Decision ID: 0efa9b5d-3ecb-5256-ab23-53af359e79a4
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X wohnt in Z und geht einer unselbständigen Erwerbstätigkeit nach. Sie lebt seit
2006 von ihrem Ehemann getrennt. Seit dem 13. Oktober 2014 ist sie von ihm
geschieden. Die beiden Töchter A und B verblieben nach der Trennung der Ehegatten
in der Obhut von X. Der Vater, Y, leistete Unterhaltszahlungen sowohl für X als auch für
die beiden Töchter.
B.- In den Steuererklärungen für 2012 und 2013 deklarierte X Unterhaltsbeiträge ihres
Ehemannes von Fr. 33‘100.– bzw. Fr. 33‘000.–. Die Veranlagungsbehörde erhöhte
aufgrund von Zahlungsbelegen des Ehemannes die Unterhaltsbeiträge für 2012 auf Fr.
49‘519.– und für 2013 auf Fr. 43‘970.–. Im Weiteren machte X jeweils Kinderabzüge
von je Fr. 10‘200.–, insgesamt Fr. 20‘400.– für die beiden Töchter geltend. Die
Veranlagungsbehörde liess sowohl für 2012 als auch für 2013 den Kinderabzug für A
nicht zu mit der Begründung, der Kinderabzug stehe nur jenem Elternteil zu, der zur
Hauptsache für den Unterhalt des Kindes aufkomme, was vorliegend auf den Vater
zutreffe. Im Jahr 2012 liess sie den Kinderabzug für B zu; nicht jedoch für 2013, da sich
B am Stichtag nicht mehr in Ausbildung befunden habe. X wurde für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2012 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 79‘700.–, ohne
steuerbares Vermögen, und für die direkte Bundessteuer 2012 mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 84‘400.– sowie für die Kantons- und Gemeindesteuern 2013 mit
einem steuerbaren Einkommen von Fr. 75‘800.–, ohne steuerbares Vermögen, und für
die direkte Bundessteuer 2013 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 76‘900.–
veranlagt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gegen diese Verfügungen erhob X mit Eingaben ihrer Vertreterin vom 24. Februar 2015
Einsprache und machte geltend, die Unterhaltsbeiträge seien um den Wohnungsanteil
(1/2 der Mietkosten) zulasten der volljährigen Kinder herabzusetzen. Für 2013 sei ihr
zudem der Tarif für Verheiratete zu gewähren, da die Tochter A (volljährig und in
Ausbildung) den Wohnsitz bei ihr habe. Das kantonale Steueramt wies die Einsprachen
mit Entscheiden vom 26. und 27. Februar 2015 ab.
C.- Mit Eingaben vom 24. März 2015 erhob X durch ihre Vertreterin gegen die
Einspracheentscheide vom 27. Februar 2015 Rekurs und Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, die Kinderabzüge für A und B seien
ihr zu gewähren, die Abzüge für die Versicherungsprämien seien analog anzupassen
und für 2013 sei ihr der Tarif für Verheiratete zu gewähren. Am 25. April 2015 reichte sie
den Entscheid des Kreisgerichts C vom 15. August 2006 betreffend
Eheschutzmassnahmen sowie den Entscheid des Kreisgerichts D vom 13. Oktober
2014 betreffend Ehescheidung nach. Mit Vernehmlassung vom 18. Mai 2015
beantragte die Vorinstanz die Abweisung des Rekurses und der Beschwerde. Die
Eidgenössische Steuerverwaltung verzichtete stillschweigend auf eine Vernehmlassung
zur Beschwerde. X erhielt Gelegenheit, sich zur vorinstanzlichen Vernehmlassung zu
äussern. Dies tat sie mit Schreiben ihrer Vertreterin vom 25. Juni 2015.
Auf die Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Angefochten sind die Einspracheentscheide hinsichtlich der Veranlagungen der
Kantons- und Gemeindesteuer 2012 und 2013 sowie der direkten Bundessteuer 2012
und 2013. Zwar müssen für Rekurs und Beschwerde verschiedene Entscheide
ergehen; sie können indessen in einem einzigen Dokument mit Verweisungen und
einem gemeinsamen Dispositiv, das die beiden Steuern allerdings ausdrücklich
auseinanderhält, enthalten sein (vgl. BGE 130 II 509 = Pra 2005 Nr. 114 E. 8.3, BGE
135 II 260 = Pra 2010 Nr. 37 E. 1.3.1).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.- Die Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis
zur Rekurs- und Beschwerdeerhebung ist gegeben. Der Rekurs und die Beschwerde
vom 24. März 2015 sind rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllen in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG, bzw. Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes
über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und
Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
Auf den Rekurs und die Beschwerde ist einzutreten.
Die Einsprachen wurden vom Steuerkommissär behandelt, welcher das
Veranlagungsverfahren durchführte. Dies entspricht ständiger Praxis und ist korrekt,
denn das Einspracheverfahren ist im Wesentlichen eine Fortsetzung des
Veranlagungsverfahrens, und es entspricht dem Wesen der Einsprache, dass sich
dasselbe Organ mit ihr befasst, das die angefochtene Veranlagung erlassen hat
(Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, S. 404).
3.- Für 2012 wurde der Rekurrentin und Beschwerdeführerin der Kinderabzug für B
gewährt. Umstritten ist, ob die Rekurrentin und Beschwerdeführerin Anspruch auf den
Kinderabzug für A in den Jahren 2012 und 2013 und für B im Jahr 2013 hat.
4.- Betreffend A liess die Vorinstanz den Kinderabzug für 2012 und für 2013 nicht zu
mit der Begründung, dass der Kinderabzug nur jenem Elternteil zustehe, der zur
Hauptsache für den Unterhalt aufkomme. Dies treffe auf den Vater zu, weshalb dieser
den Kinderabzug für A beanspruchen könne.
a) aa) Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 StG bestimmt, dass der Steuerpflichtige, der für den
Unterhalt des Kindes zur Hauptsache aufkommt und keinen Abzug nach Art. 45 Abs. 1
lit. c StG beansprucht, Fr. 10'200.– für jedes unter seiner elterlichen Sorge oder Obhut
stehende oder volljährige, in der schulischen oder beruflichen Ausbildung stehende
Kind abziehen kann. Zur Hauptsache bedeutet, dass derjenige Elternteil, der
grundsätzlich mehr als die Hälfte der Unterhaltskosten des Kindes übernimmt, den
Abzug beanspruchen kann. Zur Hauptsache kommt aber zum Beispiel auch derjenige
Elternteil auf, der nur 40 % an den Unterhalt des Kindes zahlt, wenn die restlichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
60 % je zur Hälfte vom eigenen Erwerbseinkommen des Kindes und von Leistungen
des anderen Elternteils bestritten werden. Entsprechend dem im Steuerrecht
gefestigten Grundsatz, dass den Steuerpflichtigen die Beweislast für Tatsachen trifft,
welche die Steuerschuld mindern, hat die Pflichtige nachzuweisen, inwieweit sie den
Unterhalt des Kindes getragen hat (vgl. GVP 2001 Nr. 31). Soweit die tatsächlichen
Auslagen nicht bekannt oder belegt sind, ist es zur Bestimmung des Unterhaltsbedarfs
zulässig, auf Schätzungen und Pauschalen zurückzugreifen und von diesen
abzuweichen, soweit besondere Verhältnisse vorliegen (vgl. VerwGE B 2007/14 vom
9. Mai 2007, in: SGE 2007 Nr. 9 und www.gerichte.sg.ch).
A war im Jahr 2012 und 2013 bereits volljährig. Grundsätzlich dauert die
Unterhaltspflicht der Eltern bis zur Volljährigkeit des Kindes (Art. 277 Abs. 1 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, abgekürzt: ZGB). Hat dieses dann jedoch
noch keine angemessene Ausbildung, so haben die Eltern, soweit es ihnen nach den
gesamten Umständen zugemutet werden darf, für seinen Unterhalt aufzukommen, bis
eine entsprechende Ausbildung ordentlicherweise abgeschlossen werden kann
(Art. 277 Abs. 2 ZGB). Unterhaltsbeiträge an volljährige Kinder können vom leistenden
Elternteil nicht in Abzug gebracht werden (Art. 45 Abs. 1 lit. c StG e contrario). Leisten
somit beide Elternteile Unterhaltsbeiträge an ein volljähriges Kind, kommen
entsprechend beide für den Kinderabzug in Betracht.
bb) Die Rekurrentin macht in der Rekurs- und Beschwerdeeingabe vom 24. März 2015
im Wesentlichen geltend, dass der Unterhaltsbeitrag des Vaters nicht der
Hauptunterstützung entsprochen habe, sondern sie für den grösseren Teil des
Unterhalts aufgekommen sei. Bei den vom Vater geltend gemachten
Unterhaltsbeiträgen an die Töchter sei der jeweilige Anteil der Ausbildungszulage
eingerechnet. Ihr Unterhaltsbeitrag an die Töchter für Wohnungsmiete, Nebenkosten,
Essen, Reinigung, Waschen etc. betrage je Fr. 14‘400.– jährlich. Der Vater habe für A
im Jahr 2012 als auch 2013 Fr. 8‘400.– (ohne die Ausbildungszulagen) bezahlt.
Deswegen habe sie Anspruch auf den Kinderabzug.
cc) Unbestritten ist, dass sich A sowohl am 31. Dezember 2012 als auch am 31.
Dezember 2013 in Ausbildung befand. Sie wohnte bei der Mutter und verfügte über nur
geringe eigene Einkünfte. Zudem ist offensichtlich, dass dem Vater kein Abzug für
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Unterhaltsbeiträge zukommt, da A in den Steuerperioden 2012 und 2013 gemäss Art.
14 ZGB bereits mündig und damit volljährig war. Entsprechend ist zu prüfen, welcher
Elternteil zur Hauptsache für den Unterhalt von A aufgekommen ist und den
Kinderabzug geltend machen kann. In diesem Zusammenhang ist zunächst der
Unterhaltsbedarf von A zu bestimmen. Alsdann ist zu prüfen, ob aufgrund eines
allfälligen Einkommens des Kindes eine Eigenleistung zu berücksichtigen ist. Damit
kann die notwendige Elternleistung ermittelt werden.
Bei der Bedarfsrechnung ist auf die Empfehlungen zur Bemessung von
Unterhaltsbeiträgen für Kinder der Bildungsdirektion des Kantons Zürich (sog. Zürcher
Tabelle) abzustellen, was der Praxis der Verwaltungsrekurskommission entspricht (vgl.
GVP 2001 Nr. 31). Davon ging auch die Vorinstanz aus. Vorliegend wird auf die Ansätze
per 1. Januar 2012 bzw. per 1. Januar 2013 abgestellt. Es kommen die Ansätze für
einen Haushalt mit zwei Kindern zur Anwendung. Demzufolge betragen die Auslagen
für Verpflegung Fr. 355.–, für Bekleidung Fr. 120.–, für Unterkunft Fr. 315.– (2012) bzw.
Fr. 310.– (2013) und für weitere Kosten (Verkehrsausgaben, Körper- und
Gesundheitspflege, Anteil Energiekosten, Anteil Telefon/Radio/Fernsehen,
Versicherungen, Arztselbstbehalt und Zahnarztkosten, Anteil Wasch-/Putzmittel,
kleinere Haushaltanschaffungen, Sport, Bildung [ohne Mittel- oder Hochschule], Kultur,
Erholung, Ferien, Taschengeld) Fr. 815.– (2012) bzw. Fr. 810.– (2013). Da mit Erreichen
der Mündigkeit die elterliche Sorge über das Kind erlischt, fallen die Unterhaltsbeiträge
für Pflege und Erziehung weg (vgl. Bosshard/Bosshard/Lüdin, Sozialabzüge und
Steuertarife im schweizerischen Steuerrecht, Zürich 2000, S. 165). Damit ergibt sich für
A ein durchschnittlicher jährlicher Unterhaltsbedarf von Fr. 19‘260.– für 2012 und von
Fr. 19‘140.– für 2013. Die Vorinstanz veranschlagte weiter einen Betrag von Fr. 3‘200.–
für Mehrkosten für auswärtige Verpflegung, was dem jährlichen Maximalbetrag
entspricht und somit nicht zu beanstanden ist. Überdies berücksichtigte sie Kosten für
Lehrmittel von Fr. 400.– sowie eine Pauschale für übrige notwendige Berufskosten (Fr.
700.– zuzüglich 10 Prozent der Nettoeinkünfte) von Fr. 1‘680.– für 2012 und Fr. 1‘958.–
für 2013, was als gerechtfertigt erscheint. Dies ergibt einen gesamten Unterhaltsbedarf
von A von Fr. 24‘540.– für 2012 bzw. Fr. 24‘698.– für 2013. Die Rekurrentin errechnete
dahingegen einen Unterhaltsbedarf von A von jährlich Fr. 25‘800.–. Sie ging damit von
einem leicht höheren jährlichen Bedarf aus. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass
sie mit Fr. 651.– monatlich fürs Wohnen mehr als doppelt so viel veranschlagte wie die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Empfehlung gemäss der Zürcher Tabelle, die von Fr. 315.– ausgeht. Demgegenüber ist
die Berechnung der Vorinstanz hinsichtlich der Berufskosten eher als grosszügig zu
betrachten, da in den Fr. 870.– für weitere Kosten teilweise bereits Bildungskosten
enthalten sind. Insgesamt erscheint deshalb ein jährlicher Bedarf von Fr. 24‘540.– für
2012 bzw. Fr. 24‘698.– für 2013 als angemessen. Von diesem ist im Weiteren
auszugehen.
Bis zu Erwerbseinkünften von Fr. 15‘000.– pro Jahr wird davon ausgegangen, dass das
Kind daraus nicht zur Hauptsache selbst seinen Unterhalt bestreiten kann (vgl. Zigerlig/
Oertli/Hofmann, a.a.O., S. 170 f.). Einem Kind, das eigene Einkünfte erzielt, steht
zudem in jedem Fall ein Betrag von Fr. 6‘000.– pro Jahr zur freien Verfügung. Nur der
überschiessende Teil wird als Unterhaltsbeitrag des Kindes angerechnet (StB 48 Nr. 1
Ziff. 2.2). A erzielte in den Jahren 2012 und 2013 ein Erwerbseinkommen von
Fr. 9‘800.– bzw. von Fr. 12‘574.–, weshalb es ihr grundsätzlich möglich war, einen Teil
ihres Unterhalts selbst zu bestreiten. Nach Abzug des Betrags von Fr. 6‘000.– zur freien
Verfügung ist ihre Eigenleistung auf Fr. 3‘800.– für 2012 und auf Fr. 6‘574.– für 2013
festzusetzen. Diese Beträge sind vom jeweiligen jährlichen Unterhaltsbedarf
abzuziehen, was Fr. 20‘740.– für 2012 und Fr. 18‘124.– für 2013 ergibt. Dies entspricht
der notwendigen Elternleistung. Zu prüfen ist, welcher Elternteil zur Hauptsache dafür
aufgekommen ist.
Unbestritten sind die monatlichen Zahlungen des Vaters von insgesamt Fr. 950.–
(davon Fr. 250.– Ausbildungszulagen) an A. Die Familienzulagen können bei der
Ermittlung, wer zur Hauptsache für den Unterhalt eines Kindes aufgekommen ist, nicht
ausser Acht gelassen werden. Vorliegend bezog der Vater in den Jahren 2012 und
2013 Ausbildungszulagen von monatlich Fr. 250.– für A. Die Rekurrentin hätte in diesen
Jahren ebenfalls die Ausbildungszulagen für A beziehen können (vgl. Art. 7 des
Bundesgesetzes über die Familienzulagen, SR 836.2). Da sie dies indes nicht tat, ist
davon auszugehen, dass sie zugunsten des Vaters von A auf den Bezug verzichtete.
Familienzulagen gehören zum steuerbaren Einkommen gemäss Art. 30 StG bzw.
Art. 17 Abs. 1 DBG. Die bezogenen Ausbildungszulagen mussten entsprechend vom
Vater versteuert werden. Unter diesen Umständen ist es gerechtfertigt, die
Ausbildungszulagen von monatlich Fr. 250.– dem Vater von A anzurechnen. Dieser
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
leistete damit monatlich mindestens Fr. 950.– an den Unterhalt von A, was einer
jährlichen Unterhaltsleistung von Fr. 11‘400.– entspricht.
dd) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Aufwendungen für A unter
Berücksichtigung ihrer Eigenleistungen im Jahr 2012 Fr. 20‘740.– und 2013 Fr.
18‘124.– betrugen. Der Vater von A kam daher mit Fr. 11‘400.– sowohl im Jahr 2012 als
auch im Jahr 2013 überwiegend für deren Unterhalt auf. Die Vorinstanz gewährte der
Rekurrentin damit den Kinderabzug für A für die Kantons- und Gemeindesteuer 2012
und 2013 zu Recht nicht. Der Rekurs ist in diesem Punkt abzuweisen (zur Praxis der
Verwaltungsrekurskommission vgl. auch VRKE I/1-2012/200 vom 23. April 2013, in:
www.gerichte.sg.ch).
b) Die Voraussetzungen für Abzüge, welche Kinder betreffen, sind bei der direkten
Bundessteuer nicht identisch mit jenen bei den Kantons- und Gemeindesteuern. Nach
Art. 213 Abs. 1 lit. a DBG in der für die Jahre 2012 und 2013 gültigen Fassung können
für jedes minderjährige oder in der beruflichen oder schulischen Ausbildung stehende
Kind, für dessen Unterhalt die steuerpflichtige Person sorgt, Fr. 6'500.– abgezogen
werden. Der Elternteil, der die Unterhaltszahlungen leistet, kann den Kinderabzug
geltend machen. Leisten beide Elternteile Unterhaltszahlungen, kann der Elternteil mit
den höheren finanziellen Leistungen, das heisst in der Regel derjenige mit dem höheren
Einkommen, den Kinderabzug geltend machen. Der andere Elternteil kann den
Unterstützungsabzug geltend machen, sofern seine Leistungen mindestens in der
Höhe des Abzuges erfolgen (vgl. Kreisschreiben der EStV Nr. 30 vom 21. Dezember
2010, Ziffer 14.10.2; vgl. auch StB 48 Nr. 2 S. 7 f.). Wohnt das Kind beim einen
Elternteil und leistet der andere Elternteil dem Kind Unterhaltsbeiträge, so sind die
Leistungen desjenigen Elternteils, bei dem das Kind wohnt, ziffernmässig zu
bestimmen, um festzustellen, wer die höheren finanziellen Leistungen erbringt.
aa) Für den Kinderabzug kann im Übrigen auf die vorstehende Begründung zur
Kantons- und Gemeindesteuer verwiesen werden (vgl. E. 4.a). Da der Vater das höhere
Einkommen erzielte bzw. die höheren Unterhaltsleistungen erbrachte, gewährte folglich
die Vor-instanz den Kinderabzug für A bei der direkten Bundessteuer 2012 und 2013 zu
Recht nicht der Beschwerdeführerin.
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bb) Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin allenfalls einen Unterstützungsabzug
nach Art. 213 Abs. 1 lit. b DBG geltend machen kann. Dieser ist für jede
erwerbsunfähige oder beschränkt erwerbsfähige Person zu gewähren, zu deren
Unterhalt die steuerpflichtige Person mindestens in der Höhe des Abzugs von Fr.
6‘500.– beiträgt; der Abzug kann nicht beansprucht werden für den Ehegatten und für
Kinder, für die ein Abzug nach lit. a gewährt wird. Erreicht die tatsächliche
Unterstützung den Unterstützungsabzug nicht, entfällt der Abzug vollständig; er wird
nicht im Ausmass der (niedrigeren) Unterstützung gewährt. Als Unterstützung gelten
unentgeltliche Leistungen an bedürftige Personen zur Bestreitung ihres
Lebensunterhalts. Die Zuwendung hat grundsätzlich bar zu erfolgen; es gelten aber
auch die durch unentgeltliche Gewährung von Kost und Logis verursachten Kosten als
Unterstützungsleistung, sofern sie nicht im Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis
stehen. Die unterstützte Person muss unterstützungsbedürftig sein. Eine
Unterstützungsbedürftigkeit ist immer dann gegeben, wenn die unterstützte Person aus
objektiven Gründen, unabhängig von ihrem Willen längerfristig nicht in der Lage ist,
ganz oder teilweise für ihren Lebensunterhalt aufzukommen und deshalb auf Hilfe von
Drittpersonen angewiesen ist. Verzichtet die unterstützte Person dagegen freiwillig und
ohne zwingenden Grund auf die Erzielung eines (genügenden) Einkommens, liegt keine
Unterstützungsbedürftigkeit vor (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum
DBG, 2. Aufl. 2009, N 50 ff. zu Art. 213 DBG).
A befand sich in den Jahren 2012 und 2013 in Ausbildung und erzielte nur ein geringes
Einkommen. Sie konnte nur teilweise selber für ihren Lebensunterhalt aufkommen und
war entsprechend auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen. Die notwendige Elternleistung
für A wurde für das Jahr 2012 auf Fr. 20‘740.– und für das Jahr 2013 auf Fr. 18‘124.–
festgesetzt. Die Leistung des Vaters betrug in beiden Jahren je Fr. 11‘400.– (vgl. E.
4.a.dd). Damit entspricht die Leistung der Beschwerdeführerin sowohl im Jahr 2012 als
auch im Jahr 2013 mindestens der Höhe des Abzugs von Fr. 6‘500.–, weshalb ihr der
Unterstützungsabzug nach Art. 213 Abs. 1 lit. b DBG bei der direkten Bundessteuer
2012 und 2013 zu gewähren ist. Dies kommt einer Gutheissung der Beschwerde in
diesem Punkt gleich.
5.- Den Kinderabzug bezüglich B für das Jahr 2013 liess die Vorinstanz mit der
Begründung, dass B am 31. Dezember 2013 nicht mehr in Ausbildung gewesen sei,
nicht zu.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
a) aa) Die Sozialabzüge werden nach den Verhältnissen am Ende der Steuerperiode
oder der Steuerpflicht festgesetzt (Art. 48 Abs. 2 StG; Art. 213 Abs. 2 DBG). Als
berufliche Ausbildung gelten alle Ausbildungslehrgänge, welche zur Erlernung eines
Berufs dienen, wie Berufsschule, Berufslehre, Anlehre, Berufsmittelschule,
Fachhochschule, Universität usw. (Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., S. 171).
Steuersystematisch ist zwischen den allgemeinen Abzügen und den Sozialabzügen zu
unterscheiden (Blumenstein/Locher, System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl.
2002, S. 241 ff.). Mit den Sozialabzügen trägt das Steuergesetz, ähnlich wie mit den
allgemeinen Abzügen, den besonderen wirtschaftlichen Belastungen der
Steuerpflichtigen schematisch Rechnung. Anders als die allgemeinen Abzüge lassen
die Sozialabzüge jedoch nicht den Abzug angefallener Aufwendungen zu; vielmehr
kann bei Vorliegen einer bestimmten persönlichen Situation ein gesetzlich festgelegter
Betrag ihres Einkommens steuerfrei gelassen werden (Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O.,
S. 169). Die Sozialabzüge bewirken eine zusätzliche Abstufung der Steuerbelastung
und stellen damit ein Element der Tarifgestaltung bzw. Tarifvariationen oder
Tarifverfeinerungen dar, wirken als solche grobschlächtig und tragen den konkret
verausgabten Mitteln bloss typisiert Rechnung (M. Reich, in: Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. Aufl. 2002, N 67 zu Art. 9 StHG). Gerade im
Bereich der Sozialabzüge kann nicht von einer starken Schematisierung abgesehen
werden (P. Locher, Praktikabilität im Steuerrecht [unter besonderer Berücksichtigung
des materiellen Rechts der direkten Steuern], in: FS Höhn, Bern/Stuttgart/Wien 1995,
S. 189 ff., insbesondere S. 209 ff.).
Der Kinderabzug stellt einen Sozialabzug dar und untersteht, da er beim Vorliegen
bestimmter Verhältnisse gewährt wird, dem Stichtagsprinzip (vgl. Art. 48 Abs. 2 StG;
Art. 213 Abs. 2 DBG). Der Wegfall dieser Voraussetzungen während der Steuerperiode
hat zur Folge, dass der Abzug nicht gewährt wird. Das Stichtagsprinzip ist eine
typische Massnahme einer gesetzlichen Vereinfachung im Rahmen des Steuervollzugs,
indem Veränderungen der persönlichen Verhältnisse nicht laufend, sondern nur einmal
– namentlich am Ende der Steuerperiode – berücksichtigt werden. Bei dieser
Gesamtbetrachtung wird eine steuerliche Bevorzugung oder Benachteiligung eines
Steuerpflichtigen im Einzelfall in Kauf genommen. Eine daraus resultierende, nicht nach
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erfolgte Besteuerung ist hinzunehmen, wenn
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
diese Regelung nicht in genereller Weise zu Ungerechtigkeiten führt. Das
Stichtagsprinzip führt durch seine schematische Erfassung der persönlichen
Verhältnisse zu einem bestimmten Zeitpunkt gerade nicht zu einer generellen
Benachteiligung, da sich diese zum Vorteil des Steuerpflichtigen auswirken kann, wenn
sich die Veränderungen in seinen persönlichen Verhältnissen erst gegen Ende, bis am
massgeblichen Stichtag ergaben, aber auch zu dessen Nachteil, wenn die
Voraussetzungen des Sozialabzugs lange bestanden, aber kurz vor dem Stichtag
entfallen (vgl. dazu VRKE I/1-2004/173 vom 25. Mai 2005, I/1-2012/87 vom 25.
September 2012 und I/1-2013/33 vom 27. August 2013, in: www.gerichte.sg.ch).
bb) Gemäss Rekurs und Beschwerde befand sich B bis Mitte 2013 in Ausbildung.
Danach war sie gemäss Stellungnahme der Rekurrentin und Beschwerdeführerin vom
25. Juni 2015 in der Zeit vom Sommer 2013 bis im Sommer 2014 arbeitslos. Nach dem
Stichtagsprinzip befand sich B demnach am 31. Dezember 2013 nicht mehr in der
schulischen oder beruflichen Ausbildung. Die Vorinstanz liess deshalb den
Kinderabzug für B zu Recht sowohl bei der Kantons- und Gemeindesteuer 2013 als
auch bei der direkten Bundessteuer 2013 nicht zu.
b) Im Recht der direkten Bundessteuer ist jedoch, wie bereits erwähnt, neben dem
Kinderabzug noch ein Unterstützungsabzug vorgesehen (vgl. E. 4.b). Zu prüfen ist
deshalb, ob die Beschwerdeführerin bei der direkten Bundessteuer 2013 allenfalls auch
für B einen Unterstützungsabzug nach Art. 213 Abs. 1 lit. b DBG in der Höhe von
Fr. 6‘500.– geltend machen kann. Bezüglich Voraussetzungen des
Unterstützungsabzugs kann auf die Ausführungen unter Erwägung 4.b.bb verwiesen
werden. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie für B zusätzlich
aufgekommen sei, während diese arbeitslos gewesen sei. Zu prüfen ist, ob B
unterstützungsbedürftig war und ob die Unterstützungsleistung der
Beschwerdeführerin mindestens der Höhe des Unterstützungsabzugs von Fr. 6‘500.–
entsprach. Dafür ist zuerst der Unterhaltsbedarf von B anhand der Ansätze der Züricher
Tabelle abzüglich allfälliger Eigenleistungen zu bestimmen (vgl. E. 4.a.cc).
Es kommen die Ansätze per 1. Januar 2013 für einen Haushalt mit zwei Kindern zu
Anwendung. Demzufolge betragen die Auslagen für Verpflegung Fr. 355.–, für
Bekleidung Fr. 120.–, für Unterkunft Fr. 310.– und für weitere Kosten Fr. 810.–. Die
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Unterhaltsbeiträge für Pflege und Erziehung fallen weg, da B im Jahr 2013 volljährig
war. Dies ergibt einen durchschnittlichen jährlichen Unterhaltsbedarf von Fr. 19‘140.–.
Weiter ist auch für B ein Betrag für Mehrkosten für auswärtige Verpflegung zu
veranschlagen. Da sie jedoch nur bis im Sommer 2013 in Ausbildung war, ist dieser auf
Fr. 1‘600.– herabzusetzen. Weiter können Fr. 400.– für Lehrmittel sowie eine hälftige
Pauschale für übrige notwendige Berufskosten (Fr. 350.– zuzüglich 10 Prozent der
Nettoeinkünfte) von Fr. 1‘286.– berücksichtigt werden. Dies ergibt einen gesamten
Unterhaltsbedarf von Fr. 22‘426.–. B erzielte im Jahr 2013 ein Erwerbseinkommen von
Fr. 9‘355.–. Zudem erhielt sie Arbeitslosentaggelder in der Höhe von Fr. 1‘312.–. Nach
Abzug des Betrages von Fr. 6‘000.– zur freien Verfügung ist ihre Eigenleistung auf Fr.
4‘667.– festzusetzen, was insgesamt einen Unterhaltsbedarf von Fr. 17‘759.– ergibt.
Damit steht fest, dass sie für ihren Lebensunterhalt nicht gänzlich selber aufkommen
konnte und entsprechend unterstützungsbedürftig war. Der Vater trug nachweislich mit
Unterhaltszahlungen von rund Fr. 6‘500.– zum Unterhalt von B bei. Die Leistung der
Beschwerdeführerin betrug damit mehr als Fr. 6‘500.–, weshalb ihr der
Unterstützungsabzug nach Art. 213 Abs. 1 lit. b DBG bei der direkten Bundessteuer
2013 zu gewähren ist. Dies kommt einer Gutheissung der Beschwerde in diesem Punkt
gleich.
6.- Die Rekurrentin und Beschwerdeführerin beantragt weiter die Erhöhung des
Versicherungsabzugs.
a) Gemäss Art. 45 Abs. 1 lit. g StG erhöht sich der Abzug für Sparzinsen und
Versicherungsprämien um Fr. 600.– für jedes Kind, für das der Steuerpflichtige einen
Kinderabzug geltend machen kann. Da die Rekurrentin bei den Kantons- und
Gemeindesteuern weder für A in den Jahren 2012 und 2013 noch für B im Jahr 2013
einen Kinderabzug geltend machen kann, kann ihr auch die entsprechende Erhöhung
des Abzugs für Versicherungsprämien und Sparzinsen bei den Kantons- und
Gemeindesteuern 2012 und 2013 nicht gewährt werden. Der Rekurs ist in diesem
Punkt abzuweisen.
b) Bei der direkten Bundessteuer erhöhen sich die Abzüge für Versicherungen gemäss
Art. 212 Abs. 1 DBG um Fr. 700.– für jedes Kind oder jede unterstützungsbedürftige
Person, für die der Steuerpflichtige einen Abzug nach Art. 213 Abs. 1 lit. a oder b
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
geltend machen kann. Da die Beschwerdeführerin sowohl für A in den Jahren 2012 und
2013 als auch für B im Jahr 2013 einen Unterstützungsabzug gemäss Art. 213 Abs. 1
lit. b DBG geltend machen kann, ist ihr die Erhöhung des Abzugs für
Versicherungsprämien bei der direkten Bundessteuer 2012 und 2013 zu gewähren. Der
Abzug erhöht sich damit im Jahr 2012 um Fr. 700.– und im Jahr 2013 um Fr. 1‘400.–.
Die Beschwerde ist in diesem Punkt gutzuheissen.
7.- Schliesslich beantragt die Rekurrentin und Beschwerdeführerin, ihr sei für 2013 der
Tarif für Verheiratete zu gewähren.
a) Gemäss Art. 50 Abs. 4 StG wird der Tarif für gemeinsam steuerpflichtige Ehegatten
auch auf verwitwete, getrennt lebende, geschiedene und ledige Steuerpflichtige
angewendet, die mit Kindern oder unterstützungsbedürftigen Personen
zusammenleben und deren Unterhalt zur Hauptsache bestreiten. Für A kam die
Rekurrentin im Jahr 2013 nicht zur Hauptsache auf (vgl. E. 4). Bezüglich B wurde
festgestellt, dass diese im Jahr 2013 unterstützungsbedürftig war, ihr Unterhaltsbedarf
nach Abzug ihrer Eigenleistungen Fr. 17‘759.– betrug und der Vater mit rund Fr. 6‘500.–
an ihren Unterhalt beitrug (vgl. E. 5.b). Daraus ergibt sich, dass die Rekurrentin, bei der
B wohnte, im Jahr 2013 zur Hauptsache für deren Unterhalt aufgekommen ist.
Entsprechend ist ihr für die Kantons- und Gemeindesteuern 2013 der Tarif für
Verheiratete zu gewähren. Der Rekurs ist in diesem Punkt gutzuheissen.
b) Bei der direkten Bundessteuer kommt gemäss Art. 214 Abs. 2 DBG der Tarif für
Ehegatten, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben, sinngemäss für die
in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe lebenden Ehegatten und die verwitweten,
gerichtlich oder tatsächlich getrennt lebenden, geschiedenen und ledigen
Steuerpflichtigen Personen, die mit Kindern oder unterstützungsbedürftigen Personen
im gleichen Haushalt zusammenleben und deren Unterhalt zur Hauptsache bestreiten,
zur Anwendung. Die Gewährung des Verheiratetentarifs wird im Recht der direkten
Bundessteuer an das Vorhandensein eines Sozialabzugs geknüpft. Eine
steuerpflichtige Person, welche Anspruch auf einen Unterstützungsabzug gemäss Art.
213 Abs. 1 lit. b DBG hat und mit der unterstützten Person im gleichen Haushalt
zusammenlebt, hat entsprechend Anspruch auf den Verheiratetentarif (Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 41 zu Art. 214 DBG). Da die Beschwerdeführerin bei der
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
direkten Bundessteuer 2013 sowohl für A als auch für B den Unterstützungsabzug
nach Art. 213 Abs. 1 lit. b DBG beanspruchen kann, ist ihr dementsprechend bei der
direkten Bundessteuer 2013 auch der Tarif für Verheiratete zu gewähren. Die
Beschwerde ist in diesem Punkt gutzuheissen.
8.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs teilweise gutzuheissen ist. Die
Rekurrentin ist für die Kantons- und Gemeindesteuern 2013 zum Tarif für Verheiratete
zu besteuern; im Übrigen ist der Rekurs abzuweisen. Die Beschwerde ist gutzuheissen
und die angefochtenen Einspracheentscheide vom 26. und 27. Februar 2015
betreffend die direkte Bundessteuer 2012 und 2013 sind aufzuheben. Die
Beschwerdeführerin ist für die direkte Bundessteuer 2012 mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 77‘200.– und für die direkte Bundessteuer 2013 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 62‘500.– zu veranlagen. Für die direkte Bundessteuer
2013 ist die Beschwerdeführerin zum Tarif für Verheiratete zu besteuern.
9.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten für das Rekursverfahren zu
drei Fünfteln der Rekurrentin und zu zwei Fünfteln dem Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs.
1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 500.– für das Rekursverfahren ist angemessen
(Art. 7 Ziff. 122 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12, abgekürzt: GKV). Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 500.– ist zu verrechnen und der Rekurrentin ist der
Rest von Fr. 200.– zurückzuerstatten. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens gehen zu
Lasten des Staates (Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 500.– für das
Beschwerdeverfahren ist angemessen (Art. 144 Abs. 5 DBG i.V.m. Art. 7 Ziff. 122 GKV).
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 500.– ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
Ausseramtliche Kosten sind mangels Antrags nicht zu entschädigen (Art. 98 VRP
i.V.m. Art. 105 der Zivilprozessordnung, SR 272).