Decision ID: 8d7a91f6-3f87-4d06-b873-8088dacbee99
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Abteilung, vom 25. Juli 2018 (DG170021)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 13. Dezem-
ber 2017 (Urk. 25) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 51 S. 150 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe (BetmG) im Sinne von dessen Art. 19 Abs. 1 lit. b, c und d in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a;
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 SVG in  mit Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV;
− der Übertretung des BetmG im Sinne von dessen Art. 19a Ziff. 1.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 78 Monaten Freiheitsstrafe (wovon bis und mit heute
527 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
CHF 90.– und einer Busse von CHF 300.–.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
5. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an
deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
6. Die von der Stadtpolizei Zürich am 1. August 2015 sichergestellte und bei der Kasse der
Staatsanwaltschaft II als Kaution verbuchten Barschaften von CHF 5'430.– sowie
CHF 306.15 (gewechselte EUR 290.–) werden eingezogen und zur Deckung der Busse und
der Verfahrenskosten verwendet.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 21. April 2016 be-
schlagnahmte Barschaft von CHF 6'900.– wird eingezogen und zur Deckung der Busse und
der Verfahrenskosten verwendet.
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8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 8. Juni 2017 beschlag-
nahmte Barschaft von CHF 14'409.25 (Nettoerlös aus Verwertung des Lieferwagens
Peugeot Boxer; Bruttoerlös CHF 14'671.75 abzgl. 1⁄2 Transportkosten B._ zur Caraukti-
on im Betrag von CHF 262.50) wird eingezogen und zur Deckung der Busse und der Ver-
fahrenskosten verwendet.
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 8. Juni 2017 beschlag-
nahmte Barschaft von CHF 2'805.50 (Nettoerlös aus Verwertung des Personenwagens
Audi A6; Bruttoerlös CHF 3'068.– abzgl. 1⁄2 Transportkosten B._ zur Carauktion im Be-
trag von CHF 262.50) wird eingezogen und zur Deckung der Busse und der
Verfahrenskosten verwendet.
10. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 15. April 2016
beschlagnahmte Guthaben des Kontos bei der C._ [Bank] (Konto Nr. 1, Inhaber
A._) in der Höhe von CHF 19'973.05 (Stand per 8. August 2017) wird eingezogen und,
unter Berücksichtigung des Verrechnungsrechts der C._ [Bank] für das Negativsaldo
des Kontos mit der Konto Nr. 2, Inhaber A._, von minus EUR 57.29 (Stand per
8. August 2017), zur Deckung der Busse und der Verfahrenskosten verwendet.
Die C._ [Bank], Rechtsdienst, Postfach, ... Zürich, wird angewiesen, das genannte
Guthaben an das Zentrale Inkasso des Obergerichts des Kantons Zürich zu überweisen.
Die von der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich am 15. April 2016 angeordneten Kon-
tosperren sind per Datum der Überweisung vollständig aufzuheben.
11. Die von der Kantonspolizei Zürich sichergestellten Betäubungsmittel und Betäubungsmittel-
utensilien (Lagernummer B05861-2015 Asservat-Nr. A008'730'447; Lagernummer B01130-
2016 Asservat-Nr. A009‘127‘326; Lagernummer B01182-2016 Asservat-Nr. A009‘140‘936;
B01475-2016 Asservat-Nr. A009'201'314) werden eingezogen und der Kantonspolizei
Zürich, ... [Adresse], zur Vernichtung überlassen.
12. Die von der Stadtpolizei Zürich sichergestellten Betäubungsmittel und Betäubungsmittel-
utensilien (Lagernummer S01993-2015 Asservat-Nrn. A008'424'111, A008'424'122 und
A008'424'188; Lagernummer S01994-2015 Asservat-Nr. A008'424'213; Lagernummer
S01995-2015 Asservat-Nr. A008'424'224; Lagernummer S01996-2015 Asservat-Nr.
A008'424'257; Lagernummer S02024-2015 Asservat-Nrn. A008'433'849, A008'433'872,
A008'433'894, A008'433'929, A008'433'930, A008'433'941, A008'433'952, A008'433'985,
A008'434'002, A008'434'013 und A008'434'035) werden eingezogen und der Kantonspolizei
Zürich, ... [Adresse], zur Vernichtung überlassen.
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13. Die unter der Sachkautionsnummer 10504 bei der Asservatenkammer des Bezirksgerichts
Meilen deponierten und mit Verfügung vom 12. Dezember 2017 von der Staatsanwalt-
schaft II des Kantons Zürich beschlagnahmten Gegenstände (A009'201'734, A009'201'745,
A009'201'461 und A009'204'518) werden eingezogen und der Kantonspolizei Zürich, ...
[Adresse], zur Vernichtung übergeben.
14. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen
CHF 12'000.– Gebühr für das Vorverfahren
CHF 4'160.75 Auslagen Gutachten
CHF 525.– Auslagen
CHF 37'000.– Telefonkontrolle
CHF 1'450.– Auslagen Polizei
CHF 337.50 Kosten der Übersetzung
CHF 11'906.90 Entschädigung amtliche Verteidigung (RA X2._)
CHF 77'958.85 Entschädigung amtliche Verteidigung (RA X1._)
CHF 149'339.– Kosten Total
15. Die Kosten und Auslagen des Vorverfahrens sowie des gerichtlichen Verfahrens – mit Aus-
nahme derjenigen der amtlichen Verteidigung und der Übersetzung – werden dem Beschul-
digten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Ge-
richtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO vorbehalten. Die Kosten der Übersetzung werden definitiv auf die Staatskasse
genommen.
16. Rechtsanwalt lic. iur. X1._ wird für seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger des
Beschuldigten in der Zeit vom 8. August 2016 bis 25. Juli 2018 (inkl. Urteilsbesprechung mit
dem Beschuldigten) mit total CHF 77'958.85 (inkl. MwSt.) entschädigt. Die Kasse des Be-
zirksgerichts Meilen wird angewiesen, nach Rechtskraft des Urteils den Betrag von
CHF 16'105.60 (CHF 77'958.85 abzüglich der Akontozahlung von CHF 61'853.25) an
Rechtsanwalt lic. iur. X1._ auszubezahlen.
17. (Mitteilungen)
18. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._ (Urk. 66 S. 1 f.):
1. In Abänderung der vorinstanzlichen Dispositivziffer 1 sei der Beschuldigte
und Berufungskläger im Sinne der sachverhaltsmässigen Geständnisse der
mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittel-
gesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b, c, und d i.V. mit Art. 19 Abs. 2 lit. a
BetmG schuldig zu sprechen.
2. In Abänderung der Dispositivziffern 2 - 5 sei der Beschuldigte mit einer
Freiheitsstrafe von 3 Jahren zu bestrafen; dabei seien 18 Monate unbedingt
auszusprechen unter voller Anrechnung der erstandenen Haft von
527 Tagen und weitere 18 Monate in Anwendung von Art. 43 StGB bedingt
und unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren gemäss Art. 44 StGB
auszufällen.
Unter ausgangsgemässer Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 58).

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Umfang der Berufung
1. Anklagehintergrund sind diverse Betäubungsmittelgeschäfte, die der Be-
schuldigte, mehrheitlich in arbeitsteiligem Zusammenwirken unter anderem mit
D._ (vgl. separates Verfahren SB190044) begangen haben soll. Zum Verfah-
rensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil kann auf die Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen werden (Urk. 51 S. 5 f.).
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2. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 25. Juli 2018 wurde der Be-
schuldigte der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungs-
mittelgesetz (BetmG), des Fahrens in fahrunfähigem Zustand und der Übertretung
des BetmG schuldig gesprochen. Dafür bestrafte ihn die Vorinstanz mit einer
Freiheitsstrafe von 78 Monaten sowie mit einer auf zwei Jahre zur Bewährung
ausgesetzten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 90.– und mit einer Busse von
Fr. 300.–. Weiter entschied die Vorinstanz über das Schicksal zahlreicher be-
schlagnahmter Gelder, Betäubungsmittel und weiterer Gegenstände (vgl. Urk. 51
S. 150 ff.).
3. Am 6. August 2018 liess der Beschuldigte durch seinen amtlichen Ver-
teidiger rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 44 und 46) und mit Eingabe vom
14. Februar 2019 ebenfalls fristgerecht die Berufungserklärung einreichen
(Urk. 54; Urk. 50/2). Auf entsprechende Fristansetzung verzichtete die Staats-
anwaltschaft ausdrücklich auf Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 56 und 58).
4. Vom Schuldpunkt (Dispositivziffer 1) lässt der Beschuldigte zum einen die
Schuldigsprechung wegen mehrfacher qualifizierter Widerhandlung gegen das
BetmG anfechten, soweit sie seine sachverhaltsmässigen Geständnisse über-
steigt. Zum andern lässt er beantragen, auf den Anklagepunkt der Übertretung
des BetmG sei zufolge eingetretener Verjährung nicht mehr einzutreten. Als mit-
angefochten gelten daher auch die ausgefällte Busse und die diesbezügliche Re-
gelung (Dispositivziffern 2 und 5). Weiter erachtet der Beschuldigte die Freiheits-
strafe (Dispositivziffer 2 f.) als zu hoch. Diese sei auf maximal 3 Jahre festzu-
setzen unter Gewährung des teilbedingten Vollzugs für die Hälfte der Freiheits-
strafe bei einer Probezeit von 3 Jahren (Urk. 54 S. 2 f.).
Nicht angefochten ist das vorinstanzliche Urteil somit hinsichtlich des Schuld-
spruchs wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (Dispositivziffer 1 Spiegelstrich
2), der Geldstrafe (Dispositivziffer 2 teilweise und Dispositivziffer 4), der Anord-
nungen betreffend diverse Einziehungen (Dispositivziffern 6-13), der Kostenfest-
setzung (Dispositivziffer 14) und der Entschädigung für die amtliche Verteidigung
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(Dispositivziffer 16). Es ist daher vorab vorzumerken, dass das Urteil vom 25. Juli 2018 diesbezüglich in Rechtskraft erwachsen ist (vgl. Prot. II S. 19 ff.). Im rest-
lichen Umfang ist es im Berufungsverfahren zu überprüfen.
5. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1;
Urteil des Bundesgerichts 6B_46/2018 vom 14. Februar 2018 E. 4 mit Hinweisen).
Das Berufungsgericht kann sich somit auf die für seinen Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken.
II. Prozessuales und Vorfragen
1. Zum Prozessualen und zu den von der Verteidigung aufgeworfenen Vor-
fragen hat sich die Vorinstanz einlässlich geäussert. Mit zutreffender Begründung
hat sie namentlich korrekt festgehalten,
− dass die Aussagen der Mitbeschuldigten E._, F._, G._, D._, H._ und I._ sowie die Einvernahmen der  J._ und K._ uneingeschränkt verwertbar sind (Urk. 51 S. 7),
− dass der Anklagegrundsatz nicht verletzt ist (Urk. 51 S. 8 ff.),
− dass dem Beschuldigten aus der vorliegenden – sachlich begründeten – Verfahrenstrennung betreffend den mutmasslichen Mittäter D._ kein Nachteil entstanden ist, zumal die separaten Verfahren (DG170021 und DG170022 bzw. SB190043 und SB190044) in beiden Gerichtsinstanzen gleichzeitig und gemeinsam verhandelt werden (Urk. 51 S. 11 ff.) und
− dass es im vorliegenden Verfahren um die Tätigkeit des Beschuldigten (und damit zusammenhängend des D._) geht und nicht um die - oder Kokaineinfuhr resp. deren Organisation durch (hierarchisch ) Lieferanten oder (angebliche) Hintermänner, was im Übrigen auch nicht eingeklagt ist (Urk. 51 S. 12 und 15).
Diese entsprechenden Ausführungen bedürfen keiner Ergänzung und sind zu
übernehmen.
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2. Zu widersprechen ist jedoch der vorinstanzlichen Auffassung, die Einver-
nahmen der Auskunftspersonen L._ (HD Urk. 11/1-4; HD Urk. 13/4; ND I
Urk. 4/9), M._ (HD Urk.13/1-2; HD Urk. 13/6; ND I Urk. 4/1), N._ (HD
Urk. 13/3; ND I Urk. 4/7), O._ (HD Urk. 13/5; ND I Urk. 4/10), P._ (HD
Urk. 13/7; ND I Urk. 4/4), Q._ (HD Urk. 13/8; ND I Urk. 4/5), R._ (ND I
Urk. 3/1), S._ (ND I Urk. 4/2), T._ (ND I Urk. 4/3), U._ (ND I
Urk. 4/6), V._ (ND I Urk. 4/8) und W._ (ND I Urk. 4/11) seien in Abwe-
senheit des Beschuldigten sowie dessen amtlichen Verteidiger erfolgt, weshalb
auf die Aussagen dieser Auskunftspersonen nur zu Gunsten des Beschuldigten
abgestellt werden dürfe (Urk. 51 S. 6 f.). Vielmehr sind auch die Einvernahmen
dieser Personen, von denen nur wenige sachdienlich sind, vollumfänglich ver-
wertbar. Zur Begründung ist einerseits anzumerken, dass kein Anspruch des Be-
schuldigten auf Teilnahme an Beweiserhebungen in getrennt geführten Verfahren
gegen andere beschuldigte Personen bestand (BGE 140 IV 272 E. 1.2). Was so-
dann das Fehlen von Konfrontationseinvernahmen betrifft, ist davon auszugehen,
dass der Beschuldigte auf das Konfrontationsrecht verzichtet hat. Die Rechtspre-
chung hat wiederholt betont, dass auf das Konfrontationsrecht verzichtet werden
kann. Es ist Sache des Beschuldigten, rechtzeitig und formgerecht einen entspre-
chenden Antrag zu stellen (BGE 125 I 127 E. 6c/bb; BGE 121 I 306 E. 1b; Urteil
des Bundesgerichts 6B_529/2014 vom 10. Dezember 2014 E. 5.2 f. mit Hinwei-
sen, nicht publ. in: BGE 140 IV 196; Urteil des Bundesgerichts 6B_877/2014 vom
5. November 2015 E. 2.4, nicht publ. in: BGE 141 IV 465). Unterlässt er das, ist
Verzicht anzunehmen. Vorliegend verlangte der Beschuldigte in keiner seiner
zahlreichen, in Anwesenheit seines amtlichen Verteidigers stattgefundenen Be-
fragungen eine Konfrontationseinvernahme mit den genannten Personen, was er
gemäss der zitierten Rechtsprechung auch noch im erstinstanzlichen Gerichtsver-
fahren oder spätestens im Berufungsverfahren hätte tun können. Auch von Ver-
teidigerseite wurden keine diesbezüglichen Beweisanträge gestellt (vgl. Urk. 26
S. 3; Urk. 37; Urk. 54). Vielmehr anerkannte der Beschuldigte im Beisein seines
Verteidigers auf jeweiligen Vorhalt die Aussagen der Drogenabnehmer und zeigte
sich diesbezüglich in mehreren Einvernahmen geständig (so in HD Urk. 3/39;
HD Urk. 3/41, Prot. I S. 56 zum Anklagevorwurf I). Schliesslich liesse sich der
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eingeklagte Sachverhalt aufgrund der diesbezüglichen Geständnisse selbst ohne
die Einvernahmen der Auskunftspersonen erstellen (dazu hinten Erw. III. 6.).
III. Schuldpunkt – eingeklagter Sachverhalt
1. Anklagevorwürfe
1.1 Dem Beschuldigten wird in der Anklage (Urk. 25) unter den Titeln "I. Persön-
liche Heroin- und Kokainverkäufe", "II. Heroinverkäufe über Drogen-Läufer" und
"III. Diverse Drogenvorgänge" eine Vielzahl von Widerhandlungen gegen das Be-
täubungsmittelgesetz vorgeworfen, die – mit Ausnahme des nicht angefochtenen
Schuldspruchs betreffend Anklagevorwurf III VG 16 (Urk. 25 S. 12 f.) – ganz oder
teilweise bestritten werden und daher zu prüfen sind.
1.2 In der Anklageziffer IV (Urk. 25 S. 14 f.) wird dem Beschuldigten unter ande-
rem Fahren in fahrunfähigem Zustand (unter Drogeneinfluss) angelastet, welcher
Schuldspruch wie erwähnt nicht angefochten und daher – einschliesslich der zu-
gehörigen Sanktion – nicht mehr Verfahrensgegenstand ist.
1.3 Der zweite, in Anklageziffer IV enthaltene Vorwurf betrifft vorsätzlichen Be-
täubungsmittelkonsum (Kokain). Diesen anerkannte der Beschuldigte anlässlich
der Schlusseinvernahme und der vorinstanzlichen Hauptverhandlung. Die Vor-
instanz sprach ihn demgemäss und korrekt der Übertretung des Betäubungs-
mittelgesetzes im Sinne von dessen Art. 19a Ziff. 1 schuldig.
Insoweit der amtliche Verteidiger im Berufungsverfahren den Antrag stellt, auf den
Anklagepunkt der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von
Art. 17a (recte: 19a) Ziff. 1 BetmG sei zufolge Verjährung nicht mehr einzutreten
(vgl. Urk. 54 S. 2), ist ihm entgegenzuhalten, dass die Verfolgungsverjährung
nicht mehr eintritt, wenn, wie hier, vor Ablauf der Verjährungsfrist ein erstinstanz-
liches Urteil ergangen ist (Art. 97 Abs. 3 StGB). Diese Regelung ist auch auf
Übertretungen gemäss Art. 109 StGB sowie auf andere Bundesgesetze anwend-
bar, sofern diese nicht selbst Bestimmungen aufstellen. Das BetmG enthält keine
diesbezüglichen Bestimmungen (Art. 333 Abs. 1 StGB; Art. 104 StGB; Art. 26
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BetmG; BGE 135 IV 197 f.; OFK/StGB-Heimgartner, 20. Aufl., Zürich 2018,
Art. 97 N 10 und Art. 109 N 1). Es ist daher schon an dieser Stelle festzuhalten,
dass der Schuldspruch betreffend Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im
Sinne von dessen Art. 19a Ziff. 1 zu bestätigen sein wird. Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung hielt der amtliche Verteidiger diesen Antrag zwar nicht aufrecht
(vgl. Urk. 66 S. 1), brachte aber auch nicht vor, dieser Schuldspruch werde nun-
mehr akzeptiert und könne daher als rechtskräftig angesehen werden (vgl. Prot. II
S. 5), weshalb eine Bestätigung angezeigt ist.
Darüber hinaus brachten an der Berufungsverhandlung weder der Beschuldigte
noch sein Verteidiger etwas vor, das Einfluss auf die bisherigen Erkenntnisse
haben könnte.
2. Standpunkte des Beschuldigten
2.1 In Bezug auf den Anklagevorwurf I betreffend persönliche Drogenverkäufe
zeigte sich der Beschuldigte teilweise geständig. Er anerkannte den Anklage-
sachverhalt sowohl anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Schlusseinvernahme
vom 12. Dezember 2017 als auch in der vorinstanzlich Hauptverhandlung vom
16. Mai 2018 sowie an der Berufungsverhandlung. Er macht jedoch geltend, dies
nicht – wie eingeklagt – alleine, sondern in Zusammenarbeit mit F._ getan zu
haben (HD Urk. 3/41 Antwort 25; Prot. I S. 56; Urk. 65 S. 10 ff.; Prot. II S. 6 ff.).
2.2 Hinsichtlich des Anklagevorwurfs II betreffend Heroinverkäufe über Drogen-
läufer bestreitet der Beschuldigte zwar nicht die Heroinverkäufe als solche, jedoch
die ihm in der Anklageschrift zugeschriebene Rolle (HD Urk. 3/41; Prot. I S. 4 ff.,
57; Urk. 65 S. 11 f.; Prot. II S. 6 ff.).
2.3 Bezüglich des Anklagevorwurfs III VG 1 Kg Heroin bestreitet der Beschuldig-
te durchwegs, bei dem in der Anklageschrift umschriebenen Sachverhalt in
irgendeiner Form beteiligt gewesen zu sein (HD Urk. 3/41 Antwort 30; Prot. I
S. 4 ff., 60 f.; Urk. 65 S. 14 f.; Prot. II S. 6 ff.).
Die Anklagevorwürfe III VG 24 und III VG 30/1 anerkannte der Beschuldigte in der
staatsanwaltschaftlichen Schlusseinvernahme (HD Urk. 3/41 Antworten 30 und
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33). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung rückte er davon insoweit
wieder ab, als er nur einräumte, SMS weitergeleitet und geschrieben sowie Ter-
mine (zwischen Käufern und Überbringern) koordiniert zu haben. Bei der Drogen-
übergabe sei er nicht dabei gewesen bzw. habe die Übergabe nicht mitbe-
kommen (Prot. I S. 4 ff., 61, 65, 71 ff., 75 f.). Ähnliche Positionen nimmt er auch
im Berufungsverfahren ein; Urk. 65 S. 15.; Prot. II S. 6 ff.).
3. Beweismittel und Verwertbarkeit
Die massgebenden Beweismittel sind im angefochtenen Urteil sehr ausführlich
und samt Belegstellen aufgelistet. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 51
S. 17 f.). Gleiches gilt für die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz betreffend
Verwertbarkeit der Erkenntnisse aus den Überwachungsmassnahmen (Urk. 51
S. 18 f.).
4. Grundsätze der Beweiswürdigung
Soweit die Vorinstanz einleitend zur Sachverhaltserstellung Ausführungen zu den
Grundsätzen der Beweiswürdigung, insbesondere der Würdigung von Aussagen
sowie zur Glaubwürdigkeit der hier involvierten Personen und zu den Kriterien bei
der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen gemacht hat, erweisen sich
diese als korrekt und vollständig, weshalb vorab ebenso darauf zu verweisen ist
(Urk. 51 S. 19-22; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5. Anklagevorwurf II – Heroinverkäufe über Drogenläufer (Urk. 25 S. 6-10)
5.1 Der Anklagevorwurf lautet zusammengefasst dahin, der Beschuldigte habe
von ca. Oktober 2015 bis zu seiner Verhaftung am 12. April 2016 nach vorgängi-
ger Entgegennahme von Drogenbestellungen per Telefon, vorwiegend per SMS-
Nachricht, durch den Einsatz der Drogenläufer F._, D._ und G._
(nachfolgend F._, D._, G._) an diverse Drogenabnehmer vorwie-
gend im Bezirk AA._ mindestens ca. 5'497.8 Gramm Heroingemisch (statisti-
sches Gehalt mindestens 20% = mindestens ca. 1'099.56 Gramm Reinsubstanz)
in Portionen à 5 bis 125 Gramm zu Preisen zwischen Fr. 150.– bis Fr. 180.– pro
5 Gramm ausgeliefert/übergeben/verkauft (HD Urk. 25 S. 6).
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Das ausgelieferte Heroin hätten die drei Drogenläufer vom Beschuldigten erhal-
ten. Dabei habe F._ ca. Ende September/Anfang Oktober 2015 auch zu-
sammen mit dem Beschuldigten bei der Portionierung einer durch AB._ von
AC._ [Staat in Europa] in die Schweiz zum Zwecke des Weiterverkaufs ein-
geführten Menge von mindestens 900 Gramm Heroingemisch mitgewirkt
(HD Urk. 25 S. 7). Für D._ und G._ habe der Beschuldigte das zur Aus-
lieferung portionierte Heroin jeweils in diversen Drogenverstecken – u.a. Blumen-
wagen zwischen AA._ und AD._ [Ort], diversen Verstecken beim
AE._ in AA._ sowie Verstecken beim Bahnhof AF._, bei den Bäu-
men am Bahnhof AG._ und Nahe AH._-strasse ... in AI._– bereit-
gestellt (HD Urk. 25 S. 9 f.). In einzelnen Fällen habe D._ das Heroin im Auf-
trag des Beschuldigten bei Dritten für den späteren Weiterverkauf abgeholt (HD
Urk. 25 S. 10).
Dies alles habe der Beschuldigte im Wissen getan, dass die Auslieferung bzw.
der Verkauf oder die Übergabe von Heroin an Dritte im genannten Umfang mittel-
bar oder unmittelbar die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen konnte,
was ihn aber nicht von seinem Tun abgehalten habe (HD Urk. 25 S. 10).
5.2 Einzig anerkannte der Beschuldigte die mit F._ gemeinsam vorge-
nommene Drogenportionierung in Bezug auf die durch AB._ aus AC._
eingeführten 900 Gramm Heroingemisch (Urk. 25 S. 7; HD Urk. 3/41 Antwort 27;
Prot. I S. 57; Urk. 65 S. 12). Im Übrigen stellte er dezidiert in Abrede, als
"Zentralier"/Organisator (Urk. 25 S. 2; Urk. 65 S. 14; Prot. II S. 6 ff.) gewirkt zu
haben. F._ und D._ hätten ihn überhaupt erst in das Drogengeschäft
eingeführt bzw. hineingezwungen und als unbescholtenen Bürger, Inhaber eines
Gartenbaugeschäfts und ... Staatsangehöriger von AC._ mit Deutschkennt-
nissen für Drogengeschäfte benutzt. Dem Beschuldigten wurde gemäss seiner
Verteidigung eine Falle gestellt. Nachdem der Beschuldigte es im April 2015 ge-
genüber F._ und D._ abgelehnt habe, seinen Wohnort bzw. seine Firma
als Lager oder Bunker für Drogen zur Verfügung zu stellen, habe er ihnen auf ihre
Aufforderung hin stattdessen ein Drogenversteck in einem Waldstück am
AE._ genannt. Das sei der erste grosse Fehler gewesen, da ihm F._
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und D._ in der Folge mitgeteilt hätten, dass sie dort ein Kilogramm Heroin
deponiert hätten, welches nun weg sei. Er (der Beschuldigte) sei für diesen Ver-
lust mitzuständig und haftbar. Der Beschuldigte habe sich dann darauf eingelas-
sen, dass dieser Verlust in Höhe von rund Fr. 30'000.– abverdient werden müsse,
was der zweite grosse Fehler gewesen sei. Das Dümmste aber sei gewesen,
dass er sein Handy zur Verfügung gestellt habe, über welches am Schluss alle
Geschäfte – sowohl die Bestellungen, wie auch das Weiterleiten und Vermitteln –
gelaufen seien. Der Beschuldigte sei im Wesentlichen über sein Handy bei einer
riesigen Anzahl Drogengeschäften dabei gewesen. Anfangs sei er auch noch an
Übergaben mitbeteiligt gewesen, seine Haupttätigkeit sei aber das Entgegen-
nehmen von Bestellungen und das Weiterleiten gewesen. Damit sei er in prak-
tisch alle Geschäfte involviert und im Zeitalter der digitalen Kommunikation, in de-
nen Täter oft durch Abhöraktionen überführt würden, das meist gefährdete Ermitt-
lungssubjekt gewesen. In der Hierarchie habe er sich jedoch keineswegs höher
als etwa die Läufer befunden. Er sei auf einer sehr niedrigen, wenn auch unent-
behrlichen Funktion eingesetzt gewesen. Folglich bestreitet der Beschuldigte, das
Heroin für F._, D._ und G._ schon portioniert bereitgestellt zu ha-
ben. Diese hätten die Ware selber in Zürich bezogen und sehr wohl selber ge-
wusst, wo die Drogen, die sie hätten verkaufen sollen, aufbewahrt gewesen seien.
Sie hätten diesbezüglich keiner Instruktion bedurft. Er selber kenne weder die
Anzahl Auslieferungen noch die ausgelieferte Menge, bestreite die Zahlen aber
nicht. Als wahren Auftraggeber bezeichnet der Beschuldigte den F._ (vgl.
Urk. 51 S. 24 f.; Prot. I S. 57 f.; Urk. 65 S. 10 ff.; Prot. II S. 6 ff.).
5.3 Hierarchische Stellung des Beschuldigten
5.3.1 Die Vorinstanz stellte die behauptete Funktion des Beschuldigten als
blosser SMS-Schreiber und Weiterleiter von Bestellungen den Aussagen der Dro-
genläufer F._, D._ und G._ sowie jenen der Abnehmer E._
und J._ und ergänzend diversen SMS-Nachrichten gegenüber. Dabei kam
sie nach einlässlicher und überzeugender Beweiswürdigung zum Zwischenergeb-
nis, dass der Beschuldigte in der Gruppe hierarchisch höher gestellt gewesen sei
als die Drogenläufer. Auf diese Erwägungen und die wiedergegebenen Aussagen
- 14 -
der Mitbeschuldigten und Drogenabnehmer ist zur Vermeidung von Wiederholun-
gen verweisen (Urk. 51 S. 26-35; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Dar-
legungen verstehen sich als Zusammenfassung und teilweise Ergänzung dazu.
5.3.2 Mit der Vorinstanz erweisen sich die Aussagen des Beschuldigten als in-
konsistent, oftmals widersprüchlich, mangelhaft an Substanz und Qualität und
daher nicht schlüssig und insgesamt nicht überzeugend.
So bemühte er sich offensichtlich, andern die Schuld zuzuweisen, dass er ins
Drogengeschäft geraten sei. Seine diesbezüglichen Darlegungen erscheinen
ziemlich konfus. Einerseits gab er D._ die Schuld, dass er (Beschuldigter)
und F._ ins Drogengeschäft geraten seien, um an anderer Stelle auszufüh-
ren, er sei von F._ manipuliert worden, als dieser im April 2015 in die
Schweiz eingereist sei (vgl. HD Urk. 3/16 S. 13). Weiter gab er zu Protokoll,
F._ und D._ hätten das Kilogramm Heroin, für welches er ihnen lediglich
einen Lagerplatz im Wald beim AE._ gezeigt habe, gestohlen (Prot. I S. 70).
Damit er (Beschuldigter) keine Probleme bekomme, hätte er Fr. 10'000.– bezah-
len sollen, das aber nicht getan. Er sei deshalb bei Staatsangehörigen von
AJ._ [Staat in Europa] in Zürich in Schulden geraten (HD Urk. 3/12 Antwort
118). Er habe gar nicht gewusst, bei wem er alles Schulden gehabt habe (HD
Urk. 3/41 Antwort 28). Vorher habe er keine Schulden gehabt. Wegen F._,
der Geschichte mit dem Drogenbunker am AE._, seien die Schulden ent-
standen (Prot. I S. 63 f.). An anderer Stelle gab er an, das Geld mit Arbeit abbe-
zahlt zu haben, indem er SMS geschrieben habe. Sie hätten Fr. 30'000.– gewollt
(Prot. I S. 70).
Auf die Frage, ob er der Organisator des Drogenhandels gewesen sei, erwiderte
er zum einen, dies nicht wirklich zu wissen (Prot. I S. 58). Auf Vorhalt der Aus-
sage D._s, er habe auch Drogen aufbewahrt und organisiert, erklärte der
Beschuldigte dann, das habe er gemacht, wenn AK._ (AL._) und
F._ dies verlangt hätten. Denn er habe Schulden bezahlen müssen, obwohl
er gar nicht schuldig gewesen sei. F._, D._ und G._ hätten für
AK._ Drogen verkauft, dieser sei quasi der Chef gewesen, nicht er (Prot. I
S. 59, 67). Weiter bezeichnete er AK._ als Lieferant, um aber sogleich anzu-
- 15 -
fügen, von wem sie Drogen erhalten hätten, wisse er nicht (Prot. I S. 67). Dass
E._ ihn, den Beschuldigten, als Chef bezeichnet habe, versuchte er damit zu
erklären, vermutlich habe F._ ihr gesagt, er sei der Chef. Er habe E._
nur einmal gesehen und ihr dabei weder Drogen gegeben noch Geld genommen
(HD Urk. 3/9 Antwort 6; Prot. I S. 70).
Weiter gab der Beschuldigte an, die potentiellen Drogenabnehmer hätten ihm
SMS-Nachrichten geschrieben, welche er an F._, D._ und G._ wei-
tergeleitet habe (HD Urk. 3/8 Antworten 15, 17 und 33 f.; HD Urk. 3/9 Antworten 6
und 33; HD Urk. 3/10 Antworten 65 und 78; HD Urk. 3/23 Antworten 34 und 93;
Prot. I S. 71). Jedoch konnte er nicht sagen, woher die Abnehmer seine Nummer
für die Drogenbestellungen gehabt haben (HD Urk. 3/9 Antworten 14 und 23). Der
Standpunkt des Beschuldigten, er habe die Drogenbestellungen per SMS lediglich
weitergeleitet, erweist sich sodann als Schutzbehauptung. Im Rahmen der ge-
heimen Überwachungsmassnahmen wurden nämlich keine bloss weitergeleiteten
SMS-Nachrichten aufgezeichnet, weshalb mit der Vorinstanz davon auszugehen
ist, dass der Beschuldigte die SMS-Nachrichten jeweils selbst geschrieben hat.
Auch hat der Beschuldigte Termine für Drogenauslieferungen nicht bloss koordi-
niert, sondern auch zeitlich und örtlich vereinbart/festgelegt, wie zum Beispiel das
aufgezeichnete Telefongespräch vom 20. November 2015, 18:54 zeigt, worin der
Beschuldigte dem G._ mitteilte: "Um sieben Uhr dreissig geh' zu ihr vorbei",
was G._ mit den Worten quittierte: "Jetzt ... direkt dorthin werde ich gehen
und dort umherziehen" (HD Urk. 3/32 Anhang 1). Dass die Drogenläufer den
Treffpunkt selber gewusst hätten, da sie bei einer Übergabe jeweils gerade den
nächsten Übergabeort/-termin festgelegt hätten, wie der Beschuldigte behauptete
(Prot. I S. 71), ist damit auch widerlegt. Abgesehen davon ist nicht einzusehen,
weshalb es ihn in seiner praktisch einzigen Funktion als Weiterleiter von SMS-
Nachrichten gebraucht haben soll, wenn Ort und Zeit der jeweils nächsten Dro-
genauslieferungen durch die Läufer und Abnehmer schon im voraus bestimmt
worden wären.
5.3.3 Demgegenüber gaben die Drogenläufer F._, D._ und G._
detaillierte und originelle Schilderungen mit prägnanten Einzelheiten zur hierar-
- 16 -
chischen Stellung des Beschuldigten zu Protokoll (Urk. 51 S. 28 ff.). Sie erwähn-
ten übereinstimmend, dass der Beschuldigte sie zum Drogenhandel verleitetet
bzw. – ausgenommen G._ – ins Drogengeschäft eingeführt habe, dass sie in
seinem Auftrag Drogen auslieferten/verkauften, dass er ihnen betreffend Ausliefe-
rungen konkrete Anweisungen erteilt hat. Zudem belasteten sie sich mit ihren
Aussagen selber. F._ und G._ äusserten sich auch zur ungefähren Aus-
lieferungsmenge.
Laut nicht unplausibler Darstellung von F._ sind ca. eine Woche nach seiner
Einreise in die Schweiz die Aufträge der Firma des Beschuldigten "AM._
Reinigung und Gartenbau" ausgegangen, worauf sie einfach mit Drogen gearbei-
tet hätten. Bei seiner Ankunft in der Schweiz habe das Drogennetzwerk mit Liefe-
ranten und Abnehmern bereits bestanden. Er habe nur noch "hin und her gehen"
müssen (HD Urk. 3/35 S. 6, 28). Er bezeichnete sich als Hilfsarbeiter des Be-
schuldigten betreffend Drogenauslieferung. Es besteht sodann kein Anlass zu
Zweifeln an seinem Hinweis, lediglich mit dem Beschuldigten in Kontakt gestan-
den und ausschliesslich für ihn gearbeitet zu haben (HD Urk. 4/13 Antworten 119
und 122; HD Urk. 3/35 S. 22). Weiter erwähnte F._ Telefonate des Beschul-
digten, bei welchen Letzterer gesagt habe, er wolle nicht, dass F._ das Ge-
spräch höre. Das springt als besonderes Detail ins Auge, zumal aus der Aussage
F._s hervorgeht, dass der Beschuldigte ihm nicht vertraut habe, es keinen
Respekt gegeben habe. Sie hätten ihn "..." genannt, was Clown bedeute (HD
Urk. 4/18 Antwort 104). Derart gebärdet sich ein Chef. Nach dem Gesagten ist
nachvollziehbar, dass F._ den Beschuldigten als Chef empfand und bei den
Auslieferungen an die Abnehmer ihn als solchen bezeichnete (HD Urk. 3/16 S. 8).
Gemäss D._ (vgl. Urk. 51 S. 30 f.) hat der Beschuldigte ihn bei der ersten
Lieferung jeweils begleitetet, ihn den Abnehmern als nächsten Drogenzulieferer
vorgestellt und ihm die Übergabeorte gezeigt. Auch nach seiner Darstellung war
der Beschuldigte im Drogenhandel der einzige, der ihm Aufträge zur Drogenaus-
lieferung erteilte. Er bezeichnete sich selber als Mitarbeiter. Weiter erwähnte
D._, dass er vom Beschuldigten immer wieder neue Mobiltelefone mit neuen
Nummern erhalten habe, worauf nur die Nummer des Beschuldigten gespeichert
- 17 -
gewesen sei. Der im Drogenhandel typische Einsatz mehrerer bzw. wechselnder
Mobiltelefone wurde mithin gegenüber D._ vom Beschuldigten bestimmt. Aus
den Aussagen D._s geht weiter hervor, dass er auf Anweisung des Beschul-
digten gehandelt hat, indem dieser ihm jeweils per SMS-Nachricht oder Anruf mit-
teilte, wann, wo und welcher Person er Drogen zu überbringen habe und wo er
die Drogen holen solle. Auch wenn D._ den Beschuldigten nicht als Chef be-
nannte, sprechen seine Depositionen doch deutlich für ein Unterordnungsverhält-
nis. Daran ändert nichts, dass gelegentlich auch Auslieferungen in Anwesenheit
des Beschuldigten erfolgten. Auch diesfalls war es jeweils D._, der die Dro-
genübergabe vornahm und sich (primär) exponierte, während der Beschuldigte
nur wegen notwendiger Besprechung mit einem Abnehmer dabei war (vgl. Urk. 51
S. 31).
G._ berichtete, dass er auf Vorschlag des Beschuldigten ins Drogengeschäft
gerutscht sei, um Darlehensschulden beim Beschuldigten abbezahlen zu können.
Die Einführung betreffend Drogenverstecken, Übergabeorten und Abnehmern ist
laut G._ dann durch F._ erfolgt, wobei er, G._, aber auch vom Be-
schuldigten Instruktionen für die Drogenauslieferungen erhalten habe. Bei Anwe-
senheit von F._ habe F._ die Übergaben selber gemacht (vgl. Urk. 51
S. 31 f.).
Mit der Vorinstanz ergeben die Aussagen der Drogenläufer F._, D._ und
G._ insgesamt ein kohärentes Bild und sind grundsätzlich glaubhaft, so dass
auf sie abzustellen ist. Wie schon die Vorinstanz richtig erwog, ist das Argument
der Verteidigung, D._ und G._ hätten ihre Aussagen abgesprochen
(Prot. I S. 71 und 89), nicht zu hören. Ihre Befragungen erfolgten grösstenteils
während ihrer Untersuchungshaft, weshalb sie sich gar nicht absprechen konnten.
Abgesehen davon sind ihre Angaben auch nicht durchwegs einheitlich.
5.3.4 Die Drogenabnehmerin und Zwischenhändlerin E._ sowie die beiden
Drogenabnehmer K._ und AN._ erklärten in der Konfrontationseinver-
nahme bzw. in ihrer parteiöffentlichen Einvernahme einhellig, der Beschuldigte
habe sich als Chef ausgegeben. Er sei jeweils beim ersten Kontakt persönlich
- 18 -
aufgetreten und habe die Konditionen für den Drogenverkauf, insbesondere den
Preis für die künftigen Bezüge, festgelegt.
E._ nahm auch deshalb an, der Beschuldigte sei der Chef, weil er mit den
Abnehmern kommunizierte, er deren Bestellungen aufnahm und er die Ankunft
der Läufer am Übergabeort jeweils mitteilte, während die Drogenläufer F._,
D._ und G._ die Ware brachten. Auch laut ihren Angaben hat der Be-
schuldigte seine Nummer regelmässig gewechselt, was er sie jeweils per SMS-
Nachricht wissen liess. Sie habe mit einem ihr speziell von F._ für Fr. 50.–
verkauften Mobiltelefon mit dem Chef kommuniziert (vgl. Urk. 51 S. 32 f.). Die
Aussagen von E._, mit denen sie sich auch selber belastete, werden durch
diverse SMS-Nachrichten bestätigt. Aus diesen geht hervor, dass D._ den
Beschuldigten jeweils benachrichtigte, wenn er am Übergabeort eingetroffen war,
worauf der Beschuldigte den Abnehmer informierte, dass der Lieferant da sei
(vgl. HD Urk. 3/4 Anhänge 13 f., 21 f., 43 und 45 ff.; HD Urk. 3/5 Anhänge 45, 47,
77, 120, 122, 144 f., 200 und 202; HD Urk. 3/6 Anhänge 23 f., 46, 48, 77 f., 104 f.,
135 f., 138 und 145). Weiter teilte D._ dem Beschuldigten jeweils mit, wann
die Übergabe erfolgt war (HD Urk. 3/4 Anhänge 51 f.; HD Urk. 3/5 Anhang 52).
Das ermöglichte dem Beschuldigten auch die Kontrolle über das Geschehen.
5.3.5 Übereinstimmend mit der Vorinstanz zeigt sich eine hierarchisch höhere
Stellung des Beschuldigten gegenüber den Drogenläufern. Der Beschuldigte hatte
im wesentlichen die Regie und die Drogenläufer erfüllten die ihnen hauptsächlich
vom Beschuldigten erteilten Aufträge. Dabei liess ihnen der Beschuldigte die da-
für nötigen Informationen, wo wann und mit wem sie sich treffen sollen, zukom-
men (vgl. dazu letztlich auch die eingestandene Anweisung des Beschuldigten,
Prot. I S. 73: "Um 18:00 Uhr musst du dich mit E._ treffen". Der Beschuldigte
bestimmte somit auch den Nachrichtenfluss. Dass G._ nach seinen Aussa-
gen von F._ ins Drogengeschäft eingeführt wurde und F._ gelegentlich
alternierend zum Beschuldigten Instruktionen erteilte, vermag diese Einschätzung
nicht zu entkräften.
- 19 -
5.4 Menge und Preis der Betäubungsmittel
5.4.1 Obwohl der Beschuldigte geltend gemacht hatte, hinsichtlich der Ausliefe-
rungen weder mit der jeweiligen Drogenmenge noch mit dem Preis etwas zu tun
gehabt zu haben, kam die Vorinstanz in ihrer Beweiswürdigung mit nachvollzieh-
barer Begründung zum klaren Schluss, dass es der Beschuldigte war, der die
Menge und den Preis der auszuliefernden Drogen bestimmte und somit darüber
Bescheid wusste (Urk. 51 S. 35-57; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.4.2 Den ähnlich lautenden Aussagen von F._, D._ und G._
(Urk. 51 S. 35) kann entnommen werden, dass der Beschuldigte dem Läufer je-
weils die auszuliefernde Drogenmenge mitteilte und den Preis dafür festlegte,
nämlich so, wie der Beschuldigte dies mit den Abnehmern vereinbart hatte. Ent-
sprechend musste gemäss F._ zuerst der Beschuldigte gefragt werden,
wenn etwa die Abnehmerin E._ mehr als die bestellte Menge verlangte
(HD Urk. 3/16 S. 8). Als authentisch erscheinen weiter die Hinweise von D._
und G._, nie mit dem Beschuldigten über den Verkaufspreis gesprochen und
diesen nicht gekannt zu haben. Als spezifisches Beispiel zu erwähnen ist eine
SMS-Nachricht des Beschuldigten an G._ des Inhalts: "17 Uhr E._, äs
'Böleli' ", wobei G._ die Anzahl Gramm nicht sagen konnte (HD Urk. 7/12
Antwort 17; HD Urk. 7/16 Antwort 34).
5.4.3 Die Angaben der Drogenläufer werden gestützt durch die Aussagen der
Abnehmer E._, J._ und K._, wonach der Beschuldigte beim ersten
Kontakt persönlich aufgetreten sei und die Konditionen für den Drogenverkauf,
insbesondere den Preis für die künftigen Bezüge (so K._), festgelegt habe
(auch vorne Erw. III. 5.3.4). E._ erklärte überdies, dass sie die gewollte Dro-
genmenge beim Beschuldigten bestellt und auch einmal per SMS-Nachricht an
den Beschuldigten – dies ein originelles Detail – erfolgreich um den Preis ge-
feilscht habe. Andernorts teilte der Beschuldigte E._ mit, welche Menge an
Drogen geliefert werden könne. J._ erläuterte, 5 Gramm hätten Fr. 170.– ge-
kostet; Preisänderungen habe er vom Beschuldigen per SMS-Nachricht erfahren.
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5.4.4 Abgesehen von den zitierten Aussagen sprechen auch die aufgezeichneten
SMS-Nachrichten für eine tragende Rolle des Beschuldigten betreffend die Men-
ge im Zusammenspiel mit den Drogenläufern (Urk. 51 S. 37; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Das zeigen etwa seine nachstehenden Instruktionen an die Adresse von D._:
"Unsere Hure sagt, dass sie 2 Bälle für ihre Kinder will ... Sie sagt um halb 7." ;
"Gib ihr das kleine Ball, das bei dir ist und das meine Ball, was ich dir gestern
gegeben habe."; "Ja, bei dieser Röhre. Wenn du kannst, nimm diesen Ball für den
Sohn." (vgl. HD Urk. 3/5 Anhänge 34, 136 und 163). Ein anderes Mal verge-
wisserte sich D._ beim Beschuldigten über die auszuliefernde Drogenmenge:
"Ist es 125?", was Letzterer mit "Ja" bestätigte (vgl. HD Urk. 3/5 Anhänge 124 f.).
Mit dem Codewort "Bälle" bediente sich der Beschuldigte der typischen verklausu-
lierten Sprache im Drogenhandel. Damit waren gemäss D._ und F._
Portionen à 5, 10, 20 und bis zu 50 Gramm gemeint, wobei F._ von Kugeln
sprach (Urk. 51 S. 39, 42-45 und dortige Hinweise; ferner vorne Erw. III. 5.4.2: "äs
Böleli").
5.4.5 Das Gesagte führt zum bereits genannten Zwischenfazit, dass der Be-
schuldigte gegenüber den Drogenläufern und den Abnehmern Herr und damit
Verantwortlicher über Menge und Preise war. Entsprechend beklagte sich
E._ bei ihm, wenn die ausgelieferte Menge nicht stimmte. Folglich ist auch
seine Behauptung widerlegt, die von F._, D._ und G._ ausgeliefer-
te Menge nicht gekannt zu haben (HD Urk. 3/32 Antwort 24, Prot. I S. 67).
5.5 Portionierung und Streckung der Betäubungsmittel
5.5.1 Nach anfänglichem Bestreiten und schwammigem Aussageverhalten ge-
stand der Beschuldigte letztlich ein, drei oder vier Mal mit F._ in seinem Büro
an der AO._-strasse in AP._ Heroin in Minigrips zu Portionen à 5, 10
oder bis zu 50 Gramm verpackt zu haben, total ungefähr 960 bis 970 Gramm.
Seine finale Zugabe umfasst das Portionieren von 900 Gramm Heroingemisch
(VG 11, Urk. 65 S. 12). Zudem hielt er es für gut möglich, auch manchmal selber
portioniert zu haben. Er verneinte aber entschieden, Drogen gestreckt zu haben.
Zu Einzelheiten kann auf Urk. 51 S. 38 f. verwiesen werden.
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5.5.2 Auch F._ räumte nach vorab verneinenden Antworten ein, die
900 Gramm von AB._ mit dem Beschuldigten zusammen portioniert zu ha-
ben, dies in Kugeln zu 5 Gramm und 50 Gramm, ohne dabei Streckmittel zu ver-
wenden. Er habe höchstens drei bis vier Mal mit dem Beschuldigten portioniert.
Weiter führte er aus, der Beschuldigte habe Drogen gestreckt, in welchem Ver-
hältnis, habe er nie erzählt. D._ krebste im Verlaufe seiner Aussagen von der
Belastung des Beschuldigten, wonach dieser Drogen portioniert und abgepackt
habe, zurück. Dieser habe ihm einfach Drogen bereitgestellt. Ein Portionieren
durch den Beschuldigten habe er nie gesehen. G._ schliesslich gab an, nicht
zu wissen, wer die Drogen portioniert und gestreckt habe (vgl. Urk. 51 S. 39 f.).
5.5.3 Wenn die Vorinstanz gestützt auf die eigene Zugabe des Beschuldigten
und das glaubhafte Bekenntnis von F._, dem Beschuldigten wiederholt beim
Portionieren von Heroin geholfen zu haben, den Schluss zog, der Beschuldigte
habe zumindest 900 Gramm Heroingemisch portioniert – zumal aus einem Tele-
fongespräch zwischen dem Beschuldigten und F._ hervorgeht, dass der Be-
schuldigte die Waage suchte (HD Urk. 3/12 Anhang 2) – so ist dem beizupflich-
ten. Auch daraus ergibt sich eine deutlich grössere und gewichtigere Beteiligung
des Beschuldigten am Drogenhandel als er selber glauben machen möchte, und
dies nicht bloss in tiefrangiger Position. Hingegen ist ein Strecken von Drogen
durch den Beschuldigten mit der Vorinstanz nicht erstellt (vgl. Urk. 51 S. 40 f.).
5.6 Aufbewahrung und Bereitstellung der Betäubungsmittel
5.6.1 Die Vorinstanz kam zusammengefasst zum Schluss, dass der Beschuldigte
den Drogenläufern die Drogen bereitstellte, indem er sie ihnen übergab und dass
der Beschuldigte die Standorte der Drogenbunker kannte. Eine Bewirtschaftung
der Drogenbunker durch den Beschuldigten erachtete die Vorinstanz jedoch als
nicht erstellt (Urk. 51 S. 41 ff., 46). Dieser Würdigung ist zuzustimmen.
5.6.2 Der Beschuldigte bestreitet nach wie vor, den Läufern vorportionierte Dro-
gen übergeben zu haben. Sein Standpunkt geht dahin, diese hätten die Drogen
bei sich gehabt bzw. gewusst, wo sich die Drogenverstecke befanden. Er selber
habe deren Lagerungsplätze nicht gekannt. Auf Vorhalt des Telefongesprächs
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vom 20. November 2015, 18:54 Uhr, in welchem er G._ mitteilte, dass es
oben noch 50ig haben könnte (HD Urk. 3/32 Anhang 1 Antwort 21), gab sich der
Beschuldigte unwissend, räumte dann aber ein, dass die 200 Gramm von
H._ im Rohr-Bunker deponiert gewesen seien (Urk. 51 S. 41 f.; vgl. auch
vorne Erw. III 5.4.4).
5.6.3 Im Lichte der sehr ähnlich lautenden Aussagen namentlich von F._
und D._ und teilweise auch G._ überzeugen die Bestreitungen des Be-
schuldigten nicht. Die Drogenläufer haben alle erklärt, dass der Beschuldigte
ihnen die auszuliefernden Drogen an wechselnden Orten entweder persönlich
und bereits vorbereitet/verkaufsfertig ausgehändigt habe (ausgenommen
G._) oder dass sie die vorportionierten Drogen in einem Bun-
ker/Drogenversteck, welche auch variierten und ihnen vom Beschuldigten jeweils
telefonisch mitgeteilt wurden, geholt hätten. Laut D._ haben er und der Be-
schuldigte auch gemeinsam Drogenverstecke angelegt oder Drogen gemeinsam
versteckt oder umgebunkert (Urk. 51 S. 43-45).
5.6.4 Wie bereits vorne (Erw. III 5.4.4) dargelegt und auch im angefochtenen
Urteil zutreffend erwähnt (Urk. 51 S. 45), lässt sich – nebst den genannten Aus-
sagen – aufgrund diverser Telefongespräche mit entsprechenden Andeutungen
des Beschuldigten erstellen, dass er die Läufer im Hinblick auf konkrete Ausliefe-
rungen zu Bunkern mit vorbereiteten Drogenportionen ("Bällen") schickte. Es ist
deliktstypisch, dass die Übergabeorte und Drogenverstecke immer wieder änder-
ten. Solche Variabilität dient unter anderem der Risikoverminderung betreffend
Auffliegen und Erwischtwerden. Die Kuriere belasteten mit ihren Aussagen auch
sich selber erheblich. F._ gab überdies an, im Auftrag des Beschuldigten 1
Kg Heroingemisch im Wald versteckt zu haben (Anklagevorwurf III VG 1), und
D._ gestand zudem, selber zwischenzeitlich Verstecke in der Nähe des
Übergabeortes geschaffen zu haben, wenn eine Auslieferung nicht erfolgen konn-
te sowie einmal die Drogen in Zürich bezogen zu haben. Ferner lieferte D._
eine sehr ausführliche, bildhafte Schilderung zur Verpackung der unterschiedlich
grossen Drogenbälle mittels durchsichtigen Plastiksäcken und Robidog-
Säckchen, welche manchmal auch mit einem Zettel mit den Zahlen, 5, 10, 20 etc.
- 23 -
beschriftet gewesen seien. Ein derartiges Vorgehen ist offensichtlich geeignet, ei-
ne rasche und unmissverständliche Geschäftsabwicklung zu ermöglichen und er-
laubt zugleich eine bessere Übersicht und Kontrolle. Aufgrund seiner eigenen An-
gaben betreffend Portionierung (vgl. vorne III. 5.5.1; Urk. 51 S. 38), der zitierten
konkreten Anweisungen des Beschuldigten an die Läufer (vgl. vorne III. 5.4.2 und
5.4.4) und seines Wissens um die Standorte der Drogenbunker ist davon auszu-
gehen, dass der Beschuldigte auch über zumindest ungefähre Kenntnisse zum
Lagerbestand der Verstecke verfügte, auch wenn er diese nicht nachweislich sel-
ber bewirtschaftete. Die detaillierten Darlegungen von D._ und auch von
F._ erweisen sich mit der Vorinstanz als konstant, plausibel und nachvoll-
ziehbar und sind als glaubhaft zu werten. Im übrigen ist abschliessend noch ein-
mal auf die einlässlichen Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 51 S. 41
ff.).
5.7 Beschaffung der Betäubungsmittel
5.7.1 Die Anklage wirft dem Beschuldigten weiter vor, die Betäubungsmittel be-
schafft zu haben (Urk. 25 S. 2). Obwohl die Drogenläufer F._, D._ und
G._ nachweislich das ausgelieferte Heroin vom Beschuldigten erhalten ha-
ben (vorne Erw. III. 5.6), bleibt im Dunkeln, auf welche Weise der Beschuldigte in
den Besitz der Betäubungsmittel gelangt ist.
5.7.2 Der Beschuldigte erklärte, selber weder Drogen bestellt, noch organisiert
oder entgegengenommen zu haben. Er hielt daran fest, dass die Drogenläufer die
Betäubungsmittel bezogen hätten, machte darüber hinaus aber widersprüchliche
Aussagen: er wisse nicht wo, bzw. in Zürich, oder er könne die Namen der Per-
sonen nicht nennen oder F._ und D._ hätten ihm erzählt, sie würden die
Drogen von der Wohnadresse von H._ in der Nähe des ...-spitals beziehen.
Dann wiederum berief er sich auf Nichtwissen hinsichtlich des/der Drogenlieferan-
ten. Einzig vor Vorinstanz gestand er erstmals ein, Drogen organisiert zu haben,
wenn AK._ und F._ dies wegen seiner Schulden von ihm verlangt hät-
ten (Prot. I S. 59).
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5.7.3 Da auch F._ und G._ zu Protokoll gaben, weder die Drogenliefe-
ranten des Beschuldigten zu kennen noch zu wissen, wie der Beschuldigte zu den
Drogen gekommen sei – gemäss F._ mit Ausnahme des dem Beschuldigten
durch AB._ gelieferten 900 Gramm Heroingemischs – kann ein Beschaffen
der Drogen durch den Beschuldigten mit der Vorinstanz nicht erstellt werden
(Urk. 51 S. 47 ff.).
5.8 Entgegennahme und/oder Weiterleiten von Drogengeldern
5.8.1 Zu dieser Thematik erteilte der Beschuldigte wiederum multiple Antworten
(Urk. 51 S. 49 f.). Einerseits führte er aus, er habe weder von den Läufern noch
direkt von den Abnehmern Geld für die Drogen empfangen, verwaltet oder weiter-
geleitet. Anderseits hielt er es für möglich, Geld aus den Heroinverkäufen erhalten
zu haben und erklärte dann sogar, sie hätten manchmal in seinem Büro Geld er-
halten und an H._ und AK._ weitergeleitet oder es sei nach einem oder
zwei Tagen abgeholt worden. Andernorts sagte er, genau zu wissen, an wen sie
das Geld abgeliefert hätten, aber er wolle nichts dazu sagen bzw. das Geld habe
denen gehört, bei welchen sie wegen dem verlorenen Kilogramm Drogen Schul-
den gehabt hätten bzw. F._ habe über das Geld verfügt.
5.8.2 Einheitlich äusserten sich dagegen die Drogenläufer F._, D._ und
G._ (Urk. 51 S. 50 ff.). Demnach erhielten sie von den Abnehmern das Dro-
gengeld in bar – was auch E._ bestätigte – und gaben es jeweils nach jeder
Lieferung an den Beschuldigten weiter, ohne zu wissen, was dieser damit tat und
wer es schlussendlich nahm. D._ berichtete überdies, das erhaltene Geld in
der Regel nicht, sondern nur auf entsprechenden Wunsch des Beschuldigten ge-
zählt zu haben. Wenn es zu wenig gewesen sei, habe der Beschuldigte direkt mit
den Abnehmern gesprochen. Es handelt sich hierbei um spezifische Details mit
plausiblen Folgehandlungen. Auch G._ erwähnte, dann das Geld nachge-
zählt zu haben, wenn der Beschuldigte ihm gesagt oder per SMS-Nachricht mit-
geteilt habe, wieviel er erhalten solle. Er habe das Geld mehrheitlich dem Be-
schuldigten gegeben, aber auch im Büro des Beschuldigten deponiert bzw. an
wenigen Malen, bei Abwesenheit des Beschuldigten oder auf telefonische Anwei-
sung des Beschuldigten, F._ überreicht.
- 25 -
5.8.3 Auch zu diesem Tatvorwurf sind die Aussagen des Beschuldigten gespickt
von Ungereimtheiten und nicht vereinbar mit dem übrigen Beweisergebnis, so
dass auf sie nicht abgestellt werden kann. Auszugehen ist vielmehr von den de-
ckungsgleichen und stimmigen Schilderungen der Drogenläufer. Die etwas variie-
renden Aussagen von G._ zur Geldübergabe tangieren die Glaubhaftigkeit
seiner Aussagen – übereinstimmend mit der Vorinstanz – nicht. Es handelt sich
um einleuchtende, alternative Vorgehensweisen bei Absenz des Beschuldigten.
Untermauert werden die Schilderungen der Läufer durch den überwachten SMS-
Verkehr, der zeigt, dass der Beschuldigte über die zu zahlenden Drogengelder
Bescheid wusste und Buch führte. So fragte der Beschuldigte den D._ etwa:
„Aber wie viel hat er dir gegeben?“ (HD Urk. 3/31 Anhang 146). Oder
E._ entschuldigte sich: „... ich habe einen Fehler gemacht. ... Ich habe voll
falsch gerechnet.“ Darauf erwiderte der Beschuldigte, selber falsch gerechnet zu
haben. Es sei kein Problem. Man regle das (HD Urk. 3/5 Anhang 12).
5.8.4 Wie schon die Vorinstanz konstatierte, ist die Entgegennahme von Drogen-
geldern durch den Beschuldigten erwiesen. Auch in diesem Teilaspekt zeigt sich
die höhere Hierarchiestufe des Beschuldigten im Vergleich zu den Drogenläufern:
Der Beschuldigte erteilte Anweisungen, überwachte und prüfte den Geschäfts-
verlauf und griff, wo aus seiner Sicht nötig, korrigierend ein. Was der Beschuldigte
mit den Drogengeldern machte, namentlich, ob er sie weiterleitete, lässt sich je-
doch mit der Vorinstanz nicht erstellen (Urk. 51 S. 52 f.). Abgesehen davon sind
dazu auch keine konkreten Geldübergaben oder -transfers eingeklagt.
5.9 Entlöhnung der Drogenläufer
5.9.1 Entgegen den Behauptungen des Beschuldigten, er habe den Drogen-
läufern nichts bezahlen müssen, da sie das Drogengeld selber einkassiert hätten,
bzw. entgegen seinen Bestreitungen, pro Lieferung oder monatlich einen Lohn
versprochen oder ausbezahlt zu haben, kam die Vorinstanz zum Schluss, dass
die Läufer F._ und D._ für ihre Tätigkeit vom Beschuldigten einen Lohn
erhielten (Urk. 51 S. 53, 55).
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5.9.2 Während G._ die Aussage des Beschuldigten, nicht entschädigt wor-
den zu sein, bestätigte, erklärten F._ und D._, der Beschuldigte habe
ihnen einen Lohn entrichtet. Zu ihren konkreten Darlegungen kann vorab auf die
Übersicht im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 51 S. 53-55).
5.9.3 F._ gab an, vom Beschuldigte bei einem versprochenen Monatsnetto-
lohn von Fr. 6'000.– für seine Arbeit (welche sich laut F._ über 1 1⁄2 Monate
erstreckte, gestützt auf die erstellte Anklage aber gut 2 1⁄2 Monate umfasste, vgl.
Urk. 25 S. 6 f.), insgesamt Fr. 9'000.– erhalten zu haben. Dabei erfolgte die Aus-
zahlung je nach Dringlichkeit von F._s Bedarf wöchentlich oder zweiwö-
chentlich jeweils in einem Restaurant. Daraus ergibt sich, dass die Geldüberga-
ben nicht zeitlich fix und gleichförmig und folglich auch in unterschiedlicher Höhe
sowie an verschiedenen Orten stattfanden. Ähnlich verhält es sich mit den Bezah-
lungen an D._. Dieser nannte im Verlaufe seiner Befragungen verschiedene
Zahlungsmodalitäten: Entlöhnung pro Transport von Fr. 100.– bis Fr. 120.– bzw.
150.–; Versprechen des Beschuldigten, ihm (D._) monatlich Fr. 3'000.– bis
Fr. 4'000.– auszuzahlen; monatliche Abrechnungen oder auch manchmal Aus-
zahlungen von Fr. 1'000.–, Fr. 1'500.– oder Fr. 2'000.–, je nachdem, nach wieviel
Geld er (D._) gefragt habe, um Rechnungen begleichen zu können, oder ei-
ne Sammelrechnung. D._ fügte an, dass er nie alles Geld auf einmal erhal-
ten und auch noch Geld vom Beschuldigten zugute habe. Über seine gesamte
Entschädigung konnte er mangels Buchführung und infolge jeweils sofortigen
Verbrauchs zur Bezahlung offener Rechnungen keine Auskunft geben (u.a.
Urk. 53 S. 11 f.). Konkret habe er mit diesem Geld die Steuerrechnung für das
Jahr 2014 und kleine Rechnungen begleichen können – eine nachvollziehbare Er-
läuterung. Wenn die Vorinstanz D._s Aussagen zum erhaltenen Geldbetrag
und zur Zahlungsweise als uneinheitlich, mit Ungereimtheiten und somit als un-
glaubhaft taxierte, so ist das zu relativieren. Offensichtlich bezahlte der Beschul-
digte die Läufer, F._ ebenso wie D._, nicht in festen Intervallen und un-
veränderlichen Beträgen, sondern namentlich gemäss deren Bedarf/Nachfrage –
was auch zu Vorbezügen geführt haben kann – und allenfalls auch nach eigener
Liquidität. Das zeigt ebenso das von D._ angesprochene Guthaben. Zudem
war D._s Aktivität für den Beschuldigten deutlich intensiver als jene von
- 27 -
F._: 80 Drogenübergaben mit mindestens 3'825 Gramm Heroingemisch in
gut 3 Monaten (Urk. 25 S. 9 f.) im Vergleich zu mindestens 38 Drogenübergaben
mit mindestens 1095 Gramm Heroingemisch in gut 2 1⁄2 Monaten (Urk. 25 S. 6 f.).
Dass bei einer solchen Vielzahl an Auslieferungen durch D._ allfällige Abma-
chungen nicht strikte eingehalten wurden oder aber umständehalber modifiziert
worden sein können oder einfach abweichend davon vorgegangen wurde, liegt
auf der Hand, zumal es sich um illegale Tätigkeiten ausserhalb der geordneten
und weitgehend gesetzlich geregelten Geschäftswelt handelte. Fest steht aber so
oder so, dass der Beschuldigte, wie schon durch die Vorinstanz im Ergebnis zu-
treffend festgehalten, F._ und D._ für ihre Läuferdienste entschädigte.
Dass G._ betreffend Entschädigung abweichend aussagte und den Stand-
punkt des Beschuldigten stützte, ändert nichts an den glaubhaften Aussagen der
Läufer F._ und D._, auf welche abzustellen ist. G._s Dienste fielen
mit 577.8 Gramm ausgeliefertem Heroingemisch bei 30 Übergaben in 2 Monaten
im Übrigen auch weit geringer aus.
5.10 Fazit Anklagevorwurf II
Im Einklang mit der Vorinstanz (Urk. 51 S. 56) ist festzuhalten, dass der Beschul-
digte gegenüber den Drogenläufern nachweislich die in der Anklageschrift vom
13. Dezember 2017 genannte Rolle eingenommen hat, so wie sie in Anklage-
ziffer II konkret umschrieben ist. Er organisierte und koordinierte nach Entgegen-
nahme von Drogenbestellungen die Drogenübergaben von den Läufern an die
Abnehmer, portionierte zumindest teilweise die Drogen, stellte die Drogen für die
Läufer bereit, indem er sie ihnen zwecks Verkaufs übergab oder ihnen die Dro-
genverstecke bezeichnete und er erteilte ihnen Instruktionen zur Auslieferung
namentlich in örtlicher und zeitlicher Hinsicht. Zudem nahm er die Drogengelder
von den Läufern entgegen und entlöhnte hernach jedenfalls zwei der drei Läufer.
Dabei wusste der Beschuldigte über die Menge und den Preis der auszuliefern-
den Drogen Bescheid bzw. bestimmte diese. Der Sachverhalt gemäss Anklage-
ziffer II, worin dem Beschuldigten eine hierarchisch übergeordnete Rolle vorge-
worfen wird (Urk. 25 S. 6-10) und wogegen er sich verteidigen konnte und dies
auch tat, ist erstellt.
- 28 -
Nicht nachgewiesen von den im Ingress der Anklage (Urk. 25 S. 2) auch auf-
gezählten Handlungen des Beschuldigten sind die Beschaffung von Betäubungs-
mitteln, die Koordination bzw. Bewirtschaftung von Drogenbunkern (mithin das
Aufbewahren der Betäubungsmittel), das Strecken von Drogen sowie das Weiter-
leiten von Drogengeldern. Diese Handlungen wurden in der Anklageziffer II denn
auch nicht konkret beschrieben und eingeklagt, sondern entstammen im Wesent-
lichen den Strafbestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes.
6. Anklagevorwurf I – Persönliche Heroin- und Kokainverkäufe (Urk. 25 S. 4-5)
6.1 Dieser Vorwurf betrifft einerseits für die Zeit von ca. Anfang März 2015 bis
ca. Ende Oktober 2015 persönliche Drogenverkäufe durch den Beschuldigten,
nachdem er vorgängig Drogenbestellungen per Telefon entgegengenommen
habe. Es handelt sich um Auslieferungen/Übergaben/Verkauf von insgesamt
mindestens ca. 500.7 Gramm Heroingemisch (statistisches Gehalt mindestens
21% = mindestens ca. 105.15 Gramm Reinsubstanz) in Portionen à mindestens
5 Gramm zu Preisen zwischen Fr. 150.– bis Fr. 200.– pro 5 Gramm sowie min-
destens ca. 125 Gramm Kokaingemisch (statistisches Gehalt 48% = mindestens
ca. 60 Gramm Reinsubstanz) in Portionen à ca. 5 Gramm an diverse Drogen-
abnehmer bzw. -käufer hauptsächlich an Bahnhöfen im Bezirk AA._ und
einmal in Zürich.
Anderseits wird dem Beschuldigten angelastet, vor dem 3. August 2015 an sei-
nem Wohnort in AQ._ im Besitz von 39.1 Gramm brutto Kokaingemisch (Net-
togewicht 33.3 Gramm, Reinheitsgehalt 30% = 10.0 Gramm reines Kokainhydro-
chlorid) gewesen zu sein, welches nach einem Fund durch Kinder im Treppen-
haus polizeilich sichergestellt werden konnte.
6.2 Nach zunächst ausweichendem und schwankendem Aussageverhalten
anerkannte der Beschuldigte in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
20. September 2017 den Anklagevorwurf bezüglich der Verkäufe (HD Urk. 3/39
Antworten 16-22).
- 29 -
So gestand er auf detaillierten Vorhalt der Aussagen von Abnehmer AR._
bezüglich bezogener ca. 100 Gramm Heroin, das sei gut möglich. Im Detail könne
er sich zwar nicht erinnern. Das möge wohl so stimmen (HD Urk. 3/39 Antwort
17). Was die vorgehaltenen Verkäufe an M._ – nämlich mind. 250 Gramm Heroin und mind. 125 Gramm Kokain – betrifft, räumte der Beschuldigte ein, dass
es Treffen mit ihr gegeben habe, er sich an die genaue Menge nicht erinnern
könne, die vom Staatsanwalt genannte Menge aber allenfalls hinkommen könnte
(HD Urk. 3/39 Antwort 16). Zum Abnehmer P._ hielt er den Verkauf von ins-
gesamt ca. 80 Gramm Heroin ebenfalls für möglich. Auch ohne Kenntnis der ge-
nauen Menge könne es hinkommen (HD Urk. 3/39 Antwort 19). Sodann erklärte
der Beschuldigte, der Abnehmer N._ sage die Wahrheit, dass er selbst und
teilweise ein Läufer von ihm (F._) diesem Abnehmer mindestens ca.
25 Gramm Heroin verkauft habe (HD Urk. 3/39 Antwort 20). Abnehmer J._
führte in seiner Einvernahme vom 20. September 2017 im Beisein des Beschul-
digten aus, dass der Beschuldigte ihm persönlich ca. 10 Gramm Heroin verkauft
habe (HD Urk. 10/9 Antworten 5 f. und 8 f.). Schliesslich anerkannte der Beschul-
digte nochmals den gesamten Vorwurf betreffend persönlichen Verkaufs von
mind. 455 Gramm Heroin und mind. 125 Gramm Kokain an die genannten fünf
Abnehmer, fügte indes an, das zusammen mit F._ gemacht zu haben (HD
Urk. 3/39 Antwort 21). Auch die beiden Verkäufe an den polizeilichen Scheinkäu-
fer von total 35,9 Gramm brutto Heroin gab er zu (HD Urk. 3/39 Antwort 22).
Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Schlusseinvernahme vom 12. Dezember
2017 (HD Urk. 3/41) und der Hauptverhandlung vom 16. Mai 2018 anerkannte der
Beschuldigte den Anklagesachverhalt, machte jedoch geltend, dies nicht alleine,
sondern in Zusammenarbeit mit F._ gemacht zu haben (HD Urk. 3/41 Ant-
wort 25; Prot. I S. 56). Dabei blieb er auch anlässlich der Berufungsverhandlung
vom 5. Dezember 2019, wo er auf seine früheren Aussagen verwies und auf die
Frage nach der konkreten Ausgestaltung der Zusammenarbeit präzisierte, dass er
(der Beschuldigte) F._ die Nachrichten geschrieben und F._ die Drogen
überbracht habe (Urk. 65 S. 10 f.).
- 30 -
Schliesslich anerkannte der Beschuldigte den ihm angelasteten Besitz betreffend
Kokainfund im Treppenhaus an seinem Wohnort (HD Urk. 3/39 Antworten 24 f.).
6.3 Das Geständnis des Beschuldigten bezüglich persönlicher Drogenverkäufe
bleibt auch nach der Relativierung als Beweismittel bestehen und unterliegt der
freien Beweiswürdigung. Zunächst anerkannte der Beschuldigte die Vorwürfe,
gemäss welchen er allein die Drogenverkäufe tätigte, vorbehaltlos als richtig.
Diese Bekenntnisse erscheinen authentisch, unbefangen und zuverlässig. Es gibt
keinen Grund, sie nicht als wahr einzustufen. Die Behauptung einer diesbezüg-
lichen (pauschalen) Zusammenarbeit mit F._ erscheint als nachgeschoben.
F._ ist gemäss übereinstimmender Darstellung im April 2015 in die Schweiz
gekommen. Der Anklagevorwurf betrifft aber auch Heroinverkäufe im März 2015,
die folglich nur durch den Beschuldigten ohne F._ erfolgt sein können. Laut
F._s nachvollziehbarer und glaubhafter Darstellung ist er im April 2015 beim
Beschuldigten ins Drogengeschäft eingestiegen. Da war der Beschuldigte schon
im Drogenhandel tätig, das Drogennetzwerk mit Lieferanten und Abnehmern be-
stand bereits und F._ musste nur noch zwischen dem Beschuldigten und den
Abnehmern "hin und her gehen" (Urk. 51 S. 28 f.). Auffällig ist weiter, dass die
Übergaben beim Anklagevorwurf I fast ausschliesslich an Bahnhöfen oder Ört-
lichkeiten nahe von öffentlichem Verkehr stattfanden. Dahin konnte auch der Be-
schuldigte, der gemäss F._ und G._ über keinen Führerausweis verfügt
(vgl. Urk. 51 S. 42 und 44), ohne Schwierigkeiten gelangen bzw. sich zwecks
Drogenübergabe dorthin chauffieren lassen. Demgegenüber nahmen die Läufer
gemäss erstelltem Anklagevorwurf II auch Übergaben an schlechter erschlosse-
nen Örtlichkeiten vor. Schliesslich hat von den Abnehmern einzig N._, der
ca. 25 Gramm der vorgeworfenen 500.7 Gramm Heroin bezog, angetönt, die Dro-
gen teilweise von F._ ausgeliefert erhalten zu haben (HD Urk. 3/39 Frage
20).
Aus all diesen Gründen verbleiben keine vernünftigen Zweifel, dass der Be-
schuldigte, mit der erwähnten nicht ins Gewicht fallenden Ausnahme betreffend
Drogenverkauf an N._, die Verkäufe gemäss Anklagevorwurf I selber, d.h.
persönlich durch Übergabe an die Drogenabnehmer, vorgenommen hat. Ob
- 31 -
F._ bei diesen Verkäufen und Auslieferungen teilweise auch dabei war, etwa
im Rahmen seiner Einführung in die Tätigkeit oder durch allfällige Chauffeur-
dienste, ist mit der Vorinstanz als irrelevant zu bezeichnen. Schliesslich ist mit
der Vorinstanz der Verteidigung insoweit Recht zu geben, als der Beschuldigte
in Bezug auf die persönlichen Verkäufe/Lieferungen gemäss Anklagevorwurf I
nicht als Zentralier gehandelt hat, wie im Ingress der Anklageschrift erwähnt (vgl.
Urk. 25 S. 2; Urk. 51 S. 60).
6.4 Der Anklagevorwurf I ist in beiden Aspekten – Verkäufe von mindestens
125 Gramm Kokain und von rund 500 Gramm Heroin sowie Besitz von
39.1 Gramm Kokain in der Zeit vor dem 3. August 2015 – erstellt.
7. Anklagevorwurf III – Diverse Drogenvorgänge (Urk. 25 S. 11-14)
7.1 Vorbemerkungen
Von den drei unter diesem Anklagevorwurf im Berufungsverfahren zu prüfenden
Drogenvorgängen bestreitet der Beschuldigte den einen vollumfänglich, indem er
seine Beteiligung am Vorfall überhaupt verneint (VG 1 Kg Heroin). Die weiteren
zwei Drogenvorfälle (VG 24 und VG 30/1) wurden vom Beschuldigten anlässlich
der Schlusseinvernahme durch die Staatsanwaltschaft je anerkannt, vor Vor-
instanz erneut bestritten und anlässlich der Berufungsverhandlung schliesslich
wieder anerkannt (vgl. Urk. 65 S. 15). Letzteres zeugt von wechselvollem Aus-
sageverhalten auch in den Sachverhalten gemäss Anklagevorwurf III. Wie im vor-
instanzlichen Urteil (Urk. 51 S. 26 ff., 33 ff.) und in den vorstehenden Erwägungen
festgestellt (vgl. z.B. III. 5.3.2, III. 5.8.1, III. 6), fielen bereits die Aussagen des Be-
schuldigten zu den als erwiesen geltenden Anklagevorwürfen I und II vage, aus-
weichend und widersprüchlich aus, so dass sie über weite Teile als unzuverlässig
erschienen und nicht darauf abgestellt werden konnte. Erkennbar war ferner, dass
der Beschuldigte sich oftmals bemühte, seine Aussagen dem jeweiligen Kennt-
nisstand der Untersuchungsbehörden anzupassen, was gegen die Glaubhaftigkeit
seiner Depositionen spricht. Obwohl freilich in jedem einzelnen eingeklagten Dro-
genvorfall stets unvoreingenommen eine Würdigung der konkreten Beweismittel
vorzunehmen ist, deuten im Rahmen einer Gesamtschau schon die erwiesenen
- 32 -
Anklagevorwürfe I und II – welche teilweise auch auf Zugeständnissen des Be-
schuldigten beruhen – auf eine in der eingeklagten Zeitspanne von etwas mehr
als einem Jahr nicht unerhebliche, aktive Beteiligung des Beschuldigten an Dro-
gengeschäften im Raume rechtes Seeufer und Bezirk AA._ hin. Dabei ver-
fügte der Beschuldigte wie gesehen auch über Mittelsmänner (Läufer) und han-
delte über diese. Wie zudem den zahlreichen aufgezeichneten Drogengesprä-
chen und Textnachrichten mit Mitbeschuldigten zu entnehmen ist, bediente er
sich selber – Anweisungen erteilend – einer verklausulierten Codesprache (etwa
„Ball“, „Bälle“, „Böleli“ für Drogenportionen), was ebenfalls eine keineswegs nur
geringfügige Verwicklung ins Drogenhandelsmilieu belegt (vgl. z.B. vorne Erw. III.
5.4.4). Hinzu kommt das vollumfängliche Geständnis des Beschuldigten betref-
fend VG 16 (Urk. 25 S. 12 f.), wonach der Beschuldigte auf Vermittlung von
H._ einem Drogenabnehmer ca. 100 Gramm Kokaingemisch, entsprechend
ca. 64 Gramm Reinsubstanz, übergab bzw. verkaufte, und welche Schuldigspre-
chung unangefochten ist (vgl. vorne Erw. III. 1.). Im Lichte dieser Erkenntnisse
sind nachfolgend die bestrittenen Anklagevorwürfe III des dritten Anklage-
komplexes einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.
7.2 VG 1 Kilogramm Heroin (Urk. 25 S. 11)
7.2.1 Dem Beschuldigten wird unter VG 1 Kilogramm Heroin zusammen gefasst
vorgeworfen, er habe im Mai 2015 F._ beauftragt, bei einem namentlich nicht
bekannten Drogenlieferanten ca. 1'000 Gramm Heroingemisch (statistisches Ge-
halt von 38% = ca. 380 Gramm Reinsubstanz) im Gesamtwert von Fr. 30'000.– zu
übernehmen. Das habe F._, unter Beobachtung der Übergabe durch den
Beschuldigten, gemacht und anschliessend die Drogen in Begleitung des Be-
schuldigten in einem separaten Fahrzeug zu einem Waldstück beim Restaurant
AS._ AA._ gebracht. Dort habe F._ das Heroin in einem – am Vor-
tag speziell hierfür durch den Beschuldigten und F._ angelegten Drogenver-
steck – zwischen Baumwurzeln im Boden deponiert.
7.2.2 Der Beschuldigte bestritt durchwegs seine Beteiligung an diesem Vorgang,
namentlich, dass er F._ nach Zürich geschickt habe, um Drogen abzuholen
und diese im Wald zu verstecken. Während er zunächst erklärte, einzig beim
- 33 -
Auskundschaften des Drogenverstecks dabei gewesen zu sein und einige Tage
später auf Anruf von F._ zusammen mit D._ an die Örtlichkeit des Dro-
genverstecks gegangen zu sein, weil die von F._ dort deponierten Drogen
verschwunden gewesen seien, führte er später im Verfahren aus, er habe mit der
ganzen Sache nichts zu tun gehabt, habe niemanden gesehen und kenne weder
die Leute noch die Ortschaften. Vor Vorinstanz verneinte er einerseits jegliche Be-
teiligung, räumte aber anderseits wieder ein, zusammen mit D._ dem
F._ einen Platz gezeigt zu haben, jedoch nicht zu wissen, ob F._ Dro-
gen deponiert habe, um wenig später auszuführen, er habe sich mit F._ und
D._ getroffen, als das Kilo Drogen verschwunden gewesen sei. Anlässlich
der Berufungsverhandlung bekräftigte der Beschuldigte, dass er F._ weder
irgendwo hingeschickt, noch gesehen habe, wo oder wie dieser die Drogen depo-
niert habe. In diesem Zusammenhang ist wiederum auf die vorne wiedergegebe-
ne Version seitens des Beschuldigten und seines Verteidigers zu verweisen, wo-
nach dem Beschuldigen (durch F._ und D._) eine Falle gestellt worden
sei und er in den Drogenhandel hineingezogen worden sei, um die so entstande-
nen Schulden zu begleichen (vgl. Erw. III. 5.2; Prot. I S. 64 f.). Gleichbleibend machte der Beschuldigte geltend, man habe ihn zusammen mit D._ für den
Verlust des Heroins haftbar gemacht und er habe den entsprechenden Wert von
Fr. 30'000.– in der Folge abarbeiten müssen, insbesondere mit Weiterleiten von
Bestellungen bzw. Schreiben von SMS-Nachrichten und Vereinbaren von Termi-
nen (Urk. 51 S. 61 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
7.2.3 Eine einlässliche Darstellung der Aussagen namentlich von F._ und
ergänzend jenen von D._ findet sich im angefochtenen Urteil. Darauf kann
zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden (Urk. 51 S. 65-71).
7.2.4 Die Vorinstanz kam in ihrer Beweiswürdigung zum Schluss, F._ habe
den Ablauf der Drogenübernahme und des anschliessenden Vergrabens der
Drogen in vier Einvernahmen inhaltlich detailliert und gleichlautend geschildert.
Seine Aussagen seien als glaubhaft zu werten, zumal er sich massiv selber be-
lastet und mehr eingestanden habe, als ihm hätte nachgewiesen werden können.
Aus F._s Aussagen ergebe sich weiter, dass dieser die Drogen in Zürich
- 34 -
übernommen habe, während der Beschuldigte das Geschehen aus sicherer Ent-
fernung beobachtete. In der Folge stand der Beschuldigte Schmiere, während
F._ die Drogen im Versteck deponierte, welches sie tags zuvor gemeinsam
angelegt hatten. Die Beteuerungen des Beschuldigten, er habe mit diesem Dro-
gengeschäft nichts zu tun gehabt, bezeichnete die Vorinstanz als Schutzbehaup-
tungen und sie erachtete den eingeklagten Sachverhalt als erstellt (Urk. 51 S. 71).
Diese auf der Sachdarstellung von F._ beruhenden Schlussfolgerungen der
Vorinstanz überzeugen. Die von mehreren Kehrtwenden und Bagatellisierungen
des eigenen Verhaltens bis hin zur Einnahme der Opferrolle geprägten Aussagen
des Beschuldigten erweisen sich demgegenüber als grösstenteils unglaubhaft.
Über die massiven Selbstbelastungen hinaus, welche für die Glaubhaftigkeit sei-
ner Aussagen sprechen, erweisen sich die Schilderungen F._s als zunächst
zusammenhängende Darstellung von im Drogenhandel charakteristischen Ab-
läufen, beginnend mit der Übernahme der Drogen vom Lieferanten bis hin zum
Deponieren im vorbereiteten Drogenbunker. Die Übernahme erfolgte anonym und
blitzschnell – F._ sprach von drei Sekunden – zur Mittagszeit auf dem Park-
platz eines italienischen Restaurants in Zürich-..., indem ein gemäss der Be-
schreibung durch F._ unauffälliger junger Mann eine die Drogen enthaltende
Papiertragtasche der Migros durch das geöffnete Beifahrerfenster in das von
F._ geführte Auto warf, dies, nachdem er sich auf ... [Sprache von AJ._]
bei F._ vergewissert hatte, dass er "AT._" sei. Das geschah unter dem
wachsamen Auge des Beschuldigten, der in einem separaten Fahrzeug sass und
vom Parkplatz einer gegenüberliegenden Poststelle aus Regie führte. Wie schon
bei der Hinfahrt zum Übergabeort, folgte F._ mit dem Mitsubishi ... samt den
Drogen anschliessend dem Pickup Peugeot, in welchem sich der Beschuldigte
befand, zum Drogenbunker am AE._. Dieses Vorgehen wiederspiegelt ein-
mal mehr die untergeordnete Position von F._ gegenüber dem Beschuldig-
ten. Letzterer hat die exponierten Handlungen der Übernahme und des Trans-
ports der Drogen an F._ delegiert. Ein analoges Gefälle in der Hierarchie
zeigt sich beim Einlagern des Heroins im Drogenversteck zwischen den Baum-
wurzeln, das F._ laut seinen konstanten Ausführungen wiederum im Auftrag
- 35 -
des im separaten Fahrzeug verbliebenen und wahrscheinlich den Vorgang von
dort aus beobachtenden Beschuldigten vornahm (Urk. 51 S. 66 f., 70; vgl. auch
vorne zum Anklagevorwurf II, Erw. III. 5.10). Aufgrund weiterer kongruenter und
schlüssiger Aussagen von F._ in mehreren Einvernahmen ergibt sich so-
dann, dass das ca. 15 cm tiefe, als Drogenversteck vorbereitete Loch zwischen
den Baumwurzeln ein Gemeinschaftswerk des Beschuldigten und F._s war.
Das ist auch darum nicht anzuzweifeln, weil der Beschuldigte seit seinem 14. Al-
tersjahr (1992) in der Schweiz lebt und im Bezirk AA._, einschliesslich
AE._ um Umgebung, heimisch und ortskundig ist (Urk. 51 S. 127; Urk. 65
S. 2). F._ hingegen hielt sich laut einhelliger Darstellung der Beteiligten erst
seit April 2015, d.h. zur Zeit dieses Drogenvorgangs seit ca. einem Monat in der
Schweiz auf. Als weitere stetige und glaubhafte Hinweise von F._ zu nennen
sind, dass er dem Drogenlieferanten kein Geld übergeben hat, dass der Beschul-
digte die Drogen vor dem Einlagern weder prüfte noch portionierte, dass die Dro-
gen nicht ihm (F._), sondern dem Beschuldigten gehörten, dass D._
beim Einbunkern nicht dabei gewesen war und dass sie das Heroin, wenn es
nicht verschwunden wäre, verkauft hätten (Urk. 51 S. 65 ff.).
Als besondere Einzelheiten zu bezeichnen und nicht minder authentisch sind fer-
ner die von F._ beschriebenen Reaktionen des Beschuldigten bei Entde-
ckung des Verlusts der Drogen morgens um 6 Uhr am Folgetag: Dass der Be-
schuldigte den D._ als (angeblichen) Mitwisser um das Drogenversteck an-
rief und zu ihnen in den Wald zitierte; dass D._ erschien, obwohl er sich ge-
rade bereit gemacht hatte für die Arbeit (was zudem über das zum Anklagevor-
wurf II hinaus Gesagte die höhere hierarchische Position des Beschuldigten in der
Beziehung zu D._ belegt); dass der Beschuldigte herumgeschrien hat, weil
die verlorenen Drogen Fr. 30'000.– kosten würden und wer dies nun bezahle
(HD Urk. 4/15 Antwort 64); dass F._ mit dem Beschuldigten vereinbart habe,
dass sie um 11:00 Uhr nochmals im Versteck nachschauen würden; dass der Be-
schuldigte bei diesem zweiten Nachschauen nun gesagt habe, dass es sich um
ein ganzes Kilogramm gehandelt habe, entgegen dessen vorherigem Hinweis,
dass sie ein halbes Kilogramm Drogen holen würden (HD Urk. 4/15 Antworten 64
und 75; zum Ganzen auch Urk. 51 S. 66). Davon, dass man wegen der ver-
- 36 -
schwundenen Drogen Fr. 30'000.– schuldig gewesen sei, hatten im Übrigen we-
der D._ (HD Urk. 3/38 S. 18) noch F._ (HD Urk. 3/15 S. 16; HD
Urk. 3/16 S. 19) etwas gehört. F._ erklärte vielmehr wiederholt und gleich-
bleibend, dass die Aufregung des Beschuldigten ("Theater") wegen der vermiss-
ten Drogen 3 bis 4 Tage gedauert habe und die Geschichte dann vergessen ge-
wesen sei.
7.2.5 Aus allen genannten Gründen entbehrt die Behauptung des Beschuldigten,
gar nicht an diesem Vorfall beteiligt gewesen zu sein und erst aufgrund des Ver-
schwindens dieses Heroins überhaupt in den Drogenhandel geraten bzw. ge-
zwungen worden zu sein, jeder Glaubhaftigkeit. Der Standpunkt des Beschuldig-
ten ist im Übrigen auch in zeitlicher Hinsicht widerlegt, ist doch wie aufgezeigt
(vorne Erw. III. 6) seine Drogenhandelstätigkeit ab Anfang März 2015 erwiesen,
während dem sich der hier gegenständliche Vorfall um das angeblich ver-
schwundene Kilogramm Heroin im Mai 2015 ereignete.
7.2.6 Der eingeklagte Sachverhalt ist erstellt, wobei Mittäterschaft vorlag (Urk. 25
S. 2).
7.3 VG 24 (Urk. 25 S. 12)
7.3.1 Der Anklagevorwurf lautet zusammengefasst dahingehend, I._ (nach-
folgend: I._) habe am 25. Januar 2016 bei H._ (nachfolgend: H._)
50 Gramm Kokain bestellt. In der Folge habe H._ den Beschuldigten beauf-
tragt, 50 Gramm Kokain an I._ zu verkaufen/übergeben. Der Beschuldigte
habe sich zusammen mit D._ um ca. 22:20 Uhr als dessen Beifahrer zum
Bahnhof in ... AQ._ begeben, wo der Beschuldigte oder D._ um
ca. 22:40 Uhr ca. 30 Gramm Kokain (statistisches Gehalt von mindestens 64% =
ca. 19.2 Gramm Reinsubstanz) an I._ verkauft/übergeben habe. Das auszu-
liefernde Kokain habe der Beschuldigte kurz vor dem 25. Januar 2016 in einer
Menge von mindestens ca. 230 Gramm (1 Portion à 30 Gramm und 2 Portionen
à 100 Gramm) von H._ zur Aufbewahrung zwecks späteren Verkaufs erhal-
ten.
- 37 -
7.3.2 Anlässlich der Schlusseinvernahme vom 12. Dezember 2017 anerkannte
der Beschuldigte den Anklagesachverhalt vorbehaltlos (HD Urk. 3/41 Antwort 31).
Demgegenüber führte er am 16. Mai 2018 vor Vorinstanz aus, er sei bei der
Übergabe nicht beteiligt gewesen (Prot. I S. 61). Anlässlich der Berufungs-
verhandlung erklärte der Beschuldigte demgegenüber wieder, dass der Vorwurf
stimme, wobei er präzisierend nachschob: "So, wie der andere es mir gesagt hat,
haben wir es auch gemacht" (Urk. 65 S. 15).
Laut dem amtlichen Verteidiger ist richtig, dass H._ ca. 230 Gramm Kokain
dem D._ übergeben habe, der diesen Stoff kurz vor dem 25. Januar 2018
beim sogenannten Rohr in AQ._ gegenüberliegend der Strasse des Wohnor-
tes des Beschuldigten versteckt habe. Weiter erklärte der amtliche Verteidiger vor
Vorinstanz, es könne von einem Geständnis des Beschuldigten ausgegangen
werden mit der Ausnahme, dass der Beschuldigte an der Übergabe der Drogen
selbst nicht beteiligt gewesen sei und I._ nicht gesehen habe. Zudem sei bei
der Übergabe kein Geld geflossen, da der Abnehmer die Drogen H._ offen-
bar bereits direkt bezahlt habe (HD Urk. 37 S. 19 f.; Prot. I S. 75; auch HD
Urk. 3/40 S. 7).
7.3.3 Die Vorinstanz hat zunächst die Ergebnisse der Telefonkontrolle betreffend
diesen Vorfall im Wortlaut aufgeführt (Urk. 51 S. 73 ff.). Es handelt sich um das
SMS-Protokoll vom 25. Januar 2016 zwischen dem Beschuldigten ("A'._")
und H._ ("H'._"; HD Urk. 3/21 Anhänge 1-32 und 48-52, vgl. Urk. 51
S. 73 f.), das SMS-Protokoll vom 25. Januar 2016 zwischen dem Beschuldigten
und I._ ("I'._"; HD Urk. 3/21 Anhänge 33-45 und 47; vgl. Urk. 51 S. 74 f.)
und das Gesprächsprotokoll vom 25. Januar 2016 zwischen I._ und D._
("D'._"), wobei Letzterer mit dem Mobiltelefon des Beschuldigten telefonierte
(HD Urk. 3/21 Anhang 46; vgl. Urk. 51 S. 75). Anschliessend stellte die Vorinstanz
die wesentlichen Aussagen des Beschuldigten sowie diejenigen von D._,
H._ und I._ dar (Urk. 51 S. 75-82). Auf all diese sorgfältigen und korrek-
ten Ausführungen im angefochtenen Urteil kann vorab verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO).
- 38 -
In ihrer Beweiswürdigung kam die Vorinstanz zum Schluss, aufgrund der über-
wachten SMS- sowie Gesprächskommunikation und der Aussagen des Beschul-
digten sowie von D._, H._ und I._ bestehe kein Zweifel, dass der
Beschuldigte am 25. Januar 2016 zusammen mit D._ am Bahnhof in
AQ._ Kokain an I._ ausgeliefert habe. Durch seinen Tatbeitrag habe der
Beschuldigte eine aktive Rolle bei der Kokainübergabe wahrgenommen. Dabei
könne offen bleiben, ob der Beschuldigte oder D._ letztendlich das Kokain an
I._ übergeben habe. Zu Gunsten des Beschuldigten und gestützt auf dessen
Aussagen sowie jene von H._ ging die Vorinstanz von 30 Gramm Kokainge-
misch aus und erachtete den Anklagevorwurf III VG 24 als erstellt (Urk. 51 S. 82
ff.).
Dieser Würdigung und dem Fazit ist beizupflichten. In Ergänzung dazu das Fol-
gende: Schon aufgrund der eigenen Angaben des Beschuldigten (HD Urk. 3/40
S. 5 ff.) und jenen seines amtlichen Verteidigers (HD Urk. 37 S. 19 f.) steht fest,
dass eine Drogenlieferung über 230 Gramm Kokain von H._ kurz vor dem
hier eingeklagten Ereignis beim sogenannten Rohr in unmittelbarer Nähe des
Wohnortes des Beschuldigten versteckt worden war. Dass der Beschuldigte die-
ses Drogenversteck nicht gekannt haben soll, erscheint im Lichte der bisherigen
Erkenntnisse und der erwiesenen Betätigung des Beschuldigten im Dunstkreis
des regionalen Drogenhandels als gänzlich unglaubhaft. Ob die von H._ er-
haltenen 230 Gramm Kokain durch D._ oder den Beschuldigten in den Bun-
ker verbracht wurden, ist ohne Belang. Die Interpretation der Aufzeichnungen aus
den genannten Überwachungsmassnahmen (vgl. Urk. 51 S. 73-75) ergibt klar,
dass der Beschuldigte in den Abendstunden des 25. Januar 2016 von H._
mittels verklausulierter Drogensprache angehalten wurde, dem "Jungen" "ein
50Fr." bzw. "die 50chf" zu geben weil er keins habe, worauf der Beschuldigte und
H._, auf Wunsch des Beschuldigten, als Zeitpunkt (erst) 10:30 Uhr vereinbar-
ten. Dabei ging es fraglos um eine Drogenlieferung von 50 Gramm Kokain, wel-
che dem als "Junge" bezeichneten I._ um ca. 22:30 Uhr zu übergeben sei.
I._ ist mit Geburtsjahr 1988 mit Abstand der Jüngste der am vorliegenden
Vorfall beteiligten Personen. H._, D._ und der Beschuldigte sind mit den
Jahrgängen 1969, 1971 und 1978 10 bis 19 Jahre älter. H._ kündigte dem
- 39 -
Beschuldigten um 21:33 Uhr zudem an, dass der "Junge" dem Beschuldigten eine
SMS-Nachricht schreiben werde, wenn er bei der "Adresse" sei, welche der Be-
schuldigte ihm, H._, genannt habe (vgl. Urk. 51 S. 73 f.). Damit war
AQ._ gemeint. So schrieb denn I._ dem Beschuldigten um 22:27 Uhr
die Botschaft "Oh Freund. Wir sind da. Ich bin der Freund von H._", was un-
missverständlich auf H._ deutet, der ihm die Ziffern ..., der Postleitzahl von
AQ._, genannt habe. Auf die SMS-Antwort des Beschuldigten begab sich
I._, der "bei den Häusern" (offensichtlich im oberhalb der Bahnstation gele-
genen Ortsteil) gewartet hatte, sogleich zum tiefer gelegenen Bahnhof, wobei
D._ mit dem Mobiltelefon des Beschuldigten I._ noch im Gespräch be-
stätigte, dass sie, d.h. der Beschuldigte und D._, sich am Bahnhof befinden
würden. Dass der Beschuldigte nicht gewusst haben will, mit wem D._ tele-
fonierte, ist als Schutzbehauptung zu taxieren. In Anbetracht der genannten
Kommunikation steht ohne Zweifel fest, dass der Beschuldigte an der Übergabe
der Drogen vor Ort beteiligt war, indem er um die Person des Abnehmers und die
auszuliefernde Menge Bescheid wusste und sich – trotz Kopfschmerzen an jenem
Abend (HD Urk. 3/21 Anhänge 13, 19, 21) – nach vorangegangener Information
durch H._ zusammen mit D._, der ihn chauffierte, gezielt zum Überga-
beort begab. Ob der Beschuldigte oder D._ dann die (nur) aus 30 Gramm
Kokaingemisch bestehenden Drogen aushändigte, ist nach dem Gesagten und
zufolge Mittäterschaft unmassgeblich, ebenso, ob der Beschuldigte den I._
gesehen hat. Im Übrigen hat selbst der Beschuldigte eingeräumt, er könne nicht
sagen, ob D._ oder er die Drogen übergeben habe (HD Urk. 3/40 S. 8).
Zu erwähnen ist endlich, dass H._ nach anfänglicher Aussageverweigerung
in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 21. September 2017 (HD
Urk. 6/8) betreffend diesen Anklagesachverhalt ein vollumfängliches Geständnis
abgelegt hat, welches er auch in seinen weiteren Einvernahmen bestätigte (vgl.
Urk. 51 S. 80). Wenn die Vorinstanz dieses Geständnis als glaubhaft einstufte,
zumal sich H._ damit selber erheblich belastete und auch weil es sich mit
den Ergebnissen der Telefonkontrolle in Einklang bringen lässt (vgl. Urk. 51
S. 84), so ist dem ohne weiteres zuzustimmen.
- 40 -
7.3.4 Der Anklagevorwurf III VG 24 ist mit der Vorinstanz erstellt.
7.4 VG 30/1 (Urk. 25 S. 13 f.)
7.4.1 Gemäss Anklagesachverhalt III VG 30/1 soll I._ am 8. April 2016 tele-
fonisch bei H._ Kokain bestellt und mit diesem eine Übergabe um 21:30 Uhr
beim ...-Center in ... AU._ vereinbart haben. In der Folge hätten H._
und der Beschuldigte telefonisch abgemacht, für die Übergabe des Kokains ge-
meinsam nach AU._ zu fahren und den Transport des Kokains durch
D._ in einem separaten Fahrzeug durchführen zu lassen. Zu diesem Zweck
hätten sich H._, D._ und der Beschuldigte in AQ._ getroffen, wo
die in einem Drogenbunker (Rohr) versteckten 100 Gramm Kokain behändigt
worden seien und H._ dem D._ Fr. 400.– für den Transport des Kokains
nach AU._ übergeben habe. Während H._ und der Beschuldigte mit
dem Personenwagen der Marke Peugeot zum Treffpunkt nach AU._ gefah-
ren seien, habe D._ das Kokain im Personenwagen der Marke Ford Focus
dorthin transportiert. Die ca. 100 Gramm Kokain (statistisches Gehalt von mindes-
tens 64% = ca. 64 Gramm Reinsubstanz) seien um ca. 21:27 Uhr durch H._,
D._ und den Beschuldigten dem I._ zum Zwecke des Weiterverkaufs
übergeben worden. Das auszuliefernde Kokain habe der Beschuldigte kurz vor
dem 25. Januar 2016 in einer Menge von mindestens ca. 230 Gramm (1 Portion à
30 Gramm und 2 Portionen à 100 Gramm) von H._ zur Aufbewahrung
zwecks späteren Verkaufs erhalten (dazu auch vorne III. 7.3).
7.4.2 Wie bereits ausgeführt, anerkannte der Beschuldigte diesen Anklage-
vorwurf anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Schlusseinvernahme vom
12. Dezember 2017 ohne Einschränkung, mithin namentlich auch die gemeinsa-
me Übergabe der ca. 100 Gramm Kokain durch ihn, H._ und D._ an
I._ in AU._ (HD Urk. 3/41 Antwort 33). Demgegenüber machte er vor
Vorinstanz geltend, D._ habe die Lieferung dort gemacht und Geld bekom-
men. Er (Beschuldigter) habe die Drogenübergabe nicht mitbekommen (Prot. I
S. 75 f.). I._ habe die Drogen in AU._ von D._ erhalten (Prot. I
S. 62). In der Berufungsverhandlung anerkannte der Beschuldigte auf entspre-
chenden Vorhalt hin, dass er an der Übergabe der 100 Gramm Kokain in
- 41 -
AU._ beteiligt gewesen sei, machte jedoch keine weitergehenden Ausfüh-
rungen zum Tatablauf resp. zum Umfang seines Tatbeitrags (Urk. 65 S. 15).
7.4.3 Gestützt auf die relevanten Beweismittel, insbesondere die Ergebnisse der
technischen Fahrzeugüberwachung, der im Detail zitierten Ergebnisse der Tele-
fonkontrolle und der dargelegten Aussagen des Beschuldigten – der einmal mehr
nur gerade eingestand, was ihm aufgrund der erdrückenden Beweislage nachge-
wiesen werden konnte und auch sonst mit seinen Aussagen nicht überzeugte –
sowie jenen von H._, D._ und I._ gelangte die Vorinstanz in um-
fassender Würdigung und mit stichhaltigen Argumenten zum Schluss, dass der
eingeklagte Sachverhalt erstellt sei (vgl. Urk. 51 S. 86-107). Auf ihre Erwägungen
kann zur Vermeidung von Wiederholungen vorab verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO).
Zusammenfassend und mit wenigen Ergänzungen ist zu konstatieren, dass
aufgrund der überwachten SMS- und Gesprächskommunikation, der GPS-
Aufzeichnungen und der Aussagen der Beteiligten feststeht, dass D._ am
Abend des 8. April 2016 zweifelsfrei 100 Gramm Kokain nach AU._ transpor-
tierte, während der Beschuldigte und H._ in einem separaten Fahrzeug
ebenfalls nach AU._ zum vorgesehenen Treffpunkt mit I._ fuhren. Die
Drogen waren dem "Rohr" entnommen worden, dem bereits erwähnten Drogen-
versteck nah beim Wohnort des Beschuldigten, wohin der Beschuldigte den
D._ am fraglichen Abend zitiert hatte und was durch die GPS-Aufzeichnung
untermauert wird, gemäss welcher sich die Fahrzeuge von D._ und H._
fast gleichzeitig dort in der Nähe aufhielten (HD Urk. 3/18 Anhang 15; HD
Urk. 5/16 Anhang 16). Zudem hat der Beschuldigte eingeräumt, dass die im Rohr
in AQ._ deponierten Drogen von H._ stammten, alle drei (H._,
D._ und er) um den Drogenbunker wussten und er (Beschuldigter) Kenntnis
davon hatte, dass die Drogen im Auto von D._ transportiert wurden (Prot. I
S. 75 f.). Dass D._ entweder die Drogen an sich genommen hatte oder ihm
diese durch H._ oder den Beschuldigten übergeben worden waren, worauf
D._ den risikoreichen Transport tätigte, weist einmal mehr auf dessen Unter-
ordnung gegenüber dem Beschuldigten hin.
- 42 -
Wer in AU._ dem I._ die Drogen dann übergab, blieb angesichts der un-
terschiedlichen Aussagen und mangels diesbezüglicher Gesprächsaufzeichnung
unklar. Während D._ mehrfach betonte, die Drogen in AU._ wieder dem
Beschuldigten übergeben zu haben (vgl. Urk. 51 S. 103), erklärte I._ zuletzt,
D._ habe ihm diese gebracht und übergeben (Urk. 51 S. 102). H._ äus-
serte sich zwar nicht direkt hierzu bzw. behauptete, die Drogenübergabe in
AU._ nicht gesehen zu haben (Urk. 51 S. 101). Doch hat H._, nach zu-
nächst Aussagenverweigerung und Zögern, detaillierte, grösstenteils wider-
spruchsfreie, schlüssige und somit glaubhafte Angaben zum ganzen Vorfall ge-
macht, womit er auch sich selber erheblich belastete. In mehreren Einvernahmen
anerkannte er schliesslich den Anklagesachverhalt ohne Abstriche als zutreffend,
mithin auch die eingeklagte (gemeinsame) Übergabe des Kokains durch H._,
D._ und den Beschuldigten an I._ (Urk. 51 S. 100, 105). Das Geständ-
nis von H._ steht auch sonst im Einklang mit den Akten, insbesondere mit
der GPS-Standortaufzeichnung vom Ereignistag und mit den Ergebnissen der Te-
lefonüberwachung. Konkret nannte H._ zudem die Drogenmenge, den Ver-
kaufspreis für das Kokain sowie seine Angst, das Kokain selber zu transportieren.
Auch wenn aufgrund der konkreten Rollenverteilung das Überreichen der Drogen
durch D._ entsprechend seiner untergeordneten Stellung im Vordergrund
steht, ist doch nachgewiesen, dass H._, D._ und der Beschuldigte sich
alle drei gezielt nach AU._ begeben hatten und zusammen am Zielort auf-
hielten. Angesichts des ihm bekannten Zweckes der Fahrt und seiner gegenüber
D._ höherrangigen Position im Drogenhandelsgefüge ist die mutmasslich
durch D._ erfolgte, effektive Drogenübergabe ohne Weiteres auch dem Be-
schuldigten anzulasten. Dies, zumal der Beschuldigte, wie die Gesprächsauf-
zeichnungen zeigen, im voraus um die ca. 21:30 Uhr stattfindende Drogenüber-
gabe am Zielort wusste (Urk. 51 S. 88 f.). Schliesslich ist mit der Vorinstanz an-
zumerken, dass es letztlich ohne Belang ist, wer die Übergabe des Kokains vor-
nahm, da dem Beschuldigten bei diesem Drogenvorgang ohnehin durchgehend
eine aktive und höherrangige Rolle zukam und die Tat in Mittäterschaft begangen
wurde.
7.4.5 Auch dieser Anklagevorwurf ist mit der Vorinstanz erstellt.
- 43 -
7.5 Fazit Anklagevorwurf III
Sämtliche Sachverhalte gemäss Anklagevorwurf III sind erstellt.
8. Fazit Sachverhaltserstellung
Neben der Erfüllung des objektiven Tatbestands ist auch in subjektiver Hinsicht
nicht zweifelhaft, dass der Beschuldigte wusste, dass seine Drogenhandels-
tätigkeit mittelbar oder unmittelbar die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr
bringen konnte, was ihn aber nicht von seinem Tun abhielt (vgl. auch hinten
Erw. V.3.1.2.1).
IV. Schuldpunkt – rechtliche Würdigung
Die durch die Vorinstanz vorgenommene rechtliche Würdigung der erstellten
Sachverhalte ist korrekt und wird von der Verteidigung auch nicht beanstandet. In
Bestätigung des angefochtenen Urteils und soweit noch Gegenstand des Beru-
fungsverfahrens ist der Beschuldigte somit anklagegemäss wie folgt schuldig zu
sprechen (betreffend die Übertretung BetmG siehe vorne Erw. III. 1.3):
- der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen das BetmG
im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b, c und d BetmG in Verbindung
mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG (Anklagevorwürfe I-III);
- der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von
Art. 19a Ziff. 1 BetmG (Anklagevorwurf IV).
Anzufügen bleibt, dass nicht nachvollziehbar ist, weshalb die Anklagebehörde
vorliegend nicht Bandenmässigkeit einklagte.
V. Strafzumessung und Vollzug
1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten, wie von der Staatsanwaltschaft be-
antragt (6 1⁄2 Jahre), mit einer Freiheitsstrafe von 78 Monaten und mit einer
Busse von Fr. 300.– bestraft (Urk. 51 S. 151). Im Berufungsverfahren beantragt
- 44 -
die Anklagebehörde die Bestätigung der angefochtenen Strafe (Urk. 58). Die
Verteidigung beantragt eine Freiheitsstrafe von maximal 3 Jahren unter Ge-
währung des teilbedingten Strafvollzugs hinsichtlich der Hälfte der verhängten
Freiheitsstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren (Urk. 54 S. 2 f.).
2.1 Die Vorinstanz hat im Rahmen ihrer Strafzumessung einleitende Er-
wägungen zum Strafrahmen, der vorliegend von 1 bis zu 20 Jahren reicht (Art. 19
Abs. 2 BetmG, Art. 40 StGB), sowie zu den allgemeinen Grundsätzen der Straf-
zumessung – Unterscheidung zwischen objektiver und subjektiver Tatschwere,
Tat- und Täterkomponente, Asperationsprinzip – gemacht (Urk. 51 S. 108-112,
114-116). Überdies hat sich die Vorinstanz zutreffend mit den besonderen Straf-
zumessungskriterien bei Betäubungsmitteldelikten befasst (Urk. 51 S. 117-119).
Auf diese einlässlichen Ausführungen, die im Einklang mit der einschlägigen
Lehre und Rechtsprechung stehen, kann zwecks Vermeidung unnötiger Wieder-
holungen vorab verwiesen werden. Dabei ist mit der Vorinstanz auch zu berück-
sichtigen, dass zwar nicht von Gewerbs- und/oder Bandenmässigkeit auszugehen
ist, das Handeln des Beschuldigten aber zumindest in der Nähe dieser Qualifika-
tionsmerkmale liegt.
2.2 Zusammengefasst bestimmt sich die objektive Tatschwere bei Drogendelik-
ten neben der eher sekundären Bedeutung der Drogenmenge und der daraus fol-
genden Gesundheitsgefährdung nach der Drogengattung und dem Reinheitsgrad
der Betäubungsmittel. Dabei werden die genaue Betäubungsmittelmenge und
gegebenenfalls ihr Reinheitsgrad für die Beurteilung der objektiven Tatschwere
umso weniger wichtig, je deutlicher der Grenzwert im Sinne von Art. 19 Ziff. 2 lit. a
BetmG überschritten ist. Bedeutsam ist weiter die hierarchische Stellung inner-
halb des Drogenhandels. Zur Beantwortung dieser Frage sind die konkreten
Aufgaben des Beschuldigten, seine Entscheidungsbefugnis, seine Exponiertheit
nach aussen, welche Sicherheitsvorkehrungen zu seinem Schutz vorgenommen
wurden und die Grösse des von ihm angestrebten und erzielten Gewinns zu be-
werten. Sodann sind die Art und Weise der Tatbegehung, die Willensrichtung, mit
welcher der Täter gehandelt hat und die Beweggründe zu gewichten. Mass-
gebend sind dabei unter anderem die Häufigkeit und Dauer der deliktischen
- 45 -
Handlungen, die aufgewendete persönliche Energie und das gezeigte kriminelle
Engagement. Beachtlich ist zudem eine allfällige Drogenabhängigkeit des Täters,
ferner, ob er ausschliesslich des Geldes wegen handelte, ohne sich in einer
finanziellen Notlage zu befinden, oder ob er es ablehnt zu arbeiten, obwohl es
ihm möglich wäre, und er es vorzieht, durch den Drogenhandel seinen Lebens-
unterhalt zu verdienen. Daraus ergibt sich, dass nicht einem einzelnen, der auf-
geführten Kriterien für die Beurteilung des Verschuldens eine überwiegende Be-
deutung zukommt. Der Einbezug all dieser Kriterien und deren Gesamtwürdigung
führt schliesslich zur Gewichtung der Tatschwere und des Verschuldens (vgl.
dazu BGE 122 IV 299 E. 2c S. 301; BGE 121 IV 202 E. 2d/cc S. 205 f.;
BGE 121 IV 193 E. 2b S. 196; BGE 118 IV 342 E. 2c S. 348 f.; Urteile des Ober-
gerichts des Kantons Zürich SB170277 vom 7. November 2017 E. 2.3.4 und
SB150534 vom 8. Juni 2016 E. 2.1; Hug-Beeli, Kommentar zum Betäubungs-
mittelgesetz, Basel 2016, Art. 26 N 210 ff.).
Auch in Bezug auf die konkrete Strafzumessung sind die einzelnen Gesichts-
punkte im angefochtenen Urteil sorgfältig erörtert und zutreffend gewürdigt
(Urk. 51 S. 119 ff.). Darauf ist im Folgenden nochmals kurz einzugehen.
3. Anklagevorwürfe II, III VG 16, III VG 24, III VG 30/1 – Auslieferungen über
Drogenläufer
3.1 Tatkomponente
3.1.1 Objektive Tatschwere
3.1.1.1 Vorliegend ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass sich der Beschuldigte
durch diese erwiesenen Anklagevorwürfe der Widerhandlungen gegen das Be-
täubungsmittelgesetz betreffend 5'497.8 Gramm Heroingemisch und 230 Gramm
Kokaingemisch schuldig gemacht hat, wobei von 1'099.56 Gramm reinem Heroin
und 147.2 Gramm reinem Kokain auszugehen ist (Urk. 25). Bei Kokain und Hero-
in handelt es sich um sogenannt „harte Drogen“ mit unbestrittenermassen hoher
gesundheitsgefährdender und abhängigkeitserzeugender Wirkung. Der Grenzwert
des schweren Falles für Heroin liegt bei 12 Gramm und ist demnach vom Be-
- 46 -
schuldigten um das 91-fache überschritten worden. Der Grenzwert des schweren
Falles bei Kokain von 18 Gramm wurde durch den Beschuldigten um das 8-fache
übertroffen. Damit hat der Beschuldigte ein entsprechend hohes Gesundheits-
risiko und Abhängigkeitspotential verursacht (vgl. BGE 118 IV 342 E. 2b S. 348).
Im Rahmen der hier zu gewichtenden Drogenhandelstätigkeit nahm der Beschul-
digte eine sehr hohe Zahl von Einzelhandlungen, nämlich über 150 Geschäfte
(Urk. 25 S. 6-10 und 12-14) vor bzw. liess sie über Drogenläufer ausführen, drei
davon erfolgten auch in seiner Präsenz. Das fällt markant verschuldenserhöhend
ins Gewicht.
3.1.1.2 Mit Recht hat die Vorinstanz das durch die amtliche Verteidigung ge-
zeichnete Bild verworfen, wonach es sich beim Beschuldigten um einen unbedarf-
ten und naiven Drogendelinquenten handle, der aus Angst und Leichtfertigkeit
gehandelt und sich auch keine Rechenschaft über seine Delinquenz abgelegt
bzw. gedacht habe, dass er mit seinem untergeordneten Beitrag nichts so
Schlimmes mache (Prot. I S. 95). Der Beschuldigte war betreffend die an dieser
Stelle zu beurteilenden Handlungen während rund sechs Monaten (9. Oktober
2015 bis 12. April 2016; Urk. 25 S. 6-10 und 12-14) in beträchtlichem Umfang im
Drogenhandel (Kokain und Heroin) tätig. Für seine Drogengeschäfte baute er eine
Logistik mit Drogenverstecken auf (wobei wie erwähnt eine Bewirtschaftung die-
ser Drogenbunker durch den Beschuldigten nicht nachgewiesen werden konnte),
und er koordinierte minutiös den Drogenverkauf über verschiedene Drogenläufer,
welchen er direkt Anweisungen erteilte und Vorgaben machte. Als Tarnung be-
nutzte der Beschuldigte verschiedene falsch registrierte Mobiltelefonnummern
und bediente sich bei den Telefongesprächen und SMS mit seinen Läufern und
Abnehmern einer codierten Sprache (HD Urk. 3/5 Anhänge 54 und 90; HD
Urk. 10/9 Antworten 25 f.), um den illegalen Inhalt der Gespräche vor den Behör-
den zu verschleiern. Dadurch wie auch durch das Einsetzen von Läufern zur Ver-
richtung der exponierten Drogenübergaben sollte auch das eigene Risiko, gefasst
zu werden, minimiert werden. Der Beschuldigte zog die Fäden aus der Distanz
und tat jeweils alles, um den Transport bzw. die Verschiebung der Drogen via die
Läufer von den Drogenverstecken an die Drogenabnehmer erfolgreich abschlies-
- 47 -
sen zu können. Dementsprechend ist die Position des Beschuldigte nicht ver-
gleichbar mit einem blossen Drogenkurier, dessen risikoreicher Tatbeitrag sich
auf den Transport oder die Auslieferung von Betäubungsmitteln beschränkt. Das
Verhaftungsrisiko lag primär bei seinen Drogenläufern (Anklagevorwurf II) bzw.
D._, der die Betäubungsmittel mit sich im Fahrzeug transportierte, während
der Beschuldigte in einem separaten Fahrzeug zur fraglichen Örtlichkeit gelangte
(Anklagevorwurf III VG 30/1). Der Beschuldigte war offensichtlich als Partner bzw.
bedeutsames Bindeglied in einer professionellen Organisation mit spezifischen
Aufgaben befasst. Insbesondere koordinierte er aus der Ferne die Tätigkeit von
diversen Drogenläufern mittels konkreter Anweisungen und Vorgaben. Dabei
legte er die Bedingungen fest wie auszuliefernde Menge und Preise, verfügte
demnach über massgebende Entscheidungsbefugnis. Hinsichtlich der Drogen-
lieferungen über die Drogenläufer nahm er somit die Rolle eines Zentraliers ein.
Er wirkte als Drehscheibe zwischen den Drogenläufern und -abnehmern, war aber
auch Verbindungsglied zur Lieferantenseite. So genoss er beispielsweise ein
besonderes Vertrauen von H._, der ihm 200/230 Gramm Kokain zwecks spä-
teren Verkaufs anvertraut hatte (vgl. HD Urk. 6/8 Antworten 31 und 33). Der hohe
Organisationsgrad, das intensive Zusammenwirken der Beteiligten und das be-
rufsmässige Vorgehen lassen die deliktische Aktivität des Beschuldigten als gra-
vierend erscheinen. Es kann nicht mehr von einer bloss untergeordneten Stellung
des Beschuldigten innerhalb der Drogenorganisation gesprochen werden. Viel-
mehr bekleidete der Beschuldigte, gerade auch wegen seiner für das Gelingen
der Abläufe essentiellen Deutsch- und Ortskenntnisse, eine zentrale Rolle als
Verbindungsglied innerhalb der ganzen Organisation, auch wenn er nicht als de-
ren Chef bezeichnet werden kann. Die Tätigkeit des Beschuldigten ist entgegen
der Verteidigung keinesfalls auf der untersten Hierarchiestufe des Drogenhandels,
also beispielsweise derjenigen von blossen Kurieren oder abhängigen Strassen-
dealern, anzusiedeln, sondern gegen den mittleren Bereich des verbrecherischen
Machtgefüges. Das gilt gegenüber seinen Drogenläufern gemäss Anklagevorwurf
II und des weitern – was den Drogentransport betrifft – auch in Bezug auf Ankla-
gevorwurf III VG 30/1 gegenüber D._, der die Drogen in seinem Fahrzeug
zum Tatort brachte, während der Beschuldigte risikofrei in einem andern Fahr-
- 48 -
zeug dorthin reiste. Der Beschuldigte hielt sich schliesslich – immer gemäss sei-
ner Darstellung – selbst dann im Hintergrund, etwa im Auto, wenn er Mitbeschul-
digte an den Übergabeort begleitete, und überliess die eigentliche Drogenüberga-
be (das Aushändigen) dem Mitbeschuldigten.
3.1.1.3 Das Vorgehen des Beschuldigten im Drogenhandelsmilieu zeugt mit der
Vorinstanz von einer beachtlichen kriminellen Energie bei einem nicht minder
bedeutsamen persönlichen Zeitaufwand. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass
der Beschuldigte nicht aus eigenem Antrieb vom Drogenhandel abliess. Dem
wurde erst durch seine Verhaftung am 12. April 2016 ein Ende gesetzt. Wenn die
Vorinstanz im Lichte dieser Erkenntnisse das objektive Tatverschulden in Anbe-
tracht des konkreten Strafrahmens bzw. aller möglicher Tatvarianten als erheblich
einstufte und die Einsatzstrafe im obersten Bereich des unteren Drittels des
(weiten) Strafrahmens ansiedelte, konkret bei 72 Monaten bzw. 6 Jahren, so ist
dem ohne Weiteres zuzustimmen.
3.1.2 Subjektive Tatschwere
3.1.2.1 Was das subjektive Verschulden anbelangt, ist zunächst mit der Vor-
instanz festzuhalten, dass der Beschuldigte mit direktem Vorsatz im Betäu-
bungsmittelhandel tätig gewesen ist. Gemäss eigener Aussage war ihm klar, dass
der Drogenverkauf strafbar ist (HD Urk. 3/9 Antwort 18). Zudem war der Beschul-
digte am 1. August 2015 bereits einmal verhaftet und anlässlich zweier polizei-
licher Einvernahmen über das Betäubungsmittelgesetz in der Schweiz orientiert
worden (vgl. ND 1 Urk. 2/1; ND 1 Urk. 2/2).
3.1.2.2 Auch besteht, wiederum im Einklang mit der Vorinstanz und entgegen der
Verteidigung (Prot. I S. 95; Urk. 51 S. 121; Prot. II S. 6, 13 f.), kein Zweifel, dass
der Beschuldigte sich aus rein pekuniären Gründen, mithin aus Profitgier, am
Drogengeschäft beteiligt hat. Es ging ihm offensichtlich darum, auf einfache Art
und Weise Geld zu verdienen. Es liegt ein egoistisches Motiv vor. Dass er wegen
Schulden aus dem Drogenvorgang III VG 1 Kilogramm von AK._ und
F._ gezwungen worden wäre, in den Drogenhandel einzusteigen und mittels
Schreiben von SMS und Weiterleiten von Terminen die Schulden abzuarbeiten,
- 49 -
wie der Beschuldigte wiederholt beteuerte, wurde bereits als Schutzbehauptung
entlarvt und ist widerlegt. Davon abgesehen hat der Beschuldigte gemäss eige-
nen Aussagen im März 2015 keine Schulden gehabt (Prot. I S. 63 f., vgl. auch
seine Aussagen anlässlich der Einvernahme in der Berufungsverhandlung, wo-
nach er Schulden habe, seit er im Gefängnis war, Urk. 65 S. 7). Zudem hat der
Beschuldigte im Verfahrensverlauf verschiedene, sich widersprechende Versio-
nen vorgebracht. So konnte er sich nicht festlegen, wieviel er eigentlich wegen
des (angeblich) verschwundenen Kilogramms Heroin geschuldet hätte und ob die
Schuld schon abbezahlt sei (Urk. 51 S. 122; vorne Erw. III. 5.3). Die Verteidigung
äusserte sodann nicht mehr als blosse Vermutungen, weshalb der schuldenfreie
Beschuldigte als Inhaber eines gut laufendenden Gartengeschäfts auf die Wahn-
idee gekommen sei, sich auf so etwas einzulassen und seine Familie aufs Spiel
zu setzen (Prot. I S. 95; Urk. 51 S. 121). Auch die Vorbringen der Verteidigung im
Berufungsverfahren, wonach der Beschuldigte aus Angst um die Familie so vor-
gegangen sei bzw. womit ein Zusammenhang zwischen dem Verhalten des Be-
schuldigten und der schweren Krankheit von dessen Ehefrau in den Raum gestellt
wird (Prot. II S. 15 f.), sind nicht zu hören. Wie die Verteidigung vor Vorinstanz
sodann ausführte, hat der Beschuldigte nach der Entlassung aus rund siebzehn-
monatiger Haft im September 2017 wieder mit vollem Elan seine selbständige Be-
rufstätigkeit weitergeführt, so dass die Familie von seinen dadurch erwirtschafte-
ten Einkünften leben kann (Prot. I S. 96; Prot. II S. 16, Urk. 65 S. 6; Urk. 68/1-4).
Das zeigt auch, dass sich der Beschuldigte zuvor nicht etwa aus einer wirtschaft-
lichen Notlage heraus dem Drogenhandel zugewandt hat, sondern des bequemen
und schnellen Geldes wegen das Betäubungsmittelgeschäft der anstrengenden
täglichen Berufsarbeit vorzog (auch Urk. 51 S. 122 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.1.2.3 Zum geltend gemachten Eigenkonsum von Kokain, Heroin und Marihua-
na stellte die Vorinstanz einerseits auf die Aussagen des Beschuldigten ab. Da-
nach hat er 2015 mit dem Drogenkonsum begonnen und bis zu seiner Verhaftung
am 1. August 2015 konsumiert, danach nicht mehr (HD Urk. 21/6 Antwort 19;
Prot. I S. 34; Urk. 65 S. 8), wobei er keine Angaben zur Menge machen konnte.
Davon würden, so die Vorinstanz, fünf von sieben Monaten (März 2015 bis Juli
2015) in den tatrelevanten Zeitraum fallen. Anderseits stützte sich die Vorinstanz
- 50 -
auf das Gutachten zur Haaranalyse des IRM vom 28. April 2016 ab, welches be-
sagt, dass beim Beschuldigten kein starker Konsum nachgewiesen werden kann
(HD Urk. 15/6). Selbst die amtliche Verteidigung räumte anlässlich der Beru-
fungsverhandlung zu diesem Thema ein, dass es sich beim Beschuldigten sicher
nicht um einen Schwerstabhängigen gehandelt habe und nicht von einer erheblich
reduzierten Schuldfähigkeit gesprochen werden könne. Der Beschuldigte sei aber
"mitgenommen" gewesen und habe die klare Sicht und die klare Vernunft nicht
gehabt, um richtig zu handeln (Prot. II S. 15). Angesichts dieser Ausgangslage
und des Umstands, dass der Beschuldigte überdies aktenkundig zu einem zielge-
richteten und durchdachten Vorgehen in der Lage war – offensichtlich verfügte er
zumindest über die zur Koordinierung und Durchführung seiner diversen Drogen-
geschäfte unabdingbare "klare Sicht" – verneinte die Vorinstanz – zu Recht –
einen erheblichen, zur Annahme einer verminderten Schuldfähigkeit des Beschul-
digten führenden Eigenkonsum. Es kann vorab auf die Erwägungen im angefoch-
tenen Urteil verwiesen werden (Urk. 51 S. 123 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Anzumerken ist, dass die an dieser Stelle zu beurteilenden Betäubungsmittelge-
schäfte über Drogenläufer den Zeitraum vom 9. Oktober 2015 bis 12. April 2016,
dem zweiten Verhaftungstag, beschlagen. Für diese Zeitspanne steht kein Dro-
genkonsum des Beschuldigten zur Debatte. Die Ausführungen unter der vorlie-
genden Erwägung V. 3.1.2.3 haben jedoch Gültigkeit für die nachfolgen Ausfüh-
rungen zum Anklagevorwurf I (Tatzeitraum Anfang März 2015 bis Ende Oktober
2015) und zum Anklagevorwurf III VG 1 Kilogramm (Tatzeit Mai 2015).
3.1.2.4 Die subjektive Tatschwere relativiert das objektive Tatverschulden nicht.
3.2 Einsatzstrafe
Es bleibt bei einer Einsatzstrafe von 72 Monaten oder 6 Jahren.
Die Angemessenheit dieser (Einsatz)Strafe für den schwersten Deliktskomplex
lässt sich ebenso vor dem Hintergrund des schematischen, praxisgestützten Ver-
gleichsrahmens von Fingerhuth/Schlegel/Jucker, Kommentar zum Betäubungs-
mittelgesetz, 3. Auflage, Zürich 2006, Art. 47 N 45) erkennen. Diesen heranzu-
- 51 -
ziehen ist statthaft im Sinne einer Kontrolle und im Interesse von Rechtsgleichheit
und -sicherheit. So gehen die erwähnten Autoren bei einer Menge von
1'099.56 Gramm reinem Heroin von einer Ausgangsstrafe von ca. 50 Monaten
und bei 147.2 Gramm reinem Kokain von ca. 22.5 Monaten aus. Solche
"Straftaxen" dürfen selbstverständlich nicht starr angewendet werden, haben aber
doch Richtlinienfunktion (BSK StGB I-Wiprächtiger/Keller, 4. Aufl. Basel 2019,
Art. 47 N 213 ff.). Bei der oben genannten Einsatzstrafe ist zudem ein möglicher
Zuschlag von ca. 20 % für "deutlich mehr als 5 Geschäfte" bereits enthalten
Fingerhuth/Schlegel/Jucker, a.a.O., Art. 47 N 48).
4. Anklagevorwurf I – Persönliche Auslieferungen
4.1 Tatkomponente
4.1.1 Objektive Tatschwere
Hinsichtlich der persönlichen Auslieferungen ist von 500.7 Gramm Heroingemisch
und 125 Gramm Kokaingemisch auszugehen, entsprechend 105.15 Gramm rei-
nem Heroin und 60 Gramm reinem Kokain (Urk. 25 S. 4 f.). Der Grenzwert des
schweren Falles ist beim Heroin um das 41-fache und beim Kokain um das
3-fache überschritten, womit der Beschuldigte ein entsprechend hohes Gesund-
heitsrisiko und Abhängigkeitspotential verursachte (vgl. BGE 118 IV 342 E. 2b
S. 348). Er nahm während eines Zeitraums von insgesamt acht Monaten – ca.
Anfang März bis ca. Ende Oktober 2015 (vgl. Urk. 25 S. 4 f.) – annähernd 70 Ein-
zelhandlungen vor, was verschuldenserhöhend zu gewichten ist. Dies zeugt, auch
angesichts des beachtlichen persönlichen Zeitaufwands, von einer erheblichen
kriminellen Energie. Wie schon die Vorinstanz zutreffend berücksichtigte, wiegt
die Rolle des Beschuldigten hier weniger schwer als bei den Auslieferungen über
die Läufer, da er als blosser Transporteur und Auslieferer gehandelt hat und ei-
nem grösseren Risiko des Ertappt-Werdens ausgesetzt war. Wenn die Vorinstanz
die objektive Tatschwere bei den persönlichen Auslieferungen als gerade noch
leicht wertete und 28 Monate als "Einsatzstrafe" festlegte, erscheint dies eher
wohlwollend, aber noch angemessen.
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4.1.2 Subjektive Tatschwere
Für die subjektive Tatschwere kann auf die entsprechenden Ausführungen unter
Erw. V. 3.1.2 verwiesen werden. Insbesondere ist eine Beeinträchtigung der
Schuldfähigkeit abzulehnen (vgl. vorne Erw. V. 3.1.2.3), zumal der Beschuldigte
stets den Standpunkt einnahm, sich aufgrund von Schulden und daraus folgender
Druckausübung am Drogenhandel beteiligt zu haben, umgekehrt aber nie geltend
machte, wegen eigenen Betäubungsmittelkonsums in den Drogenhandel geraten
zu sein. Das subjektive Tatverschulden relativiert das objektive nicht. Selbst wenn
für den Zeitraum dieses Tatvorwurfs aufgrund von Drogenkonsum eine leichte
Einschränkung der Schuldfähigkeit anzunehmen wäre, wären 28 Monate als
Einzelstrafe noch immer schuldangemessen.
4.2 Asperation
Separat betrachtet wäre für die Tatschwere dieser Widerhandlungen gegen das
Betäubungsmittelgesetz eine Strafe von jedenfalls 28 Monaten angezeigt, nach-
dem die Vergleichstabelle von Fingerhuth/Schlegel/Jucker, a.a.O., Art. 47 N 45,
ca. 40 Monate als Richtwert für die Ausgangsstrafe ausweist, dies noch ohne
möglichen Zuschlag für mehr als 5 Geschäfte. In Nachachtung des Asperations-
prinzips wäre die Einsatzstrafe für die schwerste Delinquenz um jedenfalls
18 Monate zu erhöhen.
5. Anklagevorwurf III – VG 1 Kilogramm Heroin (HD)
5.1 Tatkomponente
5.1.1 Objektive Tatschwere
Bezüglich dieses Geschäfts über 1‘000 Gramm Heroingemisch bzw. 380 Gramm
reines Heroin stellte die Vorinstanz zutreffend fest, dass der Grenzwert des
schweren Falles um das 31-fache übertroffen worden ist, womit der Beschuldigte
wiederum ein hohes Gesundheitsrisiko mit Abhängigkeitspotential bewirkte. Bei
dieser einzelnen Handlung nahm der Beschuldigte die Betäubungsmittel nicht
selber an sich und minimierte dadurch sein persönliches Risiko. Jedoch verhielt er
- 53 -
sich auch nicht gänzlich im Hintergrund, indem er F._ zur Drogenübernahme
nach Zürich begleitete. Die Entgegennahme und Deponierung des Kilogramms
Heroins stellte eine Vorbereitungshandlung für den späteren Verkauf der Drogen
dar. Das Delikt fällt in den Deliktszeitraum, als der Beschuldigte noch nicht als
Zentralier qualifiziert werden konnte. Übereinstimmend mit der Vorinstanz ist die
objektive Tatschwere in Anbetracht des konkreten Strafrahmens bzw. aller denk-
baren Tatvarianten der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmit-
telgesetz dennoch als nicht mehr leicht zu taxieren (vgl. Urk. 51 S. 125 f.). Für
den Anklagevorwurf III VG 1 Kg Heroin wurde im angefochtenen Urteil eine "Ein-
satzfreiheitsstrafe" von 34 Monaten festgelegt.
5.1.2 Subjektive Tatschwere
Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere kann auf die entsprechenden Ausführun-
gen unter Erw. V. 3.1.2 verwiesen werden. Insbesondere ist wiederum eine Be-
einträchtigung der Schuldfähigkeit abzulehnen (vgl. vorne Erw. V. 3.1.2.3), zumal
der Beschuldigte stets den Standpunkt einnahm, sich aufgrund von Schulden und
daraus folgender Druckausübung am Drogenhandel beteiligt zu haben, um-
gekehrt aber nie geltend machte, wegen eigenen Betäubungsmittelkonsums in
den Drogenhandel geraten zu sein Das subjektive Tatverschulden relativiert das
objektive nicht. Selbst wenn für den Zeitpunkt dieses Tatvorwurfs aufgrund von
Drogenkonsum eine leichte Einschränkung der Schuldfähigkeit anzunehmen wä-
re, wären 34 Monate als Einzelstrafe noch immer schuldangemessen.
5.2 Asperation
Mit Blick auch auf die Vergleichstabelle von Fingerhuth/Schlegel/Jucker (a.a.O.,
Art. 47 N 45, 47), wonach bei einer Menge von 380 Gramm reinem Heroin eine
Ausgangsstrafe (leicht abweichend zur Vorinstanz) im Bereich von 35 Monaten
resultiert, dem Beschuldigten kein Verkauf bzw. keine Auslieferung der Drogen
angelastet wird und auch lediglich ein Drogengeschäft vorliegt, was eine Reduk-
tion um 10-20 % zulässt, sowie unter Beachtung des Asperationsprinzips wäre für
diese deliktische Handlung die vorne festgelegte Einsatzstrafe für die schwerste
Delinquenz immer noch um weitere 18 Monate zu erhöhen.
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5.3 Fazit Tatkomponente
Die Vorinstanz gelangte aufgrund der Tatkomponente zu einer Strafe von
100 Monaten oder 8 Jahren und 4 Monaten (Urk. 51 S. 126). Die vorliegend er-
rechnete Strafe würde demgegenüber noch etwas höher liegen. Daraus ergibt
sich, dass das durch die Vorinstanz für das Tatverschulden ermittelte Strafmass
sicher nicht zu hoch ist.
6. Täterkomponente
Die massgebenden Faktoren zur Gewichtung der Täterkomponente finden sich im
angefochtenen Urteil (Urk. 51 S. 127; Art. 82 Abs. 4 StPO).
6.1 Biografie
Der Werdegang und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten, der seit
1992 in der Schweiz lebt, verheiratet ist und mit seiner Ehefrau zwei Söhne der
Jahrgänge 2002 und 2007 hat, wurden im angefochtenen Urteil ausführlich dar-
gelegt, so dass darauf verwiesen werden kann (Urk. 51 S. 127 f.; Art. 82 Abs. 4
StPO). Im Berufungsverfahren brachte der Beschuldigte aktualisierend vor, dass
sein älterer Sohn eine Lehre im Pflegedienst mache, während der jüngere noch
zur Schule gehe. Seine Frau sei nach wie vor krank und wegen Krebs in Behand-
lung. Er selbst arbeite immer noch in seiner Firma, der AV._ GmbH. Da Herr
AW._, dessen Aufträge er früher ausgeführt habe, mittlerweile gestorben sei,
würden er und andere selbständig tätige Kollegen sich gegenseitig bei Aufträgen
beiziehen und so zusammenarbeiten. Er sei zwar nicht voll ausgelastet, gebe sich
aber Mühe, damit er Arbeit bekomme. Monatlich zahle er sich einen Nettolohn
von Fr. 5'000.– bis Fr. 5'200.– aus (Urk. 65 S. 2 ff.).
Diese Biografie ist strafzumessungsneutral zu werten.
6.2 Vorstrafen
Gemäss dem Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister vom 26. November
2019 (Urk. 62) weist der Beschuldigte eine Vorstrafe auf. Er wurde mit Strafbefehl
vom 23. Mai 2012 von der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland wegen gro-
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ber Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tages-
sätzen zu je Fr. 70.– unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren sowie einer
Busse von Fr. 300.– verurteilt. Diese nicht einschlägige Vorstrafe liegt heute über
sieben Jahre zurück, zur Zeit der Tatbegehung waren es ca. drei bis vier Jahre.
Bei dieser Situation wirkt sie sich nur noch marginal straferhöhend aus.
6.3 Nachtatverhalten
Die theoretische Grundlage ergibt sich aus dem vorinstanzlichen Urteil (Urk. 51
S. 129). Das Bezirksgericht verneinte kooperatives, das Strafverfahrens erleich-
terndes Verhalten des Beschuldigten und stufte sein Aussageverhalten als aus-
weichend und bemühend ein. So habe er auf Vorhalt der eindeutigen Ergebnisse
in den Protokollen der SMS- und Telefonüberwachungen sowie der GPS-
Aufzeichnungen der jeweils verwendeten Fahrzeuge von D._ und H._
zu Beginn stets erklärt, nicht zu wissen, worum es gehe (vgl. z.B. HD Urk. 3/18
Antworten 30 f.; HD Urk. 5/16 Antworten 11-52, 97-101 und 125 ff.). Lediglich
etappenweise seien Teilgeständnisse erfolgt, die angesichts der erdrückenden
Beweislage zum äusseren Sachverhalt nur – wenn überhaupt – in beschränktem
Masse auf Reue und Einsicht in das begangene Unrecht schliessen liessen. Be-
kundete Reue und Entschuldigung für die Taten (HD Urk. 3/9 Antwort 6; HD
Urk. 3/38 Antwort 46; Prot. I S. 98) erschienen der Vorinstanz kaum ernsthaft. Die
Taten des Beschuldigten seien auch ohne Geständnis nachgewiesen gewesen
und er habe keine Straftaten offen gelegt, die ihm nicht hätten nachgewiesen
werden können. Vor diesem Hintergrund gewährte die Vorinstanz dem Beschul-
digten nur eine leichte Strafminderung für das Nachtatverhalten (Urk. 51 S. 129
f.).
Diese Ausführungen samt der Schlussfolgerung sind zu teilen. Indem der Be-
schuldigte im Berufungsverfahren – nebst einer allgemeinen Entschuldigung im
Schlusswort – ausführte, er habe nicht gewusst, dass man so eine hohe Strafe
bekommen könne, für die Arbeit, die er gemacht habe (Urk. 65 S. 14), so kann
auch heute nicht von echter Einsicht und aufrichtiger Reue ausgegangen werden.
Vielmehr liegt offensichtlich Selbstmitleid vor.
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6.4 Strafempfindlichkeit
Eine besondere Strafempfindlichkeit, die zu berücksichtigen wäre, ist vorliegend
mit der Vorinstanz zu verneinen (Urk. 51 S. 130). Nach der Rechtsprechung be-
wirkt der Freiheitsentzug für jede beruflich sowie sozial integrierte Person eine
Härte. Das ist aber vom Gesetzgeber gewollt. Eine erhöhte Strafempfindlichkeit
lässt sich nur bei aussergewöhnlichen Umständen bejahen (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_1256/2018, 6B_1267/2018 vom 28. Oktober 2019 E. 3.3 mit ). Solche sind vorliegend nicht gegeben und eine Strafreduktion unter diesem
Titel nicht gerechtfertigt. Der Beschuldigte hat bei seiner Tätigkeit als Drogen-
händler offensichtlich gehofft, die Behörden würden ihn nicht erwischen.
6.5 Verfahrensdauer
Zunächst ist mit der Vorinstanz zu konstatieren, dass von einer Verletzung des
Beschleunigungsgebots nicht die Rede sein kann. Bearbeitungslücken sind im
vorliegenden Verfahren keine auszumachen (Urk. 51 S. 131). Zur Verfahrens-
dauer ist festzuhalten, dass die Verhaftung des Beschuldigten am 12. April 2016
erfolgte und 20 Monate später, nämlich am 13. Dezember 2017, Anklage erhoben
wurde. Das erstinstanzliche Urteil erging am 25. Juli 2018 und das Berufungsurteil
am 5. Dezember 2019. In Anbetracht der Schwere und Vielzahl von Tatvorwürfen
und in wechselnder Zusammensetzung verübten Einzelhandlungen, des Umfangs
und der Komplexität des Falles mit einer grossen Zahl involvierter Personen,
Dutzenden und regelmässig mit Dolmetschern durchgeführten Befragungen,
ferner mehreren Konfrontationseinvernahmen mit weiteren Mitbeschuldigten aus
mehreren gleichzeitig geführten, separaten Verfahren, und entsprechend einem
erheblichen Koordinationsbedarf sowie späten, nur halbherzigen Teilgeständnis-
sen des Beschuldigen liegt keine überlange Verfahrensdauer vor, die zu Gunsten
des Beschuldigten zu berücksichtigen wäre. Der Beschuldigte war nicht länger als
nötig den Belastungen eines Strafverfahrens ausgesetzt und wurde nach
17 Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen, worauf er wieder im Zivilleben
Fuss fassen und seine Berufstätigkeit als selbständig Erwerbender fortsetzen
konnte. Dass es nicht bei der gemessen an Umfang und Komplexität des Ver-
fahrens relativ kurzen Dauer von 2 1⁄2 Jahren bis zum bezirksgerichtlichen Urteil
- 57 -
blieb, sondern nochmals rund 1 1⁄4 Jahr bis zum Berufungsentscheid dauerte, ist
wesentlich auf den Umstand zurückzuführen, dass die Berufungsverhandlung, wie
schon die Hauptverhandlung, gleichzeitig mit jener des Mitbeschuldigten D._
stattfand, was einen erheblichen Koordinationsaufwand erforderte. Hinzu kommt,
dass es nach dem erstinstanzlichen Urteilsspruch annähernd ein halbes Jahr
dauerte, bis die begründeten Urteile betreffend den Beschuldigten und den Mit-
beschuldigten D._ vorlagen, was nachvollziehbar und nicht übermässig ist
und auch vor der Ordnungsvorschrift von Art. 84 Abs. 4 StPO ohne Weiteres
Stand hält. Da die Berufungserklärung Mitte Februar 2019 erfolgte, nahm das
(materielle) Berufungsverfahren im Ergebnis deutlich weniger als ein Jahr in An-
spruch. Die Dauer erweist sich angesichts der Komplexität und der Koordination
zweier umfangreicher Verfahren ebenso wenig als übermässig. Dass das Straf-
verfahren gegen den Beschuldigten nach der erstinstanzlichen Verurteilung fort-
dauerte, ist schliesslich auf den Umstand zurückzuführen, dass der Beschuldigte
ein Rechtsmittel ergriff. Das ist sein gutes Recht und darf ihm selbstredend nicht
zum Nachteil gereichen. Die Beanspruchung einer Rechtsmittelinstanz und die
damit verbundene, erneute Ungewissheit über die Beurteilung der Tatvorwürfe
und damit den Prozessausgang kann aber umgekehrt auch nicht dazu führen,
dass ein Täter wegen der damit einhergehenden Verfahrensverlängerung mit ei-
ner milderen Strafe wegkommt. Offenkundig hat das Verfahren den Beschuldigten
angesichts der Tatvorwürfe sowie der damit verbundenen Ungewissheit erheblich
strapaziert. So ergeht es allerdings jeder beschuldigten Person, die mit schweren
Tatvorwürfen konfrontiert ist, namentlich wenn sie wie der Beschuldigte in einem
familiären Umfeld lebt und Verantwortung trägt. Entgegen der Auffassung im an-
gefochtenen Urteil liegt aber keine objektiv überlange Verfahrensdauer vor und
der Beschuldigte war auch nicht in überdurchschnittlichem Mass vom Strafverfah-
ren betroffen. Eine Strafreduktion wegen langer Verfahrensdauer rechtfertigt sich
nicht (Urk. 51 S. 132).
7. Fazit Strafzumessung
Zusammengefasst wirkt sich die Täterkomponente aufgrund der Vorstrafe margi-
nal straferhöhend und aufgrund des Nachtatverhaltens leicht strafmindernd aus.
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Es ist insgesamt eine Strafreduktion angezeigt. Die Täterkomponente senkt die
Einsatzstrafe aufgrund der Tatkomponente. Dem Verschulden und den persön-
lichen Verhältnissen angemessen erschiene zwar eine höhere als die erstinstanz-
lich ausgesprochene Strafe. Infolge des Verschlechterungsverbots – die Anklage-
behörde hat kein Rechtsmittel ergriffen – bleibt es aber bei der durch die Vor-
instanz ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 78 Monaten oder 6 1⁄2 Jahren. Diese
Strafe ist daher wie erwähnt sicher nicht zu hoch. An die Strafe anzurechnen sind
insgesamt 527 Tage erstandener Haft (Art. 51 StGB).
8. Strafmassvergleich
Dem durch die Vorinstanz vorgenommenen Strafmassvergleich hinsichtlich der
Mitbeschuldigten D._, F._ und G._ ist in allen Teilen zuzustimmen
(Urk. 51 S. 133-136). Da die vorinstanzlich ausgesprochenen Freiheitsstrafen in
den Berufungsentscheiden betreffend den Beschuldigten und den Mitbeschuldig-
ten D._ keine Änderung erfahren (vgl. Urk. 71, Urteil vom 5. Dezember 2019
im Verfahren SB190044 betreffend D._), erübrigen sich weitere Ausführun-
gen.
9. Anklagevorwurf IV – Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes (ND I)
Die für die Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes durch die Vorinstanz aus-
gesprochene Busse von Fr. 300.– ist ohne Weiteres zu bestätigen (Urk. 51
S. 141; Art. 82 Abs. 4 StPO).
10. Vollzug
10.1 Die Gewährung des bedingten oder eines teilbedingten Strafvollzugs kommt
angesichts der Dauer der zu verhängenden Freiheitsstrafe nicht in Betracht
(Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 43 Abs. 1 StGB). Die Strafe ist somit zu vollziehen.
10.2 Die Busse ist von Gesetzes wegen zu vollziehen und die Ersatzfreiheits-
strafe in Bestätigung der Vorinstanz auf drei Tage festzusetzen (Urk. 51 S. 141).
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VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenauflage
gemäss Dispositivziffer 15 zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'500.– festzu-
setzen. Die Kostenauflage erfolgt im Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Anträgen voll-
umfänglich. Damit sind die zweitinstanzlichen Kosten – mit Ausnahme der Ent-
schädigung der amtlichen Verteidigung – dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die
Kosten der amtlichen Verteidigung sind angesichts der schlechten finanziellen
Verhältnisse des Beschuldigten einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Sie
können vom Beschuldigten in einem späteren Zeitpunkt eingefordert werden, falls
sich seine wirtschaftliche Situation entsprechend verbessern sollte.
3. Für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten im Berufungsverfahren
werden – inklusive geschätztem Aufwand für die Berufungsverhandlung
Fr. 8'390.60 geltend gemacht (Urk. 63). Das erscheint im vorliegenden Fall als
nicht mehr angemessen, sondern vielmehr als übersetzt. Namentlich springt ins
Auge, dass für Konferenzen mit dem Beschuldigten ca. 8 Stunden aufgelistet
wurden, was nicht einzuleuchten vermag. Zudem fielen für die Ausarbeitung des
Plädoyers weitere ca. 8 Stunden an. Das kann gerechtfertigt sein. Vorliegend be-
stand das schriftliche Plädoyer indessen nur aus Titeln und der mündliche Vortrag
erschöpfte sich im Wesentlichen darin, dass einzelne Passagen aus dem ange-
fochtenen hervorgehoben und als unzutreffend eingestuft wurden. Eine substan-
zielle Auseinandersetzung mit dem angefochtenen Urteil unterblieb weitgehend.
Überdies wurde für "Fallstudium re Verjährungsfristen" auch eine Position ver-
merkt. Rechtsstudium wird aber grundsätzlich nicht entschädigt, es sei denn, es
gehe um aussergewöhnliche Rechtsfragen, was auf Verjährungsfristen nicht zu-
trifft. Unter all diesen Umständen rechtfertigt sich eine Pauschalentschädigung
des amtlichen Verteidigers in der Grössenordnung der ausgewiesenen Honorar-
note der amtlichen Verteidigung des Mitbeschuldigten D._. Darin sind für die
Berufungsverhandlung geschätzte 5 Stunden enthalten, womit angesichts der
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Dauer von effektiv ca. 3 1⁄4 Stunden auch eine Nachbesprechung abdeckt ist (vgl.
Urk. 70). Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist daher pauschal mit
Fr. 4'500.– (inkl. MwSt) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.