Decision ID: 90aa9dd4-b1b3-4eda-b62d-94f283242657
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1961, war ab 1. Februar 2016 als Pflegefachfrau bei der
Y._
AG in
Z._
angestellt und bei der
AXA Versicherungen AG
(nachfolgend: AXA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen ver
sichert, als sie am 28. Februar 2019 einen Verkehrsunfall erlitt und sich dabei an Knien und Thorax verletzte (Urk. 9/A1).
Die medizinische Erstversorgung fand bei Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, statt (vgl. Urk. 10/M2). Am
27. März 2019, 5. Mai 2019 und
13. Mai 2019 wurde die Versicherte
an der
Klinik B._
radiologisch untersucht
(Urk. 10/M4-M7).
Oberarzt
mbA
Dr. med.
C._
von der
Klinik B._
untersuchte die Versicherte am 13. Mai 2019 (Urk. 10/M8). Er ope
rierte die Versicherte am 20. Juni 2019 (Urk. 10/M9: «
Verlängerungs-Spond
y
lo
dese
L2-S2-Ala-Ileum [
Expedium
], TLIF L5/S1 von rechts [
MectaLIF
9mm],
Dekom
pressionlaminotomie
L2/3
midline
,
posterolaterale
und
interfacettäre
Fusion
L2/3 und L5/S1»). In der Folge fanden weitere radiologische Untersuchungen statt
(Urk. 10/M10-M11).
Am 24. Juni 2019 konnte die Versicherte, die seit dem 19.
Juni 2019 in der
Klinik B._
hospitalisiert war, entlassen wer
den (Urk. 1
0/M12). Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Neurologie, beratender Arzt der AXA, reichte am 23. August 2019 seinen Bericht zu den Akten (Urk. 10/M16). Dr. med.
E._
, Facharzt für Ophthalmologie, untersuchte die Versicherte am 13. September 2019 (Urk. 10/M18).
1.2
Mit Verfügung vom 27. September 2019 (Urk. 9/A37)
stellte die AXA die Versi
cherungsleistungen per 30. September 2019 ein. Zudem verneinte sie ihre Leis
tungspflicht bezüglich der Kosten der Operation vom 20. Juni 2019 und der damit verbundenen Konsultationen, Therapien und Arbeitsunfähigkeit. Auch betreffend Schulterbeschwerden rechts bestehe kein Anspruch auf Versicherungsleistungen. Ei
ner allfälligen Einsprache wurde
di
e aufschiebende Wirkung entzogen
.
Gegen diese Verfügung erhob die CSS Versicherung, die Krankenkasse der Ver
si
cherten, mit Eingabe vom 30. September 2019 (Urk.
9
/A40) Einsprache.
Die Ver
sicherte teilte der AXA am 24. Oktober 2019 telefonisch mit, dass sie mit der Leis
tungseinstellung nicht einverstanden sei (Urk. 9/A42).
Mit Entscheid vom 17. April
2020 (Urk. 2 = Urk. 9/A52) wies die AXA die Einsprache der CSS Versicherung ab
.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 17. April 2020 (Urk. 2) liess die Versicherte mit Eingabe vom 18. Mai 2020 (Urk. 1) Beschwerde erheben mit folgenden An
trägen:
1.
Es sei der
Einspracheentscheid
vom 17.04.2020 aufzuheben.
2.
Es sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
diese die erforderlichen Abklärungen (Unfallanalyse, medizini
sches
Gutachten etc.) durchführe und hernach über die Leistungsan
sprüche der Beschwerdeführerin neu verfüge.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge, zuzüglich Mehrwertsteuer
zu
satz, zulasten der Beschwerdegegnerin.
Die AXA schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 28. August 2020 (Urk. 8) auf Abweisung der Beschwerde.
Replicando
und
duplicando
hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (Urk. 15 und 19
).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
derlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fall
folgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die ver
sicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) noch nicht abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e
contrario
).
Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens
10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG
). Erleidet sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
1.2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität,
Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natür
lichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2.2
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesund
heits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfall
fremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Ver
lauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später ein
gestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialver
sicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine
anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweis
last
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Diese Be
weisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spät
fol
gen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leistungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk.
2) die Einstellung der Versicheru
ngsleistungen per
30. September 2019
und
die Verneinung ihrer
Leistungspflicht bezüglich der Kosten der Operation vom 20. Juni 2019 und der damit verbundenen Konsultationen, Therapien und A
rbeits
unfähigkeit sowie die Verweigerung von Versicherungsleistungen infolge der Schulterbeschwerden rechts
im Wesentlichen gestützt auf die Beurteilung ihres beratenden Arztes
, Dr.
D._
.
Danach seien keine strukturellen Unfallfolgen (mehr) vorhanden. Bezüglich der Lendenwirbelsäule könne höchstens von einer vorübergehenden Verschlechterung gesprochen werden. Nach etwa drei Monaten sei diese aber abgeklungen. Die Operation vom 20. Juni 2019 sei eine Krankheits
folge; die
Verlängerungsspondylodese
sei unabhängig vom Unfall vom 15. März 2019 indiziert gewesen. Bezüglich Halswirbelsäule habe Dr.
D._
ausgeführt, es
würden sich erhebliche degenerative Veränderungen von C3-C6, die unfall
kausal nicht erklärt werden könnten, zeigen. Auch hier s
ei
lediglich von einer höchstens vorübergehenden Verschlechterung zu sprechen. Diese könne erklärt
werden durch eine unfallkausale Schwellung, die jedoch erfahrungsgemäss binnen
weniger Wochen abklinge.
Die Schulterbeschwerden rechts seien nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine Unfallfolge, seien doch die Sicherheitsgurte über der linken Schulter gelegen.
Im Rahmen des vorliegenden Prozesses hielt die Beschwerdegegnerin an dieser Sichtweise fest (Urk. 8). Sie ergänzte, dass die Einholung eines unfallanalytischen Gutachtens - entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung - im vor
liegenden Fall nicht notwendig gewesen sei. Aus medizinischer Sicht sei nämlich unbestritten, dass der Unfall vom 15. März 2019 zu keinen strukturellen Läsionen geführt habe, die eine richtunggebende Verschlimmerung
beziehungsweise eine Teilkausalität (bezogen auf die Operation) begründen könnten. Der Einwand der Beschwerdeführerin, wonach der Beurteilung von Dr.
D._
als reiner Aktenbe
ur
teilung ohne persönliche Untersuchung kein Beweiswert zukomme,
sei
nicht stichhaltig. Es liege ein lückenloser Befund vor; es sei nur noch um die Frage der Unfallkausalität gegangen. Die Gesundheitsbeeinträchtigungen der Beschwerde
füh
rerin seien bei verschiedenen Arztkonsultationen klinisch und bildgebend ab
geklärt und lückenlos dokumentiert worden. Sie seien im Übrigen als solche unbestritten. Die Beurteilung von Dr.
D._
sei schlüssig. Zudem zeige auch das von der involvierten Haftpflichtversicherung eingeholte wirbelsäulenchirurgische Gutachten vom 30. April 2020 (Urk. 10/M20), dass der Status quo sine bereits relativ schnell wieder erreicht worden sei. Die Operation habe allein der Sanie
rung des Vorzustandes gedient.
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vortragen, dass
sich
in den Akten der Beschwerdegegnerin keine gefestigten Angaben zur Unfall
schwere
fänden. Es seien weder eine technische Unfallanalyse beziehungsweise eine biomechanische Beurteilung erstellt worden, welche detailliert Auskunft zu den auf den Körper beziehungsweise die Wirbelsäule einwirkenden Kräfte Auf
schluss gebe, noch fänden sich irgendwelche Angaben zu den entstandenen Sach
schäden an den beteiligten Unfallfahrzeugen. Wie aus der Fotodokumentation der Kantonspolizei Zürich hervorgehe, habe es sich beim Unfall vom 15. März 2019 nicht um eine banale Kollision, sondern um eine massive, seitlich-frontale Kolli
sion im Ausserorts-Bereich gehandelt. Der beratende Arzt habe diese Unfall
schwere bei seiner Beurteilung nicht berücksichtigt.
Das müsse nachgeholt wer
den.
Abgesehen davon, dass Dr.
D._
eine reine Aktenbeurteilung gemacht habe, sei auch seine fachmedizinische Qualifikation für Wirbelsäulen
verletzun
gen
fraglich. Dr.
C._
sei demgegenüber ein ausgewiesener Spezialist der Wirbel
säulenchirurgie. Dieser sei in seinem Bericht vom 25. März 2020 zum Schluss
gekommen, dass der erlittene Unfall die Schmerzen im Bereich der Lenden
wir
bel
säule deutlich verstärkt und somit möglicherweise den Zeitpunkt für die
Verlän
gerungsspondylodese
verfrüht habe.
Für die Beschwerdeführerin sei nicht einseh
bar, weshalb sie bereits am 20. Juni 2019, mithin knapp zweieinhalb Jahre nach der letzten Rückenoperation, ohne den vorliegenden Unfall die besagte
Ver
län
gerungsspon
d
ylodese
hätte über sich ergehen lassen müssen.
Zwischen der ersten und der zweiten Rücken-Operation seien schliesslich über neun Jahre vergangen (12/2007, 01/2017). Zwar sei auch Dr.
C._
der Ansicht gewesen, dass die Ope
ration früher oder später notwendig geworden wäre; er wies aber auch darauf hin, dass er nicht schlüssig beurteilen könne, wie lange die Beschwerdeführerin ohne den Autounfall keine Operation gebraucht hätte.
In der Replik vom 7. Dezember 2020 (Urk. 15) liess die Beschwerdeführerin an ihren Ausführungen festhalten. Gemäss der Beurteilung des behandelnden Opera
teurs, Dr.
C._
, habe der vorliegende Verkehrsunfall klar zu einer Exazerbation der Schmerzen, mithin zu einer Aktivierung der vorbestehenden degenerativen Veränderungen geführt. Die Indikation zur Operation sei von Dr.
C._
bereits
am 13. Mai 2019, das heisse nicht einmal zwei Monate nach dem Unfall, und damit
klar vor Erreichen des Status quo sine
vel
ante gestellt
worden
. Am Rückwei
sungsantrag zwecks Vornahme der erforderlichen Sachverhaltsabklärungen werde
festgehalten. Daran vermöge auch das neu ins Recht gelegte Aktengutachten der
involvierten Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung (Urk. 10/M20) nichts zu ändern
. Das Aktengutachten sei ohne Wissen und ohne persönliche Untersuchung der Beschwerdeführerin erstellt worden
. Die beteiligten Ärzte hätten offen
sicht
lich auch keine Kenntnis vom Unfallablauf beziehungsweise der Unfallschwere gehabt, seien sie doch von einem einfachen Auffahrunfall und nicht einer massi
ven seitlich-frontalen Kollision ausgegangen.
Im Übrigen stehe dieses Gutachten im Widerspruch zu den Einschätzungen von Dr.
D._
. Letzterer gehe ja von einer vorübergehenden Schädigung von drei bis sechs Monaten aus. Demge
genüber würden die Gutachter der Haftpflichtversicherung ohne nachvollziehbare Begründung das Erreichen des Status quo sine per 8. April 2019 postulieren.
2.3
2.3.1
Strittig und zu prüfen ist
zum einen
, ob die Beschwerdegegnerin die Versi
che
rungsleistun
gen zu Recht per 30. September 2019
eingestellt hat, weil zwischen den nach diesem Zeitpunkt noch geklagten Beschwerden und
dem Unfall vom 15. März 2019
kein natürlicher Kausalzusammenhang mehr besteht.
Zum ande
ren ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht bezüglich der
Kosten der Operation vom 20. Juni 2019 und der damit verbundenen Konsul
tationen, Therapien und Arbeitsunfähigkeit sowie
bezüglich
der Schulterbe
schwerden rechts zu Recht verneint hat, weil zwischen ihnen und dem Unfall
er
eignis vom 15. März 2019 (von Anfang an) kein Kausalzusammenhang bestanden hat.
2.3.2
Vorweg ist festzuhalten, dass auf die Beschwerde einzutreten ist
, obwohl die Be
schwerdeführerin seinerzeit keine formgültige Einsprache gegen die Verfügung vom 27. September 2019 (Urk. 9/A37) erhoben
hat
, weil Einsprachen der Schrift
form bedürfen oder bei mündlicher Vorsprache zu protokollieren und von der
Ein
sprecherin
zu unterzeichnen sind (Art. 10 Abs. 3
der Verordnung über den All
gemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSV]). Allerdings kann praxisge
mäss (BGE 127 V 107) auch eine versicherte Person, die sich nicht durchgehend
am vorangegangenen Verwaltungsverfahren beteiligt hat, den
Einspracheent
scheid
selbstständig mittels kantonaler Beschwerde anfechten.
3.
3.1
Dr. med.
F._
von der
Klinik B._
berichtete am 27. März
2019 anlässlich seiner radiologischen Untersuchungen (MRI LWS und LWS
ap
/seit
lich) von - verglichen mit der Voruntersuchung vom 15. September 2017 - wei
ter
hin stationären
epifusionellen
Degenerationen L2/3 mit leichtgradiger
osteo
discoligamentär
bedingter Spinalkanalstenose sowie von Degenerationen L5/S1 mit stationärer
recessaler
Einengung beidseits und
neuroforaminalen
Stenosen beidseits (Urk. 10/M6).
3.2
Dr.
C._
führte in seinem Bericht vom 29. März 2019 (Urk. 10/M1) aus, dass sich bei der Beschwerdeführerin leider schon Zeichen einer Anschlussseg
ment
de
generation auf Höhe L2/3 sowie eine Facettengelenksdegeneration L5/S1 beid
seits und eine
Foramenstenose
L5/S1 rechts zeigten. Man werde wegen der durch einen Autounfall vom 15. März 2019
exazerbierten
Schmerzen und neu aufge
tretenen Schmerzen
nuchal
eine MRI-Untersuchung der Halswirbelsäule sowie ein
Computertomogramm
der Lendenwirbelsäule in Auftrag geben.
3.3
Oberärztin PD Dr. med.
G._
von der
Klinik B._
untersuchte am 13. Mai 2019 die Lendenwirbelsäule der Beschwerdeführerin computertomographisch und gab folgende Beurteilung ab
(Urk. 10/M4)
: «Progre
diente
epifusionelle
Degeneration L2/3 und auch L1/2 (rechts paramedian ver
kalkte
Diskusprotrusion
). Saum erhöhter Transparenz um die
Pedikelschrauben
L3 partiell beidseits, als mögliches Zeichen einer beginnenden Lockerung. Uni
laterale dorsale
Durchbauung
L3/4 bei ansonsten regelrechter
Durchbauung
dor
sal L4/5
bds
. und
interkorporell
L3-5.»
Gleichentags führte PD Dr.
G._
auch noch eine MRI-Untersuchung der Halswirbelsäule durch. Es kam zu folgender Beurteilung (Urk. 10/M5): «Seg
ment-Degenerationen C4-6 mit hochgradigen
foraminalen
Stenosen C4/5 beid
seits sowie
mässiggradiger
foraminaler
Stenose C5/6
links.»
3.4
Dr.
C._
äusserte sich in seinem Bericht vom 13. Mai 2019 (Urk. 10/M8) dahin
gehend, dass man sich aufgrund der persistierenden Schmerzen und des hohen Leidensdruckes für eine Operation entschieden habe mit Verlängerung nach kranial und kaudal und entsprechender Dekompression auf diesen Höhen. Bezüg
lich der Schulterschmerzen rechts sowie der
Nuchalgie
werde zunächst mit einer
chiropraktischen
Behandlung begonnen.
3.5
Dr.
D._
führte in seinem Bericht vom 23. August 2019 (Urk. 10/M16) aus, dass sich keine strukturellen Unfallfolgen zeigten. Einzig im
Computertomogramm
der Lendenwirbelsäu
l
e vom 13. Mai 2019 sei ein Saum um die
Pedikelschrauben
erwähnt worden, welcher zwar als mögliches Lockerungszeichen gedeutet werden könnte, in den folgenden konventionellen Röntgen-Untersuchungen jedoch nicht mehr nachweisbar gewesen sei (auch nicht andeutungsweise), sodass von einer spontanen Abheilung gesprochen werden könne, falls der Saum überhaupt rele
vant gewesen sei. Die Befunde und die Bilder der MRI-Untersuchungen prätrau
matisch und posttraumatisch zeigten keine Änderung; strukturell sei es durch den Unfall nicht zu bleibenden Läsionen gekommen. Bezüglich der Lendenwirbelsäule
könne höchstens von einer vorübergehenden Verschlechterung gesprochen wer
den,
welche (durch eine reversible Schwellung bedingt) wenige Wochen anhalte. Im vorliegenden Fall nach
Spondylodese
könne er eine vorübergehende Schädi
gung akzeptieren; nach etwa drei Monaten sei diese abgeklungen. Es sei Ermes
senssache, ob man diese Frist auf sechs Monate verlängern wolle - länger jeden
falls nicht. Für die subjektive Befürchtung, durch den Unfall könnte ein Wirbel verschoben worden sein, finde sich überhaupt kein objektivierbares Korrelat.
Die Operation vom 20. Juni 2019 sei eine Krankheitsfolge
; die
Verlängerungs
spondy
lodese
sei unabhängig vom Unfall vom 15. März 2019 indiziert gewesen.
Bezüglich der Halswirbelsäule zeigten sich erhebliche degenerative Verände
run
gen von C3-C6, die unfallkausal nicht erklärbar seien. Es könne nicht dem Unfall zugeschrieben werden, dass drei benachbarte Segmente verändert und deren Bandscheiben dehydriert seien, ohne dass in den Weichteilen traumatische Schä
digungen sichtbar wären. Auch hier sei lediglich von einer höchstens vorüber
gehenden Verschlechterung zu sprechen. Diese könne erklärt werden durch eine unfallkausale Schwellung, welche jedoch wieder abklinge. Aus seiner klinischen Erfahrung sei eine solche über wenige Wochen zu sehen bis maximal sechs Monate. Es sei eine Ermessenssache.
Die Schulterschmerzen rechts seien nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit Unfallfolgen, seien doch die Sicherheitsgurte über der linken Schulter gelegen. Wenn man die Schulterschmerzen rechts als Folge von Nacken
schmerzen deute, wären die degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule hinzuzuziehen, die den Befund zwanglos erklären könnten.
3.6
Dr.
E._
erklärte in seinem Bericht vom 13. September 2019 (Urk. 10/M18
), dass die von der Beschwerdeführerin geklagten Augenbeschwerden (tränende und verklebte Augen morgens sowie Juckreiz) keine
Traumafolgen
seien.
3.7
Dr.
C._
und Assistenzarzt med.
pract
.
H._
von der
Klinik B._
führten in ihrem Bericht vom 25. März 2020 (Urk. 3/8) aus, dass sich das Schmerzbild im Rahmen der degenerativen Veränderungen der Lendenwirbel
säule mit Zustand nach mehreren Operationen in diesem Bereich
zeige
. Der Auffahrunfall vom 15. März 2019 habe die
Schmerzen
deutlich verstärkt und somit möglicherweise de
n Zeitpunkt für die
Verlängerun
gsspondylodese
verfrüht. Da die
Verlängerungsspondylodese
aufgrund der Anschlusssegmentdegeneration habe vorgenommen werden müssen und mit hoher Wahrscheinlichkeit nur der Zeitpunkt des operativen Eingriffs durch den Unfall verändert worden sei, sei davon auszugehen, dass die aktuelle Schmerzsituation nur zu einem gewissen Anteil durch den Verkehrsunfall mitbegünstigt worden sei. Die ursächlichen de
generativen Veränderungen seien mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits vorhan
den gewesen, seien aber durch den Autounfall aktiviert worden. Die Am 20. Juni 2019 durchgeführte Operation wäre auch ohne den Auffahrunfall notwendig geworden - möglicherweise aber zu einem späteren Zeitpunkt. Diese Frage könne aber nicht abschliessend beantwortet werden. In Bezug auf die Beurteilung von Dr.
D._
hielten die beiden Ärzte dafür, dass sie aus ihrer Sicht nachvollziehbar und schlüssig sei. Sie hätten dazu keine Anmerkungen oder Korrekturen.
3.8
Dr. med.
I._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, und Dr. med.
J._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, speziell Wirbelsäulenchirurgie,
hielten in ihrer für die invol
vierte Haftpflichtversicherung erstellten Aktenbeurteilung vom 30. April 2020 (Urk. 10/M20) fest, dass hinsichtlich der
Lendenwirbelsäule durch den Unfall vom 15. März 2019 eine vorübergehende Verschlimmerung verursacht worden sei. Der Status quo sine sei per 8. April 2019 erreicht worden. An diesem Tag habe der Hausarzt eine merkliche Verbesserung nach Infiltrationsbehandlung notiert. Es sei offensichtlich, dass die Beschwerdeführerin
bereits vorbestehend an einer
schweren, progredienten chronischen degenerativen LWS-Erkrankung gelitten habe
, welche bereits 2007 und 2017 zu relevanten LWS-Eingriffen geführt habe. Beim offenkundig provisorischen Abschluss der Behandlungen vor dem Unfall
per 30. April 2018 sei es bereits klar gewesen, dass es zu weiteren Behandlungen kommen werde. Klar sei auch gewesen, dass in diesem Fall nach Anschlussseg
mentdegenerationen gesucht und allenfalls eine erweiterte Fusionsoperation, in diesem Fall die dritte Operation der Lendenwirbelsäule, erwogen werden müsste. Die Operation vom 20. Juni 2019 stelle somit zweifelsohne eine Behandlung des schweren, sich bekanntlich seit Oktober/November 2006 selbstständig entwick
elnden krankhaften Vorzustandes dar. Es bestehe deswegen kein kausaler Zu
sammenhang zwischen dem Ereignis vom 15. März 2019 und der Operation vom 20. Juni 2019 (S. 25).
Hinsichtlich der Schulterschmerzen rechts, die erstmals am 13. Mai 2019 doku
mentiert worden seien, sei festzustellen, dass auch für
diese keinerlei kausaler Zusammenhang
mit dem Ereignis bestehe. Es sei korrekt, dass eine allfällige Gurtverletzung an der linken Schulter aufgetreten sein müsste. Dies sei aber nicht der Fall. Zudem sei der zeitliche Abstand der Erwähnung dieser Beschwerde
n
zum
Unfall aussergewöhnlich gross.
Die Knieanprallverletzungen beidseits seien offen
sichtlich spätestens nach acht Wochen, also per 13. Mai 2019, abgeheilt gewesen, denn sie hätten in den weiteren Berichten keine Erwähnung mehr gefunden. Hinsichtlich der Halswirbelsäule sei der Status quo sine bei offensichtlicher degenerativer Wirbelsäulenerkrankung, welche in der MRI-Untersuchung habe gesichert werden können, per 13. Mai 2019 erreicht worden. Es sei zu betonen, dass verschiedene LWS-MRI-Untersuchungen und die HWS-MRI-Untersuchung
vom 13. Mai 2019 keinerlei strukturelle Verletzungen der Wirbelsäule bezieh
ungs
weise ihrer Begleitstrukturen als Folge des Unfalls vom 15. März 2019 gezeigt hätten (S. 25).
Der Status quo sine hinsichtlich der Lendenwirbelsäule sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit per 8. Mai 2019 erreicht worden. Danach seien ausschliesslich die unfallunabhängigen degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule
oberhalb und unterhalb der bereits bestehenden Fusion für das Beschwerdebild verant
wortlich. Die Terminierung hinsichtlich der Halswirbelsäule sei per 13. Mai 2019 erreicht worden, am gleichen Tag wie die Abheilung der Knieanprallver
letzungs
folgen. Danach sei ausschliesslich die degenerative HWS-Erkrankung für das zervikale Beschwerdebild verantwortlich (S. 26).
Dr.
I._
und Dr.
J._
äusserten sich in Bezug auf die Beurteilung von Dr.
D._
dahingehend, dass sie mit dessen Einschätzung, wonach die Dauer der vorübergehenden Verschlechterung des Vorzustandes bis zu sechs Monate betra
gen könne, nicht einverstanden seien. Im vorliegenden Fall sei diese Dauer - wie ausgeführt - erheblich kürzer; Dr.
D._
habe die klinischen Fakten zu wenig
berücksichtigt und stattdessen auf Erfahrungswissen abgestellt. Das sei vorlie
gend nicht richtig (S. 26 f.).
3.9
Dr.
C._
erklärte in seinem Bericht vom 14. Mai 2020 (Urk. 2/9) erneut, dass er die Einschätzung von Dr.
D._
, wonach die Operation früher oder später not
wendig geworden wäre, als nachvollziehbar und schlüssig erachte. Es sei durch den Autounfall zu einer Exazerbation der Schmerzen gekommen. Allenfalls sei dadurch die Operation früher notwendig geworden.
4.
4.1
Wie das Bundesgericht in Fortführung der Rechtsprechung des seinerzeitigen Eidgenössischen Versicherungsgerichts wiederholt festgehalten hat, entspricht es einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungs
rechts, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Band
schei
benveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter
besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weit
ge
hend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfall
ereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Band
scheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder
radikuläres
Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit auf
treten. In solchen Fällen hat die Unfallversicherung praxisgemäss auch für Rezi
dive und allfällige Operationen aufzukommen. Wird die Diskushernie durch den Unfall lediglich ausgelöst, nicht aber verursacht, übernimmt die Unfallver
siche
rung den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, spätere Rezi
dive dagegen nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (vgl. anstatt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_811/2012 vom 4. März 2013 E. 5, 6.1 und 6.2 sowie die Urteile des
damaligen
Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 22/01 vom 29. Oktober 2002, U 176/01 vom 23. April 2002, U 486/00 vom 26. Februar 2002 und U 459/00 vom 18. Februar 2002, je mit Hinweisen auf weitere höchstrichterliche Urteile und die medizinische Doktrin).
Im Übrigen darf aus dem Umstand, dass sich eine Gesundheitsbeeinträchtigung nach einem Unfallereignis manifestiert hat, nicht einfach in Anwendung der Formel „
post
hoc, ergo
propter
hoc“, wonach ein Gesundheitsschaden schon dann als durch einen Unfall verursacht gilt, weil er nach diesem aufgetreten ist, auf einen Zusammenhang geschlossen werden (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
sowie Urteil des Bundesgerichts 8C_454/2012 vom 20. August 2012).
4.2
4.2.1
Ob im vorliegenden Kontext, in dem nicht die Unfallbedingtheit von Diskus
hernien zu beurteilen ist, die entsprechenden, oben wiedergegebenen
Präjudizien
zur Anwendung kommen, kann vorliegend ausdrücklich offenbleiben, weil die medizinische Aktenlage - soweit für die streitentscheidenden Fragen relevant - klar, eindeutig und schlüs
sig ist. Mit anderen Worten sind
die medizinischen Experten und Expertinnen hinsichtlich der Frage der Unfallkausalität
im Wesent
lichen zu übereinstimmenden Beurteilungen gekommen. Die zwischen ihnen auf
getretenen (geringfügigen) Differenzen betreffen - wie sogleich aufzuzeigen sein wird - Aspekte, die im vorliegenden Fall nicht streitentscheidend sind.
4.2.2
Aufgrund der oben zitierten medizinischen Akten (vgl. E. 3.1-3.9) ist erstellt, dass bei der Beschwerdeführerin erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigungen an der Lenden- und Halswirbelsäule vorliegen. Das ist unter den Parteien zu Recht un
strittig. Daran besteht kein Zweifel. Ausser Frage steht überdies, dass diese Ge
sundheitsbeeinträchtigungen an der Lenden- und Halswirbelsäule (im Wesent
lichen) bereits vor dem Unfall vom 15. März 2019 vorhanden waren; sie sind degenerativer Natur.
Das geht insbesondere aus den Berichten von Dr.
D._
(E. 3.5) sowie von Dr.
I._
und Dr.
J._
(E. 3.8), aber auch aus den Arztberichten des behandelnden Arztes Dr.
C._
(E. 3.7 und 3.9) hervor. Das Unfallereignis vom 15. März 2019 führte mithin nach Einschätzung sämtlicher Ärzte, die sich dazu äusserten, lediglich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung der bereits vor
bestehenden degenerativen Gesundheitsbeeinträchtigung
an der Lenden- und Halswirbelsäule. Auch die darüber hinaus erlittenen Verletzungen an den Knien heilten offenbar binnen weniger Woche
n
ab (vgl. E. 3.9).
4.2.3
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin erweist sich der Umstand, dass
Dr.
D._
einerseits und die
Dres
.
I._
und
J._
betreffend Erreichen des Status quo sine in zeitlicher Hinsicht unterschiedlicher Auffassung waren beziehungsweise unterschiedliche Einschätzungen
vornahmen
, im vorliegenden Kontext als nicht relevant. Während die
Dres
.
I._
und
J._
vom Erreichen des Status quo sine
am 8. beziehungsweise 13. Mai 2019 ausgingen (E. 3.8)
, war Dr.
D._
der Ansicht, dass das erst nach drei bis sechs Monaten der Fall war.
Der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin auf die für die Beschwerdeführerin günstigere Einschätzung von Dr.
D._
abstellte und die Versicherungs
leis
tun
gen grundsätzlich erst per Ende
September
2019 terminierte, wirkt sich zum Vorteil für die Beschwerdeführerin aus.
4.2.4
Was die Operation vom 20. Juni 2019 betrifft, steht nach Lage der Akten fest, dass dieser Eingriff nicht kausal mit dem Unfallereignis vom 15. März 2019 i
m
Zusammenhang steht. Die Operation hätte früher oder später ohnehin durch
geführt werden müssen.
Soweit sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt stellte, dass die Operation aufgrund des erlittenen Unfalls früher habe stattfinden müssen, findet das in den medizinischen Akten k
eine hinreichende Grundlage. Aus medizinischer Sicht ist die
se
Hypothese lediglich möglich, nicht jedoch mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt.
4.3
Angesichts der klaren Aktenlage sind weitere Beweismassnahmen nicht notwen
dig.
Insbesondere ist auch die Erstellung eines unfallanalytischen Gutachtens zur Beantwortung der vorliegend streitentscheidenden Kausalitätsfrage nicht
erfor
der
lich
, zumal ein solches gegebenenfalls bei der Adäquanzprüfung zu berück
sichtigen wäre,
währenddem
die natürliche Kausalität in erster Linie aufgrund medizinischer Fakten und ärztlicher Einschätzung zu beurteilen ist (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts U 193/01 vom 24. Juni 2003 E. 3.2 mit Hinweisen)
.
Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerdegegnerin die Versicherungs
leis
tun
gen zu Recht per Ende
September 2019
eingestellt
sowie ihre Leistungspflicht in Bezug auf die Operation vom 20. Juni 2019
sowie die Schulterbeschwerden rechts ebenso zu Recht
verneint hat, weil zwischen den nach d
em
30. September 2019
noch geklagten Beschwerden und
dem Unfall vom 15. März 2019
kein natürlicher Kausalzusammenhang mehr bestand
beziehungsweise die Operation
sowie die Beschwerden an der rechten Schulter
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Folge des Unfalls vom 15. März 2019 war
en
. Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.