Decision ID: aa873860-9db6-402d-99b8-d0d28a935c6a
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1972, verfügt über keine abgeschlossene Berufsausbildung und war seit dem 1. Januar 2008 bei der
Y._
als Betriebs
mit
arbeiter Logistik angestellt. Am 5. Juli 2011 meldete er sich
unter Hinweis auf eine rheumatische Erk
rankung (Spondylitis a
nkylosans)
bei der
Sozialver
siche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (Urk. 6/2).
Mit Verfügung vom 2. März 2012 wurde das
Rentenbegehren
des Versicherten abge
wiesen (Urk. 6/25).
1.2
Am
17. März
2017 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle zur Früher
fas
sung (Urk. 6/3
0
) und am 18. April 2017
,
unter Hinweis auf
einen
Morbus Bechterew und starke Rückenschmerzen
,
erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 6/39
).
Mit Mitteilung vom 20. Juli 2017 gewährte die IV-Stelle dem Ver
sicherten Frühinterventionsmassnahmen in Form von Beratung und Unterstüt
zung bei der Stellensuche (Urk. 6/59
, vgl. Schlussberichte vom 23. August 2017 und vom 24. Januar 2018 [Urk. 6/63, Urk. 6/70]
).
Mit Mitteilung vom 12. Februar 2018 gewährte die IV-Stelle Kostengutsprache für ein Arbeitstraining vom 22. Januar
2018
bis am 21. Juli
2019
bei der
Z._
AG
als Anzeigenverkäufer im Aussendienst
mitsamt
Unterstützung bei der Stellensuche
sowie Nachbetreuung nach einer Festanstellung (Urk. 6/76
, vgl. Urk. 6/80
, vgl. Zwischenbericht vom 20. April 2018 [Urk. 6/82]
).
Per 21. Juni 2018 wurde
das Arbeitstraining
frühzeitig
abgebr
ochen (Urk. 6/92
). A
m
25. Juni 2018 trat der Versicherte
als
Zusteller für Betreibungsurkunden eine angepasste Tätigkeit
bei
seiner
bisherigen Arbeitgeber
in
im 50
%-Pensum
an (Urk. 6/89
)
.
P
arallel dazu
begann er
das Validierungsverfahren zur Erlangung des Eidgenössischen Fähig
keitszeugnisses als Logistiker (Urk. 6/102)
.
Mit Mitteilung vom 22. Oktober 2018 setzte die IV-Stelle den Versicherten über den Abschluss der Arbeitsvermittlung in Kenntnis (Urk. 6/103).
Mit Verfügung vom 11. März 2019 verneinte die IV-Stelle – wie vorbeschieden (Urk. 6/112) – einen
Anspruch
auf eine Invalidenrente
(Urk. 2 = Urk.
6/
114).
2.
Gegen die Verfügung vom 11. März 2019 erhob der Versicherte am 9. April 2019 Beschwer
d
e und beantragte die Zusprache mindestens einer halben Rente der Invalidenversicherung. Eventualiter beantragte er eine Umschulung im Büro- oder Informatikbereich (Urk. 1).
Seiner Beschwerde legte der Versicherte
weitere
medizinische Berichte bei (Urk. 3/2, Urk. 3/4-5).
Mit Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde
(Urk. 5)
und
reichte eine Stellungnahme des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD)
vom 14
. Mai 2019 zu den Akten (Urk. 7
).
Mit Eingabe vom 10. Juni 2019 nahm der
Beschwer
de
führer
– aufforderungsgemäss (Urk. 8) –
dazu
Stellung (Urk. 10). Die
Beschwer
de
gegnerin verzichtete daraufhin auf die Erstattung einer Stellungnahme (Urk. 13
), was dem
Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 1. Juli 2019 angezeigt wurde (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. au
ch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die fest
gestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidi
tät zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch a
uf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte in ihrem Entscheid aus,
der
Beschwerdeführer
sei
in seiner angestammten Tätigkeit als Paketbote zu 100 % arbeitsunfähig.
Da in
einer angepassten Tätigkeit
(Tragebelastung von maximal 10
kg
, Möglichkeit zur Wechselbelastung) aber eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bestehe, ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 1 % und damit kein Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
2.2
Dagegen brachte der
Beschwerdeführer
vor, sein Gesundheitszustand habe sich weiter verschlechtert, da ein Medikament, welches er für seine Ursprungser
krankung habe einnehmen müssen, seine komplette Speiseröhre, den Magen, den Dünn- sowie den Dickdarm entzündet habe. Zudem
sei im Dünndarm ein Mec
kel-Divertikel entdeckt worden. Dadurch könne er die Rheumatabletten nicht mehr einnehmen und müsse einen Probelauf mit einem noch stärkeren Mittel durch
laufen, wobei unsicher sei, ob sein Körper dies vertrage.
Bis zum heutigen Tag sei er von seinem Vertrauensarzt zu 100
% krankgeschrieben und
sei nicht imstande, ein 100 %-Pensum als Logistiker oder Paketbote zu leisten
(Urk. 1
, Urk. 10
).
2.3
Streitig ist der Anspruch des
Beschwerdeführer
s auf eine Invalidenrente
. Dabei steht fest, dass die
Beschwerdegegnerin
auf die Neuanmeldung des
Beschwerde
führer
s vom 18. April 2017 (Urk. 6/39) eingetreten ist. Letztmals materiell beur
teilt wurde dessen Gesundheitszustand mit Verfügung vom 2. März
2012 (Urk. 6/25
), mit welcher der Anspruch auf eine Invalidenrente verneint wurde. Zu prüfen ist somit, ob sich der massgebliche Sachverhalt zwischen der Verfügung vom 2. März 2012 und der angefochtenen Verfügung vom 11. März 2019 (Urk. 2) in für den Rentenanspruch erheblicher Weise geändert hat.
3.
3.1
Im Zeitpunkt
der Verfügung vom 2. März 2012
präsentierte sich die medizinische Aktenlage im Wesentlichen wie folgt:
3.1.1
Im Bericht der
Universitätsk
linik
A._
vom 3. August 2011
wurde
eine Spon
dyl
arthropathie
diagnostiziert.
Der
Beschwerdeführer
leide seit einem Jahr an schubweise auftretenden Kreuzschmerzen. In den letzten vier Wochen sei es zu einer deutlichen Beschwerdezunahme gekommen. Es handle sich um Dauer
schmerzen mit Exazerbation in der zweiten Nachthälfte.
Es bestehe eine Morgen
steifigkeit von circa 1 Stunde.
Die Beweglichkeit der HWS und der BWS sei allseits zu einem Drittel eingeschränkt. Die LWS-Flexion sei zu zwei Drittel
n
eingeschränkt
.
Es
sei mit persistierenden Beschwerden zu rechnen. Es bestehe eine Medikation mit NSAR, im Zeitpunkt der letzten Konsultation hätte noch keine Medikation mit
Biologica
bestanden. Die Schmerzen am Bewegungsapparat und die Funktionseinschränkungen würden sich bei der Arbeit auswirken. Die bis
herige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht
auch unter Einsatz von
Biologica
nicht mehr zumutbar. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei halbtags mög
lich.
Unter
Einsatz von
Biologica
sei
von
einer vollen Arbeitsfähigkeit für eine leichte körperliche Arbeit auszugehen. Die bisherige Tätigkeit sei auch unter Einsatz
von
Biologica
nicht mehr zumutbar (Urk. 6/10).
3.1.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Innere Medizin,
stellte in seinem Bericht
vom 18. August 2011
die Diagnose einer Spondylarthropathie.
Der
Beschwerde
führer
leide seit circa einem Jahr an schubweisen lumbalen Rückenschmerzen mit Zunahme in den letzten Wochen. Weiter habe er Rückenschmerzen mit Erwachen um drei oder vier Uhr morgens und auch Schmerzen beim Aufstehen. Er habe weniger Beschwerden tagsüber. Seit einem Monat
bestünden allerdings lokale Schmerzen am rechten Beckenkamm und an der rechten Leiste. Er habe Be
schwerden beim Heben von Lasten während der Arbeit. Sitzen und längeres Stehen seien ungün
stig.
Aktuell nehme der
Beschwerdeführer
Brufen 800 und Vitamin D3
Tropfen ein. Für die zukünftige Therapie werde eventuell ein TNF-Alpha Blocker empfohlen. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 23. Mai bis am 5. Juni 2011 und eine solche von 50 % vom 24. Juni 2011 bis auf weiteres. Wegen der dokumentierten lum
balen degenerativen und entzündlichen Veränderungen würden Schmerzen beim Tragen von Lasten bestehen. Eine angepasste Tätigkeit ohne Heben von Lasten über 10 kg sei zu 100 % möglich
(Urk. 6/12/5-6)
.
3.2
Im Rahmen der vorliegenden Neuanmeldung wurden insbesondere folgende Arzt
berichte aufgelegt:
3.2.
1
In seinem Bericht vom
13. August 201
7
diagnostizierte Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, eine Spon
dyl
arthritis sowie ein lumbovertebrales-spondylogenes Schmerzsyndrom bei Dege
nerationen. Die bisherige Tätigkeit als Paketbote sei dem
Beschwerdeführer
auf Dauer nicht mehr zumutbar. Eine körperlich leichte Tätigkeit (Gewichte bis 10 kg) mit Wechselbel
astungen sei zu 100 % zumutbar
(Urk. 6/107/10).
3.2.2
Dr.
C._
wies i
n seinem Bericht
vom 23. September 2018
auf
eine
Spon
dylarthritis mit Fehlform/
-Fehlhaltung
hin
und diagnostizierte eine Spondylitis ankylosans
. Für eine angepasste Tätigkeit (maximale Gewichte bis 10 kg selten, Möglichkeit der Wechselbelastung) bestehe ab dem 22. Januar 2018 eine 80%ige und ab dem 1. März 2018 eine volle Arbeitsfähigkeit. Für eine Tätigkeit als Paketbote bestehe auf Dauer eine volle Arbeitsunfähigkeit. Gegenwärtig würde eine Behandlung unter TNF-alpha-Hemmer
n
durchgeführt, wodurch ein Rück
gang der Entzündungsaktivität resultiere. Durch die Erkrankung respektive deren Folgen mit Einschränkungen der Beweglichkeit (insbesondere auch Rotation, Be
teiligung der Facettengelenke)
sowie
der Wirbelsäulenfehlform
und
-
fehlhaltung
würden Einschränkungen bei gewissen Täti
gkeiten wie Paketbote bestehen
(Urk. 6/107/6-7).
3.2.
3
Aus dem
Kurzaustrittsbericht des Spitals
D._
vom 7. Dezember 2018
geht her
vor, dass der
Beschwerdeführer
a
ufgrund einer
Hämatochezie
notfa
llmässig stationär aufgenommen wurde. Während der initialen Überwachung auf der Notfallstation habe
er
synkopier
t, die Ursache dafür sei am ehesten im Rahmen einer hämodynamisch relevanten gastrointestinalen Blutung gesehen worden. Im durchgeführten CT Abdomen habe sich ein hochgradiger Verdacht auf eine Meckel-Divertikulitis ohne Hinweis auf eine aktive Blutung gezeigt, so dass eine antibiotische Therapie mit Co-Amoxicillin begonnen und bei fehlenden Ent
zün
dungszeichen wieder gestoppt worden sei. Zur Suche der Blutungsquelle sei eine Gastro- und Koloskopie durchgeführt worden, welche Erosionen im Magen und
Duodeum
, eine
Ileitis terminalis mit Ulzera sowie eine
Prokto
-Kolitis ohne aktive Blutungsquelle nahegelegt hätten. Die histologische Untersuchung der Magen
biopsie habe eine ausgeprägte chronisch mässig aktive Entzündung mit Nachweis
von
Helicobater
pylori
ergeben
, während die
Untersuchung
der Biopsien im Dünn
- und Dickdar
m
die Genese eines Morbus Crohn oder
einer
Colitis ulcerosa als unwahrscheinlich, jedoch als Medikamenten-assoziierte Ileitis/Colitis im Rahmen der vorangehenden NSAR- und
Etanercept
-Einnahme
habe erscheinen lassen
. Aufgrund der unklaren Blutungsquelle sei in Rücksprache mit den Kollegen der Chirurgie auf eine operative Intervention verzichtet worden, so dass zur weiteren Diagnostik eine Szintigraphie erfolgt sei, welche ein morphologisches Korrelat einer Blutungsquelle im Coecum nicht habe bestätigen k
önnen. Infolge
dessen sei eine Kapselendosko
pie erfolgt
, welche den hochgradigen Verdacht auf ein
Meckel
divertikel
bestätigt habe
. Da durch die vorangehende Szintigraphie vom 26. November 2018 dieser Verdacht nicht habe bes
tätigt werden können, sei eine
m
eckeldivertikel
-spezifische Szintigraphie durchgeführt worden, welche wiede
rum keine Hinweise hierfür gezeigt habe. Aufgrund der neu aufgetretenen Hypo
phosphatämie, welche am ehesten nutritiv bedingt sei, sei eine Substitutions
therapie begonnen worden. Zur Analgesie der Rückenschmerzen im Rahmen der
Spondylarthropathie
mit Sakroiliitis sei dem
Beschwerdeführer
Paracetamol sowie Novalgin ve
rabreicht worden, worunter
eine suffiziente Schmerzlinderung
habe erreicht werden können. Die Einnahme jeglicher nichtsteroidaler Antirheu
matika sei dem
Beschwerdeführer
strikt verboten worden. Die PPI-Therapie werde bis auf weitere
s
weitergeführt
(Urk. 3/2)
.
3.2.4
Im
Bericht der Sprechstunde Gastroenterologie und Hepatologie
des Spitals
D._
vom 21. Februar 2019
wurden folgende Diagnosen gestellt
(Urk. 3/4)
:
-
Hochgradiger Verdacht auf Meckel-Divertikel
-
Helicobacter pylori-Gastritis
-
Spondylarthropathie
mit Sakroiliitis
Hinweise für eine Blutung würden anamnestisch aktuell nicht vorliegen. Im Labor habe sich keine Anämie mehr gezeigt ohne relevanten Eisenmangel
. Da die rheu
matischen Schmerzen aktuell ungenügend eingestellt seien, werde der
Beschwer
deführer
in Kombination mit Esomeprazol wieder einen Therapieversuch mit Ibu
profen 2 x 800 mg durchführen. Falls es im Verlauf zu einer erneuten Blu
tungs
episode komme, müsse eine operative Versorgung des Mecke
l
-Divertikels ins Auge gefasst werden. Da der
Beschwerdeführer
wieder NSAR einnehmen werde, werde eine Dauer-PPI-Therapie empfohlen, solange NSAR eingenommen werde (Urk. 3/4).
3
.2.5
Am 21. Februar 2019 wurde in der
Universitätsklinik
A._
ein MR
I
des Beckens sowie ein MRI der LWS durchgeführt. Die deutlichen Knochen
mark
ödeme der Segmente L1/L2, L2/L3 und L4/L5
sprächen
aktuell für eine Aktivität der Spondylarthritis in ähnlicher Ausprägung wie anlässlich der Vorunter
su
chung vom 5. April 2017 festgestellt. Es liege ein vollständig
ankylosiertes
ISG beidseits vor
. Es sei keine ossäre Läsion des rechten Beckens abgrenzbar. Die Knochenläsion im linken Os ilium entspreche am ehesten einer kleinen
Korti
kalisinsel
, es sei keine
malignomsuspekte
Knochenläsion des Beckens abgrenzbar
(Urk. 3/5).
3.2.6
Med. pract.
E._
, Fachärztin FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt in ihrer
RAD-Stellungnahme vom 14. Mai 2019
fest,
nach
der
Behandlung vom 19. November bis am 7. Dezember 2018 aufgrund einer gastrointestinalen Blutung seien
im weiteren Verlauf
keine unerwünschten Ereignisse mehr eingetreten. Die Schmerztherapie mit Ibuprofen habe
wiederaufgenommen
werden können
. Der Bericht der Universitätsklinik
A._
vom 21. Februar 2019 über ein MRI der LWS und des Beckens beschreibe eine gegenüber April 2017 ähnliche Aktivität der bekannten
Spondylitis anky
losans
(Urk. 7).
3.2.7
Dr.
C._
hielt in seinem Bericht vom
29. Mai 2019
fest, NSAR sei nicht mehr eingesetzt worden, da diese nach Rücksprache mit Fachärzten der Gastroen
te
rologie auch unter PPI-Einnahme eher kontraindiziert sei
en
. Der Vergleich der MRI-Untersuchungen vom 21. Februar 2019 mit den Voraufnahmen vom April 2017 sei zwar geeignet, Hinweise über die bildgebend zur Darstellung kommende Entzündungsaktivität zu erhalten, vermöge aber keine Hinweise bezüglich den Schmerzen und den Einschränkungen auf der Funktions- und der Partizipa
tionsebene
zu geben. Im Übrigen zeige die MRI-Untersuchung vom Februar 2019 auch nur Ausschnitte vom ISG und der LWS, wobei beim
Beschwerdeführer
auch eine Beteiligung der übrigen Wirbelsäule (HWS, BWS) wie auch
Enthesitiden
an peripheren Lokalisationen bestehen würden. Zusammenfassend bestehe beim
Be
schwerdeführer
eine weiterhin entzündungsaktive Spondylitis ankylosans, bestä
tigt durch die nachvollziehbaren Schmerzen und durch die Bildgebung
, ferner seien durch die jahrelange Entzündungsaktivität Haltungsschäden und Bewe
gungs
einschränkungen feststellbar. Die Belastbarkeit sei dadurch eingeschränkt. Die Tätigkeit im Paketzustelldienst sei auf Dauer nicht zumutbar
(Urk. 11/1)
.
4.
4.
1
In Bezug auf das
rheumatische Leiden
ist anhand einer
Gegenüberstellung des medizinischen Sachverhaltes in den Vergleichszeitpunkten (E. 1.1
, E. 2.3
) keine wesentliche Veränderung
festzustellen
.
So liegt nach wie vor eine entzündungs
aktive
Spondylarthropathie (
Spondylitis ankylosans
)
vor.
Den
im Rahmen der Neuanmeldung aufgelegten
Berichten von
Dr.
C._
ist zu entnehmen, dass
dieser
den
Beschwerdeführer
in einer angepassten Tätigkeit
in der Zeitspanne vom 22. Januar bis am 1. März 2018
als zu 20 % eingeschränkt
erachtete
. Dane
ben ging er durchwegs von einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit in einer leidensang
epassten Tätigkeit aus (E. 3.2.1
-3.2.
2
; Urk. 6/110). Diese Einschätzung
revidierte er sodann auch nicht in Kenntnis der
beschwerdeweise eingereichten Berichte mitsamt dem MRI
der LWS und des Beckens
vom
21. Fe
bruar 2019 (vgl. E. 3.2.3-3.2.5), sondern wies ausschliesslich auf Einschränkungen in der bishe
rigen Tätigkeit hin
(
E. 3.2.7
).
Im Kurzaustrittsbericht des Spitals
D._
vom 7. Dezember 2018 wurde festgehalten, beim
Beschwerdeführer
habe
unter Verab
reichung von Paracetamol sowie Novalgin eine suffiziente Schmerzlinderung
erreicht werden können (E. 3.2.3
), was
–
insbesondere unter Berücksichtigung, dass im Bericht der Universitätsklinik
A._
vom 3. August 2011 noch ein fehlendes substantielles Ansprechen auf die rheumatolog
ische Medikation fest
gehalten wo
rde
n war
(
Urk. 6/10
) –
ebenfalls nicht auf eine massgebliche Ver
schlech
terung des Rückenleidens schliessen lässt.
Wie dem Bericht des Spitals
D._
vom 21. Februar 2019 zu entnehmen ist, wurde die Behandlu
ng mit Ibu
profen wieder
aufgenommen (Urk. 3/4).
Soweit der
Beschwerdeführer
zur Begrün
dung
einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes
vorbringt, er sei bis zum heutigen Tag von seinem Vertrauensarzt zu 100 % krankgeschrieben (Urk. 10)
,
ist ihm entgegenzuhalten
, dass die betreffenden Atteste von Dr.
C._
zuhanden der Krankentaggeldversicherung erstattet wurden
und
sich nur auf
die bisherige Tätigkeit als Paket
bote beziehen (vgl. Urk. 3/1, Urk. 6/107).
Eine andauernde Einschränkung in einer leidensangepassten Tätigkeit wurde von Dr.
C._
verneint
(E. 3.2.1-3.2.2, Urk. 6/110)
.
Ferner schadet es nicht, dass
sich das in der Universitätsklinik
A._
erstellte MRI auf die LWS und
das Becken
beschränkt
(vgl. E. 3.2.7)
. So wirkten sich die Bewegungseinschr
änkungen im Vergleichszeitpunkt
im Bereich der LWS am stärksten aus (vgl. E. 3.1.1) und haben sich anhand der neuen Berichte, insbesondere aufgrund
der fachärztlichen
Einschätzung der funktionellen Leistungsfähigkeit durch
den behandelnden Arzt,
keine Hinweise auf
neue
massgebliche Limitierungen ergeben.
Dementsprechend ist in diesem Zusammenhang
kein weiterer
medizinischer
Abklärungsbedarf aus
zu
machen
.
Damit ist anhand der medizinischen Aktenlage erstellt, dass sich die
Spondyl
arthropathie
beim
Beschwerdeführer
lediglich in der angestammten T
ätigkeit als Paketbote auswirkt.
I
n einer körperlich angepassten, leichten Tätigkeit
ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg
schränkt sie seine Arbeitsfähigkeit hin
gegen
nach wie vor
nicht langandauernd ein.
Diesbezüglich liegt somit keine Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen vor (vgl. E. 1.1).
4.2
Am 19. November 2018 wurde der
Beschwerdeführer
aufgrund einer
Hämato
chezie
notfallmässig im Spital
D._
aufgenommen und
hielt sich dort
bis am 7. Dezember 2018
auf
(Urk. 3/2).
Trotz umfassenden Untersuchungen (CT Abdo
men, Gastro- und Koloskopie, histologische Untersuchung der Biopsien von Magen,
Dünn- und Dickdarm, Szintigraphie, erneute Koloskopie, Kapselen
dos
kopie,
meckeldivertikel
-spezifische Szintigraphie) konnte keine Blutungsquelle eruiert werden
. Die Ärzte
diagnostizierten einen Verdacht
auf
Meckel-Divertikel
, eine
Helicobacter pylori Gastr
itis sowie eine normochrome, normozytäre
Anämie
(Urk. 3/2).
Damit liegen zwar neue – im Vergleichszeitpunkt noch nicht be
stehende – Diagnosen vor.
Daraus kann jedoch nicht automatisch auf eine rele
vante Änderung
der tatsächlichen Verhältnisse
geschlossen werden.
Aus inva
lidenversicherungs
rechtlicher Sicht entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern einzig, welche Auswirkungen einer Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit zukommt (BGE 136 V 279 E. 3.2.1). Eine Verdachtsdiagnose vermag sodann eine Erkran
kung
nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit
nachzuweisen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_454/2013 vom 24. Septem
ber 2013 E. 6.3 mit Hinweis).
Die
neuen Diagnosen bewirken vorliegend keine
andauernde
zusätzliche
funktionelle Beeinträchtigung
des
Beschwerdeführer
s
in einer leidensangepassten Tätigkeit
, zumal solches
weder von den Ärzten der Gast
roenterologie noch von Dr.
C._
festgehalten
wurde (E. 3.2.3-3.2.5
, E. 3.2.
7
)
. Gemäss
dem Sprechstundenbericht v
om 21. Februar 2019 fanden sich
bereits am 20. Februar 2019 keine Hinweise
mehr
für eine Blutung und
war
anhand der Laborwerte auch keine Anämie mehr auszumachen
(E. 3.2.4).
Vor diesem Hintergrund
erweist sich die Einschätzung
in der RAD-Stellungnahme vom 14. Mai 2019
, wonach
sich auch anhand der beschwerdeweise eingereichten Berichte zu den gastrointestinalen Abklärungen keine Hinweise auf dauerhafte
anspruchsrelevante
Veränderungen des medizinischen Sachverhaltes ergeben
hätt
en
(
Urk. 7
)
, als nachvollziehbar
und es kann darauf abgestellt werden
.
4.3
Aus
dem Gesagten ergibt sich, dass eine
massgebliche
Veränderung in den tat
sächlichen Verhältnissen seit der letztmaligen
V
erneinung
eines Rentenanspruchs
nicht ausgewiesen ist. Die von Dr.
C._
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 20 % in
einer angepassten Tätigkeit
vom 22. Januar bis am 28. Februar
2018
(E. 3.2.
2
)
sowie auch
die volle Arbeitsunfähigkeit
während des stationären Auf
enthaltes
im Spital
D._
vom 19. November bis am 7. Dezember 2018
(
Urk. 3/2
)
waren nicht von längerer Dauer und fallen deshalb ausser Betracht.
Da sich
im massgeblichen Zeitraum beim Grad der Arbeitsunfähigkeit
in adaptierter Tätigkeit
keine we
sentliche Änderung ergeben hat
, erübrigt
sich die Durchführung eines
neuerlichen
Einkommensvergleichs
(Urteil des Bundesgerichts 8C_259/2014 vom 31. Juli 2014 E. 4).
Damit hat die
Beschwerdegegnerin
einen Rentenanspr
uch zu Recht wiederum verneint.
4.4
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen bzw. zu beurteilen, zu denen die zuständige Ver
waltung
sbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung –
Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise weiter
ziehbaren Anfechtungsgegensta
nd. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungs
gegenstand
und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine
Verfügung ergangen ist (BGE 119
Ib 33
E. 1b, 118 V 31
1
E. 3b, je mit Hin
weisen).
Hinsichtlich
de
s Begehrens des
Besc
hwerdeführers auf G
ewährung beruflicher Massnahmen
(Umschulung
)
hat die Beschwerdegegnerin nicht verfügt, weshalb ein diesbezüglicher Anspruch nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerde
verfahrens bilden kann. Auf die Beschwerde ist insoweit nicht einzutreten.
5.
Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- dem unterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen.