Decision ID: 7b1b58c7-59be-48a6-9859-4302562a0925
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
Y und X heirateten am (...) 2015 in Tunesien (...). Der Ehemann Y hat (...) vier Kinder
aus einer im Dezember 2014 geschiedenen ersten Ehe, wobei die Söhne (...) bei ihm
und die Tochter (...) bei der Mutter wohnen. Die Ehefrau X hat, aus einer früheren
Beziehung, einen etwa siebenjährigen Sohn, der bei Verwandten in (Afrika) lebt.
Y und X unterhielten sich im Jahr 2015 jeden Abend per Videokonferenz. Im September
2015 fuhr der Ehemann mit den Kindern nach Tunesien und liess zugleich die Ehefrau
einfliegen. Anschliessend lebten sie dort bis Dezember 2015 auf Probe miteinander und
heirateten in der Folge. Von Mitte Januar bis Mitte Februar 2016 kam die Ehefrau das
erste Mal in die Schweiz. Am 25. April 2016 reiste sie erneut ein, und im Juni 2016
wurde ihr die Aufenthaltsbewilligung erteilt (...). Im Oktober 2016 flog die Ehefrau ins
Ausland in den Urlaub (...), und am 24. November 2016 zog sie zu ihrer Schwester
nach Frankreich. Seither bestehen zwischen den Eheleuten anscheinend keine
Kontakte mehr. Der Ehemann hatte sodann die Ehefrau per 14. November 2016 aus J
abgemeldet (...).
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Am 12. Dezember 2016 beantragte der Ehemann beim Kreisgericht J, die Ehe sei
wegen arglistiger Täuschung für ungültig zu erklären, eventualiter sei sie wegen
Missbrauchs zur Umgehung von ausländerrechtlichen Bestimmungen für ungültig zu
erklären oder subeventualiter sei sie wegen Unzumutbarkeit sofort zu scheiden. Im
Übrigen ersuchte er darum, das Verfahren unentgeltlich führen zu dürfen.
Mit Entscheid vom 10. Januar 2017 wies der Einzelrichter des Kreisgerichts J das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zufolge Aussichtslosigkeit ab (...).
Gegen diesen Entscheid erhob Y rechtzeitig Beschwerde beim Kantonsgericht. Er
beantragte sinngemäss, ihm sei für das Verfahren vor Kreisgericht J die unentgeltliche
Rechtspflege zu bewilligen. (...).

Aus den Erwägungen:
Einleitende Bemerkungen
1. Wird die unentgeltliche Rechtspflege ganz oder teilweise abgelehnt oder entzogen,
kann der Entscheid mit Beschwerde angefochten werden (Art. 121 ZPO). Mit dieser
können die unrichtige Rechtsanwendung und die offensichtlich unrichtige Feststellung
des Sachverhalts beanstandet werden (Art. 320 ZPO). Es gilt die Rügepflicht: Der
Beschwerdeführer hat daher in der Beschwerdeschrift im Einzelnen darzulegen, an
welchen Mängeln der angefochtene Entscheid leidet und auf welche
Beschwerdegründe er sich beruft (KGer SG vom 24. August 2011, BE.2011.25, E. II.
3.a, www.gerichte.sg.ch; Freiburghaus/Afheldt, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/
Leuenberger, ZPO Komm., Art. 321 ZPO, N 15). Im Beschwerdeverfahren sind neue
Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel ausgeschlossen (Art. 326 Abs. 1 ZPO).
Der Ausschluss von Noven gilt auch für Verfahren, die der Untersuchungsmaxime
unterliegen (BGer 5A_405/2011, E. 4.5.3 [teilw. publ. in BGE 137 III 470]).
2. Gemäss Art. 117 ZPO hat eine Person Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege,
wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechtsbegehren nicht
aussichtslos erscheint.
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3. Die Vorinstanz wies das Gesuch des Beschwerdeführers zufolge Aussichtlosigkeit
ab. Aussichtslos ist ein Rechtsmittel dann, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich
geringer sind als die Verlustgefahren, und wenn eine Partei, die selber über die nötigen
Mittel verfügt, bei vernünftiger Überlegung von einem Prozess absehen würde (BGE
138 III 217, E. 2.2.4; 129 I 129, E. 2.3.1.; BGer 2C_164/2012, E. 2; 4A_131/2012, E. 2;
Emmel, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 117 ZPO, N 13).
Die Prozesschancen sind in vorläufiger und summarischer Prüfung der Sach- und
Rechtslage aufgrund des Aktenstandes zur Zeit der Gesuchstellung zu beurteilen und
abzuschätzen (BGE 131 I 113, E. 3.7.3).
Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Rechtsbegehren seien nicht aussichtslos
(...). Im Einzelnen ergibt sich Folgendes:
Ungültigkeit der Ehe zufolge absichtlicher Täuschung über persönliche Eigenschaften
4. Gemäss Art. 107 Ziff. 3 ZGB kann ein Ehegatte verlangen, dass die Ehe für
ungültig erklärt wird, wenn er die Ehe geschlossen hat, weil er über wesentliche
persönliche Eigenschaften des anderen absichtlich getäuscht worden ist.
Der Beschwerdeführer bringt namentlich und sinngemäss vor, die Ehefrau habe ihn
über folgende Eigenschaften getäuscht, die für ihn Voraussetzung für eine
Eheschliessung gewesen wären: kinderlieb, häuslich, atheistisch, anpassungsfähig,
akzeptabel gebildet, aus gutbürgerlicher Familie (...).
Er legt nun aber keinerlei Beweise vor, dass ihn seine Ehefrau bezüglich dieser
Eigenschaften mit Absicht bzw. bewusst vorsätzlich getäuscht hätte (BaslerKomm
ZGB I/Geiser, Art. 107 ZGB, N 13). Die blossen Behauptungen des Beschwerdeführers
reichen dazu bei weitem nicht aus. Die Vorinstanz bejahte die Aussichtslosigkeit schon
aus diesem Grund zu Recht. Dabei ist zu betonen, dass der blosse Irrtum über
wesentliche persönliche Eigenschaften keine Ungültigkeit begründet (Büchler/Michel,
FamKomm PartG, Art. 10 PartG, N 9).
Ohnehin handelt es sich bei den vom Beschwerdeführer erwähnten Eigenschaften um
keine wesentlichen persönlichen Eigenschaften im Sinne des Gesetzes. Dabei führt die
absichtliche Täuschung über das Heiratsmotiv, wie z.B. das Eingehen der Ehe aus
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wirtschaftlichen Gründen, nicht zur Ungültigkeit (KGer SG, FamPra.ch 2001, Komm.
Geiser, 338, 343; Hausheer/Geiser/Aebi-Müller, Das Familienrecht des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 05.22; BaslerKomm ZGB I/Geiser, Art. 107 ZGB, N
11; Jahija, Die rechtsmissbräuchliche Ehe im Migrationsrecht, Diss. Basel, 13 f.). Y
zählt denn auch selber auf, welche Eigenschaften mit dem Begriff persönliche
Eigenschaften gemeint sein können, nämlich z.B. Vorstrafen, Krankheiten, Schulden
usw. (...). Das sind aber alles Eigenschaften, welche sich einigermassen objektiv
feststellen lassen und die sich nicht im Laufe der Zeit verändern. Das Verständnis
hingegen, ob eine Person z.B. kinderlieb oder häuslich ist, variiert von Mensch zu
Mensch. Diesbezüglich besteht eine erhebliche Bandbreite. Das meinte die Vorinstanz,
wenn sie ausführte, bei den vom Ehemann erwähnten Eigenschaften handle es sich um
blosse menschliche Verhaltensweisen (...). Ausserdem kann eine Person zu Beginn der
Ehe atheistisch eingestellt sein und erst später gläubig werden, ohne dass deshalb eine
Ehe für ungültig erklärt werden dürfte. Nachträglich eingetretene Tatsachen führen
nicht zur Ungültigkeit der Ehe (AppH BE, FamPra.ch 2006, 112). Solche Veränderungen
im Wesen eines Menschen sind nicht zu vermeiden und vom Ehepartner hinzunehmen;
dessen muss sich jede vernunftbegabte Person bewusst sein. Die vom
Beschwerdeführer vorgebrachten Eigenschaften können somit zwangsläufig keine
wesentlichen persönlichen Eigenschaften im Sinne von Art. 107 ZGB darstellen (vgl.
weitere Beispiele zu den wesentlichen persönlichen Eigenschaften in: BGE 95 II 209
[entehrendes Verbrechen]; BBL 1996 I 80 [Perversionen; Beiwohnungsunfähigkeit;
noch zum alten Recht]; Büchler/Vetterli, Ehe Partnerschaft Kinder, 35 [ansteckende
Krankheit]; BaslerKomm ZGB I/Geiser, Art. 107 ZGB, N 11 [Krankheit, die Ehepartner/
Nachkommen gefährdet; Vorstrafen bezüglich schwerer Delikte]; Meroni, Dogmatik und
praktische Bedeutung des schweizerischen Eheungültigkeitsrechts, 43 [ekelerregende
Krankheit]; Spinatsch/Noser/Strub/von Flüe, ZGB für den Alltag, Art. 107 ZGB
[Prostitution, Impotenz]; Affolter, Der Eigenschaftsirrtum als Eheanfechtungsgrund nach
schweizerischem Recht, 44 ff. [Kokainismus, Alkoholismus; hingegen äusserste
Zurückhaltung bei Streitsucht u.ä.]). Der gut gebildete Beschwerdeführer ist
ausdrücklich daran zu erinnern, dass die Eheschliessung nicht dasselbe ist wie der
Einkauf einer Ware, welche aus Sicht des Käufers bestimmte, bekannte Eigenschaften
aufweisen muss, die mit dem Gewährleistungsrecht sichergestellt werden.
Ungültigkeit der Ehe zufolge Umgehung ausländerrechtlicher Vorschriften
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5. Nach Art. 105 Ziff. 4 ZGB liegt ein Ungültigkeitsgrund vor, wenn einer der
Ehegatten nicht eine Lebensgemeinschaft begründen, sondern die Bestimmungen über
Zulassung und Aufenthalt von Ausländerinnen und Ausländern umgehen will.
Diesbezüglich gesteht der Beschwerdeführer zu Recht zu, dass Aussichtslosigkeit
gegeben ist (...). Gegen eine Scheinehe im Sinne von Art. 105 Ziff. 4 ZGB sprechen
nämlich sowohl das (vorübergehende) Bestehen einer Lebensgemeinschaft (April bis
Oktober 2016; vorehelich September bis Dezember 2015), als auch die Tatsache, dass
zumindest der Ehemann unbestritten eine Lebensgemeinschaft eingehen wollte (vgl.
dazu BaslerKomm ZGB I/Geiser, Art. 105 ZGB, N 14d, 14e).
Ehescheidung zufolge Unzumutbarkeit der Fortsetzung der Ehe
6. Art. 115 ZGB bestimmt, dass ein Ehegatte vor Ablauf der zweijährigen Frist die
Scheidung verlangen kann, wenn ihm die Fortsetzung der Ehe aus schwerwiegenden
Gründen, die ihm nicht zuzurechnen sind, nicht zugemutet werden kann.
Der Beschwerdeführer macht insbesondere geltend, er habe die heutige Situation nicht
vermeiden können (...). Er unterlässt es aber, auf die Hauptargumentation der
Vorinstanz, wonach nicht dargetan sei, dass für den Ehemann das blosse Abwarten der
zweijährigen Trennungsfrist unzumutbar sei, einzugehen (...). Die Rügen des
Beschwerdeführers sind daher nicht näher prüfen.
Ergänzungshalber bleibt anzumerken, dass die Vorinstanz zu Recht ausführte, dass
das Abwartenmüssen der gesetzlichen Trennungsfrist von zwei Jahren unzumutbar
sein müsse, und nicht das Zusammenleben an sich (BaslerKomm ZGB I/Steck, Art. 115
ZGB, N 7). Das wurde hier nicht dargetan. Für die schwerwiegenden Gründe nach Art.
115 ZGB gelten ferner strenge Anforderungen (BaslerKomm ZGB I/Steck, Art. 115
ZGB, N 14). Denkbar sind z.B. schwere körperliche oder seelische Misshandlungen,
Prostitution, planmässiges Stalking, nicht aber z.B. Ehebruch, Tätlichkeiten oder ein
Desinteresse an der Lebensgemeinschaft (BaslerKomm ZGB I/Steck, Art. 115 ZGB,
N 15 ff.). Eine – wie hier behauptete – einseitige Scheinehe kann dann ein
schwerwiegender Grund sein, wenn der andere Ehegatte getäuscht und im Glauben
gelassen wurde, auch er wolle eine Lebensgemeinschaft, obwohl er selber sich in
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erster Linie ausländerrechtliche und finanzielle Vorteile von der Ehe versprochen hatte
(BGer, FamPra.ch 2001, 79; BGer, Fam-Pra.ch 2002, Komm. Steck, 338, 347; KGer
SG, FamPra.ch 2003, 158; BaslerKomm ZGB I/Steck, Art. 115 ZGB, N 21). Für die
Behauptung des Ehemanns, die Ehefrau habe nie eine Lebensgemeinschaft begründen
wollen und habe ihn arglistig getäuscht, fehlen aber jegliche Beweise. Vielmehr
widerspricht das vom Ehemann beschriebene Verhalten, wonach die Ehefrau bereits
wenige Monate nach ihrer Ankunft in der Schweiz zu ihrer Schwester nach Frankereich
gezogen ist, geradezu der vermuteten Absicht, sie habe ihn nur wegen der
Aufenthaltsbewilligung geheiratet. Eine solche setzt bekanntlich ein mehrjähriges
Zusammenleben voraus, was der Ehefrau nach Angabe des Ehemanns bekannt ist (...).
Die 'Flucht' der Ehefrau nach Frankreich (und die sich daraus ergebende negative
Konsequenz hinsichtlich Aufenthaltsbewilligung und Arbeitsmöglichkeiten in der
Schweiz) spricht sodann offensichtlich gegen das vom Ehemann vermutete,
planmässige Vorgehen der Ehefrau und ihrer Schwester (...) dahingehend, dass erstere
heirate, um in der Schweiz oder Europa leben und arbeiten zu können. Gänzlich fehl
geht die Argumentation des Ehemanns, wonach sich die Ehefrau finanzielle Vorteile
von der Ehe versprochen habe, zumal er selber eingesteht, dass die Ehefrau aus einer
wohlhabenden Familie stammt (...), während er, der Ehemann, hier seit Mai 2016 von
der Sozialhilfe lebt (...), bereits 2015 arbeitslos war und über kein Vermögen, wohl aber
erhebliche Schulden, verfügt (...). Ansprüche aus der Pensionskasse des Ehemanns
stehen der Ehefrau nicht zu, weil der Ehemann während der Ehedauer gar nie arbeitete.
Das sieht auch der Ehemann ein (...). Unterhaltsbeiträge hat die Ehefrau sodann noch
nie verlangt. Es liegen keine Nachweise vor, dass die Ehefrau je anderweitige finanzielle
Forderungen gegen den Ehemann erhoben hätte. Ein Anspruch auf AHV-Leistungen ist
nicht gegeben, weil die Ehefrau nicht in der Schweiz wohnt (vgl. Art. 1a AHVG).
Schwerwiegende Gründe nach Art. 115 ZGB liegen offensichtlich nicht vor. Ausserdem
ist es widersprüchlich, wenn der Ehemann darauf verweist, die Ehefrau handle
planmässig und wolle nur vom Zugewinn der nächsten zwei Jahre profitieren (...),
obwohl es einen solchen gemäss eigener Angabe gar nicht gibt (...).
7. Abgesehen davon hat die Vorinstanz zu Recht auch die fehlende Zurechenbarkeit
verneint. Diesbezüglich ist entscheidend, dass eine Partei, welche die Scheidung
verlangt, die Gründe für die geltend gemachte Unzumutbarkeit bzw. die Zerrüttung
nicht selber gesetzt hat, wobei ein diesbezügliches Verschulden nicht unbedingt
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gegeben sein muss (BaslerKomm ZGB I/Steck, Art. 115 ZGB, N 11). Wenn der
Beschwerdeführer ausführt, er 'importiere' Frauen aus anderen Kulturkreisen' (...) oder
'europäische Frauen meinen, Geld zu verdienen (...) und abwechselnd beliebige
Männer ins Bett zu ziehen, sei das Ziel des Lebens einer gleichberechtigten Frau' (...),
offenbart dies ein derart respektloses, abwertendes Menschenbild, dass eine
partnerschaftliche Ehe fast zwangsläufig scheitern muss. Die Entsendung eines
Privatdetektivs (...) zur Abklärung der seitens der Ehefrau gewünschten Eigenschaften
und die Überwachung derselben anlässlich ihres Urlaubs im Herbst 2016 (...) erschwert
zudem die Entstehung einer vertrauensvollen Beziehung. Ohne Vertrauen kann aber
eine Partnerschaft nicht funktionieren. Bei der Eingehung einer Ehe nach kurzer
Bekanntschaft, kurzem Zusammenleben und vornehmlich telefonischen Kontakten –
mag die frühe Eheschliessung aufgrund ausländerrechtlicher Vorschriften auch
notgedrungen erfolgt sein –, muss dem gebildeten Beschwerdeführer stets bewusst
gewesen sein, dass diese Beziehung scheitern könnte, zumal die Ehefrau aus einem
ganz anderen Kulturkreis stammt, des Deutschen nicht mächtig ist, sie viel jünger ist
als der Ehemann und es eine besondere Herausforderung für eine junge Frau darstellt,
plötzlich drei fremde Kinder als Stiefmutter grossziehen zu müssen. Eine solche
Aufgabe ist jedenfalls mit der stundenweisen Tätigkeit als Babysitterin oder mit der
Beschäftigung als Au-pair mit regelmässig begrenzter Verantwortung nicht ansatzweise
zu vergleichen, wie es der Ehemann tut (...). Es zeugt von wenig Empathie des
Beschwerdeführers gegenüber seiner Ehefrau, wenn er das nicht nachzufühlen vermag,
und auch das dürfte das Scheitern der Ehe begünstigt haben. Zudem war es dem
Ehemann nach eigener Ansicht klar, dass das Leben in Europa und das Geld zu den
Heiratsmotiven seiner Ehefrau gehören (...), was eine diesbezügliche Täuschung von
vornherein ausschliesst. Der Beschwerdeführer hat mit seinem Verhalten also
offensichtlich zur heutigen Situation bzw. der Zerrüttung der Ehe beigetragen. Dabei ist
irrelevant, ob er das schuldhaft getan hat oder nicht. (...)
8. Die Verweisung des Beschwerdeführers auf den Entscheid des Kantonsgerichts in
FamPra.ch 2001, 338, in dem eine Ehefrau heiratete, um vom Tod des schwer kranken
Ehemanns zu profitieren, hilft ihm nicht, da die diesbezügliche Verweisung auf
Rechtsmissbrauch mit Blick darauf, dass die Liste der Gründe für eine Eheungültigkeit
abschliessend sind (AppH BE, FamPra.ch 2006, Komm. Büchler, 112, 120; Tuor/
Schnyder/ Schmid/Jungo, Das schweizerische ZGB, § 22, N 7) und das Heiratsmotiv
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nicht relevant ist, nicht zutreffend war. Zudem lag dort – anders als hier – ein
besonders krasser Einzelfall vor und galt noch die alte Fassung von Art. 107 ZGB.
Ebensowenig spricht der – in der Lehre mit Überraschung quittierte (Büchler/Vetterli,
Ehe Partnerschaft Kinder, 35; Büchler/Brozzo, KUKO ZGB, Art. 107 ZGB, N 6) –
Entscheid in FamPra.ch 2006, 121, für die Sichtweise des Beschwerdeführers, weil
auch jene missbilligte Verhaltensweise des Ehemanns objektiv feststellbar und damit
eine Täuschung nachweisbar war (Einsperren der Ehefrau). Zudem bestanden dort
keine sexuellen Kontakte zwischen den Eheleuten, während das hier nicht der Fall ist
(...).
9. Die Vorinstanz hatte nicht verschiedene Umstände sorgfältig und einlässlich
gegeneinander abzuwägen, was auf fehlende Aussichtslosigkeit hingedeutet hätte
(KGer SG, FE.2016.10-EZE2, E. 5) bzw. ein Auslegungsbedarf bezüglich der in Frage
stehenden Normen ist nicht vorhanden. Die Wahrscheinlichkeit, dass dem Ehemann
der Beweis für seine Behauptungen gelingt, erscheint mangels aktenkundiger
objektiver Anhaltspunkte oder beigebrachter Beweise zudem als sehr gering (so auch
ZR 2008 Nr. 76, 301, 302). Die Aussichten auf Gutheissung der Ungültigkeits- bzw.
Scheidungsklage sind beträchtlich tiefer als die Gefahr des Prozessverlustes. Eine
vernünftige Partei, die selber über die nötigen Mittel verfügt, hätte darum von einem
Prozess abgesehen. Sämtliche Begehren des Beschwerdeführers erweisen sich daher
als aussichtslos. (...)
Die Beschwerde ist (...) abzuweisen.
Das Bundesgericht ist auf die Beschwerde des Ehemanns gegen den Entscheid des
Kantonsgerichts am 13. Oktober 2017 nicht eingetreten.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 21.03.2017 Art. 107 Ziff. 3 ZGB; Art. 117 ZPO: Eigenschaften wie Häuslichkeit, Atheismus, Anpassungsfähigkeit usw. sind keine wesentlichen persönlichen Eigenschaften im Sinne von Art. 107 ZGB. Eine Scheinehe liegt nicht vor und die Fortsetzung der Ehe ist den Ehegatten nicht unzumutbar. Eine Klage auf Ungültigkeiterklärung der Ehe ist daher aussichtslos, ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mithin abzuweisen (Kantonsgericht, Einzelrichter im Familienrecht, 21. März 2017, FE.2017.1).
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