Decision ID: a795f767-70a8-4f35-b8ca-677823abc7e3
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
M
it
Zahlungsbefehl vom 12. Januar 2018 liess die
Sanitas
Grundversicherungen AG (
Sanitas
) gegenüber
X._
eine Forderung von Fr. 1'629.75 für Kostenbeteiligungen aus der Zeit vom 24. bis zum 27. Mai 2015 in Betreibung setzen, nebst Zins zu 5 % seit dem 11. Januar 2018 und zuzüglich einer Nebenforderung (Kosten) von Fr. 150.-- (Betreibung Nr.
«...»
des Betreibungsamtes Zürich 9; Urk. 23/2
).
Den Rechtsvorschlag
des Versicherten vom 11. Februar 2018 hob die
Sanitas
mit Verfügung vom 8. März 2018 auf (Urk. 20/4).
X._
, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Jean-Louis von
Planta
, liess gegen diese Verfügung mit Eingabe vom
5.
April 2018 Einsprache erheben (
Urk.
23/3/6). Mit Entscheid vom 3
0.
August 2018 wies die
Sanitas
die Einsprache ab (
Urk.
2).
2.
Mit Eingabe vom
4.
Oktober 2018 liess
X._
, nunmehr vertreten durch
Advokat Martin Lutz
, gegen den
Einspracheentscheid
vom 3
0.
August 2018
Beschwerde erheben (
Urk. 1 und die damit einge
reichten Unterlagen in Urk. 3/3
16)
und beantragen, der
Einspracheentscheid
sei aufzuheben, eventualiter sei festzustellen, dass die Forderung zu Unrecht erhoben werde, und die Betreibung Nr.
«...»
sei aufzuheben, eventualiter sei der Rechtsvorschlag zu bestätigen (Urk. 1 S. 2).
Auf die
gerichtliche
Aufforderung
hin (Verfügung vom
9.
Oktober 2018,
Urk.
5) reichte die
Sanitas
mit Eingabe vom 2
4.
Oktober 2018 (
Urk.
7) die Informationen der Post zur Zustellung des angefochtenen
Einspracheentscheids
ein (
Urk.
8)
. Aufgrund dieser Informationen befand das Gericht die Beschwerde als rechtzeitig erhobe
n
und forderte die
Sanitas
zu deren
Beantwortung auf (Verfügung vom 2
9.
Oktober 2018,
Urk.
9). Diese stellte in der
Beschwerdeantwort vom 21. Januar 2019 den Antrag auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 15 und die damit eingereichten Unterlagen in Urk. 16/1-10), worauf das Ge
richt ergänzende Angaben zum Sachverhalt einholte und die Akten ergänzen liess (Telefonnotiz vom 22. Januar 2019, Urk. 18; Eingabe der
Sanitas
vom 28. Januar 2019, Urk. 19 und die damit eingereichten Unterlagen in Urk. 20/1-5; Telefonnotiz vom 30. Januar 2019, Urk. 21; Eingabe der
Sanitas
vom 5. Februar 2019, Urk. 22 und die damit eingereichten Unterlagen in Urk. 23/1-3).
Mit Verfügung vom
7.
Februar 2019
hielt
das Gericht fest, dass
die Forderung, die Gegenstand des angefochtenen
Einspracheentscheids
und der ihm zugrundeliegenden Verfügung vom
8.
März 2018 ist, bereits im Jahr 2016 Gegensta
nd einer Betreibung und einer aufgrund des erhobenen Rechtsvorschlags erlassenen Verfügung gewesen
sei, und wies auf die Rechtsprechung hin, wonach der Krankenversicherer nicht die Möglichkeit habe, der versicherten Person durch Erlass einer zweiten, das gleiche Rechtsverhältnis betreffenden Verfügung erneut den Rechtsmittelweg zu eröffnen. Dementsprechend stellte das Gericht die Rechtmässigkeit der Verfügung vom
8.
März 2018 und des sie bestätigenden angefochtenen
Einspracheentscheids
zur Diskussion und gab den Parteien Gelegenheit
, sich dazu zu äussern
(
Urk.
24). Die
Sanitas
verzichtete mit Eingabe vom 1
3.
Februar 2019
auf eine Stellungnahme (
Urk.
26); der Versicherte liess seine Stellungnahme am 1
7.
Mai 2019 erstatten (
Urk.
3
0
). Mit Verfügung vom 2
0.
Mai 2019 wurden die Stellungnahmen
je der
Gegenpartei zugestellt (
Urk.
31).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]).
2.
2.1
Setzt der Krankenversicherer gegenüber einer versicherten Person eine Prämienforderung oder die Forderung einer Kostenbeteiligung in Betreibung, so ist er rechtsprechungsgemäss befugt, den dagegen erhobenen Re
chtsvorschlag mittels Verfügung beziehungsweise
Einspracheentscheid
aufzuheben. Er entscheidet damit zum einen über den materiellen Bestand der Forderung und handelt zum andern gleichzeitig als Rechtsöffnungsinstanz. Im Falle der Erhebung einer Beschwerde gilt dies auch für das Gericht (Urteil des Bundesgerichts 9C_903/2009 vom 11. Dezember 2009 E. 2.1). Wenn der Krankenversicherer hingegen schon vor Einleitung der Betreibung im Besitz einer rechtskräftigen Verfügung ist, so kann er in einer Betreibung den Rechtsvorschlag nicht selber aufheben, sondern muss hierfür an den Rechtsöffnungsrichter gelangen.
Inbesondere
hat er auch nicht die Möglichkeit, der versicherten Person durch Erlass einer zweiten, das gleiche Rechtsverhältnis betreffenden Verfügung erneut den Rechtsmittelweg zu eröffnen (Urteil des Bundesgerichts 9C_903/2009 vom 11. Dezember 2009 E. 2.2 und E. 2.3).
2.2
Bei der Forderung, die
G
egenstand des angefochtenen
Einspr
acheentscheids
(Urk.
2), der ihm zugrundeliegenden Verfügung vom
8.
März 2018 (Urk. 20/4) und des Zahlungsbefehls vom 12. Januar 2018 (
Urk.
23/2) ist
, handelt es sich
um Kostenbeteiligungen an
zwei Rechnungen des Jahres 2015, welche die Beschwerdegegnerin übernommen hatte, nämlich an einer
Rechnung der
Y._
für einen Aufenthalt
des Beschwerdeführers
im Rahmen einer Fürsorgerischen Unterbringun
g vom 2
4.
bis zum 2
7.
Mai 2015
und
an
einer Rechnung der
Z._
(vgl. den Austrittsbericht der Klinik vom 2
7.
Mai 2015,
Urk.
3/5, und
die Abrechnungen der Beschw
erdegegnerin in
Urk.
23/3/2-5).
Es steht fest und ist unbestritten, dass diese Forderung bereits
Gegenstand einer Verfügung vom 1
6.
Februar 2016 gewesen war, welche die Beschwerdegegnerin
in Aufhebung des Rechtsvorschlags in der vorangegangenen Betreibung (
Zahlungsbefehl vom 2
6.
Januar 2016
in der
Betreibung Nr.
«...»
des Betreibungsamtes Zürich 9; Urk. 20/1) erlassen hatte (
Urk.
16/6).
Ebenfalls als feststehend zu erachten ist, dass der Beschwerdeführer gegen die Verfügung vom 1
6.
Februar 2016 keine Einsprache erhoben hatte; es bestehen keine Hinweise darauf, dass die entsprechende Sachverhaltsdarstellung im Schreiben vom
1.
April 2016, mit dem die Beschwerdegegnerin
das betreibungsrechtliche Fortsetzungsbegehren gestellt und die Pfändung
anbegehrt
hatte (
Urk.
20/2), unzutreffend gewesen wäre. Sodann hatte die Beschwerdegegnerin dieses Fortsetzungsbegehren zwar mit Schreiben vom
2.
Juni 2016 wieder zurückgezogen (
Urk
20/3), und sie begründete diesen Schritt in einem späteren Schreiben an den Beschwerdeführer damit, dass sie ihre Leistungspflicht (für die Rechnungen der
Y._
und der
Z._
) erneut habe prüfen wollen (
Urk.
23/3/1).
Es ist
jedoch nicht
dokumentiert, dass die Beschwerdegegnerin den Rückzug des Fortsetzungsbegehrens mit einer
wiedererwägungsweisen Aufhebung
der Verfügung vom 1
6.
Februar
2016 verbunden hätte, sei es mit einer Aufhebung aufgrund der Anerkennung der Unrechtmässigkeit der Forderung, wie dies der Beschwerde
-
führer
geltend machen liess (
Urk.
1 S. 6), sei es mit einer Aufhebung, um weitere Abklärungen zu treffen und zu einem späteren Zeitpunkt gegebenenfalls neu zu verfügen.
Die Verfügung vom 1
6.
Februar 2016 ist somit
als in Rechtskraft erwachsen zu beurteilen.
2.3
Unter diesen Umständen war es der Beschwerdegegnerin aufgrund der dargelegten Rechtsprechung verwehrt, die darin festgelegte Forderung ein zweites Mal zum Gegenstand einer anfechtbaren Verfügung zu machen
und dem Beschwerdeführer auf
diese Weise erneut den Rechtsmittelweg zu eröffnen
.
Daran ändert das bekundete Interesse des Beschwerdeführers an einer materiellen Beurteilung der Rechtmässigkeit dieser Forderung (vgl.
Urk.
30) nichts.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
und die ihm zugrundeliegende Verfügung vom
8.
März 2018 sind somit als unzulässig aufzuheben, und auf die Beschwerde ist materiell nicht einzutreten.
3.
3.1
Nach
Art.
61
lit
. g
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (
§
34
GSVGer
sowie
§
8 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
3.2
Die Aufhebung des angefochtenen
Einsp
racheentscheids
erfolgt aus Gründen der formellen Unzulässigkeit, ohne dass damit ein Obsiegen des Beschwerdeführers mit
seinen materiellen Vorbringen
verbunden wäre. Mit der unzulässigen Eröffnung des Rechtsmittelwegs hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer jedoch zur Erhebung der vorliegenden Beschwerde und der damit verbundenen Aufwendungen veranlasst. Dementsprechend ist sie zu verpflichten, ihn
entsprechend seinem Antrag (
Urk.
30 S. 2)
für diese Aufwendungen zu entschädigen.
Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien i
st die Entschädigung auf Fr.
1'100.--
(inklusive Barauslagen u
nd Mehrwertsteuer) festzusetzen.