Decision ID: c3e417d9-0e0d-5970-a465-b37cb110161c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die im Jahr 1989 geborene Schweizer Staatsangehörige A._
(nachfolgend A._) war gemäss Auszug aus ihrem Individuellen
Konto (IK-Auszug vom 24. September 2019 [nachfolgend IK-Auszug]) ab
Juni 2008 mit Unterbrüchen und ab Januar 2012 lückenlos bei der Schwei-
zerischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) ver-
sichert und bezahlte Beiträge. Ab Januar 2014 wurde sie von der Aus-
gleichskasse (Nr. [...] = Ausgleichskasse des Kantons B._; nachfol-
gend kantonale Ausgleichskasse) als Nichterwerbstätige geführt (vgl.
IK-Auszug [Akten der Schweizerischen Ausgleichskasse] SAK-act. 11
S. 2).
A.b Am 1. Januar 2018 erteilte A._ ihrem Vater (C._ [nach-
folgend Vater]) eine Generalvollmacht, mit welcher sie ihn namentlich dazu
bevollmächtigte, sie vor allen Behörden der Verwaltung und der streitigen
und nichtstreitigen Gerichtsbarkeit rechtsverbindlich zu vertreten, und
diese ihm gegenüber von ihren Geheimhaltungspflichten entband
(SAK-act. 1 S. 6).
B.
B.a Am 28. Juni 2018 füllte der Vater namens seiner Tochter ein Formular
"Anmeldung für Nichterwerbstätige" der kantonalen Ausgleichkasse aus,
unterzeichnete es als ihr Vertreter und liess es dieser Ausgleichskasse zu-
kommen (SAK-act. 1 S. 2-5).
Darin führte er aus (S. 4, "Mitteilungen"):
Meine Tochter A._ hat im Dezember 2017 das Staatsexamen als Tier-
ärztin an der Uni D._ bestanden. Am 4. Januar 2018 ist sie nach Na-
mibia gegangen, wo sie für die Zulassung als Tierärztin auch das dortige
Staatsexamen ablegen musste. Dieses hat sie bestanden und wartet nun auf
die Arbeitsbewilligung. Sobald sie diese hat, wird sie eine Stelle in einer Tier-
klinik antreten. Den Arbeitsvertrag hat sie schon. Da ungewiss ist, wann die
definitive Arbeitsbewilligung kommt, möchte sie für das laufende Jahr in der
Schweiz AHV bezahlen (ich werde ihr das Geld vorschiessen). Sobald sie alle
nötigen Papiere in Namibia hat, wird sie sich in der Schweiz ab- und in Namibia
anmelden. Über freiwillige AHV-Beiträge ab 2019 entscheiden wir zu einem
späteren Zeitpunkt.
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B.b Am 6. September 2018 bestätigte die AHV-Zweigstelle E._ auf
dem Formular, dass die darin enthaltenen Angaben geprüft und für richtig
befunden worden seien und die notwendigen Unterlagen beilägen (vgl.
SAK-act. 1 S. 5).
B.c Mit Schreiben vom 10. September 2018 (SAK-act. 1 S. 1) teilte die
kantonale Ausgleichskasse der Schweizerischen Ausgleichskasse (SAK)
mit, dass sie vom Vater von A._ für diese eine "Anmeldung für
Nichterwerbstätige" erhalten habe. A._ sei bis zum 31. Mai 2018
der kantonalen Ausgleichskasse als Nichterwerbstätige angeschlossen ge-
wesen. Da sie ihren Wohnsitz nun nach Namibia verlegt habe, sei die kan-
tonale Ausgleichskasse der Ansicht, dass die Zuständigkeit bei der SAK
liege, weshalb sie die Anmeldungsunterlagen an die SAK weiterleite. Eine
Kopie des Schreibens sandte die kantonale Ausgleichskasse an
A._.
B.d Am 25. September 2018 sandte die SAK dem Vater eine E-Mail
(SAK-act. 2). Darin führte sie aus, dass die kantonale Ausgleichskasse sie
informiert habe, dass A._ bis 31. Mai 2018 bei ihr bei der obligato-
rischen AHV/IV/EO versichert gewesen sei. Weiter informierte die SAK den
Vater dahingehend, dass der Beitritt zur freiwilligen Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenversicherung Folgendes voraussetze:
Schweizer Staatsbürgerrecht oder Bürgerrecht eines EU- oder EFTA-
Staates,
Wohnsitz ausserhalb der EU und der EFTA,
unmittelbar vor dem Versicherungsende während 5 Jahren ununterbro-
chen bei der AHV/IV versichert gewesen zu sein,
Einreichen des Beitrittsgesuchs "innerhalb eines Jahres" nach Ausschei-
den aus der obligatorischen AHV/IV bei der SAK.
Weiter führte die SAK aus:
Personen, die sich nur vorübergehend (z.B. zu Reise- oder Studienzwe-
cken) ins Ausland begeben, sich dort somit nicht mit der Absicht dauern-
den Verbleibens (Art. 23 Schweizerisches Zivilgesetzbuch [ZGB]) nieder-
lassen und folglich im Ausland keinen Wohnsitz begründen, erfüllen die
Voraussetzungen für den Beitritt zur freiwilligen Versicherung nicht. [...]
Falls dies Ihrer Situation entspricht, bitten wir Sie, sich bei der kantonalen
Ausgleichskasse Ihres letzten Wohnsitzes anzumelden.
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Zusätzliche Informationen stünden auf der Internetseite der SAK unter der
Rubrik "Freiwillige AHV/IV" zur Verfügung.
Im Anhang sandte die SAK dem Vater eine Beitrittserklärung für die freiwil-
lige Versicherung und ein Merkblatt dazu.
B.e Mit E-Mail vom 12. Juli 2019 liess A._ der SAK ein handschrift-
lich teilweise ausgefülltes, unterschriebenes und auf den 17. Juni 2019 da-
tiertes Beitrittsformular für die freiwillige Versicherung zukommen
(SAK-act. 3).
B.f In der Folge unternahm die SAK Abklärungen, um A._ letzte
Wohnorte in der Schweiz zu ermitteln (vgl. SAK-act. 4-10).
B.g Mit Verfügung vom 25. September 2019 (SAK-act. 12) wies die SAK
A._ Beitrittsgesuch in die freiwillige Versicherung ab. Sie begrün-
dete dies damit, dass gemäss Art. 8 der Verordnung vom 26. Mai 1961 über
die freiwillige Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (VFV;
SR 831.111) der Beitritt zur freiwilligen Versicherung innerhalb eines Jah-
res seit dem Wegfall der Voraussetzungen für die obligatorische Versiche-
rung einzureichen sei. A._ habe sich am 31. Mai 2018 von
E._ nach Namibia abgemeldet. Der letzte IK-Eintrag bei der obliga-
torischen AHV/IV sei per 31. Mai 2018 datiert. Ihre Beitrittserklärung wie-
derum datiere vom 17. Juni 2019. Damit habe A._ die Beitrittsfrist
von einem Jahr überschritten, weshalb ihr Beitrittsgesuch abgewiesen
werde.
B.h Am 17. Oktober 2019 erhob der Vater im Namen von A._ Ein-
sprache gegen diese Verfügung und beantragte, seine Tochter für die frei-
willige Versicherung zuzulassen (SAK-act. 13). Zur Begründung führte er
aus, seine Tochter habe nach einem Praktikum in Namibia im Jahre 2017
entschieden, sich nach bestandenem schweizerischem Staatsexamen
dauerhaft in Namibia niederzulassen. Um als Tierärztin in Namibia zuge-
lassen zu werden, habe sie das dortige Staatsexamen ablegen müssen,
wobei das schweizerische Staatsexamen als Voraussetzung zur Prüfungs-
zulassung gedient habe. Im Anschluss an das namibische Staatsexamen
habe sie eine Stelle in einer Tierklinik in Namibia gefunden. Nachdem sie
am 9. April 2018 eine befristete Arbeitsbewilligung erhalten hatte, habe sie
sich in der Schweiz ab- und in Namibia angemeldet (31. Mai 2018 bzw.
1. Juni 2018); letzteres sei wiederum nur befristet möglich gewesen. Per
1. Juni 2019 habe sie nun eine definitive Anstellung erhalten. Wäre dies
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nicht möglich gewesen, hätte sie Namibia verlassen müssen und wäre in
die Schweiz zurückgekehrt. Aus dieser Unsicherheit heraus habe sie die
definitive Anmeldung für die freiwillige AHV erst im Juni 2019 beantragt.
B.i Mit Entscheid vom 19. Februar 2020 (SAK-act. 15 [nachfolgend Ein-
spracheentscheid]) wies die SAK die Einsprache vom 17. Oktober 2019 ab
und bestätigte die Verfügung vom 25. September 2019. Dies begründete
sie im Wesentlichen damit, dass nach Art. 8 VFV die Beitrittserklärung
schriftlich bei der Ausgleichskasse oder subsidiär bei der zuständigen Aus-
landsvertretung innerhalb eines Jahres ab dem Zeitpunkt des Ausschei-
dens aus der obligatorischen Versicherung eingereicht werden müsse.
A._ sei bis 31. Mai 2018 in der Gemeinde E._ wohnhaft und
mithin der obligatorischen AHV/IV unterstellt gewesen. Ihre Beitrittserklä-
rung sei erst am 12. Juli 2019 bei der SAK, somit mehr als ein Jahr ab dem
Zeitpunkt des Ausscheidens aus der obligatorischen Versicherung, einge-
reicht worden. Da zudem keine ausserordentlichen Verhältnisse vorlägen,
die ausnahmsweise eine Fristverlängerung nach Art. 11 VFV rechtfertigen
würden, sei die Beitrittserklärung zu Recht abgewiesen worden.
B.j Am 16. März 2020 legitimierte sich der rubrizierte Rechtsanwalt und
Notar Adrian Keller mit durch den Vater erteilte Substitutionsvollmacht ge-
genüber der SAK als Vertreter von A._ und ersuchte um Aktenein-
sicht (SAK-act. 16, 17).
C.
C.a Am 30. März 2020 erhob A._, vertreten durch den rubrizierten
Rechtsanwalt, beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 19. Februar 2020 (Akten des Beschwerdever-
fahrens [BVGer-act.] 1) und beantragte die Aufhebung dieses Einsprache-
entscheids und ihre Aufnahme in die freiwillige Versicherung – unter Kos-
ten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung führt A._ (nachfol-
gend Beschwerdeführerin) aus, sie habe sich zwar per 31. Mai 2018 aus
der Schweiz nach Namibia abgemeldet, doch sei der schweizerische
Wohnsitz erst per 14. Juni 2018 entfallen, weshalb sie mindestens bis
Ende Juni 2018 in der Schweiz der obligatorischen Versicherung unterstellt
gewesen sei. Da sie das Beitrittsgesuch vom 17. Juni 2019 weniger als 12
Monate danach gestellt habe, sei das Gesuch gutzuheissen und der Ein-
spracheentscheid aufzuheben. Sollte das Gericht zum Schluss kommen,
dass die Beschwerdeführerin am 31. Mai 2018 aus der obligatorischen Ver-
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Seite 6
sicherung ausgeschieden sei, sei ihre Beitrittserklärung zur freiwilligen Ver-
sicherung gleichzeitig als Gesuch um Verlängerung der diesbezüglichen
Einreichungsfrist gemäss Art. 11 VFV zu werten.
C.b Am 8. April 2020 gewährte die SAK dem rubrizierten Rechtsanwalt die
von ihm am 16. März 2020 beantragte Akteneinsicht (SAK-act. 19; s. oben
Bst. B.j).
C.c Mit Zwischenverfügung vom 27. Mai 2020 setzte das Bundesverwal-
tungsgericht der Beschwerdeführerin Frist zur Leistung eines Kostenvor-
schusses in der Höhe von Fr. 800.- (BVGer-act. 3). Am 4. Juni 2020 hob
es diese Zwischenverfügung auf (BVGer-act. 6).
C.d Mit Vernehmlassung vom 2. September 2020 beantragte die SAK die
Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des angefochtenen Ein-
spracheentscheids vom 19. Februar 2020 (BVGer-act. 9). Sie begründete
dies in erster Linie damit, dass sie die Beschwerdeführerin mit E-Mail vom
25. September 2018 über die Bedingungen für einen Beitritt zur freiwilligen
Versicherung, insbesondere die Beitrittsfrist informiert habe. Da die Bei-
trittserklärung der Beschwerdeführerin trotzdem erst am 12. Juli 2019 per
E-Mail bei der SAK eingegangen sei, sei die Erklärung nicht innerhalb ei-
nes Jahres ab Zeitpunkt des Ausscheidens aus der obligatorischen Versi-
cherung eingereicht worden. Zudem lägen keine "ausserordentlichen Ver-
hältnisse" vor, die eine Verlängerung der Beitrittsfrist gemäss Art. 11 VFV
rechtfertigen würden.
C.e Mit Replik vom 12. Oktober 2020 hielt die Beschwerdeführerin an den
gestellten Anträgen fest (BVGer-act. 11). Zur Begründung führte sie neu
aus, dass im Formular "Beitrittserklärung" verschiedene Angaben nötig
seien, die ihr Vater nicht ohne weiteres hätte beschaffen können, nament-
lich Angaben zum Wohnort der letzten 5 Jahre, Angaben zum ehemaligen
Arbeitgeber, Beginn und Ende des Studiums. Daher hätten Vater und Toch-
ter sich darauf geeinigt, dass die Beschwerdeführerin selber um die Ver-
vollständigung und den Versand des Formulars besorgt sei. Trotz Voll-
machtserteilung an ihren Vater sei die Beschwerdeführerin demnach nicht
umhingekommen, sich selber um das Beitrittsgesuch zu kümmern.
C.f Mit Duplik vom 16. November 2020 beantragte die SAK erneut die Ab-
weisung der Beschwerde und die Bestätigung des angefochtenen Ein-
spracheentscheids (BVGer-act. 13).
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Seite 7
C.g Mit Verfügung vom 18. November 2020 wurde der Schriftenwechsel
abgeschlossen (BVGer-act. 14).
D.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 85bis
AHVG (SR 831.10) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
von Personen im Ausland gegen Verfügungen der SAK. Da keine Aus-
nahme im Sinne von Art. 32 VGG besteht, ist das Bundesverwaltungsge-
richt zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.2 Aufgrund von Art. 3 Bst. dbis VwVG findet das VwVG keine Anwendung
in Sozialversicherungsrechtssachen, soweit das ATSG (SR 830.1) an-
wendbar ist. Gemäss Art. 1 Abs. 1 AHVG sind die Bestimmungen des
ATSG auf die im ersten Teil geregelte Alters- und Hinterlassenenversiche-
rung anwendbar, soweit das AHVG nicht ausdrücklich eine Abweichung
vom ATSG vorsieht.
1.3 Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens ist der Einspracheent-
scheid der SAK vom 19. Februar 2020, mit welchem die Aufnahme der Be-
schwerdeführerin in die freiwillige Versicherung abgelehnt wurde. Die Be-
schwerdeführerin ist durch diese Verfügung berührt und hat ein schutzwür-
diges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (vgl. Art. 59 ATSG)
und ist daher zur Beschwerde legitimiert. Auf die frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist daher einzutreten (vgl. Art. 60 Abs. 1 ATSG i.V.m.
Art. 38 und 39 ATSG sowie die Verordnung vom 20. März 2020 über den
Stillstand der Fristen in Zivil- und Verwaltungsverfahren zur Aufrechterhal-
tung der Justiz im Zusammenhang mit dem Coronavirus [COVID-19]
[AS 2020 849]; Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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Seite 8
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen (teilweise) gutheissen
oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung (teil-
weise) bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. BVGE
2013/46 E. 3.2).
2.3 Sowohl das Verwaltungsverfahren wie auch der erstinstanzliche Sozi-
alversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdeverfahren das Gericht von
Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des erheblichen
Sachverhalts zu sorgen (vgl. BGE 136 V 376 E. 4.1.1). Dieser Grundsatz
gilt indessen nicht unbeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungs-
pflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a, je m.w.H.)
und der Rügemaxime, wonach der angefochtene Akt nicht auf sämtliche
denkbaren Mängel hin zu untersuchen ist, sondern das Gericht sich nur mit
jenen Einwänden auseinandersetzen muss, die in der Beschwerde thema-
tisiert wurden (vgl. Urteile des BVGer C-4633/2016 vom 29. Mai 2019
E. 4.1 und C-5196/2013 vom 5. Januar 2016 E. 6.2 m.w.H.).
2.4 Sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, gilt im Sozial-
versicherungsrecht der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich-
keit (BGE 143 V 168 E. 2; 138 V 218 E. 6).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin ist Schweizer Staatsbürgerin mit Wohnsitz in
Namibia. Mangels eines Sozialversicherungsabkommens zwischen der
Schweiz und der Republik Namibia richtet sich die Prüfung ihres Beitritts-
gesuchs zur freiwilligen Versicherung allein nach den schweizerischen
Rechtsvorschriften.
3.2 Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der
Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des
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Seite 9
Erlasses des streitigen Entscheides (hier: 19. Februar 2020) eingetretenen
Sachverhalt ab (BGE 129 V 1 E. 1.2 m.H.).
3.3 In materiell-rechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen
Rechtssätze und Verwaltungsweisungen massgebend, die bei der Erfül-
lung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhaltes Geltung hatten (BGE
130 V 329 E. 2.3). Massgebend sind die im Zeitpunkt der Einreichung des
Beitrittsgesuchs (hier: 12. Juli 2019) oder davor gültig gewesenen Normen
(vgl. Urteil des BVGer C-3952/2019 vom 17. August 2020 E. 3.2). Keine
Anwendung findet vorliegend namentlich die per 1. Januar 2021 in Kraft
getretene Revision der Bestimmungen von ATSG und AHVG, sondern es
gilt das vorgängige Recht (vgl. AS 2020 5137, 5140; vgl. Urteil des BVGer
C-3135/2020 vom 20. Januar 2021).
4.
Vorliegend ist strittig und vom Bundesverwaltungsgericht zu prüfen, ob die
Vorinstanz die Beschwerdeführerin zu Recht nicht in die freiwillige AHV/IV
aufgenommen hat.
4.1 Gemäss Art. 1a Abs. 1 AHVG sind bei der schweizerischen AHV obli-
gatorisch versichert die natürlichen Personen mit Wohnsitz in der Schweiz
(Bst. a), die natürlichen Personen, die in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit
ausüben (Bst. b) und Schweizer Bürger, die im Dienste der Eidgenossen-
schaft oder unter bestimmten Bedingungen im Dienste von internationalen
Organisationen oder Hilfsorganisationen im Ausland tätig sind (Bst. c
Ziff. 1-3).
4.2 Art. 2 Abs. 1 AHVG bestimmt, dass Schweizer Staatsangehörige und
Staatsangehörige der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft
oder der europäischen Freihandelsassoziation, die nicht in einem Mitglied-
staat der Europäischen Gemeinschaft oder der europäischen Freihandels-
assoziation leben, der freiwilligen Versicherung beitreten können, falls sie
unmittelbar vorher während mindestens fünf aufeinander folgenden Jahren
obligatorisch versichert waren. Der Bundesrat erlässt ergänzende Vor-
schriften über die freiwillige Versicherung; er bestimmt insbesondere die
Frist und die Modalitäten des Beitritts, des Rücktritts und des Ausschlus-
ses. Ferner regelt er die Festsetzung und Erhebung der Beiträge sowie die
Gewährung von Leistungen (Art. 2 Abs. 6 Satz 1 und 2 AHVG).
4.3 Gemäss Art. 7 Abs. 1 VFV können der freiwilligen Versicherung die Per-
sonen beitreten, welche die Versicherungsvoraussetzungen nach Art. 2
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Seite 10
Abs. 1 AHVG erfüllen, einschliesslich jener, die für einen Teil ihres Einkom-
mens der obligatorischen Versicherung unterstellt sind. Die Beitrittserklä-
rung muss schriftlich bei der Ausgleichskasse oder subsidiär bei der zu-
ständigen Auslandsvertretung innerhalb eines Jahres ab dem Zeitpunkt
des Ausscheidens aus der obligatorischen Versicherung eingereicht wer-
den. Nach Ablauf dieser Frist ist ein Beitritt zur freiwilligen Versicherung
nicht mehr möglich (Art. 8 Abs. 1 VFV). Die Versicherung beginnt mit dem
Ausscheiden aus der obligatorischen Versicherung (Art. 8 Abs. 2 VFV). Lie-
gen ausserordentliche Verhältnisse vor, die nicht vom Antragsteller zu ver-
treten sind, kann die Ausgleichskasse auf Gesuch in Einzelfällen die Frist
zur Abgabe der Beitrittserklärung um längstens ein Jahr erstrecken (vgl.
Art. 11 VFV).
4.4 Für den Beitritt zur freiwilligen AHV/IV sind somit folgende vier Voraus-
setzungen kumulativ zu erfüllen: (1) die versicherte Person muss Schwei-
zerin oder Staatsangehörige eines EU/EFTA-Mitgliedstaats sein, (2) der
Wohnort der versicherten Person muss ausserhalb der Schweiz, der EU
oder der EFTA liegen, (3) es muss eine Versicherungsunterstellung von
mindestens fünf aufeinander folgenden Jahren unmittelbar vor dem Aus-
scheiden aus der obligatorischen Versicherung bestanden haben und (4)
die Beitrittserklärung muss (unter Vorbehalt von Art. 11 VFV, s. unten E. 6)
innert Jahresfrist nach dem Ausscheiden aus der obligatorischen Versiche-
rung bei einer zuständigen Stelle eingereicht worden sein (vgl. Urteil des
BVGer C-1708/2017 vom 28. Februar 2019 E. 4.2).
4.5 Die Versicherten können von der freiwilligen Versicherung auf das
Ende eines Quartals zurücktreten (Art. 2 Abs. 2 AHVG i.V.m. Art. 12 VFV).
5.
Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin die Voraussetzungen für einen
Beitritt zur freiwilligen AHV/IV erfüllt. Diesbezüglich ist unbestritten und er-
stellt, dass die Beschwerdeführerin im Besitz des Schweizer Bürgerrechts
ist (vgl. Beschwerdebeilage 4). Umstritten und zu prüfen ist hingegen, ob
die Beschwerdeführerin die Beitrittserklärung zur freiwilligen Versicherung
fristgerecht eingereicht hat (betreffend die beiden übrigen Voraussetzun-
gen s. unten E. 7.2).
5.1 Da die (ordentliche) einjährige Beitrittsfrist ab dem Zeitpunkt des Aus-
scheidens aus der obligatorischen Versicherung zu laufen beginnt (Art. 8
Abs. 1 VFV), ist zunächst der Zeitpunkt des Ausscheidens der Beschwer-
deführerin aus der obligatorischen Versicherung zu ermitteln.
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Seite 11
5.2 Obwohl die kantonale Ausgleichskasse der Beschwerdeführerin am 10.
September 2018 – mit der Begründung der erfolgten Wohnsitzverlegung
nach Namibia – die Entlassung aus der Kassenmitgliedschaft per 31. Mai
2018 eröffnete, sich für die Weiterversicherung der Beschwerdeführerin ab
1. Juni 2018 als unzuständig erklärte und die Beschwerdeführerin dafür an
die SAK verwies, und obwohl am 25. September 2018 die SAK die Be-
schwerdeführerin auf ihren Austritt aus der obligatorischen Versicherung
per 31. Mai 2018 hinwies und ihr mitteilte, unter welchen Voraussetzungen
sie daran anschliessend der freiwilligen Versicherung beitreten könne, und
dass die Beschwerdeführerin sich bei der kantonalen Ausgleichskasse
melden müsse, falls diese Voraussetzungen nicht erfüllt seien (namentlich
keine Niederlassung im Ausland mit der Absicht dauernden Verbleibens),
hat die Beschwerdeführerin (zunächst) nicht reagiert. Insbesondere hat sie
keine Einwände gegen die Entlassung aus der obligatorischen Versiche-
rung per 31. Mai 2018 erhoben und den erfolgten Wohnsitzwechsel nach
Namibia nicht bestritten (s. oben Bst. B.c-B.e).
5.3 Selbst als die Beschwerdeführerin am 12. Juli 2019 das Anmeldefor-
mular für die freiwillige Versicherung der SAK zukommen liess, erhob sie
keine Einwände gegen das Ausscheiden aus der obligatorischen Versiche-
rung per 31. Mai 2018 oder gegen den erfolgten Wohnsitzwechsel nach
Namibia. Vielmehr liess sie die Fragen, seit welchem Datum sie im Ausland
wohnhaft sei und bis wann sie der AHV angeschlossen gewesen sei, un-
beantwortet. Auch in der Einsprache vom 17. Oktober 2019 stellte der Vater
der Beschwerdeführerin deren Ausscheiden aus der obligatorischen Versi-
cherung per 31. Mai 2018 nicht in Frage, obwohl die SAK die verfügte Ab-
weisung des Beitrittsgesuchs namentlich – unter zusätzlichem Hinweis auf
den IK-Auszug vom 24. September 2019 – mit diesem Ausscheiden aus
der obligatorischen Versicherung und mit der Wohnsitzverlegung per
31. Mai 2018 nach Namibia begründet hatte (s. oben Bst. B.g, B.h).
5.4 Erst in der Beschwerde vom 30. März 2020 liess die Beschwerdefüh-
rerin ausführen, dass sie ihren Wohnsitz nach dem 31. Mai 2018 ins Aus-
land verlegt habe und länger als bis zum 31. Mai 2018 der obligatorischen
Versicherung angeschlossen gewesen sei.
5.5 Das Schreiben der Ausgleichskasse des Kantons B._ vom
10. September 2018 (SAK-act. 1 S. 1), mit welchem die Beschwerdeführe-
rin aus der obligatorischen AHV/IV ausgeschlossen wurde, wurde nicht als
"Verfügung" bezeichnet und enthielt keine Rechtsmittelbelehrung. Es wies
auch nicht auf allfällige sonstige, der Beschwerdeführerin im Falle des
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Seite 12
Nichteinverständnisses offenstehende Schritte hin. Daher könnte es sich
bei diesem Schreiben prima facie um eine mit Einsprache anfechtbare Ver-
fügung (im Sinne von Art. 49 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 52 Abs. 1
ATSG) oder um ein formloses Schreiben, in Bezug auf welches die Be-
schwerdeführerin den Erlass einer Verfügung hätte verlangen können (vgl.
Art. 51 Abs. 1 und 2 ATSG) handeln. Allerdings hat die Beschwerdeführerin
– obwohl sie einen Generalbevollmächtigten in der Schweiz hatte, der be-
reits im Verwaltungsverfahren involviert war – während mehr als 18 Mona-
ten (10. September 2018 bis 30. März 2020) keine Einwände gegen dieses
Schreiben vorgebracht. Damit hat sie die Frist verpasst, die ihr einzuräu-
men wäre, um in Bezug auf dieses Schreiben rechtsrelevante Schritte zu
unternehmen (vgl. insgesamt namentlich BGE 134 V 145; 129 V 110
E. 1.2.2; 129 II 125 E. 3.3, je mit Hinweisen). Unter diesen Umständen ist
der Ausschluss der Beschwerdeführerin aus der obligatorischen Versiche-
rung – unabhängig von der ursprünglichen rechtlichen Qualifikation des
Schreibens der kantonalen Ausgleichskasse – per 31. Mai 2018 in (for-
melle) Rechtskraft erwachsen (vgl. analog [altrechtlich] Urteil des BVGer
C-4103/2014 vom 15. Dezember 2016 E. 3 f., bestätigt mit Urteil des BGer
9C_98/2017 vom 9. Juni 2017 E. 3.1). Daher erübrigt sich eine Auseinan-
dersetzung mit der in diesem Sinne zu spät vorgebrachten Argumentation
der Beschwerdeführerin, dass sie ihren Wohnsitz erst nach dem 31. Mai
2018 ins Ausland verlegt habe und deshalb bis zum 30. Juni 2018 obliga-
torisch versichert gewesen sei.
5.6 Da die Beschwerdeführerin somit am 31. Mai 2018 aus der obligatori-
schen Versicherung ausgeschieden ist (so übrigens auch der IK-Auszug
vom 24. September 2019), begann die Frist zur Erklärung des Beitritts zur
freiwilligen Versicherung am 1. Juni 2018 zu laufen, und die einjährige Re-
gelfrist gemäss Art. 8 VFV endete am 31. Mai 2019. Da die Beschwerde-
führerin das Beitrittsformular erst mit E-Mail vom 12. Juli 2019 der SAK zu-
gestellt hat, hat sie diese einjährige Regelfrist nicht eingehalten. Dass das
Beitrittsformular auf den 16. Juni 2019 datiert ist, ist (anders als die Be-
schwerdeführerin in der Beschwerde impliziert) diesbezüglich nicht rele-
vant (vgl. Art. 39 Abs. 1 ATSG, Art. 21 Abs. 1 VwVG). Der Vollständigkeit
halber ist der SAK zuzustimmen, soweit diese geltend macht, dass die Bei-
trittserklärung vom 12. Juli 2019 auch dann nach Ablauf der Regelfrist zu-
gestellt worden wäre, wenn mit der Beschwerdeführerin davon auszuge-
hen wäre, dass sie nicht bis Ende Mai 2018, sondern bis Ende Juni 2018
der obligatorischen Versicherung angeschlossen gewesen wäre.
C-1809/2020
Seite 13
6.
Die Beschwerdeführerin macht für den Fall, dass das Gericht zum Schluss
komme, dass sie am 31. Mai 2018 aus der obligatorischen Versicherung
ausgeschieden sei, geltend, dass ihre Beitrittserklärung zur freiwilligen Ver-
sicherung gleichzeitig als Gesuch um Verlängerung der diesbezüglichen
Einreichungsfrist gemäss Art. 11 VFV zu werten sei. Die SAK beurteilt die
Voraussetzungen für eine solche Fristverlängerung als nicht erfüllt, was
daher zu prüfen ist.
6.1 Gemäss Artikel 11 VFV ("Fristverlängerung") gilt: Liegen ausserordent-
liche Verhältnisse vor, die nicht vom Antragsteller zu vertreten sind, kann
die Ausgleichskasse auf Gesuch in Einzelfällen die Frist zur Abgabe der
Beitrittserklärung um längstens ein Jahr erstrecken. Ausserordentliche Ver-
hältnisse, welche gestützt auf Art. 11 VFV zu einer Fristerstreckung um
längstens ein Jahr führen können, liegen gemäss Rechtsprechung nur sehr
selten vor (vgl. BGE 114 V 1 E. 4b; 97 V 213 E. 2). Gemäss Wegleitung
zur freiwilligen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (WFV)
des Bundesamtes für Sozialversicherungen (in den vom 1. Januar 2018
bis 31. Dezember 2019 geltenden Fassungen, Rz. 2012) sind unter "aus-
serordentlichen Verhältnissen“ objektive Ereignisse zu verstehen, das
heisst solche, die von der das Gesuch stellenden Person unabhängig, also
nicht rein persönlicher oder subjektiver Natur sind (vgl. Urteil des BVGer
C-6140/2013 vom 3. November 2014 E. 4.4.1).
6.2 Weder das Beitrittserklärungs-Formular (datiert auf 17. Juni 2019) noch
die E-Mail vom 12. Juli 2019, mit welcher dieses der SAK zugestellt wurde,
enthalten ein Fristerstreckungsgesuch oder mindestens eine Begründung
für die späte Einreichung der Beitrittserklärung. Unerklärt bleibt sogar, wes-
halb die auf den 17. Juni 2019 datierte Beitrittserklärung erst fast einen
Monat später der SAK zugestellt wurde. Diesen Dokumenten ist somit –
entgegen dem Dafürhalten der Beschwerdeführerin – auch kein sinnge-
mässes Fristverlängerungsgesuch zu entnehmen. Da die Fristverlänge-
rung nach Art. 11 VFV aber ein Gesuch voraussetzt, fällt eine solche schon
deswegen ausser Betracht.
6.3 Selbst wenn das Vorliegen eines (sinngemässen) Fristerstreckungsge-
suchs bejaht würde, wäre in Bezug auf die Aussage der Beschwerdeführe-
rin, dass es ihr nicht möglich gewesen sei, das Formular "Beitrittserklärung"
für die freiwillige Versicherung (nachfolgend Beitrittsformular) innerhalb der
ordentlichen einjährigen Frist ab Austritt aus der obligatorischen Versiche-
rung bei der SAK einzureichen, das Folgende auszuführen.
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6.3.1 Das von der Beschwerdeführerin am 12. Juli 2019 eingereichte Bei-
trittsformular umfasst zwei A4-Seiten (SAK-act. 3 S. 2-3). Die darin von der
Beschwerdeführerin eingetragenen Angaben umfassen ihre Personalien,
die gewünschte Korrespondenz- und Verfügungssprache, ihre Adresse im
Ausland, und eine (widersprüchliche) Antwort zur Frage nach ihren Wohn-
orten der letzten fünf Jahre. Ausserdem deklarierte sie, dass sie im Ausland
erwerbstätig sei und dass sie von September 2011 bis Dezember 2017 an
der tiermedizinischen Fakultät der Universität D._ studiert habe.
Die Frage nach den Arbeitgebern der letzten fünf Jahre beantwortete sie
damit, dass sie Studentin an der tiermedizinischen Fakultät in F._
gewesen sei. Die Fragen, seit welchem Datum sie im Ausland wohnhaft sei
und bis wann sie der AHV angeschlossen gewesen sei, beantwortete die
Beschwerdeführerin nicht. Angaben zu den Personalien des Ehegat-
ten/Partners erübrigten sich mangels eines solchen. Weitere Angaben wer-
den im Formular nicht verlangt. Es handelt somit um ein kurzes, einfaches
Formular mit Angaben, die der Beschwerdeführerin grundsätzlich ohne
Weiteres bekannt waren. Dass der bevollmächtigte Vater über mindestens
einen Grossteil dieser Informationen verfügte, geht aus dem von ihm zu-
handen der kantonalen Ausgleichskasse ausgefüllten Formular "Anmel-
dung für Nichterwerbstätige" hervor (s. oben Bst. B.a). Inwiefern fehlende
Angaben nicht ohne weiteres beschafft werden konnten, substantiiert die
Beschwerdeführerin nicht.
6.3.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass gemäss EVGE 1960
S. 186, 189 die Einreichungsfrist beispielsweise beim Vorliegen von Natur-
ereignissen oder Krieg verlängert werden könne, wobei eine Verlängerung
der Beitrittsfrist nicht nur in Fällen eines absoluten und objektiven Verun-
möglichens der Fristeinhaltung gewährt werden solle. Ausserdem müsse
analog zur Wiederherstellung einer verpassten Frist im Rechtsmittelverfah-
ren für die Verhinderung der Einhaltung der Frist vor allem der letzte Teil
der Frist von Relevanz sein. Die gesetzliche Fristenregelung berechtige je-
dermann, eine Eingabe erst gegen Ende der Frist auszuarbeiten und ein-
zureichen. Das Berufs- und Privatleben der Beschwerdeführerin in Nami-
bia sei insbesondere ab dem Frühjahr 2019 durch die Dürre, welche zur
Ausrufung des Notstands geführt habe, dominiert gewesen. Das gesamte
Veterinärwesen Namibias sei durch die Dürre stark beansprucht worden.
Die leidenden Tiere bzw. die Farmer hätten tierärztliche Assistenz benötigt,
sei es zum Verkauf der Tiere, sei es zur Notschlachtung. Die Beschwerde-
führerin sei dadurch beruflich stark vereinnahmt gewesen. Die im Wohn-
staat der Beschwerdeführerin herrschenden ausserordentlichen Umstände
hätten sich auch auf das Privatleben der Beschwerdeführerin ausgewirkt,
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indem sich ihre Freizeit durch die berufliche Beanspruchung stark reduziert
bzw. indem die Dürre das öffentliche Leben in Namibia zusätzlich er-
schwert habe. Die Beschwerdeführerin habe in dieser Zeit nicht die Res-
sourcen aufzubringen vermocht, um sämtliche administrativen Aufgaben
selber zu erledigen oder deren Erledigung in Auftrag zu geben. Es bestehe
demnach klar ein objektives, von der Beschwerdeführerin nicht zu vertre-
tendes Ereignis, welches die ausserordentlichen Verhältnisse begründe,
wodurch eine Verlängerung der Beitrittsfrist gemäss Art. 11 VFV gerecht-
fertigt sei.
6.3.3 Dem hält die SAK entgegen, dass eine starke berufliche Beanspru-
chung, wie die Beschwerdeführerin sie geltend mache, nicht als objektives
Ereignis im Sinne von Art. 11 Abs. 1 VFV gewertet werde könne, welches
von ihr nicht zu vertreten sei und eine Verlängerung der Anmeldefrist recht-
fertigen würde. Ausserdem sei eine Vertretung nach Art. 37 Abs. 1 ATSG
möglich, welche Möglichkeit die Beschwerdeführerin im Einspracheverfah-
ren durch Bevollmächtigung ihres Vaters wahrgenommen habe. Insgesamt
lägen keine "ausserordentlichen Verhältnisse" vor, die eine Verlängerung
der Beitrittsfrist rechtfertigen würden.
6.3.4 Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, dass ihr Berufs- und
Privatleben in Namibia insbesondere ab Frühjahr 2019 bzw. ab Mai 2019
durch die Dürre und den ausgerufenen Notstand dominiert gewesen seien,
also gegen Ende der laufenden einjährigen Beitrittsfrist, welches sie für die
Ausarbeitung und das Einreichen der Beitrittserklärung habe abwarten dür-
fen (vgl. Beschwerde S. 7), verkennt sie, dass sie sich – wenn es um die
Einhaltung der einjährigen Beitrittsfrist zur freiwilligen Versicherung bzw.
um die ausnahmsweise Verlängerung dieser Frist gemäss Art. 11 VFV geht
– den gesamten Zeitraum entgegenhalten lassen muss, während welchem
es ihr möglich und zuzumuten gewesen wäre, das Anmeldeformular einzu-
reichen (vgl. BGE 97 V 213 E. 2). Selbst wenn davon auszugehen wäre,
dass es der Beschwerdeführerin ab Frühjahr 2019 bis 31. Mai 2019 im
Sinne von Art. 11 VFV nicht möglich gewesen wäre, die Beitrittserklärung
einzureichen, muss sie sich zumindest den vorgängigen Zeitraum ab
E-Mail der SAK vom 25. September 2018 vorhalten lassen, während wel-
chem keine solche besondere Beeinträchtigung bestand.
6.3.5 Allerdings macht die Beschwerdeführerin auch für den Zeitraum ab
Frühling 2019 nicht geltend, dass es ihr wegen Dürre und Notstand unmög-
lich gewesen sei, die Beitrittserklärung einzureichen. Vielmehr gesteht sie
mit ihren Ausführungen im Umkehrschluss ein, dass sie auch ab Frühjahr
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2019 noch über eine gewisse Freizeit und über die Ressourcen verfügt
habe, um gewisse administrative Aufgaben selber zu erledigen oder deren
Erledigung in Auftrag zu geben. Ausserdem verfügte sie bereits seit dem
1. Januar 2018 in der Person ihres Vaters über einen Generalbevollmäch-
tigten in der Schweiz, der – unter Beilage der Generalvollmacht (SAK-act. 1
S. 6) – das Anmeldeformular vom 28. Juni 2018 im Namen der Beschwer-
deführerin zuhanden der kantonalen Ausgleichkasse – ausgefüllt und un-
terschrieben – zugestellt hatte und über das Beitrittsformular und das Merk-
blatt zur freiwilligen Versicherung verfügte. Dass ihr Vater dazu ermächtigt
war, sie gegenüber der SAK zu vertreten, bestreitet die Beschwerdeführe-
rin ebenso wenig, wie sie geltend macht, dass ihr durch die Zustellung der
E-Mail der SAK vom 25. September 2018 an ihren Vater ein konkreter
Nachteil erwachsen sei (vgl. Replik).
6.3.6 Unter diesen Umständen ist nicht nachvollziehbar, dass es – unab-
hängig der internen Aufgabenverteilung – der Beschwerdeführerin
und/oder ihrem Vater nicht möglich gewesen sein soll, zwischen dem
25. September 2018 und dem 31. Mai 2019 das Beitrittsgesuch einzu-
reichen. Wenn die Beschwerdeführerin stattdessen während den Monaten,
in welchen das Einreichen des Formulars ohne besondere Einschränkun-
gen möglich und zumutbar gewesen wäre, zugewartet und dann ab Früh-
jahr ihre trotz allem verbleibende Freizeit anderweitig verwendet bzw. an-
dere administrative Arbeiten gegenüber der Anmeldung für die freiwillige
Versicherung priorisiert hat, hat sie dieses (subjektive) Handeln selbst zu
vertreten. Unabhängig davon, ob die Dürre und der ausgerufene Notstand
in Namibia als ausserordentliche (objektive) Verhältnisse im Sinne von
Art. 11 VFV zu werten wären, vermag die Beschwerdeführerin mit der Be-
rufung darauf somit keine Fristverlängerung gemäss Art. 11 VFV zu recht-
fertigen.
6.3.7 Soweit die Beschwerdeführerin das Zuwarten ausserdem damit be-
gründet, dass sie zuweilen aufgrund der jeweiligen Umstände – namentlich
betreffend Aufenthaltsrecht und Arbeitsverträge – unsicher gewesen sei,
ob sie "definitiv" in Namibia bleiben könne, ist ein solches Zuwarten inner-
halb der einjährigen Regelfrist durchaus legitim. Es handelt sich allerdings
um ein persönliches, subjektives Element, welches keine Fristverlänge-
rung gemäss Art. 11 VFV rechtfertigt. Ausserdem erlaubt die Möglichkeit,
auf das Ende eines Quartals von der freiwilligen Versicherung zurücktreten
(Art. 2 Abs. 2 AHVG i.V.m. Art. 12 VFV) im Falle eines vorsorglichen Bei-
tritts zur freiwilligen Versicherung – bei Ändern oder Scheitern der Pläne –
einen kurzfristigen Austritt aus derselben.
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6.3.8 Unter diesen Umständen fällt eine Fristerstreckung gemäss Art. 11
VFV ausser Betracht. An dieser Beurteilung würde sich im Übrigen auch
nichts ändern, wenn mit der Beschwerdeführerin davon ausgegangen
würde, dass sie (erst) am 30. Juni 2018 aus der obligatorischen Versiche-
rung ausgetreten sei und die Beitrittserklärungsfrist damit (erst) am 1. Juli
2018 zu laufen begonnen hätte.
7.
7.1 Insgesamt ist die Vorinstanz daher zu Recht davon ausgegangen, dass
die Beschwerdeführerin die Beitrittserklärung verspätet eingereicht hat und
die Voraussetzung der fristgerechten Beitrittserklärung nicht erfüllt sind.
Die Vorinstanz hat das Gesuch um Beitritt in die freiwillige Versicherung
daher zu Recht abgewiesen. Der Einspracheentscheid vom 19. Februar
2020 ist somit zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen.
7.2 Da die Voraussetzungen für den Beitritt zur freiwilligen Versicherung
kumulativ erfüllt sein müssen (s. oben E. 4.4) und die Voraussetzung der
Beitrittserklärung innert Jahresfrist vorliegend nicht erfüllt ist, erübrigt es
sich zu prüfen, ob die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind.
8.
8.1 Gemäss Art. 85bis Abs. 2 AHVG (in der bis 31. Dezember 2020 gelten-
den Fassung [s. oben E. 3.3]) ist das Verfahren kostenlos, weshalb keine
Verfahrenskosten zu erheben sind.
8.2 Die obsiegende Vorinstanz hat als Bundesbehörde keinen Anspruch
auf Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 73.320.2]). Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist
entsprechend dem Verfahrensausgang ebenfalls keine Parteientschädi-
gung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).
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