Decision ID: 8ef21b7d-72f9-4a9a-a2d0-0e6788e0a6c8
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1958 geborene
X._
,
Theologe mit a
b
geschlossenem Hochschul
studium
, war
seit August 1995
als Sach
be
arbeiter
Finanzen
beim
Y._
im Teilzeitpensum
tätig
(
Urk.
7/13)
.
Auf
grund der im J
anuar
2007 erfolgten Anmeldung
(
Urk.
7/4)
sowie nach
berufli
che
n
und medizinische
n
Abklärungen
verneinte
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, m
it Verfügung vom 4.
Februar 2008 einen Ren
tenanspruch
des Versicherten
gestützt au
f
einen Invaliditätsgrad von 29.60
%
(
Urk.
7/24).
Im Januar 2013 liess d
ie aus beruflicher Vorsorge leistungspflichtige Pensionskasse
der Stadt Zürich
der IV-Stelle den Vertrauensärztlich
en Untersu
chungsbericht von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17.
Januar 2013
sowie
das
Schreiben
des behandeln
den Hausarztes
Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, vom 1
0.
Oktober 2012
zukommen
(Urk.
7/25/1-11 =
Urk.
7/28/1-11,
Urk.
7
/28
/12-14). Mit Datum vom 30.
April
2013
meldete sich der Versicherte
unter Hinweis auf eine rezi
divierende depressive Symptomatik
bei der IV-Stelle erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/29)
. Daraufhin zog die IV-
S
telle einen aktuellen Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug vom 2
5.
Juni 2
013
,
Urk.
7/33) bei,
tätigte berufliche und medizinische Abklärungen und beauftragte ihren Abklärungsdienst mit der Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit des Versicherten im Haushalt (Abklärungsbericht vom
8
.
Oktober 2013,
Urk.
7/37
).
Mit
Mitteilung vom 29.
November 2013
wies die IV-Stelle den Ver
sicherten im Rahmen seiner Schadenminderungspflicht an, sich einer fachärztli
chen psycho- und
pharmakotherapeutischen
Behandlung zu unterziehen (
Urk.
7/39). Zeitgleich stellte sie dem Versicherten
mangels
invaliden
versiche
rungs
rechtlich
relevante
n
Gesundheitsschaden
s
die Abweisung seines
Renten
begehrens
in Aussicht
(
Vorbescheid vom 2
9.
November 2013,
Urk.
7/41).
Dage
gen
erhob der Versicherte am
8.
Januar 2014 Einwand (Urk. 7/44; mit ergän
zender Begründung vom 1
4.
Februar 2014,
Urk.
7/46). Nach
Beizug
einer inter
nen Stellungnahme (
Urk.
7/48) hielt die IV-Stelle an ihrem Standpunkt fest und wies das Rentenbegehren im angekündigte
n
Sinne mit Verfügung vom
25.
Februar 2014
(
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer,
vertreten durch Karin
Wüthrich
,
Procap
Schweiz, am 2
8.
März 2014 Beschwerde und beantragte, es die Verfügung vom 2
5.
Februar 2014 aufzuheben und ihm spätestens ab
1.
Februar 2014 eine
Vier
telsrente
der Invalidenversicherung auszurichten (
Urk.
1).
Mit
Beschwerdeant
wort
vom 1
2.
Mai 2014 beantragte
die
Beschwerdegegnerin die Rückweisung
zur erneuten Begründung (
Urk.
6). Mit Verfügung vom 1
4.
Mai 2014 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
8).
Der
Beschwerdeführer
hielt
repli
cando
an seinen Anträgen fest (
Urk.
11).
Mit
Duplik vom
3.
September
hielt auch
die
Beschwerdegegnerin
an ihrem
Rückweisung
santrag fest
,
eventualiter sei der Beschwerdeführer als 80
%
erwerbsfähig zu qualifizieren und die
Invali
ditätsbemessung
anhand eines Einkommensvergleichs vorzunehmen (Ur
k.
14)
. Am
4.
Sept
ember 2014
wurde
dem Beschwerdeführer
das Doppel dieser Eingabe zur Kenntnis gebracht
(
Urk.
15).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die Akten ist, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsgesetzes
[
ATSG
]
).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt
also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
An diesem Grundsatz ändert auch das kürzlich publizierte Urteil des Bundesgerichts vom
3.
Juni 2015 (9C_492/2014, insbesondere E. 3.7) nichts.
1.3
Gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 Prozent, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie min
des
tens zu 60 Prozent, auf eine halbe Rente
, wenn sie mindestens zu 50 Pro
zent, oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 Prozent invalid sind.
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125
V
351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der an
gefochtenen Verfügung,
gemäss ihren
Abklärungen
sei
aus versicherungsrechtlicher Sicht kein relevanter
Gesund
heitsschaden
ausgewiesen, welcher Leistungen der Invalidenversicherung aus
zulösen vermöge.
Zwar stelle
eine „rezidivierende depressive Störung“ aus medizini
scher
Sicht eine Erkrankung dar
. Aus
Sicht des Rechtsanwenders
liege damit
jedoch
keine
lang
an
dauernde
, schwere Erkrankung
im Sinne eines rechts
erheblichen
Gesundheitsschaden
s
vor (
Urk.
2).
2
.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer im Wesentlichen ein, die Beschwerde
-
geg
nerin
habe ihren Entscheid einzig mit einer allgemeinen Formu
lierung
betreffend depressive
Störungen begründet und sich im
Einwandver
fahren
mit
seinen
Vorbringen
nicht
auseinandergesetzt. Dieses Vorgehen stelle eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar (
Urk.
1 S
.
6
+
8
).
Sodann habe die
IV-Sachbearbeiterin
im Rahmen ihres Fazits nicht begründet, inwiefern die vor
handenen Ressourcen eine höhere, nämlich 80%ige Erwerbsfähigkeit ermögli
chen sollten (
Urk.
1 S. 9).
Dr.
Z._
habe eine schwere a
ffektive Störung mit dauerhaftem
Charakter zweifelsfrei objektiviert
(
Urk.
1 S. 7). Da vorliegend keine Schmerzerkrankung vorliege
,
stelle die diagnostizierte mittelgradig depressive Episode
auch nicht bloss eine
Begleiterkrankung, sondern
vielmehr
eine eigenständige psychiatrische Erkrankung dar
, welche
ihre hinreichende Erklärung
denn
auch nicht
erst
in psychosozialen oder soziokulturellen Umständen
f
i
nde
(
Urk.
1 S. 8).
Ausserdem habe er
(der Beschwerdeführer)
jah
relang fachärztli
che Hilfe in Anspruch genommen, ohne dass
sich d
ie depressive Symptomatik
verbessert
hätte
. Trotzdem habe er seine Arbeitsfähigkeit in erheblichem Umfang erhalten können.
Schliesslich
habe die
Beschwerdegegne
rin
ausser Acht gelassen, dass er nicht nur eine regelmässige Gesprächstherapie bei seinem Hausarzt wahrnehme, sondern auch seit Jahren konsequent die ärzt
lich verordnete Pharmakotherapie durchführe.
Der RAD habe die Empfehlung zur Aufnahme einer fachärztlichen Psycho- und Pharmakotherapie im Rahmen der Schadenminderungspflicht denn auch nicht begründet (
Urk.
1 S. 9). Zusammenfassend
sei die objektive Überwindbarkeit der psychischen Erkran
kung von Vornherein ausgeschlossen und habe er spätestens seit dem
1.
Februar 2014 Anspruch auf eine
Viertelsrente
(
Urk.
1 S. 10).
2.3
In ihrer Beschwer
deantwort führte die Beschwerdegegnerin
zusammengefasst
aus,
entgegen den Ausführungen in der angefochtenen Verfügung sei mit Blick auf
die
frühe Erkrankung des Beschwerdeführers in seinen Jugendjahren das Erfordernis der Dauerhaftigkeit ausgewiesen. Weiter
werde
in der angefochten
en Verfügung nicht begründet
, inwiefern dem Beschwerdeführer die Überwindung seiner psychischen Leiden zuzumuten sei, womit für
diesen
nicht ersichtlich sei, von welchen Überlegungen sie (die Beschwerdegegnerin) sich habe leiten lassen
und auf welche tatsächlichen Gegebenheiten sie sich abgestützt habe. Dies stelle eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, weshalb die Sache zur erneuten Begründung zurückzuweisen sei.
Ferner
sei auch die Qualifikation nicht nach
vollziehbar begründet worden
. Das
80%-Pensum habe der Beschwerdeführer hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen angenommen. Sei doch die
Stel
lensuche
ausserhalb der Universität als Dogmatiker der Theologie nach
seinen
eigen
en Angaben
- ungeachtet dessen, dass er bereits in jungen Jahren gesund
heitlich angeschlagen gewesen sei -
schwierig gewesen
. Im Zeitpunkt der Anstellung bei der Stadt
B._
für ein bevorstehendes Projekt
im Pensum von 80
%
sei er
bereits
ausgesteuert gewesen und habe im Rahmen dieses Projekts
aus wirtschaftlichen und konjunkturellen Grü
nden für niemanden die Möglich
keit bestanden, im Vollzeitpensum zu arbeiten
. Dass
d
er
Beschwerdeführer
bereits damals gesundheitlich bedingt auf ein höheres Pensum verzichtet habe, sei demnach nicht ersichtlich. Vielmehr hätte
er
bei entsprechender Möglichkeit mit überwiegender Wahrscheinlich
keit
eine 100
%
ige Erwerbstätigkeit aufge
nommen. Vor diesem Hintergrund sei davon auszugehen, dass
d
er
Beschwer
deführer auch im Gesundheitsfalle aus wirtschaftlichen Gründen
keine
Vollzeit
stelle
gefunden hätte
,
wofür
die Invalidenversicherung nicht einzustehen
habe
. Ausserdem würden die Haushaltsarbeiten gemäss Abklärungsbericht vorwie
gend von der Ehefrau übernommen, womit kein Ausgabenbereich vorliege und die Invaliditätsbemessung
folglich
anhand eines Einkommensvergleichs zu erfolgen habe (
Urk.
6
).
2.4
Replicando
hielt der Beschwerdeführer
zusammengefasst
dafür, es würden bereits sämtliche
entscheidrelevanten
Unterlagen vorliegen,
womit das Verfah
ren spruchreif und nicht zu weiteren Abklärungen zurückzuweisen sei
(
Urk.
11 S. 2).
Hinsichtlich der
Statusfrage
s
ei
ausgewiesen
, dass er
(der Beschwerdefüh
rer)
sich immer für
Vollzeitstellen beworben habe und
sein ursprüngliches Berufsziel das Amt des Pfarrers gewesen
sei
, womit er heute ohne gesundheitli
che
Einschränkungen zweifellos vollzeitlich erwerbstätig wäre. Wolle doch die Beschwerdegegnerin nicht ernsthaft behaupten, ein Theologe mit a
b
geschlosse
nem Hochschulstudium sei nicht in der
Lage, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine Vollzeitstelle zu finden
. Die Invaliditätsbemessung habe daher nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs zu erfolgen (
Urk.
11 S. 4 ff.).
2.5
Duplicando
wandte die Beschwerdegegnerin
zusammengefasst
ein, entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers würden
nicht
sämtliche
entscheidrelevanten
Unterlagen vorliegen. Vielmehr fehle es an einer vollständigen medizinischen Einschätzung, weshalb neben der Rückweisung zur erneuten Begrü
ndung auch weitere medizinische
Abklärungen notwendig seien.
F
ür den Fall, dass das Gericht das Verfahren als spruchreif betrachte,
sei de
r
Beschwerdeführer als
80
% erwerbsfähig zu qualifizieren und die Invaliditätsbemessung nach Mass
gabe eines Einkommensvergleichs vorzunehmen. Hinsichtlich der
Qualifikati
onsfrage
wiederholte die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen ihre Argumente aus der Beschwerdeantwort (
Urk.
14).
3.
Die Parteien gingen übereinstimmend von einer Verschlechterung des Gesund
heitszustandes
seit der rentenabweisenden Verfügung vom
4.
Februar 2008 aus
.
Mit Blick auf
die gesundheitlich
begründete
Reduktion seines Erwerbspensums von 70
%
auf 60
%
per
1.
Februar 2013
(
Urk.
7/3
4
/3)
sowie
auf
die
Statusän
derung
(
Urk.
7/37/5)
ist
eine
relevante
Veränderung
i
n
den Verhältnissen
des Beschwerdef
ührers
ausgewiesen. Strittig und zu prüfen sind die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
4.
4.1
Mit Schreiben
vom 1
0.
Oktober 2012
zuhanden
C._
,
Human Resources
(HR)-Case Manager
der Stadt
B._
, wies
Dr.
A._
dem Beschwerdeführer ein chronisch depressives Zustandsbild mit einem sekundären Alkoholabusus sowie ein
en
Status nach schwerer Anorexia im frühen Erwachsenenalter aus. In der Vergangenheit hätten mehrere psychiatrische Behandlungen stattgefunden, letztmals im Ja
hre 2006 bei
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie.
Eine Verbesserung des chronischen Zustandsbildes liesse sich nicht mehr erreichen. Der Beschwerdeführer lebe zurückgezogen mit wenig sozialen Kontakt
en
,
Motivation und An
t
rieb. Trotz Reduktion seiner
Arbeitstä
tigkeit
auf 70
%
könne er seinen Verpflichtungen am Arbeitsplatz nur nach
kommen, indem er die vielen Minusstunden mit Ferien un
d unbezahlte
m
Urlaub kompensier
e. Es sei dem Beschwerdeführer zufolge verminderter Leistungsfä
higkeit und Belastbarkeit nicht möglich, seine volle Arbeitszeit von täglich 6 Stunden zu erbringen. Die ihm übertragenen Arbeiten führe e
r
allerdings
zur allgemeinen Zufriedenheit aus.
In den letzten zwei Jahren sei es zu über 80 Krankheitstagen gekommen, weshalb
Dr.
A._
im Hinblick auf eine allfällige Reduktion des Arbeitspensums
abschliessend eine (erneute) vertrauensärztliche Beurteilung empfahl
(
Urk.
7/28/12).
4.2
Am 1
0.
Januar 2013 wurde der Beschwerdeführer von
Dr.
Z._
zuhanden der Pensionskasse der Stadt Zürich
vertrau
e
n
särztlich untersucht (
Urk.
7/25 =
Urk.
7/28/1-11).
Dieser
diagnostizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1,
Urk.
7/25/2
=
Urk.
7/28/2
)
. Es sei dem Beschwerdeführer in den letzten Jahren
trotz Therapien
nicht gelungen, eine Besserung seines Zustandes herbei
zuführen. Am meisten nütze ihm die regelmässige Betreuung durch seinen Hausarzt, mit welchem er regelmässig Gespräche führe.
Gemäss Angaben des Beschwerdeführers lasse
die Konzentration
nach fünf Stunden Arbeit
nach
res
pektive w
ürde es ihm „einfach ablöschen“,
komme
er
in eine Negativspirale und werde
er
depressiv.
In den letzten Monaten sei
ihm
(dem Beschwerdeführer)
aufgefallen, dass e
r
sich fünf Stunden voll auf seine Arbeit konzentrieren und das komplette Aufgabenportfolio (Barbelege, Postdienst, Weiterverrech
n
ung, interne
Verrechnung)
übernehmen könne
.
Mit einem
6
0%-Pensum würde er fünf Stunden täglich arbeiten, solange könne er sich konzentrieren. Dieses Ziel strebe er an.
Er möchte gern bis zu seiner Pensionierung 60
%
arbeiten und ins
gesamt möchte er gern achtzig Jahre alt werden. Nach der Arbeit gehe der Beschwerdeführer nach Hause, trinke ein Bier und beschäftige sich mit dem Computer
oder
der Modelleisenbahn
,
oder
er
gehe mit seiner Ehefrau spazieren. Im
September 2012
habe
ein Standortgespräch mit dem Case Manager und dem Vorgesetzten des Beschwerdeführers stattgefunden. Hierbei sei festgehalten worden, dass
letzterer
in Bezug auf seine Arbeit
s
- und Belastungsfähigkeit mit einem Arbeitspensum von 70
%
überfordert sei. Es habe sich herausgestellt, dass ein Arbeitspensum von 60
%
mit Blick auf die Aufgaben sowie die gesundheitliche und private Situation des Beschwerdeführers realistisch sei.
Auch
Dr.
A._
habe
in seiner
Stellungnahme vom 1
0.
Oktober 2012 nebst der bekannten sekundären Alkoholproblematik vor allem die ausgeprägte depres
sive Sym
ptomatik hervorgehoben und sei
der Meinung, die therapeutischen Mög
lichkeiten für die Genesung und Optimierung der Belastbarkeit, Arbeits-
sowie
Leistungsf
ähigkeit seien ausgeschöpft und
nunmehr
sei alles vorzunehmen
, um den Status Quo zu erhalten.
Im Rahmen der Befunderhebung hielt
Dr.
Z._
weiter
fest, der
Schilde
rungsmodus
des Beschwerdeführers sei in der Sache glaubwürdig. Die
Kommu
nikationsbereitschaft
und der sprachliche Ausdruck seien auf hohem Niveau.
Der bewusstseinsklare
,
allseits orientierte Beschwerdeführer wirke leicht verun
sichert, emotional und angespannt.
Es bestünden keine Zeichen von Gedächt
nisstörungen. Die kognitive Begabung liege im oberen Normbereich. Die Grundstimmung sei je nach Belastung stark bedrückt und die affektive Modula
tionsfähigkeit eingeschränkt. Der Antrieb sei gesteigert. Psychomotorisch wirke der Beschwerdeführer unruhig und
angespannt. Er zeige einen leichten, wahr
scheinlich alkoholbedingten
Tremor. Aktuell
bestünden keine Hinweise auf Selbst- oder Fremdgefährdung. Der formale Gedankengang sei geordnet und kohärent. Demgegenüber fänden sich mittelgradige Einschränkungen der Auf
merksamkeit und Konzentration sowie eine stark verminderte emotionale Belastbarkeit. Zudem liesse
n
sich eine verminderte Stress- und
Frustrationsto
leranz
und konsekutiv
eine Tendenz zum sozialen Rückzug sowie ein deutlich vermindertes Selbstwerterleben feststellen (
Urk.
7/25/3f. =
Urk.
7/28/3f.).
Dr.
Z._
kam zum Schluss, der Beschwerdeführer bewege sich nach eige
nen Angaben sowie aufgrund der
Beurteilung durch den Hausarzt,
der Vorge
setzten sowie des Case Managers mit einer Tätigkeit im Pensum von 60
%
an der oberen Grenze seiner Möglichkeiten. Es habe sich leider in den letzten Jah
ren gezeigt, dass durch Therapien und mit gutem Willen keine weitere Besse
rung
habe
erzielt werden
können.
Die therapeutischen Möglichkeiten seien erschöpft und es gehe in Zukunft hauptsächlich darum
,
den Status Quo (60
%
) bis zur Pensionierung zu erhalten (
Urk.
7/25/5 = 7/28/5).
4.3
Die IV-Stelle unterbreitete
die zitierten Arztberichte
ihrem Regionalen Ärztli
chen Dienst (RAD) zur Prüfung.
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Allge
meinmedizin, kam mit Stellungnahmen vom 1
7.
Juni 2013 und 5. Novem
ber 2013 zum Schluss,
aufgrund des Berichts von
Dr.
Z._
sei spätestens seit Januar 2013 eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und zugleich leidensangepassten Tätigkeit ausgewiesen
. Die Prognose im Hinblick auf die Erhaltung der 60%igen Restarbeitsfähigkeit sei eher schlecht
(Urk.
8/
38
/
2
,
Urk.
8/38/5
).
4.4
E
iner weiteren internen Stellungnahme
nicht
eruierbarer
Urheberschaft datie
rend vom 2
2.
November 2013
ist demgegenüber
als
Fazit zu entnehmen, der Beschwerdeführer
verfüge
über genügend Ressourcen, um
s
einer bisherigen Tätigkeit im Umfang von 80
%
nachzugehen (
Urk.
7/38/7).
Gestützt darauf wies die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
das Gesuch um Rentenerhöhung mit Verfügung vom
2
3.
Februar 2014 ab (Urk.
2).
5.
5.1
Aus den angeführten ärzt
lichen Beurteilungen lassen
sich der Gesundheitszu
stand des Beschwerdeführers und insbesondere deren Auswirkungen
auf seine Arbeitsfähigkeit
im Rahmen der Neuanmeldung nur ungenügend beurteilen.
W
eder mit dem Schreiben von
Dr.
A._
vom
1
0.
Oktober 2012
noch mit der Vertrauensärztlichen Beurteilung vom 1
7.
Januar 20
13 lag der angefochtenen Verfüg
ung vom 2
3.
Februar 2014
ein hinreichend abgeklärter medizinischer Sachverhalt zugrunde, welcher eine abschliessende Beurteilung des Gesund
heitszustandes sowie der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt hätte.
Das Schreiben
von
Dr.
A._
erging durch einen nichtpsychiatrischen Facharzt und ist darüber hinaus
zu wenig aussagekräftig und nicht umfassend genug. Insbesondere
hat
Dr.
A._
Art, Umfang und Dauer der in der Vergangenheit angeblich frequentierten
psychiatrische
n Behandlungen nicht
substantiiert
und fehlt es an einer plausiblen Begründung
für die postulierte
Unmöglichkeit einer Verbesserung des
chronifizierten
Zustandsbildes.
Ist doch mit dem
Bericht d
er
damals behandelnde
n
Dr.
D._
vom
8.
Oktober 2007 immerhin eine
zumindest zwischenzeitliche Teilremission der psychischen Problematik aus
gewiesen
(
Urk.
7/18/1).
Der
vertrauensärztliche Bericht
von
Dr.
Z._
vom 1
7.
Januar 2013
lässt insbesondere
eine
Objektivierung der beklagten Konzentrations- und
Aufmerk
samkeitsdefizite
sowie eine
einlässliche
Auseinandersetzung mit der objektiven Befundlage
vermissen
.
Er stellte
seine Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
vornehmlich
auf die subjektiven Angaben des Beschwerdefüh
rers
,
des
Vorgesetzten und
der
Case Man
a
gers sowie
des besagten hausärztlichen Berichtes
ab
.
Selbstredend vermögen
auch
die knapp gehaltene Beurteilung durch den RAD, welche ohne eigene fachärztliche Untersuchung lediglich gestützt auf die (unzulängliche) Aktenlage erfolgte,
geschweige denn die
nicht nachvollziehbare interne Stellungnahme vom 2
2.
November 2013
den Anforderungen an eine ausreichende medizinische Entscheidungsgrundlage
zu genügen
.
5.2
In Anbetracht dieser Erwägungen ist eine umfassende psychiatrische Abklärung unter Einschluss der Frage, inwiefern sich
ein allenfalls
be
im Beschwerdeführer vorliegende
r
psychische
r
Gesundheitsschaden mit Krankheitswert auf seine Arbeitsfähigkeit auswirkt, anzuordnen. Dabei wird der beurteilende Facharzt entsprechend der neuen Rechtsprechung (
Urteil
des Bundesgerichts
9C_492/2014
vom
3.
Juni 2015
)
auch
zu den neuen Indikatoren Stellung zu beziehen haben.
Zur Mitwirkung daran ist der Beschwerdeführer verpflichtet. Einer allfälligen Weigerung hat die IV-Stelle mit dem Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
nach Art. 43
Abs. 3 ATSG zu begegnen
.
In diesem Sinne
ist
die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene Ent
scheid aufzuheben.
5.3
Da die Beschwerdegegnerin zunächst ergänzende medizinische Abklärungen zu tätigen hat, kann im vorliegenden Beschwerdeverfahren offen bleiben,
ob eine
Rückweisung aus formellen Gründen (zufolge Verletzung des rechtlichen Gehörs)
gerechtfertig
t wäre und
wie es sic
h mit der Invaliditätsbemessung, mit
unter
der Qualifikationsfrage,
im Einzelnen verhält.
Immerhin ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin
sowohl in der angefochtenen Verfügung als auch im vorliegenden Verfahren bei der Invaliditätsbemessung
stets
von der
Anwendbarkeit des Einkommensvergleichs
nach der allgemeinen Methode
im Sinne von
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG
ausging
, womit diesbezüglich – entgegen de
m
(irrigen)
Verständnis
des Beschwerdeführers – zwischen den Parteien Einigkeit besteht.
6.
6.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- fe
stgelegt. Die Kosten sind
ermes
sens
weise
auf
Fr.
7
00.-- festzusetzen und (aufgrund
der rechtsprechungsgemäss eben
falls als vollständiges Obsiegen geltenden R
ückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen V
erfügung) ausgangsgemäss der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach
Art.
34
Abs.
3
GSVGer
hat
der
o
bsiegende Beschwerdeführer Ans
pruch auf eine Prozessentschädi
gu
ng. Diese wird vom Gericht festge
setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwie
rigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen. Vorliegend erscheint eine Prozessentschäd
igung von
Fr.
1‘
6
00
.-- (inkl. Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen
.