Decision ID: 1a0cca08-a40a-4fe7-8055-e1050bd726a1
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Januar 2011 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 3). Sie gab an, wegen eines Sturzes seit dem 2.
März 2010 arbeitsunfähig zu sein. Zuletzt habe sie zu 100 % als Küchenhilfe gearbeitet.
A.b Bereits am 7. September 2010 war die Versicherte in der Klinik B._ von Dr. med.
C._, Leitender Arzt Manuelle Medizin und interventionelle Rheumatologie, wegen
Gesässschmerzen links untersucht worden (Fremdakten, nicht nummeriert). Dr. C._
hatte erklärt, dass die klinische Untersuchung keinen Hinweis für eine
lumbospondylogene Problematik ergeben habe. Eine SIG-Symptomatik sei aufgrund
der Anamnese und Klinik eher unwahrscheinlich. Das Hüftgelenk scheine radiologisch
und klinisch unauffällig. Auffallend sei jedoch die sehr stark verspannte, druckdolente
Muskulatur, namentlich die Palpation von Myogelosen und Triggerpunkten im Bereich
des M. Glutaeus medius piriformis sowie in den tieferen Hüftaussenrotatoren, gewesen.
Eine intensive Behandlung der Myogelosen und Triggerpunkte mache Sinn. Die
Arbeitsfähigkeit sollte ab Therapiebeginn nur kurzzeitig auf 50 % gesenkt werden.
A.c Vom 11. Januar bis 8. Februar 2011 befand sich die Versicherte für einen
stationären Aufenthalt in der Klinik Valens (Austrittsbericht vom 25. Februar 2011, IV-
act. 24). Die Diagnosen lauteten:
− Myofasciale Beschwerden tieflumbal und glutäal links mit Funktionsstörung der
linken unteren Extremität nach Sturz im März 2010;
− mittelgradig depressive Episode;
− Status nach Stapled Transanal Rectum Resection April 2009 bei obstruktivem
Defäkationssyndrom, Intussuszeption und anteriorer Rektozele.
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Die Klinikärzte erklärten, dass die muskuläre Infiltrationsbehandlung mit anschliessend
intensiver Physiotherapie vor allem auch aufgrund der ausgeprägten psychischen
Anspannung nicht zu einer wesentlichen Verbesserung der Beschwerden geführt habe.
Ein intensives Beckenbodentraining habe subjektiv und objektiv deutliche Erfolge
hinsichtlich der Stuhlinkontinenz gezeigt. Der Systemanamnese war zu entnehmen,
dass die Versicherte 2-3 Mal täglich, häufig rasch nach der Nahrungsaufnahme,
Stuhlgang habe. Wenn sie nicht sofort ein WC aufsuchen könne, könne es zu
ungewolltem Stuhlverlust kommen. Die Klinikärzte bescheinigten der Versicherten für
die Dauer des stationären Aufenthalts eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit. Danach sollte
in leichten und wechselbelastenden Tätigkeiten eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit
bestehen.
A.d Die Arbeitgeberin der Versicherten, ein Pflegeheim, berichtete am 19. Februar
2011 (IV-act. 22), dass es die Versicherte seit August 1992 zu 100 % als Küchenhilfe
beschäftige. Der letzte effektive Arbeitstag sei der 1. März 2010 gewesen. Ohne
Gesundheitsschaden würde die Versicherte heute Fr. 55'023.15 verdienen.
A.e RAD-Arzt Dr. med. D._ notierte am 18. März 2011 (IV-act. 25), dass der Sturz zu
keinen objektivierbaren Läsionen am Bewegungsapparat und zu keinen neurologischen
Störungen geführt habe. Es bestünden ausgeprägte chronifizierte Schmerzen. Die
muskuläre Schwäche sei schmerzbedingt. Die depressive Episode sei Folge der
schmerzbedingten körperlichen Beeinträchtigung. Ein invalidisierender
Gesundheitsschaden sei nicht ausgewiesen.
A.f Dr. med. E._, Psychiatrie und Psychotherapie, Klinik F._, berichtete am 29.
März 2011 (Fremdakten), dass die Versicherte an einer mittelgradigen depressiven
Episode mit somatischen Symptomen (F32.11) leide. Vom 11. bis 15. April 2011 war
die Versicherte zur Abklärung der chronisch progredienten Schmerzsymptomatik in der
linken Glutealregion in der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG)
hospitalisiert (Bericht vom 18. April 2011, Fremdakten). Die Klinikärzte gaben an, dass
sich für die Beschwerden weiterhin kein pathologisches Korrelat habe finden lassen.
A.g Mit Vorbescheid vom 23. September 2011 (IV-act. 37) kündigte die IV-Stelle der
Versicherten die Abweisung des Gesuchs um berufliche Eingliederungsmassnahmen
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und des Rentengesuchs an. Zur Begründung hielt sie fest, dass in der angestammten
wie auch in einer adaptierten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe. Dagegen
liess die Versicherte einwenden, dass sie in der angestammten Tätigkeit voll und in
einer adaptierten Tätigkeit zu 50 % arbeitsunfähig sei (IV-act. 44).
A.h Am 29. September 2011 wurde die Versicherte im Auftrag ihrer
Taggeldversicherung bidisziplinär (psychiatrisch und rheumatologisch) von der Klinik
G._ begutachtet (Gutachten vom 28. Oktober 2011, Fremdakten). Der psychiatrische
Gutachter Dr. med. H._ gab als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
eine mittelgradige depressive Episode (F32.1) an. Er erklärte, dass er die
Schmerzsymptomatik eher der depressiven Grunderkrankung zuordne und deshalb
keine eigenständige Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung stelle. Die
depressive Störung habe sich aufgrund der körperlichen Erkrankungen ab 2009
entwickelt. Dabei seien die Auswirkungen der Harn- und Stuhlinkontinenz in den
Vordergrund zu rücken. Das Unfallereignis (Sturz im März 2010) sei im Sinne einer
dysfunktionalen depressiven Verarbeitungsstrategie zu sehen. Die Versicherte sei zum
jetzigen Zeitpunkt voll arbeitsunfähig. Die volle Arbeitsunfähigkeit werde zumindest für
weitere drei Monate fortbestehen. Im Anschluss sei eine schrittweise Wiedererlangung
der Arbeitsfähigkeit − die zügige Einleitung einer adäquaten Behandlung vorausgesetzt
− denkbar. Aktuell werde die Versicherte mit einem Antidepressivum behandelt. Eine
Psychotherapie finde nicht statt. Dr. med. I._ nannte im rheumatologischen
Teilgutachten als Diagnosen eine Adipositas per magna und eine Insertionstendopathie
des Musculus gluteus am Trochanter major links bei Schmerzchronifizierung mit
chronifizierter Fehlbelastung. Er führte aus, dass die beklagten Beschwerden zwar
nachvollziehbar seien, deren Ausprägung jedoch nicht ausreichend somatisch erklärt
werden könne. Die Einschränkung der hüftführenden Muskulatur links sei durch
entsprechende Therapiemassnahmen (v.a. Gewichtsreduktion) gut zu überwinden. Die
Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit sei innerhalb von sechs Wochen zu
erwarten. Für die nächsten sechs Wochen betrage die Arbeitsfähigkeit somit 0 %. Im
Anschluss bestehe für vier Wochen eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit. Danach sei aus
somatischer Sicht in der angestammten Tätigkeit von einer vollen Arbeitsfähigkeit
auszugehen.
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A.i Dr. med. J._, Oberärztin im Palliativzentrum des KSSG, berichtete am 19. März
2012 (IV-act. 57), dass sich die Versicherte seit Oktober 2011 in ihrer ambulanten
Behandlung befinde. Bei zunehmender Verschlechterung der Symptomatik und daraus
resultierender Erschöpfung sei eine Hospitalisation zur Optimierung der
Schmerztherapie geplant. Seit November 2011 finde ein Arbeitsversuch bei einem
Arbeitspensum von ca. einer Stunde pro Tag statt. Die Versicherte sei in ihrer
Arbeitsfähigkeit durch die permanenten, starken Schmerzen eingeschränkt.
A.j RAD-Arzt Dr. D._ notierte am 12. April 2012 (IV-act. 59), dass weitere
medizinische Abklärungen erforderlich seien. Der Gesundheitszustand sei derzeit
instabil. Am 1. Mai 2012 (IV-act. 61) teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
aufgrund ihres Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien.
A.k Med. pract. K._, Oberarzt am Psychiatrischen Zentrum L._, berichtete am 11.
Mai 2012 (IV-act. 67), dass die Versicherte seit August 2011 an Anpassungsstörungen:
Angst und depressive Reaktion gemischt (F43.22), leide. Eine ebenfalls diagnostizierte
generalisierte Angststörung (F41.1) habe keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die
Versicherte befinde sich seit dem 18. August 2011 bei ihm in Behandlung. Die
Prognose sei sehr abhängig vom Verlauf der somatischen Beschwerden. Bei
Verstärkung der Schmerzsymptomatik komme es regelmässig zu einer Verstärkung der
depressiven Störung und zu Angstzuständen (Angst, nicht mehr arbeiten zu können,
finanzielle Ängste). In der angestammten Tätigkeit als Küchenhilfskraft sei die
Versicherte seit dem 18. August 2011 und bis auf weiteres wegen der ausgeprägten
Gehstörungen voll arbeitsunfähig. Auch adaptierte Tätigkeiten seien ihr zurzeit nicht
zumutbar. Ab dem 1. Januar 2013 könne eventuell mit einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit
gerechnet werden.
A.l Dr. med. M._, Spezialarzt Orthopädische Chirurgie FMH, berichtete am 9. März
2011 (IV-act. 80), dass er die lumbosakralen Beschwerden links ebenso wenig erklären
resp. behandeln könne wie die Klinik Valens resp. die Klinik B._. Das Spital N._
berichtete am 23. Mai 2011 (IV-act. 76), die Versicherte habe, anders als bei der letzten
Konsultation am 28. Februar 2011, angegeben, dass sie weiterhin Probleme habe, den
Stuhl zu halten. Während sie bei festerer Stuhlkonsistenz keinerlei Mühe habe, den
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Stuhl zu halten, müsse sie bei flüssigerem Stuhlgang sehr schnell die Toilette
aufsuchen. Im Februar 2011 habe die Versicherte noch berichtet, dass sie über fünf
Minuten Zeit habe, die Toilette aufzusuchen. Die Klinikärzte hielten fest, dass sich bei
der klinischen Untersuchung ein gut erhaltener Schliessmuskelapparat gezeigt habe.
Im Rahmen der Gesamtsituation mit Depression, chronischen Schmerzen und unter
den rehabilitativen Massnahmen sei die Gesamtsituation der Versicherten aktuell sehr
schwer zu erfassen. Die Einnahme von stuhlregulierenden Mitteln lehne die Versicherte
ab, weil sie in der Vergangenheit keinen Erfolg gehabt hätten. Anlässlich einer
Nachkontrolle am 23. Juni 2011 rieten die Klinikärzte der Versicherten zu einer sakralen
Nervenstimulation zur dauerhaften Stimulation des Beckenbodens (IV-act. 75). Vom 4.
bis 22. Juni 2012 war die Versicherte im Palliativzentrum O._ hospitalisiert (Bericht
vom 25. Juni 2012, IV-act. 87-1 f.). Die Klinikärzte berichteten, die Versicherte habe von
der multimodalen Schmerztherapie insgesamt gut profitiert. Allerdings hätten der
Muskelhartspann im Bereich der Hüfte und des Oberschenkels links lateral und somit
die Beweglichkeit nicht wesentlich verändert werden können, sodass bei Spitalaustritt
weiterhin eine Stockmobilität bestanden habe. Während der Hospitalisation sei die
Versicherte stets kontinent gewesen. Die Implantation des sakralen Neurostimulators
stehe deshalb im Moment nicht im Vordergrund.
A.m RAD-Arzt Dr. D._ notierte am 5. September 2012 (IV-act. 89), aus allen Berichten
gehe hervor, dass das chronifizierte Schmerzsyndrom im Vordergrund stehe. Der von
med. pract. K._ beschriebene psychopathologische Befund sei bland und begründe
keine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit. Die angebliche "Teilinkontinenz für Stuhl" relativiere
sich dadurch, dass die Versicherte bei festerer Konsistenz keinerlei Mühe habe, den
Stuhl zu halten. Dass sie bei flüssigerem Stuhl sehr schnell die Toilette aufsuchen
müsse, sei nicht pathologisch und stelle keine Teilinkontinenz dar. Die Versicherte sei
in jeglicher Tätigkeit weiterhin zu 100 % arbeitsfähig. Eine IV-Sachbearbeiterin notierte
am 6. Dezember 2012, dass die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 31. März 2013
auflösen werde (IV-act. 93). Am 7. Dezember 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass sie keinen Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen habe, da kein
Gesundheitsschaden vorliege, der die Arbeitsfähigkeit einschränke (IV-act. 95).
A.n Mit einem zweiten Vorbescheid vom 3. Januar 2013 stellte die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 3 % die Abweisung des Rentengesuchs in
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Aussicht (IV-act. 100). Dagegen liess die Versicherte einen Einwand erheben (IV-act.
101). Ihr Rechtsvertreter machte geltend, dass der Gesundheitszustand nicht
hinreichend abgeklärt worden sei. Am 28. Februar 2013 reichte die Versicherte
zusammen mit einer erneuten IV-Anmeldung weitere medizinische Berichte ein (IV-act.
103 f.). Die Ärzte des Palliativzentrums O._hatten am 1. März 2013 über einen
stationären Aufenthalt vom 18. Februar bis 1. März 2013 berichtet (IV-act. 104-1 ff.).
Die Hospitalisation war zur Krisenintervention aufgrund einer Schmerzexazerbation bei
bekanntem chronischem Schmerzsyndrom erfolgt. Die Klinikärzte hatten erklärt, dass
die Versicherte durch den bereits zum zweiten Mal abgelehnten IV-Antrag massiv
belastet sei. Im Vordergrund stehe eine ausgeprägte depressive Symptomatik mit
starken Zukunfts- und existenziellen Ängsten. Unterstützend durch eine intensive
psychologische Gesprächstherapie habe die Schwere der depressiven Episode
gemindert werden können. Die Ärzte der Psychiatrischen Klinik P._ hatten am 25.
Februar 2013 berichtet (IV-act. 104-7 ff.), dass sie die Versicherte am 22. Februar 2013
konsiliarisch untersucht hätten. Als Diagnosen hatten sie u.a. eine rezidivierend
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode (F33.1), und einen
Status nach Suizidversuch 2009 durch Medikamentenintoxikation angegeben.
A.o Ein Psychiatrie-Pflegefachmann des Psychiatrischen Zentrums L._ berichtete
RAD-Arzt Dr. D._ am 26. März 2013 telefonisch (IV-act. 107), dass die Versicherte an
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittel- bis schwergradige
Episode (F33.1), leide. Die Behandlung finde seit Anfang 2010 statt. Die Versicherte sei
derzeit wegen fehlender psychischer Belastbarkeit nicht arbeitsfähig. Das
Gesprächsprotokoll wurde am 2. April 2013 von Dr. med. Q._, Oberarzt am
Psychiatrischen Zentrum L._, unterzeichnet. RAD-Arzt Dr. D._ notierte am 26. März
2013 (IV-act. 112), dass eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig sei.
A.p Am 20. und 22. August 2013 wurde die Versicherte von der Medas Ostschweiz
polydisziplinär (allgemein-internistisch, rheumatologisch, psychiatrisch) begutachtet
(Gutachten vom 7. Oktober 2013, IV-act. 117). Die Gutachter gaben keine Diagnosen
mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit an. Die Diagnosen ohne
wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit lauteten:
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− Chronisches Schmerzsyndrom gluteal und linker Oberschenkel lateral seit
Sturzereignis März 2010, multiple klinische und bildgebende Untersuchungen ohne
relevante somatische Befunde;
− Status nach transanaler Rektumresektion April 2009 bei Rektozele, anamnestisch
Teilinkontinenz;
− massive Adipositas;
− leichte arterielle Hypertonie;
− Verdacht auf Analgetika-induzierte Kopfschmerzen;
− Anpassungsstörung (längere depressive Reaktion) DSM IV 309.9.
Dr. med. R._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärte, dass die
Versicherte nach der Operation im Jahr 2009 mit folgenden Mastdarmstörungen eine
reaktive depressive Episode mit suizidalen Gedanken entwickelt habe. Diese Episode
sei kurzzeitig gewesen. Nach dem Unfall im März 2010 seien erneut depressive und
ängstliche Symptome aufgetreten. Aus heutiger Sicht scheine es sich um eine
psychische Reaktion auf das Unfallereignis bzw. die Schmerzen zu handeln. Mit der
Zeit habe sich die Symptomatik zu einer rezidivierenden depressiven Störung, die
zeitweise mittelgradig, gegenwärtig eher leichtgradig zu beurteilen sei, entwickelt. Die
Versicherte habe berichtet, dass sie die ihr verschriebene antidepressive Medikation
regelmässig einnehme. Die Laboruntersuchungen hätten jedoch gezeigt, dass sie die
antidepressive Medikation mit Duloxetin praktisch nicht und die antidepressive und
schlafanstossende Medikation mit Trazodon eher selten oder sehr unregelmässig
einnehme. Diese Tatsache zeige eine Diskrepanz zwischen dem demonstrierten hohen
Leidensdruck und der fehlenden Compliance der Versicherten in den Bemühungen,
den Leidensdruck zu mindern. Die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, die
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sowie die Durchhaltefähigkeit und
Selbstbehauptungsfähigkeit seien durch die depressive Stimmungslage nur leicht
beeinträchtigt. Die depressive Störung, an der die Versicherte leide, sei
höchstwahrscheinlich eine chronische Anpassungsstörung und keine Komorbidität. Sie
sei nicht von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer. Es bestehe kein
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ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens. Ein verfestigter,
therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf sei nicht erkennbar. Für
eine "Flucht in die Krankheit" als primären Krankheitsgewinn fänden sich keine klaren
Hinweise. Von unbefriedigenden Behandlungsergebnissen trotz konsequenter
Durchführung könne nicht die Rede sei. Demnach sei eine Willensanstrengung
uneingeschränkt zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht bestehe folglich eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Küchenhilfe.
Dr. H._ habe die Arbeitsunfähigkeit wegen der Depressivität auf 100 % geschätzt.
Aufgrund der von ihm gestellten Diagnose und der beschriebenen Symptomatik sei
eine volle Arbeitsunfähigkeit aus heutiger Sicht nicht nachvollziehbar; es wäre
höchstens die Attestierung einer 50 %igen Arbeitsunfähigkeit angebracht gewesen. Dr.
med. C._, Innere Medizin/Rheumatologie FMH, führte aus, dass das
Schmerzsyndrom aus somatischer Sicht ätiologisch unklar bleibe. Internistisch und
rheumatologisch bestünden keine Schädigungen oder Funktionsstörungen mit
Auswirkungen auf das berufliche Leistungsvermögen. Die subjektiv beklagten
Kontinenzprobleme könnten belastend sein, dürften jedoch zu keiner wesentlichen
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen. Die Versicherte sei demnach weder
somatisch noch psychiatrisch in ihrer Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
wesentlich eingeschränkt. Die Beurteilung gelte ab dem Gutachtenzeitpunkt. Die
Arbeitsprognose sei wohl schlecht. Es spielten dabei viele soziale, IV-fremde Faktoren
eine Rolle: Migrationsproblematik, bescheidene Schul- und Deutschkenntnisse,
langdauernde Arbeitsunfähigkeit, hohe Selbstlimitierung, familiäre Faktoren (Ehemann
IV-berentet) und subjektive Krankheitsüberzeugungen.
A.q RAD-Arzt Dr. D._ forderte die Medas-Gutachter am 29. Oktober 2013 auf (IV-
act. 118), zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen. Zudem bat er darum,
die Anpassungsstörung nach ICD-10 zu kodieren und fragte, ob aufgrund der bereits
länger als zwei Jahre bestehenden depressiven Symptomatik nicht eine Kodierung als
F33.0 nach ICD-10 (rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode)
angezeigt wäre. Prof. Dr. med. S._ und Dr. C._ antworteten am 18. November 2013
(IV-act. 120), dass gemäss den Akten ab dem Austritt aus der Rehaklinik Valens am 9.
Februar 2011 eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit und ab dem 18. August 2011 eine volle
Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. In diesen Beurteilungen sei offensichtlich ein bio-
psychosoziales Krankheitsmodell, welches IV-rechtlich nicht gelte, berücksichtigt
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worden. Die sozialen Belastungsfaktoren seien stets massiv gewesen, weshalb die
beiden dokumentierten Arbeitsunfähigkeiten zu relativieren seien. Angesichts der
rückwirkend unsicheren Datenlage sei nach dem Austritt aus der Klinik Valens am 8.
Februar 2011 bis zum Gutachtenzeitpunkt höchstens von einer 50 %igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Am 19. November 2013 teilte Dr. S._ ergänzend mit
(IV-act. 121), in den Qualitätsleitlinien der schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie
werde ausdrücklich festgehalten, dass die Diagnose den Kriterien der aktuellen ICD
oder des aktuellen DSM gegenübergestellt werden müsse. RAD-Arzt Dr. D._ notierte
am 5. Dezember 2013 (IV-act. 123), die Medas Ostschweiz habe nachvollziehbar
ausgeführt, dass für den Zeitraum ab Austritt aus der Klinik Valens im Februar 2011 bis
zum Gutachtenzeitpunkt von einer Arbeitsunfähigkeit von höchsten 50 % auszugehen
sei.
A.r Mit einem dritten Vorbescheid vom 6. Januar 2014 stellte die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 3 % erneut die Abweisung des Rentengesuchs in
Aussicht (IV-act. 128). Zur Begründung führte sie an, dass dem Gutachten der Medas
Ostschweiz keine Diagnosen mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit entnommen
werden könnten. Sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in sämtlichen
weiteren Tätigkeiten bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Gemäss der letzten
Arbeitgeberin hätte die Versicherte im Jahr 2011 ein Erwerbseinkommen von Fr.
55'023.-- verdient. Hierbei handle es sich um das Valideneinkommen. Das
Arbeitsverhältnis sei per 31. März 2013 aufgelöst worden, weshalb das
Invalideneinkommen anhand von Tabellenlöhnen zu ermitteln sei. Der Versicherten sei
es demnach zumutbar, ein Einkommen von mindestens Fr. 53'255.-- zu erzielen (LSE,
Schweiz, privater Sektor, 2011, Niv. 4 für Frauen). Dagegen liess die Versicherte am 7.
Februar 2014 einwenden, dass ihr eine IV-Rente auszurichten sei. Eventualiter seien
weitere Abklärungen vorzunehmen (IV-act. 137).
A.s Mit Verfügung vom 24. Februar 2014 (IV-act. 140) wies die IV-Stelle das
Rentengesuch aus den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab. Zum Einwand hielt
sie fest, dass keine neuen Tatsachen geltend gemacht worden seien.
B.
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B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 25. März 2014 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte
die Ausrichtung einer ganzen IV-Rente ab 1. Juli 2011, eventualiter sei die Sache zur
Durchführung weiterer Abklärungen an die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Sie stellte zudem ein Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung und unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Beschwerdeverfahren. Die Rechtsvertreterin machte geltend, dass das Medas-
Gutachten in mehrerer Hinsicht Mängel aufweise: Die Gutachter hätten die
gastrointestinalen Beschwerden nicht genauer untersucht und sich nicht detailliert mit
deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit auseinandergesetzt. Im Gegensatz zu Dr.
R._ habe Dr. E._ das Vorliegen einer schweren psychiatrischen Komorbidität
bejaht. Weiter habe Dr. R._ nicht genügend begründet, weshalb die Förster¬kriterien
nicht erfüllt seien. Die Schlussfolgerung von Dr. R._, dass eine Willensanstrengung
uneingeschränkt zumutbar sei, sei deshalb nicht nachvollziehbar. Es sei auf den
Bericht von Dr. E._ abzustellen, gemäss welchem die Beschwerdeführerin zu 100 %
arbeitsunfähig sei. Angepasst an die Nominallohnentwicklung habe das
Valideneinkommen im Jahr 2011 Fr. 55'573.40 betragen. Selbst wenn auf das Medas-
Gutachten abgestellt würde, sei zu beachten, dass die Gutachter von 2011 bis August
2013 von einer 50 %igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen seien. Aufgrund der
bestehenden Schmerzen, der Kontinenzprobleme, der psychischen Beschwerden, der
stark eingeschränkten Leistungsfähigkeit, der schlechten Deutschkenntnisse und der
Tatsache, dass die Beschwerdeführerin keine Ausbildung absolviert habe, sei ein
"Leidensabzug" von 20 % gerechtfertigt. Dr. E._ hatte am 21. März 2014 (Beilage 5)
berichtet, dass die Beschwerdeführerin an einer andauernden Persönlichkeitsänderung
aufgrund der anhaltenden emotionalen Belastungen im Rahmen der Stuhlinkontinenz
(F62.0) und an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode mit somatischen Symptomen (F33.11), leide. Sie sei zu 100 % arbeitsunfähig.
Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei nicht mehr zu erwarten. Psychosoziale oder
soziokulturelle Belastungsfaktoren seien bei der Beschwerdeführerin nicht
festzustellen. Die andauernde Persönlichkeitsänderung stelle eine schwere
psychiatrische Komorbidität dar. Die Beschwerdeführerin habe sich sozial vollständig
zurückgezogen. Es bestünden ein chronifizierter Krankheitsverlauf und unbefriedigende
Behandlungsergebnisse. Abschliessend hatte Dr. E._ bemerkt, es stelle sich ihm die
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Frage, welcher Humanmediziner einer erwachsenen Person mit einer vollständigen
Stuhlinkontinenz eine Arbeitsfähigkeit auf einem freien Arbeitsmarkt attestieren könne.
Die Beschwerdeführerin sei aufgrund des Körpergeruchs keinem Arbeitgeber resp.
Team mehr zumutbar.
B.b Am 25. April 2014 wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung
von den Gerichtskosten und unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch
Rechtsanwältin Dr. iur. R. Weber) für das Beschwerdeverfahren bewilligt (act. G 6).
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 29. April 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung verwies sie auf die Stellungnahme des
Fachbereichs IV-Renten vom 4. April 2014 (IV-act. 148). Dieser hatte festgehalten, dass
gemäss dem RAD auf das Medas-Gutachten abgestellt werden könne. Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien nicht gestellt und die Überwindbarkeit sei
diskutiert worden. Mit der Beschwerde seien keine neuen Tatsachen geltend gemacht
worden.
B.d In ihrer Replik vom 15. Mai 2014 (act. G 10) brachte die Rechtsvertreterin
ergänzend vor, bereits aufgrund der in der Beschwerde genannten Gründe könne
entgegen der nicht weiter begründeten Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht auf das
Medas-Gutachten abgestellt werden.
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 12).
B.f Am 21. August 2014 reichte die Rechtsvertreterin eine Honorarnote über den
Betrag von Fr. 3'832.90 ein (act. G 13).

Erwägungen
1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 3 % verneint.
Strittig ist demnach, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente
hat.
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1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu
erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst
genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden; sie können aber auch nach
Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzt werden (AHI 1998 S. 120).
Wird eine Schätzung vorgenommen, muss diese nicht unbedingt in einer
ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch
eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen (sog. Prozentvergleich; BGE
114 V 310 E. 3a mit Hinweisen).
2.
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2.1 Die Höhe des Invalideneinkommens hängt u.a. von der Arbeitsfähigkeit der
versicherten Person ab. Zunächst ist daher zu prüfen, ob und wenn ja, in welchem
Ausmass die Beschwerdeführerin in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist.
2.2 Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung.
Danach haben Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht die Beweise
frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten.
Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den
Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die
Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische
These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den
Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht
oder Gutachten. Dennoch hat es das Bundesgericht mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die
Sozialversicherungsträger eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche
auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in
die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen. In
Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
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Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE
125 V 351 E. 3a und 3b mit Hinweisen).
2.3 In formeller Hinsicht erfüllt das Medas-Gutachten die von der Rechtsprechung
aufgestellten Kriterien an ein voll beweiskräftiges Gutachten. Das Gutachten ist in
Kenntnis aller relevanten Vorakten abgegeben worden (Ziff. 2.1 des Gutachtens). Es
enthält eine Anamnese (Ziff. 3 und 5.2), berücksichtigt die subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin zu ihren Leiden (Ziff. 3.4 und 5.2.1) und gibt die erhobenen
objektiven Befunde (Ziff. 4 und 5.3) sowie eine abschliessende Gesamtbeurteilung (Ziff.
6) wieder. Der psychiatrische Gutachter hat sich zudem mit divergierenden früheren
ärztlichen Einschätzungen aus¬einandergesetzt (Ziff. 5.4.2 und 5.10). Als nächstes ist
zu prüfen, ob das Gutachten auch in materieller Hinsicht überzeugt.
2.4 In somatischer Hinsicht macht die Beschwerdeführerin insbesondere Schmerzen in
der linken Gesässregion mit Ausstrahlung ins linke Bein und eine Stuhlinkontinenz
geltend. Bezüglich der Gesässschmerzen hielten die Gutachter fest, dass sich in der
aktuellen Bildgebung weiterhin kein erklärender Befund gezeigt habe; die Beschwerden
blieben aus somatischer Sicht ätiologisch weiterhin unklar. Diese Einschätzung stimmt
mit jener der behandelnden Ärzte und des Vorgutachters überein. Dr. C._ von der
Klinik B._hat lediglich muskuläre Verspannungen feststellen können (Bericht vom 7.
September 2010). Die Klinik Valens hat die Beschwerden als myofascial eingestuft
(Bericht vom 25. Februar 2011). Der rheumatologische Gutachter der Klinik G._ hat
erklärt, dass die Einschränkungen der hüftführenden Muskulatur links durch
entsprechende Therapiemassnahmen gut zu überwinden seien (Gutachten vom 28.
Oktober 2011). Auch Dr. M._ hat sich die Gesässbeschwerden nicht erklären können
(Bericht vom 9. März 2011). Und schliesslich hat auch die Klinik für Neurologie in ihrem
Bericht vom 18. April 2011 angegeben, dass sie für die Beschwerden kein
pathologisches Korrelat gefunden habe. Da auch die Medas-Gutachter weder
internistisch noch rheumatologisch eine Schädigungen oder Funktionsstörungen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gefunden haben, haben sie die
Gesässbeschwerden nicht in ihre somatische Arbeitsfähigkeitsschätzung einfliessen
lassen. Die Medas-Gutachter sind weiter davon ausgegangen, dass die
Kontinenzprobleme keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge
haben. Begründet haben sie diese Schlussfolgerung, wie die Rechtsvertreter der
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Beschwerdeführerin zu Recht moniert hat, jedoch nicht. Aus den Akten geht hervor,
dass es bei flüssigerem Stuhlgang zu ungewolltem Stuhlverlust kommen kann, wenn
die Beschwerdeführerin nicht sofort ein WC aufsuchen kann. Entgegen der
Behauptung von Dr. E._ handelt es sich also keineswegs um eine vollständige
Stuhlinkontinenz. Die Ärzte des Spitals N._ haben bei der Untersuchung im Mai 2011
denn auch einen gut erhaltenen Schliessmuskelapparat festgestellt. Während der
Hospitalisation im Palliativzentrum O._ vom 4. bis 22. Juni 2012 ist die
Beschwerdeführerin stets kontinent gewesen, weshalb die Implantation eines sakralen
Neurostimulators nicht als notwendig erachtet worden ist. Nach dem Gesagten muss
davon ausgegangen werden, dass die geltend gemachte Stuhlinkontinenz mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
hat, zumal die Inkontinenz nur bei flüssigerem Stuhlgang auftritt und auch nur dann,
wenn die Beschwerdeführerin nicht sofort eine Toilette aufsuchen kann, was an einem
geeigneten Arbeitsplatz äusserst selten oder gar nie der Fall sein dürfte. Die
Einschätzung der Medas-Gutachter, wonach die geltend gemachte Stuhlinkontinenz
keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat, überzeugt daher.
2.5 In psychiatrischer Hinsicht hat der Medas-Gutachter Dr. R._ als Diagnose eine
Anpassungsstörung (längere depressive Reaktion) angegeben. Der Zustand der
Beschwerdeführerin entspreche einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig leichte Episode. Die von Dr. R._ gestellte Diagnose überzeugt
angesichts der von ihm erhobenen Befunde: Die Beschwerdeführerin hat zwar
insgesamt einen leicht traurigen Eindruck gemacht, ist im Verlauf des Gesprächs
emotional labil gewesen und hat während der Untersuchung eine mehrheitlich
gedrückte Stimmung gezeigt. Eine Verminderung des Antriebs oder eine erhöhte
Ermüdbarkeit hat Dr. R._ aber ebenso wenig feststellen können wie Konzentrations-
oder Aufmerksamkeitsstörungen. Zudem stimmen die erhobenen Befunde auch mit
den Ergebnissen der Hamilton-Ration Scale for Depression überein (IV-act. 117-26 f.).
Dafür, dass der Leidensdruck aufgrund der depressiven Symptomatik nicht erheblich
ist, spricht auch, dass die Beschwerdeführerin die verordneten antidepressiven
Medikamente nicht oder höchstens sehr unregelmässig einnimmt. Dr. E._ hat in
seinem Bericht vom 21. März 2014 als Diagnosen eine andauernde
Persönlichkeitsänderung aufgrund der anhaltenden emotionalen Belastungen im
Rahmen der Stuhlinkontinenz und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
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mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen, angegeben. Erstere Diagnose
überzeugt zum einen nicht, weil Dr. E._ von einer vollständigen Stuhlinkontinenz
ausgegangen ist, was offensichtlich nicht der Fall ist. Zum anderen überzeugt die
Diagnose nicht, weil eine Persönlichkeitsänderung nach ICD-10: F62.0 einer Belastung
katastrophalen Ausmasses wie andauernde Gefangenschaft mit unmittelbarer
Todesgefahr, Folter, Katastrophen oder Konzentrationslagererfahrungen folgen muss.
Eine Stuhlteilinkontinenz ist sicherlich belastend, weist jedoch nicht die Qualität der
vorgenannten Belastungen auf. Die Diagnose einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen, hat Dr.
E._ nicht begründet. Zudem hat er nicht geltend gemacht, dass es zwischen der
Begutachtung im August 2013 und dem Verfügungserlass im Februar 2014 zu einer
Verschlechterung der depressiven Symptomatik gekommen wäre. Somit überzeugt
bereits die diagnostische Einschätzung von Dr. E._ nicht. Demnach ist davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ab dem Gutachtenzeitpunkt (August 2013)
an einer Anpassungsstörung (längere depressive Reaktion) resp. an einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode, gelitten hat. Dr.
R._ hat der Anpassungsstörung keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
beigemessen. Diese Einschätzung überzeugt angesichts der nicht erheblichen
psychopathologischen Befunde.
2.6 Zu prüfen bleibt, ob in der Zeit vor der Begutachtung eine schwerere Ausprägung
der Depression bestanden hat. Eine depressive Symptomatik wird erstmals im
Austrittsbericht der Klinik Valens vom 25. Februar 2011 (Aufenthalt vom 11. Januar bis
8. Februar 2011) erwähnt. Damals ist der Beschwerdeführerin eine mittelgradige
depressive Episode bescheinigt worden. Der psychiatrische Gutachter der Klinik G._,
Dr. H._, hat im Gutachten vom September 2011 als Diagnose ebenfalls eine
mittelgradige depressive Episode angegeben. Med. pract. K._ vom Psychiatrischen
Zentrum L._ hat in seinem Bericht vom 11. Mai 2012 erklärt, dass die
Beschwerdeführerin an Anpassungsstörungen (Angst und depressive Reaktion
gemischt) leide. Die Diagnose der Psychiatrischen Klinik P._ lautete im Bericht vom
25. Februar 2013 "rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis
schwere Episode". Das Psychiatrische Zentrum L._ hat im März 2013 als Diagnose
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel- bis schwergradige
Episode, angegeben. Die Einschätzung von Dr. R._, dass die depressive
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Symptomatik in der Zeit vor der Begutachtung stärker, d.h. mittelgradig ausgeprägt
gewesen ist und einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gehabt hat, leuchtet angesichts
der Berichte der behandelnden Ärzte und des Gutachters Dr. H._ ein. Dr. H._ hat
die Arbeitsunfähigkeit − zumindest für die drei der Untersuchung folgenden Monate −
auf 100 % geschätzt. Dr. R._ hat hierzu ausgeführt, dass diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung aufgrund der gestellten Diagnose und der beschriebenen
Symptomatik nicht nachvollziehbar sei. Es sei höchstens von einer reduzierten
Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen. In ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 18.
November 2013 begründeten die Gutachter Dr. S._ und Dr. C._ die
unterschiedlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen damit, dass der Beurteilung von Dr.
H._ offensichtlich ein bio-psychosoziales Krankheitsmodel, welches IV-rechtlich nicht
gelte, zugrunde liege. Die sozialen Belastungsfaktoren seien stets massiv gewesen. Dr.
H._ hat in seinem Teilgutachten die folgenden pathologischen Befunde angegeben:
Von der Stimmung her deutlich bedrückt zum depressiven Pol verschoben, mit
eingeschränkter affektiver Schwingungsfähigkeit, Verlust von Lebensfreude, sozialer
Rückzug, gehemmt im Antrieb, starke innere Unruhe, Grübeln und Gedankenkreisen,
Schlafstörung und Gewichtszunahme, Schuld- und Insuffizienzerleben. Dr. H._ hat
weder eine erhöhte Ermüdbarkeit noch Konzentrations- oder
Aufmerksamkeitsstörungen feststellen können. Eine volle Arbeitsunfähigkeit bedingt
jedoch auch massive Einschränkungen in diesen Funktionen. Mit den Medas-
Gutachtern muss deshalb davon ausgegangen werden, dass Dr. H._ in seiner
Arbeitsfähigkeitsschätzung die von den Medas-Gutachtern genannten psychosozialen
Faktoren nicht ausgeklammert hat. Demnach ist auf die Einschätzung von Dr. R._,
dass die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit aufgrund der mittelgradigen
Depression zu 50 % arbeitsunfähig gewesen ist, abzustellen. Die Beschwerdeführerin
ist folglich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von Januar 2011 (Eintritt in die Klinik
Valens) bis Oktober 2013 (Gutachtenzeitpunkt) aus psychischer Sicht in ihrer
angestammten Tätigkeit als Küchenhilfe zu 50 % arbeitsunfähig gewesen.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin hat zuletzt als Küchenhilfe gearbeitet. Sie ist in dieser
Tätigkeit weiterhin arbeitsfähig, weshalb die Invalidenkarriere und die Validenkarriere
dieselbe sind, nämlich die Tätigkeit als Küchenhilfe. Da die Grundlagen für die
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Berechnung des Validen- und Invalideneinkommens gleich hoch sind, kann ein
Prozentvergleich vorgenommen werden. Das Wartejahr hat mit Eintritt der 50 %igen
Arbeitsunfähigkeit zu laufen begonnen, d.h. am 1. Januar 2011. Folglich ist es Ende
Dezember 2011 abgelaufen. Ein Rentenanspruch besteht somit frühestens ab dem 1.
Januar 2012. Zu diesem Zeitpunkt ist die Beschwerdeführerin weiterhin zu 50 %
arbeitsunfähig gewesen. Bei gleich hohem Validen- und Invalideneinkommen beträgt
der IV-Grad ebenfalls 50 %. Selbst wenn ein indirekter behinderungsbedingter
Lohnabzug von 15 % gewährt würde, würde dies bei einem IV-Grad von 57.5 % keine
höhere IV-Rente zu Folge haben (50 % + [50 % x 0.15]). Die Beschwerdeführerin hat
somit ab 1. Januar 2012 Anspruch auf eine halbe IV-Rente. Ab November 2013 ist die
Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Küchenhilfe wieder zu 100 %
arbeitsfähig gewesen, was einem IV-Grad von 0 % entspricht. Eine Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit ist für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung jedoch erst zu
berücksichtigen, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat
und voraussichtlich weiterhin andauern wird (vgl. Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV, SR 831.201). Die Renteneinstellung hat somit erst per 1.
Februar 2014 zu erfolgen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin für die Zeit vom 1. Januar 2012 bis 31. Januar 2014 Anspruch auf
eine halbe IV-Rente hat.
3.2 Demnach ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und der Beschwerdeführerin
ist für den Zeitraum 1. Januar 2012 bis 31. Januar 2014 eine befristete halbe Rente
zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung der Rentenhöhe an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
4.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Da sich die
angefochtene Verfügung als rechtswidrig erwiesen hat und daher von der
Beschwerdeführerin zu Recht angefochten worden ist, ist die Gerichtsgebühr von Fr.
600.-- vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
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4.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu
betrachten ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Wird keine Honorarnote eingereicht, legt das
Versicherungsgericht in einem IV-Rentenfall mit mittlerem Aufwand und
Schwierigkeitsgrad die Parteientschädigung praxisgemäss auf pauschal Fr. 3'500.--
fest. Im vorliegenden Fall hat die Rechtsvertreterin eine Honorarnote über den Betrag
von Fr. 3'832.90 eingereicht. Die Rechtsvertreterin hat eine ausführliche
Beschwerdeschrift eingereicht (16 Seiten) und zudem einen Bericht beim
behandelnden Psychiater eingeholt (act. G 1.1 Beilage 5). Dadurch rechtfertigt sich die
Zusprache einer etwas über dem durchschnittlichen Pauschalbetrag von Fr. 3'500.--
liegenden Parteientschädigung. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin
entsprechend mit Fr. 3'832.90 (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen. Damit erübrigt sich die Festsetzung des Honorars aus der bewilligten
unentgeltlichen Rechtspflege.