Decision ID: e36eac7d-42a5-57b3-bd7c-c52ed97387d4
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Der knapp 100 Meter lange Tannenweg in G. verbindet die W-strasse mit der R-
strasse. Er ist als Gemeindestrasse 2. Klasse eingeteilt und als separate Parzelle mit
der Grundstück-Nr. 702 ausgeschieden. Das Grundstück misst 376 m2 und steht im
Eigentum der Politischen Gemeinde G.. Diese hatte es am 10. Dezember 1997 von den
damaligen Eigentümern entschädigungslos übernommen. Westlich angrenzend an den
Tannenweg befinden sich die Grundstücke Nr. 174 (Tannenweg 1, bis 1. Mai 2006 im
Eigentum von S.), Nr. 699 von W. (Tannenweg 3), Nr. 700 von X. (Tannenweg 5) und Nr.
701 von Y. (R-strasse 14). Westlich an das Grundstück Nr. 701 angrenzend befindet
sich die Parzelle Nr. 213 von Z. Im Strassengrundstück Nr. 702 verläuft eine
Kanalisationsleitung. Diese sammelt die Abwässer der vorstehend genannten
Grundstücke. Von den am Tannenweg gelegenen Parzellen münden die
Hausanschlussleitungen direkt in die in der Strassenparzelle verlegte Leitung. Vom
Grundstück Nr. 213 führt eine Leitung durch das Grundstück Nr. 701 in die
Strassenparzelle.
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Am 15. April 2005 teilte der Gemeinderat G. den Eigentümern der Grundstücke Nrn.
174, 699, 700, 701 und 213 unter anderem mit, der Fahrbahnbelag der W-strasse auf
dem Abschnitt Staatsstrasse bis Werdenweg sei sanierungsbedürftig. Der
Belagsaufbau müsse total erneuert werden. Ebenfalls stark beeinträchtigt seien die
unterirdischen Kanalisationsleitungen. Diese sollten gleichzeitig mit dem Strassenbelag
saniert bzw. erneuert werden.
Am 10. August 2005 stellte der Gemeinderat G. den Eigentümern der genannten
Grundstücke eine Aufforderung zur Mängelbehebung an den privaten Kanalisationen
zu. Darin war festgehalten, die Eigentümer seien bereits darüber informiert worden,
dass die Schmutzwasserableitung ihres Grundstücks in die Hauptleitung der W-strasse
zum Teil mangelhaft sei. Die Eigentümer wurden aufgefordert, einen bestimmten
Abschnitt der Leitung zu sanieren. Ausserdem seien mindestens bei jedem
Hausabgang und bei jeder Richtungsänderung Kontrollschächte zu erstellen. Diese
Arbeiten seien bis spätestens Ende 2005 auszuführen. Die Kosten beliefen sich auf
rund Fr. 6'000.-- je Liegenschaft.
B./ Die Grundeigentümer erhoben gegen die Verfügung des Gemeinderates mit
Eingabe vom 19. August 2005 Rekurs beim Baudepartement. Sie beantragten
sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und machten geltend, die
Sanierung der Kanalisation vom Tannenweg in die W-strasse obliege der Politischen
Gemeinde als Eigentümerin des Tannenwegs.
Der Gemeinderat stellte sich in seiner Vernehmlassung auf den Standpunkt, die Leitung
im Tannenweg sei nicht Teil der öffentlichen Kanalisation.
Am 1. Mai 2006 veräusserte S. sein Grundstück Nr. 174 an V. Dieser trat in das
Rekursverfahren ein.
Mit Entscheid vom 12. März 2007 hiess das Baudepartement die Rekurse von V., W.,
X., Y. und Z. gut und hob die Verfügung des Gemeinderates G. vom 10. August 2005
auf. Das Baudepartement erwog, es handle sich bei der Kanalisationsleitung im
Tannenweg um eine Leitung im Sinn von Art. 676 ZGB. Mangels Dienstbarkeitsvertrags
sei aber kein Eigentum der Abwasserreinigungsanlage an der Kanalisationsleitung
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begründet worden. Damit sei die Leitung unter dem Tannenweg nicht als Zugehör des
Werkes, d.h. der Abwasserreinigungsanlage, zu qualifizieren. Vielmehr sei sie aufgrund
des Akzessionsprinzips Teil des Grundstücks, in dem sie sich befinde. Weiter erwog
das Baudepartement, der Inhaber der Leitung sei zur Sanierung verpflichtet. Inhaber
sei, wer die tatsächliche Herrschaft über das Unternehmen oder die Installation ausübe
und in der Lage sei, die nötigen Vorkehren zum Schutz der Gewässer vor
Verunreinigung zu treffen. Faktisch habe die politische Gemeinde die Möglichkeit, den
Unterhalt bzw. die Sanierung der Leitungen in der Strassenparzelle durchzuführen, und
sie sei durch den Eigentumserwerb am Tannenweg auch Inhaberin der Leitungen
geworden. Daraus ergebe sich, dass die Politische Gemeinde G. für die Sanierung der
Abwasserleitung unter dem Tannenweg zuständig sei. Den Rekurrenten obliege es
einzig, bei Bedarf ihre jeweiligen Hausanschlüsse auf ihren Grundstücken zu sanieren.
C./ Mit Eingaben ihres Rechtsvertreters vom 27. März und 15. Mai 2007 erhob die
Politische Gemeinde G. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der
Rekursentscheid vom 12. März 2007 sei aufzuheben und die Verfügung des
Gemeinderats vom 10. August 2005 sei zu bestätigen, unter Kostenfolge. Zur
Begründung wird im wesentlichen vorgebracht, das Baudepartement habe die
Anschlussleitung unter dem Tannenweg zu Recht als private Leitung und nicht als
öffentliche Kanalisation beurteilt. Im übrigen seien die Beschwerdegegner Inhaber der
Leitung im Tannenweg. Diese hätten als Eigentümer der angeschlossenen
Liegenschaften als einzige Benützer ein Interesse am Betrieb und Erhalt der Leitungen.
Als Produzenten des Abwassers seien sie zudem Verursacher der Massnahmen. Die
Eigentümer von durchquerten Grundstücken hätten demgegenüber weder ein Interesse
oder einen Nutzen an der Leitung noch seien sie Verursacher der betreffenden
Massnahmen. Auf die einzelnen Vorbringen der Beschwerdeführerin wird, soweit
wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Das Baudepartement schliesst in seiner Vernehmlassung vom 23. Mai 2007 unter
Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid auf Abweisung der
Beschwerde.
Die Beschwerdegegner teilten am 8. Juni 2007 mit, sie verzichteten auf eine
Vernehmlassung.
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Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Politische Gemeinde G. ist zur Beschwerdeführung legitimiert. Die Legitimation folgt
aus Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP, da nicht in erster Linie
öffentliche Interessen berührt sind, sondern die Beschwerdeführerin vom
angefochtenen Entscheid ähnlich betroffen ist wie eine Privatperson (vgl. Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 443 ff.).
Die Beschwerdeeingaben vom 27. März und 15. Mai 2007 erfüllen im übrigen zeitlich,
formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Der Sachverhalt ist unbestritten. Die Liegenschaften der Beschwerdegegner sind
direkt an die im Tannenweg verlaufende Kanalisationsleitung angeschlossen. Einzig die
Anschlussleitung des Grundstücks Nr. 213 verläuft zunächst durch das Grundstück Nr.
701, bevor sie in die Leitung im Tannenweg mündet. Dieser ist eine Gemeindestrasse
2. Klasse und als separates Grundstück ausgeschieden, das seit 1997 der
Beschwerdeführerin gehört. Streitig ist im Beschwerdeverfahren einzig, ob das
Baudepartement die von der Beschwerdeführerin verfügte Verpflichtung der
Beschwerdegegner zur Sanierung der im Tannenweg verlaufenden Kanalisationsleitung
zu Recht aufgehoben hat.
2.1. In der vorliegenden Streitsache fallen sowohl privatrechtliche als auch öffentlich-
rechtliche Vorschriften in Betracht.
2.1.1. Art. 676 des Zivilgesetzbuches (SR 210, abgekürzt ZGB) enthält Regeln über
Leitungen in fremden Grundstücken. Nach Art. 676 Abs. 1 ZGB werden Leitungen für
Wasser, Gas, elektrische Kraft und dergleichen, die sich ausserhalb des Grundstücks
befinden, dem sie dienen, als Zugehör des Werkes, von dem sie ausgehen, und als
Eigentum des Werkeigentümers betrachtet, wo es nicht anders geordnet ist. Soweit
nicht das Nachbarrecht Anwendung findet, erfolgt die dingliche Belastung der fremden
Grundstücke mit solchen Leitungen durch die Errichtung einer Dienstbarkeit (Art. 676
Abs. 2 ZGB). Die Dienstbarkeit entsteht, wenn die Leitung nicht äusserlich
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wahrnehmbar ist, mit der Eintragung in das Grundbuch und in den anderen Fällen mit
der Erstellung der Leitung (Art. 676 Abs. 3 ZGB).
Nach Art. 691 Abs. 1 ZGB ist jeder Grundeigentümer gehalten, die Durchleitung von
Brunnen, Drainierröhren, Gasröhren und dergleichen sowie von elektrischen Leitungen
gegen vorgängigen vollen Ersatz des dadurch verursachten Schadens zu gestatten,
insofern sich die Leitung ohne Inanspruchnahme seines Grundstücks gar nicht oder nur
mit unverhältnismässigen Kosten durchführen lässt. Solche Durchleitungen werden,
wenn es der Berechtigte verlangt, auf seine Kosten in das Grundbuch eingetragen (Art.
691 Abs. 3 ZGB). Diese Bestimmung kann auf Kanalisationsanlagen sachgemäss
angewendet werden (H. Rey, Kommentar zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, Basel
1998, N 29 zu Art. 691).
2.1.2. Art. 4 Abs. 1 lit. a des Abwasserreglements der Politischen Gemeinde G.
(abgekürzt AR) bestimmt, dass der Gemeinderat für die Erstellung und den Betrieb der
öffentlichen Kanalisation und zentraler Abwasserreinigungsanlagen sorgt. Weiter wird
in Art. 5 AR geregelt, welche Objekte als private Abwasseranlagen gelten. Darunter
fallen namentlich Kanalisationen für die Entwässerung von Grundstücken bis zum
Anschluss an die öffentlichen Abwasseranlagen (lit. a). Art. 14 Abs. 1 AR bestimmt,
dass öffentliche und private Abwasseranlagen stets in gutem, betriebsbereitem
Zustand zu erhalten sind. Nach Art. 14 Abs. 2 AR hat die Sanierung privater
Abwasseranlagen spätestens zum gleichen Zeitpunkt wie die Sanierung der
öffentlichen Kanalisation, in welche die Anschlussleitung mündet, zu erfolgen.
2.1.3. Das Vollzugsgesetz zur eidgenössischen Gewässerschutzgesetzgebung (sGS
752.2, abgekürzt GSchVG) hält in Art. 14 lit. a fest, dass die Erstellung und der Betrieb
öffentlicher Kanalisationen und zentraler Abwasserreinigungsanlagen von der
politischen Gemeinde durch Reglement geregelt wird. Das GSchVG verwendet
ebenfalls die Begriffe öffentliche und private Abwasseranlage (Art. 7, 9 und 15
GSchVG), enthält aber keine Definition dieser Begriffe und keine Kriterien für die
Abgrenzung öffentlicher und privater Abwasseranlagen. Nach Art. 11 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer (SR 814.20, abgekürzt GSchG)
umfasst der Bereich öffentlicher Kanalisationen die Bauzonen (lit. a), weitere Gebiete,
sobald für sie eine Kanalisation erstellt worden ist (lit. b), und weitere Gebiete, in
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welchen der Anschluss an die Kanalisation zweckmässig und zumutbar ist (lit. c). Diese
Bestimmung regelt den Grundsatz, dass Bauzonen durch öffentliche Kanalisationen zu
erschliessen sind. Die vorliegend streitige Frage, wie die Hausanschlussleitungen von
den Anlagen der öffentlichen Kanalisation abzugrenzen sind, lässt sich anhand der
genannten Bestimmung allerdings nicht beantworten.
2.2. Obwohl nicht explizit festgehalten, ist aufgrund der Bestimmungen des AR davon
auszugehen, dass die Gemeinde für den Unterhalt der öffentlichen Kanalisation
zuständig ist, während die privaten Abwasseranlagen von Privatpersonen zu
unterhalten sind. Die Verpflichtung der Gemeinde zum Betrieb der öffentlichen
Kanalisation gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. a AR umfasst auch den Unterhalt. Wären Private
zum Unterhalt der öffentlichen Kanalisation verpflichtet, hätte dies jedenfalls in einer
klaren gesetzlichen Vorschrift verankert werden müssen. Das AR und auch die
entsprechenden Erlasse des Bundes und des Kantons enthalten aber keine solchen
Bestimmungen. Auch finden sich in diesen wie erwähnt keine Vorschriften, welche sich
unmittelbar auf die Abgrenzung von öffentlichen und privaten Teilen der Kanalisation
beziehen. Art. 5 lit. a AR bestimmt lediglich, dass sich die privaten Anlagen bis zum
Anschluss an die öffentlichen Anlagen erstrecken. Der Gemeinderat hat am 29. März
2004 einen Beschluss gefasst, in dem u.a. die Abgrenzung der öffentlichen und der
privaten Kanalisationsleitungen geregelt wird.
2.3. Die Vorinstanz kam zum Schluss, in zivilrechtlicher Hinsicht sei die Leitung im
Bereich des Tannenwegs Eigentum der politischen Gemeinde. Beim Bau der Leitungen
seien die Durchleitungsrechte nicht als Dienstbarkeiten im Grundbuch eingetragen
worden; auch sei dies bei der Uebernahme des Grundstücks durch die politische
Gemeinde nicht geschehen. Daher sei die Leitung unter dem Tannenweg nicht als
Zugehör (der Abwasserreinigungsanlage) zu qualifizieren. Vielmehr werde die Leitung
aufgrund des Akzessionsprinzips Teil des Grundstücks, in dem sie sich befinde. Diese
Beurteilung ist grundsätzlich zutreffend. Ein Dienstbarkeitsvertrag fehlt, weshalb die
Leitung im Tannenweg nicht als Zugehör eines Werks betrachtet werden kann. Zudem
ist sie bereits erstellt, weshalb auch die Entstehung einer Durchleitungsdienstbarkeit im
Sinn von Art. 691 ZGB ausser Betracht fällt (vgl. Rey, a.a.O., N 22 zu Art. 691).
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Die Klärung der Eigentumsverhältnisse beantwortet jedoch die Frage nach der Pflicht
zum Unterhalt nicht. In privatrechtlicher Hinsicht kann eine Pflicht zum Unterhalt
fremden Grundeigentums nur beim Bestand einer Dienstbarkeit (Art. 741 ZGB)
angenommen werden. Eine solche besteht aber wie erwähnt nicht, und es liegt auch
keine entsprechende obligatorische Verpflichtung vor.
2.4. Die Abgrenzung von privater Kanalisation und öffentlicher Kanalisation hat
weitreichende Folgen, namentlich in bezug auf die hier streitige Pflicht für den Unterhalt
von Kanalisationsanlagen. Diese Abgrenzung kann daher nicht durch einen Beschluss
des Gemeinderates für die privaten Grundeigentümer verbindlich geregelt werden,
zumal dem Gemeinderat in dieser Angelegenheit Parteistellung zukommt. Die
Abgrenzung ist aufgrund der Bestimmungen des AR vorzunehmen, allenfalls unter
Berücksichtigung der Normen des kantonalen Rechts und des Bundesrechts.
Belanglos ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Beschwerdegegner im
Rekursverfahren nicht explizit bestritten haben, die Leitung im Tannenweg sei eine
private Leitung. Ob eine Leitung Teil der öffentlichen Kanalisation oder Teil der
Hausanschlussleitung ist, die nach Art. 5 lit. a AR als private Abwasseranlage gilt, ist
eine Rechtsfrage, die von Amtes wegen zu prüfen ist.
2.5. Art. 12 Abs. 2 AR bestimmt, dass der Anschluss eines Grundstücks an die
öffentliche Kanalisation in der Regel durch eine eigene Anschlussleitung ohne
Benützung fremder Grundstücke erfolgt. Andernfalls werden die Rechte und Pflichten
der beteiligten Grundeigentümer vor Baubeginn privatrechtlich geregelt.
2.5.1. Diese Bestimmung deutet darauf hin, dass die Leitung, welche verschiedene
Hausanschlüsse aufnimmt, als Teil der öffentlichen Kanalisation zu qualifizieren ist. Das
Reglement sieht jedenfalls vor, dass im Regelfall ein Grundstück mit einer eigenen
Anschlussleitung ohne Benützung eines fremden Grundstückes an die öffentliche
Kanalisation angeschlossen ist. Erfolgt aber der Anschluss eines Grundstücks an die
öffentliche Kanalisation durch eine eigene Leitung und ohne Benützung anderer
Grundstücke, so ist der Sammelkanal, in den sich die von einem einzelnen Grundstück
kommende Leitung ergiesst, grundsätzlich Teil der öffentlichen Kanalisation. Dies ist
umso mehr gerechtfertigt, wenn wie im vorliegenden Fall der Sammelkanal in
öffentlichem Grund verläuft. Einerseits ist die Politische Gemeinde Eigentümerin der
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Strassenparzelle, und auch aufgrund der Klassierung als Gemeindestrasse 2. Klasse
steht das Grundstück unter der Hoheit des Gemeinwesens.
2.5.2. Diese Abgrenzung ist auch im Hinblick auf die Interessenlage der Beteiligten
sowie Sinn und Zweck der Gewässerschutzvorschriften gerechtfertigt. Wohl haben in
erster Linie die Beschwerdegegner ein Interesse am Bestand der Leitung im
Tannenweg, da ohne diese Leitung ihre Liegenschaften gar nicht erschlossen wären.
Die Erschliessung von Baugebiet ist aber grundsätzlich Aufgabe des Gemeinwesens,
nicht Aufgabe der privaten Grundeigentümer (Art. 50 Abs. 1 des Baugesetzes, sGS
731.1). Diese können im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen allenfalls zu
Beiträgen herangezogen werden. Grundsätzlich sind alle angeschlossenen
Grundeigentümer bzw. Bewohner angeschlossener Gebiete am Bestand der
Kanalisation interessiert. Dies darf aber nicht dazu führen, möglichst grosse Teile des
Leitungsnetzes als private Kanalisation einzustufen. Der Gewässerschutz ist eine
öffentliche Aufgabe, was dafür spricht, möglichst grosse Teile des
Kanalisationssystems im Verantwortungsbereich des Gemeinwesens zu belassen. Die
Beschwerdeführerin hielt in ihrem Beschluss vom 29. März 2004 denn auch zutreffend
fest, aus der Sicht des Gewässerschutzes müssten möglichst viele Leitungen öffentlich
sein, da Unterhalt und Sanierung so besser gewährleistet seien. Hinzu kommt, dass der
Eigentümer eines angeschlossenen Grundstücks ohne besondere Rechtsgrundlage
keine Unterhaltsarbeiten an Leitungen in Grundstücken vornehmen kann, die ihm nicht
gehören. Wie oben erwähnt, besteht vorliegend keine Dienstbarkeit, welche den
Beschwerdegegnern in sachenrechtlicher Hinsicht die Befugnis gäbe, die Leitungen im
Grundstück der Beschwerdeführerin zu unterhalten. Daran ändert der Umstand nichts,
dass sie berechtigt wären, eine solche Dienstbarkeit zu beanspruchen, und die
Beschwerdeführerin solche Arbeiten dulden würde. Nachdem die Gemeinde das
fragliche Grundstück übernommen hat, besteht für die Beschwerdegegner kein Anlass,
den faktischen Anschluss auch noch sachenrechtlich mittels einer Dienstbarkeit zu
regeln. Auch ist nicht nur die Duldung von Arbeiten in Grundstücken der Gemeinde von
Belang; die Pflicht zur Sanierung kann sich auch auf Leitungen in Grundstücken von
privaten Dritten erstrecken. Für solche Arbeiten ist eine Rechtsgrundlage erforderlich.
Im übrigen ist auch nicht ausschlaggebend, dass die Leitung im Tannenweg nicht im
generellen Kanalisationsprojekt (GEP) aufgenommen ist. Die Aufnahme in das GEP
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kann die im AR verankerten Grundlagen für die Trennung von privaten und öffentlichen
Anlagen nicht zulasten der Grundeigentümer ändern.
2.5.3. Kanalisationsanlagen sind Teil der Erschliessung von Bauland bzw. von
überbauten Grundstücken. Der Begriff der Erschliessung wird nicht nur im
Raumplanungs- und im Umweltrecht, sondern auch im Bereich des Wohnbau- und
Eigentumsförderungsgesetzes (SR 843, abgekürzt WEG) einheitlich verwendet (vgl. P.
Hänni; Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 4. Aufl., Bern 2002, S.
257; BGE 117 Ib 314). Die Bestimmungen des WEG sind daher bei der Beurteilung der
Frage, ob Teile einer Kanalisation den öffentlichen Erschliessungsanlagen oder der
privaten grundstücksinternen Erschliessung angehören, ebenfalls heranzuziehen (vgl.
VerwGE vom 19. März 2001 i.S. B.H.). Art. 4 WEG definiert die Begriffe der
Groberschliessung und der Feinerschliessung. Nach Art. 4 Abs. 1 WEG umfasst die
Groberschliessung die Versorgung mit den Hauptsträngen der Erschliessungsanlagen,
namentlich Wasser-, Energieversorgungs- und Abwasserleitungen sowie Strassen und
Wege, die unmittelbar dem zu erschliessenden Gebiet dienen. Die Feinerschliessung
umfasst den Anschluss der einzelnen Grundstücke an die Hauptstränge der
Erschliessungsanlagen mit Einschluss von öffentlich zugänglichen Quartierstrassen und
öffentlichen Leitungen. Art. 5 WEG regelt die Erschliessungspflicht und bestimmt in
Abs. 1, dass die Grob- und Feinerschliessung bedarfsgerecht in angemessenen
Etappen durchzuführen ist. Nach Art. 5 Abs. 2 WEG bezeichnet das kantonale Recht
die für die Erschliessung verantwortlichen öffentlichrechtlichen Körperschaften. Es
kann die Feinerschliessung den Eigentümern überbinden und hat in diesem Fall die
Ersatzvornahme durch die öffentlichrechtlichen Körperschaften vorzusehen. Aus diesen
Bestimmungen folgt, dass auch die sog. Feinerschliessung grundsätzlich Sache des
Gemeinwesens ist bzw. von der Erschliessungspflicht des Gemeinwesens umfasst
wird. Daran ändert der Umstand nichts, dass das Gemeinwesen die entsprechenden
Kosten den Grundeigentümern überbinden kann (Art. 6 Abs. 2 WEG; Art. 15 ff.
GSchVG). Dies lässt es sachgerecht erscheinen, auch die Feinerschliessung mit den
Anschlussleitungen an die Hauptstränge der Abwasseranlagen der öffentlichen
Kanalisation zuzuordnen. Eine Sammelleitung, welche das Abwasser von mehreren
Hausanschlussleitungen aufnimmt und durch ein zivil- und strassenrechtlich dem
Gemeinwesen gehörendes Grundstück verläuft, ist deshalb nicht Teil einer privaten
Abwasseranlage nach Art. 5 AR.
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2.5.4. Die Beschwerdeführerin macht geltend, nach der Rechtsauffassung der
Vorinstanz müssten z.B. die Kosten für den Unterhalt der Schmutzwasserleitung des
Grundstücks Nr. 213 zur Hauptsache vom Eigentümer des vorderliegenden
Grundstücks Nr. 701 getragen werden. Dieser Einwand ist nicht stichhaltig. Zum einen
geht es vorliegend nicht um die Unterhaltspflicht an der Leitung durch das Grundstück
Nr. 701, sondern an jener Leitung, die im Tannenweg verläuft. Falls die
Anschlussleitung durch ein fremdes Grundstück in die öffentliche Kanalisation führt,
bestimmt Art. 12 Abs. 2 AR, dass die Rechte und Pflichten der beteiligten
Grundeigentümer vor Baubeginn privatrechtlich geregelt werden. Im vorliegenden Fall
hätte dies zwischen den beiden Beschwerdegegnern nachträglich zu geschehen, falls
dies noch nicht geschehen ist oder sie sich nicht einigen können. Aus den Akten geht
nicht hervor, wie jene Verhältnisse geregelt sind. Diese sind aber vorliegend auch nicht
massgebend. Wenn der Eigentümer eines vorderliegenden Grundstücks nicht freiwillig
den Unterhalt der Leitung duldet, wäre der Eigentümer eines hinterliegenden
Grundstücks gehalten, für den Unterhalt der ihm dienenden Anschlussleitung eine
Dienstbarkeit zu beanspruchen, die ihn zum Betreten des Grundstücks und zur
Kontrolle und Reparatur der Leitung berechtigt (vgl. Rey, a.a.O., N 30 zu Art. 691).
Die vorinstanzliche Rechtsauffassung führt jedenfalls nicht dazu, dass der Eigentümer
eines hinterliegenden Grundstücks seine Verantwortung, Kosten- und Kontrollpflicht
sowie Haftung für sein Abwasser an der Grenze seinem Nachbarn abgibt. Auch ist der
Einwand unbegründet, Sanierungsverfügungen könnten nicht mehr an die
angeschlossenen Grundeigentümer ergehen, sondern müssten den Eigentümern jener
Grundstücke zugestellt werden, in denen sich die jeweiligen Leitungsabschnitte
befinden. Die Beschwerdeführerin verfügt, wie sich aus den Akten ergibt, über Pläne
der einzelnen Leitungen und kann daher in der Regel problemlos feststellen, ob es sich
bei einer Leitung um eine Hausanschlussleitung oder eine Transitleitung handelt. Wenn
sie eine Sanierungsverfügung dem Eigentümer des angeschlossenen Grundstücks
zustellt, so hat sich dieser für den Unterhalt der Transitleitung gegebenenfalls mit dem
Eigentümer des Nachbargrundstücks ins Einvernehmen zu setzen, falls noch keine
Dienstbarkeit besteht. Damit stösst auch der Einwand ins Leere, die Eigentümer von
Grundstücken mit Transitleitung würden sich zu Recht gegen Sanierungsverfügungen
zugunsten ihrer Nachbarn zur Wehr setzen. Die Sanierungsverfügung ist grundsätzich
dem Eigentümer des angeschlossenen Grundstücks zuzustellen. Die
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Beschwerdeführerin legt grossen Wert auf die Situation, in der eine Leitung durch
mehrere Grundstücke verläuft. Dabei handelt es sich aber um eine Ausnahme, wie Art.
12 Abs. 2 AR zeigt, die zudem bei einem Neubau vorgängig zivilrechtlich zu regeln ist.
Aber auch für den Unterhalt bestehender Leitungen ist das zivilrechtliche
Instrumentarium vorhanden.
2.5.5. Das Argument der Beschwerdeführerin, jeder Grundeigentümer sei für "seine"
Abwasserleitung verantwortlich, ist grundsätzlich richtig. Das Problem liegt aber darin
zu bestimmen, wem die Leitung "gehört". Solange die Leitung im angeschlossenen
Grundstück verläuft, ist die Pflicht des Eigentümers zum Unterhalt auch von der
Vorinstanz bestätigt worden. Diese hatte aber in erster Linie zu entscheiden, wer für
den Unterhalt der Leitung im Tannenweg zuständig ist. Da das Grundstück
zivilrechtlich im Eigentum der Beschwerdeführerin und strassenrechtlich unter deren
Hoheit steht, ist faktisch nur die Beschwerdeführerin imstande, die Leitung im
Tannenweg zu sanieren. Der Gemeinderat empfahl den Beschwerdegegnern denn
auch gleich eine bestimmte Unternehmung für die entsprechenden Arbeiten.
2.5.6. Die Vorinstanz kam zum Schluss, die Beschwerdeführerin sei als Eigentümerin
auch Inhaberin der Leitung im Sinn von Art. 15 GSchG bzw. Art. 13 lit. a der
Gewässerschutzverordnung (SR 814.201, abgekürzt GSchV) und damit
unterhaltspflichtig. Wenn davon ausgegangen wird, Art. 15 GSchG sei vorliegend
anwendbar, so ist diese Folgerung nicht zu beanstanden. Sowohl das Eigentum als
auch die strassenrechtliche Hoheit sowie die Zugehörigkeit zur öffentlichen
Kanalisation und die faktische Verfügungsmacht lassen die Beschwerdeführerin als
Inhaberin der Leitung erscheinen. Da die Leitung im Tannenweg aber Teil der
öffentlichen Kanalisation ist, erweist sich die Frage nach dem Inhaber gemäss Art. 15
GSchG als irrelevant. Ohnehin fragt sich, ob diese Bestimmung nur auf Inhaber
landwirtschaftlicher Anlagen Anwendung findet (vgl. BBl 1987 II S. 1120 und 2005 S.
943), was aber offen bleiben kann.
Der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. März 2005 (BVR
2004 S. 464 ff.), auf den sich Vorinstanz und Beschwerdeführerin ausführlich berufen,
ist für den vorliegenden Fall, wenn überhaupt, nur von beschränkter Tragweite. In
jenem Entscheid ging es um Leitungen, die durch herrenlose Grundstücke führten. Dies
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ist vorliegend nicht der Fall, und zudem ist in erster Linie darauf abzustellen, ob es sich
um öffentliche oder private Anlagen handelt. Dies ist nicht nach den spezifischen
Vorschriften des Kantons Bern oder der betroffenen Gemeinde zu entscheiden,
sondern nach den hier massgebenden Bestimmungen.
2.6. Die Beschwerdeführerin beruft sich in zivilrechtlicher Hinsicht auf Art. 691 ZGB.
Danach sei sie als Eigentümerin des Tannenwegs verpflichtet, die Durchleitung von
privaten Anschlussleitungen zu gestatten. Es handle sich dabei um ein Legalservitut.
Vorliegend seien die Durchleitungsrechte bei der Erstellung der Anschlussleitung nicht
im Grundbuch eingetragen worden. Wäre dies der Fall gewesen, wären die
Beschwerdegegner nach Art. 741 ZGB unterhaltspflichtig. Diese übten ihr
Durchleitungsrecht seit Jahren aus und profitierten davon. Wenn sie sich heute darauf
berufen, das Durchleitungsrecht sei nicht im Grundbuch eingetragen, verstosse dies
gegen das Vertrauensprinzip und sei zudem rechtsmissbräuchlich.
Diese Vorbringen gehen an der Sache vorbei, da die Beschwerdeführerin kraft
öffentlichen Rechts zum Unterhalt der Kanalisation im Tannenweg verpflichtet ist. Da
die Leitung Teil der öffentlichen Kanalisation ist, kann nicht mit zivilrechtlichen
Argumenten eine Unterhaltspflicht der Beschwerdegegner begründet werden.
2.7. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen hat die Vorinstanz zu Recht eine
Verpflichtung der Beschwerdegegner für die Sanierung der Abwasserleitung durch den
Tannenweg verneint und die Beschwerdeführerin als unterhaltspflichtig erklärt. Folglich
ist die Beschwerde abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr.
3'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Sie ist mit dem
geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen. Auf die Erhebung der
Kosten ist nicht zu verzichten, da die Beschwerdeführerin überwiegend finanzielle
Interessen verfolgte (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen. Die Beschwerdeführerin ist
unterlegen (Art. 98bis VRP), und die Beschwerdegegner haben sich am Verfahren nicht
beteiligt.
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