Decision ID: c568d224-e107-5687-aaa6-4f12630bd279
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war als Kaufmann und Betreiber der B._ GmbH bei der damaligen AXA
Winterthur, heute AXA Versicherungen AG, Winterthur (nachfolgend: AXA), gegen
Berufsunfall und Berufskrankheit versichert. Am 2. Oktober 2017 meldete er dieser
einen Unfall, der sich am 25. September 2017 um 08.50 Uhr zugetragen hatte, als er
am C._ am eigenen Stand Vorhänge vom Zelt entfernte und dabei von der Leiter
stürzte. Er zog sich eine Verletzung an der linken Schulter zu und begab sich, nachdem
keine Besserung eingetreten war, am 2. Oktober 2017 in hausärztliche Behandlung zu
Dr. med. D._, Facharzt für allgemeine innere Medizin (act. G 3.2 A1). Der Hausarzt
überwies den Versicherten an Dr. med. E._, Orthopädie F._, welcher diesen am
8. Januar 2018 untersuchte und bei diffusen Schmerzangaben im Bereich der linken
Schulter, im mittleren claviculären Anteil, im Thorax sowie auch paravertebral, cervical
bzw. im Bereich der Fossa supraspinata eine MRT-Abklärung veranlasste (act. G 3.2
M1). Dr. med. G._, Facharzt für Radiologie und Nuklearmedizin, Rodiag Diagnostic
Centers H._, erstellte am 9. Januar 2018 eine volldigitale Ultra-Highfield und High-
Resolution Tesla-3 MRT-Arthrographie des linken Schultergelenks, um den Zustand
der Subscapularis- und der Bizepssehne zu beurteilen. Nach
durchleuchtungsgesteuerter intraartikulärer Injektion von 12 ml Gadolinium-Lösung
unter sterilen Bedingungen befundete er einen diskreten Erguss des AC-Gelenks, Typ
II-Akromion, gering akzentuierte Flüssigkeit der Bursa subdeltoidea und eine leicht
signalalterierte Supraspinatussehne mit diskreten bursaseitigen Unregelmässigkeiten.
Die restlichen Anteile der Rotatorenmanschette seien regulär, die Rotatorenmuskulatur
normal und der Verlauf der proximal langen Bizepssehne regelrecht. Den Rezessus des
A.a.
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superioren Labrums beschrieb er als prominent und den glenohumeralen Knorpel als
glatt berandet. Das führte ihn zur Beurteilung intakte Supraspinatus- und Bizepssehne,
leichtgradige Tendopathie der Supraspinatussehne; keine
Rotatorenmanschettenruptur; Reizung der Bursa subdeltoidea (act. G 3.2 M4). Dr.
E._, der den Versicherten am 23. Januar 2018 erneut in seiner Praxis gesehen hatte,
nahm bei diesem gemäss Bericht vom 5. Februar 2018 eine subacromiale Infiltration
vor, um zu sehen, wie viele Schmerzen verschwinden (act. G 3.2 M2). Gegenüber dem
Hausarzt D._ berichtete er am 21. Februar 2018, die Infiltration habe keine Besserung
gebracht, die Schultersymptomatik links bei Status nach Distorsionstrauma sei unklar
bei bekannten zervikalen degenerativen Veränderungen (act. G 3.2 M3; zu den
degenerativen Veränderungen vgl. die Beurteilung von Dr. G._ in act. G 3.2 M4 S. 2:
polysegmentale linksbetonte Spondylarthrosen mit Punctum maximum auf Höhe HWK
2/3 links, Gefühlsstörung der Segmente HWK 2/3 und 3/4 und mögliche foraminale
Irritation der linken C6-Wurzel ohne relevante Dynamik im Verlauf). Über den
medizinischen Sachverhalt informierte und dokumentierte Dr. D._ die AXA mit
Schreiben vom 12. März 2018 und hielt u.a. fest, es sei ab Unfall bis Anfang März 2018
eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bescheinigt worden; diesbezüglich rechne er mit
einem hartnäckigen Verlauf ohne rasche Verbesserung. In einer nicht
schulterbelastenden Tätigkeit, die auch für die chronischen HWS-Beschwerden gut
verträglich sei, wäre der Versicherte voll arbeitsfähig (act. G 3.2 M5). Nach Vorlage der
Unterlagen bei ihrem medizinischen Dienst, teilte die AXA dem Versicherten mit
Schreiben vom 23. März 2018 mit, die geltend gemachten Beschwerden stünden nicht
mehr mit der gesetzlich festgelegten überwiegenden Wahrscheinlichkeit im
Zusammenhang mit dem Unfall vom 25. September 2017. Ab dem 1. Januar 2018
bestehe deshalb kein Anspruch mehr auf Leistungen der obligatorischen
Unfallversicherung (act. G 1.1-5).
Mit Schreiben vom 13. April 2018 wandte sich Rechtsanwältin lic. iur. Nadeshna
Ley, St. Gallen, in Vertretung des Versicherten an die AXA und bezog sich auf deren
vorgenannte Mitteilung. Diese würde als Einladung zur Wahrnehmung des rechtlichen
Gehörs entgegengenommen, welcher erst nach Kenntnis der Akten gefolgt werden
könne. Sie ersuchte um Zustellung des vollständigen Dossiers und stellte eine
A.b.
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B.
Stellungnahme nach Einsichtnahme in Aussicht (act. G 1.1-6). Mit Schreiben vom
24. April 2018 gewährte die AXA Akteneinsicht (act. G 1.1-7).
Mit Schreiben vom 9. Januar 2019 meldete sich Dr. med. I._, Facharzt für
Neurochirurgie, speziell Wirbelsäulenchirurgie an der Klinik J._, der den Versicherten
ebenfalls behandelte, bei Rechtsanwältin Ley und nahm Bezug auf deren Anfrage vom
18. Dezember 2017. Er führte aus, die Beschwerden des Versicherten (teilweise
funktionelle Einbusse und deutliche Krafteinschränkung [in der oberen linken
Extremität]) seien seines Erachtens auf den Leitersturz zurückzuführen. Die
degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule würden die Schulterschmerzen und
-probleme nicht erklären (act. G 3.2 M10 = act. G 1.1-11).
A.c.
Am 28. November 2019 teilte der Versicherte der AXA per E-Mail mit, dass er mit
der Ablehnung der Leistungsübernahme gemäss Schreiben vom 23. März 2018 nicht
einverstanden sei (act. G 3.2 A9).
B.a.
Die AXA antwortete dem Versicherten daraufhin mit Schreiben vom 9. Dezember
2019, dass die Frist für eine Intervention gegen einen formlos mitgeteilten Entscheid in
der Regel ein Jahr betrage. Es würde davon ausgegangen, die Sachlage sei nach dem
Akteneinsichtsgesuch von Rechtsanwältin Ley vom 13. April 2018 geprüft und (der
weitere Leistungen ablehnende formlose Entscheid) zufolge der ausgebliebenen
Reaktion akzeptiert worden. An der Leistungseinstellung per 1. Januar 2018 werde
festgehalten (act. G 3.2 A10).
B.b.
Mit Schreiben vom 7. Januar 2020 wandte sich Rechtsanwältin Ley an die AXA.
Sie wies darauf hin, dass sie mit Brief vom 9. Mai 2018 das Fehlen der Einschätzung
des medizinischen Dienstes im Zusammenhang mit der gewährten Akteneinsicht
beanstandet habe. Zudem habe sie der AXA mit Schreiben vom 24. Januar 2019 die
mit erheblicher Verzögerung eingegangene Stellungnahme von Dr. I._ vom 9. Januar
2019 weitergeleitet mit der Bitte, die Angelegenheit erneut zu überprüfen. Kopien
dieser Briefe sowie eines Berichts von PD Dr. med. K._, Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, Schulter- und Ellenbogenchirurgie der Klinik
B.c.
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J._, vom 20. Dezember 2018, welchen dieser der AXA direkt eingereicht habe, legte
sie ihrem Schreiben bei (act. G 3.2 A12).
Die AXA hielt im Schreiben vom 3. Februar 2020 gegenüber Rechtsanwältin Ley
fest, nach dem Versand der Akten vom 24. April 2018 seien in ihrem elektronischen
Dossier keinerlei Schreiben oder Anfragen ersichtlich bis zum Einwand des
Versicherten vom 28. November 2019. Der weitere Leistungen ablehnende Entscheid
vom 23. März 2018 sei deshalb in Rechtskraft erwachsen. Sofern sie nicht innert
30 Tagen nach Zustellung dieses Schreibens Beweise für Beanstandungen und
Einwände nach dem 13. April 2018 erhalte, betrachte sie die Angelegenheit als erledigt
(act. G 3.2 A13).
B.d.
Innert erstreckter Frist zeigte Rechtsanwältin Ley der AXA mit Schreiben vom
13. Mai 2020 auf, wie die Korrespondenz in dieser Angelegenheit ihres Erachtens
verlaufen sei und wies darauf hin, dass, nachdem keine Notwendigkeit bestanden
hätte, die jeweiligen Sendungen per Einschreiben zu verschicken, ein besserer
Nachweis nicht möglich sei. Wo auch immer der Fehler in der Korrespondenz gelegen
habe, erscheine es jedoch als offensichtlich, dass für den Versicherten mehrfach und
von verschiedener Seite das Nichteinverständnis mit dem angekündigten Fallabschluss
kundgegeben worden sei. Eine Reaktion der AXA sei ausgeblieben. Sie bitte darum, die
Leistungspflicht nun doch zu prüfen (act. G 3.2 A19).
B.e.
Mit Verfügung vom 14. Juli 2020 trat die AXA auf das Gesuch zur Überprüfung der
Leistungspflicht nicht ein. Sie begründete dies damit, dass ihre formlose
Leistungseinstellung vom 23. März 2013 mangels fristgerechter Intervention in
Rechtskraft erwachsen sei, nachdem sowohl die Schreiben vom 9. Mai 2018 und vom
24. Januar 2019 nicht bei ihr angekommen seien und sich Rechtsanwältin Ley überdies
nach dem 9. Mai 2018 auch über ein Jahr lang nicht nach dem Verfahrensstand
erkundigt habe (act. G 3.2 A20).
B.f.
Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache vom 14. September 2020 wies
die AXA mit Einspracheentscheid vom 19. Februar 2021 ab. Sie begründete dies
erneut mit der Rechtskraft des formlosen Entscheides vom 23. März 2018 und damit,
dass die eingereichten Schreiben in ihrer Dokumentation nicht vorhanden seien. Sie
B.g.
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C.
Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), weiterhin vertreten durch Rechtsanwältin Ley, am 24. März 2021
Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen erheben und dessen
Aufhebung beantragen. Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, über die
Leistungsansprüche des Beschwerdeführers nach Vervollständigung der Abklärungen
zu entscheiden; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (act. G 1). Mit
Beschwerdeantwort vom 3. Mai 2021 liess die AXA (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde beantragen (act. G 3). Mit Replik
vom 23. August 2021 (act. G 11) und Duplik vom 28. September 2021 (act. G 13)
hielten die Parteien an den gestellten Rechtsbegehren fest. Auf die Begründungen in
den erwähnten Rechtsschriften wird - soweit erforderlich - in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen
1.
Anfechtungsgegenstand der Beschwerde bildet der Einspracheentscheid vom
19. Februar 2021, worin die Beschwerdegegnerin das am 14. Juli 2020 verfügte
Nichteintreten auf das Gesuch um Überprüfung der Leistungspflicht bestätigt hat.
Streitig ist, ob sich die Beschwerdegegnerin in diesem Zusammenhang auf die
Rechtsbeständigkeit ihrer formlosen Mitteilung vom 23. März 2018 berufen kann, mit
welcher sie dem Beschwerdeführer den Fallabschluss mitgeteilt und einen Anspruch
auf Versicherungsleistungen über den 31. Dezember 2017 hinaus verneint hatte.
2.
vermute, dass die Angelegenheit nach der Aktenzustellung schlicht vergessen worden
sei. Die Rechtsvertreterin könne nicht beweisen, dass sie die Schreiben vom 9. Mai
2018 und 24. Januar 2019 tatsächlich der Post übergeben habe. Die Folgen des
unbewiesen gebliebenen Sachverhalts würden sich zu Ungunsten des Versicherten
auswirken (act. G 3.2 A23).
Über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit
denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, hat der Versicherungsträger
schriftlich Verfügungen zu erlassen (Art. 49 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
2.1.
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Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Leistungen,
Forderungen und Anordnungen, die nicht unter Artikel 49 Absatz 1 fallen, können in
einem formlosen Verfahren behandelt werden (Art. 51 Abs. 1 ATSG). Die betroffene
Person kann den Erlass einer Verfügung verlangen (Art. 51 Abs. 2 ATSG). Art. 49 ATSG
steht im Kontext zu Art. 51 ATSG. Es muss also geklärt werden, welche Entscheide in
Verfügungsform und welche Entscheide im formlosen Verfahren ergehen. Art. 49 Abs. 1
ATSG umschreibt in allgemeiner Form, welche Entscheide jedenfalls als formelle
Verfügung ergehen müssen (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 14 zu Art.
49). Letzteres trifft auf den Fallabschluss mit der Einstellung vorübergehender
Leistungen (Taggeld, Heilbehandlung) und ohne Zusprechung von Dauerleistungen
(Invalidenrente und/oder Integritätsentschädigung) zu (BGE 132 V 417 E. 4). Dass die
Beschwerdegegnerin im vorliegenden Fall die vorübergehenden Leistungen ohne
Zusprechung von Dauerleistungen mit formloser Mitteilung (zur missverständlichen
Begrifflichkeit vgl. Kieser, a.a.O., N 3 zu Art. 51 mit Hinweisen) vom 23. März 2018
eingestellt hat, erweist sich deshalb als gesetzwidrig und unrechtmässig.
Zu beachten ist indessen, dass die Folge dieses unzulässigen
Verwaltungshandelns nicht die Nichtigkeit des geregelten Aktes ist. Zwar enthält das
Gesetz für den hier gegebenen Fall, in dem der Versicherer im formlosen Verfahren
nach Art. 51 ATSG einen Entscheid gefällt hat, welcher laut Art. 49 Abs. 1 ATSG in
Verfügungsform ergehen muss, keine ausdrückliche Regelung. Das Bundesgericht hält
dafür, dass - um das Verfahren in die gesetzlich vorgesehenen Wege zu leiten und der
versicherten Person den Rechtsweg zu eröffnen - der bisher nicht erfolgte Erlass einer
formellen Verfügung notwendig sei. In Analogie zu Art. 51 Abs. 2 ATSG dränge sich die
Lösung auf, dass die versicherte Person einen Entscheid in Form einer Verfügung
verlangen könne. In diesem Zusammenhang stelle sich die Frage nach allfälligen
zeitlichen Grenzen dieser Befugnis (BGE 134 V 149 E. 5.1). Die zu beurteilende
Konstellation - also der formlose Entscheid über einen Gegenstand, über welchen hätte
verfügt werden müssen - bewirke, so das Bundesgericht weiter, bei der versicherten
Person einen relativ hohen Grad an Betroffenheit, was sich verfahrensrechtlich insofern
auswirke, als dem Anspruch auf rechtliches Gehör und namentlich dem
Begründungserfordernis besonderes Gewicht zukomme. Dieser Aspekt spreche im
Vergleich zum gesetzlich vorgesehenen formlosen Verfahren nach Art. 51 ATSG (vgl.
zur dort nicht fixierten Frist die Ausführungen in BGE 134 V 151 E. 5.3.1 mit zahlreichen
Hinweisen) für eine längere Frist. Ein weiteres, in dieselbe Richtung weisendes
Argument ergebe sich aus dem Umstand, dass der Versicherer das formlose Verfahren
entgegen der gesetzlichen Regelung zur Anwendung gebracht und somit die für ihn
resultierende vorübergehende Rechtsunsicherheit selbst zu verantworten habe.
2.2.
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Andererseits hätten auch Dritte, welche nicht direkt am Verfahren beteiligt seien, im
Hinblick auf allfällige Haftpflicht- oder Regressansprüche ein berechtigtes Interesse an
einer Klärung der Rechtslage. In Anbetracht der einander gegenüberstehenden
Interessen sowie unter Berücksichtigung des Verfassungsgrundsatzes von Treu und
Glauben erscheine es für den Regelfall als gerechtfertigt, von der betroffenen Person
zu erwarten, dass sie innerhalb eines Jahres seit der unzulässigerweise im formlosen
Verfahren erfolgten Mitteilung des Fallabschlusses an den Unfallversicherer gelange,
wenn sich dieser seither nicht mehr gemeldet habe (BGE 134 V 152 f. E. 5.3.2 mit
Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin will diese Einjahresfrist letztlich im Sinn einer fixen
zeitlichen Limite verstehen, welche sie dem Beschwerdeführer ungeachtet der geltend
gemachten Umstände entgegenhalten könne. Das trifft indessen so nicht zu. Das
Bundesgericht hat im bereits mehrfach erwähnten Entscheid ausgeführt, dass allenfalls
auch eine längere Frist in Frage komme. Als Beispiel hat es eine Person genannt, die –
insbesondere wenn sie rechtsunkundig und nicht anwaltlich vertreten sei - in guten
Treuen annehmen durfte, der Versicherer habe noch keinen abschliessenden Entscheid
fällen wollen und sei mit weiteren Abklärungen befasst (BGE 134 V 153 E. 5.3.2 i.f.).
Dass der Beschwerdeführer vorliegend anwaltlich vertreten war, schliesst die
Zubilligung einer längeren Frist nicht von vorneherein aus. Zu berücksichtigen ist, dass
die Beschwerdegegnerin auch bei Anwendung des formlosen Verfahrens die dort
massgeblichen Verfahrensregeln nur unzureichend beachtet hat, indem sie auf der
Mitteilung vom 23. März 2018 den Hinweis darauf, dass die Möglichkeit bestehe, eine
Verfügung zu verlangen, nicht angebracht hat (zur Erforderlichkeit dieses Elements der
Verfahrensausgestaltung vgl. Kieser, a.a.O., N 15 zu Art. 51). Zu beachten ist ferner,
dass der Beschwerdeführer im Anschluss an den Erhalt der besagten Mitteilung nicht
einfach untätig geblieben ist. Vielmehr hat er sich an Rechtsanwältin Ley gewandt und
deren Unterstützung in seiner Versicherungsangelegenheit gesucht. Diese erbat bei der
Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 13. April 2018 die Übersendung des
vollständigen Dossiers zur Einsichtnahme, weil die Ansicht des medizinischen
Dienstes, die Beschwerden würden nicht mehr im Zusammenhang mit dem
Unfallereignis vom 25. September 2017 stehen, nur mit Aktenkenntnis überprüft
werden könne. Weiter wies sie darauf hin, dass die Mitteilung einstweilen als Einladung
zur Wahrnehmung des rechtlichen Gehörs entgegengenommen werde und stellte eine
Stellungnahme in Aussicht. Von daher hat die Beschwerdegegnerin nicht einfach
leichtfertig darauf vertrauen dürfen, der Beschwerdeführer sei mit der Einstellung der
vorübergehenden Leistungen einverstanden, weil sich seine Vertreterin entgegen der
gemachten Zusage nicht mehr gemeldet hat. Vielmehr hätte unter den gegebenen
2.3.
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Umständen Anlass bestanden, sich vor der definitiven Schliessung des Dossiers bei
Rechtsanwältin Ley nach dem Verbleib der Stellungnahme zu erkundigen, allenfalls
unter Fristansetzung für die Nachreichung und mit einem Hinweis auf allfällige
Säumnisfolgen.
Sodann ist auf Folgendes hinzuweisen: Rechtsanwältin Ley moniert in ihrem
Schreiben vom 9. Mai 2018, dass den zugestellten Akten die Stellungnahme des
medizinischen Dienstes der Beschwerdegegnerin, auf welche in der Mitteilung vom
23. März 2018 Bezug genommen werde, nicht beiliege und es ihr deshalb weiterhin
nicht möglich sei, die Mitteilung nachzuvollziehen. Der Vorwurf scheint zuzutreffen,
trägt diese Stellungnahme im Dossier der Beschwerdegegnerin doch das Aktenzeichen
M8. Gemäss Schreiben vom 24. April 2018 wurden der Rechtsvertreterin indessen
nebst den allgemeinen Akten A1 bis A7 und den Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen
K1 und K2 lediglich die medizinischen Akten mit den Aktenzeichen M1 bis M5
zugestellt (vgl. act. G 1.1.7). Zwar gibt die Beschwerdegegnerin an, das besagte
Schreiben vom 9. Mai 2018 finde sich in ihrem elektronischen Dossier nicht - und der
Zustellungsnachweis gelingt dem Beschwerdeführer tatsächlich nicht. Die im
Einspracheentscheid gehegte Vermutung, die Angelegenheit sei nach Aktenzustellung
an die Rechtsvertreterin schlicht vergessen gegangen oder aber das Mandat sei
zeitweilig erloschen, erweist sich aber als äusserst gewagt. Sie impliziert nämlich, das
Schreiben vom 9. Mai 2018 (wie im Übrigen auch dasjenige vom 24. Januar 2019, das
die Beschwerdegegnerin in ihrem elektronischen Dossier ebenfalls nicht vorfinden
kann) sei nachträglich erstellt worden. Insgesamt erscheint es aus neutraler Warte
betrachtet ebenso wahrscheinlich, dass die erwähnten Schreiben bei der
Beschwerdegegnerin eingegangen waren, dass dann aber bei ihrer Überführung ins
elektronische Dossier etwas schiefgegangen ist, sodass diese dort nicht gespeichert
wurden.
2.4.
Dass dieser Eindruck nicht aus der Luft gegriffen ist, ergibt sich auch aus der
ausgebliebenen Reaktion der Beschwerdegegnerin auf Eingaben des in diesen Fall
ebenfalls involvierten Dr. K._. Dessen Berichte vom 20. Dezember 2018 (act. G 3.2
M6) und vom 7. Februar 2019 (act. G 3.2 M7), welchen das Nichteinverständnis mit der
Kausalitätsbeurteilung unmissverständlich entnommen werden kann, wurden zwar im
elektronischen Dossier erfasst, indessen offensichtlich nicht an eine in der Sache
zuständige Person zur Bearbeitung weitergeleitet. Denn es erscheint ausserordentlich
ungewöhnlich, dass die Beschwerdegegnerin solche Eingaben von doch erheblicher
medizinischer Relevanz ohne ihnen irgendwelche Folge zu geben einfach abgelegt hat.
Ebenfalls sehr aussergewöhnlich erschiene, wenn die Beschwerdegegnerin an sie
2.5.
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3.