Decision ID: 0826a2dc-e493-4385-a356-e7b2a107382b
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch die Gemeinde A._,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a Der 1968 geborene H._ meldete sich am 18. Mai/2. Juli 2004 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an. Im entsprechenden Formular erklärte er, er
wolle aufgrund einer seit 1986 bestehenden Polytoxikomanie eine Rente
beanspruchen. Er habe als kaufmännischer Mitarbeiter gearbeitet (IV-act. 3).
A.b Dr. med. B._, Innere Medizin FMH, gab im IV-Arztbericht vom 17. August 2004
an, Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten hätten eine Polytoxikomanie
mit wiederholtem Gebrauch von Opiaten, Benzodiazepinen, Marihuana und Haschisch,
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizoiden und selbstunsicheren Zügen
sowie eine Kardiopathie mit reduzierter linksventrikulärer Funktion. Er attestierte dem
Versicherten ab 7. März 2002 verschiedene Phasen der Arbeitsunfähigkeit, zuletzt von
50 % für die Zeit vom 9. Juli 2003 bis 21. September 2003, dann von 100 % bis
26. September 2003, von 50 % bis 30. September 2003, von 100 % bis 3. Oktober
2003, von 50 % bis 19. Oktober, von 100 % bis 25. Oktober 2003 und von 50 % bis
17. November 2003, schliesslich von 100 % seither. Arbeitstätigkeiten seien nicht mehr
zumutbar, weil eine verminderte Belastbarkeit und häufige Absenzen bestünden. Rein
theoretisch könnte durch eine andauernde Abstinenz und entsprechende Kooperation
die Situation verbessert werden, das sei aber aufgrund des bisherigen chronischen
Verlaufs mit sehr häufigen Rückfällen nicht realistisch. Die Drogenabhängigkeit bestehe
seit 1989. Der Versicherte gehe schon seit vielen Jahren keiner geregelten Tätigkeit
mehr nach. Teilweise habe er zu 50 % an Wiedereingliederungsprogrammen
teilgenommen, dort aber immer wieder fehlen müssen. Es seien mehrere ambulante
Entzugsversuche und stationäre Entzüge (meistens in der Psychiatrischen Klinik Wil,
letztmals im August 2002 zum fünften Mal) vorgenommen worden. Zurzeit stehe er im
Methadonprogramm. Eine stationäre Weiterbehandlung zum Langzeitentzug unter
geschützten Bedingungen habe der Versicherte stets abgelehnt. Die Ursache der
Kardiopathie sei unklar gewesen, sei aber wohl im Zusammenhang mit dem
Drogenabusus zu sehen (IV-act. 10-5 bis 8/12).
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A.c Die Psychiatrische Klinik Wil teilte mit Schreiben vom 21. September 2004 mit, es
lägen eine Störung durch multiplen Substanzgebrauch (Heroin, Methadon, Kokain,
Benzodiazepine, Alkohol und Cannabis) und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
mit abhängigen und selbstunsicheren Zügen vor. Keine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit habe die seit 2000 bestehende Kardiopathie unklarer Genese. Vom
31. August 1999 (dem Zeitpunkt der ersten Hospitalisation in der Klinik) bis mindestens
14. Februar 2003 (letztmalige Entlassung aus der Klinik und letzter Untersuch) sei der
Versicherte als Filialleiter in einem Büro voll arbeitsunfähig gewesen. Mit 15 Jahren
(1983) habe er erstmals Cannabis konsumiert, mit 18 Jahren Kokain und Heroin. Bis
1996 sei er - bei täglichem Konsum - erfolgreich als Immobilienmakler tätig gewesen.
Nach dem Stellenverlust habe er in beschützendem Rahmen für vier Monate abstinent
gelebt und dann für zweieinhalb Jahre als Filialleiter in einem Temporärbüro gearbeitet.
