Decision ID: 2c0ae28c-3fb0-57d7-ada9-5c921ca654fc
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin – eine am (...) 1990 geborene Staatsangehörige
aus Bosnien und Herzegowina – wurde am 28. November 2017 im
B._ des C._ in D._ anlässlich einer gemeinsamen
Fahndungsaktion der Kantonspolizei Aargau, der Regionalpolizei Zofingen
und der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm beobachtet, wie sie im Service
tätig war (Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1, S. 2 [Wahrnehmungsbericht
von Staatsanwältin E._ vom 29. November 2017] und S. 3 [Bericht
von Polizist F._ vom 29. November 2017]). Es stellte sich heraus,
dass sie dies tat, ohne über eine entsprechende Arbeitsbewilligung zu ver-
fügen.
Am 29. November 2017 wurde die Beschwerdeführerin von der Kantons-
polizei Aargau zur Sache einvernommen (SEM-act. 2). Dabei erklärte sie
im Wesentlichen, am 16. November 2017 nur wegen ihrem Freund in die
Schweiz gekommen zu sein. Mit diesem habe sie das B._ des
C._ aufgesucht. Es stimme, dass sie hinter die Bar gegangen sei,
jedoch habe sie lediglich für sich einen Kaffee herausgelassen. Sie sei nur
für eine Stunde dort gewesen. Gearbeitet habe sie dort nicht. Sie wisse,
dass sie in der Schweiz nicht arbeiten dürfe.
Im Rahmen der Einvernahme wurde der Beschwerdeführerin das rechtli-
che Gehör zu einer allfälligen Verhängung einer Fernhaltemassnahme
(Einreiseverbot) gewährt. Diesbezüglich erklärte sie, sie hoffe nicht, dass
dies passiere. Sie möchte wieder in die Schweiz kommen (SEM-act. 2,
S. 20 Ziff. 47).
B.
Mit Verfügung vom 30. November 2017 wurde die Beschwerdeführerin vom
Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau gestützt auf den
festgestellten Sachverhalt und ihre Aussage aus der Schweiz weggewie-
sen und aufgefordert, die Schweiz und das Schengen-Gebiet umgehend
zu verlassen (SEM-act. 1, S. 10 ff.).
C.
Mit Strafbefehl vom 30. November 2017 verurteilte die Staatsanwaltschaft
Zofingen-Kulm die Beschwerdeführerin wegen rechtswidrigen Aufenthalts
im Sinne von Art. 115 Abs. 1 Bst. b AuG (SR 142.20) und Erwerbstätigkeit
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ohne Bewilligung im Sinne von Art. 115 Abs. 1 Bst. c AuG zu einer Geld-
strafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 60.‒, bedingt aufgeschoben bei einer
Probezeit von zwei Jahren, und zu einer Busse von Fr. 900.‒ (Akten des
Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1, Beschwerdebeilage 1). Gegen
den Strafbefehl erhob die Beschwerdeführerin am 1. Dezember 2017 Ein-
sprache (BVGer-act. 1, Beschwerdebeilage 2).
D.
Am 30. November 2017 verhängte die Vorinstanz über die Beschwerde-
führerin ein ab 2. Dezember 2017 bis 1. Dezember 2018 gültiges Einreise-
verbot, ordnete die Ausschreibung zur Einreiseverweigerung im Schenge-
ner Informationssystem (SIS II) an und entzog einer Beschwerde die auf-
schiebende Wirkung.
E.
Mit Eingabe vom 31. Dezember 2017 liess die Beschwerdeführerin gegen
das Einreiseverbot beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben
und beantragen, die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 30. Novem-
ber 2017 sei aufzuheben und es sei von der Ansetzung eines Einreisever-
bots wie auch von einer Ausschreibung im SIS II abzusehen. In prozessu-
aler Hinsicht wurde die einstweilige Sistierung des vorliegenden Beschwer-
deverfahrens bis zum rechtskräftigen Abschluss des bei der Staatsanwalt-
schaft Zofingen-Kulm hängigen Strafverfahrens beantragt.
Auf die Begründung der Beschwerde wird – soweit entscheidrelevant – in
den Erwägungen eingegangen.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 12. Januar 2018 teilte der vormals zuständige
Instruktionsrichter der Beschwerdeführerin mit, für eine Sistierung des Be-
schwerdeverfahrens seien derzeit keine Gründe ersichtlich. Einerseits
handle es sich beim vorliegenden Administrativverfahren und dem bei der
Staatsanwaltschaft hängigen Strafverfahren um zwei verschiedene Verfah-
ren. Andererseits liege es im Interesse der Beschwerdeführerin, dass die
vorliegende Beschwerde möglichst rasch einem Entscheid zugeführt
werde. Gleichzeitig wurde die Beschwerdeführerin zur Leistung eines Kos-
tenvorschusses aufgefordert.
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 9. März 2018 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde.
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H.
Mit Replik vom 21. März 2018 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträ-
gen fest und ersuchte um Gutheissung der Beschwerde.
Auf die Begründung der Eingabe wird – soweit entscheidwesentlich – in
den Erwägungen zurückgekommen.
I.
Auf den weiteren Akteninhalt wird – soweit rechtserheblich – in den Erwä-
gungen eingegangen.
J.
Aus organisatorischen Gründen hat ein Wechsel des Instruktionsrichters
stattgefunden. Demnach entscheidet vorliegend der neu zuständige In-
struktionsrichter als vorsitzender Richter. Der vormalige Instruktionsrichter
wurde im Spruchkörper als Zweitrichter eingesetzt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde.
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde
legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1
VwVG). Über sie entscheidet das Bundesverwaltungsgericht endgültig
(Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
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2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht
von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-
dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus
anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen.
Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-
scheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
3.1 Landesrechtliche Grundlage der angefochtenen Verfügung vom
30. November 2017 bildet Art. 67 AuG, der in den Absätzen 1 und 2 ver-
schiedene Tatbestände aufführt, die ein Einreiseverbot nach sich ziehen
oder nach sich ziehen können. Gemäss Art. 67 Abs. 1 Bst. a AuG verfügt
das SEM ein Einreiseverbot unter Vorbehalt von Absatz 5 gegenüber weg-
gewiesenen Ausländerinnen und Ausländern, wenn die Wegweisung nach
Art. 64d Abs. 2 Bst. a – c AuG sofort vollstreckt wird. Gestützt auf Art. 67
Abs. 2 Bst. a AuG kann das SEM ein Einreiseverbot gegenüber ausländi-
schen Personen verfügen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese gefähr-
den. Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von höchstens fünf Jahren
verfügt. Es kann für eine längere Dauer angeordnet werden, wenn die be-
troffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit
und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AuG). Aus humanitären oder anderen
wichtigen Gründen kann die verfügende Behörde ausnahmsweise von der
Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder ein Einreiseverbot end-
gültig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AuG).
3.2 Das Einreiseverbot stellt keine Sanktion für vergangenes Fehlverhalten
dar, sondern dient der Abwendung einer künftigen Störung der öffentlichen
Sicherheit und Ordnung (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Aus-
länderinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [nachfolgend: Botschaft] BBl
2002 3813; vgl. dazu auch BVGE 2008/24 E. 4.2). Die öffentliche Sicher-
heit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG bildet den Ober-
begriff der polizeilichen Schutzgüter. Dabei umfasst die öffentliche Ord-
nung die Gesamtheit der ungeschriebenen Ordnungsvorstellungen, deren
Befolgung nach der herrschenden sozialen und ethischen Anschauung als
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unerlässliche Voraussetzung eines geordneten menschlichen Zusammen-
lebens anzusehen ist. Die öffentliche Sicherheit bedeutet die Unverletzlich-
keit der objektiven Rechtsordnung, der Rechtsgüter der Einzelnen (Leben,
Gesundheit, Freiheit, Eigentum usw.) sowie der Einrichtungen des Staates
(Botschaft, a.a.O., S. 3809). Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit
und Ordnung liegt unter anderem vor, wenn gesetzliche Vorschriften oder
behördliche Verfügungen missachtet werden (vgl. Art. 80 Abs. 1 Bst. a der
Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Er-
werbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]). Unter diese Begriffsbestimmung fallen
auch Widerhandlungen gegen Normen des Ausländerrechts. Der Schluss
auf eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dagegen
setzt konkrete Anhaltspunkte dafür voraus, dass der Aufenthalt der be-
troffenen Person in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu ei-
nem Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung führen wird
(Art. 80 Abs. 2 VZAE). Bestand ein solches Verhalten in der Vergangenheit,
so wird die Gefahr entsprechender künftiger Störungen von Gesetzes we-
gen vermutet (vgl. Urteil des BVGer F-5570/2016 vom 22. März 2018
E. 4.2). Bei Drittstaatsangehörigen kommt der Rückfallgefahr sodann nicht
dieselbe zentrale Bedeutung zu wie bei freizügigkeitsberechtigten Perso-
nen, und es darf auch generalpräventiven Überlegungen Rechnung getra-
gen werden (vgl. BGE 139 II 121 E. 5.3; 136 II 5 E. 4.2).
3.3 Wird gegenüber einer Person, welche nicht die Staatsangehörigkeit ei-
nes Mitgliedstaats der Europäischen Union oder der Europäischen Frei-
handelsassoziation besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird sie nach
Massgabe und Bedeutung des Falles im SIS II zur Einreiseverweigerung
ausgeschrieben (vgl. Art. 21 und Art. 24 der Verordnung [EG] Nr.
1987/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezem-
ber 2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des Schenge-
ner Informationssystems der zweiten Generation [SIS-II-VO, Abl. L 381/4
vom 28. Dezember 2006]; Art. 21 der N-SIS-Verordnung vom 8. März 2013
[SR 362.0]). Damit wird der betroffenen Person grundsätzlich die Einreise
in das Hoheitsgebiet aller Schengen-Staaten verboten (vgl. Art. 6 Abs. 1
Bst. d sowie Art. 14 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 2016/399 des Europä-
ischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 über einen Gemein-
schaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [Schen-
gener Grenzkodex] [kodifizierte Fassung] Abl. L 77 vom 23. März 2016
[nachfolgend: SGK] sowie Art. 32 Abs. 1 Bst. a Ziff. v und vi der Verordnung
[EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft [Visakodex, Abl. L
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243/1 vom 15. September 2009]). Die Mitgliedstaaten können ihr aus wich-
tigen Gründen oder aufgrund internationaler Verpflichtungen die Einreise
gestatten beziehungsweise ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit
ausstellen (vgl. Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK und Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visako-
dex).
4.
4.1 Zur Begründung des Einreiseverbots hält die Vorinstanz fest, die Aus-
übung einer unbewilligten Erwerbstätigkeit stelle einen Verstoss gegen die
Einreisevoraussetzungen des Ausländerrechts dar, womit auch gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen worden sei (Art. 67 Abs. 2
Bst. a AuG i.V.m. Art. 80 Abs. 1 Bst. a und Art. 80 Abs. 2 VZAE). Die Verfü-
gung einer Fernhaltemassnahme zum Schutz der öffentlichen Sicherheit
und Ordnung sei unabhängig eines allfälligen Strafverfahrens angezeigt.
Auch gestützt auf Art. 67 Abs. 1 Bst. b (recte: Bst. a) AuG sei ein Einreise-
verbot anzuordnen. Dieses erweise sich auch unter Berücksichtigung der
Stellungnahme im Rahmen des rechtlichen Gehörs als verhältnismässig
und gerechtfertigt.
4.2 Demgegenüber wird in der Beschwerde im Wesentlichen geltend ge-
macht, Polizist F._ erwähne in seinem Bericht einleitend, dass ihm
der Geschäftsführer des C._ bestens bekannt sei. Es sei nur zu
offensichtlich, dass er diesem und damit dem gesamten Lokal voreinge-
nommen gegenüberstehe, womit die Objektivität seines Berichts klar in
Frage gestellt werden müsse. Hinzu komme, dass er seine Wahrnehmun-
gen von ausserhalb des Lokals gemacht habe und die von ihm behauptete,
von der Beschwerdeführerin indessen grösstenteils bestrittene Verhaltens-
weise nicht zwingend als Arbeitsleistung verstanden werden dürfe, son-
dern auch als blosse und straflose Gefälligkeitshandlung qualifiziert wer-
den könnte. Eindeutige und für eine Arbeitstätigkeit typische Handlungen
wie etwa das Einkassieren bei Gästen habe nämlich auch F._ nicht
feststellen können. Aufgrund seines Berichts sei jedenfalls nicht erwiesen,
dass die Beschwerdeführerin den Tatbestand von Art. 115 Abs. 1 Bst. c
AuG erfüllt habe. Staatsanwältin E._ wolle gesehen und gehört ha-
ben, wie ein Gast bei der Beschwerdeführerin ein Bier bestellt habe. Wel-
che Wahrnehmungen sie von ausserhalb des Lokals gemacht habe, sei
jedoch nicht bekannt. Was Polizist F._ in seinem Bericht ausgeführt
habe, sei von ihr nicht bestätigt worden und bleibe somit eine blosse Be-
hauptung. Andererseits stehe in dessen Bericht nichts davon, was die
Staatsanwältin beobachtet haben wolle. Bezüglich ihrer Wahrnehmung sei
sodann nicht bekannt, in welcher Sprache die angebliche Bierbestellung
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erfolgt sein solle. Insgesamt seien die Berichte von Polizei und Staatsan-
waltschaft kaum verlässlich.
Weitere Beweismittel, welche die behauptete Arbeitstätigkeit belegen wür-
den, seien nicht vorhanden. So seien typische Utensilien wie Lokalschlüs-
sel oder Serviceportemonnaie nicht sichergestellt worden. Auch würden
keine Urkunden vorliegen, die nachweisen würden, dass die Beschwerde-
führerin ein Arbeitsentgelt erhalten hätte. Ihr Freund sei auch für ihren Le-
bensunterhalt aufgekommen, weshalb sie keinerlei Veranlassung gehabt
habe, in der Schweiz illegal zu arbeiten.
Bei Wegfall der strafrechtlichen Verurteilung bestehe kein Anlass, gegen
die Beschwerdeführerin ein Einreiseverbot zu verhängen. Ein Verstoss ge-
gen die öffentliche Sicherheit und Ordnung könne dann klar verneint wer-
den. Konkrete Anhaltspunkte für eine Gefährdung würden keine vorliegen.
5.
5.1 Die Vorinstanz stützt die Fernhaltemassnahme auf die kantonalen Ak-
ten, wonach die Beschwerdeführerin in der Schweiz erwerbstätig gewesen
sei, ohne im Besitz der erforderlichen ausländerrechtlichen Bewilligung zu
sein. Die Beschwerdeführerin ihrerseits bestreitet, einer Arbeit nachgegan-
gen zu sein. Es ist jedoch nicht ersichtlich, inwiefern die von Staatsanwältin
E._ und Polizist F._ gemachten Beobachtungen und der da-
rauf beruhende Strafbefehl vom 30. November 2017 zu bezweifeln sein
sollten. Die diesbezüglich auf Beschwerdeebene vorgebrachten Argu-
mente vermögen nicht zu überzeugen, weshalb es sich erübrigt, darauf nä-
her einzugehen. In der Beschwerde wird eine „Gefälligkeitshandlung“ ein-
gestanden. Als bewilligungspflichtige Erwerbstätigkeit im Sinne von Art. 11
Abs. 1 AuG gilt jede üblicherweise gegen Entgelt ausgeübte unselbstän-
dige oder selbständige Tätigkeit, selbst wenn sie unentgeltlich erfolgt
(Art. 11 Abs. 2 AuG). Der Begriff der Erwerbstätigkeit ist weit zu fassen (Ur-
teil des BVGer F-4314/2016 vom 6. Juni 2017 E. 6.5). Entgegen der An-
sicht der Beschwerdeführerin kommt es nicht darauf an, ob ihr ein Entgelt
ausbezahlt wurde. Ebenso wenig kann entscheidend sein, ob sie über ty-
pische, für eine Servicetätigkeit benötigte Utensilien verfügte. Massgebend
für die Annahme einer bewilligungspflichtigen Erwerbstätigkeit ist vorlie-
gend einzig, dass die von der Beschwerdeführerin ausgeübte Tätigkeit üb-
licherweise gegen Entgelt erbracht wird (vgl. statt vieler: Urteil des BGer
6B_277/2011 vom 3. November 2011 E. 1.5.2; Urteile des BVGer
F-4638/2016 vom 23. Mai 2017 E. 4.4; F-5969/2016 vom 28. September
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2017 E. 6.3; vgl. EGLI/MEYER, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Kom-
mentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG],
2010, Art. 11 N. 6). Somit fällt auch die zugegebene „Gefälligkeitshandlung“
unter den Begriff der bewilligungspflichtigen Erwerbstätigkeit. Die Grund-
sätze der Einheit der Rechtsordnung sowie der Rechtssicherheit gebieten,
dass das Bundesverwaltungsgericht den vorliegenden Sachverhalt recht-
lich nicht abweichend vom Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zofingen-
Kulm vom 30. November 2017 würdigt (BGE 139 II 95 E. 3.2; 137 II 363
E. 2.3.3; 124 II 103 1c/bb; Urteil des BGer 1C_98/2017 vom 2. Juni 2017
E. 2.4; Urteil des BVGer C-3333/2011 vom 19. September 2013 E. 7.4),
zumal vorliegend auch keine sachlichen Gründe ersichtlich sind, um von
der Einschätzung der Strafbehörde abzuweichen (vgl. BGE 136 II 447
E. 3.1).
5.2 Soweit die Beschwerdeführerin einwendet, bei Wegfall der strafrechtli-
chen Verurteilung bestehe keinerlei Veranlassung, ein Einreiseverbot zu
verhängen, ist darauf hinzuweisen, dass die Anordnung eines Einreisever-
bots gemäss ständiger Rechtsprechung auch dann ergehen kann, wenn
ein rechtskräftiges Strafurteil fehlt, sei es, weil ein Strafverfahren noch nicht
eröffnet wurde, noch hängig ist oder eingestellt wurde. Es genügt also,
dass Verdachtsmomente vorliegen, die von der Behörde als hinreichend
konkret erachtet werden, wobei die Unschuldsvermutung im Administrativ-
verfahren grundsätzlich keine Geltung beanspruchen kann (vgl. Urteil des
BVGer F-3374/2016 vom 18. Juni 2018 E. 5.2). In diesem Sinne wurde mit
Zwischenverfügung vom 12. Januar 2018 auf eine Sistierung des vorlie-
genden Beschwerdeverfahrens verzichtet (vgl. Sachverhalt, Bst. F). Die
Beschwerdeführerin kann demzufolge mit ihrem replikweise vorgebrachten
Argument, wonach mit Ausnahme der strafrechtlichen Vorwürfe keinerlei
weitere Anhaltspunkte vorliegen würden, welche eine Polizeigefahr stütz-
ten, weshalb deren Beurteilung zentrale Bedeutung zukomme, nichts zu
ihren Gunsten ableiten.
5.3 Nach dem Gesagten ist die vorliegend in Frage stehende Tätigkeit als
bewilligungspflichtige Erwerbstätigkeit im Sinne von Art. 11 Abs. 1 AuG zu
qualifizieren. Indem die Beschwerdeführerin im B._ des C._
gearbeitet hat, ohne über eine entsprechende Bewilligung zu verfügen, hat
sie Art. 115 Abs. 1 Bst. c AuG verletzt, was als Verstoss gegen die öffentli-
che Sicherheit und Ordnung zu werten ist (Art. 80 Abs. 1 Bst. a VZAE). Die
Beschwerdeführerin hat damit einen Fernhaltegrund im Sinne von Art. 67
Abs. 2 Bst. a AuG gesetzt.
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5.4 Hinzu kommt der Vorwurf des rechtswidrigen Aufenthalts (Art. 115
Abs. 1 Bst. b AuG). Die Rechtswidrigkeit des Aufenthalts lässt sich vorlie-
gend aus dem Umstand ableiten, dass die Beschwerdeführerin wegen Auf-
nahme einer Erwerbstätigkeit der Bewilligungspflicht unterlegen hätte
(Art. 11 Abs. 1 AuG), jedoch keine Bewilligung einholte (vgl. Urteil des
BVGer F-6097/2017 vom 7. August 2018 E. 5.3 m.H.). Auch mit diesem
Verhalten hat die Beschwerdeführerin einen Fernhaltegrund nach Art. 67
Abs. 2 Bst. a AuG gesetzt.
5.5 Die Beschwerdeführerin wurde zudem mit Verfügung des Amts für Mig-
ration und Integration des Kantons Aargau vom 30. November 2017 aus
der Schweiz weggewiesen, wobei die Wegweisung sofort zu vollstrecken
war. Damit ist vorliegend auch der Fernhaltegrund im Sinne von Art. 67
Abs. 1 Bst. a AuG erfüllt.
5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass mehrere alternative Gründe
gegeben sind, welche die Verhängung einer Fernhaltemassnahme zu
rechtfertigen vermögen.
6.
6.1 Der Entscheid darüber, ob ein Einreiseverbot anzuordnen und wie es
zeitlich auszugestalten ist, legt Art. 67 Abs. 2 AuG in das pflichtgemässe
Ermessen der Behörde. Zentrale Bedeutung kommt dabei dem Grundsatz
der Verhältnismässigkeit zu, der eine wertende Abwägung zwischen den
berührten privaten und öffentlichen Interessen verlangt. Ausgangspunkt
der Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährdeten
Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die
persönlichen Verhältnisse der betroffenen ausländischen Person (Art. 96
AuG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwal-
tungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 555 ff.).
6.2 Die Beschwerdeführerin hat – wie dargelegt – wegen rechtswidrigen
Aufenthalts sowie Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AuG verstossen.
Dieses Fehlverhalten wiegt objektiv nicht leicht, kommt doch den auslän-
derrechtlichen Normen im Interesse einer funktionierenden Rechtsordnung
grundsätzlich eine zentrale Bedeutung zu. Namentlich das generalpräven-
tiv motivierte Interesse, die ausländerrechtliche Ordnung durch eine kon-
sequente Massnahmenpraxis zu schützen, ist als gewichtig einzustufen
(zur Zulässigkeit der Berücksichtigung generalpräventiver Aspekte in
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Seite 11
Konstellationen, in denen wie hier kein sogenannter Vertragsausländer be-
troffen ist, vgl. Urteil des BGer 2C_516/2014 vom 24. März 2015 E. 4.3.2
m.H.). Überdies liegt eine spezialpräventive Zielsetzung der Massnahme
darin, dass sie die Betroffenen ermahnt, bei einer allfälligen künftigen Wie-
dereinreise in die Schweiz nach Ablauf der Dauer des Einreiseverbots die
für sie geltenden Regeln einzuhalten (vgl. hierzu Urteil des BVGer
F-5969/2016 vom 28. September 2017 E. 8.2 m.H.). Es besteht somit ein
gewichtiges öffentliches Interesse an der Fernhaltung der Beschwerdefüh-
rerin.
6.3 Den öffentlichen Interessen sind die privaten Interessen der Beschwer-
deführerin gegenüberzustellen. Diesbezüglich machte sie im Rahmen der
polizeilichen Einvernahme lediglich geltend, sie sei nur wegen ihrem
Freund in die Schweiz gekommen; sie möchte wieder hierher kommen und
hoffe nicht, dass ein Einreiseverbot verhängt werde (vgl. Sachverhalt,
Bst. A). Gemäss den Akten lebt die Beschwerdeführerin in G._,
während sich ihr Freund in der Schweiz aufhält. Bei der polizeilichen Ein-
vernahme gab sie an, mit ihm seit fast einem Jahr zusammen zu sein
(SEM-act. 2, S. 23 Ziff. 17). Hinweise auf ein stabiles eheähnliches Konku-
binat sind nicht ersichtlich. Ausserdem deutet nichts auf eine unmittelbar
bevorstehende Eheschliessung hin. Ein landes- beziehungsweise völker-
rechtlich geschütztes Familien- oder Privatleben (vgl. Art. 8 EMRK und
Art. 13 BV), das der Beschwerdeführerin eine besondere ausländerrechtli-
che Rechtsstellung vermitteln könnte, liegt demnach nicht vor (vgl. dazu
ausführlich Urteil des BGer 2C_702/2011 vom 23. Februar 2012 E. 3 m.H.).
Es ist der Beschwerdeführerin im Übrigen zuzumuten, den Kontakt zu ih-
rem Freund mittels Telefon oder via moderne Kommunikationsmittel (SMS,
E-Mail, WhatsApp, Skype, Facebook usw.) zu pflegen oder ihn ausserhalb
der Schweiz (und der übrigen Schengen-Staaten) zu treffen. Den Akten ist
denn auch zu entnehmen, dass er sie bereits in H._ besucht hat
(SEM-act. 2, S. 23 Ziff. 17). Infolgedessen ergeben sich keine privaten In-
teressen, welche eine Aufhebung des Einreiseverbots rechtfertigen könn-
ten. Die verhängte Fernhaltemassnahme ist denn auch eher kurz ausge-
fallen, zumal das Bundesverwaltungsgericht in vergleichbaren Fällen pra-
xisgemäss zweijährige Einreiseverbote stützt (vgl. etwa Urteile
F-1645/2016 vom 12. Januar 2017; F-6097/2017 vom 7. August 2018).
7.
Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass das vorliegende Einreiseverbot
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Seite 12
sowohl im Grundsatz als auch hinsichtlich der Dauer eine verhältnismäs-
sige und angemessene Massnahme zum Schutz der öffentlichen Sicher-
heit und Ordnung darstellt.
8.
Der über das Einreiseverbot hinausgehende Ausschluss der Bewegungs-
freiheit im Schengen-Raum, der auf die Ausschreibung der Beschwerde-
führerin im SIS II zurückzuführen ist (vgl. dazu E. 3.3), ist ebenso wenig zu
beanstanden (vgl. Art. 21 i.V.m. Art. 24 SIS-II-VO), geht es doch vorliegend
um zentrale Bestimmungen der migrationsrechtlichen Ordnung, gegen
welche die Beschwerdeführerin verstossen hat (Art. 115 Abs. 1 Bst. b AuG,
Art. 115 Abs. 1 Bst. c i.V.m. Art. 11 Abs. 1 AuG).
9.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im Lichte
von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist demnach
abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-
rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der am 5. Februar 2018
einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu
verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 13