Decision ID: 26afb32b-fa74-44d0-872e-46de4366a8ff
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Bachmann, Rosenbergstrasse 42,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._, Jahrgang 1959, meldete sich im August 1997 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an und beantragte berufliche Massnahmen sowie eine Rente (IV-
act. 1). Nach einer polydisziplinären Untersuchung im Zentrum für Medizinische
Begutachtung (ZMB), Basel, wurde im Gutachten vom 22. April 1999 die Diagnose
eines chronischen Lumbovertebralsyndroms bei Spondylolyse und Spondylolisthesis
L5/S1 ohne Anhaltspunkte für eine Instabilität erhoben. Als ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit wurden die Angabe von Schmerzen im Bereich der HWS und BWS
ohne radiologisches Korrelat, die Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen
Gründen, der Verdacht auf Hyperreagibilität des Bronchialbaums sowie die Angabe von
Schmerzen im Bereich des rechten Daumengrundgelenks ohne radiologisches Korrelat,
insbesondere ohne Zeichen einer Rhiz-Arthrose, diagnostiziert. Die Arbeitsfähigkeit für
eine leidensadaptierte Tätigkeit (ohne repetitives Heben von Lasten über 10kg, in
körperlicher Wechselhaltung ohne repetitives Bücken) wurde auf 70% festgelegt (IV-
act. 46).
A.b Mit Verfügung vom 18. Oktober 1999 wurde dem Versicherten bei einem
Invaliditätsgrad von 40% aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse (Härtefall) eine
halbe Invalidenrente mit Wirkung ab 1. März 1998 zugesprochen (IV-act. 58). Eine im
Jahr 2001 revisionsweise durchgeführte Überprüfung des Invaliditätsgrads ergab keine
rentenbeeinflussende Änderung. Der Anspruch auf eine Härtefallrente aufgrund des
bisherigen Invaliditätsgrads wurde am 6. Dezember 2001 bestätigt (IV-act. 76).
A.c Mit Schreiben vom 7. Oktober 2003 beantragte der Versicherte aufgrund einer
Verschlechterung seines Gesundheitszustands eine vorzeitige Revision der
Invalidenrente (IV-act. 89). Vom 6. bis 9. Dezember 2004 erfolgte eine weitere
polydisziplinäre Begutachtung im ZMB. Im Gutachten vom 3. Februar 2005 wurde die
Arbeitsfähigkeit für eine dem Rückenleiden angepasste Tätigkeit ohne repetitives
Heben von Lasten über 10kg und ohne Tätigkeit in Zwangspositionen wiederum auf
70% festgelegt. Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden das
bereits früher diagnostizierte chronische Lumbovertebralsyndrom bei Spondylolyse und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Olisthesis (L5/S1) und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung bei einfach
strukturierter ängstlicher Persönlichkeit angegeben (IV-act. 125). Mit Verfügung vom 7.
März 2005 wies die IV-Stelle das Rentenerhöhungsgesuch ab. Der aufgrund der
getätigten Abklärungen ermittelte Invaliditätsgrad von 40% begründe weiterhin einen
Anspruch auf die bisherige Invalidenrente (IV-act. 129). Eine gegen diese Verfügung
erhobene Einsprache wies die IV-Stelle mit Einspracheentscheid vom 20. September
2005 ab (IV-act. 130 und 146).
A.d Am 20. Juni 2006 beantragte der Versicherte erneut eine Rentenerhöhung. Seit
Dezember 2005 sei er zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 151). Nach einem
Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik Gais, Fachklinik für kardiale und
psychosomatische Rehabilitation, erhob Dr. med. B._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, im Austrittsbericht vom 12. Juli 2006 die Diagnosen einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische
Symptome, eine chronifizierte Panikstörung, ein chronisches Lumbovertebralsyndrom
und Asthma bronchiale. Infolge der depressiven Störung bestehe mindestens seit
Dezember 2005 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 157). Nach einer erneuten
Begutachtung im ZMB wurden im Gutachten vom 25. Oktober 2007 die Diagnosen der
Untersuchungen aus den Jahren 1999 und 2005 im Wesentlichen bestätigt. Ausserdem
bestehe für eine dem Rückenleiden angepasste Tätigkeit weiterhin eine 70%ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 175).
A.e Mit Vorbescheid vom 6. Dezember 2007 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, dass das Gesuch um eine Rentenerhöhung abgelehnt werden müsse (IV-act.
180). Gegen diesen Vorbescheid liess der Versicherte am 21. Januar 2008 Einwand
erheben und eine Rentenerhöhung beantragen (IV-act. 185).
A.f Mit Verfügung vom 6. Februar 2008 eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten wie
angekündigt, dass das Erhöhungsgesuch abgelehnt werde. Die medizinischen
Abklärungen hätten ergeben, dass weder im somatischen noch im psychiatrischen
Bereich eine nennenswerte Änderung des Gesundheitszustands feststellbar sei. Für
eine adaptierte Tätigkeit bestehe nach wie vor eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von
70%. Der Invaliditätsgrad von 40% begründe somit weiterhin den Anspruch auf die
bisherige Invalidenrente (IV-act. 189).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Bachmann,
St. Gallen, im Namen des Versicherten eingereichte Beschwerde vom 6. März 2008 mit
den Anträgen, die Verfügung vom 6. Februar 2008 sei unter gleichzeitiger
Genehmigung des Gesuchs um Rentenerhöhung aufzuheben; eventualiter sei die
Verfügung vollumfänglich aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung an die
Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, dass die
Diagnosen von Dr. B._ im ZMB-Gutachten vom 25. Oktober 2007 nicht diskutiert
worden seien. Das Gutachten äussere sich nur lapidar zum psychiatrischen Status des
Beschwerdeführers. Insbesondere werde weder schlüssig beantwortet, weshalb man
die wesentlichen Veränderungen im Gegensatz zum ZMB-Gutachten von Ende 2004
nicht erkennen wolle noch woher die grossen Beurteilungsunterschiede zwischen den
ZMB-Gutachten und der fachärztlichen Beurteilung seitens von Dr. B._ herrührten.
Dr. B._ habe u.a. eine schwere Persönlichkeitsstörung mit zugleich schweren
depressiven Störungen diagnostiziert, welche massiv zugenommen hätten. Das ZMB-
Gutachten sei unvollständig und für die Beurteilung unbeachtlich, weshalb weitere
Berichte von Dr. B._ und von Dr. med. C._, Innere Medizin FMH, einzuholen seien.
Ergänzend werde eine erneute Gesamtbeurteilung durch eine unabhängige
Begutachtungsstelle beantragt.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 21. Mai 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Aufgrund des ZMB-Verlaufsgutachtens sei seit Jahren
von einem unveränderten Gesundheitszustand auszugehen. Die Diskrepanz zur
Beurteilung der Klinik Gais liege wohl weniger an einer erheblichen interkurrenten
Verschlechterung des Gesundheitszustands, sondern vielmehr an einer anderen Optik
der behandelnden Ärzte. Gerade im Bereich der Psychiatrie, in dem die Therapeuten
auf ein enges Bündnis mit dem Patienten angewiesen seien und daher seinen Angaben
viel weniger kritisch gegenüberstehen dürften als ein unabhängiger Gutachter, sei die
Wahrscheinlichkeit gross, dass die Selbsteinschätzung des Patienten auf die
Beurteilung durch den Arzt durchschlage. Eine selbst für behandelnde Ärzte nicht
nachvollziehbare Krankheitsüberzeugung des Beschwerdeführers zeige sich auch im
Arztzeugnis vom 6. Juli 2006 (IV-act. 155), in welchem der Arzt bezüglich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitsfähigkeit einzig festhalte, dass sich der Beschwerdeführer als zu 100%
arbeitsunfähig einschätze.
B.c Mit Replik vom 24. Juni 2008 hält der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
unverändert an den Rechtsbegehren fest.
B.d Mit Duplik vom 7. Juli 2008 hält auch die Beschwerdegegnerin an dem gestellten
Antrag fest.

Erwägungen:
1.
1.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das
Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
1.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt nach der (auch unter dem ATSG massgeblichen) Rechtsprechung
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist
nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustands, sondern auch
dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gebliebenen Gesundheitszustands erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5).
Eine bloss unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen
Sachverhaltes stellt dagegen praxisgemäss keine revisionsbegründende Änderung dar
(BGE 112 V 372 E. 2b). Ob eine revisionsbegründende Änderung eingetreten ist,
beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten (der
versicherten Person eröffneten) rechtskräftigen Verfügung bestand, die auf einer
umfassenden materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruht (BGE 133 V 108), mit
dem Sachverhalt zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 125 V 369 E. 2).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
Die ursprüngliche Rentenzusprache erfolgte mit Verfügung vom 18. Oktober 1999
rückwirkend auf den 1. März 1998. Nach dieser Zusprache wurde mit Schreiben vom 6.
Dezember 2001 die Ausrichtung der Rente bestätigt. Am 7. Oktober 2003 beantragte
der Beschwerdeführer ein Rentenrevisionsverfahren. In dessen Rahmen fand eine
umfassende Überprüfung des relevanten Sachverhalts inklusive medizinischer
Begutachtung statt. Mit Verfügung vom 7. März 2005 wurde das
Rentenerhöhungsgesuch und mit Einspracheentscheid vom 20. September 2005 die
dagegen erhobene Einsprache abgewiesen. Der Entscheid ist unangefochten in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rechtskraft erwachsen und das Revisionsverfahren dadurch abgeschlossen worden.
Vorliegend massgeblich für die Frage nach der relevanten Sachverhaltsveränderung ist
folglich der Vergleich des Sachverhalts im September 2005 mit jenem im Februar 2008.
3.
3.1 Im ZMB-Gutachten vom 3. Februar 2005 wurden als Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung bei einfach
strukturierter ängstlicher Persönlichkeit und chronische Lumbovertebralschmerzen bei
Spondylolyse und Olisthesis L5/S1 erhoben. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
wurden Klagen über Nackenschmerzen und Schmerzen im rechten Knie sowie im
rechten unteren Sprunggelenk, ohne radiologisches Substrat, Angabe von Asthma
bronchiale und diverse Allergien und ein feinschlägiger Tremor diagnostiziert. Wie
bereits anlässlich der Begutachtung im Jahr 1999 würden zwischen den erheblichen
geklagten subjektiven Beschwerden und den erhobenen objektiven Befunden starke
Divergenzen bestehen. Bei der Abklärung habe sich erneut ein sehr bescheidenes
pathologisch anatomisches Substrat für die geklagten Beschwerden gezeigt. Einzig im
Bereich der LWS finde sich eine anlagebedingte Spondylolyse mit diskreter Olisthesis.
Die anderen geltend gemachten subjektiven Beschwerden könnten nicht objektiviert
werden. Aus psychiatrischer Sicht stehe eine deutliche psychogene
Schmerzfehlverarbeitung bei einfach strukturierter Persönlichkeit mit ängstlichen
Anteilen im Vordergrund. Auch psychiatrisch bestehe eine deutliche Diskrepanz
zwischen den multiplen Angaben von Beeinträchtigungen und Beschwerden, die mit
dem klinischen Funktionieren und der gefundenen Psychopathologie nicht einhergehen
würden. Gesamtmedizinisch bestehe in der ursprünglichen Tätigkeit mit Schwerarbeit
eine 30%ige Restarbeitsfähigkeit. In einer dem Rückenleiden angepassten Tätigkeit
ohne repetitives Heben von Lasten über 10kg und ohne Tätigkeit in Zwangspositionen
werde die Arbeitsfähigkeit auf 70% geschätzt.
3.2 Dr. C._ diagnostizierte im ärztlichen Zeugnis vom 6. Juli 2006 ein Asthma
bronchiale, eine Allergie auf diverse Medikamente und Nahrungsmittel, eine
Depression, Vergesslichkeit, chronische Kopf- und Nackenschmerzen sowie
Schwindel. Die Depression habe in letzter Zeit an Intensität zugenommen. Nach
eigenen Angaben schätze der Beschwerdeführer seine Arbeitsunfähigkeit auf 100%
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ein. Nach einem stationären Aufenthalt in der Klinik Gais vom 15. bis 30. Juni 2006 hielt
Dr. B._ im Austrittsbericht vom 12. Juli 2006 fest, dass aus psychiatrischer Sicht eine
schwere depressive Episode und eine chronifizierte Panikstörung bestehe. Infolge
dieser depressiven Störung sei der Beschwerdeführer mindestens seit Dezember 2005
zu 100% arbeitsunfähig. Es sei in näherer Zukunft evtl. mit einer Beruhigung seines
Zustands zu rechnen. Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei jedoch nicht zu
erwarten. Im Arztbericht vom 31. Oktober 2006 und im Verlaufsbericht vom 16. März
2007 bestätigte Dr. B._ die gestellten Diagnosen sowie die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung (IV-act. 169 und 172).
3.3 Im ZMB-Gutachten vom 25. Oktober 2007 wurden eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung und ein chronisches Lumbovertebralsyndrom bei Spondylolisthesis
LWK5/S1 Grad I bei Spondylolyse diagnostiziert. Als ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit wurden eine muskuläre Dysbalance im Schulter- und
Beckengürtelbereich, eine Ansatztendinose am Beckenkamm beidseits, Spreizfüsse,
eine Atopie mit anamnestisch Asthma bronchiale und Hypersensiblilität auf diverse
Substanzen sowie akzentuierte, ängstliche und unreife Persönlichkeitszüge
festgehalten. Im somatischen Bereich habe sich seit der letzten Begutachtung im
Dezember 2004 nichts geändert, einzig die Überlagerungszeichen hätten
zugenommen. Auf die Diskrepanz zwischen den angegebenen Beschwerden und den
Befunden sei schon in den früheren Gutachten hingewiesen worden. Im Gegensatz
zum Bericht der Klinik Gais könne zum jetzigen Zeitpunkt keine Depression mehr
diagnostiziert werden, sondern es sei weiterhin von einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung auszugehen. Somit habe weder im somatischen noch im
psychiatrischen Bereich eine nennenswerte Änderung des gesundheitlichen Zustands
des Beschwerdeführers festgestellt werden können. Die Tätigkeit in der
Metallverarbeitung sei weiterhin nicht mehr zumutbar. In einer dem Rücken adaptierten
Tätigkeit ohne repetitives Heben von Lasten über 10kg und ohne Tätigkeiten in
Zwangspositionen wäre der Beschwerdeführer noch zu 70% arbeitsfähig.
3.4 Im Hinblick auf die Würdigung der medizinischen Aktenlage ist festzustellen, dass
das ZMB-Gutachten vom 25. Oktober 2007 auf eigenständigen interdisziplinären
Abklärungen, mithin auf allseitigen Untersuchungen beruht und damit für die streitigen
Belange umfassend ist. Die Gutachter waren im Besitz der relevanten Vorakten und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
legten nachvollziehbar dar, dass sich der gesundheitliche Zustand des
Beschwerdeführers gegenüber der Begutachtung im Dezember 2004 nicht wesentlich
verändert hat. Sowohl bei den Diagnosen als auch bei der Befunderhebung sind kaum
Veränderungen auszumachen. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers setzt
sich das Gutachten auch mit abweichenden Diagnosen, insbesondere mit der in der
Klink Gais erhobenen Diagnose einer depressiven Störung mit schwerer Episode,
auseinander. Die Beurteilung erfolgte sodann unter Berücksichtigung der vom
Beschwerdeführer geklagten Beschwerden. Diesbezüglich wurde festgestellt, dass die
Überlagerungszeichen gegenüber der letzten Begutachtung zugenommen hätten und
nach wie vor eine deutliche Diskrepanz zwischen den geklagten Beschwerden und den
objektiven Befunden bestehen würde. Das Gutachten leuchtet in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein.
Die Schlussfolgerungen, insbesondere die Beurteilung der 70%igen Arbeitsfähigkeit in
einer angepassten Tätigkeit, ist überzeugend und nachvollziehbar. Das Gutachten
erfüllt somit sämtliche praxisgemässen Kriterien für beweiskräftige Gutachten (vgl. BGE
125 V 352), so dass grundsätzlich darauf abzustellen ist.
3.5 Die Vorbringen des Beschwerdeführers sowie die übrigen medizinischen Akten
vermögen keinen Zweifel an der Beweistauglichkeit des ZMB-Gutachtens entstehen zu
lassen. Im ZMB-Gutachten wird ausdrücklich festgehalten, dass die von Dr. B._
gestellten Diagnosen einer depressiven Störung mit schwerer Episode und einer
Panikstörung im Zeitpunkt der Begutachtung nicht bestätigt werden können. Es sei
diesbezüglich offensichtlich zu einer deutlichen Besserung der psychischen Situation
gekommen. Die Begründung stützt sich auf die eigenständigen interdisziplinären
Untersuchungen und legt nachvollziehbar dar, weshalb der Einschätzung von Dr. B._
nicht gefolgt werden kann. Insofern haben sich die Gutachter - entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers - mit den entscheidrelevanten Vorakten
hinreichend auseinandergesetzt. Die Beurteilung der Gutachter ist rechtsgenüglich
begründet. Im Weiteren ist dem Gutachten nicht zu entnehmen, inwiefern die Gutachter
dem Beschwerdeführer mit Vorurteilen begegnet sein sollen. Aus der Beschreibung des
Beschwerdeführers als "bubenhaft und kindlich wirkender Explorand" und aus den
Aussagen, dass er seit Jahren eine Rente beziehe und sich nicht mehr um eine
Tätigkeit bemüht habe, kann keine Voreingenommenheit geschlossen werden, sondern
es handelt sich dabei um Feststellungen oder Tatsachen. Eine rückwirkende
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben die Gutachter nicht vorgenommen und dürfte
auch kaum möglich sein. Ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Aufenthalts in der
Klinik Gais tatsächlich 100% arbeitsunfähig war, konnte durch die Gutachter somit
nicht beantwortet werden. Der Umstand, dass Dr. B._ im entsprechenden
Austrittsbericht ausführte, eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei nicht zu erwarten,
die ZMB-Gutachter jedoch anlässlich der Untersuchung im August 2007 einzig noch
eine somatoforme Schmerzstörung feststellten, lässt die Arbeitsfähigkeitseinschätzung
von Dr. B._ als eher fraglich erscheinen. Sodann war für die Gutachter nicht
nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer bei einer schweren depressiven
Störung lediglich für 14 Tage in der Klinik Gais hospitalisiert war. Im Übrigen ist die
Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag zu beachten. Das
Bundesgericht will u.a. der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte
mitunter wegen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zu Gunsten
ihrer Patienten aussagen. Im Hinblick auf einen möglichen Ziel- und Interessenkonflikt
(Behandlung versus Begutachtung) gilt das auch für Spezialärzte (vgl. den Entscheid
I 814/03 des damaligen EVG vom 5. April 2004, E. 2.4.2). Das ärztliche Zeugnis von Dr.
C._ vom 6. Juli 2006 enthält lediglich eine subjektive Arbeitsunfähigkeitseinschätzung
des Beschwerdeführers und ist daher nicht geeignet, die Beweistauglichkeit des ZMB-
Gutachtens zu widerlegen. Zusammenfassend wurde durch das Gutachten
rechtsgenüglich dargelegt, dass sich die gesundheitliche Situation des
Beschwerdeführers gegenüber der Begutachtung im Dezember 2004 nicht
massgebend verändert hat. Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit ist somit auf das ZMB-Gutachten vom 25. Oktober 2007
abzustellen. Ein weiterer Abklärungsbedarf besteht nicht (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157, E. 1d). Es ist demnach davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer für eine leidensadaptierte Tätigkeit weiterhin zu 70%
arbeitsfähig ist.
3.6 Mangels einer für eine Rentenheraufsetzung relevanten Sachverhaltsveränderung
und folglich mangels Revisionsvoraussetzungen bleibt für eine neue
Invaliditätsbemessung mittels eines neuen Einkommensvergleichs kein Raum. Vielmehr
ist auf die ursprüngliche Invaliditätsbemessung abzustellen. Im Übrigen kann
diesbezüglich festgehalten werden, dass keine Gründe ersichtlich sind, von dem bisher
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ermittelten Validen- und Invalideneinkommen abzuweichen, zumal dies vom
Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren auch nicht geltend gemacht wird.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung der
angefochtenen Verfügung vom 6. Februar 2008 abzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen.
4.3 Dem unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von
Fr. 600.-- aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird
angerechnet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG