Decision ID: d469169e-8a0d-4caf-a3d5-df82209d76e6
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, eine 1967 geborene Staatsangehörige Nordma-
zedoniens, reiste gemäss eigenen Angaben am 7. März 2020 zu einem
Besuchsaufenthalt bei ihrer Familie in die Schweiz ein.
B.
Aufgrund der COVID-19-Pandemie liess die Beschwerdeführerin ihren Auf-
enthalt nach Erreichen der visumsbefreiten Aufenthaltsdauer von 90 Tagen
zwei Mal durch das zuständige kantonale Migrationsamt verlängern, letzt-
mals vom 28. Juli 2020 bis 28. August 2020.
C.
Anlässlich einer grenzpolizeilichen Ausreisekontrolle am Flughafen Basel
am 10. März 2021 stellten die kontrollierenden Beamten einen um 194
Tage über die zulässige Aufenthaltsdauer im Schengen-Raum hinausge-
henden Aufenthalt der Beschwerdeführerin fest.
D.
Am 12. März 2021 verhängte die Vorinstanz ein zweijähriges Einreisever-
bot über die Beschwerdeführerin und veranlasste ihre Ausschreibung zur
Einreiseverweigerungen im Schengener Informationssystem (SIS II). Die
Verfügung konnte der Beschwerdeführerin erst am 22. Juli 2021 über den
sie rechtsgültig vertretenden Sohn eröffnet werden.
E.
Mit Strafbefehl vom 15. Juni 2021 sprach die Staatsanwaltschaft des Kan-
tons B._ die Beschwerdeführerin des rechtswidrigen Aufenthalts
schuldig und bestrafte sie mit einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessät-
zen zu Fr. 30.- und einer Busse von Fr. 240.-.
F.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 23. August 2021 gelangte die Beschwerde-
führerin an das Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragte, es sei das Ein-
reiseverbot aufzuheben, eventualiter sei die Sache zur neuen Beurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zudem sei der Beschwerde die auf-
schiebende Wirkung zu erteilen.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 1. Oktober 2021 lehnte das Bundesverwal-
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tungsgericht das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wir-
kung ab und forderte die Beschwerdeführerin auf, einen Kostenvorschuss
in der Höhe der mutmasslichen Verfahrenskosten zu bezahlen.
H.
In ihrer Vernehmlassung vom 18. November 2021 beantragte die Vo-
rinstanz die Abweisung der Beschwerde.
I.
Mit Replik vom 7. Dezember 2021 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Rechtsbegehren fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM, die ein Einreiseverbot nach Art. 67 AIG
(SR 142.20) zum Gegenstand haben, unterliegen der Beschwerde an das
Bundesverwaltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist zur Erhebung der Beschwerde legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.4 Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihr sei die angefochtene Ver-
fügung nicht zugestellt worden. Aus einem Fristversäumnis dürfe ihr kein
Nachteil erwachsen, da sie von der Vorinstanz mangelhaft über die beson-
deren gesetzlichen Anforderungen zur Fristwahrung bei Beschwerden im
internationalen Verhältnis informiert worden sei. Diese Einwände sind nicht
zu hören. Zwar wurde die angefochtene Verfügung unmittelbar nach ihrem
Erlass tatsächlich nicht zugestellt. Die Vorinstanz holte die Eröffnung aber
mit Schreiben vom 19. Juli 2021 an den in der Schweiz wohnhaften Sohn
der Beschwerdeführerin rechtsgültig nach. Dabei wies das SEM darauf hin,
dass die Verfügung erst mit dieser Zustellung als eröffnet gelte. Dement-
sprechend ist vorliegend von einer fristgerechten Beschwerdeerhebung
auszugehen und der Beschwerdeführerin ist aus dem Vorgehen der Vo-
rinstanz insofern kein Nachteil erwachsen. Sollte sie mit ihren Ausführun-
gen sinngemäss eine Staatshaftung geltend machen wollen, was unklar
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bleibt, ginge dies über den zulässigen Streitgegenstand des vorliegenden
Verfahrens hinaus. Die Beschwerdeführerin ist insofern auf das Bundesge-
setz über die Verantwortlichkeit des Bundes sowie seiner Behördemitglie-
der und Beamten (Verantwortlichkeitsgesetz, VG, SR 170.32) und das dort
vorgesehene Verfahren hinzuweisen.
1.5 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist im Ergebnis
einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.6 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren
das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG
nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-
punkt des Entscheids (BGE 139 II 534 E. 5.4.1; BVGE 2014/1 E. 2).
3.
3.1
3.1.1 Die Beschwerdeführerin macht eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör geltend.
3.1.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Dieser umfasst als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse, die einer Par-
tei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirk-
sam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35
E. 6.4.1). Im Zentrum steht das Recht, vor dem Erlass einer belastenden
Verfügung angehört zu werden (Art. 30 VwVG). Mit dem Gehörsanspruch
korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören,
ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berück-
sichtigen. Die Begründungspflicht dient der rationalen und transparenten
Entscheidfindung und soll die Betroffenen in die Lage versetzen, den Ent-
scheid sachgerecht anzufechten. Das setzt voraus, dass die Behörde die
Überlegungen nennt, von denen sie sich beim Entscheid leiten liess. Dabei
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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ist sie nicht gehalten, zu jedem Argument der Partei explizit Stellung zu
nehmen. Es genügt, wenn aus der Gesamtheit der Begründung implizit
hervorgeht, weshalb das Vorgebrachte als unrichtig oder unwesentlich
übergangen wird (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2; BVGE 2012/24 E. 3.2).
3.1.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, weshalb
seine Verletzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der
Sache grundsätzlich zur Aufhebung der mit dem Verfahrensmangel behaf-
teten Verfügung führt. Eine Gehörsverletzung kann indes ausnahmsweise
als geheilt gelten, wenn die Gewährung des rechtlichen Gehörs in einem
Rechtsmittelverfahren nachgeholt wird, in dem die Rechtsmittelinstanz mit
der gleichen Kognition prüft wie die Vorinstanz, die Gehörsverletzung nicht
besonders schwer wiegt und der betroffenen Partei durch die Heilung kein
Nachteil entsteht (vgl. statt vieler BGE 137 I 195 E. 2.3.2; WALDMANN/BI-
CKEL, in: Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 29 VwVG N. 28). Im
Fall einer Heilung ist der festgestellten Verletzung des Anspruchs auf recht-
liches Gehör bei der Verlegung der Kosten Rechnung zu tragen, selbst
wenn die Beschwerde in materieller Hinsicht abzuweisen ist (Urteil des
BVGer A-2366/2018 vom 24. Mai 2018 E. 4.3 m.H.; vgl. BVGE 2017 I/4
E. 3).
3.2
3.2.1 Die Beschwerdeführerin begründet die von ihr geltend gemachte Ge-
hörsverletzung damit, dass die Vorinstanz dafür hätte besorgt sein müssen,
ihr einen Übersetzer zur Seite zu stellen. Sie habe am Flughafen Basel
gegenüber den zuständigen Behörden zum Ausdruck gebracht, dass sie
nichts verstehe.
3.2.2 Die Amtssprachen des Bundes sind Deutsch, Französisch und Italie-
nisch. Im Verkehr mit Personen rätoromanischer Sprache ist auch das Rä-
toromanische Amtssprache (Art. 70 BV). Das Verfahren wird in einer der
vier Amtssprachen geführt, in der Regel in der Sprache, in der die Parteien
ihre Begehren gestellt haben oder stellen würden (Art. 33a Abs. 1 VwVG).
Die Behörde ordnet eine Übersetzung an, wo dies nötig ist (Art. 33a Abs. 4
VwVG). Es besteht kein Anspruch, von der Behörde in der eigenen Spra-
che kontaktiert zu werden oder mit Eingaben in der eigenen Sprache ge-
hört zu werden, sofern diese Sprache nicht mit einer Amtssprache identisch
ist (PATRICK SUTTER, in: VwVG, Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2019, Art. 30 N. 14). Ob eine Übersetzung
nötig ist, entscheidet die Behörde mit Ermessensspielraum. Sie stellt zu-
nächst darauf ab, ob die Verfassungsgarantien ein Recht auf Übersetzung
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gewähren (Art. 29 Abs. 1 und 2 BV). Einen weitergehenden allgemeinen
Anspruch gibt es nicht. Beherrscht eine nicht anwaltlich vertretene Partei
die Verfahrenssprache nicht, so ordnet die Behörde die Übersetzung aller
Schriftstücke und mündlichen Äusserungen an, auf deren Verständnis die
Partei angewiesen ist, um dem Verfahren folgen zu können. Die überset-
zende Person muss die erforderliche Qualität (sprachlich und rechtlich) er-
füllen (vgl. zum Ganzen PATRICIA EGLI, in: Praxiskommentar VwVG,
Art. 33a N. 31 m.w.H.; THOMAS PFISTER, Kommentar zum Bundesgesetz
über das Verwaltungsverfahren, a.a.O., Art. 33a N. 70).
3.2.3 Im von der Eidgenössischen Zollverwaltung am 10. März 2021 zur
Anhaltung der Beschwerdeführerin erstellten Rapport wurde als Verständi-
gungssprache «keine» notiert. Es ist demnach davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin entsprechend ihren Vorbringen auf Beschwerde-
ebene keiner Amtssprache des Bundes mächtig ist und dies auch zum Aus-
druck brachte. Weiter ergibt sich aus dem erwähnten Rapport, dass sie
durch die Rapportierenden auf dem Grenzwachtposten Basel Flughafen
mündlich zum Sachverhalt befragt wurde. Eine ebenfalls über den Flugha-
fen Basel reisende, nicht namentlich genannte Person, hat dabei als Über-
setzerin fungiert. Ob sich diese Übersetzungshilfe auch auf die Gewährung
des rechtlichen Gehörs zum Erlass eines Einreiseverbots bezog, er-
schliesst sich aus den Unterlagen nicht. Hinweise auf eine Rücküberset-
zung der protokollierten Aussagen an die Beschwerdeführerin fehlen.
3.2.4 Nach dem Ausgeführten bleibt unklar, ob die keine Amtssprache be-
herrschende, zum Zeitpunkt ihrer Anhaltung nicht anwaltlich vertretene Be-
schwerdeführerin in der Lage war, sich mit voller Sachkenntnis zum mögli-
chen Erlass eines Einreiseverbots zu äussern. Auch für den Fall, dass sie
während der entsprechenden Gehörsgewährung von einer Übersetzerin
unterstützt wurde, steht allerdings fest, dass mit dem vor Ort spontan er-
folgten Beizug dieser Übersetzerin die Qualität der Übersetzungshilfe nicht
gewährleistet war. Es ist im Ergebnis – und entgegen der lediglich auf einer
summarischen Prüfung der Sachlage basierenden Zwischenverfügung des
Bundesverwaltungsgerichts vom 1. Oktober 2021 – von einer Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör auszugehen.
3.2.5 Da die Beschwerdeführerin die Möglichkeit hatte, sich – nun anwalt-
lich vertreten – vor dem Bundesverwaltungsgericht zu äussern, welches
über volle Kognition verfügt, und sich eine Rückweisung der Sache zur er-
neuten Gehörsgewährung als prozessualer Leerlauf erweisen würde, gilt
https://www.swisslex.ch/doc/previews/36d22518-08ea-4aa7-b34b-a486b1c34a98%2C36d22518-08ea-4aa7-b34b-a486b1c34a98/source/document-link
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die Gehörsverletzung ausnahmsweise als geheilt. Sie ist jedoch bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen (E. 3.1.3 oben).
3.3 Die Beschwerdeführerin macht weiter eine Verletzung der Begrün-
dungsplicht geltend, da die Vorinstanz sich mit keinem Wort zu der beson-
deren Situation aufgrund der COVID 19-Pandemie oder ihrer persönlichen
Situation äusserte. Diese formelle Rüge scheint ebenfalls zum Teil gerecht-
fertigt und deckt sich mit dem oben festgestellten formellen Mangel. Zwar
hat das SEM in der angefochtenen Verfügung die Gründe für die Verhän-
gung des Einreiseverbots kurz dargelegt. Auch wenn die Begründung
knapp ausfiel, war grundsätzlich nachvollziehbar, auf welcher Rechts-
grundlage und weshalb das Einreiseverbot ausgesprochen wurde. Wie
dargelegt (E. 3.2 oben), konnten allerdings die von der Beschwerdeführerin
geltend gemachten privaten Gründe, welche gegen ein Einreiseverbot
sprechen, nicht aufgenommen werden und in die Entscheidfindung ein-
fliessen. Die Begründung war somit in einem wichtigen Teil unvollständig,
was eine Verletzung der Begründungspflicht darstellt (siehe dazu Urteil des
BVGer F-2140/2021 vom 20. September 2021 E. 5.3.2). Dieser formelle
Mangel kann jedoch ebenfalls mit dem vorliegenden Verfahren geheilt wer-
den (siehe dazu E. 3.1.3 oben).
4.
4.1 Nach Art. 67 Abs. 2 AIG kann das SEM ein Einreiseverbot gegenüber
Ausländerinnen und Ausländern verfügen, die gegen die öffentliche Sicher-
heit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder
diese gefährden (Bst. a). Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von
höchstens fünf Jahren verfügt. Es kann für eine längere Dauer verfügt wer-
den, wenn die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die öf-
fentliche Sicherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AIG). Aus huma-
nitären oder anderen wichtigen Gründen kann die zuständige Behörde von
der Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder ein solches vollstän-
dig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AIG).
4.2 Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mit-
gliedstaats der Europäischen Union oder der Europäischen Freihandelsas-
soziation besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird sie nach Massgabe
der Bedeutung des Falles im Schengener Informationssystem (SIS) zur
Einreiseverweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung
[EU] 2018/1861 des europäischen Parlaments und des Rates vom 28. No-
vember 2018 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des
Schengener Informationssystems [SIS] im Bereich der Grenzkontrollen,
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zur Änderung des Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkom-
mens von Schengen und zur Änderung und Aufhebung der Verordnung
[EG] Nr. 1987/2006 [SIS-II], Abl. L 312/14 vom 7.12.2018, nachfolgend:
SIS-II-VO) und Art. 21 der N-SIS-Verordnung vom 8. März 2013
(SR 362.0).
5.
5.1 Zur Begründung des Einreiseverbots führt die Vorinstanz an, dass sich
die Beschwerdeführerin weit über den bewilligungsfreien Aufenthalt hinaus
illegal im Schengen-Raum aufgehalten habe. Dies stelle einen Verstoss
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz gemäss
Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG dar.
5.2 Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Rechtsmitteleingabe geltend,
sie reise jeweils mit einem Touristenvisum in die Schweiz ein, wo sie sich
bei ihren Söhnen bzw. deren Familien aufhalte. Sie habe sich zuvor noch
nie etwas zu Schulden kommen lassen, habe in der Schweiz nie gearbeitet,
keine Sozialhilfe bezogen und nicht mit den Behörden zu tun gehabt. Sie
sei stets ordnungsgemäss ein- und ausgereist und von ihr gehe keinerlei
Gefährdung für die öffentliche Ordnung aus. Am 7. März 2020 sei sie in die
Schweiz eingereist und während ihres Aufenthalts von der COVID-19-Pan-
demie getroffen worden. Sie gehöre aufgrund ihrer Hypertonie einer Risi-
kogruppe an. Aufgrund des weltweiten Reiseverbots und der Schliessung
verschiedener Länder habe sie nach Ablauf des Touristenvisums nicht aus-
reisen können. In der Folge habe sie ihren Aufenthalt beim Migrationsamt
zweimal verlängert. Da sich die Situation anfangs September 2020 noch
nicht wesentlich gebessert gehabt habe und eine Rückreise nach Nordma-
zedonien nur unter erschwerten Bedingungen möglich gewesen sei, sei sie
davon ausgegangen, dass eine weitere Verlängerung des Touristenvisums
nicht eingeholt werden müsse. Sobald sich die allgemeine Situation etwas
gebessert habe, habe ihr Sohn ein Rückflugticket ab Basel gebucht. Ge-
samthaft gesehen habe sie für die Verletzung der ausländerrechtlichen
Bestimmungen einen mindestens nachvollziehbaren Grund gehabt.
5.3 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, die Beschwerdefüh-
rerin verfüge über einen heimatlichen Reisepass, mit dem sie visumsbefreit
in die Schweiz einreisen könne. Ihr sei zugute zu halten, dass sie, nachdem
sie die maximal mögliche bewilligungsfreie Aufenthaltsdauer von 90 Tagen
nach ihrer Berechnung erreicht habe, vorerst die nötigen Schritte unter-
nommen habe, um sich weiterhin rechtmässig in der Schweiz aufhalten zu
können. Nach Ablauf des von der kantonalen Migrationsbehörde letztmalig
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bis am 28. August 2020 bewilligten Aufenthalts habe sie sich jedoch wil-
lentlich dafür entschieden, weiterhin in der Schweiz zu verweilen, ohne bei
der zuständigen Behörde um nochmalige Verlängerung zu ersuchen. Die
in der Beschwerdeschrift hierfür angeführten Gründe vermöchten nicht zu
überzeugen. Es habe klarerweise der Beschwerdeführerin oblegen, sich
über die bestehenden Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit den
ausländerrechtlichen Vorschriften zu informieren. Nach dem 28. August
2020 sei ihr Aufenthalt in der Schweiz deshalb rechtswidrig gewesen.
6.
6.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet ihren illegalen Aufenthalt vom
29. August 2020 bis am 10. März 2021 im Schengen-Raum nicht
(sog. Overstay). Dieser wurde zudem von der Staatsanwaltschaft des Kan-
tons B._ mit rechtskräftigem Strafbefehl vom 15. Juni 2021 geahn-
det. Der Fernhaltegrund von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG ist vorliegend erfüllt.
Die Beschwerdeführerin hat ausländerrechtliche Bestimmungen verletzt
und damit gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen. Allfäl-
lige Unkenntnis oder Fehlinterpretation der Aufenthaltsvorschriften hat sie
sich anrechnen zu lassen. Ihr obliegt es, sich über die bestehenden Rechte
und Pflichten im Zusammenhang mit ausländerrechtlichen Vorschriften zu
informieren (vgl. statt vieler Urteil des BVGer F-6174/2020 vom 21. Juni
2021 E. 4 m.H.). Indem sie dies nicht tat, hat sie eine Sorgfaltspflichtverlet-
zung begangen und eine Verletzung der einschlägigen Bestimmungen in
Kauf genommen.
7.
7.1 Der Bestand und die Dauer des Einreiseverbots sind unter dem Blick-
winkel des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit zu überprüfen. Abstufun-
gen betreffend die Dauer ergeben sich aus der wertenden Abwägung zwi-
schen dem öffentlichen Interesse an der Fernhaltung und den privaten In-
teressen, welche die betroffene Person an der zeitlichen Beschränkung der
Massnahme hat (BVGE 2016/33 E. 9.2; 2014/20 E. 8.1). Ausgangspunkt
der Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährdeten
Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die
persönlichen Verhältnisse der betroffenen ausländischen Person (Art. 96
Abs. 1 AIG; HÄFELIN/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl.
2020, Rz. 555 ff.).
7.2 Der Verstoss der Beschwerdeführerin gegen ausländerrechtliche Best-
immungen wiegt mit einem Overstay von 194 Tagen objektiv nicht mehr
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leicht. Ihrem Vorbringen, die COVID-19-Pandemie und die eigene Zugehö-
rigkeit zu einer Risikogruppe hätten einen längeren Aufenthalt im Schen-
gen-Raum nötig gemacht, kann schon deshalb nicht gefolgt werden, weil
sie die behaupteten gesundheitlichen Probleme nicht belegt. Nach Kennt-
nisstand des Bundesverwaltungsgerichts war die Einreise nach Nordma-
zedonien in der Zeit ab dem 29. August 2020, also nach Ablauf des letzt-
malig bewilligten Aufenthalts der Beschwerdeführerin in der Schweiz, zu-
dem möglich. Belege für das Gegenteil bringt die insofern beweisbelastete
Beschwerdeführerin nicht vor. Das generalpräventiv motivierte Interesse
daran, die ausländerrechtliche Ordnung durch eine konsequente Massnah-
menpraxis zu schützen, ist als gewichtig einzustufen (zur Zulässigkeit der
Berücksichtigung generalpräventiver Aspekte in Konstellationen, in denen
wie hier eine drittstaatsangehörige ausländische Person betroffen ist,
vgl. Urteile des BGer 2C_516/2014 vom 24. März 2015 E. 4.3.2 oder
2C_282/2012 vom 31. Juli 2012 E. 2.5 je m.H.). Dazu kommt eine spezial-
präventive Zielsetzung der Massnahme, die betroffene Person zu ermah-
nen, ausländerrechtliche Bestimmungen zukünftig einzuhalten und so ei-
ner weiteren Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung entgegenzu-
wirken (vgl. Urteil des BVGer F-1827/2018 vom 30. September 2019
E. 7.1). Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, von ihr gehe keine Ge-
fahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung aus, kann ihr nicht beige-
pflichtet werden. Schon die Begehung einer Straftat an sich bildet ein Indiz
dafür, dass erneut gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstos-
sen werden könnte (BVGE 2017 VII/2 E. 4.4; Urteil des BVGer
F-1641/2019 vom 14. September 2020 E 4.1.2). Gesamthaft gesehen be-
steht ein gewichtiges öffentliches Interesse an der befristeten Fernhaltung
der Beschwerdeführerin.
7.3 Den öffentlichen Interessen sind die privaten Interessen der Beschwer-
deführerin gegenüber zu stellen. Diese bestehen in der Kontaktpflege zu
ihren in der Schweiz lebenden volljährigen Söhnen und deren Familien.
Zwischen diesen und der Beschwerdeführerin besteht indes kein Abhän-
gigkeitsverhältnis, weshalb die Beziehung nicht in den Schutzbereich des
Grundrechts auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK
fällt (vgl. BGE 144 II 1 E. 6.1; Urteil des BGer 6B_300/2020 vom 21. August
2020 E. 3.4.3). Gegenteiliges wird zu Recht nicht vorgebracht. Die Tatsa-
che, dass zwei Enkel der Beschwerdeführerin seit Erlass des Einreisever-
bots in der Schweiz geboren sind, stellt darüber hinaus kein hinreichendes
Privatinteresse dar, um auf den Erlass eines zweijährigen Einreiseverbots
zu verzichten. Die vorübergehende Erschwerung der Kontaktpflege hat die
Beschwerdeführerin selbst zu verantworten und in Kauf zu nehmen. Diese
http://links.weblaw.ch/BVGE-2017%20VII/2
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Einschränkung ist insoweit zu relativieren, als Kontakte für limitierte Zeit
auch anders als durch Einreisen in die Schweiz, beispielsweise durch
elektronische Kommunikationsmittel, zu verwirklichen sind. Die Vorinstanz
weist zudem zutreffend auf die Möglichkeit einer Suspension des Einreise-
verbots aus wichtigen Gründen hin (Art. 67 Abs. 5 AIG).
7.4 Eine wertende Gewichtung der sich gegenüberstehenden Interessen
und die Berücksichtigung der Rechtsprechung in ähnlichen Fällen
(vgl. etwa Urteil des BVGer F-2155/2021 vom 24. Mai 2022 E. 7.2 m.w.H.)
führt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass das auf zwei Jahre
befristete Einreiseverbot dem Grundsatz nach und in Bezug auf seine
Dauer eine verhältnismässige und angemessene Massnahme zum Schutz
der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt.
7.5 Nicht zu beanstanden ist, dass der Beschwerdeführerin die Einreise in
das Hoheitsgebiet sämtlicher Schengen-Staaten verboten wurde
(vgl. Art. 21 i.V.m. Art. 24 Ziff. 3 SIS-II-Verordnung), handelt es sich doch
vorliegend um einen Verstoss gegen nationale Rechtsvorschriften über
Einreise und Aufenthalt.
8.
Die angefochtene Verfügung erweist sich als rechtmässig im Sinne von
Art. 49 VwVG. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-
rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1'000.- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Angesichts der festgestellten Gehörsverletzung
rechtfertigt sich in Anwendung von Art. 6 Bst. b VGKE eine Ermässigung
der Verfahrenskosten auf Fr. 600.-.
(Dispositiv nächste Seite)
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