Decision ID: 605d6ae8-d017-5c95-9bd7-4d1e0faad983
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 16.08.2011 Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG. Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens. Die Durchführungsstelle hat die Nachweise über Stellenbemühungen rechtsgleich und einheitlich unter Würdigung sämtlicher Umstände des Einzelfalls zu überprüfen und die Betroffenen bei der Stellensuche angemessen zu beraten und zu unterstützen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. August 2011, EL 2010/49). Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und Monika Gehrer-Hug; Gerichtsschreiber Tobias Bolt Entscheid vom 16. August 2011 in Sachen A._, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Curdin Conrad, Bischofszeller Strasse 21a, Postfach, 9201 Gossau SG, gegen Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, betreffend Ergänzungsleistung zur IV Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 14. Februar 2008 zum Bezug von Ergänzungsleistungen (EL)
an (EL-act. 63), nachdem ihm mit Verfügung vom 24. Januar 2008 eine ganze
Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Februar 2005 zugesprochen worden war (EL-act. 64–
7 ff.). Der Anmeldung lagen unter anderem Nachweise über Stellenbemühungen der
Ehefrau des Versicherten für den Zeitraum von März 2006 bis und mit Januar 2008 (mit
Ausnahme des Monats April 2006) bei (EL-act. 64–17 ff.).
A.b Am 9. April 2008 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit, dass bei
der Berechnung der Ergänzungsleistung das zumutbarerweise erzielbare
Erwerbseinkommen der Ehefrau zu berücksichtigen sei; der Versicherte wurde
aufgefordert, entsprechende Fragen zu beantworten (EL-act. 60). Die Ehefrau
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beantwortete die Fragen am 23. April 2008 und legte dem Antwortschreiben diverse
Unterlagen über Stellenbemühungen bei, unter anderem eine Übersicht über die
Stellenbemühungen im März 2008 (EL-act. 58–25). Am 25. April 2008 reichte die
Ehefrau weitere Unterlagen nach, unter anderem eine Übersicht über die
Stellenbemühungen im Februar 2008 (EL-act. 57–5).
A.c Mit Verfügungen vom 7. August 2008 sprach die EL-Durchführungsstelle dem
Versicherten (ordentliche) Ergänzungsleistungen mit Wirkung ab 1. August 2005 – für
den Zeitraum von April bis Juli 2005 war ein Einnahmenüberschuss ermittelt worden –
zu; für die Ehefrau wurde kein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet, doch
wurde sie aufgefordert, sich weiterhin um eine Stelle zu bemühen, die Nachweise
aufzubewahren und der EL-Durchführungsstelle auf entsprechende Anfrage hin
einzureichen (EL-act. 37 ff.).
A.d Mit Verfügung vom 23. Dezember 2008 wurde der EL-Anspruch mit Wirkung ab
1. Januar 2009 erhöht; der Ehefrau des Versicherten wurde wiederum kein
hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet (EL-act. 34).
A.e Am 8. Januar 2009 forderte die EL-Durchführungsstelle den Versicherten auf, die
Stellenbemühungen seiner Ehefrau ab August 2008 einzureichen (EL-act. 32). Die
verlangten Unterlagen gingen der EL-Durchführungsstelle am 3. Februar 2009 zu (EL-
act. 31).
A.f Am 10. Februar 2009 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit, dass
weiterhin auf die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau
verzichtet werde. Die Ehefrau werde jedoch aufgefordert, sich weiterhin zu bewerben;
zumutbar seien zwei bis drei schriftliche Bewerbungen pro Woche, vorwiegend auf
ausgeschriebene Stellen (EL-act. 30).
A.g Am 6. Juli 2009 forderte die EL-Durchführungsstelle den Versicherten auf, die
Nachweise über Stellenbemühungen seit Februar 2009 einzureichen (EL-act. 28). Die
verlangten Unterlagen gingen der EL-Durchführungsstelle am 12. August 2009 zu (EL-
act. 26).
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A.h Am 18. August 2009 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit, dass
die Stellenbemühungen ungenügend seien; verlangt würden zwei bis drei
Bewerbungen pro Woche bzw. zehn Bewerbungen pro Monat (EL-act. 24).
A.i Am 6. Oktober 2009 forderte die EL-Durchführungsstelle den Versicherten auf, die
Nachweise seit August 2009 einzureichen (EL-act. 23). Die verlangten Unterlagen
gingen der EL-Durchführungsstelle am 5. November 2009 zu (EL-act. 21).
A.j Am 12. November 2009 wies die EL-Durchführungsstelle den Versicherten erneut
darauf hin, dass pro Monat mindestens zehn Bewerbungen verlangt würden (EL-
act. 20).
A.k Mit Verfügung vom 28. Dezember 2009 wurde der EL-Anspruch mit Wirkung ab
1. Januar 2010 auf Fr. 3’753.-- pro Monat erhöht (EL-act. 19).
A.l Am 20. Februar 2010 forderte die EL-Durchführungsstelle den Versicherten auf, die
Nachweise seit November 2009 einzureichen (EL-act. 18). Die verlangten Unterlagen
gingen der EL Durchführungsstelle am 14. April 2010 zu (EL-act. 12).
A.m Mit Verfügung vom 29. April 2010 wurde der EL-Anspruch mit Wirkung ab 1. Mai
2010 zufolge Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau im
Betrage von Fr. 40’942.-- auf Fr. 2’820.-- pro Monat herabgesetzt (EL-act. 10).
A.n Dagegen erhob der Versicherte am 31. Mai 2010 Einsprache (EL-act. 7), welche er
am 12. Juli 2010 ergänzte (EL-act. 3). Er beantragte die Neuberechnung des EL-
Anspruchs ohne Berücksichtigung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der
Ehefrau und führte zur Begründung im Wesentlichen aus, die Stellenbemühungen
seiner Ehefrau seien seit Frühling 2006 dokumentiert; sie habe sich zwischenzeitlich auf
über 200 Stellen beworben; dass sie keine Stelle gefunden habe, sei auf die
Wirtschaftslage, aber auch auf ihre persönlichen Verhältnisse, namentlich Alter und
Ausbildung, zurückzuführen; die Vermutung, sie könne ihre Arbeitsfähigkeit effektiv
verwerten, sei widerlegt (EL-act. 3).
A.o Mit Entscheid vom 19. Oktober 2010 wurde die Einsprache abgewiesen. Zur
Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Bewerbungen seien ungenügend;
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die Ehefrau des Versicherten habe sich im Februar und März 2010 nur auf je sieben
Stellen beworben; zudem würden die Bewerbungen immer wieder an die gleichen
Arbeitgeber adressiert; schliesslich seien die Bewerbungen auch qualitativ ungenügend
(EL-act. 69).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 19. Oktober 2010 richtet sich die am
19. November 2010 erhobene Beschwerde, mit der die Neuberechnung des EL-
Anspruchs ohne Berücksichtigung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
beantragt und zur Begründung im Wesentlichen ausgeführt wird, die Ehefrau des
Beschwerdeführers habe angesichts des bisherigen Verlaufs keine Chance, eine Stelle
zu finden, was mittels ausreichender Stellenbemühungen nachgewiesen worden sei;
zudem sei die Anrechnung eines Verzichtseinkommens von über Fr. 40’000.-- pro Jahr
unverhältnismässig (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt unter Verweis auf ihren Entscheid vom
19. Oktober 2010 die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens und die entsprechende Neuberechnung des EL-Anspruchs mit
Wirkung ab 1. Mai 2010 zu Recht erfolgt ist.
2.
2.1 Bei der Berechnung des Anspruchs auf Ergänzungsleistungen sind unter anderem
auch Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist, anzurechnen
(Art. 11 Abs. 1 lit. g des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung [ELG; SR 831.30]). Ein Verzicht auf
Erwerbseinkommen liegt vor, wenn die versicherte Person keine Erwerbstätigkeit
ausübt, obwohl ihr dies zumutbar und möglich wäre, oder wenn sie zwar eine
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Erwerbstätigkeit ausübt und Erwerbseinkünfte erzielt, es ihr aber zumutbar und
möglich wäre, mehr zu verdienen. Ebenso liegt aber auch ein Verzicht auf
Erwerbseinkommen vor, wenn der Ehegatte der versicherten Person in diesem Sinne
auf Erwerbseinkommen verzichtet, weil auch dieser zum Kreis der Leistungsempfänger
gehört und die Geltendmachung eines Anspruchs auf Ergänzungsleistungen somit
missbräuchlich erfolgt, wenn auf die mögliche und zumutbare Erzielung eines
Erwerbseinkommens verzichtet wird. Zur Beantwortung der Frage, ob und allenfalls in
welchem Betrag auf Erwerbseinkommen verzichtet wurde, ist zu ermitteln, wie hoch
das Erwerbseinkommen bei einer zumutbaren und möglichen Ausnützung der
Erwerbsfähigkeit wäre. Bei der Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren
Erwerbseinkommens sind alle Umstände des Einzelfalls, insbesondere beruflich-
erwerbliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen, bei invaliden Personen der
Arbeitsunfähigkeitsgrad, allfällige arbeitsmarktliche Konkurrenznachteile (wie
unterdurchschnittliche berufliche Fähigkeiten oder fehlende Berufserfahrung, fehlende
Sprachkenntnisse, eine erhebliche intellektuelle Einschränkung, eine besondere
geistige Unbeweglichkeit oder ähnliche Nachteile), die Arbeitsmarktlage und die
familiäre Situation zu berücksichtigen (vgl. zum Ganzen Ralph Jöhl,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: SBVR XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel
2007, S. 1759 ff., Rz. 179 ff.).
2.2 Dass ein entsprechendes Einkommen erzielt werden kann, folgt aus der aus der
allgemeinen Lebenserfahrung resultierenden Vermutung, dass eine arbeitswillige und
einsatzfreudige, nötigenfalls auch einen unterdurchschnittlichen Lohn akzeptierende
Person im Allgemeinen eine Arbeitsstelle finden kann. Diese Vermutung wird durch
ernsthafte, aber erfolglose Bewerbungen widerlegt; solche Stellenbemühungen sind
sodann auch Ausdruck der Pflicht, soweit als möglich aus eigener Kraft den
Existenzbedarf zu bestreiten (vgl. hierzu den Entscheid EL 2009/46 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. August 2010, E. 1.4, mit
Hinweisen).
3.
3.1 Bei den Akten liegen Nachweise über Stellenbemühungen für den Zeitraum von
März 2006 bis März 2010 (mit Ausnahme der Monate April 2006 und April 2008 bis Juli
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2008). Da zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer erheblichen Veränderung
des massgebenden Sachverhalts im Sinne von Art. 17 Abs. 2 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die letzte
rechtskräftige Verfügung ist, welche auf einer materiellen Prüfung des Anspruchs
beruht (vgl. BGE 133 V 108), interessiert insbesondere der Zeitraum von Januar 2010
bis März 2010, nachdem der EL-Anspruch mit Verfügung vom 28. Dezember 2009 (EL-
act. 19) letztmals ohne Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
rechtskräftig festgesetzt wurde.
3.2 Im Januar 2010 hat sich die Ehefrau des Beschwerdeführers auf acht Stellen
beworben. Eine der Bewerbungen, nämlich jene als Serviceangestellte bei der B._
(EL-act. 12–18), kann indessen nicht als ernsthafte Stellenbemühung berücksichtigt
werden, nachdem bereits eine Bewerbung im Vormonat (EL-act. 12–28) sowie
Bewerbungen im Dezember 2007 (EL-act. 64–18) und im Dezember 2006 (EL-act. 64–
34)– letztgenannte, weil die Ehefrau des Beschwerdeführers zu alt sei – erfolglos
geblieben waren. Im Februar 2010 und im März 2010 bewarb sich die Ehefrau des
Beschwerdeführers auf je sieben Stellen. Somit ist für den hier interessierenden
Zeitraum von sieben Bewerbungen pro Monat auszugehen.
3.3 Die Beschwerdegegnerin erachtete diese Bemühungen als ungenügend, nachdem
sie mit Schreiben vom 7. August 2008 (EL-act. 38), vom 8. Januar 2009 (EL-act. 32)
und vom 6. Oktober 2009 (EL-act. 23) „zwei bis drei schriftliche Bewerbungen pro
Woche“ und mit Schreiben vom 12. November 2009 (EL-act. 20) „mindestens zehn
Bewerbungen pro Monat“ verlangt hatte. Dabei schien sich die Beschwerdegegnerin
an der älteren Praxis der Arbeitslosenversicherung zu orientieren, wonach regelmässig
zehn bis zwölf Bewerbungen pro Monat verlangt worden waren, wobei aber den
Umständen des Einzelfalls Rechnung zu tragen gewesen war (vgl. etwa ARV 2005
Nr. 6, S. 66, E. 4.1). Diese Praxis ist indessen bei der Arbeitslosenversicherung
überholt. So werden gemäss der seit 1. Januar 2010 gültigen Weisung GL-018 der
Geschäftsleitung des Amts für Arbeit des Kantons St.Gallen pro Monat generell
lediglich noch fünf bis acht Arbeitsbemühungen verlangt, wobei die konkrete Zahl bei
der erstmaligen Vereinbarung und bei jeder Änderung schriftlich festzuhalten ist;
Abweichungen nach oben oder unten sind in Einzelfällen zwar möglich, müssen aber
gegenüber den Versicherten schriftlich und nachvollziehbar begründet werden. Diese
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Vorgaben entfalten zwar für die EL-Durchführungsstelle keine Verbindlichkeit, da sie
sich an die Vollzugsorgane der Arbeitslosenversicherung, namentlich an die kantonale
Amtsstelle und die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV), wenden und die
Anwendung des Arbeitslosenversicherungsrechts zum Gegenstand haben. Indessen
können die Vollzugsorgane der Arbeitslosenversicherung die tatsächliche
Arbeitsmarktsituation besser einschätzen als die EL-Durchführungsstelle, weisen doch
ihre Kernaufgaben unmittelbaren Bezug zu derselben auf. Deshalb liegt es nahe, etwa
die erwähnte Weisung GL-018 auch für die Anwendung des Ergänzungsleistungsrechts
heranzuziehen, soweit dieses Bezug zu Fragen des Arbeitslosenversicherungsrechts
aufweist – nicht im Sinne einer formellen Bindung, sondern vielmehr im Sinne einer
sachlichen Gebotenheit. Anders ausgedrückt sind keine überzeugenden Gründe
ersichtlich, im Bereich des Ergänzungsleistungsrechts deutlich höhere Anforderungen
an Stellenbemühungsnachweise zu stellen als im Bereich der
Arbeitslosenversicherung. In der Regel sollte daher von EL-Bezügern oder von in die
EL-Berechnung mit einbezogenen Personen zurzeit lediglich fünf bis acht Bemühungen
pro Monat verlangt werden, nicht zehn bis zwölf. Davon kann im Einzelfall abgewichen
werden, wenn nachvollziehbare Gründe für eine solche Abweichung vorliegen. Werden
mithin ohne nachvollziehbare Gründe generell zehn bis zwölf Bewerbungen pro Monat
verlangt, so ist dies im Licht der aktuellen Praxis im Arbeitslosenversicherungsrecht als
unzumutbar zu qualifizieren.
3.4 Im vorliegenden Fall – wie auch in anderen, ähnlich gelagerten Fällen, die durch
das Versicherungsgericht des Kantons St.Gallen zu beurteilen waren – fällt auf, dass
die Ehefrau des Beschwerdeführers keine Unterstützung durch die
Beschwerdegegnerin bei der Stellensuche erhalten hat. Auch die konkreten
Anforderungen an die Nachweise wurden nicht klar kommuniziert. So wurde etwa
lediglich in einer internen Notiz vom 21. April 2010 bemängelt, dass die
Bewerbungsschreiben von Hand verfasst worden seien und viele Fehler aufwiesen (EL-
act. 11); entsprechende Optimierungsvorschläge wurden der Ehefrau des
Beschwerdeführers aber offenbar nicht kommuniziert. Zudem war in einer anderen
internen Notiz vom 11. November 2009 noch festgehalten worden, die Bewerbungen
seien inhaltlich korrekt (EL-act. 21–1). Offensichtlich herrschte intern Uneinigkeit oder
zumindest Unklarheit über die konkreten Anforderungen an die Nachweise. Jedenfalls
wurde die Ehefrau des Beschwerdeführers nicht so angeleitet und unterstützt, dass sie
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ihre Bewerbungsbemühungen massgebend hätte verbessern können. Diesbezüglich
besteht Optimierungsbedarf. Sinnvoll erscheint es, wenn die Versicherten, von denen
regelmässig Nachweise über Stellenbemühungen verlangt werden, auch beraten und
unterstützt würden. Diese Beratung und Unterstützung könnte entweder durch
geeignete Mitarbeiter der EL-Durchführungsstelle oder aber durch
Eingliederungsberater der IV-Stelle oder Fachpersonen der kantonalen Amtsstelle bzw.
des RAV erfolgen. Den Betroffenen wäre im Gespräch klar aufzuzeigen, welche
konkreten Bemühungen verlangt werden (Anzahl, Qualität, Verhältnis von
Blindbewerbungen zu solchen auf Inserate usw.) und wie die Bemühungen sowohl
hinsichtlich der Qualität als auch hinsichtlich der Ausrichtung (Branche, Region usw.)
optimiert werden können. Würden die Betroffenen hierfür an ein RAV verwiesen,
müsste den zuständigen Mitarbeitern desselben kommuniziert werden, dass die
Beratung und Unterstützung für die Festlegung des EL-Anspruchs von Bedeutung
wäre, damit nicht etwa vorschnell von eigentlicher Unterstützung abgesehen wird, weil
die Betroffenen als erschwert vermittelbare Langzeitarbeitslose qualifiziert werden.
3.5 Schliesslich besteht auch Handlungsbedarf hinsichtlich der Beurteilung, ob
nachgewiesene Stellenbemühungen als ausreichend qualifiziert werden oder nicht. Im
vorliegenden Fall wurden – ähnlich wie in anderen Fällen auch – die Bemühungen über
einen längeren Zeitraum hinweg intern teilweise als genügend, teilweise als eher
ungenügend qualifiziert, obwohl sich die Ehefrau des Beschwerdeführers über die
Jahre hinweg überaus konstant – und zwar sowohl hinsichtlich Qualität als auch
hinsichtlich Quantität – beworben hat; zuletzt wurde ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet, obwohl sich bezüglich Qualität und Quantität keine
wesentlichen Änderungen ergeben hatten (vgl. EL-act. 11 f., 17, 20 ff., 26, 29 ff., 38 53,
55, 57 f. und 64–17 ff.). Zunächst ist zu bemängeln, dass die Beurteilungen
uneinheitlich erfolgt sind. Es scheint kein klares Beurteilungsraster zur Anwendung
gelangt zu sein. Bei gleichbleibender Qualität und Quantität der
Bewerbungsbemühungen sollten aber an sich gleichlautende Beurteilungen resultieren.
Sodann ist zu bemängeln, dass den gesamten Umständen zu wenig Rechnung
getragen wurde. Der Beschwerdeführer meldete sich am 14. Februar 2008 zum Bezug
von Ergänzungsleistungen an, seine Ehefrau wies aber (konstante) Arbeitsbemühungen
bis in den Monat März 2006 zurück nach (vgl. EL-act. 64–44). Sodann gab der
Beschwerdeführer anlässlich der von der IV-Stelle des Kantons St.Gallen in Auftrag
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gegebenen polydisziplinären Begutachtung im März 2007 an, seine Frau bewerbe sich
ständig um Arbeit, finde aber keine. Er äusserte die Vermutung, seine Ehefrau fände
vielleicht aufgrund ihres Alters keine Stelle, vielleicht aber auch wegen ihres
Übergewichts – im Gastgewerbe stelle man halt lieber ganz junge Frauen an (vgl. EL-
act. 66–8). Bereits zu einem Zeitpunkt, in dem eine Anmeldung zum Bezug von
Ergänzungsleistungen noch nicht im Raum stand, bemühte sich die Ehefrau des
Beschwerdeführers also schon intensiv um eine Stelle. Wie erwähnt, bemühte sie sich
auch anschliessend
– nach Ansicht des RAV offensichtlich genügend intensiv – über Jahre hinweg konstant
um Arbeit. Diesen Umständen wäre entsprechend Rechnung zu tragen gewesen. Es ist
daher zu fordern, dass die Nachweise über Bewerbungsbemühungen unter
Berücksichtigung sämtlicher Umstände des Einzelfalls einheitlich bzw. rechtsgleich
gewürdigt werden, sodass bei gleichbleibender Qualität und Quantität gleichlautende
Beurteilungen resultieren, die sämtlichen Umständen angemessen Rechnung tragen.
3.6 Da die Nachweise über Stellenbemühungen ab Mai 2010 bis zum im vorliegenden
Verfahren massgebenden Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheides vom
19. Oktober 2010 nicht aktenkundig sind, kann vorliegend nicht beurteilt werden, ob
die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens ab Mai 2010 rechtmässig
ist. Die Beschwerdegegnerin wird die entsprechenden Nachweise einzufordern und zu
würdigen haben. Sollte sich ergeben, dass sich die Ehefrau des Beschwerdeführers
weiterhin im selben Umfang und in der selben Qualität auf Stellen beworben hat wie in
den Monaten davor, wäre auch für diesen Zeitraum auf eine Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens zu verzichten. Ähnliches gilt sinngemäss für die
Zeit nach Oktober 2010, die indessen nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens
bildet, nachdem der angefochtene Einspracheentscheid am 19. Oktober 2010 erlassen
wurde. Die Beschwerdegegnerin wird schliesslich auch zu prüfen haben, ob und wie
sie die Ehefrau des Beschwerdeführers bei der Stellensuche unterstützen kann.
4.
4.1 Demnach ist der angefochtene Einspracheentscheid in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur
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Neufestsetzung des EL-Anspruchs ab Mai 2010 im Sinne der Erwägungen
zurückzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind gemäss Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben.
4.3 Der teilweise obsiegende Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Die Parteikosten werden vom Gericht ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Vorliegend war der
Aufwand des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers unterdurchschnittlich, war doch
lediglich eine Position strittig und fand nur ein einfacher Schriftenwechsel statt. Die
Rückweisung einer Sache an die Verwaltung zu weiterer Abklärung und neuer
Verfügung gilt praxisgemäss als volles Obsiegen der Beschwerde führenden Partei
(BGE 132 V 235 E. 6.1 mit zahlreichen Hinweisen). Angesichts des in diesem Sinn
vollen Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, sie zu verpflichten,
den Beschwerdeführer mit Fr. 2’500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht