Decision ID: e67dffb9-2e12-542b-a3d6-c78684df4a0c
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Ortsgemeinde Sevelen ist Eigentümerin der Parzelle Nr. 2503 im Gebiet
Campiun/Eschalär in der Politischen Gemeinde Sevelen. Das Grundstück liegt am
westlichen Talhang des Rheintals, oberhalb der Bauzonen von Rans und Oberräfis.
Nach dem Zonenplan Talgebiet (1:5'000) der Politischen Gemeinde Sevelen vom 6.
März 1998 ist das Grundstück teils der Landwirtschaftszone, teils dem übrigen
Gemeindegebiet zugeteilt. Ausserdem stellen Teile der Parzelle Nr. 2503 gemäss
Waldfeststellung des Volkswirtschaftsdepartements vom 14. Januar 1997 Wald dar.
Die Basaltstein AG, Buchs, hat auf einem Teil der Parzelle Nr. 2503 etwa 70 m oberhalb
von Rans und Oberräfis von 1927 bis 1996 den Steinbruch Campiun betrieben. Die
Zufahrt zum Steinbruchareal führte durch das Wohngebiet von Rans. Nachdem die
Abbaukonzession am 1. Juli 1996 abgelaufen ist und der Abbau eingestellt wurde,
beabsichtigt die Basaltstein AG, den Steinbruch in südliche Richtung zu erweitern. Das
Abbauvolumen soll auf einer Fläche von 9,5 ha rund 2,5 Mio. m3 oder 7 Mio. t
Gesteinsmaterial betragen. Beim Gestein handelt es sich um Hartgestein, d.h. um kalk-
armen, stark quarzhaltigen Sandstein der Brisi- und Gamserschichten. Die jährliche
Abbaumenge ist bedarfsabhängig und soll etwa 200'000 t betragen, woraus sich eine
Abbaudauer von rund 35 Jahren ergibt. Die Gesteinsgewinnung soll mit sechs bis zehn
Grossbohrlochsprengungen pro Jahr im Tagbau und in fünf von Nord nach Süd
aufeinanderfolgenden Abbau-etappen erfolgen. Um das Wohngebiet von Rans vor
Lärm-immissionen zu schützen, soll das Abbaugebiet neu erschlossen werden. Zu
diesem Zweck ist vorgesehen, südlich von Rans eine Umfahrungsstrasse zu bauen und
diese durch einen Tunnel ins alte Steinbruchareal zu führen. Für die Erweiterung und
Erschliessung des Steinbruchs müssten insgesamt 39'588 m2 Wald gerodet werden.
Nach der Stillegung des Steinbruchs ist gemäss dem Umweltverträglichkeitsbericht
vom 14. Februar 2000 (abgekürzt UVB) geplant, das alte und das neue Abbaugebiet zu
rekultivieren und als ökologische Vorrangfläche zu gestalten. Als zusätzliche
ökologische Ersatzmassnahme ist die Extensivierung der Bewirtschaftung auf rund 13
ha an den Steinbruch angrenzenden Wiesen vorgesehen, die im Eigentum der
Ortsgemeinde Sevelen stehen.
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B./ Nachdem die Bürgerschaft der Ortsgemeinde Sevelen der Erweiterung des
Steinbruchs zugestimmt hatte, wurden der Abbauplan mit UVB, Strassenprojekt und
Rodungsgesuch vom 8. Januar bis 6. Februar 1997 öffentlich aufgelegt. Gegen das
Vorhaben wurden zahlreiche Einsprachen von Anwohnern und Umweltorganisationen
erhoben.
Entsprechend der damals gültigen Zuständigkeitsregelung stellte das Kantonsforstamt
dem Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (abgekürzt BUWAL) am 2. Juli 1997
den Antrag auf Erteilung der Bewilligung für die Rodung von 39'588 m2 Wald. Mit
Schreiben vom 27. April 1998 teilte das BUWAL mit, die Rodungsbewilligung könne
nicht in Aussicht gestellt werden. Am 14. März 2000 zog die Basaltstein AG das
Gesuch beim Gemeinderat Sevelen vollumfänglich zurück, nachdem sie bereits am 14.
Februar 2000 das gesamte, gegenüber der ersten öffentlichen Auflage unveränderte
Gesuch ein zweites Mal eingereicht hatte. Am 6. März 2000 erliess der Gemeinderat
Sevelen Abbauplan und Teilstrassenplan. Diese Planerlasse sowie der UVB und das
Rodungsgesuch wurden vom 27. März bis 26. April 2000 erneut öffentlich aufgelegt.
Nachdem zwischenzeitlich die Zuständigkeit für die Erteilung einer Rodungsbewilligung
vom BUWAL auf die kantonale Forstbehörde übergegangen war, übermittelte das
kantonale Forstamt das Rodungsgesuch mit Schreiben vom 28. März 2000 dem
BUWAL zur Anhörung.
Am 19. April 2000 erhoben Pro Natura – Schweizerischer Bund für Naturschutz, Basel,
und Pro Natura St. Gallen-Appenzell, St. Gallen, (im folgenden Pro Natura) beim
Gemeinderat Sevelen Einsprache gegen den Abbauplan. Mit Eingabe gleichen Datums
erhob Pro Natura beim Gemeinderat Sevelen zuhanden des Kantonalen Forstamtes
auch gegen das Rodungsgesuch Einsprache.
Am 14. April 2001 teilte das BUWAL dem kantonalen Forstamt mit, der Abbauplan
beruhe nicht auf einer kantonalen oder überregionalen Abbauplanung. Zudem befinde
sich der Abbauperimeter im Objekt Nr. 1613 "Speer-Churfirsten-Alvier" des
Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung
(abgekürzt BLN). Die hohe Bedeutung des Waldes und die Erhaltung des BLN-
Objektes würden das Interesse am Hartschotterabbau überwiegen, weshalb beantragt
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werde, das Rodungsgesuch der Basaltstein AG abzuweisen. Entgegen diesem Antrag
erteilte das kantonale Forstamt am 24. April 2001 die Rodungsbewilligung und
übermittelte diese dem Planungsamt (heute: Amt für Raumentwicklung, abgekürzt ARE)
als federführender Stelle des Staates.
Mit Gesamtentscheid vom 28. Mai/25. Juni 2001 stellte der Gemeinderat Sevelen die
Umweltverträglichkeit des geplanten Abbaus fest. Der Abbau- und Teilstrassenplan
wurden bestätigt und die Einsprachen dagegen abgewiesen, soweit darauf eingetreten
wurde. Der Gemeinderat erwog, das Vorhaben sei unter Auflagen umweltverträglich.
C./ Gegen die Gesamtverfügung des Gemeinderates Sevelen erhob Pro Natura am 6.
Juli 2001 Rekurs bei der Regierung mit den Anträgen, der angefochtene Entscheid, die
Rodungsbewilligung und die naturschutzrechtliche Bewilligung seien aufzuheben und
die Bewilligung für die Erweiterung des Steinbruchs sei zu verweigern. Zur Begründung
wurde im wesentlichen geltend gemacht, die von Art. 6 des Bundesgesetzes über den
Natur- und Heimatschutz (SR 451, abgekürzt NHG) geforderte Interessenabwägung sei
von der UVP-Fachstelle mangelhaft und nicht umfassend durchgeführt worden. Aus
rechtlichen und fachlichen Gründen hätte der Schluss gezogen werden müssen, dass
das Abbauvorhaben trotz nationaler Bedeutung abgelehnt werden müsse. Einerseits
sei und bleibe die regionale Versorgungslage mit Hartschotter auch ohne den
Steinbruch Campiun gewährleistet und anderseits würde entsprechend dem Gutachten
der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (abgekürzt ENHK) eine
national bedeutende Landschaft erheblich beeinträchtigt. Im weiteren seien auch die
nach Art. 5 des Bundesgesetzes über den Wald (SR 921.0, abgekürzt WaG)
notwendigen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen nicht erfüllt. Schliesslich
müsse auch die naturschutzrechtliche Bewilligung aufgehoben werden, da sie weder
auf einer umfassenden noch vollständigen Interessenabwägung der UVP-Fachstelle
beruhe.
Im Amtsbericht vom 20. Dezember 2001 nahm das Tiefbauamt zur Qualität des im
Steinbruch Campiun gewinnbaren Gesteinsmaterials und zum Bedarf nach dem
Material Stellung.
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Mit getrennten Vernehmlassungen vom 22. Dezember 2001 stellte das ARE als
federführende Stelle des Staates im Namen aller beteiligten kantonalen Amtsstellen die
Anträge, die Rekurse seien abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
Am 4. März 2002 reichte der Vertreter der Basaltstein AG ein vom 2. Oktober 2001
datiertes Schreiben des Bundesamtes für Strassen (abgekürzt ASTRA) an den Verband
Schweizerischer Hartsteinbrüche (abgekürzt VSH) ein. Aus dem Schreiben ergibt sich,
dass der VSH anlässlich einer Besprechung im Juni 2001 die Vertreter von BUWAL,
ENHK, Bundesamt für Raumentwicklung, ASTRA und SBB über die Versorgung mit
felsgebrochenem Hartgestein dahingehend informiert hat, dass die bewilligten
Abbaureserven gesamtschweizerisch bei gleichbleibendem Bedarf noch für rund zehn
Jahre ausreichten. Derzeit förderten noch acht bis zehn Steinbrüche Hartgestein. Das
ASTRA zeigte sich darüber beunruhigt und erklärte, die Bemühungen des VSH zu
unterstützen, die bestehenden Hartsteinbrüche der Schweiz zu erhalten, weil diese von
nationaler Bedeutung seien.
Auf Aufforderung durch die Rechtsabteilung des Baudepartements hin teilte der
Fachverband für Sand und Kies (abgekürzt FSK) mit Schreiben vom 28. Februar 2002
mit, dass es derzeit noch rund acht wichtigere Hartsteinbrüche in der Schweiz gebe.
Bei sechs dieser Steinbrüche werde der jährliche Ausstoss auf über 200'000 t
geschätzt; weder über die Abbaumenge noch über die Reserven gebe es aber
verlässliche Angaben. Allerdings könne aufgrund verschiedener Unterlagen davon
ausgegangen werden, dass die bewilligten Abbaureserven gesamtschweizerisch bei
gleichbleibendem Bedarf nur noch für rund zehn Jahre reichten. Die Betreiber der
Hartsteinbrüche verfügten bei den SBB über geschätzte jährliche Lieferkontingente
zwischen 40'000 und 50'000 t. Die Gesamtliefermenge an die SBB liege bei rund
500'000 t Schotter pro Jahr, wovon etwa 92% Hartschotter erster Qualität seien.
Am 5. Juni 2002 führte die Rechtsabteilung des Baudepartements in Anwesenheit der
Verfahrensbeteiligten sowie je eines Mitarbeiters des ARE und des AFU einen
Augenschein an Ort und Stelle durch. Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass
sowohl der Abbauplan als auch das Strassenprojekt Mängel aufweisen, weil das Ende
der geplanten Erschliessungsstrasse in einem Felskopf zu liegen käme, dessen Abbau
nicht vorgesehen war. Die Basaltstein AG passte in der Folge den Abbauperimeter und
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das Strassenprojekt an und reichte dem Gemeinderat Sevelen am 26. Juli 2002 die
Korrekturpläne ein. Danach ist vorgesehen, die nördliche Abbaugrenze auf die
tatsächlichen Verhältnisse anzupassen. Dadurch soll einerseits das Vorantreiben des
Gesteinsabbaus vom alten Steinbruchareal gegen Süden ermöglicht und anderseits der
westliche Teil des Felskopfs abgebaut werden, damit über die neue
Erschliessungsstrasse ungehindert bis in den alten Steinbruch gefahren werden kann.
Die Fläche des neuen Abbaus wird damit um 25'000 m3 oder ca. 0,2 ha vergrössert.
Die Gesamtfläche umfasst somit 9,7 ha. Das Abbauvolumen wurde indes nicht
verändert, weil die fünfte Abbauetappe im gleichen Umfang reduziert wurde. Die
Änderungen wurden vom 13. August bis 12. September 2002 öffentlich aufgelegt. Mit
Gesamtentscheid vom 13. Dezember 2002 wies der Gemeinderat Sevelen alle gegen
die Änderungen eingereichten Einsprachen ab, soweit er darauf eintrat.
Gegen diesen Entscheid erhob Pro Natura mit Schreiben vom 24. Dezember 2002
neuerlich Rekurs bei der Regierung mit im wesentlichen unveränderten Anträgen. Zur
Begründung wurde auf die Ausführungen in den bisherigen Eingaben verwiesen.
Ergänzend wurde darauf aufmerksam gemacht, dass durch die Korrekturpläne der
Eingriff in das Schutzgebiet nochmals um 0,2 ha auf total 9,7 ha erweitert werde.
Am 24. Oktober 2002 führte die Rechtsabteilung des Baudepartements in Anwesenheit
einer Dreierdelegation der Regierung, der Verfahrensbeteiligten sowie von Mitarbeitern
des Kantonsforstamtes, des ARE und des AFU einen weiteren Augenschein durch.
Anlässlich dieses Augenscheins stellte das ARE den nach dem ersten Augenschein
erarbeiteten Amtsbericht "Beurteilung der ökologischen Wertigkeit der für das
Erweiterungsprojekt Steinbruch Campiun vorgesehenen Fläche sowie vergleichbare
Standorte im Hangbereich zwischen Buchs und Wartau" vor. Auf Intervention des
Vertreters der Basaltstein AG wurde der Amtsbericht im Anschluss an den
Augenschein vom ARE ergänzt und auf die Gebiete "Schollberg" und "Malanser Berg"
ausgeweitet.
Am 3. Juni 2003 forderte die Rechtsabteilung des Baudepartements die Basaltstein AG
auf, den Sachverhalt zur Frage der Hartschotterqualität und der abbaubaren
Hartschottermengen im geplanten Abbauperimeter zu ergänzen. Am 17. Dezember
2003/8. Januar 2004 reichte die Basaltstein AG der Rechtsabteilung des
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Baudepartements das Gutachten der Baugeologie Chur betreffend qualitative und
quantitative Untersuchungen zur Gesteinsqualität/Hartgesteinsvorkommen/
Sondierbohrungen 2003 ein.
Die Regierung entschied über die Rekurse der Pro Natura an der Sitzung vom 27. April
2004 (Beschluss Nr. 247). Die Rekurse wurden im Sinne der Erwägungen abgewiesen.
Die Regierung erwog im wesentlichen, dass mit dem Abbauvorhaben zwar ein
schwerer Eingriff in das BLN-Objekt Nr. 1613 verbunden sei, der - bezogen auf ein
prioritäres Schutzziel - umfangreiche Beeinträchtigungen mit sich bringe. Allerdings
bestehe in Anbetracht der angespannten Eigenversorgungssituation der Ostschweiz
mit Hartgestein bester Qualität und des Mangels an geeigneten anderweitigen
Abbaustandorten nach Auffassung der Regierung ein das Einhaltungsinteresse
überwiegendes Interesse von ebenfalls nationaler Bedeutung am Abbauvorhaben.
Auch die anderen im Rahmen der Interessenabwägung berücksichtigten Interessen
würden insgesamt gesehen für den Abbau sprechen, zumal er einerseits bei weitem
keinen vollständigen Verlust eines ganzen Lebensraumtyps zur Folge habe und sich
der Standort anderseits infolge seiner in verschiedener Hinsicht optimalen Lage und
der neuen Erschliessung auch mit den berechtigten Anliegen der angrenzenden
Wohnbevölkerung in Einklang bringen lasse. Hinzu komme, dass sehr umfangreiche
Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen verlangt würden. Diese gewährleisteten,
dass langfristig gesehen der spezielle Lebensraumtyp flächenmäs-sig grösser und
vielfältiger werde, weil die Massnahmen nicht nur für das Abbaugebiet selbst, sondern
auch für das Areal des alten Steinbruchs und das gesamte Umland gelten würden.
Folglich sei das Abbauvorhaben vom Gemeinderat Sevelen zu Recht als
umweltverträglich beurteilt worden. Abbauplan, Strassenprojekt, naturschutzrechtliche
Bewilligung und Rodungsbewilligung würden sich - zumindest nach den vom
Gemeinderat Sevelen mit Gesamtentscheid vom 13. Dezember 2002 bewilligten
Korrekturen - als rechtmässig erweisen.
D./ Mit Eingabe vom 18. Mai 2004 erhob Pro Natura gegen den Beschluss der
Regierung vom 27. April 2004 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie beantragt, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Erweiterung des Steinbruchs Campiun
sei nicht zu bewilligen. Eventuell sei das Verfahren zu sistieren bis das nationale
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Hartgesteinskonzept ausgearbeitet sei und eine sachlich fundierte Bewertung des
Abbauvorhabens auf nationaler Ebene erlaube. Zur Begründung wird im wesentlichen
geltend gemacht, dem Gebiet Campiun komme in bezug auf Natur und Landschaft
nationale Bedeutung zu. Die qualitative Bedeutung des Steinbruchs sei ebenfalls
unbestritten, ein regionaler Bedarf an Hartgestein erster Qualität müsse hingegen aus
verschiedenen Gründen verneint werden, weshalb dem Abbauvorhaben keine nationale
Bedeutung zukomme. Viele zusätzliche Fakten zeigten zudem, dass die
Interessenabwägung der Regierung auf unvollständigen Unterlagen oder
Fehleinschätzungen des UVB's beruhe, was zu einem falschen Ergebnis geführt habe.
Aus kurzfristigen finanziellen Überlegungen dürfe das national bedeutende
Schutzgebiet nicht für immer zerstört werden.
Die Regierung beantragt in der Vernehmlassung vom 28. Juni 2004 die Abweisung der
Beschwerde.
Die Basaltstein AG trägt in der Vernehmlassung vom 23. August 2004 auf Abweisung
der Beschwerde und des Sistierungsantrags an, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten des Beschwerdeführers.
Die Politische Gemeinde Sevelen und die Ortsgemeinde Sevelen liessen sich innert
Frist nicht vernehmen.
Am 11. April 2005 wurde vorgängig ein Augenschein an Ort und Stelle durchgeführt, an
dem das Verwaltungsgericht durch eine Delegation vertreten war. Die
Verfahrensbeteiligten wurden dazu eingeladen und erhielten Gelegenheit zur
Stellungnahme. Im Anschluss wurden den Beteiligten das Augenscheinprotokoll sowie
der vom Vertreter der Beschwerdegegnerin anlässlich des Augenscheins ins Recht
gelegte Bericht "Konfliktanalyse bezüglich Vermeidung eines Versorgungsnotstandes
der schweizerischen Bauwirtschaft mit felsgebrochenen Hartgesteinen zur Herstellung
hochwertiger Beläge und Bahnschotter" des ASTRA vom September 2004 (abgekürzt
Bericht ASTRA) zur Vernehmlassung zugestellt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
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1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind zur Ergreifung der Beschwerde legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 3 VRP). Die Beschwerdeschrift vom 18. Mai 2004 erfüllt die
gesetzlichen Anforderungen an die Beschwerdeführung in zeitlicher, formaler und
inhaltlicher Hinsicht (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ a) Die Beschwerdeführer rügen zunächst, der angefochtene Entscheid verstosse
gegen Art. 6 Abs. 2 NHG, weil keine im Vergleich mit dem Interesse an der
ungeschmälerten Erhaltung gleich- oder höherwertigen Interessen von nationaler
Bedeutung nachgewiesen seien. Die Beurteilung der Bedeutung des Abbauprojekts
durch die Vorinstanz sei nicht haltbar und von wirtschaftlichen Interessen geprägt. Der
Steinbruch Campiun könne auf nationaler Ebene nur einen marginalen Beitrag zur
Landesproduktion leisten. Im Vergleich zum langfristigen Interesse an der Erhaltung der
Landschaft von nationaler Bedeutung sei der mengenmässig eher bescheidene Abbau
von relativ geringem Interesse. In regionaler Hinsicht sei kein hinreichender Bedarf
ausgewiesen, da in der unmittelbaren Nähe von Campiun grosse Abbauvorhaben
realisiert würden, die landschaftlich verträglich seien und über grosse Reserven
verfügten. Mit diesen neuen Abbaustandorten könnten die meisten Bedürfnisse der
regionalen Bauindustrie befriedigt werden. Hinzu komme, dass mit dem Verbrauch der
SBB kein regionaler Bedarf geltend gemacht werden könne. Der Bahnschotter werde
zwar von den SBB dezentral eingekauft, jedoch bis zum Einbau zentral
zwischengelagert. Schliesslich dürfe der Energieaufwand für den Transport des
Hartschotters bei der Interessenabwägung keine Rolle spielen, da es sich um
verhältnismässig geringe Mengen handle.
b) Das Verwaltungsgericht ist nur zur Rechtskontrolle befugt (Art. 61 Abs. 1 VRP); eine
Ermessenskontrolle gegenüber den Verwaltungsbehörden steht ihm dagegen nicht zu.
Dies bedeutet, dass es den Ermessensspielraum der Verwaltungsbehörden zu
respektieren hat. Das Verwaltungsgericht darf daher in einem Planerlassverfahren nur
eingreifen, wenn Rechtsnormen und -grundsätze verletzt werden. Soweit es um die
Ausübung des pflichtgemässen Ermessens geht, ist ihm eine Korrektur hingegen
verwehrt. Das Verwaltungsgericht ändert einen sachlich haltbaren und zweckmässigen
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Planungsentscheid selbst dann nicht ab, wenn es eine andere Lösung als ebenso
zweckmässig erachtet oder sogar bevorzugen würde (vgl. GVP 1996 Nr. 9; VerwGE
vom 17. November 1997 i.S. P.M. und andere sowie VerwGE vom 16. März 2000 i.S.
M.W.).
c) Gemäss Art. 6 Abs. 1 NHG wird durch die Aufnahme eines Objektes von nationaler
Bedeutung in ein Inventar des Bundes dargetan, dass es in besonderem Masse die
ungeschmälerte Erhaltung, jedenfalls aber unter Einbezug von Wiederherstellungs-
oder angemessenen Ersatzmassnahmen die grösstmögliche Schonung verdient. Ein
Abweichen von der ungeschmälerten Erhaltung im Sinne der Inventare darf nach Art. 6
Abs. 2 NHG bei Erfüllung einer Bundesaufgabe nur in Erwägung gezogen werden,
wenn ihr bestimmte gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls nationaler
Bedeutung entgegenstehen. Lässt sich eine Beeinträchtigung schutzwürdiger
Lebensräume durch technische Eingriffe unter Abwägung aller Interessen nicht
vermeiden, so hat der Verursacher in analoger Anwendung von Art. 18 Abs. 1ter NHG
für besondere Massnahmen zu deren bestmöglichem Schutz, für Wiederherstellung
oder ansonst für angemessenen Ersatz zu sorgen.
d) aa) Grundsätzlich ist festzuhalten, dass zwischen den Beteiligten nicht mehr
umstritten ist, dass das Abbauvorhaben zu einem Abweichen vom Gebot der
ungeschmälerten Erhaltung nach Art. 6 Abs. 1 NHG führen würde. Es ist sodann
unwidersprochen, dass das Projekt nur zulässig ist, wenn einerseits ein gleich- oder
höherwertiges, ebenfalls nationales Interesse am Abbau des Hartschotters besteht und
anderseits eine Gesamtinteressenabwägung zwischen dem Eingriffs- und
Erhaltungsinteresse den Ausschlag zugunsten des Abbaus gibt. Indes bestreiten die
Beschwerdeführer, dass der Abbau von Hartschotter der ersten Qualität im Steinbruch
Campiun ein Interesse von nationaler Bedeutung darstellt. Zum einen sei die geförderte
Menge gemessen am gesamtschweizerischen Markt zu klein und zum andern sei der
regionale Bedarf nicht ausgewiesen.
bb) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung beruht die Landesversorgung auf
der Versorgung der Regionen (unveröffentlichter BGE vom 27. Juni 1984 i.S.
Einwohnergemeinde Neuheim, E. 5b bb). Dies hat auch hinsichtlich der Versorgung mit
Hartgestein erster Qualität zu gelten, auf welche die SBB und die Bauwirtschaft
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angewiesen sind. Gerade für die SBB sind Schotterbezüge über grosse Distanzen mit
Blick auf die umständlichen und teuren Transporte sowie Lagerhaltungen
problematisch (vgl. Schreiben der SBB vom 28. Oktober 1997, Anhang 3 zum UVB, S.
3). Es trifft folglich nicht zu, wenn die Beschwerdeführer geltend machen, für die SBB
könne kein regionaler Bedarf geltend gemacht werden. Entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführer ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass lange Transportwege
die Umwelt belasten. Zu Recht ist denn auch im von der Beschwerdegegnerin
eingereichten Schlussbericht des Mediators vom 31. Januar 2003 im Zusammenhang
mit dem "Runden Tisch Hartsteinbrüche – Landschaftsschutz" (Beilage 1; abgekürzt
Schlussbericht des Mediators) festgehalten, dass eine gute geografische Verteilung der
Abbaustandorte erforderlich ist, wenn Wert auf kurze Transportdistanzen gelegt wird
(S. 12), und im Bericht ASTRA wird ausgeführt, dass die Transportkosten in den
nächsten Jahren unter ökologischen Gesichtspunkten steigen werden, weshalb der
regionalen Versorgung grössere Bedeutung erwächst (S. 27). Schliesslich ist im
Richtplan SG01 festgeschrieben, dass die Versorgung des Kantons mit
Steinvorkommen zu zwei Dritteln bis drei Vierteln gedeckt werden soll. Diese Vorgabe
gilt entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer auch für die Versorgung mit
Hartgestein.
cc) Bezüglich des Einwands der Beschwerdeführer, mit den in der Region geplanten
weiteren Abbauvorhaben könne die Nachfrage hinreichend befriedigt werden, fällt in
Betracht, dass allgemein anerkannt ist, dass in der Ostschweiz ein erhebliches Manko
an Abbaustandorten besteht (Schlussbericht des Mediators, S. 12; Bericht ASTRA, S.
105). Anlässlich des Augenscheins vom 11. April 2005 bestätigte der Vertreter des
ARE, dass die Rechtsmittelverfahren für den geplanten Untertagebau im Raum Fäsch,
Walenstadt, noch nicht abgeschlossen sind. Er erklärte, dass wenn überhaupt, in
Fäsch nur mit geringfügigen Anteilen an Hartschotter erster Qualität gerechnet werden
kann. Diese Aussagen decken sich mit den Angaben im vorinstanzlichen Verfahren
sowie den Angaben der A. Käppeli's Söhne AG im Schreiben von 4. April 2002,
welches von den Beschwerdeführern eingereicht worden ist (Beilage 8). Ausserdem ist
erstellt, dass im Gebiet Walenstadt in der Vergangenheit noch nie Hartschottergestein
der ersten Qualität gefördert worden ist (vgl. Schreiben des ARE vom 24. Februar 2004,
vorinst. act. 64; Karte Hartsteinwerke Schweiz, vorinst. act. 23). Dies stützt die
Annahme, dass in Fäsch bestenfalls nur geringfügige Gesteinsanteile erster Qualität
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gefördert werden können, zusätzlich. Bezüglich des Abbaustandorts Schollberg, Vild,
der zur Zeit in der Planungsphase steht, kann aufgrund der Gesuchsunterlagen nicht
davon ausgegangen werden, dass Hartschotter der ersten Klasse gewonnen werden
kann. Dies ergibt sich aus dem Schreiben des ARE vom 24. Februar 2004 (vorinst. act.
64) und wurde anlässlich des Augenscheins vom anwesenden Vertreter des ARE
nochmals ausdrücklich bestätigt. Ausserdem wurde der Standort Schollberg auch im
ETH-Gutachten über "Die Hartgesteinvorkommen in der Ostschweiz" vom 18.
September 1997 nicht erwähnt (S. 14). Bezüglich des Steinbruchs Schnür erklärte der
Vertreter des ARE, dass sich der Stand gleich wie beim Abschluss des
Rekursverfahrens präsentiere. Schliesslich wird im Bericht ASTRA festgehalten, dass in
der Ostschweiz neben den heute bekannten Abbaustellen nur wenig andere
Vorkommen vorhanden sind (S. 105). Vor diesem Hintergrund erweist sich der Einwand
der Beschwerdeführer, der gegenwärtige und künftige Bedarf in der Ostschweiz könne
mit Hartgestein aus den bestehenden bzw. anderweitig geplanten Abbauvorhaben
gedeckt werden, als nicht stichhaltig.
dd) Dem Einwand, der Steinbruch Campiun vermöchte nur einen bescheidenen Beitrag
zur nationalen Versorgung zu leisten, ist entgegenzuhalten, dass, wie dargelegt (Erw.
2./ c bb), in erster Linie auf die regionale Versorgung abzustellen ist. Campiun ist für die
Ostschweiz, wo, wie bereits ausgeführt, ein erhebliches Manko an Abbaustandorten
besteht (Schlussbericht des Mediators, S. 12; Bericht ASTRA, S. 105), und damit für
die Versorgung der Region von entscheidender Bedeutung. Im übrigen aber ist die
Hartsteinproduktion in der Schweiz generell nicht gesichert. Gemäss Schreiben des
FSK vom 28. Februar 2002 reichen die bewilligten Reserven gesamtschweizerisch bei
gleichbleibendem Verbrauch noch rund zehn Jahre (vorinst. act. 19). Aus-serdem hat
der Bedarf an felsgebrochenen Hartgesteinen in den letzten Jahren stetig zugenommen
(Bericht ASTRA, S. 27). Von ähnlichen Werten wird im Schlussbericht des Mediators
ausgegangen (S. 12). Vor diesem Hintergrund ist der Beitrag von Campiun auch im
Rahmen einer gesamtschweizerischen Betrachtung nicht vernachlässigbar.
e) Unter den gegebenen Umständen kommt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass
der Vorinstanz keine Rechtsverletzung vorgeworfen werden kann, wenn sie dem zu
beurteilenden Abbauvorhaben nationale Bedeutung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 NHG
zugemessen hat. Ob die Vorinstanz die Gesamtinteressenabwägung zwischen den
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Eingriffs- und Erhaltungsinteressen ohne Verletzung des ihr zustehenden Ermessens
vorgenommen hat, ist Gegenstand der nachfolgenden Erw. 6.
3./ a) Im weiteren beanstanden die Beschwerdeführer, das Abbauvorhaben verstosse
gegen Art. 5 Abs. 2 lit. b WaG. Eine Bewilligung könne nur erteilt werden, wenn das
Vorhaben im Richtplan festgesetzt sei. Im kantonalen Richtplan werde der Standort
Campiun indes lediglich als Zwischenergebnis aufgeführt. Damit seien die nötigen
raumplanungsrechtlichen Voraussetzungen nicht gegeben. Hinzu komme, dass im
Regionalplan von 1992 festgelegt sei, dass der Steinbruch Campiun nicht erweitert
werden dürfe.
b) aa) Gemäss Art. 5 Abs. 2 lit. b WaG setzt die Erteilung einer Rodungsbewilligung
voraus, dass das Werk die Voraussetzungen der Raumplanung sachlich erfüllt. Damit
verlangt der Gesetzgeber den raumplanerisch begründeten Nachweis eines hohen
öffentlichen Interesses, der es erlaubt, die Interessenabwägung zwischen dem
Rodungszweck und dem Interesse an der Walderhaltung vorzunehmen. Es müssen
daher kantonale Richtpläne, regionale Konzepte, beispielsweise bezüglich Versorgung,
Entsorgung oder Tourismus oder kommunale Nutzungspläne vorliegen. Damit kann
gewährleistet werden, dass für eine Zweckentfremdung bzw. Nutzungsänderung von
Waldareal von den zuständigen Behörden koordinierte Verfahren durchgeführt werden
und dass keine Rodungsbewilligung erteilt wird, bevor sich die
Raumplanungsbehörden verbindlich zum Rodungsgesuch geäussert haben. Da sich
jedoch Raumplanungsverfahren und Rodungsbewilligung häufig gegenseitig bedingen,
muss es genügen, wenn die raumplanerischen Voraussetzungen sachlich erfüllt sind,
d.h. entsprechende Unterlagen und verbindliche Zusagen der Raumplanungsbehörden
im Zeitpunkt der Beurteilung eines Rodungsgesuches vorhanden sind (BBl 1988 III, S.
191; St. Jaissle, Der dynamische Waldbegriff und die Raumplanung, Diss. Zürich 1994,
S. 144).
bb) In den Richtplänen bestimmen die Kantone in den Grundzügen, wie sich ihr Gebiet
räumlich entwickeln soll (vgl. Art. 6 Abs. 1 RPG). Sie geben unter anderem Aufschluss
über den Stand und die anzustrebende Entwicklung der Versorgung (Art. 6 Abs. 3 lit. b
RPG). Zum Bereich Versorgung gehören namentlich auch Bauten und Anlagen der
Materialgewinnung (P. Tschannen, Kommentar zum Bundesgesetz über die
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Raumplanung, Zürich 1999, N 39 zu Art. 6). Weil der Richtplan einstweilige Ergebnisse
unterschiedlich fortgeschrittener Planungsprozesse festhält, sind auch seine Aussagen
notwendiger Ausdruck je unterschiedlicher Arbeitsstände. Zur besseren Übersicht teilt
Art. 5 Abs. 2 RPV die Planinhalte in drei Klassen ein: Festsetzungen (lit. a),
Zwischenergebnisse (lit. b) und Vororientierungen (lit. c). Im Sinne einer Faustregel
verbinden sich mit Festsetzungen Sachaufträge, mit Zwischenergebnissen
Verfahrensaufträge und mit Vororientierungen Informationsaufträge (Tschannen, a.a.O.,
N 19 zu Art. 8).
cc) Im Kanton St. Gallen erliess die Regierung am 19. November 1996 das "Kantonale
Abbaukonzept für Steine und Erden" und beauftragte das Baudepartement, die
wesentlichen Ergebnisse des Abbaukonzepts in den Nachtrag 1997 zum kantonalen
Richtplan 1987 aufzunehmen. Das Abbaukonzept basiert auf einer Auflistung
bestehender und geplanter sowie im Rahmen von Umfragen gemeldeter denkbarer
Abbaustandorte. Die Abbaugebiete wurden einer raumplanerischen Grobbeurteilung
hinsichtlich relevanter Nutzungskonflikte unterzogen. Das Abbaukonzept verfolgt das
Ziel, die Möglichkeit des Abbaus von Steinen und Erden an den erfassten Orten zu
ermitteln. In einer Grobbewertung haben die für die Sachbereiche Siedlung,
Gewässerschutz, Natur- und Landschaftsschutz, Schutz von Kulturdenkmälern, Wald-
und Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Bodenschutz sowie Ver-kehrsanlagen zuständigen
kantonalen Fachstellen alle Standorte einer Grobbeurteilung unterzogen und bewertet.
Der Standort Campiun ist als Objekt Nr. 94 im Abbaukonzept aufgeführt. Gemäss
Grobbewertung erwarten die für die Sachbereiche Natur- und Landschaftsschutz sowie
Wald zuständigen kantonalen Fachstellen für diesen Standort grosse Konflikte in den
sie betreffenden Sachbereichen. Am 3. Juni 1998 erliess die Regierung den Nachtrag
1997 zum Richtplan 1987. Der Nachtrag hält unter anderem die Anforderungen an
künftige Abbauvorhaben fest und sorgt dafür, dass die möglichen Abbaustandorte
gesichert werden. Die Aufnahme der Abbaustandorte in den Richtplan erfolgte
aufgrund der Grobbewertung im Abbaukonzept und in Berücksichtigung des
Planungsstandes der Vorhaben. Der Standort Campiun ist auch im Nachtrag 1997 zum
Richtplan 1987 als Abbaustandort Nr. 94 enthalten. Es handelt sich dabei um ein
Zwischenergebnis. Der Bundesrat genehmigte am 20. Januar 1999 den Nachtrag zum
Richtplan und lud den Kanton ein, die erforderliche Gesamtüberarbeitung des
Richtplans spätestens bis Ende 2001 abzuschliessen und den überarbeiteten Richtplan
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/27
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dem Bundesrat zur Genehmigung einzureichen. Die Planinhalte des Nachtrags 1997
zum Richtplan 1987 stellten vorweggenommene Bestandteile des Richtplans SG01
dar. Sie wurden - soweit sich keine Anpassungen aufdrängten - unverändert in den
Richtplan SG01 übernommen. Der Richtplan SG01 ersetzt damit den Richtplan 1987
und den Richtplannachtrag 1997 und löst beide vollständig ab. Der Standort Campiun
ist auch im Richtplan SG01 als Abbaustandort Nr. 94 mit dem Koordinationsstand
"Zwischenergebnis" enthalten.
dd) Zu prüfen ist im folgenden die Frage, ob der beschriebene Stand der Planung des
Steinbruchs Campiun den gesetzlichen Vorgaben und Anforderungen gemäss
bundesgerichtlicher Praxis genügt. In diesem Zusammenhang fällt in Betracht, dass
das Bundesgericht in BGE 116 Ib 55 erwogen hat, dass für die Realisierung des zu
beurteilenden Deponiestandortes zusätzlich zur bereits erfolgten "Festsetzung des
Standortes auf Richtplanstufe" die Festsetzung eines Nutzungsplans notwendig sei.
Nach der Auffassung des Verwaltungsgerichts kann indes allein aus dieser
Formulierung nicht gefolgert werden, dass das Bundesgericht für die Bewilligung eines
Deponie- oder Abbauvorhabens zwingend die Festsetzung im Richtplan im Sinne von
Art. 5 Abs. 2 lit. a RPV verlangt. Wesentlich ist nämlich insbesondere die nachfolgende
Erwägung des Bundesgerichts, wonach im Rahmen der Nutzungsplanung eine
umfassende Beurteilung sämtlicher raum- und umweltrelevanter Gesichtspunkte
vorgenommen werden muss (vgl. auch BGE 123 II 87 und 120 Ib 213 f.). Dies bedeutet
e contrario, dass nicht bereits im Rahmen der Richtplanung sämtliche raumwirksamen
Tätigkeiten im Sinne einer Festsetzung gemäss Art. 5 Abs. 2 lit. a RPV aufeinander
abgestimmt wurden müssen. Eine umfassende Abwägung aller betroffenen Interessen
hat vielmehr erst im Rahmen der Nutzungsplanung zu erfolgen. Dies ist mit Blick auf
die prozesshafte Natur des Richtplans sachgerecht. Es würde den Rahmen des
Richtplanverfahrens, welches der Grundlagenbeschaffung dient (vgl. Tschannen,
a.a.O., N 2 ff.), sprengen, wenn darin derart umfassende und komplexe
Interessenabwägungen vorgenommen werden müssten, wie dies vorliegend der Fall
ist. Zu Recht wird denn auch im Richtplan SG01 wie schon zuvor im Nachtrag 1997
zum Richtplan 1987 ausgeführt, dass die genaue Festlegung des Abbauperimeters
sowie die Interessenabwägung im Abbauplan- bzw. Baubewilligungsverfahren
vorzunehmen sind. Dass das Bundesgericht den Begriff der "Festsetzung" im BGE 116
Ib 55 nicht im spezifischen Sinne der Festsetzung gemäss Art. 5 Abs. 2 lit. a RPV
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/27
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verstanden hat, ergibt sich schliesslich auch daraus, dass im gleichen Satz auch die
"Festsetzung eines Nutzungsplans" verlangt wird.
ee) Im weiteren kann im Umstand, dass der Steinbruch Campiun im Richtplan SG01 als
Zwischenergebnis vorgesehen ist, keine Verletzung von Art. 5 Abs. 2 lit. b WaG erblickt
werden. Diese Bestimmung verlangt, wie vorstehend dargelegt, dass ein
Rodungsvorhaben auch aus der umfassenden Perspektive der in Art. 1 und 3 RPG
enthaltenen Planungsziele und -grundsätze beurteilt wird. Die umfassende
Abstimmung und Abwägung der raumplanerischen Ziele und Grundsätze hat dabei
vorab im Nutzungsplanentscheid zu erfolgen (vgl. BGE vom 21. Januar 1993 i.S.
Schweizerische Stiftung für Landschaftsschutz und Landschaftspflege, auszugsweise
wieder gegeben bei Jaissle, a.a.O., S. 145). Es genügt deshalb auch mit Blick auf Art. 5
Abs. 2 lit. b WaG, wenn ein Vorhaben, für welches die Rodung begehrt wird, lediglich
als Zwischenergebnis im Richtplan verankert ist.
c) Dem Hinweis der Beschwerdeführer auf den Regionalplan der Gemeinden aus der
Region Werdenberg ist entgegenzuhalten, dass dieser Plan lediglich wegleitend ist für
die kantonale Planung und die Ortsplanung (Art. 40 Abs. 1 des Baugesetzes, sGS
731.1, abgekürzt BauG). Demgegenüber ist der kantonale Richtplan für die Behörden
verbindlich (Art. 44 Abs. 1 BauG), und die Regierung kann gestützt auf den Richtplan
die Anpassung von Regionalplanungen verlangen (Art. 44 Abs. 2 BauG). Der Richtplan
SG01 geht folglich dem Regionalplan der Gemeinden aus der Region Werdenberg vor,
und der Umstand, dass man sich im Regionalplan von 1992 gegen eine Erweiterung
des Steinbruchs Campiun ausgesprochen hat, steht der Verwirklichung des Projekts
nicht entgegen.
d) Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der Stand der Planung des Steinbruchs
Campiun den Anforderungen gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und
den gesetzlichen Vorgaben genügt. Die Beschwerde erweist sich auch in dieser
Hinsicht als unbegründet.
4./ a) Im weiteren rügen die Beschwerdeführer, der UVB sei unvollständig und
mangelhaft. Insbesondere sei die Bewertung der Fauna (gefährdete Tierarten der roten
Liste) und der Flora (gefährdete Pflanzenarten der roten Liste) nicht sachgerecht erfolgt.
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Gleiches gelte für die Bewertung des Waldes und der Landschaft nach der
Rekultivierung sowie der Varianten "Pflege" und "Abbau". Schliesslich werde nicht
bzw. zu wenig berücksichtigt, dass im Gebiet der Steinbrucherweiterung verschiedene
Lebensraumelemente vorkommen würden, die durch Art. 18 NHG und Art. 98 BauG
geschützt seien. Ausserdem sei im UVB zu Unrecht vom Ist-Zustand und nicht vom
massgebenden Ausgangszustand im Zeitpunkt der Projektumsetzung ausgegangen
worden. Dem Ausgangszustand hätte das Naturschutzprojekt "Ranserholz/Eschalär"
zugrundegelegt werden müssen, da dieses zweifellos umgesetzt würde, wenn das
Steinbruchvorhaben nicht durchgeführt würde. Ferner sei auch die Erhebung des Ist-
Zustandes mangelhaft erfolgt, da die Ausscheidung von ökologischen
Ausgleichsflächen nicht berücksichtigt worden sei. Schliesslich sei es nicht
sachgerecht, wenn der Steinbruch losgelöst von der geplanten Nutzung als Deponie
beurteilt werde.
b) Im UVB wird bezüglich der Auswirkungen im Bereich Natur- und Landschaftsschutz
ausdrücklich auf den Bericht der Firma Broggi und Partner AG vom Juli 1995
(abgekürzt Bericht Broggi) verwiesen (Anhang 1, S. 27). Es ist deshalb zutreffend, wenn
die Regierung im angefochtenen Entscheid darauf hinweist, dass für die Beurteilung
der Fauna und Flora nicht nur auf die zusammenfassende Darstellung im UVB
abgestellt wird, sondern auch der Bericht Broggi in die Beurteilung miteinbezogen wird.
Im Bericht Broggi werden die Pflanzen- und Tierwelt sowie die landschaftlichen
Aspekte im Abbaugebiet umfassend beschrieben und bewertet (Ziff. 6 und 7). Dass der
Bericht mangelhaft oder unvollständig sein soll, machen die Beschwerdeführer nicht
geltend. Vielmehr berufen sie sich im Zusammenhang mit der Rüge, die Bewertung von
Fauna, Flora und Landschaft sei im UVB ungenügend erfolgt, sogar auf den Bericht.
Die Ausführungen zu den "Auswirkungen im Bereich Wald" im UVB basieren auf einer
Waldfeststellung, welche zusammen mit dem Revier- und Kreisoberförster anhand
eines von der Broggi und Partner AG erstellten Gehölzplanes im Jahr 1995
durchgeführt worden ist. Die Wildsituation und die Auswirkungen der
Steinbrucherweiterung auf den Wildbestand wurden mit dem zuständigen Wildhüter
und mit dem Jagdobmann des lokalen Jagdreviers besprochen (Anhang 1, S. 33).
Inhaltlich wird auf den Bestand von achtzig- bis hundertjährigen Eichen- und
Buchenhölzer hingewiesen und unter anderem die Bedeutung des Seggen-
Buchenwald mit Bergsee betont sowie das Vorkommen von Feldhasen vermerkt
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(Anhang 1, S. 34). Im Anhang 10-1A werden zudem die verschiedenen Gehölzarten
einzeln aufgeführt. Im Schreiben des AFU vom 3. Mai 2001 wird ausgeführt, dass der
UVB die wesentlichen Aspekte des Natur- und Landschaftsschutzes vollständig und
richtig behandle. Die relevanten Inhalte des Gutachtens Broggi seien in den UVB
eingeflossen (S. 11). Ebenso wird die Abhandlung der wesentlichen Aspekte der
Walderhaltung als vollständig und richtig beurteilt (S. 12). Vor diesem Hintergrund
erweist sich die Rüge der Beschwerdeführer, der UVB sei unvollständig und
mangelhaft erstellt worden als unbegründet. Gleiches gilt für den Einwand der
Beschwerdeführer, der Umstand, dass der Bericht Broggi nicht zusammen mit dem
UVB öffentlich aufgelegen habe, stelle eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör dar. Die Beschwerdeführer haben in der Einsprache vom 19. April 2000
ausdrücklich auf den Bericht Bezug genommen, was belegt, dass ihnen der Bericht
bekannt gewesen ist.
c) aa) Gemäss Art. 9 Abs. 2 lit. a des Umweltschutzgesetzes (SR 814.01, abgekürzt
USG) hat ein UVB Auskunft über den Ausgangszustand zu geben. Der Begriff des
Ausgangszustandes meint dabei den vom Vorhaben noch nicht beeinflussten
Umweltzustand mit seinen natürlichen Standortmerkmalen und seinen Vorbelastungen
(Ist-Zustand). Massgebend ist der Zeitpunkt, in dem sich die dem Vorhaben
zuzurechnenden Belastungen auszuwirken beginnen, dies aber nicht als blosse
Momentaufnahme, sondern unter Einbezug der voraussichtlichen Entwicklungen
(Rausch/Keller, Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl., Zürich 2001, N 79 mit
Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung).
bb) Der UVB enthält eine Beschreibung sowie eine Beurteilung des Ist- bzw.
Ausgangszustands des Abbruchgebiets in natur- und landschaftsschützerischer
Hinsicht (Anhang 1, S. 27 ff.). Dabei ist entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer
nicht zu beanstanden, dass das Naturschutzprojekt "Ranserholz/Eschalär" ausser Acht
gelassen worden ist. Wie vorstehend dargelegt, ist der Ist-Zustand unter Einbezug der
voraussichtlichen Entwicklungen massgeblich. Wird das Abbauprojekt verwirklicht,
schliesst dies eine gleichzeitige Umsetzung des Naturschutzprojektes aus. Im übrigen
teilt auch die ENHK die Feststellung im UVB und im Bericht Broggi, wonach der
heutige Zustand namentlich in bezug auf die Vielfalt des Artenspektrums und die
fortschreitende Verbuschung des Abbaugebiets als unbefriedigend beurteilt werden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/27
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muss. Dies gilt, wie sich das Verwaltungsgericht anlässlich des Augenscheins
überzeugen konnte, auch heute noch unabhängig von der Ausscheidung von
ökologischen Ausgleichsflächen.
d) Als nicht stichhaltig erweist sich schliesslich der Einwand, eine künftige Nutzung des
Steinbruchs Campiun als Reaktor- oder Inertstoffdeponie müsste bereits heute
berücksichtigt werden. Die Verwendung des Steinbruchareals als Deponie ist nicht
Gegenstand des umstrittenen Abbauplans, sondern es ist eine weitgehende und
möglichst naturgetreue Renaturierung des Steinbruchareals vorgesehen.
e) Zusammenfassend steht somit fest, dass der UVB entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführer weder unvollständig noch mangelhaft ist.
5./ a) Im weiteren beanstanden die Beschwerdeführer eine Verzögerung des Verfahrens
hinsichtlich der Unterschutzstellung des Abbauplangebiets in der kommunalen
Schutzverordnung.
b) Die kommunale Schutzverordnung der politischen Gemeinde Sevelen von 1990
wurde vom Baudepartement bezüglich des Abbauplangebiets unbestrittenermassen
noch nicht genehmigt (vgl. Art. 31 BauG) und ist damit noch nicht rechtsgültig (Art. 6
Abs. 1 des Gemeindegesetzes, sGS 151.2, abgekürzt GG). Die kantonale
Genehmigung von rechtssetzenden Erlassen der Gemeinden ist nach st. gallischem
Recht konstitutiv, d.h., die genehmigungspflichtigen Erlasse der Gemeinde werden erst
rechtsgültig, wenn sie die departementale Genehmigung erhalten haben. Dies ergibt
sich insbesondere aus dem Wortlaut von Art. 6 Abs. 1 und Art. 233 Abs. 1 GG, wonach
die Rechtsgültigkeit des Erlasses mit der departementalen Genehmigung eintritt, und
wird zum anderen bestätigt durch die Gesetzesmaterialien (H.R. Arta, Die
Zuständigkeitsordnung nach st. gallischem Gemeindegesetz in der politischen
Gemeinde mit Bürgerversammlung, Diss. St. Gallen 1990, S. 92 f. mit weiteren
Hinweisen). Indem die Rechtsgültigkeit eines Erlasses an die departementale
Genehmigung geknüpft ist, kann ein kommunaler Erlass vor der Genehmigung keine
Rechtswirkungen entfalten (VerwGE vom 10. Juni 2004 i.S. politische Gemeinde St.G.).
Im weiteren kann den Behörden auch keine Verfahrensverschleppung vorgeworfen
werden. Wie bereits erwähnt, kann die Richtplanung eine Anpassung der Ortsplanung
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bedingen (Art. 44 Abs. 2 BauG). Nachdem der Abbaustandort Campiun Eingang in den
Richtplan SG01 gefunden hat, ist es somit nur sachgerecht, wenn mit der
Genehmigung der Schutzverordnung im Bereich des Abbaugebiets zugewartet wird.
Die Beschwerde erweist sich auch in dieser Hinsicht als nicht stichhaltig.
6./ a) Schliesslich stellen sich die Beschwerdeführer auf den Standpunkt, die
Einschätzung der Vorinstanz, wonach nicht der gesamte, einmalige Lebensraum
zerstört werde, sondern lediglich ein beträchtlicher Teil davon in Mitleidenschaft
gezogen werde, treffe nicht zu. Tatsache sei, dass der beste Fünftel eines sehr
seltenen Lebensraumes zerstört und der landschaftliche Charakter für immer verloren
gehen werde. Die Fläche könne zwar wie geplant rekultiviert werden und bei
sorgfältiger Anlage und Pflege werde auch ein neuer ökologisch interessanter
Lebensraum entstehen, die Beeinträchtigung und Zerstörungen würden jedoch
nachhaltig wirksam bleiben. Nach der vollständigen Rekultivierung werde es z.B. über
100 Jahre dauern, bis der Lebensraum mit der notwendigen Altersstruktur der Eichen
wieder als funktionstüchtig betrachtet werden könne. Zudem werde sich das
Landschaftsbild nie mehr erholen, da das Relief völlig neu gestaltet werden solle. Mit
diesen Rügen beanstanden die Beschwerdeführer sinngemäss, die Vorinstanzen hätten
die Interessenabwägung nach Art. 6 NHG nicht sachgerecht vorgenommen.
b) aa) Wie bereits vorstehend ausgeführt wurde (Erw. 2./ c), schliesst Art. 6 NHG nicht
jede Veränderung der Inventarobjekte aus. Voraussetzung ist indes, dass der Eingriff
durch ein gleich- oder höherwertiges Interesse von ebenfalls nationaler Bedeutung
legitimiert ist und das Gebot der grösstmöglichen Schonung eingehalten wird. Die
grösstmögliche Schonung ist dabei unter Einbezug von Wiederherstellungs- und oder
angemessenen Ersatzmassnahmen zu beurteilen, die in analoger Anwendung von Art.
18 Abs. 1ter NHG vom Verursacher zu leisten sind.
bb) Im weiteren besteht, wie ebenfalls dargelegt wurde (Erw. 2./), am geplanten Abbau
von Hartgestein erster Qualität ein nationales Interesse. Sodann kann dem
geologischen Gutachten vom 23. September 1998/9. Oktober 1998 entnommen
werden, dass das Projekt in der engeren Umgebung in hohem Masse an den Standort
gebunden ist und der projektierte Perimeter das örtliche Vorkommen an nutzbaren
Gesteinen optimal abdeckt. Das Vorkommen wird bergseits (gegen Westen) und gegen
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Süden praktisch vollständig ausgeschöpft; eine Erweiterung gegen Norden fällt wegen
der mangelnden Gesteinsqualität ausser Betracht. Weitere nutzbare Gesteine liegen
nur zwischen dem jetzigen Steinbruchprojekt und der Siedlung Rans (S. 4). Auch das
Gutachten der Baugeologie Chur vom 28. November 2003 bestätigt das
Vorhandensein der abbauwürdigen Gesteinsschichten südlich des alten Steinbruchs.
Es ist deshalb davon auszugehen, dass der neue Steinbruch die Voraussetzung der
grösstmöglichen Schonung gemäss Art. 6 Abs. 1 NHG erfüllt, was von den
Beschwerdeführern auch nicht bestritten wird. Hingegen stellen die Beschwerdeführer
die Wirksamkeit der geplanten Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen in Abrede.
Sie stützen sich dabei wesentlich auf das Gutachten der ENHK vom 18. Juni 1997. Wie
die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zutreffend erwogen hat, darf vom Ergebnis
des ENHK-Gutachtens nur aus triftigen Gründen abgewichen werden (BGE 127 II 281).
cc) Die ENHK führt im Gutachten vom 18. Juni 1997 aus, Landschaften könnten nicht
beliebig ausgetauscht werden, schon gar nicht, wenn es sich bei der zu ersetzenden
Landschaft um eine kulturhistorisch und ökologisch bedeutende Landschaft handle,
die zudem in einem BLN-Gebiet liege und prägender Bestandteil desselben sei.
Ebensowenig könnten landschaftszerstörende Eingriffe durch naturschützerische
Aufwertungsmassnahmen gerechtfertigt werden. Die ungeschmälerte Erhaltung dieses
einzigartigen Landschaftsteils des BLN-Objekts wie auch seine grösstmögliche
Schonung könnten nur mit einem Verzicht auf die geplante Steinbrucherweiterung
erreicht werden. Mit Schreiben vom 27. Februar 2001 nahm die ENHK im
Zusammenhang mit der zweiten Projektauflage ein weiteres Mal Stellung zur geplanten
Steinbrucherweiterung. Sie führte im wesentlichen aus, am Projekt seien keine
Änderungen angebracht worden und da sich auch das einschlägige materielle Recht in
der Zwischenzeit nicht verändert habe, bestehe kein Anlass, das Gesuch grundsätzlich
neu zu begutachten. Es würden vielmehr die Erwägungen und Schlussfolgerungen des
Gutachtens vom 18. Juni 1997 bestätigt.
dd) Die Aussage der ENHK, wonach sich das materielle Recht in der Zeit von 1997 bis
2001 nicht geändert habe, trifft in dieser Form nicht zu. Die Fassung von Art. 6 Abs. 1
NHG wurde im Zuge des Erlasses des Bundesgesetzes über die Koordination und
Vereinfachung von Entscheidverfahren inhaltlich dahingehend geändert, dass die
grösstmögliche Schonung unter Einbezug von Wiederherstellungs- oder
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angemessenen Ersatzmassnahmen zu beurteilen ist. Die neue Regelung ist seit 1.
Januar 2000 in Kraft. Nachdem somit feststeht, dass schadenmindernde Massnahmen
bei der Prüfung der grösstmöglichen Schonung miteinbezogen werden müssen, ist die
Aussage der ENHK im Gutachten vom 18. Juni 1997, wonach landschaftszerstörende
Eingriffe durch naturschützerische Aufwertungsmassnahmen (generell) nicht
gerechtfertigt werden könnten, zu absolut formuliert. Die ENHK wäre vielmehr gehalten
gewesen, die geplanten Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen im einzelnen zu
prüfen und in die Interessenabwägung miteinzubeziehen. Dies wurde sowohl im
Gutachten vom 18. Juni 1997 als auch im Schreiben vom 22. Januar 2001 unterlassen.
Das Gutachten erweist sich somit in einem wesentlichen Punkt als unvollständig,
weshalb ein triftiger Grund im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gegeben
ist, um vom Ergebnis der Begutachtung abzuweichen.
ee) Die in Art. 6 Abs. 1 NHG vorgesehenen Ersatzmassnahmen stehen - wie bei Art. 18
Abs. 1ter NHG - nicht wahlweise, sondern in einer festgelegten Reihenfolge zur
Verfügung. Wenn das betroffene Objekt nicht geschützt werden kann, muss es nach
Möglichkeit wiederhergestellt werden. Anderer Ersatz ist nur und erst zulässig, wenn
auch Wiederherstellungsmassnahmen nicht in Frage kommen oder sich als
unzweckmässig erweisen (vgl. Fahrländer, a.a.O., N 34 zu Art. 18). Mit der
Wiederherstellung wird ein auf einen konkreten Eingriff zurückzuführender Verlust
(vollständig) aufgehoben oder rückgängig gemacht. Vollständige Wiederherstellung ist
demnach der (identische) Ersatz von Naturobjekten am selben Standort, in derselben
Ausdehnung und Ausprägung sowie in gleichwertiger Art, Erscheinung, ökologischer
Funktion und Dynamik. Vollständige Wiederherstellung beinhaltet (bloss) zeitlich
beschränkte Verluste, wobei die Gleichwertigkeit der Wiederherstellung wesentlich von
dem damit verbundenen Aufwand und der geübten Sorgfalt abhängt. Die
Zweckmässigkeit von Wiederherstellungsmassnahmen lässt sich deshalb erst am
konkreten Objekt und in Kenntnis der jeweiligen Umstände beurteilen.
Wiederherstellungen sind vielfach Neuaufforstungen oder Neuanpflanzungen in
Biotopen, in die - wie beispielsweise beim Materialabbau - nur vorübergehend
eingegriffen wird (vgl. Fahrländer, a.a.O., N 36 zu Art. 18). Angemessener Ersatz ist
zunächst eins zu eins Realersatz in Art, Erscheinung und Funktion an anderem
Standort in derselben Gegend. Er kann aber auch - in qualitativer, quantitativer und
allenfalls in finanzieller Hinsicht - möglichst gleichwertiger Ersatz sein. Angemessener
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Ersatz heisst aber auch sinnvoller und verhältnismässiger Ersatz. Angemessener Ersatz
kann deshalb ausnahmsweise auch den Anforderungen von Art. 6 Abs. 1 NHG
genügen, wenn er sich nicht als gleichwertig erweist. Zudem ist es denkbar, dass die
Elemente des gleichwertigen Ersatzes im Einzelfall nicht der "Zusammensetzung" des
zerstörten Objekts entsprechen, sich aber insgesamt als gleichwertig erweisen.
ff) Im Zusammenhang mit der Interessenabwägung gemäss Art. 6 NHG ist unbestritten,
dass durch den vorgesehenen Abbau ein prioritäres Schutzziel des BLN-Objekts in
einem wesentlichen Teil stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Im weiteren steht fest,
dass weder in landschaftlicher noch in ökologischer Hinsicht eine vollständige
Wiederherstellung des gegenwärtigen Zustandes erreichbar ist. Immerhin ist aber in
landschaftlicher Hinsicht davon auszugehen, dass nach Abschluss der Auffüllarbeiten
und der Neuaufforstung und Neuanpflanzung vom Eingriff langfristig nur wenig sichtbar
sein wird. Zwar ist der Hinweis der Beschwerdeführer zutreffend, wonach der
Zeithorizont, in dem wieder mit einer vergleichbaren Landschaft zu rechnen ist, weit
anzusetzen ist; indes trifft dies für Neuaufforstungen, welche typische
Wiederherstellungen im Sinne von Art. 6 Abs. 1 NHG darstellen, grundsätzlich zu. Die
verhältnismässig lange Dauer bis wieder mit einer vergleichbaren Landschaft gerechnet
werden kann, ist deshalb im Rahmen der Interessenabwägung nicht von
ausschlaggebender Bedeutung. Dies gilt vorliegend um so mehr, als der
Gesteinsabbau etappiert ist und eine sukzessive Rekultivierung beabsichtigt wird. In
ökologischer Hinsicht fällt in Betracht, dass im Abbauperimeter umfangreiche,
landschafts- und naturschützerisch wertvolle Renaturierungsmassnahmen vorgesehen
sind, wie die Wiederherstellung und Neuschaffung von Waldflächen, Feldgehölzen,
Magerwiesen, Pionier- und Ruder-alstandorten einschliesslich Kies- und Geröllflächen,
Felsbändern und Feuchtgebieten, Rohböden und Spontanbegrünungsflächen. Weder
im Gutachten der ENHK noch in der Beschwerde wird dargelegt, weshalb diese
gebietsspezifischen Massnahmen nicht zumindest langfristig einen angemessenen
Ersatz des durch den Abbau beeinträchtigten Schutzgebiets ermöglichen sollen. Die
kantonale UVP-Fachstelle geht in ihrem Bericht davon aus, dass infolge des
Gesteinsabbaus verlorengegangene Lebensgemeinschaften zwar nicht in gleicher
Form wieder hergestellt werden können, aber gegenüber dem heute bestehenden
Zustand insgesamt gesehen sogar eher eine Verbesserung für die Ökologie durch die
Zunahme der Vielfalt an Biotypen zu erwarten ist. Hinzu kommen die aus-serhalb des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/27
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Abbauperimeters vorgesehenen Ersatz- und Pflegemassnahmen auf einer Fläche von
rund 13 ha (Schaffung und Pflege von Magerwiesen, Gehölzen, Wald und
Waldrandflächen sowie Krautsäumen), welche die Naturwerte gegenüber dem
gegenwärtigen Zustand verbessern werden. Unter diesen Umständen kann der
Vorinstanz keine Rechtsverletzung vorgeworfen werden, wenn sie gestützt auf die
kantonalen Fachstellen davon ausgegangen ist, bei der Verwirklichung der verlangten
Ersatz- und Aufwertungsmassnahmen werde ein gleichwertiger Ersatz geschaffen und
das Abbauvorhaben mit Art. 5 Abs. 2 WaG bzw. Art. 6 NHG als vereinbar beurteilt hat.
c) Zusammenfassend steht somit fest, dass mit dem Abbauvorhaben zwar ein
schwerer Eingriff in das BLN-Objekt Nr. 1613 verbunden ist, der umfangreiche
Beeinträchtigungen für ein prioritäres Schutzziel mit sich bringt. Indes besteht in
Anbetracht der prekären Eigenversorgungssituation in der Schweiz im allgemeinen und
in der Ostschweiz im speziellen ein Interesse von ebenfalls nationaler Bedeutung am
Abbauvorhaben. Hinzu kommt, dass der Abbau aufgrund des Standorts und der neuen
Erschliessung den berechtigten Anliegen der betroffenen Wohnbevölkerung so weit als
möglich Rechnung trägt. Schliesslich werden sehr umfangreiche Wiederherstellungs-
und Ersatzmassnahmen verlangt, die zumindest langfristig einen Ersatz schaffen. Unter
diesen Umständen kann der Vorinstanz keine Rechtsverletzung vorgeworfen werden,
wenn sie im Rahmen einer Gesamtinteressenabwägung die Interessen an der
Verwirklichung des Projektes schwerer gewichtet hat als die Interessen an der
Erhaltung des gegenwärtigen Zustandes.
7./ a) Die Beschwerdeführer beantragen für den Eventualfall die Sistierung des
Verfahrens bis zur Ausarbeitung eines nationalen Hartgesteinskonzepts.
b) Eine Sistierung des Verfahrens ist anzuordnen, wenn sie gesetzlich vorgeschrieben
ist oder wenn ein anderes Verfahren anhängig ist, dessen Ausgang von präjudizieller
Bedeutung ist. Zulässig ist die Verfahrenssistierung ausserdem, wenn sie aus wichtigen
Gründen geboten erscheint und ihr keine überwiegenden öffentlichen oder privaten
Interessen entgegenstehen (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 1093).
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c) Die Kompetenz zur Gewährung von Bewilligungen für den Materialabbau liegt bei
den Kantonen. Die Ergebnisse des von den Beschwerdeführern erwähnten "runden
Tischs" liegen in Form des Schlussberichts des Mediators vor. Hinweise auf den Erlass
eines gesamtschweizerischen Hartgesteinskonzepts lassen sich daraus nicht
entnehmen und sind auch sonst nicht ersichtlich. Unter diesem Umständen sind keine
Gründe gegeben, welche die von den Beschwerdeführern beantragte Sistierung
rechtfertigen würden.
8./ Zusammenfassend steht somit fest, dass die Beschwerde abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 5'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 des Gerichtskostentarifs,
sGS 941.12). Sie ist mit dem einbezahlten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Die Beschwerdegegnerin hat für das Beschwerdeverfahren Anspruch auf
ausseramtliche Entschädigung durch die Beschwerdeführer (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP). Da der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin keine
Honorarnote eingereicht hat, ist das Honorar nach Ermessen festzusetzen (Art. 6 der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO).
Mit Blick auf den Umstand, dass der Rechtsvertreter die Beschwerdegegnerin in drei
weiteren, gleich gelagerten Beschwerdeverfahren vertritt, ist eine Entschädigung von
Fr. 3'000.-- zuzügl. MWSt angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 19
HonO). Die Parteientschädigung wird den Beschwerdeführern je zu gleichen Teilen und
unter solidarischer Haftung auferlegt (Art. 98ter VRP in Verbindung mit Art. 271 des
Zivilprozessgesetzes, sGS 963.2).