Decision ID: 998aa743-bf9e-5f80-bd34-077311a39e3c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer gelangte eigenen Angaben zufolge am (...) in
die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 1. März 2016
fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Am 8. August 2018 wurde er
vom SEM zu seinen Asylgründen angehört und am 8. November 2018 fand
eine ergänzende Anhörung durch ein reines Männer-Team statt.
Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte er im Wesentlichen vor, er sei
tamilischer Ethnie und stamme aus B._ (Nennung Provinz). Bis im
(...) habe er in C._ bei B._, anschliessend in D._ und
die (Nennung Dauer) vor seiner Ausreise in E._ (Nennung Provinz)
gelebt. Da ein (Nennung Verwandter) bei den F._ gewesen sei,
habe sein (Nennung Verwandter) die Bewegung ebenfalls unterstützt. Er
(Beschwerdeführer) sei am (...) von der (Nennung Gruppe) und Angehöri-
gen des Criminal Investigation Department (CID) entführt und nach
G._ in deren Büro gebracht worden, wo er während (Nennung
Dauer) festgehalten, geschlagen, gequält und sexuell missbraucht worden
sei. Er sei immer wieder gefragt worden, wo sich sein (Nennung Verwand-
ter) aufhalte und wo dieser die Waffen versteckt habe. Bei seiner Freilas-
sung – die aufgrund einer Geldzahlung seines (Nennung Verwandter) zu-
stande gekommen sei – hätten sie ihm gesagt, dass sich sein (Nennung
Verwandter) innerhalb von (Nennung Frist) melden müsse. Aus Angst,
dass sie ihn nicht gehen lassen würden, habe er verschwiegen, dass sein
(Nennung Verwandter) zu diesem Zeitpunkt bereits ausser Landes gewe-
sen sei. Aufgrund der erlittenen Misshandlungen habe er gesundheitliche
Probleme. Deswegen habe er sich bereits in Sri Lanka einige Tage nach
seiner Freilassung in medizinische Behandlung begeben. Da er befürchtet
habe, innert kurzer Zeit erneut festgenommen zu werden, habe ihm sein
(Nennung Verwandter) eine Arbeit bei (Nennung Person und Funktion) ver-
mittelt. In dessen Camp habe er bis zirka im (...) – als (Nennung Person)
verhaftet worden sei – Hilfsarbeiten ausgeübt. Einige Tage später habe ihn
sein (Nennung Verwandter) dort abgeholt und nach B._ mitgenom-
men. (Nennung Zeitpunkt) danach habe er in D._ geheiratet, da
sein (Nennung Verwandter) die Hoffnung geäussert habe, dass er als Ver-
heirateter künftig in Ruhe gelassen würde. Zirka (Nennung Zeitpunkt) habe
er sich mit seiner Frau bei seiner (Nennung Verwandte) aufgehalten, als er
zuhause von der (Nennung Gruppe) gesucht worden sei. Diese habe sei-
ner Familie ohne Angabe eines Grundes gesagt, dass er sich innert 24
Stunden bei ihnen im "Office" melden müsse, ansonsten er erschossen
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würde. Darauf sei er nach E._ gereist, wo er sich bis zur Ausreise
aufgehalten habe. In dieser Zeit sei er zuhause gesucht worden. Schliess-
lich sei er mit seinem im Jahr (...) ausgestellten Pass und einem (Nennung
Visum), welches ihm der Schlepper besorgt habe, aus Sri Lanka ausge-
reist. Er sei auch nach seiner Ankunft in der Schweiz zuhause gesucht wor-
den. Hierzulande habe er an Demonstrationen teilgenommen, an welchen
er pro-tamilische Slogans gerufen und ein Schild getragen habe, dessen
Beschriftung er nicht mehr wisse. Zudem habe er sich an (Nennung An-
lässe) beteiligt, welche von den F._ nahestehenden Vereinen orga-
nisiert worden seien. In seiner Heimat habe er keine politischen Aktivitäten
ausgeübt.
A.b Der Beschwerdeführer reichte (Aufzählung Beweismittel) zu den Ak-
ten.
