Decision ID: c5c3efdd-3db2-5184-8b72-cea75de18ad1
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1965 geborene
X._
, Fotofachangestellte mit Fähigkeitsausweis
,
war
seit 2007
bei der
Z._
AG vollzeitlich als IT Service
Delivery
Manager tätig (Urk. 7/11
, Urk. 7/7
)
. Am 17. Mai 2016 wurde ihr die Stelle aus Restrukturierungsgründen
per 30. November 2016 gekündigt unter Freistellung ab 17. Juni 2016. Infolge Arbeitsunfähigkeiten verlängerte sic
h das Arbeitsverhältnis bis 30.
November 2017 (Urk. 3/5-6 und Urk. 7/11/1).
A
m 30. Mai 2017
hatte sie sich
unter Hinweis auf ein Nierenversagen, eine Leberzirrhose, eine Mangelernährung sowie eine depressive Phase bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
gemeldet
(Urk. 7/6)
. Die Sozialversicherung
sanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor und zog unter anderem die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 7/
28-29) bei.
Mit Vorbescheid vom 25. Februar 2019 (Urk. 7/38) stellte die IV-Stelle der Versicherten die Ausrichtung einer ganzen Rente ab 1. Dezember 2017 in Aussicht, wogegen die Pensionskasse der
O._
am 20. März
2019 Einwand (Urk. 7/43) erhob
. Mit Verfügung vom 23. September 2019 (Urk. 2) sprach die IV-Stelle der Versicherten ab 1. Dezember 2017 eine ganze Rente zu.
2.
Dagegen erhob die Pensionskasse der
O._
am
23. Oktober 2019 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, dass die Verfügung vom 23. September 2019 aufzuheben sei und die Eröffnung des Wartejahrs sowie da
s
Validen- und Invaliden
einkommen
und
d
er sich daraus ergebende Invaliditätsgrad neu zu bestimmen sei
en
. Eventuell sei
ein Gutachten erstellen zu lassen und subeventuell sei das Dossier an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese gesetzes
konform Eingliederungsmassnahmen durchführe (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 29. November 2019 (Urk. 6) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Stellungnahme.
A
m 17. Dezember 2019
wurde
X._
zum
Prozess beigeladen (Urk. 8) und a
m 20. April 2020 erging
unter Auflage
aktueller
Arzt
berichte (Urk. 17/2-3)
die Stellungn
ahme der Beigeladenen (Urk. 16) mit den Anträgen
,
es
sei
die Beschwerde abzuweisen und die ihr mit
Verfügung vom 23. September 2019
ab 1. Dezember 2017 zugesprochene
ganze
Rente
zu bestä
tigen
(S. 2)
.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 11.
Mai 2020 auf eine entsprechende Stellungnahme (Urk. 22). Die Beschwerdeführerin erstatte
te
unter A
uflage neuer Unterlagen (Urk.
26/5-6) am 26. August 2020
Replik
(Urk. 25)
und nahm gleichzeitig Stellung zur Eingabe der Beigeladenen vom 20. April 2020
, wobei sie
ihre ursprünglichen Anträge insofern anpasste, als dass sie
nun als Hauptanträge die
Aufhebung der Verfügung
und die
Erstellung eines Gutachtens
nannte und die übrigen Begehren als Eventualanträge formulierte
(S. 2). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 13. Oktober 2020
(Urk. 30)
auf
eine
Stel
lungnahme zur Eingabe der
Beschwerdeführerin
vom 26. August 2020
. Die Beigeladene hielt am 14. Dezember 2020
(Urk. 33)
unter Auflage weiterer Doku
mente (Urk. 34/1-8)
an ihren Anträ
gen fest
. Am 7. Januar 2021
(Urk. 37
)
reichte sie weitere Unterlagen
(Urk. 38/1-2)
ein
.
Während die
Beschwerdegegnerin
am 19. Januar 2021
auf eine entsprechende Stellungnahme
verzichtete
(Urk. 41),
äusserte
sich die
Beschwerdeführerin am 19. Januar 2021
zu den genannten Eingaben
(Urk. 42). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 8. Februar 2021 auf eine diesbezügliche
Stellungnahme
(Urk. 46). Die
Beigeladene
liess
sich unter
Vorlage
weiterer Unterlagen (Urk. 50/1-2) am 12. April 2021 vernehmen (Urk. 49). Die Beschwerdeführerin nahm am 6. Mai 2021 entsprechend Stellung (Urk. 53), die Beschwerdegegnerin verzichtete am 11. Ma
i 2021 auf eine
Stel
lungnahme
(Urk. 54), was den Parteien am 18. Mai 2
020 zur Kenntnis gebracht
wurde (Urk. 55).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch a
uf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit, dass
aus ärztlicher Sicht die medizinische Behandlung im Vordergrund stehe, weshalb keine Eingliederungsmassnahmen zu prüfen seien. S
eit
dem
19. Oktober 2016
liege in medizinischer Hins
icht in der bisherigen Tätigkeit als IT Service
Delivery
Manager sowie in einer angepassten Tätigkeit kein
e Arbeitsfähigkeit mehr vor
. Der Beigeladenen sei de
shalb
kein Erwerbseinkommen mehr möglich, weshalb ein Invaliditätsgrad von 100 % bestehe. Das Wartejahr sei per 18. Oktober 2017 abgelaufen, weshalb unter Berücksichtigung des Ablaufs von sechs Monaten
seit
der IV-Anmeldung vom 6. Juni 2017 die Leistungen ab 1. Dezember 2017
auszurichten seien
(S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenü
ber auf den Standpunkt (Urk. 1), dass das Korsakow-Syndrom, auf welche
s
der Rentenanspruch vor allem
ab
ge
stützt werde, bislang nicht zweifelsfrei diagnostiziert
und im neuropsycho
logischen Bericht die Durchführung weiterer Abklärungen empfohlen worden sei. Die Beschwerdegegnerin habe in der Folge indes keine zusätzlichen Unter
suchungen veranlasst.
In den Jahren 2016 und 2017 sei die Arbeitsunfähigkeit sodann von
invaliditätsfremden
Faktoren (Stellenverlust, Tod der Mutter) bestimmt gewesen
. Aufgrund der vorhandenen Akten sei
überdies
nicht zu beur
teilen, inwiefern die Beigeladene ihre Ressourcen in einer angepassten Tätigkeit verwenden könne
und sich die gesundheitlichen Einschränkungen auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten
(S. 13 Ziff. 19)
.
Im Weiteren bestritt d
ie Beschwerde
führerin den von der Beschwerdegegnerin festgesetzten Beginn des Wartejahrs am 19. Oktober 2016, da keine echtzeitlichen Arbeitsunfähigkeitszeugnisse vorlägen
, die anfänglich reaktive Depression auf die Kündigung keinen invalidi
sierenden Gesundheitsschaden darstelle und die neuropsychologische Abklärung erst im Juli 2018 Hinweise auf ein (noch nicht klar diagnostiziertes) Korsakow-Syndrom gezeigt hätten
(S. 16 f. Ziff. 22)
.
In ihrer Stellungnahme
vom 19. Januar 2020 (Urk. 42)
präzisierte
die Beschwerdeführerin, dass keine von der Beige
ladenen bei der IV-Anmeldung ge
ltend gemachte
gesundheitliche Einschränkung
zu einer lang andauernden Arbeitsunfähigkeit geführt haben könne
und
von einer Verschlechterung des Gesundheitszustands im Jahr 2018 auszugehen sei
(S. 14 f.)
.
2.3
Die Beigeladene machte im Wesentlichen geltend,
dass psychosoziale Faktoren das Krankheitsgeschehen beeinflusst hätten. Die krankhaften Befunde
-
vorab die alkohol- oder depression
s
bedingte Hirnschädigung
-
hätten sich indes
zwischen
zeitlich
derart verselbständigt, dass sie sich auch nach Wegfall der psychosozialen Belastungsfaktoren nach wie vor negativ auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten.
Im
Februar 2017
lasse sich
bildgebend eine irreversible Schädigu
ng des Gehirns nachweisen. Die i
m Juli 2018 erhobenen neuropsychologischen Befunde führten in Kombination mit den objektiv nachweisbaren Befunden der Hirnschädigung zum nachvollziehbaren Schluss, dass die Beigeladene weder in der angestammten noch
in einer angepassten Tätigkeit
arbeitsfähig sei
. Für diese Schlussfolgerung brauche es keine weitere
n
medizinische
n
Abklärung
en
und es spiele
auch
keine Rolle, ob ein Korsakow-Syndrom eindeutig diagnostiziert werden könne oder nicht
(Urk. 16 S. 6 Ziff. 13, S. 8 f.
Ziff. 15 f.
, S. 13
f.
Ziff. 28).
In
den
Eingaben vom
14. Dezember 2020
(Urk. 33)
und 7. Januar 2021 (Urk. 37)
präzisierte die Beigeladene, dass sie bereits seit dem Jahre 2015 unter depressiver Stimmung und Schlafstörungen gelitten und einen vermehrten Alkoholkonsum betrieben habe (
Urk. 35
S. 2 f. Ziff. 4 ff.
, Urk. 37 S. 2
).
Am 12. April 2021
wies
sie
darauf hin
, dass sich ihr Zustand im Juni 2018 nicht verschlechtert habe, sondern zu jenem Zeitpunkt sämtliche Befunde vorgelegen hätten, welche einen Rückschluss auf die bereits seit Oktober 2016 vorhandene Arbeitsunfähigkeit
zu
liessen (Urk. 49 S. 10 Ziff. 13).
2.4
Unbestritten ist vorliegend die Beschwerdelegitimation (Art. 59 ATSG) der Beschwerdeführerin als Vorsorgeeinrichtung, welche sich aus der Bindungs
wirkung des vorliegend zu fällenden Entscheids ergibt, nachdem ihr die ange
fochtene
Verfügung vom
23. September 2019
(Urk. 2) eröffnet worden ist (vgl. BGE 132 V 1 E. 3.2
,
BGE 143 V 434 E. 2.2).
3.
3.1
Im Austrittsb
ericht des
Spitals A._
vom 19.
Dezember 2016 (Urk. 7/10/6-8)
betreffend die Hospitalisation
der Beigeladenen
vom 14. bis 21.
Dezember
2016
wurden folgende Diagnosen aufgeführt (S. 1):
-
Malnutrition multifaktorieller Genese
-
Differenzialdiagnose (DD): i.R. Depression, i.R. Leberzirrhose
-
Verdacht auf reaktive
Depression
-
Leberzirrhose unklarer Ätiologie, ED
-
a.e
. äthyltoxisch DD PBC
-
ANA-AK negativ, AMA-AK positiv
-
Sonographie vom 15.12.2015 Steatosis hepatis mit Hepatomegalie
-
Verdacht auf Alkoholüberkonsum
-
rezidivierend erhöhte CDT-Werte
-
Hepat
opathie
-
erosive Prok
t
itis im distalen Rektum, ED
-
partielle
Kolonosk
o
pie
vom 15.12.16: manschettenförmige erosive Pro
k
titis im dis
talen Rektum,
Papillenhypertrop
ie
-
GERD
-
Gastrokopie vom 20.12.16: erosive Refluxösophagitis Grad I, kleine Hiatushernie, mäs
siggra
dige
Antrumgastritis
-
a
kute
Niereninsuffizienz RIFLE R
-
Kreatinin 178umol/l bei Eintritt (214
umol
/
l am 25.11.2016
)
-
a.e
. prärenal bei Dehydratation
-
makrozytäre
hyperchrome
Anämie
-
a.e
. äthyltoxisch
-
Vitamin D-Insuf
fizienz, neu unter Substitution
-
arterielle Hypertonie, ED 2006
-
weitere
cvR
f
:
persistierender Nikotinabusus
-
beinbetonte
Misssensation
und subjektiv
proximal
betonte Beinschwäche, ED 09/16
-
DD funktionell i.R.
Diagn
. 2, i.R. Mangelernährung
-
MRI Wirbelsäule vom 21.10.2016:
keine entzündlichen oder neoplastischen Prozesse
, links
rezessale
Diskushernie Th8/9 mit leichte Impression der Medulla spinalis ohne Myelopathie
-
s
ensible und motorische Neuro
graphie sowie EMG vom 19.10.2016: keine Hinweise auf Neuropathie oder akute Veränderungen
-
St. n. erstmaligem provoziertem epilep
t
ische
m
Anfall 12/2015
Die Ärzte führten aus, dass – obwohl die Beigeladene einen regelmässigen Alko
holkonsum verneine – am ehesten von einer
äthylischen
Genese der beginnenden Leberzirrhose aus
zugehen sei
. Hierzu
passten
die
Sonomorphologie
, die Labor
konstellation
sowie
die aktenanamnestisch r
ezidivierend erhöhten CDT-Werte
. Im Vordergrund stehe sicherlich eine tiefe Depression nach einem Stellenverlust, was vor allem durch die zeitliche Komponente unterstrichen werde (Gewichtsverlust seit der Kündigung). Andere Faktoren seien der Alkoholkonsum und die Leber
zirrhose.
Die deutliche Einschränkung der Nierenfunktion sei aktenanamnestisch zwar vorbestehend, die Nierenretentionswerte hätten sich indes vollständig unter ausreichender Flüssigkeitssubstitutio
n normalisiert (S. 2).
3.2
Der Hausarzt der Beigeladenen, Dr. med.
B._
, FMH Allgemeine Innere Medizin, stellte am 6. November 2017 folgende Diagnosen (Urk. 7/28/25-28 S. 1):
-
reaktive Depression
-
Status nach Mangelernährung mit Hospitalisation
-
Leberzirrhose bei chronischem C2-Überkonsum
-
Beinschwäche, proximal betont
-
Status nach
tonisch-klonischem Krampfanfall
(letztmals
05/
20
17
)
-
Status nach epileptischem Anfall
(
29.12.20
15),
DD
: Schlafentzug, C2-Über
konsum
Dr.
B._
berichtete vom Beginn der Kontrollen mittels CDT
, wobei der Wert stets
massiv erhöht gewesen sei (S. 1) und postulierte
in der bisherigen Tätigkeit
eine 100
%
ige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vom 30.
Juni 2016 bis
Ende 2017
(S. 2 f.).
3.
3
Dr.
C._
, Facharzt FMH Neurologie,
nannte am 4. Juni 20
18
folgende Diag
nosen (Urk. 7/33/9-10 S. 1):
-
Epilepsie
-
erstmaliger epileptischer Anfall 29.12.2015, vorgehend Schlafentzug
-
letztes Anfall
s
ereignis 26.05.2017, provoziert durch Alkoholentzug
-
chronischer Alkohol-Überkonsum, aktuell sistiert
-
Leberzirrhose, ED 12/20
16
-
Status nach reaktiver Depression mit Mangelernährung bei Verwahrlosung infolge Stellenverlust Ende 2016
-
Aktionstremor
-
essenziell und
enhanced
physiologisch
Im Rahmen der Zwischenanamnese
seit 11. Januar 2018
gab Dr.
C._
an, dass es der Beigeladenen gut gehe und sie die Medikamente regelmässig nehme. Alkohol trinke sie keinen mehr, nur noch selten ein alkoholfreies Bier. Bewusst
seinsverluste
seien keine mehr aufgetreten, sie sei aber gestört durch das Zittern der Hände, welches sie beispielsweise auch bei Vorstellungsgesprächen beein
trächtige (S. 1 f.).
Es zeige sich klinisch ein erfreulicher Verlauf, indem die Beigeladene seit über einem Jahr abstinent sei und das Levetiracetam regelmässig einnehme und es seit dem 26. Mai 2017 zu keinen weiteren Anfallsereignissen gekommen sei. Die Fahreignung für das Lenken von Motorfahrzeugen sei unter Zusammenschau des anfallsfreien Verlaufs seit mittler
weile einem Jahr und
des
mit der Fahreignung k
ompatiblen EEG
s
ab sofort wieder
gegeben. Die Auflagen seien mit der Beige
ladenen besprochen worden: Aufrechterhaltung der komplett
en
Äthylkarenz, re
gelmässige Medikamenteneinnahme und
Arztkontrollen und sofortige Meldung von Anfallsereignissen. Falls sich im Verlauf der Kontrollen eine Wiederauf
nahme des Alkoholkonsums ergeben sollte, wäre die Fahreignung ab sofort nicht mehr gegeben (S. 2).
3.
4
Med.
pract
.
D._
, stellvertretende leitende Ärztin
,
und
MSc
Szepesházy
, Psychologin,
Psychiatrie F._
, stellten in ihrem Bericht vom 22. Juni 2018
(Urk. 7/24/1-6)
zuhanden der Beschwerdegegnerin f
olgende Diagnose
n
(S. 3):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
kognitive Störung unklarer Ätiologie
-
MRI vom 16.02.2017: diffuse Atrophie frontal, parietal, betont erweiter
ter
Interhe
misphärenspalt
, Atrophie der c.
mammillaria
beidseitig
, Hippocampusatrophie Grad II
beidseitig
-
DD
: neurodegenerative Erkrankung
-
DD: ä
thyltoxische Schädigung
-
cerebrovaskulärer
Insult rechts
pariet
o
frontal
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: Abhängigkeits
syndrom
-
rezidivierend erhöhte CDT-Werte (ICD-10 F10.2)
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
arterielle Hypertonie
-
Alk
o
holsentzug
s
-Epilepsie
-
Leberzirrhose, ED
12/2
0
16
-
a.e
. äthyltoxische Schädigung primär biliäre Zirrhose
-
leichte
Thrombozytopenie
-
ANA-AK negativ, AMA-AK positiv
-
Sonographie vom 15.12.2016: Steatosis hepatis mit
Hepatomegalis
-
erhebliche
Energie- und Eiweissmangelernähr
ung 02/
20
17 mit/bei
-
Verwahrlosung
-
Gewichtsverlust von zirka 20 kg in einem Jahr
-
Verdacht auf reaktive Depression mit Wahnverhalten
-
b
einbetonte
Mi
s
ssensation
und subjektive proximal betonte Beinschwäche ED 09/
20
16
-
i.R. der Mangelernährung, C2-Abusus, multifaktoriell
-
sensible und motorische Neurographie sowie EMG 19.10.16: keine Hin
weise für Neuropathi
e
oder akute radikuläre Veränderungen
-
ältere Thrombose der V.
femoralis
superficialis
-
Vitamin D-Hypovitaminose, substituiert seit 02/
20
17
Die
Psychiatrie F._
-Fachpersonen führten aus, dass die Beigeladene seit dem 19. Oktober 2017 in der
Psychiatrie F._
in ambulanter Behandlung sei und es eigentlich angedacht wäre,
die Beigeladene
gegenwärtig zweiwöchentlich zu sehen. Die Fähigkeit, Termine verabredungsgemäss wahrzunehmen sei bei
Letzteren
indes stark eingeschränkt, weshalb keine regelmässigen Termine stattfinden könnten (S. 1).
Die Arbeitsunfähigkeit werde durch den Hausarzt attestiert und liege aktuell und bis auf Weiteres bei 100 % (S. 1).
Gemäss den Angaben der Beigeladenen habe sich bereits vor dem Stellenverlust im Juni 2016 ein Burnout entwickelt und es hätten sich durch den hohen Leistungs- und Zeitdruck im Handel in den letzten Jahren ihrer Anstellung schlei
chend immer mehr depressive Symptome (depressive Stimmung, erhöhte Ermüd
barkeit, verminderte Konzentration, Schlafstörungen, stark verminderter Appetit, Krampfanfall im Dezember 2015 als Folge des Schlafentzugs) entwickelt. Der Verlust der Arbeitsstelle sei von der Beigeladenen als Auslöser für ihr aktuelles Leiden beschrieben
worden
, wobei das Wegbrechen dieses wichtigen Pfeilers eine psychische und soziale Dekompensation ausgelöst habe.
Die Kränkung habe zu einer Verstärkung der Depression, zunehmenden Insuffizienzerleben und Scham
gefühl, sozialem Rückzug, Mangelernährung bei Verwahrlosung und einem Alkoholkonsum (im Sinne einer Selbstmedikation) geführt. Im Februar 2017 sei mit dem Tod der Mutter der Beigeladenen ein weiterer wichtiger Pfeiler wegge
fallen, was den bereits prekären psychischen und körperlichen Zustand nochmals drastisch verschlechtert habe (S. 2).
Die
Psychiatrie F._
-Fachpersonen führten weiter aus, dass die zeitliche Orienti
erung im Gespräch eingeschränkt
, die Auffassung leicht
beeinträchtigt
und die Aufmerk
samkeit und Konzentration stark reduziert gewesen
seien
. Es seien mnestische Störungen vorhanden, wobei die Defizite auch im Behandlungsalltag beobachtbar seien und sich die Beigeladene nicht mehr an Besprochenes erinnern könne und sich Termine aufschreibe, deren Wahrnehmung ihr
aber
trotzdem nicht sehr oft gelinge. Im formalen Denken
sei sie
leicht vorbeiredend, ängstlich bezü
glich ihres Gesundheitszustands und
im Affekt
bestehe eine
unsichere und deprimierte Grundstimmung
bei Insuffizienzgefühlen und starker Kränkung durch die Kündigung. Im Weiteren seien ein Interessenverlust, eine Freudlosigkeit, ein stark verminderter Antrieb, eine hohe Ermüdbarkeit, Schlafstörungen, eine Tag-Nacht-
Umkehr, ein stark verminderter Appetit bis zur Mangelernährung sowie ei
n sozialer Rückzug ersichtlich.
Zudem bagatellisierte die
Beigeladene
im Gespräch stark (S. 2).
Bei der Beigeladenen sei bezüglich ihrer Arbeitsfähigkeit sowie
der Bereitschaft, sich
behandeln zu lassen
,
eine grosse Motivation vorhanden. Die Prognose sei indes als schlecht einzuschätzen und im gegenwärtigen Zeitpunkt sei mit den aktuellen Funktionseinschränkungen nicht mit einer baldigen Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Aufgrund der ungünstigen Faktoren (lange Episodendauer, psychische und somatische Komorbidität, weibliches Geschlecht, lediger Familienstatus, mangelnde soziale Unterstützung, später Behandlungsbeginn) sei davon auszu
gehen, dass die Beigeladene in ihrer angestammten Tätigkeit nicht mehr arbei
ts
fähig sei respektive sein werde
. Eine berufliche Umschulung beziehungsweise Eingliederung sei, sofern die antidepressive Behandlung und die Behandlung des Abhängigkeitssyndroms erfolgreich seien, in ferner Zukunft möglich, was im Verlauf erneut eruiert werden müsste
. Da es der Beigeladenen kaum gelinge, die vereinbarten Termine wahrzunehmen,
erschwere sich die Behandlung
(S. 3 f.).
Gemäss dem Mini-ICF seien die Anpassung an Regeln/Routinen, die Planung/Strukturierung von Aufgaben, die Flexibilität und Umstellung, die Anwendung fachlicher Kompetenz, die Entscheids-/Urteilsfähigkeit, die Durch
haltefähigkeit, die Selbstbehauptungsfähigkeit und die Fähigkeit zur Selbstpflege vollständig eingeschränkt. Die Kontaktfähigkeit zu Dritten, die Gruppenfähigkeit, die Fähigkeit zu familiären/internen Beziehungen
und
zu Spontanaktivitäten
sowie
die Verkehrsfähigkeit seien schwer eingeschränkt. Im Erstkontakt seien viele d
er
Einschränkungen nicht ersichtlich, im regelmässigen Kontakt seien sie indes sehr ausgeprägt.
Im Verlauf der Gespräche sei eine klare Verschlechterung der Konzentration und Auffassung zu beobachten (S. 4 f.).
Die
Psychiatrie F._
-Fachpersonen wiesen schliesslich darauf hin, dass die Beigeladene alleine lebe und klare Einschränkungen bei den Aufgaben im Haushalt vorhanden seien. Im administrativen Belangen erhalte sie Unterstützung von ihrem Bruder und in der Ernährung seien starke Einschränkungen vorhanden, wobei sie sich gegen
wärtig durch den vom Hausarzt installierten Mahlzeitendienst einmal täglich ernähre (S. 5).
3.
5
In ihrem Bericht vom 16. August 2018 betreffend die neuropsychologische Abklärung vom 19.
Juli
2018 (Urk. 7/31/1-3)
– welche aufgrund eines auffälligen MRI-Befunds vom 16. Februar 2017
veranlasst worden sei
(vgl. auch Urk. 7/28/5
9 S. 3)
-
führten
lic.
phil
.
G._
, leitende
Psychologin Diagnostik und Neuropsychologie,
und
MSc
H._
, Neuropsychologin,
Psychiatrie F._
, aus, dass im Vorder
grund der neuropsychologischen Untersuchung schwere
Beeinträchtigungen im verbalen und nonverbalen episodischen Gedächtnis bestünden. Qualitativ
seien beim Lernen und Abrufen einer langen Wortliste mehrere Konfabulationen auf
gefallen. Im Weiteren zeigten sich Beeinträchtigungen in der Aufmerksamkeit (phasische
Alertness
, T2B, geteilte Aufmerksamkeit) und in Teilbereichen der Exekutivfunktionen (konzeptuelles Denken, figurale Ideenproduktion, Interferenzunterdrückung). Unauffällig seien hingegen die Sprache, die
Visu
o
konstruktion
und Teilbereiche der Exekutivfunktionen (sema
n
tische und phonematische Flüssigkeit
, S. 3
).
Das neuropsychologische Profil mit starken Beeinträchtigungen im verbalen und nonverbalen episodischen Gedächtnis, Konfabulationen, leichten Beein
trächtigungen in den Exekutivfunktionen und
mit zeitlich
unscharfer Orientie
rung deute auf das Vorliegen eines Korsakow-Syndrom
s
(ICD-10 F10.6) hin. Passend dazu sei
der MRI-Befund
mit einer Atrophie de
r c.
mammillaria
, einer diffusen Atrophie und Hippocampusatrophie sowie die erhebliche Energie- und Eiweissmangelernährung bei Verwahrlosung und massivem Gewichtsverlust im Februar 2017. Die
Psychiatrie F._
-Fachpersonen empfahlen eine weiterführende neuro
logische Diagnostik/Ausschlussdiagnostik. Da die Beigeladene alleine wohne, sei zudem eine Sicherheitsprüfung der Wohnung (beispielsweise Herd) empfehlens
wert. Bei fortbestehendem Alkoholkonsum sei mit einer Verschlechterung der Symptomatik und längerfristig mit
einer Gefährdung der aktuellen Wohn
form
und der Mündigkeit zu rech
nen, weshalb
eine
Alkohola
bstinenz zu empfehlen sei (S.
3
).
3.
6
Der Hausarzt der Beigeladenen
äusserte sich
am 10. Oktober 2018
erneut zum Gesundheitszustand der Beigeladenen, wobei er
folgende Diagnosen
stellte
(Urk. 7/33/1-3 S. 1 Ziff. 1.2):
-
Status nach reaktiver Depression nach Verlust der Arbeitsstelle
-
s
chädigender C2-Überkonsum mit zurzeit kompensierter Leberzirrhose
-
Status nach Verwahrlosung und Mangelernährung i.R. der Depression
-
Status nach C2-bedingte
n
Epilepsien
Dr.
B._
ging von einem verbe
sserten Gesundheitszustand aus
und
bemerkte
, dass es der Beigeladenen objektiv besser gehe und sich die Leberwerte
durch die Abstinenz
grösstenteils normalisiert h
ätten
.
Die Beigeladene berichte aber über eine Verminderung betreffend Gedächtnis sowie gelegentlichen
Wort
findestörungen
(S. 1 Ziff. 1.1 und Ziff. 1.3).
In einer angepassten Tätigkeit postulierte der Hausarzt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 2.1).
3.
7
Der Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (R
AD) der Beschwerdegegnerin, Dr.
med
.
I._
, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, nannte in seiner Stellung
nahme vom 30. Oktober 2018 (Urk. 7/35/4-5)
folgende Diagnosen:
-
eine chronische Depression
-
erhebliche
Energie- und Eiweissmangelernährung
mit Schwäche der Beinmuskulatur
-
C2-Überkonsum
-
ton
isch-klonische Krampfanfälle
-
cerebrovaskulärer
Insult rechts
parietofrontal
Er
verwies im Weiteren auf die i
m
Psychiatrie F._
-Bericht vom 21. Juni 2018 gestellten
Diagnosen und führte aus, dass der Mini-ICF vom 14
. Juni 2018 in allen Bereichen vollständige bis schwere Beeinträchtigungen mit der Notwendigkeit von Unterstützung durch Dritte
zeige
.
Der
RAD-Arzt
wiederholte
sodann
das im
Psychiatrie F._-
Bericht vom 16. August 2018
beschriebene neuropsychologische Profil
sowie die schlechte Prognose. Er führte
ferner
aus,
dass der Alkoholabusus gemäss den Angaben des Bruders der Beigeladenen seit mindestens vier bis fünf Jahren bestehe und der Umstand, dass die Anstellung per Freistellung gekündigt worden sei
,
ein Hinweis
dafür
sein könne, dass es nicht nur ein Stellenabbau infolge Restrukturierung gewesen sei, sondern die Kündigung eventuell schon damals aufgrund des Alkoholabusus erfolgt sei.
Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei als Folge des chronischen Alkohol
missbrauchs
eine bleibend
e organische Schädigung des Geh
irns (Korsakow) eingetreten. Die Beigeladene sei deshalb sicherlich ab dem 19. Oktober 2016 in angestammter Tätigkeit dauernd zu
100 % arbeitsunfähig. Die
Prognose für eine angepasste Tätigkeit
sei
sehr reserviert. Möglicherweise sei in ferner Zukunft – in zirka drei bis vier Jahren – bei völliger Abstinenz und Therapie der Depression in
einer angepassten
Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit zu erreichen.
3.8
Am 17. April 2020
(Urk. 17/2
in Verbindung mit Urk. 34/8
)
äusserte sich Dr.
C._
zu seinen Einschätzungen vom 7. Oktober 2017 (vgl. Urk. 7/15/6-8) sowie 4. Juni 2018 (vgl. E. 3.3). Betreffend den erstgenannten Bericht hie
lt er fest, dass es sich damals -
als er eine Arbeitsunfähigkeit von 0 % aus ne
urologischer Sicht erwähnt habe (Urk. 7/15/6-8 S. 3) -
um eine Verwechslung gehandelt habe. Im Rahmen des medizinischen Kontextes sei klar, dass es sich um eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit handeln müsse (Urk. 17/2
S. 1). Im Zusammenhang mit dem Bericht vom 4. Juni 2018 führte er aus, dass ihm die Befunde des MRI vom 16. Februar 2017 und der neuropsychologischen Untersuchung nicht bekannt
gewesen seien. Hätten ihm diese
damals vorgelegen, so hätte er
sie s
icherlich in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einfliessen lassen und aus neurologischer Sicht klar festgehalten, dass die B
eigeladene
zu 100 % arbeitsunfähig sei. Im Weiteren sei ihm nicht bewusst gewesen, dass die Beigeladene regelmässig von den
Psychiatrie F._
-Ärzten
gesehen worden
sei und sie habe ihm bei den
Konsultationen jeweils versichert, keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt zu haben. Retrospektiv müsse er deshalb feststellen, dass seine Beurteilung vom 4. Juni 2018 nicht korrekt gewesen sei. Hätte er vom weiterhin regelmässigen Alkoholkonsum gewusst, hätte
er
die Fahreignung als nicht gegeben erachtet und auch die Arbeitsfähigkeit für jegliche Tätigkeit als 0 % beurteilt (S. 2).
3.9
Der Hausarzt der Beigeladenen führte am 7. November 2020 (Urk. 34/1 in Verbindung mit Urk. 34/2
)
aus, dass die Alkoholprobleme im Jahre 2015 begon
nen hätten
respektive
im Januar 2015 erstmals ein erhöhter CDT-Wert gemessen worden sei. Im Dezember 2015 habe sie einen ersten epileptischen Anfall erlitten, der nachweislich nicht unter Alkoholeinfluss, aber gegebenenfalls wegen eines Alkoholentzugs entstanden sei. Die Beigeladene habe zudem bereits schon seit 2015 unter depressiver Stimmung und Schlafstörungen gelitte
n und damals auch Antidepressiva
erhalten (Urk. 34/1 S. 2). Aufgrund der starken Beein
trächtigungen der Konzentrationsfähigkeit und der kognitiven Einbussen sei sie weder in der angestammten noch in einer anderen
Tätigkeit
arbeitsfähig. In der Zeit vom 20. Juni bis 25. November 2016 hätten keine Konsultationen stattge
funden. Aufgrund der Befunde vom 25. November 2016 und der Fremd
anamnese des Bruders sei jedoch nachvollziehbar, dass der Zustand der Verschlechterung mit Appetit- und Gewichtsverlust, chronischen Durchfällen und sozialem Rück
zug bei bekannter
vorbestehender depressiver
Psychosomatik schon länger habe
bestehen müssen, weshalb ab 30.
Juni 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei (S. 2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der
Rentenzusprache
vom 23. September 2019 (Urk. 2) auf die Stellungnahme des RAD-Arztes
vom 30. Oktober 2018 (Urk. 7/
35
/
4-
5)
,
welcher
über einen Facharzttitel
in
Allgemeine
r
Medizin verfügte und
seinerseits keine eigen
e Untersuchung durchgeführt hat. Dieser
stellte
auf den Bericht der
Psychiatrie F._
-Behandler
vom 21. Juni 2018
(Urk. 7/28/5-9)
– welcher
inhaltlich im Wesentlichen mit dem
Psychiatrie F._
-Bericht vo
m 22. Juni 2018
(
vgl. E. 3.
4
) übereinstimmt
-
sowie den neuropsychologischen Bericht vom 16. Aug
ust 2018 (
vgl. E. 3.5
)
ab und
ging
unter Hinweis auf das Vorliegen einer bleibenden organischen Hirnschädigung als Folge
eines
chronischen Alkoholabusus
seit dem 19. Oktober 2016
von
eine
r
100%ige
n
Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit
aus. Im Zusammenhang mit
der Ausübung
einer angepassten Tätigkeit
beschränkte er sich auf den Hinweis, dass bei völliger Abstinenz und
einer
Therapie der Depression
– weitere Ausführungen betreffend die depressive Störung machte der
RAD-Arzt nicht -
möglicherweise in drei bis vier Jahren
eine entsprechende Arbeitsfähigkeit
zu erreichen sei.
4.2
Gestützt auf das
MRI vom 16. Februar 2017 (Urk. 7/24/11-12)
gingen die
Psychiatrie F._
Fachpersonen
am 16. August 2018
von einer diffusen Atrophie frontal,
ein
em betont erweiterten
Interhemisph
ärenspalt
, einer Atrophie der c.
mammil
l
aria
beidseits sowi
e einer Hippocampusatrophie Grad
II beidseits aus
(
Urk. 7/31/
1-3 S. 1)
. Im neuropsychologischen Bericht wurden starke Beeinträchtigungen im verbalen und nonverbalen episodischen Gedächtnis, Konfabulationen
,
leichte Defizite in den Exekutivfunktionen sowie eine zeitlich unscharfe Ori
entierung festgestellt (
S. 3).
In den Berichten
der
Psychiatrie F._
-Behandler vom 21.
/
22. Juni
2018 wurde
e
ine leichte Einschränkung der Auffassung, eine starke Reduktion der Aufmerksamkeit und Konzentration sowie mnestische Störungen mit klarer Reduktion der zeitlichen Orientierung, des Kurzzeitgedächtn
isses sowie der Aufmerksamkeit erwähn
t (Urk. 7/28/5-9 S. 2
, Urk. 7/24/1-6 S. 2
)
.
D
en vor Juni 2018 verfassten aktenkundigen Berichte
n
der behandelnden Ärzte und der Psychotherapeutin
nen
können demgegenüber keine Hinweise auf erhebliche Gedächtnis
störungen entnommen werden. Dr. med.
J._
, Oberarzt, und
lic.
phil.
K._
, Psychotherapeutin,
Psychiatrie F._
-
Fachstelle für Alkoholprobleme
,
führten am 3. April 2017 aus, die Beigeladene sei zu allen Qualitäten vollständig orientiert und die Konzentration und
Mnestik
seien unauffällig gewesen (Urk. 34/5 S. 2).
Gleiches gilt
bezüglich der Berichte
von Dr.
C._
vom 28. August
und 7. Oktober
2017
, in welchen
unter anderem von einem uneingeschränkten Konzentrations- und Auffassungsvermögen (Urk. 7/15/5) respektive einer allseits orientierten
,
die Anamnese und Beschwer
den detailliert wiedergebende
n
Beigelade
nen (U
rk. 7/15/6-8 S. 2, Urk. 7/28/34
35 S. 1)
berichtet wurde
. Ebenso wenig
wurden
in den Berichten des Hausarztes vom 14. August und 6. November 2017
(
Urk. 7/28/25-28
, Urk. 7/10/1-5 S. 5
)
Hinweise auf eine
erhebliche
Gedächtniss
törung erwähnt, sondern lediglich in pauschaler Weise auf ein eingeschränktes Konzentrations- und Auffassungs
vermögen verwiesen. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen
, dass die Beigeladene seit 2008 bei Dr.
B._
in hausärztlicher
Behandlung stand (Urk. 7/10/1-5
S. 1 Ziff. 1.2).
Demgegenüber berichtete der Hausarzt am 10. Oktober 2018 von
einer
Verminderung betreffend Gedächtnis sowie gelegent
lichen
Wortfindestörungen
(Urk. 7/33/1-3 Ziff. 1.3)
.
Vor diesem Hintergrund
kann nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass die Beigeladene aufgrund der
Schädigung des Gehirns
vor
dem 19. Juli
2018 (Zeitpunkt
der neur
o
psychologischen Untersuchung,
Urk. 7/31/1-3
S. 1
)
und somit vor Ende
ihrer
Versicherungsunterstellung
bei der Beschwerdeführerin bis Ende 2017
in ihrer Arbeitsfähigkeit
(zu 100 %)
eingeschränkt war. Daran ändert der
Umstand, dass die Hirnschädigung bereits
im Februar 2017 durch ein MRI nachgewiesen wurde
,
nichts, da aufgrund
der
Diagnose nicht automatisch auf die Art und den Umfang
von allfälligen funktionellen
Auswirkungen auf die
Leistungsfähigkeit
der Beigeladenen geschlossen werden kann.
4.2
Im Weiteren ist die
Feststellung
der Beschwerdegegnerin, wonach die Beigeladene
seit dem 19. Oktober 2016
in einer angepassten Tätigkeit
zu 100 % arbeitsunfähig sei, nicht nachvollziehbar.
Der RAD-Arzt
übernahm unbesehen die Einschä
tzung der
Psychiatrie F._
-Behandler, welche lediglich in pauschaler Weise davon ausgingen, dass
aufgrund der
aktuellen Funktionseinschränkungen nicht mit einer baldigen
Arbeitsfähigkeit
auch in angepasster Tätigkeit
zu re
chnen sei (
Urk. 7/28/5-9 S. 4,
Urk. 7/24/1
-6 S. 4).
Es fehlt
eine plausible
Begründung dafür, weshalb die Beige
ladene in eine
r leidensangepassten Tätigkeit - zumindest nicht teilzeitlich -
arbeitsfähig ist.
4.3
Nach dem Gesagten ist der medizinische Sachverhalt in wesentlichen Teilen ungeklärt, weshalb
es weiterer Abklärungen bedarf. Dabei wird namentlich die Frage nach dem Gesundheitszustand und dem Leistungsvermögen der Beige
ladenen
bis Ende
Dezember 2017 (Ende der Versicherungsunterstellung bei der Beschwerdeführerin) zu klären sei
n
.
Unklar ist in
s
besondere,
welches die funktio
nellen Auswirkungen der Hirnschädigung sind und welchen Anteil die psychische Pathologie hat, unter anderem der C2-Überkonsum. Diesb
e
züglich fehlt
es an einer
Indikatorenprüfung
, welche eine Einschränkung auch in angepasster Tätig
keit plausibel erscheinen lassen würde.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
Bei diesem Verfahrensausgang kann die Frage nach allfälligen Auswirkungen von psychosozialen Faktoren auf die Arbeitsf
ähigkeit der Beschwerdeführerin, dem Beginn des Wartejahrs und der Ermittlung des
Valideneinkommens
einst
weilen offen ge
lassen werden.
Gleiches gilt mit Bezug auf
die Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen
, da diese erst nach rechtsgenügender Feststellung des medizinischen Sachverhalts beurteilt werden kann
(vgl. Urk. 25 S. 2)
.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend de
m Ausgang des Verfahrens der un
ter
liegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Rechtsprechungsgemäss
haben Beigeladene, die mit ihren Anträgen durch
dringen, Anspruch auf Ersatz der Parteikosten (BGE 109 V 62 E. 4).
Da die Auf
hebung der
rentenzusprechenden Verfügung samt Rückweisung an die Verwal
tung nicht den Anträgen der Beigeladenen entspricht, hat sie kein
en
Anspruch auf eine Prozessentschädigung.