Decision ID: 868820df-dd85-5a6b-bca4-4e6e4695643f
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
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St.Galler Gerichte
A.
A.a A._ meldete sich am 14. April 2009 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
Sie hatte den Beruf der Coiffeuse erlernt, war aber schon nach kurzer Zeit nur noch als
Hilfsarbeiterin tätig gewesen (IV-act. 3-1). Dr. med. B._, Innere Medizin FMH, gab am
12./14. Mai 2009 an (IV-act. 11), die Versicherte leide an einer Multiplen Sklerose, die
sich 1979 erstmals manifestiert habe und die 2006 diagnostiziert worden sei. Die
Versicherte sei bei der Arbeit wegen der Müdigkeit eingeschränkt. Die Arbeitsfähigkeit
betrage ca. 30%. Die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 5. Juni
2009 (IV-act. 18), die Versicherte sei bis zur Geburt der Tochter als Hilfsarbeiterin
erwerbstätig gewesen. Als die Tochter siebenjährig gewesen sei, habe sie diese
Erwerbstätigkeit wieder aufgenommen. Wenn sie gesund wäre, würde sie zu 50-80%
einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Arbeitsvermittlung wurde mit einer Mitteilung
vom 11. Juni 2009 abgeschlossen, da die Versicherte keinen Wert auf Hilfe bei der
Stellensuche lege (IV-act. 20). Dr. med. C._, Kantonsspital St. Gallen, berichtete am
25. September 2009 (IV-act. 25), die Multiple Sklerose habe eine schnellere körperliche
und physische Ermüdbarkeit, ein reduziertes Multitaskingvermögen und eine
Erschwerung beim Treppensteigen, Heben von Gewichten und häufigem Wechseln der
Körperposition zur Folge. Zur Arbeitsfähigkeit machte er keine Angaben.
A.b Am 11. Februar 2010 erfolgte eine Abklärung im Haushalt der Versicherten. Die
Abklärungsperson hielt in ihrem Bericht vom 1. März 2010 fest (IV-act. 31), die
Versicherte habe angegeben, ohne die gesundheitlichen Einschränkungen würde sie
mit einem Pensum von 50-100% arbeiten. Mit dem Älterwerden der Tochter wäre sie in
den letzten Jahren nämlich immer flexibler geworden. Sie sei es gewohnt gewesen,
sich am Lebensunterhalt zu beteiligen. Der Ehemann habe vor ein paar Jahren die
D._-Filiale übernommen. Sonst wäre er arbeitslos geworden, da er kaum Chancen
auf eine Stelle gehabt habe. Der Geschäftsgang verschlechtere sich laufend. Sie hätten
keine Schulden, aber auch kein Erspartes. Die Tochter werde im Sommer die Lehre
beenden und umgehend vollzeitig die Berufsmittelschule absolvieren. Anschliessend
werde wohl eine weitere Ausbildung anstehen, die finanziell mitgetragen werden sollte.
Die Abklärungsperson hielt in Bezug auf die Erwerbsquote fest, diese sei mit 75%
anzusetzen, denn dieser Mittelwert zwischen 50% und 100% sei das wahrscheinlichste
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Erwerbspensum. Die Haushaltabklärung ergab einen Invaliditätsgrad im Haushalt von
24,05%.
