Decision ID: c399057b-c2d3-46f4-8f85-a09ac8c21aef
Year: 2010
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1961 geborene
X._
meldete sich am 15. April 2009 unter Hinweis auf eine Brustkrebserkrankung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, zum Bezug von Hilfsmitteln der Invalidenversicherung (Perü
cke und Brustprothese) an (Urk. 7/2) und legte der Anmeldung eine Rechnung der
Y._
AG vom 10. April 2006 für eine Perücke im Betrag von Fr. 1'710.-- bei (Urk. 7/1). Zur Prüfung des Leistungsanspruchs holte die IV
Stelle Berichte der behandelnden Ärzte ein (Urk. 7/8: Bericht des PD Dr. med.
Z._
, FMH Gynäkologie und Geburtshilfe, vom 15. Juli 2009, Urk. 7/9: Bericht der Dr. med.
A._
, FMH Gynäkologie und Geburtshilfe, vom 14. August 2009). Mit Schreiben vom 2. November 2009 teilte die IV
Stelle der Versicherten mit, dass die Invalidenversicherung Kosten von maximal Fr. 1'500.-- pro Kalenderjahr für Perücken übernehme, welche in der Zeit vom 15. April 2008 bis 31. Dezember 2010 angefallen sind oder anfallen werden (Urk. 7/11). Mit einer weiteren Mitteilung vom 3. November 2009 leistete die IV
Stelle sodann Kostengutsprache für eine einseitige Versorgung mit Brust
prothesen in Höhe von Fr. 500.-- pro Kalenderjahr für die Zeit vom 1. Januar 2009 bis 31. Dezember 2018 (Urk. 7/12).
Mit Schreiben vom 27. November 2009 verlangte die Versicherte mit Bezug auf den anbegehrten Kostenersatz für eine Perücke aus dem Jahr 2006 den Erlass einer beschwerdefä
higen Verfügung (Urk. 7/13). Mit Verfügung vom 3. Dezember 2009 legte die IV
Stelle fest, dass die Versicherte ab 1. Januar 2008 bis vorerst 31. Dezember 2010 Anspruch auf maximal Fr. 1'500.-- pro Kalender
jahr für Perücken habe (Urk. 2 [= 7/16]).
2.
Gegen die Verfügung vom 3. Dezember 2009 führt die Versicherte mit Eingabe vom 13. Januar 2010 Beschwerde und beantragt sinngemäss, die Invalidenver
sicherung sei zu verpflichten, ihr die Kosten der im März 2006 benötigten Perü
cke bis zu einer Höhe von Fr. 1'500.-- zu ersetzen (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 1. Februar 2010 beantragt die IV
Stelle Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Am 15. Februar 2010 wurde das Doppel der Beschwer
deantwort der Beschwerdeführerin zugestellt (Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20'000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Be
schwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [GSVGer]).
2.
2.1
Der Anspruch auf Hilfsmittel stellt eine Eingliederungsmassnahme dar; da unter einem Hilfsmittel ein Gegenstand zu verstehen ist, dessen Gebrauch den Ausfall von Teilen oder Funktionen des menschlichen Körpers zu ersetzen vermag und dieser Ausfall von einer gewissen Dauer sein muss (vgl. Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Auflage, Zürich, Basel, Genf 2010, S. 215 ff.), handelt es sich um eine Dauerleistung.
2.2
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmun
gen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 6. Oktober 2006, der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 28. September 2007, des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG) sowie das Bundesgesetz über die Schaffung und die Änderung von Erlassen zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) vom 6. Oktober 2006 in Kraft getreten. In materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 Erw. 1, 126 V 136 Erw. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 3. Dezember 2009 ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestim
mungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und auf
grund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertem
poral
rechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals gel
tenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445
ff.; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 7. Juni 2006 in Sachen M., I 428/04, Erw. 1).
3.
Nach Darstellung der Beschwerdeführerin war eine Perücke zum Preis von Fr. 1'710.-- während und nach einer Chemotherapie im Jahr 2006 notwendig (Urk. 1 und 7/1). Die behandelnde Ärztin Dr.
A._
führte in ihrem Bericht vom
14. August 2009 aus, aufgrund der durchgeführten Chemotherapie mit konse
kutiver Alopezie sei eine Perücke im März 2006 notwendig gewesen (Urk. 7/9). Somit steht fest, dass sich der dem Leistungsbegehren zugrunde
liegende Sach
verhalt im Jahr 2006 ereignet hat, weshalb auch die damals gel
tenden Rechts
normen zu dessen Beurteilung heranzuziehen sind. Gemäss dem bis 31. Dezember 2007 in Kraft gewesenen Art. 48 Abs. 2 aIVG werden die Leistun
gen in Abweichung von Art. 24 Abs. 1 ATSG lediglich für die zwölf der Anmel
dung vorangegangenen Monate ausgerichtet. Entsprechend hätte die Anmel
dung spätestens bis Ende Februar 2007 erfolgen müssen. Da die Beschwerde
führerin ihren Leistungsanspruch indes erst am 15. April 2009 anmeldete, war dieser längst verwirkt.
4.
Weshalb die IV
Stelle der Beschwerdeführerin trotz der klaren Auskunft von Dr.
A._
vom 14. August 2009, wonach eine Perücke bloss im Jahr 2006 notwendig war, Kostengutsprache für eine solche in der Zeit vom 1. Januar 2008 bis 31. Dezember 2010 leistete, ist nicht nachvollziehbar. Dass die IV
Stelle die Übernahme der Kosten der im Jahr 2006 angeschafften Perücke ablehnte, ist allerdings nicht zu beanstanden. Entsprechend ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 300.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).