Decision ID: 5fa83bef-b94d-56d9-9203-70cc51dd4bee
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 27. November 2000 wegen Beschwerden der
Halswirbelsäule, Kopfschmerzen, Rückenleiden und Depressionen bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 2).
A.a.
Gemäss einem Bericht des Zentrums für Tumordiagnostik und Prävention (ZeTuP)
vom 21. April 1999 litt die Versicherte unter einem Lumbovertebralsyndrom mit
pseudoradikulärer Ausstrahlung ins rechte Bein mit ISG-Blockade rechts, ausgelöst
durch einen Sturz auf das Gesäss am 19. Februar 1999 (IV-act. 3-12). Im achten Monat
schwanger erlitt sie am 15. Juli 1999 beim Passieren einer sich automatisch öffnenden
Türe der B._ einen Sturz und dabei eine Commotio cerebri und ein Distorsionstrauma
der HWS (vgl. Bericht ZeTuP vom 9. September 1999, IV-act. 3-9 f.; zum deswegen
angestrengten Haftpflichtprozess gegen die C._ vgl. Urteil des Gerichtspräsidenten 8
des Gerichtskreises VIII D._ vom 22. Februar 2010, IV-act. 127-76 ff.; Urteil des
Obergerichts des Kantons Bern, 1. Zivilkammer, vom 8. September 2010, IV-
act. 127-141 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 1. September 2011, 4A_14/2011, IV-
act. 124-19 ff.).
A.b.
Gestützt auf ein polydisziplinäres Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom
18. September 2001, welches unter anderem zum Schluss kam, bei der Versicherten
habe die dritte Schwangerschaft in Verbindung mit dem Unfall im Juli 1999 zu einer
erheblichen psychischen Verschlechterung geführt (IV-act. 22), und unter
A.c.
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Berücksichtigung weiterer medizinischer Berichte (Dr. med. E._, Arzt für Neurologie,
vom 28. Januar 2000, IV-act. 3-4 f., von Dr. med. F._, Spezialarzt FMH für Neurologie
vom 28. März 2000, IV-act. 3-1 ff., und der Sozialpsychiatrischen Beratungsstelle G._
vom 14. Dezember 2000, IV-act. 9-3 f.), sprach die IV-Stelle der Versicherten mit
Verfügung vom 14. Dezember 2001 mit Wirkung ab Juli 2000 eine ganze Invalidenrente
zu (IV-act. 27). Zugrunde liegende Diagnosen waren eine posttraumatische
Belastungsstörung, eine depressive Entwicklung, ein Status nach Sturz am 15. Juli
1999 mit leichter Commotio cerebri, ein HWS-Distorsionstrauma sowie chronische
Lumbalgien (IV-act. 23).
Die IV-Stelle eröffnete am 9. Oktober 2006 ein amtliches Revisionsverfahren (IV-
act. 47). Ein im Rahmen des Prozesses betreffend die haftpflichtrechtlichen Folgen des
Unfalles vom 15. Juli 1999 erstattetes psychiatrisches Gerichtsgutachten von Dr. med.
H._, Psychiatrische Poliklinik Zürich, vom 31. Oktober 2006 attestierte der
Versicherten eine derzeit fehlende verwertbare Arbeitsfähigkeit (IV-act. 50-23, 25)
aufgrund einer chronischen posttraumatischen Belastungsstörung in der Folge des
Unfalls vom 15. Juli 1999 (ICD-10: F43.1) sowie einer schweren depressiven Episode
ohne psychotischen Symptome (ICD-10: F32.2; IV-act. 50-18 ff.). Gestützt darauf und
auf einen Arztbericht von Dr. med. I._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 18. Dezember 2006 (IV-act. 52) schloss die IV-Stelle das Verfahren mit Mitteilung
vom 5. Januar 2007 ab, die Versicherte habe weiterhin Anspruch auf die bisherige
Invalidenrente (Invaliditätsgrad 100 %; IV-act. 54).
A.d.
Im Rahmen des folgenden von Amtes wegen eröffneten Revisionsverfahrens gab
die Versicherte am 2. Februar 2011 einen gleich gebliebenen Gesundheitszustand an
(IV-act. 64). Nachdem Dr. I._ einen verschlechterten Gesundheitszustand meldete
(Verlaufsbericht vom 19. Februar 2011, IV-act. 68-3 f.), sprach die IV-Stelle der
Versicherten weiterhin eine ganze Rente zu (Invaliditätsgrad 100 %, Mitteilung vom
1. März 2011, IV-act. 70).
A.e.
Die Versicherte nahm per 1. Januar 2013 bei der J._ AG zunächst versuchsweise
eine Tätigkeit im administrativen Bereich (Versand von Rechnungen, Beschriften von
Couverts etc.) im Umfang von 2,55 Stunden pro Tag bzw. 12,75 Stunden pro Woche
auf (Aktennotiz vom 5. November 2012, IV-act. 72; Angaben Revisionsfragebogen vom
A.f.
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4. März 2013, IV-act. 77, Angaben Arbeitgeberin vom 8. April 2013, IV-act. 84). Im
Fragebogen zur Revision gab sie am 4. März 2013 an, ihr Gesundheitszustand habe
sich seit einem Jahr verschlechtert (IV-act. 77-1). Die IV-Stelle beendete dieses
Revisionsverfahren am 14. Mai 2013 mit der Mitteilung, die Versicherte habe weiterhin
Anspruch auf eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von neu 75 % (IV-act. 90).
In einem Revisionsfragebogen gab die Versicherte am 12. September 2014 im
Wesentlichen an, sie leide aufgrund einer Zervikobrachialgie C7 rechts und eines
Bandscheibenvorfalls C6/7 rechts unter wiederkehrenden Schmerzen und
Schmerzattacken (Kopfschmerzen, Migräne, Rückenschmerzen) und infolge dessen an
Konzentrationsstörungen. Die ungenügende Arbeitsleistung führe zu Stresssymptomen
und Angst vor Verlust von Arbeitsstelle und Einkommen, zu Wertlosigkeits- und
Schuldgefühlen und daraus resultierenden Zukunftsängsten. Weiter bestünden
Antriebslosigkeit bis hin zu ausgeprägter Passivität und häufig auftretende Gefühle der
Hoffnungslosigkeit mit Suizidgedanken. Im schmerzfreien Zustand sei die
Beweglichkeit nicht eingeschränkt, sie vermeide aber jede Art von besonderer
Anstrengung aus Angst vor einer Schmerzauslösung. Seit dem Bandscheibenvorfall im
Februar 2014 leide sie unter Einschränkungen der Bewegung des rechten Armes.
Normalerweise müsse sie die Arbeit nach einer Stunde für mindestens eine halbe
Stunde unterbrechen. Bei Schmerzattacken müsse sie nach Hause. Der Zustand sei
seit dem Unfall unverändert; seit Februar 2014 (Bandscheibenvorfall) sei es eher
schlimmer geworden. Die psychische Verfassung sei dauerhaft äusserst stark
schwankend. Tageweise verlasse sie die Wohnung nur, um zur Arbeit zu gehen
(Fragebogen samt ausführlichem Zusatzblatt, IV-act. 132).
A.g.
Nachdem der IV-Stelle ärztliche Berichte der Klinik für Neurochirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen (vom 24. Februar 2014, IV-act. 135-5 f., und vom 13. März
2014, IV-act. 135-4), von Dr. I._ (Verlaufsbericht vom 3. Oktober 2014, IV-
act. 137-2 f.) und Dr. med. K._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin (Eingang 18.
November 2014, IV-act. 139) vorlagen und IV-Mitarbeiterin Dr. med. L._ den
medizinischen Sachverhalt geprüft und Unstimmigkeiten festgestellt hatte (vgl.
Stellungnahme vom 27. Januar 2015, IV-act. 140), wurde die Versicherte im Auftrag der
IV-Stelle zwischen dem 26. August 2015 und dem 21. September 2015 tage- bzw.
halbtageweise oder kürzer überwacht. Dabei konnte sie insbesondere beobachtet
A.h.
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werden, wie sie als Autolenkerin oder Beifahrerin ihres Ehemannes am Arbeitsort
ankam und diesen verliess, sowie bei diversen Rauchpausen (vgl. dazu
Überwachungsbericht vom 23. September 2015, IV-act. 148). Die IV-Stelle hielt unter
anderem fest, die Versicherte habe angegeben, jeweils am Montag, Dienstag,
Donnerstag und Freitag von 08.30 Uhr bis 12.00 Uhr zu arbeiten. An den
Observationstagen habe teilweise eine deutlich höhere Präsenz am Arbeitsplatz
dokumentiert werden können. Sie sei teilweise über 12 Stunden am Arbeitsort bzw.
unterwegs gewesen (Aktennotiz vom 2. November 2015, IV-act. 153).
Im Standortgespräch vom 12. Januar 2016 berichtete die Versicherte im
Wesentlichen, sie benötige für die Arbeiten mehr Zeit als eine gesunde Person und
müsse daher entsprechend länger arbeiten, um ihre Arbeiten zu erledigen. Sie könne
die Arbeitszeit frei einteilen und nachhause gehen, wenn sie sich nicht gut fühle.
Psychisch gehe es ihr besser. Durch die Arbeit erfahre sie mehr Wertschätzung und
fühle sich akzeptierter. Aufgrund des Bandscheibenvorfalls im Februar 2014 könne sie
viele Bewegungen nicht ausführen und beispielsweise mit der rechten Hand lediglich
Lasten von 3-5 kg tragen. In den letzten sechs Monaten habe es Tage oder Phasen
gegeben, in denen sie gar nicht oder wenig eingeschränkt gewesen sei. Obwohl ihr
Ehemann CEO des Unternehmens sei, fürchte sie, bei einem Wechsel des
Geschäftsführers oder einem Ehestreit die Stelle zu verlieren. Nach Eröffnung der
Observation führte sie aus, das Unfallereignis vom 15. Juli 1999 habe sie
abgeschlossen. Ihr Sohn sei ein gesunder, begabter Mann geworden. Ihr Ziel sei es,
selbstbewusst zu werden und in einem Pensum von 80 % zu arbeiten (IV-act. 161).
A.i.
Dr. med. M._, Neurologie FMH, hielt im Bericht vom 3. Februar 2016 im
Wesentlichen fest, Ende 2015 habe die Versicherte über eine erhebliche Zunahme der
seit Sommer 2015 tendenziell stärker gewordenen Nackenschmerzen sowie über ein
Taubheitsgefühl im rechten Unterarm ulnar, bestehend seit Ende 2015, geklagt (IV-
act. 181-136 ff.). Er überwies die Versicherte an die Klinik für Neurochirurgie des KSSG.
Dort wurde im Bericht vom 1. März 2016 ausgeführt, die Versicherte berichte über eine
seit Dezember (2015) langsam bessernde Schmerzsymptomatik. In den letzten Jahren
leide sie unter einem immer wieder rezidivierenden zervikobrachialen und
zervikozephalen Schmerzsyndrom bei bildgebend nachgewiesener degenerativer
Affektion der HWS, vorwiegend die Segmente C4/5 bis schwerpunktmässig C6/7
A.j.
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betreffend. Die von der Versicherten beklagten Beschwerden seien durch die
Bildgebung in weiten Teilen erklärt. In Anbetracht der in den letzten Wochen
eingetretenen Besserung sei eine Operation erst angezeigt, wenn die Versicherte mit
den Beschwerden trotz konservativer Behandlung nicht mehr zurecht kommen sollte
(IV-act. 168-2 ff.).
Die Versicherte kündigte am 30. Mai 2016 ihr Arbeitsverhältnis auf den
30. September 2016, da sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sei,
die Tätigkeit fortzusetzen (IV-act. 189-4).
A.k.
Nachdem vorerst lediglich eine psychiatrisch-rheumatologische Begutachtung
vorgesehen war (IV-act. 169), wurde die Versicherte auf eigene Intervention (IV-
act. 173) und später auf Ersuchen der Gutachterstelle (IV-act. 179) durch das
Medizinische Zentrum Römerhof (MZR) polydisziplinär begutachtet (Gutachten vom
23. September 2016, Dr. med. N._, Neurologie und Psychiatrie; Dr. med. O._,
Allgemeine Innere Medizin, Dr. med. P._, Rheumatologie; Dr. sc. hum. Q._ und
lic. phil. R._, Neuropsychologie; Untersuchungen 22. und 23. Juni und 21. Juli 2016;
IV-act. 181). Die Gutachter diagnostizierten keine Erkrankungen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit. Zurzeit finde sich ein gut kompensiertes zervikovertebrales
Achsenskelett ohne Hinweise für eine Facettengelenkssymptomatik oder eine
radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
bestünden eine 2-Etagen-Diskopathie C4/5 und C6/7 ohne Kompromittieren der
angrenzenden Nervenwurzeln, Kopfschmerzen im Rahmen einer
Schmerzverarbeitungsstörung sowie ein aktenkundig rezidivierendes, zervikobrachiales
und zervikozephales Schmerzsyndrom rechtsseitig bei bildgebend nachgewiesener
degenerativer Affektion der HWS, ohne fokal neurologische Defizite, sowie eine
undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.1), differenzialdiagnostisch
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.51; IV.-
act. 181-113 f.). In der zuletzt ausgeübten optimal angepassten Erwerbstätigkeit im
Führen eines Reinigungsinstitutes (vor allem administrative Einsätze) und in jeder
anderen leichten bis zeitweise wechselbelastenden mittelschweren Tätigkeit sei eine
100 %ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen (IV-act. 181-121 f.).
A.l.
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Gemäss Austrittsbericht des Psychiatrischen Zentrums S._ vom 19. Dezember
2016 wurde die Versicherte dort vom 12. Oktober bis 30. November 2016 stationär
behandelt, nachdem sie laut eigener Aussage nach einer verbalen Auseinandersetzung
mit ihrem Ehemann eher unbewusst und nicht in suizidaler Absicht 18-20 Tabletten
Temesta à 1 mg eingenommen hatte. Es wurden die Diagnosen einer akuten
Belastungssituation (ICD-10: F43.0) sowie einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), gestellt. Die Versicherte konnte in
gebessertem Allgemeinzustand bei weiterhin ausgeprägter Erschöpfbarkeit und starker
Müdigkeit und in den Hintergrund getretener Freud-, Interessen- und Lustlosigkeit
entlassen werden (IV-act. 185).
A.m.
Mit Vorbescheid vom 26. April 2017 gewährte die IV-Stelle der Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Einstellung der Rente (IV-act. 183). Mit Einwand
vom 17. Mai 2017 (IV-act. 184) und begründender Eingabe vom 20. Juni 2017 (IV-
act. 187) machte die Versicherte im Wesentlichen geltend, sie habe am 12. Oktober
2016 einen Suizidversuch begangen und stationär behandelt werden müssen. Am
7. Juni 2016 (lediglich zwei Wochen vor der Begutachtung) habe sie wegen LWS-
Beschwerden notfallmässig behandelt werden müssen (vgl. IV-act. 181-147 f.). Diese
Entwicklungen seien nicht in das Gutachten eingeflossen. Entgegen den Gutachtern
seien die HWS-Beschwerden bildgebend objektiviert. Im Zivilprozess sei es um die
adäquate Kausalität der Beschwerden gegangen; deren Existenz seien nicht in Zweifel
gezogen worden. Hinsichtlich der psychischen Beschwerden fehle eine
Längsschnittbeurteilung. Eine revisionsrelevante Veränderung des medizinischen
Sachverhalts sei nicht gegeben. Weiter legte die Versicherte einen Bericht von Dr. I._
vom 6. Juli 2017 vor, gemäss welchem sie vom 16. Januar 2004 bis 4. Oktober 2016 in
ihrer Behandlung gestanden habe und auch immer wieder von anderen Ärzten
behandelt und nach wiederholten Suizidversuchen hospitalisiert worden sei. Anfangs
2016 habe eine chronifizierte schwere depressive Episode ohne psychotische
Syndrome (ICD-10: F33.2) vorgelegen. Die Versicherte sei auch im Jahr 2016 zu 100 %
arbeitsunfähig gewesen und habe eine intensive medikamentöse und
psychotherapeutische Behandlung benötigt. Sie sei während der Behandlung bei ihr
nicht stabil gewesen. Sie sei chronisch psychisch krank und suizidgefährdet gewesen
(IV-act. 191).
A.n.
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B.
Dr. L._ nahm am 20. Juli 2017 Stellung, der Bericht der Klinik für Neurochirurgie
vom 1. März 2016 sei den Gutachtern bekannt gewesen und in ihre Einschätzung
eingeflossen. Aus dem Schreiben von Dr. I._ vom 6. Juli 2017 ergäben sich keine
aktuellen objektivierbaren Befunde. Es handle sich um eine abweichende Einschätzung
desselben Sachverhalts. Es sei weiterhin auf die gutachterliche Einschätzung
abzustellen (IV-act. 192).
A.o.
Gestützt darauf verfügte die IV-Stelle am 27. November 2017 die Einstellung der
Invalidenrente auf das Ende des nach Zustellung der Verfügung folgenden Monats.
Einer Beschwerde dagegen entzog sie die aufschiebende Wirkung (IV-act. 193).
A.p.
Mit Beschwerde vom 12. Januar 2018 beantragt A._, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. D. Ehrenzeller, die Verfügung vom 27. November 2017 sei unter
Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und die bisherige ganze Rente ab
Januar 2018 mindestens als halbe Rente weiter auszurichten. Eventualiter sei die
angefochtene Verfügung aufzuheben und die Angelegenheit an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie macht im Wesentlichen geltend, die
Gutachter des MZR hätten verkannt, dass sie sich darum bemühe, dass man ihr ihre
psychische Erkrankung nicht anmerke. Dies erkläre, weshalb sie modisch gepflegt zur
Begutachtung erschienen sei und nach aussen offen und nicht verängstigt oder
deprimiert wirke. Ab dem Jahr 2001 seien zusätzlich zur rezidivierenden und allmählich
chronifizierten psychischen Problematik Verschlechterungen in somatischer Hinsicht
eingetreten, so namentlich seit Februar 2014 Beschwerden an der HWS und seit
längerem der LWS. Es erstaune, dass anlässlich der Begutachtung keine
entsprechenden Befunde bestätigt worden seien, nachdem insbesondere an der HWS
wenige Monate zuvor klare Kompressionen und Irritationen festgestellt worden seien.
Schliesslich hätten die gesundheitlichen Vorgänge zur Kündigung des
Arbeitsverhältnisses geführt. Die LWS-Beschwerden wirkten sich vor allem bei
längerem Sitzen aus, so dass sie bei den Begutachtungen jeweils prophylaktisch
aufgestanden sei. Weitere inzwischen erarbeitete Copingstrategien bestünden im im
Juni 2012 bekundeten Interesse an einer Wiedereingliederung und in der Absolvierung
von Lehrgängen zur Schaffung einer Tagesstruktur sowie in der Ausübung
B.a.
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verschiedener Therapie- und Übungstechniken. Die neurologische und psychiatrische
Begutachtung durch den selben Arzt sei nicht zulässig. Auch mache das Gutachten
keine klare Aussage zur anschliessenden Verschlechterung. Der Gutachter sei aufgrund
äusserer Kriterien nicht darauf eingegangen, dass sie an einer chronifizierten
psychischen Krankheit leide und auch suizidgefährdet sei. Infolge des Drucks einer
Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt würden psychische Grenzzustände auftreten. Gemäss
ihrer behandelnden Therapeutin sei sie nach wie vor voll arbeitsunfähig, anzustreben
sei eine Tätigkeit ohne Druck im geschützten Rahmen mit einer Arbeitsfähigkeit von
maximal 50 % (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 19. März 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Die Suizidalität sei bekannt gewesen und
berücksichtigt worden. Suizidale Episoden könnten auch im Zusammenhang stehen
mit der Renteneinstellung. Der Beschwerdeführerin gelinge der Nachweis nicht, dass
die Gutachter hinsichtlich ihres gepflegten Auftretens von falschen Annahmen
ausgegangen seien. Gemäss Bericht vom 1. März 2016 sei von einer HWS-Operation
abgesehen worden, da sich die Beschwerden in den vorangegangenen Wochen
deutlich gebessert hätten. Dass sich die Beschwerdeführerin so verhalte, dass die
Schmerzen nicht aufträten, stütze im Ergebnis das Gutachten. Der Beschwerdeführerin
seien die Namen der Gutachter am 30. Mai 2016 bekannt gegeben worden. Die Rüge,
dass derselbe Experte das neurologische und das psychiatrische Gutachten verfasst
habe, sei daher nicht mehr zu hören. Zudem seien in Deutschland die neurologische
und die psychiatrische Facharztausbildung gekoppelt. Auf die behandelnde
Psychiaterin könne aufgrund ihrer Stellung als behandelnde Ärztin nicht abgestellt
werden (act. G 4).
B.b.
Mit Replik vom 14. Juni 2018 trägt die Beschwerdeführerin vor, die
Beschwerdegegnerin übersehe, dass Suizidversuche nicht nur im Jahr 2016, sondern
auch zweimal im Jahr 2002, 2004 und im Herbst 2017 stattgefunden hätten. Es handle
sich nicht um eine Reaktion auf die sich abzeichnende Einstellung der Rente. Ihr
Selbstwertgefühl und ihre eigene Wertschätzung würden darunter leiden, dass ihr nicht
geglaubt werde. Mit dem gepflegten Erscheinungsbild bezwecke sie, dass man ihr die
psychischen Probleme nicht anmerke. Die LWS-Problematik sei bei weitem nicht
remittiert gewesen. Die HWS-Beschwerden hätten sich ab 2014, mit einer deutlichen
B.c.
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Zunahme 2015, entwickelt. Bei ihrer Arbeit im eigenen Familienbetrieb habe sie auf die
psychischen und somatischen Probleme Rücksicht nehmen können, weshalb sie mit
einer normalen Arbeitstätigkeit und Arbeitsfähigkeit nicht vergleichbar sei. Die
Remittierung der somatischen Beschwerden sei unter diesem Blickwinkel zu sehen.
Aus den praktizierten Verhaltensstrategien könne nicht auf eine höhere Arbeitsfähigkeit
geschlossen werden. Das Gutachten nehme zur Wahrscheinlichkeit einer erneuten
schweren depressiven Episode keine Stellung. Dass der behandelnden Therapeutin
nicht alle Akten zu Verfügung stünden, entkräfte deren Einschätzung nicht. Die
neuropsychologische Testung habe wegen der aufgetretenen Konzentrationsstörungen
und Erschöpfung nicht die zu erwartenden Ergebnisse geliefert. Daraus dürfe kein
Verdacht auf Aggravation abgeleitet werden. Es dürfe nicht auf die Einschätzung des
MZR abgestellt werden, sondern es sei eine neue Begutachtung anzuordnen. Im
Weiteren würde sich auch die Frage nach beruflichen Massnahmen stellen. Sie habe
erneut im Betrieb ihres Sohnes eine Tätigkeit von 20 % bis 30 % aufgenommen, bei
der sie die Arbeit selber einteilen könne, auch aus Entgegenkommen und wegen des
therapeutischen Effekts (act. G 8). Sodann reicht die Beschwerdeführerin einen
Arztbericht der Klinik für Psychosomatik des KSSG, med. pract. T._, vom 24. Mai
2018 ein. Diese behandle sie seit dem stationären Aufenthalt im Jahre 2016 mit
wöchentlicher Frequenz. Seither sei es zweimalig zum Wiederauftreten erneuter
mittelgradig depressiver Episoden, aktuell erneut Teilremission, gekommen. Es sei mit
hoher Wahrscheinlichkeit von weiteren depressiven Episoden auszugehen. Die
Arbeitsunfähigkeit während ihrer Behandlung habe zwischen 50 % und 100 %
geschwankt. Die HWS-Problematik beeinträchtige die Stimmungslage in diesen
Phasen zusätzlich (act. G 8.1).
Mit Duplik vom 17. August 2018 macht die Beschwerdegegnerin geltend, der
eingereichte Bericht vom 24. Mai 2018 betreffe einen nicht mehr relevanten Zeitpunkt
und sei äusserst dürftig begründet. Zudem verfüge die unterzeichnende Ärztin nicht
über einen Facharzttitel in Psychiatrie. Damit habe der Bericht keine Relevanz. Das
MZR habe den Bericht vom 7. Juni 2016 über die Notfallkonsultation vom Vortag selber
eingeholt, dem Gutachten beigelegt und ihn erwähnt. Die Befunde seien weitgehend
unauffällig gewesen. Insgesamt vermöge die Beschwerdeführerin nicht zu belegen,
dass das Gutachten an relevanten Mängeln leide. Zum Antrag auf berufliche
B.d.
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Erwägungen
1.
Massnahmen wird ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin bisher ihre Arbeitsfähigkeit
zumindest teilweise verwertet habe und in der Lage sei, die Selbsteingliederung
voranzutreiben (act. G 10).
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1] i.V.m. Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR
831.20] und Art. 2 ATSG). Anlass zur Anpassung der Rente gibt jede tatsächliche
Änderung, die sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Anspruchs
(ein Viertel, ein Zweitel, drei Viertel, ganze Rente; Art. 28 Abs. 2 IVG) auswirkt (BGE 134
V 132 E. 3). Ein Revisionsgrund in diesem Sinne betrifft Änderungen in den
persönlichen Verhältnissen der versicherten Person (BGE 133 V 548 E. 7.1). Dazu
gehört namentlich der Gesundheitszustand (vgl. Urteil 9C_896/2011 vom 31. Januar
2012 E. 3.1, in: SVR 2012 IV Nr. 36 S. 140; Urteil 9C_410/2015 vom 13. November
2015 E. 2). Dabei ist nicht die Diagnose massgebend, sondern es kommt auf die
Auswirkungen der Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit an, wobei in diesem
Zusammenhang in erster Linie dem Befund und dem Schweregrad der Symptomatik
besondere Bedeutung zukommt (vgl. Urteil 9C_634/2015 vom 15. März 2016 E. 6.1 mit
Hinweisen; BGE 136 V 281 E. 3.2.1). Eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist zu berücksichtigen, sobald sie
ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich
weiterhin andauern wird (Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung
[IVV; SR 831.201]). Bei gegebenem Revisionsgrund ist der Rentenanspruch gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung umfassend neu zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3
und E. 6.1; Urteil vom 5. Dezember 2012, 9C_427/2012, E. 3.4).
1.1.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
1.2.
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2.
Umstritten und zunächst zu prüfen ist die Beweiswertigkeit des polydisziplinären
Gutachtens des MZR vom 23. September 2016. Vorab sind die geltend gemachten
formellen Punkte zu beurteilen.
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
Zur von der Beschwerdeführerin infrage gestellten Zulässigkeit der Identität des
neurologischen und psychiatrischen Gutachters ist festzuhalten, dass die Namen der
Gutachter dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 31. Mai 2016 mitgeteilt
wurden (IV-act. 177) und die Beschwerdeführerin diesen Umstand bereits damals hätte
rügen können und somit müssen (vgl. BGE 132 V 112, E. 7.4.2 und BGE 137 V 266 f.,
E. 6.1.1). Im Übrigen ist kein Grund ersichtlich, weshalb die gleichzeitige Begutachtung
in zwei medizinischen Fachdisziplinen unzulässig sein soll, vorausgesetzt, der
Gutachter verfügt in beiden über die nötigen Fachkenntnisse.
2.1.
Sodann ist auf die Verwertbarkeit der Observationsergebnisse einzugehen bzw. zu
prüfen, ob die Beweistauglichkeit des Gutachtens dadurch in Frage gestellt ist, dass
die Gutachter Kenntnis von der Überwachung der Beschwerdeführerin hatten
(Gutachten, IV-act. 181-37).
2.2.
Die Beschwerdeführerin wurde verschiedentlich beim Eintreffen am Arbeitsort
oder dessen Verlassen beobachtet. Es konnte festgestellt werden, dass sie sich
mindestens zu folgenden Zeiten am Arbeitsort aufgehalten hatte: Freitag, 4. September
2015 von ca. 8:00 Uhr bis 12:20 Uhr, Freitag, 11. September 2015 mit kurzem
Unterbruch von 07:00 bis 15:00 Uhr, Mittwoch, 16. September 2015 von 09:15 Uhr bis
18:00 Uhr und Montag, 21. September 2015 von 08:05 Uhr bis 12:00 Uhr (vgl. IV-
2.2.1.
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act. 148). Es wurde jedoch nicht über mehrere Tage hinweg lückenlos dokumentiert,
wann sie zur Arbeit gekommen war und wann sie den Arbeitsplatz verlassen hatte.
Zudem ist nicht auszuschliessen, wenn auch nicht geltend gemacht, dass sie diesen
von den Observierenden unbemerkt zwischenzeitlich verlassen hatte. Sodann konnte
nicht beobachtet werden, womit sich die Beschwerdeführerin während ihrer
Anwesenheit am Arbeitsort beschäftigte. Jedenfalls kann festgehalten werden, dass für
die gutachterliche Beurteilung die Observationsergebnisse gegenüber der fehlenden
klinischen Objektivierbarkeit der geklagten Beschwerden und den anlässlich der
Begutachtung erhobenen Inkonsistenzen von untergeordneter Relevanz war.
Zwar sind per 1. Oktober 2019 die neuen Bestimmungen über die Regelung von
Observationen in Art. 43a f. ATSG in Kraft getreten. Da in zeitlicher Hinsicht aber
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 467 E. 1), und weil
ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf
den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügungen (hier: vom
27. November 2017) eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 121 V 366 E. 1b), sind im
vorliegenden Fall die alten ATSG-Bestimmungen anwendbar, welche keine Regelung
betreffend die Observation von versicherten Personen kannten. Die Verwertung der
Observationsergebnisse ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
grundsätzlich zulässig, es sei denn, die privaten Interessen würden überwiegen (Urteile
vom 14. Mai 2018, 9C_462/2017, E. 2.3, vom 9. Mai 2018, 8C_605/2017, E. 6.3, vom
18. Februar 2018, 8C_2/2018, E. 4.2, vom 25. April 2018, 9C_347/2017, E. 4.3, vom
26. Juli 2017, 8C_45/2017, E. 4.3.2 f.). Als auch aus dem Gebot der Verfahrensfairness
abgeleitete Voraussetzungen der Verwertbarkeit ist zu prüfen, ob die versicherte
Person im öffentlichen Raum überwacht und nicht beeinflusst wurde, ob ein
hinreichender Anfangsverdacht bestand und ob die versicherte Person nicht
systematisch oder ständig überwacht wurde (BGE 143 I 385 E. 5.1.1).
2.2.2.
Der Anfangsverdacht gründet vorliegend im Wesentlichen auf der Tatsache, dass
die geltend gemachten Beschwerden und Diagnosen - insbesondere diejenige einer
posttraumatischen Belastungsstörung - als Folgen eines Bagatellunfalles kaum
plausibel seien. Dr. L._ hatte in ihrer Stellungnahme vom 27. Januar 2015 im
Wesentlichen dargelegt, dass der medizinische Verlauf inkonsistent dargestellt werde
und Suizidversuche angegeben würden, wobei deren angegebene Behandlung mit
Temesta nicht adäquat wäre und stationäre Therapien nicht aktenkundig seien (vgl. IV-
act. 140). Die Anordnung der Überwachung wurde von der Beschwerdegegnerin damit
begründet, dass die Diagnosen ausschliesslich auf Angaben der Beschwerdeführerin
2.2.3.
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3.
Weiter zu prüfen ist, ob das Gutachten inhaltlich überzeugt und es bei der
Beschwerdeführerin im Vergleich zum massgeblichen Referenzzeitpunkt zu einer
Verbesserung des Gesundheitszustandes, einhergehend mit einer Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit, gekommen ist, wovon die Beschwerdegegnerin ausgeht, oder ob sich
der Gesundheitszustand, wie in der Beschwerde geltend gemacht, lediglich in einem
kleinen Umfang gebessert hat. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Sachverhalt
zurzeit der letzten Revision (Mitteilung vom 14. Mai 2013, IV-act. 90) mit jenem bis zum
Erlass der angefochtenen Verfügung vom 27. November 2017 (IV-act. 193) zu
vergleichen ist.
beruhten und eine adäquate Behandlung nicht durchgeführt werde
(Überwachungsantrag, IV-act. 146; Überwachungsauftrag vom 17. August 2015, IV-
act. 145). Weiter habe die Beschwerdeführerin ein 30 %iges Arbeitspensum
aufgenommen, obwohl sie zur selben Zeit erklärt habe, ihr Gesundheitszustand habe
sich verschlechtert. Schliesslich seien im unmittelbaren familiären Umfeld der
Beschwerdeführerin wegen Angaben praktisch identischer Beschwerden vertiefte
Abklärungen wegen nicht zielkonformer IV-Leistungen getätigt worden. Der
Beschwerdegegnerin lagen zu jener Zeit auch die Akten des Zivilverfahrens vor (vgl. IV-
act. 122). Die Ausführung des psychiatrischen Gerichtsgutachters an der
Fortsetzungsverhandlung vom 25. September 2005 im Zivilprozess, die
Beschwerdeführerin habe einen sehr glaubwürdigen Eindruck gemacht, es habe für ihn
keine Hinweise auf Vortäuschung der Symptome gegeben, er schliesse eine Simulation
aus (IV-act. 126-28), ist zu relativieren, denn im zweiten Parteivortrag der Beklagten
vom 17. August 2009 kam zu Tage, dass die Beschwerdeführerin zwar geltend
gemacht, sie habe sich aufgrund des Sturzes als Hochschwangere dermassen um das
Leben des Kindes gesorgt, dass es zu einer posttraumatischen Belastungsstörung
gekommen sei, jedoch nicht erwähnt hatte, dass sie rund ein halbes Jahr vor dem
Unfall einen Schwangerschaftsabbruch hatte vornehmen lassen (IV-act. 127-31 ff.).
Insgesamt erscheint die erforderliche objektive Begründetheit vorliegend gegeben.
Bezüglich Zeitraum, Örtlichkeiten und Durchführung sind die Vorschriften eingehalten.
Die Verwertung der Observationsergebnisse ist somit vorliegend zulässig.
Befragt nach ihren Beschwerden schilderte die Beschwerdeführerin anlässlich der
psychiatrischen Begutachtung, vordergründig seien Kopfschmerzen bis VAS 7/10.
Diese würden mit nicht-steroidalen Analgetika kupiert (2 x 500 mg Novalgin/Tag,
Ibuprofen 2 x 600 mg / Tag, Lornoxicanum 3 x tägl.; vgl. auch IV-act. 181-87). Zudem
3.1.
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leide sie unter bei Bewegung exazerbierenden Nacken- und Schulterschmerzen sowie
an belastungsabhängigen Schmerzen der rechten Hand und des Unterarms, begleitet
von einer Gefühlsstörung des lateralen Unterarms bzw. am rechten Vorderarm und in
den Fingern II und III rechts. Weiter beschrieb sie bei Belastung exazerbierende
lumbale Rückenschmerzen von stechendem und brennendem Charakter. Seit April
2016 bestünden neu Missempfindungen rechts paralumbal und paralumbosakral mit
Einbezug der Ober- und Unterschenkelweichteile und in den Zehen II, III und IV rechts
(IV-act. 181-50, 57, 63, 69, 83 f., 94). In psychischer Hinsicht habe sie
"wechselbelastende" Beschwerden. An gewissen Tagen gehe es ihr sehr gut, an
anderen sei sie gereizt, aggressiv, vertrage niemanden und ziehe sich zurück. Sie
weiche Personen aus, die sie von früher kennten und ihr ständig nicht umsetzbare
Ratschläge erteilten. Deshalb sei sie wieder in die Firma ihres Mannes gekommen. Das
neue Personal wisse, dass sie krank sei, kenne aber die Einzelheiten nicht. Sie wache
wegen Albträumen auf oder weil ihr Ehemann sie wecke, wenn sie unruhig sei (IV-
act. 181-51, 84 f.).
3.2.
Zu den Kopfschmerzen führte der neurologische Gutachter zusammenfassend
aus, die Beschwerdeführerin gebe an, dass diese durch Einnahme nicht steroidaler
Schmerzmittel kupiert würden, was im Widerspruch dazu stehe, dass solche im Serum
nicht nachgewiesen worden seien (IV-act. 181-71). Als Folge von Verletzungen, wie sie
die Beschwerdeführerin beim Unfall erlitten habe, verbleibe in seltenen Fällen ein
Spannungskopfschmerz, dem allerdings die von der Beschwerdeführerin beschriebene
Symptomatik nicht entspreche. Ein Kopfschmerzkalender werde nicht geführt und eine
neurologische Abklärung sei trotz der beklagten Intensität und Dauer der Schmerzen
nicht veranlasst worden (IV-act. 181-72).
3.2.1.
Aktenkundig sind zwar beklagte stets zervikal beginnende Kopfschmerzen mit
Übelkeit, Erbrechen und Licht- und Lärmempfindlichkeit im Anschluss an das
Unfallereignis vom 15. Juli 1999 (Bericht Dr. E._ vom 28. Januar 2000, IV-act. 3-4 f.).
Im weiteren Verlauf war die Beschwerdeführerin jedoch hauptsächlich wegen der in
Schulter und Arm ausstrahlenden Beschwerden der HWS in neurologischer bzw.
neurochirurgischer Abklärung oder Behandlung (vgl. Berichte von Dr. med. U._,
Facharzt für Neurochirurgie, vom 12. März 2014, IV-act. 181-154 f., Prof. Dr. med.
V._, Arzt Klinik für Neurochirurgie des KSSG, vom 13. März 2014, IV-act. 135;
Dr. M._ vom 2. Februar 2016, IV-act. 181-139, und vom 3. Februar 2016, IV-
act. 181-136 f., der Klinik für Neurochirurgie KSSG vom 1. März 2016, IV-act. 168,
3.2.2.
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sowie der Klinik W._ vom 7. Juni 2016, IV-act. 181-147 f.). Aufgrund des
Ansprechens der Kopfschmerzen auf Analgetika und der im Aktenverlauf ersichtlichen
Verlagerung der Schmerzen ist nicht davon auszugehen, dass hinsichtlich der
Kopfschmerzen eine Verbesserung eingetreten ist und die Beschwerdeführerin nicht
mehr unter die Arbeitsfähigkeit dauerhaft und relevant einschränkenden
Kopfschmerzen leidet.
Zu prüfen ist die Beurteilung der von der Halswirbelsäule ausgehenden sowie die
Schultern und Arme betreffenden Beschwerden.
3.3.
Die Beschwerdeführerin begab sich ab 16. Februar 2014 wegen einer
rechtsseitigen Zervikobrachialgie in ärztliche Behandlung und wurde an die Klinik für
Neurochirurgie des KSSG überwiesen. Dort wurde ein Schulter-Arm-Syndrom rechts
mit/bei fehlendem motorischem Defizit, initial Zervikobrachialgie mit Besserung der
Zervikalgie unter konservativer Therapie, festgehalten. Unter ausgebauter Analgesie sei
es zu einer Besserung der Zervikalgie gekommen, es persistierten jedoch rechtsseitige
Schulterschmerzen mit einer Ausstrahlung in den rechts-lateralen Oberarm. Am
Unterarm komme es radial zu einem Kältegefühl mit einer Ausstrahlung in sämtliche
fünf Finger und dadurch zu einer diffusen, schmerzbedingten Kraftminderung, so dass
ungewollt Gegenstände fallen gelassen würden. Der klinisch-neurologische Befund sei
unauffällig gewesen (IV-act. 135-5). Ein MRI der HWS vom 25. Februar 2014 zeigte eine
Kompression der Nervenwurzel C7 rechts, eine mögliche Irritation der Nervenwurzel C7
links und eine geringgradige Kompression der Nervenwurzel C6 am Forameneingang
bei rechtsforaminaler subligamentär verbliebener Diskushernie HWK 6/7 und flacher
medio-rechtsseitig bis rechtsforaminaler Diskushernie HWK 5/6 (IV-act. 181-141).
Schliesslich bot Prof. V._ eine Operation (Dekompression und Fusion HWK 5-7 mit
Ersatz der Bandscheiben durch ein Cage-System) an; eine Operationsindikation sei
gegeben, da die Beschwerden auf konservativem Wege nicht zu beseitigen seien
(Bericht vom 13. März 2014, IV-act. 135-4). Ebenso riet Dr. U._ zu einer Operation,
falls der Trend zu Besserung abreisse oder es zu einer Verschlechterung kommen
sollte. Er hielt weiter fest, klinisch sei eine Schonhaltung bemerkbar mit minimal nach
rechts geneigtem Kopf und Meiden von spontanen Rotationsbewegungen des
Nackens (Bericht vom 12. März 2014, IV-act. 181-154 f.). Dr. M._ fand
elektroneuromyographisch keine Hinweise für eine motorische C5-Th1 -
Nervenwurzelläsion, ein Carpaltunnelsyndrom, eine N. radialis-Läsion, ein Sulcus-
ulnaris-Syndrom, eine untere Plexus brachialis-Läsion rechts oder eine
3.3.1.
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Polyneuropathie (Bericht vom 11. Dezember 2015, IV-act. 181-151). Hingegen ergab
eine neue MRI-Untersuchung der HWS vom 16. Dezember 2015 eine im Vergleich zur
Voruntersuchung neue bzw. deutlich zugenommene flächenhafte medio-rechtsseitig
bis rechtsforaminale Diskushernie HWK 4/5 mit Kompression respektive Irritation der
C5-Nervenwurzel rechts im foraminalen Verlauf (Bericht MRI HWS, IV-act. 163). Im
Bericht vom 3. Februar 2016 führte Dr. M._ als Diagnose eine ausgeprägte
Zervikobrachialgie mit sensibler C7-Radikulopathie rechts bei mediolateral rechts bis
rechts-foraminaler Diskushernie auf Höhe HWK 4/5 mit C5-Nervenwurzelirritation
rechts sowie bekannter Discushernie auf Höhe HWK 6/7 mit C7-
Nervenwurzelkompression rechts und bekannter mediolateraler bis rechts-foraminaler
Diskushernie auf Höhe HWK 5/6 mit C6-Wurzelirritation an. Die Versicherte berichte
über eine erhebliche Zunahme der seit Sommer 2015 tendenziell zunehmenden
Nackenschmerzen und des Taubheitsgefühls im rechten Unterarm ulnar seit Ende
2015. Klinisch-neurologisch hätten sich eine dezente Parese des ulnaren Handbeugers
(M4+), eine Hypästhesie annähernd dem C7-Dermatom rechts, eine erhebliche
Nackenmuskulatur-Verspannung mit Ausstrahlung der Nackenschmerzen bis zum
Schulterbereich rechts im Rahmen der kraniocervicalen Provokationsmanöver
feststellen lassen. Elektroneuromyographisch hätten sich unauffällige Befunde des
rechten Armes ergeben. Zusammenfassend handle es sich um eine Exazerbation der
vertebrogenen Zervikobrachialgie. Die Nackenschmerzen hätten teilweise
neuropathischen Charakter (IV-act. 181-136 f.). Im Bericht der Klinik für Neurochirurgie
des KSSG vom 1. März 2016 wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin berichte
über eine sich seit Dezember (2015) langsam bessernde Schmerzsymptomatik. In der
neurologischen Untersuchung zeigten sich mit Ausnahme der Angabe einer
Hypästhesie im volaren Unterarmbereich keine weiteren Ausfälle. Es handle sich um ein
in den letzten Jahren immer wieder rezidivierendes zervikobrachiales und
zervikozephales Schmerzsyndrom bei bildgebend nachgewiesener degenerativer
Affektion der HWS, schwerpunktmässig C6/7. Die von der Versicherten beklagten
Beschwerden seien durch die Bildgebung in weiten Teilen erklärt. Bei fehlenden
Ausfällen und in Anbetracht der in den letzten Wochen eingetretenen Besserung sei
eine Operation erst angezeigt, wenn die Versicherte mit den Beschwerden trotz
konservativer Behandlung nicht mehr zurecht komme (IV-act. 168).
Der rheumatologische Gutachter hielt fest, die Beschwerdeführerin habe bei der
Untersuchung (im Bereich der HWS) keine Schmerzen angegeben (IV-act. 181-58). Das
zervikovertebrale Achsenskelett sei zurzeit stabil und gut kompensiert ohne Hinweise
für eine Facettengelenkssymptomatik oder eine radikuläre Reiz- oder
3.3.2.
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Ausfallsymptomatik. Auch fortgeleitete Missempfindungen oder eine reflektorische
myofasziale Dysbalance lasse sich nicht feststellen (IV-act. 181-59). Die HWS sei frei
beweglich ohne wahrnehmbare Schmerzperzeption (IV-act. 181-60). Die angegebene
Hypästhesie im Bereich volarseits des rechten Vorderarmes könne neurologisch nicht
eingeordnet werden, bei wiederholter Befragung werde die Qualität unterschiedlich
angegeben, einmal verbunden mit verminderter Gefühlswahrnehmung, einmal mit einer
Dysästhesie, einmal könne die Versicherte die Einschränkung kaum beschreiben. Es
fehle eine neurogene resp. Head'sche Zuordnung (IV-act. 181-51). Entgegen dem
Bericht der Klinik für Neurochirurgie vom 1. März 2016 bestehe keine
Operationsindikation (IV-act. 181-61). Auch der neurologische Gutachter führte aus, an
der HWS sei keine radikuläre Symptomatik auslösbar (IV-act. 181-63). Die Wirbelsäule
sei frei beweglich ohne wesentlichen Druck- oder Klopfschmerz (IV-act. 181-65). Die
elektrophysiologische Untersuchung insbesondere auch des N. medianus und des
N. ulnaris rechts war unauffällig (IV-act. 181-67 f.). Somit konnten weder der
rheumatologische noch der neurologische Gutachter funktionelle, die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigende Einschränkungen im Bereich der HWS oder der Arme objektivieren.
Damit übereinstimmend war bereits zuvor nach einer klinisch-neurologischen
Untersuchung in der Klinik für Neurochirurgie vom 22. Februar 2014 festgehalten
worden, klinisch-neurologisch bestehe hinsichtlich der zervikovertebralen
Beschwerden bzw. des Schulter-Arm-Syndroms ein unauffälliger Befund (IV-
act. 135-5).
Zusammenfassend besteht für die geklagten Beschwerden zwar ein
bildgebendes Korrelat, jedoch sind keine funktionellen Auswirkungen objektivierbar.
Massgebend für die invalidenversicherungsrechtliche Beurteilung sind die funktionellen
Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit, während die behandelnden Ärzte
entsprechend ihrer Aufgabe und ihrer Betrachtungsweise vom Vorhandensein der
Beschwerden im beklagten Ausmass ausgehen. Aus den Berichten der behandelnden
Ärzte geht nicht hervor, dass sich die bildgebend feststellbaren radikulären Befunde
funktionell auswirken. Die Gutachter konnten nicht nur keine solchen Befunde erheben,
sondern fanden auch verschiedene Diskrepanzen und Inkonsistenzen (vgl. dazu unten,
Erw. 3.6.2). Weiter berichtete die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung im
Juni 2016, sie habe ihre Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen kündigen müssen.
Sie komme mit den Schmerzen nicht klar, vor allem leide sie an Rückenschmerzen (IV-
act. 181-44 f.). Da sie sich im Juni 2016 wegen seit April 2016 bestehender Lumbago
mit ausstrahlenden Schmerzen notfallmässig in Behandlung begeben hatte (Bericht
Notfallaufnahme Klinik W._ vom 7. Juni 2016, IV-act. 181-147 f.) und auch gegenüber
3.3.3.
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dem rheumatologischen Gutachter angab, seit April 2016 bestünden neu
Missempfindungen rechts paralumbal und paralumbosakral mit Einbezug der Ober-
und Unterschenkelweichteile und in den Zehen II, III und IV rechts (IV-act. 181-57), ist
davon auszugehen, dass sich diese geschilderte Verschlechterung vor allem auf die
lumbalen Beschwerden bezieht. Somit erscheint insgesamt schlüssig und
nachvollziehbar, dass die geltend gemachten von der HWS ausgehenden
Beschwerden die Arbeitsfähigkeit in quantitativer Hinsicht nicht einschränken.
Zu beurteilen sind sodann die lumbalen Beschwerden. Ein
Lumbovertebralsyndrom mit pseudoradikulärer Ausstrahlung wurde erstmals nach
einem Sturz vom 19. Februar 1999 diagnostiziert (Bericht ZeTuP vom 21. April 1999,
IV-act. 3-12). Im Bericht der Klinik für Neurochirurgie des KSSG vom 24. Februar 2014
wurden intermittierende lumbale, aber selbstlimitierende Schmerzen beschrieben. Der
damalige klinisch-neurologische Befund war unauffällig (IV-act. 135-5). Im Bericht der
Notfallaufnahme Klinik W._ vom 7. Juni 2016 wurde eine seit April 2016 bestehende
und seit drei Wochen progrediente Lumbago mit ausstrahlenden Schmerzen ins linke
Gesäss festgehalten (IV-act. 181-179 f.). Der rheumatologische Gutachter befand, das
lumbosakrale Achsenskelett sei frei und uneingeschränkt beweglich. Die beklagten
Beschwerden lumbal entsprächen vereinzelten myofaszialen Triggerpunkten rechts
paralumbal mit Beckenkamm-Tendinose rechts dorsolateral, das lumbosakrale
Achsenskelett sei frei und uneingeschränkt beweglich. Es handle sich um versible
Weichteilveränderungen unter einer adäquaten entsprechenden Therapie (IV-
act. 181-59 f.). Der neurologische Experte verneinte auch in Bezug auf die LWS eine
klinisch objektivierbare neuropathische bzw. radikuläre Symptomatik (vgl. IV-
act. 181-70). Somit ist auch von Seiten der lumbalen Wirbelsäule keine funktionelle
Einschränkung und somit dauerhafte wesentliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
objektivierbar.
3.4.
Es verbleibt die Überprüfung der Einschätzung der Beschwerden aus psychiatrischer
Sicht.
3.5.
Der psychiatrische Gutachter hielt fest, nach Angaben der Beschwerdeführerin
sei das psychische Befinden stark wechselhaft. Sie sei durch Albträume im
Zusammenhang mit dem erlittenen Unfall belastet und habe Schwierigkeiten mit dem
Gedächtnis und der Konzentration. Sie leide häufig unter innerer Unruhe, Reizbarkeit,
Müdigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen und Aggressivität (IV-act. 181-84 f.). Er
3.5.1.
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erhob klinisch unauffällige Befunde betreffend Aufmerksamkeit, Konzentration und
Gedächtnis. Die fliessende und genaue Schilderung der Lebensgeschichte und
Entwicklung der Beschwerden deute auf unauffällige mnestische Funktionen hin (IV-
act. 181-88 f., 95, 105). Die klinische psychopathologische Untersuchung ergab auch
in den Bereichen Affekt und Persönlichkeit keine auffälligen Befunde und keine
Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung oder posttraumatische Belastungsstörung
(IV-act. 181-95, 96 f.). Die Kardinalsymptome einer Depression seien nicht gegeben, da
sich objektiv kein Interessenverlust, keine anhaltend gedrückte Stimmung und keine
erhöhte Müdigkeit feststellen liessen. Es gebe auch keine Hinweise auf ein
vermindertes Selbstwertgefühl, keine Schuldgefühle, keinen verminderten Appetit und
keine depressiv bedingten Schlafstörungen (IV-act. 181-96). Es bestehe keine
depressive Auslenkung der Grundstimmung, die Psychomotorik sei unauffällig. Die in
den Akten wiederholt dokumentierte depressive Störung habe sich zurückgebildet (IV-
act. 181-100, 105). Die beklagten kognitiven und funktionalen Defizite, begleitet von
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie vermehrter Erschöpfbarkeit,
könnten analog dem erhobenen psychopathologischen Befund nach ADMP nicht
objektiviert werden. Die Angaben lägen im rein Subjektiven (IV-act. 181-100, 105).
Unter Würdigung der Versicherungsakte, der Exploration und der psychiatrischen
Untersuchung sei diagnostisch von einer undifferenzierten Somatisierungsstörung
(ICD-10: F45.1), differenzialdiagnostisch chronische Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), auszugehen. Darüber hinaus lägen
psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (Alkohol),
überwiegend wahrscheinlich Abhängigkeitssyndrom, episodischer Substanzgebrauch
(ICD-10: F10.26), differenzialdiagnostisch schädlicher Gebrauch (ICD-10: F10.10), und
darüber hinaus durch Tabakkonsum (ICD-10: F17.24) vor (IV-act. 181-97, 102). Der
Experte beurteilte die genannten Diagnosen als nicht geeignet, um das positive
Leistungsbild mittel- und längerfristig zu mindern (IV-act. 181-102). Aus psychiatrischer
Sicht sei eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkeiten auf dem ersten
Arbeitsmarkt ausgewiesen (IV-act. 181-103).
Der Beschwerdeführerin waren nach dem Unfall vom 15. Juli 1999
verschiedentlich eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine schwere
depressive Episode diagnostiziert worden (Arztbericht Sozialpsychiatrische
Beratungsstelle X._ vom 14. Dezember 2000, IV-act. 9-3 f.; psychiatrisches
Gutachten Dr. med. Y._ [zitiert in den Zivilprozessakten, IV-act. 50-10 ff. und
127-86 ff.]; psychiatrisches Gutachten Dr. med. H._, Psychiatrische Poliklinik Zürich,
vom 31. Oktober 2006, IV-act. 50-19 ff.; Ergänzungsgutachten Dr. H._ vom
3.5.2.
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22. August 2008, IV-act. 126-9 ff.). Dr. H._ blieb im Wesentlichen bei seiner
Beurteilung, nachdem sich im Verlauf des Zivilprozesses herausgestellt hatte, dass die
Beschwerdeführerin offenbar im Mai 1998, rund ein halbes Jahr, bevor sie erneut
schwanger geworden war, einen Schwangerschaftsabbruch hatte vornehmen lassen
(Erster Parteivortrag vom 2. Dezember 2008, IV-act. 128-48). Sodann wurde
festgehalten, durch Berichte der Notfallaufnahme des Kantonsspitals St. Gallen seien
Suizidversuche am 28. April und 13. November 2002 belegt (Zweiter Parteivortrag vom
17. August 2009, IV-act. 127-7). Weiter aktenkundig ist ein Suizidversuch mit Alkohol
und Tabletten im Jahr 2004 (Austrittsbericht Psychiatrisches Zentrum Z._ vom
19. Dezember 2016, IV-act. 185). Im Standortgespräch vom 12. Januar 2016 bei der IV-
Stelle gab die Beschwerdeführerin unter anderem zu Protokoll, es gehe ihr psychisch
besser, es sei ein langer Prozess gewesen (IV-act. 161-8). Mit dem Ereignis vom
15. Juli 1999 habe sie abgeschlossen. Ihr Sohn (mit dem sie damals schwanger war)
sei ein gesunder, begabter Mann geworden (IV-act. 161-19). Dr. I._ berichtete am
6. Juli 2017 zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin, diese sei vom
16. Januar 2004 bis 4. Oktober 2016 bei ihr in Behandlung gewesen. Sie sei während
der Behandlung nicht stabil, chronisch psychisch krank und suizidgefährdet gewesen
und sei auch immer wieder von anderen Ärzten behandelt und nach wiederholten
Suizidversuchen hospitalisiert worden. Seit anfangs 2016 habe die Versicherte unter
einer rezidivierenden depressiven Störung, schwere Episoden ohne psychotische
Symptome, chronifiziert (ICD-10: F33.2) gelitten. Sie sei auch im Jahr 2016 100 %
arbeitsunfähig gewesen und habe eine intensive medikamentöse und
psychotherapeutische Behandlung benötigt (IV-act. 191; vgl. auch Berichte vom 18.
Dezember 2006, IV-act. 53, und vom 19. Februar 2011, IV-act. 68-3 f.). Nach Angaben
der Beschwerdeführerin verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand ab Herbst 2016
(Einwand, IV-act. 184). Vom 12. Oktober bis 30. November 2016 musste sie stationär
behandelt werden, da sie, nach ihrer Schilderung ausgelöst durch eine verbale
Auseinandersetzung mit ihrem Ehemann, eher unbewusst und nicht in suizidaler
Absicht, 18 bis 20 Tabletten Temesta à 1 mg eingenommen hatte (Austrittsbericht
Psychiatrisches Zentrum Z._ vom 19. Dezember 2016, IV-act. 185). Für eine
dissimulierte Suizidabsicht ergeben sich aus dem Bericht keine Hinweise.
Der aktuellste dem psychiatrischen Gutachter vorliegende Bericht seiner
Fachrichtung war der Verlaufsbericht von Dr. I._ vom 3. Oktober 2014. Dort hatte
Dr. I._ festgehalten, der Gesundheitszustand sei stationär. Wie im letzten Bericht
erwähnt bestünden grosse Schwankungen (Hoffnungslosigkeit, immer wieder
auftretende Selbstmordgedanken, IV-act. 137-2 f.). Dr. I._ behandelte die
3.5.3.
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Beschwerdeführerin offenbar bis 4. Oktober 2016, mithin bis zur stationären
Behandlung nach der geschilderten Temestaintoxikation (vgl. Bericht Dr. I._ vom
6. Juli 2017, IV-act. 191, und Austrittsbericht Psychiatrisches Zentrum Z._ vom
19. Dezember 2016, IV-act. 185). Die Tatsache der noch andauernden Behandlung und
Einnahme von Fluoxetin waren ihm bekannt (IV-act. 181-87, 96). Sodann nahm
Dr. L._ in Kenntnis der erneuten Verschlechterung im Herbst 2016 am 20. Juli 2017
Stellung, diese sei durch äussere psychosoziale Faktoren ausgelöst und im Verlauf der
Behandlung stabilisiert worden. Im Bericht vom 6. Juli 2017 werde die Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit nicht durch aktuelle objektivierbare Befunde begründet; er liefere
gegenüber den früheren Akten keine neuen Erkenntnisse. Es handle sich um eine
abweichende Einschätzung desselben Sachverhalts (IV-act. 192). Dem ist insoweit zu
folgen, als der Bericht die Frage nach den Befunden lediglich mit der Nennung der
Diagnose beantwortet und als er auf einen seit Beginn der Behandlung im Januar 2004
und auch im Jahr 2016 nach wie vor bestehenden instabilen und chronisch
pathologischen psychischen Zustand hinwies (IV-act. 191). Die Beschwerdeführerin
wurde nach Entlassung aus der stationären Behandlung in wöchentlichem Rhythmus
ambulant therapiert. Im Arztbericht vom 24. Mai 2018 hielt med. pract. T._ unter
anderem fest, die rezidivierende depressive Störung sei gegenwärtig teilremittiert. Seit
dem stationären Aufenthalt sei es zweimalig zu erneuten mittelgradig depressiven
Episoden gekommen. Es sei künftig mit hoher Wahrscheinlichkeit von weiteren
depressiven Episoden auszugehen (act. G 8.1). Auch dieser Bericht erwähnt keine
objektivierten Befunde, welche das psychiatrische Gutachten in Frage zu stellen
vermögen.
Der psychiatrische Gutachter hielt anamnestisch einen zeitweise beachtlichen
Alkoholkonsum der Beschwerdeführerin fest, welcher ihren Ehemann immerhin
veranlasste, sie diesbezüglich zu kontrollieren, und der offenbar auch im
Zusammenhang mit dem Medikamentenüberkonsum eine Rolle spielte (IV-act. 181-49,
86). Er stellte entsprechende Diagnosen (IV-act. 181-97), liess diese aber in der Folge
in die Beurteilung nicht mehr einfliessen, was dahingehend zu verstehen ist, dass er
ihnen keine die Arbeitsfähigkeit einschränkende Bedeutung zumass. Dies erscheint in
Anbetracht der offenbar unauffälligen Laborwerte (vgl. IV-act. 181-54) und weil
aufgrund der Problematik keine Behandlung oder Attestierung einer Arbeitsunfähigkeit
aktenkundig ist, nachvollziehbar. Folglich sind in psychiatrischer Hinsicht keine
Beschwerden objektivierbar, welche eine vom Gutachten abweichende Diagnostik
begründeten.
3.5.4.
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3.6.
Aufgrund der Diagnose einer undifferenzierten Somatisierungsstörung (ICD-10:
F45.1) bzw. differenzialdiagnostisch einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) ist das strukturierte
Beweisverfahren anzuwenden (BGE 141 V 281). Dasselbe gilt neuestens auch für die
abhängigkeitsassoziierten Diagnosen (BGE 145 V 215). Es ist somit zu prüfen, ob die
administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten – gegebenenfalls
im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im
Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 309 E. 8; Urteil
des Bundesgerichts vom 13. April 2016, 9C_168/2015, E. 2.2.3).
3.6.1.
Mit Blick auf die somatischen Befunde bzw. die Schmerzstörung waren klinisch
keine schwerwiegenden funktionellen Beeinträchtigungen festzustellen. Was die
Depression anbelangt, dürfte gerade auch vorliegend massgebend sein, dass der
Gutachter die Befunde unter Wirkung der Therapie erhebt und beurteilt, während die
behandelnde Ärztin die Diagnosen mit entsprechendem Schweregrad festhält, welche
behandelt werden, also ohne Berücksichtigung der therapeutischen Wirkung. Somit
erscheint plausibel, dass die mittelgradigen bis schwergradigen depressiven Phasen
durch die Behandlung mittelfristig jeweils soweit aufgefangen werden können, dass
eine längerfristige schwere Beeinträchtigung der Funktionalität nicht entsteht. In
diesem Zusammenhang ist auch auf die unterschiedliche Aufgabe und
Betrachtungsweise von behandelnder Arztperson und Gutachter hinzuweisen (vgl. dazu
BGE 124 I 175, E. 4, Urteile des Bundesgerichts vom 27. September 2017,
8C_295/2017, E. 6.4.2, vom 24. November 2015, 9C_353/2015, E. 4.1 und vom
29. September 2009, 9C_661/2009, E. 3.2). Dass die Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstörung nicht mehr gestellt wird, ist mit Blick auf die oben erwähnte
Aussage der Beschwerdeführerin anlässlich des Standortgesprächs, wonach sie mit
dem Unfallereignis vom 15. Juli 1999 mittlerweile abgeschlossen habe (IV-act. 161-19),
nachvollziehbar. Auch für Auffälligkeiten im Bereich der Persönlichkeit ergeben sich
aus den medizinischen Akten keine Anhaltspunkte. Zu den Ressourcen hielt der
psychiatrische Experte fest, die Fähigkeiten zur Anpassung an Regeln und Routinen,
zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, die Flexibilität/Umstellungsfähigkeit, die
Fähigkeit zur Anwendung fachlicher Kompetenzen, die Entscheidungs- und
Urteilsfähigkeit, die Durchhaltefähigkeit, die Selbstbehauptungsfähigkeit, die
Kontaktfähigkeit zu Dritten, die Gruppenfähigkeit, die Fähigkeit zu familiären bzw.
intimen Beziehungen, zu Spontanaktivitäten, zur Selbstpflege sowie die
Verkehrsfähigkeit seien nicht beeinträchtigt (IV-act. 181-90 ff.). Des Weiteren fanden
3.6.2.
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die Gutachter verschiedene Inkonsistenzen und Diskrepanzen: Der rheumatologische
Gutachter notierte, die Angaben betreffend Schmerzmitteleinnahme seien ambivalent
und vage. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Versicherte bei einem so gut
kompensierten Zustand Schmerzmittel einnehme, zumal sie eine freie
uneingeschränkte Beweglichkeit zeige ohne wahrnehmbare Schmerzperzeption, weder
im Bereich der HWS noch im Bereich des lumbosakralen Übergangs. Dazu passend
seien Ibuprofen, Metamizol und Lornoxicam im Serum nicht nachweisbar (IV-
act. 181-60). Das neurologische Gutachten hielt fest, insbesondere aufgrund der
allgemeinen Indizien, unter anderem unbeobachtetes Gangbild, Schnelligkeit und
Ablauf der Bewegungen, Mitschwingen der Arme, Spontanmotorik, spontane
Kopfdrehungen, fehlende Positionswechsel oder entlastende Bewegungen während
der Untersuchung, speditives An- und Auskleiden, der Schmerzschilderung, Indizien
zum Ausschluss einer hirnorganischen Störung (Konzentration, Merkfähigkeit), ergäben
sich Hinweise auf nicht in vorhandenem Umfang geklagte Beschwerden im Sinne von
Aggravation. Die beklagte Intensität und das Ausmass der Beschwerden seien mit dem
alltäglichen Aktivitätsniveau nicht vereinbar. Die Konsistenzprüfung habe daher
Diskrepanzen und Inkonsistenzen ergeben (IV-act. 181-73). Zusammenfassend
ergäben die Befunde ein in sich unschlüssiges, inkonsistentes Bild (Aktenlage,
Eigenanamnese, Beobachtung, Untersuchungsbefunde, Selbsteinschätzungsskalen,
Medikamentenmonitoring; IV-act. 181-74). Die neuropsychologische Gutachterin führte
aus, die in der Symptomvalidierung erzielten Resultate lägen weit unter denen, die bei
motivierter Mitarbeit zu erreichen seien (IV-act. 181-80). Die Reaktionszeitmessung sei
nicht mit den Modellen normaler oder pathologischer Hirnfunktion zu erklären. Es sei
höchst wahrscheinlich, dass die Versicherte bei diesem Test aggravierte Reaktionen
gezeigt habe (IV-act. 181-81). Weiter hätten die eklatanten mnestischen
Funktionsverluste nicht dem im Gespräch gewonnenen Eindruck entsprochen, die
verlangsamten Reaktionszeiten hätten eine neurophysiologisch nicht erklärbare
Variabilität gezeigt, es seien Inkonsistenzen innerhalb der Beschwerdeschilderung
aufgefallen (wechselhafte, vage, unpräzis-ausweichende Schilderung) und es seien
Inkonsistenzen zwischen dem behaupteten Leidensausmass und fehlender
Erkennbarkeit von Leidensdruck aufgefallen (IV-act. 181-81 f.). Die Leistungstests
könnten inhaltlich nicht ausgewertet werden wegen mangelnder Mitarbeit. Aus
neuropsychologischer Sicht könne daher keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
vorgenommen werden (IV-act. 181-82). Im psychiatrischen Gutachten wurde dargelegt,
insgesamt habe die Versicherte während der ganzen Untersuchung nicht
schmerzgequält gewirkt. Sie habe sich immer wieder demonstrativ erhoben und wieder
hingesetzt. Dabei sei kein Leidensdruck zu beobachten gewesen (IV-act. 181-88, 95).
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4.
Die Beschwerdeführerin gab bei ihrer Anmeldung vom 1. Dezember 2000 an, sie sei als
Geschäftsinhaberin einer Gebäudereinigungsfirma in den Jahren 1993 - 1999
selbständig erwerbend gewesen und habe ein monatliches Einkommen von Fr. 6'500.--
erzielt (IV-act. 2-4). Hochgerechnet auf ein Jahreseinkommen und unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung gemäss Lohnentwicklung des
Bundesamtes für Statistik (BFS, Tabelle T 30; Indices Frauen: 2190; 2014: 2673) ergibt
dies einen Jahresverdienst von Fr. 95'203.--. In Anbetracht der im Auszug aus dem
Es bestünden Diskrepanzen zwischen der subjektiv geschilderten Intensität und der
Vagheit der Beschwerden, zwischen massiven subjektiven Beschwerden und der
erkennbaren körperlich-psychischen Beeinträchtigung in der Untersuchungssituation,
zwischen schwerer subjektiver Beeinträchtigung und weitgehend intaktem
psychosozialem Funktionsniveau bei der Alltagsbewältigung, zwischen dem Ausmass
der geschilderten Beschwerden und der Intensität der bisherigen Inanspruchnahme
therapeutischer Hilfe (niederfrequente fachärztliche Betreuung), zwischen dem
erkennbaren klinischen Bild und den Ergebnissen der neuropsychologischen Tests
sowie zwischen den zeitnah zur Untersuchung als eingenommen angegebenen
(analgetischen) Medikamenten und deren (fehlendem) Nachweis im Blutserum. Die
vorliegenden Befunde ergäben somit bei kritischer Würdigung ein in sich
unschlüssiges, inkonsistentes Bild (IV-act. 181-101). Die Standardindikatoren des
normativen strukturierten Beweisverfahrens wurden somit ausreichend diskutiert und
berücksichtigt.
Zusammenfassend berücksichtigt das Gutachten die angegebenen Beschwerden,
die erhobenen Befunde und die wesentlichen medizinischen Vorakten vollständig. Die
diagnostische Beurteilung und die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit scheinen in
Anbetracht der unterschiedlichen Aufgabe von behandelnden und begutachtenden
Arztpersonen und der aufgezeigten Diskrepanzen und Inkonsistenzen nachvollziehbar
und schlüssig. Auf das Gutachten des MZR vom 23. September 2016 ist daher
abzustellen und davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin spätestens im
Zeitpunkt der Begutachtung in adaptierten Tätigkeiten zu 100 % arbeitsfähig war.
Mithin liegt eine Verbesserung des Gesundheitszustandes und damit einhergehend der
Arbeitsfähigkeit vor und ist ein Revisionsgrund gegeben. Die Berichte der
behandelnden Ärztinnen und Ärzte enthalten keine objektivierenden Befunde, welche
die Beurteilung der Gutachter in Frage zu stellen vermögen, insbesondere auch nicht,
dass sich daran bis zum massgeblichen Verfügungszeitpunkt etwas verändert hätte. Es
ist somit von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
3.7.
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individuellen Konto (IK) vom 7. Dezember 2000 verzeichneten Einkommen von je
Fr. 33'400.-- in den Jahren 1998 und 1999 (IV-act. 4-1) und der Steuerfaktoren der
Jahre 1996 bis 1998 (Fr. 43'462.--, Fr. 63'920.--, Fr. 26'667.--; IV-act. 7) erscheint dies
nicht ohne Weiteres plausibel. Wie es sich damit verhält, kann indes mit Blick auf das
Invalideneinkommen offen bleiben: Das hypothetische Jahreseinkommen im
Gesundheitsfall, also bei 100 %iger Tätigkeit und Arbeitsfähigkeit, beträgt gemäss
Angabe der Arbeitgeberin vom 3. Oktober 2014 Fr. 71'500.-- pro Jahr (IV-act. 136). Ein
ähnlich hohes Jahreseinkommen von Fr. 69'983.-- resultiert, wenn das angegebene
tatsächliche Einkommen von 13 x Fr. 1'615.-- vom ebenfalls angegebenen 30 %- auf
ein 100 %-Pensum aufgerechnet wird. Da das Gutachten der Beschwerdeführerin in
der (inzwischen aufgegebenen) Arbeit eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit attestiert ohne
besondere Einschränkungen bezüglich (zusätzlicher) Ruhepausen etc., entspricht das
genannte Einkommen dem Invalideneinkommen. Selbst wenn davon ausgegangen
würde, dass die Beschwerdeführerin aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen
eine geschäftsleitende Funktion nicht mehr zu 100 % ausüben könnte und somit von
einem Valideneinkommen von rund Fr. 95'000.-- und einem Invalideneinkommen von
rund Fr. 70'000.-- ausgegangen würde, würde kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad resultieren.
5.