Decision ID: f84d3e63-4fcc-5df2-906c-1a56689980f2
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
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a. A.Y. und B.Z. sind Eigentümer des mit einem Einfamilienhaus überbauten
Grundstücks Nr. 000, Grundbuch X. Das nordöstlich angrenzende, ebenfalls mit einem
Einfamilienhaus überbaute Grundstück Nr. 001 gehört C.S. und D.S. Beide
Grundstücke liegen in der Wohnzone für Ein- und Zweifamilienhäuser (WE) gemäss
Zonenplan der Gemeinde X. vom 31. März 2005. Am 19. September 2011 reichte A.Y.
der Gemeinde ein Baugesuch für die Errichtung einer Stützmauer und die Erweiterung
des Sitzplatzes auf seinem Grundstück ein. Die Baupläne sahen eine Anordnung der
Steinreihen der Stützmauer mit einer ersten Stufe von maximal 1.8 m Höhe und eine
zweite Stufe von maximal 1.4 m Höhe vor. Entlang der Grenze zu Grundstück Nr. 001
war nur eine Steinreihe vorgesehen (act. G 11/6 I/1). Nachdem der Baugesuchsteller
die unterschriftliche Zustimmung der Eigentümer der benachbarten Grundstücke, mit
Ausnahme derjenigen von C.S. und D.S., beigebracht hatte, erteilte der Gemeinderat X.
am 30. September 2011 die nachgesuchte Baubewilligung im vereinfachten Verfahren
(act. G 11/6 I/4). Mit Schreiben vom 15. März 2013 gab C.S. dem Bausekretariat
bekannt, dass beim Bau der Stützmauer von den bewilligten Plänen abgewichen
worden sei. Am 29. August 2013 forderte Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Gmür, Wil, als
Vertreter von C.S. und D.S., das Bausekretariat auf, diese Angelegenheit an die Hand
zu nehmen (act. G 11/6 I/9).
b. Die Ausmessungen des in der Folge vom Bausekretariat beauftragten Geometers
vom 20. September 2013 ergaben, dass die erstellte Stützmauer insofern von den
Bauplänen abwich, als sie zum einen auf der unteren und oberen Stufe an mehreren
Stellen die bewilligten maximalen Höhen überschritt und zum anderen teilweise über
die Grenze zu Grundstück Nr. 002 ragte (vgl. act. G 11/6 I/21 f.). Im Nachgang zu
Einigungsverhandlungen betreffend Wiederherstellung/Rückbau der Stützmauer stellte
der Gemeinderat X. im Beschluss vom 26. Mai 2014 die formelle und materielle
Baurechtswidrigkeit der Stützmauer fest. Eine nachträgliche Baubewilligung könne
nicht erteilt werden (Ziff. 1). Die Stützmauer sei innerhalb von sechs Monaten
zurückzubauen und der rechtmässige Zustand herzustellen (Ziff. 2). Zur Begründung
wurde unter anderem festgehalten, ein teilweiser Rückbau (insbesondere Entfernung
der nachträglich erstellten dritten und obersten Stufe) erweise sich als
verhältnismässig, weil bei der Erstellung der Stützmauer von der Baubewilligung
abgewichen worden sei. Dabei stehe das Ziel im Vordergrund, die Wuchtigkeit der
Mauer zu entschärfen (act. G 11/6 I/6).
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c. Am 9. Juli 2014 informierte C.S. den Gemeinderat, dass oberhalb der Stützmauer ein
Lebhag (Thuja-Hecke) gesetzt worden sei (act. G 11/6 II/8). Am 17. Juli 2014 reichte
A.Y. ein nachträgliches Baugesuch für das Pflanzen der 1.2 m hohen Thuja-Hecke
entlang der Stützmauer als Absturzsicherung und Sichtschutz ein (act. G 11/6 II/1).
Gegen das in der Folge öffentlich aufgelegte Baugesuch erhoben C.S. und D.S. durch
ihren Rechtsvertreter öffentlich- und privatrechtliche Einsprache beim Gemeinderat
(act. G 11/6 II/10). Nach Durchführung einer Einspracheverhandlung vom 23. Dezember
2014 an Ort, welche zu keiner Einigung führte (act. G 11/6 II/19), beschloss der
Gemeinderat am 19. Januar 2015, die Baubewilligung zu erteilen. Die öffentlich-
rechtliche Einsprache wies er ab. Zur Begründung hielt er unter anderem fest, die
baubewilligungspflichtige Thuja-Hecke sei nicht Teil der Stützmauer, sondern ein
neues, eigenständiges Bauwerk. Sie trete zwar als zusätzliches Element oberhalb der
Stützmauer mächtig in Erscheinung, könne aber nicht als verunstaltend bezeichnet
werden (act. G 11/6 II/5). Den gegen diesen Beschluss/Einspracheentscheid von C.S.
und D.S. erhobenen Rekurs vom 6. Februar 2015 (act. G 11/1) hiess das
Baudepartement des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 23. Juli 2015 gut und hob
Einspracheentscheid und Baubewilligung auf (Ziff. 1). Es auferlegte den Rekursgegnern
die Verfahrenskosten und verpflichtete sie zur Zahlung einer Parteientschädigung an
die Rekurrenten (Ziff. 2 und 3; act. G 2/1).
B.
a. Gegen diesen Rekursentscheid erhob Rechtsanwalt lic. iur. Markus Roos,
Lichtensteig, für A.Y. und B.Z. am 26. August 2015 Beschwerde mit den Anträgen, die
Ziffern 1-3 des Entscheiddispositivs im Rekursentscheid seien vollumfänglich
aufzuheben und der Gemeinderatsbeschluss vom 19. Januar 2015 zu bestätigen (act.
G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 28. September 2015 bestätigte und
begründete der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer die gestellten Anträge (act. G 7).
b. In der Vernehmlassung vom 8. Oktober 2015 beantragte die Vorinstanz Abweisung
der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen Entscheid und
ging auf Vorbringen in der Beschwerde ein (act. G 10). In seiner Vernehmlassung vom
12. Oktober 2015 beantragte Rechtsanwalt Gmür für die Beschwerdegegner
Abweisung der Beschwerde (act. G 13). Die Beschwerdebeteiligte stellte in der Eingabe
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vom 14. Oktober 2015 den Antrag, die Beschwerde gutzuheissen und den
angefochtenen Entscheid aufzuheben (act. G 14).
c. Mit Replik vom 13. Januar 2016 bestätigte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführer seine Anträge und Ausführungen (act. G 26 und 27).
d. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Die Beschwerdeführer beantragen einen Augenschein und werfen der Vorinstanz
vor, dass sie zu Unrecht keinen Augenschein durchgeführt habe. Ein Augenschein
hätte Klärung darüber gebracht, wie im heutigen Zeitpunkt der Stand der Dinge sei und
wie sich die Thuja-Hecke auf das Grundstück der Beschwerdegegner auswirke. Ferner
hätte festgestellt werden können, dass die Thuja-Hecke dem Garten diene. Gleichzeitig
hätte festgestellt werden können, dass die Beschwerdegegner für die durch sie
vorgenommenen Terrassierungen, für die durch sie erstellten Stützmauern mit
Löffelsteinen sowie für das bestehende Gewächshaus über keine Baubewilligung
verfügen würden (vgl. act. G 8/1). Den Beweisanträgen auf Durchführung eines
Augenscheins habe die Vorinstanz ohne Begründung keine Folge geleistet. Sie habe
durch ihre Vorgehensweise eine antizipierte Beweiswürdigung vorgenommen, indem
sie das Beweisergebnis bereits vorweg abgenommen habe, ohne einen Augenschein
durchzuführen. Sie habe dadurch willkürlich gehandelt und Art. 9 der
Bundesverfassung (BV; SR 101), Art. 12 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 3 VRP verletzt (act. G
