Decision ID: 28488ba6-6755-47d9-ad2b-85ca065d4577
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1976
,
war seit seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 2009 (vgl. Urk. 13/7) in verschiedenen temporären Anstellungen tätig und zwischenzeitlich mehrfach arbeitslos (vgl. Auszug aus dem individuellen Konto; IK-Auszug, Urk. 13/4). Unter Hinweis auf eine seit einem Sturz von einem Baum bestehende spongiöse
Stauchungsfraktur der rechten Ferse meldete er sich am 15. Oktober 2015 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 13/2 Ziff. 6.2-3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche
Situa
tion ab und holte bei der
Y._
ein
bi
diszip
linäres Gutachten ein, das am 25. November 2016 erstattet wurde (Urk. 13/49
).
Nach durchgeführtem V
orbescheidverfahren (Urk. 13/52; Urk. 13/54
) verneinte di
e IV-Stelle mit Verfügung vom 12. Mai 2017
einen
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 13/67
=
Urk.
2)
.
2.
Der Versicherte erhob am 12. Juni 2017
Beschwerde gegen die Verfügung vom
12. Mai 2017
(
Urk.
2) und beantragte,
es sei ihm eine ganze Invalidenrente aus
zurichten. Eventuell sei die Sache zur weiteren Abklärung zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2
).
Am 16. Juni 2017 (Urk. 5) reichte der Beschwerdeführer weitere medizini
sche Berichte (Urk. 6/1-2) ein, welche der Beschwerdegegnerin am 19. Juni 2017 zur Kenntnis gebracht wurden (Urk. 7). Am 11. Juli 2017 (Urk. 9) reichte der Be
schwerdeführer erneut medizinische Berichte beziehungsweise ärztliche Zeug
nisse (Urk. 11/2-5) ein.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7. August 2017
(
Urk. 12
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
18. Oktober 2017
wurden antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort
sowie der Beschwerdegegnerin die Eingaben des Beschwerdeführers vom 11. Juli 2017
zugestellt (
Urk. 14
).
Erneut reichte der Beschwerdeführer mit Eingaben vom 31. Oktober und vom 7. November 2017 (Urk. 17, Urk. 19) weitere medizinische Berichte (Urk. 18/1 und Urk. 20) ein sowie persönlich beim hiesigen Gericht verschiedene bereits bekannte oder nicht mit dem hiesigen Verfahren in Zusammenhang stehende Dokumente (Urk. 21, Urk. 22/1-2). Am 20. November 2017 wurde ein Brief betreffend den Stand des Verfahrens versandt (Urk. 23). Der Beschwerdeführer reichte in der Folge erneut verschiedene bereits bekannte oder nicht das vorliegende Verfahren betreffende Dokumente persönlich direkt beim Gericht ein (Urk. 24/1-4, Urk. 25/1-2).
Mit Gerichtsverfügung vom 17. Mai 2018 (Urk. 26) wurden dem psychiatrischen Gutachter des Y._, Prof. Dr. med. Z._, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie und für Neurologie, zwei nachträglich vom Beschwer
deführer eingereichte medizinische Berichte (Urk. 6/1, Urk. 20) zur Stellung
nahme zugestellt. Am 9. Juni 2018 reichte Prof. Z._ seine Stellungnahme (Urk. 28) ein,
welche den Parteien am 1
4.
Juni 2018 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (
Urk.
29).
Am 15. Juni 2018 reichte Prof. Z._ seine Honorarnote für die Stellungnahme (Urk. 30) ein.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In je
dem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit un
abhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfas
sen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unter
scheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der sozio
kul
tu
rellen Be
lastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
stän
digte psy
chische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hin
rei
chende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invali
di
sierender psychischer Ge
sundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
tels
rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (Urk. 2) damit, dass gemäss dem Gutachten keine Diagnosen ausgewiesen seien, die sich auf die Arbeitsfä
higkeit des Beschwerdeführers auswirkten. Auch die vorhandenen psychosozialen Probleme (Sprachbarriere, Arbeitslosigkeit, Aufenthaltsbewilligung, Trennung) begründeten keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung. Den am 5. April 2017 eingereichten Arztberichten liessen sich keine neuen, noch nicht berücksichtigten Fakten entnehmen (S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (Urk. 1) geltend, er habe am 27. März 2015 einen Arbeitsunfall erlitten, indem er aus zwei Metern Höhe vom Baum gefallen sei und sich eine rechtsseitige Stauchungsfraktur zuge
zogen habe. Seither leide er an invalidisierenden Fussschmerzen, einer depressi
ven Episode mit psychotischen Symptomen und einer Agoraphobie. Er sei als Gärtner nicht mehr arbeitsfähig. Auf das Gutachten des Y._ könne nicht abge
stellt werde, da keine radiologische Untersuchung erfolgt und er hierzu auch nicht aufgefordert worden sei. Es sei auf die Einschätzung der behandelnden Ärzte ab
zustellen und überdies ein Leidensabzug von 25 % zu gewähren (S. 4 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invali
denrente.
3.
3.1
Die Ärzte des A._ nannten in ihrem Bericht vom
2
4. Juni 2015 (Urk. 13/19/23-24) als Diagnose eine s
pongiöse Stauchungsfraktur des Tuber calcanei
rechts vom 10. Mai 2015.
Der Patient habe sich ursprünglich während der Arbeit als Gärtner bei einem Sturz vom Baum aus zwei Metern Höhe die obige Fraktur zugezogen. Erst einen Monat später habe er sich auf der Notfallstation mit persistierenden Schmerzen in der Fersengegend bei Belastung vorgestellt. Hierbei habe sich obige Diagnose gezeigt, und es sei eine MRI zur Frakturbilanzierung und Bilanzierung von mög
lichen Begleitverletzungen organisiert worden.
Ebenfalls sei letztmalig entschie
den worden, eine Stockentlastung mi
t
15 kg Teilbelastung durchzuführen sowie einen VACOped zu tragen. Der Patient habe sich heute ohne Gehstöcke und ohne VACOped in der Sprechstunde vorgestellt
. Der Beschwerdeführer arbeite als Gärt
ner. Vom 2. Juni bis 16. August 2015 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 1).
3.2
Die Ärzte des A._ nannten in ihrem Bericht vom 28. August 2015 (Urk. 13/19/21-22) erneut die Diagnose einer spongiösen Stauchungsfraktur des Tuber calcanei rechts vom 10. Mai 2015 (S. 1 Mitte).
Der Patient habe sich etwas mehr als drei Monate posttraumatisch zur klinischen Verlaufskontrolle vorgestellt. Er habe berichtet, im Alltag keine Schmerzen beim Gehen zu haben und normal gehen zu können. Nach etwa einem Kilometer schmerze die Ferse wenig, er sei jedoch mit dem Verlauf zufrieden
. Er sei derzeit arbeitslos und müsse aufgrund des Sozialamtes im Wald arbeiten. Die Ärzte führ
ten aus, es zeige sich ein regulärer Verlauf bei konservativ therapierter, undislo
zierter Calcaneusfraktur. Der Fall in ihrem Sprechstundenzentrum werde entspre
chend abgeschlossen (S. 1 unten).
