Decision ID: e3b875fa-f48e-52c1-b363-6e3153fdfa68
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am 17. November 2015, 02.00 Uhr, wurde bei der kantonalen Notrufzentrale ein
Selbstunfall bei der Verzweigung Büchel-/Maadstrasse in Rüthi gemeldet. Ein
Anwohner berichtete, der wahrscheinlich alkoholisierte Unfallverursacher sei vermutlich
in Richtung österreichische Grenze weitergefahren. Die Kantonspolizei traf um 02.15
Uhr beim Grenzübergang Büchel in Rüthi ein, wo zwei Personen auf österreichischem
Hoheitsgebiet neben einem Ford Mondeo (Kontrollschild St. Gallen 347243) mit einem
beschädigten Vorderreifen warteten. Sie wurden von der Kantonspolizei kontrolliert;
eine Person wies sich als aus. Die vier durchgeführten Atemlufttests vielen belastend
aus. Da die zur Klärung des Sachverhalts hinzugezogene österreichische Polizei von
einer Untersuchung absah, nahm die Kantonspolizei X vorläufig fest
(Festnahmezeitpunkt: 02.17 Uhr), brachte ihn zurück in die Schweiz und liess im Spital
Altstätten eine Blut- und Urinprobe entnehmen. X war bis zum nächsten Morgen auf
dem Polizeistützpunkt Thal inhaftiert. Die Auswertung der Blutprobe durch das Institut
für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen ergab eine minimale
Blutalkoholkonzentration (BAK) von 1,33 Gewichtspromille und eine maximale BAK von
2,04 Gewichtspromille. Mit Verfügung vom 18. Januar 2016 entzog das
Strassenverkehrsamt den Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsvorschriften (Lenken eines Fahrzeugs in angetrunkenem Zustand
mit einer qualifizierten BAK) für die Dauer von drei Monaten. X besitzt den
Führerausweis der Kategorie B seit dem 15. November 2000; denjenigen der
Kategorie A erwarb er am 15. November 2002. Im Administrativmassnahmen-Register
(ADMAS) ist er nicht verzeichnet.
B.- Mit Eingabe vom 4. Februar 2016 erhob X Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, die Verfügung des
Strassenverkehrsamts vom 18. Januar 2016 sei aufzuheben, und es sei festzustellen,
dass der Entzug des Führerausweises zu Unrecht erfolgt sei, es sei ihm eine
Entschädigung von Fr. 7'833.20 für seine Aufwendungen zuzusprechen, eventualiter
sei das Verfahren so lange zu sistieren, bis über die Rechtmässigkeit des Verhaltens
der Schweizer Polizei entschieden sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Der
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Rekurrent teilte zudem mit, dass er aufgrund des widerrechtlichen Verhaltens der
Schweizer Polizei auf österreichischem Boden sowohl in der Schweiz als auch in
Österreich eine Beschwerde gegen die Schweizer Polizei unter anderem wegen
Amtshandlungen im Ausland eingereicht habe. Da unklar war, ob die von der Polizei
erhobenen Beweise verwertbar sind, wurde das Rekursverfahren am 9. Februar 2016
sistiert.
C.- Am 29. Dezember 2017 wurde das Strafverfahren gegen X wegen Fahrens in nicht
fahrfähigem Zustand (qualifizierte Blutalkoholkonzentration) und Führens eines nicht
betriebssicheren Fahrzeugs eingestellt; die Rechtsvertreterin orientierte das Gericht am
13. März 2018 darüber. Es wurde erwogen, die in Österreich gewonnenen
Erkenntnisse, namentlich die Ermittlung des mutmasslichen Unfallfahrzeugs und des
mutmasslichen Fahrzeuglenkers sowie die Resultate der Atemlufttests und der
Auswertung der Blutprobe seien nicht verwertbar. Daraufhin hob der Verfahrensleiter
die Sistierung des Rekursverfahrens am 14. März 2018 auf. Mit Schreiben vom
29. März 2018 verzichtete das Strassenverkehrsamt vorerst auf eine Vernehmlassung.
Später, am 19. April 2018, beantragte es die Rückweisung der Angelegenheit zu neuer
Beurteilung. X habe sich Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit entzogen
oder den Zweck der Massnahme vereitelt. Dieses Verhalten sei ebenfalls mit einem
Führerausweisentzug von drei Monaten zu sanktionieren. Der Rekurrent beantragte mit
Stellungnahme vom 7. Mai 2018, auf das Begehren des Strassenverkehrsamts sei nicht
einzutreten, eventualiter sei es abzuweisen.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 4. Februar 2016 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und materieller Hinsicht die gesetzlichen
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Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
In Ziffer 2 des Rechtsbegehrens beantragte der Rekurrent die Erstattung der ihm durch
den Entzug des Führerausweises entstandenen Auslagen in der Höhe von Fr. 7'833.20.
Ein öffentlich-rechtlicher Entschädigungsanspruch ist indes nicht im Rekursverfahren
vor der Verwaltungsrekurskommission zu prüfen; vielmehr sind solche Forderungen
beim Zivilgericht geltend zu machen (Art. 72 lit. a VRP). Auf dieses Begehren ist
deshalb mangels Zuständigkeit nicht einzutreten. Im Übrigen ist auf den Rekurs
einzutreten.
2.- Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz vom 18. Januar 2016, womit
der Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von drei Monaten entzogen wurde. Im
Rekurs ist umstritten, ob sich der Rekurrent des Fahrens in angetrunkenem Zustand
mit einer qualifizierten Blutalkoholkonzentration oder – wie von der Vorinstanz während
des Verfahrens vorbrachte – der Vereitelung einer Blut- oder Atemalkoholprobe
schuldig gemacht hat. Beide Tatbestände werden mit einem Führerausweisentzug von
mindestens drei Monaten sanktioniert (Art. 16c Abs. 1 lit. b und d und Art. 16c Abs. 2
lit. a des Strassenverkehrsgesetzes [SR 741.01, abgekürzt: SVG]).
a) Die Vorinstanz warf dem Rekurrenten vor, am 17. November 2015 in Rüthi einen
Personenwagen in angetrunkenem Zustand mit mindestens 1,33 Gewichtspromille
gelenkt zu haben. Sie erwog, Ausgangslage für die polizeiliche Intervention sei das
unmittelbar nach der Rheinbrücke parkierte Fahrzeug gewesen. Unabhängig davon, wo
die Amtshandlungen ihren Anfang genommen hätten, sei als erwiesen zu erachten,
dass aufgrund der übereinstimmenden Angaben der Auskunftsperson (defekter
Vorderreifen vorne links sowie genaue Beschreibung des Fahrers und des Beifahrers)
mit der von der Kantonspolizei angetroffenen Situation nur der Rekurrent als Lenker in
Frage komme. Aus dem Polizeirapport gehe hervor, dass der Rekurrent sich freiwillig
bereit erklärt habe, die weiteren Amtshandlungen in der Schweiz durchführen zu
lassen. Anlässlich der polizeilichen Befragung habe er zudem zugegeben, den
Personenwagen auf einem kurzen Teilstück in der Schweiz gelenkt zu haben.
bis
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b) Das Untersuchungsamt Altstätten stellte das Strafverfahren mit Verfügung vom
29. Dezember 2017 ein. Es erwog, Ausgangspunkt des Verfahrens seien die Angaben
der Auskunftsperson gewesen, die in den frühen Morgenstunden des 17. November
2015 bei der kantonalen Notrufzentrale gemeldet habe, dass sich in Rüthi ein
Selbstunfall ereignet habe und das Fahrzeug mit einem beschädigten linken
Vorderreifen in Richtung österreichische Grenze gelenkt werde; Angaben zur Marke,
zum Model und zum Kontrollschild des Fahrzeugs habe die Auskunftsperson nicht
machen können. Auf den Rekurrenten als mutmasslichen Täter und sein Fahrzeug als
mutmassliches Unfallfahrzeug sei die Polizei erst im Zusammenhang mit den
Erhebungen in Bangs/A gestossen. Nach Art. 216 Abs. 1 der Schweizerischen
Strafprozessordnung (SR 312.0, abgekürzt: StPO) sei die Polizei berechtigt, in
dringenden Fällen, eine beschuldigte Person im Rahmen völkerrechtlicher Verträge ins
Ausland zu verfolgen und dort anzuhalten. lm Verhältnis zwischen der Schweiz und
Österreich gelte nebst dem Übereinkommen vom 19. Juni 1990 zur Durchführung des
Übereinkommens von Schengen (SDÜ) auch der Vertrag zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft, der Republik Österreich und dem Fürstentum
Liechtenstein über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Sicherheits- und
Zollbehörden. Auf die vorliegend zu beurteilenden Widerhandlungen gegen das
Strassenverkehrsgesetz könne jedoch weder das SDÜ noch der
Zusammenarbeitsvertrag angewendet werden. Aus diesem Grund seien die Schweizer
Polizeibeamten nicht zur Beweiserhebung auf österreichischem Staatsgebiet befugt
gewesen. Erkenntnisse, die ein Staat eigenmächtig im Ausland ohne Einwilligung des
Territorialstaates gesammelt habe, dürften im inländischen Verfahren nicht verwertet
werden. Die in Österreich gewonnenen Erkenntnisse, namentlich die Ermittlung des
mutmasslichen Unfallfahrzeugs, des mutmasslichen Fahrzeuglenkers und die Resultate
der Atemlufttests seien deshalb nach Art. 141 Abs. 2 StPO nicht verwertbar.
Ermögliche ein Beweis, der nach Art. 141 Abs. 2 StPO nicht verwertet werden dürfe,
die Erhebung weiterer Beweise, so seien diese nach Art.141 Abs. 4 StPO ebenfalls
nicht verwertbar, wenn sie ohne die vorhergehende Beweiserhebung nicht möglich
gewesen wäre. Deshalb sei vorliegend auch das Resultat der Blutanalyse nicht
verwertbar; die Blutprobe wäre ohne die vorgängig in Österreich erfolgte Ermittlung des
Rekurrenten als mutmasslichen Fahrzeuglenker nicht möglich gewesen. Zudem sei die
Blutprobe durch die Polizeibeamtin angeordnet worden, was ebenfalls nicht zulässig
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sei. Gemäss neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung seien Polizeibeamte nicht
befugt, Blutproben anzuordnen, da es sich dabei um Zwangsmassnahmen nach
Art. 198 StPO handle, für deren Anordnung selbst bei Einwilligung des betroffenen
Fahrzeuglenkers die Staatsanwaltschaft zuständig sei. Das Verfahren hinsichtlich
Fahrens in fahrunfähigem Zustand sei daher in Anwendung von Art. 319 Abs. 1 lit. a
StPO mangels Beweisen einzustellen. Auch der Vorwurf des Führens eines nicht
betriebssicheren Fahrzeugs könne dem Beschuldigten ohne die in Österreich
getätigten polizeilichen Ermittlungen nicht rechtsgenüglich nachgewiesen werden.
Zwar stellten die Durchfahrtsberichte des Grenzwachtkorps Beweismittel dar, die
ausschliesslich in der Schweiz erhoben worden seien. Die Formulierungen im
Polizeirapport wiesen aber darauf hin, dass gezielt nach dem Fahrzeug des
Beschuldigten gesucht worden sei. Dies sei nur aufgrund der vorgängig in Österreich
gewonnenen Erkenntnisse über das Tatfahrzeug möglich gewesen. Wenn die
Polizeibeamten hingegen mittels allgemeiner Suche zufälligerweise auf den
Personenwagen des Rekurrenten gestossen wären, hätten sie ohne die in Österreich
gewonnenen Erkenntnisse dem Rekurrenten kaum nachweisen können, dass er zum
Tatzeitpunkt der Fahrzeuglenker gewesen war. Das Verfahren sei daher auch in diesem
Punkt nach Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO einzustellen.
c) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bindet das Strafurteil die
Verwaltungsbehörde auch bei Warnungsentzügen grundsätzlich nicht. Um
widersprechende Entscheide aber nach Möglichkeit zu verhindern, hat die
Rechtsprechung angenommen, die Administrativbehörde dürfe sich nicht ohne
ernsthafte Gründe von der Tatsachenfeststellung durch den Strafrichter entfernen.
Demgemäss darf die urteilende Behörde in SVG-Administrativentscheiden von den
Feststellungen im konnexen, rechtskräftigen Strafurteil nur abweichen, wenn sie
Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt
waren, wenn sich die Erhebung zusätzlicher Beweise aufdrängt, wenn die
Beweiswürdigung des Strafrichters eindeutig im Widerspruch zur Tatsachenlage stand
oder wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht
sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere jene nicht, welche die Verletzung
der Verkehrsregeln betreffen. Die Verwaltungsbehörde hat insbesondere dann auf die
Tatsachen im Strafurteil abzustellen, wenn dieses im ordentlichen Verfahren mit
öffentlicher Verhandlung unter Anhörung der Parteien und Einvernahme von Zeugen
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ergangen ist, es sei denn, es bestünden klare Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit dieser
Tatsachenfeststellung; in diesem Fall hat die Verwaltungsbehörde nötigenfalls
selbständige Beweiserhebungen durchzuführen (BGE 124 II 103 E. 1c/aa;
Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Vorbemerkungen zu
Art. 16 ff. SVG N 10). Hinsichtlich des Beweisverwertungsverbots hielt das
Bundesgericht fest, es verstosse gegen die Rechtssicherheit, die das Prinzip der
Koordination des Strafverfahrens und des Administrativmassnahmeverfahrens gerade
zu bewahren bezwecke, eine Massnahme (gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG [Verwarnung
oder Warnungsentzug]) auf der Grundlage von Tatsachen zu treffen, die vom
Strafrichter wegen ihrer rechtswidrigen Erlangung ausgeschlossen worden seien
(vgl. BGE 139 II 95 = Pra 2013 Nr. 83 E. 3.4.3; Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission [VRKE] IV-2014/127 vom 30. März 2017 E. 3c/cc).
Entsprechend gilt auch im vorliegenden Verfahren, dass nicht nachgewiesen ist, dass
der Rekurrent am 17. November 2015 ein nicht betriebssicheres Fahrzeug in
alkoholisiertem Zustand lenkte. Die Vorinstanz opponierte gegen die strafrechtliche
Beurteilung nicht, machte jedoch in der Eingabe vom 19. April 2018 geltend, der
Strafrichter habe nicht sämtliche Rechtsfragen geklärt, insbesondere nicht untersucht,
ob sich der Rekurrent durch seine Rückkehr nach Österreich Massnahmen zur
Feststellung seiner Fahrfähigkeit entzogen und damit eine schwere Widerhandlung
gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. d SVG begangen habe. Dies ist nachfolgend zu prüfen.
d) Eine schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften begeht, wer
sich vorsätzlich einer Blutprobe, einer Atemalkoholprobe oder einer anderen vom
Bundesrat geregelten Voruntersuchung, die angeordnet wurde oder mit deren
Anordnung gerechnet werden muss, oder einer zusätzlichen ärztlichen Untersuchung
widersetzt oder entzieht oder den Zweck dieser Massnahmen vereitelt (Art. 16c Abs. 1
lit. d SVG). Das ist namentlich dann der Fall, wenn er die Unfallstelle verlässt, ohne die
Polizei zu benachrichtigen, obwohl er dazu aufgrund von Art. 51 Abs. 2 oder 3 SVG
verpflichtet wäre. Typisch sind Fälle, in denen der Fahrzeuglenker Sachen eines Dritten
beschädigt, etwa ein parkiertes Auto oder einen Gartenzaun, sich davonmacht und
sich, wenn überhaupt, erst mehrere Stunden nach dem Unfall beim Geschädigten oder
bei der Polizei meldet. Im Unterschied zum Sich-Widersetzen ist die Tatvariante des
Sich-Entziehens auch in strafrechtlicher Hinsicht ein Erfolgsdelikt. Am Erfolg fehlt es,
wenn trotz des pflichtwidrigen Verhaltens zu einem späteren Zeitpunkt doch noch eine
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Blutprobe oder eine andere Untersuchung durchgeführt und die Fahr(un)fähigkeit im
Unfallzeitpunkt zuverlässig ermittelt werden kann (BSK SVG-Rütsche/Weber, Art. 16c
N 31; Weissenberger, a.a.O., Art. 16c SVG N 17).
Die Vereitelung einer Massnahme zur Feststellung der Fahrfähigkeit gemäss Art. 16c
Abs. 1 lit. d SVG kommt nur in Betracht, wenn der Rekurrent verpflichtet ist, sich der
Polizei zur Verfügung zu halten, was einen Drittschaden erfordert (vgl. Art. 51 Abs. 2
und 3 SVG; Weissenberger, a.a.O., Art. 91a SVG N 10). Dass ein solcher beim Ereignis
vom 17. November 2015 entstanden sei, wurde von der Vorinstanz nicht behauptet.
Auch aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür. Insbesondere ergeben
sich weder aus der Eingangsmeldung noch dem Polizeirapport Hinweise auf eine
Schädigung Dritter. Der Unfallverursacher hätte demnach nicht mit polizeilichen
Abklärungen rechnen müssen, weshalb der Vorwurf, die Überprüfung der Fahrfähigkeit
vereitelt zu haben, bereits deshalb fehlgeht. Abgesehen davon bestünden beim
Tatbestand der Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit die
gleichen Beweisprobleme wie bei demjenigen des Fahrens in fahrunfähigem Zustand:
Ohne die Ermittlungen der Kantonspolizei St. Gallen auf österreichischem
Hoheitsgebiet wären weder der mutmassliche Täter noch das mutmassliche Fahrzeug
bekannt gewesen. Dies hat offensichtlich auch die Staatsanwaltschaft erkannt,
weshalb sie das Strafverfahren eingestellt, die Ermittlungen nicht ausgedehnt und
insbesondere nicht näher geprüft hat, ob der Straftatbestand gemäss Art. 91a SVG
(Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit) erfüllt ist. Die
Angaben des Rekurrenten vor der Polizei sind deshalb nicht verwertbar, weil diese
Aussagen nur aufgrund einer unrechtmässigen Ermittlung des mutmasslichen Täters
und des mutmasslichen Fahrzeugs erlangt wurden. Unter diesen Umständen ist
schlechterdings nicht vorstellbar, wie ein Führerausweisentzug gestützt auf Art. 16c
Abs. 1 lit. d SVG (Vereitelung) begründet werden könnte, weshalb auf eine
Rückweisung an die Vorinstanz zu verzichten ist. Hinzu kommt, dass die Vorinstanz
nicht dargelegt hat, welche zusätzlichen Beweise sie zu erheben beabsichtigt.
e) Somit ist nicht nachgewiesen, dass der Rekurrent am 17. November 2015 eine
Widerhandlung nach Art. 16c Abs. 1 lit. b oder d SVG beging. Der Rekurs ist deshalb
gutzuheissen und die vorinstanzliche Verfügung vom 18. Januar 2016 aufzuheben.
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3.- a) Die amtlichen Kosten werden nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt (Art. 95
Abs. 1 VRP). Der Rekurrent obsiegt im Hauptantrag. Dass auf das
Entschädigungsbegehren nicht eingetreten wird, kann bei der Kostenauflage
vernachlässigt werden. Dementsprechend sind die amtlichen Kosten dem Staat
aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (Art. 7
Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
b) Der vollständig obsiegende Rekurrent liess sich anwaltlich vertreten. Er hat gemäss
Art. 98 Abs. 2 und Art. 98 VRP Anspruch auf eine vollständige Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten, soweit diese als notwendig und angemessen erscheinen. Der
Beizug einer Rechtsvertreterin war im Rekursverfahren geboten. Die Vertreterin machte
einen Zeitaufwand von 19,55 Stunden, davon 14,55 Stunden im Jahr 2016, geltend und
reichte eine Kostennote in der Höhe von Fr. 5'307.15 (Honorar Fr. 4'887.50,
Barauslagen Fr. 30.–, Mehrwertsteuer Fr. 389.65; act. 17) ein. Zu berücksichtigen ist,
dass nur die Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Rekursverfahren zu
entschädigen sind, nicht hingegen der anwaltliche Aufwand im vorinstanzlichen
Verfahren, der gemäss dem Leistungsaufschrieb der Rechtsvertreterin mit 7,92
Stunden zu Buche schlug (vgl. Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP). Dies bedeutet, dass nur der
Aufwand abzugelten ist, der im Zusammenhang mit der Rekurserhebung angefallen ist;
denn das Studieren und Erklären der vorinstanzlichen Verfügung gehört noch zum
vorinstanzlichen Verfahren.
Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale
ausgerichtet. Es beträgt zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 12'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt:
HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen
Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des
Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO).
Der Aktenumfang ist im Vergleich zu anderen Strassenverkehrsfällen durchschnittlich.
Es ergaben sich weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht besondere
Schwierigkeiten. Insgesamt erscheint es angemessen, den mit sechs Stunden
angegebenen Aufwand für das Verfassen des Rekurses um eine Stunde (Jahr 2016) zu
kürzen. Dies ergibt einen Aufwand von insgesamt 10,63 Stunden (Jahr 2016: 5,63 Std.;
2018: 5 Std.), was einem Honorar von Fr. 2'657.50 entspricht. Hinzuzuzählen sind die
bis
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im Jahr 2016 angefallenen Barauslagen von Fr. 30.– (Art. 28 HonO) und die
Mehrwertsteuer (Art. 29 HonO). Bis 31. Dezember 2017 galt ein Mehrwertsteuersatz
von 8%, seit 1. Januar 2018 beträgt dieser 7,7%. Somit beläuft sich die
Mehrwertsteuer für das Jahr 2016 auf Fr. 115.– (8% von Fr. 1'437.50) und für das Jahr
2018 auf Fr. 96.25 (7.7% von Fr. 1'250.–), das heisst zusammen auf Fr. 211.25. Die
ausseramtliche Entschädigung beträgt damit insgesamt Fr. 2'898.75.
Entschädigungspflichtig ist der Staat (Strassenverkehrsamt).