Decision ID: 62bfa142-41ab-417f-baf3-184399341076
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Im Revisionsgesuch vom 27. September 2022 betreffend Kostenentscheid
stellte die Gemeinde A._ beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden folgende Rechtsbegehren:
1. Das Verwaltungsgerichtsurteil R 22 61, 62 und 63 vom 13. September 2022 sei zu
revidieren und wie folgt zu ergänzen:
"3b) C._, D._ und die Eheleute E._ haben der Gemeinde die Kosten des Bau- und Einspracheverfahrens in folgendem Umfang zu vergüten:
C._ D._ E._ Behandlungsgebühr (50% gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. e GBO) 2'115.00 1'024.00 1'535.00 Zusätzliche Aufwendungen 848.00 480.00 563.00 Externe Rechtsberatung 4'690.00 5'900.00 5'900.00 Total 7'653.00 7'404.00 7'998.00
Für das Bau- und Einspracheverfahren werden keine ausseramtlichen Entschädigungen zugesprochen."
2. Unter gesetzlicher Kostenfolge.
Zur Begründung wurde ausgeführt, dass das Verwaltungsgericht die
Anweisung in Ziff. 4 des Bundesgerichtsurteils vom 12. Juli 2022
(1C_650/2020 i.S. C._ [R 19 29], D._ [R 19 30] und E._ [R
19 31]) nicht umgesetzt habe, wonach die Sache "zur Neuverlegung der
Kosten und Parteientschädigungen in den vorangegangenen Verfahren"
ans Verwaltungsgericht zurückgewiesen worden sei. Das
Verwaltungsgericht habe in seinem Kostenentscheid vom 13. September
2022 (R 22 61 [C._], 62 [D._] und 63 [E._]) lediglich die
Gerichtskosten und Parteientschädigungen für die Verfahren vor
Verwaltungsgericht neu festgelegt, die zuvor angefallenen Kosten für die
Behandlung der Baubewilligungen durch die Gemeinde seien hingegen –
entgegen Ziff. 4 des Bundesgerichtsurteils – aus Versehen vergessen
worden. Das Verwaltungsgericht habe damit die Neuverteilung der
Kosten/Parteientschädigung im Verfahren vor der Gemeinde nicht
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vorgenommen und dadurch die Revisionsgründe gemäss Art. 67 Abs. 1 lit.
d und e VRG erfüllt. In den vom Bundesgericht aufgehobenen Bau- und
Einspracheentscheiden vom 19. März 2019 seien folgende Gebühren von
der Gemeinde zulasten der Bauherrschaften erhoben worden:
C._ D._ E._ Behandlungsgebühr 4'230.00 2'048.00 3'070.00
Zusätzliche Aufwendungen 848.00 480.00 563.00
Externe Rechtsberatung 4'690.00 5'900.00 5'900.00
Total 9'768.00 8'428.00 9'533.00
Gemäss Gebührenordnung (GBO) der Gemeinde würden für abgewiesene
Baugesuche 50% der 0/00-Gebühren erhoben (Art. 11 Abs. 1 lit. a /lit. e). Die
zusätzlichen Aufwendungen (Art. 13 GBO) und die Kosten der externen
Rechtsberatung (Art. 96 Abs. 1 und 2 KRG) würden nach Aufwand verlegt,
unabhängig vom Verfahrensausgang. Wie im Rechtsbegehren (Ziff. 1)
aufgeführt, ergäben sich daraus die reduzierten Gebühren für die
Baugesuchsteller (C._ [CHF 7'653.00]; D._ [CHF 7'404.00] sowie
Eheleute E._ [CHF 7'998.00]). Parteientschädigungen würden dem
obsiegenden Einsprecher im Bau- und Einspracheverfahren mangels
gesetzlicher Grundlage und Praxis des Verwaltungsgerichts keine
zugesprochen.
2. Von der Möglichkeit, sich zum Revisionsgesuch der Gemeinde zu äussern,
machte einzig der Anwalt von C._ (Verfahren R 22 61 und R 22 79)
Gebrauch. Mit Stellungnahme vom 24. Oktober 2022 brachte dieser vor,
dass der bundesgerichtlichen Weisung auf Neuverlegung der Kosten nach
Aufhebung eines verwaltungsgerichtlichen Urteils und der erstinstanzlich
erteilten Baubewilligung nur insoweit gefolgt werden könne, als das
Verwaltungsgericht sachlich zuständig sei. Für die Neuverteilung der
Gerichtskosten im Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht treffe dies
zu, für die Kostenverteilung im erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahren
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hingegen nicht, weil dafür allein die Gemeinde sachlich zuständig sei. Dem
Verwaltungsgericht seien die in der kommunalen Gesetzgebung
festgesetzten Gebühren und die dazugehörige Praxis gar nicht bekannt.
Würde das Gericht dies tun, würde es in die Autonomie der Gemeinde
eingreifen und es würde dadurch der Rechtsmittelweg verkürzt.
Zusammenfassend ergebe sich, dass das gestellte Revisionsgesuch unter
dem Vorbehalt des Vorliegens der Eintretensvoraussetzungen insoweit
abzulehnen sei, als die Gemeinde mehr verlange, als die Rückweisung des
Verfahrens an sie. Bei diesem Ausgang des Verfahrens seien die Kosten
der Gemeine aufzuerlegen und sie zu verpflichten, eine ausseramtliche
Entschädigung zu leisten.
3. Mit Stellungnahme (Replik) vom 7. November 2022 hielt die Gemeinde
unverändert an ihren Rechtsbegehren im Revisionsgesuch fest. Aufgrund
der vier Baubescheide vom 21. März 2019 existierten bereits
erstinstanzliche Entscheide der Gemeinde. Diese Entscheide seien im
Rechtsmittelverfahren aufgehoben worden. Gemäss ausdrücklicher
Regelung in Art. 56 Abs. 3 VRG liege es im Ermessen des
Verwaltungsgerichts, ob es – wenn der erstinstanzliche Entscheid
aufgehoben wird – die Sache zur Neuentscheidung an die Gemeinde
zurückweise oder selber entscheide. Falls ein Entscheid in der Sache aus
Sicht des Verwaltungsgerichts wider Erwarten nicht möglich sein sollte,
werde innerhalb der 90-tägigen Frist (Art. 67 Abs. 2 VRG) noch der
Eventualantrag gestellt, die Sache zur Neuverlegung der Kosten des
Verfahrens vor Gemeinde an Letztere zurückzuweisen.
4. Mit Entgegnung (Duplik) vom 11. November 2022 hielt der Anwalt von
C._ fest, dass das Verwaltungsgericht das ihm in Art. 56 Abs. 3 VRG
obliegende Ermessen in Beachtung der Gemeindeautonomie bereits
ausgeübt habe, indem es über die bei der Gemeinde allenfalls anfallenden
Kosten nach Aufhebung des Baubewilligungsentscheids (durch das
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Bundesgericht) gerade nicht entschieden habe. Das Einzige, was
vergessen gegangen sei, wenn überhaupt, sei dass es zur weiteren
allfälligen Gebührenfestsetzung nicht zu einer Rückweisung an die
autonome Gemeinde gekommen sei. Alles andere würde eine
Beschneidung des Rechtsmittelwegs seines Mandanten bedeuten, was
dieser nicht hinzunehmen habe.
5. Mit Verfügung des Bundesgerichts vom 21. November 2022
(1C_524/2022) wurde das Verfahren vor Bundesgericht ausgesetzt bis zum
Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden über das
Revisionsgesuch (Ziff. 1). Das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden werde ersucht, dem Bundesgericht ein Exemplar seines
Urteils zuzustellen (Ziff. 2). Diese Verfügung werde den Parteien und dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden, 5. Kammer, schriftlich
mitgeteilt (Ziff. 3).
6. Am 28. November 2022 reichte der Anwalt von C._ (Verfahren R 22
61 und R 22 79) aufforderungsgemäss noch seine Honorarnote samt
Honorarvereinbarung vom 2. Oktober 2018 beim Gericht ein.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 67 Abs. 1 lit. d des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) revidiert die Behörde, die zuletzt entschieden hat,
rechtskräftige Entscheide von Amtes wegen oder auf Antrag, wenn die
Behörde aktenkundige erhebliche Tatsachen aus Versehen nicht
gewürdigt hat. Laut Urteil des Bundesgerichts 1C_650/2020 vom 12. Juli
2022 wurde die Beschwerde von B._ betreffend Baueinsprache
gutgeheissen. Das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 29. September
2020 und die Baubewilligung der Gemeinde A._ vom 19. März 2019
wurden aufgehoben (Ziff. 1 Urteilsdispositiv). Die Gerichtskosten von CHF
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4'000.-- wurden den Beschwerdegegnern unter solidarischer Haftung
auferlegt (Ziff. 2). Die Beschwerdegegner wurden ausserdem verpflichtet,
dem Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche Verfahren unter
solidarischer Haftung eine Parteientschädigung von CHF 4'000.-- zu
bezahlen (Ziff. 3). Im Weiteren bestimmte das Bundesgericht: Die Sache
wird zur Neuverlegung der Kosten und der Parteientschädigung der
vorangegangenen Verfahren an die Vorinstanz zurückgewiesen (Ziff. 4).
[Mitteilung an: Ziff. 5].
2. Mit Urteil vom 13. September 2022 (R 22 61, 62 und 63) erkannte das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden was folgt:
1. Die Gerichtskosten für die Beschwerdeverfahren R 19 29, R 19 30 und R 19 31 von insgesamt CHF 4'794.-- werden zur Hälfte der Gemeinde A._ (1⁄2 macht CHF 2'397.--) und zu je einem Sechstel C._ (1/6 macht CHF 799.--)., D._ (1/6 macht CHF 799.--) sowie E._ (1/6 macht CHF 799.--) auferlegt.
2. Aussergerichtlich haben die Gemeinde A._ (1⁄2 macht aufgerundet CHF 6'364.70), C._ (1/6 macht CHF 2'121.55), D._ (1/6; CHF 2'121.55) sowie E._ (1/6; CHF 2'121.55) B._ mit insgesamt CHF 12'729.35 (inkl. Mehrwertsteuer) zu entschädigen.