3.3
Die Ärzte des A._ stellten in ihrem Bericht vom 19. Oktober 2015 (Urk. 13/11/1
2) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Fasziitis plantaris Fuss rechts
-
konsolidierte spongiöse Stauchungsfraktur des Tuber calcanei rechts vom 2
2.
April 2015
Die Ärzte führten aus, sie hätten den Beschwerdeführer am 12. Oktober 2015
in der unfallchirurgischen Sprechstunde gesehen. Die Aufnahme der Physiotherapie habe seit der Verordnung vor zehn Tagen nicht stattgefunden, und das Rezept für die fersenaussparende Schuhversorgung habe d
er Patient nicht eingelöst
sowie die verordnete Analgesie nicht in der Apotheke bezogen
. Er begründe dies mit einer Unklarheit über den Verlauf nach letztmaliger Konsultation. Er wisse nicht, wo die Physiotherapie durchzuführen sei, zudem müsse er für die entsprechenden Bezüge in der Apotheke respektive beim Orthopädietechniker selber aufkommen, was ihm aufgrund von Arbeitslosigkeit nicht möglich sei.
Des Weiteren brauche er ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis bis Ende Monat.
Einen genauen Grund für die Zeit bis Ende Monat habe er nicht angeben können (S. 1).
Die Ärzte führten aus, der genaue Grund für die Wiedervorstellung sei nicht ein
deutig klar. Es liege vielleicht auch eine Sprachbarriere vor. Den genauen Ablauf der vorgeschlagenen Therapie, die Wichtigkeit der entsprechenden Schritte sowie das Krankenversicherungssystem seien dem Patienten erklärt worden. Die ent
sprechend gewünschten Unterlagen wie die Röntgenbilder seien ihm ausgehän
digt worden.
Auf Wunsch des Patienten sei die 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1
3.
bis 1
5.
Oktober 2015 (geplante Vorstellung in der hausärztlichen Sprech
stunde) verlängert worden
. Eine längere Arbeitsunfähigkeit sei ohne die Durch
führung der vorgeschlagenen Therapien vorerst nicht zu genehmigen. Sollte sich trotz der empfohlenen Therapien eine Beschwerdepersistenz zeigen, wäre die In
filtration der Plantarfaszie zu diskutieren (S. 2).
3.4
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
C._, stellte in seinem
Bericht vom 3
0.
November 2015
(Urk. 13/8) fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Fussschmerzen rechts
-
Status nach spongiöser Stauchungsfraktur Tuber Calcanei rechts am 10. Mai 2015 (
gemäss Bericht
A._
Traumatologie vom
2.
Juni 2016, gemäss Patient Unfalldatum am 2
7.
März 2015
)
-
Verdacht auf schwere
Aggravierung,
Differenzialdiagnose Somatisie
rungsstörung
-
depressive Störung, mittelgradige Episode
-
fragliche weitere psychiatrische Diagnosen (aktuell in fachärztlicher Abklärung)
Dr. B._ führte aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 15. Oktober 2015 bei ihm in Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am 28. November 2015 erfolgt (Ziff. 1.2).
Auf Drängen des Patienten seien ihm zu Handen des Sozialamtes Ar
beitsunfähigkeitszeugnisse zu 100
%
für eine Tätigkeit im Gehen oder im Stehen ausgestellt worden (
Ziff.
1.6).
Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er seit dem
Unfall Schmerzen am rechten Fuss
habe
und nicht mehr auftreten
könne
. Diese Angaben stünden im Gegensatz zum Bericht der Chirurgie des
A._
vom 2
8.
August
2015, wo festge
halten worden sei, dass er keine Schmerzen mehr gehabt habe und norma
l habe gehen können. Klinisch seien
unauffällige Befunde beschrieben
worden
sowie ein regulärer Verlauf bei konservativ therapierter undislozierter Calcaneusfraktur.
Dr. B._
führte aus, es habe sich ein am Unterarmstock gehender, hinkender, kräftiger Mann gezeigt, der den rechten Fuss kaum aufstütze. Der Fuss sei inspek
torisch unauffällig gewesen ohne Schwellungen
und ohne trophische Störungen
(
Ziff.
1.4).
Dr. B._
hielt fest, er müsse darauf hinweisen, dass es sich hier um eine selt
same «Geschichte» handle. Es bestünden sehr widersprüchliche Angaben in der Anamnese und die Ursache der Fussschmerzen sei nicht nachvollziehbar
.
Es be
stehe der Eindruck einer massiven Aggravierung. Die soziale Situation beim Mig
ranten aus Griechenland, der möglicherweise seine Aufenthaltsbewilligung ver
liere, wenn er keine Arbeitsstelle habe respektive kein Arbeitsunfähigkeitszeugnis vorweisen könne, sei belastend.
Die aktuelle Situation sei zu unklar für das Ausfüllen des Zusatzblattes. Er sei grundsätzlich der Meinung, dass langfristig aus somatischen Gründen alle Arbei
ten möglich sein sollten. Bezüglich der psychischen Situation könne er keine Stellung nehmen (Ziff. 1.11).
3.5
Med. pract. D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte in seinem Bericht vom
1
0. Dezember 2015 (Urk. 13/10/1) aus, der Beschwerdeführer befinde sich
seit dem 2
6.
November 2015 in regelmässiger ambulant-psychiatri
scher Behandlung.
Er sei aktuell zu 100 % arbeitsunfähig. Diagnostisch handle es sich um eine depressive Episode mit psychotischen Symptomen, eine Agorapho
bie sowie einen Zustand nach Stauchungsfraktur Tuber Calcanei rechts mit Gangstörung.
Im Befund zeige der Patient eine Deprimiertheit, Befürchtungen, die Wohnung zu verlassen und in Menschenmengen und auf öffentlichen Plätzen zu sein, allein mit Bahn oder Bus zu reisen, sowie psychotische Symptome (zum Beispiel einen Verfolgungs- und Beeinträchtigungswahn).
Aus diesem Grund sei der Beschwerdeführer auf eine regelmässige therapeutische und medikamentöse
Behandlung angewiesen. Wann die Behandlung abgeschlos
sen werden, könne noch nicht explizit beantwortet werden. Die Anwesenheit des Patienten in der Schweiz während der Behandlung sei aus ärztlicher Sicht erfor
derlich
. Hier könne er bei dieser Diagnose optimal behandelt werden.
3.6
Dr. med. E._, Oberärztin, A._, stellten in ihrem Bericht vom
2
1.
Januar 2016 (
Urk.
13/1
9/17-18) folgende Diagnose (S. 1):
-
persistierender Fersenschmerz Fuss rechts, Differenzialdiagnose postresi
duell bei Stauchungsfraktur Tuber calcanei, begleitende Fasziitis plantaris mit/bei
-
Status nach direktem axialem Stauchungstrauma (Sturz vom Baum) am 27. März 2015
-
Status nach direktem Anpralltrauma und Sturz auf der Treppe am 22. April 2015 mit klinisch retrospektiv Zuzug der spongiösen Stau
chungsfraktur Tuber calcanei
-
radiologisch Nachweis einer spongiösen Stauchungsfraktur Tuber calcanei rechts erstmalig am 10. Mai 2015
Dr.
E._
führte aus, sie habe den Beschwerdeführer am 12. Janu
ar 2016 in der Fusssprechstunde
gesehen (S. 1). Die von ihm beschriebenen Be
schwerden seien für sie
nicht eindeutig erklärbar
und ihres Erachtens auch nicht mehr im Zusammenhang mit der spongiösen Stauchungsfraktur zu erklären.
Auf eine erneute Bildgebung mittels konventionellem Röntgen sei verzichtet wor
den, da bei der letztmaligen Kontrolle am 2
3.
November 2015 die spongiöse Frak
tur eigentlich nicht mehr nachweisbar und der Calcaneus geheilt gewesen sei
. Um dem Patienten objektive Befunde präsentieren zu können und auch für einen weiteren Gewinn an Informationen, habe sie sich
entschieden
,
eine MRI-Ver
laufs
kontrolle
durchzuführen.
Ihrerseits sei derzeit keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden.
Dr. E._ führte aus, rein klinisch hätten sich eine gerade Rück
fussachse und inspektorisch keine relevante Hämatomverfärbung oder Schwel
lung gezeigt. Für sie entscheidend sei, dass sich auch
keine wesentliche Atrophie der Wadenmuskulatur gezeigt habe
. Es bestehe nach wie vor eine hauptsächliche Druckdolenz direkt über dem Tuber calcanei, teilweise aber auch im medialen calcanearen Ansatzbereich (S. 2 Mitte).
3.7
Med
.
pract. D._ führte in seinem Bericht vom 3. Mai 2016 (Urk. 13/19/14) aus, der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 16. November 2015 bei ihm in Be
handlung. Diagnostisch handle es sich um eine depressive Störung mit psychoti
scher Symptomatik sowie um eine Agoraphobie mit Panik.
Vom 2
2.
März bis
5.
April 2016 sei er daher stationär im
F._
im
G._ behandelt wor
den. Unter medikamentöser Therapie und therapeutischen Bemühungen habe der Beschwerdeführer aktuell
eine Verbesserung seiner Stimmungslage mit der Ab
nahme der paranoiden Inhalte gezeigt
.
Weiter bestünden bei ihm eine Agorapho
bie mit Panik.
Diese Störung zeige sich durch Befürchtungen
,
Geschäfte und öffentliche Gebäude zu betreten sowie in Menschenmengen zu sein. Der Patient neige dazu
,
die phobische Situation zu vermeiden, um weniger Angst zu erleben. Er sei aus diesem Grund aktuell zu 50
%
arbeitsunfähig
.
3.8
Med. pract. H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
stellte in sei
nem Bericht vom 9. Mai 2016 (Urk. 13/19/6-11) folgende Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
invalidisierende Fussschmerzen rechts
-
Status nach spongiöser Stauchungsfraktur des Tuber calcanei rechts vom 22. April 2015 (in diversen Berichten vom A._ seien verschiede
nen Unfalldaten angegeben, zum Teil auch 10. Mai 2015)
-
persistierende Fussschmerzen rechts, Differenzialdiagnose postresiduell bei Stauchungsfraktur Tuber calcanei, begleitende Fasziitis plantaris mit/bei
-
Status nach direktem axialem Stauchungstrauma (Sturz vom Baum) am 27. März 2015
-
radiologisch Nachweis einer spongiösen Stauchungsfraktur Tuber calcanei rechts, erstmalig am 10. Mai 2015
-
depressive Episode mit psychotischen Symptomen
-
Agoraphobie
Med. pract. H._ führte aus, der Patient sei seit dem 9. Dezember 2015 bei ihm in Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am 6. Mai 2016 erfolgt (Ziff. 1.2).
Er habe dem Patienten keine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Für den Beruf als Gärtner betrage die Arbeitsunfähigkeit schätzungsweise 100
%
. Für eine leichte, angepasste Tätigkeit wäre der Patient zu 50
%
arbeitsfähig.
Dr. H._
führte aus, er verweise auf das Schreiben des behandelnden Psychiaters (
Ziff. 1.6).
Dr. H._ führte aus, anlässlich der Konsultation am A._ am 21. Januar 2016 habe der behandelnde
Arzt ein neues MRI vorgeschlagen. Der Beschwerdeführer habe diese Untersuchung abgelehnt, was unverständlich sei
. Diese Untersuchung wäre für weitere Abklärungen sehr wichtig gewesen. Daraufhin habe der Patient den Kontakt zur Klinik abgebrochen
. Der Patient befinde sich ausserdem in
schwierigen
psychosozialen Verhältnissen und habe keine gültige Niederlas
sungsbewilligung
(Ziff. 1.4).
3.9
Med. pract. D._ stellte in seinem undatierten, am 17. Mai 2016 bei der Beschwer
degegnerin eingegangenen Bericht (Urk. 13/20) folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2):
-
mittelgradige depressive Episode, ICD-10 F32.1
-
Agoraphobie ICD-10 F40.0
-
Zustand nach Fraktur Tuber calcanei rechts am 10. Mai 2015.
Med. pract. D._ führte aus, es bestünden eine deprimierte Stimmungslage, ein Energieverlust, kognitive Einschränkungen und eine Gangstörung (Ziff. 1.3).
In einer Tätigkeit ohne körperliche Belastung bestehe eine mögliche Arbeitsfä
higkeit von 50 % (Ziff. 2.1). Es finde alle zwei Wochen eine Psychotherapie statt, und der Beschwerdeführer werde medikamentös behandelt. Die letzte Kontrolle sei am 12. Mai 2016 erfolgt (Ziff. 3.1) Die Prognose sei günstig (Ziff. 3.3).
3.10
Die Ärztinnen der I._
führten in ihrem Austrittsbericht vom
8.
Juni
2016 (
Urk. 6/1) zur integrativen Diagnose aus, dass beim 40-jährigen, aus Griechen
land stammenden Mann aktuell eine
schwere depressive Störung im Zusammen
hang mit psychosozialer Belastung und Überforderung bestehe.
Der Klassifikation nach ICD-10 folgend nannten sie als Diagnose eine
schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen, Differenzialdiagnose: Wahnhafte Störun
g (ICD-10 F32.3).
Die Ärztinnen führten aus, der Beschwerdeführer sei
vom 2
2.
März bis
4.
April 2016
in der Klinik gewesen. Der Eintritt sei freiwillig zur Krisenintervention durch Zuweisung von med. pract. D._ aufgrund von seit etwa zwei Wochen zuneh
mender depressiver Symptomatik (gedrückte Stimmungslage, Energieverlust, in
nere Unruhe, Schlafstörungen) erfolgt.
Der Patient habe über die
sozialen Belastungssituationen und die zusätzlichen
ängstlichen paranoiden Wahnideen berichtet, indem er sich von einer Person aus der Türkei verfolgt fühle und Angst habe, von dieser vergiftet zu werden, weshalb er seine Wohnung nicht mehr verlassen könne. Er sei seit 2009 in der Schweiz und zuletzt als Gärtner tätig gewesen. Im Jahr 2011 habe er eine Frau aus Äthi
opien geheiratete und habe mit ihr zusammen einen vierjährigen Sohn. Seine Frau sei nach einem Arbeitsunfall mit dem Sohn nach Äthiopien zurückgekehrt (S. 1). Er sei seit seinem Arbeitsunfall seit dem Sommer 2015 arbeitslos.
Zum Psychostatus führten die Ärztinnen aus, der Patient
sei bewusstseinsklar, zeitlich, örtlich, situativ und zur eigenen Person voll orientiert. Im Kontakt sei er kooperativ, freundlich und angepasst. Aufmerksamkeit und Konzentration seinen reduziert.
Im
formalen Gedankengang sei er eingeengt auf seine sozialen Prob
leme.
Inhaltliche Gedanken seien Vergiftungs- und fragliche Verfolgungswahn
ideen. Im affektiven Bereich bestehe eine niedergestimmte depressive Stim
mungslage mit Spannung sowie Ängste vor der türkischen Person, die ihn töten wolle. Es bestünden Ein- und Durchschlafstörungen.
Die Ärztinnen führten aus, bei unklarer finanzieller Situation, sei der Beschwer
deführer motiviert worden, diese mit dem Sozialdienst zu besprechen. Während der Behandlung seien in erster Linie die Probleme thematisiert und gemeinsame Ziele vereinbart worden. Nach einem gut verlaufenden Wochenendurlaub und bei fehlenden Hinweisen auf Selbst- und Fremdgefährdung, sei der Patient nach Hause entlassen worden (S. 2).
3.11
3.11.1
Am 25. November 2016 erstatteten Prof. Z._ und Dr. med. J._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappara
tes, Y._, das von der Beschwerdegegnerin veranlasste bidisziplinäre Gutachten (Urk. 13/49).
Die Gutachter konnten aus
bidisziplinärer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit nennen
(S. 2)
.
Als bidisziplinäre Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine Plantarfasziitis rechts, einen pes cavus beidseits, eine knöchern konsolidierte ehemalige nicht dislozierte Tuber calcanei Fraktur Typ Sanders I rechts, anamnestisch eine Agoraphobie (ICD-10 F40) sowie eine remittierte depressive Episode (ICD-10 F32.4).
Weiter lä
gen multiple psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren mit/bei Schwierigkeiten
in der kulturellen Eingewöhnung (Sprachbarriere), Prob
lemen in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit, Problemen in Ver
bindung mit ökonomischen Verhältnissen, Alleinleben, sonstige näher bezeich
nete Probleme mit der sozialen Umgebung (abgelaufene Niederlassungsbewilli
gung L), Probleme
in der Beziehung zum Ehepartner (Trennung), vor (S. 2).
Die Gutachter führten zusammenfassend zur Arbeitsfähigkeit aus, aus psychiat
rischer Sicht ergäben sich Hinweise auf Inkonsistenzen und der Verdacht auf eine Aggravation sei zu äussern
. Zudem stünden derzeit motivationale Gründe zur Aufnahme einer Hilfsarbeit der beruflichen Wiedereingliederung im Wege
. In der Abgrenzung der Funktionseinschränkungen, welche auf Gesundheitsschäden zu
rückzuführen seien, von solchen, die als IV-fremd einzustufen seien, dominierten eindeutig krankheitsfremde, psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfakto
ren das Bild.
Aufgrund der
zahlreichen invaliditätsfremden Faktoren könnten keine invaliden
versicherungsrelevanten handicapierenden Fähigkeitsstörungen beschrieben wer
den,
die eindeutig auf krankheitsrelevante Faktoren zurückzuführen wären und welche eine mittel- und langfristige Arbeitsunfähigkeit von 20 % und mehr be
gründen könnten (S. 3 oben).
Aus
orthopädischer Sicht
seien nach eingehendem Studium der Aktenlage, der Bildgebung sowie insbesondere anhand der klinischen Untersuchung bei dem Be
schwerdeführer seit Antragstellung und anhaltend zu keinem Zeitpunkt gesi
cherte orthopädische-chirurgische Störungsbilder mit handicapierenden Auswir
kungen zu objektivieren, welche die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit des Versicherten in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Gärtner sowie eine allfäl
lige adaptierte Tätigkeit um mehr als 20 % einschränkten.
Somit seien aus bidisziplinärer Sicht weder auf psychiatrischem, noch auf ortho
pädischem Fachgebiet Störungen zu beschreiben, die die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit des Versicherten in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Gärt
ner sowie einer allfällig adaptierten Tätigkeit um mehr als 20
%
einschränkten (S. 3 Mitte).
3.11.2
Prof. Z._ führte in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 3. November 2016 (Urk. 13/49/4-45) aus, er habe den Beschwerdeführer am 31. Oktober 2016 untersucht (S. 3 Mitte).
Die Diagnosestellung sei schwierig, da der Versicherte nur diffuse, zum Teil widersprüchliche und inkonsistente Angaben zu seinen Beschwerden gemacht
habe. Im Psychopathologischen hätten sich keine Hinweise auf ein schweres affektives Leiden oder eine Psychose ergeben
. Er gehe von einer weitgehenden Remission der mittelgradig depressiven Episode aus (ICD-10 F32.4). Anamnestisch bestehe eine Agoraphobie (ICD-10 F40.0).
Die massiven psychosozialen Probleme des Versicherten stünden eindeutig im Vordergrund
. Er werde psychiatrisch von med. pract. D._ mit einem Antidepres
sivum und einem Neuroleptikum behandelt.
Die Kontrolle der Blutserumspiegel der angegebenen Psychopharmaka habe auffällige Befunde ergeben.
Weitere psychiatrische Störungsbilder lägen beim Exploranden aktuell nicht vor (S. 38 unten).
Prof. Z._ führte aus, aufgrund der zahlreichen IV-fremdem Faktoren könne gegenwärtig aus gutachterlicher Sicht daher nicht von einer mittel- und langfris
tigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden (S. 39 oben).
Prof.
Z._
führte aus, aus
seiner gutachterlichen Sicht hätten sich massive Hinweise auf Verdeutlichung im Untersuch ergeben
. Eine Aggravation
habe
sich zudem nicht ausschliessen
lassen
. In der Befundschilderung sei der Versicherte sehr diffus und habe sich häufig widersprochen.
Es sei zum Teil zu erheblichen Diskrepanzen der anamnestischen Angaben bei den beiden Gutachtern gekom
men. Sprachliche Gründe könnten hierfür mit Sicherheit ausgeschlossen werden, wie Rückfragen bei der Dolmetscherin ergeben hätten. Auch seien keine kogniti
ven Leistungseinbussen hierfür verantwortlich
zu machen, so dass bewusstseins
nahe Aggravationen im Raum stünden.
Diese Beobachtungen deckten sich mit den Berichten mehrerer Ärzte im IV-Dossier.
Der Versicherte habe angegeben, Schmerzen zu haben, habe jedoch die Analge
tika abgesetzt, welches die Frage nach
seinem
tatsächlichen Leidensdruck auf
werfe. Wie die Blutuntersuchungen aufzeigten, seien die Blutserumspiegel der eingenommenen Psychopharmaka im therapeutischen Bereich, jedoch seien die Metabolite deutlich unterhalb des therapeutischen Bereiches, was vermuten lasse, dass die Medikamente erst seit einigen Tagen vor dem Unte
rsuch eingenommen worden seien
(S. 37 Mitte).
Prof. Z._ führte aus, e
s bestehe keine Pers
önlichkeitsakzentuierung oder -s
törung.
Einzig in der beruflichen Realitätsprüfung bestünden Auffälligkeiten, indem der Beschwerdeführer ausgeführt habe, er wolle keine Tätigkeiten ausfüh
ren, bei denen er «Befehle» erhalte. Es sei daher bei dem arbeitslosen Beschwer
deführer ohne anerkannten Beruf von einer motivational schwierigen Lage aus
zugehen
(S. 37 unten).
Das private Aktivitätsniveau des Versicherten sei nicht wesentlich eingeschränkt. Er habe eine regelhafte soziale Teilhabe (S. 38 Mitte).
Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er sich energielos fühle. Er habe vergeblich nach Arbeit gesucht und sei inzwischen entmutigt, Arbeit zu finden. Er spreche die deutsche Sprache zu schlecht. Er habe bei seinen Tätigkeiten Probleme mit seinen Chefs gehabt. Diese hätten seine Arbeit kritisiert, was er unerhört finde. Daher wolle er keinen Chef mehr haben, weil er sich nicht mehr befehligen lassen wolle. Er sei sich zu gut für solche Hilfsarbeiten. Einen solchen Beruf, wo er Befehlsempfänger sei, wolle er nicht machen. Er habe daher ausschliesslich Arbeit als Sportinstruktor oder als Basketballcoach gesucht. Da er aber auch nur schlecht Englisch spreche, habe man ihm keine Stelle angeboten. Die Anerkennung seiner Examina in der Schweiz sei nicht geglückt. Er sei dreimalig durch die Prüfung gefallen. Psychisch fühle er sich daher schlecht. Er könne manchmal in der Nacht nicht einschlafen und müsse an seine psychischen Probleme denken. Er habe Ängste vor der Zu
kunft und vertrage auch keine Menschenmengen. Stress sei für ihn nicht mach
bar. Er habe als Basketballprofi keinen Stress in seinem Beruf gehabt. Man schicke ihn von Arzt zu Arzt und gebe ihm trotzdem kein Geld (S. 26 Ziff. 2.2).
Zum Bericht von med. pract. D._ vom Mai 2016 führte Prof. Z._ aus, es mangle dem Bericht an einem Psychostatus, so dass die Psychopathologie nicht nachvollziehbar sei. Es würden keine Fähigkeitsstörungen für die 50%ige Arbeits
unfähigkeit benannt. Da auch körperliche Diagnosen gestellt worden seien, sei davon auszugehen, dass der Psychiater die Arbeitsunfähigkeit auch auf körperli
che Symptome ausgedehnt habe (S. 36 unten).
3.11.3
Dr. J._ führte in seinem orthopädisch-traumatologischen Teilgutachten (Urk. 13/49/46-95) zum Gangbild aus, er habe den Versicherten aus der Warte
zone abgeholt. Dabei habe er sich zügig aus dem Sessel erhoben und sei ihm über den Flur ins Untersuchungszimmer gefolgt. Dabei habe der Proband ein freies und sicheres Gangbild gezeigt. Die Unterarmstütze habe er lose in der linken Hand geführt. Nach der Anamneseerhebung sei daraufhin die gezielte Untersuchung des Gangbildes erfolgt, wobei der Beschwerdeführer dann ein ausgeprägt rechts
seitig hinkendes Gangbild gezeigt und es vermieden habe, mit der rechtsseitigen Ferse aufzutreten. Er habe sich vornübergebeugt auf die linksseitig geführte Un
terarmstütze abgestützt (S. 22 oben).
Dr. J._ führte aus, nach eigehendem Studium der Aktenlage, der Bildgebung sowie insbesondere anhand seiner heutigen klinischen Untersuchung gehe er mit den von den Orthopädischen Kollegen am A._ erhobenen Untersuchungsbefun
den und der daraus abgeleiteten diagnostischen Einschätzung uneingeschränkt einig.
Die heutige orthopädische Begutachtung sei geprägt von Inkonsistenzen und einer bewusstseinsnahen Selbstdarstellung bis hin zur Aggravation. Objektiv zeige sich wie auch schon im Rahmen der mehrmaligen Voruntersuchung am A._ lediglich eine Verkürzung der rechtsseitigen Wadenmuskulatur sowie eine allen
falls diskret ausgeprägte Fasziitis plantaris rechts (S. 43 oben).
Für die demonstrative Bewegungseinschränkung des rechten OSG sowie das in
konsistente rechts hinkende Gangbild gebe es hierbei kein anatomisch morpho
logisches Korrelat. Passiv habe sich das rechte OSG im Rahmen der heutigen Untersuchung frei beweglich gezeigt. Es habe auch keine Minderung der rechts
sei
tigen Umfangsmasse bestanden, wie dies bei einer eineinhalbjährigen Ent
lastung des rechten Beines zu erwarten gewesen wäre.
Im Rahmen der orthopädischen Begutachtung vom 31. Oktober 2016 sei für den Beschwerdeführer die Durchführung einer nativradiologischen Bildgebung ver
einbart worden. Das Prozedere der radiologischen Bildgebung sowie die Wegbe
schreibung des in Sichtweite gelegenen Röntgeninstitutes seien dem Probanden dabei seitens der Dolmetscherin eingehend erläutert worden.
Dr. J._ führte aus, entgegen der Absprache mit ihnen, sei der Beschwerdefüh
rer auf Nachfrage ihrerseits nie im vereinbarten Röntgeninstitut erschienen (S. 43 Mitte).
Der Versicherte zeige in seinem privaten Aktivitätsniveau keine wesentlichen Ein
schränkungen, wie dies dem Tagesablauf zu entnehmen sei. Aus orthopädisch-chirurgischer Sicht bestünden keine Handicapierungen mit Auswirkungen auf die angestammte sowie eine allfällig adaptierte Tätigkeit (S. 45 Ziff. 3).
3.12
Dr. med. K._, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 7. Dezember 2016 (Urk. 13/51/5-6) aus, es werde aus versicherungsmedizinischer Sicht empfohlen, den Beurteilun
gen des vorliegenden bidisziplinären Gutachtens vom 31. Oktober 2016 zu fol
gen. Demnach bestehe in der bisherigen Tätigkeit als Hilfsgärtner und in jeder angepassten Tätigkeit seit dem 21. Oktober 2015 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Funktionelle Einschränkungen in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Hilfsgärt
ner bestünden keine. Auch seien dem Beschwerdeführer alle Tätigkeiten zumut
bar.
3.13
Med. pract. D._ stellte in seinem Verlaufsbericht vom 31. Oktober 2017 (Urk. 22/2) folgende Diagnosen (S. 2):
-
rezidivierende depressive Störung mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.2)
-
wahnhafte Störung (ICD-10 F22.1)
-
Zustand nach dem Arbeitsunfall im Jahr 2015 mit Gangbeeinträchtigung und chronischen Schmerzen
Med. pract. D._ führte aus, der Beschwerdeführer befinde sich seit dem Jahr 2015 in seiner ambulanten Therapie. Er zeige aktuell eine Verschlechterung seines psychischen Zustandes mit Albträumen, innerer Unruhe, Angst, Energielosigkeit, Deprimiertheit und mit kognitiven Einbussen. Er fühle sich verfolgt. «Eine Person sei hinter ihm her. Sie sei bewaffnet und wolle ihn umbringen. Sie sei überall» (S. 1).
Med. pract D._ führte zum Befund aus, der Patient sei vollständig orientiert, bewusstseinsklar und im Gespräch angespannt. Formalgedanklich sei er auf seine krankheitsbedingte Situation eingeengt. Inhaltlich bestehe ein unablässiges Beschäftigen mit unangenehmen Gedanken, Ängsten und Verfolgungs
wahn
ideen. Trotz therapeutischer und medikamentöser Bemühungen sei der Alltag des Pati
enten durch seine wahnhaften Gedanken deutlich geprägt. Seine Stimmung sei depressiv. Seine Energie deutlich gemindert. Aufgrund seiner geringen Stressto
leranz sei er in seinem Alltag schnell überfordert und nicht belastbar. Aus diesem Grund sei er seit Februar 2015 zu 100 % arbeitsunfähig (S. 2).
3.14
Am 9. Juni 2018 erstattete
Prof.
Z._
,
Y._
, die gerichtlich veranlasste Stel
lungnahme (
Urk.
28) zum Austrittsbericht der
I._
vom
8.
Juni 2016 sowie zum Verlaufsbericht des behandelnden Psychiaters med. pract.
D._
vom 3
1.
Oktober 2017
.
Zum Austrittsbericht der I._
vom Juni 2016 führte Prof.
Z._
aus, dieser weise schwere fachliche Mängel auf. So werde im Bericht in der Beurteilung an
gegeben, dass der Versicherte eine generalisierte Angststörung habe. Als Diag
nose werde hingegen eine schwere depressive
Episode und als Differenzialdiag
nose eine wahnhafte Störung genannt, was diskrepant sei.
Im Psychostatus sei weder eine schwere depressive Episode noch eine generali
sierte Angststörung nachvollziehbar. Im Psychostatus würden nur Ängste vor einer türkischen Person benannt, die in töten wolle, jedoch keine Symptome einer generalisierten Angststörung. Die Diagnose einer schweren Depression erfordere neun Kriterien gemäss ICD-10. Als depressive Kriterien im Psychostatus würden jedoch nur eine reduzierte Konzentration und Aufmerksamkeit, eine Niederge
stimmtheit mit depressiver Stimmungslage und Schlafstörungen genannt.
Damit seien gesamthaft nicht einmal die Hauptkriterien einer Depression im Aus
trittsbericht vermerkt, nämlich gedrückte Stimmung, verminderte Freudfähigkeit und Interessenverlust sowie eine Antriebsstörung. Die genannten Symptome be
legten auf der Grundlage der ICD-10 noch nicht einmal eine leichte depressive Episode, da nur ein Hauptkriterium benannt worden sei. Für eine leichte und mittelgradige Depression müssten zumindest zwei Hauptkriterien erfüllt sein, und für eine schwere Depression alle drei Hauptsymptome einer Depression.
Prof. Z._ führte aus, er komme damit zum Schluss, dass die Diagnosen der I._ nicht nachvollziehbar seien. Der Austrittsbericht stehe seinen Schlussfolge
rungen im Gutachten vom 3. November 2016 in seiner Aussagekraft nicht entge
gen (S. 3 Mitte).
Zum behandelnden Psychiater med. pract. D._ führte Prof. Z._ aus, dieser habe in seinem Bericht vom 31. Oktober 2017 nicht dargelegt, wann und warum die besagte Verschlechterung eingetreten sei. Die Verschlechterung bestehe darin, dass sich der Beschwerdeführer verfolgt fühle. Im Befund werde berichtet, dass sich der Explorand mit unangenehmen Gedanken unablässig beschäftige und misstrauisch sei. Er habe Ängste und Verfolgungswahnideen. Er sei deprimiert und habe einen verminderten Antrieb. Er habe sich sozial zurückgezogen (S. 3 unten). Prof. Z._ hielt abschliessend fest, dass die Diagnosen von med. pract. D._ auf der Grundlage des ICD-10 nicht belegt seien (S. 2 Mitte und S. 4). Beide Dokumente seien daher ungeeignet, sein Gutachten vom 3. November 2016 in irgendeiner Weise inhaltlich anzugreifen. Er sehe daher keine Veranlassung, von seinen Ausführungen im Gutachten abzuweichen (S. 4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf das Gutachten der Y._ vom November 2016 (vgl. vorstehend E. 3.11) davon aus, dass beim Beschwerdeführer kein aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht relevanter Gesundheitsschaden ausge
wiesen sei und seine Leiden ihre Erklärung in der psychosozialen Belastungssitu
ation fänden (vgl. vorstehend E. 2.1).
4.2
Das
Y._
-Gutachten
vom November 2016, ergänzt durch die Stellungnahme von Prof. Z._ vom Juni 2018 (vgl. vorstehend E. 3.14),
erfüllt die formalen Be
weiswert-
Anforderungen (
vorstehend E. 1.5)
ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksich
tigt auch die geklagten Beschwerden
sowie das Verhalten des Beschwerdeführers
und wurde
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese
) abgegeben.
Darüber hinaus leuchtet es auch in der
Darlegung der medizinischen Zu
sammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nach
vollziehbar begründete Schlussfolgerungen. Dies betrifft
auch
die Feststellung
en
betreffend die psychosoziale Belastungssituation sowie hinsichtlich des
aggrava
torischen Verhaltens
des Beschwerdeführers
.
4.3
In somatischer Hinsicht verneinte Dr. J._ in seinem orthopädischen Teilgut
achten (vgl. vorstehend E. 3.11.3) einhergehend mit der übrigen Aktenlage ein die vom Beschwerdeführer dargebotenen Beschwerden erklärendes morphologi
sches Korrelat. Dr. J._ berichtete von demonstrativen Bewegungseinschrän
kungen, Inkonsistenzen und einer bewusstseinsnahen Selbstdarstellung bis hin zur Aggravation. Mehr als eine allenfalls diskret ausgeprägte Fasziitis plantaris rechts konnte Dr. J._ nicht feststellen.
Soweit der
Beschwerdeführer geltend macht, auf das
Y._
-Gutachten könne nicht abgestellt werden, da keine radiologische Untersuchung erfolgt und er dazu nicht aufgefordert worden sei (vgl. vorstehend
E. 2.2), stehen diese Aussagen im Widerspruch zu den Äusserungen von Dr. J._, wonach mit dem Beschwerde
führer abgemacht worden sei, dass er sich nach der Begutachtung in das in Sicht
weite gelegene Röntgeninstitut begebe, er dort jedoch nie erschienen sei. Aus dem Bericht von med. pract. H._ vom Mai 2016 geht überdies hervor, dass sich der
Beschwerdeführer auch geweigert habe, das im Januar 2016 von
Dr. E._
,
A._
, vorgeschlagene MRI des Fusses durchzuführen (vgl. vorstehend E.
3.6 und E. 3.8)
. Diese konnte im Übrigen, wie auch Dr. J._, die vom Beschwer
deführer vorgetragenen Beschwerden nicht erklären und verneinte ebenfalls das Vorliegen einer Atrophie, welche nach eineinhalbjähriger Ent
lastung des rechten Beines zu erwarten gewesen wäre. Fachärztliche Berichte, welche an der Einschät
zung von Dr. J._ zweifeln lassen würden, liegen keine vor.
4.4
In psychiatrischer Hinsicht sah Prof. Z._ in seinem psychiatrischen Teilgut
achten (vgl. vorstehend E. 3.11.2) die vom Beschwerdeführer vorgetragenen Beschwerden in der zweifelsohne vorhandenen psychosozialen Belastungs
situation sowie in einem aggravatorischen Verhalten begründet und konnte keine psychi
atrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen. Als psychoso
ziale Belastungsfaktoren wurden Schwierigkeiten in der kulturellen Eingewöh
nung, Sprachprobleme, die Arbeitslosigkeit, die finanziellen sowie die partner
schaftlichen Probleme genannt (vgl. vorstehend E. 3.11.1).
Bereits im Bericht von Dr. B._ vom November 2015 (vgl. vorstehend E. 3.4) wurde auf die massive psychosoziale Belastungssituation, namentlich auf den drohenden Verlust der Aufenthaltsbewilligung hingewiesen. Im Zusammenhang mit dem drohenden Verlust der Aufenthaltsbewilligung sind auch die Ausführun
gen von med. pract. D._ vom Dezember 2015 zu verstehen, wonach aus ärztli
cher Sicht die Anwesenheit des Patienten in der Schweiz für die Behandlung erforderlich sei (vgl. vorstehend E. 3.5). Dass sich der Beschwerdeführer in schwie
rigen psychosozialen Verhältnissen befand und über keine gültige Nieder
las
sungsbewilligung verfügte, geht auch aus dem Bericht von med. pract. H._ vom Mai 2016 (vgl. vorstehend E. 3.8) hervor, sowie aus der integrativen Diag
nose der Ärztinnen der I._ in ihrem Austrittsbericht vom Juni 2016 (vgl. vor
stehend E. 3.10).
Neben den psychosozialen Problemen liegen hier gemäss den Ausführungen der Y._-Gutachter auch invaliditätsfremde motivationale Probleme vor, indem sich der Beschwerdeführer für Hilfsarbeiten zu gut fühle, keine Befehle empfangen wolle und sich einzig als Sportinstruktor oder Basketballtrainer sehe.
Weiter äusserten Dr. J._ wie auch Prof. Z._ einen Aggravationsver
dacht.
Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation, liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor (siehe Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeu
tung in der Sozialversicherung, namentlich für den Einkommensvergleich in der Invaliditätsbemessung, Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Schmerz und Arbeitsunfä
higkeit, St. Gallen 2003, S. 92 f.). Eine solche Ausgangslage ist etwa gegeben, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen ange
geben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt;
keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen
wird; demonstrativ vorgetra
gene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken;
schwere Ein
schränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist
(siehe Kopp/Willi/Klippstein, Im Graubereich zwischen Kör
per, Psyche und sozialen Schwierigkeiten, in: Schweizerische Medizinische Wochen
schrift
1997, S.1434, mit Hinweis auf eine grundlegende Untersuchung von Winckler und Foerster; BGE 131 V 51).
Sowohl dem Teilgutachten von Prof. Z._ als auch jenem von Dr. J._ lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschilderung sehr oberflächlich und diffus gewesen ist und sich auch häufig in seinen Darstel
lungen widersprach, weswegen eine Aggravation nicht ausgeschlossen werden konnte. Auch nahm der Beschwerdeführer trotz angegebener Schmerzen zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Analgetika ein und auch die Blutserumkon
trolle hinsichtlich der angegebenen Psychopharmaka ergab Hinweise darauf, dass die Medikamente erste einige Tage vor der Untersuchung eingenommen worden sind. Damit einhergehend erwies sich das private Aktivitätsniveau des Beschwer
deführers als unauffällig. Auffallend war insbesondere auch das unauffällige, sichere Gangbild, welches der Beschwerdeführer zeigte, als ihn Dr. J._ aus der Wartezone abholte, im Vergleich zu dem während der Untersuchung präsentier
ten stark hinkenden Gangbild.
Auch Dr. B._ äusserte im November 2015 (vgl. vorstehend E. 3.4) einen Ver
dacht auf schwere Aggravierung und wies auf erhebliche Diskrepanzen hinsicht
lich des Unfalldatums sowie im Verhalten des Beschwerdeführers hin, welche sich auch in den Berichten der Ärzte des A._ wiederfinden (vgl. vorstehend E. 3.1-3 und E. 3.6). Objektiv konnte Dr. B._ keine Schmerzursache feststellen. Ledig
lich auf Drängen des Beschwerdeführers stellte er diesem zuhanden des Sozial
amtes Arbeitsunfähigkeitszeugnisse zu 100 % für eine Tätigkeit im Stehen oder Gehen aus.
Wie aus dem Bericht der Ärzte des A._ vom Oktober 2015 (vgl. vorstehend E. 3.3) hervorgeht, beantragte der Beschwerdeführer auch bei diesen die Aus
stellung eines Arbeitsunfähigkeitszeugnisses. Sämtliche Behandlungs
vor
schläge von Sei
ten der Ärzte des A._ wurden jedoch nicht befolgt, wie dies auch in ihrem Be
richt vom Juni 2015 (vgl. vorstehend E. 3.1) dokumentiert ist. Gleiches Verhalten zeichnet sich auch im Bericht von Dr. E._, A._, vom Januar 2016 (vgl. vorstehend E. 3.6) ab. Auch hier nahm der Beschwerdeführer in der Folge die Möglichkeit einer weiteren MRI-Abklärung nicht war. Es zeigen sich damit vorliegend auch gewichtige Anhaltspunkte für eine Aggravierung der Beschwer
den, wobei
zu beachten
ist
, dass bei der hier im Vordergrund stehenden massiven psychosozialen Belastungssituation bei der Annahme einer rentenbe
gründenden Inva
lidität ohnehin Zurückhaltung geboten ist (vgl.
vorstehend E.1.3
). Ein eigenstän
diges psychisches Leiden mit Krankheitswert ist daher zu verneinen.
4
.5
An der Schlüssigkeit des Y._-Gutachtens vermögen auch die Ausführungen des behandelnden Psychiaters med. pract. D._, des Hausarztes med. pract. H._ in seinem Bericht vom Mai 2016 (vgl. vorstehend E. 3.8) sowie der behandelnden Ärztinnen der I._ in ihrem Bericht vom Juni 2016 (vgl. vorstehend E. 3.10) nichts zu ändern. So
sind Berichte behandelnder Ärzte aufgrund der auftrags
rechtlichen Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen. Dies gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt wie den behandelnden Spezial
arzt (Urteil des Bundesgerichts I 655/05 vom 20. März 2006 E. 5.4 mit Hinweisen).
Was den Bericht der Ärztinnen des I._ vom Juni 2016 (vgl. vorstehend E. 3.10) anbelangt, so legte Prof. Z._ in seiner Stellungnahme vom 9. Juni 2018 (vgl. vorstehend E. 3.14) in nachvollziehbarer Weise dar, weshalb dieser nicht geeignet ist, seine im Gutachten vom November 2016 getroffene Einschätzung der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers in Frage zu stellen. Prof. Z._ verwies auf schwere fachliche Mängel des Berichtes, namentlich Diver
genzen zwischen den aufgeführten Diagnosen und der Beurteilung sowie der sich im Rahmen der objektiven Befunderhebung nicht einmal zu bestätigenden leich
ten- bis mittelgradigen depressiven Episode. Med. pract. H._ nahm in seinem Bericht vom Mai 2016 (vgl. vorstehend E. 3.8) keine eigenständige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vor, sondern verwies diesbezüglich auf den behandelnden Psychiater med. pract. D._.
Bereits dem Bericht des behandelnden Psychiaters
med. pract.
D._
vom Dezem
ber 2015
(vgl. vorstehend E. 3.5) mangelt es an einer objektiven Befunderhebung und dieser erschöpft sich im Wesentlichen in der subjektiven Beschwerdewieder
gabe des Beschwerdeführers. Vor dem Hintergrund der bestehenden Problematik mit der Aufenthaltsbewilligung verdeutlicht die Äusserung von med. pract D._, dass die Anwesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz für die Behandlung erforderlich sei, überdies dessen Parteistellung für den Beschwerdeführer, welches an einer objektiven Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zweifeln lässt. Eine Ausei
nandersetzung beziehungsweise eine Abgrenzung des tatsächlichen Krankheits
geschehens zur zweifelsohne vorliegenden psychosozialen Belastungssituation lässt med. pract. D._ sodann in sämtlichen vorliegenden Berichten vermissen.
Auch den Folgeberichten von med. pract. D._ vom
Mai 2016
(vgl. vorstehend E. 3.7 und E. 3.9), worin zwar eine Verbesserung des psychischen Zustandes doku
mentiert und von einer wiedererlangten Arbeitsfähigkeit von 50 % ausge
gangen wurde, mangelt es an einer objektiven Befunderhebung. Soweit ersicht
lich, leitete med. pract. D._ die Arbeitsunfähigkeit von 50 % lediglich aus dem Umstand ab, dass der Beschwerdeführer infolge seiner Agoraphobie mit Panik Geschäfte und öffentliche Gebäude meide, um weniger Angst zu erleben, welches nicht einer fundierten fachärztlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ent
spricht.
In keiner Weise nachvollziehbar erweist sich sodann der Bericht von med. pract. D._ vom Oktober 2017 (vgl. vorstehend E. 3.13), worin er nun weit über den Be
hand
lungsbeginn im November 2015 zurück und auch entgegen seinen Äusse
run
gen in seinem Bericht vom Mai 2016 (vgl. vorstehend E. 3.9) von einer 100%i
gen Arbeitsunfähigkeit ab Februar 2015 sprach.
Auch Prof.
Z._
verneinte in seiner Stellungnahme vom
9.
Juni
2018 die Schlüssigkeit der Ausführungen von med. pract.
D._
(vgl. vorstehend E. 3.14)
.
Damit einhergehend kann der Beschwerdeführer auch aus
den im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten unbegründeten Arbeitsunfähigkeitsattesten von med. pract. H._ vom 1. und 3. Juli sowie vom 21. Oktober 2017 (Urk. 11/3 und Urk. 11/5, Urk. 18/1) und med. pract. D._ vom 14. Juni 2017 (Urk. 6/2, Urk. 11/4) nichts zu seinen Gunsten ableiten, umso weniger als diese teilweise auch den hier nicht zu prüfenden Zeitraum nach Erlass der Verfügung vom Mai 2017 betreffen (vgl. Urk. 18/1, Urk. 22/1, Urk. 24/2).
Von weiteren Abklärungen, wie vom Beschwerdeführer gefordert, sind keine zu
sätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in
antizipierte
r Beweiswür
digung (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen) verzichtet wird.
4.6
Aufgrund des Gesagten
ist gestützt auf das beweiskräftige Gutachten des Y._ vom November 2016
davon auszugehen, dass die soziokulturellen Faktoren
sowie auch
Aggravation
vorliegend das Beschwerdebild dominieren und kein rechtser
heblicher invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt.
Die angefochtene Verfügung
(Urk. 2)
erweist sich
demnach
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdefüh
rer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.2
Mit Kostennote vom 24. Oktober 2017
(
Urk. 16
) machte der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführer
s einen Aufwand von insgesamt 8.167
St
unden und Barauslagen von Fr. 69
.-- geltend, was als angemessen erscheint (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Demge
mäss ist Rechtsanwalt
Bernhard
Zollinger
mit Fr. 2'014.9
5 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
5.3
Dem Bericht von med. pract. D._ vom 3. Mai 2016 (vgl. vorstehend E. 3.7) liess sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer im Frühjahr 2016 stationär im zur I._ gehörenden F._ in stationärer Behandlung war. Die Beschwerde
gegnerin hat es jedoch unterlassen, einen entsprechenden Bericht einzuholen und diesen den Gutachtern vom Y._ vorzulegen, weshalb dies im gerichtlichen Ver
fahren nachgeholt werden musste (vgl. Urk. 26). Da sich der Sachverhalt diesbe
züglich ungenügend abgeklärt erwies, gehen die
Kosten für die Stellungnahme von Prof.
Z._
vom
9.
Juni 201
8 (Urk. 28) im Umfang von Fr. 247.30 (Urk. 30
) zu Las
ten der Beschwerdegegnerin.