Decision ID: e0e635c8-2b71-431e-8154-952096ff1cc8
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X wurde am 6. Oktober 2009 der Lernfahrausweis der Kategorie A1 (Motorrad oder
Roller mit maximal 125 ccm ab 18 Jahren bzw. maximal 50 ccm ab 16 Jahren)
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ausgestellt. Am 11. Oktober 2009 verursachte er einen Selbstunfall, weshalb ihm das
Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 9. März 2010 den Lernfahrausweis für einen
Monat vom 17. März bis 16. April 2010 entzog. Am 16. April 2010 sandte das
Strassenverkehrsamt den Lernfahrausweis an X zurück. Im Begleitschreiben wurde er
darauf aufmerksam gemacht, dass er am 17. April 2010 wieder fahrberechtigt sei, und
es wurde ihm eine unfall- und bussenfreie Fahrt gewünscht.
Am Dienstag, 25. Mai 2010, fuhr X mit dem Motorrad Yamaha E auf der mit einem
Fahrverbot belegten Seemühlestrasse in Walenstadt. Er wurde von der Polizei zur
Kontrolle angehalten. Diese stellte fest, dass X es unterlassen hatte, den erforderlichen
Grundkurs zu absolvieren und der Lernfahrausweis daher seine Gültigkeit am 6.
Februar 2010 verloren hatte.
B.- Mit Strafentscheid der Jugendanwaltschaft Uznach vom 21. Juni 2010 wurde X
wegen Nichtbeachtens des Vorschriftssignals "Verbot für Motorräder" schuldig
gesprochen und zu einer Busse von Fr. 100.-- verurteilt.
C.- Am 27. Mai 2010 wurde X ein zweiter Lernfahrausweis für die Kategorie A1
ausgestellt. Das Strassenverkehrsamt entzog ihm mit Verfügung vom 24. Juni 2010
den Lernfahrausweis wegen Lenkens eines Motorrads, obwohl er nicht im Besitz des
Führerausweises der Kategorie A1 war, bzw. dieser abgelaufen war, für die Dauer von
4 Monaten.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Vertreter mit Eingabe vom 9. Juli
2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 24. Juni 2010
aufzuheben und es sei von einem Führerausweisentzug abzusehen. Die Vorinstanz
beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 28. September 2010 die Abweisung des
Rekurses. Auf die Ausführungen zur Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Am 9. November 2010 wurden der Rekurrent und die Vorinstanz aufgefordert,
zusätzliche Unterlagen einzureichen. Die Vorinstanz kam dieser Aufforderung am 16.
November 2010, der Rekurrent am 18. November 2010 nach.
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Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 9. Juli 2010 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz dem Rekurrenten den Führerausweis zu
Recht für die Dauer von 4 Monaten entzogen hat.
a) Die Vorinstanz begründet den Führerausweisentzug damit, dass der Rekurrent am
25. Mai 2010 in Walenstadt ein Motorrad gelenkt habe, obwohl er nicht im Besitz des
Führerausweises der Kategorie A1 gewesen bzw. dieser abgelaufen sei.
Im Rekurs wird geltend gemacht, die Vorinstanz habe dem Rekurrenten nach Ablauf
des einmonatigen Führerausweisentzugs am 16. April 2010 den Lernfahrausweis
retourniert und ihm mitgeteilt, dass er ab dem 17. April 2010 wieder fahrberechtigt sei,
sowie eine unfall- und bussenfreie Fahrt gewünscht. Aufgrund dieses Schreibens sei er
überzeugt gewesen, er sei - wie ihm dies die Vorinstanz als zuständige Behörde
förmlich mitgeteilt habe - fahrberechtigt, zumal er während des Führerausweisentzugs
im März/April 2010 die Verlängerung seines Lernfahrausweises beantragt habe. Er sei
in guten Treuen davon ausgegangen, dass mit der Retournierung des Ausweises und
der ausdrücklichen Mitteilung, dass er ab 17. April 2010 wieder fahrberechtigt sei, die
Verlängerung genehmigt worden sei. Das Schreiben der Vorinstanz vom 16. April 2010
sei eine klare Vertrauensgrundlage. Die Vorinstanz sei zuständig, kompetent und befugt
gewesen, die vertrauensbegründende Auskunft zu erteilen. Der Rekurrent habe sich
darauf verlassen dürfen. Ein überwiegendes, dem Vertrauensschutz
entgegenstehendes öffentliches Interesse sei nicht ersichtlich.
Die Vorinstanz stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, der Hinweis, dass der
Rekurrent nach Ablauf der Entzugsdauer wieder fahrberechtigt sei, sei grundsätzlicher
Natur. Wer ein Motorfahrzeug führe, bedürfe eines gültigen Führer- bzw.
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Lernfahrausweises. Der Rekurrent wäre verpflichtet gewesen, vor Antritt der Fahrt die
Gültigkeit seines Ausweises zu überprüfen. Dabei hätte er leicht feststellen können,
dass der Lernfahrausweis abgelaufen und auch nicht verlängert worden sei. Eine
Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben liege deshalb nicht vor.
In der zusätzlichen Eingabe vom 18. November 2010 ergänzte der Vertreter des
Rekurrenten, die Verlängerung des Lernfahrausweises habe der Rekurrent beantragt,
sobald ihm dies aufgrund seines Spitalaufenthalts möglich gewesen sei. Der Antrag sei
nicht eingeschrieben, sondern mit A-Post eingereicht worden. Die Vorinstanz habe
dem Vater des Rekurrenten auf telefonische Nachfrage mitgeteilt, den
Verlängerungsantrag nicht erhalten zu haben. In strafrechtlicher Hinsicht sei der
Rekurrent nicht wegen Lenkens eines Motorfahrzeugs ohne gültigen Fahrausweis,
sondern wegen Nichtbeachtens des Vorschriftssignals "Verbot für Motorräder" bestraft
worden.
b) Die Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) statuiert den Grundsatz von Treu
und Glauben einerseits als Regel für das Verhalten von Staat und Privaten in Art. 5 Abs.
3 BV und andererseits in Art. 9 BV als grundrechtlichen Anspruch der Privaten
gegenüber dem Staat auf Schutz des berechtigten Vertrauens. Der Grundsatz des
Vertrauensschutzes bedeutet, dass Private Anspruch darauf haben, in ihrem
berechtigten Vertrauen in behördliche Zusicherungen oder in anderes, bestimmte
Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden geschützt zu werden. Der
Vertrauensschutz bedarf zunächst eines Anknüpfungspunktes. Es muss eine
Vertrauensgrundlage vorhanden sein. Darunter ist das Verhalten eines staatlichen
Organs zu verstehen, das bei den betroffenen Privaten bestimmte Erwartungen auslöst.
Eine weitere Voraussetzung ist die Kenntnis der Vertrauensgrundlage und das Fehlen
der Kenntnis der Fehlerhaftigkeit der Vertrauensgrundlage. Auf den Vertrauensschutz
kann sich nur berufen, wer von der Vertrauensgrundlage Kenntnis hatte und ihre
allfällige Fehlerhaftigkeit nicht kannte und auch nicht hätte kennen sollen. Ein
berechtigtes Vertrauen ist auch denjenigen abzusprechen, welche die Mangelhaftigkeit
der Vertrauensgrundlage bei gehöriger Sorgfalt hätten erkennen müssen. Dabei ist auf
die individuellen Fähigkeiten und Kenntnisse der sich auf den Vertrauensschutz
berufenden Person abzustellen (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 6. Auflage 2010, N 624 ff.). Es ist deshalb zu prüfen, ob der Mangel
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der Vertrauensgrundlage dem betreffenden Bürger bei gehöriger Sorgfalt hätte
auffallen müssen (vgl. B. Weber-Dürler, Vertrauensschutz im öffentlichen Recht, Basel
und Frankfurt am Main 1983, S. 94 und 211). Vertrauensschutz kann in der Regel nur
geltend machen, wer gestützt auf sein Vertrauen eine Disposition getätigt hat, die ohne
Nachteil nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Schliesslich darf dem
Vertrauensschutz kein überwiegendes öffentliches Interesse entgegenstehen (Häfelin/
Müller/Uhlmann, a.a.O., N 660 ff.).
Der Schutz der Privaten bei unrichtigen Auskünften der Behörden stellt einen praktisch
besonders wichtigen Anwendungsfall des Vertrauensschutzes dar. Notwendig ist dabei
eine gewisse inhaltliche Bestimmtheit der behördlichen Auskunft; eine lediglich vage
Absichtskundgabe oder ein Hinweis auf eine bisherige Praxis genügt nicht. Hinzu
kommt, dass die Amtsstelle, welche die Auskunft gab, zur Auskunftserteilung zuständig
ist. An die aufzuwendende Sorgfalt darf bei einer behördlichen Auskunft kein allzu
strenger Massstab gelegt werden. Das Vertrauen des Adressaten ist erst dann nicht
mehr gerechtfertigt, wenn er deren Unrichtigkeit ohne Weiteres hat erkennen können
(Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., 668 ff.).
c) Der Rekurrent hat am 31. August 2009 ein Gesuch um Erteilung eines
Lernfahrausweises der Kategorie A1 gestellt, woraufhin ihm ein solcher Ausweis am 6.
Oktober 2009 ausgestellt wurde. Die Gültigkeitsdauer des Lernfahrausweises beträgt
gemäss Art. 16 Abs. 1 lit. a VZV für die Kategorie A und die Unterkategorie A1 4
Monate. Sie kann um 12 Monate verlängert werden, wenn der Nachweis der
erfolgreichen Absolvierung der praktischen Grundschulung nach Art. 19 VZV vorliegt.
Diese Grundschulung muss gemäss Art. 19 Abs. 1 VZV für die Kategorie A und die
Unterkategorie A1 innerhalb von 4 Monaten seit der Erteilung des Lernfahrausweises
absolviert werden. Hat der Fahrschüler die praktische Grundschulung absolviert, hat
der Fahrlehrer die Teilnahme an der Grundschulung sowie das Erreichen der Kursziele
zu bestätigen (Weisungen betreffend die praktische Motorrad-Grundschulung des
ASTRA vom 13. Dezember 2007, Ziff. 42).
Der Rekurrent ist am 11. Oktober 2009 verunfallt, was einen Spitalaufenthalt zur Folge
hatte. Die praktische Grundschulung hat er innerhalb von 4 Monaten seit Ausstellung
des Lernfahrausweises nicht absolviert. Der Lernfahrausweis war damit ab dem
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6. Februar 2010 nicht mehr gültig. Obwohl der Rekurrent keinen gültigen
Lernfahrausweis mehr besass, wurde ihm mit Verfügung vom 9. März 2010 der
Führerausweis für einen Monat entzogen (act. 6/3). Nachdem er den Lernfahrausweis
eingesandt hatte, bestätigte ihm die Vorinstanz am 18. März 2010 die Entzugsdauer
vom 17. März bis 16. April 2010 und wies ihn darauf hin, dass er nach dem
Ablaufdatum wieder berechtigt sei, entsprechende Motorfahrzeuge zu lenken (act. 6/5).
Am 16. April 2010 stellte die Vorinstanz dem Rekurrenten denselben Lernfahrausweis
wieder zu und machte ihn in einem Begleitschreiben darauf aufmerksam, dass er am
17. April 2010 wieder fahrberechtigt sei (act. 5/1, letzte Seite).
d) Die Vorinstanz hat damit in einem individuell an den Rekurrenten gerichteten
Schreiben über eine objektive Tatsache informiert und eine behördliche Erklärung
abgegeben (vgl. Weber-Dürler, a.a.O., S. 195). Es hat sich dabei für den Adressaten
nicht nur um einen Hinweis grundsätzlicher Natur gehandelt. Vielmehr war es eine
fallbezogene Auskunft, die eine konkrete Angelegenheit des Rekurrenten betraf. Ihm
wurde mitgeteilt, dass und ab welchem Tag er wieder fahrberechtigt sei. Damit wurde
eine Vertrauensgrundlage geschaffen.
Im Weiteren sind die kantonalen Verwaltungsbehörden unter anderem für die Erteilung
und den Entzug von Ausweisen zuständig (Art. 22 Abs. 1 SVG). Im Kanton St. Gallen
übt die Vorinstanz die Befugnisse aus, die die Bundesgesetzgebung über den
Strassenverkehr den Kantonen zuweist (Art. 1 Abs. 1 der Einführungsverordnung zum
eidgenössischen Strassenverkehrsgesetz, sGS 711.1, abgekürzt: EinfVO SVG). Das
Schreiben vom 16. April 2010 wurde also von der zuständigen kantonalen Behörde
ausgefertigt. Da der Rekurrent Adressat des Schreibens der Vorinstanz war, hatte er
Kenntnis von der Vertrauensgrundlage (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 656).
Zu prüfen ist deshalb, ob er die Fehlerhaftigkeit des Inhalts des Schreibens bei
gehöriger Sorgfalt hätte erkennen können. Eigentliche Nachforschungen über die
Richtigkeit behördlichen Handelns werden von Privaten nicht erwartet, sondern sie
dürfen sich grundsätzlich darauf verlassen. Anlass zur Überprüfung, etwa durch eine
Rückfrage bei der Behörde, besteht einzig dort, wo die Fehlerhaftigkeit der
Vertrauensgrundlage leicht erkennbar ist, z.B. bei Unklarheiten oder bei offensichtlicher
Unvernünftigkeit einer Verfügung oder Auskunft (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N
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658). Im von der Vorinstanz zitierten Bundesgerichtsentscheid (Urteil des
Bundesgerichts 6A.61/2006) besass der jugendliche Lenker einen abgelaufenen
Führerausweis der Kategorie A1, wurde jedoch als Führer eines auf 45 km/h limitierten
Autos (Kategorie F) von der Polizei kontrolliert. Der Rekurrent machte in jenem Fall im
Rahmen des Vertrauensschutzes geltend, er habe einen Lernfahrausweis der Kategorie
F angefordert, jedoch irrtümlicherweise einen Lernfahrausweis der Kategorie A1
erhalten. Das Bundesgericht kam zum Schluss, dass dem Rekurrenten zuzumuten
gewesen wäre, bei der Aushändigung den Lernfahrausweis im Hinblick auf die
Gültigkeitsdauer und die Kategorie einer einfachen elementaren Prüfung zu
unterziehen, die es erlaubt hätte, sämtliche Unsicherheiten aufzuheben. Anders als im
vorliegenden Fall handelte es sich dabei also um die erste Ausstellung eines
Lernfahrausweises und der Fehler bezog sich insbesondere auf die Ausweiskategorie.
Im vorliegenden Rekurs geht es jedoch nur um die Gültigkeitsdauer eines bereits
bestehenden Lernfahrausweises. Von einem 17-Jährigen kann nicht erwartet werden,
dass er eine diesbezügliche Auskunft der zuständigen Behörde anzweifelt,
insbesondere dann nicht, wenn sie so klar ist, wie diejenige im Schreiben der
Vorinstanz. Darin wurde nicht nur bestätigt, dass der Rekurrent wieder fahrberechtigt
ist, es wurde sogar ein genaues Datum dafür genannt. Untermauert wurde die wieder
bestehende Fahrberechtigung zudem mit dem Wunsch einer unfall- und bussenfreien
Fahrt und der Rücksendung des bisherigen Lernfahrausweises. Dass darauf das
Gültigkeitsdatum nicht angepasst wurde, ändert daran nichts. Zusammen mit der
Formulierung im Begleitschreiben durfte der Rekurrent davon ausgehen, ihm sei es
wieder gestattet, Motorrad zu fahren. Es handelte sich nicht um einen Fehler der
Vorinstanz, den der Rekurrent ohne weiteres hätte erkennen müssen.
Schliesslich wäre der Rekurrent ohne das durch das Schreiben der Vorinstanz
begründete Vertrauen nicht wieder gefahren. Die Voraussetzung einer kausalen
Vertrauensbetätigung ist damit ebenfalls erfüllt. Entgegenstehende überwiegende
öffentliche Interessen sind nicht ersichtlich. Der Rekurrent kann sich damit auf den
Vertrauensschutz berufen.
e) Das Prinzip des Vertrauensschutzes soll verhindern, dass die Privaten infolge ihres
Vertrauens in das Verhalten von Behörden einen Nachteil erleiden (vgl. Häfelin/Müller/
Uhlmann, a.a.O., N 697). Die Behörde wird bei der vertrauensbegründenden Äusserung
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behaftet und gezwungen, sich gemäss den erweckten Erwartungen zu verhalten. Der
Vertrauensschutz bewirkt die Verbindlichkeit von Auskünften und Zusagen (vgl. Weber-
Dürler, a.a.O., S. 129).
Der Rekurrent durfte demnach davon ausgehen, ab dem 17. April 2010 wieder
fahrberechtigt zu sein. Daher kann ihm weder vorgeworfen werden, ein Motorfahrzeug
geführt zu haben, ohne den Führerausweis für die entsprechende Kategorie zu besitzen
(Art. 16b Abs. 1 lit. c SVG), noch ein Motorfahrzeug geführt zu haben, ohne einen
Führerausweis zu besitzen (Art. 14 Abs. 2 SVG). Deshalb kann auch offen gelassen
werden, welcher der beiden Artikel zur Anwendung gelangen würde, d.h. ob ein
viermonatiger Führerausweisentzug oder eine sechsmonatige Sperrfrist zur
Beantragung eines neuen Lernfahr- noch Führerausweis die Folge gewesen wären.
Diese Beurteilung deckt sich mit der strafrechtlichen Behandlung des Vorfalls vom 25.
Mai 2010. Der Rekurrent wurde diesbezüglich von der Jugendanwaltschaft
(Untersuchungsamt Uznach) nicht des Lenkens eines Motorfahrzeugs ohne gültigen
Fahrausweis schuldig erklärt, sondern lediglich des Nichtbeachtens des
Vorschriftssignals "Verbot für Motorräder" (Strafentscheid vom 21. Juni 2010). Den
Strafverfolgungsbehörden war einerseits bekannt, dass der Lernfahrausweis im
Zeitpunkt der polizeilichen Anhaltung abgelaufen war und andererseits die Vorinstanz
dem Rekurrenten den (abgelaufenen) Lernfahrausweis zurückgeschickt hatte mit dem
Hinweis auf die Fahrberechtigung ab 17. April 2010.
Der Rekurs ist somit gutzuheissen und die angefochtene Verfügung vom 26. Juni 2010
aufzuheben.
3.- a) Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu
tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Es gilt der
Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens oder Unterliegens
(Hagmann, a.a.O., S. 267 f.). Der Rekurrent ist mit seinem Antrag auf Aufhebung der
angefochtenen Verfügung durchgedrungen. Die amtlichen Kosten sind daher vom
Staat zu tragen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist angemessen (vgl. Art. 7 Ziff.
122 der Gerichtskostenverordnung, in: Amtsblatt des Kantons St. Gallen Nr.
52/27.12.2010, S. 4042 ff.). Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem Rekurrenten den
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- zurückzuerstatten.
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b) Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Im vorliegenden Fall war im Hinblick auf Fragen im
Zusammenhang mit dem Prinzip des Vertrauensschutzes der Verzicht auf den Beizug
eines Rechtsvertreters im Rekursverfahren nicht zumutbar. Eine Kostennote ist nicht
eingereicht worden. Angesichts des Aktenumfangs, des Aufwands für die
Rekurseingabe und die zusätzliche Stellungnahme erscheint eine Entschädigung von
Fr. 1'700.-- (Barauslagen und Mehrwertsteuer inbegriffen) als angemessen (vgl. Art. 19,
22 Abs. 1 lit. b, 28 und 29 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten; sGS 963.75). Zufolge Obsiegens sind dem Rekurrenten die
ausseramtlichen Kosten vollumfänglich zu entschädigen (Art. 98 VRP).
Kostenpflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).