Decision ID: 3d43cc37-8738-4910-abb1-7b4a8c823a7f
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Studer, Hauptstrasse 11a,
8280 Kreuzlingen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, meldete sich am 27. Oktober 1999 zum Bezug von IV-Leistungen an.
Wegen Kreuzschmerzen könne er seinen erlernten Beruf als Maurer nicht mehr
ausüben (act. G 5.1). Dr. med. B._, Physikalische Medizin FMH, diagnostizierte im
Bericht vom 21. Dezember 1999 (Datum Eingang SVA) ein chronisches
Thoracolumbovertebralsyndrom und ein ISG-Syndrom beidseits (act. G 5.8). Die IV-
Stelle gewährte dem Versicherten eine von ihm angeregte Umschulung zum
Lastwagenchauffeur (vgl. Verfügung vom 19. Juli 2000, act. G 5.25; zum
vorübergehenden Umschulungsunterbruch wegen eingeschränkter psychischer
Verfassung vgl. den Zwischenbericht des Berufsberaters vom 5. Dezember 2000, act.
G 5.39; zur Wiederaufnahme der Umschulung vgl. Zwischenbericht vom 22. Februar
2001, act. G 5.44), die er am 12. April 2001 erfolgreich beendete (Zwischenbericht vom
16. August 2001, act. G 5.47). Am 28. Mai 2001 nahm er bei der C._ AG eine
Tätigkeit als Mitarbeiter Pulverfarbtonrezeptierung auf (act. G 5.48). Für eine
Einarbeitungszeit (Arbeitstraining) von sechs Monaten gewährte die IV-Stelle dem
Versicherten Taggeldleistungen. Die Umschulung sei mit dieser Massnahme
abgeschlossen (act. G 5.52 und 5.55). Von Dezember 2001 bis Mai 2006 arbeitete der
Versicherte als Messerschleifer in der D._. Das Arbeitsverhältnis wurde wegen Abbau
der Stelle aufgelöst (act. G 5.57).
A.b Am 27. Oktober 2006 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (act. G 5.56). Die IV-Stelle trat auf die Wiederanmeldung nicht ein, da der
Versicherte eine Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse nicht glaubhaft dargelegt
habe (Verfügung vom 26. Februar 2007, act. G 5.65).
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A.c In der Wiederanmeldung vom 17. September 2008 beantragte der Versicherte
erneut IV-Leistungen. Er brachte darin vor, an psychischen Beschwerden zu leiden
(Ängste, Nervosität, Depressionen, Antriebsstörung), und verwies auf ein
psychiatrisches Gutachten von Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie (act. G 5.66). Dieser hatte den Versicherten am 1. September 2008 im
Auftrag des Krankentaggeldversicherers untersucht. Im Gutachten vom 4. September
2008 diagnostizierte Dr. E._ mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F32.11),
anamnestisch ein ADHS im Erwachsenenalter sowie einen Verdacht auf eine ängstliche
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.6; DD akzentuierte ängstliche
Persönlichkeitszüge). Der Versicherte sei derzeit für jegliche Tätigkeit zu 100%
arbeitsunfähig (act. G 5.163-1 ff.). Anlässlich des Frühinterventionsgesprächs mit dem
RAD-Arzt Dr. med. F._ gab die behandelnde Dr. med. G._, Ambulatorium,
Psychiatrische Klinik Wil, an, aktuell bestehe keine Arbeitsfähigkeit. Der
Gesundheitszustand sei besserungsfähig (Protokoll vom 22. Oktober 2008, act. G 5.77;
vgl. auch Bericht vom 5. Januar 2009, act. G 5.81, sowie vom 24. März 2009, act.
G 5.93).
A.d Im Auftrag des Krankentaggeldversicherers wurde der Versicherte am 17. April
2009 erneut psychiatrisch untersucht. Dr. med. H._, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, führte im Gutachten vom 20. Mai 2009 aus, die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung könne weder mit Sicherheit gestellt noch mit Sicherheit
ausgeschlossen werden. Die in den Vorakten beschriebene depressive Episode sei
remittiert. In der neuropsychologischen Teilbegutachtung vom 1. Mai 2009 werde eine
insgesamt mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung beschrieben.
Dr. H._ diagnostizierte eine Aufmerksamkeitsstörung im Erwachsenenalter (ICD-10:
F90.0) und hielt den Versicherten für 40% arbeitsfähig (act. G 5.163-19 ff.).
A.e Der Versicherte nahm seit dem 17. August 2009 an einer beruflichen Abklärung in
der dreischiibe teil. Die Abklärung musste am 13. Oktober 2009 gesundheitsbedingt
abgebrochen werden (vgl. Mitteilung vom 4. Januar 2010, act. G 5.122). Im
Abklärungsbericht vom 28. Oktober 2009 hielt die Abklärungsperson der dreischiibe
fest, der Versicherte sei aufgrund seiner psychischen Instabilität derzeit weder in der
freien Wirtschaft noch an einem geschützten Arbeitsplatz arbeitsfähig (act. G 5.110). Im
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Verlaufsbericht vom 26. November 2009 gaben die behandelnden medizinischen
Fachpersonen des Ambulatoriums der Psychiatrischen Klinik Wil an, der
Gesundheitszustand des Versicherten sei seit 5. Januar 2009 stationär geblieben. Der
Versicherte sei für jegliche Tätigkeiten zu 100% arbeitsunfähig (act. G 5.114). Der RAD
empfahl in der Stellungnahme vom 28. Dezember 2009 eine psychiatrische
Verlaufsbegutachtung bei Dr. H._. Zusätzlich sei eine rheumatologische
Untersuchung zur Validierung des somatischen Gesundheitszustands angezeigt (act.
G 5.117).
A.f Am 1. Februar 2010 wurde der Versicherte erneut durch Dr. H._ untersucht. Am
7. und 10. Mai 2010 nahm er an einer neuropsychologischen Begutachtung durch
Dr. phil. I._, Fachpsychologe FSP, teil (zum neuropsychologischen Teilgutachten vom
18. Mai 2010 vgl. act. G 5.130-56 ff.). Im Verlaufsgutachten vom 17. Juni 2010 kam
Dr. H._ zum Schluss, dass der Versicherte an einer Aufmerksamkeitsstörung im
Erwachsenenalter (ICD-10: F90.0) leide. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
könne weiterhin weder mit Sicherheit gestellt noch mit Sicherheit ausgeschlossen
werden. Im neuropsychologischen Teilgutachten von Dr. I._ vom 18. Mai 2010
imponiere ein Motivationsdefizit. Die Anzahl der Fehler sei dermassen hoch gewesen,
dass nicht mehr von zufälligen Fehlern ausgegangen werden könne. Aus
neuropsychologischer Sicht werde bei einem "ideal adaptierten Arbeitsplatz" keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gesehen. Dieser Auffassung folgte Dr. H._. Bei
der Erstbegutachtung vom Mai 2009 habe er sich bezüglich der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen auf die damalige neuropsychologische Abklärung
abgestützt. Symptomvalidierungstests seien damals keine durchgeführt worden. Dies
habe sich nun als Fehler erwiesen und erkläre die grosse Diskrepanz zwischen den
Einschätzungen der Erst- und der Verlaufsbegutachtung (act. G 5.130).
A.g Mit Vorbescheid vom 1. September 2010 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit, einen Rentenanspruch
abzuweisen (act. G 5.148). Dagegen erhob der Versicherte am 2. September 2010
Einwand (act. G 5.149), den er am 1. Oktober 2010 (act. G 5.150) ergänzen liess. Am
21. Oktober 2010 wies die IV-Stelle den Anspruch des Versicherten auf berufliche
Massnahmen ab (act. G 5.151). Am 16. November 2010 reichte die Psychiatrische
Klinik Wil eine Stellungnahme zum Vorbescheid samt einem testpsychologischen
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Untersuchungsbericht vom 3. November 2010 ein, worin sie sich kritisch zum
neuropsychologischen Teilgutachten von Dr. I._ vom 18. Mai 2010 äusserte (act.
G 5.152). Der RAD gelangte in der Stellungnahme vom 17. Dezember 2010 zur
Auffassung, dass weiterhin an der verlaufsgutachterlichen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
festgehalten werden könne (act. G 5.153). In der Verfügung vom 25. Januar 2011 wies
die IV-Stelle einen Rentenanspruch des Versicherten ab (act. G 5.154).
B.
B.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 22. Februar 2011. Der
Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und Entschädigungsfolge die
Aufhebung der Verfügung vom 25. Januar 2011 und die Zusprache einer ganzen Rente
mit Wirkung ab 1. Februar 2009. Eventualiter sei die Sache zur Durchführung
ergänzender Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der
Beschwerdeführer rügt zunächst eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches
Gehör, da sich die Beschwerdegegnerin nicht gehörig mit seinen einwandweise
vorgebrachten Argumenten auseinandergesetzt habe. In materieller Hinsicht stellt sich
der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf den Standpunkt, dass das
Verlaufsgutachten von Dr. H._ und das diesem zugrunde liegende
neuropsychologische Teilgutachten nicht beweiskräftig seien (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 25. März
2011 die Abweisung der Beschwerde. Sie hält an ihrer Auffassung fest, dass das
Verlaufsgutachten von Dr. H._ und die darin vorgenommene
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung beweiskräftig seien. Die davon abweichenden
medizinischen Schätzungen seien nicht nachvollziehbar (act. G 5).
B.c Mit Präsidialentscheid vom 28. März 2011 wird dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen (act. G 7).
B.d Der Beschwerdeführer hält in der Replik vom 29. April 2011 unverändert an seinen
Anträgen fest (act. G 8).
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B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 10).

Erwägungen:
1.
In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung seines Anspruchs auf
rechtliches Gehör. Die Beschwerdegegnerin habe sich in der angefochtenen Verfügung
nicht mit den einwandweise vorgebrachten Argumenten auseinandergesetzt (act. G 1,
S. 8 f.). In der angefochtenen Verfügung nahm die Beschwerdegegnerin konkret
Stellung zum schriftlichen Einwand vom 2. September 2010 und den eingereichten
Unterlagen. Sie kam zum Schluss, dass das Verlaufsgutachten beweiskräftig sei (act.
G 5.154-2). Vor diesem Hintergrund erscheint das Vorliegen einer nicht heilbaren
Gehörsverletzung fraglich. Da die Sache indessen unter materiellen Aspekten an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist (vgl. nachfolgende E. 3), kann die Frage nach
dem Vorliegen einer nicht heilbaren Gehörsverletzung letztlich offen gelassen werden.
2.
Materiell ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers umstritten.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%
invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Demgemäss hat
der Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
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zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a in fine).
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich
des Beweiswerts eines ärztlichen Berichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
3.
Zu beurteilen gilt es vorab die Frage, ob die vorhandene medizinische Aktenlage eine
schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zulässt. Die
Beschwerdegegnerin legte der Rentenabweisung das Verlaufsgutachten von Dr. H._
vom 17. Juni 2010 zugrunde, worin dem Beschwerdeführer für eine leidensangepasste
Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt wurde (act. G 5.130). Der
Beschwerdeführer hält diese Beurteilung aus verschiedenen Gründen für nicht
beweiskräftig (act. G 1).
3.1 Zunächst bringt der Beschwerdeführer vor, es bestehe eine nicht
nachvollziehbare Diskrepanz zwischen der im Erstgutachten (40%ige Arbeitsfähigkeit)
und der im Verlaufsgutachten (100%ige Arbeitsfähigkeit) von Dr. H._
vorgenommenen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung. Zur Begründung der unterschiedlichen
Einschätzung verweise Dr. H._ einzig auf die im Rahmen der Verlaufsbegutachtung
von Dr. I._ vorgenommenen Symptomvalidierungstests (act. G 1, S. 11).
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3.1.1 Der Beschwerdeführer stützt seine Argumentation u.a. auf den
Forschungsbericht Nr. 4/2008 des Bundesamts für Sozialversicherungen, Der Einsatz
von Beschwerdevalidierungstests in der IV-Abklärung (act. G 1, S. 11 f.; http://
www.bsv.admin.ch/praxis/forschung/publikationen/index.html?lang=de&lnr=04%2F08,
abgerufen am 7. Januar 2013), ab. Darin wird ausgeführt, einzelne Symptom- bzw.
Beschwerdevalidierungstests würden eine geringe Spezifität aufweisen, das heisse, sie
"überführten" begutachtete Personen fälschlicherweise dem Simulationsverdacht, was
nicht hingenommen werden könne. Sowohl die wissenschaftliche Literatur als auch die
Praxis würden als zentral hervorheben, dass die Tests nur komplementär zur fachlich
qualifizierten klinischen Untersuchung durch erfahrene Fachpersonen eingesetzt
werden dürften. Mit den Tests liessen sich Widersprüche aufdecken, aufgrund derer
ein Fall vertiefter angesehen werden solle (Vorwort des Berichts). Im Kapitel "7
Schlussfolgerungen und Empfehlungen" findet sich der Hinweis, es sei richtig, dass
diese Tests keine absolut zuverlässigen Entscheide in Bezug auf Aggravation oder
Simulation liefern könnten (S. 81).
3.1.2 Aus dem neuropsychologischen Verlaufsgutachten ergibt sich nicht, dass
der untersuchende Dr. I._ von den einschlägigen medizinischen Vorakten Kenntnis
genommen hätte. Insbesondere scheint er die Ergebnisse der neuropsychologischen
Erstbegutachtung vom 1. Mai 2009 nicht gekannt zu haben, anlässlich derer die
Arbeitsfähigkeit lediglich mit 40% eingeschätzt worden war (vgl. hierzu act.
G 5.163-39). Zumindest setzte er sich damit nicht auseinander. Es findet sich lediglich
ein genereller Hinweis auf "das psychiatrische Hauptgutachten" (act. G 5.130-58).
Allein schon aus diesem Grund bestehen Bedenken an der Beweiskraft der
neuropsychologischen Verlaufsbegutachtung, die durch die vorgenannte kritische
Bewertung der fraglichen Tests durch das BSV (vgl. vorstehende E. 3.1.1) verstärkt
werden. Das neuropsychologische Verlaufsgutachten vom 18. Mai 2010 erweckt den
Eindruck, dass die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers einzig und isoliert
aufgrund v.a. der Ergebnisse der Symptomvalidierungstests bewertet wurde, ohne
dass diese und die übrigen Testergebnisse im Kontext mit der Person des
Beschwerdeführers, seiner Biographie und der medizinischen Vorgeschichte
individuell-konkret gewürdigt wurden.
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3.1.3 Eine solche gebotene Würdigung nimmt auch Dr. H._ in seiner verlaufs
gutachterlichen Beurteilung nicht vor. Vielmehr übernimmt er ohne nähere Begründung
die neuropsychologisch bescheinigte 100%ige Arbeitsfähigkeit. Dieses Vorgehen
weckt vorliegend umso grössere Zweifel, als Dr. H._ das Resultat der Abklärung
"möglicher Motivationsdefizite" als erstaunlich bezeichnete (act. G 5.130-53), zuvor im
Erstgutachten vom 20. Mai 2009 - gestützt auf die damalige neuropsychologische
Beurteilung - von einer 40%igen Arbeitsfähigkeit ausging (act. G 5.163-39) und einzig
aufgrund der Ergebnisse der - in ihrer Aussagekraft zu relativierenden (vgl. vorstehende
E. 3.1.1) - Symptomvalidierungstests des Dr. I._ eine für leidensangepasste
Tätigkeiten uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestätigt, was der Beschwerdeführer zu
Recht rügt (act. G 1, S. 11). Dabei ist darauf hinzuweisen, dass Dr. H._ anlässlich der
Erstbegutachtung keine Hinweise für eine willentliche Herbeiführung oder massive
Verdeutlichung psychischer oder körperlicher Störungen im Sinn einer Aggravation
oder Simulation wahrnahm (act. G 5.163-35 f.). Der von Dr. H._ anlässlich der
psychiatrischen Begutachtungen von 2009 und 2010 erhobene Befund weist zudem
keine derart grossen Unterschiede auf, als dass eine Differenz von 60% in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung plausibel erscheint. Die Störungsbilder, bestehend
hauptsächlich in den Beeinträchtigungen der Konzentration und Merkfähigkeit, wurden
im Wesentlichen übereinstimmend beschrieben.
3.1.4 Ferner ist zu bemerken, dass hyperkinetische Störungen wie die von
Dr. H._ diagnostizierte Aufmerksamkeitsstörung im Erwachsenenalter (ICD-10: F90.0)
u.a. durch folgende Elemente charakterisiert sind: Mangel an Ausdauer bei
Beschäftigungen, die kognitiven Einsatz verlangen; Tendenz, von einer Tätigkeit zu
einer anderen zu wechseln, ohne etwas zu Ende zu bringen und häufig kognitive
Beeinträchtigung. Zudem fordert die Diagnose einer hyperkinetischen Störung das
eindeutige Vorliegen eines abnormen Ausmasses von Unaufmerksamkeit, Überaktivität
und Unruhe, das situationsübergreifend und andauernd ist. Diagnosekriterien sind u.a.,
dass die betroffenen Personen häufig nicht in der Lage sind, die Aufmerksamkeit bei
Aufgaben aufrechtzuerhalten und dass sie Erklärungen oft nicht folgen oder Aufgaben
nicht erfüllen (nicht wegen oppositionellem Verhalten oder weil die Erklärungen nicht
verstanden werden können; H. Dilling und H.J. Freiberger [Hrsg.], Taschenführer zur
ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, 5., überarbeitete Auflage, 2011,
S. 309 f.). Eine Verhaltensauffälligkeit ist etwa auch ein stark vermindertes
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Selbstwertgefühl (vgl. hierzu und zum komplexen Leidensbild Urteil des
Bundesgerichts vom 9. August 2007, I 29/06, E. 6.1 mit Hinweis auf die medizinische
Literatur). Dass die Testergebnisse eine äusserst hohe Fehleranzahl lieferten und der
Beschwerdeführer immer wiederkehrend selbstlimitierende Aussagen während der
Begutachtungssituation geäussert habe (zur entsprechenden Feststellung von Dr. I._
vgl. act. G 5.130-64), muss nach dem Gesagten nicht zwingend mit einem eine
quantitative Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ausschliessenden
"Motivationsdefizit" zusammenhängen, sondern kann Ausfluss des Leidens sein. Da
weder Dr. I._ noch Dr. H._ die Testergebnisse im Kontext der vorliegenden
Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0) würdigen, ist nicht klar, inwiefern die
"Motivationsdefizite" zum Krankheitsbild gehören bzw. arbeitsfähigkeitslimitierend sind.
Im Bericht des Psychologen J._, Psychodiagnostischer Dienst der Psychiatrischen
Klinik Wil, vom 3. November 2010, wird aufgrund der durchgeführten
testpsychologischen Untersuchung des Beschwerdeführers die Schlussfolgerung
betreffend Motivationsdefizit bestritten (act. G 5.165-9).
3.1.5 Die offenbar einzig auf die nicht beweiskräfige neuropsychologische
Beurteilung von Dr. I._ sich stützende Bescheinigung einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit durch Dr. H._ im Verlaufsgutachten vom 17. Juni 2010 bildet im Licht
der genannten Umstände keine verlässliche Grundlage für die Beurteilung der
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers, zumal sie mit der Voraktenlage -
insbesondere der früheren eigenen Einschätzung von Dr. H._ im Gutachten vom
20. Mai 2009 (act. G 5.163-19 ff.) - nicht zu vereinbaren ist. Vor diesem Hintergrund
kann offen bleiben, ob die weiteren Rügen des Beschwerdeführers am
Verlaufsgutachten und an der Gutachterperson zutreffend sind.
3.2 Der Sachverhalt erweist sich im Übrigen auch aus rheumatologischer Sicht -
namentlich hinsichtlich der zu beachtenden qualitativen Einschränkungen - als nicht
rechtsgenüglich abgeklärt. So hielt der RAD in der Stellungnahme vom 28. Dezember
2009 fest, zur Validierung des somatischen Gesundheitszustands sei eine
rheumatologische Untersuchung im RAD angezeigt. Ein Untersuchungstermin wurde
provisorisch reserviert (act. G 5.117). Aus den Akten ergibt sich nicht, dass diesem
Abklärungsbedarf bislang entsprochen worden wäre. Vielmehr wurde mit Eintrag vom
15. Juli 2010 ohne nachvollziehbare Begründung eine rheumatologische Abklärung
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"zum momentanen Zeitpunkt" als nicht (mehr) notwendig erklärt (act. G 5.117). Der
unbegründete Verzicht auf die - zunächst vom RAD für angezeigt gehaltene -
Abklärung der körperlichen Beschwerden vermag nicht zu überzeugen, zumal bereits
im Bericht der Psychiatrischen Klinik Wil vom 5. Januar 2009 ebenfalls auf einen
entsprechenden Abklärungsbedarf hingewiesen wurde (act. G 5.81-3 f.). Das im
Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung bereits mehrere Jahre zurückliegende
Gutachten von Dr. E._ vom 4. September 2008 (act. G 5.163-1) sowie die lediglich
knapp begründeten Einschätzungen der Psychiatrischen Klinik Wil (vgl. etwa act.
G 5.81, G 5.114 sowie G 5.152) vermögen das Abklärungsdefizit nicht zu beheben.
Insgesamt erscheint es daher angebracht, die noch nicht spruchreife Sache zur
Vornahme einer interdisziplinären rheumatologisch-psychiatrischen Begutachtung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 25. Januar 2011 in teilweiser
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung
und zu neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb die
gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der
Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
bis
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Mehrwertsteuer). Die Festlegung einer Entschädigung aus unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung erübrigt sich bei diesem Prozessausgang.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP