Decision ID: e1440e09-68d6-4c2f-b4b9-315d2d4beb45
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ ist gelernter Autoersatzteilverkäufer; zuletzt war er als
Werkstatthilfe tätig. Bereits als 6-Jähriger hatte er sich im Mai 1979 am
rechten Arm verletzt, wobei er sich eine Ulna-Fraktur unter Sehnen- bzw.
Nervenbeteiligung zuzog. Nachdem er im Jahr 1982 bei einem
Verkehrsunfall ein Polytrauma mit unter anderem schwerer Commotio
cerebri und einer Lähmung der rechten Unterschenkelmuskulatur erlitten
hatte, wurde ihm nach mehreren Eingriffen am rechten Fuss am 3. Juli
1992 der rechte Unterschenkel amputiert und prothetisch versorgt.
Danach entwickelte er einen polyvalenten Drogenkonsum mit Heroin,
Kokain, Cannabis und Alkohol, wobei die durchgeführten
Entwöhnungsbehandlungen bis auf die Methadon-Substitution jeweils
scheiterten. Am 20. Juni 2002 erlitt er erneut einen Verkehrsunfall, bei dem
er sich unter anderem multiple Frakturen im Gesicht und am Kopf, ein
Schädelhirntrauma mit Kontusionsblutungen und Pneumoenzephalie,
bilaterale Pneumothoraces, mehrere Lungenkontusionen bei
Rippenfrakturen beidseits und eine Scapulatrümmerfraktur mit
Frakturierung der Spina scapulae und Subluxationsstellung im
Acromioclaviculargelenk zuzog. Nach einer korrigierenden Arthrodese des
linken Grosszehengrundgelenks bei einer Hallux valgus-Deformität am 20.
November 2015 bildete sich zudem eine Pseudarthrose.
2. A._ hatte sich in der Vergangenheit bereits mehrmals bei der IV-
Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) zum
Leistungsbezug (berufliche Integration/Rente) angemeldet. Abgesehen
von der Zusprache einer Invalidenrente ab dem 1. Februar 1991 (mit
Einstellung per 31. August 1993), hatte die IV-Stelle seine
Leistungsbegehren – mitunter mangels Einhaltung der auferlegten
Suchtmittelabstinenz – abschlägig beurteilt (kein Anspruch auf eine
Invalidenrente).
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3. Letztmals hatte die IV-Stelle mit rechtskräftiger Verfügung vom 11. März
2019 den Anspruch von A._ auf eine Invalidenrente mangels
rentenbegründendem Invaliditätsgrad verneint, nachdem sie ein
polydisziplinäres Gutachten bei der SMAB AG (nachfolgend: SMAB-
Gutachten) eingeholt hatte. Darin wiesen die Gutachterin und die
Gutachter eine Pseudarthrose mit Hallux valgus-Rezidiv der Arthrodese
des linken Grosszehengrundgelenkes, eine Unterschenkel-Amputation
rechts mit gelegentlichen Phantomschmerzen sowie eine einfache
Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung im Kindes- mit Übergang in
das Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0) als Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit aus. Als ohne Einfluss darauf erachteten sie
namentlich die Abhängigkeit von Heroin, gegenwärtig Teilnahme an einem
psychiatrisch überwachten Ersatzdrogenprogramm mit Methadon (ICD-10
F11.22), Abhängigkeitssyndrom von Alkohol (ICD-10 F10.25),
Abhängigkeitssyndrom von Cannabis (ICD-10 F12.25), schädlicher
Gebrauch von Kokain (ICD-10 F14.1) sowie Störungen durch
Stimulanzien (ICD-10 F15.1). Während sie die bisherige Tätigkeit für nicht
mehr zumutbar einstuften, attestierten sie in leidensangepassten
Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 80 %.
4. Gegen die ebenfalls ablehnende Verfügung vom 7. Mai 2019 betreffend
Arbeitsvermittlung hatte A._ seinerzeit Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erhoben (Verfahren S 19
71). Nachdem die IV-Stelle mitgeteilt hatte, die angefochtene Verfügung
vom 7. Mai 2019 aufzuheben bzw. pendente lite in Wiedererwägung zu
ziehen und die Angelegenheit neu zu behandeln, schrieb die vormalige
Instruktionsrichterin das Verfahren infolge Anerkennung der Beschwerde
als gegenstandslos geworden ab (Verfügung vom 7. August 2019).
5. Im Anschluss daran nahm A._ ab dem 23. September 2019 im
Rahmen einer Vorbereitungsmassnahme am Einsatzprogramm der
Stiftung C._ in einem 80%-Pensum teil. Daneben wurde ihm
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Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche gewährt. Nach einem
operativen Eingriff am linken Fuss am 13. November 2019 nahm A._
ab dem 13. Januar 2020 bis zum 31. März 2020 seine Tätigkeit bei der
Stiftung C._ wieder auf.
6. Am 21. Februar 2022 meldete sich A._ namentlich unter Hinweis auf
seine Suchtkrankheit erneut zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an
(berufliche Integration/Rente). Diese forderte ihn tags darauf (unter
Bezugnahme auf die in Rechtskraft erwachsene abschlägige
Rentenverfügung vom 11. März 2019) dazu auf, entsprechende
Unterlagen zur veränderten Gesundheitssituation einzureichen. Am 14.
März 2022 ging bei der IV-Stelle eine E-Mail des Hausarztes med. pract.
D._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, ein, worin dieser im
Wesentlichen davon berichtete, dass A._ zurzeit noch diese Woche
arbeitsunfähig sei, da er zunehmende Rückenschmerzen habe.
7. Daraufhin stellte die IV-Stelle A._ mit Vorbescheid vom 31. März
2022 in Aussicht, mangels glaubhaft gemachter Veränderung der
Verhältnisse nicht auf das Gesuch einzutreten. Dagegen erhob A._
am 29. April 2022 bzw. am 30. Mai 2022 Einwand und reichte
insbesondere zwei Berichte seines ehemals behandelnden Psychiaters,
Dr. med. E._, nach.
8. Mit Verfügung vom 14. Juni 2022 entschied die IV-Stelle wie
vorbeschieden und trat auf das Leistungsbegehren nicht ein. Die Prüfung
der medizinischen Unterlagen habe ergeben, dass das ADHS, welches
bereits seit der Kindheit/Jugend bestanden habe, bereits bekannt sei.
Auch im SMAB-Gutachten vom 30. November 2018 sei eine einfache
Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung ausgewiesen worden. Es
könne somit festgehalten werden, dass bereits sämtliche Krankheiten in
der Beurteilung berücksichtigt worden seien.
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9. Dagegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 14. Juli
2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Er
beantragte sinngemäss, dass auf sein Leistungsbegehren in Aufhebung
der Verfügung vom 14. Juni 2022 einzutreten sei, da seine langjährige
Suchterkrankung nicht berücksichtigt worden sei. Aufgrund dieser sei er
im Juni 2022 für drei Wochen in der Klinik F._ gewesen. Ein Bericht
dazu sei beim behandelnden Arzt vorhanden. Der Beschwerdeführer bat
darum, diesen Bericht, den er baldmöglichst nachreiche, zur
Vervollständigung seiner Dokumente und anschliessenden
Neueinschätzung seines Anspruchs auf eine Invalidenrente zu
berücksichtigen. Zudem legte er ein ärztliches Zeugnis des Spitals
B._ bei.
10. Am 4. August 2022 reichte der Beschwerdeführer einen auf den 13. Juli
2022 datierten Austrittsbericht vom 22. Juni 2022 zur stattgehabten
stationären Entzugsbehandlung in der psychiatrischen Klinik F._ des
Spitals B._ nach.
11. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer
Vernehmlassung vom 16. August 2022 auf Abweisung der Beschwerde.
Zur Begründung verwies sie primär auf die Verfügung vom 14. Juni 2022.
Zudem brachte sie vor, das mit der Beschwerde eingereichte ärztliche
Zeugnis sowie der Austrittsbericht vom 22. Juni 2022 seien angesichts des
auf die Eintretensfrage beschränkten Streitgegenstands unbeachtlich. Der
im Rahmen des Vorbescheidverfahrens eingereichte Bericht von Dr. med.
E._ vom 5. März 2022 äussere sich ausführlich zur langjährigen
Suchterkrankung. Er zeige keine wesentliche Verschlechterung im
Vergleich zur letzten rechtskräftigen Ablehnung einer Invalidenrente auf.
Dies stehe auch im Einklang mit den Erkenntnissen aus der
durchgeführten Eingliederung, in welcher der Beschwerdeführer als
zuverlässig, pflichtbewusst, fleissig, flexibel und belastbar beschrieben
werde, welcher seine Arbeiten sehr sorgfältig ausgeführt habe.
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12. Der Beschwerdeführer reichte trotz der ihm eingeräumten Frist für eine
freigestellte Stellungnahme keine solche ein.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 14. Juni 2022
stellt eine solche anfechtbare Verfügung der Invalidenversicherung und
folglich ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49
Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100). Als Adressat der strittigen Verfügung ist der Beschwerdeführer
davon berührt und er weist ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung oder Änderung auf (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Die
Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1
IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61 lit. b ATSG).
Darauf ist somit einzutreten.
2. Der Streitgegenstand erschöpft sich in der Frage, ob die
Beschwerdegegnerin mangels glaubhaft gemachter Verschlechterung des
Gesundheitszustands durch den Beschwerdeführer zu Recht nicht auf
dessen Leistungsbegehren eingetreten ist.
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3.1. Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert,
so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn damit glaubhaft gemacht
wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]; Urteil des
Bundesgerichts 8C_481/2020 vom 15. Dezember 2020 E.2.2). Eine
solche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse kann namentlich in einer
Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit entsprechend
verminderter Arbeitsfähigkeit oder in geänderten erwerblichen
Auswirkungen einer im Wesentlichen gleich gebliebenen Beeinträchtigung
der Gesundheit liegen. Dagegen stellt eine bloss abweichende Beurteilung
eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts keine relevante
Änderung dar (Urteile des Bundesgerichts 8C_541/2019 vom 23.
Dezember 2019 E.3.1, 8C_606/2019 vom 5. Dezember 2019 E.3.2
m.w.H.). Es obliegt der versicherten Person, die Voraussetzung der
veränderten tatsächlichen Verhältnisse glaubhaft zu machen (Urteil des
Bundesgerichts 8C_455/2020 vom 20. Oktober 2020 E.3.1 m.w.H.). Mit
dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgesetzte
Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss
also nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Grad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 144 V 427 E.3.2) erstellt sein.
Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten
rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte
bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist,
bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht
erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn
angenommen werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente (oder
deren Erhöhung) sei begründet, falls sich die geltend gemachten
Umstände als richtig erweisen sollten (Urteile des Bundesgerichts
9C_725/2019 vom 27. Januar 2020 E.2.2, 9C_733/2019 vom 2. Dezember
2019 E.2.2.).
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Der Untersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts zu sorgen hat, spielt insoweit nicht (Urteil des
Bundesgerichts 9C_725/2019 vom 27. Januar 2020 E.2.2). Dieser greift
rechtsprechungsgemäss erst, wenn die Verwaltung auf ein Gesuch eintritt,
folglich ein Verfahren eröffnet und verpflichtet ist, den massgeblichen
Sachverhalt abzuklären (BGE 130 V 64 E.5.2.5; Urteil des Bundesgerichts
8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.5).
3.2. Für die beschwerdeweise Überprüfung einer Nichteintretensverfügung ist
nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts der Sachverhalt, wie er sich
der Verwaltung bot, resp. die Aktenlage bei Erlass dieser Verfügung
massgeblich (BGE 130 V 64 E.5.2.5; Urteile des Bundesgerichts
8C_481/2020 vom 15. Dezember 2020 E.4.1.3, 8C_256/2019 vom 23.
August 2019 E.6.1 und 8C_183/2016 vom 9. Mai 2016 E.2.1). Bei der
Frage des Eintretens auf die Neuanmeldung kann somit nur auf jene
ärztlichen Berichte abgestellt werden, die der Verwaltung im Zeitpunkt
ihres Nichteintretensentscheids auch vorgelegen haben (Urteil des
Bundesgerichts 8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.4). Das mit der
Beschwerde eingereichte ärztliche Zeugnis vom 15. Juni 2022 (vgl.
beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 2) und der am 4. August 2022
nachgereichte, auf den 13. Juli 2022 datierende Austrittsbericht vom 22.
Juni 2022 zur stattgehabten stationären Entzugsbehandlung in der
psychiatrischen Klinik F._ des Spitals B._ (vgl. Bf-act. 3)
ergingen nach Erlass der Verfügung vom 14. Juni 2022 und lagen der
Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des Nichteintretensentscheids nicht
vor. Selbst wenn sie sich auf den Sachverhalt im Verfügungszeitpunkt
beziehen, fällt insofern eine Ergänzung der Aktenlage im Rahmen des auf
eine Nichteintretensverfügung folgenden Beschwerdeverfahrens ausser
Betracht (Urteil des Bundesgerichts 8C_481/2020 vom 15. Dezember
2020 E.4.1.3). Daher ist dem beschwerdegegnerischen Standpunkt zu
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folgen, dass die beiden vorgenannten Berichte unbeachtlich zu bleiben
haben. Der Vollständigkeit halber ist jedoch darauf hinzuweisen, dass es
dem Beschwerdeführer offen steht, den Austrittsbericht vom 22. Juni 2022
sowie das ärztliche Zeugnis vom 15. Juni 2022 im Rahmen einer erneuten
Anmeldung zum Leistungsbezug einzureichen.
Im Rahmen des vorinstanzlichen (Vorbescheid-)Verfahrens wurden
allerdings die Berichte von Dr. med. E._ vom 22. Dezember 2020 und
vom 5. März 2022 eingereicht, die es zu beachten gilt. Hinsichtlich seines
Gesundheitszustands enthält die ebenfalls im Vorbescheidverfahren ins
Recht gelegte Anmeldung zur Substitutionsbehandlung vom aktuell
behandelnden Arzt Dr. med. G._, welche von der Kantonsärztin Dr.
med. H._ am 9. Mai 2022 bewilligt wurde (vgl.
beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 435 S. 5 ff.), keine Angaben,
weshalb sich Weiterungen dazu erübrigen.
3.3. Die zeitliche Vergleichsbasis für die Frage, ob eine rentenrelevante
Veränderung des Sachverhalts glaubhaft ist, bildet der Zeitpunkt der
letzten umfassenden materiellen Prüfung (mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs). Der Vergleichszeitraum erstreckt sich
grundsätzlich bis zur Prüfung und Beurteilung des Gesuchs, d.h. bis zum
Erlass der Verfügung betreffend die Neuanmeldung (Urteile des
Bundesgerichts 8C_735/2019 vom 25. Februar 2020 E.3.2, 8C_256/2019
vom 23. August 2019 E.6.1).
4.1. Im hier zu beurteilenden Fall ist somit als Vergleichsbasis auf die
Verfügung vom 11. März 2019 abzustellen, mit welcher das
Leistungsbegehren des Beschwerdeführers nach einlässlichen
medizinischen Abklärungen abgewiesen wurde (kein Anspruch auf eine
Invalidenrente; vgl. Bg-act. 291). Diesem Entscheid lag neben der
Abschlussbeurteilung des Arztes des Regionalen Ärztlichen Dienstes
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(RAD) Dr. med. I._ vom 28. Dezember 2018, worin er die
medizinischen Schlussfolgerungen im eingeholten Gutachten für
versicherungsmedizinisch plausibel nachvollziehbar befand (vgl. Bg-
act. 296 S. 13 f.), insbesondere ebendieses polydisziplinäre SMAB-
Gutachten vom 30. November 2018 zugrunde. Daraus geht im
Wesentlichen was folgt hervor (vgl. Bg-act. 280 S. 8 f.):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit)
1. Pseudarthrose mit Hallux valgus-Rezidiv der Arthrodese des linken Grosszehengrundgelenks vom 20. November 2015
2. Unterschenkel-Amputation rechts am 3. Juli 1992 mit gelegentlichen Phantomschmerzen
3. Einfache Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung im Kindes- mit Übergang in das Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0)
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit)
1. Abhängigkeit von Heroin, gegenwärtig Teilnahme an einem psychiatrisch überwachten Ersatzdrogenprogramm mit Methadon (ICD-10 F11.22)
2. Abhängigkeitssyndrom von Alkohol (ICD-10 F10.25) 3. Abhängigkeitssyndrom von Cannabis (ICD-10 F12.25) 4. Schädlicher Gebrauch von Kokain (ICD-10 F14.1) 5. Störungen durch Stimulanzien (ICD-10 F15.1) 6. Abhängigkeitssyndrom von Nikotin (ICD-10 F17.25) 7. Pseudoradikuläres Lumbalsyndrom links bei rechts-links-konvexer thorako-
lumbaler Skoliose 8. Geringe Einschränkung der Feinmotorik der rechten Hand nach der Naht aller
Strecksehen ausser dem Extensor carpi ulnaris sowie Naht der oberflächlichen Beugesehnen D II, IV und V sowie des Flexor carpi ulnaris am 26. Mai 1979
9. Status nach Hepatitis C mit erfolgreicher medikamentöser Therapie (Harvoni) vom 22. Dezember 2016 bis zum 21. März 2017
10. Cholezystolithiasis (asymptomatisch) 11. Übergewicht 12. Senk-Spreiz-Plattfuss links 13. Lese- und Rechtschreibstörung im Kindesalter (ICD-10 F81.0)
4.1.1. Dazu führten die Gutachterin und die Gutachter in der Konsensbeurteilung
aus, der Beschwerdeführer habe – befragt nach seinen Beschwerden
seitens des Stütz- und Bewegungsapparats – Schmerzen im Bereich der
Lendenwirbelsäule und im linken Grosszeh angegeben. Im Rahmen der
orthopädisch-traumatologischen Untersuchung habe sich eine frei
bewegliche Lendenwirbelsäule mit harmonischer Lordose und einem
minimalen Lendenwulst links gezeigt. Schmerzangaben seien bei der
Reklination mittig über der Lendenwirbelsäule in Höhe LWK 4/5 erfolgt
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genauso wie eine Druckangabe rechts paravertebral bei Oberkörper-
Seitenneigung nach links und Rotation des Oberkörpers nach links.
Hinweise auf das Vorliegen lumbaler Nervenwurzeln hätten bei fehlender
Schon- und Fehlhaltung, fehlendem paravertebralem Muskelhartspann,
vorführbarer Hocke sowie beidseits negativem Zeichen nach Lasègue und
Bragard nicht bestanden. Die aktuellen Röntgenaufnahmen der
Lendenwirbelsäule vom 17. September 2018 seien ausser einer
linkskonvexen Steitausbiegung ohne Rotation bei Beckenschiefstand
unauffällig gewesen. Weiterhin habe sich ein in 40° Dorsalextension und
Hallux valgus-Stellung steifes linkes Grosszehengrundgelenk mit
Schwellung am linken Grosszeh gezeigt. Bereits im Bericht vom 9. März
2016 werde eine Pseudarthrose der Arthrodese des linken
Grosszehengrundgelenkes beschrieben. An die Unterschenkel-
Amputation rechts am 3. Juli 1992 und die geringe Einschränkung der
Feinmotorik der rechten Hand nach den Sehnennähten gemäss Bericht
vom 26. Mai 1979 habe sich der Beschwerdeführer inzwischen gut
adaptiert.
Im September 1981 sei eine Legasthenie festgestellt worden. Die
anamnestischen Schilderungen zum Schulbesuch mit den vom
Beschwerdeführer geschilderten Verhaltensauffälligkeiten (Langeweile in
der Schule, Aufstehen und Herumlaufen im Unterricht, Störung des
Unterrichts, Klassenclown, Unterrichtsverweise, Probleme mit der
Konzentration und Aufmerksamkeit, lieber Tätigkeiten auf einem
Bauernhof als in die Schule zu gehen, geringes Gefahrenbewusstsein,
häufige Bagatellunfälle) sprächen für eine seinerzeit nicht erkannte und
deswegen auch nicht behandelte einfache Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung (ADHS), welche bereits mit Bericht vom 14.
