Decision ID: 4a4cea91-baf3-5b33-bdf2-f4429a7bf0ff
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer, ein  Staatsangehöriger kurdischer Volks- und sunnitischer , seinen Heimatstaat am 3. Juli 2007 und gelangte über die Türkei am 21. Juli 2007 illegal in die Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._ um Asyl . Am 27. Juli 2007 wurde er dort summarisch zu den  befragt. In der Folge wurde der Beschwerdeführer für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton C._ zugeteilt. Am 29. August 2007 erfolgte die Anhörung des Beschwerdeführers zu den Asylgründen durch die kantonale Behörde, angesichts der  des Beschwerdeführers im Beisein einer Vertrauensperson.
Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er komme aus D._ im Distrikt E._, Provinz Dohuk. Seine Eltern und seine Geschwister, (...) Brüder und eine Schwester, lebten noch dort. Sein Vater sei krank und einzig der älteste Bruder sei als (...) erwerbstätig. Die Familie habe deshalb entschieden, dass er als  Sohn nach Europa gehen solle, um dort zu arbeiten. Weder er selber noch seine Familie habe politische oder andere Probleme. Er habe seinen Heimatstaat einzig wegen der wirtschaftlichen Situation verlassen.
B. Mit Verfügung vom 13. November 2008 – eröffnet am 24. November 2008 – stellte das BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die  nicht, lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die  sowie den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers an. Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, die vom  dargelegten Ausreisegründe stellten keine asylbeachtliche  dar, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und das Asylgesuch abzulehnen sei. Der Wegweisungsvollzug sei trotz der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers zulässig, zumutbar und .
C. Mit Eingabe vom 24. Dezember 2008 (Poststempel) liess der  durch seine Rechtsvertreterin beim  Beschwerde erheben und beantragen, der Entscheid des
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BFM vom 13. November 2008 sei vollumfänglich aufzuheben, es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzumutbar sei und der Beschwerdeführer sei in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
D. Mit Zwischenverfügung vom 5. Januar 2009 teilte der  dem Beschwerdeführer mit, er könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Im Weiteren wurde festgestellt, angesichts der Beschwerdebegründung sei davon auszugehen, die Beschwerde richte sich nur gegen den Vollzug der Wegweisung. Der  verzichtete zudem auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
E. Das Bundesamt hielt in seiner Vernehmlassung vom 8. Januar 2009 an der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Diese Stellungnahme wurde dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des  vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht. Der  ist durch die angefochtene Verfügung besonders  und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  Änderung. Der Beschwerdeführer ist daher zur Einrei-
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chung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in  Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters  einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4. 4.1 Wie der Instruktionsrichter bereits in der Zwischenverfügung vom 5. Januar 2009 feststellte, ist angesichts des Inhalts der  davon auszugehen, die Beschwerde richte sich nur gegen den Vollzug der von der Vorinstanz verfügten Wegweisung. Diese  blieb unwidersprochen. Die Verneinung der , die Ablehnung des Asylgesuchs sowie die Wegweisung (vgl. Ziffern 1-3 der Dispositivs der Verfügung vom 13. November 2008) sind somit als unangefochten zu betrachten und in Rechtskraft . Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet entsprechend die Prüfung, ob die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht angeordnet hat.
4.2 Der Beschwerdeführer wurde nach eigenen Aussagen am (...) geboren. Die vom Bundesamt veranlasste radiologische Untersuchung des Handskeletts des Beschwerdeführers vom (...) ergab ein mit diesen Angaben übereinstimmendes Alter von 16 bis 17 Jahren (vgl. Akten BFM A6/1). Nach dem massgebenden schweizerischen Recht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 11 E. 4d S. 92) wurde der Beschwerdeführer somit – an seinem 18. Geburtstag – am (...) mündig (Art. 14 ZGB). Die Kinderrechtskonvention (KRK) ist deshalb auf das vorliegende Verfahren nicht mehr anwendbar. Aus demselben Grund kommt die von der Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) begründete Rechtsprechung zu den Anforderungen an die Feststellung des Sachverhaltes beim Wegweisungsvollzug von unbe-
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gleiteten Minderjährigen (vgl. EMARK 2006 Nr. 24) nicht mehr zur . Den entsprechenden Einwendungen in der  ist damit die Grundlage entzogen, weshalb sich Erwägungen dazu im Urteil erübrigen.
5. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).
5.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche  der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat  (Art. 83 Abs. 3 AuG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie  läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des  vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere , unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4.  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
5.2 Da der Beschwerdeführer keine asylrechtlich erhebliche  geltend machte, kann das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Nordirak ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG .
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Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des  noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall  Ausschaffung in den Nordirak dort mit beachtlicher  einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN- müsste der Beschwerdeführer eine konkrete  ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinweisen; EGMR (Grosse Kammer), Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Nordirak lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig  (vgl. BVGE 2008/4 E. 6.2 ff. und 6.6). Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
5.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder  auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).
5.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist in seinem Grundsatzurteil BVGE 2008/5 vom 14. März 2008 aufgrund einer umfassenden  der Situation in den nordirakischen Provinzen Dohuk,  und Erbil zum Schluss gekommen, dass dort keine Situation  Gewalt herrscht und die politische Lage nicht dermassen  ist, dass eine Rückführung in diese Provinzen generell als unzumutbar betrachtet werden müsste. Zudem ist die Region mit  aus Europa und aus den Nachbarstaaten erreichbar.  wurde im erwähnten Entscheid festgehalten, dass die Anordnung des Wegweisungsvollzugs für alleinstehende, gesunde und junge kurdische Männer, die ursprünglich aus den Provinzen Dohuk, Suleimaniya oder Erbil stammen und dort nach wie vor über ein  Netz oder Parteibeziehungen verfügen, in der Regel zumutbar ist.
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5.3.2 Der Beschwerdeführer ist nach eigenen Angaben in D._, Distrikt E._, Provinz Dohuk, geboren und mit (...) Geschwistern zusammen aufgewachsen. Die gesamte Familie lebt immer noch D._ (vgl. A16/12 S. 4). Sowohl die Primarschule wie auch die Sekundarschule besuchte er in D._ (a.a.O.). Der Beschwerdeführer verfügt damit zweifellos über ein familiäres beziehungsweise soziales Beziehungsnetz in D._. Aus den Akten sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche den Schluss , die Familie würde den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nicht aufnehmen und unterstützen. Gegenteils führte der  aus, er habe eine gute Beziehung zur Familie (vgl. A16/12 S. 4) und pflege telefonischen Kontakt (vgl. a.a.O., S. 3). Ausserdem ergeben sich aus den Akten keine Hinweise auf gesundheitliche Beeinträchtigungen. Auch wenn der Beschwerdeführer derzeit –  seine Mithilfe auf dem Land der Familie (vgl. A16/12 S. 5) – noch nicht über Berufserfahrung verfügt, ist davon auszugehen, dass es ihm möglich sein sollte, selbst unter den nicht einfachen  in seiner Heimat in absehbarer Zeit ein Einkommen zu  und für seinen Unterhalt aufzukommen. Anzumerken ist schliesslich, dass blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, wie namentlich Mangel an Wohnungen und Arbeitsplätzen, von  die ansässige Bevölkerung betroffen ist, keine  Situation darstellen, welche den Vollzug der Wegweisung eines Ausländers in den Heimatstaat als unzumutbar erscheinen liessen (EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 S. 215, mit weiteren Hinweisen).
5.3.3 Was sodann die in der Beschwerdeschrift erwähnte gute  des Beschwerdeführers in der Schweiz anbelangt, ist Folgendes anzumerken: Die Frage, ob wegen der angeblichen fortgeschrittenen Integration ein schwerwiegender persönlicher Härtefall (Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG) vorliegt, kann seit Anfang des Jahres 2007 nicht mehr im Rahmen des Asylverfahrens geprüft werden, sondern fällt in die Kompetenz der kantonalen Behörde.
5.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.
5.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der  Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr  Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb
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der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).
6. Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu . Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig,  und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).
7. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die  ist nach dem Gesagten abzuweisen.
8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten im Betrag von Fr. 600.-- grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). In Anbetracht der besonderen Umstände des vorliegenden Falles – insbesondere des jungen Alters des  – ist jedoch in Anwendung von Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) auf die Auferlegung von Verfahrenskosten zu verzichten.
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