Decision ID: aaa9ec0d-b862-5e05-b8de-f84487959d95
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Anlässlich seiner Anhaltung vom 6. Oktober 2015 durch die schweize-
rischen Grenzwachtbehörden im grenznahen Raum äusserte der Be-
schwerdeführer seine Absicht, in der Schweiz um Asyl zu ersuchen. Dabei
gab er als Geburtsjahr (...) an und, dass er keine Papiere besitze. In der
Folge wurde ihm die Weiterreise ins damalige Empfangs- und Verfahrens-
zentrum (EVZ) B._ gestattet, wo er am selben Tag sein Asylgesuch
deponierte und als Geburtsdatum den (...) angab. Eine am 28. Oktober
2015 durchgeführte Skelettaltersbestimmung ergab ein Alter des Be-
schwerdeführers von (...) Jahren, unter Hinweis auf eine mögliche Abwei-
chung von zwei Jahren. Aufgrund der als unglaubhaft erachteten Minder-
jährigkeit wurde der Beschwerdeführer vom SEM für das weitere Verfahren
mit dem Geburtsdatum (...) registriert.
A.b Anlässlich der Befragung zur Person (BzP; Protokoll in den SEM-Ak-
ten A6/11) vom 23. Oktober 2015 mit zwei Nachbefragungen vom 29. Ok-
tober 2015 (betreffend Alter und eine mögliche Verfahrenszuständigkeit
von vier anderen Dublin-Staaten; SEM-Akten A11/4 und A12/2), einer
schriftlichen Mitteilung des Beschwerdeführers vom 25. Oktober 2017
(SEM-Akte A23/2) sowie der Anhörung zu den Asylgründen vom 6. Juni
2018, welche im Beisein seiner am 26. April 2018 mandatierten Rechtsver-
treterin stattfand (Anhörung; Protokoll in den SEM-Akten A32/30), machte
der Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei ethnischer Hazara, am 1. Januar (...) beziehungsweise (...) bezie-
hungsweise (...) im Dorf C._ im Distrikt D._ beziehungs-
weise E._ in der Provinz Maydan Wardak geboren. Dort habe er
vier (A32 F83) beziehungsweise sieben Jahre (bis ein Jahr vor der Anhö-
rung; A11 S. 3) die Schule besucht und bis zur Ausreise zusammen mit den
Eltern·und Geschwistern gelebt beziehungsweise er sei im Dorf
C._ geboren und registriert gewesen und habe bis zum vierten Le-
bensjahr dort gewohnt, bevor die Familie nach Kabul gezogen sei. Danach
seien sie jeweils nur im Sommer in ihrem Haus in C._ gewesen, im
Winter hätten sie in ihrem Haus in Kabul, im Quartier F._, Kreis (...)
gelebt. Dies sei auch sein letzter Wohnort gewesen; auch seine Eltern und
Geschwister lebten dort (im Zeitpunkt der BzP; A6 Ziff. 2.01 und 3.01).
Im Winter 2014 sei er mit Freunden nach G._ (in eine grössere Ort-
schaft nahe C._) gegangen. Wegen eines Streits seien sie alle von
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der Polizei verhaftet worden. Es sei ihm die versuchte Vergewaltigung ei-
ner Frau unterstellt worden, weshalb er zweimal vor Gericht gewesen und
zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt worden sei. Polizisten hätten ihn
in der Haft misshandelt und geschlagen, um von ihm ein Geständnis und
von seiner Familie Geld zu erpressen. Nach der Bezahlung des geforder-
ten Betrags durch seinen Vater hätten die Wächter ihn nach etwa drei Mo-
naten im Frühling 2014 aus der Haft entlassen; er sei ins Dorf gegangen
und habe sich versteckt. Tatsächlich sei er später von den Behörden wieder
in C._ gesucht worden. Etwa nach einem Monat, immer noch im
Frühjahr 2014, sei er in C._ von der lokalen Volksmiliz rekrutiert und
etwa zwei oder drei Monate lang im Kampf gegen die Taliban eingesetzt
worden. Das sei eine schwierige Zeit für ihn gewesen. Einmal sei seine
Truppe in ein Taliban-freundliches Dorf gelangt, wo er ein Haus habe
durchsuchen müssen respektive dort Deckung gesucht habe. Bei dieser
Aktion habe er drei Personen, darunter ein siebenjähriges Kind, erschos-
sen. Wegen dieses Ereignisses und des Krieges sei er eine Woche später
vom Stützpunkt der Volksmiliz desertiert und für eine Woche zu einem in
einem anderen Dorf wohnhaften Freund seines Vaters gegangen. Sein
Kommandant habe ihn wegen dieser Desertion zuhause in C._ ge-
sucht und seinem Vater mit der Tötung des Sohnes gedroht, sollte er auf-
gefunden werden. Daneben sei er auch wegen der Tötung der drei Dorf-
bewohner verfolgt worden, vermutlich von Verwandten. Diese hätten statt
seiner seinen Bruder angegriffen und geschlagen. Im April 2015 bezie-
hungsweise im Frühling 2014 beziehungsweise im Frühling 2015 habe er
deshalb Afghanistan in Richtung Pakistan verlassen und sei in der Folge in
den Iran weitergereist.
In H._ sei er während fünf Monaten geblieben, weil er dort Arbeit
gefunden habe (A6 Ziff. 5.01) beziehungsweise sei er nur zwei Monate dort
gewesen und die übrigen drei Monate habe er aufgrund seiner Zwangsrek-
rutierung durch iranische Polizisten im Krieg in Syrien kämpfen müssen
(A32 F221). Bei einem Einsatz in I._ sei er durch eine Bombe er-
heblich verletzt und in ein Lazarett eingeliefert worden. Er sei dann in ein
Spital im Iran transferiert worden, aus welchem er zwei Wochen später
habe fliehen können, indem er einen Polizisten mit einem Blumentopf nie-
dergeschlagen habe und davongerannt sei. Er sei dann in die Türkei ge-
reist, da er eine erneute Rekrutierung für den Krieg in Syrien oder eine
Deportierung·nach Afghanistan mit möglichen Konsequenzen seitens der
afghanischen Behörden wegen diesem Kampfeinsatz in Syrien befürchtet
habe. Von der Türkei sei er via Griechenland über mehrere Staaten in die
Schweiz gelangt. Wegen der schlechten Sicherheitslage in seiner Heimat
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sowie wegen des Todes eines seiner Brüder im Iran oder in Syrien seien
seine Eltern und Geschwister im Jahr 2017 nach einem Angriff durch die
Taliban ebenfalls in den Iran ausgereist und seither in H._ wohnhaft.
Er habe nur noch weiter entfernte Verwandte (insbesondere Tanten und
Onkel) in Afghanistan.
A.c Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer Kopien von Identitäts- und
Reisedokumenten seiner Eltern und angeblich in H._ entstandene
Fotos seiner Familienangehörigen aus dem Iran zu den Akten. Ebenso
reichte er einen psychotherapeutischen Bericht vom 26. Mai 2018 mit der
Diagnose einer PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) mit dissozia-
tiven Symptomen ein. Seine Identitätskarte (Tazkara) habe er auf der Reise
im Meer verloren. Einen Reisepass habe er nie gehabt beziehungsweise
diesen habe er auch im Meer verloren.
B.
Mit Verfügung vom 14. Januar 2019 – eröffnet am 15. Januar 2019 und
ersetzend eine vorangegangene, fehlerhafte Verfügung vom 27. Dezember
2018 – stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlings-
eigenschaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es
seine Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an.
C.
Mit Eingaben vom 14. und 15. Februar 2019 erhob der Beschwerdeführer
gegen diese Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Da-
rin beantragt er die Aufhebung der Verfügung, die Gewährung von Asyl un-
ter Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft, eventualiter die Gewährung
der vorläufigen Aufnahme unter Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft,
eventualiter die Gewährung der vorläufigen Aufnahme unter Feststellung
der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzuges sowie eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
mit Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und die Beiord-
nung der rubrizierten Rechtsvertreterin als unentgeltliche amtliche Rechts-
beiständin.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 26. Februar 2019 hiess die Instruktionsrichte-
rin unter anderem die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
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zessführung, Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und Bei-
ordnung der rubrizierten Rechtsvertreterin als unentgeltliche amtliche
Rechtsbeiständin gut. Gleichzeitig lud sie das SEM zur Einreichung einer
Vernehmlassung ein.
E.
Mit Vernehmlassung vom 13. März 2019 beantragt das SEM sinngemäss
die Abweisung der Beschwerde.
F.
Mit innert antragsgemäss erstreckter Frist eingegangener Replik vom
4. April 2019 hält der Beschwerdeführer an seinen Beschwerdeanträgen
fest.
G.
Mit Eingaben vom 19. November 2019, vom 23. März 2020 sowie vom
7. Juni und vom 9. September 2021 ergänzte der Beschwerdeführer seine
Beschwerdeakten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das alte Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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Bereits auf den 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. De-
zember 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Auslän-
der- und Integrationsgesetz (AIG, SR 142.20) umbenannt. Der vorliegend
bedeutsame Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1-7) ist unverändert vom AuG
ins AIG übernommen worden.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen von Asylvorbringen
in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis
(vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.).
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3.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
3.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG (vgl. dazu unten E. 8.2) – die vorläufige Aufnahme zu
gewähren. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin
oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch
in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83
Abs. 2 AIG).
4.
4.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte das SEM aus,
die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen genügten teils den Anforde-
rungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit und teils jenen von Art. 3
AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht.
Die Unglaubhaftigkeitserkenntnis beziehe sich vorab auf die Angaben des
Beschwerdeführers zu Herkunft, Wohnort und Biografie. Es hätten sich
grundlegende Widersprüche und substanzlose Elemente ergeben. In der
Anhörung habe er als seinen einzigen und stetigen Wohnort C._
angegeben und einen solchen in Kabul verneint, wogegen er gemäss den
Angaben in der BzP vom vierten Lebensjahr bis zur Ausreise in Kabul ge-
wohnt habe und nur durch den Sommer hindurch im Heimatdorf gewesen
sei. Auch den Wohnort der Eltern und Geschwister habe er widersprüchlich
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angegeben, gemäss BzP im Zeitpunkt seiner Ausreise Kabul, gemäss An-
hörung stets im Dorf C._ und nie in Kabul. Weiter seien die Anga-
ben zum Distrikt des Dorfes C._ unterschiedlich, gemäss Anhörung
E._, gemäss BzP D._. Auch widersprüchlich seien seine Al-
tersangaben ausgefallen, gegenüber der Grenzwache der Jahrgang (...),
im EVZ und in der BzP das Geburtsjahr (...); das genaue Geburtsdatum
kenne er nicht. Sodann habe er zwar zu allgemeinem Länderwissen – bei-
spielsweise Provinzen in Afghanistan, Stadtteilen von Kabul – Auskünfte
geben können, hingegen präsentierten sich seine Angaben beziehungs-
weise Beschreibungen des Dorfes C._, der Distrikte in der Provinz
Maydan Wardak, der Nachbarsprovinzen von Maydan Wardak (abgesehen
von Kabul) sowie der Hauptstadt von Maydan Wardak überaus unsubstan-
ziiert. Realitätsfremd erscheine zudem, dass er die Schule in C._
nicht namentlich kenne. Aufgrund seiner Angaben zu den Dörfern, Distan-
zen und Bergen erscheine nicht ausgeschlossen, dass er in C._
beziehungsweise in der Provinz Maydan Wardak einmal oder für kürzere
Zeit gelebt habe. Die erwähnten Substanzdefizite deuteten aber darauf hin,
dass er nicht (gemäss Anhörung) sein gesamtes Leben dort verbracht, son-
dern (gemäss BzP) über zumindest längere Zeit in Kabul gelebt habe. Die
somit nicht glaubhaften Angaben zu seiner Herkunft, seinem (letzten) Woh-
nort, dem (letzten) Wohnort der Eltern und Geschwister sowie insgesamt
zu seiner Biographie erweckten den Eindruck, dass er über seine tatsäch-
lichen Lebensumstände im Heimatstaat zu täuschen versuche und es sich
bei der in der Anhörung dargestellten Biographie und Herkunft um ein Kon-
strukt handle. Sein Lebensmittelpunkt und seine Lebensumstände müss-
ten sich anders als vorgebracht gestaltet haben. Zudem habe er mangels
Vorlage persönlicher Identitätspapiere seine Identität nicht nachgewiesen.
Daran vermöchten die eingereichten Beweismittel betreffend ein fehlendes
Beziehungsnetz in Kabul beziehungsweise Afghanistan und betreffend den
Wohnort der Eltern und Geschwister in H._ (Kopie Mietvertrag der
angeblich nach H._ ausgereisten Familienangehörigen, deren
Passkopien inklusive Aufenthaltsvisum sowie Fotos der Eltern und Ge-
schwister) nichts zu ändern. Dies auch angesichts der bekanntermassen
leichten Fälschbarkeit oder Käuflichkeit solcher Dokumente in Afghanistan
und in den Nachbarstaaten sowie des Umstandes, dass die Fotos leicht
gestellt sein könnten und grundsätzlich sowieso nicht auf einen dauerhaf-
ten Aufenthalt der Eltern und Geschwister in H._ hinwiesen. Letzt-
lich verunmöglichten die deutlich widersprüchlichen und überwiegend sub-
stanzlosen Angaben des Beschwerdeführers zu seinem (letzten) Wohnort
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und seiner Herkunft, zu seiner Biographie und zu seinem familiären Bezie-
hungsnetz eine Überprüfung seiner tatsächlichen Lebensumstände in Af-
ghanistan.
Vor dem Hintergrund der Verschleierung von Biographie, Herkunft und
Wohnort sei auch der Wahrheitsgehalt der Asylgründe fraglich. Ungeachtet
dessen beinhalteten die diesbezüglichen Schilderungen weitere Unglaub-
haftigkeitselemente. So seien die Angaben zum Ausreisezeitpunkt wider-
sprüchlich. Gemäss BzP und späteren Angaben in der Anhörung sei es
April/Frühling 2015 gewesen, gemäss vorgängigen Angaben in der Anhö-
rung Frühling 2014 beziehungsweise Herbst 2014. Betreffend die Bedro-
hung durch den Volksmiliz-Kommandanten wegen seiner angeblichen De-
sertion habe er in der Anhörung erwähnt, der Kommandant habe ihn des-
halb beim Vater im Dorf C._ gesucht und seine (des Beschwerde-
führers) Tötung in Aussicht gestellt. Angesichts der Unstimmigkeiten be-
treffend seinen letzten Wohnort und seine Herkunft sei jedoch widersprüch-
lich, dass der Volksmiliz-Kommandant den Vater im Winter 2015 in
C._ aufgesucht und die Todesdrohung ausgestossen haben solle,
wenn der Vater gemäss BzP zuletzt in Kabul wohnhaft gewesen sei. Die
Zweifel erhärteten sich mit Blick auf die behauptete Chronologie dieser Er-
eignisse (Ausreise angeblich im Frühling 2014, oder doch 2015; Rekrutie-
rung durch die Volksmiliz im Frühling 2014 sowie Desertion nach zwei oder
drei Monaten, anschliessend vom Kommandanten wegen Desertion ge-
sucht und beim Vater mit dem Tod bedroht, deswegen eine Woche später
Ausreise aus Afghanistan), welche arithmetisch einen Ausreisezeitpunkt im
Sommer 2014 ergeben müsste. Dies stehe deutlich im Widerspruch sowohl
zum angeblichen Ausreisezeitpunkt im April 2015 als auch offenkundig
zum einmal angegebenen Ausreisezeitpunkt im Frühling 2014. Die Vorbrin-
gen zu einer Sanktion oder Todesdrohung durch den Volksmiliz-Komman-
danten in C._ seien daher unglaubhaft und die geltend gemachte
Furcht vor weiteren Verfolgungsmassnahmen in Afghanistan in diesem Zu-
sammenhang entbehre einer Grundlage.
Betreffend den angeblichen Kriegseinsatz in Syrien und der deswegen in
Afghanistan seitens der Behörden befürchteten Bestrafung bei einer allfäl-
ligen Rückkehr sei im Vergleich mit seinen übrigen Ausführungen zum
Kampfeinsatz gegen die Taliban und gegen das mit den Taliban befreun-
dete Dorf insofern ein Stilbruch erkennbar, als seine Angaben auffallend
weniger Details enthielten und vage erschienen. Daneben seien die Anga-
ben betreffend den Aufenthalt und die Tätigkeit im Iran beziehungsweise in
H._ widersprüchlich (gemäss BzP fünf Monate im Iran und in
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H._ gearbeitet; gemäss Anhörung nur für zwei Monate und dann
drei Monate Kriegseinsatz in Syrien). Ausserdem habe er in der Nachbe-
fragung zu seinem Alter angegeben, abgesehen von einem Motorradunfall
nie ernsthaft krank oder verletzt gewesen zu sein und andernorts eine Ver-
letzung durch eine Bombe in Syrien geltend gemacht. Die Furcht vor staat-
lichen Sanktionen wegen eines Einsatzes in Syrien wäre aufgrund fehlen-
der objektiver Hinweise ohnehin als nicht begründet und nicht asylrelevant
einzustufen.
Die weiteren Vorbringen seien auf ihre flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit
hin zu prüfen: Die geltend gemachte Bedrohungslage seitens der Bewoh-
ner eines Taliban-freundlichen Dorfes als Rache infolge der Tötung von
drei Personen, die angeblichen Kampfeinsätze für die Volksmiliz gegen die
Taliban sowie die Kampfhandlungen seien nicht asylrelevant, weil es an
einer zielgerichteten Verfolgung aus Gründen im Sinne von Art. 3 AsylG
fehle. Ebenfalls nicht zielgerichtet und nicht intensiv in diesem Sinne sei
der Angriff der Dorfbewohner auf seinen Bruder. Diesem Vorbringen sowie
der gegen ihn selber gerichteten Verfolgung der Dorfbewohner mangle es
zudem an einem asylrechtlich relevanten Motiv. Ohnehin wäre im Zusam-
menhang mit der Tötung der drei Dorfbewohner wegen Asylunwürdigkeit
der Asylausschluss zu prüfen. Dies erübrige sich allerdings bereits auf-
grund dessen, dass Art. 3 AsylG, wie erwogen, nicht erfüllt sei. Die geltend
gemachte Verfolgung wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung sei zum ei-
nen aufgrund der widersprüchlichen Angaben zum Zeitpunkt der Ausreise
nicht auf ihre Kausalität zur Ausreise überprüfbar, betreffend den Zeitpunkt
April 2015 jedenfalls nicht kausal. Eine behördliche Inhaftierung oder spä-
tere behördliche Suche wegen einer Vergewaltigung – die er bestreite –
erscheine zudem rechtsstaatlich legitim, zumal gemäss eigenen Angaben
ein Gerichtsverfahren durchgeführt und eine Haftstrafe von einer ange-
messenen Dauer von einem Jahr ausgesprochen worden sei. Zudem sei
auch hier kein Motiv im asylrechtlichen Sinne erkennbar. Diese Vorbringen
seien somit offensichtlich nicht asylrelevant und es könne darauf verzichtet
werden, auf vorhandene und teilweise bereits erörterte Unglaubhaftigkeits-
elemente weiter einzugehen.
Zur Begründung der angeordneten Wegweisung führt das SEM aus, diese
sei als Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs rechtmässig. Deren
Vollzug sei zulässig. Eine Rückkehr an den in der Anhörung angegebenen
Herkunftsort (Dorf C._, Bezirk E._ bzw. Bezirk D._,
Provinz Maydan Wardak) wäre zwar aufgrund der dort herrschenden allge-
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meinen Lage unzumutbar. Wie erwogen seien jedoch die geltend gemach-
ten Lebensumstände, der (letzte) Wohnort und die Biographie des Be-
schwerdeführers nicht glaubhaft. Es sei dem SEM deshalb nicht möglich,
sich in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen und familiären Situa-
tion zur Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung zu äussern. Daran än-
derten die Beweismittel (Passkopien der Eltern mit einem Visum für den
Iran, Fotos der Familie, angeblich in H._, und Kopie Mietvertrag)
nichts. Die Untersuchungspflicht finde ihre Grenzen an der Mitwirkungs-
und Wahrheitspflicht von Gesuchstellenden. Nachdem der Beschwerde-
führer seiner Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht nicht nachgekommen sei,
bestünden keine Hinweise dafür, dass eine konkrete Gefährdung im Sinne
von Art. 83 Abs. 4 AIG vorliege. Der Vollzug der Wegweisung erweise sich
deshalb als zumutbar und es könne darauf verzichtet werden, einen Aus-
schluss aus der vorläufigen Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 7 AIG wegen
der Tötung von drei Personen, darunter einem Kind, zu prüfen. Ausserdem
sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und praktisch durch-
führbar.
4.2 Der Beschwerdeführer bekräftigt in seiner Rechtsmitteleingabe vorab
seine Asylvorbringen und bestätigt im Wesentlichen die Korrektheit des in
der Verfügung erfassten rechtserheblichen Sachverhalts.
4.2.1 Hinsichtlich der ihm entgegengehaltenen Herkunftsverschleierung
macht er auf Probleme mit der Dolmetscherin in der BzP aufmerksam, wel-
che nicht immer das Gesagte und auch nicht alles habe übersetzen wollen,
insbesondere bezüglich seiner Altersangaben und Wohnorte. Diese Prob-
leme habe er im Anschluss an die BzP deponiert, was aber keinen Eingang
ins Protokoll gefunden habe. Auch in der Anhörung habe er diese Probleme
erwähnt, mit dem Hinweis, dass C._ jeweils fälschlicherweise mit
Kabul übersetzt worden sei. Auch seien die ungewöhnliche Kürze seiner
BzP (45 Minuten) sowie der Umstand zu berücksichtigen, dass er zu sei-
nen Asylgründen nicht und zu seiner Herkunft ohne jegliche Vertiefung be-
fragt worden sei. Zudem scheine es ein Durcheinander in den Akten gege-
ben zu haben, zumal die in der BzP und im Entscheid erfassten Einreise-
daten divergierten, der angefochtene Entscheid zunächst falsch eröffnet
worden sei und dort zusätzlich eine falsche Person erscheine. Es sei un-
verhältnismässig, die gesamte Glaubhaftigkeitsprüfung nur auf den Wider-
spruch betreffend den Wohn- beziehungsweise Herkunftsort zu reduzieren.
Widersprüche zwischen BzP und Anhörung seien nur mit Zurückhaltung in
die Glaubhaftigkeitsprüfung einzubeziehen. Die vom SEM erwogenen Sub-
stanzdefizite betreffend länder- und regionalspezifisches Wissen, Herkunft
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und sein Leben in Afghanistan seien nicht gerechtfertigt angesichts der vie-
len Fragestellungen und des beiliegenden, anderslautenden (internen) Be-
richts der Hilfswerksvertretung (HWV). Die Behauptung, dass er über Ka-
bul mehr Kenntnisse habe als über sein Heimatdorf, treffe ohnehin nicht
zu. Die Vorinstanz habe bezüglich seines Länder- und Alltagswissens und
mithin seine Herkunft den Sachverhalt ungenügend abgeklärt und BVGE
2015/10 ungenügend berücksichtigt. Sie hätte insbesondere aufzeigen
müssen, wie die gestellten Fragen hätten beantwortet werden und weshalb
er die Antworten hätte wissen müssen. Sein Geburtsdatum kenne er ei-
gentlich nicht, seine Familie habe ihm einfach sein Alter mitgeteilt; dieses
habe er im EVZ auch mit (...) Jahren angegeben. Das von den Grenzbe-
amten erfasste Geburtsjahr sei jenes, das diese auf einer von ihm mitge-
führten Bestätigung der türkischen Behörden festgestellt hätten; in der Tür-
kei habe er sich aber älter ausgegeben.
Weiter kritisiert er die vorinstanzliche Beweiswürdigung bezüglich des feh-
lenden sozialen Netzes in Afghanistan. Die von ihm vorgelegten Doku-
mente seien durchaus geeignet, den Aufenthalt seiner Familienangehöri-
gen in H._ zu beweisen. Der alleinige Hinweis auf die leichte
Fälsch- und Erwerbbarkeit solcher Dokumente ohne Angabe konkreter Fäl-
schungsmerkmale sei nicht statthaft und entbinde das SEM nicht von der
Prüfungspflicht im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes. Auch be-
gründe es nicht näher, weshalb die Fotos nicht auf einen dauerhaften Auf-
enthalt in H._ hindeuten sollten. Hinsichtlich des Ausreisezeitpunk-
tes sei ebenfalls auf den Bericht der HWV abzustellen, wonach die von ihm
geschilderte Chronologie in ihrer Sinnhaftigkeit nicht unstimmig sei und ge-
naue Daten weniger relevant seien. Er habe sich in der zur Ausreise hin-
führenden Chronologie stets vage und unsicher geäussert und es seien
entsprechend mehrere Varianten betreffend den Ausreisezeitpunkt denk-
bar. Weiter verkenne die einseitige Argumentation des SEM betreffend die
Unglaubhaftigkeit der Bedrohung durch den Volksmiliz-Kommandanten,
dass er diesen Sachverhaltsteil in der Anhörung aktenkundig detailliert,
substanziiert, schlüssig, plausibel sowie mit Realkennzeichen und ohne
Brüche in der Erzählstruktur geschildert habe. Seine Zwangsrekrutierung,
seine Desertion im Zuge der Kampfhandlungen und die darauf basierende,
aus mehreren Gründen erfolgte Suche nach ihm sei glaubhaft. Sodann
zeigt sich der Beschwerdeführer überrascht über das vorinstanzliche Stil-
bruchargument im Zusammenhang mit der Schilderung seines Kriegsein-
satzes in Syrien, denn zum einen gehe aus den Akten seine Emotionalität
bei dieser Erzählung hervor und zum andern berichte wiederum die Hilfs-
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werksvertretung in ihrem Bericht über die distanzierte und kalte Atmo-
sphäre sowie die fehlende Empathie ihm gegenüber angesichts seines jun-
gen Alters und seiner PTBS. Letztere gehe denn auch aus dem eingereich-
ten Arztbericht hervor und erkläre seine intensive und anhaltende psychi-
sche Belastung und körperlichen Reaktionen bei der Konfrontation mit
traumaassoziierten Reizen, weshalb er seinen Kriegseinsatz in Syrien in
der BzP auch nicht erwähnt habe. Das SEM habe den Bericht weder er-
wähnt noch berücksichtigt. Die Glaubhaftigkeitsprüfung halte den Anforde-
rungen des Untersuchungsgrundsatzes nicht stand, was sich auf die ge-
samte Glaubhaftigkeitseinschätzung auswirke.
Hinsichtlich der Prüfung der Asylrelevanz überrasche, dass das SEM eine
solche betreffend die Desertion nicht vornehme, betreffend den Kriegsein-
satz aber schon. Es bleibe unklar, ob es den letzteren als glaubhaft er-
achte. Im Sinne der Begründungspflicht wäre auch die Asylrelevanz der
Desertion zu prüfen gewesen, zumal dieses Ereignis und die dadurch beim
Milizkommandanten ausgelöste Suche nach ihm intensiv und kausal für die
Ausreise gewesen seien. Deren flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit hätte
in Berücksichtigung der Praxis bejaht werden müssen, da er sich der
Zwangsrekrutierung durch die das Territorium beherrschende Volksmiliz
entzogen habe, wodurch ihm eine unverhältnismässig hohe (Todes-)Strafe
drohe und ihm mit der Desertion eine politische Haltung unterstellt werde.
Schon die Zwangsrekrutierung alleine sei illegitim und asylrelevant, zumal
er zur Vornahme völkerrechtlich verpönter Handlungen gezwungen werde.
Das SEM habe auch seine Zugehörigkeit zu einer diskriminierten Minder-
heit ausser Acht gelassen und damit den Untersuchungs- und den Begrün-
dungsgrundsatz verletzt. Weiter erscheine die Auswahl der Punkte, welche
das SEM auf ihre Intensität und Gezieltheit hin geprüft habe – insbeson-
dere der als nicht asylrelevant eingestufte Angriff auf seinen Bruder – will-
kürlich und nicht nachvollziehbar. Eine Asylunwürdigkeit sei zu verneinen,
da von ihm keine konkrete Gefahr ausgehe, er minderjährig zwangsrekru-
tiert worden sei und dabei in einer Situation der Selbstverteidigung den Tod
von drei Menschen verursacht habe. Den Nachweis eines Asylausschluss-
grundes habe das SEM nicht erbracht. Zu Unrecht habe das SEM die Kau-
salität verneint respektive nicht geprüft zwischen einerseits der Inhaftie-
rung und Misshandlung aufgrund der Vergewaltigungsvorwürfe sowie der
auch nach seiner Freilassung fortgesetzten Suche nach ihm aus diesem
Grund und anderseits seiner Ausreise. Der alleinige Hinweis auf den Zeit-
raum genüge nicht, denn er habe sich nach seiner Freilassung zuhause
versteckt, sei dann aber zwangsrekrutiert worden. Der vorinstanzliche Hin-
weis auf eine legitime Strafaktion verfange nicht, weil auch das Abstellen
E-768/2019
Seite 14
auf eine flüchtlingsrechtlich unbedenkliche Strafnorm im Falle eines men-
schenrechtswidrigen Strafverfahrens illegitim und bei Vorliegen eines in
Art. 3 AsylG genannten Motivs flüchtlingsrechtlich beachtlich sei. Das SEM
hätte diesbezüglich weitere Abklärungen machen müssen und habe die
Begründungspflicht verletzt.
Hinsichtlich allfälliger Wegweisungsvollzugshindernisse kritisiert der Be-
schwerdeführer mit Verweis auf verschiedene Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts, dass sich das SEM bloss aufgrund von Widersprüchen zwi-
schen Aussagen in der BzP und solchen in der Anhörung von seiner Un-
tersuchungs- und Prüfungspflicht bezüglich der Frage der Zulässigkeit und
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges nach Afghanistan als entbunden
betrachte. Er sei persönlich glaubwürdig und habe glaubhaft sowie unter
Vorlage von Beweismitteln dargetan, dass sich seine Familie nicht mehr in
Afghanistan, sondern im Iran aufhalte. Der Vorwurf der Verletzung der Mit-
wirkungspflicht betreffend seine Herkunft sei nicht gerechtfertigt und das
SEM wäre verpflichtet gewesen, diese Beweismittel zu prüfen. Dies gelte
selbst unter hypothetischer Annahme, er stamme aus Kabul, denn auch
dort hätte er kein tragfähiges Beziehungsnetz. Hinsichtlich eines allfälligen
Ausschlusses von der vorläufigen Aufnahme sei auf die Ausführungen zum
Asylausschluss zu verweisen. Ein Ausschluss erfülle im Wesentlichen prä-
ventive Schutzinteressen und sanktioniere nicht vergangene Straftaten.
Den Rückweisungsantrag begründet der Beschwerdeführer mit dem Um-
stand, dass das SEM es bei seiner Glaubhaftigkeitsprüfung unterlassen
habe, auch Elemente, die für die Glaubhaftigkeit sprächen, zu berücksich-
tigen. Letztere bestünden in substanziierten, plausiblen und detaillierten
Angaben zu seiner Zwangsrekrutierung und seinen Kampfhandlungen, der
mittels Arztbericht ausgewiesenen PTBS und den entsprechenden Auswir-
kungen auf sein Aussageverhalten sowie im Umstand, dass seine darge-
legte Inhaftierung und Misshandlung nur in Bezug auf die Asylrelevanz,
nicht aber in Bezug auf die Zumutbarkeitsfrage geprüft worden sei. Des-
halb sowie angesichts der erörterten Verletzungen der Untersuchungs- und
Begründungspflicht sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen.
4.3 In seiner Vernehmlassung hält das SEM an seinen Erwägungen fest.
Es streicht die festgestellten Widersprüche in den Asylvorbringen und zum
letzten Aufenthalts-/Wohnort des Beschwerdeführers und seiner Kernfami-
lie hervor, die im HWV-Bericht weder grundlegend bestritten noch widerlegt
E-768/2019
Seite 15
würden. Beschwerdeführer wie HWV würden zudem die fehlende Asylre-
levanz der übrigen Vorbringen (Haft wegen Vergewaltigung, Kriegseinsatz
für die Volksmiliz gegen die Taliban, Verfolgung durch Dorfbewohner in-
folge Erschiessung von drei Zivilisten) verkennen. Die eingereichten Be-
weismittel vermöchten daran nichts zu ändern. Bezüglich des im HWV-Be-
richt und in der Beschwerde erwähnten kalten Anhörungsklimas sei festzu-
halten, dass dies einerseits subjektive Ansichten seien und andererseits
der Befrager sich durchaus Mühe gegeben habe, ein gutes Anhörungs-
klima zu schaffen. Dies sei im Übrigen nicht nur seine Aufgabe, sondern
auch diejenige der Rechts- und Hilfswerkvertretung, die sich offenbar ken-
nen würden. Im Übrigen sei als dritte Person auf Seiten des Beschwerde-
führers eine Begleitperson anwesend gewesen, welche durch nonverbale
Gesten das ihrige zum Anhörungsklima beigetragen habe.
4.4 In seiner Replik hält der Beschwerdeführer an der Glaubhaftigkeit sei-
ner Herkunftsangaben und seiner Asylgründe fest. Zu letzteren würden ihm
im Asylentscheid gar keine Widersprüche vorgehalten. Die Asylrelevanz
der Desertion von der Volksmiliz werde erstmals in der Vernehmlassung,
aber bloss in einem Nebensatz abgehandelt. Das Thema Asylrelevanz von
Desertion sei jedoch praxisgemäss ein hochkomplexes Thema, bei wel-
chem auf den Einzelfall und auf die Umstände im Heimatland detailliert
einzugehen wäre. Es sei nach wie vor nicht nachvollziehbar, warum im an-
gefochtenen Entscheid gewisse Punkte unter dem Aspekt der Asylrelevanz
geprüft würden und andere nicht, und warum keiner der Punkte auf ihre
Relevanz bezüglich der Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs hin geprüft worden sei. Auch die gesundheitlichen
Probleme seien ungenügend abgehandelt. Die Vorinstanz stütze sich so-
dann wiederholt nur auf einen Widerspruch zwischen der BzP und der An-
hörung, was zur Annahme einer Verschleierung der Herkunft und einer per-
sönlichen Unglaubwürdigkeit nicht ausreiche. Diese Verletzung des Unter-
suchungsgrundsatzes sei zudem besonders stossend im Hinblick auf den
bewiesenen Aufenthalt seiner Familie im Iran. Die entsprechende Beweis-
würdigung sei nach wie vor verletzt: Eine Fälschungserkenntnis sei praxis-
gemäss vom SEM zu beweisen, mit nachfolgender Einräumung des recht-
lichen Gehörs. Aus einer theoretischen Möglichkeit des Vorliegens einer
Fälschung dürfe nicht bereits auf eine fehlende Glaubwürdigkeit geschlos-
sen werden. Die Vorinstanz verletze mit ihrer Argumentation die Begrün-
dungspflicht und seinen Anspruch auf Wahrung des rechtlichen Gehörs.
Bei den eingereichten Passkopien und Visa handle es sich um offizielle
Dokumente, die keine Fälschungsmerkmale aufwiesen, weshalb von deren
Echtheit auszugehen und mithin der dauerhafte Aufenthalt seiner Familie
E-768/2019
Seite 16
im Iran erwiesen sei. Beim Hintergrund der eingereichten Fotografien
könne es sich offensichtlich nicht um eine Kulisse handeln und lächelnde
Gesichter änderten am Beweismass der Fotografie nichts. Insgesamt sei
der Beweis erbracht, dass sich diese Angehörigen seit Oktober 2017 dau-
erhaft im Iran aufhielten. An diese Dauerhaftigkeit dürfe das SEM nicht zu
hohe Anforderungen im Hinblick auf seinen eigenen Anspruch auf eine vor-
läufige Aufnahme stellen, da auch letztere selber nicht auf Dauerhaftigkeit
ausgerichtet sei. Zum Anhörungsklima hält der Beschwerdeführer fest, die
vom SEM unterstellte Bekanntheit zwischen der Rechtsvertreterin und der
HWV sei eine reine Vermutung und lege jedenfalls nicht eine Voreingenom-
menheit der HWV nahe. Es sei zudem nicht Aufgabe der Rechtsvertretung,
für ein gutes Anhörungsklima zu sorgen und die HWV sei nur zur Beobach-
tung anwesend, verfüge aber über keine Parteirechte; ihre Anwesenheit
solle dazu dienen, das Vertrauen in die Objektivität der Anhörung zu stär-
ken und die Legitimität des Verfahrens zu erhöhen. Zwar müsse diese im
Rahmen ihrer Möglichkeiten ebenfalls zu einem guten Anhörungsklima bei-
tragen, die Verfahrensleitung liege aber klar bei der befragenden Person,
womit der Einfluss der HWV begrenzt sei. Ihr Interventionsrecht übe sie
nur bei auffälligen oder grundlegenden Mängeln aus. Weniger gravieren-
dere Mängel würden in der Regel nur auf dem Unterschriftenblatt festge-
halten, um das Anhörungsklima nicht zusätzlich negativ zu beeinflussen.
Die HWV habe ihre Aufgabe wahrgenommen und ihre Beobachtungen
schriftlich festgehalten. Die Schaffung eines guten Anhörungsklimas und
das professionelle, empathische und neutrale Auftreten gehörten demge-
genüber in den Aufgabenbereich der befragenden Person. Falls also die
HWV voreingenommen gewesen wäre oder die Begleitpersonen durch ir-
gendwelche Gesten das Anhörungsklima gestört hätte, wäre es an der be-
fragenden Person gelegen zu intervenieren.
Mit der Replik reichte der Beschwerdeführer zahlreiche weitere Beweismit-
tel (Fotos von Teilen der Pässe der Eltern und eines Bruders, von Schul-
zeugnissen dieses Bruders sowie von diesem Bruder vor der Schule) ein,
die den dauerhaften Aufenthalt seiner Familie in H._ klar belegen
und die Annahme der Unzumutbarkeit seines Wegweisungsvollzuges nach
Afghanistan nahelegen würden.
4.5 Mittels Ergänzungen vom November 2019 bis September 2021 gab der
Beschwerdeführer zahlreiche weitere Beweismittel betreffend den andau-
ernden Aufenthalt seiner Familie im Iran zu den Akten (Fotos der Angehö-
rigen in H._ und von ihren [verlängerten] Aufenthaltsbewilligungen
E-768/2019
Seite 17
beziehungsweise Visa für den Iran, iranische Bankkarte des Vaters, Schü-
lerausweis und weiteres Schulzeugnis des Bruders, medizinische Unterla-
gen der Mutter und einer Schwester).
Im Weiteren macht er auf die zwischenzeitlich durch den Truppenabzug
der US- und weiteren internationalen Streitkräfte sowie durch die Macht-
übernahme der Taliban eingetretene Veränderung der politischen, der
menschenrechtlichen, der humanitären und der Sicherheitslage in ganz Af-
ghanistan seit Sommer 2021 aufmerksam. Es dränge sich eine Praxisän-
derung auf, denn eine Rückkehr nach Afghanistan würde selbst unter An-
nahme besonders begünstigender Umstände eine existenzbedrohende Si-
tuation bedeuten. Zudem seien Angehörige der Ethnie der Hazara nun-
mehr einer Kollektivverfolgung ausgesetzt.
5.
5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen, was sich entsprechend
in einer sachgerecht anfechtbaren Entscheidbegründung niederzuschla-
gen hat (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 29, Art. 32 Abs. 1 und Art. 35 Abs. 1
VwVG). Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Partei-
standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Der Anspruch auf recht-
liches Gehör beschlägt nur die Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts, nicht aber dessen rechtliche Würdigung.
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund und dem Bundesverwaltungsge-
richt obliegt gemäss Art. 49 Bst. b VwVG beziehungsweise Art. 106 Abs. 1
Bst. b AsylG eine umfassende Sachverhaltskontrolle. Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3.
Aufl., 2013, Rz. 1043). Ermittelt das Bundesverwaltungsgericht eine fehler-
oder lückenhafte Feststellung des Sachverhalts, hebt es die Verfügung auf
E-768/2019
Seite 18
und weist die Sache an die Vorinstanz zurück, damit diese den rechtser-
heblichen Sachverhalt neu und vollständig feststellt (vgl. MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.191; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1155).
Der Untersuchungsgrundsatz gehört sodann zu den allgemeinen Grunds-
ätzen des Verwaltungs- beziehungsweise Asylverfahrens (Art. 12 VwVG).
Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollstän-
dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das
Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten
Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen.
Gemäss Art. 33 Abs. 1 VwVG nimmt sie ferner die ihr angebotenen Be-
weise ab, wenn diese zur Abklärung des Sachverhalts tauglich erscheinen.
5.2 Soweit der Beschwerdeführer formelle Rügen erhebt, welche eine Ver-
letzung dieser Rechtsgrundsätze beschlagen, werden diese unten (ab
E. 6) kontextbezogen gewürdigt. Betreffend die Rüge einer Verletzung der
Abklärungs-, Untersuchungs- und Begründungspflicht ist vorab in allgemei-
ner Hinsicht jedoch Folgendes zu erwägen:
Die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Vorbringen unter dem Aspekt von
Art. 7 AsylG dient, neben dem strikten Beweis, in erster Linie der Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts. Der festgestellte Sachverhalt
dient seinerseits in erster Linie als (Subsumptions-)Grundlage für die Prü-
fung und Würdigung der flüchtlingsrechtlichen Beachtlichkeit unter den ge-
setzlichen und praxisgemässen Voraussetzungen von Art. 3 AsylG. Bei
Feststellung der Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen des Beschwerdefüh-
rers besteht, wie vom SEM zutreffend erkannt, kein zwingender Anlass
mehr zur Prüfung ihrer flüchtlingsrechtlichen Beachtlichkeit, denn es fehlt
bereits an einem unter Art. 3 AsylG subsumierbaren Sachverhalt. Umge-
kehrt kann sich ein geltend gemachter Sachverhalt ohne Weiteres als nicht
flüchtlingsrechtlich beachtlich herausstellen, in welchem Fall es sich erüb-
rigt, die betreffenden Sachverhaltsteile einer Glaubhaftigkeitsprüfung zu
unterziehen, da sie selbst unter hypothetischer Annahme ihrer Wahrheits-
konformität nicht zur Anerkennung als Flüchtling im Sinne von Art. 3 AsylG
führen können; insoweit besteht dann für das SEM auch keine Veranlas-
sung, einer Abklärungs- und Untersuchungspflicht nachzukommen und die
betreffenden Vorbringen zu verifizieren (vgl. zum Ganzen auch das Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts E-6896/2018 vom 29. März 2021 E. 5.2
m.w.H.). Dies scheint der Beschwerdeführer angesichts seiner wiederhol-
ten Ausführungen auf Beschwerdeebene in diesem Zusammenhang zu
E-768/2019
Seite 19
verkennen. Eine von ihm geforderte grundsätzliche doppelte Prüfung von
Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz aller Verfolgungsvorbringen ist weder
rechtlich geboten noch prozessökonomisch sinnvoll. Es ist festzuhalten,
dass das SEM nach dieser Massgabe den rechtserheblichen Sachverhalt
im Asylpunkt grundsätzlich richtig festgestellt und, wie den Erwägungen zu
entnehmen ist, einer umfassenden rechtlichen Würdigung zugeführt hat;
deren Rechtskonformität ist nachfolgend zu prüfen. Die Prüfung der Glaub-
haftigkeit von nicht asylrelevanten Sachverhaltsteilen drängt sich, wie der
Beschwerdeführer demgegenüber zutreffend erkennt, gegebenenfalls
dann auf, wenn diese auch für die Prüfung der Voraussetzungen des Weg-
weisungsvollzuges (Zulässigkeit, Zumutbarkeit, Möglichkeit) bedeutsam
sind. In diesem Zusammenhang werden die Ausführungen des Beschwer-
deführers jedoch insofern keiner vertieften Prüfung mehr zu unterziehen
sein, als mit dem vorliegenden Urteil die Anordnung des Wegweisungsvoll-
zugs aufgehoben und die Angelegenheit dem SEM zur Neubeurteilung un-
terbreitet wird (vgl. unten Dispositiv Ziff. 1 und 2 und die dazugehörige Be-
gründung).
6.
6.1 Das SEM ist, vorbehältlich weiter unten aufgezeigten Relativierungen,
nach korrekter und vollständiger Sachverhaltsfeststellung und Beweismit-
telwürdigung in umfassenden und hinlänglich auf die Akten abgestützten
Erwägungen mit zutreffender Begründung zur Erkenntnis gelangt, die gel-
tend gemachten Verfolgungsvorbringen würden teilweise den Anforderun-
gen von Art. 7 AsylG und teilweise jenen von Art. 3 AsylG nicht genügen.
Zur Vermeidung von Wiederholungen ist auf die betreffenden Erwägungen
in der angefochtenen Verfügung (dort Ziff. II), die Vernehmlassung des
SEM und die Zusammenfassungen oben (E. 4.1 und 4.3) zu verweisen.
Die Erwägungen geben dem Bundesverwaltungsgericht, abgesehen von
den noch vorzunehmenden Einschränkungen, zu keinen Beanstandungen
Anlass. Das SEM ist den praxisgemässen Leitlinien der Glaubhaftigkeits-
prüfung (vgl. dazu BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2.3,
je m.w.H.) nachgekommen und hat die Asylrelevanz aus weitgehend zu-
treffenden Überlegungen verneint. Die Beschwerde und ihre Ergänzungen
führen, soweit sie nicht ohnehin blosse Wiederholungen, Bekräftigungen
und Gegenbehauptungen beinhalten, zu keiner grundsätzlich anderen Be-
trachtungsweise. Im Einzelnen bleibt Folgendes zu erwägen:
E-768/2019
Seite 20
6.2
6.2.1 Die Einwände zur vom SEM festgestellten Unglaubhaftigkeit respek-
tive Verschleierung betreffend Herkunft (vgl. oben E. 4.2.1) bleiben erfolg-
los. Der Eröffnungsfehler wurde vom SEM selber rechtzeitig behoben und
die angefochtene Verfügung weist unbestrittenermassen keinen solchen
mehr auf. Weiter hat der Beschwerdeführer das Protokoll der BzP mit sei-
ner Unterschrift als korrekt, vollständig und anstandslos unterzeichnet und
auch im Nachgang keine Beanstandungen aktenkundig deponiert; er ist
darauf zu behaften. Die angebliche Falschübersetzung von C._ mit
Kabul geht nicht über eine Behauptung hinaus und hätte dem Beschwer-
deführer zudem bereits während der Befragung (A6 Ziff. 2 f.) auffallen müs-
sen, allerspätestens aber bei der Rückübersetzung, denn im Protokoll er-
scheinen beide Ortsbegriffe, teilweise mit Präzisierungen. Es bestand so-
mit in jenem Zeitpunkt auch kein Anlass zu weiteren Vertiefungsfragen, zu-
mal die betreffenden Aussagen klar und unmissverständlich sind und die
Kürze der BzP einzig auf den Verzicht einer summarischen Befragung zu
den Asylgründen zurückzuführen ist. Dieser Punkt ist aber auch nicht
Hauptzweck der BzP, sondern erst der Anhörung. Die Betrachtung der Er-
wägungen in der angefochtenen Verfügung lässt unschwer erkennen, dass
die Behauptung eines reduzierten Abstellens der gesamten Glaubhaftig-
keitsprüfung auf nur einen Widerspruch betreffend den Wohn- beziehungs-
weise Herkunftsort haltlos ist. Im Weiteren lassen sich die erheblichen Sub-
stanzdefizite der Aussagen betreffend länder- und regionalspezifisches
Wissen sowie zu seiner Herkunft und zu seinem Leben in Afghanistan mit-
tels internem HWV-Berichts nicht entkräften. Die HWV hat aufgaben- und
pflichtengemäss nur Beobachtungsstatus und ist nicht an der Entscheidfin-
dung über das Asylgesuch beteiligt. Eine bezüglich des Länder- und All-
tagswissens und mithin seiner Herkunft ungenügende Sachverhaltsabklä-
rung in Missachtung von BVGE 2015/10 ist dem SEM nicht vorzuwerfen.
In Stützung der betreffenden vorinstanzlichen Erwägungen ist dem Be-
schwerdeführer nicht nur eine ungenügende Substanziierung und Mitwir-
kung in diesem Kontext anzulasten, sondern es sind auch klare Indizien
hinsichtlich einer Verheimlichung, Verschleierung und Täuschung über
seine Biografie, Herkunft und Identität erkennbar. Insbesondere der Wider-
spruch zum hauptsächlichen Aufenthaltsort seit dem vierten Lebensjahr
(Kabul contra C._) ist gewichtig, nicht erklärbar und geeignet, den
Asylvorbringen in entscheidender Weise die Grundlage zu entziehen; glei-
ches gilt für die nicht miteinander zu vereinbarenden zeitlichen Angaben.
Hinsichtlich des Alters ist zwar durchaus denkbar, dass eine aus Afghanis-
tan stammende Person ihr Geburtsdatum nicht kennt. Mit diesem Argu-
ment lassen sich jedoch aktenkundige Widersprüche in der Altersangabe
E-768/2019
Seite 21
nicht ausräumen, zumal wenn die Angaben um Jahre divergieren und ge-
rade auch die Frage der Voll- oder Minderjährigkeit betreffen. Ebenso un-
behelflich ist die Erklärung, dass das von den schweizerischen Grenzbe-
amten erfasste Geburtsjahr jenes wiedergebe, welches die türkischen Be-
hörden aufgrund seiner absichtlich falschen Angaben festgestellt hätten.
Die zahlreichen betreffend seine Familienangehörigen vorgelegten Be-
weismittel vermögen die Unglaubhaftigkeit seiner Alters-, Identitäts- und
Herkunftsangaben nicht auszuräumen, da sie nicht ihn persönlich betreffen
und keine Rückschlüsse, insbesondere auf sein Alter, geben. Sie sind dies-
bezüglich nicht beweistauglich und der Beschwerdeführer ist darauf zu be-
haften, dass er bislang in Missachtung der ihm obliegenden und mehrfach
zur Kenntnis gebrachten Mitwirkungspflicht nach Art. 8 AsylG keine ihn be-
treffenden Identitätsdokumente oder andere identitätsbedeutsame Doku-
mente vorgelegt hat. Bezüglich der Existenz eines Reisepasses gab er
auch widersprüchliche Angaben zu Protokoll (vgl. A6 Ziff. 4.02 und A32 F6-
8). Der Verlust des einen oder andern oder beider Dokumente auf dem
Meer ist offensichtlich eine Schutzbehauptung zwecks Verschleierung re-
levanter Identitäts- und Reiseangaben. Das Bundesverwaltungsgericht ge-
langt in Anbetracht der gesamten Akten und Umstände sowie in Stützung
der vorinstanzlichen Erkenntnisse zur Auffassung, dass der Beschwerde-
führer nicht nur unglaubhafte Angaben zu seinem Alter und mithin seiner
Identität gemacht hat, sondern ebenso zu seiner Herkunft und Biografie die
Asylbehörden zu täuschen versucht. Dies in Anerkennung, dass es auch
Elemente gibt, die zu Gunsten zumindest gewisser Sachverhaltselemente
sprechen. Dadurch wird er persönlich unglaubwürdig, was wiederum nach-
teilige Auswirkungen auf die Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Verfol-
gungs- und Gefährdungsvorbringen hat, zumal er selber damit dem SEM
Grenzen in dessen Untersuchungs- und Abklärungspflicht setzt. Zwar ist
dem Beschwerdeführer beizupflichten, dass es durchaus in seinen Vorbrin-
gen auch Elemente gibt, die zu Gunsten der Glaubhaftigkeit gewisser
Sachverhaltselemente sprechen.
6.2.2 Demgegenüber ist die Beweiswürdigung des SEM im Zusammen-
hang mit den vorgelegten Beweismitteln betreffend den Aufenthalt der Fa-
milienangehörigen im Iran zu relativieren. Die Beweismittel sind grundsätz-
lich durchaus geeignet, deren Aufenthalt im Iran nahezulegen. Mit den im
Verlaufe des Beschwerdeverfahrens diesbezüglich eingereichten Beweis-
mitteln ist gar die Annahme eines dauerhafteren Aufenthalts dieser Perso-
nen im Iran nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen, wenngleich der
vorinstanzliche Hinweis auf die leichte Fälsch- und Erwerbbarkeit solcher
Aufenthaltsdokumente und mithin auf deren eingeschränkten Beweiswert
E-768/2019
Seite 22
grundsätzlich durchaus statthaft ist und diese Erkenntnis nicht die Angabe
konkreter Fälschungsmerkmale bedingt. Für die Beurteilung einer persön-
lichen Verfolgungssituation des Beschwerdeführers in Afghanistan – und
ebenso im Iran – sind sie jedoch nicht verwertbar. Potenzielle Relevanz
können die Dokumente (insb. die Fotos) allenfalls im Zusammenhang mit
der Frage des Bestehens eines Beziehungsnetzes des Beschwerdeführers
in Afghanistan und mithin der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzuges aufweisen. Die materielle Beurteilung dieser Frage erübrigt sich
jedoch, weil mit dem vorliegenden Urteil die Anordnung des Wegweisungs-
vollzugs aufgehoben und die Frage dem SEM zur Neubeurteilung unter-
breitet wird (vgl. unten Dispositiv Ziff. 1 und 2 und die dazugehörige Be-
gründung E. 8 unten).
6.2.3 Die Einwände zu den vom SEM erkannten Unstimmigkeiten zum
Ausreisezeitpunkt und der darauf hinführenden Chronologie sind nicht
stichhaltig, zumal der Hinweis des Beschwerdeführers auf stets vage und
unsichere Äusserungen in diesem Zusammenhang und auf den dadurch
sich ergebenden möglichen Variantenreichtum zwar zu bestätigen ist, aber
im Sinne eines Substanz- und Konkretisierungsdefizites auf ihn zurückfällt.
Zwar ist dem Beschwerdeführer, wie an anderer Stelle bereits erwähnt,
beizupflichten, dass seine Schilderungen, teilweise auch detailliert ausge-
fallen sind (z.B. A32 F145 ff.) und sogenannte Realkennzeichen enthalten
(z.B. A32 F225, F252). Es ist denn auch nicht auszuschliessen, dass der
Beschwerdeführer in Kampfhandlungen verwickelt war, unter Umständen
im Rahmen einer Volksmiliz, und dass er möglicherweise auch Kriegs- oder
anderweitig belastende Situationen erlebt hat. Das ändert aber nichts an
den treffenden Erwägungen des SEM, dass die Suche nach ihm seitens
des Chefs der Volkstruppe nicht glaubhaft ist. Zu den vom SEM aufgezeig-
ten Widersprüchen hinzu kommt, dass es sich hinsichtlich dieser angebli-
chen Suche einzig um eine wenig konkretisierte Wiedergabe der Aussage
seines Vaters handelt (A32 F148, F156). Hinsichtlich des geltend gemach-
ten Einsatzes ist sodann insbesondere das Argument der fehlenden Asyl-
relevanz entscheidend. Die Gesamtbeurteilung hat das SEM im angefoch-
tenen Entscheid korrekt unter Beachtung verschiedener Glaubhaftigkeits-
aspekte differenziert vorgenommen. Es trifft sodann zu, dass der vom Be-
schwerdeführer anlässlich der Anhörung aktenkundig vorgelegte psycho-
therapeutische Bericht (vom 26. Mai 2018) im angefochtenen Entscheid
weder erwähnt noch gewürdigt wurde. Hierzu bestand aber auch kein An-
lass, denn die im Bericht diagnostizierte PTBS konnte im für den Be-
schwerdeführer günstigsten Fall zur Feststellung der Unzumutbarkeit des
E-768/2019
Seite 23
Wegweisungsvollzuges führen, zu welchem Thema sich das SEM aber un-
ter Hinweis auf die Mitwirkungsverletzung und Täuschungsabsicht des Be-
schwerdeführers sowie die diesbezügliche Praxis nicht näher äusserte.
Eine darüberhinausgehende Bedeutsamkeit im Sinne reduzierter kogniti-
ver Fähigkeiten im Hinblick auf die erfolgten Befragungen und die anste-
hende Anhörung wies der Bericht nicht auf. Der Beschwerdeführer hat so-
dann an keinem der vier Anlässe gesundheitliche Beeinträchtigungen gel-
tend gemacht. Einzig gegen Ende der Anhörung ist den Akten zu entneh-
men, dass der Beschwerdeführer Kopfschmerzen habe und es für ihn emo-
tional schwierig sei, zu berichten (A32 F235). Dies bezieht sich denn tat-
sächlich auch auf die Vorbringen zu Syrien. Unabhängig vom Nichterwäh-
nen dieses Aufenthalts in Syrien an der BzP (das auf Beschwerdestufe nun
mit dem ärztlichen Bericht zur PTBS erklärt werden soll) und aller weiteren
vom SEM genannten Widersprüche zu diesem Kriegseinsatz erweist sich
aber dieser als in Bezug auf den Heimatstaat Afghanistan offensichtlich
nicht asylrelevant. Entsprechend vermag der Beschwerdeführer aus die-
sem Argument nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Die Glaubhaftigkeits-
würdigung des SEM wird somit durch das Nichterwähnen des Berichts
nicht in ein wesentlich anderes Betrachtungslicht gerückt.
6.2.4 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person
die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, so-
fern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG
aufgezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt
zu werden drohen. Die erlittene Verfolgung oder die begründete Furcht vor
zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal für die
Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im
Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Begründete Furcht vor
Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat, wer gute – d.h. von Dritten nach-
vollziehbare – Gründe (objektives Element) für seine Furcht (subjektives
Element) vorweist, mit hoher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
das Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1; 2011/50
E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, je m.w.H.). Gemäss Praxis (vgl.
BVGE 2014/28 E. 8.4.1) sind die in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Ver-
folgungsmotive über ihre sprachlich allenfalls engere Bedeutung hinaus so
zu verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merkmale,
die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers verbunden
sind, erfolgt.
E-768/2019
Seite 24
Das SEM hat die Prüfung der als glaubhaft erkannten – beziehungsweise
nicht unter dem Aspekt von Art. 7 AsylG gewürdigten – Sachverhaltsteile
unter dem Aspekt der flüchtlingsrechtlichen Beachtlichkeit der geltend ge-
machten Benachteiligungen oder Befürchtungen weitgehend korrekt vor-
genommen. Hinsichtlich des Einwandes des Beschwerdeführers, wonach
das SEM gestützt auf seine Begründungspflicht die Prüfung von Art. 3
AsylG auch betreffend die – als unglaubhaft erkannte – Desertion hätte
vornehmen müssen, ist auf E. 5.2 oben zu verweisen. Damit wird auch die
Rüge hinfällig, wonach das SEM in diesem Zusammenhang auch seine
Zugehörigkeit zu einer diskriminierten Minderheit (gemeint wohl die ethni-
sche Zugehörigkeit zu den Hazara) ausser Acht gelassen und damit den
Untersuchungs- und den Begründungsgrundsatz verletzt habe. Der Ein-
wand, hinsichtlich des Angriffs auf seinen Bruder sei die Erkenntnis des
SEM (dieser sei aufgrund fehlender Intensität und Gezieltheit nicht asyl-
rechtlich relevant) rechtswidrig und gar willkürlich, bewirkt nichts. Vorab ist
festzustellen, dass die Angaben des Beschwerdeführers zu den Tätern als
äusserst oberflächlich zu bezeichnen sind und die Aussage, es könnten
Angehörige seiner Opfer gewesen sein, alleine auf einer sehr vagen Ver-
mutung beruht (A32 F157-160, F186). Des Weiteren ändert der Hinweis
nichts an der vom SEM zutreffenderweise festgestellten fehlenden Asylre-
levanz der Drohungen seitens der Dorfbewohner, welche hätten Rache
nehmen wollen. Weiter ist dem Beschwerdeführer zwar zuzustimmen, dass
beim Erfordernis der Kausalität zwischen erlebten oder befürchteten Be-
nachteiligungen (vorliegend Verhaftung und Inhaftierung infolge der zur
Last gelegten Vergewaltigung im Jahre 2014) und der Ausreise nicht einzig
auf die zeitliche Beurteilungskomponente abzustellen ist und beispiels-
weise ein zwischenzeitliches Verstecken oder eine militärische
(Zwangs)Rekrutierung noch keinen Unterbruch der Kausalkette bedeuten
muss. Der Beschwerdeführer verkennt jedoch zum einen auch diesbezüg-
lich die ihm entgegengehaltenen erheblichen Widersprüche zu relevanten
zeitlichen Angaben, welche grundsätzliche Zweifel an seinen Asylvorbrin-
gen weckten (vgl. angefochtene Verfügung II, Ziff. 1.1 sowie insbesondere
1.2). Diese stellen nämlich auch diese Inhaftierung in Frage. Der Be-
schwerdeführer hatte an der BzP, wie erwogen, deutlich angegeben, er
habe seit seinem vierten Lebensjahr und bis sechs Monate vor der BzP
(23.10.2015) in Kabul gelebt, wobei er auch noch präzisierend das Quartier
und den Kreis nannte (A6 Ziff. 2.01). Er ergänzte, dass er im Sommer je-
weils auch in C._ gelebt habe, im Winter jedoch in Kabul. Diese
Angaben lassen sich nicht vereinbaren mit der Angabe, er sei im Winter
verhaftet worden, als er sich in G._, einem Ort nahe seines Dorfes
aufgehalten habe (A32 F26ff.,122, 132). Zudem fallen seine Angaben rund
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um die Haft teilweise oberflächlich aus (u.a. A32 F126f.). Aufgrund dessen
ist das SEM die Kausalitätsfrage nur hypothetisch angegangen und es hat
den Vorbringen rund um die Inhaftierung wegen Vergewaltigung auch die
Asylrelevanz abgesprochen. Diesbezüglich ist der Einwand des Beschwer-
deführers, wonach auch das Abstellen auf eine flüchtlingsrechtlich unbe-
denkliche Strafnorm im Falle eines zuvor menschenrechtswidrigen Straf-
verfahrens illegitim und bei Vorliegen eines in Art. 3 AsylG genannten Mo-
tivs flüchtlingsrechtlich beachtlich sei, allerdings nicht gänzlich von der
Hand zu weisen, nachdem er geltend gemacht hatte, er sei während der
Inhaftierung misshandelt worden. Demgegenüber scheint das Strafmass,
das vom Gericht gesprochen worden sei, tatsächlich rechtsstaatlich unbe-
denklich für das vorgehaltene Delikt. Auch ist kein asylrechtlich relevantes
Motiv für die Verhaftung ersichtlich, sondern diese erfolgte gemäss Anga-
ben des Beschwerdeführers aufgrund des Verdachts einer strafrechtlich
geahndeten Handlung. Seine Rüge, wonach das SEM die Erkenntnis einer
rechtsstaatlich legitimen Sanktion auf weitere Abklärungen hätte abstützen
und die Begründung umfassender hätte abfassen müssen, ist nach dem
Gesagten unbegründet. Im Übrigen sind weitere Abklärungen nur im Zu-
sammenhang mit der Ermittlung und Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts denkbar, nicht aber im Zusammenhang mit rechtlichen Wür-
digungen (in concreto: fehlende Asylrelevanz).
Soweit der Beschwerdeführer rügt, das SEM habe den praxisgemäss ge-
forderten Nachweis des Vorliegens eines Asylausschlussgrundes nach
Art. 53 AsylG nicht erbracht, ist klarzustellen, dass sich das SEM zu einer
solchen Prüfung ausdrücklich und zutreffend gar nicht veranlasst sah, weil
es die angebliche Verfolgungslage aufgrund der Tötung von drei Personen
als nicht asylrelevant betrachtet hatte (vgl. Verfügung Ziff. II/2.1 am Ende).
Klarzustellen ist im Zusammenhang mit den erwähnten Erwägungen des
SEM immerhin, dass einer Verfolgung wegen der Tötung von Menschen
nicht per se die potenzielle Asylgrundeigenschaft abzusprechen ist, son-
dern nur dann, wenn es an einem von Art. 3 AsylG erfassten Motiv oder
anderen Asylrelevanzmerkmalen mangelt. Das SEM hat jedoch im selben
Erwägungsabschnitt zuvor zutreffend festgehalten, dass Rache für sich al-
lein besehen kein solches Verfolgungsmotiv darstellt.
6.2.5 Die bisherigen Erkenntnisse betreffend Glaubhaftigkeit und Asylrele-
vanz werden durch den weiteren Schriftenwechsel und insbesondere die
Replik des Beschwerdeführers nicht wesentlich anders beleuchtet. Dabei
ist zunächst betreffend das Prüfungsverhältnis zwischen Glaubhaftigkeit
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und Asylrelevanz von Verfolgungsvorbringen abermals auf die Ausführun-
gen oben in E. 5.2 sowie auf die bisherigen Erwägungen zu verweisen.
Diesen und dem Inhalt der Vernehmlassung setzt der Beschwerdeführer
über weite Teile der Replik bloss seine anderslautende Gegenauffassung
gegenüber, ohne darin substanziell eine Rechtsverletzung erkennen zu
lassen. Die vorinstanzliche Beweiswürdigung betreffend den Aufenthalt der
Familienangehörigen im Iran wurde ebenfalls bereits oben (E. 6.2.1, 2. Ab-
schnitt) korrektiv erörtert. Ergänzend ist klarzustellen, dass das SEM in die-
sen Beweismitteln weder Fälschungen erkannt noch aus dem reduzierten
Beweiswert auf eine fehlende Glaubwürdigkeit des Beschwerdeführers ge-
schlossen hat. Sodann ist die vom SEM in der Vernehmlassung geäusserte
Vermutung einer Bekanntheit zwischen HWV und Rechtsvertreterin in der
Anhörung nicht verifizierbar, aber auch unerheblich, zumal die HWV in kei-
ner Weise an der Entscheidfindung beteiligt ist und sich eine allfällige Vor-
eingenommenheit der HWV daher bei objektiver Betrachtung nicht vor- o-
der nachteilig für die Asyl suchende Person auswirkt. Zugunsten des Be-
schwerdeführers ist immerhin festzuhalten, dass die Herbeiführung eines
guten Anhörungsklimas tatsächlich nicht in den Aufgaben- und Pflichten-
bereich einer HWV oder einer anwesenden Rechtsvertretung gehört. Bei-
den und allfälligen weiter anwesenden Begleitpersonen ist es anderseits
nicht erlaubt, ein Anhörungsklima gezielt negativ zu beeinflussen; solches
ist aber für das Gericht aus den Akten und insbesondere aus dem Anhö-
rungsprotokoll auch nicht erkennbar.
6.2.6 Soweit der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 9. September
2021 unter Hinweis auf die veränderte Situation in Afghanistan nach der
Machtergreifung der Taliban im August 2021 eine Kollektivverfolgung der
ethnischen Hazara geltend macht und eine dahingehende Praxisänderung
fordert, ist Folgendes zu erwägen: Die Anforderungen an die Feststellung
einer Kollektivverfolgung sind gemäss der Rechtsprechung des Bundes-
verwaltungsgerichts sehr hoch (vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2, 2011/16 E. 5, je
m.w.H.). Demnach reicht die blosse Zugehörigkeit zu einem Kollektiv, wel-
ches in seinen spezifischen Eigenschaften Ziel einer Verfolgungsmotiva-
tion ist, in der Regel nicht aus, um die Flüchtlingseigenschaft zu begrün-
den. Kollektivverfolgung ist anzunehmen, wenn gezielte, gegen das Kol-
lektiv gerichtete, ernsthafte Nachteile zum Ziel haben, möglichst alle Mit-
glieder des Kollektivs zu treffen, und sie in Relation zur Grösse des Kollek-
tivs eine bestimmte Dichte aufweisen, so dass der einzelne aus der erheb-
lichen Wahrscheinlichkeit heraus, selbst verfolgt zu werden, objektive
Furcht hat (vgl. BVGE 2011/16 E. 5.2 m.w.H.). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat bis anhin denn auch nur bei sehr wenigen Gruppen das Bestehen
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einer Kollektivverfolgung bejaht; Hazara aus Afghanistan gehören nicht
dazu. Es ist nicht erkennbar und wird vom Beschwerdeführer weder sub-
stanziiert noch nachvollziehbar gemacht, weshalb Hazara alleine mit der
Machtübernahme durch die Taliban kollektiv als Flüchtlinge anzuerkennen
wären. Zudem liegt auf der Hand, dass eine allfällige Prüfung der Kollek-
tivverfolgung einzelner Gruppen im afghanischen Kontext ohnehin nur pro-
vinz- bzw. distriktbezogen vorgenommen werden könnte. Mit der oben er-
kannten Mitwirkungsverletzung des Beschwerdeführers in Form einer Ver-
schleierung und Täuschung über seine Herkunft und Identität, würde sich
eine solche Prüfung in seinem Fall aber als obsolet erweisen. Betreffend
einen ethnischen Hazara mit bekanntem Herkunftsort in Afghanistan hat
das Bundesverwaltungsgericht im Übrigen im kürzlich (nach der Machter-
greifung durch die Taliban) ergangenen Urteil E-4042/2018 vom 25. Okto-
ber 2021 die Beschwerde im Asylpunkt abgewiesen, ohne jegliche Veran-
lassung der Prüfung einer Kollektivverfolgung dieser ethnischen Gruppe.
6.3 Das SEM hat nach dem Gesagten das Bestehen einer flüchtlingsrecht-
lich beachtlichen Verfolgungssituation des Beschwerdeführers zu Recht
verneint. Es hat den rechtserheblichen Sachverhalt diesbezüglich korrekt
festgestellt und nach weitgehend zutreffender Würdigung die Flüchtlings-
eigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und entsprechend
sein Asylgesuch abgewiesen. Die Beschwerde ist daher betreffend die ma-
teriellen Hauptbegehren Ziffern 2 und 3 abzuweisen und diesbezüglich be-
steht auch kein Rückweisungsbedarf an die Vorinstanz.
7.
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird in
der Beschwerde auch nicht bestritten.
8.
8.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
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Seite 28
Das SEM stellt sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
dass es ihm aufgrund der erkannten Unglaubhaftigkeit der geltend ge-
machten Lebensumstände, des (letzten) Wohnorts und der Biographie des
Beschwerdeführers nicht möglich sei, sich in voller Kenntnis der tatsächli-
chen persönlichen und familiären Situation zur Zumutbarkeit des Vollzugs
der Wegweisung zu äussern. Die Untersuchungspflicht finde ihre Grenzen
an der Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht von Gesuchstellenden und es sei
gemäss Praxis nicht Aufgabe der Asylbehörden, bei fehlenden Hinweisen
seitens der Gesuchstellenden nach allfälligen Wegweisungshindernissen
zu forschen, falls diese – wie vorliegend der Beschwerdeführer – ihrer Mit-
wirkungs- und Wahrheitspflicht im Rahmen der Sachverhaltsermitt-
lung·nicht nachkämen und die Asylbehörden zu täuschen versuchten. Der
Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat erweise sich deshalb als zu-
mutbar und es könne darauf verzichtet werden, einen Ausschluss aus der
vorläufigen Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 7 AuG (bzw. AIG) wegen der
Tötung von drei Personen, darunter insbesondere einem Kind, weiter zu
prüfen.
In seiner Beschwerdeergänzung vom 9. September 2021 macht der Be-
schwerdeführer seinerseits auf die zwischenzeitlich durch den Truppenab-
zug der US- und weiteren internationalen Streitkräfte sowie durch die
Machtübernahme der Taliban eingetretene Veränderung der politischen,
der menschenrechtlichen, der humanitären und der Sicherheitslage in
ganz Afghanistan seit Sommer 2021 aufmerksam. Eine Rückkehr nach Af-
ghanistan würde selbst unter Annahme besonders begünstigender Um-
stände eine existenzbedrohende Situation für die Betroffenen bedeuten.
8.2 Der Hinweis des Beschwerdeführers auf die aktuelle Lage in Afghanis-
tan ist insoweit relevant, als sowohl das SEM als auch das Bundesverwal-
tungsgericht aufgrund der aktuell unklaren politischen Situation und der Si-
cherheitslage derzeit von materiellen Feststellungen der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzuges nach Afghanistan grundsätzlich absehen. Davon
nicht betroffen sind Ausschlüsse von der vorläufigen Aufnahme in Anwen-
dung von Art. 83 Abs. 7 AIG. Nach dieser Bestimmung wird eine vorläufige
Aufnahme selbst unter Annahme der Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit
des Wegweisungsvollzuges nicht verfügt, wenn die weggewiesene Person
zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe im In- oder Ausland verurteilt wurde
oder wenn gegen sie eine strafrechtliche Massnahme im Sinne der Artikel
59–61 oder 64 StGB angeordnet wurde (Bst. a), sie erheblich oder wieder-
holt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im
Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder die
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äussere Sicherheit gefährdet (Bst. b), oder sie die Unmöglichkeit des Voll-
zugs der Weg- oder Ausweisung durch ihr eigenes Verhalten verursacht
hat (Bst. c). Zwar hat das SEM – wie oben gesehen – zutreffend eine Ver-
letzung der dem Beschwerdeführer obliegenden Mitwirkungs- und Wahr-
heitspflicht betreffend Biographie, Herkunft, Wohnort, Lebensumstände
und familiäre Verhältnisse in Afghanistan erkannt und demzufolge in redu-
zierter Anwendung des Untersuchungsgrundsatzes auf die Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzuges geschlossen. Diese Erkenntnis ist rechtslo-
gisch und für sich besehen nicht zu beanstanden. Anderseits ist festzuhal-
ten, dass das SEM die Herkunft und den letzten Wohnsitz des Beschwer-
deführers in Afghanistan seit der Hängigkeit des Asylverfahrens nie bestrit-
ten hat. Nachdem nun durch die Situationsveränderung in Afghanistan seit
der Machtergreifung der Taliban im August 2021 die Vollziehbarkeit der
Wegweisung für das gesamte Land zumindest vorübergehend im Grund-
satz ausgeschlossen ist, lässt sich eine Feststellung der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzuges nach Afghanistan einstweilen nur noch dann auf-
rechterhalten, wenn die Voraussetzungen von Art. 83 Abs. 7 AIG erfüllt
sind. Die Frage wurde vom SEM offengelassen und für deren aktuelle Be-
antwortung reicht der vom SEM ermittelte und festgestellte Sachverhalt
nicht aus. Die Sache ist somit betreffend den Vollzug der Wegweisung an
das SEM zurückzuweisen. Dieses hat abzuklären, welche Verhaltenswei-
sen des Beschwerdeführers in Afghanistan (insb. Tötung von drei Perso-
nen) und in der Schweiz (vgl. insb. die in den Asylakten befindlichen kan-
tonalen Akten betr. [...] und [...]) für die Subsumption unter die Tatbe-
standsmerkmale von Art. 83 Abs. 7 (insb.) Bst. a und b AIG bedeutsam
sind. In der Folge hat es diese Subsumption vorzunehmen und nunmehr
die bislang offengelassene Frage zu prüfen, ob eine Ausnahme von der
vorläufigen Aufnahme gestützt auf Art. 83 Abs. 7 AIG gerechtfertigt er-
scheint.
8.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die angefochtene Verfügung,
soweit sie den Vollzug der Wegweisung betrifft (Dispositiv Ziff. 4 und 5),
aufzuheben und die Sache insoweit zwecks Vornahme weiterer Abklärun-
gen im Zusammenhang mit der Frage der Anwendbarkeit von Art. 83 Abs. 7
AIG, gegebenenfalls zur Mitberücksichtigung der veränderten Lage in Af-
ghanistan und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen ist.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht insoweit verletzt, als sie den rechtserheblichen Sachverhalt
betreffend den Vollzug der Wegweisung unvollständig feststellt (Art. 106
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Abs. 1 AsylG). Sie ist daher in ihren Dispositivziffern 4 und 5 unter entspre-
chender Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache geht zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen.
10.
10.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung
sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen
(Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer ist bezüg-
lich seines Hauptantrags auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und
Gewährung des Asyls (mit entsprechender Aufhebung der angefochtenen
Verfügung) unterlegen. Bezüglich der Anordnung des Wegweisungsvoll-
zugs gilt er insoweit als obsiegend, als die Verfügung diesbezüglich aufzu-
heben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. Praxisgemäss
bedeutet dies ein hälftiges Obsiegen.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären somit die Kosten hälftig
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Mit Zwischenverfügung vom
26. Februar 2019 wurde jedoch sein Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung gutgeheissen und von einer Veränderung in sei-
nen finanziellen Verhältnissen ist nicht auszugehen, weshalb auf die Auf-
erlegung der reduzierten Verfahrenskosten zu verzichten ist.
10.3 Dem Beschwerdeführer ist im Umfang seines hälftigen Obsiegens für
die ihm erwachsenen notwendigen Kosten eine Parteientschädigung zu
Lasten der Vorinstanz zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Die Rechtvertreterin weist mittels der Beschwerde beiliegender Kostennote
vom 14. Februar 2019 einen Zeitaufwand von 10 Stunden bei einem Stun-
denansatz von Fr. 200.– und Auslagen von Fr. 15.– aus. Der zeitliche Auf-
wand erscheint leicht überbemessen, ist anderseits jedoch von Amtes we-
gen um ungefähr die Hälfte für die seitherigen, kostenmässig nicht ausge-
wiesenen Aufwendungen zu erhöhen. Ebenso sind die Auslagen geringfü-
gig zu erhöhen. Die von der Vorinstanz auszurichtende, hälftige Parteient-
schädigung ist somit pauschal auf insgesamt Fr. 1’400.– festzusetzen.
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10.4 Das vom Bundesverwaltungsgericht zugunsten der Rechtsvertreterin
auszurichtende amtliche Honorar für das hälftige Unterliegen ist unter An-
wendung eines nunmehr reduzierten Stundenansatzes von Fr. 150.– (vgl.
Zwischenverfügung vom 26. Februar 2019 S. 3) pauschal auf insgesamt
Fr. 1'100.– festzusetzen (Art. 9–12 VGKE).
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