Decision ID: 712ca828-6e05-52d6-b9b0-f2e09404b651
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die am (...) 1967 geborene deutsche Staatsangehörige A._ (nach-
folgend: Versicherte oder Beschwerdeführerin), von 21. April 2008 bis
31. Januar 2012 als Serviceangestellte beim Hotel B._ angestellt
und dadurch bei der C._ AG (nachfolgend: C._) gegen die
Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, meldete sich wegen
der Folgen eines am 21. Februar 2011 erlittenen Skiunfalls und der
dadurch bedingten Arbeitsunfähigkeit mit Formular vom 17. März 2013
(Posteingang: 19. März 2013) bei der IV-Stelle des Kantons D._
(nachfolgend: IV-Stelle) zum Leistungsbezug an (Akten der IV-Stelle für
Versicherte im Ausland gemäss Aktenverzeichnis und -nummerierung vom
26.09.2018; nachfolgend: act.] 16; act. 20; act. 131). Die IV-Stelle führte
erwerbliche und medizinische Abklärungen durch, indem sie insbesondere
einen Arbeitgeberbericht (act. 22) und medizinische Befund- und Arztbe-
richte einholte (act. 21; act. 23 - 49; act. 51 - 63).
B.
B.a RAD-Arzt Dr. med. E._ kam nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen wie auch in einer an-
gepassten Tätigkeit aus versicherungsmedizinischer Sicht von fachärztli-
cher Seite (Orthopädie/Chirurgie) beurteilt werden müsse (Bericht vom
3. März 2014; act. 64).
B.b RAD-Ärztin Dr. med. F._, FMH Allgemeine Medizin, FMH phy-
sikalische Medizin und Rehabilitation und zertifizierte Medizinerin SIM,
empfahl in ihrer medizinischen Stellungnahme vom 15. Juli 2016 die
Durchführung neurologischer, orthopädischer und psychiatrischer Untersu-
chungen sowie die Einholung entsprechender Berichte bei der Deutschen
Rentenversicherung (act. 156).
B.c Gestützt auf diese Empfehlung ersuchte die nunmehr zuständige Inva-
lidenversicherungs-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA die Deutsche
Rentenversicherung, eine neurologische, psychiatrische und orthopädi-
sche Untersuchung durchzuführen und ihr entsprechende Arztberichte mit
Angaben über die Beschwerden und die funktionellen Einschränkungen
zukommen zu lassen (act. 157).
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B.d Mit Schreiben vom 2. November 2016 übermittelte die Deutsche Ren-
tenversicherung der Vorinstanz ein neurologisch-psychiatrisches Gutach-
ten von Dr. med. G._, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in
(...)/DE, vom 22./26. September 2016 (nachfolgend: neurologisch-psychi-
atrisches Gutachten; act. 168, S. 2 - 15) samt einem ausführlichen ärztli-
chen Bericht dieses Spezialarztes (Formular E 213) vom 27. September
2016 (act. 169, S. 1 - 10; 170). Darin kam der Facharzt zum Schluss, dass
diagnostisch unter anderem eine somatoforme Schmerzstörung sowie eine
sekundäre neurotische Fehlentwicklung vorlägen, wobei fachspezifisch
keine objektivierbaren Einschränkungen des beruflichen Leistungsvermö-
gens bestünden. Neurologisch sei die Versicherte in ihrer letzten Tätigkeit
als Kellnerin und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vollschichtig leistungs-
fähig. Eine orthopädische Zusatzbegutachtung erscheine erforderlich.
B.e In der Folge holte die Vorinstanz ergänzende Berichte ihres medizini-
schen Dienstes vom 29. November 2016 (medizinische Stellungnahme
von Dr. med. F._ vom 29. November 2016, act. 178, S. 1 - 3), vom
8. Februar 2017 (Dr. med. H._, FMH Neurologie, act. 186, S. 1 - 7)
sowie vom 15. März 2017 (Dr. med. I._, FMH Psychiatrie und Psy-
chotherapie, zertifizierte medizinische Gutachterin SIM; act. 191, S. 1 - 3)
ein.
B.f Mit Vorbescheid vom 24. Mai 2017 stellte die IVSTA der Versicherten
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, im Wesentlichen mit
der Begründung, ab dem 21. Februar 2011 (Skiunfall) habe eine Arbeits-
unfähigkeit von 100 %, ab 1. Juni 2012 eine solche von 60 % und ab 1. Au-
gust 2012 eine solche von 0 % resultiert. Weder aus psychiatrischer noch
aus orthopädischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Aus neurologischer Sicht sei die Einschränkung des Plexus brachialis links
mit der Tätigkeit als Servicekraft nicht vereinbar. Der Einkommensvergleich
habe für die Zeit ab 1. August 2012 eine Invalidität von 18 % ergeben. Die
IV-Anmeldung sei erst am 19. März 2013 erfolgt, weshalb – aufgrund der
sechsmonatigen Karenzfrist – eine Rente frühestens ab 1. September
2013 ausgerichtet werden könne; zu diesem Zeitpunkt habe allerdings
keine rentenbegründende Invalidität mehr bestanden (act. 205, S. 1 - 4).
B.g Gegen diesen Vorbescheid erhob die Versicherte mit Eingabe vom
6. Juni 2017 Einwand, im Wesentlichen mit der sinngemässen Begrün-
dung, vor der abschliessenden Prüfung der Angelegenheit seien weitere
Abklärungen durchzuführen (act. 208, S. 1 - 6).
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Seite 4
B.h Mit Eingabe vom 11. Oktober 2017 übermittelte die Versicherte, nun-
mehr vertreten durch Rechtsanwalt Josef Flury, der Vorinstanz einen MRI-
Bericht vom 8. September 2017 samt einer Liste der kürzlich erfolgten so-
wie der geplanten Abklärungen mit dem Antrag, es seien bei den genann-
ten Leistungserbringern noch ergänzende Berichte einzuholen und es sei
ihr nach Vorliegen sämtlicher Akten erneut Gelegenheit zu einer Stellung-
nahme einzuräumen. Ferner sei in dieser komplexen Angelegenheit zwin-
gend ein multidisziplinäres Gutachten einzuholen (act. 225).
B.i Nach Prüfung der daraufhin noch eingereichten Dokumente kam Dr.
med. H._ mit versicherungsmedizinischer Stellungnahme vom
29. Dezember 2017 zum Schluss, dass die neu eingereichten Akten nichts
an den bisherigen Schlussfolgerungen zu ändern vermöchten. Es lägen
bereits qualitativ gute medizinische Berichte vor, so dass sich ein neurolo-
gisches Gutachten erübrige (act. 227).
B.j Mit Verfügung vom 27. Februar 2018 bestätigte die IVSTA den Vorbe-
scheid. Zur Begründung führte sie ergänzend aus, nach Prüfung der neu
eingereichten Beweismittel sei ihr Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) zum
Schluss gekommen, dass die vorliegenden medizinischen Unterlagen von
guter Qualität seien und den Gesundheitszustand und dessen Entwicklung
gut beschreiben würden. Eine Begutachtung sei deshalb nicht notwendig.
Der EMG-Befund vom April 2017 sei im Gegensatz zu jenem vom Mai 2015
normal ausgefallen, was die positive Entwicklung und die Zumutbarkeit ei-
ner angepassten Tätigkeit bestätige (act. 228).
C.
C.a Mit Eingabe vom 4. April 2018 liess die Beschwerdeführerin, weiterhin
vertreten durch Rechtsanwalt Josef Flury, beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde erheben mit den folgenden Anträgen:
„1. Die Verfügung vom 27. Februar 2018 sei aufzuheben.
2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin ab
dem frühestmöglichen Termin eine ganze Rente, eventuell eine Teilrente
auszurichten.
3. Eventualiter sei die Vorinstanz zu verpflichten, die Leistungsfähigkeit und
das Zumutbarkeitsprofil mittels eines – den Anforderungen des Bundes-
gerichts genügenden – vollumfänglich neutralen polydisziplinären Gutach-
tens abzuklären.
C-1988/2018
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4. Eventuell sei die Vorinstanz zu verpflichten, die arbeitsbezogene körperli-
che Leistungsfähigkeit mittels eines neutralen Gutachtens (EFL) abzuklä-
ren, wobei das Alter und die Zumutbarkeit explizit zu berücksichtigen sei
und die aktuellen ärztlichen Berichte der behandelnden Ärzte einzuholen
wären.
5. Subeventualiter sei die Vorinstanz zu verpflichten, der Beschwerdeführe-
rin eine befristete Rente auszurichten und berufliche Massnahmen zu ge-
währen.
6. Bei der Berechnung der Invalidenrente sei der Versicherten in jedem Fall
ein leidensbedingter Abzug von mind. 25 % zu gewähren.
7. Es sei der Beschwerdeführerin die Möglichkeit zu gewähren, zur Stellung-
nahme der Beschwerdegegnerin ergänzende Ausführungen zu machen.
8. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren
und der schreibende Anwalt sei als unentgeltlicher Rechtsbeistand einzu-
setzen.
9. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegeg-
nerin.“
Zur Begründung bringt die Beschwerdeführerin vor, die Vorinstanz habe –
entgegen ihrem Antrag – zu Unrecht von einer medizinischen Begutach-
tung in der Schweiz abgesehen. Entgegen der Argumentation der Vor-
instanz könne aus der Vielzahl medizinischer Berichte nicht pauschal auf
eine aussagekräftige medizinische Beurteilungsgrundlage geschlossen
werden. Im Widerspruch zur ursprünglichen Beurteilung der RAD-Ärztin Dr.
med. F._ habe die Vorinstanz von der empfohlenen Expertise in den
Fachdisziplinen Neurologie und Orthopädie, einschliesslich einer Evalua-
tion der funktionellen Leistungsfähigkeit, abgesehen. Die Beurteilung durch
RAD-Ärztin Dr. med. H._ stehe zudem in einem offensichtlichen,
nicht geklärten Widerspruch zur Beurteilung der behandelnden Ärzte und
Spezialisten. Das bei der Deutschen Rentenversicherung eingeholte Gut-
achten werde den bundesgerichtlichen Anforderungen an eine beweiskräf-
tige medizinische Beurteilungsgrundlage nicht gerecht. Überdies hätte die
Vorinstanz aufgrund der Hauptdiagnose der chronischen Schmerzstörung
auch die Vorgaben des strukturierten Beweisverfahrens gemäss BGE 141
V 281 beachten müssen, was sie zu Unrecht unterlassen habe. Im Hinblick
auf die Abklärung des Zumutbarkeitsprofils und die Restarbeitsfähigkeit in
einer angepassten Verweistätigkeit hätte die Vorinstanz zudem eine Eva-
luation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchführen müssen (Ak-
ten im Beschwerdeverfahren [BVGer act.] 1).
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Seite 6
C.b Die Vorinstanz stellt in ihrer Vernehmlassung vom 13. Juni 2018 den
Antrag auf Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der angefochte-
nen Verfügung. Zur ergänzenden Begründung bringt sie im Wesentlichen
vor, der medizinische Sachverhalt sei durch die beigezogenen respektive
von ihr veranlassten Arztberichte und Gutachten, insbesondere die versi-
cherungsinternen Stellungnahmen ihres RAD, hinreichend abgeklärt wor-
den. Die von der Beschwerdeführerin geforderte Abklärung der Rester-
werbsfähigkeit sei ausgeschlossen, da sie als weder freiwillig noch obliga-
torisch Versicherte die versicherungsmässigen Voraussetzungen für die
Gewährung von beruflichen Massnahmen nicht erfülle (BVGer act. 4).
C.c Mit Zwischenverfügung vom 21. Juni 2018 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeistän-
dung gut und ordnete der Beschwerdeführerin Rechtsanwalt Josef Flury
als amtlich bestellten Anwalt bei (BVGer act. 6).
C.d Die Beschwerdeführerin hält in ihrer Replik vom 14. August 2018 an
ihren bisherigen Anträgen fest und ergänzt diese insoweit, als sie neu (im
Sinne eines [zusätzlichen] Eventualantrages) die Einholung eines neutra-
len Gerichtsgutachtens beantragt. Zur Begründung bringt sie ergänzend
vor, die IVSTA habe zu Unrecht ausschliesslich auf die im Gutachten des
Unfallversicherers (von Dr. med. J._ vom 10. Juli 2012) gestellte
Prognose der Arbeitsfähigkeit abgestellt. Dieses Gutachten sei zum einen
veraltet. Zum andern fänden das neurologische und psychiatrische Be-
schwerdebild darin keinerlei Berücksichtigung. Das Ausmass der Rester-
werbsfähigkeit sei zudem ungeachtet der Frage abzuklären, ob sie einen
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen habe. In formeller Hinsicht lässt
sie vorbringen, dass die von der Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zitier-
ten Akten nicht mit der Nummerierung der ihr zur Verfügung gestellten Ak-
ten übereinstimmten (BVGer act. 8).
C.e Mit Verfügung vom 16. August 2018 übermittelte der Instruktionsrichter
der Beschwerdeführerin die im Beschwerdeverfahren eingereichten Vorak-
ten (act. 1 - 201 gemäss Aktenverzeichnis vom 6. Juni 2018) und gab ihr
Gelegenheit, ihre Replik bis zum 17. September 2018 zu ergänzen. Bezüg-
lich des replicando erneut gestellten Antrags auf unentgeltliche Rechts-
pflege und Verbeiständung wies er sie auf die bereits mit Verfügung vom
21. Juni 2018 erfolgte Genehmigung hin (BVGer act. 9).
C.f Mit Eingabe vom 23. August 2018 liess die Beschwerdeführerin dem
Bundesverwaltungsgericht durch ihren Rechtsvertreter mitteilen, dass sie
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eine inhaltliche Anpassung ihrer Replik als nicht angezeigt erachte. Die
Verwendung zweier unterschiedlicher Aktendossiers untermauere ihre Ar-
gumentation, wonach alle involvierten Ärzte und Sachbearbeiter nicht in
der Lage gewesen seien, sich aufgrund der Akten ein aussagekräftiges Bild
über ihren Gesundheitszustand zu machen. Schliesslich sei dem durch die
Verwendung zweier unterschiedlicher Aktendossiers verursachten Mehr-
aufwand bei der Bemessung der Parteientschädigung Rechnung zu tragen
(BVGer act. 10). Mit Schreiben vom 24. August 2018 liess der Rechtsver-
treter dem Bundesverwaltungsgericht eine detaillierte Honorarnote zukom-
men (BVGer act. 11).
C.g Mit Duplik vom 27. September 2018 hält die Vorinstanz an ihrem An-
trag auf Abweisung der Beschwerde und Bestätigung der angefochtenen
Verfügung fest. Zur Begründung führt sie ergänzend an, aus technischer
Sicht seien bei der Erstellung des zweiten Aktendossiers nicht die gleichen
Kriterien wie beim ursprünglichen verwendet worden. Eine Gehörsverlet-
zung liege nicht vor, zumal die Beschwerde auf den vollständigen Akten
des Erstdossiers beruhe und insoweit vollständige Akteneinsicht gewährt
worden sei. Ferner seien auch ihrem medizinischen Dienst sämtliche Akten
zur Verfügung gestanden (BVGer act. 13).
C.h Mit Zwischenverfügung vom 11. Oktober 2018 schloss der Instrukti-
onsrichter den Schriftenwechsel – vorbehältlich weiterer Instruktionsmass-
nahmen – per 22. Oktober 2018 ab (BVGer act. 14).
C.i Das Bundesverwaltungsgericht ersuchte die C._ mit Verfügung
vom 26. Oktober 2018, ihm die vollständigen Akten des UVG-Schadenfalls
(...) bis zum 26. November 2018 zur Verfügung zu stellen (BVGer act. 15).
C.j Mit Schreiben vom 15. November 2018 liess die C._ dem Bun-
desverwaltungsgericht die massgeblichen UV-Akten (BVGer act. 16 samt
Beilagen [UV-act.] 1 - 311) zukommen.
C.k Mit Zwischenverfügung vom 20. November 2018 übermittelte der In-
struktionsrichter den Parteien je eine Kopie der vollständigen Akten des
UV-Dossiers (...) und gab ihnen Gelegenheit, hierzu eine Stellungnahme
bis zum 7. Januar 2019 abzugeben. Ferner ersuchte er die Parteien, innert
gleicher Frist zum (in den UV-Akten liegenden) Urteil des Verwaltungsge-
richts des Kantons D._ (...) vom 27. September 2017 Stellung zu
nehmen (BVGer act. 17).
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Seite 8
C.l Unter Verweis auf die Stellungnahmen ihres medizinischen Dienstes
vom 4. Dezember 2018 und vom 13. Dezember 2018 hält die Vorinstanz
mit Eingabe vom 7. Januar 2019 an ihrem Antrag auf Abweisung der Be-
schwerde und Bestätigung der angefochtenen Verfügung fest (BVGer
act. 20 samt Beilagen).
C.m Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 4. Februar 2019 nahm die
Beschwerdeführerin zum Urteil des Verwaltungsgerichts und zu den UV-
Akten dahingehend Stellung, dass das genannte Urteil für die Beurteilung
des IV-Rentenanspruchs nicht entscheidend sei. Ferner legte er zusätzli-
che Arztberichte ins Recht, verbunden mit dem Hinweis, dass in den UV-
Akten teilweise von falschen Diagnosen ausgegangen worden sei, wes-
halb die entsprechenden UV-Akten aus dem Recht zu weisen seien. Die
übrigen UV-Akten seien demgegenüber – mit Blick auf die unfallfremden
invalidisierenden Beschwerden – bei der Prüfung des IV-Rentenanspruchs
zu berücksichtigen. Nachdem aufgrund der bestehenden Aktenlage nicht
entschieden werden könne, werde eine umfassende polydisziplinäre Ab-
klärung beantragt (BVGer act. 21 samt Beilagen).
C.n Mit Verfügung vom 6. Februar 2019 übermittelte der Instruktionsrichter
den Parteien die neu eingereichten Stellungnahmen samt Beilagen und
teilte ihnen mit, dass der Schriftenwechsel – vorbehältlich weiterer Instruk-
tionsmassnahmen – am 18. Februar 2019 geschlossen werde (BVGer
act. 22).
D.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird,
soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin der angefoch-
tenen Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdi-
ges Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb sie zur Er-
hebung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG; Art. 59 ATSG
[SR 830.1]). Nachdem der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechts-
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Seite 9
pflege gewährt worden ist (BVGer act. 6) und sie mithin keinen Kostenvor-
schuss zu leisten hat, ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG; Art. 60
i.V.m. Art. 38 Abs. 4 Bst. a ATSG).
2.
In formeller Hinsicht ist vorab festzuhalten, dass die Vorinstanz im vorlie-
genden Verfahren zwei unterschiedliche Aktendossiers und -verzeichnisse
erstellt und ins Recht gelegt hat.
2.1
2.1.1 Nach ständiger Rechtsprechung bildet die Aktenführungspflicht von
Verwaltung und Behörden das Gegenstück zum (aus Art. 29 Abs. 2 BV
fliessenden) Akteneinsichts- und Beweisführungsrecht, indem die Wahr-
nehmung des Akteneinsichtsrechts durch die versicherte Person eine Ak-
tenführungspflicht der Verwaltung voraussetzt (BGE 130 II 473 E. 4.1; 124
V 372 E. 3b; 124 V 389 E. 3a).
2.1.2 Die Behörde ist verpflichtet, ein vollständiges Aktendossier über das
Verfahren zu führen, um gegebenenfalls ordnungsgemäss Akteneinsicht
gewähren und bei einem Weiterzug diese Unterlagen an die Rechtsmittel-
instanz weiterleiten zu können. Die Behörde hat alles in den Akten festzu-
halten, was zur Sache gehört (BGE 124 V 372 E. 3b; 115 Ia 97 E. 4c). Der
verfassungsmässige Anspruch auf eine geordnete und übersichtliche Ak-
tenführung verpflichtet die Behörden und Gerichte, die Vollständigkeit der
im Verfahren eingebrachten und erstellten Akten sicherzustellen (SVR
2011 IV Nr. 44 [8C_319/2010] E. 2.2.1; Urteil des BGer 5A_341/2009 vom
30. Juni 2009 E. 5.2). Für die dem Allgemeinen Teil des Sozialversiche-
rungsrechts unterstellten Versicherer wurde in Art. 46 ATSG die Aktenfüh-
rungspflicht auf Gesetzesstufe konkretisiert. Danach sind für jedes Sozial-
versicherungsverfahren alle Unterlagen, die massgeblich sein können,
vom Versicherungsträger systematisch zu erfassen (BGE 138 V 218
E. 8.1.2). Ferner sind die Unterlagen von Beginn weg in chronologischer
Reihenfolge abzulegen; bei Vorliegen eines Gesuchs um Akteneinsicht und
spätestens im Zeitpunkt des Entscheids ist das Dossier zudem durchge-
hend zu paginieren. In der Regel ist auch ein Aktenverzeichnis zu erstellen,
welches eine chronologische Auflistung sämtlicher in einem Verfahren ge-
machter Eingaben enthält (Urteil des BGer 2C_327/2010 vom 19. Mai 2011
E. 3.2 [nicht publiziert in BGE 137 I 247]; Urteil des BGer 8C_616/ 2013
vom 28. Januar 2014 E. 2.1).
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Seite 10
2.1.3 Das von der Vorinstanz im Beschwerdeverfahren mit Vernehmlas-
sung vom 13. Juni 2018 eingereichte Dossier (gemäss Aktenverzeichnis
vom 6. Juni 2018; BVGer act. 4 samt Beilagen) genügt den dargelegten
Anforderungen an eine vollständige Aktenführung nicht, da es offensicht-
lich weniger Aktenstücke (act. 1 - 201) beinhaltet als die dem Rechtsver-
treter im vorinstanzlichen Verfahren zur Verfügung gestellten Akten (act. 1
- 230 gemäss Aktenverzeichnis vom 26. September 2018). Durch die Ein-
reichung zweier unterschiedlicher Aktendossiers (mit unterschiedlicher
Nummerierung) wird zum einen die effiziente Wahrung der Rechtsansprü-
che der Beschwerdeführerin unnötig behindert. Zum andern wird dadurch
für die Rechtsmittelbehörde(n) die Erarbeitung der Übersicht über den
massgeblichen Sachverhalt und die verlässliche Referenzierung der Akten
erschwert. Die Vorinstanz wird daher angehalten, in künftigen Fällen sämt-
liche Akten chronologisch zu führen und im Verwaltungs- und Beschwer-
deverfahren stets eine einheitliche Nummerierung der Akten sicherzustel-
len.
2.1.4 Wird im Beschwerdeverfahren – wie hier – lediglich ein Teil der Vorak-
ten eingereicht, so verletzt dieses Vorgehen grundsätzlich den Gehörsan-
spruch. Nachdem die Beschwerdeführerin im vorliegenden Beschwerde-
verfahren indes über sämtliche relevanten Akten verfügt, ist ihr durch das
Vorgehen der Vorinstanz im Ergebnis kein Rechtsnachteil erwachsen. Die
Verletzung des rechtlichen Gehörs kann demnach geheilt werden. Dem bei
der Rechtsvertretung entstandenen Mehraufwand kann überdies im Rah-
men der Bemessung der Parteientschädigung angemessen Rechnung ge-
tragen werden (vgl. hierzu nachfolgende E. 7.5).
2.2
2.2.1 In ihrer Stellungnahme vom 4. Februar 2019 beantragt die Beschwer-
deführerin unter anderem, die „falschen Akten, d.h. die Zeugnisse mit fal-
scher [recte: falschen] Diagnosen“ seien aus den Akten zu entfernen
(BVGer act. 21, S. 2).
2.2.2 Diesem Antrag kann aus folgenden Gründen nicht gefolgt werden:
Das Akteneinsichtsrecht als zentraler Teilgehalt des verfassungsrechtlich
garantierten rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 EMRK) ist
eine Vorbedingung dafür, dass der Gehörsanspruch wirksam wahrgenom-
men werden kann (STEPHAN C. BRUNNER, in: Auer/Müller/Schindler, Kom-
mentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 26 NN. 1 f.). Die in Ergänzung zu
Art. 47 Abs. 1 ATSG anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen in Art. 26 f.
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Seite 11
VwVG (vgl. dazu UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 47
NN. 21 ff.) umschreiben den Umfang und die Verweigerung der Aktenein-
sicht. Dem Einsichtsrecht unterliegen gemäss Art. 26 Abs. 1 VwVG insbe-
sondere sämtliche als Beweismittel dienenden Aktenstücke (Bst. b). Die-
ses Einsichtsrecht ist weit zu verstehen. Es umfasst nicht nur die im kon-
kreten Fall tatsächlich als Beweismittel herangezogenen Aktenstücke, son-
dern alle Unterlagen, welche grundsätzlich geeignet sind, als Beweismittel
zu dienen (STEPHAN C. BRUNNER, a.a.O., Art. 26 NN. 33 ff.). Das Recht auf
Akteneinsicht gewährleistet überdies auch einen Anspruch darauf, fehler-
hafte Akten zu korrigieren und unnötige Einträge aus den Akten zu weisen
(JÖRG PAUL MÜLLER/MARKUS SCHEFER, Grundrechte in der Schweiz,
4. Aufl. 2008, S. 871). Die Behörde darf die Einsichtnahme in die Akten
gemäss Art. 27 Abs. 1 VwVG nur verweigern, wenn wesentliche öffentliche
Interessen des Bundes oder der Kantone, insbesondere die innere oder
äussere Sicherheit der Eidgenossenschaft, die Geheimhaltung erfordern
(Bst. a), wesentliche private Interessen, insbesondere von Gegenparteien,
die Geheimhaltung erfordern (Bst. b) oder das Interesse einer noch nicht
abgeschlossenen Untersuchung es erfordert (Bst. c).
Die Beurteilung der Frage, ob und gegebenenfalls in welcher Hinsicht ge-
stellte Diagnosen unrichtig gestellt worden sind, bildet Gegenstand der Ab-
klärung im Verwaltungsverfahren wie auch der richterlichen Beweiswürdi-
gung. Die von der Beschwerdeführerin nachträglich eingereichten Beweis-
mittel werden durch das Bundesverwaltungsgericht gewürdigt und – soweit
entscheidrelevant – auch grundsätzlich berücksichtigt (vgl. dazu im Einzel-
nen ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren
vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 117 Rz. 2.204; BGE
132 V 215 E. 3.1.1; Urteil des BGer C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.1;
BGE 121 V 362 E. 1b mit Hinweisen; Urteil des BVGer C-4354/2015 vom
20. Dezember 2016 E. 2.2). Die Beschwerdeführerin hat von der Möglich-
keit der Nachreichung von Beweismitteln im Hinblick auf die geltend ge-
machte Berichtigung der gestellten Diagnosen Gebrauch gemacht (BVGer
act. 21 samt Beilagen). Damit ist ihr Gehörsanspruch hinreichend gewahrt,
ohne dass bestehende Beweismittel formell aus dem Recht gewiesen wer-
den müssten. Besondere Gründe für die Verweigerung der Akteneinsicht
bringt die Beschwerdeführerin nicht vor, so dass kein Anlass besteht, Be-
weismittel aus den Akten zu weisen. Die Beschwerdeführerin lässt zudem
ausser Acht, dass die Überprüfung der Parteibehauptung betreffend eine
(geltend gemachte) falsche Diagnose voraussetzt, dass die massgeblichen
Akten dem Gericht vorliegen, miteinander verglichen und auch eingehend
gewürdigt werden können.
C-1988/2018
Seite 12
3.
Streitig und zu prüfen ist der Renten- und Eingliederungsanspruch der Be-
schwerdeführerin. Zunächst sind im Folgenden die gesetzlichen Grundla-
gen sowie massgebenden Grundsätze der Rechtsprechung darzulegen.
3.1 Das Vorliegen einer anspruchserheblichen Invalidität beurteilt sich
auch im Anwendungsbereich des FZA (SR 0.142.112.681) und der Verord-
nungen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit
(SR 0.831.109.268.1; bzw. bis 31. März 2012 Verordnung [EWG]
Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971) sowie (EG) Nr. 987/2009 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. September 2009 zur
Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der Verordnung (EG)
Nr. 883/2004 über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit
(SR 0.831.109.268.11) nach schweizerischem Recht (vgl. BGE 130 V 253
E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4 mit Hin-
weisen; BASILE CARDINAUX, § 7 Beweiserhebung im Ausland, in: Recht der
Sozialen Sicherheit, 2014, S. 281 Rz. 7.23; Urteile des BVGer C-
2816/2014 vom 12. Februar 2016 E. 2.1 und C-5263/2014 vom 6. Juli 2016
E. 2, je mit Hinweisen).
3.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; vgl. auch BGE 135 V 215 E. 7.3).
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Un-
fähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu
leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem ande-
ren Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
C-1988/2018
Seite 13
3.3 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während ei-
nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindestens
60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine ganze
Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Nach Art. 29 Abs. 4 IVG werden Renten, die
einem Invaliditätsgrad von weniger als 50 % entsprechen, nur an Versi-
cherte ausgerichtet, die ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt
(Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben, soweit nicht völkerrechtliche Verein-
barungen eine abweichende Regelung vorsehen. Eine solche Ausnahme
gilt seit dem 1. Juni 2002 für Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der
EU/EFTA und der Schweiz, sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU/EFTA
Wohnsitz haben (BGE 130 V 253 E. 2.3 und 3.1).
3.4
3.4.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärzt-
liche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen
haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4; 125 V 256 E. 4; vgl.
auch BGE 140 V 193 E. 3.2).
3.4.2 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-
lung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi-
zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Exper-
ten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich
somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
C-1988/2018
Seite 14
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder
Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 352 E. 3a).
3.4.3 Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur
Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs
zur Verfügung. Sie setzen dabei insbesondere die für die Invalidenversi-
cherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit
der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im
Aufgabenbereich auszuüben (Art. 59 Abs. 2bis IVG und Art. 49 Abs. 1 Satz 1
IVV). RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Gut-
achten im Sinn von Art. 44 ATSG nicht erfasst werden, weshalb die in die-
ser Norm enthaltenen Verfahrensregeln bei der Einholung von RAD-Be-
richten keine Wirkung entfalten (BGE 135 V 254 E. 3.4 S. 258 ff.; Urteil des
BGer 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1). Der Beweiswert
von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist nach der Rechtsprechung
mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleich-
bar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gut-
achten (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232) genügen und die Arztperson
über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210
E. 1.2.1 S. 219 f.). Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Ab-
klärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – kann bereits bei Vorlie-
gen geringer Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit nicht abge-
stellt werden (BGE 139 V 225 E. 5.2 S. 229; 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.;
Urteil des BGer 8C_839/2016 vom 12. April 2017 E. 3.2).
3.5 In einem am 3. Juni 2015 ergangenen Grundsatzentscheid (BGE 141
V 281) hat das Bundesgericht seine langjährige Praxis zu den anhaltenden
somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren psychosomatischen
Leiden (vgl. dazu die Übersicht im Kreisschreiben des Bundesamtes für
Sozialversicherung über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversi-
cherung, KSIH [gültig ab 1. Januar 2015], Rz. 1017.4 1/14) einer eingehen-
den Prüfung unterzogen und in wesentlichen Teilen geändert. Danach gilt
insbesondere die Überwindbarkeitsvermutung im Sinne der bisherigen
Schmerz- und Überwindbarkeitspraxis (vgl. dazu BGE 131 V 49 E. 1.2
S. 50, 130 V 352) nicht mehr. Die Frage, ob ein psychosomatisches Leiden
zu einer ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit führt, stellt sich nun
nicht mehr im Hinblick auf die Widerlegung der Ausgangsvermutung. An-
hand eines Katalogs von Indikatoren erfolgt neu vielmehr eine ergebnisof-
fene symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leistungshin-
dernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspoten-
C-1988/2018
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zialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreichbaren Leistungsver-
mögens (BGE 141 V 281 E. 3.5 und 3.6). Das bisherige Regel-Ausnahme-
modell (Überwindbarkeitsvermutung; BGE 131 V 49 E. 1.2 S. 50) soll dem-
nach in Weiterführung der Rechtsprechung (BGE 139 V 547) durch ein so-
genanntes (durch Indikatoren) strukturiertes Beweisverfahren ersetzt wer-
den. Unter dem Aspekt des funktionellen Schweregrades sind die Kom-
plexe "Gesundheitsschädigung" (Ausprägung der diagnoserelevanten Be-
funde, Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz und Komor-
biditäten), "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsstruktur, Persönlichkeitsent-
wicklung und -störungen, persönliche Ressourcen) und "Sozialer Kontext"
(Abgrenzung psychosozialer und soziokultureller Faktoren einerseits und
Eruierung der Ressourcen anhand des sozialen Umfelds anderseits) zu
prüfen. Die auf diesem "Grundgerüst" beruhenden Folgerungen müssen
schliesslich einer Konsistenzprüfung standhalten, welche einerseits die
Teilfragen der gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen
vergleichbaren Lebensbereich und anderseits den behandlungs- und ein-
gliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck umfasst (BGE
141 V 281 E. 4.1.3; vgl. dazu auch JÖRG JEGER, Die neue Rechtsprechung
zu psychosomatischen Krankheitsbildern, in: Jusletter vom 13. Juli 2015,
Rz. 30 ff.; THOMAS GÄCHTER/MICHAEL E. MEIER, Schmerzrechtsprechung
2.0, in: Jusletter 29. Juni 2015, Rz. 32 ff.).
3.6 Mit BGE 143 V 409 und 418 (beide vom 30. November 2017) hat das
Bundesgericht seine Rechtsprechung geändert und festgestellt, dass die
Therapierbarkeit allein keine abschliessende evidente Aussage über das
Gesamtmass der Beeinträchtigung und deren Relevanz im invalidenversi-
cherungsrechtlichen Kontext zu liefern vermag. Weiter hat es erkannt, dass
sämtliche psychischen Erkrankungen, namentlich auch depressive Störun-
gen leicht- bis mittelgradiger Natur, grundsätzlich einem strukturierten Be-
weisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind, welches bislang
bei Vorliegen somatoformer Schmerzstörungen anhand eines Katalogs
von Indikatoren durchgeführt wurde. Für die Beurteilung der Arbeitsfähig-
keit sind daher systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Berück-
sichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das
tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2 S. 285 ff., E. 3.4 - 3.6 und 4.1 S. 291 ff.; vgl. dazu auch THOMAS
GÄCHTER/MICHAEL E. MEIER, Praxisänderung zu Depressionen und ande-
ren psychischen Leiden, in: Jusletter 15. Januar 2018).
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Seite 16
3.7 In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V
210 (betreffend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische
Begutachtung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss al-
tem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweis-
wert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls
mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen ent-
scheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweis-
grundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 137 V 210 E. 6). In sinnge-
mässer Anwendung auf die nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten
Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen
administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten – ge-
gebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine
schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben
oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umstän-
den eine punktuelle Ergänzung genügen (BGE 141 V 281 E. 8).
3.8 In einem EU-Staat wohnhafte Versicherte können aus dem FZA keinen
(unbedingten) Anspruch ableiten, in der Schweiz begutachtet zu werden;
eine Entscheidung kann grundsätzlich auf im Wohnsitzstaat verfertigte
ärztliche Berichte abgestützt werden. Gleichzeitig besteht keine Regel, wo-
nach abschliessend auf im Wohnsitzstaat ausgefertigte ärztliche Berichte
abzustellen wäre. Da sich der Leistungsanspruch nach dem materiellen
Recht des Vertragsstaats bestimmt, leitet sich auch aus dem einzelstaatli-
chen Recht ab, welche Fragen der ärztlichen Klärung bedürfen, welche
Anforderungen an den Nachweis des rechtserheblichen medizinischen
Sachverhalts gestellt werden und mit welchen Mitteln dieser Nachweis ge-
führt wird (Urteil des BGer 9C_952/2011 vom 7. November 2012 E. 2.4).
Es ist mithin nicht von vornherein unzulässig, einzig auf im Wohnsitzstaat
des Versicherten erstellte ärztliche Berichte abzustellen (Urteile des BGer
9C_818/2013 vom 24. Februar 2014 E. 4.1.2 und 9C_573/2012 vom
16. Januar 2013 E. 5.1).
4.
Nachfolgend ist vorab zu prüfen, ob die Vorinstanz ihrer Abklärungspflicht
im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ATSG rechtsgenüglich nachgekommen ist.
4.1 Im Hinblick auf die Beurteilung des Gesundheitszustandes und der
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der angefochte-
nen Verfügung vom 27. Februar 2018 liegen insbesondere die folgenden
medizinischen Stellungnahmen und Arztberichte vor:
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- Mit Bericht vom 19. Juli 2011 diagnostizierte Dr. med. K._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe-
gungsapparates am Kantonsspital L._, einen Status nach
Traumatisierung des Bewegungsapparates des Sternoclavikularge-
lenkes links als Folge eines Skisturzes vom 21. Februar 2011. Ferner
führte er aus, dass die Beschwerdeführerin eine persistierende Be-
schwerdesymptomatik im Bereich des Schultergürtels sowie der HWS-
Muskulatur zeige. Klinisch bestehe der Verdacht einer Luxation oder
Subluxation der Clavicula. Im Hinblick auf die genaue Beurteilung der
Verhältnisse habe er eine Magnetresonanztomografie veranlasst (UV-
act. 22 = Beilage 3a zu BVGer act. 21).
- Dr. med. M._, Chefarzt Orthopädie/Traumatologie am Kan-
tonsspital L._, führte mit Bericht vom 30. August 2011 aus, das
Arthro-MRT habe eine Tendinose des Supra- und Infraspinatus sowie
eine AC-Gelenksarthrose mit kleinen Zysten in der lateralen Clavicula
ergeben (Beilage 4a zu BVGer act. 21).
- Mit Bericht vom 26. September 2011 führte Dr. med. K._ aus,
die subacromiale Infiltration sowie die AC-Gelenksinfiltration vom
6. September 2011 hätten zu einer Verbesserung der Beschwerde-
symptomatik im Schulterbereich geführt. Es bestehe aber dennoch
eine persistierende Beschwerdesymptomatik im Bereich des SC-Ge-
lenkes mit einer leichten Schmerzsymptomatik. Die Inkongruenz der
Gelenkflächen mache sich weiterhin bemerkbar; eventuell bestehe
auch noch eine Instabilität des SC-Gelenkes. Aufgrund der persistie-
renden Beschwerden habe er mit der Beschwerdeführerin die opera-
tive Revision vereinbart (Beilage 1b zu BVGer act. 19 [korrigierte Ver-
sion von UV-act. 38]).
- Im Anschluss an den am 26. September 2011 durchgeführten operati-
ven Eingriff (offene Reposition des Sternoclaviculargelenkes, spar-
same Knochenresektion im kaudalen Anteil des Gelenksanteils der
Clavicula, Refixation der kosto-claviculären Bandstruktur, transossäre
Refixation der Clavicula an der ersten Rippe und am Sternum sowie
Kapselbandnaht) führte Dr. med. K._ aus, dass der Arm für die
nächsten sechs Wochen ruhigzustellen sei. In den ersten beiden post-
operativen Wochen solle nur eine passive Mobilisation erfolgen. Da-
nach könne zu einer aktiv assistierten Mobilisation bis zu einer maxi-
malen Abduktion von 90° übergegangen werden (OP-Bericht vom
29.09.2011; UV-act. 39).
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- Dr. med. J._, FMH Orthopädische Chirurgie und zertifizierter
medizinischer Gutachter SIM, erstattete am 10. Juli 2012 das von der
Unfallversicherung (C._) in Auftrag gegebene orthopädische
Gutachten. Darin hielt der Facharzt gestützt auf die vorliegenden Do-
kumente und eine persönliche Untersuchung der Beschwerdeführerin
als Diagnosen Schmerzen am Sternoclavikulargelenk (bei Status nach
operativer Sanierung am 29. September 2011) sowie unspezifische
Schmerzen im AC- und im Schultergelenk links fest. Ferner führte er
aus, eine Arbeitsunfähigkeit könne aufgrund der persönlich erhobenen
klinischen Befunde nicht mehr abgeleitet werden. Die geringe Sublu-
xation im Sternoclavikulargelenk links werde lebenslang verbleiben
und habe funktionell keine messbare Auswirkung. Die noch angege-
benen Schmerzen seien zwar nachvollziehbar, würden jedoch kein
dauerhaftes leistungsausschliessendes Ausmass aufweisen. Die im
Zusammenhang mit der Arbeit als Servicefachangestellte bei der
neuen Stelle (40%-Pensum) aufgetreten vermehrten Schmerzen seien
zwar nachvollziehbar; sie seien allerdings damit zu erklären, dass ein
Trainingsmangel im Sinne einer seit Monaten bestehenden Arbeitsbe-
lastungsreduktion vorliege. Die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit sei
spätestens ab Mitte Juli 2012 nicht mehr ausgewiesen, und es sei der
Beschwerdeführerin ab diesem Zeitpunkt eine volle Arbeitsfähigkeit im
angestammten Beruf möglich und zumutbar. Grundsätzlich sei ihr na-
türlich auch jede andere berufliche Tätigkeit vollumfänglich zumutbar,
wobei es wünschenswert erscheine, dass das regelmässige Tragen
von schweren Lasten (> 10 - 15 kg) und das Bedienen von Vibrations-
werkzeugen möglichst vermieden werden oder nur ausnahmsweise
erfolgen sollte. Eine medikamentöse Schmerztherapie sei zwar mög-
lich, solle aber zunehmend nicht mehr notwendig sein (act. 28, S. 48 -
67 gemäss Aktenverzeichnis der IVSTA vom 06.06.2018).
- In einem Bericht vom 24. Oktober 2012 hielt Dr. med. K._ fest,
inspektorisch bestehe ein unauffälliges SC-Gelenk. Es zeige sich je-
doch eine deutliche Druckdolenz im proxymalen Anteil des Gelenks
und über dem cranialen Anteil des medialen Claviculaendes. Weiterhin
sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsunfähig (Beilage 7a zu
BVGer act 21).
- Dr. med. N._, FMH Innere Medizin, hielt mit Bericht vom 2. No-
vember 2012 zuhanden der Unfallversicherung fest, die Beschwerde-
führerin leide nach wie vor an starken belastungsabhängigen Schmer-
zen im Bereich des SC-Gelenkes linksseitig mit Ausstrahlungen gegen
C-1988/2018
Seite 19
den Hals, in den Schultergürtel und nach kaudal. Aufgrund des lang-
wierigen Schmerzzustandes würden neben Schmerzmitteln auch An-
tidepressiva (Surmontil und Remeron) verabreicht (UV-act. 132).
- Dr. med. K._ führte mit Bericht vom 13. Dezember 2012 aus,
bei der Beschwerdeführerin seien die Schmerzen im Bereich des SC-
Gelenkes erneut deutlich aufgetreten. Es sei eine Infiltration im Be-
reich des SC-Gelenkes geplant. Bis zur nächsten Verlaufskontrolle in
3 - 4 Wochen bleibe die Arbeitsunfähigkeit bei 100 % (UV-act. 130).
- Mit Bericht vom 15. April 2013 diagnostizierte Dr. med. O._,
FMH Allgemeinmedizin, eine schmerzhafte AC-Gelenksarthrose links
(bei Status nach offener Reposition und Kapselbandnaht vom
26.09.2011). Ferner hielt er fest, dass eine schmerztherapeutische In-
tervention geplant sei. Aufgrund der körperlichen Schmerzen sei keine
Belastung des linken Armes respektive des linken Schultergelenks
möglich, so dass das Heben von Lasten sowie das Bewegen des lin-
ken Armes schmerzbedingt nicht möglich sei. Als Servicefachange-
stellte sei sie seit dem 22. Oktober 2012 zu 100 % arbeitsunfähig
(act. 23).
- Dr. med. P._, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatolo-
gie, diagnostizierte mit Bericht vom 9. Juli 2013 eine schmerzhafte
posttraumatische Sternoclavicular(SC)-Gelenksarthrose links und
führte in seiner Beurteilung aus, insgesamt sei die Beschwerdesymp-
tomatik etwas rückläufig. Eine Revisionsoperation sei nicht sinnvoll,
zumal das kosmetische Resultat praktisch nicht verbessert werden
könne und ein Eingriff zur Schmerzbehandlung äusserst schwierig sei
(act. 28).
- Nach Durchführung verschiedener Schmerztherapien (Medikamen-
teneinnahme [Mephadolor, Celebrex, Lyrica, Novalgin, Tramal, Volta-
ren, Xefo, Seractil, Zaldiar, Ponstan, Felden, Targin, Pantoprazol, Sur-
montil], Lokalinfiltrationen mit Anästhetikum, manuelle Behandlung,
Physio- und Radiotherapie; act. 24 - 52) – welche nicht zu einer dau-
erhaften, wesentlichen Verbesserung des Schmerzbildes geführt hat-
ten – hielt Dr. med. K._, Facharzt für Orthopädie und Trauma-
tologie am Kantonsspital L._, fest, dass die bisherige Tätigkeit
der Beschwerdeführerin noch im Umfang von 1 - 2 Tagen pro Woche
zumutbar sei. Dabei bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit, weil
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Seite 20
eine verminderte Kraft bestehe und bei Belastung Schmerzen auftre-
ten würden (act. 53).
- RAD-Arzt Dr. med. Q._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates sowie zertifizierter me-
dizinischer Gutachter SIM, kam gestützt auf eine Aktenbeurteilung mit
Bericht vom 16. April 2014 zum Schluss, dass die somatisch ausge-
richteten Behandlungsansätze letztlich erstaunlich erfolglos verlaufen
seien. Daneben liege eine letztlich diffuse und wechselhafte Be-
schwerdesymptomatik vor (myofasziales Schmerzsyndrom, neurolo-
gisch unklare Dysästhesie bei der linken Hand sowie Schmerzen in
der Rückenmuskulatur). Unfallkausal wie auch unfallfremd sei ab dem
von Dr. med. J._ angegebenen Zeitpunkt (spätestens Mitte Juli
2012) keine massgebliche dauerhafte Limitierung der Arbeitsfähigkeit
in der fraglichen Tätigkeit als Mitarbeiterin im Service (leichte körperli-
che Arbeit, stehend und gehend) mehr ausgewiesen (act. 67).
- PD Dr. med. R._, Chefarzt Rheumatologie an der Universitäts-
klinik S._, hielt mit Bericht vom 21. Januar 2015 fest, insgesamt
interpretiere er die Beschwerden der Beschwerdeführerin im Sinne ei-
nes ausgeprägten neuropathischen Schmerzsyndroms mit klinisch
sympathisch vermittelten Schmerzen. Aktuell bestünden keine An-
haltspunkte für ein florides Komplexes Regionales Schmerzsyndrom
(CRPS). Auf medikamentöser Ebene sehe er zurzeit keine spezifi-
schen Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation. Er empfehle eine
schmerztherapeutische Begleitung mit Evaluation der Ansprechbarkeit
auf Opiate. Es bestehe derzeit weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von
100 % (act. 79).
- Mit Bericht vom 23. März 2015 kamen Dres. med. T._ und
U._, Anästhesisten beim V._-Zentrum, zum Schluss, es
hätten sich – ausgehend von einem relativ geringfügigen Trauma – ein
ausgedehntes Schmerzbild respektive Ganzkörperschmerzen entwi-
ckelt. Es zeige sich eine Vielzahl von Symptomen, welche somatisch
nicht zu erklären seien. Die Beschwerdeführerin solle Opioide nur
nach Rücksprache mit ihren behandelnden Ärzten einnehmen und
auch die zeitliche Staffelung einhalten. Es sei ferner eine Standortbe-
stimmung in der Schmerzpsychologie zur Evaluation einer psychi-
schen Komorbidität und zur Verbesserung von Pacing und Coping ge-
plant (UV-act. 185).
C-1988/2018
Seite 21
- Mit undatiertem Bericht (Eingang IV-Stelle: 28.09.2015) hielten Dres.
med. U._ und T._ als Diagnosen insbesondere Schul-
ter-Arm-Schmerzen (ICD-10 M 53.1), Ganzkörperschmerzen (ICD-10
R 52.9), ein sensibles Hemisyndrom links (ICD-10 R 20.8), eine chro-
nische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10 F 45.41) sowie eine leichte depressive Episode (ICD-10
F 32.0) fest. In ihrer zusammenfassenden Beurteilung führten sie aus,
es bestehe ein chronifiziertes Schmerzbild im Hals-Schulter-Armbe-
reich links bei Status nach Luxation des SC-Gelenks links. Ausgehend
von diesem Trauma habe sich ein ausgedehntes Schmerzbild respek-
tive ein Ganzkörperschmerz entwickelt. Im Bereich der linken Körper-
hälfte bestehe ein Hemisyndrom. Das Schmerzbild sei nicht allein so-
matisch zu erklären. Psychosozial habe mittlerweile ein sozialer Rück-
zug stattgefunden, die Stimmung scheine aber aktuell kompensiert
und biete wenig klinische Hinweise für eine Depression. Nichtsdestot-
rotz bestehe ein inadäquater Umgang mit der Schmerzerkrankung,
einhergehend mit Rückzugstendenzen und wenig ausgeprägten Pa-
cing- und Copingstrategien. Darüber hinaus bestehe die Tendenz zur
Selbstmedikation und Selbsttherapie ohne ärztliche Rücksprache so-
wie eine andauernde Arbeitslosigkeit. Aufgrund der hohen Schmerz-
chronifizierung (Stadium III nach Gebershagen), der bisher nicht grei-
fenden somatischen Therapieansätze sowie einer psychosozialen
Komorbidität sei von einer schlechten Prognose auszugehen. Die ge-
plante Wiederaufnahme einer multimodalen und interdisziplinären
Schmerztherapie in der Klinik S._ sei aus ihrer Sicht zu befür-
worten. Im Hinblick auf eine verlässliche (nicht auf den subjektiven An-
gaben der Patientin respektive der behandelnden Ärzte und Therapeu-
ten beruhende) Arbeitsfähigkeitsbeurteilung sei eine Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit (zum Beispiel am W._ AG in
[...]) zu empfehlen (act. 97).
- Dr. med. X._, stellvertretende Chefärztin Rheumatologie bei
der Universitätsklinik S._, und Dr. med. Y._, Assistenz-
ärztin Rheumatologie, hielten mit Bericht vom 3. November 2015 als
Diagnosen ein neuropathisches Schmerzsyndrom (linker Hemothorax,
bestehend seit Februar 2011) sowie ein fortgeschrittenes Glaukom
rechts (grüner Star; Sammelbezeichnung für verschiedene Erkrankun-
gen des Auges; PSCHYREMBEL, Klinisches Wörterbuch, 264. Aufl.
2013, S. 775) mit fast erloschenem Gesichtsfeld und Offenwinkelglau-
kom links mit beginnendem Gesichtsfelddefekt (ED 2/2015) fest. Der-
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zeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %; die Beschwerdeführe-
rin beschreibe bei jeglichem Einsatz des linken Armes stärkste
Schmerzen. Medizinisch-theoretisch sei vorstellbar, dass wechselbe-
lastende, sehr leichte Tätigkeiten noch möglich wären. Während der
Hospitalisation habe sich jedoch auch bei deren Ausführung eine aus-
geprägte Schmerzexazerbation gezeigt. Die bisherige Tätigkeit sei
aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar. Bei jeglichen Belastun-
gen sowie vermehrten Bewegungen des linken Armes würden stärkste
Schmerzen empfunden. Aktuell seien – wegen der raschen Schmerz-
auslösung – keine Tätigkeiten mit Gebrauch des linken Armes mehr
möglich. Grundsätzlich wären am ehesten sehr leichte, wechselbelas-
tende Tätigkeiten, möglichst mit wenig oder ohne Einsatz des linken
Armes, vorstellbar (act. 92).
- Mit Stellungnahme vom 15. Februar 2016 empfahl Dr. med. E._
der IV-Stelle, es seien im Hinblick auf die Beantwortung der offenen
Fragen (Eingliederungsfähigkeit, Leistungsfähigkeit sowie Klärungs-
bedürftigkeit durch Begutachtung) weitere Berichte einzuholen
(act. 91).
- Im Anschluss an einen vom 17. bis 23. März 2016 befristeten stationä-
ren Aufenthalt in der Klinik für Neurologie und klinische Neurophysio-
logie diagnostizierten die verantwortlichen Ärzte ein neuropathisches
Schmerzsyndrom über C 4 bis Th 2 links, bei chronischer (unterer)
Armplexusläsion links (Differenzialdiagnose: traumatisch, reaktiv chro-
nisch-entzündlich nach Trauma der linken Schulter 2011 mit Fraktur
und Luxation des Sternoclaviculargelenks links), eine Trichterbrust
beidseits (Differenzialdiagnose: Rachitis) sowie ein Glaukom beidseits
(rechtsbetont). Das durchgeführte MRT habe unauffällige Befunde
(keine nachweisbare Plexusläsion, keinen Hinweis für eine extrakrani-
elle Gefässdissektion, in Untersuchungsposition linkskonvexe BWS-
Skoliose) ergeben (Bericht vom 13. Mai 2016; act. 150).
- RAD-Ärztin Dr. med. F._, FMH Allgemeine Medizin, FMH phy-
sikalische Medizin und Rehabilitation und zertifizierte Medizinerin SIM,
kam in ihrer medizinischen Stellungnahme vom 15. Juli 2016 zum
Schluss, es sei trotz der umfangreichen medizinischen Dokumentation
schwierig, sich eine Vorstellung vom Gesundheitszustand der Versi-
cherten und von ihren funktionellen Einschränkungen zu machen.
Dementsprechend seien beim Deutschen Rentenversicherer neurolo-
C-1988/2018
Seite 23
gische und orthopädische Untersuchungen respektive Berichte zu ver-
anlassen, aus welchen die aktuellen Beschwerden und die funktionel-
len Einschränkungen hervorgingen. Mit Blick auf die Diagnose der so-
matoformen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak-
toren (ICD-10 F 45.41) sei auch eine psychiatrische Untersuchung zu
fordern (act. 156).
- Am 26. September 2016 erstattete Dr. med. G._, Facharzt für
Neurologie und Psychiatrie ([...]/DE), das von der Deutschen Renten-
versicherung veranlasste neurologisch-psychiatrische Gutachten (act.
168, S. 2 - 15) sowie am 27. September 2016 einen ausführlichen ärzt-
lichen Bericht (act. 169, S. 1 - 10). Darin hielt der Facharzt als Diagno-
sen unter anderem eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F 45.4
G), einen Zustand nach Fraktur und Luxation des Sternoclavicularge-
lenks sowie eine Gesichtsfeldstörung rechts infolge Glaukom (ICD-10
H 53.8 G) fest. In seiner zusammenfassenden Beurteilung kam er zum
Schluss, dass neben der somatoformen Schmerzstörung auch eine si-
chere sekundäre neurotische Fehlentwicklung bestehe. Fachspezi-
fisch bestünden keine objektivierbaren Einschränkungen des berufli-
chen Leistungsvermögens. Neurologisch sei die Beschwerdeführerin
in ihrer letzten Tätigkeit als Kellnerin und auf dem allgemeinen Arbeits-
markt vollschichtig leistungsfähig. Eine orthopädische Zusatzbegut-
achtung erscheine erforderlich.
- In ihrer Stellungnahme vom 29. November 2016 führte RAD-Ärztin Dr.
med. F._ aus, nach einer vorübergehenden Verbesserung des
postoperativen Gesundheitszustandes sei die anschliessende Ent-
wicklung gekennzeichnet durch eine progressive Verschlechterung
der Schmerzsymptomatik. Die zahlreichen Therapien (Medikamente,
Physiotherapien, Infiltrationen, lokale Radiotherapie, interskalenäre
Plexus-brachialis-Blockaden bzw. Anästhetikum-Schmerzblockaden
des Sternganglions) hätten nicht zu einer erheblichen und dauerhaften
Verbesserung geführt. Die klinischen Untersuchungen hätten keine
bedeutende Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit erge-
ben. Aus orthopädischer Sicht stimmten die Berichte dahingehend
überein, dass jeweils eine fehlende funktionelle Einschränkung attes-
tiert werde. Diesbezüglich könne dem orthopädischen Gutachten aus
dem Jahr 2012 gefolgt werden. Aus neurologischer Sicht rechtfertige
die Einschränkung im linken Schulter-Arm-Bereich keine Arbeitsunfä-
higkeit in einer angepassten Tätigkeit (act. 178).
C-1988/2018
Seite 24
- Im Anschluss an eine vom 29. November 2016 bis 9. Dezember 2016
durchgeführte stationäre multimodale Schmerztherapie hielten die ver-
antwortlichen Spezialisten der Klinik für Neurologie und Neuropsycho-
logie Z._ als Diagnosen ein chronisches Schmerzsyndrom
nach Gebershagen III mit somatischen und psychischen Faktoren, ein
chronisches neuropathisches Schmerzsyndrom links nach C 4 bis
Th 2 links bei Verdacht auf Armplexusläsion links, ein Trauma der lin-
ken Schulter (2011) mit Fraktur und Luxation des Sternoclavicularge-
lenks links, ein Glaukom sowie den Verdacht auf eine Depression fest.
Mit Blick auf den psychischen Befund führten sie aus, dass die Be-
schwerdeführerin wach, zu allen Qualitäten sicher orientiert und formal
geordnet sei. Inhaltlich bestünden keine Anhaltspunkte für eine pro-
duktiv psychotische Symptomatik oder wahnhafte Störungen. Affektiv
wirke sie leicht bedrückt, und der Antrieb sei unauffällig (act. 196).
- RAD-Ärztin Dr. med. H._ führte in ihrer Stellungnahme vom 8.
Februar 2017 namentlich aus, es bestehe ein chronisches
Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Faktoren sowie
eine mögliche Schädigung des linken Plexus brachialis mit neuropa-
thischen Schmerzen (ICD-10 G 54.0). Für eine angepasste Tätigkeit
sei der Beschwerdeführerin ab dem Unfall zunächst eine Arbeitsunfä-
higkeit von 100 %, ab Juni 2012 eine solche von 60 % und ab August
2012 eine solche von 0 % zu attestieren. Letzteres Datum entspreche
der Beurteilung im orthopädischen Gutachten (act. 186).
- Mit medizinischer Stellungnahme vom 15. März 2017 kam RAD-Ärztin
Dr. med. I._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie sowie zerti-
fizierte medizinische Gutachterin SIM, gestützt auf eine Aktenbeurtei-
lung zum Schluss, dass neben der Schmerzstörung keine komorbide
psychiatrische Erkrankung bestehe. Nach Diskussion der Standardin-
dikatoren werde der Einschätzung des Gutachters gefolgt; es bestehe
demnach aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeits-
fähigkeit. Zur Begründung dieser Schlussfolgerung führte sie an, durch
die somatoforme Schmerzstörung bestehe im Ergebnis keine Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerdeführerin befinde sich
in somatischer Behandlung und habe bisher weder eine psychiatrische
oder psychotherapeutische Behandlung in Anspruch genommen noch
Psychopharmaka zur Behandlung psychischer Beschwerden einge-
nommen (act. 191).
C-1988/2018
Seite 25
4.2 Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob die beigezogenen Gutachten und
Arztberichte eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indi-
katoren erlauben oder nicht.
4.2.1 Ausschlussgründe im Sinne einer Aggravation oder einer ähnlichen
Erscheinung werden vorliegend nicht geltend gemacht und sind aus den
Akten auch nicht ersichtlich, so dass von der Durchführung des strukturier-
ten Beweisverfahrens nicht abgesehen werden darf.
4.2.2 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Frage, ob ein Gesundheits-
schaden im Sinne der klassifizierenden Merkmale vorliegt, ist eine fach-
ärztlich einwandfrei gestellte Diagnose (BGE 143 V 409 E. 4.5.2; 143 V
418 E. 6; 141 V 281 E. 2.1). Im Vordergrund stehen vorliegend die Diagno-
sen der chronifizierten somatoformen Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren (ICD-10 F 45.41), der Läsion des linken Plexus
brachialis mit neuropathischen Schmerzen (ICD-10 G 54.0) sowie des
Glaukoms (ICD-10 H 53.8). Diese Diagnosen sind schlüssig begründet und
lassen sich anhand der klassifikatorischen Merkmale des ICD-10 nachvoll-
ziehen.
4.2.3 Die Kategorie “funktioneller Schweregrad“ beurteilt sich nach den
konkreten funktionellen Auswirkungen und insbesondere danach, wie stark
die versicherte Person in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen
Funktionen leidensbedingt beeinträchtigt ist (vgl. Urteil des BGer
9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 6.3 m.H.). In dieser Kategorie sind
die Komplexe der „Gesundheitsschädigung“, der „Persönlichkeit“ und des
„sozialen Kontextes“ zu unterscheiden.
4.2.3.1 Mit Bezug auf den Komplex „Gesundheitsschädigung“ ist als erster
Indikator die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde zu nennen.
Nicht abschliessend geklärt wurde vorliegend vom psychiatrisch-neurolo-
gischen Gutachter die Frage, in welcher Ausprägung die diagnoserelevan-
ten Befunde vorliegen. Dem diagnose-inhärenten Schweregrad der soma-
toformen Schmerzstörung ist nach der neuesten Rechtsprechung vermehrt
Rechnung zu tragen (BGE 142 V 106 E. 3.3 S. 108; 141 V 281 E. 2.1.1
S. 286). Diesem Kriterium kommt praxisgemäss erhebliche Bedeutung zu
(MICHAEL E. MEIER, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in: Jusletter
11. Juli 2016, S. 21 Rz. 109 mit zahlreichen Hinweisen auf die bundesge-
richtliche Rechtsprechung). Eine Prüfung der Standardindikatoren wurde
im vorliegenden (von der Deutschen Rentenversicherung in Auftrag gege-
benen) Gutachten nicht vorgenommen. Die von der Vorinstanz bei ihrem
C-1988/2018
Seite 26
medizinischen Dienst eingeholte Stellungnahme von Dr. med. I._
vom 15. März 2017 trägt diesbezüglich nichts zur Klärung bei, zumal das
Ergebnis der neurologisch-psychiatrischen Begutachtung nur äusserst ru-
dimentär zusammengefasst wird und lediglich auf die Diagnose der soma-
toformen Schmerzstörung, welche im Ergebnis nicht zu einer Einschrän-
kung der Arbeitsfähigkeit führe, verwiesen wird (act. 191, S. 2). Mit Blick
auf den Indikator der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde erwei-
sen sich das neurologisch-psychiatrische Gutachten und die Stellungnah-
men des medizinischen Dienstes als unvollständig. Daraus lassen sich
folglich keine zuverlässigen Aussagen zur Ausprägung der diagnoserele-
vanten Befunde und Symptome ableiten. In dieser Hinsicht fehlt es an einer
schlüssigen Begründung (vgl. dazu z.B. Urteil des BGer 8C_198/2018 vom
19. Oktober 2018 E. 3.4.1).
4.2.3.2 Ferner stellen Verlauf und Ausgang der Therapien wichtige
Schweregradindikatoren dar (Urteil des BGer 9C_21/2017 vom 22. Feb-
ruar 2018 E. 5.1; MEIER, a.a.O., S. 25 f.). Eine fundierte Auseinanderset-
zung wurde vorliegend weder im neurologisch-psychiatrischen Gutachten
noch in den Stellungnahmen des medizinischen Dienstes der Vorinstanz
(act. 178, S. 1 - 3; act. 186, S. 1 - 7; act. 191, S. 1 - 3) vorgenommen.
Insbesondere hat sich Dr. med. I._ im Rahmen ihrer ergänzenden
Beurteilung der Standardindikatoren vom 15. März 2017 auf die blosse
Feststellung beschränkt, dass sich die Beschwerdeführerin in somatischer
Behandlung befinde und eine psychiatrisch-psychotherapeutische Be-
handlung bisher nicht stattgefunden habe (act. 191, S. 2). RAD-Ärztin Dr.
med. F._ führte in ihrer Stellungnahme vom 29. November 2016
zwar aus, nach einer vorübergehenden Verbesserung des postoperativen
Gesundheitszustandes hätten die zahlreichen Therapien (Medikamente,
Physiotherapien, Infiltrationen, lokale Radiotherapie, interskalenäre Ple-
xus-brachialis-Blockaden bzw. Anästhetikum-Schmerzblockaden des
Sternganglions) zu keiner erheblichen und dauerhaften Verbesserung ge-
führt (act. 178, S. 2). Eine Würdigung dieser Therapien und entsprechende
Rückschlüsse auf den Schweregrad der Schmerzstörung und – daraus ab-
geleitet – auf die Leistungsfähigkeit finden sich indes auch in dieser Stel-
lungnahme nicht. Dieser Indikator wurde folglich vom Gutachter und den
versicherungsinternen Ärzten nicht hinreichend abgeklärt. Die zahlreichen,
im Ergebnis erfolglos verlaufenen Therapien mit teilweise stationären Auf-
enthalten sprechen für einen starken Leidensdruck und sind zumindest als
wesentlicher Hinweis für eine Einschränkung der funktionellen Leistungs-
fähigkeit zu werten.
C-1988/2018
Seite 27
4.2.3.3 In Bezug auf den Aspekt der Komorbiditäten fordert die neue
Rechtsprechung eine Gesamtbetrachtung der Wechselwirkungen und
sonstigen Bezüge der Schmerzstörung zu sämtlichen begleitenden krank-
heitswertigen Störungen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3). Vorliegend geht aus
den medizinischen Akten hervor, dass bei der Beschwerdeführerin ein fort-
geschrittenes Glaukom (ICD-10 H 53.8 G) rechts mit fast erloschenen Ge-
sichtsfeld und Offenwinkelglaukom links mit beginnendem Gesichtsfeldde-
fekt diagnostiziert worden ist (ED 2/2015; vgl. E. 4.1 hievor). Die Auswir-
kungen dieser Gesundheitsbeeinträchtigung auf das zumutbare Leistungs-
profil und die Leistungsfähigkeit blieben vorliegend vollständig ungeklärt.
Die blosse Aussage, dass in psychiatrischer Hinsicht keine Komorbidität
bestehe, genügt in diesem Zusammenhang nicht (act. 191, S. 2). Es wäre
diesbezüglich eine Gesamtbetrachtung der Wechselwirkungen und sonsti-
gen Bezüge der Schmerzstörung zu sämtlichen begleitenden krankheits-
wertigen Störungen - auch körperlicher Art - angezeigt gewesen (BGE 141
V 281 E. 4.3.1.3 S. 301; Urteil 8C_198/2018 E. 3.4.3). Hinsichtlich der ge-
nannten Gesundheitsbeeinträchtigung bedarf es ebenfalls ergänzender
medizinischer Abklärungen durch einen Ophtalmologen.
4.2.3.4 Im Bereich des Komplexes „Persönlichkeit“ geht es darum zu eru-
ieren, über welche persönliche Ressourcen die versicherte Person noch
verfügt. Hierbei müssen die zusätzlich belastenden wie auch die positiven
Ressourcen in eine Gesamtwürdigung einbezogen werden (BGE 141 V
281 E. 3.4.2.1 und E. 4.3.2). Der pauschale Hinweis in der medizinischen
Stellungnahme von Dr. med. I._, wonach kein Hinweis auf eine Per-
sönlichkeitsstörung bestehe (act. 191, S. 2) erweist sich unter diesem
Blickwinkel als ungenügend, zumal sich daraus kein verlässliches Bild über
die belastenden Faktoren und positiven Ressourcen ergibt.
4.2.4 Mit Blick auf den „sozialen Kontext“ sollen rechtsprechungsgemäss
nicht nur belastende, sondern auch positive Lebensumstände berücksich-
tigt werden (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1). In dieser Hinsicht geht aus dem
neurologisch-psychiatrischen Gutachten lediglich hervor, dass die Be-
schwerdeführerin ledig und partnerlos sei, keine Kinder habe und den All-
tag selbständig bewältigen könne, wobei sie von den Eltern unterstützt wor-
den sei (act. 168, S. 5). Die versicherungsinterne Beurteilung durch Dr.
med. I._ beschränkt sich auf die Wiedergabe dieser Feststellungen
(act. 191, S. 3) und trägt demnach nichts zur Präzisierung und Klärung bei.
Ob und gegebenenfalls inwiefern die Eltern respektive andere Verwandte
oder Bekannte unterstützend auf die Beschwerdeführerin einwirken kön-
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C-1988/2018
Seite 28
nen, wurde jedenfalls nicht abgeklärt. Dementsprechend bleibt auch un-
klar, ob die Beschwerdeführerin auf mobilisierbare Ressourcen zurückgrei-
fen kann (vgl. dazu z.B. Urteile des BGer 9C_534/2015 vom 1. März 2016
E. 5.2.5; 8C_569/2015 vom 17. Februar 2016 E. 4.1.3; 9C_125/2015 vom
18. November 2015 E. 7.4).
4.2.5 Bei der Konsistenzprüfung geht es um die Beurteilung der Frage, ob
die geltend gemachten Einschränkungen im beruflichen Bereich mit den
privaten Aktivitäten im Einklang stehen oder ob sich aus diesem Vergleich
Widersprüche oder Unstimmigkeiten ergeben. Dem neurologisch-psychi-
atrischen Gutachten ist diesbezüglich nichts zu entnehmen, und die versi-
cherungsinternen Ärzte haben diese Frage ebenfalls nicht abgeklärt (vgl.
dazu act. 191, S. 3). Bei dieser Ausgangslage kann der Beschwerdeführe-
rin jedenfalls keine Diskrepanz zwischen dem Aktivitätsniveau im Alltag
und der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit angelastet werden.
Im Gegenteil ist aufgrund der von der Beschwerdeführerin bisher in An-
spruch genommenen zahlreichen Therapien zur Linderung ihres Schmerz-
zustandes von einem hohen Leidensdruck auszugehen. Hinweise für eine
fehlende Compliance oder die Nichtbeachtung medizinisch indizierter The-
rapien sind aus den Akten nicht ersichtlich und werden von der Vorinstanz
auch nicht geltend gemacht.
4.3 Damit steht fest, dass das beigezogene neurologisch-psychiatrische
Gutachten, auch unter Einbezug der vorliegenden Arztberichte und der ver-
sicherungsinternen Aktenbeurteilungen, eine schlüssige Beurteilung im
Lichte der massgeblichen Indikatoren nicht erlaubt. Es liegen folglich keine
schlüssigen medizinischen Ausführungen vor, die eine zuverlässige Beur-
teilung der Arbeitsfähigkeit im nunmehr anzuwendenden strukturierten Be-
weisverfahren nach BGE 141 V 281 erlauben würden.
4.4 Schliesslich gilt es zu beachten, dass sich weder im neurologisch-psy-
chiatrischen Gutachten noch in den versicherungsinternen Stellungnah-
men des medizinischen Dienstes eine Auseinandersetzung mit den abwei-
chenden Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen der behandelnden Ärzte und Spe-
zialisten (vgl. dazu act. 23, 79 und 92; E. 4.1 hievor) findet. Eine solche
wäre indes für eine beweiskräftige medizinische Beurteilungsgrundlage
zwingend geboten gewesen (vgl. zu diesem Erfordernis GABRIELA RIEMER-
KAFKA [Hrsg.], Versicherungsmedizinische Gutachten, 3. Aufl. 2017, S. 25
und S. 57). Die Auseinandersetzung mit Berichten und Expertisen, welche
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von den der Verfügung zugrunde gelegten versicherungsinternen Stellung-
nahmen und dem Gutachten abweichen, ist deshalb notwendig, weil das
Gericht ansonsten bei divergierenden Arztberichten häufig nicht in der
Lage ist, das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu-
geben, warum es auf die eine und nicht die andere medizinische These
abstellt, wie dies die Rechtsprechung verlangt (vgl. Urteil des BGer
9C_986/2009 vom 11. November 2010 E. 4.5.2; BGE 125 V 352 E. 3a
S. 352).
4.5 Insgesamt fehlt es demnach sowohl im neurologisch-psychiatrischen
Gutachten wie auch in den Stellungnahmen des medizinischen Dienstes
an einer nachvollziehbaren Einschätzung der Arbeitsfähigkeit und an einer
die bestehende Diskrepanzen ausräumenden Auseinandersetzung mit den
Berichten der behandelnden Ärzte und Spezialisten. Wie vorstehend dar-
gelegt, wurden zwar nachvollziehbare Diagnosen nach Massgabe der ICD-
10 gestellt. Allerdings findet in der Folge keine respektive jedenfalls keine
fundierte Auseinandersetzung in Bezug auf die Indikatoren der „Ausprä-
gung der diagnoserelevanten Befunde“, des „Behandlungserfolgs oder der
Behandlungsresistenz“ und der „Komorbidität“ statt. Auch zu den Komple-
xen der „Persönlichkeit“ und des „sozialen Kontextes“ ergeben sich aus
den medizinischen Akten keine verlässlichen, verwertbaren Erkenntnisse.
Schliesslich lässt sich auch der für die Konsistenzprüfung relevante Indika-
tor der gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver-
gleichbaren Lebensbereichen nicht rechtsgenüglich beurteilen. Es ist da-
her unabdingbar, ein neues Gutachten einzuholen, das die Beurteilung der
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin im Einklang mit der geltenden
Rechtslage nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens ermög-
licht.
Bei diesem Ergebnis braucht auf die im Übrigen geltend gemachten mate-
riellen Mängel am Gutachten, den versicherungsinternen Stellungnahmen
und an der angefochtenen Verfügung, insbesondere auch auf die Frage
der Gewährung eines leidensbedingten Abzugs, nicht weiter eingegangen
zu werden.
4.6 Die Beschwerdeführerin beantragt zudem, es sei im Hinblick auf die
verlässliche Leistungsbeurteilung eine Evaluation der funktionellen Leis-
tungsfähigkeit (EFL) zu veranlassen.
4.6.1 Nach der geltenden Rechtsprechung besteht bei zuverlässiger ärztli-
cher Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der Regel keine Notwendigkeit, die
C-1988/2018
Seite 30
Rechtsfrage der Erwerbsunfähigkeit durch eine EFL zu überprüfen. Aus-
nahmsweise kann eine solche erforderlich sein, wenn mehrere involvierte
Ärzte eine solche angesichts eines multiplen und schwierig einzuschätzen-
den Krankheitsbildes ausdrücklich befürworten (vgl. SVR 2011 IV Nr. 6
S. 17, 9C_1035/2009 E. 4; Urteile des BGer 8C_312/2018 vom 21. Sep-
tember 2018 E. 5.1; 8C_711/2016 vom 15. Dezember 2016 E. 3.5 mit Hin-
weis).
4.6.2 Vorliegend haben die Schmerzspezialisten des V._ eine Eva-
luation der funktionellen Leistungsfähigkeit (zum Beispiel am W._
AG in [...]) explizit empfohlen (act. 97, S. 5). Weitere Empfehlungen zu ei-
ner EFL liegen bis dato nicht vor. Bei dieser Sachlage ist es dem pflichtge-
mässen Ermessen der zu benennenden Sachverständigen zu überlassen,
ob sie nach eingehender polydisziplinärer Abklärung von einem schwierig
einzuschätzenden Krankheitsbild ausgehen, dessen verlässliche Beurtei-
lung einer ergänzenden EFL bedarf.
4.7 Am Erfordernis der polydisziplinären Begutachtung vermag auch der
bei den UV-Akten liegende Entscheid VB 16/022 des Verwaltungsgerichts
des Kantons D._ vom 27. September 2017 (UV-act. 303) nichts zu
ändern. Zum einen ging es in diesem Entscheid im Wesentlichen um die
Beurteilung der Frage, ob bereits im Zeitpunkt der ersten gerichtlichen Be-
urteilung der Streitsache durch das Verwaltungsgericht (Entscheid vom
18. Juni 2014) eine Läsion des Plexus brachialis links respektive eine an-
derweitige Schädigung der Nerven bestanden habe und ob gegebenenfalls
ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 61 Bst. i ATSG anzunehmen sei, was
das Gericht verneint hat (E. 5.1 und E. 5.2). Zum andern hat das Verwal-
tungsgericht den medizinischen Sachverhalt ausschliesslich unter dem
Gesichtspunkt des (natürlichen) Kausalzusammenhanges als hinreichend
abgeklärt eingestuft (E. 7). Mit Blick auf die (im Invalidenversicherungs-
recht massgebliche) Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit unter
Berücksichtigung sämtlicher (auch nicht unfallkausaler) Gesundbeein-
trächtigungen (vgl. zu den Voraussetzungen für die Annahme eines natür-
lichen und adäquaten Kausalzusammenhanges im UVG im Allgemeinen
BGE 134 V 109 E. 2.1 sowie BGE 115 V 133 bei psychischen Unfallfolgen
im Speziellen; vgl. auch Urteile des BGer 8C_96/2017 vom 24. Januar
2018 [SVR 2018 UV Nr. 21] E. 4 und 5 sowie 8C_147/2017 vom 2. August
2017 [SVR 2018 UV Nr. 3] E. 3.1 und E. 5.1 - 5.5) ergeben sich aus dem
genannten Entscheid keine wesentlichen neuen Erkenntnisse. Schliesslich
ist der Vollständigkeit halber darauf hinzuweisen, dass nach der konstan-
ten Rechtsprechung keine Bindung der IV an die Invaliditätsschätzung der
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Seite 31
UV besteht (BGE 133 V 549 E. 6.1 S. 553 m. H., bestätigt mit Urteil des
BGer 8C_549/2016 vom 19. Januar 2017 E. 5.1).
5.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf die Durch-
führung von beruflichen Massnahmen hat.
5.1 Die Beschwerdeführerin bringt in diesem Zusammenhang vor, es
drängten sich berufliche Massnahmen auf, um überhaupt herauszufinden,
in welchen Tätigkeiten sie noch eingesetzt werden könne.
Dagegen wendet die Vorinstanz ein, die Beschwerdeführerin erfülle die
versicherungsmässigen Voraussetzungen für die Gewährung von berufli-
chen Massnahmen von vornherein nicht, da sie weder obligatorisch noch
freiwillig versichert sei (BVGer act. 4, S. 2).
5.2
5.2.1 Gemäss Anhang XI, Schweiz, Ziffer 8 der VO Nr. 883/2004 (in Kraft
seit 1. April 2012) gilt ein Arbeitnehmer oder Selbstständiger, der den
schweizerischen Rechtsvorschriften über die Invalidenversicherung nicht
mehr unterliegt, weil er seine existenzsichernde Erwerbstätigkeit in der
Schweiz infolge Unfalls oder Krankheit aufgeben musste, als in dieser Ver-
sicherung versichert für den Erwerb des Anspruchs auf Eingliederungs-
massnahmen bis zur Zahlung einer Invalidenrente und während der Durch-
führung dieser Massnahmen, sofern er keine anderweitige Erwerbstätigkeit
ausserhalb der Schweiz aufnimmt.
5.2.2 Diese (Nachversicherungs-)Norm wurde in Ziffer 1011.2 des Kreis-
schreibens über das Verfahren zur Leistungsfestsetzung in der AHV/IV
(KSBIL; gültig ab 4. April 2016, Stand 1. Januar 2018) konkretisiert
(vgl. hierzu auch IV-Rundschreiben Nr. 309). Gemäss dieser Bestimmung
gelten schweizerische Staatsangehörige oder Personen mit der Staatsan-
gehörigkeit eines EU-Landes, die in der Schweiz ohne Wohnsitz zu haben
eine Erwerbstätigkeit als Arbeitnehmende oder Selbständigerwerbende
ausgeübt haben und den schweizerischen Rechtsvorschriften über die In-
validenversicherung nicht mehr unterliegen, weil sie ihre existenzsichernde
Erwerbstätigkeit in der Schweiz in Folge Unfalls oder Krankheit aufgeben
mussten, in Bezug auf den Anspruch von Eingliederungsmassnahmen als
versichert. Dies gilt auch während der Durchführung dieser Massnahmen,
sofern sie keine anderweitige Erwerbstätigkeit ausserhalb der Schweiz auf-
nehmen. Der Nachversicherungsschutz endet hingegen beim Bezug einer
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(ganzen oder teilweisen) Invalidenrente, bei abgeschlossener erstmaliger
Eingliederung oder beim Bezug einer Leistung der Arbeitslosenversiche-
rung des Wohnlandes (BVGE 2017/V/7 E. 6.6 und 6.7; Urteil des BVGer
C-5883/2013 vom 5. Oktober 2016 E. 9.3).
5.2.3 Vorliegend ist aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin ihre Er-
werbstätigkeit in der Schweiz als Folge der unfallbedingten Arbeitsunfähig-
keit hat aufgeben müssen (act. 22 f.) und in der Folge keine dauerhafte
anderweitige Erwerbstätigkeit ausserhalb der Schweiz mehr aufgenom-
men hat. Damit sind die Voraussetzungen für einen Nachversicherungs-
schutz im Sinne der genannten Bestimmungen erfüllt.
5.2.4 Art. 1a lit. a und Art. 28 Abs. 2 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG
sowie Art. 7 ATSG statuieren den Grundsatz "Eingliederung vor Rente“.
Demnach gehen Eingliederungsmassnahmen den Rentenleistungen vor.
Diese werden nur erbracht, wenn die versicherte Person nicht oder bloss
in ungenügendem Masse eingegliedert werden kann. Für die Abklärungs-
pflicht der IV-Stelle bedeutet dies, dass sie zuerst prüfen muss, ob Einglie-
derungsmassnahmen angezeigt sind, bevor der Rentenanspruch unter-
sucht wird (Urteil des BGer 9C_163/2009 vom 10. September 2010 E. 4.1
mit Hinweisen, in: SVR 2011 IV Nr. 30 S. 86).
6.
6.1 Zusammengefasst folgt aus dem Gesagten, dass die Vorinstanz ihrer
Untersuchungspflicht nach Art. 43 Abs. 1 ATSG nicht hinreichend nachge-
kommen ist und sie den rechtserheblichen Sachverhalt folglich unvollstän-
dig festgestellt hat. Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben.
Da die angefochtene Verfügung gestützt auf eine unvollständige Sachver-
haltsabklärung ergangen ist, ist die Sache in Anwendung von Art. 61 Abs. 1
VwVG zur Vornahme der notwendigen medizinischen Abklärungen und
hernach neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. Diese Rück-
weisung an die Vorinstanz erfolgt in Übereinstimmung mit der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung, gemäss welcher eine Rückweisung an die IV-
Stelle insbesondere im Falle einer notwendigen Erhebung einer bisher voll-
ständig ungeklärten Frage möglich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4), wenn
die Vorinstanz – wie vorliegend – den Leistungsanspruch noch nicht nach
der geänderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung (siehe E. 3.5 hievor)
geprüft hat und die massgeblichen Fragen im Zusammenhang mit erhöh-
ten Anforderungen an die Diagnosestellung und dem strukturierten Be-
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weisverfahren in Nachachtung dieser neuen bundesgerichtlichen Recht-
sprechung noch völlig ungeklärt sind (vgl. Urteil des BGer 9C_450/2015
vom 29. März 2016 E. 4.2.2; Urteile des BVGer C-4329/2014 vom 11. Ja-
nuar 2017 E. 10.2, C-5000/2014 vom 21. Oktober 2016 E. 7 und C-
4265/2014 vom 21. Januar 2016 E. 7). Die Beurteilung des Leistungsan-
spruchs muss sich für alle Fachbereiche auf eine aktuelle Aktenlage stüt-
zen, weshalb die Vorinstanz nach Aktualisierung der medizinischen Akten
bei bisher nicht mit der Beurteilung der Beschwerdeführerin befassten me-
dizinischen Fachpersonen in der Schweiz ein interdisziplinäres MEDAS-
Gutachten einzuholen haben wird.
6.2 Bei komplexen gesundheitlichen Beeinträchtigungen muss die Ein-
schätzung der Leistungsfähigkeit auf umfassender, die Teilergebnisse ver-
schiedener medizinischer Disziplinen integrierender Grundlage erfolgen
(BGE 137 V 210 E. 1.2.4). Angesichts der multiplen Beeinträchtigungen
der Beschwerdeführerin wäre die Vorinstanz gehalten gewesen, eine poly-
disziplinäre Begutachtung in der Schweiz anzuordnen (vgl. dazu Urteil des
BGer 9C_235/2013 vom 10. September 2013 E. 3.2; Urteil des BVGer C-
4677/2011 vom 18. Oktober 2013 E. 3.6.3). Daran vermag die Vielzahl der
bestehenden Arztberichte und medizinischen Stellungnahmen nichts zu
ändern. Aufgrund der zur Diskussion stehenden gesundheitlichen Beein-
trächtigungen drängt sich ein interdisziplinäres Gutachten insbesondere
unter Einbezug der Fachbereiche der Neurologie und Psychiatrie (chroni-
fizierte somatoforme Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren; ICD-10 F 45.41), der Orthopädie (Läsion des linken Plexus bra-
chialis mit neuropathischen Schmerzen; ICD-10 G 54.0) und der Ophtal-
mologie (Glaukom; ICD-10 H 53.8) auf. Ob daneben noch Spezialisten aus
weiteren Fachgebieten beizuziehen sind, wird dem pflichtgemässen Er-
messen der Gutachter überlassen. Entsprechendes gilt auch für die Beur-
teilung der Frage, ob eine ergänzende Abklärungen im Rahmen einer EFL
durchzuführen ist.
6.3 Im Rahmen der erneuten Begutachtung in der Schweiz ist die neue
Gutachterstelle nach dem Zufallsprinzip gemäss Zuweisungssystem zu er-
mitteln und sind der Beschwerdeführerin die ihr zustehenden Mitwirkungs-
rechte einzuräumen (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9).
6.4 Im Anschluss an die umfassende und vollständige Abklärung des me-
dizinischen Sachverhaltes wird die Vorinstanz in einem ersten Schritt vorab
über das Gesuch um berufliche Massnahmen zu befinden haben, bevor in
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einem zweiten Schritt gegebenenfalls über das Rentengesuch zu entschei-
den ist.
6.5 Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde insoweit gutzuheissen
ist, als die angefochtene Verfügung vom 27. Februar 2018 aufgehoben und
die Streitsache zur Durchführung ergänzender Abklärungen und zur Neu-
beurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen
wird.
7.
7.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis IVG), wo-
bei das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG die Ver-
fahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei auferlegt. Da eine
Rückweisung praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Par-
tei gilt (BGE 141 V 281 E. 11.1), sind der Beschwerdeführerin keine Ver-
fahrenskosten aufzuerlegen. Da der Vorinstanz gestützt auf Art. 63 Abs. 2
VwVG ebenfalls keine Kosten aufzuerlegen sind, werden keine Verfah-
renskosten erhoben.
7.2 Die obsiegende Beschwerdeführerin hat gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG
in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE,
SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Ver-
waltung.
7.3 Die Parteientschädigung umfasst dabei die Kosten der Vertretung so-
wie allfällige weitere notwendige Auslagen der Partei (Art. 8 VGKE). Die
Kosten der Vertretung umfassen gemäss Art. 9 Abs. 1 VGKE das Anwalts-
honorar (Bst. a), den Ersatz der Auslagen (Bst. b) und der Mehrwertsteuer
(Bst. c), wobei Letztere nur dann geschuldet ist, wenn die zu entschädi-
gende Partei Wohnsitz oder Sitz in der Schweiz hat (vgl. dazu Urteile des
BVGer C-3800/2012 vom 27. Mai 2014; C-6248/2011 vom 25. Juli 2012
E. 12.2.5 mit weiteren Hinweisen). Das Anwaltshonorar wird nach dem not-
wendigen Zeitaufwand des Vertreters oder der Vertreterin bemessen
(Art. 10 Abs. 1 VGKE), wobei der Stundensatz für Anwälte und Anwältinnen
mindestens Fr. 200.- und höchstens Fr. 400.- beträgt (Art. 10 Abs. 2
VGKE).
7.4 Die Partei, die Anspruch auf Parteientschädigung erhebt, hat dem Bun-
desverwaltungsgericht vor dem Beschwerdeentscheid eine detaillierte
Kostennote einzureichen, aus welcher hervorgehen muss, welche Arbeiten
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durchgeführt worden sind und wer wieviel Zeit zu welchem Tarif aufgewen-
det hat (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 4.84 f.).
7.5 Der Rechtsvertreter hat vorliegend mit Eingabe vom 24. August 2018
eine Kostennote mit einem geltend gemachten Arbeitsaufwand von
26.80 h, abgerechnet zu einem Stundenansatz von Fr. 230.-, und einem
Betrag von Fr. 6‘348.90 (inkl. MWSt von Fr. 488.85) eingereicht (Beilage
zu BVGer act. 11). Der geltend gemachte Zeitaufwand übersteigt das in
vergleichbaren Fällen als notwendig eingestufte Mass. Zu beachten gilt es
auch, dass die Akten nicht überdurchschnittlich umfangreich sind, der
Sachverhalt überschaubar ist und auch nicht zu umfangreichen Rechtsab-
klärungen Anlass gegeben hat. Immerhin kann der durch die nachträgliche
Stellungnahme zu den UV-Akten (BVGer act. 21 samt Beilagen) bedingte
leichte Mehraufwand zu Gunsten der Beschwerdeführerin berücksichtigt
werden. Mit der Argumentation des Rechtsvertreters in dessen Stellung-
nahme vom 23. August 2018 ist zudem davon auszugehen, dass die Ver-
wendung voneinander abweichender Aktendossiers mit unterschiedlichen
Dokumenten und unterschiedlicher Aktennummerierung die Übersicht er-
schwert und damit den notwendigen Aufwand für die Vertretung etwas er-
höht hat.
Unter Berücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen und ak-
tenkundigen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierig-
keit des vorliegend zu beurteilenden Verfahrens ist eine Parteientschädi-
gung von Fr. 3'500.- (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertsteuer [vgl. dazu auch
Urteil des BVGer C-6173/2009 vom 29. August 2011 mit Hinweis; Art. 9
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 VGKE) gerechtfertigt.
(Für das Urteilsdispositiv wird auf die nächste Seite verwiesen).
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