Decision ID: 36049712-f3dc-5ea7-9247-82734c10ded1
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführer suchten am 18. Januar 2017 in der Schweiz um Asyl
nach. Am 27. Januar 2017 fanden die Befragungen zur Person und am
27. Juni 2018 die Anhörungen der Beschwerdeführerinnen 1 und 2 statt.
Die anderen Beschwerdeführer wurden aufgrund ihres jungen Alters nicht
befragt.
Hierbei machten sie geltend, sie seien syrische Staatsangehörige kurdi-
scher Ethnie aus F._. Die Beschwerdeführerin 1 habe (...) an der
Universität unterrichtet. Im (...) sei ihr Bruder G._ – ein hochrangi-
ger (...) – desertiert. Ihr Ehemann habe im (...) das Haus verlassen und
sei danach nicht mehr aufgetaucht. Zudem sei ihr Haus eines Tages von
einer Rakete getroffen und der Balkon dabei beschädigt worden, weshalb
sie weggezogen seien. Am neuen Wohnort hätten jedoch ebenfalls Kämpfe
begonnen, weshalb sie in ihr altes Haus zurückgezogen seien. Einige Ar-
beitskollegen hätten ihr geraten das Land zu verlassen, da sie aufgrund
des Verschwindens ihres Bruders Probleme bekommen könne, woraufhin
sie mit ihren Kindern Syrien legal verlassen habe und am 16. Januar 2017
in die Schweiz eingereist sei. In der Anhörung fügte sie hinzu, ihre Freundin
H._ – (...) – habe ihr mitgeteilt, dass sie ab (...) ständig vom Sicher-
heitsdienst gesucht worden sei. Mit ihrem Ehemann, der sich wieder in
F._ aufhalte, habe sie inzwischen fast täglich Kontakt. Über sein
Erlebtes wisse sie jedoch nichts, da er nicht darüber sprechen wolle. Die
Beschwerdeführerin 2 machte geltend, die Beschwerdeführer hätten Sy-
rien insbesondere aufgrund der allgemeinen Lage und des Gesundheits-
zustands ihres Bruders verlassen. Zudem sei ihr Vater zum Zeitpunkt ihrer
Ausreise verschollen gewesen.
B.
Mit Verfügung vom 20. Oktober 2017 gewährte das SEM der Schwester
der Beschwerdeführerin – I._ – und deren Kinder, die gemeinsam
am 24. Mai 2016 in der Schweiz um Asyl nachgesucht hatten, Asyl und
anerkannte sie als Flüchtlinge.
C.
Mit Verfügung vom 2. Februar 2018 stellte das SEM fest, die Schwester
der Beschwerdeführerin – J._ – erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte ihr Asylgesuch vom 10. Januar 2017 ab, verfügte die Wegwei-
sung aus der Schweiz und ordnete aufgrund der Unzumutbarkeit des Weg-
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weisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme an. Eine hiergegen beim Bun-
desverwaltungsgericht eingereichte Beschwerde wurde mit Urteil vom
4. Juli 2019 abgewiesen.
D.
Mit Verfügung vom 23. Juni 2020 (zugestellt am 29. Juni 2020) stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführer erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte die Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und
ordnete aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vor-
läufige Aufnahme an.
E.
Mit Eingabe vom 28. Juli 2020 reichten die Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragten, es seien die Dis-
positivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung vom 23. Juni 2020 auf-
zuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und die Vorinstanz
anzuweisen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüg-
lichen Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Entscheidung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche
Prozessführung zu bewilligen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
zu verzichten und die Unterzeichnende als unentgeltliche Rechtsbeistän-
din zu bestellen.
F.
Mit Schreiben vom 6. August 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende
Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmun-
gen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
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– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG, Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führer sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.2 Der Wegweisungsvollzug (Dispositivziffern 4 bis 6) wurde zugunsten
einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben und bildet deshalb nicht Gegen-
stand des Beschwerdeverfahrens.
3.3 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten
Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite-
rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1
und 2 AsylG).
4.
Die Beschwerdeführer rügen in formeller Hinsicht insbesondere, die
Vorinstanz versuche einer Auseinandersetzung mit der Desertion des Bru-
ders, den Warnungen der Freunde, den Vorbringen der Schwester
I._ und der Überwachung des Sicherheitsdienstes sowie einer
rechtlichen Beurteilung der Reflexverfolgung auszuweichen. Indem die Be-
schwerdeführerin mit der angeblich nachgeschobenen Suche in der Anhö-
rung nicht konfrontiert worden sei, sei das rechtliche Gehör verletzt wor-
den. Indem die Vorinstanz nicht auf alle Zusammenhänge mit den Schwes-
tern und dem Bruder der Beschwerdeführerin eingegangen sei und ledig-
lich pauschal begründet habe, die Beschwerdeführerin könne einzig aus
dem Umstand, dass ihrer Schwester I._ Asyl gewährt worden sei,
nichts zu ihren Gunsten ableiten, habe sie nicht nur ihre Begründungs-
pflicht und damit das rechtliche Gehör, sondern auch den Untersuchungs-
grundsatz verletzt. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie zu
einer Kassation der angefochtenen Verfügung führen können.
5.
5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, der in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift.
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Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass ei-
nes solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise bei-
zubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträ-
gen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entwe-
der mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch
auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1,
BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristgerechten
Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit-
frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab-
gefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachge-
recht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nen-
nen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren
Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest (Untersuchungsgrundsatz) und bedient sich nötigenfalls der ge-
setzlichen Beweismittel (Urkunden, Auskünfte der Parteien, Auskünfte oder
Zeugnis von Drittpersonen, Augenschein und Gutachten von Sachverstän-
digen). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein
falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise
falsch gewürdigt worden sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegen-
über unvollständig, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen
Sachumstände berücksichtigt werden (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013,
Rz. 630). Der Amtsgrundsatz zur Feststellung des Sachverhalts findet
seine Grenze an der Mitwirkungspflicht der Partei (Art. 8 AsylG).
6.
6.1 Die Rüge, die Vorinstanz versuche einer Auseinandersetzung mit der
Desertion des Bruders, den Warnungen der Freunde, den Vorbringen der
Schwester I._ und der Überwachung des Sicherheitsdienstes sowie
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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einer rechtlichen Beurteilung der Reflexverfolgung auszuweichen, ist un-
begründet. So wurde all dies sowohl im Sachverhalt als auch in den Erwä-
gungen der angefochtenen Verfügung ausreichend gewürdigt. Wie zu zei-
gen sein wird, war die Vorinstanz vor dem Hintergrund, dass die Beschwer-
deführerin 1 in Syrien aufgrund ihres Bruders oder ihrer Schwester keine
persönlichen Nachteile gewärtigen musste, ausschliesslich durch Dritte
von angeblichen Suchaktionen erfahren haben will und legal das Land ver-
lassen konnte, nicht gehalten, zusätzliche Abklärungen zu hypothetischen
Nachteilen zu treffen. Der Untersuchungsgrundsatz wurde nicht verletzt,
der Sachverhalt ist ausreichend abgeklärt. Die Verfügung der Vorinstanz
ist zudem ausreichend begründet, da sie sich nicht mit jedem einzelnen
Vorbringen auseinandersetzen muss. Dass eine sachgerechte Anfechtung
möglich war, zeigt die Beschwerde selbst. Der Begründungspflicht ist mit-
hin ebenfalls Genüge getan.
6.2 Soweit die Beschwerdeführerin 1 geltend macht, sie sei mit den angeb-
lich nachgeschobenen Suchaktionen an der Universität in der Anhörung
nicht konfrontiert worden, womit das rechtliche Gehör verletzt worden sei,
ist darauf hinzuweisen, dass eine asylsuchende Person zwar nach Mög-
lichkeit mit Widersprüchen in den eigenen Angaben konfrontiert werden
soll, um so die Gelegenheit zur Erklärung und allfälligen Auflösung dersel-
ben zu erhalten. Dieser Grundsatz gründet in der – nach dem Gesagten
vorliegend hinreichend beachteten – Pflicht zur vollständigen und richtigen
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts, stellt jedoch keinen eigent-
lichen verfahrensrechtlichen Anspruch im Sinne des rechtlichen Gehörs
dar (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-
kurskommission [EMARK] 1994 Nr. 13 E. 3b).
6.3 Insgesamt ist festzustellen, dass die Vorinstanz weder das rechtliche
Gehör verletzt, den Sachverhalt mangelhaft ermittelt noch im Zusammen-
hang mit der geltend gemachten Reflexverfolgung die Begründungspflicht
verletzt hat. Somit ist der Eventualantrag – die Sache sei zur rechtsgenüg-
lichen Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Entscheidung an die
Vorinstanz zurückzuweisen – abzuweisen. Wie im Folgenden zu zeigen
sein wird, sind auch die Beweiswürdigung und die Rechtsanwendung der
Vorinstanz nicht zu beanstanden.
7.
7.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Gründen ist Rechnung
zu tragen (vgl. Art. 3 AsylG).
7.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft
machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft gemacht
ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind ins-
besondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet
oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder
massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-
den (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die An-
forderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publizierten
Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier ver-
wiesen werden (BVGE 2015/3 E. 6.5.1, m.w.H.).
8.
8.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz festzustellen, dass die Vorbringen der Beschwerdeführer
weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft noch an das
Glaubhaftmachen standzuhalten vermögen, weshalb vorab auf die zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen ist, die insbesondere
zum Schluss kam, die Vorbringen seien einerseits nicht asylrelevant und
andererseits unglaubhaft, weil sie zum zentralen Element nachgeschoben
sowie widersprüchlich ausgefallen seien. Die vorinstanzlichen Erwägun-
gen sind weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstan-
den.
Es trifft zu, dass im Rahmen von Krieg oder Situationen allgemeiner Gewalt
erlittene Nachteile keine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes darstellen
und somit die diesbezüglichen Vorbringen der Beschwerdeführer (Krieg,
instabile politische Lage, unregelmässiger Schulbesuch, Beschädigungen
am Haus aufgrund eines Raketenangriffs) keine Asylrelevanz zu entfalten
vermögen. Sodann stellt die Unkenntnis über den Aufenthaltsort des Ehe-
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mannes ebenfalls kein Asylgrund dar. Im Übrigen ist dieser inzwischen wie-
der aufgetaucht und haben die Beschwerdeführer Kontakt zu ihm (z. B.
SEM-Akten A19 F87 ff.).
Die in der Anhörung vorgebrachten Suchaktionen nach der Beschwerde-
führerin 1 basieren ausschliesslich auf Informationen Dritter. Vorbringen,
die sich lediglich auf Informationen Dritter stützen, sind jedoch nicht nur
stereotyp, mithin unglaubhaft, sondern genügen auch nicht den Anforde-
rungen an eine Verfolgung im asylrechtlichen Sinne (vgl. Urteile des BVGer
E-801/2015 vom 6. Oktober 2017 E. 3.7, E-4329/2006 vom 17. Oktober
2011 E. 4.4, «Le Tribunal rappelle également que, de pratique constante,
il considère que le fait d'avoir appris un événement par des tiers ne suffit
pas pour établir l'existence d'une crainte fondée de future persécution»,
vgl. auch D-6056/2016 vom 19. Januar 2018 E. 5.2). Zudem trifft zu, dass
die Beschwerdeführerin 1 diese Suchaktionen in der Befragung zur Person
nicht erwähnte. Asylrelevante Aussagen, die in der Erstbefragung von den
späteren Aussagen abweichen oder bestimmte Ereignisse oder Befürch-
tungen, die nicht ansatzweise erwähnt werden, sind Widersprüche, die im
Rahmen der Beweiswürdigung zu berücksichtigen sind (so auch der in der
Beschwerde zitierte Entscheid EMARK 1993 Nr. 3 E. 3). Die hierzu getä-
tigten Erklärungsversuche auf Beschwerdeebene – namentlich auch zur
kurzen Dauer oder zum summarischen Charakter einer Befragung zur Per-
son – gehen ins Leere, dauerte die Befragung zur Person doch 110 Minu-
ten, wurde die Beschwerdeführerin bereits anlässlich dieser Befragung
ausführlich zu ihren Gesuchsgründen befragt und bestätigte sie sowohl die
Wahrheit als auch die Vollständigkeit ihrer dabei gemachten Aussagen. Es
liegen mithin keine ersichtlichen Gründe vor, weshalb sich die Vorinstanz
nicht auch auf die Angaben aus der Befragung zur Person hätte stützen
können. Dass die Beschwerdeführerin 1 in der Befragung zur Person mit
den pauschalen Warnungen von Arbeitskollegen die Informationen über
die ständigen Suchen nach ihr gemeint haben soll, ist ein in der Be-
schwerde weit hergeholter Erklärungsversuch, müsste eine «ständige» Su-
che doch im Zentrum der Fluchtgründe stehen und erwähnt werden. Zu-
dem ist – trotz der Erklärungsversuche auf Beschwerdeebene (insb. Be-
schwerde S. 10) – nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführe-
rin 1 erst ab (...) «ständig» gesucht und nicht gefunden worden sein soll.
Die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin 1 legal ausreisen konnte, un-
termauert schliesslich die Schlussfolgerung, dass sie und ihre Kinder von
den Behörden nicht gesucht werden, was sie im Übrigen bereits in der Be-
fragung zur Person bestätigte («Ich hatte wirklich keine Probleme. Ich bin
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sogar legal ausgereist. Falls sich die Situation verbessert, möchte ich zu-
rückkehren.», SEM-Akten A5 Ziff. 7.01). Die antragsgemäss beigezogenen
Akten der Schwestern der Beschwerdeführerin 1 (N [...] und N [...]) lassen
keinen anderen Schluss zu. Den Akten ist vielmehr zu entnehmen, dass
auch J._ alleine aus dem Umstand, dass ihrer Schwester in der
Schweiz Asyl gewährt worden war, ebenfalls nichts zu ihren Gunsten ab-
leiten konnte (vgl. auch Urteil BVGer D-1326/2018 und
D-1327/2018 vom 4. Juli 2019 E. 6.3).
8.2 Angesichts der aufgezeigten Sachlage erübrigt es sich, auf weitere
Ausführungen in der Beschwerde einzugehen, da diese nicht geeignet
sind, zu einer anderen rechtlichen Würdigung der Aktenlage zu führen. Es
ist festzustellen, dass es den Beschwerdeführern nicht gelungen ist, einen
flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Sachverhalt darzulegen. Die Feststellung
der Vorinstanz, die Beschwerdeführer erfüllten die Flüchtlingseigenschaft
nicht, ist dementsprechend zu bestätigen. Die Vorinstanz hat die Asylgesu-
che zu Recht abgelehnt.
9.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf
nicht eintritt. Die Beschwerdeführer verfügen weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht
angeordnet.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-
weisen.
11.
11.1 Die Beschwerdeführer beantragen die Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehen-
den Erwägungen ergibt sich indessen, dass ihre Begehren als aussichtslos
zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzun-
gen nicht gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist. Aus dem-
selben Grund kann auch dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbei-
ständung nicht stattgegeben werden (aArt. 110a Abs. 1 AsylG).
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11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
den Beschwerdeführern aufzuerlegen. Mit vorliegendem Urteil ist der An-
trag auf Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos
geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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