Decision ID: f7bcb479-9016-4dad-b82e-acffe166606e
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 2007, wurde von
seiner Mutter
Y._
im
Februar 2008 wegen einer Syndaktylie der Finger III und IV links
(Bericht von
Dr.
med.
Z._
,
Urk.
7/5) bei der Invalidenversicherung ang
emeldet (Urk.
7/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle, gewährte
Kostengutsprache für die Behandl
ung des Geburtsgebrechens Ziffer 177
des Anhangs
der Verordnung
über die Geburtsgebrechen (GgV;
„
Übrige angeborene Defekte und Missbildungen der Extremitäten, sofern Operation, Apparateversorgung oder Gipsverband notwendig sind
“
) (Verfügung vom 1.
April 2008,
Urk.
7/6).
1.2
Im
Juli 2010
meldete
Y._
ihren Sohn erneut bei der Invaliden
ver
siche
rung an und stellte den Antrag auf eine Hilflosenentschädi
gung aufgrund der Diagnose eines frühkindlichen Autismus (
Urk.
7/7 mit den Anga
ben der Kinderärztin
Dr.
med.
A._
). Die IV
Stelle
holte den Bericht des
O._ (O._) vom 9. August 20
10 ein
, worin die Diagnose eines frühkindlichen Autismus (ICD-Code F84.0
und Ziffer 405 Anhang GgV
[
„
Autismus-Spektrum-Störungen, sofe
rn diese bis zum vollendeten 5.
Lebensjahr erkennbar werden
“
]
) bestätigt wurde (
Urk.
7/11),
und besuchte die Familie
B._
in der Wohnung
(Bericht vom 2
3.
September 2010,
Urk.
7/13). Anschliessend sprach sie
X._
mit Verfügung vom
5.
Oktober 2010 für die Zeit von Juli bis September 2010 eine Entschädigung für eine leichte Hilflosigkeit und ab Oktober 2010 eine Entschädigung für
eine
mittlere Hilflosigkeit zu (Urk.
7/17).
1.3
Mit der weiteren
Anmeldung
bei der Invalidenversicherung
vom 1
5.
November 2010 ersuchte
Y._
um Übernahme der Kosten einer verhaltensthera
peutischen Psychotherapie beim
O._
(
Urk.
7/18), und
Dr.
A._
hielt im zug
ehörigen Bericht fest, es handle
sich
um ein intensiviertes Therapie
pro
gramm der Methode ABA
(
A
pplied
B
ehavior
A
nalysis)
(
Urk.
7/21).
Die IV-Stelle holte die Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr.
med.
C._
, Spezialarzt für Innere Medizin, vom
3.
Januar 2011 ein (
Urk.
7/22) und leistete daraufhin
mit Verfügung vom
5.
Januar 2011
die
generell
e
Kostengutsprache für die Behand
lung des Geburtsgebrechens nach Ziffer 405 Anhang GgV (bis Ende 2009 Ziffer 401
;
Urk.
7/23).
M
it Verfügung vom
6.
Januar 2011 gewährte sie
sodann
Kos
ten
übernahme für ambulante Psychotherapie
und Behandlungsgeräte
nach ärztlicher Verordnung für die Zeitdauer von November 2010 bis November 2012 (
Urk.
7/24). Ferner bezeichnete sie mit der Mitteilung vom
9.
Februar 2011 den
O._
als zugelassene D
urchführungsstelle (
Urk.
7/27).
Im Herbst 2012
ersuchten
Y._
und der
O._
die IV-Stelle um
die
Begleichung von Rechnungen für
eine Therapie der Methode FIVTI
(
f
rühe
i
ntensive
v
erhalt
ens
t
herapeutische
I
ntervention,
Urk.
7/28)
.
Aufgrund einer Stellungnahme der RAD-Ärztin
Dr.
med.
D._
vom 2
7.
Dezember 2012 (
Urk.
7/32) eröffnete die IV-Stelle
Y._
m
it Vorbescheid vom 28.
Dezember 2012
,
dass sie die Kostenübernahme abzulehnen gedenke, da es sich bei der FIVT
I
-Therapie nicht um eine von der Invalidenversicherung aner
kannte Behand
lungsmethode handle (
Urk.
7/31).
Y._
liess der IV
Stelle daraufhin einen Bericht des
O._
an die
E._
vom 15.
No
vember 2011 zukommen (
Urk.
7/34/1
-2
), und die IV-Stelle interpretierte d
ies als
sinn
gemässen
Einwand gegen den Vorbescheid (vgl.
Urk.
7/35).
Mit Verfügung vom 2
1.
Februar 2013 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorb
e
scheids
und lehnte
die Üb
ernahme der Kosten für die FIVTI
-Therapie ab
(
Urk.
2 =
Urk.
7/36).
2.
Gegen die Verfügung vom 2
1.
Februar 2013 liess
Y._
als gesetzliche Vertreterin ihres Sohnes
X._
, ihrerseits vertreten durch Rechtsanwäl
tin
Dr.
Monika Gattiker
, mit Eingabe vom
8.
April 2013 Beschwerde erheben (
Urk.
1) und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und die IV
Stelle sei zu verpflichten, die Kosten für die verhaltensorientierte Frühintervention
(FIVTI) ab Januar 2011 und in Zukunft, solange die Fortsetzung der Therapie medizinisch indiziert sei, vollstä
ndig zu übernehmen
(
Urk.
1 S. 2).
Als Belege
liess
Y._
zwei Berichte des
O._
vom 28.
Januar 2011 und vom 1
7.
Januar 2012 (
Urk.
3/6 und
Urk.
3/8), Therapiebeschreibungen des
O._
(
Urk.
3/9-11) und versch
iedene Fachartikel (
Urk.
3/12-19
) beibringen.
Ausserdem liess
sie
unter dem Hinweis auf die Dringlichkeit
um
einen Entscheid innert kürzest
möglicher Frist ersuchen (Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
3.
Mai 2013 auf Abweisung der
Beschwerde (
Urk.
6), worüber
Y._
am 1
5.
Mai 2013 informiert wurde (
Urk.
8).
Nach entsprechender Ankündigung (Eingabe vom
9.
April 2014,
Urk.
13) liess
Y._
mit Eingabe vom 1
5.
Juni 2014 eine weitere Stellungnahme erstatten
(
Urk.
14) und nahm dabei Bezug auf das IV-Rundschreiben Nr. 325 des Bundesamtes für Sozialversicherungen vom 2
3.
Dezember 2013 über die „Ver
gütung von medizinischen Massnahmen im Rahmen der Intensivbehandlung bei frühkindlichem Aut
ismus (GgV-Ziffer 405)“
(
Urk.
15/1) und auf einen
neuen Fachartikel in der Schweizer Zeitschrift
F._
(
Urk.
15/2). Die IV-Stelle nahm dazu mit Eingabe vom
1.
Juli 2014 Stellung (
Urk.
17).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Nicht erwerbstätige Per
sonen vor dem vollendeten 2
0.
Altersjahr gelten als invalid, wenn die Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit voraussichtlich eine ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird (
Art.
8
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
5
Abs.
2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]).
2.
2.1
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Vers
icherte haben gestützt auf Art.
8
Abs.
1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese not
wendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im (nicht erwerblichen) Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen, zu ver
bessern, zu erhalten oder ihre Verwertung zu fördern.
2.2
Zu den Eingliederungsmassnahmen gehören zunächst die in Art. 12 ff. IVG gere
gelten medizinischen Massnahmen (Art. 8 Abs. 3 lit. a IVG).
Gemäss
Art.
12
Abs.
1 IVG haben Versicherte
bis zum vollendeten 20.
Alters
jahr
Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die berufliche Ein
gliederung
oder in den (nicht erwerblichen) Aufgabenbereich
gerichtet und geeignet sind, die Erwerbs
fähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im (nicht erwerbli
chen) Auf
gabenbereich zu betätigen,
dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren.
Ferner haben Versicherte
bis zum vollendeten 20. Altersjahr
nach Art. 13 Abs. 1 IVG
Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen
(
Art.
3
Abs.
2 ATSG)
notwendigen Mass
nahmen. Dieser Anspruch
besteht aufgrund der Regelung in Art. 8 Abs. 2 IVG im Sinne einer Ausnahme zu
Art.
8
Abs.
1 IVG unabhängig davon
, ob die Massnahmen einer Eingliederung ins Er
werbsleben
oder in den (nicht erwerbli
chen) Aufgabenbereich
dienen.
Gemäss Art. 13 Abs. 2 IVG bezeichnet der Bun
desrat die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Gestützt auf diese Delegationsnorm hat der Bundesrat die Verordnung über Geburtsge
brechen (GgV) erlassen. In deren Anhang sind die einzelnen
Gebrechen aufge
listet.
Nach
Art.
14
Abs.
1 IVG umfassen die medizinischen Massnahmen die Behand
lung, die vom Arzt selbst oder auf seine Anordnung durch medizinische Hilfs
personen in Anstalts- oder Hauspflege vorgenommen wird, mit Ausnahme von logopädischen und psychomotorischen Therapien (lit. a)
,
und die Abgabe der vom Arzt verordneten Arzneien
(lit. b)
.
Sowohl d
ie medizinischen Massnahmen nach
Art.
12 IVG
als auch diejenigen nach
Art.
13 IVG zur Behandlung von Geburtsgebrechen
müssen
nach bewährter Erkenntnis der medi
zinischen Wissen
schaft angezeigt sein
und den Eingliederungserfolg beziehungsweise therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
1 Satz 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV],
Art.
2
Abs.
3 GgV
).
2.3
Bis Ende 2007
hatten zu den Eingliederungsmassnahmen auch die Massnahmen für die
besondere
S
chulung bildungsfähiger Versicherter ge
hört, die das 20.
Alters
jahr noch nicht vollendet hatten (
Art.
19
IVG
in Verbindung mit Art.
8
Abs.
3 lit. c IVG, in Kraft gewesen bis
Ende 2007). In der I
VV hatte der Bundesrat als
Massnahmen für die besondere Schulung
den Sonderschul
unterricht (
Art.
8 ff. IVV
,
in Kraft gewesen bis Ende 2007), die Massnahmen zur Ermöglichung des Volksschulbesuchs (
Art.
9 ff. IVV
, in Kraft gewesen bis Ende 2007
) und die Massnahmen zur Vorbereitung auf den Sonder- und Volksschul
unterricht (
Art.
10 f. IVV
, in Kraft gewesen bis Ende 2007
) unterschieden.
Nach dem damals in Kraft gewesenen
Art.
10
Abs.
1 IVV übernahm die Versicherung die Kosten für die Durchführung von Massnahmen pädagogisch-therapeutischer Art, die im vorschulpflichtigen Alter zur Vorbereitung auf den Besuch des Son
der- oder Volksschul
unterrichts notwendig waren. Die Massnahmen umfassten nach
Art.
10
Abs.
2 IVV Sprachheilbehandlung (lit. a), Hörtraining und Ablese
unterricht (lit. b) und heilpädagogische Früherziehung (lit. c).
Im Zuge der Neugestaltung des Finanzausgleichs
per
1.
Januar 2008
(
Bundesge
setz über die Schaffung und die Änderung von Erlassen zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und
Kantonen [NFA]
vom
6.
Oktober 2006)
wurde
der ganze Bereich der Sonderschulung den Kanto
nen übertragen
; d
iese erhielten die Gesamtveran
t
wortung
von der heilpädago
gischen Früherziehung bis zum Abschluss der Sonderschulung. D
ementspre
chend wurden
Art.
19 IVG und die Ausführungsbestimmungen in
Art.
8 ff.
IVV aufgehoben (Botschaft zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgaben zwischen Bund und Kantonen vom 1
4.
November 2001, BBl 200
2
II 2416 f. und 2467
)
.
2.4
2.4.1
In der Zeit, als der Bereich der
besonderen S
chulung noch in die Kompetenz der Invalidenversicherung fiel,
erfolgte
zum einen
eine Abgrenzung zwischen der Sonderschulung selbst und
d
en
Massnahmen pädagogisch-therapeutischer
Art
(alt
Art.
19
Abs.
2 lit. c IVG, alt
Art.
8
ter
, 9 und 10
Abs.
2
lit. c IVV)
, die den Schulunterricht begleiteten, ermöglichten oder auf ihn vorbereiteten, und zum andern eine Abgrenzung zwischen den Massnahmen pädagogisch-therapeuti
scher Art
und
den
medizinischen Massnahmen nach
Art.
12
und Art.
13 IVG
.
Das Bundesgericht hielt fest,
die Ma
s
snahmen pädagogisch-therapeutischer Art dienten im Gegensatz zur
(Sonder-)
Schulung nicht unmittelbar der Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten in schulischen Belangen, sondern seien darauf ausgerichtet, die beeinträchtigenden Auswirkungen der Behinderung auf die Schulung zu mildern und zu beseitigen, wobei der Begriff „therapeutisch“ verdeutliche, dass hierbei die Behandlung des Leidens im Vordergrund stehe. Die Abgrenzung gegenüber den medizinischen Massnahmen anderseits erfolge danach, ob das pädagogische oder das medizinische Moment überwiege (
BGE 131 V 9 E. 5.2.1,
122 V
206 E. 3a
, 114 V 22 E. 3a
).
Gemäss dem
Bundesgericht
war
die Frage nach dem
Überwiegen des
pädagogi
schen oder medizinischen M
oments im Einzelfall zu beurteilen, sodass dieselbe therapeutische Vorkehr je nach Kontext entweder eine medizin
i
sche Behand
lung oder eine pädagogisch-therapeutische Massnahme sein konnte
(BGE 114 V 22 E.
3a). Als pädagogisch
es
Moment
bezeichnete das B
undesgericht
den
Aspekt der Erziehung im Sinne der günstigen Beeinflussung des Verhaltens und der anlagemässig gegebe
nen Möglichkeiten
(BGE 114 V 22 E. 2c) und betonte, dass der Erziehungsbegriff
bei der
hei
l
pädagogischen Früherziehung
nach
Art.
10
Abs.
2 lit. c IVV
weit zu fassen sei und sich nicht auf verhaltenstherapeutische und andere Vorkehren beschränke, die auf die Schaffung günstiger Soziali
sierungsvoraussetzungen
bei verhaltensauffälligen Versicherten
gerichtet seien.
Für die nähere Definition wies
das höchste Gericht auf die einschlägigen Ver
waltungsweisungen hin, wonach
unter heilpädagogischer Früherziehung
eine gezielte, familienorientierte und ganzheitliche Förderung der Gesamtpersönlich
keit behinderter Kinder in ihrem sozialen Umfeld verstanden
werde und das Ziel darin bestehe,
nicht nur die Fertigkeiten und Funktionen in Wahrnehmung, Motorik und Sprache, sondern auch die Entwicklung von Selbstwertgefühl, Kre
ativität, Handlungs- u
nd Kontaktfähigkeit zu fördern
(BGE 13
1 V 9 E.
5.3.2.1).
2.4.2
Auch nach der Ausgliederung der pädagogisch-therapeutischen Massnahmen aus der Invalidenversicherung
per Anfang 2008
ist deren Abgrenzung von den medizinischen Mas
snahmen erforderlich
.
D
enn die
Ausgliederung hat nicht zur Folge, dass bisher als pädagogisch-therapeutisch qualifizierte Massnahmen neu
den medizinischen Massnahmen zugeordnet werden, sondern
die pädagogisch-therapeutischen
Massnahmen sollen vielmehr neu zu Lasten der Kantone gehen (Silvia Bucher, Eingliederungsrecht der Inval
idenversicherung, Bern 2011, S.
107). Die psychomotorischen und logop
ädischen Therapien, die bis anhin in gewissen Fällen als medizinische Massnahmen galten, wurden neu in
Art.
14
Abs.
1 lit. a IVG sogar ausdrücklich
von der Leistungspflicht ausgenommen
und somit als
ausschliesslich
pädagogisch-therapeutische Massna
hmen qualifiziert (vgl. B
ucher, a.a.O., S. 112 ff.).
Daher ist die zitierte bundesgerichtliche Recht
sprechung zur Charakterisierung der pädagogisch-therapeutischen Massnahmen und
darunter
insbesondere der heilpädago
g
ischen Früherziehung nach alt
Art.
10
Abs.
2 lit. c IVV
weiterhin anwendbar (zur Kasuistik vgl. Bucher, a.a.O., S. 106 ff.; Gabriela Riemer-Kafka, Soziale Sicherheit von Kindern und Jugendlichen, Bern 2011, S. 188 f.).
3.
3.1
Während die Verfügung vom
6.
Januar 2011 allgemein die Übernahme von
ambulanter
Psychotherapie zum Inhalt hatte (
Urk.
7/24), ist Gegenstand der angefochtenen Verfügung vom 2
1.
Februar 2013
(
Urk.
2)
die
Therapie der Methode FIVTI
; die Abkürzung steht für
f
rühe
i
ntensive
v
erhaltens
t
herapeuti
sche
I
ntervention
(
vgl.
Urk.
7/28
/1
)
.
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungsablehnung in der Verfügung nur ganz kurz damit, dass es sich bei der FIVTI-Therapie um eine von der Inva
lidenversicherung nicht anerkannte Behandlungsmethode handle (
Urk.
2)
,
und die RAD-Ärztin
Dr.
med.
D._
hatte als Grund dafür angegeben, es handle sich bei der
FIVTI-Therapie um eine Mischung aus Psychotherapie und überwiegend pädagogischen Massnahmen, die zudem von Studenten ausgeführt würden (
Urk.
7/32).
Nicht strittig ist demgegenüber, dass der Versicherte an frühkindlichem Autis
mus nach Ziffer 405 Anhang GgV leidet (vgl.
Urk.
7/11) und damit
gestützt auf
Art.
13 IVG
grundsätzlich Anspr
uch auf medizinische Massnahmen
hat.
3.2
Die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin hängt von verschiedenen Vo
raus
setzungen ab. Zunächst muss
die
durchgeführte Therapie
die
Kriterien
e
ine
r
medizinische
n
Massnahme
nach
Art.
12 ff. IVG erfüllen und darf nicht eine pädagogisch-therapeutische Massnahme im Sinne der dargelegten Abgren
zungs
regelung
sein. Als medizinische Massnahme muss die Therapie sodann gestützt auf
Art.
14
Abs.
1 lit. a IVG
vom Arzt selbst oder auf seine Anordnung
von
medizinische
n
Hilfspersonen durchgeführt werden. Schliesslich muss
die
Therapie
im Sinne von
Art.
2
Abs.
3 GgV nach bewährter Erkenntnis der medi
zinischen Wissenschaft angezeigt sein und den therapeutischen Erfolg in einfa
cher und zweckmässiger Weise anstreben
.
Damit diese Voraussetzungen geprüft werden können,
ist
zunächst
nach dem Inhalt der konkret durchgeführten Therapie zu fragen.
3.3
Gemäss den Untersuchungsberichten des
O._
vom 2
8.
Januar 2011 und vom 1
7.
Januar 2012 befand sich der Versicherte ab November 2010 in der FIVTI-Therapie (
Urk.
3/6 S. 1 und
Urk.
3/8 S. 1). Die Berichte
stellen eingehend die Befunde dar, die anhand von Beobachtungen und Testverfahren erhoben wur
den, beschreiben jedoch die FIVTI-Therapie nicht näher. Dem Verlaufsbericht des
O._
vom 1
5.
November 2011
sodann
ist zu entnehmen, dass das Thera
pieprogramm von einer verantwortlichen Psychologin, der Verfasserin lic. phil.
G._
, geleitet wird,
dass mehrere Therapeuten daran beteiligt sind,
dass die Eltern mit monatlichen Gesprächen ins Programm einbezogen würden und dass zwei bis drei Mal monatlich
mit den Eltern und dem Kind zu Hause gear
beitet werde (
Urk.
3/34/1-2).
Auch diese Angaben
vermitteln
aber
kein vollstän
di
ges Bild des Therapie-Inhaltes.
Hingegen
lassen die
eingereichten Unterlagen, die
der Homepage des
O._
ent
nommen
sind, in Ergänzung dazu erkennen, dass es sich bei der
FIVTI-
Therapie um ein spezifisches
zweijähriges
Programm handelt, das für Kinder mit früh
kindlichem Autismus
angeboten wird. Dies wird dem Grundsatz nach in der Übersicht des Angebots des
O._
dargetan (
Urk.
3/9 S. 3), und das Programm wird u
nter der Überschrift „Verhaltenstherapeutische Frühförderung“
näher vor
gestellt (
Urk.
3/10
S. 2). Der
O._
hält dort fest,
die
Methode
basiere
auf der
A
pplied
B
ehaviour
A
nalysis
(ABA) nach Lovaas und werde von Psychologinnen verschi
e
dener Spezialisierung
s
richtungen durchgeführt.
Zur Zielsetzung führte der
O._
aus, d
ie Förderung beziehe sich zunächst auf den allgemeinen Ent
wicklungsrückstand in den praktischen Alltagsfertigkeiten, in den visuell-räum
lichen Fertigkeiten und in der Bewegungskoordination. Einen hohen Stellenwert habe sodann die Förderung des Sprachverständnisses und wo möglich der expressiven Sprache. Ausserdem würden
die autismusspezifischen Defizite in der nonverbalen Kommunikation und Interaktion angegangen, und ein weiteres Ziel sei die Abnahme des repetitiven Verhaltens durch den Aufbau von Spiel
fertigkeiten und sinnvollen Aktivitäten.
In der Darstellung
der Methode zur Erreichung der Zielsetzung
spricht der
O._
von
Therapiesitzungen
, die sich
aus
strukturierten Lerneinheiten, gemeinsamem Spiel mit der Therapeutin und freier Spielzeit
zusammensetzten. Die Sitzungen fänden beim Kind zu Hause statt und umfassten etwa 35 Wochenstunden. Dabei plane eine Psychologin die Förde
rung für jedes Kind individuell und trainiere und leite das Förderteam des Kin
des, das aus den Eltern und drei bis vier weiteren Personen, meist Studentinnen
oder Studenten der Psychologie
oder
Sonderpädagogik, bestehe (
Urk.
3
/10 S. 2).
3.4
Zu Recht
erkannte die
RAD-Ärztin
Dr.
D._
in der Stellun
gnahme vom 27.
Dezember 2012 (
Urk.
7/32) viele
Elemente der Pädagogik in diesem Pro
gramm
.
So
korrespondieren
die formulierten
Zielsetzungen
in hohem Mass mit dem,
was die heilpädagogische Früherziehung
nach alt
Art.
10
Abs.
2 lit. c IVV
gemäss der bundesgerichtlich bestätigten Verwaltungspraxis anstrebt
(BGE 131 V 9 E.
5.3.2.1).
D
ie Erlangung von motorischen Fertigkeiten und von Fähigkeiten der Wahrnehmung (räumlich und visuell)
und
die
sprachliche Förderung
figu
rieren dort gleichermassen, die
Förderung der
Kommunikation und
der
Interak
tion
ist
unter dem Begriff der
Kontaktfähigkeit
ebenfalls
in der
Verwaltungs
weisung
enthalten
,
und
schliesslich s
ind
der
Erwerb von Spielfertigkeiten und
die Befähigung zu
weiteren Aktivitäten
Ausdruck der
Kreativität und
der
Handlungsfähigkeit
, wie sie
gemä
ss Verwaltungspraxis durch heilpädagogische Früherziehung gefördert werden sollen.
Der
O._
verwendet denn auch explizit den Begriff der
Lerneinheit
in der Vor
stellung der angebotenen
Methode der
Frühförderung (
Urk.
3/10 S. 2), und in der noch eingehenderen, detaillierten Erläuterung der FIVTI-Therapie in einem separaten, mit Literaturhinweisen versehenen Artikel auf der Homepage des
O._
(
Urk.
19/2) sind die Begriffe des Lehrens und Lernens
zentral
.
Es wird dargetan, dass die
A
pplied
B
ehaviour
A
nalysis (ABA) die Prinzipien nutze, wie Individuen lernten, und zum Ziel habe, Lernen effektiver zu machen. Mit ABA werde an sozial bedeutungsvollen Verhaltensweisen gearbeitet, die im Alltag der Person genutzt werden könnten, und diese Verhaltensweisen würden durch Methoden und Techniken beigebracht, die auf den Prinzipien von Lernen beruhten. Die Anwendungsgebiete von ABA seien breit und erstreckten sich neben dem klinischen/therapeutischen Bereich (Autismus-Spektrum-Störungen, geistige Behinderung
, Schizophrenie, Hirnverletzungen) auch auf die Pädagogik und Verhaltensmedizin sowie auf das Organisationsmanagement; am häufigsten werde ABA aber doch im therapeutischen und sonderpädagogischen Bereich bei Entwicklungsstörungen angewendet (
Urk.
19/2 S. 2). Als zentrale Techniken der angebotenen FIVTI-Therapie werden das
D
iscrete
T
real
T
eaching
(DTT)
und das Inzi
dentelle Unterrichten genannt. Die erste Technik wird als hoch strukturierte Art des Unterrichtens umschrieben, bei der die Anforderungen an das Kind in kleine Schritt
e unterteilt wü
rden und das Kind eine positiv
e Verstärkung (Belohnung) erhalt
e
, wenn e
s das gewünschte Verhalten zeige
(
Urk.
19/2 S. 8).
Die zweite Technik zielt auf die Motivation des Kindes zu einer Handlung von sich aus ab und
a
rbeitet gemäss
dem Artikel des
O._
ebenfalls mit klar defi
nierten Lernzielen (
Urk.
19/2 S. 9).
Schliesslich wird ausgeführt, ABA habe neben den beiden b
eschriebenen Techniken eine Viel
zahl von weiteren Lehrpro
zeduren durch
wissenschaftliche Studien entwickelt, die heute flexibel und indi
viduell auf das Kind angewendet und ständig weiterentwickelt würden (
Urk.
19/2 S. 9).
3.
5
3.5.1
Gemäss der vorstehend dargelegten Rechtsprechung
kann unter Umständen dieselbe Vorkehr abhängig vom Kontext entweder eine medizinische Behand
lung oder aber eine pädagogisch-therapeutische Massnahme sein (BGE
114 V 22 E. 3a). So mag
bei der Anwendun
g der ABA-Prinzipien
bei der Behandlung von erwachsenen Schizophrenie-Kranken oder
hirnverletzten
Personen
im Erwachsenenalter
, wo pädagogische Massnahmen im engeren Sinn schon auf
grund des Alters nicht in Betracht fallen, das medizinische Element
vorherr
schen.
Bei der FIVTI-Methode, die spezifisch für Kinder mit frühkindlichem Autismus entwickelt worden ist, überwiegt
indessen aufgrund des Folgenden
das
pädago
gische Moment gegenüber dem medizinischen.
3.5.2
Neben
der Zielsetzung, die mit derjenigen in der heilpädagogischen Früher
ziehung
(BGE 131 V 9 E. 5.3.2.1) übereinstimmt, und den
verwendeten, auf dem Prinzip des Lernens basierenden
Methoden
ist auch das übergeordnete
Ziel
, dem autistischen Kind die gleiche Lernerfahrung zu ermöglichen, die ein gesundes Kind von sich aus erwirbt (vgl.
Urk.
19/
2 S. 4), ein pädagogisches Ziel.
In der
Literatur
zur FIVTI-Therapie
wird dazu näher ausgeführt,
das Kind
solle
bis zum Eintritt in den Kindergarten oder in die Schule seinen Entwicklungsrückstand aufholen können und die Chance bekommen, die Regelklasse zu besuchen (
Urk.
3/17:
Hans-Christoph Steinhausen/Ronnie Gundelfinger [Hrsg.], Diagnose und Therapie von Autismus-Spektrum-Störungen,
Stuttgart 2010, S. 162 und S.
169). Der erwiesene Erfolg der Therapie liegt denn gemäss der vorgenannten Publikation vor allem in der Verbesserung des IQ und der steigenden Chance zum Besuch der Regelklasse (Steinhausen/Gundelfinger, a.a.O., S. 169
;
vgl
.
auch
Urk.
3/19:
Gregory S.
Chasson/Gerald E. Harris/Wendy J. Neely, Cost Compari
son of Early Intensive Behavioral Intervention and Special Education
for Children with Autism, in: J
Child Fam Stud [2007
], Springer,
S.
403
)
, wogegen
die Autoren
eine Veränderung der autistischen Symptome
für
nicht nach
ge
wiesen hielten
(Steinhausen/Gundelfinger, a.a.O., S. 173 und S. 174
).
Und in einer weiteren Publikation wird zwar darauf hingewiesen, dass Kliniker und
Forscher zum ersten Mal ernsthaft von der Möglichkeit sprächen, die autistische Kernsymptomatik durch früh einsetzende intensive Interventionen deutlich zu verändern (
Urk.
3/12:
Stellungnahme von Prof.
Dr.
med. Dipl. Psych.
H._
vom
5.
April 2013, S. 7 f.
; vgl. auch
Urk.
15/2
); die Formulierung zeigt jedoch auch, dass es sich dabei noch nicht um eine breit abgestützte Erkenntnis
handelt.
3.5.3
Ohnehin kann aus dem Umstand, dass es sich beim Autismus um ein medizini
sches Problem handelt,
entgegen der Auffassung in der Beschwerdeschrift (
Urk.
1 S. 16 f.
) und in einer Petition führender Psychiater an das Bundesamt für Sozialversicherungen vom Juni 2008 (
Urk.
3/20)
noch nicht abgeleitet wer
den, dass die FIVTI-Therapie eine medizinische Massnahme ist.
Zum einen setzen
a
uch die Massnahmen
für die besondere Schulung
nach alt
Art.
19 ff. IVG eine
Gesundheitsstörung voraus, und
zum andern unterscheiden sich innerhalb dieser Massnahmen die Massnahmen pädagogisch-therapeutischer Art gerade dadurch von den Massnahmen der eigentlichen Sonderschulung, dass bei ersteren die Behandlung des Leidens im Vordergrund steht
(vgl. BGE 131 V 9 E.
5.2.1, 122 V 206 E. 3a, 114 V 22 E. 3a)
.
Das Element der Behandlung als solches spricht also nicht für die Qualifikation der Massnahme als medizinisch, sondern wesentlich ist, ob in der Behandlungsmethode die medizinischen oder die päda
gogischen
Instrumente
überwiegen. Wenn in der Beschwerdeschrift in diesem Zusammenhang vorgebracht wird, die mit FIVTI angestrebte Veränderung der Gehirnstrukturen sei medizinischer Art (vgl.
Urk.
1 S. 16 f.), so ist darauf hin
zuweisen, dass jegliches Lernen mit einer Veränderung von Neuronenver
knüpfungen im Gehirn einhergeht (vgl. Richard F. Thompson, Das Gehirn, Von der Nervenzelle zur Verhaltenssteuerung,
3.
Auflage, Heidel
berg/Ber
lin, 2001, S. 356 f. und S. 359).
3.5.4
Auch der
Umstand, dass die FIVTI-Therapie
lange Zeit
vor der Einschulung durch
geführt wird,
steht
entgegen der Annahme in der Beschwerdeschrift (vgl.
Urk.
1 S. 17 f.)
der Qualifikation als pädagogisch-therapeutische Massnahme nicht entgegen. Denn
die pädagogisch-therapeutischen Mass
nahmen im Vor
schulalter waren bis Ende 2007 unter dem Titel der heil
pädagogischen Früher
ziehung
(alt
Art.
10
Abs.
2 lit. c IVV)
ex
plizit den Massnahmen der besonderen S
chulung zugeordnet, und die Rechtsprechung hielt - im Anwendungsfall der Trisomie 21 - fest, die heilpädagogischen Massnahmen seien unabhängig von einem Mindestalter ab jenem Zeitpunkt zu gewähren, in dem sie eine angemes
sene Förderung nach der Zielsetzung der Sonderschulung erwarten liessen (BGE 131 V 9 E. 5.2.1).
3.5.5
Die Studien aus den USA, Grossbritannien und den Niederlanden, die in der Beschwerdschrift zitiert sind (Urk 1 S. 10 ff.) un
d ins Recht gelegt wurden
(Urk.
3/13-16
und
Urk.
3/18-19
),
befassen sich
vornehmlich
mit der Wirksam
keit und der Wi
ssenschaftlichkeit der Therapie. Für die Qualifikation als Mass
nahme medizinischer Art kann daher
auch
daraus nichts abgeleitet werden. Und soweit Prof.
H._
in der Stellungnahme vom
5.
April 2013 auf die Empfeh
lung der amerikanischen Gesundheitsbehörde hinweist, Frühinterventionen nach dem ABA-Modell als medizinische Massnahmen
(medical therapy und nicht educational intervention) zu klassifi
zieren (
Urk.
3/12 S. 6
; vgl. auch
Urk.
15/2
)
, so kann die Kategorisierung in den USA nicht ohne Weiteres auf das schweizerische R
echt übertragen werden.
Aus demselben Grund
ändert an der Einordnung der FIVTI-Therapie unter die pädagogisch-therapeutischen Mass
nahmen auch nichts, dass Wissenschafter der USA die Methoden
ABA, EIBI
(
E
arly
I
ntensive
B
ehaviour
I
nterventions) und DTT (
D
iscrete
T
rial
T
eaching) a
ls Massnahmen
bezeichnen,
die von
den herkömmlichen Methoden der special
education zu unterscheiden seien
(Urk.
3/19:
Chasson/Harris/Neely,
a.a.O.,
S.
402).
Dies gilt umso mehr, als die deutschen Gerichte, auf deren Urteile sich die Mutter des Versicherten beruft (vgl.
Urk.
1 S. 6), die Wirksamkeit und Wissen
schaftlichkeit der ABA-Therapie nach Loovas zwar bejahten, diese Therapie jedoch den heilpäda
gogischen Massnahmen zuordneten, und dass diese Mass
nahmen in Deutschland ebenfalls nicht von einer Versicherung, sondern von der öffentlichen Hand zu übernehmen sind (Urteil S 13 SO 269/10 des SG Mün
chen vom 1
4.
Oktober 2011; Urteil 2 A 351/04 des VG Göttingen vom
9.
Februar 2006; Urteil S 28 SO 216/10 ER des SG Darmstadt vom 1
1.
Januar 2011; Beschluss
L 13 SO 20/07 des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen
vom 1
7.
Juli 2007).
3.6
Überwiegt nach dem Dargelegten bei der FIVTI-Methode das pädagogische Moment gegenüber dem medizinischen, so hat die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht dafür zu Recht verneint.
Aus der vorstehenden Beschreibung der FIVTI-Methode (E. 3.3 und E. 3.4) ist auch ersichtlich, dass es sich dabei um ein als Einheit zu verstehendes Behand
lungskonzept
mit speziellem Aufbau
handelt
. Es erscheint daher - anders als im Fall, den das
Verwaltungsgericht de
s Kantons Schwyz im Entscheid I
2009 11 vom 1
2.
Mai 2
009 zu beurteilen hatte - nicht als möglich, einzelne E
lemente dieser Behandlung
herauszulösen und isoliert als medizinische Massnahmen zu entschädigen
.
3.7
Unter diesen Umständen kann grundsätzlich offen bleiben, ob eine Leistungs
pflicht selbst bei Qualifizierung der FIVTI-Therapie als medizinische Massnahme schon deshalb zu verneinen wäre, weil
lediglich die Planung der Therapie und die Supervision von einer Psychologin mit Fachabschluss vorgenommen wird,
währenddem die
direkte Arbeit mit dem Kind
von den Eltern und weiteren Per
sonen geleistet wird (vgl.
Urk.
3/11 und
Urk.
3/17 S.
170), die gemäss zwei aktuellen Stellenausschreibungen zwar mit Vorteil in einem Studium der Psy
chologie-, Pädagogik- oder Sonderpädagogik stehen, was jedoch nicht einmal Bedingung ist
(vgl.
Urk.
19/4 und
Urk.
19/5).
Diese Art der Durchführung spricht
immerhin
als zusätzliches Argument
gegen
den
medizinische
n und für den
pädag
og
isch-therapeutische
n Charakter der Therapie, zumal selbst
medizinische Massnahmen, die von Nicht-Fachleuten erbracht werden oder werden können, nicht von der Invalidenversicher
ung übernommen werden (vgl. Hardy Landolt, Delegation von Pflegeverrichtungen an nicht diplomierte Hilfskräft
e
und Laien, in: AJP 3/2011 S. 358).
3.8
Ebenfalls offen bleiben kann die Frage nach der
Wirksamkeit und Wissenschaft
lichkeit der FIVTI-Methode, die das Bundesgericht in seinem aktuellsten Ent
scheid (Urteil I 15/07 vom 2
8.
November 2007) noch verneint hat. Es ist nur darauf hinzuweisen, dass unter der Herrschaft des bis Ende 2007 gültig gewese
nen Rechts in analoger Anwendung von
Art.
2
Abs.
1
Satz 2
IVV und
Art.
2
Abs.
3 GgV auch die pädagogisch-therapeutischen Massnahmen nach bewährter Erkenntnis der Wissenschaften angezeigt sein mussten, dass hier aber nicht die medizinischen, sondern die pädagogischen Wissenschaften massgebend waren (vgl. BGE 131 V 9 E. 5.2.1).
3.9
An der fehlenden Leistungspflicht der Besch
werdegegnerin für die FIVTI
The
r
apie ändert schliesslich auch das IV-Rundschreiben Nr. 325 (Urk.
15/1) nichts. Denn gemäss diesem Rundschreiben
wird
der Durchschnitts
wert der Leistungen der Psycho-, Ergo- und Physiotherapeuten sowie der Fach
ärzte der Zentren in Form einer Pauschale von
Fr.
45‘000.-- vergütet. In den vorliegend abgelehnten Massnahmen sind jedoch nach dem Gesagten keine solchen
, isoliert aus der Gesamtbehandlung herauslösbaren
Leistungen enthal
ten.
Auf die Ausführungen der Parteien zum IV
Rundschreiben Nr. 325 (
Urk.
14 und
Urk.
17) muss daher nicht näher eingegangen werden.
3.10
Damit ist die Beschwerde abzuweisen.
4.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Verfahren für
den
unterliegende
n
Be
schwerdeführer kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 900.-- festzulegen.