Decision ID: 84e8e5e2-4870-45e8-b304-59e4d94aadd5
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y., hat seit vielen Jahren Anstände mit der Nutztierhaltung. Mit Rekursentscheid
vom 22. Juni 2001 wurde ihm für 18 Monate die Haltung von Tieren der Rindergattung
verboten. Am 11. März 2002 wurde er vom Untersuchungsamt Altstätten wegen
mehrfacher Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz und mehrfacher
Körperverletzung mit zwei Wochen Gefängnis und Fr. 800.-- Busse bestraft. In der
Folge wurden Verstösse gegen das Verbot der Haltung von Rindvieh festgestellt. Bei
einer Kontrolle am 11. März 2003 wurden Mängel bei der Tierhaltung festgestellt,
ebenso bei Kontrollen am 20. Februar 2004 sowie am 15. und am 28. November 2005.
Bei einer Kontrolle am 7. April 2006 wurden keine gravierenden Verstösse festgestellt;
lediglich ein Verstoss gegen das Anbindeverbot für Kälber unter vier Monaten. X.Y.
wurde darauf hingewiesen, dass ein Tierhalteverbot geprüft werden müsste, wenn bei
weiteren Kontrollen Mängel festgestellt würden.
Bei einer Kontrolle am 14. November 2007 wurden wiederum Verstösse gegen die
Tierschutzgesetzgebung festgestellt. Das Veterinäramt ordnete hierauf mit Verfügung
vom 11. Dezember 2007 verschiedene Massnahmen an. Das kantonale
Untersuchungsamt büsste X.Y. am 14. Februar 2008 wegen mehrfacher Übertretung
des Tierschutzgesetzes und des Tierseuchengesetzes mit Fr. 1'200.--.
Am 14. November 2008 führte der Veterinärdienst des Amtes für Gesundheits- und
Verbraucherschutz eine weitere Kontrolle auf dem Hof von X.Y. durch. Dabei wurden
Mängel im Bereich der Tierhaltung sowie Widerhandlungen gegen die Verfügung vom
11. Dezember 2007 festgestellt. Am 4. Februar 2009 führte der Veterinärdienst eine
unangemeldete Nachkontrolle durch. Dabei verweigerte X.Y. zunächst den Beamten
den Zutritt zu den Stallungen und drohte ihnen. Sie stellten die wiederholte Haltung
eines einzelnen Pferdes in einem Stall mit zu geringer Deckenhöhe, die wiederholte
Haltung von Kühen bei ungenügender Standplatzbreite und fehlende Ohrmarken bei
einer Kuh fest.
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Mit Verfügung vom 20. März 2009 sprach der Veterinärdienst des Amtes für
Gesundheits- und Verbraucherschutz gegen X.Y. ein Tierhalteverbot ab 1. Juni 2009
auf unbestimmte Zeit aus. Ausgenommen war die Haltung eines Hundes.
B./ Mit Eingabe vom 31. März 2009 erhob X.Y. gegen das Tierhalteverbot Rekurs, der
vom Gesundheitsdepartement mit Entscheid vom 17. Juni 2009 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe vom 25. Juni 2009 erhob X.Y. Beschwerde beim Verwaltungsgericht.
Er beantragte, sein Begehren sei zu schützen und der Entscheid des
Gesundheitsdepartements vom 17. Juni 2009 aufzuheben. Zur Begründung bringt er
vor, seine Tierhaltung sei nicht schlechter als diejenige der anderen Bauern. Dies
bezeugten viele Leute. Für ihn sei ein Tier immer noch ein Tier, das ihn kenne. Er habe
sehr guten Kontakt zu ihnen. Sein Land müsse genutzt und gepflegt werden, und dies
gehe nur mit Tieren.
Nachdem der Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses von
Fr. 2'000.-- aufgefordert worden war, ersuchte er um Befreiung von der
Kostenvorschusspflicht. In der Folge wurde seinem Gesuch entsprechend auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet.
Das Gesundheitsdepartement teilt in seiner Vernehmlassung mit, dass es am
angefochtenen Entscheid festhalte und im übrigen auf die Einreichung einer
Vernehmlassung verzichte.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Aufgrund
der Akten ist nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer derzeit bevormundet ist,
nachdem die Amtsvormundschaft Werdenberg mit Schreiben vom 13. Dezember 2006
die Aufhebung der Vormundschaft mitgeteilt hat. Er ist daher legitimiert, den
Rekursentscheid mit Beschwerde anzufechten (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 25. Juni 2009 wurde rechtzeitig eingereicht
und erfüllt die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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2. Zweck des Tierschutzgesetzes (SR 455, abgekürzt TSchG) ist der Schutz der Würde
und des Wohlergehens des Tieres (Art. 1 TSchG). Gemäss Art. 4 Abs. 1 TSchG hat, wer
mit Tieren umgeht, ihren Bedürfnissen in bestmöglicher Weise Rechnung zu tragen (lit.
a) und, soweit es der Verwendungszweck zulässt, für ihr Wohlergehen zu sorgen (lit. b).
Niemand darf einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen,
es in Angst versetzen oder in anderer Weise seine Würde missachten. Das
Misshandeln, Vernachlässigen oder unnötige Überanstrengen von Tieren ist verboten
(Art. 4 Abs. 2 TSchG). Wer Tiere hält oder betreut, muss sie angemessen nähren,
pflegen, ihnen die für ihr Wohlergehen notwendige Beschäftigung und
Bewegungsfreiheit sowie, soweit nötig, Unterkunft gewähren (Art. 6 Abs. 1 TSchG).
Gemäss Art. 59 Abs. 1 der Tierschutzverordnung (SR 455.1, abgekürzt TSchV) dürfen
Pferde nicht angebunden gehalten werden. Stallungen müssen gewissen
Mindestanforderungen genügen (Art. 10 Abs. 1 TSchV).
2.1. Die zuständige Behörde kann nach Art. 23 Abs. 1 TSchG denjenigen Personen das
Halten oder die Zucht von Tieren, den Handel oder die berufsmässige Beschäftigung
mit Tieren auf bestimmte oder unbestimmte Zeit verbieten, die wegen wiederholter
oder schwerer Zuwiderhandlung gegen Vorschriften des Tierschutzgesetzes und seiner
Ausführungserlasse oder gegen Verfügungen bestraft worden (lit. a) oder die aus
anderen Gründen unfähig sind, Tiere zu halten oder zu züchten (lit. b). Ein solches von
einem Kanton erlassenes Verbot ist in der ganzen Schweiz gültig (Art. 23 Abs. 2
TSchG).
2.2. Gemäss Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV) muss
staatliches Handeln unter anderem verhältnismässig sein. Der angestrebte Zweck
muss in einem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen stehen, die den Privaten
auferlegt werden (BGE 130 I 19; 130 II 438; 126 I 119). Die Massnahme muss sich zur
Erreichung des im öffentlichen Interesse angestrebten Ziels eignen. Im Hinblick auf das
im öffentlichen Interesse angestrebte Ziel muss die Verwaltungsmassnahme
erforderlich sein und hat zu unterbleiben, wenn eine gleich geeignete, aber mildere
Massnahme für den angestrebten Erfolg ausreichen würde. Schliesslich ist sie nur
gerechtfertigt, wenn sie ein vernünftiges Verhältnis zwischen dem angestrebten Ziel
und dem Eingriff, den sie für den betroffenen Privaten bewirkt, wahrt. Es ist deshalb
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eine Abwägung des öffentlichen Interesses an der Massnahme und der durch den
Eingriff beeinträchtigten privaten Interessen der Betroffenen vorzunehmen (vgl. statt
vieler BGE 130 I 154; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2006, Rz. 581 ff.).
2.3. In der Verfügung des Veterinärdienstes des Amtes für Gesundheits- und
Verbraucherschutz vom 20. März 2009 sowie im angefochtenen Rekursentscheid vom
17. Juni 2009 werden die dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Verstösse detailliert
aufgeführt. Der Beschwerdeführer widersetzte sich am 4. Februar 2009 der Kontrolle
und liess die Kontrolleure nicht in die Stallungen eintreten. Er eilte in den Stall, liess
sein Pferd ins Freie und verschloss danach den Stall wieder. In der Folge bedrohte er
die Kontrolleure mit einer Eisenstange. Anschliessend öffnete er die Ställe doch.
Aufgrund der örtlichen Verhältnisse mussten die Kontrolleure davon ausgehen, dass
das Pferd im Stall angebunden war. Die Deckenhöhe betrug lediglich rund 193 cm.
Auch wurde in der Verfügung konkret begründet, inwiefern die fünf Kühe auf einem zu
schmalen Läger gehalten wurden. An der breitesten Stelle wurden 513,7 cm gemessen,
während ein Läger für fünf Kühe mit einer Widerristhöhe von 135 cm (+/- 5 cm) eine
Breite von mindestens 550 cm aufweisen müsste (Anhang 1 TSchV). Weiter wurden
fehlende Ohrmarken bei einer Kuh sowie die wiederholte Überbelegung des
Ziegenstalls beanstandet. Der Veterinärdienst führte in der angefochtenen Verfügung
die massgebenden Vorschriften detailliert und im Wortlaut auf und begründete die dem
Beschwerdeführer vorgehaltenen Verstösse ausführlich und verständlich. Er legte im
einzelnen dar, in welchen Punkten die Haltung der Tiere gegen Vorschriften des
Tierschutzgesetzes und der Ausführungsverordnung verstiess. Auch im
Rekursentscheid wurde das gegen den Beschwerdeführer ausgesprochene
Tierhalteverbot detailliert begründet. Die Vorinstanz hielt fest, der Beschwerdeführer
habe wiederholt gegen Vorschriften des Tierschutzgesetzes, insbesondere gegen
Vorschriften bezüglich der Stallgrösse verstossen. Auch wurde festgestellt, dass der
Beschwerdeführer mehrfach auf die regelwidrige Tierhaltung hingewiesen wurde und
ihm über mehrere Jahre hinweg genügend Möglichkeiten für die Anpassung seiner
Tierhaltung geboten wurden.
Die Verstösse gegen Vorschriften des Tierschutzgesetzes sind aufgrund der Akten
ausgewiesen. Der Beschwerdeführer bestreitet denn auch im Grundsatz gar nicht, dass
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seine Tierhaltung in verschiedener Hinsicht gegen die Tierschutzgesetzgebung
verstiess. Sein Einwand, seine Tierhaltung sei nicht schlechter als diejenige der
anderen Bauern, ist unbegründet und geht im übrigen an der Sache vorbei.
Insbesondere nennt er keinen konkreten Fall bzw. keine konkrete Tierhaltung, bei der
ähnliche Verstösse festgestellt wurden. Auch behauptet er lediglich, zahlreiche
Personen würden seine Darlegung bezeugen, er unterlässt es aber, solche Personen zu
nennen. Zudem wären Verstösse anderer Tierhalter kein Freipass für den
Beschwerdeführer. Vielmehr hätte der Veterinärdienst bei Bekanntwerden solcher
Verstösse einzuschreiten. Ungeachtet der guten Absichten und seiner subjektiv guten
Kontakte mit den Tieren muss sich der Beschwerdeführer vorwerfen lassen, während
Jahren wiederholt gegen Bestimmungen des Tierschutzgesetzes verstossen und sich
nachgerade uneinsichtig gezeigt zu haben. Die bisher ausgesprochenen
Bussenverfügungen und Sanktionen, die zahlreichen Ermahnungen, Hinweise und
Aufforderungen konnten den Beschwerdeführer nicht zu einem gesetzeskonformen
Verhalten bewegen. Ebenso verstiess er gegen befristete Tierhalteverbote. Aufgrund
seines bisherigen Verhaltens muss der Beschwerdeführer als unverbesserlich
bezeichnet werden. Das generelle Tierhalteverbot auf unbestimmte Zeit erweist sich
daher als rechtmässig und verhältnismässig. Folglich ist die Beschwerde als
unbegründet abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Da der Beschwerdeführer offenbar Ergänzungsleistungsbezüger ist, wird
auf die Erhebung der Kosten verzichtet (Art. 97 VRP).
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht