Decision ID: 550a2041-6feb-53c5-8e4f-088a0fc31df5
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer gelangte gemäss eigenen Angaben am 10. De-
zember 2016 in die Schweiz, wo er am 12. Dezember 2016 um Asyl nach-
suchte.
A.b Am 19. Dezember 2016 wurde der Beschwerdeführer zu seiner Iden-
tität, zum Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen befragt
(Befragung zur Person; BzP).
Dabei führte er an, er sei tamilischer Ethnie und in der Stadt B._,
Distrikt B._, in der Nordprovinz geboren. Er habe bis im (...) zusam-
men mit seinen Eltern und seinen Geschwistern in C._ gelebt und
die Schule bis zum Abschluss des (...)-Levels besucht. Einen Beruf habe
er nicht erlernt, zuletzt aber als Filialleiter eines (...) gearbeitet. Ausserdem
habe er seinem Vater in dessen (...) ausgeholfen. Dabei hätten er und sein
Vater auch Universitätsstudenten gegen Geld Sticker, Banner und Flyer für
Gedenktage der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gedruckt. Deswe-
gen sei er Ende (...) vom Criminal Investigation Departement (CID) festge-
nommen und (...) Tage lang festgehalten worden. Dabei sei er an den Füs-
sen aufgehängt und geschlagen worden. Es seien ihm Fotos gezeigt wor-
den und er sei im Zusammenhang mit den genannten Druckaufträgen über
seine Auftraggeber ausgefragt worden. Er habe keine Informationen geben
können und sei deshalb freigelassen worden. Der CID werfe ihm vor, die
LTTE wiederaufzubauen. An seiner Stelle habe der CID seinen D._
mitgenommen; der D._ werde erst wieder freigelassen, nachdem
er (Beschwerdeführer) sich gestellt habe. Im (...) habe er sich einen Pass
ausstellen lassen und sei mit diesem über den Flughafen in E._
ausgereist. Der Pass befinde sich beim Schlepper. Er sei nach seiner Aus-
reise erneut gesucht worden.
B.
B.a Das SEM trat mit Verfügung vom 1. März 2017 auf sein Asylgesuch
nicht ein und wies ihn in den für ihn zuständigen Dublin-Mitgliedstaat
F._ weg.
B.b Ab (...) galt der Beschwerdeführer als verschwunden. Mit Schreiben
vom (...) gelangte er an das SEM und brachte vor, die Überstellungsfrist
sei zwischenzeitlich abgelaufen.
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B.c Mit Verfügung vom 23. Oktober 2018 hob das SEM den Nichteintre-
tensentscheid vom 1. März 2017 auf und nahm das Asylverfahren des Be-
schwerdeführers wieder auf.
C.
C.a Am 26. September 2019 wurde der Beschwerdeführer vom SEM aus-
führlich zu seinen Asylgründen angehört.
Dabei brachte er vor, sein Vater und er hätten im (...) den Studenten der
nahegelegenen Universität im Fotogeschäft Flyer, Sticker und Plakate für
den Märtyrertag gedruckt. Deshalb habe er anfangs (...) Probleme mit dem
CID bekommen. Es sei ihm vorgeworfen worden, er und sein Vater würden
die LTTE wiederaufbauen. Im (...) und (...) seien CID-Beamte zu ihm ge-
kommen, hätten ihm Fotos gezeigt und ihn aufgefordert, jene Personen zu
identifizieren. Er habe mitgeteilt, keine Ahnung zu haben. Im (...) sei er
spätabends auf dem Nachhauseweg von seiner Arbeit von CID-Beamten
angehalten und kontrolliert worden. Er habe seinen Security-Ausweis sei-
nes Arbeitgebers (Kreditbüro) vorgewiesen, worauf ihm ein CID-Beamter
eine Pistole an den Kopf gehalten und ihn mit dem Tod bedroht habe. An-
schliessend hätten sie ihm den Motorradschlüssel weggenommen und ihn
zu Fuss nach Hause gehen lassen. Zwischen (...) und (...) seien Beamte
mit einem weissen Lieferwagen gekommen und hätten ihn als «Kopfni-
cker» mitgenommen. Er sei zu (...) oder (...) Häusern gebracht worden,
jedoch nicht in der Lage gewesen, die Auftraggeber seiner Druckaufträge
zu identifizieren. Daraufhin hätten die CID-Beamten ihn in Handschellen
gelegt und zur Zugschiene nach G._ gebracht und dort an den Füs-
sen aufgehängt. Die Beamten hätten ihm einen Plastiksack mit Benzin über
den Kopf gestülpt und seien auf ihn losgegangen. Dann hätten sie seinen
Kopf auf die Zugschiene gelegt, ihn mit dem Tod bedroht und seinen Kopf
erst beim heranfahrenden Zug wieder von den Gleisen genommen. Sie
hätten ihm eine Handgranate gezeigt und angekündigt, ihn damit bei den
Behörden anzuschwärzen. Er sei ohne Essen und Trinken in einem alten
Bahnhof in G._ eingesperrt worden. Durch Intervention seiner Mut-
ter bei einer Menschenrechtsorganisation und mit Hilfe seines Anwalts sei
er nach (...) Tagen am (...) freigelassen worden. Er sei davon ausgegan-
gen, dass die Probleme damit vorbei seien. Doch sei danach mehrmals bei
ihm zu Hause nach ihm gesucht worden, wobei er jeweils durch die Hinter-
türe habe flüchten können. Bis im (...) sei er auch im Geschäft seines Va-
ters gesucht worden. Um seine Ausreise vorzubereiten, habe er sich in
E._ aufgehalten. Währenddessen hätten Sicherheitsleute seine El-
tern zu Hause bedroht. Weil sie ihn nicht hätten ausfindig machen können,
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sei sein D._ Ende (...) an seiner statt inhaftiert worden. Es habe
geheissen, sein D._ werde freigelassen, wenn seine Eltern ihn (Be-
schwerdeführer) beibringen würden. Seinem D._ werde vorgewor-
fen, gegen das Terrorismusvorbeugungsgesetz verstossen zu haben, wo-
für eine Mindeststrafe von (...) Monaten drohe. Er (Beschwerdeführer)
habe Sri Lanka im (...) verlassen und sei über H._ und die
I._, wo er je (...) Monate geblieben sei, nach F._ und dann
in die Schweiz gelangt. Nach seiner Ausreise sei sein Vater mit einem
Schwert verletzt worden, sein Familienhaus sei angegriffen (zweimal im
Jahr [...] und einmal [...]) sowie das Motorrad zerstört worden.
C.b Der Beschwerdeführer reichte nachfolgende Beweismittel ein:
- Ausbildungszertifikat der «University of E._ School of (...)» in
Kopie
- Arbeitsbestätigung von Commercial Credit and Finance (...) vom (...)
in Kopie
- Lohnauszug in Kopie
- Dokument «Bestätigung der Beschwerde» vom (...)
- Bestätigung der Vorfälle durch seinen Anwalt in Sri Lanka in Kopie vom
(...)
- Karte des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) in Kopie
lautend auf «M._»
- Online-Bericht vom (...) über einen polizeilichen Eingriff
- Online-Bericht über seinen mutmasslichen D._ M. T. und des-
sen medizinische Versorgung im Gefängnis von C._
- Anfrage für einen Bericht durch die Menschenrechtskommission Sri
Lanka in Kopie vom (...), nach Eingang einer Beschwerde
- Online-Artikel über einen Angriff durch Schwertkämpfer
- Dokument «Bestätigung einer Beschwerde» in Kopie vom (...)
- zusammenkopierter Zeitungsartikel, in welchem über eine Schwert-
attacke auf seinen Vater und seinen D._ sowie über einen An-
griff auf sein Haus mit «Benzinbomben» berichtet werde
- von einem Dorfvorsteher unterzeichnetes Schreiben seines Vaters vom
(...)
- mehrere Fotos
- USB-Stick mit drei Videos bezüglich des mutmasslichen Angriffes auf
das Haus seines Vaters und zwei Fotos von Dokumenten von (...)
- drei Dokumente betreffend den D._
- Bestätigung einer Beschwerde vom (...) bei der Human Rights Com-
mission of Sri Lanka
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- Weiterleitung einer Beschwerde vom (...) an die Human Rights Com-
mission of Sri Lanka.
D.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 19. Februar 2020 fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch
ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an.
E.
Der Beschwerdeführer stellte beim SEM mit Eingabe vom 16. März 2020
ein Akteneinsichtsgesuch, welches ihm das SEM mit Verfügung vom
20. März 2020 teilweise gewährte.
F.
Gegen die Verfügung des SEM vom 19. Februar 2020 erhob der Beschwer-
deführer mit Eingabe vom 23. März 2020 Beschwerde beim Bundesver-
waltungsgericht. Er beantragte, es sei der angefochtene Entscheid aufzu-
heben und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei festzustellen, dass
der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig und nicht zumutbar sei und es
sei ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung der
rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. Ferner sei der
Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
Der Beschwerde lagen eine Kostennote seiner Rechtsvertreterin und ein
Bericht vom 2. Januar 2020 zu Sri Lanka bei.
G.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer am
24. März 2020 den Eingang der Beschwerde.
H.
Der Beschwerdeführer reichte mit Eingaben vom 5. Juni 2020 und 2. No-
vember 2020 weitere Beweismittel (angebliche Fotos seiner Eltern vor dem
Hauseingang; Gerichtsdokument vom [...] seines D._ und Geburts-
registerauszüge seiner Eltern; Brief seiner Mutter vom [...] samt Überset-
zung) je in Kopie zu den Akten.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG
[SR 142.31] in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bis-
herige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des
AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten.
1.4 Die Abteilungen entscheiden in der Regel in der Besetzung mit drei
Richtern oder Richterinnen (Art. 21 Abs. 1 VGG). Gestützt auf Art. 111a
Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schriftenwechsel verzichtet.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.).
4.
4.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
dass die Vorbringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen an
die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch denjenigen an die
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG standhielten.
Der Wahrheitsgehalt wesentlicher Vorbringen sei zweifelhaft, da der Be-
schwerdeführer zwei Ereignisse im (...) beziehungsweise (...) (Aufsuchen
von Angehörigen des CID; Identifizierung von Personen anhand von Fotos)
und im (...) (Bedrohung durch Angehörige des CID, indem Pistole gegen
den Kopf gehalten worden sei) in der BzP mit keinem Wort erwähnt habe.
Dies erstaune, handle es sich doch insbesondere beim Vorfall, bei wel-
chem er mit einer Waffe bedroht worden sein solle, um ein prägendes Er-
eignis. Die Rechtfertigungen des Beschwerdeführers, wonach er durch den
Dolmetscher blockiert worden sei beziehungsweise er nicht explizit danach
gefragt worden sei, seien als Ausflüchte zu werten. Die entsprechenden,
erst in der Anhörung geltend gemachten Vorbringen seien als nachgescho-
ben und damit unglaubhaft zu erachten.
Die dargelegte Entführung und Freiheitsberaubung durch Angehörige des
CID habe er widersprüchlich geschildert. An der BzP habe er (...) Tage, im
Rahmen der Anhörung hingegen (...) Tage angegeben. Auf entsprechen-
den Vorhalt habe er mit einer wenig plausiblen und unverständlichen Er-
klärung reagiert. An der BzP habe er überdies gesagt, während der (...)
Tage in Haft im (...) zu Fotografien von verschiedenen Personen befragt
worden zu sein; im Rahmen der Anhörung habe er diese Ereignisse jedoch
im (...) beziehungsweise (...) angesiedelt, als er zu Hause von Angehöri-
gen des CID aufgesucht worden sei. Seine Aussagen zum Kerngeschehen
seien somit äusserst widersprüchlich.