7 S. 3; G 26 S. 3-5).
Der Augenschein ist die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch die
entscheidende Instanz. Er dient dem besseren Verständnis des Sachverhalts. Ob ein
Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflichtgemässen Ermessen der urteilenden
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Instanz. Aus den Akten zweifelsfrei ersichtliche Tatsachen brauchen nicht durch einen
Augenschein überprüft zu werden. Dies gilt auch für unbestrittene Tatsachen, sofern
eine Nachprüfung nicht durch öffentliche Interessen geboten ist (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Auflage 2003, Rz. 966). Die
tatsächlichen Verhältnisse - d.h. insbesondere die Masse und die räumliche Anordnung
der Stützmauer und der Thuja-Hecke - ergeben sich im vorliegenden Fall aus dem
Baugesuch mit Situationsplan und den übrigen Verfahrensakten (act. G 11/6 Beilagen)
und blieben als solche auch unbestritten. Die Bepflanzung der Stützmauer als solche
bildet nicht Gegenstand dieses Verfahrens (vgl. nachstehende E. 2.2). Dies gilt auch für
allfällige von den Beschwerdegegnern auf ihrem Grund ohne Baubewilligung erstellte
Bauten. Im Rahmen des Einspracheverfahrens wurde sodann eine
Einspracheverhandlung vom 23. Dezember 2014 an Ort durchgeführt (act. G 11/6 II/
19). Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sich die Wirkung der Thuja-Hecke auf das
Grundstück der Beschwerdegegner aus den topographischen Verhältnissen, der Höhe
der Stützmauerstufen, der Höhe der Thuja-Hecke und den bei den Akten befindlichen
Fotos (act. G 11/6 I/8 und I/26) ergibt. Es lässt sich daher nicht beanstanden, dass im
vorinstanzlichen Verfahren kein Augenschein durchgeführt wurde. Auch im
Beschwerdeverfahren ist auf einen solchen zu verzichten, zumal die materiellen
Gegebenheiten und die Punkte, für die auf S. 8-10 der Beschwerde ein Augenschein
beantragt wird - wie sich nachstehend ergeben wird - sich gestützt auf die erwähnten
Datenquellen beurteilen lassen, soweit sie für den Entscheid überhaupt relevant bzw.
Gegenstand des Verfahrens sind.
3.
3.1. Unbestritten blieb die Feststellung im vorinstanzlichen Entscheid, wonach die
Frage der ausreichenden Bepflanzung der Stützmauer die Umsetzung der
Wiederherstellungsverfügung vom 26. Mai 2014 (act. G 11/6 I/6) betrifft und der Vollzug
dieser Verfügung nicht Rekursgegenstand bildete (act. G 2/1 S. 6). Hiervon ist
nachstehend auszugehen. Materiell streitig ist - wie bereits im vorinstanzlichen
Verfahren - die Bewilligungsbedürftigkeit und Bewilligungsfähigkeit des von den
Beschwerdeführern bereits erstellten Lebhags bzw. die Frage, ob sich dessen
Bewilligungsfähigkeit aus der Notwendigkeit einer Absturzsicherung (zusätzlich zum
vorbestehenden Diagonalgitterzaun) herleiten lässt oder nicht.
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3.2. Bauten und Anlagen müssen nach Art. 52 des Baugesetzes (sGS 731.1; BauG) den
Erfordernissen der Sicherheit entsprechen, ansonsten sie nicht bewilligt werden dürfen.
In Baubewilligungen wird in diesem Zusammenhang in der Regel auf SIA-Normen
verwiesen (B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 589). Laut
Art. 87 Abs. 2 BauG kann die Baubewilligung mit einschränkenden Bedingungen und
Auflagen verbunden werden. Die Zulässigkeit von Nebenbestimmungen kann sich zum
einen aus einem Rechtssatz ergeben, zum anderen aber auch aus dem mit dem Gesetz
verfolgten Zweck bzw. aus einem mit der Hauptanordnung in engem
Sachzusammenhang stehenden öffentlichen Interesse resultieren. Ohne ausdrückliche
gesetzliche Grundlage kann eine Bewilligung dann mit einer Nebenbestimmung
versehen werden, wenn die Bewilligung im Licht der gesetzlichen Bestimmungen
verweigert werden könnte. Mit Nebenbestimmungen zur Baubewilligung können nur
Hindernisse von untergeordneter Bedeutung beseitigt werden. Die Einhaltung
grundlegender Baurechtsnormen ist in einem einzigen und einheitlichen
Baubewilligungsverfahren zu prüfen. Nur die Regelung von Nebenpunkten, die für die
Bewilligungsfähigkeit eines Bauvorhabens nicht von ausschlaggebender Bedeutung
sind, kann in ein späteres Verfahren verwiesen werden (vgl. Heer, a.a.O., Rz. 869;
VerwGE B 2013/28 vom 12. Februar 2014 E. 2 und VerwGE B 2010/30 vom 24. August
2010 E. 3.3, www.gerichte.sg.ch). In Rechtskraft erwächst sodann grundsätzlich nur
das Dispositiv einer Baubewilligungsverfügung, nicht die Erwägungen dazu. Diese
können insbesondere dann an der Rechtskraft teilhaben, wenn das Dispositiv
ausdrücklich auf sie verweist. Darüber hinaus haben sie an der Rechtskraftwirkung
insofern teil, als sie für das Verständnis unerlässlich sind (VerwGE B 2013/181 vom
19. August 2014, E. 3.2 mit Hinweis).
In der Baubewilligung vom 30. September 2011 betreffend die Stützmauer wurde
festgehalten, dass ab einer Absturzhöhe von einem Meter eine Absturzsicherung
eingebaut werden müsse. Brüstungen und Geländer hätten eine Höhe von mindestens
einem Meter aufzuweisen. Geländer seien unfallverhindernd zu gestalten (vertikale
Stäbe), die lichten Zwischenräume zwischen den Geländerstäben dürften 12 cm nicht
übersteigen. Für die Anforderungen an Geländer, Brüstungen und Handläufe gelte die
SIA-Norm 358 (SN 543 358; act. G 11/6 I/4 Ziff. II/2). Im Verfügungsdispositiv fand die
Verpflichtung zur Anbringung einer Absturzsicherung keinen Eingang. Die im Dispositiv
verfügten Auflagen betrafen lediglich die Verpflichtung zur Prüfung der Mauer-Statik
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und zur Mauerentwässerung (act. G 11/6 I/4). Eine Absturzsicherung, wie sie die in der
Verfügung erwähnte SIA-Norm 358 für eine Mauer, wie sie vorliegend in Frage steht,
verlangt, war im Baugesuch nicht enthalten. Die Vorinstanz kam im angefochtenen
Entscheid diesbezüglich zum Schluss, die Formulierung in der Verfügung „mit
nachgenannten Bedingungen und Auflagen“ und der Umstand, dass kein
entsprechender Passus bezüglich Absturzsicherung im Dispositiv enthalten sei,
sprächen dagegen, dass es sich dabei um eine Auflage handle. Im Weiteren seien unter
Ziff. 3 des Verfügungsdispositivs die eingereichten Pläne als verbindlich erklärt und
ausdrücklich auf die Bewilligungspflicht allfälliger Abweichungen hingewiesen worden.
Der gemäss Situationsplan hinter der Stützmauer vorgesehene Diagonalgitterzaun sei
erstellt worden und bestehe nach wie vor. In der Baubewilligung vom 30. September
2011 sei - neben dem Diagonalgitterzaun - keine weitere Absturzsicherung verlangt
worden. Die Beschwerdeführer würden deshalb zu Unrecht davon ausgehen, dass der
Lebhag in Nachachtung einer rechtskräftigen Auflage der Baubewilligung vom 30.
September 2011 gepflanzt worden und deshalb nicht mehr baubewilligungspflichtig sei
(act. G 2/1 S. 9 f.).
3.3. Die Beschwerdeführer wenden unter anderem ein, gerade der Umstand, dass das
Dispositiv der Baubewilligung vom 30. September 2011 keinen Hinweis auf die Art und
Weise der Schutzvorkehrungen treffe, mache eine umfassende Beurteilung der
Schutzvorrichtung unabdingbar, um so den Haftungsbestimmungen von Art. 58 OR
gerecht zu werden. Der zusätzlich erstellte Lebhag sei in die Gesamtwürdigung
einzubeziehen, um dem Grundsatz von Art. 52 BauG umfassend Folge zu leisten. Mit
Blick auf den Fehler der Beschwerdebeteiligten, im Verfügungsdispositiv die
Schutzvorkehrungen nicht auszuführen, dürfe sich die Vorinstanz nicht überspitzt
formalistisch auf den Grundsatz berufen, dass nur das Dispositiv in Rechtskraft
erwachse. Obwohl für die Thuja-Hecke kein Baugesuch notwendig sei, seien die
Beschwerdeführer dem Wunsch der Beschwerdebeteiligten nachgekommen und
hätten das nachträgliche Baugesuch aus Sicherheitsüberlegungen sowie aus
akustischen Gründen eingereicht. Da die Absturzhöhe zwischen einem und vier Meter
liege, sei nicht nur der bereits erstellte Drahtzaun zu berücksichtigen, sondern zulässig
sei auch das Erstellen einer Thuja-Hecke. Der Vorinstanz sei überspitzter Formalismus
vorzuwerfen, der einer Rechtsverweigerung gleichkomme; Art. 9 und 29 Abs. 1 BV
sowie Art. 52 BauG seien verletzt. Die Thuja-Hecke diene den Bestimmungen von Art.
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52 BauG, um den Haftungsfragen von Art. 58 OR aus dem Weg zu gehen. Es dürfe mit
Fug nicht behauptet werden, dass die Thuja-Hecke das darunter liegende Bauwerk
vergrössere, zumal es sich dabei um lebendes Gebilde handle, welches neben der
Verschönerung der Gartenanlage den Sicherheitsvorkehrungen diene. Es brauche
hierfür keine Baubewilligung, denn die Thuja-Hecke sei für die Gartenanlage der
Beschwerdeführer bestimmt und sei als Gestaltungselement gemäss Art. 98 des
Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch (sGS 911.1; EG-ZGB) zu
würdigen. Die Wiederherstellungsverfügung vom 26. Mai 2014 habe nichts mit der
erstellten Thuja-Hecke zu tun. Als Folge der Wiederherstellungsverfügung hätten sie
die Stützmauer mit 560 alpinen Pflanzen bepflanzt und die zurückgebaute Fläche der
Mauer mit Rollrasen belegt. Würde der Argumentation der Vorinstanz Folge geleistet,
so hätten die Beschwerdegegner mit ihrer Gartengestaltung ebenfalls
Baubewilligungen einholen müssen, zumal die von ihnen gepflanzten Bäume und
Hecken nicht den gesetzlichen Vorschriften des EG-ZGB entsprechen würden. Die
Vorinstanz gehe von einem unzutreffenden Sachverhalt aus, wenn sie zum Schluss
komme, die Beschwerdeführer würden mit dem Pflanzen des Lebhags gegen
rechtskräftige Auflagen in der Wiederherstellungsverfügung vom 26. Mai 2014
verstossen. Die Verbindlichkeit der Erhöhungsmöglichkeit in der
Wiederherstellungsverfügung betreffe nicht die Thuja-Hecke, sondern die Bepflanzung
der Stützmauer (act. G 7 S. 5 ff.; G 26).
4.
4.1. Die Verpflichtung des Werkeigentümers, für die Sicherheit seines Werkes besorgt
zu sein, leitet sich aus Art. 58 OR ab. In diesem Zusammenhang definiert die SIA-Norm
358 den technisch anerkannten Standard sowie die zu treffenden
Vorsichtsmassnahmen, um einen Werkmangel im Sinn von Art. 58 OR auszuschliessen.
Die Mindesthöhe der Schutzelemente beträgt dabei 100 cm (vgl. Fachbroschüre
Geländer und Brüstungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung [BfU], Bern 2016
[www.bfu.ch]). Hinsichtlich des im vorliegenden Verfahren bestätigten Standpunkts der
Beschwerdeführer, dass die Bewilligungsfähigkeit der Thujahecke aus der
Notwendigkeit einer Absturzsicherung herzuleiten sei (act. G 7 S. 5 ff.), ist festzuhalten,
dass vor Pflanzung der Thuja-Hecke eine Absturzsicherung in Gestalt eines 1 m hohen
Maschendrahtzauns errichtet worden war und dieser Zaun nach wie vor besteht. Im
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Entscheid vom 19. Januar 2015 bestätigte die Beschwerdebeteiligte, dass der Zaun als
Absturzsicherung ausreichend sei und den Anforderungen der SIA-Norm 358
zureichend Rechnung trage; dies habe sich anlässlich der Einspracheverhandlung
nochmals bestätigt (act. G 11/6 II/5 S. 5). Die Beschwerdeführer führen auch im
vorliegenden Verfahren nicht näher aus, aus welchem konkreten Grund der
Maschendrahtzaun für sich allein als Absturzsicherung nicht ausreichen sollte. Im
Weiteren ist auch nicht ersichtlich, inwiefern der Vorinstanz im Zusammenhang mit der
Berufung auf den Grundsatz, dass lediglich das Dispositiv der Baubewilligung vom 30.
September 2011 in Rechtskraft erwuchs, überspitzter Formalismus vorgeworfen
werden müsste. Sodann hätte - selbst wenn von einer unzureichenden Absturz-
Sicherung auszugehen gewesen wäre, wofür es jedoch keine Anhaltspunkte gibt - die
Verbesserung der Sicherung in einer mit der Wiederherstellungsverfügung vom 26. Mai
2014 in Einklang zu bringenden Weise - etwa mit einer Erhöhung bzw. Verstärkung des
Zauns (vgl. SIA-Norm 358, Ausgabe 2010, Ziff. 3.1.6) - erfolgen müssen. Es stand den
Beschwerdeführern m.a.W. nicht frei, eine von der Verfügung vom 30. September 2011
nicht umfasste (ergänzende) Absturzsicherung in Form einer Thuja-Hecke anzubringen.
Der Schluss der Vorinstanz, wonach bei der Thuja-Hecke nicht von einer
rechtskräftigen Auflage der Baubewilligung vom 30. September 2011 ausgegangen
werden kann, erweist sich somit als begründet.
4.2.
4.2.1. Nach Art. 78 Abs. 2 lit. f BauG und Art. 38 Abs. 2 lit. f des Baureglements der
Politischen Gemeinde X. vom 31. März 2005 sind Mauern und Einfriedungen von über
1.8 m Höhe längs Grundstücksgrenzen bewilligungspflichtig. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGer 1C_658/2013 vom 24. Januar 2014) zu Art.
22 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Raumplanung (RPG; SR 700.1) kann es im
Einzelfall gerechtfertigt sein, Pflanzungen - im erwähnten Urteil stand eine Eiben-Hecke
auf dem Dach eines Attikageschosses zur Diskussion - bewilligungspflichtigen Anlagen
gleichzustellen. Die Frage, ob die Pflanzung zu einer dauerhaften und wesentlichen
Veränderung der Landschaft führt, beurteilt sich danach, welche konkreten
Auswirkungen die Pflanzung namentlich in ästhetischer Hinsicht hat. Dabei sind
insbesondere die Bedeutung und Art der Bepflanzung, die Oberfläche, die Dichte und
Anordnung sowie ihre Eingliederung in die bestehende Umgebung zu berücksichtigen
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(BGer 1C_658/2013, a.a.O., E. 4.4). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer
(act. G 7 S. 8) ist der dem BGer 1C_658/2013 zugrundeliegende Sachverhalt (Eiben-
Hecke auf Attikageschoss-Dach) durchaus mit den vorliegenden Gegebenheiten
vergleichbar. Für eine Anwendung der Grundsätze dieses Entscheids bedarf es keiner
Sachverhaltsidentität.
4.2.2. Aufgrund der Akten hat als erstellt zu gelten, dass bereits die Erstellung der
zweistufigen, rund 3 m hohen Stützmauer eine erhebliche Veränderung des zuvor
bestehenden Terrains bewirkt hatte und die in der Verfügung vom 26. Mai 2014
angeordnete Mauerreduktion mit Bepflanzung derselben den relativ massigen Eindruck
des Bauwerks lediglich milderte. Die rund 1.2 m hohe Thuja-Hecke verstärkt vor
diesem Hintergrund den sichtbehindernden Gesamteindruck bzw. hinterlässt den
optischen Eindruck einer Erhöhung der Steinmauer. Unter diesen Umständen führt die
Hecke - im Gegensatz zum Sachverhalt, welcher dem BGer 1C_424/2016 vom
27. März 2017, E. 2.4. und 3.4, zugrunde lag - zu einer erheblichen Veränderung der
äusserlichen Raumerscheinung der Grundstücksgrenze. Hieran vermag der Hinweis
der Beschwerdeführer, dass die Erstellung einer Thuja-Hecke hinter einem
Sicherheitszaun im Gemeindegebiet üblich sei (act. G 26 S. 6 mit Fotos in act. G 27),
nichts zu ändern, zumal die jeweiligen konkreten Gegebenheiten zu betrachten sind.
Unter diesen Umständen wurde die Hecke von der Beschwerdebeteiligten (act. G 11/6
II/5) bzw. von der Vorinstanz (act. G 2/1 S. 11) zu Recht der Bewilligungspflicht
unterstellt. Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob auch
die Beschwerdegegner für ihre eigene Gartengestaltung ebenfalls Baubewilligungen
hätten einholen müssen bzw. die Frage, ob ihre Gartengestaltung (Terrassierungen)
zivilrechtliche Bestimmungen des EG-ZGB verletzt oder nicht (vgl. act. G 7 S. 10 Ziff.
43). Die Einholung eines Amtsberichtes bei der Beschwerdebeteiligten und die Edition
der diesbezüglichen Akten (Beweisanträge der Beschwerdeführer in act. G 26 S. 8)
können deshalb unterbleiben.
4.2.3. Bei der Wiederherstellungsverfügung vom 26. Mai 2014 bzw. bei dem darin
angeordneten teilweisen Rückbau mit Entfernung der dritten Mauerstufe stand das Ziel
im Vordergrund, die Wuchtigkeit der Mauer zu entschärfen. Diesen Zweck sollte
insbesondere auch die verfügte intensive Mauerbegrünung erfüllen, wobei die
Bepflanzung das Bauwerk explizit „nur minimal erhöhen“ sollte. Insofern besteht
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entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer (act. G 7 S. 9 Ziff. 39) auch ein
sachlicher Zusammenhang zur streitigen Thuja-Hecke, zumal diese nicht lediglich eine
minimale Erhöhung des Bauwerks bewirkt. Die Wiederherstellungsverfügung mit-samt
den „im Sinn der obigen Ausführungen“ (bzw. im Sinn der Erwägungen; vgl. dazu
vorstehende E. 2.3) verfügten Anordnungen erwuchsen in Rechtskraft (act. G 11/6 I/6).
Wie dargelegt handelt es sich bei der nunmehr gesetzten Thuja-Hecke nicht um die
erwähnte Mauerbegrünung, sondern um eine zusätzliche, das Bauwerk erheblich
erhöhende Bepflanzung. Mit der Vorinstanz (act. G 2/1 S. 12) ist deshalb festzuhalten,
dass die Beschwerdebeteiligte mit der Begrünungs-Auflage in der
Wiederherstellungsverfügung die maximal zulässige Erhöhung der Stützmauer bereits
festgelegt hatte und die Thuja-Hecke mit dieser (rechtskräftigen) Anordnung sowie mit
dem Ziel, die Wuchtigkeit der Mauer zu entschärfen, nicht vereinbar ist. Die Frage, ob
bzw. inwiefern vorliegend überdies das Verunstaltungsverbot sowie Art. 75bis BauG
tangiert sind (vgl. act. G 26 S. 8 unten), braucht bei diesem Sachverhalt nicht geklärt zu
werden. Die Tatsache allein, dass die Thuja-Hecke die zivilrechtlichen Bestimmungen
einhält (act. G 26 S. 6), lässt nicht den Schluss auf eine baurechtliche
Bewilligungsfähigkeit zu.
4.2.4. Ein Anlass, in das Ermessen der Vorinstanz korrigierend einzugreifen, besteht
vorliegend für das Verwaltungsgericht, dessen Kognition auf die Korrektur von
Rechtsfehlern beschränkt ist (Art. 61 Abs. 1 VRP), nicht.
5.
5.1. (...).
5.2. (...).