Decision ID: 496ae349-640a-410d-b7b9-d6d697c51d6c
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war aufgrund seiner Anstellung als Mitarbeiter in
einer Z._ bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die
Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert (vgl. Suva-act. 26). Gestützt auf
eine Beurteilung von Dr. med. B._, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen- und
Halskrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie, vom 18. Januar 2011 (vgl. Suva-act. 12)
anerkannte die Suva am 24. Januar 2011 eine beim Versicherten bestehende
Schwerhörigkeit als Berufskrankheit und übernahm die Kosten für ein Hörgerät sowie
für die damit zusammenhängenden ärztlichen Abklärungen (Suva-act. 13).
A.a.
Am 21. März 2014 informierte Dr. med. C._, Spezialarzt FMH für Oto-Rhino-
Laryngologie, die Suva darüber, dass der Versicherte trotz der Hörgeräteversorgung
erhebliche Mühe mit der Verständigung habe, weshalb er ein Gesuch um eine
apparative Neuversorgung stelle. Im Reintonaudiogramm finde sich eine ausgeprägte
Hochtonschwerhörigkeit auf der linken Seite mit einer deutlichen Einschränkung des
Sprachverständnisses. Auf der rechten Seite bestehe eine an Ertaubung grenzende
Schwerhörigkeit mit praktisch nicht brauchbarer Sprachverständigung. Der
Hörgerätetest vom 11. Dezember 2013 zeige gegenüber der letzten Schlussprüfung
A.b.
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vom 7. Mai 2012 keine wesentliche Verschlechterung des Hörgerätes (Suva-act. 21).
Nachdem die Suva den Versicherten zur Veranlassung einer Rückfallmeldung bei
seinem Arbeitgeber aufgefordert hatte (vgl. Suva-act. 22 f.), teilte dessen Ehefrau der
Suva am 14. Mai 2014 telefonisch mit, dass der Versicherte am Herz operiert worden
sei und nicht mehr arbeite (Suva-act. 25). Noch gleichentags veranlasste die Suva eine
Rückfallmeldung zu einem Schaden vom 1. März 2010, wobei sie das Rückfalldatum
auf den 11. Dezember 2013 festsetzte (Suva-act. 26).
In einer Beurteilung vom 19. Mai 2014 erachtete Dr. med. D._, Arbeitsärztin,
Fachärztin für Oto-Rhino-Laryngologie FMH, eine reguläre Hörgeräteanpassung nicht
als zielführend, weshalb sie weitere Abklärungen im Hinblick auf die Frage, welche
Hörgeräte für den Versicherten in Frage kommen könnten, empfahl (Suva-act. 29). Eine
CT-Untersuchung des Felsenbeines vom 24. November 2014 wies eine verminderte
Dichte der otischen Kapsel im Sinne von Spongiosaherden im Rahmen einer
Otosklerose rechts mehr als links nach (Suva-act. 34). In einem Bericht der Klinik für
Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des E._ vom 20. Januar 2015 nannten
die untersuchenden Ärzte als Diagnosen den Verdacht auf eine Otosklerose rechts bei
hochgradiger, gemischter Schwerhörigkeit rechts, leicht-mittelgradiger, sensineuraler
Schwerhörigkeit links, pulssynchronem Tinnitus links, links konventionell
hörgeräteversorgt seit 2011 und Nachweis einer verminderten Dichte der otischen
Kapsel im Sinne von Spongiosaherden im Rahmen einer Otosklerose rechts mehr als
links, eine valvuläre und kongenitale Kardiopathie, ein lumospondylogenes und fraglich
radikuläres Schmerzsyndrom, eine fragliche Bactrimallergie sowie eine depressive
Stimmungslage und den Verdacht auf eine Schmerzverarbeitungsproblematik. In ihrer
Beurteilung hielten die Ärzte weiter fest, dass in einer Zusammenschau der klinischen
und radiologischen Befunde am ehesten von einer Otosklerose auf der rechten Seite
auszugehen sei. Konkomitierend bestehe rechts und links eine leicht- bis mittelgradige
sensorineurale Schwerhörigkeit. Die Befunde erklärten, warum der Versicherte auf der
rechten Seite von einer konventionellen Hörgeräterversorgung nicht profitiere. Aufgrund
der aktuellen Befundlage werde primär eine operative Mittelohrexploration mit allenfalls
Stapedotomie zur Verbesserung des Air bone gaps auf der rechten Seite
vorgeschlagen. Im Anschluss wäre dann rechts ebenfalls eine konventionelle
Hörgeräteversorgung analog zur linken Seite möglich. Der Versicherte wolle das
A.c.
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weitere Vorgehen zunächst mit seinem Hausarzt besprechen, da eine relevante kardiale
Komorbidität bestehe (Suva-act. 37). Gestützt auf die Untersuchungsergebnisse
empfahl Dr. D._ in einer Stellungnahme vom 28. Januar 2015 das Abwarten des
Entscheides des Versicherten hinsichtlich der Operation. Weiter hielt sie fest, dass für
die allfällige Operation keine Kostengutsprache geleistet werden könnte. Die Operation
der vermuteten Otosklerose sei einer endogenen Erkrankung geschuldet. Sie habe
prinzipiell nichts mit der beruflichen Lärmexposition zu tun, gestützt auf welche im
Januar 2011 eine Berufslärmschwerhörigkeit anerkannt worden sei (Suva-act. 40). Am
18. Februar 2015 teilte die Ehefrau des Versicherten der Suva mit, dass ihr Ehemann
sich der Operation nicht unterziehen werde. Er habe schon mehrere Operationen hinter
sich und habe ständig Infekte, sodass der Hausarzt die Ohrenoperation als zu riskant
einstufe (Suva-act. 41). Am 3. Juni 2015 informierte die Ehefrau des Versicherten die
Suva, dass an diesem Tag die Hörgeräteanpassung stattgefunden habe und eine
optimale Lösung gefunden worden sei (Suva-act. 52). Am selben Tag meldete sich der
Versicherte mittels des entsprechenden Formulars bei der Suva für Hilfsmittel an (Suva-
act. 56). Auf eine entsprechende Aufforderung der Suva hin (vgl. Suva-act. 53) reichte
die F._ mit Schreiben vom 19. Juli 2015 ihre Auswertungen zu den beim Versicherten
durchgeführten Untersuchungen sowie den Kostenvoranschlag für die
Hörgeräteversorgung ein. Sodann hielt sie fest, dass der Versicherte an einem
beidseitigen Hörverlust leide. Der Verlust aus dem Tonaudiogramm betrage für die
rechte Seite aktuell 100 %, für die linke Seite 67.2 %. Da sich die linke Seite innerhalb
der letzten vier Jahre um 37.6 % verschlechtert habe, sei ein Gesuch um frühzeitige
Wiederversorgung mit Hörsystemen gestellt worden. Das alte Hörsystem diene der
neuen Ausgangslage nicht mehr. Bei der F._ habe eine Probeanpassung mit diversen
Kontrollsitzungen stattgefunden. Die neue Versorgung ermögliche es dem
Versicherten, die Sprache von rechts wieder zu hören und zu verstehen (Suva-act. 56).
In einer Beurteilung vom 22. Juli 2015 hielt Dr. D._ fest, dass die Gesamtkosten für
die Hörgeräteversorgung gemäss Kostenvoranschlag bei Fr. 4'514.-- lägen. Aufgrund
der aktuellen audiologisch schwierigen Situation könne auf jeden Fall
Kostengutsprache für eine binaurale komplexe Hörgerätewiederanpassung erteilt
werden, da eine solche streng genommen ebenfalls vorzeitig erfolgen würde. Sodann
überlasse sie es der Administration, ob ausnahmsweise gegebenenfalls die komplette
Summe übernommen werden könne, zumal beim Versicherten eine finanziell
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angespannte Situation bestehe, nachdem dieser aus anderen gesundheitlichen
Gründen seit einigen Jahren arbeitsunfähig sei. Eine Integritätsentschädigung sei nicht
geschuldet. Jener Teil der Schwerhörigkeit, welcher auf die frühere
Berufslärmbelastung zurückgeführt werden könne, sei in seinem Ausmass bis zum
Ende der Lärmexposition nicht erheblich gewesen. Die massive Abnahme des Gehörs
rechts in den vergangenen Jahren sei auf die endogen bedingte Otosklerose
zurückzuführen, die in keinem kausalen Zusammenhang zur Berufslärmbelastung
stehe. Rentenansprüche bestünden aufgrund der anerkannten Berufsschwerhörigkeit
ebenfalls nicht (Suva-act. 61).
Mit Mitteilung vom 19. August 2015 informierte die Suva den Versicherten
darüber, dass sie aufgrund der durchgeführten Abklärungen die Kosten für eine
binaurale Hörgeräteversorgung sowie für die damit verbunden ärztlichen Abklärungen
übernehme. Gemäss der Tarifvereinbarung betrage die Kostenübernahme für die
Hörgeräte gesamthaft Fr. 2'972.-- exklusive Mehrwertsteuer. Die massive Abnahme
des Gehörs rechts in den vergangenen Jahren sei auf krankheitsbedingte Faktoren
zurückzuführen, die in keinem Zusammenhang mit den Berufslärmbelastungen
stünden. Höhere Kosten für Hörgeräte könnten daher nicht übernommen werden.
Weiter verneinte die Suva gestützt auf die Beurteilung von Dr. D._ einen Anspruch
auf eine Integritätsentschädigung sowie einen Rentenanspruch (Suva-act. 62).
A.d.
Mit Schreiben vom 7. September 2015 wandte sich der Versicherte gegen die
Mitteilung vom 19. Augst 2015. Er sei der Überzeugung, dass die Gehörsschädigung
auf die Lärmbelastungen am ehemaligen Arbeitsplatz zurückzuführen sei. Er sei einer
kontinuierlichen Lärmbelastung ausgesetzt gewesen, die über dem durchschnittlichen
Lärmpegel gelegen habe. Er habe in der Fabrik keinen angemessenen Schutz vor
gesundheitsschädigenden Einflüssen gehabt. In den letzten Jahren des
Arbeitsverhältnisses hätten sich die Gehörsschäden bemerkbar gemacht. Allerdings
habe er den Schaden erst dann bemerkt, als er bereits gravierend gewesen sei. Es sei
nun verwunderlich, dass die Suva die Gehörsschäden in ihrer Mitteilung vom 19.
August 2015 aus krankheitsbedingten Gründen nicht anerkenne. Der Lärm habe neben
den Gehörsschäden auch noch weitere negative Auswirkungen gezeitigt.
Beispielsweise sei es zu einer Veränderung der Tiefschlafphase und damit
einhergehend zu einer herabgesetzten Arbeitsleistung gekommen. Auch bestehe ein
A.e.
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Anspruch auf eine Integritätsentschädigung, da der Gehörsverlust über 70 % liege.
Sodann machte der Versicherte auch einen Rentenanspruch geltend, da von der
Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes mehr zu erwarten sei und auch die Eingliederungsmassnahmen
der Invalidenversicherung abgeschlossen seien (Suva-act. 63).
In einer Stellungnahme vom 10. September 2015 hielt Dr. D._ fest, dass beim
Versicherten der Verdacht auf Otosklerose bestehe. Dies sei eine die Schwerhörigkeit
verkomplizierende, jedoch endogene und nicht berufslärmbedingte Erkrankung. Was
die Berufslärmschwerhörigkeit betreffe, so sei davon auszugehen, dass die Situation im
Hörtest bezüglich des linken besseren Ohres auch auf das rechte Ohr anzuwenden sei.
Mit anderen Worten sei eine gewisse Symmetrie von der Berufslärmschwerhörigkeit zu
erwarten, die bis zum Audiomobil-Audiogramm vom 16. Oktober 2008 auch vorgelegen
habe. Zur Neubeurteilung des Falles sei eine Aktualisierung der Berufsanamnese
erforderlich (Suva-act. 67). Am 13. Oktober 2015 teilte die Ehefrau des Versicherten der
Suva telefonisch mit, dass der Versicherte die Arbeit in der Fabrik im August 2010
wegen eines Herzleidens niedergelegt habe. In der Folge habe er das Krankentaggeld
voll ausgeschöpft. Der Versicherte sei seit August 2010 keiner beruflichen oder privaten
Lärmbelastung mehr ausgesetzt gewesen (Suva-act. 68). In einer Stellungnahme vom
20. Oktober 2015 erklärte Dr. D._, dass beim Versicherten aufgrund der
durchgeführten Gehörsschadenprophylaxe berufslärmbedingte und endogene Anteile
der Hörstörung voneinander getrennt werden könnten. Ein Rentenanspruch bestehe
nicht. Durch die Hörgeräteversorgung sei es möglich, wieder auf der rechten Seite zu
hören. Auch sei kein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung gegeben, weil bei
Aufgabe der lärmigen Berufstätigkeit der Grad der Erheblichkeit aufgrund der
Lärmexpositionsspiegel nicht erreicht gewesen sei (Suva-act. 73).
A.f.
Mit Schreiben vom 11. November 2015 erkundigte sich die Ombudsstelle der
Privatversicherung und der Suva, Zürich, bei der Suva nach dem Stand des Verfahrens
(Suva-act. 83). Mit Schreiben 16. November 2015 schilderte die Suva der Ombudsstelle
die Umstände des laufenden Verfahrens aus ihrer Sicht (Suva-act. 84). Am 19.
November 2015 informierte die Ombudsstelle die Suva darüber, dass sie dem
Versicherten das Informationsschreiben vom 16. November 2015 weiterleiten werde.
A.g.
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Weiter bezeichnete sie das Verfahren vor der Ombudsstelle als abgeschlossen (Suva-
act. 85).
Mit Schreiben vom 21. Februar 2017 verlangte Rechtsanwältin Dr. iur. B. Wyler,
Frauenfeld, im Namen des Versicherten eine anfechtbare Verfügung. Zur Hauptsache
machte sie geltend, die Erheblichkeitsgrenze für eine Integritätsentschädigung sei sehr
wohl erreicht. Gemäss der Suva-Tabelle 12 liege die Erheblichkeitsgrenze bei einem
binauralen Schaden bei einem Hörverlust von 70 %. Gemäss dem Antrag zur
Wiederversorgung mit Hörgeräten der F._ vom 19. Juli 2015 leide der Versicherte auf
der rechten Seite an einem Hörverlust von 100 % und auf der linken Seite von 67.2 %.
Die vermutete Otosklerose sei nur auf der rechten Seite festgestellt worden. Demnach
sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Versicherte
berufskrankheitsbedingt auf beiden Seiten an einem Hörverlust von 67.2 % leide
(Suva-act. 97). Mit Schreiben vom 4. April 2017 stellte sich die Suva zunächst auf den
Standpunkt, die formlose Ablehnung des Anspruchs auf eine Rente und eine
Integritätsentschädigung vom 19. August 2015 sei in Rechtskraft erwachsen, weshalb
auf die Einwände nicht eingetreten werden könne (Suva-act. 99). Mit Schreiben vom
13. Juni 2017 wehrte sich der anwaltlich vertretene Versicherte gegen dieses
Nichteintreten (Suva-act. 100). Mit Eingabe vom 26. Juni 2017 reichte die
Rechtsvertreterin des Versicherten einen Arztbericht von Dr. med. G._, Fachärztin
PMH ORL, vom 22. Juni 2017 ein, wonach der Versicherte rechts an einem 100%igen
Hörverlust, links an einem 74%igen und gesamthaft an einem binauralen Hörverlust
von 86.7 % leide (Suva-act. 103). Am 11. April 2018 erliess die Suva schliesslich zwei
Verfügungen mit fast identischen Begründungen, mit denen sie einen Anspruch des
Versicherten auf eine Integritätsentschädigung sowie einen Rentenanspruch abwies. Im
Wesentlichen führte sie aus, dass eine gemischte Hörstörung mit endogenen Anteilen
bestehe, wobei die Erheblichkeit durch die endogenen Anteile bedingt sei, weil sich die
Hörstörung nicht gleichseitig entwickelt habe. Da bei Aufgabe der lärmigen
Berufstätigkeit der Grad der Erheblichkeit aufgrund der Lärmexpositionspegel nicht
erreicht gewesen sei, bestehe kein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung.
Mangels berufskrankheitsbedingter Einbusse der Arbeitsfähigkeit bestünden auch
keine Rentenansprüche (Suva-act. 105 f.).
A.h.
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B.
C.
Gegen diese Verfügungen erhob der Verband Inclusion Handicap, Zürich, am 3.
Mai bzw. 20. Juli 2018 im Namen des Versicherten Einsprache (Suva-act. 108 und 116;
vgl. ferner das Schreiben vom 14. Juni 2018; Suva-act. 111 sowie das
Antwortschreiben der Suva; Suva-act. 115) mit den Anträgen, dem Versicherten sei
eine Invalidenrente der Unfallversicherung bei einem Invaliditätsgrad von 17 %
auszurichten und bezüglich der Integritätsentschädigung sei gegenüber dem
Versicherten darzulegen und zu dokumentieren, von welchem Hörverlust im Jahr 2011
rein berufskrankheitsbedingt ausgegangen werde (Suva-act. 116 S. 1).
B.a.
In einer Beurteilung vom 7. September 2018 nahm Dr. D._ zu den in der
Einsprache vorgebrachten Einwänden Stellung und kam zum Schluss, dass sich an
ihren vorherigen Beurteilungen nichts geändert habe, da sich keine neuen
medizinischen Aspekte ergeben hätten. (Suva-act. 121).
B.b.
Mit Einspracheentscheid vom 12. September 2018 wies die Suva die Einsprache
des Versicherten ab (Suva-act. 122).
B.c.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. B. Wyler, Frauenfeld, am
15. Oktober 2018 Beschwerde. Er beantragte, der Einspracheentscheid der Suva
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 12. September 2018 sei aufzuheben, es seien
ihm von der Beschwerdegegnerin Taggeld ab Einstellung bis zur Neuverfügung, eine
Invalidenrente, eine Integritätsentschädigung sowie die Heilungskosten auszurichten,
es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1). In formeller
Hinsicht stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
und Rechtsverbeiständung im Verfahren vor dem Versicherungsgericht (act. G 1 S. 2, G
4 und G 6).
C.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. November 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei
(act. G 5).
C.b.
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Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend steht eine
bereits im Jahr 2011 anerkannte Berufskrankheit zur Debatte, weshalb die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung finden.
2.
Am 12. Dezember 2018 entsprach die verfahrensleitende Richterin dem Gesuch
um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor
Versicherungsgericht (act. G 7).
C.c.
In seiner Replik vom 24. Dezember 2018 hielt der Beschwerdeführer an den in der
Beschwerde gestellten Anträgen vollumfänglich fest (act. G 9). Gleichzeitig reichte die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ihre Honorarnote über Fr. 5'592.-- ein (act. G
9.1).
C.d.
Mit Schreiben vom 6. Februar 2019 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer umfassenden Duplik, reichte eine kurze Stellungnahme ein und hielt
am in der Beschwerdeantwort gestellten Antrag fest (act. G 11).
C.e.
Mit Eingabe vom 21. Februar 2019 reichte die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers eine neue Honorarnote über Fr. 4'696.25.-- ein, welche diejenige
vom 24. Dezember 2018 ersetzte (act. G 13).
C.f.
Gegenstand des angefochtenen Einspracheentscheids bildet der Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung.
2.1.
Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch auf Rentenleistungen und
Integritätsentschädigung erstmals mit ihrer formlosen Mitteilung vom 19. August 2015
abgelehnt (vgl. Suva-act. 62). Spätestens in diesem Zeitpunkt ist sie somit von einem
2.2.
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Fallabschluss ausgegangen, da die Prüfung dieser Ansprüche einen solchen
notwendigerweise voraussetzt (vgl. Art. 19 UVG; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre
Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Maurer/Hans-Ulrich
Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4.
Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 143 ff.). In seinem Einwand vom 7. September 2015
gegen die formlose Leistungsablehnung der Beschwerdegegnerin vom 19. August
2015 hat sich der Beschwerdeführer mit dem Fallabschluss einverstanden erklärt,
indem er ausgeführt hat, dass von der Fortsetzung der medizinischen Behandlung
keine namhafte Besserung mehr zu erwarten sei (vgl. Suva-act. 63). Ob die
Beschwerdegegnerin überhaupt einst Heilbehandlungsleistungen im Sinne von Art. 10
UVG erbracht hat oder ob es sich bei den ärztlichen Kontrolluntersuchungen um
Anpassungen im Rahmen eines Hilfsmittelanspruchs nach Art. 11 UVG gehandelt hat,
sei dahingestellt und braucht vorliegend nicht genauer beleuchtet zu werden. Da der
Beschwerdeführer die Operation, die allenfalls noch zu einer Besserung des
Gesundheitszustandes hätte führen können, bereits vor dem 19. August 2015
abgelehnt hat (vgl. Suva-act. 41), ist der Zeitpunkt des Fallabschlusses jedenfalls nicht
zu beanstanden, sodass einer Prüfung der Ansprüche auf Rente und
Integritätsentschädigung nichts im Wege steht.
Soweit der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde neben einer Rente und einer
Integritätsentschädigung auch noch Heilbehandlungsleistungen und Taggeldleistungen
beantragt (vgl. act. G 1), ist zu beachten, dass im verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren grundsätzlich lediglich Rechtsverhältnisse zu überprüfen bzw. zu
beurteilen sind, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich -
in Form einer Verfügung bzw. eines Einspracheentscheids - Stellung genommen hat.
Insoweit bestimmt (vorliegend) der Einspracheentscheid den beschwerdeweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und
insoweit kein Einspracheentscheid ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1).
2.3.
Während die formlose Mitteilung der Beschwerdegegnerin vom 19. August 2015
neben der Integritätsentschädigung und dem Rentenanspruch noch die
Kostenübernahme für die Hörgeräteversorgung zum Gegenstand hatte (vgl. Suva-act.
62), haben sich die Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 11. April 2018 nur noch
mit dem Rentenanspruch sowie dem Anspruch auf eine Integritätsentschädigung
befasst (Suva-act. 105 f.). In seiner gegen diese Verfügungen gerichteten Einsprache
hat der Beschwerdeführer ebenfalls lediglich Anträge hinsichtlich eines Anspruchs auf
eine Rente und eine Integritätsentschädigung gestellt, ohne die nicht vollständige
2.4.
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3.
In diesem Verfahren ist, wie soeben dargelegt, der Anspruch des Beschwerdeführers
auf eine Invalidenrente sowie eine Integritätsentschädigung zu prüfen. Der
Beschwerdeführer leidet unstreitig an einer beidseitigen Berufslärmschwerhörigkeit. Die
Beschwerdegegnerin hat diese am 24. Januar 2011 als Berufskrankheit im Sinne von
Art. 9 Abs. 1 UVG anerkannt (Suva-act. 13). Sie stellt sich jedoch mit Verweis auf die
zahlreichen Beurteilungen von Dr. D._ auf den Standpunkt, dass die im Jahr 2014
geltend gemachte Verschlechterung des Hörvermögens nicht auf die Berufskrankheit
zurückzuführen sei, sondern andere krankheitsbedingte Ursachen habe. Die auf die
Berufskrankheit zurückzuführende Hörschädigung erreiche die Erheblichkeitsschwelle
für das Zusprechen einer Integritätsentschädigung und einer Invalidenrente nicht
(vgl. Suva-act. 122; act. G 5 und 11). Demgegenüber ist der Beschwerdeführer der
Ansicht, es sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass sein
Gehörschaden nicht ausschliesslich auf die Berufskrankheit zurückzuführen sei, zumal
es sich bei der Otoskleorse lediglich um eine Verdachtsdiagnose handle. Zumindest sei
die Berufslärmexposition für den Gehörschaden teilkausal. Da die Beschwerdegegnerin
die Berufskrankheit einmal anerkannt habe, trage sie die Beweislast für den Wegfall der
Kausalität (act. G 1). Die Beschwerdegegnerin sieht demgegenüber die Beweislast für
sämtliche Anspruchsvoraussetzungen beim Beschwerdeführer (vgl. act. G 5 S. 5).
Kostentragung bezüglich der Hörgeräteversorgung zu beanstanden. Auch hat er keine
weiteren oder anderen Heilbehandlungsleistungen, Hilfsmittel oder Taggeldleistungen
beantragt (vgl. Suva-act. 108 und 116). Folgerichtig sind Gegenstand des
angefochtenen Einspracheentscheides ebenfalls lediglich der Rentenanspruch sowie
der Anspruch auf eine Integritätsentschädigung gewesen (vgl. Suva-act. 122).
Nachdem der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Fallabschluss nicht zu
beanstanden ist und sich die Einsprache sowie der Einspracheentscheid nur mit dem
Rentenpunkt sowie dem Anspruch auf Integritätsentschädigung befasst haben, können
Anfechtungsgegenstand dieses Verfahrens ebenfalls nur die Ansprüche betreffend
Rente und Integritätsentschädigung sein. Auf die im Beschwerdeverfahren neu
vorgebrachten Anträge auf Heilbehandlungsleistungen und Taggeldleistungen kann
somit unabhängig davon, dass Heilbehandlungsleistungen bei Berufskrankheiten
grundsätzlich über den Fallabschluss hinaus zusammen mit Rentenleistungen geltend
gemacht werden können (vgl. Art. 21 Abs. 1 lit. a UVG), vorliegend nicht eingetreten
werden.
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4.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufs
unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts
anderes bestimmt. Bei Fehlen gegenteiliger Regelungen sind Berufskrankheiten von
ihrem Ausbruch an einem Berufsunfall gleichgestellt (Art. 9 Abs. 3 UVG). Ist die
versicherte Person infolge des Unfalls bzw. der Berufskrankheit zu mindestens 10 %
invalid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1], hat sie gemäss Art. 18 Abs. 1 UVG
Anspruch auf eine Invalidenrente. Die versicherte Person hat zudem Anspruch auf eine
angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall bzw. die
Berufskrankheit eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Integrität erleidet (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die Bemessung der
Integritätsentschädigung richtet sich gemäss Art. 25 Abs. 1 UVG nach der Schwere
des Integritätsschadens. Anhang 3 zur UVV enthält eine Skala für
Integritätsentschädigungen. Die Entschädigung für spezielle, nicht in der Skala
aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert
abgeleitet. Integritätsschäden, welche nicht wenigstens einen Skalenwert von 5 %
erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (zum Ganzen Anhang 3 UVV). In
Weiterentwicklung der Skala des Anhang 3 zur UVV hat die medizinische Abteilung der
Suva weitere Bemessungsgrundlagen in Form von Tabellen erarbeitet, welche als
Richtwerte dienen können (vgl. BGE 116 V 157 E. 3a). Tabelle 12 der Suva sieht bei
einem binauralen Hörverlust eine Integritätsentschädigung vor, sofern der Hörverlust
die Schwelle von 35 % je Ohr erreicht. Für Hörverluste bis 30 % pro Ohr sieht die
Tabelle keine Entschädigung vor.
4.1.
Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht grundsätzlich nur für
Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten Ereignis
zusammenhängen (Urteil des Bundesgerichts vom 15. September 2017, 8C_486/2017,
E. 3 mit Hinweis; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 53 ff.; André Nabold, in: Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung [UVG], Bern 2018,
N 48 ff. zu Art. 6). Rückfälle und Spätfolgen können ebenfalls nur dann eine
Leistungspflicht des entsprechenden Unfallversicherers auslösen, wenn zwischen den
erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall
erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang
besteht (BGE 118 V 2965 E. 2c; Rumo-Jungo/ Holzer, a.a.O., S. 78). Für die Tatfrage
nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das
4.2.
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Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die
Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine
Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu
beurteilen ist (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 112 V 32 f. E. 1; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O.,
S. 55 und 58 f.; André Nabold, a.a.O., N 53 und 59 zu Art. 6 UVG). Bei physischen
Folgen spielt indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem
natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung praktisch keine selbständige
Rolle (BGE 127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 f. E. 3a und 117 V 365 E.
5d/bb mit Hinweisen).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352, E. 3a mit
Hinweis). Auch den Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kann
rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden. Soll ein Versicherungsfall
jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die
Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E.
4.4 und 4.6; bestätigt etwa im Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2012,
8C_592/2012, E. 5.3). Die Rechtsprechung erachtet sodann Aktengutachten als
zulässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über die Anamnese, den Verlauf und
den gegenwärtigen Status ergeben. Voraussetzung ist ein lückenloser
Untersuchungsbefund, damit der Experte bzw. die Expertin imstande ist, sich aufgrund
der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild zu verschaffen (vgl. das Urteil des
Bundesgerichts vom 31. März 2009, 8C_514/2008, E. 5).
4.3.
Der im Sozialversicherungsprozess herrschende Untersuchungsgrundsatz
schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
4.4.
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5.
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als
im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Während bei der
Frage, ob ein Kausalzusammenhang überhaupt jemals gegeben ist, die versicherte
Person beweisbelastet ist, trägt die Beweislast für einen behaupteten Wegfall der
Kausalität der Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326; Urteil des
Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; BGE 117 V 264 E. 3b;
Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Bei einem Rückfall trägt der Leistungsansprecher
hinsichtlich der Kausalität des als Rückfall postulierten Beschwerdebildes die
Beweislast (vgl. das Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes vom 20.
Februar 2006, U 249/05, E. 1).
Die Beschwerdegegnerin hat die Schwerhörigkeit des Beschwerdeführers am 24.
Januar 2011 als Berufskrankheit im Sinne von Art. 9 Abs. 1 UVG anerkannt und
Kostengutsprache für ein Hörgerät sowie die damit zusammenhängenden
medizinischen Untersuchungen geleistet (Suva-act. 13). Auch wenn Dr. B._ bereits in
seiner Beurteilung vom 18. Januar 2011 auf berufskrankheitsfremde Anteile der
Hörschädigung hingewiesen hatte (vgl. Suva-act. 12), kann sich die
Beschwerdegegnerin mit Blick auf das Schreiben vom 24. Januar 2011 nicht darauf
berufen, dass sie die Leistungspflicht nur für einen Teil des Gehörschadens anerkannt
habe, weshalb der Beschwerdeführer für die Frage der Kausalität der anderen
Gehörsschädigungen beweisbelastet sei. Vielmehr hat die Beschwerdegegnerin in
ihrem Schreiben vom 24. Januar 2011 die bis dahin etablierte Berufskrankheit ohne
explizite Einschränkungen anerkannt (vgl. Suva-act. 13). Zwischen der
Kostengutsprache im Januar 2011 und der Meldung von Dr. C._ im März 2014,
wonach sich die Schwerhörigkeit des Beschwerdeführers verschlechtert habe (vgl.
Suva-act. 21), sind dann allerdings keine weiteren Heilbehandlungsleistungen oder
Hilfsmittelleistungen mehr aktenkundig. Ganz generell scheint in diesem Zeitraum keine
Korrespondenz zwischen der Beschwerdegegnerin und dem Beschwerdeführer mehr
stattgefunden zu haben. Demnach ist davon auszugehen, dass nach der
Hörgeräteversorgung, für welche die Beschwerdegegnerin im Januar 2011
Kostengutsprache erteilt hatte, ein relativ stabiler Zustand hinsichtlich der
Hörschädigung erreicht worden war. Daher ist es nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin die Meldung von Dr. C._ vom März 2014 als Rückfall eingestuft
hat (zum Begriff des Rückfalls vgl. das Urteil des Bundesgerichts vom 21. Februar
2018, 8C_589/2017, E. 3.1.1). Folglich trägt der Beschwerdeführer die Beweislast
5.1.
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6.
hinsichtlich des mit der Rückfallmeldung geltend gemachten neuen Beschwerdebildes
(vgl. E. 4.4).
Auch gilt es zu berücksichtigen, dass die durch die Beschwerdegegnerin
möglicherweise bereits vorgenommene Ausrichtung vorübergehender
Versicherungsleistungen keine Vertrauensgrundlage für einen Rentenanspruch bzw.
einen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung bildet (vgl. auch das Urteil des
Bundesgerichts vom 31. Oktober 2016, 8C_430/2016, E. 4). Die Ansprüche auf eine
Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung unterliegen ihren eigenen, im UVG
festgelegten Anspruchsvoraussetzungen, welche gesamthaft erfüllt sein müssen. Der
Versicherungsträger kann mithin bei der erstmaligen Zusprache von Dauerleistungen
seine Leistungspflicht - trotz Übereinstimmung einzelner Anspruchsvoraussetzungen
mit denjenigen der vorübergehenden Versicherungsleistungen - neu überprüfen, ohne
dass der Entscheid durch die faktische Erbringung vorübergehender Leistungen
präjudiziert wird (Urteile des Bundesgerichtes vom 22. Februar 2016, 8C_1/2016, E.
4.5.3 und 5. März 2013, 8C_666/2012, E. 4.1, nicht publ. in: BGE 139 V 161). In diesem
Zusammenhang ist sodann von Bedeutung, dass die Invalidenrenten und
Integritätsentschädigungen gemäss Art. 36 Abs. 2 UVG angemessen gekürzt werden,
wenn die Gesundheitsschädigung nur teilweise die Folge eines versicherten
Ereignisses ist, während die Heilbehandlungsleistungen grundsätzlich nur von einem
Sozialversicherungsträger zu übernehmen sind (vgl. Art. 64 Abs. 1 f. ATSG).
5.2.
Zunächst zu prüfen ist demnach, ob mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest
gestellt werden kann, welcher Anteil der unbestrittenermassen vorhandenen
Gehörsschädigung auf den Berufslärm zurückzuführen ist.
6.1.
Dr. D._ hat in ihren Beurteilungen überzeugend dargelegt, dass der Hörschaden
zwar als berufslärmbedingt anerkannt worden sei, sich jedoch im Verlauf gezeigt habe,
dass die Hörstörung nicht ausschliesslich beruflich verursacht worden sei, sondern
auch endogene, berufsfremde Ursachen eine Rolle spielten. Zum Wesen der
Berufslärmschwerhörigkeit gehöre die symmetrische, also die beidseitig gleich stark
ausgeprägte Hörstörung respektive der Abfall der Innenohrleistung im Hochtonbereich,
was sich in den Audiogrammen im Audiomobil von 1999 bis etwa 2008 entsprechend
gezeigt habe. Ab 2010 weiche das rechte Ohr jedoch ganz erheblich von der
Hörschwelle des linken Ohres ab, was durch die noch bestehende Lärmbelastung am
Arbeitsplatz nicht erklärbar sei. Wäre ausschliesslich beruflicher Lärm
ausschlaggebend, hätten sich beide Hörkurven im selben Ausmass verschlechtern
6.2.
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müssen. Ausserdem zeige sich der deutliche Abfall der Hörleistung im Tieftonbereich,
was nicht mehr beruflichen, sondern endogenen Ursachen geschuldet sei. Schliesslich
sei beim Beschwerdeführer eine sogenannte Otosklerose festgestellt worden, wodurch
es zu einem Stopp der Schallübertragung, also einer zusätzlichen
Mittelohrschwerhörigkeit zur vorbestehenden Innenohrschwerhörigkeit gekommen sei.
Das sogenannte Ausmass der Erheblichkeit der Hörstörung, also ein Hörverlust von
jeweils mindestens 35 % je Ohr, sei aus beruflichen Gründen bis zum
Schadenaudiogramm vom 24. März 2010 nicht erreicht worden. Die Erheblichkeit sei
erst durch die zusätzliche Otosklerose-bedingte Mittelohrschwerhörigkeit rechts
erreicht worden (Suva-act. 73). Auf die bei der Berufslärmschwerhörigkeit zu
erwartende Symmetrie hatte bereits Dr. B._ in seiner Beurteilung vom 18. Januar
2011 hingewiesen, weshalb auch er zum Schluss gekommen war, dass die massive
Abnahme des Gehörs am rechten Ohr in den vergangenen zwei Jahren mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine krankheitsbedingte Ursache
zurückzuführen sei, die in keinem Zusammenhang mit der Berufslärmbelastung stehe
(Suva-act. 12). Dr. D._ hat weiter festgehalten, dass bei der Kombination aus
Berufslärmschwerhörigkeit und endogener Mittelohrschwerhörigkeit durch die
Otosklerose aufgrund der Gehörsschadenprophylaxe im Audiomobil
berufslärmbedingte und endogene Anteile der Hörstörung voneinander getrennt
werden könnten. Aus dem Verlauf der Audiogramme sei exakt dokumentierbar, dass im
Jahr 2010 die Hörschwelle auf dem rechten Ohr in einer ungewöhnlichen Art und Weise
vom bisherigen Verlauf abgewichen sei, was organisch einer Otosklerose zugeordnet
werden könne (Suva-act. 73). Auch wenn das Vorliegen einer Otosklerose mit letzter
Sicherheit erst intraoperativ festgestellt werden könne, gebe es doch deutliche
Hinweise für das Vorliegen dieser Erkrankung (Suva-act. 121). Entgegen der Ansicht
des Beschwerdeführers ändert der Umstand, dass die Otosklerose nicht mit letzter
Sicherheit ausgewiesen ist (vgl. act. G 1 S. 4 f.), nichts an der Kausalitätsbeurteilung
des Hörschadens. Denn zum einen ist aufgrund der Einschätzung von Dr. D._ und
der Befunde des E._ doch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vom Vorliegen einer
Otosklerose auszugehen (zum Beweismass siehe BGE 138 V 221 E. 6 und das Urteil
des Bundesgerichts vom 2. August 2017, 8C_128/2017, E. 2). Selbst wenn aber eine
solche wider Erwarten nicht vorhanden sein sollte, dürfte dies nichts am Anteil der
berufslärmbedingten Gesundheitsschädigung ändern. Denn diesfalls wäre gestützt auf
die vorliegenden ärztlichen Beurteilungen gleichwohl davon auszugehen, dass der
massive Hörabfall rechts nicht auf berufslärmbedingte Krankheitsgründe
zurückzuführen ist, wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort zutreffend
ausgeführt hat (vgl. act. G 5 S. 4). Schliesslich hatte bereits Dr. B._ in seiner
Beurteilung vom 18. Januar 2011 den massiven Hörabfall rechts auf andere Ursachen
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als den Berufslärm zurückgeführt, ohne dass damals die Otosklerose aktenkundig
gewesen ist (vgl. Suva-act. 12).
Hinsichtlich der im Rahmen des Einspracheverfahrens vorgebrachten Kritik des
Beschwerdeführers, die Erheblichkeitsschwelle für eine Integritätsentschädigung sei
erreicht, da gemäss dem Antrag der F._ zur Hörgeräteversorgung vom 19. Juli 2015
selbst auf der linken Seite ein Hörverlust von 67.2 % bestehe, hat Dr. D._
nachvollziehbar erklärt, dass das erwähnte Reintonaudiogramm vom 19. Juli 2015 zur
Taxierung der berufslärmbedingten Integritätseinbusse nicht geeignet sei, weil der
Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt bereits seit fünf Jahren nicht mehr
lärmexponiert gewesen sei und neben der berufskrankheitsfremden Otosklerose
zusätzlich noch eine altersbedingte Abnahme des Hörvermögens, insbesondere im
Tieftonbereich, angenommen werden müsse. Zur Berechnung der berufslärmbedingten
Integritätseinbusse dürfe ausschliesslich das Audiogramm verwendet werden, das dem
Ende der beruflichen Lärmexposition zeitlich am ehesten zugeordnet werden könne.
Insofern sei das Audiogramm vom 24. März 2010 heranzuziehen, das einen rein
innerohrbedingten Abfall der Hörleistung links von 27.2 % zeige, der analog auf das
rechte Ohr übertragen werden könne (Suva-act. 121). Zwar ist es nicht
ausgeschlossen, dass der Berufslärm, wie vom Beschwerdeführer behauptet, auch
über die Aussetzung desselben hinaus Auswirkungen auf das Gehör haben kann
(vgl. act. G 9). Ob die zwischen der ersten Leistungszusprache vom Januar 2011
(basierend auf dem Audiogramm vom März 2010) und der Rückfallmeldung vom März
2014 (basierend auf dem Audiogramm von Dezember 2013) eingetretene
Verschlechterung des Gehörs auf der linken Seite jedoch tatsächlich berufslärmbedingt
ist, wie vom Beschwerdeführer behauptet, oder alters- und krankheitsbedingt, wie von
Dr. D._ ausgeführt, bleibt letztlich beweislos. Da der Beschwerdeführer die
Beweislast hinsichtlich des von ihm als Rückfall postulierten Beschwerdebildes zu
tragen hat, trägt er die Folgen der Beweislosigkeit (vgl. E. 5.1). Eine berufslärmbedingte
Hörschädigung beidseits ist aufgrund der überzeugenden Begründung von Dr. D._
jedenfalls nur im Ausmass der im Audiogramm vom März 2010 für das linke Ohr
dokumentierten Höreinbusse ausgewiesen. Diese Beurteilung stimmt denn auch mit
der Einschätzung von Dr. B._ vom 18. Januar 2011 überein, wonach eine
Integritätsentschädigung nicht geschuldet sei, weil jener Teil der Schwerhörigkeit,
welcher auf die frühere Berufslärmbelastung zurückgeführt werden könne, in seinem
Ausmass nicht erheblich sei (vgl. Suva-act. 12 S. 2).
6.3.
Weiter hat Dr. D._ einen Rentenanspruch aufgrund der berufslärmbedingten
Hörschädigung verneint. Sie hat nachvollziehbar ausgeführt, dass sich eine
6.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
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Einschätzung, welcher Anteil möglicher Ohrgeräusche dem Berufslärm und welcher
Anteil der Otosklerose anzulasten sei, fachlich nicht treffen lasse. Gemäss der
Aktenlage sei jedoch nicht vorwiegend über Ohrgeräusche geklagt worden. Im vom
Beschwerdeführer ausgefüllten Hörschadenfragebogen vom 15. Dezember 2010 sei
das Vorhandensein von Ohrensausen verneint worden. Im Antrag von Dr. C._ vom
21. März 2014 für eine apparative Neuversorgung wegen einer Zunahme der
Hörstörung fänden sich ebenfalls keine Hinweise auf eine vegetative
Begleitsymptomatik wie Schlaflosigkeit oder Tinnitus. Ein pulssynchroner Tinnitus
werde erstmals im Schreiben des E._ vom 20. Januar 2015 erwähnt, jedoch ohne
weitere Erläuterungen dazu. Dr. G._ verneine in ihrem Bericht vom 22. Juni 2017 die
Notwendigkeit eines Tinnitus-Noisers und weise ebenfalls nicht auf einen
dekompensierten Tinnitus hin. Hinweise auf eine hörbedingt reduzierte Schlafqualität
ergäben sich lediglich aus einem Schreiben des Sohnes des Beschwerdeführers. Ein
ärztlicher Befund liege diesbezüglich nicht vor. Eine Störung des Tiefschlafes könne
viele Ursachen haben. Im Dossier fänden sich keine Berichte über
psychotherapeutische oder psychologische Behandlungen wegen Schlafstörungen
aufgrund eines Tinnitus. Es sei ungewöhnlich, dass die Qualität der Tiefschlafphase
gestört sein solle, obwohl kein dekompensierter Tinnitus beklagt werde. Eine
Schwerhörigkeit oder Ertaubung sei in der Tiefschlafphase eigentlich bedeutungslos.
Insofern könne die Schwerhörigkeit ohne Angaben von weiteren psychosomatischen
Beschwerden für die Aufgabe des Berufes oder eine reduzierte Leistungsfähigkeit nicht
als ursächlich angesehen werden (Suva-act. 121). Im Bericht des E._ vom 20. Januar
2015 ist denn auch lediglich von einer depressiven Stimmungslage die Rede, ohne
dass eine schwere psychische Erkrankung diagnostiziert worden ist (Suva-act. 37).
Schliesslich hat Dr. D._ darauf hingewiesen, dass es dem Beschwerdeführer durch
die Hörgeräteversorgung wieder möglich sei, auf der rechten Seite zu hören (Suva-
act. 73; vgl. dazu auch den Bericht der F._ vom 19. Juli 2015; Suva-act. 56).
Wesentlich erscheint in diesem Zusammenhang auch, dass der Beschwerdeführer
selbst nach dem beträchtlichen Hörabfall auf dem rechten Ohr im März 2010, der nach
dem Gesagten bereits nicht mehr als ausschliesslich berufsbedingt anzusehen ist,
noch bis August 2010 weitergearbeitet hat und die Tätigkeit nicht wegen
Hörproblemen, sondern aufgrund eines Herzleidens aufgegeben hat (vgl. Suva-act. 68).
Ob die Operation, die ebenfalls noch zu einer Verbesserung der Hörsituation hätte
führen können (vgl. Suva-act. 37), dem Beschwerdeführer zumutbar gewesen wäre, wie
von Dr. D._ angetönt worden ist (vgl. Suva-act. 121), kann bei dieser Ausgangslage
offenbleiben.
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7.