Decision ID: 2bfd2688-c655-53a3-bb3d-7dab9ad39723
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Mit Verfügung des Strassenverkehrsamtes des Kantons Zürich vom 28. September
2009 wurde X der Führerausweis auf Probe annulliert und der Lernfahrausweis der
Kategorie CE wegen mangelnder Fahreignung (Suchtmittel- und Charakterproblematik)
auf unbestimmte Zeit entzogen. Als Bedingung für eine neue Beurteilung der
Fahreignung wurde eine Drogen- und Alkoholabstinenz gefordert. Das
Strassenverkehrsamt des Kantons Thurgau hob die Annullierung am 26. April 2013 auf
und erteilte X einen neuen Lernfahrausweis mit der Auflage, die Alkohol- und
Drogenabstinenz samt Cannabis auf unbestimmte Zeit fortzuführen sowie während
zwölf Monaten eine Psychotherapie zu absolvieren.
Nachdem X am 29. Mai 2013 einen epileptischen Anfall erlitten hatte, wurde ihm der
Lernfahrausweis mit Verfügung des Strassenverkehrsamtes des Kantons Thurgau vom
11. Juni 2013 auf unbestimmte Zeit entzogen (sog. Sicherungsentzug). Die
Wiedererteilung wurde vom Vorliegen eines positiv lautenden verkehrsmedizinischen
Gutachtens abhängig gemacht.
B.- Am 11. August 2014 beantragte X, der seinen Wohnsitz am 2. Dezember 2013 nach
A verlegt hatte, beim Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen
(nachfolgend: Strassenverkehrsamt) den Lernfahrausweis der Kategorie B. Gestützt auf
Abklärungen des Strassenverkehrsamtes des Kantons Thurgau beim Institut für
Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen (nachfolgend: IRM), welches die
Fahreignung für die dritte medizinische Gruppe mit Aktengutachten vom 6. August
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2014 befürwortet hatte, verfügte das Strassenverkehrsamt am 25. August 2014 die
Erteilung des Lernfahrausweises der Kategorie B unter Auflagen (kontrollierte Alkohol-
und Drogenabstinenz samt Cannabis gemäss Info-Blatt, Haaranalyse alle sechs
Monate jeweils im Februar und August, Einhalten der ärztlichen Weisungen zur
epileptischen Erkrankung). X hatte sich damit zuvor schriftlich ausdrücklich
einverstanden erklärt.
Nur kurze Zeit später, am 3. September 2014, hob das Strassenverkehrsamt des
Kantons Thurgau den Sicherungsentzug des Lernfahrausweises auf. Weiterhin hatte X
die Alkohol- und Drogenabstinenz (eine Urinprobe pro Monat auf Cannabis,
Haaranalyse alle sechs Monate) sowie neu die epileptische Erkrankung gemäss
ärztlichen Weisungen behandeln zu lassen. Am 6. November 2014 erwarb X den
Führerausweis auf Probe. Die Abstinenzkontrolle beim IRM St. Gallen vom 23. Februar
2015 verlief unauffällig.
C.- Mit Verfügung vom 26. August 2015 verbot das Strassenverkehrsamt X das Führen
von Motorfahrzeugen vorsorglich ab sofort, weil er trotz Aufforderung des IRM keinen
Termin für die Auflagenkontrolle im August 2015 vereinbart habe und eine Urinprobe im
April 2015 positiv auf LSD ausgefallen sei. Am 3. September 2015 wurde X beim IRM
eine Haarprobe entnommen, welche keine Auffälligkeiten bezüglich Drogen- oder
Alkoholkonsums ergab. Der Verkehrsmediziner stellte aber fest, dass der
Abstinenznachweis auf Cannabis nicht lückenlos vorhanden und eine Urinprobe im
April 2015 positiv auf LSD gewesen sei.
Am Montag, 5. Oktober 2015, um 22.33 Uhr, lenkte X einen Personenwagen von C
stadteinwärts nach St. Gallen. Die Stadtpolizei St. Gallen führte eine
Geschwindigkeitskontrolle durch. Die Messung ergab, dass X bei einer signalisierten
zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h mit 70 km/h unterwegs war. Die Polizei
wollte X anschliessend Vorhalt machen, worauf dieser sein Fahrzeug wendete und zu
fliehen versuchte.
Wegen Nichteinhaltens der Auflagen entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis auf Probe mit Verfügung vom 17. November 2015 bei einer Sperrfrist
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von drei Monaten auf unbestimmte Zeit (Sicherungsentzug). Die Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
Am Donnerstag, 26. November 2015, lenkte X trotz Entzugs des Führerausweises in B
einen Personenwagen. Mit Schreiben vom 23. Dezember 2015 stellte das
Strassenverkehrsamt ihm deswegen die Annullierung des Führerausweises auf Probe
in Aussicht. Am Montag, 4. Januar 2016, war X in A erneut ohne Führerausweis
unterwegs. Der Drogenschnelltest ergab ein positives Ergebnis für Kokain. Ebenso fiel
die Untersuchung der am 4. Februar 2016 entnommenen Haarprobe positiv auf Kokain
und Amphetamin aus.
D.- Mit Schreiben vom 3. Februar und 14. März 2016 beantragte der Rechtsvertreter
von X beim Strassenverkehrsamt die Feststellung der Nichtigkeit der Verfügung vom
25. August 2014, die Wiedererwägung der Verfügungen vom 26. August und
17. November 2015 sowie den Verzicht auf eine Annullierung des Führerausweises auf
Probe. Mit Verfügung vom 4. April 2016 trat die Vorinstanz auf die
Wiedererwägungsgesuche nicht ein. Der dagegen erhobene Rekurs wurde von der
Verwaltungsrekurskommission mit Entscheid IV-2016/54 vom 29. September 2016
abgewiesen.
E.- Mit Urteil des Einzelrichters des Kreisgerichts St. Gallen vom 11. August 2017
wurde X des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzugs des Ausweises
(begangen am 5. Oktober 2015, 26. November 2015 und 4. Januar 2016), der
mehrfachen Verletzung der Verkehrsregeln und der Übertretung des
Betäubungsmittelgesetzes schuldig erklärt und zu einer Geldstrafe von
110 Tagessätzen zu je Fr. 70.– und einer Busse von Fr. 2'200.– verurteilt. Dagegen
erhob er Berufung an das Kantonsgericht. Das Verfahren ist derzeit noch hängig.
F.- Am 30. November 2017 beantragte der Rechtsvertreter von X beim
Strassenverkehrsamt die Wiederaufnahme der Verfahren zu den Verfügungen vom
26. August 2015 und 17. November 2015; ferner sei festzustellen, dass die Verfügung
vom 25. August 2014 nichtig sei, und sämtliche Auflagen seien per sofort aufzuheben.
Das Strassenverkehrsamt trat auf die Wiederaufnahmebegehren mit Verfügung vom
8. Dezember 2017 nicht ein.
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G.- Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 10. Januar 2018 und Ergänzung vom
28. Februar 2018 erhob X bei der Verwaltungsrekurskommission Rekurs gegen den
Nichteintretensentscheid mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben
und die Vorinstanz anzuweisen, auf die Begehren um Wiederaufnahme einzutreten und
sie materiell zu behandeln; eventualiter seien die angefochtene Verfügung aufzuheben,
die Verfügungen vom 26. August und 17. November 2015 zu widerrufen und der
Führerausweis dem Rekurrenten herauszugeben; zudem sei festzustellen, dass die
Verfügung vom 25. August 2014 nichtig sei, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge.
Die Vorinstanz verzichtete am 19. März 2018 auf eine Vernehmlassung. Im
Rekursverfahren wurden die Akten des Strafverfahrens beigezogen, was den Parteien
zur Kenntnis gebracht wurde. Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung
seines Antrags wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- a) Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Der Rekurrent
beantragte bei der Vorinstanz die Wiederaufnahme des Sicherungsentzugsverfahrens
(Verfügung vom 17. November 2015) und des vorsorglichen
Führerausweisentzugsverfahrens (Verfügung vom 26. August 2015). Die
Verwaltungsrekurskommission als Kollegialgericht ist zum Sachentscheid hinsichtlich
des Sicherungsentzugs zuständig. Eine andere sachliche Zuständigkeit besteht
indessen beim vorsorglichen Führerausweisentzug, und zwar hat der
Abteilungspräsident über jenen Rekurs in einem separaten Entscheid zu befinden
(Verfahren IV-2018/85; Art. 44 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 10. Januar 2018 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der
Ergänzung vom 28. Februar 2018 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 VRP). Auf den Rekurs ist grundsätzlich
einzutreten.
bis
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b) Angefochten ist die Verfügung vom 8. Dezember 2017, womit die Vorinstanz auf das
Gesuch um Wiederaufnahme der Verfügung des Sicherungsentzugs vom
17. November 2015 nicht eingetreten ist. Diese bildet die sachliche Begrenzung des
Anfechtungsverfahrens (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, 2. Aufl. 2003, S. 303). Im Rekursverfahren kann daher nur geprüft werden,
ob die Vorinstanz auf das Wiederaufnahmebegehren zu Recht nicht eingetreten ist.
Käme die Verwaltungsrekurskommission zum Schluss, die Vorinstanz hätte darauf
eintreten müssen, so wäre die Streitsache zur materiellen Beurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Dass die Vorinstanz im Nichteintretensentscheid darüber hinaus auch
zum Nichtvorliegen von Revisionsgründen Stellung genommen hat, vermag daran
nichts zu ändern. Auf den Eventualantrag ist daher nicht einzutreten.
c) Der Rekurrent rügt sodann eine Rechtsverweigerung, weil die Vorinstanz sich bis
zum Abschluss des Strafverfahrens weigere, im Verfahren der Annullierung des
Führerausweises auf Probe vorfrageweise die Rechtmässigkeit des vorsorglichen
Führerausweisentzugs vom 26. August 2015 und des Sicherungsentzugs vom
17. November 2015 zu prüfen. Die Verwaltungsrekurskommission ist jedoch nicht
Aufsichtsbehörde der Vorinstanz und demzufolge für die Beurteilung einer angeblichen
Rechtsverweigerung nicht zuständig.
2.- a) In formeller Hinsicht rügt der Rekurrent eine Verletzung des rechtlichen Gehörs.
Er macht geltend, die Vorinstanz habe sich mit dem ausführlich begründeten
Wiederaufnahmebegehren nur sehr oberflächlich und nicht substantiiert
auseinandergesetzt. Sie habe nicht begründet, weshalb sie sich nicht in einem
offenkundigen Irrtum befunden und der Rekurrent mehrfach die Auflagen missachtet
habe.
b) Der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör ist das Recht
des Privaten, in einem vor einer Verwaltungs- oder Justizbehörde geführten Verfahren
mit seinen Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten und zu den
für die Entscheidfindung wesentlichen Punkten vorgängig Stellung nehmen zu können.
Er umfasst auch das Recht auf Vertretung und Verbeiständung sowie auf Begründung
von Verfügungen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der
Sachaufklärung und stellt andrerseits zugleich ein persönlichkeitsbezogenes
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Mitwirkungsrecht der Parteien dar. Der Grundsatz verlangt, dass die Behörde die
Vorbringen der vom Entscheid oder der Verfügung in ihrer Rechtsstellung Betroffenen
auch tatsächlich hört, prüft und berücksichtigt und ihren Entscheid oder ihre Verfügung
vor diesem Hintergrund begründet (vgl. G. Steinmann, St. Galler Kommentar, 3. Aufl.
2014, N 49 zu Art. 29 BV). Der von einem Entscheid oder einer Verfügung Betroffene
soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag entschieden hat; die
Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass er den Entscheid oder die
Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III 439 E. 3.3, 129 I
232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl.
2016, Rz 1071).
c) Die Vorinstanz trat mit Verfügung vom 8. Dezember 2017 nicht auf das vom
Rekurrenten mit Eingabe vom 30. November 2017 gestellte Wiederaufnahmebegehren
ein. Zur Begründung wurde festgehalten, dass sich das Amt bezüglich der Verfügung
vom 17. November 2015 nicht in einem offenkundigen Irrtum über entscheidende
Tatsachen befunden habe, entsprechende Gründe mit einem ordentlichen Rechtsmittel
hätten geltend gemacht werden können, die Auflagen aus der Verfügung vom
25. August 2015 (richtig: 25. August 2014) in mehrfacher Hinsicht missachtet worden
seien und das Ergebnis der Urinprobe vom April 2015 nach dem Erlass des rechtlichen
Gehörs vom 19. Oktober 2015 nicht angefochten bzw. ein entsprechender Konsum von
LSD nicht in Abrede gestellt worden sei (act. 2/1). Auch wenn in dieser Aufzählung die
Voraussetzungen für das Eintreten auf ein Revisionsgesuch und das erst in einem
zweiten Schritt zu prüfende Vorliegen von Revisionsgründen vermischt werden, geht
daraus doch klar hervor, dass die Vorinstanz der Ansicht war, die im
Revisionsbegehren vorgebrachten Gründe hätten mit ordentlichen Rechtsmitteln
geltend gemacht werden können. Diese Begründung ist zwar knapp gehalten und
nimmt keinen konkreten Bezug auf das Schreiben von Dr.sc.nat. ETH H. G., das vom
Rekurrenten als Grund für die Wiederaufnahme angeführt wird. Entscheidend für das
Nichteintreten ist indessen unabhängig vom Inhalt jenes Schreibens, dass allfällige
Zweifel am Resultat der Urinanalyse vom 23. April 2015 bereits im Verfahren des
Sicherungsentzugs hätten vorgebracht werden können und müssen (vgl. dazu die
nachfolgenden Erwägungen). Wie der ausführliche Rekurs des Rekurrenten zeigt, war
es ihm sodann ohne Weiteres möglich, den Nichteintretensentscheid sachgerecht
anzufechten. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt daher nicht vor.
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3.- a) Der Rekurrent macht im Wesentlichen geltend, die Eintretensvoraussetzungen
der Revision seien erfüllt. Er habe neue Dokumente, die den Schluss nahelegten, dass
sich die Vorinstanz bei Erlass der Verfügung vom 17. November 2015 in einem
offenkundigen Irrtum befunden habe. Es handle sich dabei um die schriftliche
Stellungnahme von Dr.sc.nat. ETH H. G. zum positiven Screening-Resultat vom April
2015, die er am 30. August 2017 erhalten habe (act. 8, S. 6). Darin werde ausgeführt,
dass positive Screening-Resultate gemäss einschlägigen Richtlinien stets eine
Bestätigungsanalyse erforderten, wenn aufgrund des Befundes Konsequenzen für die
untersuchte Person zu erwarten seien. Positive LSD-Screeningtests müssten nach den
Empfehlungen des Labors immer bestätigt werden, da bei diesen Suchtests oft
Kreuzaktivitäten auftreten würden, was zu falsch-positiven Resultaten führen könne.
Bei einem positiven Ergebnis im Februar 2015 sei eine solche Bestätigungsanalyse
veranlasst worden. Diese habe damals zu einem klar negativen Resultat geführt. Beim
positiven Resultat vom April 2015 sei dies vom Auftraggeber jedoch unterlassen
worden. Die Stellungnahme von Dr.sc.nat. ETH H. G. sei dem Rekurrenten "in
Verbindung mit dem schriftlich begründeten Entscheid des Einzelrichters des
Kreisgerichts St. Gallen vom 11. August 2017 erstmals am 17. November 2017 zur
sicheren Kenntnis gebracht worden" (act. 8, S. 6). Die dreimonatige Frist sei daher mit
Eingabe des Wiederaufnahmegesuchs vom 30. November 2017 ohne Weiteres
eingehalten. Selbst wenn die Frist am 30. August 2017 ausgelöst worden sein sollte,
wäre die dreimonatige Frist zur Geltendmachung von Wiederaufnahmegründen
eingehalten. Da der Rekurrent vorher nicht über das entscheidende Beweismittel zur
Widerlegung der Tatsache, dass er LSD konsumiert habe, verfügt habe und die
unterlassene Bestätigungsanalyse auch nicht selbst habe in Auftrag geben können,
dürfe ihm nicht vorgeworfen werden, er habe die zumutbare Sorgfalt nicht angewendet.
Wenn er damals die ordentlichen Rechtsmittel gegen die Verfügung vom 17. November
2015 ergriffen hätte, wäre es ihm nicht möglich und deshalb auch nicht zumutbar
gewesen, das falsch-positive Ergebnis der LSD-Probe zu widerlegen, schon gar nicht
innerhalb der kurzen Rechtsmittelfrist von 14 Tagen. Der Rekurrent habe der
zuständigen Sachbearbeiterin der Vorinstanz zudem mehrfach mitgeteilt, dass das
positive Ergebnis des LSD-Screenings nicht korrekt sein könne und er kein LSD
konsumiert habe. Es sei zudem bekannt, dass ihm LSD das eine Mal vor zahlreichen
Jahren gegen seinen Willen verabreicht worden sei.
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b) Auf ein Wiederaufnahmebegehren wird nur eingetreten, wenn die Gründe mit einem
ordentlichen Rechtsmittel nicht geltend gemacht werden können und das auch bei
zumutbarer Sorgfalt unmöglich war (Art. 81 Abs. 2 VRP). Das bedeutet, dass eine
Revision in der Regel ausgeschlossen ist, wenn es dem Betroffenen möglich war, den
Revisionsgrund mit einem ordentlichen Rechtsmittel geltend zu machen. Damit wird
zum Ausdruck gebracht, dass die Revision ein subsidiäres Rechtsmittel darstellt. Nach
der Rechtsprechung besteht der Sinn und Zweck des Revisionsverfahrens darin, auf
eine rechtskräftige, fehlerhafte Verfügung dann zurückkommen zu können, wenn
Umstände dazu geführt haben, die vom Betroffenen nicht zu vertreten sind. Dagegen
kann das Revisionsverfahren nicht dazu dienen, einen auf mangelnde Sorgfalt
zurückzuführenden Fehler in einem zweiten Verfahren zu beheben. Dies widerspricht
dem subsidiären Charakter der Revision und würde darauf hinauslaufen, über eine
rechtskräftige Verfügung oder einen rechtskräftigen Entscheid ein neues ordentliches
Verfahren zu eröffnen. Der Gesuchsteller hat darzutun, dass die Beweismittel oder
Tatsachen im früheren Verfahren trotz hinreichender Sorgfalt nicht beigebracht werden
konnten (Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des
Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz 1340 mit Hinweisen). Im Interesse der Rechtssicherheit
dürfen an die Sorgfaltspflicht daher keine zu geringen Anforderungen gestellt werden
(GVP 1993 Nr. 20, 1994 Nr. 27 S. 66; Cavelti/Vögeli, a.a.O., S. 588). Das
Wiederaufnahmebegehren kann innert drei Monaten eingereicht werden, nachdem der
Betroffene vom Wiederaufnahmegrund Kenntnis erhalten hat, spätestens aber innert
zehn Jahren seit der Eröffnung der Verfügung oder des Entscheids (Art. 83 Abs.1 VRP).
Der Betroffene muss um den Revisionsgrund wissen, blosse Vermutungen genügen
nicht für die Auslösung der Frist (Cavelti/Vögeli, a.a.O., S. 589).
c) Die vom Rekurrenten als Beweis für das Vorliegen eines Revisionsgrunds erachtete
Stellungnahme zur den Laborresultaten von Dr.sc.nat. ETH H. G. ist weder datiert noch
enthält sie einen Eingangsvermerk (act. 3/521). Entgegen der Behauptung des
Rekurrenten steht damit nicht fest, dass diese vom 30. August 2017 stammt. Nicht
zutreffend ist sodann, dass dieses Schreiben dem Rekurrenten im Rahmen des
erstinstanzlichen Strafverfahrens vor dem Kreisgericht St. Gallen erstmals mit
Zustellung des begründeten Entscheids am 17. November 2017 zur Kenntnis gebracht
worden ist. In den beigezogenen Strafakten des Kreisgerichts St. Gallen fand sich
weder das fragliche Schreiben selbst noch wurde es im Urteil in irgendeiner Form
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erwähnt (act. 20/12). Es war auch nicht Bestandteil der vom Rechtsvertreter im
Nachgang zur Verhandlung am 11. August 2017 eingereichten zusätzlichen Unterlagen
oder der Berufungserklärung (vgl. act. 20/9 und 20/14). Ob die Frist für die Einreichung
des Wiederaufnahmebegehrens von maximal drei Monaten seit Kenntnis des
Wiederaufnahmegrunds vom Rekurrenten eingehalten wurde, erscheint damit fraglich.
Dies kann indessen angesichts der folgenden Erwägungen offen bleiben.
Das Schreiben von Dr.sc.nat. ETH H. G., woraus der Rekurrent einen Revisionsgrund
ableitet, ist an ihn selber adressiert. Offenbar konnte er diese Auskunft in eigenem
Namen erhältlich machen. Da er eigenen Angaben zufolge stets davon ausgegangen
sei, dass die auf LSD positive Urinprobe vom 23. April 2015 fehlerhaft gewesen sei,
hätte er eine solche Auskunft ohne Probleme bereits im Verfahren des
Sicherungsentzugs, als ihm zuvor das rechtliche Gehör gewährt wurde (Schreiben vom
26. August 2015 [act. 3/40] und vom 19. Oktober 2015 [act. 3/70]), einholen können
und auch müssen. Auftraggeber jener Analysen war sodann weder das IRM noch die
Vorinstanz, sondern der Hausarzt des Rekurrenten. Dieser oder auch der Rekurrent
selbst (als Auftraggeber des Hausarztes) hätten beim Labor eine Bestätigungsanalyse
anfordern können. Es ist auch nicht so, dass die Richtlinien "Swiss Guidelines
Committee for Drugs of Abuse Testing" (abgekürzt: SCDAT, unter: www.sscc.ch)
zwingend eine Bestätigungsanalyse vorsehen. Wenn dem so wäre, hätte das Labor von
sich aus eine solche vornehmen müssen, was von Dr.sc.nat. ETH H. G. aber gerade
nicht so dargestellt wurde. Es wäre auch ohne Weiteres möglich gewesen, den
Sicherungsentzug, der sich unter anderem auf das positive LSD-Resultat im Urin vom
23. April 2015 stützte, anzufechten und den Beweisantrag auf eine
Bestätigungsanalyse oder eine Auskunft des Labors dazu zu stellen. Die Vorinstanz
hätte dann den Sachverhalt entsprechend näher abklären müssen. Der Rekurrent
brachte in jenem Verfahren jedoch keine schriftlichen Einwände vor. Dass er dies, wie
von ihm behauptet, gegenüber einer Mitarbeiterin der Vorinstanz mündlich getan hat,
ist weder nachgewiesen noch würde es in formeller Hinsicht genügen. Auch beim
Besuch des IRM am 3. September 2015 machte er gemäss Akten nichts Derartiges
geltend. Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb der Rekurrent nicht schon zum
damaligen Zeitpunkt während des laufenden Verfahrens des Sicherungsentzugs im
Jahr 2015, sondern erst jetzt die Möglichkeit gehabt haben soll, eine Stellungnahme
des Laborchemikers einzuholen. Es geht nicht an, nachträglich Mängel an den
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Laborresultaten geltend zu machen, die aufgrund grosser zeitlicher Distanz und
Vernichtung des Probenmaterials nicht mehr überprüft werden können. Schliesslich
steht trotz der Auskunft von Dr.sc.nat. ETH H. G. nicht fest, dass es sich bei der positiv
ausgefallenen LSD-Urinprobe vom 23. April 2015 tatsächlich um ein falsch-positives
Resultat handelt, auch dann nicht, wenn falsch-positive Resultate bei denselben
Personen oft wiederholt auftreten. Entgegen der Ansicht des Rekurrenten liegen somit
keine nachträglich geänderten Verhältnisse vor, die ein Eintreten auf das
Revisionsgesuch rechtfertigen würden. Die auf LSD positiv ausgefallene Urinprobe war
sodann nicht der einzige Grund für den Sicherungsentzug. Der Abstinenznachweis auf
Cannabis war nicht lückenlos. Für vier Monate fehlte eine entsprechende Analyse
(März, Mai, Juni und August 2015). Zwischen dem 28. April und dem 30. Juli 2015, also
während drei Monaten, wurde keine Urinprobe auf Cannabis untersucht. Dass im
Verfahren der Wiedererwägung noch mit keinem Wort darauf hingewiesen wurde, der
Rekurrent habe kein LSD konsumiert und das positive Laborresultat vom 23. April 2015
sei falsch (vgl. Urteil vom 29. September 2016, Verfahren IV-2016/54), ist schon etwas
auffällig.
d) Zusammenfassend ist die Vorinstanz auf das Wiederaufnahmebegehren des
Rekurrenten bezüglich des am 17. November 2015 verfügten Sicherungsentzugs zu
Recht nicht eingetreten, da er den geltend gemachten Revisionsgrund bei zumutbarer
Sorgfalt bereits mit einem ordentlichen Rechtsmittel hätte geltend machen können. Auf
das Vorliegen eines Wiederaufnahmegrundes braucht bei diesem Ergebnis nicht näher
eingegangen werden. Der Rekurs ist somit abzuweisen.
4.- Der Rekurrent stellt schliesslich den Antrag, es sei festzustellen, dass die Verfügung
der Vorinstanz vom 25. August 2014 nichtig sei.
a) Zur Begründung bringt er vor, durch die Verfügung der Abstinenzauflagen von zwei
Behörden (Kantone St. Gallen und Thurgau) sei für den Rekurrenten eine unzumutbare
Rechtsunsicherheit über die von ihm einzuhaltenden Auflagen entstanden, die
zumindest die Teilnichtigkeit der Verfügung der Vorinstanz vom 25. August 2014 in
Bezug auf die Auflagen zur Folge habe. Nichtigkeit sei stets von Amtes wegen zu
beachten und könne jederzeit geltend gemacht werden. Es bestehe ein
verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung der sich auf eine nichtige
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Anordnung stützenden Verfügungen, namentlich jene vom 26. August und
17. November 2015. Der Entscheid des Kreisgerichts St. Gallen, wonach die Verfügung
des Kantons Thurgau vom 3. September 2014 nichtig sei, sei offenkundig falsch.
b) Wie bereits im Entscheid IV-2016/54 vom 29. September 2016 festgehalten wurde,
besteht kein schutzwürdiges Interesse am Erlass einer separaten
Feststellungsverfügung (vgl. E. 4b). Der Strafrichter hat selbständig geprüft, ob der
Führerausweis rechtmässig entzogen war und keine Nichtigkeit vorlag (vgl. Urteil des
Einzelrichters des Kreisgerichts St. Gallen vom 11. August 2017 E. IV/1). Zutreffend ist
indessen, dass eine allfällige Nichtigkeit und die sich daraus ableitenden Folgen von
Amtes wegen zu beachten wären. Die Verfügung vom 25. August 2014 erweist sich
jedoch in keiner Weise als nichtig. Der Rekurrent, der seinen Wohnsitz am 2. Dezember
2013 in den Kanton St. Gallen verlegt hatte, beantragte am 11. August 2014 bei der
Vorinstanz den Lernfahrausweis der Kategorie B. Die mit Erteilung des
Lernfahrausweises am 25. August 2014 verfügten Auflagen sind klar formuliert. Sie
stimmen zudem mit den am 3. September 2014 verfügten Auflagen des
Strassenverkehrsamtes Thurgau überein. Einzig die Termine für die halbjährlichen
Haaranalysen weichen minim voneinander ab (SG: Februar und August, TG: Januar
und Juli), wobei das Strassenverkehrsamt des Kantons Thurgau ausdrücklich darauf
hinwies, dass er bezüglich des genauen Vorgehens durch das Strassenverkehrsamt
des Kantons St. Gallen informiert werde (act. 3/90). Der genaue Zeitpunkt der
halbjährlichen Kontrollen hat indessen nichts mit der lückenlos nachzuweisenden
Einhaltung der Drogenabstinenz zu tun, welche von beiden Strassenverkehrsämtern
verfügt wurde und deren Verletzung zum Sicherungsentzug vom 17. November 2015
geführt hat. Die Drogenabstinenz wäre auch gestützt auf die Verfügung des
Strassenverkehrsamtes des Kantons Thurgau vom 3. September 2014 einzuhalten
gewesen. Ob jene, wie vom Strafrichter in erster Instanz festgestellt, nichtig ist,
erscheint fraglich, kann an dieser Stelle jedoch offen gelassen werden.
5.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten von Fr. 800.–
dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP; Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 800.– ist mit der
Entscheidgebühr zu verrechnen.
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b) Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine ausseramtliche
Entschädigung (Art. 98 VRP).