Decision ID: 6a093557-d70c-4e96-accc-545811f539f8
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ bezog seit April 2004 für die beiden Kinder B._ (Jahrgang 20_) und C._
(Jahrgang 20_) Kinderzulagen für Selbständigerwerbende (act. G 5.1.2, 5.1.4, vgl.
auch Verfügung vom 6. Februar 2004: act. G 5.1.5, act. G 5.1.6, 8ff.). Im Januar 20_
meldete er der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) die Geburt
seiner Tochter D._ (20_), worauf er auch für sie Kinderzulagen ausbezahlt erhielt
(act. G 5.1.18ff.).
A.a.
Mit Schreiben vom 3. November 2017 teilte die SVA A._ mit, der Anspruch auf
Familienzulagen für B._ ende am 30. November 2017. Falls das Kind noch in
Ausbildung sei, könnten die Familienzulagen auch weiterhin bezogen werden. Für die
Verlängerung sei eine Kopie der Ausbildungsbestätigung einzureichen (act. G 5.1.41).
A.b.
Am 7. Dezember 2017 reichte A._ persönlich bei der SVA den
Ausbildungsnachweis für seinen Sohn B._ ein. Dabei erfuhr der ihn betreuende
Mitarbeiter der SVA, dass die drei Kinder mit der Mutter im E._ wohnhaft waren.
Nach Abklärung beim Einwohneramt F._ sei der Wegzug für alle drei Kinder per
1. Oktober 2010 bestätigt worden (act. G 5.1.42).
A.c.
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Mit Verfügung vom 13. Dezember 2017 teilte die SVA dem Vater mit, sie habe auf
Grund der Anspruchsprüfung feststellen müssen, dass sich die Kinder B._, C._ und
D._ sowie die leibliche Mutter in der Schweiz per 1. Oktober 2010 abgemeldet hätten
und in den E._ weggezogen seien. Familienzulagen für Kinder im Ausland würden
ausgerichtet, wenn zwischenstaatliche Vereinbarungen dies vorsähen. In seinem Fall
sei diese Voraussetzung nicht erfüllt. Deshalb würden die Familienzulagen rückwirkend
zurückgefordert. Seit Dezember 2012 ergebe sich eine Rückforderung von total
Fr. 36'400.-- (act. G 5.1.44).
A.d.
Mit Schreiben vom 10. Januar 2018 reichte A._ bei der SVA ein Erlassgesuch
betreffend die Rückerstattungsverfügung vom 14. (richtig: 13.) Dezember 2017 ein. Er
führte aus, als er seine Familie im Jahr 2010 beim Einwohneramt abgemeldet sowie der
SVA St. Gallen mitgeteilt habe, dass seine Familie in den E._ gezogen sei, sei diese
Information von einem Mitarbeiter der SVA aufgenommen und als in Ordnung erklärt
worden. Nachdem er im November 2017 das Schreiben der SVA erhalten habe, mit der
Bitte, eine Ausbildungsbestätigung einzureichen, habe er einen (anderen) Mitarbeiter
der SVA wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass sein Sohn den gesetzlichen
Wohnsitz im Ausland habe. Der Mitarbeiter habe ihm erklärt, dass die SVA auch für
Kinder mit Wohnsitz im Ausland eine Ausbildungsbestätigung brauche. Auf Grund
dessen habe er eine solche Schulbestätigung aus dem E._ vorbeigebracht, worauf
ein weiterer Mitarbeiter der SVA ihm mitgeteilt habe, dass er wohl keinen Anspruch auf
Kinderzulagen habe. Da er der SVA den Wegzug gemeldet habe und nicht wissen
könne, dass ein Anspruch auf Zulagen nur bei Bestehen eines Abkommens zwischen
der Schweiz und dem Wohnsitzstaat des Kindes gegeben sei und der E._ kein
solches Abkommen mit der Schweiz abgeschlossen habe, treffe ihn jedoch keine
Schuld. Die Schulen, in welche seine Kinder gehen würden, würden ihn im Jahr
zwischen Fr. 8'000.-- und Fr. 10'000.-- kosten. Abgesehen davon zahle er immer noch
Raten bei der SVA ab. Er lebe schon so sehr knapp und es sei ihm unmöglich, einen so
hohen Betrag abzuzahlen (act. G 5.1.46).
A.e.
Mit Verfügung vom 19. Januar 2018 wies die SVA das Gesuch von A._ um Erlass
der Rückforderung von Familienzulagen ab. Nach interner Überprüfung habe sie
festgestellt, dass A._ im Rahmen der Individuellen Prämienverbilligung (IPV) im
Februar 2011 der entsprechenden Abteilung mitgeteilt habe, dass seine Familie im
A.f.
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B.
2010 weggezogen sei. Eine Mitteilung an die Abteilung Familienzulagen sei aber
ausgeblieben. Auf Grund von Datenschutzbestimmungen finde kein automatischer
Datenaustausch zwischen den einzelnen Abteilungen der SVA statt. Die Abteilung
Familienzulagen habe erstmals im Dezember 2017 Kenntnis vom Wegzug seiner
Familie erhalten. Da er die zuständige Abteilung nicht informiert und auch keine
Anfrage zur Klärung des Familienzulagenbezugs eingereicht habe, habe er seine
Meldepflicht verletzt. Deshalb erachte die SVA den guten Glauben als nicht gegeben.
Damit bestehe keine Möglichkeit auf Erlass, weil der gute Glaube und die grosse Härte
kumulativ erfüllt sein müssten (act. G 5.1.47).
Gegen diese Verfügung reichte A._ mit Schreiben vom 31. Januar 2018
vorsorglich Einsprache ein (act. G 5.1.49). Mit Einsprachebegründung vom 14. März
2018 machte er geltend, dass er seine Meldepflicht als erfüllt betrachte, da er beim
Wegzug seiner Familie sämtliche Ämter informiert habe. Er habe keine Möglichkeit
gehabt, über die internen Datenschutzbestimmungen der SVA bezüglich
Datenaustausch zwischen den verschiedenen Abteilungen Kenntnis zu erlangen. Daher
könne diese Begründung nicht überzeugen. Die zweite Begründung der SVA, er habe
auch keine Anfrage zur Klärung des Familienzulagenbezugs eingereicht, treffe nicht zu.
Da er sich besser mündlich als schriftlich in der deutschen Sprache ausdrücken könne,
habe er in dieser Zeit mehrmals den persönlichen Kontakt mit der SVA bzw. der
Abteilung Familienzulagen sowie auch mit anderen Abteilungen gesucht, welche er
über den Wegzug seiner Familie in den E._ informiert habe. Gleichzeitig habe er sich
über den Anspruch bezüglich der Zulagen für seine Kinder abgesichert. Nach seinem
Wissen müssten die persönlichen Gespräche gleichwertig angesehen werden wie
schriftlich eingereichte Anfragen/Dokumente. Somit müssten die besprochenen
Fragen/Themen/Bemerkungen vom entsprechenden Mitarbeiter in das jeweilige
Dossier übernommen werden. Da diese persönlichen Gespräche offenbar nicht
ordnungsgemäss dokumentiert worden seien, er sie jedoch geführt habe, sehe er seine
Kontrollpflicht als erfüllt. Zudem habe er die Steuerbescheinigungen über die
Familienzulagen auch immer dem Steueramt weitergleitet, welches seit dem Jahr 2010
gewusst habe, dass seine Familie in den E._ gezogen sei. Somit habe er die
Meldepflicht und auch mehrmals die Kontrollpflicht erfüllt und sei folglich gutgläubig
B.a.
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gewesen. Weiter führte er aus, es falle ihm täglich schwerer, seine Arbeit zu
bewältigen. Ob umsatztechnisch oder auf Grund seiner Gesundheit, mit der er zu
kämpfen habe. Natürlich habe er die Zulagen, welche er für seine Kinder erhalten habe,
immer direkt für sie investiert. Unter all diesen erschwerenden Umständen sei es ihm
unmöglich, diesen Betrag zurückzuzahlen. Er könne kaum mehr schlafen, weil ihn
enorme Zukunftsängste plagten. Er kämpfe schon jetzt Tag für Tag für seine Existenz
und die seiner Familie. Zudem habe er mit all den anderen monatlich anfallenden
Rechnungen schon ausreichend Sorgen. Er wolle nicht noch in ein tieferes Loch fallen
für etwas, wofür er nichts könne (act. G 5.1.51).
Mit Einspracheentscheid vom 20. August 2018 wies die SVA die Einsprache ab.
Sie führte aus, dass der Einsprecher auf den jeweiligen Verfügungen betreffend
Kinderzulagen auf die Meldepflicht aufmerksam gemacht worden sei. Konkret sei auf
den Verfügungen jeweils darauf hingewiesen worden, dass alle Änderungen in den
persönlichen Verhältnissen, die den Anspruch auf Familienzulagen beeinflussen
könnten, umgehend gemeldet werden müssten. Beispielhaft auf den jeweiligen
Verfügungen erwähnt worden seien Geburts- und Todesmeldungen, über drei Monate
andauernde Arbeitsunfähigkeiten, Veränderung des Zivilstandes, Erwerbsaufnahme
oder Stellenwechsel des anderen Elternteils, Änderung des Sorgerechts sowie die
Änderung des Wohnsitzes oder der Abbruch der Ausbildung eines Kindes. Damit sei
der Einsprecher explizit darauf hingewiesen worden, dass eine Änderung des
Wohnsitzes eines Kindes bei der Ausgleichskasse St. Gallen zu melden sei. Indem er
den Wegzug seiner Kinder lediglich gegenüber der Abteilung Individuelle
Prämienverbilligung erwähnt habe, sei er seiner Meldepflicht nicht nachgekommen.
Zwischen der Abteilung Individuelle Prämienverbilligung der SVA St. Gallen und der
Ausgleichskasse St. Gallen bestehe kein Konnex. Der Einsprecher hätte nicht darauf
abstellen dürfen, dass die einzelnen Abteilungen und Ämter eine Mutationsmeldung
weiterleiten würden. Dass Änderungen in den persönlichen Verhältnissen betreffend die
Kinderzulagen direkt bei der Ausgleichskasse zu melden seien, sei dem Einsprecher
bekannt gewesen. Anders lasse es sich nicht erklären, dass er seine Adressänderung
im Februar 2009 korrekt bei der Ausgleichskasse St. Gallen gemeldet habe. Damit sei
der Einsprecher seiner Meldepflicht nicht nachgekommen, weshalb sich eine Prüfung
der restlichen Voraussetzungen für einen Erlass erübrige (act. G 5.1.54).
B.b.
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C.
Mit Beschwerde vom 20. September 2018 lässt A._ durch Rechtsanwalt
M. Strehler, Frauenfeld, die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 20. August
2018 sowie den Erlass der verfügten Rückforderung von Fr. 36'400.-- beantragen;
unter Entschädigungsfolgen. Zur Begründung führt der Rechtsvertreter aus, es müsse
vorliegend davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer im Rahmen seiner
persönlichen Kontakte mit den Mitarbeitern der Ausgleichskasse seiner Meldepflicht
bereits vollumfänglich nachgekommen sei. Darüber hinaus läge jedoch auch dann
keine Meldepflichtverletzung vor, wenn der Beschwerdeführer den Wegzug der Familie
tatsächlich nur im Rahmen der Individuellen Prämienverbilligung der entsprechenden
Stelle der SVA gemeldet hätte. Von der Organisation und dem Aufbau der SVA und
dem Datenaustausch zwischen den einzelnen Ämtern habe der Beschwerdeführer - um
seiner Meldepflicht genügend nachzukommen - keine detaillierten Kenntnisse haben
müssen. Selbst ohne die mündlichen Meldungen an die zuständigen Mitarbeiter der
Ausgleichskasse der SVA hätte der Beschwerdeführer darauf vertrauen dürfen, dass
seine Meldung gegenüber der für die Prämienverbilligung zuständigen Stelle auch an
die übrigen Abteilungen weitergeleitet werde. Schliesslich trete die SVA St. Gallen nach
aussen für Laien erkennbar als Einheit auf. Dies verdeutliche z.B. gerade auch die
Verfügung der SVA St. Gallen vom 19. Januar 2018, welcher ebenfalls nicht
entnommen werden könne, welche Abteilung zuständig sei (act. G 1).
C.a.
Mit Ergänzung vom 26. Oktober 2018 hält der Rechtsvertreter fest, dass die
Kontakte zwischen dem Beschwerdeführer und der SVA von letzterer nur ungenügend
dokumentiert worden seien. Der Umstand, dass die mündlichen Meldungen des
Beschwerdeführers nicht in der Form von Aktennotizen festgehalten worden seien,
dürfe sich nicht zu Ungunsten des Beschwerdeführers auswirken (act. G 3).
C.b.
Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 15. November
2018 unter Verweis auf den angefochtenen Entscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 5).
C.c.
Mit Schreiben vom 6. Dezember 2018 beteuert der Beschwerdeführer persönlich
erneut, dass er den Wegzug seiner Familie telefonisch bei der SVA gemeldet habe. Ihm
sei bekannt, dass sobald man die Steuererklärung einreiche und sich dabei etwas
C.d.
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Erwägungen
1.
ändere (wie beispielsweise Selbständigkeit, Einkommen etc.), dies der SVA gemeldet
werde. Es sei daher für ihn nicht nachvollziehbar, warum nicht auch diese Abmeldung
weitergeleitet worden sei. Sofern er die Abmeldung hätte verheimlichen wollen, hätte er
nicht dasselbe nochmals im Antrag angegeben. Des Weiteren habe nicht einmal der
Mitarbeiter der SVA gewusst, ob er noch Anspruch auf Zulagen habe, als er die
Schulbestätigung für seinen Sohn eingereicht habe. Hätte er gewusst, dass ihm die
Zulagen nicht zustünden, wäre es nicht zu diesem Schaden gekommen (act. G 7).
In dem als Erlassgesuch bezeichneten Schreiben vom 10. Januar 2018 führte der
Beschwerdeführer noch aus, er wolle den ganzen Fall noch einmal geprüft haben.
Insbesondere machte er dazu geltend, den Wegzug der Kinder in den E._ gemeldet
zu haben und ausserdem nicht in der Lage zu sein, den zurückgeforderten Betrag
abzahlen zu können (act. G 5.1.46). Die Beschwerdegegnerin behandelte dieses
Schreiben ausschliesslich als Erlassgesuch und wies dieses in der Verfügung vom 13.
Dezember 2017 ab. Im anschliessenden Einsprache- und Beschwerdeverfahren (in
letzterem anwaltlich vertreten) machte der Beschwerdeführer ausschliesslich geltend,
die Voraussetzungen des guten Glaubens und der finanziellen Härte zu erfüllen und
beantragte den Erlass der Rückforderung. Ein Anfechtungswillen bezüglich der
Rechtmässigkeit der Rückforderung ist in den Eingaben des Beschwerdeführers nicht
zu erkennen. Die Rückforderung ist demnach vom Gericht nicht mehr zu überprüfen.
Streitig und vorliegend einzig zu beurteilen ist die Frage, ob die Rückforderung vom
13. Dezember 2017 in der Höhe von Fr. 36'400.-- zu erlassen ist.
1.1.
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten. Wer Leistungen aber
in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse
Härte vorliegt (Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 4 f. der Verordnung über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSV; SR 830.11]). Voraussetzungen
für den Erlass einer Rückforderung sind somit das Vorhandensein des guten Glaubens
beim Empfang der Leistungen und die grosse Härte. Der gute Glaube wird vermutet
(Art. 3 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210]; Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N 47 zu Art. 25; Ulrich Meyer-Blaser, Die
Rückerstattung von Sozialversicherungsleistungen in: ZBJV 131/1995 S. 481). Ein
gutgläubiger Bezug einer Sozialversicherungsleistung liegt vor, wenn das Bewusstsein
1.2.
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2.
über den unrechtmässigen Leistungsbezug fehlt, sofern dieses Fehlen in einer
objektiven Betrachtungsweise unter den konkret gegebenen Umständen entschuldbar
ist. Die empfangende Person darf sich nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern
auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben (BGE 110 V 280 E. 3c;
Kieser, a.a.O., N 33 zu Art. 25). Weiter ist zwischen dem guten Glauben als fehlendem
Unrechtsbewusstsein und der Frage zu unterscheiden, ob sich jemand unter den
gegebenen Umständen auf den guten Glauben berufen kann bzw. ob er bei zumutbarer
Aufmerksamkeit den bestehenden Rechtsmangel hätte erkennen sollen (BGE
122 V 223 E. 3; AHI-Praxis 2/1994 S.123 E. 2c). Wer einen Rechtsmangel kennt, gilt
diesbezüglich nicht als gutgläubig. Sodann darf sich diejenige Person nicht auf den
guten Glauben berufen, welcher der Mangel bei Anwendung zumutbarer
Aufmerksamkeit erkennbar gewesen wäre. Dabei ist diejenige Aufmerksamkeit
geboten, die nach den Umständen verlangt werden kann. Dies lässt sich nur im
Einzelfall in Würdigung aller Gegebenheiten beurteilen, wobei von objektiven Kriterien
auszugehen ist (BGE 120 V 335 f. E. 10a).
Dem Untersuchungsgrundsatz zufolge haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht von sich aus und ohne Bindung an die Parteibegehren für
die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu
sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a; vgl. Art. 61 lit. c und d ATSG). Dies schliesst die
Beweislast der Versicherten im Sinne einer Beweisführungslast aus. Die Parteien tragen
mithin in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der
Entscheid zuungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten will (BGE 115 V 44 E. 2b).
1.3.
Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht
dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen
überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern
das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts
genügt der Beweisanforderung nicht (BGE 117 V 360 E. 4a mit Hinweisen).
1.4.
Vorliegend macht der Beschwerdeführer geltend, in Bezug auf die erhaltenen
Familienzulagen gutgläubig gewesen zu sein, da er den Wegzug seiner Familie in den
E._ einem Mitarbeiter der SVA gemeldet habe. Dieser habe ihm bestätigt, dass dies
so in Ordnung sei (act. G 5.1.46). Wie die Beschwerdegegnerin nach interner Prüfung
feststellte, habe der Beschwerdeführer im Rahmen der Individuellen
2.1.
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Prämienverbilligung im Februar 2011 der entsprechenden Abteilung mitgeteilt, dass
seine Familie im 2010 weggezogen sei. Eine Mitteilung an die Abteilung
Familienzulagen sei jedoch ausgeblieben (act. G 5.1.47). Demgegenüber hielt der
Beschwerdeführer in der Einsprachebegründung vom 14. März 2018 fest, er habe
mehrmals den persönlichen Kontakt mit der Abteilung Familienzulagen gesucht, welche
er über den Wegzug seiner Familie in den E._ informiert habe. Gleichzeitig habe er
sich über den Anspruch bezüglich der Zulagen für seine Kinder abgesichert. Diese
Gespräche hätten von den jeweiligen Mitarbeitern ins jeweilige Dossier übernommen
werden müssen. Da dies jedoch offenbar nicht der Fall sei, er diese Gespräche aber
geführt habe, sehe er seine Kontrollpflicht als erfüllt. Des Weiteren pflege die SVA mit
dem Einwohneramt und dem Steueramt eine enge Zusammenarbeit, denen er den
Wegzug ebenfalls korrekt gemeldet habe. Da das Steueramt bereits seit dem Jahr 2010
gewusst habe, dass seine Familie in den E._ gezogen sei, frage er sich, ob die SVA
zu seinen Meldungen nicht auch eine Meldung des Steueramtes erhalten habe (act.
G 5.1.51). Wie sein Rechtsvertreter weiter festhielt, sei der Beschwerdeführer sowohl
im Rahmen seiner mündlichen Meldungen gegenüber der Ausgleichskasse als auch mit
der dokumentierten Meldung gegenüber der Abteilung für die Individuelle
Prämienverbilligung der SVA St. Gallen seiner Meldepflicht vollumfänglich
nachgekommen. Damit liege keine Meldepflichtverletzung vor, welche den guten
Glauben ausschliessen könne (act. G 1).
Vorab ist festzuhalten, dass die grundsätzliche Pflicht zur Meldung des Wegzugs
einer die Zulagen begründenden Person nicht bestritten wird. Vielmehr macht der
Beschwerdeführer geltend, er habe alle Ämter, insbesondere auch die SVA, über den
Wegzug der Familie orientiert. Vorliegend geht aus den Akten hervor und ist
unbestritten, dass der Beschwerdeführer für seine mündlichen, gemäss dem Schreiben
vom 6. Dezember 2018 behaupteten telefonischen (act. G 7) Kontakte mit der
Abteilung Familienzulagen der Beschwerdegegnerin keine Beweise vorlegen kann. Es
ist bezüglich dieser Kontakte somit von Beweislosigkeit auszugehen, welche vom
Beschwerdeführer zu tragen ist. Die Beschwerdegegnerin räumt jedoch ein, dass der
Beschwerdeführer im Zusammenhang mit einem Gesuch um individuelle
Prämienbefreiung im Februar 2011 der "entsprechenden Abteilung" mitgeteilt habe, die
Familie sei im Jahr 2010 weggezogen. Eine Mitteilung an die Abteilung Familienzulagen
sei jedoch unterblieben (act. G 5.1.47; vgl. auch act. G 5.1.55-2 I Ziff. 4). Es ist
demnach zu prüfen, ob der Beschwerdeführer gutgläubig davon ausgehen durfte, mit
dieser Meldung an die für die individuelle Prämienverbilligung zuständige Abteilung der
SVA seiner Meldepflicht auch gegenüber der Abteilung Familienzulagen
nachgekommen zu sein.
2.2.
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Bei der Durchführungsstelle für individuelle Prämienverbilligung handelt es sich um
eine Abteilung der kantonalen Ausgleichskasse. Die kantonale Ausgleichskasse führt
auch die Familienausgleichskasse des Kantons St. Gallen. Die kantonale
Ausgleichskasse ist - wie die IV-Stelle - eine Dienststelle der SVA (Organigramm der
SVA; abrufbar unter www.svasg.ch: Über uns > Organisation). Dass allerdings
zwischen den beiden Abteilungen kein Datenaustausch stattfand, war korrekt, denn
wie jedes andere öffentliche Organ sind die Familienausgleichskasse und die Abteilung
Prämienverbilligung verpflichtet, die ihnen gesetzlich übertragenen Aufgaben
selbständig zu erfüllen. Die organisatorisch-administrative Verknüpfung entbindet sie
nicht davon, bei ihrer Aufgabenerfüllung die Datenschutzbestimmungen einzuhalten.
Der "interne" Datenaustausch zwischen den beiden Abteilungen richtet sich also nach
den gleichen Bestimmungen wie der Datenaustausch zwischen anderen Organen der
einzelnen Sozialversicherungen (vgl. zur Verneinung eines automatischen
Informationsaustausches zwischen der AHV-Rentenabteilung und der EL-Stelle: Urteil
des Versicherungsgerichts vom 26. September 2019, AHV 2018/6). Da die
Familienausgleichskasse jedoch in den Zulagenverfügungen (vgl. u.a. act. G 5.1.2,
5.1.4, 5.1.23, 5.1.25, 5.1.28) immer nur unter dem Namen "Sozialversicherungsanstalt
des Kantons St. Gallen" oder "SVA St. Gallen" und nie als Familienausgleichskasse
auftrat bzw. handelte, kann dem Beschwerdeführer keine Kenntnis eines fehlenden
automatischen Informationsaustausches auf Grund von Datenschutzbestimmungen
entgegengehalten werden. Schliesslich wird auch in dem in den Zulagenverfügungen
enthaltenen Hinweis auf die Meldepflicht für anspruchsrelevante Änderungen im
Familienzulagen-Verfahren eine Meldung an die SVA und nicht eine explizit an die für
Familienzulagen zuständige Abteilung oder an die Familienausgleichskasse gerichtete
Meldung verlangt (vgl. u.a. act. G 5.1.23, 5.1.25, 5.1.28). Nachdem der
Beschwerdeführer seine Meldung somit unbestrittenermassen mindestens einmal an
die SVA, d.h. zwar belegtermassen einzig an die Abteilung für individuelle
Prämienverbilligung der SVA, vornahm, ist seine Gutgläubigkeit in Bezug auf die
Erfüllung der Meldepflicht gegenüber der für die Familienzulagen zuständigen Abteilung
der SVA zu bejahen.
2.3.
Bei Selbständigerwerbenden wie dem Beschwerdeführer hängt der Anspruch auf
Familienzulagen davon ab, ob das Erwerbseinkommen nicht einen Grenzwert
überschritten (bis 2012: Fr. 65'000.--) bzw. einen solchen nicht unterschritten hat (2013
- 2014: Fr. 7'020.--, ab 2015 - 2018: Fr. 7'050.--, vgl. Art. 13 Abs. 3 des
Bundesgesetzes über die Familienzulagen [FamZG; SR 836.2]). Ob die
Einkommensgrenzen eingehalten sind, erfährt die SVA jeweils über das Steueramt.
Daher ist dem Beschwerdeführer auch zuzustimmen, dass zwischen dem Steueramt
2.4.
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3.
und der Ausgleichskasse ein Informationsaustausch mindestens bezüglich des
Einkommens aus selbständiger Tätigkeit stattfindet. Wenn der Beschwerdeführer somit
davon ausgegangen ist, dass die zuständige Familienausgleichskasse über den
Wegzug der Kinder ins Ausland informiert worden sei bzw. ohne seine Meldung
sowieso informiert worden wäre, nachdem er den Wegzug bei den Ämtern,
insbesondere dem Einwohneramt und dem Steueramt, gemeldet habe, erscheint das
ebenfalls nachvollziehbar. Insgesamt ist eine fehlende Rückversicherung des
Beschwerdeführers bei der Familienausgleichskasse somit nicht als grobe
Pflichtwidrigkeit zu werten.
Vor diesem Hintergrund kann dem Beschwerdeführer keine grobfahrlässige
Verletzung der Meldepflicht und der Kontrollpflicht bezüglich des Empfangs der
Familienzulagen vorgeworfen werden. Entsprechend ist seine Gutgläubigkeit zu
bejahen. Ob auch die kumulativ notwendige Erlassvoraussetzung der grossen Härte
erfüllt ist (vgl. Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG), wurde von der Beschwerdegegnerin nicht
geprüft. Die Sache ist daher an sie zurückzuweisen, damit sie das Kriterium der
grossen Härte prüfen und im Anschluss daran erneut über das Erlassgesuch befinden
kann.
2.5.
Gestützt auf die obigen Ausführungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen,
der angefochtene Einspracheentscheid vom 20. August 2018 ist aufzuheben und die
Sache zu neuer Verfügung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).3.2.
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.--
bis Fr. 15'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte keine Kostennote
ein. Vorliegend rechtfertigt sich auf Grund des einfachen Schriftenwechsels und der
beschränkten Rechtsfrage eine Parteientschädigung von Fr. 2'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer).
3.3.
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