Decision ID: e847a5e9-5ac2-5f18-8a47-9392152a4dbe
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer ist Eigentümer des Grundstücks Diemtigen
Grundbuchblatt Nr. Y._. Das Grundstück liegt in der Landwirtschaftszone. Mit
Wiederherstellungsverfügung vom 23. Februar 2015 forderte die Gemeinde Diemtigen den
Beschwerdeführer auf, alle auf dem Grundstück gelagerten Materialien, die nicht mehr
verwendet werden können, zu entsorgen und das vorhandene Brennholz ordentlich zu
stapeln. Die Entsorgungsnachweise seien der Gemeinde auf Verlangen vorzuweisen.
Gleichzeitig drohte sie die Ersatzvornahme und eine Busse bei Nichtbefolgung an.
2. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 23. März 2015
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er
beantragt die Aufhebung der Verfügung.
2
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die
Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für
den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Der Beschwerdeführer ist als Adressat durch die angefochtene Verfügung beschwert und
daher zur Beschwerde legitimiert. Auf seine form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2. Wiederherstellung
a) Auf dem Grundstück des Beschwerdeführers befindet sich ein Bauernhaus. Der
Beschwerdeführer gibt an, dieses werde zurzeit renoviert, wobei im üblichen Rahmen
Bauabfälle anfielen. Diese würden vorübergehend auf der Parzelle gelagert und periodisch
entsorgt, letztmals am 24. November 2014. Auf der Parzelle liege kein rechtswidriger
Zustand vor, die Wiederherstellungsverfügung sei daher unbegründet.
b) Wer Bau- und Abbrucharbeiten durchführt, muss die Bauabfälle auf der Baustelle
oder, soweit dies betrieblich nicht möglich ist, in einer geeigneten Anlage trennen und
vorschriftsgemäss entsorgen. Die Entsorgungsnachweise sind während drei Jahren
aufzubewahren (Art. 14 Abs. 1 AbfG3).
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 3 Gesetz vom 18. Juni 2003 über die Abfälle (Abfallgesetz, AbfG; BSG 822.1)
3
Die Gemeinde hat mit den Vorakten eine Fotodokumentation eingereicht, die den Zustand
des Grundstücks im Oktober 2014 sowie am 21. und 24. November 2014 zeigen. Auf dem
Grundstück und um das Gebäude befanden sich zu dieser Zeit mehrere Haufen von
Holzabfällen, Bauschutt, ausgediente Gerätschaften und sonstiger Abfall. Die Fotos
belegen, dass der anfallende Abfall nicht vorschriftsgemäss entsorgt wurde. Der Zustand
der Liegenschaft war zu diesem Zeitpunkt widerrechtlich. Der aktuelle Zustand der
Liegenschaft kann nicht beurteilt werden.
Die Verfügung vom 23. Februar 2015 sieht vor, dass nicht mehr benötigte Materialien
entsorgt werden, dass das Holz ordentlich gestapelt wird und dass die
Entsorgungsnachweise der Gemeinde bei Verlangen vorgelegt werden. Diese Anordnung
geht nicht über die ohnehin geltende gesetzliche Regelung hinaus. Da die Renovation des
Hauses nach Angaben des Beschwerdeführers nicht abgeschlossen ist, kann davon
ausgegangen werden, dass weiterhin Abfälle anfallen. Die Anordnung in der Verfügung
vom 23. Februar 2015 macht daher weiterhin Sinn. Die Rüge des Beschwerdeführers ist
unbegründet. Die Beschwerde wird abgewiesen.
c) Dem Pflichtigen ist für die Ausführung der angeordneten
Wiederherstellungsmassnahmen eine angemessene Frist zu setzen (Art. 46 Abs. 2 BauG).
Die Gemeinde hat dem Beschwerdeführer in ihrer Verfügung vom 23. Februar 2015 Frist
bis zum 15. April 2015 gesetzt. Diese Frist ist aufgrund des vorliegenden Verfahrens
zwischenzeitlich abgelaufen. Da die Renovation nach wie vor im Gange ist und nicht
feststeht, wie lange sie dauern wird, erscheint es als wenig sachgerecht, ein bestimmtes
Datum für die Entsorgung der Materialien festzulegen. Hingegen erscheint es als
angemessen, vom Beschwerdeführer zu verlangen, dass er die nicht mehr verwendbaren
Materialien mindestens vierteljährlich entsorgt. Die Verfügung der Gemeinde Diemtigen
wird entsprechend angepasst.
d) Die Liegenschaft des Beschwerdeführers befindet sich in der Landwirtschaftszone.
Gemäss Verfügung vom 23. Februar 2015 hat der Beschwerdeführer für die Renovation
des Gebäudes keine Baubewilligung eingeholt. Bauliche Änderungen im Gebäudeinnern
bedürfen nur dann keiner Baubewilligung, wenn keine Nutzungsänderung damit verbunden
ist (Art. 6 Abs. 1 Bst. d BewD4). Zudem sind in der Landwirtschaftszone grundsätzlich nur
4 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
4
standortgebundene Bauten zulässig, d.h. solche, die der Landwirtschaft dienen (Art. 24
RPG5).
Der Beschwerdeführer gibt in seiner Beschwerde an, es handle sich um den Umbau eines
Bauernhauses in ein Ferienhaus. Dies erweckt mindestens den Anschein, dass eine
Nutzungsänderung beabsichtigt ist und dass die Liegenschaft keinen landwirtschaftlichen
Zwecken dienen wird. Die Umnutzung eines Bauernhauses zu einem Ferienhaus kann
schliesslich auch gegen Art. 75b BV6 verstossen.
Es ist nicht Inhalt des vorliegenden Verfahrens, die Bewilligungspflicht und
Bewilligungsfähigkeit der Arbeiten, die der Beschwerdeführer an seiner Liegenschaft
vornimmt, zu prüfen. Aufgrund der vorliegenden Vorakten kann dies auch nicht beurteilt
werden. Die Gemeinde hat zu prüfen, ob die Renovation bewilligungspflichtig ist und ob ein
nachträgliches Bewilligungsverfahren bzw. ein baupolizeiliches
Wiederherstellungsverfahren eingeleitet werden muss.
3. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG7). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 500.- (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV8). Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).