Decision ID: 86844516-783c-47fb-a930-c9eef9095e5a
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1989
, erlangte am 31. Juli 2008 das Fähigkeitszeugnis als
Sozialagogin (
Urk. 8/2/18) und
arbeitete vom 1. August 2008 bis 31. August 2009
in einem Pensum
von 80 % als Betreuerin in der Stiftung
Y._
(Urk. 8/2/13-14). Nach
einer
darauffolgenden
Phase der Arbeitslosigkeit mit
Bezug von Arbeitslosenentschädigung
(
Urk. 8/9) war
sie
vom 1. April 2010 bis 28. Februar 2011
mit einem
vertraglichen
Beschäftigungsgrad
von 70 %
(Urk. 8/2/2-10;
andere
n
Angaben
zufolge 80 %
, Urk. 8/12
/
2 Ziff. 2.9)
als Wohn
-
betreuerin beim Verein
Z._
angestellt, wobei der letzte Arbeitstag
am
3. November 2010 war (Urk. 8/2/1
, Urk. 8/12/2 Ziff. 2.7
).
Am 31. Januar 2011 meldete sich
X._
unter Hinweis auf eine
nicht näher bezeichnete
psychische Beeinträchtigung
bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an
und ersuchte um
berufliche
Massnahmen (Ur
k. 8/3).
Nach vorgängiger Gewährung eines Aufbautrainings im Rahmen von
Integrations
massnahmen
(Mitteilungen vom 26. Juli 2011
,
2. Februar und 29. Mai 2012 [Urk. 8/21
,
Urk. 8/40,
Urk. 8/54]
; Berichte
der
A._
GmbH vom 31. Januar,
7. Mai und 15. Juni 2012 [Urk. 8/39
,
Urk. 8/51,
Urk. 8/64])
leistete
die Sozial
versicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, Kostengutsprache für eine
Umschulung auf eine kaufmännische Tätigkeit
(Mitteilungen vom 27. Juni 2012
und 14. Januar 2014 [Urk. 8/66,
Urk. 8/106]
; Praktikumseinsätze
beim
B._
und
bei der
C._
AG [Urk. 8/62-63,
Urk. 8/99
]
), welche die Versicherte mit der Erlangung des Bürofach
-/
Handelsdiploms VSH im
August 2013
beziehungsweise
März 2014 erfolgreich beendete (Urk. 8/102-103, Urk. 8/115-116).
Daraufhin war sie im Rahmen eines Praktikumsvertrages im Umfang von 50 % weiterhin bei der
C._
AG tätig
(Urk. 8/119-121)
.
M
it Mitteilung vom 26.
Mai
2014 (Urk. 8/122)
eröffnete
die IV-Stelle der Versi
cherten
den Abschluss
der beruflichen Massnahmen.
Den von dieser
geltend gemachten Rentenanspruch
lehnte sie
nach
d
urch
ge
führ
tem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 8/126-127, Urk. 8/130/7, Urk. 8/135) mit Verfügung vom 28. August 2014 (Urk. 2) gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 31 %
ab
.
2.
Hiergegen erhob
X._
am 29.
September 2014 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte,
die
angefochtene Verfügung vom 28.
August 2014
sei
aufzuheben und
ihr
sei
eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache
zur
medizinische
n
Begutachtung an die IV-Stelle zurückzuweisen. In pro
zess
ualer Hinsicht ersuchte sie um
Bewilligung der unentgeltlichen Prozess
führung und Bestellung von Rechtsanwältin Yvonne Dürst als unentgeltliche Rechtsvertreterin.
Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 6. November 2014 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 11. November 2014 (Urk. 12) zur Kenntnis gebracht wurde.
Am 2. Juni 2015 (Urk. 13)
zeigte Rechtsanwältin Yvonne Dürst
dem Gericht die Mandatsübergabe an Rec
htsanwalt Georg Engeli an
.
Dieser legte m
it Eingabe vom 20. Juli 201
5 (Urk. 15) einen weiteren B
ericht
auf
, welchen die behandeln
den
Fachpersonen
des
Ambulatorium
s
des
D._
Instituts
am 18. Juni 2015
zuhanden der IV-Stelle verfasst hatten (Urk. 16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung
zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der ver
si
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
täti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weite
ren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Nach der
Rechtsprechung
ist es zulässig
, im Wesentlichen oder einzig auf versi
cherungsinterne medizinische Unterlagen abzustellen. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
der ärztlichen Feststellungen ergänzen
de Abklärungen vorzu
nehmen sind
. So
dann können auch nicht auf eigenen Untersuchungen beruhende Berichte und Stellungnahmen regionaler ärztli
cher
Dienste
(RAD
;
vgl. Art. 59 Abs. 2 und 2
bis
IVG, Art. 47-49 der Verordnung über die Invaliden
versicherung [IVV]
)
beweis
kräftig sein
, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die Beurteilung eines an sich feststehenden
medizinischen Sachverhalt
e
s geht
, mithin die direkte fachärztliche Befassung mit der versi
cherten Person in den Hintergrund rückt (
Urteil des Bundesgerichts
9C_25/2015
vom 1. Mai 2015 E. 4.1 mit Hinweisen).
2
.
2
.1
Nach zwei Aufenthalten in
E._
(ab 7. November 2010)
wurde die Beschwerdeführerin in der
F._
behandelt,
zunächst
vom 23. November 2010 bis 15. Februar 2011 stationär auf der Depressions- und Angststation der Klinik
L._
und
schliesslich
ab 17.
Februar 2011 ambulant in der Akut
tagesklinik Winterthur (Urk. 8/16 Ziff. 1.2-1.5).
Im Beric
ht der
Akuttagesklinik Winterthur
vom 6. April 2011 (Urk. 8/16)
stell
ten Dr. med. Brodersen, Oberärztin (
Er
langung
des Facharzttitels Psychiatrie u
nd Psychotherapie im Jahr 2012 laut
Medizinalberuferegister
[
MedReg
]
des Bundesam
tes für Gesundheit
;
www.medregom.admin.ch, besucht am 18. Feb
ruar 2016), und
die Psychologin
lic.
phil. Schlesinger folgende
Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10)
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit histrionischen und emotio
nal-instabilen Anteilen (ICD-10 Z73.1)
Störungen durch Cannabinoide, Abhängigkeitssyndrom gegenwärtig absti
nent (ICD-10 F12.20)
Sie attestierten für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Sozialagogin eine Arbeits
unfähigkeit von 100 % für die Dauer der Behandlung in der
F._
(23. November 2010 bis voraussichtlich 16. Mai 2011; Ziff. 1.6)
und
empfahlen eine Weiter
führung der psychiatrisch-psychotherapeutischen und psychopharmako
logischen Therapie
sowie reintegrierende Massnahmen
im Hinblick auf einen stufenweisen beruflichen Wiedereinstieg (Leistungsfähigkeit von
40
-
60 % mit späterer Steigerung
;
Ziff. 1.4
-
1.5 und Ziff. 1.7).
2
.2
Ab 22. September 2011 erfolgte eine Behandlung im Ambulatorium des
D._
,
über welche
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 28. August 2014 insgesamt drei Berichte
an die
Beschwerdegegnerin Aus
kunft geben.
Im
Bericht vom 16. Februar 2012
(Urk. 8/48)
, unterzeichnet von
Dr. med.
G._
, Ärztin Psychiatrie/Psychotherapie FMH, und
M. Sc.
H._
,
Psy
chologe,
wurde nebst den bereits bekannten Diagnosen
(vgl. E. 2.1 hiervor)
zusätzlich
eine
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
diagnostiziert
und hinsichtlich
des Cannabiskonsums von einem schädlichen Gebrauch gemäss ICD-10 F12.1
aus
gegangen
(Ziff. 1.1).
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit
wurde festgehalten
, dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als Sozialagogin seit
7. Novem
ber 2010 bis auf weiteres
nicht mehr zumutbar sei (Ziff. 1.6), sie je
doch in (nicht näher beschriebenen) anderen Berufen ab sof
ort im Umfang von 50
-
70 % respektive
80 %
eingesetzt werden könne (Ziff. 1.7 und Ziff. 1.9)
.
Im Rahmen der unregelmässig
und mit längeren Pausen
wahrgenommenen Thera
pie habe oft
die akute Stabilisierung im Vordergrund gestanden
und noch keine Bear
beitung der
zugrunde liegenden Themen
erfolgen können, weshalb
die Prognose zum
aktuellen Zeitpunkt noch unklar
sei. Empfohlen werde eine kon
sequente Fortführung der ambulanten Psychotherapie
(Ziff. 1.4-1.5).
Im Verlaufsbericht vom 10. Januar 2014 (Urk. 8/110)
fassten
Dr.
med.
I._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
, und
M. Sc.
H._
die depressive Symp
tomatik als rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD
-10 F33.1
; Ziff. 1.1)
und
bestätigten
die 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die ange
stammte Tätigkeit als Sozialagogin (Ziff. 1.6). In anderen Berufen sei – so die genannten Fachpersonen
– eine Arbeitsfähigkeit von 50
-
60 %, allenfalls bis 80 %, möglich. Die Praktikumstätigkeit sollte genutzt werden, um die
Arbeits
fähigkeit zu testen, indem das Pensum schrittweise erhöht werde.
Die Leistung dürfte um zirka 20
-
30 % vermindert sein. Derzeit arbeite die Beschwerde
führerin zu 40 % an einem geschützten Arbeitsplatz in einem Elektrofach
geschäft (
gemeint:
Praktikumseinsatz bei der
C._
AG im Rahmen der Umschulung) und besuche mit weiteren 40 % die Handelsschule (Ziff. 1.7).
A
m
23. April 2014 schilderten Dr.
I._
und
M. Sc.
H._
i
n einem weiteren Verlaufsb
ericht (Urk. 8/117)
im Laufe der Therapie aufgetretene Erinnerungen aus der Kindheit betreffend Gewalt und sexuellen Missbrauch durch den Vater (Ziff. 1.4)
. Sie
stellten zusätzlich die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43
.1; Ziff. 1.1) und
führten aus, es gelinge der Beschwerdeführerin weiterhin nicht, sich gut abzugrenzen. Ihr Selbstwert sei wechselhaft. Es bestünden Einschränkungen in der Belastbarkeit und eine verminderte Frustrations- und Stresstoleranz. Angesichts der mangelnden
Ausdauer und Belastbarkeit sowie der schnellen Erschöpfung speziell in helfenden Berufen bestehe für die angestammte Tätigkeit weiterhin eine Arbeitsunfähig
keit von 100 %. In anderen Berufen sei eine Tätigkeit im Umfang von 50 % möglich. Im Rahmen des Arbeitspensums von 60 % im Elektrofach
geschäft sei es im März 2014 rasch zu Erschöpfung und Energielosigkeit gekommen. Ein höheres Pensum als 50 % sei in nächster Zeit unrealistisch (Ziff. 1.7).
3
.
3
.1
Die
Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrem ablehnenden Rentenentscheid
vom 28. August 2014 (Urk. 2) in medizinischer Hinsicht
im Wesentlichen
auf die
Einschätzung
ihres
RAD
,
namentlich auf die Stellungnahmen von
Dr. med.
J._
, Facharzt für Allgemeinmedizin
, vom 3. Mai 2011
(Urk. 8/131/2)
und 2. Juni 2014
(Urk. 8/131/4)
.
A
m 3. Mai 2011 hielt
Dr.
J._
fest, gemäss aktuellem Bericht der
F._
leide die Beschwerdeführerin an einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeits
störung mit depressiver Episode. Damit werde nachvollziehbar eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit von 100 % bescheinigt für die angestammte Tätigkeit, welche unzumutbar bleibe. Die Prognose sei gut. Ab Mai 2011 sei wieder mit einer Restarbeitsfähigkeit von zirka 50 % in leidensangepasster Tätigkeit zu rechnen, dies mit baldiger weiterer Steigerungsmöglichkeit. Es sollte sich aber um eine ruhige und geordnete Tätigkeit ohne häufigen Kundenkontakt handeln.
Am 2. Juni 2014 führte Dr.
J._
aus, mit den aktuellen
Berichten der behandeln
den Psychiater
Dr.
I._
und
G._
werde die letzte RAD-Stellungnahme weitgehend bestätigt. Inzwischen habe die Beschwerdeführerin offensichtlich auch erfolgreich die Handelsschule abgeschlossen. Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung, eine rezidivierende derzeit mittelgradige depressive Störung sowie eine Panikstörung. Die posttraumatische Belastungsstörung habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Als Einschränkungen bestünden eine mangelnde Belastbarkeit und eingeschränkte soziale Fertigkeiten. Die angestammte Tätigkeit sei unzumutbar seit November 2010. Hinsichtlich einer angepassten, ruhigen und geordneten Tätigkeit ohne Kundenkontakt bestehe eine leistungsmäs
sige Einschränkung von 25 % (20-
30 %)
ab
Ablauf der Wartezeit. Die Prognose sei gut. Von der Auferlegung einer Schaden
minderungspflicht sei abzusehen, da eine angemessene Behandlung erfolge.
Ausgehend von einer 75%igen Leistungsfähigkeit in einer
dem von Dr.
J._
beschriebenen Belastungsprofil entsprechenden
Verweisungstätigkeit
ermittelte die Beschwerdegegnerin anhand der allgemeinen Methode des Einkommens
vergleichs
(vgl. Art. 16 ATSG)
einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 31 %
, was am 28. August 2014
(Urk. 2)
zur Ablehnung des
Renten
begehrens
führte.
3
.2
Wie die Beschwerdeführerin zu Recht
einwandte
(Urk. 1 S.
5 f.
), vermag diese
nur wenige Zeilen umfassende
Einschätzung
des RAD
nicht zu überzeugen.
Dr.
J._
hat
unbestrittenermassen keine eigene Untersuchung
durchgeführt, sondern eine reine Aktenbeurteilung vorgenommen.
Er verwies in seinen Stellungnahmen auf die Berichte der behandelnden
(
Fach
-)P
ersonen und sprach sich
–
unter
Wiedergabe der v
on diesen gestellten Diagnosen
mit allerdings anderer Einstufung
bezüglich der
Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit und ohne Angabe einer
zeitlichen
Einschränkung
–
am 2. Juni 2014
hinsichtlich einer
an
gepassten,
mithin
ruhigen und geordneten Tätigkeit ohne Kunden
kontakt
für eine Leistungsminderung von 25 %
(20
-
30 %)
aus.
Damit gelangte er zu eine
r deutlich positiveren
Beurteilung des beruflichen Leistungsvermögens der Be
schwerdeführerin
, ohne indes die Diskrepanz
zu seiner Ersteinschätzung und insbesondere
zu
den abweichenden Auffassungen der behandelnden
(Fach-)Personen zu thematisieren, geschweige denn nachvollziehbar zu begrün
den. Dr.
J._
fehlt es als
Allgemeinmediziner
denn auch
an der
fach
ärztlich
en Qua
lifikation
zur Beurteilung des psychischen Gesundheits
zustandes und dessen Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
.
Auf seine Schluss
folgerungen kann deshalb nicht abgestellt werden
(vgl. E. 1.5 hiervor).
3
.3
Ebenso wenig
kann zur Beurteilung des
strittigen Rentenanspruches
der Beschwer
deführerin
auf die
Einschätzungen
der behandelnden
(F
ach-)Personen abgestellt werden
.
Dies gilt
für den
Bericht der
F._
(
vgl. E. 2.1 hiervor
)
bereits
deshalb
, weil er vom
6. April 2011
datiert und
folglich
über die gesundheitlichen Verhältnisse im massgebenden Beurteilungszeitraum bis zum Erlass de
s
angefochtenen
Rentenentscheids
vom
28. August 2014 (Urk. 2)
keine Auskunft
gibt.
In Bezug auf die
Berichterstattung des
Ambulatorium
s
des
D._
Instituts
(vgl. E. 2.2 hiervor) springt ins Auge, dass
in den drei vor Verfügungs
erlass ergangenen Berichten
der Wortlaut der objektiven Befundbeschreibung identisch ist (Urk. 8/48 S. 4, Urk. 8/110 S. 3, Urk. 8/117 S. 3)
,
während
Diagno
sestellung und Arbeitsfähigkeitseinschätzung jeweils unterschiedlich ausfielen.
Ungeachtet dieser Differenzen lassen indes d
ie
aufgeführten
Befunde
– konkret
eine
mittelmässige
Einschränkung
der Konzentration,
eine
Beeinträchtigung des formalen Denkens durch Grübeln, Panikattacken, Störungen der Affektivität
(
deprimiert, ängstlich, ratlos, hoffnungslos, Störung der Vitalgefühle, affektlabil
) und ein
verminderter Antrieb
–
die
getroffenen
Schlussfolgerungen
nicht als nachvollziehbar erscheinen
, woran auch der jüngste Bericht vom 18. Juni 2015 mit einigen Anpassungen
beziehungsweise Ergänzungen
im Psychostatus (Urk. 16 S. 2 f.) nichts zu ändern vermag.
Sodann lässt sich den Berichten des Ambulatoriums
des
D._
Instituts
auch nicht
hinreichend klar entnehmen, inwiefern psychosoziale Belastungsfaktoren eine Rolle spielen, welche im Rahmen der Invaliditätsbemessung grundsätzlich auszuklammern sind
(BGE 127 V 294 E.
5a).
Unklar bleibt
schliesslich auch
,
ob ein Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie
effektiv
an der Beurteilung mitgewirkt hat oder ob die Berichte (fach-)ärztlicherseits
bloss
visiert wurden. In diesem Zusammen
hang ist zu bemerken
, dass die
am
Ambulatorium des
D._
Instituts
tätig gewesene und aktuell in einer Praxisgemeinschaft für Psychiatrie und Psychotherapie in
K._
praktizierende (www.psychotherapie-kreis2.ch mit Angaben zur angeblich absolvierten Facharztausbildung)
pract. med.
(statt Dr. med. wie in den Berichten des
Ambulatorium
s
des
D._
Instituts
angegeben)
G._
gegenwärtig weder im Medizinalberuferegister noch im FMH-Index (
www.medregom.admin.ch
und www.doctorfmh.ch, jeweils
besucht am 18. Februar 2016
) als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie verzeichnet ist.
3.4
Zusammengefasst fehlt es an
einer
verlässlichen medizinischen
Entscheidgrund
lage
zur Beurteilung des Rentenanspruches der Beschwerdeführerin. Mit Blick auf die Aktenlage drängt sich eine fachärztliche psychiatrische Begutachtung auf, wobei es unumgänglich erscheint, vorgängig Berichte der behandelnden Ärzte
(nebst aktuellen Berichten der behandelnden Fachärzte auch die nicht aktenkundigen Berichte über die Aufenthalte in den
E._
sowie die stationäre Behandlung in der Klinik
L._
, vgl. E. 2.1 hiervor)
einzuholen.
Die Sache ist
daher
unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom
28.
August 2014
(Urk.
2)
zur Einholung eines versicherungsexternen Gutachtens
und zu neuem Entscheid über die Rentenfrage
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde entsprechend dem Eventualantrag der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 2) gutzuheissen.
4
.
Damit erübrigen sich
grundsätzlich
Weiterungen
zum
ebenfalls strittigen Einkommensvergleich
.
Gleichwohl
ist
in Bezug auf die
von der Beschwerdeführerin
postulierte
Hochrech
nung
des
von ihr
im Rahmen der Teilzeitanstellung beim Verein
Z._
erzielten Verdienstes
auf
100 %
(Urk. 1 S. 7 Ziff. 2)
darauf hinzuweisen, dass bei einer
im Gesundheitsfall
mutmasslichen Teil
erwerbstätigkeit ohne
Aufgabenbereich
die Invaliditätsbemessung anhand der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs erfolgt, wobei der Lohn im teilzeitlichen Pensum dem Valideneinkommen entspricht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_764/2010 vom 4. Februar 2011 E. 5.2 mit Hinweis auf BGE 131 V 51 E. 5.1.2).
Anzufügen bleibt ferner, dass
praxisgemäss
bei der Bestimmung der
Vergleichs
ein
kommen mit Hilfe der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstruktur
erhebung (LSE) mangels
statistisch zuverlässige
r
Aussagekraft
nicht das arithmetische Mittel
aus LSE-Medianwerten
verschiedener Anforderungsniveaus (zum Beispiel Durchschnittswert aus Niveau 3 und 4
;
vgl.
dazu
Urk. 2
S. 2 unten und Urk. 1 S. 7 Ziff. 3)
herangezogen werden darf (
Urteil
e
des Bundes
gerichts 8C_192/2013 vom 16. August 2013 E.
7.2
und 8C_418/2015 vom 7. Oktober 2015 E. 6.2).
5
.
5.1
D
ie Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung
gilt
r
echtsprechung
sgemäss
für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung
als vollständ
iges Obsiegen
,
unabhängig davon, ob sie beantragt oder ob das entsprechende Begehren im Haupt- oder
im Eventualantrag gestellt wurde
(
BGE 141 V 281 E. 11.1,
137
V 210 E. 7.1, 137 V 57 E.
2.2)
.
5.2
D
ie
auf Fr.
6
00.-- festzusetzen
den
Gerichtskosten
gemäss Art. 69 Abs.
1
bis
IVG
sind daher
e
ntsprechend dem Verfahrens
ausgang
der B
eschwerdegegnerin auf
zuerlegen.
5.3
Aufgrund ihres Obsiegens steht der
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin
sodann
gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG und
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
eine Partei
entschädigung zu.
Diese wird ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegen
s bemessen (§
34 Abs.
3 GSVGer), wobei namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt wird
§
7 Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [GebV SVGer]).
Rechtsanwältin Yvonne Dürst machte mit Honorarnote vom
2. Juni 2015
(Urk.
14
) einen Aufwand von
10
.
83
Stunden und
eine Spesenpauschale von 3
%
entsprechend einem Honorar von
Fr.
2‘417.65
(inklusive Mehrwertsteuer)
geltend.
Dies ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen. Namentlich erscheint ein Aufwand
von
sechs
Stunden für
das Ausarbeiten der
acht
seitige
n
Beschwerdeschrift
(nebst
einem
Aktenstudium von 1.67 Stunden)
als überhöht,
zumal die
Beschwerde
begründung nur k
napp vier Seiten
umfasst und
zu
einem wesentlichen Teil
(drei Seiten) die Infrage
stellung der RAD-Aktenbeurteilung anhand einer
wenig anspruchsvolle
n Darstellung
des
medizinischen
Sachverhalt
e
s
zum Gegenstand hat.
Auch
geht es nicht an, dass
ein
sich in
zwei Sätze
n
erschöpfendes
Schreiben an die IV-Stelle
betreffend Mandats
anzeige
und Aktenedition (vgl. Urk. 8/141) mit einem Auf
wand von 0.33
Stunden
zum Anwaltstarif fakturiert wird (Position vom 10.
September 2014)
.
Zudem wird nur der vom anwaltlichen Vertreter geleistete Aufwand entschädigt; a
dministrative Tätigkeiten, welche vom Sekretariat ver
richtet werden können (
Schreibarbeiten, Terminabsprachen, Bestel
lung/Verpacken/Rücksendung von Akten, Adressnachforschungen, Akten
ab
lage, Erstellung der Honorarrechnung
[vgl. auch § 22 Abs. 2 der Ver
ordnung über die Anwaltsgebühren
des Kantons Zürich
, AnwGebV]
, Verfassen admi
nistrativer Schreiben, Aktenverkehr und zeitliche
r
Aufwand zur Erstellung von
F
otokopien
usw.) werden grundsätzlich ebenso wenig entschädigt wie
gering
fügige
Aufwände
(vgl. auch § 7 Abs. 1 GebV SVGer)
.
Vor diesem Hintergrund kann auch
der a
m 18. September 2014 sowie 14. Januar und 2. Juni 2015
in Rechnung gestellte
Aufwand von sechs
mal 0.17
Stunden nicht berücksichtigt
werden, zumal
sich
aus den Akten
nicht
vollends
erschliesst
, inwiefern
dieser für das vorliegende Verfahren
erforderlich war
.
Sodann beschränkte sich der notwendige Aufwand für die Substantiierung der prozessualen Bedürftigkeit auf das Ausfüllen der ersten Seite des
zugestell
ten
Formulars mit Deklaration betreffend Rechtsschutzversicherung und
Bezug von wirtschaftlicher
Hilfe
sowie
auf
das Beschaffen der
erforderlichen
Beschei
nigungen der Sozialhilfebehörde (Urk. 10 S. 1; vgl. Urk. 11/2 und Urk. 11/10)
, wobei es sich
indes
bei letzterem um eine nicht entschädigungsberechtigte Sekretariatsarbeit handeln dürfte.
Schliesslich genügt auch die geltend gemachte Spesenpauschale der in § 7 Abs. 2 GebV SVGer verlangten Substantiierung nicht (vgl. auch § 22 Abs. 1 AnwGebV).
Angesichts
de
s
verhältnismässig
geringen Umfang
s des zu bearbeitenden Akten
materials der Beschwerdegegnerin und
der
sich primär stellende
n
Frage der Arbeitsfähigkeit
, der
acht
seitigen
Rechtsschrift
, der
Aufwendungen im
Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträge ist die Entschädigung bei Anwendung des gerichtsü
blichen Stundenansatzes von Fr.
200.-- für bis zum 31. Dezember 2014 ang
efallene Bemühungen und von Fr.
220.-- für solche ab 1. Januar 2015 (
jeweils
zu
züglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 1‘
7
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
5.4
Das Gesuch de
r
Beschwerdeführer
in
um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne der Befreiung von den Gerichtskosten
und
der
Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung
(Urk. 1 S. 2)
erweist sich
damit
als
gegenstandslos.