Decision ID: 58e9b203-d611-4bb6-9010-0587b6104e8f
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1979 und Mutter einer Tochter (Jahrgang 2008) arbeitete vom 1. August 1999 bis 15. Juni 2008 im
Y._
als Pflegehelferin (Urk. 7/18) und erlitt am 17. Mai 2009 einen Unfall
(Urk. 7/10/49). Sie meldete sich am 18. Februar 2010 bei der Invalidenversicherung wegen Rückenschmerzen zum Rentenbezug an (Urk. 7/3 Ziffer 6.2). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte Arztberichte (Urk. 7/8-9, Urk. 7/13, Urk. 7/16), einen Auszug aus dem individuellen Konto der Versi
cherten (IK-Auszug; Urk. 7/7, Urk. 7/17) sowie einen Arbeitgeberbericht (Urk. 7/18) ein und zog
Akten
des Unfallversicherers (Urk. 7/10, Urk. 7/15) bei. So
dann holte sie ein Gutachten (Urk. 7/29) ein. Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Urk. 7/34-35, Urk. 7/39, Urk. 7/41,
Urk. 7/47) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 8. August 2012 einen
Rentenanspruch der Versicher
ten
(Urk. 7/52 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 8. August 2012 (Urk. 2) erhob die Versicherte am
14. September 2012 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, diese sei aufzuheben, es sei ihr eine Rente auszurichten und eventuell seien berufliche Massnahmen zu
zusprechen (S. 2 Ziff. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 15. Oktober 2012
(Urk. 6) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 2
2.
Oktober 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8). Die Beschwerdeführerin reichte am 11. Juni 2013 (Urk. 9) einen Arztbericht (Urk. 10/1) sowie ein Arztzeugnis (Urk. 10/2) ein. Dies wurde der
Beschwerde
gegnerin
am 1
2.
Juni 2013 zur Kenntnis gebracht (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.4
Eine
fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte
Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperli
che Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rück
bildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; „Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unter
schiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicher
ten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die ent
sprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Vo
raussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf die medizinischen Berichte, insbesondere das Gutachten vom 19. Mai 2011, davon aus, dass der Beschwerdeführerin die Tätigkeit als Pflegehelferin nicht mehr zumutbar sei (S. 1 unten). Eine – näher umschriebene -
behinderungsan
gepasste
Tätigkeit sei
jedoch
zu 85
%
zumutbar (S. 2 oben). Gestützt darauf er
mittelte sie – unter Gewährung eines leidensbedingten Abzugs von 10
%
- ei
nen nicht
rentenbegründenen
Invaliditätsgrad von 34
%
(S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin wandte sich beschwerdeweise (Urk. 1) gegen die von der
Beschwerdegegnerin angenommene
Arbeitsfähigkeit von 85
%
in einer
lei
densangepassten
Tätigkeit und bemängelte in diesem Zusammenhang die Ein
schätzungen im Gutachten (S. 4
Ziff.
4). Es lägen somatische Diagnosen vor, welche die Schmerzen zu erklären vermöchten und die Arbeitsfähigkeit ein
schränkten. Die Beurteilung gemäss der Rechtsprechung zur
somatoformen
Schmerzstörung greife folglich zu kurz (S. 4 f.
Ziff.
5). Zudem sei von einer ei
genständigen psychischen Beeinträchtigung mit Krankheitswert auszugehen
(S. 5
Ziff.
6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit, und ob für die Beantwortung dieser Frage auf das Gutachten vom 19. Mai 2011 abge
stellt werden kann.
3.
3.1
Am 17. Mai 2009 stolperte die Beschwerdeführerin auf einer Treppe
(Urk. 7/10/49
Ziff.
4 und 6), worauf – bei vor
be
stehender, trainingsstabilisierter Dys
funktion des
thorakolumbalen
Übergangs – massive Schmerzen in der unteren Brustwirbelsäule (BWS) auftraten (Urk. 7/10/42
Ziff.
2 und 3b).
Dr.
med.
Z._
,
FMH für orthopädische Chirurgie, berichtete am
30. Oktober 2009 über seine kreisärztliche Untersuchung (Urk. 7/10/18-21 = Urk. 7/13/7-9 = Urk. 7/15/42-45) und führte aus, bei
der Beschwerdeführerin bestehe
eine
Kyphoskoliose
der Wirbelsäule mit einer etwas eingeschränkten Beweglich
keit, vor allem einer schlechten Dehnbarkeit der Muskulatur
thorakolumbal
; der Beckengürtel bewege sich wiederum frei. Es bestehe weiter ein ganz erheblicher Vorzustand in Form der ungünstigen Konfiguration der Wirbelsäule bei asthe
nischem Habitus. Der Sturz habe zu einer Dekompensation des vorher labilen Zustandes geführt. Die Rekompensation habe noch nicht vollständig stattgefun
den (S. 4). Er habe eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit anerkannt (S. 4).
3.2
Die Beschwerdeführerin hielt sich vom 24. Februar bis 27. Februar 2010 statio
när in der Klinik
A._
auf. Im
Austritts
bericht
(Urk. 7/16/24-25) wurden die folgenden Diagnosen genannt (S. 1):
Endometriose
ASRM Stadium 1
Uterus
bicornis
Status nach rezidivierenden
Pyelonephritiden
Status nach diagnostizierter Laparoskopie 2005
Status nach primärer
Sectio
2008 bei pathologischem CTG
Status nach
Abszessinzision
Labium
minus rechts 2005
Es wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 24. Februar bis 5. März 2010 attestiert (S. 2).
3.3
Dr.
Z._
führte am 28. Mai 2010 erneut eine kreisärztliche Untersuchung durch und in seinem Bericht vom 30. Mai 2010 (Urk. 7/15/26-28 = Urk. 7/16/29-31) führte er aus, bei der Beschwerdeführerin sei eine Skoliose bekannt. Er könne eine ordentlich kräftige Muskulatur, die nicht übermässig verspannt sei, feststellen. Die Bewegungsabläufe seien harmonisch, das Verhalten wirke demonstrativ (S. 3). Die volle Arbeitsunfähigkeit sei nicht mehr gerechtfertigt. Ab 1. Juni 2010 könne er eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
und ab 1. Juli 2010 eine volle Arbeitsfähigkeit attestieren (S. 3).
3.4
Dr.
med.
B._
,
FMH Allgemeine Medizin,
attestierte
der Beschwerdeführe
rin
mit Zeugnis vom
10. Juni 2010 (Urk. 7/15/25) eine Arbeits
unfähigkeit infolge Krankheit von 50
%
ab
1. Juni 2010 bis 30. Juni 2010
.
Dr.
B._
nannte im Bericht vom 16. August 2010 (Urk. 7/13/2-5) zuhanden der Beschwerdegegnerin folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (
Ziff.
1.1):
Kontusion bei
Fehlform
des
thoracolumbalen
Übergangs mit chroni
sche
m
Thorako
- und
Lumbovertebralsyndrom
(TVS, LVS)
depressive Episode im Rahmen der psychosozialen Überforderung und so
matischen rezidivierenden Erkrankungen
Er nannte folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
Harnwegsinfekt rezidivierend trotz resistenzgerechter Behandlung
Pyelonephritis
, akute, rezidivierend ab 1993, mehrfach abgeklärt
Dysmenorrhoe bei
Endometriose
Migraine
accompagnée
Rhinitis
allergica
Er führte weiter aus, er behandle die Beschwerdeführerin seit 1999 (
Ziff.
1.2). Seit dem Treppensturz vom 17. Mai 2009 bestehe in der Folge eine Arbeitsunfä
higkeit wegen starker Schmerzen. Die Arbeitsfähigkeit werde nicht mehr dauer
haft zurückerlangt (
Ziff.
1.4). Für wechselbelastende Tätigkeiten mit
Gewichts
limite
für Tragen sei die Beschwerdeführerin ab 1. Juli 2010 100
%
arbeitsfähig (
Ziff.
1.6)
3.5
Dr.
med.
C._
,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, führte in sei
nem Schreiben vom 31. August 2010 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/16/6) aus, die Beschwerdeführerin leide an eine
m
affektlabilen depressiven Zustandsbild bei
nephrologischen
, rheumatologischen, neurologischen und gy
näkologischen Störungen. Sie sei primär zwecks Behandlung zu ihm gekom
men. Daneben habe sie Probleme im Zusammenhang mit ihrem
Migrationshin
tergrund
, Armut und erheblichem Bildungs- bzw. Intelligenzdefizit (
Grenzdebi
lität
mit IQ 73). Der Wunsch nach einer Rente dem angesichts finanzieller Be
drängnis neuerdings mit demonstrativer Aggravation Nachdruck verliehen werde
,
sei erst nach Behandlungsbeginn aufgekommen
. Aufgrund der komple
xen Gesamtsituation sei er nicht genügend neutral und unbefangen, um die Frage der Arbeitsfähigkeit zu beurteilen.
3.6
Dr.
med.
D._
,
Orthopädische Chirurgie,
Dr.
med.
E._
,
Innere Medizin,
Dr.
med.
F._
,
Neurologie,
und
Dr.
med.
G._
,
H._
,
erstatteten am 19. Mai 2011 ihr Gut
achten (
Urk.
7/29/2-38) nach Untersuchung der Beschwerdeführerin während eines stationären Aufenthalts vom 4. bis 8. April 2011.
Die Gutachter stellten folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 33
Ziff.
5.3.1):
chronisches
thoracolumbales
Schmerzsyndrom
Status nach
thoracolumbale
m
Morbus Scheuermann mit
thoracolum
-
ba
ler
Kyphosierung
Schmerzexazerbation
nach Sturz im Mai 2009, ohne
ossäre
traumati
sche Veränderungen
ohne objektiv fassbare Befunde im Sinne einer spinalen beziehungs
weise einer
radikulären
Läsion
anamnestisch und klinisch beidseits geringe
Patellachondropathie
und Dysplasie
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
Differentialdiagnose (DD): chronisches Schmerzsyndrom mit somati
schen und psychischen Faktoren
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 33
Ziff.
5.3.2):
Verdacht auf Migräne
accompagnée
anamnestisch rezidivierende Harnwegsinfekte und rezidivierende
Pyelo
nephritiden
Rhinitis und
Konjuktivitis
allergica
bei
Polynosis
Status nach
Sectio
Januar 2008
Status nach diagnostisch-therapeutischer Laparoskopie Februar 2010 mit Koagulation von
Endometrioseherden
,
Adnexzystektomie
links
Sie führten weiter aus, im somatischen Bereich bestehe das bekannte
thoraco
-
lum
bale Schmerzsyndrom, welches auf einer Fehlhaltung der Wirbel
säule und degenerativen Veränderungen beruhe. Die morphologischen Verän
derungen des Achsenskeletts könnten einer gewissen Schmerzhaftigkeit, somit einen Teil der von der Beschwerdeführerin beklagten Beschwerden erklären. Somatisch nicht ohne weiteres nachvollziehbar seien die Ausprägung und die Nachhaltigkeit der
beklagten Beschwerden. Die Migräne
accompagnée
wie auch die abdominelle Schmerzproblematik seien ohne Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit (S. 33
Ziff.
5.3.3).
Im psychischen Bereich stellten die Gutachter eine
somatoforme
Schmerzstö
rung
als Hauptdiagnose fest. Differentialdiagnostisch
sei
die Diagnose des chro
nischen Schmerzsyndroms mit somatischen und psychischen Faktoren erwogen
worden
(S. 34 oben).
Das
somatoforme
Leiden gründe mindestens teilweise auch auf (der Versicherten unbewusster) Konflikthaftigkeit und führe zu einer ver
minderten Belastbarkeit der Beschwerdeführerin, raschen Überforderung und verstärkter
Somatisierung
unter Stress, vermöge somit eine gewisse Einschrän
kung der Rendements zu begründen (S. 34). Es bestehe eine gute Einbettung der Beschwerdeführerin in die familiären Strukturen mit kaum vermindertem
Kon
taktverhalten
(S. 34
mitte
).
Die bisherige Tätigkeit der Beschwerdeführerin sei als körperlich mittelschwere bis schwere Tätigkeit einzuschätzen und sei ihr aus somatischen Gründen nicht mehr zumutbar. Diese Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
bestehe
seit dem Sturzereignis vom 17. Mai 2009 (S. 34
Ziff.
6). Körperlich leichte bis mittelschwere rückenadaptierte Tätigkeiten, ohne Tragen schwerer Lasten, ohne repetitives Bücken
,
seien für die Beschwerdeführerin zumutbar
. I
n einer solchen Tätigkeit, welche auf das Schmerzerleben Rücksicht nehme, bestehe ein leich
t vermindertes Rendement von 10-
15
%
, da sie vermehrt Pausen benötige. Die Arbeitsfähigkeit von 85
%
in adaptierter Tätigkeit bestehe seit 1. Juli 2010
(S. 35
Ziff.
8). Die Restarbeitsfähigkeit im Haus entspreche derjenigen der adap
tierten Tätigkeit. Schwere Hausarbeit sei für die Beschwerdeführerin nicht mehr möglich, alle übrigen Tätigkeiten seien möglich (S. 37
Ziff.
12.7).
3.7
Dr.
med.
I._
,
Facharzt orthopädische Chirurgie und Traumatologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), erstattete seine Stellungnahme am
9.
Juni 2011 (
Urk.
7/32/6) und führte aus, das polydisziplinäre Gutachten (vgl. vorste
hend E. 3.6) sei umfassend und in Kenntnis der
Vorakten
erstellt, beruhe auf allseitige Untersuchungen, berücksichtige die geklagten Beschwerden und sei in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar. Es bestehe eine Arbeitsfä
higkeit von 0
%
seit 1
7.
Mai 2009 in der bisherigen Tätigkeit als Pflegehelferin. In einer adaptierten
Tätikeit
bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit mi
t verminder
tem Rendement von 10-
15
%
seit
1.
Juli 201
0.
3.8
Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin führte
Dr.
G._
mit Schrei
ben vom 1
3.
Februar 2012 (
Urk.
7/41) aus, es sei aus psychiatrischer Sicht die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerz
störung gestellt worden, welche
allerdings aus psychiatrischer Sicht
aggraviert
überlagert sch
eine
. Auf
grund der
psychopathologischen Befunde sei eine gewisse Verminderung der Arbeitsfähigkeit auch aus psychiatrischer Sicht attestiert worden. Eine psychi
sche
Komorbidität
im Sinne einer relevanten Depressivität habe nicht konsta
tiert werden müssen. Auf die bundesgerichtlichen Kriterien im Zusammenhang mit der Beurteilung der
somatoformen
Störungen sei im Gutachten eingegangen worden. Die Beschwerdeführerin könne unter Aufbietung allen guten Willens ihr Schmerzleiden durchaus bis zu einem gewissen Grade überwinden (S. 2)
.
Bezüglich einer neuropsychologischen Abklärung habe es zu keinem Zeitpunkt Hinweise gegeben, dass eine solche Abklärung weitere Erkenntnis bezüglich der Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit bringen könnte. Die von der Beschwer
deführerin angegebene Vergesslichkeit stelle nach durchgeführter fachärztlicher Untersuchung keine Behinderung dar (S. 3).
3.9
Dr.
med.
J._
und
Dr.
med.
K._
,
Klinik L._
,
nannten in ihrem
B
ericht vom
7.
März 2013 zuhan
den der Beschwerdeführerin
(
Urk.
10/1)
folgende psychiatrische Diagnosen:
chronische mittelgradige depressive Episode (F32.1)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung bei Status nach Sturz 2009 mit Kontusion der Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule
Als somatische Diagnosen nannten sie eine
Dsymenorrhoe
bei
Endometriose
, eine Migräne und eine rezidivierende
Pyelonephritis
.
Sie führen weiter aus, dass sich die Beschwerdeführerin seit 2
1.
August 2012 in ambulanter Behandlung befinde und bis zum
5.
März 2013
neun Konsultatio
nen
stattgefunden hätten. Es bestehe eine
somatoforme
Schmerzstörung auf
grund der chronischen Schmerzsymptomatik und unzureichende
m
organische
n
Korrelat. Aufgrund der seit mehreren Monaten ausgeprägten affektiven Kompo
nente mit depressiver Stimmung, deutlichen Konzentrations-, Schlaf- und An
triebsstörungen sowie sozialem Rückzug könne eine eigenständige Diagnose ei
ner
komorbiden
mittelgradigen Depression festgestellt werden, welche die Ar
beitsfähigkeit einschränke. Es sei keine klinische Veränderung des gesundheitli
chen Zustands feststellbar. Die Beschwerdeführerin sei vom 2
1.
August 2012 bis 3
1.
Juli 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
10/2).
4.
4.1
Unbestritten und aufgrund der Akten ausgewiesen ist, dass die
Beschwer
-
deführe
rin
in ihrer angestammten Tätigkeit als Pflegehelferin aufgrund eines chronischen
thorakolumbalen
Schmerzsyndroms nicht mehr arbeitsfähig ist.
Fraglich ist, wie es sich mit ihrer Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepass
ten
Tätigkeit verhält.
Die Beschwerdegegnerin stellte diesbezüglich auf das
H._
-
Gutachten vom 1
9.
Mai 2011 ab und ging von einer Arbeitsfähigkeit von 85
%
ab
1.
Juli 2010 in einer leidensangepassten Tätigkeit aus.
4.2
Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, dass die Einschätzung der Gutachter nicht zutreffend sei und sich die Frage stelle, ob die Rechtsprechung zur
soma
toformen
Schmerzstörung grundsätzlich anwendbar sei, da im neurologischen Teilgutachten somatische Diagnosen, welche die Schmerzen erklärten und die Arbeitsfähigkeit einschränkten, genannt w
o
rden
seien
. Eine Beurteilung nach dieser Rechtsprechung greife folglich zu kurz (vgl. vorstehend
Erw
. 2.2).
Der Einwand der Beschwerdeführerin geht hier fehl. Im neurologischen
Teilgut
achten
wurde festgehalten, dass aufgrund der objektiv fassbaren Befunde aus neurologischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit vorliegt und im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit ihre psychische Situation entsprechend gewürdigt werden müsse (
Urk.
7/29 S. 24 unten).
Nach der Rechtsprechung darf bei der invalidenversicherungsrechtlichen
Beur
-
tei
lung
der invalidisierenden Wirkung anhaltender
somatoformer
Schmerz
-
störungen oder sonstiger vergleichbarer
pathogenetisch
(ätiologisch) unklarer
syndromaler
Zustände (BGE 132 V 393 E. 3.2) nicht einfach unbesehen auf die ärztlichen - selbst die gutachterlich attestierten - Einschätzungen abge
stellt werden, zumal der Invaliditätsbegriff rechtlicher Natur ist (Art. 8 ATSG) und nicht zwingend mit dem medizinischen Krankheits- oder
Invaliditätsver
ständnis
übereinstimmt. Vielmehr hat die rechtsanwendende Behörde zunächst die - aufgrund der medizinischen Aktenlage zu beantwortende - Frage zu prü
fen, ob und inwieweit bei der versicherten Person neben der diagnostizierten, allein nicht invalidisierenden (BGE 130 V 352 E. 2.2.3) anhaltenden
somatofor
men
Schmerzstörung zusätzliche psychische Beeinträchtigungen im Sinne des rechtsprechungsgemässen Kriterienkatalogs vorliegen, welche einer adäquaten Schmerzbewältigung objektiv entgegenstehen. Die entsprechenden Feststellun
gen sind tatsächlicher Natur. Die weitere Frage, ob eine allenfalls festgestellte psychische
Komorbidität
hinreichend erheblich ist und/oder einzelne oder mehrere der festgestellten weiteren Kriterien in genügender Intensität und Kon
stanz vorliegen, um gesamthaft den Schluss auf eine nicht mit zumutbarer
Wil
lensanstrengung
überwindbare Schmerzstörung und somit auf eine invalidisie
rende Gesundheitsschädigung zu gestatten, ist dagegen rechtlicher Art: ihre abschliessende Beantwortung obliegt damit nicht den Ärztinnen und Ärzten, sondern den rechtsanwendenden Behörden (Urteile des Bundesgerichts
9C_820/2007 vom
2.
September 2008 E. 4.1 mit Hinweisen und 9C_636/2007 vom 2
8.
Juli 2008, E. 3.3.1).
Die Gutachter konnten eine polysymptomatische
somatoforme
Schmerzstörung diagnostizieren, welche ätiologisch möglicherweise in früheren Störungen der Körperbeziehung oder auch in einem Trauma begründet ist, sicherlich aber auch in der Migrationssituation und den dadurch bedingten sozialen Schwierigkeiten. Ein somatisches Leiden mit Auswirkung auf die adaptierte Arbeitsfähigkeit konnte nicht diagnostiziert werden. Damit ergibt sich, dass sich der Gutachter entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin mit der
Schmerzrechtspre
chung
auseinandersetzen musste, was dieser ausführlich in seinem psychiatri
schen Teilgutachten beschrieben hat (vgl. vorstehend
Erw
. 3.6,
Erw
. 3.8).
