Decision ID: 246cdf5a-c36e-54af-aee0-52e0b45bce1a
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1991, begann am 14. März 2011 die Rek
ruten
schule (RS) bei den Panzergrenadier
en
. Nachdem er seit dem 21. Juni 2011 unter Rückenschmerzen
ge
litt
en
(Urk. 8/1) und sich deswegen ärztlich
hatte
unter
suchen
lassen
(vgl. Urk. 8/3, 8/5), wurde er am 4. Juli 2011 aus medizinischen Gründen vorzeitig aus der RS entlassen (Urk. 8/4). Mit Schreiben vom 22. Juli 2011 teilte die Suva, Abteilung Militärversicherung, dem Versicherten mit, sie übernehme
die gesetzlichen Leistungen, wobei sie je nach Verlauf der Gesund
heitsschädigung ihre Leistungspflicht überprüfen werde (Urk. 8/6).
1.2
Am 9. November 2015 wurde der Versicherte durch seinen Hausarzt wegen wieder auftretenden Rückenbeschwerden bei der Militärversicherung angemeldet (Urk.
8/14
). Nach Rücksprache der Militärversicherung mit der Hausarztpraxis (Telefonnotiz vom 18. November 2015, Urk. 8/15) wurde die Rechnung für die Behandlung der Krankenkasse zugestellt und von dieser beglichen (vgl. Leistungszusammenstellung, Urk. 8/36 S. 3).
1.3
Am 30. Mai 2016 erlitt der Versicherte ein
Verhebetrauma
,
als er einen Graben
stampfer beim Abladen aufgefangen hatte. Danach habe er unter stechenden Schmerzen im Rücken bis ins Bein gelitten. Dieses Ereignis wurde
am 1. Juni 2016
bei der
Suva Unfallversicherung angemeldet
(Urk.
8/
17
)
, wofür diese ihre Leistungspflicht anerkannt
e
(vgl. Urk. 2 S. 2 Ziff. 6
, 8/17/2
).
1.4
Am 17. August 2017 meldete sich der Versicherte wiederum bei der Militärver
sicherung an
mit der Angabe
, da
s
s
er seit Juli 2017 erneut an Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Rückenbereich leide (Urk.
8/19
). Nach Abklärung der medizinischen Situation inklusive einer kreisärztlichen Beurteilung (vgl. Urk. 8/
35
) teilte die Militärversicherung dem Versicherten mit Schreiben vom 14. Dezember 2017 mit, bei den lumbalen Rückenbeschwerden
handle es sich
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weder
um
Spätfolgen noch eine
n
Rückfall
im Zusammenhang mit
der im Jahr 2011 während des Dienstes erfolgten
vorüber
gehenden Verschlimmerung
seines Vorzustandes. Sie lehne eine Haftung daher ab (Urk. 8/40).
Mit Verfügung vom 17. Dezember 2018 hielt
sie
daran fest und lehnte die Haftung für die Rückenbeschwerden ab (Urk. 8
/50
). Die dagegen erhobene Einsprache vom 28. Januar 2019 (Urk. 8/53)
wurde mit Entscheid vom 12. November 2019
(richtig: 2020)
abgewiesen (Urk. 8/64 = Urk. 2)
.
2.
Der Versicherte erhob am 14. Dezember
2020 (
Urk.
1) Beschwerde geg
en den
Einspracheentscheid
vom 12
.
November
2020 (Urk.
2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und ihm
seien die
gesetzlichen Leistungen aus der Militärversiche
rung
zuzusprechen
(Urk.
1
S.
2). Die Militärversicherung schl
oss mit Beschwerde
antwort vom 29
.
Januar
202
1
auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
7
). Dies
wurde dem Beschwerdeführer am 3
.
Februar
202
1 zur Kenntnis gebracht (Urk. 9
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 5
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Militärversicherung (MVG) erstreckt sich die Haftung der Militärversicherung auf jede Gesundheitsschädi
gung, die während des Dienstes in Erscheinung tritt und gemeldet oder sonst wie festgestellt wird. Die Militärversicherung haftet nicht, wenn sie den Beweis erbringt, dass die Gesundheitsschädigung sicher vordienstlich ist oder sicher nicht während des Dienstes verursacht werden konnte (Art.
5 Abs.
2
lit
.
a MVG), und wenn sie zusätzlich den Beweis erbringt, dass diese Gesundheitsschädigung sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in ihrem Ablauf beschleunigt worden ist (Art. 5 Abs. 2
lit
. b MVG). Wird der nach Absatz 2 Buchstabe a gefor
derte Beweis erbracht, dagegen nicht derjenige nach Absatz 2 Buchstabe b, so haftet die Militärversicherung für die Verschlimmerung der Gesundheitsschädi
gung. Der nach Absatz 2 Buchstabe b geforderte Beweis gilt auch für die Bemessung des versicherten Schadens (Art. 5 Abs. 3 MVG).
Wird die Gesundheitsschädigung erst nach Schluss des Dienstes durch einen Arzt, Zahnarzt oder
Chiropraktor
festgestellt und bei der Militärversicherung angemel
det, oder werden Spätfolgen oder Rückfälle geltend gemacht, so haftet die Militärversicherung nur, wenn die Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit während des Dienstes verursacht oder verschlimmert worden ist oder wenn es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um Spätfolgen oder Rückfälle einer versicherten Gesundheitsschädigung handelt (Art. 6 MVG).
1.2
Die Haftung gemäss Art.
5 MVG einerseits sowie Art.
6 MVG anderseits unter
scheidet sich darin, dass im ersten Fall der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den Einwirkungen während des Dienstes und der Gesundheitsschädi
gung vermutet wird und nur durch den gegenteiligen Sicherheitsbeweis ausgeschlossen werden kann, während im zweiten Fall das Vorliegen adäquat kausaler Folgen von Einwirkungen während des Dienstes erstellt sein muss
(BGE
123 V 137 E. 3a,
111 V
37
0
E. 1b mit Hinweis). Der Sicherheitsbeweis gilt als geleistet, wenn feststeht, dass nach der medizinischen Erfahrung eine Einwirkung verschlimmernder Faktoren während des Dienstes praktisch ausge
schlossen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_185/2019 vom 1
1.
Oktober 2019
E. 5.2).
1.3
1.3.1
Wird nachdienstlich eine Gesundheitsschädigung festgestellt und gemeldet, nachdem bereits früher eine Bundeshaftung anerkannt worden ist, stellt sich die Frage nach dem Fortbestand (beziehungsweise dem Wiederaufleben) der bisheri
gen Haftung oder dem Vorliegen eines neuen Versicherungsfalls. Liegt ein neuer Versicherungsfall vor, beurteilt sich die Haftung nach
Art.
6 MVG und damit nach dem Kausalitätsprinzip. Bei Identität des Versicherungsfalls erstreckt sich die bisherige Haftung auch auf die neu gemeldete Gesundheitsschädigung, wobei je nach Ausgangslage die Haftungs- und Beweisregeln von
Art.
5 MVG oder diejenigen von
Art.
6 MVG zur Anwendung gelangen (
Maeschi
,
Kommentar zum Bundesgesetz über die
Militärversicherung, Bern 2000,
N 11 zu
Art.
6, S. 94).
Um den gleichen Versicherungsfall handelt es sich praxisgemäss, wenn die zur Anmeldung gelangende Gesundheitsschädigung in einem sachlichen und zeit
lichen Zusammenhang mit der ursprünglichen Gesundheitsschädigung steht (
Maeschi
,
a.a.O., N
42 d
er Vorbemerkungen zu den Art. 5-7 MVG, S.
78). Ein neuer Versicherungsfall liegt vor, wenn die nachdienstlich gemeldete Gesund
heitsschädigung nicht zum Symptomkreis der versicherten Gesundheitsschädi
gung gehört. Bei gleicher Gesundheitsschädigung wird praxisgemäss
ein neuer Versicherungsfall
angenommen, wenn ein längeres beschwerdefreies Intervall vorliegt, welches auf eine Abheilung der ursprünglichen Gesundheitsschädigung schliessen lässt, und keine Brückensymptome vorhanden sind, die auf ein kontinuierliches Fortbestehen des als versichert anerkannten Leidens schliessen lassen (
Maeschi
,
a.a.O., N 12 zu Art.
