Decision ID: 0b261d81-7052-41b1-899a-fcb5f10b03c6
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Mutter G._
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilflosenentschädigung (Revision)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ leidet seit Geburt (31. Mai 1991) anerkanntermassen an einer heredo-
degenerativen Erkrankung des Nervensystems sowie an einer angeborenen cerebralen
Lähmung (Geburtsgebrechen Nr. 383 und 390). Ausserdem liegt unter anderem eine
prälinguale Taubheit beidseits (Geburtsgebrechen Nr. 446) bei Versorgung mit
Cochlea-Implantat links vor. Nachdem ihm (bzw. den Eltern) ab 1. Mai 1994
Pflegebeiträge für eine Hilflosigkeit leichten Grades gewährt wurden, erhielt er ab 1.
August 1994 Pflegebeiträge für eine Hilflosigkeit mittleren Grades (act. G 6.1/30, 60, 78
und 107). Mit Verfügung vom 17. November 2004 wurden die Pflegebeiträge auf Grund
der 4. IVG-Revision per 1. Januar 2004 in eine Hilflosenentschädigung mittleren Grades
umgewandelt. Die Leistungsdauer war auf den 31. Mai 2009 befristet und eine Revision
auf diesen Zeitpunkt vorgesehen (Erreichen des 18. Altersjahrs [act. G 6.1/ 146 f.]).
A.b Am 7. Juli 2009 reichte die Mutter des Versicherten - die mit Beschluss der
Vormundschaftsbehörde vom 4. Juni 2009 das elterliche Sorgerecht über dessen
Mündigkeitsalter hinaus erhalten hatte (act. G 6.1/222) - das Anmeldeformular für eine
Hilflosenentschädigung für Erwachsene ein (act. G 6.1/221). Am 19. Februar 2010
wurde sodann eine Abklärung an Ort und Stelle durchgeführt. Die Abklärungspersonen
kamen zum Schluss, der Versicherte sei nur mehr in drei von sechs alltäglichen
Lebensverrichtungen auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen (An-/ Aus-
kleiden; Körperpflege; Fortbewegung). Indessen benötige er beim Essen und beim
Verrichten der Notdurft keine wesentliche Hilfe mehr. Auch bedürfe er keiner ständigen
persönlichen Überwachung mehr (act. G 6.1/251).
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A.c Mit Vorbescheid vom 22. März 2010 eröffnete die IV-Stelle St. Gallen der Mutter
des Versicherten, es bestehe ab 1. Juni 2009 nur noch ein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung leichten Grades (act. G 6.1/253). Obwohl die Mutter des
Versicherten mit Einwand vom 20. April 2010 im Wesentlichen geltend gemacht hatte,
der Versicherte bedürfe nach wie vor der dauernden persönlichen Überwachung,
verfügte die Sozialversicherungsanstalt am 10. Juni 2010 wie angekündigt. Dabei ging
sie davon aus, der Versicherte habe bis 31. August 2009 Anspruch auf den doppelten
Ansatz, ab dem 1. September 2009 (nach Eintritt ins B._) auf den einfachen (vgl. act.
G 6.1/255 und 257 f.).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 17. Juli
2010 mit dem Antrag, es sei dem Beschwerdeführer eine Hilflosenentschädigung
mittleren Grades zuzusprechen. Zusätzlich zu den drei anerkannten alltäglichen
Lebensverrichtungen sei der Versicherte auch bei der Verrichtung der Notdurft,
namentlich bei der Körperreinigung und dem Überprüfen der Reinlichkeit - und damit in
anspruchsbegründenden vier Lebensverrichtungen - auf die Hilfe Dritter angewiesen.
Zudem habe er in der Zeit von Juni bis August 2009, als er noch zu Hause gewohnt
habe, lebenspraktische Begleitung benötigt. Sinngemäss wird weiter ausgeführt, dass
der Beschwerdeführer auch ständige persönliche Überwachung brauche, da er
keineswegs so selbstständig sei, wie dies die Beschwerdegegnerin suggerieren wolle.
So handle es sich bei den "kleineren Einkäufen", die er selbstständig tätige, nicht etwa
um sinnvolle Einkäufe wie bei einem Gesunden. Vielmehr kaufe er nur Cola und
Süssigkeiten. Was die Menge und Häufigkeit der Einkäufe angehe, kenne der
Beschwerdeführer kein Mass und müsse auch hier kontrolliert werden (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 11. November 2010 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Auf Grund der Anmerkungen der Mutter des Versicherten
zum Abklärungsbericht vom 18. März 2010 seien die streitigen Punkte beim B._
abgeklärt worden. Die zuständige Betreuungsperson habe angegeben, der
Beschwerdeführer gehe ohne Aufforderung zur Toilette und reinige sich selbstständig.
Die Betreuer im Heim hätten ihm noch nie behilflich sein müssen, und es sei bisher
auch nie beobachtet worden, dass die Unterwäsche extrem schmutzig gewesen sei.
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Bei der allgemeinen Körperpflege seien ab und zu Hinweise nötig. Nachdem der
Beschwerdeführer mehrheitlich im B._ wohne und die Angaben der
Betreuungspersonen objektiv seien, sei darauf abzustellen. Somit bestehe beim
Verrichten der Notdurft keine Hilfsbedürftigkeit mehr. Schliesslich seien auf Grund des
auf die Monate Juni bis August 2009 beschränkten Aufenthaltes zu Hause die
Voraussetzungen für die Anerkennung einer lebenspraktischen Begleitung nicht
gegeben (act. G 6).
B.c Mit Replik vom 15. Dezember 2010 macht die Mutter des Beschwerdeführers
geltend, der Beschwerdeführer sei öfters mit nur einer gebrauchten Unterhose nach
Hause gekommen. Diese sei sehr wohl stark verschmutzt gewesen. Sie habe die
Betreuungspersonen gebeten, den Beschwerdeführer zum vermehrten Wechseln der
Unterwäsche anzuhalten. Ermahnungen allein nützten jedoch nichts, vielmehr müsse
das Befolgen der Anweisungen auch kontrolliert werden. Er müsse auch zum Waschen
und Rasieren angehalten werden, da er es nicht mache, ohne explizit dazu aufgefordert
und kontrolliert zu werden.
Im Übrigen sei sehr wohl von der Notwendigkeit einer lebenspraktischen Begleitung
auszugehen. Dies sei bereits vor Erreichen der Volljährigkeit der Fall gewesen und sei
es auch in den drei Monaten danach (act. G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf
eine Duplik act. G 10).

Erwägungen:
1.
Als hilflos gilt, wer wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Hilflose Personen haben einen Anspruch
auf eine Hilflosenentschädigung. Es ist zu unterscheiden zwischen schwerer,
mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Eine leichte Hilflosigkeit liegt vor, wenn
eine versicherte Person in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
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regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a
IVV), einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV) oder
nur dank regelmässigen und erheblichen Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche
Kontakte pflegen kann (Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV). Als mittelschwer gilt die Hilflosigkeit,
wenn die versicherte Person trotz Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten (d.h. vier [vgl.
Rz 8009 KSIH in der ab 1. Januar 2010 gültigen Fassung]) alltäglichen
Lebensverrichtungen in erheblicher Weise auf Dritthilfe angewiesen ist, in mindestens
zwei Lebensverrichtungen der Dritthilfe und überdies einer dauernden persönlichen
Überwachung oder dauernder lebenspraktischer Begleitung bedarf (Art. 37 Abs. 2 IVV).
Ist die versicherte Person vollständig hilflos, benötigt sie also in allen
Lebensverrichtungen regelmässig und in erheblicher Weise Dritthilfe und dauernde
Pflege oder persönliche Überwachung, so gilt die Hilflosigkeit als schwer (Art. 37
Abs. 1 IVV). Die Praxis kennt die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen:
An- und Auskleiden; Aufstehen, Absitzen und Abliegen; Essen; Körperpflege;
Notdurftverrichtung; Fortbewegung (vgl. Rz 8010 KSIH).
2.
Formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistungen werden von Amtes wegen oder
auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihnen zu Grunde
liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat (Art. 17 Abs. 2 ATSG). Eine
Verminderung der Hilflosigkeit ist für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung
von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie
voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen,
nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und
voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a Abs. 1 IVV). Die Herabsetzung oder
Aufhebung der Renten und Hilflosenentschädigungen erfolgt frühestens vom ersten
Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an (Art. 88 Abs. 2
lit. a IVV in Verbindung mit Art. 35 Abs. 2 IVV).
Die Beschwerdegegnerin geht gestützt auf Rz 8001 KSIH davon aus, dass der Eintritt
der Volljährigkeit einen neuen Versicherungsfall darstellt, weshalb vorliegend ohne
Berücksichtigung von Art. 88 IVV von einer Revision per 1. Juni 2009 auszugehen
sei. Dem ist jedoch entgegen zu halten, dass das Bundesgericht mit Urteil vom
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31. Oktober 2011 entschieden hat, das Erreichen des Mündigkeitsalters 18 sei nicht als
Eintritt eines neuen Versicherungsfalls zu betrachten. Der Anspruch
auf Hilflosenentschädigung Minderjähriger könne somit bei Erreichen der Volljährigkeit
nicht frei und umfassend, sondern lediglich unter revisionsrechtlichem Blickwinkel
geprüft werden. Demzufolge bestimme sich der Zeitpunkt einer allfälligen
Herabsetzung oder Aufhebung der Hilflosenentschädigung nach Art. 88 Abs. 2 IVV
(BGE 137 V 428 E. 3).
3.
3.1 Ist ein Bedarf nach dauernder persönlicher Überwachung des Beschwerdeführers
im Sinn von Art. 37 Abs. 2 lit. b IVV ausgewiesen, wäre eine mittelgradige Hilflosigkeit
zu bejahen, da unbestrittenermassen zusätzlich Hilflosigkeit in drei
Lebensverrichtungen besteht.
Der Begriff der dauernden persönlichen Überwachung bezieht sich gemäss Rz 8035
KSIH nicht auf die alltäglichen Lebensverrichtungen. Hilfeleistungen, die bereits als
direkte oder indirekte Hilfe in einem Bereich der alltäglichen Lebensverrichtung
Berücksichtigung gefunden haben, können bei der Beurteilung der
Überwachungsbedürftigkeit nicht nochmals ins Gewicht fallen. Vielmehr ist darunter
eine medizinische und pflegerische Hilfeleistung zu verstehen, die infolge des
physischen und/oder psychischen Gesundheitszustandes der versicherten Person
notwendig ist. Eine solche persönliche Überwachung ist beispielsweise dann
erforderlich, wenn eine Drittperson mit kleineren Unterbrüchen bei der versicherten
Person anwesend sein muss, da sie nicht allein gelassen werden kann (ZAK 1989 S.
174 E. 3.b, 1980 S. 68 E. 4.b). Um als anspruchsrelevant zu gelten, muss die
persönliche Überwachung ein gewisses Mass an Intensität aufweisen. Dazu genügt es
nicht, dass die versicherte Person in einer speziellen Institution untergebracht ist und
unter einer generellen Aufsicht dieser Institution steht. Bei einer bloss kollektiv
ausgeübten Aufsicht, wie dies beispielsweise in einem Wohn- oder Pflegeheim der Fall
ist, liegt in der Regel keine persönliche Überwachungsbedürftigkeit vor (Rz 8038 KSIH).
3.2 Vorliegend geht die Beschwerdegegnerin davon aus, dass keine dauernde
Überwachung mehr notwendig sei. Dazu stützt sie sich im Wesentlichen auf die
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Ausführungen der Abklärungspersonen. Diese gaben in ihrem Bericht vom 18. März
2010 an, der Beschwerdeführer könne ein bis zwei Stunden alleine zu Hause
verbringen. Er bringe sich und andere nicht regelmässig in Gefahr. Zudem sei er in der
Lage, sich mittels Mobiltelefon mit der Mutter zu verständigen und wenn nötig Hilfe zu
holen (act. G 6.1/251.5). Im Weiteren stützt sie sich auf die Angaben der
Betreuungspersonen im Behindertenwohnheim C._. Diese gaben an, die
Anwesenheit der Bewohner werde nicht kontrolliert und der Beschwerdeführer gehe
selbstständig ins Dorf, um kleinere Einkäufe (z.B. Cola) zu tätigen. Er werde nie von
einer Betreuerin begleitet und bisher sei noch nie etwas geschehen (act. G 6.1/250 und
276).
