Decision ID: d4a5db4b-266a-474e-8d47-a40cebff02f5
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1964, geschieden, Mutter zweier erwachsener Kinder, erlernte den Beruf der kaufmännischen Angestellten und war an ver
schiedenen Stellen beschäftigt. Nach einer Zeit als Familienfrau arbeitete sie wieder an verschiedenen Stellen, zuletzt ab Juni 2006 zuerst aushilfsweise und ab November 2008 als Teilzeitangestellte in einem Pensum von 60 % als Re
zeptionistin beim Hotel Y._, welche Stelle ihr wegen Restruktu
rierung per 31. Januar 2013 gekündigt wurde (Urk. 7/2, Urk. 7/8, Urk. 7/17/1-2).
1.2
Am 10. Februar 2013 (Urk. 7/2) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine Augenkrankheit mit
Visusminderung
bei der Eidgenössischen Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und berufliche Abklärungen und sprach ihr verschiedene Leistungen zu: mit Mitteilung vom 16. August 2013 (Urk. 7/21) ein sehbehindertentechnisches Assessment am 9. September 2012, mit Mitteilungen vom 13. Januar 2014 (Urk. 7/31) und 23. April 2014 (Urk. 7/51) eine sehbehindertentechnische Grundschulung vom 20. Januar bis 11. Juli 2014, mit Mitteilung vom 12. Mai 2014 (Urk. 7/55) eine Arbeitsbrille mit Spezialfilterclip, mit Mitteilung vom 23. Juli 2014 (Urk. 7/59) eine (weitere) Verlängerung der sehbehindertentechnischen Grundschulung vom 11. August bis 9. November 2014, mit Mitteilungen vom 20. August 2014 (Urk. 7/64) und 27. November 2014 (Urk. 7/75) verschiedene Hilfsmittel am Arbeitsplatz, mit Mitteilung vom 26. November 2014 (Urk. 7/72) ein Arbeitstraining vom 1. Dezember 2014 bis 31. Mai 2015. Letzteres wurde mit Mitteilung vom 30. April 2015 (Urk. 7/88) mit sofortiger Wirkung vorzeitig beendet, nachdem die Versicherte an einer Colitis
ulcerosa
sowie einer Hepatitis C-Infektion er
krankt war und die medikamentöse Therapie zu Beeinträchtigungen der Leis
tungsfähigkeit geführt hatte (Urk. 7/85/8-9), weshalb die Ziele des Arbeitstrai
nings als zur Zeit nicht erreichbar befunden worden waren.
1.3
In der Folge tätigte die IV-Stelle weitere medizinische und berufliche Abklärun
gen und stellte mit Vorbescheid vom 10. Juni 2015 (Urk. 7/96) die Abweisung des Leistungsbegehrens (Rente) in Aussicht. Hiergegen erhob die Versicherte am 2. Juli 2015 (Urk. 7/99) und 1. September 2015 (Urk. 7/105) Einwand. Nach Eingang weiterer Arztberichte (Urk. 7/108) samt Stellungnahme der Versicher
ten (Urk. 7/111) verfügte die IV-Stelle am 3. März 2016 (Urk. 2) im angekün
digten Sinne.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 19. April 2016 (Urk. 1) Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügung vom 3. März 2016 sei aufzuheben und es sei eine po
lydisziplinäre (ophthalmologische, gastroenterologische und neurologi
sche/ neuropsychoklogische) Begutachtung anzuordnen und hernach erneut über ihren Rentenanspruch zu entscheiden. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (S. 2). Die IV-Stelle schloss am 18. Mai 2016 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, was der Versicherten am 26. Mai 2016 (Urk. 11) zur Kenntnis gebracht wurde. Am 2. Juni 2016 (Urk. 12) reichte die Beschwerdeführerin einen weiteren Arztbericht (Urk. 13) ein, wozu sich die Beschwerdegegnerin nicht vernehmen liess (Urk. 15). Am 9. August 2017 (Urk. 19) legte die Beschwerdeführerin weitere Unterlagen (Urk. 20/1-5) auf.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
tels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung ihrer leistungsabweisenden Verfügung aus, während der Therapiephase der Hepatitis C könne es gegebe
nenfalls zu Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit kommen, es sei allerdings nicht von einer dauerhaften Einschränkung durch diese Therapiemassnahme auszugehen; die Therapie sei unterdessen abgeschlossen (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt dagegen, der Sachverhalt sei ungenügend abge
klärt. Ihre Beeinträchtigungen seien
mulitmorbid
. Sie leide nebst einer Sehbe
hinderung und möglichen neurologischen Defiziten auch an einer Colitis
ulce
rosa
sowie
Hepatitis C mit einer Leberzirrhose, infolgedessen sie sich einer schweren medikamentösen Therapie zu unterziehen gehabt habe. Auch nach Besserung des Gesundheitszustandes attestiere die behandelnde Ärztin lediglich eine Belastbarkeit von fünf bis sechs Stunden pro Tag (Urk. 1 S. 4). Aus dem Abschlussbericht des Arbeitgebers, bei dem sie die berufliche Massnahme absol
viert habe, gehe hervor, dass sie eine durchschnittliche Leistungsfähigkeit von 50 % bis 60 % gezeigt habe. Es könne die Erfahrungstatsache gelten, dass Seh
behinderte ohne genügende Kenntnisse von sehbehindertentechnischen Grund
fertigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig seien. Zudem stelle sich die Frage, ob sie nicht auch in kognitiver Hinsicht beeinträchtigt sei (S. 6).
3.
3.1
Dr. med. Z._, Augenarzt FMH, diagnostizierte am 11. April 2013 (Urk. 7/12/ 6-7) eine
Best’sche
vitelliforme
Makuladystrophie beidseits sowie ein
Glaukoma
chronikum
simplex
beidseits mit einem
Fernvisus
rechts von 0.1 und links von 0.5 sowie einem
Nahvisus
rechts von 0.1 und links von 0.4. Er beschrieb einen stabilen Zustand bei möglicher künftiger Verschlechterung. Eine spätere Sehab
nahme erachte er nicht als ausgeschlossen und empfahl regelmässige ophthal
mologische Kontrollen. Die Tätigkeit als Rezeptionistin erachtete er mit einem optimal korrigierten
Visus
von rechts 0.2 und links 0.6 weiterhin als in Teilzeit möglich (z.B. 50 %), wobei jedoch PC-Arbeiten nur mit Schriftvergrösserung möglich seien. Weiter Hilfsarbeiten, die keine gute Sehschärfe erforderten (wie z.B. Service, Küche, Reinigungsarbeiten) seien vollzeitlich möglich.
3.2
Am 31. Oktober 2014 (Urk. 7/69) diagnostizierte PD Dr. med. Dr. phil. A._, Oberarzt, Leiter Netzhautabteilung von der Augenklinik des Universitäts
spitals B._ ein Endstadium einer
Best’schen
vitelliformen
Makuladys
trophie. Er verwies auf eine
subretinale
Fibrosierung
sowie ausgedehnte Pig
mentepitheldefekte ohne Hinweis auf eine sekundäre CNV (
chor
oidale
Neovas
kularisation), lediglich ein
Narbenstaining
sei in der Fluoreszenzangiographie nachzuweisen. In der aktuellen Situation würden klinische Verlaufskontrollen in grösseren Abständen empfohlen.
3.3
3.3.1
Dr. med. C._, Leitende Ärztin Gastroenterologie und Hepatologie, Spital D._, berichtete am 20. März 2015 (Urk. 7/90/5-6) zu Händen des Hausarztes betref
fend Verlauf der Colitis
ulcerosa
sowie Besprechung des Resultates einer am 18. März 2015 im Unispital B._ durchgeführten MRI-Untersuchung mit Frage nach Leberkarzinom (H
epatozelluläres
Karzinom
, HCC)
. Sie führte aus, Letzteres habe sich erfreulicherweise nicht nachweisen lassen. In Bezug auf den Darm gehe es besser. Der Beschwerdeführerin sei die Wichtigkeit der Einnahme der (verweigerten) Medikamenteneinnahme erläutert worden.
Zur Behandlung der neu diagnostizierten Hepatitis C-Infektion sei - angesichts der aktuell kompensierten Leberzirrhose - eine Therapie dringend erforderlich, um eine Progression der Zirrhose mit den bekannten Komplikationen zu ver
hindern. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie aktuell in einer Eingliederungsmassnahme der IV sei, 60 % arbeite und es schwierig sei, eine The
rapie durchzuführen. Sie merke insbesondere am Nachmittag, dass sie sich nicht gut konzentrieren könne. Es sei besprochen worden, zuerst den Genotyp des Virus zu bestimmen, um zu evaluieren, welche Therapie in Frage komme. Optimalerweise sei dies eine interferonfreie Therapie. Die Erfahrung habe gezeigt, dass während der Therapie viele Patienten hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit ein
geschränkt seien.
3.3.2
In ihrem Verlaufsbericht vom 18. Januar 2016 (Urk. 7/108/1-3) verwies Dr. C._ auf die durchgeführte Therapie mit Erreichen einer SVR (
sustained
virologic
response
)
zwölf Wochen nach Therapieende. Die chronische Hepatitis C habe geheilt werden können. Eine abschliessende Kontrolle der Viruslast sei für März 2016 geplant. Die Leberzirrhose besehe natürlich weiterhin, erscheine aktuell aber kompensiert. In diesem Rahmen sei allerdings eine gewisse Müdig
keit interpretierbar. Die Colitis
ulcerosa
sei aktuell in Remission.
Zur Arbeitsfähigkeit führte Dr. C._ aus, die Beschwerdeführerin könne Büroar
beiten mit Ruhepausen zwischendurch ausführen, wobei sie vor allem durch ihre Sehkraft eingeschränkt sei. Eine Verminderung der Leistungsfähig
keit im Rahmen der von ihr behandelten Erkrankungen bestehe maximal zu 20 % bis 30 %. Die Beschwerdeführerin sei etwa fünf bis sechs Stunden täglich belastbar.
4.
4.1
4.1.1
Betreffend Augenerkrankung ergibt sich, dass einstweilen ein stabiler Zustand gegeben ist. Dr. Z._ erwähnte im April 2013 einen stabilen Zustand (E. 3.1) und bestätigte dies im Januar 2014 (Urk. 7/70) bei gleich gebliebenem
Visus
. Im Oktober 2014 sprach dann PD Dr. A._ vom Unispital B._ von einem Endstadium einer
Best’schen
vitelliformen
Makuladystrophie und erachtete Verlaufskontrol
len nur noch in grösseren Abständen als nötig (E. 3.2). Angesichts des massiv verminderten
Visus
(optimal korrigiert: rechts 0.2 und links 0.6) ging der be
handelnde Augenarzt von einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit (50 %) im Bürobereich aus, Arbeiten ohne Erfordernis der Sehschärfe erachtete er als voll
zeitlich zumutbar (E. 3.1).
4.1.2
Die Sehbehindertenhilfe E._ befand die Sehbehinderung der Beschwerdeführerin im Assessmentbericht vom 10. September 2013 (Urk. 7/26/1-4) als mittel. Der verantwortliche Ressortleiter berichtete, die Beschwerdeführerin habe zu
letzt an der Rezeption eines Hotels mit verschiedenen Computerprogrammen gearbeitet und dort lediglich manchmal eine handelsübliche Lupe benützt. Nach einstündiger PC-Arbeit habe sie erste Ermüdungserscheinungen geschildert. Am Ende des Arbeitstages habe sie über Schwindel und Kopfschmerzen geklagt, was nachvollziehbar sei (S. 2). Im Rahmen des Assessments seien verschiedene Hilfsmittel vorgestellt worden (Bildschirmlesegerät, Vergrösserungssoftware, Programmbedienung mit Tastaturkombinationen statt Maus, Sprachausgabe). Bei einer probeweisen Einstellung habe die Beschwerdeführerin eine Vergrös
serung von 1.5- bis 3-fach bei intensiver Darstellung (weiss auf schwarz) als angenehm empfunden (S. 2). Der Fachmann erachtete den Beruf der Beschwer
deführerin grundsätzlich als sehbehindertengerecht und empfahl den Einsatz verschiedener - näher bezeichneter - Hilfsmittel sowie eine sehbehindertentech
nische Grundschulung (S. 2 f.).
Im Abschlussbericht vom 4. Dezember 2014 (über die vom 20. Januar bis 7. November 2014 absolvierte sehbehindertentechnische Grundschulung) be
richtete die zuständige Fachperson der Sehbehindertenhilfe E._, die Be
schwerdeführerin habe sich sehbehindertentechnische Basiskenntnisse erarbei
tet, die beim Wiedereinstieg in den kaufmännischen Bereich von Nutzen sein würden. Sie sei mit ihrer Arbeitsweise von einer effizienten Nutzung der Hilfs
mittel allerdings noch weit entfernt. Erfahrungsgemäss bleibe trotz des Einsat
zes von Hilfsmitteln und kompensatorischen Arbeitstechniken ein behinde
rungsbedingter
Mehraufwand bestehen. Sie empfahlen einen mehrmonatigen Arbeitsversuch und wiesen darauf hin, dass die Beschwerdeführerin oft einen umständlichen und unorganisierten Eindruck gemacht und viele bereits gelernte Lerninhalte vergessen habe. Der Ursprung dieser Defizite sei unklar, empfohlen werde eine neurologische Untersuchung (S. 5).
4.1.3
Im Abschlussbericht über das vom 1. Dezember 2014 bis 30. April 2015 (Urk. 7/91) dauernde Arbeitstraining führten die Eingliederungsfachleute aus, die Beschwerdeführerin sei in der Massnahme motiviert und interessiert gewe
sen, möglichst viel zu profitieren, um für eine Stelle auf dem ersten Arbeits
markt gerüstet zu sein. Bereits nach einem Monat sei sie in der Lage gewesen, Auftragsbestätigungen und Rechnungen in der Abteilung Verkauf selbständig zu erstellen. Nach einer zweiwöchigen Abwesenheit infolge Krankheit im zwei
ten Monat habe sie mitgeteilt, dass sie aufgrund der vielen Medikamente oft an die Grenze gekommen sei (im Zusammenhang mit der Leberzirrhose und der Hepatitis C). Anfang April seien die Arbeitszeiten neu auf fünf bis sechs Stun
den festgelegt worden, was sie toleriert habe (S. 3 f.).
4.1.4
Zur Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aufgrund der Sehproblematik ergibt sich, dass Dr. Z._ im April 2013 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % nannte, dabei aber Bezug auf das zuletzt ausgeübte Pensum (von 60 %) nahm, welches die Beschwerdeführerin tolerierte, und sich dabei nicht über die - noch nicht etablierten - Verbesserungsmöglichkeiten durch Hilfsmit
tel äusserte. Derweil gingen die Eingliederungsfachleute von einer mittelgradi
gen Sehbehinderung aus und erachteten Bürotätigkeiten grundsätzlich als ge
eignet. Zuletzt arbeitete die Beschwerdeführerin denn auch fünf bis sechs Stun
den, ohne dass die Leistung abgefallen wäre.
4.2
4.2.1
Aus den medizinischen Akten ergibt sich sodann, dass die Beschwerdeführerin an einer Colitis
ulcerosa
, einer Leberzirrhose sowie einer Hepatitis C-Infektion leidet. In Bezug auf die Darmproblematik ging es der Beschwerdeführerin im März 2015 besser (E. 3.3.1). Im März 2017 zeigten sich wieder Oberbauch
schmerzen bei
erosiver
Antrumgastritis
, portalhypertensiver
Gastropathie
sowie
Venektasien
distaler Ösophagus (Bericht von Dr. C._ vom 7. März 2017, Urk. 20/4). Dass hieraus eine Arbeitsunfähigkeit folgt, welche sodann bereits im Zeitpunkt des Verfügungserlasses ein Jahr zuvor vorgelegen hatte, ist jedoch nicht dargetan.
Fest steht sodann, dass während der medikamentösen Behandlung eine ver
mehrte Müdigkeit feststellbar
war. Die dauerhaften Folgen der Erkrankungen sind indes nicht eindrücklicher Art. Dr. C._ beschrieb die Leberzirrhose als kompensiert und die Hepatitis C-Infektion als (erfolgreich) behandelt. Es ver
bleibt lediglich eine
gewisse Müdigkeit im Rahmen der Leberzirrhose, welche zu einer Leistungsminderung von maximal 20 % bis 30 % führt. Die von Dr. C._ genannte Belastbarkeit von fünf bis sechs Stunden täglich ist mit diesen Werten nicht gänzlich vereinbar, würde dies doch - ausgehend von der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden (Betriebsübliche Arbeitszeit, Bundesamt für Statistik, Tabelle T.03.02.03.01.04.01) einer Ein
schränkung von 28 % bis 40 % entsprechen.
4.2.2
In Bezug auf die geltend gemachten kognitiven Einschränkungen (Urk. 1 S. 6) ist festzuhalten, dass im Abschlussbericht der Sehbehindertenhilfe E._ vom 4. Dezember 2014 (Urk. 7/78/3) ein freundlicher und angemessener Umgang der Beschwerdeführerin mit ihren Mitklienten und der Lehrpersonen beschrieben wurde. Sie habe in diversen Situationen oft auf eine kindliche Art und Weise reagiert, was sich in ihrem Sprachgebrauch wie in ihren Handlungen gezeigt habe. Dieses Verhalten habe regelmässig zu Irritationen in ihrem Umfeld ge
führt. Im Rahmen der Schulung sei sie auf eine enge Begleitung und klare An
weisungen angewiesen gewesen. In Bezug auf die Schulung habe die Beschwer
deführerin nur bedingt eine Eigenmotivation gezeigt, was den Lernprozess und die Zusammenarbeit erschwert habe. Unklar habe sich deshalb auch gezeigt, ob die Beschwerdeführerin Lerninhalten auf kognitiver Ebene nicht habe folgen können oder ob einfach ein fehlendes Interesse bestanden habe, sich mit diesen auseinanderzusetzen. Im Rahmen der weiteren Abklärung sollte dies weiterhin beobachtet werden.
Anlässlich des nachfolgenden Arbeitstrainings konnten diese Defizite nicht mehr festgestellt werden. Im Abschlussbericht über das Arbeitstraining wurde im Gegenteil geschildert, die Beschwerdeführerin sei motiviert gewesen und habe bereits nach einem Monat selbständig Arbeiten erledigen können. Probleme tauchten erst im Zusammenhang mit der neu ausgebrochenen Erkran
kung auf (Urk. 7/91).
Dass die Beschwerdeführerin an einer kognitiven Störung leiden würde, welche sie in der Arbeitsfähigkeit einschränkt, ist nach dem Gesagten nicht erstellt und auch nicht naheliegend. Dass sie sich nicht immer passend ausdrückte und Lernschwierigkeiten hatte, wirkte sich in der praktischen Arbeit nicht mehr aus.
4.3
Bei dieser Ausgangslage erscheint der Sachverhalt als genügend abgeklärt. In medizinischer Hinsicht stehen die fachärztlich festgestellten und behandelten Erkrankungen fest und es finden sich verlässliche Angaben zur Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der verbleibenden Folgen der Leberzirrhose resultiert - bei vermehrter Müdigkeit - eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit von 20 % bis 30 %, die Colitis
ulcerosa
war im Verfügungszeitpunkt
regredient
und die Hepatitis C-In
fektion ist geheilt. Dass im März 2016 noch eine neue Kontrolle der Viruslast geplant war (Urk. 1 S. 5 und Urk. 7/108/4) ändert nichts an der Verlässlichkeit der Einschätzung, handelte es sich dabei doch lediglich um eine Nachkontrolle, nachdem das Virus nicht mehr nachweisbar gewesen war. Dass diese neue Um
stände zu Tage gefördert hätte, machte die Beschwerdeführerin nicht geltend und legte auch keinen entsprechenden Bericht auf.
Anhaltspunkte für pathologische kognitive Einschränkungen, welche eine Begut
achtung rechtfertigen würden, finden sich nicht. Die zwischenzeitlich an
getönten Auffälligkeiten verschwanden bei der praktischen Arbeit wieder. Auch in Bezug auf die Sehschwäche der Beschwerdeführerin ergeben die Akten ein ausreichendes Bild von der Arbeitsfähigkeit. Hier besteht eine Einschränkung durch Ermüdung, welche eine (augenfordernde) Tätigkeit von fünf bis sechs Stunden pro Tag zulässt. Werden die Augen nicht gefordert, besteht gar eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit. Von weiteren Abklärungen
sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten,
weshalb
darauf zu verzichten
ist
(antizipierte Be
weiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
5.
5.1
Zu prüfen ist, wie sich die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit in erwerblicher Hin
sicht auswirkt. Die Beschwerdegegnerin bemass das
Valideneinkommen
mit Fr. 65‘750.25 und stützte sich dabei - nachdem die Beschwerdeführerin die letzte Anstellung aus invaliditätsfremden Gründen verloren hatte - auf die vom Bundesamt für Statistik erhobenen durchschnittlichen Löhne für Bürokräfte mit Kundenkontakt ab (Lohnstrukturerhebung 2012, Tabelle 17, Ziff. 42). Dies wurde beschwerdeweise nicht bestritten und erweist sich als sachgerecht, zumal das derart errechnete
Valideneinkommen
dem zuletzt erzielten Einkommen (im Jahr 2012 von Fr. 38‘706.-- [Urk. 7/86/1] für ein 60 %-Pensum hochgerechnet auf ein 100 %-Pensum) praktisch entspricht und die Beschwerdeführerin bei intakter Gesundheit überwiegend wahrscheinlich mit einem solchen Lohn rech
nen könnte.
5.2
Die Beschwerdeführerin kann ihre angestammte Tätigkeit im Büro weiterhin ausüben. Bei die Augen intensiv fordernder Tätigkeit ist dies fünf bis sechs Stunden möglich, ansonsten - von Seiten der Augen her - unbeschränkt. Bei durchschnittlicher wöchentlicher Arbeitszeit von 41.7 Stunden entspricht dies einem Pensum von gut 70 %. Damit reduziert sich das erzielbare Einkommen um 30 % auf Fr.
46
‘
025.
20.
Die Beschwerdegegnerin gewährte einen Abzug vom Tabellenlohn von 10 %, da die Beschwerdeführerin auch im reduzierten Pensum eingeschränkt ist. Dies wurde beschwerdeweise zu Recht nicht beanstandet.
5.3
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von Fr. 65‘750.25 mit dem Invalidenein
kommen von Fr. 41‘422.70 (90 % von Fr. 46‘025.20) ergibt eine Lohneinbusse von Fr. 24‘327.45 und damit einen Invaliditätsgrad von 37 %, was unter der anspruchsbegründenden Schwelle von 40 % liegt. Der Beschwerdeführerin steht demnach keine Rente der Invalidenversicherung zu, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.4
Anzufügen bleibt, dass bei diesem Ergebnis die Qualifikation respektive das mut
massliche Arbeitspensum bei intakter Gesundheit nicht näher zu beleuchten ist. Aktenkundig ist indes, dass die Beschwerdeführerin nach der Zeit als Fami
lienfrau (1990 bis 1997, Urk. 7/17/1) bis zur Anmeldung bei der Invalidenversi
cherung und damit während über 15 Jahren nur ganz kurz einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachging (Juni 1998 bis Juli 2004 Rezeptionistin zu 80 % [Urk. 7/17/4], von 2004 bis 2008
Zeitungsverträgerin
à 90 Minuten von Montag bis Samstag [Urk. 7/17/3], mithin von Januar bis Juli 2004 parallel zur Arbeit als Rezeptionistin, ab Juni 2006 wiederum Rezeptionistin als Aushilfe und ab Juni 2008 zu 60 % [Urk. 7/17/2]).
Ob die Beschwerdeführerin bei dieser Ausgangslage überhaupt als vollzeitlich Erwerbstätige zu qualifizieren wäre, steht jedenfalls nicht ohne weiteres fest. Eine andere Qualifikation würde zu einer Verminderung des Invaliditätsgrades führen.
6.
Da die Voraussetzungen erfüllt sind, ist der Beschwerdeführerin
antragsgemäss
(Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen.
Das Verfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtskosten
gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und
ausgangsgemäss
de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, infolge bewilligter
unentgeltliche
r
Prozess
führung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.