Decision ID: c438a3ba-c829-405a-86a2-5100236d457a
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. A (nachfolgend die Pflichtige) ist spanische Staatsbürgerin und war ab ...
2013 bei der C AG, D, angestellt. Sie verfügt über keine fremdenpolizeiliche Niederlas-
sungsbewilligung. Für das Jahr 2014 nahm die Arbeitgeberin auf dem Bruttolohn von
Fr. 84'409.- einen Quellensteuerabzug von Fr. 7'076.90 vor (Tarif A0 mit Kirchensteuer
für Alleinstehende ohne Unterhaltsleistungen).
Mit Eingabe vom 18. März 2015 liess sie beim kantonalen Steueramt, Dienst-
abteilung Quellensteuer, einen Antrag stellen auf nachträgliche Tarifkorrektur. Darin
ersuchte sie um zusätzliche Berücksichtigung der Beiträge an die Säule 3a von
Fr. 6'739.- sowie von Weiterbildungs- und Umschulungskosten von Fr. 1'695.-.
Am 31. Juli 2017 gewährte das kantonale Steueramt eine Rückerstattung der
Quellensteuer von Fr. 160.65. Darin ging es von im Quellensteuertarif bereits pauschal
berücksichtigen Berufsauslagen von Fr. 8'441.- aus und stellte diese den effektiven
Berufsauslagen von Fr. 3'984.- gegenüber. Dadurch erhielt es einen Negativsaldo von
Fr. 4'457.-, welche es mit den Beiträgen an die Säule 3a verrechnete, sodass sich ein
zusätzlicher Abzug von netto Fr. 2'282.- ergab.
B. Hiergegen liess die Pflichtige am 29. August 2017 Einsprache erheben mit
dem Antrag, auf die Kürzung der Berufsauslagenpauschale sei zu verzichten.
Das kantonale Steueramt wies die Einsprache am 21. November 2017 ab. Es
sei Praxis, dass ein negativer Berufskostenüberhang zur Verrechnung gebracht werde,
wenn die steuerpflichtige Person eine Überprüfung der Berufskosten verlange, und
sofern mindestens in der Höhe des negativen Berufskostenüberhangs weitere Aufwen-
dungen steuermindernd zu gewähren seien.
C. Mit Rekurs vom 21. Dezember 2017 wiederholte die Pflichtige den Ein-
spracheantrag, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Sie machte geltend, die Ver-
rechnung mit dem negativen Berufskostenüberhang entspreche nicht den rechtlichen
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Grundlagen, zudem stelle das Vorgehen des kantonalen Steueramts eine unzulässige
Praxisänderung dar.
Ein mit Verfügung vom 8. Januar 2018 von der Pflichtigen verlangter Kosten-
vorschuss von Fr. 600.- wurde am 18. Januar 2018 geleistet.
Das kantonale Steueramt schloss am 2. Februar 2018 auf Abweisung des
Rechtsmittels.

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1. a) aa) Ausländische Arbeitnehmer, welche die fremdenpolizeiliche Nieder-
lassungsbewilligung nicht besitzen, in der Schweiz jedoch steuerrechtlichen Wohnsitz
oder Aufenthalt haben, werden für ihr Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätig-
keit einem Steuerabzug an der Quelle unterworfen (Art. 83 Abs. 1 Satz 1 des Bundes-
gesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990, DBG). Für das kan-
tonale Recht enthält § 87 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) eine
gleichlautende Bestimmung. Der Steuerabzug tritt – unter Vorbehalt der nachträglichen
Veranlagung bzw. Einschätzung – an die Stelle der im ordentlichen Verfahren vom
Erwerbseinkommen zu veranlagenden direkten Bundessteuer bzw. Staats- und Ge-
meindesteuern (Art. 87 DBG, § 91 StG).
Laut Art. 84 Abs. 1 DBG bzw. § 88 Abs. 1 StG wird die Quellensteuer von den
Bruttoeinkünften berechnet. Aus Praktikabilitätsüberlegungen werden keine Abzüge für
AHV/IV, ALV, UVG und BVG vorgenommen. Die Gewinnungskosten und andere Ab-
züge werden jedoch im Tarif berücksichtigt (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Hand-
kommentar zum DBG, 3. A., 2016, Art. 84 N 4 DBG, und Kommentar zum Zürcher
Steuergesetz, 3. A., 2013, § 88 N 5 StG). Damit wird dem in Art. 85 Abs. 1 DBG bzw.
§ 89 Abs. 1 StG verankerten Grundsatz Rechnung getragen, dass die Belastung eines
Ansässigen mit einer Quellensteuer, die entsprechend deren Ausgestaltung als echte
Quellensteuer grundsätzlich definitiver Natur ist, nicht wesentlich anders ausfallen darf,
als diejenige einer im ordentlichen Verfahren veranlagten steuerpflichtigen Person
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(Gleichbehandlungsgebot gemäss Art. 8 Abs. 1 und 127 Abs. 2 der Bundesverfassung
vom 18. April 1999, BV; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 86 N 10 DBG, § 90
N 1 StG).
Die erwähnten, im Tarif pauschal zu berücksichtigenden Abzüge sind in
Art. 86 Abs. 1 DBG und § 90 Abs. 1 StG aufgezählt. Demnach sind bei Festsetzung
der (Quellen-)Steuertarife Pauschalen für Berufskosten (Art. 26 DBG, § 26 StG) und
Versicherungsprämien (Art. 33 Abs. 1 lit. d, f und g DBG, § 31 Abs. 1 lit. d, f und g StG)
sowie Abzüge für Familienlasten (Art. 35 und 36 DBG, § 34 und 35 StG) zu berück-
sichtigen. Auch ist dem Abzug von Zweiverdienerehepaaren (Art. 33 Abs. 2 DBG, § 31
Abs. 2 StG) pauschal Rechnung zu tragen (Art. 86 Abs. 2 DBG, § 90 Abs. 2 StG).
Diese Vorgaben des Gesetzgebers hat die beauftragte Eidgenössische Steu-
erverwaltung bzw. die kantonale Finanzdirektion (vgl. Art. 85 Abs. 1 DBG, § 89 Abs. 1
StG) auf diese Weise umgesetzt, als sie vier Tarife vorsehen, und zwar für Alleinste-
hende (Tarif A), Verheiratete (Tarif B), verheiratete Zweiverdiener (Tarif C) und im Ne-
benerwerb Erwerbstätige (Tarif D). Die in den Tarifen eingebauten Abzüge können
grundsätzlich individuell nicht mehr berücksichtigt werden. Immerhin sind noch Tarif-
korrekturen möglich. Bei unüblich grossen Auslagen der steuerpflichtigen Person muss
daher allenfalls eine Speziallösung getroffen werden, so z.B. bei Einkäufen in die be-
rufliche Vorsorge (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 86 N 14 DBG, § 90 N 9 StG).
Alle anderen Abzüge sind jedoch zusätzlich abzugsfähig, da sie in den Tarifen
nicht enthalten sind. Es handelt sich dabei um Schuldzinsen, Alimente, Krankheits-,
Unfall- und Behindertenkosten sowie Zuwendungen oder Beiträge an die gebundene
Selbstvorsorge bzw. die Säule 3a. Diese können gestützt auf Art. 137 DBG bzw. § 144
StG geltend gemacht werden (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 86 N 15 DBG, § 90
N 10 StG).
bb) Das Vorgehen zur Geltendmachung solcher Tarifkorrekturen bzw. zusätz-
lichen Abzügen war mit Bezug auf die vorliegend streitige Steuerperiode 2014 in lit.
C.IV der Weisung der Finanzdirektion zur Durchführung der Quellensteuer für Arbeit-
nehmerinnen und Arbeitnehmer vom 27. Juni 2013 (ZStB Nr. 28/052, nachfolgend
Weisung, mittlerweile ersetzt durch Fassung vom 22. April 2016) geregelt. Gemäss
Rz. 54 der Weisung können quellensteuerpflichtige Arbeitnehmende mit steuerrechtli-
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chem Wohnsitz oder Aufenthalt im Kanton aus den erwähnten Gründen bis Ende März
des Folgejahres beim kantonalen Steueramt eine Neuveranlagung ihrer Quellensteuer
beantragen.
b) Die Pflichtige hat mit Antrag auf Neuveranlagung vom 18. März 2015 die
Berücksichtigung von zusätzlichen Weiterbildungskosten von Fr. 1'695.- verlangt, da-
bei aber übersehen, dass das Total ihrer effektiven Berufsauslagen samt den neu be-
antragten Weiterbildungskosten immer noch unter dem im Tarif pauschal berücksich-
tigten Berufsauslagen von Fr. 8'441.- liegt. In der Einsprache sowie im Rekurs hat sie
deshalb sinngemäss beantragt, auf die Aufrechnung der Differenz zu verzichten, d.h.
auf die Berufsauslagenpauschalen abzustellen.
Pauschalierungen dienen der administrativen Vereinfachung und sollen den
Aufwand für die Einschätzung der steuerpflichtigen Person in vertretbaren Rahmen
halten (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 26 N 110 StG). Die Regelung der Pauschalie-
rung der Berufsauslagen in der Quellensteuer findet ihre Entsprechung im Recht der
direkten Steuern. Gemäss Art. 26 Abs. 3 DBG bzw. § 26 Abs. 3 StG legt das Eidge-
nössische Finanzdepartement bzw. die kantonale Finanzdirektion mit Bezug auf Be-
rufsauslagen Pauschalansätze fest, und steht der steuerpflichtigen Person der Nach-
weis höherer Kosten offen. Die steuerpflichtige Person kann immer den
entsprechenden Pauschalabzug geltend machen, auch wenn sie keine oder nur gerin-
gere Auslagen gehabt hat (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 26 N 116 DBG bzw.
§ 26 N 114 StG). Die Wahl der Pauschale anstelle der effektiven Kosten begründet die
unwiderlegbare Vermutung, die Pauschale entspreche den in der Bemessungsperiode
tatsächlich entstandenen Kosten. Verfahrensrechtlich kann die steuerpflichtige Person
im Recht der direkten Steuern vor Eintritt der Rechtskraft – unter der Beachtung allfälli-
ger Fristvorschriften – ihren Anspruch auf Gewährung der Pauschale jederzeit geltend
machen. Hat sie z.B. in der Steuererklärung lediglich die tieferen effektiven Berufsaus-
lagen aufgeführt, ist es ihr unbenommen, noch im Einschätzungsverfahren vor Erlass
des Einschätzungsentscheids, mit der Einsprache oder dem Rekurs die Gewährung
der höheren Berufskostenpauschalen zu beantragen.
Es besteht keine Veranlassung, im Quellensteuerverfahren anders zu ent-
scheiden. Vielmehr gilt hier der Grundsatz, dass mit der Pauschalierung verfahrens-
rechtliche Vereinfachungen angestrebt werden, sogar noch verstärkt. Es ist deshalb
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nicht einzusehen, weshalb die Pflichtige nicht mehr die volle Berufskostenpauschale
sollte verlangen dürfen, nachdem sie im Antrag auf Neuveranlagung irrtümlich der Auf-
fassung war, die Wahl der effektiven Abzüge fallen zu ihren Gunsten aus. Dieser
Schluss wird dadurch untermauert, dass dann, wenn die Pflichtige im Antrag auf Neu-
veranlagung nur die Berücksichtigung der Beiträge an die Säule 3a verlangt hätte, die
Vorinstanz wohl kaum die effektiven Berufsauslagen einer Überprüfung unterzogen
hätte zwecks Eruierung von Verrechnungspotential. Dem Gericht ist auch keine steu-
eramtliche Praxis bekannt, gemäss welcher die Stellung eines Antrags auf Nachveran-
lagung jeweils zum Anlass genommen würde, um eine umfassende Überprüfung sämt-
licher pauschalierter Abzüge vorzunehmen. Die im vorliegenden Fall angewandte
Praxis der Vorinstanz führt zu einer rechtsungleichen Behandlung von steuerpflichtigen
Personen in den gleichen finanziellen Verhältnissen, ohne dass hierfür ein Grund er-
sichtlich wäre. Auf die Kürzung des Abzugs Säule 3a wegen des "negativen Berufskos-
tenüberhangs" von Fr. 4'457.- ist deshalb zu verzichten.
c) Dies führt zu folgender Korrektur (Tarif A0 mit Kirchensteuer):
...
Bezahlt wurden Quellensteuern von Fr. 7'076.90, sodass sich eine Gutschrift
zugunsten der Pflichtigen von Fr. 825.- ergibt.
2. Gestützt auf diese Erwägungen ist der Rekurs gutzuheissen. Ausgangsge-
mäss sind die Kosten des Verfahrens dem Rekursgegner aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1
StG). Der Pflichtigen ist aufgrund ihres Obsiegens eine Parteientschädigung zuzuspre-
chen (§ 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom
24. Mai 1959, VRG).