In dieser Zeit sei der Drogenkonsum massiv angestiegen. Insgesamt seien sieben
Hospitalisationen erfolgt. Im stationären Setting im Januar/Februar 2003 sei das
Verhalten des Versicherten aufgefallen (zurückhaltend, angepasst, ambivalent,
mühevoll im alltäglichen Entscheiden). Diese Persönlichkeitsstörung bereite im
Sozialverhalten und in der Lebensgestaltung erhebliche Probleme und ihretwegen habe
er das Setting mit Gesprächen nicht im Sinne von Arbeit an maladaptiven
Bewältigungsstrategien nutzen können. Der Behandlungsverlauf zeige bis anhin viele
Therapieversuche mit rascher Wiederaufnahme des Drogenkonsums nach der
Entlassung aus dem beschützenden Rahmen. Voraussetzung einer Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit wäre eine psychische Stabilisierung in beschützendem Rahmen, wo er
andere Bewältigungsstrategien als den Suchtmittelkonsum entwickeln könnte. Für eine
aktuelle Beurteilung sei eine neue Untersuchung zu empfehlen (IV-act. 11-3 bis 5/9).
A.d Am 1. Juli 2005 wurde bekannt gegeben, dass der Versicherte sich gegenüber der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich durch die Sozialbehörde der Gemeinde
A._, ihrerseits vertreten durch C._, vertreten lasse (IV-act. 22).
A.e Am 23. November 2005 erstattete Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, ein Gutachten. Er bestätigte die bekannten Diagnosen (im
Wesentlichen: psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen,
Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten
Methadonprogramm; Persönlichkeitsstruktur mit emotional instabilen, abhängigen,
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selbstunsicheren Zügen; Kardiopathie). Beim Versicherten lägen psychische und
Verhaltensstörungen vor, die auf den ständigen Konsum von psychotropen Substanzen
zurückzuführen seien. Bis anhin sei nicht gelungen, ihn in Therapieangebote
einzubinden, um die innerseelischen Konflikte aufzuarbeiten, die zugrunde lägen und
zur Sucht führten. Jahrelanges überwachtes Methadonprogramm sei ohne Erfolg
geblieben. Bei der Untersuchung seien körperliche Entzugserscheinungen beobachtet
worden. Es zeige sich eine Einengung auf den Gebrauch von psychotropen
Substanzen (Aufgabe weiterer Interessen). Trotz eindeutig schädlicher Folgen in
psychischer, physischer und sozialer Hinsicht (und Bewusstseins der Schäden) dauere
der Substanzgebrauch an. Es dürfte eine Persönlichkeitsstruktur vorliegen, die es dem
Versicherten schwer mache, sein Leben in den Griff zu bekommen bzw. bessere
Bewältigungsstrategien für den Alltag zu entwickeln. Diese sollten Gegenstand einer
langzeitlichen Psychotherapie sein. Aufgrund der akuten Symptomatik sei eine
stationäre Entzugsbehandlung dringend indiziert und zumutbar. Anschliessend sollte
eine langzeitliche psychotherapeutische Behandlung erfolgen mit dem Ziel, ein
drogenfreies Leben zu führen, die Defizite in der Persönlichkeitsstruktur aufzuarbeiten
und neue Lebensziele zu entdecken. Im jetzigen körperlichen und
psychopathologischen Zustand sei der Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig. Es sei
davon auszugehen, dass durch die vorgeschlagenen medizinischen Massnahmen eine
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf 80 % werde erreicht werden können, dass aber
aufgrund der Defizite in der Persönlichkeitsstruktur eine andauernde Arbeitsunfähigkeit
von 20 % verbleibe. Die Prognose sei offen (IV-act. 27).
A.f Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt am
6. Dezember 2005 dafür, die Entzugs- und die anschliessende
Entwöhnungsbehandlung könnten im Rahmen der Schadenminderungspflicht vom
Versicherten verlangt werden. Es sei mit ca. vier bis sechs Wochen und anschliessend
noch mit sechs Monaten Dauer zu rechnen. Hernach könnte geprüft werden, ob
Eingliederungsmassnahmen möglich seien.
A.g Mit Schreiben vom 6. Dezember 2005 machte die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle des Kantons St. Gallen den Versicherten darauf aufmerksam, dass sich seine
Arbeitsfähigkeit durch eine erfolgreiche stationäre Entzugs- und anschliessende
Entwöhnungsbehandlung von mindestens neun Monaten wesentlich verbessern liesse.
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Erst danach werde eine Beurteilung seiner Ansprüche möglich sein. Eine solche
Behandlung sei ihm zumutbar. Um der Gefahr einer vorübergehenden oder dauernden
Kürzung oder einer Verweigerung von Leistungen zu entgehen, habe er bis zum
31. Januar 2006 schriftlich mitzuteilen, wo er den Entzug durchführen werde.
Andernfalls müsse er mit der Abweisung des Leistungsbegehrens rechnen (IV-act. 29).
Am 5. Januar 2006 eröffnete die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die Aufforderung
(mit neuer Frist) an die Rechtsvertretung des Versicherten.
A.h Am 10. Februar 2006 teilte die Rechtsvertretung des Versicherten telefonisch mit,
die involvierten Ärzte würden eine Entzugstherapie nicht als notwendig erachten (IV-
act. 32). Mit Schreiben vom 25. April 2006 legte sie (unter Hinweis auf Arztberichte von
Dr. med. E._, Facharzt Innere Medizin FMH, vom 27. Februar 2006 und des
Psychiatrischen Zentrums X._ vom 21. April 2006) dar, es sei als sehr fraglich zu
erachten, ob eine lange Entwöhnungsbehandlung nach dieser vieljährigen Abhängigkeit
noch zu einem Erfolg führen könne. Eine gutachterliche Abklärung wäre sinnvoll. Das
Psychiatrische Zentrum X._ hatte am 21. April 2006 mitgeteilt, wegen des kurzen
Beobachtungszeitraumes sei keine Aussage zu Wesensveränderungen oder
Hirnleistungsschwächen möglich, die eine Integration in den Arbeitsmarkt nach einer
Therapie behindern könnten. Das müsste Gegenstand einer Begutachtung bilden. Die
Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt würden nach einer erfolgreichen Therapie
sicherlich verbessert; ob der Versicherte wieder einsetzbar werden könne, sei
langfristig nicht abschätzbar (IV-act 34-2 f./5). Mit Schreiben vom 27. Februar 2006
hatte Dr. E._, welcher den Versicherten seit Sommer 2005 kennt, den Erfolg einer
langfristigen Entwöhnungsbehandlung ausserordentlich stark in Frage gestellt. Es
komme dazu, dass eine Reintegration in den Arbeitsmarkt wegen der wahrscheinlich
bereits bestehenden "chronischen" Schädigung durch die langjährige Polytoxikomanie
kaum möglich wäre. Er (der Arzt) empfehle eine unabhängige Begutachtung durch eine
auf Drogenabhängigkeit spezialisierte Station (IV-act. 34-4/5).
A.i Auf Ergänzungsfragen hin gab Dr. E._ am 6. Juni 2006 bekannt, es liege eine
ganz erhebliche chronische somatische und psychische Schädigung vor, die
wahrscheinlich irreversibel sei und eine Arbeitsfähigkeit wahrscheinlich auf Dauer
verunmögliche. Aktuell sei keine Arbeit zumutbar. Er bezweifle, dass mit einer
Langzeitentzugstherapie die Arbeitsfähigkeit verbessert werden könnte. Behandelt
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werde eine arterielle Hypertonie (aktuell beschwerdefrei), doch sei eine neue
kardiologische Abklärung nicht erforderlich. Ausserdem habe eine Gynäkomastie (im
Rahmen des Aethylabusus) operiert werden müssen und es bestehe eine
Hepatopathie. Die erwähnten Störungen könnten durch eine Karenz wesentlich
verbessert werden (IV-act. 36-1 bis 4/8).
A.j Der RAD stellte sich am 19. Juni 2006 auf den Standpunkt, die somatischen
Schäden begründeten keine invalidisierende Arbeitsunfähigkeit. Psychiatrisch sei eine
nicht suchtbedingte Arbeitsunfähigkeit von 20 % ausgewiesen. Es sei nicht zu
erwarten, dass sich die Arbeitsfähigkeit aufgrund der Persönlichkeitsstörung durch
therapeutisch-medizinische oder durch berufliche Massnahmen wesentlich verbessern
lasse. Berufliche Massnahmen machten keinen rententangierenden Sinn. Nur für den
Fall, dass sich ein Rentenanspruch ergeben sollte, müsste die Auferlegung einer
Schadenminderungspflicht hinsichtlich der Verhinderung von somatischen
Folgeschäden erwogen werden. Bei der Sachbearbeitung (act. 38) wurde festgehalten,
die Einschränkung aufgrund der Suchterkrankung sei invaliditätsfremd.
A.k Mit Verfügung vom 26. Juni 2006 wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch ab. Die
Arbeitsunfähigkeit des Versicherten sei vor allem durch ein Abhängigkeitsverhalten
begründet, welches keine Invalidität im Sinne des Gesetzes bewirken könne (IV-act.
40).
A.l Mit Schreiben vom 10. Juli 2006 liess der Versicherte Einsprache erheben (IV-
act. 42). Am 28. August 2006 liess er begründen, es sei zwar nachvollziehbar, dass die
Arbeitsfähigkeit durch die Massnahmen verbessert werden könne, doch sei sehr zu
bezweifeln, dass eine Leistungsfähigkeit erreicht werden könne, wie sie für eine
Eingliederung auf dem freien Arbeitsmarkt genüge. Dass er (der Versicherte) mit den
Defiziten in der Persönlichkeitsstruktur zu 80 % arbeitsfähig werden könnte, sei eine
aus der Luft gegriffene Annahme von Dr. D._. Auch nach einer erfolgreichen Therapie
würden Defizite mit wesentlichen (grösseren) Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit
bestehen bleiben. Eine Prognose müsse sehr zurückhaltend gestellt werden. Die
Psychiatrische Klinik Wil, Dr. E._ und das Psychiatrische Zentrum X._ hätten eine
Begutachtung vorgeschlagen. Das sei mit einer einstündigen Untersuchung durch
Dr. D._ nicht getan. Eine zuverlässige, sorgfältige Beurteilung habe sich dabei nicht
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ergeben können. Stattdessen sei eine detaillierte psychiatrische Begutachtung durch
eine Stelle mit drogenspezifischer Erfahrung - etwa im Psychiatrischen Zentrum X._
oder in der Psychiatrischen Klinik Wil, dort allenfalls stationär - zu veranlassen, wo die
bleibenden Defizite durch die langjährige Suchtproblematik und durch die
Persönlichkeitsstruktur mit ihren jeweiligen Auswirkungen auf die erwerblichen
Fähigkeiten betrachtet würden.
A.m Der RAD hielt am 26. September 2006 fest, das Gutachten von Dr. D._ sei
widerspruchsfrei, schlüssig und plausibel. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass er
weniger Sorgfalt und Zeit aufgewendet habe, als es für eine vergleichbare Expertise
von einem anderen Gutachter zu erwarten wäre. Das invalidenversicherungsrechtlich
relevante Hauptproblem liege ausschliesslich im psychiatrischen Bereich. Dort sei die
Beurteilung des (internistischen) Hausarztes gegenüber derjenigen des Facharztes
nicht ausschlaggebend. Die Sachbearbeiterin stellte sich am 18. Oktober 2006 auf den
Standpunkt, da der Versicherte sich zu der geforderten Auflage nicht bereit erklärt
habe, sei von einer Arbeitsunfähigkeit unter Ausblendung der Sucht von 20 %
auszugehen.
A.n Mit Einspracheentscheid vom 7. Februar 2007 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die Einsprache ab. Um sich erfolgreich beruflichen
Massnahmen unterziehen zu können, müsste der Versicherte zunächst drogen- und
medikamentenfrei sein. Die Verwaltung habe deshalb zunächst versucht, den
Versicherten zu den erforderlichen Therapien zu bewegen. Eine gewisse Unsicherheit
bezüglich des möglichen Erfolgs solcher Massnahmen lasse sich nicht ganz
ausschliessen. Eine Therapie sei die einzige Chance zu einer Veränderung. Mit der
Stellungnahme seiner Rechtsvertretung habe festgestanden, dass der Versicherte
offenbar nicht bereit sei, sich den Massnahmen zu unterziehen. Diese wären aber
Grundvoraussetzung für berufliche Massnahmen. Es habe damit an der
Eingliederungsfähigkeit des Versicherten gefehlt. Die Verwaltung habe deshalb den
Anspruch auf berufliche Massnahmen nicht weiter abgeklärt und sei zur Rentenprüfung
übergegangen. Unter Ausblendung der Sucht verbleibe eine medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeit von 80 %. Auf weitere Abklärungen habe man zu Recht verzichtet. Sie
wären im Übrigen nur nach einer Entzugsbehandlung möglich (IV-act. 48).
B.
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Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von der Gemeinde A._ durch
ihren Vertreter für den Betroffenen am 12. Februar 2007 erhobene Beschwerde. Die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers beantragt eine psychiatrische Begutachtung.
Es sei abzuklären, ob die langjährige Suchtproblematik nicht bereits einen erheblichen
körperlichen und/oder geistigen Folgeschaden verursacht habe. Das sei anlässlich der
einstündigen Vorsprache bei Dr. D._ - wie jeder ausgewiesenen Fachperson - nicht
möglich gewesen. Das Psychiatrische Zentrum X._ habe darauf hingewiesen, dass
hierzu ein einmaliges Aufbieten des Beschwerdeführers nicht genüge. Die Problematik
bestehe beim Beschwerdeführer bereits seit mehr als zwanzig Jahren. Es sei bis anhin
nicht gelungen, den Beschwerdeführer in Therapieangebote einzubinden, die eine
Behandlung der dem Suchtmittelkonsum zugrunde liegenden Persönlichkeitsstörungen
zum Ziel gehabt hätten. Dr. E._ beschreibe ausserdem eine somatisch wie psychisch
ganz erhebliche, wahrscheinlich irreversible Schädigung.
C.
Mit Beschwerdeantwort vom 21. Februar 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:
1.
1.1 Da ein Sachverhalt zu beurteilen ist, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses
des angefochtenen Einspracheentscheids am 7. Februar 2007 entwickelt hat, sind die
auf den 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Rechtsänderungen nicht anwendbar.
1.2 Im Streit liegt der Entscheid, mit welchem die Beschwerdegegnerin eine
Einsprache gegen ihre das Leistungsgesuch ablehnende Verfügung vom 26. Juni 2006
(berufliche Massnahmen und Rente) abgewiesen hat. Die Beschwerdegegnerin hat
zwar ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren aufgenommen, sich aber hernach in die
materielle Streitfrage eingelassen, ob die relevante Sachlage ausreichend abgeklärt sei
und ob eine (anspruchsbegründende) Invalidität im Rechtssinn vorliege.
2.
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2.1 In der Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des
Beschwerdeführers grundsätzlich abgelehnt, weil keine Invalidität im Sinne des
Gesetzes vorliege, da die Arbeitsfähigkeit vor allem durch das Abhängigkeitsverhalten
begründet sei. Nach Art. 4 Abs. 1 IVG gilt als Invalidität die durch einen körperlichen
oder geistigen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder
Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
Erwerbsunfähigkeit. Drogensucht als solche begründet noch keine Invalidität im Sinne
des Gesetzes. Denn die Diagnose einer Drogensucht oder -abhängigkeit lässt nicht
schon darauf schliessen, dass der versicherten Person eine Drogenabstinenz nicht
mehr möglich wäre; ebenso wenig ist Drogenabhängigkeit notwendigerweise mit
Arbeits- oder Erwerbsunfähigkeit verbunden (vgl. Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S G. vom 22. Juni 2001, I 454/99; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E.
4b). Hat sie allerdings eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt, in deren Folge ein
körperlicher oder geistiger Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder aber ist sie selber
Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens, welchem
Krankheitswert zukommt (BGE 99 V 28 E. 2; AHI 2002 S. 29 f. E. 1 und 2, AHI 2001 S.
228 f. E. 2 und S. 229 f. E. 4), so wird eine solche Sucht im Rahmen der
Invalidenversicherung bedeutsam.
2.2 Unbestrittenermassen liegen beim Beschwerdeführer psychische und
Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (gemäss dem Gutachten; bzw.
eine Störung durch multiplen Substanzgebrauch gemäss der Psychiatrischen Klinik
Wil), ein Abhängigkeitssyndrom und eine Persönlichkeitsstruktur mit emotional
instabilen, abhängigen, selbstunsicheren Zügen (gemäss dem Gutachten; bzw. eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und selbstunsicheren Zügen
gemäss der Psychiatrischen Klinik Wil) vor. Das Gutachten im Besonderen stützt sich
auf eine Kenntnisnahme von den Vorakten. Der Gutachter untersuchte den
Beschwerdeführer und berücksichtigte Anamnese und subjektive Angaben. Was die zu
erhebenden Befunde betrifft, besteht in der medizinischen Aktenlage
Übereinstimmung. Es rechtfertigt sich unter diesen Umständen nicht, die
Untersuchungsdauer als Grund zu betrachten, dem Gutachten grundsätzlich jeden
Beweiswert abzusprechen.
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2.3 Das von der Sucht zu unterscheidende psychiatrische Leiden ist unbestreitbar von
Krankheitswert und dauerhaft von Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers, wenn auch strittig ist, in welchem Ausmass. Dass eine Invalidität
nach Art. 4 IVG mit allfälligen Ansprüchen auf berufliche Massnahmen oder Rente
vorliegt, lässt sich nicht bestreiten. Nach Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als
eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige
Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat.
2.4 Ferner ist davon auszugehen, dass die psychischen und Verhaltensstörungen auf
den ständigen Konsum psychotroper Substanzen zurückzuführen sind und dass nicht
nur eine soziale Verwahrlosung, sondern eindeutig auch schädliche Folgen sowohl in
psychischer als auch in physischer Hinsicht bestehen (Defizite in der
Persönlichkeitsstruktur, vgl. act. 27-10/12), wie es Dr. D._ feststellte (beides aus
act. 27-9/12). Auch Dr. E._ hielt dafür, es bestehe sowohl somatisch wie psychisch
eine ganz erhebliche Schädigung, die wahrscheinlich irreversibel sei (act. 36-1/8) und
die eine Arbeitsfähigkeit wahrscheinlich auf Dauer verunmögliche (act. 36-2/8).
Anderseits ist aus den medizinischen Berichten zu schliessen, dass innerseelische
Konflikte gegeben sind, die zur Sucht führen (act. 27-9/12), bzw. dass die kombinierte
Persönlichkeitsstörung bereits seit Jugend besteht (act. 11-3/9). Zwischen der
Polytoxikomanie und den psychischen Leiden ist demnach jedenfalls - sei es in einer
Richtung oder in beide Richtungen - ein Kausalzusammenhang ausgewiesen. Deshalb
ist auf den gesamten, unter Mitberücksichtigung der Folgen der
Suchtmittelabhängigkeit bestehenden Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeitsgrad
abzustellen (vgl. etwa die Entscheide des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S
E. vom 9. Juli 2002, I 257/01, und i/S O. vom 8. August 2006, I 169/06). Dieser
Arbeitsunfähigkeitsgrad liegt nach übereinstimmender Auffassung bei 100 %.
3.
Invalide oder von einer Invalidität unmittelbar bedrohte Versicherte haben Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen, zu verbessern, zu erhalten oder ihre Verwertung
zu fördern (Art. 8 Abs. 1 IVG). Ein Umschulungsanspruch besteht, wenn die
Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit
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voraussichtlich erhalten oder wesentlich verbessert werden kann (vgl. Art. 17 Abs. 1
IVG). Massnahmen im Sinne von Art. 17 IVG setzen die objektive und subjektive
Eingliederungsfähigkeit des Versicherten voraus (vgl. AHI 1997 S. 82 E. 2b/aa, ZAK
1991 S. 179 E. 3). Nach Angaben des Gutachters wären Rehabilitationsmassnahmen
dem Beschwerdeführer erst möglich, nachdem die zumutbaren medizinischen
Massnahmen durchgeführt worden wären. Dies war bis zum massgeblichen Zeitpunkt
nicht der Fall. Das Absehen von beruflichen Massnahmen ist im Übrigen nicht
beanstandet worden.
4.
4.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
4.2 Der Eintritt des Rentenfalls wird - nebst dem oben erwähnten Erfordernis der
Erwerbsunfähigkeit in rentenbegründendem Ausmass - durch Art. 29 Abs. 1 IVG
geregelt. Der Rentenanspruch entsteht frühestens in dem Zeitpunkt, in dem der
Versicherte während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens zu 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war (lit. b). Ein wesentlicher
Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte an mindestens
dreissig aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29 IVV). Wie dem
Arztbericht von Dr. B._ vom 17. August 2004 zu entnehmen ist, liegt eine solche
ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit seit dem 9. Juli 2003 vor, sodass das Wartejahr im
Juli 2004 (mit einem über 70 % liegenden Arbeitsunfähigkeitsdurchschnitt) abgelaufen
ist. Angesichts der vollständigen anschliessenden Invalidität entstand der Anspruch
des Beschwerdeführers auf eine ganze Rente ab dem 1. Juli 2004.
5.
Der Gutachter hat sich auf den Standpunkt gestellt, eine Entzugsbehandlung im
stationären Rahmen sei dringend indiziert und dem Beschwerdeführer auch zumutbar.
ter
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Auch eine anschliessende psychotherapeutische Behandlung, zielend auf die Defizite
in der Persönlichkeitsstruktur, sei anzustreben. Er erachtete somit sowohl das
Suchtleiden wie die Persönlichkeitsstörung als therapierbar und erwartete davon eine
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf 80 %. Dr. E._ stellte den Erfolg einer solchen
Behandlung in Frage. Das Psychiatrische Zentrum X._ teilte mit, die langfristige
Prognose lasse sich nicht abschätzen. Zunächst ist festzuhalten, dass die
(prognostische) Therapierbarkeit einer psychischen Störung weder deren
Krankheitswert noch das Bestehen einer anspruchsbegründenden Invalidität
ausschliesst (I 257/01), weshalb sie dem oben festgelegten Rentenanspruch nicht
entgegensteht. Des Weiteren erscheint angesichts der jahrelang anhaltenden
Suchtproblematik die Einschätzung des Psychiatrischen Zentrums X._
nachvollziehbar. Wie gross die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit ist, welche nach
einer allfälligen erfolgreichen Überwindung der Sucht verbleiben wird, wird sich
tatsächlich erst nach der Durchführung der zumutbaren Massnahmen zeigen lassen.
Wird der Grad der Arbeitsunfähigkeit durch angeordnete (und nötigenfalls in einem
regulären Mahn- und Bedenkzeitverfahren abverlangte) Massnahmen erheblich gesenkt
werden können, wird die Beschwerdegegnerin die Eingliederung prüfen und bei
gegebenen Voraussetzungen eine Rentenrevision durchführen können.
6.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 7. Februar 2007 zu schützen. Dem
Beschwerdeführer ist im Sinne der Erwägungen ab 1. Juli 2004 eine ganze Rente
zuzusprechen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG, vgl.
Rechtslage vor der Änderung des IVG vom 16. Dezember 2005, lit. a der betreffenden
Übergangsbestimmungen).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG