Decision ID: f239abd2-1385-5e9f-a1a5-40b74e9f5de9
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ wurde von seiner Mutter infolge "Frühgeburt" am 16. August 1971 zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet (act. 4.3/3). Der
behandelnde Kinderarzt des Kinderspitals St. Gallen diagnostizierte im Bericht vom
17. Oktober 1971 eine Frühgeburt in der 30. Schwangerschaftswoche mit einem
Geburtsgewicht von 1'250g (vorzeitige Plazentalösung), eine Hypoglycämie sowie
Hydrocelen beidseits und subsumierte sie unter die Geburtsgebrechen Ziff. 494
(Neugeborene mit einem Geburtsgewicht unter 2000g bis zur Erreichung eines
Gewichts von 3000g), Ziff. 451 (Angeborene Störungen des Kohlehydrat-Stoffwechsels)
und 356 (Hydrocele testis et funiculi congenita und Zysten des Ligamentum teres,
sofern Operation notwendig ist) der Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV,
SR 831.232.21; act. G 4.3/6). Mit Verfügung vom 5. November 1971 sprach die
Invalidenversicherung dem Versicherten sämtliche zur Behandlung dieser
Geburtsgebrechen notwendigen medizinischen Massnahmen zu (act. G 4.3/7).
A.b Im Bericht vom 21. Oktober 1972 stellte Dr. med. B._ die Diagnose eines
Cerebralschadens, einer psychomotorischen Retardation sowie einer Diplegia spatica
inf., was einem Geburtsgebrechen gemäss Ziff. 390 GgV (Angeborene cerebrale
Lähmungen [spastisch, dyskinetisch, ataktisch]) entspreche (act. G 4.3/11). Gestützt
darauf sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 14. November 1972
sämtliche zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 390 GgV notwendigen
medizinischen Massnahmen zu (act. G 4.3/12).
A.c Nachdem der Versicherte die 1. bis 3. Primarklasse besuchen konnte, wechselte
er für die 4. Klasse in die Schule C._ (act. G 4.3/65). Ab der 5. Klasse besuchte er die
Schule D._. Gemäss Abklärungsbericht zur beruflichen Eingliederungsmöglichkeit
der IV-Stelle vom 3. Dezember 1987 hatten sich die seit Jahren therapierten
Bewegungsstörungen weitgehend zurückgebildet. Spitzfüsse würden einen
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schlenkernden Gang bewirken, die Störungen an den Händen seien jedoch diskret (act.
G 4.3/68, 80).
A.d Von 1988 bis 1990 absolvierte der Versicherte eine Lehre als Autoservicemann
(act. G 4.3/88) und von 1990 bis 1992 eine Zusatzlehre als Automonteur (act. G 4.3/87).
A.e Mit IV-Anmeldung vom 5. Februar 1992 beantragte der Versicherte die Zusprache
einer Rente bzw. Teilrente wegen spastischer CP Tetraplegie, einem beinbetonten
Kreuzphänomen sowie Spitzfuss mehr rechts (act. G 4.3/92). Die Regionalstelle für
berufliche Eingliederung Behinderter kam im Bericht vom 19. Februar 1993 zum
Schluss, dass der Versicherte als Automonteur in seiner Leistungsfähigkeit wesentlich
eingeschränkt sei. Der beträchtliche Teil der Berufsanforderungen an einen
Automonteur bestünde aus Schnelligkeit, körperlicher Beweglichkeit und Krafteinsatz,
was der Versicherte nur zum Teil mitbringe (act. G 4.3/100). Die IV-Stelle verfügte am
11. Juni 1993 gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 43% eine halbe Invalidenrente
(Härtefall) ab 1. September 1992 (act. G 4.3/105). Infolge einer Rentenrevision
reduzierte sie mit Verfügung vom 28. Oktober 1994 die halbe Rente auf eine
Viertelsrente, weil das Einkommen des Versicherten die massgebende
Einkommensgrenze übersteige und somit kein Härtefall mehr vorliege (act. G 4.3/112).
Am 2. November 1994 stellte der Versicherte ein Wiedererwägungsgesuch und
beantragte gleichzeitig die Ausrichtung einer halben Rente sowie die Übernahme der
Kosten für eine Umschulung, da ihm die Arbeitsstelle gekündigt worden sei (act.
G 4.3/113). Am 29. Januar 1995 berichtete der Versicherte, er habe am 12. Dezember
1994 eine neue Stelle in einer Fensterladenfabrik angetreten (act. G 4.3/117).
A.f Mit Verfügung vom 14. September 1995 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
berufliche Massnahmen für eine zweijährige Umschulung zum Autoersatzteilverkäufer
zu (act. G 4.3/124, 121). Am 15. September 1995 wurde die Aufhebung der Rente per
30. November 1995 verfügt (act. G 4.3/126).
A.g Im Schreiben vom 2. Juni 2005 hielt Dr. med. E._, Klinik M._, fest, der
Versicherte leide unter Beschwerden in den Beinen, welche sich infolge einer
spastischen Diplegie auf Grund einer cerebralen Parese perinatal bedingt ergäben. Er
arbeite zurzeit als Ersatzteilverkäufer in einem Job mit Wechselbelastung. Dennoch sei
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die Belastung zu gross und bedeute eine Überbelastung, weshalb ein Jobwechsel in
eine leichte und vorwiegend sitzende Tätigkeit notwendig sei (act. G 4.3/138). Am
21. Juni 2005 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle mit Antrag auf
Berufsberatung, Umschulung und Arbeitsvermittlung an (act. G 4.3/141).
A.h Im Arztbericht vom 27./28. September 2005 befand Dr. E._ den Versicherten
seit Beginn der aktuellen Tätigkeit als Ersatzteilverkäufer zu 100% arbeitsunfähig (act.
G 4.3/152). Vom 26. Juni 2006 bis 21. Juli 2006 fand eine berufliche Abklärung in der
Institution Appisberg statt. Im Schlussbericht vom 19. August 2006 wurde festgehalten,
dass der Versicherte die regulären Arbeitszeiten (07:30 bis 11:30 Uhr sowie 13:00 bis
16:30 Uhr, Freitagnachmittag frei) jederzeit habe einhalten können. Zusätzliche Pausen
seien nicht notwendig gewesen. Es sei deutlich geworden, dass rund zwei Drittel einer
Arbeit sitzend ausführbar sein sollten. Schulisch anspruchsvollere
Ausbildungsmassnahmen seien nicht zu empfehlen. Unter Berücksichtigung der
Abklärungsresultate könne bei Beachtung der aktuellen medizinischen Situation eine
uneingeschränkte Arbeits- und Leistungsfähigkeit bei behinderungsangepassten
Tätigkeiten attestiert werden (act. G 4.3/166). Die Berufsberaterin führte im
Schlussbericht vom 27. März 2007 aus, der Versicherte sei aktuell an einer Lehre als
Elektropraktiker interessiert, weshalb eine Schnupperlehre geplant sei. Die
Möglichkeiten der Berufsberatung seien erschöpft, weshalb die IBB-Abklärung
abgeschlossen werde (act. 4.3/174-2).
A.i Dr. med. F._, FMH für physikalische Medizin, Rehabilitation und
Rheumatologie, berichtete am 7. Mai 2007, es liege eine spastische Cerebralparese
nach Frühgeburt mit deutlich beinbetonter Tetraspastik und zunehmenden
Feinmotorikstörungen vor. Im Vergleich zum Status vom Januar 2005 scheine die
Spastizität insbesondere beim Gang tendenziell zuzunehmen. Manifest geworden sei -
auch im neurologischen Status - eine Spastizität der oberen Extremitäten,
insbesondere der Hände mit sogenanntem Clumsy-Movement (act. G 4.3/185).
A.j Am 6. September 2007 hielt der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. G._, FMH
für Innere Medizin, fest, der Versicherte ermüde unverändert rasch bei längerem
Stehen und habe Schmerzen in den Beinen. Es bestünden zunehmend koordinative
feinmotorische Störungen. Er sei subjektiv unterbeansprucht. Die bisherige Tätigkeit sei
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noch zumutbar, allerdings nicht optimal. Der Versicherte sollte geistig mehr gefordert
werden (act. G 4.3/183).
A.k Dr. med. H._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) befand die Beschwerden
mit Stellungnahme vom 30. November 2007 als nachvollziehbar. Der Versicherte sei als
Ersatzteilverkäufer zu 100% arbeitsunfähig. Leidensadaptiert sei er nahezu
uneingeschränkt leistungsfähig (überwiegend sitzend, körperlich leicht). Auf Grund der
Feinmotorikstörung der Hände sowie der raschen Ermüdbarkeit könne jedoch eine
20%ige Leistungsminderung bei erhöhtem betriebsunüblichem Pausenbedarf
zugestanden werden, womit der Versicherte zu 80% adaptiert arbeitsfähig sei (act.
G 4.3/186).
A.l Am 29. Mai 2008 wurde der Versicherte von der RAD-Ärztin Dr. med. I._,
Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, neurologisch untersucht. Im Bericht vom
12. Juni 2008 stellte Dr. I._ als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
infantile Cerebralparese mit leichtgradiger paraspastischer Gangstörung und
linksbetonter Fussfehlstellung (ICD-10 G80.1) fest und attestierte für leidensadaptierte
Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 80% bei 100%iger Präsenzzeit. Die
Leistungseinschränkung von 20% begründete sie ebenfalls mit einem erhöhten Bedarf
an Pausen und Positionswechseln (act. G 4.3/200).
A.m PD Dr. med. J._ und Dr. med. K._ der Interdisziplinären medizinischen
Dienste Muskelzentrum / ALS clinic des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG)
diagnostizierten im Bericht vom 17. Juli 2008 auf Grund einer am 16. Juli 2008
durchgeführten Untersuchung eine Bein- und linksbetonte Tetraspastik im Rahmen
einer infantilen Cerebralparese bei Status nach Früh- und Mangelgeburt, mit
muskulärer Ermüdbarkeit und "central fatigue" Syndrom sowie belastungsabhängigen
Myalgien. Es bestehe auch in sitzender Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit.
Therapeutisch seien eine perorale Medikation (Antispastika) und lokale Botox-
Injektionen zu empfehlen. Dies werde sich aber nicht zwingend und vor allem nicht
umgehend in eine erhöhte Arbeitsfähigkeit übersetzen lassen. Deshalb sei eine
Umschulung sowie eine halbe IV-Rente zu unterstützen (act. G 4.3/207). Mit Schreiben
vom 30. Oktober 2008 bestätigte Dr. K._ seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von
50% nochmals ausdrücklich (act. G 4.3/212).
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A.n Am 30. Oktober 2008 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, die Berufs- und
Eingliederungsmassnahmen würden abgeschlossen. Aktuell würde er keine beruflichen
Massnahmen, sondern die Rentenprüfung wünschen (act. G 4.3/211). Mit
Stellungnahme vom 14. November 2008 erklärte der Versicherte, dabei müsse es sich
um ein Missverständnis handeln. Er habe mit der IV-Berufsberaterin lediglich
abgemacht, dass prioritär die Rentenprüfung verfolgt werde und nach deren Abschluss
erneut berufliche Massnahmen geprüft würden. Auf Grund seiner gesundheitlichen
Einschränkungen könne er das bisher Gelernte nicht mehr marktkonform verwerten,
weshalb er alles Interesse an einer Umschulung habe, um auf dem Arbeitsmarkt so
weit möglich wieder bestehen zu können (act. G 4.3/214).
A.o Der RAD-Arzt Dr. med. L._ hielt am 17. Dezember 2008 fest, dass die in der
Neurologischen Klinik des KSSG durchgeführte Untersuchung vom 16. Juli 2008 keine
neuen Aspekte hinsichtlich des Gesundheitszustands des Versicherten aufzuzeigen
vermöge. Beim Bericht der Neurologen des KSSG handle es sich somit lediglich um
eine andere Einschätzung der im Wesentlichen gleichen medizinischen Sachlage. Am
RAD-Gutachten könne daher festgehalten werden (act. G 4.3/218).
A.p Mit Vorbescheid vom 12. Februar 2009 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, das Rentenbegehren gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 22% abzuweisen
(act. G 4.3/224).
A.q Am 13. März 2009 liess der Versicherte durch die procap Einwand erheben. Seine
Rechtsvertreterin führte zur Begründung aus, dass die Restarbeitsfähigkeit noch nicht
abschliessend geklärt sei. Für die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sei der
Versicherte auf berufliche Massnahmen der IV angewiesen (act. G 4.3/227). Am
14. April 2009 liess der Versicherte eine weitere Stellungnahme des Muskelzentrums
des KSSG vom 9. April 2009 einreichen, wonach er in einer adaptierten Tätigkeit
lediglich zu 50% arbeitsfähig sei (act. G 4.3/229). Am 4. Mai 2009 wurde ein Bericht
von Dr. E._ vom 17. April 2009 nachgereicht (act. G 4.3/230). Gemäss ihrer
Beurteilung bestand beim Versicherten eine Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von
50%. Schmerzen und eine erhöhte Ermüdbarkeit ständen im Vordergrund (act.
G 4.3/231). Der RAD-Arzt Dr. L._ befand dazu in seiner Stellungnahme vom 19. Mai
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2009, dass der Bericht keine grundsätzlich neuen Befunde oder Diagnosen enthalte
(act. G 4.3/232).
A.r Die IV-Stelle verfügte am 24. November 2009 im Sinn des Vorbescheids und wies
einen Rentenanspruch ab. Des Weiteren erwog sie, dass berufliche Massnahmen im
Umfang von 50% begonnen werden könnten. Ziel müsse es jedoch sein, dass diese
Massnahmen auf 80% gesteigert werden könnten (act. G 4.3/240).
B.
B.a Am 11. Januar 2010 liess der Versicherte durch Advokat lic. iur. Martin
Boltshauser, procap, Olten, Beschwerde erheben. Der Rechtsvertreter beantragte, die
Verfügung vom 24. November 2009 sei aufzuheben und die Angelegenheit sei zu
weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Zur Begründung verwies er insbesondere auf den Arztbericht
von Dr. F._ vom 7. Mai 2007, welcher eine Zunahme der Spastizität im Vergleich zum
Status vom Januar 2005 bestätigte und die Müdigkeit des Beschwerdeführers mit der
Spastizität erklärte. Insgesamt bestehe zudem eine grosse Diskrepanz zwischen den
Arbeitsfähigkeitseinschätzungen der Ärzte des KSSG, der Klinik M._ und des
Hausarztes einerseits und den Einschätzungen der RAD-Ärzte andererseits. Erstere
gingen von einer Arbeitsunfähigkeit von 50%, Letztere lediglich von einer solchen von
20% aus. Daher sei die Invaliditätsbemessung auf Grund einer klaren und alle
vorhandenen Arztberichte einschliessenden Arbeitsunfähigkeitseinschätzung
vorzunehmen (G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 30. März 2010 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde mit der Begründung, dass kein Anlass bestehe, von der
RAD-Beurteilung abzuweichen. Dies gehe auch aus den Stellungnahmen der RAD-
Ärzte Dr. L._ vom 22. März 2010 und Dr. I._ vom 18. März 2010 hervor (act. G 4,
G 4.1, G 4.2).
B.c Mit Replik vom 23. Juni 2010 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest.
Der Rechtsvertreter bemängelte, dass lediglich eine Stellungnahme beim RAD
eingeholt worden sei. Weder seien Rückfragen an die behandelnden Ärzte gestellt
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worden noch sei die RAD-Ärztin bei ihrer Beurteilung im Besitz der aktuellen
Unterlagen gewesen (act. G 10).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf das Einreichen einer Duplik (act. G 13).
B.e Am 10. Januar 2011 teilte die Beschwerdegegnerin unter Einreichung der
zugehörigen Akten mit, das Verfahren betreffend Durchführung beruflicher
Massnahmen sei abgeschlossen worden (act. G 14). Gemäss ihrer vorangegangenen
Mitteilung vom 23. Dezember 2010 hatte die berufliche Abklärung frühzeitig
abgebrochen und die Kostengutsprache per 17. November 2010 aufgehoben werden
müssen, nachdem die geforderte Mindestpräsenzzeit von anfänglich 50% auch bei
besten Bedingungen beispielsweise einem belastungsfreien Arbeitsweg nicht hatte
erreicht werden können. Es bleibe vorerst der rechtskräftige Gerichtsentscheid
betreffend Rente abzuwarten (act. G 14.1). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
hielt am 25. Februar 2011 fest, die Sistierung beruflicher Massnahmen sei momentan
sinnvoll. Sie sollte im Zusammenhang mit der definitiven Klärung der ärztlich
attestierten Arbeitsunfähigkeit nochmals neu geprüft werden (act. G 18).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung datiert vom
24. November 2009, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten
der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat.
Daher und auf Grund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über die
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noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals
geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-
Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
2.
2.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zu Recht abgelehnt hat.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.4 Gemäss Art. 16 ATSG setzt der Einkommensvergleich zur Ermittlung der für den
Rentenanspruch massgebenden Invalidität den Abschluss allfälliger
Eingliederungsmassnahmen bzw. die Feststellung voraus, dass keine Eingliederung
möglich ist. Diese Bedingung der Rentenzusprache wird als Grundsatz der
"Eingliederung vor Rente" bezeichnet (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl.
Zürich 2009, Rz 22 zu Art. 16, Rz 15 zu Art. 7). Es handelt sich hierbei um eine
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Komponente der allgemeinen Schadenminderungspflicht (vgl. Ueli Kieser, a.a.O.,
Vorbemerkungen Rz 47). Nach diesem Grundsatz soll keine Invalidenrente ausgerichtet
werden, bevor nicht alles Mögliche und Zumutbare versucht worden ist, um die
behinderungsbedingte Erwerbseinbusse zu beseitigen oder zumindest zu reduzieren.
