Decision ID: 83d7f6b0-439f-5836-8dbf-06ef2d62b10c
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Nachdem X innerhalb weniger als eines Monats dreimal in angetrunkenem Zustand
verkehrsauffällig geworden war, nämlich am 20. und am 26. Juni 2009 als
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Motorfahrzeuglenker mit Blutalkoholkonzentrationen von 1,48 Gew.-‰ und
durchschnittlich 2,77 Gew.-‰ sowie am 15. Juli 2009 als Radfahrer mit einer
durchschnittlichen Blutalkoholkonzentration von 2,06 Gew.-‰, wurde er im Rahmen
eines Administrativverfahrens zur Abklärung der Fahreignung am 10. Dezember 2009
verkehrsmedizinisch und -psychologisch untersucht. Gestützt auf das Gutachten vom
8. Februar 2010, in welchem die Fahreignung aus charakterlichen Gründen bei
verkehrsrelevantem Alkoholmissbrauch mit Suchtgefährdung nicht befürwortet wurde,
entzog ihm das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen den
Führerausweis mit Verfügung vom 5. März 2010 mangels Fahreignung aus
charakterlichen Gründen auf unbestimmte Zeit. Die Wiederzulassung zum Verkehr
wurde von einer kontrollierten und fachlich betreuten Alkoholabstinenz (Arzt und
Beratungsstelle) von mindestens sechs Monaten (gemäss Info-Blatt) und einer
verkehrsmedizinischen und –psychologischen Kontrolluntersuchung (inkl. Labor)
abhängig gemacht.
B.- Am 30. September 2010 ersuchte X unter Beilage aktueller Berichte seines
Hausarztes und der Fachtherapeutin um Wiedererteilung des Führerausweises. Er
wurde am 25. Oktober 2010 am Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St.
Gallen verkehrsmedizinisch und am 29. Oktober 2010 verkehrspsychologisch
untersucht. Gestützt auf das kombinierte Gutachten vom 22. Dezember 2010, in
welchem aufgrund des in der Haarprobe ermittelten Ethylglucuronidgehalts von
durchschnittlich 630 pg/mg die Fahreignung erneut aus charakterlichen Gründen bei
verkehrsrelevantem Alkoholmissbrauch mit fortgesetztem Alkoholüberkonsum nicht
befürwortet wurde, wies das Strassenverkehrsamt das Gesuch um Wiedererteilung mit
Verfügung vom 11. Januar 2011 ab.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seine Rechtsvertreterin mit Eingabe vom
25. Januar 2011 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem
Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei die angefochtene
Verfügung aufzuheben und der Führerausweis mit der Auflage einer zweijährigen
kontrollierten und fachlich betreuten Alkoholabstinenz bei halbjährlichen
Kontrolluntersuchungen (verkehrsmedizinisch und –psychologisch) wiederzuerteilen.
Werde der Rekurs abgewiesen, sei – neben den in der angefochtenen Verfügung im
Hinblick auf die Wiedererteilung empfohlenen Massnahmen – die Auflage
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unangekündigter Urinproben beim Hausarzt zu erteilen. Die Vorinstanz beantragte mit
Vernehmlassung vom 24. Februar 2011 die Abweisung des Rekurses. Auf die
Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Die Rechtsvertreterin des Rekurrenten reichte am 16. Mai 2011 unter anderem die für
Ethylglucuronid negativen Ergebnisse beim Hausarzt seit Mitte Februar 2011
wöchentlich und unangemeldet durchgeführter Urinkontrollen sowie am 8. Juni 2011
einen aktuellen Bericht der Regionalen Beratungsstelle für Suchtfragen über die
fachtherapeutische Betreuung des Rekurrenten ein. Die Abteilung Verkehrsmedizin des
Instituts für Rechtsmedizin äusserte sich in einer Stellungnahme vom 15. Juni 2011 zur
Bedeutung des in der Haarprobe festgestellten hohen Ethylglucuronidgehalts. Die
Rechtsvertreterin des Rekurrenten verzichtete am 4. Juli 2011 auf eine Stellungnahme
und hielt an ihren bisherigen Ausführungen fest. Am 21. Juli 2011 reichte sie je einen
weiteren Bericht des Hausarztes mit den unauffälligen Ergebnissen der Analysen von
Urin- und Blutproben und der Regionalen Beratungsstelle für Suchtfragen ein. Es liegen
jedoch keine Ergebnisse weiterer Haaranalysen vor.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 25. Januar 2011 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist die Schlüssigkeit des verkehrsmedizinischen und
verkehrspsychologischen Gutachtens vom 22. Dezember 2010, gestützt auf welches
die Vorinstanz das Gesuch des Rekurrenten vom 30. September 2010 um
Wiedererteilung des Führerausweises abgewiesen hat, bestritten.
a) Führerausweise dürfen nicht erteilt werden, wenn der Bewerber an einer die
Fahreignung ausschliessenden Sucht leidet (Art. 14 Abs. 2 lit. c SVG) oder nach seinem
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bisherigen Verhalten nicht Gewähr bietet, dass er als Motorfahrzeugführer die
Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen würde (Art. 14
Abs. 2 lit. d SVG). Sie sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen
Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 SVG).
Wegen fehlender Fahreignung wird einer Person der Führerausweis auf unbestimmte
Zeit entzogen, wenn sie an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst
(Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG), wie beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und
Arzneimittelabhängigkeit (Botschaft zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom
31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4491), oder wenn sie aufgrund ihres bisherigen
Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass sie künftig beim Führen eines Motorfahrzeugs die
Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen wird (Art. 16d
Abs. 1 lit. c SVG, Fahreignung in charakterlicher Hinsicht). Die einzelnen Tatbestände
des Katalogs von Art. 16d Abs. 1 SVG dürfen weder eng noch streng ausgelegt
werden; geboten ist eine Gesamtbetrachtung des Einzelfalls im Hinblick auf die
Fahreignung (vgl. BGE 133 II 384 E. 3.1).
Die Rechtsprechung bejaht eine Trunksucht, wenn die betroffene Person regelmässig
so viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit vermindert wird und sie diese
Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu
überwinden oder zu kontrollieren vermag. Auf eine fehlende Fahreignung darf
geschlossen werden, wenn die Person nicht mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht,
dass sie im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt. Der
Suchtbegriff des Verkehrsrechts deckt sich somit nicht mit dem medizinischen Begriff
der Alkoholabhängigkeit. Auch bloss suchtgefährdete Personen, bei denen aber
jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt, können demnach vom Führen eines
Motorfahrzeugs ferngehalten werden (BGE 129 II 82 E. 4.1 mit Hinweis; siehe auch
Urteil 6A.8/2007 vom 1. Mai 2007 E. 2.1).
Anzeichen für eine mangelnde Fahreignung aus charakterlichen Gründen bestehen,
wenn Charaktermerkmale des Betroffenen, die für die Eignung im Verkehr erheblich
sind, darauf hindeuten, dass er als Lenker eine Gefahr für den Verkehr darstellt (BGE
104 Ib 95 E. 1). Für den Sicherungsentzug aus charakterlichen Gründen ist die
schlechte Prognose über das Verhalten als Motorfahrzeugführer massgebend. Die
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Behörden dürfen gestützt hierauf den Ausweis verweigern oder entziehen, wenn
hinreichend begründete Anhaltspunkte vorliegen, dass der Führer rücksichtslos fahren
wird (vgl. Botschaft vom 24. Juni 1955 zum Entwurf eines Bundesgesetzes über den
Strassenverkehr, BBl 1955 II S. 21 f.). Die Frage ist anhand der Vorkommnisse (unter
anderem Art und Zahl der begangenen Verkehrsdelikte) und der persönlichen
Umstände zu beurteilen; in Zweifelsfällen ist ein verkehrspsychologisches oder
psychiatrisches Gutachten anzuordnen (BGE 125 II 492 E. 2a; Urteil des
Bundesgerichts 1C_98/2007 vom 13. September 2007 E. 4.1).
Der auf unbestimmte Zeit entzogene Führerausweis kann bedingt und unter Auflagen
wiedererteilt werden, wenn eine allfällige gesetzliche oder verfügte Sperrfrist
abgelaufen ist und die betroffene Person die Behebung des Mangels nachweist, der
die Fahreignung ausgeschlossen hat (Art. 17 Abs. 3 SVG). Für den Nachweis der
Überwindung einer Sucht wird in der Regel eine mindestens einjährige kontrollierte
Abstinenz verlangt. Der Sicherungsentzug greift damit tief in den
Persönlichkeitsbereich des Betroffenen ein. Nach der Rechtsprechung ist daher in
jedem Fall und von Amtes wegen eine genaue Abklärung der persönlichen Verhältnisse
und insbesondere der Trinkgewohnheiten bzw. der Konsumgewohnheiten anderer
Drogen des Betroffenen vorzunehmen. Das Ausmass der notwendigen behördlichen
Nachforschungen, namentlich die Frage, ob ein medizinisches Gutachten eingeholt
werden soll, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalles und liegt im
pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde (BGE 129 II 82 E. 2.2 mit Hinweisen;
siehe Urteil 1C_98/2007 vom 13. September 2007 E. 2.1-3).
b) aa) Das Gutachten vom 22. Dezember 2010 stützt sich im Wesentlichen auf die
Vorgeschichte und den Untersuchungsgrund, die Angaben des Rekurrenten gegenüber
dem Verkehrsmediziner und dem Verkehrspsychologen, die Ergebnisse von
Laboruntersuchungen und verkehrspsychologischen Testverfahren sowie die Berichte
des Hausarztes und der Suchtberaterin.
Die Vorgeschichte und der Untersuchungsgrund werden zutreffend wiedergegeben.
Zur Vorgeschichte gehören auch die Feststellungen im Gutachten vom 8. Februar
2010. In den Untersuchungen vom 25. und 29. Oktober 2010 wurde der Rekurrent
sowohl vom Verkehrsmediziner als auch vom Verkehrspsychologen zu seinem
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Alkoholkonsum befragt. Der Rekurrent gab dazu an, früher habe wegen
Problemtrinkens eine "punktuelle" Abhängigkeit bestanden, seit November 2009 halte
er jedoch problemlos eine Abstinenz ein, die vom Freundeskreis respektiert werde. In
der Familie könne er bessere Gespräche mit klarerem Kopf führen. In der Fachtherapie
habe er erfahren, dass er eine schwierige Lebenssituation durch Hilfe von aussen – von
Menschen in ähnlicher Situation, Freunden, Verwandten und zuständigen Stellen –
lösen könne. Es sei falsch, in eine Ohnmacht zu fallen und nur noch das Opfer zu
spielen. Habe er wieder einmal ein Problem, werde er nicht warten, sondern sofort eine
Lösung suchen. Er schätze mehr denn je seine Gesundheit, seine Freiheit, seine eigene
Wohnung, seine Arbeit und seine Kollegen. Das Familienleben habe er tief bewertet,
weil er zurzeit keine Partnerin, mit seinen Eltern nur am Wochenende Kontakt und
sonst nicht sehr viel mehr Zeit für Beziehungen habe.
Bei den Laboruntersuchungen verlief die Analyse der Urinprobe unauffällig. Hingegen
ergab die Analyse der dem Rekurrenten am 25. Oktober 2010 abgenommenen
Haarprobe von einer Länge von insgesamt fünf Zentimetern eine Konzentration das
Alkoholstoffwechselprodukts Ethylglucuronid (EtG) von 630 pg/mg. Eine Analyse mit
Segmentierung der zweiten Probe bestätigte dieses Ergebnis (wurzelnahes Segment
von 2,5 Zentimetern 540 pg/mg, anschliessendes Segment von 2,5 Zentimetern 720
pg/mg). Das verkehrspsychologische Testverfahren für alkoholauffällige Kraftfahrer
(TAAK) zeigte keinen auffälligen Befund. Der verkehrsbezogene Persönlichkeitstest
(VPT.2) ergab – bei leicht verminderter Offenheit – überdurchschnittliche Ergebnisse in
den Bereichen "Soziale Anpassung", "Selbstkontrolle" und "Selbstreflexion" sowie ein
unterdurchschnittliches Ergebnis im Bereich der "Emotionalen Ansprechbarkeit".
bb) In der Beurteilung schliesst der Verkehrsmediziner aus dem auffallend deutlich
positiven EtG-Befund auf einen regelmässigen und übermässigen Alkoholkonsum
während des Zeitraums von fünf bis sechs Monaten vor der Probenentnahme am
25. Oktober 2010, d.h. seit ungefähr Mai 2010, sodass die angeblich seit November
2009 eingehaltene Alkoholabstinenz nicht nachvollzogen werden könne. Der
Verkehrspsychologe bewertet die Testbefunde in jeder Hinsicht, d.h. bezüglich
Aggressionspotenzial (verkehrsrelevantes Verhalten, Stress, Frustrationstoleranz,
Impulsivität, Selbstkontrolle), Verhalten mit Suchtmitteln (Konsum, Abstinenz),
Kritikfähigkeit (Lernbereitschaft, Belehrbarkeit) sowie Einsicht in die Problematik
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(Bagatellisieren, externe Schuldzuweisung, eigenes verkehrsgefährdendes Verhalten
erkannt) und in die ursächlichen Bedingungen (Hintergrund, kritische
Auseinandersetzung, Zeiteinteilung, Planung), als leicht negativ auffällig. Die Offenheit
im Fragebogen sei leicht vermindert und müsse angesichts des Ergebnisses der
Haaranalyse bezweifelt werden. Auch wenn der Rekurrent in die Suchtberatung
gegangen sei, wichtige Faktoren aufzählen könne und in den Bereichen der Information
über Alkohol, der alkoholspezifischen Dissimulation, des alkoholaffinen Umfelds und
der alkoholaffinen Einstellung nicht mehr auffällig erscheine, sei seine Kritikfähigkeit
wegen seiner verminderten Offenheit, den unrealistischen Werten bei der
Selbstkontrolle und der Selbstreflexion und der ungenügenden emotionalen
Ansprechbarkeit unzureichend. Die ungenügende emotionale Ansprechbarkeit
bedeute, dass der Rekurrent sich selber als emotional robust, aber auch als
gleichgültig gegenüber Verhaltenskonsequenzen mit einer Tendenz zur
Gefühlsverdrängung sowie einer Neigung zu Selbstüberschätzung und überhöhter
Selbstsicherheit beurteile. Der Rekurrent habe zwar vordergründig Einsicht gewonnen,
könne diese aber nicht in ein korrektes Handeln umsetzen.
cc) Im Rekurs wird zunächst geltend gemacht, wenn bereits ein EtG-Wert von 30 pg/
mg auf einen chronischen exzessiven Alkoholkonsum hindeute, könne der für den
Rekurrenten ermittelte, um das zwanzigfache erhöhte Wert nicht richtig sein. Dem
Rekurrenten wäre es bei dem für diese Konzentration erforderlichen Alkoholkonsum
nicht möglich, einen geregelten Tagesablauf zu führen, die vom Arbeitgeber bestätigte
Leistung bei der Erfüllung seiner anspruchsvollen Arbeit zu erbringen und ein
regelmässiges Fitnesstraining zu absolvieren. Entweder sei die Analyse nicht
ordnungsgemäss durchgeführt oder das Ergebnis durch den Gebrauch alkoholhaltiger
Produkte, beispielsweise das vom Rekurrenten verwendete Haarwasser "Alpecin"
beeinflusst worden.
Die dem Rekurrenten anlässlich der verkehrsmedizinischen Untersuchung am
25. Oktober 2010 abgenommenen Haarproben mit einer Länge von fünf Zentimetern
wurden am Institut für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen zweimal auf ihren
EtG-Gehalt untersucht. Die Analyse der ersten Probe ergab einen Wert von ca. 630 pg/
mg. Wegen des auffallend deutlich positiven Befundes wurde die zweite Probe für eine
zweite Analyse in zwei Abschnitte von je 2,5 Zentimetern Länge segmentiert. Die
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Ergebnisse von ca. 540 pg/mg für das wurzelnahe und von ca. 720 pg/mg für das
anschliessende Segment bestätigten den in der ersten Analyse ermittelten Wert exakt.
Die miteinander vereinbaren Werte zweier zeitlich auseinander liegenden Analysen
schliessen einen Fehler bei deren Durchführung mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit aus. Dafür, dass bei der Abnahme der Haarproben nicht nach den
üblichen Regeln und mit der gebotenen Sorgfalt vorgegangen wurde, bestehen keine
Anhaltspunkte. Der aktuelle Stand der Wissenschaft schliesst eine Erhöhung des
Analyseergebnisses aufgrund der Verwendung alkoholhaltiger Haarmittel aus (vgl. dazu
VRKE IV-2011/20 vom 12. Mai 2011 E. 2c/bb, publiziert auf www.gerichte.sg.ch).
dd) Im Rekurs wird sodann beanstandet, es werde einzig auf den EtG-Wert abgestellt.
Sämtliche positiven Untersuchungs- und Testergebnisse blieben ausser Betracht.
Wenn bereits bei EtG-Werten von über 30 pg/mg auf einen übermässigen Konsum von
täglich über 60 g reinen Alkohols geschlossen werde, könne der in der Haaranalyse
ermittelte Wert von durchschnittlich 630 pg/mg nicht mit dem Lebenswandel des
Rekurrenten, der einer geregelten Arbeit nachgehe und regelmässig im Fitnesscenter
trainiere, in Einklang gebracht werden. Die Fachtherapeutin stelle dem Rekurrenten
zudem ein gutes Zeugnis aus und die beim Hausarzt durchgeführten Blutanalysen
seien bezüglich CDT unauffällig. Auch die seit Mitte Februar 2011 freiwillig wöchentlich
und unangemeldet durchgeführten Urinkontrollen auf EtG seien negativ verlaufen. Die
CDT-Werte seien unauffällig. Hätte der Rekurrent bis dahin die Alkoholmenge
konsumiert, welche der festgestellten Konzentration von 630 pg/mg zugrunde liegen
müsse, wäre es ihm nicht möglich gewesen, den Alkoholkonsum ohne
Übergangsphase zu sistieren.
Das Institut für Rechtsmedizin führt in der verkehrsmedizinischen Stellungnahme vom
15. Juni 2011 zum Verhältnis zwischen hoher EtG-Konzentration und konkreter
Trinkmenge aus, aus einem EtG-Wert von über 30 pg/mg sei auf einen chronischen
Alkoholüberkonsum von mehr als 60 g reinen Alkohols pro Tag zu schliessen. Resultate
von über 30 pg/mg liessen keine weiteren Rückschlüsse auf das Ausmass des
Alkoholüberkonsums zu. Die Frage sei irrelevant, weil der Rekurrent eine
Alkoholabstinenz hätte einhalten müssen (act. 20 Ziff. 3). Aufgrund dieser
Ausführungen erscheint fraglich, ob die Menge des in den Haaren festgestellten
Ethylglucuronids sich linear proportional zur Menge des konsumierten Trinkalkohols
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verhält. Ebensowenig lässt sich daraus der Schluss ziehen, ein EtG-Wert von 30 pg/mg
entspreche einem täglichen Konsum von 60 g reinen Alkohols. Erklärungsbedarf
besteht allerdings für den Umstand, dass nur – aber immerhin – bei tiefen EtG-Werten
bis 30 pg/mg ein zuverlässiger Schluss auf eine konsumierte Mindestmenge möglich
ist, Werte in höheren Bereichen eine solche Aussage aber nicht zulassen. Zu klären
wäre also, warum der Menge von 30 pg/mg hinsichtlich der konsumierten
Alkoholmenge nicht dieselbe Bedeutung zugemessen werden kann, wenn es sich
dabei beispielsweise um die Differenz zwischen 600 und 630 pg/mg handelt. Dies
müsste insbesondere dann genauer dargelegt werden, wenn Ergebnisse über 100 pg/
mg nur noch pauschal ausgewiesen würden. Ungeklärt scheint in diesem
Zusammenhang auch, ob das Ausmass der Einlagerung von EtG gegebenenfalls von
der Art des konsumierten Alkohols, von der Beschaffenheit des Haares oder anderen
individuellen Eigenschaften des Betroffenen abhängt. Diese Unklarheiten sind indessen
für den vom Rekurrenten geforderten Nachweis der Alkoholabstinenz nicht von
Bedeutung, da sich gemäss dem – unbestrittenen – Stand der Wissenschaft lediglich
EtG-Werte von weniger als 8 pg/mg mit einer Alkoholabstinenz vereinbaren lassen.
Nach den Darlegungen in der verkehrsmedizinischen Stellungnahme vom 15. Juni 2011
muss nicht davon ausgegangen werden, der Rekurrent habe bei einem EtG-Wert von
630 pg/mg im Vergleich zum EtG-Wert von 30 pg/mg – bei linearem Zusammenhang
zwischen Alkoholkonsum und Einlagerung von Ethylglucuronid im Haar – mindestens
das 21-fache an Alkohol, d.h. 1'260 g reinen Alkohols täglich konsumiert, was über
zwei Litern Schnaps entsprechen würde. Es erübrigt sich somit, auf die – vom
Verkehrsmediziner indessen relativierten – Einwände einzugehen, der mit dem
festgestellten EtG-Wert verbundene Alkoholkonsum des Rekurrenten wäre mit seiner
Lebensführung, insbesondere den beruflichen Leistungen und dem regelmässigen
Fitnesstraining, und der günstigen Beurteilung durch die Fachtherapeutin nicht
vereinbar und eine abrupte Sistierung des Konsums nicht möglich gewesen. Die
unauffälligen CDT-Werte schliessen angesichts des hohen Anteils von Personen, bei
denen trotz bekanntem Alkoholüberkonsum keine Erhöhung festzustellen ist, einen
Alkoholkonsum ebenfalls nicht aus (vgl. VRKE IV-2011/20 vom 12. Mai 2011 E. 2c/bb).
Die hinsichtlich EtG-Gehalts negativ verlaufenen Urinkontrollen sind erst seit Mitte
Februar 2011 dokumentiert und beschlagen deshalb nicht den von der am 25. Oktober
2010 abgenommenen Haarprobe abgedeckten Zeitraum. Sie sind deshalb von
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vornherein nicht geeignet, für den Zeitraum von fünf bis sechs Monaten vor der
Probenentnahme eine Alkoholabstinenz nachzuweisen.
ee) Das kombinierte verkehrsmedizinische und verkehrspsychologische Gutachten vom
22. Dezember 2010, mit dem die Fahreignung des Rekurrenten weiterhin verneint wird,
erscheint nachvollziehbar, widerspruchsfrei und schlüssig. Der Rekurrent hat die
Überwindung des charakterlich bedingten, zumindest zeitweiligen Alkoholüberkonsums
durch die Einhaltung einer zumindest sechsmonatigen Alkoholabstinenz nachzuweisen.
Neben dem auf den Konsum von Alkohol zurückzuführenden Nachweis von
Ethylglucuronid in der am 25. Oktober 2010 abgenommenen Haarprobe hat auch die
verkehrspsychologische Untersuchung vom 29. Oktober 2010 Auffälligkeiten gezeigt.
Insbesondere sind im verkehrsbezogenen Persönlichkeitstest (VPT.2) bei geringer
Offenheit einerseits unrealistisch hohe Werte hinsichtlich der sozialen Anpassung, der
Selbstkontrolle und Selbstreflexion und anderseits ein weit unterdurchschnittlicher
Wert bei der emotionalen Ansprechbarkeit festzustellen. Daraus schliesst der Gutachter
nachvollziehbar auf eine ungenügende Kritikfähigkeit. Ob der Verkehrspsychologe aus
dem von der Verkehrsmedizin erhobenen – und bestrittenen – EtG-Wert auf eine
ungenügende Offenheit schliessen darf oder nicht vielmehr allein seine eigenen
Erhebungen zu würdigen hat, kann unter diesen Umständen offen bleiben. Dass die
Gutachter aufgrund des in der am 25. Oktober 2010 abgenommenen Haarprobe
festgestellten EtG-Werts von 630 pg/mg und der verkehrspsychologischen
Auffälligkeiten trotz der im Übrigen unauffälligen Befunde und günstigen Beurteilungen
den Nachweis der Überwindung des im Gutachten vom 8. Februar 2010 festgestellten
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs mit Suchtgefährdung mangels nachgewiesener
Alkoholabstinenz als nicht erbracht angesehen haben, ist nicht zu beanstanden.
Insbesondere stellt die Untersuchung von Haarproben auf den EtG-Gehalt auch nach
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine direkte beweiskräftige Analysemethode
dar (vgl. dazu beispielsweise Urteile des Bundesgerichts 6A.8/2007 vom 1. Mai 2007 E.
2.3 und 1C_150/2010 vom 25. November 2010 E. 5.2).
c) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht auf das kombinierte
verkehrsmedizinische und –psychologische Gutachten vom 22. Dezember 2010
abgestellt und das Gesuch des Rekurrenten um Wiedererteilung des Führerausweises
abgewiesen hat. Dementsprechend ist der Rekurs abzuweisen.
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3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten, worunter auch
die Kosten von Fr. 300.-- für die ergänzende Stellungnahme der verkehrsmedizinischen
Abteilung des Instituts für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen vom 15. Juni
2011 fallen, dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr
von Fr. 1'500.-- ist angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- ist zu verrechnen.