Decision ID: 0b26115b-6987-45d3-8632-907b1e8ab0ce
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1979, war zuletzt teilzeitlich
als
Gastronomie
-Mitarbeiterin bei der
Y._
AG
tätig (
vgl.
Urk. 7/9 S. 3 Ziff. 2
i.V.m
. Urk. 7/10 S. 2
). Am 17. Mai 2019 meldete sie sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, ver
neinte nach medizinischen Abklärungen und durchgeführtem Vorbescheidver
fahren mit Verfügung vom 17. Januar 2020 einen Rentenanspruch (Urk. 7/19). Diese Verfügung hob das Sozialversicherungsgericht mit Urteil vom 17. Septem
ber 2020 im Prozess Nr. IV.2020.
00120 auf und wies die Sache zu
ergänzenden Abklärung
en
und Neuverfügung an die IV-Stelle zurück (Urk. 7/26).
1.2
In der Folge holte die IV-Stelle eine
n
Verlaufsb
ericht des behandelnden Psychia
ters (Urk. 7/35)
und ein psychiatrisches Gutachten (Urk. 7/44)
ein und
liess Erhe
bungen über die häusliche Situation der Versicherten anstellen (Urk. 7/49). Nach ergangenem Vorbescheid vom 4. November 2021 (Urk. 7/51) verneinte die IV
Stelle den Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente bei einem Inva
lidi
tätsgrad von 34 % mit Verfügung vom 10. Januar 2022 (Urk. 7/62 = Urk. 2).
2.
Am 7. Februar 2022 erhob die Versicherte gegen die Verfügung vom 10. Januar 2022 (Urk. 2) Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine Invalidenrente zuzusprechen (S. 2 Ziff. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 18. März 2022 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Gerichtsverfügung vom 4. April 2022 wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. 3-4) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt (Urk.
8). Mit Replik hielt die Beschwerdeführerin an ihrem Rechtsbegehren fest (Urk. 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1. Juni
2022 auf Duplik (Urk. 11), was der Beschwerdeführerin am 2. Juni 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (
vgl.
Rz
. 1008
des Kreisschreibens
zu den Übergangsbe
stimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems
, K
S ÜB WE IV
, gültig ab 1. Januar 2022
).
Die angefochtene Verfügung erging
am 10.
Januar
202
2.
Da der mutmassliche Rentenanspruch vorliegend vor dem 1. Januar
2022 liegt
(vgl. nachstehende E. 6.1.2)
, sind die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Der Rent
enanspruch entsteht gemäss Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistung
sanspruchs nach Artikel 29 Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung d
es 18. Alters
jahres folgt (Abs.
1).
1.
4
Der Invaliditätsgrad bemisst sich gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG bei erwerbstätigen Versicherten nach Art. 16 ATSG (Einkommensvergleich).
Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind, wird gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung für die Bemessung des Invaliditätsgrades darauf abgestellt, in wel
chem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Betätigungs
vergleich).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird der Invaliditätsgrad gemäss Art. 28a Abs. 3 IVG für diesen Teil nach Art. 16 ATSG festgelegt. Sind sie daneben mutmasslich auch im Aufgabenbereich tätig, so wird der Invaliditäts
grad für diese Tätigkeit nach dem Betätigungsvergleich festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbe
reich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (gemischte Methode).
1.
5
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode d
er Invaliditätsbe
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE
144
I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren
(vgl. Art. 27 IVV)
sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerbli
chen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massge
bend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Be
weis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125
V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin wies das Leistungsbegehren mit der Begründung ab (Urk. 2),
die Beschwerdeführerin sei vor Eintritt der Erkrankung zu 50 % als Gast
ronomie-Mitarbeiterin tätig gewesen. Es sei da
von auszugehen, dass sie diese
Tätigkeit auch bei guter Gesundheit in dieser Weise weitergeführt und die restli
chen 50 % für die Haushaltsführung aufgewendet hätte (S. 2 oben).
Im Zeitpunkt der Scheidung sei sie 30jährig und gesund gewesen und habe im Wissen darum, dass sie ab 2010 keine Unterhaltsbeiträge mehr erhalten werde, keine Tätigkeit in einem Vollzeitpensum aufgenommen (S. 3 oben). Im Haushalt bestehe eine Ein
schränkung von 11 % (S. 2 oben). In medizinischer Hinsicht sei ihr
seit Januar 2018 eine leidensangepasste Tätigkeit wieder zu mindestens 50 % zumutbar gewesen. Geeignet seien körperlich leichte Tätigkeiten, bei denen die rechte Hand nur wenig beansprucht werde. Überdies sollte die Tätigkeit psychisch/emotional nicht sehr fordernd sein sowie keine hohen kognitiven Anforderungen stellen (S. 2 oben).
Der Invaliditätsgrad im erwerblichen Bereich betrage 56 %, insgesamt betrage der Invaliditätsgrad 34 % (S. 2 unten).
Mit Beschwerdeantwort (Urk. 6) hielt die Beschwerdegegnerin an ihren Stand
punkten fest und führte aus, dass die Erwerbsbiographie gegen die Qualifikation als Vollzeiterwerbstätige im Gesundheitsfall spreche. Nach Beendigung des nach
ehelichen Unterhalts Ende März 20
1
0 habe die Beschwerdeführerin nie in einem Vollzeitpensum gearbeitet (S. 1 Ziff. 1). Es sei aufgrund der bekannten Umstände davon auszugehen, dass sie sich im Gesundheitsfall gegen ein Vollzeitpensum entschieden hätte (S. 1 Ziff. 2). Ein Abzug vom Invalideneinkommen von 25 % erscheine nicht angemessen. Das Abstellen auf eine Hilfsarbeitertätigkeit im Kompetenzniveau 1 trage den Einschränkungen der Beschwerdeführerin bereits genügend Rechnung (S. 2 Ziff. 3).
2.2
Dagegen brachte die Beschwerdeführerin vor (Urk. 1), sie sei während ihrer Ehe nur deshalb nicht vermehrt erwerbstätig gewesen, weil ihr Ehemann für den gesamten Lebensunterhalt aufgekommen sei. Nach der erfolgten Scheidung habe sie bis Ende März 2010 noch Anspruch auf Unterhaltsbeiträge gehabt
,
habe Ver
mögen aus
der Zeit
ihrer Ehe
verwertet und sei von ihrem Freund und ihrer in
Z._
lebenden Familie finanziell unterstützt worden. Sie habe einen Kosme
tikkurs absolviert, allerdings sei es nicht möglich gewesen, ein für eine Berufs
ausübung erforderliches Praktikum zu finanzieren (S. 5
f.
Ziff. 13).
Von Mai 2012 bis Februar 2014 habe sie als
Selbständigerwerbende
eine Kleiderboutique geführt,
habe
aber nicht genügend Umsatz erzielen
können
. Bei der Suche nach einer Stelle als Modeverkäuferin
sei
sie erfolglos
geblieben
. Ab April 2014 habe sie zu 50 % im Service gearbeitet. Aufgrund der Handschmerzen habe sie aller
dings nur eingeschränkt arbeiten können und habe die Stelle schliesslich ver
loren. Nach Beendigung dieser Anstellung habe sie während zwei Jahren Arbeits
losenentschädigung bezogen, bis sie ab 2017 Sozialhilfe in Anspruch habe nehmen müssen (S. 6 Ziff. 14). Es könne daher keineswegs davon ausgegangen wer
den, dass sie bei guter Gesundheit weiterhin lediglich einer 50%igen Tätigkeit nachgegangen wäre (S. 7 Ziff. 15). Aus dem psychiatrischen Gutachten gehe her
vor,
dass sie auch in einer angepassten Teilzeitarbeit mehrfach und gravierend eingeschränkt sei, was einen leidensbedingten Abzug vom Invalideneinkommen von 25 % rechtfertige (S. 7
f.
Ziff. 17 f.).
Mit Replik (Urk. 9) machte sie im Wesentlichen geltend, ihre Erwerbs- und übrige Biographie spreche keineswegs gegen eine Qualifikation als Vollzeiterwerbs
tätige
im Gesundheitsfall. Aufgrund ihrer Handschmerzen sei ihr spätestens ab Herbst
2014 gar keine Erhöhung des Pensums mehr möglich gewesen (S. 2 Mitte). Ihre Aussage der ersten Stunde sei durchaus nachvollziehbar und glaubhaft (S. 3
Mitte). Der Umstand, dass sie ihre Lebenshaltungskosten früher für eine begrenzte Zeit noch aus einem bescheidenen Einkommen, aus ihrem Vermögen und mit Hilfe Dritter habe decken können, spreche nicht gegen ihre Qualifikation als Voll
erwerbstätige im Gesundheitsfall (S. 4 oben).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invali
denrente hat und in diesem Zusammenhang, ob sie als Voll- oder Teilerwerbs
tätige zu qualifizieren ist.
3
.
3
.1
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4
; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11. Mai 2021 E. 3.2 mit Hinweisen
).
3
.2
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die sogenannten spontanen «Aussagen der ersten Stunde» ab, denen in
beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungs
rechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 143 V 168 E. 5.2.2, 121 V 45 E. 2a, je mit Hinweisen).
Der von der
Beschwerdeführerin
behaupteten 100%igen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall liegt einzig
ihre
Auskunft anlässlich der
Haushaltsa
bklärung
vom
11. August
2021 (Abklärungsbericht vom 31. August 2021, Urk. 7/49 S. 5 Ziff. 3.4) zugrunde
. Der Abklärung vor Ort wohnte eine Sozialarbeiterin der Gemeinde bei,
weshalb nicht auszuschliessen ist, dass
die Beschwerdeführerin im Hinblick auf ihr
e
Aussagen entsprechend instruiert
worden sein könnte
. Gemäss dem IK-Auszug vom 19. Juni 2019 (Urk. 7/10) erzielte die Beschwerdeführerin seit ihrer Einreise in die Schweiz nie ein Einkommen über Fr. 17'900.
pro Jahr
. Zwischen Juli 2007 bis Mai 2012 ging sie gar keiner Erwerbstätigkeit nach, obwohl sie nur bis Ende März 2010 Anspruch auf nacheheliche Unterhaltsbei
träge hatte
(vgl. Urk. 7/5 S. 2 Ziff. 2)
und spätestens seit diesem Zeitpunkt für ihren Lebensunterhalt selbständig hätte aufkommen müssen.
Stattdessen verwer
tete sie angeblich Vermögen aus der Zeit der Ehe und liess sie sich
von der Ursprungsfamilie in
Z._
sowie einem Freund in der Schweiz unter
halten
und traf keine ernsthafte
n
Anstalten
, ein ihren Lebensunterhalt deckendes Ein
kommen zu erzielen. Ihre Erklärung, wegen dieser Unterstützung nicht auf eine volle Erwerbstätigkeit angewiesen gewesen zu sein
(vgl.
Urk.
1 S. 6
Ziff.
13)
, zeigt deutlich, dass
eine finanzielle Unabhängigkeit
auch nie ihr Ziel war.
Dass sie die Tätigkeit als Kosmetikerin nicht hatte aufnehmen können, weil ihr die Mittel fehl
ten, eine Praktikumsstelle zu finanzieren
(vgl.
Urk.
2 S. 6)
,
ist nicht belegt und
erscheint
auch
nicht glaubhaft, sind doch Praktikumsstellen in der Regel zwar schlecht entlöhnt
,
aber
unentgeltlich.
Mit dem zwischen Mai 2012 und Februar 2014 erzielten Einkommen aus selbständiger Tätigkeit vermochte sie ihren Lebensunterhalt kaum zu decken, und es ist auch nicht erstellt, dass diesem eine 100%ige A
rbeitstätigkeit gegenüber
stand.
Dass sie im Zeitpunkt der Arbeitsauf
nahme bei der
Y._
AG
im April 2014
bereits
an
Handgelenksbeschwerden litt und die Beschwerdeführerin deswegen nur
eine Teilerwerbstätigkeit aufnahm
(vgl.
Urk.
2 S. 6 f.)
, ist
ebenfalls
nicht ansatzweise belegt.
N
icht stichhaltig ist unter diesen Umständen, dass sie heute unter
ihrer
finanziellen Situation leide,
da sie
vom Sozialamt abhängig
sei
und sich nichts leisten
könne
(vgl.
Urk.
7/49/4)
, befand sie sich doch seit der Einreise in die Schweiz in einer finanziellen Abhängigkeit, ohne dass sie ersichtliche Anstrengungen unter
nom
men hätte, dies zu ändern.
Es ist somit
- unabhängig von den Aussagen anlässlich der Haushaltabklärung -
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin auch ohne Gesundheitsschaden keiner vollzeitlichen Tätigkeit nachgehen würde.
Das von ihr zwischen April 2014 und Juli 2015
zuletzt
erzielte Einkommen von Fr. 35'651.
(vgl. Urk. 7/10 S. 2) lässt den Schluss zu, dass die Beschwerdeführerin
zu einem ungefähr 50%igen Pensum tätig war.
Ein höheres Arbeitspensum dürfte sie aufgrund ihrer erzielten Einkommen nie ausgeübt haben.
3
.3
Die Beschwerdeführerin führt gemäss Akten ihren eigenen Haushalt.
Dafür
dass die Haushaltstätigkeiten nicht als Aufgabenbereich zu qualifizieren sind, sind keine Hinweise ersichtlich, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht annahm, die Beschwerdeführer
wäre ohne Gesundheitsschaden
je zu 50 % im Erwerbs- und im Aufgabenbereich tätig.
4
.
4
.1
Nachdem das Sozialversicherungsgericht die Verfügung vom 17. Januar 2020 aufgehoben hatte, holte die Beschwerdegegnerin
den
Verlaufsbericht von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 9. Feb
ruar
2021 (Urk. 7/35) ein und liess die Beschwerdeführerin durch
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
begutachten, welcher das Gutachten am 8. Juli 2021 erstattete (Urk. 7/44). Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführer
in
stellt sich gemäss den beiden Berichten folgendermassen dar:
4
.2
Dr.
A._
stellte im Bericht vom 9. Februar 2021 (Urk. 7/35) folgende Diagnosen (S. 1 Ziff. 1.2):
-
rezidivierende schwere bis mittelgradige depressive Störung mit zwang
haften Anteilen und Schmerzsyndrom bei Status nach schwierigen
Bezie
hungs
- und familiären Konflikten (F33.2)
-
schwere phobische Störung (F40.2)
-
Zwangsstörung F42.1
-
Ganglion Handgelenk rechts
Die Phobie und die Ängste hätten sich verstärkt, die Depression sei mit depressi
ven Verstimmungen, Morgentief, Schlafstörungen, Passivität, Rückzugsverhalten und massiver Zwangssymptomatik anhalten
d
. Es bestünden Beziehungsstörun
gen. Eine notwendige Zahnsanierung in Narkose sei seit vier Monaten wegen der massiven Angstsymptomatik nicht durchführbar (phobische Ängste vor Blut, medizinischen Eingriffen, Narkose, Infusion etc.; S. 1 Ziff. 1.3). Die Beschwerde
führerin sei vollständig arbeitsunfähig
(S. 1 Ziff. 2.2)
, sie habe keine Ressourcen
für eine angepasste Tätigkeit
. Die Arbeitsunfähigkeit bestehe seit Juni
2017
(S. 1
Zif
f
. 2.1).
4
.3
Dr.
B._
nannte
im Gutachten vom 8.
Juli 2021 (Urk. 7/44) folgende Diagnose
(S. 47
f.
Ziff. 6.4)
:
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung (F62)
mit
-
histrionischen, ängstlich-vermeidenden, abhängigen und unreifen Anteilen
-
vegetativen Angstsymptomen (Schwindel, innere Unruhe etc.)
-
leichtgradiger Zwangsstörung (F42.1)
-
Tic-Störung (F95.8)
-
leichtgradiger chronischer Schmerzstörung Hand rechts (F45.41), seit ca. 2018
-
spezifischen Phobien (Zahnarztangst, Operationsangst; F40.2)
Bezogen auf die Beeinträchtigungen in Alltag und Beziehungen liege durch die festgestellten Störungen insgesamt eine leichte bis mittelschwere psychische Gesundheitsschädigung vor, die vor allem über die Persönlichkeitsstörung und die damit verbundene Dysfunktionalität begründet sei (S. 47 Ziff. 6.
3
).
Seit 2015 beziehungsweise 2018 sei eine zunehmende Entwicklung psychischer Störungen zu beobachten (Ängste, Zwänge, Tics) einschliesslich einer Chronifi
zierung der Handschmerzen, dies auf dem Boden einer kombinierten Persönlich
keitsstörung mit histrionischen, ängstlich-vermeidenden, abhängigen und unrei
fen Anteilen. Die Ängste gingen dabei mit vegetativen Angstsymptomen (Schwindel, innere Unruhe, Übelkeit/Erbrechen, Herzrasen etc.) einher. Eine Hand
operation und anstehende Zahnsanierungen seien aufgrund der krankhaften Ängste mit ausgeprägtem Vermeidungsverhalten bisher nicht durchführbar gewe
se
n (S. 49 Mitte)
.
Als Hobbies gebe
die Beschwerdeführerin
YouTube-Videos,
T
elefonieren und
E
in
kaufen an. Sie stehe täglich um 10 Uhr auf, telefoniere
t
äglich mit der Mutter und der jüngsten Schwester in
Z._
, gehe einkaufen oder picknick
e
in der Park
anlage des Einkaufszentrums. Mit Angaben zu ihrem Freund sei sie sehr zurück
haltend, er scheine sie aber zu Terminen zu fahren und auch sonst täglich Zeit mit ihr zu verbringen. Durch ihn und durch die Herkunftsfamilie werde sie offen
bar unterstützt. Zuletzt sei die Beschwerdeführerin im Mai 2021 für 25 Tage in
Z._
bei ihrer Herkunftsfamilie in den Ferien gewesen, die auch Flugbillett und ihr Leben vor Ort finanziert hätten
(S. 49 unten
)
.
Zur Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus,
in der ursprünglichen Tätigkeit sei keine verwertbare Leistung mehr möglich,
bei der Tätigkeit als Gastronomie-Mit
arbeiterin sei die Schmerz
störung limitierend und erhebliche Belastungen dürften
an der rechten Hand schon nach kurzer Beanspruch
ung
zu starken Schmerzen führen (S. 54 Ziff. 8.2). Die Einschränkung dürfte mit dem Stellenverlust auf
grund entsprechender Fehlzeiten und Einschränkungen spätestens ab Juli 2015 eingetreten sein (S. 55 oben). In körperlich leichten Tätigkeiten, wechselbelastend mit wenig Beanspruch
ung
der rechten Han
d
, psychisch/emotional wenig fordernd und ohne hohe kognitive Anforderungen sei eine Einschränkung durch die Zwänge möglich, was sich aber medizinisch-theoretisch nicht einschätzen lasse
.
D
ie Arbeitsfähigkeit dürfte in Abhängigkeit vom einschränkenden Ausmass der Zwänge zwischen 50
-
100 % liegen
(S. 55 Ziff. 8.3)
.
Da die Beschwerdeführerin keine regelmässige externe Aktivität verfolge, sei unklar, wie sich die Zwänge bei einer Arbeitstätigkeit entwickelten. Die innere Unruhe könnte zunehmen, wenn die Beschwerdeführerin an der Umsetzung der Zwänge gehindert werden, ebenso gut könnten sich diese aber durch eine sinnvolle externe Tagesstruktur zurück
bilden beziehungsweise zurückdrängen lassen (S. 54 Mitte).
Bis 2018 habe in einer optimal angepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestanden, er
st
ab Januar 2018 sei eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bis zu 50 % möglich (S. 55 Ziff. 8.3).
Es seien näher bezeichnete Therapieansätze indiziert. Da diese bisher nicht ver
sucht worden seien, müsse die Frage einer möglichen Besserung grundsätzlich bejaht werden. Aufgrund der komplexen Gesundheitss
törung
mit mehreren sich gegenseitig beeinflussenden Syndromen lasse sich jedoch keine valide prognos
tische Einschätzung zu Wahrscheinlichkeit, Umfang und Zeitablauf eines thera
peutischen Erfolges angeben (S. 56 oben).
4
.4
Dr.
med.
C._
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, Regio
naler Ärztlicher Dienst (RAD)
,
hielt am 8. Juli 2021 fest, dass das psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
umfassend und nachvollziehbar sei und darauf abge
stellt werden könne (Urk. 7/50 S. 5 oben).
Am 13. Juli 2021 ergänzte
Dr.
C._
, man könne den Verlauf der Zwänge in einer angepassten Tätigkeit effektiv nur dann abschätzen, wenn die Beschwer
deführerin eine angepasste Tätigkeit aufgenommen habe. Bis dahin müsse in einer solchen Tätigkeit von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (Urk. 7/50 S. 5 Mitte).
5
.
5
.1
Gestützt auf das Gutachten von
Dr.
B._
(E. 4.3)
und die Beurteilung durch RAD-Ärztin
Dr.
C._
(E. 4.4)
erachtete die Beschwerdegegnerin die
Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im Service
eines Gastro
nomieunternehmens
als nicht
mehr und in einer angepassten Tätigkeit als zu 50 % arbeitsfähig.
Dies wurde von der Beschwerdeführerin nicht bestritten.
5
.2
Aus dem Gutachten geht hervor, dass
Dr.
B._
die Einschätzung der Arbeits
fähigkeit in behinderungsangepasster Tätigkeit
schwer fiel
. Dies aufgrund der Tatsache, dass er bei der
erhobenen
Diagnose einer
kombinierten Persönlichkeits
störung (F62)
von einer leichten bis mittelschweren psychischen Gesundheits
schädigung ausging
. Negative Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mass er dabei den
Zwänge
n zu, wobei er diese allerdings
nicht
quantifizieren konnte
, da Pr
a
xistests fehlten
.
Er
nahm an
, dass d
ie innere Unruhe
zunehme
, wenn die Beschwerdeführerin an der Umsetzung ihrer Zwänge gehindert werde.
Er erach
tete es aber auch als möglich, dass sich die Zwänge
durch eine sinnvolle externe Tagesstruktur zurückbilden beziehungsweise sich zurückdrängen liessen.
Ange
sichts der
Einschätzung des
Gutachters, dass eine 50%ige externe
Arbeitstätigkeit
sicher möglich sei, ist nicht zu beanstanden
,
dass die Beschwerdegegnerin
vor
liegend von
eine
r
50%ige
n
Arbeitsfähigkeit in behinderungsangepasster Tätigkeit
ausging
.
Ausgangsgemäss kann indes das genaue Ausmass
der Arbeitsfähigkeit in
angepasster Tätigkeit –
in Anbetracht
der Vagheit der gutachterlichen Ein
schätzung -
offen gelassen
werden
.
5.3
Laut
Dr.
A._
(E. 4.2) befindet sich die Beschwerdeführerin seit Mai 2018 in des
sen Behandlung. Seit
Behandlungsbeginn
attestierte ihr dieser eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
und wies darauf hin, dass seit 2017 eine Arbeitsunfähigkeit bestehe. Gestützt auf die echtzeitliche Beurteilung durch ihn ist
für die Beurtei
lung des Beginns der Wartezeit
von Mai 2018 auszugehen.
6.
6.1
6.1.1
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invali
deneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
6.1.2
Nachdem bei der Beschwerdeführerin
von
eine
r
Arbeitsunfähigkeit
spätestens
ab
Mai 2018 auszugehen
ist (
E. 5.3
)
und
die Anmeldung zum Leistungsbezug
am
17. Mai 2019
erfolgte
(Urk. 7/6 S. 8 Ziff. 10), fällt der potenzielle Rentenbeginn auf 1. November 2019 (vgl. vorgestehende E.
1.3).
6.2
6.2.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom
Bundesamt
für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls rele
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenver
sicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art. 28a). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwen
den (BGE 143 V 295 E. 4.1.3).
6.2.2
Die Beschwerdeführerin übte laut IK-Auszug vom 19. Juni 2019 (Urk. 7/10) ver
schiedene Tätigkeiten aus. Zuletzt arbeitete sie während
16
Monaten in der
Y._ AG
als Gastronomie-Mitarbeiterin
, wobei der Betrieb nach ihren Aussagen nicht mehr bestehe (
vgl.
Urk. 7/9 S. 1 oben).
Dass die Beschwerdeführerin unter diesen Umständen ohne Gesundheitsschaden immer noch in der Gastronomie tätig sein würde, ist fraglich, weshalb vorliegend für die Bestimmung des
Vali
deneinkommens
nicht auf das zuletzt erzielte Einkommen, sondern
auf die Tabellenlöhne
, Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten),
zurückzugreifen ist
.
6.3
6.3.1
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch rea
li
sierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstä
tigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit
in zumut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalide
nlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3;
135 V 297 E.
5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
).
Die Verwendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Inva
lideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BG
E
142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz
über die Invalidenversi
cherung, 3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
6.3.2
Die Beschwerdeführerin hat nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine Erwerbstätigkeit mehr aufgenommen, weswegen auch bei der Ermittlung des Invalideneinkommens
auf die Tabellenlöhne, Kompetenzniveau 1,
zurückzugrei
fen
ist
.
Die Beschwerdeführerin beantragte einen leidensbedingten Abzug von 25
%
und begründete diesen mit dem Belastungsprofil (körperlich leichte Tätigkeit, wech
selbelastend, mit wenig Beanspruchung der rechten Hand, psychisch/emotional wenig fordernd, keine hohen kognitiven Anforderungen, reduziertes Arbeitspen
sum, reduzierte Leistungsfähigkeit;
Urk.
1 S. 7 f.
Ziff.
17 f.).
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin rechtfertigen weder das Belas
tungsprofil, noch die mit Vagheit behaftete Teilarbeitsfähigkeit (vgl. vorstehend E. 5.2) und behauptete reduzierte Leistungsfähigkeit
einen
leidensbedingten Abzug.
Zu
m einen ist zu
beachten, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Angesichts dessen, dass
Dr.
B._
eine Arbeitsfähigkeit von 50 bis 100
%
als Modeverkäuferin, Kosmetikerin oder Par
fümpromoterin attestierte (
Urk.
7/44 S. 55) und vorliegend zu Gunsten der Beschwer
deführerin von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen wurde, ist ohne Weiteres davon auszugehen, dass allfällige gesundheitlichen Einschränkun
gen bereits in de
r
Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit
enthalten
sind.
Die Behauptung, dass darüber hinaus eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit bestehen soll, findet in den medizinischen Akten keinen Rückhalt.
Zum anderen ist für die Gewährung eines leidensbedingten Abzugs erforderlich, dass
die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem aus
geglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten
kann
; der
Abzug soll nicht automatisch erfolgen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc).
Hinweise darauf oder Gründe dafür, dass die Beschwerdeführerin die Restarbeitsfähigkeit nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten können soll, lie
gen nicht vor
.
Insbesondere weist sie für die von
Dr.
B._
genannten Tätig
keiten
als Mode
beraterin/-
verkäuferin, Kosmetikerin oder Parfümpromoterin
bereits Berufserfahrung vor. So sei sie eine gute Verkäuferin gewesen (
Urk.
7/44 S. 14 oben), habe als Promoterin für Parfüm gearbeitet und verfüge sie über ein Diplom als Kosmetikerin (
Urk.
7/44 S. 22 oben).
Im Übrigen darf
das (kantonale) Sozial
versicherungsgericht nach ständiger Rechtsprechung sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessens
aus
übung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Da keine triftigen Gründe vorliegen, bleibt es dabei, dass kein leidens
bedingter Abzug (vgl.
Urk.
2 S. 2
) zu gewähren ist.
Damit erleidet die Beschwerdeführerin
bei einer Einschränkung der Arbeitsfähig
keit
von 50 %
eine Erwerbseinbusse von 50 %
, womit
im Erwerbsbereich von einem Invaliditätsgrad von 50 % auszugehen
ist
.
Bei einer Q
ualifikation
als zu
5
0
%
im Erwerbsbereich
Tätige
ergibt dies einen Teilinvaliditä
t
sgrad von
25 %.
6.
3.3
Die Beschwerdegegnerin ermittelte eine
behinderungsbedingte
Einschränkung im Haushalt von
11.2 % (Urk. 7/49 S. 8 Ziff. 7) und bei einer Gewichtung von 50 % einen Invaliditätsgrad von 5.6 %, was unbestritten geblieben ist. Damit liegt der Gesamtinvaliditätsgrad bei 30.6 %, was keinen Anspruch auf eine Invalidenrente begründet (vgl. E. 1.3).
6.4
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuwei
sen.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.
anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen
, infolge bewilligter unentgeltli
cher Prozessführung indes unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men.
7.2
Da der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vor Fällung des Endentscheids trotz Aufforderung (vgl. Urk. 12) keine Kostennote eingereicht hat, ist die Ent
schädigung nach § 7 Abs. 2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer) nach Ermes
sen festzusetzen. Vorliegend erscheint unter Anwendung des praxisge
mässen Stun
denansatzes von Fr. 220.
eine Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 2’400.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.