Decision ID: 18ed1ac7-95b6-55bb-98c0-478673308d55
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X und Y sind verheiratet und wohnen zusammen mit ihren beiden Kindern A
(Jahrgang 2000) und B (Jahrgang 2002) in E. X ist als Treuhänder und Y als
Spielgruppenleiterin unselbständig erwerbstätig. Sie deklarierten für das Jahr 2013 ein
steuerbares Einkommen von Fr. 161‘300.– und ein steuerbares Vermögen von
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Fr. 135‘374.–. In der Steuererklärung machten sie einen Ausbildungskostenabzug für
die Skisportausbildung von A an der Sportschule N. von Fr. 6'256.– geltend. Die
Veranlagungsbehörde liess diesen Betrag nicht zum Abzug zu und veranlagte die
Ehegatten am 17. Juni 2014 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 169‘800.– und
einem steuerbaren Vermögen von Fr. 135‘000.–.
B.- Gegen diese Veranlagung erhoben X und Y mit Schreiben vom 2. Juli und 20.
August 2014 Einsprache mit dem Antrag, der in der Steuererklärung in Abzug
gebrachte Betrag von Fr. 6'256.– sei als Abzug für Ausbildungskosten der Kinder zu
akzeptieren. Mit Entscheid vom 26. August 2014 wies das Kantonale Steueramt die
Einsprache ab. Es begründete seinen Entscheid mit Verweis auf SGE 2012 Nr. 3 damit,
in der obligatorischen Grundschule könnten grundsätzlich keine beruflichen
Ausbildungskosten anfallen, weshalb in diesem Ausbildungsstadium auch keine
Aufwendungen für Musik- und Sportunterricht abziehbar seien. Bei einem
Oberstufenschüler sei nicht ersichtlich, inwieweit die Kosten für den Skisport
Ausbildungskosten im engeren Sinne darstellen würden und dies der Erlernung eines
entsprechenden Berufes dienen solle, auch wenn er die Sportschule besuche. Kosten
der freiwilligen Sportausbildung würden nicht als abzugsfähige Ausbildungskosten
betrachtet. Sie seien als nicht abziehbare Lebenshaltungskosten
(Freizeitbeschäftigung) aufzufassen.
C.- Mit Eingabe vom 25. September 2014 erhoben X und Y gegen den
Einspracheentscheid bei der Verwaltungsrekurskommission Rekurs. Sie beantragten
die Anerkennung eines Betrags von Fr. 6'718.– als Ausbildungskosten, unter Kosten
und Entschädigungsfolge. Mit Schreiben vom 3. November 2014 beantragte die
Vorinstanz unter Hinweis auf die Begründung des Einspracheentscheids die Abweisung
des Rekurses.
Auf weitere Einzelheiten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
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Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 25. September 2014 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG, und
Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die geltend gemachten Aufwendungen für A an der
Sportschule N als Ausbildungskosten im Sinne von Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 StG vom
Einkommen in Abzug gebracht werden können.
a) Die Vorinstanz stellt sich im Einspracheentscheid mit Verweis auf das St. Galler
Steuerbuch (abgekürzt: StB) auf den Standpunkt, unter den abziehbaren
Ausbildungskosten im Sinne von Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 StG verstehe man die
Kosten für die Erlernung eines Berufes. Es müsse ein innerer Zusammenhang im Sinne
der Berufsvorbereitung gegeben sein. In erster Linie würden dazu die Kosten der
Grund- oder der Allgemeinausbildung gehören. Die Ausbildungskosten würden die
üblichen, durch den Steuerpflichtigen bezahlten Auslagen für Schulgelder, Lehrmittel,
Prüfungsgebühren, gezielten Spezialunterricht, Drucklegung von Dissertationen,
Exkursionen, Fahrkosten, Unterkunft und notwendige Mehrkosten der auswärtigen
Verpflegung umfassen. Es würden die gleichen Pauschalansätze wie für
Berufsauslagen gelten. Aufwendungen für den Musik- und Sportunterricht seien nur
abzugsfähig, wenn sie zu entsprechenden Ausbildungen oder Berufen führen, wie
Musiklehrer, Turn- oder Skilehrer usw. In der obligatorischen Grundschule könnten
grundsätzlich keine beruflichen Ausbildungskosten anfallen, weshalb in diesem
Ausbildungsstadium auch keine Aufwendungen für den Musik- und Sportunterricht
abziehbar seien (StB 48 Nr. 1 Ziff. 2.7). So seien beispielsweise Kosten für den
Tennisunterricht von Kindern im Grundschulalter nicht abzugsfähig, selbst wenn die
Kinder eine Karriere als Tennisprofi anstrebten. Diese Überlegungen seien dem
Entscheid SGE 2012 Nr. 3 (VRKE I/1-2011/103 vom 15. März 2012, in:
www.gerichte.sg.ch) entnommen worden. Wie beim Tennisunterricht werde auch durch
das Skitraining als solches kein Abschluss erreicht, der für die Ausübung eines Berufes
notwendig sei. Auch beim Besuch einer Privatschule mit beispielsweise musischem
oder sportlichem Schwerpunkt würden die daraus resultierenden Zusatzkosten
Lebenshaltungskosten darstellen, die steuersystematisch nicht zum Abzug berechtigen
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würden. Eine Privilegierung der Eltern, die sich für eine leistungssportbezogene
Grundausbildung entscheiden, würde einer ungerechtfertigten Besserstellung
gleichkommen. Selbst wenn es nicht ausgeschlossen sei, dass A einmal Profi-
Skirennfahrer werde, könnten die dadurch anfallenden Kosten nicht in Abzug gebracht
werden, da keine klare Abgrenzung zur Freizeitbeschäftigung möglich sei.
Die Rekurrenten machen geltend, die deklarierten Aufwendungen von Fr. 9'718.– seien
für den Kaderbeitrag, für verschiedene Trainings und Lager, für Verpflegungskosten,
Sportgeräte, Sportkleider, Transportkosten, etc. zu ihren Lasten angefallen. Diese
Kosten seien nicht abschliessend aufgeführt, seien doch noch diverse Kosten bar
bezahlt worden, die nicht in der Kostenrechnung aufgeführt seien. A besuche die
Sportschule der Oberstufe und bereite sich auf eine weiterführende Sportschule wie D
oder S vor. Sein Ziel sei es, einst Profi-Skirennfahrer zu werden. Minderjährige
Sportschüler (wie Tennisspieler, Fussballer etc.) erreichten immer wieder Einkünfte,
welche dann auch versteuert werden müssten. Sie würden dann wie mündige
Steuerpflichtige behandelt. Einerseits würden diese Einkünfte von Sportschülern
besteuert, andererseits sei es Eltern von minderjährigen Sportschülern nicht möglich,
Ausbildungskosten für Kinder in Sportschulen abzuziehen. Das sei nicht
nachvollziehbar und widerspreche jeglicher Rechtsauffassung.
b) Gemäss Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 StG können vom Reineinkommen höchstens
weitere Fr. 13'000.– für Ausbildungskosten für jedes unter der elterlichen Sorge
stehende oder volljährige Kind, das in der schulischen oder beruflichen Ausbildung
steht, abgezogen werden, soweit sie der Steuerpflichtige selber trägt und sie Fr.
3'000.– übersteigen.
Die Verwaltungsrekurskommission hielt in dem von der Vorinstanz zitierten Entscheid
(VRKE I/1-2011/103 vom 15. März 2012, Erw. 2.b, in: www.gerichte.sg.ch) fest, der
Begriff der Ausbildungskosten werde restriktiv ausgelegt. Das Kantonale Steueramt
nahm die Überlegungen aus jenem Entscheid in seine Weisungen (StB 48 Nr. 1 Ziff.
2.7) auf. Die Kommentatoren schlossen sich dieser Auffassung an (Zigerlig/Oertli/
Hofmann, Das St. Gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, II. Teil, N 671). Eine solche
Auslegung habe den Vorteil, dass sie eine klare Abgrenzung erlaube und damit eine
rechtsgleiche Behandlung der steuerpflichtigen Personen erleichtere. Würde der Begriff
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"Ausbildung" weiter verstanden, wäre keine klare Abgrenzung zu Freizeitaktivitäten
bzw. zu Spiel und Sport mehr möglich (VRKE I/1-2011/103 vom 15. März 2012, Erw.
2.b, in: www.gerichte.sg.ch; vgl. auch NStP 49/1995, S. 159 ff.).
Die in der Steuererklärung 2013 von den Rekurrenten in Abzug gebrachten Kosten
bestehen aus Kurskosten für Gletschertrainingskurse (Fr. 6'432.–), Verpflegungskosten
während der Trainings (Fr. 199.–), Ausgaben für Sportgeräte und Sportkleider
(Fr. 2'198.60), Transportkosten (Fr. 401.10) und diversen Ausgaben wie z.B. für
Skipräparationsmaterial oder für eine Saisonkarte (Fr. 487.35). Diese Kosten sind
aufgrund der dargelegten Grundsätze nicht als schulische Ausbildungskosten
aufzufassen, da der Zusammenhang mit der schulischen Ausbildung in der
Oberstufenklasse fehlt. Gemäss den Informationen zur Sportschule auf der Webseite
der Schule N (www.---.ch, zuletzt besucht am 19. Januar 2015) ist die Sportschule in
die reguläre Oberstufe integriert. Die Athleten besuchen den Unterricht in der
entsprechenden Regelklasse und werden für Training und Wettkampf grosszügig
freigestellt. Die Trainingseinheiten müssen bei einem Verband mit ausgebildeten
Trainern absolviert werden. Der Stundenplan ist angepasst an die Trainingseinheiten
des Ostschweizer Skiverbandes OSSV.
Es ist zu prüfen, ob die von den Rekurrenten deklarierten Kosten als
Ausbildungskosten für die berufliche Ausbildung ihres Sohnes zum Profisportler
(Skirennfahrer) verstanden werden können. Nach der Rechtsprechung der
Verwaltungsrekurskommission sind während der Dauer der obligatorischen
Grundschule für die Kinder keine beruflichen Ausbildungskostenabzüge im Sinne von
Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 StG möglich (VRKE I/1-2011/103 vom 15. März 2012, Erw.
2.c, in: www.gerichte.sg.ch). Eine Privilegierung der Eltern, die sich für eine
leistungssportbezogene Grundausbildung ihrer Kinder entscheiden, käme einer
ungerechtfertigten Besserstellung gleich (vgl. Stellungnahme des Bundesrates vom 18.
August 2010 zur Motion "Steuerabzug für leistungssportbezogene Grundausbildung",
Fundstelle in Curia Vista unter Nr. 10.3441). An dieser Rechtsprechung ist auch im
vorliegenden Fall festzuhalten. Der Abzug in der Höhe von Fr. 9'718.– (abzüglich
Selbstbehalt von Fr. 3'000.–) für effektiv angefallene Kosten bei der Skisportausbildung
von A, welche die Rekurrenten geltend gemacht haben, ist ihnen von der Vorinstanz zu
Recht nicht gewährt worden.
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Neben dem Kanton St. Gallen kennt beispielsweise auch der Kanton Bern einen
Ausbildungskostenabzug. Dieser wird – wie nach st. gallischen Recht – nur unter
restriktiven Bedingungen gewährt. Demnach sind Kosten der freiwilligen Sport- oder
Musikausbildung nicht abzugsfähige Ausbildungskosten, sondern werden als
Einkommensverwendung im Sinne der Lebenshaltung betrachtet (Leuch/Kästli/
Langenegger, Praxiskommentar zum Berner Steuergesetz, Bern/Muri 2014, N 34 zu
Art. 40 StG; Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 31. August
1995 i.S. B., in: NStP 49/1995, S. 159 ff.).
A besucht freiwillig die Sportschule der Oberstufe N. Die Skisportausbildung ist von der
schulischen Ausbildung getrennt. Die Kosten, die bei der verbandsinternen
Sportausbildung des OSSV entstehen, sind keine berufsbedingten Ausbildungskosten.
Es handelt sich nicht um eine berufliche Ausbildung. Die Sportschule N wird nicht nur
von Leuten besucht, die Profiskirennfahrer oder Skilehrer werden wollen. Denkbar ist
auch, dass jemand die Sportschule alleine aus Freude am Sport besucht und ein völlig
anderes Berufsziel hat.
c) Im Rekurs wird vorgebracht, verschiedene minderjährige Sportschüler würden immer
wieder Einkünfte erreichen, welche dann auch versteuert werden müssten. Es trifft zu,
dass diese Einkünfte entweder von den Eltern der minderjährigen Sportschüler, oder –
wenn die Tätigkeit im Rahmen einer Erwerbstätigkeit der Minderjährigen im Sinne von
Art. 20 Abs. 4 lit. b StG ausgeübt wird – von diesen selbst als Einkommen zu
versteuern sind. In diesen Fällen wären die Ausgaben für Material und Training
allenfalls als Gewinnungskosten (Berufskosten) abziehbar (Art. 39 StG). In der
Steuererklärung des Jahres 2013 der Rekurrenten wurden indessen keine Einkünfte
aus dem Skisport des Sohnes deklariert. Infolge fehlender Einkünfte entfällt auch die
Möglichkeit, Gewinnungskosten zum Abzug zu bringen. Auch wenn nicht
ausgeschlossen ist, dass A dereinst den Status eines Profiskirennfahrer erreichen wird
und aus dieser Tätigkeit auch ein Erwerbseinkommen erzielen wird, können die im Jahr
2013 angefallenen Kosten gestützt auf die obigen Überlegungen nicht in Abzug
gebracht werden, da sie sich weder als schulische noch als berufliche
Ausbildungskosten erweisen und keine Berufskosten sind.
d) Zusammenfassend erweist sich der Rekurs als unbegründet und ist abzuweisen.
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3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten von den
Rekurrenten zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.– ist
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.– ist zu verrechnen.