Decision ID: ca13863d-21d8-5982-8cc9-dae1c4b416c8
Year: 2011
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegner sind Eigentümer des 3. Obergeschosses und des
Dachgeschosses des Gebäudes G._strasse 31, Parzelle Nr. H._, in Bern.
Die Stadt Bern bewilligte ihnen mit Bauentscheid vom 28. Juli 2006 den Umbau der
bestehenden Wohnungen im 3. Obergeschoss und den Ausbau des darüberliegenden
Dachgeschosses zu einer 3- und einer 5-Zimmer Maisonettewohnung. Das Gebäude ist
der Wohnzone a und der Lärmempfindlichkeitsstufe ES II zugeordnet. Es ist im
Bauinventar Breitenrain-Wyler als schützenswert bezeichnet und liegt in der Baugruppe 6,
G._strasse. Das Gebäude ist zudem mit Vertrag vom 8. November 2009 unter
Schutz gestellt worden im Sinne von Art. 14 DPG1. Der Bauentscheid vom 28. Juli 2006
enthält unter anderem folgende Auflage: „Der Schallschutz bei Aussenbauteilen und
Trennbauteilen lärmempfindlicher Räume sowie bei Treppen und haustechnischen
Anlagen hat, soweit sie umgebaut, ersetzt oder neu eingebaut werden, den Anforderungen
nach Art. 32 und 33 der Lärmschutzverordnung sowie der SIA-Norm 181 (Ausgabe 1988)
zu entsprechen.“ Der Bauentscheid ist in Rechtskraft erwachsen und der Um- und Ausbau
wurde vorgenommen.
2. Die Beschwerdeführer sind Eigentümer und Bewohner des 2. Obergeschosses des
Gebäudes G._strasse 31. Sie machten am 28. April 2009 baupolizeiliche Anzeige
bei der Stadt Bern. Sie machen geltend, der Umbau des 3. Obergeschosses und des
Dachgeschosses sei nicht entsprechend der Baubewilligung vom 28. Juli 2006 erfolgt; die
Auflagen betreffend Schallschutz bei Trennbauteilen seien missachtet worden. Die Tritt-
und Wohngeräusche aus dem oberen Stockwerk hätten seit dem Umbau erheblich
zugenommen und störten stark. Mit Entscheid vom 25. August 2009 verfügte das
Bauinspektorat der Stadt Bern Folgendes: „1. Auf die baupolizeiliche Anzeige vom
08.05.2009 wird nicht eingetreten. 2. Verfahrenskosten werden nicht erhoben. Die
Parteikosten werden wettgeschlagen.“
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführer am 18. September 2009 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Aufhebung der Verfügung des Bauinspektorats vom 25. August 2009. Die Vorinstanz sei
1 Gesetz vom 8. September 1999 über die Denkmalpflege (Denkmalpflegegesetz, DPG; BSG 426.41).
3
anzuweisen, die vorgenommenen Umbauarbeiten im 3. und 4. Obergeschoss der
Liegenschaft G._strasse 31 auf die Einhaltung der Lärmschutzvorschriften für
Innenlärm zu überprüfen und die erforderlichen Massnahmen zur Herstellung des
gesetzmässigen Zustands anzuordnen. Die Vorinstanz beantragt in ihrer Stellungnahme
vom 6. Oktober 2010 die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdegegner beantragen
in der Beschwerdeantwort vom 30. Oktober 2010, auf die Beschwerde sei nicht
einzutreten, eventuell sei sie abzuweisen. Sie machen geltend, bei der
Auseinandersetzung zwischen den Parteien handle es sich um eine privatrechtliche
Streitigkeit. Falls die Beschwerdeinstanz dennoch auf die Beschwerde eintrete, sei
festzustellen, dass keine Trennbauteile im Sinne der Lärmschutzverordnung umgebaut
worden seien.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte im
Beisein der Parteien, einer Vertretung der Stadt Bern, der städtischen Denkmalpflege und
des Amtes für Gebäude und Grundstücke des Kantons Bern einen Augenschein durch. Es
lies von der B+S AG Bern eine bauakustische Ermittlung durchführen. Eine Beschwerde
der Beschwerdegegner gegen diese Anordnung des Rechtsamtes wies das
Verwaltungsgericht mit Entscheid vom 15. Juni 2010 (VGE 110.2010.181) ab. Die Parteien
erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins und zum Gutachten der B+S
AG zu äussern sowie Schlussbemerkungen einzureichen.
Auf die Rechtsschriften und das Gutachten der B+S AG sowie auf das Ergebnis des
Augenscheins wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
4
a) Die Beschwerdegegner beantragen, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten. Bei
der Streitsache handle es sich um eine privatrechtliche Streitigkeit und nicht um den Fall
einer Missachtung einer Baubewilligung. Aus diesem Grund sei die Vorinstanz zu Recht
nicht auf die Anzeige eingetreten und werde der BVE beantragt, ebenfalls nicht auf die
Beschwerde einzutreten.
b) Die Beschwerdeführer haben bei der Stadt Bern am 28. April 2009 eine
baupolizeiliche Anzeige gemäss Art. 46 BauG3 eingereicht. Auf diese Anzeige hin hat die
Stadt Bern ein Verfahren zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes
durchgeführt und dieses mit der angefochtenen Verfügung abgeschlossen. Nach Art. 49
Abs. 1 BauG können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48 BauG innert 30
Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Angefochten
werden können auch Verfügungen, in denen festgestellt wird, dass keine Verletzung der
Baubewilligung vorliegt. Die Beschwerdeführer sind als Anzeiger durch die angefochtene
Verfügung beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert.4 Auf ihre form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Prüfungsbefugnis der BVE
a) Die Beschwerdegegner sind der Ansicht, die BVE könne im Falle des Eintretens auf
die Beschwerde nur die Rückweisung an die Vorinstanz verfügen und nicht selber in der
Sache entscheiden.
b) Das Dispositiv der Verfügung vom 25. August 2009 lautet in Ziffer 1 wie folgt: „Auf die
baupolizeiliche Anzeige vom 08.05.2009 wird nicht eingetreten.“ Von einem
„Nichteintreten“ wird üblicherweise gesprochen, wenn die Sachurteilsvoraussetzungen
nicht gegeben sind, z.B. wenn der Beschwerdeführer nicht legitimiert ist. Jedoch ist der
Gehalt des Dispositivs durch Auslegung zu ermitteln. Dabei ist insbesondere auf die
Begründung der Verfügung abzustellen.5 Unter der Überschrift Sachverhalt wird in der
Verfügung unter anderem ausgeführt: „Als Mitbewohner der Liegenschaft
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Vgl. Art. 46 Abs. 2 Bst. a BauG und Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 49 N. 2. 5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 49 N. 4 und Art. 52 N. 12.
5
G._strasse 31 sind die Kläger unmittelbar betroffen. Auf die baupolizeiliche
Anzeige ist daher einzutreten.“ In den Erwägungen steht unter Schlussfolgerungen: „Da die
beiden Böden nicht umgebaut, ersetzt oder neu eingebaut wurden, kommt die in der
Bewilligung unter dem Titel „Umweltschutz“ aufgeführte Bedingung nicht zur Anwendung.
Es sind keine zwingenden Massnahmen zur Verbesserung des Schallschutzes
anzuordnen.“ Die Stadt Bern hat also ein Wiederherstellungsverfahren materiell
durchgeführt mit dem Ergebnis, dass das Bauvorhaben nicht in Überschreitung der
Baubewilligung ausgeführt worden sei und daher keine Wiederherstellungsmassnahmen
anzuordnen seien. Die Ausführungen in der Verfügung vom 25. August 2009 sind
diesbezüglich klar und lassen keinen anderen Schluss zu. Ziffer 1 des Dispositivs kann
daher nach Treu und Glauben nur so verstanden werden, dass der Anzeige insofern nicht
statt gegeben wird, als keine Wiederherstellungsmassnahmen verfügt werden. Die
Verfügung vom 25. August 2009 der Stadt Bern ist somit kein Nichteintretensentscheid,
sondern der Abschluss eines Wiederherstellungsverfahrens mit dem Schluss, es seien
keine Wiederherstellungsmassnahmen zu treffen.
c) Gegen diese baupolizeiliche Verfügung wurde Beschwerde bei der BVE erhoben.
Das Rechtsbegehren lautet erstens auf Aufhebung der Verfügung. Zweitens wird verlangt,
die Vorinstanz sei anzuweisen, die Umbauarbeiten auf die Einhaltung der
Lärmschutzvorschriften zu überprüfen und die erforderlichen Massnahmen zur Herstellung
des gesetzmässigen Zustandes anzuordnen. Streitgegenstand im Verfahren vor der BVE
ist somit die gesamte Verfügung der Stadt Bern vom 25. August 2009. Im Rahmen des
Streitgegenstandes hat die BVE das Recht von Amtes wegen anzuwenden. Sie ist nicht an
die Parteianträge gebunden.6 Sie kann also – anders als in Ziffer 2 des Rechtsbegehrens
die Beschwerdeführer verlangen – in der Sache selber entscheiden. Ein solches Vorgehen
ist in Art. 72 Abs. 1 VRPG7 denn auch als Regelfall vorgesehen und durch
prozessökonomische Überlegungen geboten.
3. Öffentlich-rechtliche oder privatrechtliche Streitigkeit
a) Die Stadt Bern macht in ihrer Stellungnahme vom 14. Februar 2011 geltend, der
Umbau im 3. Obergeschoss sei nicht baubewilligungspflichtig. Sie zieht daraus den
6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 11. 7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
6
Schluss, die Baupolizeibehörde wäre nicht verpflichtet gewesen, auf die baupolizeiliche
Anzeige betreffend das 3. Obergeschoss einzutreten. Die Streitigkeit zwischen den
Parteien sei privatrechtlicher Natur. Diese Meinung vertreten auch die Beschwerdegegner.
b) Die Baubewilligung vom 28. Juli 2006 umschreibt das Bauvorhaben wie folgt:
„Umbau der bestehenden Wohnung im 3. Obergeschoss mit Ausbau des darüberliegenden
Dachgeschosses zu 3- und 5-Zimmer Maisonettewohnungen“. Die Auflage betreffend
Schallschutz auf S. 4 oben des Bauentscheids macht keinen Unterschied zwischen dem 3.
und 4. Obergeschoss. Dies zu Recht. Für die Geltung der Schallschutzvorschriften des
Umweltschutzrechts spielt es keine Rolle, ob ein Bauvorhaben eine Baubewilligung braucht
oder nicht. Das Umweltschutzrecht gilt auch für baubewilligungsfreie Bauvorhaben; darauf
weist auch Art. 1b Abs. 2 BauG hin. Die Vorschriften über den Schallschutz bei neuen und
geänderten Gebäuden sind Bundesumweltrecht und damit öffentlich-rechtliche
Vorschriften. Bei Klagen wegen Innenlärm haben die Baupolizeibehörden tätig zu werden.8
c) Im vorliegenden Fall ist aber der Umbau von inneren Bauteilen, Raumstrukturen und
festen Ausstattungen ohnehin baubewilligungspflichtig, da es sich um ein schützenswertes
Baudenkmal handelt (Art. 10b Abs. 2 BauG, Art. 7 Abs. 2 BewD9).
4. Schallschutz bei Umbauten
a) Die Beschwerdeführer rügen, beim Umbau des 3. und 4. Obergeschosses seien die
Schallschutzvorschriften des Umweltrechts nicht eingehalten worden. Die
Beschwerdegegner und die Vorinstanz sind der Ansicht, die Anforderungen des
Umweltrechts seien eingehalten worden, soweit sie hier überhaupt zur Anwendung kämen.
b) Wer ein Gebäude erstellen will, das dem längeren Aufenthalt von Personen dienen
soll, muss einen angemessenen baulichen Schutz gegen Aussen- und Innenlärm sowie
gegen Erschütterungen vorsehen. Der Bundesrat bestimmt durch Verordnung den
Mindestschutz (Art. 21 USG10). Nach Art. 32 Abs. 1 LSV11 sorgt der Bauherr eines neuen
8 Art. 35 LSV; BGE 122 II 65 E. 4 und 5; Urteil des Walliser Kantonsgerichts vom 9. April 1998, in Zeitschrift für Walliser Rechtsprechung (ZWR) 1999 S. 53 ff.; Pressedienst der Schweizerischen Vereinigung für Landesplanung (VLP), Nr. 334, September 1999 9 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 10 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 11 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41)
7
Gebäudes dafür, dass der Schallschutz bei Aussenbauteilen und Trennbauteilen
lärmempfindlicher Räume sowie bei Treppen und haustechnischen Anlagen den
anerkannten Regeln der Baukunde entspricht. Als solche gelten insbesondere die
Mindestanforderungen nach der SIA-Norm 181 des Schweizerischen Ingenieur- und
Architekten-Vereins. Nach Art. 32 Abs. 3 LSV gelten diese Anforderungen auch für
Aussenbauteile, Trennbauteile, Treppen und haustechnische Anlagen, die umgebaut,
ersetzt oder neu eingebaut werden. Die Vollzugsbehörde gewährt auf Gesuch hin
Erleichterungen, wenn die Einhaltung der Anforderungen unverhältnismässig ist. „Bei der
Änderung bestehender Gebäude, die vor dem Inkrafttreten des USG erstellt wurden, ist
eine Anpassung an die gesetzlichen Erfordernisse nur sinnvoll, soweit die nachträgliche
Verbesserung des Schallschutzes mit vertretbarem Aufwand realisiert werden kann. Das
ist insbesondere beim Schutz gegen Innenlärm häufig nicht der Fall. Die Anforderungen
von Art. 21 müssen daher bei bestehenden Gebäuden nur eingehalten werden: Wenn die
für den Schallschutz massgeblichen Gebäudeteile (...) umgebaut, ersetzt oder neu
eingebaut werden. (...)“12
c) Beim Umbau wurden zwei neue Treppen vom 3. in das 4. Obergeschoss erstellt.
Diese fallen unter Art. 32 Abs. 3 LSV und haben den Anforderungen an den Schallschutz
nach Art. 32 Abs. 1 LSV zu genügen. Nach dem Gutachten der B+S AG sind diese
Anforderungen hier erfüllt.
d) Im 3. Obergeschoss wurden im Zimmer 1 ein Podest vor dem Fenster und ein
Wandschrank entfernt; im Bereich des ehemaligen Podests und des Wandschranks wurde
Parkett verlegt. In diesem Raum wurden zudem Novopan- und Pavatexplatten von den
Wänden entfernt und das bestehende Parkett freigelegt, das früher mit Spanplatten,
Spannteppich und Laminat belegt war. Im Zimmer 2 wurde ebenfalls das bestehende
Parkett freigelegt. Im Zimmer 4 wurden nach den Angaben der Beschwerdegegner keine
Änderungen am Bodenaufbau vorgenommen. Die Beschwerdeführer vermuten, dass
Änderungen am Laminatboden vorgenommen wurden, da dieser früher einen dunkleren
Ton aufgewiesen habe als heute. Aufgrund der Aussagen der Parteien am Augenschein
vom 23. Februar 2010 und der Tatsache, dass im Zimmer 4 Wandschränke und Podest
unverändert sind, erachtet es die BVE als erwiesen, dass im Zimmer 4 der bestehende
Boden nicht verändert wurde. Im Zimmer 3 wurden die alten Bodenbeläge bis auf das
12 Robert Wolf, in Kommentar USG, 2000, Art. 21 N. 15
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Parkett abgetragen, auf das bestehende Parkett ein Trittschallvlies und ein neuer
Laminatboden verlegt. Zudem wurde ein Wandschrank eingebaut.13
Es ist umstritten, ob diese Arbeiten ein Umbau im Sinne von Art. 32 Abs. 3 LSV sind.
Soweit ersichtlich gibt es zum Begriff des Umbaus nach Art. 32 Abs. 3 LSV weder Literatur
noch Rechtsprechung. Die SIA-Norm 181, Ausgabe 2006, S. 5, nennt als Beispiele für
bauakustisch relevante Umbauten u.a. den Ersatz weicher Bodenbeläge (Teppiche) durch
Hartbeläge (Parkett, Laminat, Keramik, Stein). Vom Zweck der Vorschrift her muss der
Begriff ähnlich ausgelegt werden wie ein Umbau nach Art. 18 USG (Umbau und
Erweiterung sanierungsbedürftiger Anlagen). Es ist also die Frage zu beurteilen, wann
Arbeiten so wesentlich sind, dass eine gleichzeitige Sanierung zumutbar scheint. Die
Arbeiten müssen für den Schallschutz relevant sein und eine gewisse Erheblichkeit
aufweisen.14
e) Nach diesen Kriterien ist das reine Freilegen von bestehendem Parkettboden kein
Umbau im Sinne von Art. 32 Abs. 3 LSV. Solche Arbeiten sind weder baulich noch
finanziell erheblich und es wird nicht in die Bausubstanz des Trennbauteils eingegriffen.
Das Entfernen eines Wandschranks und eines Podests und der Einbau eines neuen
Bodens in diesen Bereichen sind zwar bauliche Eingriffe, die für den Lärmschutz relevant
sind. Hier wurde aber nur in einem Zimmer auf sehr kleinen Flächen Parkett neu verlegt.
Der Eingriff ist so gering, dass er nicht als Umbau im Sinne von Art. 32 Abs. 3 LSV zu
qualifizieren ist.
f) Hingegen hat das Entfernen von alten Bodenschichten und das Verlegen eines
neuen Laminatbodens in Zimmer 3 als Umbau im Sinne von Art. 32 Abs. 3 LSV zu gelten.
Es ist zumutbar, dass beim Verlegen des neuen Bodens den Anforderungen an den
Schallschutz Rechnung getragen wird. Der neue Boden in Zimmer 3 genügt nach den
Ergebnissen des Gutachtens der B+S AG den Anforderungen von Art. 32 Abs. 3 LSV nicht.
Weder die Mindestanforderungen der SIA-Norm 181 Ausgabe 1988 noch diejenigen der
Ausgabe 2006 sind eingehalten. Das Zimmer 3 weist die schlechtesten Schallschutzwerte
aller beurteilten Zimmer auf. Der Boden in diesem Zimmer ist an die Mindestanforderungen
anzupassen. Können mit verhältnismässigem Aufwand die Mindestanforderungen nicht
13 Vgl. Protokoll des Augenscheins vom 23. Februar 2010, pag. 57 ff., die Pläne zur Aktennotiz vom 1. November 2010 und die Stellungnahme der Beschwerdeführer vom 17. Januar 2011. 14 Vgl. Schrade/Wiestner, in Kommentar USG, 2001, Art. 18 N. 16 ff.
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eingehalten werden, so können Erleichterungen gewährt werden. In diesem Punkt wird die
Beschwerde gutgeheissen. Den Beschwerdegegnern wird eine Frist von drei Monaten
gesetzt, um bei der Baupolizei der Stadt Bern einen Vorschlag für die Verbesserung des
Schallschutzes in Zimmer 3 einzureichen und allenfalls ein Gesuch um Erleichterungen
einzureichen.
g) Zu prüfen bleibt, wie diese baupolizeiliche Anordnung vollstreckt werden kann. Die
Ersatzvornahme kann nicht angeordnet werden, da zurzeit noch offen ist, ob und welche
Massnahmen zur Verbesserung des Schallschutzes getroffen werden müssen. Die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands kann aber auch erreicht werden, wenn das
Zimmer 3 nicht mehr genutzt wird. Als Ersatzvornahmen wird deshalb ein
Benützungsverbot für das Zimmer 3 angedroht. Da die Kontrolle des Benützungsverbotes
mit unverhältnismässigem Aufwand verbunden wäre, wird die Baupolizeibehörde der Stadt
Bern beauftragt, den Raum zu versiegeln. Zudem werden die Beschwerdegegner auf die
Strafbarkeit nach Art. 50 BauG hingewiesen.
Mit der Einreichung des Vorschlags für die Verbesserung des Schallschutzes oder einem
allfälligen Gesuch um Erleichterungen wird ein neues baupolizeiliches Verfahren
eingeleitet. Die Stadt Bern wird dieses nach den Regeln des BauG führen und mit einer
anfechtbaren Verfügung abschliessen. Falls die geplanten Massnahmen innere Bauteile,
Raumstrukturen und feste Ausstattungen betreffen, ist zudem ein
Baubewilligungsverfahren durchzuführen (vgl. E. 3).
5. Kosten
a) Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Die Vorinstanz hat zu Unrecht keine
Bauakustikmessungen durchführen lassen in demjenigen Zimmer, in dem ein Umbau
vorgenommen wurde, und bei den neuen Treppen. Für ein Zimmer wird die Anpassung an
Anforderungen von Art. 32 Abs. 3 LSV verfügt. Im Übrigen wird die Beschwerde
abgewiesen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens obsiegen die Beschwerdeführenden zur
Hälfte. Sie haben die Verfahrenskosten zur Hälfte zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die
andere Hälfte der Verfahrenskosten geht zu Lasten der Beschwerdegegner.
b) Die Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere
Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben
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werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1’800.--
(Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1 GebV15). Für
den Augenschein vom 23. Februar 2010 wird eine zusätzliche Gebühr von Fr. 500.--
erhoben. Die Kosten des Gutachtens der B+S AG betragen Fr. 7'532.--. Die Messungen
wären nicht im angeordneten Umfang nötig gewesen. Im Zimmer 1 und 2 wurden keine
Umbauten im Sinne von Art. 32 Abs. 3 LSV vorgenommen, dort hätten auch keine
Messungen durchgeführt werden müssen. Die Messungen in Zimmer 4 waren jedoch
sinnvoll, um feststellen zu können, ob die Umbauten bauakustisch relevant waren. Ein
Drittel der Kosten des Gutachtens trägt deshalb der Kanton, zu den Verfahrenskosten
werden nur zwei Drittel, ausmachend Fr. 5'020.-- geschlagen. Die Verfahrenskosten
betragen demnach insgesamt Fr. 7'320.--.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Hier entspricht die Wettschlagung der
Parteikosten dem Unterliegen und Obsiegen beider Parteien.