Decision ID: 83c514f1-41b4-5c06-aa77-ab3daa1f1aff
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, sri-lankischer Staatsangehöriger maurischer Eth-
nie mit letztem Wohnsitz in B._ im Bezirk C._, verliess eige-
nen Angaben zufolge seinen Heimatstaat Ende Oktober 2015 und reiste
über den Iran und verschiedene europäische Länder am 26. November
2015 in die Schweiz ein. Gleichentags ersuchte er im Empfangs- und Ver-
fahrenszentrum (EVZ) D._ um Asyl. Er wurde am 11. Dezember
2015 summarisch zu seiner Person, seinem Reiseweg und den Asylgrün-
den befragt (BzP) und am 5. April 2017 sowie am 26. April 2017 eingehend
zu seinen Asylgründen angehört.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er habe 12 Jahre lang die Schule besucht, habe
zwar keinen Beruf erlernt, jedoch ein eigenes Geschäft mit 50 tamilischen
Mitarbeitenden geführt. Er sei seit dem Jahre 2001 verheiratet und habe
mit seiner Ehefrau zwei Kinder. Seine Familie würde noch immer in
B._ leben. In seiner Firma (...), welche er im Jahre 2005 von seinen
Schwiegereltern übernommen habe, produziere er (...) und (...) aus (...)
und habe diese in tamilischen Gebieten beziehungsweise in Gebieten, wel-
che von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) kontrolliert worden
seien, verkauft. Um die Geschäfte voranzutreiben, habe er mit den LTTE
zusammengearbeitet. Etwa 15% seines Erlöses habe er jeweils an die
LTTE abgeben müssen. Diese hätten ihren Hauptsitz in E._ gehabt.
Anstelle von Geld habe er die LTTE jeweils mit Naturalien bezahlt. Dies
habe er während sechs bis sieben Jahren gemacht. Nach dem Ende des
Bürgerkrieges seien einige ehemalige LTTE-Mitglieder zur sri-lankischen
Armee (SLA) übergelaufen und hätten seine Kooperation mit den LTTE an
die SLA verraten. Er sei im Oktober 2014 beziehungsweise 2015 zweimal
vom Criminal Investigation Department (CID) zu Hause festgenommen
worden, wobei ihm vorgeworfen worden sei, die LTTE unterstützt und sie
mit Waren beliefert zu haben. Bei der ersten Festnahme sei er nach
F._ gebracht worden und nach drei Tagen ohne weitere Konse-
quenzen wieder freigelassen worden. Das zweite Mal sei er während einer
Woche in G._ unter widrigen und erniedrigenden Bedingungen fest-
gehalten und misshandelt worden. Er sei wiederum der Unterstützung der
LTTE bezichtigt worden. Mithilfe von Mitgliedern seiner Moschee sei er
schliesslich freigekommen, da sich diese für ihn und seine rein geschäftli-
che Verbindung zu den LTTE verbürgt hätten. In der muslimischen Ge-
meinde habe es aufgrund seiner früheren Aktivitäten im Zusammenhang
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mit den LTTE aber Unmut gegeben, weswegen es nach seiner zweiten
Haftentlassung zu drei Brandanschlägen auf seine Firma gekommen sei,
wobei ein Brandanschlag nach seiner Ausreise verübt worden sei. Zudem
hätten die Muslime den tamilischen Fabrikarbeiterinnen viel Ärger ge-
macht, so dass diese nicht mehr zur Arbeit gekommen seien. Hinter seinem
Rücken sei ausserdem schlecht über ihn geredet worden und einmal sei er
absichtlich von einem Lastwagen angefahren worden. Die Person, die ihn
angefahren habe, habe sich zwar bei ihm entschuldigt, er habe jedoch spä-
ter erfahren, dass der Bruder dieser Person von den LTTE gefoltert und
umgebracht worden sei. In den Jahren 2014 und 2015 sei er ferner von
Personen, welche jeweils mit einem weissen Van in seiner Fabrik und bei
ihm zu Hause vorgefahren seien, gesucht worden. Er habe sich jedoch je-
weils rechtzeitig verstecken können. Aus Angst vor dem CID habe er sich
sodann an verschiedenen Orten versteckt und schliesslich seinen Heimat-
staat verlassen. Auch nach seiner Ausreise sei er von ihm unbekannten
Personen gesucht worden.
Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer seine
Geburtsurkunde (im Original sowie mit englischer Übersetzung), seinen
Führerausweis, eine Bestätigung sein Geschäft betreffend, diverse Fotos
seines Geschäfts, einen Zeitungsartikel über sein Geschäft mit namentli-
cher Erwähnung als dessen Besitzer sowie ein Bestätigungsschreiben ei-
nes Friedensrichters, dass er in Sri Lanka gefährdet sei, zu den Akten.
B.
Mit Schreiben vom 27. April 2017 richtete das SEM eine Botschaftsanfrage
an die Schweizerische Vertretung in Colombo, welche mit Bericht vom
27. Oktober 2017 beantwortet wurde.
C.
Mit Schreiben vom 20. November 2017 wurde der Beschwerdeführer auf-
gefordert, zur Botschaftsantwort Stellung zu nehmen; die entsprechende
Stellungnahme wurde dem SEM fristgerecht mit Eingabe vom 4. Dezember
2017 zugestellt.
D.
Mit Verfügung vom 2. Februar 2018 – eröffnet am 5. Februar 2018 – stellte
die Vorinstanz fest, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfülle, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz und den Vollzug der Wegweisung an.
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Seite 4
E.
Gegen die vorinstanzliche Verfügung erhob der Beschwerdeführer – han-
delnd durch seinen mandatierten Rechtsvertreter – am 7. März 2018 Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er liess beantragen, der
vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben und ihm sei in Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft Asyl in der Schweiz zu gewähren. Eventualiter sei
die vorläufige Aufnahme anzuordnen.
In formeller Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege nach Art. 65 Abs. 1 VwVG unter Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses ersucht.
F.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte den Eingang der Beschwerde
am 8. März 2018.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 28. März 2018 hiess die zuständige Instrukti-
onsrichterin das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung unter Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut. Gleichzeitig wurde das
SEM zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen.
H.
Die am 19. April 2018 eingereichte Vernehmlassung wurde dem Beschwer-
deführer mit Schreiben vom 24. April 2018 zur Stellungnahme zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
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Seite 5
1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
4.
4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte die Vorinstanz
im Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe die beiden Inhaftierun-
gen in den Anhörungen substantiiert und glaubhaft geschildert, so dass
kein Zweifel an deren Wahrheitsgehalt bestehe. Gemäss den Abklärungen
der Schweizerischen Botschaft in Colombo vom 27. Oktober 2017 und de-
ren Einschätzung sei jedoch davon auszugehen, dass die geltend gemach-
ten Inhaftierungen in früheren Jahren erfolgt sein müssten. Weiter
schliesse die Botschaft aus, dass es zu Brandanschlägen auf die Firma
des Beschwerdeführers gekommen sei, welche von der muslimischen Ge-
meinschaft verursacht worden seien. Zudem hätten die männlichen Mitglie-
der seiner Familie problemlos die Moschee besuchen können, weswegen
es unwahrscheinlich sei, dass der Beschwerdeführer ernsthafte Probleme
mit den Mitgliedern seiner muslimischen Gemeinde gehabt habe. Im Er-
gebnis seien somit die Vorbringen des Beschwerdeführers, im Jahre 2014
beziehungsweise 2015 zweimal inhaftiert gewesen zu sein und dass seine
Firma von der muslimischen Gemeinschaft mehrmals in Brand gesteckt
worden sei, als unglaubhaft zu bezeichnen.
Ebenso fehle es vorliegend an der Asylrelevanz, zumal die geltend ge-
machten Ereignisse einige Jahre vor der Ausreise 2015 stattgefunden hät-
ten und es folglich in zeitlicher und sachlicher Hinsicht an einem Kausalzu-
sammenhang fehle. In Bezug auf die Prüfung der Frage, ob der Beschwer-
deführer im Fall der Rückkehr nach Sri Lanka begründete Furcht vor künf-
tiger Verfolgung habe, führte die Vorinstanz aus, dass Rückkehrer, die ille-
gal ausgereist seien, über keine gültigen Identifikationsdokumente verfü-
gen würden, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hätten oder behörd-
lich gesucht würden, am Flughafen zwar zu ihrem Hintergrund befragt wür-
den. Die Befragung allein sowie die allfällige Eröffnung eines Strafverfah-
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rens wegen illegaler Ausreise, was im vorliegenden Fall ohnehin nicht zu-
treffen würde, stelle aber keine asylrelevante Verfolgungsmassnahme dar.
Bezüglich der Probleme, welche der Beschwerdeführer mit der muslimi-
schen Gemeinschaft haben soll, sei festzuhalten, dass die Brandstiftungen
nicht glaubhaft seien und andere asylrelevante Verfolgungsmassnahmen
durch Personen der muslimischen Gemeinschaft nicht geltend gemacht
worden seien. Die vorgebrachte üble Nachrede ihn betreffend sei mangels
Intensität nicht asylrelevant. Dass der Beschwerdeführer absichtlich von
einer Person angefahren worden sein soll, stütze sich zudem lediglich auf
eine unbegründete Vermutung seinerseits. Was die anonymen Drohanrufe
beim Beschwerdeführer und seiner Ehefrau sowie die Suche nach ihm
nach seiner Ausreise anbelange, sei festzuhalten, dass sich das CID zwar
vor Jahren für den Beschwerdeführer und dessen Geschäftsbeziehung zu
den LTTE interessiert habe. Stünde er aber weiterhin in deren Fokus, wäre
er mit Sicherheit strafrechtlich verfolgt worden. Dass er aus der Haft ent-
lassen worden sei, spreche ebenso gegen ein weiterhin anhaltendes Inte-
resse der sri-lankischen Behörden an ihm. Fraglich sei auch, ob die Tele-
fonanrufe tatsächlich den sri-lankischen Sicherheitskräften zuzurechnen
seien, zumal der Beschwerdeführer diese Anrufe in den Anhörungen nicht
erwähnt habe. Weder aus diesen Telefonanrufen noch aus den Besuchen
von unbekannten Personen, die sich nach seiner Ausreise über ihn erkun-
digt hätten, könne eine asylrelevante Gefährdung abgeleitet werden. Da
der Beschwerdeführer zudem mit seinem eigenen Reisepass legal habe
ausreisen können, sei eine akute Gefährdung durch die Sicherheitskräfte
Sri Lankas im Zeitpunkt seiner Ausreise unwahrscheinlich. Aus öffentlich
zugänglichen Quellen würden sich ausserdem Hinweise ergeben, welche
die Telefonanrufe und Besuche von unbekannten Personen erklären könn-
ten. So sei die Firma des Beschwerdeführers von (...) finanziell unterstützt
worden. Aus den Quartalsberichten von (...) von Oktober 2015 bis Juni
2016, die im Internet öffentlich zugänglich seien, sei ersichtlich, dass die
Firma einerseits finanzielle Schwierigkeiten andererseits Probleme mit
Lärm- und Staubemissionen gehabt habe. Ein erzürnter Nachbar habe sich
offensichtlich bei den Behörden beschwert. Die Firma habe in der Folge
die Zulassung der sri-lankischen Umweltbehörde verloren und habe nach
Oktober 2015 während eines Jahres geschlossen werden müssen. Erst
nach Revisionsarbeiten im Jahre 2017 habe die Firma ihre Aktivitäten wie-
deraufnehmen können.
Insgesamt sei nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka in den Fokus der Behörden oder Drittper-
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sonen geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werde. Auch die einge-
reichten Beweismittel würden an dieser Einschätzung nichts ändern. Ins-
besondere handle es sich beim Schreiben des Vorsitzenden der Moschee
vom 30. November 2015 offensichtlich um ein Gefälligkeitsschreiben.
4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, dass sich das SEM bei seiner
Argumentation, die zweimalige Festnahme durch das CID habe nicht im
Jahre 2015 stattgefunden, allein auf die Abklärung und Einschätzung der
Schweizerischen Botschaft vom 27. Oktober 2017 gestützt habe. Diese
von der Vorinstanz als «gesicherte Erkenntnisse» bezeichnete Informatio-
nen würden jedoch vom Immigration Liaison Officer (ILO) stammen, der
selbst in seiner Abklärung darauf hingewiesen habe, dass die von ihm be-
fragten Personen in ihren Ausführungen sehr unpräzise gewesen seien
und die LTTE mit keinem Wort erwähnt hätten. Ebenso sei fraglich, in wel-
cher Sprache die Gespräche geführt worden seien und wer anwesend ge-
wesen sei. Soweit in der Botschaftsantwort ausgeführt werde, es sei zu
keinen Brandstiftungen gekommen, sei dies nachweislich falsch. Unter
Verweis auf den als Beweismittel eingereichten Bericht der Feuerwehr (fire
brigade) vom 22. Februar 2018 sei es am 12. September 2016 um 12.30
Uhr in der Fabrik des Beschwerdeführers nachweislich zu einem Brand ge-
kommen. Dabei habe die Feuerwehr bis in die späte Nacht hinein einen
Löscheinsatz geleistet. Als Brandursache komme Brandstiftung durch Un-
bekannte in Betracht. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach es
zu Brandanschlägen auf sein Geschäft gekommen sei, sei somit als glaub-
haft zu erachten. Die Aussage (...) des Beschwerdeführers im Gespräch
mit dem ILO, wonach der Beschwerdeführer vor fünf bis sechs Jahren mit-
genommen worden sei, werde durch die als Beweismittel eingereichte be-
glaubigte schriftliche Erklärung (...) vom 20. Februar 2018 klar widerlegt.
So bestätige sie in diesem Schreiben ausdrücklich, dass die CID-Beamten,
von denen sie geglaubt habe, es handle sich um den Schulleiter, sowohl
beim ersten als auch beim zweiten Vorfall im Oktober 2015 gekommen
seien. Diese Aussage sei im Übrigen von 14 Mitarbeitenden des Familien-
unternehmens unterschriftlich bestätigt worden. Hätten sich die Festnah-
men in den Jahren 2011 beziehungsweise 2012 ereignet, wäre es nach-
vollziehbar gewesen, hätte der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt sei-
nen Heimatstaat verlassen, und nicht ohne Not vier beziehungsweise drei
Jahre später, als sein Produktionsbetrieb äusserst erfolgreich gewesen sei.
Des Weiteren handle es sich beim Beschwerdeführer um einen der ethni-
schen und religiösen Minderheit angehörenden maurischen Muslim. Dass
er durch die jahrelange Beschäftigung dutzender tamilischer Familien in
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seinem Betrieb auf Missfallen und Ablehnung in der muslimischen Gemein-
schaft gestossen sei, insbesondere im Hinblick auf seine vergangene Zu-
sammenarbeit mit den LTTE, sei daher nachvollziehbar. Soweit die
Vorinstanz vorbringe, es sei erwiesen, dass es zu keinen Problemen mit
der muslimischen Gemeinschaft gekommen sei, was sich daran zeige,
dass die männlichen Familienmitglieder des Beschwerdeführers weiterhin
die Moschee hätten besuchen können, sei Folgendes zu entgegnen: Es
entspreche der islamischen Tradition, Gläubige zum Gebet in der Moschee
zuzulassen und diese an der Ausübung ihres Glaubens nicht zu hindern,
ungeachtet allfälliger privater oder geschäftlicher Konflikte. Insgesamt
könne mithin bei der Botschaftsantwort nicht von gesicherten Erkenntnis-
sen ausgegangen werden. Es sei unstrittig, dass der Beschwerdeführer
zeitnah vor seiner Flucht aus dem Heimatstaat asylrelevanter Verfolgung
ausgesetzt gewesen sei. Entsprechend sei ein enger zeitlicher Kausalzu-
sammenhang zwischen der asylrelevanten Verfolgung (die zweimalige In-
haftierung durch das CID und die erniedrigende, gewaltsame Behandlung
während der Haft) und der Flucht gegeben.
Aufgrund der Vorfälle im Zusammenhang mit den Inhaftierungen, den
Brandanschlägen auf seine Fabrik sowie den Anfeindungen von Seiten der
muslimischen und singhalesischen Gemeinschaft erfülle der Beschwerde-
führer ausserdem zahlreiche Risikofaktoren, die nach der Rechtsprechung
des Bundesverwaltungsgerichts zur Anerkennung seiner Flüchtlingseigen-
schaft führen müssten. So habe (...) des Beschwerdeführers nicht nur die
Brandanschläge bestätigt, sondern auch, dass nach seiner Flucht wieder-
holt Angehörige des CID bei ihr zu Hause auf der Suche nach ihm aufge-
taucht seien. Entsprechend handle es sich bei den Anfeindungen gegen
die Familie des Beschwerdeführers nicht nur um üble Nachrede, sondern
um gezielte Übergriffe, welche die Existenz der Familie bedrohen würden.
Insbesondere vor dem Hintergrund der äusserst angespannten Lage der
unterschiedlichen Ethnien in Sri Lanka dürfe ein solcher Konflikt nicht ba-
gatellisiert werde. Zudem könne der Staat in einer solchen Konstellation
seine Schutzfunktion nicht wahrnehmen.
4.3 In der Vernehmlassung hielt die Vorinstanz an ihren Ausführungen fest
und ergänzte, dass die vom Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel
keinen erheblichen Beweiswert aufweisen würden. Das Schreiben der
Feuerwehr H._ vom 22. Februar 2018 sei auf Englisch verfasst und
vermittle aufgrund des Inhalts und der unüblichen und fehlerbesetzten eng-
lischen Sprache den Eindruck eines Auftragsschreibens. Selbst wenn das
Dokument einen tatsächlichen Brandfall schildern würde, so könnte daraus
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nicht abgeleitet werden, wer die Urheber gewesen seien und ob es sich
tatsächlich um eine Brandstiftung aus einem asylrelevanten Motiv handle.
Das Schreiben (...) des Beschwerdeführers widerspreche den Erkenntnis-
sen der Botschaftsabklärung in wesentlichen Teilen und sei als Gefällig-
keitsschreiben einzuordnen.
5.
5.1 Nach Lehre und Rechtsprechung ist für die Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche
im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Eine bloss entfernte
Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien
vorliegen, welche den Eintritt der aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählten Verfolgungsmotive erfolgenden Benachteiligung als wahrschein-
lich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und nachvoll-
ziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). Die erlittene Verfol-
gung oder die begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem
sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Her-
kunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch
aktuell sein. Die Furcht vor künftiger Verfolgung umfasst allgemein ein auf
tatsächlichen Gegebenheiten beruhendes objektives Element einerseits
sowie die persönliche Furchtempfindung der betroffenen Person als sub-
jektives Element andererseits. Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG hat demnach, wer gute – d.h. von Dritten nachvollziehbare
– Gründe (objektives Element) für seine Furcht (subjektives Element) vor-
weist, mit gewisser Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft das Op-
fer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 2011/50 E. 3.1.1; 2011/51 E. 6.2
je m.w.H.). Geht die Verfolgung von nichtstaatlichen Akteuren aus, ist zu
prüfen, ob staatlicher Schutz beansprucht werden kann.
5.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seinem Referenzurteil
E-1886/2015 vom 15. Juli 2016 eingehend mit der Situation der nach Sri
Lanka Rückkehrenden auseinandergesetzt. Dabei stellte es unter anderem
fest, dass angesichts der in den vergangenen Jahren aufgetretenen Ver-
haftungs- respektive Folterfälle von aus Europa zurückkehrenden sri-lanki-
schen Staatsangehörigen tamilischer Ethnie davon auszugehen sei, dass
die sri-lankischen Behörden gegenüber Personen, welche nach einem
Auslandaufenthalt nach Sri Lanka zurückkehren, eine erhöhte Wachsam-
keit zeigten. Dennoch könne nicht angenommen werden, dass jeder aus
Europa beziehungsweise aus der Schweiz zurückkehrende tamilische
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Seite 11
Asylsuchende allein aufgrund seines Auslandaufenthaltes einer ernstzu-
nehmenden Gefahr vor Verhaftung und Folter ausgesetzt sei. Entspre-
chend müsse jeweils im Einzelfall ermittelt werden, ob gewisse Personen
aufgrund bestimmter Merkmale eher Gefahr laufen würden, von den sri-
lankischen Behörden in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise behelligt zu
werden (a.a.O. E. 8.1 und 8.3 m.w.H.). Das Bundesverwaltungsgericht de-
finierte in der Folge verschiedene, nicht abschliessend zu verstehende Ri-
sikofaktoren: Demnach sind insbesondere jene Rückkehrenden gefährdet,
die eine vermeintliche oder tatsächliche, aktuelle oder vergangene Verbin-
dung zu den LTTE aufweisen, Rückkehrende, bei denen frühere Verhaf-
tungen durch die sri-lankischen Behörden (üblicherweise im Zusammen-
hang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE)
vorliegen, sowie Personen, die im Ausland an exilpolitischen regimekriti-
schen Handlungen teilgenommen haben oder eine Beziehung zu einer von
der sri-lankischen Regierung verbotenen regimekritischen exilpolitischen
Gruppe haben (vgl. The Gazette of the Democratic Socialist Republic of Sri
Lanka, Part I: Section [I] – General, Government Notifications, The United
Nations Act. No. 45 of 1968, Amendment to the List of Designated Persons
under Regulation 4[7] of the United Nations Regulations No. 1 of 2012,
20. November 2015; vgl. dazu a.a.O. E. 8.5.4). Das Vorliegen einer dieser
sogenannten stark risikobegründenden Faktoren (Verbindung zu den
LTTE, Vorliegen früherer Verhaftungen und exilpolitische Aktivitäten) kann
bereits zur Bejahung einer begründeten Furcht vor asylrelevanter Verfol-
gung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka führen.
Als weitere sogenannte schwach risikogefährdende Faktoren erachtete
das Bundesverwaltungsgericht das Fehlen der erforderlichen Identitätsdo-
kumente bei der Einreise beziehungsweise Rückkehrende mit temporären
Reisepapieren, eine zwangsweise respektive durch die IOM begleitete
Rückführung, gut sichtbare Narben am Körper, eine gewisse Aufenthalts-
dauer in einem westlichen Land sowie Strafverfahren und Strafregisterein-
träge (a.a.O. E. 8.4 m.w.H.). Diese risikogefährdenden Faktoren vermögen
in der Regel für sich allein genommen keine relevante Furcht vor ernsthaf-
ten Nachteilen im Sinne des Gesetzes begründen. In Kombination mit den
voranstehend genannten stark risikobegründenden Faktoren können sie
aber die Gefahr einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung erhöhen.
Auch das Vorliegen mehrerer schwach risikobegründender Faktoren kann
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Seite 12
die Annahme einer begründeten Furcht vor ernsthaften Nachteilen recht-
fertigen (vgl. a.a.O. E. 8.5.5).
6.
Eine Prüfung der Akten ergibt, dass der Sachverhalt im vorliegenden Ver-
fahren zum heutigen Zeitpunkt nicht als genügend erstellt zu erachten ist
für eine abschliessende Beurteilung, ob zum heutigen Zeitpunkt eine be-
gründete Furcht vor Verfolgung des Beschwerdeführers zu bejahen ist.
Dies aus den nachfolgenden Gründen:
6.1 Es ist aufgrund der konzisen Ausführungen des Beschwerdeführers,
der eingereichten Beweismittel, aber auch gestützt auf die Abklärungen
über die Schweizerische Botschaft vor Ort als erstellt zu erachten, dass der
Beschwerdeführer und seine Ehefrau bereits zu Bürgerkriegszeiten die von
ihm erwähnte Firma geführt haben. Der Beschwerdeführer hat sodann de-
tailliert und in sich schlüssig beschrieben, unter welchen Umständen er der
LTTE bis zum Kriegsende im Jahre 2009 mehrere Jahre lang Abgaben ge-
leistet hat, dies im Interesse seines eigenen wirtschaftlichen Fortkommens.
Seine Schilderungen fügen sich ein in den landeskundlichen Kontext und
die Vorgehensweise der LTTE bei der Beschaffung von Geld und Waren.
Der Standort der Firma ist sodann in einem ehemals umkämpften LTTE-
Gebiet auszumachen.
6.2 Der Beschwerdeführer hat sodann im Rahmen der einlässlichen Anhö-
rungen zwei Festnahmen und damit verbundene Inhaftierungen vor seiner
Ausreise durch sri-lankische Sicherheitskräfte beschrieben. Die Vorinstanz
hat ihrerseits diese Vorbringen nicht in Frage gestellt. Diese Ereignisse
scheinen gestützt auf die jetzige Aktenlage auch nach Ansicht des Gerichts
glaubhaft. Die Vorinstanz hat diese Inhaftierungen jedoch zeitlich früher,
nämlich im Jahre 2012/2013, verortet und daher einen Kausalzusammen-
hang zur erfolgten Ausreise verneint. Dabei beruft sie sich auf das Abklä-
rungsergebnis der Schweizerischen Botschaft vor Ort, welches sich auf An-
gaben von Familienmitgliedern, namentlich (...) und (...) des Beschwerde-
führers stützt. (...) habe zum Zeitpunkt der Abklärungen im Oktober 2017
angegeben, die Mitnahmen des Beschwerdeführers durch Beamte des
CID lägen fünf bis sechs Jahre zurück.
In der Beschwerde wird moniert, dass die Abklärungen der Schweizeri-
schen Botschaft respektive die Antworten auf die von der Vorinstanz auf-
bereiteten Abklärungsfragen nicht befriedigend und klar ausgefallen seien.
E-1414/2018
Seite 13
Diese Ansicht teilt das Gericht. Die Vorinstanz hat in ihrer Botschaftsan-
frage den Sachverhalt und die sich stellenden Fragen sehr gut aufbereitet.
Aus dem vorliegenden Bericht der Botschaft ergibt sich aber, dass ver-
schiedenen dieser aufgeworfenen Fragen nicht nachgegangen wurde. Die
Botschaft führte in diesem Zusammenhang aus, dass man es anlässlich
des Gesprächs vermieden habe, direkte Fragen zu stellen. Man habe es
bevorzugt, (...) sprechen zu lassen und «über Umwege über allfällige Prob-
leme nachzufragen» (vgl. act. A35/5 S. 4). Verlässliche Rückschlüsse las-
sen sich gestützt auf diese Abklärung mithin nicht ziehen.
6.3 Die Vorinstanz hat sodann zur Firma des Beschwerdeführers eigene
Nachforschungen angestellt und diese in der Verfügung auch zum Inhalt
ihrer Erwägungen gemacht. Demnach soll sich die Firma zum Zeitpunkt
der Ausreise in verschiedener Hinsicht in Schwierigkeiten befunden haben.
Die Vorinstanz hat diesbezüglich einen Zusammenhang mit der Ausreise
des Beschwerdeführers aber auch Schwierigkeiten seitens Dritter nicht
ausgeschlossen, diesem Aspekt jedoch die Asylrelevanz abgesprochen.
Auf Beschwerdeebene wurden diese vorinstanzlichen Schlussfolgerungen
bestritten, ohne dass diesen etwas Konkretes entgegengehalten wurde
(Beschwerde S. 8). Die Frage, unter welchen Umständen die Firma zum
Zeitpunkt der Ausreise geschlossen wurde, scheint jedoch wichtig, zumal
sich aus der Antwort der Botschaft solche Gründe, wie sie in der angefoch-
tenen Verfügung mit Bezug auf das Hilfsprogramm (...) und allfällige Lärm-
und Staubemissionen ausgeführt wurden, nicht ergeben. Dabei wird auch
die Rolle (...) des Beschwerdeführers weiter zu untersuchen sein, welche
nach Angaben des Beschwerdeführers, und anlässlich der Botschaftsab-
klärungen selbst bestätigt, dass sie das Geschäft weiterführe, wobei sie
geltend macht, nach der Ausreise des Beschwerdeführers nicht am ur-
sprünglichen Wohnort gelebt zu haben, dies aus Furcht vor Behelligungen.
6.4 Was die vom Beschwerdeführer geltend gemachten grossen Ressen-
timents der muslimischen Glaubensgemeinschaft ihm gegenüber anbe-
langt, konnten solche gemäss Botschaftsantwort nicht bestätigt werden,
vielmehr würden die männlichen Familienmitglieder die Moschee weiterhin
besuchen können, wobei offengelassen wurde, um welche Mitglieder der
Familie es sich handelt. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, es habe
mehrere Brandanschläge seitens der muslimischen Glaubensgemein-
schaft auf sein Geschäft gegeben, schätzt die Vorinstanz als nicht glaub-
haft ein. Dabei stützt sie sich ebenfalls auf die Abklärungen der Botschaft,
wonach gemäss Erzählungen (...) Brandstiftungen ausgeschlossen wer-
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den könnten. Eine entsprechende Frage wurde aber, soweit aus der Ant-
wort ersichtlich, nicht gestellt. Auf Beschwerdeebene wurden hierzu Bestä-
tigungsschreiben der örtlichen Feuerwehr eingereicht, die das Vorbringen
untermauern sollen. Deren Beweistauglichkeit wurde von der Vorinstanz
jedoch in Frage gestellt.
6.5 Aus dem bisher erstellten Sachverhalt kann das Gericht aktuell keine
abschliessende Beurteilung vornehmen, ob der Beschwerdeführer zum
heutigen Zeitpunkt unter objektiven Gesichtspunkten im Falle seiner Rück-
kehr mit flüchtlingsrechtlich relevanten Behelligungen zu rechnen hätte. Es
kommt hinzu, dass sich seit Ergehen des vorinstanzlichen Entscheids die
politische Lage und die Sicherheitslage im Heimatstaat nicht verbessert
hat. Ausserdem gehört der Beschwerdeführer der muslimischen Ethnie an,
deren Angehörige nach den terroristischen Anschlägen im April 2019 in Sri
Lanka verstärkt Misstrauen seitens der sri-lankischen Behörden entgegen-
gebracht wird.
6.6 Es drängt sich daher eine weiterführende Sachverhaltsfeststellung auf.
Dies zum einen in Bezug auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachte
Bedrohungslage, die bereits im Jahr 2017 Gegenstand diverser konkreter
Fragen an die Botschaft gebildet hat. Im Rahmen neuerlicher Abklärungen
ist ebenfalls von Interesse, ob die Firma aktuell immer noch weitergeführt
wird und durch wen. Von Relevanz ist ferner die Frage, ob diesbezüglich
seit der letzten Abklärung im Jahr 2017 weitere Ereignisse hinzugetreten
sind, die erheblich sein könnten. Sodann sind auch weitere Abklärungen
zur Situation der im Heimatstaat verbliebenen Familienangehörigen zu tref-
fen, namentlich, ob die Familie Behelligungen im Zusammenhang mit dem
Beschwerdeführer ausgesetzt war oder aktuell ist. Der abschliessenden
Sachverhaltsfeststellung dürfte nach entsprechenden Abklärungen durch
eine ergänzende Befragung des Beschwerdeführers am ehesten Rech-
nung getragen werden.
6.7 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist, wie dies vorliegend zu bejahen ist (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER,
ASTRID HIRZEL, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S. 1264,
vgl. auch BVGE 2015/10 E. 7.1).
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7.
Die Beschwerde ist daher insoweit gutzuheissen, als dass die Aufhebung
der Verfügung beantragt wurde. Die Verfügung vom 2. Februar 2018 ist
aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Sachverhaltsabklärun-
gen und zur neuen Entscheidung unter Berücksichtigung der im vorliegen-
den Beschwerdeverfahren eingereichten Beweismittel an das SEM zurück-
zuweisen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu
erheben (Art. 63 VwVG).
8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) zu Lasten der Vorinstanz eine
Entschädigung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten
zuzusprechen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Kos-
tennote eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann jedoch ver-
zichtet werden, da sich im vorliegenden Verfahren der Aufwand für den Be-
schwerdeführer zuverlässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Ge-
stützt auf die erwähnten Bemessungsfaktoren ist die Entschädigung im
vorliegenden Fall auf Fr. 1’200.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu-
schlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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