A.c Die Versicherte unterzog sich am 29. April 2010 einer neurologischen
Untersuchung durch Dr. med. E._, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie (D),
Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation (FMH) und zertifizierte
medizinische Gutachterin (SIM). Dr. E._ berichtete am 4. Mai 2010 (IV-act. 37), die
Versicherte leide an einer schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose. Akute
neurologische Ausfallerscheinungen im Rahmen der Schubereignisse bildeten sich
immer weitgehend, aber nicht vollständig zurück. Im Lauf der letzten drei bis vier Jahre
sei es zu einer zunehmenden Reduktion der körperlichen und psychomentalen
Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit gekommen. Trotz der relativ diskreten Befunde
seien die von der Versicherten geschilderten Leistungseinschränkungen, insbesondere
die abnorm rasche Ermüdbarkeit und Erschöpfbarkeit, die belastungsabhängige
Schwäche der Beine, die Gangunsicherheit, die Konzentrationsminderung, die
allgemeine Belastungstoleranz mit Lärmempfindlichkeit, die Lichtempfindlichkeit und
die Kopfschmerzen, aus neurologischer Sicht nachvollziehbar. Die Versicherte könne
den Beruf der Coiffeuse behinderungsbedingt nicht mehr ausüben. Dasselbe gelte für
körperlich schwere Arbeiten. Eine leidensadaptierte Tätigkeit sei körperlich leicht,
wechselbelastend, beanspruche die Beine nicht zu stark und sei ohne Zeitdruck und
ohne verstärkte Licht- und Lärmexposition auszuüben. Ausserdem müsse die
Möglichkeit zu vermehrten, frei wählbaren Pausen bestehen. Die Arbeitsfähigkeit in
einer solchen Tätigkeit betrage 40%. Rückblickend sei ab 13. Juni 2006 von einer
Arbeitsunfähigkeit von 50% und ab 20. Februar 2008 von der aktuellen
Arbeitsunfähigkeit von 60% auszugehen.
A.d Die IV-Stelle ermittelte den Invaliditätsgrad der Versicherten anhand der
sogenannten gemischten Methode, wobei sie von einem Erwerbsanteil von 75% und
dementsprechend von einem Haushaltanteil von 25% ausging. Die gemischte Methode
lieferte für die Zeit ab 1. Juni 2007 einen Invaliditätsgrad von 34% und ab 1. Mai 2008
einen Invaliditätsgrad von 39,75% (IV-act. 39-3). Mit einem Vorbescheid vom 21.
Februar 2010 (IV-act. 42) kündigte die IV-Stelle der Versicherten die Ausrichtung einer
Viertelsrente ab November 2009 an. Die Arbeitsunfähigkeit betrage seit dem 20.
Februar 2008 mindestens 40%. Die Anmeldung im Mai 2009 sei verspätet erfolgt. Die
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Versicherte wendete am 19. August 2010 sinngemäss ein (IV-act. 43), weder die für
den Haushalt angegebene Einschränkung von 24% noch die für den Erwerb ermittelte
Einschränkung von 45% sei richtig. Die Invalidität sei höher. Sie ersuche darum, eine
Umschulung vorzunehmen, bei der Suche nach einer Arbeitsstelle behilflich zu sein
oder eine andere Unterstützung zu leisten. Mit einer Verfügung vom 15. Oktober 2010
sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung ab 1. November 2009 eine
Viertelsrente zu. Die Berechnung des Rentenbetrages beruhte u.a. auf den bis 2008 im
individuellen Beitragskonto (IK) der Versicherten verbuchten beitragspflichtigen
Einkommen. Die Verfügung enthielt den Hinweis, dass berufliche Massnahmen nicht
erfolgversprechend seien. Die Versicherte habe nämlich angegeben, eine regelmässige
Arbeitstätigkeit sei ihr wegen der häufigen Kopfschmerzen und Beinbeschwerden nicht
möglich.
B.
B.a Die Versicherte erhob am 8. November 2010 Beschwerde (act. G 1). Sie
beantragte die Zusprache einer halben Invalidenrente; eventualiter habe ihr die
Beschwerdegegnerin bei der beruflichen Eingliederung zu helfen. Zur Begründung
machte sie sinngemäss geltend, die Umschreibung einer behinderungsadaptierten
Tätigkeit sei so eng, dass sie sich nicht in der Lage fühle, eine geeignete Stelle zu
finden. Deshalb habe sie Anspruch auf eine Umschulung, auf
Arbeitsvermittlungsbemühungen oder auf eine andere Unterstützung. Entweder sei sie
reduziert arbeitsfähig und dann müsse es eine entsprechende Arbeitstätigkeit geben,
oder sie sei nicht mehr arbeitsfähig und dann entschädige eine Viertelsrente den
Ausfall nicht ausreichend.
B.b In ihrer Beschwerdeantwort stellte die Beschwerdegegnerin den Antrag (act. G 4),
es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine
Arbeitsvermittlung habe; im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen. Zur Begründung
führte die Beschwerdegegnerin aus, sie werde ihre Eingliederungsbemühungen wieder
aufnehmen und eine Arbeitsvermittlung durchführen. Der Einkommensvergleich zur
Ermittlung des Invaliditätsgrads im erwerblichen Teil weise ein Valideneinkommen von
Fr. 38'526.-- (Beschäftigungsgrad 75%) aus. Es treffe nicht zu, dass es keine
geeigneten Arbeitsstellen mehr gebe. Ausgehend von einem Durchschnittseinkommen
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von Fr. 51'368.-- resultiere bei einer Arbeitsfähigkeit von 40% und einen zusätzlichen
Abzug vom Tabellenlohn von 10% ein zumutbares Invalideneinkommen von Fr.
18'492.--. Das ergebe einen Invaliditätsgrad von 52%. Bei einem Beschäftigungsgrad
von 75% resultiere daraus eine anteilige Invalidität von 39%. Zusammen mit der
anteiligen Invalidität im Haushalt von 6% (25% von 24%) betrage der
Gesamtinvaliditätsgrad 45%. Damit habe die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf
eine Viertelsrente.

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten
im Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird
hingegen für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine
Behinderung besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt unter
anderem die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV).
Bei einer versicherten Person, die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die Invalidität
diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Wäre die versicherte Person daneben in
einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und der
Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der Invaliditätsgrad ist
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als gemischte Methode
bezeichnet. Gemäss Art. 27 IVV ist nur der Einkommensvergleich anzustellen, wenn
anzunehmen ist, dass die versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des
Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre. In
ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob und gegebenenfalls
in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den Gesundheitsschaden im
Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen Verhaltensweise der
versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dazu abzuklären, ob die
versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die gesamten
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Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im
Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle Notwendigkeit der Aufnahme
oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren berufliche Fähigkeiten,
Neigungen und Begabungen massgebend sein. Abzustellen sei auf die hypothetischen
Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie sich bis zum massgebenden Zeitpunkt
entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V 150). Gegenüber der
Eingliederungsberaterin hat die Beschwerdeführerin angegeben, sie würde zu 50-80%
arbeiten, wenn sie gesund wäre. Anlässlich der Haushaltabklärung hat sie dann die
Spannweite ihrer Schätzung noch vergrössert, indem sie angegeben hat, sie ginge zu
50-100% einer Erwerbstätigkeit nach. Die Beschwerdegegnerin hat die zweite Variante
als massgebend betrachtet und auf den Mittelwert von 75% abgestellt, weil dies das
wahrscheinlichste fiktive Arbeitspensum sei. Dabei hat sie sich wohl ausschliesslich auf
die Angaben der Beschwerdeführerin abgestützt, d.h. sie hat die übrigen Indizien nicht
in ihre Entscheidung einbezogen. Das ist nachzuholen. Wäre die Beschwerdeführerin
gesund, ginge sie bevorzugt einer Erwerbstätigkeit für einen einzigen Arbeitgeber nach.
Die für mehrere Auftraggeber ausgeübten Reinigungstätigkeiten müssen deshalb -
zumindest für die jüngere Vergangenheit - als eine durch die krankheitsbedingten
Einschränkungen erzwungene Lösung betrachtet werden. Ein Beschäftigungsgrad von
75% ist bei nur einem Arbeitgeber eher unüblich, weshalb eine Erwerbsquote von 80%
(entsprechend vier vollen Arbeitstagen) wahrscheinlicher ist. Berücksichtigt man zudem
die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie der Beschwerdeführerin, nämlich die sich
laufend verschlechternde Einkommenssituation des Ehemanns und die geplante
Ausbildung der Tochter, die einen Einkommensausfall und zusätzliche Kosten bewirken
wird, so erscheint eine Erwerbsquote der Beschwerdeführerin im fiktiven
Gesundheitsfall von 80% als die wahrscheinlichste Variante.
1.2 Gemäss den Angaben von Dr. E._ ist die Beschwerdeführerin ab 13. Juni 2006
zu 50% und ab 20. Februar 2008 zu 60% arbeitsunfähig gewesen. Nach der Erfüllung
des sogenannten Wartejahrs (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) steht also ein Eintritt des
Versicherungsfalls im Jahr 2007, allenfalls im Jahr 2009 zur Diskussion. Die
Invaliditätsbemessung muss deshalb anhand der Verhältnisse des Jahres 2007 und/
oder des Jahres 2009 erfolgen. Die Beschwerdeführerin hat zwar den Beruf der
Coiffeuse erlernt, aber sie hat nach dem Ausbildungsabschluss nur kurze Zeit in
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diesem Beruf gearbeitet. Dann ist sie als Hilfsarbeiterin tätig gewesen. Nach so langer
Zeit würde eine Rückkehr in den erlernten Beruf eine ergänzende Berufsausbildung
erfordern, damit die Beschwerdeführerin wieder auf dem aktuellen Stand der
Berufskenntnisse wäre. Als Gesunde würde sie auf eine solche Ausbildung verzichten
und einer Hilfsarbeit nachgehen, zumal sie als Coiffeuse kaum einen höheren Lohn
erzielen würde. Die Validenkarriere besteht deshalb in einer Hilfsarbeit. Diese würde
durchschnittlich entlöhnt, denn nichts deutet darauf hin, dass die Beschwerdeführerin
über besondere Fähigkeiten verfügen würde, die es ihr erlaubten, einen
überdurchschnittlichen Lohn zu erzielen. Laut den (sich auf die vom Bundesamt für
Statistik herausgegebenen schweizerischen Lohnstrukturerhebungen und
Lohnentwicklungen stützenden) Angaben im Anhang 2 zu der von der
Informationsstelle AHV/IV herausgegebenen Textausgabe des IVG hat sich der
Durchschnittslohn der Hilfsarbeiterinnen im Jahr 2007 auf Fr. 51'047.-- belaufen. Bei
einem Beschäftigungsgrad von 80% entspricht das einem Einkommen von Fr.
40'838.--. Der Durchschnittslohn 2009 hat Fr. 52'457.-- betragen. Das ergibt bei einem
Beschäftigungsgrad von 80% ein Einkommen von Fr. 41'966.--. Diese Beträge sind als
Valideneinkommen in den Einkommensvergleich einzusetzen.
1.3 Für die Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens ist ebenfalls von den im
Anhang 2 zur IVG-Textausgabe angegebenen Jahreseinkommen von Fr. 51'047.--
(2007) bzw. Fr. 52'457.-- (2009) auszugehen. Im Jahr 2007 hat der
Arbeitsfähigkeitsgrad 50% betragen. Das entspricht einem Jahreseinkommen von Fr.
25'524.--. Den nicht direkt behinderungsbedingten Nachteilen der Beschwerdeführerin
gegenüber gesunden Hilfsarbeiterinnen hat die Beschwerdegegnerin mit einem
zusätzlichen Abzug von 10% vom Tabellenlohn nicht ausreichend Rechnung getragen.
Die von Tag zu Tag, aber auch während des Tages stark schwankende
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin erfordert seitens des Arbeitgebers eine
besonders starke Rücksichtnahme. Selbst an einem adaptierten Arbeitsplatz schaffen
diese Schwankungen nämlich grosse Probleme, weil die Planbarkeit des
Arbeitseinsatzes der Beschwerdeführerin massiv beeinträchtigt ist. Zusammen mit den
übrigen Nachteilen der Beschwerdeführerin gegenüber gesunden teilzeitbeschäftigten
Hilfsarbeiterinnen (z.B. fehlende Fähigkeit, Überstunden zu leisten, oder vorübergehend
an einem nicht-adaptierten Arbeitsplatz eingesetzt werden) rechtfertigt das einen
Tabellenlohnabzug von 15%. Das zumutbare Invalideneinkommen für das Jahr 2007
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beläuft sich somit auf Fr. 21'695.--. Die behinderungsbedingte Erwerbseinbusse von
Fr. 19'143.-- ergibt einen Invaliditätsgrad 2007 von 46,88%. Davon sind 80%, also
37,50% zu berücksichtigen. Für das Jahr 2009 ist von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von
40% auszugehen. Das entspricht einem Invalideneinkommen von Fr. 20'983.--. Bei
einem zusätzlichen Abzug vom Tabellenlohn von 15% verbleibt ein zumutbares
Invalideneinkommen von Fr. 17'836.--. Die behinderungsbedingte Erwerbseinbusse
von Fr. 24'130.-- liefert einen Invaliditätsgrad 2009 von 57,49%. Bei einer
Erwerbsquote von 80% verbleibt ein anteiliger Invaliditätsgrad von 46%. Das
- überzeugende - Ergebnis der Invaliditätsbemessung im Haushalt bezieht sich zwar
auf die Situation zu Anfang des Jahres 2010, kann aber ohne weiteres auf das Jahr
2009 übertragen werden, da sich die gesundheitliche Situation in dieser kurzen Zeit
nicht wesentlich verändert hat. Zwischen 2007 und 2009 ist zwar eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten, die im erwerblichen Bereich
zu einer leichten Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit von 50% auf 60% geführt hat. Da
sich die Beschwerdeführerin in ihrem Haushalt aber offenbar sehr gut auf die
Behinderung eingerichtet hat, wie die grosse Differenz zwischen der Arbeitsunfähigkeit
im erwerblichen Bereich und der Einschränkung im Haushalt zeigt, kann davon
ausgegangen werden, dass sich auch zwischen 2007 und 2009 keine relevante
Erhöhung des Invaliditätsgrads im Haushalt eingestellt hat. Es ist deshalb für 2007 und
für 2009 von einer Invalidität im Haushalt von 24,05% auszugehen. Bei einem Anteil
von 20% entspricht das einem anzurechnenden Invaliditätsgrad von 4,81%. Das ergibt
für 2007 einen Gesamtinvaliditätsgrad von 42,31% und für 2009 von 50,81%. Der
Versicherungsfall (vgl. Rz 3110 ff. der Rentenwegleitung, RWL) ist somit nicht erst im
Jahr 2009, sondern bereits im Jahr 2007 eingetreten. Für die Berechnung des
Rentenbetrages bedeutet das, dass die IK-verbuchten beitragspflichtigen Einkommen
2007 und 2008 bei der Ermittlung des massgebenden durchschnittlichen
Jahreseinkommens keine Berücksichtigung finden dürfen. Ab November 2009 (Art. 29
Abs. 1 IVG) besteht ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (samt entsprechender
Kinderrente). Die Beschwerdegegnerin wird die Rentenbeträge neu zu ermitteln haben.
2.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin ab 1. November 2009
einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat (samt Kinderrente) hat und dass der
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Betrag dieser Rente(n) neu zu berechnen ist. Der Eventualantrag der
Beschwerdeführerin kommt unter diesen Umständen nicht zum Tragen. Dieser
Verfahrensausgang ist als Obsiegen zu werten, so dass die Beschwerdegegnerin für
die Gerichtskosten aufzukommen hat. Praxisgemäss ist die Gerichtsgebühr auf Fr.
600.-- festzusetzen, da sich der Verfahrensaufwand als durchschnittlich erweist. Der
von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP