Decision ID: ca6d13cf-9976-5469-a982-326ad2778d17
Year: 2016
Language: de
Court: FR_TC
Chamber: FR_TC_011
Canton: FR
Region: Espace_Mittelland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. A._, geboren 1957, bezog seit dem 1. Mai 1997 eine halbe Invalidenrente (: 58%). Am 22. Mai 2000 wurde ihm mit Wirkung ab 1. Februar 2000 ein ganze Rente zugesprochen (Invaliditätsgrad: 80%). Nach Durchführung entsprechender Revisionsverfahren wurde der Anspruch auf eine ganze Rente jeweils bestätigt, letztmals am 1. September 2006.
Im September 2010 leitete die Invalidenversicherungsstelle des Kantons Freiburg (nachfolgend: IV-Stelle) erneut eine Revision von Amtes wegen ein. Die Abklärungen ergaben, dass dem  in einer Verweistätigkeit ein höheres Pensum zumutbar wäre als in der ausgeübten Tätigkeit als LKW-Chauffeur, welche seinen gesundheitlichen Einschränkungen nicht angepasst war, und dass er sogar in dieser Tätigkeit mittlerweile ein höheres Erwerbseinkommen erzielte. Am 5. Juni 2013 reduzierte die IV-Stelle die bisher ausgerichtete ganze Rente auf eine halbe Rente (Invaliditätsgrad: 50%).
B. Am 27. Mai 2015 leitete die IV-Stelle wiederum eine Revision von Amtes wegen ein. Am 25. Juni 2015 stellte sie dem Versicherten den vorgesehenen Entscheid, die laufende Rente per sofort zu sistieren, zu und setzte ihm Frist bis zum 3. Juli 2015, dagegen mündlich oder schriftlich Einwände vorzubringen. Die Frist verstrich ungenutzt. Mit Vorbescheid vom 8. Juli 2015 (Vorakten S. 599) stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, die Invalidenrente einzustellen. Der  betrage 29%, weshalb kein Rentenanspruch mehr bestehe.
Am 8. Juli 2015 sistierte die IV-Stelle die Invalidenrente mit sofortiger Wirkung und entzog einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung die aufschiebende Wirkung. Zur Begründung führte sie an, das Jahreseinkommen des Versicherten habe sich erheblich verbessert. Trotz der  habe der Versicherte dies nicht gemeldet. Im Jahr 2014 habe er als LKW-Fahrer bei der Firma B._ AG ein Jahreseinkommen von CHF 53‘083.- erzielt. Seit dem 1. August 2013 habe er eine Festanstellung und verdiene pro Monat CHF 4‘900.-. Da der Verdacht auf  Leistungsbezug im Raum stehe und diesbezüglich weitere Abklärungen im Gang seien, würden die laufenden Rentenleistungen per sofort sistiert. Die sofortige Sistierung und der Entzug der aufschiebenden Wirkung einer allfälligen Beschwerde lasse sich mit dem Risiko der Uneinbringlichkeit der eventuell zu Unrecht ausgerichteten Leistungen ohne Weiteres . Das Interesse der IV-Stelle an der Vermeidung von Umtrieben und Verlustrisiken im  mit Rückforderungen stehe im Vordergrund. Die Rechtsprechung habe dieses  gegenüber dem Interesse der versicherten Person, nicht in eine vorübergehende Notlage zu geraten, als vorrangig erachtet.
C. Mit Schreiben vom 24. Juli 2015 focht der Versicherte die Verfügung vom 8. Juli 2015 an. Auf Aufforderung des Kantonsgerichts vom 28. Juli 2015 hin reichte er am 5. August 2015 eine verbesserte Beschwerdeschrift ein. Darin gibt er an, er habe am 1. August 2013 eine  bei einem Transportunternehmen angetreten, wobei er während 10 Monaten des Jahres arbeite und Lohn erhalte. Er habe diesen Sachverhalt Herrn C._ von der IV-Stelle im Juni 2013 mitgeteilt, worauf dieser gesagt habe, die veränderte Erwerbssituation rechtfertige weiterhin die Ausrichtung einer halben Invalidenrente. Die Lohnabrechnungen der Jahre 2013 und 2014 seien vom Personalbüro seiner Arbeitgeberin direkt an die IV-Stelle geschickt worden. Sein  betrage nicht CHF 4‘900.-, sondern netto ca. CHF 4‘200.-. Dies ergebe ein Jahreseinkommen von CHF 42‘000.-.
Kantonsgericht KG
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Am 25. August 2015 hat der Versicherte einen Kostenvorschuss von CHF 400.- bezahlt.
Mit Bemerkungen vom 28. September 2015 hält die IV-Stelle dafür, das für den  heranzuziehende monatliche Bruttoeinkommen betrage CHF 4‘900.- zuzüglich einer  von CHF 300.-. Entgegen den Angaben des Versicherten seien ihr – der IV-Stelle – keine Lohnabrechnungen zugestellt worden. Das geänderte Arbeitsverhältnis und die  Lohnabrechnungen habe sie erstmals am 16. Juni 2015 durch den Fragebogen für Arbeitgebende vom 15. Juni 2015 zur Kenntnis genommen. Bei der IV-Stelle sei kein Herr C._ tätig, jedoch eine Frau D._. Es existiere aus dieser Zeitperiode jedoch keine Notiz von einer Besprechung mit Frau D._ oder einem anderen Mitarbeiter der IV-Stelle. Das letzte Gespräch mit dem Versicherten, Frau D._ und Herrn E._ habe am 29. März 2011 im Zusammenhang mit der am 5. Juni 2013 abgeschlossenen Revision . In jener Verfügung sei der Versicherte letztmals auf seine Meldepflicht hingewiesen worden. Er habe die erhebliche Verbesserung seines Jahreseinkommens nicht gemeldet. Zudem habe er auf dem Fragebogen zur Rentenrevision vom 3. Juni 2015 angegeben, er sei im eigenen Haushalt tätig. Dass er einer Erwerbstätigkeit nachgehe, habe er nicht vermerkt.
Der Versicherte hat keine Gegenbemerkungen eingereicht.
Die Vorsorgeeinrichtung F._ hat sich nicht vernehmen lassen. Die  G._ teilt am 14. Januar 2016 mit, aufgrund der vorliegenden Entscheide der  sei der Rentenanspruch des Versicherten ihr gegenüber rückwirkend auf den 31. Juli 2013 aufgehoben worden. Der Versicherte habe mit Schuldanerkennung vom 18. Dezember 2015  erklärt und anerkannt, dass er die Leistungen der Personalvorsorgestiftung G._ zu Unrecht bezogen habe.

Die weiteren Elemente des Sachverhalts ergeben sich, soweit für die Urteilsfindung massgebend, aus den nachfolgenden Erwägungen.
Erwägungen
1. Der Beschwerdeführer hat die Verfügung der Vorinstanz vom 8. Juli 2015 rechtzeitig im Sinn von Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) angefochten. Nachdem er aufforderungsgemäss die Beschwerdeschrift verbessert hat, sind auch die Formerfordernisse gemäss Art. 61 lit. b ATSG erfüllt. Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfügung durch den Entscheid direkt betroffen und damit zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 59 ATSG). Das Kantonsgericht ist zur Behandlung der Beschwerde zuständig (Art. 58 Abs. 1 ATSG, Art. 114 Abs. 1 lit. b des Gesetzes des Kantons Freiburg vom 23. Mai 1991 über die Verwaltungsrechtspflege [VRG/FR; SGF 150.1]).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. a) Die Sistierung einer Invalidenrente im Zug eines Revisionsverfahrens ist eine  Massnahme im Sinn von Art. 56 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das  (VwVG; SR 172.021). Mit Ausnahme des Instituts der aufschiebenden Wirkung enthalten weder das ATSG noch das IVG und die zugehörigen Ausführungserlasse Regeln zum Thema der vorsorglichen Massnahmen im Sozialversicherungs- bzw. Rentenrevisionsverfahren.
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Gemäss Art. 55 Abs. 1 ATSG bestimmen sich Verfahrensbereiche, welche in den Art. 27 bis 54 ATSG oder in den Einzelgesetzen nicht abschliessend geregelt sind, nach dem VwVG. Folglich kommen die entsprechenden Bestimmungen des VwVG zur Anwendung. Art. 56 VwVG gilt zwar nach seinem Wortlaut nicht für das erstinstanzliche Verwaltungsverfahren; die Lehre hat aber eine analoge Anwendung (auch) für das Sozialversicherungsverfahren bejaht (SEILER, in  Verwaltungsverfahrensgesetz [VwVG], 2. Aufl. 2016, Art. 56 N. 18 f.). Die vorsorgliche  einer Rente im Revisionsverfahren entspricht im Ergebnis dem Entzug der aufschiebenden Wirkung im Rechtsmittelverfahren, wenn die Rente bereits eingestellt worden ist (vgl. für das  Art. 11 Abs. 1 lit. b der Verordnung vom 11. September 2002 über den  Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSV; SR 830.11]). Aufgrund der Verwandtschaft  aufschiebender Wirkung und anderen vorsorglichen Massnahmen können vorsorgliche Massnahmen auch im Verwaltungsverfahren angeordnet werden (BGE 117 V 185 E. 1c; Urteil BGer 9C_45/2010 vom 12. April 2010 E. 2). Die sofortige Sistierung der Invalidenrente als  Massnahme im Rentenrevisionsverfahren ist somit grundsätzlich zulässig, sofern es darum geht, den bestehenden Zustand zu erhalten oder bedrohte Interessen einstweilen  (vgl. Art. 56 VwVG).
b) Im Verfahren um vorsorgliche Massnahmen ist der betroffenen Person vorgängig das rechtliche Gehör zu gewähren (BGE 134 I 83 E. 4.1; Urteil BGer 9C_45/2010 vom 12. April 2010 E. 2.1). Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer vor der streitigen Anordnung das rechtliche Gehör gewährt. Der Beschwerdeführer hat davon indessen keinen Gebrauch gemacht. Das  ist korrekt geführt worden.
c) Nach Verhängung der vorsorglichen Massnahme ist das Hauptverfahren speditiv , bringt doch eine derartige Massnahme eine erhebliche faktische Beeinträchtigung mit sich (Urteil BGer 9C_45/2010 vom 12. April 2010 E. 2.2).
d) Die vorsorglich verfügte Massnahme muss verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 BV). Sie muss notwendig und geeignet sein, den angestrebten Zweck zu erreichen, sie muss im  Interesse liegen und dieses Interesse muss das private Interesse an der Unterlassung der Massnahme überwiegen.
Die Vorinstanz hat festgestellt, dass der Beschwerdeführer seit dem 1. August 2013 monatlich ein Bruttoeinkommen von Fr. 4‘900.- erzielt. Dies ergibt sich aus den Akten und wird vom  – unter Berücksichtigung des Unterschieds zwischen Brutto- und Nettoeinkommen – nicht bestritten. Was der Beschwerdeführer zum Einkommensvergleich bzw. zur Einkommenseinbusse vorbringt, ist unbeachtlich, da nicht die Renteneinstellung Streitgegenstand ist, sondern die  der Rente. Diese dient der Herstellung des rechtmässigen Zustands für den Fall, dass die Rente (im Hauptverfahren) tatsächlich eingestellt wird und der Beschwerdeführer zu Unrecht bezogene Leistungen zurückerstatten muss. Sofern der Beschwerdeführer die Meldepflicht nach Art. 77 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) verletzt hat (was im Hauptverfahren festzustellen ist), würde die Herabsetzung bzw. Einstellung der Rente mit Wirkung ab 1. August 2013 erfolgen (Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV). Wird die Verletzung der Meldepflicht verneint, wäre die Anspruchsänderung infolge Verbesserung der Erwerbsfähigkeit spätestens am 1. November 2013 eingetreten (Art. 88a Abs. 1 letzter Satz IVV). In beiden Fällen ist die sofortige Sistierung der Rente durch das Risiko der Uneinbringlichkeit der geschuldeten Rückzahlungen gerechtfertigt (BGE 105 V 266 E. 3). Die Massnahme ist auch zumutbar, nachdem der Beschwerdeführer über ein existenzsicherndes Einkommen verfügt. Die sofortige Sistierung der Invalidenrente erweist sich als verhältnismässig.
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3. a) Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist.
b) Vorliegend würde sich allenfalls die Eintretensfrage des nicht wieder gutzumachenden Nachteils (Beschwerde gegen Zwischenverfügung der IV-Stelle) stellen. Da die Angelegenheit in materieller Sicht aber eindeutig ist, kann diese Frage offen gelassen werden.
c) Dem unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten von CHF 400.-  (Art. 131 Abs. 1 VRG/FR). Sie sind mit dem einbezahlten Kostenvorschuss zu verrechnen. Ausgangsgemäss besteht kein Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 137 Abs. 1 VRG/FR e ).