Decision ID: ef39aee3-1e1f-4fe5-b88f-12c608d66530
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
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A.a A._ meldete sich am 2. April 2008 wegen „invalidisierender Schmerzen“ zum
Bezug einer Rente der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
an (IV-act. 4).
A.b In der Folge nahm die IV-Stelle einen Auszug aus dem Individuellen Konto per
18. April 2008 zu den Akten, aus dem im Wesentlichen hervorgeht, dass die
Versicherte in den Jahren 1999–2006 für verschiedene Arbeitgeber tätig war, dabei
eher tiefe Einkommen erzielt (maximal Fr. 18’617.--; 2001) und in jedem dieser Jahre
zusätzlich Arbeitslosenentschädigung bezogen hat (IV-act. 10). Am 30. April 2008
erstattete eine der ehemaligen Arbeitgeberinnen der Versicherten einen
Arbeitgeberbericht. Gemäss diesem hatte die Versicherte vom 30. März 2000 bis
13. September 2002, vom 21. März bis 15. Juli 2003 und vom 1. April 2005 bis
24. Februar 2006 als Betriebsmitarbeiterin gearbeitet. Das Beschäftigungsverhältnis sei
infolge Krankheit durch die Arbeitgeberin aufgelöst worden. Die Versicherte habe
jeweils in einem vollen Pensum gearbeitet und einen Stundenlohn von Fr. 20.80
(einschliesslich Ferien- und Feiertagsentschädigungen sowie anteiligem
13. Monatslohn) erhalten (IV-act. 11).
A.c Am 25. April 2008 erstattete der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. B._,
Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, einen Arztbericht zuhanden der IV-Stelle. Er
diagnostizierte im Wesentlichen eine Adipositas, ein chronisches lumbovertebrogenes
und lumboradiculäres Schmerzsyndrom rechts bei Spondylarthrose L5/S1, eine
gastroösophageale Refluxkrankheit, ein hyperreagibles Bronchialsystem, rezidivierende
Dyspnoeattacken sowie eine depressive Störung und hielt fest, aufgrund der
Beschwerdesymptomatik sei eine weitere Anstellung in einem Betrieb undenkbar (IV-
act. 12–1 ff.). Seinem Bericht legte Dr. B._ einen Bericht der Klinik für Allgemeine
Innere Medizin des Kantonsspitals St. Gallen vom 12. Juli 2007 bei, in welchem im
Wesentlichen ein hyperreagibles Bronchialsystem, rezidivierende Dyspnoeattacken,
eine depressive Störung, eine arterielle Hypertonie, eine gastroösophageale
Refluxkrankheit, ein chronisches lumbovertebrogenes und lumboradiculäres
Schmerzsyndrom rechts sowie eine Adipositas Grad III diagnostiziert worden waren
(IV-act. 12–5 ff.).
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A.d Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das Ärztliche Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH
am 30. März 2009 ein polydisziplinäres Gutachten. Die Gutachter diagnostizierten im
Wesentlichen ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radiculäre
Ausfälle, eine Schmerzverarbeitungsstörung, Hyperventilation, eine Adipositas
permagna, ein Asthma bronchiale, eine gastroösophageale Refluxkrankheit sowie eine
arterielle Hypertonie, wobei sie sämtliche dieser Diagnosen als die Arbeitsfähigkeit
nicht beeinträchtigend qualifizierten (IV-act. 19–1 ff.). Dem Gutachten lagen
verschiedene medizinische Berichte bei, insbesondere ein Bericht des Spitals E._
vom 5. Dezember 2008 betreffend eine Hospitalisation vom 4./5. Dezember 2008
zufolge „Müdigkeit, Schwäche, Schwindel mit Sturz“ mit den Diagnosen einer
symptomatischen Hypotonie, einer arteriellen Hypertonie, eines chronischen
lumbospondylogenen Schmerzsyndroms sowie einer depressiven Verstimmung (IV-
act. 19–19 ff.) und zwei Schreiben von Dr. B._ vom 26. März 2007, in denen eine
depressive Entwicklung und somatoforme Beschwerden beschrieben wurden (IV-
act. 19–34 f.).
A.e Mit Vorbescheid vom 9. Juni 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass die Abweisung des
Rentengesuchs vorgesehen sei, da die Versicherte sowohl als Hausfrau und Mutter als
auch in ausserhäuslichen leichten bis mittelschweren Tätigkeiten aus ärztlicher Sicht
nicht in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt sei (IV-act. 26).
A.f Dagegen erhob die Versicherte am 16. Juni 2009 (Eingang IV-Stelle) Einwand.
Dabei wies sie unter anderem darauf hin, dass sie sich im April 2009 in stationärer
psychiatrischer Behandlung befunden habe (IV-act. 27).
A.g Am 1. Juli 2009 gingen der IV-Stelle zwei Berichte der Psychiatrischen Klinik F._
vom 17. Februar und 7. April 2009 zu. In beiden war im Wesentlichen eine
rezidivierende depressive Störung mit mittelgradiger Episode diagnostiziert und
100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Die Versicherte sei am 6. Februar 2009
notfallmässig in die Klinik eingetreten, da bei depressiver Stimmung eine latente
Suizidalität bestanden habe. Bis am 9. Februar 2009 habe sich der Zustand soweit
gebessert, dass sie entlassen bzw. in ambulante Behandlung habe überwiesen werden
können, verbunden mit einer Anmeldung zu einer weiteren stationären Behandlung.
Letztere habe am 23. März 2009 begonnen und bis 8. April 2009 gedauert.
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Anschliessend sei die Versicherte in deutlich gebessertem Zustand wiederum in die
ambulante Behandlung durch Dr. med. C._ entlassen worden (IV-act. 29).
A.h Am 24. August 2009 erfolgte eine Abklärung im Haushalt der Versicherten. Im
entsprechenden Bericht vom 14. Oktober 2009 wurde unter anderem festgehalten, die
Versicherte sei angesichts des vor Niederlegung der Erwerbstätigkeit ausgeübten
Pensums als zu 44 % erwerbstätig zu qualifizieren. Sie habe geltend gemacht, selber
keine Hausarbeit mehr zu erledigen, was allerdings ihren Aussagen im Rahmen der
Begutachtung durch die ABI GmbH widerspreche und eine medizinische Validierung
benötige (IV-act. 36).
A.i Am 29. Oktober 2009 teilte der zuständige Arzt der Psychiatrischen Klinik F._
mit, dass man sich in den Austrittsberichten auf die deskriptive Diagnose einer
rezidivierenden depressiven Störung mit mittelgradiger Episode beschränkt habe. Der
Zustand habe sich im Verlauf der beiden Hospitalisationen jeweils rasch gebessert.
Man habe zwar bei Austritt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert, sei aber davon
ausgegangen, dass sich der Zustand unter weiterer ambulanter psychiatrischer
Behandlung bessern würde (IV-act. 37).
A.j Nachdem Dr. med. D._, Facharzt FMH für Arbeitsmedizin und Physikalische
Medizin, vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) in seiner Stellungnahme
vom 14. Dezember 2009 ausgeführt hatte, es sei nach wie vor auf das Gutachten der
ABI GmbH abzustellen (IV-act. 39), verfügte die IV-Stelle am 4. Januar 2010 die
Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 42).
B.
B.a Dagegen richtet sich der am 29. Januar 2010 an die IV-Stelle erhobene „Rekurs“,
der an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen weitergeleitet und von diesem
als Beschwerde entgegen genommen wurde. Die Beschwerdeführerin beantragt die
Prüfung des Rentenanspruchs; die gesundheitlichen Beeinträchtigungen seien in den
medizinischen Akten ausgewiesen (act. G 1).
B.b Am 30. März 2010 reichte die Beschwerdeführerin unter anderem einen Bericht
von Dr. med. G._, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, vom 13. Januar 2010
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ein, in welchem im Wesentlichen eine rezidivierende depressive Störung, ein
allergisches Asthma bronchiale, eine Hausstaub- und Milbenallergie, ein chronisches
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, eine arterielle Hypertonie sowie eine
Adipositas permagna diagnostiziert worden waren (act. G 8.1).
B.c Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. In ihrer
Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2010 führte sie zur Begründung im Wesentlichen aus,
die psychischen Beschwerden seien genügend abgeklärt worden, da die Begutachtung
durch die ABI GmbH in der Zeit erfolgt sei, die der ersten stationären Behandlung in
der Psychiatrischen Klinik F._ unmittelbar vorausgegangen sei; es sei auf das
Gutachten der ABI GmbH abzustellen (act. G 10).
B.d Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik (vgl.
act. G 12).
C.
Auf ein Gesuch der Beschwerdeführerin zum Bezug eines Hörgeräts vom 9. Dezember
2009 (IV-act. 38) hin wurden ihr von der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
10. Mai 2010 zwei Hörgeräte zugesprochen (IV-act. 53).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung zu Recht verneint hat.
Dabei stellt sich zunächst die Frage, ob der rechtserhebliche Sachverhalt genügend
abgeklärt wurde, namentlich in medizinischer Hinsicht.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]), das heisst der durch
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Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Bei einem Invaliditätsgrad von
weniger als 40 % besteht kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
(Art. 28 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG;
SR 831.20]).
2.2 Die Feststellung des Gesundheitsschadens, das heisst die Befunderhebung und
die gestützt darauf gestellte Diagnose, aber auch die Prognose und die Ätiologie, die
durch den festgestellten Gesundheitsschaden verursachte Arbeitsunfähigkeit sowie
das noch vorhandene funktionelle Leistungsvermögen oder das Vorhandensein und die
Verfügbarkeit von Ressourcen sind Tatfragen (BGE 132 V 398 E. 3.2), deren
Beantwortung entsprechendes Fachwissen voraussetzt. Im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hat die IV-Stelle daher in aller Regel
ärztliche Sachverständige zur Beantwortung dieser Fragen beizuziehen (vgl. Art. 43
Abs. 2 ATSG und Art. 69 Abs. 2 und 4 der Verordnung über die Invalidenversicherung
[IVV; SR 831.201]), etwa jene des RAD (vgl. Art. 49 Abs. 1 IVV) oder solche einer
Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS). Aufgabe der IV-Stelle und des
Versicherungsgerichts ist es, diese Tatsachen rechtlich zu würdigen, das heisst zu
beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen und Schätzungen die zuverlässige Beurteilung
des Leistungsanspruchs erlauben und, falls dies der Fall ist, gestützt auf diese
Feststellungen sowie die Feststellungen zu den beiden Vergleichseinkommen den
Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f. E. 3.2 f.).
3.
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3.1 Die Beschwerdegegnerin hat zur Abklärung des Gesundheitszustands der
Beschwerdeführerin eine polydisziplinäre Begutachtung veranlasst. Dies ist angesichts
der Tatsache, dass kaum Berichte behandelnder Ärzte zu den Akten genommen
werden konnten, zu begrüssen. Grundsätzlich ist das Gutachten der ABI GmbH denn
auch für die streitigen Belange als umfassend zu qualifizieren, wurde die
Beschwerdeführerin doch orthopädisch, psychiatrisch und pneumologisch
begutachtet, was die Prüfung der wesentlichen in den Akten dokumentierten
Beschwerden mit möglichem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erlaubte.
3.2 Das Gutachten leidet allerdings an gewissen Mängeln. So zog der orthopädische
Consiliargutachter für seine Beurteilung lediglich einen schriftlichen Bericht über eine
MRI-Untersuchung vom 24. Februar 2006 bei (das MRI selbst lag dem Consiliarius
nicht vor). Zwar sind letztlich für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor allem die
klinischen Befunde massgebend. Das bedeutet indessen nicht, dass für eine
umfassende orthopädische Untersuchung keinerlei bildgebende Unterlagen
beizuziehen bzw. anzufertigen sind. Angesichts der Tatsache, dass lumbale Schmerzen
bei andernorts erwähnter Spinalkanalstenose (vgl. IV-act. 19–24) zu beurteilen waren,
wäre der Beizug des am 24. Februar 2006 erstellten Bildes bzw. allenfalls eine erneute
bildgebende Untersuchung zu begrüssen gewesen. Da allerdings im Bericht über die
Bildgebung vom 24. Februar 2006 lediglich altersentsprechende normale Befunde
genannt werden und da die aktuelle klinische Untersuchung mehrheitlich unauffällig
ausfiel, wiegt dieser Mangel nicht schwer; er hat jedenfalls nicht zur Folge, dass auf
das Gutachten der ABI GmbH nicht abgestellt werden könnte.
3.3 Im psychiatrischen Consiliargutachten wird sodann eine eindrückliche
(psychosoziale) Belastungssituation beschrieben. Insbesondere wird festgehalten, dass
es der Beschwerdeführerin nicht möglich sei, sich von der Verwandtschaft ihres
Ehemannes, von welcher sie sich nicht akzeptiert fühle, abzugrenzen. So sollen die
Schwiegereltern regelmässige bzw. fast tägliche Besuche abstatten und nicht
akzeptieren, dass die Beschwerdeführerin Abstand von ihnen brauche. Würde die
Beschwerdeführerin ihnen die Türe nicht öffnen, würden sie die Wohnung bei der
nächstmöglichen Gelegenheit (etwa, wenn die Kinder der Beschwerdeführerin nach
Hause kämen) betreten. Gleichzeitig scheint die Beschwerdeführerin an erheblichem
Heimweh zu leiden, lebt doch ihre ganze Verwandtschaft nach wie vor in der Türkei
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und hat sie sich hier in der Schweiz kaum integriert. Hinzu kommt schliesslich ein
traumatisches Erlebnis; sie musste den Tod eines 19 Jahre alten Neffen selbst mit
ansehen (vgl. IV-act. 19–6). Dass im psychiatrischen Consiliargutachten trotz dieser
eindrücklichen und offensichtlich sehr belastenden Umstände festgehalten wird, die
Stimmung der Beschwerdeführerin sei „ausgeglichen, heiter“ gewesen (vgl. IV-act. 19–
7), scheint eher schwer nachvollziehbar. Allerdings kam dieser Feststellung, soweit
ersichtlich, keine herausragende Bedeutung bei der Beurteilung zu. Der psychiatrische
Consiliarius hat eine psychiatrische Krankheit mit Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
vielmehr deswegen verneint, weil die Belastung der Beschwerdeführerin durch die
schwierige Beziehung zu ihren Schwiegereltern zwar plausibel ist, aber – auch gemäss
den übrigen Akten – keine dauerhafte Beeinträchtigung der Gesundheit der
Beschwerdeführerin nach sich zieht. So fällt etwa auf, dass sich die
Beschwerdeführerin im Rahmen der beiden kurzen Behandlungen in der
Psychiatrischen Klinik F._ jeweils sehr rasch erholte und sich ihr Zustand ebenso
rasch normalisierte. Das legt den Schluss nahe, dass sich der Zustand der
Beschwerdeführerin dauerhaft verbessern würde, wenn eine bessere Abgrenzung von
den Schwiegereltern gelingen würde. Eine von akuten Belastungssituationen losgelöste
eigenständige Erkrankung ist mit anderen Worten nicht ausgewiesen, wie der
psychiatrische Consiliarius insofern überzeugend ausgeführt hat. Diesbezüglich ist
auch zu beachten, dass die Situation innerhalb der Kernfamilie durchwegs als intakt
und gut beschrieben wird, und die Beschwerdeführerin offensichtlich über
ausreichende psychische Ressourcen verfügt, um ihren Alltag einigermassen aktiv zu
gestalten. Gerade auch unter Berücksichtigung der später erstellten Berichte der
Psychiatrischen Klinik F._ (vgl. dazu nachfolgende E. 3.4) ist davon auszugehen,
dass die Beurteilung des psychiatrischen Consiliarius letztlich fachlich überzeugt.
3.4 Die Beschwerdeführerin trat offenbar wenige Tage nach Begutachtung durch die
ABI GmbH wegen latenter Suizidalität bei depressiver Stimmung notfallmässig
freiF._lig in die Psychiatrische Klinik F._ ein. Ihr Zustand verbesserte sich im
Rahmen der Behandlung rasch, sodass sie bereits nach drei Tagen nicht mehr im
Akutbereich stationär behandlungsbedürftig erschien und sie entsprechend entlassen
und für eine stationäre Anschlussbehandlung aufgeboten wurde (vgl. IV-act. 29–7), die
dann eineinhalb Monate später begann. Im Rahmen dieser kurzen, nur gut zwei
Wochen dauernden stationären Behandlung kam es ebenfalls rasch zu einer
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merklichen Verbesserung des Zustands: Nach einigen Tagen verbesserte sich die
Stimmung, die Mimik wurde lebendiger, die Einschlafprobleme konnten mittels
Einnahme von Orangenblütentee wesentlich vermindert werden, das Morgentief war
weniger ausgeprägt, die bei Eintritt beschriebenen Ängste nahmen ab, und nach kurzer
Zeit äusserte die Beschwerdeführerin den Wunsch, aus der stationären Behandlung
auszutreten (IV-act. 29–3 f.). Die behandelnden Ärzte attestierten zwar bei Austritt trotz
dieser erheblichen Verbesserung des Zustands eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl.
IV-act. 29–5). Diese relativierten sie allerdings auf entsprechende Nachfrage der IV-
Stelle am 29. Oktober 2009. Sie seien davon ausgegangen, dass sich der Zustand der
Versicherten unter weiterer ambulanter psychiatrischer Behandlung weiter verbessern
würde. Zudem hielten die behandelnden Ärzte fest, im Vergleich mit dem Zustand zum
Zeitpunkt der Begutachtung durch die ABI GmbH habe sich nichts wesentlich
verändert. Im Gegensatz zu den Gutachtern habe man sich allerdings auf eine
deskriptive Diagnose beschränkt (vgl. IV-act. 37). Angesichts der in den beiden
Berichten beschriebenen jeweiligen raschen Zustandsverbesserungen sowie der später
erfolgten Relativierung der Arbeitsfähigkeitsschätzung und der Diagnose wecken die
Berichte der Psychiatrischen Klinik F._ keine Zweifel am Beweiswert des Gutachtens
der ABI GmbH. Im Gegenteil: Wenn sich die behandelnden Ärzte mit den
Schlussfolgerungen der Gutachter im Wesentlichen einverstanden erklärten, vermag
das Gutachten der ABI GmbH auch in fachärztlicher Hinsicht offenbar zu überzeugen.
Vor diesem Hintergrund ist in antizipierender Beweiswürdigung davon auszugehen,
dass auch ein Arztbericht von Dr. C._ – der an sich hätte eingeholt werden sollen –
keine erheblichen Zweifel am Gutachten der ABI GmbH wecken würde.
3.5 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass in den Akten keine somatischen
Therapien mehr ausgewiesen werden. Dies kann als Indiz dafür gewertet werden, dass
die geäusserten körperlichen Beschwerden, wie die Gutachter der ABI GmbH gefolgert
haben, tatsächlich keine somatische Ursache haben, sondern als Ausdruck der
psychosozialen Belastungssituation zu qualifizieren sind. Jedenfalls ist für die
Bemessung des Invaliditätsgrades auf das Gutachten der ABI GmbH abzustellen.
Angesichts dessen ist unabhängig von der Bemessungsmethode ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad ohne Weiteres zu verneinen.
4.
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Demnach ist die Beschwerde abzuweisen. Die Beschwerdeführerin hat die gemäss
Art. 69 Abs. 1 IVG zu erhebenden und angesichts des durchschnittlichen Aufwands
auf Fr. 600.-- festzulegenden Gerichtskosten zu bezahlen. Der von ihr geleistete
Kostenvorschuss wird ihr daran angerechnet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht