Decision ID: dc4def1a-ae49-43ae-bbf5-95998abd7bcd
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a B._ arbeitete als Oberstufenlehrperson in der Oberstufenschulgemeinde A._
(act. G 9.3) und war dadurch bei der Sympany Versicherung AG (nachfolgend:
Sympany) krankentaggeldversichert. Die Oberstufenschulgemeinde A._ teilte der
Sympany mit Krankheitsanzeige vom 13. Januar 2014 mit, B._ sei seit 27. Dezember
2013 wegen Krankheit arbeitsunfähig (act. G 9.8). Der behandelnde Dr. med. C._,
Facharzt für Allgemeine Medizin, berichtete am 24. Januar 2014, der Versicherte leide
an einer reaktiven Depression. Er bescheinigte ihm für die Dauer vom 27. Dezember
2013 bis 21. Januar 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Es handle sich mehrheitlich
um ortsspezifische Probleme, die dringend einer näheren Betrachtung bedürften (act.
G 9.10). Der behandelnde Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
bescheinigte dem Versicherten über den 21. Januar 2014 hinaus eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (act. G 1.11). Die Sympany erbrachte in der Folge Taggeldleistungen
und teilte dem Versicherten am 24. März 2014 mit, dass sie diese noch bis am 31.
März 2014 auf Basis einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit erbringe. Danach schliesse sie
den Fall ab (act. G 9.11).
A.b Im Schreiben an die Sympany vom 3. April 2014 führte Dr. D._ aus, im Rahmen
eines längerdauernden Konflikts in der Schulleitung habe sich beim Versicherten eine
depressive Symptomatik mit körperlichen Symptomen, Antriebsproblemen,
Gedankenkreisen und Ängsten entwickelt (act. G 9.12). Dr. med. E._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, untersuchte den Versicherten (offenbar in dessen
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Auftrag) am 24. Juni 2014. Im Bericht vom 26. Juni 2014 gab er an, der Versicherte
leide an einer andauernden Persönlichkeitsänderung (ICD-10: F62), an einer schweren
depressiven Episode mit Angstzuständen (ICD-10: F32.2) und an einem Status nach
Prostatacarzinom 2013. Er bescheinigte dem Versicherten zurzeit und „sicherlich“ für
die nächsten 12 Monate eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten (act.
G 9.13).
A.c Die Vertrauensärztin der Sympany Dr. med. F._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, gelangte nach einer Würdigung der Aktenlage zum Schluss, dass die
Beurteilung durch Dr. E._ nicht nachvollziehbar sei. Sie empfahl eine Begutachtung
(E-Mail vom 19. Juli 2014, act. G 9.15). Am 19. August 2014 wurde der Versicherte vom
Vertrauensarzt der Sympany pract. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, untersucht. Er stellte keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhob er eine
Anpassungsstörung im Rahmen eines Arbeitsplatzkonflikts mit Kränkungserleben und
depressiver Auslenkung (ICD-10: F43.2). Zur depressiven Auslenkung sei es
Weihnachten 2013 gekommen. Die Belastung habe sicherlich schon einige Monate
vorher angefangen. Aufgrund des Arbeitsplatzkonflikts mit Kränkungserleben sei es
beim Versicherten zu einer depressiven Auslenkung und Zukunftsängsten gekommen.
Diese seien mittlerweile überwunden. Der Versicherte habe bereits ab März 2014
wieder Zukunftsperspektiven entwickeln und sich bezüglich der geplanten
Selbstständigkeit vorbereiten können. Er verfüge über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
für seine jetzige berufliche Tätigkeit (Bericht vom 3. September 2014, act. G 9.18).
A.d Mit Schreiben vom 3. Juli 2015 wurde der Sympany vom Rechtsvertreter des
Versicherten bekannt gegeben, dass dieser allfällige Taggeldansprüche an die
Oberstufenschulgemeinde A._ abgetreten habe und das Arbeitsverhältnis beendet
worden sei (act. G 9.7). Am 27. August 2015 teilte die Sympany der Rechtsvertreterin
der Oberstufenschulgemeinde A._ mit, dass spätestens ab April 2014 kein Anspruch
auf Taggelder mehr bestanden habe (act. G 9.29). Diese vertrat im Schreiben vom 8.
Dezember 2015 den Standpunkt, dass die Leistungseinstellung per 1. April 2014 zu
Unrecht erfolgt sei und machte eine Taggeldforderung bezüglich des Versicherten für
den Zeitraum vom 1. April bis 31. Dezember 2014 von insgesamt Fr. 90‘805.-- geltend
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(act. G 9.30). Die Sympany hielt an der Leistungseinstellung per 1. April 2014 fest
(Schreiben vom 14. Dezember 2015, act. G 9.31).
B.
B.a In der am 1. März 2016 erhobenen Klage beantragt die Klägerin von der Beklagten
unter dem Titel des vom Versicherten abgetretenen Taggeldanspruchs die Bezahlung
von Fr. 90‘805.--; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung bringt sie
im Wesentlichen vor, dass der Versicherte auch im Zeitraum vom 1. April bis 31.
Dezember 2014 krankheitsbedingt zu 100% arbeitsunfähig gewesen sei (act. G 1).
B.b Die Beklagte beantragt in der Klageantwort vom 11. Juli 2016 die Abweisung der
Klage; unter „o-/e-Kostenfolge“. Sie vertritt den Standpunkt, dass der Versicherte ab 1.
April 2014 wieder voll arbeitsfähig gewesen sei, da ab diesem Zeitpunkt kein relevanter
(psychischer) Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr
vorgelegen habe. Der Grund dafür, dass der Versicherte seine Arbeitstätigkeit nicht
mehr ausgeübt habe, sei vielmehr im offensichtlich bestehenden Arbeitskonflikt
zwischen ihm und der Klägerin gelegen (act. G 9).
B.c Die Parteien haben auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung zugunsten
eines zweiten Schriftenwechsels verzichtet (act. G 10, G 12 und G 13).
B.d In der Replik vom 10. Oktober 2016 hält die Klägerin unverändert an der Klage fest
(act. G 14).
B.e Die Beklagte hält in der Duplik vom 14. November 2016 unverändert an der
beantragten Klageabweisung fest (act. G 16).
B.f Das Versicherungsgericht forderte die Klägerin am 26. Juli 2017 auf, verschiedene
Unterlagen, u.a. die vollständigen IV-Akten, einzureichen (act. G 20). Diese reichte am
7. November 2017 die Kranken- und Behandlungsgeschichte von Dr. D._, Unterlagen
von Dr. E._ und die vollständigen IV-Akten (CD) ein. Aus diesen Akten gehe hervor,
dass B._ in der ganzen geltend gemachten Zeit arbeitsunfähig gewesen sei (act. G
26). Am 7. Mai 2018 äusserte sich die Beklagte zu den eingereichten Akten und hielt
unverändert an der beantragten Klageabweisung fest (act. G 32). Hierzu nahm die
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Klägerin am 1. Juni 2018 Stellung (act. G 34) und reichte eine Kostennote der
Rechtsvertreterin ein (act. G 34.1).

Erwägungen
1.
Mit der Klage beantragt die Klägerin Leistungen aus einer kollektiven Krankentaggeld-
versicherung.
1.1 Gemäss Ziff. 12 der vorliegend unbestrittenermassen anwendbaren Allgemeinen
Versicherungsbedingungen (AVB) der Beklagten zur Lohnausfallsversicherung,
Ausgabe 2011 (act. G 9.5; siehe auch act. G 1.3), steht der klagenden Partei bei
Streitigkeiten aus dem Versicherungsvertrag wahlweise die Anrufung des Gerichts am
schweizerischen Wohnort, am schweizerischen Arbeitsort oder am Geschäftssitz der
Beklagten offen. Die Klägerin hat das Gericht am Arbeitsort des Versicherten (Kanton
St. Gallen) angerufen. Die örtliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts ist damit
gegeben.
1.2 Das Versicherungsgericht entscheidet gemäss Art. 9 des Einführungsgesetzes zur
Schweizerischen Zivilprozessordnung (EGZPO; sGS 961.2) in Verbindung mit Art. 7 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) als einzige kantonale Instanz über
Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem
Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10). Darunter werden
praxisgemäss auch Zusatzversicherungen wie die vorliegend zu beurteilende
Kollektivtaggeldversicherung subsumiert, auf die das Bundesgesetz über den
Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1) zur Anwendung gelangt (vgl. etwa BGE 138
III 2 E. 1.1). Damit sind vorliegend auch die Voraussetzungen der sachlichen und
funktionellen Zuständigkeit des Versicherungsgerichts erfüllt.
1.3 Vor der Klageanhebung beim Versicherungsgericht ist kein Schlichtungsverfahren
gemäss Art. 197 ff. ZPO durchzuführen (vgl. BGE 138 III 564 E. 4.6).
2.
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Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der an die Klägerin
abgetretene Taggeldanspruch des Versicherten für den Zeitraum vom 1. April bis 31.
Dezember 2014.
2.1 Der Versicherte hat seine Taggeldansprüche für den eingeklagten Zeitraum an die
Klägerin abgetreten, was der Beklagten mit Schreiben vom 3. Juli 2015 mitgeteilt
worden ist (act. G 9.7; siehe auch act. G 9.6). Im Privatversicherungsrecht ist die
Abtretung von Ansprüchen aus Personenversicherungsverträgen zulässig (vgl. Art. 73
VVG). Die Beklagte hat die Gültigkeit der Abtretung bzw. die Aktivlegitimation zu keiner
Zeit bestritten.
2.2 Klagen aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung sind gemäss
Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren
zu behandeln, wobei gemäss Art. 219 ZPO die Bestimmungen über das ordentliche
Verfahren sinngmäss gelten (vgl. CHRISTOPH LEUENBERGER/BEATRICE UFFER-
TOBLER, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 2. Auflage, Bern 2016, N 11.154, N
11.157). Art. 247 Abs. 2 ZPO sieht vor, dass das Gericht in solchen Streitigkeiten den
Sachverhalt von Amtes wegen feststellt. Diese sogenannte abgeschwächte oder
soziale Untersuchungsmaxime gebietet es dem Gericht zwar, den Sachverhalt mit
eigenen Mitteln abzuklären und mit vertretbarem Aufwand zu einem hinreichend
sicheren Beweisergebnis zu gelangen. Es ist dabei aber nicht an die Beweisanträge
gebunden und kann von sich aus Beweis erheben. Die Parteien werden dadurch auch
nicht von der Mitwirkung an der Erhebung der Beweise und der Erstellung des
Sachverhalts entbunden. Sie bleiben mitverantwortlich für die Beweisführung und
haben insbesondere die Beweismittel zu benennen und beizubringen (vgl. BSK ZPO [2.
Auflage] - PETER GUYAN, Art. 153 N 3 ff., insbesondere N 9; FRANZ HASENBÖHLER
in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], ZPO Kommentar, 2. Auflage
Zürich/Basel/Genf 2013 [nachfolgend zitiert mit ZPO Kommentar], Art. 153 N 5 ff.;
BERND HAUCK in: ZPO Kommentar, Art. 247 N 33; sowie BGE 130 III 107 E. 2.2, BGE
125 III 238 f. E. 4a und BGE 107 II 236 E. 2c mit weiteren Hinweisen).
2.3 Im Zivilprozess gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 157 ZPO). Das
Gericht hat bei der Bewertung der erhobenen Beweise unabhängig von abstrakten
Regeln nach seiner eigenen Überzeugung darüber zu befinden, ob es eine behauptete
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Tatsache als wahr oder unwahr einstuft. Dabei bleibt es dem Gericht überlassen, die
Kraft eines Beweismittels nach seiner Überzeugung festzulegen (Urteil des
Versicherungsgerichts vom 10. Februar 2015, KV-Z 2013/16, E. 2.2 mit Hinweis auf
HASENBÖHLER, ZPO Kommentar, Art. 157 N 8 f.).
2.4 Nach Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB; SR 210) hat, wo es das
Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten
Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die
einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen,
während die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder
rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs
behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet. Der Eintritt des
Versicherungsfalls ist nach diesen Grundsätzen vom Anspruchsberechtigten zu
beweisen (BGE 141 III 241 E. 3.1). Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im
Bereich des Versicherungsvertrags regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist,
geniesst die anspruchsberechtigte Person insofern eine Beweiserleichterung, als sie
nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten
Versicherungsanspruchs darzutun hat. Beim Beweismass der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ist verlangt, dass die Möglichkeit, es könnte sich auch anders
verhalten, zwar nicht ausgeschlossen ist, sie aber für die betreffende Tatsache weder
eine massgebende Rolle spielen noch vernünftigerweise in Betracht fallen darf (Urteil
des Bundesgerichts vom 11. März 2015, 4A_516/2014, E. 4.1 mit Hinweis u.a. auf BGE
130 III 325 E. 3.3).
2.5 Dass die Versicherung zunächst Taggelder ausbezahlt hat, ändert nichts an der
Beweislast der anspruchsberechtigten Person. Macht die Versicherung geltend, die
Umstände hätten sich geändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht
erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig, so hat die
anspruchsberechtigte Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und
daher Anspruch auf Taggelder hat. Im Fall der Beweislosigkeit trägt mithin nicht die
Versicherung, sondern die anspruchsberechtigte Person die Beweislast (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 17. August 2015, 4A_246/2015, E. 2.2 mit Hinweis).
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2.5.1 Im Zivilprozess stellt ein Privatgutachten kein Beweismittel dar. Die
sozialversicherungsrechtliche Rechtsprechung nach BGE 125 V 351 gilt unter dem
Anwendungsbereich der ZPO nicht. Parteigutachten haben nicht die Qualität von
Beweismitteln, sondern sind blosse Parteibehauptungen. Allerdings ist zu beachten,
dass nur Tatsachenbehauptungen bewiesen werden müssen, die ausdrücklich
bestritten sind. Bestreitungen sind so konkret zu halten, dass sich bestimmen lässt,
welche einzelnen Behauptungen der klagenden Partei damit bestritten werden; die
Bestreitung muss ihrem Zweck entsprechend so konkret sein, dass die Gegenpartei
weiss, welche einzelne Tatsachenbehauptung sie beweisen muss. Der Grad der
Substanziierung einer Behauptung beeinflusst insofern den erforderlichen Grad an
Substanziierung einer Bestreitung; je detaillierter einzelne Tatsachen eines gesamten
Sachverhalts behauptet werden, desto konkreter muss die Gegenpartei erklären,
welche dieser einzelnen Tatsachen sie bestreitet. Je detaillierter mithin ein Parteivortrag
ist, desto höher sind die Anforderungen an eine substanziierte Bestreitung. Diese sind
zwar tiefer als die Anforderungen an die Substanziierung einer Behauptung; pauschale
Bestreitungen reichen indessen nicht aus. Erforderlich ist eine klare Äusserung, dass
der Wahrheitsgehalt einer bestimmten und konkreten gegnerischen Behauptung
infrage gestellt wird. Parteibehauptungen, denen ein Privatgutachten zugrunde liegt,
werden meist besonders substanziiert sein. Entsprechend genügt eine pauschale
Bestreitung nicht; die Gegenpartei ist vielmehr gehalten zu substanziieren, welche
einzelnen Tatsachen sie konkret bestreitet. Wird jedoch eine Tatsachenbehauptung von
der Gegenpartei substanziiert bestritten, so vermögen Parteigutachten als reine
Parteibehauptungen diese allein nicht zu beweisen. Als Parteibehauptungen mögen sie
allenfalls zusammen mit - durch Beweismittel nachgewiesenen - Indizien den Beweis
zu erbringen. Werden sie aber nicht durch Indizien gestützt, so dürfen sie als
bestrittene Behauptungen nicht als erwiesen erachtet werden (zum Ganzen BGE 141 III
437 f. E. 2.6).
2.6 Das grundsätzlich anwendbare VVG enthält mit Ausnahme von Art. 87 VVG, der
das selbstständige Forderungsrecht des Begünstigten in der kollektiven Unfall- oder
Krankenversicherung normiert, keine spezifischen Bestimmungen zum Krankentaggeld.
Es sind deshalb vorab die vertraglichen Vereinbarungen der Parteien massgebend,
vorliegend also die AVB der Beklagten.
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2.6.1 Gemäss Ziff. 7.1.1 AVB gilt als Krankheit eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist
und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert und eine
Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat. Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte
Person infolge Krankheit, Unfall oder Geburt ganz oder teilweise ausserstande ist, ihren
Beruf oder eine andere zumutbare Erwerbstätigkeit auszuüben. Teilweise
Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 25% besteht
(Ziff. 7.1.4 AVB). Das versicherte Taggeld wird für die Dauer der ärztlich bescheinigten
Arbeitsunfähigkeit nach Ablauf der vertraglich vereinbarten Wartefrist ausgerichtet. Bei
teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird das Taggeld entsprechend dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit ausgerichtet (Ziff. 7.2.1 Absatz 2 AVB).
2.6.2 Die versicherte Person hat alles zu tun, was zur Leistungsminderung beitragen
kann. Die versicherte Person, welche in ihrem ursprünglichen Beruf voraussichtlich voll
oder teilweise arbeitsunfähig bleibt, ist verpflichtet, ihre verbleibende Erwerbstätigkeit
in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich zu verwerten resp. sie hat sich bei der
Arbeitslosenversicherung anzumelden. Sympany fordert die versicherte Person unter
Ansetzung einer angemessenen Frist auf, die bisherige Tätigkeit anzupassen oder
einen Stellen- resp. Berufswechsel vorzunehmen (Ziff. 8.2 Abs. 1 AVB).
3.
Zur Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs für die Dauer vom 1. April bis 31.
Dezember 2014 ist zunächst die medizinische Aktenlage zu würdigen.
3.1 Im Schreiben vom 3. April 2014 gab der behandelnde Dr. D._ an, im Rahmen
eines längerdauernden Konfliktes in der Schulleitung habe sich beim Versicherten eine
depressive Symptomatik mit körperlichen Symptomen, Antriebsproblemen,
Gedankenkreisen und Ängsten entwickelt. Die stichwortartigen Ausführungen enthalten
keine Arbeitsfähigkeitsschätzung (act. G 9.12). Indessen kann den Notizen von Dr.
E._ zum Telefongespräch mit Dr. D._ vom 26. Juni 2014 entnommen werden, dass
dieser den Versicherten bezogen auf den bisherigen Arbeitsplatz für vollständig
arbeitsunfähig hielt (siehe zur Telefonnotiz act. G 9.13, S. 2; vgl. auch die ab 27.
Dezember 2013, zuletzt am 13. Mai 2014 bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten im
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Arztzeugnis von Dr. D._, act. G 1.11). Aus dem Bericht vom 7. Mai 2014 geht denn
auch hervor, dass B._ wegen seit langem bestehenden Konflikten nicht an den
angestammten Arbeitsplatz zurück könne und deshalb an eine Arbeitsfähigkeit „nicht
zu denken“ gewesen sei (act. G 26.1, 44j). Des Weiteren ergeben sich weder aus dem
Telefongespräch noch dem Schreiben vom 3. April 2014 oder dem einfachen
Arztzeugnis (act. G 1.11) eine sich auf objektive Befunde abstützende nachvollziehbare
Begründung für eine krankheitsbedingte vollständige Arbeitsunfähigkeit bezogen auf
die Tätigkeit am bisherigen Arbeitsplatz über den 1. April 2014 hinaus. Nichts anderes
gilt hinsichtlich des nicht begründeten ärztlichen Zeugnisses vom 14. Januar 2015 (act.
G 26.1, 44i).
3.2 Dr. E._ führte im vom Versicherten eingeholten Bericht vom 26. Juni 2014 als
Diagnosen eine andauernde Persönlichkeitsänderung (ICD-10: F62), eine schwere
depressive Episode mit Angstzuständen (ICD-10: F32.2) und einen Status nach
Prostatacarzinom 2013 auf. Zur Zeit und sicherlich für die nächsten 12 Monate sei der
Versicherte für jegliche Tätigkeiten zu 100% arbeitsunfähig (act. G 9.13).
3.2.1 Vorab fällt die gerichtsnotorisch apodiktische Beurteilung von Dr. E._ auf,
der für jegliche Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit „sicherlich“ auch für die
nächsten 12 Monate im Voraus bescheinigt. Dies steht in Widerspruch zur Tatsache,
dass selbst der behandelnde Dr. D._ eine rein arbeitsplatzbezogene
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hat (siehe vorstehende E. 3.1).
3.2.2 Gegen die Aussagekraft der Einschätzung von Dr. E._ spricht weiter, dass
darin keine Auseinandersetzung mit möglichen Ressourcen des Versicherten
stattgefunden hat, was die Vertrauensärztin Dr. F._ in der E-Mail vom 19. Juli 2014 zu
Recht bemängelt hat (act. G 9.15). Dass solche spätestens ab März 2014 wieder
bestanden haben, geht schlüssig aus den Angaben des Versicherten anlässlich der
Untersuchung durch den Vertrauensarzt G._ hervor. So gab der Versicherte
anlässlich der Exploration vom 19. August 2014 unbestrittenermassen an, seine
Beschwerden hätten sich jetzt deutlich gebessert. Er habe wieder
Zukunftsperspektiven. Im März 2014 habe er deshalb auch einen Kurs zur
Computeranwendung in der Schule besucht, da er eventuell auch plane, sich
selbstständig zu machen. Dies wird durch seinen aktiven Tagesablauf bestätigt: Er
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würde morgens zwischen 7 und 8 Uhr aufstehen, dann mit seiner Frau zusammen
frühstücken. Anschliessend habe er Termine oder er würde im Internet arbeiten. Er
würde versuchen, sich eine eigene Firma aufzubauen und entsprechend Informationen
dafür einzuholen. Er gehe viel weg, viel raus, zum See oder spazieren. Auch würde er
gerne einkaufen gehen und die Stadt geniessen. „Dann Mittagessen, nachmittags
Termine, Garten oder weggehen, je nach Wetterlage oder gerne lesen. Abendessen
gegen ca. 17 bis 19 Uhr“. Abends würde er dann viel lesen oder fernsehen. Seine
Zukunft sehe er in einer eigenen Firma. Diesen Traum würde er sich gerne
verwirklichen, jedoch habe er noch nicht den richtigen Ansatz gefunden. Ausserdem
sei er auf der Suche nach einer neuen Stelle. Er habe jedoch die richtige Stelle noch
nicht gefunden (act. G 9.18).
3.2.3 Des Weiteren haben sowohl die Vertrauensärztin Dr. F._ (act. G 9.15) als
auch der Vertrauensarzt G._ (act. G 9.18, S. 7 f.) nachvollziehbare Mängel an der
Diagnosestellung durch Dr. E._ benannt. Auch der RAD-Arzt Dr. med. H._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt die Beurteilung von Dr. E._ für
nicht nachvollziehbar. Dessen Formulierung, die Grunderkrankung sei nicht
arbeitsplatzbezogen, sei „bei kohärent vorliegenden Hinweisen auf einen
Arbeitsplatzkonflikt unhaltbar“ (RAD-Fallübersicht vom 4. November 2014, act. G 26.1,
IV-act. 18-2).
3.3 Im Zusammenhang mit dem Besuch eines Computer-Kurses bringt die Klägerin
ferner vor, dieser sei nicht mit der Ausübung einer Arbeitstätigkeit zu vergleichen (act.
G 34, Rz 2). Selbst wenn ein Besuch von Kursen kein Hinweis auf eine bestehende
Arbeitsfähigkeit wäre, ist die Belegung des Computer-Kurses aber sicher nicht als
Zeichen für das Vorliegen einer Arbeitsunfähigkeit zu werten (vgl. Entscheid des
Bundesgerichts vom 21. Juni 2018, 9C_52/2018, E. 4.3.7). Der fragliche Kursbesuch
bildet zumindest ein gewichtiges Indiz für erhebliche, beruflich verwertbare
Ressourcen, weshalb er zu Recht Eingang in die vertrauensärztliche Beurteilung
gefunden hat (act. G 9.18, S. 7; eingehend hierzu nachstehende E. 3.4).
3.4 Der Vertrauensarzt G._ gelangte in dem - wie die übrigen medizinischen Berichte
lediglich als Parteibehauptung zu qualifizierenden (siehe vorstehende E. 2.5) -
Untersuchungsbericht zur Auffassung, dass sich der Gesundheitszustand des
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Versicherten seit März 2014 verbessert und er die beschriebenen Angstzustände gut
verarbeitet, überwunden und neue Zukunftsperspektiven entwickelt habe. Eine
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte der Vertrauensarzt nicht mehr.
Für die bisherige Tätigkeit bescheinigte er eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (act. G 9.18).
Er brachte damit zum Ausdruck, dass sich die depressive Erkrankung spätestens bis
März 2014 verbessert und die Schwelle zu einer arbeitsfähigkeitsrelevanten Krankheit
wieder unterschritten hat. Diese Parteibehauptung wird durch weitere Indizien, nämlich
die unbestrittenen Angaben des Versicherten zum Gesundheitsverlauf und zu seinem
aktiven Alltag, bestätigt (siehe vorstehende E. 3.2.2). Es ist damit für den umstrittenen
Zeitraum vom 1. April bis 31. Dezember 2014 von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit
des Versicherten auszugehen und ein Anspruch auf Taggeldleistungen für diesen
Zeitraum zu verneinen. Daran vermag der damals offenbar weiterhin bestehende
Arbeitsplatzkonflikt nichts zu ändern, kommt diesem für sich allein doch kein
Krankheitswert mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu. Die Frage, ob die
Wiederaufnahme der Tätigkeit am bisherigen Arbeitsplatz aus krankheitsfremden
arbeitsmässigen Gesichtspunkten dem Versicherten nicht mehr zumutbar gewesen ist,
bildet nicht Gegenstand des vorliegenden Streits. Nicht Zweck einer
Krankentaggeldversicherung ist es, Arbeitsausfälle zu entschädigen, die nicht auf ein
versichertes Risiko (siehe hierzu vorstehende E. 2.6.1), sondern ausschliesslich auf
nicht (mehr) krankheitswertige Folgen begründende Arbeitsplatzkonflikte oder
Kränkungen zurückzuführen sind.
3.5 Die Einschätzung des Vertrauensarztes wurde vom RAD-Arzt Dr. H._ bestätigt.
Dieser führte aus, anhand des Gutachtens des Vertrauensarztes G._ könne festgelegt
werden, dass beim Versicherten keine psychische Störung mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit mehr vorliege. Der Versicherte habe in der Untersuchung angegeben,
sich voll arbeitsfähig zu fühlen und jederzeit wieder in die bisherige Tätigkeit einsteigen
zu können, sofern der Konflikt ausgeräumt wäre (act. G 26.1 IV-act. 18.2). Aus dem
Umstand, dass der RAD-Arzt im November 2014 festhielt, dass „allerspätestens“ ab
August 2014 keine nachvollziehbaren Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit vorlagen,
vermag die Klägerin nichts zugunsten der von ihr geltend gemachten ab April bis Ende
Juli 2014 dauernden Arbeitsunfähigkeit abzuleiten. Vielmehr deutet die Verwendung
des deutlichen Vorbehalts „allerspätestens“ darauf hin, dass der RAD-Arzt bezüglich
einer Arbeitsunfähigkeit bis Ende Juli 2014 nicht unerhebliche Zweifel hegte. Da
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indessen die Frage nach der Arbeitsfähigkeit zwischen April bis Ende Juli 2014 für die
invalidenversicherungsrechtlichen Belange keine Bedeutung zukam, konnte er sie
letztlich offen lassen.
3.6 Selbst wenn im Übrigen davon ausgegangen würde, eine vollständige
Arbeitsfähigkeit ab 1. April 2014 sei nicht bewiesen, änderte diese nichts am fehlenden
Taggeldanspruch des Versicherten ab diesem Zeitpunkt. Denn auch diesfalls ist eine
taggeldbegründende Arbeitsunfähigkeit ab 1. April 2014 nicht erstellt. Die Folgen dieser
Beweislosigkeit hätte der Versicherte bzw. die Klägerin zu tragen. Von weiteren
Abklärungen könnten einerseits aufgrund der unterdessen verstrichenen Zeit und
andererseits weil die Beschwerden offenbar selbst nach der Sichtweise der Klägerin
spätestens per 31. Dezember 2014 abgeklungen waren, in antizipierender
Beweiswürdigung keine entscheidwesentlichen Erkenntnisse mehr erwartet werden
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. Februar 2017, 4A_445/2016, E. 4.3).
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Klage vollumfänglich abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 114 lit. e ZPO).
4.3 Die unterliegende Klägerin hat ausgangsgemäss keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
4.4 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts hat im Bereich der
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung der obsiegende
Versicherungsträger Anspruch auf eine Parteientschädigung, falls er durch einen
externen Anwalt vertreten ist (Urteil des Bundesgerichtes vom 17. November 2010,
4A_194/2010, E. 2.2.1, nicht publiziert in: BGE 137 III 47; Urteil des Bundesgerichts
vom 9. Januar 2001, 5C.244/2000, E. 5 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der
Fall, weshalb die Beklagte keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung hat.