Decision ID: 1d194e45-a412-5473-96ae-c567a3adedb5
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ P.S., geb. 1934, erwarb den Führerausweis für Personenwagen im Jahr 1953. Am
11. Januar 2006 verursachte er auf der Stadtautobahn St. Gallen während eines
Überholmanövers einen Unfall. In der Folge ordnete das Strassenverkehrsamt eine
Abklärung der Fahreignung an und forderte P.S. auf, sich einer amtsärztlichen
Untersuchung zu unterziehen. Da P.S. die Untersuchung versäumte, entzog ihm das
Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 8. Juni 2006 den Führerausweis aus
medizinischen Gründen auf unbestimmte Zeit. Die Verwaltungsrekurskommission hiess
mit Entscheid vom 18. Oktober 2006 den Rekurs von P.S. gut und hob den
Sicherungsentzug auf. Nachdem der Amtsarzt die Fahreignung bestätigt hatte, wurde
P.S. der Ausweis am 8. November 2006 wieder ausgehändigt. Mit Verfügung vom
17. Januar 2007 ordnete das Strassenverkehrsamt wegen des Unfalls vom 11. Januar
2006 einen Führerausweisentzug von einem Monat wegen mittelschwerer
Widerhandlung gegen Strassenverkehrsvorschriften an. Der Vollzug wurde rückwirkend
vom 8. Juni bis 7. Juli 2006 festgelegt.
Am 19. Juni 2008 fuhr P.S. mit dem Personenwagen auf der Autobahn A1 von Zürich
Richtung Bern. Dabei wurde auf der Höhe von Oberbuchsiten mittels Radarmessung
eine Geschwindigkeit von 151 km/h (nach Abzug der Sicherheitsmarge) festgestellt.
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Mit Verfügung vom 14. November 2008 entzog das Strassenverkehrsamt P.S. den
Führerausweis für die Dauer von vier Monaten.
B./ Mit Eingaben seines Rechtsvertreters vom 1. und 31. Dezember 2008 erhob P.S.
gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts Rekurs, der von der
Verwaltungsrekurskommission mit Entscheid vom 28. Mai 2009 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 6. Juli 2009 erhob P.S. Beschwerde beim
Bundesgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid sei aufzuheben, es sei
festzustellen, dass der vom Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 14. November
2008 angeordnete Führerausweisentzug bereits vollzogen sei; dementsprechend sei
auf einen Entzug des Ausweises zu verzichten, eventualiter sei die Entzugsdauer auf
einen Monat zu reduzieren und der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu
gewähren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die zur Begründung vorgebrachten
Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den folgenden Erwägungen dargelegt und
gewürdigt.
Die Vorinstanz und das Strassenverkehrsamt verzichteten auf eine Vernehmlassung.
Das Bundesgericht entschied am 23. November 2009 über die Angelegenheit
(1C_312/2009). Es hielt fest, es habe mit Urteil vom 6. November 2009 (1C_346/2009)
erkannt, dass die Verwaltungsrekurskommission auf dem Gebiet der Massnahmen im
Strassenverkehr kein oberes Gericht im Sinne von Art. 86 Abs. 2 des
Bundesgerichtsgesetzes (SR 173.110, abgekürzt BGG) sei. Das Bundesgericht trat auf
die Beschwerde nicht ein und überwies die Sache zur weiteren Behandlung an das
Verwaltungsgericht.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (BGE 1C_312/2009
vom 23. November 2009). Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels
legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die Beschwerde vom 6. Juli
2009 an das Bundesgericht entspricht formal und inhaltlich den Anforderungen des
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kantonalen Rechts (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und 3 und Art. 48
Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Nach Art. 16b Abs. 2 lit. b des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt
SVG) wird der Führerausweis nach einer mittelschweren Widerhandlung für mindestens
vier Monate entzogen, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis einmal
wegen einer schweren oder mittelschweren Widerhandlung entzogen war.
2.1. Unbestrittenermassen steht fest, dass der Beschwerdeführer am 19. Juni 2008 mit
der Geschwindigkeitsüberschreitung um 31 km/h auf der Autobahn eine mittelschwere
Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG begangen hat
(angefochtener Entscheid E. 2b.).
2.2. Die Vorinstanz erwog, die zweijährige Rückfallfrist von Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG
habe am 8. Juni 2006 zu laufen begonnen und am 7. Juli 2008 geendet. Die erneute
Verkehrsregelverletzung vom 19. Juni 2008 sei damit innerhalb der Frist von zwei
Jahren seit dem letzten Entzug wegen einer mittelschweren Widerhandlung erfolgt,
weshalb die Mindestentzugsdauer vier Monate betrage.
Die Erwägungen der Vorinstanz sind zutreffend. Was der Beschwerdeführer gegen die
Rechtmässigkeit des Ausweisentzugs vorbringt, erweist sich als offensichtlich
unbegründet. Insbesondere ist weder die Rechtmässigkeit des am 17. Januar 2007
angeordneten Warnungsentzugs für die Zeit vom 8. Juni bis 7. Juli 2006 noch die
Rechtmässigkeit des am 8. Juni 2006 angeordneten Sicherungsentzugs zu überprüfen.
Dieser wurde von der Vorinstanz aufgehoben, und jener blieb unangefochten. Diese
Entscheide sind in Rechtskraft erwachsen. Nach der Bestimmung von Art. 16b Abs. 2
lit. b SVG ist für den Beginn der Rückfallfrist nicht das Datum der Widerhandlung,
sondern des Ausweisentzugs massgebend. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers lag somit die Geschwindigkeitsüberschreitung vom 19. Juni 2008
innerhalb der Rückfallfrist. Nicht massgebend ist im weiteren, dass die Vorinstanz den
im Jahr 2006 angeordneten Sicherungsentzug aufhob und das Strassenverkehrsamt in
der Folge einen Warnungsentzug anordnete. Das Gesetz sieht nicht vor, dass
Warnungsentzüge mit nachträglich aufgehobenen Sicherungsentzügen zu
kompensieren sind. Von einer Gesetzeslücke kann nicht gesprochen werden. Wenn der
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Beschwerdeführer durch unrechtmässige Handlungen der Behörden zu Schaden kam,
wie er behauptet, steht es ihm frei, seine Ansprüche auf dem Klageweg durchzusetzen.
Die Berufung auf das Strafrecht bzw. Strafprozessrecht geht in diesem Zusammenhang
fehl. Zwar sieht das Strafprozessgesetz einen Entschädigungsanspruch wegen
unrechtmässiger Haft vor, daraus kann aber nicht abgeleitet werden, ein gesetzlich
zwingender Ausweisentzug sei mit einem vor der Widerhandlung wirksam gewesenen,
nachträglich als rechtswidrig erkannten Sicherungsentzug zu kompensieren.
2.3. Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die
gesetzliche Mindestentzugsdauer nicht überschritten und die berufliche
Angewiesenheit auf den Ausweis mit der Ansetzung der Mindestentzugsdauer
berücksichtigt wurde. Die Beschwerde ist als unbegründet abzuweisen.
2.4. Soweit in der Beschwerde an das Bundesgericht ein Begehren um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung gestellt wurde, ist dieses im kantonalen Verfahren aufgrund
der gesetzlichen Suspensivwirkung der Beschwerde (Art. 51 VRP) und des Entscheids
in der Sache gegenstandslos.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht