Decision ID: a6d40783-12ae-4ce7-ba69-105dcda3cee1
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1978,
Mutter dreier Kinder geboren 2002, 2004 und 2008,
war
zuletzt seit Mai 2019 in einem
Integ
rationsprogamm
der Y._
in einem Pens
um von 50
%
tätig (
Urk.
7/4,
Urk.
7/14
Ziff.
2
).
Am
3.
Februar 2020
(Datum des Eingangs)
meldete sie sich
unter Hinweis auf durch ein Geburtsgebrechen verursachte Herzprobleme sowie auf seit Geburt bestehende Beschwerden am Rücken und
an den
Händen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/10
Ziff.
7.1-3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die beruflich-erwerbliche und
die medizinische Situation ab und stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom 2
9.
Mai 2020 in Aussicht, dass kein Anspruch auf Leistungen
der Invalidenversicherung
bestehe (
Urk.
7/20)
. Nachdem die Versicherte am
7.
August 2020 dagegen Einwände erhoben hatte (
Urk.
7/29)
,
tätigte die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen und veranlasste beim
Z._
ein
bidis
ziplinäres
Gutachten, welches am 1
5.
Dezember 2021 erstattet wurde (
Urk.
7/68).
Am 1
1.
Februar 2022 nahm die Versicherte hierzu Stellung (
Urk.
7/73). Mit Verfü
gung vom 1
8.
Februar 2022 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
7/75 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
2.
März 2022 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
8.
Februar 2022 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und sie sei mit beruflichen Massnahmen zu unterstützen. Weiter sei ihr eine temporäre Rente nach Gesetz zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes und die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Mai 2022 (
Urk.
6) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerde
führerin am 1
6.
Mai 2022 zur Kenntnis gebracht
wurde (
Urk.
8)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (vgl.
Rz
. 1008 des Kreisschreibens zu den Übergangs
bestimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems, KS ÜB WE IV, gültig ab 1. Januar 2022).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Da der frühestmögliche Rentenanspruch vorliegend bereits vor dem
1.
Januar 2022 entstanden ist, sind die bis 3
1.
Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend
objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermit
telt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommens
differenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbs
einkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schät
zung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Fest
legung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüber
stellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veran
schlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 9C_478/2021 vom 11. November 2021 E. 5.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat (Urteile
des Bundesgerichts 8C_285/2020 vom 15. September 2020 E. 4.1 und 9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2, je mit Hinweisen).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichti
gung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentver
gleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundes
gerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
1.
6
Invalide oder
von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte
haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhal
ten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht
unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität
. Bei der Festlegung der Massnahmen sind insbesondere zu berücksichtigen:
a.
das Alter;
b.
der Entwicklungsstand
;
c.
die Fähigkeiten der versicherten Person; und
d.
die zu erwartende Dauer des Erwerbslebens (Abs. 1
bis
).
Nach Massgabe der Artikel 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Artikel 16 Abs. 3
lit
. b IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungs
massnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.
7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass
die Abklärungen nach am
3.
Februar 2020 eingegangener Anmeldung
der Beschwerde
führerin
ergeben hätten, dass
ihre
Beschwerden auf persönlich belas
tende Umstände zurückzuführen gewesen seien. Eine Diagnose, welche eine dau
erhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu begründen vermöchte, habe nicht bestanden. Nach gegen den Vorbescheid vom 2
9.
Mai 2020 erhobenem E
inwand sei die Beschwerdeführerin zusätzlich psychiatrisch und allgemeinmedizinisch untersucht worden. G
estützt auf das eingeholte Gutachten
sei
davon auszugehen, dass
ihr
aufgrund der Allergien die im Ausland ursprünglich erlernte Tätigkeit als
Coiffeuse
seit 2001 nicht mehr zumutbar sei. Aus kardiologischer Sicht bestehe keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Psychiatrisch werde eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 20
%
beurteilt. Dies aufgrund einer Anpassungsstörung im Zusammenhang mit den kardialen Interventionen im Jahr 202
1.
Aus IV-fremden Gründen sei eine begleitete berufliche Eingliederung wünschens
wert,
diese
liege jedoch nicht im Auftrag der Invalidenversicherung. Die Beschwerdeführerin könne in einer angepassten Hilfsarbeitertätigkeit ein ebenso hohes Einkommen wie als
Coiffeuse
erzielen. Sie habe damit keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, dass sich dem Gutachten nicht entnehmen lasse, dass die bescheinigte Arbeits
unfähigkeit von 20
%
nur temporärer Natur sei. Zudem sei festgehalten worden, dass eine Unterstützung bei der Suche nach einer Arbeitsstelle eventuell auch einen medizinisch-präventiven Charakter habe, um das Risiko einer erneuten depressiven Dekompensation bei der Zunahme externer Stressoren zu verringern (S. 3 f.
Ziff.
4).
Die Behauptung, berufliche Massnahmen wären nur aufgrund von IV-fremden Gründen notwendig, finde gutachterlich keine Stütze. Es bestehe auch ein Anspruch für
versicherte Personen, die von einer Invalidität bedroht seien, was bei ihr vorliege
(S. 4
Ziff.
5). Sie sei bei der Stellensuche benachteiligt.
Es bestehe nicht nur eine Arbeitsunfähigkeit in der erlernten Tätigkeit als
Coif
feuse
, sondern es sei in jeglicher Tätigkeit eine Einschränkung von 20
%
gegeben. Die Stellensuche sei aufgrund des Gesagte
n
erschwert, weshalb die Voraus
setzungen für die Arbeitsvermittlung nach
Art.
18 IVG erfüllt seien (S. 4 f.
Ziff.
6
). Im Gesundheitsfall müsste sie zu 100
%
arbeiten.
Da sich das
Valideneinkommen
nicht zuverlässig bestimmen lasse, sei ein Prozentvergleich vorzunehmen, womit der IV-Grad mindestens 20
%
betrage. Damit habe sie grundsätzlich auch einen Anspruch auf Umschulungsmassnahmen gemäss
Art.
17 IVG (S. 5
Ziff.
7). Zudem hätte sie ab Juli 2020 einen Anspruch auf eine
temporäre Rente bis November 2021 (S. 6
Ziff.
8-9).
2.3
Strittig und zu prüfen
sind
der (befristete) Rentenanspruch der Beschwerde
führerin und
der Anspruch
auf
Eingliederungsmassnahmen
, insbesondere die beantragte Umschulung
.
3.
3.1
Am 1
5.
Dezember 2021 erstatteten die Gutachter des
Z._
ihr
internistisch-psychi
atrisches
Gutachten (
Urk.
7/68). Die Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6
Ziff.
4.2):
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.2)
-
anamnestisch
hyperkeratotisch-rhagadiformes
Handekzem
-
Shampoo-Allergie anamnestisch
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter eine
bikuspide
Aortenklappe, Dilatation der Aorta
ascendens
, E
rstdiagnose (ED)
April 2019 bei Status nach chirurgisc
her Korrektur 1984 (in A._
), wahr
scheinlich Verschluss eines persistierenden Ductus
anteriosus
,
kalk- und
stenose
freien
Korona
ra
r
terien (Koronarangiographie Januar 2021), einer am 2
6.
Januar 2021 erfolgten
Aortenklappenrekonstruktion
und Entfernung eines Tumors in der
akoronaren
Tasche, suprakoronarer
Ascendens
-Ersatz, einer am
2.
Februar 2021 erfolgten Re-Operation mit
Aortenklappenersatz
biologisch sowie eine
perenniale
allergische
Rhinokonjunktivitis
, einen anamnestischen Verdacht auf eine
gast
roösophageale
Refluxkrankheit
(GERD) und intermittierende Lumbago mit sporadi
scher NSAR-Therapie (S. 6 f.
Ziff.
4.2).
Die Gutachter führten zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit aus, dass aufgrund des bekannten
hyperkeratotisch-rhagadiformen
Handekzems die erlernte Tätigkeit als
Coiffeuse
nicht möglich sei.
Das Ekzem sei schon vor Jahren aufgetreten und habe etwa 2
001 zur Arbeitsaufgabe geführt
. Aus dieser Zeit seien
keine medizinischen Berichte vorliegend. Aufgrund der 09/2018 dokumentierten Typ IV Sensibilisierung sei die volle Arbeitsunfähigkeit jedoch auch retrospektiv nachvollziehbar und für diese Tätigkeit als bleibend einzustufen
(S. 10
f.
Ziff.
4.7).
Bei Status nach
Aortenklappenersatz
-Operation und entsprechend Notwendigkeit einer
Endokarditisprophylaxe
sollten Tätigkeiten vermieden werden, bei denen ein erhöhtes Verletzungsrisiko respektive ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehe. Somatisch/kardiologisch und internistisch wäre die Explorandin in einer min
destens leicht bis mittelschweren Tätigkeit voll arbeitsfähig. Aus psychiatrischer Sicht könne von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit (Arbeitsunfähigkeit von 20%) ausgegangen werden.
Limitierend sei eine durch die Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion leicht reduzierte Durchhalte- und Widerstandsfähigkeit. Prinzipiell sei ein
e
Anpassungs
störung ein passagerer Zustand, nach Integration in den Arbeitsalltag und zunehmender Sicherheit in den Arbeitsprozessen wäre von einer weiteren Normalisierung der Arbeitsfähigkeit auszugehen
(S. 11
Ziff.
4.8 Mitte)
.
Zusammen
fassend habe ab
1.
September 2020 in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
bestanden, ab
1.
Januar 2021 von 100
%
, ab
1.
Mai 2021 von 50
%
und ab 1
5.
September 2021 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
.
Die Gutachter führten aus, dass die leicht depressive Symptomatik eher Folge der körperlichen Einschränkung
im Zusammenhang mit der notwendig gewordenen Herzoperation und der vorübergehend stark eingeschränkten Leistungsfähigkeit sei
, und nicht
einer
primär psychiatrische
n
Problematik. Es könne davon ausgegan
gen werden, dass mit der Normalisierung der kardialen Leistungs
fähigkeit eine eigenständige
höhergradige
affektive Beeinträchtigung (über die hier attestierten 20
%
hinaus) nicht vorgelegen habe.
Aus somatischer Sicht könne von folgenden Arbeitsunfähigkeiten ausgegangen werden: Kardiologisch sei zunächst (ab Zeitpunkt der dokumentierten Abklärung seit Dezember 2019) ein exspektatives Vorgehen gewählt worden. Die Befunde schienen nicht so gravierend, dass für eine leichte (bis allenfalls intermittierend mittelschwere) Tätigkeit eine relevante Einschränkung
bestanden hät
te (S. 11 f.
Ziff.
4.8 unten)
. Ab
September 2020 habe med.
pract
. B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert, was mit einer Anpassungsstörung und einer zunehmenden Leistungsintoleranz begründet w
orden sei
. Dies erscheine nachvollziehbar, weil sich anfangs 2021 die Herzsituation soweit verschlechtert habe, dass eine Operation notwendig gewor
den sei.
In diesem Zusammenhang scheine auch die durch
Dr.
med. univ.
C._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
im Oktober 2020 attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit nachvollziehbar.
Ab Januar 2021 sei von einer vollen Arbeitsunfähigkeit aufgrund der nun deutli
chen Verschlechterung der Herzproblematik a
uszugehen, mit Eintritt ins Spital D._
am 2
5.
Januar 202
1.
Danach bestehe zunächst eine volle Arbeits
unfähigkeit. Dies sei auch für die
Zeit der Rehabilitation in E._
(März 2021) ausgewiesen
(S. 12 oben)
. Gemäss dem Bericht des Kardiologen
Dr.
med.
F._
, Facharzt für K
ardiologie
und für Allgemeine Innere Medizin,
vom 1
8.
März 2021 sei von einer vollen Arbeitsunfähigkeit drei Monate nach Opera
tion und dann Steigerungsmöglichkeit auszugehen, die A
rbeitsfähigkeit werde bei im März 2021 dokume
ntierte
m
guten Verlauf nicht nä
her präzisiert. Es könne
in Anlehnung an den IV-Bericht von
Dr.
C._
vom 1
3.
April 2021 ab anfangs Mai 2021 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Dabei werde berücksichtigt, dass zu diesem Zeitpunkt eine noch stärker ausgeprägte affektive Komponente vorgelegen haben dürfte, auf der anderen Seite schon in der kardi
ologischen Kontrolle von
Dr.
F._
vom März 2021 sehr gute Resultate vorgele
gen h
ätten
und in einer telefonischen Notiz vom 2
1.
April 2021 von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde.
Bei weiterhin optimalem Verlauf aus kardiologischer Sicht könne dann spätestens ab der letzten Kontrolle bei
Dr.
F._
vom 1
5.
September 2021 von einer somatisch vollen Arbeitsfähigkeit und einer aus psychiatrischer Sicht noch um 20
%
verminderten Leistungs
fähigkeit ausgegangen werden (S. 1
2 Mitte
).
Die Gutachter hielten fest, dass zusammenfassend ein somatisches Leiden vor
liege, welches vorübergehend zu einer
höhergradigen
Arbeitsunfähigkeit geführt habe, aktuell aber optimal behandelt keine Arbeitsunfähigkeit bewirke. Reaktiv dazu habe sich eine Anpassungsstörung entwickelt (S. 12
Ziff.
4.9).
Die Gutachter führten aus, dass prinzipiell bei der Explorandin auch von einer erhöhten Vulnera
bilität und somit von einem erhöhten Risiko einer erneuten depressiven Dekompensatio
n
auszugehen sei, wenn es zu einem Überforderungserleben komme. Insofern wäre es aus gutachterlicher Sicht durchaus wünschenswert, die Explorandin in ihrem Bemühen, einen Arbeitsplatz zu bekommen, zu unter
stützen. Hier wäre eventuell auch eine stufenweise Eingliederung hilfreich (aus invaliditätsfremden Gründen
)
, da die Explorandin nur sehr wenig Erfahrung auf de
m
Schweizer Arbeitsmarkt habe
sammeln können. Die Unterstütz
ung wäre somit nicht nur hilfreich bei der Suche nach einer Arbeitsstelle, sondern hätte eventuell auch einen medizinisch-präventiven Charakter
, um das Risiko einer erneu
ten d
epressiven Dekompensation bei Zunahme externer Stressoren zu verrin
gern (S. 13 oben).
3.2
In medizinischer Hinsicht unbestritten geblieben sind die Feststellungen im
bidisziplinären
Gutachten des
Z._
vom 1
5.
Dezember 2021 (
Urk.
7/68) sowohl hinsichtlich der Diagnostik wie auch betreffend die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin.
Das Gutachten
entspricht sämtlichen beweismässigen Anforderungen
(vorstehend E. 1.
7
), weshalb darauf abzustellen ist
(vgl. auch
Urk.
7/74/6)
.
Insbesondere legten die Gutachter überzeugend den Zusammenhang und die Wechselwirkungen der aus kardiologischer und psychiatrischer Sicht bestehenden Einschränkungen dar und
zeigten auf,
wie die psychischen Beschwerden den im Vordergrund stehenden kardiologischen Beschwerden fol
gen beziehungsweise
aus diesen resultieren. Vor d
em Hintergrund
der Mischsymp
tomatik
und weil die attestierte Arbeitsunfähigkeit im Wesentlichen mit der aus kardiologischer Sicht attestierten Arbeitsunfähigkeit korreliert, erweist sich eine
Prüfung der Standardindikatoren
(BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281)
als entbehrlich.
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist vorab, ob aufgrund der Feststellungen im Gutach
ten des
Z._
vom 1
5.
Dezember 2021 (vorstehend E. 3.2)
ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente besteht.
4
.
2
Die einjährige Wartezeit gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG bezieht sich auf die Arbeitsunfähigkeit nach
Art.
6 ATSG und damit auf die durch eine Beeinträchti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Die Beschwerdeführerin absolvierte laut ihren Angaben von 1995 bis
1998 eine Lehre als
Coiffeuse
, ein
zweimonatiges
Praktikum in der Schweiz habe sie wegen Allergien abbrechen müssen
(
Urk.
7/14/3
,
Urk.
7/68/42
).
Die Gutachter des
Z._
bestätigten in der erlernten Tätigkeit als
Coiffeuse
auf
grund der Hautprobleme
seit dem Jahr 2001
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
und
stuften die
vollständige Arbeitsunfähigkeit
auch
retrospektiv als nachvoll
ziehbar und für diese Tätigkeit als bleibend ein
(vgl.
Urk.
7/
7,
Urk.
7/68 S. 6
Ziff.
4.2, S. 10
Ziff.
4.7
)
. Mangels
echtzeitlicher medizinischer Berichte
ist
auf den Zeitpunkt
der
Epikutantestung
im September 2018 abzustellen, in deren Rahmen eine
Typ IV Sensibilisierung bestätigt wurde
. D
emzufolge
war
das
Wartejahr
im Zeitpunkt der Anmeldung der Beschwerdeführerin
zum Leistungsbezug
am
3.
Februar 20
20
(
Urk.
7/
10
) bereits abgelaufen. Damit ist ein allfälliger Renten
anspruch der
Beschwerdeführerin
ab August 2020 zu prüfen (
Art.
29
Abs.
1 IVG
).
4
.
3
Was die Qualifikation der Beschwerdeführerin anbelangt, unterliess die Beschwerdegegnerin bis zuletzt weitergehende Abklärungen. In Anbetracht des
sen, dass im Jahr 2015 die
Trennung vom Ehemann
erfolgte
(
Urk.
7/2)
u
nd
zum Zeitpunkt d
es hypothetischen Rentenbeginns
das jüngste
ihrer
drei Kinder
(2002, 2004 und 2008
,
Urk.
7/4
)
das zwölfte Altersjahr erreicht hat, ist davon auszu
geh
en, dass die Beschwerdeführerin,
wie sie geltend machte
(vorstehend E. 2.2)
,
im Gesundheitsfall einer Vollerwerbstätigkeit nachgehen müsste.
4.4
Die Beschwerdeführerin übte ihre 1985 bis 1998 im Kosovo erlernte Tätigkeit als
Coiffe
use
in der Schweiz
nie
längerfristig aus
(
Urk.
7/14
Ziff.
3)
. Da sich auch als fraglich erweist, ob der von der Beschwerdeführerin erlangte Lehrabschluss über
haupt in der Schweiz anerkannt worden wäre, und sie auch sonst seit ihrer Ein
reise in die Schweiz nicht längerfristig erwerbstätig gewesen ist, lässt sich das
Valideneinkommen
nicht zuverlässig bestimmen.
Demnach rechtfertigt es sich vorliegend,
bei der Bestimmung des
Valideneinkommens
auf den Durchschnitts
lohn (Zentralwert) für
Frauen
für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerk
licher
Art (Kompetenzniveau 1 der LSE
201
8, Tabelle TA1, P
rivater Sek
tor Schweiz
201
8
) abzustellen. Auch das Invalideneinkommen ist gestützt auf diesen statistischen Wert der LSE zu berechnen.
Somit kann
nachfolgend
von der
gutachterlich festgelegten
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
im Sinne einer rechnerischen Verein
fachung
auf
d
en entsprechenden Invalidität
sgrad geschlossen
werden (
vorste
hend E. 1.
5
).
4.5
Im
beweiskräftigen
Z._
-Gutachten
vom 1
5.
Dezember 2021
wurde davon aus
gegangen, dass a
b
1.
September 2020 in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsun
fähigkeit von 50
%
bestanden
ha
t
, ab
1.
Januar 2021 eine
solche
von 100
%
, ab
1.
Mai 2021 wieder eine
solche
von 50
%
und ab 1
5.
September 2021 eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
(vorstehend E. 3.
1-
2)
.
Damit resultiert
unter Berücksichtigung von
Art.
88a
Abs.
1 und 2
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ab
1.
September
2020 bis 3
1.
März 2021
bei einem Invaliditätsgrad
von 50
%
ein Anspruch auf eine halbe R
ente,
vom
1.
April bis
3
1.
Juli
2021
bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
ein Anspruch auf eine ganze R
ente und vom
1.
August
bis 3
1.
Dezember
2021 bei einem Invalidi
tätsgrad von 50
%
ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
Danach erweist sich der Invaliditätsgrad von 20
%
als nicht mehr rentenbegründend.
Die Beschwerde ist damit in dieser Hinsicht gutzu
h
eissen
und es ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin ab dem
1.
September
2020 bis 3
1.
Dezember 202
1
einen befristeten Rentenanspruch in der genannten Höhe hat.
5
.
5
.1
Zu prüfen bleibt, wie es sich mit den von der Beschwerdeführerin beantragten beruflichen Eingliederungsmassnahmen verhält.
5
.2
Gemäss Art. 15 Abs. 1 IVG haben Versicherte,
die infolge Invalidität Schwierig
keiten bei der Berufswahl haben, Anspruch auf Berufsberatung und eine vorberei
tende Massnahme zum Eintritt in die Ausbildung.
Versicherte, die infolge Invalidi
tät Schwierigkeiten bei der Ausführung ihrer früheren Tätigkeit haben, haben Anspruch auf Berufsberatung (Art. 15 Abs. 2 IVG). Der Leistungsanspruch setzt voraus, dass die versicherte Person an sich zur Berufswahl oder zur beruf
lichen Neuorientierung fähig ist, infolge ihres Gesundheitszustandes aber darin behindert ist, weil die Kenntnisse über Neigungen, berufliche Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht ausreichen, um einen der Behinderung angepassten Beruf wählen zu können (ZAK 1977 S. 191 E. 2; Urteil des Bundesgerichts I 564/04 vom 14. April 2005 E. 4 mit Hinweisen). In Betracht fällt jede körperliche oder psy
chische Beeinträchtigung, die den Kreis der für die versicherte Person nach ihrer Eignung und Neigung möglichen Berufe oder Betätigungen einengt oder die Aus
übung der bisherigen Aufgabe unzumutbar macht. Ausgeschlossen sind geringste Behinderungen, die keine nennenswerte Beeinträchtigung zur Folge haben und deshalb die Inanspruchnahme der Invalidenversicherung nicht rechtfertigen (BGE 114 V 29 E. 1a mit Hinweisen).
Eine Einschränkung der Fähigkeit
der Beschwerdeführerin zur Berufswahl oder gar zur
berufliche
n Neuorientierung infolge
ihre
s Gesundheitszustandes ist
nicht ersichtlich
und wurde auch nicht geltend gemacht
.
Demnach
darf
im Falle der Beschwerdeführerin
eine selbstständige Eingliederung erwartet werden.
Ein Anspruch auf eine Berufsberatung im Sinne von
Art.
15
Abs.
1 IVG ist demnach zu verneinen.
5
.3
Hinsichtlich des Anspruchs auf
Arbeitsvermittlung im Sinne von
Art.
18 IVG
liegt die massgebende Invalidität vor, wenn
die versicherte Person
bei der Suche nach einer geeigneten Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen Schwierig
keiten hat. Zwischen dem Gesundheitsschaden und der Notwendigkeit der Arbeitsvermittlung muss ein Kausalzusammenhang bestehen
. Ist die fehlende
berufliche
Eingliederung im Sinne der Verwertung einer bestehenden Arbeitsfähig
keit nicht auf gesundheitlich bedingte Schwierigkeiten bei der Stellen
suche zurückzuführen, fällt die Arbeitsvermittlung auch weiterhin nicht in die Zuständigkeit der Invalidenversicherung, sondern gegebenenfalls in den Bereich der Arbeitslosenversicherung.
Ist die Arbeitsfähigkeit einzig insoweit ein
geschränkt, als
der versicherten Person
leichte Tätigkeiten voll zumutbar sind,
bedarf es zur Begründung des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung zusätzlich einer spezifischen Eins
chränkung gesundheitlicher
Art
(Meyer/
Reichmuth
,
Recht
sprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014
, S. 214 ff. Ziff. II zu Art. 18 IVG mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_142/2015 vom 5. Juni 2015 E. 4.3).
Inwiefern sich die
Einschränkungen der Beschwerdeführerin
bei der Stellensuche selbst problematisch auswirken, ist wiederum nicht ersichtlich. Dies trä
fe zum Beispiel dann zu,
wenn wegen Stummheit oder mangelnder Mobilität
kein Bewerbungsgespräch möglich
wäre oder dem potenziellen Arbeitgeber die besonde
ren Möglichkeiten und Grenzen des Versicherten erläutert werden müss
ten (zum Beispiel, welche Tätigkeiten trotz Sehbehinderung erledigt werden könnten), damit der Behinderte überhaupt eine Chance hätte, den gewünschten Arbeitsplatz zu erhalten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_142/2015 vom 5. Juni 2015 E. 4.3, 8C_641/2015 vom 12. Januar 2016 E. 3.3).
Von solchen erheblichen Einschränkungen kann bei der der Beschwerdeführerin nicht gespro
chen werden.
Namentlich genügt die von den Gutachtern des
Z._
genannten erhöhte Vulnerabilität und ein erhöhtes Risiko einer depressiven Dekompensation (vorstehend E. 3.
1-
2) hierfür nicht.
5
.4
Der Anspruch auf Umschulung setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumut
baren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbs
einbusse von etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert han
delt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b, je mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_266/2021 vom 13. Juli 2021 E. 4.2.3 mit Hin
weisen).
Diesbezüglich gilt festzuhalten, dass ein vor Beginn der Eingliederungs
massnahme
während mindestens sechs Monaten
erzieltes ökonomisch relevantes Erwerbseinkommen Voraussetzung für einen Umschulungsanspruch
bildet
(vgl. BGE 118 V
7
; Urteil des Bundesgericht
s
I 147/04
vom 1
9.
August 2004
E. 6.1). Ein
solches ökonomisch bedeutsame
s
Erwerbseinkommen
liegt vor, wenn d
i
e
v
er
sicherte
Person
bereits drei Viertel der minimalen vollen einfachen ordentlichen Invalidenrente erzielte und dieses
Einkommen
invaliditätsbedingt verlor
,
und es
muss von der versicherten Person vorgängig t
atsächlich erzielt worden sein. Eine bloss hypothetisch ausgeübte Erwerbstätigkeit führt nicht zu einem Umschulungs
anspruch (BGE 121 V 186 E. 3c).
Weder dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug;
Urk.
7/1
7
) noch den übrigen Akten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin zu irgend
einem Zeitpunkt tatsächlich
während
mindestens sechs Monaten ein
ökonomisch bedeutsames Erwerbseinkommen erzielt
und dieses invaliditätsbedingt verloren
hätte
.
So datieren die zuletzt erzielten Einkommen aus den Jahren 2018 (
Fr.
866.
-
bei
der G._
AG
; Februar und März 2018
) beziehungsweise 2015 (
Fr.
3'600.
--
bei H._
; Januar bis Juni 2015
), ohne dass ein invaliditäts
bedingter Verlust dargetan wäre.
Damit besteht kein Anspruch auf eine Umschu
lung im Sinne von
Art.
17 IVG
.
5.5
Zusammenfassend erfüllt die Beschwerdeführerin trotz gesundheitlicher Ein
schränkungen die spezifischen Vorauss
etzungen für einen Anspruch auf
beruf
liche
Massnahmen nicht.
In diesem Punkt ist die leistungsablehnende V
erfügung der
Beschwerdegegnerin (
Urk.
2) nicht zu beanstanden, was diesbezüglich zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Aufgrund des Erfüllens der Voraussetzungen
(
Urk.
3)
ist de
r
Beschwerdeführer
in
antragsgemäss
(
Urk.
1 S. 2)
die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und es ist ih
r
Rechts
anwalt Rainer
Deecke
,
Zug,
als unentgeltliche
r
Rechtsvertreter zu bestellen.
6.
2
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
je
zu
r Hälfte der Beschwer
de
gegnerin und
der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, wobei der Anteil de
r Gerichtskosten der
Beschwerdeführer
in infolge Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen ist.
6.
3
Mit Honorarnote vom
2
8.
Juni 2022
(Urk.
9
) m
achte der unentgeltliche Rechts
vertreter de
r
Beschwerdeführer
in
einen Aufwand von total
6.70
Stunden sowie
eine Auslagenpauschale von
3
%
geltend. Dies erscheint unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (§ 34 Abs.
3 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht,
GSVGer
) als angemessen, wes
halb Rechtsanwalt
Rainer
Deecke
,
Zug
,
unter An
wendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes
von Fr. 220.-- (zuzüglich
M
WSt
)
mit insgesamt Fr.
1‘635.10
(inkl.
Auslagenpauschale
und
MWSt
) zu entschädigen ist, wobei die Beschwerde
gegnerin zu verpflichten ist, dem unentgeltlichen Rechtsvertreter de
r
Beschwerde
führer
in
hie
r
von
die Hälfte
, also Fr.
817.55
, als reduzierte Prozess
entschädigung zu bezahlen. Im weitergehenden Umfang von Fr.
817.55
wird die
ser aus der Gerichtskasse entschädigt.
Das
Gericht
beschliesst
:
In Bewilligung des Gesuches vom
2
2.
M
ärz 2022
wird de
r
Beschwerdeführer
in
die unent
geltliche Prozessführung gewährt, und es wird ih
r
in der Person von Rechts
anwalt
Rainer
Deecke
,
Zug, ein
unentgeltliche
r
Rechtsvertreter
bestellt,