Decision ID: 62fcb01e-e023-5ba2-ae49-540d78a5d91b
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. (geb. 1982) arbeitet seit dem 1. Mai 2011 als Projektleiter Systemtechnik bei
der Z. in Eschen (Fürstentum Liechtenstein). Am 13. Juni 2011 meldete er sich bei der
Gemeinde St. Margrethen von Aarau AG herkommend rückwirkend per 1. Mai 2011 als
Wochenaufenthalter an. Auf dem dazu ausgefüllten Formular "Erklärung zum
Wochenaufenthalt" gab er an, mit Aarau-Rohr würde ihn das dortige Freizeitangebot
verbinden. Er kehre regelmässig dorthin zurück.
In St. Margrethen bewohnt X.Y. an der Q.-strasse 0 alleine eine 3.5-Zimmerwohnung.
Der Mietvertrag wurde auf den 1. Mai 2011 ausgestellt. Der Mietzins beträgt
Fr. 1'310.-- (brutto). In Aarau-Rohr bewohnt er im Zweifamilienhaus seiner Eltern an der
T.-str. 00 eine eigene 3.5-Zimmerwohnung.
B./ Mit Feststellungsverfügung vom 21. Februar 2012 stellte das Kantonale Steueramt
fest, X.Y. sei ab dem 1. Januar 2011 in St. Margrethen aufgrund persönlicher
Zugehörigkeit unbeschränkt steuerpflichtig. Zur Begründung wurde insbesondere
angeführt, sein Arbeitsort falle nicht mit dem Ort des Wochenaufenthaltes zusammen,
weshalb kein echter Wochenaufenthalt vorliege. Ein Dreiecksverhältnis zwischen
Wohnort, Ort des Wochenaufenthaltes und Arbeitsort sei grundsätzlich nicht möglich.
Da X.Y. beabsichtige, sich dauernd in St. Margrethen aufzuhalten, sei dies sein
Hauptsteuerdomizil. Die am 5. März 2012 dagegen erhobene Einsprache wurde mit
Entscheid vom 8. Mai 2012 abgewiesen.
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C./ Gegen den Einspracheentscheid erhob X.Y. am 29. Mai 2012 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte sinngemäss, der Einspracheentscheid
vom 8. Mai 2012 sei unter Kostenfolge aufzuheben. Das Kantonale Steueramt liess sich
am 29. Juni 2012 vernehmen und beantragte die kostenpflichtige Abweisung des
Rekurses. Mit Schreiben vom 15. Juli 2012 nahm X.Y. zur Vernehmlassung ergänzend
Stellung und reichte weitere Akten ein.
Mit Entscheid vom 30. August 2012 wies die Verwaltungsrekurskommission den
Rekurs ab. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Entfernung von 35 km
zwischen Arbeits- und Wochenaufenthaltsort übersteige eine bei Wochenaufenthalt
übliche Pendlerdistanz. Es liege ein Dreiecksverhältnis zwischen Arbeitsort,
Wochenaufenthaltsort und Wohnsitz vor, was im Sinne einer natürlichen Vermutung für
die Annahme eines steuerrechtlichen Wohnsitzes am Ort des Wochenaufenthaltes in
St. Margrethen spreche. Dem Beschwerdeführer gelinge es nicht, diese Vermutung zu
entkräften und sein Hauptsteuerdomizil im Kanton Aargau nachzuweisen.
D./ Gegen den Rekursentscheid erhob X.Y. (nachfolgend Beschwerdeführer), nunmehr
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Michael Rutz, am 11. Oktober 2012 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht. Er liess die Aufhebung des Rekursentscheids vom
30. August 2012 und die Feststellung beantragen, dass der Beschwerdeführer im
Steuerjahr 2011 in Aarau subjektiv steuerpflichtig gewesen sei.
Mit Schreiben vom 19. Oktober 2012 erklärte die Verwaltungsrekurskommission
(nachfolgend Vorinstanz), dass sie angesichts der neuen Beweismittel des
Beschwerdeführers auf eine Stellungnahme verzichte. Mit Vernehmlassung vom
7. November 2012 beantragte das Kantonale Steueramt (nachfolgend
Beschwerdegegner) die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde. Am
20. November 2012 nahm der Beschwerdeführer ergänzend Stellung
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird - soweit erforderlich - in den
nachfolgenden Erwägungen weiter eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
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2. Der Beschwerdeführer beantragt unter anderem die Feststellung, er sei im Steuerjahr
2011 in Aarau und damit im Kanton Aargau subjektiv steuerpflichtig gewesen.
Es liegt nicht in der Kompetenz des Verwaltungsgerichtes, über eine gegenüber einem
anderen Kanton allfällig bestehende Steuerpflicht des Beschwerdeführers zu
entscheiden. Insoweit wird auf die Beschwerde nicht eingetreten.
3. Der Beschwerdeführer bestreitet, im Jahr 2011 im Kanton St. Gallen eine
Steuerpflicht begründet zu haben.
3.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum interkantonalen
Doppelbesteuerungsverbot (Art. 127 Abs. 3 der Bundesverfassung, SR 101) ist der
steuerrechtliche Wohnsitz einer unselbständig erwerbenden Person dort anzunehmen,
wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibs aufhält (vgl. z.B. BGer 2C_270/2012
vom 1. Dezember 2012 E. 2.2.1, mit Hinweisen unter anderem auf Art. 23 Abs. 1 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches [SR 210] bzw. Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes
über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden
[SR 642.11], abgekürzt StHG). Stehen zwei oder mehrere Orte in Konkurrenz, befindet
sich das (Haupt-)Steuerdomizil im interkantonalen Verhältnis dort, wo faktisch der
Mittelpunkt der Lebensinteressen der betreffenden Person liegt (BGE 132 I 29 E. 4.1;
125 I 54 E. 2; 123 I 289 E. 2a; BGer 2C_92/2012 vom 17. August 2012 E. 4.1).
3.2. Der Wohnsitzbegriff setzt sich aus einem objektiven äusseren Element (Aufenthalt)
und einem subjektiven inneren (Absicht dauernden Verbleibens) zusammen. Zur
Feststellung des Wohnsitzes ist von den äusserlich wahrnehmbaren Umständen,
welche den Aufenthalt kennzeichnen, auf die dahinter stehende Absicht zu schliessen
(BGer 2C_270/2012 vom 1. Dezember 2012 E. 2.3; BGE 137 II 122 E. 3.6; 136 II 405
E. 4.3). Dabei lässt sich gemeinhin kein strikter Beweis erbringen, sodass eine
Abwägung von Indizien erforderlich ist. Dies bedingt eine sorgfältige Berücksichtigung
sämtlicher Berufs-, Familien- und Lebensumstände (BGer 2C_397/2010 vom
6. Dezember 2010 E. 2.4.2, in: StE 2011 A 24.21 Nr. 22). Auf die bloss geäusserten
Wünsche der betreffenden Person oder die gefühlsmässige Bevorzugung eines Ortes
kommt es nicht an; der Wohnsitz ist insofern nicht frei wählbar. Gleichermassen spielt
das polizeiliche Domizil, an dem die Schriften hinterlegt sind oder die politischen
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Rechte ausgeübt werden, keine ausschlaggebende Rolle. Als äussere Merkmale
können sie aber immerhin dann ein Indiz für den Wohnsitz bilden, wenn auch das
übrige Verhalten der Person dafür spricht (BGE 132 I 29 E. 4.1 f.; BGer 2C_919/2011
vom 9. Februar 2012 E. 3.2 und 2C_918/2011 vom 12. April 2012 E. 3.1).
3.3. Wenn sich eine Person abwechslungsweise an zwei Orten aufhält, ist für die
Bestimmung des steuerrechtlichen Wohnsitzes darauf abzustellen, zu welchem Ort sie
die stärkeren Beziehungen unterhält. Bei unselbständig erwerbenden Steuerpflichtigen
ist das gewöhnlich der Ort, an dem sie für längere oder unbestimmte Zeit Aufenthalt
nehmen, um von dort aus der täglichen Arbeit nachzugehen, ist doch der Zweck des
Lebensunterhalts dauernder Natur.
3.3.1. Bei verheirateten Personen mit Beziehungen zu mehreren Orten werden die
persönlichen und familiären Kontakte zum Ort, wo sich ihre Familie aufhält, als stärker
erachtet als diejenigen zum Arbeitsort, wenn sie nicht in leitender Stellung
unselbständig erwerbstätig sind und täglich oder regelmässig an den Wochenenden an
den Familienort zurückkehren. Verheiratete Pendler oder Wochenaufenthalter
unterstehen demnach grundsätzlich der Steuerhoheit jenes Kantons, in dem sich ihre
Familie aufhält (BGE 132 I 29 E. 4.2 und 4.3 mit Hinweisen).
3.3.2. Diese Praxis findet auch auf ledige Personen Anwendung, zählt die
Rechtsprechung doch Eltern und Geschwister ebenfalls zur Familie des
Steuerpflichtigen. Allerdings werden die massgebenden Kriterien, wann anstelle des
Arbeitsortes der Aufenthaltsort der (elterlichen) Familie als Hauptsteuerdomizil
anerkannt werden kann, strenger gehandhabt. Dies folgt der Erfahrung, dass die
Bindung zu den Eltern regelmässig lockerer ist als diejenige unter Ehegatten. Es gilt -
vermehrt noch als bei verheirateten Steuerpflichtigen - zu berücksichtigen, ob weitere
als nur familiäre Beziehungen ein Übergewicht begründen. Dadurch erhält der
Grundsatz, wonach das Hauptsteuerdomizil von Unselbständigerwerbenden am
Arbeitsort liegt, grösseres Gewicht: Selbst wenn ledige Steuerpflichtige allwöchentlich
zu den Eltern oder Geschwistern zurückkehren, können die Beziehungen zum
Arbeitsort überwiegen. Dies kann namentlich dann der Fall sein, wenn sie am Arbeitsort
eine unmöblierte Wohnung angemietet und eingerichtet haben oder wenn sie dort über
einen besonderen Freundes- oder Bekanntenkreis verfügen. Besonderes Gewicht
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haben in diesem Zusammenhang auch die Dauer des Arbeitsverhältnisses und das
Alter des Steuerpflichtigen (statt vieler BGE 125 I 54 E. 2b mit Hinweisen;
VerwGE B 2012/25 vom 13. November 2012 E. 2.1, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch). Das Bundesgericht geht in seiner neueren Rechtsprechung
davon aus, dass die Beziehungen zur elterlichen Familie regelmässig nicht mehr so
stark sind, wenn der Steuerpflichtige das 30. Altersjahr überschritten hat oder sich seit
über fünf Jahren am selben Arbeitsort aufgehalten hat (sog. "Basler Praxis", vgl. BGer
2C_270/2012 vom 1. Dezember 2012 E. 2.5; 2C_26/2012 vom 8. Mai 2012 E. 3.2;
2C_518/2011 vom 1. Februar 2012 E. 2.1).
3.3.3. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts bei jüngeren Steuerpflichtigen, die sich während
der Woche an ihrem Arbeitsort aufhalten, der Umstand, dass sie regelmässig an den
Ort zurückkehren, wo ihre Familie lebt, sie aufgewachsen sind, die Schulen besucht
oder gearbeitet haben und ihre persönlichen und familiären Beziehungen pflegen, in
besonderem Mass für die Annahme spricht, dass sie am Ort ihrer
Familienniederlassung noch den Mittelpunkt ihrer Lebensbeziehungen haben.
Namentlich wenn solche Steuerpflichtige das elterliche Heim zum ersten Mal verlassen,
können sie dort ihr Hauptsteuerdomizil beibehalten, wenn sie in ihrer Freizeit
überwiegend und regelmässig heimkehren (BGer 2P.214/2004 vom 27. Januar 2005
E. 2.2, mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Zweifel/Hunziker, in: Zweifel/Beusch/Mäusli-
Allenspach [Hrsg.], Kommentar zum Interkantonalen Steuerrecht, Basel 2011, § 6
N 37).
3.4. Nach der allgemeinen Beweislastregel im Steuerrecht trägt die
Veranlagungsbehörde die Beweislast für steuerbegründende oder steuererhöhende
Tatsachen, während den Steuerpflichtigen die Beweislast für Tatsachen trifft, welche
die Steuerschuld aufheben oder mindern (GVP 1980 Nr. 6).
3.4.1. Ist der ledige und unselbständig erwerbende Steuerpflichtige über 30 Jahre alt
oder hat er sich seit über fünf Jahren am selben Arbeitsort aufgehalten, wird nach der
"Basler Praxis" eine natürliche Vermutung begründet, sein Lebensmittelpunkt befinde
sich am Arbeitsort und nicht am Aufenthaltsort seiner Familie.
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Es obliegt der steuerpflichtigen Person, diese Vermutung zu entkräften, etwa indem sie
nachweist, dass sie regelmässig (mindestens ein Mal wöchentlich) an den Ort
zurückkehrt, an dem ihre Familie lebt, mit welcher sie aus bestimmten Gründen
besonders eng verbunden ist, und wo sie andere persönliche und gesellschaftliche
Beziehungen pflegt.
Wenn der steuerpflichtigen Person der Nachweis solcher familiärer und
gesellschaftlicher Beziehungen am Ort, wo die Familie wohnt, gelingt, obliegt es dem
Kanton des Wochenaufenthalts- oder Arbeitsorts nachzuweisen, dass die Person
gewichtige wirtschaftliche und allenfalls persönliche Beziehungen zu diesem Ort
unterhält (BGer 2C_748/2008 vom 19. März 2008 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen;
BGE 125 I 54 E. 3a; StE 2011 A 24.21 Nr. 22).
3.4.2. Die natürliche (und damit widerlegbare) Vermutung ist ein Element der
Beweiswürdigung. Sie ist aber keine Beweislastregel, welche darüber entscheiden
würde, wer die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat. Vielmehr wird aufgrund von
Indizien mittels Wahrscheinlichkeitsüberlegungen und aufgrund der Lebenserfahrung
auf eine nicht direkt bewiesene Tatsache geschlossen, welche die Behörde als wahr
vermuten und ohne weitere Abklärungen ihrem Entscheid zugrunde legen darf. Die
natürliche Vermutung muss bereits dann als entkräftet gelten, wenn beweismässige
Anhaltspunkte bestehen, welche begründete Zweifel an der Richtigkeit des
Hauptbeweises (d.h. der natürlichen Vermutung) hervorrufen. Diese Anhaltspunkte sind
im Hinblick darauf, ob sie überzeugender und stärker sind als die natürliche
Vermutung, näher zu prüfen und zu gewichten.
In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass es bei der Feststellung des
Hauptsteuerdomizils darum geht, aufgrund von objektiven, äusseren Umständen auf
innere Tatsachen, den Mittelpunkt der Lebensinteressen, zu schliessen. Ein klarer
Beweis kann diesbezüglich generell nicht geführt werden, sondern es ist aufgrund von
Indizien und unter Berücksichtigung sämtlicher Berufs-, Familien- und
Lebensumstände eine sorgfältige Gewichtung vorzunehmen (vgl. BGer 2C_646 vom
7. Mai 2008 E. 4.3.3).
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Betreffend die natürliche Vermutung des Hauptsteuerdomizils einer ledigen Person an
dem Ort, an dem sie sich während der Woche aufhält, um von dort aus zur Arbeit zu
gehen, bedeutet dies, dass die Zerstörung dieser Vermutung nicht den lückenlosen
Nachweis abweichender Indizien voraussetzt. Zwar ist aus Praktikabilitätsgründen ein
gewisser Schematismus dahingehend, dass bei unklar gebliebenen Verhältnissen
zugunsten der Vermutung entschieden wird, unvermeidlich. Trotzdem muss es
genügen, wenn Anhaltspunkte für den Wochenendwohnort in einer Weise
nachgewiesen werden, die so gewichtig und überzeugend sind, dass sie geeignet sind,
die Domizilvermutung zu entkräften (zum Ganzen vgl. BGer 2C_397/2010 vom
6. Dezember 2010 E. 2.4.2, in: StE 2011 A 24.21 Nr. 22, mit weiteren Hinweisen; vgl.
ferner Zweifel/Hunziker, in: Zweifel/Beusch/Mäusli-Allenspach [Hrsg.], a.a.O., § 6
N 100).
3.5. Nach Ansicht der Vorinstanz liegt der tägliche Arbeitsweg des Beschwerdeführers
von 70 km über einer normalen, bei Wochenaufenthaltern üblichen Entfernung
zwischen Aufenthalts- und Arbeitsort. Das Institut des Wochenaufenthaltsorts würde
seines Sinnes entleert, wenn dieser in beliebiger Distanz zum Arbeitsort festgelegt
werden könnte. Weiter führt sie aus, die grosszügige 3.5-Zimmerwohnung in
St. Margrethen, sein unbefristetes Arbeitsverhältnis und das Alter des
Beschwerdeführers fielen angesichts der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
besonders ins Gewicht. Es bestehe kein Anspruch, nach einem Ortswechsel vorerst
einige Jahre den Wochenaufenthalterstatus beizubehalten, wenn bereits von Anfang an
die Absicht bestehe, den Wohnort dauernd zu wechseln. Aus diesen Gründen sei die
natürliche Vermutung entstanden, der Lebensmittelpunkt des Beschwerdeführers
befinde sich in St. Margrethen. Diesem obliege deshalb der Gegenbeweis für den
behaupteten Lebensmittelpunkt ausserhalb des Kantons St. Gallen.
3.5.1. Der Beschwerdeführer (geb. 1982) war im Jahr 2011 29 Jahre alt. Er hält sich seit
dem 1. Mai 2011 in St. Margrethen auf. Weder sein Alter noch die bisherige, wenige
Monate umfassende Dauer seines Aufenthaltes in St. Margrethen lassen anhand der
sachgerechten "Basler Praxis" die natürliche Vermutung des (Haupt-)Steuerdomizils in
St. Margrethen entstehen.
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3.5.2. Die Vorinstanz begründet die natürliche Vermutung zu Recht nicht mit diesen
beiden Kriterien, sondern leitet sie im Wesentlichen aus der unüblich grossen
Pendlerdistanz zwischen dem Arbeitsort und dem Ort des Wochenaufenthaltes ab.
Dieses Kriterium findet sich weder in der einschlägigen Literatur, noch ist es durch
höchstrichterliche Rechtsprechung begründet worden. Ob bei einer "unüblich grossen
Pendlerdistanz bei Wochenaufenthalt" direkt auf eine "Sinnentleerung" des Instituts
des Wochenaufenthaltsortes (und somit auf eine dort im Sinne einer natürlichen
Vermutung bestehende Steuerpflicht) geschlossen werden darf, ist folglich näher zu
prüfen.
Unbestritten ist zunächst, dass es dem Beschwerdeführer als Schweizer Staatsbürger
faktisch verwehrt ist, an seinem Arbeitsort im Fürstentum Liechtenstein zu wohnen
oder sich dort aufzuhalten (vgl. Art. 2 der Vereinbarung zwischen dem Schweizerischen
Bundesrat und der Regierung des Fürstentums Liechtenstein über die Zusammenarbeit
im Bereich des Aufenthalts [SR 0.360.514.21] in Verbindung mit Art. 19 und 20 des
Gesetzes über die Freizügigkeit für EWR- und Schweizer Staatsangehörige
[Liechtensteinisches Landesgesetzblatt 2009 Nr. 348] und Art. 19 der Verordnung über
die Freizügigkeit für EWR- und Schweizer Staatsangehörige [Liechtensteinisches
Landesgesetzblatt 2009 Nr. 350].
Weiter ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer seinen Arbeitsort vom 35 km
entfernt gelegenen St. Margrethen aus mit dem Auto in ca. 25 Minuten erreicht,
wogegen er von Aarau aus pro Weg (ca. 160 km) mit mindestens einer Stunde und
40 Minuten rechnen müsste. Die tägliche Einsparung an Zeit, Distanz und Treibstoff ist
beträchtlich. Die Annahme einer natürlichen Vermutung zugunsten von St. Margrethen
als Steuerdomizil ist bei diesen Verhältnissen nicht angezeigt, selbst wenn sich der
tägliche Arbeitsweg durch die Wahl eines anderen Aufenthaltsortes noch weiter
reduzieren liesse.
Anders (und zugunsten einer natürlichen Vermutung) wäre jedoch zu entscheiden,
wenn der Wochenaufenthaltsort im Vergleich zum Wohnort keine oder eine nur
untergeordnete Verringerung der täglichen Fahrzeit oder -distanz verschaffen würde,
mithin ein eigentliches Dreiecksverhältnis vorläge.
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3.5.3. Da es an einer natürlichen Vermutung fehlt, hätte der Beschwerdegegner die
subjektive Steuerpflicht des Beschwerdeführers in St. Margrethen für das Jahr 2011
nachweisen müssen. Er stützte sich unabhängig von der natürlichen Vermutung im
Wesentlichen auf das Dreiecksverhältnis zwischen Wohnort, Arbeitsort und Ort des
Wochenaufenthaltes, die unbefristeten Arbeits- und Mietverträge und der daraus zu
schliessenden längeren Dauer des beabsichtigten Aufenthaltes sowie auf das Alter des
Beschwerdeführers. Weiter habe sich dieser auf dem Formular "Erklärung zum
Wochenaufenthalt" dahingehend geäussert, dauernd, d.h. für mindestens ein Jahr, in
St. Margrethen verbleiben zu wollen.
3.6. Einen Lebensmittelpunkt in Aarau-Rohr verneinte die Vorinstanz im Wesentlichen
mit Hinweis darauf, dass der Beschwerdeführer in der massgeblichen Steuerperiode
beinahe dreissig Jahre alt gewesen sei und nicht substantiiert dargelegt habe, worin
die behauptete altersbedingte Unterstützung seiner dort wohnenden Eltern genau
bestehe.
Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, zahlreiche Indizien sprächen dafür, dass
seine Verbundenheit mit Aarau-Rohr stärker sei als mit seinem Aufenthaltsort.
3.6.1. Der Beschwerdeführer hat die Ausbildung zum Maschinenbauingenieur nach
seinen Angaben im Oktober 2010 abgeschlossen. Während dieser Zeit sei er von
seinen Eltern unterstützt worden. Im Anschluss daran arbeitete er zunächst im Rahmen
einer Temporäranstellung in Biel, ehe er am 1. Mai 2011 die Stelle in Eschen FL antrat.
Zum gleichen Zeitpunkt hat er die Wohnung in St. Margrethen gemietet. Bereits diese
zeitliche Parallelität deutet darauf hin, dass er sich nur aufgrund der Arbeitsstelle in
St. Margrethen aufhält.
3.6.2. Dass er die Wochenenden und Feiertage ausschliesslich in Aarau-Rohr verbringt,
lässt sich der Beschwerdeführer vom Hauswart seiner Wohnung in St. Margrethen, von
zwei seiner Freunde aus Aarau und von seinen Eltern bestätigen. Weiter kann er
anhand seiner Kontobewegungen im hier interessierenden Zeitraum nachweisen, dass
er in Aarau vornehmlich an den Wochenenden Bargeld abgehoben hat, während er in
St. Margrethen und Buchs lediglich an Werktagen Bargeldbezüge getätigt hat.
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In seiner Vernehmlassung an das Verwaltungsgericht vertrat der Beschwerdegegner
die Auffassung, bei den eingereichten Bestätigungsschreiben handle es sich um
Gefälligkeitszeugnisse.
Sowohl die Erwägungen des Einsprache- als auch des vorinstanzlichen Entscheides
haben zu solchen Schreiben unmittelbar Anlass gegeben. Es handelt sich mithin um
zulässige neue Vorbringen. Es ist darüber hinaus nicht ersichtlich, wie der
Beschwerdeführer seine in Aarau bestehenden persönlichen Kontakte anderweitig
hätte belegen können.
3.6.3. Zu seiner Wohnsituation führt der Beschwerdeführer aus, er verfüge im
elterlichen Zweifamilienhaus über eine eigene, voll möblierte Wohnung. Insbesondere
bewahre er seine Kleider fast ausschliesslich dort auf, und seine Mutter besorge ihm
weiterhin die Wäsche. Die 3.5-Zimmerwohnung in St. Margrethen habe er jedoch nur
mit dem Nötigsten eingerichtet. Zwei Zimmer seien gar nicht möbliert und der Rest mit
günstigen IKEA-Möbeln ausgestattet.
Die Policen der Motorfahrzeug-, Haushalts- und Krankenversicherung wie auch das
Mobiltelefonabonnement des Beschwerdeführers sind auf seine Adresse in Aarau-Rohr
ausgestellt. Weiter verweist er auf eine in Aarau bestehende Parteimitgliedschaft.
3.7. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass weder das Alter des Beschwerdeführers noch
die bisherige Dauer seines Aufenthaltes die natürliche Vermutung entstehen lassen, der
Mittelpunkt seiner Lebensinteressen liege in St. Margrethen. Der pauschale Verweis der
Vorinstanz auf das Dreiecksverhältnis zwischen Wohnort, Arbeitsort und Ort des
Wochenaufenthaltes, die unbefristeten Arbeits- und Mietverträge und die daraus zu
schliessende längere Dauer des beabsichtigten Aufenthaltes sowie auf das Alter des
Beschwerdeführers vermögen im vorliegenden Fall nicht zu überzeugen und können
keine subjektive Steuerpflicht im Kanton St. Gallen begründen. Darüber hinaus lieferte
der Beschwerdeführer so überzeugende Anhaltspunkte zugunsten seines
Wochenendwohnortes, dass diese wohl selbst eine Domizilvermutung hätten
entkräften können: Er legt glaubhaft dar, jedes Wochenende zu seinen Eltern
zurückzukehren, wo er über eine eingerichtete Wohnung und sein familiäres und
gesellschaftliches Beziehungsnetz verfügt. Mit St. Margrethen scheint ihn - was
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angesichts der erst kurzen Aufenthaltsdauer nicht weiter erstaunt - nicht viel zu
verbinden.
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist, und der
vorinstanzliche Entscheid vom 30. August 2012 ist aufzuheben.
4. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht