Decision ID: f46fbef9-ac7f-4908-9df1-348bfcf61f86
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Affoltern vom 14. September 2015 (DG150007)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 6. Mai 2015
(Urk. 16) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte B._ ist nicht schuldig und wird freigesprochen vom
Vorwurf
− der versuchten schweren Körperverletzung in Sinne von Art 122 StGB
in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, sowie vom Vorwurf
− der Verübung einer Tat in selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit
im Sinne von Art. 263 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte B._ ist schuldig der Übertretung des Bundesgesetzes
über die Betäubungsmittel im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
3. Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit einer Busse von Fr. 500.–. Die
Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht,
so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
4. Die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen des Privatklägers werden
auf den Zivilweg verwiesen.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
21. April 2015 beschlagnahmten und beim Forensischen Institut Zürich
(Transitlager KED) aufbewahrte Glasflasche resp. 1 Flaschenhals (zerschla-
gen, Marke Feldschlösschen, 33 cl, grün, Asservat Nr. A007'656'891) wird
eingezogen und vernichtet.
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6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
21. April 2015 beschlagnahmten und beim Forensischen Institut Zürich
(Transitlager KED) aufbewahrten Gegenstände:
− 1 Herrenhemd (Marke SMOG, rot/schwarz-kariert, Grösse L; Asservat Nr. A007'566'214)
− 1 Herrenjeans (Marke G-Star, schwarz, Grösse 38/32; Asservat Nr. A007'566'190),
− 1 Gürtel (Marke Mustang, schwarz, Länge ca. 105 cm; Asservat Nr. A007'566'225),
werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden
Urteils auf erstes Verlangen ausgehändigt. Wird die Aushändigung nicht in-
nert einem Jahr nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Entscheides
verlangt, werden die Gegenstände vernichtet.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
21. April 2015 beschlagnahmten und beim Forensischen Institut Zürich
(Transitlager KED) aufbewahrten Gegenstände
− 1 Shirt (Marke WE LIVE DIFFERENT, hellblau, Grösse L, mit blutverdächtigen Anhaftungen; Asservat Nr. A007'567'068)
− 1 Herrenhose (Marke ZM Zara Man Denim, grau, Grösse 40, mit blutverdächtigen Anhaftungen; Asservat Nr. A007'567'079),
− 1 Pullover mit Kapuze (Marke DIVIDCD, schwarz, Grösse M, mit blutverdächtigen  im Kragenbereich innenseitig; Asservat Nr. A007'567'080),
− 1 Schuhe (Marke Converse All Star, schwarz, Grösse 42.5, mit blutverdächtigen Anhaftungen; Asservat Nr. A007'567'091),
− 1 Herrensocken/Strümpfe (Marke Caterpillar, schwarz, Grösse 43-46,; Asservat Nr. A007'567'104),
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werden dem Privatkläger nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-
teils auf erstes Verlangen ausgehändigt. Wird die Aushändigung nicht innert
einem Jahr nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Entscheides ver-
langt, werden die Gegenstände vernichtet.
8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 3'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 14'834.40 ; Untersuchungskosten (inkl. Kosten Vorverfahren und Auslagen); Allfällige weitere Kosten bleiben .
9. Die Gerichtsgebühr sowie die Kosten der Untersuchung werden dem Be-
schuldigten im Umfang von 5% auferlegt. Im Umfang von 95% werden die
genannten Kosten auf die Staatskasse genommen.
10. Die Kosten für die amtliche Verteidigung durch Rechtsanwalt lic. iur.
Y._ in der Höhe von Fr. 14'971.70 (inkl. MwSt. sowie Teilnahme an
Hauptverhandlung, An-/Rückreise und Nachbesprechung; act. 40) sowie die
Kosten für die unentgeltliche Vertretung des Privatklägers durch Rechtsan-
walt Dr. iur. X._ von Fr. 7'055.85 (inkl. MwSt. sowie 8 Stunden für Teil-
nahme an Hauptverhandlung, An-/Rückreise und Nachbesprechung; act. 38
u. Prot. S. 8 ff.) werden vollumfänglich auf die Staatskasse genommen.
11. Der Antrag des Beschuldigten auf Leistung einer Entschädigung in der Höhe
von Fr. 750.– wird abgewiesen.
12. Dem Beschuldigten wird aus der Staatskasse eine Genugtuung in der Höhe
von Fr. 1'500.– ausbezahlt. Im Mehrbetrag wird seine Genugtuungsforde-
rung abgewiesen.
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Berufungsanträge:
a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 66/1 f.)
" 1. Es sei der Beschuldigte zusätzlich zum Schuldspruch wegen Übertretung des BetmG auch wegen
- eventualvorsätzlich versuchter schwerer Körperverletzung im Sinne von Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
- eventualiter wegen Verübung einer Tat in  Unzurechnungsfähigkeit im Sinne von Art. 263 StGB
schuldig zu sprechen.
2. Es sei der Beschuldigte zusätzlich zur bereits ausgefällten Busse auch mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren, unter Anrechnung der erstandenen Haft zu bestrafen.
3. Es sei dem Beschuldigten der bedingte Strafvollzug zu gewähren, unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren.
4. Es sei dem Beschuldigten die Weisung zu erteilen, für die Dauer der Probezeit keinen Alkohol zu konsumieren und sich  Abstinenzkontrollen nach Weisungen des Justizvollzugs Kanton Zürich zu unterziehen.
5. Es seien die beschlagnahmten Kleider den jeweiligen  zurückzugeben. Im Übrigen seien die weiteren Beweismittel einzuziehen und der Kantonspolizei Zürich zur Vernichtung zu überlassen.
6. Es seien die Kosten des Vor- und Hauptverfahrens sowie des  dem Beschuldigten aufzuerlegen.
7. Es seien die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der  Rechtsbeistandschaft des Privatklägers auf die  zu nehmen."
b) Des Vertreters der Privatklägerschaft:
(Urk. 67 S. 2, 10, sinngemäss)
1. Schuldspruch Es sei der Beschuldigte B._ der eventualvorsätzlich versuchten  Körperverletzung i.S.v. Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB  zu sprechen.
2. Eventualantrag Schuldspruch Eventuell sei der Beschuldigte B._ wegen vollendeter einfacher  i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 und 2 al. 1 StGB schuldig zu sprechen.
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3. Subeventualantrag Schuldspruch
Für den Fall, dass der Beschuldigte B._ zur Zeit der Tat schuldunfähig war, weil er nicht in der Lage war, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, sei er wegen Verübung einer Tat in selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit nach Art. 263 StGB schuldig zu sprechen.
4. Zivilforderung Schadenersatz Es sei der Beschuldigte B._ zu verpflichten, dem Privatkläger A._ Schadenersatz von CHF 309.79 zzgl. 5% Zins seit 19. Oktober 2014 (für Erwerbsausfall und Wegkosten sowie für mit Blut befleckte Kleidungsstücke) zu bezahlen.
5. Zivilforderung Genugtuung Es sei der Beschuldigte B._ zu verpflichten, dem Privatkläger A._ eine Genugtuung in Höhe von CHF 1'200.00 zzgl. 5% Zins seit 19. Oktober 2014 zu bezahlen. 6. Kosten unentgeltliche Vertretung Privatkläger
Die Kosten für die unentgeltliche Vertretung des Privatklägers A._ im Rechtsmittelverfahren seien auf die Staatskasse zu nehmen. Eventuell seien die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung des Privatklägers A._ dem Beschuldigten B._ aufzuerlegen, falls seine wirtschaftlichen  ausreichend günstig sind.
c) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 69 S. 1)
" Die Berufungen der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich und des Privatklägers seien abzuweisen und das erstinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Affoltern vom 14. September 2015 sei  zu bestätigen;
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die Kosten des Berufungsverfahrens, die Kosten der amtlichen  sowie die Kosten des unentgeltlichen Vertreters des  seien auf die Gerichtskasse zu nehmen."
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Affoltern vom 14. September 2015 wurde der
Beschuldigte vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung und der
Verübung einer Tat in selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit freigespro-
chen. Der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a
Ziff. 1 BetmG befand die Vorinstanz den Beschuldigten für schuldig und bestrafte
ihn mit einer Busse von Fr. 500.–. Für den Fall schuldhafter Nichtbezahlung der
Busse wurde eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen festgesetzt. Mit den Scha-
denersatz- und Genugtuungsansprüchen wurde der Privatkläger auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen. Ferner wurde über die Einziehung bzw. Herausgabe
von diversen beschlagnahmten Gegenständen entschieden. Die Kosten des Vor-
verfahrens und des gerichtlichen Verfahrens wurden zu 5% dem Beschuldigten
auferlegt und im Übrigen auf die Gerichtskasse genommen. Schliesslich wurde
ihm eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 1'500.– aus der Gerichtskasse zuge-
sprochen (Urk. 57 S. 25 ff.).
2. Gegen dieses Urteil meldeten die Staatsanwaltschaft und der Privatkläger
mit Eingabe vom 23. resp. 24. September 2015 rechtzeitig Berufung an (Urk. 50
[Datum des Poststempels: 24. September 2015]; Urk. 51). Am 2. bzw. am 5. Ok-
tober 2015 gingen die jeweiligen Berufungserklärungen fristgerecht ein (Urk. 59
f.). Nachdem diese dem Beschuldigten zugestellt wurden, verzichtete dieser auf
eine Anschlussberufung (Urk. 61, 62/3 und 63). Beweisergänzungen wurden kei-
ne beantragt. In der Folge wurde zur Berufungsverhandlung auf den 29. Januar
2016 vorgeladen (Urk. 64).
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3. Nach durchgeführter Berufungsverhandlung wurde den Parteien mündlich
eröffnet, dass die Sache noch nicht spruchreif sei und ein neues psychiatrisches
Gutachten in Auftrag gegeben werde (Prot. II S. 24 f.). Gleichentags beauftragte
das Gericht mittels Beschluss Prof. C._ mit der Ausarbeitung eines psychiat-
rischen Gutachtens zur Schuldfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeitpunkt und
zur allfälligen Notwendigkeit einer Weisung betreffend Alkoholabstinenz. Der Fra-
genkatalog wurden den Parteien zugestellt und ihnen Frist angesetzt, um sich fa-
kultativ zur Person des Gutachters und zu den Fragen zu äussern (Urk. 71 f.). In
ihrer Stellungnahme vom 19. Februar 2016 beantragte die amtliche Verteidigung,
die im Widerspruch zum Beschluss vom 29. Januar 2016 stehenden Fragen 5 –
12 des Kataloges zu streichen und diesen mit der Frage zu ergänzen, ob die Er-
teilung einer Weisung betreffend Alkoholabstinenz geeignet und erforderlich sei.
Ausserdem wies die Verteidigung darauf hin, dass sie die Einholung eines weite-
ren Gutachtens als ungerechtfertigt erachte (Urk. 74 S. 2). Die Staatsanwaltschaft
liess sich dazu nicht vernehmen. Mit Beschluss vom 7. März 2016 wurde der Fra-
genkatalog im Sinne der Anträge der Verteidigung geändert und den Parteien zu-
gestellt (Urk. 75 f.). Mit Schreiben vom selben Tag erging der Auftrag samt geän-
dertem Fragenkatalog und den gesamten Prozessakten an den Gutachter
(Urk. 77; Urk. 78/1-3).
4. Am 18. Juli 2016 ging das psychiatrische Gutachten vom 15. Juli 2016 beim
Gericht ein (Urk. 86). Mit Präsidialverfügung vom 19. Juli 2016 wurde den Partei-
en das Gutachten zugestellt und ihnen Frist eingeräumt, um fakultativ zu diesem
Stellung zu nehmen (Urk. 87). Mit Eingabe vom 27. August 2016 reichte die Ver-
teidigung innert erstreckter Frist ihre Stellungnahme ein und machte zusammen-
fassend geltend, das Gutachten vom 15. Juli 2016 leide in formeller und materiel-
ler Hinsicht an elementaren Mängeln und könne daher nicht verwertet werden
(Urk. 91, insbes. S. 15 a.E.; vgl. nachfolgend, Erw. III.3.3. ff.).
5. Ebenfalls mit Eingaben vom 27. August 2016 stellte die Verteidigung ein
Ausstandsbegehren gegen die mit dem Fall befassten Oberrichter und die Ge-
richtsschreiberin (Urk. 93 S. 2 ff.) sowie gegen die am psychiatrischen Gutachten
vom 15. Juli 2016 mitwirkenden Sachverständigen (Urk. 95 S. 2 ff.), nachdem die
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an sie versandten Verfahrensakten mit einer Vielzahl von gelben Merkzetteln
(post-it) versehen waren, welche Notizen und Anmerkungen enthielten (Urk. 93
S. 3 ff.; Urk. 95 S. 3 ff.).
5.1. Mit Schreiben vom 27. September 2016 überwies der Präsident der II. Straf-
kammer die Ausstandsbegehren inklusive der Stellungnahmen der Mitglieder des
Spruchkörpers zur Behandlung an die I. Strafkammer (Urk. 99; Urk. 100/1–3). Mit
Beschluss vom 14. März 2017 wies diese das Ausstandsgesuch gegen die Mit-
glieder des Spruchkörpers ab (Urk. 101). Wie sich aus diesem Erledigungsbe-
schluss ergibt (Urk. 101 S. 3), hatte der Präsident der I. Strafkammer mit Präsidi-
alverfügung vom 17. Oktober 2016 entschieden, dass die II. Strafkammer nach
rechtskräftiger Erledigung der Ausstandsbegehren gegen die Mitglieder des
Spruchkörpers für die Beurteilung des Ausstandsgesuches gegen am psychiatri-
schen Gutachten mitwirkenden Sachverständigen zuständig sei. Die vom Be-
schuldigten gegen die Abweisung der Ausstandsbegehren gegen die Mitglieder
des Spruchkörpers erhobene Beschwerde (Urk. 102) wurde vom Bundesgericht
mit Urteil vom 14. Juni 2017 abgewiesen (Urk. 105).
5.2. Mit Präsidialverfügung vom 10. Juli 2017 wurde den Parteien Frist ange-
setzt, um sich zum Ausstandsbegehren gegen die am psychiatrischen Gutachten
mitwirkenden Sachverständigen vernehmen zu lassen (Urk. 106). Mit Eingabe
vom 12. Juli 2017 beantragte die Staatsanwaltschaft die Abweisung des Aus-
standsbegehrens (Urk. 108). Die Eingabe der Staatsanwaltschaft wurde der Ver-
teidigung und dem Privatkläger zugestellt (Urk. 109). Beide liessen sich nicht ver-
nehmen. Mit Beschluss eines nicht vorbefassten Spruchkörpers der II. Strafkam-
mer wurde das Ausstandsbegehren gegen die am psychiatrischen Gutachten vom
15. Juli 2016 mitwirkenden Sachverständigen abgewiesen (Urk. 112).
Das Verfahren erweist sich nunmehr als spruchreich.
6. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). E contrario erwachsen die nicht von der Berufung erfassten
Punkte in Rechtskraft (SCHMID, StPO-Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich/
St. Gallen 2013, N 1 zu Art. 402 StPO; Art. 437 StPO). Das Berufungsgericht
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überprüft somit das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten
(Art. 404 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft und der Privatkläger beantragten
einen Schuldspruch wegen versuchter eventualvorsätzlicher schwerer Körperver-
letzung, Letzterer eventualiter wegen einfacher Körperverletzung bzw. wegen
Verübung einer Tat in selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit. Die Staats-
anwaltschaft verlangt mit ihrer Berufung, den Beschuldigten mit einer bedingten
Freiheitsstrafe von 2 Jahren zu bestrafen und diesem für die Dauer der Probezeit
eine Weisung betreffend Alkoholabstinenz zu erteilen. Der Privatkläger beantrag-
te, den Beschuldigten zur Zahlung eines Schadenersatzes von Fr. 309.79 (zzgl.
Zins) und einer Genugtuung von Fr. 1'200.– (zzgl. Zins) zu verpflichten (Urk. 66/1
S. 1; Urk. 67 S. 2, 10).
6.1. Unangefochten blieb der Schuldspruch gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG und
die dafür ausgefällte Busse von Fr. 500.– (Dispositiv-Ziffern 2 und 3 des vorin-
stanzlichen Urteils). Ferner wurden die Entscheide bezüglich der beschlagnahm-
ten Gegenstände (Dispositiv-Ziffern 5–7) nicht angefochten.
6.2. Damit ist mittels Beschluss festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerich-
tes Affoltern vom 14. September 2015 bezüglich der Dispositiv-Ziffern 2 (Schuld-
spruch betr. BetmG), 3 (Busse), 5–7 (Einziehung/Vernichtung/Herausgabe) und 8
(Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist.
II. Sachverhalt
1. Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten zusammengefasst vor, dem
Privatkläger am 19. Oktober 2014, ca. 04.00 Uhr, im Verlaufe einer Meinungsver-
schiedenheit im "Club & Lounge D._" in E._ vorsätzlich eine Bierflasche
so heftig ins Gesicht geschlagen zu haben, dass diese zersplittert sei, weshalb
der Privatkläger diverse Schnittverletzungen im Gesicht erlitten habe. Der Be-
schuldigte soll dabei eine schwere Körperverletzung, namentlich den Verlust ei-
nes Auges oder die Verletzung eines Gesichtsnervs mit Lähmungsfolgen beim
Privatkläger, in Kauf genommen haben (versuchte schwere Körperverletzung).
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Eventualiter soll sich der Beschuldigte durch übermässigen Alkoholkonsum
vorsätzlich in den Zustand der Schuldunfähigkeit getrunken und in diesem Zu-
stand die oben beschriebene Tat begangen haben (Verübung einer Tat in selbst-
verschuldeter Unzurechnungsfähigkeit).
2. Der Beschuldigte bestreitet, derjenige gewesen zu sein, welcher dem Privat-
kläger eine Bierflasche ins Gesicht geschlagen habe. Er macht geltend, sich in
Bezug auf die Geschehnisse zum Tatzeitpunkt an nichts zu erinnern. Ferner stellt
er in Abrede, dass es sich bei der sichergestellten Bierflasche um diejenige han-
delt, welche dem Privatkläger ins Gesicht geschlagen wurde (Urk. 2/2 Nr. 4 - 6, 8,
32, 34; Urk. 13/7 S. 2 f.; Urk. 43 S. 10, 13 - 15, 17 f.; Urk. 47 S. 3, 13 f.; Urk. 69
S. 2 ff.; Prot. II S. 10 ff.).
3. Da der anklagebildende Sachverhalt bestritten wird, ist zu überprüfen, ob
dieser mit den zur Verfügung stehenden Beweismitteln rechtsgenügend erstellt
werden kann. Hierbei ist der Grundsatz der freien Beweiswürdigung zu beachten
(Art. 10 Abs. 2 und 3 StPO). Die Vorinstanz hat zutreffende Erwägungen zu den
allgemeinen Grundsätzen der Beweiswürdigung gemacht, so dass darauf verwie-
sen werden kann (Urk. 57 S. 8 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend bleibt festzu-
halten, dass auch indirekte, mittelbare Beweise, sogenannte Anzeichen oder Indi-
zien, einen für die Beweisführung bedeutsamen Schluss erlauben. Da ein Indiz
immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat
hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die Möglichkeit des Andersseins offen, ent-
hält daher auch den Zweifel (WALDER, Der Indizienbeweis im Strafprozess, ZStrR
108/1991, S. 309; DERSELBE, Die Beweisführung in Strafsachen, insbesondere
der Indizienbeweis, Zürich 1974/75, S. 49). Es ist jedoch zulässig, aus der Ge-
samtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit
einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft
hindeuten und insofern Zweifel offenlassen, auf den vollen rechtsgenügenden
Beweis von Tat oder Täter zu schliessen (Urteile des Bundesgerichtes
6B_365/2009 vom 12. November 2009 E. 1.4, 6B_332/2009 vom 4. August 2009
E. 2.3 mit Hinweisen, und 6B_297/2007 vom 4. September 2007 E. 3.4). Der Indi-
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zienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig (HAUSER/SCHWERI/HARTMANN,
Schweizerisches Strafprozessrecht, Basel/Genf/München 2005, § 59 N 14 f.).
4. Als Beweismittel zur Erstellung des Anklagesachverhaltes liegen die Aussa-
gen des Privatklägers (Urk. 3/1-5), diverser Zeugen (Urk. 1/1 S. 5 f.; Urk. 4/1-3
und 4/7-11; Urk. 42) und des Beschuldigten vor (Urk. 2/1-6; Urk. 13/7; Urk. 43;
Prot. II S. 6 ff.). Zudem sind ärztliche Unterlagen über den Privatkläger (Urk. 5/1
f.; Urk. 5/5; Urk. 7/7-9), diverse Gutachten betreffend den Beschuldigten
(Urk. 7/2-4; Urk. 8/6 und Urk. 86), diverse Fotos (Urk. 6/1-3) und zwei Kurzberich-
te betreffend sichergestellte DNA-Spuren (Urk. 6/6 und 6/9) vorhanden.
5. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage zu einem grossen Teil auf die
Aussagen des Privatklägers. Diese werden von der Vorinstanz als "reduziert"
glaubhaft qualifiziert (Urk. 57 S. 13 - 16). Dieser Würdigung kann aus den nach-
folgend darzulegenden Gründen nicht gefolgt werden.
5.1. Der Privatkläger schilderte den Tathergang, die eigentliche Tat und die Ge-
schehnisse kurz nach der Tat spontan, stimmig und detailliert. Weitgehend de-
ckungsgleich führte er zusammengefasst aus, dass er den Beschuldigten zuvor
noch nie gesehen habe und ihn nicht kenne (Urk. 3/1 Nr. 5; Urk. 3/4 Nr. 6). Er ha-
be ihn zum ersten Mal gesehen, als er sich auf der Tanzfläche mit F._ unter-
halten habe (Urk. 3/1 Nr. 7; Urk. 3/3 Nr. 9). Der Beschuldigte habe sich immer
wieder zwischen ihn und F._ gedrängt. F._ habe sich vom Beschuldig-
ten gestört gefühlt. Nachdem er sie mit Tanzen abzuschirmen versucht habe, ha-
be er den Beschuldigten normal aufgefordert, sie in Ruhe zu lassen (Urk. 3/1 Nr.
6; Urk. 3/3 Nr. 9). Dann habe ihm der Beschuldigte gesagt, dass F._ die Kol-
legin seiner Cousine sei, weshalb er zu ihr gehen werde und könne. Er habe ge-
lacht und dem Beschuldigten nochmals deutlichzumachen versucht, dass
F._ das nicht wolle, worauf der Beschuldigte ihn schliesslich aufgefordert ha-
be, die Angelegenheit draussen zu regeln. Er sei darauf nicht eingegangen (Urk.
3/1 Nr. 6, 10; Urk. 3/3 Nr. 9; Urk. 3/5 Nr. 13 - 15, 29 f.). Dann habe der Beschul-
digte ihn angegrinst und von irgendwoher eine kleine Feldschlösschen Bierflasche
genommen (Urk. 3/1 Nr. 6, 11; Urk. 3/3 Nr. 9 f., 12) und ihm diese Flasche völlig
unerwartet und aus dem Nichts heraus quer über das Gesicht geschlagen (Urk.
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3/1 Nr. 6, 10, 12, 20; Urk. 3/3 Nr. 10 f., 13, 40 f.). Danach sei der Beschuldigte mit
ihm hinausgegangen, wobei er glaube, dass der Beschuldigte ihn hinausge-
schleppt bzw. ihn die Treppe hinuntergeschubst und noch etwas zu ihm gesagt
habe (Urk. 3/1 Nr. 6; Urk. 3/3 Nr. 13, 40 - 42; Urk. 3/5 Nr. 39). Dann sei die
Security gekommen. Was anschliessend geschehen sei, könne er nicht sagen
(Urk. 3/1 Nr. 6; Urk. 3/3 Nr. 43). Diese Schilderungen erscheinen durch die Ver-
flechtung mit den eigenen Gefühlsregungen wirklich erlebt und lebensecht
(Urk. 3/1 Nr. 10, 16; Urk. 3/2 Nr. 8; Urk. 3/3 Nr. 26). Die Detailtreue und Konstanz
der Aussagen spricht für deren Glaubhaftigkeit.
5.2. Ferner weist der Umstand, dass die Aussagen des Privatklägers sich zu
einem stimmigen Ganzen zusammenfügen lassen und in der chronologischen Ab-
folge logisch sind, auf deren Glaubhaftigkeit hin. Als weiteres Wahrheitssignal ist
zu werten, dass der Privatkläger sich mit seinen belastenden Aussagen zurück-
hält und angibt, wo er unsicher ist (nur einen Schlag mit Flasche: Urk. 3/1 Nr. 13;
nur benommen, nicht bewusstlos geworden: Urk. 3/1 Nr. 14; nicht gesehen zu
haben, woher der Beschuldigte die Bierflasche hatte: Urk. 3/1 Nr. 6 und Urk. 3/3
Nr. 13, 14; nicht gesehen zu haben, wer die Bierflasche ins Gesicht geschlagen
hat: Urk. 3/3 Nr. 15; bez. weitere Personen in unmittelbarer Nähe: Urk. 3/3 Nr. 21;
betreffend Zustand des Beschuldigten: Urk. 3/3 Nr. 33, 38).
5.3. Entgegen den Ausführungen der Verteidigung und den Erwägungen der
Vorinstanz (Urk. 47 S. 3 ff.; Urk. 57 S. 15; Urk. 69 S. 5 – 8) wirken insbesondere
seine Aussagen zum eigentlichen Schlag nicht widersprüchlich und unstimmig,
sondern zeugen von Authentizität und bringen ein Bestreben zum Ausdruck, mög-
lichst erinnerungsgetreu auszusagen. Der Privatkläger sagte diesbezüglich konk-
ret und – entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen – von Anfang an aus, dass
der Beschuldigte vor ihm gestanden sei und ihm – so wie er das sehe – die noch
ganze Flasche mit der rechten Hand in seine linke Gesichtshälfte geschlagen ha-
be, worauf die Flasche zerbrochen sei (Urk. 3/1 Nr. 12: "Er stand vor mir und so
wie ich das sehe, schlug er mir die Flasche mit der rechten Hand in meine linke
Gesichtshälfte"; Urk. 3/3 Nr. 13). Was der Privatkläger in diesem Moment konkret
sah, führte er gemäss Einvernahmeprotokoll vor. Der einvernehmende Staatsan-
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walt verglich diese Gestik mit einem von der rechten Hand ausgeführten Schlag
mit einem Tennisschläger (Urk. 3/1 Nr. 12; Urk. 3/3 Nr. 13 – 14). Auch in Bezug
auf das Behändigen der Bierflasche bekundete der Privatkläger bereits anlässlich
seiner ersten Befragung Unsicherheiten und Wahrnehmungslücken, was von der
Vorinstanz unvollständig wiedergegeben wurde. So führte der Privatkläger zwar
zunächst aus, dass der Täter eine Feldschlösschen Bierflasche genommen habe.
Woher er diese hatte, konnte er allerdings schon damals nicht mit Sicherheit sa-
gen (Urk. 3/1 Nr. 6: "[...], ich weiss nicht genau, wo diese [Bierflasche] her ist, wo
ich zuvor mit ihm redete, hatte er keine Flasche in der Hand."; vgl. auch Urk. 3/3
Nr. 12). Damit deutete er somit bereits in seiner ersten Befragung an, die Bierfla-
sche nicht gesehen zu haben. Auch geht bereits aus seinen Aussagen in der er-
sten Befragung unmissverständlich hervor, dass er aufgrund der von ihm wahrge-
nommenen Umstände, nämlich dass unmittelbar vor dem Schlag einzig die Per-
son, mit welcher er sich am Streiten war, direkt vor ihm stand, darauf geschlossen
habe, dass diese Person ihn auch geschlagen haben müsse. In diesem Sinne be-
jahte er bei der anschliessenden zweiten polizeilichen Befragung auch ohne zu
zögern die Frage, ob er sich sicher sei, dass es sich bei der Person auf dem Foto
um die Person handle, welche ihn verletzt habe (Urk. 3/2 Nr. 9, 15, 17).
5.3.1. Verneint er nun die Frage des Staatsanwaltes, ob er die Bierflasche bzw.
denjenigen, welcher ihn damit geschlagen habe, gesehen habe, so ist darin kein
Widerspruch zu erkennen, sondern vielmehr eine bedingt durch die enge Formu-
lierung der Frage erfolgte, klarere Kundgabe des bereits Gesagten. Dies unter-
streicht die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen: Hätte er nämlich den Beschuldigten
zu Unrecht belasten wollen, so hätte er einfach behaupten können, den Beschul-
digten beim Schlagen genau gesehen zu haben. Schliesslich bleibt hervorzuhe-
ben, dass der Privatkläger mehrmals angab, dass der Schlag mit der Flasche völ-
lig unerwartet, aus dem Nichts heraus gekommen sei.
5.3.2. Bei dieser Ausgangslage kann der Privatkläger nach allgemeiner Lebenser-
fahrung nichts anderes wahrgenommen haben, als die Schlagbewegung an sich,
welche aus der Richtung von der ihm direkt gegenüberstehenden Person kam,
- 15 -
mit welcher er sich gerade am Streiten war und welche ihn gerade eben erfolglos
aufgefordert hatte, die Angelegenheit draussen zu regeln.
5.4. Anhaltspunkte dafür, dass der Privatkläger wissentlich falsche Angaben hin-
sichtlich Täterschaft und Tathergang gemacht haben könnte, liegen nicht vor.
Auch eine unbewusste Verwechslung bezüglich der Täterschaft kann entgegen
der Vorinstanz und der Verteidigung ausgeschlossen werden (Urk. 47 S. 3 ff., 8,
11; Urk. 57 S. 15 f.; Urk. 69 S. 7). Der Privatkläger sagte aus, dass er den Be-
schuldigten bis vor der Tat noch nie gesehen habe. Namentlich war ihm dieser al-
so nicht bekannt. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass der Privatkläger
bei der Recherche nach dem ihm namentlich nicht bekannten Täter im Internet
Hilfe von Kollegen etc. angenommen hatte. Jedenfalls kann entgegen der Auffas-
sung der Verteidigung daraus nicht geschlossen werden, dass er nur aufgrund
von Hinweisen durch andere, am Tatort nicht anwesende Personen auf den Be-
schuldigten als Täter gekommen sei (Urk. 47 S. 4, 11). Der Privatkläger beschrieb
den Beschuldigten anlässlich seiner ersten Befragung zutreffend (Urk. 3/1 Nr. 27
und 34). Der Beschuldigte war es denn auch, welcher sich in der Folge als in eine
"Schlägerei" bzw. in einen "Vorfall" "involvierte" Person bei der Polizei gemeldet
hatte (Urk. 1/4). Mehrmals hob der Privatkläger hervor, dass der Täter ein
schwarz-rot kariertes Hemd getragen habe. Ein solches wurde beim Beschuldig-
ten sichergestellt (Urk. 6/5 S. 6). Weshalb der Privatkläger den Beschuldigten
nach eigenen Angaben im Spital nicht auf Anhieb wiedererkennen konnte, ver-
mochte der Privatkläger unter Berücksichtigung seines Zustandes kurz nach der
Tat plausibel zu erklären. Er sprach von Benommenheit nach dem Schlag
(Urk. 3/1 Nr. 14), und er war gerade erst mit neun Stichen im Gesicht genäht wor-
den (vgl. hierzu Urk. 57 S. 15; Urk. 47 S. 11). Da erstaunt es nicht, dass er den
Beschuldigten, welcher ihm insbesondere durch sein auffälliges Hemd in Erinne-
rung geblieben war, nicht gleich erkannte, nachdem dieser das Hemd zu jenem
Zeitpunkt bereits nicht mehr getragen hatte (Urk. 3/2 Nr. 4).
5.5. Die Aussagen des Privatklägers werden darüber hinaus teilweise auch vom
Beschuldigten und von weiteren Zeugen bestätigt.
- 16 -
5.5.1. Der Beschuldigte selber räumte in seiner ersten polizeilichen Befragung
vom 19. Oktober 2014 ein, dass er zur Tatzeit im Club D._ war. Dort habe er
eine vorerst verbale Auseinandersetzung gehabt, welche sich um eine weibliche
Person gedreht habe. Was anschliessend geschehen sei, wisse er nicht mehr.
Jedenfalls hätten ihn seine Kollegen irgendwann "gepackt" und in das Auto eines
Kollegen "verfrachtet" bzw. "befördert". Ca. 30 Minuten nachdem er zu Hause an-
gekommen sei, habe ihm G._ mitgeteilt, dass im D._ der Krankenwagen
vorgefahren sei und den Kontrahenten des Beschuldigten abgeholt habe (Urk. 2/1
Nr. 2; vgl. auch Urk. 2/2 Nr. 6, Urk. 13/7 S. 4 und Urk. 43 S. 11; Prot. II S. 13 –
16).
5.5.2. Stimmig zu den Aussagen des Privatklägers führte auch F._ aus, dass
sich zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger ihretwegen ein Streitge-
spräch entfacht habe, welches anfangs normal verlaufen, dann aber immer lauter
und intensiver geworden sei. Angesichts der angespannten Situation habe sie ei-
ne Vorahnung gehabt, dass es Probleme geben werde. Da sie gemerkt habe,
dass es nicht gutkommen werde, habe sie vergebens versucht, die Beiden ausei-
nanderzubringen. Dann sei sie aber weggegangen, weil sie eben nicht gewollt
habe, dass es zu so etwas Grossem kommen werde, weswegen sie heute hier
sitzen würde (Urk. 4/2 Nr. 3, 6; Urk. 4/7 Nr. 9, 11, 13, 18 f., 21). Draussen vor dem
Club hätten drei Kollegen den Beschuldigten zurückgehalten, weil er immer noch
sehr aggressiv gewesen sei und geschrien habe. Es sei wahrscheinlich, dass er
auf den Privatkläger habe losgehen wollen (Urk. 4/7 Nr. 28, 30 – 37).
5.5.3. H._, ein zum Tatzeitpunkt draussen vor dem Club beim Eingangsbe-
reich stehender Türsteher (Urk. 1/1 S. 5; Urk. 42 S. 6), führte aus, dass er zwei
Männer die Treppe herunterkommen gesehen habe. Er habe beobachtet, wie der
Beschuldigte („auffallendes rot-kariertes Hemd“) den Privatkläger, welcher sich
am Treppengeländer festgehalten habe und in gebückter Haltung gegangen sei,
die Treppe hinunter vor sich her geschubst habe. Der Beschuldigte sei am „Aus-
flippen“ gewesen. Mehrmals habe dieser dem Privatkläger gesagt: „was hesch mit
minere Cousine?“ Im Eingangsbereich habe der Beschuldigte von anderen Besu-
chern zurückgehalten werden müssen. Er habe dann bemerkt, dass der Privat-
- 17 -
kläger im Gesicht geblutet habe (Urk. 1/1 S. 5; Urk. 42 S. 4 ff., insbesondere
Urk. 42 S. 9, wo der Zeuge die Wahrheit seiner gegenüber der Polizei kurz nach
dem Vorfall deponierten Aussagen bestätigte).
5.5.4. Dass der Beschuldigte nach der Auseinandersetzung mit dem Privatkläger
"hässig" bzw. "aggressiv" gewesen sei, führten auch die Zeugen G._ und
H._ aus (G._: Urk. 1/1 S. 6, vgl. aber auch Urk. 4/8 Nr. 25 - 27, wo er
nur noch von "aufgewühlt", "leicht durcheinander" spricht; H._: Urk. 1/1 S. 6,
Urk. 4/10 Nr. 28, 31 f. [wobei die Zeugin hier ergänzt, dass alle "hässig" gewesen
seien]).
5.5.5. Damit bestätigen die Zeugen, dass es wegen F._ zu einer vorerst ver-
balen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger
kam, welche so intensiv wurde, dass F._ aufgrund dessen die Befürchtung
hatte, dass das nicht gut herauskommen werde, bzw. etwas so „Grosses“ wie das
Eingetretene passieren würde. Weiter wird bestätigt, dass kurz darauf der Privat-
kläger im Gesicht blutend, in gebückter Haltung und gefolgt vom Beschuldigten
den Club verliess und der Beschuldigte den Privatkläger beim Treppenabstieg
schubste, herumschrie und weiterhin derart aggressiv war, dass er von anderen
Personen zurückgehalten bzw. gepackt und ins Auto verfrachtet werden musste,
damit er nicht auf den Privatkläger losging. Für den Privatkläger, den Kontrahen-
ten des Beschuldigten, musste ein Krankenwagen im Club D._ vorfahren, um
diesen abzuholen.
5.6. Gesamthaft sind damit die Aussagen des Privatklägers – entgegen den vor-
instanzlichen Erwägungen – als uneingeschränkt glaubhaft zu qualifizieren.
5.7. An dieser Überzeugung vermögen auch die von der Vorinstanz und der Ver-
teidigung dagegen vorgebrachten Erwägungen bzw. Einwände keine mehr als nur
abstrakten, theoretischen Zweifel zu begründen.
5.7.1. Gemäss Vorinstanz und Verteidigung steht die Aussage des Privatklägers,
wonach F._ ihm gesagt habe, dass der Beschuldigte ihn geschlagen habe
oder wonach diese beim Schlag mit der Bierflasche direkt daneben gestanden
- 18 -
sei, mit den diesbezüglich Angaben dieser Zeugin im Widerspruch (Urk. 57
S. 15 f.; Urk. 47 S. 4).
5.7.1.1. Sowohl die Vorinstanz als auch die Verteidigung setzen sich bei den ent-
sprechenden Überlegungen weder mit den diesbezüglichen Aussagen von
F._ noch mit denjenigen des Privatklägers konkret auseinander. Vielmehr
blendet insbesondere die Vorinstanz bei der Würdigung der Aussagen von
F._ aus (Urk. 57 S. 10 f.), dass diese in Bezug auf ihr eigenes Verhalten
nach Intensivierung der verbalen Auseinandersetzung äusserst widersprüchlich
aussagte.
5.7.1.2. Die Zeugin F._ wurde zwei Mal befragt. Gemäss ihren ersten Aus-
sagen sei sie, gleich nachdem sie den Beschuldigten und den Privatkläger ver-
geblich aufgefordert habe, den inzwischen intensiven Disput zu beenden, in eine
Sitzecke gegangen und habe dort eine Zigarette geraucht. Der Beschuldigte und
der Privatkläger hätten sich währenddessen weiter gestritten. Ein paar Minuten
später habe sie nur noch beobachtet, wie zuerst der Privatkläger und dann der
Beschuldigte den Gästeraum des Lokals verlassen hätten und die Treppe in Rich-
tung Ausgang hinuntergestiegen seien. Als sie dann nach draussen gegangen
sei, habe sie einen Rettungswagen gesehen, aber nicht gewusst, weshalb dieser
gekommen sei (Urk. 4/2 Nr. 3). Nach dieser Sachdarstellung bekam die Privatklä-
gerin also überhaupt nicht mit, was sich beim Verlassen des Clubs bzw. draussen
genau zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger ereignete. In klarem
Widerspruch dazu führte sie nun aber gegenüber dem Staatsanwalt aus, dass sie
sofort nach ihrer ungehört gebliebenen Aufforderung aufzuhören nach draussen
gegangen sei und sich dort hingesetzt habe. Nach ca. sieben Minuten habe sie
dann den Privatkläger gefolgt vom Beschuldigten herauskommen sehen (Urk. 4/7
Nr. 11, 13, 33). Anschliessend beschrieb die Zeugin ausführlich ihre Wahrneh-
mungen zum Verhalten des Beschuldigten beim Verlassen des Clubs und
draussen vor dem Club (Urk. 4/7 Nr. 28 – 36). Dies alles hätte sie nach ihrer ers-
ten Darstellung überhaupt nicht sehen können. Damit konnte die Zeugin selber
nicht überzeugend darlegen, wo sie sich zum Zeitpunkt des Schlages mit der
Bierflasche befand, weshalb ihre diesbezüglichen Angaben keinesfalls Zweifel an
- 19 -
der grundsätzlichen Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers zu begrün-
den vermögen.
5.7.1.3. Dies gilt umso mehr, wenn die diesbezüglichen Aussagen des Privatklä-
gers genauer geprüft werden. Der Privatkläger wurde anlässlich seiner ersten po-
lizeilichen Befragung gefragt, ob F._ den Vorfall habe beobachten können.
Hierauf antwortete er, dass sie, soweit er wisse, direkt daneben gestanden sei
(Urk. 3/1 Nr. 9). Bereits aus dieser Antwort wird ersichtlich, dass er sich diesbe-
züglich nicht sicher ist, sondern es sich hierbei lediglich um eine aus den Um-
ständen geschlossene Annahme handelt. Nicht anders lässt sich auch die Aussa-
ge des Privatklägers lesen, wonach F._ ihm gesagt habe, dass der Beschul-
digte der Täter sei, weil diese "neben dran" gestanden sei, zumal er weiter unten
diesbezüglich ergänzt, dass er sich "ja mit ihr unterhalten habe" (Urk. 3/3 Nr. 16-
19, 21). Der Privatkläger gab sich damit in Bezug auf den Standort von F._
nie so sicher, wie die Verteidigung geltend macht.
5.7.2. Gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers brachte die Vor-
instanz und die Verteidigung weiter den Umstand vor, dass der Privatkläger in
Bezug auf seinen Drogenkonsum am Vorabend gelogen habe (Urk. 57 S. 16;
Urk. 47 S. 9 - 11; Urk. 69 S. 6 f.). Tatsächlich bestritt der Privatkläger, an diesem
Abend Drogen konsumiert zu haben, bzw. führte er aus, dass er dies nicht mehr
wisse, oder er wollte sich dazu nicht äussern (Urk. 3/1 Nr. 29; Urk. 3/3 Nr. 37, 66;
Prot. II S. 22). Gegenüber der ihn untersuchenden Assistenzärztin des Spitals
E._ aber räumte er bereits am Tattag wahrheitsgemäss ein, dass er eine Li-
nie Amphetamin geschnupft habe (Urk. 7/9 S. 1). Die Einräumung des Konsums
von Betäubungsmitteln gegenüber den Strafverfolgungsbehörden hätte einerseits
die Beeinträchtigung seiner generellen Glaubwürdigkeit verhindert, andererseits
stand dem Privatkläger in Bezug auf seinen eigenen Drogenkonsum, welcher mit
dem Vorfall an sich keinen (direkten) Zusammenhang hatte, aber das Recht zu,
die Aussage zu verweigern, da sich niemand selber zu belasten braucht. Aus dem
Verheimlichen des Drogenkonsums gegenüber der Strafuntersuchungsbehörde
schliessen zu wollen, die gesamte Darstellung des Privatklägers in der Sache sei
unglaubhaft, geht daher fehl.
- 20 -
5.7.3. Die Vorinstanz begründet die „reduzierte“ Glaubhaftigkeit der Aussagen des
Privatklägers des Weiteren damit, dass dieser verneint habe, dass die Cousine
des Beschuldigten beim Gespräch resp. beim Streit ein Thema gewesen sei. Die
Vorinstanz erwog, dass die Zeugin F._ und der Zeuge H._ ausgesagt
hätten, dass „bei der verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten
und dem Privatkläger mehrmals von der Cousine des Beschuldigten die Rede
gewesen sei“ (Urk. 57 S. 16). Dieser Beweiswürdigung kann nicht gefolgt werden.
Weder wurde dem Privatkläger eine entsprechende Frage gestellt noch verneinte
er einen entsprechenden Vorhalt. Die Frage lautete sinngemäss, ob er etwas mit
der Cousine des Beschuldigten habe, worauf er antwortete, dass er diese nicht
kenne (Urk. 3/3 Nr. 54). Ferner kann aus den Aussagen der genannten Zeugen
gerade nicht abgeleitet werden, dass sich der Streit auch um die Cousine drehte.
F._ bestätigte mehrmals, dass der Streit ihretwegen seinen Anfang genom-
men habe. Nicht einmal I._ selbst, die Cousine des Beschuldigten, wusste
davon, dass sie Thema des Streitgesprächs gewesen sein soll (Urk. 4/10). Weiter
sagten weder die Zeugin F._ noch der Zeuge H._ aus, dass die Cousine
bei der verbalen Auseinandersetzung zur Sprache gekommen sei, sondern dass
nur der Beschuldigte allein seine Cousine erwähnt habe und zwar erst beim Ver-
lassen des Clubs. Was in Bezug auf die Cousine genau gesagt wurde, ist darüber
hinaus ebenfalls äusserst unklar. Die Zeugin F._ gab folgendes an: ..., „
wahrscheinlich sagte A._ etwas über seine Cousine und er sagte, was er
über seine Cousine sage“ (Urk. 4/7 Nr. 33). Der Zeuge H._ berichtete dem-
gegenüber, dass der Beschuldigte mehrmals gesagt habe: „was hesch mit minere
Cousine?“ bzw. er habe den Beschuldigten mehrmals das Wort „meine Cousine“
sagen hören, wisse aber nicht mehr, was genau (Urk. 1/1 S. 5; Urk. 42 S. 6). Da-
mit lässt sich aus der Angabe des Privatklägers, dass er die Cousine des Be-
schuldigten nicht kenne, nichts in Bezug auf die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen
ableiten.
5.7.4. Die Verteidigung führt als weiteren, gegen die Glaubhaftigkeit der Darstel-
lung des Privatklägers sprechenden Hinweis an, dessen Aussagen zum genauen
Deliktsort liessen sich nicht mit dem sich aus der Spurensicherung ergebenden
Standort des Privatklägers in Einklang bringen (Urk. 47 S. 5 f.; Urk. 69 S. 8 f.).
- 21 -
Zwar ist der Verteidigung zuzustimmen, dass sich auf den Fotoaufnahmen viele
Glasscherben eher in der Nähe des neben der Bar stehenden runden Tisches als
neben dem vom Privatkläger bezeichneten Deliktsstandort befinden. Auch der
abgebrochene Flaschenhals wurde gleich neben der Bar sichergestellt (Urk. 6/3
Foto 1). Deswegen ging die Polizei wohl auch davon aus, dass der Privatkläger
beim Schlag mit der Flasche mutmasslich beim runden Tisch gestanden sei
(Urk. 6/2). Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass es sich um relativ beengte
räumliche Verhältnisse handelt und der rechteckige Stehtisch nicht weit vom run-
den Tisch bzw. der Bar entfernt stand (Foto 3). Ausgehend von der vom Privat-
kläger beschriebenen Schlagbewegung (mit der rechten Hand wie mit einem
Tennisschläger auf linke Gesichtshälfte geschlagen) ist es durchaus denkbar,
dass der Privatkläger mit seiner linken Seite beim rechteckigen Tisch stand und
die Scherben sowie der abgebrochene Flaschenhals nach dem Zerbrechen der
Flasche zumindest teilweise weiter in die – vom Privatkläger aus gesehen – rech-
te Richtung, also in Richtung Bar, geflogen sind. Damit vereinbar wäre auch die
Ausrichtung der Scherben. Direkt in der Nähe des rechteckigen Tisches befindet
sich eine mit der Nummer 6 gekennzeichnete Scherbe (Foto 3). Die weiteren
Scherben kamen neben dem kleinen runden Tisch zu liegen. Anzumerken bleibt
schliesslich, dass auch J._ gegenüber der Polizei angab, dass er sich mitten
im Gastraum, in der Nähe des Stehtisches befunden habe, als er plötzlich von
hinten mit einer Flüssigkeit bespritzt worden sei (Urk. 1/1 S. 6).
5.7.5. Weiter wendete die Verteidigung ein, dass der Privatkläger am 28. Oktober
2014 hinsichtlich jener Person gelogen habe, welche diesem gesagt haben soll,
dass der Beschuldigte dieser gegenüber den Vorfall gleich geschildert habe, wie
der Privatkläger gegenüber. Nachweislich handle es sich bei dieser Person näm-
lich nicht um den zuerst angegebenen K._, sondern um L._. Dies ergä-
be sich aus den beiden eingereichten WhatsApp-Chatprotokollen (Urk. 47 S. 12;
Urk. 69 S. 15 f.).
5.7.5.1. Inwiefern diese Chatprotokolle nachweisbar ausschliessen, dass der Pri-
vatkläger abgesehen von L._ auch mit K._ über den Vorfall gesprochen
haben könnte, wird nicht dargelegt. Selbst wenn aber der Privatkläger nie mit
- 22 -
K._ darüber gesprochen hätte und statt L._ anzugeben, K._ als
Zeugen seiner Behauptung aufgeführt hätte, müssten bei der Würdigung einer
solchen Angabe folgende Hintergründe berücksichtigt werden: Als der Privatklä-
ger anlässlich seiner zweiten Befragung am 20. Oktober 2014 gefragt wurde, von
wem er eines der Fotos bekommen habe, welches er zur Identifikation des Be-
schuldigten eingereicht hatte, wollte er unter Hinweis auf eine auf Facebook ge-
postete, von ihm als Drohung verstandene Nachricht keine Namen angeben. Er
wolle niemanden "in die Sache involvieren". Diese Nachricht befindet sich in den
Akten zusammen mit einem Foto, worauf der Beschuldigte und eine weitere Per-
son zu sehen sind (Urk. 3/2 Nr. 6 und Anhang 2). Der Inhalt der Nachricht lautet
wortgetreu wie folgt:
"ich köre wie lüt am rede sind weg das was pasirt am wuchenen isch also es sisch so de B._ isch min Beste das wüset ihr ... EGAL WER EGAL WER WEN ÖPERT ES PROBLEM MIT IM ODER MIT DEM HET WAS ER GMACHT HET UND PASIERT ISCH DEN SCHRIEBET MIR EGAL WER ICH FIND DE JENIGE UND FICK IM SINI MUETER ICH BALLERE JEDEM WO EU E CHUGLE DURCH EM KOPF MEINS TOT ERNST UND VERGESET NÖD ICH BIN NÖD DE ... [Buchstabe] ICH DE M._"
Diese Nachricht ist – entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 57 S. 18)
– an konkrete Personen gerichtet, nämlich an diejenigen, welche ein Problem mit
dem haben, was der Beschuldigte gemacht habe. Es ist nachgerade offensicht-
lich, dass diese Nachricht als Drohung zu verstehen und dazu geeignet ist, Dieje-
nigen einzuschüchtern, welche sich gegen den Beschuldigten stellen. Berücksich-
tigt man, dass der Privatkläger gemäss WhatsApp-Chatprotokoll am 27. Oktober
2014 von L._ mitgeteilt erhielt, dass K._ in der gleichen Angelegenheit
auch auf den 28. Oktober 2014 vorgeladen war, d.h. insofern bereits "in die Sa-
che involviert" war, so ist es durchaus denkbar, dass der Privatkläger, um L._
nicht auch noch in die Sache mit hineinzuziehen und diesen damit allenfalls zu
gefährden, den Namen von K._ angab. Im Übrigen ist K._ auch derjeni-
ge, welchem gegenüber der Beschuldigte gestützt auf die Chatprotokolle sinnge-
mäss die Tat eingeräumt haben soll. Damit vermag auch dieser Einwand keine
unüberwindbaren Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers
zu begründen.
- 23 -
5.7.5.2. Der von der Verteidigung vorgebrachte Einwand geht aber auch deshalb
ins Leere, weil die eingereichten WhatsApp-Chatprotokolle objektivierbar nach-
weisen, dass jemand ["L'._", d.h. L._] dem Privatkläger tatsächlich am
27. Oktober 2014 geschrieben hatte, dass der Beschuldigte gegenüber K._
die Sachdarstellung des Privatklägers bestätige.
5.7.5.3. Es erübrigt sich an dieser Stelle deshalb eigentlich auch eine eingehende
Beurteilung der Aussagen von K._ und L._. Dennoch soll hierzu noch
Folgendes angemerkt werden:
Die Sachdarstellung von K._, wonach er alleine in "besoffenem" Zu-
stand frühmorgens (wohl ca. 5.00 Uhr) einen Fussmarsch von ca. einer Stunde
auf sich genommen habe, nur, um beim Beschuldigten angekommen, dann gleich
einzuschlafen, ohne mit diesem zumindest über das eben gerade mit der Polizei
geführte Telefongespräch zu sprechen, erscheint völlig lebensfremd (vgl. Urk. 4/9
Nr. 14-18). Wohlgemerkt wohnt der Zeuge am N._-Weg ... in ... E._, so
dass er innert viel kürzerer Zeit bei sich zu Hause gewesen wäre. Daneben aber
sprechen seine konkreten Antworten zur Frage, ob er sich mit dem Privatkläger
über den Vorfall unterhalten habe, gegen deren Glaubhaftigkeit. Auf Vorhalt der
Aussagen des Privatklägers führte er aus, dass er nicht wisse, wie der Privatklä-
ger auf eine entsprechende Behauptung komme. Ergänzend hielt er fest: "Ich
kann es mir nicht vorstellen, ausser Sie können es mir beweisen." (Urk. 4/9
Nr. 22). Diese Aussage kann nicht anders verstanden werden, als dass die Be-
hauptung des Privatklägers nach Ansicht des Zeugen zwar beweisbar wäre, gibt
er sinngemäss doch an, diese Behauptung nur anzuerkennen, sofern ein Beweis
dafür vorliege. Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass selbst der Beschuldig-
te aussagte, dass zwei Kollegen zu ihm gekommen seien, als er bereits zu Hause
gewesen sei, und ihm gesagt hätten, dass ein Krankenwagen vor dem D._
vorgefahren sei und er scheinbar involviert gewesen sei (Urk. 2/2 Nr. 20 f., 27).
Laut seinen Aussagen in der Berufungsverhandlung sollen diese beiden ihm so-
gar gesagt haben, dass er in eine Schlägerei involviert gewesen sei (Prot. II S. 14,
19).
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Die Aussagen von L._ zu den Umständen, wie es zu besagtem Chat
mit dem Privatkläger kam, sind augenfällig widersprüchlich. So konnte er sich ei-
nerseits nicht an diese erinnern (Urk. 4/11 Nr. 16, 22), wusste aber andererseits
doch noch, dass er an diesem Abend sehr stark betrunken gewesen sei
(Urk. 4/11 Nr. 12, 14), konnte sich dann aber nicht entscheiden, ob er nicht doch
nüchtern gewesen sei (Urk. 4/11 Nr. 20).
5.8. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vollumfänglich auf die glaubhaften
Aussagen des Privatklägers abzustellen ist.
6. Diesen glaubhaften Aussagen steht die Angabe des Beschuldigten gegen-
über, dass er sich nicht daran erinnern könne, was er zur Tatzeit gemacht habe,
er sich aber nicht vorstellen könne, anklagegemäss gehandelt zu haben.
6.1. Aus den Aussagen des Beschuldigten lassen sich damit keine Hinweise er-
schliessen, welche auf die Unglaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers hin-
deuten könnten. So kann der Sachdarstellung des Privatklägers gestützt auf die
Aussagen des Beschuldigten kein plausiblerer Tathergang gegenübergestellt
werden, welcher unüberwindbare Zweifel an der Glaubhaftigkeit der ersteren auf-
kommen lassen würde oder überzeugender wäre.
6.2. Darüberhinaus halten die im Zusammenhang mit der Erinnerungslücke vor-
gebrachten Aussagen des Beschuldigten einer kritischen Glaubhaftigkeitsbeurtei-
lung nicht stand. Während der Beschuldigte sich anlässlich seiner ersten Befra-
gung am 19. Oktober 2014 noch daran erinnern konnte, dass er im Club D._
vorerst eine verbale Auseinandersetzung gehabt habe, bei welcher es um eine
weibliche Person gegangen sei, will er sich einen Tag später nur noch an eine
Frau namens F._ und eine dritte, entweder weibliche oder männliche Person
erinnern (Urk. 2/1 Nr. 2; Urk. 2/2 Nr. 6). Verräterisch mutet in diesem Zusammen-
hang die Verwendung des Wortes „vorerst“ an. Diese Wortwahl impliziert, dass
auch er selbst davon ausging, dass diese Auseinandersetzung in ihrem Verlaufe
eine andere Form annahm als eine nur verbale (vgl. Prot. II S. 15). Nicht anders
lässt sich sodann die Bemerkung des Beschuldigten im Rahmen des mit der Ein-
satzzentrale geführten Telefonats verstehen: Gegenüber dem Polizeibeamten
- 25 -
O._ gab er folgendes an: "im D._ häts ä schlägerei ge und ich bin invol-
viert gsi" (Urk. 1/4, erste Gesprächsaufzeichnung [DF9E1816], 0.20 und 0.28 -
0.32 Minuten). Die gleiche Schlussfolgerung drängt sich bei Berücksichtigung sei-
nes Hinweises auf, dass er einen blauen Fleck am Oberarm habe, welcher auch
vom Privatkläger verursacht worden sein könne (Urk. 2/2 Nr. 29). Weiter konnte
er sich an der ersten Befragung noch daran erinnern, dass seine Kollegen ihn ir-
gendwann „packten“ und in das Auto eines Kollegen „verfrachteten“ (Urk. 2/1 Nr.
2). Einen Tag später scheint auch diese Erinnerung verblasst zu sein, führte der
Beschuldigte doch nunmehr aus, dass er nach seiner Erinnerung an F._ nur
noch wisse, in einem Auto und dann zu Hause gewesen zu sein. Er könne nicht
sagen, wessen Auto es gewesen sei (Urk. 2/2 Nr. 6 f.). Anlässlich der Berufungs-
verhandlung gab er dann wieder an, sich zu erinnern, dass er ins Auto befördert
worden sei (Prot. II S. 14). Ferner will er sich gemäss seinen Aussagen anlässlich
der haftrichterlichen Einvernahme vom 21. Oktober 2014 ab 23.00 Uhr an nichts
mehr erinnern. Er wisse nicht mehr, was sich ab diesem Zeitpunkt zugetragen
habe (Urk. 13/7 S. 3). Einen Tag zuvor und auch anlässlich der Berufungsver-
handlung vermochte er aber anzugeben, dass er um ca. Mitternacht eine Ecstasy-
Tablette eingenommen habe (Urk. 2/2 Nr. 14 f.; Prot. II S. 11). Aus den Aussagen
des Beschuldigten lässt sich folglich im Ergebnis nichts zu seinen Gunsten ablei-
ten.
7. Ein weiterer wichtiger Nachweis für die Täterschaft des Beschuldigten ist
schliesslich der Spurenauswertungsbericht des Forensischen Instituts Zürich
(nachfolgend FOR) vom 5. November 2014 (Urk. 6/6). Dieser Bericht hält fest,
dass die ab der abgebrochenen Bierflasche sichergestellten DNA-Spuren dem
Beschuldigten zugeordnet werden konnten, und zwar sowohl diejenigen am Fla-
schenhals als auch diejenigen an der Bruchstelle. Dass es sich bei dieser abge-
brochenen Flasche um das Teilstück der dem Privatkläger ins Gesicht geschla-
genen Bierflasche handelt, ergibt sich bereits daraus, dass keine anderen zerbro-
chenen Bierflaschen oder dergleichen am Tatort sichergestellt werden konnten.
Entgegen den Andeutungen der Verteidigung, liegen keine Anhaltspunkte vor,
welche auf ein allenfalls unsorgfältiges Vorgehen der Spurensicherung durch die
Beamten des FOR hinweisen (Urk. 69 S. 13).
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7.1. Auch aus dem Umstand, dass der Bericht das ebenfalls an der Bruchstelle
vorgefundene DNA-Nebenprofil nicht eindeutig dem Privatkläger zuordnen konn-
te, kann der Beschuldigte nichts zu seinen Gunsten ableiten (vgl. Urk. 47 S. 8 f.;
Urk. 69 S. 12 ff.). Der Privatkläger wurde nicht als Spurengeber ausgeschlossen.
Das Nebenprofil war nicht interpretierbar. Er könnte damit gleichwohl der Spuren-
geber und damit mit der Bruchstelle in Kontakt gekommen sein. Mit der Staats-
anwaltschaft ist darauf hinzuweisen, dass ein kurzer Kontakt des Gesichtes des
Privatklägers mit der Bruchstelle nicht zwingend Spuren verursacht, zumal es
durchaus vorstellbar und nicht ungewöhnlich ist, dass gerade nicht die Bruchstelle
die Schnittverletzungen beim Privatkläger hervorgerufen hat, sondern diese durch
die übrigen, beim Aufprall auf das Gesicht des Privatklägers abgesplitterten Glas-
scherben verursacht worden sind.
7.2. Aus ähnlichen Gründen ist auch die vorinstanzliche Beweiswürdigung zu
verwerfen, wonach das Verletzungsbild des Privatklägers nicht resp. nur bedingt
mit der geltend gemachten Schlagbewegung übereinstimme (Urk. 57 S. 17). Die
Bierflasche zerbrach knapp unterhalb des Flaschenhalses. Der untere Teil der
Flasche muss aufgrund der am Tatort sichergestellten Glasscherben völlig zer-
borsten sein. Es ist damit durchaus möglich, dass durch die abgesplitterten, um-
herfliegenden Scherben auch andere Stellen im Gesicht verletzt werden als die
unmittelbare Kontaktstelle mit der noch ganzen Flasche. Im Übrigen handelt es
sich bei den Erwägungen der Vorinstanz nicht mehr als das Aufführen abstrakter,
theoretisch möglicher Verletzungsbilder nach einem Schlag mit einer Bierflasche,
welche eben keine ernsthaften Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO an der
eingeklagten Tathandlung zu begründen vermögen, zumal keinerlei Anhaltspunk-
te dafür vorliegen, wie die eingetretenen Verletzungen sonst entstanden sein
könnten.
8. Entscheidend ist schliesslich, dass entgegen der Auffassung der Verteidi-
gung nicht ansatzweise Anhaltspunkte für eine Dritttäterschaft vorliegen. Keiner
der Befragten, nicht einmal der Beschuldigte selbst, hielt dafür, dass eine dritte
Person in die anfänglich verbale Auseinandersetzung involviert gewesen sei.
Nichts deutet darauf hin, dass jemand in unmittelbarer Nähe gestanden sein und
- 27 -
sich an der Auseinandersetzung beteiligt haben könnte. Keiner der Befragten
sprach davon, dass eine dritte Person nachträglich dazugekommen sein könnte.
Auch lässt sich in keiner der Aussagen der geringste Hinweis darauf finden, dass
noch eine dritte Person mit dem Beschuldigten mitgewirkt haben könnte, als die-
ser in sehr aggressiver Verfassung den Privatkläger die Treppe hinunterge-
schubst und herumgeschrien hatte. Der Beschuldigte war gemäss übereinstim-
menden Aussagen der Einzige, der sich intensiv verbal mit dem Privatkläger ge-
stritten hatte, bevor dieser blutend aus dem Club kam, und er war auch der Einzi-
ge, der äusserst aggressiv sowie herumschreiend den im Gesicht blutenden Pri-
vatkläger beim Treppenhinabsteigen schubste. Bei dieser Ausgangslage sind die
Ausführungen der Verteidigung bezüglich einer Dritttäterschaft (Urk. 47 S. 7 ff.;
Urk. 69 S. 10 f.) reine Spekulationen und gereichen nicht einmal zur Begründung
abstrakter theoretischer Zweifel.
9. Unter Berücksichtigung aller Beweismittel bestehen im Ergebnis keine un-
überwindbaren Zweifel daran, dass der Beschuldigte den Privatkläger anklage-
gemäss mit einer Bierflasche ins Gesicht geschlagen hat. An diesem Beweiser-
gebnis vermag zuletzt auch der Umstand nichts zu ändern, dass keine der befrag-
ten Personen den Schlag mit der Bierflasche gesehen haben will.
9.1. Es bestehen vielmehr gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass ein Teil der Be-
fragten sich mit dem Beschuldigten und untereinander absprachen. So fuhren
I._ und G._ gemäss deren Aussagen den Beschuldigten nach Hause
(Urk. 1/1 S. 6; Urk. 4/8 Nr. 21, 24, 28; Urk. 4/10 Nr. 19 f., 22). Später hielten sich
K._ und G._ bis zur Ankunft der Polizei beim Beschuldigten zu Hause
auf (Urk. 1/1 S. 6; Urk. 4/8 Nr. 32, 37; Urk. 4/9 Nr. 14 ff.). Dass dabei nicht über
das Vorgefallene gesprochen worden sein soll, wie diese Drei später behaupte-
ten, ist lebensfremd, schubste der Beschuldigte doch den Privatkläger vor sich die
Treppe hinunter, schrie den Privatkläger an, war laut und sehr aggressiv, so dass
er von einigen Personen zurückgehalten werden musste. Schliesslich widerspricht
dies auch den Aussagen des Beschuldigten selbst (Urk. 2/2 Nr. 20 f., 27; Prot. II
S. 14).
- 28 -
9.2. Abgesehen von diesem Kollusionsverdacht ist aktenkundig, dass über die
sozialen Netzwerke eine Drohung an diejenigen Personen ausgesprochen wurde,
welche "ein Problem" damit hätten, was der Beschuldigte getan habe.
9.3. Hinzu kommt in diesem Zusammenhang aber vor allem auch, dass die be-
fragten Zeugen gleichzeitig mit der Aussage, den Vorfall nicht gesehen zu haben,
angaben, zur Tatzeit nicht am Tatort gewesen zu sein. Damit aber kann die feh-
lende Bezeugung des Schlages auch nicht zur Entlastung des Beschuldigten bei-
tragen. Anders wäre es nur, wenn die Zeugen unmittelbar daneben gestanden
und ausgesagt hätten, dass sie nicht gesehen hätten, dass der Beschuldigte den
Privatkläger mit der Flasche schlug.
9.4. Der objektive Anklagesachverhalt ist damit erstellt.
10. In Bezug auf den subjektiven Anklagesachverhalt ist darauf hinzuweisen,
dass die Frage, was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, sog. innere Tat-
sachen betrifft und damit eine Tatfrage ist. Da sich aber diese inneren Tatsachen
bei ungeständigen Tätern regelmässig nur gestützt auf äusserlich feststellbare In-
dizien und Erfahrungsregeln ermitteln lassen, welche Rückschlüsse von den
äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben (Urteil des
Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom 11. August 2008 E. 2.4, m.H.), und die Beur-
teilung, ob im Lichte dieser äusseren Umstände der Schluss auf Vorsatz bzw.
Eventualvorsatz begründet ist, eine Rechtsfrage darstellt, ist das Bestehen eines
Vorsatzes bzw. Eventualvorsatzes nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Wür-
digung zu beurteilen (vgl. BGE 133 IV 1 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.5; BGE 125
IV 242 E. 3c, je m.H.).
III. Rechtliche Würdigung
1. Eine schwere Körperverletzung begeht derjenige, der bei einer anderen
Person die in Art. 122 Abs. 1 bis Abs. 3 StGB aufgeführten Verletzungen verur-
sacht. Namentlich gemäss Art. 122 Abs. 2 StGB macht sich derjenige strafbar,
der vorsätzlich den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen ver-
stümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Men-
- 29 -
schen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht
eines Menschen arg und bleibend entstellt.
1.1. Unbestrittenermassen führte das Verhalten des Beschuldigten zu keiner der
aufgeführten Verletzungen (Urk. 44 S. 2; Urk. 47 S. 16). Der objektive Tatbestand
der schweren Körperverletzung ist damit nicht erfüllt, weshalb nur eine Bestrafung
wegen versuchter Tatbegehung in Frage kommen kann.
1.2. Ein Versuch liegt u.a. vor, wenn der zur Vollendung der Tat gehörende tat-
bestandsmässige Erfolg nicht eintritt oder die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende ge-
führt wird, nachdem der Täter mit der Ausführung des Verbrechens begonnen hat
(Art. 22 Abs. 1 StGB). Vorausgesetzt wird damit, dass der Täter alle subjektiven
Merkmale der Tat erfüllt, ohne dass die objektiven Merkmale vollumfänglich ver-
wirklicht wurden. Die schwere Körperverletzung setzt Vorsatz voraus, wobei
Eventualvorsatz genügt (Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 und 2
StGB).
1.3. Die Anklage wirft dem Beschuldigten eventualvorsätzliches Vorgehen vor.
Nach ständiger Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter den
Eintritt des Erfolgs für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für
den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch un-
erwünscht sein (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2 m.H.). Auf der Wissensseite genügt es,
wenn dem Täter die wesentlichen Umstände im Sinne eines dauernden Begleit-
wissens mitbewusst waren (BGE 125 IV 242 E. 3e mit Hinweis; BSK StGB – NIG-
GLI/MAEDER, N 25 zu Art. 12 StGB). Zu diesen wesentlichen äusseren Umständen
gehören die Beweggründe des Täters, die Art der Tathandlung (z.B. die Heftigkeit
des Schlages und die Verfassung des Opfers) und insbesondere das Risiko der
Tatbestandsverwirklichung bzw. des Erfolgseintrittes. Nach der Rechtsprechung
darf vom Wissen des Täters auf dessen Willen geschlossen werden, wenn sich
ihm die Verwirklichung der Gefahr als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Be-
reitschaft, sie als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des
tatbestandsmässigen Erfolges ausgelegt werden kann. Je grösser das Risiko der
Tatbestandsverwirklichung ist, desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe
nicht darauf vertrauen können, dass sich das ihm bekannte Risiko nicht verwirk-
- 30 -
lichen werde (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 6B_802/2013 vom 27. Januar 2014
E. 2.3.3; BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; BGE 125 IV 242 E. 3c; BGE 101 IV 46; vgl. auch
BGE 122 IV 122; BGE 121 IV 253; BGE 119 IV 3; BGE 114 IV 153; BGE 109 IV
140; BGE 104 IV 159).
1.4. Beim Beschuldigten ist die Wissensseite in Bezug auf die schwere Körper-
verletzung zu bejahen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass er um die
potentielle Gefährlichkeit eines Schlages mit einer Bierflasche ins Gesicht einer
Person, mithin auf eine äusserst empfindliche Körperstelle, und um die Heftigkeit
seines Schlages wusste. Das Wissen bezüglich der potentiellen Gefährlichkeit
kann dem Beschuldigten als Allgemeinwissen, mithin als dauerndes Begleitwis-
sen zugerechnet werden. Trotz dieses Wissens setzte er die Bierflasche ein, was
als Indiz für eine Inkaufnahme von Verletzungen im Sinne von Art. 122 Abs. 2
StGB zu deuten ist. So hält denn auch pract. med. P._ in ihrem ärztlichen
Befund vom 28. Oktober 2014 fest, dass ausgehend von den eingetretenen Ver-
letzungen die Gefahr bestanden habe, dass ein Gesichtsnerv durch den Schnitt
an der linken Wange hätte verletzt werden können, was zu einer Gesichtsläh-
mung im Bereich des Mundes oder des Auges hätte führen können. Ebenso habe
die Gefahr bestanden, dass das linke Auge (die Bindehäute, die Hornhaut, der
Augapfel) durch Glassplitter hätte verletzt werden können (Urk. 5/5). Diese mögli-
chen Verletzungen sind entgegen der Auffassung der Verteidigung als mögliche
Anwendungsfälle von Art. 122 Abs. 2 StGB zu qualifizieren, bewirkt doch u.a.
auch eine partielle Gesichtslähmung eine arge und bleibende Entstellung (vgl.
Urk. 47 S. 16 ff.). Auf eine Inkaufnahme solcher Verletzungen weist ferner auch
die Art der Tathandlung hin (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom
11. September 2008 E. 2.6., unter Hinweis auf BGE 131 IV 1 E. 2.2.). Gemäss er-
stelltem Sachverhalt stritten sich der Beschuldigte und der Privatkläger zunächst
verbal. Der Streit wurde immer heftiger. Bevor er mit der Flasche zuschlug, grins-
te der Beschuldigte den Privatkläger an und schlug dann – wie mit einem Tennis-
schläger – mit der Flasche gezielt in dessen linke Gesichtshälfte. Die Flasche
ging in die Brüche, was auf eine gewisse Wucht des Schlages hindeutet. Bei ei-
nem derart wuchtigen, gezielten Schlag gegen das Gesicht eines Menschen mit
einem zerbrechlichen Gegenstand aus Glas, so dass der Gegenstand zerbricht,
- 31 -
ist das Risiko einer schweren Körperverletzung der genannten Art derart hoch,
dass nicht mehr ernsthaft davon ausgegangen werden kann, der Beschuldigte
hätte auf ein Ausbleiben solcher Verletzungen vertraut. Vernünftigerweise ist die-
ses Verhalten als Inkaufnahme dieses Erfolges und damit als eventualvorsätzli-
ches Handeln auszulegen.
1.5. Der subjektive Tatbestand der schweren Körperverletzung ist erfüllt. Der Be-
schuldigte hat sich tatbestandsmässig im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB in Ver-
bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB verhalten.
2. Gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB ist derjenige nicht strafbar, der zur Zeit der Tat
nicht fähig war, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht
zu handeln. War der Täter hingegen mindestens teilweise fähig, das Unrecht sei-
ner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so kann ihm die Tat
– zwar nur in einem geringeren Mass als im Normalfall, aber immerhin - vorge-
worfen werden, so dass er auch bestraft werden kann (DONATSCH/TAG, Strafrecht
I, Verbrechenslehre, 8. Auflage, Zürich 2006, S. 271). Da es ihm wegen seines
Zustandes aber erschwert ist, sich rechtmässig statt rechtswidrig zu verhalten, ist
die Strafe diesem Zustand entsprechend zu mildern (Art. 19 Abs. 2 StGB).
2.1. Grundsätzlich setzt die Beurteilung der Schuldfähigkeit einen biologisch-
psychologischen Befund voraus, der zu bestimmten psychischen Folgen geführt
haben muss (DONATSCH/TAG, a.a.O., S. 263). Da ein solcher Befund nur durch
eine entsprechend ausgebildete Fachperson, in der Regel also einen Spezialisten
für Psychiatrie, erstellt werden kann, ist bei einer solchen Konstellation eine sach-
verständige Begutachtung einzuholen. Den Akten liegt ein psychiatrisches Gut-
achten von Dr. med. Q._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 16. Februar 2015 bei (Urk. 8/6).
2.2. Bei der Würdigung des Gutachtens ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei
der Frage, in welchem Zustand sich der Täter zur Tatzeit befand, um eine Tatfra-
ge handelt. Rechtsfrage ist hingegen, ob dieser Zustand den Schluss zulässt,
dass der Täter im Sinne von Art. 19 StGB schuldunfähig bzw. vermindert schuld-
- 32 -
fähig war (BGE 107 IV 3 E. 1a; vgl. Urteil des Bundesgerichtes 6B_1092/2009
vom 22. Juni 2010, E. 3.1 mit Hinweisen).
2.2.1. Aufgabe des Sachverständigen ist es, den biologisch-psychologischen Zu-
stand des Täters zum Tatzeitpunkt zu beurteilen. Aufgabe des Sachrichters ist es
dahingegen zu entscheiden, ob der vom Sachverständigen festgestellte biolo-
gisch-psychologische Zustand, in welchem der Täter die Tat beging, die rechtli-
chen Merkmale der verminderten bzw. aufgehobenen Schuldfähigkeit im Sinne
von Art. 19 StGB aufweist oder nicht (vgl. BGE 102 IV 225 E. 7.b; BSK StGB -
BOMMER/DITTMANN, N 26 zu Art. 19 StGB). Das Gericht ist demzufolge nicht an
die Schlussfolgerungen des Sachverständigen hinsichtlich der Schuldfähigkeit
gebunden und darf auf verminderte Schuldfähigkeit erkennen, wenn das Gutach-
ten auf volle Schuldfähigkeit schliesst und umgekehrt. Es hat nach eigenem Er-
messen frei zu beurteilen, ob der Täter in hohem Masse in den Bereich des Ab-
normen fällt, seine Geistesverfassung nach Art und Grad stark vom Durchschnitt
nicht bloss der Rechts-, sondern auch der Verbrechensgenossen abweicht. Einzi-
ge Grenze einer Abweichung vom Gutachten ist diesbezüglich durch das Verbot
der Willkür gesetzt (BGE 102 IV 225 E. 7b; BSK StGB - BOMMER, N 34 zu Art. 20
StGB).
2.2.2. Bei psychiatrischen Fachfragen allerdings, d.h. hinsichtlich des biologisch-
psychologischen Befundes darf das Gericht gemäss Lehre und Praxis nicht ohne
triftige Gründe vom Gutachten abweichen. Ein triftiger Grund liegt dann vor, wenn
gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien die Überzeugungs-
kraft der Feststellungen von Sachverständigen ernstlich erschüttern, so dass die
Schlüssigkeit des Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft erscheint
(BGE 101 IV 130; BGE 129 I 57 f.; Urteil des Bundesgerichtes 6B_283/2007 vom
5. Oktober 2007 E. 2; DONATSCH/TAG, a.a.O., S. 268; SCHWARZENEGGER / HUG /
JOSITSCH, Strafrecht II, Strafen und Massnahmen, 8. Aufl., Zürich 2007, S. 162;
BSK StGB - BOMMER, N 27 zu Art. 13 StGB). Ein Gutachten ist dann als nicht
schlüssig zu erachten, wenn der Sachverständige die an ihn gestellten Fragen
nicht beantwortet, wenn er seine Erkenntnisse und Schlussfolgerungen nicht be-
gründet oder diese in sich widersprüchlich sind oder die Expertise sonst an Män-
- 33 -
geln krankt, die derart offensichtlich und auch ohne Fachwissen erkennbar sind,
dass sie das Gericht nicht übersehen kann (Urteil des Bundesgerichtes
6B_487/2011 vom 30. Januar 2012 E. 3.1.2).
2.3. Gutachter Dr. med. Q._ kam im Gutachten vom 16. Februar 2015 zum
Schluss, dass die Schuldfähigkeit des Beschuldigten am 19. Oktober 2014 infolge
einer "ausgeprägten Trunkenheit und der damit einhergehenden psychischen Be-
einträchtigung mit Personenverkennungen und allenfalls wahnhafter Realitätsver-
kennung" vollständig aufgehoben gewesen sei (Urk. 8/6 S. 14). Der Gutachter
beurteilt damit sowohl die Tat- als auch die Rechtsfrage.
2.3.1. Der von Dr. Q._ festgestellte biologisch-psychologische Zustand des
Beschuldigten zum Tatzeitpunkt, wonach dieser sich in einem ausgeprägten Zu-
stand der Trunkenheit befand, welcher einherging mit psychischen Beeinträchti-
gungen, ist nach dem Dargelegten grundsätzlich verbindlich. Jedoch liegen triftige
Gründe dafür vor, diesen Befund anzuzweifeln.
2.3.1.1. Das Gutachten enthält zunächst weder eine detaillierte Anamnese und
Fremdanamnese noch eine breit abgestützte Befunderhebung oder eine umfas-
sende Beantwortung der Beweisfragen. Ebenso wenig sind die Schlussfolgerun-
gen des Gutachters kriterienorientiert, sachlich und transparent. Er macht teilwei-
se unrichtige, unvollständige und ungenaue Angaben, welche sich auf die recht-
lich relevanten Schlussfolgerungen auswirken (vgl. Urteil des Bundesgerichtes
6B_487/2011 vom 30. Januar 2012). So gibt er z.B. die Angaben etlicher Zeugen
bezüglich des Zustandes des Beschuldigten unvollständig oder gar unrichtig wie-
der. I._ sagte beispielsweise nicht, dass der Beschuldigte angetrunken ge-
wesen sei, sondern dass er „etwas“ angetrunken gewesen sei. Darüber hinaus
gab sie aber auch an, dass er noch habe reden können (Urk. 4/10 Nr. 24 und 26).
Weiter wurden die diesbezüglichen Angaben von F._ nicht vollständig aufge-
führt, welche ausgesagt hatte, dass der Beschuldigte sicher betrunken gewesen
sei, aber normal gestanden sei und nicht getorkelt habe (Urk. 8/6 S. 3; Urk. 4/7
Nr. 27). Ob und inwiefern der Psychiater solche Angaben überhaupt bei der Beur-
teilung, ob der Beschuldigte nur unter einem einfachen oder einem qualifizierten
Rausch stand, berücksichtigte, ist unklar. Etliche weitere Angaben im Gutachten
- 34 -
sind ebenfalls falsch, wie z.B. dass der Privatkläger gesagt haben soll, dass er
nicht gefunden habe, dass der Beschuldigte alkoholisiert gewesen sei, was dieser
eben doch ausführte (Urk. 8/6 S. 5; Urk. 3/3 Nr. 29). Eine E-Mail hat I._ an
die Staatsanwaltschaft nie geschickt (Urk. 8/6 S. 5; Urk. 1/1 S. 6). Die erwähnte
Email wurde vom polizeilichen Sachbearbeiter an die Staatsanwaltschaft ge-
schickt (Urk. 4/5).
2.3.1.2 Als massgeblichster Mangel des Gutachtens erscheint der Umstand, dass
sich der Gutachter bei seiner Beurteilung offensichtlich vorbehaltlos und selektiv
allein auf die Angaben des Beschuldigten stützt (über fünf von 12 Seiten hinweg),
ohne diese auf Widersprüchlichkeiten zu überprüfen, welche bereits aus den im
Gutachten zitierten Angaben hätten auffallen müssen (z.B. Urk. 8/6 auf S. 5: Ecs-
tasy-Tablette um 22.30 Uhr genommen, dagegen auf S. 8 von 21.00 bis 23.00
Uhr bei Kollegen, dann in den Club, wo er dann diese Tablette eingenommen ha-
be; S. 8: Beschuldigter weiss nicht, wie oder weshalb er den Geschädigten die
Bierflasche ins Gesicht geschlagen habe und dahingegen auf S. 10: Beschuldig-
ter lehnt das inkriminierte Delikt durch das geltend machen einer Amnesie ab).
2.3.1.3. Nicht nachvollziehbar erscheint dieses Vorgehen in der vorliegenden
Konstellation besonders deshalb, weil der Beschuldigte behauptet, sich an den
Tathergang überhaupt nicht zu erinnern. Der Einzige, der die Tat an sich be-
obachten und in Bezug auf das Vorgehen des Beschuldigten bei der Tatausfüh-
rung Angaben machen konnte, war der Privatkläger. Mit dessen Aussagen setzt
sich der Psychiater mit keinem Wort auseinander, sondern fasst diese nur knapp
und selektiv, wenn nicht sogar falsch zusammen (Urk. 8/6 S. 3, 5), ohne diese
dann in die Beurteilung miteinzubeziehen (Urk. 8/6 S. 10 ff.). Darüber hinaus er-
weckt das hauptsächliche, gar vollumfängliche Abstellen auf die Aussagen des
Beschuldigten allein im Hinblick auf die Beurteilung des Grundwesens des Be-
schuldigten (Urk. 8/6 S. 12) ernsthafte Zweifel an der Feststellung einer psychi-
schen Beeinträchtigung. Denn allein gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten
hält der Psychiater dafür, dass der Beschuldigte ein friedlicher Mensch sei,
grundsätzlich nicht zu Gewalt neige und Streitereien zu schlichten versuche, und
kommt gestützt hierauf zum Schluss, dass zum Tatzeitpunkt von einer über einen
- 35 -
einfachen Rausch hinausgehenden psychischen Beeinträchtigung auszugehen
sei (Urk. 8/6 S. 12). Soweit der Gutachter F._ zitiert, ist auf die Aussage des
Beschuldigten hinzuweisen, wonach er diese sicher seit zehn Jahren nicht mehr
gesehen habe (Urk. 13/7 S. 4). Diese kann das „normale“ Wesen des Beschuldig-
ten damit überhaupt nicht zuverlässig beschreiben.
2.3.1.4. Besonders fragwürdig ist schliesslich der Befund der (angeblichen) Per-
sonenverkennung und von wahnhaften Beziehungsideen. Der Gutachter stützt
sich bei diesem Befund einzig auf die vorbehaltlos übernommenen Angaben von
F._ und H._, welche aussagten, dass der Beschuldigte beim Verlassen
des Clubs seine Cousine erwähnte. Eine kritische Auseinandersetzung mit diesen
Aussagen erfolgt unerklärlicherweise nicht, obwohl einzig H._ glaubhaft aus-
führen konnte, gehört zu haben, dass der Beschuldigte beim Verlassen des Clubs
etwas bezüglich der Cousine gesagt habe. F._ dahingegen gab zwar auch
Entsprechendes an. Doch wären ihre Aussagen kritisch beurteilt worden, wäre
aufgefallen, dass diese Zeugin gemäss ihrer ersten Aussage zu diesem Zeitpunkt
überhaupt noch nicht draussen war, d.h. Entsprechendes überhaupt nicht hätte
wahrnehmen können. Ebenso wenig ging Gutachter Q._ auf die Unstimmig-
keit der Aussagen dieser beiden Zeugen untereinander ein (vgl. oben E. II.5.7.3.).
Unter Berücksichtigung der Aussagen des Privatklägers in seiner ersten Befra-
gung wonach der Beschuldigte gesagt habe, F._ sei die Kollegin seiner Cou-
sine, wäre es durchaus denkbar gewesen, dass auch ein Wort diese Cousine be-
treffend gefallen ist und in der Hitze des Gefechts und infolge der wohl lauten Mu-
sik falsch verstanden wurde, wie das jedem durchschnittlichen Rechts- bzw. Ver-
brechergenossen hätte passieren können, ohne dass gleich eine die Steuerungs-
fähigkeit ausschliessende psychische Beeinträchtigung vorliegen müsste. Jeden-
falls aber erscheint diese Feststellung gestützt auf nicht fundierte, vage Behaup-
tungen nicht schlüssig. Dies umso mehr, als zu beachten gewesen wäre, das so-
gar der Beschuldigte selber angab, dass der Grund für die anfängliche verbale
Auseinandersetzung F._ war. Eine Cousine wird weder von ihm noch von ir-
gendjemandem sonst als möglicher Auslöser der Auseinandersetzung genannt.
Erst nach der Verwirklichung der Tat kommt "die Cousine" gemäss Darstellung
von F._ und H._ irgendwie und nicht rekonstruierbar ins Spiel.
- 36 -
2.3.1.5. Demzufolge erschüttern die aufgeführten Tatsachen die Überzeugungs-
kraft des gutachterlichen Befundes fundamental. Damit bestehen ernsthafte Zwei-
fel am Befund einer psychischen Beeinträchtigung mit Personenverkennungen
und wahnhaften Beziehungsideen, weshalb nicht auf diese abgestellt werden
kann.
2.3.2. Es bleibt allein die Rechtsfrage zu beurteilen, ob die festgestellte „ausge-
prägte Trunkenheit“ bzw. die nachweisbare Alkoholisierung des Beschuldigten zur
Schuldunfähigkeit bzw. zu einer Verminderung der Schuldfähigkeit führte.
2.3.2.1. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung fällt bei einer Blutalkoholkon-
zentration von über 2 Gewichtspromille eine Verminderung der Zurechnungsfä-
higkeit in Betracht. Der Blutalkoholkonzentration kommt bei der Beurteilung der
Zurechnungsfähigkeit allerdings keine vorrangige Bedeutung zu. Sie bietet ledig-
lich eine grobe Orientierungshilfe. Im Sinne einer groben Faustregel geht die
Rechtsprechung lediglich davon aus, dass bei einer Blutalkoholkonzentration von
unter 2 Gewichtspromille in der Regel keine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit
gegeben ist und dass bei einer solchen von über 3 Promille meist Schuldunfähig-
keit vorliegt. Bei einer Blutalkoholkonzentration im Bereich zwischen 2 und 3
Promille besteht somit im Regelfall die Vermutung für eine Verminderung der
Schuldfähigkeit. Diese Vermutung kann jedoch im Einzelfall durch Gegenindizien
umgestossen werden. Im medizinischen Schrifttum wird hervorgehoben, dass es
keine feste Korrelation zwischen Blutalkoholkonzentration und darauf beruhender
forensisch relevanter Psychopathologie gibt. Gewöhnung, Persönlichkeit und Tat-
situation sind stets in die Beurteilung einzubeziehen (Urteil des Bundesgerichtes
6B_725/2009 vom 26. November 2009 E. 2.2 mit Verweis auf BGE 122 IV 49
E. 1b S. 50 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichtes 6S.17/2002 vom 7. Mai
2002 E. 1.c.aa). In BGE 122 IV 49 hat das Bundesgericht die Verneinung einer
verminderten Schuldfähigkeit aufgrund von Gegenindizien sogar bei einer Blutal-
koholkonzentration von 2,09 bis 2,32 Promille geschützt (E. 1c).
2.3.2.2. Somit haben konkrete Feststellungen über Alkoholisierung oder Nüch-
ternheit prinzipiell Vorrang gegenüber Blutalkoholwerten. Ausschlaggebend für
die Beeinträchtigung von Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit ist der psychopatho-
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- 37 -
logische Zustand (der Rausch), und nicht dessen Ursache, die Alkoholisierung,
die sich in der Blutalkoholkonzentration widerspiegelt. Von einer aufgehobenen
Steuerungsfähigkeit könnte aus psychiatrischer Sicht erst ausgegangen werden,
wenn sich psychotische Störungen des Realitätsbezuges feststellen liessen. Dies
wäre der Fall bei Störungen der Orientierung mit Situations- oder Personenver-
kennung sowie bei Zuständen, die von Halluzinationen oder Wahnvorstellungen
determiniert wären, wie beispielsweise Fehlen der Ansprechbarkeit oder fehlende
Reagibilität auf Aussenreize (Urteile des Bundesgerichtes 6S.17/2002 vom 7. Mai
2002 E.1.c.aa; 6S.79/2007 vom 30.5.2007 E. 3.3 = BGE 133 IV 145 ff., m.w.H.).
2.3.2.3. Das pharmakologisch-toxikologische Gutachten über den Beschuldigten
vom 24. November 2014 hält fest, dass er zum Tatzeitpunkt eine Blutalkoholkon-
zentration von maximal 2.5 Gewichtspromille aufwies (Urk. 7/3). Von diesem Wert
ist zugunsten des Beschuldigten auszugehen (Art. 10 Abs. 3 StPO). Unter der
Wirkung anderer illegaler Substanzen stand er – entgegen des von ihm im Zu-
sammenhang mit der geltend gemachten Erinnerungslücke erwähnten Beikon-
sums von Cannabis und Ecstasy im Verlaufe des Abends – im Tatzeitpunkt nicht
(Urk. 7/2 S. 4, Ziff. 2.2 f.). Weiter hält das Gutachten fest, dass sich die akute Al-
koholwirkung bei einer Blutalkoholkonzentration von 2 Promille u.a. regelmässig
in deutlichen Gang- und Sprachstörungen und "später häufiger Amnesie" und bei
einer Konzentration von 2.5 Promille u.a. in "Schwerem Rausch", allgemeinem
Persönlichkeitsabbau sowie Bewusstseinseinengung bemerkbar macht. Eine
Blutalkoholkonzentration von über 3 Promille bewirke in der Regel schwere Stö-
rungen der Orientierung (zu Person, Zeit, Ort), Torkeln und Lallen, zunehmende
Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit sowie Amnesie nach Abklingen des
Rausches (Urk. 7/2 S. 3).
2.3.2.4. Diese Beeinträchtigungen – mit Ausnahme der geltend gemachten Am-
nesie – konnte die Assistenzärztin R._ vom Spital E._ ca. drei Stunden
nach der Tat gemäss dem Protokoll der ärztlichen Untersuchung (Urk. 7/4, unda-
tiert, wohl aber vom 19. Oktober 2014 ca. zwischen 07.30 und 08.00 Uhr) nicht
feststellen. Danach sei der Beschuldigte zwar merkbar beeinträchtigt und über-
müdet gewesen, nicht aber ausgeprägt beeinträchtigt. Sein Stand sei ferner si-
- 38 -
cher, seine Orientierung erhalten, sein Verhalten ruhig, die Folgebewegungen
seiner Augen unauffällig und der Bewegungsablauf ungestört gewesen.
2.3.2.5. Der Beschuldigte rief die Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich (EZ)
um 06.17 Uhr, mithin ca. zwei Stunden nach dem Vorfall an. Dieses Gespräch
wurde aufgezeichnet (Urk. 1/4). Der Beschuldigte redete deutlich, flüssig, ge-
schlossen und verständlich. Die im Gutachten C._ vom 15. Juli 2016 wieder-
gegebene Einschätzung, wonach der Beschuldigte "in leicht verschwommener
Sprache" gesprochen habe (Urk. 86 S. 5 oben), entspricht exakt der Wortwahl zu
dieser Frage im Anzeigerapport der Kantonspolizei Zürich vom 28. Oktober 2014
(Urk. 1/1 S. 7). Im Anzeigerapport wird als Zeitpunkt des Telefonanrufs des Be-
schuldigten in der EZ mit 19.10.2014, 06:33 Uhr, angegeben, welche Zeitangabe
sich wiederum exakt im Gutachten vom 15. Juli 2016 findet (Urk. 86 S. 5). Die
Gesprächsaufzeichnung enthält indessen einen Anruf des Beschuldigten an die
EZ vom 19.10.2014, um 06:19:19 Uhr (Urk. 1/4). Beim Abhören dieses Gesprä-
ches ergibt sich eine allerhöchstens sehr leicht verschwommene Sprache, wobei
der Eindruck stark überwiegt, dass der Beschuldigte deutlich, flüssig, geschlossen
und verständlich sprach (Beilage zu Urk. 1/4, CD).
2.3.2.6. Der Privatkläger gab nach dem Zustand des Beschuldigten gefragt
(Urk. 3/3 Nr. 25: "Wie wirkte der Beschuldigte auf Sie", ...?) an, dass dieser zuerst
völlig normal gewesen sei. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung sei der
Beschuldigte ihm ein wenig aggressiv vorgekommen. Er denke schon, dass der
Beschuldigte zumindest unter Alkohol gestanden habe (Urk. 3/3 Nr. 29). Der Zeu-
ge H._ führte aus, dass der Beschuldigte, als er diesen gesehen habe, am
"Ausflippen" bzw. "ausser sich" gewesen sei und im Eingangsbereich habe zu-
rückgehalten werden müssen. Der Beschuldigte sei stark alkoholisiert gewesen.
Bis er den blutenden Privatkläger gesehen habe, habe er sich noch gedacht, dass
es sich lediglich um einen Streit zwischen zwei Personen handle, wie es im Club
des Öfteren vorkomme (Urk. 1/1 S. 5; Urk. 42 S. 7). F._ gab auf entspre-
chende Nachfrage an, dass der Beschuldigte erkennbar alkoholisiert gewesen
sei. Zu Beginn der verbalen Auseinandersetzung habe sich der Beschuldigte in
normalem Tonfall mit dem Privatkläger unterhalten, danach sei es lauter gewor-
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den. Der Beschuldigte sei ihrem Gefühl nach sicher betrunken gewesen. Seine
Aussprache sei "betrunken" gewesen. Sein Stand sei normal gewesen. Soweit sie
wisse, habe er nicht getorkelt. Als der Beschuldigte den Club verlassen habe, sei
er sehr aggressiv gewesen und habe geschrien (Urk. 4/2 Nr. 3, 6, 9; Urk. 4/7 Nr.
21, 23 – 27). G._ beschrieb den Zustand des Beschuldigten nach dem Ver-
lassen des Clubs mit "aufgewühlt, leicht durcheinander, laut". Ansonsten habe er
nicht so darauf geachtet. Er selber sei auch besoffen gewesen (Urk. 4/8 Nr. 25 f.,
27). I._ bezeugte, dass der Beschuldigte "etwas angetrunken" gewesen sei.
Er habe noch reden können. Auf seinen Gang bzw. Stand habe sie nicht geachtet
(Urk. 4/10 S. 4).
2.3.2.7. Keine der befragten Personen konnte damit zum Tatzeitpunkt deutliche
Gang- und Sprachstörungen beobachten. Viele haben zwar gemerkt, dass der
Beschuldigte angetrunken war, doch gefragt nach Auffälligkeiten in dessen Ver-
halten, konnte niemand etwas Auffälliges angeben. Es wurde stattdessen davon
geredet, dass er nach der Tat ausser sich, sehr agressiv, hässig, aufgewühlt,
leicht durcheinander und laut gewesen sei, was mit der verbalen Auseinanderset-
zung und dem Schlag mit der Flasche in Einklang steht. Laut den Aussagen von
F._ war der Beschuldigte vor dem Schlag noch durchaus in der Lage, sich
mit ihr, und zu Beginn auch noch mit dem Privatkläger, zu unterhalten. Gleich be-
schreibt dies der Privatkläger. Zur Beurteilung der Frage, ob der Beschuldigte mit
seinem Verhalten in hohem Masse in den Bereich des Abnormen fiel, ist die Aus-
sage des Privatklägers zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte ihn vor dem
Zuschlagen mit der Flasche aufforderte, nach draussen zu gehen, nach Weige-
rung des Privatklägers diesen angrinste und er beim Verlassen des Clubs keiner-
lei Mühe hatte, den Privatkläger vor sich her schubsend, die Treppe hinunterzu-
steigen. Auch der Umstand, dass der Zeuge H._ beim Anblick des Beschul-
digten sich zuerst nur dachte, dass es ein normaler, im Club immer wieder vor-
kommender Streit gewesen sei, gibt einen Anhaltspunkt dafür, dass der Beschul-
digte keine abnormen Auffälligkeiten an den Tag legte, welche sich von anderen
alkoholisierten und streitenden Personen im Ausgang abhob.
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2.3.2.8. Angesichts dieser Aussagen mehrerer Zeugen über den Zustand des Be-
schuldigten zum Tatzeitpunkt, des Protokolls der ärztlichen Untersuchung und
aufgrund seines Tatvorgehens besteht kein Anlass, daran zu zweifeln, dass der
Beschuldigte bis zu einem gewissen Grad noch steuerungsfähig und voll ein-
sichtsfähig war. Sein Verhalten vor, während und nach der Tat zeigt einen Reali-
tätsbezug, sagte er doch zum Privatkläger, dass er F._ kenne, weil sie die
Kollegin seiner Cousine sei. Sein Vorgehen wirkt überlegt, forderte er den Privat-
kläger doch zunächst auf, nach draussen zu gehen. Dies macht deutlich, dass er
zu einem gewissen Grad noch die Fähigkeit besass, sich an Situationen anzu-
passen, namentlich keine anderen Gäste des Clubs in Mitleidenschaft zu ziehen
und auf die richtigen Gelegenheiten zur Tatausführung zu warten. Erst als der
Privatkläger auf die Aufforderung des Beschuldigten, nach draussen zu kommen,
nicht reagierte, behändigte er eine Bierflasche und schlug ihm diese ins Gesicht.
Weder die Tat als solche noch die Art und Weise der Ausführung weisen unge-
wöhnliche Auffälligkeiten auf, welche in vergleichbaren Fällen von tätlichen Aus-
einandersetzungen nicht auch vorkommen würden. Abnorme, über den einfachen
Rausch hinausgehende psychische Beeinträchtigungen durch den Alkoholkon-
sum lassen sich nicht ausmachen. Der Beschuldigte war gemäss übereinstim-
menden Zeugenaussagen zwar aggressiv, aber ansprechbar, orientiert und auch
nicht wahnhaft.
2.4. Nach dem Dargelegten kann auf die nicht überzeugenden, anders lautenden
Schlussfolgerungen des psychiatrischen Gutachtens von Dr. med. Q._ vom
16. Februar 2015 nicht abgestellt werden (vgl. Prot. II S. 24 f.).
3. Das durch die Berufungsinstanz bei Prof. Dr. med. C._ eingeholte psy-
chiatrische Gutachten zur Schuldfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeitpunkt und
zur Notwendigkeit einer allfälligen Weisung betreffend Alkoholabstinenz (Urk. 71)
wurde am 15. Juli 2016 erstattet (Urk. 86).
3.1. Das psychiatrische Gutachten vom 15. Juli 2016 stützt sich auf die für die
Ausarbeitung zur Verfügung gestellten gesamten Verfahrensakten und die durch
Prof. Dr. med. C._ und der von ihm beigezogenen Mitarbeiterin, M.Sc.
S._ durchgeführten Untersuchungen des Beschuldigten in der Psychiatri-
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schen Universitätsklinik Zürich vom 8. Juni 2016 (1 1⁄2 Stunden) und vom 4. Juli
2016 (15 Min.) durch den Gutachter selbst, im Beisein der von ihm beigezogenen
Sachverständigen, sowie eine ergänzende Befragung und testpsychologische Un-
tersuchung vom 4. Juli 2016 (1 Stunde) durch die beigezogene Sachverständige
alleine, und auf die im Einverständnis des Beschuldigten von dieser eingeholten
fremdanamnestischen Auskünften beim ehemaligen Vorgesetzten des Beschul-
digten am 14. Juni 2016 (Urk. 86 S. 1).
3.2. Im psychiatrischen Gutachten vom 15. Juli 2016 kommen die beiden Sach-
verständigen zum Schluss (Urk. 86 S. 47 ff.), dass der Beschuldigte zum Tatzeit-
punkt an einer akuten Alkoholintoxikation (ICD-10: F10.0) litt, welche mit deutli-
chen Leistungseinbussen, insbes. in Bezug auf Verhaltensveränderungen, affekti-
ven Veränderungen, gedanklicher Einengung sowie Auffassungsstörungen ein-
hergingen. Eine zeitlich überdauernde psychische Störung oder eine Abhängigkeit
von Suchstoffen lag nicht vor (Urk. 86 S. 31, 35, 37 ff.).
3.2.1. Im Rahmen eines akuten Konflikts führte die schwere Alkoholintoxikation
des Beschuldigten laut Gutachten zu Enthemmung, erhöhter Impulsivität und af-
fektiver Veränderungen im Sinne von Wut und Aggression (Urk. 86 S. 48), wes-
halb die Tat mit diesen Beeinträchtigungen im Zusammenhang steht.
3.2.2. Bei der Frage einer Schuldunfähigkeit oder einer Verminderung der Schuld-
fähigkeit ergab die Begutachtung, dass die Rekonstruktion des Tatablaufs auf
eine intoxikationsbedingte aggressive Überreaktion im Rahmen eines Konflikts
verweist. Hinweise für eine psychotische Verkennung des Opfers oder von Aus-
sagen des Opfers ergaben sich für die Sachverständigen nicht, weshalb sie keine
Aufhebung der Realitätsbezüge zum Tatzeitpunkt feststellten. Ebenso wenig
ergaben ihre Befunde zur Bildungsanamnese, Intelligenz und dem Funktionsni-
veau Hinweise für forensisch relevante Einbussen der Einsichtsfähigkeit des Be-
schuldigten. Sie erkannten, dass aus forensisch-psychiatrischer Sicht zum Tat-
zeitpunkt insgesamt keine Einschränkungen seiner Einsichtsfähigkeit vorlagen.
Hingegen kamen die beiden Sachverständigen bezüglich der schweren Alkoholin-
toxikation und damit assoziierten Leistungseinbussen (Verhaltensveränderung,
affektive Auffälligkeiten, gedankliche Einengung, Auffassungsstörungen) zum
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Schluss, dass eine forensisch relevante Verminderung der Steuerungsfähigkeit im
Sinne eines Hemmungsverlustes vorlag. Innerhalb eines Spektrums erheblicher
Einschränkungen des Steuerungsvermögens war die Steuerungsfähigkeit des
Beschuldigten in mittelgradigem, bei einer Provokation durch das Opfer allenfalls
auch in schwerem Ausmass vermindert. Eine Aufhebung der Steuerungsfähigkeit
lag aber nicht vor, nachdem der Beschuldigte in der Lage war, die Gewaltanwen-
dungen zu begrenzen, den Interventionen von Freunden zu folgen und die Situa-
tion zu verlassen (Urk. 86 S. 49 f.).
3.2.3. Die Erforderlichkeit einer Weisung betreffend Alkoholabstinenz wurde im
Gutachten vom 15. Juli 2016 im Wesentlichen mit der einleuchtenden Begrün-
dung verneint, dass beim Beschuldigten keine erhöhte Ansprechbarkeit für Alko-
hol, keine erhöhte Leichtsinnigkeit in Bezug auf den Konsum und kein bewusster
Konsum festgestellt wurde, um in intoxikiertem Zustand Delikte zu begehen. Zu-
dem fehlten Hinweise auf Beeinträchtigungen der psychosozialen Leistungsfähig-
keit, und es bestünden beim Beschuldigten weitere protektive Faktoren, wie
durchschnittliche Intelligenz, körperliche Leistungsfähigkeit und Leistungsbereit-
schaft, berufliche und soziale Ressourcen und ein prosoziales Netzwerk. Eine ha-
bituelle Gewaltbereitschaft bei Nüchternheit und eine behandlungsbedürftige Ver-
anlagung zu unter Alkoholeinfluss geführten Konflikten lägen nicht vor. Legal-
prognostisch wird das Risiko einer erneuten Gewalthandlung im Gutachten als
gering eingestuft (Urk. 86 S. 45 ff., 50).
3.3. Die Verteidigung kritisiert in ihrer Stellungnahme vom 27. August 2016 zum
Gutachten von Prof. Dr. med. C._ vom 15. Juli 2016 und der von ihm beige-
zogenen Mitarbeiterin, M.Sc. S._, dieses leide in formeller und materieller
Hinsicht an elementaren Mängeln und könne daher nicht verwertet werden
(Urk. 91, insbes. S. 15 a.E.).
3.3.1. Die sachverständige Person sei gehalten, den Auftrag persönlich auszufüh-
ren und trage die alleinige Verantwortung dafür. Es sei unzulässig, dass bei medi-
zinischen Gutachten Chefärzte als Sachverständige benannt würden, welche die
notwendigen Untersuchungen und Abklärungen, die Redaktion der eigentlichen
Begutachtung und die Beantwortung der Fragen überwiegend durch Ober- oder
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Assistenzärzte vornehmen liessen (Urk. 91 S. 2). Dem Gutachter sei im Auftrag
vom 7. März 2016 erlaubt worden, für die Beschaffung von Grundlagen, des Tat-
sachenstoffes und die Ausarbeitung des Gutachtens Hilfspersonen beizuziehen.
Vom Beizug von anderen Personen für die Gutachtenerstellung sei dem Auftrag
nichts zu entnehmen, weshalb dies nicht vorgesehen gewesen sei. Das Gutach-
ten sei auch von M. Sc. S._ unterzeichnet worden, weshalb diese Mit-Autorin
sei. Deshalb müsse "davon ausgegangen werden", dass das Gutachten zu we-
sentlichen Teilen von M. Sc. S._ erstellt worden sei (Urk. 91 S. 3 Rz 5.). Die-
se habe wesentliche Teile der Exploration des Beschuldigten selbständig durch-
geführt und gar die Fremdanamnese des ehemaligen Vorgesetzten alleine vorge-
nommen.
3.3.2. Der durch die Berufungsinstanz mit Beschluss beauftragte Gutachter ist
Prof. Dr. C._ (Urk. 71; Urk. 77). Die ausdrücklich erlaubte und transparent
ausgewiesene Mitarbeit der sachverständigen Mitarbeiterin (Fachpsychologin
FSP), wie die Verteidigung zutreffend festhielt und deren fachliche Qualifikation
herausstrich (Urk. 91 S. 3 Rz 6.), unter seiner Federführung macht die Mitwirken-
de nicht automatisch zur formellen Mitgutachterin. Ebenso wenig geschieht dies
durch den rein formellen Akt der Mitunterzeichnung des Gutachtens, welche ledig-
lich bestätigt, dass die beigezogene Mitarbeiterin für die von ihr durchgeführten
Untersuchungshandlungen mitverantwortlich ist und die Resultate und Schluss-
folgerungen des Gutachtens mitträgt. Sie verbleibt trotz Ausführung von Teilauf-
gaben der Begutachtung Hilfsperson des beauftragten Gutachters. Weshalb dies
unzulässig gewesen sein sollte und weshalb davon ausgegangen werden müsse,
dass das Gutachten zu wesentlichen Teilen von M. Sc. S._ erstellt worden
sei, legt die Verteidigung denn auch nicht weiter dar (Urk. 91 S. 3). Alleine aus
dem Umstand, dass die Mitarbeiterin bei sämtlichen Erhebungen beim Beschul-
digten anwesend war, Teile der Exploration des Beschuldigten selbständig durch-
geführt und die Fremdauskunft beim ehemaligen Vorgesetzten alleine erhoben
hat, kann dies jedenfalls nicht geschlossen werden.
3.3.3. Wie die Verteidigung zutreffend wiedergab, wurde im Gutachtensauftrag er-
laubt, für die Beschaffung von Grundlagen, des Tatsachenstoffes und die Ausar-
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beitung des Gutachtens Hilfspersonen beizuziehen. Weshalb der Gutachter das
Einholen der Fremdauskunft beim ehemaligen Vorgesetzten des Beschuldigten,
mithin eine Beschaffung von Tatsachenstoff, nicht durch M. Sc. S._ hätte
vornehmen lassen dürfen, ist nicht ersichtlich und wird von der Verteidigung wie-
derum nicht näher erläutert. Die von der Verteidigung geltend gemachte Verlet-
zung von Art. 183 StPO entbehrt daher jeder Grundlage. Die bei der PUK offen-
bar aufgetretene Verwirrung über den Beizug einer Hilfsperson, welche mit dem
Schreiben des Gutachters vom 1. April 2016 und einer Aktennotiz aus der Ge-
richtskanzlei Eingang in die Verfahrensakten fand (Urk. 79; Urk. 82; Urk. 91 S. 4
Rz 8.), ändert daran ebenfalls nichts.
3.3.4. Der Gutachter hat durch seine persönliche Exploration des Beschuldigten
vom 8. Juni 2016 (1 1⁄2 Stunden) und vom 4. Juli 2016 (15 Min.), im Beisein der
von ihm beigezogenen Mitarbeiterin, seiner Pflicht, den Beschuldigten angemes-
sen persönlich zu untersuchen, mit diesen zwei unterschiedlich langen Sitzungen,
wenn auch knapp, so aber doch ausreichend Genüge getan (vgl. vorstehend,
Erw. III.3.1.), dies insbesondere aufgrund des Umstandes, dass beim Beschuldig-
ten keine Persönlichkeitsstörung vorliegt, welche es vertieft abzuklären gegolten
hätte und das Augenmerk daher nicht so sehr auf einen profunden persönlichen
Eindruck des Beschuldigten zu richten war, sondern vielmehr auf die Abklärung
seines psychischen Zustandes zum Tatzeitpunkt im Zentrum stand und die sich
daraus ergebenden Folgen einer Beeinträchtigung seiner Schuldfähigkeit in je-
nem zeitlich eng umgrenzten Zeitraum. Abgesehen davon ist es üblich und nicht
zu beanstanden, dass die testpsychologische Untersuchung durch eine beigezo-
gene Psychologin erfolgte. Und nicht zuletzt ist es in einem gewissen Rahmen
auch der ärztlichen Sachkunde zu überlassen, wie eingehende persönliche Un-
tersuchungen sich aufgrund der gutachterlichen Fragestellung und der bei einem
Exploranden allenfalls vorhandenen psychiatrischen Eigenheiten aufdrängen
resp. notwendig erscheinen. Auch die Tragweite der Tat des Beschuldigten im
Vergleich zu anderen, gravierenderen Gewaltdelikten vermag die eher knappen
persönlichen Untersuchungen des Beschuldigten durch den Gutachter zu recht-
fertigen. Darauf deutet im Übrigen auch der vom ersten Gutachter für die persön-
liche Untersuchung des Beschuldigten betriebene ähnliche Zeitaufwand von
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(ebenfalls nicht mehr als) zwei Untersuchungen von einmal 1 1⁄2 Stunden und
einmal 1 Stunde hin, wobei bei jenem Gutachten nota bene keine weitere testpsy-
chologische Untersuchung durch eine weitere qualifizierte Hilfsperson erfolgte
(Urk. 8/6 S. 2). Die Exploration durch Dr. med. Q._ wurde von der Verteidi-
gung denn auch als angemessen taxiert (Urk. 91 S. 15 Rz 37.).
3.3.5. In der Stellungnahme der Verteidigung vom 27. August 2016 wird weiter
beanstandet, dass aus dem Gutachten vom 15. Juli 2016 nicht hervorgeht, ob
resp. dass M. Sc. S._ ihre Mitwirkung am Gutachten in Kenntnis von Art. 320
StGB und Art. 307 StGB geleistet habe, weshalb infolge Fehlens dieses Gültig-
keitserfordernisses die gutachterlichen Erkenntnisse nicht verwertbar seien
(Urk. 91 S. 6 Rz 11. f.). Nachdem M. Sc. S._ mit Schreiben vom 14. Novem-
ber 2017 mitgeteilt hat, dass sie in Kenntnis der im Auftrag an den Gutachter vom
7. März 2016 aufgeführten Hinweise auf Art. 307 StGB und Art. 320 StGB an der
Begutachtung mitgewirkt habe (Urk. 115 und 117), ist auch dieses Erfordernis
(Art. 184 Abs. 2 lit. e und f StPO) erfüllt, zumal dies auch von Prof. Dr. med.
C._ unterschriftlich bestätigt wird. Insofern ist entgegen den Ausführungen
der Verteidigung in ihrer Stellungnahme vom 7. Dezember 2017 zum obgenann-
ten Schreiben (Urk. 123) davon auszugehen, dass ein entsprechender Hinweis
erfolgt ist, auch wenn dies im Gutachten selbst nicht explizit vermerkt wurde.
3.3.6. Weiter sei der ehemalige Vorgesetzte des Beschuldigten beim Einholen der
Fremdauskunft nicht auf ein allfälliges Aussage- bzw. Zeugnisverweigerungsrecht
aufmerksam gemacht worden, weshalb Art. 185 Abs. 5 StPO verletzt sei. Daher
seien nicht nur die entsprechenden Erkenntnisse nicht verwertbar, sondern das
Gutachten als solches, da diese Erkenntnisse Eingang in die Gesamtbeurteilung
gefunden hätten, also einen massgeblichen Einfluss hätten (Urk. 91 S. 7 Rz 13.).
Worin dieser massgebliche Einfluss bestehen soll und worauf sich eine fehlende
Verwertbarkeit stützen soll, ist der Stellungnahme der Verteidigung nicht zu ent-
nehmen.
3.3.6.1. Die Fremdauskunft wurde am 16. Juni 2016 im Einverständnis des Be-
schuldigten telefonisch bei T._ (T._), dem ehemaligen Vorgesetzten des
Beschuldigten, eingeholt und hat wie folgt Eingang ins Gutachten gefunden
- 46 -
(Urk. 86 S. 28 f.):
"Das Gespräch wurde über 10 Minuten geführt. Die nachfolgende Zusammenfassung
wurde Herrn T._ zur Korrektur bzw. Ergänzung vorgelegt.
T._ war zwischen August/September 2014 bis ca. September 2015 für den Expl. auf
der Baustelle zuständig. Er betreute im Rahmen dieser Tätigkeit mehrere Lehrlinge, so
auch den Expl. Herrn B._ habe er dabei stets als sympathischen, zuverlässigen und
pünktlichen Mitarbeiter wahrgenommen. B._ habe stets selbständig und ordentlich
gearbeitet. Verschlafen habe er nie und wenn er zu spät gekommen sei, dann aufgrund
von Stau, wobei er dies stets vorher telefonisch gemeldet habe. Aggressives Verhalten
habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben. Da sich der Expl. nach dem Vorfall im Club meh-
rere Tage in U-Haft befunden habe, habe T._ die Tatvorwürfe mitbekommen. Der
Expl. habe damals auch den obersten Chef aufgeklärt. Der Chef habe den Vorfall hinge-
nommen und den Expl. weiter beschäftigt.
Auffälliges Verhalten in Zusammenhang mit Substanzkonsum am Arbeitsplatz habe es
nie gegeben. Der Expl. habe nicht einmal Bier getrunken. Impulsiv im Sinne von nicht
kontrollierbar habe er nie angemutet. Auch mit Kritik habe er umgehen können. Natürlich
habe ihn Kritik kurzfristig geärgert, aber er habe die Fehler danach nicht mehr wieder
gemacht. Insgesamt würde T._ den Expl. wieder einstellen."
3.3.6.2. Aus der Fremdauskunft ergeben sich offenkundig ausschliesslich positive
Aspekte, und es flossen entsprechend auch bloss solche ins Gutachten ein (vgl.
Urk. 86 S. 37):
"... Es erfolgte nahtlos die Anstellung als temporärer Mitarbeiter in einer , in welcher sein Onkel als Projektleiter tätig ist. Nach einem Jahr bewarb er sich
um eine Lehre als Elektroinstallateur und befindet sich gegenwärtig im zweiten Lehrjahr.
Selbst- und fremdanamnestische Angaben beschreiben ihn insgesamt als einen loyalen,
zuverlässigen und beliebten Mitarbeiter."
Der Einschätzung der Verteidigung, wonach diese Erkenntnisse Eingang in die
Gesamtbeurteilung gefunden hätten, also einen massgeblichen Einfluss hätten,
kann daher nur insofern gefolgt werden, als diese ausschliesslich positiv und so-
mit zugunsten des Beschuldigten lauten. Der Beschuldigte erlitt durch die in sei-
nem Einverständnis eingeholte Fremdauskunft nicht den geringsten Nachteil, und
- 47 -
es liegt insbesondere auch kein nachteiliger Einfluss auf die Begutachtung vor,
was von der Verteidigung auch nicht konkret geltend gemacht wird. Es fehlt der
Beanstandung daher an einer eigentlichen Beschwer. Da diese Beweiserhebung
lediglich der Entlastung des Beschuldigten dient, ist sie entgegen der Auffassung
der Verteidigung (Urk. 91 S. 7 Rz 13.) verwertbar und führt erst recht nicht zur
Unverwertbarkeit des gesamten Gutachtens (Art. 141 Abs. 5 StPO; Wohlers, in:
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage, Zürich 2014,
N 12 zu Art. 141 StPO; Gless, in: Basler Kommentar Schweizerische Strafpro-
zessordnung, 2. Auflage 2014, N 111 ff., insbes. N 116 zu Art. 141 StPO).
3.3.7. Das Gutachten vom 15. Juli 2016 entspricht somit den Vorgaben im Auftrag
an den Gutachter vom 7. März 2016 (Urk. 77), weshalb einem Abstellen auf die
gutachterlichen Erkenntnisse nichts entgegensteht.
3.4. Soweit die Stellungnahme der Verteidigung zum Gutachten eine Würdigung
von Aussagen enthält (Urk. 91 S. 10 ff., Rz 24.–34.), ist auf die vorstehende ge-
richtliche Beweis- und Aussagewürdigung zu verweisen (Erw. II.5. ff.). Und soweit
die Verteidigung moniert, im Gutachten auf S. 24 würde der Eindruck erweckt, der
Beschuldigte sei in der Vergangenheit bereits selber aktiv an Schlägereien betei-
ligt gewesen (Urk. 91 S. 13 Rz 31.), ist dem entgegenzuhalten, dass in den Beur-
teilungen des Gutachtens ausdrücklich festgehalten wird (Urk. 86 S. 46), dass
"keine Hinweise vorliegen, welche nahelegen könnten, dass der ansonsten als
ruhig, zuverlässig und wenig impulsiv beschriebene Expl. auch in nüchternem Zu-
stand zu ähnlichen Gewaltdelikten bereit ist. Hinweise auf eine generell herabge-
setzte Hemmschwelle bzw. erhöhte Reizbarkeit haben sich nicht ergeben. Insge-
samt ist das Risiko einer erneuten Gewalthandlung gering."
3.5. Die Verteidigung beanstandet ferner, die Sachverständigen würden insbe-
sondere aus dem Umstand, dass das Thema "Cousine" nach dem Ereignis nicht
mehr relevant gewesen sein soll, ableiten, dass mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit nicht von einer psychotischen Verkennung auszugehen sei (Urk. 91 S. 14,
Rz 35.).
- 48 -
3.5.1. Diese Kritik greift zu kurz. Die Verneinung einer psychotischen Verkennung
wird im Gutachten vom 15. Juli 2016 nicht bloss aus dem Umstand abgeleitet,
dass das Thema "Cousine" nach dem Ereignis beim Beschuldigten nicht mehr re-
levant resp. kein Thema mehr war (Urk. 86 S. 41). Im Gutachten wird vielmehr
das gesamte Verhalten des Beschuldigten unmittelbar vor der Tat, unmittelbar
nach der Tat, aber auch später, beim Telefonat mit der Polizei, beurteilt und auf-
grund dieser Gesamtbetrachtung eine intoxikationsbedingte Enthemmung des
Beschuldigten in den Vordergrund gestellt.
3.5.2. Im Gutachten wird der Beginn des Konfliktes des Beschuldigten mit dem
Privatkläger zurecht im "Dazwischentanzen" durch Letzteren gesehen, als dieser
den Kontaktversuchen des Beschuldigten zu F._ Grenzen zu setzen ver-
suchte. Dies verweist laut Gutachten nicht auf eine psychotische Verkennung,
sondern auf einen intakten Realitätsbezug, da diese Handlungen des Privatklä-
gers dazu bestimmt waren, dem Beschuldigten Grenzen zu setzen bzw. ihn zu
vertreiben und der Beschuldigte sich dagegen wandte (Urk. 86 S. 41 2. Absatz).
Auch das Verhalten des Beschuldigten nach der Tat spricht laut Gutachten gegen
das Vorliegen psychotischer Symptome. So spreche sein Telefonat mit der Polizei
am Morgen nach der Tat für einen intakten Realitätsbezug. Zumindest habe der
Beschuldigte keine realitätsfremden Beweggründe genannt und damit versucht,
die Tat mit solchen zu rechtfertigen. Insgesamt verweise der Tatverlauf mit einer
zunehmenden Intensivierung des Streitgespräches auf eine aus der konflikthaften
Interaktion mit dem Privatkläger hervorgehende und nicht wahnhaft verzerrte mo-
tivationale Grundlage für die Deliktsbegehung. Vor diesem Hintergrund ist die Tat
laut Gutachter mit hoher Wahrscheinlichkeit als eine aggressive Überreaktion des
Beschuldigten im Rahmen der Alkoholintoxikation einzuordnen. Da die Ausgangs-
lage im konkreten Fall nicht für eine wahnhafte Verarbeitung spricht, wird im Gut-
achten auch in Anbetracht der Intelligenz des Beschuldigten grundsätzlich auf
eine intakte Einsichtsfähigkeit geschlossen (Urk. 86 S. 42).
3.5.3. Bei der Frage der Steuerungsfähigkeit schlossen die Sachverständigen
aufgrund der sich aus den Zeugenaussagen ergebenden Beeinträchtigung der
Sprache (betrunken, laut, der Beschuldigte habe nach dem Delikt herumgeschrien
- 49 -
und aktiv durch Dritte zurückgehalten werden müssen), obwohl keine Auffälligkei-
ten in Bezug auf den Gleichgewichtssinn oder im Gangbild bekannt seien, auf
eine neurologische Beeinträchtigung durch den Alkoholkonsum, welche jedoch
nicht schwerwiegend war (Urk. 86 S. 43).
3.5.3.1. Dass der ansonsten als ruhig und zurückhaltend beschriebene Beschul-
digte im Vorfeld des Deliktes als distanzgemindert und im Konflikt sowie danach
als deutlich gereizt und aggressiv wahrgenommen wurde, spricht laut Gutachten
für das Vorliegen eines affektiven Achsensyndroms und von Verhaltensverände-
rungen. Zudem könne ab dem Beginn der Interaktion mit dem Privatkläger eine
deutliche Veränderung der Affektivität im Sinne zunehmender Aggressivität beim
Beschuldigten wahrgenommen werden, welche raptusartig (in der Art eines ab-
rupt einsetzenden Erregungszustandes) zur Tatbegehung geführt habe. Aus den
Aussagen von F._ und dem Privatkläger lässt sich laut Gutachten das Streit-
gespräch insofern rekonstruieren, als dass der Privatkläger den Beschuldigten
hinsichtlich seines aufdringlichen oder gar distanzgeminderten Verhaltens gegen-
über F._ zurechtgewiesen habe, worauf der Beschuldigte entgegen seiner
Verhaltensgebärden in nüchternem Zustand eine erhöhte Streit- und auch
Kampfbereitschaft gezeigt habe. Die Auffälligkeiten in diesem Bereich seien in der
Gesamtschau als deutlich ausgeprägt zu bezeichnen. Dem Telefongespräch des
Beschuldigten mit der Polizei entnahmen die Sachverständigen Auffassungsstö-
rungen im Sinne einer Antwortlatenz beim ansonsten schlagfertigen Beschuldig-
ten (Urk. 86 S. 43).
3.5.3.2. Diese Beeinträchtigungen sprechen laut Gutachten (Urk. 86 S. 44) zwar
für das Vorliegen einer forensisch relevanten, d.h. erheblichen Intoxikation, jedoch
ergäben sich keine Hinweise für eine deutliche Ausprägung, welche zu einer
kompletten Aufhebung des Hemmungs- bzw. Steuerungsvermögens geführt ha-
ben könnte. Ausserdem sei die Gewaltanwendung begrenzt geblieben, und der
Beschuldigte habe anschliessend auf Interventionen Dritter vom Opfer abgelas-
sen, bzw. habe die Situation nicht weiter eskaliert oder sich gar auf weitere Per-
sonen ausgeweitet. Der Beschuldigte habe den Tatort vielmehr verlassen. All die-
- 50 -
se Punkte sprechen laut der sachverständigen Einschätzung für ein zumindest
ansatzweise vorhandenes Hemmungsvermögen des Beschuldigten.
3.5.3.3. Der Tatablauf mute insgesamt als ungeplante und rasch eskalierende
Konkurrenzsituation zwischen zwei (schwer) intoxikierten Partygängern an. An-
derweitige Merkmale, welche gegen Einbussen der Steuerungsfähigkeit sprä-
chen, wie die Vorbereitung und Planung der Tat, ein komplexer Tatablauf, um-
sichtiges Reagieren auf sich ändernde Umstände sowie ein geordnetes Rück-
zugsverhalten, seien nicht gegeben. Laut Gutachten ergibt die Gesamtschau eine
forensisch relevante Verminderung der Steuerungsfähigkeit, welche in Abhängig-
keit von der Intensität der vermeintlichen Provokation durch das spätere Opfer
(den Privatkläger) bzw. von der Intensität des Konflikts zur gewalttätigen Eskalati-
on desselben beigetragen habe. Vor dem Hintergrund der fehlenden Zeugenaus-
sagen zum direkten Konflikt und wegen der Amnesie des Beschuldigten fielen
den Sachverständigen genauere Festlegungen zum Schweregrad der Handlungs-
bzw. Hemmungseinbussen schwer, mithin erschwert die Gedächtnislücke des
Beschuldigten eine Quantifizierung seiner Leistungseinbussen. Die vom Beschul-
digten geäusserte Amnesie könne indessen mit keinem wissenschaftlich empiri-
schen Verfahren nachgewiesen werden, weshalb die Sachverständigen nicht be-
urteilen konnten, ob es sich tatsächlich um eine Amnesie oder um eine Schutzbe-
hauptung handelt. Dennoch sei eine kontinuierliche Amnesie für alkoholbedingte
Intoxikationen wenig plausibel, da es hier in der Regel Erinnerungsinseln gebe.
Unabhängig davon sei aber eine Gleichsetzung von Erinnerungsfähigkeit mit
einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der Handlungsfähigkeit nicht statthaft
(Urk. 86 S. 45 oben).
3.5.3.4. Zusammenfassend wird im Gutachten vom 15. Juli 2016 der Schluss ge-
zogen, dass die zum Tatzeitpunkt festgestellte Alkoholintoxikation schweren Aus-
prägungsgrades mit den Beeinträchtigungen einer Distanzminderung, einer Streit-
lust, einer erhöhten Aggressivität und einer Affektlabilität einherging. Innerhalb
des Spektrums forensisch relevanter Rauschzustände wird jener des Beschuldig-
ten einer mittelgradigen Ausprägung zugeordnet, welcher mit entsprechend er-
heblichen Einbussen der Hemmungskräfte einherging. Bei einer direkten Provo-
- 51 -
kation durch den Geschädigten liege sogar eine schwere Beeinträchtigung vor,
wobei die Quantifizierung dieser Einbussen vor dem Hintergrund der begrenzten
Informationsgrundlage schwerfalle. Da keine tragfähigen Hinweise für das Vorlie-
gen eines schweren Rauschzustandes mit psychotischer Verkennung der Realität
vorliegen, ist laut Sachverständigensicht indessen keine Aufhebung der Einsichts-
fähigkeit gegeben (Urk. 86 S. 45).
3.6. Das Gutachten von Prof. Dr. C._ erweist sich somit als überzeugend
und schlüssig. Es beantwortet die an den Sachverständigen gestellten Fragen
verständlich und nachvollziehbar unter Berücksichtigung der im Auftrag vorgege-
benen Arbeitshypothese (Urk. 77 S. 2), wonach der Beschuldigte der Täter sei
(vgl. Prot. II S. 24 f.). Es ist daher vollumfänglich auf die Schlussfolgerungen des
Gutachtens abzustellen.
4. Gemäss dem psychiatrischen Gutachten war der Beschuldigte im Tatzeit-
punkt nicht schuldunfähig im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB. Es lagen keine fo-
rensisch relevanten Einbussen der Einsichtsfähigkeit vor (Urk. 86 S. 40 ff., 48).
Die Frage der Verminderung der Schuldfähigkeit und deren Ausmass ist nachfol-
gend bei der Strafzumessung zu berücksichtigen (vgl., Erw. IV.2.2.2. ff.).
Demzufolge ist der Beschuldigte ferner der versuchten schweren Körperver-
letzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen.
IV. Strafe
1. Bei der Bemessung der Strafe ist vom ordentlichen Strafrahmen des vom
Täter verwirklichten Delikts auszugehen. Dieser Strafrahmen ist gemäss Recht-
sprechung nur zu verlassen, wenn Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe
sowie aussergewöhnliche Umstände vorliegen, welche die für die betreffende Tat
angedrohte Strafe im konkreten Fall als zu hart beziehungsweise zu milde er-
scheinen lassen (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Ist dies nicht der Fall, so sind die Straf-
schärfungs- oder Strafmilderungsgründe erst bei der konkreten Strafzumessung
innerhalb des Strafrahmens strafmindernd bzw. -erhöhend zu berücksichtigen
- 52 -
(SCHWARZENEGGER/HUG/JOSITSCH, a.a.O. S. 74 und 89; BSK StGB - WIPRÄCHTI-
GER, N 3 zu Art. 48 StGB).
Der Strafrahmen bei einer schweren Körperverletzung reicht von Geldstrafe
nicht unter 180 Tagessätzen bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Die zu berück-
sichtigenden Strafmilderungsgründe der versuchten Tatbegehung (Art. 22 Abs. 1
StGB) und der verminderten Schuldfähigkeit (Art. 19 Abs. 2 StGB), sind mangels
besonderer Umstände innerhalb des gegebenen Strafrahmens strafmindernd zu
berücksichtigen.
2. Innerhalb des Strafrahmens misst das Gericht die Dauer der Freiheitsstrafe
nach dem Verschulden des Täters zu (Art. 47 Abs. 1 Satz 1 StGB). Das Ver-
schulden muss sich auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten
Straftat beziehen. Um diesen erfassen zu können, ist bei der Festsetzung des
Verschuldens zwischen der Tat- und Täterkomponente zu unterscheiden. Dabei
erlauben die von der Person der Täterschaft losgelösten Tatkomponenten den
Unrechtsgehalt (das Tatverschulden) und die Täterkomponenten den Schuldge-
halt der konkreten Straftat zu beurteilen.
2.1. Massgebende Komponenten zur Bestimmung des objektiven Tatverschul-
dens sind die Schwere der Verletzung bzw. der Gefährdung des betroffenen
Rechtsguts und das Vorgehen des Täters (objektive Tatschwere). Ebenfalls von
Bedeutung sind die kriminelle Energie sowie ein allfälliger Versuch, wobei ein sol-
cher nur dann verschuldensrelativierend wirkt, wenn der Täter aus eigenem An-
trieb zurückgetreten ist. Dies ist vorliegend nicht der Fall, weshalb der Versuch als
verschuldensunabhängige Tatkomponente strafreduzierend zu berücksichtigen
ist.
2.1.1. Vorauszuschicken ist, dass der Tatbestand der schweren Körperverletzung
die körperliche (und psychische) Integrität und damit eines der wichtigsten
Rechtsgüter des Menschen schützt. Der Beschuldigte schlug dem Privatkläger
eine Bierflasche direkt ins Gesicht. Der Schlag erfolgte völlig unvermittelt. Zwar
ging dem Schlag eine lauterwerdende verbale Auseinandersetzung voraus. Der
Privatkläger musste aber zu keinem Zeitpunkt damit rechnen, dass der Beschul-
- 53 -
digte zu Gewalttätigkeiten übergehen würde. Er gab dem Beschuldigten denn
auch unmissverständlich zu verstehen, dass er es nicht dazu kommen lassen
wollte, indem er dessen Aufforderung, mit ihm nach draussen zu gehen, keine
Folge leistete. Dem brachialen Gewaltakt ging bloss das "Dazwischentanzen" des
Privatklägers zwischen den Beschuldigten und F._ und damit keine direkte
Provokation im Sinne einer Verbalinjurie oder einer Tätlichkeit durch den Privat-
kläger voraus (vorstehend, Erw. II.5.1., II.5.5.2. und II.5.5.5.). Verschuldenserhö-
hend kommt hinzu, dass der Beschuldigte, nachdem der Privatkläger blutver-
schmiert und sich das Gesicht mit den Händen haltend nach draussen ging, die-
sem folgte, ihn anschrie und beim Hinabsteigen der Treppe noch schubste.
Draussen musste der Beschuldigte schliesslich von anderen Personen zurückge-
halten werden. Dies zeigt ein beachtliches Aggressionspotential. Die Intensität
und Wucht des vom Beschuldigten ausgeführten Schlages mit der Bierflasche,
welche in die Brüche ging, bringt ferner die bei ihm zum Tatzeitpunkt vorhandene
spontane Gewaltbereitschaft und Aggressivität sowie eine erstaunliche Gleichgül-
tigkeit gegenüber der körperlichen Integrität zum Ausdruck. Sein Tatvorgehen
zeugt von unbedachtem, aus dem Augenblick heraus triebhaftem und unreflektier-
tem Handeln. Neutral wirkt sich aus, dass der Beschuldigte die Tat nicht im Vo-
raus plante und vorbereitete, sondern es sich um eine spontane Aktion handelte.
Durch den Schlag mit der Bierflasche verursachte er diverse Schnittverletzungen
im Gesicht des Privatklägers, eine davon mitten auf der linken Wange, welche mit
neun Stichen genäht werden musste. Gemäss dem ärztlichem Befund des Spitals
E._ vom 28. Oktober 2014 hätte durch den Schnitt auch ein Gesichtsnerv
verletzt werden können, was zu einer Gesichtslähmung im Bereich des Mundes
oder des Auges hätte führen können. Auch hätten die Bindehäute, die Hornhaut
oder der Augapfel des linken Auges durch Glassplitter verletzt werden können.
Schliesslich hätte der Privatkläger am Hals tiefer geschnitten werden können,
wodurch die oberflächliche Halsvene hätte verletzt werden können. Damit war das
geschaffene Risiko für eine schwere Verletzung doch beträchtlich. Die beige-
brachten Verletzungen hatten allerdings nur einen ambulanten Spitalaufenthalt
zur Folge. Eine Arbeitsunfähigkeit bestand während zweier Tage (Urk. 45 S. 5;
- 54 -
vgl. Urk. 5/5). Der Privatkläger wird aber zeitlebens eine bleibende (noch nicht ar-
ge) Narbe mitten auf der linken Wange haben.
2.1.2. Vorausgesetzt, der tatbestandsmässige Erfolg der schweren Körperverlet-
zung wäre durch eine partielle Gesichtslähmung oder das Unbrauchbarmachen
des linken Auges eingetreten, wäre insgesamt von einem keineswegs mehr leich-
ten Tatverschulden auszugehen.
2.2. Beim subjektiven Tatverschulden sind das Motiv, die Beweggründe, die Wil-
lensrichtung sowie das Mass an Entscheidungsfreiheit des Täters beurteilt (sub-
jektive Tatschwere). Bei den Beweggründen ist vor allem darauf abzustellen, ob
sie egoistischer Natur waren und ob der Täter aus eigenem Antrieb oder auf Ver-
anlassung eines anderen handelte. Zu berücksichtigen ist überdies, ob der Täter
mit direktem Vorsatz oder Eventualvorsatz handelte und wie schuldfähig er zum
Tatzeitpunkt war (HUG, in: DONATSCH/FLACHSMANN/HUG/WEDER [Hrsg.], Schweize-
risches Strafgesetzbuch, Kommentar, 19. Aufl., Zürich 2013, N 7 ff. zu Art. 47
StGB).
2.2.1. Die eingetretenen (einfachen) Verletzungen fügte der Beschuldigte dem
Privatkläger mit dem Schlag mit der Bierflasche direktvorsätzlich zu. Merklich ver-
schuldensmindernd in die Gewichtung mit einzubeziehen ist, dass er hinsichtlich
einer schweren Körperverletzung bloss eventualvorsätzlich handelte. Sein Motiv
ist angesichts der geltend gemachten Erinnerungslücke nicht näher bekannt. Der
vorausgegangene, wegen F._ entfachte verbale Streit und das Grinsen vor
dem Schlag mit der Flasche lassen aber auf egoistische Beweggründe, wie ver-
letzter Stolz oder Eifersucht, schliessen.
2.2.2. Ebenfalls verschuldensmindernd ist der Verminderung der Schuldfähigkeit
im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB Rechnung zu tragen. Im psychiatrischen Gut-
achten vom 15. Juli 2016 kommen die beiden Sachverständigen zum Schluss
(Urk. 86 S. 47 ff.), dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt an einer akuten Alko-
holintoxikation (ICD-10: F10.0) litt, welche mit deutlichen Leistungseinbussen,
insbes. in Bezug auf Verhaltensveränderungen, affektiven Veränderungen, ge-
danklicher Einengung sowie Auffassungsstörungen einhergingen. Eine zeitlich
- 55 -
überdauernde psychische Störung oder eine Abhängigkeit von Suchtstoffen lag
dagegen nicht vor. Im Rahmen eines akuten Konflikts führte die schwere Alkoho-
lintoxikation des Beschuldigten zu Enthemmung, erhöhter Impulsivität und affekti-
ver Veränderungen im Sinne von Wut und Aggression (vorstehend,
Erw. III.3.2.1. f.). Daraus ergab sich eine forensisch relevante Verminderung der
Steuerungsfähigkeit im Sinne eines Hemmungsverlustes. Innerhalb eines Spekt-
rums erheblicher Einschränkungen des Steuerungsvermögens war die Steue-
rungsfähigkeit des Beschuldigten laut Gutachten in mittelgradigem, bei einer Pro-
vokation durch das Opfer allenfalls auch in schwerem Ausmass vermindert (vor-
stehend, Erw. III.3.5.3. ff.).
2.2.2.1. Da dem Einsatz der Bierflasche keine eigentliche Provokation seitens des
Privatklägers vorausging (vorstehend, Erw. IV.2.2.1.), besteht keine Grundlage für
die Annahme einer schwergradigen Verminderung der Schuldfähigkeit.
2.2.2.2. Für keine schwerere als mittelgradige Verminderung der Schuldfähigkeit
des Beschuldigten im Tatzeitpunkt sprechen trotz einer zurückgerechneten Blut-
alkoholkonzentration von maximal 2,5 Gewichtspromille, überdies die Feststellun-
gen der ärztlichen Untersuchung des Beschuldigten ca. drei Stunden nach der
Tat, wonach er zwar merkbar beeinträchtigt und übermüdet, nicht aber ausge-
prägt beeinträchtigt war und sein Stand sicher, seine Orientierung erhalten, sein
Verhalten ruhig, die Folgebewegungen seiner Augen unauffällig und der Bewe-
gungsablauf ungestört waren (vorstehend, Erw. III.2.3.2.4.), alsdann die Aussa-
gen der Zeugen, welche keine deutlichen Gang- und Sprachstörungen beim Be-
schuldigten wahrgenommen hatten (Erw. III.2.3.2.7.) und sein Anruf bei der Poli-
zei, weniger als zwei Stunden nach der Tat, als er eine allerhöchstens sehr leicht
verschwommene Sprache aufwies und eigentlich deutlich, flüssig, geschlossen
und verständlich gesprochen hatte (Erw. III.2.3.2.5.).
2.2.3. Das Resultat der überzeugenden Begutachtung von Prof. Dr. C._ be-
stätigt somit die gerichtliche Einschätzung, wonach die Schuldfähigkeit des Be-
schuldigten zur Tatzeit mittelgradig vermindert war, was erheblich verschuldens-
mindernd zu bewerten ist.
- 56 -
2.2.4. Die Berücksichtigung der subjektiven Schwere der Tat wirkt sich demzufol-
ge stark verschuldensmindernd aus und führt zu einem insgesamt eher leichten
Tatverschulden, wofür eine hypothetische Einsatzstrafe von 20 Monaten Frei-
heitsstrafe angemessen erscheint.
2.3. Wie bereits dargelegt, erlitt der Privatkläger keine schweren Verletzungen im
Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB. Dies ist strafmindernd zu berücksichtigen. Das
Ausmass der Strafreduktion hängt dabei von der Nähe des tatbestandsmässigen
Erfolges und von der Schwere der tatsächlichen Folgen der Tat ab. Die Reduktion
der Strafe hat umso geringer auszufallen, je näher der tatbestandsmässige Erfolg
und je schwerwiegender die Folgen der tatsächlichen Tat waren (BSK StGB -
WIPRÄCHTIGER/KELLER, N 23 ff. zu Art. 48a StGB). Dass es beim Versuch einer
schweren Körperverletzung geblieben ist, ist lediglich glücklichen Umständen zu
verdanken. Überdies hatte der Beschuldigte alles unternommen, was zur Erfül-
lung des Tatbestandes der schweren Körperverletzung erforderlich ist. Somit ist
die Strafe nur leicht, auf 18 Monate Freiheitsstrafe zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1
StGB).
2.4. Zu prüfen ist nachfolgend, ob diese dem Tatverschulden angemessene Ein-
satzstrafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu tun
haben, erhöht oder herabgesetzt werden muss. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten, wie Vorleben des Täters (frühere Strafen
oder Wohlverhalten), seine persönlichen Verhältnisse, Strafempfindlichkeit und
sein Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren (Geständnis, Einsicht, Reue,
etc.; HUG, a.a.O., N 7 f. zu Art. 47 StGB).
2.4.1. Zum Werdegang und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ist
bekannt, dass er am tt. März 1989 in E._ geboren und dort aufgewachsen
ist. Im Alter von ca. vier Jahren liessen sich seine Eltern scheiden. Er lebte fortan
bis zu seinem 18. Lebensjahr, bzw. danach zeitweise, bei seiner Mutter. Seinen
Vater besuchte er regelmässig. Die Mutter hatte nach der Scheidung wechselnde
Partnerschaften, was für den Beschuldigten nicht leicht war. Der Beschuldigte be-
suchte in E._ die Primarschule und anschliessend die Realschule (Sek B).
Danach machte er eine dreijährige Lehre als Bäcker-Konditor. Die Lehrab-
- 57 -
schlussprüfung bestand er erst im zweiten Anlauf, weshalb seine Lehre ein Jahr
länger dauerte. Danach ging er 36 Wochen lang ins Militär. Anschliessend arbei-
tete er drei Jahre in seinem Lehrbetrieb auf seinem Beruf, musste diese Stelle
aber im August 2013 aufgrund der Entwicklung einer Mehlallergie aufgeben. Da-
raufhin arbeitete er ein Jahr lang temporär in der Elektroinstallationsfirma U._
als Hilfselektriker, wo er im August 2014 eine vierjährige Lehre als Elektroinstalla-
teur antreten konnte. Als Lehrling erhält er zurzeit einen Lehrlingslohn von Fr.
3'200.– netto. Zusätzlich wird er von der Invalidenversicherung mit Taggeldern in
der Höhe von Fr. 1'200.– monatlich unterstützt. Er ist ledig, wohnt allein und hat
keine Kinder. Der Mietzins beträgt Fr. 890.– inklusive Nebenkosten und Parkplatz.
Schulden hat er keine. Auf seinem Sparkonto verfügt er über einige hundert Fran-
ken (Urk. 14/1; Urk. 2/5; Urk. 43 S. 1–4, 8; Urk. 8/6 S. 5– 8; Prot. II S. 6 ff.).
Aus den persönlichen Verhältnissen ergeben sich keine strafzumessungsre-
levanten Umstände.
2.4.2. Der Beschuldigte hat keine Vorstrafen (Urk. 37; Urk. 114). Die Vorstrafenlo-
sigkeit wirkt sich neutral auf die Strafzumessung aus (BGE 136 IV 1).
2.4.3. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und im
Strafverfahren, wie zum Beispiel vorhandener Einsicht und Reue, Rechnung zu
tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Täters bei der Aufklä-
rung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wirken strafmindernd. Umfang-
reiche und prozessentscheidende Geständnisse – aber nur solche – können eine
Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Der
Grad der Strafminderung hängt aber insbesondere davon ab, in welchem Stadium
des Verfahrens das Geständnis erfolgte (BSK StGB - WIPRÄCHTIGER/KELLER,
N 167 ff. zu Art. 47 StGB; vgl. auch TRECHSEL ET AL., Praxiskommentar StGB,
2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, N 22 zu Art. 47 StGB).
Der Beschuldigte ist bis heute nicht geständig. Konsequenterweise zeigte er
im Vorverfahren und im gerichtlichen Verfahren bei beiden Instanzen auch weder
Einsicht noch Reue. Dies bietet keine Grundlage für eine Strafreduktion. Diese
Umstände wirken sich neutral auf die Strafzumessung aus.
- 58 -
2.4.4. Das Einholen eines zweiten psychiatrischen Gutachtens und die Behand-
lung der Ausstandsbegehren hat nicht der Beschuldigte zu verantworten. Die
dadurch verursachte Verlängerung der Verfahrensdauer und das Wohlverhalten
des Beschuldigten seit der Tat lassen eine weitere Strafminderung unter diesem
Titel als gerechtfertigt erscheinen.
2.4.5. Die Würdigung der Täterkomponenten ergibt damit Anlass für eine weitere
Reduktion der Einsatzstrafe auf 15 Monate Freiheitsstrafe.
3. Der Beschuldigte war vom 19. Oktober 2014, 07.06 Uhr bis zum 28. Oktober
2014, 18.08 Uhr, in Untersuchungshaft (Urk. 13/1 S. 1 und 13/11). Die Dauer der
erstandenen Haft von 10 Tagen ist im Sinne von Art. 51 StGB an die Strafe anzu-
rechnen.
V. Vollzug
1. Gemäss Lehre und Rechtsprechung ist die Gewährung des bedingten Straf-
vollzug obligatorisch, wenn die Voraussetzungen hierfür erfüllt sind (BSK StGB-
SCHNEIDER/GARRÉ, N 34 f. zu Art. 42). Diese Voraussetzungen werden von Art. 42
Abs. 1 StGB vorgegeben. Danach schiebt das Gericht den Vollzug (u.a.) einer
Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der
Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter
von der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten.
2. Der Beschuldigte ist mit einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten zu bestrafen.
Die erste Voraussetzung ist damit erfüllt.
3. Zweite, materielle Voraussetzung ist das Fehlen einer ungünstigen Progno-
se. Zu berücksichtigen ist bei der Erörterung dieser Frage, dass eine günstige
Prognose vermutet wird, wenn der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der
Tat nicht zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindestens
sechs Monaten oder zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verur-
teilt wurde (Art. 42 Abs. 2 StGB). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Damit ist eine
günstige Prognose zu vermuten, so dass der bedingte Strafvollzug in der Regel
zu gewähren ist, es sei denn, es bestünden klare Anhaltspunkte für eine ungüns-
- 59 -
tige Prognose. Bei dieser Beurteilung ist von einem Gesamtbild der Täterpersön-
lichkeit auszugehen (HUG, a.a.O. N 19 zu Art. 42). Massgebend sind die Tatum-
stände, das Vorleben, der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige
Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zu-
lassen, zu berücksichtigen (SCHWARZENEGGER/HUG/JOSITSCH, a.a.O., S. 130).
3.1. Der Beschuldigte hat keine Vorstrafen. Er lebt in geordneten und stabilen
wirtschaftlichen Verhältnissen, ist sozial und beruflich integriert. Er ist nicht alko-
holabhängig, sondern trinkt nur gelegentlich, z.B. an Wochenenden (Prot. II S. 9).
Die vorliegende Tat war eine einmalige Entgleisung.
3.2. Von einer günstigen Prognose geht aus den gleichen Gründen auch das
psychiatrische Gutachten vom 15. Juli 2016 aus und erachtet deshalb auch die
Erforderlichkeit einer Weisung betreffend Alkoholabstinenz nicht als gegeben, da
beim Beschuldigten keine erhöhte Ansprechbarkeit für Alkohol, keine erhöhte
Leichtsinnigkeit in Bezug auf den Konsum und kein bewusster Konsum festge-
stellt wurde, um in intoxikiertem Zustand Delikte zu begehen. Zudem fehlten Hin-
weise auf Beeinträchtigungen der psychosozialen Leistungsfähigkeit. Ausserdem
bestehen beim Beschuldigten weitere protektive Faktoren, wie durchschnittliche
Intelligenz, körperliche Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft, berufliche
und soziale Ressourcen und ein prosoziales Netzwerk. Eine habituelle Gewaltbe-
reitschaft bei Nüchternheit und eine behandlungsbedürftige Veranlagung zu unter
Alkoholeinfluss geführten Konflikten liegen laut Gutachten nicht vor. Legalprog-
nostisch wird das Risiko einer erneuten Gewalthandlung im Gutachten als gering
eingestuft (vorstehend, Erw. III.3.2.3.).
Das vorliegende Strafverfahren und die daraus resultierende Verurteilung zu einer
bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe dürften den Beschuldigten im Übrigen aus-
reichend beeindrucken, um in Zukunft nicht mehr straffällig zu werden.
3.3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe ist aufzuschieben. Die Probezeit ist ange-
sichts der seit der Tat verstrichenen Zeit auf 2 Jahre festzulegen. Von der Ertei-
lung einer Weisung betr. Alkoholabstinenz ist abzusehen.
- 60 -
VI. Zivilansprüche
1. Der Privatkläger beantragte, den Beschuldigten zur Leistung einer Schaden-
summe von Fr. 309.79 und einer Genugtuung von Fr. 1'200.– (je zzgl. Zins zu 5%
seit 19. Oktober 2014) zu verpflichten (Urk. 67 S. 2 und 10).
2. Für die Beurteilung des Schadenersatzanspruchs des Privatklägers ist
Art. 41 Abs. 1 OR massgebend. Dass die vom Privatkläger behauptete Schädi-
gung in körperlicher Hinsicht eingetreten ist, diese widerrechtlich war und schuld-
haft herbeigeführt wurde, steht angesichts des Schuldspruches ausser Frage.
2.1. Der Privatkläger verlangt den Ersatz des Schadens, welcher durch die Teil-
nahme an den Einvernahmen entstanden sei und sich in Fahrkosten und Erwerb-
sausfall niedergeschlagen habe. Hierzu reichte er vor Vorinstanz lediglich eine
Kostenaufstellung ein, worauf u.a. aufgeführt ist, dass die Fahrkosten gesamthaft
Fr. 51.60 und der entgangene Erwerb ("Urlaubstage") gesamthaft Fr. 118.19 be-
trugen (Urk. 46/1). Weder wurden Lohnbelege noch für die Fahrt zur Einvernahme
gelöste ÖV-Tickets eingereicht. Unter diesen Umständen kann infolge fehlender
Belege über den Schadenersatzanspruch von Fr. 169.79 adhäsionsweise nicht
entschieden werden, so dass der Privatkläger mit seinem Schadenersatzan-
spruch auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen ist. Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung hielt der Privatkläger weiterhin daran fest, dass ihm vom Be-
schuldigten auch ein geldwerter Ersatz für die Kleidungsstücke (ein T-Shirt und
eine Jacke), welche wegen Blutrückständen nicht mehr gereinigt werden könne,
zu leisten sei (Urk. 67 S. 10). Dieser Schaden wird mit Fr. 140.– beziffert. Dem
Schadenersatzbegehren liegen weder Quittungen bei, noch ist mangels Rückga-
be der genannten Kleidungsstücke belegt, dass diese nicht mehr gereinigt und
gebraucht werden können. Infolge fehlender Liquidität dieses Anspruchs ist der
Privatkläger auch diesbezüglich auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
2.2. Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, hat Anspruch auf
Leistung einer Geldsumme als Genugtuung, sofern dies durch die Schwere der
Verletzung als gerechtfertigt erscheint und falls die Verletzung nicht anders wie-
der gut gemacht worden ist (Art. 49 Abs. 1 OR). Die Höhe der Genugtuung hängt
- 61 -
dabei in erster Linie von der Art und Schwere der Verletzung, der Intensität und
Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit der betroffenen Person sowie vom
Grad des Verschuldens des Schädigers am Schadensereignis ab. Die Bemes-
sung der Genugtuung steht im Ermessen des Gerichts.
2.2.1. Der Privatkläger machte vor Vorinstanz geltend, dass die ihm zugefügten
Verletzungen zwar gut und zeitgerecht verheilt seien, diese aber sein Leben lang
sichtbar bleiben würden. Es habe zu einem Spitalaufenthalt über mehrere Stun-
den und einer zweitägigen Arbeitsunfähigkeit geführt. Während der ersten zwei
Wochen habe er unter grossen Schmerzen gelitten. Er habe kaum essen können,
und es sei ihm nicht erlaubt gewesen, zu lachen. Wegen Wundversorgung, Ent-
fernung der Fäden der Wundnaht und der Nachkontrolle habe er drei Mal zum
Arzt gehen müssen. Genugtuungserhöhend sei das Nachtatverhalten des Be-
schuldigten zu veranschlagen. Dieser habe sich weder beim Privatkläger ent-
schuldigt oder Reue gezeigt noch Empathie für den Privatkläger aufgebracht
(Urk. 45 S. 5 f.).
2.2.2. Bezüglich des Verschuldens des Beschuldigten kann auf die zum Tatver-
schulden gemachten Erwägungen verwiesen werden. Die unmittelbar durch den
Schlag hervorgerufenen, sichtbaren Verletzungen erscheinen zwar bei einem
Vergleich mit anderen denkbaren Fällen einer versuchten schweren Körperverlet-
zung im Ergebnis als eher noch leicht. Dennoch steht ausser Frage, dass eine
Schnittwunde mitten auf der Wange während des Heilungsprozesses zu grossen
Schmerzen und diversen Einschränkungen in der Lebensqualität geführt haben
muss. Sie bleibt schliesslich zeitlebens sichtbar. Die Schwere des Eingriffs in die
Persönlichkeit des Privatklägers rechtfertigt die Zusprechung einer Genugtuung,
welche antragsgemäss auf Fr. 1'200.–, zuzüglich Zins, festzusetzen ist.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie
darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO).
- 62 -
1.1. Angesichts des Verfahrensausganges lässt sich die vorinstanzliche Kosten-
auflage und Entschädigungsregelung nicht aufrechterhalten (Dispositivziffern 9 -
12).
1.2. Der Beschuldigte hat mit seiner Verurteilung für die Kosten des Vorverfah-
rens und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens – mit Ausnahme derjenigen
der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privat-
klägerschaft – aufzukommen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
1.2.1. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu neh-
men. Die Rückzahlungspflicht ist gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten.
1.2.2. Gemäss Art. 426 Abs. 4 StPO können die Kosten für die unentgeltliche
Verbeiständung der Privatklägerschaft dem Beschuldigten nur auferlegt werden,
wenn dieser sich in günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen befindet. Da dies
beim Beschuldigten nicht der Fall ist, sind diese Kosten auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung kann jedoch der Staat die
Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung des Privatklägers von der beschul-
digten Person unter den gleichen Voraussetzungen zurückfordern, wie jene für
die amtliche Verteidigung (vgl. Art. 426 Abs. 1 und 4, Art. 138 Abs. 1 und Art. 135
Abs. 4 StPO; zum Ganzen Urteile BGer vom 14. Mai 2012 [6B_150/2012] E. 2.1,
vom 5. Juli 2012 [6B_112/2012] E. 1.2 f. und vom 2. Dezember 2014
[6B_123/2014], E. 6.3; je mit Hinweisen). Folglich sind die Kosten der unentgeltli-
chen Verbeiständung des Privatklägers auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die
Rückzahlungspflicht des Beschuldigten ist vorzubehalten.
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
2.1. Die Staatsanwaltschaft obsiegt mit ihren Anträgen zum Schuldpunkt und un-
terliegt gering im Strafpunkt. Der Privatkläger obsiegt ebenfalls mit seinen Anträ-
gen zum Schuldpunkt sowie zur Genugtuung, unterliegt aber hinsichtlich des
Schadenersatzanspruches. Da dieser Schadenersatzanspruch nur einen geringen
Teil der Anträge ausmachte und nur etwa Fr. 300.– beträgt und der Privatkläger
- 63 -
damit auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen ist, rechtfertigt sich diesbe-
züglich keine Kostenauflage. Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Anträgen
weitgehend, mit seinen Ausstandsbegehren vollumfänglich. Ausgangsgemäss
sind ihm grundsätzlich die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derje-
nigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung des
Privatklägers, zu vier Fünfteln aufzuerlegen und zu einem Fünftel auf die Ge-
richtskasse zu nehmen. Da er die Einholung eines zweiten psychiatrischen Gut-
achtens nicht zu vertreten hat, sind die Kosten für das im Berufungsverfahren
eingeholte psychiatrische Gutachten vom 15. Juli 2016 in der Höhe von
Fr. 11'436.– (Urk. 90) auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2.2. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu neh-
men. Die Rückzahlungspflicht ist im Umfang von vier Fünfteln gestützt auf
Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten.
2.3. Bezüglich der Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatkläger-
schaft gilt auch im Rechtsmittelverfahren das bereits Dargelegte (vorstehend
Erw. VII.1.2.2.).