Decision ID: 85cff7ab-c211-4d5c-865d-28f49f85ce6a
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ erlitt am 6. Oktober 2014 einen Unfall beim Klettern. Sie stürzte, verhedderte
sich mit dem linken Bein im Seil und prallte gegen die Wand (IV-act. 7). Zu diesem
Zeitpunkt stand sie in unbefristeter Anstellung als Produkt Manager mit der B._
GmbH (IV-act. 9-1 f.). Am 15. Oktober 2014 suchte sie ihren Hausarzt, Dr. med. C._,
FMH Allgemeine Innere Medizin, Sportmedizin SGSM und Manuelle Medizin SAMM,
auf, welcher die Diagnosen Commotio cerebri mit Hämatom am linken Oberschenkel
sowie Reizdarmsyndrom erhob (vgl. Fremdakten der Eidgenössischen
Invalidenversicherung [IV; nachfolgend: fremd-act.] 1-8). Da sich ein prolongiertes
postkommotionelles Syndrom zeigte, leitete Dr. C._ am 21. Januar 2015 eine
fachärztliche neurologische Untersuchung der Versicherten ein (fremd-act. 1-8), welche
am 6. Februar 2015 bei Dr. med. D._ stattfand. Dieser beschrieb mit Bericht vom 9.
Februar 2015 im Verlauf bei postkommotionellem Syndrom nach leichtem
Schädelhirntrauma mit begleitender Distorsion der Halswirbelsäule (HWS) eine wohl
wesentliche Besserung der Beschwerdesymptomatik. Es würden sich keine
Anhaltspunkte für eine strukturelle Hirnschädigung ergeben. Der Genesungsprozess
werde abhängig von der Belastung noch Wochen bis wenige Monate in Anspruch
nehmen. Spezifische Massnahmen oder Medikamente seien nicht angezeigt. Man
müsse die Arbeitsfähigkeit entsprechend den Möglichkeiten der Versicherten jeweils
anpassen, eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erachte er aktuell als nicht gegeben (IV-
act. 78-8 f.).
A.a.
Am 25. August 2015 meldete die Versicherte sich auf Geheiss der zuständigen
Unfallversicherung (vgl. Besprechungsprotokoll vom 25. August 2015 in fremd-act. 2-4
A.b.
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f.) unter Hinweis auf den Unfall vom 6. Oktober 2014 bei der IV zum Leistungsbezug an
(IV-act. 1).
Am 15. Oktober 2015 besuchte die Versicherte die Kopfwehsprechstunde in der
Klinik für Neurologie am UniversitätsSpital Zürich (nachfolgend: Klinik für Neurologie;
IV-act. 12-11 ff.). Die zuständigen Ärzte äusserten den Verdacht auf eine traumatisch
getriggerte Migräne und befanden die Versicherte als fokal neurologisch unauffällig (IV-
act. 12-11). Sie empfahlen aus diagnostischer Sicht die Durchführung eines MRI und
einer neuropsychologischen Testung sowie eine Abklärung in der interdisziplinären
Schwindelsprechstunde (IV-act. 12-11 und 13 f.). Aus therapeutischer Sicht empfahlen
sie unter anderem die Einnahme einer medikamentösen Prophylaxe (Magnesium und
Vitamin B2; IV-act. 12-11). Am 11. November 2015 wurde in der Klinik für
Neuroradiologie des UniversitätsSpitals Zürich ein MRI "Gehirn inkl. Schädelkalotte"
erstellt, welches je eine Demyelinisierung am Seitenventrikel-Vorderhorn beidseits ohne
Schrankenstörung ergab (fremd-act. 6-9). Anlässlich der Sprechstunde für allgemeine
Neurologie in der Klinik für Neurologie vom 19. November 2015 (IV-act. 12-7 ff.) wurde
das Schädel-MRI besprochen. Nach wie vor wurde ein kursorisch unauffälliger
Neurostatus erhoben (IV-act. 12-9). Neu stellten die zuständigen Ärzte die Diagnose
einer Migräne ohne Aura (IV-act. 12-7).
A.c.
Ebenfalls am 19. November 2015 fand - auch in der Klinik für Neurologie - eine
neuropsychologische Standortbestimmung der Versicherten statt (IV-act. 78-44 ff.).
Diese ergab isolierte Minderleistungen in attentionalen Teilfunktionen, hauptsächlich in
Form diskret verlangsamter Reaktionen auf einfache Reize sowie reduzierter
quantitativer Leistung auf auditive Reize in der geteilten Aufmerksamkeit bei intakten
selektiven Aufmerksamkeitsfunktionen und einem durchschnittlichen verbalen
Arbeitsgedächtnis. Weiter zeigte die Versicherte eine leicht verminderte verbale
Merkspanne bei einem ansonsten durchwegs normgerechten bis teilweise sogar
überdurchschnittlichen kognitiven Leistungsprofil. In zusätzlich durchgeführten
Fragebogenverfahren und vom klinischen Eindruck her fänden sich Hinweise auf eine
mittelschwere, sowohl körperliche als auch kognitive Tätigkeiten betreffende
Fatiguesymptomatik bei psychometrisch fehlenden Anzeichen einer klinisch relevanten
affektiven Verstimmung. Klinisch präsentiere sich die Versicherte deutlich belastet und
überfordert. Die wenigen objektivierbaren kognitiven Auffälligkeiten seien insgesamt
A.d.
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nur leicht ausgeprägt und beträfen vorwiegend die langsamere
Verarbeitungsgeschwindigkeit bei hoher Arbeitsgenauigkeit. Hinweise auf schwere
primäre neuropsychologische Funktionsstörungen fänden sich keine. Vermutlich handle
es sich bei den beschriebenen Einbussen um sekundäre Folgen der
Erschöpfungszustände, der Kopfschmerzsymptomatik sowie der allgemeinen
psychosozialen Belastungssituation. Die Arbeitsfähigkeit aber auch die Lebensqualität
der Versicherten seien aktuell hauptsächlich im Zusammenhang mit der Fatigue- und
Kopfschmerz-Symptomatik erheblich reduziert. Hinsichtlich weiterer therapeutischer
und beruflicher Massnahmen sollte die medizinische Klärung und Behandlung der von
der Versicherten angegebenen Erschöpfungszustände und Kopfschmerzen im Zentrum
stehen, die bereits seit einem Reitunfall in der Kindheit bestünden und seit dem letzten
Unfallereignis beim Klettern an Intensität und Frequenz zugenommen hätten (IV-act.
78-46).
Am 24. November 2015 unterzog sich die Versicherte im interdisziplinären
Zentrum für Schwindel und neurologische Sehstörungen des UniversitätsSpitals Zürich
(nachfolgend: Schwindelzentrum) einem Video-Kopfimpulstest und einem Dynamic
visual acuity-Test. Ersterer ergab eine normale peripher-vestibuläre Funktion der
horizontalen, anterioren und posterioren Bogengänge beidseits (IV-act. 78-41); letzterer
eine normale dynamische Sehschärfe nach beiden Seiten (fremd-act. 8-30). Am 21.
Dezember 2015 fand die Befundbesprechung und eine Schwindelbeurteilung am
Schwindelzentrum statt. Die zuständigen Ärzte erhoben bei fehlendem fokal-
neurologischem Defizit und normaler peripher-vestibulärer Funktion den Verdacht auf
eine posttraumatische vestibuläre Migräne (IV-act. 78-39) und empfahlen die
Ausweitung der migräneprophylaktischen Behandlung (IV-act. 78-40; vgl. vorstehend
Sachverhalt A.c).
A.e.
Dr. C._ berichtete am 7. Januar 2016, die Versicherte habe sich beim
Kletterunfall vom 6. Oktober 2014 eine Commotio Cerebri sowie eine HWS-Distorsion
zugezogen mit konsekutivem postkommotionellem Syndrom sowie
Nackenbeschwerden. Dies äussere sich bei der Arbeit mit Konzentrationsstörungen
sowie verminderter Belastbarkeit, was zu Kopfschmerzen, Müdigkeit etc. führe. Auch
Schwindelsituationen bei vermehrter Belastung würden die Arbeitsfähigkeit
A.f.
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einschränken (IV-act. 12-2 f.). Die Versicherte sei mittlerweile an eine 75%ige
Arbeitsfähigkeit herangeführt worden (IV-act. 12-3).
Am 16. März 2016 besuchte die Versicherte eine Verlaufskontrolle am
Schwindelzentrum (IV-act. 78-37). Dabei wurden in den Lagerungsmanövern auffällige
klinische Befunde erhoben, welche jedoch keine klare Lokalisation eines möglichen
benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels (BPLS) zuliessen. Aufgrund der
Möglichkeit eines (komorbiden) BPLS, wurde die Versicherte zu einer
Drehstuhlbehandlung aufgeboten (IV-act. 78-38). Letztere fand am 12. April 2016 statt
und ergab Symptome eines BPLS posterior rechts, aber keinen sicheren Nachweis bei
fehlenden Nystagmen; nach Reposition sei eine transiente Verbesserung der
Symptome verzeichnet worden (IV-act. 78-35). Anlässlich der Verlaufssprechstunde
vom 29. April 2016 sprachen sich die zuständigen Ärzte eher für die Diagnose eines
BPLS als aggravierende Komponente aus. Bei Beschwerdepersistenz sei eine klinische
Kontrolle mit Frage nach BPLS sinnvoll. Darüber hinaus gelte unverändert das
Procedere mit Fortführung der Migräne Basistherapie (IV-act. 78-36; vgl. Sachverhalt
A.c und A.e).
A.g.
Per 31. Mai 2016 beendete die Versicherte ihr Arbeitsverhältnis mit der B._
GmbH (vgl. IV-act. 46-9). Per 1. August 2016 nahm sie ein vollzeitliches
Arbeitsverhältnis als Analyse-Mitarbeiterin der E._ AG auf, wobei sie das Pensum per
1. November 2016 auf 80 % reduzierte (IV-act. 47-2 f.; vgl. auch IV-act. 35-4).
A.h.
Mit Mitteilung vom 4. November 2016 sprach die IV-Stelle des Kantons Aargau
(nachfolgend: IV-Stelle AG) der Versicherten Frühinterventionsmassnahmen in Form
einer Arbeitsplatzanpassung (Bürostuhl) zu (IV-act. 20).
A.i.
Am 9. Dezember 2016 fand die bereits im November 2015 vereinbarte (vgl. IV-act.
12-7 und 12-10) MRI-Verlaufskontrolle in der Klinik für Neuroradiologie am
UniversitätsSpital Zürich statt. Im Vergleich zur Untersuchung vom 11. November 2015
zeigten sich bei der Versicherten stationäre diskrete Demyelinisierungen periventrikulär,
betont frontal beidseits. Die übrigen Befunde waren unverändert (fremd-act. 12-2).
A.j.
Mittels Vorbescheids vom 1. Februar 2017 verneinte die IV-Stelle AG einen
weiteren Anspruch auf berufliche Massnahmen/Rente. Da sechs Monate nach Eingang
A.k.
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der Anmeldung bereits wieder eine 80%ige Arbeitsfähigkeit bestanden habe, seien
keine weiteren Leistungen der IV zu prüfen (IV-act. 24-2 f.).
Am 13. Februar 2017 konsultierte die Versicherte erstmals Dr. med. F._, Facharzt
für Allgemeine Innere Medizin, Sportarzt, Klinik G._, Muskulo-Skelettal Zentrum
Sportmedizin. Dem gleichentags verfassten Bericht ist folgende Diagnose zu
entnehmen: Status nach Oberkörper- und Kopfkontusion rechtsseitig vom 6. Oktober
2014 (Kletterunfall) mit regredientem, aber noch deutlich aktivem postkommotionellem
Syndrom bei/mit Verdacht auf posttraumatische Migräne, DD Commotio labyrinthi
sowie Status nach anamnestisch vier Commotiones cerebri: 1999 Reitunfall mit LOC
(Bewusstseinsverlust; ca. vier Wochen symptomatisch), 2012 Kajakunfall und
Kopfkontusion mit LOC (ca. drei Wochen Ausfall), 2013 Kopfkontusion ohne LOC (ca.
eine Woche Ausfall), Ereignis vom 6. Oktober 2014. Aktuell leide die Versicherte unter
chronifizierten Kopfschmerzen (Differentialdiagnose: chronifizierte posttraumatische
Migräne), rezidivierenden Schwindelattacken (teils vestibulär, teils
Erschöpfungsschwindel), belastungsabhängigen kognitiven Überforderungen mit
vegetativer Begleitsymptomatik und teils koordinativer Störung (IV-act. 59-2).
A.l.
Am 14. März 2017 verfügte die IV-Stelle AG entsprechend ihrem Vorbescheid
vom 1. Februar 2017 den Abschluss des Gesuchs um berufliche Massnahmen und
Rente (IV-act. 25; vgl. Sachverhalt A.k).
A.m.
Mit Einspracheentscheid vom 19. April 2017 bestätigte die zuständige
Unfallversicherung ihre Verfügung vom 10. Januar 2017, mit welcher die
unfallversicherungsrechtlichen Leistungen per diesen Tag eingestellt worden waren
(fremd-act. 14 und 13-1 ff.; für die dagegen gerichtete Beschwerde an das hiesige
Gericht vom 19. Mai 2017 vgl. fremd-act. 21-2 ff. und für die Beschwerdeergänzung
vom 18. August 2017 fremd-act. 21-7 ff.).
A.n.
Am 15. Mai 2017 diagnostizierte Dr. F._ eine psychoenergetische,
posttraumatische Dekompensation im Sinne einer posttraumatischen Burnout-
Symptomatik, aktuell akzentuiert und interventionsbedürftig (IV-act. 61-1). Die
Versicherte drohe bei weitergehender Stressbelastung vollkommen zu dekompensieren
(IV-act. 61-2). Am 6. Juni 2017 berichtete Dr. F._ über eine gleichentags erfolgte
A.o.
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Konsultation. Die Krisenintervention vom 15. Mai 2017 habe vor allem in Bezug auf die
Stressorenkontrolle eine deutliche Besserung gebracht (IV-act. 62). Anlässlich der
nächsten Konsultation vom 27. Juni 2017 stellte Dr. F._ erstmals eine akzentuierte
Dysfunktion der oberen HWS (C0/C1, C1/C2) mit vegetativen Instabilitäten fest (IV-
act. 63).
Vom 6. Juli bis 2. August 2017 war die Versicherte in der Klinik H._ hospitalisiert
und nahm an einem spezifischen vierwöchigen interdisziplinären ganzheitlich
orientierten Behandlungsprogramm für Patienten mit Status nach HWS-Trauma teil.
Dem Austrittsbericht vom 22. August 2017 ist die Diagnose eines regredienten
postkommotionellen Syndroms mit/bei Status nach Kletterunfall mit Kopf- und
Oberkörperkontusion rechtsseitig, Verdacht auf posttraumatische Migräne und
Verdacht auf Commotio labyrinthi mit vestibulär-visueller Verarbeitungsstörung zu
entnehmen (IV-act. 35-1). Der Versicherten sei bis zum 20. August 2017 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Anschliessend werde aus internistischer Sicht eine
rasche, jedoch schrittweise Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess empfohlen,
beginnend mit reduziertem Pensum (IV-act. 35-2). Auch aus psychologischer Sicht
werde ein baldiger schrittweiser beruflicher Wiedereinstieg empfohlen (IV-act. 35-4).
A.p.
Am 15. August 2017 suchte die Versicherte Dr. F._ auf und berichtete ihm über
eine fehlende Veränderung, eher sogar Verschlechterung, durch die Neuro-Reha (IV-
act. 34-1). Dieser empfahl unter anderem eine Konsultation bei Dr. med. I._, Klinik
J._ AG, Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (IV-act. 34-2). Letztere
berichtete am 25. August 2017 über die Konsultation der Versicherten vom Vortag. Als
psychiatrische Diagnosen nannte sie eine leichte depressive Episode, einen Zustand
der totalen Erschöpfung und eine Panikstörung. Auch nach Abschluss der Reha
bestünden bei der Versicherten weiterhin chronische Kopfschmerzen sowie täglicher
Schwindel unterschiedlicher Intensität. Die Symptomatik sei belastungsabhängig und
könne in bestimmten Situationen wie beispielsweise in Menschenmengen akzentuiert
werden. Dabei komme es zu Kribbelparästhesien, Zittern,
Koordinationsschwierigkeiten, Schwäche und Unsicherheit sowie Herzrasen (IV-
act. 78-31). Da die komplexe postkommotionelle Symptomatik mit Migräne, DD
Commotio labyrinthi, in engem Zusammenhang und gegenseitiger negativer
Beeinflussung mit der psychischen Situation stehe, empfehle sie die weiterführende
A.q.
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B.
Behandlung in der Praxis für Neuropsychiatrie bei Dr. med. K._. Dieser sei als
Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie auf die Behandlung von
Patienten mit somatisch-neurologischer und psychiatrischer Problematik spezialisiert
(IV-act. 78-32).
Mittels Meldeformulars Früherfassung gelangte die Versicherte am 28. August
2017 auf Empfehlung des zuständigen Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV;
vgl. IV-act. 65-1) an die neu zuständige IV-Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend:
IV-Stelle; IV-act. 26). Dies unter Hinweis auf eine starke Verschlechterung ihres
Gesundheitszustandes mit voller Arbeitsunfähigkeit ab 15. Mai 2017. Sie leide unter
Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Konzentrationsproblemen etc. (IV-act. 26-1 und
26-3). Sie sei noch bis zum 31. August 2017 bei der E._ AG angestellt (IV-act. 26-2).
Per 1. September 2017 habe sie sich beim zuständigen RAV zur Arbeitsvermittlung
angemeldet (IV-act. 26-3). Die "ordentliche" Wiederanmeldung bei der IV erfolgte auf
Geheiss der IV-Stelle (vgl. IV-act. 27) am 7. September 2017 (IV-act. 32; vgl. auch das
Anmeldeformular vom 23. September 2017 in IV-act. 41).
B.a.
Am 12. September 2017 fand eine Verlaufskontrolle bei Dr. F._ statt. Dieser
attestierte der Versicherten eine Arbeitsfähigkeit von 20 % für einen Arbeitsversuch bis
Ende Oktober (IV-act. 65). Per 18. September 2017 nahm die Versicherte bei der L._
AG (nachfolgend: Arbeitgeberin), eine Arbeitstätigkeit im Stundenlohn auf (vgl. IV-act.
65-1 und 96-4 oben). Nach einer regulären Verlaufskontrolle vom 25. Oktober 2017
berichtete Dr. F._, die Versicherte könne die 20%ige Arbeitsfähigkeit gut
aufrechterhalten und je nach begleitenden Belastungsmomenten einteilen (IV-act. 66).
B.b.
Der zuständige Arzt vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am 30.
November 2017 nach einer telefonischen Besprechung mit Dr. F._, es sei davon
auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten im Vergleich zur
Verfügung vom 14. März 2017 verschlechtert habe. Die Versicherte verfüge im Moment
über eine Arbeitsfähigkeit von 20 %. Ein Eingliederungspotential bestehe aktuell nicht
(IV-act. 68-1). Am 16. Januar 2018 hielt der RAD-Arzt nach neuerlicher Rücksprache
mit Dr. F._ fest, die Versicherte arbeite 25 bis 30 %. Dr. F._ vermöge den
somatoformen Anteil des Leidens der Versicherten nicht genau einzuschätzen. Er halte
B.c.
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dafür, dass sich ihr Gesundheitszustand in den nächsten Wochen und Monaten weiter
bessern könne. So gesehen verfüge die Versicherte noch nicht über einen stabilen
Gesundheitszustand. Nach Einholung eines Berichts von Dr. K._ sei ihm der Fall
nochmals vorzulegen (IV-act. 73-1).
Am 22. Januar 2018 wurde die Versicherte im Auftrag der zuständigen
Krankentaggeldversicherung von der PMEDA AG Polydisziplinäre Medizinische
Abklärungen (nachfolgend: PMEDA) psychiatrisch und neurologisch untersucht (IV-act.
79-19 und 79-36). Nachdem laut Dr. F._ anlässlich dieser Untersuchung die
Durchführung einer MR-Untersuchung der gesamten Wirbelsäule diskutiert worden sei,
habe er eine solche in Auftrag gegeben (vgl. Bericht zur Konsultation vom 29. Januar
2018 in IV-act. 79-13). Am 1. Februar 2018 wurde vom Röntgeninstitut M._ ein MRT
der Lendenwirbelsäule (LWS) und des Iliosakralgelenks (ISG) erstellt. Die Beurteilung
lautete dahingehend, dass keine lumbale Diskushernie nachweisbar sei. Es liege etwas
Reizerguss in den Facettengelenken des Segmentes L5/S1 vor (IV-act. 79-15). Am
2. Februar 2018 wurden ebenfalls im Röntgeninstitut M._ MRT der HWS und der
Brustwirbelsäule (BWS) erstellt. Es fanden sich keine Hinweise auf eine strukturelle
Läsion der HWS und BWS und keine Myelopathie, jedoch eine Fehlhaltung mit leichter
thorakaler Hyphoskoliose (IV-act. 79-17).
B.d.
Am 7. Februar 2018 erstattete Dr. K._ der IV Bericht (IV-act. 78-1 bis 78-7; vgl.
auch Bericht vom 22. November 2017 an die Krankentaggeldversicherung in fremd-act.
16-25 ff.). Dabei erklärte er, die Versicherte habe vom 25. September bis 20. Oktober
2017 bei ihm in Behandlung gestanden. Als Diagnose nannte er ein Mischbild mit
Ängsten und somatoformen Symptomen (IV-act. 78-1). Die Versicherte habe im
Oktober 2014 einen Kletterunfall mit Oberkörper- und Kopfkontusion rechts erlitten
ohne anamnestischen Hinweis auf ein Schädel-Hirn-Trauma. Die sich im Verlauf
entwickelnde Symptomatik aus Kopfschmerzen, Schwindel, kognitiven
Einschränkungen, Antriebslosigkeit und Energiemangel habe sich im Verlauf gebessert,
jedoch seien Restbeschwerden zurückgeblieben. Diese hätten zu umfangreichen
Abklärungen geführt. Zusatzdiagnostisch seien im 2015 und 2016 weitgehend
unauffällige cMRT sowie 2015 ein unauffälliges EEG durchgeführt worden. Die zum Teil
unterschiedlichen Befunde und Ergebnisse hätten zum einen zu einer Verunsicherung
der Patientin und zum anderen dazu geführt, dass sie sich derart selbst beobachte,
B.e.
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dass man aktuell an eine somatoforme Komponente bei initial sicher vorgelegener
somatischer Problematik denken müsse. Darüberhinaus sei es zu einer grossen Angst
gekommen, sich, wie früher so oft, zu überfordern. Die Kopfschmerzen sehe er am
ehesten als eine Mischform aus Spannungskopfschmerz und Migräne an. Der
Schwindel sei nicht klar zuzuordnen. Den Ansatz, weitere Abklärungen zurückzustellen
und nach Massgabe der Beschwerden zu versuchen, zu einer Normalisierung zu
kommen, habe er thematisiert (IV-act. 78-2 f.). Da er die Versicherte lediglich dreimal
gesehen habe, könne er deren Leistungsfähigkeit nicht beurteilen (IV-act. 78-3 f.).
Am 27. Februar 2018 erstattete die PMEDA ihr bidisziplinäres Gutachten (IV-act.
79-19 bis 79-56; vgl. Sachverhalt B.d). Der psychiatrische Teilgutachter diagnostizierte
eine weitgehend remittierte depressive Episode bei Verdacht auf atypische anorektisch
gefärbte Essstörung (IV-act. 79-31). Der neurologische Gutachter diagnostizierte
Spannungskopfschmerz, Differentialdiagnose Migräne mit Aura, sowie
Lagerungsschwindel (IV-act. 79-52). Beide Gutachter schätzten die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten mit 50 % ein (IV-act. 79-33 und 79-55; fremd-act. 17-4) und erachteten
die Therapiemöglichkeiten als nicht ausgeschöpft (IV-act. 79-34 und 79-55). Am
26. März 2018 erklärte Dr. F._ der IV-Stelle, die von den Gutachtern der PMEDA
postulierte 50%ige Arbeitsfähigkeit könne er als betreuender, beobachtender Arzt nicht
bestätigen. Mit der bisherigen Arbeitsfähigkeit von 30 %, welche die Versicherte selber
teils bis auf 40 % erhöht habe, sei diese am Limit (IV-act. 79-7).
B.f.
Am 9. August 2018 forderte die zuständige Krankentaggeldversicherung die
Versicherte gestützt auf medizinische Abklärungen der PMEDA vom 23. Juli 2018
(diese sind nicht aktenkundig, eventuell sind die Abklärungen vom 22. Januar 2018
gemeint; vgl. Sachverhalt B.d und B.f) auf, sich umgehend in eine fachärztlich
psychiatrische Behandlung zu begeben. Mittels einer leitliniengerechten Behandlung
könne spätestens bis Ende August 2018 die 50%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden
(fremd-act. 18-2 f.).
B.g.
Ebenfalls am 9. August 2018 unterzeichneten die Versicherte und der zuständige
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle einen Eingliederungsplan Arbeitsplatzerhalt
(IV-act. 84; für das Assessement- und Verlaufsprotokoll vgl. IV-act. 91). Mit Mitteilung
vom 14. August 2018 sprach die IV-Stelle der Versicherten Beratung und Unterstützung
B.h.
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beim Erhalt ihres derzeitigen Arbeitsplatzes zu (IV-act. 86). Per 3. September 2018
meldete die Versicherte sich bei der Arbeitslosenversicherung zum Leistungsbezug an,
wobei sie erklärte, eine 50%ige Arbeitsstelle zu suchen (vgl. IV-act. 89-1). Am 10.
Oktober 2018 schloss die Versicherte mit der Arbeitgeberin einen Arbeitsvertrag als
Business Engineer mit 50%igem Arbeitspensum ab 1. Januar 2019 ab (IV-act. 90).
Diese Tätigkeit umfasst vor allem Prozessoptimierungen, Analysen und
Kostenberechnungen (fremd-act. 25-9 unten).
Am 21. Dezember 2018 berichtete Dr. med. N._, Fachärztin für Neurologie,
Psychiatrie und Psychotherapie, die Versicherte stehe seit 15. Oktober 2018 bei ihr in
Behandlung. Als Diagnosen nannte sie ein hirnorganisches Psychosyndrom mit
pseudoneurasthenischem Syndrom (eingeschränkte Belastbarkeit, vorzeitige
Erschöpfung, Schwindel und Kopfschmerzen abhängig vom Grad der Belastung) nach
Schädel-Hirn-Trauma vom 6. Oktober 2014, den Verdacht auf eine traumatisch
bedingte Contusio cerebri mit posttraumatischer Amenorrhoe über Monate und den
Verdacht auf eine traumatisch bedingte Felsenbeinfraktur (IV-act. 96-2). Nach
insgesamt fünf Sitzungen mit der Versicherten lasse sich das Folgende
zusammenfassen: Es sei davon auszugehen, dass es sich beim Trauma vom Oktober
2014 um ein höhergradiges Schädel-Hirn-Trauma gehandelt habe, welches in der
Akutphase sowohl von der Versicherten als auch von ihrem Umfeld unterschätzt
worden sei. Diese habe sich trotz der erheblichen Kopfschmerzen und
Einschränkungen über Wochen weiter zur Arbeit geschleppt. Neben den doch sehr
deutlich ausgeprägten initialen subjektiven Symptomen (im Vordergrund stehend:
erhebliche Kopfschmerzen, Verschwommensehen und Konzentrationsstörungen) sowie
weiteren neuropsychologischen Defiziten (wie zum Beispiel die nicht mehr Abrufbarkeit
von einfachen Handlungen [Einlegen von Papier in den Drucker, wenn dieser nicht
druckte], das Wiedererlernen des Einmaleins oder die Orientierungsprobleme) sprächen
auch die posttraumatisch aufgetretene Amenorrhoe (die über Monate bestanden und
sich erst nach Ablauf von zwei Jahren wieder zurückgebildet habe) sowie die
bakterielle Mittelohrentzündung in der Woche nach dem Trauma für ein höhergradiges
Schädel-Hirntrauma. Es sei anzunehmen, dass durch das Trauma eine diencephale
oder zumindest hypophysäre Kontusion aufgetreten sei. Die Mittelohrentzündung im
Anschluss an das Trauma spreche für eine - wenn auch haarfeine - Fraktur des
B.i.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/26
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Felsenbeines. Erst fünf Monate nach dem Trauma sei eine Konsultation eines
Neurologen mit EEG-Untersuchung erfolgt. Deren Ergebnis lasse keine spezifischen
Aussagen in Bezug auf das Trauma zu, das fünf Monate zuvor stattgefunden habe.
Eine erstmalige Kernspintomografie des Kopfes sei mehr als 13 Monate nach dem
Unfallereignis erfolgt. Auch der damit erhobene Befund lasse keine spezifische
Aussage über die Dignität des Traumas zu. Immerhin erscheine es möglich, dass die
Asymmetrie der Seitenventrikel zu Gunsten von rechts (und eventuell sogar die
diskreten periventrikulären Demyelinisierungsherde) Spätfolgen des
Schädelhirntraumas seien (IV-act. 96-4). Sowohl die Qualität als auch der Verlauf der
Beschwerden und Symptome mit initialen erheblichen spontanen Kopfschmerzen und
Schwindelgefühlen sowie mit Müdigkeit, jeweils verstärkt durch Arbeiten, die
Konzentration erforderten, oder auch durch gewisse Aussenreize wie kontrastreiche
Lichtverhältnisse und Aussengeräusche sprächen für das Vorliegen eines sogenannten
pseudoneurastenischen Syndroms (= sozusagen das organisch bedingte
Astheniesyndrom). Es ergäben sich keine Hinweise für eine somatoforme Störung;
ebenso wenig fänden sich Hinweise für eine Persönlichkeitsakzentuierung oder gar -
störung. Auch beständen keinerlei Hinweise für psychologische Faktoren, welche
körperliche Symptome verstärkten, im Sinne einer Rentenneurose. Die Versicherte sei
von ihrer Primärpersönlichkeit eher überdurchschnittlich belastbar und stabil. Die
Symptome bzw. das Krankheitsbild entzögen sich in ihrer klinischen Dignität häufig den
bildgebenden oder neuropsychologischen bzw. neurootologischen Testverfahren.
Immerhin habe es die Versicherte aus eigener Kraft geschafft, wieder 50 % berufstätig
zu sein, wenn auch lediglich als Assistentin im Bereich Preisgestaltung eines
Kunststoffunternehmens und nicht in ihrem angestammten Beruf als Biomechanikerin
mit Masterabschluss. Fatalerweise habe sich der Unfall ereignet, als die Versicherte
gerade ihre erste Arbeitsstelle nach dem Masterabschluss innegehabt habe. Ihr
heutiges Einkommen ohne den Unfall wäre mit Sicherheit deutlich höher (selbst bei
50%igem Pensum). Aus ihrer Sicht als Neurologin und Psychiaterin könne sie nur eine
zumindest vorübergehende Teilberentung mit erneuter Überprüfung nach Ablauf von
zwei Jahren empfehlen (IV-act. 96-4 f.).
Mit Mitteilung vom 4. Januar 2019 verneinte die IV-Stelle unter Erwähnung der
50%igen Arbeitsstelle bei der Arbeitgeberin einen Anspruch auf weitere berufliche
Massnahmen der Versicherten (IV-act. 99).
B.j.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/26
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Am 5. März 2019 hiess das Versicherungsgericht die Beschwerde der Versicherten
vom 19. Mai 2017 gegen den Einspracheentscheid der Unfallversicherung vom
19. April 2017 gut, hob diesen auf und wies die Streitsache zur ergänzenden Abklärung
und neuer Verfügung an die Verwaltung zurück (UV 2017/35; vgl. Sachverhalt A.n).
B.k.
Am 21. September 2020 teilte Rechtsanwalt lic. iur. Ch. Jäggi, advo5
Rechtsanwälte, Zürich, der IV-Stelle mit, dass er die Versicherte vertrete (IV-act. 107).
Am 27. Oktober 2020 informierte er die IV-Stelle darüber, dass im
Unfallversicherungsverfahren ein Gutachten erstellt worden sei (IV-act. 110). Am 4.
Januar 2021 ging dieses Gutachten der asim Begutachtung, Universitätsspital Basel
(nachfolgend: asim) bei der IV-Stelle ein (vgl. Aktenverzeichnis Fremdakten sowie
fremd-act. 25-3 bis 25-123). Es datiert vom 10. September 2020 und umfasst die
Fachrichtungen Innere Medizin, Psychiatrie, Rheumatologie, Neurologie,
Neuropsychologie und Otorhinolaryngologie (Hals-Nasen-Ohren [HNO]-Heilkunde;
fremd-act. 25-3 und 25-7). Die Gutachter diagnostizierten mit (passagerem) Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit eine Contusio capitis rechts, DD mögliche leichte traumatische
Hirnverletzung (fremd-act. 25-16; für die Diagnosen ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit vgl. ebenda). Die unfallfremden psychiatrischen Diagnosen hätten
keine Ausprägung, die eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit begründen würde.
Die testpsychologisch objektivierten minimalen Defizite könnten durch eine angepasste
Arbeitssituation und -strategie ausreichend kompensiert werden. Zu empfehlen sei ein
ruhiges, von Störreizen möglichst freies Arbeitsumfeld, welches auch im Hinblick auf
die Kopfschmerzen günstig erscheine. Erforderlich sei eine Selbstbestimmung (fremd-
act. 25-20) des Arbeitstaktes mit regelmässigen Arbeits- und Pausenzeiten. Des
Weiteren sollten die Aufgaben seriell zu erledigen sein. Die Anforderungen an die
geteilte Aufmerksamkeit seien gering zu halten. Aufgrund der aktuellen
neuropsychologischen Befunde sei bei einer minimalen neuropsychologischen Störung
die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf uneingeschränkt gegeben (fremd-act.
25-21).
B.l.
Am 24. Februar 2021 notierte der zuständige RAD-Arzt nach Studium des
besagten Gutachtens, dieses könne auch als Grundlage für eine IV-spezifische
Einschätzung dienen (IV-act. 113-1 und 113-4). Da die somatisch beurteilenden
Gutachter der Versicherten allesamt eine Arbeitsfähigkeit von 100 % attestierten und
B.m.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/26
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keine psychiatrische Diagnose gestellt werden könne, sei - auch aufgrund der
Tatsache, dass die Standardindikatoren im Gutachten implizit berücksichtigt worden
seien - aus Sicht der IV ebenfalls von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act.
113-3).
Mittels Vorbescheids vom 22. März 2021 verneinte die IV-Stelle einen
Rentenanspruch der Versicherten (IV-act. 115).
B.n.
Mit Einspracheentscheid vom 31. März 2021 bestätigte die zuständige
Unfallversicherung ihre Verfügung vom 4. Februar 2021, mit welcher die Einstellung der
vorübergehenden Leistungen per Ende August 2017 festgelegt und ein Anspruch auf
eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung abgewiesen worden war
(fremd-act. 27).
B.o.
Gegen den Vorbescheid vom 22. März 2021 (vgl. Sachverhalt B.n) liess die
Versicherte durch Rechtsanwalt Jäggi am 21. April 2021 einwenden, das asim-
Gutachten genüge den Anforderungen an den Beweiswert eines Gutachtens nicht. Der
medizinische Sachverhalt erweise sich als völlig ungenügend abgeklärt (IV-act. 120-1
und 120-3).
B.p.
Am 29. April 2021 wandte sich die Versicherte, ebenfalls vertreten durch
Rechtsanwalt Jäggi, mit Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der
Unfallversicherung an das hiesige Gericht (act. G7.3-2; UV 2021/28; vgl. vorstehend
Sachverhalt B.o).
B.q.
Am 11. Mai 2021 ergänzte Rechtsanwalt Jäggi den Einwand vom 21. April 2021
(IV-act. 121) und reichte der IV unter anderem einen Verlaufsbericht Physiotherapie
vom 15. Februar 2021 ein (IV-act. 121-5 ff.). Darin erklärt der behandelnde
Physiotherapeut unter anderem, seit Dezember 2020 habe die Hauptsymptomatik des
Kopfschmerzes, der Konzentrationsstörungen, des vestibulären Schwindels, der
Übelkeit und der cerviko-thorakalen Spannungsschmerzen so stabilisiert werden
können, dass die Versicherte aktuell ihr 50%iges Arbeitspensum wieder besser
bewältigen könne. Die Werte hätten sich dank der unternommenen Anstrengungen der
letzten Monate zwar signifikant verbessert, würden jedoch noch substantiell von einer
vollständigen Rekonvaleszenz des Schädel-Hirn-Traumas fernliegen. Aufgrund der
B.r.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/26
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C.
weiterhin ausgeprägten neurokognitiven, vestibulären sowie cervikogenen
Beschwerden sei eine Weiterführung der Physiotherapie dringend angezeigt (IV-act.
121-6).
Am 17. August 2021 empfahl der zuständige Arzt vom RAD, den Einwand von
Rechtsanwalt Jäggi dem Rechtsdienst der IV-Stelle zu unterbreiten (IV-act. 125; vgl.
vorstehend Sachverhalt B.p und B.r). Die entsprechende Stellungnahme datiert vom
16. November 2021 (IV-act. 127).
B.s.
Am 6. Dezember 2021 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid vom
22. März 2021 einen fehlenden Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem
Invaliditätsgrad von 0 % (IV-act. 128; vgl. vorstehend Sachverhalt B.n).
B.t.
Dagegen liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin), nach wie vor
vertreten durch Rechtsanwalt Jäggi, am 5. Januar 2022 Beschwerde erheben und
beantragen, ihr die gesamten gesetzlich vorgesehenen Leistungen zuzusprechen. Es
sei ihr insbesondere eine im Ausmass noch zu bestimmende Invalidenrente
zuzusprechen. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen zur Festlegung der
gesundheitlichen Einschränkungen vorzunehmen. Das vorliegende Verfahren sei bis
zum rechtskräftigen Entscheid in dem am Versicherungsgericht hängigen Verfahren UV
2021/28 zu sistieren. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1).
C.a.
Mit Entscheid vom 26. Januar 2022 wies das Versicherungsgericht die
Beschwerde der Beschwerdeführerin vom 29. April 2021 gegen den
Einspracheentscheid der Unfallversicherung vom 31. März 2021 ab (UV 2021/28; vgl.
vorstehend Sachverhalt B.q).
C.b.
Am 31. Mai 2022 erstattete die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die
Beschwerdeantwort und beantragte die Abweisung der Beschwerde (act. G7).
C.c.
Mit Replik vom 6. Juli 2022 hielt die Beschwerdeführerin mit Ausnahme des
Antrags um Sistierung des Beschwerdeverfahrens an ihren Anträgen laut Beschwerde
vom 5. Januar 2022 fest (act. G9).
C.d.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 16/26
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdeführerin lässt im Beschwerdeverfahren alle gesetzlich vorgesehenen
Leistungen der IV beantragen, da die Beschwerdegegnerin nach dem Grundsatz
Eingliederung statt Rente und im Rahmen ihrer Abklärungspflicht hätte prüfen müssen,
ob weitere berufliche Massnahmen angezeigt oder möglich wären (act. G1 Rz. 18). Die
angefochtene Verfügung vom 6. Dezember 2021 beschränkt sich jedoch auf die
Rentenfrage (IV-act. 128). Im Hinblick darauf, dass der Verfügung kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad zugrunde gelegt wurde, ist die Frage betreffend
Eingliederungsmassnahmen grundsätzlich auch nicht notwendigerweise deren
Gegenstand. Sollte die Überprüfung im Rahmen des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens aber ergeben, dass der Invaliditätsgrad über 40 % liegt, besteht
entsprechend dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente" eine Eingliederungspflicht der
Invalidenversicherung und über berufliche Massnahmen hätte vorab befunden werden
müssen. Diesfalls wäre die berufliche Eingliederung in diesem Verfahren Prozessthema.
Liegt der Invaliditätsgrad unter 40 %, könnte materiellrechtlich betreffend berufliche
Massnahmen höchstens noch ein Eingliederungsanspruch der Beschwerdeführerin
bestehen. In diesem Fall läge kein Anfechtungsobjekt vor und auf die Beschwerde wäre
in diesem Punkt nicht einzutreten. Zur Prüfung einer Verletzung der
Eingliederungspflicht seitens der Beschwerdegegnerin ist damit im Folgenden die Höhe
des Invaliditätsgrades der Beschwerdeführerin zu ermitteln.
2.
Mit Duplik vom 5. August 2022 hielt auch die Beschwerdegegnerin an ihrem
früheren Antrag fest (act. G11).
C.e.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20; in der bis 31. Dezember 2021 gültigen, im vorliegenden Verfahren
anzuwendenden und im folgenden zitierten Fassung; vgl. dazu Urteil des
Bundesgerichts vom 2. März 2022, 8C_792/2021, E. 4) besteht der Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/26
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Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
2.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Den im Rahmen des
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/26
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3.
Mit Verfügung vom 14. März 2017 wies die IV-Stelle AG das erste Leistungsgesuch der
Beschwerdeführerin ab. Auch wenn im "Titel" der Verfügung einzig auf die berufliche
Integration Bezug genommen wurde, schloss dass Dispositiv der Verfügung ("Das
Gesuch für "Berufliche Integration/Rente wird abgeschlossen") die Rentenfrage mit ein
(IV-act. 25). Auf das neue Gesuch der Beschwerdeführerin vom Herbst 2017 ist die
Beschwerdegegnerin zu Recht eingetreten, weshalb auf die entsprechenden
Voraussetzungen gemäss Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (SR 831.201) nicht mehr einzugehen, sondern nun zu prüfen ist,
ob sich der Gesundheitszustand seit dem Ergehen des abweisenden Entscheids
rentenwirksam verändert hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3. September 2019,
Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten,
welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach
Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (vgl. Art. 43 Abs. 1 und Art.
61 lit. c ATSG). Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt,
ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen
haben Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche
Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a). Die Verwaltung resp. das
Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem
Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit
eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht
hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b mit
Hinweisen). Die Folgen der Beweislosigkeit hat jene Partei zu tragen, welche aus einem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will (vgl. BGE 117 V 264 E. 3.6
mit Hinweis).
2.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/26
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8C_467/2019, E. 3.2). Mit der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin im August/
September 2017 und den ab dem Unfall vom 6. Oktober 2014 attestierten
Arbeitsunfähigkeiten könnte ein allfälliger Rentenanspruch frühestens im Jahr 2018
entstanden sein (Ablauf des sogenannten Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
und der sechsmonatigen Karenzfrist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG). Zu prüfen ist somit,
ob die Beschwerdeführerin ab diesem Zeitpunkt Anspruch auf Rentenleistungen hat.
4.
Zunächst gilt es die Frage zu klären, ob die medizinische Situation und die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin rechtsgenüglich abgeklärt wurden. Die
angefochtene Verfügung stützt sich in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das
Gutachten der asim vom 10. September 2020 (fremd-act. 25). Die Beschwerdeführerin
lässt dem asim-Gutachten die Beweiskraft absprechen und auf die Berichte von
Dr. N._ vom 21. Dezember 2018 (IV-act. 96) und von ihrem Physiotherapeuten vom
15. Februar 2021 verweisen (IV-act. 121-5 ff.).
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin wendet gegen das asim-Gutachten
ein, dieses sei von der zuständigen Unfallversicherung und nicht von der
Beschwerdegegnerin in Auftrag gegeben worden. Erstere stelle als kausale
Versicherung andere Fragen, als eine finale Versicherung wie die IV (act. G1 Rz. 10).
Solange bei der beweismässigen Auswertung medizinischer Gutachten die von der
Rechtsprechung vorgegebenen Regeln des jeweiligen Sozialversicherungszweigs
beachtet werden, ist dies jedoch unbedenklich (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25.
August 2011, 8C_543/2011, E. 3 mit Hinweisen). Ob auf das von der Unfallversicherung
eingeholte asim-Gutachten vom 10. September 2020 abgestellt werden darf, ist im
Rahmen der nachfolgenden materiell-rechtlichen Beurteilung bzw. Beweiswürdigung
aber nach den für die IV geltenden Regeln zu prüfen.
4.1.
Die Gutachter der asim kamen nach eigenen klinischen, bildgebenden und
apparativen Untersuchungen (vgl. fremd-act. 25-7 f.) sowie in Würdigung der
medizinischen Vorakten (vgl. fremd-act. 25-27 ff.) übereinstimmend zum Schluss, es
liege keine Diagnose vor, welche sich über August 2017 hinaus in quantitativer Hinsicht
auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirke (fremd-act. 25-16 und 25-19;
vgl. Sachverhalt B.l). In qualitativer Hinsicht empfahlen sie aufgrund der
testpsychologisch objektivierten minimalen kognitiven Defizite ein ruhiges, von
Störreizen möglichst freies Arbeitsumfeld, das auch im Hinblick auf die Kopfschmerzen
günstig erscheine. Erforderlich sei eine Selbstbestimmung des Arbeitstaktes mit
regelmässigen Arbeits- und Pausenzeiten. Des Weiteren sollten die Aufgaben seriell zu
4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/26
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erledigen sein und die Anforderungen an die geteilte Aufmerksamkeit gelte es gering zu
halten (fremd-act. 25-20 f.). Aus HNO-ärztlicher Sicht wurde zusätzlich eine
Arbeitsunfähigkeit für sturzgefährdete Arbeiten ausgesprochen (fremd-act. 25-121).
Es trifft zwar zu, dass letztere Einschätzung keinen Eingang in das konsolidierte
Gutachten resp. die Beantwortung des Fragenkatalogs gefunden hat (vgl. Vorbringen in
act. G1, Rz. 12g). Sie geht jedoch klar aus dem HNO-Teilgutachten hervor und
angesichts der akademischen Ausbildung der Beschwerdeführerin fehlt es ihr ohnehin
an Relevanz, da sturzgefährdete Arbeiten nicht deren Erwerbsprofil entsprechen (vgl.
hierzu nachfolgend E. 5). Folglich lassen sich aus diesem Versehen keine Zweifel am
asim-Gutachten ableiten. Selbiges gilt für die im psychiatrischen Teilgutachten nicht
explizit, sondern einzig durch die Einordnung der Diagnosen in die Kategorie "ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit" vorgenommene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (vgl.
Vorbringen in act. G1 Rz. 12 f.; fremd-act. 25-61), zumal aus dem konsolidierten
Gutachten explizit hervorgeht, dass die psychiatrischen Diagnosen keine Ausprägung
haben, die eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit zu begründen vermöchten
(fremd-act. 25-14 und 25-18, Frage 3.5 sowie 25-20, Fragen 4.3 und 5.1) und die
Würdigung der erhobenen Befunde im psychiatrischen Teilgutachten erfolgte (fremd-
act. 25-61 ff.). Es kann somit nicht davon ausgegangen werden, dass der
psychiatrische Teilgutachter auf eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit verzichtet hat
(vgl. Vorbringen in act. G9 Rz. 2). Soweit die Beschwerdeführerin beanstanden lässt,
dass die Gutachter die Zusatzfragen betreffend Arbeitsfähigkeit nicht oder nur
abgeändert beantwortet hätten (act. G1 Rz. 12i), kann dem ebenfalls nicht gefolgt
werden. Die Gutachter haben zwar unter dem Titel Fragenbeantwortung einzig auf die
fehlende unfallkausale Arbeitsunfähigkeit verwiesen (fremd-act. 25-22 f.), dem
konsolidierten Gutachten ist jedoch die erfragte Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auch
bezüglich der unfallfremden Diagnosen zu entnehmen (fremd-act. 25-20 f.). Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist sodann der Ansicht, dass die im
Konsensgutachten festgestellte fehlende Einschränkung der Leistungsfähigkeit
angesichts der postulierten Adaptionskriterien nicht nachvollziehbar sei. Dem ist
entgegenzuhalten, dass die Art der festgestellten qualitativen Einschränkungen
(angepasste Arbeitssituation und Arbeitsstrategie) vielmehr eine quantitative
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als nicht nachvollziehbar
erscheinen lassen würde, zumal es sich dabei nicht um eine medizinische
Einschätzung handelt, sondern vielmehr um Umstände, die bei der Art der in Frage
kommenden Tätigkeit zu berücksichtigen sein werden (act. G1 Rz. 12j; vgl. zum
erwerblichen Aspekt nachfolgende E. 5). Selbiges gilt für die vermisste vertiefte
4.2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/26
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Auseinandersetzung mit der Validen- und Invalidentätigkeit der Beschwerdeführerin
(act. G1 Rz. C/12h).
Wie vom Versicherungsgericht bereits im Verfahren betreffend
Unfallversicherung festgehalten wurde, vermögen die schlüssig gestellten Diagnosen
die anhaltende Symptomatik der Beschwerdeführerin hinlänglich zu erklären (UV
2021/28 E. 2.2). Die Auswirkungen der von der Beschwerdeführerin als massiv
empfundenen kognitiven Defizite wurden mittels neuropsychologischer Testung von
den asim-Gutachtern umfassend beurteilt und gewürdigt und konnten nicht
entsprechend objektiviert werden (vgl. fremd-act. 25-98 ff.). Die Testung ergibt denn
auch ein stimmiges Bild mit der neuropsychologischen Standortbestimmung der
Beschwerdeführerin vom November 2015, bei welcher ebenfalls wenige objektivierbare
kognitive Auffälligkeiten leichter Ausprägung hatten festgestellt werden können (vgl.
Sachverhalt A.d). Damit übereinstimmend konnte das von der Beschwerdeführerin bei
der Begutachtung geklagte verminderte Konzentrationsvermögen (vgl. fremd-act.
25-10) kaum objektiviert werden, stellte die neurologische Teilgutachterin doch fest, die
Beschwerdeführerin habe während der Explorationsphase, welche von 09:00 bis 11:35
Uhr dauerte (fremd-act. 25-76), kein Schmerzverhalten und keine Zeichen erhöhter
Ermüdbarkeit gezeigt (fremd-act. 25-84); und der neuropsychologische Gutachter
stellte über die gesamte Untersuchungsdauer (Anamnese 13:00 bis 14:45 Uhr /
Testung 14:45 bis 16:30 Uhr ohne Pause) eine angemessene Belastbarkeit fest. Auch
er konnte keine auffällige Ermüdung erkennen (fremd-act. 25-103), weder auf Grund
der Verhaltensbeobachtungen noch der Testbefunde (fremd-act. 25-109). Er wies
jedoch darauf hin, dass es möglich sei, dass unter weniger optimalen
Arbeitsbedingungen die Ermüdung leicht ausgeprägter ausgefallen wäre (fremd-act.
25-109). Den gegenüber dem rheumatologischen Gutachter geschilderten Umstand,
dass sie häufig erst nach den Untersuchungen an verstärkten Kopfschmerzen, Übelkeit
und einer Leistungseinbusse leiden würde (fremd-act. 25-67 Mitte), konnte weder der
Neuropsychologe noch der psychiatrische Gutachter feststellen, obwohl diese
Begutachtungen nachmittags stattfanden, nachdem die Beschwerdeführerin jeweils
bereits vormittags untersucht worden war (vgl. fremd-act. 25-7, 25-50, 25-76 und
25-98). Das subjektive Empfinden der Beschwerdeführerin vermag einen - vom
Gutachten abweichenden - Schweregrad der gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht
zu objektivieren. Für dessen Einschätzung ist vielmehr die Gesamtheit der relevanten
Indikatoren zu berücksichtigen und zu würdigen (vgl. nachfolgend E. 4.2.3). Es ist
sodann zwar korrekt, dass im Rahmen der Invalidenversicherung das für die
Unfallversicherung massgebliche organische Substrat (vgl. beschwerdeführerisches
4.2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/26
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Vorbringen in act. G9 Rz. 3) keine Rolle spielt. Eine Objektivierung von geltend
gemachten Beschwerden ist jedoch auch hier vonnöten, denn massgebend für die
Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität sind nur gesundheitliche
Beeinträchtigungen, deren Vorhandensein mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit bejaht werden können (vgl. hierzu nachfolgend E. 4.2.3). Und genau
dieser Nachweis, dass aus psychiatrischer, neurologischer oder neuropsychologischer
Sicht Beeinträchtigungen vorliegen würden, welche ihre quantitative Arbeitsfähigkeit
mindern würden, gelingt der Beschwerdeführerin nicht. Auch ist angesichts der bereits
umfassend vorgenommenen Abklärungen nicht davon auszugehen, dass diesbezüglich
weitere Abklärungen eine Objektivierung ermöglichen würden. Subjektive
Schmerzangaben müssen im Rahmen der sozialversicherungsrechtlichen
Leistungsprüfung mit Blick auf die sich stellenden Beweisschwierigkeiten
rechtsprechungsgemäss durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare
Befunde hinreichend erklärbar sein (BGE 139 V 547 E. 5.4). Festzuhalten ist zudem,
dass die subjektive Einschätzung der Versicherten bzw. ihrer Arbeitgeberin betreffend
ihrer Arbeitsfähigkeit nicht massgebend ist. Vielmehr ist es primär ärztliche Aufgabe,
anhand der objektiven Befunderhebung die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf
die Leistungsfähigkeit zu bestimmen (Urteil des Bundesgerichts vom 3. April 2014,
8C_101/2014, E. 5.1 mit Hinweisen). Dass die von psychiatrischer Seite diagnostizierte
Schmerzstörung für die Beschwerdeführerin belastend ist, stellt keiner der Gutachter in
Abrede. Es wird denn auch der Wechsel des Fokus ihrer psychiatrischen Behandlung
auf diese Schmerzstörung empfohlen (fremd-act. 25-64). Die von der behandelnden
Neurologin und Psychiaterin Dr. N._ erhobenen Diagnosen eines hirnorganischen
Psychosyndroms, einer Contusio cerebri und der Verdachtsdiagnose einer
Felsenbeinfraktur sind jedoch laut neurologischem Teilgutachten der asim organisch
nicht haltbar (fremd-act. 25-93). Dr. N._ erklärt in diesem Zusammenhang selber, die
Symptome bzw. das Krankheitsbild würden sich in ihrer klinischen Dignität häufig den
bildgebenden und neuropsychologischen bzw. neurootologischen Testverfahren
entziehen (IV-act. 96-5). Die von der Beschwerdeführerin geklagte eingeschränkte
allgemeine Belastbarkeit, sowohl psychisch als auch physisch, mit vorzeitiger
Ermüdung, Auftreten von Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen und
Schwindelgefühlen, welche durch kontrastreiche Lichteinflüsse bzw. helles Licht,
Geräusche und Gerüche getriggert würden (vgl. IV-act. 96-6), wurden von den
Gutachtern berücksichtigt und gewürdigt (vgl. u.a. fremd-act. 25-10 unten, 25-18 Frage
3.5, 25-19 oben, 25-63, 25-93 bis 95, 25-116 und 25-120). Selbiges gilt für die gemäss
strukturiertem Beweisverfahren massgeblichen Indikatoren (vgl. hierzu im Speziellen
nachfolgend E. 4.2.3). Insgesamt liegen keine medizinischen Berichte bei den Akten,
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 23/26
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welche geeignet wären, das Gutachten der asim in Frage zu stellen. Dem vom
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin betonten Umstand der ausserordentlichen
Leistungsfähigkeit im Erwerb als auch in der Freizeit (act. G1 Rz. 12d) wird aus
medizinischer Sicht insoweit Rechnung getragen, als die hohe Schulausbildung als
Ressource der Beschwerdeführerin gewürdigt (fremd-act. 25-64) und festgestellt
wurde, dass die Beschwerdeführerin nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im privaten
Bereich eingeschränkt sei (fremd-act. 64). Darüber hinaus müsste das vor Eintritt des
Gesundheitsschadens erzielte Einkommen Ausdruck der geltend gemachten
ausserordentlichen Leistungsfähigkeit bilden, um diese fassbar zu machen (zum
erwerblichen vgl. nachfolgend E. 5).
Da die Beschwerdeführerin vorbringen lässt, das strukturierte Beweisverfahren
sei im vorliegenden Fall nur ungenügend angewendet worden (vgl. act. G9 Rz. 3), ist
dies im Folgenden zu prüfen. Für die Beurteilung des funktionellen
Leistungsvermögens sind - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen)
andererseits - gemäss BGE 141 V 281 in der Regel diverse Standardindikatoren
beachtlich. Für die Beurteilung des asim-Gutachtens ist entscheidend, ob die
Würdigung des Krankheitsbilds und der Arbeitsfähigkeit auf einer umfassenden
Ressourcen- und Konsistenzbeurteilung unter Einbezug der Alltagsaktivitäten der
Beschwerdeführerin beruht. Laut psychiatrischem Gutachter verursacht der Schmerz in
bedeutsamer Weise Leiden und Beeinträchtigungen in sozialen und beruflichen
Funktionsbereichen. Es ergeben sich klinisch und in der neuropsychologischen
Beurteilung der Konsistenz keine Hinweise für Aggravation oder Simulation (fremd-act.
25-62, 25-110 Ziff. 7.3). Auch die neurologische Gutachterin sah keine Hinweise für
namhafte Inkonsistenzen oder für Aggravation oder Simulation (fremd-act. 25-96). Als
Belastungsfaktoren erkannte der psychiatrische Teilgutachter in nachvollziehbarer
Weise die laut Beschwerdeführerin in ihrem Berufsumfeld fehlende Möglichkeit von
Teilzeitstellen sowie die aufgrund des Wechsels vom Studium in den Beruf nicht mehr
in demselben Umfang mögliche sportliche Betätigung (fremd-act. 25-63). Die
Beschwerdeführerin konnte jedoch ihr Arbeitspensum in den Jahren vor Erlass der
angefochtenen Verfügung sukzessive auf ein 50%iges Arbeitspensum ausbauen (vgl.
vorstehend Sachverhalt B.b und B.h) und fand - trotz der beklagten Schmerzen und
Beeinträchtigungen - noch Energie und nahm sich Zeit für andere Aktivitäten wie
Wandern (fremd-act. 25-11) oder Spazieren (fremd-act. 25-52), Fitness (fremd-act.
25-57), die Haushaltsführung mit Ausnahme des Einkaufens (fremd-act. 25-9 und
25-77; vgl. hinsichtlich des Einkaufens aber auch fremd-act. 25-11, 25-77 und 25-79)
4.2.3.
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ihrer eigenen Dreizimmerwohnung (fremd-act. 25-56 unten) und die Regelung ihrer
administrativen Belange (fremd-act. 25-57). Es scheint auch, dass die
Beschwerdeführerin ärztlicherseits ihren Bedürfnissen entsprechend versorgt wird.
Dazu gehören Kontrolluntersuchungen und verschiedenste Therapien (fremd-act.
25-13). Die psychiatrische Behandlung erlebt die Beschwerdeführerin als positive
Beratung und emotionale Unterstützung (fremd-act. 25-52). Psychopharmaka und
Schmerzmittel nimmt die Beschwerdeführerin keine ein (fremd-act. 25-57 und 25-68).
Sodann verfügt sie über ein intaktes soziales Netzwerk umfassend Familie (vgl. fremd-
act. 25-9 unten sowie fremd-act. 25-56) und Freunde (fremd-act. 25-56 unten, 25-83
Mitte, 25-102 unten), welches ihr als Stütze und Ressource dient. Auch steht sie in
einer Beziehung (fremd-act. 25-56). Insgesamt lebt die Beschwerdeführerin weder
zurückgezogen noch vermeidet sie den Kontakt zu anderen Personen, auch wenn sie
es vorzieht, Freunde einzeln und nicht in Gruppen zu treffen (fremd-act. 25-11, 25-57
und 25-79 f.). Auch ist sie fähig, ein Motorfahrzeug sicher zu führen (fremd-act. 25-80
und 25-100) und Fahrrad zu fahren, wenn auch nur für kurze, verkehrsarme Strecken
(fremd-act. 25-11, 25-56 und 25-80). Auch Zugfahren ist ihr möglich (fremd-act. 25-100
unten). Ihre Termine nimmt sie jeweils alleine, ohne Begleitung wahr (fremd-act. 25-100
unten). In Anbetracht des Gesagten ist festzuhalten, dass die Erkenntnisse aus der
Würdigung der Standardindikatoren passend zur gutachterlichen
Arbeitsfähigkeitseinschätzung von 100 % sind. Es ist nachvollziehbar, dass die
Gutachter zum Schluss gelangten, dass die Beschwerdeführerin über ausreichende
kognitive Fähigkeiten und Ressourcen verfügt, um bei einer Tätigkeit auf
bildungsentsprechendem Anforderungsniveau im ersten Arbeitsmarkt bestehen zu
können (vgl. fremd-act. 25-110 und 25-20 f.). Die Beschwerdeführerin legt denn auch
nicht substantiiert dar, welche leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren oder
konsistenzrelevanten Aspekte die asim-Gutachter ausser Acht gelassen hätten. Die
medizinische Aktenlage erlaubt nach dem Gesagten entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin eine schlüssige Beurteilung im Licht der massgeblichen
Indikatoren
Insgesamt ist in Übereinstimmung mit dem zuständigen Arzt vom RAD (vgl. IV-act.
113 und 125) festzuhalten, dass auf das asim-Gutachten abgestellt werden kann.
Folglich ist von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für
Tätigkeiten auf bildungsentsprechendem Anforderungsniveau auszugehen, wobei die
im Konsensgutachten der asim empfohlenen Adaptionskriterien sowie die aus HNO-
ärztlicher Sicht ausgenommenen sturzgefährdeten Arbeiten (vg. Erw. 4.2) zu
berücksichtigen sind.
4.3.
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5.
Da die Beschwerdeführerin vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung
entsprechend ihrer akademischen Ausbildung als Bewegungswissenschaftlerin mit
Schwerpunkt Biomechanik tätig gewesen ist und da ihr trotz der
Gesundheitsbeeinträchtigung eine leidensadaptierte Tätigkeit in diesem Bereich
uneingeschränkt zugemutet werden kann, entspricht der Ausgangswert des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens grundsätzlich dem
Valideneinkommen (vgl. zum Einkommensvergleich vorstehend E. 2.2). Dafür, dass eine
leidensadaptierte Tätigkeit (vgl. vorstehend E. 4.3) im erlernten Berufsfeld der
Beschwerdeführerin auf dem massgeblichen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl.
vorstehend E. 2.2) nicht auffindbar sein soll, bestehen keine Anhaltspunkte. Damit ist
einer allfälligen Weiterentwicklung im Beruf sowohl auf Validen- wie auch auf
Invalidenseite Beachtung geschenkt (zur Berücksichtigung der beruflichen
Weiterentwicklung im Gesundheitsfall vgl. SVR 2010 IV Nr. 49). Ein zusätzlicher
Lohnabzug ist angesichts der uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit nicht zu
berücksichtigen. In einem sogenannten Prozentvergleich resultiert deshalb ein
Invaliditätsgrad von null Prozent.
6.
Zurückkommend auf den Antrag bezüglich beruflicher Massnahmen bedeutet der
ermittelte Invaliditätsgrad von unter 40 %, dass keine Eingliederungspflicht seitens der
Beschwerdegegnerin bestand. Die Rentenverfügung erfolgte nicht verfrüht und der
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" wurde nicht verletzt. Eingliederungsmassnahmen
bzw. deren implizite Verneinung bildeten damit auch nicht notwendigerweise
Gegenstand der Verfügung vom 6. Dezember 2021 (vgl. vorstehende E. 1) und auf die
Beschwerde ist mangels Anfechtungsobjekts in diesem Punkt nicht einzutreten.
6.1.
Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 6. Dezember 2021 nicht zu
beanstanden und die Beschwerde betreffend Rente abzuweisen.
6.2.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr daran anzurechnen.
6.3.
bis
Ausgangsgemäss besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung.6.4.
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7.
Da die Gerichtsschreiberin verhindert ist, wird der Entscheid für diese stellvertretend
von der beim Entscheid mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art. 39 Abs. 2 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).