Decision ID: 17dd6045-1fe7-48f7-9d51-858a2c91d055
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
J._,
Beschwerdeführer,
gegen
Progrès Versicherungen AG, Postfach, 8081 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Forderung
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a J._, seine Ehefrau und seine Stieftochter unterzeichneten am 9. bzw. 12.
Oktober 2004 bei der Progrès Versicherungen AG (nachfolgend: Progrès) einen
Versicherungsantrag für die obligatorische Krankenpflegeversicherung per 1. Januar
2005, wobei J._ für sämtliche Anträge als Prämienzahler eingesetzt wurde (act. G
5.1/1-3). Die monatliche Prämienrechnung belief sich auf Fr. 436.-- (act. G 5.1/4-6).
Nachdem der Versicherte für die Monate Januar bis März 2005 die Prämien nicht
bezahlt hatte, stellte die Progrès am 25. April 2005 beim Betreibungsamt Y._ ein
Betreibungsbegehren für die ausstehende Forderung von Fr. 1'308.--, nebst
Verzugszinsen von 5% ab 1. Februar 2005, sowie für Umtriebs- und Mahnspesen von
Fr. 60.-- (act. G 5.1/15). Der Einwohnerdienst Y._ meldete am 24. August 2005 (act.
G 5.1/16), der Versicherte habe sich per 18. Juli 2005 in Y._ abgemeldet und sei
nach Polen ausgewandert. Das Betreibungsverfahren wurde in der Folge abgebrochen.
A.b Am 23. Februar 2007 leitete die Progrès beim Betreibungsamt Y._ erneut eine
Betreibung bezüglich derselben Forderung gegen den Versicherten ein (act. G 5.1/17),
woraufhin das Betreibungsamt Y._ mit Schreiben vom 19. April 2007 (act. G 5.1/18)
mitteilte, der Versicherte habe sich am 31. Mai 2006 nach Zürich abgemeldet.
Dementsprechend stellte die Progrès am 3. Mai 2007 (act. G 5.1/19) beim
Betreibungsamt X._ ein Betreibungsbegehren. Gegen den am 25. Mai 2007
zugestellten Zahlungsbefehl in der Betreibung Nr. 113821 erhob der Versicherte
gleichentags Rechtsvorschlag (act. G 5.1/20). Mit Verfügung vom 11. Juni 2007 (act. G
5.1/21) eröffnete die Progrès dem Versicherten, dass er ihr für ausstehende Prämien für
die obligatorische Krankenversicherung für die Periode Januar bis März 2005 Fr.
1'308.-- zuzüglich Fr. 152.-- für 5% Verzugszins ab 1. Februar 2005 und Fr. 60.-- für
Umtriebs- und Mahnspesen sowie Fr. 316.45 für Betreibungskosten schulde. Der
Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. 113821 werde aufgehoben und die definitive
Rechtsöffnung für die Gesamtforderung von Fr. 1'836.45 erteilt. Die dagegen erhobene
Einsprache des Versicherten wies die Progrès mit Einspracheentscheid vom 13. August
2007 (act. G 5.1/22) ab. Der Entscheid ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Am
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4. Oktober 2007 stellte die Progrès beim Betreibungsamt X._ ein Begehren auf
Fortsetzung der Betreibung (act. G 5.1/23).
A.c Mit Verfügung vom 29. Oktober 2007 wurden die Leistungen der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung gestützt auf Art. 64a Abs. 2 KVG ab Verfügungsdatum bis
zur Begleichung aller ausstehenden Prämien, Kostenbeteiligungen, Verzugszinsen und
Betreibungskosten aufgeschoben. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache
wies die Progrès mit Einspracheentscheid vom 7. Dezember 2007 (act. G 5.1/26) ab.
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vom Versicherten eingereichte
Beschwerde vom 17. Dezember 2007. Er begründet sie im Wesentlichen damit, dass er
sich anfangs 2005 in der Schweiz abgemeldet habe und nach Polen gezogen sei. Dort
habe er für einen holländischen Arbeitgeber gearbeitet und sich im Jahr 2007 wieder in
Zürich angemeldet. Er sei während fast zwei Jahren im Ausland versichert gewesen,
worüber die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich informiert gewesen sei. Sodann
verlange die Progrès einen hohen Betrag für nichts und antworte nicht auf seine
Schreiben.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 11. Februar 2008 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten des Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer sei
mittels diverser Mahnungen auf die Folgen der Säumnis aufmerksam gemacht worden
und habe auch eine Nachfrist zur Begleichung der Schuld unbenutzt gelassen.
C.
Aus der als Replik gedachten Eingabe des Beschwerdeführers vom 18. Februar 2008
ergaben sich keine neuen entscheidwesentlichen Aspekte. Ein weiterer
Schriftenwechsel war dementsprechend nicht angezeigt.

Erwägungen:
1.
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1.1 Als Anfechtungsgegenstand gilt das Objekt des angefochtenen
Einspracheentscheids. Dieses ist abzugrenzen gegenüber Gegenständen, über welche
im strittigen Entscheid nicht entschieden wurde. Nach der Rechtsprechung kann aus
prozessökonomischen Gründen eine Ausdehnung des Beschwerdeverfahrens auf eine
ausserhalb des Anfechtungsgegenstandes liegende Frage erfolgen. Dabei müssen
bestimmte Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein; die neue Frage muss spruchreif sein
und mit dem bisherigen Streitgegenstand eng zusammenhängen, und es muss sich der
Versicherungsträger mindestens in Form einer Prozesserklärung geäussert haben (Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, Art. 61 Rz. 49 mit Hinweisen).
1.2 Der angefochtene Einspracheentscheid bestätigt den am 29. Oktober 2007
verfügten Leistungsaufschub in der obligatorischen Krankenversicherung. Somit bildet
dieser den Anfechtungsgegenstand im vorliegenden Verfahren. Der Beschwerdeführer
macht in der Beschwerde sinngemäss geltend, die Forderung der Beschwerdegegnerin
sei nicht gerechtfertigt. Mit Einspracheentscheid vom 13. August 2007 wurde die
Verfügung zur Beseitigung des Rechtsvorschlages vom 11. Juni 2007 vollumfänglich
bestätigt. Der Einspracheentscheid ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Damit
besteht über die Frage der Prämienschuld des Beschwerdeführers eine res iudicata,
über die im vorliegenden Verfahren nicht mehr zu befinden ist. Diesbezüglich kann
jedoch festgehalten werden, dass den Akten keine Hinweise zu entnehmen sind,
welche Zweifel an der Forderung der Beschwerdegegnerin aufkommen lassen könnten.
Dem Schreiben des Einwohnerdienstes Y._ vom 24. August 2005 (act. G 5.1/16) ist
eindeutig zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer erst am 18. Juli 2005 definitiv
in Y._ abgemeldet hat. Ein Wechsel des Wohnsitzes vor dem 18. Juli 2005 kann
somit nicht nachgewiesen werden, weshalb die Forderung der Beschwerdegegnerin
ohnehin nicht zu beanstanden wäre. Nach dem Gesagten ist vorliegend aber lediglich
darüber zu befinden, ob die Beschwerdegegnerin die Leistungen der obligatorischen
Krankenversicherung zu Recht aufgeschoben hat.
2.
Der Einwohnerdienst der Stadt Y._ teilte der Beschwerdegegnerin im Schreiben vom
24. August 2005 mit, dass sich der Beschwerdeführer per 18. Juli 2005 ins Ausland
abgemeldet habe. In der Beschwerdeantwort vom 11. Februar 2008 hielt die
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Beschwerdegegnerin fest, dass sie nach Kenntnis dieses Schreibens die drei Policen,
für die der Beschwerdeführer als Prämienzahler waltete, rückwirkend per 30. Juni 2005
aufgehoben habe. In einem hängigen Verfahren vor dem Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen zwischen der Ehefrau des Beschwerdeführers und der
Beschwerdegegnerin (KV 2008/3) teilte die Progrès in der Beschwerdeantwort vom 11.
April 2008 mit, dass in der Folge die Ehefrau des Beschwerdeführers und seine
Stieftochter eine neue Familienversicherung, mit der Ehefrau als Prämienzahlerin,
erhalten hätten. Der Beschwerdeführer hingegen war somit ab 1. Juli 2005 nicht mehr
bei der Progrès dem gesetzlichen Versicherungsobligatorium unterstellt. Mit dem im
vorliegenden Verfahren angefochtenen Einspracheentscheid hat die
Beschwerdegegnerin wegen des Prämienausstandes für die Monate Januar bis März
2005 gegenüber den Beschwerdeführer einen Leistungsaufschub bis zur Bezahlung
dieses Ausstandes verfügt, wobei nicht festgehalten wurde, für wen dieser
Leistungsaufschub gelten soll. Nachdem der Verfügungsadressat in der neuen
Familienversicherung allerdings nicht mehr Prämienzahler ist, vermag der verfügte
Leistungsaufschub nur gegen J._ - und nicht gegen Dritte - Wirkung zu entfalten.
Sodann wurde im Verfahren KV 2008/3 gegen die neue Familienversicherung der
Ehefrau des Beschwerdeführers und der Stieftochter auch kein Leistungsaufschub
wegen gemahnten und nicht bezahlten Prämienausständen verfügt. In jenem Verfahren
sind Prämienausstände für den Zeitraum Juli bis Dezember 2007 relevant, frühere
Prämienausstände, die von der rechtskräftigen Forderung gegenüber dem
Beschwerdeführer erfasst würden, werden nicht erwähnt. Somit hat die
Beschwerdegegnerin aufgrund eines vollstreckbaren Forderungstitels für nicht bezahlte
Prämien (Januar bis März 2005) am 29. Oktober 2007 einen Leistungsaufschub gegen
den Beschwerdeführer verfügt, obwohl dieser zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr bei
der Progrès versichert war. Obwohl die Beschwerdegegnerin nicht geltend macht, dass
der Beschwerdeführer seit seiner Wiederanmeldung in der Schweiz wieder bei ihr
versichert sei, gilt es diesbezüglich festzuhalten, dass die Progrès die
Versicherungspolice per 30. Juni 2005 von sich aus aufgehoben hatte, weshalb dem
Beschwerdeführer auch nicht entgegen gehalten werden kann, dass er bis zur
Bezahlung des Prämienausstandes den Versicherer nicht wechseln könne. Umgekehrt
kann die rechtskräftige Prämienforderung auch nicht zur Folge haben, dass der
Beschwerdeführer ab seiner erneuten Wohnsitznahme in der Schweiz das gesetzliche
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Versicherungsobligatorium bei der Progrès versichern müsste. Der Leistungsaufschub
kann diesbezüglich im Verhältnis zu einem Drittversicherer keine Wirkung entfalten. Die
Beschwerdegegnerin macht einzig geltend, dass vorliegend der Prämienausstand vor
dem Wegzug nach Polen zu beurteilen sei. Diesbezüglich verfügt die
Beschwerdegegnerin allerdings über einen jederzeit vollstreckbaren Forderungstitel.
Ein Leistungsaufschub kann dagegen in dieser Situation gegen eine nicht mehr bei der
Beschwerdegegnerin versicherten Person nicht verfügt werden. Im Übrigen hat der
Leistungsaufschub aufgrund seiner Wirkung ex nunc et pro futuro keine Auswirkungen
auf die Vollstreckbarkeit der rechtskräftigen Forderung gegenüber dem
Beschwerdeführer.
3.
Aufgrund der Erwägungen gilt es somit in Gutheissung der Beschwerde den
angefochtenen Einspracheentscheid aufgrund fehlender Versicherteneigenschaft des
Verfügungsadressaten aufzuheben. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a
ATSG). Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Darunter werden in der bisherigen
Rechtsprechung insbesondere die Vertretungskosten verstanden. Sonstige Kosten der
nicht vertretenen Partei werden nach der Rechtsprechung nur ausnahmsweise
übernommen. Es muss sich um eine komplizierte Sache mit einem hohen Streitwert
handeln, wobei der - in einem vernünftigen Rahmen betriebene - Aufwand denjenigen
Rahmen überschreitet, der von der Partei auf sich zu nehmen ist (Kieser, ATSG-
Kommentar, Art. 61 Rz. 96, mit Hinweis auf BGE 110 V 134 f.). Da der
Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren keinen Rechtsvertreter beigezogen hat
und die Voraussetzungen für die Übernahme der sonstigen Kosten nicht gegeben sind,
ist keine Parteientschädigung geschuldet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG