Decision ID: 187abc6a-0a35-5b15-8d75-4bfb88ca1096
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 16. Juli 2021 in der Schweiz um Asyl
nach. Am 26. Juli 2021 fand die Personalienaufnahme (PA) statt.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit Eurodac) vom 20. Juli 2021 ergab, dass die Beschwerdeführerin am
14. Juli 2020 bereits in Griechenland ein Asylgesuch eingereicht hatte und
ihr dort am 24. September 2020 Schutz gewährt worden war.
C.
Am 23. Juli 2021 fand eine ärztliche Untersuchung der Beschwerdeführerin
statt, bei der die Diagnosen chronische Kopfschmerzen mit wahrscheinlich
muskulärer Ursache, allergische Nasennebenhöhlenentzündung und
schlechte Zahnhygiene/Zahnstatus gestellt wurden. Ihr wurden Medika-
mente zur Muskelentspannung und Schmerzbehandlung sowie ein Nasen-
spray verschrieben. Zudem wurde eine zahnärztliche Untersuchung emp-
fohlen.
D.
Am 29. Juli 2021 fand das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 vom 23. Mai 2019 (Dublin-Gespräch) statt. In
diesem Rahmen wurde der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zu
einem allfälligen Nichteintretensentscheid und zur Möglichkeit einer Über-
stellung nach Griechenland gewährt.
Hierbei gab sie unter anderem an, am 10. November 2019 aus Somalia
ausgereist und am 3. Dezember 2019 in Griechenland eingereist zu sein.
Anschliessend sei sie im Juli 2021 auf dem Luftweg von Athen nach Italien
gereist und von dort aus weiter mit dem Bus in die Schweiz gelangt. Ihr sei
in Griechenland die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden. Sie sei nach
der Flüchtlingsanerkennung mit anderen Personen aus Afrika in einer be-
helfsmässigen Einrichtung untergekommen, wo sie sich nur nachts hätten
aufhalten dürfen.
Es gehe ihr gesundheitlich nicht gut. Sie leide unter Kopf- und Hüftschmer-
zen sowie Husten. Auch könne sie wegen ihrer Schmerzen am ganzen
Körper nur schlecht schlafen und habe Leberschmerzen. Sie sei wegen
ihrer Schmerzen in Somalia ein Jahr lang im Krankenhaus gewesen, aber
die Ärzte hätten die Ursachen der Schmerzen nicht herausgefunden. Sie
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sei bereits im Bundesasylzentrum wegen ihrer Gesundheitsprobleme beim
Arzt gewesen.
E.
E.a. Am 30. Juli 2021 ersuchte das SEM die griechischen Behörden ge-
stützt auf die Richtlinie 2008/115 EG des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Ver-
fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt-
staatsangehöriger (sog. Rückführungs-Richtlinie) und das Abkommen zwi-
schen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Helleni-
schen Republik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem
Aufenthalt vom 28. August 2006 (SR 0.142.113.729) um Rückübernahme
der Beschwerdeführerin.
E.b. Am 2. August 2021 stimmten die griechischen Behörden dem Rück-
übernahmeersuchen des SEM zu.
F.
F.a. Ebenfalls am 30. Juli 2021 gewährte die Vorinstanz der Beschwerde-
führerin das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Wegweisung nach Grie-
chenland.
F.b. In ihrer Stellungnahme vom 4. August 2021 teilte die Beschwerdefüh-
rerin dem SEM über ihre Rechtsvertreterin mit, die Rückkehr nach Grie-
chenland bereite ihr als alleinstehende Frau ohne finanzielle Mittel grosse
Sorgen, da sie die erneute Konfrontation mit schweren wirtschaftlichen
Problemen sowie Wohnungs- und Arbeitslosigkeit befürchte. Auch seien
ihre gesundheitlichen Probleme in Griechenland nicht behandelt worden.
