Decision ID: 8671cb08-9ff3-4cfc-b09d-157c70b93d1d
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1951, war über ihre Arbeitgeberin, die
Y._
AG, bei der Helsana Versicherungen AG (nachfolgend: Helsana) im Rahmen
der
Kollektiv-Taggeldversicherung
Business
Salary
nach dem Bundes
gesetz über die Krankenversicherung (KVG
)
gegen die wirtschaftlichen Folgen von Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit
taggeldversichert (
Urk.
7/1
Ziff.
1, vgl.
Urk.
6 S. 2
Ziff.
I.1
und
Urk.
15 S. 3
Ziff.
II.1).
Aufgrund von für
die Zeit ab
2
4.
Februar 2011 gemeldeten Arbeitsunfähigkeiten
wegen
eines psychischen Leidens
(vgl.
Urk.
7/3,
Urk.
7/5
Ziff.
4,
Urk.
7/6,
Urk.
7/10-11,
Urk.
7/20) erbrachte die Helsana Taggeldleistungen,
zuletzt ab
dem
6.
August 2012 für eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
(
vgl.
Urk.
7/9 S. 1 Mitte,
Urk.
7/14 S. 3,
Urk.
7/17 S. 1 Mitte,
Urk.
7/21 S. 3 Mitte,
Urk.
7/25 S. 1 Mitte).
Im Februar 2013 veranlasste die Helsana auf Empfehlung ihres Vertrauensarztes (vgl.
Urk.
7/21 S. 3 f.) ein Low Level Assessment bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (
Urk.
7/21 S. 1 f.,
Urk.
7/22), wel
cher am 2
8.
Februar 2013
berichtete
(
Urk.
7/25 S. 2 ff
.). Gestützt
darauf
eröff
nete die Helsana
der Versicherten mit Verfügung vom
8.
März 2013 (
Urk.
7/26)
, dass
sie ihr - sofern entsprechende Arztzeugnisse eingereicht würden - bis zum 2
4.
März 2013
ein
Taggeld für eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit ausrichten und das Taggeld hernach einstellen werde. Die von der Versicherten dagegen am
3.
April 2013 erhobene Einsprache (
Urk.
7/29) wies die Helsana mit Entscheid vom
3.
Juni 2013 (
Urk.
7/32 =
Urk.
2) ab.
2.
Die Versicherte erhob am
4.
Juli 2013 Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
vom
3.
Juni 2013 (
Urk.
2) und beantragte, dieser und die Verfügung vom
8.
März 2013 seien aufzuheben, und die Helsana sei zu verpflichten, weiterhin die gesetzlichen Leistungen gemäss
Art.
72 KVG auszurichten. Die Helsana be
antragte mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
Juli 2013 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Im Rahmen des durchgeführten zweiten Schriftenwechsels (
Urk.
15 und
Urk.
18) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Die Duplik wurde der Beschwerdeführerin am 1
0.
Oktober 2013 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
19).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
67
Abs.
1 KVG kann, wer in der Schweiz Wohnsitz hat oder erwerbs
tätig ist und das 15., aber noch nicht das 6
5.
Altersjahr zurückgelegt hat, bei einem Versicherer nach
Art.
68 KVG eine Taggeldversicherung abschliessen. Diese kann von Arbeitgebern für sich und ihre Arbeitnehmer und Arbeitnehme
rinnen als Kollektivversicherung abgeschlossen werden (
Art.
67
Abs.
3
lit
. a KVG). Das Gesetz enthält in
Art.
72 KVG Bestimmungen insbesondere zum Anspruchsbeginn (
Abs.
2), zur
(Mindest-)
Dauer des Anspruchs (
Abs.
3) sowie zur Kürzung der Leistung bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit (
Abs.
4) und
bei Überentschädigung (
Abs.
5).
Nach
Abs.
2 Satz 1 dieser Bestimmung entsteht der Taggeldanspruch, wenn die versicherte Person mindestens zur Hälfte arbeitsun
fähig ist. Reglementarisch kann jedoch schon bei einer Arbeitsunfähigkeit von unter 50
%
ein Taggeldanspruch statuiert werden (vgl.
Art.
73
Abs.
1 KVG;
Eugster
, Krankenversicherung, in: Schweizerisches Bundesver
waltungsrecht, SBVR
,
2.
Auflage, 2007, S. 783
Rz
1123).
Die Beschwerdegegnerin
hat von die
ser Möglichkeit Gebrauch gemacht und in
Ziff.
13
.1
ihrer Allgemeinen
Versi
cherungsbedingungen
(AVB) für die Business
Salary
Kollektiv-Taggeldversi
cherung
nach KVG, Ausgab
e
1.
Januar 2007
, festgehalten, dass das Taggeld bei einer nachgewiesenen Arbeitsunfähigkeit von mindestens 25
%
anteilsmässig entsprechend dem Grad der Arbeitsunfähigkeit a
usgerichtet wird (vgl.
Urk.
7/1
).
1.2
Nach
Art.
6
ATSG
ist Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teil
weise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem andern Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Satz 2).
In
Ziff.
3.4 der AVB für die Helsana Business
Salary
Kollektiv-Taggeldversicherung wird Arbeitsun
fähigkeit gleichlautend definiert.
1.3
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zuge
mutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der
Beweisfüh
rungslast
begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügen
den Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3d/
bb
; Maurer,
Sozialversi
cherungsrecht
, Bd. I, 2. unveränderte Aufl., Bern 1983, S. 438
Ziff.
7a). Im
Sozi
al
versicherungsprozess
tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 133 E. 8a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungs
grundsatzes
aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrschein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
1.6
Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht
dürfen
eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen über
zeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Be
weisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglich
keit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Einstellung der Taggeldleistungen damit, dass gestützt auf den als beweiswertig zu erachtenden Bericht von
Dr.
Z._
davon auszugehen sei, dass ab dem 2
5.
März 2013 keine 20
%
über
steigende Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf mehr ausgewiesen sei. Ein Anspruch auf Leistungen bestehe nur, wenn die Voraussetzungen dafür mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erfüllt seien. Bli
e
ben für den
Leistungsan
spruch
erhebliche Tatsachen unbewiesen, so habe die versicherte Person, welche aus den unbewiesen gebliebenen Tatsachen Rechte ableiten wolle, die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Den Beweis dafür, dass über den 2
5.
März 2013 hinaus eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
beziehungsweise 25
%
bestanden
habe, habe die Beschwerdeführerin nicht erbracht (
Urk.
2
Ziff.
7,
Urk.
6
Ziff.
8,
Urk.
18).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber zusammengefasst geltend, die Abklärung durch
Dr.
Z._
habe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
ergeben, was von der Beschwerdegegnerin anerkannt worden sei. Die von
Dr.
Z._
aufgestellte Prognose, wonach sie nach ihren Ferien wieder zu 80
%
arbeitsfähig sei und im weiteren Verlauf eine Steigerung auf 100
%
erfolgen könne, habe sich nicht verwirklicht. In ihren Ferien habe sie sich aufgrund einer Bronchitis nicht wie erhofft erholen können und habe sich ihr Gesundheits
zustand nicht verbessert. Entgegen der Meinung der Beschwerdegegnerin h
ätt
e
n
auch die Lärm- und Erschütterungsbelästigung am Arbeitsplatz angehalten und seien einer Erholung abträglich gewesen. Die Beschwerdegegnerin habe eine Verbesserung nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargetan. Sie habe - ohne neue medizinische Berichte ein
zuholen und den konkreten Sachverhalt zu berücksichtigen - auf eine unsichere Prognose abgestellt und die Leistungen damit grundlos eingestellt. Nach wie vor müsse mindestens eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit anerkannt werden (
Urk.
1,
Urk.
15).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin über den 2
4.
März 2013 hinaus Anspruch auf Taggeldleistungen der Beschwerdegegnerin hat.
3.
3.1
Vom
4.
bis 2
3.
Dezember 2011 weilte die Beschwerdeführerin stationär in der Klinik
A._
, wo gemäss Bericht von
med.
pract
.
B._
, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie, und
lic
. phil.
C._
, Psychologin FSP, vom 1
3.
Januar 2012 (
Urk.
7/9 S.
6 ff.) folgende Diagnosen gestellt wurden (S. 1 Mitte):
Angst und depressive Störung gemischt im Rahmen einer
Überlastungs
situation
am Arbeitsplatz bei
Ein- und Durchschlafbeschwerden
verstärkter Fokussierung auf körperliche Prozesse
leichtgradiges
ob
struktives Schlafapnoe-Syndrom
Im Rahmen ihrer Beurteilung führten
med.
pract
.
B._
und
lic
. phil.
C._
aus, bei der Beschwerdeführerin sei es zu einer
Überlastungs
reaktion
mit Angst und depressiven Symptomen gekommen, die nach jahrelan
gem hohem Arbeitspensum im Herbst 2010 aufgrund von Umbauarbeiten eines be
nachbar
ten Geschäftsgebäudes mit einhergehenden Bodenvibrationen ausge
löst worden sei und zu einer verstärkten psychophysiologischen Reaktion in Form einer er
höhten körperlichen, gedanklichen und emotionalen
Überanspan
nung
geführt habe. Die depressiven Symptome zeigten sich in den sich schlei
chend ent
wickelten
insomnischen
Beschwerden, einer zunehmenden Erschöp
fung,
Kon
zentrationsschwierigkeiten
, geringer Belastbarkeit und erhöhter Reiz
barkeit. Das andauernde erhöhte Stromgefühl im g
anzen Körper
trete verstärkt unter Zeit
druck auf und weise auf eine Angstsymptomatik hin, wobei die Krite
rien für eine Angststörung nicht ausreichten. Im Vordergrund der inneren Un
ruhe stehe der Zusammenhang mit der Überlastungsreaktion. Das fast ständige Hören von Musikstücken tag
s
- und nacht
s
über scheine ebenfalls ein Symptom der innerli
chen Übererregung zu sein; es hätten sich ansonsten keine Hinweise auf eine mögliche psychotische Störung ergeben. Aufgrund der
psychophysio
logischen
Symptome habe sich zunehmend eine verstärkte Fokussierung auf körperliche Prozesse einhergehend mit einem somatischen Krankheitsmodell entwickelt, wobei bislang keine hinreichende organische Ursache für die Be
schwerden habe gefunden werden können (S. 5 unten).
Für die Zeit vom
4.
bis 2
3.
Dezember 2011 attestierten die Ärzte der
A._
der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Urk.
7/3) und für die Zeit ab
7.
Januar 2012 eine solche
von 50
%
(
Urk.
7/6,
Urk.
7/20).
3.2
In ihrem Bericht vom 1
2.
Mai 2012 (
Urk.
7/9 S. 2 f.) nannten
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
med.
pract
.
B._
,
A._
, folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
psychophysiologische Insomnie (ICD-10 F51.0) bei:
Angst und depressiver Störung gemischt (ICD-10 F43.22) im Rahmen einer Überlastungssituation am Arbeitsplatz
leichtgradigem
obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom
generalisiertem Tremor, Verdacht auf essentiellen Tremor
mehrsegmentären Diskusalterationen (Halswirbelsäule, HWS)
Status nach zweimaligem HWS-Beschleunigungstrauma
Zu den aktuellen Befunden führten die Ärzte aus, es bestehe eine deutlich redu
zierte Belastbarkeit und erhöhte Erschöpfbarkeit. Die Beschwerdeführerin kom
me schnell unter Druck, wobei ein Tremor auftreten könne. Sie habe grosse Mühe, mit dieser Situation umzugehen und reagiere mit einer ängstlich depres
si
ven Symptomatik (S. 1 unten). Mit
Seroquel
habe der Schlaf deutlich verbes
sert werden können. Man sei daran, die Unsicherheiten tagsüber abzubauen und die Entspannungsfähigkeit zu verbessern, dies gehe allerdings nur in kleinen Schritten. Inzwischen habe die Arbeitsunfähigkeit auf 40
%
reduziert werden können (S. 2). Auf der Taggeldkarte der Beschwerdegegnerin vermerkten die Ärzte der
A._
eine entsprechende Arbeitsunfähigkeit ab
8.
Juni
2012 (
Urk.
7/20).
3.3
Nach Einsichtnahme in die Akten, namentlich den Bericht des
Schadensinspek
tors
über das am 2
7.
Juni 2012 mit der Beschwerdeführerin geführte Gespräch (
Urk.
7/13)
,
gelangte
Dr.
med.
E._
, Vertrauensarzt der
Beschwer
degegnerin
, in seiner Beurteilung vom
3.
Juli 2012 zum Schluss, dass es sich beim für die Arbeitsunfähigkeit massgebenden Leiden um ein psychisches Lei
den handle und die Arbeitsunfähigkeit durch das Leiden ausreichend begründet werde. Prognostisch sei ab
3.
Oktober 2012 eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100
%
zu erwarten. Der Gesundheitszustand sei bessernd (
Urk.
7/17 S. 2).
3.4
Am 2
6.
Oktober 2012 (
Urk.
7/21) berichteten
med.
pract
.
B._
und
lic
. phil.
F._
, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP,
A._
, die Beschwerde
führerin komme regelmässig in die Therapie. Die Arbeitsfähigkeit habe über die Behandlungszeit langsam aber stetig gesteigert werden können. Derzeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
. Bei diesem Pensum sei die Beschwerdeführe
rin derzeit an ihrer Leistungsgrenze - sobald sie etwas unter Druck komme, trä
ten Zittern und Angstsymptome auf. Die Arbeitsfähigkeit könne nur langsam erhöht werden, da bei jeder Reduktion der Arbeitsunfähigkeit um 10
%
eine Verschlechterung eingetreten sei. Geringe, externe Veränderungen brächten das labile Gleichgewicht ins Kippen - aktuell habe es am Arbeitsort eine Baustelle, wobei es zu Erschütterungen komme. In dieser Situation sei es bei der Be
schwer
deführerin zu einer deutlichen Verschlechterung der Symptomatik ge
kom
men. Man sei derzeit daran, die Beschwerdeführerin wieder zu stabilisieren. Es werde weiter an
Coping
-Strategien im Umgang mit der Belastungssituation gearbeitet und es werde versucht, die Arbeitsfähigkeit langsam zu erhöhen. Eine langsame, schrittweise Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei sehr wichtig, damit nicht eine Überforderung entstehe und die notwendigen Anpassungen getroffen werden könnten. Sobald es bei der Beschwerdeführerin zu einer ausreichenden Stabilisierung gekommen sei, werde man in einem nächsten Schritt versuchen, die Arbeitsunfähigkeit auf 20
%
zu reduzieren.
Auf der Taggeldkarte der Beschwerdegegnerin
vermerkten die Ärzte der
A._
eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit ab
6.
August 2012 (
Urk.
7/20).
3.5
Am 1
3.
November 2012 empfahl der Vertrauensarzt
Dr.
E._
die Durchführung eines Low Level Assessments mit der Begründung, es bestünden Zweifel an einer andauernden Arbeitsunfähigkeit, da sich aus dem Bericht der Ärzte der
A._
ergebe, dass krankheitsfremde Faktoren vorlägen (
Urk.
7/21 S. 3).
3.6
Am 2
8.
Februar 2013 wurde die Beschwerdeführerin durch
Dr.
Z._
unter
sucht, welcher gleichentags berichtete (
Urk.
7/25 S. 2 ff.). Er nannte folgende Diagnosen (S. 2 oben):
nervöse psychophysische Stress-Symptome bei längerer
Überlastungs
situation
am Arbeitsplatz (ICD-10 F43.28)
keine Anhaltspunkte für Depressionen oder Ängste im engeren Sinn
keine Anhaltspunkte für akzentuierte Persönlichkeitszüge oder gar eine Persönlichkeitsstörung
Dr.
Z._
führte aus, die im Bericht der Ärzte der
A._
vom
1
3.
Januar 2012
beschriebenen Symptome hätten sich unter Gabe von
Seroquel
alle weitgehend zurückgebildet, sodass sich die Beschwerdeführerin nach ihren dreiwöchigen Ferien im September 2012 wieder symptomfrei und voll arbeitsfähig gefühlt habe. Ab Oktober aber sei erneut ein Nebengebäude abgerissen und eine riesige Baugrube ausgehoben und mit Armierungseisen befestigt worden, was zu er
neu
ten ständigen Vibrationen des ganzen Gebäudes geführt habe. Deswegen sei in den letzten Monaten ein Rezidiv der Symptomatik aufgetreten. Nach Anga
ben der Bauherrschaft sollten diese Fundamentarbeiten im März beendet sein, sodass es künftig keine Vibrationen von ständiger Dauer mehr geben werde. Die Beschwerdeführerin hoffe nun, dass sie nach ihren Ferien im März eine ruhige Arbeitssituation vorfinden und so bald wieder voll arbeitsfähig werde (S. 3 oben).
In der heutigen Untersuchung seien weder klinisch manifeste Symptome einer Depression noch von Ängsten diagnostizierbar, sondern nur noch leichte
Rest
symptome
von
Gestresstheit
und Nervosität durch die Vibrationen der Baustelle nebenan, deswegen sei die Beschwerdeführerin auch reizbar, psychisch ge
dämpft sowie psychophysisch permanent gestresst und nach einer gewissen Arbeitszeit erschöpft; insgesamt sei sie vermindert konzentrations- und leis
tungsfähig, was sich auch privat in verminderter Leistungsfähigkeit im Haushalt sowie in deutlich reduzierten sozialen Aktivitäten zeige (keine Besuche mehr mit Kochen, etc.) Die Beschwerdeführerin sei jetzt zuversichtlich, dass sie nach der Erholung in den Ferien ab dem 2
5.
März wieder zu 80
%
arbeiten und dann im Laufe des Aprils schrittweise auf 100
%
erhöhen können werde (S. 3 Mitte).
Zur Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
Z._
aus, die Beschwerdeführerin sei zurzeit noch zu 70
%
und voraussichtlich nach ihren Ferien ab 2
5.
März 2013 zu 80
%
arbeitsfähig. Danach sei eine rasche schrittweise Steigerung auf 100
%
im Laufe des Aprils möglich. Die Beschwerdeführerin sei an ihrer Arbeitsstelle gut inte
griert und lediglich durch die äusseren Umstände (Baustelle) psychophysisch gestresst worden und
dekompensiert
. Diese äussere Situation werde demnächst wieder verbessert sein, sodass eine baldige Steigerung auf 100
%
Arbeitsfähig
keit wieder möglich sein werde (S. 3 unten).
Die Beschwerdeführerin habe bei den regelmässigen psychotherapeutischen Be
handlungen eine gute Begleitung und Unterstützung erfahren und ebenso eine sinnvolle Schlafmedikation. Der aktuelle Versuch der Verabreichung eines Beta
blockers habe wegen starker Nebenwirkungen abgebrochen werden müssen. Weitere Medikation sei weder sinnvoll noch zweckmässig. Es sei auf eine spon
tane Verbesserung beziehungsweise Remission der Symptomatik zu hoffen nach Beendigung der vibrationserzeugenden Baustellenarbeiten sowie Erholung in den kommenden Ferien Mitte März, sodass von einer vollständigen Genesung nach Änderung der äusseren Umstände auszugehen sein werde (S. 4).
3.7
Dem von der Beschwerdeführerin im Rahmen des
Einspracheverfahrens
ein
gereichten Medical Report vom 2
0.
März 2013 ist zu entn
ehmen, dass d
ie
Beschwerdeführerin
in ihren Ferien im
Ausland an einer akuten Bronch
it
i
s er
krankte (
Urk.
7/29 S. 2). Für die Zeit vom
2.
bis
5.
April 2014 wurde ihr sodann
am
2.
April 2013
von
Dr.
med.
G._
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
, eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bescheinigt (
Urk.
7/29 S. 3).
3.8
In seiner Beurteilung vom 1
6.
April 2013 (
Urk.
7/30 S. 2) führte der Vertrauens
arzt
Dr.
E._
aus, am Entscheid vom
8.
März 2013 sei festzuhalten. Bei der Bronchitis handle es sich um einen neuen Krankheitsfall, dauernd vom
2.
bis
5.
April 201
3.
Ab
6.
April 2013 sei von einer Arbeits
fähigkeit von 100
%
aus
zugehen.
4.
4.1
Aus den medizinischen Akten ergibt sich, dass
es bei der
Beschwerdeführerin
ab Herbst 2010
-
a
usgelöst durch
Bodenvibrationen, welche
von
Umbauarbeiten an einem
neben ihrem Bürogebä
ude
befindlichen Geschäftsgebäude
herrührten -
zu einer Überlastungsreaktion mit Angst und depressiven Symptomen und damit einhergehenden Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten
sowie
zuneh
mender
Erschöpfung kam (vgl. vorstehend E. 3.1).
Mithilfe
einer
von den Ärzten des
A._
eingeleiteten psychotherapeutischen Behandlung und unter Gabe von
Seroquel
konnte der Zustand der Beschwerdeführerin verbessert und nach
anfänglicher vollständiger Arbeitsunfähigkeit
ab Januar 2012 eine 50%ige
(vgl. vorstehend E. 3.1)
, ab Juni 2012 eine 60%ige
(vgl. vorstehend E. 3.2)
und ab August 2012 eine 30%ige
(vgl. vorstehend E. 3.4)
Arbeitsfähigkeit
erreicht wer
den
(vgl. vorstehend E. 3.6)
.
Die von der Beschwerdeführerin für September 2012 beschriebene Symptomfreiheit (vgl. vorstehend E. 3.6) hielt nicht lange an, nachdem ab
Oktober 2012 erneut ein neben ihrem Bürogebäude befindliches Nebengebäude
abgerissen
w
urde. Im Oktober 2012 attestierten die Ärzte des
A._
der Beschwerdeführerin
daher weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
(
vgl.
vorstehend E. 3.4).
4.2
Im Februar 2013
konnte
Dr.
Z._
nur
noch leichte Restsymptome von
Ge
stresst
heit
und Nervosität
aufgrund der von der Baustelle ausgehenden
Vibrati
onen
erheben.
Dr.
Z._
führte die Beeinträchtigungen der Beschwerdeführer
in, welche er als nervöse, psychophysische Stress-Symptome bezeichnete,
einzig auf die äusseren Umstände (Baustelle) zurück
; e
r fand weder Anhaltspunkte für Depressionen oder Ängste im engeren Sinn noch für akzentuierte
Persönlich
keitszüge
oder gar eine Persönlichkeitsstörung. Entsprechend
ging
Dr.
Z._
in nachvollziehbarer Weise
von einer
zu erwartenden
Genesung nach Änderung der äusseren Umstände
- mithin nach Beendigung der die Vibrationen auslö
senden Bauarbeiten -
aus.
Nachdem die Beschwerdeführerin ihm gegenüber an
ge
geben hatte, dass die Fundamentarbeiten gemäss Auskunft der Bauherrschaft im März 2013 beendet sein sollten und sie hoffe, nach Rückkehr aus ihren Ferien per 2
5.
März 2013 eine ruhige Arbeitssituation vorzufinden, postulierte
Dr.
Z._
eine 80%ige Arbeitsfähigkeit ab 2
5.
März
2013
und eine 100%ige Arbeitsfähigkeit im Verlauf des Aprils
2013
.
4.3
Wie der Einsprache der Beschwerdeführerin zu entnehmen ist,
dauerten die lärm- und vibrationsintensiven Arbeiten auf der Baustelle neben ihrem Büro
gebäude
schlussendlich
bis Ende
der (vom
1.
bis
7.
April
dauernden
)
Woche 14
des Jahres
2013
(
Urk.
7/29
Ziff.
2)
.
Damit aber waren im Zeitpunkt der von der Beschwerdegegnerin verfügten Leistungseinstellung per 2
5.
März 2013 die äusseren Umstände, welche
Dr.
Z._
als ursächlich für die Beschwerden
erach
tete
und
deren Wegfall er
als
Bedingung
für die Wiedererlangung einer zu
nächst 80%igen und hernach 100%igen Arbeitsfähigkeit
nannte
, weiterhin vor
handen.
Die Beweis
würdigung
ergibt,
dass die Beschwerdeführerin
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
auch in der Zeit vom 2
5.
März bis
7.
April 2013 im Umfang von 30
%
in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war
,
und
dass
erst ab
dem
8.
April 2013
von
eine
r
einen Anspruch auf Taggeldleistungen ausschliessende
n
Arbeitsunfähigkeit von weniger als 25
%
ausgegangen werden k
ann.
Dass die Umbauarbeiten
über die
Woche 14
des Jahres 2013 hinaus
an
gedauert h
ätten
, ist nicht ausgewiesen und
wurde im Rahmen des vorliegenden
Be
schwer
dev
erfahrens
auch
nicht geltend gemacht (vgl.
Urk.
15 S. 5 Mitte).
Nicht abgestellt werden kann
auf die (subje
k
t
ive) Einschätzung der Beschwer
deführe
rin, wonach sie weiterhin (anhaltend) zu 30
%
in ihrer Arbeitsfähigkeit einge
schränkt s
ei,
obliegt die Einschätzung der Arbei
tsfähigkeit doch den Medi
zinern
(vgl. vorstehend E. 1.3)
und ist kein Arztbericht aktenkundig, welche
r die
Ein
schätzung
der Beschwerdeführerin
bestätigen würde.
Nachdem gestützt auf den Bericht von
Dr.
Z._
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausge
gan
gen werden kann, dass nach Beendigung der Bauarbeiten nicht mehr vom Vor
liegen einer die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin massgeblich beein
träch
tigenden Gesundheitsstörung auszugehen
war
, war die
Beschwerdegegne
rin
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin auch nicht gehalten, wei
tere Abklärungen zu tätigen.
4.
4
Zusammenfassend ist festzuhalten, d
ass
die Beschwerdeführerin
aufgrund der Beschwerden, welche
den
für die Zeit
a
b 2
4.
Februar 2011
gemeldeten
Arbeits
unfähigkeiten zugrunde lag
en
,
vom 2
5.
März
bis
7.
April 2013
Anspruch auf ein Taggeld für eine Arbeitsunfähigkeit von 30
%
hat
.
Die
gegen den
Einspracheentscheid
vom
3.
Juni 2013 erhobene Beschwerde ist daher
teilweise gutzuheissen.
5.
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Die nur teilweise obsiegende
, ab dem Zeitpunkt der Replik durch einen Rechts
anwalt vertretene
Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine um zwei Drittel reduzierte Prozessentschädigung, welche unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwi
erigkeit des Prozesses auf
Fr.
6
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und
Barauslagen) festzusetzen ist.