Decision ID: 0505eaeb-5fd5-43c3-85ca-38deb09947b4
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968, war zuletzt bis Ende Juli 2011 als Hilfsbodenleger bei der
Y._
angestellt (Urk. 9/17).
Unter Hinweis auf
seit
dem Unfall vom 23. März 2011 bestehende Rückenbeschwerden meldete sich der
Ver
sicherte
am 21. März 2012 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbe
zug an (Urk.
9
/11). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten des Unfallversicherers bei (Urk. 9/18, Urk. 9/39, Urk. 9/51) und erteilte Kostengutsprache für
eine Berufsab
klärung
(Urk. 9
/30; Abschlussbericht
Z._
vom 19. April 2013,
Urk. 9/45). Die IV-Stelle veranlasste eine psychiatrische und orthopädische Untersuchung beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), welche am 24. September 2013 er
folgte (Urk. 9/64-65). Mit Verfügung vom 24. November 2014 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (Urk. 9/95). Die dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 9/101/3-12) wurde vom hiesigen Sozialversicherungsgericht mit Urteil vom 1. Februar 2016
in dem Sinne
gutgeheissen
,
dass
die Sache
zur Einholung eines psychiatrischen und somatischen Gutachtens an die IV-Stelle zurückgewiesen
wurde
(Urk. 9/104).
D
araufhin holte die IV-Stelle bei den behandelnden Ärzten Berichte ein (Urk. 9/111-113) und veranlasste
bei der IME (Interdisziplinäre Medizinische Ex
pertisen)
ein
psychiatrisch-orthopädisches Gu
tacht
en
,
welches am 25. November 2016 erstattet wurde (Urk. 9/131/
1
-5;
bidisziplinäre
Zusammenfassung;
orthopä
dische
s
Gutachte
n
vom
9. November 2016
,
Urk. 9/131/93-149
;
psychiatrische
s
Gutachten
vo
m 19. November 2016
,
Urk. 9/131/
6
-92)
.
Mit Schreiben vom 6. No
vember 2017 forderte die IV-Stelle den Versicherten zur Durchführung einer Be
handlung zur Verbesserung des Gesundheitszustandes auf (Urk. 9/164). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 9/165;
Urk. 9/170)
verneinte
die IV-Stelle einen Rentenanspruch mit Verfügung vom 10. Januar 2018 (Urk. 9/177 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 6. Februar 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
10. Januar 2018
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm
eine Rente
zuzusprechen, eventuell sei
durch das Gericht ein Ergänzungsgutachten einzuholen
(
Urk.
1 S. 2
oben
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
23. März 2018
(Urk.
8
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer
am 27. März 2018
zur Kenntnis gebracht (Urk.
10
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die rechtlichen Grundlagen wurden im Urteil vom 1. Februar 2016 im Prozess IV.2014.01340 in Erwägung 1 dargelegt (Urk. 9/104/3-5). Darauf kann - mit den nachfolgenden Ergänzungen - verwiesen werden.
1.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt sys
tematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich
entscheidend
ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3
Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung
–
fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz
auszuschliessen
sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich,
die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3
).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus,
gestützt auf das umfassende medizinische Dossier sei eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Hilfsbodenleger ausgewiesen. Aller
dings sei
dem Beschwerdeführer
eine angepasste Tätigkeit mit abwechselnd ste
hender, gehender und sitzender Körperposition seit März 2012 zu 100 % möglich und zumutbar. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Grün
den könne invalidenversicherungsrechtlich nicht anerkannt werden. Es bestün
den beim Beschwerdeführer massive Belastungen (Trennungs-, Scheidungssitua
tion, finanzielle Probleme, Alkoholproblematik), die nicht zu berücksichtigen seien
. Mit einer intensivierten stationären psychiatrischen Behandlung könne zu
dem eine gesundheitliche Verbesserung erreicht werden. Die Therapieoptionen seien bisher nicht vollumfänglich ausgeschöpft worden
(S. 2 oben).
Gestützt auf die statistischen Tabellenlöhne und unter Berücksichtigung eines leidensbeding
ten Abzuges von 10 % betrage der Invaliditätsgrad 10 %, womit kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (S. 2 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1)
,
aus somatischer Sicht sei ihm aufgrund des durch den orthopädischen Gutachter fest
gelegten Zumutbarkeitsprofils nur noch eine leichte, angepasste Tätigkeit mit er
heblichen Einschränkungen möglich (S. 4 Ziff. 8).
Dieses Tätigkeitsprofil sei auf
grund der psychischen Krankheit weiter eingeschränkt. Der psychiatrische Gut
achter habe ihm eine 60
-
bis 70%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten attestiert
. Zwar habe der Guta
chter festgehalten, dass davon „
der IV-relevante Anteil der psychosozial begründeten Ar
beitsunfähigkeit abzuziehen sei”
(S. 4 f. Ziff. 9). Bei Wegfall der vorhandenen psychosozialen Belastungsfaktoren würde die psychische Störung allerdings lediglich zum Teil verschwinden, wie der Gut
achter ausgeführt habe
. Es werde ein verselbständigtes Leiden durch die psycho
sozialen Faktoren aufrechterhalten beziehungsweise verschlimmert, was gemäss Rechtsprechung anspruchsbegründend wirke
(S. 5 Ziff. 12
)
.
Im Gutachten sei eine
Indikatorenprüfung
durchgeführt worden. Daraus könne der Schluss gezogen werden, dass mobilisierende Faktoren zur Verbesserung des Gesundheitszustan
des mangels Ressourcen nic
ht erwartet werden könnten (S.
6 f. Ziff. 17 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für
physikalische Medizin und Rehabilita
tion
,
stellte
im Bericht vom 23. April 2016 (Urk. 9/111) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
chronisches
lumbospondylogenes
und rezidivierendes
lumboradikuläres
Reizsyndrom bei Diskushernie L4/L5 und L5/S1
-
chronisches
Reizknie
rechts bei
Chondropathia
patellae
-
schwere depressive Entwicklung
Sämtliche psychisch und körperlich belastende
n
Tätigkeiten seien dem Beschwer
deführer nicht mehr zumutbar (Ziff. 1.6). Mit der Wiederaufnahme einer wech
selbelastenden Tätigkeit im Umfang von 40 % könne ab noch offenem Zeitpunkt gerechnet werden (vgl. Ziff. 1.9 sowie S. 5).
3.2
Mit Bericht vom 24. April 2016 (Urk. 9/112) führte die behandelnde Psychiaterin des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, aus, die depressive Symptomatik mit Antriebs
-
, Kraft
- und Energie
losigkeit
, verminderter Aufmerksamkeit und Konzentration, Vergesslich
keit, bedrückter Stimmung, ausgeprägter Schlafstörung, sozialer Isolierung und grosser innerer Angespanntheit stehe im Vordergrund des psychischen Zustand
s
bildes. Zu erwähnen sei a
u
ch eine schwere psychosoziale Belastungssituation,
Eheprobleme und finanzielle Sorgen, weil er seit längerem ohne Einkommen sei (Ziff. 1.3 Mitte).
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
B._
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychoti
sche Symptome (ICD-10 F33.2; Ziff. 1.2).
In seiner bisherigen Tätigkeit auf der Baustelle bestehe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit (Ziff. 2.1). Der Behandlungsrhythmus f
i
nde wöchentlich bis monatlich statt (Ziff. 3.1). Hinsichtlich aktueller Medikation gab
Dr.
B._
20 mg
Cipralex
an (Ziff. 3.2). Faktoren, welche die Krankheit aufrechterhalten würden, seien die Arbeitslosigkeit sowie Familien- und Beziehungsprobleme aufgrund der Erkrankung des Beschwerdeführers (Ziff. 4.4).
3.3
Wie d
em Bericht der Hausarztpraxis des Beschwerdeführers
vom 25. April 2016 (Urk. 9/113
/1-3
) zu entnehmen
ist
,
berichtete
der Beschwerdeführer, wegen per
sistierenden Schmerzen nicht arbeiten zu können (Ziff. 2.1). Es würden chroni
sche, invalidisierende
,
therapie
refraktäre,
lumbale Rückenschmerzen mit inter
mittierender Beinausstrahlung links und diffusen Sensibilitätsstörungen im Bein links sowie eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.25) vorliegen (Ziff. 1.2). Schmerzbedingt sei er nur eingeschränkt leistungsfähig (Ziff. 1.2).
3.4
3.4.1
Der orthopädische
IME-
Gutachter
Dr.
med.
C._
, Orthopädische Chirur
gie und Traumatologie FMH,
stellte
in seiner Expertise vom
9.
November 2016 (
Urk.
9/131/93-154)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 44
lit
. D.1):
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom ohne
Radikulopathie
mit
-
diskrete
r
Osteochondrose
mit begleitender Spondylose betont in den Segmenten LWK 4/5 und LWK 5/SWK 1
-
bekannte
r
breitbasige
r
Diskusprotrusion
mit
Anulusriss
im Segment L4/5 sowie
Diskusprotrusion
im Segment L5/S1 ohne
höhergradige
foraminale
Einengung
-
Blockierung der Kreuzdarmbeingelenke beidseits (ISG-Blockade)
Im Rahmen der durchgeführten klinischen sowie radiologischen Untersuchung habe sich kein Anhalt für die von der behandelnden
Dr.
A._
genannte Reizsymptomatik am rechten Kniegelenk ergeben.
Der Beschwerdeführer habe im Rahmen der Anamneseerhebung auch auf explizite Nachfrage nicht über etwaige Kniebeschwerden geklagt. Ansonsten gehe er m
i
t der Diagnosestellung durch
Dr.
A._
einig,
führte
der Gutachter aus (S. 47 unten).
Auf orthopädisch-chirurgischem Fachgebiet habe sich im Rahmen der Begutach
tungssituation abgesehen von einer vereinzelten bewusstseinsnahen Selbstdar
stellung kein Anhalt auf etwaige Verdeutlichungstendenzen, Aggravation oder gar Simulation
ergeben
. Der Beschwerdeführer habe bei der klinischen Untersu
chung sehr gut und motiviert mitgearbeitet (S. 51
Ziff.
5).
In der bisherigen Tätigkeit als Bodenleger sei der Beschwerdeführer seit dem Un
fall im März 2011 nicht mehr arbeitsfähig (S. 53
Ziff.
1).
In einer leidensgerecht adaptierten, wechselbelastenden Tätigkeit sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben (S. 53
Ziff.
2). In qualitativer Hinsicht würden folgende Leistungseinschränkungen (negatives Leistungsbild) bestehen: Schwerst- und Schwerarbeit, ständige mittelschwere Arbeiten, Heben und Tragen von Lasten körperfern über 10 kg ohne technische Hilfsmittel sowie körpernah über 15 kg ohne technische Hilfsmittel, repetitive stereotype Bewegungsabläufe, Tätigkeiten mit repetitive
m
Bücken, Kauern und Hocken, das mehr als gelegent
liche Arbeiten in Zwangshaltungen, Tätigkeiten mit vermehrter Vibrationsbelas
tung, Tätigkeiten mit Pressen oder Stemmen, welche zu einer intraspinalen Druckerhöhung führ
t
en
, das mehr als gelegentliche Heben von Lasten über die Horizontale (S. 52
unten).
3.4.2
Im psychiatrischen Gutach
ten vom 1
9.
November 2016 (Urk.
9/131/6-92
)
hielt Prof.
Dr.
med. habil.
D._
folgende Angaben des Beschwer
deführers zum psychiatrischen Leiden fest (S. 61 f.
Ziff.
2.1): Sein Leben habe keinen Wert mehr. Er habe starke Kopfschmerz
en und Konzentrationsstörungen und
sei auch häufig müde. Er ziehe sich sozial zurück
und
habe Schwierigkeiten mit seiner Lebenssituation.
Vom Sozialamt
möchte
er
nicht abhängig sein.
Eine
Lösung für sei
n
e Probleme
habe er nicht
. Er sei beruflich perspektivlos
,
verzwei
felt und hoffnungslos. Er möchte niemandem zur Last fallen und denke über Su
izid nach, wenn er keine Rente bekomme. Alles sei kaputtgegangen. Seit dem Unfall im März 2011 habe er Rückenschmerzen, wobei sich die Schmerzen in der Intensität etwas abgeschwächt hätten. Zeitweise würden die Schmerzen in die Beine ausstrahlen und er habe zudem täglich Kopfschmerzen
.
Im Psychostatus hielt Prof.
Dr.
D._
im Wesentlichen eine leicht reduzierte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung des Beschwerdeführers fest. Wäh
rend der Untersuchung sei es zu einem wesentlichen Abfall der kognitiven Para
meter gekommen. Es seien erheblich geminderte Vitalgefühle festzustellen und das Selbstwertempfinden sei deutlich reduziert. Beim Beschwerdeführer würden Rat- und Hoffnungslosigkeit vorliegen. Er leide unter Zukunftsängsten und gebe Schlafstörungen an. Es würden passive Todeswünsche mit suizidalen Ideationen
bestehen, aber keine akute Suizidalität. Die Psychomotorik sei unauffällig. Er habe einen normalen Appetit
(S. 67).
Psychopathologisch sei der Beschwerdeführer im Untersuch als mittelgradig (bis schwer) depressiv einzustufen. Es habe eine gedrückte Stimmungslage mit
Anhedonie
, Antriebsstörung und Verminderung der Lebensfreude sowie multiplen Zu
satzsymptomen bestanden, so dass die Störung deutlich in Richtung einer schwe
ren Depression weise. Allerdings sei zu betonen, was auch von der behandelnden Psychiaterin festgehalten worden sei, dass die Depression auch Folge der psycho
sozialen Probleme des Beschwerdeführers sei. Es sei schwierig zu differenzieren, wie hoch diese Anteile am psychopathologischen Geschehen teilhaben würden. Diese Differenzierung sei ein juristisches Konstrukt und solle daher auch juristisch vorgenommen werden.
Aus gutachterlicher Sicht sei schätzungsweise von einem überwiegenden Anteil der psychosozialen Faktoren (höher als 50
%
, jedoch klei
ner als 2/3) auszugehen (S. 80 unten).
Des Weiteren liege beim Beschwerdeführer eine Schmerzverarbeitungsstörung vor. Dafür spreche sein somatisches Krankheitskonzept. Der Schmerzlevel sei hoch. Jedoch spreche gegen die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren gemäss ICD-10 F45.41 das Fehlen einer Abhängigkeit der subjektiven Schmerzempfindung von psychosozialen und emo
tionalen Faktoren. Zudem reagiere der Schmerz auf therapeutische Massnahmen. Diagnostisch könne daher nicht die Diagnose F45.41 ausgesprochen werden. Da jedoch psychische Fak
t
oren das Geschehen zweifelsfrei mitbeeinflussen würden, sei die Diagnose psychologisc
he Faktoren und Verhaltensfaktor
en bei andernorts klassifizierten Krankheiten (ICD-10 F54
) zu stellen. Das Störungsbild werde un
zureichend behandelt. Eine stationäre Schmerztherapie mit intensiver psychischer Betreuung sei angezeigt (S. 81 oben).
Unter dem Titel Konsistenz, Persönlichkeit und sozialer Kontext hielt Prof.
Dr.
D._
fest, es hätten gewisse Verdeutlichungstendenzen vorgelegen und der Beschwerdeführer habe immer wieder ein Rentenbegehren betont. Dieses Ver
halten interpretiere er als Zeichen der schwierigen psychosozialen Lage und der Hoffnungslosigkeit des Beschwerdeführers und seines hohen Leidensdruckes. Hinweise für Aggravation oder gar Simulation hätten keine bestanden (S. 79 oben).
Es hätten sich Hinweise für einen chronischen starken Alkoholkonsum gezeigt (Haaranalyse). Hingegen seien die Werte für das Blutbild, die Leberwerte und das
CDT im Normbereich gewesen, was darauf schliessen lasse, dass der Alkoholkon
sum im Hinblick auf den Begutachtungstermin drastisch reduziert worden sei (S. 79 Mitte).
Der Beschwerdeführer habe nur wenige Ressourcen. Hierfür seien vor allem psy
chosoziale und soziokulturelle Faktoren verantwortlich. Haupthindernis sei die Sprachbarriere bei nur geringen Deutschkenntnissen. Die fehlende Berufsausbil
dung in der Schweiz erschwere zudem die berufliche Wiedereingliederung. Durch die sekundären sozialen Folgen mit finanziellen Problemen seien als tertiäre Schwierigkeiten zudem Familien- und Eheprobleme aufgetreten, die beim Be
schwerdeführer Lebensüberdruss hervorgerufen hätten. So sei es zu einer Nega
tivspirale aus gesundheitlichen und psychosozialen Faktoren gekommen, wobei im zeitlichen Verlauf der Krankengeschichte die psychosozialen und soziokultu
rellen Schwierigkeiten zunehmend an Bedeutung gewonnen hätten und aktuell das psychopathologische Bild überwiegend bestimmen würden (S. 80 oben).
Prof.
Dr.
D._
stellte folgende Diagnosen (S. 84
lit
. E):
-
Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
-
sonstige rezidivierende depressive Störung (mit mittelgradiger bis schwerer Ausprägung),
chronifiziert
(ICD-10 F33.8)
-
Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
-
psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei andernorts klas
sifizierten Krankheiten (ICD-10 F54)
-
Schwierigkeiten in der kulturellen Eingewöhnung (Sprachschwierigkei
ten; ICD-10 Z60.3)
-
Probleme in Verbindung mit Ausbildung und Beruf (ICD-10 Z55)
-
Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56)
-
Probleme in Verbindung mit ökonomischen Verhältnissen (ICD-10 Z59)
-
Probleme in der Beziehung zum Ehepartner (ICD-10 Z63.0)
In der zuletzt ausgeübten sowie in adaptierter Tätigkeit sei von einer 60- bis 70%igen Arbeitsunfähigkeit in Bezug auf ein Vollpensum auszugehen. Von die
sem Wert sei der „IV-relevante” Anteil der psychosozial begründeten Arbeitsun
fähigkeit abzuziehen (S. 84 f.
lit
. F).
Das Störungsbild sei, so der psychiatrische Gutachter, unzureichend behandelt. Eine stationäre Behandlung werde empfohlen. Es sei zu erwarten, dass hierdurch auch die Arbeitsunfähigkeit besserbar sei und zumindest einen Wert von weniger als 40 % erreichen könne. Der Verlauf der Arbeitsunfähigkeit solle hernach mit den stationär behandelnden Ärzten besprochen werden (S. 85 Mitte).
3.4.3
In der
bidisziplinären
Zusamme
nfassung vom 25. November 2016
wurde
eine seit dem 23. März 2011 bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausge
übten Tätigkeit des Beschwerdeführers festgehalten. In einer leidensangepassten Tätigkeit
sei der Beschwerdeführer aus orthopädischer Sicht ab dem 31. März 2012 zu 100% arbeitsfähig (Urk. 9/131/4 Ziff. 2). Aus psychiatrischer Sicht liege seit der Erstbehandlung bei
Dr.
B._
am 22. Mai 2013 eine anhaltende Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit von 60 bis 70 % vor (Urk. 9/131/3 oben). Ge
samthaft
bestehe
somit
aus
bidisziplinärer
Sicht
seit dem 22. März 2015 (richtig:
2013, vgl. Urk. 9/131/
3
oben) eine 60- bis 70%ige Arbeitsunfähigkeit in Bezug auf ein Vollpensum. Davon sei der Anteil der psychosozial begründeten Arbeits
unfähigkeit abzuziehen, was der juristischen Bewertung vorbehalten sei (Urk. 9/131/5).
3.5
Am 20. Dezember 2016 nahm Prof.
Dr.
D._
zu Rückfragen (vgl. Urk. 9/133) hinsichtlich des Alkoholkonsums
des Beschwerdeführers Stellung
. Prof.
Dr.
D._
führte aus,
der Beschwerdeführer sei hinsichtlich Substanzkonsum wenig auskunftswillig gewesen. D
ie durchgeführte Haaranalyse habe auf einen starken, chronischen Alkoholkonsum in der Zeit von Juli bis Oktober 2016 schliessen las
sen. Allerdings sei aufgrund der weiteren durchgeführten Untersuchungen
davon auszugehen, dass
er den Alkoholkonsum zwischenzeitlich eingestellt oder hoch
gradig reduziert habe. Da er
offensichtlich im Begutachtungszeitpunkt keinen er
höhten Alkoholkonsum gehabt habe und er keine Anhaltspunkte für ein Abhän
gigkeitssyndrom habe erfragen können, habe er bewusst auf eine entsprechende Diagnose im Gutachten verzichtet (Urk. 9/134).
3.6
Mit undatiertem - aufgrund der genannten letzten Kontrolle vom 8. September 2017 frühestens an diesem Datum verfassten (Urk. 9/154 Ziff. 3.1) - Verlaufsbe
richt von
Dr.
B._
berichtete diese über eine zwischenzeitliche Verschlech
terung (Ziff. 1.1). Allerdings wiesen weder die Diagnosestellung (Ziff. 1.2) noch die Ausführungen bezüglich Befund (Ziff. 1.3) auf einen veränderten, insbeson
dere nicht verschlechterten, Gesundheitszustand hin.
Dr.
B._
erwähnte
eine stat
ionäre Behandlung im Juli 2017
(S. 1 unten; vgl. dazu nachfolgen E. 3.7). Laborkontrollen bezüglich Alkoholkonsum seien nicht verordnet worden,
weil der Beschwerdeführer behaup
te, keinen Alkohol zu konsumieren. Sobald er auf Suchtprobleme angesprochen werde, zeige er aggressives Verhalten und werde laut und bedrohlich (S. 2 oben).
3.7
Vom
4.
bis 19. Juli 2017 befand sich der Beschwerdeführer in stationärer Be
handlung in der Akutpsychiatrie für Erwachsene,
E._
, (
F._
; Bericht vom 26. Oktober 2017, Urk. 9/158 Ziff. 1.3; vgl. auch Austrittsbericht vom 27. Juli 2017, Urk. 9/152).
Unter dem Titel
„
Integrative Diagnose
”
wurde
F
olgendes
ausgeführt (Urk. 9/152/1 Mitte):
„
49-jähriger Mann, verheiratet. Erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren (Arbeitslosigkeit), IV ist schon beantragt. In diesem Rahmen Entwicklung einer depressiven Verstimmung mit Alkoholkonsum während der letzten drei Monate. Krankheitseinsichtig und abstinenzmotiviert, jedoch externalisierend und wenig Eigeninitiative.
”
Der stationäre
Eintritt
sei
erfolgt aufgrund
eine
s
depressi
ven
Zustandsbildes
mit Schlafstörung, Niedergestimmtheit, Antriebsstörung und starken psychosozialen Belastungen aufgrund von mehrjährig laufendem IV-Verfahren, fehlender An
bindung beim Sozialamt, laufender Scheidung mit richterlicher Aufforderung, die gemeinsame Wohnung zu verlassen bei aktuell fehlender Anschlusslösung. Der Beschwerdeführer gebe lediglich sporadischen Alkoholkonsum an. Er wünsche sich die stationäre Aufnahme zur Depressionsbehandlung (Urk. 9/152/1-2
; vgl. auch Urk. 9/158 Ziff. 1.4 Mitte
).
Die ambulant behandelnde Psychiaterin habe einen Verdacht auf eine Alkohol
abhängigkeit geäussert. Aufgrund der nach wie vor bestehenden sozialen Belas
tungsfaktoren habe im stationären Rahmen lediglich eine Teilremission erfolgen können.
Bisher hätten im
F._
im Jahr 2013 eine Hospitalis
i
erung aufgrund einer Medika
mentenüberdosis und im Jahr 2016 eine einwöchige Krisenintervention bei er
neuter psychischer Dekompensation vor dem Hintergrund komplexer psychoso
zialer Belastungen stattgefunden (
Urk. 9/158
Ziff. 1.3 sowie Ziff. 1.4 Mitte).
Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende genannt (
Urk. 9/152 S. 1 Mitte sowie Urk. 9/158/1
Ziff. 1.1)
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.2)
-
chronischer Rückenschmerz
Es sei eine regelmässige psychotherapeutische Behandlung im ambulanten Set
ting zu empfehlen (Urk. 9/158/3 Ziff. 1.5). Die bisherige Tätigkeit sei dem Be
schwerdeführer nicht mehr zumutbar. In welchem Umfang eine behinderungsan
gepasste Tätigkeit zumutbar sei, sei aktuell nicht einschätzbar (Ziff. 1.7). Eine weitere Einschätzung habe im ambulanten Setting zu erfolgen (Ziff. 1.6).
4.
4.1
Das
bidisziplinäre
Gutachten wurde von den Parteien mit Ausnahme der Auswir
kung der psychosozialen Faktoren auf die attestierte Arbeitsunfähigkeit sowie des
vom
orthopädischen
Gutachter festgelegte
n
Zumutbarkeitsprofil
s
nicht bean
standet. Zu letzterem ist festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer aufgrund des im orthopädischen Gutachten festgehaltenen Zumutbarkeitsprofil
s
leichte bis durchaus auch gelegentlich mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten
zumut
bar sind. Da insbesondere das Heben und Tragen von Lasten körperfern bis 10 kg und körpernah bis 15 kg möglich ist, und nur „ständige” mittelschwere Tätigkei
ten ausgeschlossen wurden, ist entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. vorstehend E. 2.2) auch eine intermittierend mittelschwere Tätigkeit vom gut
achterlichen Belastungsprofil erfasst.
4.2
Das besagte
Gutachten
(vorstehend E. 3.4)
beruht auf für die strittigen Belange umfassenden Untersuch
ungen und berücksichtigt die vom
Beschwerdeführer ge
klagten Beschwerden in angemessener Weise. Sodann wurde es in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet und trägt der konkreten medizinischen Situation Rechnung.
Sodann sind die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und die Beurtei
lung der medizinischen Situation
grundsätzlich
einleuchtend und die Schlussfol
gerungen i
n der Expertise sind begründet
.
Der psychiatrische Gutachter berück
sichtigte in seiner Arbeitsfähigkeitsbeurteilung allerdings auch den Anteil der psychosozialen Faktoren, was nicht lege
artis
ist.
Darauf ist jedoch im Rahmen der rechtsprechungsgemäss geforderten Prüfung der Standardindikatoren näher einzugehen und zu prüfen, ob funktionelle Auswirkungen im Rahmen einer 60- bis 70%igen
- beziehungsweise einer durchschnittlich 65%igen -
Arbeitsunfähig
keit gegeben sind.
Denn es ist im
Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens davon abzusehen, einzelne Beschwerden und Störungen ohne Einzelfallprüfung wegen grundsätzlich fehlender
invalidenversicherungs
-
rechtlicher
Relevanz aus
zuscheiden (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1). Indes gilt unverändert, dass ein invalidi
sierender psychischer Gesundheitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das kli
nische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokulturellen Um
ständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Be
funde umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_732/2017 vom
5.
März 2018 E. 4.3.1 mit Hinweis).
5.
5.1
Zu prüfen ist nunmehr anhand der Standardindikatoren, ob ausgehend von den dargelegten Befunden und der gestellten Diagnose deren funktionelle Auswir
kung - nämlich die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um durchschnittlich 65 % - mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist.
5.2
5.2.1
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist in Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten, dass
der
Beschwerdeführer auf
grund seines psychiatrischen Störungsbildes
in sämtlichen
Fähigkeits
bereichen gemäss
der durch Prof.
Dr.
D._
durchgeführten
Prüfung anhand des
Mini-ICF Rating
s
beeinträchtigt ist
. So ist
er
in 6 von insgesamt 13 Bereichen schwer eingeschränkt, namentlich
in den Bereichen Flexibilität und Umstellfähigkeit, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, Durchhaltefähigkeit,
Selbstbehauptungsfä
higkeit,
Spontan-Aktivitäten
sowie Verkehrsfähigkeit
. Bezüglich den Fähigkeiten Anpassung an Regeln und Routinen, Planung
und Strukturierung von Aufgaben sowie
Anwendung fachlicher Kompetenzen
besteht eine mittelgradige Einschrän
kung. In den übrigen Bereichen (Kontaktfähigkeit zu Dritten, Gruppenfähigkeit, familiäre beziehungsweise intime Beziehungen sowie Selbstpflege) liegt eine leichte Einschränkung vor (Urk. 9/131/87).
Der psychiatrische Gutachter (vorstehend E. 3.4.2) wie auch die behandelnde Psy
chiaterin (vorstehend E. 3.2) wiesen allerdings auf vorhandene erhebliche psy
chosoziale Belastungsfaktoren hin. Genannt wurden Arbeitslosigkeit und damit verbundene finanzielle Probleme
. Das zur Verfügung stehende Geld reiche der Familie nicht zum Leben und man gebe monatlich zirka Fr. 2'000.-- mehr aus, als man einnehme. Der Beschwerdeführer habe Schulden in der Höhe von zirka Fr. 50'000.-- und es bestünden verschiedene Betreibungen (vgl. Urk. 9/131/60-61).
Sodann wurden
Familien- und Beziehungsprobleme
erwähnt
. Im Zeitpunkt der Begutachtung lief ein Scheidungsverfahren (vgl. Urk. 9/131/60 Mitte).
Ge
mäss Prof.
Dr.
D._
haben die psychosozialen Faktoren zunehmend an Be
deutung gewonnen und bestimmen aktuell das psychopathologische Bild über
wiegend. Der Anteil der psychosozialen Faktoren am psychopathologischen Ge
schehen sei höher als 50 %, jedoch kleiner als 2/3 (vorstehend E. 3.4.2). Obwohl die psychosozialen Faktoren zwar dominier
t
en, würde die psychische Störung bei deren Wegfallen nur teilweise verschwinden. Auf die Frage, ob ein verselbstän
digtes Leiden durch gegebenenfalls vorhandene psychosoziale Faktoren aufrecht
erhalten werde oder das Leiden verschlimmere, antwortete der Gutachter mit „ja, erheblich” (Urk. 9/131/91). Diese Einschätzung vertritt auch die behandelnde Psy
chiaterin (vgl. vorstehend E. 3.2).
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung können sich
psychosoziale und sozio
kulturelle Faktoren mittelbar invaliditätsbegründend auswirken
, wenn und soweit sie
zu einer eigentlichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, in
dem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den
Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen be
st
ehenden – Folgen verschlimmern
(Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
In einem anderen Urteil hielt das Bundesge
richt fest, am rechtlich vorausgesetzten Kausalzusammenhang mit einer selbstän
digen Gesundheitsschädigung fehl
e
es, solange noch zu erwarten
sei
, dass mit einem Wegfall der belastenden Lebensumstände unmittelbar auch die (somit nicht verselbständigte) psychische Störung verschwinden werde. Die massgebende Ur
sache für die Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 6 ATSG bestimmt sich mitun
ter auch nach dem Leitsatz, dass eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert umso ausgeprägter vorhanden sein muss, je stärker psycho
soziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen. So kann eine depressive Symptomatik
chronifiziert
, damit durchaus verselbständigt sein und dennoch im Rahmen des ge
samten Beschwerdebildes nicht genug ins Gewicht fallen, als dass auf eine län
gerdauernde Erwerbsunfähigkeit geschlossen werden dürfte (Urteil des Bundes
gericht 9C_140/2014 vom 7. Januar 2015 E. 3.3 mit Hinweisen).
Vorliegend liegt
aufgrund der Ausführungen im psychiatris
chen Gutachten durchaus
ein
selbständige
r Gesundheitsschaden vor
, da dieser selbst bei Wegfall der psychosozialen Faktoren nur teilweise
verschwinden
würde und von den be
sagten Faktoren erheblich aufrechterhalten wird - darin sind sich wie dargelegt zwei Fachärzte einig.
Allerdings
war es dem Gutachter möglich,
eine Abgrenzung und Quantifizierung der psyc
hosozialen Faktoren vorzunehmen und diese mit einem
Anteil von
mindestens
50 %
zu beziffern
. Dementsprechend
ist davon aus
zugehen, dass
die psychosozialen Faktoren
vorliegend
nicht
derart
eng mit der Gesundheitsschädigung und ihren funktionellen Auswirkungen verbunden
sind
, als dass es sich rechtfertigen würden, den gesamten Ursachenkomplex (
inklusive
den
psychosozialen Faktoren
)
im Rahmen der Prüfung der funktionellen Auswir
kung
als inval
i
denversicherungsrechtlich
relevant einzustufen.
Dies gilt umso mehr, als der Gutachter festhielt, die psychosozialen Faktoren würden die psy
chische Störung dominieren. In einer solchen Konstel
lation ist entgegen der An
sicht des Beschwerdeführers nicht von mittelbar
invaliditätsbegründenen
sozialen Umständen auszugehen (vgl. dazu zuvor genanntes Bundesgerichtsurteil 9C_140/2014 E. 3.3
; siehe auch
Michael E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrecht
sprechung, publiziert in: Riemer-Kafka/
Hürzeler
, Das
indikatorenorientierte
Ab
klärungsverfahren, Zürich 2017, S. 128 Ziff. 1.
5
).
Demzufolge ist der auf die psy
chosozialen Umstände entfallende Anteil von mindestens 50 % von der gut
achterlich attestierten Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich 65 % im Rahmen der Anspruchsprüfung auszuklammern und diesbezüglich
mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit von
keine
r
invalidenversicherungsrechtlich relevante
n
funk
tionelle
n
Auswirku
ng auszugehen
.
5.2.2
Bezüglich Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz ist festzuhal
ten,
dass sich der Beschwerdeführer seit Mai 2013 in psychiatrischer Behandlung befindet (Urk. 9/112/1 Ziff. 1.3) und in einem Rhythmus zwischen wöchentlich und monatlich psychotherapeutische Sitzungen sowie eine medikamentöse The
rapie in Anspruch nimmt (Urk. 9/112/3 Ziff. 3.1 f.
; Urk. 9/154/3 Ziff. 3.1
).
Der Beschwerdeführer leidet nach wie vor an einer mittelgradigen bis schweren de
pressiven Störung, weshalb von keinem Behandlungserfolg auszugehen ist.
Ge
mäss Prof.
Dr.
D._
sei eine Intensivierung der Behandlung i
n stationärem
Rahmen empfohlen (Urk. 9/131/90 oben sowie
lit
. G).
Während der im Juli 2017 erfolgten stationären psychiatrischen Behandlung habe der Be
schwerdeführer leicht profitieren können. Wie aus dem Bericht hervorgeht, waren wiederum die sozialen Belastungsfaktoren
- erwähnt wurde die Arbeitslosigkeit -
verantwortlich, dass lediglich eine Teilremission erfolgen konnte.
Bezüglich der depressiven Problematik änderte sich am Schweregrad
nicht viel (vgl. vorstehen
d
E.
3.7
).
Im
bidisziplinären
G
utachten wurde darauf hingewiesen, dass bisher versäumt worden sei, beim Beschwerdeführer das konservative sowie insbesondere schmerztherapeutische Behandlungsspektrum vollumfänglich auszuschöpfen (Urk. 9/131/143 oben
; vgl. auch Urk. 9/131/86 oben
). Hinweise, dass sich der Be
schwerdeführer eine solche Therapie verweigert hätte, ergeben sich aus den Akten keine.
5.2.3
Als ausgewiesene
Komorbidität
sind das chronische
lumbospondylogene
Schmerzsyndrom ohne
Radikulopathie
sowie eine Blockierung der Kreuzdarm
beingelenke beidseits zu nennen, was chronische Schmerzen sowie eine Limitie
rung der biomechanischen Funktion der Lendenwirbelsäule (vgl. Urk. 9/131/3 Mitte) zur Folge hat.
Im Raum steht sodann ein allfälliges Abhängigkeitssyndrom (Alkohol), wobei im Zeitpunkt der Begutachtung ein solches verneint wurde (vorstehend E.
3.5
). Die behandelnde Psychiaterin äusserte gegenüber den Fachpersonen an der
F._
of
fenbar einen diesbezüglichen Verdacht (vorstehend E. 3.7), verneinte das Vorlie
gen eines regelmässigen Alkoholkonsums allerdings mit Hinweis auf Aussagen des Beschwerdeführers (vorstehend E. 3.
6
).
Hinweise, dass die Diagnose eines Ab
hängigkeitssyndroms im Rahmen des stationären Aufenthalts gesichert erhoben werden konnte, fehlen in den entsprechenden Berichten. Es wurden lediglich Ver
dachtsäusserungen der behandelnden Psychiaterin sowie die Aussage des Be
schwerdeführers, er konsumiere sporadisch Alkohol (Urk. 9/152
/2 oben sowie Mitte), erwähnt. Demzufolge wies einzig die im Rahmen der Begutachtung durch
geführte Haaranalyse auf einen zeitweise erhöhten Alkoholkonsum durch den Beschwerdeführer hin. Eine entsprechende Diagnose konnte aber anlässlich der Begutachtung - auch aufgrund durchgeführter weiterer Tests - nicht gestellt wer
den.
5.2.4
Bezüglich Persönlichkeit und sozialer Kontext ist festzuhalten, dass der Be
schwerdeführer über keine Ressourcen verfügt. Er verfügt weder über ein intaktes Familienleben noch über sonstige soziale Kontakte
. Der gegenüber dem psy
chiatrischen Gutachter geschilderte Tagesablauf
(vgl. Urk. 9/131/69 Ziff. 2.3)
lässt sodann nicht auf eine intakte Tagesstruktur schliessen
: Er stehe irgendwann zwischen 5 Uhr und 11 Uhr auf, esse nur einmal am Tag, wenn er Hunger habe. Er laufe in der Wohnung auf und ab oder gehe für maximal 30 Minuten spazieren. Danach lege er sich hin. Besuch erhalte er keinen. Die Kinder hätten ihre eigenen Zimmer und rede
te
n nicht mit ihm. Die Ehefrau rede nur das Notwendige. Abends schaue er fern, laufe in der Wohnung auf und ab oder lege sich hin, wenn er müde werde. Dies sei zwischen 19 Uhr und 1 Uhr
. Die Indikatoren Persönlichkeit und sozialer Kontext wirken sich im Gesamtkontext eher ressourcenhemmend aus.
5.2.5
Zu prüfen bleibt der Aspekt der Konsistenz, wobei insbesondere das Vorhanden
sein einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus sowie eines aus
gewiesenen Leidensdruckes zu prüfen sind.
Die beschriebene Tagesaktivität des Beschwerdeführers ist sehr niedrig.
Es ist weder ersichtlich, dass er an der Haus
haltsführung teilnimmt, noch ausserhäusliche Aktivitäten pflegt mit Ausnahme eines allenfalls bis zu 30-minütigen Spazierganges. Insgesamt ist von einem gleichmässig eingeschränkten Aktivitätsniveau auszugehen.
5.2.6
Der Umstand, dass der Beschwerdefüh
rer zeit
weise nur monatlich eine ambulante Behandlung in Anspruch nimmt, kann als Hinweis auf einen fraglichen Leidens
druck gewertet werden. Dies vor allem vor dem Hintergrund der depressiven Problematik, welche mittelgradig bis teilweise schwer ausgeprägt ist.
Für sich al
leine lässt dies jedoch nicht auf einen mangelnden Leidensdruck schliessen. Ins
besondere
wies er sich offenbar im Juli 2017 selbst zur stationären psychiatri
schen Behandlung ein, wobei er auch ein Überwe
isungsschreiben seiner Psy
chiat
erin beim Eintritt vorweisen konnte
. Gesamthaft wurde die bisherige Thera
pieform offensichtlich von der behan
delnden Psychiaterin so gewählt,
zumal es an anderweitigen Hinweisen
- insbesondere ist keine Verweigerung von allfälli
gen Therapieempfehlungen aktenkundig -
fehlt.
5.3
Zusammenfassend erscheint der Beschwerdeführer funktionell zwar erheblich eingeschränkt
. Ein
Ant
eil
von mindestens 50 %
seiner Einschränkungen ist aller
dings auf psychosoziale Faktoren zurückzuführen. A
ufgrund der vorliegenden psychosozialen Umstände,
welche
in die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsbeurtei
lung miteinflossen
, obwohl sie
die psychische Störung dominieren und
abgrenz-
und
sogar
quantifizierbar waren
, ist von der attestierten Arbeitsunfähigkeit von 65 % abzuweichen. Es rechtfertigt sich daher, diese
- entsprechend der Mindest
bewertung des Gutachters -
um die Hälfte
auf (aufgerundet) 33 %
zu kürzen
. Es ist somit seit dem 22. März 2013 von einer Arbeitsunfähigkeit von 33 % in lei
densangepasster Tätigkeit auszugehen
.
6.
Es bleiben die erwerblichen Auswirkungen der ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit zu prüfen.
Der Beschwerdeführer hat in seiner bisherigen Tätigkeit als ungelernter Hilfsbo
denleger gearbeitet (vgl. Urk. 9/17). Da sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit von Hilfstätigkeiten auszugehen ist, rechtfertigt sich die Durchführung eines sogenannten Prozentvergleiches (Urteil des Bundesge
richts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1). Die Beschwerdegegnerin ge
währte eine
n
leidensbedingten Abzug von 10 %, was vom Beschwerdeführer nicht beanstande
t wurde
und mit der Akten- und Rechtslage ver
einbar ist. Auf
grund der 33%igen Arbeitsunfähigkeit ergibt sich somit ab März 2013 ein Inva
liditätsgrad von 43 %.
Dementsprechend ist die Beschwerde gutzuheissen
mit der Feststellung, dass
der Beschwerdeführer ab 1. März 2013 Anspruch auf eine
Viertelsrente
hat
.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
7.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Anwendung dieser Kriterien ist die Parteientschädi
gung vorliegen
d
auf Fr.
2'300.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzu
setzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.