Decision ID: b44d3684-b59f-4601-bfdd-694228d41d93
Year: 2004
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Aufgrund von Erkenntnissen der Bundespolizei aus der Operation „H._ eröffnete der Staatsanwalt des Bundes am 17. Dezember 2003 ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren gegen mehrere, vor allem  stämmige Personen wegen Verdachts auf qualifizierte  gegen das Betäubungsmittelgesetz und Beteiligung an einer  Organisation. Im Rahmen dieses Verfahrens wurde u.a. A._ (nachfolgend „A._") am 26. März 2004 in Zürich festgenommen. In einem von ihm gelenkten Fahrzeug konnten 10 kg Heroin sichergestellt werden. A._ war bezüglich des Transports von Drogen grundsätzlich geständig.
Der Eidgenössische Untersuchungsrichter verfügte am 29. März 2004 die Fortsetzung der Untersuchungshaft gegen A._ wegen Flucht- und Kollusionsgefahr. Am 22. Juni 2004 eröffnete die zuständige  Untersuchungsrichterin eine Voruntersuchung gegen A._.
B. A._ liess durch seinen Verteidiger am 29. Juni 2004 ein begründetes Haftentlassungsgesuch einreichen, welches die Eidgenössische  am 16. Juli 2004 abwies.
Gegen die Ablehnung der Haftentlassung liess A._ am 26. Juli 2004 Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts erheben und beantragte darin, den angefochtenen Entscheid aufzuheben, ihn  aus der Untersuchungshaft zu entlassen, eventualiter gegen  Sicherheit (BK act. 1, mit Beilagen). Die Bundesanwaltschaft mit Eingabe vom 30. Juli 2004 und die Untersuchungsrichterin innert  Frist am 4. August 2004 beantragten beide die Abweisung der Beschwerde (BK act. 4, 6). Mit Beschwerdereplik vom 9. August 2004 nahm der Vertreter von A._ nochmals kurz Stellung (BK act. 8).  die Bundesanwaltschaft als auch die Untersuchungsrichterin  auf weitere Ausführungen (BK act. 11, 12).
Auf die Ausführungen in den Eingaben und Akten wird, soweit diese  sind, im Rahmen der nachstehenden Erwägungen näher .
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Gegen die Abweisung eines Haftentlassungsgesuchs durch den  oder Bundesanwalt kann gemäss Art. 52 Abs. 2 BStP bei der Beschwerdekammer Beschwerde geführt werden. Die Beschwerde ist  Art. 217 BStP innert fünf Tagen nach Kenntnisnahme der  Verfügung einzureichen. Die dem Vertreter des Beschwerdeführers am Freitag, 16. Juli 2004, um 21.07 Uhr per Fax (vorab) übermittelte Verfügung der Untersuchungsrichterin ist eindeutig ausserhalb der ordentlichen  bei ihm eingetroffen. Es ist deshalb seiner Darstellung zu , dass er davon erst am folgenden Arbeitstag, Montag, 19. Juli 2004, Kenntnis erhalten habe. Mit der Eingabe vom 26. Juli 2004 ist die  damit gewahrt. Der Beschwerdeführer als Inhaftierter ist . Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Untersuchungshaft setzt gemäss Art. 44 BStP voraus, dass gegen den  ein dringender Tatverdacht wegen eines Verbrechens oder Vergehens besteht, und zusätzlich einer der besonderen Haftgründe der Kollusions- oder der Fluchtgefahr gegeben ist. Sodann muss die  dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit entsprechen.
3. Ein dringender Tatverdacht im Sinne der Rechtssprechung wird hier zu Recht auch vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Aufgrund der  Beweismittel besteht ein sehr hoher Tatverdacht, er habe rund 10 kg Heroin in einem Fahrzeug versteckt in die Schweiz eingeführt. Ein gewisser Tatverdacht besteht darüber hinaus insofern, als beim erneuten Einbau des Heroins in das Tatfahrzeug in Deutschland ein Paket (rund 500 g) vergessen ging. Es wird zu klären sein, ob der Beschwerdeführer dieses Heroin für sich abgezweigt hat bzw. sich an der Abzweigung seines Kollegen (B._) beteiligt hat.
4. Die Vorinstanz begründet die Ablehnung des Haftentlassungsgesuchs  mit fortbestehender Kollusionsgefahr, andererseits mit . Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den gleichen Standpunkt. Der Beschwerdeführer erachtet eine noch fortbestehende Kollusionsgefahr für nicht mehr gegeben, weil er zum einen vollumfänglich geständig sei, zum andern sein Tatbeitrag aufgrund der Beweiserhebungen erstellt sei.  Aussagen C._ würden mit dessen fehlender Glaubwürdig-
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keit zusammenhängen. Der Haftgrund der Fluchtgefahr sei deshalb nicht gegeben, weil der Beschwerdeführer sich bei seiner Haftentlassung sogleich nach Deutschland begeben werde und aufgrund seiner stabilen Verhältnisse in Deutschland keine Gefahr bestehe, er werde sich dort nicht dem (gegen ihn bereits eröffneten) Strafverfahren stellen.
4.1 Gemäss Art. 44 Ziff. 1 BStP darf gegen den Beschuldigten ein Haftbefehl erlassen werden, wenn (neben dem dringenden Tatverdacht) die  des dringenden Fluchtverdachts vorliegt. Dieser kann nach dem Gesetzeswortlaut insbesondere angenommen werden, wenn dem  eine mit Zuchthaus bedrohte Tat vorgeworfen wird, oder wenn er sich über seine Person nicht ausweisen kann oder in der Schweiz keinen Wohnsitz hat. Diese Aufzählung im Gesetzestext ist einerseits nicht , andererseits begründen die darin genannten Umstände (z.B. die mit Zuchthaus bedrohte Strafe) für sich allein nicht zwingend eine  Fluchtgefahr. Die Schwere der zu erwartenden Freiheitsstrafe ist zwar ein sehr wichtiges Indiz für die Fluchtgefahr, genügt aber für sich  nicht. Bei ausländischen Staatsangehörigen kommt dem Kriterium des fehlenden Wohnsitzes sowie des Fehlens eines intakten familiären Netzes in der Schweiz praktisch grosse Bedeutung zu. Es sind dies konkrete , welche die Wahrscheinlichkeit erhöhen, ein Beschuldigter werde sich ins Ausland absetzen und sich so dem Strafverfahren oder einem  Vollzug entziehen.
Vorliegend ist von einem Tatverdacht für ein vorsätzliches Einführen von 10 kg Heroin in die Schweiz als Transporteur gegen Entgelt auszugehen. Trotz offenbar fehlender Vorstrafe ist im Falle einer Verurteilung eine  und unbedingte Strafe ohne weiteres im Bereich des Möglichen. Der erst knapp 21-jährige Beschwerdeführer ist deutscher  ohne jeden Bezug zur Schweiz und er würde sich bei einer  umgehend nach Deutschland begeben. Die Bundesrepublik  liefert aufgrund ihres Grundgesetzes und des deswegen angebrachten Vorbehalts zu Art. 6 des Europäischen Auslieferungsübereinkommens vom 13. Dezember 1957 eigene Staatsangehörige nicht aus (EAUe, Anhang "Vorbehalte und Erklärungen", Vorbehalt Deutschland zu Art. 6; SR 0.353.1). Würde sich demnach der Beschwerdeführer dem  Strafverfahren oder im Falle eines Kontumazialurteils einem  Strafvollzug in der Schweiz nicht freiwillig stellen, bliebe der Schweiz nichts anderes übrig, als das Strafverfahren nach Deutschland abzutreten. Auch wenn davon auszugehen ist, dass die deutschen , die ja bereits ein Strafverfahren in diesem Zusammenhang eröffnet haben, auch das Strafverfahren für Einfuhr und Transport in die Schweiz übernehmen würden, bleibt es doch dabei, dass der Beschwerdeführer
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damit der Strafhoheit der Schweiz entzogen würde. Das Bundesgericht hat in einer vergleichbaren Konstellation in BGE 123 I 31 E. 3d klargestellt, dass es dem Staat, welchem die Strafhoheit zusteht, nicht zuzumuten ist, auf die Sicherung der Person des Angeschuldigten zu verzichten und bei dessen Flucht den langwierigen Weg des Auslieferungsbegehrens oder  Ersuchens um Übernahme der Strafverfolgung zu beschreiten. Ob in einem bestimmten Fall Fluchtgefahr besteht, ist demnach grundsätzlich in Bezug auf das in der Schweiz geführte Strafverfahren (und allenfalls ) zu überprüfen. Aus den dargelegten Gründen besteht daher Fluchtgefahr.
4.2 Mit der Annahme von Fluchtgefahr würde sich eine Prüfung der Frage, ob zur Zeit noch ausreichende Kollusionsgefahr im Sinne von Art. 44 Ziff. 2 BStP besteht, an sich erübrigen (siehe aber immerhin nachstehend E. 5). Kollusionsgefahr ist dennoch noch zu bejahen, wobei auf zweierlei  ist: Einerseits kann Kollusionsgefahr nicht damit begründet werden, der Tatbeitrag von Mittätern oder Hintermännern sei noch nicht geklärt. Es geht bei Kollusionsgefahr als Haftgrund gegen eine bestimmte Person , dass dieser Inhaftierte nicht Beweise soll beseitigen können, die im Verfahren gegen ihn relevant sein bzw. ihn belasten können. Ist er  seines Tatbeitrags geständig und ist das Geständnis durch  Beweismittel glaubhaft gemacht, so kann die Haft nicht damit begründet werden, der Beschuldigte könnte Beweise zu Gunsten Dritter verschwinden lassen (KELLER, Untersuchungshaft im Kanton St. Gallen – vom alten zum neuen Strafprozessgesetz, in AJP 2000 S. 936, 939). Andererseits ist ein Teil des Tatbeitrags des Beschwerdeführers konkret insofern nicht  geklärt, als unklar ist, was mit dem einen Paket Heroin geschehen ist, das beim Einbau in Deutschland vergessen ging, und inwieweit der  daran beteiligt ist. Darüber hinaus divergieren die  von C._, D._ und dem Beschwerdeführer bezüglich der für die Strafzumessung bedeutenden Komponente, wer denn hauptsächlicher Motor für den Transport in die Schweiz gewesen ist bzw. ob der , wie von ihm behauptet und von den beiden anderen  bestritten bzw. stark relativiert, unter einem gewissen Druck gehandelt hat. Mit Fug lässt der Beschwerdeführer in der Beschwerdereplik zwar , dass Differenzen in den Aussagen der in eine mutmassliche  verwickelten Personen für Kollusionsgefahr nicht ausreichten. Indessen müssen die diesbezüglichen Erhebungen doch wenigstens weitgehend  werden, was mindestens noch eine  der oben Genannten mit dem Beschwerdeführer erfordert. Eine  des Beschwerdeführers mit der Argumentation, die übrigen  befänden sich ja in Haft und somit könnte er nicht kolludieren, liefe hingegen auf seine Privilegierung hinaus und liesse sich wohl nur bei
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einem Verhältnis Haupt- und Nebentäter (zu Gunsten des Nebentäters) sachlich rechtfertigen. Eine solche Konstellation liegt hier allerdings nicht vor. Kommt hinzu, dass bezüglich des in Deutschland verbliebenen Pakets Heroin die Ermittlungsergebnisse des deutschen Strafverfahrens gegen den dort (mutmasslich) inhaftierten E._ (vgl. Eintretensverfügung auf das deutsche Rechtshilfegesuch und Beilagen, BK act. 8.1) abgewartet werden müssen, bis eine diesbezügliche Kollusionsmöglichkeit wegfällt.
5. Der Beschwerdeführer befindet sich zur Zeit seit rund viereinhalb Monaten in Untersuchungshaft. Unter dem Gesichtspunkt des  ist diese Haftdauer nicht zu beanstanden, und zwar  im Hinblick auf die mutmassliche Dauer einer Strafe im Falle einer Verurteilung als auch hinsichtlich der für den besonderen Haftgrund der Kollusionsgefahr besonders bedeutsamen Beförderlichkeit, mit der das Strafverfahren bislang vorangetrieben worden ist. Die vom  angeführten persönlichen Belastungen durch die fortdauernde Haft (z.B. kein Kontakt mit seinem Kleinkind, Probleme in der Berufsausbildung) überschreiten den Rahmen des Üblichen nicht.
Die Beschwerde ist damit im Hauptantrag abzuweisen. Im Eventualantrag auf Entlassung gegen Sicherheitsleistung ist die Beschwerde insofern , als zur Zeit noch Kollusionsgefahr besteht. Nach Beseitigung derselben wird die Behörde die Frage einer Entlassung gegen  Sicherheit neu zu prüfen haben.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten desselben zu tragen. Die Gebühr wird auf Fr. 800.-- festgesetzt (Art. 3 des Reglements über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32). Der amtliche Verteidiger hat seine Aufwendungen im Rahmen seiner definitiven Kostennote (bei Einstellung oder im Gerichtsverfahren) geltend zu machen.
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