Decision ID: 6d4d7d56-372a-451a-bbda-1f05493c0d87
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit dem 1. Januar 2004 bei der Sansan
Versicherungen AG (nachfolgend: Sansan; nach Zusammenlegung/Fusion per 1.
Januar 2017 Progrès Versicherungen AG, nachfolgend: Progrès) obligatorisch
krankenversichert (act. G 10.56).
A.a.
Zufolge verspätet eingegangener Kündigung wurde der Versicherte für das Jahr
2015 nicht aus der Versicherungspflicht entlassen (act. G 10.3, 5, 8), womit der
Wechsel zur KLuG Krankenversicherung (nachfolgend: KLuG), Zug, welche am 4.
Dezember 2014 die Weiterführung der obligatorischen Krankenversicherung für den
Versicherten bestätigt hatte, nicht zustande kam (act. G 10.4).
A.b.
Im November 2015 kündigte der Versicherte die Krankenversicherung bei Sansan
erneut (act. G 10.8). Am 10. Dezember 2015 bestätigte Sansan den rechtzeitigen Erhalt
der Kündigung am 27. November 2015 (act. G 10.9). Am 19. Dezember 2015 sandte
Sansan dem Versicherten eine Zahlungserinnerung für die Monatsprämie Dezember
2015 in der Höhe von Fr. 251.45 (act. G 10.10). Am 16. Januar 2016 mahnte sie ihn für
den Ausstand des Monats Dezember 2015 in Höhe von Fr. 291.45 (Fr. 251.45 Prämie
plus Fr. 40.-- Bearbeitungsgebühren; act. G 10.11). Am 29. Januar 2016 sandte Sansan
die Versicherungspolice KVG, gültig ab 1. Januar 2016 (act. G 10.12), und wies den
Versicherten mit Schreiben vom 1. Februar 2016 darauf hin, dass sie keine
Aufnahmebestätigung der neuen Krankenversicherung erhalten habe, weshalb er von
Gesetzes wegen rückwirkend per 1. Januar 2016 weiterhin bei ihr versichert bleibe. Der
Versicherte solle veranlassen, dass die neue Versicherung eine Bestätigung schicke,
A.c.
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damit der Übertritt auf den Folgemonat vorgenommen werden könne (act. G 10.14).
Am 10. März 2016 richtete die Sansan ein als "Letzte Mahnung" betiteltes Schreiben
für den Ausstand Dezember 2015 in Höhe von Fr. 354.80 (Fr. 251.45 Prämie plus Fr.
3.45 Verzugszins plus Fr. 40.-- Mahngebühren plus Fr. 60.-- Inkassogebühren) an den
Versicherten (act. G 10.17).
Es folgten weitere Erinnerungen, Mahnungen und letzte Mahnungen für nicht
bezahlte Prämien einzelner Monate des Jahres 2016 (act. G 10.18, 20 f., 23, 25 ff., 30,
32 ff., 36, 38 ff.). Letztlich mahnte Sansan mit Schreiben vom 29. November 2016
Prämienausstände für die Monate Dezember 2015 sowie Januar bis und mit Oktober
2016 in der Höhe von Fr. 3'098.45. Insgesamt betrug die Forderung Fr. 3'444.05 (Fr.
3'098.45 Prämien plus Fr. 85.60 Verzugszins [Zins von 5% ab 11. Mai 2016] plus Fr.
200.-- Mahngebühren plus Fr. 60.-- Inkassogebühren; act. G 10.41).
A.d.
Über diesen Betrag stellte Sansan am 16. Dezember 2016 beim Betreibungsamt
B._ ein Betreibungsbegehren. Dagegen erhob der Versicherte Rechtsvorschlag.
Diesen hob die Progrès mit Verfügung vom 4. März 2017 auf und erteilte
Rechtsöffnung im Umfang von Fr. 3'557.65 (Fr. 3'098.45 Prämien plus Fr. 125.90
Verzugszins [Zins von 5% ab 11. Mai 2016] plus Fr. 200.-- Mahngebühren plus Fr. 60.--
Inkassogebühren plus Fr. 73.30 "Rechtliche Kosten"; act. G 10.42, 56). Dagegen erhob
der Versicherte am 2. April 2017 Einsprache (act. G 10.43).
A.e.
Am 5. April 2018 teilte die KLuG der Progès bzw. dem Kundenservice der Helsana
Versicherungen AG mit, dass sich der Versicherte bei ihr per 1. Januar 2015 habe
versichern lassen. Am 4. Dezember 2014 sei die Versicherungsbestätigung an die
Sansan erfolgt. Am 10. Februar 2015 habe Sansan mitgeteilt, dass die Kündigung zu
spät eingetroffen sei und die Versicherung deshalb erst per 31. Dezember 2015
aufgehoben würde. Aufgrund dieses Schreibens sei bei der KLuG eine
Beginnverschiebung per 1. Januar 2016 erfolgt. Der Kunde und die Sansan seien am
11. Februar 2015 diesbezüglich informiert worden (act. G 10.49, vgl. auch act. G 1.7).
A.f.
Mit Entscheid vom 20. Dezember 2018 wies die Progrès die Einsprache –
abgesehen von der erteilten Rechtsöffnung für die Betreibungskosten (Fr. 73.30) – ab
und bestätigte die Rechtsöffnung im Umfang von Fr. 3'098.45 nebst Zins zu 5% seit
A.g.
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B.
11. Mai 2016, Fr. 200.-- Mahngebühren und Fr. 60.-- Bearbeitungsgebühren (act. G
10-56). Mit Quittung vom 27. Dezember 2018 teilte das Betreibungsamt B._ der
Sansan bzw. der Progrès mit, dass der in Betreibung gesetzte Betrag inklusive
Betreibungskosten beglichen sei (act. G 10-58). Am 14. Januar 2019 teilte Progès dem
Versicherten mit, dass sämtliche Ausstände beglichen seien und die obligatorische
Versicherungsdeckung (KVG) per 31. Dezember 2018 aufgehoben sei (act. G 10.60).
Am 20. Januar 2019 reichte der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) eine
als Rückerstattungsklage und Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 20.
Dezember 2018 betitelte Eingabe ein (act. G 1). Diese wurde in Anwendung von Art. 36
Abs. 1 und 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) zur
Verbesserung bzw. Beschränkung auf das Wesentliche vom Versicherungsgericht
zurückgewiesen (act. G 2). Am 12. Februar 2019 reichte der Beschwerdeführer die
verbesserte Eingabe ein (act. G 4). Er beantragte darin sinngemäss, dass die Progrès
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zu verpflichten sei, ihm einen Betrag in Höhe von
Fr. 10'295.45 zuzüglich Zins zu 5% zurückzuerstatten. Im Weiteren habe die
Beschwerdegegnerin ihn für seine entstandenen Aufwände im Umfang von Fr.
40'218.75 zuzüglich Zins zu 5% zu entschädigen. Der Krankenkasse Concordia seien
die entgangenen Prämien in Höhe von Fr. 5'350.05 zuzüglich Zins zu 5% zu erstatten.
Zudem seien die weiteren Opfer der Krankenkasse zu ermitteln und angemessen zu
entschädigen. Zur Begründung führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen und
sinngemäss aus, dass er im Jahr 2016 bei der KLuG versichert gewesen sei, weshalb
er der Beschwerdegegnerin die Prämien nicht schulde. Die Prämie Dezember 2015
habe er wie immer korrekt im Voraus beglichen und die Beschwerdegegnerin sei vom
Wechsel zur KLuG informiert gewesen.
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 13. Mai 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde und der Rückerstattungsklage, soweit darauf einzutreten
sei. Nachdem der Beschwerdeführer nach der rechtzeitigen Kündigung Ende des
Jahres 2015 trotz Aufforderung keine Nachversichererbestätigung eingereicht habe, sei
er weiterhin bei ihr versichert gewesen. Da die KLuG keinen Zustellnachweis für das
geltend gemachte Schreiben an die Beschwerdegegnerin vom 11. Februar 2015 bzw.
B.b.
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die darin enthaltene Nachversichererbestätigung habe erbringen können, habe diese
die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen und infolge unzulässiger Doppelversicherung
das Versicherungsverhältnis rückwirkend per 1. Januar 2016 aufzuheben und
rückabzuwickeln. Die Beschwerdegegnerin habe dem Beschwerdeführer die
ausstehenden Prämien der Monate Dezember 2015 und Januar bis Oktober 2016
rechtsgültig in Rechnung gestellt, gemahnt und betrieben. Zufolge Zahlung sei der
Versichererwechsel per 1. Januar 2019 zur Krankenkasse Concordia möglich gewesen.
Auf die Rückerstattungsklage sei nicht einzutreten. Das Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kenne kein direktes
Klagerecht von versicherten Personen gegen den Träger einer Sozialversicherung. Des
Weiteren ergebe sich der Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens aus dem
angefochtenen Einspracheentscheid. Dieser erstrecke sich nicht auf die Frage einer
allfälligen Rückerstattungsforderung. Betreffend die geltend gemachte
Aufwandsentschädigung verkenne der Beschwerdeführer, dass im
Sozialversicherungsverfahren grundsätzlich keine Parteientschädigungen ausgerichtet
würden. Ein Anspruch sei weder rechtsgenüglich dargetan noch sonst wie ersichtlich.
Bezüglich des Antrags auf Leistungen an die Krankenkasse Concordia sei der
Beschwerdeführer nicht beschwert. Es fehle ihm damit an einem
Rechtsschutzinteresse (act. G 10).
Mit Replik vom 20. August 2019 hielt der Beschwerdeführer im Wesentlichen an
seinen Anträgen und den Begründungen fest. Bezüglich der angeblich offenen
Prämienforderung für Dezember 2015 habe er erst im Zusammenhang mit der
Betreibung im Januar 2017 erfahren. Es deute alles darauf hin, dass die angeblich
fehlende Prämie für Dezember 2015 anlässlich der Firmenübergabe von der Sansan zur
Progrès im Dezember 2016 kurzerhand "erfunden" worden sei. Er sei im Jahr 2016 bei
der KLuG versichert gewesen, was die Beschwerdegegnerin gemäss Schreiben der
KLuG gewusst habe (act. G 14).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin hat mit Schreiben vom 3. September 2019 auf die
Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 17).
B.d.
Mit Schreiben vom 12. Mai und 20. Juni 2020 lud das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen die KLuG zum Prozess bei und ersuchte darum, zum
B.e.
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Erwägungen
1.
Fr. 3'098.45 Hauptforderung nebst 5% Zins seit 11. Mai 2016
Versicherungsverhältnis mit dem Beschwerdeführer Stellung zu nehmen. Insbesondere
interessiere, ob der Beschwerdeführer der KLuG die Prämien für das Jahr 2016 bezahlt
habe. Auch werde um Zusendung der entsprechenden Unterlagen ersucht (act. G 20
und 22). Mit Eingabe vom 22. Mai 2020 bestätigte die KLuG, dass der
Beschwerdeführer vom 1. Januar bis 31. Dezember 2016 bei ihr obligatorisch
krankenpflegeversichert gewesen sei und die Prämien vollständig beglichen seien (act.
G 21). Am 22. Juni 2020 reichte die KLuG die einverlangten Unterlagen nach (act. G.
23). Deren Eingaben wurden den Parteien am 24. Juni 2020 zur Kenntnis gebracht (act.
G 24).
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften, die weitere
Korrespondenz sowie den Inhalt der übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
B.f.
Hinsichtlich des Anfechtungsgegenstands ist zu beachten, dass im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren grundsätzlich lediglich
Rechtsverhältnisse zu überprüfen bzw. zu beurteilen sind, zu denen die zuständige
Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung bzw. eines
Einspracheentscheids – Stellung genommen hat. Insoweit bestimmen die Entscheide
der Beschwerdegegnerin den beschwerdeweise weiterziehbaren
Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und
somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit kein Entscheid ergangen
ist (BGE 131 V 164 f. E. 2.1).
1.1.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der
Einspracheentscheid vom 20. Dezember 2018 (act. G 10.56). Dessen Dispositiv lautet
wie folgt:
1.2.
1. Soweit die angefochtene Verfügung Betreibungskosten betrifft, wird die
Einsprache gutgeheissen. In allen übrigen Punkten wird die Einsprache abgewiesen.
–
2. Die Rechtsöffnung wird bestätigt und der Rechtsvorschlag beseitigt im Umfang
von
–
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Fr. 200.-- Mahngebühren
Fr. 60.-- Bearbeitungsgebühren
Dem Einspracheentscheid liegt die Verfügung vom 4. März 2017 zugrunde (act. G
10.42). Deren Dispositiv lautet wie folgt:
1. Der obgenannte Schuldner wird verpflichtet, den Betrag von Fr. 3'557.65 der
Progrès Versicherungen AG zu überweisen.
2. Der erhobene Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. XXXXX wird hiermit
aufgehoben und der Progrès Versicherungen AG die definitive Rechtsöffnung für
nachstehende Gesamtforderung erteilt:
Forderung Fr. 3'098.45
5.00% Verzugszins seit 11. Mai 2016 Fr. 125.90
Rechtliche Kosten Fr. 73.30
Mahngebühren Fr. 200.--
Inkassogebühren Fr. 60.--
Sowohl in der Verfügung als auch im Einspracheentscheid hat die Beschwerdegegnerin
darüber befunden, dass der Beschwerdeführer ihr die Krankenkassenprämien der
Monate Dezember 2015 sowie Januar bis Oktober 2016, inkl. Verzugszins,
Mahngebühren und Inkassogebühren, zu bezahlen habe. In diesem Umfang wurde der
Rechtsvorschlag des Beschwerdeführers aufgehoben und definitive Rechtsöffnung
erteilt. Nachdem der Beschwerdeführer, wie vorstehend im Sachverhalt lit. A.g
ausgeführt, die streitigen Ansprüche im Dezember 2018 bezahlt hat, ist im vorliegenden
Verfahren zufolge Gegenstandslosigkeit nicht mehr über die Rechtmässigkeit der
Rechtsöffnung zu befinden, sondern einzig zu klären, ob die in Betreibung gesetzten
und bezahlten Prämien der Monate Dezember 2015 und Januar bis Oktober 2016
3. Das Einspracheverfahren ist kostenlos. Es werden keine Parteientschädigungen
ausgerichtet (Art. 52 Abs. 3 ATSG).
–
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geschuldet waren. In materieller Hinsicht bildet einzig die Klärung dieser Frage für den
genannten Zeitraum Gegenstand der vorliegenden Beschwerde. Auf die
"Rückerstattungsklage" kann mangels Anfechtungsobjekts nicht eingetreten werden,
nachdem ein solcher Anspruch erst mit Rechtskraft dieses Entscheids entstehen kann
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 17. März 2016, 8C_630/2015, E. 4.2).
Gegebenenfalls hat die Beschwerdegegnerin vorerst darüber zu befinden. Mangels
Anfechtungsobjekts und Rechtsschutzinteresses ist im Weiteren auch auf die Anträge
bezüglich Leistungen an die Krankenkasse Concordia sowie die Ermittlung und die
Entschädigung anderer "Opfer" (vgl. vorstehende lit. B.a) der Beschwerdegegnerin
nicht einzutreten. Der beantragten Aufwandentschädigung im Umfang von Fr.
40'218.75 zuzüglich Zins zu 5% wird am Ende des Urteils nachgegangen (vgl. E. 6).
2.
Zur Klärung der Frage, ob die in Betreibung gesetzten und bezahlten Prämien der
Monate Dezember 2015 und Januar bis Oktober 2016 geschuldet waren, ist streitig
und zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Jahr 2016 weiterhin bei der
Beschwerdegegnerin obligatorisch krankenversichert war. War dies der Fall, so waren
auch die in Betreibung gesetzten und im Anschluss daran im Dezember 2018 bezahlten
Monatsprämien Januar bis Oktober 2016 ohne weiteres geschuldet. Die in Betreibung
gesetzte und ebenfalls im Dezember 2018 bezahlte Monatsprämie Dezember 2015 war
geschuldet, sofern der Beschwerdeführer diese Prämie – entgegen seinen
Ausführungen – noch nicht bereits zuvor (während des unbestrittenen
Versicherungsverhältnisses bei der Beschwerdegegnerin im Jahr 2015 am 27.
November 2015; act. G 4.1 S. 6) bezahlt hatte.
3.
3.1. Nach Art. 7 KVG kann eine versicherte Person unter Einhaltung einer
dreimonatigen Kündigungsfrist den Versicherer auf das Ende eines Kalendersemesters
wechseln (Abs. 1; ordentliche Kündigung). Bei der Mitteilung der neuen Prämie kann
die versicherte Person den Versicherer unter Einhaltung einer einmonatigen
Kündigungsfrist auf das Ende des Monats wechseln, welcher der Gültigkeit der neuen
Prämie vorangeht. Der Versicherer muss die neuen, vom Bundesamt für Gesundheit
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(BAG) genehmigten Prämien jeder versicherten Person mindestens zwei Monate im
Voraus mitteilen und dabei auf das Recht, den Versicherer zu wechseln, hinweisen
(Abs. 2; ausserordentliche Kündigung).
3.2. Nach Art. 7 Abs. 5 KVG endet das Versicherungsverhältnis beim bisherigen
Versicherer erst, wenn ihm der neue Versicherer mitgeteilt hat, dass die betreffende
Person bei ihm ohne Unterbrechung des Versicherungsschutzes versichert ist.
Unterlässt der neue Versicherer diese Mitteilung, so hat er der versicherten Person den
daraus entstandenen Schaden zu ersetzen, insbesondere die Prämiendifferenz. Sobald
der bisherige Versicherer die Mitteilung erhalten hat, informiert er die betroffene
Person, ab welchem Zeitpunkt sie nicht mehr bei ihm versichert ist.
3.3. In Abweichung von Art. 7 KVG kann die säumige versicherte Person den
Versicherer nicht wechseln, solange sie die ausstehenden Prämien und
Kostenbeteiligungen sowie die Verzugszinse und Betreibungskosten nicht vollständig
bezahlt hat (Art. 64a Abs. 6 KVG).
4.
4.1. Gestützt auf vorstehende gesetzliche Grundlagen mussten drei Voraussetzungen
kumulativ erfüllt sein, damit das Versicherungsverhältnis mit der Beschwerdegegnerin
per Ende 2015 enden konnte. Die Kündigung musste rechtzeitig erfolgt sein (vgl. dazu
Art. 7 Abs. 1 und 2 KVG), ein neuer Versicherer (Nachversicherer) war der
Beschwerdegegnerin gemäss dessen Mitteilung zu diesem Zeitpunkt bekannt (vgl.
dazu Art. 7 Abs. 5 KVG) und der Beschwerdeführer war Ende des Jahres 2015 nicht
säumig im Sinne des Gesetzes (Art. 64a Abs. 6 KVG).
4.2. Die erste Voraussetzung war ohne weiteres erfüllt, denn es ist unbestritten und
aktenkundig, dass der Beschwerdeführer das Versicherungsverhältnis fristgerecht per
Ende 2015 ausserordentlich gekündigt hat (act. G 10-8 f.).
4.3.
4.3.1. Die Beschwerdegegnerin bestreitet, dass sie von einem Nachversicherer (KLuG)
rechtzeitig Kenntnis hatte. Entsprechend forderte sie den Beschwerdeführer mit
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Schreiben vom 1. Februar 2016 auf, dass er veranlassen solle, dass die neue
Versicherung eine Bestätigung schicke, damit der Übertritt auf den Folgemonat
vorgenommen werden könne (act. G 10.14). Auf dieses Schreiben reagierte der
Beschwerdeführer nicht. Der Beschwerdeführer legte in diesem Verfahren aber ein
Schreiben der KLuG an die Beschwerdegegnerin vom 11. Februar 2015 – und damit
eine rechtzeitige Bestätigung – ins Recht, wonach die KLuG die Weiterführung der
obligatorischen Krankenversicherung für den Beschwerdeführer per
Versicherungsbeginn 1. Januar 2016 bestätigte, sofern dieser die Prämien,
Kostenbeteiligungen, Verzugszinsen und Betreibungskosten vollständig bezahlt habe.
Es werde gebeten, den Austritt aus der Krankenversicherung entsprechend
vorzunehmen (act. G 1.7; vgl. ferner act. G 23.3). Die Beschwerdegegnerin führt aus,
dass sie erst durch das Schreiben von der KLuG vom 5. April 2018 (act. G 10.49; vgl.
ferner act. G 23.7), in welchem diese den Versand ihres Schreibens vom 11. Februar
2015 bestätigte, von der angeblichen Nachversicherung per 1. Januar 2016 Kenntnis
erhalten habe. Mangels Zustellnachweises der Bestätigung vom 11. Februar 2015 habe
die KLuG die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen und der Beschwerdeführer sei
mangels rechtzeitiger Bekanntgabe eines Nachversicherers im Jahr 2016 weiterhin bei
der Beschwerdegegnerin versichert gewesen.
4.3.2. Der Beschwerdeführer hat auf das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 1.
Februar 2016 bezüglich Bestätigung eines Nachversicherers nicht reagiert, obwohl es
ihm ein Leichtes gewesen wäre, das Schreiben vom 11. Februar 2015, wie er es auch
in diesem Verfahren gemacht hat, der Beschwerdegegnerin einzureichen. Dies gereicht
ihm indes in Bezug auf die Frage der Rechtzeitigkeit der Bekanntgabe eines
Nachversicherers nicht zum Nachteil. Zwar hätte der Beschwerdeführer durch aktives
Handeln Umtriebe verhindern können. Es kann ihm aber nicht angelastet werden, dass
die Beschwerdegegnerin keine Kenntnis (mehr) vom Schreiben der KLuG vom 11.
Februar 2015 hatte. Sie macht geltend, dass ihr dieses Schreiben nicht zugegangen
sei, ein Zustellnachweis von der KLuG zu erbringen wäre, ansonsten die neue
Versicherung die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen habe. Dem kann nicht gefolgt
werden. Genauso wie von der Vermutung auszugehen ist, dass dem
Beschwerdeführer, entgegen seinen Ausführungen, die im Recht liegenden Schreiben
der Beschwerdegegnerin (Prämienrechnungen, Zahlungserinnerungen, Mahnungen
etc.) zugegangen sind, ist auch in Bezug auf das Schreiben der KLuG vom 11. Februar
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2015 überwiegend wahrscheinlich anzunehmen, dass dieses bei der
Beschwerdegegnerin im Februar 2015 eingegangen und wohl untergegangen ist. Die
andere Meinung führte dazu, dass die mit öffentlichen Aufgaben betrauten,
verwaltungsrechtlich und damit staatlich handelnden Krankenversicherer bewusst
falsche Angaben machen (act. G 10.49) und falsche Akten ins Recht legen. Davon ist
nicht auszugehen. Auch hätte dies zur Folge, dass die Krankenversicherer
untereinander und im Verkehr mit den versicherten Personen immer den teuren
Postverkehr wählen müssten, welcher einen Zustellnachweis zulässt. In gewissen
Belangen ist ein solcher sicher angezeigt, nicht jedoch bei alltäglicher Korrespondenz
und auch nicht bei einer Weiterversicherungsbestätigung, zumal das KVG für eine
solche, wie die Beschwerdegegnerin richtig ausführt, keine besondere Form vorsieht
(Gebhard Eugster, in: Stauffer Hans-Ulrich/Cardinaux Basile (Hrsg.), Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum KVG, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2018, Art. 7 N 14).
Entsprechend gelingt der KLuG mit den im Recht liegenden Schreiben vom 11. Februar
2015 und vom 5. April 2018 (act. G 10.49) der Beweis der rechtzeitigen Bekanntgabe
eines Nachversicherers. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die
Beschwerdegegnerin rechtzeitig vom Nachversicherer KLuG per 1. Januar 2016
Kenntnis hatte bzw. hätte haben müssen. Die zweite Voraussetzung für einen
Versichererwechsel per Ende 2015 war damit auch erfüllt.
4.
4.4.1. Letztlich ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 64a Abs. 6 KVG
den Versicherer nicht wechseln konnte.
4.4.2. Gemäss Art. 64a Abs. 6 Satz 1 KVG kann die säumige versicherte Person den
Versicherer nicht wechseln, solange sie die ausstehenden Prämien und
Kostenbeteiligungen sowie die Verzugszinse und Betreibungskosten nicht vollständig
bezahlt hat. Säumig in diesem Sinne ist die versicherte Person ab Zustellung der
Mahnung nach Art. 105b Abs. 1 KVV (Art. 105l Abs. 1 der Verordnung über die
Krankenversicherung [KVV; SR 832.102]). Laut Art. 105b Abs. 1 KVV muss der
Versicherer die Zahlungsaufforderung bei Nichtbezahlung von Prämien und
Kostenbeteiligungen spätestens drei Monate ab deren Fälligkeit zustellen. Kündigt eine
säumige versicherte Person ihr Versicherungsverhältnis, so muss der Versicherer sie
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informieren, dass die Kündigung keine Wirkung entfaltet, wenn die bis einen Monat vor
Ablauf der Kündigungsfrist gemahnten Prämien, Kostenbeteiligungen und Verzugszinse
sowie die bis zu diesem Zeitpunkt aufgelaufenen Betreibungskosten bis zum Ablauf der
Kündigungsfrist nicht vollständig bezahlt sind (Art. 105l Abs. 2 KVV). Sind die
ausstehenden Beträge nach Abs. 2 beim Versicherer nicht rechtzeitig eingetroffen, so
muss dieser die betroffene Person informieren, dass sie weiterhin bei ihm versichert ist
und frühestens auf den nächstmöglichen Termin nach Art. 7 Abs. 1 und 2 KVG den
Versicherer wechseln kann. Der Versicherer muss zudem den neuen Versicherer
innerhalb von 60 Tagen darüber informieren, dass die versicherte Person weiterhin bei
ihm versichert ist (Art. 105l Abs. 3 KVV).
4.4.3. Das gesetzlich verankerte Austrittsverbot kann nach dem Wortlaut der
genannten Gesetzesbestimmung nur die "säumige" versicherte Person treffen.
Säumigkeit in diesem Sinne liegt wie vorstehend erwähnt ab Zustellung der Mahnung
nach Art. 105b Abs. 1 KVV vor (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juli
2016, 9C_653/2015, E. 4.2). Die erste Mahnung bezüglich der Monatsprämie Dezember
2015 versandte die Beschwerdegegnerin am 16. Januar 2016 (act. G 10.11). Davor (am
19. Dezember 2015) handelte es sich lediglich um eine Zahlungserinnerung (act. G
10.10). Entsprechend war der Beschwerdeführer bei Ablauf der Kündigungsfrist Ende
des Jahres 2015 nicht säumig. Die in Art. 64a Abs. 6 KVG vorgesehene Sanktionsfolge
konnte daher nicht eintreten. In Übereinstimmung mit dem Gesagten hat das
Bundesgericht entschieden, dass eine Person, die auf Ende Dezember des Jahres
gekündigt hat, was vorliegend der Fall ist, die Dezemberprämie aber nicht bezahlt hat,
sodass die Mahnung nicht vor Ende Dezember zugestellt werden konnte, im Zeitpunkt
des Kassenwechsels nicht säumig ist (Urteil des Bundesgerichts vom 2. November
2016, 9C_51/2016, E. 4). Damit war auch die dritte Voraussetzung für einen
Versichererwechsel per 1. Januar 2016 erfüllt.
4.5. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die Kündigung der obligatorischen
Krankenversicherung bei der Beschwerdegegnerin per 31. Dezember 2015 rechtzeitig
erfolgte, der Nachversicherer KLuG der Beschwerdegegnerin seit deren Mitteilung vom
11. Februar 2015 hätte bekannt sein müssen und der Beschwerdeführer bei Kündigung
und Vertragsende nicht säumig im Sinne von Art. 64a Abs. 6 KVG war. Entsprechend
hätte die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer, der seit 1. Januar 2016
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obligatorisch bei der KLuG krankenversichert war (act. G 21), per Ende 2015 aus dem
Versicherungsverhältnis entlassen müssen. Die bezahlten Monatsprämien Januar bis
Oktober 2016 waren demnach nicht geschuldet, da der Beschwerdeführer zu diesem
Zeitpunkt bei der KLuG obligatorisch krankenversichert war.
4.6. Bezüglich der Prämie für den Monat Dezember 2015 ist folgendes festzuhalten.
Am 19. Dezember 2015 sandte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine
Zahlungserinnerung für die Monatsprämie Dezember 2015 in der Höhe von Fr. 251.45.
Am 7. November 2015 habe man eine Rechnung gesandt (act. G 10.10). Am 16. Januar
2016 wurde er bezüglich der offenen Prämienrechnung für Dezember 2015 erstmals
(act. G 10.11), am 10. März 2016 letztmals (act. G 10.17) gemahnt. Der
Beschwerdeführer führt zwar aus, dass er die Dezember-Prämie wie immer korrekt im
Voraus am 27. November 2015 bezahlt habe (act. G 4.1 S. 6). Er legt dazu aber – im
Gegensatz zum Jahr 2014 in act. G 1.3 – keinen Kontoauszug ins Recht, der diese
Aussage bestätigen würde. Es ist davon auszugehen, dass er den entsprechenden
Beweis erbracht hätte, sollte die Prämie für Dezember 2015 tatsächlich beglichen sein.
Entsprechend rechtfertigt es sich anzunehmen, dass diese Prämie noch offen und
geschuldet war.
5.
5.1. Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist festzustellen, dass der
Beschwerdeführer im Jahr 2016 bei der KLuG obligatorisch krankenversichert war.
Entsprechend wären die bezahlten Prämien der Monate Januar bis Oktober 2016 inkl.
der in diesem Zusammenhang ebenfalls in Betreibung gesetzten und bezahlten Zinsen,
Mahngebühren und Bearbeitungsgebühren nicht geschuldet gewesen. Damit ist Ziff. 1
Satz 2 des Einspracheentscheids vom 20. Dezember 2018 aufzuheben und die
Beschwerde in diesem Umfang gutzuheissen. Bei Rechtskraft dieser Entscheidung
wird die Beschwerdegegnerin die zuviel bezahlten Monatsprämien zurückzuerstatten
haben. Die bezahlten Prämien der Monate November und Dezember 2016 sind zwar
nicht Teil des Anfechtungsgegenstands und damit in diesem Verfahren nicht zu
berücksichtigen. Diesbezüglich wird die Beschwerdegegnerin indes auch zufolge
unzulässiger Doppelversicherung im Jahr 2016 das Versicherungsverhältnis im Jahr
2016 insgesamt aufzuheben und rückabzuwickeln haben.
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5.2. Im Weiteren Umfang ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
6.
6.1.
6.1.1. Der Beschwerdeführer beantragt eine Aufwandsentschädigung im Umfang von
Fr. 40'218.75, sinngemäss sowohl für das Verfahren bei der Beschwerdegegnerin
(Verwaltungsverfahren) als auch für das vorliegende Beschwerdeverfahren. Mit
Einspracheentscheid vom 20. Dezember 2018 hat die Beschwerdegegnerin einen
Entschädigungsanspruch für das Verwaltungsverfahren verneint (vgl. Ziff. 3).
6.1.2. Für das Verwaltungs- bzw. Einspracheverfahren wird gemäss Art. 52 Abs. 3
ATSG in der Regel keine Parteientschädigung ausgerichtet. Vorliegend ist keine
Ausnahme von dieser Regel gegeben (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl.
Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 52 N 84 f. mit Verweisen auf die Rechtsprechung) und es
besteht kein Anspruch auf eine Entschädigung für das Verfahren bei der
Beschwerdegegnerin.
6.1.3. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten im Gerichts- bzw. Beschwerdeverfahren.
Darunter werden in der bisherigen Rechtsprechung insbesondere die
Vertretungskosten verstanden (vgl. Ueli Kieser, a.a.O., Art. 61 N 215). Kosten der nicht
vertretenen Partei werden nach der Rechtsprechung nur ausnahmsweise übernommen.
Es muss sich um eine komplizierte Sache mit einem hohen Streitwert handeln, wobei
der – in einem vernünftigen Rahmen betriebene – Aufwand denjenigen überschreitet,
der von der Partei auf sich zu nehmen ist (vgl. Ueli Kieser, a.a.O., Art. 61 N 217 mit
Verweis auf BGE 110 V 134 f. E. 4d). Es besteht vorliegend kein Grund für die
ausnahmsweise Zusprache von anderen als Vertretungskosten, da es sich um keine
komplizierte Sache mit einem hohen Streitwert (gemäss Anfechtungsgegenstand)
handelte und der vernünftig betriebene Aufwand nicht den Rahmen dessen sprengt,
was der Beschwerdeführer auf sich zu nehmen hat.
6.1.4. Die Beschwerde bezüglich den Antrag auf Aufwand- bzw. Parteientschädigung
ist demnach abzuweisen.
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6.2. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).