Decision ID: db385186-d761-59ab-8903-fea0bb174eca
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) erlitt am 16. Oktober 1999 als Beifahrer in einem
Verkehrsunfall eine schwere traumatische Hirnverletzung, ein Thorax- und
Abdominaltrauma, eine instabile LWK1-Berstungsspaltfraktur, eine Abrissfraktur
Processi transversi LWK2/3 und eine Femurkopfluxationsfraktur rechts (Pipkin II; vgl. zu
den primären Unfall- und Krankheitsdiagnosen UV-act. M10). Vor dem Unfall hatte der
Versicherte als Schausteller gearbeitet (UV-act. M61). Die Winterthur Versicherungen
(heute: AXA Versicherungen AG [nachfolgend: Winterthur und später AXA]) erbrachte
als obligatorischer Unfallversicherer die gesetzlichen Leistungen.
A.a.
In der Folge verblieben trotz mehrerer operativer Eingriffe (UV-act. M6, M10 S. 1,
M27, M51), stationärer Rehabilitationsaufenthalte (UV-act. M10), intensiver
fachärztlicher Behandlungen sowie physio- und psychotherapeutischer Begleitung (UV-
act. M28) eine eingeschränkte Belastbarkeit und Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule,
eine minimale bis leichte neuropsychologische Funktionsstörung inklusive
posttraumatischer Cephalea sowie eine mässiggradige Bewegungseinschränkung des
rechten Hüftgelenks (vgl. unter anderem UV-act. M15 f., M61).
A.b.
Mit Verfügung vom 27. August 2001 sprach die IV-Stelle des Kantons B._ dem
Versicherten ab 1. Oktober 2000 eine ganze Invalidenrente zu (UV-act. 103, B112). Ab
Herbst 2001 begann sich der Versicherte beruflich in Richtung IT neu zu orientieren,
A.c.
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B.
Im Dezember 2007 verunfallte der Versicherte erneut und erlitt dabei eine
Berstungsfraktur von L3 mit neurologischer Ausfallsymptomatik. Am Unfalltag erfolgte
die dorsale Stabilisierung von L2 bis L4 und fünf Tage später die ventrale
Stabilisierung. Die neurologischen Ausfälle beeinträchtigten in der Folge die Funktion
des Bewegungsapparates nicht. Dieser Unfall war bei der
Motorfahrzeugunfallversicherung der AXA Winterthur und der Krankenkasse versichert.
Im Weiteren erlitt der Versicherte am 23. August 2013 bei einem Treppensturz eine
gering dislozierte Tuberculum-majus-Fraktur. Zuständige Unfallversicherung für dieses
Ereignis war die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva; UV-act. M73).
C.
besuchte diverse PC-Kurse, absolvierte ein Praktikum und schloss im März 2004 eine
Ausbildung zum IT-Netzwerk-Supporter ab (UV-act. M47, UV-act. 193 ff.). Mit
Verfügung vom 3. Januar 2006 stellte die IV-Stelle des Kantons B._ die
Invalidenrente rückwirkend per 1. August 2004 ein und forderte die zwischenzeitlich zu
Unrecht erbrachten Leistungen vom Versicherten zurück (act. G 1.2 S. 2; vgl. ferner
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. August 2019, IV
2018/291, lit. A.a).
Mit Schreiben vom 23. November 2006 zeigte die Winterthur dem Versicherten an,
dass er als PC-Supporter rentenausschliessend eingegliedert worden sei.
Unfallbedingte zweckmässige Behandlungen würden weiterhin übernommen. Die
Integritätsentschädigung werde bei einem Integritätsschaden von 55% auf Fr.
53'460.-- festgesetzt (UV-act. 263). Am 8. Dezember 2006 schlossen die Parteien einen
Vergleich, wonach die Winterthur dem Versicherten pauschal eine
Integritätsentschädigung von gesamthaft Fr. 60'000.-- ausrichte. Damit seien sämtliche
Ansprüche aus UVG aus dem Ereignis vom 16. Oktober 1999 abgegolten, bis auf die
Übernahme von unfallbedingten Pflegeleistungen und Kostenvergütungen nach "UVG
10" (UV-act. 268/2). Entsprechend verfügte die Winterthur am 11. Dezember 2006 (UV-
act. 269). Die Verfügung blieb unangefochten (UV-act. 271).
A.d.
Als der Versicherte im Rahmen seiner 80%-igen Tätigkeit als Lagerist in einer
C._-firma, wo er seit Juli 2011 tätig war (vgl. act. G 31.1 S. 30), eine Kiste anhob,
C.a.
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kam es zu einer lumbosacralen Beschwerdehaftigkeit (UV-act. M62). Die AXA
anerkannte mit Schreiben vom 8. Dezember 2014 die wiederaufgenommene
Behandlung mit Arbeitsunfähigkeit ab April 2013 als Rückfall zum Unfall vom 16.
Oktober 1999 und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (UV-act. A311), nachdem
vorerst die damals zuständige Krankentaggeldversicherung Vorleistungen ausgerichtet
hatte (UV-act. A274).
Am 29. August 2014 war beim Versicherten operativ eine dorsale Spondylodese
L2/3 und L3/4 durchgeführt worden (UV-act. M74/4). Die danach erfolgten
Behandlungen (Rehabilitationsklinik D._ [UV-act. M74/3], Infiltrationen [UV-act. M86],
Kliniken E._ [interdisziplinäre Schmerzbehandlung; UV-act. M87]) führten zu keiner
nennenswerten Verbesserung des Schmerzempfindens.
C.b.
Der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. F._, FMH Allgemeine Innere Medizin
bescheinigte dem Versicherten mit Berichten vom 26. April und 29. November 2016
einen stationären, nicht verbesserten Zustand. Es würden regelmässig
physiotherapeutische Massnahmen durchgeführt zur Verbesserung der muskulären
Verspannungen sowie der Beweglichkeit und vor allem auch mit dem Ziel der
Verbesserung der Leistungsfähigkeit. Während der Versicherte vom 1. März bis 7.
Oktober 2016 50% arbeitsunfähig gewesen sei, betrage die Arbeitsunfähigkeit seit dem
8. Oktober 2016 70% (UV-act. M88 f.).
C.c.
Im April 2017 veranlasste die IV-Stelle des Kantons G._ eine polydisziplinäre
Begutachtung mit den Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie,
Orthopädie, Psychiatrie und Neuropsychologie im BEGAZ Begutachtungszentrum BL.
Das Gutachten erging am 11. August 2017 (UV-act. M90 S. 1). Die Gutachter
diagnostizierten 1. ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, 2. einen
Status nach Schulterarthroskopie und 3. eine minimale bis leichte neuropsychologische
Funktionsschwäche. Diesen Befunden massen sie Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu.
Aus orthopädischer Sicht sei grundsätzlich ein weitergehender Aufbau der rücken- und
rumpfstabilisierenden Muskulatur wünschenswert zur langfristigen Sicherung des
Operationsresultats von Seiten der LWS. Weitere medizinische Massnahmen könnten
nicht genannt werden. Die angestammte Tätigkeit als Bauarbeiter, wie auch die später
ausgeübte Tätigkeit als Lagerist, sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Auch
C.d.
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D.
Gegen die Verfügung vom 12. Oktober 2017 liess der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwältin Noëlle Cerletti, Bülach, am 7. November 2017 (UV-act. A400), ergänzt
am 15. Dezember 2017 (UV-act. A404), Einsprache erheben. Es seien dem
Versicherten eine Invalidenrente von mindestens 68% zuzusprechen, Taggelder über
den 30. November 2017 bis zum Beginn der Rente auszurichten und die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Mit Einspracheentscheid vom 10. Juli 2018
gewährte die AXA dem Versicherten die unentgeltliche Rechtsverbeiständung und wies
die Einsprache im Übrigen ab (UV-act. A416). Am 23. Juli 2018 teilte die IV-Stelle des
Kantons G._ dem Versicherten mit, dass zur Klärung der Leistungsansprüche eine
weitere medizinische Untersuchung (Rheumatologie mit EFL) notwendig sei (UV-act.
A418, act. G 1.3).
E.
wenn der Versicherte eine lange Rückenanamnese aufweise, so würden sich aufgrund
der aktuellen orthopädischen Begutachtung keine klar objektivierbaren
Funktionsstörungen ergeben, die mit einem objektivierbaren strukturell-anatomischen
Korrelat in Einklang gebracht werden könnten. Entsprechend sollten dem noch jungen
Versicherten leichte, leidensangepasste, also wechselbelastende, teils sitzende, teils
stehende, teils gehende Tätigkeiten ohne Überkopfarbeiten, ohne häufiges Bücken,
ohne Zwangshaltung, medizinisch theoretisch zu mindestens 80% zumutbar sein. 20%
sollten dem vermehrten Pausenbedarf dienen. Der Endzustand von Seiten der LWS sei
spätestens ein Jahr nach dem letzten Eingriff vom 29. August 2014 erreicht gewesen,
also per September 2015 (UV-act. M90 S. 103 ff.).
Mit Verfügung vom 12. Oktober 2017 stellte die AXA die Taggeldleistungen per 30.
November 2017 ein und verneinte mangels Vorliegens eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrads einen Anspruch auf eine Invalidenrente. Die Kosten für die
Schmerzmedikation und die damit verbundenen Arztkonsultationen würden weiterhin
übernommen (UV-act. A398).
C.e.
Gegen den Einsprachentscheid der AXA (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom
10. Juli 2018 liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer), weiterhin vertreten
durch Rechtsanwältin Cerletti, am 11. September 2018 Beschwerde erheben. Es sei
E.a.
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der Einspracheentscheid vom 10. Juli 2018 aufzuheben. Es sei die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen
Leistungen auszurichten; insbesondere sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten,
dem Beschwerdeführer über den 30. November 2017 hinaus Taggelder bzw. eine
Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung auszurichten sowie
Heilbehandlungskosten zu übernehmen. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten
anzuordnen. Subeventualiter sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur
Vornahme weiterer Abklärungen zurückzuweisen. Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) zulasten der Beschwerdegegnerin. Es sei ein
zweiter Schriftenwechsel anzuordnen und dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege zu bewilligen sowie ihm in der Person der Unterzeichnenden eine
unentgeltliche Rechtsbeiständin zur Seite zu stellen (act. G 1).
In der Beschwerdeantwort vom 7. Januar 2019 beantragte die
Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Raphael Spring, Zürich, die
Abweisung der Beschwerde (act. G 11).
E.b.
Am 22. Januar 2019 wurde dem Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtspflege, umfassend die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
durch Rechtsanwältin Noëlle Cerletti, entsprochen (act. G 14).
E.c.
Mit Replik vom 9. Mai 2019 liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertre
terin an seinen Anträgen und deren Begründungen unverändert festhalten (act. G 21).
E.d.
Die Beschwerdegegnerin liess ihrerseits in der Duplik vom 16. September 2019
vollumfänglich an der beantragten Beschwerdeabweisung festhalten (act. G 27).
E.e.
Mit Eingabe vom 10. August 2020 reichte Rechtsanwältin Cerletti nach
Aufforderung durch das Versicherungsgericht (act. G 30) das weitere von der IV-Stelle
veranlasste Gutachten vom 31. Mai 2019 ein (Rheumatologie mit EFL; act. G 31). Die
Beschwerdegegnerin äusserte sich diesbezüglich mit Eingabe vom 28. Oktober 2020
(act. G 37).
E.f.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
E.g.
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Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zu
dieser Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle,
die sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor
diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend
stehen Folgen eines Unfalls aus dem Jahr 1999 bzw. eines aus diesem resultierenden
Rückfall aus dem Jahr 2013 zur Debatte, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültigen
Bestimmungen Anwendung finden.
2.
Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 8. Dezember
2014 einen Rückfall zum Unfall vom 16. Oktober 1999 anerkannte und die
Versicherungsleistungen nach UVG ab April 2013 erbracht hat (UV-act. A311). Zu
prüfen ist im Folgenden, ob die Beschwerdegegnerin die temporären Leistungen
(Heilbehandlung und Taggelder) zu Recht per Ende November 2017 eingestellt hat. Im
Weiteren steht zur Beurteilung, ob der Beschwerdeführer neu Anspruch auf eine Rente
und/oder eine (erhöhte) Integritätsentschädigung hat.
3.
Die Unfallversicherer haben während der medizinisch instabilen Schadensphase
vorübergehende Leistungen zu erbringen. Darunter fallen die
Heilbehandlungsleistungen gemäss Art. 10 UVG und das Taggeld gemäss Art. 16 UVG.
Die Bestimmungen, welche den vorübergehenden Leistungen zugrunde liegen, legen
indes nicht fest, wann die medizinisch instabile Schadensphase bzw. der Anspruch auf
vorübergehende Leistungen endet. Das Ende der medizinisch instabilen
Schadensphase (der sogenannte medizinische Endzustand) wird in Art. 19 Abs. 1 UVG
geregelt. Dieser Zeitpunkt ist erreicht und die bisherigen Ansprüche auf
vorübergehende Leistungen erlöschen, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten
Person mehr erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG; vgl. anstatt vieler das Urteil
des Bundesgerichts vom 18. September 2012, 8C_425/2012, E. 4.2).
Rechtsprechungsgemäss ist zu diesem Zeitpunkt der sogenannte "Fallabschluss" mit –
3.1.
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wie erwähnt – Einstellung der Heilbehandlung und der Taggeldleistungen sowie
Prüfung eines Anspruchs auf Invalidenrente und Integritätsentschädigung
vorzunehmen (Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 4. Aufl. 2012, S. 143). Ob eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands noch erwartet werden kann, bestimmt sich insbesondere nach
Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits- (BGE
134 V 115 E. 4.3) bzw. Funktionsfähigkeit (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. Juli
2014, 8C_354/2014, E. 3.2 f.), soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die
Verwendung des Begriffs „namhaft“ in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht, dass die durch
weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinn von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte
Besserung ins Gewicht fallen muss (vgl. wiederum BGE 134 V 115 E. 4.3). Weder eine
weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen zu erwartender geringfügiger
therapeutischer Fortschritt verleihen einen Anspruch auf deren Durchführung (Urteil des
Bundesgerichts vom 2. Mai 2014, 8C_888/2013, E. 4.1, mit Hinweisen). Eine allfällige
blosse Verbesserung allein des Leidens an sich, eine nur kurzfristige Linderung, eine
blosse Verbesserung der Befindlichkeit oder dass die versicherte Person etwa von
Physiotherapie profitieren kann, genügen nicht (Urteil des Bundesgerichts vom 22.
September 2016, 8C_306/2016, E. 5.3, mit Hinweisen). Auch ärztliche
Verlaufskontrollen, die Einnahme von Medikamenten sowie manualtherapeutische
Behandlungen gelten für sich allein noch nicht als kontinuierliche, mit einer gewissen
Planmässigkeit auf eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands gerichtete
ärztliche Behandlung im Sinne der Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts vom 5.
Oktober 2007, U 395/06, E. 5.3). Die Frage, ob von einer ärztlichen Behandlung noch
eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands erwartet werden kann, beurteilt
sich gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nach dem im
Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Juli 2010, 8C_346/2010, E.
2.2). Es handelt sich um die Einschätzung einer zukünftigen Sachverhaltsentwicklung,
weshalb eine prospektive Beurteilung dieser Rechtsfrage zu erfolgen hat.
Entscheidgrundlagen bilden in erster Linie die Auskünfte medizinischer Fachpersonen
zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Gesundheitsentwicklung (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Dezember 2016, 8C_651/2016, E. 4.1).
Die Beschwerdegegnerin geht insbesondere auch gestützt auf das BEGAZ-
Gutachten vom 11. August 2017 per Ende November 2017 von einem medizinischen
Endzustand aus, während der Beschwerdeführer ausführen lässt, dass die
3.2.
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Beschwerdegegnerin auch in Bezug auf den Endzustand nicht auf das IV-Gutachten
hätte abstellen dürfen und weitere Abklärungen diesbezüglich vonnöten seien.
Im Rahmen des Rückfallverfahrens ab April 2013 wurde der Beschwerdeführer am
29. August 2014 mittels dorsaler Spondylodese L2 bis L4 operativ versorgt (UV-act.
M74/4). Der gewünschte Erfolg (Linderung der Schmerzproblematik) wurde dabei nicht
erzielt (UV-act. M74/1). Am 29. April 2015 führte der Operateur Dr. med. L._ aus,
dass die durchgeführte dorsale Spondylodese ausgeheilt sei. Die seit Jahren
bestehende LWK 5 Fraktur sei radiologisch unverändert geblieben (UV-act. M79). Auch
die durchgeführten Infiltrationen zeigten keinen Langzeiteffekt (UV-act. M84 f.). Vom 2.
November bis 8. Dezember 2015 befand sich der Beschwerdeführer zur
interdisziplinärer Schmerzbehandlung in den Kliniken E._. Im Austrittsbericht vom 22.
Dezember 2015 wird eine regelmässige Weiterführung des instruierten Programms zu
Hause, sowie eine physiotherapeutisch geleitete Medizinische Trainingstherapie (MTT)
empfohlen (UV-act. M87). Mit Verlaufsbericht vom 26. April 2016 führte Dr. F._,
Hausarzt des Beschwerdeführers, aus, dass seit Dezember 2015 keine weitere
Verbesserung der Beschwerden habe erreicht werden können. Der Beschwerdeführer
klage unverändert über rezidivierende Schmerzen im Bereich der LWS und sei
weiterhin auf die regelmässige Einnahme von Schmerzmedikamenten angewiesen. Mit
einer Verbesserung der Beschwerden sei eher nicht mehr zu rechnen. Zur allgemeinen
Verbesserung der Belastungsfähigkeit und zur Schmerzlinderung werde weiterhin eine
regelmässige Physiotherapie im Sinne einer MTT durchgeführt (UV-act. M88). Am 29.
November 2016 führte Dr. F._ aus, dass seit Mai 2016 keinerlei Besserung der
Beschwerden eingetreten sei. Der Beschwerdeführer klage immer wieder über massive
rezidivierende Schmerzen und Verspannungen lumbal (UV-act. M89).
3.3.
Gestützt auf die vorstehende Schilderung des Gesundheitsverlaufs leuchtet es ein,
dass die BEGAZ-Gutachter mit Expertise vom 11. August 2017 zum Schluss gelangten,
dass von Seiten der LWS spätestens ein Jahr nach dem letzten Eingriff vom 29. August
2014 der (medizinische) Endzustand erreicht war (UV-act. M90 S. 105). Eine Operation
oder weitere Infiltrationen, welche indiziert gewesen wären und auf eine namhafte
Besserung abgezielt hätten, standen bis und mit Zeitpunkt der Leistungseinstellung
(30. November 2017) durch die Beschwerdegegnerin nicht mehr zur Diskussion. So
geht denn auch Dr. F._ davon aus, dass mit einer Verbesserung der Beschwerden
eher nicht mehr zu rechnen sei und erwähnt als Behandlungsoptionen lediglich die
Schmerzmedikation sowie regelmässig Physiotherapie bzw. MTT (als Bestandteil der
Physiotherapie), welche rechtsprechungsgemäss nicht dazu führen, dass ein
medizinischer Endzustand verneint werden müsste (vgl. vorstehend E. 3.1).
3.4.
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4.
Im Weiteren steht zur Beurteilung, ob der Beschwerdeführer per Ende November 2017
(Abschluss des Rückfallverfahrens) neu Anspruch auf eine Rente hat (vgl. Art. 19 Abs. 1
Satz 1 UVG). Voraussetzung dafür ist ein verschlechterter unfallkausaler
Gesundheitszustand seit Erlass der Verfügung vom 11. Dezember 2006 (UV-act. 269;
vgl. nachfolgende E. 5) sowie kumulativ ein sich daraus ergebender
rentenbegründender Invaliditätsgrad (vgl. nachfolgende E. 6).
5.
Rückfälle und Spätfolgen stellen besondere revisionsrechtliche Tatbestände dar.
Diesem Umstand ist auch dann Rechnung zu tragen, wenn zu einem früheren Zeitpunkt
ein (Renten-)Leistungsanspruch verneint wurde, wie es hier durch die Verfügung (nach
Vergleich) vom 11. Dezember 2006 geschehen ist (UV-act. 269). Unter diesen Titeln
kann daher nicht eine uneingeschränkte neuerliche Prüfung vorgenommen werden.
Vielmehr ist von der rechtskräftigen Beurteilung auszugehen, und die Anerkennung
eines Rückfalls oder von Spätfolgen setzt eine nachträgliche Änderung der
anspruchsrelevanten Verhältnisse voraus (im Sinne von Art. 17 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]; Urteil des
Bundesgerichts vom 13. November 2007, U 55/07, E. 4.1). Zu prüfen ist damit vorerst,
ob sich der unfallbedingte Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und mit ihm
dessen Arbeitsfähigkeit seit dem Jahr 2006 wesentlich verschlimmert hat.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass gestützt auf die medizinische Aktenlage –
selbst bei Ausserachtlassung des BEGAZ-Gutachtens – spätestens per Einstellung der
temporären Leistungen (30. November 2017) von einer Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung in Bezug auf den Rückfall keine namhafte Besserung des unfallkausalen
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers mehr zu erwarten war. Der Fallabschluss
per Ende November 2017 mit Einstellung der temporären Leistungen erfolgte damit zu
Recht.
3.5.
Indem die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 8. Dezember 2014 einen
Rückfall zum Unfall vom 16. Oktober 1999 anerkannte (UV-act. A311), ging sie von
einer zumindest vorübergehenden relevanten Verschlechterung des unfallkausalen
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers aus. Sie folgte dabei der Beurteilung von
Dr. med. H._, Facharzt FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, vom 13. Oktober
2014. Dieser führte zur (Teil-)Kausalität aus, dass ohne Spondylodese Th12 bis L2 aus
5.1.
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6.
dem Jahre 1999 und nur mit derjenigen von L2 bis L4 aus dem Jahre 2007 die aktuelle
Symptomatik geringer wäre. Subjektiv bestünden im Vergleich vermehrte lumbale
Beschwerden, klinisch sei die Beweglichkeit der LWS schlechter und objektiv verändert
habe sich der Zustand durch die Verlängerung der Spondylodese von L2 bis L4. Die
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit sei durch vermehrt notwendige Pausen um ca.
20% reduziert (UV-act. M73). Entsprechend dieser Kausalitätsbeurteilung, welche
nachvollziehbar ist, leistete die Beschwerdegegnerin – wie bereits erwähnt (vgl.
vorstehende E. 2) – die temporären Versicherungsleistungen.
Per Leistungseinstellungszeitpunkt Ende November 2017 hat sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Beurteilung von Dr. H._ im
Oktober 2014 nicht mehr in relevanter Weise verändert. Nach dem letzten operativen
Eingriff im August 2014 konnten weder Infiltrationen noch Physiotherapie bzw. MTT zu
einem dauerhaft verbesserten Gesundheitszustand beitragen (vgl. ergänzend
vorstehende E. 3.3; vgl. auch UV-act. M90 S. 65). Entsprechend ist auch per
möglichem Rentenbeginn am 1. Dezember 2017 von einem verschlechterten
Gesundheitszustand auszugehen, welcher zumindest teilweise auf das Unfallereignis
aus dem Jahr 1999 zurückzuführen ist. Diese Voraussetzung ist damit erfüllt.
5.2.
Zu prüfen bleibt, ob per 1. Dezember 2017 aufgrund des unfallkausalen
Gesundheitszustands ein rentenrelevanter Invaliditätsgrad resultiert. Ist dies der Fall,
dann hat sich der Invaliditätsgrad seit Erlass der Verfügung vom 11. Dezember 2006
bis zu der mit Einspracheentscheid vom 10. Juli 2018 vorgenommenen Neuprüfung
revisionsrechtlich erheblich verändert.
6.1.
Ist die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10% invalid (Art.
8 ATSG), hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist
die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads
wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(sog. Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
6.1.1.
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Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61
lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Bezüglich Beweiswert eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worden ist, in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
6.1.2.
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; vgl. ferner
Thomas Flückiger, Medizinische, insbesondere hausärztliche Berichte und ihre
Beweiskraft – mit einem Seitenblick auf die medizinischen Gutachten, in: Kieser/
Lendfers [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2013, St. Gallen 2014, S. 138 ff.). In
Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb und cc). Dies gilt auch für Stellungnahmen behandelnder
Spezialärzte (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 6. April
2006, I 803/05, E. 5.5). Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der
Verwaltung bei externen Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche
Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu
6.1.3.
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beachten (Urteil des EVG vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht
zulässig, ein medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen gelangen oder an vorgängig
geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Vorbehalten bleiben aber Fälle, in
denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte
benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2).
6.2.
Bezüglich Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers liegen das von der IV-Stelle
des Kantons G._ veranlasste BEGAZ-Gutachten vom 11. August 2017 (unfallkausal
ist insbesondere die orthopädische Beurteilung von Dr. med. I._, FMH für
orthopädische Chirurgie, relevant; UV-act. M90 S. 52 ff.) sowie die rheumatologische
Zweitmeinung/Ergänzung mit Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) von
Dr. med. K._, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, Arbeitsmedizin Zentrum
Winterthur GmbH, vom 31. Mai 2019, im Recht (act. G 31.1).
6.2.1.
Bei diesen Expertisen handelt es sich um formgerecht eingeholte Beurteilungen
von externen Spezialärzten, welchen volle Beweiskraft zuzuerkennen ist, sofern nicht
konkrete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit sprechen. Die Gutachten basieren auf
einer ausführlichen klinischen Untersuchung. Sie sind für die streitigen Belange
umfassend und beantworten die Frage nach den gesundheitlichen unfallkausalen
Beeinträchtigungen und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. Sie
berücksichtigen die geklagten Beschwerden und legen der Beurteilung auch die
bildgebenden Unterlagen zugrunde. Die Gutachter schildern ausführlich die vom
Beschwerdeführer erwähnten (lumbalen) Leiden und Einschränkungen und setzen sich
detailliert damit sowie mit dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander. Die
Expertisen wurden sodann in Kenntnis und Würdigung der Vorakten abgegeben und
sie leuchten in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation ein. Entsprechend kann darauf abgestellt
werden. Es besteht kein Anlass, bezüglich der medizinisch-theoretischen
Arbeitsfähigkeit von den Einschätzungen abzuweichen. Damit besteht in einer dem
Leiden optimal angepassten Verweistätigkeit (leichte, wechselbelastende, teils
sitzende, teils stehende, teils gehende Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten, ohne häufiges
Bücken, ohne Zwangshaltung) aufgrund der unfallkausalen Einschränkungen bei
6.2.2.
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vermehrtem Pausenbedarf eine 20%-ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Diese
Einschätzung hinsichtlich der zu berücksichtigenden (lumbalen) Einschränkungen
überzeugt sowohl in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht. Auch Dr. H._ ging
bereits im Oktober 2014 von dieser Einschätzung aus. Gemäss EFL von April 2019
wurde sogar eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten für den
Beschwerdeführer als zumutbar erachtet (act. G 31.1 S. 58 ff.). Die Beurteilungen von
Dr. F._, welche dem Beschwerdeführer eine tiefere Arbeitsfähigkeit bescheinigen
(UV-act. M88 f.), vermögen keine konkreten Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Gutachten zu begründen. Zum einen ist – wie erwähnt – der Erfahrungstatsache
Rechnung zu tragen, dass Hausärzte in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen. Zum anderen vermag Dr. F._ keine Aspekte zu benennen, die im Rahmen
der externen Begutachtungen unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären.
Zu bestimmen bleibt der Invaliditätsgrad. Massgebend für den
Einkommensvergleich (vgl. dazu vorstehende E. 6.1.1) ist das Jahr 2017, nachdem ab
1. Dezember 2017 Rentenleistungen zur Diskussion stehen.
6.3.
Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte (BGE 135 V
322 E. 4.1). Vor dem Rückfall im April 2013 arbeitete der Beschwerdeführer seit Juli
2011 zu einem Pensum von 80% als Lagerist im Detailhandel (vgl. act. G 31.1 S. 30).
Es ist ohne weiteres davon auszugehen, dass er diese Tätigkeit ohne Rückfall weiterhin
ausgeübt hätte. Anderes ist zumindest nicht überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen
(vgl. dazu die überzeugenden Ausführungen im Einspracheentscheid vom 10. Juli 2018
[UV-act. A416], S. 9 ff., worauf verwiesen wird). Für das Jahr 2012 ist damit von einem
Valideneinkommen von Fr. 51'600.-- (Fr. 41'280.-- von 80% auf 100% hochgerechnet)
gemäss UV-act. A309 auszugehen. Angepasst an die Lohnentwicklung resultiert für
das Jahr 2017 ein Valideneinkommen von Fr. 53'071.40 (Fr. 51'600.-- / 101.7 * 104.6;
Nominallohnindex, Männer, 2011-2019, Basis 2010 = 100). Ginge man von einem
Valideneinkommen als Schreinerpraktiker in Höhe von jährlich Fr. 54'743.-- aus, wie es
der Beschwerdeführer in der Replik beantragt hat (act. G 21 Ziff. 31), würde sich – wie
sich nachfolgend zeigt – auch kein rentenbegründender Invaliditätsgrad ergeben.
6.3.1.
Bei der Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung
primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte
Person aktuell steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei
der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen
6.3.2.
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ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft,
und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und
nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als
Invalidenlohn. Erst wenn kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben ist, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, können nach der Rechtsprechung die
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 129 V 475 E. 4.2.1 mit
Hinweisen; vgl. auch BGE 139 V 592).
Mit der Möglichkeit, leidensadaptiert 80% zu arbeiten, schöpft der
Beschwerdeführer mit der aktuellen rund 30%-igen Anstellung bei der M._ AG als
Serviceaushilfe (act. UV-act. A404) und einem unbestrittenen Einkommen von jährlich
rund Fr. 18'000.-- (vgl. in der Replik Ziff. 31) seine zumutbare Arbeitsfähigkeit
offensichtlich nicht aus. Auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt kann
der Beschwerdeführer ein höheres Einkommen erzielen, zumal keine Gründe ersichtlich
sind, die gegen einen Stellenwechsel sprechen (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
vom 19. August 2011, 8C_237/2011, E. 2.3). Entsprechend ist nicht von der aktuellen
beruflich-erwerblichen Situation des Beschwerdeführers auszugehen.
6.3.3.
Gestützt auf das Belastungsprofil (vgl. vorstehende E. 6.2.2) sind dem
Beschwerdeführer als Verweistätigkeiten zumindest leidensangepasste
Hilfsarbeitertätigkeiten zuzumuten. Der LSE-Hilfsarbeiterlohn hat im Jahr 2017 Fr.
67'102.-- betragen (vgl. Anhang 2 der IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle
AHV/IV, Ausgabe 2019). Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 80% resultiert damit ein
Jahreseinkommen von Fr. 53'681.60. Tabellenlohnabzugsgründe sind keine ersichtlich
(vgl. zum Abzug vom Tabellenlohn unter anderem BGE 129 V 481 E. 4.2.3; vgl. auch
Tabelle T18 Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Beschäftigungsgrad, beruflicher
Anstellung und Geschlecht der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen
Lohnstrukturerhebung, wonach bei Teilzeitarbeit im Bereich von 75 bis 89% weder für
Männer noch Frauen Lohnnachteile resultieren). Im Weiteren sollte es dem
Beschwerdeführer nach der Ausbildung im März 2004 (vgl. dazu im Sachverhalt lit. A.c)
auch möglich und zumutbar sein, als IT-Supporter mit einem Pensum von 80% zu
arbeiten. Dabei könnte er auch ohne langjährige Berufserfahrung ein Einkommen von
jährlich mindestens Fr. 53'757.60 erzielen (Fr. 5'169.-- x 13 x 0.8; Lohnbuch 2018 [ICT-
Supporter bis 25 Altersjahre; Ziffer 62.09]). Zugunsten des Beschwerdeführers ist
nachfolgend von einem Invalideneinkommen von Fr. 53'681.60 auszugehen.
6.3.4.
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7.
Das Valideneinkommen erscheint eher tief. Dennoch rechtfertigt sich eine
Parallelisierung der Vergleichseinkommen (vgl. dazu BGE 135 V 297) nicht. Diese fällt
nämlich ausser Betracht, wenn und soweit sich die versicherte Person aus freien
Stücken mit einem verglichen mit ihrem Erwerbspotenzial tiefen Einkommen begnügte
und Anhaltspunkte fehlen, dass sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigung die
betreffende Tätigkeit zugunsten einer besser entlöhnten Arbeit (in selbstständiger oder
unselbstständiger Stellung) aufgegeben hätte (Urteil des Bundesgerichts vom 10.
August 2018, 8C_313/2018, E. 7.2). Dies ist hier der Fall. Wie bereits ausgeführt
schloss der Beschwerdeführer im März 2004 eine Ausbildung zum IT-Netzwerk-
Supporter ab. Trotzdem arbeitete er nur kurze Zeit (bis 2006) in diesem Bereich.
Danach war er aus freien Stücken in verschiedenen Berufszweigen als Ungelernter tätig
(u.a. als selbständiger Fotograph, in verschiedenen temporären Tätigkeiten), bevor er
von 2011 bis zum Rückfall im Jahr 2013 als Lagerist in einer C._-firma arbeitete (vgl.
UV-act. M90 S. 48; act. G 31.1 S. 30) und sich auch dort, wie auch bei den vorher
selbstgewählten Tätigkeiten, mit einem verglichen mit seinem Potential tiefen
Einkommen begnügte.
6.3.5.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass bei einem Valideneinkommen von Fr.
53'071.40 und einem Invalideneinkommen von mindestens 53'681.60 offensichtlich
kein rentenrelevanter Invaliditätsgrad von mindestens 10% resultiert. Die Beschwerde
ist damit auch bezüglich Rentenanspruch abzuweisen.
6.3.6.
Zu prüfen bleibt eine Erhöhung der Integritätsentschädigung. Erleidet die
versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine
angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die
Integritätsentschädigung wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein
Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art.
24 Abs. 2 UVG). Nach Art. 36 Abs. 2 UVV wird die Integritätsentschädigung gemäss
den Richtlinien des Anhangs 3 zur UVV bemessen. Dieser Anhang enthält eine als
gesetzmässig und nicht abschliessend anerkannte Skala. Die medizinische Abteilung
der Suva hat in Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche
Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sogenannte Feinraster) erarbeitet.
Diese Tabellen enthalten Richtwerte, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten
gewährleistet werden soll; sie sind mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32
E. 1c mit Hinweis).
7.1.
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Im Jahr 2006 wurde dem Beschwerdeführer aufgrund des Unfalls vom 16. Oktober
1999 vergleichs- (UV-act. 268/2) bzw. verfügungsweise (11. Dezember 2006; UV-act.
269) eine pauschale Integritätsentschädigung in Höhe von über 60% zugesprochen (Fr.
60'000.--). Dr. med. J._, beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, war mit
Stellungnahme vom 30. November 2006 nachvollziehbar begründet zum Schluss
gekommen, dass aus dem Unfall ein Integritätsschaden von 55% resultiere. Dieser
setzte sich aus 20% für die minimale bis leichte neuropsychologische
Funktionsstörung (inkl. posttraumatischer Kopfschmerzen), 20% für die
Hüftproblematik und 15% für die Rückenproblematik zusammen (UV-act. M61).
7.2.
In diesem Verfahren steht einzig zur Beurteilung, ob der verschlechterte Zustand
des Rückens (vermehrte lumbale Beschwerden und schlechtere Beweglichkeit der
Lendenwirbelsäule sowie verlängerte Spondylodese; UV-act. M73-4) zu einer Erhöhung
der Integritätsentschädigung führt. Eine anderweitige Verschlechterung steht nicht zur
Diskussion. Der Integritätsschaden ist gemäss Suva-Tabelle 7 (Integritätsschaden bei
Wirbelsäulenaffektionen) und den Richtlinien des Anhangs 3 zur UVV zentral abhängig
von der Funktionseinschränkung und deren Schmerzhaftigkeit. Diesbezüglich gab der
Beschwerdeführer anlässlich der Exploration bei Dr. K._ am 16. April 2019 an, dass
die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule nicht störend eingeschränkt sei. Die lumbalen
Beschwerden würden vor allem bei längerem Sitzen oder Stehen oder beim Bergauf-
und Bergabgehen auftreten. Auch bei Schlägen oder Erschütterungen verspüre er eine
Schmerzverstärkung. Schmerzlindernd sei das Liegen. Selten habe er auch nächtliche
Beschwerden (act. G 31.1 S. 25). Gestützt auf diese Ausführungen des
Beschwerdeführers und in Anbetracht der Tatsache, dass sich gemäss Einschätzung
im orthopädischen Teilgutachten des BEGAZ keine klar objektivierbaren
Funktionsstörungen der Wirbelsäule, die mit einem objektivierbaren strukturell-
anatomischen Korrelat in Einklang gebracht werden könnten, ergeben haben (UV-act.
M90 S. 67), erscheint der bereits von Dr. J._ veranschlagte Integritätsschaden von
15% nach wie vor angemessen. Gestützt auf die Suva-Tabelle 7 ist denn bei Frakturen
der Wirbelsäule (inklusive Spondylodese) bei bestehenden geringen, bei Belastung
verstärkten und auch in Ruhe bestehenden Dauerschmerzen eine
Integritätsentschädigung von 15% bis 20% zuzusprechen (https://www.suva.ch/de-
CH/material/Dokumentationen/tabelle-07-integritaetsschaden-bei-
wirbelsaeulenaffektionen; eingesehen am 27. November 2020). Von einem solchen
Zustandsbild ist beim Beschwerdeführer in etwa auszugehen. Zwar liesse sich damit
eine Erhöhung um 5% diskutieren, doch wäre eine solche aufgrund des Umstands,
dass dem Beschwerdeführer vergleichsweise bereits eine über 60%-ige, statt eine
7.3.
https://www.suva.ch/de-CH/material/Dokumentationen/tabelle-07-integritaetsschaden-bei-wirbelsaeulenaffektionen https://www.suva.ch/de-CH/material/Dokumentationen/tabelle-07-integritaetsschaden-bei-wirbelsaeulenaffektionen https://www.suva.ch/de-CH/material/Dokumentationen/tabelle-07-integritaetsschaden-bei-wirbelsaeulenaffektionen
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