Decision ID: 51954dc7-c59c-4a70-a0a9-a5e4f07349af
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre
1964 geborene
X._
war seit dem
1.
April 1996 als ungelernter Zügelmann bei der
Y._
AG angestellt. Im Zusammen
hang mit einem seit
5.
Mai 2011 bestehenden Bandscheibenvorfall meldete sich der Versicherte am 2
9.
Juni 2011 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/2). Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom
7.
Dezember 2011 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/24) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom
1.
Februar 2012 fest (
Urk.
8/25).
Eine Anstellung als Sicherheitsangestellter bei der
Z._
musste der Versicherte im Januar 2014 wegen Rückenbeschwerden ebenfalls auf
geben. Ab November 2014 war er als Kassierer bei
A._
erwerbstätig, wobei sich das lange Sitzen sowie das Einräumen der Gestelle ebenfalls nicht als rückenschonend erwies. Wegen psychischen Problemen begab sich der Versi
cherte Ende August 2015 in ärztliche Behandlung;
A._
kündigte die Anstellung per 3
1.
Oktober 2015 (
Urk.
8/88 S.
15).
1.2
Im Zusammenhang mit Depressionen und Cluster-Kopfwehattacken meldete sich der Versicherte am 2
0.
Januar 2016 erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
(
Urk.
8/26). Im Auftrag der SWICA Gesundheitsorganisation (
Krankent
aggeld
versicherung) erging am
9.
Juni 2016 eine psychiatrische Kurzbeurteilung (
Urk.
8/41
/5-25
). Mit Mitteilung vom 1
4.
Juni 2016 hielt die IV-Stelle fest, dass aktuell keine beruflichen Massnahmen durchgeführt würden (
Urk.
8/40). Eine Aktenbeurteilung im Auftrag der Taggeldversicherung erging am 1
6.
Dezember 2016 (
Urk.
8/56
/4-17
). In Rahmen der weiteren Abklärungen liess die IV-Stelle den Versicherten polydisziplinär abklären (
Medas
-Gutachten vom 2
5.
Juli 2017,
Urk.
8/88). Mit Vorbescheid vom 1
9.
Januar 2018 stellte die IV-Stelle die Abwei
sung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/96).
Am
2.
Januar 2019 musste der Versicherte aufgrund eines Darmverschlusses notfallmässig hospitalisiert und operiert werden (
Urk.
8/139). Mit Vorbescheid vom 2
7.
August 2019 stellte die IV-Stelle erneut die Leistungsabweisung in Aussicht (
Urk.
8/145) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 2
0.
November 2019 fest (Urk. 8/151 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin des Versicherten am
6.
Januar 2020 Beschwerde und beantragte, es sei dem Beschwerdeführer ab
1.
Januar
2017
eine ganze Rente
zuzusprechen; weiter sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessfüh
rung und Verbeiständung zu gewähren; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
Februar 2020 beantragte die Beschwerdegegne
rin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom 2
8.
Februar 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143
V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung
über die Invalidenversicherung;
IVV)
, so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
aufgrund der neu hinzugekommenen psychischen Beschwerden von einem Revi
sionsgrund auszugehen sei. Gestützt auf das
Medas
-Gutachten sei dabei in einer angepassten Tätigkeit aus psychischen Gründen von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
auszugehen. Das leichtgradige psychische Leiden sei aufgrund der man
gelnden Schwere und der vielfach subjektiven Angaben des Beschwerdeführers
als
ohne Relevanz zu werten. Auszugehen sei dabei aus somatischen Gründen von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit, was zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 31
%
führe (
Urk.
2,
Urk.
8/145 S. 8).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass
gestützt auf das
Medas
-Gutachten in einer angepassten Tätigkeit von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei; so habe auch der zuständige RAD-Arzt das
Medas
-Gutachten als voll beweiskräftig beurteilt (
Urk.
1 S. 7). Wei
ter sei aufgrund der Aussage der
Medas
-Gutachter, dass berufliche Massnahmen nicht empfohlen würden, davon auszugehen, dass eine effektive Umsetzung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit einstweilen nicht möglich sei (S. 8). Solange sich keine wesentliche Verbesserung des Zustandsbildes einstelle, bestehe keine wirtschaftliche Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit. Selbst wenn man von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausginge, sei bei einem leidensbedingten Abzug von mindestens 20
%
von einem Invaliditätsgrad von 66
%
auszugehen, was zu einem Anspruch auf eine Dreiviertelsrente führe (S. 11).
2.3
Die leistungsabweisende Verfügung vom
1.
Februar 2012 stützte sich in medizi
nischer Hinsicht im Wesentlichen auf die RAD-Stellungnahme vom 1
7.
Novem
ber 201
1.
Aufgrund des
lumboradikulären
Schmerzsyndrom
s
L5/S1 rechts sowie der rezidivierenden Knieschmerzen rechts
wurde
in der bisherigen Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus
gegangen
. In einer angepassten Tätigkei
t
wurde
eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit
als
gegeben
erachtet
(
Urk.
8/22
S.
2).
3.
3.1
Der für die psychiatrische Kurzbeurteilung vom
9.
Juni 2016
verantwortliche Facharzt,
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie,
ging mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit von den folgenden Diagnosen aus:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
-
Soziale Phobie (ICD-10 F40.1), konfliktvermeidendes Verhalten, intermit
tierend Angstzustände und Panikattacken
-
Probleme verbunden mit
Schwierigkeiten bei der Lebensb
ewältigung im Sinne von akzentuierten Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1) mit leis
tungsorientierten, perfektionistischen Zügen
Unter der aktuellen fachärztlichen Behandlung habe bis dato keine Verbesserung der depressiven Symptomatik erzielt werden können. Die Prognose werde über
wiegend wahrscheinlich als günstig beurteilt. Unabhängig von der beruflichen Tätigkeit sei gegenwärtig von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (
Urk.
8/41/23-25).
3.2
Im Rahmen seiner Aktenbeurteilung vom 1
6.
Dezember 2016 ging
Dr.
B._
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit von den folgenden Diagnosen aus:
-
Rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
-
Soziale Phobie (ICD-10 F40.1)
-
konfliktvermeidendes Verhalten
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit selbstunsicheren, dependenten und zwanghaft-perfektionistischen Zügen
(ICD-10 Z73.1)
-
Panikstörung mit Agoraphobie (ICD-10 40.01)
-
Intermittierende Angstzustände und Panikattacken
-
Trennungs- und Verlustängste, bestehend seit Kindheit
In einer leidensangepassten Tätigkeit, das heisse bei einem konfliktarmen Arbeit
geber und mit der Möglichkeit, sich zurückzuziehen, ohne zu hohen Kundenkon
takt, ohne Überstunden, ohne Tätigkeiten
,
die höhere kognitive Funktionen oder kreative Fähigkeiten erfordern würden
,
sei der Beschwerdeführer zu 50
%
arbeits
fähig. Es werde dringend die Anpassung der Therapie empfohlen. Medizinisch-theoretisch sei nach Anpassung der Behandlung spätestens innerhalb von 8 bis 10 Wochen von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (
Urk.
8/56/13-17).
3.3
Die für das
Medas
-Gutachten vom 2
5.
Juli 2017 verantwortlichen Fachärzte gin
gen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit von den folgenden Diagnosen aus
(
Urk.
8/88 S. 26)
:
-
Chronisches depressives Zustandsbild mit Krankheitsw
ertigkeit im Sinne einer
major
d
epression
, aktuell mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
-
Akzentuierung von Persönlichkeitsanteilen (ICD-10 Z73.1)
-
Lumbovertebralsyndrom
mit aktivierter Osteochondrose/Spondylose L5/S1 mit möglichem
residuellem
radikulärem
Wurzelschaden L5 respek
tive differentialdiagnostisch beginnender
axonaler
Polyneuropathie der Beine,
peronal
und rechtsseitig betont mit Amplitudenminderung des sen
siblen Nervensummenpotentials des Nervus
surealis
rechts
-
Zervikovertebralsyndrom mit
Uncovertebral
-Arthrosen mit degenerativen Veränderung
en
C4 bis C6 rechtsbetont, gegenwärtig ohne radikuläre Reiz
zeichen
-
Status nach Kniedistorsion im Jahre 2008, konservative Therapie, klinisch und im MRI Verdacht auf mediale Meniskusläsion rechtes Knie
-
Adipositas mit BMI von 31.5
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien die folgenden Diagnosen gegeben
(S. 27)
:
-
Cluster
headache
, erneut unter Basistherapie mit
Isoptin
, nachdem bei Absetzversuch im Frühling 2017 wieder Schmerzen auftraten
-
Status nach Sepsis und eitriger Peritonitis bei Appendizitis
perforata
mit zweimaligem
laparoskopischem
Eingriff 2015
Für eine schwere oder den Rücken belastende Tätigkeit sei seit September 2015 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugeh
en. Für eine wechselbelastende
Tätigkeit
ohne grösseren Kundenkontakt und ohne Arbeiten in der Gruppe bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit; diese Beurteilung gelte seit mindestens Dezember 201
6.
Für eine angepasste Tätigkeit sei zudem Folgendes zu berück
sichtigen: Heben und Tragen von Lasten bis Lendenhöhe maximal 30 kg, in Brust
höhe maximal 20 kg. Monotone kniende und kauernde Tätigkeiten sowie vorge
beugte Haltungen sollten vermieden werden. Repetitive Rotations- und Schwenk
bewegungen mit dem Rumpf und Oberkörper sollten ebenfalls vermieden werden. Überkopfarbeiten sollten auf ein Minimum beschränkt werden, das heisst maxi
mal eine halbe Stunde am Stück pro
Halbtag
. Tätigkeiten mit den oberen und unteren Extremitäten sollten nur leicht bis mittelschwer sein (S. 29).
4.
4.1
Die für das
vorliegende polydisziplinäre
Gutachten
verantwortlichen Fachärzte
legen den
medizinischen Sachver
halt für den Zeitraum
ab Dezember 2016 in einer
schlüssigen und nachvoll
ziehbaren Weise dar, sodass auf die Ergebnisse grund
sätzlich abzust
ellen ist. Die Beweiseignung des
vorliegenden Gutachten
s
wird denn auch von den Parteien nicht
grundsätzlich
in Frage gestellt (
vgl. E. 2.1 und 2.2
; vgl. auch RAD-Stellungnahme vom 1
5.
Februar 2017,
Urk.
8/95 S. 5
). Aus der Aussage der Gutachter, dass sie Eingliederungsmassnahmen erst nach einer Verbesserung des Gesundheitszustandes als sinnvoll erachten würden (
Urk.
8/88 S. 28), kann entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift nicht auf eine generelle Unverwertbarkeit der festgesetzten Arbeitsfähigkeit geschlossen wer
den. Ein Widerspruch zur festgesetzten 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit ergäbe sich allein dann, wenn eine Eingliederungsmassnahme aus gesundheitlichen Gründen als nicht zumutbar erachtet würde. Über die Frage, ob eine Eingliederungsmassnahme sinnvoll erscheint, muss grundsätzlich die Beschwerdegegnerin entscheiden, wobei sich die Gutachter in erster Linie zur medizinisch-theoretischen Leistungsfähigkeit zu äussern
haben. Diesem Auftrag sind sie im Rahmen des Gutachtens aber vollumfänglich nachgekommen.
Min
destens ab Dezember 2016 ist demnach von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus
zugehen.
4.2
Aufgrund der Neuanmeldung zum Leistungsbezug am 2
0.
Januar 2016 ergibt sich ein
frühstmöglicher
Rentenbeginn per
1.
Juli 2016
(BGE 142 V 547)
. Da sich die
Medas
-Gutachter retrospektiv allein ab Dezember 2016 äussern, ist die Arbeits
fähigkeit in der Zeit vom
1.
Juli bis 3
0.
November 2016 aufgrund der echtzeit
li
chen Unterlagen zu ermitteln.
Der behandelnde Facharzt,
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm in seinem Bericht vom
4.
März 2016 keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit vor und empfahl die Durch
führung einer Arbeitsplatzabklärung (
Urk.
8/36 S. 3). In seinem Bericht vom 2
3.
November 2016 ging
Dr.
C._
in einer angepassten Tätigkeit von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus (
Urk.
8/53 S. 3), ebenso in seinem Bericht vom 1
6.
Dezember 2016 unter Hinweis auf einen seit März 2016 stationären Zustand (Urk. 8/55 S. 1). Aufgrund der vorliegenden Bericht
e
von
Dr.
C._
kann spä
testens ab Juli 2016 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden.
Daran vermag auch die Einschätzung von
Dr.
B._
vom
9.
Juni 2016 nichts zu ändern. So wies dieser im genannten Bericht – obschon aktuell noch von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgehend – auf die günstige Prognose hin.
Auch
ist im weiteren Verlauf bis zu den Berichte
n im November und Dezember 2016 - in welchen
Dr.
B._
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit mit Steigerungspotential ausgeht (vgl. E. 3.2) -
keine erhebliche
Verbesserung der Symptomatik mehr ersichtlich, sodass
sich
rückblickend zumin
dest ab Juli 2016 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit als zumutbar erweist.
4.3
Strittig ist
im vorliegenden Verfahren bei der Invaliditätsbemessung insbesondere
die Berücksich
tigung der durch die depressive Erkrankung angenommene Ein
schränkung in der Leistungsfähi
gkeit, wobei die Beschwerdegegnerin
aufgrund der vorgenommenen Ressourcenprüfung (
Urk.
8/144 S. 5 ff.) von der von den
Medas
-Gutachtern vorgenommenen Einschätzung der verbleibenden Arbeitsfä
higkeit
abgewichen ist und durchgehend eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ange
nommen hat.
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE
140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungs
-
hindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensations
-
potentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermö
gen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE
143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2
017 vom 7. März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
5.
5.1
Gestützt
auf die echtzeitlichen ärztlichen Berichte
sowie das
Medas
-Gutachten ist ab August 2015 von erheblichen psychischen Problemen auszugehen, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt haben. Damit ist ein Revisionsgrund gegeben. Weiter erscheint es
auch aus
somatischer
Sicht zu einer Verschlechterung
gekom
men zu sein, gehen doch die
Medas
-Gutachter aus somatischer Sicht auch in einer angepassten Tätigkeit lediglich noch von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit aus (
Urk.
8/88 S. 22)
. Aufgrund der nun im Vordergrund stehenden psychischen Beschwerden ist entsprechend der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichts ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen.
Dabei ist davon abzusehen, einzelne Beschw
erden und Störungen ohne Einzel
fall
-
prüfung wegen grundsätzlich fehlender invalidenversicherungsrechtlicher Rele
vanz
auszuscheiden (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1). Indes gilt unverändert, dass ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig
in psychosozialen und soziokul
turellen Umständen seine Erklärung findet, so
ndern davon psychiatrisch unter
scheidbare Befunde umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_732/2017 vom
5.
März 2018 E.
4.3.1 mit Hinweis).
Aufgrund des psychiatrischen Teilgutachtens ist dabei davon auszugehen, dass die Einschränkung in der Leistungsfähigkeit auf die fest
gestellten psychiatrischen Befunde zurückgeführt werden können; es finden sich keine Hinweise auf soziokulturelle oder psychosoziale Faktoren (
Urk.
8/88/57 f.).
5.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regel
fall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141
V
281)
hat das Bundesgericht wie folgt systemati
siert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «
funktioneller Schweregrad
»
(E. 4.3)
-
Komplex «
Gesundheitsschädigung
»
(E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «
Persönlichkeit
»
(Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «
Sozialer Kontext
»
(E. 4.3.3)
-
Kategorie «
Konsistenz
»
(Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/
2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
5.4
5.4.1
Gestützt auf das
Medas
-Gutachten ist
aufgrund
der
als chronifiziert qualifizierten
depressiven Erkrankung auch in einer angepassten Tätigkeit
von einer
wesentli
che
n Einschränkung der Arbeits
fähigkeit
auszugehen (Arbeitsfähigkeit von
50 %).
Solche
chronifizierte
n
depressive
n
Erkrankungen hätten in der Regel erhebliche Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der betroffenen Menschen (
Urk.
8/88/58).
Vor diesem Hintergrund ist mittlerweile von einer deutlichen Aus
prägung der diagnoserelevanten psychiatrischen
Befun
de auszugehen, was sich auch im Rahmen der Untersuchung gezeigt hat.
Entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin stellten die Gutachter dabei nicht allein auf Angaben des Beschwerdeführers ab, sondern unterzogen die Eigeneinschätzung einer kriti
schen Würdigung anhand des klinischen Untersuchungsbefunds sowie dem Hamilton-Depressionstest (Urk. 8/88/56
).
5.4.2
Den möglichen Nutzen von weiteren therapeutischen Möglich
keiten
schätzten
die
Medas
-Gutachter - deutlich divergierend von der Einschätzung von
Dr.
B._
in seiner Aktenbeurteilung vom 1
6.
Dezember 2016 – als eher gering ein. Trotz der geringen Introspektionsfähigkeit würden sie einen Behandlungsversuch mit einer Gesprächstherapie als lohnend erachten (
Urk.
8/88 S. 27).
Der Beschwerdeführer werde konstant ambulant psychiatrisch betreut, andere medizinische Massnah
men würden sich aktuell nicht aufdrängen (
Urk.
8/88/60 unten).
Auch wenn damit aus therapeutischer Sicht noch
etwas
Potential besteht, kann dies allein nach der neueren Rechtsprechung nicht mehr zur Verweigerun
g sämt
licher Leistungen führen.
Der für die RAD-Stellungnahme vom 1
2.
Januar 2018 verantwortliche Facharzt stellte zudem in Frage, ob die Auferlegung einer Scha
denminderungspflicht bei dem kooperativen und leistungsorientierten Kunden zielführend sei (
Urk.
8/95 S. 8). Auf eine entsprechende Auflage wurde in der Folge
auch
verzichtet (
Urk.
8/95 S. 9).
5.4.3
Bezüglich der Komorbidität ist vorauszuschicken, dass l
aut BGE 143 V 418 Stö
rungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame
Komorbidität in Betracht
fallen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hem
mende Wirkung zukommt (E. 8.1, Präzisierung der Rechtsprechung; vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.1 und E.
7.2 mit Hin
weis).
Aufgrund des
Medas
-Gutachtens ist dav
on auszugehen, dass die Arbeits
fähigkeit sowohl durch die
objektivierten
Rückenbeschwerden
als auch die chronifizierte
depressive Erkrankung eingeschränkt ist
, sodass von einer Komorbidität auszuge
hen ist.
Auch die akzentuierten Persönlichkeitsanteile sind dabei als ressourcen
hemmend zu berücksichtigen.
5.4.4
Was den Komplex
«
Persönlichkeit
»
betrifft,
ist gestützt auf die psychiatrische Begutachtung von limitierten
vorhandene
n
und mobilisierbare
n
Ressourcen
aus
zugehen (Urk. 8/88/59
). Der Beschw
erdeführer
ist
dabei
insbesondere
in den Bereichen Anpassung an Regeln und Routinen, Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Anwendung fachlicher Kompe
tenzen, Durchhaltefähigkeit, Kontaktfähigkeit zu Dritten, Gruppenfähigkeit sowie bei Spontanaktivitäten mittelgradig eingeschränkt. Im Bereich der Selbstbehaup
tungsfähigkeit besteh
t
zudem eine schwere Einschränkung.
Aufgrund der genannten Ausführungen
ist
insgesamt
von deutlich eingeschränk
ten persönlichen Ressourcen auszugehen.
5.4.5
Bei der Beurteilung des sozialen Kontexts
ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer durch seine Familie unterstützt wird, was sich auch bei der Gestaltung des Tagesablaufs positiv auswirkt (
Urk.
8/88 S. 15
).
5.4.6
Im Rahmen der Konsistenzprüfung hielten die
Medas
-Gutachter fest, dass
der Beschwerdeführer durch seine Gesundheitsstörung in allen Lebensbereichen und bei allen Alltagsaktivitäten in ungefähr gleichem Ausmass eingeschränkt sei (Urk. 8/88 S. 28).
Dies entspricht dem dokumentierten Tagesablauf des Beschwer
deführers, welcher
nurmehr
für einen einstündigen Spaziergang täglich ausser Haus geht und zu Hause nur geringe Aktivitäten aufweist (
Urk.
8/88
S.
15).
Das Vorliegen
eines gewissen
Leidensdrucks ergibt sich
weiter
aus dem Psycho
status
im Gutachten; so habe der Beschwerdeführer einen adynamischen, depri
mierten und leidenden ersten Gesamteindruck hinterlassen (
Urk.
8/88/52).
Dies ist in Anbetracht der
chronifizierten
Erkrankung ohne weiteres nachzuvollziehen.
5.5
In einer Gesamtwürdigung der massgebenden Standardindikatoren ist die Ein
schätzung des Leistungsvermögens durch die
Medas
-Gutachter nicht zu be
an
standen. Zu beachten ist dabei, dass led
iglich von einer 50%igen Vermin
derung des Rendements ausgegangen wird. Diese Einschätzung entspricht zum einen den
Ausführungen zum sozialen Kontext, wo der Beschwerdeführer
doch
über ein
unterstützendes Umfeld
verfügt, sowie den Ausführungen zu den noch bestehen
den Therapieoptionen. Zum andern trägt sie den Bereichen Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, Komorbidität,
Persönlichkeit sowie der vorhan
de
nen Konsistenz bei
zumindest mittelgradigem
Leidensdruck als leistungsmin
dernde Faktoren Rechnung.
5.6
Für die Zeit ab
1.
Juli 2016 ist demnach
in einer angepassten Tätigkeit
auch unter Berücksichtigung der massgebenden Standardindikatoren
von einer
Arbeitsfähig
keit von 50 % auszu
gehen.
Demgegenüber kann eine weitere Verschlechterung der Situation, wie dies
Dr.
C._
in seinem Bericht vom 2
2.
August 2018 (
Urk.
8/132) geltend macht, nicht ohne weitere Abklärungen von der Hand gewiesen werden. So geht
Dr.
C._
mittlerweile von einer mittelgradig- bis
schwergradigen
depressiven Epi
sode aus. Nach seiner Einschätzung ist bezüglich der Anpassungsfähigkeit, der Konzentrati
on und Aufmerks
amkeit sowie der Belastbarkeit eine weitere Ver
schlechterung eingetreten (
Urk.
8/132 S. 2) und mittlerweile auch in einer ange
passten Tätigkeit von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (
Urk.
8/137).
Für die Zeit ab
August 2018 sind demnach weitere Abklärungen angezeigt, etwa in Form einer Verlaufsbegutachtung bei der
Medas
D._
.
6.
6.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
ein
kommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange
passten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139
V
28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Bezüglich des Valideneinkommens ist
- entsprechend dem Vorgehen der Beschwerdegegnerin -
gestützt auf die Angaben des ehemaligen
Arbeitgebers des Beschwerdeführers
per 2011 von einem Jahreseinkom
men
von Fr. 75'400.-- aus
zugehen (Fr. 5'800
.-- x 13).
Aufgrund der seither eingetretenen Nominallohnent
wicklung
(Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939
= 100], Männer, Stand 2011: 2171, Stand 2016: 2239
; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb,
Löhne/Erwerbseinkommen, detail
lierte Daten, Lohnentwicklung)
führt dies per 2016 zu einem massgebenden Vergleichseinkommen von
Fr.
77'761.70.
6.2
Für die Zeit
ab
1.
Juli 2016
ist gestützt auf die statistischen Durch
schnittswerte der Schweizerische
n Lohnstruk
turerhebung (LSE 2016
) von einem monatlichen Einkommen
von Fr. 5‘340.-- auszugehen (LSE 2016 TA1_tirage_skill_level, Kom
petenzniveau 1
). Nach Berücksicht
igung der durchschnittlichen Ar
beitszeit von 41,7 Stunden pro Woche (www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten, Normalarbeitsstunden)
ergibt sich per 2016
ein Jahresein
kommen von Fr. 66'803
.40, was bei einem Pensum von 50
%
zu einem zumutbar
en Invalideneinkommen von Fr. 33'401.70 führt.
Laut der gestützt auf die LSE 2016
erstellten Tabelle zu den nach Beschäftigungs
grad, Geschlecht und beruflicher Stellung differenzierten monatlichen Durch
schnitts
bruttolöhnen rechtfertigt ein Beschäftigungsgrad von 50-74 % bei Män
n
ern
auf der untersten Stufe der beruflichen Stellung (ohne Kaderfunktion) kei
nen
zusätzlichen Tabellenlohnabzug. Auf
dieser Ebene besteht bei Männern zwi
schen dem Durchschnittslohn bei einem Teilzeitpensum von 50-74 % propor
tio
nal bezogen auf ein 100 %-Pensum
(Fr. 5'875
.--) und dem Durchschnittslohn bei
einem Vollzeitpensum (Fr. 6'130
.--) eine
Differenz von Fr. 255.--. Das Bun
des
ge
richt beurteilte die aufgrund der LSE 2014 bestehende Lohneinbusse von Fr. 355.-- oder 5.85 % dabei als nicht überproportional
(Urteile des Bundesge
richts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.2 und 8C_12/2017 vom 28. Februa
r 2017 E. 5.5.2 mit Hinweisen).
Ein weitergehender leidensbedingter Abzug vom Invalideneinkommen ist
eben
falls nicht ange
zeigt. So führt etwa die gesundheitlich bedingte
Unmöglichkeit, weiterhin körper
lich schwere Arbeit zu verrichten, nicht automatisch zu einer Verminderung des hypothetischen Invalidenlohns. Vielmehr ist der Umstand allein, dass nur mehr leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind
, auch bei eingeschränkter Leis
tungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbe
dingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 (bis LSE 2010 Anforderungsniveau 4) bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 2
2.
März 2017 E. 3.4.2 unter Hinweis auf 9C_455/2013 vom
4.
Oktober 2013 E. 4.4 und 9C_386/2012 vom 1
8.
September 2012 E. 5.2).
Auch e
ine psychisch bedingt ver
stärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen kann nach der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigenständiger Abzugsgrund anerkannt wer
den (Urteil des Bundesgerichts 9C_36
6/2015 vom 2
2.
September 2015 E. 4.3.1 mit Hinweisen).
Ausgehend von einem
massgebenden Valideneinkommen von Fr.
77'761.70
führt dies
zu einem Invaliditätsgrad von 57
%
([
Fr.
77'761.70
- Fr.
33'401.70
] x 100 / Fr.
77'761.70
= 57.0
5
).
6.3
Da das Wartejahr aufgrund der Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen schweren Tätigkeit längst abgelaufen
war, hat der Beschwerdeführer z
usammenfassend ab
1.
Juli 2016
Anspruch eine
halbe Rente
.
Nachdem die Akten Hinweise auf eine weitere Verschlechterung der psychischen Situation ab August 2018 enthalten, ist die Sache in dieser Hinsicht zur Prüfung eines weitergehenden Rentenan
spruchs an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
führer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von Art. 61 lit. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierig
keit des Prozess
es auf Fr. 2’300
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird das Gesuch um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung gegenstandslos.