Decision ID: a3de6ade-c7de-49d0-9157-f6e0d50eadd7
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1972 geborene und bis 2007 als Schlüsselstanzer erwerbstät
ig gewesene X._ bezog
ab
1.
Februar 2008 eine ganze Invalidenrente (Verfügung vom
6.
Januar 2010,
Urk. 2/2/
7/98). Im September 2010 leitete die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, eine Rentenrevision ein (
Urk. 2/2/
7/107).
Nach getätigten
Abklärungen in erwerblic
her und medizinischer Hinsicht hob sie mit Verfügung vom 13. Dezember 2013 die rentenzusprechende Verfügung vom 6. Januar 2010
wiedererwägungsweise auf
(
Urk. 2/2/
2).
Die d
a
gegen am 3
0.
Januar 2014
erhobene
Beschwerde mit dem R
echtsbe
gehren um weitere Ausrichtung der ganzen Rente (
Urk. 2/2/1) wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 29. September 2015 im Verfahren IV.2014.00114 (Urk. 2/2/12) teil
weise gutgeheissen, indem festgestellt wurde, dass der Beschwerdeführer ab 1. Februar 2014 einen Anspruch auf eine Viertelsrente hat. Dieses Urteil hob das Bundesgericht mit Urteil vom 22. Dezember 2015 auf und wies die Sache ans hiesige Gericht zur integralen Neubeurteilung des Rentenanspruchs per 13. De
zember 2013 zurück (9C_868/2015; Urk. 2/2/15).
1.2
M
it Urteil des hi
esigen Gerichts vom 23. Februar 2016 wurde im Verfahren IV.2016.00057 die Beschwerde teilweise gutgeheissen und die Verfügung der IV-Stelle vom 13. Dezember 2013 mit der Feststellung aufgehoben, dass dem Be
schwerdeführer
ab
1.
Februar 2014 ein Anspruch
auf
eine Viertelsrente
zusteht (Urk. 2/3).
Dieses Ur
teil hob das Bundesgericht am 17. Juni 2016
erneut
auf und wi
es die Sache
an das hiesige Gericht zurück, damit es ein psychiatrisches Gutachten veranlasse und hernach erneut über die Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Zürich vom 13. Dezember 2013 entscheide (9C_208/2016; Urk. 2/6).
2.
Im vorliegenden, neu angelegten Verfahren stellte das Gericht mit Beschluss vom 24. November 2016 (Urk. 4) in Aussicht, ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. med. Y._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, einzuholen und gab den Parteien Gelegenheit, hiezu und zu den seitens des Gerichts formulierten Fragen Stellung zu nehmen. D
ie Beschwerdegegnerin
äusserte sich am 6. Januar 2017 (Urk. 6), während sich der
Beschwerdeführer
nicht vernehmen
liess.
Das mit Beschluss vom 18. Januar 2017 (Urk. 7) veranlasste Gutachten wurde durch Dr. Y._ am 7. September 2017 erstattet (Urk. 15). Am 29. November 2017 (Urk. 22) liess sich die Beschwerdegegnerin und am 15. Januar 2018 (Urk. 23) der Beschwerdeführer zum Gutachten vernehmen, was den Parteien am 17. Januar 2018 gegenseitig zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 24).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die rechtlichen Grundlagen und Grundsätze betreffend den Leistungsanspruch und die Invaliditätsbemessung (
Art.
28 des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung, IVG) sind im vorangegangenen Gerichtsurteil bereits umfassend wiedergegeben worden (
Urk. 2/
2/1
2
E. 1.1 bis E. 1.7). Darauf kann, mit der nach
folgenden Ergänzung, verwiesen werden.
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
in Verbindung mit Art. 8
des Bundesgesetzes über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die versi
cherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein renten
ausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG
,
BGE 139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatri
sche Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fachärztlich fest
gestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätz
lich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurtei
lende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hinweis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2
).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionel
len Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen
Erkrankungen
einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Ab
klärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtser
heblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (BGE 141
V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachperson ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerecht
fertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass er die Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass er ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgut
achtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 352 E. 3b/aa mit Hin
weisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründet die angefochtene Verfügung vom 13. Dezem
ber 2013 im Wesentlichen damit, dass die Zusprache einer ganzen Invalidenrente mit Blick auf die damaligen medizinischen Akten und insbesondere der darin erhobenen Befunde und Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen weder sachlich begründet noch als im Resultat zu vertreten gewesen waren und weder aktuell noch retro
spektiv ein rentenbegründender Gesundheitsschaden ausgewiesen sei (Urk. 2/2/2 S. 2 f.).
2.2
Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, die Renten
zusprache sei aufgrund einer persönlichen Untersuchung im Regionalen Ärztli
chen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin durch einen Facharzt der Psychiatrie erfolgt und damit der Entscheid nicht offensichtlich unrichtig oder gar unvertret
bar. Der Gesundheitszustand habe sich nicht verändert und faktisch sei eine Ar
beitsfähigkeit von zirka 50 % nur in einem geschützten Rahmen umsetzbar oder im Rahmen einer selbständigen Erwerbstätigkeit, wie sie der Beschwerdeführer derzeit in bescheidenstem Umfang aufzubauen versuche (Urk. 2/2/1 S. 6 f.).
2.3
Das Bun
desgericht erwog im Urteil 9C_868/2015 vom 22. Dezember 2015 (Urk. 2/2/15 E. 2.2
)
: «Indem das kantonale Gericht - nach von keiner Seite be
strittener bestätigter wiedererwägungsweiser Aufhebung der Rentenverfügung vom 6. Januar 2010 zufolge zweifelloser Unrichtigkeit und erheblicher Bedeutung ihrer Berichtigung - die weitere materielle Prüfung des Rentenanspruchs an das Erfordernis einer revisionsrechtlich relevanten Änderung des Sachverhalts (Art. 17 Abs. 1 ATSG) knüpft, verletzt es ständige Rechtsprechung. Danach hat bei Bejahung der zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen Leistungsverfü
gung eine freie Beurteilung der Rentenanspruchsvoraussetzungen nach den Ver
hältnissen im Zeitraum bis zum Erlass der die Rente ex nunc aufhebenden Wie
derwägungsverfügung stattzufinden [...]».
Im Urteil 9C_208/2016 vom 17. Juni 2016 (Urk. 1 E. 2.2) hielt das Bundesgericht fest, es sei der Rentenanspruch für die Zukunft, d.h. mit Wirkung ab 1. Februar 2014, frei — im Sinne einer erstmaligen Anspruchsbeurteilung — zu prüfen. Dafür bedürfe es jedoch insbesondere in medizinischer Hinsicht einer umfassenden ak
tuellen Sachverhaltsgrundlage, welcher allein in Form des Berichts des behan
delnden Psychiaters nicht Genüge getan sei. Die Beantwortung der entscheidwe
sentlichen Tatfrage nach dem aktuellen Gesundheitszustand und der Arbeitsfä
higkeit des Beschwerdeführers beruhe somit auf unvollständiger Beweisgrund
lage, weshalb die Sache an das Sozialversicherungsgericht zurückzuweisen sei, damit es ein psychiatrisches Gutachten in die Wege leite.
2.4
Nach Erstattung des Gerichtsgutachtens durch Dr. Y._ (Urk. 15) machte der Beschwerdeführer geltend, der Gutachter bejahe zwar die Arbeitsfähigkeit, stelle aber zur Diskussion, ob es nicht sinnvoller wäre, ihn beim Aufbau einer selbstän
digen Tätigkeit zu unterstützen. Es sei deshalb abzuwägen, ob und in welchem Umfang ihm im ersten Arbeitsmarkt eine Erwerbstätigkeit noch möglich und ob eine medizinisch-theoretische (Teil-) Arbeitsfähigkeit wirtschaftlich noch ver
wertbar sei (Urk. 23 S. 2).
Die Beschwerdegegnerin stellte sich auf den Standpunkt, gemäss dem Gutachten liege keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor und aus soma
tischer Sicht bestehe kein Gesundheitsschaden. Damit sei ein Rentenanspruch zu verneinen (Urk. 22).
3.
3.1
Am 7. September 2017 erstattete Dr. Y._ das bei ihm vom Gericht in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten (Urk. 15). Der Experte stützte sich auf die überlassenen Akten (S. 5 ff.) und auf die von ihm im Rahmen der Untersuchung vom 6. Juli 2017 erhobenen Befunde (S. 21). Sodann wurden aufgrund der An
gaben des Beschwerdeführers die Familien-, Sozial- und Berufsanamnese (S. 16 f.), der Tagesablauf sowie die geklagten Leiden festgehalten (S. 18 ff.).
3.2
Folgende Diagnosen wurden aufgeführt (S. 34):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Keine psychiatrische Diagnose
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Dysthymia (ICD-10 F34.1)
-
Status nach Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, bis
längstens 2008 (ICD-10 F43.21)
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstischen, histrionisch infan
tilen, emotional-instabilen und dissozialen Anteilen (ICD-10 Z73.1)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, schädlicher Gebrauch
(ICD-10 F10.1)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom
(ICD-10 F17.2)
-
Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle, pathologisches Spielen (ICD-10 F63.0)
3.3
Zum psychopathologischen Befund hielt der Experte fest, der Beschwerdeführer sei allein und pünktlich zum vereinbarten Untersuchungstermin erschienen und habe angegeben, dass er ohne Probleme mit dem PKW zur Untersuchung gekom
men sei. Er wirke einigermassen gepflegt gekleidet und kaum unsicher. Im Verlauf des Untersuchungsgesprächs fasse er kaum Vertrauen, berichte aber routiniert, nur vordergründig freundlich, insgesamt doch deutlich eingeschränkt kooperativ, im Gesprächsverlauf zunehmend dysphorisch, mürrisch und angriffslustig und auch (an-) klagend über seine Unzufriedenheit mit Ämtern und Versicherungen. Die Grundstimmung sei allenfalls leicht bedrückt und er wirke über weite Stre
cken eher dysphorisch und verbal aggressiv. Der Antrieb sei unvermindert, psychomotorisch wirke er zeitweilig leicht angespannt und es bestehe kein Anhalt für akute Suizidalität oder Fremdgefährdung und keine Tendenzen zu Selbstschä
digung. Hinweise auf einen sozialen Rückzug hätten sich keine gefunden. Bei guter Realitätsprüfung und guter Kritikfähigkeit bestehe keinerlei Anhalt für inhaltliche Denkstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Wahnerleben oder Hallu
zinationen. Ebenso fänden sich keine Hinweise auf eine psychotische Störung des Ich-Erlebens, auf Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen, keine pathologischen Ängste. Die emotionale Flexibilität und Belastbarkeit, die Durch- haltefähigkeit, die Selbstbehauptungsfähigkeit, die Gruppen- und Teamfähigkeit, die Entschei
dungs- und Urteilsfähigkeit, die Verkehrsfähigkeit und die Fähigkeit zur Selbst
pflege seien nicht vermindert. Es hätten sich aber Hinweise auf akzentuierte Per
sönlichkeitszüge mit narzisstischen, histrionisch-infantilen, emotional-instabilen und dissozialen Anteilen mit Tendenzen zu impulshaften aggressiven Durchbrü
chen bei leicht verminderter Stress- und Frustrationstoleranz gezeigt und es seien gewisse Defizite der sozialen Kompetenzen wie eine leicht verminderte Konflikt
fähigkeit und eine leicht erhöhte Kränkbarkeit eruiert worden. Bei einem über
wiegend somatisch orientierten Krankheitskonzept habe eine deutlich ambiva
lente Motivation für eine adäquate psychiatrisch-psychotherapeutische Behand
lung oder eine konsequente Psychopharmakatherapie bestanden und in Bezug auf berufliche Eingliederungsmassnahmen habe bei ausbaufähigen Ressourcen keine Motivation festgestellt werden können (S. 21).
Unter «Gesamtbeurteilung und Prognose» führte der Gutachter aus, a
us psychiat
risch-gutachterlicher Sicht hand
le
es sich anhand der aktuell erhobenen anam
nestischen Auskünfte, der aktuellen Untersuchungsergebnisse und unter Einbe
zug und Kenntnis der umfangreichen psychiatrischen Vorbefunde und psychiat
rischen Vorgutachten diagnostisch um einen Exploranden mit spätestens seit der Jugendzeit bestehenden akzentuierten Persönlichkeitszügen mit narzisstischen, histrionisch-infantilen, emotionalinstabilen und auch dissozialen Anteilen, also gewissen Auffälligkeiten der Persönlichkeit und einer Dysthymia, die sich aus der zu Beginn diagnostizierten Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion entwickelt ha
be.
Bei histrionisch-infantilen und narzisstischen Persönlichkeitszügen könn
t
en fol
gende Verhaltensweisen bei dem Betroffenen zumindest zum Teil und zeitweilig beobachtet werden:
Egozentrik, selbstbezogene Nachgiebigkeit, Suggestibilität, leichte Beeinflussbar
keit durch andere Personen, anhaltendes Verlangen nach Anerkennung, erhöhte Kränkbarkeit, Gefühl der eigenen, grandiosen Wichtigkeit, Aggressivität in Reak
tion auf Kritik, hohe Selbstzentriertheit und andauernd manipulatives Verhalten zur Befriedigung eigener Bedürfnisse, Wunsch im Mittelpunkt der Aufmerksam
keit zu stehen.
Bei emotional-instabilen und dissozialen Persönlichkeitszügen könn
t
en folgende Verhaltensweisen bei dem Betroffenen zumindest zum Teil und zeitweilig beo
bachtet werden:
Vermehrtes impulshaftes Handeln ohne Berücksichtigung von Konsequenzen, wechselnde und instabile Stimmung, kurzfristige Ausbrüche von explosivem Handeln, teilweise gewalttätiges Verhalten, mangelnde Selbstkontrolle, Rück
sichtslosigkeit gegenüber den Gefühlen anderer, Unfähigkeit zum Erleben von Schuldbewusstsein oder zum Lernen aus Erfahrung, besonders aus Bestrafung, ausgeprägte Neigung, andere zu beschuldigen.
Bei den
«
akzentuierten Persönlichkeitszügen
»
hand
le
es sich nicht um eine eigen
ständige psychiatrische Diagnose des Kapitel F der ICD-10, sondern um be
stimmte Charaktereigenschaften, die spätestens seit der Adoleszenz best
ünd
en und eine sogenannte (Zusatz-)-Diagnose aus dem Kapitel Z der ICD-10, die aus fachärztlich-psychiatrischer Sicht im engeren und spezifischen Sinne keine ei
gentliche psychiatrische Diagnose darstell
e
. Diese Z-Diagnosen h
ätt
en definiti
onsgemäss keine Relevanz in Bezug auf die Fragestellung nach psychischen Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit, sondern stell
t
en ggf. eine Spezifizierung und Zusatzerklärung bei den F-Diagnosen dar.
Dissoziale Persönlichkeitszüge s
eien
als Sonderfall in den Bereich der Psychopa
thie einzuordnen. Sie s
eien
psychotherapeutisch nicht zugänglich, wie sich in verschiedenen fachärztlichen Studien an verschiedenen Universitäten gezeigt ha
be
. Für den Erfolg einer Psychotherapie
sei
es erforderlich, dass eine vertrau
ensvolle therapeutische Beziehung zwischen Therapeut und Patient aufgebaut werden k
ö
nn
e
. Für die in den nächsten Jahren zu erwartende ICD-11
sei
voraus
sichtlich die Einordnung nicht mehr bei den anderen Persönlichkeitsstörungen, sondern in einer eigenen Kategorie vorgesehen. Viele Betroffene s
eien
kriminell und h
ie
lten sich nicht an gesellschaftliche Regeln und Gesetze. Tendenzen in diese Richtung s
eien
bei dem Verhalten des Exploranden auch zu beobachten, bzw. anamnestisch zudem bekannt.
Aus gutachterlicher Sicht k
ö
nn
e
das Vorliegen einer manifesten, kombinierten Persönlichkeitsstörung bei dem Exploranden nicht bestätigt werden, da nur einige und nicht der überwiegende Teil d
er oben aufgeführten Verhaltens
weisen teil
weise und in eher leichter Ausprägung vorl
ä
gen. Es
hätten
sich gewisse Hinweise für das Vorliegen von einem Teil dieser dysfunktionalen Denk- und Verhaltens
muster, also somit für das Vorliegen von akzentuierten Persönlichkeitszügen
ge
funden
.
Die vor mehr als 10 Jahren diagnostizierte Anpassungsstörung mit längerer de
pressiver Reaktion
sei
eine Diagnose im Kapitel F der ICD-10, die sich nach den Kriterien der ICD-10 nach einem belastenden Ereignis entwick
le
- beim Explo
randen s
eien
die Konflikte mit der Ehefrau und am Arbeitsplatz und schliesslich die Kündigung zu nennen - und definitionsgemäss längstens über einen Zeitraum von 2 Jahren besteh
e
. Wenn sich diese leichte depressive Symptomatik bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht wesentlich gebessert ha
be
und noch nicht ausgeheilt
sei
, m
ü
ss
e
definitionsgemäss nach der ICD-10 eine Umcodierung der Diagnose erfolgen.
Da es sich beim Exploranden um eine länger anhaltende, leichte depressive Symptomatik hand
le
, die schon sehr viel länger als 2 Jahre besteh
e
und inzwi
schen eine beginnende Chronifizierung in allerdings sehr leichter Ausprägung zeig
e
,
sei
aus aktueller gutachterlicher Sicht davon auszugeben,
dass beim Ex
ploranden seit spätestens 2008 eine Dysthymia vorlieg
e
.
Das wesentliche Kennzeichen einer Dysthymia
sei
nach den Kriterien der ICD-10 eine langdauernde, depressive Verstimmung, die niemals oder nur sehr selten ausgeprägt genug
sei
, um die Kriterien für eine rezidivierende leichte oder mit
telgradige depressive Störung (ICD-10 F 33.0/F33.1) zu erfüllen. Sie beginn
e
ge
wöhnlich früh im Erwachsenenalter und dauer
e
mindestens mehrere Jahre, manchmal lebenslang. Bei Beginn im höheren Lebensalter tr
e
t
e
die Störung häu
fig nach einer abgrenzbaren depressiven Episode, nach einem Trauerfall oder ei
ner anderen offensichtlichen Belastung auf.
Einschränkungen der Arbeits- und Leistungsfähigkeit oder insgesamt relevante Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit könn
t
en mit allein dieser psychischen Stö
rung nicht begründet werden.
Beim Exploranden ha
be
sich die vorliegende
Störung nach emotional belasten
den Ereignissen entwickelt, wie oben beschrieben und sie dauer
e
weiterhin an. Es hand
le
sich um eine leichte depressive, bzw. dysthyme Symptomatik. Somit
wür
den
die Kriterien der ICD-10 für eine Dysthymia zu
treffen
.
Zudem liege ein schädlicher Gebrauch von Alkohol vor, wobei keine invalidisie
renden Folgeerkrankungen durch ein Suchtgeschehen hätten eruiert werden kön
nen und bei einem primären Suchttyp die Störung keine Arbeitsunfähigkeit be
dinge. Bei der vorliegenden Spielsucht sei die Diagnose «Pathologisches Spielen» zu stellen, wobei nach den anamnestischen Angaben der Beschwerdeführer das Glücksspiel vor einigen Jahren aufgegeben habe und diesem Suchtgeschehen ebenso keine Relevanz in Bezug auf eine Arbeitsunfähigkeit zukomme. Weitere psychische Störungen, eine Erkrankung des schizophrenen Formenkreises, eine monopolare oder bipolare affektive Störung, eine manifeste Suchterkrankung, eine dementielle oder hirnorganische Entwicklung oder andere psychische Stö
rungen mit Relevanz in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit seien anhand der erhobe
nen objektiven Befunde und geschilderten Angaben des Beschwerdeführers nicht festgestellt worden. Psychopharmaka seien seit Jahren sehr niedrig dosiert, bzw. als unterdosiert einzustufen und durch diese Medikation sei keine relevante Wir
kung zu erwarten und bei einer Dysthymia bestehe auch keine definitive, sondern eher eine fakultative Indikation für eine Psychopharmakotherapie (S. 27).
Aus der Schilderung des Tagesablaufs seien neben sehr geringen, zeitweilig und nicht andauernd auftretenden Einschränkungen durch die leichte dysthyme Symptomatik auch gute und ausbaufähige Ressourcen und eine grundsätzlich gute Prognose zu stellen. Der Beschwerdeführer sei in der Lage, seinen Haushalt selbständig zu bewältigen, unternehme zudem täglich mit Kollegen und Ver
wandten verschiedene Aktivitäten, fliege in seine Heimat und bewege sich in der Heimat und auch in der Schweiz in der Gesellschaft unauffällig. Im Alltag be
stünden keine relevanten psychischen Einschränkungen und aus medizinischer Sicht erscheine es zumutbar, dass er die Ressourcen, die ihm in der Freizeit zur Verfügung stünden und die ihm auch bei seiner selbständigen Tätigkeit über ei
nige Jahre zur Verfügung gestanden seien, auch weiterhin im beruflichen Kontext und bei einer beruflichen Wiedereingliederung einsetze (S. 28).
Mit Verweis auf die neueste Rechtsprechung des Bundesgerichts (Urteil 9C_492/2014) bzw. der bundesgerichtlich vorgegebenen Standardindikatoren zog der Gutachter die Schlussfolgerung, eine ausreichende Schwere der psy
chi[atri]schen Symptomatik könne seit spätestens 2011 nicht belegt werden, als dass von einer relevanten Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht auszuge
hen wäre (S. 33).
Zusammenfassend sei keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit festzustellen und somit bestünden auch keine psychischen Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit (S. 33).
4.
4.1
Das ausführliche Gerichtsgutachten erfüllt die praxisgemässen Kriterien (vorste
hend E. 1.3), setzt sich mit den Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers auseinander und berücksichtigt auch die medizinischen Vorakten und begründet Abweichungen, soweit die Beurteilung mit diesen nicht im Einklang steht. Das Gutachten ist nachvollziehbar und vermag zu überzeugen. Insbesondere wurde mit Bezug auf die psychische Symptomatik und die Abgren
zung zwischen einer Persönlichkeitsstörung und akzentuierten Persönlichkeits
zügen für den Rechtsanwender nachvollziehbar dargelegt, dass aufgrund der ak
tuellen Untersuchungen die beim Beschwerdeführer vorliegenden Auffälligkeiten und die Aggressivität, über die in den Akten berichtet wird, nicht respektive nicht mehr als krankheitswertig einzustufen sind. Der Gutachter legte unter Bezug
nahme auf die ICD-10 Kriterien plausibel dar, dass Anpassungsstörungen mit län
gerer depressiver Reaktion sich nach einem belastenden Ereignis entwickeln und während längstens
zwei Jahren zu diagnostizieren
sind. Da die beim Beschwer
deführer belastenden Ereignisse — Konflikte mit der Ehefrau und am Arbeitsplatz, die schliesslich zur Kündigung führten — sehr viel weiter zurückliegen, ist auch begründet, dass — nachdem sich ein Fortbestehen einer
leichte
n
depressive
n
Symptomatik
abzeichnete — spätestens ab 2008 von einer Dysthymia auszugehen ist. Damit geht einher, dass mittels Medikation und unter kontrollierter Einhal
tung der Therapieanordnung keine weitere Verbesserung der nur noch geringen psychischen Einschränkungen zu erwarten ist. Die sehr geringen Auswirkungen der psychischen Symptomatik widerspiegeln sich sodann auch im Tagesablauf, wonach der Beschwerdeführer in der Lage ist, seinen Haushalt selbständig zu bewältigen, täglich mit Kollegen und Verwandten verschiedene Aktivitäten zu unternehmen, mit dem Flugzeug in seine Heimat zu reisen und sich sowohl dort als auch in der Schweiz in der Gesellschaft unauffällig zu bewegen. Im Alltag sind damit keine relevanten psychischen Einschränkungen auszumachen und es ergeben sich keine medizinischen Gründe, weshalb der Beschwerdeführer die Res
sourcen, die ihm in der Freizeit zur Verfügung stehen und die er auch bei seiner selbständigen Tätigkeit über einige Jahre einsetzen konnte, nicht weiterhin im beruflichen Kontext und bei der beruflichen Wiedereingliederung verwerten kann (Urk. 15 S. 28).
Die Gesamtschau und die Beurteilung des Experten vermag damit insgesamt und insbesondere auch mit Blick auf die
Rechtsprechung
sänderung zur Überwindbar
keit seelischer
Leiden mit Krankheitswert
(
BG
E 139 V 547 E. 5) zu überzeugen (siehe die expliziten gutachterlichen Ausführungen dazu auf S. 28 ff.). Denn auf
grund der lediglich sehr geringgradigen Ausprägung der psychischen Symptoma
tik und bei bestehenden Kompensationsmöglichkeiten aufgrund der vorhandenen Ressourcen lässt sich
widerspruchsfrei
keine Einschränkung im
Leistungsvermö
gen mit (zumindest) überw
iegender Wahrscheinlichkeit nachweisen. D
ie Folgen der Beweisl
osigkeit
hat der Beschwerdeführer zu tragen (vgl. E. 1.2
hiervor)
.
Nach dem Gesagten ist auf das psychiatrische Gutachten abzustellen. Eine Ar
beitsunfähigkeit aus somatischer Sicht ist dem Beschwerdeführer mi
t Bezug auf den Verfügungszeitpunkt (
3.
Dezember 2013)
nicht zu attestieren und diesbezüg
lich
drängt
es sich auch nicht auf
, weitere Abklärungen zu veranlassen.
4.2
Somit muss es mit den beweiskräftigen Schlussfolgerungen im gerichtlichen Sachverständigengutachten, welches im Kontext mit der Aktenlage und den fach
ärztlichen Berichten steht und auch eine schlüssige Beurteilung erlaubt, sein Be
wenden haben. Massgebend ist hierbei insbesondere, dass es sich bei der psychi
schen Symptomatik um eine leichte psychische Störung handelt, die bei optimier
ter Behandlung weiter besserungsfähig und in ihrer geringen Ausprägung unter einer konsequenten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung gegebe
nenfalls fakultativ inklusive einer Psychopharmakotherapie oder auch ohne Me
dikation gut behandelbar und weiter besserungsfähig ist (Urk. 15 S. 29).
Der medizinische Sachverhalt ist mithin dahingehend erstellt, dass dem Be
schwerdeführer aus psychiatrischer Sicht spätestens seit der Untersuchung bei Dr. med. Z._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 12. Mai 2011 (vgl. Urk. 2/2/7/131 und Urk. 15 S. 34) keine Arbeitsunfähigkeit mehr zu attestieren ist. Unter diesen Umständen kann auch eine Prüfung der Standardindikatoren unterbleiben (BGE 143 V 418 E. 7.1, 143 V 409 E. 4.5.3).
Vor diesem Hintergrund erübrigt sich eine Prüfung der erwerblichen Auswirkun
gen und es ist auch nicht zu erörtern, ob der Beschwerdeführer seine Arbeitsfä
higkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem wirt
schaftlichem Erfolg verwerten kann, da invalidenversicherungsrechtlich keine ge
sundheitlichen Gründe zu berücksichtigen sind, die sich lohnmindernd auf die Leistungsfähigkeit auswirken könnten (vgl. Ausführungen des Beschwerdefüh
rers, Urk. 23 S. 2).
4.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in angestammter und angepasster Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist und damit keinen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat. Die angefochtene Verfügung der IV-Stelle vom 3. Dezember 2013 ist damit zu bestätigen, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind nach dem Verfahrensauf
wand zu bemessen und ermessensweise auf Fr. 1‘000.-- festzusetzen. In Anbe
tracht des Obsiegens der Beschwerdegegnerin sind die Kosten dem Beschwerde
führer aufzuerlegen.