6, S. 94).
1.3.2
Die Haftung für Rückfälle und Spätfolgen
nach
Art.
6 MVG
greift Platz, wenn trotz Identität der Gesundheitsschädigung ein neuer Versicherungsfall anzuneh
men ist. Liegt kein neuer Versicherungsfall vor, gilt bei Identität der Gesundheits
schädigung weiterhin die bisherige Haftung nach
Art.
5 oder
Art.
6 MVG. Werden Spätfolgen oder Rückfälle geltend gemacht, ist daher vorab zu prüfen, ob ein neuer Versicherungsfall gegeben ist (
Maeschi
, a.a.O., N 4
3 zu Vorbemerkungen zu Art. 5-7 MVG, N 23 zu Art.
6 MVG, S
. 78 und S. 97
).
Nach dem Wortlaut des Gesetzes besteht bei Rückfällen und Spätfolgen zwar insofern eine Besonderheit, als sich die vorausgesetzte Kausalität auf den Zusammenhang mit der versicherten ursprünglichen Gesundheitsschädigung bezieht. Schon im Hinblick darauf, dass für Spätfolgen und Rückfälle auch nach
dienstliche zivile Einwirkungen ursächlich sein können, kann die Identität der gemeldeten Spätfolge oder des Rückfalls mit der ursprünglichen Gesundheits
schädigung für sich allein jedoch nicht haftungsbegründend sein. Vielmehr bedarf es darüber hinaus eines natürlichen und adäquaten Kausalzusammen
hangs der Spätfolgen oder des Rückfalls mit Einwirkungen während des Dienstes (
Maeschi
, a.a.O., N 24 zu
Art.
6 MVG, S. 97 f.).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134
V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) davon aus,
bei den im August 2017 erneut angemeldeten Rückenbeschwerden handle es sich um einen neuen Versicherungsfall, da zwar grundsätzlich dieselbe Gesundheitsschädigung wie im Jahr 2011 vorgelegen habe, jedoch während vier Jahren gar keine Beschwerden und dann während zwei Jahren solche, für
welche
andere Versicherungen einzutreten hatten, bestanden hätten (S. 10 f. Ziff. 5
lit
. a
ff.).
Gestützt auf die medizinischen Akten sei sodann auch eine Haftung gestützt auf Art. 6 MVG zu verneinen
, seien doch die im August 2017 gemeldeten Rücken
beschwerden auf die angeborenen und degenerativen Veränderungen zurückzu
führen und nicht auf die im Dienst aufgetretene Verschlimmerung des Vorzustandes
(S. 11 ff. Ziff. 6
lit
. a ff.).
Daran hielt sie in der Beschwerdeantwort fest (vgl. Urk. 7).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1)
bezüglich seiner Rückenpro
blematik sei von einer richtung
gebenden Verschlim
merung (Sequestrierung der Diskushernie L5/S1) einer angeborenen Prädisposi
tion (Spinalkanalstenose),
eventualiter eines klinisch stu
mmen Vorzustandes, zufolge der militärischen Dienstleistung im Jahr 2011 auszugehen (S. 6 ff. Ziff. 18 ff.).
Die mit der Anmeldung im Jahr 2017 geltend gemachten Beschwerden würden den gleichen Gesundheitsschaden (2011) betreffen. Da es folglich um denselben Versicherungsfall wie im Jahr 2011 gehe, folge die Haftung den Regeln nach Art. 5 MVG (S. 9 f. Ziff. 24 ff.). Selbst wenn nicht vom gleichen Versiche
rungsfall auszugehen sei, best
ehe
vorliegend eine Haftung der Beschwerdegegne
rin (S. 10 f. Ziff. 30 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die erneute Anmeldung im August 2017 denselben Versicherungsfall betrifft, für welchen die Beschwerdegegnerin im Jahr 2011 Leistungen erbracht hatte und somit eine Haftung nach Art. 5 MVG
in Frage kommt
. Sofern ein neuer Versicherungsfall vorliegt, ist streitig und zu prüfen, ob die Haftungsvoraussetzungen nach Art. 6 MVG gegeben sind.
3.
3.1
Nachdem sich der Beschwerdeführer am 2. Juli 2011 notfallmässig wegen immo
bilisierenden R
ückenschmerzen lumbal bei
Dr.
med.
Y._
, FMH Allgemeine Medizin,
vorgestellt hatte, veranlasste dieser wegen Verdachts auf eine Diskushernie ein MRI (vgl. Bericht vom 2. Juli 2011, Urk. 8/
16
), welches am 7. Juli 2011 durchgeführt wurde. Aus dem entsprechenden Bericht (Urk. 8/5) ergibt sich folgender Befund:
-
Kongenital eng angelegter Spinalkanal und eng angelegte
Foramina
intervertebralia
.
-
L3-L4: Geringe
Spondylarthrose
beidseits
-
L4-L5: Zirkuläre Bandscheibenvorwölbung. Geringe
Spondylarthrose
beidseits.
-
L5-S1: Bandscheibendehydration. Fokale Diskushernie im Sin
ne einer
Extrusio
median bis
rez
essal
beidseits linksbetont, gering kranial umge
schlagen, mit deutlicher
Recessuseinengung
beidseits li
nksbetont und mit
rez
essalen
Kompressionen der Wurzeln S1 beidseits linksbetont. Eindel
lung des Duralsackes.
In der Beurteilung hielt d
ie R
adiologin
eine fokale Diskushernie im Sin
ne einer
Extrusio
median bis
rez
essal
bei
dseits linksbetont L5-S1 mit
rez
essalen
Kom
pressionen der Wurzeln S1 beidseits linksbetont sowie eine
Chondrose
des Segmentes L5-S1 fest.
3.2
Unter Schonung sei der Beschwerdeführer am 11. Juli 2011 wieder «fast beschwerdefrei» gewesen.
Dr.
Y._
erwartete den Behandlungsabschluss voraussichtlich Mitte August (Urk.
8/
7
).
3.3
Danach stellte sich der Beschwerdeführer
vier Jahre später
am
21. Juli 2015 bei
Dr.
Y._
wegen denselben Beschwerden (Lumbago
) vor
(vgl.
Anmeldung vom 9. Novemb
er 2015, Urk. 8/14). Dem Beschwerdeführer
sei von
Dr.
Y._
eine Spritze verabreicht
worden. Danach
sei
er
nicht mehr
in der Praxis
erschienen (Telefonnotiz vom 18. November 2015,
Ur
k. 8/15).
3.4
Aus der Anmeldung vom 17. August 2017 geht hervor, dass der Beschwerdefüh
rer seit fünf Wochen wieder Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Rückenbereich ha
tte
(
Urk.
8/19).
Die Schmerzen seien nach einem Wochenende nach einer zirka achtstündigen Autofahrt und anschliessender Übernachtung im Zelt aufgetreten (Telefonnotiz
vom 1
1.
Oktober 2017 unter anderem zu
eine
m
Gespräch mit dem Beschwerdeführer vom
7.
August
2017, Urk. 8/27)
.
3.5
In
der Beurteilung zum
MRI
vom 24. Oktober 2017
wurde angeführt
, es liege eine mittelgrosse
rezessal
rechts gelegene Diskushernie L4/5 mit Kompression der Nervenwurzel L5
rezessal
rechts sowie eine kleine
breitbasige
mediane Diskusher
nie L5/S1 mit Kontakt zu den Nervenwurzeln S1
rezessal
beidseits vor. Ansonsten zeige sich ein Normalbefund (Urk.
8/30
).
3.6
In der versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 11. Dezember 2017 schloss
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Chirurgie, spez. Allgemeinchirurgie und Unfall
chirurgie, Kreisarzt Militärversicherung, es sei aufgrund der Aktenlage davon auszugehen, dass auf dem Boden der vorbestehenden degenerativen Veränderun
gen der Lendenwirbelsäule
(LWS)
mit fokaler medianer Diskushernie L5/S1 während des Dienstes vom 1
4.
März bis
4.
Juli 2011 eine vorübergehende Verschlimmerung des Vorzustandes erfolgt sei
, indem
sich
ohne traumatische Einwirkung, insbesondere nach längerem Liegen, ein
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom manifestiert habe. Bei den im Herbst 2015 nach einem behand
lungsfreien Intervall von gut vier Jahren erstmals wieder
behandlungsbedürftigen
lumbalen Rückenbeschwerden handle es sich mit überwiegender Wahrscheinlich
keit weder um eine Spätfolge noch um einen Rückfall der vorübergehenden Verschlimmerung während des Dienstes im Jahr 2011 (Urk. 8/35 S. 4).
3.7
Im Auftrag des Beschwerdeführers gab
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurochirurgie, am
14. Januar 2019
eine Beurteilung ab (Urk.
8/52
). Er kam zum Schluss, aufgrund der bis im Juli 2011 unbekannten
,
angeborenen (Spinalkanal
stenose) und erworbenen (Diskushernie) Veränderungen an der
LWS
sei
es nach einem extrem harten körperlichen Einsatz im Jahre 2011 bei den Panzergrena
dieren zu einer gesundheitlichen Schädigung gekommen. Der dadurch eingetretene Gesundheitsschaden betreffe angeborene und erworbene Verände
rungen. Die akute Komponente des Gesundheitsschadens 2011 sei zwar rasch wieder abgeklungen, aber die gesundheitliche Schädigung auf die akute Kompo
nente zu reduzieren, greife hier nicht. Grundsätzlich sei ein richtungsgebender, also dauerhafter
,
Gesundheitsschaden durch den im Nachhinein ungeeigneten Militäreinsatz entstanden (S. 5 unten). Bei einem «Wegdenken» der stattgehabten gesundheitlichen Schädigung hätte der Beschwerdeführer noch jahrzehntelang symptomfrei oder symptomarm bleiben können. Die klinischen und bildmorpho
logischen Befunde würden diese Annahme rechtfertigen. Es habe vor dem ungeeigneten Militäreinsatz keine Eigendynamik der Erkrankung vorgelegen, welche aus sich selbst heraus - absehbar - auf ein progredientes Krankheits
geschehen der LWS schliessen lassen würde. Es sei typisch für kongenitale Veränderungen der LWS, dass einerseits ein jahrzehntelanger asymptomatischer Verlauf möglich sei, andererseits bei einer Erstman
ifestation beziehungsweise
einem
klinisch
en
S
ymptomatisch-W
erden eine Eigendynamik der Erkrankung ins Spiel kommen könne - wie beim Beschwerdeführer (S. 6 oben).
Das Schadenereignis beim Militär im Jahr 2011 sei teilkausal für den weiteren Verlauf ab Sommer 2011 bis heute. Ein neuer Versicherungsfall sei nicht einge
treten. «Primär kausal» sei die Kombination aus angeborenen und erworbenen Veränderungen (S. 6 Mitte).
3.8
In der
von der Beschwerdegegnerin veranlassten
Beurteilung
durch Prof.
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Neurochirurgie FMH, Suva Versicherungsmedizin, vom 14. September 2020
(
Urk. 8/
61
)
führte letztere aus, die in der MRI-Bildgebung vom 7. Juli 2011 ersichtliche degenerative
Diskopathie
mit Bandscheibenvorwölbung und kleinem Sequester linksbetont sowie Veränderun
gen im Bereich der Gelenkfacette links hätten überwiegend wahrscheinlich bereits vor dem Auftreten der Schmerzen vom 21. Juni 2011 bestanden. Die Beschwerden seien nach «Liegestellen» aufgetreten. Es sei somit zu einer vorüber
gehenden Verschlimmerung eines bis dato stummen Vorzustandes gekommen.
Die spätere Beschwerdefreiheit bis Herbst 2015 mit einem behandlungsfreien Intervall von zirka vier Jahren stütze diese Sicht. Der spätere Bandscheibenvorfall LWK 4/5 sei im MRI von 2011 noch nicht nachweisbar gewesen (S. 9 f.). Bei den bis 27. Oktober 2017
behandlungsbedürftigen
lumbalen Beschwerden handle es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weder um eine Spätfolge noch um einen Rückfall der vorübergehenden Verschlimmerung während des Dienstes vom 14. März bis 4. Juli 201
1.
Die operativen Eingriffe 2018
(vgl.
Urk.
8/51
)
hätten einen strukturellen Zustand behandelt, der überwiegend wahrscheinlich nicht durch das initiale Ereignis mit Rückenschmerzen ab 21. Juni 2011 verursacht worden sei (S.
10 f.).
3.9
In der Stellungnahme vom 12. Dezember 2020 von
Dr.
A._
(Urk. 3)
machte dieser insbesondere geltend, beim Beschwerdeführer habe gestützt auf
die hausärztlichen Berichte vor 2011 keine chronische Rückenschmerz-Vorgeschichte vorgelegen
(S. 1)
.
Er hielt nochmals fest, dass die Ko-Inzidenz der verschiedenen, beim Beschwerdeführer vorliegenden Pathologien einen ungüns
tigen langfristigen Verlauf und eine über die Altersnorm deutlich hinausgehende Degeneration erklären würden. Eine Verschlechterung in Richtung der dann später erforderlichen Bandscheibenoperation sei absehbar gewesen. Beim «Weg
denken» des Panzergrenadier-Einsatzes wären diese Eingriffe nicht nötig gewesen (S. 2).
4.
Zu prüfen ist in einem ersten Schritt, ob es sich bei den im August 2017 geltend gemachten Beschwerden um solche im Zusammenhang mit dem Versicherungs
fall vom Jahr 2011 handelt oder ob von einem neuen Versicherungsfall auszuge
hen ist.
Aufgrund eines mehrjährigen behandlungs- und beschwerdefreien Intervalls ist mit der Beschwerdegegnerin von einem neuen Versicherungsfall auszugehen (vgl. E.
1.3.1
). Brückensymptome - also Symptome, welche sich von allgemein üblichen Beschwerden, die hin und wieder auftreten, deutlich unterscheiden, von einer gewissen Intensität und Konstanz sind, die Lebensführung deutlich und nachhaltig beeinflussen oder so stark sind, dass eine Therapie durchgeführt wird oder die Arbeitsleistung nachweislich absinkt (vgl.
Debrunner
/
Ramseier
, Die Begutachtung von Rückenschäden in der schweizerischen sozialen Unfallver
sicherung, 1990, S. 64) -
sind weder geltend gemacht
noch aufgrund der A
kten ersichtlich, sind doch nach Juli
2011 bis
Juli 2015
keine ärztlichen Behandlungen dokumentiert.
D
er Krankengeschichte der Hausarztpraxis, welche der Beschwer
deführer im Juli 2011 konsultierte (
Dr.
Y._
)
,
kann entnommen werden, dass
zwischen dem 11. J
uli 2011
(fast beschwerdefrei
; Urk. 8/20
) und dem
31. Mai 2016, als er tags zuvor ein
Verhebetrauma
erlitten und seither an einer akuten Lumbalgie gelitten
hatte
(
Dr.
C._
, Urk. 8/31),
keine Konsultationen statt
fanden.
Die behandlungsfreie Zeit vom 7. Juli 2011 bis 21. Juli 2015 bestätigte
Dr.
C._
nochmals mit Schreiben vom 15. Dezember 2017 (Urk. 8/37).
Der Beschwerdeführer habe auch berichtet, es sei ihm die letzten fünf Jahre gut gegangen mit nur wenig Lumbalgien.
Die Konsultation
vom 21. Juli
2015
- welche jedoch weder mit einem Arztbericht noch einem Krankengeschichteein
trag dokumentiert ist -
ergab mittels einmaliger Schmerzmittelinfiltration therapierbare Beschwerden
(vgl. E. 3.3)
.
Selbst
wenn
also
die Anmeldung vom August 2017 denselben Gesundheits
schaden betrifft - auf diesen Standpunkt berief sich der Beschwerdeführer (vgl. E. 2.2) und die Beschwerdegegnerin stellte dies auch nicht in Abrede (vgl. Urk. 2 S. 10 f. Ziff. 5
lit
. f.) - ist aufgrund des langen beschwerde- und behandlungs
freien Intervalls zwischen Juli 2011 und Juli 2015 von einem neuen Versicherungsfall auszugehen. Dies schliesst eine Haftung nach Art. 5 MVG aus.
5.
5.1
Demzufolge bleibt zu prüfen, ob eine Haftung gestützt auf Art. 6 MVG vorliegt.
Dazu ist erforderlich, dass zwischen dem Rückfall und den Einwirkungen während des Dienstes ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Darüber hinaus muss der Kausalzusammenhang adäquat sein (
vgl. E. 1.3.2
.).
5.2
Entgegen der Darlegung von
Dr.
A._
wie auch des Beschwerdeführers geht aus einem Ein
trag aus dem Sanitätsdossier (
vgl.
Urk. 8/16
S. 4 Ziff. 1
) hervor, dass der Beschwerdeführer bereits vor seinem Militäreinsatz an Lumbalgie litt und sich die Schmerzen somit nicht erstmals während der RS, sondern bereits im Jahr 2006
geäussert hatten.
Aus dem Umstand, dass während seiner Dienstzeit
im Jahr 2011 Rücken
beschwerden auftra
ten und
erstmals
im Juli 2011
bildgebend
eine
unbestrittener
massen
angeborene Spinalkanalstenose sowie
e
ine
Bandscheibendehydration
mit fokaler Diskushernie L5/S1
objektiviert wurde
, lässt sich
für
die
sechs Jahre später
mit Anmeldung vom August 2017
erneut geltend gemachte
n
Rückenbeschwerden
sodann
kein Kausalzusammenhang
herleiten
.
Als im Jahr 2011 versicherte Gesundheitsschädigung zu betrachten ist im Lichte der medizinischen Aktenlage nämlich einzig die
vorübergehende
Verschlechterung der Schmerzsymptomatik:
So drängen sich an der Einschätzung von
Dr.
B._
, wonach die im MRI vom
7.
Juli 2011 ersichtliche degenerative
Diskopathie
mit Bandscheibenvor
wölbung und kleinem Sequester im Segment L5/S1 sowie die Veränderungen im Bereich der Gelenkfacette links überwiegend wahrscheinlich bereits vor dem Auftreten der Schmerzen vom 2
1.
Juni 2011 bestanden haben (vgl. E. 3.8), keine Zweifel auf. Diese Einschätzung korrespondiert nicht nur mit der Beurteilung von
Dr.
Z._
vom 1
1.
Dezember 2017, wonach ebenfalls von einer lediglich vorübergehenden Verschlimmerung des Vorzustandes auf dem Boden vorbe
stehender degenerativer Veränderungen mit fokaler Diskushernie L5/S1
im Sinne eines
lumbovertebralen
Schmerzsyndroms
auszugehen ist (E. 3.6). Sie trägt auch der
medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenver
änderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter beson
deren Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt (Urteil
des Bundesgerichts
8C_552/2020 vom 1
6.
Dezember 2020 E. 3.2 mit Hinweisen)
, Rechnung. Nachdem im hier zu beurteilenden Fall noch nicht einmal ein Unfall
ereignis als auslösend diskutiert
wird
und alleine der Umstand der körperlich schweren Grenadier-RS als auslösender Faktor den zeitlichen Zusammenhang nicht herzustellen vermag
,
durfte die Beschwerdegegnerin davon ausgehen, dass die während der RS eingetretene Verschlimmerung des Vorzustandes sich im Schmerzsyndrom erschöpfte und vorübergehender Art war
.
Nachdem
Dr.
Y._
den Behandlungsabschluss Mitte August 2011 erwartete und keine weiteren Konsultationen bis im Juli 2015 dokumentiert sind (E. 3.2 und 3.3)
, kann da
von ausgegangen werden, dass das
während der RS
aufgetretene Schmerzsyndrom auf dem Boden der vorbestandenen angeborenen und degenerativen Veränderun
gen
im Spätsommer 2011 behoben war.
Damit fällt
eine Haftung im Zusammenhang mit – nach längerem beschwerde
freien Intervall – im Jahr 2017 aufgetretenen Rückenschmerzen im Sinne eines Rückfalls oder von Spätfolgen einer versicherten Gesundheitsschädigung ausser Betracht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_3
5/2012 vom 2
7.
Juli 2012 E. 3).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 1 S. 10) vermag eine allfällige Identität des Gesundheitsschadens
, welche sich hier im
lumbalen
Schmerzsyndrom erschöpft,
bei einem mehrere Jahre angedauerten beschwerde- und behandlungsfreien Intervall noch keine Kausalität zu begründen (vgl. E. 1.3.2).
Dr.
B._
wies zudem nachvollziehbar darauf hin, dass der im MRI vom Oktober 2017 dokumentierte Bandscheibenvorfall L4/5 im MRI von 2011 noch nicht nachweisbar
war
(vgl. E. 3.8). Die erneut aufgetretenen Beschwerden im Juli 2017 sind sodann nach einer achtstündigen Autofahrt mit anschliessender Über
nachtung im Zelt aufgetreten, was zumindest den Verdacht nahelegt,
dass
diese im Z
usammenhang mit diesem Umstand
stehen
. Ein Kausalzusammenhang zur RS im Jahr 2011
und den damaligen Rückenbeschwerden
lässt sich
jedoch
schlichtweg nicht erkennen und wird von den Versicherungsmediziner
n
zu Recht
verneint (vgl. E. 3.6, 3.8).
D
er Argumentation von
Dr.
A._
, es habe vor dem Militäreinsatz keine Eigendynamik der Erkrankung vorgelegen, weshalb
der geleistete Militärdienst
teilkausal sei für den weiteren Verlauf ab Sommer 2011
(vgl. E. 3.7)
, kann nicht gefolgt werden.
Er widerspricht sich selbst, indem er ausführt, es habe vor dem Militäreinsatz keine Eigendynamik der Erkrankung vorgelegen, welche aus sich selbst heraus absehbar auf ein progredientes Krankheitsgeschehen der LWS hätte schliessen lassen, später dann aber ausführt, es sei gerade typisch für kongenitale Veränderunge
n, dass bei einem
S
ymptomatisch-
Werden eine Eigendynamik der Erkrankung ins Spiel komme. Seine Herleitung einer (Teil)Kausalität ist nicht
nachvollziehbar
. Dies
bestätigt sich
nochmals
in
seiner Ausführung, es
wäre
beim «Wegdenken» des Panzergrenadier-Einsatzes keine Bandscheibenoperation nötig gewesen
(vgl. E. 3.9)
. Nebst dem Umstand, dass die Probleme des Beschwerdefüh
rers nicht während eines
Panzergrenadier-
E
insatzes, sondern nach längerem Liegen aufgrund einer
Bronchitits
während der RS auftraten, basiert seine Argumentation auf Spekulation.
5.3
Nach dem Gesagten lässt sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein Kausalzusammenhang zwischen den im August 2017 geltend gemachten Rücken
beschwerden und
jenen Rückenbeschwerden, welche während des
Militärdienst
es
vom 14. März 2011 bis 4. Juli 2011
in Erscheinung traten,
herleiten, weshalb die Haftungsvoraussetzungen gemäss Art. 6 MVG nicht gegeben sind.
6.
Zusammenfassend ist der
Einspracheentscheid
vom 12. November 2019 (richtig: 2020) nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt.