Decision ID: a687f111-6443-4f46-8444-16944889007b
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1996, war
seit dem
1.
September
2018 in einem 50%-Pensum als Projektmanagerin Homepage & P
ublic Relations bei der
Y._
AG
tätig (
Urk.
8 S. 70-71
und
Urk.
8 S. 91-93
).
Zudem war die Versicherte
vom
1
5.
August 2018 bis zum 3
1.
Januar 2020
a
ls
Verkaufsmitarbei
terin
auf Abruf
bei
Z._
angestellt (
Urk.
8 S.
95-96).
Am
6.
April 2
020 meldete sie sich
beim Regionalen Arbeitsvermittlungszent
rum (RAV) zur Arbeitsver
mittlung (
Urk.
8 S. 105
) und be
antragte
am 1
3.
April 2020 Arbeitslosenentschädigung (
Urk.
8 S. 101-104).
Am
1
0.
Juni 2020 löste die
Y._
AG das Arbeitsverhältnis mit der Versicher
ten per 3
1.
August 2020 auf (
Urk.
8 S. 37).
Mit Verfügung vom 2
1.
August 2020 verneinte die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich (ALK)
einen Anspruch
auf Arbeitslosenentschädigung ab dem
6.
April 2020 (
Urk.
8 S. 39
-41). Die da
ge
gen von der Versicherten am 15.
September 2020
erhob
ene Einsprache (
Urk.
8 S. 36
) wie
s die ALK mit Entscheid vom 23.
September 2020 (
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
8.
September 2020 Beschwerde und bean
tragte
sinngemäss die
teilweise
Aufhebung des a
ngefochtenen Entscheids und die
Zusprache
von
Arbeitslosenentschädigung ab dem
1.
September 2020
(
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin beantrag
te mit Beschwerdeantwort vom 2.
November 2020, es sei auf die Beschwerde nicht einzutreten (
Urk.
6). Dies wurde der Be
schwerdeführerin am
4.
November 2020 angezeigt (
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
In
Art.
8
Abs.
1
lit
. a bis
g des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslo
senversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) werden die Vorausset
zungen für einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung aufgezählt.
1.1.2
Gemäss
Art.
8
Abs.
1
lit
. a AVIG muss die versicherte Person
ga
n
z oder teilweise arbeitslos sein.
Als ganz arbeitslos gilt nach Art. 10 Abs. 1 AVIG, wer in keinem Arbeitsverhältnis steht und eine Vollzeitbeschäftigung sucht. Als teilweise ar
beitslos gilt nach Art. 10 Abs. 2 AVIG, wer entweder in keinem Arbeitsverhältnis steht und lediglich eine
Teilzeitb
eschäftigung sucht (
lit
. a) oder wer eine Teilzeit
beschäftigung hat und eine Vollzeit- oder eine weitere
Teilzeit
beschäftigung sucht (
lit
. b).
1.1.3
Nach
Art. 8 Abs. 1
lit
. b AVIG
mu
ss die versicherte Person
einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten haben. Der Arbeitsausfall ist
gemäss
Art. 11 Abs. 1 AVIG
anrechenbar, wenn er einen Verdienstausfall zur Folge hat und mindestens zwei aufeinanderfolgende volle Arbeitstage dauert.
Bei einem Arbeitsverhältnis auf Abruf erleidet eine
arbeitnehmende
Person in der Ze
it, in der sie nicht zur Arbeit
aufgefordert wird, grundsätzlich keine
n
Arbeits- und Verdienstausfall (AVIG-Praxis ALE des Staatssekretariats für Wirtschaft [
seco
],
Rz
. B
96).
1.1.4
Gemäss
Art.
8
Abs.
1
lit
. f AVIG muss die versicherte Person vermittlungsfähig sein
.
Nach
Art. 15 Abs. 1 AVIG ist die arbeitslose Person vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an
Eingliederungsmassnahmen
teilzunehmen. Zur Vermittlungsfähigkeit gehört zum einen die Arbeitsfähigkeit im objektiven Sinn und zum andern subjektiv die Bereitschaft, die Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältnissen wäh
rend der üblichen Arbeitszeit einzusetzen (BGE 125 V 51 E. 6a, 123 V 214 E. 3, je mit Hinweis).
1.1.5
Nach
Art.
8
Abs.
1
lit
. g AVIG muss die versicherte Person die Kontrollvorschrif
ten erfüllen.
Die v
ersicherte
Person
muss sich möglichst frühzeitig, spätestens
jedoch am ersten Tag, für den sie
Arbeitslosenentschädigung be
ansprucht, per
sönlich bei ihrer
Wohngemeinde oder der vom Kanton bestimmten zuständigen Amtsstelle zur Arbeitsvermittlung melden und von da an die Kontrollvorschriften des Bundesrates befolgen
(Art.
17
Abs.
2 AVIG).
1.2
Nach
Art.
23
Abs.
1 AVIG gilt als versicherter Verdienst der im Sinne der AHV-Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines Bemessungszeitraums aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise erzielt wurde.
Art.
37
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol
venzentschädigung (
AVIV
)
regelt den Bemessungszeitraum. Nach
Abs.
1 bemisst sich der versicherte Verdienst nach dem Durchschnittslohn der letzten sechs Bei
tragsmonate (nach
Art.
11 AVIV) vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungs
bezug. Nach
Abs.
2 bemisst er sich dann nach dem Durchschnittslohn der letzten
zwölf Beitragsmonate vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug, wenn dieser Durchschnittslohn höher ist als derjenige nach Absatz 1.
Der Bemessungszeitraum beginnt nach
Abs.
3, unabhängig vom Zeitpunkt der Anmeldung zum Taggeldbezug, am Tag vor dem Eintritt eines anrechenbaren Verdienstausfalls. Voraussetzung ist, dass vor diesem Tag mindestens zwölf Bei
tragsmonate innerhalb der Rahmenfrist für die Beitragszeit liegen. Bei Lohn
schwankungen, die auf einen branchenüblichen Arbeitszeitkalender zurückzu
führen sind, bemisst sich der versicherte Verdienst gemäss
Abs.
3
bis
nach den Absätzen 1-3, jedoch höchstens aufgrund der vertraglich vereinbarten jahres
durchschnittlichen Arbeitszeit.
1.3
Die Arbeitslosenentschädigung wird nach Art. 21 AVIG als Taggeld ausgerichtet. Ein volles Taggeld beträgt nach Art. 22 Abs. 1 und 2 AVIG 80 % oder 70 % des versicherten Verdienstes. Ein Taggeld von 80 % des versicherten Verdienstes er
halten unter anderem Versicherte,
die ein volles Taggeld erreichen, das weniger als 140 Franken beträgt (
Art.
22
Abs.
2
lit
. b AVIG e
contrario
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass
die Beschwerdeführerin seit dem
1.
September 2018
in einem 50%-Pensum
f
ür die
Y._
AG tätig gewesen sei.
Gemäss
Arbeitsvertrag
mit der
Y._
AG
vom 2
9.
August 2018 habe sie Anspruch auf einen monatli
chen Brutto
lohn von
Fr.
2'708.35 (inkl. 1
3.
Monatslohn) respektive ein Brutto-Tagesein
kommen von
Fr.
124.80 (
Fr.
2'708.
35 :
21.7 durchschnittliche Arbei
tstage) gehabt. Ihr
Brutto-Tageseinkommen sei
somit
höher
gewesen
als das ihr (theore
tisch) zustehende Brutto-Taggeld
der Arbeitslosenversicherung
von Fr.
96.35 (versicherter Verdienst von
Fr.
2'613.-- x Taggeldansatz von 80
%
:
21.7 durch
schnittliche Arbeitstage)
.
A
b dem
6.
April 2020
habe die Beschwerdeführerin da
her
keinen Anspruc
h auf Arbeitslosenentschä
digung. Da das Anstellungsverhält
nis
mit der
Y._
AG per 3
1.
Au
gust 2020 gekündigt worden sei, sei ab
dem
1.
September 2020
grundsätzlich ein
Verdienstausfall
gegeben
.
Da die Be
schwerdeführerin dem Beratungsgespräch
im RAV
vom 1
7.
Juli 2020 ferngeblie
ben sei, sei sie
jedoch per 2
7.
Juli 2020 von der Arbeitsvermittl
ung abgemeldet worden. Demnach hab
e sie auch ab dem 1.
September 2020 keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
(
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, dass
sie im Mai und Juni 2020 aufgrund des
Lockdow
ns
bei ihrer Tante
in
A._
gewohnt habe.
Ende
Juni 2020 sei sie wieder
in ihre Wohnung
in
Zürich gezogen. Dies habe sie dem RAV
telefonisch mitget
eilt und eine Aktualisierung
der
Kontaktadresse verlangt.
D
ie Dokumente
«Angaben der versicherten Person»
der
Monate Juli und August 2020 sowie
die Einladung zum Beratungsgespräch
im RAV vom 1
7.
Juli 2020
sei
en
aufgrund eines Missverständnisses aber weiterhin an die Adresse in
A._
ge
sendet worden.
Die
Briefe seien unter den Werbemagazinen untergegangen und sie habe sie von ihrer
Tante erst nachträglich erhalten
.
In der Folge
habe sie wiederum
das RAV
kon
taktiert und erneut eine Aktualisierung der
Kontakt
adresse verlangt
. Da sie vollkommen im Unwissen gewesen sei, sei es ihr nicht mög
lich ge
wesen, zum Termin beim RAV vom 1
7.
Juli 2020 zu erscheinen.
Seit
dem 1.
September
2020
habe sie
einen Verdienstausfall
von 100
%
und daher An
spruch auf Arbeitslosenentschädigung
(
Urk.
1).
2.3
Die Beschwerdegegnerin brachte in der Beschwerdeantwort vor, dass
die Be
schwerdeführerin in der Zwischenzeit vom RAV rückwirkend per
1.
September 2020 wieder zur Arbeitsvermittlung angemeldet worden sei.
Da sie seit
dem 1.
September 2020 einen Verdienstausfall erleide, habe sie ab dann
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, sofern auch die übrigen Anspruchsvoraussetzungen gemäss
Art.
8 AVIG erfüllt seien.
D
ie Beschwerdeführerin habe somit
kein schutz
würdiges I
nteresse an der Behandlung der
Beschwerde (
Urk.
6).
3.
3.1
Fest steht und unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin mangels
eines
rele
vanten
Verdienstausfalls ab dem
6.
April 2020 keinen Anspruch auf Arbeits
losenentschädigung hat.
Ein Verdienstausfall
hätte nur vorgelegen
, wenn der Ein
kommensverlust mehr als 20
%
des versicherten Ver
dienstes betragen hätte
(vgl. AVIG-Praxis ALE,
Rz
. B92).
3.2
Ebenfalls unbestritten ist, dass
ab dem
1.
September 2020
ein
Verdienstausfall
gegeben ist, da
die Beschwerdeführerin die Teilzeit-Stelle
bei der
Y._
AG
per 31.
August 20
20 verloren hat (
Urk.
8 S. 37).
Aus
der
E-Mail-Korrespondenz zwischen dem RAV und der Beschwerdegegnerin vom
15./16.
Oktober 2020
(
Urk.
8 S. 4-5)
geht
hervor,
dass
die Beschwerdefüh
rerin
rückwirkend per
1.
September 2020
wieder
zur Arbeitsvermittlung ange
meldet w
urde
(vgl. auch Anmeldung
der Beschwerdeführerin
zur Arbeitsvermitt
lung vom 2
2.
Oktober 2020, Urk.
7 S. 2)
.
Die Anspruchsvoraussetzung
von
Art.
8
Abs.
1
lit
. g AVIG
, wonach
sie
spätestens am ersten Tag, für den sie Arbeitslo
senentschädigung beansprucht, bei der Arbeitsvermittlung angemeldet sein muss,
ist somit erfüllt.
3.3
Im Weiteren ist darauf
hinzuweisen
,
dass die Beschwerdeführerin anlässlich des Gesprächs im RAV vom
6.
April 2020 angab,
dass sie
nebenbei
ein Studium ab
solviere
(
Urk.
8 S. 34). Im Rahmen der
Prüfung des Anspruchs auf Arbeitslo
senentschädigung ab dem
1.
September 2020
wird die Beschwerdegegnerin daher
abzuklären haben
, in welchem Umfang die Be
schwerdeführerin
mit Blick auf das
Studium, zu welchem keine
näheren
Angaben vorliegen, vermittlungsfähig ist.
4.
Der
angefochtene Entsc
heid
ist
demnach insoweit aufzuheben
, als darin ein An
spruch auf Arbeitslosenentschädigung ab dem
1.
September 2020 verneint wurde.
Die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die Vermittlungsfähigkeit der Beschw
erdeführerin und
die übrigen Anspruchs
v
or
aus
setzungen prüfe und danach
über den Anspruch auf Arbeits
losen
ent
schädi
gung ab dem
1.
Sep
tember
2020 neu entscheide.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.