Decision ID: 41bf7547-7a9e-42a6-ab04-dca491564ec2
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
war Inhaber des Einzelunternehmens
Z._
. Das Geschäftsjähr der betreffenden Firma dauerte jeweils vom 1. April bis am 31. März
des Folgejahres
(
Urk.
7 S. 2). Mit dem Erreichen des Pensionsalters gab er am 31. März 2011 seine selbständige Erwerbstätigkeit auf (
Urk.
10 S. 2).
Das Kantonale Steueramt Zürich meldete der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, am 2
2.
Juli 2013 (Eingangsdatum) ein für
X._
im Steuerjahr 2011 definitiv veranlagtes Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit von
Fr.
260‘124.00 und ein im Betrieb investiertes Eigenkapital in der Höhe von
Fr.
207‘284.00 (
Urk.
8/68). Gestützt darauf setzte die Verwaltung m
it Nachtragsverfügung vom 8. August 2013
die per
sönlichen Beiträge von
X._
aufgrund eines aus selbständiger Er
werbstätigkeit
erzielten Einkommens von gerundet Fr. 285‘400.
-- auf Fr.
28‘237.65
(
inklusive Verwaltungskosten
)
fest
(Urk. 8/70). Die dagegen vom Verpflichteten am 30. August 2013 erhobene Einsprache (
Urk.
8/72) wies die Ausgleichskasse mit Entscheid vom
21. November 2014 ab (Urk.
8/84 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 21. November 2014 erhob
X._
am 30. Dezember 2014 Beschwerde
(
Urk.
1)
und beantragte,
die persönlichen Beiträge seien gestützt auf ein
E
inkommen von Fr. 264‘717.-- zu ermitteln
, wobei aufgrund der einzig noch vom 1. Januar bis am 31. März 2011 dau
ernden Geschäftstätigkeit von einem beitragspflichtigen Einkommen von Fr. 66‘175.00 auszugehen sei; eventuell betrage dieses
Fr.
71‘350.00.
Mit Beschwerdeantwort vom 12. Februar 2015 schloss die Ausgleichskasse auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7)
.
Hiezu
nahm der
Besch
werdeführer am
9.
März 2015
Stellung (Urk. 10), wogege
n die Beschwerdegegnerin am 17.
April 2015 auf ergänzende Ausführungen verzichtete (
Urk.
13).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Vom Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit
werden Beiträge erhoben (Art. 3 f
.
und 8 f. des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
[AHVG]; Art. 2 und 3 des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung [IVG]; Art. 26 und 27 des Bundesgesetzes über den
Erwerbser
satz
für Dienstleistende und bei Mutterschaft [EOG]). Gemäss Art. 22 der Ver
ordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV) werden die Beiträge vom Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit für jedes
Bei
tragsjahr
festgesetzt, wobei das Kalenderjahr als Beitragsjahr gilt (
Abs.
1). Die Beiträge bemessen sich aufgrund des im Beitragsjahr tatsächlich erzielten Erwerbseinkommens und des am 31. Dezember im Betrieb investierten
Ei
genkapitals
(Abs. 2).
Stimmt das
Geschäftsjahr nicht mit dem Beitragsjahr über
ein, so wird das Einkommen nicht zwischen den Beitragsjahren aufge
teilt (
Abs.
3).
Das Einkommen wird nicht in ein Jahreseinkommen umgerech
net (
Abs.
5).
1.2
Das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit und das im Betrieb einge
setzte eigene Kapital werden von den kantonalen Steuerbehörden ermittelt und den Ausgleichskassen gemeldet (Art. 9
Abs.
3 AHVG). Die Angaben der kantonalen Steuerbehörden sind für die Ausgleichskassen verbindlich (Art. 23
Abs.
4 AHVV). Die Ausgleichskassen verlangen für di
e ihnen angeschlos
senen
Selbst
ändigerwerbenden
von den kantonalen Steuerbehörden die für die Berechnung der Beiträge erforderlichen Angaben.
1.3
Aufgrund der Änderung vom 17. Juni 2011 des Bundesgesetzes über die Al
ters- und
Hinterlassenenversicherung
trat am 1. Januar 2012 Art. 9
Abs.
4 AHVG in Kraft, welcher regelt, dass die steuerrechtlich zulässigen Abzüge der Beiträge von den Ausgleichskassen zum von den Steuerbehörden gemeldeten Einkommen hinzuzurechnen sind. Das gemeldete Einkommen ist dabei nach Massgabe der geltenden Beitragssätze auf 100 Prozent aufzurechnen. Unter dem Titel "Aufrechnung steuerrechtlich zulässiger Abzüge" sieht die diesbe
zügliche Übergangsbestimmung des AHVG vor, dass Art. 9
Abs.
4 AHVG für alle Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit gilt, die nach dem In
krafttreten dieser Änderung von den
Steuerbehörden gemeldet werden (BGE 139 V 537 E. 2.2).
1.4
Das
Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV)
hat die Ausgleichskassen in
Rz
. 1095 der Wegleitung über die Beiträge der
Selbständigerwerbende
n
und Nichterwerbstätigen
in der AHV, IV und EO (
WSN; gültig ab 1. Januar 2012
) angewiesen, die für die Bestimmung des steuerbaren Einkommens in Abzug gebrachten persönlichen AHV/IV/EO-Beiträge aufzurechnen. Sie haben ge
mäss
Rz
. 1169
der
WSN die von den Steuerbehörden gemeldeten Einkommen als Nettoeinkommen zu betrachten. Entsprechend wiederholt
Rz
.
1170
der
WSN, dass die Kassen die AHV/IV/EO-Beiträge zum gemeldeten Einkommen hinzuzurechnen haben
(BGE 139 V 537 E. 2.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte
im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 21. November 2014
zur Begründung aus, die Nachzahlung für die im Jahr 2011 angefallenen persönlichen Beiträge, die im 2013 geleistet worden sei, könne nicht nachträglich als Abzug für das Jahr 2011 geltend gemacht wer
den.
Beitragszahlungen
seien als Abzug in dem Jahr geltend zu machen, in w
elchem
sie geleistet worden seien
. In den Beitragsverfügungen habe jeweils der entsprechende Hinweis gefehlt, dass das Geschäftsjahr des Einzelunter
nehmens des Beschwerdeführers vom 1. April des Vorjahres bis zum
31. März des Folgejahres gedauert habe. Dass das Geschäftsjahr nicht mit der Beitragsperiode übereinstimme, habe dem Beschwerdeführer aufgrund der Handhabung in früheren Jahren jedoch bekannt sein müssen
. Falls der
Bei
tragsberechnung
nur ein Viertel des gemeldeten Einkommens zugrunde ge
legt
werde
,
w
ürden
für die Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 2010 keine persönlichen Beiträge abgerechnet werden
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber au
f
den Standpunkt,
der Ermittlung des beitragspflichtigen Einkommens sei nicht der im Jahresab
schluss per 31. März 2011 enthaltene Kreditor für die Beiträge an die
Aus
gleichskasse
in der Höhe von
Fr.
3‘491.00 zugrunde zu legen, sondern der mit Rechnung
der Beschwerdegegnerin
vom 8. August 2013 eingeforderte Beitrag im Umfang von
Fr.
24‘250
.
Für die Beitragsberechnung sei – ange
sichts seiner Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit
per Ende März 2011
– einzig das in der Zeit vom 1. Januar bis am 31. März 2011 erzielte
Ein
kommen
zu
berücksichtigen (
Urk.
1)
.
3.
3.1
Beim von der Steuerbehörde am 2
2.
Juli 2013 gemeldeten Einkommen
des Beschwerdeführers
aus selbständiger Erwerbstätigkeit
2011 handelt es sich um das um die steuerrechtlich zulässigen AHV/IV/EO-Beitrags
zahlungen
ge
kürzte Nettoeinkommen.
Die Ausgleichskasse hat dann die
entsprechenden
AHV/IV/EO-Beiträge auf dem Nettoeinkommen aufzurechnen.
Der Sinn liegt darin, dass auch Selb
ständigerwerbende Beiträge aufgrund des rohen Einkommens (abzüglich der gesetzlich zugelassenen Abzüge) zu entrichten haben, und nicht etwa auf der Basis eines um die geleisteten Beiträge gekürzten Einkommens. Dies wäre eine Ungleichbehandlung gegenüber
Unselbständigerwerbenden
.
A
us diesem Grund
kann vom gemeldeten Nettoeinkommen von vornherein
kein
für AHV/IV/EO
-Beitragsforderungen gebildeter
Kreditor
abgezogen wer
den,
unabhängig davon, ob er Fr. 3‘491.-- oder
Fr.
24‘250.
--
beträgt
.
Daran ändert nichts,
dass auf der Steuerseite entsprechende Beitragsabzüge grund
sätzlich zulässig sind.
Jedwelche
Abzüge für noch zu erwartende Beiträge dürfen vom rohen Ein
kommen nicht erfasst werden, sind sie doch in Art. 9
Abs.
1 AHVG nicht enthalten. Sinn des Gesetzes ist denn auch klarerweise ein -
Unselbständi
gerwerbenden
gegenüber äquivalentes - Substrat zu bezeichnen, auf
wel
chem
Beiträge zu entrichten sind. Und hiervon sind weder bereits bezahlte noch zu erwartende Beiträge abzugsfähig, verminderte sich doch ansonsten das Beitragssubstrat zu Unrecht.
Unselbständigerwerbende
sind
auch auf der Basis des Brutto- und nicht des Nettolohnes beitragspflichtig.
Zutreffend mag sein, dass der Beschwerdeführer bei diesem Ergebnis steuer
lich benachteiligt ist, weil der steuerlich zulässige Abzug für die Beiträge be
treffend das rechtskräftig veranlagte Jahr 2011 - wie sich nun aufgrund der Nachtragsforderung ergibt - zu tief ausgefallen ist. Dies ist indes ein steuer
rechtliches Problem, welches nicht im vorliegenden
sozialversicherungs
rechtlichen
Verfahren korrigiert oder kompensiert werden kann. Der Ur
sprung der Problematik hat denn auch der Beschwerdeführer zu verantwor
ten, welcher es während des Geschäftsjahres 2010/2011 in Verletzung seiner Meldepflicht gemäss Art. 24
Abs.
3 AHVV unterlassen hat, sein - gegenüber dem provisorisch deklarierten Einkommen - massiv höheres Einkommen (
Fr.
260‘124.29 [
Urk.
8/78/1] statt
Fr.
159‘368.35 [
Urk.
8/45]) gegenüber der Beschwerdegegnerin zu melden, um entsprechend korrigierte
Akontorech
nungen
zu erhalten, welche Eingang in die Jahresrechnung hätten finden können.
3.2
3.2.1
Die Beiträge
werden
aufgrund des Einkommens nach dem Ergebnis des oder der im Beitragsjahr abgeschlossenen Geschäftsjahre festgesetzt (Geschäfts
abschluss
). Das Einkommen wird nicht in ein Jahreseinkommen umgerechnet (
Rz
. 1136 der WSN;
siehe auch E. 1.1
hievor
).
3.2.2
Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass das Geschäftsjahr des Einzelunternehmens
Z._
vom 1. April bis am 31
. M
ärz des Folgejahres dauerte (
Urk.
1 S. 4 und
Urk.
7 S. 2).
Folglich wurden auch die persönlichen Beiträge jeweils für die entsprechende Zeitspanne und gestützt auf das dabei erzielte Erwerbseinkommen verfügt.
Das letzte Geschäftsjahr der
Z._
umfasste die Zeitperiode
vom 1.
April 2010 bis am 31. März 2011, wobei letzteres Datum mit der Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers übereinstimmt.
Der Verfügung vom 8. August 2013
betreffend Beitragsjahr 2011
lag
damit
das
Einkommen
des Pflichtigen
aus selbständiger Erwerbstätigkeit vom 1. April 2010 bis am 31.
März 2011
zugrunde, zumal keine Anhaltspunkte bestehen, dass die Beschwerdegegnerin zwischenzeitlich ihre Abrechnungsperiode geändert hat
. Entsprechend kann der Argumentation des Beschwerdeführers nicht gefolgt werden, wonach nur ein Viertel des
im Jahresabschluss 2010/2011 ausgewiesenen
Einkommens
als beitragspflichtiges Einkommen
zu berücksichtigen sei (Urk. 1 S. 3), hätte dies doch zur Konsequenz, dass
im letzten Beitragsjahr während neun Monate
n
kein
e
Beitragszahlungen
verabgabt
würden.
Dies würde
Art.
8
Abs.
1 AHVG widersprechen, wonach vom Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit ein Beitrag erhoben wird. Die Beitragserhebung erfolgte jeweils
nach
schüssig basierend auf dem bis Ende März des jeweiligen Jahres dauernden Geschäftsjahr
s.
Zu ergänzen bleibt, dass a
uch auf Steuerpflichtige mit selbständiger Erwerbstät
igkeit
grundsätzlich die allgemeine Regel Anwendung
findet
, wo
nach sich das steuerbare Einkommen nach den Einkünften in der
Steuerperi
ode
bemisst (
Art.
41
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer [DBG]). Besonderheiten können sich jedoch ergeben, wenn der Geschäftsab
schluss nicht per Ende Jahr, sondern im Verlauf der Steuerperiode erfolgt. Für diese Fälle bestimmt das Gesetz, es sei für die Ermittlung des Einkom
mens aus selbständiger Erwerbstätigkeit jeweils der in die Steuerperiode fal
lende Geschäftsabschluss massgebend (
Art.
41
Abs.
2 DBG,
Rich
ner
/Frei/Kaufmann/
Meuter
, Handkommentar zum DBG, Zürich 2016
,
Art.
41 N 120 f.
).
Dem Beschwerdeführer ist einzig insoweit beizupflichten, dass auf der
Nach
tragsverfügung
vom
8.
August 2013 als Abrechnungsperiode die Zeitspanne vom
1.
Januar bis am 3
1.
März 2011 aufgeführt ist. Effektiv wurde aber bei der Festsetzung der Beiträge – wie ausgeführt –
jeweilen
auf das vom 1. April bis am 3
1.
März des Folgejahres erzielte Erwerbseinkommen abge
stellt, was dem Beschwerdeführer aufgrund der langjährigen gelebten Praxis hinlänglich bekannt war. Lediglich der definitive Beitragsabzug erfolgte nachschüssig, faktisch handelte es sich um eine „verspätete“ Bezahlung be
reits vorjährig entstandener Beitragsschulden.
Zusammenfassend ist der angefochtene
Einspracheentscheid
nicht zu beanstanden. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde
.