Decision ID: 7e2d5df2-7280-482f-8e21-f90fcf629efb
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969, arbeitet seit 2004 als selbständiger Gebäudereini
ger
in seinem Reinigungsunternehmen, der
Einzelfirma
Y._
(
Urk.
6/23/1).
Am 1
1.
Mai 2009 meldete er sich unter Hinweis auf gesundheitliche
Beeinträch
tigungen
im Bereich des Kopfes
,
der Knie
und psychische Beschwerden
zum Leis
tungsbezug bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/3).
Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die
beruflichen und medizin
ischen Verhältnisse ab (
Urk.
6/8-15
, 6/21
) und holte
das
Gutachten
von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
5.
März 2011 ein (
Urk.
6/20).
Gestützt auf
Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (
RAD;
Urk.
6/24/4-5) und ein am
2
3.
August 2011
durchgeführte
s
Abklärungsgespräch für Se
lbständigerwerbende (
Urk.
6/23) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 2
1.
März 2012 ausgehend von einer
Restarbeitsfähigkeit von 40
%
vor dem Hintergrund
der psychiatrischen
Diagnosen
(vgl.
Urk.
6/30/1
f.
) rückwirkend ab
1.
November 2009 eine Dreiviertelsrente der Invalidenversiche
rung zu (
Urk.
6/35).
1.2
Im Rahmen einer im März 2014
eingeleiteten
Revision (
Urk.
6/40) holte die IV-Stelle
das psychiatrische
Gutachten von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
3.
Dezember 2014 ein (
Urk.
6/56)
und bestätigte den bisherigen Rentenanspruch mit Mitteilung vom
9.
Februar 2015 (
Urk.
6/60
; vgl.
Urk.
6/57
).
Mit Schreiben vom selben Tag forderte sie den Versicherten unter Hinweis auf seine Mitwirkungspflicht auf, bis 1
0.
März mitzuteilen, bei welchem Arzt er die empfohlene psychotherapeutische Traumatherapie durchführen werde (
Urk.
6/58). Mit Mail vom 1
2.
Februar 2015 informierte der Versicherte die IV-Stelle darüber, dass er die empfohlene Therapie bei seiner behandelnden Psy
chiaterin
Dr.
med.
B._
durchführen werde (
Urk.
6/62
; vgl.
Urk.
6/61,
Urk.
6/63,
Urk.
6/73
).
M
it Schreiben vom 1
4.
August 2015
teilte der Versicherte unter Beilage eines ärztlichen Zeugnisses von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, vom
9.
Juli 2015 mit, dass sich sein Gesundheitszustand verändert habe (
Urk.
6/66 und 6/67). Die IV-Stelle
holte
weitere ärztliche Bericht
e
zu den Akten
(
Urk.
6/74, 6/76/1-14
, 6/81
)
und klärte die aktuellen beruflichen Verhältnisse ab (
Urk.
6/77, 6/80/1-24). Mit Schreiben vom 2
4.
Juni 2016 bestätigte sie den bis
herigen Rentenanspruch aufgrund der weiterhin bestehenden Invalidität von 60
%
(
Urk.
6/84
; vgl.
Urk.
6/82
).
1.3
Am 1
6.
Januar 2017 teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, sein grösster Kunde (90
%
der Einnahmen) habe per Ende Februar 2017 gekündigt, weshalb seine Selbständigkeit in Frage gestellt sei. Er wolle jedoch weiterhin selbständig bleiben und der IV-Stelle sein Projekt vorstellen (
Urk.
6/94). Die IV-Stelle lud ihn hierauf zu
einem Standortgespräch am
6.
Februar 2017 ein (
Urk.
6/103
-104
). Im Nach
gang zu einem weiteren Eingliederungsgespräch vom
6.
April 2017 (
Urk.
6/106) teilte die IV-Stelle
dem Versicherten
am 1
1.
April
2017 den Abschluss der Ar
beitsvermittlung mit (
Urk.
6/107) und nahm das Schreiben vom 1
6.
Januar 2017 als Revisionsgesuch
entgegen
(
Urk.
6/108). Nach Einholung von Berichten der be
handelnden Ärzte (
Urk.
6/110, 6
/116)
sowie Stellungnahmen der RAD-Ärztin
m
ed. pract
.
D._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie, vom 2
5.
Juli und 3
1.
Oktober 2017 (
Urk.
6/121/3
-5
) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 2
2.
Januar 2018
mit, dass im Rentenrevision
s
verfahren
keine wesentliche dauerhafte Veränderung habe festgestellt werden können, weshalb er voraussichtlich weiterhin unverändert Anspruch auf eine Dreiviertelsrente habe (
Urk.
6/122).
Mit dem Einwand vom 2
8.
März 2018
(
Urk.
6/132)
liess der Beschwerdeführer Bericht
e
des rheumatologischen Facharz
tes
Dr.
med.
E._
vom
1
5.
Februar und
1
2.
März 2018 einreichen (
Urk.
6/131
,
Urk.
6/136/2-3
).
Mit Verfügung vom
8.
Mai 2018 verneinte die IV-Stelle de
n Anspruch auf eine Erhöhung der
bisherigen Dreiviertelsrente (
Urk.
2
=
Urk.
6/138
; vgl. auch
Urk.
6/137
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt
Dr.
Roger Peter
, mit
Eingabe vom
8.
Juni 2018
Beschwerde und beantragte, es sei ihm rückwirkend ab
1.
Januar 2017 eine ganze Rente zuzusprechen, eventualiter seien die revi
sionsrechtlich relevanten Fragen mittels e
ines psychiatrisch-orthopä
disch/
rheumatologischen Gerichtsgutachtens zu klären und danach sei über die Rentenerhöhung zu entscheiden (
Urk.
1 S. 2)
. Mit Beschwerdeantwort vom 1
6.
Juli 2018 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk.
5).
Nach einer ersten summarischen Prüfung der Sach- und Rechtslage setzte das Gericht dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
4.
Oktober 2019 Frist an, um zu einer möglichen Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur er
gänzenden medizinischen Abklärung Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen, da die zu tätigenden Abklärungen auch zu einem geringeren Rentenanspruch und damit zu einer Schlechterstellung des Beschwerdeführers führen könnten (
Urk.
8). Mit Stellungnahme vom
4.
Dezember
2019 hielt der Beschwerdeführer an seinem Hauptantrag fest, ergänzte den Eventualantrag dahingehend, dass er neu die Einholung eines psychiatrisch-orthopädisch-endo
krinologisch-gastroenterologischen Gerichtsgutachtens beantragte und verlangte subeventualiter die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Ein
holung eines solchen Gutachtens (
Urk.
11). Mit seiner Eingabe liess er die Berichte vom 2
6.
August 2019 von
Dr.
E._
(
Urk.
12/1) und vom 19.
Sep
tember 2017 von
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Otorhinolaryn
go
logie
(
Urk.
12/2), einreichen. D
ie
Eingabe des Beschwerdeführers
samt Beilagen wurde der IV-Stelle zugestellt (
Urk.
13);
sie
verzichtete am 1
6.
Dezember 2019 auf eine Stellungna
h
me
(
Urk.
14)
, wovom dem Beschwerdeführer am 1
7.
Dezember 2019 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
15)
.
Auf
die
Vorbringen der Parteien und
die
eingereichten Unterlagen wird,
soweit
für
die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesge
setz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des
Bun
desgesetz
es
über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen psychischer Krankheiten,
nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichter bis mittelschwerer Depressionen,
sind Indikatoren be
achtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichke
itsdiagnostik, persönliche
Res
sourcen)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des A
ktivitätenniveaus in allen ver-
gleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch ausgewiesener Lei-
densdruck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine Vier
tels
rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Da
bei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Re
visionsergebnis
gestützt auf Art. 74
ter
lit. f IVV auf dem W
eg der blossen Mittei
lung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu ver
gleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hin
weis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründet die Abweisung des Rentenerhöhungsgesuchs in der an
gefochtenen Verfügung damit,
ihre Abklärungen hätten keine wesentliche, dau
erhafte Veränderung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers ergeben. Die aus psychiatrischer Sicht attestierte Verschlechterung des Gesundheitszu
stands im Nachgang zur Ehescheidung
sei auf
einen äusseren Faktor zurückzu
führen, welcher von der Invalidenversicherung
nicht berücksichtigt werden könne
. Im Übrigen habe der Beschwerdeführer trotz der von der behandelnden Psychiaterin
Dr.
B._
erwähnten Verschlechterung der gesundheitlichen Situation
die
Therapie
frequenz nicht erhöht, was nicht ganz nachvollziehbar sei. Die neu bestehende Achillessehnenruptur vermöge allenfalls eine kurzzeitige Arbeitsunfähigkeit zu legitimieren. Die ebenfalls neu bestehenden Beschwerden im Schultergürtelbereich führten zwar zu Einschränkungen bei Arbeiten über Kopfhöhe. Allerdings seien diesbezüglich die
therapeutischen Möglichkeiten nicht voll ausgeschöpft worden. Es könne davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit als Reinigungsunternehmer weiter
hin zu 40
%
arbeitsfähig sei. Auch hinsichtlich der Validen- und Invalidenein
kommen sei es nicht zu einer relevanten Veränderung gekommen, zumal beim Einkommensvergleich ein hypothetisches Invalideneinkommen angerechnet wer
den müsse, wenn der Beschwerdeführer die ihm zumutbare Restarbeitsfähigkeit nicht voll ausschöpfe. Deshalb bestehe bei unveränderter Erwerbsfähigkeit wei
terhin Anspruch auf eine Dreiviertelsrente (
Urk.
2; vgl. auch
Urk.
5,
Urk.
14).
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich de
mgegenüber auf den Standpunkt, er habe we
gen einer gesundheitlichen Verschlechterung ab
1.
Januar 2017 Anspruch auf eine ganze Rente
. Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchs
erheblichen Änderung des Invaliditätsgrades sei die letzte, mit Mitteilung vom 2
4.
Juni 2016 abgeschlossene Rentenrevision (
Urk.
1 S. 5).
Danach
habe
sich sein psychischer und körperlicher Gesundheitszustand verschlechtert. Ebenso
sei das e
he
liche Verhältnis
zunehmend
zerrüttet
gewesen
, was zur Scheidung am 2
2.
September 2016 geführt habe. Aufgrund der verschlechterten gesundheitli
chen Situation habe er zudem seinen grössten Kunden verloren (
Urk.
1 S. 4).
Ge
mäss Bericht der behandelnden Psychiaterin
Dr.
B._
vom 2
0.
Juni 2017 sei er deshalb
zu 70
%
arbeitsunfähig. Auch der behandelnde Rheumatologe
Dr.
E._
habe mit der Achillessehnenruptur und den Problemen im Schul
tergürtelbereich zusätzliche Beeinträchtigungen erhoben. In seinem Bericht vom 1
2.
März 2018 sei er deshalb von einer wesentlichen Verschlechterung des Ge
sundheitszustandes ausgegangen und habe ihm eine Arbeitsfähigkeit von maxi
mal 70
%
in einer angepassten Tätigkeit bescheinigt
. Da die behandelnden Ärzte ihre Schlussfolgerungen ausführlich und nachvollziehbar begründet hätten, bestehe kein Grund, ihren Berichten die Beweiskraft abzusprechen
(
Urk.
1 S. 9
f.
).
Die IV-Stelle habe den Untersuchungsgrundsatz und die bundesrechtlichen Vor
gaben an den Beweiswert versicherungsinterner ärztlicher Berichte verletzt, indem sie auf die reinen Aktenbeurteilungen der RAD-Ärztin
med. pract.
D._
vom 2
5.
Juli 2017 und 3
1.
Oktober 2017 abgestellt
habe, welche von den
Einschätzungen der behandelnden
Ärzte
Dr.
B._
und
Dr.
E._
abwi
chen
, ohne
eine weitere versicherungsexterne Abklärung seines Gesundheitszu
standes
zu veranlassen
(
Urk.
1 S. 6).
Med. pract.
D._
verfüge als Fachärztin für Orthopädie nicht über die nötige Kompetenz, um in das Fachgebiet der Psy
chiatrie fallende Gesundheitsschäden zu beurteilen.
Entgegen ihrer Ansicht könn
ten psychosoziale Belastungsfaktoren wie die Trennung von der Ehefrau zur Ent
stehung oder Verschlimmerung eines psychischen Leidens und damit mittelbar zu einer Invalidität führen
(
Urk.
1 S. 6 f.)
.
Gestützt auf die Beurteilungen der
behandelnden Ärzte stehe fest, dass er aufgrund der gesundheitlichen Verschlech
terung nach der Scheidung vom 2
2.
September 2016 in jeder leidensangepassten Tätigkeit nur noch zu maximal 30
%
arbeitsfähig sei. Damit habe er
ab
1.
Januar 2017, drei Monate nach Beginn der gesundheitlichen Verschlechterung,
Anspruch auf eine ganze Rente. Ein solcher Anspruch ergebe sich im Übrigen auch
aus der
blossen
Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen (Validen- und Invaliden
einkommen). Dem von der IV-Stelle ermittelten hypothetischen Valideneinkom
men von
Fr.
55'573.-- stehe laut den Angaben im IK-Auszug ein durchschnittli
ches Invalideneinkommen von
Fr.
15'424.-- in den Jahren 2010 bis 2015 gegen
über
.
Der Einkommensvergleich ergebe auf dieser Basis einen Invaliditätsgrad von 72
%
(
Urk.
1 S. 9 ff.)
.
Falls das Gericht nicht auf die Berichte der behandeln
den Ärzte abstelle,
sei zu beachten, dass er auch an endokrinologischen (Schild
drüse) und gastroenterologischen (Leber) Besch
w
erden leide, wie sich aus den Berichten von
Dr.
E._
vom 2
6.
August 2019 und
Dr.
F._
vom 1
9.
September 2017 ergebe. Deshalb
habe
das Gericht ein polydisziplinäres
psy
chiatrisch-orthopädisch-endokrinologisch-gastroenterologisches
Gutachten ein
zuholen oder die Sache hierzu an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 10
,
Urk.
11
).
3.
3.1
Zeitliche Vergleichsbasis zur Beurteilung der Frage, ob eine relevante Verände
rung des Gesundheitszustandes eingetreten ist, bil
det die letzte materielle Beur
teilung des Rentenanspruchs mit
der Mitteilung
vom
2
4.
Juni 2016
, wonach der Beschwerdeführer unverändert Anspruch auf die laufende Dreiviertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 60
%
hatte
(
Urk.
6/84
).
Die Mitteilung
beruht nämlich auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechts
konformer Sach
verhaltsabklärung und
Beweiswürdigung
(
vgl.
Urk.
6/82 und
vorstehend Erwä
gung 1.5).
3.2
3.2.1
Die Mitteilung vom
2
4.
Juni 2016
basiert in medizinisch-somatischer Hinsicht auf den Berichten des
behandelnden
Orthopäden
Dr.
C._
vom
3
0.
September 2015 und
2
0.
Januar 2016 und in psychiatrischer Hinsicht auf dem Gutachten von
Dr.
A._
vom
1
1.
(richtig: 3.) Dezember 2014
und dem
B
ericht der behan
delnden Psychiaterin
Dr.
B._
vom 1
1.
Juni 2016 (
Urk.
6/82/3).
3.2.2
Der
den Beschwerdeführer seit Oktober 2014 behandelnde Orthopäde
Dr.
C._
berichtete am
3
0.
September 2015 sowie am 2
0.
Januar 2016
, dass der Beschwer
deführer wegen einer beidseitigen Femoropatellararthrose
und einer Chondropa
thie Grad IV der rechten Trochlea
zunehmend
femoropatellär belastende
Arbeiten
nicht mehr durchführen könne
. In der angestammten Tätigkeit als selbständiger
werbender Reinigungsfachmann sei er zu 50-80
%
arbeitsunfähig, je nach dem wie
viele belastende Ar
beiten mit Kniebeugen, Treppensteigen mit schweren Gegenständen etc. versehen werden müssten. In einer angepassten Tätigkeit be
stehe eine volle Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/74,
Urk.
6/76/1-3).
Dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
A._
vom
3.
Dezember 2014 sind als Diagnosen
eine andauernde posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10
:
F43.1), eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0) sowie ein Status nach depressiver Episode, aktuell weitgehend remittiert (ICD-10: F32.8)
,
zu entnehmen
(
Urk.
6/56/22).
Der Sachverständige hielt fest, a
ufgrund der
ausgeprägten posttraumatischen Symptomatik und
der
andauernden Persönlich
keitsänderung, welche sich insbesondere im zwischenmenschlichen Konfliktver
halten manifestier
t
e
n
, bestehe eine deutliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
6/56/22-27)
. Mit dem aktuellen Pensum von 40
%
als selbständiger Reini
gungsunternehmer bewege sich der Beschwerdeführer an der Grenze seiner Be
lastbarkeit. So könne er einige Stammkunden mit genügender Qualität versorgen, ohne dass es zu Kritik und Reklamationen komme und
als Folge davon
zu Kon
flikten und Zerwürfnissen.
Es könne jedoch gut sein, dass es in Zukunft zu kon
fliktbedingen Kundenverlusten komme. Eine Neuakquisition von Kunden scheine für den Beschwerdeführer aufgrund seiner Problematik schwierig zu sein. Insge
samt sei
deshalb weiterhin von einer 60%igen Arbeitsunfähigkeit in der bisheri
gen Tätigkeit auszugehen. Da die aktuelle selbständige Erwerbstätigkeit mit e
nt
sprechenden Gestaltungsf
reiheiten einer auf den Beschwerdeführer persönlich zu
geschnittenen angepassten Tätigkeit entspreche, bestehe auch in einer angepass
ten Tätigkeit eine 60%ige Arbeits
un
fähigkeit
(
Urk.
6/56/27-28).
In ihrem Verlaufsbericht vom 1
1.
Juni 2016 diagnostizierte die behandelnde Psy
chiaterin
Dr.
B._
ebenfalls eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung.
Sodann wies sie darauf hin, d
er Beschwerdeführer habe eine Reinigungsfirma und arbeite alleine. In der angestammten Tätigkeit könne er – mit Schwankungen - eine Leis
tungsfähigkeit von bis zu 40
%
erreichen. Ihrer Einschätzung nach sei er mit dem aktuellen Erwerbspensum bestmöglich eingegliedert. Kurz- bis mittelfristig sei keine wesentliche Änderung des Zustandes zu erwarten (
Urk.
6/81).
3.2.3
In erwerblicher Hinsicht ging die IV-Stelle unter Berücksichtigung der Buchhal
tungsabschlüsse für die Jahre 2011 bis 2014
(
Urk.
6/80/1-24)
weiterhin von einer selbständigen Erwerbstätigkeit des
Beschwerdeführers als
Reinigungsunterneh
mer
aus
und nahm deshalb keine neue Bemessung des Invaliditätsgrades vor
(
Urk.
6/82/1,
Urk.
6/82/4).
3.3
3.3.1
Laut den
Protokollen
über die Standort- beziehungsweise Eingliederungsgesprä
che vom
6.
Februar und
6.
April 2017 gab der Beschwerdeführer den Beratern der IV-Stelle an
,
dass er
als Geschäftsinhaber einer Reinigungsfirma tätig sei und seine Arbeit hauptsächlich im Reinigen eines Ladenlokals am Abend nach Laden
schluss (Saugen und Putzen des Bodens sowie Reinigung der Schaufenster) be
stehe. Er habe eine Angestellte, welche auf Abruf Putzarbeiten verrichte und damit etwa
Fr.
2'000.-- pro Jahr verdiene. Die Administration und Rechnungs
stellung sei bis anhin durch seine Ehefrau erledigt worden
, welche besser Deutsch spreche als er
. Am 1
8.
August 2016
(richtig wohl: 1
6.
November 2016 [
Urk.
6/95/1; vgl. auch
Urk.
6/88,
Urk.
6/91/1)
sei die Ehe geschieden worden
; seither werde er bei der Arbeit nicht mehr durch seine Ex-Frau unterstützt
(
Urk.
6/104/2-3
,
Urk.
6/106/3
). Per März 2017 habe sein grösster Auftraggeber sein Engagement reduziert
,
entsprechend einem Rückgang des Auftragsvolumens von rund
Fr.
50'000.
--
pro Jahr
(beziehungsweise 90
%
seiner Einnahmen [
Urk.
6/94])
auf
Fr.
15'000.--
. Bei dieser neuen Ausgangslage ersuchte der Be
schwerdeführer die IV-Stelle um Unterstützung durch die Vermittlung von Auf
traggebern
, da er nicht gut Deutsch spreche und nicht so auf Menschen zugehen könne
. Zudem gab er an, sich vorstellen zu können, bei ausreichender Auftrags
lage Reinigungsmitarbeiter, welche ihm von der IV-Stelle vermittelt würden, ein
zustellen und dadurch sein Pensum als Arbeitgeber mit
organisatorischen Aufga
ben auszudehnen.
Ferner
benötige er jemanden, der
die a
dministrativen A
rbeiten, welche bis anhin seine Ehefrau gemacht habe, für ihn erledige (
Urk.
6/104/4,
Urk.
6/106/4).
Das Angebot der IV-Stelle, ihm eine Stelle als unselbständi
g E
r
w
erbender, auch im Rahmen eines Arbeitsversuchs, zu vermitteln, lehnte
er
ab. Zur
Begründung
gab er an
, er könne
sich
nicht
vorstellen,
als Angestellter
zu
arbeiten. Wenn ein Chef keine Ahnung habe, mache ihn das aggressiv (
Urk.
6/106/3
-4).
Möglich sei aus seiner Sicht
eine (selbständige) Tätigkeit ohne viele soziale Kontakte mit der Möglichkeit zur freien Zeiteinteilung (
Urk.
6/104/4).
3.3.2
In ihrem Verlaufsbericht vom
2
0.
Juni 2017
bescheinigte die behandelnde Psy
chiaterin
Dr.
B._
dem Beschwerdeführer
bei gleichgebliebenen Diagnosen
eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit in
der angestammten Tätigkeit
ab Januar 201
7.
Im Vergleich zur Situation im Juni 2016 habe sich der Gesundheitszustand
deutlich verschlech
t
ert.
Nach der Ehescheidung wirke
d
er
Beschwerdeführer
seit Januar 2017 fast verwahrlost, sei depressiv und klage über zahlreiche körperliche Beschwerden (Atemnot, Parästhesien in den Armen und Beinen, Bauchbeschwer
den etc.).
Eine Therapie mit Surmontil sei gescheitert, da der Beschwerdeführer weiterhin eine negative Einstellung gegenüber Medikamenten habe. Der Abstand zwischen den Behandlungsterminen bei ihr betrage 1-4 Wochen.
Es mache den Anschein, dass seine Reinigungsfirma nur funktioniert habe, solange er
die Un
terstützung
durch seine Ex-Frau gehabt habe. Er benötige fachliche Unterstüt
zung, um auf dem ersten Arbeitsmarkt aktiv bleiben zu können (
Urk.
6/110).
In Berichten vom 2
3.
August 2017 sowie
vom 1
2.
März 2018
diagnostizierte der Rheumatologe
Dr.
E._
, welcher den Beschwerdeführer seit
Juli 2015 be
handelte,
zunächst
ein rezidivierendes subacromiales Schmerzsyndrom beidseits mit einem Schulter-Impingement rechts, einer chronischen subacromialen Bursi
tis rechts, einer Ruptur der langen Bizepssehne
und der Subscapularissehne rechts, einer Degeneration des Labrum glenoidale rechts,
einem myofaszialen Schmerzsyndrom der umgebenden Muskelstrukturen und
muskulärer Dysbalance. Sodann erwähnte er bei den Diagnosen
eine Achillessehnenruptur links am 1
9.
Mai 2016 mit verzögerter Spontanheilung
,
die bekannten Kniegelenksbe
schwerden beidseits
sowie eine Depression und Persönlichkeitsstörung
(
Urk.
6/116
/7
,
Urk.
6/131/1). Die Situation habe sich seit seiner Beurteilung im Februar 2016 deutlich verschlechtert
;
neu seien die Achillessehnenruptur und die Diagnosen im Schultergürtelbereich (
Urk.
6/131/2).
Es komme zu relevanten Ein
schränkungen für eine Tätigkeit im Reinigungsdienst, so dass dem Beschwerde
führer die Ausübung der bisherigen Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei
(
Urk.
6/131/9). In einer angepassten Tätigkeit ohne Arbeiten kniend, in vorge
neigter gebückter Haltung, über Schulterhöhe, auf
Leitern und mit einer regel
mässigen Gewichtsbelastung von mehr als 10 kg
schätze er die Resta
rbeitsfähig
keit auf maximal 30
%
ein
(
Urk.
6/131/2).
3.3.3
Am 2
5.
Juli und 3
1.
Oktober 2017
nahm med. pract.
D._
, Orthopädin vom RAD, unter Berücksichtigung der Berichte von
Dr.
B._
vom 2
0.
Juni 2017 und
Dr.
E._
vom 2
3.
August 2017 zur Frage Stellung, ob seit der letzten Beurteilung des Rentenanspruchs am 2
4.
Juni 2016 eine gesundheitliche Verän
derung eingetreten sei.
Sie hielt fest, hinsichtlich der Veränderung des psychi
schen Gesundheitszustandes stünden psychosoziale Gründe, nämlich die Tren
nung von der Ehefrau, im Vordergrund. Zudem seien die Therapietreue
und der Leidensdruck des Beschwerdeführers fragwürdig. Laut der behandelnden Psy
chiaterin sei die Therapie mit Surmontil an seiner negativen Einstellung gegen
über Medikamenten gescheitert. Zudem schwanke die Therapiefrequenz zwischen einem
Termin pro Woche und einem Termin pro Monat, was nicht auf einen intensiven Therapiebedarf schliessen lasse.
Auch
sei nicht ersichtlich, dass eine Trauma-spezifische Therapie durchgeführt worden sei. Nach der berichteten ge
sundheitlichen Verschlechterung sei
die Therapie auch nicht intensiviert worden, und die erwähnte Symptomatik sei gleichbleibend. Angesichts der überwiegenden psychosozialen Faktoren sei keine wesentliche Veränderung des psychischen Ge
sundheitszustandes ausgewiesen (
Urk.
6/121/3-4). Die von
Dr.
E._
nebst den bereits bekannten Kniebeschwerden dokumentierte Achillessehnenruptur sei allenfalls geeignet, eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit zu begründen
. Hin
sichtlich der Schultergelenke habe eine Rotatorenmanschettenruptur sonogra
phis
ch ausgeschlossen werden
können.
Die
von
Dr.
E._
erwähnte Ein
schränkung bei Arbeiten über Kopfhöhe sei zwar nachvollziehbar; allerdings schienen die therapeutischen Optionen mit einer einmaligen Infiltration im Ja
nuar 2017 noch nicht ausgeschöpft zu sein. Aus diesen Gründen sei auch aus somatischer Sicht keine dauerhafte Veränderung des Gesundheitszustandes aus
gewiesen (
Urk.
6/121/4-5).
3.3.4
In einem weiteren Verlaufsbericht vom 2
6.
August 2019 erwähnte der Rheuma
tologe
Dr.
E._
bei den Diagnosen neu eine erstmals im Februar 2019 erho
bene Hepatopathie (
Urk.
12/1). Dem Bericht vom 1
9.
September 2017 von
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Otorhinolaryngologie, ist zu entnehmen, dass er im November 2016 beim Beschwerdeführer einen Knoten in der Schilddrüse rechts ohne Hinweise auf Malignität feststellte
. Im Frühling 2018 sei eine Kon
trolle vorgesehen
(
Urk.
12/2).
4.
4.1
Aus psychiatrischer Sicht
war
die behandelnde
Dr.
B._
in ihrem früheren Bericht vom 1
1.
Juni 2016 aufgrund der Diagnosen eine
r
posttraumatische
n
Be
lastungsstörung sowie eine
r
andauernde
n
Persönlichkeitsänderung nach Extrem
belastung noch von einer Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers
in
seiner
an
gestammten
selbständigen
Tätigke
it
als Reinigungsunternehmer
von bis zu 40
%
aus
gegangen
(
Urk.
6/81/1-2
).
Diese Beurteilung deckt sich weitgehend mit derje
nigen im psychiatrischen Gutachten von
Dr.
A._
vom
3.
Dezember 2014
(
Urk.
6/56/22,
Urk.
6/56/27-28)
.
In ihrem Verlaufsbericht vom 2
0.
Juni 2017 er
wähnte
Dr.
B._
eine deutliche Verschlechterung des psychischen Gesund
heitszustandes nach der Scheidung mit einer
zusätzlichen
depressiven Sympto
matik
, weswegen der Beschwerdeführer
nun
zu 70
%
arbeits
un
fähig sei. Zudem wies sie darauf hin, seine Firma scheine nur funktioniert zu haben, solange er durch seine Ex-Frau bei der Arbeit unterstützt worden sei (
Urk.
6/110/1-2). Damit bestehen Anhaltspunkte für eine wesentliche Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes.
Die
Stellungnahmen
von med. pract.
D._
vom RAD
vom 2
5.
Juli 2017 und vom 3
1.
Oktober 2017 sind
nicht geeignet,
diesen Schluss zu entkräften
.
Zunächst ist med. pract.
D._
, worauf der Beschwerdeführer zu Recht hinweist, nicht Fachärztin für Psychiatrie, und sie hat den Beschwerdeführer im Gegensatz zu
Dr.
B._
nicht persönlich untersucht. Sodann
ist ihre Beurteilung, die Zu
standsverschlechterung sei überwiegend auf
die Scheidung als
psychosoziale
r Faktor
zurückzuführen, weshalb keine relevante Sachverhaltsänderung vorliege
(
Urk.
6/121/3-4)
, nicht ohne Weiteres
ausgewiesen
.
Das Bestehen belastender psychosozialer Faktoren schliesst für sich allein eine Invalidität noch nicht aus. Bei Vorliegen solcher Belastungsfaktoren ist zu prüfen, ob
sich
das klinische Be
schwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen
erschöpft
, welche von den be
lastenden psychosozialen Faktoren herrühren, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde umfasst. Solche verselbständigte psychische Störungen können durchaus zu einer Invalidität führen. Ausserdem können sich psychoso
ziale Belastungsfaktoren mittelbar invaliditätsbegründend auswirken, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wir
kungsgrad seiner Folgen verschlimmern (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteile des Bun
desgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen sowie 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Da aus diesen Gründen Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der RAD-Beurteilung bestehen, kann darauf nicht abgestellt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7
)
.
Indessen kann auch nicht ohne Weiteres auf den Bericht von
Dr.
B._
vom
2
0.
Juni 2017 abgestellt werden. D
ie behandelnde Psychiaterin
hat nämlich in ihrem eher oberflächlich begründeten Bericht
– ohne Bezugnahme auf die recht
sprechungsgemäss zu berücksichtigenden Indikatoren (vorstehend E. 1.2) -
nicht klar dazu Stellung
genommen
, ob dem Beschwerdeführer trotz seiner psychischen Beeinträchtigungen die Aufnahme einer
unselbständigen Erwerbstätigkeit zu
mutbar wäre, und falls ja, welches psychische Belastungsprofil dabei zu beachten wäre (vgl.
Urk.
6/110). Zudem wies med. pract.
D._
grundsätzlich zutref
fend darauf hin, dass angesichts der Angaben im Bericht von
Dr.
B._
vom 2
0.
Juni 2017 fraglich ist, ob der Beschwerdeführer die ihm offenstehenden the
rapeutischen Optionen hinreichend wahrnahm (
Urk.
6/121/3-4).
4.2
Aus somatischer Warte wirkte sich
laut den Berichten des Rheumatologen
Dr.
E._
vom 2
3.
August 2017 sowie vom 1
2.
März 2018
die
in der Zwi
schenzeit neu aufgetretene
Achillessehnen
ruptur
unbestrittenermassen zumindest vorübergehend auf die Arbeitsfähigkeit aus.
Ferner ist den Berichten von
Dr.
E._
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
inzwischen
auch an Schulterbeschwerden
leidet
; diese führten gemäss
Dr.
E._
zu der
art
schwe
ren
Einschränkungen, dass er von einer wesentlichen gesundheitlichen Ver
schlechterung ausging
(Ur. 6/131/2)
und dem Beschwerdeführer eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit im Reinigungsdienst attestierte (
Urk.
6/116/9)
.
Schliesslich leidet der Beschwerdeführer laut den Berichten von
Dr.
E._
vom 2
6.
Au
gust 2019 und
Dr.
F._
1
9.
September 2017
neu
auch unter einer Hepato
pathie und einem
Knoten in der Schilddrüse (
Urk.
12/1 S. 2,
Urk.
12/2). Damit liegen verdichtete Hinweise für eine wesentliche Verschlechterung des körperli
chen Gesundheitszustandes vor.
Soweit med. pract.
D._
in ihrer Stellungnahme vom 3
1.
Oktober 2017 gel
tend macht, eine den Schulterbeschwerden zugrunde liegende Rotatorenman
schettenruptur habe sonographisch ausgeschlossen werden können (
Urk.
6/121/5
)
,
mag Letzteres zutreffen. Allerdings
übersieht sie, dass gemäss Bericht von
Dr.
E._
vom 1
2.
März 2018 eine am 1
3.
September 2017 durchgeführte Arthro-MRI-Untersuchung
unter anderem eine Ruptur der langen Bizepssehne und eine Partialruptur der Subscapularissehne ergab (
Urk.
6/131/1).
Aus diesen Gründen kann auf ihre Beurteilung, auch somatisch liege keine we
sentliche gesundheitliche Verschlechterung vor, nicht abgestellt werden.
D
en Berichten von
Dr.
E._
können
keine näheren Angaben über Art, Um
fang und Dauer der durch die Achillessehnenruptur verursachten Arbeitsunfähigkeit entnommen
werden
(
Urk.
6/116/7-9,
Urk.
6/131). Zudem überzeugt die von ihm aufgrund der Einschränkungen in den Knien, der Achil
lessehne und der Schulter am 1
2.
März 2018 bescheinigte 70
%
ige Arbeitsunfä
higkeit in behinderungsangepassten Tätigkeiten
(
Urk.
6/131/2)
zumindest
hin
sichtlich des hohen Umfangs
nicht ohne Weiteres
, zumal eine nähere Begründung der zeitlichen Limitierung der Arbeitsfähigkeit in seinen Berichten fehlt
.
4.3
Hinsichtlich der
erw
er
bliche
n
Auswirkungen
des Gesundheitsschadens
hat sich der Sachverhalt seit der letzten Beurteilung des Rentenanspruchs
ebenfalls
ver
ändert: Seit der Scheidung im
Herbst 2016 (
Urk.
6/95/1)
hilft die Ehefrau nicht mehr im Reinigungsbetrieb mit
(
Urk.
6/106/3)
. A
ufgrund der
Angaben, die der Beschwerdeführer den Eingliederungsfachleuten der IV-Stelle machte (
Urk.
6/23/2-4,
Urk.
6/104/4,
Urk.
6/106/3
-4
),
bestehen
deutliche
Hinweise, d
ass er seine Reinigungsf
irma ohne die
– nach der Scheidung nicht mehr verfügbare
–
unentgeltliche
Hilfe seiner Ex-Frau
(
Urk.
6/23/3)
bei der Administration, Rech
nungsstellung (
Urk.
6/104/3) und
de
m direkten Kontakt mit Kunden (
Urk.
6/23/2)
wegen fehlender Deutschkenntnisse und Fähigkeiten in den Bereichen Ad
ministration und Akquisition
nur
noch eingeschränkt führen
konnte
.
Zu dieser Einschätzung gelangte auch seine Psychiaterin
Dr.
B._
im Bericht vom 2
0.
Juni 2017 (
Urk.
6/110/1-2).
Per März 2017 hat zudem sein grösster Auftrag
geber sein
Engagement reduziert entsprechend einem Rückgang des Auftragsvo
lumens von rund
Fr.
50'000.-- pro Jahr (beziehungsweise 90
%
seiner Einnahmen [
Urk.
6/94]) auf
Fr.
15'000.-- (
Urk.
6/104/4)
.
Da auch der Gutachter
Dr.
A._
am
3.
Dezember 2014 zur Einschätzung gelangte, das Akquirieren von neuen Kunden scheine für den Beschwerdeführer aufgrund seiner psychischen Probleme schwie
rig zu sein (
Urk.
6/56/27-28), ist zumindest fraglich, ob er die entstandene Um
satzlücke durch die Akquisition neuer Kunden füllen kann.
In dieser Situation hätte die IV-Stelle prüfen müssen, ob der Beschwerdeführer die verbliebene Ar
beitsfähigkeit in einer zumutbaren leidensangepassten unselbständigen Erwerbs
tätigkeit - je nach dort hypothetisch erzielbarem Lohn - besser verwerten kann und ihm deshalb im Licht der Schadenminderungspflicht die Aufgabe seines Ge
schäfts und die Aufnahme einer solchen Tätigkeit zumutbar sind
(vgl. zum Gan
zen Meyer
/Reichmuth,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversiche
rungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage, Zürich 2014, Art. 30-31 Rz
22 und 25
mit Hinweis
en
)
.
4.4
Nach dem Gesagten liegt auf jeden Fall ein erwerblicher Revisionsgrund vor.
Un
klar ist bei der gegenwärtigen Aktenlag
e
,
inwiefern
der Beschwerdeführer
– ge
gebenenfalls nach Durchführung beruflicher Eingliederungsmassnahmen
–
selb
ständig oder
unselbständig arbeiten
könnte,
bejahendenfalls
in welchem zeitli
chen Umfang und
mit welchem körperlichen und psychischen Belastungsprofil
,
und welches Einkommen er dabei zumutbarerweise erzielen könnte
.
Der Be
schwerdeführer gab gegenüber den Eingliederungsfachleuten wiederholt an, er ertrage es nicht mehr, wenn ihm jemand Befehle erteile, und
er werde
aggressiv, falls er einen Vorgesetzten habe, der keine Ahnung habe; er könne sich deshalb nicht vorstellen, in einem Angestelltenverhältnis
zu
arbeiten (
Urk.
6/23/2,
Urk.
6/106/4). Ob ihm eine unselbständige Erwerbstätigkeit aus psychischen Gründen
bei Aufbietung allen guten Willens
nicht zumutbar ist, ist bei der gegenwärtigen Aktenlage ebenfalls offen.
Die IV-Stelle, welche den Beschwerde
führer im
aktuellen
Revisionsverfahren
bisher nicht hat begutachten lassen,
wird dies deshalb
durch das Einholen eines polydisziplinären (fachärztlich-internisti
sch
en
,
-
psychiatrisch
en
und
-
rheumatologisch/orthopädisch
en
) Gutachtens nach
zuholen haben. Der psychiatrische Gutachter wird die
rechtsprechungsgemäss be
achtlichen Standardindikatoren in seiner Beurteilung mitzu
berücksichtigen ha
ben
(vgl. vorstehend E. 1.2)
.
Ob angesichts der in den Berichten von
Dr.
E._
vom 2
6.
August 2019 (
Urk.
12/1) und von
Dr.
F._
vom 1
9.
September 2017 (
Urk.
12/2) erwähnten weiteren körperlichen Gesundheitsschäden (Hepato
pathie und Knoten in der Schilddrüse)
bei der Begutachtung
weitere Spezialisten beigezogen werden m
üssen, wird die IV-Stelle vorab zu klären
haben
.
Danach
wird s
ie zu
nächst zu
prüfen haben, ob
dem Beschwerdeführer der Wechsel in eine unselbständige
Erwerbstätigkeit zumutbar ist
;
hernach
wird sie erneut
den Inva
liditätsgrad zu ermitteln und über den Rentenanspruch zu verfügen haben.
Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und die
Beschwerde
i
n diesem Sinne
gutzuheissen.
5.
5.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
800.-- zulasten der unter
liegenden IV-Stelle (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
Nach
§
34
Abs.
1
des
Gesetz
es
über das Sozialversiche
rungsgericht (GSVGer)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien und nachdem der Beschwerdeführer trotz dem Hinweis, dass zur Einreichung einer Honorarnote keine vorgängige Fristan
setzung durch das Gericht erfolge (
Urk.
7 S. 2; vgl. auch
Urk.
1 S.
12)
,
keine Kos
tennote eingereicht hat,
ist
ihm eine
ermessensweise zu bemessende
Parteient
schädigung von
Fr.
2'700.-- (inkl. Barauslagen und MWSt)
zuzusprechen.