Decision ID: 0d571077-8a31-5a27-911a-7136bd850aa2
Year: 2016
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 21. Mai 2015 ein Baugesuch ein für die
"Löschung öffentliches Fusswegrecht und Fahrwegrecht ab Gebiet D._ bis
E._ und das öffentliche Wegrecht ab E._ bis F._". Beide
Wegabschnitte befinden sich in der Landwirtschaftszone. Gegen das Bauvorhaben erhob
der Beschwerdeführer Einsprache. Mit Bauentscheid vom 1. Dezember 2015 erteilte das
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Regierungsstatthalteramt Oberaargau die Baubewilligung und eröffnete gleichzeitig die
Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG1 des Amts für Gemeinden und Raumordnung
(AGR) vom 1. Juni 2015.
2. Gegen den Bauentscheid vom 1. Dezember 2015 reichte der Beschwerdeführer am
4. Januar 2016 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons
Bern (BVE) ein. Er beantragt die Aufhebung des Bauentscheids und die Abweisung des
Baugesuchs. Eventualiter sei der Bauentscheid aufzuheben und die Akten seien mit
verbindlichen Anordnungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der Beschwerdeführer
macht insbesondere geltend, es bestehe nach wie vor ein Interesse der Öffentlichkeit an
der Benutzung der Fuss- und Fahrwege.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Regierungsstatthalteramt
Oberaargau beantragt in seiner Vernehmlassung vom 14. Januar 2016, die Beschwerde
sei abzuweisen. Die Beschwerdegegnerin formuliert in ihrer Beschwerdeantwort vom
11. Januar 2016 kein Rechtsbegehren, beantragt aber sinngemäss die Abweisung der
Beschwerde. Das AGR beantragt in seiner Stellungnahme vom 22. Januar 2016 die
Abweisung der Beschwerde.
Nachdem das Rechtsamt mit Instruktionsverfügung vom 23. März 2016 weitere Unterlagen
eingeholt und der Beschwerdegegnerin Zusatzfragen gestellt hatte, erhielten die
Verfahrensbeteiligten die Gelegenheit, Schlussbemerkungen zum Verfahren einzureichen.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Das
Regierungsstatthalteramt Oberaargau hat den Beschwerdeführer im angefochtenen
Bauentscheid zwar lediglich hinsichtlich des Wegabschnitts D._ - E._ als
einspracheberechtigt betrachtet. Hinsichtlich des Wegabschnitts E._ - F._
hat es ihm dagegen die Einsprachelegitimation abgesprochen. Da er für diesen
Wegabschnitt über ein privates Wegrecht verfüge, sei er von der Aufhebung des
öffentlichen Wegrechts nicht betroffen. Allerdings hat das Regierungsstatthalteramt die
Einsprache im angefochtenen Bauentscheid dennoch umfassend behandelt und auch
hinsichtlich des Wegabschnitts E._ - F._ inhaltlich geprüft, die Einsprache
jedoch als öffentlich-rechtlich unbegründet erachtet.
Der Beschwerdeführer ist als Bewohner der Häusergruppe E._ von einer
Entwidmung des öffentlichen Wegrechts auf dem Wegabschnitt D._ - E._
unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen (vgl. Art. 35 Abs. 2 Bst. a
BauG). Dies ist unbestritten. Hinsichtlich dem Wegabschnitt E._ - F._ ist
zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer unabhängig vom Bestehen eines privaten
Wegrechts wie jedermann am öffentlichen Wegrecht berechtigt ist, zumal die privaten
Wegrechte offenbar umstritten sind und zivilrechtliche Gerichtsverfahren in dieser Sache
hängig sind. Demnach ist der Beschwerdeführer als Bewohner der Häusergruppe
E._ auch von einer Entwidmung des öffentlichen Wegrechts E._ -
F._ unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen. Der
Beschwerdeführer, dessen Einsprache als öffentlich-rechtlich unbegründet beurteilt wurde,
ist daher durch den angefochtenen Bauentscheid beschwert und zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf seine form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde wird eingetreten.
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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2. Voraussetzungen für die Entwidmung öffentlicher Strassen
a) Als öffentliche Strassen gelten die dem Gemeingebrauch offen stehenden Strassen,
Wege und Plätze (Art. 4 Abs. 1 SG4). Im Privateigentum stehende Strassen gelten als
öffentliche Strassen, wenn sie dem Gemeingebrauch gewidmet sind (Art. 9 SG).
Privatstrassen werden dem Gemeingebrauch unter anderem gewidmet durch Errichtung
einer Wegdienstbarkeit zu Gunsten der Öffentlichkeit (Art. 13 Abs. 3 Bst. b SG).
Für die Wege D._ - E._ und E._ - F._ existieren auf den
betroffenen Parzellen im Privateigentum Wegdienstbarkeiten (öffentliches Wegrecht bzw.
öffentlicher Fuss- und Fahrweg) zugunsten der Einwohnergemeinde Ursenbach. Aufgrund
des Bestands dieser Wegdienstbarkeiten zugunsten der Öffentlichkeit sind die Wege dem
Gemeingebrauch gewidmet.5 Somit handelt es sich um im Privateigentum stehende
öffentliche Strassen.
b) Ob und wie weit eine bestimmte Fläche für den Verkehr zweckbestimmt wird, richtet
sich nach dem Recht des Gemeinwesens, dem die Hoheit über die öffentlichen Sachen
zusteht. Es gibt keinen bundesverfassungsrechtlichen Anspruch darauf, dass bestimmte
Verkehrsanlagen gebaut oder bestimmte Flächen dem Verkehr zur Verfügung gestellt
werden. Das Gemeinwesen ist verfassungsrechtlich auch nicht verpflichtet, die
bestehenden Strassenflächen im bisherigen Umfang dem Verkehr zu erhalten. Sofern es
sich nicht um Durchgangsstrassen handelt (Art. 2 Abs. 1 Bst. a und Art. 3 Abs. 3 SVG6),
steht es dem zuständigen Gemeinwesen grundsätzlich frei, eine Fläche, die bisher dem
Verkehr gewidmet war, einer anderen Zweckbestimmung zuzuführen.7
Im Allgemeinen wird für die Entwidmung oder Umwidmung ein entsprechendes
(überwiegendes) öffentliches Interesse vorausgesetzt bzw. verlangt, dass das öffentliche
Interesse, das Voraussetzung für die seinerzeitige Widmung war, untergegangen ist
(weggefallene oder verminderte Verkehrsbedeutung) oder jedenfalls gegenüber jenem an
der Ent- oder Umwidmung als minderwertig erscheint. In der neueren Rechtsprechung wird
vermehrt auch den privaten Interessen der durch die Einschränkung oder die Aufhebung
4 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 5 VGE 2012/16 vom 12.02.2013, E. 2.6 6 Strassenverkehrsgesetz vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01) 7 BGE 122 I 279 E. 2 c, mit weiteren Hinweisen
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des Gemeingebrauchs betroffenen Anstösserinnen und Anstössern Rechnung getragen.
Bei der Änderung der Widmung ist das Gemeinwesen daher, anders als bei der
erstmaligen Widmung, nicht frei.8 Anstösserinnen und Anstösser dürfen insbesondere nicht
vom Zugang zu einer Strasse abgeschnitten werden, ohne dass ihnen zum Ersatz ein
anderer Zugang eröffnet wird. Hingegen besteht kein Anspruch auf unverändertes
Beibehalten einer wirtschaftlich vorteilhaften Verkehrssituation.9
c) Für die Aufhebung der Widmung öffentlicher Strassen ist ein
Baubewilligungsverfahren erforderlich (Art. 43 Abs. 2 SG i.V.m. Art. 23 Bst. k SV10).
Bauvorhaben sind gemäss Art. 2 Abs. 1 BauG zu bewilligen, wenn sie den bau- und
planungsrechtlichen Vorschriften und den nach anderen Gesetzen im
Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften entsprechen, die öffentliche Ordnung
nicht gefährden und wenn ihnen keine Hindernisse der Planung entgegenstehen. Zu den
nach anderen Gesetzen im Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften gehören
auch diejenigen der Strassengesetzgebung sowie der Fuss- und
Wanderweggesetzgebung.11
Bei Strassenbauvorhaben sind die Wirkungsziele von Art. 3 SG zu berücksichtigen.
Danach werden Strassen so geplant, gebaut, betrieben und unterhalten, dass die Summe
aller Wirkungen dauerhaft zu einer Verbesserung des Lebensraums führt, dass sie die
wirtschaftliche und touristische Entwicklung unterstützen und dass sie wirtschaftlich tragbar
sind; zudem werden die Mobilitäts- und Sicherheitsbedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer
aufeinander abgestimmt und die negativen Auswirkungen der Mobilität möglichst gering
gehalten. Die öffentlichen Strassen dürfen im Rahmen ihrer Zweckbestimmung, ihrer
Gestaltung, der örtlichen Verhältnisse und der geltenden Vorschriften von allen
unentgeltlich und ohne besondere Erlaubnis benutzt werden (Art. 65 Abs. 1 SG). Gemäss
Art. 65 Abs. 2 SG kann der Gemeingebrauch jedoch im überwiegenden öffentlichen
Interesse beschränkt oder aufgehoben werden.
Gemäss der Fuss- und Wanderweggesetzgebung sorgen die Kantone dafür, dass
bestehende und vorgesehene Fuss- und Wanderwegnetze in Plänen festgehalten werden
8 André Werner Moser, Der öffentliche Grund und seine Benützung, Diss. Bern 2011, S. 114 f. 9 Fritz Gygi, Verwaltungsrecht, 1986, S. 238 f. 10 Strassenverordnung vom 29. Oktober 2008 (SV; BSG 732.111.1) 11 Vgl. BVR 2011 S. 341 E. 2, mit weiteren Hinweisen
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(Art. 4 Abs. 1 Bst. a FWG12). Das FWG trat am 1. Januar 1987 in Kraft. Die Gemeinden
planen, bauen und unterhalten die Fuss- und Wanderwege (Art. 44 SG). Die Gemeinden
legen das Fuss- und das Wanderwegnetz in ihrer Richt- oder Nutzungsplanung fest
(Art. 27 SV). Das SG und die SV traten zwar erst am 1. Januar 2009 in Kraft. Zuvor galt
jedoch auf Kantonsebene die EV/FWG13, welche vom Regierungsrat am 27. April 1988
verabschiedet wurde. Gemäss Art. 15 Abs. 1 EV/FWG hielten die Gemeinden das
bestehende und vorgesehene Fuss- und Wanderwegnetz entweder in einem das ganze
Gemeindegebiet umfassenden Nutzungs- oder Richtplan fest, wobei der kommunale
Richtplan einzig das Fusswegnetz zum Gegenstand haben konnte. Auf die in der
kommunalen Planung bezeichneten Wege ist die Fuss- und Wanderweggesetzgebung
anwendbar (Art. 28 SV und Art. 17 Abs. 1 EV/FWG). Müssen die in den Plänen
enthaltenen Fuss- und Wanderwegnetze oder Teile davon aufgehoben werden, so ist,
unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse, für angemessenen Ersatz durch
vorhandene oder neu zu schaffende Wege zu sorgen (Art. 7 Abs. 1 FWG).
d) Wurde die Privatstrasse mit der Errichtung einer Dienstbarkeit zugunsten der
Gemeinde dem Gemeingebrauch gewidmet, kann die Gemeinde auf ihr Wegrecht
verzichten. Nach Art. 964 ZGB14 bedarf es zur Löschung der Dienstbarkeit der Erklärung
der berechtigten Gemeinde. Als einseitiges Rechtsgeschäft erfordert die Löschung keine
Mitwirkung der Strasseneigentümer.15 Die Entwidmung einer öffentlichen Strasse mittels
Löschung von Gemeindedienstbarkeiten setzt daher neben der Durchführung eines
Baubewilligungsverfahrens einen Beschluss des zuständigen kommunalen Organs über
den Verzicht voraus.16 Der Beschluss des zuständigen Gemeindeorgans und die
rechtskräftige Baubewilligung sind dem Grundbuchamt als Beleg für den Löschungsantrag
vorzulegen.17
12 Bundesgesetz vom 4. Oktober 1985 über Fuss- und Wanderwege (FWG; SR 704) 13 Verordnung vom 27. April 1988 zur vorläufigen Regelung der Einführung des Bundesgesetzes über Fuss- und Wanderwege im Kanton Bern (EV/FWG; BSG 705.111) 14 Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 201) 15 KPG-Bulletin 2/2012 S. 42 Ziff. 5.3.2.b 16 BVR 2013 S. 282 E. 3.2 17 KPG Bulletin 2/2012 S. 55
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3. E._ - F._
a) Der Beschwerdeführer rügt, am öffentlichen Wegrecht am Wegabschnitt
E._ - F._ bestehe nach wie vor ein öffentliches Interesse. Er, seine
Mitbewohnerin und seine Bekannten würden diesen Abschnitt für den Arbeitsweg und in
der Freizeit benützen. Er diene nach wie vor der Erschliessung seiner Liegenschaft und
werde auch für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung gebraucht. Auch Dritte, namentlich
die Bewohnerschaft des Gebiets E._, würden den Weg für berufliche und private
Zwecke nutzen. Die Entwidmung sei auch nicht zweckmässig, da sie ausschliesslich den
Wegrechtsbelasteten, nicht jedoch der Öffentlichkeit diene.
Demgegenüber macht die Beschwerdegegnerin geltend, das E._ sei mit einer gut
ausgebauten Strasse erschlossen. Unter Berücksichtigung des übrigen Strassen- und
Wegnetzes bestehe heute kein öffentliches Interesse an diesem Wegabschnitt mehr. Auch
die Vor-instanz hat die Baubewilligung für die Entwidmung mit dem fehlenden öffentlichen
Interesse an diesem Wegabschnitt begründet.
b) Für den Wegabschnitt E._ - F._ sind im Grundbuch auf den
Parzellen Nr. G._, H._, I._ und J._ ein öffentliches
Fusswegrecht und auf den Parzellen Nr. G._ und I._ zusätzlich ein
öffentliches Wegrecht eingetragen. Aus den vorhandenen Unterlagen ist zu erkennen, dass
auf diesem Abschnitt im Bereich der Parzellen Nr. G._ und I._ heute nach
wie vor ein Weg existiert, auch wenn er zeit- bzw. teilweise in einem schlechten Zustand
ist. Demgegenüber werden die Parzellen Nr. H._ und J._ für den
Wegabschnitt E._ - F._ nicht mehr benötigt. Der Weg verläuft heute in
diesem Bereich auf der Gemeindestrasse (Parzelle Nr. K._), die bis auf die
Parzelle Nr. G._ reicht.
Der umstrittene Weg führt vom E._ in die Verbindungsstrasse zwischen
F._ und L._. Sowohl ins F._ als auch nach L._ existieren
auch zwei andere Verbindungen, entweder vom E._ Richtung Nordosten über die
Verbindung D._ - M._ - F._ - L._ oder vom E._
Richtung Südwesten via Hauptstrasse. Diese beiden Verbindungen sind zwar etwas länger
(rund 300 m), dafür aber gut ausgebaut. Auf der Hauptstrasse existiert zudem ein
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separater Fahrradweg, wobei im Bereich der Einmündung der Erschliessungsstrasse
E._ in die Hauptstrasse auf der Hauptstrasse eine zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h gilt.18
Der Wegabschnitt E._ - F._ hat insofern keine Erschliessungsfunktion
mehr. Das E._ ist heute über die ausgebaute Gemeindestrasse erschlossen. Der
Wegabschnitt ist weder im kantonalen Sachplan Wanderroutennetz (vgl. Art. 44 Abs. 1 SG
und Art. 25 SV) noch im kommunalen Schutzzonenplan (vgl. Art. 60 GBR19) noch im
Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) (weder mit nationaler
noch mit regionaler noch mit lokaler Bedeutung) eingetragen.
c) Der Wegabschnitt E._ - F._ ist jedoch im kommunalen Richtplan
Verkehr B, Fussgängerverbindungen und Fahrradrouten, enthalten. Demnach handelt es
sich bei diesem Weg um eine bestehende wichtige Fussgängerverbindung. Betroffen
davon sind die Parzellen Nr. G._ und I._, im Bereich der Parzellen
Nr. H._ und J._ verläuft der Weg auf der heutigen Gemeindestrasse
(Parzelle Nr. K._). Der Richtplan Verkehr B wurde am 28. November 1991 durch
den Gemeinderat Ursenbach beschlossen und am 27. Juli 1992 durch die kantonale
Baudirektion genehmigt. Mit diesem kommunalem Richtplan ist in der Gemeinde
Ursenbach die Festlegung gemäss Art. 4 Abs. 1 Bst. a FWG und Art. 27 SV bzw. Art. 15
Abs. 1 EV/FWG erfolgt. Damit ist auf den Wegabschnitt E._ - F._ die
Fuss- und Wanderweggesetzgebung anwendbar.
Zwar hat die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 5. April 2016 mitgeteilt, dass dieser
Richtplan Verkehr B auf der Gemeindeverwaltung nicht vorhanden sei. Dementsprechend
werde er von der Gemeinde nicht genutzt, Behörde und Bauverwaltung würden nicht damit
arbeiten. Dass der Richtplan in der Zwischenzeit ausser Kraft gesetzt worden wäre, macht
die Beschwerdegegnerin aber nicht geltend. Auch der BVE ist kein förmlicher Beschluss
über eine Ausserkraftsetzung bekannt. Zwar wurden die Ortsplanung und das
Baureglement der Gemeinde Ursenbach seit 1991 mehrmals teilrevidiert. Der Richtplan
Verkehr B war davon aber nicht betroffen. Somit ist davon auszugehen, dass dieser
Richtplan nach wie vor Gültigkeit hat, zumal eine Aufhebung des Richtplans Verkehr B
ohne neue Festlegung gemäss Fuss- und Wanderweggesetzgebung nicht zulässig wäre.
18 Vgl. Schreiben der Gemeinde Ursenbach vom 5. April 2016 inklusive Planbeilage 19 Baureglement der Gemeinde Ursenbach vom 14. Dezember 1998
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d) Ein Richtplan ist behördenverbindlich (vgl. Art. 9 Abs. 1 RPG) und muss daher von
den Gemeindebehörden beachtet werden. Zwar macht die Beschwerdegegnerin in ihrem
Schreiben vom 5. April 2016 geltend, es sei aus heutiger Sicht nicht erklärbar, weshalb der
Wegabschnitt E._ - F._ im Richtplan als wichtige Fussgängerverbindung
bezeichnet worden sei. Es werde angenommen, dass es sich um ein Missverständnis
gehandelt habe und eigentlich der Weg F._ - M._ gemeint gewesen sei.
Für diese Vermutung einer anfänglichen Fehlerhaftigkeit des Richtplans gibt es jedoch
keinerlei Anhaltspunkte. Inwiefern der Richtplan nachträglich fehlerhaft geworden wäre,
weil sich die Verhältnisse seit 1991 geändert hätten, legt die Beschwerdegegnerin nicht
dar. Somit sind die Gemeindebehörden nach wie vor an die Einstufung des Wegabschnitts
E._ - F._ als wichtige Fussgängerverbindung gebunden.
Gemäss Fuss- und Wanderweggesetzgebung ist eine Aufhebung von Fuss- und
Wanderwegen zwar möglich. Dies aber nur, sofern dies unumgänglich ist (vgl. Art. 7 Abs. 1
FWG: "müssen"). Zudem ist, unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse, für
angemessenen Ersatz durch vorhandene oder neu zu schaffende Wege zu sorgen.
Vorliegend ist die Entwidmung des Wegabschnitts E._ - F._ aus Sicht der
Beschwerdegegnerin zwar wünschenswert. Sie legt jedoch nicht dar, inwiefern für diese
Entwidmung eine Notwendigkeit besteht. Zudem vermag die Beschwerdegegnerin nicht
darzulegen, inwiefern Ersatz geleistet worden wäre. Die Alternativroute, die sie geltend
macht, bestand bereits 1991, als der Wegabschnitt im Richtplan Verkehr B als wichtige
Fussgängerverbindung bezeichnet und damit der Fuss- und Wanderweggesetzgebung
unterstellt wurde. Die Fuss- und Wanderweggesetzgebung steht somit einer Entwidmung
entgegen. Zwar sind die Pläne der Fuss- und Wanderwegnetze regelmässig veränderten
Verhältnissen anzupassen (Art. 29 SV). Der Gemeinde Ursenbach steht es somit frei, den
Richtplan Verkehr B hinsichtlich des Wegabschnitts E._ - F._
anzupassen, sofern dafür die Voraussetzungen erfüllt sind. Ohne vorgängige Anpassung
des Richtplans darf dieser Wegabschnitt aber nicht entwidmet werden.
e) Demnach ist die Beschwerde hinsichtlich des Wegabschnitts E._ -
F._ grundsätzlich gutzuheissen. Betroffen davon sind die Parzellen
Nr. G._ und I._. Die öffentlichen Fusswegrechte auf den Parzellen
Nr. H._ und J._ werden aufgrund der Gemeindestrasse heute nicht mehr
benötigt, auch im Verkehrsrichtplan B verläuft der Weg im Bereich dieser beiden Parzellen
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auf der heutigen Gemeindestrasse. Die angefochtene Baubewilligung wird daher für den
Wegabschnitt E._ - F._ mit den Parzellen Nr. G._ und
I._ aufgehoben und dem Baugesuch wird diesbezüglich der Bauabschlag erteilt.
Für die Parzellen Nr. H._ und J._ wird die Baubewilligung demgegenüber
bestätigt.
4. D._ - E._
a) Der Beschwerdeführer hat zwar den ganzen Bauentscheid vom 1. Dezember 2015
und damit auch die Baubewilligung für den Wegabschnitt D._ - E._
angefochten. Er bringt aber nichts Konkretes vor, weshalb diese Entwidmung nicht zulässig
sein sollte. Vielmehr macht er selber geltend, die beiden Wegstücke D._ -
E._ und E._ - F._ seien nicht vergleichbar und die Vorinstanz
habe die beiden Wegstücke zu Unrecht nicht gesondert beurteilt.
b) Für diesen Wegabschnitt ist im Grundbuch auf den betroffenen Parzellen lediglich ein
Fusswegrecht eingetragen, nur als solcher ist er demnach der Öffentlichkeit gewidmet. Aus
den vorhandenen Unterlagen ist zu erkennen, dass auf dem Abschnitt D._ -
E._ heute kein (Fuss-)Weg mehr existiert. Dies ist insofern nachvollziehbar, als die
(Fuss-) Wegverbindung zwischen D._ und E._ heute via M._
praktisch gleichwertig sichergestellt ist, dieser Weg ist lediglich rund 200 m länger. Der
Wegabschnitt D._ - E._ hat insbesondere auch keine
Erschliessungsfunktion. An diesem Wegabschnitt besteht heute somit kein öffentliches
Interesse mehr, auch der Beschwerdeführer macht kein solches geltend. Das öffentliche
Interesse der Beschwerdegegnerin, die öffentlichen Wegrechte zu bereinigen, überwiegt
somit das nicht mehr existierende Interesse der Öffentlichkeit an der Benutzung des Wegs.
Der Wegabschnitt ist weder im kantonalen Sachplan Wanderroutennetz noch im
kommunalen Schutzzonenplan noch im IVS (weder mit nationaler noch mit regionaler noch
mit lokaler Bedeutung) noch im kommunalen Richtplan Verkehr B eingetragen. Die
Baubewilligung für die Entwidmung dieses Wegabschnitts ist daher nicht zu beanstanden.
Die Beschwerde wird insoweit abgewiesen und die Baubewilligung wird bestätigt.
c) Vorliegend wurde die Privatstrasse mit der Errichtung einer Dienstbarkeit zugunsten
der Gemeinde dem Gemeingebrauch gewidmet. Daher kann die Gemeinde auf ihr
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Wegrecht verzichten. Es braucht dazu lediglich eine Erklärung der Gemeinde, eine
Mitwirkung der Strasseneigentümer ist nicht erforderlich (vgl. dazu oben E. 2.e). Der
Gemeinderat Ursenbach hat an seiner Sitzung vom 25. Februar 2015 einstimmig die
Löschung des öffentlichen Wegrechts D._ - E._ beschlossen.20 Gemäss
Art. 11 OgR21 stehen dem Gemeinderat alle Befugnisse zu, die nicht durch Vorschriften
des Bundes, des Kantons oder der Gemeinde einem anderen Organ übertragen sind. Auch
die Voraussetzung eines Verzichtsbeschlusses ist demnach erfüllt.
5. Kosten
a) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG22). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2
GebV23). In Anwendung dieser Bestimmungen wird die Pauschale auf Fr. 800.-- festgelegt.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens gelten der Beschwerdeführer und die
Beschwerdegegnerin hinsichtlich je eines Wegabschnitts und damit je zur Hälfte als
unterliegende Partei. Der Beschwerdeführer hat daher Fr. 400.-- an Verfahrenskosten zu
tragen. Die Beschwerdegegnerin ist nicht in ihren Vermögensinteressen betroffen, weshalb
ihr keine Verfahrenskosten auferlegt werden können (Art. 108 Abs. 2 VRPG). Die
restlichen Verfahrenskosten trägt daher der Kanton.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
20 Vgl. dazu den Protokollauszug in der Beilage zum Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 11. Januar 2016 21 Organisationsreglement der Gemeinde Ursenbach vom 14. Juni 2001 22 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 23 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote des Anwaltes des Beschwerdeführers
beläuft sich auf Fr. 4'296.25 und gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Analog zu den
Verfahrenskosten hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die Hälfte seiner
Parteikosten, ausmachend Fr. 2'148.15 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer), zu ersetzen.
Die Beschwerdegegnerin hat keinen Anspruch auf Parteikostenersatz und war im Übrigen
auch nicht anwaltlich vertreten (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).