Decision ID: 073f6128-bd3c-4344-8668-deb43c486af8
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Diebstahl etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 7. Dezember 2017 (DG170197)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 13. Juli 2017
(Urk. D1/50) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des Diebstahls i.S.v. Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie
− des unbefugten Aufnehmens von Gesprächen i.S.v. Art. 179ter StGB.
2. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe ( 9 Tage durch Haft erstanden sind).
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschuldigten A._ wird  und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
4. Die Beschuldigte B._ ist schuldig
− des Diebstahls i.S.v. Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie
− des unbefugten Aufnehmens von Gesprächen i.S.v. Art. 179ter StGB.
5. Die Beschuldigte B._ wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe ( 9 Tage durch Haft erstanden sind).
6. Der Vollzug der Freiheitsstrafe der Beschuldigten B._ wird  und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
7. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
13. Juni 2017 beschlagnahmten und bei der Kasse des Bezirksgerichts la-
gernden Gegenstände und Vermögenswerte (Sachkautionsnummern 31433,
31549 und 31520):
− CHF 156'000.00 (inkl. 18 Couverts)
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− Euro 400.00
− 1 Lederbeutel beinhaltend: − 1 Paar Ohrclips, gelbgold, besetzt mit Brillanten
− 1 Armband, gelbgold, stirnseitig besetzt mit Brillanten
− 1 Paar Ohrclips, gelbgold, besetzt mit Rubinsteinen und Brillanten
− 1 Paar Ohrstecker, gelbgold, besetzt mit 1 grünen Turmalin und Brillan-
ten
− 1 Goldband, gelbgold, mit div. Anhängern
− 1 Frosch, gelbgold, Oberfläche grün
− 1 Taschenuhr, gelbgold
− 1 Ring, gelbgold, versehen mit einem Onyxstein
− 1 Fantasiering, gelbgold, besetzt mit Brillanten und Saphirsteinen
− 1 Fantasiering, gelbgold, besetzt mit Brillanten
− 1 Ohrstecker, besetzt mit weissen Zyrkoniasteinen und 1 grünen Tur-
malinstein
− 1 Visitenkarte lautend auf C._
werden den Berechtigten herausgegeben. Dafür werden die Gegenstände
nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Anmeldung von Ansprüchen
öffentlich ausgeschrieben.
8. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
13. Juni 2017 beschlagnahmten und bei der Kasse des Bezirksgerichts la-
gernden Gegenstände (Sachkautionsnummern 31549 und 31520):
− 1 Goldtaler, gelbgold Amerika
− 1 Filztasche grau beinhaltend: − 1 Leibchen weiss
− 1 Plastiksack "Ruco"
− 1 Klarsichthülle mit div. Papierware
werden dem Beschuldigten A._ auf erstes Verlangen herausgegeben. Holt er die Gegenstände nicht innerhalb von 60 Tagen ab Rechtskraft des
Urteils ab, so werden sie der Lagerbehörde zur Vernichtung bzw. gutschei-
nenden Verwendung überlassen.
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9. Die anlässlich der Hauptverhandlung von der Staatsanwaltschaft zu den Ak-
ten gereichten diversen leeren Bankcouverts (Asservaten-Nr. A008837523)
werden bei den Akten belassen.
10. Rechtsanwalt lic. iur. X1._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten A._ aus der Gerichtskasse mit Fr. 11'500.–, inkl. Barauslagen und MwSt, entschädigt.
11. Rechtsanwalt Dr. X2._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Ver-
teidiger der Beschuldigten B._ aus der Gerichtskasse mit insgesamt Fr. 16'100.–, inkl. Barauslagen und MwSt, entschädigt. Davon in Abzug zu
bringen sind die bereits geleisteten Akontozahlungen.
12. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf
Fr. 6'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.– Gebühr für das Vorverfahren (B._),
Fr. 1'100.– Gebühr für das Vorverfahren (A._),
Fr. 340.– Auslagen Gutachten (B._),
Fr. 30.– Auslagen Gutachten (B._),
Fr. 280.– Auslagen Gutachten (A._),
Fr. 90.– Auslagen Gutachten (A._),
Fr. 22'597.– amtliche Verteidigung (B._), Fr. 22'000.– amtliche Verteidigung (A._).
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens – mit Aus-
nahme der Entschädigungen der amtlichen Verteidigungen – werden den
Beschuldigten je zur Hälfte auferlegt.
14. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
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Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten 1:
(Urk. 109 S. 2)
1. Ziffern 1-3, 7 und 13 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich,
7. Abteilung, vom 07.12.2017 (Geschäfts-Nr. DG170197) seien aufzu-
heben.
2. Der Berufungskläger sei von der Anschuldigung des Diebstahls
(Art. 139 StGB) sowie des unbefugten Aufnehmens von Gesprächen
(Art. 179ter StGB) freizusprechen.
3. Die beschlagnahmten Gegenstände seien den beiden Beschuldigten
herauszugeben.
4. Es sei Herrn A._ eine Entschädigung von CHF 1'800.00 und eine
Genugtuung in der Höhe von CHF 8'200.00 auszurichten.
5. Für den Eventualfall einer Verurteilung sei Herr A._ mit einer
Geldstrafe von 180 Tagessätzen à CHF 50.00 zu bestrafen. Die er-
standene Haft sei anzurechnen. Die Strafe sei bedingt auszusprechen
und die Probezeit auf 2 Jahren festzulegen.
6. Die gesamten Kosten der Untersuchung, des vorinstanzlichen Verfah-
rens sowie des obergerichtlichen Verfahrens seien vom Staat zu tra-
gen.
7. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien gemäss der eingereichten
Rechnung vom 03.12.2018 sowie der heute eingereichten Rechnung
und der heutigen Aufwendungen festzusetzen und auf die Staatskasse
zu nehmen.
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b) Der amtlichen Verteidigung der Beschuldigten 2:
(Urk. 111 S. 2)
- Das Urteil des Bezirksgerichtes vom 07. Dezember 2017 (begründete
Ausfertigung) sei wie folgt abzuändern beziehungsweise aufzuheben:
- Es sei Ziffer 1. des Dispositivs aufzuheben und die Beschuldigte ist
freizusprechen bzw. es sei eine andere Strafwürdigung und strafrecht-
liche Bewertung und Würdigung vorzunehmen in folgenden Punkten:
a. Des Diebstahls gemäss Art. 139 StGB (Anklageziffern 1.1. bis
1.3., 1.5., 1.8., 1.11. bis 1.17., 1.19., 1.20., 1.22., 1.23.)
b. Des unbefugten Aufnehmens von Gesprächen i.S.v. Art. 179ter
StGB (Anklageziffern 1.1. bis 1.3.)
c. Die Ziffer 5. des Dispositivs betreffend die Dauer der Freiheits-
strafe von 24 Monaten sei aufgehoben.
d. Ziffer 6. des Dispositivs wird nicht angefochten
e. Ziffer 7 des Dispositivs sei aufzuheben insoweit als das Gericht
die Herausgabe an den "Berechtigten" anordnet
f. Ziffer 11 des Dispositivs sei insoweit abzuändern, als dem Unter-
zeichner – Rechtsanwalt Dr. X2._ für seine Aufwendungen
als amtlicher Verteidiger der Frau B._ die beantragte Ent-
schädigung aus der Staatskasse in Höhe von 19.195,80 CHF für
die Vertretung in der ersten Instanz zugesprochen wird.
c) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 112 S. 1 f.)
1. Bestätigung der vorinstanzlichen Schuldsprüche (Ziffern 1 und 4 des
Urteilsdispositivs);
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2. Bestrafung des Beschuldigten A._ mit 30 Monaten Freiheitsstrafe,
unter Anrechnung der erstandenen Haft (Ziffer 2 des Urteilsdispositivs);
3. Aufschub des Vollzugs der Freiheitsstrafe des Beschuldigten A._
im Umfang von 18 Monaten, unter Ansetzung einer Probezeit von 2
Jahren; Anordnung des Vollzugs der Freiheitsstrafe im Umfang von 12
Monaten (Ziffer 3 des Urteilsdispositivs);
4. Bestrafung der Beschuldigten B._ mit 30 Monaten Freiheitsstrafe,
unter Anrechnung der erstandenen Haft (Ziffer 5 des Urteilsdispositivs);
5. Aufschub des Vollzugs der Freiheitsstrafe der Beschuldigten B._
im Umfang von 18 Monaten, unter Ansetzung einer Probezeit von 2
Jahren; Anordnung des Vollzugs der Freiheitsstrafe im Umfang von 12
Monaten (Ziffer 6 des Urteilsdispositivs);
6. Im Übrigen Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete
Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 7. Dezember 2017 liess der
Beschuldigte 1 mit Eingabe seiner amtlichen Verteidigung vom 8. Dezember 2017
und die Beschuldigte 2 mit solcher von ihrer amtlichen Verteidigung vom 11. De-
zember 2017 Berufung anmelden (Prot. I S. 25 ff.; Urk. 78; Urk. 79; Art. 399
Abs. 1 StPO). Nach Erhalt des begründeten Urteils am 9. resp. 5. März 2017
reichte die Verteidigung des Beschuldigten 1 am 20. März 2018 und jene der Be-
schuldigten 2 am 25. März 2018 fristgerecht die Berufungserklärung im Sinne von
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Art. 399 Abs. 3 StPO ein und beantragten beide einen vollumfänglichen Frei-
spruch (Urk. 87/2+3; Urk. 91+92). Mit Präsidialverfügung vom 27. März 2018 wur-
de die Berufungserklärung der beiden Beschuldigten der Staatsanwaltschaft zu-
gestellt und Frist für Anschlussberufung oder einen Nichteintretensantrag ange-
setzt (Urk. 93; Urk. 94/1). Mit Eingabe vom 17. April 2018 erhob die Staatsanwalt-
schaft eine auf den Strafpunkt beschränkte Anschlussberufung (Urk. 95). Mit Prä-
sidialverfügung vom 20. April 2018 wurde die Anschlussberufung der Staatsan-
waltschaft den Beschuldigten zugestellt (Urk. 96 f.). Beweisanträge wurden von
keiner Partei gestellt.
2. Am 25. Juli 2018 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung vom
11. Dezember 2018 vorgeladen (Urk. 99). Gemäss telefonischer Auskunft der
Einwohnerkontrolle der D._ vom 21. August 2018 waren die Beschuldigten 1
und 2 per Ende März 2018 nach Polen weggezogen (Urk. 103). Zur Berufungs-
verhandlung erschienen die Beschuldigten 1 und 2 je in Begleitung ihrer amtli-
chen Verteidigungen sowie der Vertreter der Staatsanwaltschaft und stellten die
eingangs aufgeführten Anträge (Prot. II S. 4 ff.).
II. Prozessuales
1. Der am 16. Oktober 2017 verstorbene † Privatkläger hat sich im Vorver-
fahren und damit fristwahrend im Strafpunkt konstituiert (Art. 118 Abs. 3 StPO)
und auf das Geltendmachen von Zivilansprüchen verzichtet (Urk. D1/21/3). Mit
Eingabe vom 20. Juni 2018 teilte der von ihm testamentarisch eingesetzte Allein-
erbe mit, dass er über das laufende Strafverfahren informiert werden wolle. Von
der Privatklägerschaft wurde weder ein Rechtsmittel ergriffen noch Anträge ge-
stellt (Urk. 98; Urk. 100 ff.; Urk. 105).
2. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Urteilsdispositivziffern 8 und 9 (Herausgabe an Beschuldigten 1; Beschlag-
nahme), 10 (Honorar amtl. Verteidigung Beschuldigter 1), 12 (Kostenfestsetzung),
und 14 (Kostenübernahme amtl. Verteidigungen; Rückforderungsvorbehalt), un-
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angefochten blieben (Urk. 91 S. 2 f.; Urk. 92 S. 3; Urk. 95), ist mittels Beschluss
festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft er-
wachsen ist.
3. Der amtliche Verteidiger der Beschuldigten 2 hat mit der Berufung auch
die Höhe des mit Urteil der Vorinstanz vom 7. Dezember 2017 für das Vorverfah-
ren und das erstinstanzliche Gerichtsverfahren für ihn festgesetzte Honorar
(Urk. 88, Urteilsdispositivziffer 11) angefochten (Urk. 92 S. 3, S. 20; Urk. 111
S. 22 f.). Gegen die Höhe der Entschädigung hätte er sich jedoch mit Beschwerde
zur Wehr setzen müssen (Art. 135 Abs. 3 StPO).
3.1. Der amtliche Verteidiger und der unentgeltliche Rechtsbeistand der Pri-
vatklägerschaft sind nicht Verfahrensparteien (Art. 104 Abs. 1 StPO). Ihre Rechts-
mittellegitimation hinsichtlich der Festsetzung des Honorars ergibt sich nicht aus
Art. 382 StPO, sondern aus der besonderen Regelung in Art. 135 Abs. 3 lit. a
StPO bzw. Art. 138 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 135 Abs. 3 lit. a StPO. Danach
steht dem amtlichen Verteidiger und dem unentgeltlichen Rechtsbeistand der Pri-
vatklägerschaft gegen den Entschädigungsentscheid des erstinstanzlichen Ge-
richts im Sinne von Art. 135 Abs. 2 StPO lediglich die Beschwerde offen
(BGE 139 IV 199 E. 5).
3.2. Zwar hatte die amtliche Verteidigung der Beschuldigten 2 mit Eingabe
vom 11. Dezember 2017 rechtzeitig in deren Namen die Berufung angemeldet
(Urk. 79) und am 25. März 2018 fristgerecht die Berufungserklärung im Sinne von
Art. 399 Abs. 3 StPO eingereicht (Urk. 92). Die eigene Beschwerde gegen die am
7. Dezember 2017 durch die Vorinstanz mündlich eröffnete Festsetzung der Höhe
seiner Entschädigung wäre indessen innert 10 Tagen schriftlich und begründet
bei der Beschwerdeinstanz (der III. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons
Zürich) einzureichen gewesen, welche die Beschwerde im Falle einer rechtsgülti-
gen Berufung in der Folge an die Berufungsinstanz zur Behandlung überwiesen
hätte. Da der amtliche Verteidiger der Beschuldigten 2 die Höhe seiner Entschä-
digung somit nicht innert dieser Frist schriftlich und begründet angefochten hat,
lief die Frist zur Einreichung der Honorarbeschwerde unbenützt ab, weshalb auf
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die verspätete Anfechtung der Höhe seiner Entschädigung als amtlicher Verteidi-
ger der Beschuldigten 2 im Berufungsverfahren nicht einzutreten ist.
III. Sachverhalt
1. Den verheirateten Beschuldigten 1 und 2 wird in der Anklageschrift vom
13. Juli 2017 im Wesentlichen vorgeworfen (Urk. D1/50 S. 2 ff.), sie hätten sich
nach gemeinsamer Entschlussfassung und in gleichmassgeblichem Zusammen-
wirken zwischen ca. 17. und 21. Oktober 2015 in die Wohnung des † Privatklä-
gers an der E._-strasse ..., D._, begeben und dort ohne dessen Wis-
sen, Willen und Einverständnis, diesem gehörende Vermögenswerte, bestehend
aus 22 Couverts mit insgesamt ca. Fr. 220'000.– aus einem Schrank, weitere Eu-
ro 3'600.– aus dem Schreibtisch, eine Münzsammlung im Wert von mindestens
Fr. 10'000.–, sowie diverse Schmuckstücke im Wert von mindestens ca.
Fr. 7'000.– behändigt, während der † Privatkläger sich vom 14. bis 21. Oktober
2015 im Spital aufgehalten und ihnen seinen Wohnungsschlüssel mit der Bitte
übergeben habe, Kleider, Schuhe und weitere persönliche Gegenstände aus sei-
ner Wohnung zu holen. In der Folge habe der Beschuldigte 1 die Münzsammlung
für Fr. 10'000.– verkauft. Zudem hätten die beiden Beschuldigten vom wegge-
nommenen Geld Fr. 40'000.– der Mutter der Beschuldigten 2 geschenkt und das
restliche Bargeld, den Erlös aus dem Verkauf der Münzsammlung sowie die
Schmuckstücke unberechtigt für sich behalten, um sich damit unrechtmässig zu
bereichern (Urk. D1/50 S. 3: Diebstahl).
Eventualiter habe der † Privatkläger den Beschuldigten 1 und 2 zur vorer-
wähnten Zeit seinen Wohnungsschlüssel übergeben mit der Bitte, neben Kleidern,
Schuhen und weiteren persönlichen Gegenständen sein Bargeld aus dem Pult
und einem Schrank sowie seine Münzsammlung und Schmuck aus seiner Woh-
nung zu holen. Zwischen dem 17. und 21. Oktober 2015 hätten sie sich in die
Wohnung des † Privatklägers begeben und gemeinsam die erwähnten Vermö-
genswerte des † Privatklägers behändigt. Dies hätten sie getan, obwohl sie auf-
grund der Tatsache, dass sie den † Privatkläger seit längerer Zeit gut gekannt
hätten und vom Spital über dessen Gesundheitszustand informiert gewesen sei-
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en, gewusst oder zumindest in Kauf genommen hätten, dass dieser zum Zeit-
punkt, als er sie aufgefordert habe, die genannten Wertsachen zu holen, in einem
schlechten Zustand und weder urteils- noch handlungsfähig gewesen sei, wes-
halb sie zu keiner Zeit davon hätten ausgehen können und dürfen, dass der
† Privatkläger ihnen diese gesamten Vermögenswerte – bis auf einen kleinen,
angemessenen Geldbetrag für seine Betreuung und Pflege – zu Lebzeiten habe
schenken wollen und auch tatsächlich geschenkt habe. Falls überhaupt, sei es le-
diglich dessen Wille gewesen, dass sie seine Wertsachen während seines Spital-
aufenthaltes und des Aufenthaltes bei ihnen zuhause sicher für ihn aufbewahren
würden. Dennoch habe der Beschuldigte 1 die Münzsammlung für Fr. 10'000.–
verkauft und hätten sie der Mutter der Beschuldigten 2, welche den † Privatkläger
wenige Tage nach dessen Spitalaufenthalt in ihrer Wohnung betreut habe,
Fr. 40'000.– geschenkt und das restliche Bargeld, den Erlös aus dem Verkauf der
Münzsammlung sowie die Schmuckstücke für sich behalten, wozu sie nicht be-
rechtigt gewesen seien, was sie zumindest in Kauf genommen hätten (Urk. D1/50
S. 4 f.: Veruntreuung).
2. Den Beschuldigten 1 und 2 wird in der Anklageschrift weiter vorgeworfen,
der Beschuldigte 1 habe am 22. Oktober 2015, ca. 17:52 Uhr, in ihrer Wohnung
an der F._-strasse ..., D._, in Absprache mit der Beschuldigten 2 und
ohne Kenntnis und Einwilligung des † Privatklägers, mit seinem Mobiltelefon ein
Gespräch zwischen ihnen und dem † Privatkläger aufgezeichnet. Dadurch hätten
sich die Beschuldigten des unbefugten Aufnehmens von Gesprächen im Sinne
von Art. 179ter StGB schuldig gemacht (Urk. D1/50 S. 6).
3. Die Beschuldigten haben nie bestritten, die von der Polizei am 15. De-
zember 2015 in ihrer Wohnung sichergestellten Bargeldbeträge und Schmuckstü-
cke während dessen Spitalaufenthalt aus der Wohnung des † Privatklägers, mit-
hin aus dessen Besitz, behändigt zu haben. Sie machen indessen beharrlich gel-
tend, dazu berechtigt gewesen zu sein, da er ihnen diese Wertsachen als Dank
dafür, dass sie ihn gepflegt haben, geschenkt habe (so bereits die Vorinstanz:
Urk. 88 S. 11). Zum Zeitpunkt, wann sie das Geld geholt habe, erklärte die Be-
schuldigte 2 anlässlich ihrer staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme, an wel-
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chem Tag genau, wisse sie nicht, vielleicht am dritten oder vierten Tag seines
Spitalaufenthaltes (Urk. D1/7/2 S. 5). Die Beschuldigten haben zudem stets aner-
kannt, das fragliche Gespräch mit dem † Privatkläger vom 22. Oktober 2015 im
gegenseitigen Einvernehmen zu Beweiszwecken aufgezeichnet zu haben. Am
Ende des Vorverfahrens machten sie jedoch geltend, ihn um Erlaubnis gefragt zu
haben, resp. habe dieser von der Aufnahme gewusst (Urk. D1/7/6 S. 27 f.).
3.1. Abgesehen davon, haben die Beschuldigten alle sie belastenden Aus-
sagen, Sachbeweise und Indizien, welche irgendwie gegen ihre Darstellung einer
Schenkung durch den † Privatkläger und damit gegen ihre Berechtigung zur Weg-
nahme und Aneignung der anklagegegenständlichen Wertsachen des † Privat-
klägers sprechen könnten, im Verlaufe des Vorverfahrens und vor Vorinstanz, mit
einem Verweis auf jene Aussagen, stets energischer, beharrlich bestritten oder
umgedeutet. Zudem bestritt die Beschuldigte 2 die genaue Kenntnis der Gesamt-
höhe der weggenommenen Geldbeträge (Urk. D1/7/2 S. 5), was aufgrund der
Aussagen des Beschuldigten 1 anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom
21. Dezember 2015, wonach er das Geld zusammen mit der Beschuldigten 2 ge-
zählt, während sie sich die Beträge auf einem Umschlag und er im Telefon notiert
habe (Urk. D1/7/3 S. 5), widerlegt ist (vgl. nachfolgend, Erw. III.7.2.).
3.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung machten die Beschuldigten vom
Recht, die Aussage zu verweigern, Gebrauch und verwiesen zur Sache auf ihre
bisherigen Aussagen (Prot. II S. 18).
3.3. Somit ist der objektive Anklagesachverhalt insbesondere durch die An-
erkennung der beiden Beschuldigten erstellt, wonach sie sich im Zeitraum zwi-
schen ca. 17. und 21. Oktober 2015, als der † Privatkläger sich, wie sie wussten,
im Stadtspital ... in Spitalpflege befand, gemeinsam in dessen Wohnung an der
E._-strasse ..., D._, begeben, um dort die anklagegegenständlichen
Wertsachen des † Privatklägers aus dessen Wohnung in ihre eigene Wohnung
mitzunehmen, und wonach sie das fragliche Gespräch aufgezeichnet haben. Be-
stritten und daher zu erstellen ist hingegen der subjektive Anklagesachverhalt,
wonach sie diese Wertsachen unberechtigt, mithin gegen den Willen des
† Privatklägers aus dessen Wohnung weggenommen und sich angeeignet haben,
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um sich damit unrechtmässig zu bereichern sowie das Gespräch im Wissen um
die fehlende Einwilligung des † Privatklägers unberechtigt aufgenommen zu ha-
ben.
4. Der bestrittene subjektive Anklagesachverhalt ist mit Hilfe der Untersu-
chungsakten und den Aussagen der Befragten, mit Ausnahme der von der Vorin-
stanz infolge Abwesenheit der notwendigen Verteidigung zurecht als unverwert-
bar erkannten ersten polizeilichen Einvernahmen der beiden Beschuldigten
(Urk. 88 S. 7 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO), sowie der vor Gericht vorgebrachten Argu-
mente nach den allgemeingültigen Beweisregeln zu würdigen, wobei sich die ur-
teilende Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen
und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (Urteil des Bundes-
gerichtes 6B_170/2011 vom 10. November 2011, E. 1.2).
4.1. Die rechtstheoretischen Grundsätze der richterlichen Beweis- und Aus-
sagenwürdigung wurden im angefochtenen Urteil zutreffend wiedergegeben. Es
kann darauf verwiesen werden (Urk. 88 S. 11 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.2. Als zu würdigende Beweismittel liegen die Aussagen
• des Beschuldigten 1 und seiner Ehefrau, der Beschuldigten 2, im Vor-
verfahren und vor Vorinstanz, wobei beide vor Vorinstanz vom Aussa-
geverweigerungsrecht Gebrauch machten und auf ihre bisherigen Aus-
sagen verwiesen, was auch anlässlich der Berufungsverhandlung der
Fall war (Urk. D1/8/2+3; Urk. D1/7/2-7; Urk. 30; Prot. I S. 18 ff.; Prot. II
S. 18),
• des † Privatklägers am 6. November 2015 bei der Polizei
(Urk. D1/1/9/1) und im Vorverfahren unter Wahrung der Teilnahme-
und Mitwirkungsrechte gemäss Art. 147 StPO (Urk. D1/1/9/2+4),
• sowie der weiteren unter Einhaltung von Art. 147 StPO befragten Zeu-
gen (G._, H._, I._) aus dem persönlichen Umfeld des
† Privatklägers (Urk. D1/10/1–3 und D1/10/6),
als Personalbeweis vor.
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Als Sachbeweismittel sind
• die in der Wohnung der beiden Beschuldigten durch die Polizei sicher-
gestellten und mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
13. Juni 2017 beschlagnahmten Wertsachen (Bargeld und Schmuck)
im Gesamtwert von über Fr. 156'000.– (Urk. D1/12/1+2; Urk. D1/20/1),
• die durch den Beschuldigten 1 im Einvernehmen mit der Beschuldig-
ten 2 mit seinem Mobiltelefon in ihrer Wohnung erstellte Audioauf-
zeichnung des Gespräches zwischen den Beschuldigten und dem
† Privatkläger vom 22. Oktober 2015 (Urk. D1/13/4),
• die durch die Stadtpolizei Zürich erstellten Fotobogen der Wohnung
des † Privatklägers und der Wohnung der beiden Beschuldigten sowie
des anlässlich der Hausdurchsuchung vom 14. Dezember 2015 bei
den Beschuldigten sichergestellten Bargeldes (Urk. D1/11/1+2;
Urk. D1/11/4+5; Urk. D1/23/3+4),
• die den Spitalaufenthalt des † Privatklägers vom 14.–21. Oktober 2015,
mit der operativen Schleimbeutelentfernung im rechten Knie vom
17. Oktober 2015, und die daran anschliessende Zeit, betreffenden
Arztberichte (Urk. D1/17/1; Urk. D1/17/3; Urk. D1/17/6 i.V.m.
Urk. D1/17/7),
vorhanden.
5. Soweit die Aussagen der beiden Beschuldigten und der Zeugen G._,
H._ und I._ durch die Vorinstanz wiedergegeben wurden, erweisen sich
die Wiedergaben als korrekt, und die Würdigung dieser Aussagen ist zutreffend,
sodass auf diese vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden kann (Urk. 88
S. 14 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Was die Würdigung der darüber hinausgehenden
Beweismittel angeht, so zum Beispiel der Aussagen des † Privatklägers, sind die
vorinstanzlichen Erwägungen ergänzungsbedürftig (nachfolgend, Erw. III.10. ff.),
wie beide Verteidigungen zu Recht geltend machten (Urk. 109
S. 6 ff.; Urk. 111 S. 10).
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5.1. Die Frage der generellen Glaubwürdigkeit der aussagenden Person und
die Frage nach der Glaubhaftigkeit der von dieser Person gemachten Aussagen-
inhalte, sind klar zu unterscheiden. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussa-
gen von Beteiligten, so sind diese frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird bei der Würdigung von Aussagen denn
auch nicht mehr wie früher Gewicht auf die generelle Glaubwürdigkeit des Einver-
nommenen im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft gelegt. Diesem
Gesichtspunkt kommt kaum mehr relevante Bedeutung zu. Weitaus bedeutender
für die Wahrheitsfindung ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche
durch methodische Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein be-
stimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aus-
sagenden entspringen (BGE 133 I 33 E. 4.3).
5.2. Aus den Befragungen der Zeugen aus dem Umfeld des † Privatklägers
(Urk. D1/10/1–3 und D1/10/6) geht hinsichtlich der generellen Glaubwürdigkeit
hervor, dass sie alle derselben Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas an-
gehören und den † Privatkläger teilweise seit vielen Jahren, sich auch unterei-
nander und teilweise auch die Beschuldigten, von dort her kannten.
5.3. Zeuge H._ hatte dem † Privatkläger laut eigener und dessen An-
gabe anfangs November 2015 dazu geraten, die Polizei zu verständigen. Am 26.
März 2016 hatte der † Privatkläger dem Zeugen eine schriftliche Vollmacht "zur
Regelung all meiner Angelegenheiten" für den Fall, dass er aus irgendwelchen
Gründen verhindert sein sollte (Urk. D1/10/4) ausgestellt. Zudem war er vom
† Privatkläger am 1. November 2016, mithin vor seiner staatsanwaltschaftlichen
Befragung als Zeuge vom 23. Februar 2017 (Urk. D1/10/3) testamentarisch als Al-
leinerbe eingesetzt worden, wie sich aus der Testamentseröffnung vom 18. De-
zember 2017 und dem Erbschein vom 16. August 2018 ergibt (Urk. 98; Urk. 102).
Als Begünstigter könnte auch er ein pekuniäres Interesse am Ausgang des Ver-
fahrens haben. Dafür, dass er den † Privatkläger überredet oder geradezu zur
Strafanzeige genötigt bzw. gedrängt haben könnte, wie die Verteidigung der Be-
schuldigten 2 geltend machte (Urk. 76 S. 12 ff.; Urk. 111 S. 15 f.), finden sich in
den Aussagen des † Privatklägers bzw. den Akten keinerlei Anhaltspunkte. Der
- 16 -
† Privatkläger stellte Strafantrag und wollte, dass die Beschuldigten bestraft wer-
den (Urk. D1/9/2 S. 5 und S. 26 f.).
5.4. Auch Zeugin G._ hatte den † Privatkläger in der Vergangenheit in
persönlichen Belangen unterstützt und Korrespondenz für ihn erledigt
(Urk. D1/10/1 S. 3; Urk. D1/10/2 S. 4). Zeugin I._ hatte einmal Fr. 700.– vom
† Privatkläger geschenkt erhalten, als sie sich als ehrenamtliche Bibelleserin ins
Ausland begeben habe, und einmal einen Goldring mit Steinen (Urk. D1/10/6
S. 5).
5.5. Der Umstand, dass sich die Befragten bereits aufgrund der Zugehörig-
keit zur selben Glaubensgemeinschaft kannten und mit dem † Privatkläger zeit-
weise ein Vertrauensverhältnis pflegten, tut ihrer Glaubwürdigkeit keinen Abbruch.
Einzig der Zeuge H._ könnte aufgrund seiner Stellung als Alleinerbe ein sei-
ne Glaubwürdigkeit tangierendes pekuniäres Interesse am Verfahrensausgang
haben.
5.6. Lediglich der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch die Beschul-
digten ein erhebliches Interesse am Verfahrensausgang und allenfalls an den si-
chergestellten Wertsachen haben dürften. Doch auch dies ändert nichts daran,
dass es primär auf die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen ankommt
(Erw. III.5.1.).
6. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten 1 machte vor Vorinstanz gel-
tend, die Aussagen der beiden Beschuldigten seien sehr glaubhaft, erschienen
lebensnah und nachvollziehbar. Dass der † Privatkläger sie damit beauftragt ha-
be, die Wertsachen aus seiner Wohnung zu holen, werde durch kein Beweismittel
der Anklage widerlegt. Die Aussagen des † Privatklägers präsentierten sich zu-
sammengefasst als nicht glaubhaft. Dieser habe sich in diverse Widersprüche
verstrickt und sein Gedächtnis habe ihm wiederholt Streiche gespielt (Urk. 75
S. 5 ff.; Urk. 109 S. 4 ff. und S. 12). Die amtliche Verteidigung der Beschuldigten 2
stellte sich vor Vorinstanz auf den Standpunkt, das Geschehen könne nicht als
Straftat gewertet werden. Es sei eine Tat zu beurteilen, welche man zivilrechtlich
als Schenkung bezeichnen würde (Urk. 76 S. 2). Der † Privatkläger habe beharr-
- 17 -
lich geleugnet, die handschriftliche Vollmacht vom 23. Oktober 2015 an die Be-
schuldigte 2 ausgestellt zu haben, was darauf deute, dass er ein Lügner gewe-
sen, bzw. nach dem Geschehenen, geworden sei. Überdies habe er beharrlich
geleugnet, je Schmuck verschenkt zu haben (ebenda, S. 19 ff.). Schliesslich sei
er auch angesichts seines nicht versteuerten Vermögens ein Lügner und Betrüger
gewesen (ebenda, S. 22 f.; Urk. 111 S. 18).
7. Unter Hinweis auf die im vorinstanzlichen Urteil zu Recht herausgestri-
chenen zahlreichen Widersprüche und Ungereimtheiten in den Aussagen der bei-
den Beschuldigten (Urk. 88 S. 14 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO) ist der Auffassung der
Verteidigungen zu widersprechen, dass die Aussagen der beiden Beschuldigten
glaubhaft, lebensnah oder nachvollziehbar seien; und die nachstehenden Erwä-
gungen (Erw. III.7.1.–7.4.) erfolgen bloss zur ergänzenden Vertiefung.
7.1. Auffallend sind die gravierenden Widersprüche in den Aussagen der
Beschuldigten 1 und 2 sowie ihr immer wieder dem Stand der Untersuchung und
den Aussagen des anderen angepasstes Aussageverhalten. So erklärte der Be-
schuldigte 1 anlässlich seiner Hafteinvernahme vom 15. Dezember 2015, der
† Privatkläger habe ihn und die Beschuldigte 2 beauftragt, das Geld während sei-
nes Spitalaufenthaltes zur sicheren Aufbewahrung aus seiner Wohnung zu holen.
Der † Privatkläger habe Angst gehabt, dass jemand das Geld stehlen könnte
(Urk. D1/8/2 S. 3, Antw. auf Fragen 5 und 6). Zunächst war somit keine Rede da-
von, dass der † Privatkläger ihnen das Geld hätte schenken wollen oder es als
Gegenleistung für allfällig erbrachte Pflegeleistungen hätte gedacht sein können.
Erst später auf die Frage, ob im Spital eine Schenkung noch kein Thema gewe-
sen sei, wollte sich der Beschuldigte 1 daran erinnern, dass der † Privatkläger ge-
sagt habe, die Beschuldigte 2 solle ein Couvert mit Fr. 7'000.– nehmen und dies
für die Dienste ihrer Mutter verwenden (Urk. D1/8/2 S. 3, Antw. auf Frage 7). Die-
se Ausführungen enthalten bereits Widersprüche in sich, decken sich aber auch
nicht mit den Aussagen der Beschuldigten 2, welche nichts von einer sicheren
Aufbewahrung des Geldes für den † Privatkläger wissen wollte, sondern anläss-
lich ihrer Hafteinvernahme vom 15. Dezember 2015 zu Protokoll gab, dass der
† Privatkläger gesagt habe, das Geld sei für die Betreuung gedacht. Für die Un-
- 18 -
terstützung, welche sie ihm geben würden, solle sie zu ihm nach Hause gehen
und dort die Couverts für sich nehmen (Urk. D1/7/2 S. 4, Antw. auf Fragen 12 und
15). Er habe ihr gesagt, dass sie alle Couverts nehmen solle, da ihm das Geld
nichts bedeuten würde (Urk. D1/7/2 S. 5, Antw. auf Frage 20). Auch betreffend
der Art und Weise, wie sie das Geld aus der Wohnung des † Privatklägers geholt
haben wollen, widersprechen sich die Beschuldigten. Der Beschuldigte 1 gab an,
dass sie das Geld gemeinsam aus der Wohnung geholt hätten (Urk. D1/8/2 S. 4,
Antw. auf Fragen 10 und 11, und S. 5, Antw. auf Fragen 22 und 23), während die
Beschuldigte 2 im Widerspruch dazu geltend machte, sie habe die Couverts aus
der Wohnung des † Privatklägers geholt, wobei sie sich nicht sicher sei, ob der
Beschuldigte 1 im Auto gewartet habe (Urk. D1/7/2 S. 6, Antw. auf Frage 31, und
S. 11 f., Antw. auf Fragen 75 und 76). Erst als der Beschuldigte 1 anlässlich der
Konfrontationseinvernahme vom 21. Dezember 2015 ausführte, die Beschuldigte
2 sei neben ihm gesessen, als er das Geld gefunden habe (Urk. D1/7/3 S. 3), re-
lativierte die Beschuldigte ihre Aussage dahingehend, dass sie sich nicht mehr
daran erinnern könne, ob der Beschuldigte 1 im gleichen Raum gewesen sei
(ebenda, S. 3). Dass sie zuvor mehrmals ausgesagt hatte, sie sei sich nicht si-
cher, ob er im Auto gewartet habe, blieb dabei gänzlich unerwähnt.
7.2. Selbst über die Höhe des Bargeldes, welches die Beschuldigten aus der
Wohnung des † Privatklägers geholt hatten, waren sie sich nicht einig. Die Be-
schuldigte 2 führte aus, dass die Couverts mit den Summen angeschrieben ge-
wesen seien. Sie habe gesehen, dass es grosse Summen gewesen seien. Wie-
viel Geld sie ansichgenommen habe, wisse sie nicht. Fr. 220'000.– könnten es
aber nicht gewesen sein (Urk. D1/7/2 S. 5, Antw. auf Fragen 22 und 24, und
S. 12). Im Widerspruch dazu gab der Beschuldigte 1 zu Protokoll, dass es sich bei
der geschenkten Summe mindestens um Fr. 200'000.– gehandelt habe. Die
Summe sei auf der Liste aufgeführt gewesen. Zudem habe er das Geld zusam-
men mit der Beschuldigten 2 gezählt, wobei die Beschuldigte 2 die Beträge auf
einem Couvert und er diese in seinem Telefon notiert habe (Urk. D1/8/2 S. 5 f.,
Antw. auf Fragen 25 und 26; Urk. D1/7/3 S. 5 f.). Dass die Beschuldigte 2 keine
Kenntnis über die Höhe des Geldes gehabt haben soll, wird damit vom Beschul-
digten 1 klar in Abrede gestellt und erweist sich aufgrund des Umstandes, dass
- 19 -
sämtliche Couverts mit den darin enthaltenen Summen beschriftet gewesen sind,
als unglaubhaft.
7.3. Ebenfalls entsprechend zu berücksichtigen ist, dass die Beschuldigten
nicht von Anfang an angaben, welche Vermögenswerte sie vom † Privatkläger
geschenkt erhalten haben sollten, sondern ihre Aussagen jeweils dem Untersu-
chungsergebnis anpassten, sodass sie die Mitnahme des Schmuckes erst ein-
räumten, als dieser auf einer Liste im Mobiltelefon des Beschuldigten 1 auftauchte
und schliesslich in der Wohnung der beiden Beschuldigten sichergestellt werden
konnte. Sowohl die Münzsammlung als auch der gesamte Schmuck des † Privat-
klägers blieben zu Beginn der Einvernahmen der Beschuldigten 1 und 2 gänzlich
unerwähnt. Erst anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 21. Dezember
2015 gab der Beschuldigte 1 auf die Frage hin, weshalb sich in der Filztasche mit
den Couverts auch ein Minigrip mit Fr. 10'000.– befunden habe, zu Protokoll, die-
ses Geld stamme aus dem Verkauf der Münzen, welche sie ebenfalls vom
† Privatkläger bekommen hätten. Er habe gedacht, der † Privatkläger habe ihnen
gesagt, sie sollten diese während seines Spitalaufenthalts holen (Urk. D1/7/3
S. 6). Im Widerspruch dazu führte die Beschuldigte 2 aber aus, das Geld im Mini-
grip stamme von Geld, welches sie noch zuhause gehabt und zum Geld des
† Privatklägers dazugelegt hätten (Urk. D1/7/3 S. 6). Hätte der † Privatkläger den
Beschuldigten tatsächlich gesagt, dass sie nicht nur sein gesamtes Bargeld, son-
dern auch die Münzen sowie den gesamten Schmuck aus seiner Wohnung holen
sollten resp. hätte er ihnen tatsächlich alles schenken wollen, so hätten die Be-
schuldigten bereits anlässlich ihrer ersten Einvernahme sämtliche Vermögenswer-
te aufzählen können. Bei einer Schenkung sämtlicher Vermögenswerte ist nicht
nachvollziehbar, wieso die Beschuldigten lediglich das Bargeld erwähnten und die
restlichen Vermögenswerte erst angaben, als ihnen diese mittels Liste und Si-
cherstellung in ihrer Wohnung nachgewiesen werden konnten.
7.4. Insgesamt erweisen sich die Aussagen der Beschuldigten 1 und 2 auf-
grund der vielen Widersprüche und Ungereimtheiten als unglaubhaft. Insbesonde-
re ist nicht nachvollziehbar und unglaubhaft, dass der † Privatkläger die Beschul-
digten anfänglich damit beauftragt haben soll, das Bargeld aus seiner Wohnung
- 20 -
zu holen und dieses für ihn während der Dauer des Spitalaufenthalts sicher auf-
zubewahren, da er Angst hatte, dass es ihm gestohlen werden könnte, wenn er
den Beschuldigten ohnehin sein gesamtes Vermögen hätte schenken wollen. Die
späte Erwähnung der Münzen sowie der Schmuckstücke im Laufe der Untersu-
chung führt zu weiteren Zweifeln am Wahrheitsgehalt der Aussagen der beiden
Beschuldigten.
7.5. Als Beweismittel für die geltend gemachte Schenkung berufen sich die
Beschuldigten hauptsächlich auf die mit dem Mobiltelefon des Beschuldigten 1
am 22. Oktober 2015, mithin am zweiten Tag nach seiner Entlassung aus dem
Stadtspital ..., ca. um 17.52 Uhr, in ihrer Wohnung erstellte Audioaufzeichnung
des Gespräches mit dem † Privatkläger (Urk. D1/13/4). In diesem Gespräch ist
tatsächlich u.a. der an die Beschuldigte 2 gerichtete Satz des † Privatklägers zu
hören: "Alles, was ich habe, gehört Dir." In welchem grösseren Gesamtzusam-
menhang er diese Äusserung machte, lässt sich der Aufzeichnung aber nicht ent-
nehmen. Es wurde mindestens während des aufgezeichneten Gespräches, ent-
gegen der anders lautenden Aussage der Beschuldigten 2 anlässlich ihrer staats-
anwaltschaftlichen Hafteinvernahme und späteren Befragungen (Urk. D1/7/2 S. 9
Frage 50; Urk. D1/7/3 S. 14 f.), insbesondere nicht über Geld, oder noch konkre-
ter, über in der Wohnung des † Privatklägers von diesem aufbewahrtes Geld in
der Grössenordnung von Fr. 200'000.– gesprochen. Die inkriminierte Äusserung
ist – entgegen der Auffassung der Verteidigung der Beschuldigten 2 (Urk. 111
S. 4) – vielmehr in zeitlicher und inhaltlicher Hinsicht nicht eindeutig, sondern all-
gemein gehalten und könnte auch Gegenstände, wie Mobiliar und das Fahrzeug
zum Inhalt haben. Über die zeitliche Geltung der Äusserung lässt sich der Auf-
zeichnung gar nichts entnehmen. Es könnte sich daher auch um eine mündliche
Vorankündigung oder Absichtserklärung hinsichtlich einer Verfügung von Todes
wegen handeln. Dass mit der Äusserung eine Schenkung in der Grössenordnung
der anklagegegenständlichen Wertsachen gemeint sein könnte, geht aus der Ge-
sprächsaufzeichnung – entgegen der Auffassung der Verteidigung des Beschul-
digten 1 (Urk. 109 S. 9 f.) – jedenfalls nicht ansatzweise hervor. Die Beschuldig-
ten versuchten durch ihr seltsames Vorgehen mittels Audioaufnahme auf hinterlis-
tige Weise (vgl. nachfolgend, Erw. III.14 ff.), die von ihnen behauptete Schen-
- 21 -
kungsabsicht des † Privatklägers zu dokumentieren, was diesbezüglich zusätzlich
erhebliche Zweifel weckt, zumal es naheliegender gewesen wäre, wenn die Be-
schuldigten ihn seine Schenkungsabsicht einfach schriftlich hätten bestätigen
respektive sich von ihm eine Auflistung der allfällig geschenkten Vermögenswerte
hätten unterzeichnen lassen.
8. Aus den Aussagen der beiden Beschuldigten (vgl. Urk. D1/7/2 S. 12;
Urk. D1/7/6 S. 4 ff.) und der Zeugen (vgl. Urk. D1/10/2 S. 6 f.; Urk. D1/10/3 S. 11;
Urk. D1/10/6 S. 5) geht sodann hervor, dass der † Privatkläger anerkanntermas-
sen ein grosszügiger Mensch war und in den letzten Jahren vor seinem Tod ger-
ne Geld oder Schmuck aus seinem Vermögen verschenkte und sich auch für in
Anspruch genommene Gefälligkeiten oder Pflege stets mit Geldgeschenken als
Dank erkenntlich zeigte. Dabei bewegten sich die Geldgeschenke aber lediglich in
der Grössenordnung von mindestens einmal pro Monat Fr. 100.– für kleinere Ge-
fälligkeiten bis maximal Fr. 2'000.– zu Hochzeiten und Ähnlichem. Der Mutter der
Beschuldigten 2 hatte der † Privatkläger für vergangene Pflegeleistungen stets
Fr. 200.– pro Tag zum Dank ausgehändigt. Angesichts dieser Grössenordnung
durfte diese für dessen Pflege in der Wohnung der Beschuldigten vom 21. bis
26. Oktober 2015 höchstens einen Betrag in der Grössenordnung von Fr. 1'200.–
erwarten. Es fehlt daher an einer plausiblen Erklärung der ihr von den Beschuldig-
ten ausgehändigten Fr. 40'000.– (Urk. D1/8/2 S. 4 Frage 8, S. 6 Frage 31 f.;
Urk. D1/7/2 S. 12 Frage 81 f.). Angesichts dieser Grössenordnung fehlt es erst
recht an einer plausiblen Erklärung für eine Schenkung in der Grössenordnung
von ca. Fr. 200'000.–, auch wenn sich die Beschuldigten einige Zeit vor, während
und einige Tage nach der Zeit, als der † Privatkläger im Oktober 2015 im Spital
weilte, um ihn gekümmert und ihn betreut hatten. Laut eigenen Aussagen der Be-
schuldigten 2 anlässlich ihrer staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme vom
15. Dezember 2015 und in späteren Befragungen hatte sie für frühere Dienstleis-
tungen bereits Geld vom † Privatkläger erhalten und dieses für ihren Unterhalt
verwendet, als sie noch nicht erwerbstätig gewesen sei und Fr. 2'000.– für ihre
Hochzeit (Urk. D1/7/2 S. 12 Frage 83 ff.): "Ich habe schon früher Geld von ihm
bekommen, er hat uns ständig Geld gegeben für das was wir für ihn gemacht ha-
ben." ..."Ich kenne C._ seit zwei Jahren, das wurde für mich normal, dass er
- 22 -
mir Geld gibt." Die geltend gemachte Schenkung kann sich somit nicht auf frühere
Hilfestellungen beziehen. Diese waren laut den Aussagen der Beschuldigten 2
bereits abgegolten (Urk. D1/7/3 S. 14; Urk. D1/7/6 S. 4, S. 12).
8.1. Selbst wenn der † Privatkläger als grosszügig beschrieben wurde, be-
wegten sich seine Zuwendungen und Geschenke als Dank für erbrachte Hilfe-
oder Pflegeleistungen gemäss Ausführungen der Zeugen (vorstehend Erw. III.8.)
stets in einem verhältnismässigen Rahmen bis maximal Fr. 2'000.–, sodass eine
Schenkung in der Grössenordnung von ca. Fr. 200'000.– als Gegenleistung für
die Betreuung und Pflege durch die Beschuldigten, wie insbesondere die Be-
schuldigte 2 glauben machen will (vorstehend, Erw. III.7.1.), auch unter Berück-
sichtigung der grosszügigen Art des † Privatklägers masslos übertrieben wäre
und damit unglaubhaft ist.
8.2. Gegen die behauptete Schenkung und deren Grössenordnung spricht
auch die vom Beschuldigten 1 beim Zählen des Geldes im Koffer erstellte Liste
mit 8 Begünstigten, welche nach dem Ableben des † Privatklägers (aber eben
erst dann) Bargeldsummen von je zwischen Fr. 6'000.– und Fr. 200'000.– aus
seinem Bargeldnachlass bekommen sollten ("die bekommen das alle, wenn ich
sterbe"; vgl. Urk. D1/9/2 S. 14 Frage 86, S. 17, S. 24 f.; Urk. D1/7/3 S. 18). Dass
der † Privatkläger, wie von ihm geltend gemacht (Urk. D1/9/2 S. 14), das Geld im
Koffer sortiert und angeschrieben habe, wem es gehören solle, wenn er einmal
sterben würde, ist ebenfalls ein Indiz dafür, dass er nicht bereits zu Lebzeiten sei-
ne gesamten Vermögenswerte an die Beschuldigten zu verschenken beabsichtigt
hatte, zumal ansonsten die Beschriftung des Geldes mit den Namen diverser Be-
günstigter auf sein Ableben hin obsolet gewesen wäre.
8.3. Zudem bestätigten die Zeugen, dass der † Privatkläger ihnen gegen-
über geäussert habe, ihm sei etwas geklaut worden resp. ihm seien Fr. 200'000.–
und Münzen entwendet worden (D1/10/2 S. 13 f.; D1/10/3 S. 9; Urk. D1/10/6
S. 8), was ebenfalls gegen die Absicht spricht, den Beschuldigten diese Vermö-
genswerte schenken zu wollen.
- 23 -
9. Entgegen der nachdrücklichen Auffassung der Verteidigungen (Urk. 109
S. 5 ff.; Urk. 111 S. 8) widerspricht der Umstand, dass der † Privatkläger zu Leb-
zeiten sein gesamtes Vermögen, d.h. sämtliches Bargeld, die Münzsammlung
sowie sämtlichen Schmuck, und nicht nur einen Teil davon, den Beschuldigten
geschenkt haben soll, ohne etwas für sich zu behalten, zweifelsohne der allge-
meinen Lebenserfahrung, selbst wenn der † Privatkläger aus seinem Umfeld als
grosszügige Person beschrieben worden ist (vorstehend, Erw. III.8. f.), und insbe-
sondere auch unter Berücksichtigung, dass er nicht wusste, ob er zukünftig zur
Bestreitung seines Lebensunterhaltes auf diese Vermögenswerte weiterhin an-
gewiesen sein würde. Dass eine Person ihr gesamtes Vermögen und damit ihre
ganze Sicherheit bereits zu Lebzeiten vollständig aufgeben soll, ohne zu wissen,
wie lange sie noch leben und in welchem Umfang sie auf ihr Vermögen noch an-
gewiesen sein wird, ist nicht nachvollziehbar, sondern lebensfremd. Selbst wenn
zugunsten der Beschuldigten berücksichtigt würde, dass der † Privatkläger ihnen
aus Dankbarkeit für ihre Pflegeleistungen etwas hätte schenken wollen, ist un-
glaubhaft, dass es eine Summe in der Grössenordnung von ca. Fr. 200'000.– ge-
wesen wäre, inklusive Münzsammlung und des gesamten Schmuckes, zumal sich
die bisherigen Zuwendungen des † Privatklägers nie annähernd in dieser Grös-
senordnung bewegten. Für eine solche Schenkung des † Privatklägers gibt es
schlicht keine plausible Erklärung, zumal er von den Beschuldigten nicht langjäh-
rig betreut und gepflegt worden ist. Alle diese geschilderten Umstände drängen
den Schluss, dass die beiden Beschuldigten die Vermögenswerte gegen den Wil-
len des † Privatklägers behändigten, gebieterisch auf.
10. Miteinzubeziehen in die Beweisführung ist schliesslich das Aussagever-
halten des † Privatklägers. Die amtliche Verteidigung der Beschuldigten 2 monier-
te redundant (Urk. 92 S. 7 ff.; Urk. 76 S. 16, insbes. auch S. 23; Urk. 111 S. 5 f.,
S. 9 f., S. 12, S. 17 ff. und S. 21), im angefochtenen Urteil habe keine Auseinan-
dersetzung mit dessen Glaubwürdigkeit stattgefunden. Dieser habe offensichtlich
aus eigener Sicht fast ein erotisches Verhältnis zur Beschuldigten 2 gehabt, über
Jahre hinweg vorsätzlich Steuerhinterziehung begangen, sei zum Zeitpunkt seiner
Vernehmungen um neunzig Jahre alt gewesen, habe erkennbar an Altersschwä-
che gelitten und sei erkennbar dement gewesen, so habe er "die Jahreszahl, in
- 24 -
der seine einzige staatsanwaltschaftliche Vernehmung stattgefunden" habe, in
seiner (staatsanwaltschaftlichen) Vernehmung vom 31. Oktober 2016, Blatt 20
oben, nicht mehr gewusst, weshalb die Beschuldigte 2 freizusprechen sei (Urk. 92
S. 10 f., insbes. S. 14 ff.; Urk. 76 S. 23 f.; Urk. 111 S. 13 f. und S. 18 f.).
10.1. Der am 26. Januar 1926 geborene † Privatkläger wurde am 6. Novem-
ber 2015, am Tag seiner Strafanzeige, polizeilich sowie wenig später am 22. De-
zember 2015 und ein zweites Mal am 31. Oktober 2016 in Gegenwart der beiden
Beschuldigten staatsanwaltschaftlich als Privatkläger gemäss Art. 180 StPO be-
fragt (Urk. D1/9/1+2 und D1/9/4).
10.2. Inwiefern das Alter und die erkennbare Altersschwäche die generelle
Glaubwürdigkeit des † Privatklägers beeinträchtigt haben könnten, ist nicht er-
kennbar und wurde auch nicht dargelegt. Ebenso wenig wurde dargelegt oder lie-
gen Anhaltspunkte dafür vor, dass der † Privatkläger bei allen drei Befragungen
dement war, wie dies die Verteidigung des Beschuldigten 1 pauschal geltend
machte (Urk. 109 S. 13 f.). Zwar wurde er von den Befragten als seit seiner Ope-
ration im Februar 2015 teilweise etwas vergesslicher als früher beschrieben, dar-
aus aber Demenz ableiten oder ihm gar jede Glaubwürdigkeit absprechen zu wol-
len, entbehrt einer Grundlage, zumal die amtliche Verteidigung der Beschuldig-
ten 2 vor Vorinstanz noch ausdrücklich geltend machte, der † Privatkläger sei "bei
gesunden Sinnen" gewesen (Urk. 76 S. 8), als er die geltend gemachte Schen-
kung getätigt habe. Dabei wäre die geltend gemachte Schenkung aufgrund der
zeitlichen Gegebenheiten bloss ca. drei Wochen vor seiner polizeilichen Befra-
gung vom 6. November 2015 erfolgt. Auch beim Ausstellen der handschriftlichen
Vollmacht an die Beschuldigte 2 vom 23. Oktober 2015 deute nichts, aber auch
gar nichts auf einen geistig verwirrten Mann hin (Urk. 76 S. 18 f.).
10.3. Dagegen schien der † Privatkläger im Unterschied zu seinen ersten
beiden Befragungen gegen Ende 2015 anlässlich seiner dritten Befragung, rund
zehn Monate später, am 31. Oktober 2016 (Urk. D1/9/4), merklich in seinen Ge-
dankengängen und seinem Erinnerungsvermögen eingeschränkt und hinterliess
insbesondere gegen Ende dieser Befragung mit seinen Antworten tatsächlich ei-
nen verwirrten Eindruck, sodass seine Aussagen anlässlich dieser Befragung
- 25 -
nicht mehr als verlässlich eingestuft werden können. Daraus aber wie die Vertei-
digungen (Urk. 75 S. 7; vorstehend, Erw. III.10.) eine gänzlich fehlende generelle
Glaubwürdigkeit des † Privatklägers ableiten zu wollen, ginge fehl. Auch aus dem
Umstand, dass sich aus den Aussagen des † Privatklägers und seinen Steuerun-
terlagen (Urk. D1/16/1) klare Verdachtsmomente dafür ergeben, dass er die in
Form von Bargeld, einer Münzsammlung und von Schmuck in seiner Wohnung
aufbewahrten Vermögenswerte nicht korrekt versteuerte, lässt sich nicht auf eine
grundsätzlich fehlende Glaubwürdigkeit schliessen. Zudem spielt es, wie die
Staatsanwaltschaft zutreffend ausführte (Prot. II S. 20), für die Erfüllung des an-
klagegegenständlichen Sachverhaltes keine Rolle, ob der † Privatkläger die in
seiner Wohnung gelagerten Vermögenswerte tatsächlich versteuert hat oder
nicht.
10.4. Aufgrund all der vorerwähnten Umstände ist die generelle Glaubwür-
digkeit des † Privatklägers als merklich beeinträchtigt zu bezeichnen. Nur führt
dies nach dem Dargelegten (Erw. III.5.1.) nicht dazu, dass deshalb auch die sich
aus seinen ersten beiden Befragungen ergebende Sachdarstellung von vornhe-
rein unglaubhaft ist. Seine Aussagen weisen aber in der Tat diverse von den Ver-
teidigungen der Beschuldigten 1 und 2 zu Recht ins Feld geführte Widersprüche
auf (Urk. 75 S. 5 ff.; Urk. 109 S. 6 f.; Urk. 111 S. 13). So zum Beispiel hinsichtlich
der Herkunft und der Gesamtsumme des von ihm in seiner Wohnung aufbewahr-
ten Bargeldes, der Anzahl der aufbewahrten Geldcouverts, sowie der von ihm
stammenden handschriftlichen Vollmacht vom 23. Oktober 2015 an die Beschul-
digte 2. Seine Aussagen sind deshalb mit Vorsicht zu würdigen. Eine erneute Be-
fragung des dann aber verstorbenen † Privatklägers durch die Vorinstanz, wie
dies die Verteidigung des Beschuldigten 1 beantragt hatte (Urk. 53; vgl. Prot. II
S. 21) wäre nicht angezeigt gewesen. Mit dem † Privatkläger waren insgesamt
3 Einvernahmen durchgeführt worden, sodass aufgrund seines fortgeschrittenen
Alters und seiner Gesundheit – er war gemäss Ausführungen der Staatsanwalt-
schaft (Prot. II S. 20) seit einem Sturz im Frühjahr 2017 gesundheitlich ange-
schlagen, und wenige Wochen nachdem seine erneute Befragung beantragt wur-
de, verstarb er (Urk. 102) – zu Recht auf eine weitere Befragung verzichtet wurde.
- 26 -
11. Zur eigentlichen Kernfrage, ob die Beschuldigten dazu berechtigt gewe-
sen seien, die anklagegegenständlichen Wertsachen aus seiner Wohnung zu ho-
len, sind klare Aussagen des † Privatklägers vorhanden. Anlässlich seiner staats-
anwaltschaftlichen Befragung vom 22. Dezember 2015 widersprach er einer
Schenkungsabsicht zugunsten der beiden Beschuldigten, oder dass er ihnen die
anklagegegenständlichen Wertsachen ausgehändigt hätte, vehement (Urk. D1/9/2
S. 15 ff., S. 24 ff.).
11.1. Das Verhältnis des † Privatklägers zu den Beschuldigten schien bis
zum 26. Oktober 2015 aus seiner damaligen Sicht anscheinend völlig intakt. Min-
destens ergibt sich dies aus der dem aufgezeichneten Gespräch vom 22. Oktober
2015 zu entnehmenden damaligen Stimmung des † Privatklägers. Auch wenn er
es in der Folge vergass oder aufgrund der subjektiv empfundenen Enttäuschung
gegenüber den Beschuldigten nichts mehr davon wissen wollte, so ergibt sich aus
den glaubhaften Aussagen der Zeugin G._ deutlich, dass er am 21. Oktober
2015, mithin am ersten Tag seines Aufenthaltes in deren Wohnung, eine Voll-
macht auf die Familie A._ B._ auszustellen beabsichtigt hatte. Da dies
der Zeugin G._ etwas suspekt vorgekommen war, war sie dem Ansinnen des
† Privatklägers aber nicht nachgekommen (Urk. D1/10/1 S. 2 f.; Urk. D1/10/2
S. 8 f.). Dass der † Privatkläger dieses Ansinnen damals durchaus hatte, zeigt
sich in der vorhandenen handschriftlichen Vollmacht vom 23. Oktober 2015, aus-
gestellt auf die Beschuldigte 2. Diese Vollmacht stammt laut ersten Abklärungen
durch das Forensische Institut Zürich, Urkundenlabor, aufgrund eines Schriften-
vergleiches entgegen der anders lautenden Aussage des † Privatklägers aus sei-
ner Feder (Urk. D1/9/2 S. 17 f.; Urk. D1/14/1 f.).
11.2. Allfällige Äusserungen des † Privatklägers während seines Aufenthal-
tes im Stadtspital ... vom 14.–21. Oktober 2015 und in den Tagen danach, vom
21.–26. Oktober 2015, als er für kurze Zeit in ihrer Wohnung weilte, durften die
Beschuldigten entgegen ihrer Behauptung nicht als Schenkung deuten und ver-
stehen, wie sich aus nachstehenden Erwägungen ergibt.
11.2.1. Der † Privatkläger hatte anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen
Befragung vom 22. Dezember 2015 zu seinem Zustand in der Zeit im Spital und
- 27 -
danach bei den Beschuldigten u.a. zu Protokoll gegeben, er sei (gemeint im Spi-
tal) fast wie in einer Narkose gewesen, weil er das Knie habe operieren müssen.
Er habe nicht alles realisiert. Auf den Einfluss der Medikamente angesprochen,
meinte er, das könne er nicht sagen. Er wisse nur, dass er apathisch gewesen
sei. Der Aufenthalt im Spital sei für ihn wie dunkel gewesen (Urk. D1/9/2 S. 10 ff.).
11.2.2. Laut Austrittsbericht des Stadtspitals ... vom 20. Oktober 2015 war
der Beschuldigte am 21. Oktober 2015 aus der Spitalpflege entlassen worden.
Beim Eintritt habe er sich "psychisch stabil und vollständig adäquat" gezeigt.
Postoperativ hatte sich bei ihm ein Delir entwickelt. Nach der Operation sei er
deutlich verwirrt und agitiert gewesen und habe sich verwirrt, örtlich, zeitlich und
situativ desorientiert gezeigt. Das Delir habe ca. drei Tage gedauert; da die Ope-
ration am 17. Oktober 2015 stattgefunden hatte, mithin bis ca. 20. Oktober 2015.
Als Ursache für das Delir sei wahrscheinlich das hohe Alter, die Antibiotikathera-
pie bei eingeschränkter Nierenfunktion sowie die Wirkung der Narkose verant-
wortlich. Er habe das Spital autopsychisch orientiert verlassen (Urk. D1/17/1, S. 2
[Verlauf]; Urk. D1/17/3). Laut Hausarzt Dr. med. J._, welcher den
† Privatkläger am 22. Oktober 2015 in der Wohnung der Beschuldigten 1 und 2
besucht hatte, war dieser an jenem Tag bettlägerig und deutlich geschwächt. Am
Abend dieses Tages, es war der zweite Tag nach der Entlassung aus dem Spital,
war bekanntlich das gemeinsame Gespräch aufgezeichnet worden (vorstehend,
Erw. III.7.5.). Am 30. Oktober 2015, als der † Privatkläger die Wohnung der Be-
schuldigten 1 und 2 bereits seit vier Tagen verlassen hatte, befand er sich in ei-
nem laut Hausarzt deutlich gebesserten Zustand (Urk. D1/17/7 S. 1 f.; Fragen an
Hausarzt: Urk. D1/17/6 S. 2 f.).
11.2.3. Auch laut der polizeilichen Aussage von G._ vom 3. Februar
2016, bestätigt in ihrer staatsanwaltschaftlichen Zeugeneinvernahme vom 3. Mai
2016 (Urk. D1/10/2 S. 5), hatte sie anlässlich ihres Besuches des † Privatklägers
am späteren Nachmittag des 21. Oktober 2015 in der Wohnung der beiden Be-
schuldigten, mithin am Tag, als er aus dem Stadtspital ... entlassen worden war
und einen Tag vor der Gesprächsaufzeichnung, den Eindruck, dieser stünde "un-
ter Medikamenten" und sei etwas verwirrt oder schläfrig. Er habe aggressiv auf
- 28 -
sie gewirkt. Auch bei ihrem Spitalbesuch wenige Tage zuvor, hatte sie den Ein-
druck, die Medikamente würden ihn beeinträchtigen. Am 26. Oktober 2015 habe
er ihr dann voller Angst angerufen und sie gebeten, ihn bei den Beschuldigten ab-
zuholen, er wolle nach Hause. Sie sei aber gerade verhindert gewesen. Am spä-
teren Nachmittag habe er ihr dann telefonisch mitgeteilt, er sei nun zu Hause. Sie
hätten ihn mit seinem Auto gefahren. Einige Tage später habe er ihr am Telefon
erzählt, die Beschuldigten hätten seine Wohnung nach Wertgegenständen durch-
sucht. Er habe davon gesprochen, dass so ca. Fr. 200'000.–, welche im Küchen-
schrank aufbewahrt gewesen seien, entwendet worden seien. Seit seiner Opera-
tion im Februar 2015 (früherer Spitalaufenthalt) habe sie schon einige Defizite in
seiner geistigen Vitalität verspürt (Urk. D1/10/1 S. 4 f.; Urk. D1/10/2 S. 5 f.,
S. 8 ff.). Zeugin G._ hatte ebenfalls ausgesagt, die Beschuldigte 2 habe ihr
gegenüber am 26. Oktober 2015 am Telefon erwähnt, der † Privatkläger sei die
ganze Nacht unruhig gewesen und habe die ganze Nacht gesprochen
(Urk. D1/10/1 S. 4; Urk. D1/10/2 S. 8, S. 11).
11.2.4. Laut eigener Aussage des Beschuldigten 1 anlässlich der staatsan-
waltschaftlichen Konfrontationseinvernahme zusammen mit der Beschuldigten 2
vom 21. Dezember 2015 sei der † Privatkläger bei ihnen zu Hause in der Nacht
ca. alle zwei Stunden aufgewacht. Am Anfang sei dieser auch verwirrt gewesen
und habe nach Hause gehen wollen. Am ersten Tag, als dieser bei ihnen zu Hau-
se gewesen sei, sei er verwirrt gewesen. Da habe er auch weniger Medikamente
erhalten und sei einige Male verwirrt gewesen. Von Sonntag auf Montag (ge-
meint: 25./26. Oktober 2015) sei er einige Male in der Nacht aufgewacht. Das
ganze Haus sei wegen ihm aufgewacht. Um 4 oder 5 Uhr sei er in die Küche ge-
gangen, um Frühstück zu machen. Er sei wirklich laut gewesen. Er sei nicht emp-
fänglich gewesen für ein Gespräch. Er sei einfach wütend gewesen und habe
nach Hause gehen wollen (Urk. D1/7/3 S. 22 f.). Aus diesen Aussagen des Be-
schuldigten 1 ergibt sich somit mit aller Deutlichkeit, dass der † Privatkläger auch
nach damaliger Meinung des Beschuldigten 1 nach dessen Entlassung aus dem
Spital vom 21. Oktober 2015 bei ihnen zu Hause mindestens teilweise noch ver-
wirrt war.
- 29 -
11.2.5. Anlässlich der letzten Konfrontationseinvernahme am 15. Juni 2017
gab die Beschuldigte 2 abweichend zu den früheren Aussagen des Beschuldig-
ten 1 zu Protokoll, sie habe den † Privatkläger jeden Tag im Spital besucht und
angerufen. Er sei müde gewesen, aber sie habe ein ganz normales Gespräch mit
ihm führen können. Der Beschuldigte 1 erklärte seinerseits abweichend zu seiner
früheren Angabe, nach der Operation sei der † Privatkläger natürlich müde, aber
ansprechbar gewesen. Er habe sogar reagiert, nachdem sie für ihn in der Bibel
gelesen hätten. Er sei schon da gewesen, bei Bewusstsein. Auf Vorhalt, wonach
der † Privatkläger ausgeschlossen habe, im Spital im Delir zu den Beschuldigten
gesagt zu haben, dass sie das Geld aus der Wohnung holen und für sich behalten
dürften, meinte der Beschuldigte 1, das stimme nicht (Urk. D1/7/6 S. 5). Anläss-
lich seiner Hafteinvernahme hatte der Beschuldigte 1 auf die Frage, wann der
† Privatkläger ihnen gesagt habe, dass er ihnen das Geld schenke, geantwortet,
er sei sich nicht so sicher, er glaube, es sei gewesen, als sie im Spital gewesen
seien (Urk. D1/8/2 S. 4, Antw. auf Frage 9). Im Widerspruch dazu ergänzte die
Beschuldigte 2, als sie zu Hause gewesen seien, habe er dem Beschuldigten 1
gesagt, dieser solle die Tasche mit einer halben Million Franken zu ihnen aus sei-
ner Wohnung holen. Dies sei der Charakter des † Privatklägers gewesen, jeman-
dem als Dankeschön Geld zu schenken (Urk. D1/7/6 S. 5 f.). Anlässlich ihrer Haft-
einvernahme hatte sie allerdings noch ausgeführt, "als er ins Spital kam, hatte er
sofort diese Operation. Er hat mir von Anfang an gesagt, dass ich das Geld holen
solle, er hat das quasi jeden Tag wiederholt [...]" (Urk. D1/7/2 S. 5, Antw. auf Fra-
ge 18). Der Beschuldigte 1 gab weiter zu Protokoll, als der † Privatkläger bei
ihnen gewesen sei, sei er bei vollem Verstand gewesen. Manchmal am Abend sei
er müde gewesen von den Medikamenten, vom Antibiotika, aber er sei total bei
Bewusstsein gewesen, sei nicht verwirrt gewesen oder so (Urk. D1/7/6 S. 5 f.). Er
(der † Privatkläger) sei so wie immer gewesen, so wie er ihn gekannt habe. Er
habe sich nicht verändert, es habe keine Änderung in seiner Person gegeben. Er
sei genau gleich wie vorher (ebenda, S. 7). Am 22. Oktober 2015, als der Haus-
arzt (gemeint: Dr. J._) den † Privatkläger während 15 Minuten bei ihnen be-
sucht habe, sei der † Privatkläger natürlich müde gewesen, habe aber Spässe
gemacht und gelacht, als der Arzt anwesend gewesen sei. Die Beschuldigte 2
- 30 -
meinte dazu, nicht den Eindruck gehabt zu haben, dass es dem † Privatkläger da
sehr schlecht gegangen sei (ebenda, S. 18). Und der Beschuldigte 1 gab zu Pro-
tokoll, dieser sei vollkommen klar im Kopf gewesen (gemeint: als er die Vollmacht
vom 23. Oktober 2015 erstellt habe). Sie (die Beschuldigte 2) habe den Eindruck
gehabt, dass er ganz klar im Kopf gewesen sei (Urk. D1/7/4 S. 6).
11.2.6. Die widersprüchlichen und mit den ärztlichen Berichten nicht zu ver-
einbarenden Angaben zum Zustand des † Privatklägers im fraglichen Zeitraum
zeigen einmal mehr die bereits durch die Vorinstanz gezogene Schlussfolgerung,
wonach die Beschuldigten ihre Aussagen dem jeweiligen Untersuchungs- und ih-
rem eigenen Kenntnisstand angepasst haben, u.a. um ein möglichst ihrer Darstel-
lung zuträgliches, wenn auch unzutreffendes Bild des Zustandes des † Privat-
klägers zu beschreiben. Dies zeigt auch, dass die vom Beschuldigten 1 anfänglich
gemachten Angaben über den Zustand des † Privatklägers am ehesten den Tat-
sachen entsprachen. Die späteren Schilderungen der beiden Beschuldigten wa-
ren angesichts der anderslautenden Arzt- und Spitalberichte (vorstehend,
Erw. III.11.2.2.) und den mit diesen im Einklang stehenden eigenen Angaben des
† Privatklägers (Erw. III.11.2.1.; Urk. D1/9/2 S. 10 f.) klar tatsachenwidrig. Wann
genau der † Privatkläger den Beschuldigten gegenüber einen allfälligen Schen-
kungswillen kundgetan haben soll, ob dies noch während des Spitalaufenthaltes
oder erst später, als er sich zur Pflege in die Wohnung der beiden Beschuldigten
begeben hat, gewesen sein soll, ergibt sich aus den Aussagen der Beschuldigten
1 und 2 nicht widerspruchsfrei. Der † Privatkläger befand sich nach der Operation
aber nachweislich in einem schlechten Gesundheits- respektive einem deutlich
verwirrten und eingeschränkten Geisteszustand (vorstehend, Erw. III.11.2.2.), was
für die Beschuldigten ohne Weiteres erkennbar gewesen sein musste, sodass sie
ohnehin nicht ernsthaft und in guten Treuen darauf hätten vertrauen können, er
habe ihnen eine derart hohe Summe in jenem Zeitpunkt tatsächlich schenken wol-
len. Angesichts des ihnen bestens bekannten tatsächlichen Zustandes des
† Privatklägers im interessierenden Zeitraum hatten sie vielmehr klaren Anlass,
an dessen Urteilsfähigkeit und damit an seiner Fähigkeit, ihnen eine Schenkung –
insbesondere in der geltend gemachten Grössenordnung – rechtsgültig ausrich-
ten zu können, zu zweifeln. So sicher waren sich die Beschuldigten diesbezüglich
- 31 -
aber auch laut ihren eigenen Aussagen nicht. Andernfalls wäre beispielsweise
auch keine Gesprächsaufzeichnung zu Beweiszwecken nötig gewesen, wie die
Beschuldigten anlässlich ihrer Konfrontationseinvernahme vom 15. Juni 2017 auf
die Frage, warum sie das Gespräch aufgezeichnet hätten, geltend machten
(Urk. D1/7/6 S. 21; so auch der Beschuldigte 1, Urk. D1/8/2 S. 3). Auch die Be-
schuldigte 2 hatte gemäss eigener Aussage anlässlich ihrer staatsanwaltschaftli-
chen Hafteinvernahme vom 15. Dezember 2015 solche Zweifel, weshalb sie dies
auch nicht sofort gemacht habe (gemeint: das Geld in seiner Wohnung geholt ha-
be), als er gesagt habe, dass sie es holen solle. Auch danach habe sie noch
Zweifel gehabt. Sie habe Zweifel gehabt, als sie das Geld schon gehabt habe.
Weil er aggressiv geworden sei, als sie ihn angerufen habe (Urk. D1/7/2 S. 13
Frage 88 ff.).
11.3. Aus der Vollmacht vom 23. Oktober 2015 zugunsten der Beschuldig-
ten 2 (Urk. D 1/14/1) lässt sich entgegen der Auffassung der beiden Beschuldig-
ten ebenfalls keine Schenkung ableiten. Nichts dergleichen ist in dieser Vollmacht
erwähnt. Völlig unglaubhaft ist sodann die Behauptung der Beschuldigten 2 an-
lässlich der staatsanwaltschaftlichen Konfrontationseinvernahme vom 21. De-
zember 2015, vor einem Jahr habe der † Privatkläger ihr und ihrer Mutter etwa
Fr. 100'000.– versprochen, für sie Fr. 100'000.– und für ihre Mutter Fr. 100'000.–,
und der Beschuldigte 1 dies dann treuherzig bestätigte (Urk. D1/7/3 S. 14).
12. Aufgrund des gesamten Beweisergebnisses (widersprüchliches Aussa-
geverhalten der Beschuldigten 1 und 2; Erfahrungstatsache, dass man zu Lebzei-
ten nicht sein ganzes, erhebliches Vermögen verschenkt; verwirrter Zustand des
† Privatklägers zur Tatzeit) erweist sich der objektive und subjektive Anklage-
sachverhalt zum Diebstahlsvorwurf als erstellt. Die Beschuldigten hatten keinen
berechtigten Anlass zur Annahme, sie hätten die weggenommenen Wertsachen
vom † Privatkläger rechtmässig geschenkt erhalten; vielmehr hatten sie diese un-
berechtigt, gegen den Willen des † Privatklägers in seiner Wohnung behändigt
und sich angeeignet, um sich mit diesen unrechtmässig zu bereichern.
13. Davon, dass die anklagegegenständlichen Wertsachen ihnen vom
† Privatkläger aus Sicherheitsgründen bloss für die Dauer seines Spitalaufenthal-
- 32 -
tes und des anschliessenden Aufenthaltes bei ihnen zuhause anvertraut worden
sein könnten, gingen auch die Beschuldigten selbst in ihren Aussagen nicht aus.
Die Eventualanklage mit dem Veruntreuungsvorwurf fällt deshalb zum Vornherein
ausser Betracht.
14. Anlässlich ihrer staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme vom 15. De-
zember 2015 hatte die Beschuldigte 2 zur Frage einer allfälligen Berechtigung zur
Gesprächsaufnahme vom 22. Oktober 2015 auf Frage u.a. erklärt (Urk. D1/7/2
S. 9, Antw. auf Frage 52): "Ob er wusste, dass das Gespräch aufgenommen wur-
de, ich weiss es nicht." Sie habe nie ein Gespräch mit dem † Privatkläger aufge-
nommen. Der Beschuldigte 1 habe dies getan. Sie wisse nicht, ob der † Privat-
kläger gewusst habe, dass das Gespräch aufgenommen werde. Sie hätten es
aufgenommen, weil dieser oft seine Meinung geändert habe (Urk. D1/7/2 S. 9;
Urk. D1/7/3 S. 14).
14.1. Auch der Beschuldigte 1 gab anlässlich seiner staatsanwaltschaftli-
chen Hafteinvernahme vom 15. Dezember 2015 zunächst an, er glaube nicht,
dass der † Privatkläger von der Aufnahme gewusst habe. Er habe das Gespräch
aufgenommen, weil die Beschuldigte 2 ihn darum gebeten habe. Diese habe ei-
nen Beweis haben wollen (Urk. D1/8/2 S. 8).
14.2. Auf diesen ersten unabhängig voneinander gemachten Aussagen sind
die Beschuldigten zu behaften. Wenn die Beschuldigten anlässlich der letzten
staatsanwaltschaftlichen Konfrontationseinvernahme vom 15. Juni 2017 im Wi-
derspruch zu ihren früheren Aussagen zu Protokoll gaben, den † Privatkläger ge-
fragt zu haben, ob sie das Gespräch aufnehmen dürften, weil er ihnen all diese
Sachen versprochen habe (Urk. D1/7/6 S. 27 f.), stellt dies offenkundig eine un-
glaubhafte, nachgeschobene Erklärung dar, welche nicht zu hören, und auf wel-
che nicht abzustellen ist. Dasselbe gilt auch für die von der Beschuldigten 2 im
Widerspruch zu ihrer ursprünglichen Aussage auf Ergänzungsfrage ihres Vertei-
digers anlässlich derselben Konfrontationseinvernahme gegebene plumpe Ant-
wort, ja, sie habe den † Privatkläger vor der Aufnahme ausdrücklich gefragt, ob
sie dieses Gespräch aufzeichnen dürfe (ebenda, S. 28).
- 33 -
14.3. Angesichts der offenkundig widersprüchlichen und im Ergebnis daher
unwahren Darstellung der beiden Beschuldigten können keine Zweifel am Wahr-
heitsgehalt der betreffenden Aussagen des † Privatklägers bestehen, wonach die
Aufnahme hinter seinem Rücken, d.h. willentlich ohne sein Wissen, hergestellt
wurde (Urk. D1/9/2 S. 26 ff.). Auf seine Darstellung ist daher abzustellen. Der sub-
jektive Anklagesachverhalt betreffend unbefugtes Aufnehmen von Gesprächen
(Urk. D1/50 S. 6) ist somit ebenfalls erstellt.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB macht sich strafbar,
wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um sich
oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern.
Gemäss erstelltem Sachverhalt haben die Beschuldigten nach gemeinsamer
Entschlussfassung und in gleichmassgeblichem Zusammenwirken die dem
† Privatkläger gehörenden anklagegegenständlichen Wertsachen während des-
sen Spitalabwesenheit aus dessen Wohnung weggenommen, ohne dazu berech-
tigt gewesen zu sein. Damit haben sie den an den für sie fremden Wertsachen
bestehenden Herrschaftswillen und Gewahrsam des † Privatklägers – entgegen
der Auffassung der Verteidigung der Beschuldigten 2 (Urk. 111 S. 11 oben) – ge-
brochen und diese durch Mitnahme in ihre eigene Wohnung in ihre eigene Herr-
schaftsmacht überführt und behalten, womit sie sich diese angeeignet haben. Da
keinerlei Berechtigung der beiden Beschuldigten an diesen Wertsachen im Ge-
samtwert von ca. Fr. 200'000.– bestand und sie diese im Wissen darum, dass
diese dem † Privatkläger gehörten, unberechtigt behielten und teilweise bereits
über diese verfügten, indem der Beschuldigte 1 die Münzsammlung zu einem
Preis von Fr. 10'000.– verkaufte und sie der Mutter der Beschuldigten 2
Fr. 40'000.– aus dem Deliktserlös schenkten, haben sie sich in dieser Grössen-
ordnung auch absichtlich unrechtmässig bereichert. Damit haben die beiden Be-
schuldigten in Mittäterschaft gemeinsam den objektiven und den subjektiven Tat-
bestand des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB erfüllt.
- 34 -
2. Wegen unbefugten Aufnehmens von Gesprächen im Sinne von Art. 179ter
StGB macht sich strafbar, wer – wie die Beschuldigten 1 und 2 – als Gesprächs-
teilnehmer ein nichtöffentliches Gespräch ohne Einwilligung der anderen Beteilig-
ten auf Tonträger aufnimmt.
Indem der Beschuldigte 1 in Absprache mit der Beschuldigten 2 das am
22. Oktober 2015 von ihnen in ihren privaten Wohnräumlichkeiten mit dem
† Privatkläger geführte nicht öffentliche Gespräch, mit Wissen und Willen, ohne
dessen Kenntnis und Einwilligung, mit seinem Mobiltelefon aufzeichnete, haben
sie in Mittäterschaft den objektiven und subjektiven Tatbestand des unbefugten
Aufnehmens von Gesprächen im Sinne von Art. 179ter StGB erfüllt.
3. Somit sind die Beschuldigten des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1
StGB sowie des unbefugten Aufnehmens von Gesprächen im Sinne von
Art. 179ter StGB schuldig zu sprechen.
V. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz bestrafte die beiden Beschuldigten je mit 24 Monaten
Freiheitsstrafe, schob den Vollzug derselben auf und setzte eine Probezeit von
2 Jahren fest (Urk. 88 S. 25 ff., S. 32). Die Staatsanwaltschaft verlangt mit ihrer
auf den Strafpunkt beschränkten Anschlussberufung für beide Beschuldigten je
die Ausfällung von 2 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe, wobei diese im Umfang von
18 Monaten teilbedingt aufzuschieben und eine Probezeit von 2 Jahren festzule-
gen und im Umfang von 12 Monaten zu vollziehen sei (Urk. 95 S. 2).
2. Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils
des Strafgesetzbuches (Sanktionenrecht) gemäss der Änderung vom 19. Juni
2015 in Kraft getreten (AS 2016 1249). Die Beschuldigten haben die zu beurtei-
lende Straftat vor Inkrafttreten des neuen Rechts begangen. Nach Art. 2 Abs. 1
StGB wird nach neuem Recht nur beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein
Verbrechen oder Vergehen begangen hat. Hat der Täter ein Verbrechen oder
Vergehen vor Inkrafttreten des neuen Rechts begangen, erfolgt die Beurteilung
aber erst nachher, ist das neue Recht anzuwenden, wenn es für den Täter milder
- 35 -
ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Ob das neue Recht das mildere ist, hat das Gericht nach
der konkreten Methode zu ermitteln (DONATSCH, in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISEN-
RING/WEDER, Kommentar Schweizerisches Strafgesetzbuch, 20. Auflage, Zürich
2018, N 10 zu Art. 2 StGB).
Wie zu zeigen sein wird, sind die beiden Beschuldigten je mit einer Frei-
heitsstrafe zu bestrafen. Da eine Bestrafung nach neuem Recht zur Ausfällung
derselben Strafen, mithin nicht zu einer milderen Bestrafung führen würde, ge-
langt das alte Recht zur Anwendung.
3. Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im vor-
instanzlichen Urteil unter Hinweis auf Rechtsprechung und Lehre im Wesentlichen
zutreffend wiedergegeben (Urk. 88 S. 25) und brauchen nicht wiederholt zu wer-
den.
3.1. Nicht zu folgen ist der Vorinstanz in der gemeinsamen Beurteilung der
beiden Delikte mit der Ausfällung einer Gesamtstrafe gemäss Art. 49 Abs. 1
StGB. Die Bildung einer Gesamtstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips
nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur möglich, wenn das Gericht im konkreten Fall für
jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt. Dass die anzuwen-
denden Strafbestimmungen (teilweise) abstrakt gleichartige Strafen androhen,
genügt nicht. Geld- und Freiheitsstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne
von Art. 49 Abs. 1 StGB. Eine Gesamtstrafe in Anwendung des Asperationsprin-
zips setzt in Abgrenzung zum Absorptions- und Kumulationsprinzip voraus, dass
das Gericht die (hypothetischen) Einzelstrafen sämtlicher Delikte (zumindest ge-
danklich) gebildet hat. Die Ausfällung einer Einheitsstrafe im Sinne einer Gesamt-
betrachtung aller zu beurteilenden Delikte ist – entgegen der Auffassung der Ver-
teidigung des Beschuldigten 1 (Prot. II S. 22) – nicht möglich (BGE 144 IV 217
E. 3, E. 3.5).
3.2. Im angefochtenen Urteil wurde erwogen, der Konnex zwischen den bei-
den Delikten erweise sich als sehr eng. Der Schuldgehalt des unbefugten Auf-
nehmens von Gesprächen gehe weitgehend in jenem des Diebstahls auf, wes-
halb es sich rechtfertige, das Verschulden sowie die Einsatzstrafe für beide Delik-
- 36 -
te zusammen festzusetzen (Urk. 88 S. 5, Ziff. 1.1). Die Voraussetzungen der von
der Vorinstanz sinngemäss angerufenen Ausnahme von der vorstehend dargeleg-
ten Praxis sind indessen nicht gegeben.
3.3. Die unbefugte Gesprächsaufnahme fand nicht gleichzeitig mit der Ver-
übung des Diebstahls statt. Die Beschuldigten mussten für diese einen separaten
gemeinsamen Entschluss fassen, um mit Hilfe der Aufzeichnung ein vermeintli-
ches Beweismittel für die angebliche Rechtmässigkeit ihrer Wegnahme der Wert-
sachen des † Privatklägers zu erlangen. Ein enger zeitlicher Zusammenhang be-
steht somit nicht. Der Tatbestand des unbefugten Aufnehmens von Gesprächen
schützt mit der Betätigung und Entfaltung der Persönlichkeit bei einem nicht öf-
fentlichen Gespräch mit Rücksicht auf die Unbefangenheit und Vertraulichkeit der
Äusserungen (BGE 111 IV 66) ein ganz anderes Rechtsgut als das Vermögens-
delikt, womit auch der sachliche Zusammenhang nicht genügend eng ist, auch
wenn dieses Delikt zur Sicherung der Beute aus dem Diebstahl hätte dienen sol-
len. Wie zu zeigen sein wird, ist die unbefugte Gesprächsaufnahme daher kumu-
lativ zur Freiheitsstrafe wegen Diebstahls mit einer separaten Geldstrafe zu ahn-
den.
3.4. Beim Tatbestand des Diebstahls ist eine Bestrafung mit Freiheitsstrafe
bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe vorgesehen (Art. 139 Ziff. 1 ZGB). Strafschär-
fungs- oder Strafmilderungsgründe liegen nicht vor.
4. Innerhalb dieses Strafrahmens bemisst sich die Strafe in erster Linie nach
dem Verschulden des Täters, wobei das Vorleben, seine persönlichen Verhältnis-
se sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu berücksichtigen
sind (Art. 47 StGB). Für die Bestimmung des Verschuldens sind insbesondere die
Art und Weise der Tatbegehung, die Willensrichtung, mit welcher gehandelt wur-
de und das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren massgebend. Der
Begriff des Verschuldens muss sich auf den gesamten Unrechts- und Schuldgeh-
alt der konkreten Straftat beziehen. Das Mass des Verschuldens variiert unter an-
derem mit der Schwere des deliktischen Erfolges, den unterschiedlich gravieren-
den Modalitäten der Tatbegehung und dem Mass der Entscheidungsfreiheit, wel-
ches dem Täter zugeschrieben werden muss. Je leichter es für die tatbegehende
- 37 -
Person gewesen wäre, die Norm zu respektieren, desto schwerer wiegt die Ent-
scheidung gegen sie zu handeln (BGE 117 V 113 f. m.w.H.; BGE 118 IV 348).
4.1. Bei der objektiven Tatschwere ist zu gewichten, dass die Beschuldigten
dem sich in einem schlechten Zustand in Spitalpflege befindenden † Privatkläger
gemeinsam Geld und Vermögenswerte in der beträchtlichen Grössenordnung von
ca. Fr. 200'000.– aus dessen Wohnung, zu welcher sie von ihm den Schlüssel er-
halten hatten, hinterrücks entwendeten. Dabei nutzten sie das Vertrauen und den
krankheitsbedingten Spitalaufenthalt des betagten † Privatklägers auf berechnen-
de Art und Weise aus. Es ist ihnen aber immerhin zugutezuhalten, dass sie sich
während längerer Zeit regelmässig um den † Privatkläger gekümmert, diesen ge-
pflegt und nach dessen Operation sogar bei sich aufgenommen hatten. Der Kon-
takt zu ihm erwies sich in dieser Hinsicht indessen als nicht nur eigennützig. Zu-
dem lagerte der † Privatkläger sein Geld und die weiteren Vermögenswerte un-
verschlossen und ungesichert. Die Beschuldigten waren daher ohne grosses kri-
minelles Engagement in der Lage, diese zu finden, zumal der † Privatkläger den
Beschuldigten selbst zusammen mit dem Autoschlüssel auch den daran befestig-
ten Wohnungsschlüssel ausgehändigt hatte. Insgesamt erweist sich die objektive
Schwere der Tat als keineswegs mehr leicht.
4.2. Was die subjektive Tatschwere anbelangt, ist zu berücksichtigen, dass
die Beschuldigten direktvorsätzlich und aus finanziellen und damit egoistischen
Motiven handelten. Dabei befanden sie sich in normalen wirtschaftlichen Verhält-
nissen, ohne finanzielle Engpässe oder Schulden. Zumindest die Beschuldigte 2
verfügte im Tatzeitpunkt über ein ordentliches legales Erwerbseinkommen, auf
welches sich die Beschuldigten ohne Weiteres hätten beschränken können.
Selbst wenn sie glaubten, dass ihnen ein angemessener Anspruch auf Vergütung
ihrer Pflege- und Betreuungsdienste zustehe, musste ihnen dennoch klar und be-
wusst sein, dass sie sich keinesfalls ungefragt, erst recht nicht im von ihnen gel-
tend gemachten immensen Umfang, in Abwesenheit des † Privatklägers in des-
sen Privatwohnung hätten bedienen dürfen, zumal sie auch keinen berechtigten
Anlass zur Annahme einer Schenkung in dieser Grössenordnung hatten. Die sub-
jektive Schwere der Tat vermag die objektive Tatschwere nicht zu relativieren.
- 38 -
4.3. Das Verschulden wiegt daher insgesamt keineswegs mehr leicht und
rechtfertigt eine hypothetische Einsatzstrafe in der Grössenordnung von 2 Jahren
Freiheitsstrafe.
5. Das unbefugte Aufnehmen von Gesprächen im Sinne von Art. 179ter StGB
sieht eine Bestrafung mit einem Tagessatz Geldstrafe bis zu einem Jahr Frei-
heitsstrafe vor. Zudem ist es möglich, eine bedingte Strafe mit einer Busse nach
Art. 106 StGB zu verbinden (Art. 42 Abs. 4 StGB).
5.1. Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschul-
digten hinterrücks, ohne dass dieser etwas davon bemerkt hätte, ein privates Ge-
spräch mit dem † Privatkläger in ihrer privaten Wohnung aufgenommen haben,
wodurch sie seine Privat- und Intimsphäre verletzt haben. Da sich die beiden Be-
schuldigten während zweier Jahre regelmässig um ihn gekümmert, ihn gepflegt
und nach seiner Operation bei sich zu Hause aufgenommen hatten, bestand ein
Vertrauensverhältnis zwischen ihnen. Durch das unbefugte Aufnehmen des Ge-
spräches haben sie damit auch das Vertrauen des † Privatklägers schändlich
missbraucht. Obwohl es der Beschuldigte 1 war, der letztlich das Gespräch mit
seinem Mobiltelefon aufgenommen hat, erfolgte die Aufzeichnung aufgrund ge-
meinsamer Planung und im zumindest konkludenten Einverständnis der Beschul-
digten 2. Grosse Hindernisse brauchten für die Aufnahme nicht überwunden zu
werden und verlangten folglich auch keine grosse kriminelle Energie. Aufgezeich-
net wurde ein einzelnes Gespräch, welches nicht sehr lange dauerte und bei wel-
chem der † Privatkläger auch nicht besonders viel gesprochen hat. Die objektive
Tatschwere ist deshalb bei beiden Beschuldigten gleichermassen als leicht zu
qualifizieren.
5.2. Bei der subjektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass die Beschuldigten
mit direktem Vorsatz gehandelt haben. Sie zeichneten das private Gespräch wis-
sentlich ohne Zustimmung des † Privatklägers auf. Insbesondere ist zu beachten,
dass die Aufnahme ausschliesslich dazu dienen sollte, die von ihnen behauptete
Schenkungsabsicht des † Privatklägers zu dokumentieren und so den Besitz der
entwendeten Vermögenswerte zu rechtfertigen und zu sichern. Ihre Beweggründe
- 39 -
waren damit rein egoistischer Natur. Die subjektive Tatschwere ist ebenfalls noch
als leicht einzustufen.
5.3. Es bleibt damit auch unter Berücksichtigung der subjektiven Tatschwere
bei einem insgesamt leichten Tatverschulden, was angesichts des vorliegenden
Strafrahmens eine hypothetische Einsatzstrafe von 30 Tagessätzen Geldstrafe
rechtfertigt.
5.4. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu
tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten, wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-
strafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis,
Einsicht, Reue etc. (HEIMGARTNER, in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER,
a.a.O., N 14 ff. zu Art. 47 StGB).
5.5. Der Beschuldigte 1 gab zu seinen persönlichen Verhältnissen vor Vorin-
stanz zu Protokoll, dass er in Südamerika, in ... [Ort], geboren sei, wo er bis zu
seinem fünften Altersjahr gelebt habe. Danach sei er zusammen mit seinen drei
Geschwistern von den gleichen Eltern in Holland adoptiert worden. Nach der
Grundschule habe er eine Lehre als Schreiner und Vertriebsspezialist absolviert,
wobei er nach einigen Berufsjahren als Schreiner in den Verkauf gewechselt ha-
be. Im Jahre 2014 sei er wegen der Beschuldigten 2 in die Schweiz gekommen,
mit welcher er verheiratet sei. Er lebe mit ihr zusammen in einer Wohnung. Kinder
hätten sie keine. Derzeit arbeite er als Business Development Manager bei Becht-
le IT-Services und verdiene Fr. 90'000.– pro Jahr. Er habe weder Vermögen noch
Schulden (Prot. I S. 11 ff.).
Der Beschuldigte 1 ist per Ende März 2018 gemeinsam mit der Beschuldig-
ten 2 nach Polen weggezogen (vorstehend, Erw. I.2.). Anlässlich der Berufungs-
verhandlung führte der Beschuldigte 1 ergänzend aus, dass er mit der Beschul-
digten 2 seit dem 20. August 2014 verheiratet sei und in Polen als Bodenleger ar-
beite. Bis August 2018 habe er für 3 Monate für eine Firma in Polen gearbeitet.
Von August bis Oktober 2018 habe er eine eigene Firma gehabt (Prot. II S. 9 ff.).
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5.5.1. Die Beschuldigte 2 gab zu ihren persönlichen Verhältnissen vor Vorin-
stanz zu Protokoll, dass sie in Polen geboren sei und dort eine Musikschule
gleichzeitig neben der Grundschule besucht habe. Sie habe sechs Jahre Geige,
zwei Jahre Klavier und zwei Jahre lang Gesang im Chor gelernt. Mit 18 Jahren sei
sie nach England gegangen und habe dort ein Buchhaltungscollege besucht.
Nach zwei Jahren sei sie zunächst zurück nach Polen, im Jahr 2010 aber in die
Schweiz eingereist, um Deutsch zu lernen. Seither lebe sie in der Schweiz. Am
20. August 2014 habe sie den Beschuldigten 1 geheiratet. Mit ihm lebe sie zu-
sammen in einer Wohnung. Kinder hätten sie keine. Zurzeit arbeite sie nicht. Sie
beziehe Arbeitslosengeld in der Höhe von Fr. 4'100.– bis Fr. 4'200.– pro Monat.
Die Rahmenfrist für das Arbeitslosengeld ende im Dezember 2017. Sie führe je-
doch Gespräche mit potentiellen Arbeitgebern. Sie verfüge über kein Vermögen
und habe keine Schulden (Prot. I S. 14 ff.).
Die Beschuldigte 2 ist per Ende März 2018 gemeinsam mit dem Beschuldig-
ten 1 nach Polen weggezogen (vorstehend, Erw. I.2.). Anlässlich der Berufungs-
verhandlung führte sie ergänzend aus, dass sie das Abitur gemacht habe mit der
Absicht, zu studieren. Sie habe nach der Grundschule ein dreijähriges Liceum
gemacht. Die finanzielle Situation ihrer Familie sei gut gewesen. Den Aufenthalts-
status B in der Schweiz habe sie nicht mehr, da sie die Bewilligung zurückgege-
ben habe. Sie habe in Polen keine neue Arbeitsstelle, sondern helfe dem Be-
schuldigten 1, die neue Firma zu führen (Prot. II S. 13 ff.).
5.5.2. Im Werdegang und den persönlichen Verhältnissen der Beschuldig-
ten 1 und 2 finden sich keine straffmassrelevanten Besonderheiten.
5.6. Gemäss Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister verfügen die
Beschuldigten 1 und 2 über keine Einträge (Urk. 89; Urk. 90). Die Vorstrafenlosig-
keit hat sich bei der Strafzumessung neutral auszuwirken.
5.7. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und
im Strafverfahren Rechnung zu tragen. Das Geständnis, das kooperative Verhal-
ten bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wirken straf-
mindernd. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse können eine
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Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202 E.2d/cc). Der
Grad der Strafminderung hängt aber insbesondere davon ab, in welchem Stadium
des Verfahrens das Geständnis erfolgte (WIPRÄCHTIGER/KELLER, in: Basler Kom-
mentar Strafrecht I, 3. Auflage, Basel 2013, N 169 ff. zu Art. 47 StGB). Ein Ge-
ständnis kann bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzu-
messung somit zugunsten des Täters berücksichtigt werden, wenn es Ausdruck
von Einsicht und Reue ist.
5.7.1. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich aufdrängen, wenn das Ge-
ständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich weil der Täter nur
aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder erst nach Ausfällung des erstin-
stanzlichen Urteils gestand (Urteil des Bundesgerichtes 6B_426/2010 vom 22. Juli
2010 E. 1.5 mit Hinweisen). In der Nichtanfechtung von Schuldsprüchen kann
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kein Geständnis erblickt werden,
welches eine Strafreduktion rechtfertigen würde (Urteil des Bundesgerichtes
6B_24/2012 vom 19. April 2012 E. 2.4.4 mit Hinweisen). Entsprechendes gilt,
wenn Nebenpunkte, wie die Verpflichtung zu Schadenersatzzahlungen, im Beru-
fungsverfahren anerkannt werden. Zudem hat der Täter bei blosser Anerkennung
des Schadens noch keine besonderen Einschränkungen aufsichgenommen und
keinen greifbaren Beweis seiner Reue erbracht (vgl. Art. 48 lit. d StGB; Urteile des
Bundesgerichtes 6B_853/2013 vom 20. November 2014 E. 2.4.7 und
6B_680/2012 vom 11. Januar 2013 E. 2.1).
5.7.2. Die bundesgerichtliche Praxis zeigt, dass nur ein ausgesprochen posi-
tives Nachtatverhalten zu einer maximalen Strafreduktion von einem Drittel führen
kann. Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem Anfang an
und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin oder nach
Vorlage entsprechender Beweise oder gar erst nach Ergehen eines erstinstanzli-
chen Schuldspruches. Ferner gehört kooperatives Verhalten im Vorverfahren da-
zu, wenn beispielsweise aufgrund des Verhaltens eines Beschuldigten weitere
Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen werden können, was
ohne sein kooperatives Mitwirken nicht möglich gewesen wäre. Schliesslich ge-
hört Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue dazu. Nur wenn all diese Faktoren er-
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füllt sind, kann eine Strafreduktion von einem Drittel erfolgen. Fehlen einzelne
Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu mindern (WIPRÄCHTI-
GER/KELLER, in: Basler Kommentar Strafrecht I, a.a.O., N 169 ff. zu Art. 47 StGB;
TRECHSEL/THOMMEN, in: TRECHSEL/PIETH, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Pra-
xiskommentar, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2018, N 22 und N 24 zu Art. 47
StGB).
5.7.3. Die Beschuldigten 1 und 2 haben den subjektiven Anklagesachverhalt
stets bestritten. Angesichts der Sicherstellung der anklagegegenständlichen Wert-
sachen des † Privatklägers in ihrer Wohnung, hatten sie keinen vernünftigen An-
lass, den objektiven Sachverhalt des Diebstahlsvorwurfes zu bestreiten. Zwar ha-
ben sie anerkannt, das fragliche Gespräche mit dem † Privatkläger aufgezeichnet
zu haben, sie bestritten aber, dies ohne sein Wissen getan zu haben resp. mach-
ten geltend, ihn um Erlaubnis gefragt zu haben (vgl. vorstehend, Erw. III.3.). Zu-
dem gestanden sie die Gesprächsaufzeichnung wohl einzig mit der Absicht ein,
die Aussagen des † Privatklägers zur Untermauerung ihrer Darstellung seiner
Schenkungsabsicht oder Ähnlichem und damit für ihre Berechtigung zur Weg-
nahme und Aneignung der anklagegegenständlichen Wertsachen des † Privat-
klägers verwenden zu können. Von einem umfassenden Geständnis der Beschul-
digten 1 und 2 kann keine Rede sein. Zudem zeigten sie, insbesondere auch mit
ihrem Schlusswort (Prot. II S. 22 f.), weder Einsicht noch Reue. Unter dem Titel
Nachtatverhalten kann ihnen daher keine Strafminderung gewährt werden.
5.8. Da sich aus ihren persönlichen Verhältnissen und dem Nachtatverhalten
weder straferhöhende noch strafmindernde Faktoren ergeben, bleibt es bei den
für die Tatkomponente festgesetzten hypothetischen Einsatzstrafen, und die bei-
den Beschuldigten sind je mit 2 Jahren Freiheitsstrafe und 30 Tagessätzen Geld-
strafe zu bestrafen.
5.9. Die Verteidigung des Beschuldigten 1 macht geltend, das Beschleuni-
gungsgebot sei tangiert. Der Beschuldigte 1 sei am 14. Dezember 2015 in Haft
versetzt worden, sodass das Verfahren bisher genau 3 Jahre gedauert habe. Dies
sei übermässig lange. Der Beschuldigte 1 leide nunmehr seit 3 Jahren unter dem
Druck dieses Verfahrens, was strafmindernd zu berücksichtigen sei (Urk. 109
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S. 18). Das gesamte Strafverfahren inkl. Berufungsverfahren dauerte 3 Jahre,
was entgegen der Auffassung der Verteidigung keine übermässig lange Verfah-
rensdauer darstellt, welche eine Beanstandung rechtfertigen würde. Entspre-
chend ist auch keine Strafminderung angezeigt.
5.10. Während die Anzahl der Tagessätze einer Geldstrafe nach dem Ver-
schulden des Täters festgesetzt wird, bestimmt sich die Höhe des Tagessatzes
nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt
des Urteils, namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälli-
gen Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum,
wobei ein Tagessatz mindestens Fr. 30.– und höchstens Fr. 3'000.– betragen darf
(Art. 34 Abs. 1 und 2 StGB).
5.10.1. Vor Vorinstanz gab der Beschuldigte 1 zu seinen wirtschaftlichen
Verhältnissen an, Fr. 90'000.– pro Jahr zu verdienen und zusammen mit der Be-
schuldigten 2 in einer Wohnung zu leben, deren Mietzins monatlich Fr. 2'000.–
betrage. Er würde sich die Kosten mit der Beschuldigten 2 teilen. Vermögen oder
Schulden habe er nicht (Prot. I S. 12 f.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte 1 ergänzend zu
Protokoll, er verdiene nicht viel. Für einen sehr kleinen Job habe er 800 Euro er-
halten. Vor ein paar Monaten habe er einen Job ausgeführt, bei welchem er für
einen Monat 1'800 Euro verdient habe. Er habe allerdings nicht jeden Monat Ar-
beit. Für die Krankenkasse würde er monatlich 100 Euro bezahlen. Sie müssten
auch zwischen 8% und 18% Steuern bezahlen. Wieviel es genau sei, wisse er
aber nicht (Prot. II S. 11 f.).
5.10.2. Vor Vorinstanz gab die Beschuldigte 2 zu ihren wirtschaftlichen Ver-
hältnissen zu Protokoll, arbeitslos zu sein und von der Arbeitslosenversicherung
monatlich Fr. 4'100.– bis Fr. 4'200.– zu erhalten, wobei die Rahmenfrist für das
Arbeitslosentaggeld Ende Dezember 2017 ende. Zudem bestätigte auch sie, mit
dem Beschuldigten 1 zusammenzuleben und sich die Mietkosten von Fr. 2'000.–
pro Monat zu teilen. Vermögen oder Schulden habe sie nicht (Prot. I S. 16 f.).
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Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Beschuldigte 2 ergänzend
aus, dass sie selber keinen Lohn erhalte und auch nicht von einer Sozialbehörde
unterstützt werde. Die Wohnkosten würden sich auf 1'300 PLN belaufen (Prot. II
S. 16 f.).
5.10.3. Da die Beschuldigten 1 und 2 per Ende März 2018 nach Polen weg-
gezogen (vorstehend, Erw. I.2. und V.5.5. f.) und ihre aktuellen finanziellen Ver-
hältnisse nicht vollständig geklärt sind resp. der Beschuldigte 1 bei seiner Er-
werbstätigkeit in Polen ein deutlich tieferes Einkommen als in der Schweiz erzielt
und die Beschuldigte 2 keine eigenen Einkünfte erwirtschaftet, rechtfertigt es sich,
einen Tagessatz von Fr. 50.– festzulegen, was in dieser Höhe auch von der Ver-
teidigung des Beschuldigten 1 mit ihrem Eventualantrag beantragt wurde
(Urk. 109 S. 2 und S. 18).
5.11. Aufgrund der Höhe und Anzahl der Tagessätze ist angesichts des
leichten Verschuldens und der Ersttäterschaft der Beschuldigten 1 und 2 (vorste-
hend, Erw. V.5.3. und V.5.6.) auf die zusätzliche Ausfällung einer Busse gemäss
Art. 42 Abs. 4 StGB zu verzichten.
6. Insgesamt sind die Beschuldigten 1 und 2 je mit einer Freiheitsstrafe von
24 Monaten sowie einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 50.– zu bestrafen.
VI. Vollzug
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstra-
fe von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht
notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder
Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Materiell ist demnach das Fehlen ei-
ner ungünstigen Prognose vorausgesetzt, wobei die günstige Prognose vermutet
wird, sofern der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat nicht zu einer
bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mehr als 6 Monaten verurteilt
wurde. Bei der Beurteilung der Frage, ob die für die Gewährung des bedingten
Strafvollzuges erforderliche (subjektive) Voraussetzung des Fehlens einer un-
günstigen Prognose vorliegt, ist eine Gesamtwürdigung aller Umstände vorzu-
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nehmen, wobei insbesondere das Vorleben, der Leumund und die Charakter-
merkmale des Täters sowie die Tatumstände miteinzubeziehen sind (PK StGB-
TRECHSEL/PIETH, N 1 ff. zu Art. 42 StGB).
2. Beide Beschuldigten weisen keine Vorstrafen auf und sind somit Ersttäter
(vorstehend, Erw. V.5.6.). Seit der inzwischen rund 3 Jahre zurückliegenden Tat
haben sie sich offenbar nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Das Strafver-
fahren dürfte sie hinreichend beeindruckt haben, um nicht erneut straffällig zu
werden. Es liegt somit eine günstige Legalprognose vor, sodass auf den Vollzug
der Freiheits- und der Geldstrafe zu verzichten ist.
3. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz auf, so bestimmt es
dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB).
Es liegen keinerlei Gründe vor, welche für eine längere Probezeit sprächen. Es
erweist sich daher als angemessen, die Probezeit für die Beschuldigten 1 und 2
jeweils auf 2 Jahren festzusetzen.
VII. Beschlagnahmung/Herausgabe
1. Ist die Beschlagnahme eines Gegenstandes oder Vermögenswertes nicht
vorher aufgehoben worden, so ist über seine Rückgabe an die berechtigte Per-
son, seine Verwendung zur Kostendeckung oder über seine Einziehung im En-
dentscheid zu befinden (Art. 267 Abs. 3 StPO). Grundsätzlich gilt, dass der be-
schlagnahmte Gegenstand der berechtigten Person ausgehändigt wird, sobald
der Grund für die Beschlagnahme weggefallen ist. Der Eingriff soll nicht länger
dauern, als dies notwendig ist (BOMMER/GOLDSCHMID, in: NIGGLI/HEER/WIPRÄCH-
TIGER (Hrsg.), Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl.,
Basel 2014, N 3 zu Art. 267 StPO).
2. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
13. Juni 2017 (Urk. D1/20/1) beschlagnahmten und bei der Kasse des Bezirksge-
richtes lagernden Gegenstände und Vermögenswerte (Sachkautionsnummern
31433, 31549 und 31520):
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- CHF 156'000.00 (inkl. 18 Couverts)
- Euro 400.00
- 1 Lederbeutel beinhaltend:
- 1 Paar Ohrclips, gelbgold, besetzt mit Brillanten
- 1 Armband, gelbgold, stirnseitig besetzt mit Brillanten
- 1 Paar Ohrclips, gelbgold, besetzt mit Rubinsteinen und Brillanten
- 1 Paar Ohrstecker, gelbgold, besetzt mit 1 grünen Turmalin und Brillan-
ten
- 1 Goldband, gelbgold, mit div. Anhängern
- 1 Frosch, gelbgold, Oberfläche grün
- 1 Taschenuhr, gelbgold
- 1 Ring, gelbgold, versehen mit einem Onyxstein
- 1 Fantasiering, gelbgold, besetzt mit Brillanten und Saphirsteinen
- 1 Fantasiering, gelbgold, besetzt mit Brillanten
- 1 Ohrstecker, besetzt mit weissen Zyrkoniasteinen und 1 grünen Turma-
linstein
- 1 Visitenkarte lautend auf C._
sind dem oder den Berechtigten herauszugegeben (Art. 267 Abs. 1 StPO). Da der
† Privatkläger vor der vorinstanzlichen Hauptverhandlung verstorben ist und der
testamentarisch eingesetzte Alleinerbe, H._, seine Erbenstellung mittels ei-
nes rechtskräftigen Erbscheins nachgewiesen hat (Urk. 98; Urk. 102), sind die
Vermögenswerte nach Eintritt der Vollstreckbarkeit dieses Urteils dem Rechts-
nachfolger des † Privatklägers, H._, herauszugeben.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das vorinstanzliche Kostendispo-
sitiv (Dispositivziffer 13) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO, Art. 428 Abs. 3
StPO).
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2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massga-
be ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Da die Beschuldig-
ten 1 und 2 mit ihrer Berufung vollumfänglich unterliegen, rechtfertigt es sich,
ihnen die gesamten Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen
der amtlichen Verteidigungen, je zur Hälfte aufzuerlegen.
3. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen sind unter Vorbehalt des jeweils
anteilsmässigen Rückforderungsrechts des Staates gegenüber den Beschuldigten
1 und 2 auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 Abs. 4 StPO).