Decision ID: 55965405-688a-57ff-8a72-331fd871562b
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
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St.Galler Gerichte
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank,
9313 Muolen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilflosenentschädigung (Revision)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ wurde im Januar 2003 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) für Versicherte vor dem 20. Altersjahr angemeldet (IV-act. 1-1
ff.). Sie leidet seit Dezember 2002 an einer Encephalo-Myelo-Neuroradiculitis mit
sensomotorischer Paraplegie, sensorisches Niveau inkomplett ab Th12, komplett ab
L2, motorisches Niveau inkomplett ab L1, komplett ab L2, sowie einer neurogenen
Blasen- und Darmentlehrungsstörung und St. nach partieller Epilepsie (IV-act. 16-3;
129-5).
A.b Im Juni 2003 ging die Anmeldung zum Bezug einer Hilflosenentschädigung für
Minderjährige bei der IV-Stelle der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen
(SVA) ein (IV-act. 130). Nach Abklärung der Verhältnisse vor Ort sprach die IV-Stelle der
Versicherten mit Verfügung vom 12. Februar 2004 eine Entschädigung wegen mittlerer
Hilflosigkeit für den Zeitraum 1. Januar 2004 bis 28. Februar 2005 (Revision) zu (act.
134; 140). Zudem wurde für den Zeitraum vom 17. Juli 2003 bis 31. Dezember 2003
Kostengutsprache für Pflegebeiträge erteilt (IV-act. 139). Nach Überprüfung des
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Leistungsanspruchs im November 2005 bestätigte die IV-Stelle mit Verfügung vom
21. Februar 2006 den Anspruch auf eine Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit für
den Zeitraum vom 1. März 2005 bis 31. März 2007 (IV-act. 261). Sodann teilte die IV-
Stelle der Versicherten am 11. Juli 2007 mit, der Anspruch auf die bisherige
Entschädigung wegen Hilflosigkeit mittleren Grades bestehe unverändert weiter vom
1. April 2007 bis zum 28. Februar 2010 (Erreichen des 18. Altersjahrs; IV-act. 306).
A.c Neben der Hilflosenentschädigung sprach die IV-Stelle der Versicherten diverse
weitere Leistungen zu (u.a. Hilfsmittel, Kostengutsprachen für bauliche Änderungen,
medizinische Massnahmen, Sonderschulmassnahmen, Kostengutsprache für
erstmalige berufliche Ausbildung; vgl. u.a. IV-act. 17; 25; 26; 48; 70; 79; 82; 104; 121;
336; 341).
A.d Im März 2010 reichte die Versicherte die Anmeldung zum Bezug von
Hilflosenentschädigung für Erwachsene ein (IV-act. 347-1 ff.). Am 29. Oktober 2010
fand betreffend die Hilflosigkeit eine erneute Abklärung vor Ort statt (IV-act. 369). Mit
Vorbescheid vom 16. Dezember 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Ausrichtung einer Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit ab 1. März 2010 in
Aussicht. Die Abklärungen hätten ergeben, dass die Versicherte in den Bereichen
Aufstehen/Absitzen/ Abliegen und der Fortbewegung auf Dritthilfe angewiesen sei. In
den restlichen Bereichen sei keine erhebliche Hilfebedürftigkeit ausgewiesen. Ein
Bedarf nach lebenspraktischer Begleitung sei ebenfalls nicht ausgewiesen, da keine
kognitiven Einschränkungen bestünden. Haushalthilfen seien keine Leistungen der IV
(IV-act. 371).
A.e Gegen den Vorbescheid liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr. iur. K. Glavas, am 29. Dezember 2010 Einwand erheben. Sinngemäss wurde
beantragt, dass die Hilflosenentschädigung nicht herabzusetzen sei (IV-act. 374). Nach
Akteneinsicht erfolgte am 9. Februar 2011 eine Begründung des Einwands (IV-act.
380). Mit Verfügung vom 8. August 2011 sprach die IV-Stelle der Versicherten wie
angekündigt mit Wirkung ab 1. März 2010 (Erreichen des 18. Altersjahrs) eine
Hilflosenentschädigung für Hilflosigkeit leichten Grades zu (IV-act. 400).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde der Versicherten vom
1. September 2011. Die Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu
Lasten der Beschwerdegegnerin aufzuheben und es sei ihr die bisherige
Hilflosenentschädigung des mittleren Grades zu gewähren. Die Beschwerdeführerin
lässt im Wesentlichen geltend machen, die Voraussetzungen der "Rentenrevision"
lägen nicht vor. Wie die Beschwerdegegnerin selber festhalte, habe sich die
medizinische Situation in keiner Art und Weise geändert. Es bestehe daher kein
ausreichender Grund für eine "Rentenrevision". Sie benötige in den
Lebensverrichtungen Aufstehen/Absitzen/ Abliegen und Fortbewegung/Pflege
gesellschaftlicher Kontakte regelmässige und erhebliche Dritthilfe. Zudem sei sie auf
lebenspraktische Begleitung angewiesen. Allein aus diesem Grund seien die
Voraussetzungen der mittleren Hilflosigkeit gegeben. Sodann sei sie auch in der
umstrittenen Lebensverrichtung An- und Auskleiden hilflos. Sie benötige insbesondere
beim Bereitstellen der Kleidung sowie beim Anziehen von nicht ganz laschen Kleidern
nach wie vor Dritthilfe. Was die Problematik der Hygiene anbelange, sei Fremdhilfe
beim Bereitstellen der Dusche und im Rahmen des Duschvorgangs notwendig. Dies
betreffe nicht nur das Schneiden der Zehennägel, sondern auch den Duschvorgang an
sich. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, dass die Beschwerdeführerin
nunmehr erwachsen sei und deswegen mehr machen könne, treffe nicht zu. Kein
Mensch mutiere mit dem vollendeten 18. Lebensjahr zu einem anderen Menschen.
Auch der Verweis auf die Schadenminderungspflicht helfe nicht weiter. Die
Beschwerdegegnerin habe sich stets vorbildlich verhalten und trotz der widrigen
Umstände ihre Lehre abgeschlossen. Die Beschwerdegegnerin verhalte sich
kontraproduktiv, wenn der Beschwerdeführerin vorgeworfen werde, sie habe die
Schadenminderungspflicht nicht korrekt wahrgenommen. Vielmehr habe diese alles
unternommen, um sich bestmöglich einzugliedern. In medizinischer Hinsicht bleibe sie
aber auf Fremdhilfe angewiesen, was sie mit ihrer Willensanstrengung nicht
überwinden könne (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 18. Oktober 2011 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Es sei der Beschwerdeführerin
zuzustimmen, dass sich der medizinische Sachverhalt seit der ersten Verfügung nicht
verändert habe. Im Zeitpunkt der erstmaligen Verfügung der Hilflosenentschädigung sei
die Beschwerdeführerin jedoch gerade 12 Jahre alt gewesen. Aufgrund des sich
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fortsetzenden Reifungsprozesses ihrer Persönlichkeit sei sie heute im Alter von 19
Jahren viel selbständiger geworden. Sie habe gelernt, mit ihrer Behinderung besser
umzugehen, und benötige deutlich geringere Hilfestellungen durch Drittpersonen als
früher. Dies zeige sich auch darin, dass sie ihre Ausbildung zur Kauffrau erfolgreich
habe absolvieren können. Der rechtserhebliche Sachverhalt habe sich demnach
wesentlich geändert, weshalb die Hilflosenentschädigung zu Recht herabgesetzt
worden sei. Die Abklärungen vor Ort hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin in
der Lebensverrichtung An- und Auskleiden nicht mehr hilflos sei. Dass sie beim
Duschen Fremdhilfe benötige, erscheine nicht plausibel. Das Badezimmer sei 2004
behindertengerecht umgebaut worden (der vollständige Umbau erfolgte im Jahr 2006;
IV-act. 252-1 ff., 267). Zum Duschen stehe ein Duschstuhl zu Verfügung. Es sei nicht
ersichtlich, inwiefern die Beschwerdeführerin beim Duschen erhebliche Dritthilfe
benötige. Sodann seien auch die Voraussetzungen für lebenspraktische Begleitung
nicht gegeben. Sie sei unbestrittenermassen nicht gefährdet, sich dauernd von der
Aussenwelt zu isolieren. Die in Art. 38 Abs. 3 lit. b IVV genannte Voraussetzung könne
nicht angerechnet werden, weil diese Hilfestellung bereits bei der Lebensverrichtung
Fortbewegung berücksichtigt worden sei. Beim selbständigen Wohnen ohne
Begleitung einer Drittperson gehe es einzig darum, ob eine versicherte Person in der
Lage sei, ihren Haushalt selbständig zu organisieren und zu strukturieren. Da die
Beschwerdeführerin keine geistige oder psychische Behinderung aufweise, sei sie
fähig, selbst für ihren Haushalt zu sorgen. Abschliessend ergebe sich, dass die
Beschwerdeführerin in den Lebensverrichtungen Aufstehen/Absitzen/Abliegen und
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte hilflos sei. Dementsprechend bestehe
Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades. Die angefochtene
Verfügung sei somit rechtmässig (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 3. November 2011 lässt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
festhalten. Ergänzend führt sie aus, selbst der Regionale Ärztliche Dienst der IV-Stelle
(RAD) habe festgehalten, dass eine mittlere Hilflosigkeit anzunehmen sei. Betreffend
die umstrittene Hilflosigkeit in der Lebensverrichtung An- und Auskleiden hätten die
Abklärungen der Beschwerdegegnerin ergeben, dass die Beschwerdeführerin beim
Anziehen von Jeans Dritthilfe benötige. Beim Duschen benötige sie nicht nur beim
Waschen ihrer Haare, sondern auch des Rückens Dritthilfe. Zudem müssten auch die
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Kleider bereitgelegt und zum Teil wieder verstaut werden. Nicht zuletzt müsse auch
Dritthilfe bei der Wundpflege in Anspruch genommen werden (act. G 7).
B.d Die Beschwerdegegnerin hält am 21. November 2011 an ihren Anträgen fest und
verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin
für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; ST
830.1]). Nach Art. 17 Abs. 2 ATSG wird auch jede andere formell rechtskräftig
zugesprochene Dauerleistung von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt
nachträglich erheblich verändert hat. Hilflosenentschädigungen fallen in den
Anwendungsbereich von Art. 17 Abs. 2 ATSG.
1.2 Das Erreichen des Mündigkeitsalters 18 ist nicht als Eintritt eines neuen Ver
sicherungsfalles zu betrachten. Der Anspruch auf Hilflosenentschädigung
Minderjähriger kann somit mit der Volljährigkeit nicht frei und umfassend, sondern
lediglich unter revisionsrechtlichem Blickwinkel geprüft werden (Urteil des
Bundesgerichts 9C_395/2011 vom 31. Oktober 2011 Erw. 3.4).
2.
2.1 Als hilflos gilt, wer wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 9 ATSG). Hilflose Personen haben einen Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung. Es ist zu unterscheiden zwischen schwerer, mittelschwerer
und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] IVG).
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2.2 Eine leichte Hilflosigkeit liegt vor, wenn eine versicherte Person trotz Abgabe von
Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]), einer dauernden
persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV), einer durch das Gebrechen
bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. c
IVV) oder nur dank regelmässigen und erheblichen Dienstleistungen Dritter
gesellschaftliche Kontakte pflegen kann (Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV). Als mittelschwer gilt
die Hilflosigkeit, wenn die versicherte Person trotz Abgabe von Hilfsmitteln in den
meisten alltäglichen Lebensverrichtungen in erheblicher Weise auf Dritthilfe
angewiesen ist, in mindestens zwei Lebensverrichtungen der Dritthilfe und überdies
einer dauernden persönlichen Überwachung oder dauernder lebenspraktischer
Begleitung bedarf (Art. 37 Abs. 2 lit. b und c IVV). Ist die versicherte Person vollständig
hilflos, benötigt sie also in allen Lebensverrichtungen regelmässig und in erheblicher
Weise Dritthilfe und dauernde Pflege oder persönliche Überwachung, so gilt die
Hilflosigkeit als schwer (Art. 37 Abs. 1 IVV).
2.3 Die Praxis kennt die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen: An- und
Auskleiden, Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Essen, Körperpflege, Notdurftverrichtung,
Fortbewegung einschliesslich die Pflege gesellschaftlicher Kontakte (vgl. Rz 8010 des
Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV [KSIH] in der Fassung gültig
ab 1. Januar 2011). Bei Lebensverrichtungen, welche mehrere Teilfunktionen
umfassen, ist nach der Rechtsprechung nicht verlangt, dass die versicherte Person bei
der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist bloss erforderlich,
dass sie bei einer dieser Teilfunktionen regelmässig in erheblicher Weise auf direkte
oder indirekte Dritthilfe angewiesen ist (BGE 121 V 91 Erw. 3c). Eine blosse
Erschwerung oder Verlangsamung bei der Vornahme von Lebensverrichtungen
begründet keine Hilflosigkeit (vgl. ZAK 1989 S. 215 Erw. 2b; 1986 S. 483 Erw. 2a und
b).
2.4 Ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinn von Art. 42 Abs. 3 IVG i.V.m.
Art. 38 IVV liegt vor, wenn eine volljährige versicherte Person ausserhalb eines Heimes
lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit ohne Begleitung einer Drittperson
nicht selbständig wohnen kann (lit. a), für die Verrichtungen ausserhalb der Wohnung
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auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist (lit. b) oder ernsthaft gefährdet ist, sich
dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (lit. c). Praxisgemäss ist eine lebenspraktische
Begleitung regelmässig, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im
Durchschnitt mindestens während 2 Stunden pro Woche nötig ist (Rz 8053 KSIH). Der
Anspruch auf lebenspraktische Begleitung ist nicht auf psychisch bedingte
Gesundheitsbeeinträchtigungen beschränkt (SVR 2008 IV Nr. 26).
2.5 Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der Hilflosigkeit ist eine
enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen Arzt und Verwaltung erforderlich.
Ersterer hat anzugeben, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen bzw.
geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist. Der Versicherungsträger kann
an Ort und Stelle weitere Abklärungen vornehmen. Bei Unklarheiten über physische
oder psychische bzw. geistige Störungen oder deren Auswirkungen auf alltägliche
Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur
zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen
und der versicherten Person, soweit sie urteilsfähig ist, zu berücksichtigen, wobei
divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext
schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen
alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der
dauernden persönlichen Überwachung und der Pflege sein. Schliesslich hat er in Über
einstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht
greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben
umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person
nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet
insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am
konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (BGE 130 V 61
Erw.; Urteil I 296/05 vom 19. Dezember 2005 Erw. 2.2.3). Diese Rechtsprechung gilt
entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der
lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 Erw. 11.1.1 S. 468).
3.
3.1 Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Hilflosenentschädigung
der Beschwerdeführerin zu Recht herabgesetzt hat. Vorab stellt sich jedoch die Frage,
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ob die angefochtene Verfügung nicht bereits aufgrund des Wirkungszeitpunkts der
Herabsetzung rechtswidrig ist.
3.2 Mit Verfügung vom 8. August 2011 wurde die Hilflosenentschädigung der
Beschwerdeführerin rückwirkend ab 1. März 2010 (Folgemonat des Erreichens des
18. Altersjahrs) herabgesetzt. Das Erreichen des Mündigkeitsalters 18 ist jedoch nicht
als Eintritt eines neuen Versicherungsfalles zu betrachten (vgl. vorstehende Erw. 1.2 mit
Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Eine gegenteilige Interpretation
ergibt sich weder aus Gesetz noch aus Verordnung (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen IV 2009/25 vom 13. August 2009 Erw.
2.2). Insbesondere stellt die Terminierung in der Mitteilung vom 11. Juli 2007 keine
Befristung dar. Vielmehr handelt es sich dabei um die Ankündigung eines
Revisionstermins. Folglich könnte eine Herabsetzung - sofern die
Revisionsvoraussetzungen gegeben sind - in Anwendung von Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV
frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden
Monats an erfolgen, zumal keine Meldepflichtverletzung im Raum steht. Die
angefochtene Herabsetzung wurde dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin im
August 2011 eröffnet. Die Herabsetzung der Hilflosenentschädigung wäre daher erst ab
1. Oktober 2011 möglich gewesen. Die angefochtene Verfügung wäre daher auch dann
aufzuheben, wenn sich nachfolgend ergeben sollte, dass die Beschwerdegegnerin zu
Recht eine Entschädigung für Hilflosigkeit leichten Grades zugesprochen hat.
3.3 Zur Beurteilung, ob die Revisionsvoraussetzungen vorliegend gegeben sind, ist
der Sachverhalt zu vergleichen, wie er sich im Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen
Verfügung mit materieller Prüfung des Anspruchs und rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung präsentierte, mit jenem bei Herabsetzung der
Hilflosenentschädigung am 8. August 2011. Das Erreichen des Mündigkeitsalters allein
vermag die Herabsetzung der Hilflosenentschädigung indessen nicht zu rechtfertigen.
3.4 Grundlage der ersten Verfügung vom 12. Februar 2004 war die Abklärung vor Ort
vom 22. Januar 2004 (IV-act. 134-1 ff.). Bereits im Jahr 2005 erfolgte eine Überprüfung
des Leistungsanspruchs. Dazu veranlasste die IV-Stelle wiederum eine Abklärung vor
Ort (IV-act. 242-1 ff.) und holte bei Dr. med. B._, leitender Arzt Ostschweizer
Kinderspital, einen Arztbericht ein (IV-act. 213). In der Folge wurde der bisherige
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Anspruch auf eine Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit mit Verfügung vom
21. Februar 2006 bestätigt (IV-act. 261). Anlässlich der Überprüfung des
Leistungsanspruchs im Jahr 2007 erfolgte keine umfassende Sachverhaltsabklärung
mehr. Die IV-Stelle stützte sich im Wesentlichen auf die Befragung der
Beschwerdeführerin (IV-act. 298-1 ff.) sowie auf den Arztbericht vom Dr. med. C._,
Oberärztin am Ostschweizer Kinderspital (IV-act. 302-3). Eine Abklärung vor Ort fand
nicht statt. Über den Weiterbestand des bisherigen Leistungsanspruchs informierte die
IV-Stelle mit formloser Mitteilung (IV-act. 306). Unter diesen Umständen ist für die
Beurteilung einer anspruchserheblichen Veränderung der Hilflosigkeit der Sachverhalt
im August 2011 mit jenem im Februar 2006 zu vergleichen.
3.5 Der medizinische Sachverhalt präsentiert sich unbestrittenermassen unverändert.
Sämtliche Arztberichte gehen seit 2004 von einem stationären Gesundheitszustand aus
(IV-act. 213-2; 232; 246-6; 277-2; 349-2; 412). Eine revisionsrechtlich relevante
Sachverhaltsveränderung im Rahmen der Hilflosigkeit muss jedoch nicht zwingend mit
einer Veränderung des Gesundheitszustands einhergehen. Insbesondere im
Zusammenhang mit Lähmungen können u.a. die "Gewöhnung" an die Behinderung,
Physiotherapie und Training, das Erlernen neuer Fertigkeiten oder der verbesserte
Umgang mit Hilfsmitteln zu einer Zunahme der Selbständigkeit und damit einem
verminderten Bedarf an Dritthilfe führen. Von einer solchen Verbesserung der
Selbständigkeit berichtete Dr. med. D._, leitender Arzt Rehabilitationszentrum E._,
bereits im Austrittsbericht vom 25. Juli 2003. Bis zum Austritt habe die
Beschwerdeführerin in Bezug auf die Selbstversorgung nur noch geringe
Unterstützung, wie z.B. beim Anziehen der Stützstrümpfe, gebraucht. Auch im Umgang
mit dem Rollstuhl sei sie immer selbständiger geworden und habe auch das
Überwinden von 3 - 4 Treppenstufen erlernt. Es sei auch die Kraft und Ausdauer im
Bereich der oberen Extremitäten verbessert worden, sodass auch die Transfers, z.B.
vom Boden in den Rollstuhl, mit immer weniger Hilfe möglich geworden seien (IV-act.
129-3). Von der Möglichkeit eines weiteren Gewinns an Selbständigkeit durch
entsprechende Massnahmen ging im Herbst 2005 auch Dr. B._ aus (IV-act. 219;
226-1). Auch die Abklärungsperson konnte im November 2005 bereits Fortschritte in
der Selbständigkeit im Vergleich zur erstmaligen Abklärung vor Ort im Jahr 2004
feststellen (IV-act. 242-1). Es ist daher selbst bei stationärem Gesundheitszustand nicht
per se auszuschliessen, dass die Beschwerdeführerin seit Februar 2006 weitere
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Fortschritte erzielen konnte. Hinzu kommt ferner, dass im Sommer 2006 das
Badezimmer behindertengerecht angepasst wurde (IV-act. 252-1 ff.; 267).
4.
4.1 Anlässlich der Leistungsüberprüfung im Jahr 2005 hatte die Mutter der Be
schwerdeführerin in Übereinstimmung mit Dr. B._ angegeben, ihre Tochter sei bei
den Lebensverrichtungen An- und Auskleiden, Aufstehen/Absitzen/Abliegen,
Körperpflege, Verrichten der Notdurft sowie der Fortbewegung auf Dritthilfe
angewiesen (IV-act. 205-1 ff.; 213).
4.2 Im Bericht über die am 9. Dezember 2005 erfolgte Abklärung vor Ort hielt die
Abklärungsperson fest, die Beschwerdeführerin habe einige Fortschritte in ihrer
Selbständigkeit erzielen können. Sie habe auch gelernt, ihr Handicap zu akzeptieren
und damit umzugehen. In den Lebensverrichtungen An- und Auskleiden, Aufstehen/
Absitzen/Abliegen, Körperpflege, Verrichten der Notdurft sowie der Fortbewegung sei
sie jedoch weiterhin auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen (IV-act.
242-1 ff.).
4.2.1 Beim An- und Auskleiden müsse der Beschwerdeführerin von ihrer Mutter
geholfen werden. Die Kleider müssten bereitgestellt werden, da die
Beschwerdeführerin nicht frei stehen könne. Den oberen Bereich könne sie selbständig
an- und ausziehen. Im unteren Bereich werde sie vollständig von der Mutter
angezogen. Ebenso müssten ihr die Schuhe angezogen werden.
4.2.2 Bei der Körperpflege benötige sie Hilfe beim Transfer vom Rollstuhl in den
Badelift.
Der Rücken und die Beine müssten durch die Mutter gewaschen werden. Der Rest und
die Haare wasche sie alleine. Es sei eine Nachkontrolle durch die Mutter notwendig.
Hände, Gesicht und Zähne könne sie selbständig waschen und putzen.
4.2.3 Bei der Verrichtung der Notdurft benötige die Beschwerdeführerin Hilfe
beim Katheterisieren. Sie habe versucht, dies alleine zu machen. Dabei habe sie
mehrere Infektionen erhalten. Deshalb werde das Katheterisieren nach wie vor von der
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Mutter gemacht. Zusätzlich trage die Versicherte Windeln. Nach dem Stuhlgang müsse
sie nachgereinigt werden. Den Transfer vom Rollstuhl auf die Toilette könne sie nicht
alleine ausführen. Sie benötige auch Hilfe beim Ordnen der Kleider.
4.3 Im Rahmen der aktuellen Leistungsüberprüfung im Jahr 2010 gab die
Beschwerdeführerin an, sie sei bei den Lebensverrichtungen An- und Auskleiden,
Aufstehen/ Absitzen/Abliegen, Körperpflege, Verrichten der Notdurft sowie
Fortbewegung auf Dritthilfe angewiesen. Im Bereich der Körperpflege benötige sie Hilfe
beim Waschen des Rückens. Seit die Dusche umgebaut worden sei, sei sie
selbständiger, sie brauche jedoch noch Hilfe. Beim Verrichten der Notdurft müsse ihr
beim Versorgen der Kleider geholfen werden, das Zusammenlegen gehe gut. Bei der
Fortbewegung im Freien sei sie immer noch auf eine Begleitperson angewiesen. In der
Wohnung benötige sie Hilfe für das Geschirr. Zu den Arztterminen müsse sie gefahren
werden (IV-act. 347-1 ff.). Die Angaben der Beschwerdeführerin betreffend die
Hilflosigkeit wurden von Dr. med. F._, Facharzt für Kinder und Jugendliche FMH,
bestätigt (IV-act. 349).
4.4 Im Abklärungsbericht vom 15. Dezember 2010 hielt die Abklärungsperson fest,
die Beschwerdeführerin habe aufgrund des Alters in den einzelnen alltäglichen
Bereichen, trotz des stationären Gesundheitszustands, an Selbstständigkeit gewinnen
können. Aktuell wohne sie noch zu Hause bei den Eltern. Die Wohnung sei teilweise
invaliditätsbedingt umgebaut worden (u.a. Badezimmer). Im Sommer habe die
Beschwerdeführerin ihre kaufmännische Lehre abgeschlossen (IV-act. 369-1).
4.4.1 In den Bereichen Aufstehen/Absitzen/Abliegen und der Fortbewegung
bestehe nach wie vor eine Hilfsbedürftigkeit (IV-act. 369-5).
4.4.2 Beim An- und Auskleiden bestehe keine Hilflosigkeit mehr. Die
Beschwerdeführerin könne sich grundsätzlich selbständig an- und auskleiden.
Ebenfalls könne sie sich die Kleider selber aus den Schränken nehmen, da diese
mehrheitlich (Anmerkung der Beschwerdeführerin im Abklärungsbericht: sofern diese)
in tieferen Schränken eingeräumt seien. Das An- und Auskleiden im oberen Bereich
bereite ihr keine Mühe. Das An- und Auskleiden in den unteren Extremitäten erfolge
wegen der Lähmung in der Regel im Bett (Anmerkung der Beschwerdeführerin im
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Abklärungsbericht: könne nur im Bett erfolgen). Bei einer engen Hose, z.B. Jeans,
brauche sie ab und zu Hilfestellung. Das Öffnen und Schliessen von Knöpfen und
Reissverschlüssen bereite ihr keine Mühe. Die Schuhe könne sie sich selber an- und
ausziehen (IV-act. 369-2).
4.4.3 Auch bei der Körperpflege bestehe der Bedarf an Dritthilfe nicht mehr. Bei
der täglichen Körperpflege sei die Beschwerdeführerin selbständig. Sie sei in der Lage,
sich die Hände, das Gesicht und die Zähne selber zu reinigen. Das Badezimmer sei
invaliditätsbedingt umgebaut worden, sodass auch das Duschen selbständig und ohne
Hilfe möglich sei. Das Duschen bzw. die Intimpflege wie auch das Waschen der Haare
erfolge mit Hilfe eines Duschstuhls (IV-act. 369-3).
4.4.4 Betreffend die Verrichtung der Notdurft wurde eine Hilflosigkeit ebenfalls
verneint. Die Beschwerdeführerin müsse sich mehrmals pro Tag katheterisieren, was
sie jedoch selbständig vornehmen könne. Zusätzlich trage sie Windelhosen, welche sie
sich selber an- und ausziehen könne. Der Stuhlgang erfolge auf der Toilette. Die
Reinigung danach führe sie selbständig aus (IV-act. 369-3).
4.4.5 Eine dauernde Hilfe im Rahmen der Grundpflege wurde verneint. Ebenso
bedürfe es keiner ständigen persönlichen Überwachung. Ein Bedarf nach
lebenspraktischer Begleitung sei nicht ausgewiesen, da keine kognitiven
Einschränkungen vorlägen. Die Beschwerdeführerin sei in der Lage, ihren Haushalt etc.
selber zu organisieren. Haushalthilfen seien keine Leistungen der IV (IV-act. 369-3 ff.).
4.5 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Voraussetzungen für eine Revision
seien vorliegend nicht gegeben. Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen
(Erw. 4.1 ff.) gezeigt hat, kann die Sachverhaltsveränderung indessen darin gesehen
werden, dass grundsätzlich ein Gewinn an Selbständigkeit eingetreten ist. Ferner hat
sich der Sachverhalt ebenfalls durch den behindertengerechten Umbau des
Badezimmers massgeblich verändert. Ob und gegebenenfalls in welchen
Lebensverrichtungen sich diese Veränderungen anspruchsrelevant auswirken, wird
nachfolgend zu prüfen sein. Die Revisionsvoraussetzung der relevanten
Sachverhaltsveränderung ist vorliegend entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführererin gegeben. Sodann ist anzufügen, dass der RAD - entgegen der
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Auffassung des Rechtsvertreters - nicht explizit festgehalten hat, es sei zwingend von
einer mittleren Hilflosigkeit auszugehen. Der Arzt des RAD hielt lediglich fest, dass bei
der vorliegenden Diagnose medizinisch grundsätzlich eine leichte oder mittlere
Hilflosigkeit zutreffen könnte. Dies hänge meistens von der Eigeninitiative und der
damit verbundenen Selbständigkeit ab. Letztlich erachtete der RAD die Stellungnahme
der IV-Stelle als nachvollziehbar (IV-act. 379-2).
5.
5.1 Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin in den Lebensverrichtungen
Aufstehen/Absitzen/Abliegen sowie Fortbewegung nach wie vor hilfsbedürftig ist. Bei
Vorliegen einer kompletten Paraplegie ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die
Teilfunktion Aufstehen als nutzlose Verrichtung zu betrachten und daher die
Hilflsbedürftigkeit bei der Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen gegeben ist
(BGE 117 V 146 Erw. 3b). Ferner kann angenommen werden, dass sich eine an einer
kompletten Paraplegie leidende Versicherte, selbst mit Hilfe eines Rollstuhls, in einer
weiteren Umgebung der Wohnung ohne regelmässige und erhebliche Dienstleistungen
bzw. Hilfe Dritter nicht fortbewegen kann (vgl. BGE 117 V 146 Erw. 3a; Urteil I 642/06
vom 27. August 2007 Erw. 7.2.1). Die vorstehenden Erkenntnisse entsprechen denn
auch den Abklärungen vor Ort und Stelle (IV-act. 369-2 f.). Die Bejahung der
Hilflosigkeit in den Lebensverrichtungen Aufstehen/Absitzen/Abliegen sowie
Fortbewegung ist somit nicht zu beanstanden (vgl. auch Rz 8068 KSIH).
5.2 Wenn auch im Beschwerdeverfahren nicht explizit umstritten, drängt sich
aufgrund der Aktenlage die Prüfung der Hilflosigkeit bei der Notdurftverrichtung auf. Im
Abklärungsbericht wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin sich mehrmals pro
Tag katheterisieren müsse. Das Katheterisieren könne sie ohne Dritthilfe vornehmen.
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass das Bundesgericht im Entscheid 8C_674/2007
vom 6. März 2008 zum Schluss kam, dass die Hilflosigkeit bei mehrmaligem täglichen
Einsetzen eines Katheters auch dann zu bejahen ist, wenn der Versicherte zur
Katheterisierung selbst in der Lage sei. Es handle sich dabei um eine unübliche Art und
Weise der Notdurftverrichtung, weshalb die Anspruchsvoraussetzungen bei dieser
Lebensverrichtung erfüllt seien, selbst wenn es am Erfordernis effektiver Dritthilfe fehle
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(Erw. 6). Folglich ist auch im Fall der Beschwerdeführerin von einer Hilflosigkeit bei der
Notdurftverrichtung auszugehen.
5.3 Sodann ist umstritten, ob die Beschwerdeführerin in der Lebensverrichtung An-
und Auskleiden hilfsbedürftig ist. Im Abklärungsbericht wurde festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin sich grundsätzlich selbständig an- und auskleiden könne. Die
Beschwerdegegnerin macht indessen geltend, sie benötige beim An- und Auskleiden
teilweise Hilfe. Sie fügte dem Abklärungsbericht an, das An- und Auskleiden einer Hose
könne nur im Bett erfolgen (IV act. 369-2). Bei der aktuellen Anmeldung zum Bezug von
Hilflosenentschädigung gab sie überdies an, sie benötige Dritthilfe beim Anziehen im
Badezimmer (IV-act. 347-3). Unbestritten ist indessen, dass die Beschwerdeführerin
beim An und Auskleiden der oberen Extremitäten keiner Hilfe bedarf, was angesichts
des Niveaus der kompletten motorischen Paraplegie ab L2 plausibel erscheint. Sowohl
die Angabe der Beschwerdegegnerin, die Beschwerdeführerin könne sich
grundsätzlich selbständig an- und auskleiden als auch jene der Beschwerdeführerin,
sie benötige teilweise Hilfe beim An- und Auskleiden, erscheinen insgesamt unklar.
Insbesondere fehlt es an einer Schilderung, wie das An- und Abziehen der unteren
Extremitäten auf dem Bett genau getätigt wird bzw. inwiefern die Beschwerdeführerin
bei dieser Verrichtung denn auf allfällige Dritthilfe angewiesen ist. Der Sachverhalt
erweist sich diesbezüglich als ungenügend abgeklärt. Nicht zuletzt auch aufgrund der
Stellungnahme des RAD-Arztes, dass bei der vorliegenden Diagnose eine leichte oder
mittlere Hilflosigkeit zutreffen könne, und dass der Grad der Hilflosigkeit meist von der
Eigeninitiative und der damit verbundenen Selbständigkeit abhänge (IV-act. 397-2),
erscheinen weitere Abklärungen betreffen die Hilflosigkeit in der Lebensverrichtung An-
und Auskleiden angezeigt.
Sollte sich die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte teilweise Dritthilfe beim
An- und Auskleiden einzig auf gelegentliche Dritthilfe beim Anziehen von engen Hosen
wie Jeans beschränken, so ist darauf hinzuweisen, dass dieser Umstand wohl keine
erhebliche und regelmässige Hilflosigkeit zu begründen vermag. Im Rahmen der
Schadenminderungspflicht kann der Beschwerdeführerin zugemutet werden, Hosen zu
tragen, welche möglichst einfach an- und auszuziehen sind. Es ist nicht davon
auszugehen, dass solche Hosen der Beschwerdeführerin eine altersgerechte Kleidung
verunmöglicht, zumal auch weite bzw. elastische Jeans erhältlich sind. Ebenso kann
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erwartet werden, dass die Kleidung in gut zugänglichen und angepassten Schränken
bzw. Kommoden aufbewahrt wird, was offenbar auch mehrheitlich der Fall ist.
Bezüglich die geltend gemachte Hilfe beim Anziehen im Badezimmer, erscheint es
zumutbar, dass die Beschwerdeführerin sich nach dem Duschen zum Anziehen in ihr
Zimmer (zum Bett) begibt.
5.4 Betreffend den von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Bedarf an
Dritthilfe beim Duschen ist festzuhalten, dass das Badezimmer der Familie der
Beschwerdeführerin im Sommer 2006 behindertengerecht umgebaut wurde. Aufgrund
dessen sowie der Angaben im Abklärungsbericht, dass die Beschwerdeführerin beim
Duschen inklusive Haarewaschen selbständig sei (IV-act. 369-3), erscheint die
Verneinung der Hilflosigkeit bei der Lebensverrichtung Körperpflege korrekt. Soweit die
Beschwerdeführerin gelten macht, sie benötige Hilfe beim Waschen des Rückens, ist
darauf hinzuweisen, dass diesbezüglich auch eine gesunde Person auf ein Hilfsmittel
wie beispielsweise eine Bürste angewiesen ist. Was das Schneiden der Fussnägel
betrifft hat die Beschwerdeführerin zu Recht ausgeführt, dass es sich dabei nicht um
eine tägliche Hilfeleistung handle (vgl. Urteil 8C_912/2008 vom 5. März 2009 Erw. 10.2).
Auch bei den übrigen Teilbereichen der Lebensverrichtung Körperpflege konnte
nachvollziehbar kein Bedarf an Dritthilfe festgestellt werden.
6.
6.1 Zu prüfen bleibt ein allfälliger Anspruch auf lebenspraktische Begleitung. Könnte
ein solcher Anspruch bejaht werden, würde zusammen mit der Hilflosigkeit in den
Lebensverrichtungen Aufstehen/Absitzen/Abliegen, Fortbewegung sowie
Notdurftverrichtung bereits ein Anspruch auf eine Entschädigung wegen mittlerer
Hilflosigkeit bestehen (Art. 37 Abs. 2 lit. c IVV).
6.2 Im Abklärungsbericht vom 15. Dezember 2010 wurden von der
Beschwerdeführerin Anmerkungen betreffend lebenspraktische Begleitung angebracht.
Sie sei in der praktischen Ausführung von Hausarbeiten vollständig auf fremde
Unterstützung angewiesen. Die häuslichen Verrichtungen wie Waschen, Bügeln,
Putzen, Kochen, Abwaschen etc. müssten weiterhin durch die Mutter oder eine andere
Hilfsperson erledigt werden. Ebenso sei sie bei ausserhäuslichen Verrichtungen und
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Kontakten auf Hilfe und Begleitung von Drittpersonen bzw. Familienmitgliedern
angewiesen (IV-act. 369-6). Die Beschwerdeführerin macht damit sinngemäss einen
Bedarf an lebenspraktischer Begleitung nach Art. 38 Abs. 1 lit. a und b IVV geltend.
6.3 Soweit die Beschwerdegegnerin einen Bedarf an lebenspraktischer Begleitung
damit verneint, dass die Beschwerdeführerin in ihren kognitiven Fähigkeiten nicht
eingeschränkt sei, ist darauf hinzuweisen, dass der Anspruch auf lebenspraktische
Begleitung nicht auf psychisch bedingte Gesundheitsbeeinträchtigungen beschränkt
ist. Der Anspruch steht auch Personen zu, die aus anderen Gründen eingeschränkt
sind (SVR 2008 IV Nr. 26). Sodann ist neben der indirekten auch die direkte Dritthilfe
zu berücksichtigen. Ob die Drittperson die Arbeit überwacht oder sie gleich selbst
ausführt, ist nicht von Belang (BGE 133 V 450 Erw. 10.2). Zur direkten Dritthilfe sind
sodann entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin Tätigkeiten im Haushalt wie
etwa das Kochen, das Aufräumen des Zimmers und das Besorgen der Wäsche zu
zählen (vgl. Urteil 9C_410/2009 vom 1. April 2010 Erw. 5.4). Ferner ist die
Notwendigkeit einer Dritthilfe objektiv, nach dem Zustand der versicherten Person, zu
beurteilen. Grundsätzlich unerheblich ist die Umgebung, in welcher sie sich aufhält. Es
darf hinsichtlich der Bemessung der Hilflosigkeit - somit auch im Rahmen von Art. 38
Abs. 1 lit. a IVV - keinen Unterschied machen, ob eine versicherte Person allein, in der
Familie, oder sonstwie in einer der heutzutage verbreiteten Wohnformen lebt.
Massgebend ist allein, ob die Versicherte, wäre sie auf sich allein gestellt, erhebliche
Dritthilfe benötigen würde. Würde anders entschieden, d.h. die Hilflosigkeit nach der
Mühe bemessen, die der jeweiligen Umgebung erwächst, so wären stossende
Konsequenzen unumgänglich, insbesondere dann, wenn beispielsweise ein Wechsel
von der Haus- in die Spitalpflege stattfände (Urteil I 861/05 vom 23. Juli 2007 Erw. 8.1
mit Hinweis auf BGE 98 V 23 Erw. 2 S. 25 und Urteil H 163/04 vom 7. Juni 2005 Erw. 4)
oder sich die Familienverhältnisse änderten (Scheidung, Tod eines Ehegatten usw.).
Versicherte, welche mit Familienangehörigen (Ehegatten, Kinder oder Eltern)
zusammenleben, hätten kaum je Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung für
lebenspraktische Begleitung. Eine solche Einschränkung kann Gesetz und Verordnung
aber nicht entnommen werden (Urteil I 1013/06 vom 9. November 2007).
Demgegenüber ist die tatsächlich erbrachte Mithilfe von Familienmitgliedern eine Frage
der Schadenminderungspflicht, die erst in einem zweiten Schritt zu prüfen ist (SZS
2010 S. 383, Urteil 9C_410/2009 vom 1. April 2010 Erw. 5.1).
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6.4 Zur Frage, welche Tätigkeiten und Verrichtungen die Beschwerdeführerin
ungeachtet der Umgebung, in der sie wohnt, im Bereich selbständiges Wohnen
zumutbarerweise noch ausführen kann und wo sie Hilfe benötigt, hat die
Beschwerdegegnerin keine substantiierten Abklärungen im Sinn der vorstehenden
Erwägung getroffen, sondern pauschal und unzutreffend ausgeführt, eine
lebenspraktische Begleitung sei nicht ausgewiesen, da keine kognitiven
Einschränkungen vorlägen und Haushalthilfen zudem keine Leistungen der IV wären
(IV-act. 369-5). Zur Beurteilung der Notwendigkeit an lebenspraktischer Begleitung
erweist sich der Sachverhalt daher als unzureichend abgeklärt, sodass diesbezüglich
weitere Abklärungen angezeigt erscheinen.
6.5 In einem ersten Schritt wird zu prüfen sein, welche Tätigkeiten und Verrichtungen
die Beschwerdeführerin ungeachtet der Umgebung, in der sie wohnt, im Bereich
selbständiges Wohnen zumutbar ausführen kann und wo sie Hilfe benötigt. Dabei ist
objektiv von einem Haushalt mit den üblichen Verrichtungen wie Kochen, Einkaufen,
Wäsche besorgen und Wohnungspflege auszugehen (vgl. Urteil 9C_410/2009 vom
1. April 2010 Erw. 5.4). Da die lebenspraktische Begleitung weder die Dritthilfe bei den
sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege oder Überwachung beinhaltet,
sondern vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe darstellt, kann
die benötigte, bereits unter dem Gesichtspunkt der Hilfsbedürftigkeit bei den sechs
alltäglichen Lebensverrichtungen berücksichtigte Hilfe jedoch nicht zusätzlich einen
Anspruch auf lebenspraktische Begleitung begründen, was bei den Abklärungen zu
beachten sein wird (vgl. BGE 133 V 466 Erw. 9). Sodann wird in einem zweiten Schritt
zu prüfen sein, inwiefern es die Schadenminderungspflicht es gebietet, sich der Mithilfe
von Familienangehörigen zu bedienen. Diese Mithilfe geht zwar weiter als die ohne
Gesundheitsschaden üblicherweise zu erwartende Unterstützung, jedoch darf den
Familienangehörigen keine unverhältnismässige Belastung entstehen. Vielmehr ist bei
der Mitarbeit von Familienangehörigen stets danach zu fragen, wie sich eine
vernünftige Familiengemeinschaft einrichten würde, sofern keine
Versicherungsleistungen zu erwarten wären (vgl. Urteil 9C_410/2009 vom 1. April 2010
Erw. 5.5 mit Hinweisen).
7.
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Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt
nicht ausreichend abgeklärt hat. Dementsprechend sind betreffend die
Lebensverrichtung An- und Auskleiden sowie den Bedarf an lebenspraktischer
Begleitung weitere Abklärungen im Sinn der Erwägungen angezeigt. Die Sache ist
hierfür an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Unabhängig davon hat sich die
angefochtene Verfügung bereits aufgrund des Wirkungszeitpunkts der Herabsetzung
der Hilflosenentschädigung als rechtswidrig erwiesen.
8.
8.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Die
angefochtene Verfügung vom 8. August 2011 ist aufzuheben, und die Sache ist zur
weiteren Abklärung im Sinn der Erwägungen sowie zur neuen Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
8.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr.
1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 600.-
erscheint vorliegend als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt
praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 235 Erw. 6.2). Die Beschwerdegegnerin
hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.- zu bezahlen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
8.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung
der Streitsache und dem Aufwand angemessen erscheint eine Parteientschädigung
von Fr. 3'500.- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht