Decision ID: d05d07d1-4784-46ca-9a79-9977865085fe
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte räuberische Erpressung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 24. Oktober 2012 (DG120020)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 15. Mai
2012 (Urk. 36) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der versuchten räuberischen Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1
und Ziff. 3 StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 3 Abs. 2 (recte: Abs. 3)
StGB und Art. 22 Abs. 1 StGB;
− der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 3 StGB;
− der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB, teilweise in Ver-
bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;
− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 und 2 lit. a
StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 5 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute 355 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden
sind.
3. Die Strafe wird vollzogen.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 17. Mai 2012 beschlag-
nahmten Gegenstände (Lagerort Forensisches Institut Zürich),
nämlich
− 1 gelbes langärmliges T-Shirt (Asservate Nr. ...)
− 1 Damenslip (Asservate Nr. ...)
− 1 graue Trainerhose mit der Aufschrift "Oxxy" (Asservate Nr. ...)
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werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils der Privatklägerin auf ers-
tes Verlangen innerhalb von drei Monaten herausgegeben und sind ansons-
ten durch die Lagerbehörde zu vernichten.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 17. Mai 2012 beschlag-
nahmte weisse Schnur (Asservate Nr. ...; Lagerort Forensisches Institut Zü-
rich) wird definitiv eingezogen und ist nach Eintritt der Rechtskraft dieses Ur-
teils durch die Lagerbehörde (Forensisches Institut Zürich) zu vernichten.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Schadenersatz von
Fr. 256.15 zuzüglich 5 % Zins ab 5. November 2011 zu bezahlen. Soweit der
Beschuldigte B._ rechtskräftig zur Leistung von Schadenersatz ver-
pflichtet wird, besteht solidarische Haftung.
Darüber hinaus wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Pri-
vatklägerin aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schaden-
ersatzpflichtig ist.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 8'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 5. November 2011 als Genugtuung zu bezahlen. Soweit der
Beschuldigte B._ rechtskräftig zur Leistung einer Genugtuung verpflich-
tet wird, besteht solidarische Haftung. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin für das gesamte Ver-
fahren eine Prozessentschädigung von Fr. 5'500.– (zuzüglich 8% MWSt.) zu
bezahlen. Diese Entschädigung wird aus der Staatskasse bezahlt und die
Staatskasse tritt dementsprechend in die Rechte der Privatklägerin gemäss
Art. 138 Abs. 2 StPO ein.
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9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 280.00 Kosten Kantonspolizei
Fr. 9'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 4'234.70 Auslagen Vorverfahren
Fr. 5'502.75 amtliche Verteidigung (Vorverfahren)
Fr. 26'726.40 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
10. Die Verfahrenskosten (bestehend aus der Gerichtsgebühr, den ihn betref-
fenden Untersuchungskosten, der hälftigen Untersuchungsgebühr, den hälf-
tigen Kosten der Kantonspolizei Zürich sowie den Kosten für die amtliche
Verteidigung und die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin)
werden dem Beschuldigten auferlegt, mit Ausnahme der Kosten der amtli-
chen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatkläge-
rin, welche einstweilen auf die Staatskasse genommen werden. Eine Rück-
forderung gemäss Art. 426 Abs. 4 bzw. Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehal-
ten.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 107/1 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei – soweit auf die Anklage eingetreten wird – von
sämtlichen Vorwürfen freizusprechen.
2. Es sei dem Beschuldigten eine angemessene Entschädigung / Genug-
tuung zuzusprechen.
3. Die Zivilklage sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten wird, unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Privatklägerin.
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4. Die Kosten des erst- und des zweitinstanzlichen Verfahrens, ein-
schliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, seien auf die
Staatskasse zu nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 108 S. 1)
1. Der Beschuldigte, A._, sei wegen versuchter räuberischer Erpres-
sung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB in Verbindung mit
Art. 140 Ziff. 4 und Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen (betrifft
Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.I.B. Titel Räuberische Erpressung
mit Lebensgefahr).
2. Betreffend Urteil-Dispositiv Ziffer 1, Absatz 2-4 beantrage ich Bestäti-
gung des erstinstanzlichen Urteils.
3. Der Beschuldigte, A._, sei mit einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren
zu bestrafen.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien – wie jene des Vor- und
des erstinstanzlichen Verfahrens – dem Beschuldigten aufzuerlegen.
5. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksge-
richts Dietikon vom 24. Oktober 2012 liess der Beschuldigte mit Eingabe vom
2. November 2012 rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 67). Das begründete Ur-
teil wurde dem amtlichen Verteidiger am 13. Februar 2013 zugestellt (Urk. 86/2).
Dieser reichte mit Eingabe vom 1. März 2013 seine Berufungserklärung ein, in
welcher er einen vollumfänglichen Freispruch beantragte. Zudem hielt er an den
bereits im vorinstanzlichen Verfahren gestellten Beweisanträgen bezüglich der
Einvernahmen diverser Zeugen fest (Urk. 88).
Mit Präsidialverfügung vom 24. April 2013 wurde der Privatklägerin sowie der
Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung erho-
ben oder Nichteintreten auf die Berufung beantragt werde (Urk. 94). Die Staats-
anwaltschaft erhob mit Eingabe vom 13. Mai 2013 fristgerecht Anschlussberufung
und beschränkte diese auf den Schuldpunkt betreffend Dispositivziffer 1 Absatz 1
des vorinstanzlichen Urteils sowie die Strafzumessung (Urk. 97). Die Privatkläge-
rin liess sich nicht vernehmen. Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft
wurde dem Beschuldigten sowie der Privatklägerin mit Präsidialverfügung vom
6. Juni 2013 zugestellt (Urk. 98). Mit Präsidialverfügung vom 10. September 2013
wurden die Beweisanträge der Verteidigung einstweilen abgewiesen (Urk. 101).
Am 16. September 2013 wurden allen Parteien Farbkopien der Fotos, die ein Mit-
arbeiter des Forensischen Instituts Zürich am 5. November 2011 von den Verlet-
zungen der Privatklägerin gemacht hatte und die von der Berufungsinstanz beige-
zogen worden waren, gesandt (Urk. 104/1-33).
2. Gemäss Art. 402 in Verbindung mit Art. 437 StPO hat die Berufung im Um-
fang der Anfechtung aufschiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des ange-
fochtenen Urteils dementsprechend gehemmt. Nachdem die Dispositivziffern 4
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und 5 (Herausgabe bzw. Vernichtung der beschlagnahmten Gegenstände) und 9
(Kostenfestsetzung) nicht angefochten worden sind (Urk. 88 S. 1; Urk. 97), ist mit-
tels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in
Rechtskraft erwachsen ist.
3. Der Verteidiger rügte anlässlich der Berufungsverhandlung, wie bereits vor
Vorinstanz, das Anklageprinzip sei in Bezug auf Anklageziffer IV. (Vorfall zwi-
schen Juni und Oktober 2011) verletzt, indem weder der Ort noch der genaue
Zeitpunkt der dem Beschuldigten vorgeworfenen Tat genau umschrieben würden
(Urk. 107/1 S. 20; Urk. 59 S. 31). Diesbezüglich ist auf die zutreffenden Ausfüh-
rungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 87 S. 7 f.). Der Anklagevorwurf enthält
prägnante Merkmale wie die Fahrt vom Arbeitsort der Privatklägerin in Zürich
nach Hause in C._ und den spezifischen Vorwurf, der Beschuldigte habe ihr
gedroht, er werde sie an einen menschenleeren Ort bringen, um sie dort in aller
Ruhe umzubringen. Der Vorwurf an sich ist genügend präzise umschrieben, um
dem Beschuldigten eine adäquate Verteidigung zu ermöglichen, wenn auch die
beschriebene Zeitspanne dem Anklageprinzip nur knapp genügt. Das Anklage-
prinzip ist nicht verletzt.
II. Sachverhalt
1. Vorbemerkung
Der Beschuldigte und die Privatklägerin lernten sich im Jahr 2007 über das Inter-
net kennen. Sie hatten Kontakt über Chat im Internet oder kurze Telefongesprä-
che. Einmal besuchte der Beschuldigte die Privatklägerin für zwei Wochen in Ma-
rokko (zwischen 2008 und 2009). Im Juni 2010 reiste die Privatklägerin in die
Schweiz zum Beschuldigten, wo sie in dessen Wohnung einzog. Circa am tt. Juli
2010 heirateten sie standesamtlich in Zürich (Urk. 14/2 S. 7 f.). Im November
2010 zog die Privatklägerin zunächst in ein Frauenhaus und später in eine eigene
Wohnung, kehrte jedoch nach circa sieben Monaten zum Beschuldigten in die
Wohnung zurück (Urk. 14/3 S. 12 und 17).
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Bereits im Jahr 2011 war ein Verfahren betreffend häusliche Gewalt hängig ge-
wesen, in welchem beide Ehepartner jeweils als Beschuldigte und Geschädigte
geführt wurden. Das Verfahren wurde mit Verfügung vom 9. Mai 2011 gestützt auf
Art. 55a StGB eingestellt, da beide Beteiligten keine Strafverfolgung des jeweils
anderen wünschten (Beizugsakten der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis,
2010/2930).
2. Anklagevorwurf
2.1. Im vorliegenden Verfahren werden dem Beschuldigten eine Reihe von Delik-
ten im Rahmen von häuslicher Gewalt gegen seine Ehefrau, die Privatklägerin,
vorgeworfen. Der schwerwiegendste Vorwurf betrifft die Ereignisse vom
5. November 2011. Bereits am Abend zuvor soll der Beschuldigte die Privatkläge-
rin im Beisein seines Bruders, B._, sowie eines Kollegen des Beschuldigten,
D._, nach einer verbalen Auseinandersetzung tätlich angegangen sein. Am
5. November 2011 habe der Beschuldigte die Privatklägerin geweckt, worauf sich
erneut eine Streitigkeit entwickelt habe. Währenddessen habe der Beschuldigte
die Privatklägerin immer wieder, insgesamt mindestens 10 Mal, mit der Faust und
der flachen Hand teilweise massiv ins Gesicht, an den Oberkörper und die Arme
geschlagen, mit den Füssen gegen ihre Beine getreten, sie an den Kleidern ge-
packt und zu Boden gerissen, sie an den Haaren gezerrt und sie massiv be-
schimpft. Im Verlaufe dieser Auseinandersetzung, während welcher B._ auch
anwesend gewesen sei und den Beschuldigten unterstützt habe, habe der Be-
schuldigte der Privatklägerin einen Schlag gegen den Körper versetzt, so dass
diese auf den Wohnzimmerboden gestürzt sei. Dort habe der Beschuldigte seiner
am Boden knienden Ehefrau von vorne ein weisses Nylonseil um den Hals gelegt
und sie so während maximal circa 60 Sekunden derart stranguliert, dass sie nicht
mehr in der Lage gewesen sei, zu sprechen und zu atmen, für kurze Zeit das Be-
wusstsein verloren, "Sternchen vor den Augen" gesehen und einen unwillkürli-
chen Urinabgang gehabt habe. Während des Strangulierens habe B._ sie an
den Haaren gerissen. Durch das Strangulieren habe der Beschuldigte die Privat-
klägerin wissentlich und willentlich in akute Lebensgefahr gebracht. Sowohl vor
als auch während der Strangulation habe der Beschuldigte die Privatklägerin im-
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mer wieder angeschrien, sie müsse nun in eigenem Namen einen Kredit in der
Höhe von Fr. 60'000.– aufnehmen, damit er und sein Bruder zusammen einen
Autooccasionshandel betreiben könnten. Der Beschuldigte habe das Nylonseil um
den Hals der Privatklägerin erst gelockert, als diese durch Kopfnicken signalisiert
habe, dass sie bereit sei, den Kredit aufzunehmen. Die Privatklägerin sei jedoch
schliesslich nicht auf die Forderungen des Beschuldigten eingegangen (Urk. 36
S. 2 ff.).
2.2. Die weiteren Vorwürfe betreffen ebenfalls allesamt Delikte im Rahmen häus-
licher Gewalt. Dem Beschuldigten werden einfache Körperverletzungen, (teilweise
versuchte) Nötigungen und Drohungen, begangen in der Zeitspanne zwischen
dem 5. November 2010 und dem 5. November 2011, vorgeworfen. Die Details
können der Anklageschrift entnommen werden bzw. werden im Rahmen der
Sachverhaltserstellung an den entsprechenden Stellen aufgeführt (Urk. 36 S. 2
ff.).
2.3. Der Beschuldigte bestreitet, wie schon vor der Vorinstanz, auch im Beru-
fungsverfahren alle Vorwürfe in den wesentlichen Punkten (Prot. II S. 19-27). Es
ist daher nachfolgend zu prüfen, ob der eingeklagte Sachverhalt anhand der vor-
handenen Beweismittel erstellt werden kann.
3. Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung
3.1. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfenen Taten, ist der Sachver-
halt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argu-
mente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der aus
Art. 8 und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxi-
me "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermu-
ten, dass der einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (Urteile des
Bundesgerichts 1P_587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2., und 1P_437/2004
vom 1. Dezember 2004, E. 4.2.; Pra 2002 S. 4 f. Nr. 2 und S. 957 f. Nr. 180; BGE
127 I 40, 120 Ia 31. E. 2b). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass
sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünsti-
gen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung
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Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteile des Bun-
desgerichtes 6B_795/2008 vom 27. November 2008, E. 2.4., und 6B_438/2007
vom 26. Februar 2008, E. 2.1.). Die Überzeugung des Richters muss auf einem
verstandesgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen
Beobachter nachvollziehbar sein (Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches
Strafprozessrecht, 6. A., Basel 2006, § 54 Rz 11 ff.). Wenn erhebliche oder nicht
zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so abgespielt hat,
wie er eingeklagt ist, ist der Beschuldigte nach dem Grundsatz "in dubio pro reo"
freizusprechen (Bernard Corboz, "in dubio pro reo", in ZBJV 1993, N 419 f.). So-
weit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der Nachweis der Tat mit Indizien zu
führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren "Mosaik" zu würdigen
ist (vgl. dazu auch Pra 2004 Nr. 51 S. 256, Ziff. 1.4.; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f.,
Ziff. 3.4.).
3.2. Aufgabe des Richters ist es demzufolge, seinem Gewissen verpflichtet, in
objektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von ei-
nem bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an des-
sen Richtigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 Abs. 2 StPO; ZR 72 Nr. 80; Max
Guldener, Beweiswürdigung und Beweislast, S. 7; Pra 2004 Nr. 51 S. 256
Ziff. 1.4.; BGE 124 IV 88, 120 1A 31 E. 2c). Es liegt in der Natur der Sache, dass
mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweisfüh-
rung erreicht werden kann. Daher muss es genügen, dass das Beweisergebnis
über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (vgl. Kassationsgerichtsentscheid
vom 26. Juni 2003, Nr. 2002/387S, E. 2.2.1. mit Hinweisen). Bloss abstrakte oder
theoretische Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer mög-
lich sind (Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 12, Urteile des Bundesgerich-
tes 6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4., und 1 P_587/2003 vom
29. Januar 2004, E. 7.2.). Es genügt also, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld
ausgeschlossen werden können. Hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser
Wahrscheinlichkeit beruhen.
3.3. Wie bereits angesprochen, können auch indirekte, mittelbare Beweise, so-
genannte Anzeichen oder Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen
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Schluss erlauben. Indizien sind Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere,
unmittelbar erhebliche Tatsache zulassen. Beim Indizienbeweis wird somit vermu-
tet, dass eine nicht bewiesene Tatsache gegeben ist, weil sich diese Schlussfol-
gerung aus bewiesenen Tatsachen (Indizien) nach der Lebenserfahrung auf-
drängt. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig (Hau-
ser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 59 N 14). Da ein Indiz immer nur mit einer ge-
wissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, ein-
zeln betrachtet, die Möglichkeit des Andersseins offen, enthält daher auch den
Zweifel (Hans Walder, Der Indizienbeweis im Strafprozess, ZStrR 108/1991,
S. 309; Derselbe, Die Beweisführung in Strafsachen, insbesondere der Indizien-
beweis, Zürich 1974/75, S. 49). Es ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der
verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und
insofern Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat
oder Täter zu schliessen (Entscheide des Bundesgerichtes 6B_365/2009 vom
12. November 2009, E. 1.4., 6B_332/2009 vom 4. August 2009, E. 2.3. mit Hin-
weisen, und 6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4.; Hauser/Schweri/Hart-
mann, a.a.O., § 59 N 15).
3.4. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind die-
se frei zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten
und den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung über-
zeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen an-
kommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgten. Bei der
Würdigung von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemei-
ne Glaubwürdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist viel-
mehr die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese
sind einer kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein
von sogenannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist (vgl. Rolf Ben-
der, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81
[1985] S. 53 ff.; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht,
Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 3. Auflage, München
2007, N 310 ff. und N 350 ff.). Die wichtigsten Realitätskriterien sind dabei die "in-
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nere Geschlossenheit" und "Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehens-
ablaufs", "konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses" sowie die
"Schilderung des Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demje-
nigen zu erwarten ist, der den Vorfall selber miterlebt hat", "Kenntlichmachung der
psychischen Situation von Täter und Zeuge bzw. unter Mittätern", "Selbstbelas-
tung oder unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle", "Entlastungsbemerkun-
gen zugunsten des Beschuldigten" und "Konstanz der Aussage bei verschiede-
nen Befragungen, wobei sich aber sowohl Formulierungen als auch die Angaben
über Nebenumstände verändern können" (Robert Hauser, Der Zeugenbeweis im
Strafprozessrecht mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 316).
Andererseits sind auch allfällige Phantasiesignale zu berücksichtigen. Als Indizien
für falsche Aussagen gelten "Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den
eigenen Aussagen", "Zurücknahme oder erhebliche Abschwächungen in den ur-
sprünglichen Anschuldigungen", "Übersteigerungen in den Beschuldigungen im
Verlaufe von mehreren Einvernahmen", "unklare, verschwommene oder auswei-
chende Antworten" sowie "gleichförmig, eingeübt und stereotyp wirkende Aussa-
gen". Als generelle Phantasiesignale nennen Bender/Nack/Treuer die "Schwarz-
Weiss-Malerei", die "Verarmung der Aussage", das "Flucht- und Begründungssig-
nal" und die "behauptete Akzeptanz gegenüber bezweifelbaren Rechtsverkürzun-
gen", wobei weiter festgehalten wird, den "Phantasiebegabten" falle es ganz all-
gemein leichter, von eigenen Aussagen und Aktivitäten zu berichten, als die Ant-
worten und Reaktionen der Gegenseite zu erfinden. Wenn das eine oder andere
Phantasiesignal auftritt, braucht die Aussage nicht verworfen zu werden. Es ist
dann aber eine ausreichende Zahl von erstklassigen Realitätskriterien zu fordern.
Bei häufigem Auftreten von Phantasiesignalen sollten an die Zahl und Qualität der
Realitätskriterien strenge Anforderungen gestellt werden, damit eine Aussage als
zuverlässig eingestuft werden kann (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., N 429 ff.).
3.5. Damit kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Aussagenden nach neu-
eren Erkenntnissen kaum mehr Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die
Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der
konkreten Aussagen.
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3.6. Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der
verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbe-
standselemente nachzuweisen (vgl. dazu Niklaus Schmid, Strafprozessrecht,
4. Auflage, Zürich 2004, N 599) und nicht der Beschuldigte seine Unschuld (BGE
127 I 40 und Urteile des Bundesgerichtes 1P_437/2004 vom 1. Dezember 2004,
E. 4.3., sowie 6S_154/2004 vom 30. November 2005, E. 4.).
3.7. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet als Beweislastregel keine Anwen-
dung, wenn der Beschuldigte eine ihn entlastende Behauptung aufstellt, ohne
dass er diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es tritt nämlich in-
soweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene Schutz-
behauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis wider-
legt werden muss. Ein solcher Beweis ist nur dann zu verlangen, wenn gewisse
Anhaltspunkte wie konkrete Indizien oder eine natürliche Vermutung für die Rich-
tigkeit der Behauptung sprechen bzw. diese zumindest als zweifelhaft erscheinen
lassen, oder wenn der Beschuldigte sie sonstwie glaubhaft macht (vgl. Kassati-
onsgerichtsentscheid vom 2. November 2004, Nr. AC040082, E. 3.5, Stefan
Trechsel, SJZ 1981 S. 320).
4. Beweismittel
4.1. Als Beweismittel liegen nebst den Aussagen diverser Personen mehrere
ärztliche Berichte bzw. Zeugnisse sowie ein Gutachten des Instituts für Rechts-
medizin vom 22. November 2011 zu den Verletzungen der Privatklägerin vor (vgl.
Urk. 9/3-16), deren Inhalt im vorinstanzlichen Urteil im Detail dargelegt wurde
(Urk. 87 S. 24 ff.). Dem Gutachten vom 22. November 2011 zu den Verletzungen
aus den mutmasslichen Vorfällen vom 4./5. November 2011 ist zusammengefasst
zu entnehmen, dass die Privatklägerin am Hals, im Gesicht, am Rumpf und an
den Extremitäten zahlreiche Hautunterblutungen, Rötungen, Schwellungen und
Schürfwunden aufwies, welche als Folgen stumpfer Gewalteinwirkung zu werten
seien. Einige der braunen Hautunterblutungen hätten einen gelben Farbstich, was
für ein länger zurückliegendes Ereignis sprechen würde. Die feine, strichartige,
linksbetonte Hautrötung am Hals, eine Strangmarke, sei als typische Folge von
Drosseln anzusehen. Bei der körperlichen Untersuchung der Privatklägerin sei ei-
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ne geringe Heiserkeit vorgelegen, hätten jedoch keine Atembeschwerden mehr
bestanden. Es hätten sich keine Stauungsblutungen gefunden. Im Hals würden
sich lebenswichtige Strukturen befinden und beim Drosseln könne es durch Kom-
pression der arteriellen Halsgefässe zur Minderversorgung des Gehirns mit Sau-
erstoff kommen, was zum Tode führen könne. Zudem könne ein Würgen die
Atemwege blockieren und dadurch lebensgefährlich werden. Die Schilderungen
der Privatklägerin, dass sie während des Drosselns bewusstlos geworden sei
respektive "Sternchen vor den Augen" gesehen und einen unwillkürlichen, gerin-
gen Urinabgang gehabt habe sowie der Befund der Strangmarke am Hals würden
aus rechtsmedizinischer Sicht darauf hinweisen, dass es im Rahmen des geltend
gemachten Drosselns zu einer konkreten Lebensgefahr gekommen sei (Urk. 9/3
S. 5 f.).
Ein Austrittsbericht der Notfallpraxis des Instituts für klinische Notfallmedizin,
E._, vom 5. Oktober 2011, beschreibt multiple frische Hämatome am Hals,
an den Schultern, den Armen und den Oberschenkeln der Privatklägerin
(Urk. 9/12; vgl. Anklageziffer II.). Ferner liegen ärztliche Berichte von Dr. med.
F._ vom 21. Dezember 2010 und 29. März 2012 vor (Urk. 9/10-11; vgl. An-
klageziffer V.).
4.2. Im Weiteren wurde in der ehelichen Wohnung eine Nylonschnur aufgefun-
den. An dieser und dem Oberteil, welches die Privatklägerin am 5. November
2011 getragen hatte, wurden durch das Institut für Rechtsmedizin, Abteilung Fo-
rensische Genetik, DNA-Untersuchungen durchgeführt. Am Oberteil der Privat-
klägerin konnten Speichelrückstände sichergestellt werden. Die Auswertung
ergab ein sogenanntes Mischprofil, zu dem mindestens zwei Personen beigetra-
gen haben können. Die sehr stark hervortretenden Merkmale liessen auf eine
männliche Person schliessen und konnten dem Beschuldigten zugeordnet wer-
den. Der Bruder des Beschuldigten konnte als Spurengeber ausgeschlossen wer-
den. Von der Nylonschnur wurden Stichproben im Bereich der beiden Enden und
aus dem Mittelteil entnommen. Bei beiden Stichproben wurden Mischprofile fest-
gestellt, welche dem Beschuldigten und der Privatklägerin zugeordnet werden
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konnten. Wiederum wurde der Bruder des Beschuldigten als Spurengeber ausge-
schlossen (Urk. 11/3 S. 2).
4.3. Zudem wurde der Slip der Privatklägerin, welchen sie am 5. November 2011
getragen hatte, sichergestellt. Im Rahmen eines chemisch-toxikologischen Gut-
achtens wurde festgehalten, dass sowohl auf der Aussen- wie auch auf der In-
nenseite des Damenslips deutliche Spuren von eingetrocknetem Urin sichtbar
seien. Somit sei Urin visuell nachgewiesen (Urk. 10/3 S. 5). Die entsprechenden
Fotoaufnahmen verdeutlichen diese Einschätzung (insbesondere S. 4).
4.4. Die Berufungsinstanz zog ferner die Fotoaufnahmen, die ein Mitarbeiter des
Forensischen Instituts Zürich am 5. November 2011 von den Verletzungen der
Privatklägerin gemacht hatte, bei (Urk. 104/1-33).
4.5. Bei den Akten findet sich zudem ein Foto der Privatklägerin, welches auf ih-
rem Mobiltelefon sichergestellt werden konnte. Dazu wurde vom rapportierenden
Polizeibeamten festgehalten, dass es sich vermutlich um ein Bild zum Vorfall vom
4. Oktober 2011 handle (Urk. 9/2 S. 2).
4.6. Der Verwertbarkeit der genannten Beweismittel steht nichts entgegen. Was
die allgemeine Glaubwürdigkeit der einvernommenen Personen angeht, ist die
Vorinstanz zu zutreffenden Schlüssen gekommen, weshalb darauf verwiesen
werden kann (Urk. 87 S. 10 ff.).
4.7. Der an der Berufungsverhandlung erneut gestellte (Prot. II S. 27) Beweisan-
trag des Verteidigers, mit welchem er die Einvernahme diverser Zeugen verlangt,
wurde zur Untermauerung der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und der Be-
hauptung fehlender Gewaltbereitschaft gestellt. Die Zeugen, deren Einvernahme
beantragt wird, waren indessen bei den behaupteten, eingeklagten Vorfällen nicht
anwesend, weshalb sie sich nicht konkret dazu äussern können. Die Vorinstanz
hat sich zu diesem Beweisantrag ausführlich und zutreffend geäussert, weshalb
darauf verwiesen werden kann (Urk. 87 S. 6). Von der Einvernahme der betref-
fenden Zeugen ist abzusehen. Ebenso wenig ist ersichtlich, inwiefern die Akten
des zwischen den Parteien hängigen Scheidungsverfahrens, deren Beizug von
- 16 -
der Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung neu beantragt wurde
(Urk. 107/1 S. 5), zur Sachverhaltserstellung beitragen können, weshalb der ent-
sprechende Beweisantrag abzuweisen ist.
5. Anklageziffer I. (Vorfälle vom 4./5. November 2011)
5.1. Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen der im Rahmen des Verfahrens
einvernommenen Personen umfassend dargestellt und gewürdigt und in Relation
zu den vorhandenen objektiven Beweismitteln gesetzt. Ihren Erwägungen kann
grundsätzlich gefolgt werden, weshalb zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen
darauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 87 S. 13-33). Die nach-
folgenden Ausführungen haben daher zusammenfassenden und teilweise ergän-
zenden Charakter.
5.2. Aussagen der Privatklägerin
5.2.1. Die Privatklägerin belastete in ihren Aussagen den Beschuldigten durch-
wegs mit den in der Anklage enthaltenen Vorwürfen. Sie beschrieb die verschie-
denen dem Beschuldigten vorgeworfenen Vorfälle über mehrere Einvernahmen
hinweg grundsätzlich konstant und erklärte sehr detailliert, wann der Beschuldigte
sie wie misshandelt und bedroht habe. Es fällt auf, dass sie die Ereignisse von
sich aus schilderte und während der Einvernahmen ohne Weiteres zwischen den
verschiedenen von ihr umschriebenen Vorfällen wechseln konnte. Sie wies den
einvernehmenden Staatsanwalt jeweils darauf hin, wenn dieser eine ihrer Aussa-
gen einem falschen Ereignis zuordnete.
5.2.2. Die Aussagen der Privatklägerin wirken ehrlich, was an mehreren Stellen in
den Einvernahmeprotokollen dadurch untermauert wird, dass sie – auch wenn ihr
dies ein Leichtes gewesen wäre – bei wesentlichen Aussagen auch auf Nachfra-
ge hin nicht übertrieb und insbesondere auch den Beschuldigten entlastende Um-
stände erwähnte. Wenn sie etwas nicht mehr wusste, deklarierte sie dies, so zum
Beispiel in ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. Dezember 2011,
in welcher sie zum Anklagesachverhalt, der sich am 5. November 2011 verwirk-
licht haben soll, ausführte, dass sie nicht mehr wisse, ob der Beschuldigte sie mit
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der Faust oder der flachen Hand auf den Mund geschlagen habe. Sie erklärte
dies damit, dass alles sehr schnell gegangen sei, was angesichts der Dynamik
des von ihr geschilderten Geschehens nachvollziehbar wäre. Auf entsprechende
Nachfrage schätzte sie die Stärke des Schlages auf einer Skala von 1 bis 10 auf
mehr als 5 ein und gab an, der Beschuldigte habe sie nicht konstant hintereinan-
der geschlagen. Insgesamt seien es mehr als 10 Schläge auf den Körper, mehr-
heitlich den Kopf, gewesen (Urk. 14/2 S. 16). Ausserdem führte die Privatklägerin
aus, der Beschuldigte habe in der Nacht vom 4. auf den 5. November 2011 mit ihr
schlafen wollen. Sie habe dies jedoch nicht zugelassen und als er gesehen habe,
dass es keinen Sinn mache, sei er davongegangen und habe sie in Ruhe gelas-
sen (Urk. 14/2 S. 28). Entgegen den Aussagen des Beschuldigten anlässlich der
Berufungsverhandlung hat die Privatklägerin ihn somit gerade nicht der Vergewal-
tigung bezichtigt (Prot. II S. 30).
5.2.3. Auch bezüglich des dem Beschuldigten vorgeworfenen Würgens vom
4. November 2011 sagte die Privatklägerin zurückhaltend aus. Sie beschrieb, wie
der Beschuldigte sie gehalten habe und antwortete auf die Frage, wie stark er am
Hals zugedrückt habe, dies sei nicht stark gewesen, sie habe noch gut atmen
können und er habe nicht lange zugedrückt. Als der einvernehmende Staatsan-
walt der Privatklägerin direkt anschliessend vorhielt, sie habe bei der Polizei aus-
geführt, es seien nur einige Sekunden gewesen, sicherlich weniger als eine Minu-
te, korrigierte sie diesen sogleich, indem sie erklärte, dass diese Aussage den
Vorfall mit dem Seil und nicht das Würgen mit der Hand betroffen habe (Urk. 14/2
S. 18). Dies tat sie auch auf Vorhalt des von ihrer Kollegin aufgenommenen Fo-
tos, welches die Privatklägerin mit dunklen Hämatomen an den Oberarmen zeigt
(Urk. 9/2 S. 2), als sie sofort angab, dies betreffe einen anderen Vorfall, welcher
circa einen Monat früher stattgefunden habe (Urk. 14/2 S. 24). Wenn sie den Be-
schuldigten zu Unrecht hätte belasten wollen, wäre keine derartige Zurückhaltung
in ihren Aussagen zu erwarten gewesen. Die sofortige Korrektur auf die Frage
des Einvernehmenden hin ist ausserdem nur von jemandem zu erwarten, der das
Vorgefallene selbst erlebt hat. Zu einem Vorfall im September 2010 (recte wohl:
August 2010, vgl. Beizugsakten Nr. 10/2930) gab sie überdies von sich aus an,
- 18 -
sie habe den Beschuldigten damals auch geschlagen, beschönigte ihre Rolle
demnach nicht (Urk. 14/2 S. 23).
Zudem enthalten ihre Aussagen unerwartete Details wie zum Beispiel, dass der
Bruder des Beschuldigten diesem gesagt habe, er solle die Privatklägerin am
Kopf schlagen, nicht am Körper, damit man die blauen Flecken nicht sehe
(Urk. 14/1 S. 3).
5.3. Aussagen des Beschuldigten
5.3.1. Der Beschuldigte bestritt in der Untersuchung sowie anlässlich der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung und der Berufungsverhandlung die gegen ihn er-
hobenen Vorwürfe. Er beschrieb die Geschehnisse vom 4. und 5. November 2011
in seiner polizeilichen Einvernahme vom 5. November 2011, unmittelbar nach
seiner Verhaftung, zusammengefasst wie folgt (Urk. 15/1 S. 2): Sein Bruder und
ein Freund seien zum Abendessen gekommen. Er habe den beiden gesagt, dass
er seiner Ehefrau, der Privatklägerin, eine Frage zur Miete stellen werde und habe
die beiden als Zeugen dabeihaben wollen. Noch bevor er die Frage habe stellen
können, habe die Privatklägerin ihn massiv am Hemd gerissen. Er habe die Poli-
zei rufen wollen, dazu aber zuerst sein Mobiltelefon laden müssen und dieses
eingesteckt. Die Privatklägerin habe dieses wieder ausgesteckt und in ihr Zimmer
genommen. Als er es habe nehmen wollen, habe sie es weggezogen, ihm den
Weg versperrt und sein Hemd zerrissen.
In dieser Nacht habe die Privatklägerin mit ihm auch abgemacht, dass sie heute
das Geld hole, ihm zwei Monatsmieten zahle und Fr. 450.– zurückgebe. Gleich
anschliessend führte er aus, er habe noch gesagt, sie müsse nicht alles heute
zahlen, sondern einfach den Mietzins für einen Monat. Die Privatklägerin sei dann
am Morgen des 5. November 2011 zwischen 11 und 14 Uhr vor dem Internet ge-
sessen und habe das Geld nicht geholt. Als er sie darauf angesprochen habe,
habe sie ihm keine Antwort gegeben. Daraufhin habe er seine Kleider aus seinem
Schrank nehmen wollen, was sie jedoch nicht zugelassen habe. Sie habe ge-
schrien, ihn nicht aus dem Zimmer gelassen und ihn am Hemd gezogen und mit
der Fernbedienung auf die Hand und die Nase geschlagen. Sein Bruder sei dann
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gekommen und habe ihm einen Tee gekocht. Danach seien er und sein Bruder
gegangen, um seine Tochter zu holen. Als er wieder nach Hause gekommen sei,
sei die Polizei dagewesen (Urk. 15/1 S. 2).
Zu den Verletzungen der Privatklägerin gab der Beschuldigte auf die Frage, ob er
sich erklären könne, wie sich diese verletzt habe, an, sie sei von Natur her sehr
grob und drücke ihm aus Spass ihre Fingernägel in den Arm und beisse ihn, ant-
wortete somit zunächst ausweichend. In der Folge erklärte er, er wisse nicht,
wieso sie Verletzungen habe, diese seien alt und die Privatklägerin bekomme
sehr schnell blaue Flecken. Auf Nachfrage, ob er sicher sei, dass die Verletzun-
gen nicht von gestern Abend oder heute seien, antwortete er, es seien vielleicht
ganz wenige Verletzungen von gestern, als er sie zurückgestossen habe. Die an-
deren Verletzungen seien alt. Weiter gab er an, den Kopf der Privatklägerin nie
berührt zu haben bzw. bestritt er die Vorwürfe pauschal (Urk. 15/1 S. 4 f.).
5.3.2. In den nachfolgenden Einvernahmen wich der Beschuldigte mit seinen Aus-
führungen immer wieder vom bisher Gesagten ab und stellte sich auch in Wider-
spruch zum Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 22. November 2011
sowie zum DNA-Spurenbericht vom 19. Dezember 2011.
In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. Dezember 2011 gab der
Beschuldigte zunächst an, am 5. November 2011 keine Verletzungen an der Pri-
vatklägerin festgestellt zu haben. Auf Vorhalt eines Arztberichtes von Dr. med.
F._ und des Gutachtens des Instituts für Rechtsmedizin vom 22. November
2011 erklärte er, das seien keine frischen Hämatome, diese seien alt. Die Privat-
klägerin habe schon seit 4 bis 6 Monaten Hämatome an den Armen, die blauen
Flecken seien fast schwarz gewesen (Urk. 15/3 S. 8 f.). Vorliegend zeigt sich so-
mit nicht nur ein Widerspruch zur polizeilichen Einvernahme, in welcher er noch
angegeben hatte, vielleicht würden ganz wenig Verletzungen von gestern stam-
men, sondern innerhalb der staatsanwaltschaftlichen, indem der Beschuldigte zu-
nächst bestritt, überhaupt etwas von Verletzungen zu wissen und dann doch kon-
kret Kenntnis davon haben wollte, dass es sich um alte Verletzungen handelte.
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Weitere Widersprüche finden sich in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 7. März 2012 (Urk. 15/5). Darin erklärte der Beschuldigte, er habe die Privat-
klägerin nie stranguliert und sie auch nie gebissen (S. 3). Im Rahmen seiner Be-
fragung anlässlich der Haupt- sowie der Berufungsverhandlung beantwortete der
Beschuldigte Fragen nach den Verletzungen der Privatklägerin nicht, sondern
wich aus (Urk. 55 S. 3 ff.; Prot. II S. 22 ff.). Wie erwähnt befand sich jedoch ge-
mäss dem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin eine Strangmarke am Hals
der Privatklägerin und wurden Speichelrückstände des Beschuldigten an deren
Oberteil sowie eine Verletzung festgestellt, welche mit einem Biss als Ursache
vereinbar sind (Urk. 9/3 S. 6). Die Erklärung des Beschuldigten für die Feststel-
lung seiner DNA bei der Bissstelle, die Privatklägerin und er würden im selben
Haushalt wohnen, verfängt nicht, da in der Auswertung explizit festgehalten wur-
de, dass Speichel auf dem Oberteil festgestellt werden konnte, die DNA-Spur so-
mit nicht nur von einer Berührung oder Ähnlichem herrührte. Dass der Beschul-
digte die Privatklägerin unabsichtlich gebissen haben soll, wie dies sein Verteidi-
ger geltend macht (Urk. 59 S. 20), wurde von ihm selbst nie behauptet und er-
weist sich somit schon deshalb als nicht stichhaltig. Abgesehen davon wäre ein
solcher Vorgang gestützt auf die allgemeine Lebenserfahrung aber ohnehin wenig
wahrscheinlich. Auf den jeweiligen Vorhalt der ärztlichen Berichte und Aussagen
der Arbeitskolleginnen der Privatklägerin auch zu anderen Anklagepunkten ant-
wortete der Beschuldigte ausweichend bzw. mit Gegenfragen. Zur Frage betref-
fend der im Gutachten vom 22. November 2011 festgehaltenen Verletzungen der
Privatklägerin erklärte er, dies würden die Ärzte behaupten, und warf die Frage
auf, ob diese auch bei ihnen zu Hause gewesen seien. Er schwöre, dass er und
sein Bruder zu diesem Zeitpunkt gar nicht zu Hause gewesen seien. Nach dem
Streit hätten sie einen Kaffee getrunken und seien weggegangen (Urk. 15/5
S. 5 f.). Bezüglich der durch die Polizei in der Wohnung sichergestellten Nylon-
schnur behauptete der Beschuldigte, es gäbe kein Seil in der Wohnung (Urk. 15/5
S. 6 f.). Auf Vorhalt, dass auf dem entsprechenden Seil seine DNA sichergestellt
werden konnte, antwortete der Beschuldigte wiederum nur ausweichend
(Urk. 15/5 S. 8). Anlässlich der Befragung an der Berufungsverhandlung erklärte
der Beschuldigte, er schwöre, dass er dieses Seil nie zuvor gesehen und es nie
- 21 -
berührt habe (Prot. II S. 24). Da DNA-Spuren des Beschuldigten und der Privat-
klägerin an der Schnur festgestellt werden konnten, steht fest, dass der Beschul-
digte entgegen seiner Behauptung mit dieser in Kontakt war.
Bezüglich des Männerhemds, welches die Privatklägerin gemäss vom Beschul-
digten anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 5. November 2011 ge-
machten Angaben zerrissen habe (Urk. 15/1 S. 2), hielt ihm der Staatsanwalt vor,
dass die Polizei in der Wohnung kein solches habe sicherstellen können. Der Be-
schuldigte erklärte darauf, er habe es in der Wohnung gewechselt und dort gelas-
sen. Nach dem Vorfall seien sie (gemeint: sein Bruder und er) ganz ruhig aus der
Wohnung gegangen, um seiner Tochter ein Geschenk zu kaufen. Auf weiteres
Nachfragen durch den Staatsanwalt gab der Beschuldigte an, das Hemd sei hell-
gelb respektive beige gewesen und es habe sich um ein Unterhemd gehandelt.
Danach gefragt, wie es beschädigt worden sei, erklärte der Beschuldigte schliess-
lich in Widerspruch zu seiner Aussage anlässlich der genannten polizeilichen Ein-
vernahme, es sei nicht beschädigt, sondern nur "sehr breit" geworden (Urk. 15/2
S. 4 f.). Der Beschuldigte wies somit wiederum ein sehr angepasstes Aussage-
verhalten auf. Die Argumentation des Verteidigers zum Ganzen, es sei beim Zie-
hen am Unterhemd zu einem Reissgeräusch gekommen (Urk. 107/1 S. 7), ist neu
und erweist sich als nicht stichhaltig, nachdem der Beschuldigte selber nie etwas
Derartiges behauptet hat. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte anlässlich der po-
lizeilichen Einvernahme vom 5. November 2011 zunächst angab, die Privatkläge-
rin habe das Hemd in einem Handgemenge in ihrem Zimmer zerrissen, wobei
sich aus den Schilderungen des Beschuldigten ergibt, dass dieses Handgemenge
im Stehen erfolgt sei (Urk. HD 15/1 S. 2), wenig später in einem unerklärlichen
Widerspruch dazu aber ausführte, dies sei geschehen, als er auf dem Sofa ge-
sessen sei (Urk. 15/1 S. 4). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 15. Dezember 2011 blieb er bei seiner Darstellung, er sei gesessen, als die
Privatklägerin an seinem Hemd gezerrt habe (Urk. 15/3 S. 2, S. 8 und S. 11).
Auch in Bezug auf den Streit um Geld bzw. die Miete machte der Beschuldigte
widersprüchliche Aussagen, indem er in der staatsanwaltschaftlichen Einvernah-
me vom 6. November 2011 erklärte, er habe die Privatklägerin gebeten, ihm
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Fr. 1'590.– als Kredit zu geben, um die Miete zu bezahlen (Urk. 15/2 S. 3). Von
einem Kredit war in der polizeilichen Einvernahme noch nicht die Rede gewesen.
In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 7. März 2012 gab er sodann
an, der Privatklägerin Fr. 900.– gegeben zu haben (Urk. 15/5 S. 2), während in
der polizeilichen Einvernahme von Fr. 450.– die Rede gewesen war (Urk. 15/1
S. 2).
5.4. Zeugen / Auskunftspersonen
5.4.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen von B._ und D._ zutreffend zu-
sammengefasst und gewürdigt, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 87
S. 20-23, 27 f. und 30 f.). Bei beiden Befragten finden sich erhebliche Widersprü-
che innerhalb ihrer eigenen Aussagen sowie zu denjenigen des Beschuldigten.
Hervorzuheben ist beispielsweise die Angabe beider, die Privatklägerin habe sich
die Verletzungen am 4. November 2011 selbst zugefügt. So erklärte B._, die
Privatklägerin habe sich an den Haaren gezogen und sich mit den Fäusten ins
Gesicht und am ganzen Körper geschlagen (Urk. 16/1 S. 3; Urk. 16/2 S. 4).
D._ sagte darüber hinaus aus, B._ habe gesehen, wie die Privatklägerin
den Beschuldigten im Schlafzimmer am Hals gepackt habe (Urk. 18/2 S. 9). Dies
alles hat der Beschuldigte selbst nie behauptet. Auf Vorhalt eines Fotos ab dem
Mobiltelefon der Privatklägerin, welches gemäss deren Aussagen dem mutmass-
lichen Vorfall vom 4. Oktober 2011 zuzuordnen ist, fragte D._ sodann nach
einem Koran und schwor beim Allmächtigen, dass sich die Privatklägerin diese
Verletzungen selbst zugefügt hatte (Urk. 18/2 S. 12), jedoch ohne überhaupt
nachzufragen, von welchem Datum oder welchem Vorfall diese Verletzungen
stammen würden. Gleich im Anschluss schwächte er seine Aussage erheblich ab,
indem er nunmehr auf die Frage, ob er generell etwas über allfällige Verletzungen
der Geschädigten wisse, erklärte: "Nein. Aber ich vermute, dass sie sich diese
selbst zugefügt hat" (Urk. 18/2 S. 12 f.). Da diese Widersprüche starke Zweifel an
der Glaubhaftigkeit der Aussagen von B._ und D._ wecken, sind diese
für die Sachverhaltserstellung nicht heranzuziehen.
5.4.2. Die Aussagen der Zeuginnen G._ und H._ wurden durch die Vor-
instanz zutreffend zusammengefasst (Urk. 87 S. 23). Beide bestätigten, dass die
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Privatklägerin im Herbst 2011 Hämatome am Körper aufgewiesen habe. Die Zeu-
gin H._ gab zudem an, dass die Privatklägerin vom Vorfall des 5. November
2011 erzählt und gesagt habe, die Brüder AB._ hätten sie geschlagen und
mit einer Schnur stranguliert (Urk. 17/4 S. 8). Anhaltspunkte, welche gegen die
Glaubhaftigkeit der Aussagen dieser beiden Zeuginnen sprechen würden, liegen
nicht vor. Sie können daher als Indiz in die Beweiswürdigung miteinbezogen wer-
den. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass diese beiden Zeuginnen die behaupteten
Vorfälle nicht selbst beobachtet haben und somit bezüglich des mutmasslichen
Tathergangs nur Zeuginnen vom Hörensagen sind.
5.5. Vorbringen der Verteidigung
5.5.1. Der Verteidiger bringt verschiedentlich vor, die Privatklägerin habe vor dem
Vorfall vom 5. November 2011 nie Anzeige gegen ihren Ehemann erhoben. Sie
sei nach der vorübergehenden Trennung nur zu ihm zurückgekehrt, um den Ent-
zug der Aufenthaltsbewilligung durch das Migrationsamt zu verhindern. Auch
nach der angeblichen Drohung mit dem kaputten Glas habe sie beim Beschuldig-
ten bleiben und nicht ins Frauenhaus zurückkehren wollen. Es sei unerklärlich,
weshalb sie nicht aus der Wohnung geflohen sei. Bei den Vorwürfen handle es
sich um eine Inszenierung, um als Opfer häuslicher Gewalt zu erscheinen
(Urk. 59 S. 3, 6, 23 und 30; Urk. 107/1 S. 3 ff. und 8). Diesbezüglich ist bekannt,
dass sich Opfer häuslicher Gewalt häufig in einem Gewissenskonflikt befinden
und mit einer Anzeige zuwarten, bis die Situation für sie unerträglich wird. Vorlie-
gend erfolgte die Anzeige nach dem gravierendsten der behaupteten Vorfälle,
dem Vorwurf des Strangulierens. Sollte dieser Anklagesachverhalt sich wie ein-
geklagt ereignet haben, ist durchaus nachvollziehbar, dass die Privatklägerin da-
vor mit einer Anzeige zunächst zuwartete, gerade auch weil sie um ihren auslän-
derrechtlichen Status fürchtete.
Das Argument der Inszenierung verfängt aber auch deshalb nicht, weil die Aus-
sagen der Privatklägerin im Gegensatz zu denjenigen des Beschuldigten – und
entgegen der Auffassung des Verteidigers (Urk. 59 S. 23) – durch objektive Be-
weismittel untermauert werden, gestützt auf die eine solche ausgeschlossen wer-
den kann, zumal sich auch Verletzungen am Rücken der Privatklägerin – je seit-
- 24 -
lich der Wirbelsäule auf der Höhe der Schulterblätter – befanden (Urk. 104/18)
und somit entgegen der Argumentation der Verteidigung (Urk. 59 S. 16;
Urk. 107/1 S. 13) an Stellen, welche die Privatklägerin nicht ohne Weiteres selber
hätte erreichen können. Wie sich die Privatklägerin selber in die Seite des rechten
Oberarmes hätte beissen können (vgl. zur Verdeutlichung die Fotoaufnahme
Urk. 104/23), ist ohnehin nicht ersichtlich; der diesbezügliche Erklärungsversuch
der Verteidigung (Urk. 107/1 S. 13) ist lebensfremd.
Bezüglich der Argumentation der Verteidigung, dass es sich um eine Inszenierung
handle, ist im Übrigen darauf hinzuweisen, dass die Argumentation der Verteidi-
gung, die Privatklägerin wolle als Opfer häuslicher Gewalt geschieden werden,
um so ihre Aufenthaltsbewilligung behalten zu können, nicht überzeugt. Bei einer
rechtskräftigen Verurteilung des Beschuldigten im vorliegenden Verfahren liegt
ohnehin der Nachweis vor, dass die Privatklägerin Opfer häuslicher Gewalt wur-
de, und bedürfte es einer zusätzlichen Feststellung im Scheidungsurteil nicht.
Vielmehr zeigt dieses Vorgehen der Privatklägerin, dass es ihr ernst war und ist,
sich scheiden zu lassen, obwohl sie nicht sicher sein konnte und kann, dereinst
gegenüber dem Migrationsamt den Nachweis erbringen zu können, dass sie, wie
von ihr behauptet, Opfer häuslicher Gewalt wurde, ist doch das vorliegende Ver-
fahren noch hängig.
5.5.2. Weiter bringt der Verteidiger vor, die Privatklägerin habe verschiedentlich
widersprüchlich ausgesagt. So habe sie bei der einen Einvernahme gesagt, der
Beschuldigte habe einen Kredit aufnehmen wollen, um die Schulden zu bezahlen,
und bei einer anderen, der Beschuldigte und sein Bruder hätten wohl zusammen
ein Geschäft aufmachen wollen. Auch sei es einmal um eine gemeinsame Kredit-
aufnahme durch den Beschuldigten und die Privatklägerin gegangen und dann
hätte er wiederum nur auf den Namen der Privatklägerin lauten sollen. Zudem
habe sich die Privatklägerin nicht erinnern können, ob der Beschuldigte während
der Strangulation den Betrag von Fr. 60'000.– genannt habe (Urk. 59 S. 23 f.; vgl.
auch Urk. 107/1 S. 8 ff.). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Verteidiger
selbst festhielt, die Privatklägerin habe bezüglich des Zweckes für den Kredit nur
Vermutungen geäussert. Die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen wird dadurch nicht
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geschmälert. Dass der Beschuldigte von ihr Fr. 60'000.– unter Nennung des Wor-
tes "Kredit" gefordert habe, hat sie konstant von Beginn an ausgesagt (Urk. 14/1
S. 2; Urk. 14/2 S. 25; Urk. 14/3 S. 16; Urk. 14/4 S. 5). Zudem gab die Privatkläge-
rin bereits anlässlich ihrer ersten polizeilichen Einvernahme auf die Frage, was
die Brüder AB._ mit ihren Taten bezweckt hätten, an, dass diese gemeinsam
ein Geschäft aufziehen wollten, sie jedoch kein Geld hätten (Urk. 14/1 S. 5). Da-
von, dass der Beschuldigte dieses Geld für Mietschulden der Privatklägerin ver-
langte, wie die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung andeutete
(Urk. 107/1 S. 8), war nie die Rede, führte die Privatklägerin doch im Gegenteil
aus, dass der Beschuldigte den Kredit nicht für Miete, sondern für "Arbeit" ver-
langt hatte (Urk. 14/3 S. 16) bzw. dass er die Wohnungsmiete und den Kredit se-
parat verlangt hatte (Urk. 14/4 S. 6). Einen Kredit in dieser Höhe nur für die Miete
zu fordern, erscheint denn auch als lebensfremd. Im Übrigen gab auch der Bruder
des Beschuldigten an, dass der Beschuldigte und er selbst gerade dabei gewesen
seien, einen Autohandel aufzuziehen und der Beschuldigte dazu 30'000 bis
40'000 US Dollar hätte einbringen sollen (Urk. 16/6 S. 6 ff.). Dass die Privatkläge-
rin sich nicht mehr konkret erinnerte, wie und für was genau der Beschuldigte den
Kredit gefordert und ob dieser während des Vorgangs des Strangulierens noch
konkret die Zahl Fr. 60'000.– ausgesprochen habe, wäre, sollte dieser Vorgang
tatsächlich wie eingeklagt stattgefunden haben, nur verständlich, hätte die Privat-
klägerin dabei doch ganz unmittelbar um ihr Leben fürchten müssen, weshalb es
gegenteils erstaunlich gewesen wäre, wenn sie sich dabei noch den konkreten
Wortlaut dessen, was der Beschuldigte zu ihr sagte, gemerkt hätte. Wenn es vor-
her immer um diese konkrete Höhe ging, hätte überdies die Forderung des Kredi-
tes an sich auch ausgereicht, ohne dass dazu die Zahl nochmals hätte beziffert
werden müssen.
5.5.3. Zum Vorliegen einer akuten Lebensgefahr macht der Verteidiger geltend,
bei der Privatklägerin hätten gemäss dem medizinischen Gutachten keine typi-
schen Stauungsblutungen gefunden werden können. Die weiteren üblichen
Symptome einer konkreten Lebensgefahr bei Würgen wie Atemstillstand mit Be-
wusstseinsstörung in Form von Ohnmacht, Einnässen, Heiserkeit, Schluckbe-
schwerden oder anderen vegetativen Symptomen hätten nicht rechtsgenügend
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erstellt werden können. Ausserdem habe die Privatklägerin bei der polizeilichen
Befragung keine Ohnmacht geltend gemacht und erklärt, sie habe noch "ja, ja"
sagen können. Im Spital I._ habe sie offenbar erklärt, sie sei bewusstlos ge-
wesen und habe nur nicken können. Ferner habe sie betreffend Urinabgang bei
der Polizei gesagt, sie habe keinen gehabt, im Gegensatz zu ihren späteren Aus-
sagen (Urk. 59 S. 17 ff.).
Bezüglich des Eintretens einer Bewusstlosigkeit hat bereits die Vorinstanz festge-
halten, dass sich die Privatklägerin nicht genau erinnern konnte, ob eine solche
eintrat oder nicht. Mit der Vorinstanz ist deshalb zu Gunsten des Beschuldigten
davon auszugehen, dass die Privatklägerin "nur" Sternchen sah. Ob sie während
des Strangulierens noch sprechen konnte, ist nur ein Indiz im Rahmen einer
durch das IRM vorgenommenen Gesamtbetrachtung zum Vorliegen einer konkre-
ten Lebensgefahr. Es ist festzuhalten, dass es sich bei einer Strangulation um ei-
ne Ausnahmesituation handelt. Der Verteidiger verweist auf die polizeiliche Ein-
vernahme, in welcher die Privatklägerin aussagte, sie habe danach "ja, ja" sagen
können (Urk. 14/1 S. 4; Urk. 107/1 S. 8). Einen guten Einblick in die Situation ge-
ben die Angaben der Privatklägerin in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 30. März 2012. Dort erklärte sie, sie habe dem Beschuldigten mit Kopfbewe-
gungen geantwortet, also genickt. Sie habe versucht, ihm verständlich zu ma-
chen, dass sie es [das Geld] ihm geben werde. Sie habe auch zu sprechen ver-
sucht. Auf Frage, ob es ihr gelungen sei, antwortete sie, es sei schwierig gewe-
sen, aber er habe schon verstanden, was sie habe sagen wollen (Urk. 14/3
S. 16). Somit ist davon auszugehen, dass die Privatklägerin erklären wollte, sie
habe sich noch verständlich machen können, ihr sei aber das Sprechen schwer
gefallen. Zum Urinabgang erklärte die Privatklägerin, dass sie sich zunächst ge-
schämt habe, von diesem zu berichten. Zudem habe sie erst auf der Toilette im
Krankenhaus bemerkt, dass ihr Slip feucht gewesen sei (Urk. 14/1 S. 4 f.). Dies ist
nachvollziehbar und schmälert die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nicht, da ent-
gegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 59 S. 19) kein Widerspruch vorliegen
muss. Es ist ohne Weiteres möglich, dass die Privatklägerin anlässlich der Tatbe-
standsaufnahme noch davon ausging, keinen Urin- und Kotabgang gehabt zu ha-
ben, erst später im Krankenhaus den Urinabgang feststellte und sich dann ge-
- 27 -
genüber den diversen Personen, die ihr gemäss ihren Aussagen (Urk. 14/1 S. 5)
Fragen stellten, schämte, dies zu sagen resp. den Slip zu zeigen, weil dieser
(auch) Menstruationsspuren aufwies (Urk. 14/1 S. 5). Tatsache ist jedenfalls, dass
die Privatklägerin den fraglichen Slip anlässlich ihrer polizeilichen Befragung im
Krankenhaus der Polizei übergab, dass auf diesem deutliche Urinspuren – und
entgegen der Ansicht der Verteidigung nicht solche, welche (wenn überhaupt) als
"normale" Gebrauchsspuren (Urk. 59 S. 19; Urk. 107/1 S. 13) zu erwarten wären
– festgestellt wurden und dass er darüber hinaus die von der Privatklägerin zur
Begründung ihrer Schamgefühle angegebenen Menstruationsspuren, die nicht
ohne Weiteres inszeniert werden können, aufwies (Urk. 19/3 S. 3 ff.).
Was die zeitliche Komponente angeht, wird dem Beschuldigten vorgeworfen, die
Privatklägerin während maximal circa 60 Sekunden stranguliert zu haben (Urk. 36
S. 6). Diese sagte dazu in ihrer (tatnächsten) polizeilichen Einvernahme aus, es
seien Sekunden gewesen, sicher weniger als eine Minute. Sie wisse nicht, ob er
sie habe umbringen wollen, es hätte auf beide Seiten kippen können (Urk. 14/1
S. 6). In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. Dezember 2011 er-
klärte sie, der Beschuldigte habe sie keine lange Zeit stranguliert. Es sei mehr als
ein paar Sekunden, aber weniger als eine Minute gewesen (Urk. 14/2 S. 21). Dies
bestätigte sie in der Einvernahme vom 20. März 2012, wobei sie von einer "kur-
zen Zeit", weniger als eine Minute sprach (Urk. 14/3 S. 15). Aufgrund dieser Aus-
sagen ist vom für den Beschuldigten günstigsten Sachverhalt auszugehen (vgl.
Art. 10 Abs. 3 StPO), somit davon, dass dieser die Privatklägerin während mehre-
rer Sekunden strangulierte, jedoch deutlich weniger als einer Minute. Diesbezüg-
lich ist die Anklageschrift zu präzisieren.
Dem medizinischen Gutachten lässt sich bezüglich des Vorliegens einer konkre-
ten Lebensgefahr entnehmen, dass eine Strangmarke und eine leichte Heiserkeit
der Privatklägerin vorlagen. Aufgrund der Beschreibung der Privatklägerin gingen
die Gutachter davon aus, dass eine konkrete Lebensgefahr vorgelegen hat. Auf
die konkrete Qualifizierung im rechtlichen Sinne wird im Rahmen der rechtlichen
Würdigung zurückzukommen sein.
- 28 -
An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass die Behauptung der Staatsanwalt-
schaft anlässlich ihres Plädoyers vor Berufungsinstanz, der Bruder des Beschul-
digten habe die Privatklägerin während des Strangulierens in entgegengesetzter
Richtung an den Haaren gezogen (Urk. 108 S. 54), nicht zu berücksichtigen ist,
da dies nicht durch die Anklageschrift gedeckt wird (Urk. 36 S. 4).
5.6. Gesamtwürdigung der Vorfälle vom 4./5. November 2011
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Privatklägerin durchwegs grundsätz-
lich konstant und detailliert ausgesagt hat. Ausgehend von den dargelegten Reali-
tätskriterien weisen ihre Aussagen die typische innere Geschlossenheit und Fol-
gerichtigkeit in der Darstellung der Geschehnisabläufe auf. Grobe Widersprüche,
Übersteigerungen in den Beschuldigungen im Verlaufe von mehreren Einvernah-
men, unklare, verschwommene oder ausweichende Antworten sowie gleichför-
mig, eingeübt und stereotyp wirkende Aussagen finden sich in ihren Aussagen
nicht. Diese werden zudem durch die objektiven Beweismittel, namentlich durch
das ärztliche Gutachten, die ärztlichen Berichte, den sichergestellten Slip und die
DNA-Spuren auf der Nylonschnur und dem Oberteil der Privatklägerin gestützt.
Demgegenüber wich der Beschuldigte den Fragen der Einvernehmenden zu den
konkreten Vorwürfen der Privatklägerin zunächst aus oder bestritt diese pauschal
bzw. passte seine Aussagen erst auf Vorhalt der Befragenden nach und nach an,
um gewisse Zugaben zu machen. Dass der Beschuldigte nachweislich mehrfach
log (betreffend den Kontakt zur Nylonschnur und den Biss in die Schulterpartie
der Privatklägerin) und er im Übrigen das typische angepasste Aussageverhalten
aufwies, lässt seine Aussagen als äusserst unglaubhaft erscheinen. Die Aussa-
gen des Beschuldigten wie auch diejenigen von B._ und D._ vermögen
keine rechtserheblichen Zweifel zu erwecken, dass sich der Sachverhalt grund-
sätzlich so zugetragen hat, wie er in der Anklageschrift geschildert wird.
Einzig der Vorwurf der Nötigung nach der geschilderten Strangulation am
5. November 2011 passt nicht richtig ins Geschehen. Es ist nicht nachvollziehbar,
weshalb der Beschuldigte, nachdem er die Privatklägerin dazu gebracht hatte,
ihm den Kredit zu versprechen, somit in Erwartung des versprochenen Geldes,
hätte drohen sollen, diese zu töten, wenn sie die Wohnung nicht sofort verlasse,
- 29 -
war es doch in seinem Interesse, die Privatklägerin in seiner Nähe zu haben, um
baldmöglichst das Geld von ihr zu erhalten (vgl. Urk. 107/1 S. 12). Zwar handeln
Menschen, die sich in einer Ausnahmesituation befinden, durchaus auch paradox,
weshalb keineswegs ausgeschlossen werden kann, dass sich der diesbezügliche
Sachverhalt wie eingeklagt ereignet hat. Bezüglich dieses Teils des Sachverhalts
verbleiben aber Zweifel, weshalb er nicht erstellt werden kann.
Im Übrigen überzeugen die Aussagen der Privatklägerin voll und ganz, zumal sie
ausnahmslos durch die vorhandenen objektiven Beweismittel gestützt werden,
weshalb bezüglich aller übrigen Anklagesachverhalte von Ziffer I. auf ihre glaub-
haften Angaben abzustellen ist. Damit ist der Sachverhalt gemäss Anklageschrift
mit den obgenannten Präzisierungen bezüglich der Dauer der Strangulation und
des Sprechvermögens der Privatklägerin und mit Ausnahme des letzten Nöti-
gungsvorwurfs als erstellt zu erachten.
6. Anklagevorwurf II. (Vorfall vom 4. Oktober 2011)
6.1. In Anklageziffer II. wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe der Privat-
klägerin, welche am 4. Oktober 2011 abends von der Arbeit nach Hause gekom-
men sei, den Zutritt zur ehelichen Wohnung verweigert mit der Aufforderung, sie
solle ihm zuerst die geschuldeten Mietzinsen für die Wohnung bezahlen. Als die
Privatklägerin durch die offene Balkontüre die Wohnung habe betreten wollen,
habe der Beschuldigte ihr gedroht, sie mit ihrem eigenen Schal, welchen sie um
den Hals getragen habe, zu erdrosseln, worauf die Privatklägerin Angst bekom-
men habe. Durch dieses Verhalten sei die Privatklägerin gezwungen gewesen,
während mehr als einer halben Stunde draussen vor der Eingangstüre zu verhar-
ren.
Nachdem die vom Beschuldigten gerufene Polizei sich aus der Wohnung entfernt
habe, sei erneut ein Streit zwischen den Eheleuten entfacht. Währenddessen ha-
be der Beschuldigte mit der Faust immer wieder mit äusserster Gewalt auf die
Privatklägerin eingeschlagen und sie mit den Händen am Hals und den Extremitä-
ten verletzt, wodurch sie zahlreiche Hautunterblutungen am Hals, an beiden
- 30 -
Schultern und Oberarmen, am rechten Unterarm sowie an beiden Oberschenkeln
erlitten und ihr ganzer Körper circa zwei Wochen lang geschmerzt habe.
Auch diesen Vorwurf bestritt der Beschuldigte während des gesamten Verfahrens
(Urk. 15/7 S. 2 f. und 14 f.; Prot. II S. 24 ff.).
6.2. Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen der im Rahmen des Verfahrens
einvernommenen Personen umfassend dargestellt und gewürdigt und in Relation
zu den vorhandenen objektiven Beweismitteln gesetzt. Ihren Erwägungen kann
vollumfänglich gefolgt werden, weshalb zur Vermeidung unnötiger Wiederholun-
gen darauf verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 87 S. 33-35). Die
nachfolgenden Ausführungen haben daher zusammenfassenden und teilweise
ergänzenden Charakter.
6.3. Hervorzuheben ist, dass die Privatklägerin die beiden eingeklagten Vorfälle
während der Untersuchung von der ersten Einvernahme an konstant und detail-
reich beschrieb (Urk. 4/1 S. 7; Urk. 4/2 S. 24 und 27; Urk. 4/3 S. 4 ff.). Im Lichte
ihres oben beschriebenen Aussageverhaltens bestehen keine Zweifel an ihren
Aussagen. Sie werden zudem durch den Austrittsbericht der Notfallpraxis
E._ untermauert, in welchem die obgenannten Verletzungen anlässlich einer
Konsultation der Privatklägerin am 5. Oktober 2011 festgehalten wurden
(Urk. 9/12). Wie oben erwähnt, erklärten sodann auch die Arbeitskolleginnen der
Privatklägerin, dass diese jeweils Hämatome aufgewiesen habe, und liegt ein Fo-
to der Privatklägerin bei den Akten (Urk. 9/2 S. 2), welches die Zeugin G._
gemacht hat, wobei diese dazu angab, sie habe dieses Foto irgendwann im Okto-
ber 2011 aufgenommen, wann genau, wisse sie nicht mehr (Urk. 17/3 S. 6). Das
Foto zeigt den Oberkörper und Kopf der Privatklägerin mit diversen dunklen Hä-
matomen. Ein derartiges Foto erwähnte die Privatklägerin bereits bei ihrer ersten
polizeilichen Einvernahme vom 6. November 2011 (Urk. 4/1 S. 7).
6.4. Der Beschuldigte bestritt die Vorwürfe pauschal und zeigte wie bei seinen
Ausführungen zu Anklageziffer I. ein ausweichendes Aussageverhalten. Auf Vor-
halt des Fotos auf dem Mobiltelefon der Privatklägerin wurde der Beschuldigte
gemäss einer entsprechenden Protokollnotiz beispielsweise laut und merkte – of-
- 31 -
fensichtlich empört – an, dass wenn er ihr das zugefügt hätte, er sich selber um-
gebracht hätte (Urk. 15/5 S. 3). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung be-
antwortete der Beschuldigte die entsprechenden Fragen nicht direkt, sondern
wich ihnen aus. Er erklärte beispielsweise, die Privatklägerin sei nicht intelligent
und die Vorwürfe würden von einer dritten Person stammen. Die Privatklägerin
habe auch, nachdem sie nach ihrer vorübergehenden Trennung zu ihm zurückge-
kehrt sei, Flecken am Körper gehabt und auf seine Frage hin gesagt, sie habe ei-
ne empfindliche Haut (Prot. II S. 24 ff.).
6.5. Bezüglich der Argumentation der Verteidigung, es sei unverständlich, wes-
halb sich die Privatklägerin nicht früher an die Polizei gewandt habe (Urk. 107/1
S. 15), ist auf die Ausführungen unter 5.5.1. zu verweisen. Recht zu geben ist der
Verteidigung darin, dass es entgegen der Argumentation der Vorinstanz nicht da-
rauf ankommen kann, ob der Beschuldigte von einer Balkon- oder einer Terras-
sentüre sprach, da sich die eheliche Wohnung offenbar im Parterre befand
(Urk. 107/1 S. 15 f.); es kann nicht davon ausgegangen werden, dass es sich da-
bei um eine bewusste Falschaussage handelte. Dies beeinflusst die Sachver-
haltserstellung jedoch nicht. Bezüglich der durch die Zeugin G._ erstellten
Fotografie des Oberkörpers und Kopfes der Privatklägerin ist zwar, wie die Ver-
teidigung anmerkt (Urk. 107/1 S. 16), zutreffend, dass diese undatiert ist. Indes-
sen hat die Privatklägerin dieses Foto entgegen den Ausführungen der Verteidi-
gung klar dem Vorfall vom 4. Oktober 2011 zugeordnet und wusste nur nicht mehr
genau, an welchem Tag das Bild aufgenommen wurde (Urk. 14/3 S. 9). Dies steht
im Einklang mit der Aussage der Zeugin G._, sie habe diese Aufnahme ir-
gendwann im Oktober 2011 gemacht (Urk. 17/3 S. 6). Im Übrigen sagte die Pri-
vatklägerin selbst nicht, der Beschuldigte sei sie im Oktober an mehreren Tagen
tätlich angegangen, weshalb ohne Weiteres davon auszugehen ist, dass besag-
tes Foto diesem Ereignis zuzuordnen ist.
6.6. Angesichts der glaubhaften Aussagen der Privatklägerin, des ärztlichen Be-
fundes sowie der durch die Zeugin G._ erstellten Fotografie besteht kein
Zweifel, dass die Körperverletzung der Privatklägerin stattgefunden hat, wie sie in
der Anklage beschrieben ist. Eine Selbstbeibringung der Verletzungen kann an-
- 32 -
gesichts der massiven Hämatome an diversen Körperstellen der Privatklägerin
ausgeschlossen werden. Dem Polizeijournal von besagtem Tag ist zudem zu ent-
nehmen, dass die Eheleute A1._ eine verbale Streitigkeit hatten, wobei es
um den Verbleib der Privatklägerin in der ehelichen Wohnung gegangen sei. Der
Beschuldigte habe gemeldet, dass die Privatklägerin nicht gehen wolle (Urk. 5/1).
Dies stützt die Aussagen der Privatklägerin. Auch bezüglich des unter dem Titel
"Nötigung" umschriebenen Anklagesachverhalts ist kein Grund ersichtlich, wes-
halb nicht auf ihre überzeugenden Angaben abzustellen ist, zumal es sich dabei
um einen aussergewöhnlichen, markanten Vorwurf handelt, von dem nicht leicht-
hin angenommen werden kann, dass er erfunden wurde. Der Sachverhalt, wel-
cher der Anklage zugrunde liegt, ist somit erstellt.
7. Anklagevorwurf III. (Vorfall vom 3. Oktober 2011)
7.1. Dem Beschuldigten wird weiter vorgeworfen, er habe am Abend des
3. Oktober 2011 in der Küche der ehelichen Wohnung ein Weinglas zerstört und
sei mit einem Bruchstück auf die Privatklägerin zugetreten. Mit dem scharfrandi-
gen Glasstück habe er seiner Ehefrau mit den Worten gedroht, es sei die beste
Lösung, wenn er nun dieses Glasstück in sie hineinstecken würde, worauf die Pri-
vatklägerin in Angst und Schrecken geraten sei, was er gewollt habe (Urk. 36
S. 7).
Auch diesen Vorwurf bestritt der Beschuldigte während des gesamten Verfahrens
(Urk. 15/7 S. 3 f. und 15; Prot. II S. 26).
7.2. Bezüglich dieses Anklagevorwurfs kann den Erwägungen der Vorinstanz
ebenfalls vollumfänglich gefolgt werden, weshalb darauf verwiesen werden kann
(Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 87 S. 35 f.).
7.3. Die Privatklägerin belastete den Beschuldigten detailliert und konstant mit ih-
ren Aussagen (Urk. 4/2 S. 23; Urk. 4/3 S. 6 und 18 ff.). So beschrieb sie, danach
befragt, genau, wie der Beschuldigte das Bruchstück des Glases gegen sie gehal-
ten habe (Urk. 4/3 S. 19). Bezüglich ihres generell glaubhaften Aussageverhal-
tens ist auf die Ausführungen zu Anklageziffer I. zu verweisen. Ein Beispiel für die
- 33 -
Zurückhaltung der Privatklägerin bei ihren Aussagen findet sich in ihrer staatsan-
waltschaftlichen Einvernahme vom 15. Dezember 2011. Auf die Frage, wann der
Vorfall mit dem Weinglas stattgefunden habe, versuchte sie, diesen zeitlich ein-
zuordnen und bestätigte nicht einfach die Vermutungen des Einvernehmenden
(Urk. 14/2 S. 23). Zudem führte sie dazu in einer späteren Einvernahme aus, es
könne gut sein, dass der Beschuldigte das Glas nicht zerbrochen habe, um ihr
damit zu drohen (Urk. 14/3 S. 19). Als er dann damit zu ihr gekommen sei, habe
er sie bedroht.
7.4. Der Beschuldigte selbst brachte zu diesem Vorfall vor, dass drei Weingläser
heruntergefallen und zerbrochen seien. Er habe die Privatklägerin in der Folge
nicht mit einer Scherbe bedroht, sondern das Abendessen fertig gekocht und mit
der Privatklägerin gegessen (Urk. 15/7 S. 4).
7.5. Bezüglich der Argumentation der Verteidigung, es sei unverständlich, wes-
halb die Privatklägerin beim Beschuldigten in der Wohnung geblieben sei
(Urk. 107/1 S. 17 f.), ist wiederum auf die Ausführungen unter 5.5.1. zu verwei-
sen.
7.6. Die Aussagen der Privatklägerin wirken glaubhaft und nachvollziehbar. Sie
belastete den Beschuldigten nicht übermässig, sondern sagte grundsätzlich zu-
rückhaltend aus. Der Vorwurf der Bedrohung mit einer Scherbe eines Weinglases
erscheint zudem derart markant und einzigartig, dass es schwer vorstellbar ist,
dass die Privatklägerin den Beschuldigten diesbezüglich zu Unrecht belasten soll-
te. Zudem hatte es auch gemäss den Aussagen des Beschuldigten Scherben in
der Küche. Der Sachverhalt ist somit im Sinne der Anklageschrift erstellt.
8. Anklagevorwurf IV. (Vorfall zwischen Juni und Oktober 2011)
8.1. Weiter wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe der Privatklägerin zu
einem nicht mehr genau eruierbaren Zeitpunkt zwischen Juni und Oktober 2011
an einem Nachmittag in seinem damaligen Personenwagen, mutmasslich einem
dunkelfarbigen Alfa Romeo, auf dem Nachhauseweg vom Arbeitsort der Privat-
klägerin in Zürich nach C._ gedroht, er werde sie nun mit dem Auto an einen
- 34 -
menschenleeren Ort verbringen, um sie dort in aller Ruhe umzubringen. Die Pri-
vatklägerin sei deshalb in einen Angstzustand versetzt worden, den der Beschul-
digte bei ihr bewusst habe hervorrufen wollen (Urk. 36 S. 8).
Auch diesen Vorwurf bestritt der Beschuldigte während des gesamten Verfahrens
(Urk. 15/7 S. 4 f. und 16; Prot. II S. 26).
8.2. Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen des Beschuldigten sowie der
Privatklägerin dargestellt und gewürdigt. Ihren Erwägungen kann vollumfänglich
gefolgt werden, weshalb zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen darauf ver-
wiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 87 S. 36 f.).
8.3. Die Privatklägerin erwähnte diesen Vorfall nebenbei, als sie zu den Vorfällen
vom 4./5. November 2011 befragt wurde (Urk. 4/2 S. 5 und 25). Dabei erwähnte
sie auch von sich aus Details wie beispielsweise, dass sie während der Fahrt ver-
sucht habe, die Fahrzeugtüre zu öffnen (Urk. 4/2 S. 25) bzw. dass sie zuvor noch
etwas eingekauft hätten und sich auf dem Nachhauseweg von ihrer Arbeit, wo der
Beschuldigte sie abgeholt hatte, befunden hätten (Urk. 4/3 S. 18). Zudem nannte
sie die vom Beschuldigten zum Tatzeitpunkt gefahrene Automarke und Farbe –
einen dunkelblauen, fast schwarzen Alfa Romeo – mit dem Hinweis, dass der Be-
schuldigte seine Autos ständig wechsle (Urk. 4/3 S. 18).
8.4. Bezüglich der Argumentation der Verteidigung, die Privatklägerin habe ein
Motiv gehabt, den Beschuldigten zu belasten (Urk. 107/1 S. 20), ist wiederum auf
die Ausführungen unter 5.5.1. zu verweisen.
8.5. Hervorzuheben ist, dass der Beschuldigte bestätigte, circa zwischen Mai
und September 2011 einen dunklen Alfa Romeo besessen zu haben. Seinen wei-
teren Aussagen ist zu entnehmen, dass er im Jahr 2011 noch im Besitz von min-
destens zwei weiteren Fahrzeugen war (Urk. 15/7 S. 5), womit er die Angabe der
Privatklägerin, der Beschuldigte wechsle seine Fahrzeuge häufig, bestätigte. Die
zeitliche Zuordnung des Vorfalls und der Besitz eines von der Privatklägerin be-
schriebenen Wagens durch den Beschuldigten stimmen somit überein. Zudem ist
auch bezüglich dieses Vorfalls auf das gesamte Aussageverhalten des Beschul-
- 35 -
digten und der Privatklägerin zu verweisen. Die Privatklägerin belastete den Be-
schuldigten nicht übermässig und schilderte den markanten Vorwurf konstant.
Somit ist auch vorliegend auf ihre glaubhaften Aussagen abzustellen und der
Sachverhalt erstellt.
9. Anklagevorwurf V. (Vorfall vom 5. November 2010)
9.1. Weiter soll der Beschuldigte die Privatklägerin am 5. November 2010 in der
ehelichen Wohnung in Zürich (recte: C._) mit der Faust mehrere Male an die
Schulter sowie den linken Oberarm geschlagen haben, wodurch die Privatklägerin
mehrere Hautunterblutungen an diesen Körperstellen erlitten habe (Urk. 36 S. 8).
Auch diesen Vorwurf bestritt der Beschuldigte während des gesamten Verfahrens
(Urk. 15/7 S. 9 und 16 f.; Prot. II S. 26).
9.2. Wiederum ist vorab auf die präzisen und vollumfänglich zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz zu verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 87 S. 37 f.).
9.3. Hervorzuheben ist, dass die Privatklägerin diesen Vorfall bereits in ihrer ers-
ten polizeilichen Einvernahme erwähnte und darauf hinwies, dass sie nach die-
sem Vorfall ins Frauenhaus gezogen sei (Urk. 4/1 S. 7). Sie erwähnte, dass sie
wegen dieses Vorfalls eine Ärztin aufgesucht habe (Urk. 4/2 S. 24) und schilderte
ihn so, wie er in der Anklageschrift dargelegt wird (Urk. 4/3 S. 26). Ihre Aussagen
werden durch den ärztlichen Bericht von Dr. med. F._ vom 21. Dezember
2010 (Urk. 9/11) gestützt, in welchem diese festhält, dass sie die Privatklägerin
am 11. November 2010 in ihrer hausärztlichen Sprechstunde gesehen habe. Da-
bei hätten sich ältere Hämatome am linken Oberarm sowie weitere Verletzungen
gezeigt. Dieses Verletzungsbild stimmt mit den Aussagen der Privatklägerin über-
ein. Zudem verliess die Privatklägerin die eheliche Wohnung unmittelbar nach
diesem Vorfall und zog für mehrere Monate in ein Frauenhaus, was ein starkes
Indiz dafür ist, dass sich der Vorfall so zugetragen hat, wie die Privatklägerin dies
schilderte. Der Sachverhalt gemäss Anklageschrift ist somit erstellt.
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10. Gesamtfazit
Im Sinne der obigen Erwägungen ist somit mit einer Ausnahme auf die detaillier-
ten und konstanten Aussagen der Privatklägerin abzustellen. Der Sachverhalt ist
mit den genannten Präzisierungen bezüglich der Anklagevorwürfe I. und V. und
mit Ausnahme des unter Anklageziffer I.B. unter dem Titel "Nötigung" eingeklag-
ten Sachverhalts erstellt.
III. Rechtliche Würdigung
1. Versuchte räuberische Erpressung
1.1. Die Staatsanwaltschaft beantragt in ihrer Anschlussappellation (Urk. 97) die
rechtliche Würdigung des unter dem Titel "Räuberische Erpressung mit Lebens-
gefahr" eingeklagten Sachverhalts gemäss Anklageziffer I.B. unter Art. 156 Ziffer
1 und 3 StGB in Verbindung mit Ziffer 4 des Raubtatbestandes gemäss Art. 140
StGB (Lebensgefahr) anstatt, wie dies die Vorinstanz getan hat, in Verbindung mit
Ziffer 3 des Raubtatbestandes gemäss Art. 140 StGB (besondere Gefährlichkeit).
Diese hat sich ausführlich mit den rechtlichen Bestimmungen und der Abgrenzung
zwischen den Ziffern 3 und 4 des Raubtatbestandes auseinandergesetzt. Auf ihre
zutreffenden Ausführungen kann verwiesen werden (Urk. 87 S. 38-46).
Hervorzuheben ist, dass Ziffer 3 Abs. 3 von Art. 140 StGB dann zum Zug kommt,
wenn mehr als eine abstrakte Gefährdung vorliegt, aber weniger als eine stark er-
höhte Gefährdung des Lebens, im Ergebnis somit eine konkrete Gefährdung von
Leib und Leben des Opfers oder eines Dritten (BSK StGB II-Niggli/Riedo,
3. Auflage, N 100 zu Art. 140 StGB).
Das Qualifikationsmerkmal der besonderen Gefährlichkeit ist aufgrund der diver-
sen Merkmale, welche bei der Privatklägerin vorlagen ("Sternchen vor den Au-
gen", Heiserkeit, Urinabgang, Strangmarke) entgegen der Auffassung der Vertei-
digung (Urk. 107/1 S. 23) klarerweise erfüllt. Bezüglich der Abgrenzung zu Ziffer 4
ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass es zwar gemäss dem Gutachten
im Rahmen des Drosselns mit der Nylonschnur zu einer konkreten Lebensgefahr
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kam, diese jedoch nicht im Sinne der bundesgerichtlichen Praxis zu Ziffer 4 stark
erhöht war, auch deren Grenze nur knapp nicht erreicht wurde (BGE 117 IV 419
ff.). Diese Würdigung drängt sich aufgrund der Präzisierung des Sachverhaltes,
dass der Beschuldigte die Privatklägerin während mehrerer Sekunden, jedoch
deutlich unter einer Minute stranguliert hat, sowie aufgrund der nicht stark ausge-
prägten Strangmarke auf den durch das Forensische Institut Zürich erstellten Fo-
toaufnahmen (Urk. 104/2-8) umso mehr auf. Da von diesem präzisierten Sach-
verhalt auszugehen ist und die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer vor Beru-
fungsinstanz vom schwerwiegenderen Anklagesachverhalt ausging (Strangulation
während circa 60 Sekunden sowie kurzer Bewusstseinsverlust; Urk. 108 S. 2), ist
nicht näher auf deren diesbezügliche Argumentation einzugehen. Nicht gefolgt
werden kann sodann den neuen Vorbringen der Staatsanwaltschaft vor Beru-
fungsinstanz, das Tatvorgehen müsse auch als grausam im Sinne von Art. 140
Ziff. 4 StGB bezeichnet werden (Urk. 108 S. 5). Auch bei der Tatvariante der
Grausamkeit muss die Intensität erreicht werden, welche für die Anwendung von
Ziffer 4 notwendig ist. Konkret müsste das Opfer speziell gravierenden Qualen
ausgesetzt worden sein, was vorliegend nicht der Fall ist. Im Übrigen ist darauf
hinzuweisen, dass der Begriff der Grausamkeit in der Anklage nicht vorkommt
und dem Beschuldigten diese Variante im Verfahren nicht vorgehalten wurde.
1.2. Da die Privatklägerin nach dem Vorfall unverzüglich die Polizei kontaktierte,
somit keine Anstalten traf, den Kredit für den Beschuldigten aufzunehmen, hat
sich der Beschuldigten des Versuchs der räuberischen Erpressung im Sinne von
Art. 156 Ziff. 1 und 3 in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 und Art. 22 Abs. 1
StGB schuldig gemacht. Dass die Vorinstanz in ihrem Erkenntnis Abs. 2 anstatt
Abs. 3 von Art. 140 Ziff. 3 StGB nannte (Urk. 87 S. 67), beruht, wie sich ihren Er-
wägungen entnehmen lässt (Urk. 87 S. 42), auf einem offensichtlichen Ver-
schrieb.
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2. Übrige Anklagepunkte
2.1. Mehrfache einfache Körperverletzungen
2.1.1. Der Verteidiger macht geltend, dass die Verletzungen der Privatklägerin
den Grad der einfachen Körperverletzung nicht erreichen würden und somit unter
den Tatbestand der Tätlichkeiten fallen würden (Urk. 59 S. 16 und 20; Urk. 107/1
S. 23 f.).
Eine einfache Körperverletzung liegt vor, wenn jemand einen Menschen in ande-
rer Weise an Körper oder Gesundheit schädigt (Art. 123 Ziff. 1 StGB). Das Bun-
desgericht geht dann von einer Tätlichkeit aus, "wenn das allgemein übliche und
gesellschaftlich geduldete Mass einer Einwirkung auf den Körper eines andern
überschritten wird", dabei aber noch keine Schädigung des Körpers oder der Ge-
sundheit zur Folge hat. Die Abgrenzungen sind dabei fliessend, dem Gericht steht
ein relativ grosses Ermessen zu. Das Bundesgericht hat in seiner jüngeren Praxis
den Anwendungsbereich von Art. 123 zu Lasten von Art. 126 StGB nicht unerheb-
lich ausgedehnt. Als Tätlichkeiten sind einzig Eingriffe in die körperliche Integrität
zu werten, die nur Schrammen, Kratzer, Schürfungen, blaue Flecken oder Quet-
schungen bewirken, ohne erhebliche Schmerzen zu verursachen. Bei Blutergüs-
sen, welche beim Berühren Schmerzen verursachen, ist hingegen bereits von ei-
ner einfachen Körperverletzung auszugehen. Das Herbeiführen selbst vorüberge-
hender Störungen, die einem krankhaften Zustand gleichkommen, wie das Zufü-
gen erheblicher Schmerzen, ist bereits als einfache Körperverletzung einzustufen
(BSK StGB II-Roth/Keshelava, N 5 zu Art. 126; Donatsch, Kommentar Schweize-
risches Strafgesetzbuch, 18. Auflage, N 3 zu Art. 123 und N 1 zu Art. 126).
Die Privatklägerin erlitt durch den Vorfall vom 5. November 2010 multiple Hautun-
terblutungen. Dem ärztlichen Bericht ist zu entnehmen, dass Dr. med. F._
bei ihrer Untersuchung am 11. November 2010 ältere Hämatome feststellen konn-
te. Am 4. Oktober 2011 erlitt sie zahlreiche Hautunterblutungen an den Extremitä-
ten und litt während circa 2 Wochen an Schmerzen. Die Verletzungen sind im
Austrittsbericht der Notfallpraxis E._ aufgeführt (Urk. 9/12). Ausserdem sind
auf dem Foto des Mobiltelefons der Privatklägerin die grossen Hämatome an ih-
- 39 -
ren Armen deutlich erkennbar (Urk. 9/2 S. 2). Die Verletzungen, welche die Pri-
vatklägerin aufgrund der Vorfälle vom 4./5. November 2011 erlitt, sind detailliert
im ärztlichen Gutachten geschildert. Auch dort wurden zahlreiche Hautunterblu-
tungen, Einblutungen, Schwellungen, Schürfungen und Rötungen am ganzen
Körper der Privatklägerin festgestellt. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen,
dass die Verletzungen der Privatklägerin dabei die Grenze zur Tätlichkeit im Sin-
ne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung überschritten, da durch die beschrie-
benen Verletzungen eine eigentliche Schädigung des Körpers erfolgte, welche
nicht nur kurzfristige Schmerzen verursachte.
2.1.2. Zum Vorfall vom 4. November 2011 bringt der Verteidiger vor, die Reaktion
des Beschuldigten sei als angemessene Abwehr zu qualifizieren, da die Privat-
klägerin ihn daran gehindert habe, das Schlafzimmer zu verlassen (Urk. 59 S. 17
und 20). Aufgrund der obigen Aussagewürdigung ist auf die glaubhaften Aussa-
gen der Privatklägerin abzustellen, weshalb eine Notwehrsituation nicht erstellt
werden kann. Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass die Privatklägerin
den Beschuldigten für kurze Zeit am Verlassen des Schlafzimmers gehindert hät-
te, könnte darin mitnichten eine Notwehrsituation im Sinne von Art. 15 StGB er-
blickt werden.
2.2. Drohungen und – teilweise versuchte – Nötigungen
Diesbezüglich kann auf die grundsätzlich zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen werden (Urk. 87 S. 46 f.), wobei darauf hinzuweisen ist, dass
der Sachverhalt betreffend Nötigung (Anklageziffer I.B.) nicht erstellt werden
kann, weshalb der Beschuldigte von diesem Vorwurf freizusprechen ist (vgl. oben
unter II. 5.6.).
3. Fazit
Die Vorinstanz ist zu Recht zum Schluss gelangt, dass weder Rechtfertigungs-
noch Schuldausschlussgründe vorliegen (Urk. 87 S. 47). Ferner hat sie zutreffend
darauf hingewiesen, dass aufgrund der zeitlichen Abstände und der Abgrenzbar-
keit der Tathandlungen von echter Konkurrenz der Straftaten auszugehen ist,
- 40 -
ausser bei der Gefährdung des Lebens, die sie zu Recht als vom qualifizierten
Tatbestand der räuberischen Erpressung konsumiert betrachtet hat (Urk. 87
S. 47). Korrigierend ist anzumerken, dass auch die Drohung, welche während des
Strangulierens erfolgte, durch die räuberische Erpressung konsumiert wird. Der
Beschuldigte ist somit der versuchten räuberischen Erpressung im Sinne von
Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB i.V.m. Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB und Art. 22
Abs. 1 StGB, der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 3 StGB, der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB
und des Versuchs dazu im Sinne von Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
sowie der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 und 2 lit. a StGB
schuldig zu sprechen. Vom Vorwurf der Nötigung gemäss Anklageziffer I.B. ist der
Beschuldigte wie dargelegt freizusprechen.
IV. Strafzumessung und Vollzug
1. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen korrekt abgesteckt und die gesetzli-
chen Zumessungsregeln, insbesondere bezüglich der Gesamtstrafenbildung, wie
auch die hier massgeblichen belastenden und entlastenden Faktoren zutreffend
dargelegt. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann vorab auf diese Er-
wägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 87 S. 48 ff.).
2. Wie die Vorinstanz richtig ausführte (Urk. 87 S. 48), ist die versuchte räu-
berische Erpressung mit einer Strafdrohung von zwei bis zwanzig Jahren Frei-
heitsstrafe vorliegend das schwerste vom Beschuldigten begangene Delikt, wobei
einerseits der Strafschärfungsgrund der Deliktsmehrheit und andererseits der
Strafmilderungsgrund der versuchten Tatbegehung gegeben ist, aber keine Um-
stände vorliegen, die eine Unter- oder Überschreitung des ordentlichen Strafrah-
mens rechtfertigen würden, weshalb sie vorliegend straferhöhend resp. strafmin-
dernd zu berücksichtigen sind. Die objektiven und subjektiven Verschuldensele-
mente hat die Vorinstanz umfassend und richtig gewürdigt, weshalb auf die ent-
sprechenden Ausführungen vorab verwiesen werden kann (Urk. 87 S. 49 ff.).
- 41 -
2.1 In objektiver Hinsicht wies die Vorinstanz zu Recht darauf hin, dass die Tat
zwar nicht geplant war, sondern auf einem spontanen Entschluss beruhte. Der
Beschuldigte offenbarte jedoch durch die Art und Weise seines Vorgehens eine
erhebliche kriminelle Energie, indem er die Privatklägerin mit einer Nylonschnur
während mehrerer Sekunden derart strangulierte, dass sie nur noch mit Mühe
sprechen konnte, einen Urinabgang hatte und eine Strangmarke an ihrem Hals
festgestellt werden konnte. Dabei war er der Privatklägerin ohnehin, jedoch zu-
sätzlich aufgrund der Mitwirkung des Bruders des Beschuldigten, physisch über-
legen. Die Verletzungen der Privatklägerin waren dabei im Rahmen des Vorstell-
baren zwar nicht schwerer Natur, doch ist von einem für die Privatklägerin sehr
traumatischen Erlebnis auszugehen. Insgesamt ist zu berücksichtigen, dass das
Tatvorgehen nahe an der Verwirklichung des Tatbestandes gemäss Ziffer 4 von
Art. 140 StGB (und somit an deren Strafdrohung mit einer Mindeststrafe von 5
Jahren; oben unter III. 1. 1.1.) liegt.
Die Bewertung des Tatvorgehens unter Berücksichtigung des Ausmasses des
qualifizierenden Tatumstandes verletzt entgegen der Auffassung des Verteidigers
(Urk. 107/1 S. 25) das Doppelverwertungsverbot nicht (BSK StGB I- Wiprächti-
ger/Keller, 3. Aufl., Art. 47 N 102).
Dass die Vorinstanz die objektive Tatschwere noch im unteren Bereich des Straf-
rahmens ansiedelte, mag zwar auf den ersten Blick erstaunen, ist aber vor dem
Hintergrund der Bandbreite möglicher Verstösse gegen den Straftatbestand in
seiner qualifizierten Form nicht zu beanstanden.
2.2 In subjektiver Hinsicht ist von einem direkten Vorsatz des Beschuldigten
auszugehen. Zudem ist hervorzuheben, dass der Beschuldigte aus egoistischen,
rein finanziellen Motiven handelte, indem er die Privatklägerin ungerechtfertigter-
weise dazu bringen wollte, ihm einen Kredit über Fr. 60'000.– zu beschaffen. Da-
bei handelt es sich um einen erheblichen Betrag. Er nutzte aus, dass die Privat-
klägerin ihm schutzlos ausgeliefert war. So willigte diese denn auch aus Angst,
aber gegen ihren Willen, in seine Forderung ein (Urk. 14/2 S. 6). Leicht relativie-
rend ist zu berücksichtigen, dass die Delinquenz im Nachgang eines emotionalen
Streits unter den Ehegatten am Vorabend erfolgte, in welchem der Beschuldigte
- 42 -
gefordert hatte, dass die – arbeitstätige – Privatklägerin einen Anteil der gemein-
samen Lebenskosten übernehmen müsse (vgl. Urk. 14/2 S. 4). Insgesamt gese-
hen ist das subjektive Verschulden aber als keineswegs mehr leicht zu bezeich-
nen.
2.3 Die Vorinstanz hat bei der Festsetzung der hypothetischen Einsatzstrafe
berücksichtigt, dass es sich bei der Tat um einen Versuch handelte. Diesbezüg-
lich ist korrigierend festzuhalten, dass es sich dabei um einen vollendeten Ver-
such handelte, da der Beschuldigte alles unternahm, damit der Erfolg eintrat, und
die Vollendung der Tat lediglich daran scheiterte, dass die Privatklägerin ihm den
Kredit in der Folge nicht verschaffte. Aus diesem Grund ist die Tatsache, dass es
beim Versuch blieb, nur marginal zu Gunsten des Beschuldigten zu berücksichti-
gen.
2.4 Das Verschulden betreffend die versuchte räuberische Erpressung ist ins-
gesamt als keineswegs leicht zu qualifizieren. Angesichts des oben dargelegten
Tatverschuldens erweist sich unter Berücksichtigung des Strafmilderungsgrundes
des Versuchs in Übereinstimmung mit der Vorinstanz eine Einsatzstrafe von 4
Jahren Freiheitsstrafe als angemessen.
2.5 Betreffend die Täterkomponente kann zunächst vollumfänglich auf die Aus-
führungen in den vorinstanzlichen Erwägungen zum Vorleben und den persönli-
chen Verhältnissen verwiesen werden (Urk. 87 S. 51 ff.), wobei diese insofern zu
präzisieren sind, als der Temporär-Einsatz des Beschuldigten bei der J._ AG
aufgrund seiner Inhaftierung nicht mehr fortgesetzt werden konnte. Insbesondere
hat die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen, dass die Vorstrafenlosigkeit des
Beschuldigten nicht zu seinen Gunsten zu berücksichtigen ist. Auch wies sie zu
Recht darauf hin, dass sich der Beschuldigte nicht geständig zeigte. Der Um-
stand, dass gegen den Beschuldigten am 15. April 2013 eine – inzwischen
rechtskräftige – Disziplinarverfügung erlassen wurde, weil er in eine Schlägerei
mit einem Mitgefangenen verwickelt war und sich in der Folge äusserst unkoope-
rativ verhielt (Urk. 93), stimmt zwar nachdenklich. Dabei handelt es sich jedoch
nicht um einen Umstand, der mit der vorliegend zu beurteilenden Tat in einem
unmittelbaren Zusammenhang steht und der zudem bereits sanktioniert wurde,
- 43 -
weshalb er unter dem Gesichtspunkt des Nachtatverhaltens ausser Acht zu las-
sen ist. Der Täterkomponente lassen sich daher, wie schon die Vorinstanz fest-
gehalten und zutreffend begründet hat (Urk. 87 S. 54), keine strafzumessungsre-
levanten Faktoren entnehmen.
2.6 Die Einsatzstrafe ist aufgrund der weiteren Delikte der mehrfachen einfa-
chen Körperverletzung, der Nötigung und des Versuchs dazu sowie der mehrfa-
chen Drohung unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips zu erhöhen. Auch
diesbezüglich kann auf die grundsätzlich zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen werden (Urk. 87 S. 54 ff.). Bei einem der beiden Nötigungstat-
bestände ist von versuchter Tatbegehung auszugehen, weshalb dies lediglich mit
Bezug auf diesen Nötigungstatbestand strafmindernd zu berücksichtigen ist
(Urk. 87 S. 54 f.). Umgekehrt ist die mehrfache Tatbegehung bezüglich dieser De-
likte straferhöhend zu gewichten (Urk. 87 S. 56). Nicht zu beanstanden ist ferner,
dass die Vorinstanz die Taten in einen Gesamtzusammenhang stellte und dies zu
Ungunsten des Beschuldigten gewichtete (Urk. 87 S. 55). In der Tat sind sie der
Ausdruck massiver häuslicher Gewalt, der die Privatklägerin insbesondere im
Herbst 2011 während mehrerer Wochen ausgesetzt war. Die einzelnen Delikte
sind dabei, was das objektive Verschulden angeht, keineswegs zu bagatellisieren,
wie namentlich die entsprechenden ärztlichen Berichte zu den Körperverletzun-
gen verdeutlichen (Urk. 9/1-3, 9/5, 9/6 und 9/9-13). Im Rahmen des objektiven
Verschuldens durchaus ins Gewicht fallen aber auch die mehrfachen Todesdro-
hungen, welche die Beschuldigte ernst nahm und welche sie in ihrer psychischen
Integrität beeinträchtigten. Die Vorinstanz hat mit Bezug auf das subjektive Ver-
schulden bezüglich dieser Delikte zu Recht darauf hingewiesen, dass das Motiv
für die gravierende Missachtung der physischen und psychischen Integrität der
Privatklägerin in einem patriarchalen Weltbild des Beschuldigten zu suchen ist.
Zwar ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass die arbeitstätige Privatklägerin
unter zivilrechtlichen Gesichtspunkten durchaus verpflichtet gewesen sein könnte,
an den gemeinsamen Lebensunterhalt beizutragen. Zu Recht hat die Vorinstanz
aber darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte sich zur Durchsetzung der ihm
seiner Meinung nach gegenüber der Privatklägerin zustehenden Ansprüche inak-
zeptabler Mittel bediente. Nicht zu beanstanden ist ferner, dass die Vorinstanz
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erwog, dass die Privatklägerin zwar zur Eskalation der Differenzen beigetragen
haben könnte, dies die Tathandlungen des Beschuldigten aber nicht zu rechtferti-
gen vermöchte (Urk. 87 S. 55).
Die Täterkomponente wirkt sich wie beim Hauptdelikt neutral auf die Strafzumes-
sung auf. Die Einsatzstrafe ist aufgrund dieser Delikte um 1 Jahr zu erhöhen.
2.7 Unter Berücksichtigung der relevanten Strafzumessungsgründe ist der Be-
schuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren zu verurteilen. An die Freiheits-
strafe sind 686 Tage erstandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie vor-
zeitigen Strafvollzug bis und mit heute anzurechnen (Art. 51 StGB).
3. Da die Dauer der ausgefällten Freiheitsstrafe mehr als drei Jahre beträgt,
ist der ganz oder teilweise bedingte Strafvollzug ausgeschlossen (Art. 42 Abs. 1
und Art. 43 Abs. 1 StGB).
V. Zivilansprüche
1. Schadenersatz
Die Vorinstanz sprach der Privatklägerin gemäss deren Antrag Schadenersatz in
der Höhe von Fr. 256.15 zuzüglich 5% Zins seit 5. November 2011 zu, unter soli-
darischer Haftbarkeit mit B._, soweit dieser rechtskräftig zur Leistung von
Schadenersatz verpflichtet werde. Ausserdem stellte sie fest, dass der Beschul-
digte gegenüber der Privatklägerin aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsat-
ze nach schadenersatzpflichtig sei. Der geltend gemachte Schaden setzt sich aus
Lohnausfall und Arztkosten zusammen und ist durch die entsprechenden Beila-
gen ausgewiesen (Urk. 58/1-5). Den zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz
bezüglich des Vorliegens der Voraussetzungen für die Zusprechung von Scha-
denersatz und bezüglich Solidarhaftung ist nichts beizufügen, es kann auf sie
verwiesen werden (Urk. 87 S. 57-59). Das Urteil der Vorinstanz ist diesbezüglich
zu bestätigen.
- 45 -
2. Genugtuung
Die Vorinstanz sprach der Privatklägerin zudem mit überzeugender Begründung
eine Genugtuung von Fr. 8'000.– nebst Zins von 5% seit 5. November 2011 zu,
unter solidarischer Haftbarkeit mit B._, soweit dieser rechtskräftig zur Leis-
tung einer Genugtuung verpflichtet werde, und wies die Forderung im Mehrbetrag
ab. Auf ihre zutreffenden Erwägungen ist zu verweisen und ihr diesbezügliches
Urteil, mit dem sie den Beschuldigten zur Leistung einer gemessen an den Ge-
samtumständen als moderat zu bezeichnenden Genugtuung verpflichtete, zu be-
stätigen (Urk. 87 S. 59-61).
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. In Dispositivziffer 8 des angefochtenen Urteils wurde der Beschuldigte ver-
pflichtet, der Privatklägerin eine Prozessentschädigung von Fr. 5'500.– (zuzüglich
8 % MWSt.) zu bezahlen, wobei angeordnet wurde, dass diese Entschädigung
aus der Staatskasse bezahlt werde und die Staatskasse dementsprechend ge-
mäss Art. 138 Abs. 2 StPO in die Rechte der Privatklägerin eintrete (Urk. 87
S. 68).
Gemäss Art. 426 Abs. 4 StPO trägt die beschuldigte Person die Kosten für die
unentgeltliche Verbeiständung der Privatklägerschaft nur, wenn sie sich in günsti-
gen wirtschaftlichen Verhältnissen befindet. Dies ist beim Beschuldigten zweifels-
ohne nicht der Fall (Urk. 15/4 letzte Seite; Urk. 15/7 S. 6 ff.; Urk. 26/6 S. 3). Diese
Kosten sind daher auf die Gerichtskasse zu nehmen (BSK StPO-
Mazzucchelli/Postizzi, N 3 zu Art. 138). Die von der Vorinstanz festgesetzte Höhe
der Entschädigung ist nicht zu beanstanden.
Im Übrigen ist die Kostenauflage (Dispositivziffer 10 teilweise) im angefochtenen
Urteil ausgangsgemäss zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt bis auf den Teilfreispruch betreffend den Nötigungsvorwurf in Anklageziffer
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I.B. mit seinen Anträgen. Der Teilfreispruch betrifft einen marginalen Teil des Ver-
fahrens, weshalb es sich rechtfertigt, dem Beschuldigten die Kosten des Beru-
fungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung und der
unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, vollumfänglich aufzuerlegen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren sind auf die
Gerichtskasse zu nehmen, unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO.
3. Wie bereits dargelegt können die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der
Privatklägerschaft einem Beschuldigten nur auferlegt werden, wenn dieser sich in
wirtschaftlich günstigen Verhältnissen befindet (Art. 426 Abs. 4 StPO), was vorlie-
gend nicht der Fall ist. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Pri-
vatklägerschaft im Berufungsverfahren sind daher ebenfalls auf die Gerichtskasse
zu nehmen.