Decision ID: d3b67352-6854-54bb-baa3-6a67d26c75db
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X._ ist Eigentümerin des Grundstücks Nr. 0000 in A._, Grundbuch B._, auf
welchem sich der südliche Hausteil eines Doppeleinfamilienhauses (Vers.-Nr. 0001)
befindet. Der nördliche Hausteil des Doppeleinfamilienhauses (Vers.-Nr. 0002) liegt auf
dem Grundstück Nr. 0003 und steht nicht im Eigentum von X._.
Am 17. September 2013 wurde der Gebäudeversicherung des Kantons St. Gallen
(GVA) ein Schaden am Gebäude Vers.-Nr. 0001 gemeldet, worauf der Schadenexperte
der GVA das Grundstück und das Gebäude am 16. Oktober 2013 besichtigte. Gemäss
Schadenermittlungsprotokoll vom 14. November 2013 belief sich die Schadensumme
auf CHF 9'500. Als Schadenbild wurde "Erdbereich in Bewegung, Risse in Fassade"
und als Schadenursache "Kriechen des Hanges" vermerkt. Mit Schreiben vom
20. November 2013 teilte der Leiter Schadendienst der für die Gebäudeverwaltung
zuständigen Immobilientreuhandgesellschaft mit, die GVA erachte sich für den
vorliegenden Schaden als nicht leistungspflichtig. Nachdem am 10. Januar 2014 eine
Begehung stattgefunden hatte, im Zeitraum von 20. Mai 2014 bis 25. September 2015
durch die M._ GmbH vier Verschiebungsmessungen (Null-Messung: 21. November
2013) durchgeführt worden waren und die Angelegenheit am 6. September 2016
zwischen der GVA und der Eigentümerin besprochen worden war, lehnte die GVA mit
Verfügung vom 20. September 2016 die Versicherungsleistung vollumfänglich ab. Die
dagegen erhobene Einsprache wies die GVA nach Vorliegen einer durch X._ in Auftrag
gegebenen Ursachenanalyse der L._AG vom 29. Juni 2017 mit Entscheid vom
25. September 2017 ab.
B. Gegen den Einspracheentscheid erhob X._ am 11. Oktober 2017 Rekurs beim
Verwaltungsrat der GVA. Sie beantragte die Aufhebung des Entscheids über die
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Ablehnung der Versicherungsleistung sowie die Übernahme des Schadens am
Gebäude Vers.-Nr. 0001, dessen Umfang und Höhe durch eine Expertise zu ermitteln
sei. In der Folge wurde die Instruktion und die Weiterführung des Rekursverfahrens
vom Sicherheits- und Justizdepartement (SJD) übernommen. Mit Entscheid vom
12. Dezember 2018 wies der Verwaltungsrat der GVA den Rekurs ab. Zur Begründung
führte er zusammenfassend aus, X._ sei der Nachweis nicht gelungen, dass die
starken Niederschläge vom 2. Juni 2013 im fraglichen Gebiet zu einer plötzlich
auftretenden Rutschung geführt hätten und diese für die Schäden am
Doppeleinfamilienhaus kausal gewesen seien. Damit sei die Ablehnung der
Versicherungsleistung nicht zu beanstanden.
C. Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 14. Januar 2019 und Ergänzung vom
18. Februar 2019 erhob X._ (Beschwerdeführerin) gegen den ihr am 14. Dezember
2018 zugestellten Rekursentscheid des Verwaltungsrats der GVA (Vorinstanz)
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid aufzuheben, und ihr sei der
Schaden am Gebäude Vers.-Nr. 0001, dessen Umfang und Höhe durch eine Expertise
zu ermitteln sei, zu vergüten. Allenfalls sei die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz bzw. an die GVA zurückzuweisen. Weiter beantragte sie die Einholung eines
Gutachtens, welches sich über die Ursache des Schadens am Gebäude Vers.-Nr. 0001
und dessen Höhe zu äussern habe. Am 4. März 2019 verzichtete die Vorinstanz auf
eine Vernehmlassung unter Verweis auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid.
Auf die Ausführungen der Verfahrensparteien zur Begründung ihrer Anträge, den
angefochtenen Entscheid und die Akten wird – soweit wesentlich und erforderlich – in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 56 des
Gesetzes über die Gebäudeversicherung, sGS 873.1, GVG, in Verbindung mit Art. 59
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die
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Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 14. Januar 2019
erfolgte – unter Berücksichtigung des Stillstands der Fristen vom 18. Dezember bis und
mit dem 2. Januar und des Fristenlaufs am Wochenende (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 30 Abs. 1 VRP und Art. 142 Abs. 3 und Art. 145 Abs. 1 lit. c der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO) – rechtzeitig und erfüllt zusammen mit der
Ergänzung vom 18. Februar 2019 formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz zunächst vor, sie habe die von ihr
angebotenen Beweise (Augenschein, Einholung einer Expertise) nicht abgenommen.
Gleichzeitig beantragt sie die Abnahme derselben – und zahlreicher weiterer Beweisen
– im vorliegenden Beschwerdeverfahren.
2.1. Zum Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) gehört, dass die Behörde die ihr
angebotenen Beweise abnimmt, wenn diese zur Abklärung des Sachverhalts tauglich
erscheinen. Umgekehrt folgt daraus, dass keine Verletzung des rechtlichen Gehörs
vorliegt, wenn eine Behörde auf die Abnahme beantragter Beweismittel verzichtet, weil
sie aufgrund der bereits abgenommenen Beweise ihre Überzeugung gebildet hat und
ohne Willkür in vorweggenommener (antizipierter) Beweiswürdigung annehmen kann,
dass ihre Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (vgl.
BGE 141 I 60 E. 3.3 mit Hinweis auf BGE 136 I 229 E. 5.3 und Waldmann/Bickel, in:
Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz,
2. Aufl. 2016, Art. 29 Rz. 88, sowie G. Steinmann, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/
Vallender, Die schweizerische Bundesverfassung, 3. Aufl. 2014, Art. 29 N 48). Aus dem
Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich überdies kein generelles Recht auf die
Einholung eines externen Gutachtens. Der Beizug externer Fachpersonen kommt nur in
Betracht, wenn das erforderliche Fachwissen nicht innerhalb der entscheidenden
Behörde vorhanden ist. Sind die zu behandelnden Fragen für Personen mit einer
bestimmten fachtechnischen Grundausbildung allgemein verständlich, bedarf es auch
nicht des Beizugs einer spezifisch in einem engen Fachgebiet ausgebildeten und
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tätigen Person (vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts Zürich VB.2013.00580 vom
5. Februar 2014 E. 2.1.2).
2.2. Die Vorinstanz stellte sich in Erwägung 5 des angefochtenen Entscheides auf den
Standpunkt, auf einen Augenschein, die Einholung weiterer Auskünfte bzw. einer
Expertise könne verzichtet werden, da aufgrund der eingereichten Akten,
Kartenausschnitten und dem öffentlich zugänglichen Geoportal der rechtlich erhebliche
Sachverhalt soweit wie möglich geklärt sei. Zu berücksichtigten ist zunächst, dass im
Verfahren vor der GVA am 10. Januar 2014 bereits ein Augenschein durchgeführt und
eine Fotodokumentation erstellt wurde (vgl. act. 8/3/5). Zudem kann der
Beschwerdeführerin nicht gefolgt werden, dass der GVA bzw. der Vorinstanz das
erforderliche Fachwissen fehle: Der Schaden wurde am 16. Oktober 2013 von einem
Schadenexperten aufgenommen (vgl. act. 8/3/1) und danach vom Leiter Schadendienst
weiterbearbeitet. Schliesslich fand die Begehung und die anschliessende
Korrespondenz mit einem Fachspezialisten der Abteilung Elementarschadenprävention
statt. Weiter stützt sich auch die Vorinstanz auf das von der Beschwerdeführerin
eingeholte Gutachten, zieht daraus jedoch andere Schlüsse. Schliesslich ergeben sich
die entscheidrelevanten Tatsachen ausserdem aus dem öffentlich zugänglichen
Geoportal. Eine unzulässige antizipierte Beweiswürdigung liegt nicht vor. Aus
denselben Gründen kann auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren auf die Erhebung
der angebotenen Beweise verzichtet werden.
3. Mit dem IV. Nachtrag zum Gesetz über die Gebäudeversicherung (nGS 2016-020)
und dem III. Nachtrag zur Verordnung über das Gesetz über die Gebäudeversicherung
(sGS 873.11, nGS 2016-021, VzGVG) hat die Gesetzgebung zur Gebäudeversicherung
einige Änderungen erfahren, wobei die Bestimmungen gestaffelt ab 1. Januar 2016 in
Kraft gesetzt wurden. Zu klären ist daher vorab, ob der Streitfall nach den ab 1. Januar
2016 geltenden neuen Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen oder nach den bis
31. Dezember 2015 geltenden Bestimmungen zu entscheiden ist. Art. 65 Abs. 1 GVG
hält unter dem Titel "Übergangsbestimmungen des IV. Nachtrags vom 17. November
2015" fest, dass für versicherte Schäden, die vor Vollzugsbeginn des IV. Nachtrags
eingetreten sind, die bisherigen Bestimmungen des GVG über die Voraussetzungen
und die Bemessung der Versicherungsleistungen sowie das Verfahren im
Versicherungsfall angewendet werden. Die identische Übergangsregelung findet sich
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auch in Art. 78 VzGVG (Übergangsbestimmungen des III. Nachtrags). Der vorliegende
Fall beurteilt sich demnach nach dem GVG bzw. VzGVG in der bis 31. Dezember 2015
geltenden Fassung. Das hat schon die Vorinstanz richtigerweise so erwogen (vgl. E. 2
des angefochtenen Entscheids) und wurde in der Beschwerde zu Recht auch nicht
beanstandet.
4. Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, der Schaden am Gebäude
Vers.-Nr. 0001 sei auf ein versichertes Ereignis in Form eines "Erdrutsches", ausgelöst
durch starke Niederschläge, zurückzuführen.
4.1.
4.1.1. Die Gebäudeversicherung erbringt gemäss aArt. 31 Ziff. 3 GVG
Versicherungsleistungen, wenn Gebäudeschäden u.a. durch "Erdrutschungen"
entstanden sind; ausgenommen sind Schäden, die im Wesentlichen auf "andere
Ursachen" zurückgehen. Gebäude müssen alltäglichen Naturereignissen wie Regen,
Wind oder Frost trotzen können. Bei den im Gesetz abschliessend aufgezählten
versicherten Elementarereignissen handelt es sich demgegenüber um durch
geologische, physikalische oder meteorologische Vorgänge ausgelöste Naturereignisse
von ausserordentlicher Heftigkeit. Ein Erdrutsch in versicherungstechnischem Sinn liegt
vor, wenn gewachsenes Erdreich auf natürliche Art und Weise unaufhaltbar ins
Rutschen gerät. Der versicherte Erdrutsch wird meistens durch heftige Niederschläge
und das dadurch bedingte Eindringen von Wasser zwischen vorher gebundenen
Bodenschichten ausgelöst. Durch die Schwerkraft und die Verminderung der
Haftreibung zwischen den Bodenschichten rutscht der Hang bei ausreichend grosser
Hangneigung ab. Das Naturereignis muss mit elementarer Gewalt und in einem Zuge
eintreten, weshalb Rutschungen nicht als Elementarereignis zu qualifizieren sind, wenn
sie sich über einen längeren Zeitraum hinziehen oder mit zumutbaren baulichen
Massnahmen verhindert werden konnten. Nicht gedeckt, weil voraussehbar, sind
sodann Erdrutschschäden, die an Gebäuden entstehen, die auf schlechtem Baugrund
erstellt wurden. Das Vorliegen einer die Leistungspflicht ausschliessenden "anderen
Ursache" im Sinn von aArt. 31 Ziff. 3 a. E. GVG ist insbesondere dann anzunehmen,
wenn der Schaden nicht unmittelbare Folge eines Elementarereignisses ist. Darunter
fallen etwa Schäden, die nicht auf eine Einwirkung von aussergewöhnlicher Heftigkeit
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oder auf fortgesetztes Einwirken zurückzuführen sind. Weiter sind Schäden nicht
gedeckt, die zwar auf Elementarereignisse zurückgehen, aber nicht deren adäquat
kausale Folge sind (D. Gerspach, in: Glaus/Honsell [Hrsg.], Gebäudeversicherung –
Systematischer Kommentar, Basel 2009, Rz. 2.80, 83 f. sowie 2.126 ff.).
4.1.2. Anspruch auf Versicherungsleistungen besteht nach aArt. 45 VzGVG, wenn ein
versichertes Ereignis vorliegt (lit. a), ein Gebäudeschaden entstanden ist, der
unmittelbar auf das versicherte Ereignis zurückgeführt werden kann (lit. b), und die
Ereigniseinwirkung nicht bestimmungsgemäss war (lit. c). aArt. 47 VzGVG regelt die
Zurechnung des Schadens zum versicherten Ereignis: Geht der Gebäudeschaden
überwiegend auf das versicherte Ereignis zurück, wird er ihm voll zugerechnet (Abs. 1).
Geht der Gebäudeschaden ganz oder überwiegend auf andere Ereignisse zurück, wird
er nicht entschädigt. Nicht vergütet werden insbesondere Schäden, die auf
fortgesetztes Einwirken zurückgehen oder die nicht auf eine plötzliche,
aussergewöhnlich heftige Einwirkung zurückzuführen sind, wie Schäden zufolge
schlechten Baugrundes, ungenügender Fundamente, fehlerhafter Konstruktion,
verwahrlosten Zustandes, eingedrungenen Schnee- und Regenwassers sowie Schäden
durch Grundwasser oder Kanalisationsrückstau und Schäden aus periodischen
Hochwasserständen (Abs. 2). Geht der Gebäudeschaden weder überwiegend auf das
versicherte Ereignis noch überwiegend auf andere Ereignisse zurück, wird er dem
versicherten Ereignis anteilmässig zugerechnet (Abs. 3). "Bestimmungsgemäss" ist
eine Ereigniseinwirkung, wenn sie zufolge ordentlicher Abnützung oder ordentlicher
Erfüllung des Zweckes des Gebäudes oder Gebäudeteils eintritt (vgl. aArt. 48 VzGVG).
Die Frage, ob sich der Gebäudeschaden "unmittelbar" auf das versicherte Ereignis
zurückführen lässt, ist nach der Rechtsprechung nach den Regeln über den sog.
"adäquaten Kausalzusammenhang" zu beantworten. Demnach hat ein Ereignis dann
als adäquate Ursache eines Erfolgs zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf
der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, einen Erfolg von der
Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs somit durch das
Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (VerwGE B 2009/170 vom 8. Juni 2010
E. 4.1, www.gerichte.sg.ch, mit Hinweis auf GVP 2006 Nr. 61, GVP 2005 Nr. 41, 2003
Nr. 42 und VerwGE vom 22. Januar 2002 i.S. W.K.; zuletzt bestätigt in VerwGE
B 2016/185 vom 28. Juni 2018 E. 3.1, www.gerichte.sg.ch).
http://www.gerichte.sg.ch
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4.1.3. Nach der allgemeinen Regel von Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
(SR 210, ZGB) hat derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu
beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Mangels eigener Beweislastregeln gilt dieser
allgemeine Grundsatz auch im öffentlichen Recht (vgl. ZK-Jungo, Art. 8 ZGB, 3. Aufl.
2018, N 611) und damit auch im Bereich der öffentlichen Gebäudeversicherung,
namentlich bei der Anwendung von aArt. 31 Ziff. 3 GVG. Aus ihm folgt, dass Personen,
die gegenüber der Versicherung einen Versicherungsanspruch erheben, bezüglich der
Frage, ob ein Versicherungsfall eingetreten ist, grundsätzlich behauptungs- und
beweispflichtig sind. Behauptet der Versicherer indessen eine die Leistungspflicht
ausschliessende oder herabsetzende Tatsache, so ist es an ihm, diese zu beweisen
(VerwGE B 2009/170 vom 8. Juni 2010 E. 4.2 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).
Nach Art. 8 ZGB ist sodann zu Ungunsten desjenigen zu entscheiden, der aus einer
unbewiesen gebliebenen Tatsache hätte Rechte ableiten können (GVP 2006 Nr. 61; vgl.
M. Joos, in: Glaus/Honsell, a.a.O., Rz. 8.1.6 mit Hinweisen).
Im Versicherungsrecht gilt generell die Beweiserleichterung der "überwiegenden
Wahrscheinlichkeit" (vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 128 III 271 E. 2b/
aa). Entgegen dem Regelbeweismass, das erst erreicht ist, wenn das Gericht am
Vorliegen der behaupteten Tatsache keine ernsthaften Zweifel mehr hat oder allenfalls
verbleibende Zweifel als leicht erscheinen, sind die Anforderungen an das Beweismass
herabgesetzt. "Überwiegend wahrscheinlich" ist etwas dann, wenn für die Richtigkeit
einer Sachbehauptung nach objektiven Gesichtspunkten derart gewichtige Gründe
sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten vernünftigerweise nicht massgeblich in
Betracht fallen (vgl. K. Plüss, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, § 7 N 26-28 mit
Hinweisen). Die Möglichkeit, dass es sich auch anders verhalten könnte, schliesst die
überwiegende Wahrscheinlichkeit zwar nicht aus, darf aber für die betreffende
Tatsache weder eine massgebende Rolle spielen noch vernünftigerweise in Betracht
fallen. Dem Versicherer steht ein – aus Art. 8 ZGB abgeleitetes – Recht auf
Gegenbeweis zu. Er hat Anspruch darauf, zum Beweis von Umständen zugelassen zu
werden, die beim Gericht erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Gegenstand des
Hauptbeweises bildenden Sachbehauptungen wachhalten und diesen dadurch
vereiteln sollen. Für das Gelingen des Gegenbeweises ist mithin bloss erforderlich,
dass der Hauptbeweis erschüttert wird und damit die Sachbehauptungen nicht mehr
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als überwiegend wahrscheinlich erscheinen (BGE 130 III 321 E. 3.3 f.; vgl. auch
R. Schaer, in: Glaus/Honsell, a.a.O., Rz. 6.1.13; zum Ganzen vgl. auch VerwGE
B 2015/87 vom 26. April 2018 E. 3.5, a.a.O.).
4.2. Die Vorinstanz hielt im angefochtenen Entscheid fest, dem Gutachten der L._AG
sei keine Aussage bezüglich einer plötzlich auftretenden Rutschung am 2. Juni 2013 zu
entnehmen. Auch gehe daraus nicht hervor, dass zwei verschiedene
Rutschbewegungen – eine Permanentrutschung und eine Rutschung infolge von
Extremniederschlägen – vorliegen würden. Weiter liessen sich die Ausführungen im
Gutachten, wonach die nach Norden bis Nordnordosten bzw. Nordnordwesten anstelle
einer ostwärts, hangabwärts gerichtete Bewegung überraschen würden, in
Übereinstimmung mit der GVA dadurch erklären, wonach die Bewegungsrichtung des
Erdmaterials in eine andere Richtung gelenkt oder geschoben werden könne. Auch die
weiteren Ausführungen der GVA, dass eine quer zum Hang verlaufende, mächtige
Felsrippe für die Rutschmasse im Bereich des Doppeleinfamilienhauses ein massives,
gar unverrückbares Hindernis darstelle und bewirke, dass daran das Erdreich
bereichsweise aufgestaut und entlang der Felsrippe und somit in Richtung Nordosten
abgelenkt werde, erschienen plausibel. Ausserdem stimmten die im Gutachten
dargelegten jährlichen Bewegungen mit den Angaben auf dem Szenarienblatt
Gefahrenquelle Rutsch überein, auf dem die Permanentrutschung mit einer Aktivität
von wenigen Millimetern pro Jahr angegeben werde. Im
Verschiebungsmessungsprotokoll der M._ GmbH vom 2. Mai 2016 werde zudem
bestätigt, dass sich diese Verschiebungen über eine längere Zeit fortsetzen könnten.
Ein Hinweis auf eine plötzlich aufgetretene, spontane Rutschung am 2. Juni 2013 oder
eine allgemeine Aussage betreffend Spontanrutschungen oder zwei verschiedene
Rutschungen sei dem Bericht dagegen nicht zu entnehmen.
Die Beschwerdeführerin macht dagegen geltend, zu den Schäden am Gebäude sei es
– wie das Gutachten der L._AG vom 29. Juni 2017 zeige – aufgrund der starken
Niederschläge am 1./2. Juni 2013 und dann wieder im Juli 2014 gekommen. Somit sei
entgegen der Auffassung der Vorinstanz bzw. der GVA ein plötzliches Ereignis, welches
mit elementarer Gewalt und in einem Zug auf das versicherte Gebäude eingewirkt
habe, die Ursache der Schäden. Die Schäden seien insbesondere nicht auf die
Rutschungen hangabwärts Richtung Osten zurückzuführen. Im Übrigen beruhe die
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Karte "Gefahrenanalyse" nicht auf einer geologischen Abklärung der Ursache für die
Rutschungen, welche zu den Schäden am Gebäude Vers.-Nr. 0001 geführt hätten,
sondern diese gebe nur die allgemeine Situation im entsprechenden Gebiet wieder.
4.3. Unbestritten ist, dass das Gebäude Vers.-Nr. 0001 sich in einem Rutschgebiet
befindet. Zu berücksichtigen ist dabei, dass permanente Rutschungen Gebäude,
Infrastrukturen, Verkehrswege sowie ober- und unterirdische Leitungen beinträchtigen
können. Nach extremen Niederschlagsperioden können permanente Rutschungen
temporär und lokal oder als gesamter Rutschkomplex aktiviert werden (vgl. Nationale
Plattform Naturgefahren PLANAT, Risikokonzept für Naturgefahren – Leitfaden, Teil B:
Anwendung des Risikokonzepts: Prozess Permanente Rutschungen, vorläufige Version
Februar 2009, S. 8, abrufbar unter: www.planat.ch/de/infomaterial-detailansicht/datum/
2010/10/22/planat-projekt-a11-risikokonzept-naturgefahren). Auslöser für permanente
Rutschungen bilden oft aussergewöhnliche Witterungsverhältnisse (langanhaltende
oder starke Niederschläge, Schneeschmelzen), Wasserinput von unten wie z.B. durch
Karst, auftauenden Permafrost oder eine Störung des Gleichgewichtes durch Erosion
(Entlastung) am Hangfuss (vgl. Tobler/Graf, Der Einfluss des Klimas auf Rutschungen
im periglazialen Prozessbereich der Alpen, 2016, S. 33, www.geotest.ch/fileadmin/
geotest/documents/pdfs/geotest/publikationen/naturgefahren/
Beitrag_Rutschungen.pdf).
Die im Zeitraum von 20. Mai 2014 bis 25. September 2015 von der M._ GmbH
vorgenommenen Messungen bestätigten die Verschiebungen auf dem Grundstück
Nr. 0000. Die Auswertung ergab insbesondere, dass sich diese über eine längere Zeit
fortsetzen können. Für das Gebäude Vers.-Nr. 0001 kann dabei von einer zu
erwartenden Verschiebung in der Grössenordnung von ca. 1 cm in zwei Jahren
ausgegangen werden (vgl. act. 8/3/8). Wie die Vorinstanz zu Recht erkannt hat,
schliesst das von der Beschwerdeführerin in Auftrag gegebene Gutachten nicht aus,
dass die Schäden am Gebäude durch permanente Rutschungen entstanden sind. Im
Gegenteil geht daraus hervor, dass eine unruhige Geländemorphologie und eine schräg
stehende Telefonstange erkennbar sind, was auf eine Rutschbewegung hinweist. Die
jährlichen Bewegungen liegen dabei zwischen ein und neun Millimetern, wobei der
Einfluss des Unwetters von Ende Juli 2014 erkennbar ist. Da wie dargelegt starke
Niederschläge Auslöser von permanenten Rutschungen sein können, spricht dieser
http://www.geotest.ch/fileadmin/geotest/documents/pdfs/geotest/publikationen/naturgefahren/Beitrag_Rutschungen.pdf http://www.geotest.ch/fileadmin/geotest/documents/pdfs/geotest/publikationen/naturgefahren/Beitrag_Rutschungen.pdf http://www.geotest.ch/fileadmin/geotest/documents/pdfs/geotest/publikationen/naturgefahren/Beitrag_Rutschungen.pdf
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Umstand nicht gegen eine permanente Rutschung. Hinzu kommt, dass gemäss
Gutachten die Risse meist an Schwachstellen oder in Bereichen mit schlechter
Bausubstanz entstanden sind. Bereits vor zehn Jahren wurde überdies festgestellt,
dass sich der ca. 70 Meter westlich des Doppeleinfamilienhauses gelegene, wulstartig
aufgewölbte Hangbereich mit der schräg gestellten Telefonstange in den
vorangegangenen 50 bis 60 Jahren um 50 bis 80 Zentimeter hangabwärts Richtung
Osten bewegt haben muss. Schliesslich wird eine Abklärung der genauen
Untergrundbewegung und der Lage der Felsoberfläche empfohlen, was ebenfalls für
eine permanente Rutschung spricht (vgl. zum Ganzen act. 8/3/29). Jedenfalls lassen
sich dem Gutachten keine Hinweise für eine Spontanrutschung entnehmen. Weiter
kann den anlässlich der Schadenaufnahme vom 16. Oktober 2013 und des
Augenscheins vom 10. Januar 2014 erstellten Fotodokumentationen entnommen
werden, dass das Gebäude bereits zu einem früheren Zeitpunkt erhebliche Risse
erfahren haben muss, welche im Jahr 2005 und 2007 mit Gipspatschen versehen
wurden. Ausserdem fanden bereits im Jahr 2005 Messungen statt (vgl. act. 8/3/1,
act. 8/3/5). Schliesslich konnten anlässlich des Augenscheins vom 10. Januar 2014
keine Geländeverformungen bzw. Risse im Umfeld des Gebäudes als Folge des
Unwetters festgestellt werden (vgl. act. 8/3/5). Dies spricht klar dafür, dass die
Einwirkung nicht ausserordentlich heftig war. Weitere Hinweise, dass der geltend
gemachte Erdrutsch mit elementarer Gewalt und in einem Zuge eingetreten wäre, sind
nicht ersichtlich. Wie dargelegt sind Rutschungen nicht als Elementarereignis zu
qualifizieren, wenn sie sich über einen längeren Zeitraum hinziehen oder mit
zumutbaren baulichen Massnahmen verhindert werden könnten.
4.4. Zusammenfassend kann die Beschwerdeführerin nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit aufzeigen, dass die starken Niederschläge vom 2. Juni 2013 zu
einer plötzlich auftretenden Rutschung geführt haben und diese adäquat kausal für die
Schäden am Gebäude Vers.-Nr. 0001 waren. Der Schaden geht damit auf eine "im
Wesentlichen andere Ursache" im Sinn von aArt. 31 Ziff. 3 a. E. GVG zurück und ist
nicht versichert. Die Beschwerde ist dementsprechend abzuweisen.
5. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 2'500 ist angemessen (Art. 7 Ziffer 222 der
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Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie ist mit dem von der Beschwerdeführerin
in der gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Bei diesem Ausgang
des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf Entschädigung
ausseramtlicher Kosten für das Beschwerdeverfahren (Art. 98 Abs. 1 und 98 VRP).