Dies geschieht in der Regel mittels beruflicher Eingliederungsmassnahmen (vgl.
unveröffentlichtes Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
12. Dezember 2006, IV 2005/127, E. 3a).
2.5 Ist eine versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
zu durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen, entsteht ein
Rentenanspruch (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen geht in ständiger Praxis davon aus, dass ein (vorläufiger) Rentenanspruch
auch für jene Fälle besteht, in denen die Eingliederung bei Ablauf des sogenannten
Wartejahres noch nicht abgeschlossen ist bzw. in denen die Eingliederungsfähigkeit bei
Ablauf des Wartejahres noch nicht definitiv verneint werden kann (vgl. auf dem Internet
publizierte Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. Januar
2007, IV 2006/58, E. 1a mit Hinweisen auf die kantonale Rechtsprechung, vom 27. April
2011, IV 2010 186, E. 1.4). Auch die einen vorläufigen Rentenanspruch begründende
Invalidität ist durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dieser
Einkommensvergleich stützt sich aber - in Abweichung von Art. 16 ATSG - auf die
Arbeitsfähigkeit im bisherigen Beruf (Art. 6 Satz 1 ATSG), es sei denn, der versicherten
Person wäre zumutbar, durch die ohne jede Eingliederung mögliche Ausübung eines
anderen Berufes den Eintritt einer rentenbegründenden vorläufigen Invalidität zu
verhindern oder zumindest den Invaliditätsgrad zu reduzieren (Art. 6 Satz 2 ATSG).
2.6 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
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Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss kommt
einem Gutachten oder anderen medizinischen Beurteilungen schon dann kein voller
Beweiswert zu, wenn Indizien gegen deren Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht
feststehen, dass die medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen
entsprechen, was nicht mit medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden in der
Regel nicht beurteilen können (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG;
seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober
2002, I 779/01, E. 4.2).
3.
3.1 Vorab ist zu prüfen, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt. Die
Beschwerdegegnerin stützte sich für die Ermittlung des Invalideneinkommens auf den
Untersuchungsbericht der RAD-Ärztin Dr. I._ vom 12. Juni 2008. Dagegen bringt der
Beschwerdeführer vor, dass dieser Bericht lediglich vom RAD stamme und sich dessen
Beurteilung bezüglich der Höhe der Arbeitsfähigkeit beträchtlich von denjenigen der
Klinik M._, des KSSG sowie des Hausarztes unterscheide.
3.2 Gemäss Art. 59 Abs. 2 IVG stehen die regionalen ärztlichen Dienste den IV-
Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs
zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG
massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit des Versicherten fest, eine zumutbare
Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem
medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig. Nach Art. 49 IVV beurteilen die
bis
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regionalen ärztlichen Dienste die medizinischen Voraussetzungen des
Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer
medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des
Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die regionalen ärztlichen Dienste können bei Bedarf
selber ärztliche Untersuchungen von Versicherten durchführen, und sie halten die
Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2). Sinn und Zweck dieser im Rahmen
der 5. IV-Revision (Bundesgesetz vom 6. Oktober 2006; AS 2007 5129 ff.) neu
geschaffenen, seit 1. Januar 2008 in Kraft stehenden Bestimmungen liegen darin, dass
die IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Anspruchsvoraussetzungen auf eigene
Ärzte und Ärztinnen zurückgreifen können. Diese sollen auf Grund ihrer speziellen
versicherungsmedizinischen Kenntnisse für die Bestimmung der für die
Invalidenversicherung massgebenden funktionellen Leistungsfähigkeit der versicherten
Personen verantwortlich sein. Damit soll eine konsequente Trennung der
Zuständigkeiten zwischen behandelnden Ärzten (Heilbehandlung) und
Sozialversicherung (Bestimmung der Auswirkungen des Gesundheitsschadens)
geschaffen werden. Der RAD bezeichnet die zumutbaren Tätigkeiten und die
unzumutbaren Funktionen unter Angabe einer allfälligen medizinisch begründeten
zeitlichen Schonung. Damit soll im Hinblick auf eine erfolgreiche Eingliederung eine
objektivere Festlegung der massgebenden funktionellen Leistungsfähigkeit der
versicherten Personen ermöglicht werden. Gestützt auf die Angaben des RAD hat die
IV-Stelle zu beurteilen, was einer versicherten Person aus objektiver Sicht noch
zumutbar ist und was nicht. Das Bundesgericht hat bereits unter der bis 31. Dezember
2007 geltenden Rechtslage erkannt, dass Berichte regionaler ärztlicher Dienste
materiell Gutachtensqualität haben können (Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juli
2009, 9C_323/09, E. 4.2 und 4.3 mit Hinweisen).
3.3 Auf eine Stellungnahme des RAD kann allerdings nur abgestellt werden, wenn sie
den allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht genügt.
Sie muss insbesondere in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden sein
und in der Beschreibung der medizinischen Situation und Zusammenhänge
einleuchten; die Schlussfolgerungen sind zu begründen (BGE 125 V 351 E. 3a mit
Hinweisen). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind jedoch
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4).
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=9C_323%2F2009&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-351%3Ade&number_of_ranks=0#page351
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3.4 Vorliegend stützt sich der RAD-Bericht vom 12. Juni 2008 neben den Vorakten
auf eine knapp dreistündige Untersuchung durch Dr. I._ (act. G 4.3/200-6). Die
Anamnese ist umfassend. Zudem scheint die Beurteilung in Kenntnis sämtlicher
Vorakten ergangen zu sein, obgleich nicht alle Arztberichte namentlich aufgeführt
wurden, wie dies die Beschwerdegegnerin am 28. Juli 2008 bestätigt hat (vgl. act.
G 4.3/205). Dr. I._ kam in ihrem Bericht zum Schluss, dass die geklagte
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit durch die im Verlauf eines Arbeitstages
zunehmende schmerzhafte spastische Tonuserhöhung der Beinmuskulatur nach
längerer körperlicher Belastung aus neurologischer Sicht durchaus mit den aktuellen
Untersuchungsbefunden und der Grunderkrankung der infantilen cerebralen Parese
erklärt werden könne. Insofern benötige der Beschwerdeführer gesundheitsbedingt
einen adaptierten Arbeitsplatz. Jedoch könne eine Leistungsbeeinträchtigung durch
abnorme Ermüdbarkeit auf Grund der neurologischen Diagnose und Befunde nicht
schlüssig erklärt werden. Im Rahmen der Untersuchung habe sich herausgestellt, dass
der Beschwerdeführer auch ohne Arbeitstätigkeit eine Tagesstruktur mit wenig
Freizeitaktivitäten und einer ca. 10-stündigen nächtlichen Ruhephase gewohnt sei.
Auch werde deutlich, dass der Beschwerdeführer die zuletzt ausgeübte
Montagetätigkeit als eher monoton empfunden habe und seine nachlassende
Spannkraft bei dieser Arbeit als Müdigkeit/Erschöpfung erlebe. Als Tätigkeitsprofil gab
Dr. I._ körperlich leichte, vorwiegend sitzende Tätigkeiten mit der Möglichkeit von
Positionswechseln und vermehrten Pausen bei verstärkter Spastik an. Sie sollten keine
längeren Gehstrecken, kein Heben und Transportieren von sperrigen bzw. schwereren
Lasten, d.h. von solchen von mehr als 10kg, keine Arbeiten auf Leitern und Gerüsten,
keine hohen Anforderungen an feinmotorische Präzision (z.B. Uhrmacher, Optiker etc.)
und keine besonders anspruchsvollen kognitiven Anforderungen insbesondere an die
schriftsprachliche Ausdrucksfähigkeit beinhalten. Derart adaptiert betrage die
Arbeitsfähigkeit 80% bei einer 100%igen Präsenzzeit mit 20%iger
Leistungseinschränkung wegen erhöhtem Bedarf an Pausen und Positionswechseln
(act. G 4.3/200-7). Damit bleibt zu prüfen, ob die von der RAD-Ärztin attestierte
Arbeitsfähigkeit von 80% mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist und zu Recht Grundlage für die
Ermittlung des Invaliditätsgrads gebildet hat.
4.
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4.1 Hinsichtlich der geltend gemachten Ermüdbarkeit hatte Dr. F._ entgegen der
Beurteilung von Dr. I._ bereits im Bericht vom 7. Mai 2007 festgehalten, dass sich
diese durch die Spastizität erklären liesse, welche im Vergleich zum Status vom Januar
2005 tendenziell zuzunehmen scheine und ihrerseits zu zunehmenden Überlastungs-
tendopathien führe (act. G 4.3/185-2). Dies lässt sich auch mit dem Bericht von
Dr. E._ vom 25. Januar 2005 vereinbaren, welche schon damals das Problem der
muskulären Überlastung hervorhob, die eine Kombination von Spastizität und erhöhter
Muskelarbeit im Lichte der Spastizität, aber auch der Weichteilverkürzungen zeige (act.
G 4.3/198-2). Die Neurologen des KSSG, PD Dr. B._ und Dr. K._, stellten im
Bericht vom 17. Juli 2008 belastungsabhängige Myalgien fest. Die bein- und
linksbetonte Tetraspastik mit leichter distaler Parese der Beine mit paraspastischer
Gangstörung und einer durch die Spastik bedingten Fingerfeinmotorikstörung mit
beginnender Kontraktur im Sprunggelenk beidseits sei ätiologisch am ehesten auf eine
infantile Cerebralparese bei Früh- und Mangelgeburt zurückzuführen. Im Laufe der
Jahrzehnte sei es im Rahmen der Dekonditionierung und des Alterungsprozesses zu
einer stärkeren Ermüdbarkeit gekommen. Zusätzlich bestehe auch eine Komponente
von "central fatigue". Elektrodiagnostisch fänden sich objektivierbare Zeichen der
Spastik. Elektromyographisch fänden sich diskrete chronisch-neurogene
Veränderungen. Diese Befunde würden die Diagnose unterstützen. Gestützt darauf
befanden die Neurologen den Beschwerdeführer auch in sitzender Tätigkeit wie
beispielsweise bei der Arbeit in der Produktion von Kabelbäumen zu 50%
arbeitsunfähig (act. G 4.3/2072f.). Diese Einschätzung bekräftigte Dr. K._ mit
Schreiben vom 30. Oktober 2008 nochmals, nun auch in Kenntnis von der
abweichenden Beurteilung Dr. I._s (act. G 4.3/212).
4.2 Auch Dr. E._ schätzte die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit im Bericht
vom 17. April 2009 auf 50%. Im Vordergrund würden Schmerzen und eine erhöhte
Ermüdbarkeit stehen. Die Schmerzen seien klar belastungsabhängig und im Rahmen
der Spastik, des abnormen Bewegungs- und Belastungsmusters, skelettal leicht zu
erklären. Die Ermüdbarkeit bestehe aus zwei Komponenten. Durch die Spastizität in
den Extremitäten, die bestehenden Kontrakturen und das abnormale Bewegungs- und
Belastungsmuster sei der Energieverbrauch für den Beschwerdeführer im Alltag erhöht
und es bestehe eine wesentlich periphere Komponente der erhöhten Ermüdbarkeit.
Zudem bestehe - wie anamnestisch ersichtlich sei - schon seit dem Schulalter mit
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Sicherheit eine erhöhte zentrale Ermüdbarkeit. Erhöhte Ermüdbarkeit sei eines der
Kardinalsymptome vieler Schädigungen des Zentralnervensystems. Beim
Beschwerdeführer bestehe eine zentrale kognitive Ermüdbarkeit, die wiederum seine
Leistungsfähigkeit zeitlich limitiere. Ausserdem leide er mit einiger Wahrscheinlichkeit
auch an Störungen der Exekutivfunktionen. Im Schlussbericht BEFAS von 2006 werde
ihm bei "kopflastigen Aufgaben eine gewisse Umständlichkeit und Mühe mit flexiblen
Wechseln zwischen verschiedenen Tätigkeiten attestiert" sowie eine "Tendenz zur
Selbstüberschätzung". Schliesslich sei im Zusammenhang mit der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers bekannt, dass Personen mit einer Behinderung wie beispielsweise
einer Cerebralparese einen frühzeitigen Alterungs- und Abnutzungsprozess aufwiesen,
der ihre Leistungsfähigkeit verglichen mit einer nicht behinderten Bevölkerung
signifikant früher einschränke (act. G 4.3/231). Der RAD-Arzt Dr. L._ hielt bezüglich
der Beurteilung von Dr. E._ fest, dass der Bericht keine grundsätzlich neuen Befunde
oder Diagnosen enthalte. Wiederum handle es sich lediglich um eine identische, im
Vergleich zur RAD-Untersuchung vom 29. Mai 2008 unveränderte medizinische
Sachlage. Daher sei an der Stellungnahme des RAD vom 17. Dezember 2008
festzuhalten (act. G 4.3/232).
4.3 Während Dr. I._ somit keine somatische Erklärung für die geltend gemachte
starke Ermüdbarkeit des Beschwerdeführers fand (vgl. act. G 4.3/200-7) bzw. diese
einem seit jeher bestehenden Schlaf-Wach-Rhythmus mit einer zehnstündigen
Ruhephase und einem motivational begründeten Aspekt (gemäss seinen Aussagen
wolle der Beschwerdeführer "keine Dubeli-Arbeit" machen müssen) zuordnete (vgl.
Stellungnahme von Dr. I._ vom 18. März 2010, act. G 4.2; act. G 4.3/200-6),
begründeten die behandelnden Ärzte Dr. E._, PD Dr. B._ und Dr. K._ die
Ermüdbarkeit nachvollziehbar aus körperlicher Sicht. Obgleich die allgemeine Aussage
von Dr. E._, dass bei Menschen mit Cerebralparese (CP) mit zunehmendem Alter
eine erhöhte körperliche und zentrale Müdigkeit auftreten könne, noch nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auch eine solche beim Beschwerdeführer belegt,
zeigt sie doch eine wahrscheinliche Tendenz dazu an. Insofern sprechen auch die von
Dr. I._ ins Feld geführten jüngeren Untersuchungsergebnisse aus Norwegen, welche
eine mit zunehmendem Alter signifikant vermehrte körperliche, jedoch keine vermehrte
mentale Ermüdbarkeit bei Personen mit CP auswiesen, ebenfalls für eine erhöhte
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Wahrscheinlichkeit einer zumindest in körperlicher Hinsicht bestehenden erheblichen
Ermüdbarkeit.
4.4 In der Stellungnahme vom 18. März 2010 bemängelte Dr. I._, die KSSG-
Neurologen würden keine nähere Begründung für die Diagnose eines central fatigue
liefern. Tatsächlich ist für den medizinischen Laien nicht genau nachvollziehbar,
gestützt auf welche konkrete Untersuchung sich die Diagnose eines central fatigue
zeigte. Dennoch führten die beiden Neurologen insgesamt auf, dass die neurologischen
Untersuchungen (elektrodiagnostisch und elektromyographisch) ihre Diagnosen
abstützen würden, was Dr. I._ nicht mit konkreten Einwänden entkräften konnte (vgl.
Stellungnahme von Dr. I._ vom 18. März 2010, act. G 4.2).
4.5 Mit Blick darauf, dass sowohl die Beurteilungen von Dr. E._ als auch jene von
Dr. B._ und Dr. K._ begründet und nachvollziehbar erscheinen und deren
Einschätzungen hinsichtlich der Höhe der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im
Gegensatz zu derjenigen von Dr. I._ von 80% einheitlich 50% betragen, ist die
Beweiskraft der Beurteilung von Dr. I._ in Frage gestellt. Folglich können die Zweifel
an der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. I._ auch nicht einfach - wie RAD-Arzt Dr.
L._ geltend machte - mit der Begründung, bei den anderen Beurteilungen handle es
sich um eine "lediglich andere Einschätzung der im Wesentlichen gleichen
medizinischen Sachlage" aus der Welt geschafft werden. Vielmehr wäre zu erwarten
gewesen, dass die RAD-Ärzte ihre im Vergleich zu den behandelnden Neurologen
abweichende Beurteilung einlässlich begründen bzw. in kritischer Abwägung
diskutieren würden.
4.6 Insgesamt bestehen zwischen den verschiedenen neurologischen Beurteilungen
unüberbrückbare Gegensätze, so dass es für das Gericht nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit beurteilbar ist, welche Einschätzung der Invaliditätsbemessung zu
Grunde zu legen ist (vgl. Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
16. Mai 2007, IV 2006/91, E. 2c, und vom 14. April 2010, IV 2009/69, E. 2.5). Es
rechtfertigt sich daher, im Sinn des Antrags des Beschwerdeführers die Sache zur
Vornahme einer neurologischen Begutachtung durch eine noch nicht mit dem Fall
befasste Gutachtensstelle an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dem
Beschwerdeführer wurden in der angefochtenen Verfügung vom 24. November 2009
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bereits berufliche Masnahmen in Aussicht gestellt, welche mittlerweile jedoch wieder
abgebrochen werden mussten (vgl. IV-Mitteilung vom 23. Dezember 2010, act. G 14.1).
In der Folge wird die Beschwerdegegnerin, sobald die Höhe der Arbeitsfähigkeit
feststeht, erneut über den Rentenanspruch sowie über einen allfälligen Anspruch auf
berufliche Massnahmen zu befinden haben.
5.
5.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
24. November 2009 aufzuheben. Die Sache ist zur ergänzenden Abklärung und zu
neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss des Beschwerdeführers von Fr. 600.-- ist
ihm zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat auf die
Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der Bedeutung und dem Aufwand der
Streitsache angemessen erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht