Decision ID: 1ceaea76-6a3c-5a96-8949-6f0bd5cb4b79
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 19
60
geborene
X._
meldete sich am 6. Juni 2006 – unter Hin
weis auf verschiedene i
m
Zusammenhang mit einem Krebsleiden stehende Be
schwerden – zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversi
cherung (IV) an (Urk. 8/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf daraufhin berufliche, erwerbliche sowie medizinische Abklärun
gen
und zog die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 8/21) bei. Mit Vor
bescheid vom
10. J
anuar 2007 (Urk. 8/26) stellte s
ie der Versicherten
, die ihr Arbeitspensum per Mitte März 2005 aus gesundheitlichen Gründen von 100 auf 50 % reduziert hatte (Urk. 8/11 S. 2),
die
Zusprache
einer auf einem
Invalidi
tätsgrad
von 50 % basierenden Rente in Aussicht. Auf
hiegegen
von der zu
ständigen Berufsvorsorgeeinrichtung erhobenen Einwand (Urk. 8/31) hin
holte die IV-Stelle aktuelle Arztberichte ein und verfügte in der Folge am 26. Juni 2007 mit Wirkung ab 1. März 2006 eine halbe Rente (Urk. 8/49)
. Diese bestä
tigte sie
im Rahmen de
r
Anfang 2008
(Urk. 8/50) beziehungsweise im Frühjahr 2010 (Urk. 8/57)
von Amtes wegen initiie
rten Revisionsverfahren
mit Mitteilung vom 24. April 2008 (Urk. 8/56)
respektive Verfügung vom 14. Februar 2011 (Urk. 8/74)
.
1.2
Am 21. April 2013 stellte
X._
– unter Hinweis auf eine massive Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes seit August 2012 – ein
Renten
er
hö
hungsgesuch
(Urk. 8/81). Die IV-Stelle traf in der Folge einschlägige Abklä
run
gen, zog
erneut
die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 8/92
, Urk. 8/111
) bei und liess die Versicherte
, der zwischenzeitlich per 31. Mai 2013
die Stelle gekündigt worden war (Urk. 8/90 S. 1, Urk. 8/92 S.
13
),
am 13. Novem
ber
2013, am 28. Januar sowie am 6. Februar 2014
von den Ärzten de
r
Y._
polydisziplinär untersu
chen (vgl. Gutachten vom 17. März 2014, Urk. 8/113).
In Bestätigung ihres Vor
bescheids vom 12. August 2014 (Urk. 8/120) verfügte sie daraufhin am 11. Februar 2015 die Einstellung der Rente per Ende März 2015
und entzog ei
ner allfälligen Be
schwerde gegen diesen Entscheid die aufschiebende Wirkung
(Urk. 2
/1
).
Mit Schreib
en vom gleichen Datum (Urk. 2/
2)
forderte sie die Versi
cherte zudem – unter Hinweis auf deren Schadenminderungspflicht
– im Hin
blick auf die
Erhaltung beziehungsweise Verbesser
ung des Gesundheitszustand
s
zu einem sofortigen Rauchstopp und zu einer Benzodiazepin-Abstinenz auf.
2.
Gegen die
Verfügung
(Urk. 2/1)
sowie das Schreiben
der IV-Stelle
vom 11. Febru
ar 2015
(Urk. 2
/
2
) liess
X._
am 12. März 2015 mit folgen
den Anträgen Beschwerde erheben (Urk. 1 S. 2):
„Es seien der Versicherten die ges
etzlichen Leistungen aus IVG zu
erbrin
gen, insbesondere sei ih
r weiterhin eine Invalidenrente
auszurichten, ba
sierend auf einem Invaliditätsgrad von
mindestens
50 %.
Von der Auferlegung einer Schadenminderungspflicht sei abzusehen.
Der Beschwerdeführerin sei f
ür das Beschwerdeverfahren eine
angemes
sene Entschädigung (
zuzügl
.
MwSt
) zuzusprechen.
Und weiter:
„
Es sei der Beschwerdeführerin für das Beschwerdeverfahren
die unent
geltliche Prozessführung und Rechtsvertretung in Person der
Unter
zeichneten zu bewilligen.“
Die IV-Stelle schloss am 14. April 2015 auf Abweisung der Beschwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 7), was der Beschwerdeführerin am 15. April 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 12).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1
.2.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren her
rühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der sozio
kulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne ver
selb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Be
funde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein inva
lidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeit
smarktlage erzielen könnte (sogenanntes
Invalidenein
kommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie ni
cht in
valid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkom
men
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der
Einkom
mensdifferenz
der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sogenannte
allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
1.5
.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des
Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E.
1 mit Hin
weisen).
1.5
.2
Liegt ein Revisionsgrund vor, so hat nach der Rechtsprechung eine umfassende Prüfung des Rentenanspruchs zu erfolgen, mithin auch eine erneute ärztliche Beurteilung der gesundheitlichen Situation und der Arbeitsfähigkeit (Urteil
des Bundesgerichts
9C_427/2012
vom 5. Dezember 2012 E. 3.4 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Renteneinstellung – unter Hinweis auf das Gutach
ten der
Y._
vom 17. März 2014 (Urk. 8/113)
und die Stellungnahme ihres Rechtsdiensts vom 17. Juni 2014 (Urk. 8/119)
– damit,
dass
der
Rentenanspruch aufgrund des
Verlust
s
der Arbeitsstelle
, der
einen Revisionsgrund darstelle
,
neu
zu beurteilen sei
.
D
er psychische Gesundheitszustand
habe sich
seit der Verfü
gung vom 26. Juni 2007 deutlich gebessert
. Unter Berücksichtigung der unver
ändert anhaltenden physischen Beeinträchtigungen sei die
Beschwerdeführerin
noch
in der Lage, vollzeitlich mit einer durch
ein
en erhöhten Pausenbedarf bedingten 30%igen Leistungseinbusse der angestammten oder einer anderen leidensangepassten
Tätigkeit nachzugehen und dementsprechend
ein 30 % unter dem
Valideneinkommen
liegendes
(und damit rentenausschliessendes)
Salär zu erzielen (
Urk. 2/1
S. 2 f.
, Urk. 7
).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich
demgegenüber auf den Standpunkt
,
es sei stossend,
dass die IV-Stelle
den Stellenverlust als Anlass für eine umfassende Revision genommen habe. Massgebend
für die Beurteilung
ihres
weiteren
Leistungsan
spruchs
sei daher, ob sich ihr Gesundheitszustand seit dem letzten
Rentenent
scheid
erheblich
verbessert habe
. D
ies sei nicht der Fall.
Im Gegenteil leide
sie in physischer Hinsicht
nebst
den
persistierenden Gesichts- und Kopf
schmerzen
neu
auch an Rückenschme
rzen, einer chronisch obstruktiven
Lungen
erkrankung
(
COPD
)
, einem Tinnitus sowie erhöhte
r
Ermüdbarkeit. I
nsofern sei
aus somati
scher Sicht weiterhin von einer
mindestens
50%igen Arbeitsun
fähigkeit auszu
gehen
(Urk. 1 S. 5 ff.).
Was die psychische Symptomatik und ihre Aus
wirkungen auf das Leistungsvermögen anbelange, könne nicht auf die – aus verschiedenen Gründen beweisuntaugliche – Einschätzung des begutachtenden Psychia
ters der
Y._
, Dr. med.
Z._
, abgestellt werden (S. 8 ff.).
Viel
mehr sei g
estützt auf die Beurteilung der behandelnden Ärzte von einer wesent
lichen Be
einträchtigung der Arbeitsfähigkeit auch aus psychischen Gründen auszugehen (S. 8). Sofern das Gericht zum S
chluss gelange, dass weder die
COPD noch die Benzodiazepin-Abhängigkeit Einflu
ss auf die Arbeitsfähigkeit hätten
, sei die
durch die IV-Stelle erfolgte Verpflichtung,
Schadenminderungs
massnahmen
in Bezug auf
diese beiden Leiden
zu treffen,
nicht gerechtfertigt und demnach auf
zuheben
(S. 14)
.
3.
3.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zu
ständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit
bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den
beschwer
deweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und
insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
3.2
Da die IV-Stelle
d
i
e Beschwerdeführerin
in einem formlosen Schreiben (Urk. 2/2)
lediglich angehalten aber nicht verpflichtet
hat,
Schadenminderungs
mass
nah
men
(Rauchstopp und Benzodiazepin-Abstinenz) zu treffen, ist auf de
ren Antrag betreffend Verzicht auf die Auferlegung einer
Schadenminderungs
pflicht
(Urk. 1 S.
2
) mangels Anfechtungsobjekts nicht einzutreten
(BGE 132 V 93 E. 5.2.6)
.
4.
4
.1
Die IV-Stelle ging bei der ursprünglichen
Rentenzusprache
und im Rahmen der
im 2008 und 2010 initiierte
n Revisionsverfahren bei der Ermittlung des
Invali
ditätsgrads
jeweils davon aus, dass
das
in der angestammten Tätigkeit in redu
ziertem Pensum
effektiv noch erzielte Erwerbseinkom
men dem
Inv
alidenlohn entspreche
(Urk. 8/45/2, Urk. 8/55, Urk. 8/71/3-4)
.
4
.2
Aufgrund des
Verlust
s
der Stelle per
31. Mai 2013 (vgl. Urk. 8/90 S. 1
, Urk. 8/92
S.
13 und
S. 49
)
ist
bei der Berechnung des Invaliditätsgrad
es
für
das
Vali
deneinkommen
neu
auf das
bei Ausschöpfung der
(aus
invaliden
versiche
rungs
rechtlicher
Sicht bestehenden)
Restarbeitsfähigkeit
hypothetisch
, aufgrund von
Tabellenlöhnen zu ermittelnde
noch erzielbare Salär abzustel
len
. Da dies
e erwerb
liche Veränderung
e
inen
Revisionsgrund darstellt (E. 1.5
.1
; Urteil des Bundes
gerichts 9C_251/2012 vom 5. Juni 2012 E. 4.1
), hat – unabhän
gig davon, ob es
seit der letzten Rentenverfügung
zu einer
wesentlichen
Veränderung des Ge
sund
heitszu
standes gekommen ist (Urk. 1 S.
5
ff.) – eine umfassende
Neu
über
prüfung
des Rentenanspruchs zu erfolgen (E. 1.
5
.2).
5
.
5
.1
Betreffend den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der von der IV-Stelle am 11. Februar 2015 per Ende März 2015 verfügten
Renten
aufhebung
(Urk. 2/1) geht aus den medizinischen Akten im Wesentlichen Folgendes hervor:
Am 12. Februar 2013 wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag ihres
Kranken
taggeldversicherers
von Dr. med.
A._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, untersucht. In ihrem Gutachten vom 15. Februar 2013 (Urk. 8/92
S. 29-39) diagnostizierte diese eine
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, ICD-
1
0 F43.21
(S. 3
6
, S. 37)
.
Die Beschwerdeführerin habe die im August 2012 von der Arbeitgeberin ausgesprochene Kündigung des Ar
beits
ver
hältnisses als schweren Schlag erlebt, mit dem fertig zu werden sie überfordert gewesen sei. Sie habe daraufhin eine – weiterhin anhaltende – psy
chische Störung in Form einer depressiven Stimmungslage entwickelt (S. 3
6
). Die diag
nostische Einschätzung stimme überein mit derjenigen der behandeln
den Psy
chia
terin Dr. med.
B._
(S. 3
6
; vgl. auch
S. 34).
Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 75%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit. Es sei indes damit zu rechnen
,
dass
die Beschwerdeführerin
unter adäquater Behandlung in
nert vier Monaten wieder eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit erlangen
werde
.
Die
rasche
Wiedera
ufnahme einer Erwerbstätigkeit würde sich wohl po
sitiv auf den psychischen Gesundheitszustand auswirken (S. 38).
5.2
Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, speziell Rheumatologie, stellte am 7. Mai 2013 nachstehende Diagnosen (Urk. 8/88 S. 1):
Schwere psychosoziale Belastungssituation, in Behandlung bei Psychia
terin
Tinnitus
Persistierendes ausgeprägtes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei
d
seits
degenerative Veränderungen (multisegmentale
osteochondrotische
Ver
änderungen, Reizung absteigende Nervenwurzel L3 rechts
)
COPD GOLD
-
Stadium II
Unverträglichkeit der
Pulverinhalatoren
Nikotinübergenuss
Status nach Mundhöhlenkarzinom im Bereich
der Wange links Stadium pT2 pN0
Status nach transoraler Resektion des
Alveolarkammes
25-28 sowie
De
fektdeckung
mit Vorderarm-
Radialislappen
von links und Neck-
Dissektion
Level 1-4 links am 22. März 2005
Status nach Durchtrennung Narbenstrang am 14. November 2005
Status nach dreimaligem Facelifting mit Unterspritzung im Bereich der lin
ken Wange
persistierende A
s
y
m
metrie Gesicht
Schwer einstellbare arterielle Hypertonie
Im Verlauf zeige sich vor allem bezüglich der lumbalen Beschwerden eine
massive Verschlechterung beziehungsweise Persistenz, welche eindeutig eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit bedinge.
Dies gelte auch für die Zunahme der COPD beziehungsweise die Polymorbidität. Die schwer einstellbare arterielle Hypertonie führ
e
immer wieder zu
hypertensiven
Krisen mit entsprechenden Fol
gen. In Bezug auf die psychische Situation sei auf die Beurteilung der behan
delnden Psychiaterin zu verweisen
(S. 2).
5.3
Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
E._
,
gab am
10. Mai 2013 an, die depressive Symptomatik der seit August 2012 im
E._
in
ambulanter Behandlung stehenden Beschwerdeführerin habe sich noch ver
schlech
tert und schränke die Arbeitsfähigkeit ein. Weiterhin sei die Leistungsfä
higkeit stark von der somatischen Problematik abhängig. Eine
psychopharma
kologische
Medikation werde wegen des ungünstigen Interaktionspotenzials mit der
die
physischen Beschwerden
betreffenden
medikamentösen Behandlu
ng nicht verordnet. Infolge
der bestehenden
Konzentrationsstörungen,
der
geringe
n
Belastbark
eit und der stark reduzierten kognitiven Flexibilität sei es „aus psy
chiatrischer Sicht mit der somatischen Problematik zur Zunahme der Arbeits
unfähigkeit gekommen“ (Urk. 8/88 S. 3).
5.4
Dr. med.
F._
, Fachärztin FMH für Neurologie, hielt am 13. Mai 2013 fest, sie habe der Beschwerdeführerin am 18. Juni 2010 aufgrund der damaligen Diagnosen (
vgl
. Urk.
8/61 S. 2
) seit September 2005 eine 50%ige Arbeitsunfä
higkeit attestiert. Folgende weitere Diagnosen seien seitdem gestellt oder damals nicht erwähnt worden
(Urk. 8/88 S. 4)
:
Tinnitus beidseits mit grossem
Störwert
Arterielle Hypertonie, schwer einstellbar
COPD Stadium II
Ausgeprägtes beidseitiges
lumbospondylogenes
Syndrom bei degenerati
ven Veränderungen der Lendenwirbelsäule (LWS)
Intermittierendes Reizsyndrom L3 rechts
Zervikalsyndrom
Zwischenzeitlich sei es infolge einer psychosozialen Belastungssituation zu einer Verschlechterung der Depression gekommen und - damit verbunden – zu einer Zunahme der neurovegetativen Beschwerden und zusätzlicher Vergess
lichkeit. Die Behandlung der Depression gestalte sich schwierig, da die Be
schwerdeführerin viele Medikamente nicht vertrage. Auch das Kopfweh vom Spannungstyp habe sich seit Juni 2010 noch akzentuiert. In der Tätigkeit als Büroangestellte bestehe daher nun eine mindestens 70%ige Arbeitsunfähigkeit.
5.5
Am 19. Juli 2013 stellte Dr.
C._
nachstehende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 8/91 S. 2):
Intermittierendes
exazerbierendes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits
degenerative Veränderungen
Status nach Morbus Scheuermann
Reizung absteigende Nervenwurzel L3 rechts bei multisegmentalen
osteochondrotischen
Veränderungen
Chronische Gesichtsschmerzen
Gesichtsasymmetrie
Tinnitus, massiv beeinträchtigend
Status
nach Mundhöhlenkarzinom pT2 pN0
G2
Status nach mehreren Operationen
Zervikozerebrales
Schmerzsyndrom, chronisch
Wirbelsäulenfehlhaltung/-
fehlform
degenerative Veränderungen
Funktionsstörung Knie links
Status nach Arthroskopie,
Teilmeniskektomie
medial, Entfernung der ein
klemmenden hintern Kreuzbandfetzen und Anfrischen der
femoralen
Insertion, Operation vom 29. März 2010
COPD II
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten die überdies bestehende arteri
elle Hypertonie und die Penicillin-Allergie.
Hinsichtlich der psychiatrischen Diagnosen sei eine Beurteilung der behandelnden
Psychiaterin einzuholen (S. 2).
Weiter führte Dr.
C._
aus, i
n den letzten Monaten beziehungsweise Jahren
seien zunehmend starke ein
schiessende
lumboischialgieforme
Schmerzen mit Aus
strahlungen beidseits auf
getreten. Die chronischen Gesichtsschmerzen und die Beschwerden betreffend den übrigen Bewegungsapparat bestünden weiter
hin. Aufgrund der
Polymorbi
dität
sei die Beschwerdeführerin aus rheumatolo
gi
scher Sicht zu 50 % arbeits
unfähig; die Arbeitsunfähigkeit habe sich eher erhöht
(S. 3 f.). Aufgrund der Gesamtsituation sei die Beschwerdeführerin sowohl körperlich als auch psy
chisch in ihrem Leistungsvermögen beeinträchtigt. Die bisherige Tätigkeit sei ihr nicht mehr zumutbar. In einer leichten wechsel
sei
tigen
Tätigkeit
bestehe eine Restarbeitsfähigkeit von vier Stunden täglich (S. 4).
5.6
De
r Psychiater Dr.
D._
diagnostizierte
am 3. August 2013
eine seit 2012 bestehende Anpassungsstörung, ICD-10 F43.2
(Urk. 8/93 S. 1)
. D
ie
Beschwer
deführerin habe ihre bisherige Arbeit als Sachbearbeiterin am PC im 50%-Pen
sum recht konzentriert verrichten können; nach längerer Tätigkeit habe jeweils eine – medikamentös kaum beeinflussbare – neuralgische Schmerzsymptomatik im linken Gesichtsbereich dominiert. Nachdem aufgrund der Wirtschaftskrise im Maschinenbausektor vielen ihrer Mitarbeiter gekündigt worden sei,
sei es wegen Existenz- beziehungsweise Zukunftsängsten zu einer Verschlechterung der psy
chischen Symptome und zu einer Zunahme der Schmerzsymptomatik gekom
men (S. 1 f.).
Der Beschwerdeführerin, die aus somatischer Sicht zu 50 % arbeits
unfähig sei, sei die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar (S. 2 f.).
5.7
Nachdem sie die Beschwerdeführerin am 13. November
2013 sowie am 28. Janu
ar und 6. Februar 2014 polydisziplinär untersucht hatten, stellten die Ärzte der
Y._
in ihren Gutachten vom 17. März 2014
folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit (Urk. 8/113 S. 23):
Gesichtsschmerzen links, wahrscheinlich multifaktoriell bedingt, sicher neurogen mitbedingt, leichte Trigeminusneuropathie links,
Mundast
schwäche
des
Nervus
fascialis
links mit Defektheilung (
Synkinesien
) bei Status nach Resektion eines Mundhöhlenkarzinoms,
Defektdeckung mittels
fasz
iokutanem
Vorderarm-
Radi
alislappen
links und
Neck-Dissek
tion
im März 2005
Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten nachstehende Diagnosen (S. 24):
Status nach Mundhöhlenkarzinom im Bereich der Wange links pT2
pN0
G2
Status nach transoraler Resektion des Tumors inklusive
Alveolar
kamm
Regio
25 bis 28, selektiver Neck-
Disse
k
tion
links Level 1 bis 4, Defektdeckung der Wange mittels
faszio
k
utanem
Vorderarm-Radia
lislappen
von links am 29. März 2005
Status nach Narbenresektion/-korrektur am 14. November 2005
Status nach mehreren plastischen Operationen im Bereich der Wange links
aktuell: klinisch lokalregionär tumorfrei
Chronischer beidseitiger kompensierter Tinnitus sei
t
2008 bei beidseitig
leichtgradiger
Hochtonschwerhörigkeit mit Hörverlust von zirka 15 % beidseits
Sensibilitätsstörung im Bereich des
Ramus
superficialis
des
Nervus
radia
lis
links bei Status nach Vorderarm-
Radialislappen
entnahme
Rezidivierende Lumbalgien rechts,
radikuläre
Reizsymptomatik möglich, Höhenangaben nicht möglich
Chronisch obstruktive Lungenkrankheit
Hypertonie
Missbrauch von Benzodiazepin, ICD-10 F13.1
Nicht organische Insomnie, ICD-10 F51.0
Chondropathia
patellae
rechts
Status nach Arthroskopie des linken Kniegelenks im März 2010 bei zu
vor im MRI beschriebener Innenmeniskus- und Kreuzbandpathologie
Status nach Osteosynthese einer
Claviculafraktur
links
Die Gutachter gaben an, w
ährend der Gesundheitszustand aus somatischer Sicht unverändert sei, habe sich d
ie
psychische
Symptomatik
in den letzten Monaten deutlich
g
ebessert
(S. 26 ff.). Auch wenn sich keine objektivierbare organische Grundlage für die geklagten Schmerzen finde, sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in der angestammten oder einer andern leidensangepassten Tätigkeit – im Rah
men eines 100%-Pensums mit 30%iger Leistungseinbusse – lediglich noch zu 70 % arbeitsfähig sei (S. 26).
5.8
In ihrer gestützt auf die Akten verfassten Stellungnahme vom 1.
April
2014 gelangte Dr. med.
G._
, Fach
ärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin, Ärztin des Regionalen Ärztlichen Diensts (RAD) der IV, zum Schluss,
dass
auf
grund des – beweistauglichen – Gutachten
s
der
Y._
vom
17. März 2014
(Urk. 8/113)
von einer 70%igen Restarbeitsfähigkeit auszugehen
sei
. Seit dem
letzten Revisionsverfahren in Februar 2011 habe sich die psychische Sympto
matik – bei unverändertem physischem Gesundheitszustand – verbessert (Urk. 8/118
S. 6 f.).
5.9
Am 17. November 2014 hielt die RAD-Ärztin Dr.
G._
fest,
die Beschwerde
f
ührerin leide an einer COPD GOLD-S
tadium II. Eine leichte Tätigkeit in einer
irritantienfreien
Umgebung (wie es auch die zuletzt ausgeübte Bürotätigkeit ge
wesen sei) sei damit
weiterhin möglich. Eine sitzende Tätigkeit ohne
Irritantien
belastung
sei der Beschwerdeführerin – im Fall eines weiteren Fortschreitens der COPD – auch bei einem
GOLD-S
tadium III noch zumutbar. Im Hinblick auf die Vermeidung einer weiteren Progression der COPD und einer
allfällig damit
verbundenen Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit sei die Beschwerdeführerin unbedingt zu einem Rauchstopp aufzufordern (Urk. 8/129 S. 2 f.). Sofern der
Ben
zodiazepi
nkonsum
weiter bestehe, seien eine diesbezügliche fachärztliche Be
handlung und allenfalls ein Entzug im stationären Rahmen indiziert (S. 3).
6.
6.1
6.1.1
Nach Lage der Akten steht fest, dass
die
Beschwerdeführerin
an seit Jahren unver
ändert anhaltenden
und die Arbeitsfähigkeit weiterhin beeinträchtigenden Gesichtsschmerzen bei Status nach Mundhöhlenkarzinom leidet
(vgl. insbeson
dere
Urk. 8/19 S. 1 f., Urk. 8/36 S. 7,
Urk. 8/54 S. 1
f., Urk. 8/61 S. 2 f., Urk. 8/70,
Urk. 8/88 S. 1, Urk. 8/91 S. 1, Urk. 8/113 S. 23 und S. 26)
.
Hinsicht
lich der kon
kreten Auswirkungen auf das Leistungsvermögen legten die Exper
ten der
Y._
gestützt auf die Ergebnisse der im Rahmen ihrer fundierten inter
nistischen, orthopädisch/
traumatologischen
, psychiatrischen und
oto-rhino-la
ryn
gologischen
Untersuchung
erhobenen Befunde
überzeugend dar,
dass die
–
multifaktoriell bedingten,
zumindest teilweise mit neurogenen Be
schwerden (leichte Trigeminusneuropathie links, Folgeerscheinungen der
Fas
zialisläsion
) zu erklärenden – Gesichtsschmerzen beziehungsweise die damit in Zusammenhang stehende Konzentrationsschwäche und rasche Ermüdbarkeit eine 30%ige Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (30%ige Leistungseinbusse im Rahmen eines Vollzeitpensums) in der angestammten oder einer anderen
lei
densangepassten
Tätigkeit zeitigten (Urk. 8/113 S. 25 f. und S. 38).
Damit berücksichtigten s
ie offensichtlich nicht nur
die
durch die neurogene Symptomatik an sich verursachten, sondern auch die als Nebenfolge der seit Jahren
andauernden Behandlung mit
Lexotanil
bestehenden Konzentrations- und Schlafstörungen (Urk. 1 S. 9 f.), auch wenn sie den diagnostizierten „Miss
brauch von Benzodiazepin“ unter den Gesundheitsstörungen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit anführten (Urk. 8/113 S. 24).
In Anbetracht der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin
, die im Rahmen der Begutachtung durch die Ärzte der
Y._
keine Konzentrationsstörungen zeigte (Urk. 8/113 S. 53),
nach ihren
eigenen
Angaben
und denjenigen ihrer früheren Arbeitgeberin
bis zum Stellenverlust
im Frühjahr 2013
über
Jahre
hinweg in
der Lage
war
, im Rahmen eines 50%-Pensums (fünf
Halbtage
à vier Stunden) eine volle Leistung zu er
bringen
(
Urk. 8/36 S. 7,
Urk.
8/52 S. 3,
Urk. 8/60 S.
3
,
Urk. 8/92 S. 61
, Urk. 8/93 S. 2
)
, ist davon auszugehen, dass de
r
bei der Arbeit
jeweils nach einem halben Tag auftreten
d
en
neuralgischen Schmer
z
symptomatik im linken Gesichtsbereich
mit ihren direkten und indirekten Folgeerscheinungen
(Urk. 8/92 S. 61) mit der attestierten 30%igen Arbeitsfähigkeit (erhöhter Pausen
bedarf
beziehungsweise ver
langsamte Arbeitserledigung) ange
messen Rechnung getragen wurde.
Anzumerken ist, dass Schmerzen an sich noch kein Grund für eine Arbeitsun
fähigkeit sind und die Beschwerdeführerin nach Lage der Akten nach der Wie
der
aufnahme ihrer Tätigkeit
zu 50 %
im
März
(Urk. 8/11 S. 2, Urk. 8/17 S. 4) be
ziehungsweise September 2005 (Urk. 8/4 S. 5, Urk. 8/19 S. 5
, Urk. 8/25 S. 4
) bis
am 21. August 2012
(letzter Arbeitstag vor dem
Stellenverlust Ende Mai 2013
[
Urk. 8/90 S. 1
f.
, Urk. 8/92 S. 49
]
)
nie versucht hat, ihr Arbeitspensum zu erhö
hen
(vgl.
hiezu
Urk. 8/41 S. 3, Urk. 8/52 S. 8
, Urk. 8/90 S. 2
)
, obwohl die bei der ursprünglichen
Rentenzusprache
bestandene
und von der IV-Stelle damals als anspruchsrelevant erachtete
reaktive Depression
(Urk. 8/25 S. 3 f.)
in der Folge wieder abklang
(Urk. 8/92 S. 33 und S. 36
, Urk. 8/93/1-2
)
und in somatischer Hinsicht keine wesentliche Verschlechterung eintrat
.
6.1.2
Was die weiteren Gesundheitsstörungen anbelangt, ist gestützt auf die ohne Weiteres einleuchtenden Ausführungen der Gutachter der
Y._
davon aus
zugehen, dass
sich
die Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule in
der ange
stammten Büro- oder einer anderen leidensangepassten Tätigkeit
nicht auf das Leistungsvermögen auswirken (Urk.
8/113 S.
25
).
Auf die gegenteilige Beurtei
lung von Dr.
C._
(vgl. Bericht
e
vom 7. Mai 2013
[
Urk. 8/88 S.
1 f.] und vom 19. Juli 2013 [Urk. 8/91]
)
kann insofern nicht abgestellt werden, als der ge
nannte Arzt nicht darlegte,
aufgrund welcher funktioneller Defizite der Be
schwerdeführerin eine rückenschonende Tätigkeit lediglich noch in reduziertem Pensum zumutbar sei.
Für eine durch die arterielle Hypertonie und/oder den
(von den Gutachtern der
Y._
als insgesamt gut kompensiert gewerteten [Urk. 8/113 S. 25])
Tinnitus bedingte Leistungseinbusse
in einer körperlich leichten, keine erhöhten Anforderungen an das Gehör stellenden Tätigkeit
gibt es in den medizinischen Akten keine Anhaltspunkte. Betreffend die COPD
GOLD-
Stadium II
gelangten die
Experten
der
Y._
und die RAD-Ärztin
Dr.
G._
einhellig und mit durchaus nachvollziehbar Begründung zum Schluss
, dass dieses Leiden sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten oder
einer
geeigneten Verweistätigkeit auswirke (Urk.
8/113 S. 21
, Urk. 8
/129 S. 2 f.).
Die
von der Gutachterin Dr.
A._
(Urk. 8/92 S. 35 und 37)
und vom behan
delnden Psychiater Dr.
D._
(Urk. 8/93 S. 1) diagnostiziert
e
Anpassungs
störung
(mit längerer depressiver Reaktion)
sodann
ist
nicht per se als invalidi
sierendes psychisches Leiden zu qualifizieren (vgl. etwa Urteil des Bundesge
richts 8C_259/2014 vom 31. Juli 2014 E. 3.2 mit Hinweisen).
Zudem
geht aus den medizinischen und den weiteren Akten klar hervor, dass
das
Beschwerde
bild
durch
- grundsätzlich invaliditätsfremde und daher
bei der Beurteilung des Leistungsanspruchs
auszuklammernde (
E. 1.3.2)
–
psychosoziale
Belastungs
faktoren
in Form namentlich des (drohenden beziehungsweise zwischenzeitlich
erfolgten) Stellenverlust
s
und damit verbundener Existenzängste ausgelöst wurde
und seither von solchen
geprägt
ist
(vgl.
hiezu
Urk. 8/92 S. 35,
S. 38
und S. 65
, Urk. 8/88 S. 1 und S. 4, Urk. 8/
93 S. 1 f.
, Urk. 8/113 S. 15 und S. 50
)
. Es ist daher davon auszugehen, dass die wesentlich durch ungünstige psychosozi
ale Um
stände geprägte
psychische Störung de
r
Beschwerdeführer
in
bei Wegfall der Belastungsfaktoren mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wieder ver
schwände
.
Die Psychiaterin
Dr.
A._
hielt
in ihrem Gutachten vom 15. Februar 2013 denn
auch
explizit fest
, dass
sich die
rasche Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit
prognostisch
positiv auf den psychischen Gesundheitszu
stand auswirken würde (Urk. 8/92 S. 38).
Die – gemäss den Gutachtern der
Y._
nach guter Ver
arbeitung der durch die Kündigung verursachten Kränkung
mittlerweile wieder remittierte (Urk.
8/113 S. 25 f.
und S. 56
) – psy
chische Symptomatik ist
daher jedenfalls nicht von
invalidenversicherungs
rechtlicher
Relevanz.
6.1.3
Die Beschwerdegegnerin
schloss demnach zu
Recht
, dass die Beschwer
defüh
rerin
unter Berücksichtigung sämtlicher Gesundheitsstörungen
als Sachbear
bei
terin oder
in einer
anderen
behinderungsangepassten Tätigkeit noch zu 70 % arbeits
fähig sei.
6.2
Bei der Ermittlung des Invaliditätsgrads ging die
Beschwerdegegnerin
gestützt
auf
d
as
Sa
lär
, d
as
die Beschwerdeführerin gemäss Angaben ihrer früheren Arbeit
geberin
ohne Gesundheitsschaden im Jahr 2006 erzielt hätte
(Urk. 8/11 S. 2),
und unter Berücksichtigung der bis
im – angesichts des Stellenverlusts per Ende Mai 2013 – vorliegend massgebenden Jahr
2013
(vgl. Art. 88a
der Verordnung über die Invalidenversicherung [
IVV
]
)
eingetretenen Nominallohnentwicklung
von einem
Valideneinkommen
von Fr.
74‘999.
--
aus (Urk. 8/119 S. 3), was zu Recht nicht beanstandet wurde (Urk. 1).
E
in Heranziehen des bisher erzielten Verdienstes ist - nach Stellenverlust - nicht sachgerecht und bildet nicht ab, was die Beschwerdeführerin noch verdienen könnte.
Bei der Berechnung des
Invali
denlohns
ist vielmehr auf
die lohnstatistischen Durchschnittswerte der
Lohn
strukturerhebung
(LSE) des
Bundesamts für Statistik (BFS) abzustellen. D
ie Be
schwerdeführerin hat die Sekundarschule absolviert, eine Lehre als Kosmetikerin abgeschlossen und war zuletzt rund 26 Jahre lang als Sachbearbeiterin in einem Industriebetrieb tätig (Urk. 8/90 S. 1). Die dabei erworbene Erfahrung (Urk. 8/90 S. 5 unten) wird ihr auch beim weiteren beruflichen Fortkommen von Nutzen sein, zumal ihr aus gesundheitlicher Sicht die nämlichen Tätigkeiten im gesam
ten kaufmännischen Bereich noch möglich sind.
Es rechtfertigt sich daher, gestützt auf die LSE 2010, Tabelle TA1, von einem monatlichen Einkommen von Fr. 4‘326.-- auszugehen, das von Frauen in ein
fachen und repetitiven Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) im gesamten Sektor
„Dienstleistungen“ (Ziff. 45-96) erzielt wird. Unter Berücksichtigung der durch
schnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden für alle Bran
chen (Die Volkswirtschaft 3/4
2015, Tabelle B9.2, S. 88), der Nominallohnentwicklung von jeweils 1 % in den Jahren 2011 und 2012 und von 0,7 % im Jahr 2013 (
Bundesamt für Statistik, Schweizerischer Lohnindex, Entwicklung der Nominal
löhne 1976-2014, T 39, Frauen
) sowie der 70%igen Restarbeitsfähigkeit resul
tiert
ein hypothetisches Jahreseinkommen von Fr. 38‘914.-- (Fr. 4‘326.-- : 40 x 41,7 x 12 x 1,01 x 1,01 x 1,007 x 0,7). Ein leidensbedingter Abzug ist nicht ge
rechtfertigt, denn das auf 70 % reduzierte Pensum trägt der verminderten Leis
tungsfähigkeit Rechnung. Setzt man das Invalideneinkommen von Fr. 38‘914.-- in Bezug zum
Valideneinkommen
von Fr. 74‘999.--, ergibt sich eine
Ein
kom
menseinbusse
von Fr. 36‘085.-- und somit ein Invaliditätsgrad von rund 48 % und damit ab April 2014 (vgl. Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. a IVV) Anspruch noch auf eine
Viertelsrente
.
6.3
Der Beschwerdeführerin ist demnach in teilweiser Gutheissung der Beschwerde mit Wirkung ab 1. April 201
5
eine auf einem Invaliditätsgrad von 40 % beru
hende
Viertelsrente
zuzusprechen.
7
.
7.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
Trotz des im
Mass
li
chen
bloss teilweise Obsiegens der Beschwerdeführerin rechtfertigt sich die Teilung der Prozesskosten nicht, da das „Überklagen”
ohne Einfluss auf den
Prozess
aufwand
blieb (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2015 E.
3 mit
Hinweis auf BGE 117 V 401 E.
2
). Dementsprechend
sind die Gerichtskosten in Höhe von Fr. 800.
--
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
.
7.2
D
er anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin
ist
gestützt auf § 34 Abs. 1 und 3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
(
GSVGer
)
eine
Prozess
ent
schädi
gung
zuzusprechen, wobei ein Betrag von Fr.
2
‘
4
00
.-- (inklusive
Bar
aus
lagen
und Mehr
wertsteuer) als angemessen erscheint.
7.3
Bei diesem Verfahrensausgang erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege als gegenstandslos.
Das Gericht
erkennt
:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
11. Februar 2015
dahin abgeändert, dass die Beschwerdeführerin
ab dem 1. April 201
5
Anspruch auf eine
V
iertelsrente
hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen
, soweit darauf eingetreten wird
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rechnung
und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Ein
tritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
2
'
4
00
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Rechtsanwältin Barbara Laur
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Pensionskasse der H.
_
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse
5.