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Seine im Verlaufe des Asylverfahrens zahlreich eingereichten Beweismittel
vermöchten seine Vorbringen nicht zu untermauern. Sie würden im Gegen-
teil weitere Widersprüche zutage bringen. Bezüglich seiner eigentlichen
Vorbringen (mehrfache Belästigung und Bedrohung durch CID Angehö-
rige) habe er lediglich ein Bestätigungsschreiben seines Anwaltes und eine
Bestätigung einer Beschwerde eingereicht. Alle weiteren Beweismittel wür-
den sich ausschliesslich auf seinen D._, welcher angeblich an sei-
ner statt inhaftiert worden sei, sowie auf Angriffe auf sein Elternhaus sowie
seinen Vater und D._ beziehen. Das Schreiben seines Anwaltes sei
als Beweismittel untauglich, weil die Ausführungen seines Anwaltes sich
nicht mit denjenigen des Beschwerdeführers decken würden. Sein Erklä-
rungsversuch in Bezug auf die Widersprüche sei als Ausflucht zu werten.
Die Kopie der polizeilichen Bestätigung einer Beschwerde, welche seine
Mutter mutmasslich nach seiner Entführung aufgegeben habe, habe keine
Beweiskraft, da es sich bei besagtem Dokument lediglich um eine leicht
manipulierbare Kopie handle. Zudem gehe aus der Bestätigung nicht her-
vor, wer tatsächlich als vermisst gemeldet worden sei. Auch die Identität
der Person, welche die Bestätigung ausgestellt habe, sei nicht ersichtlich.
Ferner überrasche im Rahmen der Anhörung, dass er keine eindeutigen
Angaben zur Anzahl der Anschläge auf sein Haus und zu deren Zeitpunkt
habe machen können, welche er mit Zeitungsberichten zu untermauern
versuche. Das Schreiben des Dorfvorstehers sei unbehelflich, handle es
sich dabei doch bloss um einen Brief seines Vaters an einen Dorfvorsteher,
welcher dieser unterzeichnet habe.
Der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft gemacht, vor seiner Ausreise
asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein.
Vielmehr sei er bis im (...) in Sri Lanka wohnhaft gewesen, habe also nach
Kriegsende noch (...) Jahre in seinem Heimatstaat gelebt. Allfällige, im
Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein
Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen ver-
mocht. Es sei aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und
in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte.
4.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Rechtsmittelschrift unter Hin-
weis auf Entscheide und Mitteilungen der (ehemaligen) Asylrekurskommis-
sion (EMARK) und die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes
für Menschenrechte (EGMR), es sei nicht legitim, widersprüchliche Aussa-
gen zwischen der BzP und der Anhörung derart stark zu gewichten. Viel-
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mehr sei es ihm sehr wohl gelungen, seine Asylgründe plausibel, substan-
tiiert und nachvollziehbar geltend zu machen. Zudem würden mehrere In-
dizien (Anzahl Sätze in der freien Erzählung; Dauer der BzP; Erhalt eines
Dublin-Entscheids) seine Erklärung stützen, dass der Dolmetscher frech
gewesen sei und ihn blockiert habe. Deshalb müsse ihm Glauben ge-
schenkt werden und könnten Widersprüche und insbesondere Ergänzun-
gen bezüglich seiner Verfolgung nicht per se als grundlos nachgeschoben
qualifiziert werden. Es sei ihm schlicht nicht möglich gewesen, die vielen
Verfolgungen in drei Sätzen zusammenzufassen, was die vielen Präzisie-
rungen an der Anhörung erkläre. Daraus könne nicht auf eine erfundene
Geschichte geschlossen werden.
Seine Schilderungen zu den Folterungen beim Bahnhof G._ wür-
den sich mit den gängigen und bekannten Foltermethoden sri-lankischer
Beamten decken. Auch habe er seinen Einsatz als «Kopfnicker» äusserst
stimmig beschrieben. Der gegen ihn bestehende Verdacht, er sei am Wie-
deraufbau der LTTE beteiligt gewesen, stimme mit seinem Alter und seiner
Nähe zu studentischen Kreisen überein. Als letztes Indiz für seine Verfol-
gung habe die Reflexverfolgung seines D._ zu gelten, der seinet-
wegen unter der Anwendung der Prevention of Terrorism Act (PTA) verhaf-
tet und während (...) Monaten inhaftiert worden sei. Der D._ sei
während der Haft vom IKRK besucht worden. Nach der Freilassung sei
dem D._, der sich versteckt halte, der Pass weggenommen und ge-
gen ihn eine Ausreisesperre verhängt und ein Gerichtsverfahren eröffnet
worden, was ein weiterer Hinweis sei, dass ihm (dem Beschwerdeführer)
tatsächlich mehr als nur der Druck eines Flyers unterstellt worden sei, näm-
lich, dass er am Wiederaufbau der LTTE beteiligt sein könnte. Seine Mutter
habe am (...) erneut eine Anzeige bei der Human Rights Commission ein-
gereicht. Es sei danach ein Granatenangriff auf sein Elternhaus und ein
Angriff mit einem Schwert auf seinen Vater verübt worden. Ansonsten
werde das Haus der Familie regelmässig von Armeeangehörigen kontrol-
liert, so etwa am (...) und am (...). Das zu den Akten gereichte Video be-
lege dies. Die Familie lebe nun abwechselnd in C._ und E._.
Aufgrund all dieser Ereignisse gehe es ihm nicht gut, er leide an den trau-
matischen Erlebnissen, weswegen er sich selber verletze. Ob es sich dabei
um einen Suizidversuch oder ein selbstverletzendes Verhalten handle,
könne zum gegebenen Zeitpunkt nicht abschliessend beurteilt werden.
Die Argumentation der Vorinstanz sei auch insofern nicht überzeugend, als
ihm Widersprüche im eingereichten Gefälligkeitsschreiben seines Anwal-
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tes entgegengehalten würden. Vielmehr sei jenem Beweismittel der Be-
weiswert abzusprechen, nachdem sein Anwalt in Sri Lanka als nicht be-
troffene Drittperson gar keine Auskünfte über seine tatsächliche Verfolgung
zu geben vermöge. Ferner habe er nachvollziehbar erklären können, wes-
halb die IKRK-Haftbestätigung seines D._ nicht dessen richtigen
Namen trage.
Er erfülle gleich mehrere wichtige Risikofaktoren: so sei er bereits Opfer
einer irregulären Verhaftung wegen des Verdachtes einer Beteiligung am
Wiederaufbau der LTTE geworden – das Interesse an Personen, die am
Wiederaufbau beteiligt seien, sei sehr gross – und es sei gegen seinen
D._ ein Verfahren eröffnet und eine Ausreisesperre verhängt wor-
den. Damit sei sein Leben in Gefahr oder ihm würden zumindest Folter
oder Haft drohen. Diese Annahme werde durch den aktuellen Regierungs-
wechsel und die damit einhergehende Zunahme an Repression bestätigt.
Es sei unter Berücksichtigung der ergangenen Verfolgung und der aktuel-
len politischen Lage von einem fehlenden Schutzwillen vonseiten des sri-
lankischen Staates auszugehen.
4.3 Der Beschwerdeführer führte in seiner Eingabe vom 5. Juni 2020 aus,
die aggressiven Angriffe auf seine Familie nach seiner Flucht würden ein
aktuelles und grosses Verfolgungsinteresse von Seiten des sri-lankischen
Staates offenbaren. Die Verhaftung seines D._ sei nunmehr belegt
und nicht mehr in Frage zu ziehen. Er rekapitulierte unter Hinweis auf die
als Beweismittel zu den Akten gereichten Fotos, dass im (...) ein Angriff auf
sein Elternhaus stattgefunden habe, bei dem (...) bis (...) Unbekannte das
gesamte Mobiliar zerstört hätten. Der zweite (sic!) Angriff habe im (...) statt-
gefunden, wobei das Motorrad in der Familienwohnung angezündet wor-
den sei, was einen grossen Brandschaden verursacht habe. Ein weiterer
Angriff von etwa (...) Personen in zivil habe im (...) stattgefunden; es sei
dabei ein Glastisch zerschlagen worden. (...) sei ein weiterer Brandan-
schlag mit einer mit Benzin gefüllten Flasche auf das Familienhaus verübt
worden. Der Schwertangriff von Unbekannten gegen den Vater habe am
(...) stattgefunden. Die eingereichten Videoaufnahmen würden belegen,
dass es sich dabei um das auch auf den Fotos abgebildete Elternhaus –
im Hintergrund das Firmenschild des (...) – handle. Sein D._ sei
unter dem Namen «M._» bekannt, entsprechend sei dieser auf dem
eingereichten Gerichtsdokument sowohl als «J._ T.» als auch
«M._» aufgeführt.
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4.4 Mit Eingabe vom 2. November 2020 wiederholte der Beschwerdeführer
unter Hinweis auf den eingereichten Brief seiner Mutter, dass sich die Si-
tuation seiner Familie nicht verbessert habe. Das staatliche Interesse an
seiner Person zeige sich auch noch Jahre nach seiner Flucht. Seine Mutter
spreche im Brief von Drohungen und an mehreren Stellen von der Angst,
ermordet zu werden. Um ihn nicht zu beunruhigen, wähle sie keine klaren
Worte und mache lediglich Andeutungen. Erschwerend komme hinzu, dass
seine Eltern keinen telefonischen Kontakt zu ihm pflegten, da sie davon
ausgehen würden, dass ihre Telefonate überwacht würden, seit der Ge-
heimdienst ihre Nummern aufgenommen habe. Seine Familie habe die
Vorkommnisse zwar bei der Menschenrechtskommission gemeldet, traue
sich aber nicht, bei jedem Vorfall dort vorzusprechen. Seine Mutter be-
fürchte, dass dies noch mehr Repression nach sich ziehen könnte.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu
Recht abgelehnt hat. Im Wesentlichen kann auf die Erwägungen in der an-
gefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Ausführungen auf Be-
schwerdeebene sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu ge-
langen.
5.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung unter Verweis auf
die jeweiligen Textstellen in den Protokollen mehrere zu Zweifeln Anlass
gebende Aussagen angeführt. Soweit der Beschwerdeführer hinsichtlich
des Vorhalts nachgeschobener respektive widersprüchlicher Aussagen für
deren Bewertung auf die Kürze der BzP, das Gebaren des Dolmetschers
sowie den Umstand hinweist, dass die dortigen Aussagen nicht verwendet
werden dürften, ist Folgendes zu bemerken: Trotz des summarischen Cha-
rakters der BzP ist es gemäss ständiger Rechtsprechung zulässig, Wider-
sprüche für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit heranzuziehen, wenn klare
Aussagen im Empfangszentrum – respektive in der BzP – in wesentlichen
Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen in der Anhörung
bei der Vorinstanz diametral abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse
oder Befürchtungen, welche später als zentrale Asylgründe genannt wer-
den, nicht bereits im Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt
werden (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer D-7/2015 vom 11. Oktober 2017
E. 4.2.6 m.w.H). In der angefochtenen Verfügung hat die Vorinstanz dem
Protokoll der BzP keine unrechtmässige Bedeutung beigemessen und zu
Recht und mit zutreffender Begründung angeführt, dass sich der Be-
schwerdeführer – im Gegensatz zur späteren Anhörung – hinsichtlich der
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Anzahl Freiheitsberaubungen durch Angehörige des CID und des Zeit-
punktes sowie des Umstandes der Identifikation von Personen in zentralen
Punkten seiner Begründung erheblich widersprochen hat (vgl. SEM act. A6
Ziff. 7.01; A34 F52 und F55, S. 6). Der Beschwerdeführer vermag in der
Rechtsmitteleingabe mit Blick auf dieses Aussageverhalten keine plausib-
len Erklärungen zu seiner Entlastung vorzubringen. So bewegte sich die
BzP mit einer Dauer von (...) Minuten durchaus im üblichen Rahmen und
den Befragungsprotokollen sind ebenfalls keine Gründe für die diametralen
Unterschiede zu entnehmen. Für sein Argument, der Dolmetscher habe ihn
mit «Bitte sagen Sie uns jetzt wo sich Ihr D._ befindet» (vgl. SEM
act. A34 F92) unterbrochen, finden sich keinerlei Hinweise im Protokollver-
lauf, weshalb dieses als blosse Schutzbehauptung zu werten ist. Hinzu-
kommt, dass der Beschwerdeführer seinen D._ in der freien Erzäh-
lung der Asylgründe anlässlich der BzP bis zum erwähnten Zeitpunkt
(noch) gar nicht erwähnt hatte (vgl. SEM act. A6 Ziff. 7.01), weshalb nicht
plausibel ist, dass der Dolmetscher ihn nach dem D._ gefragt hätte.
Zudem wurden ihm sowohl das Protokoll der BzP als auch dasjenige der
Anhörung am Schluss in seine Muttersprache rückübersetzt, wobei er die
Korrektheit und Wahrheit seiner Ausführungen unterschriftlich bestätigte
und auf Nachfrage explizit anführte, den jeweiligen Dolmetscher gut zu ver-
stehen beziehungsweise verstanden zu haben (vgl. SEM act. A7 Bst. h und
Ziff. 9.02; A34 F1 und S. 15). Auch sind den Protokollen keine Anzeichen
zu entnehmen, welche an deren Verwertbarkeit zweifeln oder darauf
schliessen lassen würden, der Beschwerdeführer habe den Befragungen
nicht folgen können, was im Übrigen aufgrund seines Bildungsniveaus –
Abschluss des (...)-Levels, (...) an einer Privatuniversität – auch verwun-
dern würde.
Weiter hat die Vorinstanz mit zutreffender Begründung erkannt, dass der
Beschwerdeführer mehrere zentrale Aussagen in der BzP nicht erwähnte.
So blieben insbesondere der Zeitpunkt der Befragungen durch Angehörige
des CID, der Vorfall, bei welchem der Beschwerdeführer mit einer Waffe
bedroht worden sei, und die Handgranate, welche ihm die CID Angehöri-
gen hätten unterschieben wollen, allesamt unerwähnt (vgl. SEM act. A23
F86, F90–93 und F95), selbst am Schluss der BzP hatte der Beschwerde-
führer auf Nachfrage hin keine Zusatzbemerkungen anzufügen (vgl. SEM
act. A6 Ziff. 9.01). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers lassen
sich diese Nichterwähnungen nicht mit der vorgebrachten Kürze der BzP
erklären. Vielmehr ist vor diesem Hintergrund auf einen nicht selber erleb-
ten Sachverhalt zu schliessen, zumal insbesondere die Vorfälle mit der an
den Kopf gehaltenen Schusswaffe oder der angeblich untergeschobenen
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Handgranate prägend gewesen sein müssten. Die entsprechenden Schil-
derungen sind daher als nachgeschoben und damit unglaubhaft zu werten.
Insgesamt verfängt in Berücksichtigung der Schilderungen des Beschwer-
deführers und seiner Ausführungen auf Beschwerdeebene sein Vorbrin-
gen, die Vorinstanz habe widersprüchliche und nachgeschobene Aussa-
gen zwischen der BzP und der Anhörung zu stark gewichtet, nicht.
5.3 Betreffend die aggressiven Angriffe nach seiner Flucht erstaunt, dass
der Beschwerdeführer den geltend gemachten Angriff durch Schwertkämp-
fer beziehungsweise Granaten auf sein Elternhaus nicht von sich aus, son-
dern erst auf zweimalige Nachfrage erwähnt hat (vgl. SEM A34 F66 ff.).
Zudem konnte er zu diesen Anschlägen keine eindeutigen Angaben ma-
chen. Vielmehr verstrickte er sich in weitere Widersprüche, wonach das
Haus seiner Eltern einmal beziehungsweise dreimal angegriffen worden
sei (vgl. SEM a.a.O. F71 ff.). Ferner ist nicht nachvollziehbar, dass der Be-
schwerdeführer den Zeitpunkt der angeblichen Anschläge auf sein Eltern-
haus – obwohl das Datum auf den eingereichten Fotos beziehungsweise
dem Video angegeben ist – trotz wiederholter Nachfrage nicht benennen
konnte (vgl. SEM a.a.O. F66–73; BM 14 und 15). Darüber hinaus geht aus
den eingereichten – behaupteterweise über die genannten Anschläge be-
richtenden – Zeitungsartikeln nicht hervor, wie diese mit seiner geltend ge-
machten asylrelevanten Verfolgung in Zusammenhang stehen sollen, zu-
mal dies auch in den Akten nicht ersichtlich ist. So hat die Vorinstanz mit
zutreffender Begründung erwogen, dass die Zeitungsberichte dafür eine
kriminelle Bande beschuldigen.
5.4 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, verdächtigt zu werden, dass er
am Wiederaufbau der LTTE beteiligt sein könnte, ist festzuhalten, dass er
nach dem Kriegsende im Jahr 2009 bis zur Ausreise im (...) noch (...) Jahre
in Sri Lanka gelebt hat. So hätten die sri-lankischen Behörden bei einem
allfälligen Verfolgungsinteresse ausreichend Zeit gehabt, um seiner hab-
haft zu werden. Es fällt auf, dass seine angebliche Verbindung zu den LTTE
und dass er deshalb ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten sei, in
der Beschwerdeschrift ungleich intensiver dargestellt wird (vgl. Be-
schwerde, Ziff. 34 ff., S. 13 f.), als es der Beschwerdeführer im Rahmen
der Befragungen tat. So gab er in der BzP an, keine Kontakte zu den LTTE
gepflegt zu haben, stattdessen an LTTE-Gedenktagen für Universitätsstu-
denten gegen Geld Sticker, Banner und Flyer gedruckt und verteilt zu ha-
ben (vgl. SEM act. A7 Ziff. 7.01). In der Anhörung ergänzte er, dass die
Studenten die Drucksachen vorbereitet hätten, diese Tätigkeit das Ge-
schäft seines Vaters gewesen sei und er diese Druckaufträge zwei- oder
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dreimal erledigt habe (vgl. SEM act. A34 F49 und F83). Er vermutete ledig-
lich, ihm sei der Wiederaufbau der LTTE vorgeworfen worden (vgl. a.a.O.
F54 und F74 f.), um allerdings anzubringen, die Regierung habe ihnen die
Druckaufträge nie verboten (vgl. a.a.O. F102). Würden die sri-lankischen
Behörden dem Beschwerdeführer tatsächlich ein Interesse am Wiederauf-
flammen des tamilischen Separatismus unterstellen, hätten sie ihn nicht
ohne Auflagen (...) Tage nach seiner Festnahme gehen lassen. Dieser Um-
stand zeigt vielmehr auf, dass die Behörden den Beschwerdeführer nicht
ernsthaft verdächtigten, in massgeblicher Weise für die LTTE aktiv gewe-
sen zu sein oder Kontakt zu Kaderleuten der Organisation gehabt zu ha-
ben. Zudem ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seine Heimat ei-
genen Angaben zufolge legal mit seinem eigenen Reisepass – den er sich
den Angaben nach lediglich (...) Monate vor seiner Ausreise hatte ausstel-
len lassen (vgl. SEM act. A7 Ziff. 4.02) – via den streng kontrollierten Flug-
hafen E._ verlassen hat. Er konnte mit seinem eigenen Pass von
E._ aus normal ausreisen, wobei er alleine durch die Kontrolle ge-
kommen ist (vgl. SEM a.a.O. Ziff. 4.02). Diese problemlose legale Ausreise
des Beschwerdeführers spricht gegen ein staatliches Verfolgungsinteresse
an seiner Person – selbst wenn seine Ausreise organisiert gewesen sei –
und bestätigt das vorstehend Ausgeführte.
Ansonsten erschöpfen sich die Beschwerdevorbringen in einer Wiederho-
lung des bereits dargelegten Sachverhalts, allgemeinen Ausführungen zur
Asylrelevanz sowie dem Festhalten daran, dass seine Asylvorbringen
durchaus glaubhaft und auch asylrelevant seien. Weiter betont der Be-
schwerdeführer zwar, dass seine dichten Beschreibungen voller Realkenn-
zeichen seien, substantiiert diese Behauptung im Einzelnen jedoch in kei-
ner Weise (vgl. Beschwerde, Ziff. 27, S. 10). Damit setzt er sich mit den
vorinstanzlichen Erwägungen nicht weiter auseinander, mithin legt er nicht
dar, inwiefern die Vorinstanz zu Unrecht auf Unglaubhaftigkeit geschlossen
hat. Insgesamt entsteht nicht der Eindruck, dass der Beschwerdeführer die
dargelegten Vorbringen tatsächlich erlebt hat.
5.5 Etwas Anderes vermag der Beschwerdeführer auch aus seinen zahl-
reich eingereichten Beweismitteln nicht abzuleiten. Betreffend das Schrei-
ben seines sri-lankischen Rechtsvertreters (vgl. SEM act. 35 Beweismit-
tel 5 [BM-5]) räumt er denn in der Rechtsmitteleingabe – nachdem die Vor-
instanz in diesem Zusammenhang zu Recht darauf hingewiesen hat, dass
sich daraus weitere Widersprüche (zweimalige Entführung des Beschwer-
deführers) ergeben – gleich selbst ein, es handle sich dabei lediglich um
ein Gefälligkeitsschreiben, welchem der Beweiswert abzusprechen sei.
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Weiter setzt sich der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe nicht
mit den Vorhalten der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung betref-
fend die polizeiliche Bestätigung, welche seine Mutter mutmasslich nach
seiner Entführung aufgegeben habe (vgl. SEM a.a.O. BM-4), und das
Schreiben des Vaters an den Dorfvorsteher (vgl. SEM a.a.O. BM-13) aus-
einander. Die diesbezüglich überzeugenden und zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz sind daher ohne weiteren Begründungsaufwand zu bestäti-
gen.
Bei den weiteren im vorinstanzlichen Verfahren und auf Beschwerdeebene
eingereichten Beweismitteln handelt es sich sodann grösstenteils um Do-
kumente (vgl. BM-6, BM-11 und BM-16), welche sich auf den D._,
der an Stelle des Beschwerdeführers inhaftiert worden sei, beziehen. Wie
die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, geben diese Dokumente keiner-
lei Hinweise auf den Grund der Gefängnisstrafen des D._. Somit ist
auch kein Zusammenhang mit den vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten Ausreisegründen erkennbar, zumal die Dokumente insbesondere
nicht geeignet sind, seine Vorbringen als glaubhaft erscheinen zu lassen.
Dies gilt insbesondere auch betreffend die Fotos und Videos zum darge-
legten Angriff auf das Elternhaus, wie auch betreffend die Geburtsregister-
auszüge der Eltern, weshalb der Beschwerdeführer daraus nichts zu sei-
nen Gunsten abzuleiten vermag. Betreffend das angebliche Gerichtsdoku-
ment des D._ vom (...) (Beilage 8 zur Eingabe vom 5. Juni 2020)
ist ergänzend anzuführen, dass dessen Beweiswert äussert gering ist, zu-
mal es lediglich in Scan-Kopie eingereicht worden ist. Zudem erscheint es
wenig plausibel, dass eine angeklagte Person auf einem Gerichtsdoku-
ment sowohl mit dem registrierten Namen als auch mit dem angeblichen
Rufnamen aufgeführt sein sollte. Etwas anderes vermag der Beschwerde-
führer auch nicht aus dem Brief seiner Mutter abzuleiten (Beilage zur Ein-
gabe vom 2. November 2020). Aufgrund des allgemein gehaltenen Inhalts
ist das Dokument als Gefälligkeitsschreiben ohne entscheidenden Beweis-
wert zu qualifizieren, zumal sich der Beschwerdeführer darüber aus-
schweigt, weshalb er den vom (...) datierten Brief erst (...) Monate später
zu den Akten gereicht hat.
5.6
5.6.1 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer unter anderem wegen
seiner behaupteten, ehemaligen Zugehörigkeit zu den LTTE sowie jener
seines D._ bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile
drohen würden. Der Beschwerdeführer macht damit objektive Nachflucht-
gründe geltend (vgl. Beschwerde, Ziff. 36 ff., S. 13 ff.).
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5.6.2 Das Bundesverwaltungsgericht hält im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die „Stop-List“,
Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risi-
kobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargelegten
Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begrün-
deten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden das Fehlen ordentli-
cher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respektive durch die Interna-
tionale Organisation für Migration begleitete Rückführung sowie gut sicht-
bare Narben schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Dies be-
deute, dass diese in der Regel für sich alleine genommen keine relevante
Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu begründen vermöchten. Jegliche
glaubhaft gemachten Risikofaktoren seien in einer Gesamtschau und in ih-
rer Wechselwirkung sowie unter Berücksichtigung der konkreten Um-
stände in einer Einzelfallprüfung zu berücksichtigen, mit dem Ziel, zu er-
wägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich re-
levante Verfolgung bejaht werden müsse (vgl. a.a.O. E. 8.5.5).
5.6.3 Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer
bei der Rückkehr nach Sri Lanka bei der Wiedereinreise einer Befragung
und Überprüfung durch die Grenzbehörden unterzogen wird. Ein solches
Vorgehen kann aber nicht als asylrelevante Verfolgung gewertet werden,
und für ein darüberhinausgehendes Verfolgungsinteresse der sri-lanki-
schen Behörden sind keine massgeblichen Hinweise ersichtlich. Der Be-
schwerdeführer erfüllt aufgrund seiner vergangenen Verbindungen zu den
LTTE sowie jenen des D._ zwar einen stark risikobegründenden
Faktor im Sinne des vorgenannten Referenzurteils. Diese Tatsache für sich
lässt aber noch nicht den Schluss zu, dass er zu jener Gruppe zu zählen
ist, die bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab-
sehbarer Zukunft ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu be-
fürchten hat.
Wie vorstehend dargelegt, hat der Beschwerdeführer nicht dargetan, im
Zeitpunkt der Ausreise flüchtlingsrechtlich relevant gefährdet gewesen zu
sein. Aus seinen Ausführungen geht auch nicht hervor, dass er selbst in
namhafter Weise für die LTTE tätig war. Es besteht vor diesem Hintergrund
kein Grund zur Annahme, dass der Beschwerdeführer auf der „Watch“-
oder der „Stop“-Liste eingetragen ist. Ferner ist er auch nicht exilpolitisch
aktiv (vgl. SEM act. A34 F104). Was die in der Beschwerdeschrift erwähnte
Verbindung zu einem LTTE-Mitglied, mithin seinem D._ betrifft, ist
trotz Einreichung zahlreicher Beweismittel fraglich, ob und weshalb sein
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D._ überhaupt im Gefängnis gewesen sein soll, zumal der Be-
schwerdeführer einen Zusammenhang zu ihm nicht hat glaubhaft machen
können. Damit teilt das Gericht im Ergebnis die Auffassung der Vorinstanz,
dass auch unter Berücksichtigung der aufgeführten Risikofaktoren kein
Grund zur Annahme einer begründeten Furcht des Beschwerdeführers vor
Verfolgung besteht. Eine wesentliche Akzentuierung des Profils ist
schliesslich auch weder aufgrund einer bevorstehenden Vorsprache auf
dem sri-lankischen Generalkonsulat noch aufgrund der im Zusammenhang
mit der Ersatzreisepapierbeschaffung an die heimatlichen Behörden über-
mittelten Daten zu erwarten (vgl. BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3).
5.6.4 Insgesamt ist aufgrund der Aktenlage nicht anzunehmen, dass dem
Beschwerdeführer persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Zudem ist
darauf hinzuweisen, dass die Erfüllung von Risikofaktoren nicht per se
ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zur Folge haben (vgl. a.a.O.
E. 8.5.1 Satz 1).
5.7 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, in Sri Lanka habe sich die
Lage durch den Regierungswechsel im November 2019 und die Vorkomm-
nisse auf der Schweizerischen Botschaft vom Dezember 2019 verändert.
5.7.1 Seit Einreichung des Asylgesuchs durch den Beschwerdeführer war
die Lage in Sri Lanka verschiedenen Veränderungen unterworfen, wobei
namentlich politische Spannungen, die verheerenden Terroranschläge an
Ostern 2019 sowie zuletzt die Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsi-
denten von Sri Lanka zu erwähnen sind. Der neue Präsident war unter sei-
nem älteren Bruder Mahinda Rajapaksa, der seinerseits von 2005 bis 2015
Präsident Sri Lankas war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahl-
reiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten
begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechts-
verletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet
die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri
Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident sei-
nen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder,
Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Ma-
hinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett
zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl.
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-
brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state/2019112717475
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state/2019112717475 https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state/2019112717475
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3/, abgerufen am 24. September 2020). Beobachter und ethnische/religi-
öse Minderheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die ver-
mehrte Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten,
Journalistinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen
Personen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel
weckt Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Go-
tabaya Rajapaksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an
(vgl. NZZ, Sri Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020), die am
5. August 2020 auch stattfanden.
5.7.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri
Lanka bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und be-
rücksichtigt sie bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen
Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefähr-
dungslage auszugehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil
ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl.
Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli
2016, HRW, Sri Lanka: Families of «Disappeared» Threatened,
16.02.2020). Es gibt aber zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur An-
nahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs-
gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen
Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asyl-
suchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019
respektive deren Folgen besteht. Ein solcher Bezug ist vor dem Hinter-
grund vorstehender Erwägungen nicht ersichtlich. Im Zusammenhang mit
der Entführung der Botschaftsmitarbeiterin sind gemäss Auskunft der
Schweizerischen Botschaft keine Informationen an die sri-lankischen Be-
hörden gelangt, so dass keine Anhaltspunkte auf eine erhöhte Gefähr-
dungssituation hinweisen.
5.8 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die
Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Die Vor-
instanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
6.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
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solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar oder unmög-
lich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 sowie Art. 4 der
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.2.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder
glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden.
Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach
unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
7.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
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Seite 20
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-
Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr
("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer
Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl.
Urteil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation
in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen
(BVGE 2011/24 E. 10.4). Auch der EGMR hat wiederholt festgestellt, dass
nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine
unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse im Einzelfall
vorgenommen werden (Urteil des EGMR R.J. gegen Frankreich vom
19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Ausführungen des
Beschwerdeführers noch aus den Akten ergeben sich konkrete Anhalts-
punkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri Lanka dort
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach EMRK oder FoK verbote-
nen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Dies gilt auch unter Berück-
sichtigung der Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen von November
2019 und des diplomatischen Konflikts zwischen der Schweizer Botschaft
und den sri-lankischen Behörden.
7.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. An dieser Einschät-
zung vermögen auch die am Ostersonntag 2019 erfolgten Anschläge auf
Kirchen und Luxushotels nichts zu ändern (vgl. Urteil des BVGer
E-868/2020 vom 25. März 2020). Auch unter Berücksichtigung des Vorfalls
im Zusammenhang mit der Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft
und der aktuellen politischen Situation rund um Präsident Gotabaya Raja-
paksa, dessen Auflösung des Parlaments sowie den Parlamentswahlen
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Seite 21
vom 5. August 2020, sieht das Bundesverwaltungsgericht keine Veranlas-
sung den Wegweisungsvollzug sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-
scher Ethnie als generell unzumutbar einzustufen (vgl. Urteile
D-2130/2017 vom 14. Oktober 2020; E-1128/2020 vom 17. März 2020).
7.3.2 Der Beschwerdeführer verbrachte sein ganzes bisheriges Leben in
C._ (Distrikt B._) in der Nordprovinz, wo er die Schulen bis
zum (...)-Level besuchte, einen (...) of Information and Technology an einer
privaten Universität erwarb und anschliessend als Filialleiter in einem (...)
arbeitete und im (...) seines Vaters aushalf (vgl. SEM act. A7 Ziff. 1.17.04 f.
und Ziff. 2.02; act. A34 F44 f.). An seinem Herkunftsort wohnen seine
nächsten Familienangehörigen und weitere Verwandte, welche auch be-
rufstätig sind (vgl. SEM act. A34 F33, F35 f. und F38 ff.). Es ist somit da-
von auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer in seiner Heimat beruf-
lich wieder integrieren und auf ein tragfähiges Beziehungsnetz zurückgrei-
fen kann, welches ihn nach einer Rückkehr im Bedarfsfall unterstützen
kann.
Vorliegend bringt der Beschwerdeführer zwar vor, an den erlittenen trau-
matischen Erlebnissen zu leiden, weswegen er sich selber verletze und
«genug von seinem Leben zu haben» (vgl. Beschwerde, Ziff. 22, S. 8).
Diese Vorbringen sind trotz der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers
(vgl. Art. 8 AsylG) gänzlich unsubstantiiert geblieben. Im Übrigen lassen
die Vorbringen nicht auf eine akute, lebensgefährdende und im Heimatland
schlicht nicht behandelbare Erkrankung schliessen. Auch mit dem (unbe-
legten) Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe (vgl. Beschwerde, Ziff. 48,
S. 18 f.), angesichts des Coronavirus sei in Sri Lanka von einer medizini-
schen Notlage auszugehen und er werde bei einer Ansteckung keinen Zu-
gang zu einer medizinischen Versorgung erhalten, vermag der Beschwer-
deführer keine die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs begrün-
dende medizinische Notlage darzulegen.
Der Vollzug der Wegweisung erweist sich damit als zumutbar.
7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der Wegweisung
auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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Seite 22
Der Verweis des Beschwerdeführers in der Rechtsmitteleingabe vom
23. März 2020 auf die Corona-Pandemie, die eine derzeitige Rückkehr
nach Sri Lanka nicht möglich mache, vermag nicht zur Annahme einer
gänzlichen Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs zu führen. Die aktu-
ellen Massnahmen im Zusammenhang mit der weltweiten Ausbreitung der
Coronavirus-Krankheit (Covid-19) sind aufgrund ihrer vorübergehenden
Natur nicht geeignet, die obigen Schlussfolgerungen zur Durchführbarkeit
des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Der Situation wird von den
Vollzugsbehörden im Rahmen der Organisation des Vollzugs angemessen
Rechnung zu tragen sein. Verzögern die besagten Massnahmen vorlie-
gend den Vollzug vorübergehend, so wird dieser zu einem späteren, ange-
messenen Zeitpunkt erfolgen (vgl. hierzu u. a. das Urteil des BVGer
E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.6).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten
fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht
(Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen
ist (Art. 106 AsylG) und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.
Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes-
halb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als ge-
genstandslos erweist.
9.
9.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch
um unentgeltliche Prozessführung ist indes gutzuheissen, da von der Pro-
zessbedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist und die Rechts-
begehren sich nicht als aussichtlos darstellten. Es sind keine Verfahrens-
kosten zu erheben (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
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Seite 23
9.3 Nachdem der Antrag auf Genehmigung der unentgeltlichen Prozess-
führung gutgeheissen wurde und das Bundesverwaltungsgericht nach
aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG der asylsuchenden Person, welche von der
Bezahlung der Verfahrenskosten befreit wurde, auf Antrag einen amtlichen
Rechtsbeistand bestellt, ist auch das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtsverbeiständung gutzuheissen und antragsgemäss Frau
MLaw Cora Dubach als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers
einzusetzen. Ihr ist ein amtliches Honorar zu entrichten. Die Festsetzung
des amtlichen Honorars erfolgt in Anwendung der Art. 8–11 sowie Art. 12
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2).
In der am 2. November 2020 eingereichten Kostennote wird seitens der
Rechtsvertretung ein Aufwand von total 19.6 Stunden (inkl. Dolmetscherin
2.3 Stunden à Fr. 80.–) sowie Auslagen von insgesamt Fr. 18.– geltend ge-
macht. Die Auslagen sind als angemessen zu erachten, hingegen er-
scheint der ausgewiesene Aufwand (insbesondere derjenige für das Ver-
fassen der Beschwerde und die länderspezifischen Abklärungen) als zu
hoch, weshalb der geltend gemachte Aufwand auf 14.5 Stunden (und zu-
sätzlich 2.3 Stunden à Fr. 80.– Dolmetscherkosten) zu kürzen ist. Der aus-
gewiesene Stundenansatz von Fr. 150.– bewegt sich im Rahmen von
Art. 10 Abs. 2 VGKE. Die in der Kostennote zusätzlich ausgewiesene Dos-
siereröffnungspauschale von Fr. 50.– ist dagegen praxisgemäss nicht zu
vergüten. Das Honorar für die als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzte
Rechtsvertreterin beträgt somit insgesamt Fr. 2'377.– (nicht mehrwertsteu-
erpflichtig) und geht zulasten der Gerichtskasse des Bundesverwaltungs-
gerichts.
(Dispositiv nächste Seite)
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