Decision ID: 2f6e424f-403c-4252-a814-293a4bae0f44
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1968,
war seit August 2008
als
Verpackerin
bei der
Y._
AG angestellt (
Urk.
7/24/1
-2
Ziff.
2.1
und 2.7
). Unter Hinweis auf ein myofasziales Schmerzsyndrom meldete
sie
sich am
2
2.
Juli 2015 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/13
Ziff.
6.2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche (
Urk.
7/1-5,
Urk.
7/19,
Urk.
7/24) und medizinische
(
Urk.
7/25-26,
Urk.
7/29)
Abklärungen
und zog Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
7
/20,
Urk.
7/32
) zum Verfahren bei.
Am
1
9.
Februar 2016 (
Urk.
7/33)
erliess die IV-Stelle
den Vorbescheid,
mit welchem die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht gestellt wurde und
wogegen die Versicherte
Einwände (
Urk.
7/34
,
Urk.
7/39
) vor
brachte
. Die IV-Stelle holte daraufhin weitere
medizinische Berichte (
Urk.
7/50,
Urk.
7/52-53,
Urk.
7/56,
Urk.
7/58,
Urk.
7/63,
Urk.
7/66,
Urk.
7/69) und
ein
polydisziplinäres Gutachten (
Urk.
7/81) ein.
Die Versicherte nahm am 2
2.
November 2018 und am
5.
März 2019
dazu
Stellung (
Urk.
7/96,
Urk.
7/99).
Mit Verfügung vom
8.
März 2019 (
Urk.
7/103 =
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 1
0.
April 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom
8.
März 2019 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei das Ver
fahren an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie eine unabhängige medizinische Begutachtung in Auftrag gebe. Eventuell sei bei den Gutachtern der
Z._
ein Ergänzungs- und Verlaufsgutachten einzuholen.
Das
Verfahren
sei zudem
an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie die Be
gründung der Verfügung ergänze
sowie zur Durchführung eines Arbeitsversuches (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-4).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
Mai 2019 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 3
1.
Mai 2019
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin rügte eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
durch die Beschwerdegegnerin
, da diese nicht auf
ihre
im
Vorbescheidverfahren
erhobenen Einwände eingegangen sei
(
Urk.
1 S. 7
Ziff.
11
, S. 10
Ziff.
18, S. 15
Ziff.
27
).
Sie beantragte
die Rückweisung der Sache an
die Beschwerdegegnerin
zur Ergänzung der Begründung der angefochte
nen Verfügung vom
8.
März 2019 (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3).
Auf diese Rüge ist
- da formeller Natur (vgl. BGE 132 V 387 E. 5.1, 127 V 431 E. 3d/
aa
) - vorab einzugehen.
2.2
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Darstellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebe
nenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung aus
drücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem r
echtlichen Ein
wand auseinander
setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entscheiden
den Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt
(BGE 107
Ia
1
).
2.3
Die Beschwerdeführerin
hatte
im Einwand vom
2
2.
November 2018
unter ande
rem
geltend
gemacht
,
es
lasse sich nicht herleiten, wie der psychiatrische Teilgut
achter genau zu einer Einschränkung von 50
%
komme (
Urk.
7/96 S. 5
Ziff.
6).
Sie
erhob
zudem
Einwände gegen den psychiatrischen Teilgutachter, welcher
als befangen abzulehnen
sei
(
Urk.
7/96
S.
6 f.
Ziff.
9 ff.
).
Ausserdem seien die neuen medizinischen Berichte für das weitere Verfahren zu berücksichtigen (
Urk.
7/96 S. 8 f.,
Ziff.
15 ff.,
Urk.
7/99).
Aus der angefochtenen Verfügung
vom
8.
März 2019
ergibt sich, dass
die IV-Stelle davon ausging, dass mit den neu eingereichten Berichten keine neuen medizinischen Tatsachen geltend gemacht worden seien und insbesondere die vom behandelnden Psychiater unverändert attestierte volle Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar sei. In psychiatrischer Hinsicht sei – aus näher genannten Gründen – trotz der gutachterlich festgehaltenen 50%igen Arbeitsunfähigkeit keine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit zu erwarten.
Weiter ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin die Voraussetzungen für die Annahme einer Befangenheit des psychiatrischen Gutachters als nicht gegeben erachtete
, umso mehr als sie ohnehin auf dessen Einschätzung nicht abstellte
.
Anhand der Angaben in der angefochtenen Verfügung
war der Beschwerdeführerin
somit
eine sachgerechte Anfecht
ung der Verfügung
jedenfalls
möglich.
D
ass die Beschwerdegegnerin
nicht auf sämtliche erhobenen Einwände eingegangen ist
, schadet nicht.
Weiter ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin
in der Hauptsache
keine
Rückweisung der Sache aus formellen Gründen
beantragte
.
Auf eine
Rückwei
sung der Sache zur ergänzenden Begründung der angefochtenen Verfügung
ist daher zu verzichten
, zumal die Beschwerdeführerin ihre Argumente in der Beschwerde detailliert darlegen konnte
und der Rechtsmittelinstanz volle Kogni
tion
zukommt
.
3
.
3
.1
Die Beschwerdeführerin
machte
im Weiteren beschwerdeweise
zusammengefasst
geltend
, das Gutachten der
Z._
weise zahlreiche
näher bezeichnete
Mängel auf. Es gebe aktuellere Arztberichte
,
welche ihren Gesundheitszustand
anders
beschreiben würden
. Daher müsse eine neue Begutachtung vorgenommen werden eventuell mit vorgängiger Stellungnahme der
Z._
zu den Berichten der behandelnden Ärzte
(
Urk.
1 S.
3
Ziff.
2
, S. 4-7
Ziff.
4-10
, S. 10-15
Ziff.
19-26
).
Der psychiatrische Gutachter sei
als befangen
abzulehnen, da er
bezüglich der Rechtsprechung von falschen, weil veralteten Voraussetzungen aus
gehe
, die z
u unbrauchbaren Resultaten führ
en würden
, er die hiesigen Verhältnisse nicht kenne, gemäss dem
Medizinalberuferegister
Vertrauensarzt der Versicherungen und bei verschiedenen Gutachterstellen tätig sei
(
Urk.
1 S. 8
Ziff.
14
; vgl. auch S. 9
Ziff.
15-17
).
3
.2
Streitig
und zu prüfen
ist
,
ob ein
Anspruch auf berufliche Massnahmen und eine
Rente
besteht.
D
abei hatte d
ie Beschwerdeführerin
bereits
im Rahmen des
Vorbescheidverfah
rens
die Durchführung eines
Arbeitstrainings
und damit berufliche Massnahmen beantragt
(
Urk.
7/96 S. 2
Ziff.
4).
Die Beschwerdegegnerin
ist in der angefochte
nen Verfügung
auf den Antrag
nicht
eingegangen
und hat einen Anspruch auf berufliche Massnahmen nicht
weiter
geprüft
.
Zum Anfechtungsgegenstand gehören nicht nur diejenigen Rechtsverhältnisse, über welche die Verwaltung tatsächlich eine Anordnung getroffen hat. Vielmehr bilden auch jene Rechtsver
hältnisse Teil des Verfahrensgegenstandes, hinsichtlich deren es die Verwaltung zu Unrecht - in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes sowie des Prinzips der Rechtsanwendung von Amtes wegen - unterlassen hat zu befinden, obwohl dazu nach der Aktenlage oder den Parteivorbringen hinreichender Anlass bestanden hätte
(Urteil des Bundesgerichts
9C_309/2011
vom 1
2.
Dezember 2011
E. 5.1
; vgl. auch
8C_27/2014
vom
6.
Juni 2014
E. 3.3
)
.
Im vorliegenden Verfahren ist daher auch zu prüfen, ob ein Anspruch auf berufliche Massnahmen besteht.
Nachfolgend
ist auf die
medizinische Aktenlage
einzugehen.
4
.
4
.1
Dr.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, stellte im Bericht vom 1
9.
Januar 2015 (
Urk.
7/20/22-23) folgende Diagnose (S. 1):
myofasziales Schmerzsyndrom Vorderarme beidseits mit/bei
-
klinisch
em
Verdacht auf Carpaltunnelsyndrom
(Tinel- und
Phalen
-Test beidseits positiv)
-
Status
nach neurologischer Beurteilung vom 1
7.
März 2014
Dr.
A._
gab an, die Beschwerdeführerin habe seit gut sechs Monaten Schmerzen in den Handgelenken beidseits, welche vor allem bei Belastung und gegen Abend auftreten würden (S. 1 unten).
4
.2
Dr.
B._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates, erstattete am 1
8.
Juni 2015 (
Urk.
7/20/6-16) im Auftrag des Krankentaggeldversicherers eine fachärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit.
Dr.
B._
führte zur Anamnese aus, die Beschwerdeführerin arbeite
mit einem Pensum von 100
%
als Mitarbeiterin
in der
Produktion und Verpackung. Seit etwa zwei Jahren habe sie gehäuft Probleme an den Händen
.
Seit dem 2
0.
Februar 2015 bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit
(S. 1 unten)
. Ein Arbeitsversuch
Ende März 2015 mit einem Pensum von 30-40
%
sei
gescheitert
(S.
2
unten).
Dr.
B._
stellte folgende Diagnosen (S. 6 Mitte):
-
verminderte Belastbarkeit beider Hände bei Rechtshändigkeit durch Schmerzen und Schwellungen in den distalen Beuge- und Strecksehnen
,
gute Kraftentfaltung der Hände (allerdings schmerzhaft) und gute Kraft
entfaltung der oberen Extremitäten
, Ausschluss einer rheumatischen Erkrankung, Ausschluss eines
Carpaltunnelsy
ndrom
s
(CTS)
durch neuro
logische Untersuchung
-
Fehlstatik der Wirbelsäule, Haltungsinsuffizienz, muskulärer Hartspann und verschmächtigte
Rumpfmuskulatur, kein sicheres nervenwurzelbezo
genes neurologisches Defizit, beidseits verkürzte
Ischiokruralmuskulatur
ohne Dehnungsschmerzen
-
Hallux
valgus-Operation rechts, keine Beschwerden
-
seit etwa zwei Monaten psychiatrische Therapie
mit Einnahme von Temesta
-
beginnendes Übergewicht
Die Beschwerdeführerin habe seit etwa zwei Jahren Schmerzen im Bereich der Handgelenke und der Hände, vornehmlich im Verlauf der distalen Beuge- und Strecksehnen. Hier zeigten sich auch leichte Schwellungen, jedoch keine Ausbil
dung von Ganglien. Eine rheumatologische Abklärung habe kein eigenständiges Krankheitsbild ergeben. Eine neurologische Abklärung habe den Verdacht auf ein CTS ergeben (S. 7 oben).
Es werde eine ergotherapeutische Behandlung empfohlen. Nach Einleitung der Therapie sollte in vier Wochen ein Arbeitsversuch mit einem Pensum von 50
%
erfolgen mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 75
%
nach 14 Tagen und auf 100
%
nach weiteren 14 Tagen
(S. 7 Mitte).
Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sollte vorerst noch nicht
verrichtet
werden (
S. 8
Ziff.
9
). Die bestehende Arbeits
unfähigkeit sei vorübergehender Natur (S. 8
Ziff.
10).
Im Falle des Scheiterns der Reintegration am alten Arbeitsplatz sei die Beschwerdeführerin für körperlich leichte Tätigkeiten, bei denen sie die Hände nicht kraftvoll einsetzen müs
se,
uneingeschränkt
einsatzbar (S. 8
Ziff.
12).
4
.3
Dr.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte im Bericht
vom 3
1.
August 2015 (
Urk.
7/26/6
-
8) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 f.
Ziff.
1.1):
-
verminderte Belastbarkeit der Hände bei Rechtshändigkeit durch Schmer
zen und Schwellung in den distalen Beuge- und Strecksehnen
-
schmerzhafte
,
aber gute Kraftentfaltung der Hände und der oberen Extremität
-
Verdacht auf CTS beidseits
,
März 2014
,
mit
zusätzlich
myofaszialen Beschwerden (
Tendopathie
) im Bereich der Handgelenke, August 2014
-
Tendovaginitis im Handgelenksbereich bei chronischer Überlastungs
reaktion
-
myofasziales Schmerzsyndrom der Vorderarme beidseits
-
depressive Entwicklung mit Soziophobie und Rückzug
-
Erschöpfungszustände
-
finanzielle Probleme
Dr.
C._
gab an, die Beschwerdeführerin sei im angestammten Beruf als Produktionsmitarbeiterin in der Verpackungsindustrie/Druckerei zurzeit zu 30
%
arbeitsfähig (S. 2
Ziff.
1.6).
Einschränkungen bestünden b
ezüglich der Verrich
tung von Arbeiten mit der Hand und den Armen
. Aus psychiatrischer Sicht stünden
eine Depression, ein sozialer Rückzug sowie der Verlust des Selbstwert
gefühles im Vordergrund. Aufgrund der belastungsabhängigen Schmerzen der Hände sei die angestammte Tätigkeit
nicht zu 100
%
zumutbar
. Ein Arbeitspen
sum von 30-50
%
beziehungsweise von drei bis fünf Stunden pro Tag sei allenfalls knapp möglich. Dabei seien Pausen zur Erholung der Armmuskulatur notwendig. Es bestehe eine Leistungsminderung von zirka 40
%
. Zusätzlich sei die Depression zu berücksichtigen (S. 2
Ziff.
1.7).
Trotz der empfohlenen medizi
nischen Massnahmen sei es zu keiner befriedigenden Besserung der Schmerzen und der Arbeitsfähigkeit gekommen. Ob ein Arbeitsplatzwechsel zu einer Verbes
serung der Schmerzsituation führen
würde
, sei ebenfalls unklar (S. 2
Ziff.
1.8). Eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit auf mehr als 50
%
werde vermutlich nicht möglich sein
, es sei denn die Beschwerdeführerin übe einen Beruf aus, in dem die Hände und Arme nicht so gefordert würden
(S. 3
Ziff.
1.9).
4.4
Die Beschwerdeführerin ist seit dem 2
7.
April 2015 bei
Dr.
D._
, Facharzt für Ps
ychiatrie und Psychotherapie, in
ambu
lanter psychiatrischer Behandlung (
Urk.
7/29 S. 1
Ziff.
1.2).
Dr.
D._
führte im Bericht vom 1
4.
Oktober 2015 (
Urk.
7/29) aus, die Zuweisung durch den Hausarzt sei erfolgt aufgrund einer zunehmenden depressiven Symptomatik mit
einer ausgeprägten Schlafstörung, soziophobischen Angstzuständen bei einem Carpaltunnelreizsyndrom beidseits und myofaszialen Beschwerden im Bereich beider Handgelenke (S. 1
Ziff.
1.4). Der Psychiater nannte als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychiatrischen Fakto
ren (ICD-10 F45.41) bei Carpaltunnelreizsyndrom beidseits, zusätzlich myofasziale Beschwerden im Bereich beider Handgelenke
Aus psychiatrischer Sicht bestehe aufgrund der Antriebsstörung, der raschen Ermüdbarkeit, der verminderten Stresstoleranz sowie wegen chronischer Hand
schmerzen eine deutliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Zumutbarkei
t der bisherigen Tätigkeit soll
e interdisziplinär abgeklärt werden (S. 3
Ziff.
1.7).
4.5
Dr.
E._
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin
,
führte in der Stellungnahme vom
4.
Februar 2016 (
Urk.
7/41 S. 4 f.) aus,
im
Bericht von
Dr.
D._
fänden sich keine Befunde mit ausreichender Schwere, die gemäss ICD-10 für das Vorliegen einer mittelgradigen depressiven Episode sprechen würden. Es werde von einer leichten Verminderung des Antriebes gesprochen und es fänden sich Beeinträch
tigungen bei den Freizeitaktivitäten und den Verrichtungen im Alltag. Insgesamt könne die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom nicht nachvollzogen werden (S. 5 oben).
Aus versicherungsmedizinischer Sicht seien der Beschwerdeführerin körperlich leichte (angepasste) Tätigkeiten mit Wechselbelastung und ohne erhöhte Anfor
derungen an die Kraft und die Haltefunktion der Hände zu 100
%
zumutbar. Zu vermeiden seien
zudem
das Besteigen von Leitern und Gerüsten,
das
Heben und Tragen von Lasten
und Arbeiten mit ungünstigen Hebelwirkungen am Handge
lenk sowie Arbeiten mit repetitiver Beanspruchung der Hände und erhöhten Anforderungen an das feinmotorische Geschick der Hände. In einer angepassten Tätigkeit gemäss Belastungsprofil bestehe seit dem 1
8.
Juni 2015 eine Arbeits
fähigkeit von 100
%
(S. 5 unten).
4
.6
Die Beschwe
rdeführerin wurde am 2
1.
April 2016 in der Universitätsklinik
F._
an der linken Hand operiert (
Karpaltunnelspaltung,
vgl.
den Operations
bericht vom 2
1.
April 2016,
Urk.
7/44/1-2).
Dr.
G._
, Facharzt für Chirurgie, Assistenzarzt
Orthopädie
, und
Dr.
H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates und für Handchirurgie, Chefarzt, Universitäts
klinik
F._
,
attestierten
im Bericht vom
3.
August 2016 (
Urk.
7/50) für die Tätigkeit als
Verpackerin
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 1).
4
.7
Dr.
C._
bezeichnete den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im
Verlaufsb
ericht vom 1
8.
September 2016 (
Urk.
7/52/1-6
)
als stationär bis sich verbessernd (
S. 1
Ziff.
1.1).
Er gab an
,
für
die Tätigkeit
in der Verpackung
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
.
Ab
November 2016 sei die bisherige Tätigkeit maximal für ein bis zwei Stunden pro Tag zumutbar (
S. 1
Ziff.
2.1). Es bestehe eine Reduktion der Leistungsfähigkeit von zirka 50-70
%
(somatisch und psy
chisch,
S. 2
Ziff.
2.2).
F
ür
eine die Arme schonende Tätigkeit
und für überwiegend schonende Arbeiten
mit den Händen und Armen
bestehe eine Arbeitsfähigkeit von vier bis fünf Stunden
pro Tag (50
%
). Nach der Operation sei ab November 2016 ein Arbeitsversuch mit einem Pensum von 50 % sinnvoll
(
S. 3
Ziff.
4.2).
4
.8
Dr.
I._
, Assistenzarzt, Universitätsklinik
F._
,
nannte im Bericht vom 1
9.
September 2016 (
Urk.
7/53/6-8) als Diagnose (S. 1
oben
):
-
Status nach Karpaltunnelspaltung offen links
vo
m 2
1.
April 2016 mit/bei
-
Karpaltunnelsyndrom links
-
aktuell: Verdacht auf eine Kompression des
Nervus
ulnaris
Dr.
I._
gab an,
in der letzten Untersuchung habe sich ein intaktes Integument gezeigt bei einer komplett reizlosen Narbe. Jedoch bestehe ein positives
Tinel
zeichen
über dem Karpaltunnel sowie über der
Guyon’schen
Loge. Der
Phalen
-Test sei positiv gewesen (S. 1
Ziff.
1.4). Die
Patientin sei im angestammten Beruf als
Verpackerin
weiterhin zu 100
%
krankgeschrieben.
A
ufgrund der weiterhin bestehenden Schmerzen
sei diese Tätigkeit
nicht mehr möglich (S. 2
Ziff.
1.6 und 1.7).
Die Prüfung einer Umschulung sei wünschenswert
(S. 2
Ziff.
1.8).
4
.9
Dr.
D._
gab
im Verlaufsbericht vom 2
1.
November 2016 (
Urk.
7/58/1-5)
einen verschlechterten Gesundheitszustand
an
(S. 1
Ziff.
1.1). Er führte aus,
es sei eine mittelgradige Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstö
rung vorhanden. Im formalen Denken sei die Beschwerdeführerin sprunghaft
, grüblerisch und deutlich eingeengt auf
die
psychosozialen Belastungsfaktoren und ihren Gesundheitszustand. Sie
klagte
über
persistierende Handschmerzen und chronische Kopfschmerzen
. Während der
Panikattacken seien Ich-Störungen im Sinne einer Depersonalisation und
Derealisation
vorhanden. Im Affekt sei sie
labil, niedergeschlagen und de
primiert
(S. 1
Ziff.
1.3).
Der Psychiater nannte
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 1
Ziff.
1.2):
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
-
Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst, ICD-10 F41.0)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen
und psychiatrischen Fakto
ren (ICD-10 F45.41)
Es handle sich um die Behandlung einer Depression, einer Angststörung sowie von chronischen Schmerzen mit multifaktoriellen psychosozialen Belastungsfak
toren. Termine fänden alle zwei Wochen statt inklusive einer medikamentösen Therapie (S. 3
Ziff.
3.1 oben). Die Beschwerdeführerin habe im Gespräch über einen weiterbestehenden Ehekonflikt und über andere psychosoziale Belastungs
faktoren berichtet, die sie psychisch belasteten. Am 2
7.
Oktober 2016 sei es zu einem Suizidversuch gekommen (S. 3
Ziff.
3.1 Mitte).
Dr.
D._
attestierte für die bisherige Tätigkeit eine Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
. Für eine angepasste Tätigkeit attestierte
er eine Arbeits
fähigkeit von 20
% bei einer Reduktion der Leistungsfähigkeit von 80
%
(S. 2
Ziff.
2.1).
Im Rahmen einer Eingliederungsmassnahme sei in einer wohlwollenen Arbeitsatmosphäre
medizinisch-theoretisch
ein Arbeitspensum von zunächst 20
%
möglich
. Eine Umschulung in eine die Hand weniger belastende Tätigkeit sei wünschenswert
(S.
4
Ziff.
3.3 oben).
4
.10
4
.10
.1
Die Gutachter der
Z._
erstatteten am 2
5.
Mai
2018
(
Urk.
7/81
/1-55
) im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein polydisziplinäres Gutachten. Die Beschwer
deführerin wurde
in der Zeit vom
2
2.
Januar bis 1
3.
März 2018 in den Fachdis
ziplinen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Handchirurgie und Psychiatrie und Psychotherapie untersucht (S. 2 oben). Das Gutachten ist von
Dr.
J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
K._
, Facharzt für Chirurgie,
L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und von
Dr.
M._
, Facharzt für Neurologie, unterzeichnet (
S. 55).
Die Gutachter führten
im neurologischen Hauptgutachten
aus, die Beschwerde
führerin
habe als
Verpackerin
in einer Schokoladenfabrik und
später
in einer Papierfabrik gearbeitet (S. 36
Ziff.
2.1.7).
Zu den Ressourcen
wurde angegeben, die Kommunikationsfähigkeit sei gegeben. Eine Motivation sei nicht vorhanden.
Die
Therapieadhärenz
sei gegeben
. Die letzte Arbeitsstelle sei nicht mehr vorhanden. Ausserberufliche Fertigkeiten bestünden nicht.
Dagegen sei ein
soziales Umfeld vorhanden
. Eine geordnete Tagesstruktur sei kaum vorhanden
(S. 36
Ziff.
2.1.11 unten).
Die Gutachter nann
ten als neurologische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Carpaltunnelsyndrom links bei
einem
Status nach operativer Sanierung vom 2
1.
April 2016 und ein Carpaltunnelsyndrom
rechts
(anamnestisch, S. 37
Ziff.
2.4.1).
Als neurologische Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit nannten
sie
eine subjektive Vergesslichkeit und eine Insomnie (S. 37
Ziff.
2.4.2).
Im Jahr 2014 sei der Verdacht auf ein Carpaltunnelsyndrom beidseits
geäussert
worden.
An den
Handgelenken
seien zudem
myofasziale Beschwerden und eine Tendovaginitis beschrieben worden.
In der Folge sei es zu einer Fehlstatik der Wirbelsäule mit Haltungsinsuffizienz und muskulärem Hartspann gekommen. Weiter hätten
sich eine depressive Störung mit
einer
Soziophobie und
einem
Rückzug sowie finanzielle Probleme und E
rschöpfungszustände entwickelt und es seien
eine mittelgradige depressive Episode und eine chronische Schmerzstö
rung mit somatischen und psychiatrischen Faktoren diagnostiziert worde
n
(S. 38
Ziff.
2.5.1
oben
).
Seit November 2015 sei es zu chronischen Schmerzen in der Kniescheibe links gekommen (S. 38
Ziff.
2.5.1 Mitte).
Am 2
1.
April 2016 sei
das Carpaltunnelsyndrom
links
operiert worden
und es
sei eine
Verkal
k
ung im Seh
n
enansatz des M. quadriceps an der Patella festgestellt worden.
Die Explorandin habe weiter zunehmende Schlafstörungen entwickelt.
Im Oktober 2016
habe
sie
einen Suizidversuch unternommen
. Zur Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode habe sich im Verlauf eine Panikstörung
gesellt
. Vor kurzem seien
zudem
der Verdacht auf ein
Sulcus
ulnaris
-Syndrom und ein
Ulnaimpakt
ations
syndrom
geäussert worden (S. 38
Ziff.
2.5.1 unten).
Die Beschwerdeführerin
habe bei der
neurologischen Begutachtung
über Hand
gelenksschmerzen link
s
, eine Vergesslichkeit und ein Gefühl der Inaktivität geklagt (S. 39
Ziff.
2.5.2).
In
der bisherigen Tätigkeit als
Verpackerin
könne
sie
wohl nur noch reduziert eingesetzt werden.
Für diese Tätigkeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
.
In einer angepassten körperlich leichten Tätigkeit, die vor allem einhändig rechts durchgeführt werden könne, bestehe eine Arbeits
fähigkeit von 80
%
. Die 50%ige Arbeitsunfähigkeit sei durch die Beschwerden seitens des Carpaltunnels bedingt
(S. 39
Ziff.
2.5.7).
Die internistische Untersuchung
habe keine Diagnose und
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
ergeben
(S. 40
Ziff.
3.1.3 unten).
4
.
10
.2
Dr.
K._
führte im handchirurgischen Teilgutachten vom
1
3.
März 2018 (
Urk.
7/81/67-75) aus,
im Jahr 2016 sei
im Bereich der linken
Hand
die Dia
gnose eines Carpaltunnelsyndrom
s gestellt worden. Am 2
1.
April 2016 sei eine offene Spaltung des Karpaldaches erfolgt
. In der Folge habe die Explorandin zunehmend die schon bestehenden Schmerzen und Beschwerden im Bereich der
Ulnarseite
bemerkt
, die sich
immer mehr zugespitzt
hätten
(S. 4
Ziff.
2.1.1 oben). Die
Explo
randin habe angegeben, dass sie schwere Gegenstände nicht mehr schmerzfrei tragen könne. Bei längerer Belastung leide sie unter starken Schmerzen im Bereich des Handgelenkes links
ulnarseitig
. Zudem bestünden zunehmende Beschwerden radialseitig (S. 5
Ziff.
2.1.10).
Die Schmerzsymptomatik könne zu grossen Teilen nachempfunden werden. Als eindeutige Diskrepanz sei die bilaterale gute Entfaltung der groben Kraft von 40 kg zu erwähnen, welche zumindest kurzphasig ohne eindeutige Schmerzäusse
rung möglich gewesen sei (S. 7
Ziff.
2.5.4).
Unter Einbezug der
Vorakten
der Universitätsklinik
F._
liessen sich die Befunde entsprechend korrelieren. Dem Gelenkbinnenschaden
des Handgelenkes
sei jedoch nicht genügend Rechnung getragen worden. Die chronische Synovialitis aufgrund der degenerativen Verän
derung des TFCC sei nie im Vordergrund gestanden. Bezogen auf das CTS lägen keine eindeutigen wegweisenden Unterlagen vor (S. 7
Ziff.
2.5.6).
D
ie bisherige Behandlung und die entsprechenden Abklärungen im Vorfeld seien als lege artis zu bezeichnen.
Die
MRI-Unte
r
suchung
hätte jedoch
zwingend mit einer
Arthrografie
kombiniert werden müssen. Aktuell scheine das CTS auf der rechten Seite operationswürdig zu sein, wobei die Explorandin
einer Operation
aus Angst noch ablehnend gegenüberstehe. Bezogen auf die Symptomatik der linke Hand sehe
der Gutachter
eher
die Indikation zu einer Handgelenksarth
ros
kopie und einer arthroskopischen
Resektion/Teilresektion des TFCC sowie einer partiellen Synovektomie im ulnaren Kompartiment mit anschliessender intensiver Ergotherapie (S. 7
Ziff.
2.5.7).
Dr.
K._
nannte als handchirurgische Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische symptomatische Arthropathie des Handgelenkes li
nks mit/bei chronischer Tenosynovialitis und degenerativer Destruktion des TFCC mit konsekutiver Synovialitis im ulnaren Kompartiment sowie reaktiver Mitbeteiligung des
Nervus
ulnaris
bei Zustand nach Spaltung des Karpaldaches bei abgelaufenem CTS sowie CTS rechts. Eine Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte der Gutachter nicht (S. 6
Ziff.
2.4.1 und
2.4.2).
Aufgrund der erhobenen klinischen Befunde bestehe aus handchirurgischer Sicht und bezogen auf die bisherige Tätigkeit nur noch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Hierbei sei
en
die Einhaltung von regelmässigen Pausen zur Vermeidung einer Schmerzexazerbation und die Reduktion der maximalen Traglast beidhändig auf 5 kg zu berücksichtigen. In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeits
fähigkeit von 80
%
, wobei auch hier die vorbezeichn
eten Limiten bestünden. In Abhängigkeit der weiteren Entwicklung der Beschwerden und einer allfälligen operativen Versorgung bestehe bezogen auf beide Hände die Möglichkeit der Wiedererlangung einer vollen Arbeitsfähigkeit (S. 8
Ziff.
2.5.8).
4
.10.3
L._
führte im psychiatrischen Teilgutachten vom 2
7.
Februar 2018 (
Urk.
7/81/76-96) aus,
die Beschwerdeführerin habe Probleme und Konflikte mit ihrem Ehemann angegeben, der psychische Probleme habe und seit 15 Jahren
«
zu Hause sei
». Sie habe die ganze Zeit die Verantwortung für die Familie über
nommen und diese versorgt
(S. 8
Ziff.
2.1.1 oben).
Sie sei innerlich mit vielen Fragen beschäftigt, sei innerlich angespannt und könne nicht entspannen (S. 10 Mitte).
Ihr Hausarzt habe ihr geraten, Menschenansammlungen nicht zu meiden.
Sie
sei auch in einem
Verein, wobei sie es dort aber nur zwei
Stunden aus
halte
. Spazier
gänge unternehme sie häufiger alleine und teilweise mit ihrem Ehemann (S. 9 unten).
Dieser
sei wenig unterstützend gewese
n und habe
nicht mit Geld umgehen können.
Aus
der ehelichen Beziehung seien ein Sohn und eine Tochter hervorge
gangen (S. 11
Ziff.
2.1.2 unten).
Die Beschwerdeführerin suche bei Bedarf alle drei bis vier Wochen ihren Hausarzt auf. Eine psychiatrische Behandlung
erfolge
mit einer Frequenz von vier Wochen
, anfänglich alle zwei Wochen
(S. 14
Ziff.
2.1.4 oben). Nach dem Aufstehen am Morgen beginne sie mit der Hausarbeit, die sie bewältigen könne
. Am Nachmittag unternehme sie je nach Wetter
und Befinden des Ehemanns Spaziergänge. Sie besuche alle 2-3 Wochen den alevi
tischen Kulturverein und habe Kontakt zu den Kindern und den Schwägerinnen
(S. 14
Ziff.
2.1.5 unten
und S. 12
). Die Beschwerdeführerin habe die Exploration aufmerksam verfolgt. Gegen Ende der Untersuchung hätten die Konzentration und die Aufmerksamkeit etwas nachgelassen (S. 16 oben).
Anhaltspunkte für formale oder inhaltliche Denkstörungen
hätten sich nicht ergeben und es habe
keine Störung der Wahrnehmung
bestanden
(S. 16 Mitte).
Die Beschwerdeführe
rin habe durchaus
dysthym
, ängstlich, sorgenvoll herabgestimmt, in ängstlicher Erwartung, insbesondere die Zukunft und die finanzielle, wirtschaftliche Situation betreffend, gewirkt. Die Schwingungsfähigkeit sei erhalten gewesen. Zu keinem Zeitpunkt habe sich eine depressive Herabgestimmtheit beobachten oder explorieren lassen (S. 16 unten).
Die testpsychiatrischen Untersuchungen sprächen gegen das Bestehen einer Depression. Sollte eine depressive Störung vorbestanden haben, dürfe diese als remittiert bezeichnet werden (S. 17
Ziff.
2.3.1).
Im Verlauf seien vielfältige psychosoziale Belastungsfaktoren deutlich geworden, die auch als Auslöser gewertet werden könn
t
en, wie eine belastete eheliche Beziehung und Partnerschaft, Arbeitslosigkeit, Schulden und ein finanzieller und wirtschaftlicher Engpass mit Betreibungen. Von Seiten des Psychostatus habe sich keine klare depressive Symptomatik
gezeigt
. Es sei jedoch der Eindruck einer larvierten depressive
n Symptomatik entstanden
am ehesten im Sinne einer larvierten
somatisierten
Erschöpfungsdepression (S. 18
Ziff.
2.4 unten).
Die angegebenen körperlichen Beschwerden und Schmerzen seien nicht geeignet, eine Erkrankung aus dem somatoformen Diagnose-Spektrum zu stellen. Hierfür fehlten Kriterien wie eine ständige Beschäftigung mit einem quälenden Schmerz und eine hohe Behandlungsaktivität. Eine Panikstörung habe aktuell nicht fest
gestellt werden können (S. 19 oben). Trotz der Diagnose einer Erkrankung aus dem depressiven Formenkreis sei auszuführen, dass eine depressive Störung prin
zipiell behandelbar sei und eine gute Prognose bestehe. Die Behandlungsaktivität sei als niedrig zu bezeichnen und es bestünden allfällige Therapieoptionen (S. 19 unten).
L._
nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit sonstige depressive Episoden (larvierte,
somatisierte
Erschöpfungsdepression, ICD-10 F32.8, S. 20
Ziff.
2.5.1). Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
über
schreite
zum heutigen Zeitpunkt 50
%
nicht. Unter der Voraussetzung einer konsequenten Therapie sollte eine weitere Besserung möglich und erzielbar sein. Die Beurteilung der Einschränkung gelte daher für die nächsten 12-24 Monate (S. 20 oben). Die Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht in der Lage, sämtliche ihrem körperlichen Belastungsprofil angepasste Tätigkeiten mit einer integralen Reduktion von 50
%
zu verrichten. Diese Einschätzung gelte auch für Verweistätigkeiten (S. 21
Ziff.
2.9).
4
.10.4
Die Gutachter stellten interdisziplinär folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 44
Ziff.
4.4):
-
sonstige depressive Episoden (larvierte,
somatisierte
Erschöpfungsdepres
sion, ICD-10 F32.8)
-
chronische symptomatische Arth
r
opathie des Handgelenkes links mit/bei chronischer
Tenosynovalitis
und degenerativer Destruktion des TFCC mit konsekutiver Synovialitis im ulnaren Kompartiment sowie reaktiver Mitbeteiligung des
N
ervus
ulnaris
bei Zustand nach Spaltung des Karpal
daches bei abgelaufenem CTS
-
Carpaltunnelsyndrom links mit/bei
-
Status nach operativer Sanierung vom 2
1.
April 2016
-
Carpaltunnelsyndrom rechts (anamnestisch)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter eine subjektive Vergesslichkeit (am ehesten im Rahmen der Depression und der Insomnie), Insomnie und ein leichtes Asthma bronchiale (S. 44 f.
Ziff.
4.4 unten).
Aus interdisziplinärer Sicht ergebe sich für die angestammte Tätigkeit und eine Verweistätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. Es gelte das in den Teilgut
achten
angegebene
Fähigkeitsprofil (S. 45
Ziff.
4.7 unten). Während der psychiatrischen Hospitalisationen und der handchirurgisch bedingten Ausfälle habe eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ansonsten sei für die letzten drei Jahre nur eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
ausgewiesen
. Dies gelte für die bisherige Arbeit und für eine Verweistätigkeit
(S. 45 f.
Ziff.
4.7).
Die Gutachter gaben zum Gesundheitsschaden an, dass die Befunde mittelgradig ausgeprägt seien (S. 46
Ziff.
5.1.2 Mitte).
Die Sprachkenntnisse seien nicht gut.
Das Bildungsniveau der Beschwerdeführerin sei niedrig (S. 47 Mitte). Offensicht
liche limitierende soziokulturelle Faktoren
hätten sich nicht gezeigt
(S. 47 unten). Hinweise auf Aggravation oder Simulation bestünden nicht (S. 48 oben).
Zu den Ressourcen wurde angegeben, die Kommunikationsfähigkeit sei gegeben. Eine Motivation sei nicht vorhanden. Die Therapieadhärenz sei gegeben. Die letzte Arbeitsstelle sei nicht mehr vorhanden. Ausserberufliche Fertigkeiten bestünden nicht. Dagegen sei ein soziales Umfeld vorhanden. Eine geordnete Tagesstruktur sei kaum vorhanden (S.
49
oben
Ziff.
5
.1.
8
).
Wechselwirkungen bestünden dahingehend, als dass die Vergesslichkeit im Rahmen der Depression und der Insomnie gesehen werden könne. Die chroni
schen Schmerzen dürften zudem in Wechselwirkung mit der Depression stehen (S. 50
Ziff.
5.3.3) Die bisherige Therapie sei lege artis (S. 50 f.
Ziff.
5.4.1). Die Beschwerdeführerin habe bei den bisher erfolgten Therapien eine ausreichende Kooperation gezeigt (S. 51
Ziff.
5.5). Im Vordergrund stehe die psychiatrische und die handchirurgische Behandlung (S. 51
Ziff.
5.5.1 oben).
Die Beurteilung der Zumutbarkeit von Eingliederungsmassnahmen obliege in erster Linie den Juristen. Aus medizinischer Sicht könne jedoch festgehalten werden, dass Wiedereingliederungsversuche zumutbar und aus therapeutischer-psychiatrischer Sicht empfehlenswert seien (S. 51
Ziff.
5.5.4 unten).
Zwischen der Aktenlage, der erhobenen Anamnese und den Befunden zeigten sich keine wesentlichen Diskrepanzen (S. 51
Ziff.
5.6.1).
4
.11
Gutachter
L._
antwortete am 1
7.
Juli
2018 (
Urk.
7/85) auf Rückfrage
n
der Beschwerdegegnerin
. Er gab an, in der Beurteilung einer Arbeits
unfähigkeit von 50
%
seien nicht IV-relevante psychosoziale Belastungsfaktoren medizinisch-theoretisch subtrahiert worden. Für den Zeitpunkt der Untersuchung sei
daher
davon auszugehen, dass andere Belastungsfaktoren zur Diagnose einer Erschöpfungsdepression geführt hätten. Unter konsequenter, leitliniengerechter psychiatrischer Therapie sei rein statistisch eine Remission der Depression im Verlau
f der nächsten 12 bis 24 Monate
zu erwarten (S. 2).
4
.12
RAD-Arzt
Dr.
E._
nahm am 1
0.
August 2018 (
Urk.
7/101 S. 7 f.) Stellung zum Gutachten der
Z._
vom 2
5.
Mai 2018 und zur Stellungnahme vom
L._
vom 1
7.
Juli 201
8.
Er führte aus, bezüglich der bisherigen Tätigkeit als P
roduktionsmitarbeiterin
seien
mittelschwere und schwere körper
liche Tätigkeiten
zu vermeiden
.
Insbesondere seien Arbeiten mit überwiegender Belastung des linken Handgelenkes, mit erhöhten Anforderungen an die Kraft der Hände sowie mit Kälte-/Nässe-Exposition zu vermeiden.
Gemäss
dem Gutachten bestünden zudem Einschränkungen der Widerstands-, der Durchhalte-, der
Leis
tungs
- und der Belastungsfähigkeit (S. 7 Mitte). Körperlich leichte Tätigkeiten mit Wechselbelastung und ohne erhöhte Anforderungen an die Kraft und die Halte
funktion der Hände seien der Beschwerdeführerin weiterhin zumutbar.
Zu vermeiden seien weiter
das Besteigen von Leitern und Gerüsten, das Heben und Tragen von Lasten und Arbeiten
mit
ungünstigen Hebelwirkungen am Hand
gelenk, mit repetitiver Beanspruchung der Hände und ohne erhöhte Anforderun
gen an das feinmotorische Geschick der Hände.
Für die bisherige Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter
i
n bestehe seit dem Über
gang 2015 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
. In einer angepass
ten Tätigkeit gemäss Belastungsprofil bestehe seit dem Übergang 2015 ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
(S. 7 unten).
4
.13
Dr.
D._
gab im
ärztlichen Zeugnis vom
4.
September 2018 (
Urk.
3/5 =
Urk.
7/97/3) an
,
er behandle eine Depression, eine
Angststörung sowie
chronische
Schmerzen mit multifaktoriellen Belastungsfaktoren.
Aus psychiat
rischer Sicht
bestehe
aktuell
für die angestammte Tätigkeit eine Leistungsminde
rung von 100
%
. Im Rahmen einer Eingliederungsmassnahme seien einfachste Tätigkeiten ohne Zeit- und Termindruck, ohne hohe Anforderungen an das Umstellungs- und An
passungsvermögen zunächst zu 20
% möglich. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sei eine Umschulung in eine
die Hand
weniger belastende Tätigkeit wünschenswert.
4.14
Die Ärzte der Universitätsklinik
F._
stellten im Bericht vom
7.
Januar 2019 (
Urk.
3/8
=
Urk.
7/98/4-5
) zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin folgende Diagnosen (S. 1):
-
Ulnastyloid-Impaktionssyndrom
HG links mit
-
Degeneration des TFC an der
styloidalen
Aufhängung, Degeneration des dorsalen SL-Bandes, Subluxationsstellung der ECU-Sehne
-
Status nach Karpaltunnelspaltung offen links vom 2
1.
April 2016 mit/bei
-
Karpaltunnelsyndrom links
-
a
ktuell: kein Hinweis auf Nervenschädigung
Die Ärzte führten weiter aus
,
der Befund sei
unverändert. Weiterhin seien eine
Druckdolenz
im Bereich des TFCC, im
DRUG
sowie über dem SL-Spalt auslösbar. Ob im Bereich der Loge de
Guyon
ein
Tinelphänomen
vorliege, lasse sich nicht gena
u evaluieren. Die Patientin habe diesbezüglich keine genauen Antworten gegeben. Im Bereich des
Sulcus
ulnaris
bestehe ein positives
Tinelphänomen
(S. 1
Ziff.
2).
B
ei persistierenden Beschwerden
sei nicht davon auszugehen
, dass die Patientin in ihren angestammten Beruf zurückkehren könne. Es werde eine Umschulung empfohlen mit einer Tätigkeit ohne Belastung des Handgelenkes des linken Unterarmes (S. 1
Ziff.
3
und S. 2
Ziff.
4
). Die Ärzte der Universitätsklinik
F._
stimmten grösstenteils mit den Diagnosen des Gutachters
Dr.
K._
überein.
D
ie
Ulnastyloid-Impaktationssymptomatik
sowie die Degeneration des dorsalen SL-Bandes und die
Subluxationsstellung
der ECU-Sehne
fehlten
jedoch
im Gutachten
. Weiter seien die
Ulnaspitzensymptomatik
sowie das
ulnocarpale
Impingement
im Gutachten nicht erwähnt worden (S. 2
Ziff.
4).
4.15
Dr.
D._
nannte im Bericht vom 1
4.
Januar 2019 (
Urk.
3/6 =
Urk.
7/98/1-3)
die folgenden
Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) mit ausgeprägter Angstsymptomatik und Status nach Suizidversuch vom 2
7.
Oktober 2016
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.45) bei/mit
Carpaltunnelreizsyndrom
beidseits, zusätzlich myofaszialen Beschwerden (
Tendinopathien
) im Bereich beider Hand
gelenke
-
Probleme in der Beziehung zum Ehepartner (ICD-10 Z63.0)
Dr.
D._
führte weiter aus, die depressive Symptomatik und die Angstsymptomatik hätten sich unter der aktuellen psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung le
icht verbessert (Teilremission,
S. 2 unten). Im angestammten Beruf bestehe aufgrund der depressiven Symptomatik, der chronischen Schmerzen und der verminderten Stresstoleranz eine um mindestens 50
%
verminderte Leistungs- und Arbeitsfähigkeit (S. 3 oben).
Eine angepasste Tätigkeit zu maximal 50
%
in einem geschützten Raum sei aus therapeutischer Sicht und zur Förderung des Selbstwertgefühls sowie der Tagesstrukturierung sinnvoll (S. 3 Mitte).
4.16
Dr.
C._
gab im Bericht vom 2
7.
Januar 2019 (
Urk.
3/10 =
Urk.
7/98/6-7) an, es falle ihm sehr schwer, die Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit zu beurteilen. Dies müsse durch einen Handchirurgen erfolgen. Er sehe jedoch, dass
im Gutachten der
Z._
schon das Gewichtslimit von 5 kg zu hoch angesetzt worden sei
. Bezüglich der Psyche stelle sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin überhaupt an einer nicht geschützten Arbeitsstelle arbeiten könne
(S. 2
Ziff.
3).
D
ie Behandlungsaktivität
lasse sich bei der Beschwerdefüh
rerin
nicht einfach steigern.
Weiter habe sie generell eine eher ablehnende Hal
tung gegenüber Medikamenten. Ein Ausbau der Medikamente werde daher eher problematisch sein
.
Eine tagesklinische Behandlung oder stationäre psychosoma
tische Rehabilitation würde eher keine Verbesserung bringen. Die Probleme (Trigger der Depression) der Beschwerdeführerin würden auf den psychosozialen Belastungen zu Hause (Ehemann und Tochter) basieren
(S. 2
Ziff.
5).
Er,
Dr.
C._
, sei «weitgehend einverstanden mit dem Entscheid bezüglich Arbeits
fähigkeit bis auf die Steigerung bei einer angepassten Tätigkeit bis auf 80
%
»
(S. 2
Ziff.
6).
5.
5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die
es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
5.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin
war
a
ufgrund
einer verminderten Belastbarkeit der Hände durch Schmerzen
und Schwellungen
in den distalen Beuge- und Streck
sehnen
seit dem 2
0.
Februar 2015
in der bisherigen Tätigkeit
in der Verpackung
krankgeschrieben
(vorstehend E. 4.2
-4.3
).
Am 2
1.
April 2016 wurde sie an der linken Hand operiert (E. 4.6).
Nach Einschätzung durch die Ärzte der Univer
sitätsklinik
F._
ist der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit
gesundheitsbedingt
nicht mehr möglich (E. 4.6 und 4.8).
Der behandelnde Psychiater
Dr.
D._
diagnostizierte
aus psychiatrischer Sicht zudem
eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom, eine Panikstörung und eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychi
atrischen Faktoren
. Er attestierte für die bisherige Tätigkeit
eine Arbeitsunfähig
keit von 100
% und für eine angepasste Tätigkeit eine solche von 80
%
(
vorste
hend
E. 4.9).
Im Bericht vom 1
4.
Januar 2019 attestierte er
in angestammter Tätigkeit
noch eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
(E. 4.15).
Die Gutachter der
Z._
nannten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sonstige depressive Episoden (larvierte,
somatisierte
Erschöp
fungsdepression), eine chronische
symptomatische
Arthropathie des Handgelen
kes links
sowie ein Carpaltunnelsyndrom links und rechts
. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine subjektive Vergesslichkeit, Insomnie und ein leichtes Asthma bronchiale
.
Die Gutachter kamen zur Einschät
zung, dass für die angestammte Tätigkeit und für eine angepasste Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von
50
%
bestehe (vorstehend E. 4.10.4).
6.2
Das Gutachten der
Z._
vom 2
5.
Mai 2018
beruht auf den erforderlichen
polydisziplinären Untersuchungen.
Die Berichte von
Dr.
C._
,
Dr.
D._
und
den
Ärzte
n
der Universitätsklinik
F._
lagen
den Gutachtern vor
(vgl.
Urk.
7/81/4-34)
und diese setzten sich mit der abweichenden Beurteilung durch die behandelnden Är
zte auseinander (
vgl.
E. 4.10.1
;
Urk.
7/81/43 f.,
Urk.
7/81/53
).
Die Beschwerdeführerin ist seit Jahren in der Universitätsklinik
F._
,
bei
Dr.
D._
und
bei
Dr.
C._
in
ärztlicher
Behandlung.
Die Ärzte der Universitätsklinik
F._
stellten
im Bericht vom
7.
Januar 2019
unveränderte Befunde
fest
(
vorstehend
E. 4.14).
Auch in den weiteren neu eingereichten Berichten werden im Wesentlichen
keine neuen Befunde
angegeben
. Der Psychiater beschrieb
im Bericht vom 1
4.
Januar 2019
eine leichte Verbesserung der psychiatrischen S
ymptomatik (vorstehend E. 4.15). Es bestehen daher keine Anhaltspunkte, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der Begutachtung in der
Z._
verschlechtert haben könnte.
Die
seit
dem Gutachten erstatteten Arztberichte erfordern daher
– entgegen der Einschätzung der Beschwerde
führerin -
keine erneute Begutachtung der Beschwerdeführerin
und es war angesichts der zahlreichen Berichte der behandelnden Ärzte keine Fremd
anamnese nötig
.
Die Gutachter legte
n
ihre Einschätzung einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
für die angestammte und eine angepasste
Tätigkeit
im Gutachten
dar.
Zur Kritik
der Beschwerdeführerin
an der vom psychiatrischen Teilgutachter attestierten Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
Urk.
1 S. 6
Ziff.
8)
ist zu sagen
, dass
dessen
Einschät
zung
im Wesentlichen auf der fachärztlichen psychiatrischen
Untersuchung
der Beschwerdeführerin
unter Einbezug
testpsychiatrischer Untersuchungen (
Urk.
7/81/91
Ziff.
2.3.1)
beruht
.
Das psychiatrische Teilgutachten enthält sodann eine ausführliche Begründung der psychiatrischen
Einschätzung
.
Die Gutachter setzten sich
schliesslich
mit den geklagten Beschwerden auseinander und das Gutachten wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt.
Weiter leuchtet es
in der Beurteilung der medizinischen Situation und in den Schlussfolgerungen ein.
E
ntgegen der Kritik
der Beschwerdeführerin erweist sich das Gutachten
daher
als beweistauglich.
Ausserdem erachteten die behandelnden Ärzte eine Umschulung für zumutbar und nötig, was eine
nicht unwesentliche
Arbeitsfähigkeit voraussetzt. Zudem attestierte der behandelnde Psychiater eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in ange
stammter Tätigkeit und der Hausarzt äusserte sich dahingehend, dass er mit der Arbeitsfähigkeitseinschätzung im Gutachten einverstanden sei (vgl. vorstehend E. 4.14-4.16).
Dies lässt die Schlussfolgerung zu,
dass weitere Abklärungen keine wesentlichen
neuen
Erkenntnisse ergäben, weshalb darauf verzichtet werden kann.
6.3
6.3.1
Die Beschwerdeführerin rügte
weiter
eine Befangenheit des
psychiatrischen Teil
gutachters
, indem er nicht gemäss der aktuellen Rechtsprechung begutachtet habe
(
Urk.
1 S. 8
Ziff.
12
-14
).
Nach der Rechtsprechung gelten für Sachverständige grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgesehen sind. Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Miss
trauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Vor
eingenommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzu
setzen (BGE 132 V 93 E. 7.1, 120 V 357 E. 3).
6.3.2
Im neurologischen Hauptgutachten wurde auf die sogenannten Standardindika
toren eingegangen (
Urk.
7/81 S. 46 ff.) und es
wurden
die Ressourcen
der Beschwerdeführerin geprüft (E. 4.10.1)
, wobei als Grundlage hierfür die Ausfüh
rungen im psychiatrischen Teilgutachten gedient haben dürften (
Urk.
7/81/76-96, insbesondere S. 11-20)
.
Dass der psychiatrische Teilgutachter die Standardin
dikatoren nicht
explizit
gesondert
geprüft hat, schadet daher nicht
und stellt überdies kein Befangenheitsgrund dar
.
Entscheidend ist
, dass
eine
Prüfung der Standardindikatoren
und die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens
anhand
des Gutachtens
der
Z._
möglich
ist.
Der Umstand, dass der Gutachter
neben der
Z._
auch
im Z
entrum
N._
angestellt ist (
Urk.
1 S. 9
Ziff.
17), vermag
einen
Anschein der Befangen
heit ebenfalls nicht zu begründen.
Die Auswahl der Gutachtensstelle erfolgte
korrekt
erweise
nach
Art.
72
bis
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung (I
VV
;
vgl.
Urk.
7/73)
.
Der Vorwurf der Befangenheit des psychiatrischen Gutachters erwe
ist sich daher als unbegründet und auf das Gutachten der
Z._
kann abgestellt werden.
6.4
Das Gutachten der
Z._
ist gegenüber der Beurteilung durch die behan
delnden Ärzte vorzuziehen.
Gegen die Beurteilung
des Hausarztes
spricht, dass er sich zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht
genau
äussern konnte (vorstehend E. 4.16).
In diesem Zusammenhang ist
zudem
auf den Grund
satz hinzuweisen, wonach Berichte der behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 313 E. 3b/cc). Dies gilt für einen allgemein praktizierenden Hausarzt wie auch für einen behandelnden Spezialarzt (Urteil des Bundesgerichts I 803/05 vom
6.
April 2005 E. 5.5).
Dr.
D._
kam im Bericht vom 1
4.
Januar 2019
einerseits
übereinstimmend mit den Gutachtern der
Z._
zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
, andererseits erwähnte er eine maximal 50%ige Arbeitsfähigkeit in geschütztem Rahmen (vgl. vorste
hend E. 4.15), womit seine Einschätzung insgesamt als widersprüchlich und nicht nachvollziehbar erscheint und damit nicht darauf abgestellt werden kann
.
Die Ärzte der Universitätsklinik
F._
äusserten sich sodann nicht zur Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
, befürworteten jedoch eine Umschulung
(vgl. vorstehend E. 4.1
4
)
.
Nachfolgend sind
die Standardindikatoren
anhand des Gutachtens der
Z._
zu prüfen.
6.5
Die Beschwerdegegnerin ist
aufgrund der vorgenommenen
Ressourcenprüfung (
Urk.
7/101 S. 10 f.) von der im Gutachten der
Z._
attestierten Arbeits
fähigkeit abgewichen und stellte aus psychiatrischer Sicht auf
eine volle Arbeits
fähigkeit ab
.
L._
erklärte
trotz
einer
von ihm diagnostizierten
larvierten,
somatisierten
Erschöpfungsdepression, dass
die
testpsychiatrischen Untersuchun
gen
keine Hinweise auf eine depressive Störung ergeben hätten. Eine allenfalls
vorbestandene depressive
Störung bezeichnete er als remittiert
.
Als
möglich
Ursache der Beschwerden
erwähnte
er
vielfältige psychosoziale Belastungsfakto
ren
wie eine belastete Beziehung und Partnerschaft
sowie
Arbeitslosigkeit (vorstehend E. 4.10.3).
Nach den Angaben des
psychiatrischen
Gutachters erwei
sen sich die
diagnoserelevanten Befunde
als nicht
schwerwiegend ausgeprägt
, auch wenn im Gutachten an anderer Stelle von mittelgradig ausgeprägten Befun
den die Rede war (vgl.
Urk.
7/81/46)
. Gemäss
L._
findet eine psychiatrische Behandlung lediglich mit einer Frequenz von vier Wochen statt.
Die Begutachtung ergab, dass die Beschwerdeführerin die
verordneten
Medika
mente sodann nur unregelmässig einnimmt (
Urk.
7/81/89
Ziff.
2.1.4 oben).
Bei einer Intensivierung der
therapeutischen und medikamentösen
Behandlung
kann daher, wie vom Gutachter angegeben, von einer Verbesserung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit ausgegangen werden.
Zu Gunsten der Beschwerdeführerin ist zu berücksichtigen, dass sie
im Sinne einer Komorbidität seit Jahren an Schmerzen an den Händen leidet.
Die Gutachter
gaben
als Ressourcen unter anderem ein intaktes soziales Umfeld und eine Therapieadhärenz
an
(E. 4.10.1). Die Beschwerdeführerin kann daher auf gewisse Ressourcen zurückgreifen.
Die gilt auch für den Komplex «sozialer Kontext».
Ausserdem
beginn
t
die Beschwerdeführerin nach dem Aufstehen
mit der Hausar
beit, die sie bewältigen
kann, unternimmt am
Nachmittag Spaziergänge
, nimmt gemeinsame Mahlzeiten ein, besucht
alle 2-3 Wochen den alevitischen Kultur
verein und ha
t
Kontakt zu den Kindern und den Schwägerinnen (
vgl. vorstehend E. 4.10.3
).
Daraus ergeben sich im häuslichen Bereich nicht nur Ressourcen, sondern es resultiert darüber hinaus keine gleichmässige Einschränkung in allen Lebensbereichen.
Die Prüfung der Konsistenz ergibt
damit
ebenfalls, dass der Beschwerdeführerin in einer behinderungsangepassten Tätigkeit eine Arbeits
fähigkeit von 100
%
zugemutet werden kann.
Dies deckt sich mit der Beurteilung durch
L._
, wonach bei Anwendung einer leitliniengerechten Therapie eine Remission der psychischen Beschwerden zu erwarten sei (vorste
hend E. 4.11).
Die Frequenz der psychiatrischen Behandlung lässt sodann auf einen nur geringen Leidensdruck der Beschwerdeführerin schliessen.
In Überein
stimmung mit der von der Beschwerdegegnerin durchgeführten Ressourcenprü
fung
ist
für eine
behinderungsangepasste Tätigkeit
hinsichtlich der psychischen Probleme
von einer
zumutbaren
Arbeitsfähigkeit von 100
%
auszugehen.
Hingegen wurde im
Z._
-Gutachten aus somatische
n Gründen
(neurologisch und handchirurgisch)
eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit attestiert (
Urk.
7/81/39
Ziff.
2.5.7,
Urk.
7/81/41
Ziff.
3.2.3,
Urk.
7/81/45
Ziff.
4.7,
Urk.
7/81/74
Ziff.
2.5.8). Diese Einschätzung wurde nachvollziehbar begründet, weshalb darauf abzustellen ist.
Nach der Beurteilung durch RAD-Arzt
Dr.
E._
sind der Beschwerdefüh
rerin
im Sinne eines Belastungsprofils
körperlich leichte Tätigkeiten mit Wechselbelastung und ohne erhöhte Anforderungen an die Kraft und die Halte
funktion der Hände uneingeschränkt möglich (E. 4.12).
7.
7.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8
Abs. 1
IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
7.2
Gemäss
Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (
Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (
Abs.
2). Als Umschu
lung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1 IVV Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Inva
lidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen versicherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmög
lichkeit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der «annähernden Gleich
wertigkeit» nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebe
nen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliede
rung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 488 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b mit Hinweisen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E. 3).
7.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
8.
8.1
Die Beschwerdeführerin war zuletzt als
Verpackerin
angestellt
. Nach den Angaben der
Y._
AG
im Arbeitgeberbericht vom
7.
August 2015
hätte die Beschwerdeführerin im Jahr 2015 bei einem Arbeitspensum von 100
%
ein
Jahrese
inkommen von
Fr.
39'650.-- erzielt (
Urk.
7/24/3
Ziff.
2.10 und
2.11).
Gemäss dem IK-Auszug betrug das Einkommen im Jahr 2014 Fr.
46'063.— (
Urk.
7/19/4)
, welches
wohl auf Überstunden zurückzuführen
ist
und in ähn
lichem Umfang auch im Jahr 2013 erzielt wurde
. Von diesem Einkommen ist für die Ermittlung des
Valideneinkommens
auszugehen
, womit unter Berücksichti
gung der Nominallohnentwicklung (von 2686 Punkten im Jahr 2015 auf 2709 Punkte im Jahr 2016) für 2016 ein
Valideneinkommen
von
Fr.
46'457.-- resul
tiert
. Hingegen ist für die Frage der Unterdurchschnittlichkeit des
Valideneinkom
mens
vom Jahreseinkommen von
Fr.
39'650.— auszugehen (BGE 141 V 1
E. 5.7
).
Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen
Saisonnierstatus
) ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditäts
bemessung nach
Art.
16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Einkommensniveau begnügen wollte. Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden
Lohneinbus
sen
entweder überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen
gleich
mässig
zu berücksichtigen sind. Die Grundüberlegung dieser Rechtsprechung ist die folgende: Wenn eine versicherte Person in derjenigen Tätigkeit, die sie als Gesunde ausgeführt hat, einen deutlich unterdurchschnittlichen Lohn erzielt, weil ihre persönlichen Eigenschaften (namentlich fehlende Ausbildung oder Sprach
kenntnisse, ausländerrechtlicher Status) die Erzielung eines Durchschnittslohnes verunmöglichen, dann ist nicht anzunehmen, dass sie mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung behaftet einen (
anteilmässig
) durchschnittlichen Lohn erzielen könnte
(
BGE 141 V 1 E. 5.4 mit Hinweisen
).
Ausgehend von einem frühesten Rentenbeginn im Jahr 2016 ergibt sich aus der
Schweizerische
n
Lohnstrukturerhebung (LSE 201
6
, TA1_tirage_skill_level, Total, Kompetenzniveau 1, Frauen)
unter Berücksichtigung der durchschnittlichen
betriebsüblichen
Arbeitszeit von
41.7 Stunden
ein Jahreslohn
von
Fr.
54’581
.— (
Fr.
4'3
63
.—x 12
./. 40 x 41.7
).
Das nach Angaben des vormaligen Arbeitgebers innerhalb der vereinbarten Arbeitszeit erzielte Einkommen von
Fr.
39'650.—
lag somit um rund 27
%
unter dem statistischen Durchschnittsverdienst und es hat nach der Rechtsprechung zum
Erheblichkeitsgrenzwert
von 5
%
(BGE 135 V 297) eine Parallelisierung im Umfang von 22
%
zu erfolgen.
Damit hat vom ebenfalls
gestützt
auf die oben genannte Tabelle der LSE 2016 zu ermittelnden Invalideneinkommen von
Fr.
54'581.— ein Abzug von 22
%
zu erfolgen, was ein parallelisiertes Invalideneinkommen von
Fr.
42'573.— ergibt, von dem
rechtsprechungsgemäss kein leidensbedingter Abzug
vorzunehmen ist
(vgl. beispielsweise
Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3.1.1 mit Hinweisen
;
9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.1 mit Hinweisen
;
9C_72/2017 vom 19. Juli 2017 E. 4.3 unter Bezugnahme auf LSE 2012 und 2014
)
. Unter Berücksichtigung der noch zumutbaren 80%igen Arbeits
fähigkeit resultiert somit ein Invalideneinkommen von
Fr.
34'058.
—
.
Wird das Invalideneinkommen mit dem
Valideneinkommen
von
Fr.
46'457.—verglichen, ergibt sich bei einer Differenz von
Fr.
12'399.-- ein Invaliditätsgrad von
rund
27
%
. Dieser Invaliditätsgrad ist nicht rentenbegründend, übersteigt jedoch die für eine Umschulung relevante Erwerbseinbusse (vgl. vorstehend
E. 7.1
-2
).
Da jedoch die übrigen erforderlichen Abklärungen im Hinblick auf beruf
liche Massnahmen durch die IV-Stelle nicht getätigt wurden, kann über einen entsprechenden Anspruch nicht abschliessend befunden werden.
8.2
Nach der Einschätzung durch die Gutachter
der
Z._
sind Wiedereinglie
derungsversuche zumutbar und aus therapeutischer Sicht (
psychiatrischerseits
) empfehlenswert
(
Urk.
7/81/51)
.
Die IV-Stelle hat im Hinblick auf
eine Umschulung oder
allfällige
sonstige
Eingliederungsmassnahmen keine Abklärungen vorgenommen, weshalb An
sprüche der Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren nicht
abschlies
send
beurteilt werden können.
Die Sache ist
angesichts der ausgewiesenen Beschwerden
daher an die IV-Stelle zurück zu weisen, damit diese Abklärungen hinsichtlich Eingliederungsmassnahmen tätige und den diesbezüglichen An
spruch der Beschwerdeführerin prüfe.
8.
3
Zusammenfassend besteht
somit
ke
in Anspruch auf eine Rente
.
Hingegen ist die Sache an die IV-Stelle zurück zu weisen, damit diese Abklärun
gen hinsichtlich Eingliederungsmassnahmen tätige und den diesbezüglichen Anspruch der Beschwerdeführerin prüfe. In diesem Sinne ist die
angefochtene Verfügung vom
8.
März 2019
teilweise gutzuheissen. Im Übrigen ist sie
abzuwei
sen.
9.
9.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs.1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
900.-- festzusetzen und
ausgangsgemäss
den Parteien je zur Hälfte
aufzuerlegen.
9.2
Die
vorliegende
Rückweisung
der
Sache
hinsichtlich
Eingliederungsmassnahmen
kommt einem
diesbezüglichen (und damit teilweisen)
Obsiegen de
r
Beschwerde
führer
in
gleich.
Ausgangsgemäss
ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten, de
r
Beschwerdeführer
in
eine
reduzierte
Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses sowie unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- pro Stunde auf Fr.
1‘
300
.
--
(inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen ist
.