Decision ID: 2ed61310-2800-4ef2-b3c3-e34338965faf
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ bezog wegen einer Trisomie 21 und einer Zöliakie unter anderem eine
Entschädigung bei einer Hilflosigkeit mittleren Grades (vgl. IV-act. 229) und eine ganze
Rente bei einem Invaliditätsgrad von 93 Prozent (vgl. IV-act. 251). Am 4. September
2019 meldete er sich zum Bezug eines Assistenzbeitrages an (IV-act. 275). Er gab an
(vgl. IV-act. 279), er benötige täglich während drei bis vier Stunden Hilfeleistungen
seiner Eltern („inkl. Studienhilfe“). Er sei sehr langsam und er müsse immer wieder
angehalten werden, die nötigen Verrichtungen vorzunehmen und korrekt
durchzuführen. Am 24. Februar 2020 führte eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle eine
Abklärung am Wohnort (nicht in der Wohnung) des Versicherten im Beisein des
Versicherten und dessen Mutter durch. Sie hielt in einem Abklärungsbericht fest (IV-act.
284), sie habe sich das Wohnhaus der Eltern ansehen können. Im Parterre befinde sich
ein kleiner Laden, der aktuell geschlossen sei, im ersten Stock wohne der Versicherte
und im zweiten Stock wohne seine Mutter. Wenn die Mutter zuhause sei, nehme der
Versicherte die Mahlzeiten bei ihr ein. Er könne sich allerdings einfache Gerichte auch
selbst zubereiten. Die Trisomie 21 sei beim Versicherten nicht so stark ausgeprägt wie
bei anderen Betroffenen. Der Versicherte wisse grundsätzlich, was er wolle, benötige
aber immer wieder Hinweise, etwas zu erledigen. Im Vergleich zur letzten Abklärung vor
Ort, die vor zehn Jahren erfolgt sei, habe sich der Versicherte positiv entwickelt. Er
benötige vor allem eine lebenspraktische Begleitung in Form einer regelmässigen
Unterstützung durch seine Mutter. Er müsse immer wieder an diverse Tätigkeiten
erinnert werden. Zurzeit befinde er sich in einer Weiterbildung zum „Assistenten mit
pädagogischem Profil“. Die Klasse setze sich aus Menschen ohne Beeinträchtigungen
und zwei Menschen mit einem Handicap zusammen. Zusammenfassend liege mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit keine mittelgradige Hilflosigkeit mehr vor. Trotzdem
A.a.
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werde die laufende Hilflosenentschädigung vorerst nicht revidiert, obwohl bereits eine
an sich für das Jahr 2018 vorgesehene Revision von Amtes wegen vergessen
gegangen sei. Die nächste Revision sei erst in zwei Jahren vorzunehmen. Diese werde
wohl zu einer Herabsetzung der Hilflosenentschädigung auf eine Entschädigung bei
einer Hilflosigkeit leichten Grades führen, weil der Versicherte nur noch auf eine
regelmässige und erhebliche Dritthilfe bei der Fortbewegung sowie auf eine
lebenspraktische Begleitung angewiesen sei. Im standardisierten Fragebogen für die
Bemessung des Assistenzbedarfs („FAKT2“) hielt die Sachbearbeiterin fest (IV-act.
288), der gesamte Assistenzbedarf für die alltäglichen Lebensverrichtungen belaufe
sich auf eine Minute pro Tag, denn er beschränke sich auf das Schneiden der Finger-
und Zehennägel. Der Versicherte benötige Hilfe bei der Planung des Haushaltes (3 min/
d), bei den administrativen Aufgaben (4 min/d), bei der Zubereitung der Mahlzeiten (20
min/d), bei der Küchenreinigung (10 min/d), bei der Wohnungspflege (10 min/d), beim
Einkaufen (10 min/d), beim Waschen (2 min/d), bei der Ausübung von Freizeitaktivitäten
(1 min/d), auf Reisen (1 min/d) und bei der Bewältigung des Weges zu den
verschiedenen Praktikastellen (1 min/d). Einmal pro Jahr finde im UNO-Gebäude in
Genf der „Welt-Down-Syndrom-Tag“ statt, an dem sich der Versicherte beteilige. Da es
sich dabei nicht um einen Verein oder um ein gemeinnütziges Unternehmen handle,
könne ein allfälliger Hilfebedarf zum Vornherein nicht berücksichtigt werden. Im
Rahmen der Weiterbildung werde dem Versicherten von der Schule eine
Assistenzperson zur Verfügung gestellt, weshalb ein allfälliger Assistenzbedarf in
diesem Zusammenhang nicht bei der Bemessung des Assistenzbeitrages der
Invalidenversicherung zu berücksichtigen sei. Der gesamte Hilfebedarf belaufe sich auf
31,62 Stunden pro Monat. Der Gegenwert der Hilflosenentschädigung decke eine
Assistenz von 35,69 Stunden pro Monat und damit den ganzen effektiven Hilfebedarf
des Versicherten ab, weshalb dieser keinen Anspruch auf einen Assistenzbeitrag habe.
Mit einer Verfügung vom 2. Juni 2020 wies die IV-Stelle das Begehren um einen
Assistenzbeitrag ab (IV-act. 297).
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hob die Verfügung vom 2. Juni
2020 mit einem Entscheid vom 9. Dezember 2020 (IV 2020/149; vgl. IV-act. 317) auf
und wies die Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die IV-Stelle zurück. Zur
Begründung führte es an, der standardisierte Fragebogen „FAKT2“ erlaube es nicht,
A.b.
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den in Bezug auf den Versicherten mit Abstand am stärksten ins Gewicht fallenden
Assistenzbedarf zu erfassen, weil er die entsprechende Kategorie von Hilfeleistungen
gar nicht im Blick habe. Er sei offenkundig auf die Bedürfnisse von körperlich
beeinträchtigten Versicherten ausgerichtet, denn bei der Erfassung des Hilfebedarfs
eines Versicherten mittels des „FAKT2“ zielten die vorgesehenen Fragen mehrheitlich
darauf ab, den Zeitbedarf für Hilfestellungen bei konkreten Tätigkeiten im Alltag zu
ermitteln, die die versicherte Person nicht mehr selbständig ausführen könne, weil sie
dazu körperlich nicht mehr in der Lage sei. Sei eine versicherte Person – wie der
Versicherte – nicht körperlich, sondern geistig beeinträchtigt, falle kaum ein vom
„FAKT2“ erfasster Hilfebedarf an, weil diese Person ja die allermeisten Tätigkeiten
durchaus selbständig verrichten könne, denn die geistige Beeinträchtigung habe in der
Regel nicht eine Unfähigkeit zur Folge, die einzelnen Verrichtungen im Alltag
auszuführen, sondern sie erfordere eine ständige Begleitung und Anleitung im Alltag.
Der Versicherte könne zwar die einzelnen Alltagsverrichtungen ausführen, aber er
würde es nicht oder nur im minimalsten Umfang tun, wenn er nicht ständig dazu
angehalten würde. Zudem müsse er bei der Ausführung ständig – also nicht nur am
Ende, sondern bei jedem Teilschritt – kontrolliert werden. Der Gesamtaufwand für
solche Kontrollen sei zwar gering, aber die kontrollierende Assistenzperson müsse
immer wieder (kurz) anwesend sein, um diese durchzuführen. Augenscheinlich werde
sich keine Assistenzperson bereit erklären, den Versicherten zum Beispiel eine Minute
zur Wäsche anzuhalten, eine Stunde „Pause“ zu machen, dann während einer Minute
das Ergebnis zu kontrollieren und den Versicherten zum nächsten Schritt anzuhalten,
wieder eine Stunde „Pause“ zu machen etc., wenn sie anschliessend nur für wenige
Minuten entschädigt würde. Ein solcher Einsatz würde es einer Assistenzperson
nämlich verunmöglichen, die „Pausen“ für andere Erwerbstätigkeiten, für die
Besorgung des eigenen Haushaltes oder sonstwie nutzbringend zu nutzen, sodass die
Assistenzperson zwar einen halben Tag „blockiert“ wäre, aber nicht vier Stunden,
sondern nur vier Minuten entschädigt erhielte. Bezüglich dieser nicht berücksichtigten,
unvermeidbaren Präsenzzeiten erweise sich der Sachverhalt als ungenügend abgeklärt.
Die IV-Stelle werde entsprechende Abklärungen zu tätigen haben.
Am 28. April 2021 fand eine weitere Abklärung vor Ort statt (vgl. IV-act. 325). An
dieser nahmen eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle, der Versicherte, dessen Eltern, ein
A.c.
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Bekannter der Familie, die Neurologin Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen
ärztlichen Dienst (RAD) sowie der RAD-Chefarzt Dr. med. D._ teil. Der Versicherte
gab an, seine Mutter koche, bereite das Frühstück zu und bereite für die auswärtigen
Schultage auch das Mittagessen vor, das sich der Versicherte dann in der Mikrowelle
aufwärme. Abends esse der Versicherte allein; die Mutter bereite allerdings auch das
Abendessen zu. Zudem müsse die Mutter jeweils die Küche aufräumen. Der
Versicherte wasche samstags seine Wäsche selbständig. Bezüglich der Körper- und
Raumpflege benötige der Versicherte immer wieder verbale Hinweise. Zudem müsse
nachkontrolliert werden, ob er die Tätigkeiten auch tatsächlich durchgeführt habe.
Teilweise benötige er Anweisungen betreffend witterungsadäquate Kleidung. Beim
Lernen benötige der Versicherte die Unterstützung der Mutter. Auf neuen Wegstrecken
müsse er jeweils dreimal begleitet werden; danach finde er sich selbständig zurecht. Er
sei in der Lage, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Die administrativen Aufgaben
würden von der Mutter übernommen. Ganz allgemein benötige der Versicherte für alles
sehr viel Zeit, was gerade bei zeitgebundenen Terminen eine erhebliche
Beeinträchtigung darstelle. Aus medizinischer Sicht sei während des insgesamt knapp
drei Stunden dauernden Gesprächs bei allen in direkter Verbindung mit der Kognition
stehenden Tätigkeiten eine ausgeprägte kognitive und auch motorische
Verlangsamung aufgefallen. Der Versicherte sei zeitlich nur unscharf orientiert, was
termingebundene Aktivitäten erschwere. Die örtliche Orientierung sei nur an bekannten
Orten gegeben. In aussergewöhnlichen Situationen fehle es dem Versicherten an
planerischen Fähigkeiten zur Meisterung der Situation. Er benötige dann jeweils klare
Anweisungen, die er allerdings problemlos umsetzen könne. Aus medizinischer Sicht
sei ein Betreuungsaufwand insbesondere an Tagen mit viel (ausserhäuslichen)
termingebundenen Aktivitäten nachvollziehbar. Der Versicherte verfüge über die
Ressourcen, nicht nur Routineabläufe, sondern auch komplexere Zusammenhänge zu
verstehen und teilweise anspruchsvolle Aktivitäten zu erlernen. Das zeige sich in seiner
früheren schauspielerischen und tänzerischen Ausbildung und Tätigkeit sowie in der
aktuellen Ausbildung zum Hilfslehrer. Bei einer externen – nicht durch die Mutter
erbrachten – Unterstützung würde ein hoher zeitlicher Aufwand anfallen, um ein
selbständiges Wohnen zu ermöglichen. Mit der Zunahme von anspruchsvolleren
Aktivitäten und damit verbundenen Anforderungen, wie der Ausbildung zur
Hilfslehrkraft, werde noch sehr viel mehr Unterstützung erforderlich sein. Zudem werde
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es dem Versicherten dann an Kapazitäten für die Ausführung der häuslichen
Routinearbeiten fehlen, da seine Leistungsfähigkeit für die Bewältigung all dieser
Aktivitäten nicht ausreiche. Zur Optimierung sei das Einüben von möglichst als zeitlich
klar definierten Routineabläufen zu empfehlen. Die Mutter des Versicherten hielt in
einer schriftlichen Eingabe fest (IV-act. 324), ihr Sohn benötige Hilfe bei der Planung
und Überwachung der Tagesstruktur, beim Essen, bei der Kleiderwahl, bei der
Vorbereitung auf die Arbeit, bei administrativen Angelegenheiten, beim Kochen und
Haushalten sowie bei der Vorbereitung von ausserordentlichen Aufträgen. Zudem
müsse er bei Arztbesuchen begleitet werden. Jemand müsse ihm die Medikamente
bereitstellen und die Einnahme überwachen. Die Hygiene müsse überwacht werden.
Der Versicherte benötige Hilfe bei der Planung seiner Freizeitgestaltung und von Ferien.
Seine Mutter möchte ihre Rolle als „primary caregiver“ nicht weiter ausüben, sondern
gerne wieder „nur seine Mutter“ sein.
Die Sachbearbeiterin der IV-Stelle hatte in ihrem Bericht über die Abklärung in der
Wohnung des Versicherten festgehalten (IV-act. 326–7 ff.), der Versicherte wohne nun
in einer Vierzimmerwohnung in einem Zweifamilienhaus. Seine Mutter lebe in der
anderen Wohnung im oberen Stockwerk. Nach der letzten Abklärung hätten die
Tutoren an der Schule die Betreuung des Versicherten aus verschiedenen Gründen
eingestellt. Aufgrund der „Coronasituation“ habe der Versicherte seine Ausbildung von
zuhause aus fortsetzen müssen, was einen erhöhten Betreuungsaufwand von Seiten
der Mutter verursacht habe. Kurz vor dem Abschluss der Ausbildung (Juni 2021) sei im
Mai 2021 eine Pause von einem Monat eingelegt worden. In dieser Zeit habe der
Versicherte den ersten von sechs Workshops einer Clownschule (recte: Tanzschule)
besucht. Man wisse noch nicht genau, wie die Betreuung für die weiteren Workshops
zu organisieren sei. Der Versicherte habe angegeben, sein Ziel sei es, an zwei Tagen
pro Woche in einer Schule zu arbeiten. Dafür werde er aber auf eine Unterstützung und
Betreuung angewiesen sein. An einem normalen Tag stehe er um 5.30 Uhr auf. Er
benötige gelegentlich einen Hinweis bei der Kleiderwahl. Weil er grossen Hunger habe,
müsse seine Mutter ihm ein warmes Frühstück zubereiten. Anschliessend putze sich
der Versicherte selbständig die Zähne. Den Schulweg bewältige er ebenfalls
selbständig. Während des Schulbesuchs sei keine Assistenzperson anwesend. Nach
der Heimkehr wechsle der Versicherte die Kleidung und entspanne sich. Die Mutter
A.d.
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koche das Abendessen. Da der Versicherte abends gern allein sein wolle, nähmen sie
das Abendessen getrennt ein. Nach dem Essen müsse der Versicherte regelmässig
darauf hingewiesen werden, die Küche aufzuräumen. Anschliessend sehe er sich Filme
an. Um 20 Uhr ziehe er sich den Pyjama an, putze sich die Zähne und wasche sich das
Gesicht. Wenn er duschen sollte, müsse er darauf hingewiesen werden. Um 21 Uhr
gehe er ins Bett. In der Regel schlafe er durch. Für den Versicherten wäre es sicherlich
hilfreich, wenn ein Wochenplan erstellt würde. Die Mutter des Versicherten hielt in einer
Eingabe vom 6. Juni 2021 fest (IV-act. 326–1 ff.), die Defizite infolge der geistigen
Behinderung seien nach wie vor nicht ausreichend berücksichtigt worden. Sie selbst
lebe eigentlich nicht in der Wohnung über jener des Versicherten, müsste aber pro Weg
von ihrem Wohnort zu jenem des Versicherten etwa vier Stunden einrechnen, weshalb
sie zurzeit notgedrungen in der Zweitwohnung über der Wohnung des Versicherten
lebe. Sowohl für die Ausbildung als auch für die anvisierte Tätigkeit als Assistenzlehrer
benötige der Versicherte eine Betreuung. Auch zuhause benötige er nicht nur
gelegentlich, sondern täglich Hinweise, was er zu tun habe. Ein warmes Frühstück
werde ihm nicht zubereitet, weil er grossen Hunger habe, sondern weil er an einem
gestörten Metabolismus leide, der ihn zur Aufnahme einer grossen Kalorienmenge
zwinge, da er ansonsten noch stärker untergewichtig wäre. Er leide an verschiedenen
Autoimmunerkrankungen. Bei Unregelmässigkeiten im öffentlichen Verkehr finde er
nicht die nächstmögliche Verbindung. Das führe regelmässig zu erheblichen
Verspätungen. Ein Wochenplan sei schon lange erstellt worden; er hänge im Gang, in
der Nähe des Badezimmers. Er werde wöchentlich nachgeführt. Trotzdem benötige der
Versicherte immer wieder Hinweise. Bei Durchfall, Erbrechen oder anderen Unfällen
wisse sich der Versicherte nicht selbst zu helfen. So habe er verschmutzte Kleider
beispielsweise schon mehrmals im Kompost versteckt. Bei Problemen auf dem Weg zu
einem Termin könne sich der Versicherte ebenfalls nicht selber helfen. Er habe schon
mehrfach wichtige Termine verpasst. Auch werde er immer wieder ausgelacht oder
gehänselt. Auch schon hätten ihm Jugendliche das Betreten des Zuges verwehrt;
niemand habe sich für ihn eingesetzt. Solche Vorfälle seien sehr verstörend. Die Tage
müssten strukturiert werden. Jeder Praktikumstag müsse im Voraus geplant und
zusätzlich mit dem Versicherten besprochen werden. Ohne Aufforderungen würde er
auch seine Freizeit nicht sinnvoll verbringen. An sich erledige er gerne Hausarbeiten,
aber ihm fehle einfach die Zeit. Wenn er beispielsweise ein Hemd mit langen Ärmeln
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bügle, benötige er dafür 60 Minuten. Kochen könne er nicht. Er schaffe es nicht einmal,
einfachste Gerichte selbst zuzubereiten. In der Weiterbildung hätten sich leider keine
sozialen Kontakte ergeben. Bis heute habe noch nicht einmal ein Mitschüler eine
Freundschaftsanfrage über „Facebook“ gesendet. Der Versicherte könne nicht allein
gelassen werden. Seiner Mutter sei klar, dass sie eine „Mitwirkungspflicht“ habe. Der
Vater arbeite im Vollpensum mit unregelmässigen Arbeitszeiten und könne deshalb nur
einen Bruchteil der notwendigen Betreuung leisten. Die Mutter habe ihre Eltern 20
Jahre lang bis ins hohe Alter betreut. Jetzt sei sie sehr müde. Sie denke auch nicht,
dass sie die optimale Betreuungsperson für ihren 30 Jahre alten Sohn sei. Sie befinde
sich mittlerweile selbst im Rentenalter.
Eine Angestellte der Zürcher Hochschule der Künste gab am 2. September 2021
telefonisch an (IV-act. 333), sie kenne den Versicherte seit etwa dem Jahr 2010. Sie
hätten in den vergangenen zehn Jahren an verschiedenen Projekten zusammen
mitgewirkt. Allgemein habe der Versicherte sehr selbständig gewirkt. Er habe auf
Tourneen im eigenen Hotelzimmer übernachtet, das Frühstück allein eingenommen und
sich selbständig bereit gemacht. Seine Erscheinung sei stets sehr gepflegt gewesen.
Abends habe er die Gruppe jeweils auf eigene Initiative hin verlassen, wenn er müde
gewesen sei. Er habe den Weg zurück zum Hotel allein bewältigt. Während der
Tourneen habe niemand bei den Alltagsverrichtungen behilflich sein müssen. Der
Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte im Anschluss an das Telefonat (IV-act. 334), der
Vollständigkeit halber sei zu erwähnen, dass die Mutter in Lugano ebenfalls im Hotel
anwesend gewesen sei. Anhand eines „typischen Tagesablaufs“ ermittelte er eine
durchschnittliche Präsenzzeit von eineinhalb Stunden pro Tag plus eindreiviertel
Stunden pro Woche (IV-act. 340). Diese Präsenzzeit beinhaltete eine Kurzbesprechung
des Tagesablaufs mit Blick auf eine Erwerbstätigkeit (eine Viertelstunde), die
Zubereitung eines Mittagessens (eine halbe Stunde), die Zubereitung eines
Abendessens (eine halbe Stunde), eine Kurzbesprechung bezüglich des
Haushaltsbereichs (eine Viertelstunde), eine Besprechung und Mithilfe bei der
wöchentlichen Wohnungsreinigung (eine halbe Stunde), eine Begleitung beim
Grosseinkauf und anderen externen Erledigungen (eine Stunde pro Woche) sowie eine
Unterstützung bei administrativen Angelegenheiten (eine Viertelstunde pro Woche). Der
Sachbearbeiter hielt fest, insgesamt resultiere damit ein Präsenz- und
A.e.
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Unterstützungsbedarf von etwa 53 Stunden pro Monat für den Fall, dass der
Versicherte einer Erwerbstätigkeit nachgehe, und von etwa 45 Stunden pro Monat für
den Fall, dass der Versicherte nicht erwerbstätig sei. Allerdings sei darauf hinzuweisen,
dass das Bundesgericht nur den mittels des „FAKT2“ ermittelten Assistenzbedarf als
massgebend qualifiziere. Mit „kleinen Änderungen“ resultiere bei der Anwendung des
„FAKT2“ ein Assistenzbedarf von 45,62 Stunden pro Monat ohne die Berücksichtigung
einer möglichen Erwerbstätigkeit. Nach Abzug des Gegenwertes der
Hilflosenentschädigung verbleibe ein ungedeckter Assistenzbedarf von 9,93 Stunden
pro Monat. Die RAD-Ärztin Dr. C._ qualifizierte diese Ausführungen als aus
medizinischer Sicht überzeugend (IV-act. 340–5).
Mit einem Vorbescheid vom 22. September 2021 teilte die IV-Stelle dem Ver
sicherten mit (IV-act. 342), dass sie vorsehe, ihm frühestens ab September 2019
ergänzend zur Hilflosenentschädigung einen Assistenzbeitrag von monatlich
durchschnittlich 329.70 Franken respektive von maximal 3’956.40 Franken pro
Kalenderjahr an tatsächlich erbrachte Assistenzstunden auszurichten. Das entspreche
einem Assistenzbedarf von 45,62 Stunden pro Monat abzüglich des Gegenwertes der
Hilflosenentschädigung. Dagegen wandte der Versicherte am 20. Oktober 2021 ein (IV-
act. 345), die IV-Stelle sei auf einen wesentlichen Teil seiner Bemerkungen zu den
Abklärungsergebnissen gar nicht eingegangen. Zudem fehle eine Kostengutsprache für
die Assistenzberatung von maximal 1’500 Franken über 18 Monate. Gleichentags fand
eine mündliche Anhörung statt (vgl. IV-act. 356). Die Mutter des Versicherten stellte
sich auf den Standpunkt, ihr Sohn benötige etwa vier Stunden Assistenz pro Tag.
Besonders aufwendig seien die vielfältigen Einsätze, die er für verschiedene Projekte
leiste. Dafür müssten immer wieder neue Kontakte geknüpft werden. Eine
Festanstellung habe sich bislang leider noch nicht ergeben. Sie verstehe nicht, weshalb
für Aus- und Weiterbildung kein Assistenzbedarf berücksichtigt werde. Kürzlich sei sie
für zwei Tage im Spital gewesen. In dieser Zeit sei der Versicherte allein zuhause
gewesen. Eine Nachbarin habe aus der Ferne „rübergeschaut und gewunken“. Dem
Versicherten sei es in dieser Zeit langweilig gewesen. Er habe dem Hauswart das
Rasenmähen abgenommen, was ihm noch recht gut gefallen habe. Am 10. November
2021 nahm der Versicherte nochmals schriftlich Stellung zum Vorbescheid (IV-act.
361). Er hielt fest, den intellektuellen Defiziten sei nach wie vor nicht hinreichend
A.f.
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B.
Rechnung getragen. Der Aufwand im Zusammenhang mit der Ausübung von gemein
nützigen und ehrenamtlichen Tätigkeiten müsse berücksichtigt werden. Auch wenn
sich die Invalidenversicherung nicht an den Kosten der Weiterbildung beteilige, müsse
der damit im Zusammenhang stehende Aufwand berücksichtigt werden. Im August
2021 hätte der Versicherte eine Stelle als Assistenzlehrer antreten können. Da die IV-
Stelle aber noch immer nicht über den Assistenzbeitrag entschieden habe, obwohl
mehrfach auf die Dringlichkeit hingewiesen worden sei, habe dem Versicherten für die
anspruchsvolle Arbeit in einer Schule keine rechtzeitige und genügende Assistenz zur
Verfügung gestanden, weshalb die Anstellung gescheitert sei. Mit einer Mitteilung vom
18. November 2021 erteilte die IV-Stelle dem Versicherten eine Kostengutsprache für
die Beratung im Zusammenhang mit dem Aufbau und der Organisation der
notwendigen Assistenz (IV-act. 366). Mit einer Verfügung vom 19. November 2021
sprach sie dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1. September 2019 einen
Assistenzbeitrag für maximal 13,99 Stunden pro Monat zu (IV-act. 367).
Am 30. Dezember 2021 erhob der Versicherte (nachfolgend: der
Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 19. November 2021
(act. G 1). Er beantragte die Ergänzung der Verfügung mit so vielen Stunden, dass er
selbständig leben könne, die Zusprache eines genügenden Assistenzbeitrages, die
korrekte Berechnung des Assistenzbedarfs sowie die Betrauung eines Mitarbeiters, der
nicht denke, dass Behinderte aus Bequemlichkeit gewisse Dinge nicht könnten
respektive dass geistig Behinderte keine Assistenz erhalten sollten. Zur Begründung
führte er aus, erfahrungsgemäss benötige er etwa vier Stunden pro Tag Assistenz. Der
Sachbearbeiter der IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) sei der Ansicht,
dass alle Aufgaben, die der Beschwerdeführer übernommen habe, weil er noch nicht
als Assistenzlehrer arbeiten könne, in den Freizeitbereich gehörten und folglich keinen
relevanten Assistenzbedarf auslösten. Die Beschwerdegegnerin habe diverse
Aktenstücke unzureichend oder falsch gewürdigt. Offenbar habe sie das Ziel verfolgt,
möglichst wenig Assistenzbeiträge bezahlen zu müssen.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 11. März 2022 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, sie habe umfassende
B.b.
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Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
vom 19. November 2021 auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem
des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Das
Verwaltungsverfahren hat die Prüfung eines Begehrens um einen Assistenzbeitrag vom
4. September 2019 bezweckt. Folglich ist auch in diesem Beschwerdeverfahren
ausschliesslich (aber umfassend) zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im hier
massgebenden Zeitraum ab dem 1. September 2019 einen Anspruch auf einen
Assistenzbeitrag gehabt hat.
2.
Abklärungen getätigt und verschiedene Plausibilitätskontrollen durchgeführt. Das
Resultat ihrer Abklärungen sei stichhaltig und genüge sowohl den Vorgaben im
Rückweisungsentscheid des Versicherungsgerichtes vom 9. Dezember 2020 als auch
den Verwaltungsweisungen. Der Beschwerdeführer übe keine Erwerbstätigkeit aus. Da
er nicht regelmässig im Sinne des Kreisschreibens an Kursen, Symposien etc.
teilnehme, liege auch keine Ausübung einer gemeinnützigen oder ehrenamtlichen
Tätigkeit vor. Die aktuelle Weiterbildung diene wohl in erster Linie zur Beschäftigung
des Beschwerdeführers. Sie weise keinen ausreichenden Zusammenhang mit der
geplanten beruflichen Tätigkeit auf.
Der Beschwerdeführer hielt am 23. April 2022 an seinen Anträgen fest (act. G 7).
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).
B.c.
Laut dem Art. 42 Abs. 1 IVG haben volljährige, zu Hause lebende Versicherte,
denen eine Hilflosenentschädigung ausgerichtet wird, einen Anspruch auf einen
Assistenzbeitrag. Diese Voraussetzungen sind vorliegend offenkundig erfüllt. Die
Grundlage für die Berechnung des Assistenzbeitrages ist die für die Hilfeleistungen
benötigte Zeit, von der allerdings gemäss dem Art. 42 Abs. 1 IVG unter anderem
jene Zeit abgezogen wird, die dem Gegenwert der Hilflosenentschädigung entspricht.
Der Betrag der Hilflosenentschädigung hat sich auf 1’185 Franken pro Monat belaufen.
Der Stundenansatz für Assistenzleistungen hat im Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung 33.20 Franken betragen (Art. 39f Abs. 1 IVV). Die
2.1. quater
sexies
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Hilflosenentschädigung hat also einen Assistenzbedarf von 35,69 Stunden pro Monat
abgedeckt (= 1’185 Fr./m ÷ 33.20 Fr./h = 35,69 h/m).
Der gesamte Zeitaufwand, der für Assistenzleistungen benötigt wird, ist minuten
genau zu ermitteln. Die Beschwerdegegnerin hat (auf eine verbindliche Anordnung des
Versicherungsgerichtes hin; vgl. Art. 56 Abs. 2 VRP) eine Abklärung in der Wohnung
des Beschwerdeführers durchgeführt, an der auch zwei RAD-Ärzte teilgenommen
haben. Die Abklärung hat einen Augenschein der Wohnung, eine medizinische
Beurteilung und eine eingehende Befragung des Beschwerdeführers, seiner Mutter und
eines Bekannten umfasst, der offenbar über Erfahrung im Bereich der
Assistenzleistungen verfügt. Die Beschwerdegegnerin hat einen typischen Tagesablauf
ohne die Berücksichtigung des Assistenzbedarfs im Zusammenhang mit der vom
Beschwerdeführer angestrebten Tätigkeit als Assistenzlehrer erfasst, was richtig
gewesen ist, da der Beschwerdeführer im hier massgebenden Zeitraum nicht als
Assistenzlehrer tätig gewesen ist. Sollte er dereinst eine entsprechende Arbeitsstelle
antreten, wird er ein Revisionsgesuch im Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG einreichen
können. Für die Ermittlung des Assistenzbedarfs hat die Beschwerdegegnerin nicht nur
die – oft bloss wenige Minuten in Anspruch nehmenden – effektiven Hilfeleistungen
respektive Handreichungen, sondern auch die Präsenzzeiten der Assistenzperson
berücksichtigt, also jene Zeiten, in denen diese zwar keine direkte oder indirekte
Hilfeleistung erbringt, aber dennoch anwesend sein muss, um dem Beschwerdeführer
beispielsweise beim nächsten Teilschritt zur Hand gehen zu können. Die Beschreibung
des Tagesablaufs sowie die Bemessung des Zeitaufwandes für Assistenzleistungen
und Präsenzzeiten überzeugen. Die RAD-Ärztin Dr. C._ hat die Angaben unter
Berücksichtigung ihrer eigenen Feststellungen anlässlich der Abklärung in der
Wohnung des Beschwerdeführers als aus medizinischer Sicht überzeugend qualifiziert.
Die Mutter des Beschwerdeführers hat in der Folge zwar verschiedene Einwände
gegen die Ausführungen im Abklärungsbericht vorgebracht, aber diese haben sich
grösstenteils um ausserhäusliche Verrichtungen – Aus- und Weiterbildung,
Berufstätigkeit, Auftritte, Veranstaltungen etc. – gedreht. Darauf wird nachfolgend
eingegangen. Bezüglich des Assistenzbedarfs im eigenen Haushalt hat die Mutter des
Beschwerdeführers nichts vorgebracht, das Zweifel an den Ausführungen im
Abklärungsbericht wecken würde. Die erhebliche Verlangsamung des
Beschwerdeführers fällt für die Bemessung des Assistenzbeitrages nicht wesentlich ins
Gewicht, weil sie für sich allein keinen relevanten Assistenzbedarf verursacht, sondern
den Beschwerdeführer lediglich zwingt, sich auf die wesentlichsten Verrichtungen zu
beschränken. Die weitgehende Selbständigkeit des Beschwerdeführers hat sich unter
anderem an jenen zwei Tagen gezeigt, in denen seine Mutter im Spital gewesen ist,
2.2.
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denn er ist in der Lage gewesen, diese beiden Tage problemlos allein zu bewältigen.
Zusammenfassend ist der von der Beschwerdegegnerin für den Alltag des
Beschwerdeführers in der eigenen Wohnung ermittelte Assistenzbedarf als
überwiegend wahrscheinlich zutreffend zu qualifizieren.
Bleibt zu prüfen, wie hoch der relevante Assistenzbedarf für ausserhäusliche
Verrichtungen ist. Die Ausführungen der Mutter des Beschwerdeführers zeigen, dass
der Hauptanteil des Hilfebedarfs für die vielfältigen Engagements des
Beschwerdeführers ausser Haus – Aus- und Weiterbildung, Beruf, Teilnahme an
verschiedenen Veranstaltungen etc. – benötigt wird. Die Beschwerdegegnerin scheint
insgesamt die Auffassung vertreten zu haben, dass der Assistenzbeitrag zwar die
Pflege von sozialen Kontakten sowie ausserhäusliche Tätigkeiten ermöglichen solle,
aber nicht alle denkbaren Betätigungen abdecken könne, dass sich der
Beschwerdeführer also auf wenige Aktivitäten ausser Hause beschränken müsse. Sie
hat nämlich lediglich einen Assistenzbedarf von fünf Minuten pro Tag für die
gesellschaftliche Teilhabe und die Freizeitgestaltung ermittelt (vgl. IV-act. 335–12 f.).
Dieser Aufwand soll Aufforderungen zur sinnvollen Freizeitgestaltung, Aufforderungen,
Kontakt mit Dritten aufzunehmen, die Begleitung auf neuen Wegen respektive zu
unbekannten Orten und die Begleitung auf Ferienreisen abdecken. Dafür können
durchschnittlich fünf Minuten pro Tag augenscheinlich nicht ausreichen. Der
Beschwerdeführer benötigt beispielsweise nicht nur eine Wegbeschreibung, um
unbekannte Orte auffinden zu können, sondern er muss insgesamt dreimal den ganzen
Weg begleitet werden, bis er diesen verinnerlicht hat. Da der Beschwerdeführer im
Rahmen seiner vielfältigen Engagements regelmässig unbekannte Orte aufsucht,
benötigt er im Durchschnitt wesentlich mehr als eine Minute pro Tag Assistenz im
Zusammenhang mit der „Mobilität (draussen)“. Offenkundig wird es dem
Beschwerdeführer mit lediglich einer Minute Assistenz pro Tag für die Pflege von
gesellschaftlichen Kontakten auch nicht gelingen, einen ausreichenden sozialen
Anschluss zu finden. Selbst nach dem Abschluss seiner mehrjährigen Ausbildung zum
Assistenzlehrer hat er über keine Freunde in der Schulklasse verfügt, wie die Mutter
anschaulich dargelegt hat. Auf Ferienreisen muss er begleitet werden. Würde er nur
eine Woche Ferien pro Jahr an einem unbekannten Ort verbringen, fiele ein
Assistenzbedarf von 7 × 24 × 60 = 10’080 Minuten an, da die Assistenzperson ja
während der ganzen Zeit anwesend sein müsste, damit der Beschwerdeführer sich
orientieren könnte. Das entspräche einem durchschnittlichen Aufwand von 27,6
Minuten pro Tag (= 10’080 min/a ÷ 365 d/a). Nicht nachvollziehbar sind auch die
Ausführungen der Beschwerdegegnerin zum Assistenzbedarf für berufliche Tätigkeiten
auf dem regulären Arbeitsmarkt und gemeinnützige oder ehrenamtliche Tätigkeiten. Die
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Beschwerdegegnerin hat nämlich überhaupt keinen Assistenzbedarf berücksichtigt,
obwohl der Beschwerdeführer aktenkundig vielfältig engagiert gewesen ist. Zur
Begründung hat sie angeführt, die UNO (für die der Beschwerdeführer alljährlich einen
Vortrag hält, was allerdings nicht sein einziges Engagement ist) sei weder ein Verein
noch ein gemeinnütziges Unternehmen, weshalb keine Anrechnung erfolgen könne. Zu
den übrigen gemeinnützigen oder ehrenamtlichen Engagements hat sich die
Beschwerdegegnerin nicht geäussert. In Bezug auf die beruflichen Engagements hat
sie festgehalten, es liege kein Arbeitsvertrag vor. Auch zur Weiterbildung im Rahmen
eines CAS-Programms hat sie sich nicht geäussert. Die diesbezügliche Argumentation
der Beschwerdegegnerin muss als am Kern des Problems vorbeigehend qualifiziert
werden, denn offensichtlich kann es für den relevanten Assistenzbedarf einer
versicherten Person nicht relevant sein, ob sie sich für einen Verein, für ein
gemeinnütziges Unternehmen oder für eine andersartig konstituierte Organisation
erbringt. Es leuchtet auch nicht ein, weshalb der Assistenzbedarf bei einer
Festanstellung berücksichtigt würde, im Zusammenhang mit den kurzfristigen
Anstellungen, mit denen der Beschwerdeführer die Zeit bis zu einer anvisierten
Festanstellung zu überbrücken versucht, aber irrelevant sein sollte. Der Art. 39c IVV,
laut dem der Hilfebedarf bei der Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ersten
Arbeitsmarkt zu berücksichtigen ist (lit. g), sieht nämlich keine Beschränkung auf
längerdauernde Festanstellungen vor. Auch der Hilfebedarf bei gelegentlichen
Arbeitseinsätzen muss folglich berücksichtigt werden. Schwankungen des letztlich
effektiv notwendigen Assistenzbedarfs stellen dabei kein Problem dar, selbst wenn sich
der effektive Assistenzbedarf von Monat zu Monat verändern sollte, denn der
Assistenzbedarf ist – wie eine Kostengutsprache für Kinderspitexleistungen – als ein
„Kostendach“ ausgestaltet, das heisst in der entsprechenden Verfügung wird das
Maximum jener Leistungen definiert, die von der Invalidenversicherung übernommen
werden. Schöpft die versicherte Person das „Kostendach“ nicht voll aus, wird nur der
effektiv benötigte Assistenzbeitrag ausbezahlt. In der leistungszusprechenden
Verfügung kann folglich problemlos ein zu erwartender durchschnittlicher
Assistenzbeitrag für regelmässige Arbeitseinsätze einkalkuliert werden. Da zudem die
Möglichkeit besteht, in einem einzelnen Monat Rechnungen im Gesamtbetrag bis zu
150 Prozent des „Kostendachs“ vergütet zu erhalten (Art. 39i Abs. 3 IVV), dürften nur in
ganz besonderen Ausnahmefällen allmonatliche Revisionen des Assistenzbeitrag-
„Kostendachs“ notwendig sein. Weder das IVG noch die IVV enthalten übrigens eine
vom Art. 17 Abs. 2 ATSG abweichende Regelung, weshalb nicht einzusehen ist,
weshalb es nicht möglich sein sollte, eine Assistenzbeitragsverfügung nötigenfalls von
Monat zu Monat zu revidieren. Die Frage, wie hoch der gesamte Assistenzbedarf des
Beschwerdeführers für ausserhäusliche Aktivitäten durchschnittlich pro Tag ist, lässt
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3.
Die Rückweisung einer Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung gilt hinsichtlich der
Kosten- und Entschädigungsfolgen als ein vollständiges Obsiegen der beschwerde
führenden Partei. Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600
Franken festzusetzenden Gerichtskosten sind folglich der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss von
600 Franken zurückerstattet. Der nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.