Decision ID: 1bb84a5c-12d4-5e33-82bd-a4cca80b120b
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Josef Jacober, Oberer Graben 44, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) wurden vom 1. August 1988 bis 30. April 2003
die notwendigen medizinischen Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens
Nr. 390 (Angeborene cerebrale Lähmungen [spastisch, dyskinetisch, ataktisch]; vgl.
Verordnung über Geburtsgebrechen, Anhang, SR 831.232.21) zugesprochen, da er seit
der Geburt an einer armbetonten rechtsseitigen spastischen Lähmung litt (act. G 4.20,
21, 22, 23, 26). Eine cranio-cerebrale Computertomographie vom 8. November 1994
förderte eine 3 x 1,3 cm grosse porencephale Zyste im linken Centrum semiovale
posterior, mit konsekutiver Erweiterung des Seitenventrikels links zutage (act. G 4.25).
Am 18. September 2003 beantragte der Versicherte berufliche Massnahmen bzw. eine
Berufsberatung (IV-act. 4). Am 15. Oktober 2003 wurde ein Rehabilitationskonsilium
durchgeführt und eine IV-Verlängerung eingeleitet (IV-act. 19). Mit Verfügung vom
8. Dezember 2003 wurde Kostengutsprache für medizinische Massnahmen vom
1. September 2003 bis 30. November 2007 erteilt (IV-act. 14). Am 10. August 2004
wurde eine Berufsberatung durchgeführt (IV-act. 24) und gestützt auf die dort
gemachten Feststellungen mit Verfügung vom 11. Oktober 2004 Kostengutsprache für
die Mehrkosten einer erstmaligen beruflichen Ausbildung in Form eines Vorlehrjahrs im
Hotel B._ mit Schulbesuch im Rahmen des Vorlehrkonzepts an der kaufmännischen
Berufsschule vom 16. August 2004 bis 16. August 2005 erteilt (IV-act. 29). Mit
Verfügung vom 29. November 2005 wurden die Mehrkosten der Fortsetzung der
erstmaligen beruflichen Ausbildung in Form eines Vorlehrjahrs im kaufmännischen
Bereich im C._ vom 8. November 2005 bis 31. Juli 2006 zugesprochen (IV-act. 46).
A.b Am 12. Dezember 2005 meldete sich der Versicherte zum Bezug von IV-
Leistungen für Erwachsene an (IV-act. 50). Die mit Verfügung vom 8. Dezember 2003
erteilte Kostengutsprache für medizinische Massnahmen bzw. Physiotherapie wurde
mit Schreiben vom 8. Februar 2006 bis 30. November 2007 verlängert (IV-act. 56). Mit
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Verfügung vom 31. Mai 2006 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für die Mehrkosten
der erstmaligen beruflichen Ausbildung zum Kaufmann Profil B im C._ vom 1. August
2006 bis 31. Juli 2009 (IV-act. 65). Am 26. Juni 2009 wurde dem Versicherten das
eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Kaufmann Basisbildung (Profil B) erteilt (IV-
act. 79). Im Schlussbericht vom 31. Juli 2009 erwähnte die ausbildende Institution
C._, dass die Leistungsfähigkeit des Versicherten leicht unter der eines
durchschnittlichen Kaufmanns Profil B im ersten Arbeitsmarkt liege (IV-act. 80). Von
August bis Oktober 2009 bezog der Versicherte Leistungen der
Arbeitslosenversicherung (ALV; act. G 1.12). Ab 1. November 2009 war er für ein
monatliches Entgelt von Fr. 3'800.-- (exkl. 13. Monatslohn) bei der Firma D._ als
Kaufmann angestellt (act. G 1.4). Mit Verfügung vom 2. November 2009 gewährte das
Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) St. Gallen vom 1. November 2009 bis
30. April 2010 Einarbeitungszuschüsse in Höhe von Fr. 2'469.95 (November und
Dezember 2009), Fr. 1'646.65 (Januar und Februar 2010) und Fr. 823.30 (März und
April 2010; act. G 1.7). Mit Verfügung vom 31. August 2010 gewährte das RAV vom
1. Mai bis 31. Oktober 2010 Einarbeitungszuschüsse in Höhe von Fr. 2'469.95 (Mai und
Juni 2010), Fr. 1'646.65 (Juli und August 2010) und Fr. 823.30 (September und Oktober
2010; act. G 1.5). Am 22. Juni 2010 wurden die beruflichen IV-Massnahmen
abgeschlossen (IV-act. 82, 97).
A.c Aus den Aktennotizen vom 29. April und vom 6. Mai 2010 geht hervor, dass
Dr. E._ vom RAD in der angestammten Tätigkeit eine ca. 10%-ige Arbeitsunfähigkeit
anerkannte, der Arbeitgeber in der Firma D._ jedoch eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit
bei einer 50%-igen Arbeitsleistung festgestellt hatte und den bisher angenommenen
Lohn von Fr. 53'150.-- nicht übernehmen wolle (IV-act. 87, 88). Am 7. Juni 2010 wurde
von Dr. med. F._ im Auftrag der IV-Stelle ein Gutachten erstellt, wonach an der
jetzigen Stelle aus nur orthopädischer Sicht eine Einschränkung zu einem Viertel
bestehe (IV-act. 94). Gemäss Stellungnahme vom 15. Juni 2010 von Dr. E._ (IV-
act. 95) zeigte das orthopädische Gutachten eine generelle Leistungseinschränkung
von 25% im gelernten KV Bereich. Eine kognitive Behinderung habe nie zur Diskussion
gestanden und müsse daher auch nicht abgeklärt werden.
A.d Mit Vorbescheid vom 1. Juli 2010 (IV-act. 99) stellte die IV-Stelle die Abweisung
des Leistungsbegehrens gestützt auf einen nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad
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von 25% in Aussicht. Mit Arbeitsbericht vom 31. August 2010 beschrieb der
Arbeitgeber die Schwierigkeiten des Versicherten und bezifferte seine Leistungen auf
Fr. 2'100.--, d.h. auf ca. 40% der geforderten Leistung (IV-act. 104). Dr. E._ hielt in
seiner Beurteilung vom 9. November 2010 (IV-act. 105) am bisherigen Standpunkt fest.
Mit Arbeitsvertrag/Änderungsvereinbarung per 30. November 2010 wurde aufgrund
des Wegfalls der Unterstützung des RAV ab Februar 2011 als monatliches Entgelt von
Fr. 2'100.-- (exkl. 13. Monatslohn) vereinbart. Mit Arztbericht vom 3. Dezember 2010
sah Dr. med. G._, Praxis für klassische Homöopathie, beim Beschwerdeführer
lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 40% als gegeben an (act. G 1.10).
B.
Gegen den Vorbescheid vom 1. Juli 2010 erhob der Versicherte am 7. September 2010
Einsprache (richtig: Einwand; IV-act. 103). Mit Verfügung vom 10. November 2010
(act. G 1.1; IV-act. 106) wurde sein Rechtsbegehren abgewiesen.
C.
C.a Dagegen liess der Versicherte am 14. Dezember 2010 durch Rechtsanwältin
MLaw Marion Sutter, St. Gallen, Beschwerde erheben mit dem Antrag, die Verfügung
der Eidg. Invalidenversicherung, IV-Stelle St. Gallen, vom 10. November 2010
betreffend Anspruch auf eine Invalidenrente sei aufzuheben und es sei dem
Versicherten auf Grund eines Invaliditätsgrads von mindestens 50% ab 1. November
2010 eine halbe Rente zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten der Beschwerdegegnerin. Zudem liess er die unentgeltliche Prozessführung
beantragen. Zur Begründung führte die Rechtsvertreterin insbesondere an, dass die
dem Einkommensvergleich zu Grunde gelegten Zahlen nicht begründet seien. Die RAV-
Zuschüsse sowie die Tatsache, dass der Beschwerdeführer teilweise einen Soziallohn
ausbezahlt erhalten habe, seien nicht berücksichtigt worden. Die Abklärungen der IV-
Stelle seien mager. Die neurologischen Auswirkungen des Geburtsgebrechens auf die
kognitiven Fähigkeiten des Beschwerdeführers seien nicht abgeklärt worden. Es sei
nicht berücksichtigt worden, dass er seit Eintritt in die erste Anlehre stets im
geschützten Rahmen gearbeitet habe. Eine abstrakte Beurteilung des Krankheitsbilds
helfe auch nicht weiter. Die Rechtsvertreterin beantragte die Einholung eines
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umfassenden (insbesondere neurologischen) Arztgutachtens. Gerügt wurde zudem,
dass ihr nicht sämtliche IV-Akten seit der Geburt des Beschwerdeführers zugestellt
worden seien.
C.b Mit Schreiben vom 17. Dezember 2010 (act. G 2) gewährte das angerufene Ver
sicherungsgericht der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers eine Nachfrist zur
Beschwerdeergänzung und forderte die IV-Stelle St. Gallen auf, der Rechtsvertreterin
sämtliche Akten seit Geburt des Beschwerdeführers zur Einsichtnahme zuzustellen.
C.c Mit Schreiben vom 3. Januar 2011 orientierte die IV-Stelle die Rechtsvertreterin
über die Vernichtung der Altakten (act. G 3), woraufhin diese nach eigenen
Nachforschungen beim Ostschweizer Kinderspital St. Gallen weitere Unterlagen
einreichte (act. G 4.1-11) und geltend machte, dass die SVA St. Gallen die
Beschwerden des Beschwerdeführers als Geburtsgebrechen Nr. 390 anerkannt habe.
C.d Mit Beschwerdeantwort vom 11. Februar 2011 schloss die Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen
an, es sei Aufgabe des Arztes zur Frage Stellung zu nehmen, in welcher Tätigkeit in
welchem Ausmass es einem Versicherten zumutbar sei, zu arbeiten. In den Vorakten
gebe es keine Hinweise, dass der Beschwerdeführer an einer geistigen Behinderung
leide. Er habe für seine Lehrabschlussprüfung in schulischer Hinsicht eine reguläre
Prüfung ablegen müssen, die er auch bestanden habe. Eine neurologische Abklärung
sei nicht notwendig, da angesichts dieses Leistungsausweises eine einschränkende
Hirnverletzung ausgeschlossen werden könne. Es sei vollumfänglich auf die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung von Dr. F._ abzustellen.
C.e Am 17. Februar 2011 wurde das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung für das
vorliegende Verfahren bewilligt (act. G 7).
C.f Mit Eingabe vom 7. März 2011 beantragte die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers die Durchführung einer mündlichen öffentlichen Hauptverhandlung
(act. G 10). Zur Beschwerdeantwort vom 11. Februar 2011 werde entsprechend
gegebenenfalls mündlich anlässlich der Hauptverhandlung repliziert.
D.
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Anlässlich der mündlichen Verhandlung vom 27. November 2012 hielt der neue
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt lic.iur. Josef Jacober,
St. Gallen, an den bisherigen Anträgen fest und brachte nochmals ergänzend an, dass
das neurologische Problem nicht fachärztlich begutachtet worden sei. Die Zyste im
Gehirn beschränke die kognitiven Fähigkeiten des Beschwerdeführers. In der
Berufsschule hätten die Schüler des C._ eine eigene Klasse gebildet und die
Prüfungen ohne zeitliche Begrenzung absolvieren können. Auch die Anstellung in der
Firma D._ sei gewissermassen ein geschützter Rahmen, da weitere fünf Personen mit
Behinderung angestellt seien und dies auf dem sozialen Engagement des Arbeitgebers
beruhe, der selbst behindert sei. Auf die weiteren Vorbringen an Schranken wird -
soweit erforderlich - in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Die
Beschwerdegegnerin hatte mit Schreiben vom 22. Oktober 2012 auf eine Teilnahme an
der mündlichen Verhandlung verzichtet (act. G 17).

Erwägungen:
1.
Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Invalidenrente zu Recht abgelehnt hat.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
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nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
2.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung gestellt haben. Nach dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung
der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der
untersuchten Person auseinandersetzt, was vor allem bei psychischen
Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung
mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der
medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (vgl. BGE 125 V 351
E. 3a, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen).
3.
3.1 Vorab ist zu prüfen, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt. Die
Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Ermittlung des Invalideneinkommens auf das
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orthopädische Gutachten von Dr. F._ sowie auf die Stellungnahmen des RAD-Arztes
Dr. E._ vom 29. April 2010, 6. Mai 2010 und 15. Juni 2010 (IV-act. 87, 88, 94, 95).
3.2 Die im Recht liegenden medizinischen Berichte bringen allesamt zum Ausdruck,
dass der Beschwerdeführer aufgrund der armbetonten spastischen Hemiplegie rechts
in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist.
3.2.1 In Bezug auf den Umfang der Einschränkung war Dr. E._ am 29. April 2010
der Ansicht, dass aus arbeitsmedizinischer Sicht eine gewisse Verlangsamung bei der
PC-Arbeit nachvollzogen werden könne. Sinngemäss bestätige die ausbildende
Institution auch, dass eine leicht verminderte Arbeitsleistung vorliegen würde. Er
schloss auf eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 10% (IV-act. 87), erachtete jedoch aufgrund
der Beurteilung des Arbeitgebers, wonach der Beschwerdeführer zu 100% arbeitsfähig
sei, aber mit einer nur 50%-igen Arbeitsleistung, eine monodisziplinäre orthopädische
Begutachtung als angezeigt (IV-act. 88, 89).
3.2.2 Mit orthopädischem Gutachten vom 7. Juni 2010 (IV-act. 94) stellte Dr. F._
fest, dass die vom Beschwerdeführer zusammengestellte Liste der Behinderungen aus
Sicht des Bewegungsapparats genau sei, aber auch "intellektuelle" Eigenschaften
umfasse. Der Beschwerdeführer erreiche seine Kapazität etwa, wenn gelegentlich ein
Paket geschnürt werden müsse, da er keine Schuhe binden könne. Auch die häufig zu
benutzende Tastatur bediene er nur mit den fünf Fingern der linken Hand, weshalb er
im Tempo zurückbleibe. Das Ausmass der "intellektuellen" Verlangsamung könne nicht
abgeschätzt werden. Die vom Arbeitgeber geltend gemachte Einschränkung von 50%
beinhalte sicher auch diesen Aspekt. Von Seiten des Bewegungsapparats sei es nicht
möglich, eine prozentuale Einschränkung der Arbeitsfähigkeit anzugeben, da die
Anforderungen unterschiedlich seien. Bei reiner Schreibarbeit dürfte sich der
Zeitaufwand verdoppeln, während administrative Tätigkeiten vermutlich nur einen
Viertel mehr Zeit erfordern würden. An der jetzigen Stelle dürfte die Einschränkung aus
orthopädischer Sicht einen Viertel betragen. Nochmals das gleiche Ausmass für die
rein "intellektuellen" Einschränkungen anzunehmen, scheine im Vergleich mit der vom
Versicherten vorgelegten Liste etwas hoch.
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3.2.3 Mit Stellungnahme vom 15. Juni 2010 (IV-act. 95) bestätigte Dr. E._ eine
generelle Leistungseinschränkung von 25%. Eine kognitive Einschränkung sei nie zur
Diskussion gestanden und müsse daher auch nicht abgeklärt werden. Es sei eine
Erfahrungstatsache, dass die Intelligenz unterschiedlich in der Bevölkerung verteilt sei.
Ein eigentliches Geistesdefizit finde sich beim Versicherten nicht. Ein
Realschulabschluss und die KV Ausbildung seien möglich gewesen. In der
ausbildenden Institution sei einzig eine leichte Verlangsamung gesehen worden, was
durch das Tastaturschreiben mit nur einer Hand erklärt worden sei. Auch mit den
sportlichen Hobbies könne eine rentenbegründende Leistungseinschränkung nicht
nachvollzogen werden. Es dränge sich leider der Eindruck auf, dass der Arbeitgeber
einen guten Mitarbeiter preiswert einkaufen wolle, nachdem das vorbereitende
Praktikum bereits vom RAV bezahlt worden sei.
3.2.4 Aufgrund der aus den medizinischen Berichten ersichtlichen körperlichen
Einschränkungen des Beschwerdeführers ist eine Beeinträchtigung im (angestammten
und leidensadaptierten) Beruf als Kaufmann zu 25%, wie sie Dr. F._ und Dr. E._
annehmen, nachvollziehbar und einleuchtend. Darüber hinaus stellt sich aber die Frage,
wie es sich mit den kognitiven Einschränkungen des Beschwerdeführers verhält.
3.3
3.3.1 Dass beim Beschwerdeführer grundsätzlich die Möglichkeit einer kognitiven
Einschränkung besteht, ist bereits aus dem Bericht vom 29. September 1988 von
Dr. med. H._, Leitende Ärztin Rehabilitation/Entwicklungspädiatrie im
Ostschweizerischen Kinderspital St. Gallen, ersichtlich, wonach die Hemiparesen
praktisch immer auf ein pränatales Geschehen - in der Regel auf eine
Durchblutungsstörung - zurückzuführen seien und diese sich bei massiven Befunden
dann auch in einer entsprechenden Hirnatrophie im Bereich der Arteria cerebri media
äussern würden (act. G 4.19). Im Bericht vom 29. September 1993 von Dr. med. I._,
Oberärztin im Kinderspital St. Gallen, sind der Beurteilung unter anderem leichte
Teilleistungsschwächen in der Formwiedergabe und im Verhalten zu entnehmen. Die
Intelligenz liege im S.O.N. Test im Durchschnitt. Nach einem tonischen Krampfanfall
am 7. Juli 1994 wurde am folgenden Tag in der Medizinischen Klinik, Neuropädiatrie/
EEG des Ostschweizerischen Kinderspitals St. Gallen, vom leitenden Arzt Dr. med.
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M. Weissert eine leichte bis mässige unspezifische Allgemeinveränderung der
Hirnstromkurve wegen zu unregelmässigem Grundrythmus und ein langsamer
unspezifischer Wellenherd über der linken Temporalregion festgestellt (act. G 4.24). Die
cranio-cerebrale Computertomographie vom 8. November 1994 zeigte schliesslich eine
3 x 1,3 cm grosse porencephale Zyste im linken Centrum semiovale posterior, mit
konsekutiver Erweiterung des Seitenventrikels links (act. G 4.25, 4.3). Dr. F._ wollte
das Ausmass der "intellektuellen" Verlangsamung nicht einschätzen, ging jedoch
davon aus, dass der Arbeitgeber bei seiner Einschätzung sicher auch diesen Aspekt
mitberücksichtige. Zu entnehmen ist seinem Gutachten noch, dass ihm dasselbe
Ausmass - also 25% - für die rein "intellektuellen" Einschränkungen etwas hoch
erscheine. Dr. F._ ist als Orthopäde zwar nicht qualifiziert, um eine allfällige kognitive
Verlangsamung und deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu
beurteilen. Auffallend ist jedoch, dass er, obwohl er sich einer solchen Beurteilung
enthält, dennoch davon ausgeht, dass eine "intellektuelle" Beeinträchtigung (wenn
auch nicht im Ausmass von 25%) vorhanden sein müsse. Dr. E._ vertritt dazu die
Ansicht, dass die Intelligenz ungleich verteilt sei und sich beim Beschwerdeführer kein
Geistesdefizit finden lasse, mit der Begründung, dass dieser ja auch einen
Realschulabschluss und das KV absolvieren konnte. Eine kognitive Einschränkung
habe nie zur Diskussion gestanden und müsse daher auch nicht abgeklärt werden. Die
Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine weitere Abklärung der vom
Beschwerdeführer geklagten kognitiven Defizite und stützte sich dabei auf Arztberichte,
die nicht zwischen intellektuellen oder kognitiven Einschränkungen unterscheiden. Bei
Intelligenzminderungen ist in der Regel erst bei einem Intelligenzquotienten (IQ) von
unter 70 von einer verminderten Arbeitsfähigkeit auszugehen (Urteil des
Bundesgerichts vom 22. September 2008, 8C_119/2008 E. 5.1.1 und 6.3.1). Der
Beschwerdeführer machte jedoch auch an der mündlichen Verhandlung vom
27. November 2012 wiederholt geltend, dass die neurologischen Auswirkungen des
Geburtsgebrechens auf seine kognitiven Fähigkeiten nicht abgeklärt worden seien.
Auch wenn der Beschwerdeführer einen eidgenössischen Fähigkeitsausweis als
Kaufmann Profil B erlangen konnte und damit grundsätzlich in der Lage sein sollte, den
Anforderungen im ersten Arbeitsmarkt gerecht zu werden, darf nicht ausser Acht
gelassen werden, dass er die beiden Vorlehren wie auch die Lehre im geschützten
Rahmen absolviert hat und erst mit der Anstellung bei der Firma D._ erstmals wirklich
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mit dem ersten Arbeitsmarkt konfrontiert wurde (IV-act. 80), wobei aber gemäss den
Ausführungen an der mündlichen Verhandlung vom 27. November 2012 selbst diese
Situation zu relativieren ist (vgl. Sachverhalt D).
3.3.2 Bereits im IV-Bericht vom 23. Juni 2003 beschrieb die Gruppenleiterin des
Förderraums für Menschen mit Behinderung, Hotel B._, dass der Beschwerdeführer
ein unterdurchschnittliches Arbeitstempo habe, eine enge Betreuung brauche und
genügend Zeit für eine gründliche Einarbeitung sowie Begleitung bei der Arbeit nötig
sei (IV-act. 38). Wahrscheinlich seien der Beschwerdeführer und seine Eltern hier zum
ersten Mal mit den Auswirkungen seiner Behinderung konfrontiert worden (z.B. Arbeits
tempo, vernetztes Denken). Gemäss Abklärungsbericht vom 14. November 2005 über
die dreimonatige berufliche Abklärungszeit (IV-act. 41) benötigte der Beschwerdeführer
Zeit, um neue Fachinhalte zu lernen. Schriftlich formulierte Arbeitsaufträge habe er
problemlos verstanden und seinem Wissensstand entsprechend umsetzen können, bei
mündlich formulierten Anweisungen habe er Mühe gehabt, sie zu verstehen und habe
gezielte Rückfragen gestellt. Im Lerntypentest habe der Versicherte eine gute bis sehr
gute Merkfähigkeit über das Gehör, Bilder und das Lesen gezeigt. Es sei ihm gut
gelungen, auch am nächsten Tag diese Begriffe nochmals abzurufen. Hingegen bereite
es ihm Mühe, Begriffe über den Tastsinn zu lernen. Diese seien am nächsten Tag nur
noch teilweise abrufbar gewesen. Im Schlussbericht vom 29. April 2006 über das
Vorlehrjahr im C._ (IV-act. 59) wurde geschildert, dass das verlangsamte
Arbeitstempo des Versicherten einerseits behinderungsbedingt sei, andererseits daran
liege, dass er bis anhin (behinderungsbedingt) zu wenig gefordert worden sei. Während
des Vorlehrjahrs habe eine deutliche Steigerung des Arbeitstempos erreicht werden
können. Aktuell habe er nun ein Niveau erreicht, welches ihm ermöglichen sollte, bei
der Grundausbildung zum Kaufmann mit anderen Auszubildenden Schritt halten zu
können, wobei er tempomässig jedoch an seiner oberen Belastungsgrenze arbeiten
müsse. Schliesslich sind auch im Schlussbericht vom 31. Juli 2009 über die
Lehrausbildung im C._ (IV-act. 80) Grenzen des Beschwerdeführers beschrieben, die
über die rein körperlichen Einschränkungen hinausgehen. So werden als Schwächen
unter der Rubrik "Fachkompetenzen" ein teilweise ungenügendes Arbeitstempo sowie
die Notwendigkeit von häufigen Wiederholungen, Erklärungen und Kontrollen der
Notizen des Beschwerdeführers zur Erlangung der notwendigen Sicherheit und Qualität
geschildert. Bezüglich der "intellektuellen Ressourcen" wurde berichtet, dass der
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Beschwerdeführer mit der Umsetzung von Arbeitsanweisungen Mühe gehabt habe und
sich die verlangten Arbeitsschritte nicht habe merken können. Teilweise habe er die
Zusammenhänge und Hintergründe einer Arbeit nicht verstehen können und die
Arbeiten dann oberflächlich ausgeführt. Die Auftragsausführung habe jeweils besser
geklappt, wenn er sich auf eine Aufgabe habe konzentrieren können und nicht mit
weiteren pendenten Arbeiten belastet gewesen sei. Lernerfolge seien durch eine
engere Begleitung und einem klaren Aufgabengebiet gut ersichtlich gewesen. Als
Rahmenbedingung wurde empfohlen, dass der Beschwerdeführer in einem kleinen
Team und in einem ruhigen Büro tätig sein sollte. Ebenso sei ein klar deklariertes
Aufgabengebiet (Planung, Organisation, Konzentration) anzuraten. Unter
Berücksichtigung dieser Rahmenbedingungen sei eine Präsenzzeit von 100% erfüllbar.
Die Leistungsfähigkeit liege leicht unter der eines durchschnittlichen Kaufmanns Profil
B im ersten Arbeitsmarkt.
3.3.3 Die bereits in den jeweiligen Berichten über die beiden Vorlehren und die
Lehre beschriebenen kognitiven Einschränkungen decken sich mit denjenigen im
Arbeitsbericht vom 31. August 2010 (act. G 4.8, IV-act. 88). Im Schlussbericht vom
31. Juli 2009 über die vierjährige Ausbildung im C._ (IV-act. 80) werden die körper
lichen Einschränkungen kaum erwähnt, während diverse kognitive Defizite Eingang
gefunden haben. Entsprechend liegt der Schluss nahe, dass die im Bericht
beschriebene, leicht unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit auch in einer kognitiven
Verlangsamung des Beschwerdeführers gründen könnte. Zumindest kann dies
aufgrund der Aktenlage und des an der mündlichen Verhandlung vom 27. November
2012 gewonnenen Eindrucks nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen werden. Nachdem bereits in allen vorgenannten Berichten mehrere
Indizien für eine kognitive Einschränkung des Beschwerdeführers sprachen, und sogar
der begutachtende Orthopäde davon ausging, dass die unter diesem Aspekt geklagten
Beschwerden des Beschwerdeführers grundsätzlich vorhanden seien, er jedoch deren
Umfang nicht beurteilen konnte, wäre insbesondere eine neurologische Abklärung
angezeigt gewesen.
3.4 Für eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
sind daher weitere Abklärungen notwendig. Ein interdisziplinäres Gutachten, das den
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Bereich der Neurologie umfasst und die neuropsychologischen Aspekte
mitberücksichtigt, erscheint
angezeigt.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 10. November 2010 dahingehend gutzuheissen, dass
die Streitsache zu ergänzender Abklärung im Sinn der Erwägungen und anschliessend
neuer Verfügung am die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG). Der Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen
erscheint angesichts dessen, dass lediglich ein Schriftenwechsel stattgefunden hat,
jedoch eine mündliche Verhandlung durchgeführt wurde, eine Parteientschädigung von
pauschal Fr. 4'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer). Die am 17. Februar
2011 bewilligte unentgeltliche Rechtsverbeiständung wird damit gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht