Decision ID: acb3f115-24a2-496b-92b5-a4ec835f215c
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache versuchte Vergewaltigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, III. Abteilung, vom 21. November 2018 (DG180010)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 24. April
2018 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 17).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 46 S. 48 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen versuchten Vergewaltigung im Sinne
von Art. 190 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Vom Vorwurf der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB in Ver-
bindung mit Art. 180 Abs. 2 lit. b StGB wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 15 Monaten Freiheitsstrafe.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für fünf Jahren des
Landes verwiesen.
6. Es wird keine Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informations-
system angeordnet.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung von
Fr. 3'000.– zuzüglich Zins von 5 % ab 9. Juli 2017 zu bezahlen.
8. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte der Privatklägerin für allfällige Folgekos-
ten seiner von ihm begangenen Straftaten grundsätzlich schadenersatzpflichtig ist.
Zur Feststellung des Umfangs allfälliger Schadenersatzansprüche wird die Privat-
klägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
9. Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. X._, wird für seine Bemühun-
gen und Auslagen mit insgesamt Fr. 9'570.– (inkl. 7.7% MwSt.; Vorverfahren
Fr. 1'987.95; Gerichtliches Verfahren Fr. 7'582.05 [Aktenstudium, Besprechung
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und Plädoyer = 24 Stunden, Hauptverhandlung mit 2x Hin- und Rückweg = 8 Stun-
den]) aus der Gerichtskasse entschädigt.
10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 9'570.00 amtliche Verteidigung
Wird keine Begründung des Urteils verlangt, ermässigt sich die Entscheidgebühr
um einen Drittel.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausser diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der
amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten
bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Prozessentschädigung
von Fr. 3'229.15 (Aufwand 2017: Fr. 281.– inkl. 8% MwSt.; Aufwand 2018:
Fr. 2'948.15 inkl. 7.7% MwSt.) zu bezahlen.
13. (Mitteilungen)
14. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 8 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 47 S. 2, Urk. 70 S. 2)
Das Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 21. November 2018 sei im Sinne
der vor Vorinstanz gestellten Anträge abzuändern.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich; Urk. 52)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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c) Der Vertretung der Privatklägerschaft:
(Urk. 71 S. 1)
Das vorinstanzliche Urteil vom 21. November 2018 sei zu bestätigen.
Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Geschädigten für das Berufungs-
verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 1'116.50 zuzüglich Zeitauf-
wand für die Berufungsverhandlung zu bezahlen.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zu vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 46 S. 4 f.).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 21. November 2018 wurde der
Beschuldigte A._ gemäss dem eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositiv
schuldig gesprochen und bestraft. Gegen das Urteil liess er innert Frist mit
Schreiben vom 26. November 2018 Berufung anmelden (Urk. 40). Ebenfalls mel-
dete die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 21. Dezember 2018 – verspätet –
Berufung an (Urk. 42). Das begründete Urteil wurde dem Beschuldigten in der
Folge am 29. Januar 2019 zugestellt (Urk. 45/2), woraufhin die amtliche Vertei-
digung mit Eingabe vom 12. Juli 2019 fristgerecht die Berufungserklärung beim
hiesigen Gericht einreichte (Urk. 47). Die Staatsanwaltschaft hat keine Beru-
fungserklärung eingereicht.
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 25. Februar 2019 wurde der Privatklägerin so-
wie der Anklagebehörde Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erklären, oder
begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 50). Daraufhin
verzichtete die Anklagebehörde auf eine Anschlussberufung und beantragte die
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 52). Die Privatklägerin stellte mit
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Eingabe vom 12. März 2019 lediglich prozessuale Anträge, ansonsten liess sie
sich nicht vernehmen (Urk. 54).
1.4. Mit Beschluss vom 20. März wurde sodann auf die Berufung der Staats-
anwaltschaft vom 21. Dezember 2018 nicht eingetreten, da ihre Berufungsan-
meldung verspätet erfolgt ist (Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 56).
1.5. Am 25. November 2019 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher
der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt
Dr. iur. X._, sowie die Privatklägerin in Begleitung ihrer Vertreterin, Rechts-
anwältin lic. iur. Y._, erschienen sind (Prot. II S. 8). Vorfragen waren keine zu
entscheiden und – abgesehen von den Einvernahmen der Privatklägerin (Urk. 67)
sowie des Beschuldigten (Urk. 68) – auch keine Beweise abzunehmen (Prot. II
S. 9 f.). Das Urteil erging noch gleichentags und wurde – nach Verzicht der Par-
teien auf eine mündliche Eröffnung – schriftlich eröffnet (Prot. II S. 19 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. In ihrer Berufungserklärung vom 29. Januar 2019 hat die amtliche Verteidi-
gung des Beschuldigten mitgeteilt, das vorinstanzliche Urteil werde vollumfänglich
angefochten (Urk. 47 S. 2). Anlässlich der Berufungsverhandlung beschränkte sie
indes die Berufung ausdrücklich auf die Dispositiv Ziffern 1 (Schuldpunkt), 3 (Stra-
fe), 4 (Vollzug), 5 und 6 (Entscheid Landesverweisung), 7 und 8 (Zivilansprüche),
11 (Kostenauflage) sowie 12 (Entschädigung der Vertretung der Privatklägerin)
(Prot. S. 9 f.).
