem
Zusammenhang von einer Reifung der Persönlichkeit mit Besserung der
Verhaltensstörung ausgeht, erscheint dies aufgrund der Akten plausibel. Es ist somit
neu davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer einem Arbeitgeber zumutbar ist,
weshalb die Leistungsfähigkeit von 75% in der freien Wirtschaft verwertbar ist. Es liegt
somit eine wesentliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse vor, weshalb die
Voraussetzungen für eine Revision gegeben sind.
4.
4.1 Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des Abschlusses
des Revisionsverfahrens am 6. Januar 2014 massgebend (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 30. September 2015, 8C_162/2015).
4.2 Der Beschwerdeführer stand vom 5. August 1996 bis 28./29. Oktober 1997 (IV-
act. 9; Lehrstellenwechsel) und vom 1. Dezember 1997 bis 27. Februar 1998 (IV-act. 8,
Kündigung des Lehrstellenverhältnisses) in Ausbildung zum Autolackierer. Die zweite
Lehrstelle gab er gemäss eigener Aussage nach dem überraschenden Tod seines
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bruders (IV-act. 16-1) auf. Am 20. Juli 1998 hätte er über die Q._ AG eine
Temporärstelle als Mitarbeiter bei der R._ angetreten, worüber der
Arbeitslosenversicherung offenbar eine Bestätigung vorgelegt wurde (IV-act. 1-4; act.
G 4.2, Verfügung des Amtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit, KIGA, vom 10.
Dezember 1998). Es erscheint plausibel, dass der Beschwerdeführer ohne den
erlittenen Unfall seine Autolackiererlehre nach einer psychischen Stabilisierungsphase
wieder aufgenommen und zu Ende geführt hätte. Auch die SUVA ging in ihrer
Verfügung vom 21. Februar 2001 beim Einkommensvergleich von einer Validenkarriere
des Beschwerdeführers als Autolackierer aus (SUVA-act. 6-2).
4.3 Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität eine begonnene berufliche
Ausbildung nicht abschliessen, so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als
Nichtinvalide erzielen könnte, dem durchschnittlichen Einkommen eines Erwerbstätigen
im Beruf, für den die Ausbildung begonnen wurde (Art. 26 Abs. 2 der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201). Für die Bestimmung des
Valideneinkommens ist nach dem Gesagten vom Tabellenlohn als Autolackierer
gemäss LSE 2010 auszugehen. Dieser beträgt Fr. 5‘210.-- (TA1, Ziff. 45: Handel,
Instandstellung und Reparatur von Motorfahrzeugen, Anforderungsniveau 3, Männer).
Hochgerechnet auf eine übliche Arbeitszeit von 41,9 Stunden (Bundesamt für Statistik,
Statistik der betriebsüblichen Arbeitszeit [BUA], Ziff. 45-49: Handel, Instandstellung
und Reparatur von Kraftfahrzeugen), auf 12 Monate und auf das massgebliche Jahr
2014 (BFS, Lohnentwicklung 2014, T 39; Index Männer 2010: 2151; 2014: 2220) ergibt
sich ein jährliches Valideneinkommen von Fr. 67‘590.--.
4.4
4.4.1 Bei der Berechnung des Invalideneinkommens ist zu berücksichtigen, dass der
Beschwerdeführer zwar eine 2-jährige Bürolehre, nicht aber die kaufmännische
Ausbildung abgeschlossen hat. Die Rechtsprechung wendet für die Bestimmung des
Invalideneinkommens anhand von Tabellenlöhnen in der Regel die Monatslöhne
gemäss LSE-Tabelle TA1 ("Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach
Wirtschaftsabteilungen, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und Geschlecht -
Privater Sektor"), Zeile "Total" an (BGE 124 V 323 E. 3b/aa). Nach den konkreten
Umständen des Einzelfalls kann es sich indessen rechtfertigen, auf die Tabelle T7S
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
("Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Tätigkeit, Anforderungsniveau des
Arbeitsplatzes und Geschlecht - Privater Sektor und öffentlicher Sektor [Bund,
Kantone, Bezirke, Gemeinden, Körperschaften] zusammen") abzustellen, wenn dies
eine genauere Festsetzung des Invalideneinkommens erlaubt und der versicherten
Person der entsprechende Sektor offen steht und zumutbar ist (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 7. März 2014, 9C_841/2013, E. 4.2 und E. 4.4, und vom 15. Mai
2014, 8C_910/2013, E. 3.1.2.1).
4.4.2 Gemäss der genannten Tabelle 7S, LSE 2010, Ziff. 23, andere kaufmännisch-
administrativen Tätigkeiten, Anforderungsniveau 4, Männer, beträgt der für die
Berechnung des Invalideneinkommens massgebliche Monatslohn Fr. 5‘187.--. Für die
betriebsübliche Arbeitszeit ist, da nur Informationen nach Wirtschaftsabteilungen
erhältlich sind, von deren schweizerischem Mittel von 41,7 Stunden auszugehen.
Hochgerechnet auf 12 Monate und indexiert ergibt sich ein Jahreseinkommen von
Fr. 66‘971.--. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 75 % entspricht dies einem Jahreslohn von
Fr. 50‘228.--. Ohne Tabellenlohnabzug resultiert ein Invaliditätsgrad von 26 %, der
keinen Rentenanspruch begründet. Für einen Tabellenlohnabzug, der zu einem
Rentenanspruch führen würde, sind keine ausreichenden Grundlagen ersichtlich, zumal
hier höchstens das Fehlen einer altersentsprechenden Berufserfahrung im Umfang von
maximal 10 % berücksichtigt werden könnte. Der Beschwerdeführer hat daher keinen
Rentenanspruch mehr.
5.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin die Rente aufheben durfte, ohne zuvor
über allfällige Eingliederungsmassnahmen zu befinden.
5.1 Nach ständiger Rechtsprechung ist eine medizinisch attestierte Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung verwertbar. Aus
einer medizinisch attestierten Verbesserung der Arbeitsfähigkeit kann unmittelbar auf
eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit geschlossen und damit ein entsprechender
Einkommensvergleich (mit dem Ergebnis eines tieferen Invaliditätsgrades)
vorgenommen werden. Es können im Einzelfall jedoch Erfordernisse des
Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
medizinisch möglichen Leistungsentfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten
einwandfrei hervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotentials
ohne vorgängige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels
Eigenanstrengung der versicherten Person nicht möglich ist. Die Verwaltung muss sich
vor der Herabsetzung oder Aufhebung einer Invalidenrente vergewissern, ob sich ein
medizinisch-theoretisch wiedergewonnenes Leistungsvermögen ohne Weiteres in
einem entsprechend tieferen Invaliditätsgrad niederschlägt oder ob dafür -
ausnahmsweise - im Einzelfall eine erwerbsbezogene Abklärung (der Eignung,
Belastungsfähigkeit usw.) und/oder die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen
im Rechtssinne vorausgesetzt ist. Insbesondere wenn bisher schon eine erhebliche
Restarbeitsfähigkeit bestand, zieht der anspruchserhebliche Zugewinn an
Leistungsfähigkeit jedoch kaum zusätzlichen Eingliederungsbedarf nach sich. Diese
Rechtsprechung findet Anwendung sowohl bei einer revisions- als auch bei der
wiedererwägungsweisen Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente, jedoch nur
bei versicherten Personen, welche das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit
mehr als 15 Jahren bezogen haben. Namentlich wurde die Zumutbarkeit einer
Selbsteingliederung dann angenommen, wenn die versicherte Person trotz
Rentenbezuges regelmässig gearbeitet hatte und daher auch keine arbeitsmarktliche
Desintegration bestand (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Oktober 2015, 8C_597/2014,
E. 3.2, mit weiteren Verweisen).
5.2 Dem Beschwerdeführer wurde mit Verfügung vom 26. Oktober 2000 eine ganze
Rente ab 1. Juli 1999 zugesprochen (IV-act. 69). Diese bezog er im Zeitpunkt der
Revisionsverfügung vom 6. Januar 2014 (IV-act. 172) während 14 1⁄2 Jahren. Aus dieser
Dauer lässt sich rechtsprechungsgemäss kein Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen vor Aufhebung einer Rente ableiten (Urteile des
Bundesgerichts vom 6. Oktober 2015, 8C_597/2014, E. 3.2, und vom 10. September
2010, 9C_163/2009, E. 4.3.1). Somit durfte die Beschwerdegegnerin die Rente
aufheben, ohne zuerst eine berufliche Eingliederung durchzuführen. Dem
Beschwerdeführer steht es indes frei, sich mit dem Antrag auf berufliche Massnahmen
erneut bei der IV anzumelden; hierauf wurde er bereits anlässlich seiner telefonischen
Anfrage vom 27. Januar 2014 hingewiesen (IV-act. 170).
6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem unterliegenden
Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten vollumfänglich aufzuerlegen. Zufolge
unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
6.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat eine Kostennote über
Fr. 4‘085.60 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer, reduzierter Stundenansatz
Fr. 200.--, vgl. Art. 24 Abs. 1 HonO i.V.m. Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS
963.70 [AnwG]) eingereicht (act. G 11.1). Das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen spricht in invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren in vergleichbaren
Fällen eine (ungekürzte) pauschale Entschädigung von Fr. 3'500.-- zu. Die Honorarnote
enthält (nebst Barauslagen und Mehrwertsteuer) lediglich den Gesamtbetrag und den
Stundenansatz. Der vorliegende Streitfall erscheint nicht übermässig aufwändig. Daher
besteht kein Anlass, von der Normalentschädigung von Fr. 3‘500.-- abzuweichen (vgl.
Urteil des Versicherungsgerichts vom 13. August 2014, IV 2012/335, E. 5.2.2 und Urteil
des Bundesgerichts vom 30. November 2015, 8C_717/2014, E. 6.5). Diese ist um einen
Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2‘800.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
6.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte