Decision ID: 1a3947b9-9138-5e4f-a8d7-e188c14515fc
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden suchten am 24. Oktober 2018 in der
Schweiz um Asyl nach. Zur Begründung ihres Asylgesuches führten sie im
Wesentlichen aus, der Beschwerdeführer habe sich am (...) 2015 bei ei-
nem (...) schwer verletzt. Aufgrund der ihnen unzulänglich erscheinenden
Behandlung und Pflege des Beschwerdeführers in Georgien, der damit
verbundenen finanziellen Schwierigkeiten, und in der Hoffnung auf eine
bessere medizinische Behandlung seien sie in die Schweiz gereist.
A.b Mit separaten Verfügungen vom 17. Dezember 2018 trat die Vor-
instanz gestützt auf Art. 31a Abs. 3 AsylG (SR 142.31) auf die Asylgesuche
der Beschwerdeführenden nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz sowie den Vollzug an. Die dagegen erhobene Beschwerde wies
das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-7415/2018, E-7465/2018 vom
12. Dezember 2019 ab.
B.
B.a Am 10. Februar 2020 reichten die Beschwerdeführenden bei der Vor-
instanz ein Wiedererwägungsgesuch ein. Dieses begründeten sie im We-
sentlichen damit, die medizinische Situation des Beschwerdeführers sowie
die soziale beziehungsweise familiäre Situation in Georgien habe sich ver-
ändert. Aufgrund der bisherigen Therapie in der Schweiz und der (...) sei
eine gewisse (...) und (...) aufgebaut worden, sodass sich der Zustand des
Beschwerdeführers bedeutend verbessert habe. Es sei humanitär nicht
vertretbar, dass die wiedererlangten Fähigkeiten bei einer Rückkehr wieder
verloren gehen würden.
B.b Mit separaten Verfügungen vom 27. März 2020 trat die Vorinstanz auf
das Wiedererwägungsgesuch nicht ein, stellte die Rechtskraft und Voll-
streckbarkeit der Verfügungen vom 17. Dezember 2018 fest und hielt fest,
einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.
B.c Die dagegen erhobenen Beschwerden wies das Bundesverwaltungs-
gericht mit Urteil E-1920/2020, E-1918/2020 vom 15. April 2020 ab.
C.
Mit Eingabe vom 10. Juli 2020 reichten die Beschwerdeführenden bei der
Vorinstanz erneut ein Wiedererwägungsgesuch ein. Zur Begründung
E-4170/2020, E-4172/2020
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machten sie im Wesentlichen geltend, der psychische Zustand der Be-
schwerdeführerin habe sich massiv verschlechtert. Sie sei nicht mehr in
der Lage, für sich und ihren Sohn zu sorgen.
Als Beweismittel gaben die Beschwerdeführenden zwei Arztberichte des
(...) vom 8. und 17. Juni 2020 die Beschwerdeführerin betreffend zu den
Akten.
D.
Mit Zwischenverfügung 24. Juli 2020 qualifizierte die Vorinstanz die Vor-
bringen der Beschwerdeführenden als aussichtlos und forderte sie auf, bis
zum 7. August 2020 einen Gebührenvorschuss in der Höhe von Fr. 600.–
zu bezahlen, ansonsten auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetre-
ten werde. Dieses Schreiben wurde vom SEM gleichentags der Schweize-
rischen Post übergeben. Am 4. August 2020 wurde es von der Post mit
dem Vermerk «nicht abgeholt» dem SEM retourniert.
E.
Mit Verfügung vom 12. August 2020 trat die Vorinstanz auf das Wiederer-
wägungsgesuch vom 10. Juli 2020 nicht ein, stellte die Rechtskraft und
Vollstreckbarkeit der Verfügungen vom 17. Dezember 2018 fest und hielt
fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.
F.
Mit Eingabe vom 20. August 2020 erhoben die Beschwerdeführenden beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragen, die angefoch-
tene Verfügung sei aufzuheben, die Vorinstanz sei anzuweisen, auf das
Gesuch einzutreten und dieses materiell zu behandeln. Prozessual sei der
Vollzug der Wegweisung für die Dauer der Prüfung der vorliegenden Be-
schwerde zu sistieren und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden eine Verfügung betref-
fend eine ärztliche Einweisung des Beschwerdeführers vom 4. Juli 2020
sowie einen Untersuchungsbericht des (...) vom 15. Juli 2020 ein.
G.
G.a Mit Zwischenverfügung vom 26. August 2020 vereinigte die Instrukti-
onsrichterin die Verfahren E-4170/2020 und E-4172/2020 und setzte den
Vollzug der Wegweisung per sofort einstweilen aus. Gleichzeitig forderte
sie die Beschwerdeführenden auf, innert drei Tagen ab Erhalt der Verfü-
gung eine Beschwerdeverbesserung einzureichen.
E-4170/2020, E-4172/2020
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G.b Dieser Aufforderung kamen die Beschwerdeführenden mit Eingabe
vom 27. August 2020 fristgerecht nach.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Die Vorinstanz ist auf das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdefüh-
renden nicht eingetreten, womit die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob zu Recht ein Nicht-
eintretensentscheid gefällt wurde (BVGE 2014/39 E. 7). Vorliegend hat die
Vorinstanz im Rahmen einer Zwischenverfügung die Aussichtslosigkeit des
Verfahrens festgehalten und Frist zur Leistung eines Gebührenvorschus-
ses angesetzt, verbunden mit der Androhung, bei nicht fristgerechter Leis-
tung des Gebührenvorschusses werde auf die Eingabe nicht eingetreten.
Die Beschwerdeführenden machen geltend, diese Zwischenverfügung nie
erhalten zu haben. Es ist daher zu prüfen, ob die Zwischenverfügung den
Beschwerdeführenden korrekt eröffnet worden ist.
E-4170/2020, E-4172/2020
Seite 5
5.
Eine Verfügung gilt als mitgeteilt und eröffnet, wenn sie in den Machtbe-
reich der betreffenden Person gelangt, so dass diese sie zur Kenntnis neh-
men kann. Nicht erforderlich ist die tatsächliche Empfangs- oder Kenntnis-
nahme (BGE 142 III 599 E. 2.4.1; 122 I 139 E. 1). Eine eingeschriebene
Postsendung, die nicht abgeholt worden ist, gilt spätestens am siebten Tag
nach dem ersten erfolglosen Zustellungsversuch als erfolgt. Diese Zustell-
fiktion gemäss Art. 20 Abs. 2bis VwVG setzt somit einen erfolglosen Zustell-
versuch voraus und es muss eine Abholeinladung in den Briefkasten oder
das Postfach gelegt worden sein. Zudem musste der Empfänger mit der
Mitteilung der Behörde nach Treu und Glauben rechnen. Dies ist der Fall,
wenn der betroffenen Person die Einleitung eines Verfahrens rechtsgenüg-
lich mitgeteilt wurde (BGE 141 II 429 E. 3.1; 134 V 49 E. 4; 127 I 31 E. 2a;
URS PETER CAVELTI, in AUER/MÜLLER/SCHINDLER, Kommentar zum Bun-
desgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2019, Art. 20 N. 33 ff.).
6.
6.1 In der Rechtsmitteleingabe machen die Beschwerdeführenden geltend,
ihr Rechtsvertreter habe die Zwischenverfügung vom 24. Juli 2020 nicht
erhalten. Die Vorinstanz behaupte, das Schreiben versandt zu haben und
es sei retourniert worden. Dies sei anzuzweifeln, habe doch das Solidari-
tätsnetz auch während der Sommerpause regelmässig Stellvertretungen
vor Ort gehabt, welche die Post abgeholt, geöffnet und die notwendigen
Rechtshandlungen vorgenommen hätten. Sodann sei nicht verständlich,
dass die Vorinstanz es unterlassen habe, das Schreiben erneut per A-Post
zuzustellen oder der Nichteintretensverfügung beizulegen.
6.2 Die Vorinstanz erhob mit Zwischenverfügung vom 24. Juli 2020 einen
Gebührenvorschuss von Fr. 600.–, unter Androhung des Nichteintretens
bei nicht fristgerechter Bezahlung. Gemäss «Track & Trace» der Schwei-
zerischen Post übergab die Vorinstanz die Sendung mit dem Barcode (...)
am 24. Juli 2020 – adressiert an den Rechtsvertreter der Beschwerdefüh-
renden (vgl. Adresse Deckblatt) – der Post. Am 27. Juli 2020 meldete die
Post die Sendung dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden mittels
Abholungseinladung zur Abholung bis am 3. August 2020. Am 4. August
2020 retournierte die Post die Sendung dem SEM mit dem Vermerk «nicht
abgeholt».
Aufgrund der Zustellfiktion gilt die Zwischenverfügung der Vorinstanz vom
24. Juli 2020 demnach als zugestellt und eröffnet (vgl. E. 5). Der Hinweis
des Rechtsvertreters, dass anlässlich der Sommerpause Stellvertretungen
E-4170/2020, E-4172/2020
Seite 6
für ihn vor Ort gewesen seien und die Behauptung, die Vorinstanz habe
das Schreiben nicht korrekt versandt, erweisen sich als unbehilflich. Soweit
die Beschwerdeführenden ferner geltend machen, die Vorinstanz habe es
unterlassen, das Schreiben erneut zuzustellen, ist festzuhalten, dass es
angesichts der gesetzlichen Regelung keines zweiten Zustellversuchs be-
darf und dieser ohnehin rechtlich unbeachtlich wäre (BGE 117 V 131 E. 4a,
115 Ia 12 E. 3a, 111 V 99 E. 2b).
Nach Nichtleistung des Gebührenvorschusses trat die Vorinstanz entspre-
chend ihrer Androhung korrekterweise auf das Wiedererwägungsgesuch
nicht ein. Bei dieser Sachlage ist auf die weiteren Ausführungen in der
Rechtsmitteleingabe, insbesondere zur medizinischen Situation der Be-
schwerdeführenden, und die eingereichten Beweismittel nicht weiter ein-
zugehen. Die Beschwerde ist abzuweisen.
6.3 Mit dem vorliegenden Urteil wird der angeordnete Wegweisungsvollzug
rechtskräftig. Den psychischen Problemen der beiden Beschwerdeführen-
den ([...], [...]) ist mit geeigneter Betreuung und Begleitung durch die Voll-
zugsbehörden Rechnung zu tragen.
7.
7.1 Die Beschwerdeführenden beantragen die Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich,
dass sich ihre Begehren als aussichtslos erweisen, weshalb das Gesuch
ungeachtet einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist
(Art. 65 Abs. 1 VwVG).
7.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
7.3 Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 26. August 2020 verfügte Voll-
zugsstopp dahin.
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