Decision ID: dceb1097-9808-5ac8-b433-3f478644bb7c
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, sri-lankische Staatsangehörige tamilischer Ethnie
aus B._, Nordprovinz, mit letztem Wohnort C._, verliess ihr
Heimatland gemäss eigenen Angaben erstmals am (...) 2012. Nach einem
Aufenthalt in Malaysia kehrte sie am (...) 2014 für einen Monat nach Sri
Lanka zurück, bevor sie ihr Heimatland erneut verliess und sich weiterhin
mit gültiger Arbeitsbewilligung in Malaysia aufhielt. Mit einem österreichi-
schen Schengenvisum gelangte sie auf dem Luftweg von Malaysia nach
Zürich, wo sie am (...) 2015 eintraf. Nach einem zweimonatigen Aufenthalt
in Italien ersuchte sie am (...) 2016 in der Schweiz um Asyl.
B.
Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 22. März 2016 (vgl. SEM-
Akten A4) und der vertieften Anhörung vom 6. Juni 2018 (SEM-Akten A16),
machte sie im Wesentlichen Folgendes geltend:
Die sri-lankischen Behörden würden ihre Familie beschuldigen, Mitglieder
der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zu Hause beherbergt zu ha-
ben. Ihr Bruder D._ sei Mitglied der LTTE gewesen und seit dem
Jahr 1990 verschollen. Ihr jüngerer Bruder E._ sei am Arbeitsplatz
vom sri-lankischen Terrorist Investigation Department (TID) festgenommen
und in der Folge schwer misshandelt worden. Auch ihr Ehemann – den sie
im Jahr (...) geheiratet habe – sei für einen Tag vom TID festgehalten, aber
danach entlassen worden. Daraufhin seien nachts jeweils Mitglieder des
Criminal Investigation Departments (CID) vorbeigekommen und hätten sie
schikaniert. Ihr Bruder sei erst nach Monaten aus der Haft entlassen wor-
den, da sie sich mit der Hilfe eines Anwaltes dafür eingesetzt habe. Ihre
Tochter habe gegen den Willen ihres Ehemannes einen Mann geheiratet,
der halb Tamile, halb Singhalese sei. Dieser sei von den Behörden im
Jahre (...) ebenfalls festgenommen worden, weil ihm vorgeworfen worden
sei, für jemanden eine Waffe an sich genommen zu haben. Aufgrund der
Probleme mit dem Schwiegersohn habe ihr Ehemann sie verlassen und
sie lebten seither getrennt. Ihr Schwiegersohn sei im Jahre (...) – kurz vor
der geplanten Freilassung – im Gefängnis gestorben. Sie sei anschlies-
send von ihrer singalesischen Schwiegerfamilie für dessen Tod verantwort-
lich gemacht worden. Gleichzeitig habe die sri-lankische Polizei und Armee
wissen wollen, wo sich die Pistole, die ihr Schwiegersohn an sich genom-
men habe, befinde. Die Behörden seien immer wieder vorbeigekommen
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und hätten sie und ihre Tochter schikaniert. Eines nachts sei sie mitgenom-
men und gefragt worden, warum sie ihre Tochter ins Ausland geschickt
habe. Nachdem bei einem weiteren Besuch ihrem Sohn eine Waffe an die
Stirn gehalten worden sei, hätte sie es nicht mehr ausgehalten und sei im
Jahr 2012 aus Sri Lanka ausgereist. In Malaysia habe sie eine Arbeitsbe-
willigung erhalten und gearbeitet. Im Jahre 2014 sei sie legal für einen Mo-
nat nach Sri Lanka zurückgekehrt, um ihre Enkelin in die Schule einschrei-
ben zu lassen. Die Behörden hätten sie dabei nicht zu Gesicht bekommen.
Die fortwährende Gefahr bestätige sich dadurch, dass ihr jüngerer Bruder
F._, der nach der vermeintlichen Änderung der Lage in Sri-Lanka
im Jahr (...) in sein Heimatland habe zurückkehren wollen, nach seiner
Rückkehr nach B._ spurlos verschwunden sei. Sie befürchte, ihr
würde bei einer Rückkehr dasselbe widerfahren wie ihm und ihrem Schwie-
gersohn. Sie könne daher in Sri Lanka nicht in Sicherheit leben.
Im vorinstanzlichen Verfahren reichte die Beschwerdeführerin folgende Be-
weismittel ins Recht: eine Kopie ihres Passes, ihre Identitätskarte, ihre Auf-
enthaltsbewilligung von Malaysia und ihren (...)-Pass, Kopien der
UNHCR-Karten ihrer Söhne D._ und E._, eine Passkopie
ihres Sohnes F._, Kopien der Geburtsurkunden der Familie, die To-
desscheine ihres Vaters (im Original), ihrer Schwester (im Original) und ih-
res Schwiegersohnes (in Kopie) sowie diverse Dokumente betreffend ihre
Brüder.
C.
Mit Verfügung vom 17. Dezember 2018 – eröffnet am 18. Dezember 2018
– verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin,
lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
und den Vollzug an.
D.
Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihres
bevollmächtigten Rechtsvertreters vom 17. Januar 2019 beim Bundesver-
waltungsgericht Beschwerde und beantragt, die angefochtene Verfügung
sei aufzuheben und zur Neubeurteilung und vollständigen Feststellung des
Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei die Ver-
fügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl
zu gewähren, subeventualiter sei die Unzulässigkeit und/oder Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Auf-
nahme zu verfügen.
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In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung unter Beiordnung ihres Rechtsvertreters als
amtlichen Rechtsbeistand.
Darüber hinaus beantragte sie, die Schweizerische Vertretung in Colombo
sei zu beauftragen, im Rahmen einer Botschaftsabklärung mehrere Zeu-
gen gemäss nachzureichender Zeugenliste zu befragen.
Der Beschwerde wurden verschiedene Berichte der NZZ online betreffend
die politische Lage in Sri Lanka aus dem Jahre 2018 sowie eine Fürsorge-
bestätigung vom 9. Januar 2019 beigelegt.
E.
Am 21. Januar 2019 bestätigte die zuständige Instruktionsrichterin den Ein-
gang der Beschwerde beim Gericht und hielt dabei fest, die Beschwerde-
führerin könne den Ausgang des Verfahrens einstweilen in der Schweiz
abwarten.
F.
Mit Verfügung vom 4. Februar 2019 hiess die Instruktionsrichterin das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und ordnete
der Beschwerdeführerin den rubrizierten Rechtsanwalt als amtlichen
Rechtsbeistand bei. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur Einreichung ei-
ner Vernehmlassung ein.
G.
Mit Vernehmlassung vom 13. Februar 2019 schloss die Vorinstanz weiter-
hin auf Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde der Be-
schwerdeführerin am 7. März 2019 zur Kenntnisnahme übermittelt.
H.
Mit Eingabe vom 2. April 2019 reichte die Beschwerdeführerin ein sri-lan-
kisches Bestätigungsschreiben aus dem Jahre 2019 betreffend ihre Ver-
haftung, eine Bestätigung der Klinik G._ in Malaysia vom (...) 2019
sowie die Kostennote des Rechtsvertreters vom 2. April 2019 zu den Akten.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Das vorliegende Verfahren richtet sich nach altem Recht (Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.4 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83) ist unverändert vom AuG ins AIG übernommen wor-
den.
1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.6 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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3.
3.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben. Diese sind vorab
zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vo-
rinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
3.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ih-
rer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt
(vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Dem verfassungsmässigen Grundsatz des
rechtlichen Gehörs erwachsen behördliche Pflichten, wie unter anderem
die Untersuchungspflicht (vgl. E. 3.2.2) sowie die Begründungspflicht (vgl.
E. 3.2.3). Das AsylG als lex specialis zum VwVG sieht für das Asylverfah-
ren besondere Verfahrensbestimmungen vor (Art. 6–17 AsylG).
Die behördliche Untersuchungspflicht beinhaltet die richtige und vollstän-
dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes, die Beschaffung der
für das Verfahren notwendigen Unterlagen, die Abklärung der rechtlich re-
levanten Umstände sowie die entsprechende, ordnungsgemässe Beweis-
führung. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein
falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder wenn
die Vorinstanz nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sach-
verhalts prüft, etwa weil sie die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Un-
recht verneinte. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht
alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wur-
den (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Im Asylverfahren wird
der Untersuchungsgrundsatz durch Art. 13 VwVG in Verbindung mit Art. 8
AsylG beschränkt, weil diese im Asylverfahren eine Mitwirkungspflicht der
asylsuchenden Person bei der Sachverhaltsermittlung verlangen.
3.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, das SEM habe den Sachver-
halt falsch und unvollständig festgestellt sowie ihren Anspruch auf rechtli-
ches Gehör verletzt, indem es die allgemeine Lage in Sri Lanka sowie ihre
LTTE-Verbindungen bei der Beurteilung ihrer Situation nicht berücksichtigt
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Seite 7
habe. Bei der Prüfung der Gefährdungslage habe es zudem nicht alle Ri-
sikofaktoren berücksichtigt. Hätte die Vorinstanz den Sachverhalt korrekt
gewürdigt, hätte sich ergeben, dass sie in Sri Lanka verfolgt werde.
3.4 Dem ist zu entgegnen, dass die Vorinstanz sowohl die allgemeine Lage
in Sri Lanka als auch die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten
LTTE-Verbindungen in ihren Erwägungen berücksichtigt hat. Vor dem Hin-
tergrund ihrer Länderpraxis zu Sri Lanka hat die Vorinstanz indessen die
Vorbringen für nicht asylrelevant befunden. Ob sie zu Recht zu diesem
Schluss gekommen ist, ist eine materiell-rechtliche Frage und lässt nicht
auf eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung oder Verletzung des recht-
lichen Gehörs schliessen.
3.5 Auch im Übrigen ist keine unzureichende Sachverhaltsabklärung er-
sichtlich, die eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz rechtfertigen
würde. In den Eingaben der Beschwerdeführerin werden keine Sachver-
haltselemente vorgetragen, die in der Anhörung nicht zur Sprache gekom-
men wären. Eine Rückweisung der Sache fällt damit nicht in Betracht. Der
entsprechende Antrag ist abzuweisen.
