Decision ID: 37771219-718d-5314-a21d-721bf15df393
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1953 geborene
X._
verfügt über keinen erlernten Beruf und arbei
tete seit
2001
als Raumpflegerin
bei der
Y._
(Urk. 7/3/4).
Ab dem 10. Mai 2013 wurde sie zu 100 % arbeitsunfähig geschrie
ben (Urk. 7/3/
3
).
Am 11. Juli 2013 meldete sie sich unter Angabe von Depres
sionen, Angst, Suizidalität und psychischen Problemen bei der Invalidenver
sicherung
zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
nahm erwerbliche (Urk. 7/9
, Urk. 7/25, Urk. 7/26
)
und medizinische
(Urk. 7/12, Urk. 7/13, Urk. 7/16
, Urk. 7/35)
Abklärungen vor
und zog die Akten der Helsana Versicherungen AG bei (Urk. 7/14, Urk. 7/15). Zudem ordnete sie eine monodisziplinäre psychiatrische Untersuchung an (Psychiatrisches Gutachten vom 29. September 2014; Urk. 7/23)
,
und nahm eine Abklärung der beeinträchtigten
Einsatz
fähigkeit in Beruf und Haushalt
vor
(Haushaltsabklärungsbericht vom 26. Juni 2015; Urk. 7/40)
, wobei
die
Versi
cherte
als
zu 100 %
erwerbstätig
qualifiziert wurde (Urk. 7/40
/3
)
.
Ab dem 1. Juli 2015 bezog die Versicherte ihre Altersrente vor (Urk. 7/38).
Mit Vor
-
bescheid
vom 7. Juli 2015 teilte die IV-Stelle mit, dass sie gedenke, das
Leistungsbegeh
ren
abzuweisen (Urk. 7/43). Am 17. September 2015 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (Urk. 7/46 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 17. September 2015 (Urk. 2) liess die Versicherte, vertreten durch die Stadt Zürich,
Soziale Dienste,
Rechtsanwältin Hartmann,
am 19. Oktober 2015
Beschwerde erheben und beantragen, es sei die Verfügung aufzuheben, und es sei ihr ab Mai 2014 eine ganze Invalidenrente zuzu
sprechen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung
sowie um Beiladung der ehemaligen Pensions
kasse der
Y._
Schweiz
(Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 18. November 2015 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Mit Ver
fügung vom 23. November 2015
bewilligte das Gericht der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und ordnete einen zweiten Schriftenwechsel an
(Urk. 8)
.
Am 11. Januar 2016
liess die
Beschwerdeführerin Replik
erstatten
(Urk. 11).
Mit Schreiben vom 20. Januar 2016 verzichtete die IV-Stelle auf eine Duplik (Urk. 14), was der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom
21. Januar 2016 mitgeteilt wurde (Urk. 15).
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
B
ei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psy
chischen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenom
men werden kann, die
Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid fest, die gesundheit
liche Einschränkung sei weitestgehend auf psychosoziale Belastungsfaktoren nach zwei Scheidungen und de
m
Verlust der Arbeitsstelle zurückzuführen. Es handle sich somit nicht um eine verselbständigte psychische Störung mit Aus
wirkung auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit.
Daher liege kein invalidisieren
der Gesundheitsschaden vor, womit kein Anspruch auf Leistungen der Invali
denversicherung bestehe (Urk. 2 S. 2).
In der Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin zusätzlich aus, dass auf das Gutachten von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
vom 29. September 2014
,
nicht
abgestellt werden könne (Urk. 6).
2.2
Die Beschwerdeführerin liess in der Beschwerdeschrift vom
19. Oktober 2015 (Urk. 1) ausführen,
dass sich die involvierten Fachärzte bezüglich Diagnosen und Arbeitsfähigkeit weitgehend einig seien und die Beschwerdeführerin sowohl in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungsfachfrau
,
als auch in jeder anderen Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei. Zudem sei auch eine allfällige Restarbeitsfähigkeit nicht mehr verwertbar.
3.
3.1
I
m
B
ericht
der Psychiatrischen
Universitätsklinik A._
, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik,
v
om 21. Juni 2013 sind als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode
(ICD-10: F33.1) sowie psychische
Störungen
und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika (Abhängigkeitssyndrom, ICD-10: F13.2) aufgeführt (Urk. 7/14/10).
Zu Beginn der Behandlung
hätten sich nur sehr geringe Fort
schritte gezeigt. Aufgrund der anhaltenden depressiven Symptome sei die
anti
depressive
Medikation von
Remeron
auf
Cymbalta
umgestellt worden. Unter
Cymbalta
sei es zu einer leichten Besserung der Stimmung und der
Schlafqua
lität
gekommen. Ebenso profitiere die Beschwerdeführerin sehr von der Bewe
gungstherapie. Aufgrund der Sprachschwierigkeiten habe sie wenig Kontakt zu den Mitpatientinnen.
Sie
sei durch den verminderten Antrieb und durch das Stimmungstief im täglichen Leben sehr eingeschränkt.
Zudem leide sie unter starken Ängsten, wenn sei alleine sei. Es falle ihr sehr schwer, alleine in ihrer Wohnung zu übernachten. Es bestehe zudem ein sozialer Rückzug und die Beschwerdeführerin sei nicht in der Lage, ihre Freizeit zu geniessen. Ebenso fehle es ihr an Kraft, um ihrer Tätigkeit als Raumpflegerin für eine
Reinigungs
firma
nachzukommen. Mit einer Wiederaufnahme der alten Stelle in der
Reini
gungsfirma
Y._
könne in naher Zukunft nicht gerechnet werden (Urk. 7/14/12).
Einem weiteren
Bericht der
Psychiatrischen
Universitätsklinik A._
,
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik,
v
om 30. August 2013
,
ist zu entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin vom 10. Mai bis zum 5. Juli 2013 in stationär
er Behandlung war (Urk. 7/12/1). Als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
werden die bereits
im letzten Arztbericht vom 23. Juni 2013
erwähnten
Diagnosen
sowie
zusätzlich
eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1
;
Urk. 7/12/2)
aufgeführt
.
Es bestehe eine verminderte Belastbar
keit und Leistungsfähigkeit durch
die
depressive
n
Symptome und
Angstsymp
tome
. Ebenso sei auf der Station eine deutliche Verminderung der Konzentra
tion festgestellt worden. Auffallend seien auch Gedächtnisstörungen. Die Beschwerdeführerin habe sich an gewisse Dinge nicht erinnern können und habe die Therapien nicht aufgrund mangelnder Motivation, sondern aufgrund der kognitiven Defizite nicht wahrgenommen.
Durch den verminderten Antrieb sei es für die Beschwerdeführerin schwierig, die schwere körperliche Arbeit als Reinigungskraft weiter auszuführen. Ebenso sei sie sehr gewissenhaft und könne sich schlecht abgrenzen, wodurch sie sich bei der Arbeit schnell überfor
dere, was zu einer erneuten psychischen Destabilisierung führen könn
t
e
(Urk. 7/12/4)
.
Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar. Der Beschwerdeführerin fehle es an der nötigen Kraft und die Belastbarkeit sei ein
geschränkt durch die vorhandenen posttraumatischen und depressiven Symp
tome. Aufgrund der mangelnden Deutschkenntnisse sowie des Alters sei die Aufnahme einer Arbeitsstelle in einem anderen Bereich nicht denkbar (Urk. 7/
12
/
5
).
3.2
Dr. med.
B._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
führte in ihrem Bericht vom 6. Oktober 2013
dieselben Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auf wie die
Psychiatrische
Universitätsklinik A._
in ihrem
Arztbericht
vom 30. August 2013
(Urk. 7/13/1
, vgl. Urk. 7/12/2
).
Die Beschwerdeführerin sei freundlich, gepflegt, wach, bewusstseinsklar und voll orientiert. Die Auffassung und die Aufmerksamkeit seien unauffällig. Es bestehe eine mittelgradige Konzentrationsstörung und eine leichte bis mittel
gradige Gedächtnisstörung. Im formalen Denken sei sie leicht verlangsamt und stark grübelnd. Es bestünden keine Hinweise auf inhaltliche Denkstörungen oder Sinnestäuschungen. Sie habe starke Ängste aber keine Zwänge. Affektiv sei sie wenig moduliert. Ihre Stimmung sei niedergedrückt, sie sei verzweifelt, habe starke Insuffizienzgefühle und eine innere Unruhe. Es bestehe eine
mittel
starke
Antriebsarmut und eine stark erhöhte Ermüdbarkeit. Eine
Fremdgefähr
dung
bestehe nicht. Sie habe wiederkehrende Suizidgedanken, dennoch bestehe keine akute Selbstgefährdung. Es bestünden starke Ein- und
Durchschlafstörun
gen
,
Albträume sowie ein starker sozialer Rückzug (Urk. 7/13/2
)
.
Die Beschwerdeführerin sei in ihrer bisherigen Tätigkeit als Putzfrau zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 7/13/2). Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei mit reduziertem Zeit- und Leistungspensum theoretisch denkbar
. Sie
sei jedoch auf
grund der starken Ausprägung der depressiven Erkrankung mit Suizidalität gegenwärtig nicht umsetzbar (Urk. 7/13/3).
In einem weiteren Bericht vom 3. Mai 2015
wiederholte
Dr.
B._
dieselben Diagnosen wie im ersten Bericht. Die Beschwerdeführerin zeige seit Oktober 2013 ein
e
therapieresistente Symptomatik, di
e
durch zunehmende finanzielle und soziale Schwierigkeiten eher
ag
g
raviert
worden sei
.
Sie
sei unverändert zu 100 % arbeitsunfähig in jeglicher Tätigkeit (Urk. 7/35/1).
3.3
Im Gutachten von
Dr.
Z._
vom 29. September 2014 sind als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine
Benzodiazepinabhängigkeit
(ICD-10: F.13.2) sowie eine rezidivierende depressive Störung mit einer gegen
wärtig mittelgradigen Episode (ICD-10: F33.1) aufgeführt (Urk. 7/23/7).
Unter
„
objektive Befunde
“
berichtete Dr.
Z._
von einer
normalgewichti
gen
Beschwerdeführerin, welche vorgealtert wirke. Ihr Bewusstsein sei klar. Die Orientierung und das Gedächtnis seien unauffällig. Sie spreche leise und wirke müde. Sie scheine fast einzuschlafen während des Gesprächs. Die Aufmerksam
keit sei grundsätzlich unauffällig. Das Denken sei
logisch und
kohärent und es bestünden keine Anhaltspunkte für ein psychotisches Geschehen. Die Beschwer
deführerin nehme sich subjektiv als depressiv wa
h
r. Im Gespräch spreche sie langsam und beantworte die Fragen präzise. Der Antrieb sei vermindert und sie sei psychomotorisch verlangsamt. Es bestehe ein seltener gelegentlicher
Augen
kontakt
. Sie sei kooperativ. Es bestünden keine Anhaltspunkte für eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung (Urk. 7/23/6).
Die Beschwerdeführerin sei sowohl in der bisherigen als auch in einer angepass
ten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig. Diese Arbeitsunfähigkeit bestehe seit dem 10. Mai 2014 (Urk. 7/23/10).
4.
4.1
Strittig ist, ob aus psychiatrischer Sicht
ein invalidisierender
Gesundheits
scha
den
vorliegt und ob gestützt darauf ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht.
4.2
Hinsichtlich der gestellten Diagnosen sind sich die Ärzte
weitgehend
einig
:
Alle Arztberichte führen unter „Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit“ eine
Benzodiazepinabhängigkeit
(ICD-10: F13.2) sowie eine rezidivierende depressive Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode (ICD-10
:
F.33.1) auf.
D
ie Diagnose
einer
posttraumatische
n
Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
führte Dr.
Z._
in seinem Gutachten vom 29. September 2014
u
nter
„
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
“
auf (Urk. 7/23/
8-
9)
.
Diese
Diagnose
ist
i
m
B
ericht der Psychiatrischen
Universitätsklinik A._
vom 21. Juni 2013
nicht
aufgeführt
(Urk. 7/14/10),
währendem
in den
anderen Arztberichte
n von einer
Diagnose
mit Auswirkung
auf
die Arbeitsfähigkeit aus
gegangen wurde, ohne dies aber näher zu erörtern
(vgl. Urk. 7/12/2, Urk. 7/13/1, Urk. 7/35/1)
.
4.3
Entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin (Urk. 6 S. 2) liegt ein von den psychosozialen Belastungsfaktoren losgelöster Gesundheitsschaden vor:
Die
gestellte Diagnose einer
rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegen
wärtig mittelgradigen Episode
(ICD-10
:
F3
3
.1)
entspricht
ein
er
eigenständige
n psychischen
Krankheit, bei welcher
psychosoziale Belastungsfaktoren
, insbe
sondere
die Kündigung am Arbeitsplatz mit Reduktion auf 50 %
,
ätiologisch
eine Rolle spielte
n
(vgl. Urk. 7
/23
/
8
).
Dass es sich um eine verselbständigte Diagnose handelt, wird auch dadurch klar, dass
alle Ärzte einstimmig diese Diagnose als mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit qualifizierten
(
vgl.
Urk.
7/12/2, Urk. 7/13/1, Urk. 7/23/7
-8
, Urk. 7/35/1
).
4.4
Nach der Rechtsprechung werden leicht- bis mittelgradige Episoden einer Depres
sion und selbst mittelgradige depressive Episoden regelmässig nicht als
eine
von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der betroffenen Person verunmöglicht, die Folgen der bestehenden Schmerzproblematik zu überwinden. Daran ändert nichts, wenn die depressive Episode vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diag
nostiziert worden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2014 vom 2
6.
Juni 2014 E. 3.3.4 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil 9C_856/2013 vom 8. Oktober 2014 E. 5.1.2).
Des Weiteren hat das Bundesgericht wiederholt festgestellt,
dass die invalidisie
rende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung nicht schlechthin
aus
zuschliessen
ist; deren Annahme jedoch bedingt, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent aus
weist. Fehlt es daran, ist nach der Rechtsprechung in der Regel keine invalidi
sierende Wirkung des Gesundheitszustandes anzunehmen
(Urteile des Bundes
gerichts 8C_441/2015 vom 21. August 2015
,
8C_842/2013 vom 11. März 2014 E. 4.2)
.
Auch wenn eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung – wie sie hier vorliegt (vgl.
Urk. 7/12/2, Urk. 7/13/1,
Urk. 7/14/10, Urk. 7/23/7-8,
Urk. 7/35/1)
– nicht schlechthin auszuschliessen ist,
ist ein Scheitern der Depressionstherapie
nicht ausgewiesen:
Insbesondere ist dem
im Beschwerdeverfahren eingereichten
Arztbericht von Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
vom 23. März 2014
zu entnehmen, dass bezüglich der Affektstörung (ICD-10: F33.1) grundsätzlich noch weitere medikamentöse Behandlungsversuche möglich seien (Urk. 12 S. 3)
. Somit geht Dr.
C._
(noch) von keinem Scheitern der Depressionstherapie aus. Mangels geeigneter konsequenter medikamentöser Therapie ist bei der Beschwerdeführe
rin eine Behandlungsresistenz des geklagten Leidens
(noch)
nicht ausgewiesen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_441/2015 vom 21. August 2015 E. 4.1,
8C_283/2015 vom 24. Juni 2015 E. 4.2.2 und 9C_3/2015 vom 20. Mai 2015 E. 4.2.2 f.).
Hieran
ändert nichts, dass
Dr.
B._
im zusätzlich eingereichten Arztbericht vom 12. Oktober 2015
davon ausging, dass die Beschwerdeführerin medikamentös hoch eingestellt sei und eine höhere Dosis medizinisch nicht vertretbar wäre
(Urk. 3/5 S. 1)
.
Gemäss
Dr.
C._
stellt nicht die Erhöhung der bereits verordneten Medikamente, sondern der Einsatz von weiteren oder alter
nativen Präparaten die noch offene Behandlungsoption dar
.
4.5
Posttraumatische
Belastungsstörungen
im Sinne von ICD-10: F43.1,
welche erst nach Jahren oder gar Jahrzehnte
nach dem auslösenden
traumatisierenden Er
eignis
diagnostiziert werden,
anerkennt
die Rechtsprechung mangels schlüs
siger Beweisbarkeit nicht
als invalidisierendes Leiden
(
Urteile des Bundesge
richts
9C_228/2013
vom 26. Juni 2013
E. 4.1.2
f.
,
9C_687/2013
vom 24. Juni 2014,
E. 4.2, 9C_955/2008
vom 8. Mai 2009
E. 4.3.1
f.,
vgl. Meyer /
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
Zürich Basel Genf, 2014,
Art. 4 N
65).
Es
ist festzuhalten, dass i
m
Einklang
mit
dem Gutachten von Dr.
Z._
vom 29. September 2014
kein Grund für eine aktuelle Verschlechterung ausge
macht werden kann
(Urk. 7/23/8)
.
Die genannten Vergewaltigungsversuche durch den älteren Bruder,
die Schläge durch ihren ersten Ehemann sowie auch die Messerattacke durch eine Flüchtlingsfrau aus dem Balkan liegen Jahre zurück (Urk. 7/23/5).
Anhaltspunkte für ein später allenfalls erlebtes Ereignis katastrophalen Ausmasses sind nicht ersichtlich.
Da somit die Diagnose erst nach Jahren gestellt wurde,
und die Beschwerdeführerin über eine sehr lange Phase eine uneingeschränkte Leistungsfähigkeit hatte (vgl. Urk. 7/44),
liegt keine invalidisierende Belastungsstörung vor.
4.6
S
odann fragt sich, wie die in allen Arztberichten unter Diagnose mit Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit festgestellte
Benzodiazepinabhängigkeit
(ICD: F
13
.2) invalidenversicherungsrechtlich zu beurteilen ist. Demnach ist zu prüfen, ob die Suchterkrankung eine Invalidität im Sinne des Gesetzes begrün
det. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts begründet die Drogen
sucht und Medikamentenabhängigkeit für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird sie invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein kör
perlicher, geistiger oder psychischer
(vgl.
Urteil des Eidgenössischen
Versiche
rungsgerichts
I 750/04
vom 5. April 2006 E. 1.2 mit Hinweisen),
die Erwerbsfä
higkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden
s
eingetreten ist, oder wenn die Abhängigkeit selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden
s
ist, dem
Krankheitswert zukommt
(
Urteil des Bundesge
richts
9C_158/2010
vom 29. Juni 2010
E. 5.1
mit weiteren Hinweisen).
Die
Benzodiazepinabhängigkeit
ist hier weder Folge einer krankheitswertigen körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung, noch besteht eine daraus ent
standene Krankheit, die ihrerseits invalidisierend wäre. Somit erfüllt die vor
handene
Medikamenten
abhängigkeit ungeachtet ihrer Schwere den
Invaliditäts
begriff
im Sinne von Art. 8
Abs.
1 ATSG nicht.
Darüber hinaus ist
anzufügen, dass die
Benzodiazepinabhängigkeit
gemäss den anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin schon seit über 20 Jahren besteht (Urk. 7/23/7)
und die Beschwerdeführerin dennoch bis im Jahr 2013 zu 100 % arbeitsfähig war.
Auf
grund
der Akten und in Übereinstimmung mit Dr.
Z._
ist zudem
nicht
eruierbar
, ob tatsächlich weiterhin ein
Benzodiazepinkonsum
besteht und ob dieser mit dem aktuellen Eintreten der Arbeitsunfähigkeit in Verbindung gebracht werden kann (Urk. 7/23/7).
4.7
Vor diesem Hintergrund ist die Argumentation der Beschwerdegegnerin, dass gestützt auf die medizinischen Akten kein invalidisierender Gesundheitsschaden ausgewiesen sei, korrekt. Daran ändern die Einschätzungen
in den
Arztberich
ten
,
welche
durchwegs von einer 100%igen
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgehen, nichts
(vgl. Urk. 7/12
/5
, Urk. 7/13
/2
, Urk. 7/23
/10
, Urk. 7/35
/2
)
.
Denn die Frage, ob eine
Benzodiazepinabhängigkeit
, eine mögliche
p
osttraumatische Belastungsstörung oder
eine
rezidivierende depressive Störung
mit einer
gegenwärtig mittelgradige
n
Episode
einer depressiven Störung
eine
leistungs
spezifische
Invalidität zu begründen vermag, ist eine Rechtsfrage, die unabhän
gig von der ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit zu beantworten
ist
(vgl. BGE 140 V 193 E. 3.2
f.
)
.
Aus rechtlicher Sicht kann von einer medizinischen Ein
schätzung der Arbeitsunfähigkeit abgewichen werden, ohne dass diese ihren Beweiswert verliert
(Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2015 vom 21. August 2015 E. 3 mit weiteren Hinweisen).
Die zusätzlich im Beschwerdeverfahren eingereichte
n
Arztberichte von Dr.
C._
vom 23. März 2014
(Urk. 12)
und
von Dr.
B._
vom 12. Oktober 2015
(Urk. 3/5)
führen zu keinem anderen
Ergebnis
.
5.
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin davon ausgegangen ist, dass
die Beschwerdeführerin
aus
invalidenversiche
rungsrechtlicher
Sicht nicht
massgeblich
in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war und ist. Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet und ist abzu
weisen. Bei dieser Sachlage besteht kein Anlass, die
ehemalige Pensionskasse der
Y._
Schweiz
zum Verfahren beizuladen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgabe (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) auf Fr. 800.-- anzusetzen. Die Kosten sind der unterlie
genden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge der ih
r
gewährten unentgelt
lichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.