Decision ID: cfacb687-217f-4417-8b73-aa79f7d5f2c4
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. besitzt seit 2. Juli 2001 die Bewilligung zum Betrieb eines Taxis mit
Berechtigung zur Benützung der öffentlichen Standplätze auf dem Gebiet der Stadt
St. Gallen. Nachdem die Stadtpolizei im Jahr 2014 festgestellt hatte, dass gegen ihn
mehrere Betreibungsbegehren und offene Verlustscheine über rund CHF 36‘000
vorlagen, eröffnete sie ein Verfahren zum Entzug der Bewilligung. Das Verfahren wurde
am 28. April 2014 sistiert und X.Y. aufgefordert, bis 31. Oktober 2014 die Befriedigung
seiner Gläubiger nachzuweisen. Am 6. November 2014 wies er monatliche Zahlungen
von CHF 500 – insgesamt CHF 2‘000 – an das Betreibungsamt nach. Mittlerweile lagen
offene Verlustscheine über knapp CHF 50‘000 vor. Das Entzugsverfahren blieb weiter
sistiert. X.Y. leistete am 19. Februar 2015 dem Betreibungsamt eine Depotzahlung von
CHF 20‘000. Die weiteren monatlichen Ratenzahlungen von CHF 500 wies er nicht
mehr nach. Am 31. März 2015 bestanden noch offene Verlustscheine über knapp
CHF 39‘000 und offene Forderungen über etwas mehr als CHF 70‘000. Wegen
monatlicher Ratenzahlung von CHF 800 für einen Fahrzeugkredit war X.Y. eine weitere
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Schuldenrückzahlung nicht mehr möglich. Obwohl er im August 2015 die monatliche
Rückzahlung von CHF 500 wieder aufgenommen hatte, entzog ihm die Stadtpolizei
St. Gallen mit Verfügung vom 26. August 2015 die Bewilligung für den Betrieb des
Taxis.
B. Das Volkswirtschaftsdepartement hiess den von X.Y. gegen den Bewilligungsentzug
erhobenen Rekurs mit Entscheid vom 9. Dezember 2015 im Wesentlichen mit der
Begründung gut, es fehle an einem öffentlichen Interesse, die Bewilligung für den
Betrieb eines Taxis davon abhängig zu machen, dass der Betreiber weder fruchtlos
gepfändet worden sei noch Verlustscheine gegen ihn vorlägen.
C. Die Politische Gemeinde St. Gallen (Beschwerdeführer) erhob gegen den
Rekursentscheid des Volkswirtschaftsdepartements (Vorinstanz) vom 9. Dezember
2015 (versandt am 10. Dezember 2015) mit Eingabe 18. Dezember 2015 und
Ergänzung vom 23. Februar 2016 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem
Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene
Entscheid aufzuheben und X.Y. (Beschwerdegegner) zu verpflichten, die Kosten des
Rekursverfahrens zu tragen, eventualiter sei das Verfahren zu neuer Entscheidung an
die Vorinstanz zurückzuweisen.
Mit Vernehmlassung vom 17. März 2016 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der
Beschwerde. Der Beschwerdegegner beantragte mit Vernehmlassung seines
Rechtsvertreters vom 30. März 2016, die Beschwerde sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge abzuweisen. Die Beschwerdeführerin nahm am 3. Mai 2016
Stellung zu den Vernehmlassungen. Sie reichte eine Mitteilung des
Beschwerdegegners an die Stadtpolizei zu den Akten, wonach er seit 1. Mai 2014
einen vollamtlichen Taxichauffeur angestellt habe. Die Eingabe und das neue
Beweismittel wurden der Vorinstanz und dem Beschwerdegegner am 9. Mai 2016 zur
Kenntnis gebracht.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Mit dem
angefochtenen Rekursentscheid wurde die Verfügung der Beschwerdeführerin, mit
welcher sie dem Beschwerdegegner die Taxibetriebsbewilligung entzog, aufgehoben.
Indem sie vor Verwaltungsgericht eine Verletzung ihrer Gemeindeautonomie geltend
macht, tut sie ein schutzwürdiges Interesse dar und ist dementsprechend zur Erhebung
der Beschwerde befugt (vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP; Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 448). Die
Beschwerde gegen den am 10. Dezember 2015 versandten Rekursentscheid wurde mit
vom Stadtpräsidenten unterzeichneter Eingabe vom 18. Dezember 2015 rechtzeitig
erhoben und erfüllt zusammen mit der namens des Stadtrates eingereichten Ergänzung
vom 23. Februar 2016 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP;
Art. 89 Abs. 1 und Art. 90 des Gemeindegesetzes, sGS 151.2, GG; Art. 25 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 8 Abs. 1 des Geschäftsreglements des Stadtrats, sRS 173.1). Auf
die Beschwerde ist dementsprechend einzutreten.
2. In tatsächlicher Hinsicht ist davon auszugehen, dass gegen den Beschwerdegegner
gemäss Auskunft des Betreibungsamts vom 18. September 2015 offene Verlustscheine
über knapp CHF 38‘600 und ein Zahlungsbefehl über knapp CHF 1‘800 bestanden
(act. 12-6/21+22). Umstritten ist, ob es dieser Umstand rechtfertigt, dem
Beschwerdegegner die Taxibetriebsbewilligung zu entziehen, und ob der
vorinstanzliche Entscheid, mit welchem die Entzugsverfügung aufgehoben wurde, die
Beschwerdeführerin in ihrer Autonomie verletzt.
3. Art. 50 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR
101, BV) gewährleistet die Gemeindeautonomie nach Massgabe des kantonalen
Rechts. Nach der Rechtsprechung sind Gemeinden in einem Sachbereich autonom,
wenn das kantonale (oder eidgenössische) Recht diesen nicht abschliessend ordnet,
sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde zur Regelung überlässt und ihr dabei
eine relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit einräumt. Der geschützte
Autonomiebereich kann sich auf die Befugnis zum Erlass oder Vollzug eigener
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kommunaler Vorschriften beziehen oder einen entsprechenden Spielraum bei der
Anwendung kantonalen oder eidgenössischen Rechts betreffen. Der Schutz der
Gemeindeautonomie setzt eine solche nicht in einem ganzen Aufgabengebiet, sondern
lediglich im streitigen Bereich voraus. Im Einzelnen ergibt sich der Umfang der
kommunalen Autonomie aus dem für den entsprechenden Bereich anwendbaren
kantonalen Verfassungs- und Gesetzesrecht (vgl. BGer 2C_274/2014 vom 29. Juli 2014
E. 2.1 mit Hinweisen auf BGE 138 I 242 E. 5.2, 136 I 395 E. 3.2.1, 265 E. 2.1, 135 I 233
E. 2.2 je mit weiteren Hinweisen). Art. 89 der Kantonsverfassung (sGS 111.1, KV) regelt
die Gemeindeautonomie. Danach ist die Gemeinde autonom, soweit das Gesetz ihre
Entscheidungsfreiheit nicht einschränkt (Abs. 1). In der Rechtsetzung hat die Gemeinde
Entscheidungsfreiheit, wenn das Gesetz keine abschliessende Regelung trifft oder die
Gemeinde ausdrücklich zur Rechtsetzung ermächtigt (Abs. 2). Nach Art. 90 KV erfüllt
die Gemeinde die Aufgaben, die der Kanton ihr durch Verfassung und Gesetz zuweist,
sowie im Rahmen ihrer Autonomie Aufgaben, die sie im öffentlichen Interesse selbst
wählt. Gemäss Art. 3 Abs. 1 GG setzt die Gemeinde Recht durch die
Gemeindeordnung sowie durch Reglemente und Vereinbarungen (Satz 1), welche
allgemein verbindlich Rechte und Pflichten der Gemeinde und der Bürgerinnen und
Bürger sowie die Organisation der Behörden regelt (Satz 2).
Die Verfahrensbeteiligten gehen übereinstimmend davon aus, dass die
Beschwerdeführerin zur Regelung des Taxigewerbes auf ihrem Gemeindegebiet befugt
ist und ihr sowohl bei der Ausgestaltung als auch bei der Auslegung und Anwendung
der Rechtsgrundlagen mangels Vorgaben im Bundesrecht – das Strassenverkehrsrecht
des Bundes umfasst in Übereinstimmung mit Art. 82 Abs. 1 BV keine
gewerbepolizeilichen Vorschriften über das Autotransportgewerbe (vgl. BGE 99 Ia 389
E. 2; R. Schaffhauser, in: Ehrenzeller/Schindler/ Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die
schweizerische Bundesverfassung, 3. Aufl. 2014, N 2 zu Art. 82 BV) – und im
kantonalen Recht – das kantonale Strassengesetz (sGS 732.1, StrG) regelt vorab den
Bau, den Unterhalt und die Benutzung der öffentlichen Strassen und enthält ebenfalls
keine gewerbepolizeilichen Vorschriften – eine erhebliche Entscheidungsfreiheit
zukommt. Gemäss Art. 26 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und
Konkurs (SR 281.1, SchKG) können die Kantone, soweit nicht Bundesrecht anwendbar
ist, an die fruchtlose Pfändung und die Konkurseröffnung öffentlich-rechtliche Folgen
(wie Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter, zur Ausübung
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bewilligungspflichtiger Berufe und Tätigkeiten) knüpfen; ausgeschlossen sind die
Einstellung im Stimmrecht und im aktiven Wahlrecht sowie die Publikation der
Verlustscheine. In der Literatur wird darauf hingewiesen, auf kantonaler Ebene würden
insbesondere noch im Taxi- und Gastgewerbe geordnete finanzielle Verhältnisse
verlangt (vgl. E. Muster, in: D. Hunkeler [Hrsg.], Kurzkommentar SchKG, 2. Aufl. 2014,
N 11 zu Art. 26 SchKG).
Wer auf dem Gebiet der Beschwerdeführerin einen Taxibetrieb führen will, benötigt
gemäss Art. 3 Abs. 1 des Taxireglements (sRS 713.1) eine – persönliche und nicht
übertragbare – Betriebsbewilligung. Sie wird entsprechend Art. 5 Abs. 1 Ingress und lit.
c des Taxireglements erteilt, wenn der Bewerber Gewähr bietet für eine einwandfreie
Erfüllung der übernommenen Tätigkeit, insbesondere für eine vorschriftsgemässe
Geschäftsführung. Sind die Voraussetzungen für die Erteilung nicht mehr erfüllt, wird
die Bewilligung entzogen (Art. 8 Abs. 1 Taxireglement). Art. 1c Ingress und lit. a des
Reglements des Stadtrats zum Vollzug des Taxireglements (nachfolgend
Vollzugsreglement) konkretisiert die Voraussetzung der Gewähr für eine einwandfreie
Erfüllung der übernommenen Tätigkeit, insbesondere für eine vorschriftsgemässe
Geschäftsführung gemäss Art. 5 Abs. 1 Ingress und lit. c Taxireglement hinsichtlich der
wirtschaftlichen Verhältnisse des Taxibetreibers. Danach kann die Betriebsbewilligung
nicht erteilt werden, wenn der Gesuchsteller in den letzten fünf Jahren in Konkurs
geraten ist oder bei ihm eine fruchtlose Pfändung vollzogen worden ist. Dass der
Beschwerdegegner diese Voraussetzungen für die Erteilung einer Betriebsbewilligung
für Taxi nicht mehr erfüllt und die einschlägigen kommunalen Vorschriften im
Taxireglement und in der dazu ergangenen Vollzugsverordnung den ermessensweisen
Entzug der Taxibetriebsbewilligung zulassen, ist offensichtlich und unbestritten.
4. Die Gemeindeautonomie, auf die sich die Beschwerdeführerin beruft, wird
insbesondere durch die in Art. 27 BV und Art. 2 Ingress und lit. u KV
verfassungsrechtlich geschützte Wirtschaftsfreiheit begrenzt. Zu prüfen ist vor diesem
Hintergrund, ob die Vorinstanz die Wirtschaftsfreiheit, auf die sich der
Beschwerdegegner beruft, im Autonomiebereich der Beschwerdeführerin ohne
Rechtsverletzung angewendet hat.
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4.1. Art. 27 BV gewährleistet den Schutz der Wirtschaftsfreiheit (Abs. 1), welche
insbesondere die freie Wahl des Berufes sowie den freien Zugang zu einer
privatwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit und deren freie Ausübung umfasst (Abs. 2).
Abweichungen vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit, insbesondere auch
Massnahmen, die sich gegen den Wettbewerb richten, sind gemäss Art. 94 Abs. 4 BV
nur zulässig, wenn sie in der Bundesverfassung vorgesehen oder durch kantonale
Regalrechte begründet sind. Zwischen den Verfahrensbeteiligten ist unbestritten, dass
die Tätigkeit als Taxihalter in den Geltungsbereich der Wirtschaftsfreiheit gemäss Art.
27 BV fällt und die polizeilich begründete Bewilligungspflicht keine Abweichung vom
Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit darstellt (vgl. BGE 121 I 129 E. 4, BGer 2C_940/2010
vom 17. Mai 2011 E. 4.8 mit Hinweisen auf weitere Rechtsprechung, 2P.167/1999 vom
25. Mai 2000 E. 2a). Im Übrigen haben auch Einschränkungen der Wirtschaftsfreiheit
den Voraussetzungen von Art. 36 BV zu genügen. Der von der Beschwerdeführerin
gegenüber dem Beschwerdegegner verfügte Entzug der Taxibetriebsbewilligung muss
sich auf eine ausreichende gesetzliche Grundlage stützen (dazu nachfolgend Erwägung
4.2), durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt (dazu nachfolgend Erwägung 4.3)
und verhältnismässig sein (dazu nachfolgend Erwägung 4.4).
4.2. Die Anforderungen an die wirtschaftlichen Verhältnisse des Taxibetreibers sind in
einem von der Exekutive der Beschwerdeführerin erlassenen Vollzugsreglement
geregelt. Da es sich bei der Bewilligungspflicht um einen schweren Eingriff in die
Wirtschaftsfreiheit handelt, sind entsprechend Art. 36 Abs. 1 Satz 2 BV die
Bewilligungspflicht als solche und die Anforderungen für die Erteilung der Bewilligung
in ihren Grundzügen in einem formellen Gesetz vorzusehen. Das Gesetz darf die nähere
Ausgestaltung einer nachgeordneten Instanz überlassen (vgl. BGE 125 I 322 E. 3b). Ein
kommunaler Erlass ist einem formellen Gesetz gleichgestellt, wenn er von der nach
dem kantonalen Recht ermächtigten Gemeindelegislative (Gemeindeversammlung oder
Gemeindeparlament) beschlossen wurde oder aber dem (obligatorischen oder
fakultativen) Referendum unterstand (vgl. für polizeilich begründete Eingriffe in die
Meinungsfreiheit BGer 1P.336/2005 vom 20. September 2005 E. 5.4; für das
Abgaberecht beispielsweise BGer 2C_365/2012 vom 11. Februar 2013 E. 5.1 mit
Hinweis auf BGE 120 Ia 265 E. 2a; für Quoten und Kontingente für Zweitwohnungen
BGE 135 I 233 E. 2.1). Dass das vom Grossen Gemeinderat (seit 1. Januar 2005:
Stadtparlament) unter dem Vorbehalt des fakultativen Referendums erlassene
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Taxireglement, welches als Voraussetzung für die Erteilung einer
Taxibetriebsbewilligung unter anderem die Gewähr für eine vorschriftsgemässe
Geschäftsführung verlangt, zusammen mit der Konkretisierung im Vollzugsreglement
des Stadtrates, wonach die Gewähr nicht bietet, wer in den letzten fünf Jahren in
Konkurs geraten oder fruchtlos gepfändet worden ist, diesen Anforderungen genügt, ist
zu Recht unbestritten.
4.3. Als zulässiges öffentliches Interesse zur Rechtfertigung eines Eingriffes in die
Wirtschaftsfreiheit gelten insbesondere die öffentliche Sicherheit sowie Treu und
Glauben im Geschäftsverkehr (vgl. anstelle vieler BGE 125 I 335 E. 2a). Da der Taxi-
Service in seiner Funktion und seiner Bedeutung einem öffentlichen Dienst sehr nahe
steht, ist die Bewilligungspflicht ein angemessenes Mittel, um eine wirksame
gewerbepolizeiliche Aufsicht durchführen zu können (vgl. BGE 99 Ia 389 E. 3). Daran
ändert nichts, dass mit internetbasierten Angeboten zum entgeltlichen individuellen
Personentransport die Bewilligungspflicht für die Taxihalter missachtet oder umgangen
wird. Ob das Interesse an der öffentlichen Sicherheit und insbesondere an der
Gewährleistung von Treu und Glauben im Geschäftsverkehr es rechtfertigt, die
Bewilligung zum Betrieb von Taxis davon abhängig zu machen, dass der Betreiber
nicht in Konkurs gefallen oder fruchtlos gepfändet worden ist, ist Gegenstand der
Prüfung der Verhältnismässigkeit.
4.4. Inwieweit die öffentliche Sicherheit durch Taxibetreiber, welche in Konkurs gefallen
oder fruchtlos gepfändet worden sind, bedroht sein sollte, wird auch von der
Beschwerdeführerin nicht substantiiert dargelegt. Zu prüfen ist, ob diese
Voraussetzung zum Schutz von Treu und Glauben im Geschäftsverkehr geeignet (dazu
nachfolgend Erwägung 4.4.1) und erforderlich ist (dazu nachfolgend Erwägung 4.4.2).
4.4.1. Der Taxihalter steht in vielfachen wirtschaftlichen Beziehungen, insbesondere zu
Angestellten, Lieferanten und zum Gemeinwesen sowie – in erster Linie – zu den
Taxibenützern. Angestellte und Lieferanten tragen – wie jeder andere Arbeitnehmer und
Lieferant in anderen Branchen auch – das Risiko der Insolvenz des Arbeitgebers und
Geschäftspartners. Diesbezüglich bezweckt die Voraussetzung einen sozialpolitischen
und gewerbepolizeilichen Schutz, der in anderen Branchen nicht gewährt wird.
Vergleichbares gilt für das Verhältnis des Taxibetreibers zum Gemeinwesen, dem er für
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die Ausübung der Tätigkeit Gebühren schuldet (vgl. Gebührentarif betreffend das
Taxiwesen, sRS 713.112). Das Inkassorisiko des Fiskus für Gebühren bedarf
gegenüber Taxibetreibern keines besonderen Schutzes.
Der von der Beschwerdeführerin mit der Regelung beabsichtigte Schutz der Kundinnen
und Kunden im gewerblichen individuellen Personentransport vor finanzieller
Übervorteilung müsste in erster Linie beim Taxifahrer anknüpfen. Dieser entscheidet
über die Route und damit über den Fahrpreis und wickelt die Zahlung mit dem Kunden
ab. Hängt sein Lohn – auch – vom erzielten Umsatz ab, besteht auch beim Taxifahrer,
der selbst nicht über die Betriebsbewilligung verfügt, die Gefahr, dass er den Fahrgast
übervorteilt. Diese Bewilligung müsste die Beschwerdeführerin – was sie im Übrigen
selbst nicht bestreitet – dem Beschwerdegegner allerdings erteilen. Die Konkretisierung
der Gewähr für eine einwandfreie Berufsausübung des Taxifahrers in Art. 6bis
Vollzugsreglement enthält keine Anforderungen hinsichtlich seiner wirtschaftlichen
Verhältnisse. Wer auf Stadtgebiet als Fahrer eines Taxis tätig sein will, benötigt gemäss
Art. 13 Abs. 1 Taxireglement eine Fahrbewilligung. Deren Erteilung setzt unter anderem
voraus, dass der Bewerber Gewähr für eine einwandfreie Berufsausübung bietet (Art.
13bis Ingress und lit. b Taxireglement). Die Fahrbewilligung wird entzogen, wenn
begründete Zweifel an der einwandfreien Berufsausübung bestehen (Art. 13ter Abs. 1
Taxireglement).
Auf die wirtschaftliche Beziehung zu den Taxibenützern wirkt der Taxihalter insofern
ein, als er den Tarif festlegt. Verschiedene bestehende Regelungen bieten Schutz vor
überhöhten Tarifen. Der Tarif ist im Wageninnern und mindestens auf der rechten
Fahrzeugaussenseite in gut lesbarer Weise bekanntzugeben. Im Wageninnern müssen
die Tarifansätze sowohl vom vorderen als auch vom hinteren Sitz des Wagens
problemlos erkennbar sein. Mit der Aufschrift „Trinkgeld inbegriffen“ ist deutlich zu
kennzeichnen, dass das Trinkgeld in der Fahrtaxe inbegriffen ist. Während der Fahrt
muss der geschuldete Fahrpreis für Fahrgäste auf der Taxuhr jederzeit erkennbar sein
(Art. 19 Taxireglement). Diese Vorschriften schliessen allerdings nicht aus, dass ein
Taxihalter – insbesondere nachdem die Beschwerdeführerin den Schutz der Kunden
vor unangemessenen Fahrpreisforderungen durch die Festlegung zulässiger
Höchstansätze für Grund- und Fahrtaxen sowie Wartezeit und Transport mit dem
Nachtrag I zum Taxireglement vom 19. September 2001 (cRS 2002 S. 27) aufgehoben
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hat – einen nicht mehr marktgerechten Tarif festlegt, den der Kunde unter Umständen
nicht auf die Marktkonformität prüfen kann. Im Verhältnis zum Kunden ist auch die –
von aussen nicht erkennbare und vom Kunden auch nicht zu überprüfende –
Betriebssicherheit des Fahrzeugs wie beispielsweise das Reifenprofil von Belang. Die
permanente Betriebssicherheit kann nicht allein mit den vorgeschriebenen Prüfungen
durch die Motorfahrzeugkontrolle und polizeilichen Verkehrskontrollen garantiert
werden.
Auch wenn Taxihalter, welche nicht in Konkurs gefallen oder fruchtlos gepfändet
worden sind, unter Umständen zur Gewinnmaximierung ebenfalls bei der
Betriebssicherheit des Fahrzeuges sparen oder überhöhte Tarife festlegen, ist die
Voraussetzung, wie sie Art. 1c Ingress und lit. a Vollzugsverordnung vorsieht, geeignet,
Treu und Glauben im Geschäftsverkehr zu schützen.
4.4.2. Den besonderen öffentlichen Interessen am Schutz der Kunden eines
Taxibetreibers, der in Konkurs geraten oder fruchtlos gepfändet wurde, kann indessen
auch Rechnung getragen werden, ohne dass ihm die Bewilligung entzogen wird. Er
kann verpflichtet werden, den Behörden den von ihm festgesetzten Tarif bekannt zu
geben und die eingesetzten Fahrzeuge regelmässig unter entsprechenden Gebühren
polizeilich auf ihre Betriebssicherheit prüfen zu lassen. Die Beschwerdeführerin selbst
hat mit dem Entzug der Betriebsbewilligung über lange Zeit zugewartet und schliesslich
einem allfälligen Rekurs gegen ihre Verfügung auch die aufschiebende Wirkung nicht
entzogen. Sie ist damit davon ausgegangen, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse des
Beschwerdegegners nicht zu einer umgehend zu vermeidenden Gefährdung von Treu
und Glauben im Geschäftsverkehr und der Sicherheit der Kunden führt.
Dass die in Art. 5 Abs. 1 lit. c der Vollzugsverordnung zum Taxireglement
vorgeschriebene Voraussetzung nicht mit einem überwiegenden öffentlichen Interesse
gerechtfertigt werden kann, zeigt auch ein Blick auf andere bewilligungspflichtige
Berufstätigkeiten. Eine vergleichbare Regelung findet sich im kantonalen Recht –
soweit ersichtlich – noch bei der Zulassung als Privatdetektiv (vgl. Art. 6 Abs. 2 Ingress
und lit. d der Privatdetektivverordnung, sGS 451.13) und als Grund für den Entzug des
Fähigkeitsausweises der Grundbuchverwalter (vgl. Art. 15 Abs. 1 Ingress und lit. b der
Verordnung über die Prüfung und den Fähigkeitsausweis der Grundbuchverwalter, sGS
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914.45). Demgegenüber genügt selbst für die Zulassung zur Ausübung eines
universitären Medizinalberufs gemäss Art. 36 des Bundesgesetzes über die
universitären Medizinalberufe (Medizinalberufegesetz; SR 811.11, MedBG) unter dem
Aspekt der persönlichen Voraussetzungen, dass der Gesuchsteller vertrauenswürdig
ist, wobei die wirtschaftlichen Verhältnisse jedenfalls nicht unmittelbar von Belang sind
(vgl. dazu B. Etter, Medizinalberufegesetz, Stämpflis Handkommentar, Bern 2006, N 9
zu Art. 36 MedBG; J.-F. Dumoulin, in: Ayer/Kieser/Poledna/Sprumont [Hrsg.],
Medizinalberufegesetz, Kommentar, Basel 2009, N 23 ff. zu Art. 36 MedBG). Auch das
Gastwirtschaftsgesetz (sGS 553.1) setzt für die Patenterteilung in Art. 7 Ingress und
lit. c die Gewähr für eine einwandfreie Betriebsführung voraus, konkretisiert aber den
Begriff in Art. 8 nicht – jedenfalls nicht ausdrücklich – dahingehend, dass der
Gesuchsteller nicht in Konkurs gefallen oder fruchtlos gepfändet worden sein darf.
5. Zusammenfassend ergibt sich deshalb, dass die Voraussetzung gemäss Art. 1c
Ingress und lit. a des Vollzugsreglements zum Taxireglement der Beschwerdeführerin
zur Erteilung einer Taxibetriebsbewilligung zu einem unzulässigen Eingriff in die
Wirtschaftsfreiheit der Bewerber führt, weil der damit beabsichtigte Schutz von Treu
und Glauben im Geschäftsverkehr auch mit milderen Massnahmen als mit einer
Verweigerung der Bewilligung erreicht werden kann. Die Beschwerde erweist sich
deshalb als unbegründet. Sie ist abzuweisen.
6. (...).