Decision ID: b130b4ce-29e8-4e0b-9af1-6c76b5765d9b
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1953 geborene
X._
arbeitete von 1981 bis 1997 als
Hoch
bau
p
olier
bei der
Y._
(
Urk. 8/
4, Urk. 8/7).
Am 1
2.
April 2007 erlitt er einen Unfall, als er auf einer Kellertreppe ausglitt und auf die rechte Schulter fiel. Dabei zog er sich eine
Rotatorenmanschetten
ruptur
zu (
Urk.
8/36/44-45).
Am 1
4.
August 1997 meldete
er
sich
bei der
Sozial
ver
sicherungs
anstalt
des Kantons
St. Gallens
, IV-Stelle, unter Hinweis auf
diesen Unfall samt
postoperativem Infekt nach der
Rotatoren
manschetten
naht
zum Leistungsbezug (Berufs
be
ratung, Umschulung, Rente) an
(
Urk.
8/4)
. Nach Durch
führung medizinischer und beruf
licher Ab
klärungen sprach
die IV-Stelle
, St. Gallen,
dem Versicherten
mit Verfügung
en
vom
17
.
April 1998
(Urk. 8/
46
)
respektive 18.
September 1998 (Urk. 8/54)
eine Ein
arbeitung
be
ziehungs
weise eine Fortsetzung des
Vor
praktikums
im Hinblick auf die Um
schulung zum Behindertenbetreuer im
Z._
als berufliche Massnahmen zu. A
m
6.
Mai 1999 (Urk. 8/66)
bejahte sie ferner unter anderem den Anspruch des Versicherten auf
eine Umschulung zum
Be
hinderten
betreuer
im Rahmen der
A._
-
Ausbildung
mit Praktikum bei der
A._
sowie am kantonalen
Z._
(vom
1.
April 1999 bis 3
1.
Juli 2002)
.
Mit Verfügung vom 1
5.
Oktober 2002 (Urk. 8/103) teilte die IV
Stelle dem Ver
sicherten nach erfolgrei
chem Ab
schluss der Ausbildung zum diplomierten Sozial
pädagogen mit, dass er rentenausschliessend eingegliedert sei.
1.
2
Am 1
7.
Februar 2007 (Urk. 8/111) meldete sich der Versicherte unter
Hinweis auf eine seit 2003 bestehende Krankheit
(vgl. dazu etwa Urk. 8/112:
linksbe
tontes
spastisches
Hemisyndrom
bei Multipler Sklerose
[
MS
]
)
erneut
bei der
Sozial
ver
sicherungs
anstalt
des Kantons St. Gallens, IV-Stelle,
zum
Leistungsbe
zug
(Hilfs
mittel: Beinschiene) an
. Nach durchgeführten medizinischen Abklä
rungen leistete die IV-Stelle unter anderem Kostengutsprache für Oberschenkel-Orthesen nach ärztlicher Verordnung ab 2
6.
Fe
bruar 2007 bis 2
8.
Februar 2012
(vgl. dazu Mitteilung vom
3.
April 2007
[Urk. 8/115]
).
Am 12.
Dezember 2007 (Urk. 8/132) gewährte sie
dem Versicherten
ferner einen
Amortisations
bei
trag
von Fr
.
3‘000.-- pro Kalenderjahr
für das
Motorfahrzeug Honda
Civic
1.6
l ab 19. November 2006 bis 3
1.
Dezember 2011.
1.3
Am
5.
Mai 2008 (Urk. 8/136) meldete sich der Versicherte abermals
unter Hin
weis auf eine
MS
, eine Gehbehinderung und starke Rücken
schmerzen bei der
Sozialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich
, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an.
Die IV-Stelle
holte
verschiedene
Aus
zü
g
e
aus dem individuellen Konto (Urk. 8/140
, Urk. 8/150
),
einen medizinische
n
Bericht
(Urk. 8/144) sowie
einen
Arbe
it
geber
be
richt
(Urk. 8/145) ein
und klärte
sodann
die be
ruf
liche Situation ab
(Urk. 8/159)
. Am
7.
Juli 2009 (Urk. 8/158)
ver
neinte sie den An
spruch des
Ver
sich
erten auf be
ruf
liche Massnahmen
sowie am
8.
Juni 2010 (Urk. 8/168)
auf
Kosten
gut
sprache für Hilfsmittel (Urk. 8/168).
1.4
Am 2
5.
Mai 2011 (Urk. 8/170) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine
unfallbedingte
Supraspinatussehnenruptur
links
bei der Invalidenversi
cherung
zu
r
Früh
er
fas
sung
an.
Die IV-Stelle
holte einen Arbeitgeberbericht (Urk. 8/172), einen Auszug aus dem indi
viduellen Konto (Urk. 8/174)
und ver
schiedene
medizinische Bericht
e
(
Urk. 8/176
, Urk. 8/183-
184, Urk. 8/187
, Urk. 8/190
)
ein. Am 2
3.
Januar 2012 (Urk. 8/189) gewährte sie
dem Versicher
ten
bis zum 3
1.
August 2018
weiterhin ein
en
Amortisations
beitrag
von Fr.
3‘000.-- pro Kalenderjahr
für das
Motorfa
hrzeug Honda
Civic
.
Sodann
ver
anlasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre medizinische Unter
suchung
(Gut
achten vom 2
4.
August 2012 [Urk. 8/201])
sowie eine Abklärung in Haushalt und Beruf (Urk. 8/204).
Ferner zog sie die Akten des Unfal
lversicherers (Urk. 8/210) bei.
Am 1
5.
April
(Urk. 8/226)
respektive
2.
Mai 2013 (Urk. 8/230)
leistete die IV
Stelle aber
mals
vom
2
2.
Januar 2013 bis 31. Januar 2018
Kosten
gutsprache für Ober- und Unter
schenkel-Orthesen nach ärztlicher Ver
ord
nung,
sowie
für ausgewiesene Mehrkosten für
Kleider
änderungen
und er
höhten Kleiderver
schleiss und
vom 24. April 2013 bis 3
0.
April 2018
für orthopädische
Spezial
schuhe
für Orthesen nach ärztlicher Verordnung
;
am
3.
Mai 2013 (Urk. 8/231)
erfolgte die Kostengutsprache
vom 2
4.
April 2013 bis 3
0.
April 2018
für kost
spielige Änderungen/
Schuh
zu
richtungen
an orthopädischen Spezialschuhen nach ärzt
licher Verordnung
.
In der Folge
holte sie einen weiteren medizinischen Bericht (Urk. 8/232) ein.
Mit Vor
bescheid vom 2
1.
März 2013
(Urk. 8/216
)
hatte
die IV-Stelle dem Ver
si
cherten ab
1.
November 2011 die
Zusprac
he
einer halben Rente und ab 1.
April 2012 einer
Viertelsrente
in Aus
sicht
gestellt
. Nach Prüfung
der
hiegegen
er
ho
benen Einwände vom
2
5.
März 2013
(
Urk. 8/2
19-220
)
sprach sie
dem Ver
si
cherten
mit Verfügung vom 16. Juli 2013 (Urk. 2)
rückwirkend
ab 1.
November 2011 eine halbe Rente zu.
2
.
Dagegen
erhob der Versicherte am
29. August
201
3
(Urk. 1) Beschwerde und beantragte, die
angefochtene Verfügung
sei aufzuheben und die
Be
schwerde
gegnerin
zu verpflichten, ih
m eine ganze Rente
auszurichten. Eventualiter sei
die Sache zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zu
rück
zuweisen
;
al
les unter Kosten- und Entschädigungsfolge
(zzgl.
MWSt
)
zu
lasten der
Beschwerde
gegnerin
.
In prozessualer Hinsicht ersuchte
er
um An
ord
nung eines zweiten Schriftenwechsels sowie um Bewilligung der unent
gelt
lichen Rechts
pflege und
der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung
in der Per
son von
Rechtsanwältin Noëlle
Cerletti
, Bülach.
Am
3.
Oktober 2013 (Urk. 7) teilte die
Be
schwerde
gegnerin
mit, dass sie auf das Ein
reichen einer Vernehmlassung
verzichte. Am
4.
Oktober 2013 (Urk. 9) zog der Versicherte sein Gesuch vom 2
9.
August 2013 um Be
willigung der un
ent
gelt
lichen Rechtspflege und
Rechts
verbei
ständung
zurück.
Mit
Gerichts
ver
fügung
vom
7.
Oktober 2013 (Urk. 10) wurde
ein zweiter
Schriften
wechsel
an
ge
ordnet.
Replicando
hielt der Beschwerdeführer an seinem Hauptantrag auf Zu
sprechung einer ganzen Rente fest
(Urk. 12 S. 2) und legte weitere Unterlagen auf (Urk. 13/1-2)
. Den beschwerdeweise
gestellten
Eventual
antrag auf
Rück
weisung
zur
Neu
beurteilung
zog er hingegen zurück (
Urk. 12 S.
6
Ziff.
6).
Ergänzend machte er eine
Verschlechterung des Gesundheits
zu
stan
des seit der Begutachtung geltend
(Urk. 12 S. 2 Ziff.
2
und S. 6
).
Am 3
0.
Dezember 2013 (Urk. 16) verzichtete die
Be
schwerde
gegnerin
auf das Ein
rei
chen einer Duplik, was dem Beschwerde
führer am
6.
Januar 2014 (Urk. 17) zur Kenntnis gebracht wurde.
Mit Eingabe vom 1
3.
Januar 2014 (Urk. 18) machte der Beschwerdeführer eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend und legte zusätzli
ch
e
Unterlagen auf (Urk.
1
9/1-2). Die Beschwerdegegnerin verzichtete
a
m 10.
Februar 2014 (Urk. 22) auf eine diesbezügliche Stellungnahme
, wovon dem Beschwerdeführer am 1
2.
Februar 2014 (
Urk.
23) Kenntnis gegeben wurde.
3.
Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die Akten wird, sofern für die
Ent
scheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
tel
srente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Drei
viertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung [
IVG
]).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invaliden
ein
kommen
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Validen
ein
kom
men
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüberge
stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist ent
scheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf all
seitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Ex
pertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der Verfügung vom 1
6.
Juli 2013 (Urk. 2
S. 2
) dafür, dass eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in bisheriger sowie in einer
be
hin
derungs
angepassten
Tätigkeit nachvollziehbar sei
.
Eine höhere Arbeits
un
fähig
keit sei jedoch bei fortschreitendem Kr
ankheitsbild nicht realistisch. Ab Novem
ber 2011 habe der Beschwerdeführer Anspruch auf eine unbefristete halbe Rente.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
die Ausführungen der Beschwerdegegnerin seien falsch. Die von den MEDAS-Gutachtern im August 2012 festgestellte Arbeitsunfähigkeit von 40 bis 50
%
beziehe sich auf ein 75%-Pensum und
stimme nicht mit der Beurteilung der
Beschwerde
gegnerin
in der Verfügung
überein.
D
ie
Be
schwerde
gegnerin
sei dem
gegen
über fälsch
licher
weise davon ausgegangen, dass sich die 50%ige Arbeits
un
fähigkeit auf ein 100%-Pensum bezogen habe.
Bei einer
40-50%igen Arbeits
un
fähigke
it (bezogen auf ein 75%-Pensum)
resultiere eine Arbeitsfähig
keit von 30 bis 37.5
%
(
bezogen auf ein 100%-Pensum), was auch vom behan
delnden
Dr.
med.
B._
,
FMH für Allgemeinmedizin
, bestätigt werde
. Zudem habe sich sein Gesundheitszustand seit der Begutachtung durch die MEDAS
C._
im August 2012 und dem letzten Arztbericht von
Dr.
B._
weiter verschlechtert
(vgl. dazu auch Urk. 12-13/1-2, Urk. 18-19)
. Ein aktuelles ärzt
li
ches Zeugnis attestiere ihm lediglich noch eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
be
zo
gen auf ein 75%-Pensum, was einer Arbeitsunfähigkeit von 70
%
(be
zogen auf ein 100%-Pensum) entspreche (
Urk. 1
S. 6
Ziff.
9
, vgl. dazu auch Urk.
3/4
). Deshalb stehe ihm eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu.
In der Replik legte der Beschwerdeführer weitere Dokumente (Urk. 13/1-2) auf und hielt ergänzend fest
(Urk. 12 S. 5 f.
Ziff.
8
ff.
)
, aufgrund des eingereichten
Arbeit
geberberichts
und der Stundenaufstellung sei klar und ersichtlich, dass er auch kein Pensum von 37.5
%
leisten könne. Es müsse von einer 30%igen
Rest
arbeits
fähigkeit
aus
gegangen werden, was ihn zum Bezug von einer ganzen Invaliden
rente berechtige
(vgl. dazu auch Eingabe vom 1
3.
Januar 2014 [Urk. 18-19/1-2])
.
3.
3.1
Dr.
med.
D._
,
leitender Arzt Orthopädie,
E._
,
Obere Extre
mitä
ten, nannte in seinem Bericht vom 2
5.
Oktober 2011 (Urk. 8/210/106-107) eine symptomatische
kurzstreckige
traumatische
Supra
spinatus
sehnen
ruptur
links nach einem Sturz vom 2
6.
Februar 201
1.
Als Nebendiagnose erwähnte er einen
Status nach offener
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion rechts 1996
(richtig: 1997)
mit pro
trahiertem Verlauf im Rahmen eines Infekts und viermaliger Re
vision.
In seiner Beurteilung hielt
Dr.
D._
fest, fünf Monate nach dem Eingriff bei einer symptomatischen
kurzstreckigen
traumatischen
Supra
spinatus
sehnen
ruptur
liege ein klinisch zeitgerechter Heilungsverlauf mit funktionell gutem Resultat vor. In Anbetracht der heute erhobenen Befunde könne die Behandlung ab
ge
schlossen werden. Weitere Nachkontrollen seien in seiner Sprechstunde nicht mehr vorgesehen. Allerdings habe er dem Beschwerdeführer zur Stärkung der Schultergürtelmuskulatur nochmals einen Zyklus Physiotherapie verordnet. Rein bezogen auf die linke Schulter wäre aus medizinischer Sicht eine Arbeits
fähig
keit ab dem 2
8.
Oktober 2011 wieder gegeben. Momentan sei der Beschwer
de
führer seines Wissens wegen der Gangunsicherheit im Rahmen
der
be
kannten MS nur zu 50
%
arbeitsfähig.
3.2
Die
Gutachter
der MEDAS
C._
stellten im polydisziplinären Gutachten vom 2
4.
August 2012 (Urk. 8/201) nach Durchführung einer neurologischen und ortho
pädischen Unter
suchung folgende Diagnosen mit Einschränkung der zu
mut
baren Arbeitsfähigkeit
(S. 20
Ziff.
6.1.1)
:
Primär progrediente MS mit
l
inks
- und
distal
betonter
spastischer Paraparese und in der
physi
schen Domäne ausgeprägter
Fatigue
Kraft- und Bewegungseinschränkung in beiden Schultern nach
Rota
toren
naht
Antero-laterale Instabilität Knie links
Als Nebendiagose ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nann
ten die Gutachter eine
Osteochondrose
der Lendenwirbelsäule, eine
grenz
wertige
Adipositas und eine Neurodermitis
(S. 20
Ziff.
6.1.2)
.
Die Gutachter hielten i
n der polydisziplinären versicherungsmedizinischen Beur
teilung
fest (S. 22
Ziff.
6.2.3), von Seiten des Bewegungsapparates liege eine deut
liche gesundheitliche Einschränkung mit
antero
-lateraler Instabilität
des linken Knies,
Peroneusparese
links sowie beidseitiger Kraft- und
Bewe
gungs
ein
schränkung
der Schultern nach
Rotatorennaht
vor. Die Diagnosen hätten anam
nestisch und aus den Vorbefunden erhoben und in der klinischen Untersuchung be
stätigt werden können.
Von Seiten der neurologischen Funktionssysteme würden deutliche Ein
schränkun
gen
durch die distal- und links
betonte spastische Paraparese, die
Detrusor
-/
Sphinkterdyssynergie
sowie die vor allem auf der physischen Domäne
mittel- bis
schwergradig
ausgeprägte
Fatigue
bewirkt. Die Diagnosen könnten eben
falls anamnestisch und aus den Vorbefunden erhoben und in der klinischen Unter
suchung bestätigt werden. Die Paraparese sowie die gesundheitlichen Ein
schränkungen von Seiten des Bewegungsapparates auf der einen Seite und der
Fatigue
auf der anderen Seite würden in einer reziproken Beeinflussung eine zusätz
liche (mehr als additive
n
) Beeinträchtigung
der gesundheitlichen Situa
tion
ergeben
(S. 22
Ziff.
6.2.3)
.
Vom medizinischen Standpunkt aus sei mit dem Pensum, welches der Beschwer
de
führer aktuell erfülle und nach seinem Wunsch auch unter gleich
bleibenden gesundheitlichen Bedingungen weiter erfüllen möchte, das aufgrund der aktuellen gesundheitlichen Situation machbare Mass über
schrit
ten. Dies nehme der Beschwerdeführer deshalb in Kauf, weil er bei einer Re
duktion durch geringere Präsenz auch weniger Entscheidungsmöglichkeiten hätte
(S. 22 Ziff.
6.2.4)
.
Als zuletzt ausgeübte Tätigkeit müsse die eines Sozialpädagogen angesehen wer
den. Dabei müsse allerdings berücksichtigt werden, dass im aktu
ellen
Arbeits
umfeld
vom Arbeitgeber verschiedene Anpassungen bereits vorge
nom
men worden seien
, so dass der derzeitige Arbeitsplatz als teiladaptiert betrachtet werden müsse. So könne der Beschwerdeführer nur in einer Wohn
grup
pe tätig sein,
wo nicht mehrmals täglich Tr
eppen zu überwinden seien oder
ein Lift zur Verfügung stehe, da die Gehstrecke ohne Stockhilfe auf 200 Meter be
schränkt sei. Daneben werde im Dienstplan berücksichtigt, dass
der Beschwer
deführer
nicht vier Tage hinter
einander
arbeiten müsse
, was für den Beschwer
deführer eine zu grosse Belastung darstellen würde, auch bei einem Pensum von 75
%
(S. 22 f.
Ziff.
7.1.1)
.
In der rechten Schulter bestehe eine eingeschränkte passive und deutlich einge
schränkte aktive Beweglichkeit. I
n der linken Schulter sei die passive Be
weg
li
chkeit sehr gut und die aktive Beweglichkeit nur leicht eingeschränkt, so dass sich
orthopädischerseits
gemeinsam mit der
antero
-lateralen Instabilität des linken Knies und der
Peroneusparese
links eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
ergebe
(S. 22 f.
Ziff.
7.1.1)
.
N
eurologischerseits
sei die links- und
distal
betonte
spastische Paraparese, die für die
MS
typische
Fatigue
, welche den Beschwerdeführer lang
samer und er
schöpf
barer mache und auf der physischen Domäne betont sei, sowie die
De
tru
sor
-/
Sphinkterdyssyner
g
ie
, welche den Beschwerdeführer
dazu nötige, deutlich gehäuft und zum Teil mit grosser Dringlichkeit das WC auf
zu
suchen, zu nennen. Bereits innerhalb der neurologischen Defizite komme es so zu einer gegen
seitigen Verstärkung der negativen Faktoren (ein hoher Grad an
Erschöpfung, bedingt verminderte Reserven zur Kompensation der motorischen Ein
schränkung und häufiges Wasserlösen nötige zum verstärkten Aus
schöpfen der Reserven insbesondere bei eingeschränkter Motorik), so dass sich
neuro
lo
gischer
seits
tatsächlich eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
ergebe
(S. 23 Ziff.
7.1.1)
.
Die orthopädischen Beschwerden seien teilweise
durch die neurologischen
mit
be
dingt
und beide beeinflussten sich reziprok und gegenseitig verstärkend, sodass sie die Arbeitsunfähigkeit polydisziplinär zwischen 40 und 50
%
bezogen auf die 75%ige Tätigkeit schätzten
(S. 23 Ziff. 7.1.1)
.
Die seit der Umschulung ausgeübte Tätigkeit mit über die Zeit vielfältigen Anpas
sungen seitens des Arbeitgebers und des Beschwerdeführers könne als adaptiert angesehen werden (S. 23
Ziff.
7.2.1)
.
Bezüglich der orthopädischen Einschränkungen sei von einer Stabilisierung aus
zu
gehen.
Neurologischerseits
sei jedoch zur Behandlung
der
primär pro
gre
dienten MS keine Möglichkeit bekannt, die Progredienz der Erkrankung dauer
haft aufzuhalten oder sogar umzukehren. Es sei langfristig mit einer
Min
derung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen (S. 24
Ziff.
7.4).
3.
3
Im Bericht vom 3
0.
Mai 2013 (Urk. 8/232
)
diagnostizierte
Dr.
B._
eine
MS
mit einem primär pro
gredienten Verlauf, eine links- und
distalbetonte
spasti
sche Parese sowie
ein
linksseitiges sensibles
Hemisyndrom
, eine
Quadri
zeps
- und
Fuss
heber
parese
links bei einer MS mit Gangstörungen im Sin
ne eines
Stepper
ganges
und einer
Knie
gelenks
re
kur
vation
in der Standphase, ein chro
nisches
Lumbo
vertebralsyndrom
bei
Osteo
chondrosen
aller
Wirbel
säulen
seg
mente
, eine ausgeprägte
Osteo
phyten
bil
dung
im Bereich des Segmentes L2/3, ein
fe
moro
patelläres
Schmerzsyndrom links und eine ältere vordere
Kreuz
band
läsion
links, einen Status nach einer
Rotatorenmanschettenruptur
rechts mit Operation im Jahr 1996
(richtig: 1997)
und postoperativem Infekt mit einer vier
maligen Revision, einen Status nach einer
Vasektomie im Jahr 2001
und eine
Schulter
arthro
skopie
links mit
Rotatorenmanschettenkonstruktion
im Jahr 2011 wegen einer
Supr
aspinatussehnenruptur
. Als Diag
n
o
se ohne Aus
wirkung auf die Arbeits
fähigkeit nannte er eine Neurodermitis und eine chronische Sinusitis.
Dr.
B._
führte aus, es bestehe eine komplexe rheumatologische und neuro
logische Situation. Der Beschwerdeführer und er hätten festgestellt, dass es seit November 2012 zu einer deutlichen Verschlechterung gekommen sei.
Der Beschwer
de
führer habe mehr Mühe beim Laufen und er brauche ständig einen Stock. Ohne Stock könne er gar nicht mehr laufen. Obwohl der Be
schwerde
führer eine Beinorthese links trage, bestehe ständig die Gefahr eines
Stolper
stur
zes
. Ohne Stock könne er kaum mehr 100 m gehen. Auch die
Erschöpf
bar
keit
habe zugenommen. Ausserdem bestünden bei Belastungen Lumbalgien vor allem in das linke Bein. Bei stärkeren Belastungen nähmen diese Schmerzen zu.
Prognostisch sei mit einer weite
ren Verschlechterung zu rechnen. D
er Beschwer
de
führer sei
aber
motiviert, solange zu arbeiten
,
wie es möglich sei.
Dr.
B._
hielt für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Sozialpädagoge fol
gende Arbeitsunfähigkeiten fest: 50
%
vom
1.
September 2011 bis 3
1.
März 2012, 100
%
vom
1.
Dezember bis
3
1.
Dezember 2012, 50
%
vom 1.
Januar bis 2
8.
Februar 2013, 100
%
vom
1.
März bis 3
0.
April
2013 und 50
%
ab dem 1.
Mai 201
3.
Mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätig
keit be
ziehungs
weise Erhöhung der Einsatzfähigkeit
könne nicht gerechnet
wer
den.
Kon
zentra
tions
vermögen
, Auffassungsvermögen, Anpassungsfähigkeit, Belast
bar
keit seien durch
die
MS eingeschränkt.
3.
4
Prakt. med.
F._
,
Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
der
Beschwer
degegnerin
,
führte in ihrer Stellungnahme vom
4.
Juni 2013 (Urk. 8/233 S. 2) aus, die von
Dr.
B._
in seinem Arztzeugnis vom 3
0.
Mai 2013 beurteilten
Arbeits
un
fähig
keits
zeiten
seien beim Vorliegen der MS aus
versicherungs
medizinischer
Sicht nach
vollziehbar. Eine mehr als 50%ige Arbeitsfähigkeit sei bei fortschreitendem Krank
heitsbild nicht realistisch. Diese Beurteilung der seit im März 2012
vor
liegenden
Arbeitsfähigkeit (50
%
) für angepasste Tätigkeiten sei bereits im Gutachten der M
EDAS
C._
auf S.
24 bis 25 dokumentiert. Eine
phasen
haft
auftretende Verschlechterung des Gesundheitszustandes und damit der Arbeits
fähigkeit sei
bei
vorliegender
MS begründbar.
3.
5
Im Bericht vom 1
2.
August 2013 (Urk. 8/241) hielt
Dr.
B._
fest, dass sich die im Bericht der IV-Stelle attestierten 50%igen und 100%igen Arbeitsunfähig
keiten immer auf das 75%-Pen
sum des Beschwerdeführers bezogen hätten. Es seien die gleichen Prozent
sätze wie bei der Krankentaggeldversicherung. Der Arbeitgeber und die
Kranken
tag
geld
versicherung
hätten dies auch immer so verstanden. Im M
EDAS-
Gutachten vom 2
4.
August 2013 (richtig: 2012) werde auch immer von dem 75%-Pensum ausgegangen.
4.
4.1
Aus den vorliegenden medizinischen Akten geht hervor, dass bei
m
Be
schwer
de
führer
sowohl
orthopädische als auch neurologische
Beeinträchtigungen
be
ste
hen.
Für die Frage, ob beziehungsweise inwieweit der Beschwerdeführer deswe
gen in seinem Leistungsvermögen einge
schränkt ist, kann auf das MEDAS-
Gut
achten vom
2
4.
August 2012
(E. 3.
2
hievor
)
ab
ge
stellt wer
den. Es
entspricht den praxisgemässen Anforderungen an
eine beweis
kräftige medizinische
Ent
schei
dungsgrundlage
(E. 1.
4
hievor
).
Das Gutachten basiert auf allseiti
gen Untersu
chungen in ortho
pädi
scher
und
neurologischer Hinsicht,
be
rück
sichtigt
die geklagten Beschwerden
und setzt sich mit diesen sowie
mit dem Verhalten des
Be
schwerde
führe
r
s
auseinander. Auch wurde es in Kenntnis
und in Auseinan
dersetzung mit den
wesent
lichen
Vorakten
erstattet
und
leuchtet in der Darle
gung der medi
zi
nischen
Zustände und Zusammenhänge ein. Insbesondere zeigten die MEDAS-G
utachter auf, dass
ein Pensum von 75
%
das Leistungs
vermö
gen des Be
schwer
de
führers
überschreite
(E. 3.2
hievor
, vgl. dazu auch Urk. 8/201 S. 22
Ziff.
6.2.
4 und S. 23
Ziff.
7.2.2)
.
Die
Schluss
fol
gerung, wonach
die ortho
pädischen teilweise durch die neurologischen Beschwerden mitbed
i
ngt
seien und sich diese Beschwerden reziprok verstärkten und
der Beschwerde
führer in bisheriger Tätigkeit als Sozialpädagoge, welche adaptiert sei, aus ortho
pädischer Sicht zu 40
%
und aus neurologischer Sicht zu 50
%
arbeits
un
fähig sei (bezogen auf die 75%ige Tätigkeit), ist nachvollziehbar begründet
.
Dass sich diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf das bislang ge
leistete Pen
sum von 75
%
bezieht, ergibt sich
nicht nur
explizit aus der
poly
dis
zi
plinä
ren
Beurteilung, sondern auch aus dem Gesamtzusammenhang.
Daran
ändert nichts, dass die
MEDAS-
Gutachter bei der Beantwortung der Zusatz
fragen
nicht ausführten, auf welches Pensum sich ihre Einschätzung be
zog (vgl. dazu etwa Urk. 8/201 S. 19
Ziff.
5.11 und S. 25
Ziff.
8)
.
Da
die neurologische Einschrän
kung mit einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
(bezogen auf 75%
Pensum) höher als die genannte orthopädische Ein
schränkung ausgefallen ist,
muss
von einer 50%igen Arbeits
un
fähigkeit (
bezogen auf das 75%-Pensum) ausgegangen wer
den
.
Damit in Einklang steht
grundsätzlich auch die Einschätzung des behandelnden Haus
arztes
Dr.
B._
vom 3
0.
Mai 2013 (E. 3.3
hievor
), in
welcher
er dem Beschwer
de
führer für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Sozialpädagoge vom 1. September 2011 bis 3
1.
März
2012
und vom
1.
Januar bis 2
8.
Februar 2013 sowie ab dem
1.
Mai eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (bezogen auf das bisherige Pen
sum von 75 % [
E. 3
.5
hievor
]
)
attestierte. Dem Gutachten steht auch nicht ent
gegen, dass
Dr.
B._
für Dezember 2012
und
März
bis April 2013 Arbeits
unfähigkeiten von 100
%
attestierte, da die Verschlechterung der Arbeits
fähigkeit nicht ohne wesentliche Unter
brechung drei Monate an
ge
dauert hat (
zur Relevanz:
Art.
88a
Abs.
2 der Verordnung über die In
validen
ver
siche
rung [IVV])
.
Schliesslich
befand
auch die RAD-Ärztin
prakt. med.
F._
in ihrer Stellung
nahme vom
4.
Juni 2013 (E. 3.4
hievor
), dass die von
Dr.
B._
in seinem
Arzt
zeug
nis
vom 3
0.
Mai 2013 beurteilten Arbeitsunfähigkeitszeiten beim Vor
liegen einer MS aus versicherungsmedizinischer Sicht nachvollziehbar sei
en
und eine 50%ige Arbeits
fähigkeit (bezogen auf ein 75%-Pensum) auch schon im MEDAS-Gutachten auf S. 24 und 25 dokumentiert worden sei.
Was den Bericht
vom 2
5.
Oktober 2011 (E. 3.1
hievor
)
von
Dr.
D._
anbelangt,
so hielt dieser einzig bezüglich der Schulterproblematik fest, dass aus medizi
nischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit ab 2
8.
O
ktober 2011 wieder gegeben wäre; e
ine
Ge
samt
beurteilung
ist dem Bericht hingegen nicht zu entnehmen.
4.
2
Die vom Beschwerdeführer
erhobenen Einwände
, wonach von einer höheren Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei,
vermögen an dieser
Beurteilung nichts zu ändern:
Soweit
der Beschwerdeführer unter Auflage eines Arztzeugnisses vom 12. August 2013 vorbringt (Urk. 1 S. 6
Ziff.
9, Urk. 3/4), er sei aktuell nur noch zu 60
%
arbeitsfähig (richtig: arbeitsunfähig) bezogen auf ein 75%-Pensum
, so ist fest
zuhalten, dass das besagte Arztzeugnis mit der darin vom
1.
September bis 3
1.
Oktober 2013 attestierten Arbeitsunfähigkeit erst nach dem Erlass der Ver
fügung im
Juli
2013 (Urk. 2)
ergangen ist und die Beurteilung der Arbeits
un
fähig
keit
einzig
den
Zeitraum nach der Verfügung be
schlägt
, welcher nicht mehr vom Beurteilungszeitraum erfasst wird.
Der Bericht
der Arbeitgeberin
vom
6.
Januar 2014 (Urk. 19/2) sowie dessen Inhalt fallen ebenso wenig
in
den Beurteilungszeitraum, weshalb der
Be
schwer
de
führer daraus
nichts
zu seinen Gunsten ableiten kann.
Ferner
vermag
auch
der
nach der
Verfügung im
Juli
2013 er
gangene
Arbeit
geber
bericht
vom 1
3.
September 2013 (Urk. 13/1)
-
soweit er sich
über
haupt
auf den
Be
ur
teilungszeitraum
bezieht
- an
der Beurteilung der MEDAS-Gut
achter nicht
s
zu ändern
,
da es sich dabei um Ausführungen von
Nicht
medi
zinern
handelt.
Schliesslich vermögen auch die aufgelegten Auszüge der Arbeitsstunden für das Jahr
das Jahr 2013 (Urk. 13/2,
Urk.
19/1) nichts an der Einschätzun
g der MEDAS-Gutachter zu ändern, beinhalten sie doch keine medizinischen Fest
stellungen.
4.3
Nach dem Gesagten ist gestützt auf das MEDAS-Gutachten vom 24. August
201
2
mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Be
schwer
de
führer in
s
einer Tätigkeit
als Sozialpädagoge, welche adaptiert ist,
zu 50
%
bezogen auf sein 75%-Pensum
arbeits
un
fä
hig ist.
Damit
verbleibt
eine Restarbeitsfähigkeit von 37.5
%
und eine Arbeitsunfähigkeit von 62.5
%
.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ermittelte den Invaliditätsgrad anhand eines
Prozent
ver
gleichs
und ging mithin davon aus, dass der Beschwerdeführer bei einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit eine ebensolche Einbusse im Erwerb erleidet. Bei gleichem Vorgehen würde - da die Arbeitsunfähigkeit effektiv 62.5
%
beträgt - ein Invaliditätsgrad resultieren, welcher Anspruch auf eine
Dreivier
telsrente
gibt. Dieses Vorgehen wurde vom Beschwerdeführer nicht beanstandet und auch nicht thematisiert.
5.2
5.2.1
Bei der Ermittlung des ohne Gesundheitsschaden erzielbaren Einkommens (
Vali
deneinkommen
) ist entscheidend, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflicher Fähigkeiten und persönlichen Umstände mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit ohne den Gesundheitsschaden, aber sonst bei unveränderten Ver
hältnissen verdienen würde (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 100 E. 3b mit Hinweisen).
Da nach
empirischer Feststellung in der Regel die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des
Valideneinkommens
grundsätzlich der zuletzt erzielte, der Teuerung sowie der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (RKUV 1993 Nr. U 168 S. 101 E. 3b am Ende, ZAK 1990 S. 519 S. 3c).
5.2.2
Vorliegend ergibt sich ein Sachverhalt mit zweimaligem Eintritt eines je andersge
arteten Gesundheitsschadens. Beim Unfall vom 1
2.
April
199
7 erlitt der Beschwerdeführer eine Schulterverletzung, welche ihm die Ausrichtung seines angestammten Berufes als Polier verunmöglichte. Nach der Umschulung zum Sozialpädagogen, in welcher Tätigkeit er einen höheren Verdienst erzielte, erkrankte der Beschwerdeführer im Jahr 2003 an MS, was mit fortschreitender Krankheit seine Arbeitsfähigkeit als Sozialpädagoge herabsetzte.
5.2.3
Je nach Sichtweise ist die Frage nach dem massgebenden
Valideneinkommen
anders zu beantworten. Versteht man unter dem Begriff „Gesundheitsschaden“
jedwelche
gesundheitliche Beeinträchtigung, hätte d
ie versicherte Person
bei
unveränderten Verhältnissen
in aller Regel den angestammten Beruf weiter aus
geübt, entsprach dieser doch regelmässig den
berufliche
n
Fähigkeiten und
den
persönlichen Umstände
n.
Geht man hingegen davon aus, dass eine invalide Person nach einer von der Invalidenversicherung finanzierten Umschulung rentenausschliessend einge
gliedert ist, kann auch mit guten Argumenten geschlossen werden, dass diese neue Arbeit der nunmehr angestammten Tätigkeit entspricht.
5.2.4
In der Rechtsprechung finden sich - soweit ersichtlich - lediglich Konstella
tionen, in welchen versicherte Personen nach einer Umschulung einen geringe
ren Verdienst erzielten (beziehungsweise Hinweise auf einen höheren Verdienst fehlen).
Im
Urteil 9C_24/2009 vom
6.
März 2009 E. 3.2 schloss das Bundesgericht b
ei
erneutem Eintritt eines Gesundheitsschadens, dass es zur Bemessung des
Vali
deneinkommens
bedeutungslos
sei
, dass die Versicherte dank Leistungen der Invalidenversicherung beruflich
habe
eingegliedert werden und - bei geringe
rem Lohn - eine behinderungsangepasste Tätigkeit
habe
ausüben k
ö
nne
n
.
Es zog für die Ermittlung des
Valideneinkommens
den Lohn vor Eintritt der erst
maligen Invalidität bei. Auch im Entscheid 9C_882/2010 vom 2
5.
Januar 2011 E. 7.2.2 hielt es dafür, dass zur Ermittlung des
Valideneinkommens
nicht auf den nach der Ums
chulung erzielten Verdienst
abgestellt werden
könne.
5.2.5
In der Literatur wird zu dieser Rechtsprechung die Meinung vertreten, dass sie sich nur auf Konstellationen bezieht, in denen eine versicherte Person nach der Umschulung einen tieferen Verdienst erzielt hat. So findet sich unter Verweis auf die dargelegte Rechtsprechung die Präzisierung, dass bei erfolgreicher Ein
gliederung für die Ermittlung des
Valideneinkommens
in einem späteren Zeit
punkt der davor (da
s
heisst vor der invaliditätsbedingt erfolgten beruflichen Eingliederung) erzielte (höhere) Verdienst heranzuziehen sei (Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
3.
Auflage, Zürich, Basel, Genf 2014, N 53 zu
Art.
28a). Der Hinweis auf einen vormals höheren Verdienst impliziert, dass bei einem nach der Umschulung höheren Lohn auf diesen abzustellen ist.
Weiter findet sich in der Literatur der Hinweis, dass die erwähnte Rechtspre
chung unter anderem zum Ziel habe, zu verhindern, dass einer versicherten Person bei mehreren aufeinanderfolgenden Einschränkungen ein immer tieferes
Valideneinkommen
angerechnet werde. Könne dagegen nach der Eingliederung ein mindestens gleich grosses oder gar ein grösseres Einkommen erzielt werden, werde der Zähler quasi „auf
Null
gestellt“ und es gelte die nach der Eingliede
rung ausgeübte Arbeit als angestammte Tätigkeit (Thomas Ackermann, Die
Bemessung der Invaliditätsgrades in:
Kieser
/
Lendfers
,
Sozialversicherungs
rechtstagung
2012
,
S. 19).
5.2.6
Diese Hinweise aus der Literatur überzeugen. Nach einer erfolgreichen Umschu
lung (auch wenn diese durch die Invalidenversicherung finanziert wurde) und beruflichen Integration soll eine versicherte Person nicht zeitlebens mit dem Handicap leben müssen, früher einmal eine geringer entschädigte Tätigkeit aus
geübt zu haben und sich dieses geringere
Valideneinkommen
anrechnen lassen zu müssen. Nach einer beruflichen Neuetablierung sollen die Versicherten
in einem späteren Versicherungsfall gegebenenfalls
von neuem beginnen können.
5.3
Bei diesem Ergebnis ist die Durchführung eines Prozentvergleichs nicht zu bean
standen. Angesichts der flexiblen Handhabung des Einsatzes des Beschwerdeführers durch den öffentlich-rechtlichen Arbeitgeber ist davon aus
zugehen, dass der Beschwerdeführer in dem ihm zumutbaren Pensum von 37.5
%
weiterarbeiten und ein entsprechendes Einkommen erzielen könnte.
Damit resultiert ein Invaliditätsgrad von 62.5
%
, welcher Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung gibt, weshalb die Beschwerde teil
weise gutzuheissen ist.
6
.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zu
legen (Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG), auf Fr.
8
00.-- anzusetzen und ausga
ngsgemäss der Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
führer eine Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses, auf
Fr.
2‘000.-- (inkl.
Barausla
gen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.