Oktober 2011 von Dr. med. E._ mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit erwähnt worden sei (Anmerkung des Gerichts: vgl. Bg-
act. 35 S. 1). Diese häufig genetisch determinierte Störung sei mit
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verschiedenen komorbiden Störungen wie Legasthenie, Abgleiten in
Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Depression und
Persönlichkeitsstörungen verbunden. 50 % der im Kindes-/Jugendalter
nicht behandelten ADHS-Patienten würden delinquent und glitten in die
Drogensucht oder Alkoholismus ab (Studien aus der Kinder- und
Jugendpsychiatrischen Klinik Köln). Es sei zudem festzustellen, dass
unter den Unfall- und dadurch bedingten langwierigen Behandlungsfolgen
die Beschulung beträchtlich beeinträchtigt worden sei. [...] Bei der jetzigen
psychiatrischen Untersuchung habe der Beschwerdeführer einen
ständigen Bewegungsdrang und innere Unruhe geschildert, die
fehlgeschlagenen beruflichen Versuche sowie das Abgleiten in einen
zunächst polyvalenten Drogenkonsum ab 1992 mit Heroin, Kokain,
Cannabis und Alkohol. Hieraus begründeten sich die auf die Arbeits- und
Leistungsfähigkeit (auswirkenden) Diagnosen. Die Entwicklung der
Drogenproblematik mit hierdurch konkommittierender Delinquenz müsse
im Zusammenhang mit den in der Kindheit erlittenen schweren
Verletzungen [...] gesehen werden, insbesondere nach der
Unterschenkelamputation im 1992. Ob und in welchem Umfang in der
Behandlung der Unfallfolgen bereits opiathaltige Schmerzmittel eingesetzt
worden sind, könne ohne Kenntnis der damals geführten Krankenakten
zumindest nicht ausgeschlossen werden. Unabhängig davon habe das
ADHS eine komorbid auftretende Beziehung zur Drogenabhängigkeit, so
dass hier nicht von einer sog. primären Sucht, sondern aufgrund bereits
vorhandener erheblicher körperlicher und psychischer
Konstellationsfaktoren ausgegangen werden müsse. Inzwischen habe der
Beschwerdeführer das Drogenproblem soweit unter Kontrolle bekommen,
als er mit der Methadon-Substitution ohne Heroingebrauch auskomme. Zu
Lanzeitentwöhnungsbehandlungen sei es bislang nicht gekommen. Der
Beschwerdeführer befinde sich in psychiatrisch kontrollierter
Substitutionsbehandlung mit Methadon bei Dr. med. E._. Er suche
ihn alle zwei Wochen zur Methadonverordnung auf. Eine weitergehende
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Behandlung finde nicht statt. Gespräche erfolgten allenfalls bei
Bedarfsanmeldung durch den Beschwerdeführer. Trotz schwerer
Commotio cerebri im 7. Lebensjahr und den Hirnkonstusionsblutungen
infolge des Verkehrsunfalls im 2002 biete sich aus neuropsychiatrischer
Sicht kein Hinweis auf eine relevante hirnorganische Schädigung oder
organische Persönlichkeitsstörung im Sinne des Kapitels F0 der ICD-10.
Weiterhin lägen keine Störungen aus dem Kapitel F2 (Schizophrenie,
schizotype und wahnhafte Beeinträchtigungen), aus den weiteren Kapiteln
F3 (affektive Störungen), F4 (neurotische-, Belastungs- und somatoforme
Störungen), F5 (Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und
Faktoren) oder F7 (Intelligenzminderung) vor. Die Lese- und
Rechtschreibschwäche F81.0 sei nach der seinerzeit erfolgten
Behandlung für die Arbeitsfähigkeit nicht mehr von Belang. Ein
Suchtleiden liege vor. Dieses sei einmal in Zusammenhang mit dem ADHS
und andererseits in den langwierigen Behandlungen der Unfallfolgen und
dadurch bedingten Schmerzen, insbesondere der
Unterschenkelamputation rechts im 1992 (zehn Jahre nach dem
Polytrauma im 1982) und der noch 2002 hinzukommenden
Polytraumatisierung zu sehen.
Gastroenterologisch sei lediglich die Hepatitis C zu erwähnen, die im Jahr
2011 erstmals beim asymptomatischen Beschwerdeführer festgestellt
worden sei. Eine Behandlung mit Harvoni sei im 2017 mit Erfolg
durchgeführt worden mit einer sogenannten sustained viral response (mit
bleibend fehlendem Nachweis von Hepatitis-C-Virusantigen). Aktuell
bestünden klinisch und labormässig keine Hinweise mehr für eine
Hepatitis. Es bestehe ein fortbestehender Äthylabsus, wobei sich aktuell
keine diesbezüglichen pathologischen Laborveränderungen nachweisen
liessen.
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Bei der internistischen Begutachtung hätten keine weiteren allgemein-
internistischen Diagnosen erhoben werden können (vgl. zum Ganzen Bg-
act. 280 S. 6 ff.).
4.1.2. Zu den funktionellen Auswirkungen der erhobenen Befunde hielten die
SMAB-Gutachterin und die -Gutachter fest, aufgrund der Pseudarthrose
der Arthrodese mit Hallux valgus-Rezidiv des linken
Grosszehengrundgelenks bestünden Einschränkungen für Tätigkeiten mit
ständigem Gehen. Eine Versorgung der Schuhe des Beschwerdeführers
mit einer Ballenrolle sei – sofern nicht bereits vorhanden – zur Entlastung
des Zehengrundgelenks zu empfehlen. Aufgrund des pseudoradikulären
Lumbalsyndroms links bestünden Einschränkungen für Tätigkeiten mit
Zwangshaltungen der Lendenwirbelsäule. Wegen der Unterschenkel-
Amputation rechts mit gelegentlichen Phantomschmerzen lägen
Einschränkungen für mittelschwere Tätigkeiten mit häufigem Gehen und
Stehen vor. Bei der verbliebenen geringen Einschränkung der Feinmotorik
der rechten Hand nach den Sehnennähten im Jahr 1979 würden
Beeinträchtigungen für Tätigkeiten mit erhöhtem Anspruch an die
Feinmotorik eingeschätzt. Es sei jedoch darauf hinzuweisen, dass nicht
nur die psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
in ihrer einschränkenden Auswirkung interferierten, sondern sich auch
jene Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gesamthaft in ihrer
Kombination ungünstig auf die psychische Belastbarkeit, das
Durchhaltevermögen, die willentliche Selbstaktivierung sowie die
Konzentrationsbelastbarkeit und Aufmerksamkeitsspanne auswirkten (vgl.
Bg-act. 280 S. 9). Daraus leiteten die SMAB-Gutachterin und die -
Gutachter folgendes Belastungsprofil ab: körperlich leichte bis
mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten mit vermehrtem Sitzen
ohne längeres Stehen und Gehen, ohne längere Zwangshaltungen der
Lendenwirbelsäule und ohne besondere Ansprüche an die Feinmotorik
der rechten Hand; zudem sollte die Tätigkeit abwechslungsreich und ohne
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Leistungs- und Zeitdruck sein (vgl. Bg-act. 280 S. 10). Während die
bisherige Tätigkeit aus gutachterlicher Sicht als nicht mehr zumutbar
erachtet wurde, wiesen die SMAB-Gutachterin und die -Gutachter in
leidensangepassten Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 80 % aus (vgl.
Bg-act. 280 S. 11).
4.2. In der angefochtenen Verfügung vom 14. Juni 2022 trat die
Beschwerdegegnerin mangels glaubhaft gemachter Veränderung der
Verhältnisse auf das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers nicht ein
(vgl. Bg-act. 437). Demgegenüber ist dieser der Ansicht, dass er mit den
von ihm ins Recht gelegten Berichten eine Verschlechterung seines
Gesundheitszustands seit der polydisziplinären Begutachtung glaubhaft
gemacht hat, insbesondere was die Suchterkrankung anbelangt. Im
Einzelnen lässt sich diesen Berichten Folgendes entnehmen:
4.2.1. In seiner E-Mail vom 14. März 2022 berichtete med. pract. D._, dass
der Beschwerdeführer zurzeit – noch diese Woche – arbeitsunfähig sei,
da er zunehmende Rückenschmerzen habe. Diese Beschwerden könne
man auf seine körperliche Dysbalance bei St. n. Unterschenkel-
Amputation rechts sowie die Halluxdeformität am linken Fuss
zurückführen. Seines Erachtens sei die Prognose ziemlich ungünstig (vgl.
Bg-act. 427).
4.2.2. Mit Bericht vom 22. Dezember 2020 führte der ehemals behandelnde
Psychiater, Dr. med. E._, aus, dass er den Beschwerdeführer seit
Jahren im Rahmen eines Methadonprogrammes begleite. Die Frage einer
Aufmerksamkeitsstörung sei schon früh immer wieder aufgetaucht, jedoch
habe die Compliance zu einer adäquaten Therapie lange nicht erreicht
werden können. Aus der frühen Anamnese vor allem während der
Schulzeit sei bekannt, dass der Beschwerdeführer häufig Einzelheiten
nicht beachtet habe, während des Unterrichts häufig Schwierigkeiten
gehabt habe, längere Zeit die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten und
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Mühe gehabt habe, sich (Aufgaben oder Aktivitäten) zu organisieren oder
an monotonen oder längerdauernden Aufgaben dranzubleiben. Er sei
dauernd "auf Achse" gewesen oder habe getrieben gewirkt, habe
übermässig viel geredet und dadurch gestört, dass er mit Antworten
vorzeitig herausgeplatzt sei. Aktuell bestünden weiterhin Symptome wie
häufige Flüchtigkeitsfehler oder Fehler durch überhastetes Arbeiten. Er
müsse sich zwingen, verlangsamt zu arbeiten, um Flüchtigkeitsfehler zu
vermeiden. Er habe auch Schwierigkeiten, Aufgaben zu beenden und sei
unfähig, die Aufmerksamkeit bei einer Arbeit länger aufrechtzuerhalten,
sei schnell abgelenkt durch eigene Gedanken und könne sich deswegen
auch nicht länger auf ein Gespräch konzentrieren, weshalb er dann auch
für Aussenstehende abwesend wirke. Er brauche deswegen klare
Strukturen und wiederholt Anleitung. Er sei auch schnell gelangweilt an
der Arbeitsstelle. Er habe noch heute Mühe stillzusitzen, sei immer in
Bewegung oder suche einen Grund, sich bewegen zu können. Er fühle
sich innerlich ruhelos und gehetzt. Er könne sich nicht entspannen. Er sei
auch als Vielredner bekannt und könne sich nur schwer zurückhalten. Als
Folge der durch die Symptome bedingten, häufig negativen Feedbacks
und auch Misserfolge leide er auch unter Selbstunsicherheit und einem
negativen Selbstbild. Auffällig sei zudem die Reaktion auf die Verordnung
von Ritalin gewesen: Sowohl dem Beschwerdeführer persönlich wie auch
dem Umfeld sei eklatant aufgefallen, wie er sich insbesondere bei der
Arbeit fokussierter (die Ablenkbarkeit durch äussere Einflüsse wie auch
durch Gedankenabschweifen seien weggefallen) und ausdauernder
gewesen sei. Dr. med. E._ schloss letztlich auf eine gemischte Form
der ADHS, weshalb er eine Behandlung mit Ritalin indiziert sah (vgl. Bg-
act. 435 S. 1 f.).
4.2.3. Im Bericht vom 5. März 2022 berichtete Dr. med. E._ bei
diagnostizierter ADHS und St. n. Missbrauch psychotroper Substanzen
von der Vorgeschichte des Beschwerdeführers. Der Beginn des
- 17 -
Missbrauchs psychotroper Substanzen gehe zurück in die Zeit, als
versucht worden sei, den Beschwerdeführer via Handelsschule beruflich
zu integrieren. Der Beschwerdeführer habe stetig wieder versucht, sich in
den Arbeitsprozess einzugliedern. Er stehe bei ihm seit einem 1996
bewilligten Methadonprogramm in Behandlung. Im Jahr 2000 sei der
Methadon-Entzug gelungen. Nach einem Selbstunfall im Jahr 2002 mit
Schädel-Hirn-Trauma und mehrtätigem Koma sei es zu einem Rückfall in
die Heroinabhängigkeit gekommen, weshalb er erneut in das
Methadonprogramm aufgenommen worden sei. Der Beschwerdeführer
sei betreffend Methadonabgabe sehr verlässlich gewesen und auch immer
offen betreffend Parallelkonsum. Längere therapeutische Phasen, welche
auf die Methadonabgabe reduziert gewesen seien, hätten im Wechsel mit
intensiveren therapeutischen Phasen früher vor allem bei Konflikten mit
seinem Vater oder Beziehungsproblemen stattgefunden. Aufgrund der
Verlässlichkeit des Beschwerdeführers sei ein stetiges Ausdehnen der
Methadonabgabe erfolgt. Betreffend der ADHS habe im Herbst 2020
endlich die Behandlungscompliance mit an sich entsprechendem Erfolg
erarbeitet werden können, welcher jedoch mangels Kostenübernahme für
das Ritalin durch die Krankenkasse gescheitert sei (vgl. Bg-act. 435
S. 3 f.)
4.3.1. In Würdigung dieser Berichte ist aus dem Vergleich der im
Verfügungszeitpunkt am 14. Juni 2022 gegebenen medizinischen
Situation und derjenigen, wie sie sich anlässlich der Verfügung vom 11.
März 2019 bot, zu schliessen, dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft
darlegen konnte, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse in einer für den
Leistungsanspruch erheblichen Weise verändert haben. In somatischer
Hinsicht ist der Stellungnahme von med. pract. D._ vom 14. März
2022 mit dem Hinweis, dass der Beschwerdeführer zurzeit bzw. noch
diese Woche arbeitsunfähig sei, weder eine längerfristige
Verschlechterung des Gesundheitszustands zu entnehmen, noch lässt sie
- 18 -
Rückschlüsse auf die zeitliche Vergleichsbasis für die angegebenen
zunehmenden Rückenschmerzen zu. Diesbezüglich fehlt in der ohnehin
sehr kurzen Bescheinigung von med. pract. D._ auch eine
entsprechende Befunderhebung (vgl. Bg-act. 427), weshalb sich die
angegebene Schmerzsymptomatik nicht plausibel nachvollziehen lässt.
Zudem waren sowohl die Unterschenkel-Amputation rechts mit
gelegentlichen Phantomschmerzen als auch die Hallux valgus-Deformität
bereits anlässlich der Begutachtung durch die SMAB AG bekannt und von
der Expertin und den Experten als Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit ausgewiesen worden (vgl. Bg-act. 280 S. 8:
Pseudarthrose mit Hallux valgus-Rezidiv der Arthrodese des linken
Grosszehengrundgelenkes am 20. November 2015 sowie Unterschenkel-
Amputation rechts am 3. Juli 1992 mit gelegentlichen
Phantomschmerzen). Die orthopädische SMAB-Gutachterin Dr. med.
J._ berücksichtigte in ihrer Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge denn auch die vom Beschwerdeführer beklagten
Schmerzen am linken Fuss und im Rücken sowie den Zustand bei dem
prothetisch versorgten rechten Unterschenkel (vgl. Bg-act. 280 S. 29 f.
und S. 36). In befundlicher Hinsicht wies sie im Bereich der unteren
Extremitäten eine normal entwickelte Ober- und Unterschenkelmuskulatur
links aus, während sich rechts eine Atrophie der Oberschenkelmuskulatur
zeigte (vgl. Bg-act. 280 S. 35). Insofern war ihr auch die bestehende
körperliche bzw. muskuläre Dysbalance aufgrund der veränderten Statik
bekannt (vgl. so auch RAD-Beurteilung vom 31. März 2022 [Bg-act. 436
S. 11]). Gleiches gilt mit Blick auf die beklagten Rückenschmerzen und
Beschwerden am linken Fuss. Im Untersuchungsbefund wies sie dazu
aus, dass das linke Grosszehengrundgelenk in 40° Dorsalextension und
Hallux valgus-Stellung steif sei und eine Schwellung am linken Grosszeh
bestehe. Zudem stellte sie bei einer harmonischen Lordose der
Lendenwirbelsäule eine Abweichung der sagittalen Ebene mit einem
minimalen Lendenwulst links fest. Eine Schmerzangabe sei bei einer
- 19 -
Reklination 30° mittig über der Lendenwirbelsäule in der Höhe der LWK4/5
erfolgt; bei der Oberkörper-Seitenneigung nach links und der Rotation des
Oberkörpers nach links sei ein Druck rechts paravertebral angegeben
worden (vgl. Bg-act. 280 S. 34 f.). Ausserdem zeigte das im Rahmen der
Begutachtung durchgeführte Röntgen der Lendenwirbelsäule eine
linkskonvexe Skoliosefehlhaltung mit Schiefstand des Beckens bei
Beckentiefstand linksseitig und das nachgereichte Röntgen des linken
Fusses eine Pseudarthrose (vgl. Bg-act. 280 S. 35). Die vorgenannten
gutachterlichen Diagnosen einer Pseudarthrose mit Hallux valgus-Rezidiv
der Arthrodese des linken Grosszehengrundgelenkes, dem Status nach
Unterschenkel-Amputation rechts und des pseudoradikulären
Lumbalsyndroms links bei rechts-links-konvexer thorakolumbaler Skoliose
erweisen sich demnach genauso wie deren Herleitung (vgl. vorstehende
Erwägungen 4.1 und 4.1.1) als nachvollziehbar. Diesen wurden auch
insoweit die Arbeitsfähigkeit einschränkende Auswirkungen
zugeschrieben, als aufgrund der Beschwerden am linken Fuss
Einschränkungen bei Tätigkeiten mit ständigem Gehen bestünden, wegen
des pseudoradikulären Lumbalsyndroms links Tätigkeiten mit
Zwangshaltungen ungeeignet seien und aufgrund der Unterschenkel-
Amputation Beeinträchtigungen für mittelschwere Tätigkeiten mit
häufigem Gehen und Stehen vorlägen (vgl. Bg-act. 280 S. 39, wobei das
pseudoradikuläre Lumbalsyndrom links korrekterweise als Diagnose mit
Relevanz für die Arbeitsfähigkeit aufzuführen gewesen wäre [vgl. Bg-
act. 280 S. 37]). Insofern liegt in somatischer Hinsicht aufgrund der
ohnehin sehr kurzen und nicht weiter substanziierten Stellungnahme von
med. pract. D._ vom 14. März 2022 nicht nahe, dass sich seit der
Begutachtung des Beschwerdeführers im September 2018 hinsichtlich der
beklagten Beschwerden im Rücken und im linken Fuss sowie des
Zustands aufgrund der Unterschenkel-Amputation eine für den
Rentenanspruch relevante Verschlechterung eingestellt hätte. Im Übrigen
führte auch der nicht näher bekannte operative Eingriff am linken Fuss am
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13. November 2019 mit erfreulichem Genesungsverlauf nur zu einer
vorübergehenden, kurzzeitigen Unterbrechung der in einem
Beschäftigungsgrad von 80 % durchgeführten
Eingliederungsmassnahmen (vgl. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen
vom 13. November 2019 und 2. Dezember 2019 [Bg-act. 366 f.];
Nachrichten des Beschwerdeführers vom 18. März 2020, vom
23. Dezember 2019, vom 19. Dezember 2019 und vom 27. November
2019 [Bg-act. 392 S. 3 f.] sowie vom 3. März 2020, vom 6. Januar 2020
und vom 18. Dezember 2019 [Bg-act. 415 S. 11 ff.]; Nachricht von der
Eingliederungsberaterin vom 24. Dezember 2019 [Bg-act. 369 S. 2];
Mitteilung betreffend Kostengutsprache für eine erneute
Vorbereitungsmassnahme vom 7. Januar 2020 [Bg-act. 375];
Schlussbericht der Stiftung C._ vom 19. November 2019 [Bg-act. 361
S. 3]; Zielvereinbarung zum Einsatzprogramm vom 6./20. Januar 2020
[Bg-act. 408]; vgl. ferner Mitteilung betreffend Kostengutsprache für eine
Vorbereitungsmassnahme vom 27. September 2019 [Bg-act. 331] und
Zielvereinbarung vom 24. September 2019 [Bg-act. 326] sowie
Controllingbericht der Stiftung C._ vom 17. Januar 2020 [Bg-
act. 381]).
4.3.2. Ebenso wenig wurde mit Blick auf den psychischen Gesundheitszustand
eine anspruchsrelevante Gesundheitsverschlechterung glaubhaft
gemacht. Hinsichtlich der anamnestisch ausgewiesenen
Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wies bereits der
psychiatrische Gutachter Dr. med. K._ im SMAB-Gutachten vom 30.
November 2018 mit einer einfachen Aufmerksamkeits- und
Hyperaktivitätsstörung im Kindes- mit Übergang in das Erwachsenenalter
(ICD-10 F90.0) genauso wie sodann Dr. med. E._ im Bericht vom 22.
Dezember 2020 und der darin ausgewiesenen gemischten Form der
ADHS eine hyperkinetische Störung beim Beschwerdeführer aus (vgl. Bg-
act. 280 S. 82 und Bg-act. 435 S. 2). Schon der psychiatrische Gutachter
- 21 -
berücksichtigte anlässlich der gutachterlichen Exploration die auch von Dr.
med. E._ mit Bericht vom 22. Dezember 2020 ausgewiesene, bis ins
Kindesalter zurückreichende Symptomatik mit einer anamnestisch
berichteten, seit der Kindheit bestehenden Unruhe, einem fehlenden
Angstbewusstsein, den vielen erlittenen Unfällen (vgl. Bg-act. 280 S. 71 f.)
sowie die Verhaltensauffälligkeiten und Schwierigkeiten in der Schulzeit.
So gab der Beschwerdeführer im Rahmen der Begutachtung an, in der
Schule sei es ihm langweilig gewesen. Lieber habe er auf einem
Bauernhof mitgearbeitet. Probleme habe es mit dem Lesen gegeben, auch
bei den Diktaten sei er nicht so schnell mitgekommen. Oft sei er im
Unterricht aufgestanden, herumgelaufen, habe den Unterricht gestört und
sei der Klassenclown gewesen. Wegen seines Verhaltens habe er oft in
die Ecke gehen müssen oder sei auch des Unterrichts verwiesen worden.
Die Aufmerksamkeit und Konzentration seien ihm schwergefallen (vgl. Bg-
act. 280 S. 74). Diese Begebenheiten ordnete der psychiatrische SMAB-
Experte – wie bereits hiervor dargelegt – im Sinne einer seinerzeit nicht
erkannten und deswegen auch nicht behandelten einfachen Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) zu, welche bereits von Dr. med. E._
in einem Bericht vom Oktober 2011 als Diagnose mit funktionellen
Auswirkungen erwähnt worden sei. Diese häufig genetisch determinierte
Störung – so Dr. med. K._ weiter – sei mit verschiedenen komorbiden
Störungen wie Legasthenie, Abgleiten in eine Alkohol- und
Drogenabhängigkeit, Depression und Persönlichkeitsstörungen
verbunden (vgl. Bg-act. 280 S. 80 f.). Darüber hinaus hielt Dr. med.
K._ fest, dass der Beschwerdeführer anlässlich der gutachterlichen
Untersuchung von einem ständigen Bewegungsdrang, einer inneren
Unruhe, fehlgeschlagenen beruflichen Versuchen sowie einem Abgleiten
in einen Drogenkonsum berichtet habe (vgl. Bg-act. 280 S. 81). Letztlich
führte der psychiatrische SMAB-Experte zusammenfassend aus, der
Beschwerdeführer habe schon im frühen Kindesalter durch
Unachtsamkeit, Selbstüberschätzung und mangelndem
- 22 -
Gefahrenbewusstsein zahlreiche Bagatell-, darunter auch erhebliche
Unfallverletzungen erlitten. Diese Unfallhäufung in Verbindung mit den
schulischen Verhaltensauffälligkeiten und die Entwicklung einer
Drogenabhängigkeit mit Delinquenz seien charakteristisch für eine
einfache ADHS, welche im Kindesalter nicht erkannt und behandelt
worden sei und somit in veränderter Symptomform ins Erwachsenenalter
persistiere (vgl. Bg-act. 280 S. 85). Damit besteht weder in diagnostischer
noch in befundlicher Hinsicht eine namhafte Diskrepanz zwischen den
Beurteilungen von Dr. med. K._ und Dr. med. E._ (vgl. Berichte
von Dr. med. E._ vom 22. Dezember 2020 [Bg-act. 435 S. 1 f.] und
vom 5. März 2022 [Bg-act. 435 S. 3 f.], in welchem dieser ebenfalls ein
ADHS gemäss ICD-10 F90.0 als Diagnose auswies). Vielmehr flossen die
auch von Letzterem genannten Symptome, wie die beeinträchtigte
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit, die bestehende
Ablenkbarkeit, der ständige Bewegungsdrang, die schulischen
Schwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten sowie die beruflichen
Misserfolge bereits in die gutachterliche Würdigung der medizinischen
Zusammenhänge und der daraus resultierenden funktionellen
Auswirkungen ein (vgl. Bg-act. 280 S. 80 ff.). Dass sich diesbezüglich im
Verlauf seit der Begutachtung eine Verschlechterung eingestellt hätte, ist
nicht ersichtlich (vgl. so auch RAD-Beurteilung vom 13. Juni 2022 [Bg-
act. 436 S. 12]). Zwar führte Dr. med. E._ in seinem Bericht vom
22. Dezember 2020 aus, dass der Beschwerdeführer unter Behandlung
mit Ritalin bei der Arbeit eklatant viel fokussierter und ausdauernder
gewesen sei als vorher, indem die Ablenkbarkeit durch äussere Einflüsse
sowie durch das Gedankenabschweifen weggefallen seien (vgl. Bg-
act. 435 S. 2). Diese Behandlung musste indes nach Angaben von Dr.
med. E._ nach der verweigerten Kostenübernahme für das Ritalin
durch die Krankenkasse wieder eingestellt werden (vgl. Bericht vom 5.
März 2022 [Bg-act. 435 S. 4]). Insofern ist diesbezüglich von einem
stationären Zustand auszugehen.
- 23 -
4.3.3. Schliesslich versucht der Beschwerdeführer insbesondere mit dem Bericht
von Dr. med. E._ vom 5. März 2022 hinsichtlich seiner
Suchterkrankung eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands
glaubhaft zu machen. Mit Blick auf die Suchtleiden geht in anamnestischer
Hinsicht indes bereits aus dem psychiatrischen SMAB-Teilgutachten
hervor, dass der Beschwerdeführer nach der Beinamputation im Jahr 1992
zu konsumieren begonnen habe. Er sei dazu (wegen der
Schmerzlinderung) von einem Kollegen verleitet worden. Erst habe er es
geraucht, dann mit Kokain zusammen als Cocktail gespritzt. Dies sei
sechs bis acht Jahre so gegangen, phasenweise mal mehr, dann wieder
weniger. Ein Entzug von Heroin habe nie funktioniert. Er habe massive
Entzugserscheinungen bekommen, weil er wohl schon von Kindheit an an
Opiate gewöhnt gewesen sei. Heroinentzüge habe er mehrfach gemacht.
Letztes und vorletztes Jahr habe er auch einmal Kokain von einem
Mitbewohner zum Rauchen bekommen. Dies bringe ihm nichts. Heroin
habe er nach dem Tod seiner Grossmutter im Jahr 2007 nicht mehr
genommen. Cannabis rauche er vermehrt von Herbst bis zum Frühjahr;
von Frühjahr bis zum Herbst baue er Hanf selbst an. Laut ärztlicher
Verordnung erhalte er THC nur in Form von Öl oder Tabletten. Er
konsumiere nur abends, allein schon wegen des Autofahrens. Alkohol
trinke er seit der Kindheit. Im Alter von 13 Jahren habe er eine
Alkoholvergiftung mit selbstgebranntem Schnaps gehabt. [...] Derzeit
trinke er ca. sechs bis acht Mal 1⁄2 Liter Bier in der Woche; es könnten auch
mal 12 bis 15 Dosen sein. Einmal im Monat sei er schon betrunken. Ein
Problem sehe er da nicht für sich. Zu körperlichen Entzugserscheinungen
sei es bislang noch nie gekommen. Nikotin rauche er seit dem 19.
Lebensjahr (vgl. Bg-act. 280 S. 73). Insofern war dem SMAB-Experten Dr.
med. K._ anlässlich der psychiatrischen Begutachtung im Herbst
2018 die langjährige Polytoxikomanie bereits genauso bekannt wie der
Umstand, dass der Beschwerdeführer seit Jahren im Rahmen eines
Substitutionsprogramms mit Methadon behandelt wird (vgl. Bg-act. 280
- 24 -
S. 72, S. 76, S. 81 f. und S. 84; vgl. so auch Berichte von Dr. med.
E._ vom 14. Oktober 2011 [Bg-act. 35], vom 3. November 2001 [Bg-
act. 273 S. 584], vom 5. Mai 2001 [Bg-act. 273 S. 574] und vom 1. Juli
2000 [Bg-act. 273 S. 567]; Bericht von Dr. med. L._ vom
2. September 2011 [Bg-act. 31 S. 1 f.]; RAD-Abklärungsbericht vom
7. Oktober 2016 [Bg-act. 196 S. 2 und S. 4]; ferner Evaluationsgespräch
Arbeitnehmende vom 14. Juli 2011 [Bg-act. 27 S. 2]). Demnach ergibt sich
auch aus der ebenfalls im Vorbescheidverfahren beigebrachten
Anmeldung zur Substitutionsbehandlung nichts Neues (vgl. Bg-act. 435
S. 5 ff.). Der psychiatrische SMAB-Gutachter ordnete zudem die bekannte
Suchterkrankung im Rahmen der anamnestisch ausgewiesenen ADHS
ein, indem er dieser einerseits eine komorbid auftretende Beziehung zur
Drogenabhängigkeit beimass (vgl. Bg-act. 280 S. 81), und andererseits
das Suchtleiden im Zusammenhang mit den langwierigen Behandlungen
der Unfallfolgen bzw. der dadurch bedingten Schmerzen sah (vgl. Bg-
act. 280 S. 82). Zudem führte Dr. med. K._ aus, dass der
Beschwerdeführer das Drogenproblem insoweit unter Kontrolle
bekommen habe, als er mit der Methadon-Substitution ohne
Heroingebrauch auskomme. Cannabis habe beim Beschwerdeführer eine
Art Nimbusrolle als Pflanze, deren Wirkstoff er in zweifacher Weise
konsumiere, zum einen aus Eigenbeschaffung, zum anderen als ärztlich
verordnete Schmerzbehandlung. Die stimulierende Wirkung des Kokains
werde durch das Austarieren mit dem Cannabis eingegrenzt. Auf diesem
jahrelang bestehenden Konsumniveau sei es ihm auch möglich gewesen,
verschiedene Tätigkeiten (als Chauffeur, Kioskbetreiber,
Werkstattarbeiter) zu verrichten (vgl. Bg-act. 280 S. 81). In diesem
Zusammenhang geht auch in berufspraktischer Hinsicht aus den
Rückmeldungen des Einsatzprogramms der Stiftung C._ hervor, dass
der Beschwerdeführer ein fleissiger und belastbarer Mitarbeiter gewesen
sei, der seine Arbeiten sehr sorgfältig und zur Zufriedenheit des
Arbeitsgebers ausgeführt habe (vgl. Zeugnisse der Stiftung C._ vom
- 25 -
20. März 2020 [Bg-act. 399] und vom 25. November 2019 [Bg-act. 357];
vgl. ferner Schlussbericht vom 19. November 2019 [Bg-act. 361 S. 3]).
Hinsichtlich der in einem 80 %-Pensum ausgeübten Tätigkeit bei der
Stiftung C._ gab der Beschwerdeführer denn auch selbst an, dass er
den Einsatz gut habe umsetzen und die ihm übertragenen Aufgaben ohne
Beschwerden habe ausführen können, dem die zuständige
Eingliederungsfachperson beipflichtete (vgl. Abschlussgespräch vom 12.
November 2019 [Bg-act. 354] und Schlussbericht vom 19. November 2019
[Bg-act. 361 S. 3] sowie Protokoll Standortgespräch vom 20. Februar 2020
[Bg-act. 403]). Da Dr. med. E._ in seinem Bericht vom 5. März 2022
letztlich einen in den Eckpunkten mit demjenigen von Dr. med. K._
übereinstimmenden Verlauf des Suchtleidens beschrieben und zudem von
keiner etwaigen Verschlechterung der Suchtproblematik seit der
Begutachtung im Herbst 2018 berichtet hat (vgl. Bg-act. 435 S. 3 f.), fällt
gestützt darauf eine Glaubhaftmachung eines veränderten
Gesundheitszustands von vornherein ausser Betracht. Hinzuweisen ist
zudem, dass die mit BGE 145 V 215 vollzogene Praxisänderung, wonach
fortan – gleich wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen – nach
dem strukturierten Beweisverfahren zu ermitteln ist, ob und
gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes
Abhängigkeitssyndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt (vgl.
dortige E.5 und E.6.2), an und für sich nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung keinen hinreichenden Anlass bildet, um vom Grundsatz
der Nichtanpassung eines formell rechtskräftigen Verwaltungsentscheids
an eine geänderte Rechtspraxis abzuweichen, mithin per se keinen
Neuanmeldegrund schafft (BGE 147 V 234 E.5 f.; Urteile des
Bundesgerichts 8C_556/2021 vom 2. Dezember 2021 E.5.3 und
8C_41/2021 vom 22. Juli 2021 E.5.3).
5. In Gesamtwürdigung der Umstände ist somit nicht zu beanstanden, wenn
die Beschwerdegegnerin mangels glaubhaft gemachter Verschlechterung
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des somatischen oder psychischen Gesundheitszustands durch den
Beschwerdeführer nicht auf dessen Leistungsbegehren eingetreten ist.
Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen.
6. Laut Art. 61 lit. fbis ATSG i.V.m. Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest. Beim vorliegenden Prozessausgang wird der unterliegende
Beschwerdeführer kostenpflichtig (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).
Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).
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