Demgegenüber macht die Rechtsvertreterin im Beschwerdeverfahren geltend, bei den
geltend gemachten "kleineren Einkäufen" handle es sich nicht um sinnvolle
Verrichtungen. Der Beschwerdeführer kaufe nur Süssigkeiten und Cola. Er habe kein
Mass, was die Menge und Häufigkeit seiner Einkäufe angehe und habe im letzten Jahr
15 kg zugenommen (act. G 1 und G 3). In ihrem Einwand vom 20. April 2010 führte die
Rechtsvertreterin weiter aus, der Beschwerdeführer sei unberechenbar; man könne ihn
nicht mit gutem Gewissen unbeaufsichtigt lassen. Er sei schon mehrmals von zu
Hause, aus der Wohnung des Vaters, der Schule oder aus dem Behindertenwohnheim
ausgerissen. Er stelle durch sein Unvermögen, sich im Verkehr und bei anderen
Gelegenheiten richtig zu verhalten, eine Gefahr für sich selbst und Dritte dar. Entgegen
der Ansicht der Beschwerdegegnerin könne der Beschwerdeführer sodann nicht
selbstständig Hilfe organisieren. Er könne zwar einfachste SMS-Botschaften senden
wie "mama komen tixi komen". Im mündlichen Ausdruck seien die sprachlichen
Fähigkeiten des Beschwerdeführers jedoch dermassen schlecht, dass am Telefon
meistens kein Wort zu verstehen sei, und die Mutter jeweils eine Betreuungsperson
zurückrufen müsse, um zu erfahren, was er mitteilen wolle (act. G 6.1/255).
3.3 Mit der Beschwerdegegnerin ist zunächst festzustellen, dass der
Beschwerdeführer während der Woche nach den glaubwürdigen Angaben des
Behindertenwohnheims keine spezielle Überwachung braucht und im dörflichen,
vertrauten Rahmen auch ausser Haus gehen kann (act. G 6.1/250 und 276). Im
Weiteren gab und gibt es bei der Arbeit offenbar keine grösseren Schwierigkeiten. So
wurde bereits im Schnupperbericht vom 28. Oktober 2008 (Schnupperzeit vom 13. bis
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24. Oktober 2008) ausgeführt, der Beschwerdeführer habe jeweils acht Stunden täglich
gearbeitet. Er habe die Arbeitszeit eingehalten und sei jeweils pünktlich gewesen. Auch
das Zusammenleben während der Schnupperzeit in einem Zimmer mit einem
Schulkollegen sei gut gegangen. Von einem speziellen Überwachungsaufwand wurde
nicht berichtet. Die Stiftung C._ erklärte sich sodann bereit, den Beschwerdeführer
ab August 2009 zuerst in einer Berufsvorbereitungsphase und danach in der Montage
zu beschäftigen (act. G 6.1/195). Sodann erachtete die Stiftung C._ die
Ausbildungsfähigkeit nach einem Jahr Beobachtungszeit im Juni 2010 als gegeben
(act. G 6.1/259). Die Beschwerdegegnerin bewilligte darauf hin eine erstmalige
berufliche Ausbildung zum Montagemitarbeiter (act. G 6.1/269). Es besteht für das
Gericht kein Anlass, an diesen Angaben zu zweifeln, sodass diesbezüglich davon
auszugehen ist, der Beschwerdeführer brauche unter der Woche keine dauernde
persönliche Überwachung mehr. Im Weiteren ist auch nicht ersichtlich, dass er im Heim
(oder am Wochenende zu Hause) auf eine spezielle medizinische oder pflegerische
Hilfeleistung angewiesen wäre, sodass auch diesbezüglich nicht von einer dauernden
Überwachungsbedürftigkeit auszugehen ist.
Unbestrittenermassen tätigt der Beschwerdeführer im Dorf selbstständig kleinere
Einkäufe (Cola, Süssigkeiten). Diese mögen zwar ernährungsphysiologisch nicht gerade
sinnvoll sein. Indessen unterscheiden sie sich nicht erheblich von den Einkäufen
gesunder Jugendlicher oder junger Erwachsener und es kann nicht davon
ausgegangen werden, der Beschwerdeführer bringe damit sich oder andere in Gefahr.
Dass der Beschwerdeführer bei der Fortbewegung und bei der Pflege gesellschaftlicher
Kontakte eingeschränkt ist, wurde sodann bei der entsprechenden Lebensverrichtung
bereits berücksichtigt. Dies beinhaltet etwa die Tatsachen, dass er auf (vielbefahrenen)
Strassen beaufsichtigt werden muss und dass er den Weg von D._ nach E._ und
zurück nicht mit dem öffentlichen Verkehr, sondern mit dem Tixi-Taxi zurücklegen
muss (act. G 6.1/251.4). Ob er mittlerweile den Arbeitsweg ohne Begleitung
zurücklegen kann, wie dies im Besprechungsprotokoll vom 6. August 2010 vom
Berufsberater der IV angegeben wird (act. G 6.1/266), kann daher offen bleiben.
Sodann kann auch aus dem einmaligen Fahrradsturz im Jahr 2009, bei welchem das
Cochlea-Implantat zerstört wurde (act. G 6.1/215 und 217), nicht abgeleitet werden,
der Beschwerdeführer müsse im Sinn der oben zitierten Anforderungen im KSIH
dauernd persönlich überwacht werden. Ein solches Erfordernis ergibt sich auch nicht
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aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführer bei Schwierigkeiten häufig seine Mutter
telefonisch oder per SMS kontaktiert. Schliesslich ist auch dem Bericht des
Hausarztes, Dr. F._, vom 29. August 2009 nicht zu entnehmen, dass ein anhaltender
dauernder Überwachungsbedarf besteht. Vielmehr führt der Arzt lediglich in der
Anamnese aus, dass dies in der Vergangenheit der Fall gewesen sei (act. G 6.1/237.3).
Insgesamt ist damit ein Bedarf an dauernder persönlicher Überwachung nicht
ausgewiesen.
3.4 Zu prüfen bleibt folglich, ob in der Lebensverrichtung "Notdurftverrichtung" eine
relevante Hilflosigkeit besteht. Wird dies bejaht, ist von Hilflosigkeit in vier
Lebensverrichtungen auszugehen (Ankleiden/Auskleiden, Körperpflege, Verrichten der
Notdurft und Fortbewegung), sodass ein Anspruch auf eine Entschädigung für
Hilflosigkeit mittleren Grades ausgewiesen wäre.
Die Mutter des Beschwerdeführers machte in ihren Bemerkungen zum
Abklärungsbericht vom 18. März 2010 geltend, die Reinigung des Beschwerdeführers
nach dem Toilettengang sei nicht optimal, so dass er seine Wäsche verschmutze und
unangenehm zu riechen beginne (act. G 6.1/251.6). In der Replik vom 15. Dezember
2010 weist sie weiter darauf hin, dass der Beschwerdeführer sich zwar selber waschen
und duschen könne, er aber jeweils eine explizite Aufforderung dazu brauche. Es
brauche auch einiges an Überredungskunst, damit er sich rasiere.
Die Abklärungen der Beschwerdegegnerin vom 18. März 2010 bei der Stiftung C._
ergaben, dass der Beschwerdeführer ohne Aufforderung auf die Toilette gehe und die
Betreuer noch nie hätten behilflich sein müssen. Es sei auch noch nie beobachtet
worden, dass die Unterwäsche extrem schmutzig sei. Lediglich bei der allgemeinen
Körperpflege seien ab und zu Hinweise nötig (act. G 6.1/250). Mit Eingabe vom
26. Oktober 2010 führte die Stiftung C._ nochmals aus, dass der Beschwerdeführer
vom Personal nicht auf die Toilette begleitet werde und er sich nach der Notdurft selber
reinige. Er dusche selbstständig, müsse aber manchmal daran erinnert werden, dass er
duschen und sich rasieren solle. Es sei bisher nicht beobachtet oder beanstandet
worden, dass der Beschwerdeführer auffällig rieche oder ungepflegt bei der Arbeit
erschienen sei. Die Kleidung wechsle er selber. Wenn diese unzureichend sauber sei
oder nicht der Witterung entspreche, werde er vom Betreuungspersonal darauf
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aufmerksam gemacht. Der Beschwerdeführer brauche nicht mehr Betreuung als
andere Heimbewohner. Seine Reinlichkeit und Selbstständigkeit entsprächen dem
Durchschnitt der im B._ betreuten Personen (act. G 6.1/276).
3.5 Aufgrund dieser glaubwürdigen Darstellung ist somit davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer beim Verrichten der Notdurft und der Reinigung grundsätzlich keine
Hilfe mehr benötigt. Dass der Beschwerdeführer selbstständig auf die Toilette gehen
kann, wird denn auch von der Mutter des Beschwerdeführers nicht bestritten (act. G 8
S. 2). Dass die Reinigung nicht optimal ist, mag zutreffen. Indessen ist davon auszu
gehen, dass es sich dabei nicht um ein gravierendes Problem handelt und dadurch
zumindest kein erheblicher Hilfsbedarf entsteht, müsste doch sonst auch dem
Betreuungspersonal etwas aufgefallen sein. Im Übrigen gab die Mutter im Antrag auf
Hilflosenentschädigung selber an, dass der Beschwerdeführer in dieser
Lebensverrichtung nicht mehr auf Hilfe angewiesen sei (act. G 6.1/221.4). In dieser
Lebensverrichtung kann somit keine Hilfsbedürftigkeit mehr anerkannt werden. Was die
Ausführungen zum Bereich der Körperpflege anbelangt (waschen, duschen, rasieren),
ist darauf hinzuweisen, dass diese Lebensverrichtung bereits berücksichtigt wurde und
demzufolge hier nicht nochmals angerechnet werden kann (vgl. act. G 6.1/251.3).
3.6 Im Weiteren macht die Rechtsvertreterin geltend, für die Monate Juni bis August
2009 sei der Bedarf an lebenspraktischer Begleitung ausgewiesen. Zu dieser Zeit habe
der Beschwerdeführer zu Hause gewohnt. Tatsächlich war der Beschwerdeführer bis
zum Sommer 2009 in der Gehörlosenschule und wurde jeweils mit dem Taxi dahin und
wieder zurück an seinen Wohnort gefahren. Nachdem der Beschwerdeführer am 31.
Mai 2009 das 18. Lebensjahr vollendet hat und erst am 10. August 2009 ins Wohnheim
eingetreten ist (vgl. act. G 6.1/196.2), ist die Bedingung des Art. 38 Abs. 1 lit. a IVV
wohl als erfüllt zu betrachten. Ob der Beschwerdeführer unter dem Titel
lebenspraktische Begleitung - unter Erfüllung der Bedingung des Art. 37 Abs. 2 lit. c
IVV - noch bis zum Eintritt ins Wohnheim C._ Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung mittleren Grades hat, kann jedoch offen gelassen werden,
nachdem eine Revision ohnehin erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann (vgl.
nachstehende Erwägung).
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3.7 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer grundsätzlich nur noch Anspruch
auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades. Mit der Beschwerdegegnerin ist
sodann festzustellen, dass der Beschwerdeführer erst im August 2009 ins Wohnheim
eingetreten ist und damit unbestrittenermassen bis Ende August 2009 Anspruch auf
den vollen Ansatz der Hilflosenentschädigung hat. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin kann die Revision jedoch nicht per 1. Juni 2009 vorgenommen
werden. Vielmehr sind die Revisionsbestimmungen von Art. 88a f. IVV beachtlich (vgl.
E. 2). Nachdem vorliegend eine Verminderung der Hilflosigkeit frühestens mit der
Abklärung vom 19. Februar 2010 festgestellt wurde und zu diesem Zeitpunkt
gleichzeitig davon ausgegangen werden konnte, dass sie voraussichtlich längere Zeit
andauern würde, ist von einer relevanten Verbesserung ab Februar 2010 auszugehen.
Gemäss Art. 88 Abs. 2 IVV konnte die Revision somit frühestens per 1. August 2010 -
also dem ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung vom 10. Juni 2010
folgenden Monats an - erfolgen.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und der
Revisionszeitpunkt auf den 1. August 2010 zu legen. Ab diesem Datum hat der
Beschwerdeführer noch Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Zwar unterliegt der Beschwerdeführer hinsichtlich des
Hauptpunktes, sodass ihm grundsätzlich die Gerichtsgebühr aufzuerlegen ist.
Nachdem sich aber die Verschiebung des Revisionszeitpunktes um 14 Monate
wirtschaftlich nicht unerheblich auswirkt, rechtfertigt es sich, der Beschwerdegegnerin
einen Drittel der Gebühr aufzuerlegen. Der Beschwerdeführer hat demnach unter
Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses (Fr. 600.--) Fr. 400.-- zu bezahlen. Fr.
200.-- sind ihm zurückzuerstatten. Der Beschwerdegegnerin ist die restliche Gebühr im
Umfang von Fr. 200.-- aufzuerlegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP