Decision ID: bec3ad29-245d-4d77-9981-644a96fbf715
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962, ist gelernter Kaufmann und war
von 2000 bis 2011 bei der
Z._
GmbH (
Urk.
6/7)
- in welcher er laut Handelsregister über 19
Stammanteile (von 20) verfügt und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift ist (
Urk.
9) -
und
seit
1.
Januar 2012
in einem Pensum von 80
%
bei der
A._
AG als Programmierer tätig (
Urk.
6/10/1-6
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.7,
Ziff.
2.9,
Ziff.
5). Am 2
9.
Februar 2016 meldete er sich aufgrund von Depression und Panikattacken bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/2).
Das Anstellungsverhältnis wurde per 3
0.
September 2016 aufgelöst (
Urk.
6/13).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und veranlasste ein psychiatrisches/neuropsychologisches Gutachten, welches am 3.
März 2017 erstattet wurde (
Urk.
6/32).
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
ver
fahren
(
Urk.
6/39-40;
Urk.
6/43) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
6.
Februar 20
1
8 einen Leistungsanspruch des Versicherten (
Urk.
6/47 =
Urk.
2).
2.
Am
9.
April 2018 erhob der Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
6.
Februar 2018 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung. Weiter sei für die Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit auf das
bidisziplinäre
Gutachten vom
3.
März 2017 abzustellen, eventuell seien weitere Abklärungen vorzu
nehmen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
Mai 2018 (
Urk.
5) bean
tragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2
8.
Mai 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
t
oren, die es
-
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar
2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Jan
uar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betreffend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem Verfahrens
standard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6
am Anfang
). In sinngemässer Anwendung der nunmehr mate
riell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beigezogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverstän
di
gengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren er
lau
ben oder nicht (BGE 141 V 281 E. 8).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2
017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.
5
Hin
sichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt:
Die vorgebrachten Beschwerden begründeten keine erhebliche und lang
dauernde gesundheitliche Beeinträchtigung. Die bekannten Diagnosen schränk
ten die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht
höhergradig
und andauernd ein. Für die aktuelle gesundheitliche Situation sei vor allem der berufliche Stress verantwortlich. Unter Weiterführung der Therapie könne der Gesundheitszustand stabilisiert werden; es liege ein gut behandelbarer Befund vor. Gemäss dem Gut
achten habe bereits eine Besserung festgestellt werden können. Der Beschwerde
führer verbringe viel Zeit in seinem Ferienhaus und beschäftige sich handwerk
lich. Es sei ihm zumutbar, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (S. 1).
Es bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Mittels optimaler Therapie und medika
mentöser Behandlung sei eine deutliche Ver
besserung der Arbeitsfähigkeit mög
lich. Eine gesundheitliche Beeinträchti
gung werde erst berücksichtigt, wenn bei guter Therapierbarkeit dennoch funk
tionelle Einschränkungen vorliegen und diese sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würden (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich auf den Standpunkt
,
es sei auf das
bidisziplinäre
Gutachten abzustellen. Er sei demnach in der angestammten Tätigkeit zu 50
%
und in einer angepassten Tätigkeit ab April 2016 zu 60
%
arbeitsfähig.
Er sei seit 2015 aus
gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeitstätig, weshalb offenkundig sei, dass sein Gesundheitszustand nicht mehr mit seinem Arbeitsplatz in Zusam
menhang stehe. Er unterziehe sich seit Jahren einer konsequenten, von den Gut
achten als lege
artis
erfolgend
bezeichneten Therapie, weshalb nicht mehr von einer wesentlichen Besserung ausgegangen werden könne. Seine verbleibenden Aktivitäten könnten nicht mit der Arbeitstätigkeit verglichen werden.
Es habe trotz adäquater Therapie seit 2016 keine Verbesserung erreicht werden können
(S. 3 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen sind die Arbeitsfähigkeit und der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Vom 2
6.
August bis
1.
Oktober 2015 hielt sich der Beschwerdeführer stationär im Sanatorium
B._
, Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, auf. Mit Austrittsbericht vom 2
0.
Oktober 2015 (
Urk.
6/18
=
Urk.
6/24/19-23
) wurde als Hauptdiagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), sowie als Nebendiagnose eine Agoraphobie mit Panik
störung (ICD-10 F40.01) genannt (S. 1). Der Beschwerdeführer berichte, dass der Arbeitsbereich für ihn den Hauptbelastungsfaktor darstelle. Deshalb plane er, sich 2020 mit 58 Jahren frühpensionieren zu lassen (S. 1 unten).
Er trinke pro Wochenendtag eine Flasche Wein und nehme seit zwei Jahren zweimal täglich 0.5 g
Temesta
ein (S. 2 Mitte). Diesbezüglich sei eine
Abdosierung
im stationären Rahmen vereinbart worden (S. 3 Mitte). Es sei eine deutliche Besserung und Sta
bilisierung des Affekts zu beobachten gewesen (S. 5 oben).
3.2
Mit einem weiteren Bericht vom 2
0.
Oktober 2016 (
Urk.
6/24/1-7) stellten die Ärztinnen des Sanatoriums
B._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0)
-
bei einer persistierenden Störung (gemäss DSM V: Double Depression):
Dysthymie
(ICD-10 F34.0)
-
Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität (ICD-10 F98.8)
-
leichte neuropsychologische Teilleistungsschwächen
(
ICD-10 F07.8
)
-
Agoraphobie mit Panikstörungen (ICD-10 F40.01)
Als Diagnosen ohne
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
nannten sie
(Ziff.
1.1):
-
Status nach
lowdose
Benzodiazepinabhängigkeit
(ICD-10 F13.2)
-
Status nach schädlichem Cannabis- und LSD-Gebrauch vom 1
6.
bis 20.
Lebensjahr (ICD-10 F18.1)
-
Gonarthrose beidseits
Aktuell zeige der Patient eine psychische Stabilisierung mit deutlicher Reduktion der inneren Unruhe und Reduktion der Panikattacken. Im Affekt zeige sich der Patient gehäuft
euthym
, phasenweise leichtgradig herabgestimmt. Der Schlaf habe sich weitgehend normalisiert, ein Morgentief werde noch beobachtet, ebenso eine schnelle Überforderung unter grossen Menschenansammlungen mit schneller Reizüberflutung, reduzierter Filterfunktion und wiederaufkommenden Insuffizienzgefühlen. Diese Symptome seien einerseits durch das depressive Zustandsbild erklärbar, andererseits durch die neuropsychologische
n
Teil
leistungs
schwächen und die ADHS-Diagnose bedingt, welche als eine Hirn
funktionsstörung eingestuft werden könnten (S. 3).
Diese unterhielten und ver
schlimmerten vor allem unter erhöhter Belastungssituation die chronische Depressivität mit Antriebshemmung, Insuffizienzgefühlen, eingeengter Sicht
weise und Konzentrationsbeeinträchtigung
(S. 4)
.
Die aktuelle ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung erfolge in zwei- bis drei
wö
chentli
chen Abständen (
Ziff.
1.5).
Als Informatiker sei der Beschwerdeführer vom
8.
Juli 2015 bis 3
1.
März 2016 zu 100
%
arbeitsunfähig. Seit
1.
April 2016 bestehe eine 50%ige angepasste arbeits
platzorientierte Fähigkeit (
Ziff.
1.6).
Er brauche einen angepassten Arbeitsplatz mit Reduktion der Reizüberflutung. Ein Grossraumbüro sollte vermieden werden. Weiter seien vermehrte Pausen einzubauen sowie Routine in den einfachen, klar strukturierten Arbeitsabläufen, wobei die Arbeit durchaus komplex sein könne (S.
5 Mitte).
Der Beschwerdeführer sei bis anhin durch die jahrelange Arbeit in einem Gross
raumbüro mit Reizüberflutung und mehrheitlich mündlich übermittelten Arbeits
anleitungen und Aufträgen jahrzehntelang überfordert und mehreren Stressfak
toren ausgesetzt gewesen. Dies habe zu massiven Insuffizienzgefühlen aufgrund von Misserfolg geführt, welche die rezidivierende depressive Störung als auch die chronische Depression neben der Angsterkrankung
aufrecht erhalten
hätten. Bis anhin habe der Beschwerdeführer keine korrigierende Erfahrung in der Berufswelt in seiner angestammten Tätigkeit machen können, so dass grosse Ängste, erneut unter der
Arbeit zu
dekompensieren
, vorhanden seien. Daher sei ein langsames Heranführen an eine arbeitsplatzangepasste Tätigkeit Voraussetzung für das Gelingen einer erfolgreichen Integration
. Der Beschwerdeführer nehme aktuell Hauswartfunktionen bei seiner Familie und in seiner Wohnumgebung wahr, wel
che ihn in seinen handwerklichen Fähigkeiten bestätigten und durch seine
Teil
leistungs
- und Aufmerksamkeitsstörungen nicht beeinträchtigt würden
(
Ziff.
1.11).
3.3
3.3.1
Dr.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr.
D._
, Neuropsychologin,
erstatteten am
3.
März 2017 ein psychiatrisch-neuropsychologisches Gutachten im Auftrag der Beschwer
de
gegnerin
(
Urk.
6/32)
. Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 5 f.
, S. 26 f.
)
,
die Angaben des Beschwerdeführers (S. 14 ff., S. 27 ff.) und die von ihnen am 1
7.
Januar (S. 4) und
9.
Februar (S. 32 Mitte) 2017 durch
geführten
Untersuchungen
Sie nannten f
olgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 39):
-
leichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörung vor allem im Bereich der mnestischen Funktionen
-
rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig leichtgradig (ICD-10 F33.0)
-
hirnorganisches Psychosyndrom (ICD-10 F07.8)
-
Agoraphobie (
ICD-10 F40.01) mit Panikstörung
3.3.2
Das psychiatrische Teilgutachten ist wie folgt gegliedert (S. 1 f.):
I.
Gesundheitsschaden
II.
soziale
r
Kontext
III.
Diagnosen
IV.
Behandlung und Eingliederung
V.
Konsistenz
VI.
Arbeitsfähigkeit
Im Kapitel I (Gesundheitsschaden) wurde unter dem Titel «Ausführliche Dis
kussion des aktuellen Persönlichkeitsbildes und der biografischen Persönlich
keitsentwicklung» ausgeführt: «Es finden sich erhebliche Defizite in der Persön
lichkeitsentwicklung bereits seit frühester Kindheit. Es finden sich auch hier bereits Anzeichen eines sogenannten hirnorganischen Syndroms, die früh mit Antriebsschwäche,
Selbstmedikation und Hinweisen auf psychiatrische Defizite eine defizitäre Persönlichkeitsentwicklung
aufzeigen.»
(S. 12
Ziff.
7).
Im gleichen Kapitel wurde unter dem Titel «Detaillierte Aussagen betreffend Beeinträchtigung und vorhandener persönlicher Ressourcen» ausgeführt: «Der Versicherte hat sich als Ressourcen eine regelmässige medikamentöse Einnahme, therapeutische Hilfe, strukturierende Hilfe und eine langfristige Partnerschaft aufgebaut. Es finden sich erhebliche persönliche
Ressourcen.»
(S. 12
Ziff.
8).
3.3.
3
Im Kapitel II (sozialer Kontext) wurden unter anderem
die folgenden
berufs
anam
nestischen
Angaben des Beschwerdeführers berichtet:
Der Beschwerde
führer habe eine Lehre als kaufmännischer Angestellter absolviert. Von 2013
2016 sei er bei einer Grossbank als Senior Software-Ingenieur angestellt gewesen. Diese Funk
tion habe er insgesamt teilweise als freier Mitarbeiter, teilweise in angestellter Position seit 2002 innegehabt. 1999-2002 habe er einen Werkvertrag gehabt. Zwischen 1988 und 1997 habe er einerseits in der Computer
branche, aber andererseits auch im Weinhandel und in verschiedenen Ange
stellten
stellen gear
beitet. Er habe immer
grossteils
selbstbestimmt gearbeitet, dies zwischen 50 und 80
%
. Eine 100%-Stelle sei ihm nicht möglich. Im Jahr 2015 habe man ihn zu einer Stelle mit mehr als 100
%
gezwungen. Er sei deswegen auch
dekompensiert
(S. 14
Ziff.
1.2).
Im neuropsychologischen Gutachten wurde zum gleiche
n
Thema ausgeführt, der Beschwerdeführer
habe nach Lehrabschluss als kaufmännischer Angestellter bis 1988 in seiner Lehrfirma und diversen anderen Firmen gearbeitet, unter anderem in der
E._
, wo er 1988-1989 eine betriebsinterne Ausbildung zum Programmierer absolviert habe und dann als Programmierer tätig gewesen sei. Sein Arbeitspensum habe bis dahin stets 100
%
betragen. 1994 habe er das Metier gewechselt und als Angestellter im Weinhandel gearbeitet, dies mit einem 60%igen Pensum, habe jedoch 1997 zurück zur
E._
gewechselt, wo er mit 80%igem Pensum wieder als Programmierer tätig gewesen sei. Von 1999 bis 2011 habe er selbständig als Programmierer/Freelancer mit 80%igem Pensum gearbeitet, jedoch mit vielen Pausen und Unterbrüchen, beispielsweise habe er 2004 nicht gearbeitet. Auch damals, obschon er die Situation als Freelancer mit Home-Office-Arbeit als weniger stressig erlebt habe, habe er sich
manchmal überfordert gefühlt und sich mit Beruhigungsmitteln (
Lexota
n
il
/
I
mowane
) zu
sedieren versucht
(S. 28 Mitte)
.
2012 habe er eine 80%-Stelle als Software-Engineer in einem Grossraumbüro der
A._
(vormals
E._
) angenommen. Aufgrund der stressigen Situation in einem Grossraumbüro habe er sich vermehrt mit Beruhigungsmitteln und auch
Antidepressiva beholfen. Mit betrieblichen Umstrukturierungsmassnahmen 2014 nebst der Kündigung vieler Mitarbeiter habe sich der Stress an seinem Arbeitsplatz nochmals deutlich erhöht und er habe viel Überzeit leisten müssen. Er habe sich wie ausgebrannt gefühlt, es habe mehr Probleme am Arbeitsplatz und auch mehr Kritik an seinen Projekten gegeben. Im Sommer 2015 habe er
dekompensiert
und es sei zur
Hospitalisation
im Sanatorium
B._
vom 2
6.
August bis
1.
Oktober 2015 (vgl. vorstehend E.
3.1) gekommen. Auf Ende September 2016 sei ihm die Stelle gekündigt worden (S. 28 unten).
Unter dem Titel «Unfälle, insbesondere Schädel-Hirn-Trauma» wurde im psychiatri
schen Teilgutachten ausgeführt, es habe in seiner Kindheit einmal einen schweren Unfall gegeben. Der Versicherte habe sich berichtigt, es habe damals zwei schwere Unfälle gegeben, ausserdem habe e
r
einen Skiunfall gehabt (S. 15
Ziff.
1.5). Er erinnere sich auch
unklar an etwas bei einem Gewaltmarsch im Militär (S. 16 oben).
Zur aktuellen sozialen Situation wurde
im psychiatrischen Teilgutachten
ausge
führt, der Beschwerdeführer habe berichtet, er brauche die ihm derzeit ermöglich
ten (wohl: möglichen) 50
%
, um seine innere Stabilität zu halten. Er sei teilweise auch viel in den Alpen. Dort habe man gemeinsam mit seinem Bruder ein Haus. Dort mache er viele handwerkliche Dinge und könne teilweise 2 oder 3 Stunden am Stück arbeiten (S. 16
Ziff.
II.2.1).
Zum Tagesablauf wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer habe berichtet, er stehe meistens um 06.30 Uhr auf. Am beste tue es ihm, wenn er keine fixe Tagesstruktur habe, er möge keine Zwänge. Er fahre gerne am Wochenende Ski oder mache Sport. Seine Lebenspartnerin arbeite noch weiter, er besorge den Haushalt. Seit
dem er das Medikament nehme, könne er auch gut schlafen. Auch die organisa
torischen täglichen Dinge des Alltags könne er selber besorgen.
Am Ende von Kapitel II wurde unter dem Titel «Detaillierte Ausführungen zu vorhandenen oder mobilisierbaren Ressourcen (wie Unterstützung durch das soziale Netzwerk, Kommunikationsfähigkeit, Motivation, Therapieadhärenz
etc.)»
ausgeführt: «Gute Ressource ist die Lebenspartnerin.» (S. 18
Ziff.
5).
3.3.
3
I
n
Kapitel
III (Diagnosen) wurde im Rahmen der Diskussion der psychiatrischen Diagnosen unter anderem ausgeführt, der Versicherte gebe an, etwa in seinem 11.
Lebensjahr einen Unfall gehabt zu haben, worauf es zu erheblichen Störungen in Merkfähigkeit und Leistungsfähigkeit
gekommen sei
. In der grob orientieren
den neuropsychologischen Untersuchung fänden sich erhebliche Defizite bezüg
lich
Leistungsfähigkeit, Aufmerksamkeitsfähigkeit und Gedächtnis
fähig
keit. Es sei daher insgesamt von der Diagnose einer ICD-10
F07.8 auszugehen (S.
20 oben).
3.3.
4
In Kapitel IV (Behandlung und Eingliederung) wurde ausgeführt, die psychiatri
sche Therapie sowohl bezüglich der Depression als auch der Agoraphobie mit Panikattacken erfolge lege
artis
, so dass es zu einer deutlichen Besserung gekommen sei (S. 21
Ziff.
1).
3.3.
5
Im Kapitel V (Konsistenz) wurde unter anderem ausgeführt, es fänden sich konsistente Befunde in Aktenlage, verschiedenen Gutachten beziehungsweise Berichten und Gutachter verschiedener Fachgebiete (S. 23
Ziff.
1).
Es fänden sich leichte Diskrepanzen bezüglich der Freizeitaktivitäten mit der angegebenen Erwerbsunfähigkeit. Der Versicherte gebe an, er könne im Haus in den Alpen langfristig und dauerhaft arbeiten. Nach einer ausreichenden Pause könne er jeweils auch nach 2 Stunden erneut wieder anfangen zu arbeiten. Dass es ausserdem möglich sei, während der von ihm beschrieben
en
schwergradigen
depressiven Symptomatik Ferien auf einer griechischen Insel
zu machen
, sei als diskrepant zu werten (S. 23).
Zum Vergleich mit dem
Aktivitätenniveau
vor Eintritt des Gesundheitsschadens wurde ausgeführt,
e
s sei davon auszuge
h
en, dass das organische Psychosyndrom bereits seit der Kindheit oder frühen Kindheit so zu finden sei. Es komme jedoch zur Dekompensation aufgrund des Zusammenspiels von psychiatrischen Erkrankungen und organischem Psychosyndrom. Dies sei etwa ab 2015 zu finden. Der Versicherte habe bereits langfristig selten zu 100
%
arbeiten können. Es fän
den sich immer Arbeitsstellen zwischen 60 und 80
%
. Wenn der Versicherte unter Druck 100
%
arbeiten müsse, komme es zur Dekompensation (S. 23
Ziff.
3).
3.3.
6
Im Kapitel (VI) Arbeitsfähigkeit
- wie auch im
bidisziplinären
Gutachten - wurde ausgeführt, aktuell sei in der angestammten Tätigkeit als Senior Software-Inge
nieur von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Ab April 2016 sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszugehen (S. 24
Ziff.
1; S. 42
Ziff.
III.1).
E
in angepasster Arbeitsplatz sollte möglichst ablenkungsarm, strukturiert, stress
frei und ohne Zeit- und Leistungsdruck, mit der Möglichkeit, Pausen einzuschal
ten, ausgestaltet sein. In einer entsprechend angepassten Tätigkeit finde sich eine 60%ige Arbeitsfähigkeit bereits ab April 2016 (
S. 24
Ziff.
2;
S. 42
Ziff.
III.2). An anderer Stelle wurde ausgeführt, laut Bericht Sanatorium
B._
vom 2
1.
Oktober 2016 sei eine
angepasste Tätigkeit ab
1.
April 2016 mit einer Arbeits
fähigkeit von 50
%
empfohlen worden, es sei daher ab April 2016 von
einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (S. 44
lit
. E).
Zur Frage, inwiefern die angepasste Arbeitsfähigkeit mit dem Hintergrund der gesamtlebensweltlichen Leistungskapazitäten
korrespondiere, wurde
im
bidiszi
p
li
nären
Gutachten
ausgeführt, der Beschwerdeführer sei bis heute in keiner ange
passten Tätigkeit tätig gewesen. Die in einem Feststellungsblatt im November 2016 erwähnte positive Performance relativiere sich durch 1.
Schul
probleme mit Lernschwierigkeiten (laut Angaben des Patienten), 2.
Arbeitsstellen ab 1994 nie mehr als 60-80
%
, dies
3.
nur (vom Patienten angegeben) dank hohem Medika
menten
konsum zur Aufrechterhaltung seiner Leistungsfähigkeit,
4.
mit schluss
endlich psychischer Dekompensation 2015 mit Stellenverlust. Der Versicherte sel
ber gebe an, er würde noch ausgeprägte Wochenendaktivitäten durchführen. Er habe ein Haus in den Bergen, das er zum Grossteil selber herrichte. Dies stimme auch überein mit der 40%igen Arbeitsunfähigkeit und 60%igen Fähigkeit in einer angepassten Stelle
zu arbeiten. Der Versicherte habe auch in Urlaub fahren können, für eine Woche nach Griechenland. Auch dies sei insgesamt konkordant mit der angegebenen Arbeitsfähigkeit. Das gesamte Lebenskonzept und die Leistungskapazitäten spiegelten sich auch im aktuellen Leben wieder. Diese seien insgesamt übereinstimmend mit der ausgesprochenen Arbeitsfähigkeit beziehungs
weise Arbeitsunfähigkeit (S. 44
lit
. D).
3.4
Gemäss Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) vom 1
8.
März 2016
(
Urk.
6/7)
erzielte der Beschwerdeführer in den Jahren 2000 bis 2011 bei seiner
eigenen
GmbH (vgl.
Urk.
9) folgende Einkommen:
Jahr
Fr.
2000
180’000
2001
140’000
2002
185’000
2003
102’000
2004
102’000
2005
140’000
2006
125’000
2007
60’000
2008
60’000
2009
80’000
2010
80’000
2011
90’000
In den Jahren 2012 bis 2015 erzielte er bei der
A._
folgende Einkommen:
Jahr
Fr.
2012
106’530
2013
110'213
2014
115’174
2015
119’658
4.
4.1
Das im März 2017 erstattete psychiatrisch/neuropsychologische Gutachten
nimmt in dem Sinne Bezug auf einzelne der nunmehr massgebenden Standardindi
kato
ren (vorstehend E. 1.4), als sich darin Angaben zu diesen finden, die verwert
bar erscheinen. Es eignet sich deshalb grundsätzlich zur
Entscheid
findung
(vgl.
vor
stehend E. 1.3),
obwohl die Ausrichtung auf die Standardindikatoren (noch) nicht systematisch erfolgte. Auch ist anzumerken, dass die Angaben zu einigen Aspek
ten ausgesprochen knapp ausgefallen sind, was insbesondere dort augenfällig ist, wo die angeführten Zwischentitel länger sind als der anschliessende Inhalt. Dass für die indirekte
Rede
anstelle des dafür vorgesehenen Konjunktiv I
(«
er
habe gearbeitet», «
er
fahre Ski»)
durchgehend der für hypothetische Aussagen reser
vierte Konjunktiv II
(«
er
hätte gearbeitet», «
er
würde Ski fahren»)
verwendet wird, ist ein spr
achlicher
Mangel
, der das inhaltliche Erfassen in b
edauerlich
er Weise erschwert oder sich sogar sinnstörend auswirkt.
4.2
Im Hinblick auf die Beweiswürdigung ist sodann darauf hinzuweisen, dass die Ärztinnen des Sanatoriums in berufsanamnestischer Hinsicht offensichtlich von unzutreffenden Annahmen ausgingen, nämlich von jahrelanger Arbeit in einem Grossraumbüro mit Reizüberflutung und jahrzehntelanger Überforderung durch mehrheitlich mündlich übermittelte Arbeitsanleitungen und Aufträge (vorstehend E. 3.2). In Wirklichkeit war der Beschwerdeführer ab
1999/
2000 im Rahmen seiner eigenen GmbH als Freelancer mit
Home-Office
tätig und wechselte erst 2012 in eine Festanstellung inklusive Grossraumbüro, wo 2014 betriebliche Umstruktu
rierungen und Kündigungen zu erhöhtem Druck führten, und wo er im Sommer 2015
dekompensierte
(vorstehend E. 3.3.2).
H
insicht
lich der Diagnosen
zu würdigen ist
sodann
die Angabe im psychiatri
schen Teilgutachten, aufgrund der in einer grob orientierenden neuro
psycho
logi
schen Untersuchung gefundenen erheblichen Defizite sei insgesamt von der Diagnose einer
ICD-10 F07.8 auszugehen; in der vorangestellten Liste der Diagnosen wurde dieser Diagnosecode einer neuropsychologischen Teil
leistungs
schwäche zugeordnet (vorstehend E. 3.3.4), ebenso im Bericht der Ärztinnen des Sanatoriums
(vorstehend E. 3.2)
. Im
bidisziplinären
Gutachten wurde der gleiche Diagnosecode als «hirnorganisches Psychosyndrom» umschrie
ben (vorstehend E.
3.3.1). Ziffer F07.8 wird im ICD-10 umschrieben mit «sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktio
nsstörung des Gehirns».
Soweit die - wie dargelegt unterschiedlich formulierte, aber regelmässig mit F07.8 codierte - Diagnose ausgehend von einer gemäss den Angaben im neuro
psycho
logischen Teilgutachten leichten bis mittelschweren kognitiven Funktions
störung vor allem im Bereich der mnestischen Funktionen (
Urk.
6/32 S.
32 Mitte) gestellt wurde, erscheint sie nachvollziehbar. Für die dafür vorausgesetzte organische Schädigung des Gehirns hingegen fehlen belastbare Angaben.
Vorhanden ist lediglich die anamnestische Auskunft des Beschwerdeführers, er habe etwa in seinem 1
1.
Lebensjahr einen Unfall (vorstehend E. 3.3.4) beziehungsweise in sei
ner Kindheit zwei schwere Unfälle (vorstehend E. 3.3.3) gehabt, was dem psychia
trischen Gutachter offenbar genügte, um dies unter dem Titel «Unfälle, insbeson
dere Schädel-Hirn-Trauma» zu referieren (vorstehend E. 3.3.3). Der Gutachter ging ferner davon aus, im Anschluss an den - nicht näher beschriebe
nen
und schon gar nicht dokumentierten -
Unfall sei es zu erheblichen Störungen der Merkfähigkeit und Leistungsfähigkeit gekommen (vorstehend E.
3.3.4). Auch dabei kann es sich nur um Auskünfte des Beschwerdeführers handeln, die schlecht vereinbar sind mit dem Umstand, dass er eine kauf
männische Lehre und im Alter von
27 Jahren (
1989
)
eine
betriebsinterne Ausbildung zum Pro
grammierer abschliessen
konnte
(vorstehend E. 3.3.2).
Aus diesen Gründen ist die genannte Diagnose mit grosser Zurückhaltung zur Kenntnis zu nehmen.
4.3
Ein ähnlicher Vorbehalt ist angezeigt gegenüber den Ausführungen im Gutachten betreffend den Umfang der Arbeitsfähigkeit in der Vergangenheit. Dies gilt namentlich für die Annahme, der Beschwerdeführer habe seit 1994 stets
Pensen
von lediglich 60-80
%
ausgeübt (vorstehend E. 3.3.7).
Auch diese Annahme kann nur auf den Angaben des Beschwerdeführers basieren. Zieht man die bekannten berufsbiografischen Informationen zur Plausibilisierung bei, so zeigt sich, dass eine solche nicht möglich ist: Von 1999 bis 2011 war der Beschwerdeführer gar nicht im Angestelltenverhältnis tätig, sondern bestimmte als Freelancer sein Pen
sum selber
(vorstehend E. 3.3.2). Die damit laut IK-Auszug erzielten Einkommen (vorstehend E. 3.4) lassen keinen Rückschluss darauf zu, welchen zeitlichen Auf
wand der Beschwerdeführer dafür betrieben hat, und insbesondere auch nicht darauf, dass er nur im von ihm angegebenen reduzierten Umfang erwerblich aktiv gewesen wäre. Dies zeigt sich
besonders deutlich darin, dass er ausführte, er habe mit vielen Pausen und Unterbrüchen, so beispielsweise 2004 gar nicht gearbeitet, während er laut IK-Auszug im gleichen Jahr ein Einkommen von 102'000.-- erzielte.
4.4
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Überlegungen vermitteln die vorhan
denen Akten ein hinreichend klares Bild der massgebenden Verhältnisse und deren Entwicklung. Demnach hat der Beschwerdeführer eine kaufmännische Lehre und später eine Ausbildung als Programmierer abgeschlossen
und
war anschliessend hauptsächlich als solcher tätig. 2012 wechselte er nach 12 Jahren als freier Mitarbeiter mit eigener GmbH in eine Festanstellung, wobei nicht ersichtlich ist, was ihn zu diesem Schritt bewog. Dies führte zu einer veränderten Arbeitsplatzsituation (Grossraumbüro statt
Home-Office
) und traf zusammen mit 2014 eingeleiteten betrieblichen Umstrukturierungen, bei denen auch Kündi
gungen ausgesprochen wurden. Im Sommer 2015
dekompensierte
der Beschwer
deführer
- es wurden eine mittelgradige depressive Episode und eine Agoraphobie diagnostiziert (vorstehend E. 3.1)
-
und war im August/September 2015 während fünf Wochen psychiatrisch hospitalisiert
. Der Beschwerdeführer besorgte in dieser Zeit
Hauswartfunktionen bei seiner Familie und in seiner Wohnumgebung
(vor
stehend E. 3.2)
. Die anschliessende psychiatrisch-psycho
therapeutische und medikamentöse Behandlung
führte zu einer deutlichen Besserung sowohl bezüg
lich der Depression und der Agoraphobie (vorstehend E.
3.3.5).
Aktuell besorgt
d
er
Beschwerdeführer
den mit der noch erwerbstätigen Lebenspartnerin gemein
samen Haushalt und hält sich viel in den Bergen auf, wo er zusammen mit seinem Bruder ein Haus besitzt, und sich dort vielen handwerklichen Dingen
widmet
, ohne an eine fixe Tagesstruktur gebunden zu sein, und am Wochenende Ski
fährt
oder Sport
macht
(vorstehend E. 3.3.3). Gemäss Feststellung im Gutachten kann er im Haus in den Bergen langfristig und dauerhaft arbeiten (vorstehend E. 3.3.6).
Im psychiatrischen Gutachten findet sich im Kapitel betreffend die Konsistenz unter dem Titel «Detaillierter Vergleich mit den
Aktivitätenniveau
vor Eintritt des Gesundheitsschadens» folgende
Feststellung
(
Urk.
6/32 S. 23
Ziff.
V.3):
Der Versicherte ha
t
bereits langfristig selten zu 100
%
arbeiten können. Es f
i
n
den sich immer Arbeitsstellen zwischen 60 und 80
%
. Wenn der Versicherte unter Druck 100
%
arbeiten
muss
, komm
t
es zur Dekompensation
.
Die
s
bedeutet, dass nach Einschätzung des Gutachters eine Tätigkeit unter Druck zu 100
%
nicht möglich ist, sehr wohl aber eine solche ohne Druck oder zu weniger als 100
%
, mithin 80
%
.
4.5
Bei der Bezugnahme auf die Standardindikatoren erscheint es vorliegend als naheliegend, vorab auf den - beweisrechtlich entscheidenden - Indikator der Konsistenz (vorstehend E. 1.4) einzugehen.
Dabei zeigt sich, dass sich der im Ver
fügungszeitpunkt 56-jährige Beschwerdeführer vo
n der 2015 durchlebten Krise weitgehend erholt haben dürfte, dass er wieder über eine - im Gutachten einmal mit 50
%
beziehungsweise in angepasster Tätigkeit 60
%
und an anderer Stelle mit 80
%
bezifferte - Arbeitsfähigkeit verfügen würde. Dieses Leistungsvermögen realisiert er derzeit allerdings nicht auf dem Arbeitsmarkt, sondern im nicht-erwerblichen privaten Bereich. Im Hinblick auf sein - anzunehmendes und vom psychiatrischen Gutachter als solches bezeichnetes - Lebenskonzept ist dem die Konsistenz nicht abzusprechen, im Hinblick auf die anspruchsrelevante Frage der zumutbaren Arbeitsfähigkeit hingegen sehr wohl. Von einer
gleichmässige
n
Ein
schränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
im Sinne des betreffenden Indikators kann bei dieser Sachlage klarerweise nicht gesprochen werden. Damit verliert der zweite für die Konsistenz relevante Indi
kator (
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch ausgewiesener Leidens
druck
) an Bedeutung und es kann
offen bleiben
, ob der Beschwerdeführer allen
falls weiterhin Behandlung in Anspruch nimmt, über die lediglich keine Berichte vorliegen, oder nicht.
Sodann ist im Hinblick auf die Gesundheitsschädigung festzuhalten, dass die
diagnoserelevanten Befunde
ausgesprochen schwach ausgeprägt erscheinen, dass d
ie erf
olgte Behandlung ausdrücklich al
s erfolgreich qualifiziert wurde und dass von - wenig
gewichtigen
- Komorbiditäten nur dann überhaupt gesprochen wer
den könnte, wenn die Diagnose
eines
hirnorganische
n
Psychosyndrom
s
(ICD
10 F07.8) trotz namhafter Vorbehalte (vorstehend E. 4.2) als gesichert erachtet würde. Schliesslich wurde im Gutachten bestätigt, dass erhebliche
persönliche Res
sourcen
und ein intakter sozialer Kontext vorhanden sind.
Dies führt zum Schluss, dass die im Gutachten genannte Arbeitsfähigkeit von lediglich 50 oder 60
%
mangels Konsistenz nicht der Anspruchsprüfung zugrunde gelegt
werden kann, sondern dass das im Gutachten ebenfalls genannte Pensum von 80
%
, das der Beschwerdeführer ohne Dekompensation bewältigen könnte, als zumutbar zu werten und damit der anspruchsrelevanten Arbeitsfähigkeit gleichzusetzen ist.
4.6
Dies
e
Arbeitsfähigkeit von 80
%
vermag keinen Rentenanspruch zu begründen. Damit erweist sich die angefochtene Verfügung als im Ergebnis zutreffend, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
800.-- festzusetzen und aus
gangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.