3.6 Da der Sachverhalt als erstellt zu erachten ist, besteht keine Veranlas-
sung durch die Schweizerische Botschaft in Colombo Zeugenbefragungen
durchzuführen. Der entsprechende Antrag ist abzuweisen. Die Frage, ob
ein derartiger hoheitlicher Akt einer schweizerischen Vertretung in einem
Drittstaat überhaupt möglich und zulässig wäre (nach sri-lankischem und
auch nach schweizerischem Recht), kann an dieser Stelle offenbleiben
(vgl. Urteil des BVGer E-16/2021 vom 11. Januar 2021 E. 6.5).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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4.2 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person
ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-
weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-
teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen
oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-
desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung
der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine
Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die
Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein
(vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; BVGE 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je
m.w.H.).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM erwog in der angefochtenen Verfügung, die von der Be-
schwerdeführerin geltend gemachten persönlich erlittenen behördlichen
Schikanen erreichten die für Art. 3 AsylG erforderliche Intensität nicht, zu-
mal sie durch diese keiner Gefährdung des Leibes, des Lebens oder der
Freiheit ausgesetzt gewesen sei. Aus den Akten würden sich keine Hin-
weise darauf ergeben, dass sie persönlich wegen dem LTTE-Hintergrund
ihrer Familienmitglieder mit Problemen konfrontiert gewesen sei. Weiter
handle es sich bei den Belästigungen seitens der Schwiegerfamilie, welche
sie für den Tod ihres Schwiegersohnes verantwortlich gemacht habe, um
Probleme mit Drittpersonen. Aus den Akten könne diesbezüglich aber oh-
nehin nicht auf ein asylrelevantes Ausmass der Belästigungen geschlos-
sen werden. Schliesslich habe sie das Land im Jahr 2012 legal verlassen
und sei im Jahr 2014 wiederum legal nach Sri Lanka eingereist. Daraus
lasse sich schliessen, dass die Behörden kein Interesse an ihr hätten.
Auch lägen keine sogenannten Risikofaktoren im Sinne der Rechtspre-
chung vor. Ihre ethnische Zugehörigkeit und die über sechsjährige Landes-
http://links.weblaw.ch/BVGE-2013/11 http://links.weblaw.ch/BVGE-2010/57
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abwesenheit reichten gemäss herrschender Praxis nicht aus, um von Ver-
folgungsmassnahmen bei ihrer Rückkehr auszugehen. Die Befragung am
Flughafen, welcher rückkehrende Personen ohne gültige Identitätsdoku-
mente ausgesetzt seien und das allfällige Eröffnen eines strafrechtlichen
Verfahrens wegen illegaler Ausreise sowie allfällige Befragungen stellten
genauso wenig asylrelevante Verfolgungsmassnahmen dar. Hingegen
würden Personen, welche vormals enge Beziehungen zu den LTTE ge-
pflegt und kein sogenanntes Rehabilitierungsprogramm durchlaufen hät-
ten, nach wie vor verhaftet. Eine solche Situation sei vorliegend nicht ge-
geben. Aufgrund ihrer Angaben, sie habe Familienmitglieder, die LTTE-Mit-
glieder gewesen seien oder die LTTE unterstützt hätten, sei nicht davon
auszugehen, dass sie in den Augen der sri-lankischen Sicherheitsbehör-
den als Person gelte, die eine besonders enge Beziehung zu den LTTE
gepflegt habe. Sie habe zwar geltend gemacht, ihr (...) sei Mitglied der
LTTE gewesen, sei jedoch weder in der Lage gewesen, zu erzählen, was
er für eine Position innegehabt, noch was er für die LTTE gemacht habe.
In Anbetracht der Tatsache, dass er heute ohne Probleme in Sri Lanka le-
ben könne, sei davon auszugehen, dass sie seinetwegen keine Probleme
mit den sri-lankischen Behörden bekommen werde. Auch betreffend ihre
weiteren Familienmitglieder, die angeblich mit den LTTE zu tun gehabt hät-
ten, ergäben sich aus den Akten keine Hinweise dafür, dass die Beschwer-
deführerin ihretwegen persönlich Probleme gehabt habe. So habe sie auch
nicht darzulegen vermocht, inwiefern sie wegen ihres Bruders E._,
dessen Asylgesuch in der Schweiz im Jahre (...) abgelehnt worden sei,
gefährdet gewesen sei. Schliesslich falle auf, dass sowohl ihre Mutter als
auch ihr Bruder H._ heute ohne behördliche Probleme in
C._ beziehungsweise I._ lebten.
Es bestehe somit kein begründeter Anlass zur Annahme, dass sie bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausge-
setzt sei.
5.2 In ihrer Beschwerdeschrift stellt sich die Beschwerdeführerin auf den
Standpunkt, entgegen der Auffassung der Vorinstanz habe sie glaubhaft
dargetan, dass sie in Sri Lanka asylrelevant gefährdet sei. So enthielten
ihre Ausführungen mehrere Schilderungen direkter Gefahrensituationen
und gemäss verschiedenen Organisationen und Gerichtsurteilen sei für die
Verfolgung einer Person ausschliesslich relevant, ob seitens der sri-lanki-
schen Behörden der Verdacht auf eine Unterstützung der LTTE bestehe.
Sie sei in einer LTTE-Familie aufgewachsen und bereits in jungem Alter
Gefährdungen seitens des indischen Militärs und des Staatsapparates
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ausgesetzt gewesen. Mehrere ihrer engsten Familienmitglieder seien we-
gen direkter Involvierung mit den LTTE durch den Staatsapparat eliminiert
worden. Ihre ganze Familie sei aufgrund der Verfolgung des Staatsappa-
rats weltweit verstreut. Die einzigen Familienmitglieder, die noch in Sri
Lanka seien, seien diejenigen, die nicht behördlich registriert worden seien.
(...) habe zu einer gefährlichen Fluchtreise geführt. Ihre «Niederlassung»
in C._ sei nur möglich gewesen, weil sie stets den Wohnort ge-
wechselt und sich nie registrieren lassen habe. Sie weise eindeutige Ver-
bindungen zu den LTTE auf und sei in ein LTTE-Netzwerk eingebunden,
aus dem sie nicht mehr rauskomme. Durch die Inhaftierung (...) und ihres
Bruders E._, das Verschwinden mehrerer Familienmitglieder sowie
den Tod ihres Schwiegersohnes sei sie insbesondere ab dem Jahre 2012
selbst zu einer Verdachtsperson geworden. Dass (...) weiterhin in Sri
Lanka leben könne, sei nur möglich, weil er in den Norden geflohen, nicht
in die Angelegenheiten ihres Schwiegersohnes involviert worden sei und
von ihr getrennt lebe. Ausserdem würden sie kaum mehr Kontakt pflegen,
weshalb nicht mit Sicherheit gesagt werden könne, dass er keine Probleme
mit den Behörden hätte. Sie selbst sei massivem psychischem Druck aus-
gesetzt und systematisch verfolgt worden. Nur mit Glück und dank der In-
tervention eines befreundeten Ehepaares habe sie nach ihrer Verhaftung
freigelassen werden können.
Die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG ergebe sich aus kumulativen
Eingriffen in verschiedene Rechtsgüter, auch wenn diese für sich genom-
men nicht die Anforderungen an die Intensität der Verfolgungshandlungen
erfüllen würden. Dies insbesondere, wenn sie länger andauerten oder sich
wiederholt ereigneten, was bei ihr der Fall sei. Alleine schon der Umstand,
dass ihre Tochter einen Singhalesen geheiratet habe, bilde in Sri Lanka ein
Risiko. Aus diesem Grund habe auch ihr Ehemann diese Ehe vehement
abgelehnt. Die singhalesische Schwiegerfamilie werfe ihr nun LTTE-Ver-
bindungen vor und führe den Tod ihres Sohnes auch auf die Ehe mit einer
Frau aus einer LTTE-Familie zurück. Deren Drohungen seien in diesem
Kontext als gleichwertig einzustufen wie eine direkte Bedrohung durch den
Staatsapparat, da der sri-lankische Staat in einem solchen Falle gegen-
über Tamilinnen und Tamilen nie schutzwillig sei. Ihr Ehemann weile im
Norden und habe mit der Angelegenheit nichts zu tun.
Als alleinstehende tamilische Frau sei sie schlichtweg nicht in der Lage,
sich gegen die täglichen Belästigungen, Festnahmen und Einschüchterun-
gen der singhalesischen Beamten zu wehren, zumal eine männliche Un-
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terstützung fehle. Eine Strafanzeige würde die Familie noch mehr gefähr-
den, da diese nicht an Hand genommen würde und zudem entsprechende
Zeugen aus Angst vor Repressalien keine Aussagen machen würden. Ta-
milen und Tamilinnen stünden in Sri Lanka unter Generalverdacht und so
genüge der kleinste Hinweis, um bei einer Rückkehr verhaftet zu werden
oder sogar zu «verschwinden». Weiter verkenne das SEM, dass Personen
zuerst immer ohne Haftbefehl gesucht würden, zumal ein solcher erst bei
Vorliegen handfester Beweise ausgestellt werde. Deshalb habe sie auch
legal ein- und ausreisen können. Die Tatsache, dass sie im Jahr 2014 kurz
zurückgekehrt sei, bedeute überdies nicht, dass sie nicht gefährdet sei.
Vor diesem Hintergrund laufe sie bei einer Rückkehr Gefahr, verhaftet und
endgültig beseitigt zu werden.
6.
6.1 Nach Prüfung der Akten stützt das Gericht die Erwägungen der Vo-
rinstanz.
6.2 Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein
reduziertes Beweismass und lässt Raum für gewisse Einwände und Zwei-
fel an den Vorbringen. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtig-
keit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei
ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Bei der Beurteilung der
Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente, die
für oder gegen den Beschwerdeführer sprechen. Glaubhaft ist eine Sach-
verhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die
Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor-
bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-
sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver-
haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1).
6.3 Aus den Anhörungsprotokollen geht zwar hervor, dass die Beschwer-
deführerin im Stande ist, durchaus substantiierte und zusammenhängende
Ausführungen zu machen. Diese wirken aufgrund von zahlreichen Gefühls-
beschreibungen auch glaubhaft. So ist nicht auszuschliessen, dass sie ge-
wissen behördlichen Schikanen ausgesetzt war, wovon im Übrigen auch
die Vorinstanz ausgeht. Demgegenüber weisen ihre Ausführungen in den
Kernelementen Detailarmut auf. Es erscheint – wie vorinstanzlich zutref-
fend erwogen – nicht nachvollziehbar, dass sie über die genauen LTTE-
Tätigkeiten (...) praktisch nichts zu berichten weiss, auch wenn sie bei ihrer
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Seite 12
Heirat noch sehr jung gewesen war. Da auch ihre Antworten auf entspre-
chende Nachfragen des Sachbearbeiters ausweichend wirken, ergeben
sich Zweifel an der Glaubhaftigkeit der behaupteten LTTE-Verbindung (...)
(vgl. A16 F135 bis F140). Überdies erscheint das Argument, wonach dieser
nur in Sri Lanka verweilen könne, weil er sich im Norden aufhalte (vgl. Be-
schwerdeschrift S. 17 Bst. e) unbeholfen, weist doch die Beschwerdefüh-
rerin mehrmals darauf hin, dass gerade die tamilische Bevölkerung im Nor-
den Sri Lankas unter Entführungen, Folter und sexueller Gewalt durch
staatliche Sicherheitskräfte zu leiden habe (vgl. Beschwerdeschrift S. 11
Bst. f und S. 13 Bst. g).
Was den angeblichen Totschlag ihres Vaters durch die sri-lankischen Be-
hörden im Jahre (...) betrifft, fehlt es diesbezüglich am zeitlichen Kausal-
zusammenhang, da dieses Ereignis mehr als (...) Jahre zurückliegt (vgl.
A4 Ziff. 3.01 sowie A16 F132 ff.). Das geltend gemachte Verschwinden ih-
res Bruders D._ ist mittlerweile über (...) Jahre her, weshalb sich
auch aus diesem Ereignis keine Gefahr mehr für die Beschwerdeführerin
ergeben dürfte (vgl. A4 Ziff. 3.01 und A16 F141 f.). Dasselbe gilt hinsichtlich
des Todes ihrer Schwester im Jahr (...) (vgl. A4 Ziff. 3.01 und A16 F151 f.).
Ihr Bruder F._ ist angeblich seit dem Jahr (...) verschwunden; auch
dieses Ereignis liegt bereits (...) Jahre zurück (vgl. A4 Ziff. 3.01 und A16
F108 und F165). Was ihren Bruder E._ angeht, so ist dieser durch
den Einsatz der Beschwerdeführerin von den sri-lankischen Behörden ent-
lassen worden. Dessen Asylgesuche in den Jahren (...) und (...) in der
Schweiz wurden mit Verfügung vom (...) beziehungsweise Urteil vom (...)
abgelehnt, womit rechtskräftig feststeht, dass diesem in Sri Lanka keine
Verfolgung droht (A16 F87 f. sowie Urteil des BVGer [...] vom [...]). Es ist
daher nicht ersichtlich, weshalb sie wegen ihm asylrelevante Probleme zu
gewärtigen haben sollte.
Dass das Schicksal ihrer Familienmitglieder keine persönliche Gefährdung
der Beschwerdeführerin zur Folge hatte, bestätigt sie indirekt selbst, indem
sie angibt, vor dem Tod ihres Schwiegersohnes im Jahr (...) keine Prob-
leme gehabt zu haben (vgl. A16 F95). Ihr Bruder H._, der in
I._, Sri Lanka, lebt, ist wohlauf und arbeitstätig (vgl. A16 F16 f. und
F62 ff.). Dasselbe gilt für ihre in Sri Lanka wohnhafte Mutter und ihre (...)
(vgl. A4 Ziff. 3.01 und A16 F18 ff., F28, F30 bis F35, F84 und F109). Zu-
sammenfassend geht aus den Akten nicht – wie behauptet – glaubhaft her-
vor, dass die Beschwerdeführerin aufgrund des Umstands, dass bereits
drei ihrer Familienmitglieder sowie ihr Schwiegersohn den sri-lankischen
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Behörden zum Opfer gefallen seien, in Sri Lanka asylrelevanten Gefähr-
dungen ausgesetzt war.
Ausserdem ist den Akten auch nicht zu entnehmen, welche konkreten Be-
drohungen von der singhalesischen Schwiegerfamilie ausgegangen seien
beziehungsweise, wie die Schikanen genau ausgesehen haben sollen; ihre
diesbezüglichen Ausführungen erschöpfen sich in pauschalen Aussagen
(vgl. A16 F100). Weiter sind entgegen der Auffassung der Beschwerdefüh-
rerin auch keine frauenspezifischen Asylgründe erkennbar, liegen doch
auch hier keine konkreten Anhaltspunkte vor. Sie führt zwar wiederholt aus,
in Sri Lanka ohne ihren Ehemann und somit ohne männliche Unterstützung
auf sich alleine gestellt und den Schikanen der Behörden (vgl. A16 F122
ff., F148 und F156 ff.) sowie denjenigen der Schwiegerfamilie hilflos aus-
geliefert gewesen zu sein. Ihren Aussagen lässt sich aber nicht entneh-
men, dass die Schikanen die gemäss Art. 3 AsylG erforderliche Intensität
erreicht hätten. Die Beschwerdeführerin war zudem offenbar stets im
Stande, sich Hilfe zu holen und sich für andere einzusetzen. So hatte sie
sich bei der Inhaftierung ihres Bruders E._ an einen Anwalt ge-
wandt und ihre eigene Freilassung mit Hilfe eines befreundeten Ehepaares
bewirken können (vgl. A16 F87 f. sowie Beschwerdeschrift S. 15 Bst. b).
Ihre Nachbarn und auch eine "ältere Schwester" aus K._ hätten sie
ebenfalls unterstützt (vgl. A16 F101 und F149). Auch war sie stets im
Stande, selbstständig nach Sri Lanka ein- und auszureisen und die Ein-
schulung ihrer Enkelin zu organisieren (vgl. A4 Ziff. 5.01 und A16 F102 ff.).
Was den unerträglichen psychischen Druck aufgrund der Schikanen, Kon-
trollen und Befragungen durch die sri-lankischen Behörden betrifft, ist die
subjektive Furcht der Beschwerdeführerin vor künftigen behördlichen Ver-
folgungsmassnahmen zwar nachvollziehbar. Objektiv gesehen ist gestützt
auf ihre Schilderungen jedoch nicht von einer Intensität auszugehen, die
einem unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG
gleichkommen würde.
Schliesslich wurde die anlässlich der Anhörung wiederholt vorgebrachte
und in ihrer Beschwerdeschrift abermals betonte Angst der Beschwerde-
führerin vor einer Rückkehr nach Sri Lanka durch ihr eigenes Verhalten
relativiert. Auch wenn die Einschulung ihrer Enkelin durchaus wichtig er-
scheinen mag, wäre bei einer tatsächlichen Gefahr der Bedrohung an Leib
und Leben nicht davon auszugehen, dass sie das Risiko auf sich genom-
men hätte, in den Jahren 2012 und 2014 mehrmals ein- und auszureisen
(vgl. A4 Ziff. 5.01, A16 F102 ff.). Der Vorinstanz ist beizupflichten, wenn sie
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davon ausgeht, dass die legale Ein- und Ausreise aus Sri Lanka bei tat-
sächlicher Überwachung nicht so einfach gewesen wäre. Das Argument,
wonach kein Haftbefehl (vgl. Beschwerdeschrift S. 17 Bst. d) vorgelegen
habe und sie deshalb ungestört habe reisen können, vermag nicht zu über-
zeugen, zumal sie an gleicher Stelle selbst darlegt, die Überwachungen
würden auch ohne Haftbefehl stattfinden. Schliesslich ist hinsichtlich des
auf Beschwerdeebene beigebrachten Bestätigungsschreibens ihrer Inhaf-
tierung (vgl. oben Bst. I) festzuhalten, dass dieses nicht geeignet ist, den
oberflächlichen Angaben der Beschwerdeführerin Substanz zu verleihen,
zumal solche Schreiben als Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren sind.
6.4 Die Vorinstanz hat demnach zu Recht erwogen, dass zum Zeitpunkt
der Ausreise der Beschwerdeführerin aus Sri Lanka keine asylrelevante
Verfolgung vorlag.
7.
7.1 Zu prüfen bleibt, ob im Zeitpunkt einer Rückkehr dennoch eine begrün-
dete Furcht der Beschwerdeführerin vor zukünftigen Verfolgungsmassnah-
men im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegt beziehungsweise – wie behauptet
– eine asylrelevante Verfolgung aufgrund der Kumulation gewisser Risiko-
faktoren und der veränderten politischen Lage in Sri Lanka gegeben ist.
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E1866/2015 vom
15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri
Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der
Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer
ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien
(vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Ri-
sikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaf-
tung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei han-
delt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintli-
chen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um Teilnahme
an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um Vorliegen früherer
Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusam-
menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE
(sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. E-1866/2015 E. 8.4.1 - 8.4.3).
Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden, unter-
liegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspapiere
nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka zurück-
geführt werden oder die über die Internationale Organisation für Migration
(IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-1866/2015
E-343/2019
Seite 15
Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. E-1866/2015
E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaub-
haft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der
betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbeson-
dere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen
im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behör-
den zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separa-
tismus wiederaufleben zu lassen (vgl. E-1866/2015 E. 8.5.1).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Veränderungen der letzten Zeit
in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und be-
rücksichtigt sie bei der Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kennt-
nisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungs-
lage für Personen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, auszugehen (vgl.
Referenzurteil E-1866/2015, a.a.O.; Human Rights Watch, Sri Lanka: Fa-
milies of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dem ist im Rahmen des
Einzelfalls Rechnung zu tragen. Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt
keinen Grund zur Annahme, dass ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv ei-
ner Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären.
7.3 Wie bereits ausgeführt, gelang es der Beschwerdeführerin nicht, zum
Zeitpunkt der Ausreise eine Verfolgung oder Verfolgungsfurcht glaubhaft
zu machen. Sie weist sodann kein politisches, insbesondere kein LTTE-
Profil auf, welches bei den sri-lankischen Behörden zu der Einschätzung
führen könnte, dass sie den tamilischen Separatismus wiederaufleben las-
sen könnte und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf
die Risikofaktoren sind in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren
Namen in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" vermerkt
sind und deren Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise
einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder
vermuteten Verbindung zu den LTTE enthält. Entsprechendes gilt auch für
sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt
haben. Beide Risikofaktoren sind vorliegend zu verneinen. Von einem Ein-
trag in die "Stop-List" ist nicht auszugehen, zumal es der Beschwerdefüh-
rerin – wie bereits dargelegt – mehrmals möglich war, mit ihrem Reisepass
aus Sri Lanka aus- und wieder einzureisen. Ebenso wenig vermochte sie
eine konkrete und aktuelle LTTE-Verbindung glaubhaft zu machen. Alleine
aus der tamilischen Ethnie, ihrer mehrjährigen Landesabwesenheit und ih-
rem Geschlecht kann sie keine Gefährdung ableiten.
E-343/2019
Seite 16
7.4 Die Beschwerdeführerin erfüllt demnach kein Risikoprofil im Sinne der
Rechtsprechung.
8.
Zusammenfassend ist es der Beschwerdeführerin somit nicht gelungen,
eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft dar-
zutun. Das SEM hat zu Recht ihre Flüchtlingseigenschaft verneint und ihr
Asylgesuch abgelehnt.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2013/37 http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/24
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Seite 17
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu
Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-
gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Be-
schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in
Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-
den Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerde-
führerin in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von
Art. 5 AsylG rechtmässig.
Gemäss dem erwähnten Referenzurteil E-1866/2015 lassen weder die Zu-
gehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschenrechtssi-
tuation in Sri Lanka den Wegweisungsvollzug als unzulässig erscheinen.
Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) unter-
streicht, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkeh-
renden Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr müssten
im Rahmen der Beurteilung, ob die betroffene Person ernsthafte Gründe
für die Befürchtung habe, die Behörden hätten an ihrer Festnahme und
Befragung ein Interesse, verschiedene Aspekte – welche im Wesentlichen
durch die in Erwägung 7.2 aufgezeigten Risikofaktoren abgedeckt sind –
in Betracht gezogen werden. Dabei sei dem Umstand gebührend Beach-
tung zu schenken, dass diese einzelnen Aspekte, auch wenn sie für sich
alleine betrachtet möglicherweise keine ernsthafte Gefahr (sog. real risk)
darstellen, diese Schwelle bei einer kumulativen Würdigung erreichen
könnten (vgl. Referenzurteil a.a.O. E. 12.2 mit Hinweisen auf die einschlä-
gige Rechtsprechung des EGMR). An dieser Einschätzung ist auch unter
Berücksichtigung der jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka fest-
zuhalten.
10.2.2 Nachdem die Beschwerdeführerin nicht darlegen konnte, dass sie
befürchten müsse, bei einer Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-1866/2015
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Seite 18
der sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Aus-
mass auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass
sie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen sogenannten "Back-
ground Check" hinausgehen würde. Die hohen Anforderungen an die Dar-
legung eines "real risk", dass sie bei der Rückkehr Folter oder eine un-
menschliche oder erniedrigende Strafe oder Behandlung zu gewärtigen
hätte, sind nicht erfüllt. Auch aus dem Blickwinkel frauenspezifischer
Fluchtgründe ist nicht von der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs
auszugehen.
Der Vollzug der Wegweisung erweist sich nach dem Gesagten vorliegend
als zulässig.
10.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für eine ausländische
Person unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
10.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Nach einer eingehenden
Analyse der sicherheitspolitischen und humanitären Lage in Sri Lanka ist
das Bundesverwaltungsgericht im Referenzurteil E-1866/2015 zum
Schluss gekommen, dass der Wegweisungsvollzug in die Nordprovinz (mit
Ausnahme des "Vanni-Gebiets") zumutbar sei, wenn das Vorliegen der in-
dividuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähi-
gen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine
gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden könne (vgl.
ebd. E-1866/2015 E. 13.2). In einem weiteren als Referenzurteil publizier-
ten Entscheid vom 16. Oktober 2017 erachtete das Bundesverwaltungsge-
richt dann auch den Wegweisungsvollzug ins "Vanni-Gebiet" als zumutbar
(vgl. Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). Auch in Berücksich-
tigung der bereits aufgezeigten jüngsten politischen Entwicklungen in Sri
Lanka ist nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt auszugehen und die
Einschätzung im genannten Referenzurteil ist nach wie vor zutreffend.
10.3.2 Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen
Gründen ist nach Lehre und konstanter Praxis nur dann zu schliessen,
wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur
Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährden-
den Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person
E-343/2019
Seite 19
führen würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende me-
dizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer men-
schenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jeden-
falls dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht
dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung
möglich ist (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je mit wei-
teren Hinweisen).
10.3.3 Die Beschwerdeführerin macht Probleme «(...)» und (...) geltend
(vgl. A4 Ziff. 8.2 und A16 F118, F121 und F166). (...) kann auch in Sri Lanka
ausreichend behandelt werden (vgl. dazu eingehend das Urteil des BVGer
E-2276/2020 vom 29. Juni 2020 E. 7.4.2.2.). Die am (...) 2019 eingereichte
Bestätigung des malaysischen Spitals, wonach der Beschwerdeführerin
aus gesundheitlichen Gründen das Visum nicht verlängert worden sei, än-
dert an dieser Einschätzung nichts.
10.3.4 Soweit die Beschwerdeführerin im Zumutbarkeitspunkt vorbringt,
sie sei als eine aus der Schweiz rückkehrende tamilische Asylgesuchstel-
lerin gefährdet beziehungsweise sie könne sich als tamilische Frau im fort-
geschrittenen Alter nicht gegen die psychischen und physischen Angriffe
wehren, ist festzuhalten, dass diese behördlichen Kontakte – so unange-
nehm sie für die Beschwerdeführerin auch gewesen sein mögen – als Schi-
kanen und nicht als flüchtlingsrechtliche Verfolgungsmassnahmen zu qua-
lifizieren sind, die für sich alleine auch keine Wegweisungsvollzugshinder-
nisse darzustellen vermögen. Gemäss Akten hat die Beschwerdeführerin
während (...) Jahren die Schule besucht, den Schulabschluss absolviert
und danach gearbeitet (vgl. A16 F8 ff. und F39 ff.). Die Beschwerdeführerin
hat (...) Kinder, wovon (...) im Ausland lebten (vgl. A4 Ziff. 1.14 und
Ziff. 3.01 ff. sowie A16 F28). Ihre Mutter lebt ihren Ausführungen zufolge in
C._ mit (...) und (...) der Beschwerdeführerin (vgl. A16 F18 und
F21). Sie wird nach Aussagen der Beschwerdeführerin von der gesamten
Familie finanziell unterstützt (vgl. A16 F24). Die Tochter der Beschwerde-
führerin lebt in L._ (vgl. A4 Ziff. 6 und A16 F28), alle ihre Söhne
arbeiten (vgl. A4 Ziff. 6 und A16 F24, F30 bis F38) und ihr Bruder
H._ ist als (...) tätig (vgl. A16 F64). Es ist daher davon auszugehen,
dass sie auf ein tragfähiges Beziehungsnetz zurückgreifen kann. Dass sie
angeblich lediglich mit denjenigen Kindern Kontakt hat, die nicht in Sri
Lanka leben ist insofern nicht von grosser Bedeutung, als anzunehmen ist,
dass sie bei ihrer Mutter und ihren Enkelkindern wohnen kann und auf die
finanzielle Unterstützung derjenigen Kinder zählen kann, die im Ausland
weilen (vgl. auch A16 F24 betr. Zusammenhalt der Familie). Vor diesem
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Hintergrund fällt es ebenso wenig ins Gewicht, dass sie – wie sie vorbringt
– zwar noch verheiratet, aber alleinstehend ist und fast keinen Kontakt
mehr zu ihrem Ehemann hat (vgl. A16 F46 und F48). Dass sie vor zehn
Jahren Sri Lanka verlassen hat, vermag nicht die Tragbarkeit ihres Bezie-
hungsnetzes in Frage zu stellen. Eine Entwurzelung, wie von ihr angeführt,
stellt diese Zeit aufgrund des Sachverhalts ebenso wenig dar. Auch ist nicht
davon auszugehen, dass die (...)-jährige Beschwerdeführerin altersbe-
dingt – wie sie sinngemäss geltend macht – nicht in der Lage wäre, sich in
Sri Lanka wieder einzugliedern. (vgl. A4 Ziff. 1.06).
10.3.5 Die Vorinstanz ist somit ebenso in ihrer Erkenntnis zu stützen, dass
der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin zumutbar sei.
10.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihr indes mit Zwischen-
verfügung vom 4. Februar 2019 die unentgeltliche Prozessführung gewährt
wurde und keine massgebliche Veränderung der finanziellen Verhältnisse
ersichtlich ist, sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 1-3 VGKE).
12.2 Das Gesuch um Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistandes wurde
mit Verfügung vom 4. Februar 2019 gutgeheissen und der Beschwerdefüh-
rerin Rechtsanwalt Rajeevan Linganathan als amtlicher Rechtsbeistand
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beigeordnet. Nach Praxis des Gerichts werden amtlich bestellte Rechts-
vertreter mit Anwaltspatent mit einem Stundensatz von Fr. 200.– bis 220.–
entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Seitens der Rechts-
vertretung wurde am 2. April 2019 eine Kostennote eingereicht, die einen
zeitlichen Aufwand von 11.66 Stunden zu einem Stundenansatz von
Fr. 220.– zuzüglich Fr. 105.40 Auslagen ausweist. Der geltend gemachte
zeitliche Aufwand erscheint indessen überhöht, hat doch der Rechtsvertre-
ter teilweise wortwörtlich Teile aus anderen von ihm eingereichten Be-
schwerden übernommen. Bezeichnenderweise ist verschiedentlich vom
Beschwerdeführer anstatt von der Beschwerdeführerin die Rede. Der Auf-
wand ist auf neun Stunden zu kürzen. Gestützt auf die in Betracht zu zie-
henden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist dem Rechtsbeistand zu
Lasten des Bundesverwaltungsgerichts deshalb ein Honorar von insge-
samt Fr. 2238.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag i.S.v. Art. 9
Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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