Decision ID: 5263dc8b-7410-46e7-9e38-948503f8af08
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (ehemals B._; nachfolgend: Versicherte), war bei der C._ AG als
Finanzmitarbeiterin tätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie am
20. April 2012 einen Auffahrunfall erlitt (Suva-act. 1). Die erstbehandelnde Dr. med.
D._, Fachärztin für Allgemeine Medizin, diagnostizierte ein Schädelhirntrauma sowie
ein Halswirbelsäulen-Beschleunigungstrauma. Sie erachtete die Versicherte vom 20.
April bis 12. Mai 2012 als zu 100% und vom 13. bis 19. Mai 2012 als zu 80%
arbeitsunfähig (Bericht vom 7. Mai 2012; Suva-act. 12). In der Folge verringerte sich die
Arbeitsunfähigkeit der Versicherten sukzessive auf 20% (ab 1. April 2013; vgl. Suva-
act. 17, 24, 31, 46, 49, 71, 77). Die Suva übernahm die Kosten für die Heilbehandlung
und entrichtete Taggelder (Suva-act. 3, vgl. Suva-act. 7, Suva-act. 9).
A.b Auf Veranlassung der Suva (vgl. Suva-act. 25) wurde die Versicherte am 24. Juli
2012 zum ambulanten Assessment in die Rehaklinik Bellikon eingeladen. Die dort
tätigen Dr. med. E._, Spitalfacharzt, und Dr. med. F._, Facharzt Physikalische
Medizin und Rehabilitation FMH, berichteten am 26. Juli 2012 über eine HWS-
Distorsion QTF I. Als aktuelle Probleme nannten sie Nackenschmerzen mit Müdigkeit
und Konzentrationsstörungen, mässige Symptomausweitung und leichtes
Untergewicht. Sie empfahlen eine medizinische Trainingstherapie (MTT), welche die
Versicherte darauf begann (Suva-act. 30; vgl. Suva-act. 40).
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A.c Dr. med. G._, Ophthalmochirurgie FMH, diagnostizierte mit Bericht vom 12.
November 2012 eine R/L Myopie, ein Astigmatismus, ein R/L Ausschluss von
Gesichtsfeldausfällen, eine reduzierte Fusionsbreite und Konvergenz. Er führte aus, die
verminderte Fusion und Konvergenz stellten übliche und typische Befunde bei
Schädelhirntraumen, zumindest bei aufgetretener Bewusstlosigkeit, dar. Diese Befunde
gingen von alleine zurück, was jedoch einige Wochen bis Monate dauern werde (Suva-
act. 62).
A.d Im Auftrag der Suva (vgl. Suva-act. 99) wurde die Versicherte am 29. September
2013 von Dr. med. H._, Facharzt FMH für Neurologie sowie Psychiatrie und
Psychotherapie, untersucht. Dieser hielt mit Bericht vom 30. September 2013 die
Diagnose PW-Heckaufprall mit HWS Distorsion QTF I und Verdacht auf leichte, diffuse
axonale Hirnschädigung (DAI) fest. Die Versicherte habe seit dem Unfall glaubhaft
persistierende Konzentrationsstörungen, eine verminderte Belastbarkeit sowie
rezidivierende Nacken- und drückende Kopfschmerzen beklagt. Die Symptome seien
im Verlauf rückläufig, jedoch noch nicht vollständig remittiert. Nachdem nach einem
Jahr posttraumatisch subjektiv kognitive Defizite beständen, könnte eine
neuropsychologische Testung der höheren kognitiven Fähigkeiten gegebenenfalls zur
Erfassung der unfallbedingten neuropsychologischen Defizite beitragen. Unabhängig
davon sei im weiteren Verlauf von einer restitutio ad integrum auszugehen (Suva-act.
101).
A.e Kreisärztin med. pract. I._ beurteilte am 29. November 2013, den geltend
gemachten Beschwerden liege überwiegend wahrscheinlich kein organisches Substrat
im Sinne einer strukturellen Veränderung zu Grunde. Sie empfahl eine
neuropsychologische Untersuchung (Suva-act. 110). Dr. med. J._, FMH Neurologie,
Klinik K._, welcher die Versicherte zusammen mit Dipl. Psych. L._,
Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, und Dr. med. M._, FMH Neurologie, im
Auftrag der Suva (vgl. Suva-act. 111) untersucht hatte, stellte mit Bericht vom 8. April
2014 leichte kognitive Funktionsstörungen bei Status nach Auffahrunfall mit leichtem
Schädel-Hirntrauma und HWS-Beschleunigungstrauma fest, wobei
Aufmerksamkeitsstörungen mit verminderter Aufmerksamkeitsaktivierung und
verminderter Daueraufmerksamkeit sowie eine verminderte konzentrative Belastbarkeit
mit schneller Ermüdbarkeit und Kopfschmerzsymptomatik im Vordergrund stünden.
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Aus psychologischer Sicht seien die beschriebenen Störungen mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 20. April 2012 zurückzuführen. Es bestehe
weiterhin eine eingeschränkte berufliche Leistungsfähigkeit. Aufgrund der
Konzentrationseinbrüche benötige die Versicherte mehr Pausen, um sich regenerieren
und qualitativ gute Arbeit leisten zu können. Sie würden daher empfehlen, dass sie
wiederum mit einer reduzierten Arbeitsfähigkeit von ca. 80% einsteige, welche dann im
Verlauf je nach Belastbarkeit angepasst werden könnte (Suva-act. 122).
A.f Nach einem Mutterschaftsurlaub (vgl. Suva-act. 105, 114) nahm die Versicherte am
22. April 2014 ihre Tätigkeit mit einem Pensum von 40%, dieses eingeschränkt durch
die weiterhin attestierte Arbeitsunfähigkeit von 20% (vgl. Suva-act. 133-2, Suva-act.
134), beim gleichen Arbeitgeber wieder auf (Suva-act. 128). Auf Nachfrage der Suva
(Suva-act. 144) führte Dr. J._ am 23. Juli 2014 telefonisch aus, er sei mit einer
Steigerung der Arbeitsfähigkeit einverstanden. Aus medizinischer Sicht spreche nichts
dagegen (Suva-act. 147). Das am 11. August 2014 durchgeführte Schädel-MRI zeigte
weiterhin keine Auffälligkeiten (Suva-act. 155).
A.g Kreisärztin I._ beurteilte am 15. August 2014, es sei nicht davon auszugehen,
dass ein Schädelhirntrauma leichten, mittelschweren oder schweren Ausmasses
bestanden habe. Ein Kopfanprall sei initial verneint, später vom Hausarzt und der
Versicherten als möglich erachtet worden. Eine Bewusstlosigkeit habe nicht
vorgelegen. Die Kriterien einer leichten traumatischen Hirnverletzung seien gesamthaft
nicht bestätigt. Die festgestellten neuropsychologischen Einschränkungen seien
äusserst unspezifisch und könnten bei fehlenden Hinweisen auf ein erlittenes
Schädelhirntrauma nicht als überwiegend wahrscheinlich unfallkausal betrachtet
werden. Die aktuell beklagten Beschwerden seien nicht mehr im Zusammenhang mit
dem Unfallereignis von 2012 zu sehen, sondern müssten bei fehlenden strukturellen
unfallbedingten Veränderungen als konstitutionell bedingte muskuläre Verspannungen
gesehen werden. Es sei davon auszugehen, dass eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes auf Grund der unverändert durchgeführten Therapie ohne
wesentliche Verbesserung der Symptomatik nicht mehr mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zu erwarten sei, zusätzliche Therapien könnten nicht mehr zu
Lasten des Unfallereignisses empfohlen werden (Suva-act. 156).
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A.h N._, Therapeutin für Komplementärmedizin, berichtete am 12. September 2014,
die Versicherte sei im Alltag weniger erschöpft. Es träten aber teilweise immer noch
Schwindel, Gangunsicherheit und ein Druck im Kopf auf. Insgesamt sei es für sie noch
zu streng, einen Arbeitstag am Computer zu bewältigen. Da die Versicherte Symptome
einer Augenproblematik geschildert habe, habe sie eine Kontrolle empfohlen (Suva-act.
164). O._, Optometrist, hatte am 6. September 2014 über einen Astigmatismus mit
Myopie, deutlich zu starke Brillengläser, eine Konvergenzinsuffizienz, einen gestörten
Konvergenznahpunkt und dem Alter nicht entsprechende Augenbewegungsfertigkeiten
berichtet (Suva-act. 161). Kreisärztin I._ beurteilte am 2. Oktober 2014, es hätten sich
keine neuen medizinischen Erkenntnisse und keine Änderung betreffend der
Beurteilung der Unfallkausalität ergeben. Die Augenprobleme seien nicht überwiegend
wahrscheinlich unfallkausal, aber auch gemäss Einschätzung von O._ zu einem Teil
für die Beschwerden der Versicherten verantwortlich. An der Beurteilung vom 15.
August 2014 könne vollumfänglich festgehalten werden (Suva-act. 163).
A.i Mit Verfügung vom 14. Oktober 2014 stellte die Suva die Versicherungsleistungen
per 31. Oktober 2014 ein und verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente und
eine Integritätsentschädigung. Sie führte aus, die derzeit noch geklagten Beschwerden
seien organisch nicht hinreichend nachweisbar und zudem nicht unfallkausal (Suva-act.
167).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 14. Oktober 2014 erhob die Avanex Versicherungen
AG, Krankenversicherer der Versicherten, am 27. Oktober 2014 Einsprache (Suva-act.
168), zog diese jedoch nach Akteneinsicht wieder zurück (Schreiben vom 30. Oktober
2014; Suva-act. 170). Mit Schreiben vom 14. November 2014 erhob auch die
Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt A. Oehler, St.Gallen, Einsprache gegen die
Verfügung vom 14. Oktober 2014 (Suva-act. 171). Am 27. April 2015 begründete sie,
zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung habe sie noch beträchtlich unter den
Unfallfolgen gelitten. Dank verschiedener Massnahmen sei es seit dem Herbst zu einer
weiteren Verbesserung gekommen, so dass sie seit Februar 2015 in der Lage sei, ihr
40%-Pensum wunschgemäss in zwei Tagen pro Woche zu bewältigen. Leider komme
es aber immer noch zu oft vor, dass sie während des Arbeitseinsatzes oder dann am
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Abend unter heftigen Kopfschmerzen leide. Die erfolgte Anpassung der Brille habe eine
gewisse Linderung gebracht. O._ habe telefonisch ausgeführt, optische
Entgleisungen mit Konzentrationsschwierigkeiten infolge eines Schleudertraumas seien
hinlänglich bekannt. Optische Feineinstellungen bzw. präzise Schlussfolgerungen seien
nicht möglich, solange die Versicherte ihr Kind stille. Die Suva sei gehalten, die Augen
der Versicherten gründlicher prüfen zu lassen. Sie beantrage deshalb, dass der Fall
noch nicht abgeschlossen und die Leistungen weiterhin ausgerichtet würden (Suva-act.
187).
B.b Mit Entscheid vom 10. Juni 2015 wies die Suva die Einsprache ab. Sie führte aus,
die noch geklagten Beschwerden seien nicht objektivierbar, da hierfür ein organisches
Substrat im Sinne einer strukturellen Läsion fehle und auch kein entsprechendes
neurologisches Korrelat habe festgestellt werden können. Die festgestellte leichte
neuropsychologische Funktionsstörung ohne organischen Befund sei letztlich einer
psychischen Beschwerdeproblematik gleichzusetzen. Die festgestellten
Visusstörungen könnten lediglich als diffuse Beeinträchtigungen infolge eines HWS-
Schleudertraumas gewertet werden, denen es jedoch ebenso an einem organischen
Substrat im Sinne einer strukturellen Läsion fehle. Bei diesem Ergebnis erübrigten sich
weitere medizinische Abklärungen. Der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den
noch bestehenden, nicht auf einem objektivierbaren organischen Substrat beruhenden
Beschwerden und dem Unfall sei zu verneinen (Suva-act. 188).
C.
C.a Mit vorliegender Beschwerde vom 9. Juli 2015 beantragt die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) die Aufhebung der Verfügung vom 14. Oktober
2014 und die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen. Eventualiter sei die Sache zu
sistieren oder zur weiteren Abklärung an die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1). In ihrer
Beschwerdeergänzung vom 25. September 2015 ändert sie ihr Eventualbegehren
dahingehend, als sie eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur weiteren
Abklärung, etwa im Rahmen einer polydisziplinären Untersuchung, beantragt. Sie
bringt vor, es gäbe sicherlich weitere, vorliegend noch nicht angewendete
Untersuchungsmethoden, welche die Objektivierung der geltend gemachten
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Beschwerden ermöglichen würden. Des Weiteren verweist sie auf die Ausführungen in
ihrer Einsprache und erklärt diese zum integrierenden Bestandteil der Beschwerde (act.
G9).
C.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 29. Oktober 2015 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
Einspracheentscheids. Sie führt aus, ein unfallkausales organisches Substrat für die
geltend gemachten Kopf- und Nackenschmerzen sowie Konzentrationsprobleme habe
nicht objektiviert werden können, weder bildgebend noch neurologisch. Es bestehe
auch keine Kausalität zwischen dem Unfall und der Augenproblematik. Beim Ereignis
vom 20. April 2012 habe kein ungewöhnlicher äusserer Faktor schädigend auf die
Augen eingewirkt und die Auffahrkollision habe bei der Beschwerdeführerin weder ein
Schädelhirntrauma noch eine Bewusstlosigkeit bewirkt. Die Ausführungen der
Kreisärztin seien voll beweiskräftig (act. G11).
C.c Die mit Schreiben vom 2. November 2015 (act. G12) zur Einreichung einer Replik
aufgeforderte Beschwerdeführerin liess sich nicht mehr vernehmen (vgl. act. G13).

Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden daher
grundsätzlich die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
Hinsichtlich der für das vorliegende Verfahren anwendbaren Bestimmungen (Art. 6 Abs.
1 UVG, Art. 19 UVG) haben sich indessen mit Inkrafttreten der neuen Rechtssätze keine
Änderungen ergeben.
2.
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Streitig ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die im Nachgang zum
Unfall vom 20. April 2012 erbrachten Leistungen (Übernahme der Kosten für
Heilbehandlung und Taggeld) auf den 31. Oktober 2014 einstellte sowie den Anspruch
auf weitere Leistungen der Unfallversicherung ablehnte.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (ALEXANDRA
RUMO-JUNGO, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2003, S. 42 ff.).
2.2 Für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich,
dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist;
es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Faktoren für die
Schädigung verantwortlich ist, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht
werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE
129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen). Während es Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist,
den natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage
nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beurteilen (vgl. BGE 129 V 181 E. 3.1
und 3.2 sowie in BGE 135 V 465 nicht publizierte E. 2 des Urteils des Bundesgerichts
vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, je mit Hinweisen). Im Bereich klar ausgewiesener
organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren strukturellen Veränderungen spielt
die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu bejahen (BGE
127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/bb mit
Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, ist
eine eigenständige Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu
differenzieren ist: Hat die versicherte Person beim Unfall kein Schleudertrauma bzw.
keine schleudertraumaähnliche Verletzung erlitten, gelangt die Rechtsprechung
gemäss BGE 115 V 140 E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen
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das Vorliegen einer Schleudertraumaverletzung, muss geprüft werden, ob die zum
typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen
zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE
115 V 140 E. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze
massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a). Andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz
gemäss den in BGE 117 V 359 festgelegten und in BGE 134 V 109 präzisierten
Kriterien. Die Anwendung der Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang
bei Schleudertraumen der HWS setzt voraus, dass die psychischen Beschwerden aus
dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den organischen Beschwerden, die
ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild
ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 E. 3b).
2.3 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2015, N 52
ff. zu Art. 43). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet und
nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Auch den Berichten
versicherungsinterner Ärzte kann Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 123 V 331 E. 1c, BGE 135
V 465 E. 4.4).
3.
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Vorerst ist zu prüfen, ob zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung noch organisch
objektivierbare Unfallfolgen vorhanden waren.
3.1 Auf dem am 11. Mai 2012 aufgenommenen MR der HWS wurde eine leichte
segmentale Streckfehlhaltung C3-5 im Liegen sowie nebenbefundlich eine residuell
erkennbare ehemalige Synchondrose an der Densbasis bei ansonsten normalem
Befund festgestellt (Suva-act. 94). Die gleichentags durchgeführte MR-Untersuchung
des Schädels ergab ein normales cranio-zerebrales Kernspintomogramm,
insbesondere ohne fassbare posttraumatische Residuen (Suva-act. 93). Auch bei der
Untersuchung des Schädels vom 11. August 2014 zeigte sich weiterhin ein normales
cranio-zerebrales Kernspintomogramm, insbesondere ohne Anhaltspunkt für
zwischenzeitlich neu fassbare unfallbedingte strukturelle Läsionen und ohne Nachweis
von chronischen, Hämosiderin-haltigen inkraniellen Blutungsresiduen (Suva-act. 155).
Sowohl die Ärzte der Rehaklinik Bellikon (vgl. Suva-act. 30-4) als auch Dr. H._,
letzterer nach Durchführung eines EEG (vgl. Suva-act. 101), stellten keine
neurologischen Defizite fest. Dr. H._ wies zwar auf eine mögliche diffuse axonale
Hirnschädigung (DAI) durch den anamnestisch erwähnten Kopfaufprall hin, Zeichen
einer solchen konnten jedoch an der Schädelbasis oder in der weissen Substanz in der
FLAIR-Sequenz nicht nachgewiesen werden. Er stellte weder in der Bildgebung, noch
in der körperlich-neurologischen Untersuchung pathologische Zeichen oder Befunde
einer Hirn- oder HWS-Verletzung fest. Unabhängig von einer allfälligen
neuropsychologischen Testung ging er im weiteren Verlauf von einer restitutio ad
integrum aus (Suva-act. 101-4). Es liegen damit übereinstimmend mit der Einschätzung
der Beschwerdegegnerin und Kreisärztin I._ (act. G11, Suva-act. 156) keine
organischen Ursachen für die geltend gemachten Nacken- und Kopfbeschwerden vor,
was auch von der Beschwerdeführerin in ihrer Einsprache anerkannt (Suva-act. 187)
bzw. in ihrer Beschwerde nicht substantiiert bestritten wurde (act. G9).
3.2 Die Beschwerdeführerin macht weiter ophthalmologische (bzw. ophthalmologisch
ausgelöste) Beschwerden geltend. Dr. G._ diagnostizierte am 12. November 2012
eine R/L Myopie, Astigmatismus, R/L Ausschluss von Gesichtsfeldausfällen und eine
reduzierte Fusionsbreite und Konvergenz. Myopie und Astigmatismus hätten
gegenüber der bisher vorhandenen Brille leicht zugenommen. Die verminderte Fusion
und Konvergenz stellten übliche und typische Befunde bei Schädelhirntraumen,
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zumindest bei aufgetretener Bewusstlosigkeit, dar. Die Befunde würden von alleine
zurückgehen, dies dauere jedoch einige Wochen bis Monate (Suva-act. 62). Die
medizinischen Akten gehen übereinstimmend davon aus, dass die Beschwerdeführerin
nach dem Unfall nicht bewusstlos war (vgl. Suva-act. 13, Suva-act. 30, Suva-act. 101,
Suva-act. 122). Die Beschwerdeführerin gab am Unfalltag gegenüber Dr. D._ an,
ihren Kopf nicht angeschlagen zu haben (Suva-act. 13). Drei Tage später kam Dr. D._
aufgrund der Angabe, die Beschwerdeführerin habe wohl doch mit dem Kopf
angeschlagen, zum Schluss, es liege ein Schädelhirntrauma und ein HWS-
Beschleunigungstrauma vor (Suva-act. 12). Gegenüber der Suva gab die
Beschwerdeführerin am 20. Juni 2012 an, ihr Hinterkopf sei eher schon gegen die
Kopfstütze geprallt, sie wisse es aber nicht mehr richtig (Suva-act. 21-2). Anlässlich der
Untersuchung in der Rehaklinik Bellikon verneinte sie sodann einen Kopfanprall,
weshalb die beurteilenden Ärzte zum Schluss kamen, es habe kein Schädelhirntrauma
vorgelegen (Suva-act. 30). Gegenüber Dr. H._ bejahte sie schliesslich einen Anprall,
so dass dieser einen Verdacht auf eine leichte, diffuse axonale Hirnschädigung
äusserte, welcher jedoch nicht nachgewiesen wurde (Suva-act. 101). Dr. J._, Dr.
M._ und L._ erwähnten unter anderem einen Status nach Auffahrkollision bei
leichtem Schädel-Hirntrauma, begründeten diese Diagnose jedoch nicht (Suva-act.
122). Kreisärztin I._ folgerte aus diesen Akten nachvollziehbar, es habe kein
Schädelhirntrauma leichten, mittelschweren oder schweren Ausmasses bestanden.
Selbst der allenfalls erlittene Kopfanprall an der Kopfstütze wäre aus ihrer Sicht für eine
traumatische Verletzung ungeeignet (Suva-act. 156-5). Die von Dr. G._ genannten
Voraussetzungen einer Bewusstlosigkeit und eines Schädelhirntraumas sind damit
nicht bewiesen, und aus seinen Ausführungen kann folglich nicht auf eine
Unfallkausalität der Beschwerden geschlossen werden. Auch der Umstand, dass die
Beschwerden nicht wie von ihm angegeben wie in solchen Fällen üblich von selbst
innert einigen Wochen bis Monaten zurückgingen, spricht gegen durch das Trauma
verursachte Beschwerden. O._ stellte am 6. September 2014 einen Astigmatismus
mit Myopie, deutlich zu starke Brillengläser, eine Konvergenzinsuffizienz, einen
gestörten Konvergenznahpunkt und dem Alter nicht entsprechende
Augenbewegungsfertigkeiten fest. Er brachte seine Feststellungen nicht in
Zusammenhang mit dem Unfall, sondern wies auf eine mindestens teilweise
Verursachung durch die zu starken Brillengläser hin. Mit Sehpflegemassnahmen,
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Anpassung der Brille und Visualtraining bestehe eine sehr gute Chance, das gestörte
Augenzusammenspiel zu normalisieren und den Entwicklungsrückstand in den
Augenbewegungsfertigkeiten aufzuholen (Suva-act. 161). Kreisärztin I._ hielt an ihrer
Beurteilung fest (Suva-act. 163). Eine organische Schädigung der Augen durch den
Unfall fand unumstritten nicht statt. Die Beschwerdeführerin bringt zwar vor, sie habe
vor dem Unfall ihre alte Brille jahrelang getragen, ohne dass es zu irgendwelchen
Komplikationen gekommen wäre (Suva-act. 187). Daraus kann jedoch nicht
geschlossen werden, dass die Augenprobleme kausal durch den Unfall verursacht
worden wären (die Formel "post hoc ergo propter hoc", ist nach ständiger
Rechtsprechung für sich allein nicht ergiebig; vgl. SVR 2009 UV Nr. 13 [8C_590/2007],
S. 52 E. 7.2.4 mit weiteren Hinweisen; BGE 119 V 340 E. 2b/bb). Damit können die
festgestellten Visusstörungen mit der Beschwerdegegnerin (vgl. Suva-act. 188)
überwiegend wahrscheinlich höchstens als diffuse Beeinträchtigungen infolge eines
HWS-Schleudertraumas ohne organisches Substrat gewertet werden. Dass O._
gemäss Angaben der Beschwerdeführerin ihr gegenüber telefonisch geäussert haben
soll, optische Entgleisungen mit Konzentrationsschwierigkeiten infolge eines
Schleudertraumas seien hinlänglich bekannt (vgl. Suva-act. 187), ändert nichts an
dieser Beurteilung, zumal sich diese Aussage nicht konkret auf den vorliegenden Fall
bezog und eine hinlänglich nachvollziehbare Abstützung fehlt. Weitere
ophthalmologische Abklärungen sind somit nicht angezeigt.
3.3 Die untersuchenden Ärzte der Klinik K._ stellten leichte neuropsychologische
Funktionsstörungen fest, wobei Aufmerksamkeitsstörungen mit verminderter
Aufmerksamkeitsaktivierung und verminderter Daueraufmerksamkeit sowie eine
verminderte konzentrative Belastbarkeit mit schneller Ermüdbarkeit und einer
Kopfschmerzsymptomatik im Vordergrund stünden. In den übrigen überprüften
kognitiven Leistungsbereichen zeigten sich keine objektivierbaren Auffälligkeiten.
Zudem fänden sich keine Anhaltspunkte für eine depressive Symptomatik. Aus
psychologischer Sicht seien die beschriebenen Störungen mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 20. April 2012 zurückzuführen (Suva-act. 122).
Die festgestellten leichten neuropsychologischen Funktionsstörungen ohne organische
Befunde sind rechtsprechungsgemäss den psychischen Problemen gleichzusetzen
(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, seit 1. Januar 2007:
Bundesgericht] vom 25. April 2007, U 321/06 E. 4.1).
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3.4 Zusammengefasst sind die über den 31. Oktober 2014 hinaus geklagten
Beschwerden nicht durch einen im Sinn der Rechtsprechung organisch nachweisbaren
Unfallschaden erklärbar.
4.
Somit ist die Adäquanz eines Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis
vom 20. April 2012 und den im Einstellungszeitpunkt geklagten Beschwerden
(persistierende Nacken- und Kopfschmerzen, Verspannungen, Visusstörungen,
Konzentrationsprobleme, leichte neuropsychologische Funktionsstörungen) speziell zu
prüfen. Die Beschwerdegegnerin verwies im Einspracheentscheid sowohl auf die
Kriterien von BGE 115 V 133 (psychische Fehlentwicklungen) als auch die Kriterien
gemäss der Schleudertrauma-Praxis (BGE 117 V 359, präzisiert durch BGE 134 V 109).
Sie prüfte sodann letztere, was bei den im Hintergrund stehenden leichten
neuropsychologischen Funktionsstörungen und ansonsten fehlenden psychischen
Auffälligkeiten richtig erscheint. Die Frage, ob bei der Adäquanzprüfung nach der
Schleudertrauma-Praxis (BGE 134 V 109) oder nach der Psycho-Praxis (BGE 115 V
133) vorzugehen ist, kann jedoch offen gelassen werden, wenn - wie vorliegend -
selbst die Anwendung der für die Beschwerdeführerin günstigeren Schleudertrauma-
Praxis zur Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs führt (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. Dezember 2013, 8C_779/2013, E. 5 mit Hinweis).
4.1 Ist ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung der HWS diagnostiziert
und liegt - wie dies konkret der Fall ist - kein fassbarer organischer (unfallbedingter)
Befund an der HWS im erwähnten Sinn vor, muss für die Bejahung der natürlichen
Kausalität ein typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie
diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen,
Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität,
Depression, Wesensveränderung usw. vorliegen (BGE 117 V 359 E. 4b; vgl. auch BGE
117 V 369 E. 3e; Bestätigung in BGE 134 V 109 E. 9). Dieses Beschwerdebild mit einer
Häufung von Beschwerden muss jedoch nicht in seiner umfassenden Ausprägung
innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten. Vielmehr genügt
es, wenn sich in diesem Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS
manifestieren (Urteile des Bundesgerichts vom 30. Januar 2007, U 215/05, und vom
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15. März 2007, U 258/06; RKUV 2000 Nr. 359 S. 29 E. 5e). Vorliegend ist unbestritten
und nach Lage der Akten erwiesen, dass bei der Beschwerdeführerin ein HWS-
Beschleunigungstrauma mit mindestens einem Teil der beschriebenen Beschwerden
vorlag.
4.2 Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ist nach der
Schleudertrauma-Praxis im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende
Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit zukommt. Bei der
Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend
vom augenfälligen Geschehensablauf - zwischen banalen bzw. leichten Unfällen
einerseits, schweren Unfällen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden
mittleren Bereich unterschieden wird. Während der adäquate Kausalzusammenhang in
der Regel bei schweren Unfällen ohne weiteres bejaht und bei leichten Unfällen
verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem
mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schlüssig beantworten. Es
sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, die unmittelbar mit dem Unfall im
Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in
eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall
einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders
ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten
Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden
(BGE 134 V 126 E. 10.1). Die in die Adäquanzbeurteilung einzubeziehenden Kriterien
lauten: besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des
Unfalls; die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; fortgesetzt
spezifische, belastende ärztliche Behandlung; erhebliche Beschwerden; ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger
Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz
ausgewiesener Anstrengungen (BGE 134 V 130 E. 10.3).
4.3 Vorliegend fuhr die Beschwerdeführerin am 20. April 2012 innerorts mit ca. 40-50
km/h in ihrem Personenwagen, als der vor ihr fahrende Personenwagen wegen eines
auf der Fahrbahn liegenden Gegenstandes anhielt, worauf die Beschwerdeführerin ihr
Fahrzeug ebenfalls zum Stillstand brachte. Der hinter ihr fahrende Personenwagen
prallte frontal gegen das Heck des Fahrzeuges der Beschwerdeführerin, wodurch die
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Front desselben gegen das Heck des vor ihr stehenden Personenwagens gedrückt
wurde (Suva-act. 166). Laut biomechanischer Kurzbeurteilung vom 7. August 2013
kommt vorliegend dem Heckanprall in Bezug auf die Beschwerden der HWS grössere
Bedeutung zu. Durch den Heckanprall erfuhr das Fahrzeug der Beschwerdeführerin
eine Geschwindigkeitsänderung (delta-v), die hauptsächlich in Vorwärtsrichtung wirkte.
Diese dürfte oberhalb eines Bereichs von 10-15 km/h gelegen haben (vgl. die
biomechanische Kurzbeurteilung der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik [AGU] vom 7.
August 2013; Suva-act. 92 S.3) und somit den kritischen Wert für nicht unerhebliche
HWS-Beschwerden überschritten haben. Die Gutachter folgerten aufgrund der
technischen Bewertung und der medizinischen Unterlagen, die anschliessend an das
Ereignis bei der Beschwerdeführerin festgestellten, von der HWS ausgehenden
Beschwerden und Befunde seien durch die Kollisionseinwirkung erklärbar (Suva-act.
92). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei der vorliegenden
Doppelkollision ohne besondere erschwerende Umstände von einem mittelschweren
Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unfällen auszugehen (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Dezember 2016, 8C_651/2016 E. 5.4).
4.4 Folglich müssen für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs
mindestens vier der relevanten Kriterien oder ein einzelnes Kriterium in besonders
ausgeprägter Weise erfüllt sein (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Dezember 2016,
8C_651/2016 E. 5.5; BGE 134 V 109 E. 10.1).
4.4.1 Es bestehen keine Hinweise auf besonders dramatische Begleitumstände oder
besondere Eindrücklichkeit des Unfalls.
4.4.2 Zur Bejahung des Kriteriums schwere oder besondere Art der erlittenen
Verletzung genügt die Annahme einer HWS-Distorsion für sich allein nicht. Es bedarf
hierzu einer besonderen Schwere der dafür typischen Beschwerden oder besonderer
Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können (BGE 134 V 109 E.
10.2.2). Die Beschwerdeführerin sass beim Unfall angegurtet auf dem Fahrersitz (Suva-
act. 13, Suva-act. 166), eine besondere Körperhaltung lag nicht vor. Neben der HWS-
Distorsion erlitt sie abgesehen vom durch Dr. D._ drei Tage nach dem Unfall
diagnostizierten (Suva-act. 12), in der Folge jedoch nicht bestätigten leichten
Schädelhirntrauma keine Verletzungen. Das Kriterium ist damit zu verneinen.
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4.4.3 Hinsichtlich des Kriteriums fortgesetzte spezifische und belastende ärztliche
Behandlung ist festzustellen, dass an die Bejahung praxisgemäss hohe Anforderungen
gestellt werden (vgl. etwa SVR 2009 UV Nr. 22 S. 80, 8C_209/2008 E. 5.4; Urteil des
Bundesgerichts vom 12. Juni 2009, 8C_25/2009 E. 4.2.2 mit Hinweisen). Die
Beschwerdeführerin stand seit dem Unfall bis zum Einstellungszeitpunkt rund 2,5 Jahre
später durchgehend in Behandlung, wodurch sich ihre Beschwerden sukzessive
verbesserten. Sie wurde anfangs medikamentös (vgl. Suva-act. 12), im Verlauf dann
physiotherapeutisch (vgl. Suva-act. 20, Suva-act. 22) bzw. mittels MTT (Suva-act. 40)
behandelt. Daneben befand sie sich in komplementärmedizinischer Behandlung (Suva-
act. 81, Suva-act. 164). Das Kriterium ist damit nicht erfüllt, zumal Physio- sowie eine
medizinische Schmerztherapie das Kriterium für sich allein nicht zu erfüllen vermögen
(Urteile des Bundesgerichts vom 17. April 2008, 8C_181/2007 E. 3.2; vom 5.
September 2008, 8C_52/2008 E. 8.2 und vom 18. Dezember 2008, 8C_724/2008 E.
4.4.2). Zudem sind Abklärungsmassnahmen sowie ärztlichen Kontrollen bei der
Prüfung dieses Kriteriums nicht zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts vom 16.
Mai 2008, 8C_57/2008 E. 9.3.3).
4.4.4 Adäquanzrelevant können im Weiteren in der Zeit zwischen dem Unfall und
dem Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG ohne wesentlichen Unterbruch bestehende
erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften
Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die
Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4). Die
Beschwerdeführerin klagte über Nacken- und Kopfschmerzen,
Konzentrationsprobleme sowie wenige Tage nach dem Unfall auch über Übelkeit
(Suva-act. 12, Suva-act. 22). Die Beschwerden und Einschränkungen nahmen seit dem
23. April 2012 stetig ab (vgl. u.a. Suva-act. 12, Suva-act. 22, Suva-act. 40, Suva-act.
81). Am 12. Dezember 2012 gab die Beschwerdeführerin an, vor allem die
Kopfschmerzen seien bei erhöhter Belastung kaum auszuhalten und würden ein
“normales“ Leben verunmöglichen (Suva-act. 55). Am 7. Mai 2013 berichtete sie über
einen gebesserten Zustand, nur noch minim eingeschränkte Nacken- und
Kopfbeweglichkeit, sporadisch auftretende Verspannungen im Nacken-/
Schulterbereich und damit einhergehende Kopfschmerzen (Suva-act. 81). Bei einem
Gespräch vom 26. Mai 2014 führte sie sodann an, die Beschwerden träten während
der PC-Arbeiten auf. Daheim gehe es gut und die Hausarbeiten sowie die
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Kinderbetreuung könnten problemlos erledigt werden (Suva-act. 134, vgl. Suva-act.
142). Bei der ergonomischen Abklärung des Arbeitsplatzes der Beschwerdeführerin
wurden belastende Arbeitsplatzverhältnisse festgestellt und entsprechende
Veränderungen in die Wege geleitet, welche zu massgeblichen Verbesserungen führen
sollten (Suva-act. 145). Die aufgetretenen Schmerzen und die Beeinträchtigung, welche
die Beschwerdeführerin dadurch im Lebensalltag erfahren hat, übertreffen das bei einer
solchen Verletzung Übliche nicht derart, als dass das Kriterium als in besonderem
Masse erfüllt erschiene.
4.4.5 Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung,
welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, und eine solche wird auch nicht
geltend gemacht. Das Gleiche gilt für das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs
und erheblicher Komplikationen.
4.4.6 Was schliesslich das Kriterium der Arbeitsfähigkeit anbelangt, ist gemäss BGE
134 V 109 E. 10.2.7 dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis
mittelschweren Schleudertraumen der HWS und ähnlichen Verletzungen ein längerer
oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt
aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ist daher
massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden
die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Konkret muss ihr Wille
erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung raschmöglichst wieder in den
Arbeitsprozess einzugliedern. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss nach Art. 19
Abs. 1 UVG in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen
auszuweisen vermag, kann das Kriterium erfüllen (BGE 134 V 109 E. 10.2.7). Die
Beschwerdeführerin war vom 20. April bis zum 12. Mai 2012 zu 100% und vom 13. bis
19. Mai 2012 zu 80% arbeitsunfähig (Suva-act. 12). In der Folge verringerte sich die
Arbeitsunfähigkeit der Versicherten sukzessive, bis sie ab 1. April 2013 20% erreichte
(vgl. Suva-act. 17, 24, 31, 46, 49, 71, 77). Gestützt auf die Einschätzungen von
Kreisärztin I._ und Dr. J._ ging die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der
Leistungseinstellung (Suva-act. 197) bzw. bereits ab 1. September 2014 (Suva-act.
157) von einer Arbeitsfähigkeit von 100% aus. Die Beschwerdeführerin arbeitete
abgesehen von der Zeit ihres Mutterschaftsurlaubes entsprechend dem attestierten
Arbeitsfähigkeitsgrad beim Arbeitgeber, für den sie bereits vor dem Unfall tätig
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gewesen war (vgl. Suva-act. 22, 40, 48, 55, 81, 134, 137, 158). Das Kriterium ist damit
zu verneinen.
4.5 Da somit höchstens eines der zu berücksichtigenden Kriterien (erhebliche
Beschwerden) erfüllt ist, dieses allerdings nicht in besonders ausgeprägter Weise, ist
der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 20. April 2012 und den
geklagten psychischen Beschwerden zu verneinen. Folglich erübrigt sich grundsätzlich
die Prüfung des natürlichen Kausalzusammenhangs (vgl. BGE 135 V 465 E. 5.1).
5.
Gemäss Gesetzgebung und Praxis setzt der Anspruch auf die UV-Leistungen
Heilbehandlung (Art. 10 UVG) und Taggeld (Art. 16 f. UVG) voraus, dass von einer
Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des
unfallbedingten Gesundheitsschadens erwartet werden kann oder dass noch
Eingliederungsmassnahmen der IV laufen. Trifft beides nicht (mehr) zu, hat der
Versicherer den Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen abzuschliessen
und den Anspruch auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung zu
prüfen (Art. 19 Abs. 1 UVG; BGE 134 V 109 E. 4; vgl. auch BGE 137 V 199 E. 2.1).
Vorliegend wurden unumstritten keine Eingliederungsmassnahmen der IV durchgeführt.
Zum Einstellungszeitpunkt war gemäss nachvollziehbarer Einschätzung von Kreisärztin
I._ eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes nicht mehr mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit zu erwarten (Suva-act. 156). Die
Beschwerdeführerin war bereits voll arbeitsfähig (vgl. Suva-act. 156, Suva-act. 147)
und die von ihr erwähnten noch notwendigen ophthalmologischen Anpassungen (Suva-
act. 187) waren nicht nachgewiesenermassen unfallbedingt. Vor diesem Hintergrund
erfolgte der Fallabschluss entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin (Suva-act.
187, act. G9) nicht verfrüht. Beim vorliegend fehlenden bzw. mit Erreichen des
medizinischen Endzustandes weggefallenen adäquaten Unfallkausalzusammenhang ist
auch ein Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung
offensichtlich nicht gegeben.
6.
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6.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom 10. Juni
2015 nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
6.3 Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.