2.2. Dementsprechend ist das vorinstanzliche Urteil in den Dispositiv Ziffern 2
(Freispruch), 9 (Entschädigung der amtlichen Verteidigung) und 10 (Kosten-
festsetzung) nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen, was vorab
mittels Beschluss festzustellen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO).
2.3. Im übrigen Umfang – für den nicht in Rechtskraft erwachsenen und ange-
fochtenen Teil des Urteils – steht das vorinstanzliche Urteil zwecks Überprüfung
unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes (Verbot der reformatio in peius)
zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO).
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II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Ausgangslage
1.1. Der eingeklagte Sachverhalt stützt sich im Wesentlichen auf die Aussagen
der Privatklägerin (Urk. 4/1; Urk. 4/3; Prot. I S. 7 ff.; Urk. 67). Dem Beschuldigten
wird in der Anklageschrift vom 24. April 2018 Ziff. 1.1. und 1.2. im Wesentlichen
folgendes zur Last gelegt (Urk. 17 S. 2 f.):
1.1.1. Am tt. Juli 2017, um ca. 23.00 Uhr, sei es in der gemeinsamen Wohnung
der Privatklägerin und des Beschuldigten an der ...-Strasse ... in ... [Ortschaft],
als sich das Paar bereits nackt im Bett befunden habe, zu einer verbalen Ausei-
nandersetzung gekommen, anlässlich welcher es auch um die Trennung gegan-
gen sei, welche die Privatklägerin vom Beschuldigten gewünscht habe. Anlässlich
dieser Auseinandersetzung habe der Beschuldigte von der Privatklägerin, seiner
Lebenspartnerin, Sex verlangt, wobei er sie am Körper berührt und sich an sie
geschmiegt habe. Jedoch habe die Privatklägerin den Geschlechtsverkehr mit
dem Beschuldigten abgelehnt. Darauf habe sich der rund 1,80 Meter grosse und
rund 95 kg schwere Beschuldigte auf die rund 1,68 Meter grosse und rund 62 kg
schwere, auf dem Rücken liegende Privatklägerin gesetzt, habe sie an den Hand-
gelenken gepackt und auf diese Weise fixiert. In der Folge habe der Beschuldigte
mit seinen Beinen diejenigen der Privatklägerin auseinandergepresst, um vaginal
in sie eindringen zu können, was ihm jedoch aufgrund der heftigen Gegenwehr
der Privatklägerin, welche die Beine zusammengepresst habe, um das Eindringen
zu verhindern, und die sich mit ihrer ganzen Kraft gegen den Beschuldigten ge-
stemmt habe, nicht gelungen sei. Schliesslich habe der Beschuldigte von der Pri-
vatklägerin abgelassen und daraufhin das Schlafzimmer verlassen. Dabei habe
der Beschuldigte aufgrund der klaren Worte der Privatklägerin sowie ihrer Ge-
genwehr gewusst, dass sie mit dem Geschlechtsverkehr nicht einverstanden ge-
wesen wäre, was ihn jedoch von seinem Handeln nicht abgehalten habe.
1.1.2. Des Weiteren sei der Beschuldigte rund eine Stunde nach diesem Vorfall
ins Schlafzimmer zurückgekehrt und habe sich ins Bett gelegt. Dort habe er von
der Privatklägerin abermals Sex verlangt, was diese jedoch erneut abgelehnt ha-
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be. Daraufhin habe der Beschuldigte sich erneut auf die auf dem Rücken liegende
Privatklägerin gesetzt, diese abermals an beiden Handgelenken gepackt und auf
diese Weise fixiert. In der Folge habe der Beschuldigte mit seinen Beinen diejeni-
gen der Privatklägerin auseinandergepresst, um vaginal in sie eindringen zu kön-
nen, was ihm jedoch aufgrund der heftigen Gegenwehr der Privatklägerin, welche
ihre Beine erneut zusammengepresst habe, um damit ein Eindringen zu ver-
hindern, und die sich mit ihrer ganzen Kraft gegen den Beschuldigten gestemmt
habe, erneut nicht gelungen sei. Schliesslich habe der Beschuldigte von der Pri-
vatklägerin abgelassen und daraufhin das Schlafzimmer verlassen. Dabei habe
der Beschuldigte insbesondere aufgrund der rund eine Stunde zuvor erfolgten
Reaktion der Privatklägerin sowie der heftigen Gegenwehr gewusst, dass sie mit
dem Geschlechtsverkehr nicht einverstanden gewesen wäre, was ihn jedoch nicht
von seinem Handeln abgehalten habe.
1.2. Der Beschuldigte bestritt von Anfang an (Urk. 3/1 S. 3; Urk. 3/2 S. 4 f.;
Urk. 3/3 S. 2 ff.; Prot. I S. 38 ff.) und auch heute (Urk. 68 S, 5 ff.), die ihm vor-
geworfenen Taten begangen zu haben. Unter diesen Umständen ist zu prüfen, ob
der zur Anklage gebrachte und vom Beschuldigten bestrittene Sachverhalt ge-
mäss Ziff. 1.1. und 1.2. der Anklageschrift anhand der erhobenen Beweismittel
rechtsgenügend erstellt werden kann.
2. Vorhandene Beweismittel und deren Verwertbarkeit
Als Beweismittel liegen neben den Aussagen der Privatklägerin (Urk. 4/1;
Urk. 4/3; Prot. I S. 7 ff.; Urk. 67) diejenigen des Beschuldigten (Urk. 3/1; Urk. 3/2;
Urk. 3/3; Prot. I S. 34 ff.; Urk. 68) vor. Weitere Beweismittel sind der Rapport der
Kantonspolizei Zürich (Urk. 1) und die Skizze der Wohnung an der ...-Strasse ...
in ... [Ortschaft] (Urk. 33). Sodann hat die Privatklägerin anlässlich der Beru-
fungsverhandlung eine Abschrift bzw. Übersetzung eines Auszugs des
WhatsApp-Chatverlaufs zwischen ihr und dem Beschuldigten nach dem 9./10. Juli
2017 ins Recht gelegt (Urk. 69). Der Beschuldigte hat auf einem weiteren
Exemplar persönliche Bemerkungen angebracht und dieses ebenfalls eingereicht
(Urk. 73). Schliesslich wurde ein Auszug der WhatsApp-Chat-Konversation zwi-
schen dem Beschuldigten und der Privatklägerin vom 19. Juli 2017, 19.50 Uhr, ab
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dem Mobiltelefon der Privatklägerin anlässlich der Berufungsverhandlung durch
die Dolmetscherin wörtlich übersetzt zu Protokoll genommen (Prot. II S. 13).
Sämtliche erwähnten Beweismittel sind verwertbar.
3. Grundsätze der Beweiswürdigung und zur Würdigung von Aussagen
3.1. Mit den Grundsätzen der Beweiswürdigung, insbesondere der Würdigung
von Aussagen, hat sich die Vorinstanz ausführlich und korrekt befasst, sodass da-
rauf verwiesen werden kann (Urk. 46 S. 5 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zusammen-
fassend ist festzuhalten, dass es am Staat liegt, dem Beschuldigten seine Schuld
nachzuweisen, ohne dass daran vernünftige Zweifel verbleiben. Ist dies nicht
möglich, ist er freizusprechen. Liegen – wie hier – keine unmittelbaren Sachbe-
weise bei den Akten und existieren auch keine Aussagen von Drittpersonen,
kommt der Würdigung der Aussagen der beiden involvierten Personen entschei-
dendes Gewicht zu. Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen hängt zu-
nächst einmal davon ab, ob die Aussagen grundsätzlich überprüfbar sind (formel-
le Validität), ob sie mit anderweitig im Verfahren erhobenen Fakten übereinstim-
men/in Einklang zu bringen sind (externe Validität) und ob sie in sich konsistent
sind (interne Validität). Schliesslich vermag auch die von der Vorinstanz bereits
erwähnte inhaltliche Analyse der einzelnen Aussagen auf das Vorliegen von
Realitätskriterien Anhaltspunkte für deren Glaubhaftigkeit zu liefern.
3.2. Auch bezüglich der Glaubwürdigkeit der einvernommenen Personen kann
grundsätzlich auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 46 S. 7
f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend ist anzumerken, dass der Beschuldigte mut-
masste, die Privatklägerin habe ihn aus der Wohnung vertreiben wollen bzw. sie
belaste ihn zu Unrecht, um einen Grund zu haben, sich zu trennen (Urk. 3/1 S. 3;
Urk. 3/2 S. 5 f.; Prot. I S. 43; Urk. 67 S. 7). Es trifft zu, dass die Privatklägerin woll-
te, dass der Beschuldigte die Wohnung umgehend verlässt (vgl. Urk. 4/1 S. 3;
Urk. 4/2 S. 9; Prot. I S. 27 f.). Die Privatklägerin schilderte indes überzeugend,
dass dieser Wunsch als Folge der Geschehnisse vom 9./10. Juli 2017 entstanden
ist (Prot. I S. 27 f.), was absolut nachvollziehbar ist. So wollte die Privatklägerin
die Wohnung auch nicht langfristig für sich alleine behalten, da sie diese ohnehin
nicht alleine hätte finanzieren können (Prot. I S. 28). Entsprechend ist hier – ent-
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gegen der Vorbringen des Beschuldigten – kein Motiv für eine zu Unrecht erfolgte
Belastung zu erblicken.
4. Aussagen der befragten Personen
4.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin im Rahmen der polizei-
lichen Einvernahme vom 20. Juli 2017 (Urk. 4/1), der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme vom 28. Februar 2018 (Urk. 4/3) sowie anlässlich der vorinstanz-
lichen Hauptverhandlung (Prot. I S. 7 ff.) zu den Geschehnissen in der Nacht vom
9. auf den 10. Juli 2017 korrekt zusammengefasst, worauf zu verweisen ist
(Urk. 46 S. 9 ff.; Art. 82 Abe 4 StPO). Dasselbe gilt für die Aussagen des Be-
schuldigten bei der polizeilichen Einvernahme vom 25. Juli 2017 (Urk. 3/1), bei
den staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen vom 28. Februar 2018 (Urk. 3/2;
Urk. 3/3) sowie anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom
21. November 2018 (Prot. I S. 34 ff.; Urk 34 S. 19 ff.).
4.2. Die Privatklägerin wurde anlässlich der Berufungsverhandlung nochmals
einvernommen. An gewisse Dinge konnte sie sich nicht mehr erinnern. Im We-
sentlichen bestätigte sie ihre früheren Aussagen, insbesondere bekräftigte sie die
von ihr im Rahmen der Untersuchung und vor Vorinstanz konstant geschilderten
Übergriffe in der Nacht vom tt. auf den tt. Juli 2017 im gemeinsamen Schlaf-
zimmer. Insbesondere erklärte sie, die Übergriffe hätten nur kurze Zeit gedauert,
sie könne dies nicht einschätzen, es habe sich um Sekunden gehandelt, vielleicht
30 Sekunden. Die genaue Position des während der Übergriffe über ihr befind-
lichen Beschuldigten konnte sie sodann nicht präzise beschreiben. Des Weiteren
äusserte sie sich zu der Version des Beschuldigten und gab an, diese sei nicht
zutreffend, und sie und der Beschuldigte hätten – entgegen der Behauptungen
des Letzteren – zwei Tage vor den Vorfällen gar keinen Sex gehabt. Sie habe
sich jeweils in einer App notiert, wann sie Sex gehabt hätten, das letzte Mal sei
10 Tage zuvor gewesen. Weiter ergänzte sie, dass sie am nächsten Morgen, als
sie zur Arbeit aufgebrochen sei, kleine Sachen eingepackt habe, was der Be-
schuldigte nicht bemerkt habe. Sie habe dann schon gewusst, dass sie nicht mehr
nach Hause gehen werde. Schliesslich beschrieb sie differenziert, wie sie sich
damals gefühlt hat (Urk. 67).
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4.3. Die Befragung des Beschuldigten an der Berufungsverhandlung ergab kei-
ne neuen Erkenntnisse. Er blieb insbesondere bei seiner Darstellung, wonach er
mit der Privatklägerin habe Sex haben wollen, diese indes abgelehnt habe, wo-
rauf er das Schlafzimmer verlassen habe. Er bestritt weiterhin, versucht zu haben,
gegen den Willen der Privatklägerin Geschlechtsverkehr mit ihr zu haben (Urk. 68
S. 5 ff.).
5. Weitere Beweismittel
5.1. In der anlässlich des Berufungsverfahrens durch die Privatklägerin einge-
reichten Abschrift bzw. Übersetzung eines Auszugs des WhatsApp-Chatverlaufs
zwischen ihr und dem Beschuldigten nach dem tt./tt. Juli 2017 wird festgehalten,
dass der Beschuldigte sich immer wieder bei der Privatklägerin entschuldigt
und sie um Verzeihung gebeten hat. Es wird indes nicht vollends klar, wofür der
Beschuldigte sich entschuldigt bzw. um Verzeihung gebeten hat (Urk. 69). Der
Beschuldigte bestätigte weitestgehend, dass diese Chat-Konversation so zwi-
schen den Parteien stattgefunden hat. An gewisse Text-Nachrichten konnte er
sich indes nicht erinnern (vgl. Urk. 73 und Prot. II S. 11). Sodann kann nichts über
die Vollständigkeit dieses Chatverlaufs gesagt werden. Erinnern konnte sich der
Beschuldigte insbesondere, der Privatklägerin am tt. Juli 2017, 08.02 Uhr, ge-
schrieben zu haben, sie solle heute bitte nach Hause kommen, und am tt. Juli
2017, sie solle nach Hause zurückkommen, er werde sie nicht einmal berühren,
er werde ihr nichts antun, er wisse, dass er nicht alles zurücknehmen könne
(Urk. 73 S. 1).
5.2. In der anlässlich der Berufungsverhandlung durch die Dolmetscherin ab
dem Mobiltelefon der Privatklägerin übersetzten WhatsApp-Konversation zwi-
schen dem Beschuldigten und der Privatklägerin vom 19. Juli 2017 warf die Pri-
vatklägerin dem Beschuldigten vor, zweimal versucht zu haben, sie zu vergewal-
tigen. Darauf antwortete der Beschuldigte mit zwei Textnachrichten in der selben
Minute: "Nein." und "Verzeih, bitte" (vgl. Prot. II S. 13 f.).
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6. Aussagenwürdigung
6.1. Die Vorinstanz hat die zur Verfügung stehenden relevanten Beweismittel
ausführlich gewürdigt. Ihre Beweiswürdigung ist gut nachvollziehbar und über-
zeugt im Gesamten. Die Vorinstanz hat vorliegend die in der Anklage aufgeführ-
ten Tathandlungen gemäss Anklageziffer 1.1. und 1.2. als rechtsgenügend erstellt
betrachtet (Urk. 34 S. 25 f.). Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann
daher vorab auf die insgesamt überzeugende Beweiswürdigung verwiesen wer-
den (Art. 82 Abs. 4 StPO; BGE 141 IV 244). An dieser Stelle soll denn auch ledig-
lich im Sinne einer Zusammenfassung der wichtigsten Erwägungen erneut auf die
Beweislage eingegangen und einzelne ergänzende Gesichtspunkte aufgezeigt
werden:
6.2. Würdigung der Aussagen der Privatklägerin
6.2.1. Vorab ist zu berücksichtigen, dass die Privatklägerin erst am tt. Juli 2017
und damit vier Tage nach dem Vorfall – zur Polizei ging. Sie hat sich nach einer
mündlichen Befragung sowie einem Telefongespräch mit einer Mitarbeiterin des
Dienstes Sexualdelikte der Kantonspolizei Zürich entschieden, vorerst auf eine
Anzeige zu verzichten und zuerst mit dem Beschuldigten das Gespräch zu su-
chen. Dies nachdem der Polizeibeamte ihr gegenüber die Ansicht vertrat, es
handle sich um keine versuchte Vergewaltigung bzw. keine versuchte sexuelle
Nötigung, es komme allerhöchstens eine sexuelle Belästigung in Frage. Der Poli-
zeibeamte hat ihr dieses Vorgehen vorgeschlagen. Am Folgetag kontaktierte die
Privatklägerin sodann erneut die Polizei und erstattete telefonisch Anzeige wegen
sexueller Belästigung (vgl. Urk. 1 S. 1 f.). Die Privatklägerin konnte nachvollzieh-
bar erklären, weshalb sie vorerst mit der Anzeige zugewartet hat, und wie es
schliesslich dennoch zur Anzeigeerstattung gekommen ist. Nach den Gescheh-
nissen in der Nacht vom tt./tt. Juli 2017 verlangte sie vom Beschuldigten, dass er
die Konsequenzen trägt und aus der gemeinsamen Wohnung auszieht. In diesem
Zeitpunkt hatte sie sich noch nicht eingehend mit den Vorfällen und abschliessend
mit der Möglichkeit der Anzeigeerstattung auseinandersetzen können. Sie schil-
dert überzeugend, dass sie nicht glauben konnte, was passiert war. Sie konnte
nicht glauben, dass ein Mensch, der einem so nahe steht, zu einem derartigen
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Verhalten fähig ist. Sodann kam der Beschuldigte der Vereinbarung, die gemein-
same Wohnung zu verlassen, nicht nach. Zudem fühlte sich die Privatklägerin
vom Beschuldigten belästigt, da er sie mit zahlreichen Anrufen sowie WhatsApp-
bzw. Textnachrichten zu kontaktieren versuchte und sie zurückgewinnen wollte.
Die Privatklägerin war mit der gesamten Situation überfordert. Sie wollte nur von
ihm in Ruhe gelassen werden. Des Weiteren zeigte er ihr mit diesem Verhalten,
dass er sich nicht bewusst war, was er ihr tatsächlich angetan hat, und dass er ih-
re Bedürfnisse in dieser schwierigen Situation nicht respektierte. Sie spricht auch
davon, dass er sie mit seinem Verhalten beleidigt habe. Dies veranlasste sie
schlussendlich, dennoch Anzeige zu erstatten. Dass sie dann gestützt auf die Be-
ratung des Mitarbeiters der Polizei vorerst wieder verunsichert wurde, leuchtet
ein. Abgesehen davon besteht keine Pflicht, Delikte gegen die sexuelle Integrität
unverzüglich nach deren Begehung anzuzeigen. Und wie die Vorinstanz zu-
treffend ausgeführt hat, sind die Fälle eher selten, in denen ein Opfer sexueller
Gewalt sofort den Entschluss fällt, eine Anzeige zu erstatten (Urk. 46 S. 18).
6.2.2. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin eingehend und mit der
Nennung von Beispielen analysiert und gesamthaft einer überzeugenden Würdi-
gung unterzogen. Sie hat zusammengefasst Folgendes festgehalten: Die Privat-
klägerin habe das Kernerlebnis konstant gleich geschildert, wobei diese Konstanz
für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spreche. Sodann habe die Privatklägerin
die Handlungsabläufe in hohem Detaillierungsgrad beschrieben und ihre Schilde-
rungen mit originellen Details angereichert, was ebenfalls für die Glaubhaftigkeit
ihrer Aussagen spreche. Des Weiteren falle auf, dass sie sich an gewisse Einzel-
heiten nicht mehr erinnern könne, wobei dies insbesondere das Randgeschehen
betreffe. Die Übergriffe selbst und die Art und Weise, wie sie sich gegen diese
gewehrt habe, sowie was nach diesen Versuchen passiert sei, könne sie hinge-
gen präzis beschreiben. Das Aussageverhalten sei authentisch. Die Erinnerungs-
lücken der Privatklägerin würden somit die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nicht
mindern. Ferner spreche für die Richtigkeit ihrer Aussagen, dass sie den Be-
schuldigten nicht übermässig belaste. So habe sie angegeben, dass es "nur" zu
Vergewaltigungsversuchen gekommen sei, und dass der Beschuldigte, nachdem
sie Gegenwehr geleistet habe, wieder von ihr abgelassen habe. Wären die Ver-
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gewaltigungsvorwürfe konstruiert gewesen, so hätte sie ihn auch sogleich einer
vollendeten Vergewaltigung bezichtigen können. Sodann spreche die umständ-
liche Geschichte, wonach der Beschuldigte sie zweimal zu vergewaltigen ver-
suchte und zwischendurch noch wegen des Lichts ins Schlafzimmer gekommen
sei, dafür, dass sie dies tatsächlich erlebt habe. Das Verhalten der Privatklägerin
unmittelbar nach dem ersten Vorfall, als sie noch durch das Wohnzimmer in die
Küche gelaufen sei, um dort Wasser zu trinken, obwohl sie dies auch im Bade-
zimmer hätte tun können, erstaune auf den ersten Blick, sei indes stimmig mit
dem von ihr gefassten Entschluss, sich möglichst ruhig und unauffällig zu verhal-
ten. Auch sei der Umstand, dass die Privatklägerin nicht schon am tt. Juli 2017
zur Polizei gegangen sei, nachvollziehbar. Das Gericht habe sich aufgrund der
Videoaufzeichnung der staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 28. Februar 2018
sowie aufgrund der Befragung im Rahmen der vorinstanzlichen Hauptverhand-
lung auch in Bezug auf die Körpersprache und die mündliche Ausdrucksweise ei-
nen Eindruck der Privatklägerin verschaffen können. Ihre Aussagen seien authen-
tisch und emotional überzeugend. Dies ergebe sich insbesondere auch aus den
eindrücklichen und lebensnahen Schilderungen ihrer Gefühle während der Über-
griffe. Entsprechend seien ihre Aussagen frei von Lügensignalen und würden
zahlreiche Realitätskriterien aufweisen, weshalb sie bezüglich dieser Vorwürfe
gesamthaft als sehr glaubhaft einzustufen seien (Urk. 46 S. 14 ff.).
6.2.3. Diesen schlüssigen Erwägungen ist beizupflichten. Insbesondere fällt auf,
dass die Privatklägerin praktisch in freier Rede die Geschehnisse der Nacht vom
tt. auf den tt. Juli 2017 chronologisch und anschaulich geschildert hat
(vgl. Urk. 4/3 S. 4 ff.) sowie dass auch bei Rückfragen und damit bei Sprüngen in
der zeitlichen Abfolge das von ihr geschilderte Kerngeschehen gleich blieb. Des
Weiteren ist zu erwägen, dass die Privatklägerin auch zugab, wenn sie etwas
nicht wusste. So erklärte sie auf entsprechende Frage, nicht zu wissen, in wel-
chem Zustand das Glied des Beschuldigten gewesen sei, als er sie an den Hand-
gelenken festgehalten und versucht habe, mit seinen Beinen die ihrigen ausei-
nanderzudrücken (vgl. 4/3 S. 7; Urk. 67 S. 8). Auch konnte sie nicht mit Sicherheit
sagen, ob der Beschuldigte beim zweiten Vorfall den Morgenmantel noch trug
(Prot. I S. 20). Sodann belastete sie den Beschuldigten auch nicht übermässig in
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Bezug auf die Dauer und das Ausmass der Gewaltanwendung. Sie gab an, von
den Vorfällen keine Verletzungen davon getragen zu haben. Ihre Handgelenke
hätten jedoch geschmerzt (Prot. S. 20 f.). Den Umstand, dass die Privatklägerin
nach dem ersten Vorfall durch das Wohnzimmer – wo sich der Beschuldigte be-
fand – in die Küche ging, um Wasser zu trinken, obwohl sie dies auch im Bade-
zimmer gleich neben dem Schlafzimmer hätte tun können, hat die Vorinstanz
nachvollziehbar erklären können (vgl. Urk. 46 S. 17). Anzumerken ist diesbezüg-
lich, dass die Privatklägerin sich hierfür einen Morgenmantel übergeworfen hat.
Sodann ist ergänzend zu erwägen, dass sie von den vorangehenden Ereignissen
noch geschockt war und nicht glauben konnte, was passiert war. Sie gab auch zu
Protokoll, dass sie nie gedacht hätte, dass es dem Beschuldigten einfallen würde,
noch ein zweites Mal ins Schlafzimmer zu kommen (Prot. I S. 23). Vielmehr fürch-
tete sie sich davor, dass der Beschuldigte erneut wütend werden bzw. überreagie-
ren könnte, sofern sie versuchen würde, zu fliehen. Sie ging davon aus, es sei in
der konkreten Situation das Beste, sich normal und ruhig zu verhalten. Ent-
sprechend war Flucht für sie keine Option, zumal sie befürchtete, er würde es
bemerken, da er vom Wohnzimmer aus alle möglichen Fluchtwege im Blick hatte
(vgl. Urk. 33). Des Weiteren wusste sie auch nicht, wohin sie hätte fliehen können
mitten in der Nacht. Sodann führten die Parteien nach dem zweiten Vorfall ein
Gespräch bzw. der Beschuldigte machte der Privatklägerin Vorwürfe. Dann ging
er wieder ins Wohnzimmer aufs Sofa und wünschte der Privatklägerin eine gute
Nacht. Die Situation schien sich somit entspannt zu haben und die Privatklägerin
ging wohl davon aus, dass der Beschuldigte sie nun tatsächlich in Ruhe lassen
würde. Schliesslich zeigt gerade auch dieses erklärungsbedürftige Verhalten der
Privatklägerin, dass es abwegig erscheint, dass sie eine solche Geschichte erfin-
den sollte. Auch wenn in Bezug auf den eingereichten Auszug des WhatsApp-
Chat-Verlaufs keine Angaben zur Vollständigkeit sowie darüber gemacht werden
können, wofür der Beschuldigte sich entschuldigt bzw. um Verzeihung bittet,
stützt dieser Chat-Verlauf, welcher vom Beschuldigte weitestgehend anerkannt
wird, die Version der Privatklägerin. Insbesondere erscheint auch die Reaktion
des Beschuldigten auf den Vorwurf der Privatklägerin, versucht zu haben, sie zu
vergewaltigen, merkwürdig. Diesbezüglich ist indes anzumerken, dass es ande-
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rerseits etwas eigenartig erscheint, dass die Privatklägerin erst Tage später die-
sen Vorwurf dem Beschuldigten macht. Es drängt sich da die Frage auf, ob sie im
Hinblick auf das Strafverfahren versucht hat, eine Aussage zu bekommen, welche
ihre Position stärken könnte.
6.3. Würdigung der Aussagen des Beschuldigten
6.3.1. In Bezug auf die Aussagen des Beschuldigten ist festzuhalten, dass dieser
betreffend das Kerngeschehen dieses konstant in Abrede stellt. Indes ist bei sei-
ner Sachverhaltsdarstellung nicht nachvollziehbar, weshalb die Privatklägerin am
nächsten Morgen überstürzt ihre wichtigsten Sachen packte, die Beziehung per
sofort beendete und mit dem Beschuldigten jeglichen Kontakt vermeiden wollte.
Dies gilt umso mehr, als die beiden doch – trotz Beziehungsproblemen und Tren-
nungsgedanken der Privatklägerin – immer noch zusammen nackt im gemein-
samen Bett geschlafen haben und nur Tage davor auch noch Sex hatten. Wäre
es im Bett tatsächlich nur zu einer weiteren Diskussion über ihre Beziehungs-
probleme gekommen, erschiene die Reaktion der Privatklägerin überstürzt und
entsprechend wenig nachvollziehbar. Auch die vom Beschuldigten noch am Mor-
gen vom tt. Juli 2017 um 08.02 Uhr verschickte WhatsApp-Nachricht, in welcher
er die Privatklägerin bittet, heute nach Hause zu kommen, sofern sie könne, kann
der Beschuldigte mit seiner Version nicht wirklich erklären (Urk. 73 S. 1). Ge-
samthaft betrachtet ergibt die Sachverhaltsdarstellung des Beschuldigten kein
stimmiges Gesamtbild. Es erscheint vielmehr so, dass in jener Nacht tatsächlich
etwas Gravierendes vorgefallen sein muss und der Beschuldigte etwas ver-
schweigt bzw. die Geschehnisse abschwächt. Seine Aussagen erscheinen im
Vergleich zu denjenigen der Privatklägerin wenig glaubhaft.
6.4. Fazit
6.4.1. Die Privatklägerin beschreibt die Ereignisse lebensnah, authentisch und
emotional überzeugend sowie im Kerngeschehen gleich bleibend und stimmig.
Sodann enthalten ihre Aussagen originelle Details und sie sind frei von Übertrei-
bungen. Dass sie diese Übergriffe erfunden haben soll, erscheint – insbesondere
mit Blick auf den von ihr geschilderten Sachverhaltsablauf, wonach es beim blos-
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sen Versuch geblieben ist, wobei sich der Beschuldigte zweimal nacheinander in
der gleichen Weise an ihr zu vergehen versuchte und zwischendrin nochmals ins
Zimmer kam, um das Licht zu löschen – abwegig. Demgegenüber weisen die
Aussagen des Beschuldigten teilweise Widersprüchlichkeiten sowie Ungereimt-
heiten im Ablauf der Geschehnisse in der Nacht vom tt. auf den tt. Juli 2017 auf
und sind insgesamt wenig überzeugend. Entsprechend erscheinen die Bestrei-
tungen des Beschuldigten betreffend die Übergriffe nicht glaubhaft. Aufgrund die-
ser Erwägungen ist auf die überzeugenden und glaubhaften Aussagen der Privat-
klägerin abzustellen. Der Anklagesachverhalt, wie er in der Anklageziffer 1.1. und
1.2. umschrieben ist, ist dementsprechend – mit der nachfolgenden Korrektur –
erstellt. Korrigierend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte sich nicht auf die Pri-
vatklägerin gesetzt hat, zumal die Privatklägerin dies nie behauptet hat. Sie hat
mehrfach ausgesagt, dass er gekniet sei (Urk. 4/3 S. 6; Prot. I S. 14). Anlässlich
der Berufungsverhandlung konnte sie sodann die Position des Beschuldigten
beim Vorfall nicht beschreiben (Prot. II S. 7 f.), weshalb diese diffus geblieben ist.
Entsprechend ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte gekniet oder auf ihr
gelegen ist.
6.4.2. Der Anklagesachverhalt äussert sich nicht zu der Dauer der Übergriffe. Die
Privatklägerin konnte diesbezüglich keine genauen Angaben machen. Teilweise
spricht sie davon, die Vorfälle hätten ca. 30 Sekunden gedauert (Urk. 4/1; Urk. 4/3
S. 4). Andernorts gab sie an, nach kurzer Zeit habe der Beschuldigte von ihr ab-
gelassen (Urk. 4/3 S. 5). Der erste Vorfall habe ein paar Sekunden gedauert, ob
es 30 Sekunden oder eine Minute gewesen seien, könne sie nicht sagen (Urk. 4/3
S. 7). Nach ein paar Sekunden habe er aufgehört (Prot. I S. 12 f.). Anlässlich der
Berufungsverhandlung gab sie sodann zu Protokoll, die Übergriffe seien von kur-
zer Dauer gewesen, sie hätten nur Sekunden gedauert, vielleicht 30 Sekunden,
sie könne das schlecht einschätzen (Prot. II S. 5). Gestützt auf diese sehr vagen
Angaben der Privatklägerin ist zugunsten des Beschuldigten von einer sehr kur-
zen Dauer, während welcher der Beschuldigte die Privatklägerin an den Hand-
gelenken fixierte, auszugehen. Sodann ist festzuhalten, dass der Beschuldigte in
der Folge die Übergriffe einfach abgebrochen hat bzw. von der sich wehrenden
Privatklägerin abgelassen hat.
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6.4.3. Gemäss übereinstimmender Darstellung des Beschuldigten und der Privat-
klägerin wurde in deren – mehrjährigen – intimen Beziehung beim Vorspiel zu
sexuellen Handlungen nicht gesprochen. Vielmehr wurde einfach die körperliche
Nähe des anderen gesucht und bei beidseitigem Interesse ergab sich dann das
Weitere. Auch im konkret interessierenden Tatverlauf suchte der Beschuldigte in
sexueller Absicht die körperliche Nähe der Privatklägerin. Als diese kein Interesse
zeigte und sich sogar körperlich sträubte, kniete oder legte er sich auf die Privat-
klägerin und hielt sie auch an den Handgelenken fest. Sodann versuchte er, seine
Beine zwischen ihre Beine zu drängen. Dieses Verhalten ist klar als übergriffig zu
taxieren. Allerdings reagierte der Beschuldigte auf die physische Gegenwehr der
Privatklägerin dahingehend, dass er – zu seinen Gunsten mutmasslich bereits
nach einer kurzen Zeitspanne von einer halben Minute oder sogar weniger – von
sich aus wieder von ihr abliess. Entsprechend ist davon auszugehen, dass das
Vorgehen des Beschuldigten – jeweils in beiden eingeklagten Fällen – sowohl
zeitlich wie physisch die verlangte Intensität noch knapp nicht erreichte, um objek-
tiv als versuchte Vergewaltigung qualifiziert zu werden.
6.4.4. Letzte Zweifel verbleiben auch in subjektiver Hinsicht dahingehend, ob der
Beschuldigte tatsächlich willens war, den Beischlaf auch zu erzwingen, das heisst
sich über den körperlichen Widerstand der Privatklägerin hinwegzusetzen und
den Geschlechtsverkehr trotz ihrer Gegenwehr zu vollziehen. Konsequenterweise
ist der Beschuldigte vom Vorwurf der mehrfachen versuchten Vergewaltigung
i.S.v. Art. 190 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB freizusprechen.
III. Zivilansprüche
Bei diesem Ausgang fehlt es an einer Rechtsgrundlage für Ansprüche gestützt auf
Art. 41 ff. OR. Die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen der Privatkläge-
rin sind deshalb abzuweisen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Verfahrenskosten werden vom Bund oder dem Kanton getragen, der
das Verfahren geführt hat, soweit sie nicht dem Beschuldigten auferlegt werden
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können. Letzteres ist der Fall bei einer Verurteilung (Art. 423 und 426 Abs. 1
StPO). Wird der Beschuldigte freigesprochen, so können ihm dann Kosten aufer-
legt werden, wenn er die Einleitung des Verfahrens rechtswidrig und schuldhaft
bewirkt oder die Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Die Kosten
des Berufungsverfahrens sind sodann den Parteien nach Massgabe ihres Obsie-
gens und Unterliegens aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
2. Nachdem der Beschuldigte heute vollumfänglich freizusprechen ist, sind die
Kosten der Untersuchung und der gerichtlichen Verfahren vor beiden Instanzen,
einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, auf die Gerichtskasse zu
nehmen, da er die Einleitung des Verfahrens weder rechtswidrig und schuldhaft
bewirkt noch dessen Durchführung erschwert hat.
3. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten, Rechtsanwalt Dr. iur. X._,
reichte am 18. November 2019 ihre Honorarnote betreffend ihre Aufwendungen
im Berufungsverfahren ein (Urk. 65). Die geltend gemachten Aufwendungen und
Auslagen sind ausgewiesen und erweisen sich als angemessen. Dementspre-
chend ist – unter Berücksichtigung eines Zuschlags für die Dauer der Berufungs-
verhandlung samt Nachbesprechung – die amtliche Verteidigung mit pauschal
Fr. 6'000.– (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
4. Ausgangsgemäss hat die Privatklägerin keinen Anspruch auf Entschädigung
für das gesamte Verfahren (vgl. Art. 433 Abs. 1 StPO).
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