Decision ID: d1553353-9ec4-47a4-b7a2-362bd05e552e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Täuschung der Behörden
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht, vom 27. August 2020 (GG200015)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 31. März
2020 (Urk. 17) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 41 S. 42 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte, A._, ist schuldig der Täuschung der Behörden im Sinne von Art. 118
Abs. 1 AIG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu Fr. 30.– (wovon
bis und mit heute 1 Tagessatz als durch Haft geleistet gelten) und einer Busse von Fr. 480.–
als Zusatzstrafe zu der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
29. September 2015 (Geschäfts-Nr. D-1/2015/10029180) ausgefällten Strafe.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 16 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'400.– Gebühr für das Vorverfahren.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die
Entscheidgebühr um einen Drittel.
6. Die Entscheidgebühr und die Gebühr für das Vorverfahren werden dem Beschuldigten auf-
erlegt.
7. Es wird vorgemerkt, dass Rechtsanwalt lic. iur. Y._ für seine Bemühungen als
amtlicher Verteidiger des Beschuldigten mit Verfügung der Oberstaatsanwaltschaft des
Kantons Zürich vom 5. Februar 2020 (act. 10/36) mit Fr. 3'115.20 (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) entschädigt wurde.
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Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse genommen; vorbehalten
bleibt eine Nachforderung beim Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
8. [Mitteilungen]
9. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 5)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 59)
1. Der Berufungskläger sei von Schuld und Strafe vollumfänglich freizuspre-
chen, soweit das Verfahren ohnehin nicht einzustellen ist.
2. Die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Verfahrens seien
ausgangsgemäss neu zu verlegen.
3. Der Berufungskläger sei in Anwendung von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO für die
Verteidigungskosten im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Verfahren im
Umfang von CHF 6'625.90 zu entschädigen.
4. Unter Kosten und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) gemäss dem Aus-
gang des Verfahrens.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 55; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte / Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Prozessverlauf bis zum erstinstanzlichen Urteil kann auf die Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 41 S. 3).
1.2. Gegen das eingangs wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Uster vom
27. August 2020 meldete der Beschuldigte noch am selben Tag rechtzeitig Beru-
fung an und erklärte mit Schreiben vom 2. März 2021 ebenfalls fristgerecht Beru-
fung (Urk. 34 und Urk. 40/1; Urk. 42). Die Staatsanwaltschaft beantragt mit Ein-
gabe vom 23. März 2021 die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 55).
Beweisanträge wurden keine gestellt.
1.3. Die Berufungsverhandlung fand am 19. August 2021 statt (Prot. II S. 5).
2. Umfang der Berufung
Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldspruch (Dispositiv-
ziffer 1), die Strafe, deren Vollzug und die Anordnung einer Ersatzfreiheitsstrafe
(Urteilsdispositiv-Ziffern 2, 3 und 4) sowie die Kostenregelung (Dispositiv-Ziffern 6
und 7 Absatz 2). Entsprechend sind die Dispositivziffern 5 und 7 Absatz 1 in
Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist (vgl. Prot. II
S. 6).
3. Verwertbarkeit des anonymen Schreibens vom 17. Januar 2019 (Datum Eingang bei der Staatsanwaltschaft)
3.1. Die Verteidigung macht vor Vorinstanz und auch im Berufungsverfahren
geltend, beim Verfasser des anonymen Schreibens vom 17. Januar 2019
(Urk. 5/3) handle es sich um einen Belastungszeugen. Die vorliegende Strafun-
tersuchung sei einzig und alleine aufgrund dieses Schreibens eingeleitet worden.
Der Beschuldigte hätte daher wenigstens einmal während des Verfahrens mit ihm
(dem Verfasser des Schreibens) konfrontiert werden müssen. Es greife keine
Ausnahme von diesem Grundsatz. Es seien unzählige Hinweise vorgelegen, auf-
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grund derer man hätte versuchen können und müssen, den Urheber des Schrei-
bens ausfindig zu machen. Man habe es aber offensichtlich nicht einmal versucht,
weshalb nicht von einer Konfrontation habe abgesehen werden können, weil der
Zeuge trotz angemessener Nachforschungen nicht mehr auffindbar gewesen sei.
Beim anonymen Schreiben handle es sich um das entscheidende Beweismittel.
Sämtliche behaupteten Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft würden darin grün-
den, weshalb auch die Ausnahme aus der Rechtsprechung des EGMR, wonach
ein streitiges Zeugnis von ausschlaggebender Bedeutung ohne Konfrontation mit
dem Belastungszeugen verwertbar sein könne, nicht zur Anwendung komme. Da
es nie zu einer Konfrontation gekommen sei, sei das Recht des Beschuldigten auf
Verteidigung, Waffengleichheit, Gewährung des rechtlichen Gehörs sowie letztlich
auf ein faires Verfahren verletzt (Verletzung von Art. 3 Abs. 2 lit. c, Art. 107 Abs. 1
und Art. 147 Abs. 1 StPO, Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 32 Abs. 2 BV, Art. 6 Ziff. 1 und
Ziff. 3 lit. b und d EMRK) (Urk. 34 S. 3 ff.; Urk. 59 S. 3 ff.).
In der Konsequenz sei das anonyme Schreiben absolut unverwertbar und müsse
aus den Akten entfernt werden (Urk. 34 S. 15; Urk. 59 S. 15). Infolge der Fern-
wirkung der Unverwertbarkeit nach Art. 141 Abs. 4 StPO erweise sich die Haft-
einvernahme des Beschuldigten vom 25. Juni 2019 sowie alle weiteren Belas-
tungserhebungen bzw. alle Erkenntnisse, auf denen die Anklage beruhe, als ab-
solut unverwertbar (Urk. 34 S. 15 ff.; Urk. 59 S. 15 ff.).
3.2. Die Vorinstanz hat sich schon sehr sorgfältig und ausführlich mit diesem
Einwand der Verteidigung auseinandergesetzt (Urk. 41 S. 9 ff.). Darauf kann vor-
weg verwiesen werden, um unnötige Wiederholungen zu vermeiden. Die nachfol-
genden Ausführungen sind als die vorinstanzlichen teilweise ergänzende und re-
kapitulierende zu verstehen.
3.3. Am 9. Januar 2019 ging beim Staatssekretariat für Migration (SEM) ein
anonymes, undatiertes Schreiben (Postaufgabe: 8. Januar 2019) ein (Urk. 5/3).
Diesem Schreiben lässt sich zusammengefasst entnehmen, dass die [zweite] Ehe
des Beschuldigten ein Scheinehe gewesen sei, um ihm das Bleiberecht in der
Schweiz zu sichern. Der Beschuldigte habe sich am 14. Dezember 2010 in der
Türkei mit B._ verlobt, sie am tt. Juli 2011 religiös geheiratet und sei zwi-
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schen 2011 und 2014 zwischen der Türkei und der Schweiz hin- und hergereist,
um seine "Ehefrau" in der Türkei zu sehen. Im Mai 2015 sei seine "Ehefrau" in der
Türkei schwanger geworden und habe am tt.mm.2015 den Sohn C._ gebo-
ren. Nach der Scheidung habe der Beschuldigte B._ in der Türkei gesetzlich
geheiratet und die Familienzusammenführung in der Schweiz beantragt. Diesem
Schreiben wurden zudem Fotos aus dem Instagram Profil "B'._" beigelegt,
welche den Beschuldigten mit B._ sowie deren Hochzeitseinladung zeigen
würden (Urk. 5/4).
Das SEM leitete dieses anonyme Schreiben in der Folge ans Migrationsamt des
Kantons Zürich und die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich zur Prüfung und
allfälligen Massnahmen weiter (Urk. 5/2).
3.4. Dem Schreiben des Migrationsamtes des Kantons Zürich vom 19. Sep-
tember 2019 lässt sich sodann entnehmen, dass bereits zu Beginn der Ehe-
schliessung des Beschuldigten mit D._ im 2008 seitens der Migrations-
behörden der Verdacht einer Scheinehe aufgrund von Indizien bestanden habe
(Urk. 6/2). Aufgrund der räumlichen Trennung der Eheleute im Juni 2012 und der
Prüfung eines Verlängerungsgesuch für die Aufenthaltsbewilligung des Beschul-
digten seien der Beschuldigte und D._ am 23. Juni 2014 erneut zum Ver-
dacht der Scheinehe polizeilich befragt worden (Urk. 5/26+27). Da sich der Ver-
dacht einer Scheinehe nicht erhärtet habe, habe der Beschuldigte am
1. September 2014 schliesslich gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG ein eigen-
ständiges, d.h. von D._ unabhängiges Aufenthaltsrecht erhalten. Das
Migrationsamt hielt im genannten Schreiben weiter fest, dass die Offenlegung ei-
ner Parallelbeziehung mit einer anderen Frau im Heimatland während der beste-
henden Ehe mit D._ und die spätere religiöse Heirat im Juli 2011 das ent-
scheidende Element gewesen wäre, um dem Beschuldigten das Aufenthaltsrecht
zu entziehen. Weitere Abklärungen wären nicht mehr notwendig gewesen, da die
Ehe bereits im 2008 und 2013/2014 überprüft worden sei. Selbst wenn man das
Vorliegen einer Scheinehe verneint hätte, wäre ab Juli 2011 – so das Migrations-
amt weiter – das Aufenthaltsrecht des Beschuldigten infolge Aufgabe der eheli-
chen Beziehung erloschen (Urk. 6/2 S. 2).
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3.5. Beim anonymen Schreiben vom 17. Januar 2019 handelt es sich mithin um
einen (weiteren) Hinweis aus der Bevölkerung für eine Scheinehe des Beschul-
digten mit D._. Gegen den Beschuldigten wurde bereits vor Kenntnisnahme
dieses Schreibens fremdenpolizeilich aufgrund des Verdachts einer Scheinehe
ermittelt. Entsprechend ist die Behauptung der Verteidigung unzutreffend, dass
sämtliche Beweiserhebungen und alle Erkenntnisse, auf denen sich die Anklage
stütze, einzig auf dem anonymen Schreiben beruhen würden.
3.6. Im Weiteren verkennt die Verteidigung, dass es sich beim Verfasser des
anonymen Schreibens nicht um einen Belastungszeugen im klassischen Sinn
handelt, sondern vielmehr um einen blossen Anzeigeerstatter im Sinne von
Art. 301 Abs. 1 StPO. Es ist zulässig, anonym eine Strafanzeige zu erheben bzw.
die (Strafverfolgungs-)Behörden über mutmasslich rechtswidrige Umstände in
Kenntnis zu setzen. Dabei müssen auch nicht irgendwelche Formvorschriften be-
achtet werden. Eine Anzeige kann auch einfach ein Tipp oder ein Hinweis sein,
wodurch ein polizeiliches Ermittlungsverfahren eingeleitet wird
(SCHMID/JOSITSCH, Handbuch Strafprozessrecht, N 1209 und 1216). Ansonsten
dürfte beispielsweise aufgrund eines anonymen Anrufs, dass eine Schlägerei
stattfinde, nicht wegen Körperverletzung ermittelt werden, sofern der anonyme
Anrufer nie ermittelt werden kann. Auf eine Identifizierung des Anzeigeerstatters
darf demnach dann verzichtet werden, wenn aufgrund seiner Darstellung zwar ei-
ne Strafuntersuchung ausgelöst wird, der Nachweis aber auf andere Weise er-
bracht werden kann und seinen Aussagen keine Beweisrelevanz zukommt. An-
dernfalls ist die anzeigeerstattende Person als Zeuge oder als Auskunftsperson
zu befragen (OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, 4. Aufl., Bern
2020, N 1764). Selbstredend stünde dem Beschuldigten im Fall einer Befragung
natürlich auch das Konfrontationsrecht zu.
3.7. Vorliegend bestand jedoch gerade keine Notwendigkeit, nach der Identität
des Anzeigeerstatters zu forschen und ihn oder sie als Auskunftsperson und Zeu-
gen zu befragen. Es bestand schon aufgrund von Indizien ein Verdacht auf eine
Scheinehe, der sich jedoch nicht weiter erhärtete. Aufgrund des anonymen
Schreibens wurden die polizeilichen Ermittlungen wieder aufgenommen und wei-
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tere Indizien bzw. Beweise für das mutmassliche Vorliegen einer Scheinehe ge-
funden. Wie noch zu zeigen sein wird, lässt sich gestützt darauf der Vorwurf der
Staatsanwaltschaft ohne Weiteres erstellen. Auf eine Identifizierung und Befra-
gung des Anzeigeerstatters als Auskunftsperson oder Zeugen konnte demnach
verzichtet werden.
3.8. Im Übrigen ist mit der Vorinstanz der Vollständigkeit halber festzuhalten,
dass grundsätzlich auch anonyme Hinweise und Denunziationen der freien Be-
weiswürdigung unterliegen, ihnen jedoch insofern ein beschränkter Beweiswert
zukommt, als dass die Motivlage und die Glaubwürdigkeit anonymer Hinweisge-
ber nicht überprüft werden kann (Urk. 41 S. 11).
3.9. Nach dem Gesagten ist der Einwand der Verteidigung unbegründet und
das anonyme Schreiben vom 17. Januar 2019 verwertbar.
4. Beweisantrag
4.1. Die Verteidigung stellte anlässlich der Berufungsverhandlung zusätzlich
den Beweisantrag, der Verfasser des anonymen Schreibens vom 17. Januar 2019
sei durch das Berufungsgericht als Belastungszeuge zu befragen und mit dem
Beschuldigten zu konfrontieren (Prot. I S. 7).
4.2. Wie oben ausgeführt, handelt es sich beim Verfasser des anonymen
Schreibens gerade um keinen Belastungszeugen, sondern um einen blossen
Anzeigeerstatter. Es besteht kein Anspruch auf Konfrontation. Der Beweisantrag
ist abzuweisen.
5. Formelles
Es ist an dieser Stelle zudem darauf hinzuweisen, dass sich die Berufungsinstanz
nicht mit jedem einzelnen Vorbringen der Parteien auseinandersetzen muss.
Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschrän-
ken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen
sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid stützt
(BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 mit Hinweisen).
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II. Schuldpunkt
1. Ausgangslage
1.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten in der Anklageschrift vom
31. März 2020 (Urk. 17) vor, im Rahmen der im Auftrag des Migrationsamtes des
Kantons Zürich wegen Verdachts auf Scheinehe durchgeführten polizeilichen Be-
fragung als Auskunftsperson vom 23. Juni 2014, gesagt zu haben, seit Juni 2012
nicht mehr mit seiner damaligen Schweizer Ehefrau D._ zusammen zu woh-
nen, weil diese im Kanton Bern eine Arbeit gefunden habe, wobei D._ jedoch
jedes Wochenende zu ihm komme. Der Beschuldigte habe weiter mutwillig wahr-
heitswidrig angegeben, dass die Wiederaufnahme einer ehelichen Wohngemein-
schaft vorgesehen sei und die eheliche Beziehung trotz des getrennten Wohnsit-
zes weiterhin bestehe.
Dies habe der Beschuldigte getan, obwohl er sich bereits am 14. Dezember 2010
in der Türkei mit B._ religiös verlobt und sie am tt. Juli 2011 religiös
geheiratet habe und bereits im Zeitpunkt der Einvernahme vom 23. Juni 2014 der
Wille zur Ehe mit D._ erloschen gewesen sowie eine Wiederaufnahme einer
ehelichen Wohngemeinschaft nicht mehr in Betracht gezogen worden sei.
Hätte der Beschuldigte wahrheitsgemäss Auskunft erteilt, so wäre seine Aufent-
haltsbewilligung durch die zuständige Ausländerbehörde widerrufen bzw. nicht
mehr verlängert worden.
1.2. Die Vorinstanz sah es mit Ausnahme einer religiösen Verlobung zusam-
mengefasst als erstellt an, dass der Beschuldigte B._ seit dem
14. Dezember 2010 gekannt und sie am tt. Juli 2011 religiös geheiratet habe
(Urk. 41 S. 13 ff.). Das Migrationsamt des Kantons Zürich habe mit Schreiben
vom 19. September 2019 bestätigt, dass die Aufenthaltsbewilligung des Beschul-
digten am 1. September 2014 nicht mehr verlängert worden wäre, wenn es
Kenntnis von der religiösen Heirat gehabt hätte (Urk. 41 S. 15 f.). Die Aussagen
des Beschuldigten anlässlich der Einvernahme vom 23. Juni 2014 betreffend die
Aufrechterhaltung der ehelichen Beziehung mit D._ nach deren Auszug am
11. Juni 2012 seien Schutzbehauptungen des Beschuldigten. Die beiden hätten
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nie mehr einen gemeinsamen Haushalt geführt und der Beschuldigte habe
B._ nach der religiösen Heirat am tt. November 2015 auch noch standesamt-
lich geheiratet und am tt.mm.2016 sei der gemeinsame Sohn zur Welt gekom-
men. Die beiden hätte er im Mai 2016 im Rahmen des Familiennachzugs in die
Schweiz gebracht. Es sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte die Ehe mit
D._ spätestens ab der religiösen Trauung mit B._ nur noch zum Schein
habe weiterführen wollen und sein tatsächlicher Wille zur Ehe mit D._ spä-
testens am 23. Juni 2014 erloschen gewesen sei. Das Motiv bestehe darin, dass
der Beschuldigte erst seit dem 1. September 2014 über ein von seiner Schweizer
Ehefrau unabhängiges Aufenthaltsrecht verfügt habe (Urk. 41 S. 17 ff., 26 f.).
1.3. Vorbringen der Verteidigung
Die Verteidigung machte vor Vorinstanz geltend, ein Täuschungswille des Be-
schuldigten lasse sich nicht erstellen. Eine weitere Beziehung neben der eheli-
chen Beziehung müsse nicht zwingend bedeuten, dass der Wille zur Ehe erlo-
schen sei. Der Beschuldigte sei Muslim aus einem Kulturkreis, in dem Polygamie
weder verpönt noch aussergewöhnlich geschweige denn strafbar sei. Es sei
demnach nicht ansatzweise erstellt, dass sein Wille zur Fortführung der ehelichen
Gemeinschaft im Zeitpunkt der Einvernahme vom 23. Juni 2014 erloschen gewe-
sen wäre. Es fehle daher am subjektiven Tatbestand von Art. 118 Abs. 1 AIG.
Weiter fehle es am objektiven Tatbestandselement der Verhinderung des Bewilli-
gungsentzugs. Der Beschuldigte habe anlässlich der Einvernahme im 2014 die
Voraussetzungen gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG zur Erteilung und Verlänge-
rung seiner Aufenthaltsbewilligung bereits erfüllt gehabt. Die eheliche Gemein-
schaft zwischen ihm und D._ habe im Zeitpunkt der religiösen Heirat im Ju-
li 2011 bzw. dem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung im Juni 2012 bereits
über drei Jahre bestanden (Urk. 34 S. 19 ff.).
2. Sachverhaltserstellung und Beweiswürdigung
2.1. Betreffend die allgemeinen theoretischen Grundsätze der Sachverhalts-
erstellung und Beweiswürdigung kann auf die zutreffenden Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 41 S. 5 ff.). Ebenso hat die Vorinstanz die zur
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Erstellung des Sachverhaltes sachdienlichen Beweismittel in ihrem Entscheid zu-
treffend wiedergegeben, worauf ebenfalls verwiesen werden kann (Urk. 41 S. 8
f.).
2.2. Die Vorinstanz hat eine sorgfältige, einlässliche und überzeugende Be-
weiswürdigung vorgenommen. Darauf kann grundsätzlich verwiesen werden
(Urk. 41 S. 13 ff.). Die nachfolgenden Ausführungen sind unter Berücksichtigung
der Vorbringen der Verteidigung als die vorinstanzlichen teilweise ergänzende
und rekapitulierende zu verstehen.
2.3. In den Untersuchungsakten findet sich ein Auszug aus dem Instagram-
Profil "B'._", wo der Beschuldigte und B._ zu sehen sind, mit den
Vermerken 14.12.2010 Emoji "Mann und Frau mit Herz", tt.07.2011 "Ring" und
tt.mm.2016 Emoji "Mann und Frau mit Baby und Fläschchen" (Urk. 5/40). Am
12. Juni 2015 liessen sich der Beschuldigte und D._ scheiden (Urk. 5/32)
und am tt. Juli 2015 heiratete der Beschuldigte B._ in der Türkei traditionell
(Urk. 5/36) und am tt. November 2015 standesamtlich (Urk. 5/39).
2.4. Unbestritten ist, dass die damalige Ehefrau des Beschuldigten D._
seit Juni 2012 nicht mehr in der gemeinsamen ehelichen Wohnung mit dem Be-
schuldigten lebte und nach E._ zog. Der Beschuldigte und D._ wurden
deshalb vom Migrationsamt des Kantons Zürich mit Schreiben vom 29. Mai 2013
bzw. 28. Juni 2013 aufgefordert diverse Fragen zum Bestand der Ehe zu beant-
worten (Urk. 5/28+31) D._ gab im Antwortschreiben vom 24. Juni 2013 Fol-
gendes an: Im Mai 2012 sei der Ehewille erloschen. Sie hätten sich nicht mehr
verstanden und ein Zusammenleben sei unmöglich geworden. Sie würden es
noch einmal versuchen mit der ehelichen Gemeinschaft, wobei sie kein genaues
Datum nennen könne. Sodann hielt sie fest, es bestünde trotz getrenntem Wohn-
sitz eine eheliche Beziehung. Sie hätten mehrmals in der Woche telefonisch Kon-
takt und würden sich so oft wie möglich im Monat persönlich sehen. Sie hätten ei-
ne schwierige Zeit gehabt und sich geeinigt für eine gewisse Zeit getrennt zu le-
ben. Sie denke nicht daran, sich scheiden zu lassen. Sie möchte der Ehe noch
eine Chance geben (Urk. 5/29). Ähnliches findet sich im Antwortschreiben des
Beschuldigten vom 12. Juli 2013 (Urk. 5/31), wonach sie eine schwere Zeit ge-
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habt hätten und sich geeinigt hätten, für eine gewisse Zeit getrennt zu leben. Im
Mai 2012 sei der Ehewille erloschen. Sie hätten trotz getrennten Wohnsitzes wei-
terhin eine eheliche Beziehung, hätten mehrmals in der Woche telefonischen
Kontakt und würden sich auch so oft wie möglich persönlich unter der Woche
bzw. im Monat sehen. Er wolle seiner Ehefrau noch eine Chance geben für die
eheliche Gemeinschaft, könne jedoch im Moment kein genaues Datum nennen.
Seine Ehefrau sei "sehr wertvoll" für ihn und sie würden sich bemühen, wieder
zusammen zu kommen. In der polizeilichen Befragung vom 23. Juni 2014 betref-
fend den Verdacht auf eine Scheinehe hielt der Beschuldigte sodann fest,
D._ komme am Wochenende immer zu ihm. Sie habe ihren Wohnsitz nur
gewechselt, weil sie in E._ Arbeit gefunden habe. Eine erneute Aufnahme
der ehelichen Wohngemeinschaft sei vorgesehen, aber momentan nicht möglich,
da er in Zürich als Taxifahrer arbeite und sie schon viele Kunden in E._ ha-
be. Die eheliche Beziehung bestünde weiterhin (Urk. 5/26 F/A 13 und 15 f.). Auf
Frage, ob er und seine Ehefrau sein Heimatland bzw. ihr Heimatland besuchen
würde, gab er an, er sei bis jetzt dreimal in der Türkei gewesen. Das sei 2010/11
und 2012 gewesen. Er gehe aber nicht so viel in die Türkei, weil er keinen Kontakt
mit seinen Eltern habe. Seine Frau gehe regelmässig in die Dominikanische Re-
publik. Sie fahre cirka alle sechs Monate da hin. Das letzte Mal sei sie Silvester
dort gewesen und jetzt fliege sie Ende Monat wieder hin (Urk. 5/26 F/A 39). Sie
würden ihre Heimatländer immer alleine besuchen. Er wolle nicht in die Domini-
kanische Republik wegen dem langen Flug und sie nicht in die Türkei, weil sie
Angst vor dem Terrorismus habe (Urk. 5/26 F/A 67). Sie seien nur einmal ge-
meinsam in den Ferien gewesen und zwar im Frühling 2010 im Tessin (Urk. 5/26
F/A 23). Gemeinsame Bekannte hätten sie keine (Urk. 5/26 F/A 66). Er unterhalte
auch intime Beziehungen zu D._ (Urk. 5/26 F/A). Sie hätten einen gemein-
samen Kinderwunsch und es auch schon versucht. Es habe aber nicht geklappt
(Urk. 5/26 F/A 63). D._ gab in ihrer Befragung vom 23. Juni 2014 demge-
genüber an, der Beschuldigte und sie wollten keine Kinder (Urk. 5/27 Ant-
wort 293 f.). Der Beschuldigte gehe zudem ab und zu in die Türkei. So zweimal
pro Jahr, wobei er jeweils zwei bis drei Wochen dort bleibe (Urk. 5/27 Ant-
wort 161 f.). Dass es zu ehelichen Problemen gekommen sei, wie noch im
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Schreiben vom 12. Juli 2013 erwähnt, was zur Aufhebung des ehelichen Zusam-
menlebens geführt habe, gab der Beschuldigte dagegen nicht mehr zu Protokoll.
Ebenso wenig teilte er den Behörden mit, dass er zwischenzeitlich (auch) mit
B._ eine Beziehung führte. Vielmehr vermittelte er den Behörden gegenüber
das Bild, dass er nur mit D._ eine eheliche Beziehung habe, obschon sie seit
Juni 2012 getrennte Wohnsitze hatten, wobei die räumliche Trennung nach ihren
Angaben im Juni bzw. Juli 2013 wegen Streitigkeiten erfolgte.
2.5. Die Vorinstanz hat in ihren Erwägungen zudem ausführlich aufgezeigt,
dass die Aussagen des Beschuldigten und von D._ nicht nur bezüglich eines
Kinderwunsches, sondern in weiteren Kernfragen wie das Kennenlernen, den Hei-
ratsantrag, den Ablauf der Heirat, die Besuche des Beschuldigten in der Türkei,
die Finanzen und Schulden usw. unterschiedlich ausfielen (vgl. Urk. 41 S. 20 f.).
2.6. Die Aussagen des Beschuldigten in der Hafteinvernahme vom
25. Juni 2019 sind im Weiteren voller Widersprüche. Zunächst gab der Beschul-
digte an, er habe D._ nie betrogen und sie hätten von der Heirat bis zur
Scheidung zusammengewohnt, obschon er kurz zuvor angegeben hatte, D._
sei per 6. Juni 2012 nach E._ gezogen, aber an den Wochenenden immer
nach Hause gekommen. Alsdann räumte der Beschuldigte ein, dass sein Sohn
C._ (geb. tt.mm.2016) während der Ehe mit D._ gezeugt wurde. Er ha-
be B._ Ende 2014 kennengelernt (Urk. 3/1 S. 9 f.). Auf Vorhalt des Aus-
drucks des Instagram-Profils von "B'._" vom 26. März 2019 stritt der Be-
schuldigte zunächst alles ab, gab dann aber schliesslich zu, B._ seit Ende
Dezember 2010 zu kennen und mit ihr seit tt. Juli 2011 religiös verheiratet zu sein.
D._ habe er aber auch sehr gemocht, er habe die Ehe weiterhin gewollt.
Nach dem Islam könne man auch mehrere Frauen haben. D._ habe keine
Kenntnis von der Beziehung zu B._ gehabt (Urk. 3/1 S. 13 f.).
2.7. Aufgrund des unmissverständliches Ausdrucks des Instagram-Profils von
"B'._" (Urk. 5/40) und der Zugabe des Beschuldigten ist mit der Vorinstanz
(Urk. 41 S. 15) erstellt, dass der Beschuldigte B._ seit dem
14. Dezember 2010 gekannt und sich mit ihr am tt. Juli 2011 religiös verheiratet
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hat und im Rahmen der Befragung vom 23. Juni 2014 betreffend den Verdacht
auf eine Scheinehe die Beziehung mit B._ unerwähnt liess.
2.8. Die Ausführungen der Verteidigung, wonach das Vorliegen einer Bezie-
hung mit B._ seit 18. Juli 2011 nicht geeignet für einen Bewilligungsentzug
gewesen sei, da die Ehe im Juni 2014 mehr als drei Jahre gedauert habe, gehen
an der Sache vorbei. Das Migrationsamt des Kantons Zürich teilte mit Schreiben
vom 19. September 2019 ausdrücklich mit, dass die Aufenthaltsbewilligung
widerrufen bzw. nicht mehr verlängert worden wäre, wenn der Beschuldigte an-
lässlich seiner Befragung vom 23. Juni 2014 betreffend den Verdacht einer
Scheinehe die religiöse Heirat mit B._ offen gelegt hätte (Urk. 6/2). Diese In-
formation wäre gemäss Migrationsamt das entscheidende Element gewesen, um
ihm die Aufenthaltsbewilligung zu entziehen, zumal das Element einer Parallelbe-
ziehung im Heimatland einem gängigen Muster entspreche. Das Migrationsamt
hielt zudem weiter fest, dass das Aufenthaltsrecht des Beschuldigten unabhängig
von der Frage einer Scheinehe mit D._ infolge Aufgabe der ehelichen Bezie-
hung ab Juli 2011 [religiöse Heirat mit B._] erloschen wäre. Daran ist das
Strafgericht gebunden, zumal es Sache der Migrationsbehörden ist über die Vo-
raussetzungen eines Widerrufs bzw. Entzugs einer Aufenthaltsbewilligung zu be-
finden. Im Übrigen scheint die Verteidigung des Beschuldigten das Instrument des
Widerrufs zu verkennen. Ein solcher kann eben gerade auch erfolgen, wenn die
Bewilligung aufgrund falscher Angaben erteilt wurde.
2.9. Zu prüfen bleibt, ob der Beschuldigte die Beziehung mit B._ seit En-
de 2010 und die religiöse Heirat mit ihr mutwillig verschwieg bzw. mit einem Täu-
schungswillen über den Fortbestand der Ehe mit D._ handelte. Das Vorlie-
gen einer Scheinehe oder einer nur aus ausländerrechtlichen Motiven aufrechter-
haltenen Ehe entzieht sich in der Regel einem direkten Beweis, weil es sich dabei
um innere Vorgänge handelt, die der Behörde nicht bekannt oder schwierig zu
beweisen sind. Sie sind daher oft nur durch Indizien zu erstellen (vgl. BGE 122 II
289 E. 2b; BGer, 15. August 2012, 2C_3/2012, E. 4.1).
2.10. Der Beschuldigte wusste, dass im Fall einer zu frühen Scheidung der Ehe
ein Entzug der Aufenthaltsbewilligung droht, da er schon einmal eine Ehe mit ei-
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ner Schweizerin führte (vgl. Urk. 5/10). So gab er in der Hafteinvernahme an, so-
viel er wisse, müsse man fünf Jahre verheiratet sein, damit die Bewilligung nicht
entzogen werde (Urk. 3/1 S. 16). Der Beschuldigte heiratete am tt. Juni 2008
D._ und erhielt am 22. Oktober 2008 die Aufenthaltsbewilligung. Am 11. Juni
2012 zog D._ aus der ehelichen Wohnung aus und beide gaben gegenüber
den Behörden an, der Ehewille sei im Mai 2012 erloschen, wobei man dennoch
mit einer Wiederaufnahme der ehelichen (Wohn-)Gemeinschaft in unbestimmter
Zeit rechne. Wie dargelegt, wichen die Aussagen des Beschuldigten und von
D._ in Kernthemen einer gelebten und tatsächlich bestehenden Ehe, nicht
zuletzt betreffend den Kinderwunsch, deutlich voneinander ab. Die Ferien ver-
brachten sie mit einer Ausnahme getrennt voneinander und gemeinsame Bekann-
te hatten sie auch keine. Bei der Hausdurchsuchung am Wohnort des Beschuldig-
ten konnten keinerlei Fotos, Dokumente, Gegenstände etc. gefunden werden,
welche Rückschlüsse auf eine sieben Jahre lang geführte Ehe mit D._ hin-
weisen würden (Urk. 2 S. 3). Stattdessen führte der Beschuldigte seit Ende 2010
eine Beziehung mit B._, welche er am tt. Juli 2011 religiös heiratete. Am
12. Juni 2015 folgte die Scheidung von D._ (Urk. 5/23) und rund einen Monat
später am tt. Juli 2015 die traditionelle Hochzeit mit B._, wobei B._ zu
diesem Zeitpunkt bereits vom Beschuldigten schwanger war (Urk. 5/36). Zu be-
rücksichtigen ist zudem, dass der Beschuldigte erst am 1. September 2014
(Urk. 6/2) ein selbständiges Aufenthaltsrecht erhielt. Es kann zwar in strafrechtli-
cher Hinsicht aufgrund des inkriminierten Sachverhaltes offen bleiben, ob der Be-
schuldigte mit D._ von Beginn an eine Scheinehe führte, obschon dafür zahl-
reiche Indizien (Altersunterschied, unterschiedliche Angaben betr. Heiratsantrag
usw.) bestehen. In jedem Fall ist ab dem Zeitpunkt des Auszugs von D._ aus
der ehelichen Wohngemeinschaft im Juni 2012 und der Bekenntnis von beiden,
der Ehewille sei im Mai 2012 erloschen gewesen, davon auszugehen, dass der
Beschuldigte die Ehe zum Schein weiterführte, zumal er wusste, dass ansonsten
ein Entzug der Aufenthaltsbewilligung drohte. Die damalige Aussage des Be-
schuldigten und von D._, man rechne in einem unbestimmten Zeitpunkt mit
der Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft, ist unter Berücksichtigung der
Beziehung mit B._ seit Ende 2010 als klare Schutzbehauptung zu verwerten.
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Völlig unbehelflich ist demnach auch das Argument der Verteidigung, der Be-
schuldigte hätte auch nebst seiner Ehefrau eine Freundin haben können, was
nicht automatisch bedeute, dass der Ehewille erloschen sei. Der Beschuldigte
verschwieg trotz seiner ausländerrechtlichen Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 90 AuG)
eben gerade, dass er eine andere Beziehung mit einer anderen Frau aus seinem
Heimatland führte und deshalb zweimal pro Jahr für mehrere Wochen in die Tür-
kei reiste, obschon bereits diverse Indizien für eine Scheinehe vorlagen. In der
Befragung vom 23. Juni 2014 gab er demnach wahrheitswidrig an, nur dreimal in
der Türkei gewesen zu sein und zwar 2010, 2011 und 2012 (Urk. 5/26 F/A 39),
obschon er nach der religiösen Trauung im Juli 2011 alle sechs Monate in die
Türkei reiste und für mehrere Wochen dort blieb (vgl. dazu Urk. 3/1 F/A 117 f.).
Stattdessen gab er den Behörden gegenüber an, weiterhin eine intakte Ehe mit
D._ zu führen. Auch sein Verhalten anlässlich der Hafteinvernahme verdeut-
licht dieses Bild, indem er zunächst alles abstritt. Wäre er der Auffassung gewe-
sen, dass eine weitere Beziehung nebst der Ehe mit D._ fremdenpolizeilich
unproblematisch gewesen wäre, hätte es keinen Grund gegeben, diese Bezie-
hung und seine wiederholten mehrwöchigen Besuche in der Türkei zu verheimli-
chen bzw. später dann zunächst trotz erdrückender Beweislage noch abzustrei-
ten. Der innere Sachverhalt ist mit der Vorinstanz ebenfalls erstellt.
3. Rechtliche Würdigung
Die rechtliche Würdigung des erstellten Sachverhalts durch die Vorinstanz als
vorsätzliche Täuschung der Behörden im Sinne von Art. 118 Abs. 1 AIG ist zutref-
fend, uneingeschränkt zu teilen und gibt zu keinen Bemerkungen Anlass (Urk. 41
S. 27 ff.). Ergänzend ist festzuhalten, dass den Beschuldigten im ausländerrecht-
lichen Verfahren auch eine Mitwirkungspflicht traf (vgl. Art. 90 AuG bzw. AIG). Der
Beschuldigte ist in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils der Täuschung der
Behörden im Sinne von Art. 118 Abs. 1 AIG schuldig zu sprechen.
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III. Sanktion und Vollzug
1. Strafzumessung
1.1. Vorbemerkungen
Die Vorinstanz hat das anwendbare Recht, den anwendbaren Strafrahmen, die
angezeigte Strafart sowie die allgemeinen Strafzumessungskriterien zutreffend
dargelegt (Urk. 41 S. 30 ff.), darauf kann verwiesen werden. Ebenfalls hat sie kor-
rekt dargelegt, dass aufgrund des rechtskräftigen Strafbefehls der Staatsanwalt-
schaft Winterthur/Unterland vom 29. September 2015 wegen vorsätzlicher grober
Verletzung der Verkehrsregeln gegen den Beschuldigten (Urk. 12/1) ein Fall einer
retrospektiven Konkurrenz vorliegt, weshalb eine Zusatzstrafe aufgrund der glei-
chen Strafart (Geldstrafe) auszusprechen ist.
1.2. Objektives und subjektives Tatverschulden
Das von der Vorinstanz festlegte Verschuldensprädikat von einem insgesamt
gerade noch leichten Verschulden ist angemessen (Urk. 41 S. 35). In objektiver
Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte im Rahmen der polizeilichen Ein-
vernahme vom 23. Juni 2014 betreffend den Verdacht einer Scheinehe angab, die
eheliche Beziehung mit D._ bestehe trotz getrennten Wohnsitzen fort und es
sei mit der Wiederaufnahme der ehelichen Wohngemeinschaft zu rechnen,
obschon er bereits seit Ende 2010 eine Beziehung mit B._ aus der Türkei
führte, diese am 18. Juli 2011 religiös geheiratet hatte und diese Tatsachen ver-
schwieg. Dies zeugt von einer nicht unerheblichen kriminellen Energie. Betreffend
die subjektive Tatschwere gilt das direktvorsätzliche und rein egoistisch motivierte
Handeln zu erwähnen. Der Beschuldigte tat dies, da er sich ein selbständiges
Aufenthaltsrecht sichern wollte, um alsdann seine türkische Frau B._ und
den gemeinsamen Sohn C._ mittels Familiennachzugs in der Schweiz holen
zu können.
Die Einsatzstrafe ist mit der Vorinstanz auf 100 Tagessätze festzulegen.
1.3. Täterkomponente
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Was die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten betrifft, so kann vollumfäng-
lich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 41
S. 35 f.). Insgesamt ist festzuhalten, dass sich die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten strafzumessungsneutral auswirken. Die mit Strafbefehl der Staats-
anwaltschaft Winterthur/Unterland vom 29. September 2015 ausgefällte Strafe ist
nicht als Vorstrafe, sondern im Rahmen der Zusatzstrafe zu berücksichtigen. Mit
der Vorinstanz verdient das anlässlich der Hafteinvernahme unter der erdrücken-
den Beweislast abgelegte Geständnis des Beschuldigten im äusseren Sachver-
halt keine Strafminderung (Urk. 41 S. 36).
1.4. Tagessatzbemessung
Die vorinstanzlichen theoretischen Ausführungen zur Tagsatzhöhe von Fr. 30.–
sind zutreffend. Auf die entsprechenden Ausführungen kann verwiesen werden
(Urk. 41 S. 37).
1.5. Zusatzstrafe
Unter Verweis auf die vorinstanzlichen Erwägungen ist die von der Vorinstanz
festgelegte Geldstrafe von 86 Tagessätzen als Zusatzstrafe zu der mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 29. September 2015 ausgefäll-
ten Strafe zutreffend und zu bestätigen (Urk. 41 S. 36).
1.6. Verbindungsbusse und Ersatzfreiheitsstrafe
Die von der Vorinstanz unter spezialpräventiven Überlegungen ausgefällte Ver-
bindungsbusse in der Höhe von Fr. 480.– ist ebenfalls zu bestätigen, wodurch
sich die Geldstrafe auf 70 Tagessätze reduziert (Urk. 41 S. 37 f.). Die Ersatzfrei-
heitsstrafe ist bei einem Umwandlungssatz von Fr. 30.– auf 16 Tage festzulegen.
1.7. Auszufällende Strafe
In Würdigung aller relevanten Strafzumessungsgründe ist der Beschuldigte mit
einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu Fr. 30.– als Zusatzstrafe zu der mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 29. September 2015
ausgefällten Strafe sowie mit einer Busse von Fr. 480.– zu bestrafen, wobei dem
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Beschuldigten 1 Tagessatz der Geldstrafe als durch Haft geleistet anzurechnen
ist (Art. 51 StGB; vgl. Urk. 41 S. 39).
2. Vollzug
Bezüglich der theoretischen Ausführungen kann auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 41 S. 39 f.). Der Beschuldigte ist als Erst-
täter zu behandeln und die Geldstrafe bedingt unter Ansetzung einer minimalen
Probezeit von zwei Jahren auszusprechen.
Die Busse ist von Gesetzes wegen unter Androhung der erwähnten Ersatzfrei-
heitsstrafe von 16 Tagen zu vollziehen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Vorinstanzliches Verfahren
Die im angefochtenen Entscheid getroffene Kosten- und Entschädigungsregelung
(Urk. 41 S. 40 f.) erweist sich ausgangsgemäss nach wie vor als zutreffend und ist
zu bestätigen.
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Gebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf Fr. 3'000.–
festzusetzen.
2.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit seinen Anträgen vollumfänglich. Damit sind ihm die Kosten des Beru-
fungsverfahrens vollumfänglich aufzuerlegen. Für die Zusprechung einer Prozess-
entschädigung an den Beschuldigten besteht kein Raum.