Decision ID: 0e4e860e-7eb0-5344-9e01-a54a7fd37567
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- K., geb. 2015, ist die Tochter von V. und M.. Am 4. Mai 2017 wurde K. durch eine
Tagesmutter betreut. Als sie am Nachmittag von ihrem Vater abgeholt wurde, seien
ihm, und später auch der Mutter, leichte Verletzungen im Gesicht von K. aufgefallen,
worauf die Familie am darauffolgenden Tag ihren Haus- bzw. Kinderarzt, Dr. D.,
aufsuchte. Auf Empfehlung des Arztes fand am selben Tag eine weitere Untersuchung
von K. in der Kinderklinik des Kantonsspitals Graubünden statt, welche schliesslich zu
einer Gefährdungsmeldung an die Kindesschutzbehörde Linth (nachfolgend: KESB
Linth) führte.
B.- Im Rahmen des Abklärungsverfahren durch die KESB Linth konnte nicht geklärt
werden, wie die Verletzung im Gesicht von K. entstanden ist. Aufgrund fehlender
Hinweise auf eine Gefährdung des Kindeswohls wurde das Verfahren zur Prüfung
allfälliger behördlichen Massnahmen mit Beschluss vom 31. Januar 2019 eingestellt.
Mit derselben Verfügung wurde den Eltern eine Gebühr in der Höhe von Fr. 500.–
auferlegt und in Rechnung gestellt (Ziffer 2).
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C.- Gegen die Kostenauferlegung erhoben V. und M. mit Eingabe vom 19. Februar
2019 Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission. Mit Vernehmlassung vom
28. Februar 2019 beantragte die KESB Linth die Abweisung der Beschwerde.
Auf Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zur Behandlung von Beschwerden gegen Entscheide
der KESB zuständig (Art. 314 Abs. 1 ZGB i.V.m. 450 Abs. 1 ZGB und Art. 27 Abs. 1 des
Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über das Kindes- und
Erwachsenenschutzrecht, sGS 912.5, abgekürzt: EG-KES). Die Beschwerde ist
rechtzeitig erfolgt. Die Bestimmungen des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
zum Rekursverfahren (sGS 951.1, abgekürzt: VRP) sind sinngemäss anwendbar (Art. 11
lit. a EG-KES). Die Beschwerde erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 314 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 450 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB,
Art. 48 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.- Die angefochtene Verfügung und das vorinstanzliche Verfahren sind von Amtes
wegen auf die formelle Rechtmässigkeit hin zu überprüfen.
K. wohnt bei ihren Eltern in X.. Die KESB Linth war dementsprechend sowohl örtlich als
auch sachlich zum Erlass der angefochtenen Verfügung zuständig (Art. 315 Abs. 1 und
Art. 25 Abs. 1 ZGB). Die KESB handelt und entscheidet unter Vorbehalt abweichender
Bestimmungen in der Besetzung von drei Mitgliedern (Art. 440 Abs. 2 ZGB und Art. 16
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EG-KES). Die angefochtene Verfügung erging in der vorgeschriebenen Besetzung von
drei Behördenmitgliedern. Die angefochtene Verfügung ist schliesslich hinreichend
begründet. In formeller Hinsicht ist sie somit nicht zu beanstanden.
3.- Umstritten ist die Rechtmässigkeit der Gebührenerhebung (Ziffer 2 der
angefochtenen Verfügung).
a) Gemäss Art. 94 Abs. 1 VRP hat diejenige Partei, welche eine Amtshandlung zum
eigenen Vorteil oder durch sein Verhalten veranlasst, die vorgeschriebene Gebühr zu
entrichten. Unter Amtshandlungen, die zum eigenen Vorteil veranlasst werden, sind
vornehmlich Gesuchsverfahren zu verstehen, bei denen Private mit dem Ersuchen um
Erlass einer Verfügung oder Vornahme einer anderen Amtshandlung an die
entsprechende Behörde gelangen. Ist das Verfahren hingegen nicht von den Privaten in
Gang gebracht, sondern von der Behörde von Amtes wegen eingeleitet worden, dürfen
den Betroffenen nur Gebühren auferlegt werden, wenn sie das fragliche Verfahren
durch ihr Verhalten veranlasst haben. Kostenpflichtig ist somit der
Verhaltensverursacher. Als solcher gilt, wer unmittelbar bzw. adäquat kausal durch sein
eigenes Verhalten oder das Verhalten von Dritten, für die er verantwortlich ist, eine
Amtshandlung veranlasst. Die Kostenpflicht des Verhaltensverursachers knüpft an ein
Handeln oder Unterlassen an. Ein Verschulden des Verhaltensverursachers ist nicht
erforderlich (Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, S. 74).
b) Die Beschwerdeführer machen geltend, das Abklärungsverfahren sei nicht durch sie
initiiert worden und auch nicht durch sie verschuldet. Vielmehr hätten Dritte, ohne ihre
Kenntnis, eine Gefährdungsmeldung bei der KESB Linth eingereicht. Es würden keine
Beschuldigungen gegen sie vorliegen und die Verdächtigungen durch die KESB Linth
hätten sich nicht erhärtet, weshalb auf die Erhebung einer Gebühr in der Höhe von Fr.
500.– zu verzichten sei.
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Die Vorinstanz begründet die Kostenauferlegung im Wesentlichen damit, dass dies der
üblichen Praxis entsprechen würde und unabhängig sei von der Schuldfrage oder der
Tatsache, dass Dritte und nicht die Eltern die Gefährdungsmeldung verfasst hätten.
c) Vorliegend haben die Eltern das Kindesschutzverfahren weder selbst eingeleitet
noch durch das eigene Verhalten veranlasst. Obwohl der behandelnde Arzt am 5. Mai
2017 von einer Gewalteinwirkung gegen K. ausging, welche nicht von einem Kleinkind
stammen könne (vgl. Gefährdungsmeldung des Kantonsspitals Graubünden [act. 2.7]
sowie Telefonnotiz [act. 6.15]), und damit Anlass zu einer Abklärung durch die KESB
Linth gegeben war, konnte eine Verletzungshandlung niemandem zugeordnet werden.
Weder konnte durch die Abklärungen der KESB Linth eine Kindesmisshandlung durch
die Eltern nachgewiesen werden noch ergab sich eine anderweitige Gefährdung des
Kindeswohls. Wer die Verletzung von K. tatsächlich verursacht hat, muss im
vorliegenden Fall offenbleiben. Massgeblich ist hinsichtlich der Kostenauferlegung
lediglich, dass die Eltern das Abklärungsverfahren nicht durch ihr eigenes Verhalten
verursacht haben.
Im Übrigen haben die Eltern auch nicht ihre Mitwirkungspflichten verletzt, was unter
Umständen eine Kostenauferlegung nach Art. 95 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 448 ZGB
rechtfertigen würde. Wie von der KESB Linth angeordnet, liessen die Eltern K.
regelmässig beim Kinderarzt untersuchen und erklärten sich bereit, mit der KESB Linth
Gespräche zu führen.
Den Eltern kann kein Fehlverhalten vorgeworfen werden, weshalb eine
Kostenauferlegung für die Einstellung des Kinderschutzverfahrens ungerechtfertigt
erscheint. Auch wenn diese Kostenauferlegung der üblichen Praxis der KESB Linth
entsprechen sollte, ist eine generelle Kostenauferlegung zulasten der Eltern, ohne
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Prüfung des Einzelfalls, als unzulässig zu taxieren. Dementsprechend wird die
Beschwerde gutgeheissen und Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung aufgehoben.
4.- Nach Art. 11 lit. a EG-KES in Verbindung mit Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten
jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Es gilt der Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens und
Unterliegens. Angesichts des vollständigen Obsiegens der Beschwerdeführer sind die
amtlichen Kosten vollumfänglich der Vorinstanz zu auferlegen. Eine Entscheidgebühr
von Fr. 1'000.– erscheint angemessen (siehe Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung der Kosten ist zu verzichten
(Art. 95 Abs. 3 VRP).
Entscheid auf dem Zirkulationsweg (Art. 11 lit. a EG-KES in Verbindung mit Art. 58
Abs. 1 VRP, Art. 22 Abs. 3 VRP sowie Art. 8 lit. b des Reglements über den
Geschäftsgang der Verwaltungsrekurskommission, sGS 941.223):
1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und Ziffer 2 der vorinstanzlichen Verfügung
vom 31. Januar 2019 wird aufgehoben.
2. Die amtlichen Kosten von Fr. 1'000.– werden der Vorinstanz auferlegt; auf
die Erhebung der Kosten wird verzichtet.
bis
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Verwaltungsrekurskommission, 09.04.2019 Art. 94 Abs. 1 VRP (sGS 951.1). Verfahrensgebühr. Eine Verletzungshandlung an einem Kleinkind konnte niemandem zugeordnet werden. Eine Kostenauferlegung in der Einstellungsverfügung an die Eltern ist ungerechtfertigt, da die Eltern das Kindesschutzverfahren weder selbst eingeleitet noch durch das eigene Verhalten veranlasst haben (Verwaltungsrekurskommission, Abteilung V, 9. April 2019, V-2019/31).
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2021-09-19T03:38:21+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen