Decision ID: 276b58a7-110e-4b64-ae99-4f7329c41ebb
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1987, wohnhaft in der Gemeinde C._ (Fraktion
D._), war als Verwaltungsaushilfe in einem befristeten
Arbeitsverhältnis beim Kanton Graubünden angestellt, als sie am 11. Juni
2015 auf einer Steintreppe stürzte und sich dabei die linke Schulter brach.
Die Erstversorgung erfolgte im Kantonsspital Graubünden (nachfolgend
KSGR), wo eine undislozierte 3-Part-Fracture vom proximalen Humerus
links diagnostiziert wurde und A._ bis zum 12. Juni 2015 hospitalisiert
blieb. Die Verletzung wurde zunächst konservativ behandelt. Die
Unfallmeldung an die B._ AG (nachfolgend B._) erfolgte am
15. Juni 2015, worauf diese die gesetzlichen Leistungen ausrichtete
(Taggelder und Heilbehandlungskosten).
2. Mit Verfügung vom 24. August 2016 stellte die B._ die
Taggeldleistungen rückwirkend per 10. August 2016 ein. Die dagegen
erfolgte Einsprache vom 19. September 2016 hiess die B._ mit
Einspracheentscheid vom 1. Februar 2017 teilweise gut und legte die
Einstellung der Taggelder neu per 24. November 2016 fest. Am 14.
Februar 2017 zog die B._ den Einspracheentscheid vom 1. Februar
2017 in Wiedererwägung und stellte, nach weiteren medizinischen
Abklärungen, mit Verfügung vom 19. April 2018 die Taggeldleistungen
rückwirkend per 24. November 2016 erneut ein. Für die Heilungskosten
betreffend die linke Schulter wurde eine weitere Leistungspflicht bejaht.
Dagegen erhob A._ mit undatierter Eingabe (Posteingang am 25. Mai
2018) vorsorglich Einsprache und reichte am 26. September 2018 eine
begründete Einsprache nach. Mit Verfügung vom 11. August 2020
erkannte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden
(nachfolgend SVA Graubünden) A._ ab 1. April 2018 einen Anspruch
auf eine Viertelsrente, IV-Grad 40 %, zu. Mit Einspracheentscheid vom 14.
August 2020 wies die B._ die Einsprache vom 26. September 2018
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betreffend Einstellung der Taggeldleistungen per 24. November 2016 ab,
wobei sie den Anspruch auf Versicherungsleistungen im Zusammenhang
mit den geltend gemachten Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und
psychischen Beschwerden verneinte. Mit gleichentags ergangener
Verfügung schloss die B._ zudem den Fall rückwirkend per
31. Januar 2018 ab, wodurch der Anspruch auf die Übernahme allenfalls
noch laufender Heilbehandlungen dahinfiel; auf die Rückforderung der
über den Fallabschluss hinaus erbrachten Leistungen wurde verzichtet.
Die B._ verneinte zudem den Anspruch auf eine Invalidenrente der
Unfallversicherung und eine Integritätsentschädigung.
3. Gegen den Einspracheentscheid der B._ vom 14. August 2020
betreffend Einstellung der Taggelder erhob A._ (nachfolgend
Beschwerdeführerin) mit undatierter und nicht unterzeichneter Eingabe
(Poststempel 21. September 2020, Eingang 23. September 2020) resp.
mit innert eingeräumter Frist verbesserter Eingabe (Poststempel
14. Oktober 2020, Eingang 15. Oktober 2020) beim Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden Beschwerde und beantragte sinngemäss neben
der Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids, die B._ sei
zur Übernahme aller gesetzlichen Leistungen zu verpflichten und ihr sei
die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Die Beschwerdeführerin
machte im Wesentlichen geltend, es seien zwei fast zeitgleiche Gutachten
der Unfallversicherung B._ und der Invalidenversicherung SVA
Graubünden erstellt worden. Während die Unfallversicherung B._
ihre Leistungen eingestellt habe, ohne eine Invalidenrente nach UVG, eine
Integritätsentschädigung oder weitere Heilbehandlungskosten
auszurichten, habe ihr die Invalidenversicherung SVA Graubünden
aufgrund der Folgeschäden des Unfalls ab dem 1. April 2018 eine
Viertelsrente bei einem IV-Grad von 40 % zugesprochen. Es sei für die
Beschwerdeführerin nicht begreiflich, wie die B._ zu ihrem Ergebnis
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habe kommen können und den Unfall per 31. Januar 2018 rückwirkend
abschliessen wollte. Die Behandlungskosten seien per 14. August 2020
eingestellt worden, obschon gemäss Gutachten der Schulthess Klinik in
Zürich die Behandlung mit Cortison
oder ähnlichem sinnvoll für die Behandlung der noch immer bestehenden
Frozen Shoulder wäre. Zudem würden auch regelmässige Massagen
gegen die Verkrampfungen Wirkung zeugen und eventuelle Therapien
sowie Schwimmen. Auch die aufgrund des Unfalls getätigten Sitzungen
bei der Psychiaterin würden von der B._ nicht übernommen. Ohne
Unfall wäre sie noch immer zu 100 % arbeitsfähig. Da sie aber
linksdominant sei und ihren linken Arm nicht mehr in dem Umfang, wie sie
es möchte und gewohnt sei, nutzen könne, sei es nicht nur körperlich,
sondern auch psychisch eine starke Belastung und Überforderung. Zudem
benötige sie für alle Arbeiten bedeutend mehr Zeit. Im Weiteren leide sie
seither deutlich an Konzentrations- und Gedächtnisproblemen, z.T. sogar
unter Wortfindungs- bzw. Sprachstörungen bis hin zu kleineren Blackouts,
was sich alles zusammen gleichzeitig auch auf ihr Selbstbewusstsein und
ihre geistige sowie körperliche Gesundheit niederschlage. An
feinmotorische Arbeiten sei gar nicht zu denken; es frustriere sie
zunehmend, diese eigentlich klein scheinenden Hürden nicht mehr selbst
einfach so bewältigen zu können. Zusätzlich bedrücke sie, dass ihr der
Ausgleich, den sie im Zeichnen (z.B. Portraits) finde, seit dem Unfall nicht
mehr in dem Ausmass und Detail gelinge, weil sie die linke Hand nicht so
kontrollieren und fühlen könne, wie sie es gewohnt sei, auch aufgrund
eines permanenten Kribbelns im Arm oder Einschlafen des Arms. Sie
bekomme Krämpfe beim Schreiben von Texten, habe permanente Kopf-
und Rückenschmerzen und leide zum Teil an Übelkeit und Schwindel.
Zudem habe sie Schwierigkeiten bei der Koordination von Armen und
Beinen (z.B. bei Jumping Jacks, Schwimmen) und stosse sich oft an
Türrahmen und Ecken. An ein Durchschlafen sei nicht zu denken aufgrund
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der Schmerzen oder ständigen Gedanken betreffend des Ganzen hin und
her durch den Unfall und die Folgen. Seit sie mit der rechten Hand Arbeiten
erledige, die sie zuvor mit links erledigt habe, leide sie unter ständig
wechselnden beidseitigen Sehnenscheidenentzündungen und
gelegentlich auch unter Augenzucken. Viele dieser Symptome seien
sicher die Folge des unter Zwang erforderlichen Umlernens von links auf
rechts und des anfänglichen Ruhigstellens des linken Armes, jedoch
ebenfalls Folgeschäden des Unfalls. Angesichts dieser Folgeschäden sei
es nicht tragbar, sie als 100 % arbeitsfähig zu bezeichnen. Sie sei mit der
Interpretation des Gutachtens der B._ nicht einverstanden und
wünsche eine erneute Prüfung.
4. Mit Beschwerdeantwort vom 4. Dezember 2020 beantragte die B._
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) die kostenfällige Abweisung der
undatierten Beschwerde der Versicherten. Zur Begründung verwies sie
explizit auf den angefochtenen Einspracheentscheid und führte im
Wesentlichen ergänzend an, dass ihr mit Schadenmeldung UVG vom
15. Juni 2015 gemeldet worden sei, dass die Beschwerdeführerin am
11. Juni 2015 auf einer Steintreppe gestürzt sei und sich dabei die linke
Schulter gebrochen habe. Die Erstversorgung sei im Kantonsspital erfolgt,
wo die Beschwerdeführerin vom 11. bis zum 12. Juni 2015 hospitalisiert
gewesen sei. Es sei eine undislozierte 3-Part-Fracture vom proximalen
Humerus links diagnostiziert worden, die zunächst konservativ behandelt
worden sei. Die Beschwerdegegnerin habe die Übernahme der
gesetzlichen Leistungen am 18. Juni 2015 zugesichert. Gemäss
Arztbericht des KSGR vom 20. Juli 2015 sei zusätzlich noch eine
Ellbogenkontusion medial mit Neuropraxie des Nervus ulnaris
diagnostiziert worden. Der Heilverlauf der Schulter sei am 26. August 2015
als planmässig beurteilt worden, wobei sich eine erhebliche Schultersteife
("Frozen Shoulder") sowie eine Begleit-epicondylitis zur
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Ellbogenkontusion ("Golferellbogen") gezeigt habe. Vom 4. bis 9. Januar
2016 habe sich die Beschwerdeführerin stationär im KSGR zur operativen
Behandlung der Unfallfolgen aufgehalten, wobei eine geschlossene
Mobilisation in Narkose sowie eine Schulterarthroskopie links mit
Intervallöffnung und Débridement durchgeführt worden seien. Gemäss
Arztberichten vom 18. Februar sowie 31. März 2016 habe sich der
postoperative Heilverlauf sehr erfreulich gestaltet. Da sich betreffend
Schädigung des Nervus axillaris keine massgebliche Besserung
eingestellt habe, sei eine neurologische Verlaufsuntersuchung erfolgt;
gemäss Verlaufsbericht der Neurologie vom 20. Mai 2016 sei ausser einer
leichten Atrophie im Bereich des Thenars keine Schädigung in der
Bildgebung erkennbar gewesen. Dem Bericht sei weiter zu entnehmen,
dass die Beschwerdeführerin ihre motorischen Fähigkeiten teils
unterschätze und prognostisch nicht von einer dauerhaften
Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Gemäss Arztbericht des KSGR vom
29. Juni 2016 verlaufe der Heilungsverlauf der Schulter erfreulich, die
Beschwerdeführerin habe ihren Bewegungsumfang wieder gut herstellen
können und empfinde keine Schmerzen mehr. Der beratende Arzt Dr.
med. E._ habe am 10. August 2016 aufgrund des ihm vorgelegten
vollständigen Dossiers mit allen verfügbaren Akten festgehalten, dass der
Beschwerdeführerin administrative Tätigkeiten sowie Verkaufstätigkeiten
und leichte Montagearbeiten oder Überwachung von Produktionsabläufen
auf Tischhöhe zu diesem Zeitpunkt mit ganztägiger Anwesenheit am
Arbeitsplatz zumutbar gewesen wären.
Gestützt darauf habe die Beschwerdegegnerin mit (erster) Verfügung vom
24. August 2016 die Taggelder per 10. August 2016 eingestellt und die
Heilungskosten weiterhin übernommen. Aufgrund der am 19. September
2016 erhobenen Einsprache der Beschwerdeführerin habe die
Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen vorgenommen und das
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ergänzte Dossier am 16. Januar 2017 erneut dem beratenden Arzt Dr.
med. E._ vorgelegt, welcher sein Zumutbarkeitsprofil vom 10. August
2016 bestätigt habe. Gestützt darauf habe die Beschwerdegegnerin den
Einspracheentscheid vom 1. Februar 2017 mit teilweiser Gutheissung
erlassen, mit dem eine dreimonatige Übergangsfrist gewährt worden und
dementsprechend die Einstellung der Taggelder per 24. November 2016
erfolgt sei. Da die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich telefonisch
geltend gemacht habe, die Rückenbeschwerden und die psychische
Beeinträchtigung seien ungenügend abgeklärt worden, sei am 14. Februar
2017 die wiedererwägungsweise Aufhebung dieses
Einspracheentscheids erfolgt. In der Folge habe die Beschwerdegegnerin
weitere Abklärungen gemacht und sämtliche medizinischen Akten
eingeholt. Eingeholt worden sei auch eine Zweitmeinung bei der
Schulthess Klinik in Zürich vom 30. Oktober 2017. Demnach seien
Arbeiten mit nicht repetitiven oder feinmotorisch anspruchsvollen
Tätigkeiten sowie ohne schweres Heben oder Tragen auch in einem
höheren Pensum möglich, zur abschliessenden Beurteilung sei aber eine
erneute neurologische Abklärung empfohlen worden. Der beratende Arzt
Dr. med. F._ habe am 20. Februar 2018 festgestellt, dass die
Arbeitsunfähigkeit zu jenem Zeitpunkt nicht mehr überwiegend
wahrscheinlich auf das Unfallereignis vom 11. Juni 2015 zurückzuführen
sei. Die Beschwerdeführerin könne in ihrer angestammten Tätigkeit im
kaufmännischen Bereich an den meisten Arbeitsorten uneingeschränkt
arbeiten. Gestützt darauf sei am 19. April 2018 erneut die Einstellung der
Taggeldleistungen per 24. November 2016 verfügt worden. Überdies sei
festgehalten worden, dass der adäquate Kausalzusammenhang zwischen
dem Unfallereignis und den Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen sowie
psychischen Beschwerden verneint werde. Gegen diese Verfügung habe
die Beschwerdeführerin Einsprache (Posteingang 25. Mai 2018) erhoben;
die Begründung dazu sei am 26. September 2018 erfolgt. Daraufhin habe
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die Beschwerdegegnerin ein interdisziplinäres externes Gutachten bei der
GUTSO (Gutachterstelle Zofingen) eingeholt. Gemäss Gutachten vom
21. November 2019 sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsfähig in
der ursprünglichen Tätigkeit als Verwaltungsaushilfe (angestammte
Tätigkeit), es bestünden weder in zeitlicher noch leistungsmässiger
Hinsicht Einschränkungen. Die volle Arbeitsfähigkeit bestehe mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit seit Juli 2016 wieder; eine
weitergehende ärztliche Behandlung würde mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht zu einer namhaften Besserung des unfallbedingt
eingeschränkten Gesundheitszustands führen. Das etwa zur gleichen Zeit
durch die SVA Graubünden eingeholte Gutachten halte fest, dass eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der früheren Tätigkeit im Sekretariat
nur mit den psychischen Beschwerden zu begründen sei, nicht jedoch aus
orthopädischer oder neurologischer Sicht.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen
Einspracheentscheid vom 14. August 2020 sowie die übrigen Akten wird,
soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 14. August 2020. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m.
Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann
gegen einen Einspracheentscheid Beschwerde an das
Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben werden, in welchem
die versicherte Person im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ihren
Wohnsitz hat. Die Beschwerdeführerin wohnt im Kanton Graubünden,
womit die örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons
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Graubünden gegeben ist. Dessen sachliche Zuständigkeit ergibt sich –
vorbehältlich was sogleich in Erwägung 1.2. folgt – aus Art. 57 ATSG
i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als im Einspracheverfahren
unterlegene, formelle und materielle Adressatin des angefochtenen
Einspracheentscheids ist die Beschwerdeführerin davon überdies berührt
und weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen Überprüfung auf
(Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (Art. 60 und 61 ATSG) ist somit einzutreten.
1.2. In ihrer Beschwerde beanstandet die Beschwerdeführerin den
rückwirkenden Abschluss des Unfalls per 31. Januar 2018, wo doch die
Leistungseinstellung per 14. August 2020 erfolgt sei. Bezüglich der nicht
mehr zu erwartenden Besserung bringt die Beschwerdeführerin sehr
allgemein und pauschal vor, dass die Behandlung mit Cortison oder
ähnlichem, was von der Schulthess Klinik als sinnvoll gegen die Frozen
Shoulder betrachtet worden sei, wie auch regelmässige Massagen,
eventuelle Therapien sowie Schwimmen helfen könnten, wobei aber die
Behandlungskosten mit Verfügung vom 14. August 2020 eingestellt
worden seien. Dazu ist den Akten zu entnehmen, dass die
Beschwerdegegnerin gleichentags – am 14. August 2020 – sowohl den
angefochtenen Einspracheentscheid betreffend Einstellung der
Taggeldleistungen per 24. November 2016 und Verneinung des
Anspruchs auf Versicherungsleistungen bezüglich Rückenschmerzen,
Kopfschmerzen und psychischen Beschwerden erlassen hat (vgl. Akten
der Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 549–559), als auch eine separate
Verfügung erlassen hat bezüglich rückwirkendem Abschluss des Unfalls
unter Einstellung der Heilbehandlung per 31. Januar 2018 unter Verzicht
auf eine Rückforderung der über den Fallabschluss hinaus erbrachten
Leistungen sowie unter Verneinung des Anspruchs auf eine Invalidenrente
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und auf eine Integritätsentschädigung (vgl. Bg-act. 560 ff., siehe auch Bg-
act. 563 f.). Dieser Umstand führt die Beschwerdeführerin zur
verständlichen Annahme, dass die Leistungseinstellung der
Heilbehandlungskosten per 14. August 2020 erfolgt sei, und sie bringt ihre
Beanstandung dazu auch in der Beschwerde vor, obschon sie
korrekterweise auch eine separate Einsprache gegen die Verfügung vom
14. August 2020 erhoben hat (vgl. Bg-act. 568). Die Beschwerdegegnerin
macht hierzu keine Ausführungen.
Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts ist der am 14. August 2020
verfügte Fallabschluss rückwirkend per 31. Januar 2018 mit Einstellung
der Heilbehandlungskosten, unter Verzicht auf Rückforderung der über
den Fallabschluss hinaus erbrachten Leistungen sowie unter Verneinung
des Anspruchs auf eine Invalidenrente und auf eine
Integritätsentschädigung nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens,
da eine Beschwerde im Unfallversicherungsrecht erst gegen den
Einspracheentscheid zulässig ist (Art. 56 Abs. 1 ATSG). In dieser Hinsicht
– Einstellung der Heilbehandlungskosten per 31. Januar 2018 ohne
Rückforderung der über den Fallabschluss hinaus erbrachten Leistungen
sowie unter Verneinung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und auf
eine Integritätsentschädigung – ist demnach auf die Beschwerde nicht
einzutreten.
2.1. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 19. April 2018
(vgl. Bg-act. 315 ff.) zu Recht die Taggeldleistungen per 24. November
2016 eingestellt hat (Dispositiv-Ziff. 1) und den Anspruch auf
Versicherungsleistungen im Zusammenhang mit den geltend gemachten
Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen und psychischen Beschwerden
mangels Adäquanz verneint hat (Dispositiv-Ziff. 2).
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2.2. Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des UVG und der
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft
getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom
25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich
vor dessen Inkrafttreten (in Kraft seit 1. Januar 2017) ereignet haben, und
für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden daher grundsätzlich die bis
31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung auf den Unfall
vom 11. Juni 2015. Bezüglich den in casu anwendbaren Bestimmungen
ändert sich nichts.
3. Nach den Akten der Beschwerdegegnerin präsentiert sich der Unfall-,
Behandlungs- und Beurteilungsverlauf wie folgt:
3.1. Die Beschwerdegegnerin erhielt mit Schadenmeldung UVG vom 15. Juni
2015 die Meldung, dass die Beschwerdeführerin am 11. Juni 2015 auf
einer Steintreppe gestürzt war und sich dabei die linke Schulter gebrochen
hatte (vgl. Bg-act. 1 und 5). Die Erstversorgung erfolgte im Kantonsspital
Graubünden (nachfolgend KSGR), wo die Beschwerdeführerin vom 11.
bis 12. Juni 2015 hospitalisiert war. Diagnostiziert wurde eine undislozierte
3-Part-Fracture vom proximalen Humerus links, die zunächst konservativ
behandelt wurde (vgl. Bg-act. 2 f.). Die Beschwerdegegnerin sicherte am
18. Juni 2015 die gesetzlichen Leistungen zu (vgl. Bg-act. 9 f.).
3.2. Der Arztbericht des KSGR vom 20. Juli 2015 hält zusätzlich eine
Ellbogenkontusion medial mit Neuropraxie des Nervus ulnaris fest (vgl.
Bg-act. 20 f.). Anlässlich der Konsultation im KSGR am 26. August 2015
wurde der Heilverlauf der Schulter als schleppend beurteilt, wobei sich
eine erhebliche Schultersteife ("Frozen Shoulder") und eine
Ellbogenkontusion links medial mit nun Begleitepicondylitis ("Golfer-
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Ellenbogen") und Neuropraxie des Nervus ulnaris zeigten (vgl. Bg-act.
31 f.).
3.3. Am 29. Oktober 2015 wurde im KSGR bei "hartnäckig schleppendem
Verlauf" eine sekundäre Frozen Shoulder (Capsulitis adhaesiva) links und
Malunion des Tuberculum majus bei konservativ behandelter proximaler
Humerusfraktur (3-Part) vom 11. Juni 2015 sowie ein Sulcus ulnaris-
Syndrom mit Neuropraxie bzw. Irritation des Nervus ulnaris – gemäss
Elektrophysiologischer Ausmessung durch den Neurologen Dr. med.
G._ vom 28. September 2015 bestand keine axonale Schädigung –
diagnostiziert (vgl. Bg-act. 43 f.).
3.4. Am 13. November 2015 fand die erstmalige Fallbesprechung mit dem
beratenden Arzt Dr. med. E._, Facharzt für Chirurgie FMH, statt, der
den Kausalzusammenhang der vorhandenen Beschwerden mit dem
Unfallereignis bestätigte (vgl. Bg-act. 46).
3.5. Die Beschwerdeführerin hielt sich in der Folge vom 4. bis 9. Januar 2016
stationär im KSGR zur operativen Behandlung der Unfallfolgen auf, wo am
5. Januar 2016 eine geschlossene Mobilisation der Schulter in Narkose
sowie eine anschliessende Schulterarthroskopie links mit Intervallöffnung
und Débridement erfolgten (vgl. Bg-act. 65 f.). Der postoperative
Heilungsverlauf zeigte sich gemäss den Arztberichten vom 18. Februar
2016 und 31. März 2016 als sehr erfreulich (vgl. Bg-act. 67 f., 74 f., 84 f.).
3.6. Mit Bericht vom 20. Mai 2016 beurteilte der Leitende Arzt und Leiter
Neurologie KSGR, Dr. med. H._, erstmalig eine Nervus axillaris-
Schädigung links im Anschluss an die Schulterreposition. Ausser einer
leichten Atrophie im Bereich des Thenars war keine Schädigung in der
Bildgebung erkennbar. Dem Bericht ist weiter zu entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin ihre motorischen Fähigkeiten teilweise unterschätze
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und prognostisch nicht von einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit
auszugehen sei (vgl. Bg-act. 90 ff.).
3.7. Am 8. Juni 2016 untersuchte Dr. med. I._, Leitender Arzt für
Handchirurgie KSGR, die Beschwerdeführerin in der handchirurgischen
Sprechstunde. Er rechnete mit einer weiteren Erholung des Defizites und
sah keine weiteren Verlaufskontrollen mehr vor. Weiter gab er die
Empfehlung, eine neurologischen Re-Evaluation frühestens nach einem
halben Jahr durchzuführen, sollte sich keine Verbesserung des aktuellen
Defizites einstellen, und das Kräftigungsprogramm durch die
Physiotherapie beizubehalten (vgl. Bg-act. 100 f.).
3.8. Gemäss Bericht der Dres. med. J._ und K._, Handchirurgie
KSGR, vom 29. Juni 2016, verlief der Heilungsverlauf der Schulter
erfreulich, die Beschwerdeführerin konnte ihren Bewegungsumfang
wieder gut herstellen und hatte keine Schmerzen mehr. Entsprechend
sahen die Ärzte den Behandlungsabschluss vor. Bezüglich der
intrinsischen Schwäche der Handmuskulatur und der Nervus ulnaris-
Problematik wurde auf den Bericht von Dr. med. I._ bezüglich die
Konsultation vom 8. Juni 2016 verwiesen (vgl. Bg-act. 106 f.).
3.9. Der beratende Arzt Dr. med. E._ hielt aufgrund des ihm vorgelegten
Dossiers am 10. August 2016 fest, der Beschwerdeführerin seien leichte
manuelle Tätigkeiten auf Tischhöhe im Sinne von leichten
Montagearbeiten oder Überwachungen von Produktionsabläufen sowie in
der Qualitätskontrolle wie auch eine Verkaufstätigkeit sowie administrative
Tätigkeiten mit ganztägiger Anwesenheit am Arbeitsplatz zumutbar (vgl.
Bg-act. 118 f.).
3.10. Gestützt darauf verfügte die Beschwerdegegnerin erstmals am 24. August
2016 die Einstellung der Taggelder per 10. August 2016, wobei die
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unfallbedingten Heilungskosten weiterhin übernommen wurden (vgl. Bg-
act. 121 ff.). Dagegen erhob die heutige Beschwerdeführerin am 19.
September 2016 Einsprache (vgl. Bg-act. 129), worauf die
Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen tätigte (vgl. Bg-act. 130 und
138 ff.) und den beim behandelnden Hausarzt, Dr. med. G._,
eingeholten Bericht zur Arbeitsfähigkeit am 16. Januar 2017 erneut dem
beratenden Arzt Dr. med. E._ vorlegte, der sein Zumutbarkeitsprofil
vom 10. August 2016 bestätigte (vgl. Bg-act. 157 f.).
3.11. Mit Einspracheentscheid vom 1. Februar 2017 hiess die
Beschwerdegegnerin die Einsprache vom 19. September 2016 teilweise
gut, und räumte eine dreimonatige Übergangsfrist ein, so dass die
Einstellung der Taggelder erst per 24. November 2016 erfolgte (vgl. Bg-
act. 163 ff.). Am 14. Februar 2017 erfolgte die wiedererwägungsweise
Aufhebung dieses Einspracheentscheids (vgl. Bg-act. 173 f.), da die
Beschwerdeführerin zwischenzeitlich telefonisch geltend gemacht hatte,
die Rückenbeschwerden und die psychische Beeinträchtigung seien
ungenügend abgeklärt worden. Zur weiteren Abklärung holte die
Beschwerdegegnerin sämtliche medizinischen Akten ein (z.B. bei
Hausarzt Dr. med. G._ und dem Rheumatologen Dr. med. L._;
vgl. Bg-act. 184 ff., 205 ff., 212, 215, 220 f.).
3.12. Gemäss der bei den Rheumatologen Dres. med. M._ und N._,
Schulthess Klinik Zürich, eingeholten Zweitmeinung vom 30. Oktober
2017 sind Arbeiten mit nicht repetitiven oder feinmotorisch
anspruchsvollen Tätigkeiten sowie ohne schweres Heben oder Tragen
auch in einem höheren Pensum möglich; wobei zur abschliessenden
Beurteilung der Beschwerden eine neurologische Abklärung empfohlen
wurde (vgl. Bg-act. 255 ff.).
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3.13. Am 27. November und 11. Dezember 2017 erfolgten an der Schulthess
Klinik durch die Dres. med. O._, P._ und Q._ neurologische
und elektrophysiologische Untersuchungen sowie ein MRI (vgl. Bg-act.
267 ff. und 271 ff.). In der MRI-Untersuchung ergab sich der Hinweis auf
eine Epikondylitis humeri medialis und lateralis bds. rechtsbetont. In der
Zusammenschau der Befunde blieb die Hypästhesie des linken Armes
weiterhin unklar, bei fehlenden Hinweisen für ein Karpal- oder
Kubitaltunnelsyndrom, eine Plexusschädigung oder Radikulopathie links.
Das MRI des Kopfes zeigte einen unauffälligen Befund, die
rezidivierenden Schwindelepisoden und Kopfschmerzen wurden
semiologisch a.e. einem episodischen Spannungskopfschmerz
zugeordnet. Betreffend die Schulter wurde die Aufnahme einer
Ergotherapie und gegen die Kopfschmerzen die Fortführung der
Einnahme von Magnesium sowie eine Triggerpunkttherapie empfohlen
(vgl. Bg-act. 272 f.).
3.14. Der beratende Arzt, Dr. med. F._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie FMH, stellte am 20. Februar 2018 fest, dass die
Arbeitsunfähigkeit entgegen den Zeugnissen des Hausarztes durch
unfallkausale Faktoren nicht ausreichend begründet sei, zumal die
Behandlung im KSGR bereits Ende Juni 2016 bei als erfreulich
bezeichnetem Zustand abgeschlossen worden sei und auch die in der
Folge durchgeführten fachspezifischen Abklärungen keine wesentlichen
neuen Erkenntnisse ergeben hätten. Die Beschwerdeführerin könne bei
schulteradaptierten Tätigkeiten, d.h. bei denen der linke Arm nur bis zur
Horizontalen bewegt werde und keine Gewichtsbelastungen links von >
5kg vorkämen, uneingeschränkt tätig sein, was auch für die angestammte
Tätigkeit im kaufmännischen Bereich an den meisten Arbeitsorten gelte
(vgl. Bg-act. 295 ff.).
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3.15. Die Beschwerdegegnerin verfügte am 28. März 2018 erneut die
Einstellung der Taggeldleistungen, diesmal (wieder) per 10. August 2016,
unter Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs betreffend die
geltend gemachten Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen und
psychischen Beschwerden und unter Beibehaltung der Heilungskosten für
die linke Schulter (vgl. Bg-act. 300 ff.). Die Beschwerdegegnerin zog auch
diese Verfügung mit der darauffolgenden Verfügung vom 19. April 2018
über die Einstellung der Taggeldleistungen per 24. November 2016 in
Wiedererwägung, wobei erneut der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfallereignis und den geltend gemachten
Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen sowie psychischen Beschwerden
verneint, und eine Leistungspflicht für die Heilungskosten betreffend die
linke Schulter weiterhin bejaht wurde (vgl. Bg-act. 315 ff.).
3.16. Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit undatierter Eingabe
Einsprache (Posteingang 25. Mai 2018; vgl. Bg-act. 341); die Begründung
dazu erfolgte am 26. September 2018 (vgl. Bg-act. 349). Daraufhin holte
die Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 44 ATSG ein interdisziplinäres
externes Gutachten in den Disziplinen Neurologie, Orthopädie und
Psychiatrie bei der GUTSO (Gutachterstelle Zofingen; nachfolgend
GUTSO-Gutachten) ein, welches am 21. November 2019 erging (vgl. Bg-
act. 369 ff., 453 ff.). Demnach wird die Beschwerdeführerin als 100 %
arbeitsfähig in der ursprünglichen Tätigkeit als Verwaltungsaushilfe
(angestammte Tätigkeit; Ausbildung zur Kauffrau in Berlin bzw.
Frankfurt/Oder von 2004-2007 und anschliessend Tätigkeit in einer
Rechtsanwaltskanzlei in Berlin; vgl. Gutachten GUTSO, Bg-act. 475, 479)
erachtet und es bestehen weder in zeitlicher noch leistungsmässiger
Hinsicht Einschränkungen (vgl. Bg-act. 503 f.). Weiter führen die
Gutachter aus, dass die volle Arbeitsfähigkeit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit seit Juli 2016 wieder bestehe und eine weitergehende
- 17 -
ärztliche Behandlung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht zu einer
namhaften Besserung des unfallbedingt eingeschränkten
Gesundheitszustands führen würde (vgl. Bg-act. 505). Gestützt darauf
erliess die Beschwerdegegnerin am 14. August 2020 den vorliegend
angefochtenen Einspracheentscheid (vgl. Bg-act. 549 ff.) zur Verfügung
vom 19. April 2018 (vgl. Bg-act. 315 ff.).
4.1. Der Unfallbegriff gemäss Art. 4 ATSG ist in casu unbestrittenermassen
erfüllt. Die Beschwerdegegnerin leistete bis 24. November 2016 die
gesetzlichen Taggelder und übernahm die unfallbedingten Heilungskosten
betreffend die linke Schulter (Art. 10 und Art. 16 UVG; vgl. Bg-act. 315 ff.).
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt
grundsätzlich voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem
eingetretenen Gesundheitsschaden ein natürlicher und adäquater
Kausalzusammenhang besteht (vgl. dazu u.a. Urteil des Bundesgerichts
8C_102/2021 vom 26. März 2021 E.2). Ursachen im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein
der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen
Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann.
Entsprechend ist für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige
oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt,
dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die
körperliche oder geistige Integrität des Versicherten beeinträchtigt hat, der
Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass
auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen
einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber im
Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der freien Beweiswürdigung nach
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
- 18 -
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse
Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (vgl. BGE 142 V 435 E.1, BGE 129 V 177 E.3.1
und 3.2). Ebenfalls mit überwiegender Wahrscheinlichkeit muss der vom
Unfallversicherer zu beweisende Wegfall des Kausalzusammenhanges
(siehe RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E.2) erstellt sein (Status quo sine vel
ante; vgl. SVR 2019 IV Nr. 9 S. 26; BGE 146 V 51 E.5.1 und E.8.5; Urteile
des Bundesgerichts 8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3, 8C_689/2019
vom 9. März 2020 E.5.3, 8C_421/2018 vom 28. August 2018 E.3.2; SVR
2016 UV Nr. 18 S. 55, 8C_331/2015 E.2.1.1). Dabei hat der
Unfallversicherer nicht den Beweis für unfallfremde Ursachen zu
erbringen. Welche Ursachen (Krankheit, Geburtsgebrechen oder
degenerative Veränderungen) ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ist
an sich unerheblich. Entscheidend ist allein, ob die unfallbedingten
Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren
haben, also dahingefallen sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_543/2020 vom 11. Dezember 2020 E.5.1, 8C_840/2019 vom 14.
Februar 2020 E.3.2 mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E.3b).
Ebenso wenig muss der Unfallversicherer den negativen Beweis
erbringen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die
versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_68/2020 vom 11. März 2020 E.3.2, 8C_840/2019 vom
14. Februar 2020 E.3.2; SVR 2008 UV Nr. 11 S. 34 E.3.3 [U 290/06]; vgl.
auch Urteile 8C_570/2014 vom 9. März 2015 E.6.2 und 8C_17/2007 vom
4. April 2017 E.2.2).
4.2. Der adäquate Kausalzusammenhang ist erfüllt, wenn ein Ereignis nach
dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen
Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des
eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das
- 19 -
Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (vgl. BGE 142 V 435 E.1, BGE
129 V 177 E.3.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_123/2018 vom 18.
September 2018 E.3.2). Der adäquate Kausalzusammenhang ist eine
Rechtsfrage und hat als Wertungselement die Funktion einer
Haftungsbegrenzung (vgl. BGE 129 V 177 E.3.3 mit Hinweisen). Da es
sich um eine Rechtsfrage handelt, hat die Prüfung den von Lehre und
Rechtsprechung entwickelten Regeln zu folgen (vgl. BGE 134 V 109 E.3.2
und 6.2.1). Sofern feststeht, dass ein allenfalls gegebener natürlicher
Kausalzusammenhang an der Adäquanzprüfung scheitert, kann die
Leistungspflicht des Unfallversicherers verneint werden ohne Abklärung
des natürlichen Kausalzusammenhangs (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_812/2021 vom 17. Februar 2022 E.6.3 m.H.a. BGE 135 V 465 E.5.1).
Ebenso darf auf die Adäquanzprüfung verzichtet werden, wenn der
natürliche Kausalzusammenhang ohne weiteres zu verneinen ist (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_833/2016 vom 14. Juni 2017 E.5.2).
5.1. Sowohl das Verwaltungsverfahren wie auch der kantonale
Sozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben
Verwaltung und Sozialversicherungsgericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht
dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs
erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Bleiben
erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher
getroffenen Tatsachenfeststellungen, ist weiter zu ermitteln, soweit von
zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche
Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_281/2018 vom 25. Juni 2018 E.3.2.1, 8C_608/2015 vom
17. Dezember 2015 E.3.3.2, je mit Hinweisen). Waren im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung entscheidende Fragen noch offen und konnten sie
- 20 -
anhand der vorhandenen Akten nicht beantwortet werden, gebietet es die
Abklärungspflicht des Unfallversicherers und der
Untersuchungsgrundsatz, die angeführten Fragen mittels Gutachten zu
klären. Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien in der Regel
eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der
Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen
gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift
allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
im Verwaltungsverfahren wie auch im kantonalen
Sozialversicherungsprozess geltenden Untersuchungsgrundsatzes
aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der
zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (vgl. BGE 144 V 427 E.3.2, 138 V 218 E.6; Urteil des
Bundesgerichts 8C_17/2017 vom 4. April 2017 E.2.2).
5.2. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach
entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 146 V 51
E.2.2, 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a mit Hinweis und Urteile des
Bundesgerichts 8C_173/2021 vom 25. Oktober 2021 E.4.1, 8C_253/2021
vom 2. Juli 2021 E.3, 8C_397/2019 vom 6. August 2019 E.4.3).
Den Berichten und Gutachten von versicherungsinternen Ärzten – denen
auch beratende Ärzte gleichzusetzen sind, was den Beweiswert ihrer
ärztlichen Beurteilungen angeht (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_355/2021 vom 25. November 2021 E.3.2, 8C_234/2021 vom
12. August 2021 E.3.2, 8C_143/2021 vom 7. Juni 2021 E.2.4,
- 21 -
8C_672/2020 vom 15. April 2021 E.2.3 mit Hinweis, 8C_740/2020 vom
7. April 2021 E.2.2, 8C_774/2020 vom 19. Februar 2021 E.2.2) – wird
nach der Rechtsprechung Beweiswert zugemessen, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3b/ee mit Hinweis). Trotz dieser
grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten
versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht
dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach
Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten
unabhängiger Sachverständiger (sog. Administrativgutachten). Soll ein
Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden
werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen in Form eines Gerichtsgutachtens oder einer
versicherungsexternen medizinischen Begutachtung im Verfahren nach
Art. 44 ATSG vorzunehmen (vgl. BGE 139 V 225 E.5.2, 135 V 465 E.4.4;
Urteile des Bundesgerichts 8C_143/2021 vom 7. Juni 2021 E.2.4 mit
Hinweisen, 8C_672/2020 vom 15. April 2021 E.2.3, 8C_774/2020 vom
19. Februar 2021 E.2.2, 8C_348/2016 vom 9. Dezember 2016 E.2.4).
Dagegen darf den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44
ATSG eingeholten Gutachten externer Spezialärzte, die aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in
die Akten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, volle Beweiskraft zuerkannt werden, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_287/2020 vom 27. April 2021 E.3.3 mit weiteren
Hinweisen auf BGE 137 V 210 E.1.3.4., BGE 135 V 465 E.4.4. und BGE
125 V 351 E.3b/bb; 8C_246/2020 vom 10. September 2020 E.2.3,
- 22 -
8C_260/2020 vom 2. Juli 2020 E.2.2). Ein solches Administrativgutachten
liegt mit dem GUTSO-Gutachten vom 21. November 2019 vor (vgl. Bg-act.
453 ff.).
5.3. Die externen Spezialärzte der Fachdisziplinen Neurologie, Orthopädie und
Psychiatrie haben die Beschwerdeführerin im April 2019 untersucht und
kamen nach Einsicht in die vollständigen Akten und nach eingehender
Erörterung ihrer klinischen Befunde und bildgebenden Untersuchungen zu
schlüssigen und nachvollziehbaren Ergebnissen (vgl. GUTSO-Gutachten
Bg-act. 499 ff.).
Sie stellten folgende Diagnosen, alle ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (vgl. Bg-act. 499 f.):
• Status nach proximaler Humeruskopffraktur links (Drei-Part-Fraktur)
infolge Treppensturz am 11. Juni 2015
• Status nach sekundärer Frozen Shoulder
• Status nach Mobilisation in Narkose, Schulterarthroskopie mit
Intervallöffnung, Débridement, Adhäsiolyse am 5. Januar 2016
• Neuropathie Nervus axillaris links, sensibler Anteil
• Aufgetreten intraoperativ am 5. Januar 2016
• Funktionelle neurologische Störung (DSM V)
• Missempfindungen an Arm und Hand links ohne ursächliche
organische Schädigung des Nervensystems
• Unspezifische myalgiforme Rücken- und Kopfschmerzen ohne
kausalen Zusammenhang zum Unfall vom 11. Juni 2015
• Keine psychiatrische Krankheit
Die Beschwerdeführerin legt keine (gegenteiligen) fachärztlichen
Beurteilungen vor, die die Beurteilungen der Fachärzte der Disziplinen
Rheumatologie (Dres. med. M._ und N._, Schulthess Klinik) in
- 23 -
Zweifel ziehen bzw. konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit des
GUTSO-Gutachtens in den Disziplinen Neurologie (Dr. R._),
Psychiatrie (Dr. S._) und Orthopädie (Dr. T._) hervorbringen.
5.4. Im GUTSO-Gutachten wird festgehalten, die Biographie der
Beschwerdeführerin liefere Hinweise auf verschiedene Belastungen, ohne
dass diese zu einer eigentlichen psychischen Krankheit geführt hätten.
Dieser Vorzustand sei durch den Unfall nicht verschlechtert worden. Die
Aspekte der Biographie und Persönlichkeit seien aber wahrscheinlich eine
Mitursache für die Entwicklung der funktionellen neurologischen Störung.
Die subjektive psychische Verfassung der Versicherten habe sich im
Verlauf nach dem Unfall verschlechtert, ohne dass sich jedoch eine
eigentliche psychische Krankheit entwickelt habe oder der Unfall als
eigentliche Ursache habe identifiziert werden können (vgl. Bg-act. 502).
Es bestünden keinerlei Anzeichen für eine psychische Erkrankung und
weder nach dem Unfall noch nach der Operation habe eine psychiatrische
Abklärung oder Behandlung stattgefunden (vgl. Bg-act. 498, 506). Da
keine eigentliche psychische Diagnose existiere, sei der natürliche
Kausalzusammenhang zu Recht verneint worden.
Die im Gutachten des Zentrums für Medizinische Begutachtung
(nachfolgend ZMB-Gutachten) vom 11. Juli 2019 für die IV-Stelle/SVA
Graubünden diagnostizierte leicht ausgeprägte posttraumatische
Belastungsstörung sowie mittelschwere depressive Symptomatik (vgl. Bg-
act. 447) kann nicht explizit als Folge des Unfallereignisses vom 11. Juni
2015 bezeichnet werden, weder natürlich noch adäquat kausal. Die
abweichende Einschätzung im ZMB-Gutachten ändert nichts an der
fehlenden Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die psychischen
Beschwerden. Weitere Abklärungen von einem Fachspezialisten für
Psychiatrie oder Psychotherapie fanden nicht statt. Offenbar suchte die
Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben zweimal eine Psychologin
- 24 -
auf, an welche sie ihr Hausarzt Dr. med. G._ überwiesen hatte, doch
signalisierte die Beschwerdeführerin, dass sie von dieser Seite wohl keine
eigentliche Hilfe erwarte (vgl. GUTSO-Gutachten, Bg-act. 481) und Belege
darüber liegen auch keine im Recht. Da der natürliche
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den psychischen
Beschwerden zu Recht verneint worden ist (vgl. angefochtener
Einspracheentscheid Rz. 9 f., Bg-act. 554), erübrigt sich eine
Adäquanzprüfung. Somit ist die Beschwerdegegnerin bezüglich
psychischer Beschwerden nicht leistungspflichtig.
5.5. Was die Rückenbeschwerden anbelangt, ist ein Zusammenhang zum
Unfallereignis gemäss GUTSO-Gutachten möglich (vgl. Bg-act. 502). Als
erstaunlich wird erachtet, dass von der Patientin zwar wiederholt
Rückenschmerzen und psychische Symptome angeführt, entsprechende
Abklärungs- und Therapiemassnahmen aber nicht rigoros verfolgt wurden.
Aufgrund der Aktenlage scheint dies aber hauptsächlich darauf
zurückzuführen sein, dass entsprechende Empfehlungen des Hausarztes
durch die Patientin nicht oder nicht konsequent umgesetzt wurden (vgl.
Bg-act. 506). Ein "möglicher" Zusammenhang genügt nicht gemäss
erforderlichem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, so
dass der natürliche Kausalzusammenhang rechtskonform auch für die
Rückenbeschwerden verneint wurde (vgl. angefochtener
Einspracheentscheid Rz. 9, Bg-act. 554). Damit erübrigt sich eine
Adäquanzprüfung. Etwas Abweichendes ist auch bezüglich den
gutachterlich diagnostizierten unspezifischen myalgiformen
Kopfschmerzen ohne kausalen Zusammenhang zum Unfallereignis vom
11. Juni 2015 (vgl. Bg-act. 500) nicht festzustellen. Folglich ist die
Beschwerdegegnerin auch hinsichtlich der Rücken- und
Kopfbeschwerden nicht leistungspflichtig.
- 25 -
5.6.1. Für die Schulterbeschwerden und die Schädigung des Nervus axillaris
links hat die Beschwerdegegnerin den Kausalzusammenhang mit dem
Unfallereignis bejaht (siehe so auch GUTSO-Gutachten, Bg-act. 501), ihre
Leistungspflicht anerkannt und Taggelder ausgerichtet bzw. ist für die
Heilbehandlung aufgekommen. Was die linke Schulter anbelangt, war der
Status quo ante im Juni 2016 überwiegend wahrscheinlich wieder erreicht
(vgl. GUTSO-Gutachten, Bg-act. 503). Die Neuropathie des Nervus
axillaris, sensibler Anteil, ist nach Ansicht der Gutachter bildgebend nicht
nachweisbar ("die Bildgebung ist keine geeignete Methode, solche
Nervenschädigungen zu identifizieren"), wobei diese Schädigung aber als
objektiviert angesehen werden kann durch den typischen klinischen
Befund, gemeinsam mit dem typischen Schädigungsmechanismus (vgl.
GUTSO-Gutachten, Bg-act. 501).
5.6.2. Gemäss GUTSO-Gutachten hielten nach diesem Zeitpunkt im Juni 2016
nur noch die durch die funktionelle neurologische Störung bedingten
Symptome an (deren natürliche Kausalität gegeben ist, deren adäquate
Kausalität jedoch durch die Rechtsanwender geprüft werden muss), durch
ereignisfremde Faktoren bedingt (vgl. GUTSO-Gutachten, Bg-act. 503).
Die Gutachter führen dazu aus, dass sich als Ursache der persistierenden
Missempfindungen und dem Schwächegefühl in Hand und im Arm links
nach den Kriterien von DSM V eine funktionelle neurologische Störung
diagnostizieren lasse, die wahrscheinlich zumindest teilweise auf das
Ereignis zurückzuführen sei (vgl. GUTSO-Gutachten, Bg-act. 494, 501).
Die Ursache der Störung könne nach einer Diagnose nach DSM V
offenbleiben. Zwar sei die dominante Hand betroffen und die subjektiven
Symptome seien relativ schwer. Schwerwiegende Defizite würden sich
aber nicht nachweisen lassen und eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit, insbesondere im kaufmännischen Bereich oder in der
Kinderbetreuung, liesse sich nicht begründen. Bei der Prüfung der
- 26 -
Kausalität sei aber zu beachten, dass keine organische Erkrankung im
eigentlichen Sinne bestehe. Ohne den Unfall vom 11. Juni 2015 wäre die
funktionelle neurologische Störung wahrscheinlich nicht in dieser Art und
nicht zu diesem Zeitpunkt aufgetreten. Es handle sich aber nicht um eine
aufgrund der organischen Verletzungen nicht ausgewiesene oder zu
erwartende bzw. typischerweise gelegentlich auftretende Störung.
Vielmehr bestehe ein erhebliches reaktives Element (vgl. GUTSO-
Gutachten, Bg-act. 495 f.).
5.6.3. Der Fallabschluss im Sinne von Art. 19 UVG ist in jenem Zeitpunkt
vorzunehmen, in welchem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung
keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der Versicherten
mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Trifft beides nicht mehr zu,
schliesst die Unfallversicherung den Fall unter Einstellung der
vorübergehenden Leistungen (Taggeld und Heilbehandlung) ab und prüft
den Anspruch auf eine Invalidenrente und auf eine
Integritätsentschädigung. Der Taggeldanspruch erlischt auch beim
Wegfall seiner Anspruchsvoraussetzung der Arbeitsunfähigkeit, somit im
Zeitpunkt der vollen Wiedererlangung der Fähigkeit, im bisherigen oder in
einem anderen Beruf zumutbare Arbeit zu leisten (vgl. BGE 137 V 199
E.2.1). Das GUTSO-Gutachten, dem volle Beweiskraft zukommt, besagt,
dass die Beschwerdeführerin seit Juli 2016 in angestammter wie auch in
angepasster Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist (vgl. Bg-act. 503 f.). Zu
derselben Einschätzung gelangten auch die beratenden Ärzte Dr. med.
E._ im August 2016 resp. Januar 2017 (vgl. Bg-act. 118 und 158) und
Dr. med. F._ im Februar 2018 (vgl. Bg-act. 297). Damit ist erstellt,
dass eine weitere ärztliche Behandlung überwiegend wahrscheinlich nicht
zu einer namhaften Besserung des Gesundheitszustands in Bezug auf die
linke Schulter geführt hätte.
- 27 -
6.1. Wie die Gutachter schlüssig und nachvollziehbar im GUTSO-Gutachten
dartun, leidet die Beschwerdeführerin an einer funktionellen
neurologischen Störung, welche überwiegend wahrscheinlich auf das
Unfallereignis zurückzuführen ist. Hinsichtlich der Adäquanzprüfung
müsse aber beachtet werden, dass keine organische Erkrankung im
eigentlichen Sinn bestehe (Bg-act. 495 f.). Die Adäquanzprüfung erfolgt
gemäss der Rechtsprechung zu psychischen Folgeschäden bei Unfall
mithin unter Ausklammerung der psychischen Beschwerdekomponenten
des Gesundheitsschadens (sog. Psychopraxis; vgl. BGE 140 V 356 E.3.2,
138 V 248 E.4, BGE 134 V 109 E.4.3 und 6.1, 115 V 133), wenn kein
Schleudertrauma der Halswirbelsäule oder eine dem Schleudertrauma
äquivalente Verletzung diagnostiziert wurde, oder wenn die zum typischen
Beschwerdebild nach Schleudertrauma gehörenden Beeinträchtigungen
zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zu einer ausgeprägten
psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten und auch
dann, wenn bei einer Versicherten bereits vor dem Unfall psychische
Beschwerden vorlagen, die durch den Unfall verstärkt wurden, und
schliesslich bei teilweise klinisch fassbaren, aber organisch nicht
hinreichend nachweisbaren Beschwerden (vgl. angefochtener
Einspracheentscheid Rz. 12 Absatz 4, Bg-act. 555; BGE 127 V 103
E.5b/bb; Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVGE]
U 339/06 vom 6. März 2007 E.5.1). Bei psychischen Unfallfolgen (BGE
115 V 133) erfolgt der Fallabschluss, sobald von der Fortsetzung der auf
die somatischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine
namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden
kann (vgl. BGE 134 V 109 E.6.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_346/2021
vom 11. November 2021 E.3.1, 8C_674/2019 vom 3. Dezember 2019
E.4.1; 8C_184/2017 vom 13. Juli 2017 E.2.2). Bei der Adäquanzprüfung
ist als Erstes die Schwere des Unfalls zu bestimmen, welche sich aufgrund
des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich entwickelnden Kräften
- 28 -
beurteilt. Irrelevant sind die Unfallfolgen oder Begleitumstände, die nicht
direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können. Solchen
Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu
tragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_812/2021 vom 17. Februar
2022 E.8.1). Nicht zu berücksichtigen sind daher das subjektive Erleben
des Unfalls durch die verunfallte Person und die Folgen, welche sich im
Lauf der Zeit als Reaktion auf den Unfall entwickeln (BGE 140 V 356 E.5.3,
115 V 133 E.6). Im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise ist zu
untersuchen, ob der Unfall eher als leicht, als mittelschwer oder als schwer
erscheint, wobei im mittleren Bereich gegebenenfalls eine weitere
Differenzierung nach der Nähe zu den leichten oder schweren Unfällen
erfolgt.
6.2. Über den Unfallhergang am 11. Juni 2015 ist bekannt, dass die
Beschwerdeführerin auf einer Steintreppe stürzte und sich dabei die linke
Schulter brach (undislozierte 3-Part proximale Humerusfraktur links; Bg-
act. 5 und 11). Es erweist sich unter der Annahme eines mittelschweren
Unfallereignisses im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen (siehe die
bundesgerichtliche Kasuistik zu den Treppenstürzen, wonach sie
grundsätzlich den mittelschweren Unfällen im Grenzbereich zu den
leichten Ereignissen zugeordnet werden; vgl. z.B. Urteile des
Bundesgerichts 8C_620/2021 vom 14. Januar 2022 E.3, 8C_809/2019
vom 13. Februar 2020 E.4, 8C_899/2013 vom 15. Mai 2014 E.5.1.2,
8C_116/2009 vom 26. Juni 2009 E.4.1), dass mindestens vier Kriterien in
der einfachen Form – oder aber eines in ausgeprägter Weise – erfüllt sein
müssen, damit der adäquate Kausalzusammenhang zu bejahen wäre.
Der Katalog dieser Kriterien (z.B. aus dem Urteil des Bundesgerichts
8C_473/2019 vom 11. November 2019 E.5.1) lautet wie folgt:
- 29 -
- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des
Unfalls;
- die Schwere oder die besondere Art der erlittenen [somatischen] Verletzungen,
insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen
auszulösen;
- ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
- körperliche Dauerschmerzen;
- ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
- ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
- Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit.
Unter diese Kriterien fallen vorliegend die ärztliche Fehlbehandlung durch
die Schädigung des Nervus axillaris in der Operation vom 5. Januar 2016
und die dadurch ausgelöste Sensibilitätsstörung (vgl. GUTSO-Gutachten,
Bg-act. 501 f.). Überdies – wenn überhaupt – körperliche Dauerschmerzen
in Form von Missempfindungen und Schwächegefühl in Hand und Arm
links, welche auf die funktionelle neurologische Störung zurückgehen (vgl.
GUTSO-Gutachten, Bg-act. 500 f.). Somit sind höchstens zwei Kriterien
erfüllt und dies nicht in ausgeprägter Form. Die Beschwerdegegnerin hat
damit die Adäquanz der teilweise klinisch fassbaren, aber organisch nicht
hinreichend nachweisbaren Beschwerden zu Recht verneint.
6.3. Das GUTSO-Gutachten, dem voller Beweiswert zukommt, stellt keine
Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit und ordnet sämtliche
Beschwerden den Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
zu (GUTSO-Gutachten, Bg-act. 500). Ab Juli 2016 bestehen demnach
keine Einschränkungen in den körperlichen und geistigen Anforderungen
in der angestammten Tätigkeit wie auch in einer angepassten Tätigkeit
(GUTSO-Gutachten, Bg-act. 503 f.). Folglich wird festgehalten, dass eine
weitere ärztliche Behandlung überwiegend wahrscheinlich nicht zu einer
namhaften Besserung des unfallbedingt eingeschränkten
Gesundheitszustands führen wird, namentlich nicht zu einer Steigerung
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der Arbeitsfähigkeit (GUTSO-Gutachten, Bg-act. 505). Die Einstellung der
Taggeldleistungen per 24. November 2016 – unter Berücksichtigung einer
angemessenen Übergangsfrist von drei bis fünf Monaten (vgl.
angefochtener Einspracheentscheid Rz. 17 f., Bg-act. 557 f.) – ist mithin
nicht zu beanstanden (Art. 19 UVG).
6.4. Zur Erläuterung sei darauf hingewiesen, dass der Unterschied zwischen
der Zusprechung einer Viertelsrente der Invalidenversicherung und der
Verneinung von (weiteren Taggeld-)Leistungen der Unfallversicherung
darauf beruht, dass die Anspruchsgrundlage für eine
Invalidenversicherungs-Rente nicht deckungsgleich ist mit derjenigen für
Leistungen der Unfallversicherung. Bei der Invalidenversicherung ist das
Vorliegen eines Kausalzusammenhangs zwischen Beschwerden und
einem bestimmten Ereignis (Unfall) nicht Anspruchsvoraussetzung. Das
etwa zur gleichen Zeit wie das GUTSO-Gutachten vom November 2019
am 11. Juli 2019 erstellte, durch die SVA Graubünden eingeholte ZMB-
Gutachten hält fest, dass eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der
früheren Tätigkeit im Sekretariat nur mit den psychischen Beschwerden
zu begründen sei, nicht jedoch aus orthopädischer oder neurologischer
Sicht (vgl. Bg-act. 395). Die gesamtmedizinische Arbeitsfähigkeit ab
August 2016 wird in der angestammten Tätigkeit wie auch in einer
adaptierten Tätigkeit mit 60 % bewertet, die Reduktion um 40 % auf die
psychische Beeinträchtigung zurückgeführt (vgl. Bg-act. 396 f., 513, 520,
542), was zur Invalidenversicherungs-Viertelrente führte (vgl. Bg-act.
386 ff., 532 f., 539 ff.). Die Beschwerdegegnerin als Unfallversicherung hat
die Anspruchsgrundlagen der Beschwerdeführerin hingegen
rechtskonform nach den unfallversicherungsrechtlichen Vorgaben geprüft.
7. Zusammengefasst erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid
vom 14. August 2020 damit als rechtens, womit die Beschwerde
abzuweisen ist, soweit auf sie einzutreten ist.
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8. Gemäss aArt. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 82a ATSG ist das kantonale
Beschwerdeverfahren in Sozialversicherungssachen – vorbehältlich der
mutwilligen oder leichtsinnigen Verfahrensführung – für die Parteien
kostenlos, weshalb für das vorliegende Verfahren keine Kosten erhoben
werden. Da die Beschwerdeführerin zudem auch nicht anwaltlich vertreten
war, wird das sinngemässe Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
hinfällig. Die obsiegende Beschwerdegegnerin hat keinen Anspruch auf
eine Parteientschädigung (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).
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