B.
Mit Verfügung vom 30. September 2019 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll-
zug der Wegweisung an.
C.
Mit Eingabe vom 1. November 2019 erhob der Beschwerdeführer gegen
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er bean-
tragte, es sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben, seine Flüchtlings-
eigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren, eventualiter sei die
vorläufige Aufnahme zu erteilen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um
Feststellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses sowie um die Ernennung eines amtlichen
Rechtsbeistands.
Der Beschwerde lagen (Nennung Beweismittel) bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 15. November 2019 hielt die Instruktionsrich-
terin fest, der Beschwerde komme grundsätzlich von Gesetzes wegen auf-
schiebende Wirkung zu (vgl. Art. 42 AsyIG [SR 142.31]; Art. 55 VwVG) und
die Vorinstanz habe im angefochtenen Entscheid die aufschiebende Wir-
kung einer allfälligen Beschwerde nicht entzogen. Der Beschwerdeführer
dürfe demnach den Abschluss des Verfahrens in der Schweiz abwarten.
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Es sei daher auf den Antrag, es sei die aufschiebende Wirkung festzustel-
len, nicht weiter einzugehen. Sodann wies sie die Gesuche um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung sowie um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ab und forderte den
Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses von Fr. 750.– bis
zum 2. Dezember 2019 auf. Der Kostenvorschuss wurde am 28. Novem-
ber 2019 bezahlt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1
VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel
in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1
VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen auf die
Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
5.
5.1 Das SEM führte zur Begründung des Asylentscheids aus, die Asylvor-
bringen des Beschwerdeführers würden die Anforderungen an die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht erfüllen. Es handle sich – los-
gelöst von der Entführung im Jahr (...) – bei den angeführten Behelligungen
nicht um eine asylrelevante Verfolgung. Der Beschwerdeführer selber habe
erwähnt, er wisse nicht, ob es der (Nennung Gruppe) weiterhin um seinen
(Nennung Verwandter) oder um mehr Geld gegangen sei. Es lägen einige
Anhaltspunkte vor, dass es den Entführern lediglich um weitere Gelder-
pressungsversuche gegangen sei. So sei er im Jahr (...) – ohne seinen
(Nennung Verwandter) ausgehändigt zu haben – nach einer Geldzahlung
freigelassen worden. Weiter hätten ihm die sri-lankischen Behörden im
Jahr (...) einen Reisepass ausgestellt, weshalb diese und somit auch das
vom Beschwerdeführer zusätzlich als Entführer erwähnte CID offiziell kein
Verfolgungsinteresse an ihm gehabt hätten. Selbst wenn Angehörige des
CID an der Entführung im Jahr (...) und an seiner weiteren Verfolgung be-
teiligt gewesen wären, müsse davon ausgegangen werden, dass diese
nicht kraft ihres Amtes, sondern als Privatpersonen gehandelt hätten. Da-
bei hätten diese ihr Amt missbraucht, um Geld von seiner Familie zu er-
pressen. Er erfülle daher die Flüchtlingseigenschaft nicht (mit Verweis auf
das Urteil des BVGer E-410/2’10 vom 12. September 2018 E. 6.4). Voraus-
gesetzt, der Entführung des Beschwerdeführers im Jahr (...) werde auf-
grund der Unterstützung der F._ durch seinen (Nennung Verwand-
ter) eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zugestanden, müsse dieser
der zeitliche Kausalzusammenhang mit der Ausreise abgesprochen wer-
den. Zwischen der Entführung und der Ausreise lägen den Aussagen zu-
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folge mehrere Jahre, in denen der Beschwerdeführer nicht in asylrelevan-
ter Weise verfolgt worden sei.
Den Akten seien auch keine Risikofaktoren zu entnehmen. Die Befragung
von Rückkehrern, die über keine gültigen Identitätsdokumente verfügen
würden, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten oder behördlich
gesucht würden, und das allfällige Eröffnen eines Strafverfahrens wegen
illegaler Ausreise würden keine asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen
darstellen. Rückkehrer würden regelmässig auch am Herkunftsort zwecks
Registrierung, Erfassung der Identität, bis hin zur Überwachung der Aktivi-
täten der Person befragt. Diese Kontrollmassnahmen nähmen grundsätz-
lich kein asylrelevantes Ausmass an. Der Beschwerdeführer habe weder
asylrelevante Verfolgungsmassnahmen noch eine illegale Ausreise gel-
tend gemacht. Allfällige, im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risiko-
faktoren hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lanki-
schen Behörden auszulösen vermocht. Es sei daher aufgrund der Akten-
lage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nun-
mehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise ver-
folgt werden sollte. Daran vermöchten auch die angeführten exilpolitischen
Tätigkeiten in der Schweiz (Nennung Tätigkeiten) nichts zu ändern. Es
könne daraus nicht auf ein massgebliches Engagement seinerseits, wel-
ches das Interesse der heimatlichen Behörden erregt haben dürfte, ge-
schlossen werden.
5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Beschwerdeschrift, es
spreche einiges dafür, dass es seinen Verfolgern nicht um Gelderpressun-
gen gegangen sei. Zunächst sei er während seiner Haft nie aufgefordert
worden, eine Geldsumme für seine Freilassung zu bezahlen. Ausserdem
sei er regelmässig und einzig nach seinem (Nennung Verwandter) und ins-
besondere nach versteckten Waffen befragt worden. Dadurch sei ersicht-
lich, dass die Verbindung seines (Nennung Verwandter) zu den F._
und seine Beteiligung daran im Vordergrund gestanden sei. Es sei ihm
auch kein Zeitpunkt genannt worden, wann er wieder gehen könne. Sein
(Nennung Verwandter) habe den Kontakt zu den Entführern aufgenommen
und seine Familie sei niemals, auch nicht nach seiner Freilassung während
den zahlreichen Suchen nach seiner Person, von der (Nennung Gruppe)
aufgefordert worden, irgendeinen Geldbetrag zu zahlen. Das Motiv seiner
Verfolgung habe daher in der (vermeintlichen) politischen Anschauung von
seinem (Nennung Verwandter) und ihm gelegen. Dementsprechend treffe
es nicht zu, dass Beamte des CID als Privatpersonen gehandelt und dabei
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ihr Amt missbraucht hätten. Weiter habe er im Jahr (...) – als ihm sein Rei-
sepass ausgestellt worden sei – im "Office" von (Nennung Person) gelebt.
Im Wesentlichen habe sein (Nennung Verwandter) den Reisepass für ihn
ausgestellt. Er habe sich lediglich einmal kurz für fünf Minuten in das Büro
begeben, um zu unterschreiben. Ausserdem habe (Nennung Person) zu
dieser Zeit in der (Nennung Provinz) viel Einfluss gehabt. Zum Vorhalt des
fehlenden Kausalzusammenhangs zwischen seiner Ausreise und der ge-
schilderten Verfolgung sei anzumerken, dass er im Anschluss an seine
Freilassung direkt zu (Nennung Person) gegangen sei und sich in dessen
"Office" versteckt habe. Dies, nachdem ihm seine Entführer mit einer wei-
teren Festnahme gedroht hätten, sollte er seinen (Nennung Verwandter)
nicht innerhalb der ihm angesetzten Frist melden. Während dieser Zeit sei
er regelmässig zuhause gesucht und sein (Nennung Verwandter) sei nach
seinem Verbleib gefragt worden. Auch nach der Verhaftung von (Nennung
Person) habe man ihn weiterhin gesucht, worauf er im (...) realisiert habe,
dass er trotz seiner Bemühungen und jahrelangem im Versteckten leben in
Sri Lanka nicht in Sicherheit gewesen sei. Kurze Zeit später habe sein
Schlepper die Ausreise organisieren können, weshalb der Kausalzusam-
menhang zwischen Verfolgung und Ausreise ohne Weiteres zu bejahen
sei. Ferner würde er als Tamile aus dem Norden und weil er sich bei seiner
Ausreise nicht ordnungsgemäss abgemeldet habe bei einer Rückkehr sys-
tematisch ins Visier der Sicherheitskräfte geraten. Bis zur Ausreise sei er
verfolgt worden, weshalb seine Person den Behörden in negativer Weise
bekannt sei und von einem Eintrag auf der Stop-List oder zumindest der
Watch-List auszugehen sei. Infolge seiner Demonstrationsteilnahmen in
der Schweiz seien Bilder auf tamilischen Newsportalen aufgetaucht. Auf-
grund dieser Bilder habe seine Ehefrau im Jahr (...) einen Drohanruf erhal-
ten, worin unter anderem mit seinem Tod gedroht worden sei, da er die
tamilische Oppositionsbewegung unterstütze. Er habe aus diesen Gründen
begründete Furcht vor künftiger Verfolgung.
6.
6.1 Die Ausführungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung sind
nicht zu beanstanden, weshalb zunächst auf diese zu verweisen ist. Auch
das Gericht erachtet die Vorbringen des Beschwerdeführers als nicht asyl-
relevant, weshalb auf die von der Vorinstanz am Ende ihrer Erwägungen
in Frage gestellte Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen nicht weiter einzuge-
hen ist (vgl. act. A46/11, S. 5, 3. Absatz).
6.2 Verschiedene Faktoren lassen das Gericht vorliegend zum Schluss ge-
langen, dass die erlittenen Übergriffe im Jahr (...) wie auch die angeblich
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wiederaufgenommene Suche nach dem Beschwerdeführer im (Nennung
Zeitpunkt) nicht aus einem in Art. 3 AsylG erwähnten Motiv geschahen,
sondern um die den Akten zufolge wohlhabende Familie des Beschwerde-
führers (vgl. act. A25/25, S. 17 ff.; A6/13, S. 6; Ziff. 3.01) finanziell zu er-
pressen.
6.2.1 Zunächst einmal soll der (Nennung Verwandter) des Beschwerdefüh-
rers kurze Zeit vor ihm respektive ebenfalls im Jahr (...) von Angehörigen
der (Nennung Gruppe) und des CID entführt und einige Tage festgehalten
worden sein, wobei man diesen nach dem Versteck der Waffen gefragt
habe. Zirka (Nennung Dauer), vor der dargelegten Entführung des Be-
schwerdeführers, mithin (Nennung Zeitpunkt), sei der (Nennung Verwand-
ter) nach einer Geldzahlung des (Nennung Verwandter) freigelassen wor-
den und aus Sri Lanka ausgereist (vgl. act. A25/25, F39, 42, F58; Ziff. 2
Rechtsmitteleingabe). Angesichts dieser Schilderung ergibt sich für das
Gericht die logische Schlussfolgerung, dass es den Entführern in der Tat
allein um die Erpressung von Geld gegangen sein muss, ansonsten keine
Veranlassung bestanden hätte, den (Nennung Verwandter) des Beschwer-
deführers gegen eine blosse Geldzahlung freizulassen, um kurz darauf ihn
(Beschwerdeführer) zu entführen, nach dem Aufenthaltsort des (Nennung
Verwandter) sowie erneut nach dem Versteck der Waffen zu fragen und
auch ihn gegen die Bezahlung einer Geldsumme wieder auf freien Fuss zu
setzen, notabene ohne – wie von den Aggressoren gefordert – den Aufent-
haltsort seines (Nennung Verwandter) oder dessen Tätigkeiten bekannt
gegeben oder diesen gar ausgehändigt zu haben (vgl. act. A25/25, F42,
F59). Unter diesen Umständen erscheint die sowohl an seinen (Nennung
Verwandter) als auch an ihn jeweils gerichtete Forderung, das Versteck der
Waffen zu verraten, als blosser Vorwand, den Kontroll- oder Festnahme-
massnahmen einen offiziellen Anstrich zu geben. Es ist demnach nicht da-
von auszugehen, dass die angeblich beteiligten CID-Angehörigen im Auf-
trag oder mit der Einwilligung des CID handelten und dadurch eine ethnisch
oder politisch motivierte und zielgerichtete Verfolgung im Sinne des Geset-
zes verübt hätten.
6.2.2 Der in E. 6.2 gezogene Schluss wird sodann dadurch erhärtet, dass
der Beschwerdeführer seine Heimat eigenen Angaben zufolge legal mit
seinem eigenen Reisepass – den er sich den Angaben nach bereits im Jahr
(...) hatte ausstellen lassen (vgl. act. A7/10, S. 7, Ziff. 5.01; A25/25, F147 f.)
– via den streng kontrollierten Flughafen H._ verlassen hat. Diese
problemlose legale Ausreise spricht gegen das behauptete staatliche Ver-
folgungsinteresse an seiner Person. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil
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– entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – davon auszuge-
hen ist, dass der CID respektive die sri-lankischen Behörden von der lega-
len Ausreise des Beschwerdeführers umgehend erfahren hätten, falls sie
sich tatsächlich für ihn interessiert hätten, zumal eine solche Ausreise über
den Flughafen elektronisch registriert wird (vgl. auch Urteil des BVGer
D-5848/2016 vom 4. September 2017 E. 6.4.2). In diesem Zusammenhang
ist der in der Rechtsmitteleingabe in Ziffer 16 gemachte Einwand, der
Schlepper habe das anwesende Personal bestochen, wodurch er ohne
Kontrolle das Flugzeug habe besteigen können, als blosse Schutzbehaup-
tung zu werten. Nicht stichhaltig ist zudem hinsichtlich der Ausstellung sei-
nes Passes das pauschale Vorbringen, sein (Nennung Verwandter) habe
im Wesentlichen den Reisepass für ihn ausgestellt und er selber habe sich
lediglich einmal kurz für fünf Minuten in das Büro begeben, um zu unter-
schreiben. Anlässlich der BzP brachte er nämlich explizit vor, er habe den
Pass – den er in H._ erhalten habe – beim Passbüro beantragt (vgl.
act. A6/13, Ziff. 4.02).
6.2.3 Vor diesem Hintergrund wäre es dem Beschwerdeführer möglich und
zumutbar gewesen, gegen die Aggressoren Anzeige bei der zuständigen
Polizei zu erstatten und den Schutz der staatlichen Behörden zu beanspru-
chen, was er jedoch unterlassen hat. Seinem Einwand, es hätten sich unter
den Tätern auch Angehörige des CID befunden, weshalb ihm eine polizei-
liche Anzeige nicht möglich gewesen sei, ist keine relevante Bedeutung
beizumessen. So ist nämlich gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts davon auszugehen, dass der sri-lankische Staat auch der
tamilischen Bevölkerung gegenüber als schutzfähig und -willig gilt und ein
entsprechendes kriminelles Verhalten selbst von CID-Angehörigen vom
sri-lankischen Staat weder geduldet noch gebilligt wird (vgl. Urteil des
BVGer D-2475/2018 vom 24. Juli 2018 E. 6.2.2). Dem Beschwerdeführer
stünde es zudem offen, sich – allenfalls mit Hilfe eines Anwaltes – zur Wehr
zu setzen, falls die gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungsmassnah-
men von Seiten der sri-lankischen Polizei oder der zuständigen Ermitt-
lungsbehörden nicht ergriffen würden. Dies gilt insbesondere auch für den
Fall, dass der Beschwerdeführer nach einer Rückkehr in seine Heimat res-
pektive in seine Herkunftsregion allenfalls neuerlichen Nachfragen bezie-
hungsweise Behelligungen ausgesetzt wäre.
6.3 Gesamthaft ist daher für den Zeitpunkt der Ausreise nicht von einer
asylrelevanten Vorverfolgung des Beschwerdeführers auszugehen, wel-
che die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG begründen und zur
Asylgewährung führen könnte.
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Seite 10
7.
7.1 Der Beschwerdeführer macht Verbindungen zu den F._, ein vor-
bestehendes behördliches Interesse an seiner Person sowie exilpolitische
Tätigkeiten in der Schweiz geltend, womit er Risikofaktoren erfülle. Es
bleibt demnach zu prüfen, ob er deswegen bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne
von Art. 3 AsylG zu befürchten hat, weshalb seine Flüchtlingseigenschaft
festzustellen wäre.
7.2 Das Gericht kommt unter Berücksichtigung der in seinem Referenzur-
teil E-1866/2015 aufgeführten Risikofaktoren zum Schluss, dass kein
Grund zur Annahme einer begründeten Furcht des Beschwerdeführers vor
Verfolgung besteht. Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass er
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka bei der Wiedereinreise einer Befragung
und Überprüfung durch die Grenzbehörden unterzogen wird. Ein solches
Vorgehen kann aber nicht als asylrelevante Verfolgung gewertet werden,
und für ein darüberhinausgehendes Verfolgungsinteresse der sri-lanki-
schen Behörden sind keine massgeblichen Hinweise ersichtlich. Der Be-
schwerdeführer erfüllt aufgrund seiner Verwandtschaft zu einem ehemali-
gen Mitglied der F._ (Nennung Verwandter) sowie zu einem Unter-
stützer derselben (Nennung Verwandter) zwar einen stark risikobegrün-
denden Faktor im Sinne des vorgenannten Referenzurteils. Diese Tatsa-
che für sich lässt aber noch nicht den Schluss zu, dass er zu jener Gruppe
zu zählen ist, die bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
und in absehbarer Zukunft ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG
zu befürchten hat. Wie vorstehend ausgeführt, konnte der Beschwerdefüh-
rer nicht darlegen, im Zeitpunkt der Ausreise wegen seines (Nennung Ver-
wandter) flüchtlingsrechtlich relevant gefährdet gewesen zu sein. Wegen
seines erwähnten (Nennung Verwandter) machte der Beschwerdeführer
ferner keine Probleme geltend (vgl. act. A25/25, F65). Er lebte sodann nach
Kriegsende noch (Nennung Dauer) in Sri Lanka, mithin hätten die sri-lan-
kischen Behörden bei einem allfälligen Verfolgungsinteresse ausreichend
Zeit gehabt, um seiner habhaft zu werden. Der Beschwerdeführer war im
Übrigen im Zeitpunkt des Kriegsendes erst (Nennung Alter). Aus seinen
Ausführungen geht auch nicht hervor, dass er persönlich irgendwelche Ver-
bindungen zu den F._ gehabt hätte. Dies sowie die legale Ausreise
mit dem eigenen Reisepass lassen denn auch nicht den Schluss zu, dass
die sri-lankischen Behörden oder das CID dem Beschwerdeführer effektiv
ein Interesse am Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus unter-
stellen. Vielmehr zeigt dieser Umstand auf, dass die Behörden den Be-
schwerdeführer nicht ernsthaft verdächtigten, in massgeblicher Weise für
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Seite 11
die F._ aktiv gewesen zu sein oder Kontakt zu Kaderleuten der Or-
ganisation gehabt zu haben. Sodann ist die angeführte exilpolitische Tätig-
keit des Beschwerdeführers, namentlich die Teilnahme an verschiedenen
Kundgebungen ohne besondere Funktion, an deren Daten oder Orte sich
der Beschwerdeführer nur vage zu erinnern vermochte und auch nicht an-
zugeben imstande war, was auf dem von ihm getragenen Schild geschrie-
ben stand (vgl. act. A25/25, S. 3 ff.), in jeder Hinsicht als niederschwellig
und als flüchtlingsrechtlich unbeachtlich einzustufen. Das Gleiche gilt auch
für seine Teilnahme an (Nennung Anlässen), welche von den F._
nahestehenden Vereinen organisiert worden seien. Das in diesem Zusam-
menhang gemachte Vorbringen in Ziffer 28 der Rechtsmitteleingabe, ge-
mäss welchem seine Ehefrau aufgrund der auf tamilischen Newsportalen
erschienen Fotos von ihm im Jahr (...) einen Drohanruf erhalten habe und
seine Tötung im Falle seiner Rückkehr in die Heimat angekündigt worden
sei, ist als blosse, nicht weiter substanziierte Parteibehauptung zu qualifi-
zieren. Es besteht vor diesem Hintergrund kein Grund zur Annahme, dass
der Beschwerdeführer auf der „Watch“- oder der „Stop“-Liste eingetragen
ist. Insgesamt ist aufgrund der Aktenlage nicht anzunehmen, dass dem Be-
schwerdeführer persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernst-
hafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden, wobei die Erfül-
lung von Risikofaktoren nicht per se ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG zur Folge haben (vgl. a.a.O. E. 8.5.1 Satz 1).
Dies gilt auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Lage in Sri
Lanka. Die Präsidentschaftswahlen von November 2019 und daran an-
knüpfende Ereignisse vermögen diese Einschätzung nicht in Frage zu stel-
len (vgl. dazu im Einzelnen: Urteil des BVGer E-1156/2020 vom 20. März
2020 E. 6.2). Zum heutigen Zeitpunkt besteht kein Grund zur Annahme,
dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kol-
lektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen
ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden
Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive
deren Folgen besteht. Für den Beschwerdeführer ist das nicht der Fall. An
der Lageeinschätzung des erwähnten Referenzurteils ist weiterhin festzu-
halten. Objektive Nachfluchtgründe (vgl. BVGE 2010/44 E. 3.5 m.w.H.) lie-
gen hier nicht vor. Es sind auch sonst keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass
der Beschwerdeführer im aktuellen politischen Kontext in Sri Lanka in den
Fokus der sri-lankischen Behörden geraten ist und mit asylrelevanter Ver-
folgung zu rechnen hat, weshalb er keine Verfolgung oder begründete
Furcht vor zukünftiger Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen
oder glaubhaft zu machen vermag.
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Seite 12
7.3 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die Vor-
instanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgewiesen.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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Seite 13
9.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. E-1866/2015 E. 12.2 f.). An der La-
geeinschätzung im Urteil E-1866/2015 ist weiterhin festzuhalten. Auch der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wiederholt fest-
gestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Ta-
milen drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoein-
schätzung müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des
EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, 10466/11,
Ziff. 37). Weder aus den Vorbringen des Beschwerdeführers noch in an-
derweitiger Hinsicht ergeben sich konkrete Anhaltspunkte dafür, dass er im
Falle einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer gemäss der EMRK oder der FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung ausgesetzt wäre. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der Er-
gebnisse der Präsidentschaftswahlen von November 2019 und des diplo-
matischen Konflikts zwischen der Schweizer Botschaft und den sri-lanki-
schen Behörden.
9.2.3 Was die dargelegten gesundheitlichen Beschwerden betrifft, so kann
gemäss der Praxis des EGMR der Vollzug der Wegweisung eines abge-
wiesenen Asylsuchenden mit gesundheitlichen Problemen im Einzelfall
zwar einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Hierfür sind aber ganz
aussergewöhnliche Umstände Voraussetzung (vgl. Urteil des EGMR Pa-
poshvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer,
41738/10, § 183). Solche Umstände liegen nicht nur in Fällen vor, in denen
sich die von einer Ausschaffung betroffene Person in unmittelbarer Gefahr
befindet, zu sterben, sondern auch dann, wenn Personen angesichts feh-
lender Behandlungsmöglichkeiten im Zielstaat der Ausschaffung einem re-
alen Risiko einer schwerwiegenden, raschen und irreversiblen Verschlech-
terung des Gesundheitszustands ausgesetzt werden, die zu heftigen Lei-
den oder einer erheblichen Reduktion der Lebenserwartung führen. Solche
aussergewöhnlichen Umstände können aber hier hinlänglich ausgeschlos-
sen werden (vgl. BVGE 2011/9 E. 7.1 S. 117 f., BVGE 2009/2 E. 9.1.3).
9.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
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9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den F._ ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder
Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24
E. 13.2.1). An der generellen Einschätzung der Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs vermögen die verschärften ethnischen und religiösen Span-
nungen während des jüngsten Wahlkampfes und der Regierungswechsel
vom November 2019 sowie die aktuelle Situation in Sri Lanka ändern nichts
an dieser Beurteilung.
9.3.2 Der aus B._, (Nennung Bezirk und Provinz) stammende Be-
schwerdeführer verfügt an seinem Herkunftsort mit (Nennung Verwandte)
sowie mit weiteren Verwandten im D._-Distrikt über ein nach wie
vor bestehendes gefestigtes Beziehungsnetz, das ihm bei einer Rückkehr
Unterstützung bieten kann, insbesondere auch in wirtschaftlicher Hinsicht,
zumal seine Familie (Nennung Güter ) besitze (vgl. act. A25/25, S. 17 ff.;
A6/13, S. 6; Ziff. 3.01). Zudem verfügt der Beschwerdeführer über eine
(...)-jährige schulische Ausbildung und über diverse Berufserfahrungen
(vgl. act. A6/13, Ziff. 1.17.05). Im Lichte obiger Ausführungen ist ihm dem-
nach der Aufbau einer neuen Existenz zuzumuten
9.3.3 Der Beschwerdeführer leidet gemäss den beim SEM eingereichten
ärztlichen Unterlagen (vgl. act. A44/19) an (Nennung Leiden und Behand-
lung). Praxisgemäss ist bei einer Rückweisung von Personen mit gesund-
heitlichen Problemen nur dann von einer medizinisch bedingten Unzumut-
barkeit auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit einer Weiterbe-
handlung eine drastische und lebensbedrohliche Verschlechterung des
Gesundheitszustands nach sich zöge (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3). Diese
Schwelle ist vorliegend nicht erreicht. Vielmehr ist davon auszugehen, dass
die medizinische Versorgung in Sri Lanka für den Beschwerdeführer grund-
sätzlich gewährleistet ist, zumal er sich wegen seiner physischen Be-
schwerden bereits im Heimatland fachärztlich behandeln lassen konnte
(vgl. act. A25/25, F54 ff., F217 ff.). In staatlichen Gesundheitseinrichtungen
in Sri Lanka wird für alle Personen mit sri-lankischer Staatsbürgerschaft
http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/50
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eine kostenlose medizinische Behandlung geboten (vgl. Australian Depart-
ment of Foreign Affairs and Trade [DFAT], DFAT Country Information Re-
port - Sri Lanka, 04.11.2019, S. 12, Ziff. 2.25, https://www.dfat.gov.au/si-
tes/default/files/country-information-report-sri-lanka.pdf, letztmals abgeru-
fen am 12.10.2020). Das Gleiche gilt auch hinsichtlich der angeführten psy-
chischen Probleme. Generell hat Sri Lanka in der medizinischen Versor-
gung grosse Fortschritte gemacht und weist neben 23 Spitälern mit psychi-
atrischen Abteilungen zur stationären Betreuung auch zahlreiche Einrich-
tungen für die ambulante Behandlung von psychisch kranken Patienten auf
(vgl. Urteil des BVGer E-7137/2018 vom 23. Januar 2019 E. 12.3 m.w.H.).
Sodann stellt das Gericht fest, dass der Beschwerdeführer die ihm im Rah-
men der hierzulande durchgeführten (Nennung Therapie) verschriebenen
Medikamente offenbar nicht braucht (vgl. act. A45/9, F16). Es liegt in der
zumutbaren Verantwortung des Beschwerdeführers, bei Bedarf (erneut)
eine adäquate fachärztliche Behandlung in Anspruch zu nehmen. Es liegen
damit keine Gründe für die Annahme vor, der Beschwerdeführer würde bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzielle Notlage geraten, die
als konkrete Gefährdung im Sinne des Gesetzes und der Rechtsprechung
zu werten wäre.
9.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
9.4 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen Vertretung
des Heimatstaates die für eine Rückkehr weiteren notwendigen Reisedo-
kumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.6 Schliesslich steht auch die Coronavirus-Pandemie dem Wegweisungs-
vollzug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um
ein temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmo-
dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem
etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird
(vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-
kommission [EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e, Urteil des BVGer
D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.).
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-7137/2018
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10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der am 28. November 2019 der gleichen Höhe
geleistete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu ver-
wenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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