Wie der medizinischen Untersuchung vom 23. Juli 2021 entnommen wer-
den könne, sei die ärztliche und zahnärztliche Untersuchung noch nicht
abgeschlossen. Die starken Kopfschmerzen würden auf einen Angriff auf
sie durch Asylsuchende in Griechenland im Mai 2020 zurückgehen, als sie
zusammengeschlagen worden sei. Sie sei damals in Griechenland durch
die Schläge auf den Kopf ohnmächtig geworden und ins Krankenhaus ver-
legt worden, dort aber nicht eingehend medizinisch behandelt worden. Sie
habe sich in Griechenland nicht sicher gefühlt, weil es in der Flüchtlingsun-
terkunft, in der sie untergebracht gewesen sei, häufig zu Kämpfen zwi-
schen Asylsuchenden gekommen sei und die griechischen Behörden diese
nicht hätten verhindern oder schlichten können. Nach der Asylgewährung
habe sie ihr Recht auf Unterkunft verloren und von den griechischen Be-
hörden keinerlei Unterstützung erhalten. Es sei davon auszugehen, dass
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sie bei einer Rückkehr nach Griechenland in eine lebensbedrohliche Lage
geraten würde.
G.
Am 9. August 2021 suchte die Beschwerdeführerin wegen Zahnschmerzen
einen Zahnarzt auf.
H.
H.a. Am 9. August 2021 stellte das SEM der Beschwerdeführerin den Ent-
scheidentwurf zu und gewährte ihr das rechtliche Gehör.
H.b. Mit Eingabe vom 11. August 2021 nahm die Beschwerdeführerin Stel-
lung. Sie brachte hierbei erneut vor, gesundheitlich in grossem Masse an-
geschlagen zu sein. Die Ursache ihrer starken Kopfschmerzen sei noch
nicht gefunden und die Medikamente hätten bisher nicht geholfen. Auch
habe sie Schmerzen am ganzen Körper. Sie sei beim Zahnarzt verängstigt
gewesen und habe mangels Anwesenheit eines Dolmetschers die Behand-
lung nicht verstanden, weshalb der Termin habe abgebrochen werden
müssen. Die Behandlung beim Zahnarzt sei noch nicht abgeschlossen.
Auch gehe aus den Unterlagen zum Entscheidentwurf hervor, dass am
26. August 2021 ein weiterer Arzttermin anberaumt worden sei, weshalb
die medizinische Situation noch nicht hinreichend klar erstellt sei. Es werde
zudem um Einsicht in das diesbezüglich als intern klassifizierte Dokument
ersucht. Auch leide sie nach wie vor unter den andauernden Kopfschmer-
zen, die sie seit dem Übergriff in Griechenland habe. Seit diesem Ereignis
habe sie sich in Griechenland nicht mehr getraut, sich draussen zu bewe-
gen. Sie sei zudem durch ihre belastenden Lebensumstände in Somalia
sehr geprägt. Nach Erteilung der Aufenthaltserlaubnis habe sie von den
griechischen Behörden keinerlei Unterstützung mehr erhalten. Wie aus
verschiedenen Menschenrechtsberichten hervorgehe, drohten ihr, die als
besonders vulnerabel einzustufen sei, schlechte Lebensbedingungen und
sie könne nicht mit Unterstützung durch die Behörden rechnen. Die grie-
chische Politik bestehe vielmehr darin, Personen mit Schutzstatus als au-
tonom einzustufen und keinerlei Unterstützungs- oder Integrationsmass-
nahmen vorzusehen. Die von ihr geschilderten Missstände, unter denen
sie in Griechenland habe leben müssen, würden sich mit den verschiede-
nen Menschenrechtsberichten decken. Gemäss den allgemeinen Berich-
ten sei der Zugang zu einer Unterbringung äusserst schwierig und es sei
praktisch keine medizinische Betreuung erhältlich. Auch sei zu betonen,
dass sich verschiedene europäische Behörden an die EU-Kommission ge-
wandt hätten wegen ernsthafter Zweifel an der rechtlichen Vereinbarkeit
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der Lebensbedingungen und Unterbringungsstandards mit Art. 3 EMRK
und Art. 4 EU-Charta. Auch sei nochmals zu betonen, dass sie über kein
soziales Netz, keine schulische Bildung und kaum Englisch-Sprachkennt-
nisse verfüge. Zudem sei sie durch die Erlebnisse psychisch stark belastet.
Sie müsse bei einer Wegweisung mit Lebensumständen rechnen, die ge-
gen Art. 3 EMRK verstiessen.
I.
Mit Verfügung vom 11. August 2021 – eröffnet am 12. August 2021 – trat
das SEM auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, wies sie
aus der Schweiz weg und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt
der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, ansonsten sie in Haft genom-
men und unter Zwang nach Griechenland zurückgeführt werde. Gleichzei-
tig beauftragte das SEM den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der
Wegweisung und händigte der Beschwerdeführerin die editionspflichtigen
Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung fest, der Bundesrat
habe Griechenland als sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b
AsylG (SR 142.31) bezeichnet. Abklärungen hätten ergeben, dass der Be-
schwerdeführerin in Griechenland die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt
worden sei, und die griechischen Behörden hätten sich bereit erklärt, sie
zurückzunehmen. Griechenland habe ihr damit bereits Schutz vor Verfol-
gung gewährt und sie könne dorthin zurückkehren, ohne eine Rückschie-
bung in Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips befürchten zu müssen.
Es sei daher – und mangels Feststellungsinteresse im Sinne von Art 25
Abs. 2 VwVG – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG nicht auf ihr
Asylgesuch einzutreten. Weder die in Griechenland herrschende Situation
noch andere Gründe würden zudem gegen den Vollzug der Wegweisung
sprechen.
Die von der Rechtsvertreterin zitierten Berichte zur allgemeinen Situation
in Griechenland würden eine unvollständige Beschreibung der Zustände
darstellen und seien nicht neutral. Die Beschwerdeführerin habe bei den
Arztbesuchen zahlreiche Gelegenheiten gehabt, ihre medizinischen Prob-
leme zu schildern. Dass sie an Kopfschmerzen leide, liesse nicht den
Schluss zu, dass eine Verletzung von Art. 3 EMRK drohte. Falls ein medi-
zinischer Notfall vorliegen sollte und sich ihr Gesundheitszustand unter den
Kopfschmerzen drastisch verschlechtern sollte, müsste sie ein entspre-
chendes ärztliches Attest zum Beleg vorlegen. Es gäbe aber keine objekti-
ven Anhaltspunkte, wonach die medizinische Untersuchung in ihrem Fall
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unzureichend gewesen sei. Vorliegend sei die hohe Schwelle des Art. 3
EMRK nicht erreicht. Das mögliche Risiko eines Lebens in prekären Ver-
hältnissen in Griechenland bei Aufnahmeverhältnissen, die nicht denen in
der Schweiz entsprächen, stelle keine Verletzung von Art. 3 EMRK dar.
Bezüglich der von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Übergriffe auf
sie sei darauf hinzuweisen, dass sie bei entsprechenden Angriffen ver-
pflichtet sei, bei den griechischen Behörden Anzeige zu erstatten. Grie-
chenland verfüge über einen funktionierenden Polizei- und Justizapparat.
In Bezug auf die Aufnahmebedingungen sei festzuhalten, dass die schwie-
rigen ökonomischen Lebensbedingungen der Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzuges nicht entgegenstünden. Griechenland habe die Qualifikati-
onsrichtlinie umgesetzt. Dadurch würden ihr notfalls auch einklagbare An-
sprüche in Bezug auf Sozialleistungen und Wohnraum zustehen. Zudem
würden neben staatlichen Strukturen, die primär existenzielle Bedürfnisse
abdecken würden, private und internationale Organisationen bestehen.
Soziale oder wirtschaftliche Schwierigkeiten, welche bestehen könnten,
würden die dortige Bevölkerung generell betreffen.
Sollten der Beschwerdeführerin Unterstützungsleistungen verweigert wer-
den, sei sie gehalten, ihre Rechte unmittelbar direkt bei den griechischen
Behörden einzufordern und gerichtlich geltend zu machen. Das Fehlen ei-
nes sozialen oder familiären Beziehungsnetzes in Griechenland mache
den Wegweisungsvollzug nicht unzumutbar, zumal sich aus den Unterla-
gen ein solches auch für die Schweiz nicht ergäbe.
J.
Am 12. August 2021 fand eine Zahnbehandlung der Beschwerdeführerin
statt.
K.
Die Beschwerdeführerin erhob gegen die vorinstanzliche Verfügung vom
11. August 2021 mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 19. August 2021
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragte, die ange-
fochtene Verfügung sei aufzuheben und das SEM anzuweisen, auf das
Asylgesuch einzutreten und dieses materiell zu prüfen, eventualiter sei die
Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen. In prozessualer
Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
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Zur Begründung machte die Beschwerdeführerin geltend, zahlreichen Be-
richten sei zu entnehmen, dass sie nicht mit Unterstützung durch die grie-
chischen Behörden in Bezug auf eine adäquate Unterkunft, finanzielle Un-
terstützung und den Zugang zu ärztlicher Behandlung rechnen könne. Die
schlechte wirtschaftliche Lage treffe sie überdurchschnittlich, da sie beson-
ders vulnerabel sei. Auch unterlasse es die Vorinstanz, die Situation der
Pandemie zu würdigen. Die Beschwerdeführerin habe glaubhaft geschil-
dert, dass sie keine Unterstützung durch die griechischen Behörden erhal-
ten habe. Zudem verfüge sie über kein soziales Netzwerk und keine
Sprachkenntnisse, die ihr einen autonomen Zugang zum Arbeits- und Woh-
nungsmarkt gewähren würden, und sei durch die jahrelangen Belastungen
der ärmlichen Lebensumstände in Somalia geprägt. Eine Überstellung
nach Griechenland verstiesse gegen Art. 3 EMRK; es sei daher auf das
Asylgesuch einzutreten.
Weiter sei der Untersuchungsgrundsatz verletzt, da der Gesundheitszu-
stand insbesondere wegen der unklaren Ursache der Kopfschmerzen und
angesichts der Tatsache, dass am 26. August 2021 noch ein Arzttermin
anberaumt sei, nicht abschliessend abgeschätzt werden könne. Die Vor-
instanz wäre gehalten gewesen, weitere Abklärungen zu tätigen oder zu-
mindest Zusicherungen für eine Unterkunft und Betreuung seitens der grie-
chischen Behörden einzuholen.
Der Beschwerde lag ein Ausdruck eines Briefes von Vertretern verschiede-
ner europäischer Staaten an die EU-Kommission vom 1. Juni 2021 bei.
L.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
20. August 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Am
gleichen Tag bestätigte dieses den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor dem SEM teilgenommen, ist durch
die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdi-
ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist da-
her zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs.1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz
zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (BVGE 2012/4 E. 2.2
m.w.H.).
2.3 Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem
Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
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4.
4.1 In der Beschwerde wird eventualiter beantragt, wegen unvollständiger
Sachverhaltsfeststellung die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sein
könnte, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl.
BVGE 2013/34 E. 4.2).
4.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, zum jetzigen Zeitpunkt sei der
gesundheitliche Zustand unklar, da gemäss der Notiz F2 vom 23. Juli 2021
nicht hinreichend geklärt sei, was die Ursache ihrer Kopfschmerzen sei.
Auch gehe aus den Unterlagen des Entscheidentwurfes hervor, dass am
26. August 2021 ein weiterer Termin folgen werde, woraus zu schliessen
sei, dass der Gesundheitszustand nicht hinreichend geklärt sei. Auch habe
sie glaubhaft dargelegt, frauenspezifischer Gewalt ausgesetzt gewesen zu
sein, was die Vorinstanz weiter hätte abklären und würdigen müssen, auch
hinsichtlich der Auswirkungen auf ihren psychischen Gesundheitszustand.
Der noch ausstehende Arzttermin wäre abzuwarten gewesen, um zu beur-
teilen, welcher langfristigen Behandlung sie bedürfe.
4.3 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellt die Asylbehörde den
Sachverhalt von Amtes wegen fest. Dabei muss die Behörde die für das
Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunterlagen beschaffen, die rechtlich
relevanten Umstände abklären und darüber ordnungsgemäss Beweis füh-
ren. Die unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
kann nach Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b
AsylG gerügt werden. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn
die Behörde trotz der geltenden Untersuchungsmaxime den Sachverhalt
nicht von Amtes wegen abgeklärt hat, oder nicht alle für den Entscheid we-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt worden sind (vgl. dazu BENJAMIN
SCHINDLER, in: Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 49 N 29). Ihre
Grenze findet die Untersuchungspflicht der Behörde in der Mitwirkungs-
pflicht der asylsuchenden Person (Art. 13 Abs. 1 VwVG und Art. 8 Abs. 1
AsylG).
4.4 Im ärztlichen Kurzbericht des Bundesasylzentrums vom 23. Juli 2021
wurden die Diagnosen chronische Kopfschmerzen mit wahrscheinlich
muskulärer Ursache, allergische Nasennebenhöhlenentzündung und
schlechte Zahnhygiene/Zahnstatus gestellt (vgl. Akte SEM [...]-12/2; oben
Sachverhalt Bst. C). Die Beschwerdeführerin erhielt entsprechende Medi-
kamente. Am 12. August 2021 wurde ihr sodann ein kariöser Zahn gezo-
gen; eine Nachbehandlung fand am 17. August 2021 statt (vgl. Akte SEM
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34/3). Im Dublin-Gespräch brachte die Beschwerdeführerin zudem
Schmerzen am ganzen Körper, Leberschmerzen und Husten vor (vgl. Akte
SEM 15/2; oben Sachverhalt Bst. D). Auch wenn noch ein weiterer Arztter-
min beim Allgemeinarzt am 26. August 2021 (vgl. Akte SEM 29/2) anstand,
so ist aus den vorliegenden Akten – entgegen der in der Beschwerde ver-
treten Meinung – nicht ersichtlich, dass die Ursache der Kopfschmerzen
noch weiter abgeklärt werden müsste. Die vorliegenden Berichte lassen
insbesondere nicht den Schluss zu, dass es sich um erhebliche Gesund-
heitsprobleme handle, die noch abklärungsbedürftig wären. Das SEM hat
die ärztlichen Kurzberichte entgegengenommen und die gesundheitlichen
Beschwerden in der angefochtenen Verfügung gewürdigt (vgl. angefoch-
tene Verfügung, S. 5 ff.) Mit der Stellungnahme an das SEM wurden im
Weiteren keine Arztberichte eingereicht oder Beschwerden aufgezeigt, die
auf erhebliche Gesundheitsbeschwerden hinweisen würden. Die Vo-
rinstanz hatte demnach keinen Anlass, die gesundheitlichen Beschwerden
von sich aus zusätzlich weiter abzuklären (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.2).
Vor diesem Hintergrund erweist sich die Kritik, das SEM habe den Sach-
verhalt nicht vollständig erfasst und nicht hinreichend abgeklärt, als unbe-
rechtigt. Die Beschwerdeführerin substantiiert denn auch auf Beschwerde-
ebene nicht, welche weiteren Abklärungen das SEM betreffend den medi-
zinischen Sachverhalt hätte machen sollen. Die alleinige Tatsache, dass
noch ein weiterer Arztbesuch beim Allgemeinarzt ansteht, lässt vorliegend
nicht den Schluss auf erhebliche Gesundheitsprobleme oder einen unge-
klärten Sachverhalt zu. Der Umstand, dass das SEM in seiner Einschät-
zung zur gesundheitlichen Versorgung in Griechenland einer anderen Linie
folgt, als von der Beschwerdeführerin vertreten, spricht sodann nicht für
eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung.
Hinsichtlich der – unsubstantiiert – vorgebrachten Übergriffe auf die Be-
schwerdeführerin ist darauf hinzuweisen, dass sie – wie dies bereits die
Vorinstanz ausgeführt hat – gehalten gewesen wäre, sich schutzsuchend
an die griechischen Behörden zu wenden und Anzeige zu erstatten. Soweit
die Übergriffe in Griechenland von ihr als Ursache ihrer ungeklärten
Schmerzen hingestellt werden, ist darauf hinzuweisen, dass sie im Dublin-
Gespräch vorgebracht hatte, bereits in Somalia wegen Schmerzen im
Krankenhaus gewesen zu sein (vgl. Akte SEM 15/2). Es sei bereits an die-
ser Stelle festgehalten, dass, sollte sich die Beschwerdeführerin nach ihrer
Rückkehr nach Griechenland vor Übergriffen durch Privatpersonen fürch-
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ten, sie sich an die zuständigen Behörden wenden kann, zumal Griechen-
land ein Rechtsstaat ist, der über einen funktionierenden Polizei- und Jus-
tizapparat verfügt (vgl. nachfolgend E. 5.4.5).
4.5 Die formelle Rüge erweist sich demnach insgesamt als unbegründet.
Es besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aufzuheben
und die Sache an das SEM zurückzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der Re-
gel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a
Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann,
in welchem sie sich vorher aufgehalten hat.
5.2 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Griechenland um einen verfolgungssicheren Drittstaat im
Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt. Den vorinstanzlichen Akten
ist sodann zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin in Griechenland
als Flüchtling anerkannt wurde und die griechischen Behörden ihrer Rück-
übernahme ausdrücklich zustimmten. Demnach sind die Voraussetzungen
für einen Nichteintretensentscheid nach Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG erfüllt,
weshalb das SEM auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu Recht
nicht eingetreten ist.
5.3
5.3.1. Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie.
5.3.2. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet.
5.4
5.4.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
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Seite 12
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
5.4.2. Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtli-
che Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
5.4.3. Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten – wie
Griechenland einer ist – die Vermutung, dass diese ihre völkerrechtlichen
Verpflichtungen, darunter im Wesentlichen das Refoulement-Verbot und
grundlegende menschenrechtliche Garantien, einhalten (vgl. FANNY
MATTHEY, in: Cesla Amarelle/Minh Son Nguyen, Code annoté de droit des
migrations, Bern 2015, Art. 6a AsylG N 12 S. 68). Es obliegt der betroffe-
nen Person, diese beiden Legalvermutungen umzustossen. Dazu hat sie
ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen, dass die Behörden des in
Frage stehenden Staates im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr
nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen
Lebensumständen aussetzen würden respektive, dass sie im in Frage ste-
henden Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftli-
cher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde
(vgl. statt vieler das Urteil des BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017
E. 4).
5.4.4. Das Gericht geht in konstanter Rechtsprechung grundsätzlich davon
aus, dass Griechenland als Signatarstaat der EMRK, des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105)
und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht-
linge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar
1967 (SR 0.142.301) seinen entsprechenden völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nachkommt. Das Vorliegen eines Vollzugshindernisses unter dem
Aspekt der Zulässigkeit bei Personen, denen von den griechischen Behör-
den ein Schutzstatus verliehen wurde, wird vom Bundesverwaltungsgericht
praxisgemäss nur dann bejaht, wenn im jeweiligen Einzelfall konkrete An-
haltspunkte für Völkerrechtsverletzungen vorliegen. Das Gericht erkennt
an, dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig sind. Dennoch
ist gemäss Rechtsprechung diesbezüglich nicht von einer generellen un-
menschlichen oder entwürdigenden Behandlung von Schutzberechtigten
im Sinne von Art. 3 EMRK auszugehen (so insbesondere Urteil des BVGer
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D-559/2020 vom 13. Februar 2020 E. 8.2 m.w.H. [als Referenzurteil publi-
ziert]). Die bekannten Unzulänglichkeiten treten nicht in einer Weise auf,
welche darauf schliessen lassen, dass Griechenland grundsätzlich nicht
gewillt oder nicht fähig sei, Schutzberechtigten die ihnen zustehenden
Rechte und Ansprüche zu gewähren, beziehungsweise dass diese bei Be-
darf nicht auf dem Rechtsweg durchgesetzt werden könnten (vgl. beispiels-
weise Urteile des BVGer E-2508/2020 vom 24. September 2020 und E-
319/2021 vom 27. Januar 2021). Im Falle einer Verletzung der Garantien
der EMRK steht zudem gestützt auf Art. 34 EMRK nach wie vor der Rechts-
weg an den EGMR offen (a.a.O. E. 8.2).
5.4.5. Im vorliegenden Fall liegen keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür
vor, dass für die Beschwerdeführerin persönlich ein "real risk" bestehen
würde, bei einer Rückkehr nach Griechenland dort einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt zu werden
So hat die Beschwerdeführerin nicht erwähnt, dass sie bei den griechi-
schen Behörden um entsprechenden Schutz ersucht habe. Ausserdem ist
nicht ersichtlich, dass sie rechtlich gegen eine Verweigerung von Unterstüt-
zungsleistungen vorgegangen wäre. Die blosse Möglichkeit, in nicht ab-
sehbarer Zeit aus nicht vorausschaubaren Gründen in eine derart missli-
che Lebenssituation getrieben zu werden, die einer Aussetzung einer exis-
tenziellen Notlage und andauernden menschenrechtswidrigen Behandlung
gleichkäme, vermag die Schwelle zu einem entsprechenden "real risk"
nicht zu überschreiten.
Gemäss Praxis des EGMR kann der Vollzug der Wegweisung eines abge-
wiesenen Asylsuchenden mit gesundheitlichen Problemen im Einzelfall ei-
nen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen; hierfür sind jedoch ganz aus-
sergewöhnliche Umstände Voraussetzung (vgl. Urteil Paposhvili gegen
Belgien vom 13. Dezember 2016, 41738/10 §183). Eine solche Situation
ist vorliegend nicht gegeben. Die Beschwerdeführerin weist mit ihren zwar
sicherlich schmerzhaften Erkrankungen aktuell keine gesundheitlichen Be-
schwerden auf, welche im Sinne der genannten Rechtsprechung relevant
sein könnten. Griechenland hat sich sodann völkerrechtlich verpflichtet,
Asylsuchenden und ausländischen Personen mit einem Schutzstatus die
erforderlichen medizinischen Behandlungen zur Verfügung zu stellen (vgl.
Urteil des BVGer E-3110/2020 vom 24. Juni 2020 E. 7.4 S. 13 f.). Die Be-
schwerdeführerin ist gehalten, bei Bedarf medizinischer Behandlung die ihr
zustehenden Rechte einzufordern und nötigenfalls auf dem Rechtsweg
durchzusetzen.
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In Bezug auf die von der Beschwerdeführerin geschilderten Übergriffe
durch Asylsuchende ist festzuhalten, dass Griechenland ein Rechtsstaat
ist, der über einen funktionierenden Polizei- und Justizapparat verfügt (vgl.
das Referenzurteil des BVGer D-559/2020 vom 13. Februar 2020 E. 9.2).
Die Beschwerdeführerin wäre somit in Bezug auf die erlebten Übergriffe
gehalten gewesen, in Griechenland Anzeige gegen die Täter zu erstatten.
5.4.6. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zulässig.
5.5
5.5.1. Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht die Vermutung, dass eine
Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist (vgl.
Anhang 2 der Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung so-
wie der Landesverweisung von ausländischen Personen [VVWAL,
SR 142.281]). Der Bundesrat ist – auch in Anbetracht der gegenwärtigen
Asylpolitik Griechenlands – auf seine diesbezügliche Einschätzung, welche
periodisch zu überprüfen ist (vgl. Art. 83 Abs. 5bis AIG), bisher nicht zurück-
gekommen.
5.5.2. Die Vorinstanz hat zutreffend auf die Verpflichtungen Griechenlands
gegenüber Schutzberechtigten bezüglich Unterbringung, medizinischer
Versorgung, Sozialhilfe und Erwerbstätigkeit hingewiesen, welche sich ins-
besondere aus der Qualifikationsrichtlinie sowie auch aus der Flüchtlings-
konvention ergeben. Das Bundesverwaltungsgericht geht nach wie vor da-
von aus, dass Personen mit Schutzstatus griechischen Bürgerinnen und
Bürgern in Bezug auf Fürsorge, den Zugang zu Gerichten und den öffent-
lichen Schulunterricht respektive mit anderen Ausländern und Ausländerin-
nen beispielsweise in Bezug auf Erwerbstätigkeit oder die Gewährung ei-
ner Unterkunft gleichgestellt sind (vgl. Art. 16-24 FK). Die Schutzberechtig-
ten können sich auf die Garantien in der Qualifikationsrichtlinie berufen. Es
darf von der Beschwerdeführerin erwartet werden, sich bei Unterstützungs-
bedarf an die griechischen Behörden zu wenden und die erforderliche Hilfe
nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Auch wenn eine adäquate
Eingliederung der Beschwerdeführerin in die sozialen Strukturen Griechen-
lands als anerkannter Flüchtling mit nicht zu verkennenden Erschwernis-
sen verbunden ist, vermögen ihre Vorbringen die Anforderungen an eine
konkrete Gefährdung nicht zu erfüllen.
5.5.3. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich auch unter Berücksichti-
gung des Gesundheitszustandes als zumutbar. Den Akten ist zu entneh-
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men, dass die Beschwerdeführerin an Schmerzen am ganzen Körper, ins-
besondere chronischen Kopfschmerzen und Zahnschmerzen leidet, wobei
ihr ein Zahn gezogen wurde und sie die notwendige Medikation erhielt (vgl.
Akte SEM [...]-12/2, 15/2, 27/2, 34/3). Den Akten sind keine Hinweise da-
rauf zu entnehmen, dass eine adäquate Behandlung dafür in Griechenland
nicht gegeben wäre. Die mit dem Vollzug der Wegweisung beauftragten
schweizerischen Behörden haben im Übrigen die griechischen Behörden
vor der Durchführung der Wegweisung über allfällige besondere medizini-
sche Bedürfnisse jeweils zu informieren und diesen Umständen bei der
Bestimmung geeigneter Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen.
5.5.4. Nach dem Ausgeführten erweisen sich die Vorbringen der Be-
schwerdeführerin gegen den Wegweisungsvollzug unter dem Aspekt der
Zumutbarkeit ebenfalls als unbegründet.
5.6 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG
möglich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme der Be-
schwerdeführerin ausdrücklich zugestimmt haben, sie dort aufgrund ihrer
anerkannten Flüchtlingseigenschaft über eine Aufenthaltsbewilligung ver-
fügt und den Akten keine Hinweise auf eine Reiseunfähigkeit zu entneh-
men sind. Der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin kann bei
Bedarf bei der Ausgestaltung der Vollzugsmodalitäten angemessen Rech-
nung getragen werden.
Schliesslich steht auch die Covid-19-Pandemie dem Wegweisungsvollzug
nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein tem-
poräres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten
durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa der
Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Griechenland angepasst wird.
5.7 Zusammenfassend hat das SEM zu Recht den Wegweisungsvollzug
nach Griechenland als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet, wes-
halb die Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht fällt.
6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
7.
7.1 Der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses er-
weist sich mit vorliegendem Urteil als gegenstandslos.
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7.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65
Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich die Beschwerde entsprechend den
vorstehenden Erwägungen bereits bei Eingang des Begehrens, unbese-
hen der finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin, als aussichtlos
erwiesen hat. Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von
Fr. 750.– der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 1‒3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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