Decision ID: 426223f0-0591-54e8-ad40-33006ec20f68
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1996,
absolvierte
einen Teil der
Primarschule in Italien und reist
e
im Jahr 2007 mit ihren Eltern in die Schweiz ein (Urk. 9/39/4 f.). Anschliessend besuchte sie in der Schweiz
die Primar- und
Sekundarschule (Urk. 9/39/5). Am 16. August 2013 (
Eingangsdatum
) wurde sie von ihren Eltern unter Hinweis auf ihren Entwicklungsstand bei der Invalidenversicherung zum Leistu
ngsbezug angemeldet (Urk. 9/4).
Daraufhin holte die
Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
unter anderem einen Bericht bei der behan
delnden Psychiaterin vom 29. August 2013 ein, gemäss welchem die Versicherte unter einer Anpassungsstörung
beziehungsweise einer
längeren depressiven Reaktion (ICD-10 F43.21), bestehend seit Herbst 2011
,
sowie einer Adipositas und Sprachstörungen, jeweils bestehend seit früher Kindheit, leide (Urk. 9/12/6).
Die IV-Stelle
erteilte daraufhin am 19. November 2013 Kostengutsprache für die Vorbereitung
auf
eine erstmalige berufliche Ausbildung im Sinne einer
Vorlehre
im Bereich der Zierpflanzengärtnerei EBA im
Y._
von November 2013 bis August 2014 (Urk. 9/18/1). In der Folge übernahm die IV-Stelle auch die Kosten für die erstmalige berufliche Ausbildung zur Gärtnerin EBA mit betreutem Wohnen im
Y._
von
August 2014 bis August 2016 (Urk. 9/26/1)
unter Ent
richtung von Taggeldern ab November 2014
(Urk. 9/48, Urk. 9/64).
Im August 2016 erlangte die Versicherte schliesslich das Berufsattest als Gärtnerin EBA (Urk. 9/78/1).
Mit Entscheid vom 6. Oktober 2016 ordnete die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Bezirk
Z._
sodann eine Vertretungsbei
standschaft mit Einkommens- und Vermögensverwaltung an (Urk. 9/115). D
ie IV-Stelle
gewährte im Anschluss an die abgeschlossene Ausbildung
Kostengutspra
chen für das Arbeitstraining «Fit in den Arbeitsmarkt»
in der Gärtnerei
der
A._
von September 2016 bis Mai 2017 (Urk. 9/95/1,
Urk.
9/125/1).
Während des Arbeitstrainings konnte die Versicherte keine Festanstellung finden (Urk. 9/138/4, Urk. 9/140/1).
Am 30. Juni 2017 teilte die IV-Stelle der Versicher
ten mit, dass die beruflichen Massnahmen abgeschlossen seien
und der Renten
anspruch geprüft werde
(Urk. 9/140/1).
Die Versicherte wurde schliesslich vom 11. Juli bis 3. Oktober 2017 stationär in der
B._
behandelt
,
wo
ihr ab
11. Juli 2017
eine Arbeitsunfähigkeit von
100 %
bescheinigt
wurd
e
(Urk. 9/155/1
und 3
).
Am 8. November 2017 erteilte die IV-Stelle
sodann
Kostengutsprache für
ein
Hörgerät (Urk. 9/157/1). Zudem
liess
sie
die Versicherte
am 9
. Januar 2018
durch Dr. C._
,
dipl.
Psychologin sowie klinisc
he Neuropsychologin,
D._
,
begutachten
(neuropsychologi
sches Gutachten vom
12. März 2018, Urk. 9/162)
und holte eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD)
vom
23. März 2018 ein (Urk. 9/163/3). Mit Vorbescheid vom 16. Mai 2018 stellte
sie
der Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 9/165). Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch ihre
Beiständin
, am 12. Juni 2018 Einwand (Urk. 9/169/1). Diesen liess sie am 20. August respektive 26. September 2018, nunmehr vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie
C.
Elms, ergänzen (Urk. 9/172, Urk. 9/176). Am 9. April 2019 reichte sie weitere Berichte
nach
(Urk. 9/184-187). Die IV-Stelle holte daraufhin
nochmals
eine Stellungnahme des RAD vom 24. Juni 2019 ein (Urk. 9/188/3 f.).
Am
5. August 2019 verfügte sie schliesslich im angekündigten Sinne (Urk. 9/189 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 16. September 2019 Beschwerde und bean
tragte, es sei die Verfügung vom 5. August 2019 aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr Leistungen nach dem
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG)
zuzusprechen. Zudem sei sie durch das Gericht polydisziplinär begutachten zu lassen. Eventualiter sei die Sache zwecks polydis
ziplinärer Begutachtung und anschliessendem Neuentscheid an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie
Rechtsvertretung
(Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 18. Oktober 2019 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Dies wurde der Beschwerdeführerin am 4. November 2019 zur Kenntnis gebracht. Gleichzeitig wurde ihr die unentgeltli
che Prozessführung bewilligt und ihr Rechtsanwältin Stephanie
C.
Elms als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt (Urk. 12). Am 13. November 2019 legte die unentgeltliche Rechtsvertreterin ihre Honorarnote auf (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E.
4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsl
eistung zu erbringen (BGE 145 V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Adipositas bewirkt grundsätzlich keine leistungsbegründende Invalidität, wenn sie keine körperlichen oder geistigen Schäden verursacht und nicht die Folge von solchen Schäden ist. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, muss sie unter Berücksichtigung der besonderen Gegebenheiten des Einzelfalles dennoch als invalidisierend betrachtet werden, wenn sie weder durch geeignete Behandlung noch durch zumutbare Gewichtsabnahme auf ein Mass reduziert werden kann, bei welchem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folgeschäden keine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit beziehungsweise der Betätigung im bisherigen Aufgabenbereich zur Folge hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_496/2012 vom 19. September 2012 E. 2.2).
1.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und
Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben
– den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
folgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisg
emässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen
Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das
Ergebnis versi
cherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Ok
tober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.
6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung damit, dass die einseitige Hörminderung rechts sowie das Tragen eines
Hörgerätes
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen würde
n
. Nach der Behandlung in der
B._
sei eine deutliche Verbesserung des psychischen Gesund
heitszustandes eingetreten, sodass nur noch eine leichte depressive Störung vor
handen gewesen sei. Auch im Anschluss an den stationären Aufenthalt habe es keinerlei Anhaltspunkte
dafür
gegeben, dass sich
der
psychische Zustand
der Beschwerdeführerin
dauerhaft verschlechtert habe. Im neuropsychologischen Gutachten sei keine depressive Störung festgestellt worden. Der Zwischenbericht der
E._
vom September 2018 zeige auf, dass die Beschwerdeführerin gute allgemeine Ressourcen (Funktionsniveau) habe aufbringen können. Aus den bisher in Anspruch genommenen Behandlungen, wie zum Beispiel dem stationä
ren Aufenthalt,
gehe
keine längerdauernde Verschlechterung des Gesundheits
zustandes hervor. Insbesondere sei ihre Gedächtnisfunktion intakt und aus den Akten sei ersichtlich, dass sich sogar eine
geringfügige Erholung bemerkbar gemacht habe. Dieser Befund zeige sich nicht nur im Gutachten, sondern spiegle sich auch im Bericht der
E._
wieder. Somit sei
en
keine dauerhaften gesundheitlichen Einschränkungen n
achgewiesen. Daher
bestehe kein
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (Urk. 2 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
die Beschwerdegegnerin habe bisher einzig eine neuropsychologische Begutachtung sowie eine Aktenbeurteilung des RAD eingeholt. Sie leide nachweislich an psychischen, internistischen, neurologischen und neuropsychologischen Ein
schränkungen, weshalb grundsätzlich eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig gewesen
wäre. So
weit
die Beschwerdegegnerin vorbringe, die neu
ropsychologische Gutachterin habe keine depressive Symptomatik festgestellt, sei dies keinesfalls eine
rechtsgenügende
Sachverhaltsabklärung
, um ein depressives Leiden verneinen zu können
(Urk. 1 S. 6).
Die bisherigen
Abklärungen der Beschwerdegegnerin würden auch den möglichen Wechselwirkungen zwischen ihrer Aufmerksamkeitsdefizits-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und der bestehen
den Essstörung keine Rechnung tragen. Auch bei der Essstörung handle es sich um eine psychische Krankheit, weshalb eine Beurteilung der invalidisierenden Wirkung der Essstörung im Zusammenhang mit der Adipositas gerechtfertigt sei (Urk. 1 S. 7)
. Die Beschwerdegegnerin habe ferner die Ergebnisse der beruflichen Massnahmen nicht berücksichtigt. Mit der depressiven Symptomatik, dem ADHS und der Essstörung leide sie
überdies
an drei eigenständigen psychischen Erk
ran
kungen, deren Wechselwirkung
aufeinander bis dato nicht abgeklärt worden sei.
Des Weiteren habe bisher kein strukturiertes Beweisverfahren
im Sinne der
bundesgerichtliche
n
Rechtsprechung
stattgefunden.
Diesbezüglich seien jedoch vorab die Komorbiditäten einwandfrei festzustellen, was ebenfalls für die Notwendigkeit einer polydisziplinären Begutachtung spreche (Urk. 1 S. 8 f.). Zudem habe die Beschwerdegegnerin das zumutbare Belastungsprofil nur unge
nügend abgeklärt. Schliesslich verfüge der RAD im vorliegenden Fall nicht über sämtliche relevanten Fachqualifikationen, um eine abschliessende Beurteilung ihrer Leistungsfähigkeit vornehmen zu können. Es bestünden erhebliche Zweifel an den versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, weshalb eine Begutach
tung durchzuführen und hernach erneut über den Leistungsanspruch zu entschei
den sei (Urk. 1 S. 9).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin anhand der vorliegenden Akten den Anspruch der Beschwerdeführen auf eine Invalidenrente zu Recht ver
neint hat.
3.
3.1
Die ehemals
behandelnden
lic
. phil. F._ sowie Dr. med.
G._
, Fachärztin für Kind
er- und Jugendpsychiatrie und P
sychotherapie, nannten in ihrem Bericht vom 29. August 2013 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Anpassungsstörung / längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21), bestehend seit Herbst
2011, eine Adipositas (ICD-10 E
66), eine expressive Sprachstörung (ICD-10 F80.1) sowie eine rezeptive Sprachstörung (ICD-10 F80.2), jeweils bestehend seit früher Kindheit (Urk. 9/12/6). Dazu ergänz
ten sie, die Beschwerdeführerin sei durch ihre Anpassungsstörung, durch ihre depressive Reaktion und durch ihre Sprachstörung so beeinträchtigt, dass sie sowohl die sozialen Anforderungen
einer
Lehre in der freien Wirtschaft als auch die intellektuellen Anforderungen und die Anforderungen an Selbständigkeit, Arbeitshaltung, Arbeitsorganisation und emotionale Stabilität nicht erfüllen könne. Die Beschwerdeführerin könne die an sie gestellten Aufgaben nicht selb
ständig erledigen. Sie benötige Hilfe in der Strukturierung des Alltags. Sie sei in ihrem Arbeitstempo und in ihrem
Sprachverständnis
eingeschränkt. Sie sei Stim
mungsschwankungen und impulsivem Verhalten ausgeliefert und benötige Unterstützung darin,
zu lernen,
damit um
zu
gehen
beziehung
sweise
sich aus
den
daraus entstehenden Schwierigkeiten wieder zu lösen. Sie komme immer wieder in soziale Schwierigkeiten, werde entweder gemobbt oder es entstünden Konflikte und sie brauche im Alltag ein Modell und
eine
Anleitung, die Problemsituationen adäquat zu lösen respektive sie zu verhindern. Sie sei ferner in ihrer Stimmung immer wieder gedämpft. Grundsätzlich benötige sie
eine
individuelle Betreuung, individuelle Lernziele und Anforderungen, die angepasst seien. Sie benötige Unterstützung im sozi
alen Umgang und wegen besonders
tiefem Selbstwert und schneller Verunsicherung eine stärkende und zugewandte Betreuung. Im Umgang mit ihrem Essverhalten sei wünschenswert, sie im Alltag zu begleiten und
zusam
men
mit ihr und
einer
ärztliche
n
Betreuung eine Gewichtsreduktion erreichen zu können (Urk. 9/12/13). Ihre Belastungen seien die Schulgeschichte, Geschwister mit ähnlicher Problematik,
die
kulturelle Verpflanzung, soziale Schwierigkeiten, eine kindliche Persönlichkeit, Stimmungsschwankungen sowie ein eingeschränk
tes Arbeitsverhalten (Urk. 9/12/14).
3.2
Dr. med.
H._
, Fachärztin für Allgemeine Medizin,
berichtete am 28. Mai 2014, die Beschwerdeführerin befinde sich seit
etwa
zwei Jahren bei ihr in ambulanter Behandlung. Die ausgeprägte Adipositas bestehe seit vielen Jahren und habe nun im Verlauf der letzten Zeit zu mehreren Sekundärproblemen
geführt
, welche die Beschwerdeführerin sowohl in ihr
e
Sprechstunde wie auch zu Dr.
F._
geführt
hätten
. In den nächsten Wochen seien weiterführende Abklärungen betreffend eine allfällige operative Therapie der Adipositas vorge
sehen. Sie halte eine massive Gewichtsreduktion zur Vermeidung von Sekundär
schäden, zur Behandlung der bereits bestehenden Schäden sowie zur Ausübung und Durchführung ihrer begonnenen Lehre als Zierpflanzengärtnerin für zwin
gend indiziert. Die psychologische Begleitung bei allen vorgesehenen Massnahmen und auch während der Ausbildung sei medizinisch dringend erfor
derlich (Urk. 9/22).
3.3
Dem Abschlussbericht der
Y._
vom 5. April 2016 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
während ihrer Ausbildung zur Gärtnerin EBA eine hohe Lernmotivation gezeigt habe, wobei produktive Tätigkeiten, einhergehend mit physischen Anforderungen
,
das Durchhaltevermögen, die Motivation sowie die Einsatzbereitschaft belasten könnten. Zeitweilig habe sie ein Motivationstief und die Neigung, physisch anspruchsvollen Anforderungen auszuweichen. Dies könne ein selbständiges Agieren beeinträchtigen.
Es seien nach wie vor Zwischenkon
trollen sowie
eine
Motivationsstärkung erforderlich.
Die Beschwerdeführerin
arbeite grundsätzlich zuverlässig, achte auf Qualität, arbeite sorgfältig und exakt. Ihre fachlichen Kenntnisse seien auf gutem Niveau, aber durchaus ausbaufähig, dies aufgrund der guten Kognition. Sie erkenne fachliche, inhaltliche und prak
tische Vernetzungen. Die zeitweilig auftretenden Motivationsschwankungen könnten das Erreichen von Lernzielen verzögern. Die Beschwerdeführerin sei grob- sowie feinmotorisch einsetzbar.
Die eingeleiteten Massnahmen zur Verbes
serung der physischen Leistungsfähigkeit würden regelmässig umgesetzt. S
ie sei phasenweise phlegmatisch und
träge
.
Seit April 2015 nehme sie an der wöchent
lic
hen Ernährungsberatung bei Frau
I._
im
J._
teil. Seit Mai 2015 nehme sie zudem alle vier bis sechs Woc
hen Termine bei Dr.
med. K._
, Facharzt für Innere Medizin sowie
Endokrinologie und Diabetologie
, wahr. Ebenfalls seit Mai 2015
besuche
sie zudem zweimal wöchentlich
die
Medi
zinische Trainingstherapie
(
MTT
)
im
J._
. Hinzu kämen wöchentliche Sitzungen bei
lic
. phil.
F._
. Die komplexen Anforderungen (bevorstehendes Qualifikationsverfahren, Orts- und Wohnwechsel der Eltern, Unsicherheit und Angst vor der noch nicht gelösten unmittelbaren Zukunft) liessen eine konsequente Gewichtsabnahme gemäss Dr.
K._
derzeit nicht zu
(Urk. 9/71/2).
Die Beschwerdeführerin
sei kognitiv durchaus in der Lage, komplexe Inhalte auf
zunehmen. Ihr Arbeitstempo sei deutlich verlangsamt, sie verliere sich oftmals im Detail, sei verträumt und ihre Konzentration lasse dann nach. Sie sei zudem immer wieder träge, ausgelöst durch eine psychische Belastung. Die Qualität sei meist auf
hohem Niveau, allerdings sei der Zeitaufwand mit der erreichten Qua
lität nicht immer stimmig
(Urk. 9/71/3).
Sie
strebe eine verkürzte Ausbildung zur Floristin EFZ an. Sie bringe die Voraussetzungen auf prakt
ischer, manueller und kognitiver
Ebene mit. Aufgrund der gesch
wächten Konzentrationsfähigkeit und
de
r
Motivationsschwankungen, welche eine konstante Lernarbeit belasten würden,
sei
die Durchführung der genannten Ausbildung
in einem
institutionel
len Rahmen
, wie bisher,
empfehlenswert
(Urk. 9/71/4).
3.4
In ihrem Bericht vom
6.
April 2016
bescheinigten
Dr.
G._
sowie
lic
. phil.
F._
, die Beschwerdeführerin komme seit Juni 2013 alle 14 Tage in die The
rapie.
Sie
habe sich soweit stabilisieren können, dass sie ihren Alltag zwischen dem Wohnheim, der Arbeitsstelle, der medizinischen Versorgung im Spital
J._
(Physiotherapie, Training, Adipositas-Sprechstunde und Ernährungs
beratung), der Berufsschule sowie dem Elternhaus meist gut bewältigen könne. Des Weiteren
habe
sie
erfreuliche Fortschritte, beispielsweise in den Bereichen Ablenkbarkeit, Motivation und Arbeitstempo,
erreichen können
, wenn auch noch einige Schritte zu bewältigen seien.
Sie unterstütze den Wunsch der Beschwerde
führerin, eine EFZ-Ausbildung im geschützten Rahmen abzuschliessen
(Urk. 9/72).
3.5
Dem Verlaufsprotokoll der Berufsberatung der Beschwerdegegnerin ist zu ent
nehmen, dass diese eine Ausbildung zur Floristin EFZ im geschützten Rahmen nicht unterstützte. Die Beschwerdeführerin sei zum aktuellen Zeitpunkt mit der Stellensuche überfordert und dies sei auch aus gesundheitlichen Gründen nach
vollziehbar
. Daher werde sie am Arbeitstraining «Fit in den Arbeitsmarkt» der
A._
teilnehmen
(Urk. 9/94/2).
Aus d
em Abschlussbericht der
A._
vom 15. Juni 2017
geht hervor
, dass die Beschwerdeführerin motiviert in das Arbeitstraining in der Gärtnerei gestartet sei. Ihr Gewicht habe sie rasch an ihre körperliche Leistungsgrenze gebracht. Vor allem das Bücken und Heben sei ihr
schwer
gefallen
. Ihr Essver
halten habe sie nicht ändern können. Sie habe Frustrationen mit dem Verzehr von Snacks und Süssgetränken kompensiert. Eine Psychotherapie habe nicht aufgegleist werden können. Ihr Arbeitstempo sei langsam gewesen und habe phasenweise leicht gesteigert werden können. Die Konzentration habe sie für kurze Zeit halten können, danach sei sie wieder abgeschweift
und habe sich verloren
(Urk. 9/137/3).
Die Beschwerdeführerin habe in einem 100 %-Pensum gearbeitet, dies in ihrem eigenen Tempo. Sie sei rasch an ihre körperliche Leistungsgrenze gestossen. Eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt werde als möglich erachtet, sobald die Beschwerdeführerin ihr
Körpergewicht reduzieren könne. Es werde eine Gewichtsreduktion unter enger ärztlicher Begleitung empfohlen. Nach dieser sei eine Leistungsfähigkeit von 80-100 % möglich (Urk. 9/137/4).
3.6
Vom 11. Juli bis 3. Oktober 2017 befand sich die Beschwerdeführerin in statio
närer Behandlung in der
B._
. Im Bericht vom 19. Oktober 2017 nannten die
Behandler
innen
eine Essstörung (nicht näher bezeichnet, ICD-10 F50.9) mit Adipositas Grad III, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwär
tig mittelgradige Episode (ICD10 F33.1)
, eine hyperkinetische Störung im Sinne einer
einfache
n
Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADHS, ICD-10 F90.0) sowie eine Hörminderung als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Der Laktoseintoleranz massen sie keine leistungseinschränkende Wirkung bei (Urk. 9/155/1).
Dazu ergänzten sie,
bei der Beschwerdeführerin bestehe eine rezidivierende depressive Symptomatik seit dem Kindesalter. Bei Eintritt in die
B._
habe sich ein schweres depressives Zustandsbild mit Antriebshemmung, Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit, Erschöpfung, Einsamkeitsgefühlen, innerer Leere, Konzentrationsschwierigkeiten und sozialem Rückzug
gezeigt
. Zum Austrittszeitpunkt habe sich die Beschwerdeführerin noch im Bereich einer leich
ten depressiven Symptomatik befunden (Urk. 9/155/2 f.). Aus somatischer Sicht leide sie an einer Adipositas Grad III, Knie-, Rücken- und Kopfschmerzen, Harn
inkontinenz sowie einer Hörminderung und einer Laktoseintoleranz. In den letzten Jahren sei es zu einer massiven Gewichtszunahme gekommen. Dies durch übermässiges, unkontrolliertes Essen den ganzen Tag hindurch, aus Schamgefüh
len teilweise heimlich,
hinzu käme
übermässiger Konsum von Süssgetränken (
Coca Cola
, Saft bis zu drei Liter täglich), keine Bewegung und keine aktiven Massnahmen zur Gewichtsreduktion. Sie sei im Alltag massiv eingeschränkt. Sie schäme sich sehr für ihren Körper und ziehe sich daher stark zurück. Es handle sich jedoch nicht um ein rein ästhetisches Problem, ihr Körper schränke sie im Alltag psychisch und physisch massiv ein
(Urk. 9/155/2).
Eine weitere Verbesse
rung der Essstörungsproblematik sowie
eine
Reduktion der depressiven Sympto
matik sei
en
erreichbar. Dafür sei eine hochfrequentierte ambulante, psychothera
peutische Nachbehandlung mit regelmässiger Gewichtskontrolle indiziert
(
Urk.
9/155/3)
.
Die Beschwerdeführerin sei seit dem 1
1.
Juli 2017 zu 100 % arbeitsunfähig in ihrer Tätigkeit als Gärtnerin im geschützten Rahmen (Urk. 9/155/3).
In welchem Rahmen und in welchem Umfang mit einer Wiederaufnahme der Arbeit gerechnet werden könne, hänge vom weiteren therapeutischen Verlauf ab und könne zum jetzigen
Zeitpunkt nicht beurteilt werden. Bei gutem Verlauf und gradueller beruflicher Wiedereingliederung im geschützten Rahmen könne mit einer Wiedererlangung und Steigerung der Arbeitsfähigkeit ge
rechnet werden (Urk. 9/155/4).
3.7
Am 12. März 2018 erstattete Dr.
C._
ihr neuropsychologisches Gutachten. Darin hielt sie
fest,
während der Verhaltensbeobachtung seien keine körperlichen Einschränkungen sichtbar geworden.
Die Stimmung und der Affekt seien zum Untersuchungszeitpunkt nicht beeinträchtigt, die Beschwerdeführerin sei gut schwingungsfähig. Bezüglich Antrieb und Impulskontrolle seien ebenfalls keine Einschränkungen sichtbar. Formale und inhaltliche Denkstörungen bestünden keine, ebenso wenig wie Hinweise auf Verfälschungstendenzen. Die Kooperati
onsbereitschaft sei immer gegeben gewesen.
Betreffend das Arbeitsverhalten hielt Dr.
C._
fest, das Instruktionsverständnis, die Mitarbeit und Anstrengungsbereit
schaft der Beschwerdeführerin seien gegeben. Das Arbeitstempo sei gut, bei Auf
gaben ohne Zeitvorgabe arbeite sie jedoch sehr langsam.
Es habe keine Anzeichen für eine erhöhte Ermüdbarkeit oder einen erhöhten Pausenbedarf gegeben (Urk. 9/162/4).
Betreffend die Ergebnisse aus der neuropsychologischen Untersuchung führte Dr.
C._
aus, in der visuellen Wahrnehmung
bestehe keine Leistungseinschrän
kung, jedoch benötige die Beschwerdeführerin bei
einer
Aufgabenstellung ohne Zeitlimit sehr lange. Die Lesefähigkeit sei gekennzeichnet durch eine Verlangsa
mung sowie kleine Flüchtigkeitsfehler. Im Bereich der Aufmerksamkeitsfunktio
nen
seien
keine Einschränkungen festzustellen. Sobald es jedoch um selbstge
steuerte Reaktionen gehe, werde ein Defizit ersichtlich (intrinsische
Alertness
), ebenso bei langanhaltenden monotonen Aufgabenstellungen (Vigilanz, Urk. 9/162/5). Die Ergebnisse im Bereich des Lernens und Gedächtnisses seien überwiegend durchschnittlich. Leichte Einschränkungen lägen im Bereich
des
Gedächtnisses
für komplexes, auditiv vorgegebenes, verbales Material vor
(Urk. 9/162/5 f.).
Im Bereich der exekutiven Funktionen liessen sich leichtgradige Einschränkungen der semantischen
Fluency
darstellen, die phonematische und die nonverbale
Fluency
seien regelrecht ausgeprägt. Die Planungsfähigkeit stelle sich durchschnittlich dar, ebenso das Textverständnis und die Intelligenzleistung (Urk. 9/162
/
6 f.).
Der Gesamtwert des
Beck-Depressions-Inventars (
BDI-
II
)
-
Tests zur Selbstbeurteilung einer gegenwärtigen depressiven Symptomatik liege bei 13 Punkten und damit in einem Wertebereich, welcher auf einen minimalen Ausprä
gungsgrad einer Depression hindeute (Urk. 9/162/7).
Zusammenfassend
erklärte
Dr.
C._
, die neuropsychologische Untersuchung habe Einschränkungen bei Intensitätsaspekten der Aufmerksamkeit (intrinsische
Alertness
, Vigilanz) sowie leichte Einschränkungen beim Textgedächtnis und der semantischen
Fluency
ergeben. Die Beschwerdeführerin sei durchschnittlich intelligent
, das Textverständnis sei nicht eingeschränkt. Alle weiteren kognitiven Funktionen seien ebenfalls normgerecht. Zum Zeitpunkt der Untersuchung
sei
die depressive Symptomatik minimal ausgeprägt
gewesen
. Das kognitive Leistungs
vermögen sei als minimal eingeschränkt zu beurteilen. Die im Bereich der Aufmerksamkeit bestehenden Einschränkungen seien gut mit der Diagnose einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) zu vereinba
ren
. Das leicht eingeschränkte Textgedächtnis sowie die leicht reduzierte seman
tische
Fluency
seien als Residuen der Probleme des sekundären Spracherwerbs (welcher möglicherweise durch die Hörminderung zusätzlich
erschwert worden sei) zu sehen und
nicht als kognitives Defizit. Erfreulicherweise
sei
auch die depressive Symptomatik nach Entlassung aus der
B._
stabil geblieben beziehungsweise habe eine leichte Verbesserung gezeigt. Die Untersu
chungsergebnisse seien valide, eine Beeinflussung durch die depressive Störung sei bei
diesem
geringen Ausprägungsgrad zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht zu erwarten, es habe auch keine Hinweise auf Verfälschungstendenzen gegeben. Auch die verschiedenen Verhaltensbeobachtungen des Ausbildungsbetriebes würden die Validität der Untersuchungsergebnisse stützen.
Betreffend die Arbeitsfähigkeit hielt Dr.
C._
sodann fest, aus rein kognitiver Sicht gebe es keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen oder einer angepassten Tätigkeit. Die Beschwerdeführerin
sei
kognitiv auch in der Lage, eine weitere Ausbildung oder eine Qualifikationsmassnahme zu absolvie
ren. Aufgrund der Aufmerksamkeits-Defizit-Störung habe
sie
mehr Mühe bei monotonen sowie zeitlich selbstbestimmten Tätigkeiten (Urk. 9/162/7). Diese Einschränkungen seien jedoch durch entsprechende Vorgaben und auch durch Selbstkontrolle gut ausgleichbar. Dies habe sie durch ihren erfolgreichen Lehrab
schluss gezeigt. Auch die depressive Symptomatik beeinflusse zumindest aktuell die Arbeitsfähigkeit nicht (Urk. 9/162/7 f.). Im Vordergrund für das Finden und Behalten einer Stelle stehe die Adipositas beziehungsweise die Essstörung. Die Beschwerdeführerin sei gewillt, daran zu arbeiten und gehe davon aus, dass sie in der aktuellen Behandlung einen erfolgreichen Weg gefunden habe, sofern sie auch ihr Lebensumfeld anpassen könne (Urk. 9/162/8).
3.8
In
ihrer
Stellungnahme vom 27. März 2018 f
ührte RAD-Ärztin Dr. med.
L._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychothera
pie, aus,
aus
neuropsychologischer Sicht bestünden gemäss dem Gutachten von
Dr.
C._
keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit.
Bei Austritt
aus der
B._
nach
der dreimonatigen stationären Behandlung habe noch eine leichte depressive Symptomatik bestanden
und
der Body-Mass-Index (BMI) habe sich von 52.97 kg/m
3
auf 47.65 kg/m
3
reduziert.
Die Arbeit als Ziergärtnerin mit leichter körperlicher Arbeit sei angepasst. Die Arbeitsaufgaben sollten mit Fokus
wechsel sein, monotone Arbeiten seien aufgrund der Einschränkungen in der Aufmerksamkeit zu vermeiden.
Eine weitere Gewichtsreduktion sei sicherlich sinnvoll, um körperliche Folgeerkrankungen zu vermeiden und um eine psycho
soziale Stigmatisierung – auch auf dem Arbeitsmarkt – positiv zu beeinflussen. Konservative Massnahmen zur Gewichtsreduktion nutze die Kundin bereits (der aktuelle BMI liege nicht vor). Gewichtschirurgische Massnahmen seien auch geeignet, das Körpergewicht nachhaltig zu senken. Inwieweit sie erforderlich seien, sei unklar.
Aus konservativer Sicht
sei ei
ne Reduktion des Gewichts von 2
kg pro Monat medizinisch sinnvoll. Eine störungsspezifische psychiatrisch
/
psychologische Behandlung soll
e weitergeführt werden und als Schadenminde
rungspflicht auferlegt werden. Aus fachlicher Sicht bestehe Eingliederungs
potential (Urk. 9/163/3).
3.9
Aus dem Zwischenbericht der
Arbeitsintegration vom
E._
vom 13. Sep
tember 2018 geht hervor, dass die Beschwerdeführerin dort seit dem 4. Juni 2018 ein Arbeitstraining mit einer Tagesstruktur von 20 Stunden pro Woche absolviere.
Sie
habe die Arbeitsmodule in der Produktion regelmässig einhalten können.
Ferner habe sie
eine positive Arbeitshaltung, erbringe grundsätzlich gute Leistun
gen, sei selbständig und zuverlässig. Sie
weise
Potential zur Steigerung von Präsenz und Leistung
auf
. Kompetenzen seien im Ansatz vorhanden und würden weiterentwickelt.
Des Weiteren
würden Qualifikationen wie Ausdauer, Pünktlich
keit und Belastbarkeit trainiert. Die Beschwerdeführerin benötige vor allem in Situationen ihrer depressiven Störungen aktive Begleitung und Unterstützung. Die Gewichtsreduktion sowie die Essstörung würden aufgrund von Beobachtun
gen und Vereinbarungen in regelmässigen Standortgesprächen thematisiert. Für eine nachhaltige Platzierung im ersten Arbeitsmarkt seien weitere Fördermass
nahmen notwendig. Eine Veränderung sei aus gesundheitlichen Gründen noch zu belastend (Urk. 9/187/3).
3.
10
Aus dem Zwischenbericht des Wohnheims
E._
an den Sozialdienst des Bezirks
Z._
vom 17. September 2018 geht hervor, dass die psychische Ver
fassung der Beschwerdeführerin relativ stabil sei. Sie leide weiterhin an depressi
ven Symptomen wie Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit. Neben den Spaziergängen habe die
Beschwerde
führ
erin zweimal wöchentlich Bewegungs
therapie und einmal pro Woche
Aquafit
. Sie habe wöchentliche Termine bei der Psychologin, welche zugleich auch Ernährungsberatung mit ihr mache.
Seit sie im Wohnheim sei, gelinge es ihr gemäss ihren
eigenen
Aussagen viel besser
, regelmässig drei angemessene Portionen täglich zu essen und zwischendurch nicht zu naschen. Teilweise falle sie jedoch in alte Gewohnheitsmuster zurück. Sie habe ihr Körpergewicht seit dem Wohnheimeintritt nicht reduzieren können. Zudem nehme sie täglich 60mg
Fluoxetin
unter Sicht ein (Urk. 9/187/2).
3.11
Mit Bericht vom 29. Oktober 2018
an den Sozialdienst des Bezirks
Z._
führ
ten die
Fachleute
des
M._
aus, die Beschwerdeführerin habe ihre Ziele betreffend die gesundheitliche Problematik noch nicht erreicht, was verständlich sei, da sie seit langer Zeit übergewichtig sei und parallel auch an anderen Themen arbeiten müsse. Sie lerne, richtig mit dem Essensrhythmus und den Portionen umzugehen. Leider habe sich herausgestellt, dass sie nicht auf den «kleinen Snack» geachtet habe und es dadurch nicht mög
lich gewesen sei, die angestrebte Gewichtsabnahme zu erreichen. Sie besuche die Therapiestunden (Urk. 9/185/1). Betreffend Bewegung und Sportaktivität sei es ihr immer noch nicht gelungen, eine Regelmässigkeit zu bewahren. Es falle ihr schwer, sich zu motivieren und die Anstrengung zu überstehen. Es sei realistisch, dass sie – basierend auf dem, was sie bereits erreicht habe – die Ziele, die sie sich für die nächsten sechs Monate vorgenommen habe, erreichen könne. Sie zeige eine starke Bereitschaft und Motivation, weiter an sich zu arbeiten (Urk. 9/185/2).
3.12
In ihrer Stellungnahme vom 24. Juni 2019 führte RAD-Ärztin Dr.
L._
aus, die einseitige Hörminderung rechts sowie das Tragen eines Hörgerätes seien bekannt und würden nichts an der Beurteilung des medizinischen Sachverhalts ändern. Der psychiatrische Bericht des
M._
vom 29. Oktober 2018 sei offensicht
lich für eine Kostengutsprache
betreffend
einen Heimaufenthalt erstellt worden. Eine Tagesstruktur sowie eine adäquate Ansprache mit sozialpädagogischen Inhalten führe gemäss Bericht zu einer Verbesserung von Pünktlichkeit, Ordnung im Zimmer und zu einem geringeren Online-Spielekonsum. In diesem Schreiben werde ausgiebig auf die Adipositas eingegangen. Hinweise auf ein depressives Zustandsbild würden völlig fehlen. Dieser Bericht ändere nichts an der Beurtei
lung des medizinischen Sachverhaltes.
Betreffend den
Bericht des
Wohn
heims
E._
hielt die RAD-Ärztin fest, dieser zeige, dass die Beschwerdeführerin mit initialer Hilfestellung alltagspraktische Aufgaben gut
erledigen könne. Es falle ihr schwer, selbständig Aktivitäten zu initiieren
,
und Termine könnten vergessen werden. Dies stehe im Ein
klang mit dem Ergebnis der neuropsychologischen Untersuchung von einer redu
z
ierten Aufmerksamkeitsaktivierung bei selbstgesteuerten Reaktionen (Aufmerksam
keitsaktivierung) und ebenso bei der langfristigen Aufmerksamkeit unter niedri
gen Zielreizbedingung
en
(Vigilanz). Dazu passe auch ein intensiver Game-Konsum, da hier die eingeschränkten Fähigkeiten gut umgangen werden könnten.
Im Bericht zum Arbeitstraining der
Arbeitsintegration des
E._
vom 13. September 2018 würde die Angabe
von
«depressiver Störungen» umgangs
sprachlich gebraucht
; diese
sch
e
ine vorübergehende Stimmungen zu beschreiben, die situationsabhängig auftreten würden. Diese seien nicht im Sinne der ICD-10 sowie der offiziellen Nomenklatur zu sehen. Das beschriebene gute allgemeine Funktionsniveau spreche auch gegen eine leistungseinschränkende Depression. Abgeleitet aus dem neuropsychologischen Gutachten bestehe somit eine leichte Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 10-30 %, je nach Aufgabe, wobei die Funktionsfähigkeit unter den meisten beruflichen Anforderungen nicht einge
schränkt sei (Urk. 9/188/3).
Am 3. Oktober 2017 sei die Beschwerdeführerin aus der
B._
mit einem deutlich ge
besserten psychischen Befund
auf dem Niveau einer leichten depressiven Störung (15 Punkte
gemäss BDI-II
) ausgetreten. Im Anschluss an diesen stationären Aufenthalt habe es keinerlei Anhaltspunkte gegeben, dass sich der psychische Zustand verschlechtert habe. Dafür spreche auch, dass sich in der neuropsychologischen Diagnostik keine depressive Störung abgebildet habe. Insbesondere seien die Gedächtnisfunktionen intakt. Im erneut durchgeführten BDI-II der Gutachterin habe sich sogar eine weitere geringfügige Erholung mit 13 Punkten gezeigt. Dieser Befund spiegle sich auch im Wohn- und Arbeitsbericht der
E._
wieder. Es sei kein dauerhafter Gesundheitsschaden ausgewiesen (Urk. 9/188/4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der leistungsabweisenden Verfügung vom 5. August 2019 (Urk. 2) massgeblich auf die letztgenannte
Aktenbeurteilung
durch
RAD-Ärztin
Dr.
L._
(Urk. 2 S. 1 f., Urk. 9/188/3 f.).
Diese kam
zum Schluss, abgeleitet aus dem neuropsychologischen Gutachten bestehe eine leichte Funktionseinschränkung, je nach Aufgabe von 10-30 %, wobei die Funk
tionsfähigkeit unter den meisten beruflichen Anforderungen nicht eingeschränkt sei
(Urk. 9/188/3).
Zudem verneinte sie eine Leistungseinschränkung aufgrund des psychischen Zustandes und kam zum Ergebnis, es sei kein dauerhafter Gesundheitsschaden ausgewiesen (Urk. 9/188/4).
4.2
Die Beschwerdeführerin macht
richtigerweise
geltend (Urk. 1 S.
9
), dass
ein Abstellen auf die RAD-
Aktenbeurteilung
vom 24. Juni 2019 problematisch erscheint.
Insbesondere
vermag es nicht zu überzeugen,
wenn
die RAD-Ärztin
mit Bezug auf das neuropsychologische Gutachten
festhielt
, dort habe sich keine depressive Störung abgebildet (Urk. 9/188/4).
Denn die Gutachterin beurteilte als Neuropsychologin in erster Linie die neurokognitiven Einschränkungen
der Beschwerdeführerin
.
B
ei dem von ihr durchgeführten
BDI-II
handelt es sich sodann
um ein Selbstbeurteilungsinstrument, welches nicht für Begutachtungs
situationen validiert ist und somit mit Vorsicht zu interpretieren ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_302/2018 vom 12. Juli 2018 E. 4.2.2 f.).
Relevant ist in erster Linie die klinische
Untersuchung
durch einen Psychiater (
Urteil des Bundesgerichts 8C_486/2010 vom 2. Dezember 2010
E. 3.1.2
). Eine solche fand
anlässlich
der neuropsychologischen Begutachtung nicht statt
und auch die RAD-Ärztin untersuchte die Beschwerdeführerin nicht
persönlich
, son
dern nahm lediglich eine Aktenbeurteilung vor
.
Ferner ist zu berücksichtigen, dass
die
Beschwerdeführerin
nachweislich
seit ihrer Kindheit
an psychischen
Beschwerden
litt
. So
wies
die
ehemals behandelnde
Psychiaterin schon im Jahr
2013
unter anderem
auf
eine Anpassungsstörung / längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21
)
, bestehend seit Herbst 2011,
hin
(Urk. 9/12/6)
. D
ie
RAD
-Ärztin
empfahl
damals
aufgrund dieser Sachlage
Eingliederungsmassnahmen in der Form einer geschützten Erstausbildung, welche hernach auch durchgeführt wur
den (Urk. 9/13/1, vgl. Urk. 9/18, Urk. 9/26)
.
Des Weiteren
diagnostizierten die
Behandler
innen
der
B._
im Oktober 2017
bei
Klinikeintritt
immerhin eine rezidivierende depressive Störung, mittelgradige Episode
, wobei
sie
bei Austritt
gestützt auf das Beck Depression Inventar (BDI)
noch
von
eine
r
leichte
n
depressive
n
Symptomatik
ausgingen
(Urk. 9/155/1 und 3).
Allerdings
war im gleichen Bericht bei Klinikeintritt auch von einem schweren depressiven Zustandsbild die Rede
(Urk. 9/155/2)
und in der Diagnoseliste wird eine rezidivierende depressive Symptomatik, gegenwärtig mittelgradige Episode erwähnt (
Urk.
7/155/1), so dass die definitive Ausprägung des Geschehens nicht
abschliessend
zu beurteilen ist.
Obschon
Dr.
G._
von einem seit Herbst 2011 bestehenden depressiven Geschehen berichtete (Urk. 7/12/6
)
,
fehlen in den
Akten
trotz des
mehr
jährigen Verlaufs
nähere Anga
ben über
d
ie
Krankheits
entwicklung
vor der
Hospitalisation
.
In diesem Zusam
menhang
ist
festzuhalten
, dass leichten bis
mittelgradige
n
depressive
n
Störungen
rechtsprechungsgemäss nicht von vornherein die invalidisierende Wirkung abge
sprochen werden kann (BGE 143 V 409 E.
4.5.2).
Im vorliegenden Fall kann insbesondere aufgrund des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin offenbar eine
engmaschige
Psychotherapie wahrnimmt und Antidepressiva einnimmt
(Urk. 9/185/1, Urk. 9/187/2)
,
nicht ohne Weiteres auf
das Fehlen eines psychischen Leidens
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
geschlossen werden.
Auch im Zwischenbericht des Wohnheims
E._
ist von «depressiven Symptomen», wie Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit die Rede (Urk. 9/197/2).
Überdies wurde im Abschlussbericht der
Y._
festge
halten, dass das Arbeitstempo der Beschwerdeführerin verlangsamt sei und sie durch die psychische Belastung immer wieder träge sei (Urk. 9/71/
3).
Ferner vermag es nicht zu überzeugen,
dass
die RAD-Ärztin mit Verweis auf den Zwi
schenbericht
der Arbeitsintegration
des
E._
annahm
, die dortigen Anga
ben von «Situationen depressiver Störungen» schienen vorübergehende Stimmungen zu beschreiben, die situationsabhängig auftreten würden (
U
rk. 9/188/3). Denn dabei handelt es sich offenbar um ihre eigene Vermutung, welche
sie klinisch nicht validierte
.
Sodann
setzte sich die RAD-Ärztin auch nicht mit der von den
behandelnden Fachleuten
der
B._
diagnostizierten Essstör
ung auseinander (Urk. 9/155/1).
Schliesslich ist die Feststellung der RAD-Ärztin unklar respektive unpräzise, wonach
- je nach Aufgabe -
eine leichte Funktionseinschränkung von 10-30 % bestehe, die Funktionsfähigkeit unter den meisten beruflichen Anforde
rungen jedoch nicht eingeschränkt sei (Urk. 9/188/3).
Es bestehen daher Zweifel an der RAD-Stellungnahme, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann (E. 1.5 hiervor).
4.3
Bei der Beschwerdeführerin ist ferner von einem polymorbiden Krankheitsbild auszugehen. Insbesondere
besteht bei ihr bereits
seit ihrer frühen Kindheit eine Adipositas, derzeit
in einem massiven Ausmass
(Adipositas Grad III,
Urk. 9/12/6, Urk. 9/155/1).
Wie die Beschwerdeführerin zu Recht anmerkt (Urk. 1 S.
7),
ist eine Adipositas rechtsprechungsgemäss dann als invalidisierend anzusehen, wenn sie die Folge von geistigen Schäden ist oder, wenn sie
weder durch geeignete Behandlung noch durch zumutbare Gewichtsabnahme auf ein Mass reduziert werden kann, bei welchem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folge
schäden keine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträch
tigung der Erwerbsfähigkeit beziehungsweise der Betätigung im bisherigen Auf
gabenbereich zur Folge hat (
vgl. E. 1.3 hiervor).
D
ie
Behandler
innen
der
B._
hielten
eine Essstörung fest
(Urk. 9/155/1)
.
Des Weiteren wurde
beispielsweise
im
Abschlussbericht der
A._
unter anderem festgehalten, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihres Gewichts rasch an ihre körperliche Leistungsgrenze gestossen sei (Urk. 9/137/3). Zudem habe sie ihr Arbeitstempo aufgrund des Gewichts phasen
weise nur leicht steigern können
. Eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt werde als möglich erachtet, sobald die Beschwerdeführerin ihr Gewicht reduzie
ren könne
(Urk. 9/137/4).
Dr.
H._
erklärte sodann, sie halte eine massive Gewichtsreduktion zur Vermeidung von Sekundärschäden und zur Behandlung der bereits bestehenden Schäden als dringend indiziert (Urk. 9/22).
Auch
laut der
neuropsychologische
n
Gutachterin
stehen die Adipositas respektive die Essstörung
im Vordergrund für das Finden und Behalten einer Arbeitsstelle (Urk. 9/162/8).
Damit kann eine invalidisierende Wirkung
derselben
nicht
von
v
ornherein ausgeschlossen werden, allerdings fehlen in den Akten ärztliche Berichte, welche über den somatischen Gesundheitszustand der Beschwerdefüh
rerin hinreichend Auskunft geben.
4.4
Angesichts dieser Ausgangslage wäre die Beschwerdegegnerin in Nachachtung
des ihr obliegenden Untersuchungsgrundsatzes
gehalten gewesen, weitere medi
zinische Abklärungen mit Bezug auf die
somatischen und
psychischen Einschrän
kungen der Beschwerdeführerin zu tätigen.
Aufgrund der Akten kann nicht abschliessend beurteilt werden, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin in angestammter und angepasster Tätigkeit arbeitsfähig ist
und welches das kon
krete Belastungsprofil ist
.
Diesbezüglich ist anzumerken, dass die Beschwerde
führerin bis anhin nur im geschützten Rahmen arbeitstätig war
(Urk. 9/138/1, Urk. 9/187
/3)
und sich somit die Frage stellt, inwiefern sie überhaupt eine verwertbare Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt aufweist.
Dies wird die Beschwerdegegnerin ebenfalls zu eruieren haben.
Da es die Beschwerdegegnerin unterlassen hat, den
entscheidrelevante
n
Sach
verhalt
in rechtsgenügender Weise abzuklären,
hat eine Rückweisung, nicht jedoch die Anordnung eines Gerichtsgutachtens (Urk. 1 S. 2) zu erfolgen.
Bei ihren ergänzenden Abklärungen wird die Beschwerdegegnerin eine
psychiatri
sch
e
Begutachtung ins Auge zu fassen haben
, welche sich auch zu den Stan
dardindikatoren gemäss
BGE 141 V 281 E. 4.1.3
äussert.
Da
zudem somatische Beschwerden im Raum stehen,
hat sie
diesbezüglich
weitere Abklärungen
in die Wege zu leiten
.
Je nach Ausgang der Abklärungen wird allenfalls eine polydis
ziplinäre Begutachtung angezeigt sein.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von Leistungen der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
in
Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig.
Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
g
ig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- fes
tgelegt und vor
liegend auf Fr. 7
00.-- festgesetzt.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Ausserdem steht
der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
,
Rechtsanwältin Stephanie
C.
Elms
, eine Prozessentschädigung zu.
Diese ist nach Art. 61
lit
.
g ATSG in Verbindung mit § 34
Abs.
3
des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitauf
wand und den Barauslagen zu bemessen.
Mit Honorarnote vom
13. November 2019 machte Rechtsanwältin Stephanie
C.
Elms für den Zeitraum vom 7. August bis 11. No
vember 2019 (inklusive
eine Stunde Urteilsstudium) einen Aufwand von 12.9 Stunden und Barauslagen von Fr. 209.--, zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7 % geltend, was beim praxis
gemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- gesamthaft einem Betrag von Fr. 3'281.60 entspricht (Urk. 14).
Dies ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen. Namentlich erscheint ein Auf
wand von
total 8.4
Stunden für das Aktenstudium sowie die Au
sarbeitung der Beschwer
de (Auf
wä
nd
e
vom
14. August sowie
5. September 2019
, Urk. 14
) überhöht, zumal
Rechtsanwältin Stephanie
C.
Elms bereits
im Verwaltungs
verfahren
als unent
geltliche Rechtsvertreterin
tätig war
und
dort
für ihr Aktenstudium
mit total
6.5 Stunden entschädigt wurde (Urk. 9/195/2, Urk. 9/191)
.
Neu hinzu kamen ledig
lich die Urk. 9/174-19
8.
Angesichts dessen rechtfertigt sich ein Aufwand für das Studium der zusätzlichen Akten von zwei Stunden, weshalb diese Positionen entsprechend zu kürzen sind. Die Beschwer
deschrift entspricht sodann teilweise
den Vorbringen
im Rahmen des
Vorbe
scheid
verfahrens
, weshalb ein Aufwand von 4 Stunden angemessen erscheint
(Urk. 9/176).
Der
Aufwand f
ür das Akten
studium sowie das Verfassen der Beschwerde ist daher von 8.4
Stunden
um 2.4 Stunden
auf 6 Stunden
zu kürzen.
Ferner sind nur die im Zusammenhang mit dem Gerichtsverfahren stehenden Bemühungen zu ersetzen. Die Verfügung ging laut Eingangstempel auf dem angefochtenen Entscheid am
8.
August
2019 bei der Rechtsvertreterin ein (
Urk.
2), weshalb die Entschädigung der am
7.
August 2019 getätigten Aufwen
dungen von 1.10 Stunden ausser Acht fällt.
Damit resultiert insgesamt ein
Aufwand von
9.4
Stunden (12.9
Stunden
.
/.
2.4
Stunden
.
/. 1.1 Stunden
).
Die geltend gemachten Barauslagen von Fr. 209.
--
wurden in der Honorarnote nicht
substantiiert
und sind ermessensweise auf Fr.
62
.--
festzusetzen
,
was einer Kleinspe
senpauschale von 3 % entspricht
.
Die Entschä
digung ist somit bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.
--
sowie unter Berücksichtigung der
Barauslagen
und der Mehrwertsteuer auf Fr. 2'
294.--
festzulegen.
Die Beschwerdegegnerin hat diesen Betrag der unentgeltlichen Rechtsvertreterin zu bezahlen.