Decision ID: 62ba59a3-3aea-4430-ba8c-ec93255a3e09
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1958
,
meldete sich u
nter Hinweis auf
psychische und körperliche B
eschwerden
am
23. Februar 2015
bei der Invalidenversicher
ung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/7
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und holte bei
Ärzten der
Y._
ein
bidis
ziplinäres
Gutachten ein, das am
8. Mai 2017
erstattet wurde (Urk.
6/53/1-12;
Aktenzusammenfassung Urk. 6/53/13-20; psychiatrisches Fachgutachten vom 27. Februar 2017, Urk. 6/53/21-34; gynäkologisches Gutachten vom 16. Februar 2017, Urk. 6/53/35-41
).
Mit V
orbescheid
vom 11. Oktober 2017
(Urk.
6/59
)
stellte
die IV-Stelle
der Ver
sicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nachdem
letztere
dagegen Einwand erhob
en hatte
(Urk. 6/64+66)
,
holte die IV-Stelle weitere Arzt
berichte ein und gewährte der Versicherten dazu jeweils das rechtliche Gehör (vgl. Urk. 6/68-81).
Mit Verfügung vom 23. April 2019 hielt die IV-Stelle am Vorbe
scheid fest und verneinte einen Anspruch auf IV-Leistungen (Urk. 6/84 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
28. Mai 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
23. April 2019
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und
die Sache sei an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese nach ergänzenden Abklärungen erneut über den Leistungsanspruch entscheide. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen
Verbeiständung
und Prozessführung
(Urk.
1 S.
2
oben
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
13. August 2019 unter Verweis auf ihre Akten
die Abweisung der Beschwerde
(Urk. 5)
.
Dies wurde
der Beschwerdeführerin am
8. Oktober 2019 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
A
TSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend ob
jek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwer
defall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging
in der angefochtenen Verfügung
davon aus,
ge
stützt auf die medizinische Einschätzung könne sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin unter fachärztlicher psychiatrischer Behandlung verbessern.
Es werde eine volle Arbeitsfähigkeit erwartet. Die Beschwerdeführerin befinde sich
seit September 2016 nicht mehr in fachärztlicher Behandlung und nehme die zu
mutbaren Therapieoptionen nicht ausreichend wahr. Daran sei auch nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
respektive Anforderung diverser medizinischer Unterlagen festzuhalten. Da von einem besserungsfähigen Leiden auszugehen
sei
und eine volle Arbeitsfähigkeit unter Wahrnehmung der Therapieoptionen wieder erreicht werden könne, liege kein Leiden vor, welches die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erheblich einschränke (Urk. 2 S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1)
,
die
Y._
-Gutachter
innen
seien von falschen Sachverhaltsannahmen ausgegan
g
en. Die Beschwerdegegnerin habe es unterlassen, die Gutachter damit zu kon
fron
tieren und ihnen - auch angesichts des weiteren Verlaufs - eine Überprüfung ihrer diagnostischen Überlegungen und ihrer Schlussfolgerung
en
zu Therapieoptionen und zur Arbeitsfähigkeit zu ermöglichen (S. 7
Rn
21). Schliesslich seien auch die rheumatologisch-orthopädischen Einschränkungen und deren Einfluss auf die Ar
beitsfähigkeit nicht abgeklärt worden (S. 6
Rn
16).
Daher seien durch die Be
schwerdegegnerin ergänzende medizinische Abklärungen durchzuführen (S. 2 oben, S. 7
Rn
21). Sodann sei die Qualifikation der Beschwerdeführerin abzu
klä
ren. Aus finanziellen Gründen müsste sie im Gesundheitsfalle wieder zu 100 % erwerbstätig sein (S. 7
Rn
22).
2.3
Streitig und zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt in medi
zinisch und erwerblicher Hinsicht genügend abgeklärt und - falls
dies zu bejahen wäre -
einen Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin gestützt auf die getä
tig
ten
Abklärungen zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Am 21. Oktober 2014 nahm die Beschwerdeführerin die ambulante Be
handlung bei Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, auf. Im Bericht vom 13. April 2015 (Urk. 6/13/6-7; vgl. auch Urk. 6/
13/1-5) diagnos
t
izierte Dr.
Z._
eine schwere depressive Episode nach schwer verlaufender Krebs
erkrankung (ICD-10 F32.2; S. 1).
Er führte aus, die Beschwerdeführerin leide an einer schwer verlaufenden Krebs
erkrankung, was sie ergänzend zu ihrer schweren Lebensgeschichte in eine tiefe
Depression mit Todesangst habe stürzen lassen. In Anbetracht ihrer schwer ver
laufenden Krebserkrankung sei die Prognose schlecht. Der Krankheitsverlauf ten
diere sich zu
chronifizieren
. Sie sei aus psychiatrischen-psychotherapeutischen Gründen zu 100 % arbeitsunfähig (S. 2).
3.2
Gemäss
Bericht vom 5. Juni 2015 (Urk. 6/18)
von
Dr. med.
A._
, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe
, musste
die Beschwerdeführerin aufgrund eines
Endometriumkarzinoms
im Juni 2014 operiert werden (Ziff. 1.1). Da die bisherige Tätigkeit als Küchenhilfe oft körperlich anstrengend sei, sei ihr diese nach dieser grossen Operation (Hysterektomie mit
Adnexektomie
und
Lymphonodektomie
nach Wertheim; vgl. Ziff. 1.5) nicht mehr zumutbar
. Als
Einschränkungen bestünden Depressionen, Müdigkeit und Rückenschmerzen. Eine
sitzende Tätigkeit sei ihr im Umfang von vier Stunden täglich zumutbar (Ziff. 1.7
).
3.3
Im am 16. September 2015 eingegangenen Bericht des Spitals
B._
wurde aus gynäkologischer Sicht eine seit dem 4. September 2014 bestehende 100%ige Arbeits
fähigkeit attestiert (Urk. 6/22 insbesondere Ziff. 1.7).
3.4
Wegen anhaltenden Rückenschmerzen stellte sich die Beschwerdeführerin im Okto
ber 2015 bei Dr. med.
C._
, Facharzt für Rheumatologie, vor (Be
richt vom 14. Oktober 2015, Urk. 6/33/14-15). Dr.
C._
hielt fest, die beklagten Rückenschmerzen stünden in keinem Zusammenhang mit der im letzten Jahr durchgeführten Hysterektomie. Auch würden sich keine wesentlich degenerativen oder anderweitig pathologischen Veränderungen in den konventionellen Rönt
genaufnahmen finden. Im MRI-Befund vom 3. März 2015 (vgl. Urk. 6/33/26) seien ebenfalls keine relevanten Pathologien auszumachen (S. 1 unten). Die Be
schwerden dürften vor allem einer muskulären Halteinsuffizienz entsprechen bei allgemein
dekonditionierter
Situation (S. 2).
3.
5
Nachdem Dr.
Z._
mit Bericht vom 5. September 2015 (Urk. 6/21/4-5) - bei weitgehend unverändert dokumentierten Beschwerden
sowie
Psychostatus - eine Verschlechterung des Zustandes der Beschwerdeführerin berichtete, hielt
er am 29. Juli 2016 einen gleichbleibenden Gesundheitszustand fest (Urk. 6/32/4-5). Die Beschwerdeführerin sei einmal monatlich bei ihm in Behandlung (vgl. Urk. 6/21/2 Ziff. 3.1 und Urk. 6/32/2 Ziff. 3.1). Er attestierte ihr weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
3.6
Dr.
A._
nannte im am 4. Oktober 2016 eingegangenen Bericht als neue Diagnose eine Schrumpfblase (Urk. 6/36 Ziff. 1.2).
Das
Endometriumkarzinom
betreffend
sei die Prognose gut. Es sei zur Komplikation einer Reizblase nach Radiotherapie gekommen (Ziff. 3.3).
3.7
Am 8. Mai 2017 erstatteten med.
pract
.
D._
, Fachärztin für Psychiat
r
i
e und Psychotherapie, und Dr. med.
E._
, Fachärztin für Gynä
kologie und
Geburtshilfe
,
ein
bidi
s
ziplinäre
Gutachten (Urk.
6/53
/1-12).
Die Gutachterinnen führten aus, bei einem
endometrioiden
Endometr
i
um
karzi
nom
im Frühstadium liege die 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit bei 85 bis 90 %. Die Prognose sei somit sehr gut. Zumeist würden Rezidive (zu 75 bis 90 %) innert der ersten drei Nachsorgejahre erfolgen. Die Beschwerdeführerin sei nach bald drei Jahren seit der Primärtherapie
rezidivfrei
und habe somit eine sehr gute Prognose (S. 5 Ziff. 6.1).
Auf die Krebsdiagnose habe die Beschwerdeführerin mit einer schweren de
pres
siven Episode reagiert. Seit September 2016 befinde sie sich nicht mehr in ambu
lanter psychiatrischer Behandlung. Die Beschwerdeführerin sei davon überzeugt, an einer «schwer verlaufenden Krebserkrankung» mit schlechter Prognose zu lei
den. Diese Überzeugung, welche sich auch in den Berichten des behandelnden
Psy
chiaters wiedergefunden habe, wirke sich negativ auf das depressive Zustan
ds
bild der Beschwerdeführerin aus (S. 5 unten).
Das Verhalten der Beschwerdeführerin, insbesondere die stark nach vorne ge
beugte Körperhaltung und das Vor- und Zurückwiegen des Oberkörpers im Kon
trast zur weitschweifigen, jedoch präzisen Beantwortung der Fragen, lasse auf Verdeutlichungstendenzen in der Darstellung der Symptome schliessen. Sie wirke sehr gepflegt und elegant, was im Kontrast zur vermittelten starken Hilflosigkeit stehe. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin durchaus an einer depressiven Symptomatik leide, jedoch eine gewisse diagnostische Unschärfe hin
sichtlich des Schweregrades bestehe. Es könne angesichts der Inkonsistenzen von einer maximal mittelgradigen Ausprägung ausgegangen werden.
Im Weiteren bestehe der Verdacht, dass die Antriebshemmung und Erschöp
fungs
symptomatik vom regelmässigen Benzodiazepin-Gebrauch überlagert werde. Auf
grund dessen sei aktuell auch nicht das Vorliegen einer allfälligen Cancer
related
Fatigue
-Symptomatik abgrenzbar.
Aktuell sei es nur möglich, die Verdachts
diag
nose eines schädlichen Benzodiazepin-Gebrauchs zu stellen, da ein deutlicher Nach
weis aufgrund der Überlagerung mit der depressiven Symptomatik nicht eindeutig möglich sei. Die Symptomatik sei zudem überlagert durch abhängige Persönlichkeitszüge und der inneren Überzeugung der Beschwerdeführerin, nicht mehr arbeitsfähig zu sein.
Die psychiatrische/psychotherapeutische Therapie sei nicht ausreichend und die Langzeitmedikation mit Benzodiazepinen sei nicht indiziert (S. 6 oben).
Aufgrund einer depressiven Störung bestehe bei der Beschwerdeführerin eine reduzierte Belastbarkeit mit erhöhter Tagesmüdigkeit und einer Reduktion des
Antriebs. Gemäss eigenen Angaben liege sie den ganzen Tag zu Hause auf der Couch. Die Gefühlswelt der Beschwerdeführerin sei depressiv gefärbt, es bestehe hinsichtlich der Lebensumstände eine Passivität und eine Opferrollenhaltung. Eine Veränderungsbereitschaft erscheine nur reduziert gegeben. Es sei zu erwar
ten, dass es ihr nicht gelinge, tägliche Routineabläufe zufriedenstellend zu erfüllen, es ihr
schwer
falle
, sich im Verhalten, Denken und Erleben an wech
seln
den Situationen anzupassen beziehungsweise sich ändernden Arbeitsan
forde
rungen zu stellen und Sachverhalte aufgrund einer durch Depressivität und Passi
vität geprägten Grundhaltung differenziert und kontextbezogen wahrzu
nehmen. Es sei davon auszugehen, dass die Aufrechterhaltung eines durchgehenden Leis
tungsniveaus eingeschränkt sei. Aufgrund der Persönlichkeitsakzentuierung der Beschwerdeführerin bestünden Probleme, sich in Konfliktsituationen ohne beein
trä
ch
tigende Befangenheit zu begeben, die Depressivität und der soziale Rückzug würden die Möglichkeit vermindern, soziale Kontakte zu anderen Menschen un
mittelbar aufzunehmen oder sich in Gruppen unbefangen einzufügen. Die Fähig
keit der Beschwerdeführerin, Spontanverhalten zu initiieren, erscheine reduziert. Ebenso habe sie angegeben, öffentliche Verkehrsmittel nur in Begleitung zu nutzen (S.
6 f. Ziff.
6.2
«funktionelle Auswirkungen der objektivierten Befun
de/
Diagnosen»
).
Zu den individuellen Belastungsfaktoren
und Ressourcen
führten die Gutachter
innen aus, die Beschwerdeführerin befinde si
ch trotz der im Bericht vom 29.
Juli
2016 des behandelnden Psychiaters aufgeführten Diagnose einer schweren depres
siven Episode seit September 2016 nicht mehr in ambulanter psychiatrischer Behandlung. Trotz fehlender Besserung habe bis anhin keine stationäre Zuwei
sung stattgefunden. Des Weiteren sei die Langzeitbehandlung mit Benzodia
zep
inen nicht leitliniengerecht.
Das Vertrauensverhältnis zum ambulanten Psychia
ter sei fraglich, da sie diesem nicht vom Missbrauch durch den Grossvater habe berichten können. Ebenso sei anzunehmen, dass die mehrfach in den psy
chia
trischen Berichten erwähnte «schwer verlaufende Krebserkrankung» auch der Über
zeugung der Beschwerdeführerin entspreche, obwohl im gynäkologischen Gutachten wie auch in den Kontrolluntersuchungen von einer guten Prognose des
Endometriumkarzinoms
ausgegangen werde. All die genannten Faktoren würden sich negativ auf das psychische Zustandsbild und damit auch auf die Depressivität auswirken. Es sei in diesem Zusammenhang dringend zu empfehlen, durch einen stationären Aufenthalt eine Gesamteinschätzung vorzunehmen. Hier
bei solle ein Absetzen der Benzodiazepine angestrebt und die antidepressive Medikation neu eingestellt werden. Ein stationärer Aufenthalt sei auch zur Standortbestimmung der psychosozialen Situation förderlich.
Als positiv zu werten sei der gute Kontakt zur Tochter und die regelmässigen Besuche der Söhne im Sinne einer familiären Anbindung, welche einem weiteren sozialen Rückzug entgegenwirke
(S. 7 Ziff.
6.3)
.
Inkonsistenzen würden die fehlende ambulante psychiatrische Behandlung sowie die zusätzlich zur antidepressiven Medikation nicht indizierte Langzeitmedikation mit Benzodiazepinen wie des Weiteren auch das bereits geschilderte Verhalten der Beschwerdeführerin in der Untersuchungssituation bilden. Es sei davon aus
zugehen, dass sie durchaus an einer depressiven Symptomatik leide, jedoch eine gewisse diagnostische Unschärfe hinsichtlich des Schweregrades bestehe. Anhand der Inkonsistenzen könne von einer maximal mittelgradigen Ausprägung ausge
gangen werden. Eine Überlagerung durch Persönlichkeitsfakto
ren sei sehr wahr
scheinlich (S. 7 f. Ziff.
6.5).
Zur zumutbaren Arbeitsfähigkeit sowie deren Verlauf äusserten sich die Gutach
terinnen wie folgt: Nach der Karzinomdiagnose im Juni 2014
sei
eine Operation sowie darauffolgend eine Radiotherap
ie
erfolgt
. Daher bestehe vom 23. Juni 2014 bis zum 15.
August 2014 eine volle Arbeitsunfähigkeit.
Bei psychiatrisch atte
stier
ter schwerer depressiver Episode sei bis Dezember 2014 eine volle Arbeit
s
unfähigkeit ausgewiesen. Ab 1.
Januar 2015 sei von der aktuell attestierten Arbeitsunfähigkeit von 50
% auszugehen, da in den zur Verfügung stehenden ambulanten psychiatrischen Berichten kein Anhalt zu finden sei, welcher eine
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen würde. Nach Etablierung einer adäquaten Therapie sei innerhalb eines halben Jahres mit einer Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit zu rechnen (S. 8 f. Ziff.
6.7).
3.8
Mit Bericht vom 3. März 2018 (Urk.
6/68
/4-5) führte Dr.
Z._
aus, die Beschwer
deführerin sei weiterhin schwer depres
s
iv. Durch ihre durchgemachte Krebser
krankung und den Schicksalsschlägen könne sie sich nicht aus ihrem depressiven Loch befreien. Der Krankheitsverlauf habe sich bereits
chronifiziert
. Sie sei aus psychiatrisch-psychotherapeutischen Gründen weiterhin 100 % arbeitsunfähig.
Die Prognose sei schlecht (S. 2 «Beurteilung
»
). Es würden weiterhin einmal monat
lich Konsultationen stattfinden, letztmals am 10. Februar 2018 (vgl. Urk. 6/68/2 Ziff. 3.1).
3.9
Infolge Pensionierung von
Dr.
Z._
, begann die Beschwerdeführerin am 15. Janu
ar
2018 eine psychosomatische Behandlung in ihrer Muttersprache bei Dr. med.
F._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Psychosomatische und Psychosoziale Medizin (SAPPM
;
E-Mail vom 28. Mai 2018, Urk.
6/70
).
3.10
Dr.
F._
stellte im Bericht vom 30. Dezember 2018 (Urk.
6/77
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Epi
sode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3); differentialdiag
nos
tisch (DD): paranoide Schizophrenie
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
komplexe posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
; Tod der Mutter, körperliche Gewalt durch Schwiegermutter, sexueller Missbrauch durch den Grossvater
(drei- bis sechsjährig), körperliche Gewalt durch den Gross
vater
-
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F13.1),
Xanax
(ambulanter Entzug ab 3. November 2018)
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01)
-
seröses
Adenokarzinom
des
Endometriums
(Erstdiagnose Mai 2014)
mit
-
Status nach erweiterter Hysterektomie mit Ovarektomie,
Lympha
den
oektomie
. Status nach vaginaler
Brachytherapie
-
chronisch rezidivierende
Zephalgien
-
PHS
tendopathia
links (Mai 2017)
-
chronisch rezidivierendes
Lumbovertebralsyndrom
(Oktober 2015) bei/mit muskulärer Haltungsinsuffizienz,
Dekonditionierung
-
dyspeptische Beschwerden bei/mit:
-
DD: funktionell,
meteoristisch
bedingte nahrungsstoffinduzierte Be
schwerden
-
symptomatisches
Laktosemalabsorptionssyndrom
-
hyperaktive Blase mit
Detrusorhyperaktivität
und Dranginkontinenz (September 2016)
Dr.
F._
gab an, es handle sich um eine schwerkranke Patientin mit multiplen
chroni
fizierten
und therapieresistenten somatischen und psychischen «iv-pflich
tigen» Beschwerden. Sie
klage
über Orientierungsstörungen (zeitlich, örtlich) mit Angst vor demenzieller Erkrankung, stark ausgeprägte, umfassende
Aufmerksam
keits
- und Gedächtnisstörung
,
zunehmend seit 2014, formale Denkstörung (ge
hemmt, verlangsamt, eingeengt, perseverierend, Grübeln, Gedankendrängen), star
kes
Misstrauen, keine inhaltlichen Denkstörungen, Sinnestäuschungen in Form von optischen Halluzinationen (der Boden wirke wellenartig mit konsekutiver Angst), Geruchshalluzinationen (Fäulnisgeruch) und Geschmackshalluzinationen (rostiges Metall), keine Ich-Störungen, Störungen der Affektivität (Ratlosigkeit, Störung der Vitalgefühle, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, ständige Angst
, dass
etwas Schlimmes passieren
könne
, ständige übersteigerte, unkontrollierbare So
rge
um die Kinder, Angst alleine Zugzufahren, Verlust von Freude und Interesse, innere
Unruhe, Insuffizienzgefühle, Schuldgefühle, Affektlabilität und Affektinkonti
nenz), Antriebsverlust, sozialer Rückzug, ständige Weinerlichkeit, Ein- und Durch
schlafstörung, Albträume, negative Zukunftsperspektive, ausgeprägter Negativis
mus, Verlust des
Lebenssinnes, Todeswünsche, wobei
keine Suizidgedanken
vor
liegen würden (Ziff. 2.2)
.
Beim Erzählen über den Tod der Mutter, der körperlichen Gewalt durch die Schwiegermutter, de
n
sexuellen Missbrauch und der körperlichen Gewalt durch den Grossvater gehe es der Beschwerdeführerin psychisch und physisch schlech
ter mit Nausea, Brechreiz, Ekel- und Hassgefühlen, Erleben der Ereignisse wie aktuell passierend. Ausserdem bestehe erhöhte Schreckhaftigkeit, Flashbacks und Albträume über die Geschehnisse (Ziff. 2.2 unten).
Dr.
F._
attestierte ab Behandlungsbeginn am 15. Januar 2018 in der bisherigen Tätigkeit als Küchengehilfin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.3). Ebenso wenig sei eine leidensangepasste Tätigkeit zumutbar (Ziff. 4.2).
Zum weiteren Vorgehen respektive dem Behandlungsplan machte Dr.
F._
folgende Angaben (Ziff. 2.8): Externe Schizophrenie-Abklärung bei einem tür
kisch
sprachigen Psychiater, Weiterführung
Xanax
-Entzug ambulant, Anpassung
der
medikamentöse
n
Therapie, externe Demenzabklärung
,
falls
die
kognitive Dys
funktion nicht im Rahmen einer psychotischen Erkrankung bedingt sei, externe Traumatherapie (leider sei kein ambulanter Behandlungsplatz bei einem türkisch
sprachigen
Traumatherapeuten
frei).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich
- worauf sie in der Beschwerdeantwort vom 13. August 2019 explizit hinwies (Urk. 5) -
für ihren ablehnenden Entscheid auf die Beurteilungen ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD).
RAD-Ärztin Dr. med.
G._
, praktische Ärztin, führte am 26. Mai 2017 aus, aus versicherungsmedizinischer Sicht werde empfohlen, auf die Beurteilungen im
Gutachten abzustellen. Nach Durchführung der medizinischen Massnahmen (Ben
zo
diazepin-Entzug, leitliniengerechte fachärztlich-psychiatrische antidepressive Behandlung) könne innert sechs Monaten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit erwartet werden (Urk. 6/58/8).
Mit Stellungnahme vom 12. Januar 2018 hielt Dr.
G._
nach wie vor daran fest, es sei auf das Gutachten abzustellen. Es liege eine zeitlich befristete 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 23. Juni 2014 bis 31. Dezember 2014 vor. Ab Januar 2015 sei von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen
. Diese könne nach Etablierung einer adäquaten Therapie innerhalb eines halben Jahres verbessert werden auf eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (Urk. 6/82/3 oben).
Gemäss Stellungnahme vom 19. Juli 2018 des RAD-Arztes Dr. med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, best
ünden
die therapeutischen Optionen in einer Verbesserung der Krankheitsverarbeitung einschliesslich der Behandlung des chronischen und maladaptiven
Benzodia
ze
pinabusus
. Am besten könne dies durch eine mehrwöchige stationäre psychoso
matische Behandlung in einer geeigneten Fachklinik erreicht werden. Eine sta
tio
näre Behandlung werde im Gutachten auch explizit empfohlen (Urk. 6/82/4)
.
Nachdem die Beschwerdegegnerin bei Dr.
F._
einen Bericht (inklusive vom RAD formulierten Zusatzfragen, vgl. Urk. 6/82/6) eingeholt hatte, nahm letztmals am 15. Februar 2019 ein RAD-Psychiater Stellung (Urk. 6/82/6-7): Der Arztbericht von Dr.
F._
habe nicht alle Zusatzfragen beantwortet. Zudem
sei
der Bericht
auf
fällig formuliert und nicht geeignet, den schwerwiegenden Gesundheits
zu
stand plausibel zu machen
. Der ambulante Entzug des Benzodiazepins müsse kritisch beurteilt werden. Es werde, wie bereits früher, ein fachärztlich geleiteter stationärer Entzug empfohlen. Inhaltlich sei weiterhin die RAD-Beurteilung von Dr.
H._
vom 19. Juli 2018 schlüssig.
4.2
Die Beschwerdegegnerin machte in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gel
tend, es könne trotz den seit Erstellung des Gutachtens eingeholten Arztberichten von einem besserungsfähigen Leiden ausgegangen werden.
Unter
Wahrnehmung der genannten Therapieoptionen
könne
wieder eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden. Somit liege weiterhin kein Leiden vor, welches die Beschwerdeführerin erheblich in der Arbeitsfähigkeit einschränke.
Es ist zutreffend, dass im
bidisziplinären
Gutachten dargelegt wurde, es sei bei Etablierung einer adäquaten Therapie innerhalb eines halben Jahres von einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auszugehen (vorstehend E. 3.7).
Die Beschwer
deführerin machte
in diesem Zusammenhang
geltend, im Gutachten sei von der falschen Sachverhaltsannahme ausgegangen worden, dass seit September 2016 keine fachpsychiatrische Behandlung mehr stattfinde
n würde. Dies sei nicht zu
treffend, da die Beschwerdeführerin bis Anfang 2018 Dr.
Z._
konsultiert
hab
e
und danach weiterführend bei Dr.
F._
in Behandlung sei (Urk. 1 S. 5
Rn
13).
In den Arztberichten von Dr.
Z._
werden zwar monatliche Konsultationen an
ge
geben (vgl. vorstehend E. 3.5). Inhaltlich sind seine vorliegenden Berichte aller
dings
alle
ähnlich
, wenig ausführlich
und seine
jeweils
knappe
Beurteilung ver
mag insbesondere bei
weitgehend
gleichgebliebenem Psychostatus die von ihm geltend gemachte Verschlechterung und
den
danach stationär
gebliebenen
Ge
sundheitszustand
nicht schlüssig zu erklären (vgl. Urk. 6/21/4-5, Urk. 6/32/4-5
, Urk. 6/68/4-5
)
. Schliesslich war es die Beschwerdeführerin selbst, die gegenüber
med.
pract
.
D._
angab, dass sie Dr.
Z._
letztmals im September 2016 konsul
tiert habe, da sie sich grössere Abstände zwischen den Terminen gewünscht habe (vgl. psychiatrisches Gutachten, Urk. 6/53/25 «Krankheitsvorgeschichte inkl. Be
hand
lungen»).
Dennoch legten
d
ie Gutachterinnen
ausführlich dar, dass aufgrund der derzeit aus
gewiesenen depressiven Störung - selbst unter Berücksichtigung der besteh
enden diagnostischen Unschärfe - von einer seit Januar 2015 bis zum Gutach
tens
zeit
punkt bestehenden Arbeitsunfähigkeit von 50 % auszugehen ist
. Dies bedingt durc
h die reduzierte Belastbarkeit, den reduzierten Antrieb, d
as
Unver
mögen, tägliche Routineabläufe zufriedenstellend zu erfüllen
,
und weil es ihr krank
heitsbedingt
schwer
falle
, sich im Verhalten, Denken und Erleben an wech
selnde Situationen anzupassen beziehungsweise sich ändernden Arbeitsanforde
rung
en zu stellen
sowie
Sachverhalte differenziert und kontextbezogen wahrzu
neh
men. Es ist nach Einschätzung der
psychiatrischen
Gutachterin davon auszu
gehen, dass die Aufrechterhaltung eines durchgehenden Leistungsniveaus eing
eschränkt ist. Weiter vermindert
die Depressivität die Möglichkeit, soziale Kontakte zu anderen Menschen unmittelbar aufzunehmen oder sich in Gruppen unbefangen einzu
fügen. D
ie Fähigkeit, Spontanverhalten zu initiieren, erscheint gemäss Beurtei
lung der Gutachterin ebenfalls eingeschränkt (vorstehend E. 3.7).
Die Etablierung einer adäquaten Therapie ist s
omit eine Voraussetzung, um
eine
100%ige Arbeits
fähigkeit erreichen zu können. Bis dahin erachteten die Gutachterinnen eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % als ausgewiesen.
4.3
Die Gutachterinnen wiesen offen, was als positiv zu werten ist, auf diverse Unsicherheiten hin: So bestehe ihrer Ansicht nach e
ine gewisse diagnostische Un
schär
fe hinsichtlich des vorliegenden Schweregrades der depressiven Proble
ma
tik
. Ebenfalls sei
eine allfällige Cancer
related
Fatigue
-Symptomatik nicht ab
grenz
bar vom Verdacht, dass
eine vorliegende Antriebshemmung und Erschöp
fungs
symptomatik vom regelmässigen Benzodiazepin-Gebrauch überlagert sein könnte. Ein schädlicher Benzodiazepin-Gebrauch könne wiederum nur als Ver
dachtsdiagnose gestellt werden, da ein deutlicher Nachweis aufgrund der Über
lagerung mit der depressiven Symptomatik nicht eindeutig möglich sei und eine Überlagerung durch abhängige Persönlichkeitszüge und der inneren Über
zeug
ung der Beschwerdeführerin, nicht mehr arbeitsfähig zu sein, vorhanden sei. Nach Ansicht der Gutachterinnen sei weder die psychiatrische/psychotherapeutische The
rapie ausreichend noch eine Langzeitmedikation mit Benzodiazepinen indi
ziert. Wie bereits erwähnt,
ist aufgrund der vorliegenden Akten nicht klar, in welchem Umfang und welchen zeitlichen Abständen die von Oktober 2014 bis
im Februar 2018
dauernde
ambulante
fach
psychiatrische Behandlung
b
ei Dr.
Z._
stattfand
.
Nach der Pensionierung von Dr.
Z._
konsultierte
d
ie
Beschwerde
füh
rerin
Dr.
F._
, welche allerdings keine psychiatrische Fachärztin ist.
Von der Be
schwerdegegnerin wurde die Beschwerdeführerin
bis zum Verfügungszeitpunkt
nicht abgemahnt, ihrer Schadenminderungspflicht nachzukommen (weder bezüg
lich fachpsychiatrischer Therapie noch hinsichtlich eines allfälligen Benzodia
zepin-Entzugs). Die Beschwerdeführerin nahm die ihr verordnete Medikation ein, woraus ihr
-
mangels
vorangegangener
Auferlegung einer Schadenminde
rungs
pflicht
-
kein Vorwurf zu machen ist.
Zwischenzeitlich
wurde
im November 2018 im Rahmen der Behandlung bei Dr.
F._
ein
ambulanter
Benzodiazepin-Entzug
begonnen (vgl. vorstehend E. 3.10)
.
Dieser ist gemäss Angaben der Beschwerde
führerin im April 2019 erfolgreich abgeschlossen worden (vgl. Urk. 1 S. 5
Rn
14)
. Inwiefern dieser ambulante Entzug gemäss RAD als kritisch zu beurteilen ist (vgl. vorstehend E. 4.1), wurde von diesem nicht genau erläutert und lässt sich auf
grund der Akten
nicht
nachvollziehen.
Welche Auswirkungen sich daraus auf den Gesundheitszustand und die zumutbare Arbeitsfähigkeit ergeben, ist offen. Auf
grund der
Einschätzung
der Gutachterinnen zum damaligen Benzodiazepin-Ge
brauch ist dies jedoch weiter abklärungsbedürftig.
4.4
Die Behandlung bei Dr.
F._
entspricht - mangels Facharzttitel - keiner fach
psychiatrisch geleiteten Therapie
. Dennoch sind die Erkenntnisse aus dem Bericht von Dr.
F._
nicht einfach ausser Acht zu lassen, sondern im Rahmen weiterer Ab
klärungen zu berücksichtigen.
Denn o
bwohl neue Arztberichte
bei Dr.
Z._
und Dr.
F._
eingeholt wurden und diese teilweise auch die empfohlenen Mass
nahmen zur allfälligen gesundheitlichen Verbesserung thematisieren beziehungs
weise bereits
solche
in
Angriff
genommen wurden
(
offenbar
Weiterführung der
Behandlung bei Fachp
sychiater bis Februar 2018,
Beginn
Benzo
diazepin-E
ntzug
im November 2018
), wurde keine Verlaufsbeurteilung bei
der psychiatrischen
Gut
achterin eingeholt.
Gerade auch aufgrund der offen thematisierten Unsicher
heiten (vgl. vorstehend E. 4.3) sowie der festgehaltenen diagnostischen Unschärfe des Schweregrades der depressiven Problematik wäre es vorliegend angezeigt ge
wesen, insbesondere die psychiatrische Gutachterin zu den neuen Arztberichten Stellung nehmen zu lassen, zumal die der Begutachtung zugrundeliegende Unter
suchung (Februar 2017) mehr als zwei Jahre vor dem Verfügungszeitpunkt er
folgte.
Dies ist von der Beschwerdegegnerin n
ach
zu
holen. Dabei hat sie insbe
son
dere zu veranlassen, dass sämtliche Arztberichte der psychiatrischen Gutach
terin - nach Möglichkeit wiede
rum med.
pract
.
D._
- zuzustellen sind,
und
diese insbesondere
dazu Stellung nimmt, ob sich aufgrund der neuen Arztberichte so
wie der neuen Erkenntnisse im Rahmen der Verlaufsbegutachtung Änderungen an den funktionellen Leistungseinschränkungen ergeben.
Ob die von den Gutach
terinnen als angezeigt erachtete stationäre Behandlung aufgrund der Entwick
lungen (insbesondere offenbar erfolgter Benzodiazepin-Entzug) noch immer an
ge
zeigt wäre, lässt sich aufgrund der derzeitigen medizinischen Aktenlage nicht beurteilen und ist gegebenenfalls im Rahmen der medizinischen Abklärungen neu einzuschätzen.
4.5
Was die von der Beschwerdeführerin geforderten weiteren Abklärungen auch in rheumatologischer Hinsicht angeht (vgl. vorstehend E. 2.2), ist aufgrund des Be
richts von Dr.
C._
von keiner rheumatologischen Einschränkung auszugehen (vgl. vorstehend E. 3.4). Dr.
F._
diagnostizierte zwar eine
Osteopenie
, diese habe aber keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. Urk. 6/77/4 Ziff. 2.5 unten).
4.
6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Nach dem Gesagten ist vorliegend
der medizinische Sachverhalt ungenügend erstellt.
Sofern sich aus gynäkologischer Sicht hinsichtlich der früheren Krebs
diagnose keine Veränderung des Gesundheitszustands
(im Gutachtenszeitpunkt kom
p
lette Remission, vgl. Urk. 6/53/9 unten)
ergeben hat,
ist von der Beschwer
de
gegnerin ein
psychiatrisches Verlaufsgutachten bei med.
pract
.
D._
einzuholen. Ihr sind insbesondere sämtliche Arztberichte zum psychiatrischen
Ge
sundheitszustand zuzustellen. Sollte sich bezüglich des früheren
Endometri
um
karzinoms
eine Veränderung des bisher
positiven Verlaufs ergeben haben, wäre ein
bi- oder bei weiteren somatischen Gesundheitsproblemen ein
polydis
zipli
nä
res Gutachten zu veranlassen. Ebenfalls ist
bei
m
Vorliegen eines invaliden
versiche
rungsrechtlich relevanten Gesundheitsschadens
die Statusfrage aufgrund der aktu
ellen Umstände (Alter der Ki
nder, finanzielle Situation)
zu prüfen
, da die Quali
fikation bisher nicht abgeklärt wurde (vgl. Feststellungsblatt vom 23. April 2019, Urk. 6/82/1; Angaben auf S. 2 unten «überwiegend wahrscheinlich 40 % ET/ 60 %HH» ohne weitere Ausführungen und Begründung)
.
Die angefochtene Verfügung vom 23. April 2019 (Urk. 2) ist aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung in medizinischer und erwerblicher Hinsicht an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
D
ie Beschwerde
ist daher
gutzu
heissen.
5.
5.1
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend erweist sich der Antrag auf Ge
wäh
rung der unentgel
tlichen Rechtspflege (vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. 2 der Anträge
) als gegenstandlos.
5.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
5.3
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklä
rung und neuen Verfügung als vollstän
diges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessent
schädi
gung hat.
In Anwendung dieser Kriterien ist die Parteientschädigung vorliegend auf Fr. 2'300.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangs
gemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.