Decision ID: ac68d5e1-daa1-5fcf-8b3f-559b34b5239b
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Im Zeitraum vom 24. Juni 2010 bis 16. Februar 2011 wurden bei der Zoll-
stelle Zürich-Flughafen (nachfolgend: Zollstelle) insgesamt 25 Sendungen
Kartons mit kuvertierten und an Personen in der Schweiz voradressierten
Spendenbriefen zur Einfuhr angemeldet (z.B. Sendung vom 4. August
2010: "Briefe für Hilfsaktionen Handgeschrieben (3 Kartons)"). In den
entsprechenden Einfuhrdeklarationen ist stets die "[A._ Stiftung]
[Adresse]" (nachfolgend: Stiftung) als Sendungsempfängerin aufgeführt.
Die Stiftung kaufte die gewünschte Menge Spendenbriefe jeweils bei ihrer
Partnerstiftung [im Ausland] ("[B._ Stiftung]") ein.
Die Zollstelle veranlagte für die 25 Sendungen Einfuhrsteuern von insge-
samt Fr. 5'433.55.
B.
Mit Eingabe vom 27. Januar 2012 erhob die Stiftung Beschwerde gegen
diese Veranlagungen bei der Zollkreisdirektion Schaffhausen (nachfol-
gend: Vorinstanz). Sie beantragte im Wesentlichen eine Neuberechnung
der Steuer auf den fraglichen Einfuhren bzw. eine Steuerrückerstattung in
der Höhe von Fr. 4'277.60.
C.
Mit Beschwerdeentscheid vom 1. März 2013 hiess die Vorinstanz die Be-
schwerde "entsprechend den Erwägungen" teilweise gut. Für die 25 Sen-
dungen seien Einfuhrsteuern in der Gesamthöhe von Fr. 3'465.-- zu erhe-
ben. Die Differenz von Fr. 1'968.55 zum ursprünglichen Veranlagungstotal
von Fr. 5'433.55 sei der Stiftung zurück zu erstatten.
In ihrer Begründung führte die Vorinstanz aus, in die Bemessungsgrund-
lage der Einfuhrsteuer fielen auch die Kosten für das Befördern oder
Versenden der eingeführten Gegenstände bis zu deren Bestimmungsort
im Inland. In diesem Zusammenhang sei vorliegend zwischen zwei Kons-
tellationen zu unterscheiden: Insoweit die Stiftung die Spendenbriefe un-
mittelbar nach der Zollbehandlung der betreffenden Sendung der nächs-
ten Poststelle zum Versand übergeben habe, sei der "Briefkasten" der
jeweiligen Adressaten als einfuhrsteuerlicher Bestimmungsort zu betrach-
ten. Folglich seien in diesem Fall die Kosten für die Zustellung der Briefe
durch die Post (Inlandportokosten gemäss den von der Stiftung ins Recht
gelegten Aufgabenverzeichnissen und Belegen der Post) ebenfalls – d.h.
neben dem für die Spendenbriefe bezahlten Entgelt sowie den gestützt
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auf die eingereichten Luftfrachtbriefe ermittelten Luftfrachtkosten – in die
Bemessungsgrundlage zu ziehen. Insoweit hingegen die Stiftung die
Sendungen nach der Zollbehandlung zuerst an ihren Sitz in [...] verbracht
und die Spendenbriefe erst danach der Poststelle zum Versand überge-
ben habe, sei der Sitz der Stiftung als Bestimmungsort zu qualifizieren.
Diesfalls fielen die Kosten für den Inlandversand der einzelnen Briefe
durch die Post nicht in die Bemessungsgrundlage der Einfuhrsteuer. Da-
gegen seien die Kosten für den Transport der Sendungen von der Zoll-
stelle bis zum Sitz der Stiftung grundsätzlich in die fragliche Bemes-
sungsgrundlage einzubeziehen. Weil die Stiftung diesen Transport jedoch
mit eigenen Mitteln durchgeführt habe und die Spendenbriefe nicht unter-
nehmerischen Zwecken gedient hätten, werde ausnahmsweise darauf
verzichtet.
D.
Dagegen erhob die Stiftung (nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit Ein-
gabe vom 2. April 2013 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie
beantragt sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Beschwerde-
entscheids.
Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, bezüglich aller 25
Sendungen sei die jeweilige Poststelle, bei der sie die Spendenbriefe
aufgegeben habe, als einfuhrsteuerlicher Bestimmungsort zu betrachten.
Die Portokosten für den Versand der Briefe von der Poststelle an die ein-
zelnen Adressaten fielen daher in keiner der beiden von der Vorinstanz
unterschiedenen Konstellationen in die Bemessungsgrundlage der Ein-
fuhrsteuer. Die fragliche Unterscheidung sei ohnehin auch deshalb unnö-
tig, weil mit der Frankierung der Spendenbriefe die Mehrwertsteuer in
Form der Inlandsteuer bereits abgegolten sei. Auf dem entsprechenden
Porto nun nochmals die Mehrwertsteuer zu erheben, diesmal in Form der
Einfuhrsteuer, stelle eine rechtswidrige Doppelbelastung dar. Sollten die
fraglichen Portokosten wider Erwarten dennoch in die Bemessungsgrund-
lage fallen, sei zumindest – weil ein Massenversand vorliege – von
Fr. 0.53 bis Fr. 0.55 pro Brief auszugehen und nicht wie im angefochte-
nen Beschwerdeentscheid von pauschalen Fr. 0.85. Im Übrigen seien für
die Berechnung der Luftfrachtkosten nicht die "virtuellen Zahlen" in den
Luftfrachtbriefen massgebend, sondern die tatsächlichen Luftfrachtkosten
gemäss den entsprechenden Rechnungen des [ausländischen] Spedi-
teurs ("...", nachfolgend: Spediteur).
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E.
In ihrer Vernehmlassung vom 7. Juni 2013 beantragt die Vorinstanz, die
Beschwerde sei im Sinne der Erwägungen teilweise gutzuheissen und im
Übrigen kostenfällig abzuweisen. Der gemäss dem angefochtenen Be-
schwerdeentscheid an die Beschwerdeführerin zurück zu erstattende Be-
trag von Fr. 1'968.55 sei auf Fr. 2'059.40 zu erhöhen.
Zur Begründung ihres Antrags auf teilweise Gutheissung führt die Vorin-
stanz zusammenfassend das Folgende aus: Erstens sei der Beschwerde-
führerin grundsätzlich Recht zu geben, dass bei der Berechnung der Luft-
frachtkosten die tatsächlichen Kosten massgebend seien und die in den
Luftfrachtbriefen vermerkten Beträge oft nicht diesen effektiven Kosten
entsprächen. Indes habe die Beschwerdeführerin die tatsächlichen Kos-
ten lediglich – aber immerhin, was im angefochtenen Beschwerdeent-
scheid übersehen worden sei – bezüglich der Einfuhr vom 15. Juli 2010
belegt. Was die restlichen Sendungen anbelange, lägen ausser den ge-
nannten Luftfrachtbriefen keine anderen Anhaltspunkte für die jeweilige
Höhe der Luftfrachtkosten bei den Akten. Die "Bestätigung" der [ausländi-
schen] Partnerstiftung (datiert vom 20. September 2011), die Höhe der
Luftfrachtkosten ("Transport- und Frachtkosten") ergebe sich aus den
Rechnungen, die der [ausländische] Spediteur der Partnerstiftung für die
jeweiligen Lufttransporte habe zukommen lassen, könne nicht als be-
weiskräftig angesehen werden. Zweitens habe die Post zu Unrecht die In-
landsteuer auf dem Porto für den Briefversand fakturiert. Dieses sei viel-
mehr mit der Einfuhrsteuer zu belasten. Mithin habe insofern eine Korrek-
tur des angefochtenen Beschwerdeentscheids zu erfolgen, als die Porto-
kosten nur netto, d.h. gekürzt um die von der Post zu Unrecht fakturierte
Inlandsteuer, anzurechnen seien. Drittens hätten sowohl die Vorinstanz
im angefochtenen Beschwerdeentscheid als auch die Beschwerdeführe-
rin übersehen, dass die Einfuhr vom 24. Juni 2010 bereits rechtskräftig
veranlagt und der Beschwerdeführerin diesbezüglich bereits ein Steuer-
betrag von Fr. 90.60 zurückerstattet worden sei. Auch in dieser Bezie-
hung sei der angefochtene Beschwerdeentscheid zu korrigieren.
Zu den übrigen Vorbringen der Beschwerdeführerin lässt sich die Vorin-
stanz wie folgt vernehmen: Insoweit die Beschwerdeführerin verlange, für
das Inlandporto seien – wenn schon – nicht Fr. 0.85, sondern Fr. 0.53 bis
Fr. 0.55 in die Bemessungsgrundlage zu ziehen, verkenne sie, dass die
Inlandportokosten im angefochtenen Beschwerdeentscheid bereits ent-
sprechend den von ihr eingereichten Adressverzeichnissen und Belegen
der Post korrigiert worden seien. Im Weiteren seien die Spendenbriefe im
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Zeitpunkt der Entstehung der vorliegenden Einfuhrsteuerschuld(en) an
die (voradressierten) potentiellen Spender zu befördern gewesen. Aus
diesem Grund sei nicht die Poststelle, sondern der "Briefkasten" des je-
weiligen Adressaten als einfuhrsteuerlicher Bestimmungsort zu betrach-
ten. Im Übrigen gelte dies nach neuem Mehrwertsteuerrecht auch für jene
Fälle, in denen die Beschwerdeführerin die Briefe zuerst an ihren Sitz in
[...] verbracht und erst später der Poststelle zum Versand an die genann-
ten Adressaten zugeführt habe. Das Inlandporto falle demnach – entge-
gen den Ausführungen im angefochtenen Beschwerdeentscheid – grund-
sätzlich auch in dieser Konstellation in die Bemessungsgrundlage der
Einfuhrsteuer. Auf eine entsprechende Korrektur des angefochtenen Be-
schwerdeentscheids sei mit Blick auf den Grundsatz von Treu und Glau-
ben indessen zu verzichten. Schliesslich bleibe anzumerken, dass grund-
sätzlich auch die Selbstkosten der Beschwerdeführerin für die Beförde-
rung der Sendungen von der Zollstelle an ihren Sitz in [...] bei der Be-
messung der vorliegenden Einfuhrsteuer zu berücksichtigen seien. Da es
sich hierbei jedoch um eine "Eigenleistung einer nicht kommerziell tätigen
Importeurin" handle, werde ausnahmsweise darauf verzichtet, diese Kos-
ten – wie im Übrigen auch die Kosten der Zollabwicklung – in die Bemes-
sungsgrundlage zu ziehen.
F.
In der dem Bundesverwaltungsgericht unaufgefordert eingereichten Stel-
lungnahme (Replik) vom 12. Juli 2013 macht die Beschwerdeführerin
sinngemäss geltend, dass sie als Empfängerin der fraglichen Sendungen
zu betrachten sei und nicht die einzelnen Briefadressaten. Gegenstand
der vorliegenden Einfuhren seien nämlich nicht die einzelnen in den Kar-
tons befindlichen Spendenbriefe, sondern vielmehr die jeweilige Menge
solcher Briefe bzw. die Kartons mit den Briefen als Gesamtheit. Es seien
solche "Mengen Spendenbriefe", welche sie jeweils [im Ausland] einge-
kauft und sich in die Schweiz habe liefern lassen. Entsprechend habe der
[ausländische] Spediteur jeweils auch nur ihre Adresse gegenüber dem
Zoll als Empfängeradresse der fraglichen Kartons deklariert. Der Sitz der
Beschwerdeführerin sei daher als Bestimmungsort der strittigen Einfuhren
zu betrachten. Im Weiteren treffe es nicht zu, dass sie lediglich die Luft-
frachtrechnung des Spediteurs betreffend die Einfuhr vom 15. Juli 2010
ins Recht gelegt habe. Vielmehr seien auch die übrigen solchen Rech-
nungen der Vorinstanz eingereicht worden und folglich bei der Ermittlung
der (tatsächlichen) Luftfrachtkosten heranzuziehen. Schliesslich beantra-
ge sie, es sei ihr die "Eröffnung eines eigenen Kontos bei der Zollverwal-
tung für die Zinszahlungen durch monatliche Rechnungen" zu bewilligen.
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Seite 6
G.
Auf die Begründungen in den Eingaben der Parteien wird – soweit sie
entscheidwesentlich sind – in den nachfolgenden Erwägungen näher ein-
gegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Angefochten ist ein Beschwerdeentscheid einer Zollkreisdirektion
betreffend die Veranlagung von Einfuhrsteuern gemäss Art. 50 ff. des
Bundesgesetzes vom 12. Juni 2009 über die Mehrwertsteuer (MWSTG,
SR 641.20, in Kraft seit 1. Januar 2010). Nach Art. 50 MWSTG gilt für die
Steuer auf der Einfuhr von Gegenständen grundsätzlich die Zollgesetz-
gebung. Anwendbar ist damit vorliegend Art. 116 des Zollgesetzes vom
18. März 2005 (ZG, SR 631.0, in Kraft seit 1. Januar 2007; vgl. MARTIN
KOCHER/DIEGO CLAVADETSCHER, Zollgesetz [ZG], Bern 2009, N 8 zu
Art. 116 ZG). Nach Art. 116 Abs. 1 ZG kann gegen Verfügungen der Zoll-
stellen bei den Zollkreisdirektionen und gemäss Art. 116 Abs. 1 bis
ZG ge-
gen erstinstanzliche Verfügungen der Zollkreisdirektionen bei der Ober-
zolldirektion (OZD) Beschwerde geführt werden. E contrario sowie ge-
mäss Art. 31 in Verbindung mit Art. 33 Bst. d des Bundesgesetzes vom
17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32)
sind Beschwerdeentscheide der Zollkreisdirektionen nicht bei der OZD,
sondern direkt beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (statt vieler:
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-956/2013 vom 17. Juli 2013
E. 1.1). Das Bundesverwaltungsgericht ist demnach für die Beurteilung
der vorliegenden Beschwerde zuständig. Das Verfahren vor diesem Ge-
richt richtet sich nach den Vorschriften des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), so-
weit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG, Art. 2 Abs. 4
VwVG). Die Zollverwaltung wird im Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht durch die OZD vertreten (Art. 116 Abs. 2 ZG). Im Übrigen ist
die Beschwerdeführerin zur Erhebung der vorliegenden Beschwerde be-
rechtigt (Art. 48 Abs. 1 VwVG), hat diese frist- und formgerecht einge-
reicht (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) und den eingeforderten
Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet (vgl. Art. 21 Abs. 3 VwVG).
Auf die vorliegende Beschwerde ist somit – unter Vorbehalt der Ein-
schränkungen gemäss E. 1.2 sowie E. 3.3.1 – einzutreten.
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1.2 Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens kann nur sein, was be-
reits im vorinstanzlichen Verfahren strittig war. Rechtspositionen, über
welche die Vorinstanz nicht entschieden hat und über die sie nach richti-
ger Gesetzesauslegung auch nicht hätte entscheiden müssen, sind aus
Gründen der funktionellen Zuständigkeit durch die zweite Instanz nicht zu
beurteilen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_687/2007 vom 8. April
2008 E. 1.2.1, 2C_572/2007 vom 23. Januar 2008 E. 1.3, 2A.706/2006
vom 1. März 2007 E. 1.3). Das durch die Verfügung geregelte Rechtsver-
hältnis (sog. Anfechtungsobjekt) bildet insofern den Rahmen innerhalb
dessen sich der Streitgegenstand durch die Parteianträge definiert.
Die Beschwerdeführerin beantragt in ihrer Replik vom 12. Juli 2013, es
sei ihr "die Eröffnung eines Kontos bei der Zollverwaltung für die Zinszah-
lungen durch monatliche Rechnungen" zu bewilligen. Eine solche Bewilli-
gung bildete indes nicht Streitgegenstand des vorinstanzlichen Verfah-
rens und kann es daher auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht
sein. Auf die Beschwerde ist daher insoweit nicht einzutreten.
1.3 Die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht zeitigt bei Gut-
heissung grundsätzlich reformatorische Wirkung. Mit anderen Worten
entscheidet das Gericht diesfalls in der Regel selbst, statt die Sache zu
neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 61 Abs. 1
VwVG; ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessie-
ren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl., Basel 2013, N 3.191).
Das Gericht kann sich aber auch auf die Kassation der angefochtenen
Verfügung beschränken und die Angelegenheit an die Vorinstanz zurück-
weisen. Dies ist unumgänglich, wenn die Vorinstanz den Sachverhalt un-
richtig oder unvollständig abgeklärt hat, einen Nichteintretensentscheid
gefällt und folglich keine materielle Prüfung vorgenommen hat oder das
Vorliegen eines Tatbestandselements zu Unrecht verneint und die ande-
ren Elemente deshalb gar nicht geprüft hat (statt vieler: Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts A-6365/2012 vom 24. September 2013 E. 1.3;
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., N 3.195). Der Beschwerdeinstanz
wird dabei die Befugnis eingeräumt bzw. die Pflicht auferlegt, verbindliche
Weisungen an die Vorinstanz zu erteilen. Die Weisungen sind ins Disposi-
tiv – direkt oder mittels Verweis auf die Erwägungen ("im Sinne der Erwä-
gungen") – aufzunehmen, ansonsten sie nicht verbindlich sind (vgl.
BGE 120 V 233 E. 1a).
1.4 Eine Verfügung (bzw. ein Entscheid) wird formell rechtskräftig, wenn
sie endgültig ist, wenn die Frist für die Einlegung eines ordentlichen
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Seite 8
Rechtsmittels unbenutzt abgelaufen ist, wenn die Parteien rechtsgültig
darauf verzichtet haben, ein solches einzulegen, oder wenn sie das
Rechtsmittel zurückgezogen haben. Materielle Rechtskraft bedeutet, dass
ein Entscheid nicht erneut zum Gegenstand eines Justizverfahrens ge-
macht werden kann, ausser er werde zuvor durch das ausserordentliche
Rechtsmittel der Revision (Art. 66 VwVG, Art. 45 VGG in Verbindung mit
Art. 121–128 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundes-
gericht [BGG, SR 173.110]) umgestossen. Eine Revision von Amtes we-
gen – und damit unter Umständen zum Nachteil der steuerpflichtigen
Person – ist nur denkbar, wenn das Anfechtungsobjekt von einem
Verbrechen oder Vergehen beeinflusst war (Art. 66 Abs. 1 VwVG, Art. 45
VGG in Verbindung mit Art. 123 Abs. 1 BGG).
1.5 Für die Beweislast gilt auch im Bereich des öffentlichen Rechts Art. 8
des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB,
SR 210) als allgemeiner Rechtsgrundsatz (vgl. PATRICK L. KRAUS-
KOPF/KATRIN EMMENEGGER, in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissen-
berger [Hrsg.], VwVG, Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren, Zürich/Basel/Genf 2009, N 6 zu Art. 12). Demnach
hat jene Partei das Vorhandensein einer Tatsache zu beweisen, die aus
ihr Rechte ableitet (BGE 133 V 216 E. 5.5). Im Steuerrecht gilt der allge-
mein anerkannte Grundsatz, wonach die Steuerbehörde die Beweislast
für die steuerbegründenden und -erhöhenden Tatsachen trägt, während
die steuerpflichtige Person für die steueraufhebenden und -mindernden
Tatsachen beweisbelastet ist (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts
2C_232/2012 vom 23. Juli 2012 E. 3.5, veröffentlicht in: Archiv für
Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 81 S. 422; Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts A-4206/2012 vom 13. März 2013 E. 2.2.1 mit Hinweisen).
2.
2.1 Der Mehrwertsteuer unterliegen die im Inland von steuerpflichtigen
Personen gegen Entgelt erbrachten Leistungen, sofern das MWSTG kei-
ne Ausnahme vorsieht (Inlandsteuer, Art. 18 Abs. 1 MWSTG).
2.1.1 Mehrwertsteuerpflichtig ist, wer unabhängig von Rechtsform, Zweck
und Gewinnabsicht ein Unternehmen betreibt und nicht von der Steuer-
pflicht befreit ist (Art. 10 Abs. 1 MWSTG). Ein Unternehmen betreibt, wer
eine auf die nachhaltige Erzielung von Einnahmen aus Leistungen ausge-
richtete berufliche oder gewerbliche Tätigkeit selbständig ausübt und un-
ter eigenem Namen nach aussen auftritt (Art. 10 Abs. 1 Bst. a und b
MWSTG).
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Seite 9
2.1.2 Beim Begriff der mehrwertsteuerlichen Selbständigkeit handelt es
sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff. Ein wichtiges Indiz für die
selbständige Ausübung einer Tätigkeit ist nach der Rechtsprechung das
Handeln und Auftreten in eigenem Namen gegenüber Dritten (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 2C_399/2011 vom 13. April 2012 E. 2.4.2; Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts A-6437/2012 vom 6. November 2013 E. 2.2.1
mit Hinweisen). Die Frage, ob ein Unternehmer in eigenem Namen nach
aussen auftritt oder nicht, ist nicht nur für den Tatbestand der Selbstän-
digkeit massgeblich und nach neuem Recht ohnehin ausdrückliches Er-
fordernis für die subjektive Steuerpflicht (vgl. Art. 10 Abs. 1 Bst. b
MWSTG). Das Auftreten in eigenem Namen im Aussenverhältnis ist auch
für die Zurechnung der einzelnen Umsätze bzw. die Bestimmung des
mehrwertsteuerlichen Leistungserbringers entscheidend (vgl. Art. 20
Abs. 1 MWSTG sowie REGINE SCHLUCKEBIER, in: Felix Geiger/Regine
Schluckebier [Hrsg.], MWSTG Kommentar, Zürich 2012, N 17 ff. zu
Art. 10 MWSTG). Das Handeln wird grundsätzlich demjenigen mehrwert-
steuerlich zugerechnet, der nach aussen, gegenüber Dritten in eigenem
Namen auftritt (vgl. statt vieler: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts
A-6437/2012 vom 6. November 2013 E. 2.2.1, A-6198/2012 vom 3. Sep-
tember 2013 E. 2.2.4, je mit Hinweisen).
2.2 Die Inlandsteuer wird im Gesamtsystem der Mehrwertsteuer durch die
Steuer auf der Einfuhr von Gegenständen ergänzt (Einfuhrsteuer,
Art. 50 ff. MWSTG). Ohne diese würden die aus dem Ausland eingeführ-
ten Gegenstände gegenüber den inländischen Erzeugnissen "bevorteilt"
(so Urteil des Bundesgerichts 2C_510/2007 vom 15. April 2008 E. 2.1).
Für die Einfuhrsteuer gilt die Zollgesetzgebung, soweit die Bestimmungen
des MWSTG nichts anderes anordnen (Art. 50 MWSTG).
2.2.1 Einfuhrsteuerpflichtig ist, wer nach Art. 70 Abs. 2 und 3 ZG Zoll-
schuldner oder Zollschuldnerin ist (vgl. Art. 51 Abs. 1 MWSTG). Dazu ge-
hören vorab Personen, welche die Waren über die Zollgrenze bringen
oder bringen lassen (Art. 70 Abs. 2 Bst. a ZG), also die eigentlichen Wa-
renführenden (statt vieler: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-3637/2010 vom 6. Juli 2011 E. 2.4).
2.2.2 Steuerobjekt der Einfuhrsteuer ist die Einfuhr von Gegenständen,
einschliesslich der darin enthaltenen Dienstleistungen und Rechte
(Art. 52 Abs. 1 Bst. a MWSTG). Unter den Begriff der Einfuhr fällt grund-
sätzlich jedes Verbringen von Gegenständen ins Zollgebiet (vgl. noch
zum Bundesgesetz vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer
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[aMWSTG, AS 2000 1300]: Urteil des Bundesgerichts 2A.372/2006 vom
21. Januar 2008 E. 2). Für das Auslösen der Steuer genügt es, dass der
Gegenstand über die Zollgrenze verbracht wird. Ein (entgeltliches) Um-
satzgeschäft ist nicht erforderlich (für die insoweit gleiche Regelung unter
Art. 73 aMWSTG: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-845/2011
vom 7. Februar 2012 E. 2.2.1, A-826/2011 vom 7. Februar 2012 E. 2.2.1,
A-8136/2010 vom 1. November 2011 E. 3.1; DANIEL RIEDO, Vom Wesen
der Mehrwertsteuer als allgemeine Verbrauchsteuer und von den ent-
sprechenden Wirkungen auf das schweizerische Recht, Bern 1999, S. 4).
2.2.3 Die Steuer auf der Einfuhr von Gegenständen nach Art. 25 Abs. 2
Bst. a MWSTG beträgt 2,5 %, in den übrigen Fällen 8 % (Art. 55
MWSTG). Sie wird nach Art. 54 Abs. 1 Bst. a MWSTG auf dem Entgelt
berechnet, wenn die Gegenstände in Erfüllung eines Veräusserungs-
oder Kommissionsgeschäfts eingeführt werden oder in den unter Bst. b
bis f der nämlichen Bestimmung aufgeführten Fällen. Im Übrigen wird die
Steuer auf dem Marktwert berechnet (Art. 54 Abs. 1 Bst. g MWSTG). In
die Bemessungsgrundlage sind nach Art. 54 Abs. 3 MWSTG einzubezie-
hen, soweit nicht bereits darin enthalten, (Bst. a) die ausserhalb des In-
lands sowie aufgrund der Einfuhr geschuldeten Steuern, Zölle und sons-
tigen Abgaben, mit Ausnahme der zu erhebenden Mehrwertsteuer, sowie
(Bst. b) die Kosten für das Befördern oder Versenden und alle damit zu-
sammenhängenden Leistungen bis zum Bestimmungsort im Inland, an
den die (eingeführten) Gegenstände zum Zeitpunkt der Entstehung der
Einfuhrsteuerschuld nach Art. 56 MWSTG zu befördern sind.
2.2.4 Die Einfuhrsteuerschuld entsteht zur gleichen Zeit wie die Zoll-
schuld (Art. 56 Abs. 1 MWSTG). Die Zollschuld entsteht, sofern die Zoll-
anmeldung nicht unterlassen worden ist, im Zeitpunkt, in dem die Zollstel-
le die Zollanmeldung annimmt (Art. 69 Bst. a ZG) oder – falls die Zollstel-
le die Zollanmeldung vor dem Verbringen der Waren angenommen hat –
im Zeitpunkt, in dem die Waren über die Zollgrenze verbracht werden
(Art. 69 Bst. b ZG).
3.
Im vorliegenden Fall ist zwischen den Parteien grundsätzlich unbestritten,
dass die fraglichen Sendungen mit den voradressierten Spendenbriefen
der Einfuhrsteuer unterliegen (E. 2.2.2) und die Beschwerdeführerin dafür
einfuhrsteuerpflichtig ist (E. 2.2.1). Ebenso wenig liegt im Streit, dass die
Beschwerdeführerin die betreffenden Sendungen bei ihrer Partnerstiftung
[im Ausland] eingekauft hat und daher aus einfuhrsteuerlicher Sicht ein
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Seite 11
Veräusserungsgeschäft vorliegt, bei dem die Steuer auf dem Entgelt be-
rechnet wird (E. 2.2.3). Das Bundesverwaltungsgericht sieht aufgrund der
vorliegenden Akten keinen Anlass, in die entsprechenden unbestrittenen
Tatsachendarstellungen und rechtlichen Würdigungen von Amtes wegen
korrigierend eingreifen zu müssen.
Strittig ist, ob die Portokosten der Post für den Inlandversand der Spen-
denbriefe an die einzelnen Adressaten im Rahmen der Bemessung der
Einfuhrsteuer zu berücksichtigen sind (dazu E. 3.1 nachfolgend) sowie,
ob die Vorinstanz die Höhe der Luftfrachtkosten der jeweiligen Sendun-
gen bundesrechtskonform ermittelt hat (dazu E. 3.2 nachfolgend).
Schliesslich bleibt auf die Frage einzugehen, ob über die Einfuhr vom
24. Juni 2010 bereits rechtskräftig entschieden worden ist (dazu E. 3.3
nachfolgend).
3.1 Die Frage, ob die genannten Portokosten bei der Bemessung der Ein-
fuhrsteuer zu berücksichtigen sind, ist aus den nachstehenden Gründen
bereits auf der Ebene des Steuerobjekts der Einfuhrsteuer zu verneinen
(E. 3.1.1). Nichts anderes ergibt sich, nimmt man die Bemessungsgrund-
lage der Einfuhrsteuer in den Blick (E. 3.1.2).
3.1.1 Objekt der Einfuhrsteuer ist die "Einfuhr von Gegenständen", d.h.
die grenzüberschreitende Warenbewegung bzw. das Verbringen von Ge-
genständen ins schweizerische Zollgebiet (E. 2.2.2). Diesbezüglich
scheint zwischen den Parteien zum einen Unklarheit darüber zu herr-
schen, worin die "Gegenstände", die in das schweizerische Zollgebiet
verbracht wurden (E. 3.1.1.1), vorliegend genau bestehen, und zum an-
deren, ob der Versand der Spendenbriefe in der Schweiz ebenfalls in den
objektiven Geltungsbereich der Einfuhrsteuer fällt (E. 3.1.1.2).
3.1.1.1 Die Vorinstanz macht (implizit) geltend, Gegenstand der vorlie-
genden Einfuhren seien die einzelnen, in den Kartons befindlichen und an
schweizerische Empfänger voradressierten, Spendenbriefe. Demgegen-
über hält die Beschwerdeführerin dafür, Gegenstand der vorliegenden
Einfuhren bildeten die Kartons mit den (voradressierten) Briefen als Ge-
samtheit.
Der Ansicht der Beschwerdeführerin ist zu folgen. Nach der (hier mass-
geblichen) wirtschaftlichen und tatsächlichen Betrachtungsweise sind vor-
liegend in der Tat nicht Einfuhren einzelner Spendenbriefe an einzelne
Adressaten in der Schweiz erfolgt, sondern vielmehr grenzüberschreiten-
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Seite 12
de Lieferungen von Kartons an die Beschwerdeführerin beinhaltend eine
bestimmte Menge solcher Briefe. Dem entspricht aus zivilrechtlicher
Sicht, dass die Beschwerdeführerin nach den vorliegenden Akten jeweils
solche "Mengen voradressierter Spendenbriefe" bei ihrer Partnerstiftung
[im Ausland] bestellt bzw. eingekauft hat. Somit bilden "Kartons mit (vor-
adressierten) Spendenbriefen" den Gegenstand der vorliegenden Einfuh-
ren.
3.1.1.2 Diesen Gegenstand bzw. solche Kartons liess die Beschwerde-
führerin – sozusagen in einer ersten Phase – [vom Ausland] in die
Schweiz einführen. Dieser Vorgang stellt eine grenzüberschreitende Wa-
renbewegung dar und unterliegt damit der Einfuhrsteuer (E. 2.2.2). In ei-
ner zweiten Phase hat die Beschwerdeführerin die Kartons im Inland –
nach ihren unbestrittenen Aussagen direkt bei der Zollstelle – in Empfang
genommen und die darin befindlichen Briefe sodann der Post zum Ver-
sand an die jeweiligen Voradressaten übergeben oder aber die Kartons
zunächst (in unverändertem Zustand) an ihre Adresse in [...] befördert
und die Briefe erst zu einem späteren Zeitpunkt bei der Post zum Ver-
sand aufgegeben. In einer dritten Phase wurden die einzelnen Briefe
schliesslich durch die Post den jeweiligen Voradressaten zugestellt.
Diese dritte Phase bzw. die fraglichen Portokosten des Inlandversands
der Spendenbriefe durch die Post sind nach der (hier wie erwähnt mass-
geblichen) wirtschaftlichen und tatsächlichen Betrachtungsweise steuer-
lich wie folgt zu beurteilen: In wirtschaftlicher Hinsicht lässt sich aus den
vorliegenden Akten schliessen, dass die betreffenden Kartons der Be-
schwerdeführerin an der Zollstelle jeweils so überlassen bzw. so von ihr
in Empfang genommen wurden, dass die wirtschaftliche Verfügungs-
macht darüber vollständig auf sie überging. Mit anderen Worten konnte
sie ab Beginn der genannten "zweiten Phase" wirtschaftlich betrachtet frei
über den Gegenstand der Einfuhr verfügen und die Kartons mit den
Spendenbriefen etwa behalten, bearbeiten, verändern, veräussern oder
gar vernichten usw. In tatsächlicher Hinsicht zeigt sich diese freie wirt-
schaftliche Verfügungsmacht der Beschwerdeführerin über die eingeführ-
ten Gegenstände darin, dass sie die Kartons (sei es an ihrer Adresse in
[...] oder direkt nach der Entgegennahme an der Zollstelle) öffnete, die
Briefe herausnahm, sortierte und zur nächsten Poststelle beförderte, um
sie frankieren und an die einzelnen Voradressaten zustellen zu lassen
(oder diese Handlungen der Post in Auftrag gab, was an der vorliegenden
Beurteilung nichts ändert). Sie hat damit im inlandsteuerlichen Sinn "in
eigenem Namen" und eben mit freier wirtschaftlicher Verfügungsmacht
A-1716/2013
Seite 13
("wie eine Eigentümerin") über den Gegenstand der Einfuhr verfügt (vgl.
E. 2.1.2). Hinzu kommt und wesentlich ist, dass die Beschwerdeführerin
den Gegenstand der Einfuhr durch das Öffnen der Kartons, die Aufteilung
in Einzelbriefe und die Frankierung der Briefe verändert (zweite Phase)
sowie mit der Übergabe an die Post auf eine nächste Wirtschaftsstufe
(dritte Phase) befördert und damit die wirtschaftliche Verfügungsmacht
auf einen Dritten übertragen hat.
Insgesamt wird deutlich, dass die Einfuhr der Kartons mit den Briefen in
die Schweiz (erste Phase) und der Versand der einzelnen Briefe durch
die Post in der Schweiz (dritte Phase) nach der (massgeblichen) wirt-
schaftlichen und tatsächlichen Betrachtungsweise separate Vorgänge
darstellen, die somit auch mehrwertsteuerlich getrennt zu beurteilen sind.
Adressatin bzw. zollrechtliche Empfängerin des grenzüberschreitenden
Gegenstandes war jeweils die Beschwerdeführerin; damit ist sie – wie
das vorliegende Verfahren zeigt – gleichzeitig auch einfuhrsteuerpflichtig
(E. 2.2.1). Nur durch Veränderung des Gegenstandes (mindestens das
Öffnen der Kartons) konnte der Inhalt (die Spendenbriefe) überhaupt erst
zu den Voradressaten gelangen. Es ist also nicht so, dass der Beschwer-
deführerin die Kartons im Rahmen einer einheitlichen grenzüberschrei-
tenden Warenbewegung lediglich zur unveränderten Weiterleitung über-
geben worden wären. Jedenfalls wurden mit der Aufgabe der Briefe bei
der Post durch die Beschwerdeführerin in eigenem Namen (zweite Pha-
se) und dem damit verbundenen Wechsel der Wirtschaftsstufe (dritte
Phase) inlandsteuerliche Massstäbe anwendbar. Der fragliche Briefver-
sand durch die Post (dritte Phase) fällt daher – anders als das Verbringen
der Kartons mit den Briefen in die Schweiz (erste Phase) – nicht in den
objektiven Geltungsbereich der Einfuhrsteuer, sondern ist unter inland-
steuerlichen Gesichtspunkten zu beurteilen. Dies hat zur Folge, dass die
Portokosten der Post bei der Berechnung der Einfuhrsteuer vorliegend
nicht zu berücksichtigen sind.
3.1.2 Zu demselben Ergebnis gelangt man auf der Ebene der Bemes-
sungsgrundlage der Einfuhrsteuer:
Gemäss Art. 54 Abs. 3 Bst. b MWSTG sind die Kosten für das Befördern
oder Versenden der eingeführten Gegenstände bis zum Bestimmungsort
im Inland in die Bemessungsgrundlage der Einfuhrsteuer einzubeziehen.
Als einfuhrsteuerlicher Bestimmungsort gilt dabei der Ort, an den die ein-
geführten Gegenstände zum Zeitpunkt der Entstehung der Einfuhrsteuer-
schuld zu befördern sind (E. 2.2.3).
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Seite 14
3.1.2.1 Die Adressen auf den Spendenbriefen können schon deshalb
nicht als Bestimmungsort bzw. Bestimmungsorte der vorliegenden Einfuh-
ren gelten, weil die einzelnen Briefe als solche – wie gesehen (E. 3.1.1.1)
– überhaupt nicht den massgeblichen Gegenstand der vorliegenden Ein-
fuhren bilden.
Was hingegen den Bestimmungsort der eingeführten "Briefmengen" bzw.
Kartons betrifft, so ist auf den betreffenden Einfuhrdeklarationen unter der
Rubrik "Empfänger" in allen Fällen die Adresse der Beschwerdeführerin
("...") eingetragen. Es ist entsprechend davon auszugehen, dass die ein-
geführten Gegenstände zum Zeitpunkt der Entstehung der Einfuhrsteuer-
schuld an diese Adresse zu befördern waren (E. 2.2.3). Dies gilt umso
mehr, als in den vorliegenden Akten keine Anhaltspunkte ersichtlich sind,
die auf einen von dieser Angabe abweichenden Bestimmungsort hindeu-
ten würden. Insbesondere bringt die Beschwerdeführerin weder vor noch
lässt sich aus den Akten schliessen, dass (bereits) im Zeitpunkt der Ent-
stehung der Einfuhrsteuerschuld – entgegen der in den Deklarationen
eingetragenen Empfängeradresse – die Zollstelle als Übergabeort bzw.
Bestimmungsort der Sendungen vereinbart gewesen wäre. Folglich hat
die genannte Adresse der Beschwerdeführerin als massgeblicher Be-
stimmungsort der vorliegenden Einfuhren (also der eingeführten Kartons
mit den Spendenbriefen) zu gelten.
3.1.2.2 Unter diesen Umständen bzw. bei einem solchen Bestimmungsort
kann der Versand der Briefe an die Adressen der potentiellen Spender
nicht im Sinne des eingangs erwähnten Art. 54 Abs. 3 Bst. b MWSTG als
"Versenden [...] bis zum Bestimmungsort" aufgefasst werden. Die ent-
sprechenden Portokosten sind (auch) aus diesem Grund nicht in die Be-
messungsgrundlage der Einfuhrsteuer zu ziehen. Freilich stellt der In-
landversand der Briefe auch und bereits kein "Versenden der eingeführ-
ten Gegenstände" im Sinne der vorgenannten Bestimmung dar, weil vor-
liegend – wie bereits mehrfach erwähnt – Kartons mit Spendenbriefen an
die Beschwerdeführerin und nicht einzelne Spendenbriefe an einzelne
Adressaten eingeführt worden sind (vgl. E. 3.1.1.1). Nicht zuletzt liegt be-
züglich dem fraglichen Briefversand ohnehin kein einfuhrsteuerbarer Tat-
bestand vor (vgl. E. 3.1.1.2).
Die "eingeführten Gegenstände" gemäss Art. 54 Abs. 3 Bst. b MWSTG
sind vorliegend in jenen Fällen betroffen, in denen die Beschwerdeführe-
rin die Kartons mit den Briefen zuerst von der Zollstelle (Übergabe- bzw.
Empfangsort) an ihre Adresse in [...] (Bestimmungsort) transportiert und
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Seite 15
erst danach die einzelnen Briefe bei der Post zum Versand aufgegeben
hat. Die Vorinstanz hält dafür, dass die Kosten für diesen Transport
"grundsätzlich" in die Bemessungsgrundlage der (vorliegenden) Einfuhr-
steuer einzubeziehen seien. Da es sich jedoch um eine "Eigenleistung ei-
ner nicht kommerziell tätigen Importeurin" handle, werde ausnahmsweise
darauf verzichtet.
Richtig ist, dass die Kosten für das Befördern der eingeführten Gegen-
stände bis zum Bestimmungsort im Inland – und damit grundsätzlich auch
die fraglichen "Selbstkosten" – in die Bemessungsgrundlage einzubezie-
hen sind (E. 2.2.3). Insoweit die Vorinstanz jedoch "ausnahmsweise" dar-
auf "verzichtet", diese Kosten – wie im Übrigen auch die Kosten der Zoll-
abwicklung – in die Bemessungsgrundlage zu ziehen, muss es sich of-
fensichtlich um vernachlässigbare Beträge handeln. Das Bundesverwal-
tungsgericht sieht jedenfalls keinen Anlass, diesbezüglich korrigierend
eingreifen zu müssen.
3.2 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, es treffe nicht zu, dass sie –
wie die Vorinstanz in der Vernehmlassung geltend mache – die tatsächli-
chen Luftfrachtkosten lediglich bezüglich der Einfuhr vom 15. Juli 2010
belegt habe. Vielmehr habe sie der Vorinstanz die entsprechenden Rech-
nungen des Spediteurs auch für sämtliche übrigen Sendungen einge-
reicht.
3.2.1 Nach der allgemeinen Beweislastregel ist die Beschwerdeführerin
für diese Behauptung beweisbelastet (E. 1.5). Festzuhalten ist, dass das
Bundesverwaltungsgericht die Vorinstanz mit Zwischenverfügung vom
15. April 2013 aufforderte, die den angefochtenen Beschwerdeentscheid
betreffenden vollständigen Akten einzureichen und die Vorinstanz dieser
Aufforderung am 7. Juni 2013 nachkam. Dass sie dem Bundesverwal-
tungsgericht dabei unvollständige Akten eingereicht hätte, ist nicht er-
sichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht substantiiert
dargetan. Im Übrigen wäre es der Beschwerdeführerin frei gestanden, die
behaupteten Rechnungen vor Bundesverwaltungsgericht einzureichen,
was sie indes nicht getan hat.
Die vorliegende Aktenlage zeichnet das folgende Bild: Zunächst ist mit
der Vorinstanz einherzugehen, dass die tatsächlichen Luftfrachtkosten
der Einfuhr vom 15. Juli 2010 mit der diesbezüglichen Rechnung des
Spediteurs vom 9. Juli 2010 (Vorakten C1) in rechtsgenügendem Aus-
mass belegt sind. Betreffend die anlässlich der übrigen Einfuhren angefal-
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lenen Luftfrachtkosten finden sich hingegen keine solchen Rechnungen
oder sonstigen Belege bei den Akten. Lediglich die jeweiligen Luftfracht-
briefe vermögen einen ungefähren Aufschluss zu geben. Insbesondere
weisen auch die der Beschwerdeführerin von der [ausländischen] Part-
nerstiftung für die Lieferungen der Spendenbriefe ausgestellten Rech-
nungen die Luftfrachtkosten nicht aus. Zudem lässt sich nicht ohne Weite-
res annehmen, dass diese Kosten, geschweige denn die tatsächlichen
Luftfrachtkosten, im jeweils angegebenen Rechnungstotal enthalten sind.
Die Vorinstanz hat die betreffenden Rechnungen daher zu Recht nur im
Rahmen der Entgeltsermittlung berücksichtigt.
Nicht ersichtlich ist, was die Beschwerdeführerin aus der "Bestätigung"
der [ausländischen] Partnerstiftung, die Höhe der tatsächlichen Luft-
frachtkosten der vorliegenden Einfuhren ergebe sich aus den Rechnun-
gen, die der [ausländische] Spediteur der Partnerstiftung für die jeweili-
gen Lufttransporte habe zukommen lassen, zu ihren Gunsten ableiten
will. Diese Rechnungen liegen – wie erwähnt – bis auf eine Ausnahme
eben gerade nicht bei den Akten. Nicht zuletzt sind die Stellungnahmen
der [ausländischen] Stiftung ohnehin mit Zurückhaltung zu würdigen, da
es sich bei dieser offenbar um eine "Partnerstiftung" der Beschwerdefüh-
rerin handelt. Darüber hinaus kommt Dokumenten, die – wie die fragliche
"Bestätigung" vom 20. September 2011 – zeitlich erst im Nachhinein mit
Blick auf die zu beweisende Tatsache ausgestellt worden sind, nach der
Rechtsprechung von vornherein nur ein stark eingeschränkter Beweis-
wert zu (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-4918/2012 vom
2. Juli 2013 E. 3.2.3, A-1933/2012 vom 20. November 2012 E. 3.2.2.2,
A-6660/2011 vom 29. Mai 2012 E. 4.2.3, mit Hinweisen).
3.2.2 Im Ergebnis ist die Rechnung des Spediteurs vom 9. Juli 2010 bei
der Bemessung der Steuer auf der Einfuhr vom 15. Juli 2010 zu berück-
sichtigen und der angefochtene Beschwerdeentscheid entsprechend zu
korrigieren. Dass die Vorinstanz bei den übrigen Einfuhren zur Ermittlung
der Luftfrachtkosten auf die in den Luftfrachtbriefen aufgeführten Beträge
abgestellt hat, ist – mangels anderweitiger Anhaltspunkte in den Akten –
nicht zu beanstanden.
3.3 Schliesslich weist die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung darauf hin,
dass die Einfuhr vom 24. Juni 2010 bereits rechtskräftig veranlagt und
folglich im angefochtenen Beschwerdeentscheid zu Unrecht erneut beur-
teilt worden sei.
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3.3.1 Eine gegen die entsprechende Veranlagungsverfügung der Zollstel-
le Zürich-Flughafen vom 24. Juni 2010 erhobene Beschwerde hiess die
Zollkreisdirektion Schaffhausen mit Verfügung vom 10. Januar 2011 teil-
weise gut. Der Beschwerdeführerin wurde die Einfuhrsteuer im Betrag
von Fr. 90.60 zurückerstattet. Dieser Entscheid ist in der Tat in Rechts-
kraft erwachsen (s. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-980/2011
vom 23. Juni 2011). Ein Revisionsgrund ist weder ersichtlich noch wird
ein solcher überhaupt geltend gemacht. Die erneute einfuhrsteuerliche
Behandlung der Sendung vom 24. Juni 2010 im angefochtenen Be-
schwerdeentscheid erweist sich demnach als unzulässig (E. 1.4). Aus
dem gleichen Grund ist auf die von der Beschwerdeführerin beantragten
Korrekturen, insoweit sie die fragliche Einfuhr betreffen, nicht einzutreten.
3.3.2 Die Vorinstanz ist der Ansicht, diese unzulässige erneute Beurtei-
lung der Einfuhr vom 24. Juni 2010 im angefochtenen Beschwerdeent-
scheid auf die folgende Weise beheben zu können: Von den ursprünglich
von der Zollstelle für die fraglichen 25 Einfuhren insgesamt veranlagten
Fr. 5'433.55 schulde die Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der
in der Vernehmlassung beantragten Korrekturen noch Fr. 3'283.55. Vom
sich so ergebenden Differenzbetrag von Fr. 2'150.-- sei der bereits zu-
rückerstattete rechtskräftige Betrag von Fr. 90.60 abzuziehen, was einen
zurückzuerstattenden Gesamtbetrag von Fr. 2'059.40 ergebe.
Dieses Vorgehen führt rechnerisch indes nicht zu einem korrekten Ergeb-
nis und erweist sich auch unter formellen Gesichtspunkten als unzulässig.
Aus kalkulatorischer Sicht verkennt die Vorinstanz, dass die fragliche
Sendung in der rechtskräftigen Verfügung vom 10. Januar 2011 (Bemes-
sungsgrundlage Fr. 411.--, Steuer Fr. 31.25), im angefochtenen Be-
schwerdeentscheid (Bemessungsgrundlage Fr. 980.70, Steuer Fr. 74.50)
sowie in der Vernehmlassung vom 7. Juni 2013 (Bemessungsgrundlage
Fr. 945.50, Steuer Fr. 71.80) einfuhrsteuerlich je unterschiedlich behan-
delt wird. Durch den blossen Abzug des zurückerstatteten Betrages kann
daher kein rechnerisch korrektes Ergebnis herbeigeführt werden. Selbst
wenn die Sendung vom 24. Juni 2010 rechnerisch korrekt ausgeschieden
worden wäre, erwiese sich bereits die blosse erneute Ermittlung der
Steuer auf dieser Einfuhr in formeller Hinsicht als unzulässig. Für ein so-
wohl formell als auch inhaltlich-rechnerisch richtiges Ergebnis hat die
Sendung vom 24. Juni 2010 bei der Ermittlung der vorliegenden Einfuhr-
steuer komplett unberücksichtigt zu bleiben. Es gilt einzig, über die 24
Sendungen vom 15. Juli 2010 bis 16. Februar 2011 zu entscheiden.
A-1716/2013
Seite 18
3.4 Nach dem Ausgeführten ist die Beschwerde – soweit darauf einzutre-
ten ist – im Sinne der Erwägungen teilweise gutzuheissen. Der angefoch-
tene Beschwerdeentscheid ist im entsprechenden Umfang aufzuheben.
Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. Die Streitsache ist zur Neu-
berechnung der Einfuhrsteuer im Sinne der Erwägungen (E. 3.1 – E. 3.3)
an die Vorinstanz zurückzuweisen (E. 1.3).
4.
Abschliessend bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Partei-
entschädigung zu befinden:
4.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG sind die Verfahrenskosten in der Regel
der unterliegenden Partei aufzuerlegen, wobei sie bei nur teilweisem Un-
terliegen zu ermässigen sind. Obsiegen und Unterliegen im Prozess ist
grundsätzlich nach den Rechtsbegehren der Beschwerde führenden Par-
tei gemessen am Ergebnis der Anfechtung des vorinstanzlichen Ent-
scheids zu beurteilen (BGE 123 V 156 E. 3c, BGE 123 V 159 E. 4b). Die
Kosten des vorliegenden Verfahrens belaufen sich auf Fr. 800.--. Da die
Beschwerdeführerin teilweise als obsiegend gilt, sind ihr entsprechend
ermässigte Verfahrenskosten im Umfang von ermessenweise Fr. 400.--
aufzuerlegen. Sie werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss in der
Höhe von Fr. 800.-- verrechnet. Der Restbetrag von Fr. 400.-- ist der Be-
schwerdeführerin nach Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückzuer-
statten. Der Vorinstanz sind keine Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2
VwVG).
4.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr
erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG). Da der anwaltlich nicht vertretenen Beschwerde-
führerin keine verhältnismässig hohen Kosten entstanden sind, ist von
der Zusprechung einer Parteientschädigung abzusehen (vgl. Art. 64
Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 4 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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