4.3
Der Einwand der Beschwerdeführerin, angesichts der von
Dr.
J._
und
Dr.
K._
diagnostizierten chronischen mittelgradigen depressiven Episode sei von einer eigenständigen psychiatrischen Beeinträchtigung mit Krankheitswert auszugehen (
Urk.
9 S. 2), geht fehl.
Eine leichte beziehungsweise mittelschwere Depression gilt rechtsprechungsgemäss als Begleiterscheinung der
somatoformen
Schmerzstörung und nicht als selbstständige, vom
Schmerzsyn
drom
losgelöste psychische
Komorbidität
, die sich aufgrund ihres
Schweregra
des
unbestreitbar von der
somatoformen
Schmerzstörung unterscheiden liesse (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_945/2009 vom 2
3.
September 2010 E. 10.1 mit Hinweisen).
Die Gutachter hatten keine psychiatrische
Komorbidität
insbesondere im Sinne einer relevanten Depressivität diagnostiziert, welcher einer adäquaten
Schmerz
bewältigung
entgegenstehen würde. Im Gegenteil könne die Beschwerdeführerin unter Aufbietung allen guten Willens ihr Schmerzleiden durchaus bis zu einem gewissen Grad überwinden (vgl. vorstehend
Erw
. 3.6,
Erw
. 3.8).
Zudem haben die Gutach
ter bereits im Rendement von 10-
15
%
der aus psychiat
rischer Sicht anzunehmenden Einschränkung hinreichend Rechnung getragen.
4.4
Das Gutachten und dessen Beurteilung steht zudem im Einklang mit den übri
gen medizinischen Berichten, namentlich mit der Einschätzung von
Dr
.
Z._
,
welcher ebenfalls von einer vollen Arbeitsfähigkeit ab Juli 2010 ausging (vgl. vorstehend
Erw
. 3.1,
Erw
. 3.3). Die von der Beschwerdefüh
rerin aufgeworfene Frage nach der neuropsychologischen Abklärung wurde im
H._
-
Gutachten plausibel beantwortet und die von der Beschwerdeführerin an
gegebene Vergesslichkeit konnte bei keiner fachärztlichen Untersuchung als Be
hinderung diagnostiziert werden. Die adaptierte Arbeitsfähigkeit wird durch die von der Beschwerdeführerin beklagten kognitiven Störungen nicht beeinträch
tigt.
4.5
Das
H._
-
Gutachten erweist sich für die streitigen Belange als umfassend, da es auf allseitigen Untersuchungen beruht, die Frage nach der verbleibenden Ar
beitsfähigkeit präzise beantwortet. Es berücksichtigt die v
on der Beschwerde
führerin
geklagten Beschwerden und setzt sich mit dem Verhalten der Be
schwerdeführerin auseinander. Das Gutachten wurde sodann in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen der Ärzte sind in nachvollziehbarer Weise begrün
det. Es erfüllt die praxisgemässen Kriterien
(vgl. vorstehend E. 1.4)
und weist keine Mängel auf. Demnach kann für die
Entscheidfindung
darauf abgestellt werden
Nach dem Gesagten bestand bei der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt des Erlas
ses der angefochtenen Verfügung vom
8.
August 2012 keine
anspruchsbe
gründende
Invalidität im Rechtssinne. Der medizinische Sachverhalt ist dahin
gehend erstellt.
4.6
Die Invaliditätsbemessung im engeren Sinn wurde von der Beschwerdeführerin nicht in Frage gestellt und gibt aufgrund der Akten zu keinen Beanstandungen Anlass, so dass sich weitere Ausführungen dazu erübrigen. Die Qualifikation der Beschwerdeführerin als Erwerbstätige oder Teilerwerbstätige kann hier offen gelassen werden, da selbst bei der Qualifikation als Erwerbstätige ein
renten
ausschliessender
Invaliditätsgrad resultiert.
Die angefochtene Verfügung vom
8.
August 2012 erweist sich daher als rech
tens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs.1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerle
gen.