Decision ID: 55b804ba-8c4d-4d76-88cf-1ee2669cf611
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Abänderung des Scheidungsurteils (Anordnung vorsorglicher
Massnahmen)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichtes (7. Abteilung) des  Zürich vom 15. August 2014; Proz. FP140056
- 2 -
Rechtsbegehren:
(act. 4/1 S. 8)
"Es sei der Kläger im Erlass vorsorglicher Massnahmen für berechtigt zu erklären, mit Wirkung am 1. April 2014 für die Söhne C._ und D._, wie obgenannt, je Fr. 200.– pro Monat, zuzüglich allfälliger vertraglicher oder gesetzlicher Kinderzulagen zu bezahlen."
Verfügung des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 15. August 2014: (act. 4/30 S. 16 = act. 5 S. 16)
1. Beiden Parteien wird die unentgeltliche Rechtspflege gewährt.
2. Dem Kläger wird Rechtsanwalt lic. iur. X._ und der Beklagten wird
Rechtsanwalt lic. iur. Y._ je als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt.
3. Der Kläger wird in teilweiser Gutheissung seines Massnahmebegehrens
verpflichtet, der Beklagten an die Kosten des Unterhalts und der Erziehung
der Söhne C._, geboren am tt.mm.1988, und D._, geboren am
tt.mm.2001, monatliche Unterhaltsbeiträge von je Fr. 320.-- (zuzüglich allfäl-
liger Kinderzulagen) zu bezahlen, zahlbar rückwirkend ab 1. April 2014 und
für die weitere Dauer des Verfahrens, zahlbar jeweils im Voraus auf den Ers-
ten eines jeden Monats.
4. Die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen bleibt dem Endent-
scheid vorbehalten.
5. [Schriftliche Mitteilung].
6. [Rechtsmittelbelehrung: Berufung, 10 Tage].
- 3 -
Berufungsanträge: (act. 2 S. 2 f.)
"1. Es sei Ziff. 3 der Verfügung des Bezirksgerichtes Zürich, 7. , vom 15. August 2014 aufzuheben.
2. Es sei Ziff. 3 dieser Verfügung durch folgende Formulierung zu ersetzen:
"Der Kläger wird in teilweiser Gutheissung seines  verpflichtet, der Beklagten an die Kosten des Unterhalts und der Erziehung der Söhne C._, geboren am tt.mm.1998, und D._, geboren am tt.mm.2000, monatliche  von Fr. 240.– zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder  Kinderzulagen zu bezahlen, zahlbar rückwirkend ab 1. April 2014 und für die weitere Verfahrensdauer, jeweils zahlbar am  eines jeden Monats im Voraus."
3. Alles unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge."
prozessualer Antrag (act. 2 S. 3):
"Es sei dem Kläger und Appellanten für das vorliegende Berufungsver- fahren die unentgeltliche Prozessführung und in der Person des unter- zeichnenden Rechtsanwaltes der unentgeltliche Rechtsbeistand zu gewähren."

Erwägungen:
I.
1.1. Die Parteien heirateten am tt. Juni 2000 im Kosovo. Sie haben zwei gemein-
same Söhne, C._, geboren am tt.mm.1998, und D._, geboren am
tt.mm.2001 (act. 4/7/1; act. 4/7/3). Mit Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom
2. April 2009 wurde die Ehe der Parteien geschieden. Unter anderem wurden die
Söhne unter die elterliche Sorge der Beklagten und Berufungsbeklagten (fortan
Beklagte) gestellt und die Unterhaltsverpflichtung des Klägers und Berufungsklä-
gers (fortan Kläger) für die beiden Söhne auf monatlich je Fr. 450.00 festgelegt
(act. 4/7/26; act. 4/7/29).
- 4 -
1.2. Am tt. Mai 2010 heiratete der Kläger erneut. Aus der zweiten Ehe sind die
Söhne E._, geboren am tt.mm.2010, und F._, geboren am tt.mm.2012,
hervorgegangen (act. 4/14/1 S. 4). Gestützt auf diese Veränderungen leitete der
Kläger mit Eingabe vom 19. Juni 2012 ein Abänderungsverfahren in Bezug auf
die im Scheidungsurteil vom 2. April 2009 festgesetzten Kinderunterhaltsbeiträge
ein (act. 4/6/1 S. 2 ff.). Mit Verfügung des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung,
vom 25. September 2012 wurden die Kinderunterhaltsbeiträge für C._ und
D._ auf monatlich je Fr. 440.00 gesenkt (act. 4/6/32 S. 2).
1.3. Am 3. September 2013 machte die (zweite) Ehefrau des Klägers ein Ehe-
schutzverfahren am Bezirksgericht Zürich anhängig (act. 4/14/1). Mit Eheschutz-
entscheid des Bezirksgerichts Zürich, 5. Abteilung, vom 17. März 2014 wurde das
Eheschutzverfahren durch Genehmigung der zwischen den Parteien am 5. März
2014 geschlossenen Vereinbarung über die Regelung des Getrenntlebens im
Sinne von Art. 175 f. ZGB erledigt (act. 4/14/22 und act. 4/14/24). Der Kläger wur-
de zur Bezahlung von Kinderunterhaltsbeiträgen für die Söhne E._ und
F._ in der Höhe von je Fr. 240.00 verpflichtet (act. 4/14/24 S. 4). Am Tag der
Unterzeichnung der Trennungsvereinbarung hatte der Kläger bereits beim Be-
zirksgericht Zürich ein Verfahren betreffend Abänderung der mit Verfügung vom
25. September 2012 für die Söhne aus erster Ehe festgesetzten Unterhaltsbeiträ-
ge anhängig gemacht (act. 4/1). Seither stehen sich die Parteien im Abände-
rungsverfahren vor dem Bezirksgericht Zürich, 7. Abteilung (fortan Vorinstanz),
gegenüber. Im Rahmen des Abänderungsverfahrens stellte der Kläger einen An-
trag auf Anordnung vorsorglicher Massnahmen mit einleitend aufgeführtem
Rechtsbegehren (act. 4/1 S. 8). Mit Verfügung vom 15. August 2014 entschied die
Vorinstanz das Massnahmebegehren des Klägers im eingangs genannten Sinne
(act. 4/30 = act. 5).
2. Gegen die vorinstanzliche Verfügung vom 15. August 2014 erhob der Kläger
mit Eingabe vom 29. August 2014 fristgerecht Berufung mit den vorstehend auf-
geführten Anträgen (act. 2). Mit Schreiben vom 12. September 2014 reichte der
Kläger seine Lohnabrechnung August 2014 nach (act. 6-7).
- 5 -
3. Da sich die Berufung, wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, sogleich als
unbegründet erweist, kann auf die Einholung einer Berufungsantwort verzichtet
werden (Art. 312 Abs. 1 ZPO). Der Gegenpartei ist lediglich ein Doppel der Beru-
fungsschrift zuzustellen.
II.
1. Gegen erstinstanzliche Entscheide betreffend vorsorgliche Massnahmen ist
die Berufung zulässig (Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO). Gegenstand des vorliegenden
Berufungsverfahrens betreffend vorsorgliche Massnahmen ist die Unterhaltspflicht
des Klägers. Damit liegt eine vermögensrechtliche Streitigkeit vor (vgl. BGE 133
III 393 E. 2, BGE 5A_740/2009 E. 1). Der demzufolge vorausgesetzte Rechtsmit-
telstreitwert von Fr. 10'000.00 (Art. 308 Abs. 2 ZPO) ist gegeben: Der von der
Vorinstanz festgelegte Unterhaltsbeitrag für die beiden Kinder von je Fr. 320.00
monatlich ab 1. April 2014 (für die weitere Dauer des Verfahrens) ergibt, auf eine
Verfahrensdauer von angenommen drei Jahren gerechnet (vgl. Diggelmann, DI-
KE-Komm-ZPO, Art. 92 N 7), einen Betrag von Fr. 23'040.00 (exkl. Kinderzula-
gen). Davon anerkennt der Kläger gemäss seinen vorstehend aufgezeigten Beru-
fungsanträgen einen Gesamtbetrag von Fr. 17'280.00 (exkl. Kinderzulagen). Die
Differenz von Fr. 5'760.00 stellt den Rechtsmittelstreitwert dar.
2. Die Vorinstanz hat das im Rahmen vorsorglicher Massnahmen während des
Abänderungsverfahrens anwendbare Summarverfahren mit entsprechender Be-
weismittel- als auch Beweismassbeschränkung zutreffend dargestellt, weshalb
darauf verwiesen werden kann (act. 5 S. 2 ff.). In Kinderbelangen und somit hin-
sichtlich des Kinderunterhalts gelten die (uneingeschränkte) Untersuchungs- und
Offizialmaxime; das Gericht erforscht den Sachverhalt von Amtes wegen und ist
weder von Parteianträgen abhängig noch an solche gebunden (Art. 296 Abs. 1
und 3 ZPO; BSK ZPO-Sprecher, 2. A., Basel 2013, Art. 296 N 10 f. und 30).
3.1. Mit der Berufung können die unrichtige Rechtsanwendung und unrichtige
Sachverhaltsfeststellung gerügt werden (Art. 310 ZPO). Ebenfalls gerügt werden
kann die (blosse) Unangemessenheit eines Entscheides, da es sich bei der Beru-
- 6 -
fung um ein vollkommenes Rechtsmittel handelt. Bei der Angemessenheits-
kontrolle hat sich die Rechtsmittelinstanz allerdings Zurückhaltung aufzuerlegen
(Blickenstorfer, DIKE-Komm-ZPO, Art. 310 N 10).
3.2. Die Berufung ist gemäss Art. 311 ZPO schriftlich und begründet einzu-
reichen. Enthält die Berufungsschrift keine Begründung, ist auf die Berufung nicht
einzutreten. Ist die Begründung nicht geradezu ungenügend, aber in der Substanz
mangelhaft, lässt dies das Eintreten auf die Berufung zwar unberührt, kann sich
aber in der materiellen Beurteilung zum Nachteil des Berufungsklägers auswirken.
Es genügt nicht, in der Berufungsschrift einen blossen Verweis auf die Vorakten
anzubringen und pauschale Kritik am vorinstanzlichen Entscheid zu üben oder
bloss das vor der Vorinstanz bereits Vorgebrachte zu wiederholen. Zwar besteht
keine eigentliche Rügepflicht, aber eine Begründungslast: Die Berufung führende
Partei muss sich sachbezogen mit den Entscheidgründen des erstinstanzlichen
Entscheides auseinandersetzen. Sie muss darlegen, inwiefern die Vorinstanz das
Recht falsch angewendet hat bzw. welcher Sachverhalt unrichtig festgestellt wor-
den sein soll. Danach muss sie den vorinstanzlichen Erwägungen die aus ihrer
Sicht korrekte Rechtsanwendung resp. den korrekten Sachverhalt gegenüberstel-
len und darlegen, zu welchem abweichenden Ergebnis dies führen soll. Dies gilt
auch im Bereich der Untersuchungsmaxime (vgl. zum Ganzen etwa Hungerbüh-
ler, DIKE-Komm-ZPO, Art. 311 N 29-31, 36-39 und N 44; Sutter-Somm/Hasen-
böhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessord-
nung, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2013, Art. 311 N 36 f.; vgl. OGer ZH LB110049
vom 5. März 2012 E. 1.1 f., jeweils mit zahlreichen Verweisen).
4. Gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO werden neue Tatsachen und Beweismittel
(Noven) nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und
trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konn-
ten. Der unbeschränkte Untersuchungsgrundsatz (bei Kinderbelangen) führt nach
der Praxis der Kammer jedoch in Abweichung von Art. 317 Abs. 1 ZPO auch im
Berufungsverfahren zur unbeschränkten Zulässigkeit von Noven bis zur Urteilsbe-
ratung (OGer ZH LC130019 vom 8. Mai 2013 Erw. 3.1.).
- 7 -
III.
1.1. Die Vorinstanz reduzierte die Unterhaltsverpflichtung des Klägers für die
beiden Söhne C._ und D._ ab 1. April 2014 und für die weitere Verfah-
rensdauer auf monatlich je Fr. 320.00 (zuzüglich allfälliger Kinderzulagen; act. 5
S. 15 f.). Zum Einkommen des Klägers erwog sie im Wesentlichen, dass der
Lohnausweis 2013 ein Jahresnettoeinkommen von Fr. 52'032.85 ausweise. Nach
Abzug der Einmalzulage von Fr. 550.00 belaufe sich das durchschnittliche monat-
liche Nettoeinkommen des Klägers auf Fr. 4'290.25 (inklusive Anteil 13. Monats-
lohn, exklusive Kinderzulagen). Den Lohnabrechnungen der Monate Januar bis
Juni 2014 sei zu entnehmen, dass der Grundlohn des Klägers – wie im Vorjahr –
Fr. 4'421.10 betrage. Hinzu kämen Schichtzulagen in unterschiedlicher Höhe. Von
Januar bis Juni 2014 habe der Kläger Schichtvergütungen von insgesamt
Fr. 606.90 und damit bereits annähernd so viele Schichtzulagen wie im Vorjahr in
zwölf Monaten erhalten. Damit sei die Behauptung des Klägers, er werde im Jahr
2014 infolge nicht mehr gleich hoher Schichtzulagen ein tieferes Einkommen er-
halten, entkräftet und es rechtfertige sich insgesamt von einem monatlichen Net-
toeinkommen von rund Fr. 4'290.00 auszugehen (act. 5 S. 11 f.). In Auseinander-
setzung mit den Parteivorbringen und den eingereichten Belegen stellte die Vorin-
stanz eine konkrete Bedarfsberechnung an und errechnete den Bedarf des Klä-
gers in der Höhe von Fr. 3'636.00, inklusive Fr. 480.00 an Unterhalt für E._
und F._. Nach Abzug des Bedarfs (ohne die Unterhaltspflicht) vom Nettoein-
kommen resultiere eine Leistungsfähigkeit des Klägers von Fr. 1'134.00. Dieser
Überschuss reiche ganz offensichtlich nicht aus, um die Bedürfnisse aller vier
Kinder auch nur annähernd zu decken. Das Manko sei auf beide Familien zu ver-
teilen. Es treffe nicht zu, dass kleinere Kinder per se höhere Kosten verursachen.
Im Gegenteil würden die Bedürfnisse von Kindern der Altersstufe 13. bis
18. Altersjahr regelmässig höher beurteilt, was sich auch in den Grundbeträgen
gemäss den Richtlinien zum betreibungsrechtlichen Existenzminimum nieder-
schlage. Im Weiteren sei das Nettoeinkommen der Beklagten von monatlich
Fr. 3'500.00 nicht unerheblich tiefer als das Nettoeinkommen der Ehefrau des
Klägers von monatlich Fr. 4'300.00. Folglich erscheine die Differenz der Kinderun-
- 8 -
terhaltsbeiträge für C._ und D._ zu den erst kürzlich festgesetzten Un-
terhaltsbeiträgen für E._ und F._ als angemessen und gerechtfertigt
(act. 5 S. 6-10 und 13 f.).
2.1. Der Kläger rügt zusammengefasst, die vorinstanzlich festgelegten Unter-
haltsbeiträge würden in seinen Notbedarf eingreifen sowie den Grundsatz der
Gleichbehandlung der Kinder verletzen; die Unterhaltsbeiträge für die Söhne
C._ sowie D._ seien in der Höhe von monatlich je Fr. 240.00 (zuzüglich
Kinderzulagen) festzusetzen (act. 2 S. 2 und 7).
2.2.1. Unter der Anmerkung, dass der Erlass sich widersprechender Urteile zu
vermeiden sei, verweist der Kläger darauf, dass bei ihm im Eheschutzentscheid
vom 17. März 2014 von einem Erwerbseinkommen von Fr. 4'300.00 netto (inklu-
sive 13. Monatslohn, zuzüglich Kinderzulagen) und im vorinstanzlichen Entscheid
von einem solchen in der Höhe von netto Fr. 4'290.00 ausgegangen worden sei.
Ferner verweist er auf den im Eheschutzentscheid angenommenen Bedarf von
Fr. 4'200.00 resp. Fr. 3'320.00 ohne die Unterhaltsverpflichtung aus erster Ehe
von Fr. 880.00. Er führt aus, dass – rechne man zum Notbedarf von Fr. 3'320.00
die Unterhaltspflicht von monatlich je Fr. 240.00 für E._ und F._ hinzu –
sich ein tatsächlicher Notbedarf von Fr. 3'800.00 ergebe und nicht ein solcher von
Fr. 3'636.00, wie von der Vorinstanz errechnet. Demzufolge sei ersichtlich, dass
er nicht je Fr. 320.00 für seine Söhne C._ und D._ bezahlen könne
(act. 2 S. 6 f.).
2.2.2. Zum Vorbringen des Klägers, der Erlass sich widersprechender Urteile sei
zu vermeiden, ist zu bemerken, dass die im Eheschutzverfahren – anders als im
Scheidungsverfahren (vgl. Art. 282 ZPO) – gesetzlich nicht vorgeschriebene An-
gabe des der Trennungsvereinbarung zugrunde gelegten Einkommens und Be-
darfs die Überprüfung der Genehmigungsfähigkeit der Vereinbarung im betreffen-
den Eheschutzerfahren und (in einem späteren Zeitpunkt) die Beurteilung, ob sich
die finanziellen Verhältnisse in einer für die Abänderung des Eheschutzentschei-
des wesentlichen Weise verändert haben, erleichtern soll (vgl. Sutter-
Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], a.a.O., Art. 282 N 6 f. und 9). Es han-
delt sich um informative, nicht autoritative Feststellungen. Diese neben der Unter-
- 9 -
haltsverpflichtung in einer in das Dispositiv aufgenommenen und genehmigten
Vereinbarung enthaltenen Tatsachenangaben können bereits deshalb keine bin-
dende Wirkung für das Abänderungsverfahren zwischen dem Kläger und der Be-
klagten haben. Ausgangspunkt des Abänderungsverfahrens bildet einzig und al-
lein die Verfügung des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, vom 25. September
2012. Die Vermeidung von Widersprüchen zwischen zwei Entscheiden, welche
die Unterhaltspflicht des Vaters für seine Kinder aus erster und zweiter Ehe fest-
legen, ist zwar wünschenswert. Hätte der Kläger jedoch die im Eheschutz- und
Abänderungsverfahren unterschiedlich festgestellte Bedarfshöhe rügen wollen,
wäre es an ihm gelegen, sich im Berufungsverfahren mit den vorinstanzlichen Er-
wägungen zu den einzelnen Bedarfspositionen auseinander zu setzen und aufzu-
zeigen, inwiefern diese falsch und zu korrigieren bzw. in Übereinstimmung mit
den im Eheschutzverfahren berücksichtigten Beträgen festzulegen wären. Auch
unter der Geltung der uneingeschränkten Untersuchungs- und der Offizialmaxime
ist es nicht Sache der Rechtsmittelinstanz, in den Akten des Eheschutz- und
Abänderungsverfahrens nachzuforschen, woraus sich die Unterschiede in der
festgestellten Bedarfshöhe ergeben und ob diese gerechtferigt sind. Mit dem pau-
schalen Verweis auf die im Eheschutzentscheid vom 17. März 2014 als Grundla-
ge der dortigen Unterhaltsberechnung festgehaltenen Einkommens- und Bedarfs-
höhe und die darauf gestützte – in Abweichung zu der von der Vorinstanz vorge-
nommenen – Unterhaltsberechnung kommt der Kläger den Anforderungen an die
Berufungsbegründung (vgl. oben Erw. II.3.2.) nicht nach und der Berufung kann
insofern kein Erfolg beschieden werden. Ganz abgesehen davon ist die gerügte
Differenz von Fr. 10.- sachlich doch wohl vernachlässigbar: Eine wesentliche Dis-
krepanz liegt nicht vor und damit auch kein Widerspruch, der diese Bezeichnung
verdiente.
2.3.1. Zu seinem Einkommen macht der Kläger – neben dem Aufzeigen des
Widerspruches zwischen dem Eheschutzentscheid und der vorinstanzlichen Ver-
fügung – geltend, er verdiene tatsächlich brutto Fr. 4'421.10 im Monat. Ausbezahlt
würden ihm netto Fr. 3'897.55, zuzüglich des Anteils am 13. Monatslohn somit ef-
fektiv Fr. 4'222.34 (act. 2 S. 6; act. 3/3).
- 10 -
2.3.2. Mit den vorinstanzlichen Erwägungen zur Einkommensberechnung setzt
sich der Kläger damit nicht konkret auseinander. Er stützt seine Vorbringen allein
auf die im Berufungsverfahren neu eingereichten Lohnabrechnungen Juli und Au-
gust 2014. Gemäss diesen wurde ihm im Juli und August 2014 der von der Vo-
rinstanz angenommene Grundlohn von brutto Fr. 4'421.10 unter Vornahme der
üblichen Abzüge, jedoch keine Schichtzulage ausbezahlt. Zum Nettoeinkommen
gehören auch die Zulagen für Schichtarbeit, wenn diese regelmässig geleistet
wurden und die Schichtarbeit auch zukünftig möglich sowie zumutbar ist. Einzu-
setzen ist ein in den letzten Monaten durchschnittlich erzielter Wert (Six, Ehe-
schutz, Ein Handbuch für die Praxis, 2. A., Bern 2014, S. 134 Rz. 2.131). Das
Vorgehen der Vorinstanz, die nicht jeden Monat resp. die nicht jeden Monat in
gleicher Höhe anfallende Schichtzulage anhand des Vergleichs zwischen dem
Jahre 2013 sowie den ersten sechs Monaten des Jahres 2014 zu bestimmen, ist
nicht zu beanstanden. Indem die Vorinstanz von der Gesamthöhe der Schichtzu-
lagen im Jahr 2013 ausging und erwog, dass bis und mit Juni 2014 bereits
Schichtzulagen fast in gleicher Höhe wie im Vorjahr vergütet worden seien, unter-
stellte sie implizit dem Kläger würden für die Folgemonate allenfalls nur noch ge-
ringere Schichtzulagen ausbezahlt bzw. in gewissen Monaten gar keine. Aus den
neu eingereichten Lohnabrechnungen Juli und August 2014, welche keine Aus-
zahlung einer Schichtzulage ausweisen, kann der Kläger folglich nichts für sich
gewinnen. In Anbetracht der Höhe der letztjährig ausbezahlten Schichtzulagen
von Fr. 725.10 und der bereits bis im Juni 2014 ausbezahlten Schichtzulagen von
Fr. 606.90 ist jedenfalls ohne weiteres davon auszugehen, dass der Kläger bis
Ende Jahr noch Fr. 118.20 an Schichtzulagen wird erzielen können. Dass ihm die
Leistung von Schichtarbeit (gar) nicht mehr möglich oder zumutbar sei, brachte
der Kläger sodann weder vor Vorinstanz noch im Berufungsverfahren vor. Im Üb-
rigen ist darauf hinzuweisen, dass der Kläger auf die Monate Januar bis August
2014 ausgerechnet – trotz dreier Monate ohne Erhalt von Schichtzulagen – immer
noch eine durchschnittliche monatliche Zulage von Fr. 75.85 erhielt, was zum
Grundlohn von 4'222.35 (inklusive 13. Monatslohn) hinzugerechnet einen monat-
lichen Nettolohn von gerundet Fr. 4'298.00 ergibt. Es ist folglich in Übereinstim-
- 11 -
mung mit den vorinstanzlichen Erwägungen von einem monatlichen Nettoein-
kommen des Klägers von rund Fr. 4'290.00 auszugehen.
2.4. Aufgrund obiger Ausführungen ist, entsprechend den vorinstanzlichen Er-
wägungen, von einem monatlichen Bedarf des Klägers von Fr. 3'636.00 (inklusive
der Unterhaltsverpflichtung für die Söhne E._ und F._ von je Fr. 240.00)
auszugehen. Der Kläger erzielt ein anrechenbares monatliches Nettoeinkommen
von Fr. 4'290.00. Mit der Festsetzung der Unterhaltsbeiträge für die Söhne
C._ und D._ von je Fr. 320.00 monatlich wird folglich nicht in den Not-
bedarf des Klägers eingegriffen.
2.5.1. Schliesslich bringt der Kläger vor, in Berücksichtigung des Gleichbehand-
lungsgrundsatzes rechtfertige es sich, den Kindern C._ und D._ maxi-
mal Fr. 240.00 zuzusprechen. Die Kosten für ältere und jüngere Kinder seien et-
wa gleich gross. Bei jüngeren Kindern sei mehr persönlicher Einsatz bzw. Betreu-
ungsaufwand nötig als bei älteren Kindern. Dafür fielen bei älteren Kindern etwas
höhere effektive Kosten an (act. 2 S. 7 f.).
2.5.2. Die Söhne E._ und F._ wurden gemäss dem Eheschutzent-
scheid vom 17. März 2014 unter die Obhut ihrer Mutter gestellt (act. 3/2 S. 5).
Gemäss Scheidungsurteil vom 2. April 2009 stehen die Söhne C._ und
D._ unter der elterlichen Sorge der Beklagten (act. 4/7/29 S. 2). Der Betreu-
ungsaufwand bzw. die Pflege und Erziehung wird folglich von den Müttern er-
bracht. Der Kläger als Vater kann mit dem Argument, für die jüngeren Söhne sei
ein höherer persönlicher Einsatz nötig, daher nichts für sich gewinnen. Er hat – da
die Kinder nicht bei ihm leben – für die Barkosten des Kinderunterhalts aufzu-
kommen (Art. 276 Abs. 2 ZGB; vgl. Hausheer/Geiser/Aebi-Müller, Das Familien-
recht des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 5. A., Bern 2014, Rz. 0.148 f.).
Entsprechend den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz, mit welchen sich der
Kläger wiederum nicht auseinandersetzt, sind die Barkosten bei älteren Kindern
im Übrigen regelmässig höher als bei jüngeren Kindern (vgl. act. 5 S. 14). Auch ist
nochmals hervorzuheben, dass der Gleichbehandlungsgrundsatz keine nominelle
Gleichbehandlung fordert, sondern eine solche nach Massgabe der objektiven,
individuellen Bedürfnisse der Kinder (BGE 126 III 353 E. 2b). Angesichts der fi-
- 12 -
nanziellen Situation der Parteien resp. der Ehefrau des Klägers, dem Alter der
Söhne und der Tatsache, dass bei den älteren Söhnen C._ und D._ un-
bestrittenermassen erhebliche Schulkosten anfallen (vgl. Prot. Vi S. 7; act. 4/29
S. 7 f.), was bei E._ (4 Jahre) und F._ (2 Jahre) noch nicht der Fall ist,
erscheinen die um monatlich je Fr. 80.00 höheren Unterhaltsbeiträge für C._
und D._ jedenfalls als angemessen. Überdies ist anzufügen, dass der Kläger
auch keine gleichmässige Verteilung seines Überschusses auf die vier Kinder,
sondern eine Reduktion der Unterhaltsbeiträge für C._ und D._ auf das
tiefere Niveau der Unterhaltsbeiträge für seine beiden Söhne E._ und
F._ verlangt, was – vor dem Hintergrund seines Einkommens und Bedarfs
(vgl. oben Erw. III.2.4.) – ausschliesslich ihm und nicht den Kindern zugute käme.
Dieses Vorgehen würde dem Sinn und Zweck des Grundsatzes der Gleichbe-
handlung der Geschwister widersprechen (vgl. BGer 5A_62/2007 vom 24. August
2007 E. 6.3).
3. Abschliessend kann somit festgehalten werden, dass die vorinstanzliche Un-
terhaltsfestsetzung weder in den Notbedarf des Klägers eingreift noch den
Grundsatz der Gleichbehandlung der Kinder verletzt. Die Berufung des Klägers ist
folglich abzuweisen und die Verfügung des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung,
vom 15. August 2014 (Geschäfts-Nr. FP140056-L/Z1) ist zu bestätigen.
4. Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass der Kläger darauf hinwies,
dass das Geburtsdatum von C._ im Dispositiv des vorinstanzlichen Ent-
scheides falsch sei (act. 2 S. 8). Dabei dürfte es sich um einen offensichtlichen
Verschrieb handeln. Für eine Berichtigung ist die Rechtsmittelinstanz jedoch nicht
zuständig. Eine solche hat durch die Vorinstanz zu erfolgen (Art. 334 Abs. 1 ZPO;
Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], a.a.O., Art. 334 N 9).
IV.
1. Der Kläger hat mit Eingabe vom 29. August 2014 ein Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege gestellt (act. 2 S. 3). Da die Gewinnaus-
sichten der Berufung von Anfang an beträchtlich geringer waren als die Verlustri-
- 13 -
siken (vgl. vorstehende Erwägungen), ist diese als im armenrechtlichen Sinne
aussichtslos anzusehen und das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist aus
diesem Grund abzuweisen (Art. 117 lit. b ZPO). Weiterungen erübrigen sich.
2. Für das zweitinstanzliche Verfahren rechtfertigt sich in Anwendung von § 12
Abs. 1 und 2 in Verbindung mit § 4 Abs. 1 bis 3 sowie § 8 Abs. 1 der Gebühren-
verordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG) eine Ent-
scheidgebühr von Fr. 800.00.
Die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens sind ausgangsgemäss dem
Kläger aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
3. Der Beklagten ist mangels relevanter Umtriebe im Berufungsverfahren keine
Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 95 Abs. 3 ZPO), dem Kläger nicht,
weil er unterliegt (Art. 106 Abs. 1 ZPO).