Decision ID: aad4cb43-f22f-5dd2-9f63-4b998ca3a20a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 18. September 2018 im damaligen Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._ ein Asylgesuch, wobei er
sich – wie bei der tags zuvor erfolgten Anhaltung durch die schweizeri-
schen Grenzkontrollbehörden – zunächst mit der rubrizierten Alias-Identität
präsentierte. Die ihm abgenommene (...) Identitätskarte wurde später als
missbräuchlich verwendet erkannt und durch die kantonale Staatsanwalt-
schaft eingezogen. Am 20. September 2018 wurde der Beschwerdeführer
dem Testbetrieb Zürich zugewiesen, wo am 25. September 2018 die Per-
sonalienaufnahme (PA) und am 26. November 2018 die Anhörung zu den
Asylgründen durchgeführt wurden; dabei machte er seine erstrubrizierte
Identität geltend. Mit Zwischenverfügung vom 30. November 2018 wurde
er ins erweiterte Verfahren überwiesen und am 3. Dezember 2018 einem
Kanton zugeteilt. Gleichentags erklärte die ihm zugewiesene Rechtsvertre-
tung das Vertretungsmandat als beendet. Fortan liess sich der Beschwer-
deführer durch eine Rechtsberatungsstelle vertreten.
Anlässlich der PA und der Anhörung machte der Beschwerdeführer im We-
sentlichen Folgendes geltend: Er sei ethnischer Perser und stamme aus
Teheran, wo er stets mit seiner Mutter und seinem Bruder gelebt habe; der
Vater sei früh verstorben. Das Gymnasium habe er abgebrochen. Im Mili-
tärdienst sei er im Jahre (...) einmal für rund (...) Tage in Haft gewesen,
weil er im Fastenmonat Wasser getrunken habe. Schon als Kind habe er
(...) repariert und später erfolgreich eine eigene (...) für (...) betrieben. Sol-
che seien im Iran verboten und würden nur von Kriminellen sowie von der
Sepah (Revolutionsgarde) und den Basiji (der Sepah zugehörige, parami-
litärische Polizeimiliz) benützt. Im Jahre 2015 habe er von zwei Personen
einen Reparaturauftrag an einem (...) ausgeführt und später erfahren, dass
eine dieser Personen ([D._]) der Chef der örtlichen Basiji sei. Die-
ser habe in der Folge verlangt, dass (...) der Basiji und der Sepah unent-
geltlich repariere. Dies habe er verweigert. Im folgenden Jahr seien «drei,
vier» Leute, darunter E._, mehrmals in sein Geschäft gekommen
und hätten alles demoliert, ihn dabei geschlagen und zudem (...) mitge-
nommen. Sie hätten ihm Nachteile unbestimmter Art angedroht, sollte er
eine Zusammenarbeit weiterhin verweigern. Auch sei ihm untersagt wor-
den, weiter an (...) teilzunehmen und die (...) zu fahren. In diesem Zusam-
menhang habe er der Sepah Bussen bezahlen und sein halbes Einkom-
men abgeben müssen. Im Jahr 2017 beziehungsweise (...) 2018 sei sein
Geschäft von diesen Leuten geschlossen und versiegelt worden. In der
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Folge habe er seine Arbeit zu Hause weitergeführt, auch nachdem er etwa
im (...) 2017 von diesen Leuten auf den Posten mitgenommen, geschlagen
und unter Haftandrohung zu einem Zusammenarbeitsversprechen ge-
zwungen worden sei. Es sei zudem eine Akte über ihn angelegt worden,
mit dem Vermerk, dass er (...) von Kriminellen reparieren würde. Auf eine
telefonische Warnung und Fluchtempfehlung des ihm vermutlich aus Mit-
leid gutgesinnten E._ etwa (...) 2018 habe er sich zunächst zu sei-
ner ebenfalls in Teheran wohnhaften Tante begeben und dort in den kom-
menden drei bis vier Monaten seine Ausreise vorbereitet und organisiert,
wobei er zwischenzeitlich zu Hause gesucht worden sei. Etwa einen Monat
vor der Ausreise habe er im Übrigen eine (...) Kirche und ein paar Hauskir-
chen besucht und er sei zum Christentum konvertiert, weil er nichts mehr
mit dem Islam zu tun haben wollte. Um den (...) 2018 habe er den Iran
legal mit seinem eigenen, zuvor beschafften Reisepass auf dem Luftweg
in Richtung F._ verlassen, wobei er den Pass nach seiner Ankunft
zerrissen habe. Über verschiedene weitere europäische Länder sei er am
17. September 2018 von Italien herkommend mit einem gefälschten Doku-
ment illegal in die Schweiz gelangt; das Ziel wäre Deutschland gewesen.
Auch nach der Ausreise sei er zu Hause ein paar Mal gesucht worden. In
der Schweiz sei er in einer (...) Kirche gewesen und seine christliche Taufe
sei geplant. Politisch habe er sich nicht betätigt.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer Kopien seiner Shenasname,
seines Wehrdienstausweises, eines Taufbekenntnisses der (...) Gemeinde
in der Schweiz vom (...) 2019 sowie eine am 2. Juni 2020 eingereichten
Niederschrift seiner Asylgründe zu den Akten. In der letzteren bekräftigt er
seine mündlich deponierten Gründe und ergänzt diese insbesondere mit
angeblich erlebten Angriffen und Folterungen sowie einer (...) beziehungs-
weise (...) Haft. Die Erlebnisse würden ihn psychisch belasten, weshalb er
in der Schweiz in psychiatrischer Behandlung sei. Weiter erwähnt er als
Motiv der Warnung von E._, dass dieser sich in ihn verliebt habe.
Im Übrigen habe er in der Schweiz auch Freunde von der christlichen Re-
ligion zu überzeugen versucht.
B.
Nachdem der Beschwerdeführer am 20. März 2019 auch in Deutschland
um Asyl ersucht hatte und die deutschen Behörden um dessen Wiederauf-
nahme aufgrund der Dublin-Vertragsgrundlagen ersucht hatten, stimmte
das SEM diesem Ersuchen am 7. Mai 2019 zu. Der Beschwerdeführer
reiste indessen bereits am 4. April 2019 freiwillig wieder in die Schweiz ein.
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C.
Mit Verfügung vom 23. Juni 2020 – eröffnet am 24. Juni 2020 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
und lehnte dessen Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es seine Wegwei-
sung aus der Schweiz und den Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 22. Juli 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen diese
Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin beantragt
er deren Aufhebung, die Gewährung von Asyl unter Feststellung seiner
Flüchtlingseigenschaft, (eventualiter) die Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme unter Feststellung der Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmög-
lichkeit des Wegweisungsvollzuges sowie in verfahrensrechtlicher Hinsicht
die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses, die Beiordnung eines unentgeltli-
chen Rechtsbeistandes sowie «evt.» die Wiederherstellung der aufschie-
benden Wirkung.
E.
Mit Verfügung vom 23. Juli 2020 stellte der Instruktionsrichter den einst-
weilen rechtmässigen Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz
während des Beschwerdeverfahrens fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
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(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.4 Die Gesuche um Gewährung aufschiebender Wirkung und Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses werden mit dem vorliegenden ver-
fahrensabschliessenden Direktentscheid in der Sache hinfällig. Im Übrigen
ist festzuhalten, dass die aufschiebende Wirkung in der angefochtenen
Verfügung nicht entzogen wurde.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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Wer erst durch die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder
wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgungssituation be-
gründet hat (sog. subjektive Nachfluchtgründe), hat grundsätzlich ebenfalls
Anspruch auf die Flüchtlingseigenschaft; verwehrt bleibt einzig das Asyl
(vgl. Art. 54 AsylG). Keine Flüchtlinge sind jedoch Personen, die Gründe
geltend machen, die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden
sind und weder Ausdruck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder
Herkunftsstaat bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei
die Einhaltung der FK dennoch vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG). Es
bleiben damit die Anforderungen an den Nachweis einer begründeten
Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG).
Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen oder
zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
4.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
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Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte das
SEM die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen als den Anforderungen
von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit und jenen von Art. 3 AsylG an die
flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügend. Die angebliche Verfol-
gung durch die Basiji sei von Unlogik geprägt (z.B. angebliche Abhängig-
keit der Basiji von ihm in der Metropole Teheran wegen seiner besonderen
Berufsfähigkeiten und –spezialisierung; dennoch Verzicht der Basiji auf An-
strebung einer einvernehmlichen Lösung; Forderung einer institutionali-
sierten und mit einem Budget versehenen staatlichen Streitkraft nach Un-
entgeltlichkeit der Reparaturarbeiten; nicht einleuchtende Kehrtwende von
E._ angesichts dessen eigener Gefährdung durch seine Warnung;
Versteckthalten bei Tante und Passausstellung trotz angeblicher behördli-
cher Suche; Ausreise mit dem eigenen Reisepass über den gut kontrollier-
ten Flughafen in Teheran). Weiter müssten Teile der nachgereichten schrift-
lichen Asylbegründung als unbeachtliche Nachschübe qualifiziert werden
(z.B. Liebesmotiv im Verhalten von E._, missionarische Aktivitäten
des Beschwerdeführers in der Schweiz, erlebte Folter). Im Weiteren habe
er die Probleme mit den iranischen Behörden während seines Aufenthalts
bei der Tante und nach der Ausreise, seine Bewusstwerdung einer Konver-
sion, die Grundlagen der christlichen Glaubenslehre wie auch seine Aus-
übung des christlichen Glaubens überaus substanzarm geschildert. Die
Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Konversion würden durch das vorge-
legte Taufbekenntnis nicht umgestossen. Hinzu kämen mehrere Unstim-
migkeiten, Widersprüche und Präzisionsdefizite im chronologischen Ablauf
der Geschehnisse. Seine abgegebenen Erklärungen zu den Unstimmigkei-
ten seien nicht stichhaltig oder als Schutzbehauptungen zu werten, so ins-
besondere das offensichtlich der Verheimlichung von Reisehinweisen dien-
liche angebliche Zerreissen des Reisepasses. Auf weitere bestehende Un-
glaubhaftigkeitselemente sei angesichts des Gesagten nicht mehr näher
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einzugehen. Unbesehen des bislang Erwogenen seien die Vorbringen
auch nicht asylrelevant. So seien Bussen wegen verbotener (...) rechts-
staatlich legitim und die Verfolgung des Beschwerdeführers aufgrund des-
sen besonderen Berufsfähigkeiten weise kein in Art. 3 AsylG erwähntes
Verfolgungsmotiv auf. Weiter würden Apostasie und Konversion im Iran
nicht automatisch verfolgt, sondern hierfür sei eine exponierte Stellung be-
ziehungsweise Funktion der betreffenden Person innerhalb der neuen
Glaubensgemeinschaft vorausgesetzt. Ein solches Risikoprofil weise der
Beschwerdeführer nicht auf und seine Familie stehe im Übrigen dem Glau-
benswechsel offen gegenüber. Betreffend die Haftstrafe während des Mili-
tärdienstes bestünden sodann unbestrittenermassen keine Hinweise auf
eine objektiv begründete Furcht. Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung
des Asylgesuchs sei die Wegweisung aus der Schweiz. Deren Vollzug sei
mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft unter dem Aspekt von Art. 5
Abs. 1 AsylG sowie mangels Anhaltspunkten für eine nach Art. 3 EMRK
verbotene Strafe oder Behandlung völkerrechtlich zulässig. Er sei unter
Berücksichtigung der herrschenden politischen Situation im Iran und man-
gels gegenteiliger individueller Gründe ebenso zumutbar, zumal der Be-
schwerdeführer über eine spezialisierte Arbeitserfahrung mit gutem Ver-
dienst, ein trag- und unterstützungsfähiges Beziehungsnetz (Mutter, be-
rufstätiger Bruder, Verwandte) verfüge. Der Zumutbarkeit stünden sodann
mangels medizinischer Notlage weder die SARS-CoV-2 Pandemie noch
die angeblichen psychischen Probleme entgegen; praxisgemäss sei vom
Vorhandensein medizinischer, psychotherapeutischer und psychiatrischer
Behandlungsmöglichkeiten im Iran auszugehen. Der Vollzug der Wegwei-
sung sei im Übrigen technisch möglich und praktisch durchführbar.
5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe wiederholt und bekräftigt der Beschwer-
deführer seine Verfolgung durch die Basiji und die Sepah sowie aufgrund
seiner Konversion vom Islam zum Christentum. Hierzu legt er einen «ver-
tieften Bericht» seiner Erlebnisse vor. Gemäss seiner Mutter werde er zu
Hause immer noch gesucht. In der Anhörung hätte er nicht genügend Zeit
gehabt zur Schilderung seiner Probleme. Im Falle einer Rückkehr in den
Iran befürchte er seine Hinrichtung. Er habe aber das Recht zu leben und
sei jung und talentiert. Hier habe er sich taufen lassen können und er
nehme aktiv am Leben seiner christlichen Gemeinde teil. Er bitte daher um
nochmalige Prüfung seines Asylantrags und man möge ihm eine Chance
auf ein neues Leben geben. Weiter macht er betreffend den Wegweisungs-
vollzug darauf aufmerksam, dass es ihm psychisch schlecht gehe. Eine
ärztliche Behandlung sei ihm bislang nicht gestattet worden. Erst jetzt habe
er einen Arzttermin erhalten und könne hierzu die Terminkarte (mit dem
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Vermerk «[...], Name: [Vorname von A._ / B._], Termin:
[...]») vorlegen.
6.
6.1 Das SEM ist nach vollständiger und richtiger Sachverhaltsfeststellung
in seinen Erwägungen mit einlässlicher und überzeugender Begründung
sowie umfassender Akten-, Gesetzes- und Praxisabstützung zur zutreffen-
den Erkenntnis gelangt, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen des
Beschwerdeführers würden den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die
Glaubhaftmachung eines asylbegründenden Sachverhalts respektive je-
nen von Art. 3 AsylG an die Asylrelevanz nicht genügen, weshalb er keinen
Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und auf Gewährung
des Asyls habe. Die vorinstanzlichen Erwägungen sind nicht zu beanstan-
den. Es kann insoweit zur Vermeidung von Wiederholungen auf den Inhalt
der angefochtenen Verfügungen (vgl. dort E. II) und die zusammenfas-
sende Wiedergabe oben (E. 5.1) verwiesen werden. Die Ausführungen in
der Beschwerde führen offensichtlich zu keiner anderen Betrachtungs-
weise. Sie erschöpfen sich über weite Teile in blossen Wiederholungen und
Bekräftigungen der erstinstanzlich deponierten Verfolgungsvorbringen,
ohne substanziell Bezug auf die einzelnen Erwägungen des SEM zu neh-
men. Verwertbare Rügen sind der Eingabe nicht zu entnehmen, abgese-
hen von der sinngemässen Kritik, wonach ihm in der Anhörung nicht genü-
gend Zeit zur Darlegung seiner Probleme zur Verfügung gestellt worden
sei. Diese unter dem Aspekt des Anspruchs auf rechtliches Gehör zu beur-
teilende Rüge ist offensichtlich haltlos angesichts der fast vier Stunden
dauernden Anhörung, der zahlreich gestellten offenen Fragen, der unter-
schriftlichen Bestätigung des Beschwerdeführers über die Vollständigkeit
und Richtigkeit seiner geschilderten und protokollierten Aussagen sowie
der Tatsache, dass weder er noch die zugewiesene Rechtsvertretung ent-
sprechende Einwände deponiert haben. Zudem wurde dem Beschwerde-
führer auch nachträglich und mit diversen Fristverlängerungen Gelegenheit
geboten, seine Gründe bei Bedarf zu vervollständigen (vgl. vorinstanzliche
Akten A35-A41). Die Ausführungen im «vertieften Bericht» beinhalten im
Übrigen neue Unstimmigkeiten gegenüber dem erstinstanzlichen Sachvor-
trag, zumal er nunmehr insbesondere geltend macht, mehrmals für die Ba-
siji Arbeiten ausgeführt zu haben. Im Zusammenhang mit der angeblichen,
vom Bundesverwaltungsgericht indessen unter Hinweis auf die vorinstanz-
lichen Erwägungen als erheblich unglaubhaft einzustufenden Konversion
zum Christentum bleibt anzumerken, dass das am 3. Juni 2020 als Farb-
kopie eingereichte und in der Ich-Form verfasste Taufbekenntnis des Be-
schwerdeführers von diesem gar nicht unterzeichnet ist.
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6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Auch dies
wird in der Beschwerde nicht bestritten.
6.3 Die Vorinstanz hat im Weiteren den Wegweisungsvollzug zu Recht als
zulässig, zumutbar und möglich erkannt. Hierzu kann integral auf die ein-
lässlichen und praxiskonformen Ausführungen des SEM in der angefoch-
tenen Verfügung (dort E. III) sowie auf die vorstehende Zusammenfassung
(vgl. E. 5.1) verwiesen werden. Die Beschwerde öffnet auch diesbezüglich
keinen neuen Blickwinkel. Der Hinweis, wonach es ihm psychisch sehr
schlecht gehe, ändert nichts an der zutreffenden vorinstanzlichen Erkennt-
nis, dass im Iran – und im Besonderen in der Hauptstadt Teheran – genü-
gend psychotherapeutische und psychiatrische Behandlungsmöglichkei-
ten vorhanden sind. Dass dem Beschwerdeführer im Übrigen eine solche
Behandlung in der Schweiz bislang verwehrt worden sei, lässt sich weder
den Akten entnehmen noch ist diese Behauptung plausibel. Sie verträgt
sich augenfällig auch nicht mit der nachgereichten schriftlichen Asylbe-
gründung (vgl. vorinstanzliche Akten A39-A41), wonach er in der Schweiz
in psychiatrischer Behandlung sei. Angesichts der vom SEM zutreffend an-
geführten Gründe ist offensichtlich nicht davon auszugehen, der Beschwer-
deführer wäre bei einer Rückkehr in den Iran mit einer existenziellen Not-
lage irgendwelcher Art konfrontiert.
Allfällige Einschränkungen des Flugverkehrs oder Einreisebeschränkun-
gen des Heimatstaates im Zusammenhang mit der aktuellen Coronavirus-
Pandemie sind im Übrigen temporärer Art und bewirken keine Unmöglich-
keit des Wegweisungsvollzugs.
6.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine
Gründe im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen oder glaubhaft machen
konnte und somit – wie vom SEM zutreffend erkannt – aus den geltend
gemachten Vor- oder Nachfluchtgründen weder einen Anspruch auf Fest-
stellung der Flüchtlingseigenschaft noch auf Gewährung des Asyls noch
einen solchen auf Verzicht auf die Wegweisungsanordnung oder auf Ge-
währung der vorläufigen Aufnahme unter Feststellung der Undurchführbar-
keit des Wegweisungsvollzuges ableiten kann.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf deren Inhalte weiter
einzugehen, da sie am Ergebnis nichts zu ändern vermögen. Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (vgl.
Art. 65 Abs. 1 VwVG) und um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbei-
stands (vgl. aArt. 110a AsylG) sind angesichts der aus den Erwägungen
hervorgehenden Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren abzuweisen.
(Dispositiv nächste Seite)
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