Decision ID: 10a9dc8e-ef5c-4318-b316-5322fb610897
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1998 gebo
rene
X._
wurde im September 1998 unter Hinweis auf eine Zwillingsfrühgeburt mit mehrfachen Risiken bei der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug angemeldet (
Urk.
11/1). Die IV-Stelle sprach ihr zur Behandlung ihrer Geburtsgebrechen
(
Ziff.
494, 497, 498 und 390
GgV
Anhang
;
mit Hem
iparese rechts,
Urk.
11/4, 11/9
;
Ziff.
404
,
Urk.
11/108) medizinische Massnahmen zu (
Urk.
11/6, 11/7, 11/12, 11/43, 11/56, 11/75, 11/111, 11/126), gewährte einen Pflegebeitrag für Hilflosigkeit leichten Grades (
Urk.
11/32, 11/50) beziehungsweise ab
1.
Januar 2004 eine Entschä
di
gung für Minderjährige wegen mittlerer Hilflosigkeit (
Urk.
11/51, 11/61) und kam für die Kosten einer heilpädagogischen Früherziehung (Sonderschulmassnahme,
Urk.
11/17, 11/40) auf. Sodann leistete sie Kostengutsprache für verschiedene
The
rapiemassnahmen (Physiotherapie, Ergotherapie,
Urk.
11/54-55, 11/65, 11/76,
11/117, 11/124-125, 11/129-130; Psychotherapie, 11/98, 11/137) und Hilfsmittel (vgl. etwa
Urk.
11/82, Computersystem Mobile). Mit Verfügung vom 2
5.
Septem
ber 2014 (
Urk.
11/145) wurde die Hilflosenentschädigung auf eine solche wegen leichter Hilflosigkeit reduziert und bis Ende des 1
8.
Altersjahres befristet.
1.2
Nachdem die Versicherte die Maurerschule (Schule für cerebral gelähmte Kinder;
Urk.
11/138)
abgeschlossen
und ein 1
0.
Schuljahr besucht
hatte, gewährte ihr die IV-Stelle Kostengutsprache für die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Aus
bildung zur Schreinerpraktikerin (IV-Anlehre) bei der Stiftung
Z._
(Verfügung vom 1
4.
Januar 2015,
Urk.
11/151). Mit Mitteilung vom 1
7.
Juni 2017 erteilte sie
Kostengutsprache fü
r die Ausbildung zur Schreiner
praktikerin EBA
vom 10. August
2015 bis zum 9.
August 2017 (
Urk.
11/166
;
Urk.
11/185
)
. Diese Ausbildung schloss
X._
erfolgreich ab
(
Urk.
11/203, 11/211-212, 11/115)
.
Mit Verfügung vom
9.
März 2017 (
Urk.
11/201) verneinte die IV-Stelle einen weiteren Anspruch der Versicherten auf eine Entschädigung für Hilflosigkeit.
Ab dem 1
0.
August 2017 war die Versicherte
bei der
A._
AG
in einem bis zum
9.
August 2018 befristeten Arbeitsverhältnis
als Schreiner
praktikerin tätig, wobei die Leistungsfähigkeit gemäss Arbeitgeberin bei voller Präsenzzeit 50
%
betrage (Urk. 11/221).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Vorbescheid vom 1
2.
September 2017,
Urk.
11/217
; Einwand und
Einwandergänzung
vom 3. Oktober bzw.
2.
November 2017,
Urk.
11/218, 11/222)
verneinte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 3
0.
Januar 2018
einen Rentenanspruch
der Versicherten (
Urk.
2).
2.
Hiergegen liess
X._
am
1.
März 2018 Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine halbe Rente zuzusprechen. Eventualiter sei ihr eine zweite erstmalige Ausbildung zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerde
füh
rerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1).
Mit Beschwer
de
antwort vom
9.
April 2018 (
Urk.
10 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
11/1-229) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Be
schwer
deführerin mit Verfügung vom 1
2.
April 2018 (
Urk.
12) angezeigt wurde. Gleichzeitig wurde ihr
em
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess
füh
rung
stattgegeben
.
Mit Schreiben vom
3.
Mai 2018 (
Urk.
14) legte die Beschwer
de
führerin den unbefristeten Arbeitsvertrag mit der
A._
AG vom 2
4.
April 2018 (
Urk.
14) ins Recht, wovon die Beschwerdegegnerin in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Sie kann Folge von Geburtsge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2
.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) dafür, in einer den Einschränkungen der Beschwerdeführerin angepassten Tätigkeit be
stehe eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
. Gestützt auf die Lohnstrukturerhebung, allgemeine Hilfsarbeiten, sei die Beschwerdeführerin damit in der Lage, ein Invalideneinkommen von
Fr.
38'451.30 zu erzielen. Das
Valideneinkommen
sei gestützt auf die Lohnstrukturerhebung, Herstellu
ng von Holzwaren, mit Fr. 56'519
.10 zu beziffern, womit ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 32
%
resultiere.
2.2
Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin
insbesondere
vor (
Urk.
1), sie habe mit viel Einsatz und Durchhaltewillen gute schulische und praktische Leistungen erbracht und immer schon das Ziel, im ersten Arbeitsmarkt tätig zu sein, verfolgt. Dass hierbei keine vollständige Leistungsfähigkeit zu erreichen sein und der Lohn nicht dem GAV-Mindestlohn entsprechen würde, sei bereits im Abschlussbericht der Stiftung
Z._
,
wo
von einer maximalen Leistungsfähigkeit
von 60 - 69
%
ausgegangen
werde
,
festgehalten worden
.
Es habe sich nun ge
zeigt
, dass im
freien Arbeitsmarkt anhaltende und erhebliche Leistungsein
schrän
kung
en bestünden: innerhalb eines vollen zeitlichen Pensums könne sie nur eine Leistung von etwa 60
%
erbringen. Hinzu komme, dass sie nur sehr beschränkt einsetzbar sei, weshalb ihr Leistungslohn
betraglich einem
50%-Pensum
ent
spreche
. Dass diese Einschätzung plausibel sei, habe der
regionale ärztliche Dienst (
RAD
)
bestätigt
(S. 3).
Was das
Valideneinkommen
betreffe, so sei sie als Früh
invalide im Sinne von
Art.
26
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
zu betrachten, da sie ihre erworbenen Fachkenntnisse wirtschaftlich nicht gleichermassen verwerten könne wie andere Berufskolleginnen
; allenfalls sei auf den LSE-Lohn für den erlernten Beruf abzustellen. Schliesslich gehe es nicht an, zur Festsetzung des Invalideneinkommens auf den statistischen Lohn für Hilfs
arbeiterinnen abzustellen, habe die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin doch bei der Berufswahl begleitet und erfolgreich zur Schreinerpraktikerin EBA ausgebildet. Dass die volle Leistungsfähigkeit behinderungsbedingt nicht zu erreichen sei, habe schon lange vor Ausbildungsabschluss f
estgestanden. Mithin sei von der
konkreten beruflich-erwerblichen Situation auszugehen und auf den Lohn, den die Beschwerdeführerin
im
aktuellen Arbeitsverhä
ltnis mit einer Leis
tung von 50
% erziele, abzustellen (S. 5).
Damit resultiere ein Invaliditätsgrad von 59.3
%
(Frühinvalide) bzw. 58.6 % (LSE-Lohn Schreinerpraktikerin EBA), wo
mit Anspruch auf eine halbe Rente bestehe.
Eventualiter sei die erste Ausbil
dung als
nicht
eingliederungswirksam zu betrachten, wodurch Anspruch auf eine nochmali
ge berufliche Erstausbildung be
stünde (S. 6).
3.
3.1
3.1.1
Gemäss Arztbericht vom
2
0.
November 2011 (
Urk.
11/121) von
Dr.
med.
B._
, FMH für Kinder- und Jugen
dmedizin,
bestanden
bei
der
Beschwerde
führerin
eine spastische Hemiparese rechts mit
Hemihypotrophie
rechts (ehe
ma
lige Frühgeburt in der 3
1.
Schwangerschaftswoche mit
peri
- und neonatalen Komplikationen), ein psychoorganisches Syndrom
(POS)
, eine Teilleistungs
stö
rung in der visuellen und seriellen Merkfäh
igkeit und in der Formerfassung
sowie eine Sprachentwicklungs- und Schrifterwerbsstörung.
3.1.2
Mit Schreiben vom
1
6.
Januar 2014 (
Urk.
11/133) zu Händen der Beschwerde
gegnerin hielt
Dr.
B._
fest, die Beschwerdeführerin benötige infolge ihrer Geburtsgebrechen (Hemiparese, POS) besondere Unterstützung
zur Bewälti
gung der schulischen und zum Teil auch der Alltagsaufgaben. Die schulischen Schwierigkeiten zeigten sich hauptsächlich darin, dass die Versicherte langsamer arbeite als eine Jugendliche gleichen Alters. Seit ihrer Geburt erlebe sie sich schwächer und langsamer als ihre Geschwister und Mitschüler. Sie habe da
her kein gutes Selbstwertgefühl
entwickelt, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit seien geschwächt
, was im Sinne einer depressiven Entwicklung zu sehen sei. Die Beschwerdeführerin sei intelligent und benötige eine Ausbildung, die sie einerseits intellektuell fordere, andererseits aber ihre
n
Schwierigkeiten gerecht werde. Seit Dezember 2014 erhalte sie einmal wöchentlich psychotherapeutische Begleitung mit dem Ziel, die POS-Symptomatik zu verringern.
3.1.3
Dr.
med.
C._
, Facharzt Allgemeine Medizin, manuelle Medizin SAMM, seit April 2013 behandelnder Arzt
der Beschwerdeführerin
, nannte mit am
3.
Juli 2017 bei der Beschwerdegegnerin eingegangenem Bericht (
Urk.
11/207) die Diag
nose einer spastischen Hemiparese. Er hielt fest, es bestünden Restbeschwerden bei Status nach spastischer Hemiparese rechts sowie Teilleistungsstörungen in der visuellen und seriellen Merkfähigkeit. In prognostischer Hinsicht sei mit einer fortbestehenden Teilbehinderung zu rechnen. Die Beschwerdeführerin absolviere eine Lehre als Schreinerpraktikerin und stehe aktuell in einem Praktikum, wofür eine vollständige Arbeitsfähigkeit gegeben sei. Demgegenüber sei auf dem freien Arbeitsmarkt nur mit einer maximalen Arbeitsfähigkeit von ungefähr 60
%
zu
rechnen (
Urk.
11/207/3).
Hinsichtlich behinderungsangepasste
r
Tätigkeiten erach
tete
Dr.
C._
eine rein sitzende Tätigkeit ganztags für zumutbar, während die Leistung einem Umfang von 70
%
entsprechen dürfte. Bei rein stehenden Tätigkeiten sei von einer Leistungsfähigkeit von etwa 50 bis 60
%
, bei wechsel
belastende
r
Beschäftigung von einer solchen von ungefähr 60
%
auszugehen (
Urk.
11/207/5).
3.2
3.2.1
Mit Bericht vom
2.
Juni 2015 (
Urk.
11/159) empfahl die Stiftung
Z._
,
die Aus
bildung
der Beschwerdeführerin
zur Schreiner
praktikerin
(IV-Anlehre) in eine EBA-Ausbildung umzuwandeln. Der Beschwerdeführerin würden zwar verschie
dene Arbeiten schwerfallen, sie finde aber immer wieder neue Lösungswege und Techniken, um die Einschränkungen ihrer rechten Hand zu kompensieren. Der durchgeführte Multicheck bestätige das angestrebte Niveau.
3.2.2
Am
7.
Januar 2016 wurde
von den Ausbildern der Stiftung
Z._
berichtet (Urk.
11/174), die Beschwerdeführerin habe die Zwischenziele erreichen können. Sie sei interessiert und verfüge über eine rasche Auffassungsgabe. Intellektuell sei sie den Herausforderungen der Ausbildung längstens gewachsen,
in der Be
rufs
schule erbringe sie gute Leistungen. A
uch im Arbeiten mit den Händen mache sie Fortschritt
e
.
3.2.3
Aus dem Zwischenbericht
der Stiftung
Z._
vom 2
4.
November
2016 (
Urk.
11/
194) ergibt sich, dass die beruflichen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin dem Ausbildungsstand entsprächen; ihre Leistungsfähigkeit und Effizienz seien genügend. Sie besitze sehr gute kreative Fähigkeiten im Gestalten und Malen von Figuren. Einzelne Teilbereiche der Berufsschule (Fachrechnen) würden ihr aber Mühe bereiten.
3.2.4
Über das externe Praktikum in der
A._
AG wurde am
8.
Februar 2017 (
Urk.
11/200) festgehalten,
das fachliche
Wissen und Können der Beschwerdeführerin entspreche einem guten Ausbildungsstand. Ihre
momentane Leistungsfähigkeit betrage 60 bis 70
%
bei vergleichbarem Ausbildungsstand EFZ.
Durch ihre einseitige körperliche Einschränkung an der Hand sei die Be
schwerdeführerin eingeschränkt und brauche für gewisse Arbeiten einen höher
e
n Zeitbedarf oder Unterstützung durch eine Zweitperson (z.B. körperlich
sch
were Arbeiten, Tragen von Möbeln etc.).
Der
Lohn, welchen der Einsat
zbetrieb ein
setzen würde, wurde auf
Fr.
3'000.-- be
ziffer
t.
3.2.5
Gemäss
Abschlussbericht
der Stiftung
Z._
vom
8.
Juni 2017 (
Urk.
11/203) über die von August 2015 bis zum August 2017 da
uernde Ausbildung zur Schreiner
praktikerin EBA
verfügt die Beschwerdeführerin über eine Leistungsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt von 60
bis
69
%
bei vergleichbarem Ausbildungsstand. Ihr fachliches Wissen und Können entspreche einem guten Ausbildungsstand. Sie bleibe aber wegen der einseitigen körperlichen Einschränkung handicapiert und werde für gewisse Arbeiten immer einen grösseren Zeitaufwand benötigen oder die Unterstützung durch eine andere Person beanspruchen müssen.
Eine Ein
schätzung betreffend
Lohn sei derzeit nicht möglich
; der Mindestlohn auf dem ersten Arbeitsmarkt werde aber nicht erreicht werden können.
3.2.6
Die
A._
AG, Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin
seit 1
0.
August 2017
(vgl.
Urk.
11/221,
Urk.
14)
,
erklärte mit Schreiben vom 27.
Oktober 2017 (
Urk.
11/221), die Beschwerdeführerin
benötige
für die Ausfüh
rung
sämtlicher ihr möglichen Tätigkeiten
deutlich länger
als Mitarbeitende ohne Beeinträchtigung. Für gewisse Arbeiten benötige sie zudem eine Unterstützungs
person. Bei einem zeitlichen Vollpensum erbringe die Beschwerdeführerin damit eine Leistung von ungefähr 60
%
. Weil sie aber nicht alle anfallenden Tätigkeiten ausführen
könne
und somit nur beschränkt einsetzbar sei, könne bei voller Prä
senzzeit nur ein Leistungslohn von 50
%
gemäss GAV-Mindestlohn ausgerichtet werden.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin hat sich mit hoher Motivation und Leistungswillen erfolgreich zur Schreinerpraktikerin EBA ausbilden lassen und ist
inzwischen
auf dem ersten Arbeitsmarkt im erlernten Beruf arbeitstätig, wobei der anfänglich befristete Arbeitsvertrag (
Urk.
11/221) durch einen unbefristeten abgelöst worden ist (
Urk.
14).
Während die Beschwerdegegnerin unter Hinweis darauf, dass in an
gepassten Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
bestehe, einen Renten
an
spruch verneinte (E. 2.1), geht die Beschwerdeführerin von einer erfolgreichen Ein
gliederung und vollständi
gen
Ausschöpfung ihrer Restarbeitsfähigkeit
und damit von einer bleiben
den Leistungsunfähigkeit von 50
%
aus (E. 2.2).
Ob
die Beschwerdeführerin
mit ihrer Tätigkeit bei der
A._
AG ihre Restarbeitsfä
higkeit vollständig ausschöpft und damit
- wie
sie vorbringen lässt
(E. 2.2) -
zur Bemessung des Invalideneinkommens auf ihre konkrete beruflich-erwerbliche Situation abzustellen ist, kann, wie nachfolgend
auf
gezeigt, nicht abschliessend
beurteilt
werden.
Zwar
trifft
es
zu (E. 2.2), dass
der
RAD
eine
Leistungsfähigkeit
der Beschwer
deführerin
von 50
%
in der körper
lich anspruchsvollen Tätigkeit
beim derzeitigen Arbeitgeber
als plausibel erachtete
(
Stellungnahme vom
8.
Dezember 2017,
Urk.
11/225/3). Demgegenüber war nicht nur im Abschlussbericht der Stiftung
Z._
(E. 3.2.5), sondern auch im Bericht
über das externe Praktikum (E.
3.2.4), welcher
Abbild der
Erfahrungen im gut zweimonatigen Praktikum beim nach
maligen Arbeitgeber
war,
eine Leistungsfähigkeit von 60
bis
70 (69)
%
im erst
en Arbeitsmarkt genannt worden.
Nachdem das fachliche Wissen und Können der Beschwerdeführerin als
einem guten Ausbildungsstand entsprechend bezeichnet
worden und ein grösserer Zeitaufwand bei der Ausführung ihr übertragener Arbei
ten aufgrund ihrer körperlichen Einschränkung
bereits im Erstellungs
zeit
punkt der genannten Berichte
vorhersehbar gewesen war (E. 3.2.4, E. 3.2.5), ist es nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, w
eshalb nun
die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
- bei augenscheinlich unveränderten Verhältnissen
–
nun
mehr 50
%
betragen soll (E.
3.2.6). Hinzu kommt, dass der Einsatzbetrieb im Februar 20
17 einen möglichen Lohn mit Fr.
3'000.-- bezifferte (E. 3.2.4), derselbe Betrieb ein halbes Jahr später
allerdings
einen Leistungslohn von
Fr.
1'800.--
nannte
und
auch
ausbezahlt
(v
gl.
Urk.
11/2
21,
Urk.
14
, 9/1
).
Dass - wie im Ab
schlussbericht festgehalten (E. 3.2.5) - die Beschwerdeführerin auf dem ersten Arbeitsmarkt den Mindestlohn nicht erreichen werde, ist angesichts ihrer
durch
die körperlichen Einschränkungen
verminderten Leistungsfähigkeit schlüssig
, ver
mag aber
an den vorgenannten
Unstimmigkeiten
nichts zu ändern.
Aufgrund der vorliegenden Aktenlage ist folglich nicht beurteilbar, ob sich zwischenzeitlich eine relevante gesundheitliche oder erwerbliche Veränderung zugetragen hat oder ob für
die von den Ausbildungs
berichten abweichende Einschätzung des derzei
tigen Arbeitgebers andere Gründe verantwortlich zu machen sind.
Zur Leistungs
beurteilung kann damit nicht auf diese Berichte abgestellt werden.
4.2
Sodann
fehlt es an detaillierten Angaben darüber, welche
n
Anforderungen die Beschwerdeführerin in der aktuell ausgeübten Beschäftigung zu
genügen
hat.
Mithin lässt sich auch nicht gestützt auf die ärztliche
Leistungseinschätzung durch
Dr.
C._
beurteilen, inwieweit der Beschwerdeführerin ihre erlernte
beziehungsweise derzeitige
Tätigkeit
aus medizinischer Sicht
zumutbar ist.
Der Beurteilung von
Dr.
C._
folgend wäre in einer rein sitzenden Tätigkeit die höchste Leistungsfähigkeit von etwa 70
%
zu erwarten, währenddessen mit
allen anderen Leistungsprofilen höhere Einschränkungen zu
Tage treten
(E. 3.1.3,
Urk.
11/207/5).
Angesichts dessen, dass
einerseits
insbesondere bei handwerk
liche
n
Arbeiten den motorischen Einschränkungen der Beschwerdeführerin ver
mehrt Gewicht beizumessen ist (vgl.
Urk.
11/152/3),
sie anderseits aber auch an kognitiven Einschränkungen
zu leiden scheint
(E. 3.1.3),
bleibt unklar, ob in einer anderen,
allenfalls auch rein sitzenden
Tätigkeit eine bessere - auch mit Blick auf
die
lange
Dauer der
ihr noch bevorstehenden
Erwerbsphase
- Eingliederung zu erreichen wäre.
Zur abschliessenden Beantwortung dieser Frage
ist
vorab fach
ärztlich abzuklären, ob beziehungsweise inwieweit die Beschwerdeführerin
an relevanten
kognitiv
en oder psychi
schen
Einschränkungen leidet (vgl. E. 3.1.3; vgl. aber auch etwa E. 3.1.2, wonach die Beschwerdeführerin intelligent sei und eine intellektuell fordernde Ausbildung brauche;
Urk.
11/165, wonach die Be
schwer
deführerin über eine gute Auffassungsgabe verfüge).
Ebenso
sind ergän
zende Abklärungen hinsichtlich somatischer Beeinträchtigungen und
gegebenen
falls betreffend Geeignetheit
der erlernten Tätigkeit unumgänglich.
4.3
Zusammenfassend ist festzuhalten,
dass
die Abklärungen der Beschwerde
geg
nerin zur
Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin nicht zu genügen vermögen.
Die Beschwerdegegnerin hat insbesondere fachärztlich - vorzugsweise polydiszi
plinär - abzuklären, welche Tätigkeiten der Beschwerdeführerin (auf Dauer) zu
mut
bar sind und in welcher Höhe Leistungseinschränkungen zu gewärtigen sind. Sollten die ergänzenden Unter
suchungen zur Einsicht führen, dass noch Möglich
keiten zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
bestehen, so hat die Beschwerdegegnerin
weitere,
geeignete (berufliche) Massnahmen an die Hand zu nehmen. Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle darauf hin
zuweisen, dass berufliche Neigungen der versicherten Person zwar zu berück
sichtigen, für die Zumutbarkeit einer geeigneten Tätigkeit jedoch nicht ausschlag
gebend sind (ZAK 1973 S. 574).
4.4
Nach dem Dargelegten beruht die angefochtene Verfügung auf einem unvoll
stän
dig abgeklärten Sachverhalt. Sie ist daher aufzuheben und die Sache zu weiteren medizinischen -
und allenfalls auch beruflich-erwerblichen
- Abklärungen und anschliessendem Neuentscheid an die Verwaltung zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind
gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG auf Fr. 6
00.--
festzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Beschwerde
geg
nerin aufzuerlegen sind.
5.2
Der Beschwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu
. Diese ist
vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen
festzusetzen
(§ 34 Abs. 1 und 3 des
Gesetz
es über das Sozialversicherungs
gericht,
GSVGer
)
. In Anwendung dieser Kriterien ist die
Prozessentschädigung
vorliegend
mit Fr. 1’2
00.--
(inkl. Bar
auslagen und
MWSt
)
zu bemessen und der Beschwer
de
gegnerin aufzuerlegen
.