Decision ID: 407cb076-709e-4229-9f46-f7b33d4a5c4c
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend fahrlässige schwere Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon, Einzelgericht Strafsachen, vom 22. Februar 2019 (GG180022)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 14. November 2018
(Urk. 24) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen vom Vorwurf der
fahrlässigen (schweren) Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1
i.V.m. Art. 125 Abs. 2 StGB.
2. Die Zivilklage der Privatklägerin wird auf den Zivilweg verwiesen.
3. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die
Staatskasse genommen.
4. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 15'666.45 für
die anwaltliche Verteidigung zugesprochen.
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Berufungsanträge:
a) Des Vertreters der Privatklägerin:
(Urk. 62 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei der fahrlässigen schweren Körperverletzung im
Sinne von Art. 125 Abs. 1 und 2 StGB schuldig zu sprechen.
2. Der Beschuldigte sei dem Grundsatz nach zu verpflichten, der Privat-
klägerin Schadenersatz und Genugtuung zu leisten; betreffend Höhe
des Zivilanspruchs sei die Zivilklage auf den Zivilweg zu verweisen.
3. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin für das erstin-
stanzliche Verfahren eine Parteientschädigung von CHF 7'515.55 und
für das Berufungsverfahren von CHF 3'466.60 zu bezahlen.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(schriftlich, Urk. 54)
Verzicht auf Antragsstellung.
c) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 64 S. 1)
1. Es sei die Berufung der Privatklägerin abzuweisen und das erstinstanz-
liche Urteil vollumfänglich zu bestätigen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWSt.) zulasten
der Staatskasse.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermeidung
unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen
Entscheid verwiesen werden (Urk. 47 S. 4 f.).
2. Mit Urteil vom 22. Februar 2019 (Urk. 40) erkannte das Einzelgericht in Straf-
sachen des Bezirks Pfäffikon den Beschuldigten B._ (fortan Beschuldigter)
der fahrlässigen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 125 Abs. 2 StGB für nicht schuldig und sprach ihn von diesem
Vorwurf frei (Dispositivziffer 1). Die Zivilklage von A._ (fortan Privatklägerin)
wurde auf den Zivilweg verwiesen (Dispositivziffer 2). Weitere Einzelheiten des
Entscheides können dem Ingress dieses Urteils entnommen werden.
3. Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 20 ff.) liess die Privatklägerin mit
Eingabe vom 27. Februar 2019 Berufung anmelden (Urk. 42). Am 28. Februar
2019 erfolgte die Mitteilung der Berufungsanmeldung an den Beschuldigten und
die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (fortan Staatsanwaltschaft) (Urk. 44). Das
Urteil ging der Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft je am 15. März 2019
(Urk. 46/2-3) sowie dem Beschuldigten am 18. März 2019 (Urk. 46/1) in begrün-
deter Fassung zu (Urk. 45=Urk. 47).
4. Unter dem 27. März 2019 reichte der Vertreter der Privatklägerin sodann die
Berufungserklärung ein (Urk. 48). Aus dieser geht hervor, dass von der Privatklä-
gerin ein Schuldspruch verlangt wird. Ausserdem liess sie beantragen, dass der
Beschuldigte dem Grundsatze nach zu verpflichten sei, ihr - der Privatklägerin -
Schadenersatz und Genugtuung zu leisten, wobei hinsichtlich der Höhe der Zi-
vilansprüche die Zivilklage auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen sei. Auf
Beweisanträge verzichtete der Vertreter der Privatklägerin. Mit Präsidialverfügung
vom 2. April 2019 wurde der Privatklägerin in der Folge Frist zur Leistung einer
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Prozesskaution an die Gegenpartei in der Höhe von Fr. 8'000.– angesetzt
(Urk. 49). Die Prozesskaution ging am 11. April 2019 (Urk. 51) fristgerecht beim
Obergericht ein. In der Folge wurde mit Präsidialverfügung vom 16. April 2019
dem Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft in Anwendung von Art. 400 Abs. 2
und 3 StPO, Art. 401 StPO und Art. 34 StGB eine Kopie der Berufungserklärung
zugestellt und Frist angesetzt, um gegebenenfalls zu erklären, ob Anschlussberu-
fung erhoben werde, oder um begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu
beantragen. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten aufgegeben, das ihm zuge-
stellte Datenerfassungsblatt auszufüllen und verschiedene Unterlagen betreffend
seine finanziellen Verhältnisse einzureichen (Urk. 52). In der Folge teilte die
Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 18. April 2019 mit, dass sie auf Anschlussbe-
rufung und die Stellung von (Beweis-)Anträgen verzichte. Zudem erklärte die
Staatsanwaltschaft, dass sie sich am weiteren Verfahren nicht mehr aktiv beteili-
gen werde (Urk. 54). Am 27. Mai 2019 reichte die Verteidigung innert erstreckter
Frist die Unterlagen betreffend die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten
(Datenblatt, Lohnausweise 2017 und 2018) ein (Urk. 57).
5. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung erschien der Beschuldigte in
Begleitung seines erbetenen Verteidigers sowie der Vertreter der Privatklägerin
(Prot. II S. 4). Vorfragen waren keine zu entscheiden (Prot. II S. 5).
II. Umfang und Gegenstand der Berufung
1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschie-
bende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dementspre-
chend gehemmt (vgl. Schmid/Jositsch, StPO Praxiskommentar, 3. Aufl., Art. 402
N 1). Die Privatklägerin lässt das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich des Frei-
spruchs betreffend die fahrlässige schwere Körperverletzung (Dispositivziffer 1)
und die Verweisung ihrer Zivilansprüche auf den Weg des Zivilprozesses (Dispo-
sitivziffer 2) anfechten (Urk. 48). Entsprechend gilt die vorinstanzliche Regelung
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der Kosten- und Entschädigungsfolgen (Dispositivziffern 3 und 4) als mitange-
fochten, womit der Entscheid der Vorinstanz in vollem Umfang zu überprüfen ist.
2. Am 26. Oktober 2016 ereignete sich um ca. 06.00 Uhr auf einer Baustelle an
der Kreuzung bzw. Einmündung C._-strasse/D._-strasse in E._ ein
Unfall. Die Privatklägerin, welche als Fussgängerin auf der C._-strasse in
Richtung D._-strasse unterwegs war, stürzte in eine, sich bei der erwähnten
Einmündung befindlichen Baugrube und brach sich dabei den linken Oberschen-
kel sowie den linken Oberarm. Dieser Unfall bildet Gegenstand des Sachverhalts
gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 14. November 2018 (Urk. 24). Darin wird dem Beschuldigten zusammengefasst zur Last gelegt, er habe als Ge-
schäftsführer der Firma F._ AG für die Baustelle an der Einmündung
C._-strasse/D._-strasse in E._ die Verantwortung getragen. Aus
Nachlässigkeit, oder weil er es nicht für notwendig erachtet habe, habe es der
Beschuldigte am Abend des 25. Oktober 2016 unterlassen, die betreffende Bau-
stelle mittels doppelter Absperrlatten auf allen Seiten zu sichern sowie Warnlichter
anzubringen, obschon gemäss den Normen des Schweizerischen Verbandes der
Strassen- und Verkehrsfachleute (SN 640 886 "Temporäre Signalisation auf
Haupt- und Nebenstrassen") das Anbringen von doppelten Horizontallatten bei
der Grösse der betreffenden Baustelle wie auch das Anbringen einer Beleuchtung
(da die Baustelle auch nachts vorhanden war) vorgeschrieben gewesen sei. Die-
se Vorschriften seien dem Beschuldigten bekannt gewesen. Am 26. Oktober
2016, ca. 06.00 Uhr, sei die Privatklägerin auf der C._-strasse zu Fuss in
Richtung D._-strasse unterwegs gewesen. Aufgrund der Dunkelheit und der
fehlenden Abschrankung auf ihrer Wegstrecke sowie der fehlenden Beleuchtung
habe die Privatklägerin die Baugrube nicht erkennen können und sei in der Folge
in diese gestürzt. Dabei habe die Privatklägerin einen Knochenbruch am linken
Oberschenkel und einen solchen am linken Oberarm erlitten. Der Bruch des
Oberschenkelknochens habe operativ behandelt werden müssen und wegen
Komplikationen zu einer mehrmonatigen Arbeitsunfähigkeit geführt. Der Gesche-
hensablauf (mangelnde Sicherung/mangelnde Beleuchtung der Baustelle - Sturz
einer Fussgängerin in die Baugrube - Verletzung der Fussgängerin mit allfälligen
Komplikationen) sei für den Beschuldigten in groben Zügen voraussehbar gewe-
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sen. Die Verletzungen der Privatklägerin seien für den Beschuldigten bei ord-
nungsgemässer Sicherung/Beleuchtung der Baustelle sodann auch ohne Weite-
res vermeidbar gewesen.
III. Sachverhalt
1. Der Beschuldigte hat den eingeklagten Sachverhalt sowohl in der Untersu-
chung als auch vor Vorinstanz und auch heute wieder (teilweise) in Abrede ge-
stellt, wobei er nicht in Zweifel zog, dass die Privatklägerin in die Baugrube ge-
stürzt sei. Er hielt aber dafür, dass die Baustelle mit doppelseitigen Absperrlatten
gesichert gewesen sei (Urk. 12/5; Prot. I S. 11, Prot. II S. 10 ff.).
2. Zum Geschehensablauf wurde der Beschuldigte im Rahmen der Untersuchung
zunächst polizeilich (Urk. 1 und Urk. 12/1) und hernach staatsanwaltschaftlich
(Urk. 12/2, Urk. 12/4-6) sowie anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung
befragt (Prot. I S. 10 ff.). Die am Vorfall beteiligte Privatklägerin wurde ebenfalls
zunächst polizeilich (Urk. 13/1) und alsdann staatsanwaltschaftlich als Auskunfts-
person (Urk. 13/2) befragt. Daneben wurden G._, der Sohn der Privatkläge-
rin, H._, I._ und J._ sowie K._, letztere zwei sind Arbeitneh-
mer der F._ AG, als Zeugen - H._ auch polizeilich - befragt (Urk. 14/1,
Urk. 14/6-7, Urk. 14/8, Urk. 14/11, Urk. 14/14). Was die einzelnen Aussagen des
Beschuldigten, der Privatklägerin und der verschiedenen Zeugen betrifft, kann zur
Vermeidung von Wiederholungen auf ihre Wiedergabe in der Begründung des vo-
rinstanzlichen Entscheides verwiesen werden (Urk. 47 S. 6 ff.; Art. 82 Abs. 4
StPO). In den Verfahrensakten liegen zudem eine Fotodokumentation der Kan-
tonspolizei Zürich betreffend den Ereignisort (Urk. 2), ein Übersichtsplan des Er-
eignisortes mit zwei Fotografien (Urk. 3), die von der Firma F._ AG mit Ver-
fügung vom 16. Juni 2017 (Urk. 15/1) editierten Unterlagen betreffend die Bau-
stelle an der C._-strasse in E._ von ca. Ende Oktober 2016 (Beschrei-
bung der Situation: Urk. 15/4; Pläne: Urk. 15/5 und 15/6), drei Fotografien
(Urk. 15/7-9) sowie die medizinischen Akten der Privatklägerin (Austrittsbericht
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des Kantonsspitals Winterthur vom 7. November 2016: Urk. 16/1; ärztlicher Be-
fund von Dr. med. L._ vom 14. Juli 2017: Urk. 16/5; Bericht des Kantonsspi-
tals Winterthur vom 17. Juli 2017: Urk. 16/6).
3.1. Die Vorinstanz hat zunächst richtig gesehen, dass der erste Absatz des An-
klagesachverhalts bereits aufgrund der Zugaben des Beschuldigten (Urk. 12/1
S. 1, Urk. 12/2 S. 1) und der im Recht liegenden Fotodokumentation erstellt ist. Es
kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 47
S. 8; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2. Mit der Vorinstanz ist sodann davon auszugehen, dass bezüglich des zweiten
Absatzes des Anklagesachverhaltes seitens des Beschuldigten ebenfalls unbe-
stritten ist, dass er als Baustellenverantwortlicher für die Sicherung der Baustelle
zuständig war (Urk. 12/2 S. 2; Prot. I S. 11 f.) und er keine Warnlichter an der
Baustelle angebracht hat (Urk. 12/1S. 3; Prot. I S. 12). Nicht kontrovers ist zudem,
dass der Beschuldigte generell gewusst hat, wie richtig abzusperren ist, auch
wenn er die Norm SN 640 886 des Schweizerischen Verbandes der Strassen-
und Verkehrsfachleute konkret nicht gekannt hat (Urk. 12/1 S. 3, Urk. 12/2 S. 5,
Urk. 12/5 S. 29; Prot. I S. 13, Prot. II S. 13). Es kann auch hier auf die zutreffen-
den vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 47 S. 8; Art. 82
Abs. 4 StPO).
3.3. Die Vorinstanz hat zudem zutreffend festgehalten, dass hinsichtlich des drit-
ten Absatzes des Anklagesachverhalts aufgrund der Aussagen des Beschuldigten
(Urk. 12/2 S. 8, Urk. 12/5 S. 3; Prot. I S. 14 f.) und der Privatklägerin (Urk. 13/1
S. 1; Urk. 13/2 S. 3 ff.) sowie des Berichts des Kantonsspitals Winterthur vom
17. Juli 2017 (Urk. 16/6) kein Zweifel daran besteht, dass die Privatklägerin am
26. Oktober 2016, ca. um 06.00 Uhr, auf der C._-strasse zu Fuss in Richtung
D._-strasse unterwegs war und in der Folge in die Baugrube gestürzt ist,
wobei sie die in der Anklageschrift aufgeführten Verletzungen erlitten hat. Es kann
auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 47
S. 9; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ferner hat die Vorderrichterin korrekt erwogen, dass
die vom Beschuldigten in Abrede gestellte Behauptung, dass die Privatklägerin
die Baugrube aufgrund der Dunkelheit, der fehlenden Abschrankungen sowie der
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fehlenden Beleuchtung nicht habe erkennen können (vgl. Port. I S. 14), die Frage
des Kausalzusammenhangs zwischen der Unterlassung und dem eingetretenen
Erfolg beschlage und damit - da in diesem Bereich Tat- und Rechtsfragen eng
verknüpft seien - im Zusammenhang mit der rechtlichen Würdigung zu klären sei
(Urk. 47 S. 9; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.4. Zu Recht hat die Vorinstanz des Weiteren auch erwogen, dass betreffend die
im vierten und fünften Absatz des Anklagesachverhaltes formulierte Vorausseh-
barkeit und Vermeidbarkeit im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu prüfen sei
(Urk. 47 S. 9; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.5. Zutreffend erwogen hat die Vorinstanz schliesslich, dass bezüglich des zu er-
stellenden Anklagesachverhaltes "lediglich" die Frage kontrovers ist, ob der Be-
schuldigte es unterlassen habe, die betreffende Baustelle mit doppelten Absperr-
latten auf allen Seiten zu sichern (Urk. 47 S. 9; Art. 82 Abs. 4 StPO). Da der Be-
schuldigte diesen Teil des eingeklagten (Anklage-)Sachverhalts in Abrede stellt,
ist dieser dementsprechend auf Grund der Akten und der heutigen Berufungsver-
handlung nach den von Lehre und Praxis entwickelten Grundsätzen zu überprü-
fen.
4.1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundsätze der richterlichen Beweis-
würdigung korrekt wiedergegeben, sodass vollumfänglich auf die entsprechenden
Erwägungen verwiesen werden kann (Urk. 47 S. 7 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zu er-
gänzen ist was folgt:
Gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO würdigt das Gericht die Beweise frei, welche zur Klä-
rung des rechtserheblichen Sachverhalts notwendig und verwertbar sind. Dies
bedeutet, dass das Gericht an keine Beweisregeln gebunden ist. Der Strafrichter
entscheidet daher nach seiner eigenen persönlichen Überzeugung, ob er eine
Tatsache als erwiesen oder als nicht erwiesen ansieht (BGE 133 I 33; 127 IV 172;
115 IV 267; Schmid/Jositsch, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts,
Zürich/St. Gallen 2017, N 227). Dies gilt sowohl für jedes einzelne Beweismittel
als auch für das Beweisergebnis als Ganzes (BSK StPO - Hofer, Art. 10 StPO
N 60 f.). Die Überzeugung des Gerichts muss freilich auf einem einleuchtenden
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Schluss beruhen und für den unbefangenen Beobachter nachvollziehbar sein
(Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auflage 2005,
S. 247 Rz. 11). Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung bedeutet demnach,
dass weder die Anzahl der Beweismittel noch die Art derselben für das Beweiser-
gebnis massgebend sind, was aber nicht bedeuten muss, dass nicht vom sach-
verhaltsnächsten Beweismittel ausgegangen werden sollte (Schmid/Jositsch,
Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, a.a.O., N 228). Entscheidend
ist allein die innere Autorität des konkreten Beweismittels, also "allein der Be-
weiswert der konkret vorhandenen Beweismittel", beim Personalbeweis also die
Glaubhaftigkeit der jeweiligen Aussagen (Wohlers, in: Donatsch/Hansjakob
/Lieber, StPO Komm., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 10 N 27). Bei sich entgegen-
stehenden Aussagen kann der Richter daher - seiner Überzeugung folgend - den
einen Angaben mehr Glauben schenken und gestützt darauf verurteilen oder frei-
sprechen (Wohlers, a.a.O., Art. 10 N 27). Nicht zulässig ist eine Beweiswürdigung
nach schematischen Regeln (BGE 103 IV 299). Dem Richter ist es insbesondere
verwehrt, die Beweiskraft von Aussagen von Zeugen allein von deren Stellung als
Verwandte einer Verfahrenspartei abhängig zu machen (Wohlers, a.a.O., Art. 10
N 28). Kommt der Richter nach Abnahme und Würdigung der Beweismittel zur
Überzeugung, dass "vernünftige" (Schmid/Jositsch, Handbuch des schweizeri-
schen Strafprozessrechts, a.a.O., N 235) und "nicht zu unterdrückende Zweifel"
an der Schuld verbleiben (BGE 127 I 38; Wohlers, a.a.O., Art. 10 N 13), muss in
Anwendung des in Art. 10 Abs. 3 StPO kodifizierten Grundsatzes "in dubio pro
reo" ein Freispruch ergehen. Die Zweifel müssen allerdings relevant und damit
unüberwindbar sein, das heisst sie müssen "sich nach der objektiven Sachlage
für einen kritischen und vernünftigen Menschen aufdrängen" (Wohlers, a.a.O.,
Art. 10 N 13; Schmid/Jositsch, Handbuch des schweizerischen Strafprozess-
rechts, a.a.O., N 235).
4.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelnes Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. BGE 136 I 229
E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1130/2014 vom 8. Juni 2015 E. 4). Die Be-
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rufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte
beschränken.
5.1. Die Vorinstanz hat zunächst Ausführungen zur Glaubwürdigkeit des Beschul-
digten, der Privatklägerin und der verschiedenen befragten Zeugen gemacht. Die-
se sind zutreffend und sind zu übernehmen (Urk. 47 S. 10 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.2. Die Vorinstanz hat in ihrer Beweiswürdigung sodann zusammengefasst er-
wogen, dass der Beschuldigte konstant erklärt habe, die Baustelle rundum mit
doppelten Absperrlatten gesichert zu haben. Seine Angaben seien von seinen
beiden Mitarbeitern J._ und K._ bestätigt worden. Auf den Fotografien
der Baustelle vom 24. und 25. Oktober 2016 sei ersichtlich, dass diese im Zeit-
punkt der Aufnahme auf mindestens zwei Seiten mittels Doppellatten abgesperrt
gewesen sei. Allerdings ergebe sich aus denselben Fotografien auch, dass die
Seite gegen die C._-strasse nur mit einer Latte abgesperrt gewesen sei.
Diesbezüglich habe der Beschuldige aber plausibel und nachvollziehbar angege-
ben, dass die Absperrlatten tagsüber manchmal entfernt, am Abend aber wieder
aufgestellt worden seien und zwar in doppelter Ausführung. Aus den betreffenden
Fotografien könne daher nicht der Schluss gezogen werden, dass der Beschuldig-
te am Abend keine doppelten Absperrlatten angebracht habe. Demgegenüber
seien die Aussagen der Privatklägerin und der Zeugin I._, wonach es bei der
Baustelle überhaupt keine Absperrungen gehabt habe, nicht glaubhaft. Zum einen
ergebe sich aus den Fotografien, dass Absperrungen vorhanden gewesen seien,
zum andern habe der Zeuge G._, welcher neben der Privatklägerin am Un-
fallmorgen als einziger bei der Unfallstelle gewesen sei, erklärt, es habe bei der
Baustelle eine Lattenabsperrung gehabt - selbst wenn diese schräg gewesen sei.
Diese Aussage des Zeugen G._ und die Fotografien würden zwar darauf
hindeuten, dass die Absperrung zur C._-strasse hin (aus dieser Richtung sei
die Privatklägerin gekommen) lediglich mit einer Latte erfolgt sei. Stehe aber Aus-
sage gegen Aussage (Aussage des Beschuldigten versus die Aussage des Zeu-
gen G._), so sei im Zweifel von derjenigen Version auszugehen, die sich zu-
gunsten des Beschuldigten auswirke, zumal unklar sei, wie sich die Situation im
bzw. kurz nach dem Unfallzeitpunkt präsentiert habe. Dies habe niemand be-
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schreiben können. Fotografien oder Augenzeugen bestünden nicht. Schliesslich
könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass jemand (allenfalls gar die Privat-
klägerin, die möglichst schnell und ohne Umweg zur Arbeit habe gelangen wollen)
in der Zwischenzeit, das heisst vom Zeitpunkt, als die Bauarbeiter die Baustelle
am Vorabend verlassen hätten bis zum Unfall der Privatklägerin am nächsten
Morgen, die Absperrungen verändert, beispielsweise eine Latte ausgehängt hätte.
Entsprechend dem Grundsatz "in dubio pro reo" sei daher von der Sachdarstel-
lung des Beschuldigten auszugehen. Folglich könne nicht erstellt werden, dass es
der Beschuldigte unterlassen habe, die Baustelle mit doppelten Absperrlatten auf
allen Seiten zu sichern. Dieser Sachverhalt sei somit der rechtlichen Würdigung
zugrunde zu legen (Urk. 47 S. 11 ff.).
5.3. Die vorstehend zitierte Beweiswürdigung der Vorinstanz ist überzeugend und
zu übernehmen. Sie hat einlässlich und überzeugend dargetan, weshalb sie auf
die Bestreitung und die Sachverhaltsvariante des Beschuldigten bzw. seiner Ver-
teidigung abstellen konnte und durfte. Ihren Erwägungen ist vollumfänglich beizu-
pflichten (Urk. 47 S. 11; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.3.1. Zur Unfallörtlichkeit ist zum besseren Verständnis vorab zu bemerken, dass
die Privatklägerin zu Fuss auf der C._-strasse nördlich in Richtung D._-
strasse unterwegs war. Bei der C._-strasse handelt es sich um einen für
Fussgänger benutzbaren Feldweg. Dieser Feldweg trifft im Bereich eines Bahn-
übergangs auf die D._-strasse, welche ab dem Bahnübergang in östlicher
Richtung zur Töss verläuft. Der ca. 3 Meter breite Graben war quer über die
C._-strasse, parallel im unmittelbaren Einmündungsbereich zur D._-
strasse verlaufen, und zwar vom nahen Bahngeleise her über die angrenzende
Wiese und den ganzen Bereich der C._-strasse (vgl. Urk. 2, Urk. 14/12-13,
Urk. 15/7-9).
5.3.2. Festzuhalten ist sodann, dass kein (Augen-)Zeuge den Unfall bzw. den
Sturz der Privatklägerin in die Baugrube beobachtet hat. Sodann konnten, da die
Tochter der Privatklägerin die Anzeige erst zehn Tage nach dem Unfall bei der
Kantonspolizei eingereicht hatte (vgl. Urk. 1), kein Augenschein und keine Spu-
rensicherung vorgenommen und auch keine Fotos bei der Baustelle erstellt wer-
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den, aus denen der Zustand der Baugrube am Unfalltag, insbesondere der da-
mals bestehenden Sicherungsmassnahmen, ersichtlich wäre. Als der zuständige
Polizist an den Ereignisort ausrückte, war die Baugrube bereits wieder zugeschüt-
tet und die Absperrungen abgebaut (Urk. 1, Urk. 2). Die sich in den Akten befind-
lichen Fotografien (Urk. 15/7-9) wurden - wie bereits erwähnt - von der Firma
F._ ediert und zeigen den Zustand der Baugrube am 24. und 25. Oktober
2016, mithin einen bzw. zwei Tage vor dem Unfall der Privatklägerin.
5.4.1. Die erste Aussage, die den strittigen Sachverhalt (Unterlassung der Ab-
sperrung mit doppelten Absperrlatten) beschlägt, machte der Beschuldigte am
9. November 2016 telefonisch gegenüber der Polizei. Er führte aus, dass gegen
die D._-strasse eine Absperrung mit Doppellatten bestanden habe. Ca. 6
Meter vom Graben entfernt habe es auch auf der C._-strasse eine doppelte
Absperrung gehabt. Auf der Wiese seien zwei ca. 1,5 Meter hohe Kieshaufen
vorhanden gewesen. Auch gegenüber der Bahnlinie sei der Graben abgesperrt
gewesen (Urk. 1 S. 4). Am 31. Oktober 2017, mithin beinahe ein Jahr später,
wurde der Beschuldigte (erneut) polizeilich befragt. Dabei schilderte er von sich
aus zunächst, dass er die Baugrube so abgesperrt habe, wie es vorgeschrieben
sei und wie er es immer gemacht habe. Die Absicherung habe aus rot/weissen
Absperrlatten mit reflektierenden Streifen bestanden. Er könne sich nicht erklären,
wie die Privatklägerin in die Baugrube habe fallen können (Urk. 12/1 S. 1). Auf
Vorhalt einer Fotografie der Baustelle im Zeitpunkt vom 25. Oktober 2016
(Urk. 15/7) bejahte der Beschuldigte sodann die Frage, ob die Baustelle am Mor-
gen des 26. Oktober 2016 noch gleich ausgesehen habe. Auf die konkrete Nach-
frage, wie die Baustelle abgesichert gewesen sei, führte er was folgt aus: "So wie auf dem Foto (gemeint ist Urk. 15/7) ersichtlich. Mit doppelter Absperrlatten rundum gesi-
chert" (Urk. 12/1 S. 2). Auf die konkrete Nachfrage, ob er die Baustelle über Nacht
speziell abgesichert habe, antwortete der Beschuldigte folgendermassen: "Nicht
speziell, so wie immer, mit doppelten Absperrlatten" (Urk. 12/1 S. 2). In der Folge stell-
te der Beschuldigte nicht in Abrede, dass die Baustelle nachts nicht beleuchtet
gewesen sei, hielt aber wiederholt dafür, dass die Baustelle mit Absperrlatten,
welche ca. 4 Meter vom Grabenrand aufgestellt worden seien, abgesichert gewe-
sen sei (Urk. 12/1 S. 3).
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5.4.2. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. März 2018
(Urk. 12/2) hielt der Beschuldigte an seiner Version fest, dass die Baustelle mit
rot-weissen, doppelten Absperrlatten gesichert gewesen sei. Er habe am Abend
die Baustelle nochmals kontrolliert. Sicherheit sei ihm wichtig (Urk. 12/2 S. 2). Auf
Vorhalt einer Fotografie der Baustelle (Urk. 12/3=Urk. 15/9) und dem Hinweis,
dass auf der Seite, von welcher die Privatklägerin vermutlich gekommen sei, kei-
ne doppelte, sondern nur eine einfache Absperrung auf der Fotografie ersichtlich
sei, gab der Beschuldigte zu Protokoll, dass die Absperrlatten tagsüber manchmal
entfernt worden seien. Abends seien sie dann aber wieder angebracht worden
und zwar doppelt. Die ihm vorgehaltene Fotoaufnahme sei tagsüber gemacht
worden (Urk. 12/2 S. 3). In der Folge erklärte er (erneut), dass die Absperrlatten
ca. 4 Meter vom Grubenrand entfernt gewesen seien (Urk. 12/2 S. 5). Danach ge-
fragt, ob die auf der Fotografie (gemeint ist wiederum Urk. 12/3=Urk. 15/9) er-
sichtlichen Kieshaufen am Morgen des 26. Oktober 2016 noch vorhanden gewe-
sen seien, führte der Beschuldigte was folgt aus: "Ja, nochmals zur Frage der  Absperrlatten auf dem Bild: Man sieht ja, dass der Luftschlauch des Kompressors
fast vollständig abgerollt war und links vom Bahnmast sieht man auch noch den
Schlauch. Wir waren da also noch voll am Arbeiten. Deshalb war die zweite Absperrlatte
noch nicht angebracht". "Gab es am Abend des 25.10.2016 eine Lücke in den Absperrlat-
ten?" "Nein. Es war ringsum abgesperrt. Die beiden Kieshaufen reichten allerdings etwas
unter den Absperrlatten hindurch" (Urk. 12/2 S. 5).
5.4.3. Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 8. Mai 2018
(Urk. 12/4) wies der Beschuldigte zunächst darauf hin, dass am fraglichen Unfall-
morgen auf dem Weg noch ein Baukompressor vor der Baustelle gestanden sei,
den man eigentlich hätte sehen müssen. Alsdann bekräftigte er seine bisherige
Aussage, dass er die Baugrube am Abend vor dem Unfall mit doppelten Latten
abgesperrt habe. Was danach mit der Absperrung passiert sei, könne er nicht sa-
gen (Urk. 12/4 S. 2).
5.4.4. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung hielt er an seiner bisheri-
gen Sachdarstellung fest. Er räumte zwar ein, dass die Absperrung nicht mit Posi-
tionslampen versehen gewesen sei. Die Baugrube habe er aber mit doppelten
Absperrlatten mit Reflektoren abgesichert. Die Absperrung sei mindestens vier
- 15 -
Meter vom Grabenrand entfernt gewesen. Auf beiden Seiten des (Feld-)Weges
(gemeint ist die C._-strasse) hätten sich zwei Kieshaufen befunden, welche
höher als einen Meter gewesen seien. Zudem sei auf dem Feldweg, rechts am
Wegrand, noch ein Kompressor gestanden, welcher in etwa so breit wie ein Auto
gewesen sei (Prot. I S. 11). Auf Vorhalt einer Fotografie der Baustelle (Urk. 15/9)
und dem Hinweis, dass auf der einen Seite der Baustelle die Absperrung nur mit-
tels einer einfachen Absperrlatte erfolgt sei, führte der Beschuldigte aus, dass im
Bereich des Weges am Abend eine doppelte Absperrlatte angebracht worden sei.
Während der Arbeitszeit tagsüber sei nur eine Absperrlatte vorhanden gewesen,
damit man sich rasch habe hin und her bewegen können (Prot. I S. 12 f.).
5.4.5. In der Berufungsverhandlung blieb der Beschuldigte bei seiner Sachdarstel-
lung. Er - bzw. unter seiner Verantwortung seine Mitarbeiter - hätten die Baustelle
sauber abgesperrt. Sie hätten doppelte Absperrlatten um die Grube herum befes-
tigt. Es stimme aber, dass keine Lampen angebracht worden seien. Man habe die
Baustelle am Abend jeweils miteinander gesichert. Er könne nicht mehr sagen,
wer was gemacht habe. Aber er sei sicher dort und verantwortlich gewesen. Am
oberen Ende des Feldweges, von welchem die Privatklägerin hergekommen sei,
habe er zudem im Kiesweg eine Sackgasse-Tafel montiert gehabt und vorne, also
aussen an der Baustelle, habe noch ein grosser Baustellen-Kompressor gestan-
den. Dieser sei mit zwei orangeweissen Gummi-Leitkegeln markiert gewesen
(Prot. II S. 10 ff.). Sie hätten relativ intensiv an der Grube gearbeitet. Als sie das
Stahlrohr durchgerammt hätten, hätte man immer bereit stehen müssen, um die
Druckluftzufuhr abzustellen bzw. den Kompressor zu bedienen. Weil es ein tiefer
Graben gewesen sei, hätten sie zu ihrer internen Sicherheit Sachen, welche sie
nicht gebraucht hätten, aussen auf die Wiese gelegt, um nicht darüber zu stol-
pern. Deshalb hätten sie, wenn sie etwas hätten machen oder bedienen müssen,
die untere Latte tagsüber rausgenommen und nur die obere Latte eingehängt. Er
könne aber mit Sicherheit sagen, dass die Baustelle am Abend des 25. Oktober
2016 auf allen Seiten mit doppelten Absperrlatten gesichert gewesen sei (Prot. II
S. 14).
- 16 -
5.4.5.1. Für die Glaubhaftigkeit der (Sach-)Darstellung des Beschuldigten spricht
seine im Kern stets gleichbleibende Äusserung, wonach er die Baustelle rundum
mit doppelten Absperrlatten (ab)gesichert habe. Ungereimtheiten oder Widersprü-
che sind in seinen Aussagen nicht auszumachen. Der Beschuldigte bleibt bei sei-
nen Darstellungen, auch nach klaren Vorhaltungen durch die Untersuchungsbe-
hörde und die Gerichte, ohne der Versuchung zu erliegen, seine Aussagen oder
seine Erklärungen diesen anzupassen, was ein Lügensignal wäre. Entgegen den
Ausführungen des Vertreters der Privatklägerin (Urk. 62 S. 3 f.) beschränken sich
die Aussagen des Beschuldigten auch nicht nur darauf, eine schuldhafte Unter-
lassung zu bestreiten. Der Beschuldigte gibt vielmehr konkret an, dass die Bau-
stelle abgesichert wurde, und wie dies getan wurde.
5.4.5.2. Die Darstellung des Beschuldigten wird sodann durch die Zeugen
J._ und K._, beide Mitarbeiter der Firma F._ AG, bestätigt. So führ-
te der Zeuge J._ anlässlich seiner Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft
vom 1. November 2018 aus, die Baustelle bzw. Baugrube sei am Abend des
25. Oktober 2016 mit doppelten Abschrankungen bzw. Doppellatten abgesperrt
worden. Auf dem Fussweg habe er noch im Abstand von ca. 20 Metern zwei Bö-
cke mit zwei Doppellatten aufgestellt. Der Fussweg sei also auch abgesperrt ge-
wesen (Urk. 14/11 S. 3 f.). Am Folgetag sei ihm bezüglich der Absperrung nichts
aufgefallen. Die Latten seien so gewesen, wie sie eigentlich hätten sein sollen
(Urk. 14/11 S. 5). Der Zeuge K._ sagte anlässlich seiner staatsanwaltschaft-
lichen Einvernahme vom 1. November 2018 (Urk. 14/14) in allgemeiner Form aus,
dass die Firma F._ AG die Baustellen immer mit doppelten Absperrlatten si-
chere. Er wisse aber nicht mehr, ob er am 25. Oktober 2016 auch auf der Baustel-
le gewesen sei (Urk. 14/4 S. 3).
Zwar handelt es sich bei den Zeugen J._ und K._ um langjährige Ar-
beitnehmer der Firma F._ AG bzw. des Beschuldigten, welche eine gute Be-
ziehung zum Beschuldigten haben. Zudem könnten sie aufgrund einer allfälligen
internen Haftung für den eingeklagten Vorfall ein gewisses Interesse am Ausgang
des Verfahrens haben. Andererseits ist nicht zu verkennen, dass sie die Privat-
klägerin nicht kannten und emotional nicht in die Sache verwickelt sind. Ferner
- 17 -
hätte eine Falschaussage für die beiden Zeugen nachteilige Folgen. Zudem ist an
dieser Stelle nochmals festzuhalten, dass bei der Würdigung von Aussagen nicht
einfach auf die allgemeine Glaubwürdigkeit von Aussagenden abgestellt werden
darf, da dies nach neueren Erkenntnissen keinen allgemeinen Rückschluss auf
die Glaubhaftigkeit von Aussagen zulässt. Massgebend ist vielmehr die Glaubhaf-
tigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Äusserungen.
Entgegen dem Einwand des Vertreters der Privatklägerin (Urk. 62 S. 4) vermögen
die Aussagen der beiden Zeugen zu überzeugen. Sie beschränken sich - zumin-
dest was den Zeugen J._ betrifft - auch nicht nur darauf, dass sie ihre Arbeit
generell korrekt machen würden. Vielmehr machte der Zeuge J._ konkrete
Aussagen zur Sicherung der Baustelle am fraglichen Abend. Dass er erklärt hat,
an der Baustelle seien Warnlampen angebracht gewesen (Urk. 14/11 S. 7), ver-
mag an der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen nichts zu ändern. Zum einen wurden
an der betreffenden Baustelle nach dem Unfall der Privatklägerin tatsächlich
Lampen angebracht (vgl. Urk. 12/2 S. 5), zum andern kann diese Aussage damit
erklärt werden, dass die Einvernahme des Zeugen J._ erst rund zwei Jahre
nach dem Vorfall erfolgte. Das menschliche Gehirn ist bekanntlich keine Video-
kamera, und die Informationen sind nicht - wie auf einer Festplatte gespeichert -
ständig abrufbar. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass sich der Zeuge J._
nicht mehr daran erinnerte, wann genau die Lampen an der Baustelle angebracht
wurden. Dahingegen gab der Zeuge K._ offen zu, nicht mehr zu wissen, ob
er am fraglichen Abend auf der Baustelle gewesen sei. Dies tut der Glaubhaf-
tigkeit seiner Aussagen aber keinen Abbruch, sondern zeigt im Gegenteil, dass
sich die beiden Zeugen nicht abgesprochen haben.
5.4.5.3. Der Richtigkeit der Darstellung des Beschuldigten nicht abträglich sind
sodann die im Recht liegenden Fotografien der Baustelle, welche am 24. und
25. Oktober 2016 aufgenommen wurden (Urk. 15/7-15/9). Aus diesen erhellt,
dass die Baustelle in Richtung Geleise und D._-strasse je mit doppelten Ab-
sperrlatten abgesichert war. Die Seite gegen die C._-strasse war indes nur
mit einer Latte abgesperrt. Zutreffend hat die Vorinstanz diesbezüglich aber er-
wogen, dass die Erklärung des Beschuldigten, die Absperrlatten seien tagsüber,
- 18 -
das heisst während der Arbeitszeit, teilweise entfernt, die Baustelle am Abend
aber immer mit Doppellatten wieder abgesperrt worden, plausibel und nachvoll-
ziehbar sei. Dass während der Arbeitszeit tagsüber die Absperrlatten (teilweise)
entfernt werden mussten, um mit den Maschinen oder anderen Baugeräten rei-
bungslos manövrieren oder arbeiten zu können, ist ohne Weiteres einleuchtend.
Den Einwand des Vertreters der Privatklägerin, wonach es sich hierbei um eine
(nachgeschobene) Schutzbehauptung des Beschuldigten handelt, hat die Erstin-
stanz mit zutreffender Begründung entkräftet. Es kann darauf verwiesen werden
(Urk. 47 S. 14; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zu Recht hat die Vorinstanz daher insgesamt
den Schluss gezogen, es könne aufgrund der Fotografien (Urk. 15/7-9) jedenfalls
nicht gefolgert werden, dass am Vorabend des 26. Oktober 2016 keine Doppellat-
ten als Abschrankung angebracht worden seien (Urk. 47 S. 13).
5.5.1. Die Vorinstanz würdigte die Aussagen der Privatklägerin und kam zum
Schluss, dass diese nicht zu überzeugen vermögen. Die Privatklägerin habe kon-
stant zu Protokoll gegeben, es habe überhaupt keine Absperrungen gehabt, sie
habe keine solchen gesehen (Urk. 47 S. 13). Aus den im Recht liegenden Foto-
grafien seien - so die Vorinstanz fortfahrend - jedoch Absperrungen ersichtlich
und zudem habe auch der Sohn der Privatklägerin, der Zeuge G._, ausge-
führt, es habe eine Lattenabsperrung gehabt und im Strassenbereich seien auf
beiden Seiten Absperrlatten vorhanden gewesen. Zu Recht hat die Vorinstanz
auch ausgeführt, dass ausgeschlossen werden könne, dass Bauarbeiter die tags-
über vorhandenen, auf den Fotografien ersichtlichen einfachen Absperrungen am
Abend nach Arbeitsschluss gänzlich entfernt hätten. Ein solches Verhalten wäre
komplett lebensfremd, da sie die Absperrungen am nächsten Tag wieder hätten
aufstellen müssen (Urk. 47 S. 13 f.). Der vorinstanzlichen Aussagewürdigung ist
zu folgen und ihren Erwägungen ist vollumfänglich beizupflichten. Zwar ist dem
Vertreter der Privatklägerin zuzustimmen, dass die Privatklägerin nie ausgesagt
hat, es habe keine Absperrungen gegeben. Vielmehr führte sie sowohl bei der Po-
lizei am 9. November 2017 als auch bei der Staatsanwaltschaft am 15. März 2018
lediglich aus, sie habe keine Bauabschrankungen oder Hindernisse auf dem
Feldweg gesehen. Sie habe auch keine Abschrankung umgangen oder sei unter
einer Abschrankung durchgekrochen oder habe eine solche weggeräumt
- 19 -
(Urk. 13/1 S. 2 und S. 3, Urk. 13/2 S. 7 f.). Dies ändert jedoch nichts daran, dass
die Aussagen der Privatklägerin unglaubhaft sind. Vor dem Hintergrund der auch
vom Vertreter der Privatklägerin als glaubhaft erachteten Aussagen des Sohnes
der Privatklägerin (vgl. Urk. 62 S. 3) hätte letztere die Absperrlatten wahrnehmen
müssen.
5.5.2. Aus den selben Gründen erachtete die Vorinstanz auch die Aussagen der
Zeugin I._, welche von der Töss herkommend Richtung Bahnübergang un-
terwegs war (vgl. Urk. 14/9), wonach sie am Unfallort keine Absperrung wahrge-
nommen habe (Urk. 14/8 S. 4), als nicht überzeugend. Es kann auf die zutreffen-
den Erwägungen der Erstinstanz verwiesen werden (Urk. 47 S. 13 f.).
5.6.1. G._, der Sohn der Privatklägerin, hat diese am Unfallmorgen in unmit-
telbarem Anschluss an den Unfall aus der Baugrube geborgen. Am 9. November
2016 (Urk. 1) äusserte er sich gegenüber der Polizei wie folgt: Es habe am Un-
fallort weiss-rote Absperrlatten gehabt. Auf der Seite der C._-strasse habe es
auf der Wiese einen Erdhaufen gehabt. Im Strassenbereich seien auf beiden Sei-
ten Absperrlatten vorhanden gewesen. Auf der Seite D._-strasse sei die Ab-
sperrung durchgehend gewesen, auch im Wiesenbereich. Auf der Seite C._-
strasse habe es nur im Strassenbereich Latten gehabt (Urk. 1 S. 3 ff.).
An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. März 2018 (Urk. 14/1)
schilderte der Zeuge G._, der Sohn der Privatklägerin, von sich aus den Ge-
schehensablauf. Er gab zu Protokoll, er habe von seiner Mutter einen Anruf erhal-
ten. Sie habe ihm gesagt, dass sie in ein Loch gefallen sei, wobei sie ihm nicht
klar habe sagen können, wo sie genau sei; sie habe ein Bahngeleise erwähnt. Da
er gewusst habe, wo die Privatklägerin ungefähr durchgegangen sei, sei er zum
Kiesweg (gemeint ist der Feldweg bzw. die C._-strasse) gerannt. Dann sei er
zur Baustelle gekommen. Es habe rechts einen Hügel mit Erde und eine Latten-
absperrung gehabt. Letztere sei leicht schräg gewesen. Dann habe er über die
Absperrung geschaut und die Privatklägerin im Loch gesehen (Urk. 14/1 S. 3).
Auf entsprechende Nachfrage gab er an, dass er die Baustelle aus einer Entfer-
nung von knapp fünf Meter wahrgenommen habe. Es habe dort Häuser gehabt
und die Strasse neben den (Bahn-)Geleisen sei beleuchtet gewesen (Urk. 14/1
- 20 -
S. 4). Auf die konkrete Nachfrage, ob die Baustelle abgesperrt gewesen sei, ent-
gegnete der Zeuge G._ was folgt: "Von der Seite, von der ich kam, hatte es ei-
ne Absperrung, die schräg war" (Urk. 14/1 S. 4). Nachdem der Zeuge G._ auf
Aufforderung des Staatsanwaltes die "schräge Absperrung" auf eine Skizze auf-
gezeichnet hatte (vgl. Urk. 14/3) fügte er noch Folgendes an: "Die Latten hätten
eingehängt sein sollen. Sie waren aber ausgehängt" (Urk. 14/1 S. 5). Auf Vorhalt einer
Fotografie (Urk. 14/4=Urk. 15/9) beantwortete er die Frage, ob sich die Baustelle
am Morgen des 26. Oktober so wie auf der vorgelegten Fotografie präsentiert ha-
be wie folgt: "Die Querlatte, die ich mit einem Kreuz gezeichnet habe, war nicht dort und
diejenige, bei der ich einen Strich gezogen habe, war schräg" (Urk. 14/1 S. 5 und
Urk. 14/4).
5.6.2. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass die Aussagen des Zeugen
G._ aufgrund ihrer Originalität als glaubhaft erscheinen. Dafür spricht sodann
auch der Verlauf der gesamten Befragung und damit die Entstehung der Aussa-
gen. Der Zeuge G._ schilderte zunächst chronologisch und frei, was sich ab-
gespielt hat und was er wahrgenommen hat. Er beschrieb die Geschehnisse von
sich aus etwas ausführlicher und detaillierter als in der telefonischen polizeilichen
Einvernahme vom 9. November 2016. Ein solches Aussageverhalten ist aber
nicht aussergewöhnlich und spricht nicht ohne Weiteres dafür, dass seine Aussa-
gen nicht glaubhaft wären. Während die erste telefonische polizeiliche Einver-
nahme vom 9. November 2016 lediglich rund zehn Tage nach dem fraglichen Vor-
fall erfolgte, hatte der Zeuge G._ im Hinblick auf die staatsanwaltliche Ein-
vernahme vom 15. März 2018 während rund sechszehn Monaten die Gelegen-
heit, sich die Geschehnisse nochmals in Ruhe zu überlegen und sich auf die Ein-
vernahme vorzubereiten. Das wäre an sich eine Ausgangslage, in welcher Vor-
würfe aggraviert und zugespitzt "zurechtgelegt" werden könnten, wenn es darum
ginge, jemanden bewusst zu diskreditieren. Solche Tendenzen in den Aussagen
des Zeugen G._ sind aber nicht ersichtlich. Entsprechend ist davon auszu-
gehen, dass er auch bei der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft bemüht war,
bei der Wahrheit zu bleiben und die Geschehnisse so wiederzugeben, wie er die-
se erlebt hat.
- 21 -
6. Abschliessend hat die Vorinstanz korrekt festgehalten, dass den glaubhaften
Aussagen des Beschuldigten die ebenso glaubhaften Aussagen des Zeugen
G._ gegenüberstehen würden (Urk. 47 S. 15). Für die Richtigkeit der Sach-
darstellung des Beschuldigten sprechen nun aber zudem die glaubhaften Aussa-
gen der Zeugen J._ und K._. Die im Recht liegenden Fotografien sind
sodann der Richtigkeit der Sachdarstellung des Beschuldigten - wie erwähnt -
nicht abträglich und die anders lautenden Aussagen der Privatklägerin und der
Zeugin I._ vermögen nicht zu überzeugen. Hinzu kommt, dass die Vorinstanz
in zutreffender Weise erwogen hat, dass nicht ausgeschlossen werden könne,
dass jemand (allenfalls gar die Privatklägerin, die möglichst schnell und ohne
Umweg zur Arbeit habe gelangen wollen) in der Zwischenzeit, das heisst vom
Zeitpunkt, als die Bauarbeiter die Baustelle am Vorabend verlassen hätten, bis
zum Unfall der Privatklägerin am nächsten Morgen, die Absperrungen verändert
oder gar ausgehängt hätte. Ein ausreichend sicheres Beweisfundament besteht
damit vorliegend zweifelsohne nicht. Es ergeben sich daher mehr als nur theoreti-
sche Zweifel, dass sich der Anklagesachverhalt in diesem Punkt verwirklicht hat.
Bei dieser Sachlage ist daher mit der Vorinstanz entsprechend dem Grundsatz in
dubio pro reo von der Sachdarstellung des Beschuldigten auszugehen. Demzu-
folge kann nicht erstellt werden, dass es der Beschuldigte unterlassen hat, die
Baustelle mit doppelten Absperrlatten auf alle Seiten zu sichern. Vielmehr ist der
nachfolgenden rechtlichen Würdigung zugrunde zu legen, dass die Baugrube am
Unfalltag mittels doppelter Absperrlatten abgesichert war.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Staatsanwaltschaft qualifiziert das Verhalten des Beschuldigten als fahrläs-
sige Köperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 125 Abs. 2 StGB. Danach wird bestraft, wer fahrlässig einen Menschen am
Köper oder an der Gesundheit schwer schädigt. Der Tatbestand setzt im Wesent-
lichen eine schwere Schädigung (Abs. 2) eines Menschen, eine Sorgfaltspflicht-
verletzung (welche auch in einer pflichtwidrigen Unterlassung bestehen kann) so-
- 22 -
wie den Kausalzusammenhang zwischen Schädigung und Sorgfaltswidrigkeit vo-
raus (Urteil des Bundesgerichts 6B_200/2017 vom 1. November 2017 E. 4.1.).
2. Mit der Vorinstanz ist aufgrund der Unfallfolgen, welche die Privatklägerin erlit-
ten hat, von einer schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 in Ver-
bindung mit Abs. 2 StGB auszugehen. Gemäss dem Bericht des Kantonsspitals
Winterthur vom 17. Juli 2017 sei - so die Vorinstanz argumentierend - zwar der
Bruch im Bereich des Oberarmknochens problemlos verheilt und die Schulter-
funktion habe sich fast wieder normalisiert, weshalb diesbezüglich nicht von einer
schweren Körperverletzung ausgegangen werden könne. Allerdings sei die Pri-
vatklägerin gemäss dem erwähnten Bericht des Kantonsspitals Winterthur nach
wie vor zu 100% arbeitsunfähig, wobei eine definitive Aussage zum damaligen
Zeitpunkt (gemeint ist der 17. Juli 2017) noch nicht möglich gewesen sei, da der
Bruch im Bereich der Hüfte noch nicht vollständig ausgeheilt gewesen sei. An-
lässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung habe der Rechtsvertreter der Pri-
vatklägerin sodann erklärt, dass auch heute noch eine volle Arbeitsunfähigkeit
bestehe (vgl. Urk. 35 S. 2). Zudem habe Dr. med. L._ in seinem ärztlichen
Befund vom 14. Juli 2017 ausgeführt, dass der Oberschenkelbruch zu bleibenden
Beschwerden bis zur Invalidität führen könnte. Gesicherte Erkenntnisse über all-
fällig bleibende Schäden oder eine allfällige Invalidität lägen somit nicht vor. Die
Privatklägerin habe vom 26. Oktober 2016 bis 5. November 2016 hospitalisiert
und einmal operiert werden müssen, worauf eine längere Rehabilitation sowie ein
Folgeeingriff bei verzögerter Knochenheilung gefolgt sei (Urk. 47 S. 16 f.).
Wenn eine Verletzung nach neun Monaten nicht ausgeheilt ist und allenfalls blei-
bende Beschwerden, eventuell sogar eine Invalidität zurücklässt, ist von erheblich
mehr als von einer mittleren Schwere der Verletzung auszugehen. Nachdem der
Vertreter der Privatklägerin anlässlich der Berufungsverhandlung einen Verrech-
nungsantrag der UVG-Versicherung M._ gegenüber der SVA Zürich einge-
reicht hat, aus welchem ersichtlich ist, dass der Privatklägerin mit Wirkung per
1. Oktober 2017 bis einstweilen Ende September 2019 eine volle IV-Rente aus-
bezahlt (IV-Grad von 78%) wurde (Urk. 63), ist die Verletzung klar als schwer im
Sinne von Art. 125 Abs. 2 StGB zu bezeichnen.
- 23 -
3.1. Der Beschuldigte bestreitet die ihm vorgeworfene Fahrlässigkeit. Zu ent-
scheiden ist die Frage, ob der Beschuldigte eine ihn treffende Sorgfaltspflicht ver-
letzt und so - durch pflichtwidriges Untätigbleiben - die Verletzung der Privatkläge-
rin verursacht hat.
3.2.1. Die Vorinstanz hat den Begriff der Fahrlässigkeit richtig umschrieben (vgl.
Urk. 47 S. 18). Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwid-
riger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt (Art. 12
Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung
gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 125 Abs. 2 StGB setzt vo-
raus, dass der Täter den Erfolg durch Verletzung einer Sorgfaltspflicht verursacht
hat. Sorgfaltswidrig ist die Handlungsweise, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat
aufgrund der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit be-
wirkte Gefährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müs-
sen und wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat.
Das Mass der im Einzelfall zu beachtenden Sorgfalt richtet sich, wo besondere,
der Unfallverhütung und der Sicherheit dienende Normen ein bestimmtes Verhal-
ten gebieten, in erster Linie nach diesen Vorschriften. Die Zurechenbarkeit des
Erfolgs bedingt die Vorhersehbarkeit nach dem Massstab der Adäquanz. Weitere
Voraussetzung ist, dass der Erfolg vermeidbar war. Dabei wird ein hypothetischer
Kausalverlauf untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhal-
ten des Täters ausgeblieben wäre. Für die Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn
das Verhalten des Täters mindestens mit einem hohen Grad an Wahrscheinlich-
keit die Ursache des Erfolgs bildete (BGE 135 IV 56 E. 2.1 S. 64 f. mit Hinwei-
sen).
3.2.2. Die Vorinstanz hat betreffend die Sorgfaltspflichtverletzung argumentiert,
dass der Beschuldigte gemäss den Bestimmungen des Schweizerischen Verban-
des der Strassen- und Verkehrsfachleute (SN 640.886 "Temporäre Signalisation
auf Haupt- und Nebenstrassen"; vgl. Urk. 10/5), welche dem Beschuldigten zu-
mindest sinngemäss eingestandenermassen bekannt waren, allenfalls tatsächlich
gehalten gewesen wäre, die Baustelle mit Warnlichtern und Positionslampen zu
markieren (Urk. 47 S. 19). Ob Sorgfaltspflichten verletzt wurden, hängt vorliegend
- 24 -
im Wesentlichen davon ab, ob die SN 640.886, welche als Weisung des UVEK im
Sinne von Art. 115 Abs. 1 SSV gilt, auf den vorliegenden Fall anwendbar ist. Ob
es sich beim "Feldweg" C._-strasse um eine Nebenverkehrsfläche handelt,
für welche die Normen Geltung beanspruchen würden (vgl. SN 640.886
A./1.Geltungsbereich), ist eine Rechtsfrage. Gemäss Art. 1 Abs. 1 VRV gilt als öf-
fentliche Strasse jede von Motorfahrzeugen, motorlosen Fahrzeugen oder Fuss-
gängern benutzte Verkehrsfläche. Es werden sämtliche Flächen erfasst, die dem
Verkehr dienen oder als Verkehrsfläche geeignet sind, unter anderem nebst ei-
gentlichen Verkehrswegen auch Wander- und Waldwege (BSK SVG - Wald-
mann/Kraemer, Art. 1 N 18 und 21; BGE 106 Ia 84 E. 2). Somit wird die C._-
strasse, bei der es sich um einen für Fussgänger benutzbaren Feldweg handelt,
als Nebenverkehrsfläche von den besagten Bestimmungen der SN 640.886 mit-
umfasst. Eine Sorgfaltspflichtverletzung des Beschuldigten erscheint daher als
gegeben. Zu Recht hat die Vorinstanz aber gleichzeitig dafür gehalten, dass die
Frage der Sorgfaltspflichtverletzung letztlich offen gelassen werden könne, da
auch ein pflichtgemässes Verhalten des Beschuldigten den Unfall nicht vermieden
hätte (Urk. 47 S. 19 ff.). Dasselbe gilt für die Frage der Voraussehbarkeit des Er-
folgs.
3.3.1. Das Merkmal, mit dem strafrechtlich nicht relevante Unglücksfälle von Straf-
taten abgegrenzt werden, ist - wie bereits unter Ziffer 3.2.1. vorstehend erwogen -
der Pflichtwidrigkeits- oder Risikozusammenhang. Stellt sich heraus, dass der Er-
folg auch bei Vornahme der gebotenen Handlung nicht zu vermeiden gewesen
wäre, handelt es sich um einen Unglücksfall, nicht aber um einen dem sorgfalts-
pflichtwidrig Untätigen zurechenbaren, deliktisch relevanten Erfolg. Im Zusam-
menhang mit der Vermeidbarkeit des Erfolgs wird ein hypothetischer Kausalver-
lauf untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Tä-
ters ausgeblieben wäre. Für die Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn das
pflichtwidrige Untätigbleiben des Täters mindestens mit einem hohen Grad an
Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolgs bildete (vgl. BGE 130 IV 7 E. 3.2;
BGE 127 IV 34 E. 2a; je mit Hinweisen).
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3.3.2. Die erste Instanz hat den Pflichtwidrigkeits- oder Risikozusammenhang
zwischen der sorgfaltswidrigen Unterlassung des Beschuldigten und der Verlet-
zung Privatklägerin verneint. Sie hat in ihren Erwägungen zur Vermeidbarkeit des
eingetretenen Erfolgs darauf hingewiesen, dass so, wie sich die Baustelle am Un-
fallmorgen präsentiert habe, nicht vorstellbar sei, dass die Privatklägerin, ohne
diese zu sehen oder zu erkennen, in die Baugrube gefallen sei. Auf ihrem Weg in
Richtung Einmündung der C._-strasse in die D._-strasse habe die Pri-
vatklägerin zunächst zwingend auf die beiden Erdhügel mit Aushubmaterial oder
den Druckluftkompressor stossen müssen. Anschliessend hätten ihr noch die Ab-
sperrungen mit den doppelten Absperrlatten den Weg versperrt und erst danach,
nach weiteren mindestens 1 1⁄2 Metern, sei dann die Baugrube gefolgt, in welche
die Privatklägerin gefallen sei. Wie die Privatklägerin angesichts dieser Umstän-
de, ohne irgendetwas zu bemerken (Baustelle, Erdhügel, Absperrungen) in die
Baugrube habe fallen können sei - zumindest ohne Dritteinwirkung in der Nacht -
schlechthin nicht vorstellbar, zumal die Privatklägerin angegeben habe, den Weg
gesehen bzw. knapp gesehen zu haben, obwohl sie keine Taschenlampe dabei
gehabt habe (Urk. 13/2 S. 6). Hierzu habe zudem der Sohn der Privatklägerin, der
Zeuge G._, zu Protokoll gegeben, die Baustelle in einer Entfernung von
knapp fünf Metern gesehen zu haben, da es Häuser gehabt habe und die Strasse
neben den Geleisen beleuchtet gewesen sei (Urk. 14/1 S. 4). Die Privatklägerin
habe auf die Baustelle bzw. die beiden Erdhügel oder den Druckluftkompressor
oder die Absperrungen stossen und damit realisieren müssen, dass etwas an der
Einmündung der C._- in die D._-strasse anders sei als gewohnt. Es sei
daher davon auszugehen, dass die Privatklägerin auch dann in die Baugrube ge-
stürzt wäre, wenn der Beschuldigte Warnlichter angebracht hätte, zumal diese
nicht das Umfeld beleuchten bzw. ausleuchten, sondern lediglich das Vorhanden-
sein der Abschrankung bzw. Baustelle markieren würden und daher nur ein sehr
schwaches Licht hätten (Urk. 47 S. 21 f.).
3.3.3. Die Erwägungen der Vorinstanz erweisen sich als zutreffend. Die Privatklä-
gerin ist gemäss eigenen Angaben auf dem Kies- bzw. Feldweg (=C._-
strasse) der Bahn entlang in Richtung D._-strasse gegangen. Links und
rechts des Feldwegs - so die Angabe der Privatklägerin- habe sich eine Wiese be-
- 26 -
funden (Urk. 13/1 S.1). Sie könne sich nicht erinnern, dass sie den Feldweg ver-
lassen habe (Urk. 13/1 S. 2). Auf dem Kiesweg, auf dem sich die Privatklägerin
der Baustelle genähert hat, waren im deutlichen Abstand vor der Baugrube zwei
grosse Kieshügel mit Aushubmaterial aufgeschüttet, was auch vom Zeugen
G._ bestätigt wird, der ausgeführt hat, dass es bei der Baustelle einen Hügel
mit Erde gehabt habe (Urk. 14/1 S. 3). Zudem stand rechts am Wegrand vor den
Kieshügeln noch ein Druckluftkompressor. Anschliessend folgte die Abschran-
kung mit doppelten Absperrlatten. Die Vorinstanz ging von einer Distanz von min-
destens 1 1⁄2 Meter zwischen der Baugrube und der Abschrankung aus; aufgrund
der bei den Akten liegenden Fotografien erscheint allerdings eine Distanz von
4 Metern realistisch (Urk. 15/7-9). Die Privatklägerin hat den Feldweg trotz Dun-
kelheit knapp gesehen. Die Baustelle war gemäss Angaben des Zeugen G._,
welcher die Privatklägerin unmittelbar nach dem Sturz aus Baugrube geborgen
hat, aus einer Distanz von knapp fünf Metern erkennbar. Angesichts dessen ist
mit der Vorinstanz zu folgern, dass schlechthin nicht vorstellbar ist, wie die Privat-
klägerin in die Baugrube stürzen konnte. Auch wenn der Beschuldigte zusätzlich
Warnlichter an die bestehende Absperrung angebracht hätte, wäre der Sturz der
Privatklägerin in die Baugrube mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausgeblieben.
Der Pflichtwidrigkeitszusammenhang ist damit zu verneinen und der Beschuldigte
ist vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung im Sinne von
Art. 125 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 125 Abs. 2 StGB freizusprechen.
V. Zivilansprüche
Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, dass trotz des Freispruchs des Beschul-
digten vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung, eine zivilrechtli-
che Haftung nicht ausgeschlossen werden könne. Das Schadenersatz- und das
Genugtuungsbegehren der Privatklägerin sind daher auf den Weg des ordentli-
chen Zivilprozesses zu verweisen.
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VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kosten- und
Entschädigungsdispositiv (Ziffern 3 und 4) zu bestätigen (Art. 426 StPO e contra-
rio und Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO).
2.1. Die Kostenauflage im Rechtsmittelverfahren richtet sich nach Art. 428 StPO.
Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittel-
verfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Ergreifen sowohl
die Staatsanwaltschaft als auch die Privatklägerschaft Berufung mit dem Antrag
auf Schuldigsprechung und unterliegen sie, so tragen beide anteilsmässig die
Kosten des Berufungsverfahrens (vgl. Art. 418 Abs. 1 StPO; BSK StPO - Domei-
sen, Art. 428 N 8; Griesser, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO Komm., a.a.O.,
Art. 428 N 5; Urteil des Bundesgerichts 6B_370/2016 vom 16. März 2017 E. 1.2;
BGE 141 IV 262 E. 2.2). Vorliegend hat "nur" die Privatklägerin gegen den erstin-
stanzlichen Freispruch Berufung erhoben mit dem Antrag, der Beschuldigte sei
der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig zu sprechen. Da sie mit ih-
rem Antrag unterlegen ist, sind die Kosten des Berufungsverfahrens von der Pri-
vatklägerin zu tragen.
2.2. Für die Kosten einer erbetenen Verteidigung hat die im Berufungsverfahren
unterliegende Privatklägerschaft dann eine Entschädigung zu leisten, wenn nur
sie (und nicht auch die Staatsanwaltschaft) Berufung gegen einen erstinstanzli-
chen Freispruch erhoben hat (BGE 139 IV 45; BGE 141 IV 476). Dies gilt im Übri-
gen unabhängig davon, ob die Privatklägerschaft unentgeltlich vertreten ist oder
nicht (vgl. Art. 136 Abs. 2 StPO). Der Beschuldigte ist erbeten verteidigt. Die un-
terlegene Privatklägerin ist daher zu verpflichten, dem Beschuldigten eine Pro-
zessentschädigung für die Kosten der Verteidigung zu bezahlen. Diese ist auf
Fr. 4'426.50 inklusive Mehrwertsteuer (Urk. 65 zuzüglich 2 1⁄2 Stunden Aufwand
für die Berufungsverhandlung und 1 Stunde Wegentschädigung) festzusetzen.
2.3. Die der Privatklägerin auferlegten Kosten und die von ihr zu leistende Pro-
zessentschädigung sind mit der von ihr geleisteten Kaution zu verrechnen.
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3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der Privatklägerin keine Prozessent-
schädigung zuzusprechen (Art. 433 Abs. 1 StPO e contrario).