Decision ID: 17ba8fea-5623-58ce-9ef3-ab808a5424c1
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Thomas Bürgi, Haus zur alten Dorfbank,
9313 Muolen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente (Wiederanmeldung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich über seinen Rechtsvertreter erstmals am 25. August 2004 zum
Bezug von IV-Leistungen an (act. G 5.2-1). Die Ärzte der Klinik Valens, die den
Versicherten während seines stationären Aufenthalts vom 24. Mai bis 19. Juni 2004
betreuten, diagnostizierten im Bericht vom 8. September 2004 mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom links mit
Sensibilitätsminderung und sporadischen Parästhesien im Dermatom L5 bei Status
nach Diskushernienoperation L3/L4 links. Seit der Entlassung aus der stationären
Rehabilitation am 19. Juni 2004 habe für 3 Monate eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für
eine mittelschwere Tätigkeit mit Wechselbelastung und Gewichtsbelastung von
maximal 25 kg unter weitestgehender Vermeidung von vornübergeneigter
Ausgangsstellungen bestanden (act. G 5.15). Der behandelnde Dr. med. B._,
Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, berichtete am 13. September 2004, dass der
Versicherte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an einem Status nach
Diskushernienoperation L3/4 links, an persistierenden lumbalen Schmerzen links und
rezidivierenden Nierensteinen links leide. Für die angestammte Tätigkeit als
Hilfsarbeiter auf dem Bau bestehe seit 19. Mai 2003 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Grundsätzlich sei dem Versicherten eine leidensangepasste Tätigkeit zumutbar.
Indessen sah Dr. B._ "keine konkreten Möglichkeiten, da sich die Belastbarkeit in
einem sehr, sehr engen Rahmen hält" (act. G 5.14-1 ff.).
A.b Am 23. Januar 2006 wurde der Versicherte in der ABI Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH polydisziplinär (orthopädisch, psychiatrisch und
internistisch) untersucht. Die Experten diagnostizierten im Gutachten vom 23. Mai 2006
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik (ICD-10: M54.5). Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit bestünden ein multilokuläres Schmerzsyndrom der linken Körperhälfte
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ohne sicher objektivierbares klinisches Korrelat (ICD-10: R52.1) sowie ein
Nikotinkonsum von >40 packyears (ICD-10: F17.1). Für die angestammte körperlich
schwere Tätigkeit als Mitarbeiter im Baugewerbe bescheinigten die Experten dem
Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Für körperlich leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten in wechselnder Position und ohne Zwangshaltungen der unteren
Wirbelsäule hielten sie den Versicherten für 100% arbeitsfähig (act. G 5.31).
A.c Nach vorgängig durchgeführtem Vorbescheidverfahren (vgl. Vorbescheid vom
19. Juli 2006, act. G 5.37, sowie Einwand vom 18. September 2006, act. G 5.41)
verfügte die IV-Stelle am 25. Oktober 2006, dass der Versicherte keinen Anspruch auf
eine Invalidenrente habe (act. G 5.42). Die dagegen gerichtete Beschwerde vom 24.
November 2006 (act. G 5.45) wies das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit
Urteil vom 8. April 2008, IV 2006/259, ab (act. G 5.65).
A.d Am 30. Mai 2008 meldete sich der Versicherte über seinen Rechtsvertreter erneut
zum Bezug von IV-Rentenleistungen an (act. G 5.69). Der behandelnde Dr. B._ gab
im Verlaufsbericht vom 27. Juni 2008 an, dass sich der Gesundheitszustand seit
seinem letzten Bericht vom 13. September 2004 verschlechtert habe. Er diagnostizierte
ein persistierendes lumbal spondylogenes Schmerzsyndrom bei Status nach minimal
invasivem TLIF L4/5 im Rahmen einer Discopathie und Instabilität am 16. April 2007,
einen postoperativ behandelten Infekt im Operationsgebiet, sowie einen Status nach
LDH-Operation L3/4 links im November 2003. Beim Versicherten bestehe seit Jahren
eine bleibende Einschränkung von mindestens 90% in seiner ursprünglichen Tätigkeit
(act. G 5.73-51).
A.e Die IV-Stelle beauftragte am 1. Juli 2008 die ABI mit einer polydisziplinären
Verlaufsbegutachtung (act. G 5.71). Diese fand am 13. Januar 2009 statt. Die Experten
stellten im Gutachten vom 9. Februar 2009 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
folgende Diagnosen: chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre
Ausfälle (ICD-10: M54.5) sowie eine COPD (ICD-10: J44). Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit seien eine leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0), eine
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54), ein hypertoner Blutdruckwert, ein leicht
erhöhter Hämatokritwert sowie Kontaktekzeme am Rücken (ICD-10: L25). Die
Gutachter kamen zum Schluss, dass die angestammte sowie andere körperlich
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schwere Tätigkeiten dem Versicherten nicht mehr zugemutet werden könnten. Für
körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Heben und
Tragen von Lasten über 10 kg, ohne häufige Rumpfrotationen und ohne Staub-, Kälte-
oder Nässeexposition verfüge der Versicherte über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
Vorübergehend habe nach der am 16. April 2007 erfolgten Operation eine volle
Arbeitsunfähigkeit auch für Verweistätigkeiten bis "08/07" bestanden, dann eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit bis "10/07" (act. G 5.76).
A.f Gestützt auf die verlaufsgutachterliche Beurteilung stellte die IV-Stelle dem
Versicherten im Vorbescheid vom 25. März 2009 in Aussicht, einen Rentenanspruch zu
verneinen (act. G 5.82).
A.g Dagegen erhob der Versicherte am 11. Mai 2009 Einwand und beantragte die
Ausrichtung einer IV-Rente. Eventuell seien die medizinischen Abklärungen durch eine
neue Begutachtung bei einer neutralen Fachstelle eines Universitätsspitals zu ergänzen
(act. G 5.83).
A.h Am 30. Juni 2009 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid und
lehnte ausgehend von einem 15%igen Invaliditätsgrad einen Rentenanspruch des
Versicherten ab (act. G 5.85).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 30. Juni 2009 richtet sich die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde vom 31. August 2009. Der Beschwerdeführer beantragt darin
unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Ausrichtung
mindestens einer halben IV-Rente. Eventuell sei die Sache zur medizinischen
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und diese sei zu verpflichten,
den Invaliditätsgrad neu zu ermitteln. Der Beschwerdeführer hält das Verlaufsgutachten
vom 9. Februar 2009 für nicht beweiskräftig. Es stehe in krassem Widerspruch zu den
zuverlässigen Feststellungen des Hausarztes. Die Verlaufsbegutachtung sei auch nicht
in zuverlässiger Weise durchgeführt worden. So sei er vom Gutachter in
unverständlicher Weise dafür gerügt worden, weil er mit Blick auf ein objektives und
unverfälschtes Bild bewusst vor der gutachterlichen Untersuchung auf die Einnahme
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von Schmerzmitteln verzichtet habe. Beim Versuch, den vorübergehenden
Medikamentenverzicht zu erklären, sei er vom Gutachter wirsch zurückgewiesen und
angehalten worden, die gutachterlichen Fragen ausschliesslich mit Ja oder Nein zu
beantworten. Es sei offensichtlich, dass die geklagten Beschwerden nicht
berücksichtigt und gewürdigt worden seien. Ferner sei die ABI befangen gewesen, da
sie bereits zuvor am 23. Januar 2006 ein Gutachten über seinen Gesundheitszustand
erstellt habe. Weiter habe das Versicherungsgericht im Urteil vom 8. April 2008
festgehalten, dass die zugemutete Arbeitsfähigkeit eine zielgerichtete
Schmerzbekämpfung voraussetze. Diese Voraussetzung sei bis heute nicht erfüllt.
Vielmehr sei am 1. September 2009 ein chirurgischer Eingriff geplant. Durch eine
selektive Dekompression erhoffe man sich, eine Ursache der Schmerzen beseitigen zu
können. Offensichtlich verfüge er nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen
erforderlichen Ressourcen. Ein Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess sei nicht
zumutbar. Schliesslich sei bei der Verlaufsbegutachtung dem Umstand zu wenig
Rechnung getragen worden, dass er auch wegen psychischer Probleme eingeschränkt
sei (act. G 1). Mit der Beschwerde reicht der Beschwerdeführer u.a. einen Bericht der
Abteilung Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 22. Juni 2009 und
ein Aufgebot für einen stationären Aufenthalt (Klinikeintritt: 1. September 2009) ein (act.
G 1.2 f.).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 26. Oktober
2009 die Beschwerdeabweisung. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, dass
keine Mängel am Verlaufsgutachten bestünden und dieses daher beweiskräftig sei (act.
G 5).
B.c Der Beschwerdeführer hält in der Replik vom 26. November 2009 unverändert an
seinen Anträgen fest. Ergänzend bringt er vor, dass er sich auf der Suche nach einer
Verbesserung der Schmerzsituation einer weiteren Abklärung in der Klinik Valens
unterzogen habe. Mittlerweile sei auch festgestellt worden, dass er auf die ihm bisher
verabreichten Schmerzmittel allergisch reagiere. Von einer zielgerichteten
Schmerzbekämpfung könne daher noch nicht gesprochen werden (act. G 8).
B.d In der Duplik vom 11. Dezember 2009 hält die Beschwerdegegnerin an ihren
Ausführungen in der Beschwerdeantwort und dem darin gestellten Antrag
vollumfänglich fest (act. G 11).
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B.e Am 21. Dezember 2009 reicht der Beschwerdeführer den Austrittsbericht vom
15. Oktober 2009 betreffend den stationären Aufenthalt vom 24. September bis 7.
Oktober 2009 in der Klinik Valens ein (act. G 12.1).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers streitig.
2.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
30. Juni 2009 (act. G 5.85) ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor
dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln ist für
die Zeit seit der letzten rechtskräftigen Verfügung vom 25. Oktober 2006 (act. G 5.42)
bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem
Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese
übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die
5. IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine
substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage
gebracht hat. Neu normiert wurde demgegenüber der Zeitpunkt des Rentenbeginns,
der, sofern die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen gegeben sind (Art. 28
Abs. 1 IVG), gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens 6 Monate nach Geltendmachung
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des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG entsteht. Da ein allfälliger
Rentenanspruch im vorliegend zu beurteilenden Fall vor dem 1. Januar 2008
entstanden wäre, wirkt sich diese Neuerung auf den hier zu prüfenden Fall nicht aus
(IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007; Urteil des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 28. Oktober 2009, IV 2009/5, E. 2, bestätigt in Urteil des
Bundesgerichts vom 12. Februar 2010, 9C_1029/09). Nachfolgend werden die seit
1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben, soweit
nicht ausdrücklich auf die altrechtlichen Bestimmungen verwiesen wird.
2.1 Als Invalidität gelten gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende
oder länger dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG
bzw. aArt. 28 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung) hat die
versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie
mindestens zu 50% oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid
ist.
2.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
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3.
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der Verfügung vom 30. Juni 2009 (act. G 5.85)
auf das ABI-Verlaufsgutachten vom 9. Februar 2009 (act. G 5.76). Der
Beschwerdeführer hält dieses aus verschiedenen Gründen für
nicht beweiskräftig.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt am Verlaufsgutachten vom 9. Februar 2009, dass es
im Ergebnis in einem krassen Widerspruch zu den zuverlässigen Feststellungen des
Hausarztes stehe. Nach dessen Angaben sei er nur gerade für eine halbe Stunde in der
Lage, leichte Arbeiten zu verrichten (act. G 1, S. 4).
3.1.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass ein den Beweisanforderungen
grundsätzlich genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V 351 f. E. 3a und b)
nicht in Frage gestellt werden kann und Anlass zu weiteren Abklärungen besteht, wenn
und sobald die behandelnden Ärzte nachher zu einer unterschiedlichen Beurteilung
gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten.
Anders verhält es sich nur, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht
werden, welche im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und die
geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom
29. Juli 2008, 9C_830/07, E. 4.3 mit Hinweisen).
3.1.2 Zwar wurde offenbar der hausärztliche Bericht vom 27. Juni 2008 von den
Verlaufsgutachtern nicht zur Kenntnis genommen (zumindest findet sich dessen
Erwähnung weder in der Aktenauflistung, noch im übrigen Verlaufsgutachten), was
grundsätzlich Fragen an der Vollständigkeit der gutachterlichen Beurteilung aufwirft.
Dies gereicht dem Verlaufsgutachten indessen nicht zum Nachteil, da sich die
Gutachter mit dem Bericht der behandelnden Neurochirurgen des KSSG vom 4. April
2008 (act. G 5.73-7 f.) - der wesentliche Grundlage der hausärztlichen Einschätzung
vom 27. Juni 2008 bildete - auseinandersetzten (act. G 5.76-22). Hinzu kommt, dass
sich aus dem Bericht von Dr. B._ vom 27. Juni 2008 keine objektiven Gesichtspunkte
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ergeben, die nicht im Verlaufsgutachten bzw. im KSSG-Bericht vom 4. April 2008
Berücksichtigung gefunden hätten. Solche werden vom Beschwerdeführer auch nicht
geltend gemacht. Hinzu kommt, dass der Hausarzt keine nachvollziehbare Aussage zur
Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten machte, sondern die "mindestens"
90%ige bleibende Einschränkung ausdrücklich bloss auf die ursprüngliche Tätigkeit
bezog. Im Übrigen stützte er seine Erkenntnisse ausschliesslich auf die
Schmerzangaben des Beschwerdeführers ("Die zeitweise Schmerzexazerbationen sind
für mich glaubhaft.", "Aus Sicht des Patienten katastrophaler Verlauf, [...]"), ohne für
die Schmerzen ein objektivierbares Substrat zu benennen. Aus der hausärztlichen
Einschätzung geht schliesslich im Vergleich zum Bericht vom 13. September 2004
keine gesundheitliche Verschlechterung hervor (act. G 5.73-1 ff.). Aus diesen Gründen
vermag der Bericht von Dr. B._ vom 27. Juni 2008 den Beweiswert des
Verlaufsgutachtens nicht zu erschüttern.
3.2 Aus der Sicht des Beschwerdeführers wurde die Verlaufsbegutachtung in nicht
zuverlässiger Weise durchgeführt. So habe er auf Anraten seines Hausarztes vor der
gutachterlichen Untersuchung auf Schmerzmittel verzichtet, damit ein objektives und
unverfälschtes Bild der Schmerzsituation erstellt werden könne. Er sei deswegen vom
Gutachter in unverständlicher Weise gerügt worden. Ihm sei vorgehalten worden, die
Einnahme der verschriebenen Mittel zu verweigern. Beim Versuch, den
vorübergehenden Medikamentenverzicht zu erklären, sei er vom Gutachter wirsch
zurückgewiesen und angehalten worden, die Fragen des Gutachters ausschliesslich
mit Ja oder Nein zu beantworten (act. G 1, S. 4). Die vom Beschwerdeführer kritisierte
Verhaltensweise findet im Verlaufsgutachten keinen Niederschlag. Insbesondere geht
aus den persönlichen Anamneseerhebungen und den von den Experten festgehaltenen
subjektiven Angaben hervor, dass ihm hinreichend Gelegenheit zur eigenen Darstellung
seiner Leiden gegeben wurde (vgl. act. G 5.76-9 f., G 5.76-13 f. und G 5.76-16 f.) und
er davon auch Gebrauch machte (so sei der Beschwerdeführer "ausführlich" auf die
gestellten Fragen eingegangen, act. G 5.76-14). Es kann vor diesem Hintergrund auch
nicht die Rede davon sein, dass die vom Beschwerdeführer geklagten Leiden nicht
genügend berücksichtigt worden seien (vgl. zum entsprechenden Vorwurf, act. G 1,
S. 4 unten). Bezüglich der fraglichen Medikamenteneinnahme ist festzustellen, dass
dieser Gesichtspunkt von den ABI-Experten bei der Beurteilung der
Restarbeitsfähigkeit keine tragende Rolle spielte und lediglich im Rahmen einer
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Anmerkung zu den anamnestischen Angaben (diese seien aufgrund der im
Zusammenhang mit der Medikamenteneinnahme erfolgten Blutuntersuchungen "mit
Vorsicht zu bewerten", act. G 5.76-15) bzw. im Rahmen der gesamtgutachterlichen
Stellungnahme zur Selbsteinschätzung Erwähnung fand (act. G 5.76-24).
Anhaltspunkte für ein wirsches oder unsachliches Vorgehen der Experten lassen sich
dem Verlaufsgutachten nicht entnehmen.
3.3 Gegen die Verlaufsbegutachtung führt der Beschwerdeführer weiter ins Feld,
dass die ABI bereits am 23. Januar 2006 ein Gutachten über den Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers erstellt hätte. Dabei hätten die Gutachter im Sinn einer
Prognose Aussagen über die Arbeitsfähigkeit gemacht. Dass die ABI bei der nur kurze
Zeit später durchgeführten zweiten Expertise zu einem praktisch identischen Ergebnis
wie am 23. Januar 2006 gelangt sei, überrasche nicht. Mit jedem anderen Ergebnis
würden die Experten nämlich zugeben, dass sie sich bei der ersten Beurteilung geirrt
oder ungenau gearbeitet hätten. Dementsprechend fehle es an der erforderlichen
Unbefangenheit der ABI (act. G 1, S. 5). Bei dieser Betrachtungsweise verkennt der
Beschwerdeführer vorweg, dass es sich bei der "zweiten Expertise" um eine
Verlaufsbegutachtung handelte. Die ABI-Experten hatten damit nicht die - im Übrigem
vom Versicherungsgericht im Urteil vom 8. April 2008 als vollständig beweiskräftig
erachtete - Erstbegutachtung und den bis zu diesem Zeitpunkt aufgelaufenen
Sachverhalt zu beurteilen, sondern eine erstmalige Beurteilung der seither bis zur
Verlaufsbegutachtung eingetretenen Verhältnisse vorzunehmen. Es entspricht denn
auch der bundesgerichtlichen Praxis, dass "vorbefasste Gutachter" sinnvoller Weise
mit einer Verlaufsbegutachtung beauftragt werden (BGE 132 V 110 E. 7.2.2). Im
Übrigen bestehen vorliegend keine Anhaltspunkte für eine fehlende Objektivität der am
Verlaufsgutachten beteiligten Gutachter.
3.4 Schliesslich bemängelt der Beschwerdeführer, es sei bei der Begutachtung dem
Umstand zu wenig Rechnung getragen worden, dass er "insbesondere auch wegen
psychischer Probleme stark eingeschränkt ist" (act. G 1, S. 6). Mit Blick auf die
ausführliche, umfassende fachpsychiatrische Verlaufsbegutachtung und die darin -
allerdings ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - gestellten Diagnosen einer leichten
depressiven Episode (ICD-10: F32.0) und einer Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10:
F54) greift diese Kritik nicht. Dies umso weniger als der Beschwerdeführer nicht fassbar
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darlegt, welche wesentlichen Gesichtspunkte der psychiatrische Experte übersehen
oder unrichtig gewürdigt hätte.
3.5 Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt weiter ins Gewicht, dass das
Verlaufsgutachten vom 9. Februar 2009 auf umfassenden polydisziplinären
Untersuchungen beruht, das gesamte Leidensbild des Beschwerdeführers
berücksichtigt und die auf dieser Grundlage gezogenen Schlüsse nachvollziehbar sind.
Demnach ist gestützt auf das ABI-Verlaufsgutachten vom 9. Februar 2009 davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer bis zum Zeitpunkt der Verlaufsbegutachtung
vom 13. Januar 2009 für leidensangepasste Tätigkeiten grundsätzlich über eine
100%ige Arbeitsfähigkeit verfügt, indessen - was die Parteien bislang übersehen haben
- für sämtliche Tätigkeiten vom 16. April 2007 "bis" August 2007 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit und "danach bis" Oktober 2007 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
bestand (act. G 5.76-24). Allerdings kann aus den gutachterlich bescheinigten
befristeten Arbeitsunfähigkeiten nicht klar geschlossen werden, ob die 100%ige
Arbeitsunfähigkeit "bis zum" oder "bis und mit" August 2007 bzw. die 50%ige
Arbeitsunfähigkeit von August oder September 2007 "bis zum" oder "bis und mit"
Oktober 2007 gedauert hat. Dies wird die Beschwerdegegnerin durch eine
entsprechende Rückfrage bei den Experten noch abzuklären haben. Hernach wird sie
unter Berücksichtigung der bei der Rentenanpassung gemäss Art. 88a Abs. 1 und 2
IVV geltenden dreimonatigen Frist und mit Blick darauf, dass gemäss Art. 19 Abs. 3
ATSG Renten für den ganzen Kalendermonat im Voraus ausbezahlt werden, über einen
befristeten Rentenanspruch des Beschwerdeführers befinden. Im Zusammenhang mit
dem befristeten Rentenanspruch ist darauf hinzuweisen, dass mit Blick auf aArt. 29
Abs. 1 lit. b IVG (in der vorliegend anwendbaren, bis 31. Dezember 2007 gültigen
Fassung) die Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf für die Rentenentstehung relevant
ist (BGE 130 V 99 E. 3.2 mit Hinweisen) und es zur Erfüllung des Wartejahres bei einer
Wiederanmeldung genügt, wenn im Zeitpunkt der rechtsgenüglich erwiesenen
Verschlechterung des Gesundheitszustands bzw. des festzusetzenden Rentenbeginns
das Wartejahr bestanden ist. Das Erfordernis des Wartejahres beginnt daher bei einer
Wiederanmeldung grundsätzlich nicht von neuem (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 20. Juni 2003, I 285/02, E. 2.3; vgl. auch Urteile des
Bundesgerichts vom 27. Dezember 2007, 9C_684/07, E. 2.3 f. sowie des
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Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 24. September 2009, IV.
2008.00433, E. 4.1). Für den übrigen beurteilten Zeitraum bis zum Datum der
Verlaufsbegutachtung vom 13. Januar 2009, für welche die Verlaufsgutachter eine
vollständige Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten bescheinigten, besteht
mit Blick auf die 100%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
offensichtlich keine rentenbegründende Erwerbseinbusse, weshalb auf eine konkrete
Invaliditätsgradberechnung für diesen Zeitraum verzichtet werden kann.
3.6 Zu prüfen bleibt noch, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
seit der Verlaufsbegutachtung vom 13. Januar 2009 bis zum Erlass der angefochtenen
Verfügung vom 30. Juni 2009 erheblich verschlechtert hat und unter diesem
Gesichtspunkt weiterer Abklärungsbedarf besteht.
3.6.1 Im Bericht der Abteilung Neurochirurgie des KSSG vom 22. Juni 2009 ist
neu von einer epifusionellen Stenose L3/4 linksseitig mit dort aufgetretener Juxta-
Facettzyste die Rede. Allerdings äusserte sich der behandelnde Neurochirurg nicht zu
allfälligen Einflüssen auf die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers (act. G 1.2). Das
neu aufgetretene Leiden führte aber immerhin zu einem chirurgischen Eingriff, der am
2. September 2009 stattfand (act. G 12.1). Unter diesen Umständen lässt sich nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ausschliessen, dass sich der gesundheitliche
Zustand des Beschwerdeführers nach der ABI-Verlaufsbegutachtung vom 13. Januar
2009 verschlechtert hat. Da keine medizinischen Berichte bei den Akten liegen, die
über die Entwicklung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit seit dem
13. Januar 2009 Aufschluss geben könnten, ist die Sache zur Verlaufsbeurteilung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Mit der Verlaufsbeurteilung wird die
Beschwerdegegnerin sinnvoller Weise die mit dem Fall vertraute ABI beauftragen,
zumal sie auch aus anderem Grund (vgl. zum Abklärungsbedarf im Zusammenhang mit
den befristeten Arbeitsunfähigkeiten von 100% bzw. 50% vorstehende E. 3.5)
ergänzende Auskünfte bei der ABI einzuholen hat.
4.
4.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
30. Juni 2009 aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung im Sinn der
Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
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4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der
Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht