Decision ID: e102267c-4fe3-5609-b084-7cbeedbf82c8
Year: 2008
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Der Beschwerdeführer, tibetischer Ethnie aus Z._ in der Region Kham, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 6. März 2006 und gelangte über Nepal und weitere ihm unbekannte Länder am 16. Mai 2006 in die Schweiz, wo er gleichentags ein  einreichte. Er reichte eine Identitätskarte zu den Akten. Am 29. Mai 2006 wurde der Beschwerdeführer im Empfangs- und  Y._ zu seinen Asylgründen befragt. Am 8. Juni 2006 wurde im Rahmen einer Lingua-Analyse festgestellt, dass der Beschwerdeführer höchstwahrscheinlich aus der von ihm  Region im Tibet stamme. Am 22. Juni 2006 fand eine direkte Anhörung durch das BFM statt.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er habe in seiner Familie und später in seinem ganzen Dorf Z._ eine DVD mit Reden des Dalai Lama gezeigt, die er von einem Mönch im Januar, Februar 2005 ausgeliehen habe. Die Bezirksverwaltung habe irgendwie von den Vorführungen erfahren. Im Februar 2006 habe ihn B._, ein Freund, der bei einer Regierungsstelle (Tschotschin) in X._ (beziehungsweise W._) als Chaffeur arbeite, bei sich zu Hause gewarnt. Er habe ihm zur Flucht geraten, insbesondere weil er bei der Polizei bereits seit Juli 2004 registriert sei. Damals sei er fünfzehn Tage inhaftiert worden, weil er anlässlich eines Dorffestes ein Sweatshirt mit der tibetischen Flagge und dem Schriftzug "Freiheit für Tibet" in lateinischer Schrift getragen habe. Das Sweatshirt habe er in Lhasa von einem Mönch aus Taiwan erhalten, er habe aber den Schriftzug nicht verstanden. Weil er schon einmal im Gefängnis gewesen sei, würde nun die Strafe für die Vorführung der DVD noch härter und schlimmer ausfallen. Am Tag nach der Warnung durch seinen Freund habe er deshalb sein Dorf verlassen und sei mit einem Materialtransport nach Lhasa gefahren. Dort habe er durch einen Händler erfahren, die chinesischen  (Guentschis) hätten ihn drei Tage nach seiner Abreise bei sich zu Hause gesucht. Nach zehn beziehungsweise zwanzig Tagen Aufenthalt in Lhasa sei er über V._, wo er die Grenze passiert habe, nach U._ in Nepal gelangt und dann zwei Monate später mit dem Flugzeug ausgereist.
Seite 2
D-6024/2006
B. Mit Verfügung vom 27. Juni 2006 – gleichentags eröffnet – verneinte das BFM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete dessen Wegweisung aus der Schweiz an. Mit gleicher Verfügung wurde die vorläufige Aufnahme des  in der Schweiz infolge Unzumutbarkeit des  angeordnet. In der Folge wurde der Beschwerdeführer gleichentags dem Kanton T._ zugewiesen.
C. Mit Eingabe vom 13. Juli 2006 (Poststempel) erhob der  gegen den Entscheid des BFM bei der damals zuständigen Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) Beschwerde. Er  die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die  der Flüchtlingseigenschaft. Eventualiter sei er aufgrund  Nachfluchtgründe vorläufig als Flüchtling aufzunehmen. In  Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Die Beschwerde war nicht unterschrieben.
D. Mit Verfügung vom 19. Juli 2006 setzte die ARK Frist zur  unter Androhung des Nichteintreten an. Die  wurde fristgerecht nachgereicht.
E. Mit Verfügung vom 28. Juli 2006 hiess die ARK das Gesuch um  der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
F. In der Vernehmlassung vom 13. September 2006 hielt die Vorinstanz an ihren Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der .
G. Die vorinstanzliche Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 18. September 2006 zur Kenntnis gebracht. Er machte von seinem  innert der angesetzten Frist keinen Gebrauch.
Seite 3
D-6024/2006

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine  des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die  der am 31. Dezember 2006 bei der ARK hängig gewesenen Rechtsmittel übernommen. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).
1.3 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der  ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Der Beschwerdeführer ist daher zur Einreichung der  legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person , wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu  bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen An-
Seite 4
D-6024/2006
schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender  für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Zur Begründung ihres Entscheides führte die Vorinstanz im  aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht genügen.
In erster Linie widersprächen seine Vorbringen der allgemeinen  und der Logik des Handelns. Der Beschwerdeführer behaupte, die Bedeutung des Textes "Freiheit für Tibet" auf seinem Sweatshirt sei ihm nicht bekannt gewesen. Er habe sich an jenem Festtag einfach , dass die Flagge doch schön sei. Dem sei entgegen zu halten, dass die ethnischen Tibeter in China auf Grund historischer  allesamt sehr wohl davon Kenntnis hätten, wie empfindlich die  Behörden auf die propagandistische Demonstration der  nach einem unabhängigen tibetischen Staat reagieren würden. Ein Tibeter hätte sich bestimmt vorgängig über die Bedeutung des  informieren lassen, um Konfrontationen zu vermeiden. Die  hinsichtlich der unbedarften Handlungsweise des  seien deshalb realitätsfremd und somit unglaubhaft. Daher könnte auch die behauptete Anschlussverfolgung nicht geglaubt . Hinsichtlich der Ereignisse rund um die DVD falle auf, dass der  keinerlei Angaben über deren Verbleib nach der  durch seinen Freund gemacht habe. Die chinesischen  hätten diese als schlagendes Beweismittel gegen ihn und seine Familie verwenden können. Zudem wäre eine tatsächlich betrof-
Seite 5
D-6024/2006
fene Person sofort untergetaucht und hätte nicht bis am nächsten  zu Hause gewartet, da die chinesischen Sicherheitskräfte  hätten eintreffen können. Daher seien auch diese Schilderungen realitätsfremd und somit unglaubhaft.
Des Weiteren seien seine Vorbringen widersprüchlich. Er behaupte in der Bundesanhörung, er habe sich zwanzig Tage in Lhasa , während er in der ersten Anhörung im Empfangs- und  von zehn gesprochen habe. Dieser Widerspruch sei  und die Vorbringen somit unglaubhaft, da es für ihn  von grosser Bedeutung gewesen sei, wie lange er sich noch in China hätte aufhalten müssen, wo ihm Verfolgung gedroht habe.
Da die Vorbringen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht standhielten, müsse ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden.  erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei.
4.2 Der Beschwerdeführer machte zur Glaubhaftigkeit seiner  im Wesentlichen geltend, als einfacher Nomade sei er keiner  Sprache mächtig. Deshalb sei es ihm nicht möglich gewesen, den Sinn des Aufdruckes auf dem Sweatshirt zu verstehen. Dass er erst am nächsten Tag die Flucht ergriffen habe, hänge damit , dass der Entscheid, Familie und Land zurückzulassen, nicht  falle. Er habe sich erst am nächsten Tag dazu durchringen , nachdem es ihm seine Freunde dringendst geraten hätten.  befinde sich sein Dorf in einem abgelegenen Gebiet, wo  Ermittlungen nicht einfach durchzuführen seien. Zur Dauer seines Aufenthaltes in Lhasa sei zu sagen, dass er sich nicht entsinnen  bei der Erstbefragung von circa zehn Tagen gesprochen zu haben. Korrekt seien etwas mehr als zwanzig Tage. Er habe bei den  nur Angaben zu den Beginn- und Enddaten gemacht, jedoch  Dauer ausgerechnet.
Zudem machte der Beschwerdeführer subjektive Nachfluchtgründe geltend. Es sei bekannt, dass die Asylbehörden seit der Publizierung eines Entscheides der ARK (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 1) bei  aus China ausgereisten Tibetern zumindest vom Vorliegen  Nachfluchtgründe ausgingen.
Seite 6
D-6024/2006
5.
5.1 Nach Durchsicht der Akten ist die Feststellung des BFM, wonach die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG nicht standhalten, im  zu bestätigen. Daran vermögen auch die Ausführungen in der Beschwerdeschrift nichts zu ändern.
5.1.1 Zunächst ist festzuhalten, dass die Haft im Juli 2004 für die Ausreise im Jahr 2006 offenbar nicht direkt kausal war. Diese lag zum damaligen Zeitpunkt schon fast zwei Jahre zurück und der  war seit der Haftentlassung monatelang unbehelligt . Damit ist der Kausalzusammenhang zwischen diesem Ereignis und der Ausreise unterbrochen. Die Glaubhaftigkeit dieser Vorbringen kann damit letztlich offen bleiben. Immerhin ist mit dem BFM einig zu gehen, dass das angeblich unbedarfte Handeln des  im Zusammenhang mit dem getragenen Sweatshirt gewisse  aufwirft.
5.1.2 Jedenfalls aber kann dem Beschwerdeführer das  Ereignis nicht geglaubt werden. Zwar ergeben sich allein daraus, dass der Beschwerdeführer sein Zuhause nicht sofort nach der  verlassen hat, noch keine gewichtigen Zweifel. Wie der  richtig zu bedenken gibt, fällt der Entscheid, sein Land und seine Familie zu verlassen, nicht leicht und es ist deshalb , dass er noch eine Nacht zuwartete. Da sich sein Dorf in  abgelegenen Gebiet befindet, wo polizeiliche Ermittlungen nicht einfach durchzuführen sind, musste er nicht noch in der gleichen Nacht mit Ermittlungen bei sich zu Hause rechnen. Gewichtige Zweifel entstehen aber insofern, als der Beschwerdeführer in seinen  äusserst vage und unsubstanziiert bleibt. Er hat die von ihm behaupteten Ereignisse, die zu seiner Flucht geführt haben sollen – Erhalt der DVD, Vorführung im Dorf, Warnung durch den Freund und damit verbundene Abreise und die Suche nach ihm – nur in sehr  Form umschreiben können. Seinen Erzählungen fehlt jeglicher Detailreichtum, der den Eindruck von tatsächlich Erlebtem erwecken könnte. Die Geschichte zeigt keinerlei Realkennzeichen. Die Aussagen des Beschwerdeführers sind zudem in verschiedener Hinsicht nicht plausibel. Insbesondere ist nicht ersichtlich, warum der sonst völlig apolitische Beschwerdeführer kurz nach seiner erlittenen Haft eine DVD mit Reden des Dalai Lama im Dorf vorgeführt und somit das Risi-
Seite 7
D-6024/2006
ko einer erneuten Verfolgung auf sich genommen haben soll.  ist einzusehen, wie sein Freund als einfacher Chauffeur bei der Verkehrspolizei (Tschotschin) in Erfahrung bringen konnte, dass dem Beschwerdeführer baldige Verfolgung durch die chinesischen Sicherheitskräfte (Guentschis) wegen der DVD droht. Auch ist, wie das BFM richtig festgestellt hat, nicht verständlich, warum der Beschwerdeführer zum Verbleib der DVD keine Auskunft geben konnte. Der Beschwerdeführer musste davon ausgehen, dass die DVD für ihn und seine Familie eine Gefahr darstellt. Darum ist es nicht vorstellbar, dass er die DVD einfach zu Hause gelassen und somit seine Familie in Gefahr gebracht hat. Es ist davon auszugehen, dass er versucht hätte, die DVD verschwinden zu lassen. Der Beschwerdeführer müsste also in der Lage sein, Auskunft zu geben, was für Gedanken er sich bezüglich dieser Gefahr gemacht und wie er darauf reagiert hat. Zudem wäre zu erwarten, dass die chinesischen Sicherheitskräfte bei der Suche nach ihm das Haus nach der DVD durchsucht hätten. Aus den Aussagen des Beschwerdeführers geht aber diesbezüglich nichts dergleichen hervor. Schliesslich hat sich der Beschwerdeführer in Bezug auf die Dauer des Aufenthaltes in Lhasa widersprochen. Der Einwand des Beschwerdeführers, wonach er keine Zeitdauer angegeben habe, sondern nur ein Anfangs- und ein Enddatum, lässt sich durch die Protokolle der Anhörungen nicht bestätigen. Der Beschwerdeführer hat an der Bundesanhörung tatsächlich gesagt, er habe sich zwanzig Tage in Lhasa aufgehalten (A11, S.2), während er in der ersten Anhörung im Empfangs- und Verfahrenszentrum von zehn Tagen sprach (A1, S.6). Die Protokolle wurden dem Beschwerdeführer rückübersetzt und er hat die Richtigkeit seiner Aussagen mit seiner Unterschrift bestätigt. Deshalb muss er sich bei diesen Aussagen behaften lassen. Auch wenn es sich dabei nicht um ein ausschlaggebendes Indiz der Unglaubhaftigkeit handelt, zumal es sich beim Aufenthalt in Lhasa nur um einen Nebenpunkt der Fluchtgeschichte handelt, dem erfahrungsgemäss weniger Aufmerksamkeit gewidmet wird, stützt doch auch dieser Widerspruch die bereits oben erwähnten Zweifel insgesamt.
5.1.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftmachung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 7 AsylG nicht genügen. Die  hat das Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt.
Seite 8
D-6024/2006
5.2 Es bleibt antragsgemäss zu prüfen, ob der Beschwerdeführer  durch die illegale Ausreise aus Tibet beziehungsweise China und die Asylgesuchseinreichung im Ausland einen Grund für  Verfolgung durch die chinesischen Behörden gesetzt hat und damit die Flüchtlingseigenschaft wegen subjektiver Nachfluchtgründe  Art. 54 AsylG erfüllt.
5.2.1 Subjektive Nachfluchtgründe sind dann anzunehmen, wenn eine asylsuchende Person erst durch die unerlaubte Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Als subjektive Nachfluchtgründe gelten insbesondere unerwünschte exilpolitische Betätigungen, illegales Verlassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht) oder Einreichung eines Asylgesuches im Ausland, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung begründen.  mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl,  jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. EMARK 2000 Nr. 16, Erw. 5a, S. 141f., mit weiteren Hinweisen).
5.2.2 Die ARK hat in EMARK 2006 Nr. 1 festgelegt, dass bei illegal aus China ausgereisten Tibetern, welche – ohne sich vorher längere Zeit in Nepal oder Indien aufgehalten zu haben – in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt haben und hier über längere Zeit verblieben sind, vom Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe auszugehen sei.  sei davon auszugehen, dass solche Personen im Falle einer  in die Volksrepublik China grundsätzlich damit rechnen müssen, festgenommen und verhört zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Personen zu einer Freiheitsstrafe wegen illegaler Ausreise und Asylgesuchstellung verurteilt werden und diese Strafe aufgrund der  Ethnie und der von den chinesischen Sicherheitsorganen unterstellten Dalai-Lama-freundlichen Gesinnung empfindlich sein wird, sei als hoch zu bezeichnen. Als wahrscheinlich würden im  auch eine menschenrechtswidrige Behandlung während der Haft sowie Unterdrückungsmassnahmen auch nach der Strafverbüssung gelten (vgl. EMARK 2006 Nr. 1 E. 6.4). Im Urteilszeitpunkt muss zudem davon ausgegangen werden, dass sich die Gefahr in jüngster Zeit für zurückkehrende Personen tibetischer Ethnie durch die aktuellen,  Proteste wegen der Olympischen Spiele im Sommer 2008 noch erhöht hat.
Seite 9
D-6024/2006
Gemäss seinen Schilderungen ist der Beschwerdeführer nach zwei Monaten Aufenthalt in Nepal direkt in die Schweiz ausgereist. Aus der Analyse des Lingua-Experten vom 8. Juni 2006 geht hervor, dass er vorwiegend in der von ihm angegebenen Region im Osttibet  wurde. Der Aufenthalt in Nepal kann nicht als längere Zeit im  von EMARK 2006 Nr. 1 bezeichnet werden. Zudem deutet in der -Analyse nichts darauf hin, dass der Beschwerdeführer länger als angegeben in Nepal oder auch in Indien verweilt haben könnte. Dies alles lässt den Schluss zu, dass der Beschwerdeführer auf relativ  Weg aus dem Tibet in die Schweiz gelangt ist. Auch bezüglich der Illegalität der Ausreise des Beschwerdeführers ist seinen  Schilderungen Glauben zu schenken. Eine legale  wäre für den Beschwerdeführer ohnehin äusserst schwierig zu  gewesen. Als Tibeter mit seinem Profil – Nomade aus  ländlichen Gegend – hätte er wohl kein Ausreisevisum erhalten können. Doch selbst wenn ihm dies gelungen wäre, hätte er zumindest die legale Aufenthaltsdauer im Ausland inzwischen bei weitem , sodass die Frage der illegalen Ausreise offen bleiben könnte. Das BFM stellte denn auch im vorliegenden Fall weder die relative  noch die Illegalität der Ausreise in Frage. Bleibt abzuklären, ob ein Aufenthalt ausserhalb Chinas von inzwischen mehr als zwei Jahren genügend lange ist, dass der Beschwerdeführer Gefahr läuft, im Falle einer Rückkehr flüchtlingsrechtlich relevanten Übergriffen ausgesetzt zu werden. Diese Gefahr besteht insbesondere, wenn die  Behörden bei der Wiedereinreise auf die illegale Ausreise und die Stellung eines Asylgesuches im westlichen Ausland aufmerksam werden und der Beschwerdeführer somit in den Verdacht  Aktivitäten oder staatskritischer Äusserungen gerät. Die  einer Entdeckung bei der Wiedereinreise ist umso , je länger der Aufenthalt im Ausland dauerte. Da sich der  nun seit mehr als zwei Jahren im Ausland befindet, dürften die chinesischen Behörden bei einer Wiedereinreise Verdacht schöpfen und ihm erste Fragen zu seiner Auslandreise stellen. Dem Beschwerdeführer dürfte es als Nomade ohne grosse Schulbildung und aus einfachen, ländlichen Verhältnissen schwer fallen die Reise, ohne vorher jemals im Ausland gewesen zu sein, zum Beispiel mit  Verpflichtungen oder mit Besuchen bei Verwandten zu . Der Beschwerdeführer hat somit begründete Furcht vor  relevanten Übergriffen.
Seite 10
D-6024/2006
5.2.3 Damit ist ihm begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zuzuerkennen. Es ist davon auszugehen, dass er bei  Rückkehr nach China aufgrund subjektiver Nachfluchtgründe  zu befürchten hat. Nachdem die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers einzig aufgrund des Vorliegens subjektiver  zu bejahen ist, ist eine Asylgewährung gemäss dem  von Art. 54 AsylG ausgeschlossen.
5.3 Abschliessend ist demnach festzustellen, dass die Vorinstanz  des Bestehens subjektiver Nachfluchtgründe die  des Beschwerdeführers zu Unrecht verneint jedoch das Asyl zu Recht verweigert hat.
6.
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine  Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21).
7. Das BFM hat den Beschwerdeführer in der angefochtenen Verfügung vom 27. Juni 2006 zufolge Unzumutbarkeit des Vollzugs der  vorläufig aufgenommen. Ein Vollzug der Wegweisung des  durch Rückschaffung in die Volksrepublik China  sich nunmehr nicht nur als unzumutbar, sondern muss überdies zufolge erstellter Flüchtlingseigenschaft auch als unzulässig erachtet werden (vgl. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 14as Abs. 3 ANAG).
8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung zu bestätigen ist, soweit sie das Asylgesuch des Beschwerdeführers abweist und in der Folge die Wegweisung aus der Schweiz anordnet. Sie ist demgegenüber aufzuheben, soweit sie die  des Beschwerdeführers verneint. Die Beschwerde ist daher  gutzuheissen, soweit sie die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
Seite 11
D-6024/2006
schaft betrifft. Soweit der Beschwerdeführer demgegenüber die  beantragt, ist die Beschwerde abzuweisen.
9. Da der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren bezüglich der  unterlegen ist, wäre er im Rahmen des Unterliegens  (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 VwVG wurde jedoch von der  Instruktionsrichterin mit Verfügung vom 28. Juli 2006 . Sodann liegen keine Gründe vor, auf diesen Entscheid , weshalb für das vorliegende Beschwerdeverfahren keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind.
10. Dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer wäre in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 des Reglements vom 11. Dezember 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) für die ihm  erwachsenen Parteikosten eine reduzierte  zuzusprechen. Da der Beschwerdeführer im Verfahren nicht  wurde, ist davon auszugehen, dass ihm keine Kosten im  Sinne entstanden sind. Es ist ihm somit keine  zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
Seite 12
D-6024/2006