Decision ID: e3b9f615-5c1f-4ad4-ae47-7e9484d9ebcb
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1987,
verheiratet und
Mutter von zwei Kindern
(
2014 und 2015
),
abso
l
vierte eine kaufmännisc
he Lehre (inkl. BMS) und weiter
f
ü
hrende Aus
bildunge
n. Zuletzt war sie
seit 2008
als Kauffrau/Einkauf be
i de
r Y._
AG tätig. Mit Gesuch vom 1
4.
Juli 2015 meldete sie sich unter Hinweis auf –
nach den
zwei
Geburten
jeweils
aufgetretene - Diskushernien bei der Sozialver
sicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-
Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2). Die IV-Stelle
führte ein Standortgespräch durch (
Urk.
7/5),
tätigte Abklärungen in medizini
s
cher und erwerblicher Hinsicht und zog die Akten der Zürich Versicherung
s
g
esellschaft
AG
(private Lebensversicherung; Urk.
7/39) bei; a
m 4.
November 2015 schloss
sie
die Eingliederung
sberatung
ab (
Urk.
7
/28).
Nach Einholung von weiteren ärztlichen Berichten veranlasste
die IV-Stelle
am 24.
Oktober 2016 eine polydisziplinäre
(internistische, orthopädische, urologische, neurologische und psychiatrische)
Untersuchung der Versicherten
(U
rk.
7/67)
, welche
durch das Z._
durchgeführt wurde
.
Gestützt auf das entsprechende Gutachten (
Expertise
vom
8.
Februar 2017; Urk.
7/81)
,
worin
die Experten
zum Ergebnis gelangt
war
e
n, dass
weder
in der angestammten
noch
in
einer
leichte
n bis
intermittierend
mittelschweren Verweist
ätigkeit
eine länger anhaltende
höhergradige
Arbeitsfähigkeit ausg
e
wiesen sei
(
Urk.
7/81/32
)
,
stellte die IV-Stelle der Versi
cherten mit Vorbescheid vom 12.
April 2017 die Abweisung des Leist
ungsbegehrens in Aussicht (Urk.
7/84)
. Dagegen liess die Versicherte
am 11.
Mai 2017
, ergänzt durch Eingabe vom 26.
Juni 2017,
Einwan
d erheben (Urk.
7/
91 ff.
)
. Nac
h getätigten Rückfragen beim Z._
(Urk. 7/98
)
und Gewährung des rechtlichen Gehörs
zu der entsprechenden Stellungnahme
(
Urk. 7/99
und Urk.
7/102
) hielt die IV-Stelle
m
it Verfügung vom 21.
November 2017
dar
an
fest, dass kein Anspruch
auf IV-Leistungen
bestehe
(
Urk.
2)
.
2.
Dagegen
liess
X._
hierorts mit Eingabe vom 3.
Januar 2018 Beschwerde erheben mit den Anträgen, es sei die Verfügung der SVA
vom 21.
November 2017 betreffend Abweisung von Leistungen der Invalidenversicherung aufzuheben (1.), der Beschwerdeführerin seien Leistungen der Invalidenversicherung zuzuspre
chen (2.), eventualiter sei zum Gesundheitszustand sowie zur Arbeits- und Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin zunächst noch ein neues, dieses Mal aber korrektes, neutrales und objektives
beziehungsweise
tatsächlich unab
hängiges medizinisches Gutachten erstellen zu lassen (3.), sowie es sei der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung zuzusprechen (4.;
Urk.
1 S. 2).
Mit
Vernehmlassung vom 8.
Februar 2018 stellte die IV-Stelle Antrag auf
Abwei
sung der Beschwerde (Urk.
6), was der Beschwerd
eführerin mit Verfügung vom 12.
Februar 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
8). Mit Eingabe vom 1
5.
Februar 2018
liess
die Beschwerdeführerin verschiedene ärztliche Berichte nach
reichen (Urk.
9 und Urk. 10/1-3), wozu die IV-Stelle a
m 14
. März 2018
unter Hinweis auf die Stellungnahme ihres
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
vom gleichen Tag
Stellung nahm und
an ih
r
em Antrag auf Abwei
s
ung der Be
schwerde fest
hielt (Urk. 12-13); dies wurde
der Beschwerdeführerin am 19. März 2018 zur Kenntnis gebracht (Urk. 14).
Da das Gericht zur Auffassung gelangte, dass die Sache aufgrund der im Recht liegenden Akten nicht schlüssig beurteilt werden
könne,
veranlasste es eine
polydisziplinäre
Begutachtung der Beschwerdeführerin durch die
MEDAS
A._
(
Besc
hluss vom
1
6.
Januar 2020 [
Urk.
19] und Verfügung vom
7. August 2020
[
U
rk.
27
]
)
. Diese
erstatte
te
am 9. März 2021 ihr Gutachten
(
Urk.
31). Mit Verf
ügung vom 19.
April 2021 wurde
das Gutachten
den Parteien zur Stellung
nahme
unterbreitet
(U
rk.
33). Die
IV-Stelle
hielt am 2
8.
Mai 2021 unter Hinweis auf die Ausführungen ihres RAD am Antrag
auf Abweisung fest (
Urk.
37-38).
Die Beschwerdeführerin beantragte
mit Eingabe vom
8.
Juni 2021 weiterhin die G
ut
heissung der Beschwerde (Urk.
39
-40/1-2).
Mit Verfügung vom 22. Juni 2021 wurden die Stellungnahmen der jeweilig
en Gegenpartei zugestellt (Urk.
41).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein renten
aus
schliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines renten
begründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) über
wiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die
Folgen der Beweislosig
keit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die für das polydisziplinäre Gu
tachten der MEDAS A._
vom
9.
März 2021 verantwortlich zeichnenden Fachärzte stellten aus in
terdisziplinärer Sicht die folgenden Diagnosen (
Urk.
31
S.
35
f.
):
-
Angst und Depression gemischt (ICD-10 F41.2), DD residual affektives Zustandsbild mit ängstlich depressivem Ausschlag (ICD
-10
F10.72) bei schädlichem Gebrauch, iatrog
en, von Opioi
den
(
ICD-10 F10.1
)
-
Ve
rdacht auf c
hronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-
10
F45.41)
-
Verdacht auf neuropsychologische Defizite (ICD-10 F11.74
)
-
Episodische Kopfschmerzen, hauptsächlic
h Migräne mit
ophtalmischer
Aur
a nebst Spannungs
typ
kopfschmerzen
-
Leichtes Karpaltunnelsyndrom rechts
-
Hochgradiger Verdacht auf axialbetonte
Spondylarthropathie
(Morbus Bechterew) mit/bei
-
t
ypische Befunde MRI Ganzwirbelsäule 02/2017: ISG-Arthritis
-
Teilansprechen auf
Biologika
und NSAR
-
d
ifferentialdiagnostisch unter möglicher Mitbeteiligung
von degenera
tiven Veränderungen
-
Chronisches
lumbovertebrales
Schmer
zsy
n
drom mit aktenanamnestisch
statt
gehabter
lum
b
o
radi
kul
ärer
Komponente mit/bei
-
Osteochondrosen
,
Spondylarthrosen
L3 bis L5
-
Diskusprotrusion
L5 mit leichter Einengung des
Rezessus
-
Extrusion der Bandscheibe
L5/S1 links ohne sicher nachweisbare Komprimierung der Nervenwurzel
-
n
icht abschliessend abgrenzbar zur Diagnose der axialbetonten
Spon
dylarthropathie
-
bei opiatinduzierter Hyperalgesie
-
Chronisches
thorakovertebrales
Schmerzsyndrom
-
Chronisches
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom
-
Urodynamisch
objektivierte Blasenfunktionsstörung mit
-
Langzeitvideourodyn
amik
Universitätsklinik B._
vom 20.07.2017: M
ul
tiple
phasische
Detrus
o
r
überaktivitäten
sowie einzelne du
r
ch Husten
getriggerte
belastungsinduzierte
Detrusoraktivitätsinkontinenz
mit maximaler
Detrusordruckamplitude
bei 90 cm H
2
O
-
k
eine langanhaltende Besserung unter
Betmiga
per
os
(zudem Neben
wirkungen des Medikamentes und deshalb Abbruch)
-
a
n sich gutes Ansprechen auf
Kentera
Pflaster Sommer 2017 (in der Zwischenzeit abgesetzt
)
-
v
orgeschlagene Therapie mit
Botolinum
A Toxin in den
Detrusor
Juli/Oktober 2017 (Versicherte hat sich gegen die
se Ther
a
p
ie ent
schieden)
-
r
egelmässige Beckenbodenphysiotherapie mit nach wie vor fast tägli
chen Übungen
-
Multiple Kolonpolypen unter regelmässiger
kolonoskopischer
Kontrolle
-
Rezidivierende
gastritische
Beschwerden
-
Status nach Nikotinkonsum
-
Laborchemisch
Lymphozytopenie
und
Eosinophilopenie
, kontrollbedürftig
-
Status nach positivem
Quantiferon
-Test mit Status nach
Isoniazid
-Therapie
-
Allergie auf Nickel und
Propylen
-
Status nach
Hemithyeroidektomie
, aktuell
euthyreote
Stoffwechsellage unter
Euthyrox
2.2
Der psychiatrische G
utachte
r
med.
pract
.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
gab im Wesentlichen an, aus der Anamnese hera
u
s finde sich eine Explorandin, die nach ihren Angaben ohne äusseren Druck ihr Leben lang eher überd
urchsch
n
ittl
ich lei
s
tungsorientiert gewesen sei. K
rit
er
i
en für eine pathologische Persönlichkeitsstruktur hät
t
en sich jedoch nicht ergeben, eine Persönlic
hkeitsstörung habe im Rahmen dieser Explo
r
ation nicht
festgestellt werden können. Erst im Jahr der ersten Schwangerschaft sei es zu körperlichen Beschwerden, den Rückenschmerzen ge
k
ommen, am ehesten wohl während der Schwangerschaft. Äussere Belastungsfaktoren, die bei den meisten M
enschen zu eine
r
pathologischen
oder
mindest
ens star
k
en
dysfunktionalen R
e
aktion führen würden, fänden
sich bei der Exploran
d
in nicht. A
llerdings könnten di
e
Kinder zu ei
n
em B
ruch de
r
leistungsorientieren Berufslaufbahn geführt haben.
Hier
würden die Angaben der Exploran
d
i
n ni
cht klar. Es bl
ei
b
e bei Andeutungen, teils könnte man indirekt darauf schliessen, dass die Kinder eine grössere Belastung seien, als sie ange
b
e
(S. 38)
.
Es sei festzuhalten, dass bei der Explorandin eine A
npassungsstö
rung mit Angst und De
press
ion gemischt für 2016/2017 überwi
eg
end wahrscheinlich gegeben
gewesen sei
. Belege für eine stärkere Ausprägung der Depressivität fänden sich in den Unterlagen nicht, letztlich auch nicht im
psychiatrischen
Gutachten von
Dr.
med.
D._
(Z._
)
, der
zur Diagnose einer
leichten depressiven Episode gekommen sei. Da
ne
ben würden sich bei diversen Autoren Hinweis
e auf eine som
atoforme Schm
e
rz
s
törung finden,
jedoch
gelinge
es
keinem der Aut
oren
,
aus
reichend viele der vom I
CD
-
10 fü
r
diese D
iag
n
o
se geforde
r
ten Kri
t
erien zu bele
gen, es ble
i
be vielmehr bei Vermutungen. Es gebe
auch anlässlich der heutigen Exploration
viele
Hinweise auf eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Jedoch hätten die
geforderten K
riterien weder in der
Ver
gangenheit noch ak
t
u
ell bele
g
t werden können
(S. 38)
.
Sowohl aufgrund der Basis der vorliegenden Berichte als auch dem aktuellen kl
i
nischen Eindruck in Verbindung mit dem Abgleich des anlässlich der Untersu
chung erhobenen Psychostatus seien die Kriterien für eine depressive S
tö
rung nicht erfüllt gewesen. Im Rahmen der Schmerzen und möglicherweise
a
uch der Lebensveränderunge
n
in de
r
Folge der Geburten sei es zu einer A
npassungs
st
öru
ng mit Ängsten und
affektiv gedrückter Stimmungslage gekommen, die sich
chronifiziert
habe, weswegen er (der Gutach
t
er)
zur Diagnose Angst und D
e
press
ion gemischt übergegangen sei. J
edoch
sei diese
nach ICD-
10
so schwach ausgeprägt, dass sie keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe
(S.
38)
.
Differentialdiagnostisch zu erwägen sei der mögliche Einfluss der Opioide auf die Stimmungslage, jedoch könnte dies
erst
nach einem Absetzen des Präparates
aus
differenziert werden
. Gleiches gelte für das
Methylphenidat
-Präparat, das beim aktuellen L
abor recht t
i
e
f
gewesen sei
,
sodass er es nicht in die Diagnoseliste aufgenommen habe
(S. 38)
.
Offen blieben die Gründe für das schlechte Rechnen der Exp
l
orandin (S. 39).
Die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht in der angestammten Tätigkeit bet
rage 100
% (
S. 39
). Seit 2014/
16/17 sei keine psychiatrische Diagnose belegt worden, die über mehrere Wochen hinweg relevanten Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit gehabt hätte (
psychiatrisches
Teilgutachten S. 19).
2.3
Der n
eurologische Experte
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Neurologie,
legte
in seiner Beurteilung
im Wesentlichen
dar,
aus der Anamnese ergebe sich wenig Evidenz für eine
Radikulopathie
L5 rechts oder beidseits, dies bei im letzten LWS
MRI
(2016)
grössenregrediente
r
D
iskushernie L4/5 rechts median bis para
median. Auch bei der aktuellen Untersuchung habe er keine sicheren segmentale
n
Befunde erheben können.
Angegeben werde eine Hypä
sthesie an Unterschenkel und Fuss, welche allenfalls dem S1-Segment entsprechen könnte
(Oberschenkel und Gesäss allerdings nicht betroffen)
, weswegen auch ein EMG der entsprechen
den Kennmuskeln vorgenommen worden sei, mit unauffälligem Befund.
Auch eine in den
Vorakten
(
Schmerzsprechstunde
Spital
F._
) postulierte neuro
pathische Schmerzkomponente erachte er als nicht sehr wahrscheinlich
:
E
s sei keine Nerven- bzw
.
Wurzelschädigung objektivierbar, typische Merkmale wie
Allodynie
oder Hyperalgesie
lägen nicht vor, auch das angegebene Schmerz
territorium, untere Wirbelsäule, Gesässbereich, Beine rechts-
und dorsalbetont, seien neurolo
gisch-
topisch
nicht spezifisch zuzuordnen. Z
usammengefasst fänden sich keine sicheren Hinweise auf eine
radikuläre
Pathologie; bei den in die Beine ausstrahlenden Schmerzen/Missempfindungen sei zur Haup
t
sache von einem
«
pseudoradikulären
»
bzw.
spondylogenen
Syn
d
rom auszugehen. Auch bezüglich der seit ca
.
2017 bekannten Schulterschmerzen rechts, verstärkt durch Belastun
gen/Bewegungen mit Verspannung
im Bereiche Schulterblatt so
wie Schmerzen auch an mittlerer
/oberer BWS
,
habe er keine Hinweise auf eine neurogene Pathologie
(S.
39 f.
und
neurologisches
Teilgutachten S. 8 f.
)
.
Klare Diagnosen aus dem neurologischen Fachbereich seien eine seit der Adolesze
n
z bekannte Migräne, häufig mit
op
h
thalmischer
Aura, zum Tei
l Misch
form mit Spannungstyp-Kopfweh
,
dies bei diesbezüglich positiver Familien
anamnese, alles in letzter Zeit etwas akzentuiert, ve
r
mutlich unter dem anhalten
den Stress im Zusammenhang mit dem jetzigen Leiden. Ferner könne
ele
k
troneuro
graphisch bei dazu typischer Anamnese ein leich
t
es Ka
r
paltunnel
syndrom rechts nachgewiesen werden, auch hie
r bei positiver Familienanamnese
.
Mit den neurologischen Diagnosen lasse sich
– weder jetzt noch zu einem frühe
ren Zeitpunkt -
keine Arbeitsunfähigkeit begründen, we
der in der früh
eren Tätig
keit als Kauffrau in höh
e
rer Position und noch in einer and
e
ren bildungs
adäquaten Tätigkeit (S. 40
,
neurologisches
Teilgutachten S. 10
)
.
2.4
In rheumatologischer Hinsicht
führte
der Gutachter
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Rheumatologie, physikalische Medizin und Rehabilitation,
im Wesentlichen
aus,
medizinisch und versicherungsmedizinisch sei mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit eine axialbetonte
Spond
yl
arthropathie
, ein sogenannter Morbus Bechterew,
zu diagnostizieren. Die Diagnosekriterien seien grundsätzlich erfüllt. Klinisch werde die Diagnose
nebst dem MR
I-
Befund durch das Teilansprechen auf
die
immunsupprimierende
Biologika
-
Behandlung und das Teilansprechen auf
entzündungshemmende Schmerzmittel
bestätigt
, auch die Hautveränderungen an der Hand könnten in diesem Zusammenhang stehen. Die beklagte Steifigkeit sei ebenfalls ein mögliches Symptom einer
Spondylarthropa
th
ie
. Es bestünden altersentsprechend deutlich degenerative Veränderungen, welche möglicherweise am Beschwerdebild mitbeteiligt seien. Die früher beschriebene Diskushernie habe ohne dafür passende Klinik keine klinische Bedeutung
. Ein neuropathisches Be
schwerdebild ausgelöst durch die Diskushernie erkenne er aktuell nicht.
Die
Spond
ylarth
r
opathie
vermöge hie und da Gelenkschmerzen auszulösen, aktuell ergäben sich in diesem Bereich keine Hinweise auf funktionseinschränkende Ent
zündungen.
Das beklagte Beschwerdebild und insbesondere die geklagten Einschränkungen im Alltag seien aber gemäss der allgemein-rheumatologischen Erfahrung in
keinster
Art und Weise vereinbar mit den subjektiv beklagten
massivsten
Schmerzen und den gravierenden Einschränkungen im Alltag.
Spondylarthro
pa
thie
–Patienten fänden sich in
r
heumat
o
logis
c
hen Praxen häufig. Mit und ohne Medikamente seien sie praktisch immer fähig,
körperlich
leichtere
Berufs
tätig
keite
n und gängige Haushaltsarbeiten
sowie Familienbetreuung durch
zuführen. Es ergäben sich nur Einschränkungen bei mittelschweren und schweren körper
lichen Tätigkeiten respektive langandauernden monotonen Arbeiten.
Das
von der Versicherten beklagte Beschwerdebild im Sinne eines generalisierten Schmerzsyndroms könne
daher
rheumatologisch
in keiner Art und Weise nach
vollzogen werden.
Auch seien die Untersuchungsbefunde nicht konsistent.
Eine Langzeit-Opiat-Behandlung sensibilisiere die Schmerz
empfindung und führe zu einer iatrogen bedingten Verschlechterung.
In der ursprünglichen Tätigkeit im ad
ministrativen Bereich (Bürotäti
g
k
eit) bestehe aufgrund dieser Diagnose keine Einschränkung der Arbeit
s
fähigkeit. Dies unter der Voraussetzung eines angepassten Arbeitsplatzes
mit der Möglichkeit des Stehens und Sitzens (Stehpult). Als Familienfrau in einer
vierköpfigen Familie b
estünden
für mittel
schwere bis schwere Tätigkeiten
,
insbesondere in monotoner Stellung
,
und
für
das Heben und Tragen von grösseren Gewichten
eine ein
g
e
schränkte Arbeitsfähigkeit. Schwere körperliche Arbeiten seien nicht möglich
(S.
41 f.
und rheumatologisches Teilgutachten S. 9
)
.
2.5
Der orthopädische Gutachter
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
führte
zur Hauptsache
aus, aus rein orthopädischer Sicht leide die Versicherte an einem komplexen chronischen
l
umbovertebralen
S
chmerzsy
ndrom mit aktenanamnestisch stattgehabter
lumbo
radikulärer
Kompone
n
te bei
Osteochondrosen
,
Spondylarthrosen
und
Diskopa
thien
im Bereich der unteren LWS und am
lumbosakralen
Übergang. Die Angaben der Versicherten wirkten plausibel und nachvollziehbar. Die Befunde im Bereich der LWS wirkten sich funktionell auf die Belastbarkeit aus. Die Versicherte ver
richte grösstenteils Büroarbeiten mit sitzender Tätigkeit und entsprechend langer Arbeit am Computer. Bedingt durch die Pathologie im Bereich der LWS fü
h
r
e
längeres Sitzen und monotone Körperhaltung zu einer Verstärkung der Beschwer
den. Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit betrage bei ergonomischer Einrichtung des Arbeitsplatzes mit der Möglichkeit des Positionswechsels aus rein orthopädischer Sicht jedoch
volle
100
%
(S. 42
und orthopädisches Teilgutachten S. 5 f.
).
Die Versicherte habe bereits ab 2014 degenerative Veränderungen vor allem der unteren Wirbelsäule mit
Osteochondrosen
,
Spondylarthrosen
und
Diskopathien
im unteren LWS Bereich und am
lumbosakralen
Übergang gezeigt; unter Beachtung der beschriebenen Vorgaben scheine aus orthopädischer Sicht eine
Arbeitsfähigkeit möglich gewesen zu sein (orthopädisches Teilgutachten S.
6).
2.
6
Im urologischen Teilgutachten führte der verantwortlich zeichnende Experte
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Urologie,
schliesslich aus, die
Explorandin
sei seit Oktober 2017 nie mehr urologisch abgeklärt worden, weil die Harnblasen
problemat
ik für sie nicht so schlimm sei
. Diese
Problematik
stehe
subjektiv nicht im Vordergrund
und die Explorandin
könne damit gut leben.
Auch habe sie bezüglich der Harnblasenproblematik und Inkontinenz keine Berührungsängste
,
das Haus für zum Beispiel Theater
-
oder Kinobesuche zu verlassen. Aus urologi
scher Sicht wäre deshalb eine Arbeit mit leichtem Zugang zu einer Toilette im angestammten Beruf ohne weiteres zumutbar
(S. 42) und sei die Arbeitsfähigkeit
als Kauffrau auch seit Juni 2014 gegeben gewesen, solange der einfache und schnelle Zugang zu einer Toilette gegeben war (urologisches Teilgutachten S. 3).
2.
7
Aus
allgemein
internistischer Sicht
schliesslich
bestünden multiple Kolonpolypen, unter regelmässiger
kolonoskopischer
Kontrolle, rezidivierende
gastritische
Beschwerden, ein Status nach Nikotinkonsum, laborchemischer
Lymphozytope
nie
und
Eosinophilopenie
, kontrollbedürftig, ein Status nach positivem
Quanti
feron-Test
mit Status nach
Hemithyreoidek
t
omie
, aktuell
euthyreoter
Stoff
wechsel
lage unter
Euthyrox
. Aus allgemeininternistischer Sicht sei die Arbeits
fähigkeit im Büro zu 100
% gegeben; Allergenkontakte seien zu vermei
den
(S. 44)
.
2.
8
Zur Arbeitsfähigkeit aus interdisziplinärer Sich
t
hielten die Gutachter fest,
es
bestehe in der angestammten Tätigkeit als Büromitarbeiterin eine volle Arbeits
fähigkeit. Dabei sollte der Arbeitsplatz ergonomisch eingerichtet sein und ein rascher Zugang zu einer Toilette möglich sein. Schwere körperliche Arbeiten seien nicht möglich.
Die Tätigkeit im Büro stelle eine ideal angepasste Tätigkeit dar
,
seit dem
Z._
Gutachten stelle sich die Situation unverändert dar
(S. 46).
3.
3.1
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist
oder
wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (
BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2, 125 V 351 E.
3b/
aa
).
3.2
Di
e
Beschwerdeführerin
wurde
im Rahmen der Begutachtung durch die
MEDAS
A._
internistisch, psychiatrisch, neurologisch, rheumatologisch, ortho
pädisch und
urologisch untersucht; ergänzend wurde eine
aktuelle
Bild
gebung
des Beckens
und der Lendenwirbelsäule
sowie Laboranalysen ver
anlasst
(vgl.
Gutachten Anhang)
. Das Gutachten
beruht
somit
auf den not
wendigen Untersuchungen
und erweist sich
als
für die streitigen Belange umfassend
.
Auch
berücksichtigten die
Gutachter die
geklagten Beschwerden und setzten
sich damit auseinander,
sodann
gaben
sie
ihre
Expertise in Kenntnis
und in Auseinander
setzung mit den
relevanten
Vorakten
ab, wobei sie
die
Beurteilung der medizini
schen Situation
sowie
die Schlussfolgerungen
in Bezug auf die Arbeitsfähigk
eit
nachvollziehbar
begründet
en
.
So
wird im Gutachten
in psychiatrischer Hinsicht
nachvollziehbar
dar
gelegt, dass vor dem Hintergrund
der Anamnese und
des erhobenen Psychostatus, bei dessen
psychopathologischen
Befunderhebung sich der
Experte
an den
AMDP-Richt
linien orientierte,
und welche keine ausgeprägten
Befunde ergab
(
psychiatrisches
Teilgutachten S.
12 f
.
)
, die Kriterien für eine depressive Störung nicht erfüllt
(gewesen)
waren
, weshalb er die im Rahmen der Schmerzen und Lebens
verände
rung eingetretene
n
Ängste
und affektiv gedrückte
Stimmungslage infolge der schwachen Ausprägung
der Störung
en
als Angst und Depr
e
s
s
i
o
n gemi
sch
t diagnos
t
izierte
(
psychiatrisches Teilgutachten S. 14
). In neu
rologischer H
in
s
i
cht
wurde alsdann nachvollziehbar dargelegt,
dass und inwiefern
aufgrund der
aktuellen
Untersuchung
keine sicheren Hinweise auf eine
radikuläre
Pathologie
bestanden
,
weshalb bei den in die Beine ausstrahlenden Schmerzen/Miss
empfindu
ngen zur Hauptsache von einem
«
pseudoradikulären
» bzw.
spond
yloge
nen
Syndrom auszugehen
ist
(
neurologisches
Gutachten S.
8 f.).
Auch
der
rhe
u
matol
ogische Gutachter
legte
schlüssig dar,
aufgrund welcher
Befunde
(
MRI Befund,
Teilansprechen auf immunsupprimierende
Biologika
und auf entzündungs
hemmende Schmerzmittel
)
sowie
klin
i
schen
Symptome
(
insbeson
d
e
re
Steifigkeit)
von einem
hochgrad
igen
Verdacht auf
axialbetonte
Spondyl
arthropathie
(sog. Morbus Bechterew) auszugehen
ist
,
und
dass
zudem
degene
rative Veränderungen vorl
ie
gen, welche möglicherweise am Beschwe
rdebild mit
beteiligt
sind
(
Gutachten S. 41, rheumatologisches Teilgutachten S. 9
)
.
In diesem Sinne
zeigte
auch der orthopädische
Gutachter
auf
,
dass
im Bereich der unteren LWS
und am
lumbosakralen
Übergang
degenerative Veränderungen
(
Osteo
chondrosen
,
Spondylarthrosen
und
Diskopathien
)
vorl
ie
gen
, welche Einfluss auf die Belastbarkeit
haben
(Gutachten S.
42 sowie Teilgutachten S. 5)
.
Schliesslich
verneinten der internistische und
der
urologische Gutachter Gesundheitsschäden, welche sich relevant auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (Gutachten S. 44).
Im
Lichte
der aufgezeigten
medizinischen
Befunde
erscheinen
die
Schlussfolge
rung
en
der Experten,
wonach
die Versicherte
– unter der Voraussetzung eines ergonomisch angepassten Arbeitsplatzes sowie (aufgrund der Blaseninkontinenz) des leichten Zugangs zu einer Toilette –
in der angestammten (körperlich leichten) Tätigkeit im kaufmännischen Bereich
vollständig arbeitsfähig
ist
,
einleuchtend und nachvollziehbar begründet
.
3.3
3.3.1
Soweit die Beschwerdeführerin
in ihrer Stellungnahme zum Gu
tachten vom
8.
Juni 2021
einwendet
,
es sei unbegreiflich, dass der psychiatrische Gutachter nicht einmal eine depressive St
örung habe diagnosti
zieren wollen, sondern ledig
lich die weniger gravierende Diagnose Angst und Depression als erfüllt angesehen habe
(
Urk.
39 S.
3
)
,
vermag dies die gutachterliche Beurteilung nicht in F
rage zu s
tellen. S
o
konnten
anlässlich der Begutachtung
vom 2.
Dezember 2020
in affek
tiver Hinsicht keine gravierenden Befunde erhoben
werden (
psychiatrisches
Teil
gutachten
S. 13
)
und
kann
des
W
eiteren
die
psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her
nicht ermessensfrei erfolgen
,
weshalb sie
dem begutachten
den Psychiater praktisch immer einen gewissen Spielraum
eröffnet
, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Inter
pretationen möglich, zulässig und zu respektiere
n sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist
(
BGE
145 V 361 E. 4.1.2 mit Hinweisen
)
.
Dies gilt auch bezüglich der Rüge,
wonach
es
der psychiatrische Experte zu Unrecht
unterlassen
habe
, die anlässlich der psychiatrischen Abklärung festgestellten
Schwächen
beim Kopfrechnen weiter – mittels neuropsychologische
r
Abklärung – abklären
zu lassen
(Urk. 39 S.
1 f
.
)
,
ergaben
sich
aus der Befunderhebung anlässlich der
psychiatrischen
Begutach
tung
doch
i
m Ü
brigen
keine Hinweise
oder A
uffälligkeiten
, die auf eine
relevante
neuropsychologische
Problematik
hätten
schliessen
lassen
.
Nicht stichhaltig ist
ab
er auch
der Einwand,
das
Gutachten
leide an einem Mangel
,
weil
kei
n
st
r
uktu
riertes
Beweisverfahren gemäss
BGE 141 V 281
durchgeführt worden sei
(Urk.
39
S.
3
)
.
So
attestierte
der psychiatrische Experte keine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen
; jedoch
bleibt
praxisgemäss
ein strukturiertes Beweis
verfahren entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (
BGE 143 V 418 E. 7.1,
vgl. statt vieler Urteil des Bundesgerichts 8C_597/2019 vom 1
2.
Dezember 2019, E.
7.2.3
mit Hinweisen)
.
3.3.2
I
n somatischer Hinsicht
beanstandet
die
Beschwerdeführerin
vorweg
,
dass
di
e Expert
ise unvollständig
sei
,
weil
bei den behandelnden
Ärzten
Dr.
med.
J._
,
Facharzt FMH für Chirurgie, Manuelle Medizin SAMM
und
interventionelle
Schmerzthe
rapie SSIPM
sowie
leitender Arzt
am Spital
F._
, Schmerz- und Komplementärmedizin, sowie
Dr.
med.
K._
, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumatologie,
keine Fremdanamnese
n
eingeholt worden sei
en
(
Urk.
39 S.
1)
.
Dem ist entgegenzuhalten, dass
die
ärztlichen Experten
nach der Recht
sprechung
bezüglich der Einholung von Fremdanamnesen über einen grossen
Ermessensspielraum
verfügen
(
vgl. statt vieler
Urteil 8C_772/2018 vom 1
9.
März 2019 E. 6.2)
,
womit die Einholung von
fremdanamnestischen Auskünften keine zwingende Voraussetzung für die Beweiskraft eines Gutachtens
darstellt
.
Auf
grund der in den Akten liegenden und den Gutachtern damit bekannten Berichte dieser Ärzte bestand keine Notwendigkeit hierfür (vgl. etwa
Urk.
7/94/1,
Urk.
3/3 und
Urk.
3/6-7,
Urk.
10/1).
In somatischer H
insich
t
beanstandet
die Beschwerdeführerin
weiter
, dass
der neu
rologische Experte keine neuropat
h
ischen Schmerzen
mit Auswirkung auf die Arbei
t
s
fähigkeit
diagnostiziert
habe
(
Urk.
39 S. 3).
Jedoch hatte
der neurologische E
xperte
in seinem Gutachten
in Auseinandersetzung mit den
medizinischen
Vorakten
einlässlich begründet
, inwiefern er eine neuropat
h
i
s
che Kom
po
ne
n
te als unwahrschein
lich e
rachtete
und
er
die P
ro
blemati
k
bezüglich der in die Beine ausstrahlenden Schmerzen/Missempfindungen
vielmehr
im R
ahmen eines
«
pseudoradikulären
» bzw.
spondylogenen
Syndrom
s
sah
(neurologisches
Teilg
ut
achten S.
8 f.).
D
iese
Beurteilung
wird
alsdann
auch
nicht durch
den Bericht
von
Dr.
J._
vom 2
4.
Januar 2018
entsc
heidend in Frage gestellt, was schon daher
gelten muss als
Dr.
J._
- der
im genannten Bericht
im Wes
entlichen zum vormaligen Z._
Gutachten
Stellung
nahm
(
Urk.
10/1)
- im Gegensatz zum neurologischen Experten
Dr.
E._
selber
über keinen Facharzttitel für Neurologie verfügt
.
Soweit
bezüglich der
neurologischen
Expertise
weiter gerügt wird, der Gutachter
habe
die
neurogene
Blasenfunktionsstörung
nicht gewürdigt
(
Urk.
39 S. 3)
,
ist
festzuhalten
, dass diese
Gesundheitsstörung
– deren Ätiologie
für die Belange der Invalidenversicherung
nicht ausschlaggebend ist -
in der urologischen A
bkl
ä
r
ung
durchaus
B
eachtung und
in der Folge auch
Eing
a
n
g in
den
Diag
n
o
sekatalog
fand
(vgl. E. 2.1 hiervor)
.
D
i
esbezüglich
hatte
die Versicherte
geltend
gemacht
, dass diese Problematik für sie
nicht im Vordergrund
stehe und sie
damit gut
leben
könne
(vgl.
urologisches Teilgutachten
S
. 3
)
.
In
somatischer H
i
n
si
cht
wird
weiter beanstandet, dass
de
r rheum
atologische Experte
bezüglich
der
Spondylarthropathie
(
Morbus Bechter
e
w) eine blosse
(«hochgradige»)
Verdacht
sdiagnose
gestellt habe
(Urk. 39 S.
2)
.
D
en
Aus
führungen
des rheumatologischen Experten
kann jedoch
ohne weiteres
ent
nommen werden
,
dass
er
dieser Gesundheitsstörung
jedenfalls
in Bezug auf körperlich leichtere Tätigkeiten
-
bei angepasstem Arbeitsplatz
(Stehpult)
auch in Bezug auf die angestammte
kaufmännische
Tätig
keit
-
keine Auswirkung auf die A
rbeitsfähigkeit beimas
s
, weshalb s
elbst wenn
daher
diese
Diagnose
v
o
rbehalt
l
os gestellt worden wäre
,
dies nichts zu Gunsten der Beschwerdeführerin
ergäbe. Denn
– wie erwähnt -
ist
für die Frage
der Invalidität
unabhängig von der
Diagnose
und u
nbes
e
hen
der Ätiologie
ein
zig ausschlagge
b
end, ob und in wel
chem Ausmass eine Beeinträchtigung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit
besteht (
vgl. etwa
Urteil des Bundesgerichts
8C_54/2020
vom 2
6.
Mai 2020 E.
11.3 unter Hinweis auf BGE 143 V 409 E. 4.2.1)
.
Dies gilt auch
soweit
geltend gemacht wird
,
es seien
zahlreiche Diagnosen aufgeführt worden
,
vor welchem Hintergrund
das Gutachten einseitig und
unangemessen streng
sei
(
Urk.
39 S. 2),
ist doch
nicht die Anzahl der Dia
g
no
sen
, sondern
allein
deren Auswirkungen auf
das
Leistungs
vermögen von Bede
u
tung
.
Soweit in der
Stellungnahme
vom
8.
Juni 2021
schliesslich
auf das
beigelegte
Schreiben
des
behandelnde
n
Rheumatologe
n
Dr.
K._
vom 1
5.
Mai 2021
zum Gutachten
(Urk.
40/1)
verwiesen wird,
ergibt dies nichts zu Gunsten der Beschwerdeführerin. Soweit
Dr.
K._
mit Blick auf die in der Diagnoseliste aufgeführten
Gesundheitsschäden
aus rheumatol
o
gischer
Sicht
eine Arbeitsfähigkeit von höchstens 50
%
attestiert
,
legt die Besch
werde
führerin nicht dar und ist
aus dem Schreiben nicht ersichtlich,
dass
beziehungs
weise inwieweit
Dr.
K._
ni
cht lediglich eine andere Einschätzung vornimmt
,
sondern
Aspekte benennt,
die
im Gutachten
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl.
statt vieler Urteil
des Bundesgerichts 8C_370/2020
vom 1
5.
Oktober 2020 E. 7.2
)
.
3.4
Nach dem Gesagten
sind aufgrund
der
Vorbringen in
der
Stellungnahme vom
8.
Juni 2021
weder Widersp
rü
che noch
anderweitige
zwingende
Gründe ersicht
lich, die
nach
der Rechtsprechung
(E. 3.1 hiervor)
ein Abweichen von den Schlussfolgerungen
im
gerichtlichen
Gutachten der
MEDAS
A._
recht
fertigen
würden.
Damit ist gestützt darauf mit dem im Sozialver
sicherungs
recht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit erstellt, dass die Beschwerdeführerin unter der Voraussetzung
der
– heut
zutage üblichen -
erg
o
nomischen
Einrichtung ihres Arbeitsplatzes
(sowie
des
leichten
Zugang
s
zur Toilette
)
im vorliegend zur Beurteilung stehenden Zeitraum (bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2
1.
November 2017)
in ihrer angestammten körperlich leichten
kaufmännischen
Tätigkeit
(im Büro)
wie auch in einer ange
passten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig
war
beziehungsweise
ist
beziehungs
weise
seit Juni 2014
- jedenfalls ohne längerdauernde Unterbrüche -
eine solche
Arbeitsfähigkeit
bestand
.
D
emzufolge
besteht auch
keine Veranlassung für eine
erneute
Begut
achtung, wie dies in der Stellungnahme vom
8.
Juni 2021 beantragt worden ist (Urk. 39 S. 6).
Festzuhalten bleibt, dass
-
entgegen
der
Äusserung
der Beschwer
deführerin
in ihrer Stellungnahme vom 6.
Juni 2021,
wonach es nicht akzeptabel sei
,
dass die Gutachter
ihre gesundheitlichen Probleme, Diag
n
o
sen und Therapien nicht anerkennen würd
en
(
Urk.
39 S. 5
sowie
Urk.
40/2
)
-
im Gutachten
durchaus
Gesundheitsschäden
diagnostiziert
und
somit
«anerkannt»
worden
sind.
Aller
dings
beurteilten
die Gutachter
die
funktionellen
Auswirkung
en
der
in Frage stehenden
Gesundheitsschäden
auf
das Leistungsvermögen sowie
die Arbeits
fäh
i
g
k
eit
in ihren
Schlussfolgerungen
anders als die behandelnden Ä
rzte, bezüg
lich welcher nach konstanter
Rechtsprechung
(vgl. BGE 135 V 465 E
.
4.5, 125 V 351 E. 3b/cc) der Erfahrungstatsache Rechnung
getragen werden darf und soll
, dass sie
mitunter im Hinblick auf ihre Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen
.
4.
Da von einer vollumfänglichen Arbeitsfäh
i
gkeit auszugehen ist, besteht keine Inva
l
idität, weshalb die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat. Damit ist die Beschwerde abzuweisen.
5
.
G
estützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist
das Beschwerdeverfahren vor dem
kantona
len Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verwei
gerung von IV-Leistungen
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzli
chen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-
-) auf Fr. 1’0
00.
—
festzusetzen
und aus
gangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
.