Decision ID: 9b5477ab-4236-4efd-b40e-d4d070444a30
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Mord etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 13. Dezember 2019 (DG190008)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 5. Februar
2019 ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− der Gehilfenschaft zu Mord im Sinne von Art. 112 StGB i.V.m. Art. 25 StGB (Dossier 1)
− des qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB (Dossier 2)
− der Gehilfenschaft zu qualifiziertem Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 4 StGB i.V.m. Art. 25 StGB (Dossier 1)
− der versuchten qualifizierten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB i.V.m. Art. 140 Ziff. 2 StGB und Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 2)
− der Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 2 StGB (Dossier 2)
− der Gehilfenschaft zu versuchtem gewerbsmässigen Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und i.V.m. Art. 25 StGB (Dossier 5)
− des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Dossier 11) − der Gehilfenschaft zu Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1
Abs. 1 und Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 25 StGB (Dossier 2) − der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1
StGB (Dossier 11) − der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33
Abs. 1 lit. a WG i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. a WG (Dossier 2).
2. Die Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen von den Vorwür-
fen
− des mehrfachen gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2 StGB (Dossier 2, Dossier 10)
− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB (Dossier 1) − der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB (Dossier 1) − der Begünstigung im Sinne von Art. 305 Abs. 1 StGB (Dossier 1)
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− der Störung des Totenfriedens im Sinne von Art. 262 Ziff. 1 Abs. 3 und Ziff. 2 StGB (Dossier 2)
− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. a WG und Art. 27 WG ( 1).
3. Die Beschuldigte wird bestraft mit 11 Jahren Freiheitsstrafe, wovon
1'014 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
5. Februar 2019 beschlagnahmten Gegenstände
− 1 Schreibblock A4 (A009'403'387) − HP mit Laptoptasche und Ladekabel (A011'118'448) − USB Memory Stick, Dane Elec (A011'118'539) − USB Memory Stick Intenso (A011'118'562) − Brief in Couvert (A011'118'915) − USB Memory Stick Emtec (A011'118'982) − andere Datenträger 0042.18.01.H01 (A011'169'861) − Notebook Acer (A009'403'467)
werden eingezogen und der Bezirksgerichtskasse zur Vernichtung bzw. zur
gutscheinenden Verwendung überlassen.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
5. Februar 2019 beschlagnahmten Gegenstände
− Festplatte Western Digital 750 GB (A009'379'957) − externe Festplatte Western Digital (A009'381'026) − Apple iPhone SE (A011'120'904) − Apple iPhone 6 (A009'403'263)
werden der Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteiles heraus-
gegeben.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
5. Februar 2019 beschlagnahmten Gegenstände
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− mit Handschrift von G._ beschriebene Rückseite einer RTI-Liste "Ermittlungsverfahren TRUCK - alle RTI-Verbindungen mit F._" (A011'281'804)
− diverse Dokumente / Quittungen iS Serbien (A009'403'412) − 1 schwarze Plastikmappe mit diversen Dokumenten (A009'403'478) − Dokumente (A011'119'418) − diverse Papierware (A011'122'955, A011'123'016, A011'123'107,
A011'123'152, A011'123'243, A011'123'345, A011'145'270, A011'161'243, A011'161'254, A011'161'265, A011'175'227, A011'177'916, A011'178'157, A011'281'735)
− diverse lose Unterlagen (A011'119'189)
werden zu den Akten genommen.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I vom 5. Februar 2019 beschlag-
nahmte Barschaft von Fr. 951.65 wird zur Deckung der Verfahrenskosten
verwendet.
9. Die Zivilklage des Privatklägers 1 wird auf den Zivilweg verwiesen.
10. Die Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit dem Mitbeschuldigten
H._ (Geschäfts-Nr. DG190009-C) verpflichtet, der Privatklägerin 2
Fr. 7'665.60 zuzüglich 5% Zins ab 16. März 2013 als Schadenersatz zu be-
zahlen.
11. Die Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit dem Mitbeschuldigten
H._ (Geschäfts-Nr. DG190009-C) und dem Mitbeschuldigten I._
(DG190010-C) verpflichtet, der Privatklägerin 3 Fr. 40'000.– zuzüglich 5%
Zins ab 3. Juni 2016 als Genugtuung zu bezahlen. Davon entfallen im In-
nenverhältnis Fr. 10'000.– zuzüglich 5% Zins ab 3. Juni 2016 auf die Be-
schuldigte, Fr. 20'000.– zuzüglich 5% Zins ab 3. Juni 2016 auf den Mitbe-
schuldigten H._ (DG190009-C) und
Fr. 10'000.– zuzüglich 5% Zins ab 3. Juni 2016 auf den Mitbeschuldigten
I._ (DG190010-C).
12. Die Zivilklagen der Privatkläger 4 bis 6 werden abgewiesen.
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13. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 3 für das gesamte Ver-
fahren eine Prozessentschädigung von Fr. 7'500.– inkl. MWST zu bezahlen.
14. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 40'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 30'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 13'224.70 Kosten Kantonspolizei Zürich
Fr. 29'661.80 Gutachten/Expertisen etc.
Fr. 891.90 Zeugenentschädigung
Fr. 13'953.65 Auslagen Untersuchung
Fr. 1'501.40 Diverse Kosten
Fr. 3'327.65 Ausserkantonale Untersuchungskosten
Fr. 500.– Kosten des Entsiegelungsverfahrens GM180003-L
Fr. 155'450.95 Amtliche Verteidigungskosten inkl. MWST, wovon Fr. 77'010.70 inkl. MWST bereits ausbezahlt, somit verbleibend Fr. 78'440.25 inkl. MWST
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der
Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtli-
chen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135
Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden. Die Kosten des
Entsiegelungsverfahrens GM180003-L in Höhe von Fr. 500.– werden auf die
Gerichtskasse genommen.
Berufungsanträge:
a) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:
(Urk. 253 S. 17, Original im Verfahren SB200226)
1. Dispositivziffer 1 des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom
13.12.2019, Spiegelstriche 1 und 3, seien aufzuheben und die Be-
schuldigte sei schuldig zu sprechen:
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- des Mordes (in Mittäterschaft) im Sinne von Art. 112 StGB ( 1)
- des qualifizierten Raubes (in Mittäterschaft) im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 und 4 StGB (Dossier 1).
1. Dispositivziffer 2, Spiegelstrich 5, sei aufzuheben, und die Beschuldigte
sei der Störung des Totenfriedens im Sinne von Art. 262 Ziff. 1 Abs. 3
und Ziff. 2 StGB (Dossier 2) schuldig zu sprechen.
2. Dispositivziffer 2, Spiegelstrich 6, sei aufzuheben, und die Beschuldigte
sei der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33
Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. a und Art. 27 WG (Dossier 1) schul-
dig zu sprechen.
3. Dispositivziffer 3 des Urteils sei aufzuheben, und die Beschuldigte sei
mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe zu bestrafen.
4. Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.
b) Der amtlichen Verteidigung der Beschuldigten G._:
(Urk. 256 S. 2 f.)
1. Es seien die folgenden Ziffern des Dispositivs des Urteils des Bezirks-
gerichts Bülach vom 13. Dezember 2019 in Geschäfts-Nr. DG190008
aufzuheben und folgendermassen abzuändern:
1a. Ziff. 1 Siegelstrich 1: Die Beschuldigte sei vom Vorwurf der Gehilfen-
schaft zu Mord im Sinne von Art. 112 StGB i.V.m. Art. 25 StGB (Dossi-
er 1) freizusprechen;
1b. Ziff. 1 Siegelstrich 2: Die Beschuldigte sei von der Gehilfenschaft zum
Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 25 StGB
schuldig zu sprechen (Dossier 2);
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1c. Ziff. 1 Spiegelstrich 3: Die Beschuldigte sei der Gehilfenschaft zum
Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 25 StGB
schuldig zu sprechen (Dossier 1);
1d. Ziff. 1 Spiegelstrich 4: Die Beschuldigte sei der Gehilfenschaft zur ver-
suchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22
Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 25 StGB schuldig zu sprechen (Dossier 2);
1e. Ziff. 1 Spiegelstrich 5: Die Beschuldigte sei der Gehilfenschaft zur Frei-
heitsberaubung und Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1
und Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 25 StGB schuldig zu sprechen (Dossier 2);
1f. Ziff. 1 Spiegelstrich 10: Die Beschuldigte sei vom Vorwurf der Wider-
handlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a
WG i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. a WG (Dossier 2) freizusprechen;
1g. Ziff. 3: Die Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 66 Monaten zu
bestrafen; unter Anrechnung der erstandenen Haft;
1h. Ziff. 5 Spiegelstrich 3: Der mit Verfügung der Anklägerin beschlag-
nahmte USB Memory Stick, Dane Elec (A011'118'448) sei der Be-
schuldigten nach Eintritt der Rechtskraft herauszugeben;
2. Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. 7.7 % MWST) zu Lasten
des Staates.
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c) Der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatkläger D._, E._
und F._:
(Urk. 255 S. 15 ff., Original im Verfahren SB200226)
D._ / gegen G._
1. (im Strafpunkt)
Das Urteil betreffend die Ziffer 1 des Urteilsdispositivs sei aufzuheben,
und die Strafsache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen; dies unter Anordnung, dass die Vorinstanz der Staatsanwalt-
schaft verbindlich die Weisung erteilt, deren Anklageschrift aufgrund
einer Neubeurteilung der Strafuntersuchung, ob sich die Beschuldigte
u.a. auch wegen Mordes im Sinne von Art. 112 StGB als Mittäterin,
eventuell: als Gehilfin, z.N. von J._ sel. allenfalls strafbar gemacht
hat, gegebenenfalls zu ergänzen (Art. 329 Abs. 2 StPO). Weiter sei die
Anklageschrift zur Ergänzung an die Staatsanwaltschaft zurückzuwei-
sen.
2. (im Strafpunkt)
Das Urteil betreffend die Ziffer 2 des Urteilsdispositivs sei aufzuheben
(Punkt Störung des Totenfriedens z.N. J._ sel.), und die Beschul-
digte sei wegen Störung des Totenfriedens als Mittäterin schuldig zu
sprechen und zu bestrafen.
3. (im Zivilpunkt)
Das Urteil betreffend die Ziffer 12 des Urteilsdispositivs sei aufzuhe-
ben, und die Beschuldigte sei zu verurteilen, dem Privatkläger adhäsi-
onsweise eine Genugtuungssumme von Fr. 25'000.– zu bezahlen;
eventuell: die zu zahlende Genugtuungssumme sei nach richterlichem
Ermessen festzulegen.
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4. Das Berufungsverfahren sei so weit zu sistieren.
5. Die Verfahrenskosten seien der Beschuldigten aufzuerlegen.
6. Die amtliche Entschädigung des Anwalts für die unentgeltliche Rechts-
pflege sei für das Berufungsverfahren gemäss eingereichter Honorar-
note festzulegen.
E._ / gegen G._
1. (im Strafpunkt)
Das Urteil betreffend die Ziffer 1 des Urteilsdispositivs sei aufzuheben,
und die Strafsache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen; dies unter Anordnung, dass die Vorinstanz der Staatsanwalt-
schaft verbindlich die Weisung erteilt, deren Anklageschrift aufgrund
einer Neubeurteilung der Strafuntersuchung, ob sich die Beschuldigte
u.a. auch wegen Mordes im Sinne von Art. 112 StGB als Mittäterin,
eventuell: als Gehilfin, z.N. von J._ sel. allenfalls strafbar gemacht
hat, gegebenenfalls zu ergänzen (Art. 329 Abs. 2 StPO). Weiter sei die
Anklageschrift zur Ergänzung an die Staatsanwaltschaft zurückzuwei-
sen.
2. (im Strafpunkt)
Das Urteil betreffend die Ziffer 2 des Urteilsdispositivs sei aufzuheben
(Punkt Störung des Totenfriedens z.N. J._ sel.), und die Beschul-
digte sei wegen Störung des Totenfriedens als Mittäterin schuldig zu
sprechen und zu bestrafen.
3. (im Zivilpunkt)
Das Urteil betreffend die Ziffer 12 des Urteilsdispositivs sei aufzuhe-
ben, und die Beschuldigte sei zu verurteilen, der Privatklägerin adhäsi-
onsweise eine Genugtuungssumme von Fr. 25'000.– zu bezahlen;
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eventuell: die zu zahlende Genugtuungssumme sei nach richterlichem
Ermessen festzulegen.
4. Das Berufungsverfahren sei so weit zu sistieren.
5. Die Verfahrenskosten seien der Beschuldigten aufzuerlegen.
6. Die amtliche Entschädigung des Anwalts der Privatklägerin für die un-
entgeltliche Rechtspflege sei für das Berufungsverfahren gemäss ein-
gereichter Honorarnote festzulegen.
F._ / gegen G._
1. (im Strafpunkt)
Das Urteil betreffend die Ziffer 1 des Urteilsdispositivs sei aufzuheben,
und die Strafsache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen; dies unter Anordnung, dass die Vorinstanz der Staatsanwalt-
schaft verbindlich die Weisung erteilt, deren Anklageschrift aufgrund
einer Neubeurteilung der Strafuntersuchung, ob sich die Beschuldigte
u.a. auch wegen Mordes im Sinne von Art. 112 StGB als Mittäterin,
eventuell: als Gehilfin, z.N. von J._ sel. allenfalls strafbar gemacht
hat, gegebenenfalls zu ergänzen (Art. 329 Abs. 2 StPO). Weiter sei die
Anklageschrift zur Ergänzung an die Staatsanwaltschaft zurückzuwei-
sen.
2. (im Strafpunkt)
Das Urteil betreffend die Ziffer 2 des Urteilsdispositivs sei aufzuheben
(Punkt Störung des Totenfriedens z.N. J._ sel.), und die Beschul-
digte sei wegen Störung des Totenfriedens als Mittäterin schuldig zu
sprechen und zu bestrafen.
3. (im Zivilpunkt)
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Das Urteil betreffend die Ziffer 12 des Urteilsdispositivs sei aufzuhe-
ben, und die Beschuldigte sei zu verurteilen, dem Privatkläger adhäsi-
onsweise eine Genugtuungssumme von Fr. 12'500.– zu bezahlen;
eventuell: die zu zahlende Genugtuungssumme sei nach richterlichem
Ermessen festzulegen.
4. Das Berufungsverfahren sei so weit zu sistieren.
5. Die Verfahrenskosten seien der Beschuldigten aufzuerlegen.
6. Die amtliche Entschädigung des Anwalts des Privatklägers für die un-
entgeltliche Rechtspflege sei für das Berufungsverfahren gemäss ein-
gereichter Honorarnote festzulegen.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 13. Dezember 2019
wurde die Beschuldigte der Gehilfenschaft zu Mord, des qualifizierten Raubes,
der Gehilfenschaft zu qualifiziertem Raub, der versuchten qualifizierten Erpres-
sung, der Freiheitsberaubung und Entführung, der Gehilfenschaft zu versuchtem
gewerbsmässigem Betrug, des Betruges, der Gehilfenschaft zu Urkundenfäl-
schung, der Irreführung der Rechtspflege und der Widerhandlung gegen das Waf-
fengesetz schuldig gesprochen. Freigesprochen wurde sie vom Vorwurf des
mehrfachen gewerbsmässigen Betruges (Dossiers 2 und 10), der Urkundenfäl-
schung (Dossier 1), der einfachen Körperverletzung (Dossier 1), der Begünsti-
gung (Dossier 1), der Störung des Totenfriedens (Dossier 2) und der Widerhand-
lung gegen das Waffengesetz (Dossier 1). Sie wurde bestraft mit einer Freiheits-
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strafe von 11 Jahren. Es wurde über die Verwendung beschlagnahmter Gegen-
stände sowie Barschaft und die Zivilforderungen der Privatkläger entschieden.
Gegen das Urteil haben die Privatkläger 4 bis 6 fristgerecht Berufung angemeldet.
In ihren Berufungserklärungen vom 13. Mai 2020 (Urk. 223 ff.) beantragen sie,
die Beschuldigte sei in Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 1 des Mor-
des und in Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 2 Spiegelstrich 5 der Störung des To-
tenfriedens schuldig zu sprechen. Ferner sei sie in Aufhebung von Dispositiv-
Ziffer 12 zu verpflichten, den Privatklägern 4 und 5 eine Genugtuung im Betrage
von je Fr. 25'000.– und dem Privatkläger 6 eine Genugtuung im Betrage von
Fr. 12'500.– zu bezahlen.
Die Staatsanwaltschaft hat ebenfalls innert Frist Berufung gegen das Urteil ange-
meldet. In ihrer Berufungserklärung vom 13. Mai 2020 (Urk. 226) beantragt sie,
die Beschuldigte sei in Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 1 des Mor-
des (in Mittäterschaft), in Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 3 des
qualifizierten Raubes (in Mittäterschaft) sowie in Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 2
Spiegelstrich 5 der Störung des Totenfriedens schuldig zu sprechen. Die Be-
schuldigte sei in Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 3 mit einer lebenslänglichen
Freiheitsstrafe zu bestrafen. Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestäti-
gen.
Die Beschuldigte erklärte fristgerecht mit Eingabe vom 30. Juni 2020 Anschluss-
berufung (Urk. 240). Sie beantragt in Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 1 Spiegel-
strich 1 Freispruch vom Vorwurf der Gehilfenschaft zum Mord, in Aufhebung von
Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 2 Schuldigsprechung der Gehilfenschaft zu Raub
im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 25 StGB, in Aufhebung von
Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 3 Schuldigsprechung der Gehilfenschaft zu Raub
im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 25 StGB, in Aufhebung von
Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 4 Schuldigsprechung der Gehilfenschaft zu ver-
suchter Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB i.V.m Art. 22 Abs. 1 StGB
i.V.m. Art. 25 StGB, in Aufhebung von Dispositiv- Ziffer 1 Spiegelstrich 5 Schul-
digsprechung der Gehilfenschaft zur Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne
von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 25 StGB und in Aufhebung
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von Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 10 Freispruch vom Vorwurf der Widerhand-
lung gegen das Waffengesetz (Dossier 2). Sie beantragt Bestrafung mit einer
Freiheitsstrafe von 66 Monaten (Dispositiv-Ziffer 3) und Herausgabe des UBS
Memory Sticks Dane Elec gemäss Dispositiv-Ziffer 5 Spiegelstrich 3.
Aus den vorstehenden Ausführungen ergibt sich, dass das vorinstanzliche Urteil
bezüglich Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstriche 6, 7, 8 und 9, Dispositiv-Ziffer 2 teil-
weise (Spiegelstrich 5 ausgenommen), Dispositiv-Ziffer 5 teilweise (Spiegelstrich
3 ausgenommen), Dispositiv-Ziffern 6-11, 13 und 14 in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Nichteintreten auf die Berufungen der Privatkläger 4 bis 6
Die Privatkläger 4 bis 6 beantragten mit ihren Berufungen im Hauptstandpunkt
Schuldigsprechung der Beschuldigten des Mordes, eventualiter der Gehilfen-
schaft zu Mord. Subeventualiter beantragten sie, der Straffall sei in Bezug auf ei-
ne allfällige Mittäterschaft oder Teilnahme am Mord an J._ zur Beurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen unter Anordnung, dass die Vorinstanz die Staats-
anwaltschaft förmlich und rechtsverbindlich einlade, deren Anklage aufgrund einer
Neubeurteilung des Vorverfahrens zu ändern/oder zu ergänzen und zu erweitern,
nötigenfalls unter Einleitung eines ergänzenden Vorverfahrens durch die Staats-
anwaltschaft (vgl. Urk. 255).
Im Rahmen der Prüfung der Vorfragen wurde in der Berufungsverhandlung vom
8. Juni 2021 auf die Berufung der Privatkläger 4 bis 6 bezüglich des beantragten
Schuldspruchs der Beschuldigten G._ wegen Mordes (ev. Gehilfenschaft da-
zu) nicht eingetreten. Der entsprechende Beschluss wurde mündlich eröffnet und
schriftlich begründet mitgeteilt (Prot. II S. 21 f.; Urk. 259).
Gegenstand der materiellen Prüfung im vorliegenden Verfahren bilden demzufol-
ge nur noch die Berufungsanträge der Privatkläger 4 bis 6 betreffend Schuld-
spruch der Beschuldigten G._ der Störung des Totenfriedens sowie betref-
fend die Zivilforderungen im Zusammenhang mit den Vorwürfen der Erpressung,
des Raubes, der Körperverletzung und der Freiheitsberaubung zum Nachteil von
J._ sel..
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3. Beweisanträge
Die Staatsanwaltschaft beantragte die Einvernahme von K._ als Zeugin in
der Berufungsverhandlung (Urk. 226 S. 1).
Die Beschuldigte beantragte Abweisung des Beweisantrags der Staatsanwalt-
schaft und für den Fall der Gutheissung des Antrags der Staatsanwaltschaft die
Zeugeneinvernahme von L._, M._, N._, O._, P._,
Q._, R._ und Herr S._ (Urk. 240 S. 3 und S. 5 ff.).
Die Beweisanträge der Staatsanwaltschaft und der Beschuldigten wurden mit
Präsidialverfügung vom 1. März 2021 einstweilen abgewiesen (Urk. 246). In der
Berufungsverhandlung wurden die Beweisanträge nicht erneuert. Entsprechende
Beweisabnahmen erübrigen sich.
II. Sachverhaltserstellung
1. Vorbemerkungen
Gegenstand der Sachverhaltserstellung im vorliegenden Verfahren bilden die An-
klagesachverhalte betreffend Dossiers 1 und 2. Die Schuldsprüche und Freisprü-
che der Beschuldigten betreffend die weiteren Dossiers sind in Rechtskraft er-
wachsen. Die Anklagevorwürfe wurden von der Vorinstanz zutreffend zusammen-
gefasst (Urk. 221 S. 18 f., S. 45 f.). Es kann vorab darauf verwiesen werden.
Mit der Vorinstanz ist ferner festzuhalten, dass sich bei der Sachverhaltserstellung
ein chronologisches Vorgehen aufdrängt, da die Ergebnisse der Sachverhaltser-
stellung betreffend die zeitlich früheren Vorwürfe unter Dossier 2 Rückschlüsse
auf die Sachverhaltserstellung betreffend Dossier 1 erlauben.
Hinsichtlich der Aussagen der Beschuldigten und der beiden Mitbeschuldigten ist
darauf hinzuweisen, dass viele Einvernahmen sich sowohl mit den Vorwürfen
gemäss Dossier 1 als auch mit denjenigen gemäss Dossier 2 befassen. Die Aus-
sagen der Beschuldigten werden daher nachfolgend chronologisch und nicht nach
Anklagevorwürfen kurz zusammengefasst. Dieses Vorgehen erlaubt zudem ihr
Aussageverhalten im Überblick zu würdigen.
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2. Zu erstellender Sachverhalt
2.1. Dossier 2
Die Beschuldigte hat den Anklagevorwurf betreffend Dossier 2 weitgehend aner-
kannt. Ihr Geständnis wird durch die Aussagen der Mitbeschuldigten, das Ergeb-
nis der Auswertung der Mobiltelefone (Inhalte und Antennenstandorte) und durch
Urkunden gestützt. Im Umfang ihres Geständnisses ist der Sachverhalt erstellt.
Bestritten hat die Beschuldigte den Sachverhalt in folgenden Punkten:
Sie bestritt, dass sie mit H._ und I._ übereingekommen sei, J._ un-
ter einem Vorwand an den Wohnort von H._ zu locken. Sie machte geltend,
sie habe erst am 27. April 2016 als sie nach Hause zurückgekehrt sei, erfahren,
dass J._ unter einem Vorwand nach T._ gelockt werde.
Sie bestritt auch, Kenntnis davon gehabt zu haben, dass I._ J._ vortäu-
schen würde, dass er den BMW in eine Autogarage zur Reparatur transportiere
und dass H._ J._ das Fahrzeug BMW entwenden werde.
Bestritten wird seitens der Beschuldigten, dass sie wusste, dass H._ J._
überwältigen, fesseln und gefangen halten werde.
Sie stellte ferner in Abrede, sich am Gespräch mit J._ im Haus beteiligt und
den gefesselten J._ aufgefordert zu haben, Drogen und Geld zu besorgen
und ihnen zu übergeben oder ihnen Informationen über den Verbleib von Drogen
und Geld zu geben.
Sie machte geltend, sie habe erst im Nachhinein erfahren, dass der Mercedes
gegen den Willen von J._ in den Besitz von H._ übergegangen sei.
Zudem bestritt G._, die Leiche von J._ mit H._ zum ausgehobenen
Grab getragen zu haben. Sie machte geltend, sie sei nicht in der Lage gewesen,
die Leiche anzufassen und habe nur dagestanden als H._ die Leiche in das
Grab geworfen habe.
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2.2. Dossier 1
G._ bestritt den Vorwurf, sie sei Ende Mai/Anfang Juni 2016, spätestens am
Vormittag des 3. Juni 2016, mit H._ und I._ übereingekommen, sich an
der Überwältigung, Fesselung und Entführung von U._ sel. unter Einsatz ei-
ner Schusswaffe sowie dem Entwenden des Lastwagens zu beteiligen.
Ferner erklärte sie sich nicht geständig, bereits im Zeitpunkt der Tatplanung mit
der Tötung von U._ sel. durch H._ gerechnet zu haben, und den späte-
ren Tod von U._ sel. gewollt, eventualiter in Kauf genommen zu haben.
Sie stellte in Abrede, gewusst zu haben, dass der mitgeführte Anhänger zum spä-
teren Transport des zum Widerstand unfähig gemachten U._ sel. verwendet
werde.
Nicht geständig ist die Beschuldigte, dass sie spätestens als sie das Mobiltelefon
von U._ sel. entgegen genommen habe, um dieses in V._ zu deponie-
ren, gewusst habe, dass H._ U._ sel. töten werde und dies gewollt oder
zumindest in Kauf genommen habe.
3. Sachverhaltserstellung Dossiers 1 und 2
3.1. Aussagen der Beschuldigten
3.1.1 Polizeiliche Einvernahme vom 8. Juni 2016 (Urk. D1/05/01)
In ihrer ersten Einvernahme sagte die Beschuldigte aus, H._ habe sie glaub-
lich am 3. Juni 2016 informiert, dass er und I._ einen Lastwagen besichtigen
gehen und I._ diesen wahrscheinlich kaufen werde (Urk. D1/05/01 S. 1). Sie
habe ihn gefragt, wie sie nach Hause kommen wollen, wenn sie den Lastwagen
kaufen würden, und die Kinder hätten sich auf den Tagesausflug gefreut. Sie sei
im Subaru und H._ zusammen mit I._ im Ford Ranger nach V._ ge-
fahren. Bei der Probefahrt hätten H._ und der Eigentümer im Lastwagen ge-
sessen, I._ sei im Ranger gefolgt. Auf der Fahrt habe H._ sie angerufen
und ihr mitgeteilt, dass I._ den Lastwagen kaufe und sie diesen nach
AA._ überführen. Vor AA._ habe H._ sie angerufen und gesagt,
- 18 -
dass der Eigentümer zurück müsse, er werde ihn mit dem Ford Ranger zurück-
bringen. I._ sei mit dem Lastwagen weiter nach AA._ gefahren, sie sei
ihm gefolgt und er sei nach dem Abstellen des Lastwagens bei einer Lastwagen-
firma zu ihr in den Personenwagen gestiegen. Sie seien nach AB._ gefahren,
wo sie auf dem Parkplatz bei der Industrie H._ getroffen hätten. In AD._
habe sie I._ aussteigen lassen (Urk. D1/05/01 S. 2 f.). Sie habe Herrn
U._ selbst nie gesehen und wisse nicht, wie der Kaufvertrag zustande ge-
kommen sei. Sie habe den Vertrag zwischen U._ und I._ nach
AC._ schicken müssen (Urk. D1/05/01 S. 4).
3.1.2. Hafteinvernahme vom 21. Juni 2016 (Urk. D1/05/02)
In dieser Einvernahme bestätigte die Beschuldigte, in der Einvernahme vom
8. Juni 2016 die Wahrheit gesagt zu haben, präzisierte jedoch, es stimme nicht,
dass sie den Kaufvertrag noch nie gesehen habe. Sie habe diesen am Freitag
geschrieben und diesen I._ auf die Probefahrt mitgegeben (Urk. D1/05/02 S.
2). H._ und I._ hätten ein leeres Formular aus dem Internet gehabt und
sie habe dieses in V._ auf dem LKW-Parkplatz am Feldrand ausgefüllt. In
diesem Punkt habe sie gelogen (Urk. D1/05/02 S. 3). Sie habe das Formular auf-
grund der Fahrzeugpapiere ausgefüllt, Name und Adresse von U._ habe ihr
I._ diktiert und den Kaufpreis angegeben. U._ sei dabei nicht anwesend
gewesen (Urk. D1/05/02 S. 4).
H._ habe sie am 3. Juni 2016 gefragt, ob sie mitkommen könne zu einer
Probefahrt, I._ wolle einen Lastwagen kaufen, sie müsse fahren, denn sie
müssten ja auch wieder nach Hause kommen. Auf der Probefahrt habe H._
sie angerufen und ihr mitgeteilt, dass I._ den Lastwagen gekauft habe und
dieser nach AA._ überführt werde. H._ sei dann mit U._ zurückge-
fahren nach V._, sie sei I._ nach AA._ gefolgt. Dort sei der Last-
wagen abgestellt worden und I._ sei zu ihr in den PW gestiegen. In
AB._ hätten sie H._ getroffen. In AD._ sei I._ ausgestiegen, er
habe dort sein Auto parkiert gehabt. Sie und H._ seien nach Hause gefahren
(Urk. D1/05/02 S. 5). Den Umstand, dass keine Begleitung durch sie bei der Pro-
- 19 -
befahrt erforderlich gewesen wäre, konnte die Beschuldigte nicht erklären. Sie
sagte lediglich aus, sie habe dies nicht hinterfragt (Urk. D1/05/02 S. 11).
Sie habe keine Unterschriften auf den Verträgen gefälscht (Urk. D1/05/02 S. 31).
3.1.3. Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 24. Juni 2016
(Urk. D1/05/03)
Die Beschuldigte sagte neu aus, in V._ sei ein Anhänger vom Ford Ranger
an den Subaru umgehängt worden (Urk. D1/05/02 S. 2). Während der Probefahrt
sei der Anhänger auf dem Lidl-Parkplatz wieder an den Ford Ranger angehängt
worden und sie habe den Auftrag erhalten, das Natel von U._ zu nehmen
und damit nach V._ zurückzufahren mit dem Subaru ohne Anhänger. Zu die-
sem Zeitpunkt sei ihr erstmals durch den Kopf gegangen, dass etwas komisch sei
an dieser Situation. Sie habe es nicht einordnen können, habe Augen und Ohren
zugemacht, sei nach V._ gefahren und habe das Handy dort an einem Feld-
rand deponiert (Urk. D1/05/03 S. 2). Weil sie nicht gewusst habe, wo sie es depo-
nieren solle und H._ nicht erreicht habe, habe sie I._ angerufen, der ihr
gesagt habe, an welcher Strasse sie es deponieren solle (Urk. D1/05/03 S. 6).
H._ habe ihr sein Firmenhandy mitgegeben und gesagt, sie solle ihn damit
anrufen, wenn sie fertig sei. Ihr eigenes Natel habe er genommen (Urk. D1/05/03
S. 7). An der Tankstelle in AB._ hätten sie die Handys dann wieder zurück-
getauscht (Urk. D1/05/03 S. 8). Als sie wieder zu Hause gewesen seien, sei
H._ nochmals raus zu den Autos gegangen, sei nochmals reingekommen mit
der Unterschrift von U._ auf einem leeren Vertrag, sei nochmals mit dem
Subaru weggefahren, sie wisse nicht wohin, und sei erst um ca. 03.00 bzw. 03.30
Uhr nach Hause gekommen. Den Vertrag habe sie erst ausgefüllt als H._ am
Montagabend angerufen habe, gesagt habe, er sei in AC._, die Polizei sei
unterwegs und sie solle dringend den Vertrag ausfüllen. H._ habe gesagt, sie
solle I._ als Käufer eintragen. Sie nehme an, dass I._ davon Kenntnis
gehabt habe, denn er sei nebendran gestanden und habe ihr die Ausweisdaten
geschickt (Urk. D1/05/03 S. 10). Erst am Montag habe sie die Unterschrift von
U._ gesehen, als sie den Rest ausgefüllt habe (Urk. D1/05/03 S. 9). I._
habe ihr per Whatsapp den Fahrzeugausweis geschickt. Sie habe dann den Ver-
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trag ausgefüllt mit den Angaben, die sie bekommen habe, habe die Unterschrift
von I._ gefälscht, habe die Sachen eingescannt und an die E-Mailadresse
geschickt. Erst am Dienstag bei der Hausdurchsuchung habe sie erstmals vom
Tod von U._ erfahren (Urk. D1/05/03 S. 3). Sie habe sich gefragt, weshalb
man den Anhänger in V._ umgehängt habe und warum dieser dabei sei. Sie
sei davon ausgegangen, dass es einfacher sei, die Probefahrt ohne Anhänger zu
machen (Urk. D1/05/03 S. 4). Nach der Probefahrt sei ihr erst am Abend, als die
Kinder im Bett gewesen seien, der Gedanke gekommen, dass sie den Lastwagen
vielleicht entwendet hätten, vorher sei sie mit den Kindern beschäftigt gewesen
(Urk. D1/05/03 S. 9).
3.1.4. Polizeiliche Einvernahme vom 27. Juni 2016 (Urk. D1/05/04)
Bei dieser Einvernahme handelt es sich um das Protokoll der Suchfahrt. Die Be-
schuldigte bezeichnete dabei unter anderem den Ort, an welchem sie das Handy
von U._ deponiert hatte. Dieses wurde denn auch gefunden. Die Beschuldig-
te erklärte, sie habe mit I._ telefoniert, der ihr gesagt habe, wo sie das Handy
wegwerfen solle (Urk. D1/05/04 S. 3). Sie habe das Handy von U._ in einem
Plastiksack erhalten und habe es beim Deponieren aus dem Plastiksack geschüt-
telt (Urk. D1/05/04 S. 3). Das Handy sei im Flugmodus gewesen, als sie es be-
kommen habe. Sie habe auf dem Weg kurz vor V._ gedacht, es gehe darum,
dass es so aussehe, dass U._ nach V._ zurückgegangen sei. Sie habe
daher den Flugmodus rausgenommen. Beim Deponieren sei das Handy im Nor-
malbetrieb gewesen. Sie habe dies von sich aus getan, um Spuren zu verwi-
schen, um H._ zu schützen, da sie nicht genau gewusst habe, was gesche-
hen sei. Auf die Frage, ob sie den Verdacht gehabt habe, dass U._ tot sei,
antwortete sie, erst am Abend als die Kinder im Bett gewesen seien, sei ihr das
schon mal durch den Kopf gegangen (Urk. D1/05/04 S. 9). Sie habe H._
nicht gefragt, da sie Angst gehabt habe vor der Antwort. Vermutet habe sie, dass
U._ tot sei, irgendwo habe er ja sein müssen. Sie habe vermutet, dass er im
Lastwagen oder im Anhänger sei (Urk. D1/05/04 S. 10).
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3.1.5. Polizeiliche Einvernahme vom 19. Juli 2016 (Urk. D1/05/06)
Die Beschuldigte verweigerte die Aussage.
3.1.6. Polizeiliche Einvernahme vom 9. August 2016 (Urk. D1/05/07)
Die Beschuldigte verweigerte die Aussage.
3.1.7. Polizeiliche Einvernahme vom 6. September 2016 (Urk. D1/05/08)
Die Beschuldigte verweigerte die Aussage mit Ausnahme von Aussagen zu ihrer
Beziehung zu H._. Auf die Frage, ob sie von H._ dominiert werde, ant-
wortete sie, das treffe ein bisschen zu, er habe einfach immer wissen wollen, was
sie mache, wem sie schreibe, er habe sie einfach kontrollieren wollen. Offiziell
habe sie gemacht, was er ihr gesagt habe, hintenherum nicht. Es habe keine Ge-
walt in der Ehe gegeben. H._ habe sie psychisch unter Druck gesetzt, indem
er gesagt habe, dass die Kinder Vater und Mutter brauchen und die Kinder darun-
ter gelitten hätten, wenn sie ihn hätte verlassen wollen (Urk. D1/05/08 S. 12 f.). Ih-
re finanzielle Situation sei schlecht, sie hätten hohe Schulden, sie habe den
Überblick verloren, es seien sicher um die Fr. 80'000.–. Sie habe deswegen gros-
se Existenzängste (Urk. D1/05/08 S. 14). H._ habe versucht, die Firma zu
retten, habe mit Paletten-Import angefangen und glaublich auch angefangen, An-
hänger zu verkaufen. Weil er einen Kalkulationsfehler gemacht habe, sei alles
noch schlimmer geworden (Urk. D1/05/08 S. 15).
Auf Vorhalt, dass H._ in seinem schriftlichen Geständnis geschrieben habe,
dass er von Serben bedroht worden sei und die Frage, was sie dazu sagen kön-
ne, erklärte die Beschuldigte, vielleicht sei er von jemandem bedroht worden, aber
sie wisse nicht von wem. Sie hätten überall Überwachungskameras gehabt. Der
Beschuldigte habe sich ihr gegenüber konkret nicht über eine Bedrohung geäus-
sert, er habe sich einfach vor allem dann geäussert, als der Bruder von Herrn
J._ erschienen sei. Dieser habe auch SMS Drohungen geschickt
(Urk. D1/05/08 S. 19). Auf die Frage, ob auch die Familie von I._ von einer
serbischen Gruppierung bedroht worden sei, erklärte sie, sie wisse, dass der Bru-
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der von Herrn J._ auch bei der Familie von I._ gewesen sei (Urk.
D1/05/08 S. 20).
3.1.8. Polizeiliche Einvernahmen vom 27. September 2016 (Urk. D1/05/10
und Urk. D1/05/11)
In Urk. D1/05/10 finden sich Aussagen zur Person.
Betreffend die Befragung zur Sache verweigerte die Beschuldigte die Aussage
(Urk. D1/05/11).
3.1.9. Polizeiliche Einvernahme vom 30. Juni 2017 (Urk. D1/05/12)
Diese Einvernahme befasst sich mit dem Vorwurf des Versicherungsbetrugs zum
Nachteil der AE._ Versicherung (Dossier 5). Zur Sache verweigerte die Be-
schuldigte die Aussage. Die Frage, ob sie seit ihrer Haftentlassung von jemandem
belästigt oder bedroht worden sei, verneinte sie (Urk. D1/05/12 S. 2).
3.1.10. Hafteinvernahme vom 10. Januar 2018 (Urk. D1/05/13)
Die Beschuldigte bestätigte auf Vorhalt der entsprechenden Aussage von I._,
dass sie bei der Zeugeneinvernahme vom 23. Juni 2017 zu dritt im Videoüberta-
gungsraum gewesen seien und sich unterhalten hätten. Worüber H._ und
I._ sich unterhalten hätten, könne sie nicht sagen. Sie selber habe nur mit
H._ gesprochen über die Kinder und ihr privates Leben. Sie habe nie über
Straftaten gesprochen. Sie habe H._ gesagt, dass sie die Scheidung wolle
(Urk. D1/05/13 S. 2). Mit I._ habe sie darüber kommuniziert, wie es ihm gehe
und ob er H._ gesehen habe. H._ habe etwas geschrieben über Deals,
welche er mit der Staatsanwaltschaft habe, dass er in 7 Jahren wieder draussen
sei und alles gut werde. Für sie sei das alles bla bla gewesen. Sie habe es gar
nicht ernst genommen. Es sei mehrheitlich geschrieben worden. Sie seien zu dritt
in einer Reihe gesessen. Die Polizistin sei ihnen gegenüber gesessen. Sie hätten
noch einen Bildschirm vor sich gehabt, sodass die Polizistin keine richtig freie
Sicht auf sie gehabt habe. H._ und I._ hätten noch mit Handzeichen et-
was gemacht, sie habe nicht verstanden, um was es gegangen sei. Einer von
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beiden habe angefangen, auf dem Block zu schreiben und habe diesen weiterge-
geben zu den anderen. Zuerst sei es ein Block gewesen, dann ein Einvernahme-
protokoll. Sie habe nicht gewusst, was sie schrieben und über was. Sie habe zwi-
schen den beiden gesessen. Der Block und das Einvernahmeprotokoll seien
schon immer bei ihr durchgegangen, seien aber abgedeckt gewesen, es sei im-
mer etwas obendrauf gewesen (Urk. D1/05/13 S. 3 f.). Auf die Frage, ob sie mit
H._ nicht über das Verfahren diskutiert habe, erklärte sie, sie könne sich nur
erinnern, dass sie ihn gefragt habe, ob er noch Termine habe, es sei nur um ein
Datum gegangen, nicht um Inhalte. Sie wisse nicht, ob H._ I._ gesagt
habe, er dürfe sie nicht belasten, weil sie für die Kinder da sein müsse (Urk.
D1/05/13 S. 4).
Betreffend Fragen zu ihrer Tatbeteiligung verweigerte die Beschuldigte die Aus-
sage.
3.1.11. Polizeiliche Einvernahme vom 2. März 2018 (Urk. D1/05/14)
Die Beschuldigte sagte aus, sie sei von H._ gebeten worden, am 27. April
2016 am Abend fort zu sein und die Kinder wegzubringen, er erwarte J._ und
I._. H._ und J._ hätten Krach miteinander gehabt. H._ und
J._ hätten vor gehabt, Drogen von Serbien in die Schweiz zu schmuggeln.
H._ habe Fr. 40'000.– darin investiert und habe ihr versprochen, dass sie so
ihre Schulden loswerden könnten (Urk. D1/05/14 S. 2). Er habe im Jahre 2015 Fr.
40'000.– bei der Bank abgehoben. Das Geld habe er von seiner Mutter gehabt.
Dann sei etwas schiefgegangen, und H._ habe wohl selber gemerkt, dass er
verarscht worden sei. Deswegen habe er mit J._ Streit gehabt. Am 27. April
2016 habe ihr H._ gesagt, er werde sich zurückholen, was ihm zustehe und
wolle deshalb mit J._ sprechen. Sie habe sich dann mit ihrer Affäre einen
schönen Abend im Solebad gemacht und sei nachher noch in AF._ unter-
wegs gewesen. H._ habe ihr geschrieben, sie solle ihn anrufen, was sie spä-
ter getan habe. Er habe sie gefragt, ob sie nicht länger wegbleiben könne. Sie
habe das verneint, worauf er gesagt habe, sie solle sich beeilen. Als sie nach
Hause gekommen sei, habe H._ ihr Auto umparkiert und hinter den Schopf
gestellt. Er habe ihr gesagt, es habe eine Verzögerung gegeben und sie würden
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bald kommen, sie müssten alles dunkel machen und es dürfe kein Licht sein,
J._ gehe davon aus, dass sie in den Ferien seien. I._ werde J._
unter einem Vorwand zu ihnen hochlocken. J._ habe nicht gewusst, dass er
H._ treffen werde. Sie habe gewusst, dass die beiden Streit hatten und
J._ nie freiwillig nach T._ gekommen wäre, um mit H._ zu spre-
chen. Das sei ihr gleich gewesen, weil H._ ihr gesagt hatte, dass J._ sie
mit den Fr. 40'000.– verarscht habe (Urk. D1/05/14 S. 3 f.). Sie sei im Wohnzim-
mer geblieben und habe im Dunkeln TV geschaut und gechattet. Sie habe nicht
wahrgenommen, was draussen passiert sei. Sie habe Leute in die Laube gehen
gehört, von dort aus gehe die Treppe hoch in den Estrich. Später seien H._
und I._ heruntergekommen und hätten gesagt, sie könne wieder Licht ma-
chen, J._ sei auf dem Estrich, sie würden jetzt dann mit ihm reden. H._
habe gesagt, sie solle mit I._ nach AG._ fahren und dort den Mercedes
holen. Das habe sie gemacht. Sie sei mit dem Mercedes allein nach T._ zu-
rückgefahren, ab AG._ sei I._ einen anderen Weg gefahren, sie nehme
an nach AH._ (Urk. D1/05/14 S. 4). Als sie nach Hause gekommen sei, sei
H._ noch im Estrich gewesen. Sie habe im Wohnzimmer den TV angestellt
und sei eingeschlafen. Am Morgen habe sie H._ gefragt, ob er die Sache
habe klären können. Er habe gesagt, J._ habe in der Schweiz nicht so viel
Geld, er müsse nach Serbien gehen, um so viel Geld aufzutreiben. Er nehme den
BMW und den Mercedes als Anzahlung, J._ werde dafür sorgen, dass sie
den Rest des Geldes auch noch bekommen. Sie habe gesagt, sie müsse die Kin-
der abholen. Er habe ihr zugesichert, dass J._ weg sein werde, wenn sie zu-
rückkomme. Als sie zurückgekommen sei, habe er gesagt, es sei gut, es sei erle-
digt. Vor ihrer Verhaftung habe sie nicht gewusst, dass H._ J._ umge-
bracht habe, sie habe dies erst nach ihrer Verhaftung erfahren. Betreffend den
Bagger habe er ihr gesagt, er müsse Ausbesserungsarbeiten mit dem Belagfräss
machen. Sie hätten sich deshalb gestritten, weil sie gefunden habe, man hätte die
Arbeiten von Hand machen können (Urk. D1/05/14 S. 5). Mit Bezug auf das Dro-
gengeschäft sei ihr vorgerechnet worden, man könne mit den Fr. 40'000.– 10 Kilo
kaufen und diese Drogen für Fr. 60'000.– weiter verkaufen. H._ habe ihr ge-
sagt, er sei nur für den Transport in die Schweiz zuständig, J._ für den Ver-
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kauf in der Schweiz (Urk. D1/05/14 S. 6). H._ habe ihr gesagt, die Ware sei
in die Schweiz gekommen, es habe dann ein Problem gegeben und J._ habe
die Ware und das Geld für sich eingesackt.
Auf Vorhalt der Aussage von H._, dass er von Serben gezwungen worden
sei, J._ zu töten, er das haben machen müssen, weil sie sonst ihn oder seine
Familie töten würden, erklärte sie, sie könne es sich nicht vorstellen, dass es wirk-
lich so gewesen sei. Sie habe nie mitbekommen, dass sie direkt bedroht worden
seien. Er habe Beziehungen zu Serben, aber so wie er beschreibe zur serbischen
Mafia, könne sie es sich nicht vorstellen (Urk. D1/05/14 S. 7). Sie verneinte, in
den Jahren 2015 und 2016 jemals fremde Handys bei H._ gesehen zu haben
(Urk. D17/05/14 S. 15).
Es treffe zu, dass sie mit H._ besprochen habe, dass sie bei der Befragung
durch die Polizei zur Sache J._ sagen werde, sie wisse nichts. H._ habe
ihr gesagt, sie solle nichts sagen, er werde das regeln (Urk. D1/05/14 S. 9).
Am Anfang habe sie gemeint, dass H._ mit J._ sprechen wolle, sie habe
sich vorgestellt, dass er ihn daran hindern würde, sofort wieder davonzulaufen,
aber dass J._ überwältigt und gefesselt würde, daran hätte sie nicht gedacht.
Sie räumte ein, dass sie sich in dem Moment als H._ und I._ vom Est-
rich heruntergekommen waren, überlegte, dass J._ gefesselt auf dem Estrich
sein könnte (Urk. D1/05/14 S. 12). H._ habe ihr vor dem Vorfall erzählt, dass
I._ J._ gesagt habe, dass sie ferienabwesend seien und er seine Han-
fanlage bei ihrem leeren Haus abholen könne (Urk. D1/05/14 S. 13).
Auf die Frage, ob es vor dem von ihr erwähnten Geldbezug von Fr. 40'000.–
schon Drogenüberführungen von H._ und J._ in die Schweiz gegeben
habe, erklärte sie, sie wisse nichts davon. Vorher hätten sie nie richtig Geld ge-
habt. Die Serbiengeschichte mit dem Palettenhandel sei erst richtig geplant wor-
den, als es um die Fr. 40'000.– gegangen sei. Vorher hätten sie gar keinen Last-
wagen gehabt (Urk. D1/05/14 S. 14).
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3.1.12. Polizeiliche Einvernahme vom 15. März 2018 (Urk. D1/05/15)
Betreffend den Fall U._ sagte die Beschuldigte aus, H._ habe ihr am 3.
Juni um den Mittag mitgeteilt, dass sie vor hätten, einen Lastwagen zu stehlen, ih-
re Hilfe vor Ort nötig sei und sie gleich los müssten. Es sei zeitlich nicht mehr
möglich gewesen, die Kinder unterzubringen, daher seien sie mitgekommen. Sie
habe H._ und I._ unterwegs getroffen, und sie seien zusammen Rich-
tung V._ gefahren. Dort habe sie den Anhänger übernommen, der vom Wa-
gen von I._ an den von ihr gelenkten Subaru umgehängt worden sei.
H._ habe ihr gesagt, sie solle mit einem Abstand hinter dem Lastwagen her-
fahren, was sie auch gemacht habe. Auf dem Lidl-Parkplatz habe ihr H._ das
Handy von U._ in einem Plastiksack gegeben und gesagt, sie müsse es bei
der Einstellhalle in V._ deponieren, damit es so aussehe, als wäre Herr
U._ zurückgekommen. Sie habe fragen wollen, was sein Plan sei. Er habe
abgeblockt und gesagt, er werde ihr das alles später erklären, sie solle ihm ver-
trauen. Er habe dann noch ihr Telefon gegen das Firmentelefon ausgetauscht.
H._ habe I._ gesagt, er solle den Anhänger vom Subaru wieder an den
Ford Ranger umhängen. In V._ angekommen habe sie angerufen und ge-
fragt, wo sie das Telefon deponieren solle. Beide seien irgendwie dran gewesen
und ihr sei erklärt worden, wo sie es deponieren solle (Urk. D1/05/15 S. 3). Da-
nach hätten sie sich dann in AB._ beim Subway getroffen. Sie habe I._
nach AD._ gefahren und sei anschliessend nach Hause gefahren. H._
sei dann auch nach Hause gekommen und sei mit unterschriebenen leeren Ver-
trägen mit der Unterschrift von Herrn U._ hereingekommen (Urk. D1/05/15 S.
4). Sie habe schon gedacht, dass er zur Unterschrift gezwungen worden sei
(Urk. D1/05/15 S. 12). Sie habe gefragt, was er genau vorhabe. Er habe gesagt,
es solle so aussehen, wie wenn sie den Lastwagen rechtmässig gekauft hätten
und U._ dann überfallen worden sei. Der Besitzer würde eingeschüchtert,
aber das mache nicht er, sondern jemand anderer, was zwar etwas koste, dafür
seien sie auf der sicheren Seite. Er müsse gehen, er werde sich mit anderen tref-
fen. Er werde Herrn U._ nun anderen übergeben, und diese würden Herrn
U._ einschüchtern. Dann sei H._ gegangen und sei mitten in der Nacht
zurückgekommen. Sie habe H._ vertraut, dass er das irgendwie im Griff ha-
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be, sie habe nie daran gedacht, dass Herr U._ sterbe (Urk. D1/05/15 S. 4 f.).
Am folgenden Tag habe H._ sie angerufen und ihr mitgeteilt, dass der Last-
wagen nach Deutschland müsse und I._ keine Zeit habe, weshalb sie nach
Deutschland kommen solle. Sie sei mit den Kindern nach Deutschland gefahren.
Den Lastwagen habe man nach AC._ gebracht. Am Montag seien H._
und I._ nach Deutschland gefahren, um den Kauf abzuwickeln. Sie sei ange-
rufen worden, und es habe geheissen, sie müsse den Kaufvertrag einscannen
und zu AQ._ schicken. Sie habe dann den Vertrag gesucht und gesehen,
dass dieser leer gewesen sei. Er habe gesagt, sie müsse den Vertrag ausfüllen
und habe per Whatsapp den Ausweis mit den Daten geschickt. Sie habe den Ver-
trag ausgefüllt, die Unterschrift von I._ gefälscht, den Vertrag eingescannt
und an AQ._ geschickt (Urk. D1/05/15 S. 5).
Sie habe anfänglich nur die Information gehabt, dass sie einen Lastwagen klauen
gehen. Sie habe wegen ihrer finanziellen Situation eingewilligt, dabei zu helfen
und sei davon ausgegangen, dass es so ablaufen werde wie beim ersten Mal bei
AI._ (Urk. D1/05/15 S. 6). Beim Rastplatz AJ._ habe sie gedacht, dass
etwas nicht stimmen könne. Dort habe ihr H._ gesagt, dass der Besitzer auf
dem Bett sei. Da sei ihr durch den Kopf gegangen, dass der Besitzer nicht ganz
freiwillig dabei sei und es nicht so ablaufen würde wie bei AI._
(Urk. D1/05/15 S. 8). Dass es möglicherweise nicht nur um einen Diebstahl, son-
dern um etwas Schlimmeres ging, habe sie das erste Mal realisiert, als sie das
Telefon erhalten habe (Urk. D1/05/15 S. 7). Sie habe sich schon gefragt, wofür
der Anhänger mitgeführt worden sei, habe H._ aber nicht gefragt
(Urk. D1/05/15 S. 9). In AB._ habe es ihr dann gedämmert. In diesem Mo-
ment sei sie davon ausgegangen, dass U._ überfallen worden war, weil er
auf dem Bett gelegen habe und das sicher nicht freiwillig, wie bei einer Geisel-
nahme (Urk. D1/05/15 S. 10). U._ hätte eingeschüchtert werden sollen, dass
er bei der Polizei die Version erzähle, dass er in V._ überfallen worden sei
und ihm dort die Fr. 40'000.– weg gekommen seien (Urk. D1/05/15 S. 16).
H._ habe ihr vor oder nach dem 3. Juni 2016 nie erzählt, dass er Schulden
bei Serben oder ihr unbekannten Personen zurückzahlen müsse (Urk. D1/05/15
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S. 15). Auf die Frage, ob H._ in den Tagen vor der Fahrt nach V._ am 3.
Juni 2016 habe verhindern wollen, dass sie und die Kinder alleine an ihrem Woh-
nort bleibe, verneinte sie und erklärte, es habe meistens geheissen, sie solle zu
Hause bleiben (Urk. D1/05/15 S. 20).
3.1.13. Polizeiliche Einvernahme vom 29. März 2018 (Urk. D1/05/16)
Die Beschuldigte erklärte auf Vorhalt der Aussage von H._, wonach er zwei
Mal Fr. 40'000.– investiert habe, sie habe nur von einmal Fr. 40'000.– aus dem
Erbe seiner Mutter gewusst (Urk. D1/05/16 S. 1 f.). Im Herbst 2015 sei es ihr und
H._ finanziell auch nicht rosig gegangen, aber sicher nicht so schlimm wie
am Schluss. Sie wisse nichts davon, dass H._ J._ ab Novem-
ber/Dezember 2015 privat Geld ausgeliehen habe, davon habe ihr H._ nie
erzählt (Urk. D1/05/15 S. 2 f.). Betreffend Transporte von Drogenpaketen sagte
sie, sie wisse nicht, was H._ nebenbei gemacht habe (Urk. D1/05/16 S. 3).
Auf Vorhalt des bei der Hausdurchsuchung sichergestellten Kassibers (Beilage 1
zur Einvernahme) erklärte sie, sie habe diesen Brief von H._ anlässlich der
Einvernahme vom Juni 2017 am Nachmittag erhalten (Urk. D1/05/16 S. 5). Das
Schreiben gemäss Beilage 8 zur Einvernahme mit dem Vermerk "Anonimer In-
formant" habe sie von ihrem Schwager AK._ erhalten. Dieser wiederum habe
es von einer AR._-Reporterin erhalten (Urk. D1/05/16 S. 11).
Die Beschuldigte hielt daran fest, dass J._ nicht in der Küche gewesen sei
(Urk. D1/05/15 S. 9). Sie bestätigte, dass sie gewusst habe, dass H._ und
J._ Streit hatten und H._ sein Geld zurückholen wollte. Sie habe nie da-
ran gedacht, dass H._ J._ umbringen würde, denn dann wäre das Geld
ja nicht zurückgekommen. Dass es eine Auseinandersetzung geben würde, daran
habe sie schon gedacht, aber nie in dem Ausmass, wie es dann passiert sei (Urk.
D1/05/16 S. 19).
3.1.14. Polizeiliche Einvernahme vom 5. April 2018 (Urk. D1/05/18)
Die Beschuldigte sagte aus, sie habe schon vor dem Juni gewusst, dass J._
nicht mehr lebe (Urk. D1/05/18 S. 1). Nachdem sie mit I._ den Mercedes aus
- 29 -
AG._ geholt habe, habe sie H._ zu Hause gefragt, wo J._ sei und
was er vorhabe. H._ habe gesagt, J._ sei auf dem Estrich und er versu-
che, mit ihm zu reden, um das Geld zurückzuerhalten. Sie habe gesagt, es sei zu
kalt im Estrich und er müsse J._ etwas zu trinken geben. Dann habe
H._ J._ ins Kinderzimmer gebracht. Als sie H._ gefragt habe, was
er jetzt vorhabe, sei er wütend geworden und habe gesagt, sie solle ihn in Ruhe
lassen, sie würden später reden. Am Morgen habe sie gesagt, wenn sie mit den
Kindern zurückkomme, müsse das Kinderzimmer frei sein. Er habe gesagt, sie
müsse sich keine Sorgen machen, wenn sie zurückkomme, sei J._ weg. Sie
sei dann die Kinder holen gegangen und habe noch eingekauft. Als sie nach Hau-
se gekommen sei, habe sie ihn gefragt, wo J._ sei und er habe geantwortet,
er habe ihn umgebracht, er habe keine andere Wahl gehabt, habe ihn töten müs-
sen. Die Leiche sei draussen im Anhänger. Er habe gesagt, er habe das tun müs-
sen, sie glaube, er habe selber Angst gehabt. Sie glaube, er habe vor der Familie
von J._ Angst gehabt. Er habe wegen der Familie von J._ auch die wei-
teren Überwachungskameras zugelegt. Sie denke, wenn er J._ frei gelassen
hätte, hätte dieser das nicht einfach so hingenommen. H._ habe ja auch öfter
gesagt, es sei gefährlich wegen der Drogensache und es sei besser, wenn sie
nicht zu viel wisse. H._ habe nie gesagt, er habe einen Auftrag erhalten,
J._ festzuhalten. H._ habe ihr nie erzählt, er werde von Serben oder
anderen Menschen ausser der Familie J._ bedroht (Urk. D1/05/18 S. 3). Am
Abend sei dann plötzlich der Bagger da gewesen, und H._ habe gesagt, sie
sollten die Leiche vergraben. Sie hätte ihm helfen sollen, J._ vom Anhänger
zum Loch rüber zu heben, aber sie habe es nicht gekonnt, sie sei einfach dort ge-
standen und habe zugeschaut. Sie habe das nie gewollt, habe es nicht verstehen
können, habe sich aber nicht getraut, irgendwelche Fragen zu stellen. Nachher
hätten sie nicht mehr darüber gesprochen (Urk. D1/05/18 S. 2). Sie wisse nicht,
wie weit I._ in den Plan eingeweiht gewesen sei (Urk. D1/05/18 S. 3).
Beim Fall U._ sei sie am Anfang wirklich davon ausgegangen, dass es so
ablaufe wie im Fall AI._. Als das mit dem Telefon gewesen sei, habe sie sich
Gedanken gemacht, dass es in eine andere Richtung gehe. Als H._ mit den
unterschriebenen Verträgen hereingekommen sei, habe sie die Befürchtung ge-
- 30 -
habt, dass er U._ töten würde. Sie habe Angst gehabt, zu fragen, und dass
er dann ja sagen würde (Urk. D1/05/18 S. 6). Auf die Frage, ob sie daran festhal-
te, dass sie H._ gefragt habe, was er genau vorhabe und er erklärt habe, es
solle so aussehen, wie wenn sie den Lastwagen rechtmässig gekauft hätten und
U._ dann überfallen worden sei und U._ von jemand anderem einge-
schüchtert werde, sagte sie aus, sie halte nicht an dieser Aussage fest (Urk.
D1/05/18 S. 7). Sie habe diesbezüglich gelogen, weil sie H._ habe schützen
wollen und auch sich selbst (Urk. D1/05/18 S. 12). Sie sei davon ausgegangen,
dass es sich um einen Lastwagendiebstahl, einen Betrug, handeln würde und ha-
be mitgemacht, um den Gewinn aus dem Lastwagenkauf für die Bezahlung von
Rechnungen und die nächste Zeit zum Leben überbrücken zu können. Die finan-
zielle Situation sei anfangs Juni 2016 schlimm gewesen (Urk. D1/05/18 S. 13).
Sie habe in der Nacht gehört, dass H._ mit J._ auf die Toilette gegan-
gen sei. Sie habe nicht geholfen, J._ dabei in Schach zu halten (Urk.
D1/05/18 S. 16).
Nach der Tötung von J._ habe sie H._ mit anderen Augen gesehen,
weil sie gewusst habe, zu was er fähig sei. Vor der Tötung habe sie sich bei ei-
nem Streit noch verbal gewehrt, nachher habe sie aufgehört, ihn zu provozieren.
Sie habe Angst gehabt, wenn sie Streit gehabt hätten und er wütend geworden
sei (Urk. D1/05/18 S. 16).
Als sie am Mobiltelefon von U._ den Flugmodus ausgeschaltet und es depo-
niert habe, habe sie kurz gedacht, dass U._ sterben könnte, sie habe in die-
sem Moment jedoch noch nicht glauben wollen, dass dies geschehen werde
(Urk. D1/05/18 S. 17). Sie sei nicht ausgestiegen, weil H._ sie im Griff gehabt
habe und noch heute im Griff habe (Urk. D1/05/18 S. 18).
H._ sei sicher wütend auf J._ gewesen wegen des Geldes, wegen der
Schulden, wegen ihrer Ehe, denn sie hätten durch die ganzen Schulden immer
mehr Krach gehabt (Urk. D1/05/18 S. 8).
- 31 -
H._ habe zusätzliche Überwachungskameras angeschafft wegen der Familie
J._. F._ sei ein paar Mal bei ihnen aufgetaucht. Sie habe Angst gehabt
wegen der Kinder, habe Bedenken gehabt, wenn er mitten in der Nacht auftau-
chen würde (Urk. D1/05/18 S. 13). Sie halte es nicht für möglich, dass die serbi-
sche Mafia am 28. April 2016 aufgetaucht sei, nachdem sie weggefahren sei, um
die Kinder zu holen, da sie nicht so lange weggewesen sei und niemanden gese-
hen habe, als sie wieder heim gekommen sei, sie vorher nie etwas von dieser
serbischen Mafia gehört habe und sie nicht wisse, ob es diese gebe
(Urk. D1/05/18 S. 15). H._ habe bis zu seiner Verhaftung nie von der serbi-
schen Mafia gesprochen. Er habe immer nur von der Familia J._ gesprochen
und dass dies eine grössere Familie mit einem Netzwerk sei (Urk. D1/05/18 S.
16).
3.1.15. Polizeiliche Einvernahme vom 17. April 2018 (Urk. D1/05/19)
Auf die Frage, was sie damit gemeint habe, als sie gesagt habe, der Grund dafür,
dass sie nicht ausgestiegen sei, liege darin, dass H._ sie im Griff gehabt und
immer noch im Griff habe, erklärte sie, sie seien seit über zwölf Jahren ein Paar.
Es sei wie antrainiert, wenn er etwas von ihr wolle, dann mache sie das (Urk.
D1/05/19 S. 1 f.). Auf Vorhalt der Aussage von I._, wonach sie bei der Dis-
kussion mit J._ auch mitgeredet habe, da es um ihr gemeinsames Geld ge-
gangen sei, um das Geld und die Drogen, die verschwunden seien, erklärte sie,
es habe nie so eine Diskussion gegeben, diese Aussagen von I._ seien nicht
wahr (Urk D1/05/19 S. 3). Es stimme nicht, dass sie gesagt habe, J._ solle
doch belegen, dass sie ihn erwischt hätten, dass es doch eine Anzeige geben
müsse (Urk. D1/05/19 S. 4).
Die Beschuldigte sagte aus, sie glaube die ganze Serben- und Mafia-Theorie
nicht (Urk. D1/05/19 S. 24).
H._ habe ihr, als sie mit den Kindern nach Hause gekommen sei, erzählt,
dass er J._ getötet habe und die Leiche im Anhänger sei. Er habe es tun
müssen, habe keine andere Wahl gehabt. Er habe J._ nicht mehr gehen las-
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sen können, weil er sonst ihn oder sie getötet hätte oder den Kindern etwas ange-
tan hätte (Urk. D1/05/15 S. 28).
Beim Toilettengang von J._ sei sie nebendran gestanden und habe die Waf-
fe in der Hand gehalten (Urk. D1/05/19 S. 30).
3.1.16. Polizeiliche Einvernahme vom 7. Mai 2018 (Urk. D1/05/20)
Die Beschuldigte sagte aus, H._ habe ihr nach der Tötung von J._ ge-
sagt, sie solle aufpassen, die Familie sei gefährlich. Er habe gesagt, er habe kei-
ne andere Wahl gehabt, er habe das tun müssen, sonst hätten sie ihr oder den
Kindern etwas angetan. Sie habe es ihm geglaubt, da das für sie eine Rechtferti-
gung gewesen sei, dass er das gemacht habe, um sie zu schützen (Urk. D1/05/20
S. 2). H._ habe nicht gesagt, welche Person ihn dazu gezwungen habe (Urk.
D1/05/20 S. 3). F._ sei auch bei ihnen und bei I._ gewesen. Von der
serbischen Mafia habe sie erst im Geständnis von H._ gelesen (Urk.
D1/05/20 S. 3).
Die Beschuldigte bestätigte, dass H._ Fr. 40'000.– aus dem Erbe seiner Mut-
ter für eine Drogenlieferung eingesetzt habe. Die Drogen hätten für Fr. 60'000.–
weiterverkauft werden sollen. Damit hätten sie ihre Schulden schnell abbezahlen
können, deshalb sei sie einverstanden gewesen (Urk. D1/05/20 S. 3 f.).
Sie sei bei U._ davon ausgegangen, dass es ablaufen werde wie bei
AI._. Als sie den Anhänger gesehen habe, habe sie sich gefragt, wieso.
H._ habe nie ausgesprochen, dass er U._ töten werde. Sie sei davon
ausgegangen, dass es ein Überfall sei, aber nicht, dass er ihn töte (Urk. D1/05/20
S. 5).
Nachdem sie mit dem Mercedes zurückgekehrt sei, habe sie H._ gerufen
und gesagt, sie solle Wache halten, damit er mit J._ auf die Toilette gehen
könne. Er habe ihr die Waffe in die Finger gedrückt und habe ihr gesagt, sie solle
ruhig sein. Sie sei einfach dagestanden mit der Waffe in den Händen. Er habe
J._, der glaublich die Augen zugeklebt gehabt habe, gesagt, es sei noch eine
andere Person da. Sie habe H._ die Waffe so schnell als möglich wieder zu-
- 33 -
rückgegeben (Urk. D1/05/20 S. 8). Es habe sich um eine kleine schwarze Waffe
gehandelt. Da sie eine Beretta im Haus gehabt hätten, gehe sie davon aus, dass
es diese gewesen sei. Sie habe schon eher ausgesehen wie eine richtige Waffe.
H._ habe ihr gesagt, die Waffe sei für die Sicherheit auf den Fahrten nach
Serbien (Urk. D1/05/20 S. 11).
Sie habe nichts von den Gesprächen mitbekommen. Sie sei im Wohnzimmer ge-
wesen die andern im Estrich (Urk. D1/05/20 S. 14).
Sie hätte helfen sollen, die Leiche samt Plane zum Loch zu heben, habe aber zu
wenig Kraft gehabt und sei deshalb einfach neben dran gestanden. H._ habe
dann selber gemurkst und habe dann J._ über die Plane ins Loch runterfal-
len lassen (Urk. D1/05/20 S. 16).
H._ habe ihr erklärt, er habe das gemacht, um seine Familie zu schützen vor
allem sie und die Kinder, er habe das machen müssen, weil sonst J._ ihnen
etwas angetan hätte. Von der serbischen Mafia habe er nichts erzählt
(Urk. D1/05/20 S. 25).
Für sie sei klar gewesen, dass U._ sterben werde, als H._ am Abend
nochmal zum Anhänger rausgegangen sei und die Verträge schon unterschrieben
gewesen seien (Urk. D1/05/20 S. 32).
3.1.17. Polizeiliche Einvernahme vom 11. Mai 2018 (Urk. D1/05/21)
Sie sei in der Nacht vom 27. auf den 28.04.2016 davon ausgegangen, dass die
beiden Fahrzeuge BMW und Mercedes als Anzahlung für die Schulden von
Fr. 40'000.– geleistet worden seien (Urk. D1/05/21 S. 2). Sie sei bei der Diskussi-
on nicht dabei gewesen. Sie wisse nicht, was diskutiert worden sei und ob sie ei-
nig geworden seien bezüglich der beiden Fahrzeuge (Urk. D1/05/21 S. 2). Auf
Vorhalt der abweichenden Aussagen von I._, wonach das Gespräch in der
Küche stattgefunden habe und sie sich daran beteiligt habe, hielt sie fest, dass
das nicht stimme und das Gespräch im Estrich stattgefunden habe. Als H._
gesagt habe, er bleibe mit J._ im Estrich, habe sie gesagt, das gehe nicht, es
- 34 -
sei viel zu kalt. H._ habe J._ dann ins Kinderzimmer gebracht (Urk.
D1/05/21 S. 15).
Bei den Telefonanrufen am Morgen des 28. April 2016 sei H._ nicht aufge-
regt gewesen. Sie könne sich nicht an den Inhalt der Gespräche erinnern. Sie
vermute, dass sie bei ihrem Anruf um 09:32:56 Uhr gefragt habe, ob es gut sei,
wenn sie nach Hause komme (Urk. D1/05/21 S. 20). Sie könne sich als Grund für
ihren Anruf nur vorstellen, dass sie habe abklären wollen, ob J._ weg sei, da
sie nicht gewollt habe, dass die Kinder J._ sehen (Urk. D1/05/21 S. 21).
Wenn er gesagt hätte, dass sie später nach Hause kommen solle, hätte sie das
gemacht. Dann wäre sie mit den Kindern vom Migros AL._ zum Migros
AM._ gefahren, wo es einen Aussenspielplatz habe, und wäre noch Frühstü-
cken gegangen. Sie könne sich nicht erinnern, noch in der Migros AM._ ge-
wesen zu sein, sonst würde man das auf der Cumulus-Karte sehen, denn sie hät-
te auch für einen Kaffee-Kauf diese Karte gezeigt, sie zeige diese immer (Urk
D1/05/21 S. 21).
3.1.18. Polizeiliche Einvernahme vom 14. Mai 2018 (Urk. D1/05/22)
Diese Einvernahme bezieht sich auf den Betrugsvorwurf zum Nachteil der
AE._-Versicherung (Dossier 5). Der diesbezügliche Schuldspruch ist in
Rechtskraft erwachsen, weshalb auf eine Zusammenfassung der entsprechenden
Aussagen verzichtet wird.
Relevant für die noch offenen Punkte in der Sachverhaltserstellung ist ihre Aus-
sage, dass H._ bei AN._, einem Anwalt und ehemaligen Schulkollegen
von H._, Geld aufgenommen habe für das Palettengeschäft. Das sei gewe-
sen, als das ganze Drogengeschäft angefangen habe. H._ habe das Palet-
tengeschäft unbedingt machen wollen. Er habe sich damit verrechnet. Sie wisse
nichts davon, dass H._ das Geld der serbischen Mafia habe geben müssen
(Urk. D1/05/22 S. 14).
- 35 -
3.1.19. Polizeiliche Einvernahme vom 14. Mai 2018 (Urk. D1/05/23)
Diese Einvernahme bezieht sich auf den Betrugsvorwurf zum Nachteil von
A:_ (Dossier 10). In diesem Punkt ist der vorinstanzliche Freispruch in
Rechtskraft erwachsen, weshalb auf eine Zusammenfassung der diesbezüglichen
Aussagen der Beschuldigten verzichtet werden kann.
Auf die Frage, ob sie glaube, dass der Palettenhandel nur ein Deckmantel für
Drogengeschäfte gewesen sei, antwortete sie, das wäre ganz am Anfang schon
so gewesen, aber da das Drogengeschäft nicht funktioniert habe und H._ da-
ran geglaubt habe, dass es mit der Masse machbar wäre und er dann von Serbi-
en nach Polen gewechselt habe, glaube sie, dass er an das Geschäft geglaubt
habe (Urk. D1/05/23 S. 5).
3.1.20 Konfrontationseinvernahme vom 24. Mai 2018 (Urk. D1/06/15)
G._ schilderte, dass H._, bevor J._ zu ihnen gekommen sei, ge-
sagt habe, sie solle mit den Kindern weg sein. Er wolle mit J._ sprechen, er
wolle die Ware oder das Geld von J._ zurückerhalten. Am 27. April habe sie
die Kinder zu ihrer Mutter gebracht und sei mit ihrem Date ins Thermalbad ge-
gangen. Danach habe sie H._ angerufen und gesagt, dass sie auf dem
Heimweg sei. Er habe gesagt, sie solle sich beeilen und habe sie angewiesen,
das Auto neben den Schopf auf die andere Strassenseite zu stellen und das Haus
abzudunkeln, da J._ meine, sie seien in den Ferien. Sie habe mitgeholfen,
indem sie die Storen runtergelassen habe. Sie sei nicht beteiligt gewesen am
Wegstellen der Fahrzeuge (Urk. D1/06/15 S. 13). Als ein Auto herangefahren sei,
sei H._ nach draussen gegangen, sie sei im Haus geblieben und habe ver-
sucht, auf dem iPad zu sehen, was draussen passiere, habe aber nichts gesehen,
da die Kamera diesen Blickwinkel nicht aufgezeichnet habe. Sie habe dann ge-
hört, wie drei Personen die Aussentreppe zur Laube hochgegangen seien. Nach
einer gewissen Zeit seien H._ und I._ heruntergekommen und hätten
sich gefreut, dass die Falle so gut geklappt habe. Vorher sei sie nicht über den
Tatplan eingeweiht gewesen (Urk. D1/06/15 S. 14). Sie habe erfahren, dass sie
J._ unter dem Vorwand, dass sie in den Ferien seien, nach T._ gelockt
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hätten, J._ eigentlich nicht mit H._ habe reden wollen, und sie ihn über-
wältigt und gefesselt hätten (Urk. D1/06/15 S. 3 ff.). H._ sei nochmals in den
Estrich gegangen, um nachzusichern, sei dann wieder heruntergekommen und
habe ihr den Autoschlüssel des Mercedes in die Hand gedrückt und habe gesagt,
sie solle mit I._ nach AG._ fahren und den Mercedes holen. Das hätten
sie gemacht. I._ sei dann nach AH._, sie nach T._ gefahren.
H._ habe bei ihrer Rückkehr gesagt, J._ habe noch immer keine Ant-
wort gegeben, die Autos seien schon mal ein Anteil, eine Anzahlung. Es sei um
die Fr. 40'000.– gegangen, die H._ vom Erbe seiner Mutter gehabt habe,
welche man Ende 2015 für die Drogenlieferung aus Serbien investiert habe (Urk.
D1/06/15 S. 16). Auf ihr Anraten habe er J._ ins Kinderzimmer geholt, da es
im Estrich kalt gewesen sei. H._ habe ihr eine Waffe in die Hand gedrückt
und habe gesagt, J._ müsse aufs WC, sie solle nichts sagen. J._ habe
er gesagt, es sei noch jemand da, der aufpasse, er solle keinen Scheiss machen.
Sie sei überfordert gewesen, eine Waffe in den Händen zu halten, sie habe keine
Erfahrung damit (Urk. D1/06/15 S. 6). Am nächsten Morgen habe sie die Kinder
abgeholt und habe H._ gesagt, wenn sie nach Hause komme, müsse
J._ weg und das Kinderzimmer frei sein. Die Türe zum Kinderzimmer sei zu
gewesen, und sie sei davon ausgegangen, dass J._ noch im Kinderzimmer
sei. Sie habe H._ gefragt, und er habe gesagt, dass er noch da sei (Urk.
D1/06/15 S. 27). Sie habe die Kinder bei ihrer Mutter abgeholt und sei in die Mig-
ros in AL._ gefahren. Von dort aus habe sie H._ angerufen und gefragt,
ob es gut sei, wenn sie jetzt nach Hause komme. Zu Hause angekommen habe
sie H._ gefragt, ob J._ weg sei. Er habe ihr beiläufig geantwortet, dass
er ihn getötet habe. Er habe das tun müssen, habe keine andere Wahl gehabt. Er
habe ihn nicht gehen lassen können, sonst hätte jemand aus ihrer Familie dran
glauben müssen, er habe das für sie getan. Er habe ihn mit Klebeband erstickt,
die Leiche sei im Anhänger draussen (Urk. D1/06/15 S. 7 f.). Für sie sei das ein
Weltzusammenbruch gewesen. Sie habe nicht allein mit den Kindern in T._
bleiben wollen, deshalb sei sie mitgegangen, um das Kontrollschild des Mercedes
auszulösen. Am Abend sei dann plötzlich ein Bagger da gewesen. H._ habe
gesagt, sie würden J._ neben dem Haus "verlochen". Sie habe gesagt, das
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könne er nicht machen, sie würden da wohnen. Er habe sie gefragt, ob sie eine
bessere Idee habe und habe angefangen, das Loch zu graben. Er habe sie aufge-
fordert zu helfen, die Leiche aus dem Anhänger zu heben und ins Loch hinunter
zu bringen. Das habe sie nicht gekonnt. H._ habe es dann alleine gemacht,
eine Platte genommen und die Leiche aus dem Anhänger ins Loch hinuntergleiten
lassen (Urk. D1/06/15 S. 9).
Am 7. Mai habe ihr H._ die Screenshots von F._s Nachrichten ge-
schickt, als sie mit einer Kollegin unterwegs gewesen sei. Sie habe Angst be-
kommen. H._ habe gesagt, sie sei in Sicherheit, den Kindern passiere auch
nichts. Er werde die Sicherheitsmassnahmen aufrüsten, und es käme alles gut
(Urk. D1/06/15 S. 10).
G._ führte aus, dass sie den Ausweis des BMW im Auftrag von H._ bei
den Eltern von J._ abgeholt habe (Urk. D1/06/15 S. 11 f.).
Bei ihrem Anruf am 28. April 2016 habe H._ nichts von der serbischen Mafia
erzählt (Urk. D1/06/15 S. 27). Sie habe nie etwas von der serbischen Mafia mit-
bekommen. Sie wisse nicht, was mit diesen Drogensachen alles gelaufen sei.
Vielleicht gebe es ein Fünkchen Wahrheit in dem, was er erzählt habe . Sie wisse
nicht, mit was für Leuten er in dieser Drogengeschichte zu tun gehabt habe
(Urk. D1/06/15 S. 31). Sie würde es gerne glauben, dass er von der serbischen
Mafia zur Tötung gezwungen worden sei, aber sie glaube es nicht (Urk. D1/06/15
S. 31).
Es treffe nicht zu, dass es eine Diskussion in der Küche gegeben habe und dass
sie auf J._ eingeredet habe (Urk. D1/06/15 S. 32).
Sie wisse nicht, wer den Vertrag betreffend den BMW erstellt habe und habe nicht
gewusst, dass die Unterschrift von J._ auf dem Vertrag gefälscht worden sei.
Sie habe den Vertrag nicht gesehen und habe die Unterschrift von J._ nicht
gekannt (Urk. D1/06/15 S. 35 f.).
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Sie hätte H._ helfen sollen, die Leiche von J._ vom Anhänger auf den
Boden und dann ins Loch zu bringen. Das sei nicht gegangen, es habe sich alles
in ihr gesträubt, die Leiche anzufassen (Urk. D1/06/15 S. 42).
3.1.21. Konfrontationseinvernahme vom 28. Juni 2018 (Urk. D1/06/18)
G._ sagte aus, betreffend das Delikt zum Nachteil von U._ habe sie
H._ am 3. Juni 2016 informiert, dass sie in Zürich einen Lastwagen stehlen
würden und es sie auch brauche vor Ort (Urk. D1/05/18 S. 22). Der Ablauf der
Straftat sei vorher nicht gross besprochen worden. Sie habe es erst stückweise
über den Tag verteilt erfahren und habe gedacht, es laufe gleich wie bei AI._.
Sie sei informiert worden, dass H._ und I._ auf die Probefahrt gehen
und sie ihnen mit dem Anhänger folgen solle. Sie habe sich keine grossen Ge-
danken darüber gemacht, warum der Anhänger mitgeführt worden sei und habe
sich auch keine Gedanken dazu gemacht, weshalb I._ auch dabei sei. Sie
habe nicht nach dem Tatplan gefragt (Urk. D1/06/18 S. 24). Wenn sie von Anfang
an gewusst hätte, dass ein Menschenleben auf dem Spiel stehe, hätte sie nicht
mitgemacht. Sie wisse nicht, was I._ gewusst habe (Urk. D1/06/18 S. 25).
I._ habe nicht mitbekommen, dass H._ ihr das Telefon übergeben habe,
da er in dieser Zeit den Anhänger an ihr Auto gehängt habe (Urk. D1/06/18 S. 26).
Als sie in V._ gewesen sei, habe sie nicht gewusst, wo sie hin müsse und
habe versucht anzurufen. Sie wisse nicht mehr, ob sie direkt mit H._ gespro-
chen habe oder ob sie I._ angerufen habe und dieser die Antworten von
H._ weiterleitete. Es sei ihr erklärt worden, wo die Einstellhalle sei. Den ge-
nauen Ort, wo sie das Telefon deponiert habe, habe sie selber ausgesucht.
H._ habe ihr gesagt, es solle so aussehen, dass Herr U._ nach V._
zurückgekommen sei (Urk. D1/06/18 S. 27). Ab AJ._/Lidl habe sie gemerkt,
dass es anders laufe, als sie gedacht habe. Sie habe H._ nie gefragt, weil sie
Angst vor der Antwort gehabt habe. Als sie das Telefon nach V._ gebracht
habe, habe sie nicht daran gedacht, dass U._ sterben könnte. Sie habe ja
keinen Grund dafür gesehen, dass U._ sterben sollte (Urk. D1/06/18 S. 28).
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3.1.22. Konfrontationseinvernahme vom 19. Juli 2018 (Urk. D1/06/19)
G._ bestritt, mit dem Anhänger mit U._ weggefahren zu sein, sie habe
nicht gesehen, das H._ die Leiche von U._ in den Kofferraum des Suba-
ru gelegt habe (Urk. D1/06/19 S. 5). I._ blieb bei seiner Aussage, dass er
erst in AC._ von der Tötung von U._ erfahren habe (Urk. D1/06/19 S. 6).
Auf die Frage, ob H._ sie informiert habe, dass er Angst um sein Leben ha-
be, wenn er zu Geschäften mit kriminellen Leuten gegangen sei, antwortete sie,
es sei ein bis zwei Mal vorgekommen, dass er gesagt habe, sie solle ihn suchen
gehen, wenn er sich bis dann und dann nicht melde, aber sie habe ja nicht mal
gewusst, wo sie ihn suchen sollte. Er habe ein oder zwei Mal gesagt, sie solle die
Polizei orientieren, wenn er nicht zurückkomme (Urk. D1/06/19 S. 63).
3.1.23. Schlusseinvernahme vom 8. Oktober 2018 (Urk. D1/05/24)
Die Beschuldigte sagte aus, sie habe erst am 3. Juni und über den Tag verteilt
vom Vorgehen erfahren. Sie habe nie gewollt, dass U._ sterbe, sie habe es
auch nicht in Kauf genommen, habe vorgängig nicht gewusst, dass er sterben
werde (Urk. D1/05/24 S. 9). Sie habe nicht gewusst, dass U._ im Anhänger
transportiert werde (Urk. D1/05/24 S. 5). Im Übrigen verwies die Beschuldigte be-
treffend den Anklagevorwurf zum Nachteil von U._ sel. auf ihre bisherigen
Aussagen (Urk. D1/05/24 S. 9 f.).
Betreffend die Delikte zum Nachteil von J._ hielt sie daran fest, dass sie nicht
damit gerechnet habe, dass H._ J._ später töten werde. Ebenfalls sagte
sie erneut aus, dass sie nicht in der Küche gewesen seien, dass J._ vielmehr
von H._ und I._ in den Estrich geführt worden sei (Urk. D1/05/24 S. 20).
3.1.24. Einvernahme vor Vorinstanz vom 10. September 2019
In der Hauptverhandlung vor Vorinstanz vom 10. September 2019 sagte die Be-
schuldigte betreffend Dossier 2 aus, sie habe einen Tag vorher erfahren, dass
H._ mit J._ habe reden wollen, und dass sie mit den Kindern das Haus
verlassen solle (Prot. I S. 301 f.). H._ habe ihr gesagt, er wolle mit J._
- 40 -
reden, und sie habe von den Fr. 40'000.– gewusst, welche im Novem-
ber/Dezember 2015 investiert worden seien (Prot. I S. 303). Sie habe nicht ge-
wusst und nicht damit gerechnet, dass J._ gefesselt und gefangen gehalten
würde (Prot. I S. 307). H._ habe ihr bereits im Dezember 2015 gesagt, dass
das Geld und die Drogen "gefallen" seien und dass J._ etwas damit zu tun
habe, diese quasi habe verschwinden lassen. H._ habe von seiner Mutter Fr.
50'000.– bekommen, davon seien Fr. 40'000.– ins Drogengeschäft geflossen, Fr.
10'000.– habe sie erhalten, um Rechnungen zu bezahlen. Am fraglichen Tag sei
sie etwas zu früh nach Hause gekommen und habe erst dann erfahren, dass
I._ mit J._ unterwegs sei (Prot. I S. 302). Sie habe nicht mitgewirkt beim
Umparkieren der Autos. Sie habe gewusst, dass es so aussehen sollte, als ob sie
in den Ferien seien (Prot. I S. 306). Sie habe die Rollläden herunter gelassen und
das Licht ausgeschaltet. Sie habe gewusst, dass H._ J._ unter einem
Vorwand nach T._ bringen liess, habe sich aber nicht gross Gedanken ge-
macht, wie das ablaufen werde (Prot. I S. 308). H._ und I._ seien mit
J._ auf den Estrich gegangen, sie habe von der Überwältigung nichts mitbe-
kommen. Einmal habe H._ sie angerufen und habe gesagt, er brauche Ka-
belbinder. Diese habe sie ihm in den Estrich gebracht. Sie habe gewusst, dass es
Handschellen im Haus gebe, daher habe sie nicht so weit überlegt, dass die Ka-
belbinder dazu dienen könnten, J._ zu fesseln. Später seien H._ und
I._ heruntergekommen und hätten ihr von ihrem Plan mit der Falle erzählt
und dass J._ im Estrich sei. Sie habe J._ erst beim Toilettengang ge-
fesselt gesehen (Prot. I S. 312). Sie habe von H._ den Schlüssel für den
Mercedes bekommen, und es habe geheissen, sie solle mit I._ nach
AG._ fahren, um den Mercedes zu holen (Prot. I S. 316). Sie habe nicht ge-
fragt, weshalb sie das tun solle und was mit dem Mercedes geschehen werde.
Der Toilettengang habe erst stattgefunden, nachdem sie den Mercedes geholt
habe (Prot. I S. 318). H._ habe ihr für den Toilettengang eine Pistole gege-
ben, sie sei überfordert gewesen, da sie nicht mit Waffen umgehen könne (Prot. I
S. 319 f.). Als sie am Morgen aus dem Haus gegangen sei, um die Kinder zu ho-
len, sei J._ im Kinderzimmer gewesen. Sie habe gewusst, dass J._ und
H._ illegale Geschäfte machten und habe gedacht, sie würden sich nicht ge-
- 41 -
genseitig anzeigen. Sie bestätigte, dass sie ungefähr um 10 Uhr nach Hause zu-
rück gekommen sei und sie H._ dann darüber orientiert habe, dass er
J._ umgebracht habe. Sie sei geschockt gewesen (Prot. I S. 322). H._
habe gesagt, er habe das tun müssen, weil sonst ihm oder seiner Familie irgen-
detwas passiert wäre. Beim Vergraben des Leichnams sei sie einfach wie verstei-
nert daneben gestanden, sie habe sich nicht überwinden können, H._ dabei
zu helfen (Prot. I S. 322).
Sie habe nicht gewusst, dass U._ am Schluss sterben werde. Sie sei erst am
3. Juni 2016 von H._ informiert worden, dass man einen Lastwagen entwen-
den werde. Sie habe protestiert, da sie die Kinder dabei gehabt habe. H._
habe gesagt, sie müsse mitkommen, brauche nichts zu machen, ausser im Auto
unterwegs zu sein. Es sei nicht der erste Lastwagen gewesen, den man gestoh-
len habe. Sie sei davon ausgegangen, dass es ablaufen werde wie bei AI._
(Prot. I S. 340). Am Vorfall AI._ sei sie nicht aktiv beteiligt gewesen, habe
aber Kenntnis davon gehabt, wie vorgegangen worden sei (Prot. I S. 342). Dass
I._ auch dabei sein werde, habe sie erst erfahren, als sie schon unterwegs
gewesen sei. Sie habe keine Zeit mehr gehabt, etwas für die Kinder zu organisie-
ren, es habe geheissen, es eile (Prot. I S. 341). Erst als sie mit dem Mobiltelefon
zurück nach V._ gefahren sei, habe sie gemerkt, dass es anders laufe wie
bei AI._ (Prot. I S. 343). Angesprochen auf ihre Kenntnis über die Fesselung
und Tötung von J._ erklärte sie, das seien für sie damals völlig unterschiedli-
che Situationen gewesen. Zu J._ habe H._ eine Beziehung gehabt, mit
U._ habe er zuvor nichts zu tun gehabt (Prot. I S. 344). H._ habe zuge-
lassen, dass sie die Kinder mitgenommen habe anders als bei J._, wo sie
und die Kinder weggehen mussten. Sie sei nie davon ausgegangen, dass es in
einem Gewaltdelikt enden würde (Prot. I S. 344). Sie sei in den Tatplan einge-
weiht gewesen, einen Lastwagen zu stehlen, aber nicht, dass man den Besitzer
am Ende des Tages töten werde. Sie sei davon ausgegangen, wenn es nicht
klappen würde, würde er es bleiben lassen und sich den Nächsten suchen (Prot. I
S. 345). Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass H._ mit einem Anhänger
sinnlos in der Gegend herumgefahren sei, daher habe sie keine Fragen gestellt.
Später als der Lastwagen nicht mehr da gewesen sei habe sie sich gefragt, wo
- 42 -
der Besitzer sei, ob dieser im Anhänger sei. Das sei in AO._ gewesen (Prot. I
S. 346). Spätestens beim Lidl-Parkplatz als sie das Mobiltelefon bekommen habe,
sei ihr klar geworden, dass etwas nicht stimme. Sie habe U._ nie gesehen.
H._ habe ihr nichts von der Überwältigung und Fesselung von U._ ge-
sagt (Prot. I S. 349). H._ habe ihr das Mobiltelefon gegeben. Sie habe von
sich aus auf dem Weg nach V._ den Flugmodus wieder ausgeschaltet. Un-
terwegs habe sie H._ angerufen, um sich zu erkundigen, wo sie das Mobilte-
lefon deponieren solle, und ihn zuerst nicht erreicht. Schliesslich habe sie I._
dran gehabt, H._ sei auch dabei gewesen. Ihr sei bewusst gewesen, dass es
so aussehen sollte, als ob U._ nach V._ zurückgekehrt sei (Prot. I S.
352). Das Mobiltelefon sei in einem Plastikbeutel gewesen. Sie wisse nicht, ob
I._ mitbekommen habe, dass sie das Mobiltelefon von H._ erhalten ha-
be (Prot. I S. 354). Sie habe gedacht, dass der Vertrag ausgefüllt, U._ einge-
schüchtert und wieder frei gelassen würde (Prot. I S. 355). H._ habe ihr ge-
sagt, dass er U._ drohen und ihn einschüchtern werde (Prot. I S. 356). Es
hätte so aussehen sollen, als wäre der Lastwagen gekauft worden, U._ mit
H._ zurück nach V._ gegangen, und sie und I._ mit dem Lastwa-
gen weitergefahren. Da viel Bargeld hätte vorhanden sein müssen, hätte man da-
nach behauptet, U._ sei überfallen und sein Geld entwendet worden (Prot. I
S. 356). Es hätte so aussehen sollen, als wäre U._ in V._ überfallen
worden und dieser dabei sein Telefon verloren habe (Prot. I S. 384). Auf Vorhalt
ihrer Aussage, wonach sie kurz gedacht habe, dass U._ getötet würde,
räumte sie ein, dieser Gedanke sei ihr sicher einmal gekommen. Es habe für sie
aber absolut keinen Sinn ergeben, dass U._ sterben musste (Prot. I S. 358).
Diese Gedanken habe sie sich erst nachher gemacht. Sie habe den ganzen Tag
die Kinder bei sich gehabt und habe nicht immer offen über alles reden können.
Erst als die Kinder schliefen, habe sie sich Gedanken machen können. In
AB._ habe ihr gedämmert, dass U._ sehr wahrscheinlich im Anhänger
gewesen sei (Prot. I S. 359). Sie sei davon ausgegangen, dass er noch lebe
(Prot. I S. 361). Sie habe I._ nach AD._ gefahren. Die Kinder seien im
Auto gewesen, daher habe man nicht über U._ oder den Lastwagendiebstahl
gesprochen (Prot. I S. 361). In T._ habe sie U._ nicht gesehen und sei
- 43 -
nicht dabei gewesen, als er getötet worden sei (Prot. I S. 362). Sie habe auch
nicht gesehen, dass die Leiche durch H._ umgeladen worden sei (Prot. I S.
363). Später habe sie mit H._ besprochen, was man der Polizei sagen wer-
de, dass er U._ eingeschüchtert habe und I._ den Lastwagen rechtmäs-
sig gekauft habe. Sie habe dies mit I._ nicht besprochen, gehe aber davon
aus, dass H._ dies mit I._ so besprochen habe (Prot. I S. 366).
Die Beschuldigte bestätigte, dass H._ sie aufgefordert habe, den Kaufvertrag
mit den Personalien von I._ auszufüllen, dessen Unterschrift zu fälschen und
AQ._ zu schicken, was sie getan habe (Prot. I S. 372). Nachdem H._
sie angerufen habe und gesagt habe, die Polizei sei unterwegs, habe sie die Pis-
tole versteckt. Sie habe damit H._ schützen wollen. Da sie mit dem Fälschen
des Vertrages und der Fahrt nach V._ in die gesamte Situation involviert ge-
wesen sei, habe sie sich ein Stück weit auch selber schützen wollen (Prot. I S.
373 f.). Sie habe nicht gesehen, dass H._ die Leiche von U._ vom An-
hänger in den Kofferraum des Personenwagens verschoben habe (Prot. I S. 378).
Betreffend die Tötung von J._ habe H._ gesagt, er habe es machen
müssen für die Sicherheit ihrer Familie. Dadurch, dass F._ drohend bei ihnen
zu Hause aufgetaucht sei und plötzlich Videoüberwachungen um das ganze Haus
installiert worden seien, habe sich dies verdichtet und sei sie davon ausgegan-
gen, dass es wirklich zu ihrem Schutz habe sein müssen (Prot. I S. 374). Die Kin-
der seien auf der Fahrt nur mitgekommen, weil sie keine Zeit mehr gehabt habe,
etwas anderes zu organisieren und es geheissen habe, es werde nicht lange ge-
hen (Prot. I S. 377). Am Anfang hätten sie zwei Überwachungskameras gehabt,
eine bei der Haustüre und eine beim Hausplatz. Letztere habe nie funktioniert,
danach hätten sie nur diejenige bei der Haustür gehabt. Nach dem Vorfall mit
F._ habe H._ die Videoüberwachungskameras aufgestockt. Das Haus
sei dann eigentlich rundherum mit drei oder vier Kameras überwacht gewesen
(Prot. I S. 380 f.). Auf die Frage, was sie zum Thema der serbischen Mafia sage,
antwortete sie, sie würde es gerne glauben, aber ganz ehrlich glaube sie nicht da-
ran. Wenn sie die ganzen Beträge höre, dann frage sie sich, warum er sie mit die-
- 44 -
sen Schulden habe leben lassen, wenn er wirklich so viel Geld gehabt hätte (Prot.
I S. 382).
Betreffend Dossier 5 (versuchter gewerbsmässiger Betrug zum Nachteil der
AE._ Versicherung) sagte die Beschuldigte aus, sie habe gewusst, dass das
Fahrzeug nicht gestohlen wurde und es um einen Versicherungsbetrug ging, als
sie H._ in Deutschland abgeholt habe. Das sei die Idee von H._ gewe-
sen, sie habe mitgemacht, weil sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei.
Sie habe aus finanziellen Motiven mitgemacht (Prot. I S. 389). Sie habe gewusst,
dass die als gestohlen angegebenen Gegenstände Laptop und Drucker nicht ef-
fektiv im Auto gewesen seien. Die Reparaturen, für welche I._ die Rechnun-
gen neu geschrieben habe, seien auch wirklich gemacht worden (Prot. I S. 389).
Sie habe erst im Nachhinein von H._ erfahren, dass das Fahrzeug angezün-
det worden sei (Prot. I S. 390). Er habe nicht gesagt, wer es angezündet habe
(Prot. I S. 391).
Betreffend Dossier 11 sagte die Beschuldigte aus, sie wisse, dass das Fenster
aufgebrochen gewesen sei, aber nicht mehr, ob dies H._ gewesen sei oder
ob tatsächlich eingebrochen worden sei. Es sei zutreffend, dass die in der Ankla-
ge aufgelisteten Gegenstände nicht gestohlen worden seien (Prot. I S. 398).
3.1.25. Berufungsverhandlung
In der Berufungsverhandlung hat die Beschuldigte zur Sache die Aussage ver-
weigert (Prot. II S. 119 ff.).
4. Beweiswürdigung
4.1. Allgemeines zum Aussageverhalten der Beschuldigten
Wie der vorstehenden chronologischen Zusammenfassung der Aussagen der Be-
schuldigten zu entnehmen ist, hat sie ihre Tatbeteiligung betreffend die Delikte
gemäss Dossiers 1 und 2 erst spät und nur schrittweise eingeräumt, wobei sie an-
fänglich über weite Strecken die Aussage verweigerte. Dieses Aussageverhalten
ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass zwischen der Beschuldigten und den Mit-
- 45 -
beschuldigten am 23. Juni 2017 anlässlich von Einvernahmen kolludiert wurde.
Alle drei Beschuldigten bestätigten, dass es zu solchen Absprachen gekommen
ist, und die sichergestellten Kassiber belegen dies. Von zentraler Bedeutung ist,
dass H._ anerkanntermassen bestrebt war, die Beschuldigte möglichst weit-
gehend zu entlasten. Wie aus den Kassibern hervorgeht, wies er sie und I._
an, nichts auszusagen und dann ihre Aussagen seinen Aussagen anzupassen.
Es kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz und den von ihr zitierten
Wortlaut der Kassiber verwiesen werden (Urk. 221 S. 23). I._ und G._
hielten sich über längere Zeit an die Anweisung von H._. In seiner Einver-
nahme vom 9. Januar 2018 erzählte I._ dann aber von der erfolgten Kollusi-
on und fing an, G._ zu belasten. Seine Deposition führte dazu, dass G._
gleichentags erneut verhaftet wurde, die erfolgte Kollusion bestätigte und ihre
Tatbeteiligung schrittweise zugab. Widersprüche zwischen ihren Aussagen vor
dem 9. Januar 2018 und denjenigen in der Zeit danach sind vor diesem Hinter-
grund zu sehen und sprechen nicht per se gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Darstel-
lung.
H._ hielt an seiner Strategie, die Beschuldigte möglichst wenig zu belasten
bis am Schluss recht weitgehend fest. Es ging ihm darum, zu erreichen, dass die
Beschuldigte für die Kinder da sein kann, was er I._ gemäss dessen Aussa-
gen so erklärte (Urk. D1/03/11 Anhang 1). In der Berufungsverhandlung belastete
er G._ im Zusammenhang mit den Kenntnissen betreffend die Delikte zum
Nachteil von U._ sel. erstmals in erheblichem Umfang und führte auch aus,
dass sie beim Verbringen der Leiche von J._ sel. in das ausgehobene Grab
mitgeholfen habe (Prot. II S. 63, S. 87 ff., S. 93 ff., S. 107 und S. 113 f.). Auf diese
Belastungen ist zurückzukommen.
4.2. Sachverhaltserstellung betreffend Dossier 2
4.2.1. Übereinkunft zwischen H._, I._ und G._
Die Anklage wirft der Beschuldigten vor, sie sei zwischen dem 25. April 2016 und
dem 27. April 2016 mit H._ und I._ übereingekommen, J._ unter
einem Vorwand an den Wohnort von H._ zu locken. Alle drei Beschuldigten
- 46 -
stellten in Abrede, dass es zu einer solchen gemeinsamen Übereinkunft gekom-
men sei. Eine solche lässt sich denn auch nicht durch Chatprotokolle oder Tele-
fongespräche belegen. Entsprechende Kontakte/Gespräche fanden nur zwischen
H._ und I._ im Vorfeld des 27. April 2016 statt. Eine Übereinkunft zwi-
schen den drei Beschuldigten lässt sich nicht erstellen.
Zu prüfen bleibt, ob eine Absprache zwischen H._ und G._ getroffen
wurde und was sie vor dem Eintreffen von J._ sel. in T._ wusste.
4.2.2. Beteiligung am Wegstellen der Fahrzeuge
Anlässlich der Berufungsverhandlung machte die Staatsanwaltschaft geltend, es
liege auf der Hand, dass H._ erst nach Erhalt der Nachricht von I._ um
21.10 Uhr begonnen habe, den Empfang von J._ an seinem Wohnort vorzu-
bereiten, da er erst ab diesem Zeitpunkt sicher gewusst habe, dass J._ auch
eintreffen werde. In dieser Zeit müsse H._ seine Fahrzeuge im Dorf versteckt
haben. Dies sei exakt zu jener Zeit gewesen, als die Beschuldigte G._ sich
auf dem Heimweg befunden habe. Sie sei also vor Ort gewesen und habe helfen
können. Das Verstecken der Fahrzeuge müsse gemäss den Antennenstandorten
und Anrufen zwischen dem Ehepaar G._/H._ zwischen ca. 22.00 Uhr
und ca. 22.43 Uhr erfolgt sein. Weiter sei schlichtweg lebensfremd, dass H._
in dieser damals für ihn eher aufregenden Vorbereitungsphase lieber einen stün-
digen Fussmarsch von der Milchannahmestelle im Dorf bis nach Hause unter-
nommen habe, als sich von seiner Ehefrau helfen zu lassen (Urk. 253 S. 20).
Die Beschuldigte bestritt den Vorwurf, sie habe vor dem Eintreffen von J._
gemeinsam mit H._ die ihnen gehörenden Personenwagen Ford Ranger und
Subaru Legacy von ihrem Wohnort weggebracht und im Dorfkern von T._
parkiert. H._ sagte konstant aus, er habe die Fahrzeuge allein nach T._
gebracht, die Beschuldigte sei nicht daran beteiligt gewesen. Auch aus den Aus-
sagen von I._ lässt sich nichts anderes entnehmen. Es kann auf die zutref-
fenden Ausführungen der Vorinstanz zu den Aussagen der Beschuldigten verwie-
sen werden. Den vorinstanzlichen Erwägungen ist - entgegen der Auffassung der
Staatsanwaltschaft - auch darin zu folgen, dass die Auswertung der Antennen-
- 47 -
standorte von H._ und G._ ihre übereinstimmenden Aussagen nicht zu
widerlegen vermögen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 221 S. 25 f.).
Es kann daher nicht erstellt werden, dass die Beschuldigte gemeinsam mit
H._ die Fahrzeuge Ford Ranger und Subaru Legacy vor dem Eintreffen von
J._ sel. nach T._ verbracht hat.
4.2.3. Kenntnis von geplanter Überwältigung, Fesselung und Gefangenhalten
von J._ sel.
Die Beschuldigte hat in der Einvernahme vom 2. März 2018 ausgesagt, H._
habe sie gebeten, am 27. April 2016 am Abend weg zu sein und die Kinder weg-
zubringen (Urk. D1/05/14 S. 2; Urk. D1/06/15 S. 13). Am 27. April 2016 habe er
ihr gesagt, er werde sich zurückholen, was ihm zustehe, und wolle deshalb mit
J._ sprechen. Sie habe gewusst, dass H._ mit J._ wegen den ver-
lorenen Fr. 40'000.– Streit gehabt habe. H._ habe ihr am 27. April 2016 nach
ihrer Rückkehr nach Hause gesagt, sie müssten alles dunkel machen, es dürfe
kein Licht brennen, J._ gehe davon aus, dass sie in den Ferien seien.
I._ werde J._ unter einem Vorwand zu ihnen locken. Sie habe gewusst,
dass I._ J._ gesagt habe, sie seien ferienabwesend und er könne seine
Hanfanlage abholen (Urk. D1/05/14 S. 3 f. und S. 13). Sie habe mitgeholfen, in-
dem sie die Storen heruntergelassen habe (Urk. D1/06/15 S. 13). Sie sei im Haus
gewesen und habe nicht gesehen, was draussen passiert sei, als J._ einge-
troffen sei. Sie habe sich vorgestellt, dass H._ J._ daran hindern würde,
sofort wieder davonzulaufen, sie habe aber nicht gedacht, dass J._ überwäl-
tigt und gefesselt würde. Als H._ und I._ vom Estrich heruntergekom-
men seien, habe sie überlegt, dass J._ gefesselt auf dem Estrich sein könnte
(Urk. D1/05/14 S. 12). Als H._ und I._ vom Estrich gekommen seien und
sich gefreut hätten, dass die Falle so gut geklappt habe, habe sie erfahren, dass
sie J._ überwältigt und gefesselt hatten. H._ habe nach Kabelbindern
gesucht, um nachzusichern (Urk. D1/06/15 S. 5).
Die Aussagen von G._ betreffend ihre Kenntnisse zu Überwältigung, Fesse-
lung und Gefangenhalten von J._ sel. erfolgten über alle Einvernahmen hin-
- 48 -
weg konstant und ohne Widersprüche. Gestützt auf ihre glaubhaften Aussagen ist
erstellt, dass sie wusste, dass J._ sel. von H._ und I._ unter dem
Vorwand, dass sie ferienabwesend seien und er seine Hanfanlage holen könne,
nach T._ gelockt wurde. Sie hatte Kenntnis vom Streit zwischen H._
und J._ sel. wegen der verschwundenen Fr. 40'000.– und dass es darum
ging, dieses Geld wieder zurückzubekommen. Es war ihr bewusst, dass J._
sel. nicht freiwillig nach T._ kommen würde. Aufgrund dieser ihr bekannten
Umstände musste sie auch damit rechnen, dass J._ sel. nicht freiwillig in
T._ bleiben würde, wenn er bemerken würde, dass er Opfer einer List ge-
worden war. Insofern war auch absehbar, dass J._ sel. überwältigt und fest-
gehalten werden musste. Nachdem H._ und I._ J._ sel. ins Haus
gebracht hatten, erfuhr sie aufgrund ihrer eigenen Aussage, dass J._ sel. ge-
fesselt worden war. Nicht erstellen lässt sich, dass die Beschuldigte gesehen hat,
wie J._ sel. vor dem Haus von H._ überwältigt wurde und ihm von
I._ Handschellen angebracht wurden. Ebenfalls nicht erstellt ist, dass
G._ bei der Planung der Tat in irgendeiner Form aktiv beteiligt war.
4.2.4. Wissen betreffend Entwendung des Fahrzeugs BMW M3
Die Beschuldigte bestritt, Kenntnis davon gehabt zu haben, dass H._ geplant
hatte, sich den BMW M3 von J._ unrechtmässig anzueignen. Wie vorstehend
dargelegt, kann nicht erstellt werden, dass die Beschuldigte an der Planung be-
treffend das Verbringen von J._ sel. nach T._ beteiligt war. Es liegen
keine Beweismittel dafür vor, dass sie Kenntnis davon hatte, dass der BMW von
J._ sel. nach T._ transportiert werden sollte. Die diesbezüglichen Ab-
sprachen wurden zwischen H._ und I._ getroffen.
Bezüglich des BMW sagte G._ aus, H._ habe ihr am Morgen des 28.
April 2016 gesagt, J._ habe nicht so viel Geld in der Schweiz, er müsse nach
Serbien fahren, um so viel Geld aufzutreiben. Er nehme den BMW und den Mer-
cedes als Anzahlung. J._ werde dafür sorgen, dass sie den Rest des Geldes
auch noch bekommen (Urk. D1/05/14 S. 5). Sie sei in der Nacht vom 27. auf den
28. April 2016 davon ausgegangen, dass die beiden Fahrzeuge BMW und Mer-
- 49 -
cedes als Anzahlung für die Schulden von Fr. 40'000.– geleistet worden seien
(Urk. D1/05/21 S. 2).
Aufgrund der Aussagen von G._ ist erstellt, dass sie am Morgen des
28. April 2016 Kenntnis davon erlangte, dass H._ den BMW von J._ sel.
zur Schuldentilgung behalten wollte. Angesichts des Umstandes, dass sie in der
Nacht dabei war, als der mit Handschellen gefesselte J._ sel. von H._
zur Toilette gebracht wurde und dabei die Waffe in den Händen hielt, musste ihr
klar sein, dass die Wegnahme des BMW gegen den Willen von J._ sel. er-
folgte, zumal dieser am Morgen, als sie das Haus verliess, gemäss ihren Anga-
ben immer noch gefangen im Kinderzimmer war. Da G._ erst am 28. April
2016 erfuhr, dass H._ den BMW behalten wollte und in diesem Zeitpunkt der
Gewahrsam von J._ sel. bereits aufgrund täuschender Machenschaften sei-
tens von H._ und I._ aufgehoben worden war, war bezüglich des BMW
keine Beteiligung von G._ am Delikt mehr möglich und fällt ein Schuldspruch
ausser Betracht.
4.2.5. Entwendung des Mercedes
Auch bezüglich des Mercedes machte die Beschuldigte geltend, sie sei davon
ausgegangen, es habe eine Absprache mit J._ betreffend Verwendung zur
Schuldentilgung bestanden. Dieses Vorbringen der Beschuldigten erweist sich
aus den gleichen Überlegungen wie vorstehend betreffend das Fahrzeug BMW
als Schutzbehauptung. Die Beschuldigte räumte denn auch selber ein, sie wisse
nicht, ob sie bezüglich der Fahrzeuge einig geworden seien (Urk. D1/05/21 S. 2).
Betreffend den Mercedes kommt hinzu, dass sie nach ihrer Aussage den Schlüs-
sel für das Fahrzeug von H._ erhalten hat, nachdem H._ in den Estrich
gegangen war, um die Fesselung von J._ sel. nachzusichern (Urk. D1/06/15
S. 5). Die Beschuldigte konnte unter diesen Umständen auf keinen Fall davon
ausgehen, dass J._ sel. den Schlüssel freiwillig abgegeben hat und man sich
über eine Schuldentilgung geeinigt hatte.
- 50 -
4.2.6. Beteiligung am Gespräch mit J._ sel. im Haus
Die Anklage wirft der Beschuldigten vor, sie und H._ hätten in der Küche den
gefesselten J._ sel. aufgefordert, die Drogen und das Geld zu besorgen und
ihnen zu übergeben oder ihnen Informationen über den Verbleib der Drogen und
des Geldes zu geben. Die Beschuldigte bestritt, sich am Gespräch mit J._
sel. beteiligt zu haben.
G._ sagte auf Vorhalt der Aussage von I._, dass sie bei der Diskussion
mit J._ auch mitgeredet habe, diese Aussage sei nicht wahr (Urk. D1/05/19
S. 4). Sie habe nichts von den Gesprächen mitbekommen. Sie sei im Wohnzim-
mer gewesen, die andern im Estrich (Urk. D1/05/20 S. 14). Sie sei bei der Diskus-
sion nicht dabei gewesen (Urk. D1/05/21 S. 2). Es treffe nicht zu, dass sie auf
J._ eingeredet habe (Urk. D1/06/15 S. 32).
Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, beruht die Anklage betreffend die-
sen bestrittenen Punkt einzig auf den Aussagen von I._. Auch H._ be-
stritt konstant, dass G._ sich am Gespräch beteiligte (Urk. 221 S. 28). Es
wurde bereits mehrfach erwähnt, dass H._ stets bestrebt war, G._ mit
seinen Aussagen weitestgehend zu entlasten. Daher vermag seine gegenteilige
Aussage die Glaubhaftigkeit der Belastung durch I._ nicht in Frage zu stel-
len. Es ist nicht zu erkennen, was I._ für ein Motiv haben könnte, G._
falsch zu belasten. Seine diesbezügliche Aussage bringt ihm keinen Vorteil, ist
aber in Einklang zu bringen mit dem Interesse von G._ am Ausgang des Ge-
sprächs mit J._ sel.. Die Beschuldigte hatte nach eigener Zugabe Kenntnis
davon, dass H._ von den Fr. 50'000.–, welche er von seiner Mutter erhalten
hatte, Fr. 40'000.– in ein Drogengeschäft mit J._ sel. investiert hatte und
dass J._ sel. behauptete, dieses Geld sei verloren gegangen. Sie wusste
auch, dass es darum ging, den unter falschem Vorwand nach T._ gelockten
J._ sel. dazu zu bringen, Informationen über den Verbleib der Drogen und
des Geldes zu geben bzw. diese herauszugeben. Hinzukommt, dass G._ um
die desolate finanzielle Situation ihrer Familie wusste und dass sie dringend auf
dieses Geld angewiesen waren. Von zentraler Bedeutung ist bei der Beweiswür-
digung jedoch der Umstand, dass I._ betreffend die Beteiligung von G._
- 51 -
am Gespräch mit J._ sel. nicht gleichbleibend aussagte. Die Vorinstanz hat
korrekt dargelegt, dass seine Aussagen inkonstant ausfielen (Urk. 221 S. 27).
Während er in der Einvernahme vom 23. November 2017 in Anwesenheit der Mit-
beschuldigten noch aussagte, er sei sich nicht mehr hundertprozentig sicher, sie
sei am Anfang glaublich dabei gewesen, er mutmasse aber nur, könne es nicht
sagen (Urk. D1/03/09 S. 21), sagte er am 6. Februar 2018 in der polizeilichen
Einvernahme aus, G._ habe sich nicht am Gespräch beteiligt (Urk. D1/03/12
S. 33) und hielt am 12. März 2018 daran fest, er glaube nicht, dass G._ bei
der Besprechung dabei gewesen sei, er sei sich nicht zu 100 Prozent sicher (Urk.
D1/03/14 S. 13). Dagegen führte er in den polizeilichen Einvernahmen vom 9. Ap-
ril 2018 und vom 10. April 2018 aus, G._ habe mitgeredet, weil es um das
gemeinsame Geld gegangen sei, sie habe sich auch immer eingemischt, dass
J._ sie um viel Geld oder Ware betrogen habe und man nun zumindest das
Geld wieder haben wolle (Urk. D1/03/15 S. 8 f.; Urk. D1/03/16 S. 8). In der Kon-
frontationseinvernahme vom 22. Mai 2018 sagte er aus, G._ habe sich am
Gespräch beteiligt und habe gesagt, es gehe ja nicht um wenig, J._ solle die
Ware "füremache" (Urk. D1/06/14 S. 11). An seiner Belastung hielt er auch in der
Befragung vor Vorinstanz fest und erklärte, G._ habe sehr wenig mitdisku-
tiert, den grössten Einfluss auf J._ habe H._ genommen. Sie habe ge-
sagt, er solle endlich sagen, wo das Geld sei (Prot. I S. 189 f.). Da die inkonstan-
ten Aussagen von I._ auch in der Zeit nach dem 9. Januar 2018 getätigt
wurden, als er bereits angefangen hatte, G._ zu belasten, bleiben aufgrund
der Widersprüche in seinen Aussagen Zweifel daran, ob er sich mit hinreichender
Sicherheit daran erinnert, dass G._ sich am Gespräch mit J._ sel. betei-
ligte. Mit der Vorinstanz lässt sich der Sachverhalt in diesem Punkt nicht erstellen.
4.2.7. Pistole oder Tierschreckschusspistole
Zu prüfen ist, ob es sich bei der Waffe, die die Beschuldigte beim Toilettengang
von J._ sel. unbestrittenermassen in Händen hielt, um die bei der Haus-
durchsuchung sichergestellte Pistole der Marke Beretta oder eine Tierschreck-
schusspistole handelte. Die Beschuldigte sagte aus, es habe sich um eine kleine
schwarze Waffe gehandelt. Da sie eine Beretta im Haus gehabt hätten, gehe sie
- 52 -
davon aus, dass es diese gewesen sei. Sie habe schon ausgesehen wie eine
richtige Waffe (Urk. D1/05/20 S. 11). In einer späteren Einvernahme erklärte sie
dann, sie habe die Waffe leichter als die Beretta in Erinnerung (Urk. D1/06/15
S. 23). Auf Vorhalt einer Fotografie der Tierschreckschusspistole erklärte die Be-
schuldigte, sie habe diese schon im Tresor gesehen und würde sagen, es sei die
Pistole, die ihr H._ in die Hand gedrückt habe, es sei jedenfalls eine leichte
kleine Pistole gewesen (Urk. D1/06/18 S. 20/21). H._ sagte aus, er habe der
Beschuldigten die Tierschreckschusswaffe übergeben, die Beretta habe er hinten
in der Hose gehabt (Urk. D1/06/17 S. 28).
Mit der Vorinstanz ist auf die glaubhafte erste Aussage der Beschuldigten abzu-
stellen, zumal sie die Beretta beim Verstecken auf dem Dachboden in den Hän-
den gehalten hatte, deren Gewicht kannte und vergleichen konnte mit derjenigen
Waffe, die sie beim Toilettengang von J._ sel. in Händen gehalten hatte. Die
spätere Aussage betreffend Tierschreckschusswaffe erscheint als an die Aussage
von H._ angepasste Schutzbehauptung. Auf das Bemühen von H._, die
Beschuldigte weitestgehend zu entlasten, wurde bereits hingewiesen. Seine Ent-
lastung vermag die erste Aussage der Beschuldigten nicht zu entkräften.
Der Anklagesachverhalt ist im Hauptstandpunkt (Einsatz der Pistole Beretta) er-
stellt.
4.2.8. Tragen der Leiche zum ausgehobenen Grab
G._ sagte konstant aus, sie hätte H._ helfen sollen, die Leiche von
J._ vom Anhänger zum Loch hinüber zu heben, sie habe dies nicht gekonnt,
sei einfach da gestanden und habe zugeschaut (Urk. D1/05/18 S. 2). H._
habe es alleine gemacht, er habe eine Platte genommen und die Leiche aus dem
Anhänger ins Loch hinuntergleiten lassen (Urk. D1/06/15 S. 9). Sie sei einfach wie
versteinert daneben gestanden und habe sich nicht überwinden können, H._
dabei zu helfen.
In diesem Punkt ist vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz zu verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 221 S. 30 f.). Ausser den Aussa-
- 53 -
gen von I._, welcher nur vom Hörensagen und ohne Angabe von Details be-
richten konnte, liegen keine Beweismittel dafür vor, dass G._ tatsächlich ge-
holfen hat, die Leiche zum ausgehobenen Grab zu tragen. I._ sagte lediglich
aus, H._ habe bei der Kollusion gesagt, G._ habe geholfen, die Leiche
zu verschieben und zu begraben (Urk. D1/03/11 S. 33). G._ habe ihm in die-
ser Kollusion gesagt, sie habe helfen müssen, es habe auf ihn den Eindruck ge-
macht, dass er sie dazu gezwungen habe (Urk. D1/06/14 S. 35).
Die pauschal gehaltenen Aussagen von I._ vom Hörensagen vermögen die
Darstellung der Beschuldigten nicht zu widerlegen. In der Berufungsverhandlung
sagte H._ in Abweichung von seinen bisherigen Aussagen aus, G._ ha-
be ihm geholfen, die Leiche aus dem Anhänger ins Grab zu verbringen, er wäre
aufgrund eines Bruchs am Arm gar nicht in der Lage gewesen, dies allein zu be-
werkstelligen (Prot. II S. 87 ff.). Die Darstellung von H._, wonach er die Lei-
che von J._ sel. zwar alleine in den Anhänger gehoben haben will, dagegen
nicht in der Lage gewesen sein soll, diesen alleine aus dem Anhänger herauszu-
holen, erscheint schon a priori nicht glaubhaft, zumal es auf der Hand liegt, dass
es mehr Kraft braucht, ein Gewicht hochzuheben/hochzuziehen als dieses herun-
terzuziehen bzw. wie die Beschuldigte geltend macht, über eine Platte herunter-
gleiten zu lassen. Insgesamt sind die Aussagen von H._ wenig glaubhaft,
dabei fällt besonders negativ ins Gewicht, dass er - wie er selber in der Beru-
fungsverhandlung einräumte - I._ in der Untersuchung falsch belastet hat be-
treffend dessen Anwesenheit bei der Tötung von J._ sel., da er I._ eins
habe "reinbremsen" wollen wegen der Verhaftung von G._ (Prot. II S. 79). Da
H._ G._ in der Berufungsverhandlung im Widerspruch zu allen früheren
Aussagen erstmals belastete, beim Verbringen der Leiche von J._ sel. vom
Anhänger in das ausgehobene Grab mitgewirkt zu haben, und die Beziehung zu
ihr belastet sein könnte angesichts des pendenten Scheidungsprozesses sowie
des Umstandes, dass sie einen neuen Partner hat, lässt sich nicht mit rechts-
genüglicher Sicherheit ausschliessen, dass H._ G._ mit seiner belas-
tenden Aussage ebenfalls "eins reinbremsen" wollte. In die gleiche Richtung weist
seine in der Berufungsverhandlung erstmalige Belastung von G._ und
I._ betreffend deren Kenntnis um das Mitführen einer Waffe und der geplan-
- 54 -
ten Überwältigung von U._ sel. (Prot. II S. 93 ff. und S. 113 f.). Darauf ist im
Zusammenhang mit der Sachverhaltserstellung in jenem Anklagepunkt zurückzu-
kommen. Insgesamt erweisen sich die Aussagen von H._ als nicht glaubhaft,
da sie sich in einem zentralen Punkt betreffend die geltend gemachte Bedrohung
durch die Serbenmafia als reine Schutzbehauptung erwiesen haben und er aner-
kanntermassen I._ falsch belastet hat.
Zusammenfassend lässt sich nicht erstellen, dass die Beschuldigte H._ ge-
holfen hat, die Leiche von J._ sel. ins Grab zu tragen. Sie ist daher vom
Vorwurf der Störung des Totenfriedens im Sinne von Art. 262 Ziff. 1 Abs. 3 und
Ziff. 2 StGB freizusprechen.
4.3. Sachverhaltserstellung Dossier 1
4.3.1. Übereinkunft zwischen I._, G._ und H._ spätestens am
Vormittag des 3. Juni 2016 betreffend Überwältigung, Fesselung und Entführung
von U._ sel. und Entwenden des Lastwagens
Sowohl I._ als auch G._ bestritten beide, vor dem 3. Juni 2016 von ei-
nem Delikt zum Nachteil von U._ sel. gewusst zu haben. Sie stellten eine
Übereinkunft in Abrede und sagten aus, sie seien erst am 3. Juni 2016 von
H._ aufgefordert worden, nach V._ zu kommen. Übereinstimmend ga-
ben sie an, von einer Entwendung des Fahrzeugs ausgegangen zu sein, wobei
das Vorgehen das gleiche hätte sein sollen wie bei AI._, demzufolge eine
Mitnahme des Fahrzeugs ohne Bezahlung unter Vortäuschung eines Zahlungswil-
lens. Dass G._ die Kinder bei sich hatte und diese bei der ganzen Fahrt da-
bei blieben, deutet darauf hin, dass die Tat aus ihrer Sicht nicht von längerer
Hand geplant war, hätte sie doch in diesem Fall dafür gesorgt, dass die Kinder
untergebracht worden wären. Aus den Chatprotokollen geht hervor, dass I._
von H._ am Vormittag des 3. Juni gefragt wurde, ob er "10 i" verdienen wolle
und aufgefordert wurde, seine Termine an diesem Tag abzusagen. I._ muss-
te zudem für die Unterbringung seines Sohnes besorgt sein, den er an diesem
Tag bei sich hatte. Dies alles spricht gegen eine Übereinkunft vor dem 3. Juni
2016. Es liegen keine Beweismittel vor, aus welchen sich eine Absprache zwi-
- 55 -
schen den drei Beschuldigten ergeben würde. Es ist demnach auf die glaubhafte
übereinstimmende Darstellung von I._ und G._ abzustellen, wonach sie
je gegenseitig erst beim Eintreffen in V._ von der Beteiligung des/der Ande-
ren Kenntnis erlangten. I._ führte aus, er sei in AD._ zu H._ ins Au-
to gestiegen. Auf der Fahrt habe ihm H._ gesagt, dass G._ auch mit-
komme, er habe nicht gesagt, weshalb (Urk. D1/03/08). Als er H._ gefragt
habe, warum G._ mitkomme, habe er gesagt, sie müsse noch etwas abholen
(Urk. D1/03/16 S. 20). Am Anfang habe er nicht gewusst, dass G._ auch mit-
komme, darum hätte es ihn gebraucht, um den Ranger oder den LKW zu fahren
(Urk. D1/03/10 S. 11). Er vermute, dass H._ G._ eingeweiht habe, dass
es sich um einen Betrug handle (Urk. D1/03/10 S. 13). Es sei für ihn bis heute un-
klar, weshalb G._ mitgekommen sei. Er habe erst auf der Fahrt nach
V._ erfahren, dass sie dabei sein werde (Prot. I S. 237). H._ habe nicht
gesagt, dass G._ mitkomme und was ihre Funktion sei (Prot. I S. 237). Er
wisse nicht, was H._ G._ erzählt habe (Prot. I S. 238).
Zusammenfassend kann eine Übereinkunft unter den drei Beschuldigten mangels
Beweisen nicht erstellt werden, zumal auch die Auswertung der Mobiltelefone
keine Nachrichten oder Anrufe zwischen der Beschuldigten und I._ hervor-
brachte, welche auf eine Übereinkunft schliessen liessen. Daran ändert auch die
neue pauschale Belastung nichts, welche der Beschuldigte H._ in der Beru-
fungsverhandlung erstmals vorbrachte. Er sagte aus, G._ habe gewusst,
dass man U._ sel. festhalten werde bei der Wegnahme des Lastwagens und
dass eine Waffe zum Einsatz kommen werde (Prot. II S. 93 ff. und S. 113 f.). Bis
jetzt habe er dies nicht so ausgesagt, um die beiden zu schützen, nun habe er im
Vollzug einiges gelernt (Prot. II S. 94). Auf Nachfrage war er nicht in der Lage,
konkrete Angaben dazu zu machen, was, wann und mit wem besprochen worden
sei und verlor sich in diffusen Allgemeinplätzen. So erklärte er z.B., als sie sich
auf den Weg gemacht hätten, habe im Gespräch im Raum gestanden, dass er ei-
ne Waffe einsetzen werde, er sei schwer davon ausgegangen, dass die anderen
beiden davon ausgegangen seien, dass er eine Waffe mitgeführt habe. Auf Nach-
fragen bestätigte er, dass konkret davon gesprochen worden sei, dass eine Waffe
- 56 -
eingesetzt werde, er könne aber nicht sagen, wann dies gewesen sei (Prot. II S.
95 f. und S. 114).
Mit der Vorinstanz ist zugunsten der Beschuldigten auf ihre Aussagen abzustellen
und davon auszugehen, dass H._ sie am späten Vormittag des 3. Juni 2016
vom Plan in Kenntnis setzte, einen Lastwagen zu stehlen, sie aufforderte, mitzu-
wirken und sie damit einverstanden war (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 221 S. 52).
Mangels vorgängiger Tatplanung kann auch nicht erstellt werden, dass die Be-
schuldigte bereits im Zeitpunkt der Tatplanung mit der Tötung von U._ sel.
durch H._ rechnete und bereits in diesem Zeitpunkt den späteren Tod von
U._ sel. wollte, eventualiter in Kauf nahm.
4.3.2. Kenntnis von G._ betreffend Überwältigung, Fesselung und Ent-
führung von U._ sel. und Verwendung des Anhängers für den Transport des
zum Widerstand unfähig gemachten U._ sel.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschuldigte unabhängig von einer Übereinkunft mit den
Mitbeschuldigten wusste, dass U._ sel. unter Einsatz einer Schusswaffe
überwältigt, gefesselt und entführt werden sollte. Die Beschuldigte machte (wie
I._) geltend, sie sei davon ausgegangen, dass es wie bei AI._ ablaufen
werde, es um einen betrügerischen Diebstahl gehen werde. Dass sie nicht mit ei-
ner Überwältigung, Fesselung und Entführung von U._ sel. rechnete, zeigt
sich schon darin, dass auf der ganzen Fahrt während mehreren Stunden die Kin-
der dabei waren und ohne weiteres davon ausgegangen werden kann, dass die
Beschuldigte nicht das Risiko eingegangen wäre, dass die Kinder etwas von ei-
nem gewaltsamen Vorgehen gegen U._ sel. oder gar einem Waffeneinsatz
mitbekommen könnten. Beim Delikt zum Nachteil von J._ sel. hatte H._
dafür gesorgt, dass die Kinder auswärts untergebracht waren. G._ hatte am
Morgen des 28. April 2016 als J._ sel. noch gefesselt im Kinderzimmer war,
gegenüber H._ darauf bestanden, dass J._ sel. weg sein müsse, wenn
sie mit den Kindern zurückkehre.
Aufgrund der Akten lässt sich nicht erstellen, dass G._ vom Plan einer Über-
wältigung von U._ sel. Kenntnis hatte. Die pauschale Aussage von I._ in
- 57 -
den polizeilichen Einvernahmen vom 6. Februar 2018 und 10. April 2018, wonach
ihm H._ bei der Kollusion gesagt habe, dass G._ in den Plan eingeweiht
gewesen sei (Urk. D1/03/12 S. 39, Urk. D1/03/16 S. 21), ist schon mangels Kon-
frontation nicht verwertbar, wäre aber bloss eine Aussage vom Hörensagen und
mangels Detaillierung auch bei einer Wiederholung in einer nachzuholenden Kon-
frontation nicht geeignet, den Beweis dafür zu erbringen, dass die Beschuldigte
wusste, dass U._ sel. überwältigt, gefesselt und im Anhänger transportiert
wird.
Zu prüfen bleibt, ob sie während der Tatausführung Kenntnis von der Überwälti-
gung und Fesselung von U._ sel. erlangte und davon, dass er gefesselt im
Anhänger transportiert wurde.
Unbestritten ist, dass sie, als sie in V._ eintraf, bemerkte, dass I._ auch
dabei war. Es musste sich für sie die Frage aufdrängen, weshalb für einen betrü-
gerischen Diebstahl wie im Fall AI._ drei Personen mitwirken mussten und
weshalb neben dem Lastwagen dafür zwei Personenwagen erforderlich waren.
Zudem führte H._ am von ihm gelenkten Fahrzeug Ford Ranger einen ge-
deckten Anhänger mit Plachenaufbau mit. Was für einen Sinn das Mitführen eines
solchen Anhängers für die Entwendung eines Lastwagens hätte machen sollen,
erscheint als überhaupt nicht einsichtig. Hinzukommt, dass von Anfang an klar
wurde, dass der Ablauf nicht so sein wird wie im Fall AI._, da U._ sel.
den Lastwagen nicht einfach H._ und I._ gegen Rechnung übergab, es
vielmehr zu einer "Probefahrt" in Anwesenheit von U._ sel. kam. Insgesamt
bestanden für die Beschuldigte deutliche Hinweise darauf, dass es nicht bei einer
einfachen betrügerischen Entwendung des Lastwagens sein Bewenden haben
werde. Aufgrund der übereinstimmenden Aussagen von I._ und H._ ist
davon auszugehen, dass G._ weder bei der Überwältigung und Fesselung
von U._ sel. noch bei dessen Verbringung in den Anhänger anwesend war
oder durch H._ oder I._ darüber in Kenntnis gesetzt wurde. Die Anklage
wirft ihr dies auch nicht vor. I._ sagte aus, G._ habe U._ in seiner
Gegenwart nie gefesselt gesehen (Urk. D1/03/11 S. 47; Urk. D1/03/1 S. 39). Sie
habe sich nicht blicken lassen, weder bei der Einstellhalle noch beim Platz. Sie
- 58 -
sei erst wieder dazu gekommen, als er schon überwältigt gewesen sei (Urk.
D1/03/12 S. 39). Bei der Überwältigung und Fesselung sei sie nicht dabei gewe-
sen (Urk. D1/03/16 S. 21). Er habe bis zum Treffen an der Haltestelle AJ._
nicht gewusst, dass G._ ihnen gefolgt sei. Er habe nicht hinterfragt, wo sie
sei und was sie mache (Prot. I S. 250/251).
H._ sagte bezüglich der Kenntnisse der Beschuldigten aus, sie habe nicht
genau gewusst, dass U._ überwältigt und gefesselt worden sei. Er wisse
nicht, ob sie gesehen habe, dass U._ gegangen sei. Sie hätte einfach vermu-
ten müssen, dass er gefesselt sein könnte (Prot. I S. 109).
Da nicht erstellt ist, dass die Beschuldigte die Überwältigung von U._ sel.
mitbekommen hat und ihn gefesselt gesehen hat, ist zu prüfen, ob sie aufgrund
der gesamten Umstände von einer Überwältigung von U._ sel. und davon
ausgehen musste, dass er in den Anhänger verbracht wurde. G._ sagte dazu
aus, während der Probefahrt sei der Anhänger auf dem Lidl-Parkplatz wieder an
den Ford Ranger angehängt worden, und sie habe den Auftrag erhalten, das
Natel von U._ zu nehmen und damit nach V._ zurückzufahren mit dem
Subaru ohne Anhänger. Zu diesem Zeitpunkt sei ihr erstmals durch den Kopf ge-
gangen, dass etwas komisch sei an dieser Situation. Sie habe es nicht einordnen
können, habe Augen und Ohren zugemacht, sei nach V._ gefahren und habe
das Handy dort an einem Feldrand deponiert (Urk. D1/05/03 S. 2). Sie habe sich
gefragt, weshalb man den Anhänger in V._ umgehängt habe und warum die-
ser dabei sei. Sie habe sich aber nicht gefragt, weshalb man das tue, sei davon
ausgegangen, dass es einfacher sei, die Probefahrt ohne Anhänger zu machen
(Urk. D1/05/03 S. 4). Das Handy sei im Flugmodus gewesen, als sie es bekom-
men habe. Sie habe auf dem Weg kurz vor V._ gedacht, es gehe darum,
dass es so aussehe, dass U._ nach V._ zurückgegangen sei. Sie habe
daher den Flugmodus rausgenommen. Beim Deponieren sei das Handy im Nor-
malbetrieb gewesen. Sie habe dies von sich aus getan, um Spuren zu verwi-
schen, um H._ zu schützen, da sie nicht genau gewusst habe, was gesche-
hen sei.
- 59 -
Auf dem Lidl-Parkplatz habe ihr H._ das Handy von U._ in einem Plas-
tiksack gegeben und gesagt, sie müsse es bei der Einstellhalle in V._ depo-
nieren, damit es so aussehe, als wäre Herr U._ zurückgekommen. Sie habe
fragen wollen, was sein Plan sei. Er habe abgeblockt und gesagt, er werde ihr das
alles später erklären, sie solle ihm vertrauen. Er habe dann noch ihr Telefon ge-
gen das Firmentelefon ausgetauscht. H._ habe I._ gesagt, er solle den
Anhänger vom Subaru wieder an den Ford Ranger umhängen (Urk. D1/05/15 S.
3).
Beim Rastplatz AJ._ habe sie gedacht, dass etwas nicht stimmen könne.
Dort habe ihr H._ gesagt, dass der Besitzer auf dem Bett sei. Da sei ihr
durch den Kopf gegangen, dass der Besitzer nicht ganz freiwillig dabei sei und es
nicht so ablaufen würde wie bei AI._ (Urk. D1/05/15 S. 8). Dass es möglich-
erweise nicht nur um einen Diebstahl, sondern um etwas Schlimmeres ging, habe
sie das erste Mal realisiert, als sie das Telefon erhalten habe (Urk. D1/05/15 S. 7).
Sie habe sich schon gefragt, wofür der Anhänger mitgeführt worden sei, habe
H._ aber nicht gefragt (Urk. D1/05/15 S. 9). In AB._ habe es ihr dann
gedämmert. In diesem Moment sei sie davon ausgegangen, dass U._ über-
fallen worden war, weil er auf dem Bett gelegen habe und das sicher nicht freiwil-
lig, wie bei einer Geiselnahme (Urk. D1/05/15 S. 10). U._ hätte eingeschüch-
tert werden sollen, dass er bei der Polizei die Version erzähle, dass er in V._
überfallen worden sei und ihm dort die Fr. 40'000.– weg gekommen seien (Urk.
D1/05/15 S. 16).
Sie sei bei U._ davon ausgegangen, dass es ablaufen werde wie bei
AI._. Als sie den Anhänger gesehen habe, habe sie sich gefragt, wieso.
H._ habe nie ausgesprochen, dass er U._ töten werde. Sie sei davon
ausgegangen, dass es ein Überfall sei, aber nicht, dass er ihn töte (Urk. D1/05/20
S. 5).
Später, als der Lastwagen nicht mehr da gewesen sei, habe sie sich gefragt, wo
der Besitzer sei, ob dieser im Anhänger sei. Das sei in AO._ gewesen (Prot. I
S. 346). Spätestens beim Lidl-Parkplatz als sie das Mobiltelefon bekommen habe,
sei ihr klar geworden, dass etwas nicht stimme. Sie habe U._ nie gesehen.
- 60 -
H._ habe ihr nichts von der Überwältigung und Fesselung von U._ ge-
sagt (Prot. I S. 349). H._ habe ihr das Mobiltelefon gegeben. Sie habe von
sich aus auf dem Weg nach V._ den Flugmodus wieder ausgeschaltet. Ihr
sei bewusst gewesen, dass es so aussehen sollte, als ob U._ nach V._
zurückgekehrt sei (Prot. I S. 352). In AB._ habe ihr gedämmert, dass
U._ sehr wahrscheinlich im Anhänger gewesen sei (Prot. I S. 359) .
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschuldigte gesehen hat,
dass I._ auf dem Rastplatz AJ._ bzw. auf dem Lidl-Parkplatz in
AP._ den Anhänger vom Subaru wieder an den Ford Ranger umhängte. Auf
jenem Rastplatz erhielt sie von H._ das Mobiltelefon von U._ sel. mit der
Anweisung, dieses bei der Einstellhalle von U._ sel. in V._ zu deponie-
ren. Sie wusste, dass es darum ging, vorzutäuschen, dass U._ sel. nach
V._ zurückgekehrt war. Dies wiederum impliziert, dass er nicht dorthin zu-
rückkehren würde, ansonsten sein Telefon nicht hätte deponiert werden müssen.
Dass er sein Telefon nicht freiwillig abgegeben hatte, lag ebenfalls auf der Hand.
G._ räumte schliesslich ein, dass ihr H._ beim Rastplatz AJ._ ge-
sagt habe, dass der Besitzer auf dem Bett sei und ihr durch den Kopf gegangen
sei, dass der Besitzer nicht ganz freiwillig dabei sei und es nicht so ablaufen wür-
de wie bei AI._ (Urk. D1/05/15 S. 8). Dass es möglicherweise nicht nur um
einen Diebstahl, sondern um etwas Schlimmeres ging, habe sie das erste Mal re-
alisiert, als sie das Telefon erhalten habe (Urk. D1/05/15 S. 7). In AB._ habe
es ihr dann gedämmert. In diesem Moment sei sie davon ausgegangen, dass
U._ überfallen worden war, wie bei einer Geiselnahme (Urk. D1/05/15 S. 10)
und sich sehr wahrscheinlich im Anhänger befunden habe (Prot. I S. 359). Das
Geständnis der Beschuldigten wird gestützt durch die Akten. Es ist somit erstellt,
dass sie beim Halt auf der Raststätte AJ._, als sie das Telefon von U._
sel. ausgehändigt erhielt, davon ausgehen musste, dass dieser überwältigt wor-
den war und beim Halt in AB._ realisierte, dass U._ sel. sich im Anhä-
nger befand.
- 61 -
4.3.3. Wissen um die bevorstehende Tötung von U._ sel. und Wollen
oder Inkaufnahme von dessen Tod
Die Anklage wirft der Beschuldigten vor, sie habe spätestens als sie das Mobilte-
lefon von U._ übernommen habe, um dieses in V._ zu deponieren, ge-
wusst, dass H._ U._ töten werde, was sie auch gewollt habe oder zu-
mindest in Kauf genommen habe. Die Beschuldigte bestritt diesen Vorwurf.
Es liegen keine Aussagen der Mitbeschuldigten, Chats oder Telefonprotokolle vor,
auf welche sich dieser innere Anklagesachverhalt stützen liesse. Dieser ist an-
hand der gesamten Umstände, von welchen die Beschuldigte Kenntnis hatte, und
anhand ihrer eigenen Aussagen zu erstellen. Gemäss vorstehenden Ausführun-
gen hatte sie Kenntnis davon, dass U._ sel. überwältigt worden war und ahn-
te bzw. musste ab dem Halt in AB._ damit rechnen, dass er im Anhänger
transportiert wurde. Zudem wusste sie, dass mit dem Deponieren des Mobiltele-
fons von U._ sel. in V._ eine falsche Spur gelegt wurde. Daraus wiede-
rum folgte, dass U._ sel. nicht nach V._ zurückkehren würde. Sie räum-
te denn auch ein, sie habe, als sie am Mobiltelefon von U._ den Flugmodus
ausgeschaltet und es deponiert habe, kurz gedacht, dass U._ sterben könn-
te, sie habe in diesem Moment jedoch noch nicht glauben wollen, dass dies ge-
schehen werde (Urk. D1/05/18 S. 17). Diese Zugabe erneuerte sie in der Befra-
gung vor Vorinstanz und erklärte auf Vorhalt ihrer Aussage, wonach sie kurz ge-
dacht habe, dass U._ getötet würde, dieser Gedanke sei ihr sicher einmal
gekommen. Sie fügte aber hinzu, es habe für sie aber absolut keinen Sinn erge-
ben, dass U._ sterben musste (Prot. I S. 358). Diese Erklärung, sie habe
keinen Grund dafür gesehen, dass U._ sterben sollte, hatte sie schon in ei-
ner früheren Einvernahme abgegeben (Urk. D1/06/18 S. 28) und zeigt, dass sich
die Beschuldigte Gedanken über eine mögliche Tötung machte. Aufgrund der
vorerwähnten Umstände (Überwältigung von U._ sel., Verbringen in den An-
hänger und Legen einer falschen Spur) und der ihr bekannten Tatsache, dass
H._ kurze Zeit vorher J._ sel. umgebracht hatte, musste in ihr zwingend
der Gedanke aufkommen, dass H._ auch U._ sel. umbringen werde.
Der Beweis, dass G._ positiv wusste, dass H._ U._ sel. töten wer-
- 62 -
de und sie dies wollte, ist nicht erbracht. Jedoch lag aufgrund der ihr bekannten
gesamten Umstände der Schluss so nahe, dass H._ U._ sel. töten wer-
de, dass sie damit rechnen musste. Wie dieser Sachverhalt rechtlich zu würdigen
ist, bleibt nachfolgend zu prüfen.
Auf die Frage, ob sie den Verdacht gehabt habe, dass U._ tot sei, antwortete
sie, erst am Abend als die Kinder im Bett gewesen seien, sei ihr das schon mal
durch den Kopf gegangen (Urk. D1/05/04 S. 9). Sie habe H._ nicht gefragt,
da sie Angst gehabt habe vor der Antwort. Vermutet habe sie, dass U._ tot
sei, irgendwo habe er ja sein müssen. Sie habe vermutet, dass er im Lastwagen
oder im Anhänger sei (Urk. D1/05/04 S. 10).
Sie habe I._ nach AD._ gefahren und sei anschliessend nach Hause
gefahren. H._ sei dann auch nach Hause gekommen und sei mit unter-
schriebenen leeren Verträgen mit der Unterschrift von Herrn U._ hereinge-
kommen (Urk. D1/05/15 S. 4). Sie habe schon gedacht, dass er zur Unterschrift
gezwungen worden sei (Urk. D1/05/15 S. 12). Sie habe gefragt, was er genau
vorhabe. Er habe gesagt, es solle so aussehen, wie wenn sie den Lastwagen
rechtmässig gekauft hätten und U._ dann überfallen worden sei. Der Besitzer
würde eingeschüchtert, aber das mache nicht er, sondern jemand anderer, was
zwar etwas koste, dafür seien sie auf der sicheren Seite. Er müsse gehen, er
werde sich mit anderen treffen. Er werde Herrn U._ nun anderen übergeben
und diese würden Herrn U._ einschüchtern. Dann sei H._ gegangen
und sei mitten in der Nacht zurückgekommen. Sie habe H._ vertraut, dass er
das irgendwie im Griff habe, sie habe nie daran gedacht, dass Herr U._ ster-
be (Urk. D1/05/15 S. 4 f.).
Als H._ mit den unterschriebenen Verträgen hereingekommen sei, habe sie
die Befürchtung gehabt, dass er U._ töten würde. Sie habe Angst gehabt, zu
fragen, und dass er dann ja sagen würde (Urk. D1/05/18 S. 6). Auf die Frage, ob
sie daran festhalte, dass sie H._ gefragt habe, was er genau vorhabe und er
erklärt habe, es solle so aussehen, wie wenn sie den Lastwagen rechtmässig ge-
kauft hätten und U._ dann überfallen worden sei und U._ von jemand
anderem eingeschüchtert werde, sagte sie aus, sie halte nicht an dieser Aussage
- 63 -
fest (Urk. D1/05/18 S. 7). Sie habe diesbezüglich gelogen, weil sie H._ habe
schützen wollen und auch sich selbst (Urk. D1/05/18 S. 12).
Für sie sei klar gewesen, dass U._ sterben werde, als H._ am Abend
nochmal zum Anhänger rausgegangen sei und die Verträge schon unterschrieben
gewesen seien (Urk. D1/05/20 S. 32).
Sie habe gedacht, dass der Vertrag ausgefüllt, U._ eingeschüchtert und wie-
der frei gelassen würde (Prot. I S. 355). H._ habe ihr gesagt, dass er
U._ drohen und ihn einschüchtern werde (Prot. I S. 356). Es hätte so ausse-
hen sollen, als wäre der Lastwagen gekauft worden, U._ mit H._ zurück
nach V._ gegangen und sie und I._ mit dem Lastwagen weitergefahren.
Da viel Bargeld hätte vorhanden sein müssen, hätte man danach behauptet,
U._ sei überfallen und sein Geld entwendet worden (Prot. I S. 356). Es hätte
so aussehen sollen, als wäre U._ in V._ überfallen worden und er dabei
sein Telefon verloren habe (Prot. I S. 384). Auf Vorhalt ihrer Aussage, wonach sie
kurz gedacht habe, dass U._ getötet würde, räumte sie ein, dieser Gedanke
sei ihr sicher einmal gekommen. Es habe für sie aber absolut keinen Sinn erge-
ben, dass U._ sterben musste (Prot. I S. 358). Diese Gedanken habe sie
sich erst nachher gemacht. Sie habe den ganzen Tag die Kinder bei sich gehabt
und habe nicht immer offen über alles reden können. Erst als die Kinder schliefen,
habe sie sich Gedanken machen können.
In T._ habe sie U._ nicht gesehen und sei nicht dabei gewesen, als er
getötet worden sei (Prot. I S. 362).
4.3.4. Beobachten des Verschiebens der Leiche von U._ sel. vom Anhä-
nger in den Kofferraum des Subaru
In der Anklage wird festgehalten, die Beschuldigte habe beobachtet, wie H._
die Leiche von U._ vom Anhänger in den Kofferraum des Personenwagens
Subaru verschoben habe und losgefahren sei (Anklageschrift S. 10 Ziff. 22). Die
Beschuldigte bestritt dies (Prot. I S. 378) und erklärte, sie habe nicht gesehen,
dass die Leiche durch H._ umgeladen worden sei (Prot. I S. 363).
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Bezüglich der Sachverhaltserstellung ist vollumfänglich auf die zutreffenden Er-
wägungen der Vorinstanz zu verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 221 S. 61 f.).
Der Sachverhalt ist in diesem Punkt nicht erstellt, da die Aussagen des Beschul-
digten H._ die einzigen Beweismittel darstellen und nicht darauf abgestellt
werden kann, weil sie inkonstant ausgefallen sind.
III. Rechtliche Würdigung
1. Vorbemerkungen
In Rechtskraft erwachsen sind alle Freisprüche ausser derjenige betreffend Stö-
rung des Totenfriedens (Dossier 2), die Schuldsprüche betreffend Gehilfenschaft
zu gewerbsmässigem Betrug (Dossier 5), Betrug (Dossier 11), Gehilfenschaft zu
Urkundenfälschung (Dossier 2) und Irreführung der Rechtspflege (Dossier 11).
Gegenstand der rechtlichen Würdigung im vorliegenden Verfahren bilden somit
nur Sachverhaltspunkte betreffend Dossiers 1 und 2.
Vorweg ist der erstellte Sachverhalt betreffend Dossiers 1 und 2, der im vorlie-
genden Verfahren der rechtlichen Würdigung zugrunde zu legen ist, nochmals
kurz in Erinnerung zu rufen.
2. Zu würdigender Sachverhalt
2.1. Dossier 2
Die Beschuldigte erfuhr am 27. April 2016 am Abend nach ihrem Eintreffen in
T._, dass J._ sel. von I._ unter dem Vorwand nach T._ gelockt
wird, dass H._ und G._ ferienabwesend seien und er seine in T._
gelagerte Hanfanlage abholen könne. Sie hatte Kenntnis davon, dass H._
und J._ sel. Streit miteinander hatten wegen verschwundenen Fr. 40'000.–,
die H._ in Drogengeschäfte investiert hatte und dass J._ sel. behaupte-
te, das Geld sei verloren. Sie wusste ferner, dass J._ sel. an jenem Abend
dazu gebracht werden sollte, Auskunft über den Verbleib der Fr. 40'000.– und der
Drogen zu geben bzw. diese herauszugeben. G._ beteiligte sich an der Vor-
täuschung ihrer Abwesenheit, indem sie die Läden herunterliess, das Licht lösch-
- 65 -
te, im Hause blieb und darauf achtete, dass der Hund, welcher bei ihr war, ruhig
blieb.
Die Überwältigung von J._ sel. vor dem Haus sah sie nicht, nahm jedoch
wahr, dass er von H._ und I._ ins Haus geführt wurde. Sie wusste, dass
J._ sel. nicht freiwillig im Haus war und bleiben würde und dass er überwäl-
tigt und gefesselt worden war und H._ die Fesselung nachsicherte, bevor er
ihr den Schlüssel des Mercedes übergab.
Als sie den Schlüssel des Mercedes von H._ bekam mit dem Auftrag, diesen
zusammen mit I._ in AG._ zu holen, wusste sie, dass J._ sel. im-
mer noch gegen seinen Willen im Haus festgehalten wurde und noch keine Infor-
mationen über den Verbleib des Geldes und der Drogen gegeben hatte. Folglich
hatte sie auch Kenntnis davon, dass H._ ihm den Mercedesschlüssel gegen
seinen Willen weggenommen hatte und die Aneignung des Fahrzeugs unrecht-
mässig erfolgte. Betreffend den BMW erfuhr sie am Morgen des 28. April 2016,
dass H._ sich diesen zwecks Schuldentilgung aneignen wollte und dass die-
se Aneignung unrechtmässig gegen den Willen von J._ sel. erfolgte.
In der Nacht, als H._ J._ sel. zur Toilette begleitete, stand die Beschul-
digte daneben, hielt die ihr von H._ übergebene Pistole Beretta in Händen
und richtete diese auf den Boden.
Nach Aushebung des Grabes mit dem Bagger forderte H._ die Beschuldigte
auf, ihm zu helfen, die Leiche von J._ sel. in das Loch zu tragen. Sie konnte
dies nicht tun, stand nur daneben und schaute zu, wie H._ die Leiche in das
Grab verbrachte.
2.2. Dossier 1
H._ setzte G._ am späten Vormittag des 3. Juni 2016 vom Plan in
Kenntnis, einen Lastwagen zu stehlen, forderte sie zur Mitwirkung auf, und sie
war damit einverstanden. In der Absicht, sich an dieser Entwendung zu beteiligen,
fuhr sie mit den Kindern in ihrem Fahrzeug nach V._. Dort angekommen sah
sie, dass auch I._ dabei war und dass H._ einen Anhänger mitführte.
- 66 -
Bevor H._ und I._ auf den Garagenplatz von U._ sel. gingen, wur-
de der Anhänger an ihr Fahrzeug umgehängt.
H._ und I._ begaben sich auf den Garagenplatz zu U._ sel.,
G._ hielt sich im Hintergrund und trat gegenüber U._ sel. nicht in Er-
scheinung. Während der "Probefahrt" folgte sie auf Anweisung von H._ dem
Lastwagen und dem Ford Ranger mit einem Abstand.
Auf dem Rastplatz AJ._ hielten alle Fahrzeuge an. I._ hängte auf dem
Lidl-Parkplatz in AP._ den Anhänger wieder an den Ford Ranger um.
H._ übergab G._ das Mobiltelefon von U._ sel. und wies sie an,
dieses bei der Einstellhalle in V._ zu deponieren. Ferner tauschten H._
und G._ ihre Mobiltelefone aus. G._ wusste, dass damit vorgetäuscht
werden sollte, dass H._ U._ sel. nach der Probefahrt nach V._ zu-
rückgefahren hat. Sie schaltete auf der Fahrt nach V._ beim Mobiltelefon von
U._ sel. den Flugmodus wieder aus. In der Absicht, vorzutäuschen, dass
U._ sel. nach der Probefahrt zu seiner Einstellhalle in V._ zurückgekehrt
sei, deponierte sie sein Mobiltelefon in V._ in einem Kornfeld. Beim Halt auf
der Raststätte AJ._ bzw. auf dem Lidl-Parkplatz in AP._ erkannte sie,
dass U._ sel. überwältigt worden war und beim Halt in AB._ ging sie da-
von aus, dass U._ sel. im Anhänger war.
Nachdem sie erkannt hatte, dass U._ sel. überwältigt worden war und nicht
nach V._ zurückkehren würde, rechnete sie damit, dass H._ U._
sel. umbringen werde.
3. Mittäterschaft und Gehilfenschaft
Hinsichtlich der allgemeinen Ausführungen zur Abgrenzung zwischen Gehilfen-
schaft und Mittäterschaft kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 221 S. 79 ff.). Es bedarf keiner Er-
gänzung.
- 67 -
4. Rechtliche Würdigung im Einzelnen
4.1. Dossier 2
4.1.1. Versuchte qualifizierte Erpressung
Die Anklage beantragt, die Beschuldigte sei der versuchten qualifizierten Erpres-
sung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB i.V.m. Art. 140 Ziff. 2 und Ziff. 4
StGB und Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
Die Beschuldigte wusste, dass J._ sel. unter einen Vorwand nach T._
gelockt, überwältigt und gegen seinen Willen im Haus festgehalten wurde und da-
zu gebracht werden sollte, Auskunft über den Verbleib der Drogen und Gelder zu
geben. Sie wusste auch, dass die vermeintlich gegenüber J._ sel. bestehen-
de Forderung im Zusammenhang mit Drogenhandel stand, auf dem Prozessweg
nicht einbringlich war, und sie demzufolge keinen rechtmässigen Anspruch auf
das Bargeld und die Drogen hatten. Durch die Gewaltanwendung gegenüber
J._ sel. sollte dieser im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 2 StGB zur Be-
kanntgabe des Verbleibs bzw. Herausgabe von Drogen und Geld bestimmt wer-
den. Der Tatbeitrag der Beschuldigten bestand darin, dass sie vor der Ankunft
von J._ sel. in T._ die Rollläden herunterliess, das Licht löschte und ru-
hig im Haus verblieb, um J._ sel. den Eindruck zu vermitteln, dass niemand
zu Hause sei. Ferner leistete sie einen Tatbeitrag zur Erpressung, indem sie wäh-
rend des Toilettengangs von J._ sel. diesen auf Anweisung von H._ mit
der Pistole Beretta in der Hand in Schach hielt. Hinzukommt, dass sie an einem
Deliktserlös, der in den Lebensunterhalt ihrer Familie geflossen wäre, in gleichem
Masse wie H._ profitiert hätte. Die Tatbeteiligung von G._ ist unter die-
sen Umständen als Mittäterschaft zu qualifizieren. Da die Erpressung zwar unter
Einsatz der Pistole Beretta erfolgte, diese aber weder geladen war noch Munition
sich in unmittelbarer Nähe befand und der angestrebte Erfolg nicht eingetreten ist,
ist die Beschuldigte der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und
Ziff. 3 StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 1 StGB und Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen. Nicht erkennbar ist, dass das Opfer grausam behandelt,
schwer verletzt oder in Lebensgefahr gebracht worden wäre, weshalb die Voraus-
- 68 -
setzungen einer qualifizierten Erpressung im Sinne von Art. 156 StGB in Verbin-
dung mit Art. 140 Ziff. 4 StGB nicht erfüllt sind.
4.1.2. Qualifizierter Raub
Die Anklage wirf der Beschuldigten qualifizierten Raub im Sinne von Art. 140
Ziff. 2 und Ziff. 4 StGB vor. Der Grundtatbestand des Raubes im Sinne von
Art. 140 Ziff. 1 StGB ist erfüllt, wenn die Täterschaft mit Gewalt gegen eine Per-
son oder unter Androhung einer gegenwärtigen Gefahr für Leib oder Leben oder
nachdem sie den Betroffenen zu Widerstand unfähig gemacht hat, einen Dieb-
stahl begeht. Qualifizierter Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 2 StGB setzt das Mit-
führen einer Schusswaffe oder einer anderen gefährlichen Waffe voraus, die Qua-
lifikation nach Art. 140 Ziff. 4 StGB setzt voraus, dass das Opfer in Lebensgefahr
gebracht wird, ihm eine schwere Körperverletzung zugefügt wird oder es grausam
behandelt wird. Die Beschuldigte wusste im Zeitpunkt, als sie den Autoschlüssel
für den Mercedes von H._ mit der Anweisung erhielt, das Fahrzeug in
AG._ zu holen, dass J._ sel. überwältig und gefesselt worden war, ge-
gen seinen Willen im Haus festgehalten wurde und ihm der Schlüssel für das
Fahrzeug gegen seinen Willen abgenommen worden war. Sie hatte Kenntnis da-
von, dass sie und H._ keinen rechtmässigen Anspruch auf das Fahrzeug
hatten. Gegen J._ sel. war somit Gewalt angewendet worden bzw. er war
zum Widerstand unfähig gemacht worden und das Fahrzeug wurde ihm gestoh-
len. Damit ist der Grundtatbestand des Raubes in objektiver und in subjektiver
Hinsicht erfüllt. Die Beschuldigte hatte keine Kenntnis davon, dass bei der Über-
wältigung und Gefangennahme von J._ sel. eine Waffe eingesetzt worden
war. Sie selber hielt erst nach ihrer Rückkehr aus AG._ mit dem Mercedes
beim Toilettengang von J._ sel. die Pistole Beretta in der Hand, um J._
sel. daran zu hindern, die Flucht zu ergreifen oder sich zur Wehr zu setzen. Ent-
gegen der Auffassung der Vorinstanz bildet der Einsatz der Waffe beim Toiletten-
gang nicht mehr Gegenstand des Raubes (Urk. 221 S. 107 f.), vielmehr ist er vom
Erpressungstatbestand erfasst. Es ist nicht erstellt, dass die Beschuldigte mit dem
Vorsatz handelte, durch den Waffeneinsatz die Wiedererlangung des Gewahr-
sams am Mercedes durch J._ sel. zu verhindern. Die Voraussetzungen einer
- 69 -
Qualifikation im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB sind ebenfalls nicht erfüllt. Zu
Recht hat die Vorinstanz diesen Qualifikationsgrund gar nicht geprüft, da nicht er-
sichtlich ist, worin grausame Behandlung von J._ sel., Verursachung von Le-
bensgefahr oder Zufügung einer schweren Körperverletzung im Zusammenhang
mit dem Raubvorwurf gegenüber der Beschuldigten bestanden haben sollen.
Grausame Behandlung wird in der Anklage im Zusammenhang mit dem Tötungs-
vorwurf umschrieben, welcher die Beschuldigte nicht betrifft.
Zu prüfen bleibt, ob der Tatbeitrag der Beschuldigten betreffend den Raub des
Mercedes als Gehilfenschaft oder Mittäterschaft zu qualifizieren ist. Der Tatbeitrag
der Beschuldigten bestand darin, dass sie zusammen mit I._ nach AG._
fuhr, dort den Mercedes holte und diesen nach T._ brachte, wo sie H._
den Fahrzeugausweis und die Schlüssel übergab. Sie war bei der Planung der
Tat nicht beteiligt, trat dem Tatentschluss von H._ jedoch ab der Übernahme
des Schlüssels bei. Das Abholen des Fahrzeugs stellte einen wichtigen unver-
zichtbaren Tatbeitrag dar. Zudem war die Beschuldigte im gleichen Umfang wie
H._ am Deliktserlös beteiligt. Das Handeln der Beschuldigten ist als Mittäter-
schaft zu qualifizieren.
Die Beschuldigte ist daher des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB schul-
dig zu sprechen.
4.1.3. Freiheitsberaubung und Entführung
Die Anklage beantragt Schuldigsprechung von G._ der Freiheitsberaubung
und Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB i.V.m. Art. 184
Abs. 3 StGB.
Vorstehend wurde dargelegt, dass die Beschuldigte der versuchten Erpressung
schuldig zu sprechen ist. Bestandteil der Gewaltanwendung im Rahmen der Er-
pressung bildet das Gefangenhalten von J._ sel.. Es stellt sich vorweg die
Frage der Konkurrenz zwischen dem Tatbestand der Erpressung und demjenigen
der Freiheitsberaubung und Entführung. In der Regel wird die Freiheitsberaubung
von der Erpressung nur konsumiert, wenn der Freiheitsentzug nicht über das für
- 70 -
die Erfüllung des Tatbestands der Erpressung notwendige Mass hinausgeht, an-
dernfalls besteht zwischen den Tatbeständen echte Konkurrenz (BGE 129 IV 6).
Vorliegend diente die Freiheitsberaubung gegenüber J._ sel. dazu, ihn zur
Herausgabe der Drogen und des Geldes bzw. der Bekanntgabe von deren Auf-
bewahrungsort zu bewegen. Da J._ sel. dies nicht tat, wurde er weiter ge-
fangen gehalten. Die Freiheitsberaubung dauerte über Nacht bis am nächsten
Morgen und ging aufgrund der langen Dauer sowie des Umstandes, dass sie fort-
dauerte, nachdem J._ sel. erfolglos aufgefordert worden war, Auskunft be-
treffend Geld und Drogen zu geben, über das für die Erpressung notwendige
Mass hinaus. Demzufolge wird sie nicht vom Tatbestand der Erpressung konsu-
miert. Die Beschuldigte ist daher der Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne
von Art. 183 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
4.1.4. Widerhandlung gegen das Waffengesetz
Die Beschuldigte hielt beim Toilettengang von J._ sel. die Pistole Beretta in
den Händen, um ihn daran zu hindern, sich zur Wehr zu setzen oder zu fliehen.
Sie verfügte über keine Berechtigung, eine Waffe zu tragen. Damit hat sie den
Tatbestand der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33
Abs. 1 lit. a WG i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. a WG in objektiver und subjektiver Hinsicht
erfüllt. Der vorinstanzliche Schuldspruch ist zu bestätigen.
4.2. Dossier 1
4.2.1. Qualifizierter Raub
Die Beschuldigte hatte im Zeitpunkt der Übernahme des Mobiltelefons von
U._ sel. auf dem Rastplatz AJ._ bzw. auf dem Lidl-Parkplatz in
AP._ Kenntnis davon, dass U._ sel. überwältigt worden war, ihm das
Mobiltelefon abgenommen worden war und es nicht mehr um einen blossen
Lastwagendiebstahl ging, der Lastwagen U._ sel. vielmehr unter Gewaltan-
wendung weggenommen wird. Durch die Übernahme und Deponierung des Mo-
biltelefons hat sie klar zum Ausdruck gebracht, dass sie dem Tatentschluss be-
treffend einen Raub beigetreten ist. Klar war ihr auch, dass ihr Tatbeitrag dazu
- 71 -
diente, die Raubtat zu vertuschen und eine falsche Spur zu legen. Sie wusste,
dass der Lastwagen verkauft würde und wollte den Erlös zur Bestreitung des Le-
bensunterhalts ihrer Familie verwenden. Sie handelte in der Absicht, sich unge-
rechtfertigt zu bereichern.
Es konnte nicht erstellt werden, dass G._ Kenntnis davon hatte, dass
H._ eine Waffe mit sich führte und diese bei der Überwältigung von U._
sel. auch einsetzte. Daher sind die Voraussetzungen für einen qualifizierten Raub
im Sinne von Art. 140 Ziff. 2 StGB nicht erfüllt.
Zu prüfen bleibt, ob die Qualifikation gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB in der Form der
grausamen Behandlung erfüllt ist. Zweifellos stellt das Verladen von U._ sel.
in den Anhänger und dessen Transport unter menschenunwürdigen Verhältnissen
und mit hoher Verletzungsgefahr im Falle einer Kollision sowie Verursachung
grosser Angst beim Opfer eine grausame Behandlung dar. G._ rechnete
nach der Rückkehr vom Deponieren des Mobiltelefons von U._ sel. in
V._ damit, dass er sich im Anhänger befand. Gesagt wurde ihr dies weder
von H._ noch von I._. Obwohl sie damit rechnete, dass U._ sel.
sich im Anhänger befand, schritt sie nicht dagegen ein und wirkte bei der weiteren
Tatausführung mit, indem sie I._ mit ihrem Fahrzeug zu seinem in AD._
parkierten Fahrzeug fuhr. Durch ihr Verhalten hat sie konkludent auch bezüglich
des Transports von U._ sel. im Anhänger die Tat gebilligt und sich weiter an
der Tatausführung beteiligt.
Ihr Tatbeitrag am qualifizierten Raub bestand darin, eine falsche Spur zu legen
und die Tat zu vertuschen. Für die Tatausführung selber leistete sie keinen not-
wendigen Beitrag. Der Vorinstanz ist darin zu folgen, dass die Tatbeiträge der Be-
schuldigten den Raub nicht in wesentlichem Masse prägten, sondern sie die Tat
lediglich förderten und diese ohne ihre Mitwirkung kaum oder nur unwesentlich
anders abgelaufen wäre (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 221 S. 99). Die Tatbeiträge
der Beschuldigten sind daher als Gehilfenschaft zu Raub im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 und Ziff. 4 StGB zu würdigen.
- 72 -
4.2.2. Beteiligung an Tötungsdelikt
Aus den Erwägungen im Rahmen der Sachverhaltserstellung geht hervor, dass
die Beschuldigte am 3. Juni 2016 am späten Vormittag von H._ aufgeboten
wurde, um bei einem Lastwagendiebstahl mitzuwirken, und sie mit den Kindern im
Auto nach V._ fuhr zwecks Beteiligung an dieser Tat. Bis H._ ihr das
Mobiltelefon von U._ sel. übergab, ging sie davon aus, dass die Tat nach
dem ursprünglichen Plan ablaufen werde, der Lastwagen ohne Gewaltanwendung
gestohlen werde. Ab Erhalt des Mobiltelefons wusste sie, dass U._ sel. ent-
gegen dem ursprünglichen Plan überwältigt worden war und nunmehr eine Raub-
tat begangen wurde. Indem sie das Mobiltelefon übernahm und es anweisungs-
gemäss in V._ deponierte, hat sie den geänderten Tatplan gebilligt. Sie
wusste, dass durch das Deponieren des Mobiltelefons in V._ vorgetäuscht
werden sollte, dass U._ sel. nach V._ zurückgekehrt sei. Daraus musste
sie den Schluss ziehen, dass U._ sel. eben gerade nicht mehr dorthin zu-
rückkehren würde. Als sie sich nach dem Deponieren des Mobiltelefons wieder
mit H._ und I._ in AO._ traf, hatten diese den Lastwagen nicht
mehr dabei. In diesem Zeitpunkt erkannte sie nach eigener Darstellung, dass
U._ sel. im Anhänger war. Auch in dieser Phase wurde sie von H._ nicht
über das weitere Vorgehen orientiert.
Die Beschuldigte machte geltend, erst nach dem Deponieren des Handys in
V._ ab dem Treffen an der Tankstelle in AO._ damit gerechnet zu ha-
ben, dass H._ U._ sel. töten werde. Es bestand keine ausdrückliche
Übereinkunft zwischen ihr und H._. Zu prüfen bleibt, ob von einem konklu-
denten Beitritt zu einem Tötungsdelikt auszugehen ist. Da die Beschuldigte einen
entsprechenden Vorsatz bestreitet, ist anhand der gesamten Umstände zu prüfen,
ob ein solcher zu bejahen ist. Wie bereits erwähnt, war der Beschuldigten bei der
Übernahme des Mobiltelefons bewusst, dass das Deponieren des Handys dem
Verwischen von Spuren bzw. dem Legen einer falschen Spur diente und damit
der Eindruck entstehen sollte, dass U._ sel. nach V._ zurückgekehrt
war. Dies machte nur Sinn, wenn U._ sel. nicht nach V._ zurückkehren
würde und führte dazu, dass sich die Beschuldigte die Frage stellen musste, was
- 73 -
denn mit U._ sel. geschehen werde. Sie wurde von H._ nicht über das
von ihm geplante Vorgehen informiert, stellte aber gemäss eigenem Bekunden
Mutmassungen an. Sie räumte denn auch ein, dass ihr der Gedanke gekommen
sei, dass H._ U._ sel. töten werde. In der Tat musste sich ihr dieser Ge-
danke bereits bei der Übernahme des Handys von U._ sel. und dem Tausch
des eigenen Handys mit demjenigen von H._ aufdrängen, zumal sie sichere
Kenntnis davon hatte, dass H._ kurze Zeit vorher J._ sel. umgebracht
hatte, er somit in der Lage war, einen Menschen umzubringen. Dass H._ in
Abweichung vom ursprünglichen Plan eines Lastwagendiebstahls gegenüber
U._ sel. Gewalt angewendet hatte und sie sich nunmehr an einer Raubtat
beteiligte, war ihr bewusst. Deshalb erweist sich ihr Vorbringen, sie habe gedacht,
die Situation sei bei U._ anders als bei J._, da U._ eine fremde
Person gewesen sei, als untaugliches Argument gegen eine mögliche Tötung der
fremden Person durch H._. Ihre Erklärung, sie sei davon ausgegangen, dass
U._ eingeschüchtert werde, nicht gegen die drei Beschuldigten auszusagen,
oder dass sie zu Dritt gegen U._ aussagen würden, falls dieser sich doch an
die Polizei wenden würde oder gegen sie klagen würde, vermag nur soweit zu
überzeugen, als noch keine falsche Spur gelegt wurde. Für diese von ihr geschil-
derten Szenarien (Einschüchterung und/oder übereinstimmende Aussage der drei
Beschuldigten) hätte es keiner falschen Spur bedurft, vielmehr hätte U._ sel.
ohne weiteres nach V._ zurückkehren können. Im Zeitpunkt, als sie das
Handy in V._ deponierte, musste sie ernsthaft damit rechnen, dass U._
sel. nicht nach V._ zurückkehren wird und von H._ umgebracht wird.
Subjektiv nahm sie somit im Sinne eines Eventualvorsatzes den Tod von U._
sel. in Kauf. Dennoch leistete sie mit dem Deponieren des Handys einen Beitrag
dazu, Spuren des Delikts zu verwischen bzw. eine falsche Spur zu legen. Zu prü-
fen bleibt, ob dieser Beitrag, der darauf abzielte, für H._, I._ und sie sel-
ber strafrechtliche Verfolgung betreffend den Raub zu verhindern, aufgrund der
gesamten Umstände als konkludenter Beitritt zum Tötungsdelikt zu beurteilen ist.
G._ hat mit ihrem Beitrag eine falsche Spur gelegt, um ein Delikt zu vertu-
schen. Vom genaueren Ablauf dieses Tötungsdeliktes hatte sie keine Kenntnis.
Sie wusste aber, dass das Opfer bereits überwältigt worden war und musste da-
- 74 -
von ausgehen, dass es in absehbarer Zeit von H._ umgebracht werden wür-
de. Auch wusste sie, dass das Motiv für eine Tötung in der Elimination eines Tat-
zeugen bestand. Damit waren ihr die groben Umrisse der Tat bekannt, was für die
Bejahung der Gehilfenschaft ausreichend ist, denn der Gehilfe muss weder das
Opfer, noch die Person des Täters oder die genauen Modalitäten der Tatausfüh-
rung kennen. Es genügt, dass er nach den konkreten Umständen erkennen kann
oder zumindest in Kauf nimmt, dass sein Beitrag eine strafbare Handlung fördert,
deren grobe Umrisse er kennt (FORSTER, in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER, Basler Kom-
mentar Strafrecht I, 4. Aufl., Basel 2019, N 19 zu Art. 25 StGB), was bei G._
der Fall war. Sie hat mit ihrem Tatbeitrag die Erfolgschancen des Delikts tatsäch-
lich erhöht. Hätte sie das Handy von U._ sel. nicht nach V._ gebracht,
hätte sie den Plan von H._ durchkreuzt. Dieser wollte sich bekanntlich ge-
genüber der Polizei auf den Standpunkt stellen, U._ sel. nach V._ ge-
fahren zu haben, wo dieser von einer Dritttäterschaft überfallen und umgebracht
worden sei. Hätte die Beschuldigte davon Abstand genommen, das Natel nach
V._ zu bringen, hätte sich die Tat aller Wahrscheinlichkeit anders abgespielt.
Indem sie sich nicht von seinem Vorhaben distanzierte und seine Anweisungen
befolgte, hat sie H._ in der Tatausführung bestärkt. Durch ihren Beitrag be-
stehend im Deponieren des Handy, dem Ausschalten des Flugmodus sowie dem
Verbringen von I._ zu seinem in AD._ abgestellten Fahrzeug hat sie
H._ beim Tötungsdelikt unterstützt und die Erfolgschancen seiner Tat erhöht.
Da die Beschuldigte keine Herrschaft über den Tatablauf hatte, dieser vielmehr al-
lein in der Hand von H._ lag, scheidet Mittäterschaft der Beschuldigten aus.
Sie hat die Tat von H._ nur gefördert. Damit sind die Voraussetzungen der
Gehilfenschaft zum Tötungsdelikt erfüllt. Da sie wusste, dass die Tötung zur Eli-
mination von U._ sel. als Tatzeuge des Raubes erfolgte und die Tötung ei-
nes Menschen im Rahmen eines Raubes die Mordqualifikation erfüllt, ist die Be-
schuldigte G._ der Gehilfenschaft zu Mord im Sinne von Art. 112 StGB in
Verbindung mit Art. 25 StGB schuldig zu sprechen.
- 75 -
IV. Strafzumessung
1. Überblick Schuldsprüche
Gegen die Beschuldigte ergehen (unter Einbezug der in Rechtskraft erwachse-
nen) folgende Schuldsprüche:
- der Gehilfenschaft zu Mord im Sinne von Art. 112 StG in Verbindung mit Art.
25 StGB
- der Gehilfenschaft zu qualifiziertem Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 und
Ziff. 4 StGB i.V.m. Art. 25 StGB (Dossier 1)
- der versuchten qualifizierten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und
Ziff. 3 StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 1 StGB und Art. 22 Abs. 1 StGB (Dos-
sier 2)
- der Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 StGB
(Dossier 2)
- des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB (Dossier 2)
- der Gehilfenschaft zu versuchtem gewerbsmässigem Betrug im Sinne von
Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und i.V.m. Art. 25
StGB (Dossier 5),
- des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Dossier 11),
- der Gehilfenschaft zu Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1
Abs. 1 und Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 25 StGB (Dossier 2)
- der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
(Dossier 11),
- der Widerhandlug gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a
WG i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. a WG (Dossier 2).
2. Allgemeine Strafzumessungsregeln und Wahl der Sanktionsart
2.1. Allgemeine Strafzumessungsregeln
Die Vorinstanz hat sich zutreffend zur Methode der Gesamtstrafenbildung und zu
den allgemeinen Strafzumessungskriterien geäussert. Es kann vorab darauf ver-
wiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 221 S. 126 ff.).
- 76 -
Gehilfenschaft zu Mord stellt das schwerste Delikt dar mit einem Strafrahmen von
10 Jahren bis lebenslänglicher Freiheitsstrafe. In einem ersten Schritt ist daher
die Einsatzstrafe für dieses Delikt festzulegen. Diese ist in einem zweiten Schritt
unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips um die Strafen für die weiteren
Delikte zu erhöhen.
2.2. Sanktionsart
Die Mindeststrafe für das schwerste Delikt beträgt 10 Jahre Freiheitsstrafe. Wie
aus nachfolgenden Erwägungen hervorgeht, ist die Beschuldigte für die schwers-
ten Delikte zu einer langjährigen Freiheitsstrafe zu verurteilen, welche sie verbüs-
sen muss. Sie lebte bereits vor der Inhaftierung in sehr schwierigen finanziellen
Verhältnissen und war hoch verschuldet. Zu berücksichtigen ist ferner, dass die
ihr aufzuerlegenden Kosten des Strafverfahrens Fr. 100'000.– weit übersteigen.
Ihre Resozialisierung wird erleichtert, wenn sie sich nach der Entlassung aus ei-
nem mehrjährigen Strafvollzug nicht mit noch offenen Geldstrafen konfrontiert se-
hen muss. Unter diesen Umständen erscheint auch für jene Delikte, für welche
entweder eine Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe als Sanktionsart in Frage
kommt, eine Freiheitsstrafe die angemessene Sanktionsart. Dabei ist festzuhal-
ten, dass für keines der Delikte für welches ein Schuldspruch ergeht, nur eine
Geldstrafe angedroht ist. Aus allen diesen Gründen ist für alle Delikte unter Be-
rücksichtigung des Asperationsprinzips eine Freiheitsstrafe auszufällen.
3. Strafzumessung in concreto
3.1. Gehilfenschaft zu Mord im Sinne von Art. 112 StGB in Verbindung mit
Art. 25 StGB
3.1.1. Tatkomponente
a) Objektive Tatschwere
Die Tatbeiträge der Beschuldigten waren untergeordneter Natur. Sie bestanden
darin, das Handy von U._ sel. in V._ zu deponieren, aus eigener Initiati-
ve den Flugmodus auszuschalten, nach AO._ zu fahren und I._ von dort
- 77 -
nach AD._ zu seinem Fahrzeug zu bringen. Ihre Tatbeiträge bestanden vor-
wiegend in der Spurenbeseitigung und dienten der Erschwerung des Aufdeckens
der Straftat. Sie erbrachte ihren Tatbeitrag nicht auf eigene Initiative, vielmehr auf
Anweisung von H._, wobei sie von ihm das Handy von U._ sel. zwecks
Deponierung ohne Widerrede und Opposition entgegennahm. Er gab die
Tatabläufe vor, es erfolgte keine gemeinsame Planung und Entschlussfassung,
vielmehr trat sie dem von ihm vorgegeben Vorgehen einfach bei. Ihre kriminelle
Energie war gering. Insgesamt wiegt ihr Verschulden in objektiver Hinsicht leicht.
b) Subjektive Tatschwere
Die Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich, was sich verschuldensmindernd
auswirkt. Das Tatmotiv bestand darin, die Spuren des Raubes zu beseitigen, an
dem sie sich beteiligt hatte. Die Beseitigung des Tatzeugen lag auch in ihrem In-
teresse. Zu beachten ist aber, dass das Tatmotiv, welches das Tötungsdelikt als
Mord qualifiziert, infolge des Doppelverwertungsverbotes bei der Beurteilung der
Tatschwere nicht nochmals verschuldenserhöhend berücksichtigt werden darf.
Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, dass die Entscheidungsfreiheit der Be-
schuldigten nicht eingeschränkt war, da ihr Vorbringen, sie habe im Zeitpunkt der
Tatbegehung auf Druck von H._ gehandelt oder aus Angst vor ihm nicht
glaubhaft erscheint. Es kann vollumfänglich auf die Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Urk. 221 S. 133 ff. ). Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass
die von der Beschuldigten angeführten Beispiele für psychischen Druck von
H._ keinen Zusammenhang mit den Delikten haben und dass sie selber aus-
sagte, sie habe bei der Begehung der Straftaten H._ vertraut und gedacht, er
habe alles im Griff. Zudem brachte sie seine Aussage, er werde um die Kinder
kämpfen, nicht in einen Zusammenhang mit ihrer Entscheidungsfreiheit im Zeit-
punkt der Delikte (Urk. 221 S. 134). Der Gutachter hält zu dieser Thematik nach-
vollziehbar fest, die Beschuldigte habe keine konkreten Details gegeben, wie der
Ehemann sie unter Druck gesetzt habe und vor welchen Konsequenzen selbstän-
digen Verhaltens mit Abgrenzung gegenüber den Wünschen des Ehemannes sie
sich gefürchtet habe. Der Gutachter weist in seinem Gutachten vom 24. August
2017 darauf hin, dass ihre subjektiven Angaben, sie habe sich in einer gewissen
- 78 -
Weise abhängig von ihrem Ehemann und von diesem dominiert gefühlt, authen-
tisch oder auch aus aussagetaktischen Gründen erfolgt sein können, um eine et-
waige Mitschuld am Tatgeschehen abzuschwächen. Nach seiner Einschätzung
liegen keine Hinweise auf eine krankheitswertige psychische Störung vor (Urk.
D1/35/04/06 S. 12). An dieser Einschätzung hielt der Gutachter auch in seinem
Ergänzungsgutachten vom 7. September 2018 fest und wies auf ihre wider-
sprüchlichen Aussagen in der Einvernahme vom 5. April 2018 hin, in der sie zu-
erst aussagte, sie habe aus Liebe zu ihrem Ehemann gelogen, um kurze Zeit spä-
ter zu äussern, sie habe Angst vor ihm. Er weist mit Beispielen unterlegt darauf
hin, dass die Beschuldigte teils wenig konsistente Motive für ihr Verhalten angab,
welche am ehesten plausibel damit zu erklären seinen, dass sie je nach Ermitt-
lungssituation und den gestellten Fragen abgewogen habe, welche Formulierung
zur Minimierung ihrer eigenen Verantwortung oder Rechtfertigung am aussichts-
reichsten akzeptiert werden könnte (Urk. D1/35/04/12 S. 15). Er weist ferner auf
die gelegentlich mit einem Schmunzeln gemachten Ausführungen der Beschuldig-
ten über ihre ausserehelichen Beziehungen bereits längere Zeit vor den Tötungs-
delikten hin. Dieser affektive Ausdruck spreche gegen eine abhängig-ängstliche
Persönlichkeitsstruktur und entspreche eher einem durchaus selbstbewussten
und von wissender oder überlegener Haltung geprägtem Verhalten
(Urk. D1/35/04/12 S. 16). Zusammenfassend hält der Gutachter fest, die Beschul-
digte habe je nach Einvernahmesituation unterschiedliche Motive für ihre Beteili-
gung an Delikten angegeben, welche von Auseinanderleben vom Ehemann,
Angst vor diesem, Abhängigkeit von ihm, Liebe zu ihm, Gutgläubigkeit und Naivi-
tät reichten. Ihre Angaben seien normalpsychologisch nachvollziehbar als reflek-
tierte Aussagen mit dem Ziel einer möglichst weitreichenden Exkulpierung von
den gegebenen Vorwürfen zu deuten (Urk. D1/35/04/12 S. 17). Abstellend auf
diese schlüssigen Darlegungen des Gutachters und unter Hinweis auf die Erwä-
gungen der Vorinstanz ist das Vorliegen einer Abhängigkeit der Beschuldigten
von H._ oder Druckausübung von seiner Seite zu verneinen.
Auch wenn keine eigentliche Abhängigkeit oder Drucksituation vorliegt, welche
einen Strafmilderungsgrund im Sinne von Art. 48 StGB darstellen würde, ist zu-
gunsten der Beschuldigten der besonderen Konstellation Rechnung zu tragen,
- 79 -
dass sie als Ehefrau von H._, mit welchem sie zwei gemeinsame Kinder hat,
grössere Überwindung als eine Drittperson hätte aufbringen müssen, um sich den
Anweisungen ihres Ehemanns zu widersetzen und sich von einer Tatbeteiligung
zu distanzieren. Zudem war sie durch ihre Tatbeiträge an einem qualifizierten
Raub – folglich einem schwerwiegenden Delikt – beteiligt und damit bereits in de-
liktische Tätigkeiten involviert, was einen Ausstieg aus dem Tatgeschehen zusätz-
lich erschwerte.
In subjektiver Hinsicht wiegt das Verschulden sehr leicht.
c) Fazit Tatkomponente
Das Verschulden wiegt insgesamt leicht.
3.1.2. Gehilfenschaft/Unterschreitung des Mindeststrafrahmens
Für Gehilfenschaft im Sinne von Art. 25 StGB sieht das Gesetz eine obligatori-
sche Strafmilderung vor. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte (Urk. 221
S. 127) ist die Strafe in der Regel innerhalb des ordentlichen Strafrahmens festzu-
legen. Dieser ist nur beim Vorliegen aussergewöhnlicher Umstände zu verlassen,
wenn die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw.
zu milde erscheint. Die Frage einer Unterschreitung des ordentlichen Strafrah-
mens kann sich stellen, wenn verschuldens- bzw. strafreduzierende Faktoren zu-
sammentreffen, die einen objektiv an sich leichten Tatvorwurf weiter relativieren,
sodass eine Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens dem Rechtsempfin-
den widerspräche (BGE 136 IV 55).
Vorliegend beträgt die Mindeststrafe für Mord im Sinne von Art. 112 StGB
10 Jahre Freiheitsstrafe. Diese Mindeststrafe erscheint vorliegend angesichts des
leichten Tatverschuldens sowie des Vorliegens des Strafmilderungsgrundes der
Gehilfenschaft als klarerweise zu hart. Es liegen somit ausserordentliche Um-
stände vor, welche eine Unterschreitung der Mindeststrafe von 10 Jahren Frei-
heitstrafe als angezeigt erscheinen lassen. Unter Berücksichtigung des leichten
Verschuldens und des Strafmilderungsgrundes der Gehilfenschaft erscheint eine
Einsatzstrafe von 7 Jahren angemessen.
- 80 -
3.1.3. Täterkomponente
a) Vorleben und persönliche Verhältnisse
Hinsichtlich des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten
kann auf die Zusammenfassung der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 221
S. 145 f.). Ergänzend führte die Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhand-
lung zu ihren persönlichen Verhältnissen aus, dass sie sich im vorzeitigen Straf-
vollzug in der Justizvollzugsanstalt Hindelbank befinde und dort einer 100 % Er-
werbstätigkeit im Waschwerk nachgehe. Die Besuche ihrer Kinder hätten sich
eingependelt und würden nun regelmässig stattfinden. Sie dürfe diese alle zwei
Monate sehen. Das Scheidungsverfahren zwischen ihr und H._ sei kurz vor
dem Abschluss. Es gehe vor allem um die Frage der elterlichen Sorge über die
Kinder, und es sei noch ein Erziehungsfähigkeitsgutachten eingeholt worden. Die
Kinder würden bei ihrer Schwester und ihrem Schwager leben, welche die Pfle-
geeltern seien. Ihre Schwester sei nach wie vor mit dem Bruder von H._ ver-
heiratet. Sie selber habe aktuell einen neuen Lebenspartner. Diese Beziehung
würde seit dem Jahr 2017 bestehen. Wenn sie aus dem Strafvollzug entlassen
werde, wolle sie mit ihrem neuen Lebenspartner oder ihrer Mutter in eine Woh-
nung ziehen, einer Arbeit nachgehen und ihre Kinder zu sich zurückholen (Prot. II
S. 29).
Die Beschuldigte ist nicht vorbestraft, was sich bei der Strafzumessung neutral
auswirkt.
Aus den persönlichen Verhältnissen und dem Vorleben der Beschuldigten lassen
sich keine straferhöhenden oder strafmindernden Faktoren entnehmen.
b) Erhöhte Strafempfindlichkeit
Die Vorinstanz hat zutreffend zu der von der Beschuldigten geltend gemachten
erhöhten Strafempfindlichkeit Stellung genommen. Es kann vorab darauf verwie-
sen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO, Urk. 221 S. 146). Zu Recht hat die Vorinstanz
darauf hingewiesen, dass die Bejahung einer erhöhten Strafempfindlichkeit nur
bei Vorliegen aussergewöhnlicher Umstände in Frage kommt. Solche liegen nicht
- 81 -
vor. Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass die Beschuldigte bereits im Zeit-
punkt der Tatbegehung zwei kleine Kinder hatte und sich der Konsequenzen ei-
nes Freiheitsentzugs gegenüber beiden Elternteilen bewusst sein musste. Soweit
die Vorinstanz der Beschuldigten eine leichte Strafminderung zubilligt, weil sie
stark unter der Trennung von den Kindern leide, kann der Vorinstanz nicht gefolgt
werden, da - eine intakte Beziehung vorausgesetzt - jeder Elternteil stark unter
der Trennung von seinen kleinen Kindern aufgrund des Vollzugs einer Freiheits-
strafe leiden dürfte.
c) Teilgeständnis
Die Beschuldigte hat betreffend das Deponieren des Mobiltelefons und Ausschal-
ten des Flugmodus, was ihr nicht hätte nachgewiesen werden können, weitrei-
chende Zugeständnisse gemacht und zugegeben, dass sie an eine Tötung von
U._ sel. gedacht habe. Diese Zugeständnisse sind ihr strafmindernd zugute-
zuhalten und rechtfertigen einer Reduktion der Einsatzstrafe für das Tatverschul-
den von 7 auf 6 Jahre.
d) Verletzung des Beschleunigungsgebots und Verfahrensdauer
Mit der Vorinstanz (Urk. 221 S. 149 f.) ist darauf hinzuweisen, dass die lange Ver-
fahrensdauer in wesentlichem Masse auf das Aussageverhalten der Beschuldig-
ten und die Absprache unter den drei Beschuldigten bezüglich der Aussagetaktik
zurückzuführen ist. Ausserdem trugen die Schutzbehauptungen von H._ be-
treffend die serbische Mafia, welche auch Auswirkungen zugunsten der Beschul-
digten gehabt hätten, zu einer erheblichen Ausdehnung der Untersuchung bei.
Auch im Gerichtsverfahren liegt keine Verletzung des Beschleunigungsgebotes
vor. Im Gegenteil ist auf die angesichts des Umfangs der Verfahren gegen die
drei Beschuldigten äusserst beförderliche Bearbeitung durch die Vorinstanz hin-
zuweisen. Die Anklage datiert vom 5. Februar 2019, das vorinstanzliche Urteil
erging am 13. Dezember 2019. Auch im Berufungsverfahren kam es zu keinen
Verzögerungen. Es liegt keine Verletzung des Beschleunigungsgebotes vor.
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e) Vorverurteilung durch Berichterstattung in der Presse
Die Verteidigung rügte unter diesem Aspekt einen Zeitungsbeitrag, in welchem
von einem Killerehepaar von T._ die Rede war (Urk 152 S. 43). Mit der Vor-
instanz ist aus dieser reisserischen Bezeichnung, wie sie gerade bei der Bericht-
erstattung über Kapitalverbrechen in den Boulevard-Medien öfter vorkommt, keine
Vorverurteilung abzuleiten, welche aufgrund ihrer Intensität eine Strafminderung
rechtfertigen würde (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 221 S. 150).
3.1.4. Fazit Einsatzstrafe für Gehilfenschaft zu Mord Die Einsatzstrafe für das
schwerste Delikt der Gehilfenschaft zu Mord ist somit auf 6 Jahre festzulegen.
3.2. Gehilfenschaft zu qualifiziertem Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 und Ziff. 4
StGB i.V.m. Art. 25 StGB (Dossier 1)
3.2.1. Tatkomponente
a) Objektive Tatschwere
Gegenstand der Raubtat bildete der Lastwagen von U._ sel.. Der angestreb-
te Deliktserlös lag in der Grössenordnung von Fr. 40'000.– und ist als erheblich zu
beurteilen. Die gegen U._ sel. eingesetzten Nötigungsmittel waren der Be-
schuldigten nicht bekannt, sie wusste aber ab dem Treffen in AO._, dass
U._ sel. im Anhänger transportiert wurde. Wie die Vorinstanz zutreffend fest-
hielt (Urk. 221 S. 137), basiert die Qualifikation als grausame Behandlung auf die-
sem Umstand und darf infolge des Doppelverwertungsverbotes bei der Verschul-
densbewertung nur das Ausmass der grausamen Behandlung berücksichtigt wer-
den. Da U._ sel. längere Zeit im Anhänger transportiert wurde, entsprechend
lange Zeit Angst ausstehen musste, ist die Gewaltanwendung mit der Vorinstanz
als erheblich zu bewerten. Zugunsten der Beschuldigten ist zu berücksichtigen,
dass sie nicht die treibende Kraft betreffend dieses Delikts war, vielmehr H._
die führende Rolle innehatte. Er stellte die Beschuldigte, welche ursprünglich ihre
Einwilligung zur Beteiligung an einem Diebstahl gegeben hatte, mit seiner
Planänderung vor vollendete Tatsachen, worauf sie dem geänderten Plan beitrat.
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Ihre kriminelle Energie war nicht besonders gross, jedoch war sie ohne Zögern
bereit, der Raubtat beizutreten.
In objektiver Hinsicht wiegt ihr Verschulden nicht mehr leicht. Die hypothetische
Einsatzstrafe ist im unteren Drittel des Strafrahmens anzusiedeln. Bei I._,
welcher bei der Überwältigung von U._ sel. dabei war und bei dem zusätzlich
zum Qualifikationsgrund der grausamen Behandlung auch derjenige des Mitfüh-
rens einer Waffe erfüllt ist, wurde die hypothetische Einsatzstrafe im Bereich von
8 Jahren angesiedelt, bei G._ erscheinen 6,5 Jahre als angemessen.
b) Subjektive Tatschwere
Die Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Das Tatmotiv war rein finanzieller Na-
tur. Im Tatzeitpunkt waren die finanziellen Verhältnisse von G._ und H._
sehr schlecht. Sie waren für den Unterhalt der Familie mit zwei kleinen Kindern
dringend auf finanzielle Mittel angewiesen. Zwar bestand keine eigentliche Notla-
ge, jedoch wirkt sich die finanziell sehr belastete Situation leicht verschuldensrela-
tivierend aus.
Wie bereits bei der Gehilfenschaft zu Mord ausgeführt, liegt keine Einschränkung
der Entscheidungsfreiheit der Beschuldigten vor. Jedoch ist zu ihren Gunsten der
besonderen Konstellation Rechnung zu tragen, dass sie als Ehefrau des Be-
schuldigten mehr Kraft als eine Drittperson hätte aufbringen müssen, um sich
rechtskonform zu verhalten und von der Tatbegehung zu distanzieren.
Insgesamt erscheint ihr Verschulden in subjektiver Hinsicht als leicht.
c) Fazit Tatschwere
Dem insgesamt eher leichten Verschulden angemessen erscheint eine Einsatz-
strafe von 6 Jahren.
3.2.2. Gehilfenschaft und Täterkomponente
Der Tatbeitrag der Beschuldigten wurde als Gehilfenschaft im Sinne von Art. 25
StGB gewürdigt. Gehilfenschaft stellt wie bereits erwähnt einen obligatorischen
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Strafmilderungsgrund dar. Der Tatbeitrag der Beschuldigten bestand darin, dem
Lastwagen mit ihrem Pw auf der "Probefahrt" zu folgen, wobei sie den Anhänger
mitführte, welcher später für den Transport des Opfers verwendet wurde, sie
übernahm das Mobiltelefon von U._ sel., fuhr damit nach V._ und depo-
nierte es dort, um die Raubtat zu vertuschen. Anschliessend fuhr sie I._ nach
AD._. Ihr Beitrag war im Vergleich zu demjenigen von I._ etwas grösser.
Auch ihr Anteil an der Beute wäre höher ausgefallen.
Das teilweise Geständnis der Beschuldigten ist leicht strafmindernd zu berück-
sichtigen. Im Übrigen wirkt sich die Täterkomponente bei der Strafzumessung
neutral aus.
Unter Berücksichtigung des Strafmilderungsgrundes der Gehilfenschaft und der
Strafminderung für das Teilgeständnis ist die Einsatzstrafe von 6 Jahren auf
5 Jahre zu reduzieren.
3.2.3. Weitere Strafzumessungsfaktoren
Betreffend die von der Beschuldigten geltend gemachte erhöhte Strafempfindlich-
keit, die Verletzung des Beschleunigungsgebotes und die Vorverurteilung durch
die Presse kann auf vorstehende Ausführungen verwiesen werden. Es ergeben
sich daraus keine straferhöhenden oder strafmindernden Faktoren.
3.2.4. Asperation
Die Gehilfenschaft zu Mord und die Gehilfenschaft zu qualifiziertem Raub weisen
sachlich und räumlich einen derart engen Konnex auf, dass diesem Umstand im
Rahmen der Asperation angemessen Rechnung zu tragen ist. Die Einsatzstrafe
von 6 Jahren für die Gehilfenschaft zu Mord ist unter Berücksichtigung des Aspe-
rationsprinzips für die Gehilfenschaft zu qualifiziertem Raub um 3,5 Jahre zu er-
höhen.
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3.3. Versuchte Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB in Ver-
bindung mit Art. 140 Ziff. 1 StGB und Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 2)
3.3.1. Tatkomponente
a) Objektive Tatkomponente
Die Beschuldigte war in den Tatplan eingeweiht und half vor dem Eintreffen von
J._ sel. mit beim Vortäuschen der Abwesenheit von ihr und H._, indem
sie die Rollläden herunterliess, das Licht löschte, im Haus blieb und sich ruhig
verhielt. Sie hielt die Pistole Beretta in der Hand, als J._ sel. in der Nacht zur
Toilette geführt wurde. Die Gewaltanwendung gegenüber J._ sel., welcher
gefesselt wurde und über mehrere Stunden gefangen gehalten wurde, war mas-
siv. Zugunsten der Beschuldigten ist zu beachten, dass die Anwendung der Waffe
von ihr nicht geplant war, ihr diese von H._ überraschend in die Hand ge-
drückt wurde, und sie nur kurze Zeit während des Toilettengangs von J._ sel.
eingesetzt wurde. Auf der anderen Seite ist jedoch auch zu beachten, dass die
Beschuldigte die Waffe ohne Weiteres von H._ übernommen hat. Auch wenn
nicht erstellt ist, dass die Waffe geladen war und deshalb nicht der qualifizierte
Tatbestand zur Anwendung gelangt, fällt dieser Beitrag der Beschuldigten zur
Gewaltanwendung bei der Verschuldensbewertung im Rahmen des Grundtatbe-
stands zu ihren Lasten ins Gewicht. Mit rund Fr. 40'000.– handelte es sich um ei-
nen erheblichen Deliktsbetrag.
Dass der Erfolg nicht eingetreten ist, beruhte nicht auf einem Zutun der Beschul-
digten und ist allein darauf zurückzuführen, dass J._ sel. die gewünschten
Angaben nicht machte, bzw. Geld und Drogen nicht zurückgab. Unter diesen Um-
ständen ist der Versuch nicht strafmindernd zu berücksichtigen.
Dass Verschulden wiegt in objektiver Hinsicht nicht mehr leicht.
b) Subjektive Tatkomponente
Die Beschuldigte handelte direktvorsätzlich aus rein finanziellen Motiven. Es ging
ihr darum, Fr. 40'000.–, welche H._ im Rahmen eines Drogengeschäftes
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J._ sel. übergeben hatte, und welcher Betrag von J._ sel. nach ihrem
Dafürhalten unterschlagen worden war, wieder erhältlich zu machen. Die finanzi-
elle Situation von H._ und G._ war im Tatzeitpunkt sehr schlecht. Sie
waren für die Bestreitung des Lebensunterhaltes für sich und die beiden kleinen
Kinder dringend auf dieses Geld angewiesen und gingen davon aus, dass sie von
J._ sel. um dieses Geld betrogen wurden.
In subjektiver Hinsicht wiegt das Verschulden noch leicht.
c) Einsatzstrafe Tatkomponente
Innerhalb des Strafrahmens von 6 Monaten bis 10 Jahren Freiheitsstrafe er-
scheint eine Strafe von 18 Monaten dem insgesamt noch leichten Verschulden
angemessen.
3.3.2. Täterkomponente, Verfahrensdauer, mediale Vorverurteilung
Hinsichtlich der Täterkomponente, der Verfahrensdauer und der medialen Vor-
verurteilung gelten die gleichen Überlegungen wie vorstehend betreffend das
schwerste Delikt. Es kann auf die vorstehenden Erwägungen verwiesen werden.
Aus der Täterkomponente ergeben sich somit keine straferhöhenden oder straf-
mindernden Faktoren. Weder eine Verletzung des Beschleunigungsgebots noch
die lange Verfahrensdauer führt aus den erwähnten Gründen zu einer Strafreduk-
tion.
3.3.3. Asperation
Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips ist die Einsatzstrafe für das
schwerste Delikt um 1 Jahr zu erhöhen. Im Vergleich zu I._ ist festzuhalten,
dass er zwar mitgewirkt hat bei der Überwältigung von J._ sel. und diesem
Handschellen angelegt hat, er aber keine Waffe in der Hand gehalten hat. Zudem
profitierte er selber finanziell nicht aus dem Delikt und leistete lediglich einen
Freundschaftsdienst gegenüber H._, weshalb die Strafe bei ihm mit
10 Monaten etwas tiefer ausfällt als bei der Beschuldigten.
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3.4. Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB (Dossier 2)
3.4.1. Tatkomponente
a) Objektive Tatkomponente
Die Beschuldigte wusste, dass J._ sel. von H._ gefesselt worden war
und gefangen gehalten wurde. An der Gewaltanwendung war sie nicht beteiligt.
Es wurde im Rahmen der rechtlichen Würdigung darauf hingewiesen, dass sie
keine Kenntnis von der Überwältigung unter Waffeneinsatz hatte. Sie übernahm
von H._ den Schlüssel des Mercedes und fuhr zusammen mit I._ nach
AG._, wo sie den Mercedes holte und diesen nach T._ verbrachte. Der
Wert des Mercedes wird in der Anklage mit Fr. 4'000.– angegeben. Es ist davon
auszugehen, dass für die Beschuldigte ein Wert von mehreren Fr. 1'000.– er-
kennbar war, es nicht um einen unbedeutenden Deliktsbetrag ging.
In objektiver Hinsicht wiegt das Verschulden noch leicht.
b) Subjektive Tatkomponente
Die Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz und aus finanziellen Motiven. Es
gelten die gleichen Überlegungen wie vorstehend beim Tatbestand der versuch-
ten Erpressung. Es ist in subjektiver Hinsicht von einem leichten Verschulden
auszugehen.
c) Fazit Tatkomponente
Dem insgesamt leichten Verschulden angemessen erscheint eine Strafe im unte-
ren Drittel des Strafrahmens. Die Strafe ist auf 10 Monate anzusetzen.
3.4.2. Täterkomponente und Verfahrensdauer
Aus der Täterkomponente ergeben sich keine straferhöhenden oder strafmin-
dernden Faktoren. Es kann auf die vorstehenden Ausführungen verwiesen wer-
den. Dasselbe gilt hinsichtlich der Verfahrensdauer.
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3.4.3. Asperation
Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips ist die Strafe für die schwerste
Tat um 8 Monate zu erhöhen. Bei I._ fällt die Strafe mit 6 Monaten Asperati-
on etwas tiefer aus, da er lediglich der Gehilfenschaft zu Raub schuldig gespro-
chen wird.
3.5. Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 StGB
Betreffend dieses Delikts ist festzuhalten, dass ein erheblicher Teil des Handelns
der Beschuldigten bereits durch die Erpressung erfasst ist. Unter den Tatbestand
der Freiheitsberaubung fällt nur noch das Festhalten von J._ sel. über den
für die Erpressung notwendigen Zeitraum hinaus.
Die Tatschwere wiegt insgesamt noch leicht. Das Festhalten von J._ sel. er-
folgte nicht auf Initiative der Beschuldigten, sie ist der Tat von H._ nur beige-
treten. Er hat die führende Rolle übernommen. Die Freiheitsberaubung von
J._ sel. erfolgte über mehrere Stunden und über Nacht, sodass sich das Op-
fer während einer langen Dauer in einer ungewissen und sehr unangenehmen Si-
tuation befand. In subjektiver Hinsicht handelte die Beschuldigte mit direktem
Vorsatz, aus letztlich finanziellen Motiven, um J._ sel. zur Herausgabe von
Drogen und Geld bzw. von Informationen über deren Verbleib zu bewegen.
Hinsichtlich der Täterkomponente und der weiteren Strafzumessungsfaktoren
kann auf vorstehende Ausführungen zu den anderen Delikten verwiesen werden.
Insgesamt erscheint unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips eine Erhö-
hung der Einsatzstrafe für das schwerste Delikt um 4 Monate als angemessen.
Bei I._ fällt die Erhöhung mit 3 Monaten etwas tiefer aus, da seine Mitwir-
kung an der Freiheitsberaubung mit seinem Weggang nach AG._ beendet
war, bei G._ dagegen nach ihrer Rückkehr aus AG._ noch bis am Mor-
gen fortdauerte.
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3.6. Gehilfenschaft zu Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1
und Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 25 StGB (Dossier 2)
3.6.1. Tatkomponente und Gehilfenschaft
Die Fälschung des Kaufvertrages betreffend den BMW M3 wurde von H._
vorgenommen und diente dazu, den Bruder von J._ sel. zur Aushändigung
des Fahrzeugausweises zu bewegen. Der Tatbeitrag der Beschuldigten bestand
darin, den Fahrzeugausweis bei F._ abzuholen, nachdem I._ ihm den
gefälschten Kaufvertrag zugestellt hatte. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt,
trug die Beschuldigte zur Urkundenfälschung im eigentlichen Sinne nicht direkt
bei, jedoch half sie mit, den Weiterverkauf des BMW zu erleichtern.
In subjektiver Hinsicht handelte sie aus finanziellen Gründen. Ziel war die Versil-
berung des BMW von J._ sel. und Verwendung des Verkaufserlöses für die
Bezahlung von Lebenshaltungskosten. Die schlechten finanziellen Verhältnisse
der Beschuldigten wurden bereits mehrfach erwähnt, ebenfalls dass sie davon
ausging, von J._ sel. um Fr. 40'000.– betrogen worden zu sein.
Mit der Vorinstanz wiegt das Verschulden insgesamt sehr leicht. Ihr Tatbeitrag im
Rahmen der Gehilfenschaft war zudem untergeordneter Natur. Die der Tatkom-
ponente angemessene Strafe bewegt sich im Bereich von 30 Tagen.
3.6.2. Täterkomponente und Verfahrensdauer
Es ergeben sich aus der Täterkomponente, der Verfahrensdauer und der media-
len Berichterstattung keine straferhöhenden oder strafmindernden Faktoren.
3.6.3. Asperation
Die Vorinstanz hat eine Asperation der Einsatzstrafe um 15 Tage vorgenommen
(Urk. 221 S. 144), was angemessen erscheint. I._ hat an der Urkundenfäl-
schung aktiv mitgewirkt, einen wichtigen Tatbeitrag geleistet und wird der Mittä-
terschaft schuldig gesprochen. Sein Geständnis ist leicht strafmindernd zu be-
rücksichtigen. Bei ihm resultiert eine Asperation um 2 Monate.
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3.7. Widerhandlung gegen das Waffengesetz
Im Rahmen der Erpressung von J._ sel. hielt die Beschuldigte beim Toilet-
tengang von J._ sel. die ungeladene Pistole Beretta für kurze Zeit in der
Hand. Es handelte sich um einen einmaligen Vorfall, welcher nicht auf eigener Ini-
tiative der Beschuldigten beruhte, vielmehr drückte ihr H._ die Waffe in die
Hand.
In subjektiver Hinsicht handelte sie direktvorsätzlich. Das Motiv bestand darin,
J._ sel. an einer Flucht oder daran zu hindern, sich gegen das Gefangenhal-
ten zu wehren .
Zutreffend hat die Vorinstanz das Verschulden als leicht bewertet.
Aus der Täterkomponente ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten Fakto-
ren ebensowenig aus der langen Verfahrensdauer oder medialer Vorverurteilung.
Die von der Vorinstanz unter Berücksichtigung der Asperation auf 15 Tage fest-
gesetzte Sanktion erscheint angemessen.
3.8. Gehilfenschaft zu versuchtem gewerbsmässigem Betrug (Dossier 5)
3.8.1. Tatkomponente
a) Objektive Tatkomponente
Der durch den Versicherungsbetrug angestrebte Deliktsbetrag lag bei rund
Fr. 10'000.–. Die Beschuldigte wurde vor der falschen Anzeigeerstattung von
H._ über den Plan informiert (Urk. 221 S. 73). Auch diese Tat beruhte nicht
auf ihrer Initiative, jedoch stimmte sie dem Vorhaben von H._ zu und wirkte
ohne Weiteres mit. Dass es beim Versuch blieb, ist nicht auf das Verhalten der
Beschuldigten zurückzuführen, vielmehr auf die von der Versicherung getätigten
Abklärungen. Deshalb ist der Versuch nicht strafmindernd zu berücksichtigen.
Angesichts des Deliktsbetrages ist das objektive Tatverschulden als nicht mehr
leicht zu gewichten.
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b) Subjektive Tatkomponente
Die Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz und aus rein finanziellen Motiven.
Bereits im Zeitpunkt der Begehung dieses Deliktes war die finanzielle Situation
des Ehepaars G._/H._ sehr schlecht und benötigten sie finanzielle Mittel
für die Bestreitung ihres Lebensunterhaltes und desjenigen ihrer Kinder. In sub-
jektiver Hinsicht wiegt das Verschulden leicht.
c) Fazit Tatschwere
Dem insgesamt noch leichten Verschulden angemessen erscheint innerhalb des
weiten Strafrahmen bis 10 Jahre Freiheitsstrafe eine Strafe von 8 Monaten.
3.8.2. Gehilfenschaft
Der Tatbeitrag der Beschuldigten erschöpfte sich darin, H._ nach der Anzei-
geerstattung auf dem Polizeiposten abzuholen. Ihr Beitrag war untergeordneter
Natur. Gestützt auf den Strafmilderungsgrund im Sinne von Art. 25 StGB ist die
Strafe auf 4 Monate zu reduzieren.
3.8.3. Täterkomponente
Aus dem Vorleben und den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten erge-
ben sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren. Hinsichtlich ihres Nachtat-
verhaltens ist ihr Geständnis leicht strafmindernd zu berücksichtigen. Bezüglich
der langen Verfahrensdauer und der medialen Berichterstattung ergeben sich
keine Abweichungen gegenüber den bisherigen Erwägungen.
3.8.4. Asperation
Unter Berücksichtigung der leichten Strafminderung für das Geständnis und des
Asperationsprinzips ist die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt um 3 Monate zu
erhöhen. Bei I._, welcher in diesem Punkt wegen Gehilfenschaft zu versuch-
tem Betrug verurteilt wird, also nicht wie die Beschuldigte der Gehilfenschaft zu
versuchtem gewerbsmässigen Betrug, wird die Asperation um 2 Monate vorge-
nommen. Die tiefere Sanktion für I._ erscheint als angemessen, da er wegen
- 92 -
des Grundtatbestandes verurteilt wird und keinen finanziellen Vorteil aus dem De-
likt zog, vielmehr im Sinne eines Freundschaftsdienstes handelte. Zudem wirkte
sich auch bei ihm sein Geständnis leicht strafmindernd aus.
3.9. Betrug und Irreführung der Rechtspflege (Dossier 11)
3.9.1. Betrug
a) Tatkomponente
Die Schadenmeldung gegenüber der Versicherung betreffend fiktiven Einbruch-
diebstahl und Einreichung einer Auflistung der angeblich gestohlenen Gegen-
stände bezweckte das Erschleichen einer Versicherungsleistung von Fr. 7'665.80.
Dabei handelt es sich um einen nicht unbedeutenden Deliktsbetrag. Die Beschul-
digte wirkte mit ihrem Ehemann planmässig zusammen.
In subjektiver Hinsicht handelte sie vorsätzlich und aus rein finanziellen Motiven.
Obwohl die Tat bereits im Jahre 2013 begangen wurde, ist zugunsten der Be-
schuldigten davon auszugehen, dass sie schon damals in schwierigen finanziellen
Verhältnissen lebte und das Geld für den allgemeinen Lebensunterhalt für ihre
Familie brauchte.
Insgesamt wiegt das Verschulden leicht. Die hypothetische Einsatzstrafe ist auf
4 Monate festzulegen.
b) Täterkomponente
Aus dem Vorleben und den persönlichen Verhältnissen ergeben sich keine straf-
zumessungsrelevanten Faktoren. Es liegt lediglich ein Teilgeständnis bezüglich
der als gestohlen gemeldeten Gegenstände vor. Dieses wirkt sich nicht strafmin-
dernd aus, zumal sie hinsichtlich des Einbruchs selber nicht geständig war und
das Teilgeständnis nicht von Reue und Einsicht zeugt.
Hinsichtlich der langen Verfahrensdauer kann auf das vorstehend Ausgeführte
verwiesen werden.
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c) Aufgrund der Tatschwere resultiert eine Strafe von 4 Monaten. Im Rahmen
der Asperation ist die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt um 3 Monate zu er-
höhen.
3.9.2. Irreführung der Rechtspflege
Dieses Delikt weist einen engen Zusammenhang zum Versicherungsbetrug auf
und bezieht sich auf die Anzeigeerstattung bei der Polizei betreffend den angebli-
chen Einbruchdiebstahl. Die Vorinstanz hat zutreffend darauf hingewiesen, dass
es sich bei dem zur Anzeige gebrachten Einbruchdiebstahl noch um ein eher ge-
ringfügiges Delikt handelte, weshalb die durch die Anzeige ausgelösten Ermittlun-
gen nicht besonders umfangreich waren. In objektiver Hinsicht wiegt das Ver-
schulden daher leicht.
In subjektiver Hinsicht liegt direktvorsätzliches Handeln vor. Das Tatmotiv war
letztlich finanzieller Natur. Die Anzeigeerstattung bei der Polizei bildete Bestand-
teil des Konstruktes im Rahmen des Versicherungsbetruges.
Betreffend die Täterkomponente kann auf die Ausführungen zum Versicherungs-
betrug verwiesen werden.
Infolge des engen Zusammenhangs mit dem Versicherungsbetrug erscheint es
angemessen für die beiden Delikte des Betrugs und der Irreführung der Rechts-
pflege insgesamt eine Asperation der Einsatzstrafe um 4 Monate vorzunehmen.
4. Fazit Sanktion
Die Einsatzstrafe von 6 Jahren für das schwerste Delikt der Gehilfenschaft zu
Mord ist um folgende bereits asperierte Strafen zu erhöhen:
- 3,5 Jahre für Gehilfenschaft zu qualifiziertem Raub (Dossier 1)
- 1 Jahr für versuchte Erpressung (Dossier 2)
- 8 Monate für Raub (Dossier 2)
- 4 Monate für Freiheitsberaubung und Entführung (Dossier 2)
- 1 Monat (je 15 Tage) für Gehilfenschaft zu Urkundenfälschung und Wider-
handlung gegen das Waffengesetz (beides Dossier 2)
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- 3 Monate für Gehilfenschaft zu versuchtem gewerbsmässigem Betrug
(Dossier 5)
- 4 Monate für Betrug und Irreführung der Rechtspflege (Dossier 11).
Es resultiert insgesamt eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren und 2 Monaten. Daran
anzurechnen sind 1564 Tage erstandene Haft und vorzeitiger Strafvollzug.
V. Zivilforderungen der Privatkläger 4 bis 6
Hinsichtlich der allgemeinen Voraussetzungen für die Geltendmachung von
Schadenersatz- und Genugtuungsansprüchen im Strafverfahren ist auf die Aus-
führungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 221 S. 152 ff.).
Die Vorinstanz hat die Zivilklagen der Privatkläger 4 bis 6 abgewiesen (Dispositiv-
Ziffer 12). Die Privatkläger 4 bis 6 beantragen im Berufungsverfahren die Zuspre-
chung einer Genugtuung der Privatkläger 4 und 5 im Betrage von je Fr. 25'000.–
(Urk. 223 S. 3, Urk. 224 S. 3) und der Privatkläger 6 im Betrage von Fr. 12'500.–.
Bei den Privatklägern 4 und 5 handelt es sich um die Eltern des getöteten
J._ sel., beim Privatkläger 6 um dessen Bruder.
Die Privatkläger 4 bis 6 begründeten ihre Genugtuungsforderung gegenüber der
Beschuldigten damit, dass sie gemeinschaftlich mit H._ und I._ an der
Tötung, dem Raub und der Freiheitsentziehung des Opfers J._ beteiligt ge-
wesen sei (Urk. 144 S. 28 f.). Ihren Genugtuungsanspruch machten sie aufgrund
der Tötung von J._ sel. geltend und begründeten ihren Anspruch mit ihrer
äusserst schweren Betroffenheit durch dessen Tod und die Traumatisierung
durch die Art und Weise der Tötung, das verursachte Todesleiden (Urk. 144 S. 26
ff.). Im Berufungsverfahren liessen die Privatkläger 4 bis 6 ausführen, dass sie ih-
re Genugtuungsforderungen mit dem Verlust eines nahen Angehörigen begrün-
den und nur für den Fall geltend machen, dass die Beschuldigte wegen Beteili-
gung an der Tötung von J._ sel. schuldig gesprochen werde (Urk. 255 S. 13).
Dagegen G._ betreffend J._ sel. kein Tötungsvorwurf erhoben wird und
auf die Berufung der Privatkläger 4 bis 6 betreffend Schuldspruch von G._
des Mordes (bzw. der Gehilfenschaft dazu) mit Beschluss vom 8. Juni 2021 nicht
- 95 -
eingetreten wurde, sind die Voraussetzungen für eine adhäsionsweise Geltend-
machung von Genugtuungsansprüchen basierend auf einem Tötungsvorwurf
nicht gegeben. Die Privatkläger 4 bis 6 sind mit ihren Genugtuungsansprüchen
gegen G._ auf den Zivilweg zu verweisen.
VI. Beschlagnahmungen
Die von der Vorinstanz in Dispositiv-Ziffer 5 getroffene Anordnung betreffend die
mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 5. Februar 2019
beschlagnahmten Gegenstände blieb mit Ausnahme des UBS Memory Stick, Da-
ne Elec (A011'118'539) unangefochten. Im Berufungsverfahren beantragt die Be-
schuldigte die Herausgabe dieses USB Memory Stick an sie (Urk. 240 S. 2 Antrag
1h)). Zur Begründung machte sie geltend, dieser Datenträger enthalte einen Ent-
wurf zu einem Fotobuch, welches sie für ihren Partner habe erstellen wollen, da-
gegen keine tatrelevanten Informationen (Urk. 256 S. 33). Die Staatsanwaltschaft
hat nicht gegen die Herausgabe dieses Datenträgers opponiert. Der fragliche
USB-Stick ist der Beschuldigten daher nach Eintritt der Vollstreckbarkeit heraus-
zugeben.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Beschuldigte wird im Hauptpunkt der Gehilfenschaft des Mordes sowie zahl-
reicher weiterer schwerwiegender Delikte schuldig gesprochen. Von verschiede-
nen weit weniger schwerwiegenden Vorwürfen wird sie freigesprochen. Sie wird
mit einer langjährigen Freiheitsstrafe bestraft. Unter Berücksichtigung dieser Um-
stände und Gewichtung der Schuldsprüche und Freisprüche insgesamt erscheint
es angemessen, der Beschuldigten die Kosten des Vorverfahrens und des erstin-
stanzlichen Gerichtsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidi-
gung, zu drei Vierteln aufzuerlegen und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu
nehmen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Angesichts der schlechten finanziellen Verhält-
nisse der Beschuldigten sind aus Gründen der Resozialisierung der ihr aufzuerle-
gende Anteil der Kosten des Vorverfahrens und des vorinstanzlichen Gerichtver-
fahrens, soweit er nicht durch Beschlagnahmungen gedeckt ist, zu erlassen und
sind die Kosten der amtlichen Verteidigung definitiv auf die Gerichtskasse zu
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nehmen. Die Kosten des Entsiegelungsverfahrens GM180003-L in Höhe von
Fr. 500.– sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, da das Entsiegelungsbegehren
abgewiesen wurde (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 221 S. 159).
Im Berufungsverfahren unterliegt die Staatsanwaltschaft mit ihren Anträgen (ab-
gesehen von einer geringen Erhöhung der Strafe) praktisch vollumfänglich. Die
Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren bezüglich ihres Antrags auf Frei-
spruch vom Mordvorwurf. Sie dringt mit ihrem Standpunkt bezüglich der Qualifika-
tion des Raubes in Dossier 2 durch. In den weiteren von ihr angefochtenen
Schuldsprüchen wird die vorinstanzliche Verurteilung bestätigt. Ausgangsgemäss
sind ihr die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtli-
chen Verteidigung, zu zwei Dritteln aufzuerlegen und zu einem Drittel auf die Ge-
richtskasse zu nehmen (Art. 428 StPO). Aus Gründen der Resozialisierung sind
der Anteil der Kosten des Berufungsverfahrens, welcher der Beschuldigten aufzu-
erlegen ist, soweit er nicht durch die Beschlagnahmungen gedeckt ist, zu erlassen
und sind die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechts-
vertretung der Privatkläger 4 bis 6 definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Das Honorar der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren ist gestützt
auf die Honorarnote von Rechtsanwalt lic. iur. Z._ vom 10. Juni 2021
(Urk. 258) auf Fr. 30'000.– festzusetzen. Angesichts des sehr grossen Umfangs
des Verfahrens und des entsprechenden Aufwands ist die Gerichtsgebühr für das
Berufungsverfahren im Rahmen, welcher gemäss § 14 Abs. 1 lit. b i.V.m. § 16
Abs. 1 GebVO bis Fr. 45'000.– reicht, auf Fr. 30'000.– festzusetzen. Die unent-
geltliche Rechtsvertretung der Privatkläger 4 bis 6 macht für das Berufungsverfah-
ren eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 19'384.30 geltend (Urk. 252A). Der
eingereichten Honorarnote vom 28. Mai 2021 lässt sich entnehmen, dass für den
22. Juni 2021 als geschätzter Aufwand 8 Stunden für einen weiteren Verhand-
lungstag einberechnet wurden, was angesichts des Umstandes, dass an diesem
einzig die Urteilseröffnung stattfand, entsprechend zu korrigieren ist. Die unent-
geltliche Rechtsvertretung der Privatkläger 4 bis 6 ist somit für ihren Aufwand mit
insgesamt Fr. 18'000.– zu entschädigen, welcher nicht nur im Zusammenhang mit
dem vorliegenden Berufungsverfahren, sondern auch mit demjenigen gegen
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I._ (Proz. Nr. SB200228) anfiel. Entsprechend sind die Kosten je hälftig im
Umfang von Fr. 9'000.– auf das vorliegende sowie das Berufungsverfahren Proz.
Nr. SB200228 zu verteilen.