Decision ID: 2c945152-6a89-4ec0-8588-9bd2e7ca4702
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1973 geborene
X._
,
ohne Ausbildung und
Mutter von vier Kindern (
geboren
1992, 1993, 2000, 2002)
,
meldete sich am 28. November 2014 unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/2).
Die Sozialversicherungs
an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm erwerbliche und medizinische Abklä
rungen vor und informierte die Versicherte a
m 21. April 2015 darüber, dass auf
grund
des
Gesundheitszustand
s
aktuell
keine
beruflichen
Eingliederungsmass
nah
men möglich seien (Urk. 8/14).
Im Januar 2016
veranlasste
sie
eine Abklä
rung
betreffend beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt
in der Woh
nung der Versicherten
(
Bericht
vom
8. Februar 2016
, Urk.
8/34
) sowie betreffend
Hilflosenentschädigung
für Erwachsene (Bericht vom 15. Februar 2016, Urk.
8/39). Am 2. Mai
2016
wies die IV-Stelle einen Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
ab.
Die
Durchführung beruflicher
Eingliederungsmassnahmen
erachtete sie am 5.
Okto
b
er 2016 erneut nicht für möglich
(Urk. 8/42, Urk. 8/55). In der Folge be
auftragte
sie
beim
Y._
ein polydiszi
pli
näres
Gutachten (Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie un
d Psychotherapie, Rheu
ma
tologie
und
Neuropsychologie; Expertise vom 5. Februar
2018, Urk. 8/102/1-87).
Am 19. Febru
ar sowie 4. April 2018 beantworteten die
Y._
-Gutachter die von der
IV-Stelle am 14. Februar und 12. März 2018 gestellten Fragen (Urk. 8/104-106). Mit Vorbescheid vom 15. Mai 2018 (Urk. 8/108) stellte die IV-Stelle die Abwei
s
ung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen die Versicherte am
23. Mai 2018
Einwand (Urk. 8/110, Urk. 8/122) erhob. In der Folge gingen bei der IV-Stelle mehrere ärztliche Beri
chte (Urk. 8/115, Urk. 8/121/1-28
)
ein
. Am 12. September 2018 (Urk. 2) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 15. Oktober 2018 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die
Verfügung vom 12. September 2018 sei aufzuheben und ihr mit Wirkung ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt eine Invalidenrente zuzusprechen. Eventuell sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen. In formeller Hinsicht stellte sie das Gesuch um unent
geltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (S. 2).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
ge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbsein
kom
men zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus
(vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
geh
end objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit, dass sich aufgrund der
Y._
-Expertise ergeben habe, dass während der gesamten Gutachtenssituation ein erhebliches Aggravationsverhalten vorhanden gewesen sei und aus objektiver Sicht keine Auslöser für die geklagten Schmerzen
nach
weisbar gewesen sein
. Zusätzlich habe trotz angeblich starker Schmerzen eine dreistündige Untersuchung ohne erkennbare körperliche Beeinträchtigung im Sitzen durchgeführt werden können. Im Weiteren sei eine Medikamenten
ein
nah
me trotz starker geschilderter Beeinträchtigung nicht erfolgt respektive es
hätten
keine Abbaustoffe der Medik
amente nachgewiesen werden können. In der neu
rologischen Untersuchung habe
schliesslich
aufgrund der mangelnden Mitarbeit keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durchgeführt werden können (S.
1 f.)
.
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Stand
p
unkt (Urk. 1),
die sogenannte «Ressourcenprüfung durch den Rechtsanwender»
stelle eine klare Ermessensverletzung dar, nachdem
sich sämtliche medizinische Fachpersonen betreffend die gesundheitlichen Beschwerden und deren Auswirkungen auf die
Leistungsfähigkeit einig gewesen seien. Die Beschwerdegegnerin habe ihr Ermes
sen überschritten,
als
sie sich über die klaren Einschätzungen ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) hinweg
ge
setz
t
und diese nach Belieben durch eigene Einschätzungen auf Stufe Sachbearbeitung erse
tzt habe
. Im Weiteren hätten die Gutachter und der RAD i
m Einklang mit BGE 143 V 409, 4
18 eine ergebnisoffene Gesamtbetrachtung vorgenommen, weshalb es nicht angehe, wenn auf Stufe Sachbearbeitung in der Folge auf einzelne Indikatoren und mögliche Inkonsi
stenzen fokussiert werde. Dies lasse sich weder mit der Aufgabenteilung zwischen Medizin und Recht rechtfertigen
,
noch lägen tatsächliche Ausschlussgründe vor (S. 5 f. Ziff. 6 f.).
3.
3.1
3.1.1
Die
Y._
-Gutachter nannten in ihrem pol
ydisziplinären Gutachten vom 5.
Febru
ar
2018 (Urk. 8/102/1-87) folgende Diagnosen (S. 77 f.):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
hyposensitive,
hyperkapazitäre
,
normokontraktile
,
normoaktive
Harnblase mit
-
Überlauf-Harninkontinenz bei geringer Blasenhalsinsuffizienz
-
Endometriose
-
Status nach multiplen
urogynäkologischen
Voroperationen
-
Status nach
Kolposuspension
nach
Cowan
, postoperativer
suprasym
physärer
Wundinfekt mit Nachweis von
Staphylococcus
lugdunsensis
-
Status nach Entfernung des
periurethralen
Bandmaterials,
Introitus
rekonstruktion
,
laparoskopischer
Salpingektomie
beidseitig bei
Sak
to
sal
pinx
beidseitig und Narbe
n
korrektur
suprasymphysär
03/2013
-
Status nach Ent
fernung einer
suprasymphy
sären
REMEEX-Nach
stell
winde bei Abszedierung und Nachweis von ESBL, Sekundärheilung 05/2012
-
Status nach Teilexzision des TOT und Einlage eines nachjustierbaren,
suburethralen
Schlingensystems REMEEX bei vaginaler Banderosion und
Dyspareunie
02/2012
-
Status nach Einlage einer
transobturatorischen
suburet
hr
alen
Schlinge
(T
OT) bei Belastungsinkontinenz 09
/2011
-
Status nach
Introit
uskorrektur
und vaginaler Raffun
g 12/2008
-
Status nach
Laser
konis
ation
bei CIN 1998
-
Status nach Tubensterilisation 2002
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
-
posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, ICD-10 F43.1)
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
M
itralklappenprolaps
mit/bei:
-
myx
oma
tös
veränderten
Mitralsegel
-
maximal mitt
e
lschwerer
meso
-telesystol
ischer Insuffizienz
-
normaler systolischer Funktion des nicht hypertrophen linken Ventrikels
-
Ausschluss einer signifika
n
ten
myokardialen
Ischämie
-
Adipositas Grad I nach WHO
-
Hypercholesterinämie
-
periodic
limb
movement
disord
er
(PLMD)
-
part
ielle Fibromy
al
gie im Rahmen eines nicht näher spezifizierbaren weich
teilrheumatischen Beschwerdesyndroms
-
ohne strukturelles oder somatisches Korrelat bei
-
erheblicher globalmuskulärer Insuffizienz mit Fehlhaltung und
Dekon
ditio
nierung
-
Panikstörung (ICD-10 F41.9)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
3.1.2
Der rheumatologische Gutachter
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Rheumatologie und Manuelle Medizin FMH, hielt fest, dass ein weichteilrheumatisches Schmerz
syndrom nicht näher spezifizierbar im Sinne einer inkompletten Fibromyalgie mit Be
tonung
der oberen Extremitäten, gering Oberschenkel und Paralumbalregion beidseits, ohne strukturelle
s oder somatisches Korrelat vorliege. Die
Untersuchung des Bewegungsapparates
sei im Übrigen unauffällig
. Die Schultergelenke seien sch
merzfrei und ohne Einschränkung
beweglich. Eine
Periathropathia
hume
ro
scap
ularis
rechts, wie sie im Frühjahr
2012 durch
Dr.
med.
Z._
, Fach
arzt für Rheumatologie, beschrie
ben worden sei, bestehe nicht mehr. Auffallend sei ein Trainingsmangel mit muskulärer
Dekonditionierung
(S. 43
f.).
Im Weiteren
wies
Dr.
A._
darauf hin
, dass im Rahmen einer partiellen Fibro
myalgie bei sonst unauffälligen Befunden aus somatisch-rheumatologischer Sicht
eine 100
%ige Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein volles Pensum in jeder leichten bis zeitweise mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit bestehe. Expositionen in kalt-feuchtem Milieu seien zu vermeiden, da diese die Weichteilbeschwerden im Rahmen einer Somatisierungsstörung oder Schmerzverarbeitungsstörung ver
stärkten. Andere Schonkriterien seien nicht gegeben
, wobei diese
Beurteilung seit immer
und
auch künftig
gelte
(S. 45 f.).
3.1.3
Dr. sc. hum. Dipl. Psych.
B._
wies darauf hin
, dass die Beschwerdeführerin beim Sym
pt
omvalidierungstest Resultate
erzielt habe, welche weit unter denen gelegen
hätten
, die bei motivierter Mitarbeit zu erreichen seien. Aufgrund der ver
langsamten Reaktionszeit
sei es höchst wahrscheinlich, dass
d
ie
Beschwerde
führerin
beim entsprechenden Test
aggravierte
Reaktionen gezeigt habe.
D
ie ekla
tanten mnestischen Funktionsverluste der Beschwerdeführerin
hätten
nicht dem
im Gespräch gewonnenen Eindruck entsprochen
. Die verlangsamten Reaktions
zeiten zeigten eine Variabilität, die neurophy
siologisch nicht erklärbar sei
. Es bestünden sodann Diskrepanzen zwischen der subjektiv geschilderten Intensität und der Vagheit der Beschwerden. Die von den psychiatrischen und rheuma
to
lo
gischen Gutachtern gestellten Diagnosen könnten die genannten Auffälligkeiten nicht
erklären
(S. 50 f.).
D
ie Zusammenstellung der Testergebnisse
lasse
auf ein Aggravationsverhalten
schliessen, weshalb
die Ergebnisse der Leistungstes
ts inhaltlich nicht ausgewertet
werden
könnten
und wegen mangelnder Mitarbeit keine verwertbaren neuropsy
cho
logischen Befunde
lieferten
, da sie wahrscheinlich nicht das effektiv vorhan
dene kognitive Leistungsniveau abbildeten. Aus neuropsychologischer Sicht könne
deshalb keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen werden (S. 51).
3.1.4
Die psychiatrische Gutachterin
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatri
e und Psychotherapie, hielt fest, dass sich im psychopathologischen Befund im formalen Denken eine leichte Umständlichkeit und Weitschweifigkeit
mit Grübeln (vor allem nachts) gezeigt hätten sowie
Ein- und Durchschlafstörungen,
Insuffizienz- und Schuldgefühle
, eine gedrückte Stimmung mit leicht reduzierter Schwin
gungs
fähigkeit, eine Freudeverminderung, eine Antriebslosigkeit, Flashbacks und Albträume, panikartige Angstzustände
und passive Todeswünsche
. Im Weiteren seien die Fähigkeiten zur Planung/Strukturierung von Aufgaben sowie zu Spon
tanaktivitäten schwer
und
die Durchhaltefähigkeit mittel- bis
schwergradig
beein
trächtigt. Die Fähigkeit für intime Beziehungen sei vollständig und die Entscheid- und Urteilsfähigkeit mittelgradig beeinträchtigt (S. 67 f.).
Im Weiteren führte die psychiatrische Gutachterin aus, dass die diagnostischen Kriterien einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.40) nicht
erfüllt seien. Vielmehr sei von einer chronischen Schmerzstörung mit soma
ti
sche
n und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) auszugehen, wobei der funk
tio
nelle Schweregrad als leicht
ausgeprägt zu werten sei (S. 68 f.
).
Bei der Beschwerdeführerin liege sodann eine Affektpathologie vor, wobei es
wegen
der Symptomverdeutlichung schwierig sei, den Schweregrad der depres
si
ven Episode festzulegen.
Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit müsse von der Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Störung (ICD-10 F33.1)
,
ausgegangen werden.
Im Weiteren seien die Kriterien einer Panikstörung
(ICD-10 F 41.0)
erfüllt, wobei diese gemäss Angaben der Beschwerdeführerin nur selten und nicht regelmässig aufträten, so dass der funktionelle Schweregrad als leicht einzustufen sei.
Ebenso seien die Kriterien für eine PTBS (ICD-10 F 43.1)
gegeben
. Demgegenüber lägen die
Kriterien für eine Agoraphobie
nicht vor (S. 68 ff.)
.
Die psychiatrische Expertin wies ferner darauf hin, dass von einer Non-Com
pli
ance bei nicht nachweisbaren Plasmaspiegeln der Psychopharmaka auszu
gehen sei (S. 73).
Im Zusammenhang mit der Konsistenzprüfung hielt die Gutachterin fest, dass Hin
weise auf nicht im geklagten
U
mfang vorhandene Funktionsbeein
trächti
gungen vorlägen. Dabei bestünden Diskrepanzen zwischen der subjektiv geschilderten Inten
sität und der Vagheit der Beschwerden, zwischen massiven subjektiven Be
schwerden betreffend die Schmerzen und der erkennbaren körperlich-psychi
schen Beeinträchtigung in der Untersuchungssituation, zwischen dem Ausmass der geschilderten Beschwerden und dem nicht nachweisbaren Plasmaspiegel der Medikation im Labor sowie zwischen der Angabe der Gründe der Nichteinnahme der Medikamente (vgl. S. 34, S. 61) und der Tatsache, dass die Beschwerde
füh
rerin beim Grundgutachten explizit darauf hingewiesen worden sei, diese ein
zu
nehmen, da sie gemessen würden (S. 73).
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit führte die psychiatrische
Expertin
aus, dass sie aufgrund der aktuellen Befunde, der Einschätzungen der Einschränkungen im
Mini-ICF-A
PP
und der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin in den
letzten Ja
hren wiederholt
viele Woche
n
in stationärer und tagesklinischer
Behandlung
gewesen
sei, aktuell und im Längsschnitt von einer Arbeitsunfähigkeit von 70 %
für sämt
liche Tätigkeiten
ausgehe. Die Aggravation in der neuropsychologischen Untersu
chung könne möglicherweise auf den Leidensdruck der Beschwerde
füh
rerin bei prolongiertem Krankheitsverlauf und dem Wunsch, ihren Beschwerden Ausdruck zu geben, zurückgeführt werden (S. 74).
Dr.
C._
wies schliesslich darauf hin, dass aus psychiatrischer Sicht eine leit
linienorientierte Optimierung der medikamentösen Behandlung der depressiven Episode unter Plasmaspiegelkontrollen erfolgen sowie die stationäre Traumathe
rapie weitergeführt werden sollten (S. 74).
3.1.5
Zusammenfassend
hielten die Gutachter
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Innere Medizin FMH,
med.
pract
.
E._
, Fachärztin für Chirurgie FMH,
sowie
Dres
.
A._
und
C._
fest, dass die chirurgisch-internistische Untersuchung einen bis auf ein
Systolikum
altersentsprechenden normalen klinischen Status zeige. Es be
stünden weder Hinweise
auf
eine Links- oder Rechtsherzinsuffizienz noch
auf
eine Lungenerkrankung. Das bekannte
Systolikum
sei im Rahmen der bekannten
Mitralklappeninsuffizienz
zu beurteilen, wobei dieses gemäss kardiologischem
Konsil
keine funktionelle Einschränkung zur Folge habe. Bei der urolo
gisch/
uro
dynamischen
Abk
lärung zeigten sich eine hypo
sensitive,
hyperkapazitäre
,
normo
kontraktile
,
norm
o
aktive
Harnblase mit einer Überlauf-Harninkontinenz bei
geringer Blasenhalsinsuffizienz. Dadurch sei die Beschwerdeführerin darauf an
ge
wiesen, die Harnblase nach der Uhr zu leeren, um einen ungewollten Harnab
gang zu vermeiden. Entsprechend benötige
sie
bei der Arbeit einen kurzen Weg zur Toilette sowie Gelegenheit zu vermehrten Pausen, weshalb eine Leistungs
min
derung von zirka 20 % resultier
e (S. 83).
Die Experten
wiesen
im Weiteren
darauf hin, dass sämtliche Medikament
e
mit einmaliger Ausnahme
des
Tramadols
nicht
nachweisbar gewesen seien. Der Um
stand, dass bei den zwei durchgeführten Medikamentenspiegelungen bei den Psy
chopharmaka auch keine Metaboliten nachweisbar gewesen seien, sei nur mit einer fehlenden Medikamenteneinnahme zu erklären (S. 85).
Ferner wurde festgehalten
, dass
d
as aktuell ermittelte Belastungsprofil seit April 2014
gelte
, als die Beschwerdeführerin die Behandlung am Psychiatrisch
-
Psy
chotherapeutischen Zentrum aufgenommen habe. Während den stationären und
tagesklinischen
Behandlungen habe jeweils eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit be
standen, weshalb im Längsschnitt
von einer zirka 70%igen Arbeits
unfähigkeit auszugehen sei. Ge
mäss Anamnese und Mini-ICF-APP sei die Beschwerd
eführerin in ihrem Leben massiv eingeschränkt und
habe sich weitestgehend zurück
ge
zo
gen. Die wiederholt notwendigen Klinikaufenthalte würden eine eindeutig schwere
Erkrankung trotz Aggravationsverhalten in der neuropsychologischen Untersu
chung bestätigen. Die Behandlung sei insofern ungenügend, als dass die Psycho
pharmaka nicht eingenommen würden und die
traumaspezifische
Therapie
erst verspätet aufgenommen worden sei. Erschwerend komme aufgrund des urolo
gisch-gynäkologischen Leidens eine verminderte Leistungsfähigkeit hinzu, so dass aus polydisziplinärer Sicht
in einer dem Leiden optimal angepassten Tätig
keit (körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere, wechselbelastende Verrich
tungen ohne Arbeiten in kalt-feuchtem Milieu)
eine Gesamtarbeitsfähigkeit von 25 %
resultiere
(S. 85 f.).
3.2
Betreffend d
ie von der Beschwerdegegnerin am 14. Februar 2018 gestellten Rück
fragen (Urk. 8/103/1-3) hielt
die
Y._
-
Expertin
med.
pract
.
E._
am 19. Februar 2018 fest, dass im Vergleich zur Schwere der Erkrankungen der Be
schwerde
führerin relativ wenig Diskrepanzen vorlägen, welche im Vergleich zu ähnlichen Fällen insgesamt nicht sehr schwerwiegend seien. Sie seien am ehesten im Rahmen eines gewissen Verdeutlichungsverhaltens zu sehen, wie es bei Begut
achtungen häufig zu beobachten sei
.
Die Diskrepanzen sei
en
sodann in vollem Umfang berücksichtigt worden
(
Urk. 8/104
S. 1)
.
Im Weiteren könne die Frage, ob unter einer adäquaten Therapie mit einer höh
eren Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei, nicht abschliessend beantwortet werden.
Insgesamt sei es gemäss den Akten aufgrund der bisherigen psychiatrischen Be
handlung bereits zu einer Verbesserung der Beschwerden gekommen. Ob die Beschwerdeführerin tatsächlich keine Medikamente einnehme oder ob sie wirk
lich der Meinung ge
wesen sei, dass sie
ohne diese beurteilt werden sollte, könne objektiv nicht festgestellt werden. Entsprechend sollte
künftig
regelmässig der Blutspiegel bestimmt werden
(S.2)
.
Zusammenfassend sei festzuhalten, dass lediglich in der neuropsychologischen Untersuchung das vom RAD zitierte Aggravationsverhalten festgestellt worden sei. Die anderen Untersucher
hätten kein solches beobachtet
. Ein Aggravations
verhalten schliesse zude
m nicht per se eine tatsächlich
vorhandene Erkrankung aus. Die vor allem aus psychiatrischer Sicht gestellten Diagnosen beruhten auf den Befunden und Beobachtungen
,
wie sie im psychiatrischen Teilgutachten aus
führlich beschrieben worden seien
,
und die Befunde und Verhaltensbeobach
tungen stimm
ten mit den Beschreibungen in den Akten
überein
(S. 2
).
3.3
Am 12. März 2018 stellte die Beschwerdegegnerin weitere Rückfragen (Urk. 8/105
), welche
von de
n
Y._
-Gutachterinnen med.
pract
.
E._
und Dr.
C._
am 4. April 2018
beantwortet
wu
rden
(Urk. 8/106)
.
Sie hielten fest, dass sich die
im psychiatrischen Teilgutachten beschriebenen Diskrepanzen vor allem auf die
Schmerzsymptomatik
bezogen hätten -
insbesondere, dass die Beschwerde
füh
rerin
während der gutachterlichen Untersuchung kaum schmerzgequält gewirkt habe und der Plasmaspiegel der Schmerzmedikation nicht nachweisbar gewesen sei. Die Diskrepanzen führte
n
zur Einschätzung, dass die chronische Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren nur leicht ausgeprägt und ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei. Dass bei der Beschwerdeführerin ein ent
sprechender Leidensdruck für die gestellten psychiatrischen Diagnosen mit Aus
wirkung
auf die Arbeitsfähigkeit bestehe, zeigten die wiederholten monate
langen
(
teil
)
stationären Behandlungen sowie die regelmässige ambulante psycho
logische Therapie. Entsprechend seien die erwähnten Diskrepanzen in vollem Um
fang berücksichtigt.
Ob unter einer adäquaten psychopharmakologischen Behandlung mit einer höhe
ren Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei, könne nicht abschliessend beurteilt werden. Es sei aber empfehlenswert, im Rahmen der weiteren Behandlung den Plasma
spiegel regelmässig zu bestimmen. Betreffend
die
PTBS
sei festzuhalten, dass diese
primär psychotherapeutisch und nicht psychopharmakologisch zu behandeln sei und die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchung bereits zwei längere stationäre Traumatherapien absolviert habe (S. 1 f.).
3.4
In seiner Stellungnahme vom 16. April 2018
(Urk. 8/107 S. 11 f.)
hielt der RAD-Arzt med.
pract
.
F._
, FA für Arbeitsmedizin, fest, dass aufgrund des nach
vollziehbaren
Y._
-Gutachten
s
sowie
de
ssen
Ergänzungen vom 19. Februar und 4. April 2018
als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
von
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), einer PTBS (ICD-10 F43.1) sowie einer hyposensitiven,
hyperkapazi
tären
,
normokontraktilen
und
normoaktive
n
Harnblase auszugehen sei. Dabei sei die Beschwerdeführerin in körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren und
wechselbelas
tenden Tätigkeiten (ohne feucht
kaltes Milieu) seit April 2014 zu
2
5 %
arbeitsfähig.
3.5
In ihrem Bericht vom 26. Juni 2018 (Urk. 8/115) stellten
Dr.
med.
univ. (A)
G._
, Fachärztin FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und
dipl.
Psycho
therapeut ASP
H._
,
I._
GmbH
folgende
Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.
2) mit Verdacht auf psychotische Symptome (ICD-10 F33.3)
-
Agoraph
obie mit Panikstörung (ICD-10 F
40.01)
-
komplexe PTBS
(ICD-10 F43.1)
mit Verdacht auf andauernde Persönlich
keits
änderung nach Extrembelastung (ICD-10
F62.0
)
Es wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin in den vergangenen Monaten mit belastenden und traumatisierenden Zwischenfällen konfrontiert worden sei. Die ältere Tochter sei Opfer eines körperlichen Übergriffs geworden. Die jüngere Tochter gerate zunehmend in persönliche Schwierigkeiten und sei vor kurzem in eine therapeutische Wohngruppe platziert worden. Die Beschwerdeführerin sei dadurch erneut von Erinnerungen an eigen
e
Traumata überflutet worden. Sie be
richte wieder häufiger, dass sie Geräusche in der Wohnung höre und auf der Strasse den Täter sehe, was unmöglich sei
n könne
(S. 1).
3.6
Am 15. August 2018
berichteten Oberpsychologe
J._
, Psychologin
Dr.
phil.
K._
und Oberärztin
L._
,
M._
AG
,
über den statio
nären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 20. Juni bis 31. Juli 2018,
wobei sie folgende psychiatrischen Diagnosen nannten (
Urk. 8/121/3-5
S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psycho
tische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
PTBS (ICD-10 F43.1
)
Die
M._
-Fachpersonen hielten fest, dass sich bei der Beschwerdeführerin eine deutliche Verschlechterung des bereits reduzierten Stimmungszustands einge
stellt habe, nachdem die 16-jährige Tochter durch die Kindes- und E
rwachs
enen
schutzbehörde in eine
b
etreute
WG fremdplatziert worden und die Beschwerde
führerin alleine in d
er Wohnung zurückgeblieben sei (S. 1).
Es sei wieder vermehrt zu dissoziativen Zuständen und Flashbacks gekommen und die Beschwerdeführerin habe von lebensmüden Gedanken, intermittierend mit konkreten Handlungsideen
,
berichtet. Bei fehlender Distanzierung
habe im Verlauf einmalig ein
stündliches Meldeschema und
eine
Ausgangsbeschränkung initiiert werden müssen, welche nach einer Sti
mmungsstabilisierung wieder
auf
ge
hoben
habe
werden können. Als auslösende sowie aufrechterhaltende Faktoren seien die aktuelle Fremdplatzierung der Tochter, die engen finanziellen Verhält
nisse, die Einsamkeit, der bevorstehende Wohnungsumzug, die körperlichen Be
schwerden sowie die diversen Traumatisierungen vor dem Hintergrund einer selbst
unsicheren und emotional-instabil
en Persönlichkeitsstruktur zu s
ehen (S. 2).
4.
4.1
Das
Y._
-Gutachten vom 5. Februar 2018 inklusive dessen Ergänzungen vom 19. Februar und 4. April 2018 entspricht den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise. So ist es für die streitigen Belange umfassend, gibt es doch Antwort auf die Frage nach dem Gesundheitszustand der Beschwer
de
führerin und der verbleibenden Arbeitsfähigkeit. Es beruht sodann auf den not
wendigen Untersuchungen in internistischer, chirurgischer
, rheumatologischer,
psychiatrischer
, neuropsychologischer, kardiologischer und urologischer
Fach
rich
tung. Die Gutachter berücksichtigten detailliert die geklagten Beschwerden und setzten sich damit auseinander (Urk. 8/102/1-87 S. 34 ff., S. 42 f.
, S. 45,
S. 48
f
f., S. 57 f
f
.
, S. 82 ff.
). Die Expertise wurde sodann in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, wobei sich die Gutachter zur Krankheitsentwicklung äussert
en
und Bezug auf die medizinischen
Vorakten
nahmen (S. 2 ff., S. 20 ff., S. 46 ff., S. 52 ff.
, S. 74 ff.
)
. Schliesslich leuchtet das Gutachten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen in der Expertise sind begründet.
In diesem Sinne wurde aus urologisch/
urodynamischer
Sicht nachvollziehbar eine
hyposensitive,
hyperk
apazitäre
,
normokontraktile
und
norm
o
aktive
Harn
blase dia
g
nostiziert, wobei die Beschwerdeführerin zwecks Vermeidung von unge
wollte
m
Harnabgang darauf angewiesen ist, die Harnblase nach der Uhr zu leeren.
Sie benötigt einen kurzen Weg zur Toilette sowie Gelegenheit zu vermehrten Pausen, weshalb eine Leistungsverminderung von 20 % resultiert (S. 83
,
Urk. 8/102/95-97
). Der rheumatologische Gutachter ging einleuchten
d von einer partiellen Fibromyal
gie im Rahmen eines nicht näher spezifizierbaren weichteil
rheumatischen Beschwerdesyndroms aus, wobei die Beschwerdeführerin in leich
ten bis zeitweise mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkei
ten zu 100 % arbeits
fähig
ist (Urk. 8/102/1-87 S
. 83). In psychiatrischer Hinsicht stellte die Expertin Dr.
C._
schlüssig fest, dass die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
an einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Epi
so
de
, sowie an einer PTBS leidet
.
Unter Hinweis auf eine schwere
Beein
träch
ti
gung der Fähigkeit zur Planung/Strukturierung von Aufga
ben sowie zu
r
Spon
ta
nakti
vität,
eine
mittelgradige bis
schwergradige
Einschränkung der
Durchhal
te
fähig
keit sowie
eine mittelgradige
Verminderung der
Entscheidungs- und Urteils
fähig
keit besteht für sämtliche Tätigkeiten eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 68, S. 84)
.
Unter polydisziplinären
Gesichtspunkten gingen die Gutachter nachvoll
ziehbar von einer Gesamtarbeitsfähigkeit von 25 % in körperlich l
e
ichten bis gelegentlich mittelschwere
n
, wechselbelastenden Tätigkeiten aus (S. 86). Die Expertise erfüllt demnach die praxisgemässen Kriterien an den Beweiswert eines ärztlichen Gut
achtens (BGE 134 V 231 E. 5.1, BGE 125 V 351 E. 3a, BGE 122 V 157 E. 1c), weshalb für die
Entscheidfindung
darauf abzustellen ist.
4.2
Das Gutachten des
Y._
vermag insbesondere
auch insoweit zu überzeugen, als im Rahmen der Gesamtbeurteilung nicht von einer relevanten Aggravation, son
dern von einem Verdeutlichungsverhalten ausgegangen wird.
Ein Aggravations
ver
halten wurde einzig von der Neuropsychologin erwähn
t, wobei
eine
beim Symptomvalidierungstest
festgestellte
verlangsamte Reaktionszeit auf einen visu
ellen Reiz ohne Warnton
im Vordergrund stand
(Urk. 8/102/88-94 S. 5
f.). Von den
übrigen
Y._
-Gutachter
n
wurde keine Aggravation erwähnt und es finden sich auch in den übrigen medizinischen Akten
keine entsprechenden Hinweise.
Be
züglich der
von der Beschwerdegegnerin
erwähnte
n
Diskrepanzen
– Angabe
extre
mer
und ständiger
Schmerzen und dreistündiges Sitzen ohne grosse Schm
erz
klagen sowie
Nichteinnahme der Medikamente trotz gegenteiliger Aussagen der Beschwerdeführerin
(Urk. 8/107 S. 12, vgl. auch Urk. 8/102/1-87 S. 73)
-
ist zu bemerken, dass diese vornehmlich die Schmerzsymptomatik betreffen und im
Rahmen der Begutachtung berücksichtigt wurden, indem die chronische Schmerz
störung
mit somatischen und psychischen Faktoren nur als leicht ausgeprägt und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eingestuft wurde
. Darauf wiesen die Gutachter in ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 4. April 2018 zu recht hin
(Urk. 8/106 S. 1 f.).
Im Weiteren ist der Hinweis der Experten zu berücksichtigen, wonach im Vergleich zur Schwere der Erkrankungen relativ wenig Diskrepanzen bestünden, die verglichen mit ähnlichen Fällen insgesamt
nicht sehr schwerwie
gend seien, weshalb die
Diskrepanzen am ehesten im Rahmen eines Verdeut
lich
ungsverhalten
s
zu sehen seien, wie es bei Begutachtungen häufig zu beobachten sei (Urk. 8/104 S. 1).
Gemäss den Gutachtern war sodann nicht objektiv feststell
bar, ob die Beschwerdeführerin tatsächlich keine Medikamente einnimmt oder ob sie – wie von ihr angegeben – wirklich der Meinung war, dass sie für eine all
fälli
ge Blutentnahme nüchtern sein müsse (Urk. 8/104 S. 2; Urk. 8/102/1-87 S. 34, S. 61).
Selbst wenn anzunehmen ist, dass die Medikamente mehrheitlich nicht eingenommen wurden (vgl. Urk. 8/102/1-87 S. 85 und S. 86), so rechtfertigt dies vor dem Hintergrund dessen, dass
sich die Beschwerdeführerin in den letzten Jahren wiederholt in stationäre und teilstationäre psychiatrische Behandlung begab und sich zudem einer jahrelangen
und
regelmässigen ambulanten
Psy
chotherapie
unterzog (vgl. auch Urk. 8/104 S. 2, Urk. 8/106 S. 2)
,
klarerweise nicht, von einer eine
Gesundhe
itsbeeinträchtigung ausschliessenden
Aggravation
auszugehen
(vgl. BGE 141 V 288 E. 2.2.1).
4.3
Die Fachpersonen der
I._
und der
M._
wiesen in ihren Berichten vom 26. Juni und 15. August 2018 (vgl. E. 3.5-6
hievor
) auf eine deutliche Ver
schlechterung des psychischen Gesundheitszustands
der Beschwerdeführerin
in den letzten Monat
en
hin und
diagnostizierten
insbesondere eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode. Diese Berichte wurden nach Erstattung des
Y._
-
Gutachte
ns inklusive dessen Ergänzungen
respektive
vor Erlass des angefochtenen Entscheids
vom 12. September 2018
verfasst
. Die Be
schwerdegegnerin
stufte
die
Berichte unter Hinweis darauf, dass sie
keine
neuen medizinischen Erkenntnis
se
respektive keine
Angaben zur Aggrava
tion enthiel
ten,
als nicht
entscheidrelevan
t
ein
.
Dies überzeugt nicht
,
da in den Berichten insbesondere auf eine
deutliche
Verschlechterung des gesundheitl
ichen Zustands hingewiesen wird. Entsprechend
hat
die Beschwerdeführerin weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen und ab
zu
klären, ob sich der
psychische
Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt nach der Erstattung des
Y._
-Gut
achtens
in einem versicherungsrechtlich relevanten Umfang
verändert hat und wie sich eine allfällige gesundheitliche Verschlechterung auf die Leistungsfähig
keit der Beschwerdeführerin auswirkt
(vgl. nachfolgend E. 7)
.
5.
5.1
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen
einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (E. 7.2
; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen
an
hand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsun
fähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 7.1; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regel
fall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.
2
In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Komplex Gesund
heitsschädigung in psychiatrischer Hinsicht als
erheblich
ausgeprägt, wobei ins
besondere Beeinträchtigungen im formalen Denken, Insuffizienz- und Schuldge
fühle, eine Freudverminderung
und
Antriebslosigkeit, Flashbacks
und Albträume vorliegen
sowie
die Fähigkeit zur Planung
/Strukturierung von Aufgaben
und zur
Spontanaktivität schwer, die Durchhaltefähigkeit mittel- bis
schwergradig
und
die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit mittelgradig beeinträchtigt sind (
Urk.
8/102/1-87 S. 67 f.).
Die Ärzte berichteten von einer massiven Einschrän
ku
ng und einem
weitestgehenden
Rückzug der
Beschwerdeführerin
. Die wiederholt notwendig gewordenen Klinikaufenthalte bestätigten eine eindeutig schwere Erkrankung trotz des in der neuropsychologischen Untersuchung festgestellten Aggravations
verhaltens und anzunehmender Nichteinnahme der Medikamente (Urk. 8/102/85).
In somatischer Hinsicht
liegt unter anderem eine leichtgradige partielle Fibro
myalgie sowie
ein erhebliches
u
rologisches Leiden
vor, wobei die Beschwerde
führer
in
darauf angewiesen ist, die Harnblas
e nach der Uhr zu ent
leeren (
S. 83)
.
Die somatischen Diagnosen, insbesondere das schambesetzte uro
logische Leiden, verstärken die psychische Problematik (vgl. Urk. 8/53/8). Insge
samt legten die Gut
achter unter Bezugnahme auf den gesamten Verlauf plausibel dar, dass ein Leiden von erheblichem Schweregrad besteht.
Hinsichtlich des Indikators «Behandlungs- und Eingliederungserfolg» ist zu be
merken, dass sich die Beschwerdeführerin seit
April
2014
einer
regelmässige
n
ambulanten psychotherapeutischen respektive psychologischen
Behandlung (im Zeitpunkt der Begutachtung einmal wöchentlich
, S. 37
)
unterzieht
(S. 85)
.
In den Jahren
2014
bis
2017
befand sich die Beschwerdeführerin wiederholt in
(mehr
wöchiger)
stationärer
und
teilstationärer Behandlung
(S. 11 f.
,
S. 14, S. 23, S. 25 f.,
S. 61)
.
Ob mit einer zusätzlichen adäquaten psychopharmakologischen Behand
lung mit einer höheren Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei, konnte von den Gutach
tern sodann nicht abschliessend beurteilt werden (Urk. 8/106/2). Damit kann weder von einer vollständigen Therapieresistenz ausgegangen werden noch kann angenommen werden, dass das Leiden der
Beschwerdeführerin
(gut) therapierbar ist. Die Annahme der Gutachter, es liege trotz gegebenenfalls bestehender Be
hand
lungs
option mit Psychopharmaka eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor, ist ins
besondere auch in Anbetracht des gesamten Verlaufs ohne Weiteres nachvoll
ziehbar.
Betreffend die Komplexe «Persönlichkeit» und «Sozialer Kontext»
ist festzuhalten, dass sich im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung
(noch)
keine
Hinweise auf eine Persönlichkeitsakzentuierung oder –
störung
fanden (Urk. 8/102/1-87
S. 63
; vgl. demgegenüber Urk. 8/121/15
).
Die starke,
resiliente
Persönlichkeit stellt
nach Einschätzung der Ärzte der Integrierten Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland eine gute Ressource dar (vgl. Urk. 8/53/8). Im Zeitpunkt der Abklärung der Arbeitsfähigkeit zu Hause vom 5. Februar 2016 bestand für beide Töchter der
Beschwerdeführerin
eine Beistandschaft, sie lebten aber noch zu Hause (Urk. 8/34/2).
Im Zeitpunkt der Begutachtung wohnte die Beschwerdeführerin
noch
zusammen mit ihrer jüngsten Tochter in einer Mietwohnung
(S. 31)
. Betreffend ihren Tagesab
lauf gab sie an, dass sie aktuell zwischen 9 bis zirka 15 Uhr in die Tagesklinik
M._
gehe. Ansonsten bleibe sie den ganzen Tag im Bett, insbe
son
dere seit August 2016,
als
die Tochter ein Praktikum angefangen habe und die Beschwerdeführerin tagsüber alleine sei. Für sich selber koche sie nicht. Manch
mal koche sie, wenn die Tochter Hunger habe, was maximal zweimal pro Woche der Fall sei. Zuhause höre sie Musik, kommuniziere auf WhatsApp mit einer Kollegin und nehme Arzttermine wahr. Der Haushalt bleibe aktuell liegen, da sie wegen der Depression nichts machen möge. Ab und an staubsauge
sie. Eink
ä
ufe erledige häufig ihre Tochter, wobei sie diese manchmal auch begleite. Sie habe keine fixe
n
Zeit
en
, zu welchen
sie aufstehe oder zu Bett gehe, da sie ja
immer im Bett sei
.
Sie habe
aktuell mit niemandem Kontakt. Sie
telefoniere
nur mit ihrer
Mutter täglich und
hüte
e
inmal pro Monat ihren Enkelsohn
(S. 32,
S. 57,
S. 60.). Letztmals sei sie im Jahre 2017 für sechs Wochen in der Dominikanischen Repu
b
lik in den Ferien gewesen, wobei sie den ganzen Tag bei ihrer Mutter ver
bracht habe, die alleine in einem Haus wohne (S. 52).
Aus dem sozialen Kontext ergeben sich damit nunmehr nur geringe Ressourcen.
Betreffend die
Kategorie «Konsistenz»
und die
in der Expertise
erwähnten
Hin
weise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionsbeeinträchtigungen (S. 73) ist
zu
berücksichtigen, dass
gemäss gutachterlicher Einsch
ätzung
im Ver
gleich zur Schwere der bei der Beschwerdefüh
rerin vorliegenden Erkrankungen
relativ wenig Diskrepanzen bestehen
und diese
im Rahmen eines gewissen
und
bei Begutachtungen häufig zu beobachtenden
Verdeutlichungsverhaltens zu se
hen sind
(Urk. 8/10
4
S. 1, vgl. auch E. 4.2
hievor
). Im Weiteren ist von einer etwa gleich
mässigen Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in Beruf und Erwerb einer
seits und in den sonstigen Lebensbereichen
andererseits
auszugehen. Hält sich die Beschwerdeführerin nicht in der Tagesklinik auf, so verbringt sie den Tag zumeist im Bett und ihr soziales Netzwerk beschränkt sich im Wesentlichen auf die in der Dominikanischen Republik lebende Mutter und ihre tagsüber abwesende
jüngste
Tochter.
Den Aufgaben der Erziehung und Begleitung ihrer beiden Töchter ver
mochte und vermag die Beschwerdeführerin ebenfalls nur eingeschränkt und mit professioneller Hilfe nachzukommen, obwohl bezüglich dieser Aufgaben eine hohe Motivation besteht (vgl. Urk. 8/34/2).
Die seit Jahren regelmässig beanspruchten Therapien sprechen zudem nach nach
vollziehbarer ärztlicher Einschätzung für einen erheblichen und ausgewiesenen Leidensdruck.
5.
3
Nach dem Gesagten überzeugt unter Berücksichtigung der Standardindikatoren die guta
chterliche Einschätzung einer 30
%igen Arbeitsfähigkeit
aus psychischer Sicht
in einer angepa
ssten Tätigkeit seit April 201
4.
Gesamthaft ist vo
n einer Arbeitsfähigkeit von 25
% auszugehen.
6.
6.1
Anhand des Abklärungsberichts vom 8. Februar 2016 (Urk. 8/34)
nachvollziehbar ausgewiesen und
unbestritten
ist, dass die Beschwerdeführerin
als zu 50 % Erwerbstätige und zu 50 % im Haushalt Tätige (Einschränkung: 15.30 %) zu qua
lifizieren
war
(S. 5
, S. 11
).
Im Zeitpunkt der Abklärung (5. Februar 2016) wohnten die damals 14- und 16-jährigen Töchter be
i der Beschwerdeführerin und letztere
gab an, dass sie für ihre Kinder da sein wolle und die ältere Tochter aufgrund ihrer Arthritis-Erkrankung viele Arzttermine habe un
d
sie nicht wolle, dass
diese
alleine zu den Terminen gehen müsse (S.
2, S. 5).
Bereits Anfang 2017 und im Zeitpunkt der
Y._
-
Untersuchungen
wohnte
die
ältere Tochter nicht mehr zu Hause und die jüngere war während des Tages abwesend (Urk. 8/102/1-87 S. 31,
Urk.
8/94/2).
Gemäss den Berichten der
I._
und der
M._
vom 26. Juni und 15. August 2018 (vgl. E. 3.5-6
hievor
) bestehen Hinweise, dass
beide
Töchter nicht mehr bei der Beschwerdeführerin wohnen, weshalb neben den bereits genannten
medizinischen
Abklärungen auch solche betreffend den Status der Beschwerde
führerin als sinnvoll erscheinen
(vgl. nachfolgend E. 7)
.
6.2
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen).
Nach der bis 3
1.
Dezember 2017 gültigen Gerichts- und Verwaltungspraxis zur
Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (grundlegend BGE 125 V 146
; vgl.
Art.
27 und 27
bis
der
Verordnung über die Invalidenversicherung
[
IVV
]
in der seit dem
1.
Januar 2018 geltenden Fassung und Übergangsbestimmung zur Ände
rung der IVV vom
1.
Dezember 2017, in Kraft seit
1.
Januar 2018) wird zunächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (vgl. Art. 27 IVV) ermittelt. Die Invalidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betä
ti
gungsvergleich vorgenommen wird, wobei im Erwerbsbereich praxisgemäss be
rück
sichtigt wird, was die versicherte Person im Gesundheitsfall aus ihrer Teiler
werbstätigkeit erzielen würde. Die Gesamtinvalidität ergibt sich aus der Addie
rung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
(BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E. 3.3, 125 V 146 E. 2b und 5c).
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4
IVV
per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbs
täti
gen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbs
tätig
keit richtet sich nach Art. 16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht in
va
lid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäfti
gungs
grads,
den
die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Inva
liditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozen
tuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im
Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre
, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäftigungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die galten, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.1, 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung (Urk. 2)
ist
am
12. September
2018 und somit nach Inkrafttreten der Verordnungsänderung ergangen, wobei ein Sachverhalt zu be
ur
teilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Verordnungs
bestim
mung
en am 1. Januar 2018 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechts
streit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2017 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die revidierten Verordnungsbestimmungen abzustellen (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1).
6.
3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange
passten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werb
lichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, nament
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jeden
falls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss
der vom Bundesamt für Statistik
(BFS)
herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
her
an
gezo
gen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1
; ferner BGE 142 V 178 zur LSE 2012 und deren Unterschiede zur LSE 2010
).
6.
4
Die Beschwerdeführerin war in der Schweiz
gemäss IK-Auszug vom 10. Januar 2013 (Urk. 8/1)
nur
unregelmässig
und
mit schwankendem
Einkommen
erwerbs
tätig
,
weshalb das
Valideneinkommen
für das relevante Jahr 2015 gestützt auf die LSE 2014 zu ermitteln ist. Da die Beschwerdeführerin über keine Ausbildung verfügt, ist auf den Lohn für einfache und handwerkliche Tätigkeiten abzustellen, wobei sich unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit nach Wirt
schaftszweigen und der Nominallohnentwicklung für Frauen
bei
einer Erwerbs
tätig
keit
von
100
% ein
Validenlohn
von Fr.
54’062
.-- ergibt (BFS,
LSE 2014,
TA1_tirage_skill_level, Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschafts
zweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Total Frauen, Kompetenzniveau 1)
.
Im Zusammenhang mit der bis Ende 2017 gültig gewesenen Rechtslage (vgl. E. 6.2) ist gestützt auf ein Erwerbspensum von 50 %
von einem
Validenlohn
von Fr. 27'031.
--
auszugehen
.
Das Invalideneinkommen beläuft sich
unter Berück
sich
tigung der
gutachterlich festgestellte
n
Arbei
tsfähigkeit von 25 % auf Fr. 13'
515.5
0.
Gewichtet mit einem 50%igen Erwerbsbereich resultiert zusammen mit der
unbestrittenen
Einschränkung im Haushaltbereich von 15.30 % (Urk. 8/34 S. 11) ein
rentenausschliessender
Invaliditätsgrad
von 32.7 %.
Mit Bezug
auf die ab 1
. Januar 2018 in Kraft stehende
Rechtslage (vgl. E. 6.2
hievor
)
ist aufgrund der hypothetischen Vollerwerbstätigkeit von einem
Validen
ein
kommen
von Fr. 54’062.
--
auszugehen.
Unter Berücksichtigung des Invaliden
einkommens von Fr. 13’515.50 und der Einschränkung im Haushaltbereich von 15.30 % ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 45.15 %.
Entsprechend steht der Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2018 ein Anspruch auf eine
Viertelsrente
zu.
7.
Aufgrund der geändertem Verhältnisse bei der
Beschwerdeführeri
n
zu Hause – mittler
weile wohnen sogar beide Töchter auswärts – ist es ohne
Weiteres
möglich, dass bereits vor dem Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom Septem
ber 2018 von
einer
höheren prozentualen Gewichtung der Erwerbsarbeit
auszu
gehen war (vgl. vorne E. 6.1). Sodann bestehen Hinweise dafür, dass sich der gesundheitliche Zustand der
Beschwerdeführerin
nach der Begutachtung im
Y._
und vor Verfügungserlass möglicherweise verschlechtert hat (vgl. vorn E. 4.3). Die Beschwerdegegnerin wird nach der Rückweisung der Sache geeignete ergän
zende Abklärungen vorzunehmen haben; gegebenenfalls ist ein psychiatrisches Ver
laufs
gutachten einzuholen.
Die ergänzenden Abklärungen können dazu führen, dass bereits für einen früh
eren Zeitpunkt ein Rentenanspruch und/oder dass ein höherer Rentenanspruch zu bejahen ist. Die Beschwerde ist damit mit der Feststellung,
dass die Be
schwer
deführerin zumindest ab 1. Januar 2018 Anspruch auf eine
Viertelsrente
hat, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie ergänzende Abklärungen vor
nehme und prüfe, ob ein weitergehender Anspruch auf eine Invalidenrente besteht.
Die
Beschwerde ist in diesem Sinne t
eilweise gutzuheissen.
8
.
8
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
1’0
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden
Beschwerde
geg
nerin
aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2) als gege
n
standslos.
8
.2
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin machte mit Honorarnote vom 8. Januar 2019 (Urk. 10) einen Aufwand von 8.70 Stu
nden und Barauslagen von Fr. 3
22
.
80
geltend. Der geltend gemachte Aufwand ist der Sache angemessen, weshalb in Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 185.-- die zu leistende Prozessentschädigung Fr. 2
’
081.10 beträgt. Das Gesuch der Be
schwer
deführerin um unentgeltliche Prozessvertretung (Urk. 1 S. 2) erweist sich damit als gegenstandslos.