Decision ID: ad948e6c-26a2-431f-9b47-3357aeef0b0c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1980
, Mutter von
einem
Kind (Jahrgang
2008
),
mel
dete sich am 13.
April 2014 u
nter Hinweis auf
ein
psychisches Leiden
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
10/10
). Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbli
che Situation ab
und
schloss mit Mitteilung vom
31. Juli 2014
(Urk. 10/21) die beruflichen Eingliederungsmassnahmen ab, da derzeit eine Wieder
aufnahme einer beruflichen Tätigkeit nicht möglich sei.
Am 1. September 2014 ersuchte die Versicherte
um Unterstützung bei der beruf
lichen Eingliederung (Urk. 10/26). In der Folge gewährte die IV-Stelle der Versi
cherten Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche vom 2. Dezember 2015 bis zum 2. Mai 2016
und einen Arbeitsversuch bei der
B._
vom 2. Juni bis zum 30. November 2016
(
vgl. Mittei
lungen vom 25. November 2015
und vom
22. Juni 2016
, Urk. 10/42,
Urk. 10/50). Am 2. November 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten den Abschluss der Arbeitsvermittlung mit, da sie im Anschluss an den Arbeitsversuch per 1. Dezember 2016 einen Festanstellungsvertrag
in
einem 40%-Pensum
erhalten habe (Urk. 10/59
; vgl. Urk. 10/64
= Urk. 10/101/6-
7
= Urk. 3/2 = Urk. 8/6
).
Im Rahmen der Rentenprüfung holte d
ie IV-Stelle bei
Dr
.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gut
achten ein, das am 2. Oktober 2017 erstattet wurde (Urk. 10/82).
Mit Vorbe
scheid vom 2. November 2017 (Urk. 10/86) stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht. Gleichentags auferlegte sie der Versicherten eine Schadenminderungspflicht und hielt sie an, sich während min
destens drei Monaten einer auf die
Borderline
Persönlich
keits
störung spezialisier
ten stationären psychiatrisch/
psychothera
peutischen Behandlung zu unterziehen (Urk. 10/85). Am 30. November 2017 erhob die Ver
sicherte Einwand gegen den Vorbescheid (Urk. 10/89). Mit Verfügung vom 24. Januar 2018 (Urk. 10/96
= Urk. 10/101/1-3 = Urk. 2/1-3
= Urk. 8/3
) hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid fest und wies das Leistungsbegehren der Versicherten ab.
2.
Die Versicherte erhob am
21. Februar 2018
bei der IV-Stelle
Beschwerde gegen die Verfügung vom
24. Januar 2018
(Urk.
8/
3
) und beantragte
sinngemäss
, diese sei aufzuheben
,
es sei ihr
eine Rente
zuzusprechen
und es seien weitere Abklä
rungen
vorzunehmen. Zudem ersuchte sie sinngemäss um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung
(Urk. 10/102/1-3 = Urk.
1
= Urk. 8/1
).
Am 26. Februar 2018 (Urk. 4) überwies die IV-Stelle
die Beschwerde der Versicherten
dem hiesigen Gericht
zur Erledigung
.
Mit Beschwerdeantwort vom 9. April 2018 (Urk. 9) beantragte die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 12. April 2018
(Urk. 11)
zog die Beschwerdeführerin ihren Antrag auf Gewährung der unent
gelt
lichen Prozessführung und Rechtsvertretung zurück und präzisierte die beschwer
de
weise gestellten Anträge dahingehend, dass die Verfügung vom 24. Januar 2018 aufzuheben und ihr eine Rente zuzusprechen sei.
Mit Replik vom 21. August 2018 (Urk. 17)
hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest und bean
tragte zudem, eventuell sei die Verfügung vom 24. Januar 2018 aufzu
heben und die Sache sei zu ergänzenden medizinischen und beruflich-erwerbli
chen Abklä
rungen und anschliessendem neuen Entscheid über den Rentenan
spruch an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerde
führerin reichte mit Ein
gabe vom 22. August 2018 (Urk. 19) weitere Unterlagen (Urk. 20) ein. Mit Ein
gabe vom 13. September 2018 (Urk. 22) verzichtete die Beschwerde
gegnerin auf das Einreichen einer Duplik, worüber die Beschwerde
führerin am 19. September 2018 in Kenntnis gesetzt wurde
(Urk. 23)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenaus
schliessen
des Erwerbs
ein
kommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_12
5/2015 vom 1
8.
November 2015 E.
5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
-
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundes
ge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im kon
kreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten
-
eine schlüssige Beurteilung anhand der mass
geblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
1.7
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditäts
be
messung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Ent
scheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Ver
hältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhält
nisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil
)Erwerbstätigkeit
der im Sozialversicherungsrecht
übliche Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen wer
den (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
1.8
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des
Einspracheentscheides
ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Ver
wal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus prozessökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (
BGE
99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
1.9
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
rele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte in der angefochtenen Verfügung (Urk.
2
/1-3
) aus, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der beruflichen Integration bis Ende Novem
ber 2016 von der Eingliederungsberatung unterstützt worden sei. Seit dem 1. Dezember 2016 arbeite die Beschwerdeführerin bei der
B._
in ihrem bishe
rigen 40%-Pensum. Anschliessend sei die Rentenprüfung eingeleitet und ein psychiatrisches Gutachten im Herbst 2017
eingeholt
worden. Anlässlich der Begutachtung sei festgestellt worden, dass die Beschwerdeführerin seit August 2013 zwar Einsc
hränkungen aufweise, jedoch
davon auszugehen
sei
, dass die Beeinträchtigungen nicht schwerwiegend und langandauernd seien
. Seit dem 1. Mai 2013 arbeite die Beschwerdeführerin in einem 40%-Pensum, das restliche Pensum falle in den Haushaltsbereich. Gemäss den medizinischen Abklärungen sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin das bisherige 40%-Pensum seit August 2013 weiterhin vollschichtig möglich sei. Im Haushaltsbereich bestünden keine schwerwiegenden Einschränkungen. Gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung kümmere sie sich zu Hause um ihren Sohn, erledige den Haushalt, gehe Einkaufen und mit dem Hund spazieren. Ihr Tagesablauf sei geregelt und der Kontakt mit anderen Menschen sei vor
han
den. Ein sozialer Rückzug und schwerwiegende Einschränkungen im Haus
halts
bereich seien daher nicht erkennbar. Zudem seien die Therapiemöglich
keiten nach wie vor nicht ausgeschöpft. Eine mehrmonatige spezifisch-stationäre Behandlung der
Borderline
Persönlichkeitsstörung sei dringend angezeigt. Mit dieser adäquaten Therapie sollte sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin zudem deutlich verbessern. Zusammenfassend habe die gesundheitliche Beeinträchtigung keine schwerwiegende und keine dauerhafte Erwerbsun
fähig
keit zur Folge, weshalb der Anspruch auf weitere Leistungen der Invaliden
ver
si
cherung nicht erfüllt sei (S. 1 f.).
2.2
Die
Beschwerdeführerin
machte demgegenüber beschwerdeweise (
Urk.
1;
Urk. 8/1) geltend,
dass es ihr psychisch immer schlechter gehe, sie schaffe es gerade noch,
zu
40
%
zu arbeiten. Ohne ihre psychische Beein
trächtigung würde sie wieder zu 80-100 % arbeiten wie vor der Schwangerschaft, da ihr Kind neun Jahre alt sei und zur Schule und in den Hort gehe. Seit der Begutachtung habe sich ihr Gesundheitszustand zudem verschlechtert
. Es seien weitere Abklärungen vorzunehmen
(S. 1 f.).
In ih
rer Replik (Urk. 17)
führte
die Beschwerdeführerin
ergänzend aus
, dass sie als Gesunde ein Vollpensum ausüben würde, sei sie doch bereits vor der Schwan
gerschaft zu 80-100 % erwerbstätig gewesen. Aufgrund der engen wirtschaft
li
chen Situation,
des Alters ihres
Kindes und des Umstandes, dass sie seit zwei Jahren alleinerziehen sei, wäre sie gezwungen, wieder ein Vollpensum auszuüben (S. 4 f. Ziff. II.1).
Ausserdem
habe
sich schon vor Verfügungserlass, nämlich kurz nach der Beg
utachtung
,
eine Verschlechterung abgezeichnet. So sei sie ab Januar 2018 auf Unterstützung der
Psychiatriespitex
angewiesen gewesen. Ein üb
er das 40%-Pensum hinausgehendes
Pensum habe sie behinderungsbedingt nicht ausü
ben können. Entsprechend sei von einer 60%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Ab April 2018 sei es
dann
zu einer weiteren erheblichen Ver
schlechterung gekommen und sie sei seither arbeitsunfähig. Auch wenn diese weitere Ver
schlechterung erst nach Verfügungserlass erfolgt sei, sei der Verlauf insofern zu berücksichtigen, als daraus der Schweregrad der gesundheitlichen Einschränkung ersichtlich werde. Trotz einer zehnwöchigen
dialektisch-
behavioralen
Therapie (
DBT
)
habe sich ihr Gesundheitszustan
d nicht ver
bessert und sie befinde sich seit
her, namentlich seit dem 14. Mai 2018, in stationärer Behandlung. Ein Austritts
datum stehe noch nicht fest (S. 6 f. Ziff. II.3).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente und dabei insbesondere,
ob die Beschwerdegegnerin die sozialversicherungs
rechtliche Qualifikation der Beschwerdeführerin und die medizinische Situation genügend abgeklärt hat.
3.
3.1
Dr.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem Bericht vom 19. Mai 2014 (Urk. 10/13/1-5) aus, dass er die
Beschwerdeführerin
seit 1986 behandle (Ziff. 1.2)
,
und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Episoden, Panikattacken
be
stehend seit zirka 1994
-
Asthma bronchiale
-
radiologisch isoliertes Syndrom (RIS;
klinisch keine Hinweise auf
demyeli
n
i
sierende
Erkrankung, jedo
ch entsprechende Hinweise
im Schädel-MRI
)
-
persistierend Akne
vulgaris
,
Hirsutismus
Die Arbeitsunfähigkeit
sei nicht somatisch, sondern vollumfänglich psychiatrisch begründet (Ziff. 1.6).
3.2
Dr.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte in ihrem Bericht vom 19. Mai 2014 (Urk. 10/15/6-10) aus, dass sie die
Beschwerde
führerin
seit August 2013 behandle (Ziff. 1.2), und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typus (ICD-10 F60.31)
-
Angststörung mit Panikattacken (ICD-10 F41.0), sozialer Phobie (ICD-10 F40.1) und generalisierten Elementen (ICD-10 F41.1)
-
Zwangsgedanken (ICD-10 F42.0)
-
Status nach multiplem Substanzgebrauch und Konsum anderer psycho
troper Substanzen:
Cannabinoide
, Sedativa,
Hypnotica
, Kokain, Halluzi
no
gene, Stimulanzien
In der bisherigen Tätigkeit als Pflegefachfrau bestehe eine 100%ige Arbeitsun
fä
higkeit bezogen auf ein 40%-Arbeitspensum (Ziff. 1.6).
3.3
Dem Bericht der
Ärzte der Integrierten Psychiatrie
E._
vom
19
. Dezember 2014 (Urk. 10/35) ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin vom 8. Oktober bis zum 30. Dezember 2014 stationär behan
delt
worden sei
(Ziff. 1.3). Die Ärzte der
E._
nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell leichtgradig (ICD-10 F33.0), seit Jahren
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung: impulsiver Typ (ICD-10 F60.30), Erstdiagnose Dezember 2014
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Pflegeassistentin habe für die Dauer des stationären Aufenthaltes eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit für die Zeit danach habe durch den ambulanten Behandler zu erfolgen (Ziff. 1.6).
3.4
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem Bericht vom 12. Dezember
2016 (Urk. 10/70/1-5) aus, dass er die Beschwerdeführerin seit April 2016 behandle (Ziff. 1.2), und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Pe
rsönlichkeitsstörung
Borderline
-
Typ, Erstmanifestation
1994
-
multifokale und multiforme, mehrheitlich intermittierende Symptomato
logie
mit ziehenden
Rücken- und Beinschmerzen, beinbetonten
akralen
Kribbelparästhesien,
Urge
-Phänomen, Sehstörungen, Vergesslich
keit/Kon
zen
trations
störungen und Adynamie
-
multifaktorielle Beinschmerzen
Es bestünden weiterhin rein psychische Einschränkungen. Die Arbeitsunfähigkeit sei nicht somatisch, sondern vollumfänglich psychiatrisch begründet (Ziff. 1.6
1.7).
3.5
Dr.
D._
führte in ihrem Verlaufsbericht vom
30. Januar 2017 (Urk. 10/73
/1-5
) bei gleich gebliebenen Diagnosen (Ziff. 1.1; vgl. vorstehend E. 3.2) aus, dass in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Pflegefachfrau eine 60%ige Arbeitsun
fähig
keit bezogen auf eine 100%-Arbeitspensum, mithin eine 40%ige Arbeits
fähigkeit vorliege (Ziff. 1.6). Mit der 40%igen Arbeitsleistung sei die Grenze der Belastungs
fähigkeit der Beschwerdeführerin erreicht. Für sie sei die Einhaltung der oberen Grenze von 40 % zentral. Ob die 40%ige Arbeitsfähigkeit zukünftig gehalten werden könne, sei immer wieder in Frage gestellt durch Krisen
si
tuationen der Beschwerdeführerin (Ziff. 1.9).
3.6
Dr.
A._
erstattete das von der
Beschwerdegegnerin
in Auftrag gegebene
psychiatrische Gutachten am 2. Oktober 2017 (Urk. 10/
82)
, und nannte eine emotional instabile Persön
lichkeitsstörung vom
Borderline
-
Typ (ICD-10 F60.31) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 11 Ziff. 15a). Zudem nannte er folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 11
f.
Ziff. 15b):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
-
Agoraphobie mit Panikattacken (ICD-10 F40.01)
-
Kokainabhängigkeit, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F14.2)
-
Status nach psychotischer Störung durch Kokain (ICD-10 F14.5)
-
Benzodiazepinabhängigkeit
, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F13.24)
-
Status nach Amphetaminmissbrauch (ICD-10 F15.1)
-
Status nach
Ectasymissbrauch
(ICD-10 F16.1)
Für die Zeit von Juni 2012 bis Juli 2013 habe aus psychiatrischer
Sicht
weder in der angestammten noch in einer Verweistätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit bestan
den. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der emotional instabilen Per
sön
lich
keitsstörung vom
Borderline
-
Typ erst seit August 2013 in der ange
stammten Tätigkeit durchgehend
zu
maximal 50 % arbeitsfähig. Für eine
Ver
weistätigkeit ohne hohe Anforderungen an die Konzentratio
n, Aufmerk
samkeit und zeitlichen Vorgaben bestehe
seit August 2013
eine durchgehende Arbeits
fähigkeit von 70 %
(
S. 16 Ziff. 19
, vgl. S. 12 Ziff. 15
).
Die depressive Störung sei adäquat und ausreichend antidepressiv behandelt worden. Die emotional instabile Persön
lichkeitsstörung vom
Borderline
-
Typ sei ambulant aufgegriffen worden, jedoch scheine die Beschwerdeführerin grund
sätzlich keine
Verbesserung erfahren zu haben. Eine spezifisch-stationäre Behandlung der
Borderline
Persönlichkeitsstörung habe nicht stattgefunden. Die ambulante Psychotherapie erscheine nicht ausreichend gewesen zu sein (S. 12 Ziff. 16.1). Es wäre daher eine dreimonatige auf die
Borderline
Persönlich
keits
störung spezialisierte stationäre psychiatrisch/psycho
thera
peutische Behand
lung wie beispielsweise im Rahmen einer DBT zu empfehlen
(S. 13 Ziff. 16.3). Nach der Therapie wäre prognostisch eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit auf 70 % möglich (S. 15 Ziff. 17).
3.7
Dr. G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), kam in seiner Stellungnahme vom 26. Oktober 2017 (Urk. 10/84/6-7)
gestützt auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 3.6)
zum Schluss, dass für die
Zeit von Juni 2012 bis Juli 2013
aus psychiatrischer Sicht sowohl in
der ange
stamm
ten
Tätigkeit als auch in einer angepassten Tätigkeit keine Arbeits
unfähigkeit bestanden habe. Die Beschwerdeführerin sei
von
August 2013 bis heute in der angestammten Tätigkeit durchgehend maximal zu 50 % arbeitsfähig
gewesen
. Für eine angepasste Tätigkeit ohne hohe Anforderungen an die Kon
zentration, Aufmerksamkeit und zeitliche Vorgaben bestehe seit August 2013 eine durch
gehende Arbeitsfähigkeit von 70 %. Mittelfristig könnte in der ange
stammten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70 % erreicht werden.
3.8
F._
führte in seinem Schreiben vom 17. November 2017 (Urk. 10/88) aus, dass die Beschwerdeführerin unter einer invalidisierenden Per
sönlichkeitsstörung und rezidivierenden depressiven Symptomen leide. Sie habe seit der Jugend mit wenigen Pausen Psychotherapien besucht und Medikamente eingenommen. Alles habe nie richtig geholfen, mal sei es besser, mal schlechter
gegangen
. Die Psychotherapie habe eine leichte Stabilisierung erzielen können, aber auch dort seien
schlechte Episoden aufgetreten.
Aktuell sei die Beschwerde
führerin wieder niedergeschlagen, antriebslos, habe Essanfälle und teilweise Suizidgedanken. Verschlechtert habe die Situation auch ein ver
mehrter Arbeits
einsatz wegen Abwesenheiten von Mitarbeitern.
Mit dem aktuellen Pensum von 40 % und Einsätzen von einigen Stunden pro Tag fühle sie sich wohl. Wenn das Pensum erhöht werde, würden Konzentrationsstörungen, Überforderungen und zunehmen
d
Fehler auftreten. Somit sei die Beschwerde
führerin
bei nicht behan
delbarer psychiatrischer Erkrankung nicht voll arbeits
fähig.
3.9
Ein Arzt der
Klinik
H._
führte in seinem Zwischenbericht vom 22. August 2018 (Urk. 20) aus, dass die
Beschwerdeführerin
seit dem 14. Mai 2018 in der
Klinik
stationär behandelt werde
, und nannte folgende psychiatrische Diagnosen (S. 1):
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung:
Borderline
-Typ (ICD-10 F60.31)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F13.2)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
Zudem nannte er folgende somatische Diagnosen (S. 1):
-
Asthma bronchiale, nicht näher bezeichnet
-
Thalassämie
, nicht näher bezeichnet
-
allergische
Rhinopathie
durch Pollen
-
multifokale und multiforme mehrheitlich intermittierende Symptoma
to
logie; Differentialdiagnose: M
ultiple Sklerose
-
tiefe Beinvenenthrombose (TVT) rechts
,
Erstdiagnose 11. Juli 2018
-
nicht näher bezeichnete Knoten in der Mamma
Die Beschwerdeführerin sei zirka zehn Wochen auf der Station A2 zur DBT
Behandlung gewesen, wobei sie gegen Ende der zehn Wochen nur noch minimal vom therapeutischen Angebot habe profitieren können, da es zunehmen
d
zur akuten Suizidalität gekommen sei. Schliesslich sei
d
ie Verlegung auf die Station T2 (Krisenintervention) erfolgt. Währen
d
des Aufenthaltes auf der Station A2 sei eine TVT diagnostiziert worden. Zusätzlich sei ein Knoten in der Brust entdeckt worden und das Verlaufs-MRI des Kopfes zeige eine Zunahme der Marklage
läsionen, was auf eine Multiple Sklerose hinweisen
könne. Diesbe
züglich würden
nach dem Austritt diverse Untersuchungen empfohlen, unter anderem beim Gynäkologen und Neurologen. Da eine akute Eigengefährdung nicht habe aus
ge
schlossen werden können, sei die Isolation im Isolationszimmer erfolgt, wobei die Isolation im weiteren Verlauf habe gelockert werden können. Die Beschwerde
führerin habe weiterhin ein depressives Zustandsbild mit ausge
prägter Hoffnungs
losigkeit, Zukunftsängsten, Schuldgefühlen, Affektlabili
tät und Inte
ressen
losigkeit gezeigt. Medikamentöse Anpassungen zeigten bis jetzt nur mini
male Besserungen. Der Gesamtverlauf zeige bis jetzt eine Tendenz zur Ver
schlechterung des Zustandsbildes der Beschwerdeführerin. So fühle sich diese nicht mehr in der Lage, den angestammten Beruf weiter auszuüben und di
e Kin
derbetreuung wahrzunehmen (S. 1 f.).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Beschwerdeführerin als zu 40 % Erwerbstätige und als zu 60 % im Haushalt Tätige, da sie seit dem 1. Mai 2013 zu 40 % gearbeitet habe (vorstehend E. 2.1; vgl. Feststellungsblatt vom 2. No
vember 2017, Urk. 10/84 S. 9).
Demgegenüber machte die Beschwerde
führerin geltend, dass sie bei guter Gesundheit einem 100%-Pensum nachgehen würde (vorstehend E. 2.2). Strittig und zu prüfen ist demnach die sozialver
sicherungs
rechtliche Qualifikation der Beschwerdeführerin.
4.2
Den Akten ist zu entnehmen, dass die
Beschwerdeführer
in
seit dem
1. September 2005 bei der
B._
als Pflegefachfrau tätig war. Ihr Arbeitspensum betrug im Jahr 2005 80 %, im Jahr 2006 100 %, vom 1. Mai 2007 bis zum 31. August 2008 90 %, vom 1. September bis zum 31. Dezember 2008 40 %, vom 1. Januar 2009 bis zum 31. August 2010 60 %, vom 1. September 2010 bis zum 28. Februar 2011 40 %, vom 1. März 2011 bis zum 30. April 2013 50 % und
ab dem
1. Mai 2013 40 % (Urk. 10/5 S. 1; Urk. 10/91).
Die
Arbeitgeberin
beendete das Arbeits
verhält
nis
per Ende März 2015 (vgl.
Urk.
10/46 S.
2
; Urk. 17 S. 3 Ziff. I.2
)
.
Vom 2. Juni bis zum 30. November 2016 absolvierte die
Beschwerdeführerin
bei der
B._
einen Arbeitsversuch
(vgl. Urk. 10/50)
und war dabei
in einem 50%
Pensum
tätig
(Urk. 10/57 S. 2;
Urk. 10/68 S. 2
; vgl. Urk. 10/48/4-7 S. 2 = Urk. 10/52 S. 2
).
Dem Schlussbericht Coaching Training vom 22. November 2016 ist zu entnehmen, dass im Rahmen des Arbeitsversuchs festgestellt worden sei, dass das 50%-
Pensum längerfristig, nebst den
Arbeiten als alleinerziehende Mutter, der Belastung durch die Trennung der Partnerin und der weiterhin vor
handenen allgemeinen psychischen Belastung eine Überforderung zur Folge hätte, weshalb zukünftig ein Pensum
von
40 % anzuvisieren sei, da dies auch das Ziel in einer Festanstellung nach dem Trainingseinsatz sein werde (Urk. 10/68 S. 2). Im Anschluss an den Arbeitsversuch erhielt die
Beschwerdeführerin
per 1. Dezember 2016 einen Festanstellungsvertrag in einem 40%-Pensum (Urk. 10/64 = Urk. 10/101/6-7 = Urk. 3/2 = Urk. 8/6
).
4.3
Gestützt auf die Erwerbsbiografie der Beschwerdeführerin, wonach sie bis zur Geburt ihres
Kindes im Mai 2008 (vgl. 10/10 Ziff. 3.1
) in einem Pensum zwischen 80 % und 100 % und nach der Niederkunft in wechselnden
Pensen
zwischen 40 % und 60 % arbeitete, obwohl sie bereits zwischen Juni 2012 und März 2013 teilweise
und
auch voll arbeitsunfähig war (vgl. Urk. 10/2 S. 2 Ziff. 4),
erscheint es nicht als überwiegend
wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit
bloss in dem von der IV-Stelle angenommenen
40%-Pensum tätig wäre. Es liegen vielmehr
gewichtige
Anhaltspunkte dafür vor, dass die Beschwer
de
führerin bei guter Gesundheit einer 80-100%igen E
rwerbstätigkeit nachgehen würde;
dies insbesondere aufgrund des zwischenzeitlichen Alters ihres Kindes, der Trennung von ihrer Partnerin
,
der
schwierigen
finanziellen Situation als Alleinerziehende
und des trotz attestierten Einschränkungen gezeigten Arbeits- und Einsatzwillens
. Die Frage, welchem Pensum die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit nachgehen würde, kann jedoch
, wie nachfolgend aufzu
zeigen sein wird (nachstehend
E. 5
.3
),
offengelassen werden
, ist aber von der IV
Stelle im Rahmen der neuen Prüfung der Rente im oben genannten Sinne ebenfalls neu zu beurteilen
.
5.
5.1
Der psychiatrische Gutachter
Dr.
A._
, der in seinem Gutachten vom Oktober 2017 (vorstehend E. 3.6) eine emotional instabile Persön
lich
keits
störung vom
Borderline
-
Typ (ICD-10 F60.31) mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), eine Agoraphobie mit Panikattacken (ICD-10 F40.01), eine Kokain
abhängigkeit, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F14.2), einen Status nach psychotischer Störung durch Kokain (ICD-10 F14.5), eine
Benzodiazepinabhän
gigkeit
, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F13.24), einen Status nach Amphetaminmissbrauch (ICD-10 F15.1) und einen Status nach
Ectasymissbrauch
(ICD-10 F16.1) ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte, attestierte der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit eine seit August 2013 bestehende maximale Arbeitsfähigkeit von 50 % und in einer angepassten Tätigkeit eine seit August 2013 bestehende Arbeitsfähigkeit von 70 %. Er war der Ansicht, dass prognostisch eine Steigerung der Arbeits
fähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit auf 70 % nach einer spezialisierten stationären psychiat
risch/psycho
therapeutische
n
Behandlung wie beispielsweise im Rahmen einer DBT möglich sei.
Die Beschwerdegegnerin begründete die Abweisung des Leistungsbegehrens damit, dass die Beschwerdeführerin gestützt auf das eingeholte psychiatrische Gutachten (vgl. vorstehend E. 3.6) seit August 2013 zwar Einschränkungen auf
weise, jedoch davon auszugehen sei, dass die Beeinträchtigungen nicht schwer
wiegend und langandauernd seien, weshalb ihr das bisherige 40%-Pensum seit August 2013
weiterhin vollschichtig möglich sei.
Da der psychiatrische Gutachter keine Prüfung der Standardindikatoren durchgeführt hatte
(vgl.
Urk. 10/82)
,
kam die Beschwerdegegnerin gestützt auf eine eigene durch
geführte
Indikatorenprü
fung
(vgl. Urk. 10/84/8-9) zum Schluss, dass d
er Tages
ablauf der Beschwerdef
ührerin
geregelt und der
Kontakt mit anderen Menschen
vorhanden
sei
. Ein sozialer Rückzug und schwerwiegende Ein
schränkungen im Haushaltsbereich seien daher nicht erkennbar. Zudem seien die Therapie
möglichkeiten nach wie vor nicht ausgeschöpft.
Die
Beschwerdegegnerin
war der Ansicht, dass e
ine mehr
monatige spezifisch-stationäre Behandlung der
Border
line
Persönlichkeitsstörung dringend angezeigt
sei
. Mit dieser adäquaten Therapie sollte sich der Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin zudem deutlich ver
bessern (vorstehend E. 2.1).
5.2
Den Akten ist zu entnehmen, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin kurz nach der psychiatrischen Begutachtung verschlechtert hat (vorste
hend E. 3.8).
Im M
ai 2018 kam es
zu einer erneuten
Verschlechterung des Gesundheitszustandes
, was
zur
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin in der
Klinik
H._
führte
(vorstehend E. 3.9)
.
Die
Hospitalisation
der Beschwerde
führerin
erfolgte
ab dem 14. Mai 2018 und damit knapp
vier
Monate nach Ver
fügungserlass am 24. Januar 2018 (Urk. 8/3), dennoch ist diese vorliegend zu berücksichtigen, handelt es sich doch um dasselbe Krankheitsbild
. Zudem ent
sprach
die Behandlung der Empfehlung des psychiatrischen Gutachters beziehungsweise der auferlegten Schadenminderungspflicht
,
und eine Beurtei
lung des Krankengeschehens im Längsschnitt
ist
nötig.
Dies gilt umso mehr, als dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin trotz einer 10-wöchi
gen spezifisch-stationären Behandlung der
Borderline
Persönlich
keitsstörung (
DBT
Behandlung)
nicht verbessert, sondern sich im Gegenteil verschlechtert
hat, musste doch die Beschwerdeführerin
danach in der
Kriseninterventionsstation im Isolationszimmer behandelt werden. Der zumindest bis August 2018 dauernde stationäre Aufenthalt (vgl. vorstehend E. 2.2; vgl.
Urk. 17 S. 7 Ziff.II.3.d)
lässt daher zumindest die Einschätzung der Beschwerdegegnerin, wonach sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin durch eine spezifisch-stationäre Behandlung der
Borderline
Persönlich
keits
störung deutlich verbessern sollte, als falsch erscheinen.
Ausserdem hat sich der psychiatrische Gutachter in seinem Gutachten (vor
ste
hend E. 3.6) nicht mit den Standard
indikatoren auseinandergesetzt, was an sich nicht zu beanstanden ist, wurde doch das psychiatrische Gutachten vor Änderung der Rechtsprechung, die neu eine Prüfung der Standardindikatoren bei sämtlichen
psychischen Erkrankungen fordert (vgl. vorstehend E. 1.4), erstattet. Jedoch ist eine umfassende Prüfung der Standardindikatoren anhand der Angaben im psychiatrischen Gutachten (vgl. Urk. 10/82)
nicht möglich (vgl.
vorstehend E. 1.6).
Schliesslich
stehen
auch
nicht unwesentliche somatische Erkrankungen (vgl.
vor
stehend E. 3.9) im Raum, von denen nicht ohne Weiteres angenommen werden kann, sie würden die Arbeitsfähigkeit
der
Beschwerdeführerin
nicht beeinträch
tigen.
5.3
Gestützt auf die vorliegenden Berichte kann der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht abschliessend beurteilt werden. Vielmehr besteht wei
terer Abklärungsbedarf bezüglich der Leistungseinschränkungen und deren Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Mithin ist die Sache zur Abklärung des Gesundheitszustands und deren Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der neuen Rechtsprechung zur Beurteilung psychischer Erkrankungen an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen.
6.
Nach dem Gesagten
ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese den
psychischen und somatischen
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und dessen Auswirkun
g
en
auf die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der neuen Rechtsprechung zur Beurteilung psych
ischer Erkrankungen
abkläre
sowie
die sozialversicherungs
rechtliche Qualifikation der
Beschwerdeführerin
neu beurteile
und hernach über das Leistungsbegehren
neu entscheide
(vgl. vorstehend E. 4.3)
.
7
.
7
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V
57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine
Prozessentschädigung hat.
Da die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin vor Fällung des Endentscheids keine Kostennote eingereicht hat, ist die Entschädigung nach
§
7
Abs.
2 der Ver
ordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozial
versi
cherungsgericht (
GebV
SVGer) nach Ermessen festzusetzen. Vorliegend erscheint beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- eine Prozessent
schädigung in der Höhe von
Fr.
2‘300.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) als angemessen.