Decision ID: a4526377-c0ea-5d59-86e1-11c2a8b9fc3d
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich erstmals am 18. Juli 2003 und erneut am 24. März 2004 sowie
am 23. Dezember 2004 wegen eines leichten Asthmas bronchiale sowie einer
Depression zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an, wobei ihr erstes
Gesuch abgewiesen und auf die zwei weiteren Gesuche nicht eingetreten wurde (IV-
act. 1, 18, 21, 31, 33 und 50).
A.a.
Am 28. März 2012 meldete die Versicherte sich wegen Fuss- und Beinschmerzen
neuerlich zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 51). Nach
medizinischen Abklärungen lehnte die IV-Stelle das Gesuch um berufliche
Massnahmen mit Mitteilung vom 8. Oktober 2012 ab, da die Versicherte sich nicht in
der Lage fühlte, an Eingliederungsbemühungen mitzuwirken (IV-act. 82). Nach weiteren
medizinischen Abklärungen wies sie auch das Rentengesuch mit Verfügung vom
20. August 2014 ab (IV-act. 116). Weil die Versicherte sich wiederum nicht arbeitsfähig
fühlte, lehnte die IV-Stelle berufliche Massnahmen mit Mitteilung vom 29. September
2014 abermals ab (IV-act. 130).
A.b.
Am 22. September 2014 erhob die Versicherte, nun vertreten durch
Rechtsanwältin Filiz-Félice Aydemir Séquin, gegen die Verfügung vom 20. August 2014
betreffend Abweisung des Rentengesuchs Beschwerde (IV-act. 131). Mit Entscheid
vom 15. November 2016 hiess das Versicherungsgericht die Beschwerde teilweise gut
und hob die Verfügung vom 20. August 2014 auf. Es wies die Sache zur ergänzenden
Abklärung und zur neuen Verfügung an die IV-Stelle zurück (IV 2014/444; IV-act. 142).
A.c.
In der Folge liess sich die IV-Stelle von der Versicherten eine Liste aller
behandelnden Ärzte geben und holte bei diesen (Dr. med. B._, Allgemeine Innere
A.d.
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Medizin FMH, Dr. med. C._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH und Dr. med.
D._, Facharzt FMH für Chirurgie) aktuelle Berichte ein (IV-act. 148 ff.).
Am 13. Januar 2017 ging der Arztbericht von Dr. D._ bei der IV-Stelle ein.
Dr. D._ hielt fest, im Anschluss an eine Magenbypassoperation (welche er bei der
Versicherten am 25. Oktober 2016 durchgeführt hat, IV-act. 151-4) seien die Patienten
in der Regel während ca. vier Wochen arbeitsunfähig. Da die Versicherte nicht arbeite,
sei keine spezifische Arbeitsunfähigkeitsschätzung erfolgt (vgl. IV-act. 151-2).
A.e.
Mit Bericht vom 20. Januar 2017 hielt Dr. B._ folgende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: chronisches panspondylogenes Syndrom,
Schulterbeschwerden beidseits, Gonarthrose beidseits, chronisch ausgedehnte
muskulo-skeletäre Schmerzen und Fibromyalgie, St. n. Lipomexzision und
Tarsaltunnelrelease Fuss rechts 04.10.2011 mit persistierendem Schmerzsyndrom am
rechten Fuss, residuelle Neuropathie N. plantaris lateralis rechts, Adipositas Grad III
sowie depressive Stimmungslage bedingt durch chronisches Schmerzsyndrom und
Übergewicht (IV-act. 153-2). Die Versicherte sei seit dem 10. Oktober 2011 zu 100%
arbeitsunfähig. Aufgrund der generalisierten Fibromyalgiebeschwerden und der
psychischen Situation könne auch nicht von einer wechselbelastenden Arbeit profitiert
werden. Es bestehe keine verwertbare Leistungsfähigkeit (IV-act. 153-4).
A.f.
Mit Bericht vom 30. Januar 2017 diagnostizierte Dr. C._ insbesondere eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig mit somatischem
Syndrom (F33.11), eine Persönlichkeitsstörung mit abhängigen, unreifen und
impulsiven Zügen (F61.0), ein chronisches panspondylogenes Syndrom,
undifferenzierte muskuloskelettale Schmerzen, Fibromyalgie (DD Gonarthrose bds.)
und eine sehr schmerzhafte möglicherweise psychisch überlagerte residuelle
Neuropathie Fuss rechts. Die Versicherte sei psychisch kaum belastbar und schnell
überfordert. Sie zeige Rückzugstendenzen und impulsiv-verbale Ausbrüche, danach
Schuldgefühle. Sie sei kaum wiedereingliederungsfähig, vielleicht mit grossem
Aufwand (IV-act. 154).
A.g.
Am 2. Mai 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie eine
polydisziplinäre medizinische Untersuchung veranlassen werde. Der Auftrag wurde der
medaffairs AG (nachfolgend: medaffairs) zugeteilt (IV-act. 157 f.).
A.h.
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Mit Gutachten vom 15. Januar 2018 stellten die medaffairs-Gutachter folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: kombinierte Persönlichkeitsstörung
(F61.0), chronische panvertebrale Schmerzen mit pseudoradikulärem, spondylogenem
Reizsyndrom bds. lumbal (M54.4; M79), Fibromyalgie, Wide Spread Pain Syndrom
(M79.7). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielten sie Dysthymia
(F34), dysfunktionale Krankheitsverarbeitung (F54), beginnende Gonarthrose bds.
(M17), beginnende Fingerpolyarthrose (M15), Asthma bronchiale (J45), Nervus ulnaris-
Reizsyndrom bds. möglich (G56.2), V.a. medikamenteninduzierten Kopfschmerz
(G44.4), residuale Sensibilitätsstörung und Schmerzen bei lokaler Schädigung des
Nervus plantaris lateralis auf der rechten Seite (G57.6) nach Lipomentfernung 2011,
Adipositas (E66), Refluxkrankheit (K21), obstruktives Schlafapnoe Syndrom (G47),
arterielle Hypertonie (I10) und chronisch venöse Insuffizienz fest (IV-act. 167-22 f.). Aus
rein internistischer Sicht würden keine Krankheiten mit Auswirkung auf die
Belastungsfähigkeit sowie Arbeitsfähigkeit bestehen (IV-act. 167-23). Aus
neurologischer Sicht habe nie eine Arbeitsunfähigkeit bestanden. Aus
rheumatologischer Sicht sei die Versicherte bis 2013 in ihrer angestammten Tätigkeit
voll arbeitsfähig gewesen. Ab dann hätten verbunden mit einer mittelschweren Tätigkeit
vermehrt Rückenbeschwerden bestanden, eine angepasste Tätigkeit sei aber
durchführbar gewesen. Aus psychiatrischer Sicht sei das Bild der
Persönlichkeitsstörung erstmals im August 2015 (stationärer Aufenthalt) objektiviert
worden. Ab dann bestehe eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit von 33% (richtig: eine
Arbeitsfähigkeit von zwei Dritteln bzw. eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um
einen Drittel, vgl. IV-act. 167-107). Eine psychiatrische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
vor 2015 sei retrospektiv nicht mehr möglich (IV-act. 167-30 f.).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 20. Februar 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 172). Mit Einwand vom 11. April
2018 machte die Versicherte diverse Mängel am medaffairs-Gutachten geltend und
beantragte die Zusprache einer Invalidenrente (IV-act. 173). Mit Stellungnahme vom
18. Mai 2018 setzte sich der RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt für Innere Medizin
FMH, mit den Rügen der Versicherten am Gutachten auseinander und kam im
Wesentlichen zum Ergebnis, die Rügen seien unbegründet und auf das medaffairs-
Gutachten sei abzustellen (IV-act. 174).
A.j.
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B.
Mit Verfügung vom 30. Mai 2018 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab.
Gemäss dem medaffairs-Gutachten, auf welches abgestellt werden könne, sei die
Versicherte angestammt wie adaptiert zu 66% und damit in rentenausschliessendem
Masse arbeitsfähig. Ein Leidensabzug entfalle, da die Restarbeitsfähigkeit auch in der
angestammten Tätigkeit verwertet werden könne und nicht mit einer
behinderungsbedingten Lohnminderung zu rechnen sei. Invaliditätsfremde Aspekte wie
Alter, Arbeitslosigkeit, Sprachkompetenzen oder Bildungsniveau würden keinen Grund
für einen Leidensabzug darstellen. Ein Teilzeitabzug entfalle ebenfalls, da eine 66%ige
Arbeitsfähigkeit auch ganztags mit einer verminderten Leistung realisiert werden
könnte. (IV-act. 175).
A.k.
Gegen diese Verfügung erhebt A._ am 2. Juli 2018 Beschwerde. Sie beantragt,
die Verfügung vom 30. Mai 2018 sei vollumfänglich aufzuheben. Es sei festzustellen,
dass sie einen Anspruch auf eine ganze, eventualiter dreiviertel, halbe oder viertel
Rente habe und ihr sei eine solche Rente zuzusprechen und auszubezahlen. Die
polydisziplinäre Begutachtung, insbesondere der rheumatologisch-neurologische Teil,
sei durch eine neutrale Begutachtungsinstitution zu wiederholen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zur Begründung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Ihr sei die unentgeltliche Rechtspflege samt Rechtsverbeiständung zu gewähren. Unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur
Begründung macht sie im Wesentlichen Mängel am medaffairs-Gutachten geltend.
RAD-Arzt Dr. E._ mache es sich sehr einfach, wenn er von Flüchtigkeitsfehlern
spreche. Er gebe zu, dass das kosteneffizienteste Bildgebungsverfahren gewählt
worden sei, obwohl sich gewisse Symptome damit nicht erklären liessen. Weder die
Gutachter noch die Beschwerdegegnerin hätten namentlich und branchenspezifisch
beschrieben, welche Tätigkeiten die Beschwerdeführerin noch ausüben könnte. Die
Richtigkeit des Valideneinkommens sei gerichtlich zu überprüfen. Aufgrund der
zusätzlich bestehenden etlichen Einschränkungen der Leistungsfähigkeit, welche von
der Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift detailliert aufgeführt würden,
rechtfertige sich ein Leidensabzug von 25%. Damit ergebe sich ein Invaliditätsgrad von
mindestens 52% (act. G1).
B.a.
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Mit Beschwerdeantwort vom 5. September 2018 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Dem medaffairs-Gutachten
komme voller Beweiswert zu. Richtig sei, dass die Beschwerdeführerin in der
angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig sei. Dass sie nurmehr in einer leichten
Tätigkeit arbeitsfähig sei, rechtfertige einen Leidensabzug von 10%. Ein Teilzeitabzug
sei nicht zu gewähren, da der Beschäftigungsgrad sich bei Frauen gemäss den
statistischen Erhebungen des Bundesamtes für Statistik (nachfolgend: BFS) zumindest
nicht negativ auswirke. Das Valideneinkommen betrage aufindexiert auf das Jahr 2014
Fr. 51'376.--. Das Invalideneinkommen belaufe sich auf Fr. 31'953.-- (Fr. 53'793.--
Hilfsarbeiterlohn 2014 x 0.66 x 0.9). Dies ergebe einen Invaliditätsgrad von gerundet
38% und somit keinen Anspruch auf eine Invalidenrente. Für die Beschwerdeführerin
geeignete Tätigkeiten seien etwa leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-,
Prüf- sowie Verpackungsarbeiten und leichtere Arbeiten bei der Lager- und
Ersatzbewirtschaftung. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt halte damit Stellen für die
Beschwerdeführerin bereit. Weder das Alter noch die schlechten beruflichen
Qualifikationen würden die Restarbeitsfähigkeit unverwertbar machen (act. G3).
B.b.
Am 12. September 2018 bewilligt die Abteilungspräsidentin des Versicherungs
gerichts das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den
Gerichtskosten und Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung; act. G4).
Am 12. August 2019 reicht die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eine
Kostennote ein (act. G8.3). Zudem teilt sie mit, dass die Beschwerdeführerin sich im
Psychiatriezentrum F._ einer ambulanten Therapie unterzogen habe und
anschliessend notfallmässig in der Klinik G._ hospitalisiert worden sei. Sie reicht
entsprechende Arztberichte ein (act. G8, G8.1 und G8.2).
B.c.
Mit Replik vom 3. Oktober 2018 bestreitet die Beschwerdeführerin die
Ausführungen in der Beschwerdeantwort und ersucht um Gutheissung der Beschwerde
(act. G6).
B.d.
Mit Eingabe vom 12. August 2019 reicht die Beschwerdeführerin psychiatrische
Berichte vom 13. Juni 2019 (Austrittsbericht Klinik G._) und vom 7. Juli 2019
(Dr. C._) ein (act. G8).
B.e.
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Erwägungen
1.
2.
Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) versicherte Personen,
die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
2.1.
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3.
Vorliegend macht die Beschwerdeführerin detailliert diverse Mängel am medaffairs-
Gutachten geltend. Da die Beschwerdegegnerin betreffend Arbeitsfähigkeit auf dieses
Gutachten abstellt, ist nachfolgend dessen Beweiswert zu prüfen. In diesem Kontext
werden die Rügen der Beschwerdeführerin bezogen auf die jeweiligen Fachdisziplinen
einzeln behandelt.
4.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 157 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Die urteilenden Instanzen haben
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen (BGE 125 V 351 E. 3a).
2.2.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
2.3.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts
genügt diesen Beweisanforderungen nicht (vgl. BGE 126 V 360 E. 5b; BGE 125 V 195
E. 2, je mit Hinweisen).
2.4.
Die Beschwerdeführerin bringt vor, gemäss der allgemeininternistischen und
rheumatologischen Exploration betrage ihre Körpergrösse 163 cm. Per 4. Juli 2016
habe ihre Körpergrösse noch 169 cm betragen. Sie sei damit nachweislich innert eines
Jahres um sechs Zentimeter geschrumpft. Dies könne durch einen abnehmenden
4.1.
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Flüssigkeitsgehalt im Körper verursacht worden sein, was die Elastizität der
Bandscheiben minimieren und so zu vermehrten Rückenschmerzen führen könne; oder
aber ein Haltungsschaden durch vermehrte Rückenschmerzen sei der Grund hierfür.
Eine Osteoporose-Erkrankung sei ebenso wenig wie Wirbelverformungen und
Wirbelbrüche ausgeschlossen worden. Dr. E._ mache es sich sehr einfach, die
Bemessung der Körpergrösse mit 163 cm als Flüchtigkeitsfehler zu bezeichnen
(act. G1, S. 6 f. und S. 16).
Weder die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung noch ihre Behandler
im Nachgang zur Begutachtung haben geltend gemacht, sie habe an Körpergrösse
verloren. Zudem wurde die Körpergrösse über den Zeitraum von 2012 bis 2016 vom
behandelnden Rheumatologen Dr. H._ sowie auch von Dr. D._, welcher die
Beschwerdeführerin zuletzt operiert hat, konstant mit 169 cm angegeben (vgl.
beispielhaft IV-act. 84-9, 140-2 und 151-6). Zumindest in diesem Zeitraum kam es also
nicht zu einer Abnahme der Körpergrösse. Die Körpergrösse wurde von den
medaffairs-Gutachtern offenbar erfragt, nicht selbst gemessen (IV-act. 167-37 und
167-87 "Gewicht 99 kg bei einer Körpergrösse von 163 cm nach Angaben der
Probandin, (...)"). Ob die Beschwerdeführerin sich versprochen hat oder die Gutachter
sich verhört oder verschrieben haben, lässt sich nicht eruieren. Tatsächlich erscheint
diesbezüglich ein (Flüchtigkeits-)Fehler wahrscheinlich. Von einer tatsächlichen
"Schrumpfung" der Beschwerdeführerin um sechs Zentimeter innerhalb eines Jahres
ist jedenfalls nicht auszugehen.
4.2.
Soweit die Beschwerdeführerin eine Veränderung der Wirbelsäule befürchtet
(Flüssigkeitsverlust Bandscheiben / Haltungsschaden / Wirbelverformungen oder -
brüche / Osteoporose) ist entgegenzuhalten, dass die rheumatologische Gutachterin
die Wirbelsäule untersucht und namentlich radiologische Befunde hat erheben lassen
(IV-act. 167-44, 167-53 f. und 167-60 f.), wobei sich keine Hinweise auf die von der
Beschwerdeführerin in den Raum gestellten Möglichkeiten zeigten. Insbesondere eine
Osteopenie (Minderung der Knochendichte, Vorstufe der Osteoporose) wurde explizit
ausgeschlossen (IV-act. 167-24), ebenso eine rheumatoide Arthritis und eine
Gichterkrankung (IV-act. 167-56).
4.3.
4.4.
Die Beschwerdeführerin rügt, es seien lediglich vereinzelte konventionelle
Röntgenbilder anstatt aussagekräftige MRI veranlasst worden, obschon die klinische
Untersuchung durch die adipöse Erkrankung erschwert gewesen sei. Deshalb sei die
Befundaufnahme ungenau und die rheumatologische Gutachterin habe mit
4.4.1.
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Wahrscheinlichkeiten argumentieren müssen. Oft würden aus Kostengründen und in
Form einer Schnellabfertigung nicht die richtigen bildgebenden Verfahren gewählt, dies
mit weitreichenden Konsequenzen für die Beschwerdeführerin (act. G1, S. 7 f. und
S. 16).
Im Rahmen der Begutachtung wurden beide Hände, die HWS und BWS, das
Becken, beide Knie sowie beide OSG geröntgt (IV-act. 167-44 bzw. 167-60 f.). Von
einer lediglich vereinzelten Bildgebung kann deshalb nicht gesprochen werden. Zudem
verfügten die Gutachter über MRI der Wirbelsäule, des rechten Fusses und des OSG
und verschiedene Röntgenabklärungen sowie EMG des rechten Fusses und des linken
Unterarms aus den Jahren 2011 und 2012 (vgl. IV-act. 167-14). Dass die Behandler
nach 2012 keine neuere Bildgebung mehr veranlasst haben, indiziert, dass sie dafür
keine Notwendigkeit sahen. Dies deutet wiederum darauf hin, dass die Behandler nicht
davon ausgingen, die Befunde hätten sich relevant verändert bzw.
Bildgebungsverfahren könnten ihnen weitere wesentliche Erkenntnisse verschaffen.
4.4.2.
Mit der Beschwerdegegnerin ist sodann darauf hinzuweisen, dass den
Gutachtern ein weiter Ermessenspielraum zukommt, was die Wahl der
Untersuchungsmethode betrifft (siehe hierzu Urteil des Bundesgerichts vom
27. September 2017, 8C_820/2016, E. 5.5). Die rheumatologische Gutachterin führte
aus, es gebe keine klinischen Hinweise auf Gelenkschwellungen. Auch gebe es weder
an der HWS noch an der LWS provozierbare radikuläre Schmerzausstrahlungen.
Hinweise für eine entzündliche Ursache der Gelenkbeschwerden seien keinesfalls
sicher. Zwar könnten Gelenkschwellungen klinisch in den Sprunggelenken nicht
ausgeschlossen werden, konventionell-radiologisch zeigten sich hier aber eher nur
Weichteilschwellungen (IV-act. 167-56).
4.4.3.
Das Rheumalabor war unspezifisch, die Entzündungswerte nicht erhöht.
Hingegen hat die Beschwerdeführerin der rheumatologischen Gutachterin in nahezu
sämtlichen Fibromyalgie-Druckpunkten, aber auch in anderen Bereichen der
Muskulatur und der Gelenke Schmerzen angegeben. Die Gutachterin leitete daraus
plausibel ab, das Vorliegen einer entzündlich-rheumatologischen Ursache der
Beschwerden könne als unwahrscheinlich betrachtet werden. Fibromyalgie sei
entsprechend wahrscheinlicher (IV-act. 167-56 f.). In der Konsensbeurteilung heisst es
weiter, die Muskel- und Gelenkschmerzen könnten keiner rheumatologisch
entzündlichen oder degenerativen Krankheit zugeordnet werden, sondern seien im
Rahmen des Widespread Pain Syndrom / Fibromyalgie zu werten (IV-act. 167-26).
Unter diesen Gegebenheiten ist nicht zu beanstanden, dass die rheumatologische
4.4.4.
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Gutachterin keine weiteren Röntgenaufnahmen oder MRI veranlasst hat. Wesentliche
zusätzliche Erkenntnisse wären von solchen wie auch von weiteren Untersuchungen
nicht zu erwarten gewesen. Kostenüberlegungen standen somit jedenfalls nicht im
Vordergrund. Auch die Vorakten sowie die nach der Begutachtung eingereichten
Behandlerberichte vermögen an der gutachterlichen Einschätzung keine ernstlichen
Zweifel zu erwecken.
Die Beschwerdeführerin kritisiert weiter, die rheumatologische Gutachterin habe
sich nicht mit den Berichten von Dr. H._ auseinandergesetzt. Sie habe folgenden
Diagnosen von Dr. H._ keine Beachtung geschenkt: Periarthropathia humero
scapularis chronica; Tenosynovitis de Quervain rechts (act. G1, S. 8 f.). In der Tat fehlt
im Gutachten eine ausdrückliche Diskussion der Befunde und Diagnosen von Dr. H._
mit Bezugnahme auf seinen Bericht, obschon dies wünschenswert gewesen wäre. Die
Berichte von Dr. H._ werden jedoch im Gutachten in der Anamnese jeweils
zusammengefasst (vgl. etwa IV-act. 167-46 f.) und die von der Beschwerdeführerin
genannten Diagnosen bleiben nicht ungeprüft, wie die nachfolgenden Ausführungen
zeigen. Bei der Periarthropathia humero scapularis handelt es sich um eine nicht mehr
gebräuchliche Sammelbezeichnung für verschiedene degenerative Prozesse im
Bereich von Rotatorenmanschette, Gelenkkapsel oder langer Bizepssehne am
Schultergelenk, die zu schmerzhafter Bewegungseinschränkung führen (Pschyrembel,
Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 1377). Diese Bereiche wurden von der
rheumatologischen Gutachterin untersucht, wobei sie eine teilweise fehlende Mitarbeit
der Beschwerdeführerin anmerkte, im Übrigen aber keine mit von Dr. H._ Diagnose
übereinstimmenden Auffälligkeiten feststellte (vgl. insbesondere IV-act. 167-57). Es ist
damit ohne Weiteres nachvollziehbar, dass die rheumatologische Gutachterin diese
Diagnose nicht stellte. Die Diagnose der Tenosynovitis de Quervain rechts stellte
Dr. H._ in seinem Bericht vom 4. Dezember 2013, in seinem Bericht vom
26. November 2014 jedoch nicht mehr (siehe IV-act. 102-7 und 140). Nachdem die
rheumatologische Gutachterin auch den rechten Arm untersucht und entzündliche
Erkrankungen ausgeschlossen hat (siehe E. 4.4.3 f. vorstehend), führt die fehlende
explizite Auseinandersetzung mit den Einschätzungen von Dr. H._ durch Diskussion
seiner Berichte nicht zur Unverwertbarkeit des medaffairs-Gutachtens.
4.4.5.
4.5.
Die Beschwerdeführerin bringt vor, die rheumatologische Gutachterin habe ihre
letzte Erwerbstätigkeit als mittelschwer angesehen und eine volle Arbeitsunfähigkeit
dafür attestiert, wohingegen in einer adaptierten, leichten Tätigkeit eine volle
4.5.1.
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Arbeitsfähigkeit bestehe. Dann aber habe sie auch in der bisherigen Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von 100% attestiert (IV-act. 167-58 f.). Gemäss Feststellungsblatt der
Beschwerdegegnerin habe es sich bei der zuletzt ausgeübten Tätigkeit jedoch um eine
sehr leichte bis leichte Arbeit gehandelt (IV-act. 171-3). Dies sei widersprüchlich
(act. G1, S. 9).
Die letzte Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin hat auf dem Fragebogen für
Arbeitgebende am 10. Januar 2013 unter anderem angegeben, die Beschwerdeführerin
habe manchmal mittelschwer heben und selten auch Gewicht über Brusthöhe heben
müssen (IV-act. 89-8). Die rheumatologische Gutachterin beschreibt sodann, seit 2013
sei von einer zunehmenden Entwicklung von Rückenschmerzen auszugehen für
mittelschwere Tätigkeiten verbunden mit schwerem Heben von mehr als 5 kg und
bückende Tätigkeiten sowie Tätigkeiten ohne Möglichkeit der Wechselbelastung. Für
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Lagermitarbeiterin liege somit ab diesem Zeitpunkt
eine Arbeitsunfähigkeit von 100% vor (IV-act. 167-58). Damit begründete die
rheumatologische Gutachterin ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung für die angestammte
Tätigkeit transparent und konnte sich hierfür auf die Angaben der Arbeitgeberin
stützen. Es ist deshalb vertretbar, dass sie die zuletzt ausgeübte Erwerbstätigkeit als
mittelschwer einstufte. Folglich ist es nicht widersprüchlich, wenn die
rheumatologische Gutachterin diese Erwerbstätigkeit als seit 2013 nicht mehr
zumutbar erachtet, in einer adaptierten Tätigkeit indes eine Arbeitsfähigkeit von 100%
attestiert. Ein Widerspruch zur diesbezüglichen Konsensbeurteilung (IV-act. 167-30) ist
nicht ersichtlich. Dass die rheumatologische Gutachterin unter dem Titel
"Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit" schrieb, in einer angepassten Tätigkeit mit
Möglichkeit zur Wechselbelastung, ohne schweres Heben und ohne bückende
Tätigkeiten sei die Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht 100% arbeitsfähig
(IV-act. 167-59) mag aufgrund des vorangestellten Titels verwirrend erscheinen, bringt
aber gerade zum Ausdruck, dass die Beschwerdeführerin in der angestammten
Tätigkeit – welche nicht angepasst ist – nicht mehr arbeitsfähig ist. Die
Beschwerdegegnerin hatte in ihrer Verfügung vom 30. Mai 2018 zwar noch fälschlich
angenommen, die Restarbeitsfähigkeit könne in der angestammten Tätigkeit verwertet
werden (IV-act. 175), hat diese Fehleinschätzung jedoch in ihrer Beschwerdeantwort
korrigiert (act. G3).
4.5.2.
4.6.
Die Beschwerdeführerin argumentiert, die Blutwerte würden sich im oberen
Grenzbereich befinden, was auf eine bevorstehende Entzündung sowie eine schlechte
Prognose hindeute und die Diagnose von Dr. H._ bestätige (act. G1, S. 9 f.).
4.6.1.
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Unstreitig kann aus den zum Zeitpunkt der Begutachtung geprüften Blutwerten
kein entzündlicher Vorgang nachgewiesen werden. Dementsprechend hielt RAD-Arzt
Dr. E._ dieses Vorbringen der Beschwerdeführerin denn auch für obsolet (IV-
act. 174-2). Die Beschwerdeführerin machte gegenüber den Gutachtern im Zeitpunkt
der Begutachtung auch nicht geltend, ihr gehe es ungewöhnlich gut. Aus den Akten
ergeben sich keine Hinweise, wonach die Blutwerte vor der Begutachtung über längere
Zeit wesentlich schlechter gewesen wären. Demzufolge bestand für die medaffairs-
Gutachter keine Veranlassung, die Blutwerte erneut zu prüfen oder anders zu
interpretieren.
4.6.2.
4.7.
Die Beschwerdeführerin weist darauf hin, die rheumatologische Gutachterin
verfüge erst seit 2013 über den Facharzttitel, Dr. H._ dagegen bereits seit 1987.
Angesichts seiner überlegenen Erfahrung sei deshalb auf die Einschätzung von Dr.
H._ abzustellen (act. G1, S. 10).
4.7.1.
Ein Gutachten dient dazu, Fachwissen, über welches die Verwaltung oder das
Gericht nicht verfügt, in das Verfahren einzuführen. Damit das Gutachten im
Administrativ- oder Gerichtsverfahren verwertet werden kann, ist es notwendig, dass
eine medizinische Gutachtensperson über hinreichendes medizinisches Fachwissen
und praktische Erfahrung verfügt. Um den Ausbildungsstand einer medizinischen
Fachperson einschätzen zu können, muss die Verwaltung bzw. das Gericht auf formelle
Kriterien abstellen. Deshalb wird in der Praxis ein dem Nachweis der erforderlichen
Fachkenntnisse dienender spezialärztlicher Titel, mithin ein Facharzttitel verlangt (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 20. November 2007, I 142/07, E. 3.2.3, und vom 19. Mai
2020, 8C_767/2019, E. 3.3.2, je mit Hinweisen). Die rheumatologische medaffairs-
Gutachterin verfügt über einen entsprechenden Facharzttitel, sodass sie in fachlicher
Hinsicht qualifiziert ist.
4.7.2.
Aus dem Zeitpunkt des Erwerbs des Facharzttitels kann nicht abgeleitet werden,
die Beurteilung des Behandlers sei zutreffender als jene der Gutachterin, weil dieser
über die längere Berufserfahrung verfüge. Die erforderlichen Fachkenntnisse werden
mittels Facharzttitel ausgewiesen. Eine längere Berufsausübung gewährleistet für sich
alleine nicht eine zutreffendere Diagnosestellung und Einschätzung der funktionellen
Leistungsfähigkeit bzw. Arbeitsfähigkeit. So, wie die Gutachtensperson bei ihrer
Begutachtung eine gegenüber den Behandlern abweichende Einschätzung
nachvollziehbar begründen muss, kann die behandelnde Fachperson am Gutachten
4.7.3.
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5.
sachliche Kritik üben und wiederum fachlich fundiert dartun, weshalb dessen
Erkenntnisse nicht zutreffen bzw. ihre eigene Beurteilung überzeugt.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die unterschiedliche
Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen Fachperson einerseits und
des Begutachtungsauftrags der amtlich bestellten fachmedizinischen
Gutachtensperson andererseits es nicht zulässt, ein Administrativ- oder
Gerichtsgutachten stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen
zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu
anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich
eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil diese wichtige – und nicht rein
subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind. Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung entspricht es zudem einer Erfahrungstatsache, dass behandelnde
Arztpersonen bzw. Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (Urteil des
Bundesgerichts vom 20. November 2007, 8C_29/2018, E. 3.2.2 mit Hinweisen).
4.7.4.
Vorliegend ist das rheumatologische Gutachten überzeugend. Die Differenzen
zwischen den Ergebnissen der rheumatologischen Begutachtung und den Behandler
berichten, insbesondere jenen von Dr. H._, sind nachvollziehbar begründet. Dr. H._
selbst hat im Nachgang zur Begutachtung keine wichtigen Aspekte benannt, die bei
der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären. Dementsprechend ist
nicht auf Dr. H._s Einschätzung abzustellen und das rheumatologische Teilgutachten
ist beweiskräftig.
4.7.5.
5.1.
Bezüglich des neurologischen Teilgutachtens kritisiert die Beschwerdeführerin,
der begutachtende Neurologe habe auf aktuelle bildgebende Verfahren oder eine
Nervensonographie verzichtet, obwohl er selbst ausführe, dass darauf zurückgegriffen
werden müsste. Dieser Gutachtensteil beruhe auf einer unvollständigen Untersuchung
(act. G1, S. 10).
5.1.1.
Wie bereits im Zusammenhang mit der Kritik am rheumatologischen
Teilgutachten erwähnt, steht der begutachtenden Fachperson betreffend
Untersuchungsmethode ein gewisser Ermessenspielraum offen (siehe E. 4.4.3
5.1.2.
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vorstehend). Zu erwähnen ist, dass der neurologische Gutachter im Rahmen der
Exploration eine vertiefte Untersuchung des Nervus ulnaris mittels Ultraschall
durchführte (IV-act. 167-75). Demnach zog der neurologische Gutachter die von ihm
als erforderlich erachteten Hilfsmittel durchaus hinzu.
Der neurologische Gutachter beschrieb, in der Zusammenschau der Befunde
hätten kein Hinweis für eine höhergradige motorische Einschränkung im Bereich der
unteren Extremitäten und keine klinischen Hinweise für ein lumboradikuläres Schmerz-
oder sensomotorisches Ausfallsyndrom vorgelegen. Die Sensibilitätsstörung im Bereich
des rechten Fusses sei deutlich über eine mögliche Schädigung des Nervus tibialis
bzw. plantaris medialis oder lateralis hinausgegangen. Alle Triggerpunkte, auch der
Kontrollpunkt (Stirn bds.) seien positiv gewesen. Auch bei leichtem Zug an den Haaren
hätte die Beschwerdeführerin "massivste Schmerzen" angegeben (IV-act. 167-73).
Weiter beschrieb der neurologische Gutachter, weil bei der Beschwerdeführerin nahezu
alle Bewegungen, leichtere Manipulationen und Berührungen mit ausgeprägten
Schmerzsymptomen assoziiert seien, sei der Schmerz sicherlich nicht mehr allein
somatisch erklärbar (vgl. IV-act. 167-77). Der neurologische Gutachter diskutierte
ausführlich die Angaben aus den Vorakten und die verschiedenen
Untersuchungsmöglichkeiten (z.B. Nervensonographie, Spurling-Test, IV-act. 167-77),
gab aber auch an, aus welchen Gründen die von ihm nicht durchgeführten Testungen
keinen Erkenntnisgewinn versprachen. Beispielsweise legte er einleuchtend dar, kurz
nach der Operation des rechten Fusses sei von einer deutlichen Besserung berichtet
worden, sodass nicht davon auszugehen sei, dass im Rahmen der operativen
Versorgung Nervenenden verletzt worden seien. Später sei berichtet worden, die
Symptomatik habe sich gänzlich nicht geändert. Die bereits damals geschilderte
Symptomatik sei deutlich über eine lokalisierte und somatisch erklärbare Schädigung
des Nervus plantaris lateralis hinausgegangen. Im Verlauf sei es dann zu einer
ähnlichen Symptomatik auf der linken Seite gekommen, sodass weniger von einer
somatisch erklärbaren, durch eine Nervenschädigung bedingten Symptomatik, sondern
eher von einer inadäquaten Schmerzausbreitung auszugehen sei. Die
Sensibilitätsstörungen und Schmerzen im Bereich des ganzen Fusses seien
wahrscheinlich im Rahmen einer somatisch nicht erklärbaren, zunehmenden
Generalisierung der Schmerzsymptomatik zu sehen (IV-act. 167-76 f.). Zentral
erscheint in diesem Zusammenhang auch die Feststellung des neurologischen
Gutachters, wonach keine Hinweise für eine Schädigung des peripheren oder zentralen
Nervensystems, die einen wesentlichen Anteil an der Schmerzsymptomatik haben
könnten, hätten identifiziert werden können (IV-act. 167-78).
5.1.3.
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Die Beschwerdeführerin bringt vor, gemäss einer Studie (S. Olerth et. al, Diffuse
idiopathische Hyperostose (DISH) beim Hund: Eine Übersicht, online abrufbar unter
https://www.dysplasie-schweiz.unibe.ch/e332465/e406506/e472030 /
DiffuseidiopathischeskelettaleHyperostoseDISHbeimHundEinebersicht_ger.pdf)
würden CT- und MRI-Aufnahmen in Fällen wie dem vorliegenden empfohlen, da die
klinischen Symptome beim Menschen doch meist mild seien. Entgegen ihren
Ausführungen werden jedoch in dieser Studie Röntgenbilder zur Diagnosestellung eben
gerade als zweckmässig betrachtet, weitere bildgebende Verfahren lediglich als
hilfreich. Insofern kann die Beschwerdeführerin aus der von ihr zitierten Quelle nichts
zu ihren Gunsten ableiten.
5.1.4.
Der neurologische medaffairs-Gutachter stützt seine Schlussfolgerung nach dem
Gesagten auf eine gründliche klinische Untersuchung und das Studium der Vorakten,
wobei er sich offenkundig mit dem Krankheitsverlauf bei der Beschwerdeführerin aus
einandergesetzt hat. Seine Ausführungen sind einleuchtend. Es bestand somit keine
Notwendigkeit, weitere Zusatzuntersuchungen zu veranlassen. Das Gutachten ist
dementsprechend in dieser Hinsicht nicht mangelhaft.
5.1.5.
5.2.
Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, der neurologische Gutachter hätte bei
Verzicht auf aktuelle MRI des OSG mindestens den früheren Behandler, Prof. Dr. med.
I._, Facharzt FMH Neurologie, kontaktieren müssen, statt Mutmassungen und
Vermutungen aufzustellen. Zudem müsse dem Gutachter entgangen sein, dass der
jüngste Bericht von Prof. I._ vom 10. März 2012 nicht in den IV-Akten enthalten sei
(act. G1, S. 11).
5.2.1.
Die Beschwerdegegnerin hat die (damals schon rechtlich vertretene)
Beschwerdeführerin am 24. November 2016 schriftlich aufgefordert, ihr die Namen und
Adressen der behandelnden Ärzte mitzuteilen, damit sie von diesen aktuelle Berichte
einholen und anschliessend die medizinische Begutachtung in die Wege leiten könne
(IV-act. 145). Mit Schreiben vom 12. Dezember 2016 nannte die Beschwerdeführerin
daraufhin die Dres. B._, C._ und D._ als ihre behandelnden Ärzte (IV-act. 147).
Prof. I._ nannte sie hingegen nicht. Der von Dr. H._ wiederholt zitierte Bericht von
Prof. I._ vom 10. März 2012 (act. G1 S. 11 mit Hinweisen) betrifft offenbar den
Nervus plantaris medialis und lateralis rechts (mittels Elektrodiagnose untersucht). In
dem Bericht von Prof. I._ vom 12. Januar 2012 (IV-act. 67-18 f.), welcher ebenfalls
den Nervus plantaris lateralis rechts betrifft, wird eine residuale Neuropathie
diagnostiziert. Dieser Bericht lag den medaffairs-Gutachtern vor (IV-act. 167-17 und
5.2.2.
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167-65 f.). Wesentlich andere relevante Befunde dürften dem Bericht vom 10. März
2012 nicht zu entnehmen sein; solches wird von der Beschwerdeführerin auch nicht
geltend gemacht. Mit der Einladung zur Begutachtung wurde die Beschwerdeführerin
zudem aufgefordert, alle aktuellen medizinischen Unterlagen von kürzlich
stattgefundenen Arztterminen mitzubringen (IV-act. 164-2). Den Arztbericht von
Prof. I._ vom 10. März 2012, auf den sie nun hinweist, hatte sie weder der
Beschwerdegegnerin eingereicht noch an den Begutachtungstermin mitgebracht. Die
Beschwerdeführerin befand sich zum Zeitpunkt der Begutachtung also bereits seit
mehreren Jahren nicht mehr in fachärztlicher neurologischer Behandlung oder
Abklärung. Daraus, dass seit 2012 keine Konsultationen bei einem neurologischen
Facharzt mehr stattfanden und die Beschwerdeführerin im Jahr 2016 auch keinen
neurologischen Facharzt mehr als Behandler angab, kann geschlossen werden, dass
weder die Beschwerdeführerin selbst noch ihre behandelnden Ärzte, namentlich ihr
Hausarzt, von einer neurologischen Behandlungsbedürftigkeit oder der Notwendigkeit
weiterer neurologischer Testungen ausgegangen sind. Auch im Rahmen der
Begutachtung ergab sich kein weitergehendes Abklärungsbedürfnis. Somit drängten
sich auch keine weitergehenden neurologischen Abklärungen oder eine
Kontaktaufnahme mit Prof. I._ auf.
5.3.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Behauptung des neurologischen
Gutachters, wonach eine Reizung des Sulcus ulnaris mangels schneller repetitiver
Bewegungen ausgeschlossen werden könne, sei falsch. Bereits kleinste Druckschäden
und -belastungen würden für eine Nervenreizung ausreichen. Dies umso mehr, als die
Beschwerdeführerin von einem häuslichen Unfall mit Sturz auf den Arm berichtet habe
(act. G1, S. 11 f.).
5.3.1.
Die Beschwerdeführerin verweist betreffend Sturzereignis auf den "Lebenslauf
Gutachtenpatienten", welchen sie am 28. August 2017 ausgefüllt hat (act. G1.5).
Gemäss jenem Formular war sie ca. 1998 über die Bettkante gestolpert und auf den
Ellbogen gestürzt. Die Folgen seien eine Ellbogenprellung, Physiotherapie in J._,
Spritzen durch Dr. B._ und "keine Kraft in Arme + Hände" gewesen (act. G1.5, S. 3).
Ein Zusammenhang zwischen diesem Sturzereignis und der aktuell behaupteten
Nervenreizung ist nicht ersichtlich. Insbesondere war die Beschwerdeführerin nach
diesem Sturzereignis noch erwerbstätig. Ihre letzte Anstellung verlor sie erst 2012 (vgl.
act. G3.2/1-5). Auch in ihrer IV-Anmeldung vom 28. März 2012 erwähnte sie bei den
Angaben zur gesundheitlichen Beeinträchtigung keine Schulter-, Arm- oder
5.3.2.
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Ellbogenschmerzen, sondern machte lediglich Fuss- und Beinschmerzen geltend (IV-
act. 51-4). Demnach hatten die Folgen des Sturzereignisses von 1998 keinen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, zumindest nicht in einer adaptierten
Tätigkeit. Soweit die Beschwerdeführerin die medizinische Einschätzung des
neurologischen Gutachters als falsch bezeichnet, ist sie mangels eigenen
medizinischen Fachwissens, Verweises auf entsprechende Arztberichte oder
einschlägige medizinische Literatur nicht zu hören. Der neurologische Gutachter hat
sowohl die Befunde als auch seine Beurteilung betreffend Sulcus ulnaris-Syndrom
nachvollziehbar und überzeugend dargelegt (vgl. IV-act. 167-74).
5.4.
Die Beschwerdeführerin bemängelt weiter, der neurologische Gutachter habe
eine Stoffwechselerkrankung (z.B. Gicht) oder eine rheumatologische Arthritis nicht
mittels bildgebender Verfahren oder Tests ausgeschlossen (act. G1, S. 12). Sie
übersieht dabei, dass die rheumatologische Gutachterin, in deren Fachgebiet
Gichterkrankungen und rheumatoide Arthritis fallen, solche explizit ausgeschlossen hat
(IV-act. 167-56). Ihr diesbezüglicher Einwand verfängt deshalb nicht.
5.4.1.
Die Beschwerdeführerin macht zudem geltend, der neurologische Gutachter
hätte die rheumatologische Gutachterin darauf hinweisen müssen, dass diese die von
Dr. H._ gestellten Diagnosen nicht vollständig überprüft habe. Er habe sich nicht oder
mangelhaft mit den Arztberichten der behandelnden Fachärzte und der RAD-Abklärung
vom 3. April 2014 auseinandergesetzt (act. G1, S. 12). Diesbezüglich kann auf E. 4.4.5
vorstehend verwiesen werden.
5.4.2.
5.5.
Die Beschwerdeführerin kritisiert, der neurologische Gutachter verneine das Vor
liegen eines durch Prof. I._ bestätigten CRP-Syndroms, ohne selbst eine
entsprechende Testung veranlasst zu haben (act. G1, S. 12 f.).
5.5.1.
Prof. I._ hielt in seinem Bericht vom 12. Januar 2012 lediglich fest,
differentialdiagnostisch sei auch an ein komplexes regionales Schmerzsyndrom zu
denken (IV-act. 67-19). In der Folge wurde die Differenzialdiagnose indes, soweit aus
den Akten ersichtlich, nicht bestätigt und auch nicht mehr weiterverfolgt. Es ist
dementsprechend nicht zu beanstanden, dass der neurologische Gutachter dazu bloss
äusserte, basierend auf den aktuellen Diagnosekriterien könne die Diagnose eines
CRPS sicherlich nicht gestellt werden. Dies, nachdem sich in der aktuellen
5.5.2.
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Untersuchung keine Hinweise für das Vorliegen eines CRPS oder eines
Residualzustandes bei CRPS ergeben hatten (IV-act. 167-78).
5.6.
Die Beschwerdeführerin bemängelt, der neurologische Gutachter diagnostiziere
zwar ein mögliches Ulnaris-Reizsyndrom bds., eine mögliche Sensibilitätsstörung und
Schmerzen bei lokaler Schädigung des Nervus plantaris lateralis rechts sowie mögliche
Medikamenten-induzierte Kopfschmerzen, messe diesen Diagnosen jedoch
unbegründeterweise keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bei (act. G1, S. 13).
5.6.1.
Wie die Beschwerdeführerin richtig feststellt, handelt es sich bei allen drei vom
neurologischen Gutachter genannten Diagnosen um Verdachtsdiagnosen (vgl. IV-
act. 167-74). Selbst wenn diese zutreffen würden, wäre dadurch die Arbeitsfähigkeit
aber nicht in quantitativer Hinsicht eingeschränkt. Deshalb gab der neurologische
Gutachter an, die Diagnosen würden sich auf die Arbeitsfähigkeit nicht auswirken. Für
das IV-Verfahren ist die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit relevant. Die
Diagnosen können die Arbeitsfähigkeit indes in qualitativer Hinsicht beeinflussen,
indem etwa eine Tätigkeit mit häufigen schnellen und repetitiven Bewegungen für die
Beschwerdeführerin nicht geeignet ist.
5.6.2.
Dass der neurologische Gutachter angab, eine Besserung der Kopfschmerzen
könnte durch Medikamentenentwöhnung erreicht werden, dafür aber eine schlechte
Prognose stellt (vgl. IV-act. 167-80 f.) ist nicht zu beanstanden. Aufgabe des
Gutachters ist unter anderem die Prüfung der Behandlungsmöglichkeiten der
erhobenen Gesundheitseinschränkungen und die Diskussion, ob diese Behandlungen
durchführbar und erfolgsversprechend sind. Diese Aufgabe hat der neurologische
Gutachter erfüllt.
5.6.3.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, der neurologische Gutachter gebe an, es
bestünden keine Zweifel an einer partiellen Schädigung des Nervus plantaris lateralis
oder des Endastes (act. G1, S. 13). Dies ist korrekt, jedoch erwähnt der Gutachter
gleichenorts, diese Schädigung könne die Symptomatik im Bereich des rechten Fusses
nicht in der Art und Weise erklären (IV-act. 167-79). Der Gutachter geht vielmehr von
einer inadäquaten Schmerzausbreitung bzw. einer zunehmenden Generalisierung der
Schmerzsymptomatik aus (IV-act. 167-77), was nicht zu beanstanden ist.
5.6.4.
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6.
5.7.
Die Beschwerdeführerin kritisiert weiter, die Explorationszeit von einer Stunde sei
nicht ausreichend für eine ganzheitliche Diagnosestellung inkl. Testung (act. G1, S. 13).
5.7.1.
Eine Begutachtung ist naturgemäss auf einen relativ kurzen Zeitraum begrenzt.
Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kommt es nicht auf die Dauer der
Exploration an, sondern darauf, ob das Gutachten inhaltlich vollständig und im
Ergebnis schlüssig ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 8C_767/2019,
E. 3.4 mit Hinweis). Das vorliegende neurologische Gutachten erfüllt diese
Anforderungen, sodass die von der Beschwerdeführerin kritisierte Explorationszeit von
einer Stunde den Beweiswert des medaffairs-Gutachtens nicht in Zweifel zieht.
5.7.2.
6.1.
Die Beschwerdeführerin bemängelt, der psychiatrische Gutachter schreibe, er
habe sie auf "offensichtliche Widersprüche" in der Aktenlage angesprochen. Angaben
darüber, um welche Widersprüche es sich hierbei handeln solle, würden jedoch
gänzlich fehlen und seien damit nicht nachvollziehbar. Zu Beginn der Begutachtung sei
verdeutlicht worden, dass man für die Beschwerdegegnerin arbeite und deshalb eine
Begutachtung durchführe. Es gehe hierbei ausschliesslich um die Klärung dieser
Widersprüche. Die psychisch kaum belastbare Beschwerdeführerin habe sich daher
gekränkt, demotiviert sowie nicht ernstgenommen gefühlt und habe sich verschlossen
(act. G1, S. 14).
6.1.1.
Anlässlich einer Begutachtung ist es angezeigt, die zu begutachtende Person zu
Beginn über den Zweck und den Ablauf der Begutachtung zu informieren. Hierzu
gehört auch Transparenz hinsichtlich Auftraggeber und der Hinweis, dass keine
Behandlung stattfindet, sondern eine im IV-Verfahren zu verwertende Begutachtung.
Der psychiatrische Gutachter hat die Beschwerdeführerin entsprechend informiert (vgl.
IV-act. 167-82 und 167-86) und sich damit an die Qualitätsleitlinien für
versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen Gesellschaft für
Psychiatrie und Psychotherapie SGPP (3. vollständig überarbeitete und ergänzte
Auflage, 16. Juni 2016; nachfolgend: Leitlinien) gehalten (vgl. insbesondere S. 9 und
Anhang 1 Leitlinien). Tatsächlich geht aus dem Gutachten nicht hervor, worauf sich der
psychiatrische Gutachter bezieht, wenn er berichtet, die Beschwerdeführerin auf
offensichtliche Widersprüche angesprochen zu haben (IV-act. 167-86). Klar ist indes,
6.1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/27
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dass die Beschwerdegegnerin bzw. der RAD die Arbeitsfähigkeit bzw. den
Gesundheitszustand anders einschätzten als die behandelnden Arztpersonen und die
Begutachtung das Ziel verfolgte, eine verlässliche medizinische Einschätzung
abzugeben. Des Weiteren ist klar, dass die Gutachter zu diesem Zweck Widersprüche
soweit möglich ausräumen. Der psychiatrische Gutachter hat sich somit korrekt
verhalten, indem er die Beschwerdeführerin über Ziel und Zweck der Begutachtung
sowie die Auftraggeberin informierte sowie auf (wie auch immer geartete) Widersprüche
ansprach.
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, sie habe sich verschlossen, kann
sie daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten. Der psychiatrische Gutachter beschrieb,
die Interaktion sei zunächst freundlich gewesen, im Rahmen des Gesprächs jedoch
vom Affekt her eher labil, dennoch kein durchgängiger depressiver Habitus. In der
Gesprächsführung sei die Beschwerdeführerin nur mässig kooperativ und insgesamt
nur bedingt motiviert wirkend gewesen (IV-act. 167-93). Hinweise darauf, dass die
Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage gewesen wäre,
die für die Begutachtung erforderlichen Angaben zu machen, sind nicht ersichtlich. Im
Gegenteilt beschreibt der psychiatrische Gutachter, bei der Beschwerdeführerin
würden dysfunktionale Krankheitsverarbeitung, Dekonditionierung und
Motivationsdefizite vorliegen, die nicht auf die psychiatrischen Störungen zurückgehen
würden (vgl. IV-act. 167-102 und 167-27). Der Beschwerdeführerin war die Mitwirkung
an der psychiatrischen Begutachtung möglich und zumutbar. Das Gutachten behält
damit seinen Beweiswert, selbst wenn die Beschwerdeführerin sich verschlossen
haben sollte.
6.1.3.
6.2.
Die Beschwerdeführerin kritisiert sodann, weshalb die Persönlichkeitsstörung
gerade eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Bereich von einem Drittel
versursachen solle, werde nicht erörtert oder nachvollziehbar begründet (act. G1,
S. 14).
6.2.1.
Der psychiatrische Gutachter hielt unter anderem fest, er sehe leichte
Einschränkungen im Bereich der Anpassung an Regeln und Routinen sowie bei der
Planung und Strukturierung von Aufgaben, mittlere Einschränkungen bei der Flexibilität
und Umstellungsfähigkeit und der Durchhaltefähigkeit. Auch die Gruppenfähigkeit sei
eingeschränkt (Mini-ICF; IV-act. 167-96). Zwischenmenschliche Probleme dürften
immer wieder entstehen. Die dysfunktionale Krankheitsverarbeitung, Dysthymia und
Persönlichkeitsstörung könnten mit einem erschwerten Umgang mit Schmerzen
6.2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/27
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einhergehen (IV-act. 167-103). Hinzu kommt, dass bei der Beschwerdeführerin wenig
Ressourcen erkennbar seien (IV-act. 167-105). Dies erklärt eine gewisse psychisch
begründete Arbeitsunfähigkeit.
Anderseits hielt der psychiatrische Gutachter fest, zahlreiche
Funktionseinschränkungen würden nicht auf die psychische Störung direkt
zurückgehen, sondern auf dysfunktionale Krankheitsverarbeitung, Dekonditionierung
und Motivationsdefizite bei Arbeitslosigkeit, niedriger Vermittlungsfähigkeit,
fortgeschrittenem Alter und tiefem Bildungsniveau. Konkrete
Eingliederungsbemühungen seitens der Beschwerdeführerin seien nicht zu
beobachten. Ein geringer bis mittlerer, streckenweise hoher Leidensdruck sei dennoch
gegeben (IV-act. 167-102 und 167-105). Dem Verlauf könne keine negative Prognose
entnommen werden, da er zwar mehrjährig sei, aber kein ausgewiesener Rückzug in
allen Belangen des Lebens erkennbar sei, keine konsequenten adäquaten
Behandlungsbemühungen und vor allem keine gescheiterten
Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der
Beschwerdeführerin vorgefunden würden (IV-act. 167-104). Daraus geht ohne Weiteres
hervor, dass nur eine teilweise Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht begründet
werden kann. Der psychiatrische Gutachter schätzt, dass die Persönlichkeitsstörung in
Verbindung mit Leidensdruck, Komorbidität, Dysthymia und dysfunktionaler
Krankheitsverarbeitung einen Drittel Verlust der Arbeitsfähigkeit zur Folge habe (IV-
act. 167-82 ff., insbesondere IV-act. 167-106 f.).
6.2.3.
Stets Rechnung zu tragen ist dem Umstand, dass die psychiatrische Exploration
sowie die medizinische Folgenabschätzung von der Natur der Sache her notgedrungen
eine hohe Variabilität aufweisen und unausweichlich Ermessenszüge tragen. Sie
eröffnen der begutachtenden psychiatrischen Fachperson daher praktisch immer einen
gewissen Ermessensspielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-
psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und rechtlich zu respektieren sind,
sofern die begutachtende Person lege artis vorgegangen ist (Urteile des
Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 9C_18/2020, E. 4.1 in fine, und vom 5. April 2019,
9C_668/2018, E. 3.5, je mit Hinweisen). Da der psychiatrische Gutachter lege artis
vorgegangen ist, ist seine Einschätzung der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um
einen Drittel zu respektieren.
6.2.4.
Die Beschwerdeführerin kritisiert auch die psychiatrische Explorationszeit als zu
kurz (act. G1, S. 15). Diesbezüglich kann auf E. 5.7.2 vorstehend verwiesen werden. Für
die psychiatrische Exploration gilt nichts anderes.
6.2.5.
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7.
8.
6.3.
Die Beschwerdeführerin macht schliesslich geltend, die Gutachter wie auch die
Beschwerdegegnerin hätten es unterlassen zu beschreiben, welche optimal
angepassten Tätigkeiten die Beschwerdeführerin noch ausführen könne bzw. welche
konkreten Tätigkeitsfelder in Betracht kämen (act. G1, S. 15).
6.3.1.
Gestützt auf das Gutachten ist es indes möglich, Tätigkeiten zu benennen,
welche der Beschwerdeführerin zumutbar sind. Die Beschwerdegegnerin hat dies in
der Beschwerdeantwort getan (act. G3). Der Einwand der Beschwerdeführerin ist nicht
stichhaltig.
6.3.2.
Mit Schreiben vom 12. August 2019 reichte die Beschwerdeführerin den Austritts
bericht der Klinik G._ vom 13. Juni 2019 sowie den Bericht von Dr. C._ vom 7. Juli
2019 ein (act. G8).
7.1.
Vorliegend ist nur der Sachverhalt bis zum Verfügungszeitpunkt (30. Mai 2018) zu
berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. November 2018,
8C_562/2018, E. 3.2). Aus den eingereichten Berichten gehen keine zum
Begutachtungszeitpunkt bereits vorhandenen unentdeckten Tatsachen hervor, welche
an der Beurteilung der medaffairs-Gutachter Zweifel erwecken würden.
7.2.
Zusammenfassend erfüllt das medaffairs-Gutachen die Anforderungen an ein
beweiskräftiges Administrativgutachten. Es ist deshalb darauf abzustellen.
Insbesondere ist die Beschwerdeführerin gestützt auf das Gutachten als zu zwei
Dritteln bzw. (gerundet) 67% arbeitsfähig in einer adaptierten Tätigkeit anzusehen,
wobei diese Arbeitsfähigkeit seit August 2015 besteht.
7.3.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie gesund geblieben wäre (Valideneinkommen; Art. 28a Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 16 ATSG). Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt
des Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und
Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige
8.1.
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rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu
berücksichtigen sind (BGE 129 V 222 E. 4.1 f. mit Hinweisen).
Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt
und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen
ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im
Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte
miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht
unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen.
Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne
Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100% zu
bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren
Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der
Invaliditätsgrad ergibt (sogenannter Prozentvergleich). Der Prozentvergleich bietet sich
somit namentlich an, wenn Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen
Tabellenlohn zu berechnen sind. Deren genaue Ermittlung erübrigt sich: Der
Invaliditätsgrad entspricht dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, dies unter
Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts
vom 23. Mai 2019, 9C_851/2018, E. 5.1 mit Hinweisen).
8.2.
Vorliegend verfügt die Beschwerdeführerin über keine Berufsausbildung. Sie war in
der Vergangenheit in verschiedenen Hilfstätigkeiten angestellt, namentlich im Service,
als Heimarbeiterin und zuletzt als Lagermitarbeiterin, wobei sie über ein
Temporärarbeitsunternehmen angestellt war (vgl. IV-act. 127-1, IV-act. 89). Es
rechtfertigt sich deshalb, zur Bemessung des Valideneinkommens die Tabellenlöhne
(Tabelle TA1 2014, total alle Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Frauen) der vom
Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (nachfolgend: LSE) heranzuziehen. Im Weiteren geht die
Beschwerdeführerin keiner Erwerbstätigkeit nach, sodass für das Invalideneinkommen
ebenfalls auf die LSE-Tabellenlöhne (Tabelle TA1 2014, total alle Wirtschaftszweige,
Kompetenzniveau 1, Frauen) abzustellen ist. Da sowohl das Validen- als auch das
Invalideneinkommen auf Hilfsarbeiterinenniveau angesiedelt und gestützt auf die LSE
zu bestimmen sind, kann ein Prozentvergleich erfolgen. Demnach entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines
allfälligen Tabellenlohnabzugs.
8.3.
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8.4.
Die Beschwerdeführerin macht einen Tabellenlohnabzug (Leidensabzug) von
25% geltend (act. G1, insbesondere S. 17 ff.). Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu
berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten
Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und
entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind
und deshalb mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Es hängt von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalls
(leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität, Aufenthaltskategorie
und Beschäftigungsgrad) ab, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne
herabzusetzen sind. Bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit
enthaltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in die Bemessung
des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung
desselben Gesichtspunkts führen. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das
Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, d.h.
dass nicht für jedes Merkmal der entsprechende Abzug zu quantifizieren ist und die
einzelnen Abzüge zusammenzuzählen sind. Der Abzug ist auf höchstens 25% begrenzt
(Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2018, 9C_833/2017, E. 2.2; BGE 134 V 327
E. 5.2).
8.4.1.
Im Bereich der Hilfsarbeiten werden invaliditätsfremde Gründe wie Alter,
fehlende Schulbildung oder fehlende Dienstjahre kaum als Abzugsgründe
berücksichtigt, weil solche Arbeiten unabhängig von diesen Persönlichkeitsmerkmalen
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nachgefragt werden. Die Beschwerdeführerin
bringt vor, aufgrund der Anforderungen an einen adaptierten Arbeitsplatz wie etwa
wechselbelastende Tätigkeit ohne schweres Heben und Tragen, Bücken,
Rotationsbewegungen der Wirbelsäule, Zwangspositionen, repetitive Tätigkeiten etc.
sei ein Leidensabzug zu gewähren. Diese Punkte wurden jedoch bei der qualitativen
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter bereits berücksichtigt. Ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung bezieht sich auf eine diesen Anforderungen
entsprechenden Tätigkeit. Ebenso sind beispielsweise die Kopfschmerzen und
generalisierten Schmerzen am gesamten Körper sowie deren Auswirkungen wie etwa
reduzierte Konzentration und Aufmerksamkeit schon in die Arbeitsfähigkeitsschätzung
der Gutachter eingeflossen, sodass deswegen kein Tabellenlohnabzug erfolgen kann.
Andernfalls würden diese Aspekte doppelt, einmal im Rahmen der Begutachtung und
einmal beim Einkommensvergleich, berücksichtigt. Schliesslich macht die
Beschwerdeführerin ausführlich leidensbedingte Einschränkungen geltend, namentlich
8.4.2.
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9.
Nach dem Gesagten ergibt sich ein Invaliditätsgrad von (gerundet) 40% (100% - [67%
Arbeitsfähigkeit x 90%]). Die Beschwerdeführerin hat somit Anspruch auf eine Viertels
rente. Die medaffairs-Gutachter bescheinigen die um einen Drittel verminderte Arbeits
fähigkeit in adaptierter Tätigkeit ab August 2015 (IV-act. 167-31 und 167-107). Zu
diesem Zeitpunkt war das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG bestanden,
nachdem die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als
Lagermitarbeiterin gemäss Einschätzung der Gutachter ab Anfang 2013 vollständig
arbeitsunfähig war (vgl. IV-act. 167-31). Gestützt auf das medaffairs-Gutachten ist der
Rentenbeginn auf den 1. August 2015 festzusetzen (IV-act. 167-107).
10.
Schmerzen, Schwäche im Arm mit Taubheitsgefühl, Morgensteifigkeit, Wetterfühligkeit,
Weichteilschwellungen, Inkontinenz, Nausea, Scham und Frustration betreffend
Übergewicht, Wutanfälle, Weinkrämpfe, Schwermütigkeit, Minderwertigkeitsgefühl,
Hoffnungslosigkeit, Einzelgängertum. Die Beschwerdegegnerin hat der
Beschwerdeführerin in der Beschwerdeantwort denn auch einen Tabellenlohnabzug
von 10% zugestanden (act. G3, S. 4), was nicht zu beanstanden ist. Soweit die
Beschwerdeführerin einen Tabellenlohnabzug fordert, weil sie nur noch in Teilzeit
erwerbstätig sein kann, ist ihr entgegenzuhalten, dass gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung eine blosse Teilzeitarbeitsfähigkeit bei Frauen keinen
Tabellenlohnabzug rechtfertigt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 18. September
2012, 9C_315/2012, E. 3.2.3).
Im Ergebnis ist die Beschwerde somit teilweise gutzuheissen und der
Beschwerdeführerin ist ab 1. August 2015 eine Viertelsrente zuzusprechen. Die Sache
ist zur Berechnung und Ausrichtung der Rentenleistungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
10.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Hinsichtlich der Beschwerde gegen die Rentenverfügung gilt es
zu beachten, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zur Überklagung in
sozialversicherungsrechtlichen Rentenfällen im vorliegenden Fall von einem Obsiegen
der Beschwerdeführerin auszugehen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar
10.2.
bis
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