Decision ID: 91e30d27-d9f2-4385-86d7-65d47dcf6ae8
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich im August 2010 unter Hinweis auf
mehrere Beschwerden zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an (IV-
act. 1). Seit dem Jahr 2005 war sie nicht mehr erwerbstätig gewesen. Davor hatte sie
an verschiedenen Stellen im Service sowie für kurze Zeit vor der Geburt ihrer Tochter
im Jahr 20_ in einem Telefonmarketing-Institut gearbeitet (IV-act. 96-10 f.).
A.b Im Verlauf des Verfahrens gab die Versicherte an, dass sie seit einem Auffahrunfall
im Jahr 2002 an Rückenschmerzen, insbesondere im Nacken- und
Lendenwirbelsäulenbereich, leide (IV-act. 96-18). Im Juli 2008 hatte sie sich zudem
einer Magenbypass-Operation wegen Adipositas per magna unterzogen (IV-act. 21).
Die damalige Hausärztin der Versicherten, Dr. med. B._ berichtete am 14. Juli 2011
von seit der Operation bestehenden chronisch rezidivierenden Schwäche- und
Schwindelanfällen sowie chronischer Übelkeit der Versicherten. Die Tätigkeit als
Serviceangestellte könnte die Versicherte maximal zwei Stunden und angepasste
Tätigkeiten drei bis fünf Stunden pro Tag ausüben (IV-act. 20). Das Adipositas-Zentrum
des Spitals C._, Klinik für Chirurgie, führte mit Bescheinigung vom 16. September
2011 aus, dass nebst den rezidivierenden abdominellen Schmerzen, Übelkeit und
Erbrechen rezidivierende Hypoglykämien im Sinn einer Spätdumpingsymtomatik
bestünden (IV-act. 25). Dr. med. D._, Fachärztin für Innere Medizin FMH, und seit 3.
April 2012 behandelnde Ärztin der Versicherten, hielt mit Bericht vom 2. Juli 2012 als
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach lap. distalem
Magenbypass mit Cholezystektomie bei morbider Adipositas, ein ausgeprägtes
postoperatives Spätdumping mit rezidivierenden Hypoglykämien und chronischen,
diarrhöischen Stuhlabgängen sowie ein chronisches Lendenwirbelsäulen-Syndrom fest
(IV-act. 53).
A.c Das Psychiatriezentrum E._ hielt sowohl am 13. Januar 2012 als auch am 12.
August 2013 fest, dass die Symptomatik und die komplexe Störungsanamnese aus
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psychiatrischer Sicht unklar bleibe und daher keine sichere Diagnose gestellt und keine
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten abgegeben werden könnten (IV-act.
28 und 82).
A.d Nach der Haushaltsabklärung am 3. Mai 2013 kam die Abklärungsbeauftragte zum
Schluss, dass die Versicherte ohne Gesundheitsschaden vorwiegend aus finanziellen
Gründen 100% erwerbstätig wäre. Im Haushalt würde sich keine relevante
Einschränkung ergeben (IV-act. 78-10).
A.e Am 11. Februar 2014 wurde die Versicherte polydisziplinär im Zentrum für
medizinische Begutachtung (ZMB), Basel, begutachtet (IV-act. 96). Als Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten wurden ein Status nach morbider
Adipositas, ein Status nach laparoskopischem, distalem Magenbypass und
Gelegenheitscholezystektomie am 17. Juli 2008 mit persistierendem Früh- und
Spätdumping und ein Verdacht auf Verwachsungen festgehalten. Relevant in der
Beurteilung des Gesundheitszustands bezüglich Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei
das gastroenterologische Problem. Die Versicherte müsse überdurchschnittlich häufig
eine Toilette aufsuchen und habe immer unangenehme, insbesondere postprandiale
Bauchbeschwerden. Voraussetzung für eine Tätigkeit sei das Vorhandensein einer
erreichbaren Toilette. Weitere Konsequenz sei, dass die Versicherte häufig kleine
Essportionen zu sich nehmen sollte. Bei einer optimal angepassten Tätigkeit sei die
Versicherte in ihrer Arbeitsfähigkeit zu 40% eingeschränkt (IV-act. 96-28 ff.).
A.f Gestützt auf das ZMB-Gutachten (IV-act. 124) stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid
vom 10. Juli 2014 bei einem Invaliditätsgrad von 40% eine Viertelsrente ab dem 30.
Mai 2012 in Aussicht (IV-act. 102). Trotz Einwands der Versicherten vom 20. Juli 2014
(IV-
act. 104) und Schreibens von Dr. D._ vom 18. Juli 2014 (IV-act. 103), die beide eine
volle Arbeitsunfähigkeit geltend machten, verfügte die IV-Stelle am 31. Oktober 2014
die Zusprache einer Viertelsrente ab 1. Mai 2012 (IV-act. 119).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 24.
November 2014. Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) beantragt
sinngemäss, dass auf das ZMB-Gutachten nicht abzustellen und eine erneute
Untersuchung durch einen Facharzt anzuordnen sei (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 16. Februar 2015 beantragt die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Das
polydisziplinäre Gutachten des ZMB erfülle die von der Rechtsprechung aufgestellten
formellen und materiellen Voraussetzungen an ein lege artis abgefasstes Gutachten. Es
könne damit darauf abgestellt werden (act. G 6).
B.c Am 10. März 2015 lässt die mittlerweile vertretene Beschwerdeführerin unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen die Anträge stellen, dass die Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 31. Oktober 2014 aufzuheben und ihr ab Mai 2012
mindestens eine halbe IV-Rente zuzusprechen sei. Zur Begründung führt der
Rechtsvertreter im Wesentlichen aus, dass das gastroenterologische Teilgutachten die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit ca. 50% in einer adaptierten Tätigkeit
beurteile. Dies widerspreche der Gesamtbeurteilung des Gutachtens, welche eine
Leistungseinschränkung von 40% bescheinige. Mit dem gastroenterologischen
Teilgutachten sei deshalb von einer Einschränkung von 50% auszugehen, womit sich
das Invalideneinkommen reduziere. Weiter sei zu Unrecht kein Leidensabzug
vorgenommen worden. Dieser dürfte mindestens 20% betragen. Aus dem
Einkommensvergleich resultiere damit auf jeden Fall ein Invaliditätsgrad von über 50%.
B.d Mit Verfügung vom 13. März 2015 wird dem mit der Replik eingereichten Gesuch
der Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
entsprochen (act. G 9).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet mit Schreiben vom 17. März 2015 auf die
Einreichung einer Duplik (act. G 11).

Erwägungen
1.
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Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Invaliditätsgrad
der Beschwerdeführerin und damit ein Rentenanspruch bzw. dessen Höhe.
1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die: a. ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
1.3 Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen
von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG).
Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das Gericht die Beweise
frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Gericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches
gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen
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und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt.
2.
2.1 Um den Invaliditätsgrad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehen.
2.2 Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4). In Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll
das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten
ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb und cc). Dies gilt auch für
Stellungnahmen behandelnder Spezialärzte (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 6. April 2006, I 803/05, E. 5.5). Widersprechen Berichte
behandelnder Ärzte dem von der Verwaltung bei externen Spezialärzten eingeholten
Gutachten, ist die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch
tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten
fachmedizinischen Experten anderseits zu beachten (Urteil des EVG vom 18. April
2006, I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht zulässig, ein medizinisches Administrativ-
oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen
zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten.
Vorbehalten bleiben aber Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt,
weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher
Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai
2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2).
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2.3 Beim ZMB-Gutachten handelt es sich um ein formgerecht eingeholtes externes
Administrativgutachten (IV-act. 84 ff.), welchem nur bei konkreten Indizien gegen die
Zuverlässigkeit nicht volle Beweiskraft zukommt (vgl. vorstehend Ziff. 2.2). Das
Gutachten ist in Kenntnis und unter Würdigung der Vorakten erstellt worden (IV-act.
96-3 ff.). Es beruht auf eigenständigen Untersuchungen der Gutachter und befasst sich
mit den geklagten Beschwerden (IV-act. 96-13 ff.). Da keine Anhaltspunkte dafür
bestehen, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden sind, gibt
es grundsätzlich keine Gründe, von den gutachterlichen Einschätzungen abzuweichen.
Dies wird mit der Replik der Beschwerdeführerin vom 10. März 2015 auch nicht mehr
beantragt. Auch die Berichte der behandelnden Ärzte der Beschwerdeführerin
(insbesondere IV-act. 20, 21, 28, 50, 53) vermögen keine konkreten Indizien gegen die
Zuverlässigkeit des ZMB-Gutachtens zu nennen, nachdem diese wie das Gutachten
von denselben Befunden ausgehen und in diesen Punkten gegenüber dem Gutachten
keine abweichenden Beurteilungen vorliegen. Was die unterschiedliche
Arbeitsfähigkeitseinschätzung von Dr. D._ betrifft, ist, wie erwähnt, der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass die behandelnden Ärzte in Zweifelsfällen
eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen. Im Weiteren ist aus den
Arbeitsunfähigkeitszeugnissen (vgl. u.a. IV-act. 36, 42, 111) nicht ersichtlich, ob sich
die Einschätzung auf die angestammte oder auch auf angepasste Tätigkeiten bezieht.
Auf das ZMB-Gutachten ist grundsätzlich abzustellen.
3.
3.1 Zu prüfen bleibt, ob auf die Einschätzung des gastroenterologischen
Teilgutachtens, welches von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von ca. 50% spricht (IV-
act. 96-23, Ziff. 4.3.8), oder auf die Gesamtbeurteilung, die von einer Einschränkung
von 40% in optimal angepasster Tätigkeit ausgeht (IV-act. 96-31, Ziff. 11), abzustellen
ist.
3.2 Die Einschätzung des gastroenterologischen Teilgutachtens lautet auf eine
Arbeitsfähigkeit von ca. 50% nach Anpassungen der Tätigkeit und des Arbeitsplatzes
(IV-act. 96-23, Ziff. 4.3.8). Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung bezieht sich offenbar –
trotz der etwas missverständlichen Formulierung – nicht auf eine angepasste Tätigkeit,
sondern auf Anpassungen der angestammten Tätigkeit im Gastronomiebereich und auf
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Anpassungen des Arbeitsplatzes bei angestammter Tätigkeit. Damit steht die
Einschätzung nicht im Widerspruch zu den Ausführungen in der Gesamtbeurteilung der
Konsenskonferenz, welche von einer geschätzten Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin im Gastgewerbe von ebenfalls 50% spricht (IV-act. 96-30, Ziff. 10).
In der nachfolgenden Ziff. 11 beurteilen alle drei Gutachter, damit auch der
gastroenterologische, der das Gesamtgutachten zudem mitunterzeichnet hat, die
Leistungseinschränkung der Beschwerdeführerin in einer optimal angepassten
Tätigkeit, in welcher jederzeit eine Toilette aufgesucht werden kann und auch
Gelegenheit zur Versorgung mit kleinen Essensportionen besteht, mit 40%. Dieser
Einschätzung ist zu folgen (vgl. vorstehende Ziff. 2.3). Für die Beurteilung der Invalidität
ist folglich von einer 60%-igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in adaptierter
Tätigkeit auszugehen.
4.
Im nächsten Schritt ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin festzulegen.
4.1 Die Beschwerdeführerin arbeitete bis zur Geburt ihrer Tochter im Jahr 20_ ins-
besondere im Gastronomiebereich. Danach erzielte sie kein Erwerbseinkommen mehr
(IV-act. 96-11). Am 17. September 2010 führte sie im Fragebogen zur Rentenabklärung
betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt aus, dass sie ohne gesundheitliche
Einschränkungen eine Erwerbstätigkeit ausüben würde (IV-act. 10-2). Bei der
Haushaltsabklärung vom 3. Mai 2013 gab die Beschwerdeführerin an, dass sie ohne
Gesundheitsschaden aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation zu 100%
erwerbstätig wäre (IV-act. 78-5). Unter Berücksichtigung der finanziellen Verhältnisse
qualifizierte die Abklärungsperson die Beschwerdeführerin als 100% Erbwertstätige (IV-
act. 78-10). Von dieser Qualifikation gingen im Anschluss sowohl die Experten im
polydisziplinären Gutachten als auch die Beschwerdegegnerin aus. Zur Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit wurde die Beschwerdeführerin als
angelernte Serviceangestellte klassifiziert (IV-act. 96-30, 102-2). Diese Einschätzungen
(Status der Beschwerdeführerin: 100% Erwerbstätige / angestammte Tätigkeit:
angelernte Serviceangestellte) sind nicht zu beanstanden.
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4.2 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
4.3 Mangels repräsentativer Grundlage für das Valideneinkommen (vgl. den IK-Auszug
in IV-act. 8) sowie in Berücksichtigung der bisherigen Tätigkeiten der
Beschwerdeführerin, die nicht als qualifiziert einzustufen sind, ist zur Bestimmung des
Invaliditätsgrads ein Prozentvergleich angezeigt. Diesfalls entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines
allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts vom 30. Juli 2012,
8C_365/2012, E. 7). Die Beschwerdegegnerin hat keinen Tabellenlohnabzug gewährt
(IV-act. 100). Die Beschwerdeführerin lässt geltend machen, es sei vom errechneten
Invalideneinkommen ein Leidensabzug von mindestens 20% vorzunehmen. Der
Beschwerdeführerin stünden nur Arbeitsplätze offen, welche eine ausgezeichnete
Infrastruktur, was die sanitären Anlagen anbelange, aufwiesen. Zudem dürften die
Arbeiten keinen hohen Hygienestandard voraussetzen und der Beschwerdeführerin
müssten entsprechende Ruhepausen beim Auftreten der Dumpingsymtomatik
postprandial gewährleistet werden. Der Kreis der in Frage kommenden Tätigkeiten sei
damit erheblich eingeschränkt. Insbesondere scheide ein Einsatz im Gastgewerbe aus
und ausserhalb des Gastgewerbes habe die Beschwerdeführerin praktisch keine
Berufserfahrung. Weiter könne sie ihre verbleibende Leistungsfähigkeit nicht „am
Stück“ verwerten. Ein potenzieller Arbeitgeber müsse ihr den Arbeitsplatz trotz
reduziertem Rendement den ganzen Tag zur Verfügung halten. Dies werde bei der
Festlegung des Lohns berücksichtigt. Schliesslich werde ein Arbeitgeber aufgrund der
gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei der Beschwerdeführerin mit vermehrten
gesundheitsbedingten Absenzen rechnen und diesem Risiko dadurch Rechnung
tragen, dass er ihr einen tieferen Lohn bezahle als einer gesunden Arbeitnehmerin, die
dieselbe Tätigkeit ausübe.
4.4 Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind,
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im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden
Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen
Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand Rechnung getragen, dass
weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person wie Alter, Dauer
der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 129 V 481
E. 4.2.3).
4.5 Im ZMB-Gutachten wird ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Tätigkeit
Gelegenheit haben müsse, jederzeit eine Toilette aufzusuchen und sich jederzeit mit
kleinen Essensportionen zu versorgen (IV-act. 96-31). Das Spektrum der zumutbaren
Tätigkeiten für die Beschwerdeführerin wird durch diese leidensbedingten
Anforderungen eingeschränkt. Zusätzlich lassen die Arztzeugnisse der behandelnden
Ärzte auf ein erhöhtes Absenzenrisiko schliessen. Insgesamt besteht die Gefahr, dass
die effektive Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin unter derjenigen einer gesunden
Mitarbeiterin mit demselben Beschäftigungsgrad liegt. Ein potenzieller Arbeitgeber wird
bei der Bemessung des Lohns vorgenannten Umständen zulasten der
Beschwerdeführerin Rechnung tragen, denn bereits das Risiko einer
unterdurchschnittlichen Arbeitsleistung wird bei einer auch wirtschaftlichen
Betrachtungsweise als zusätzlicher Lohnaufwand qualifiziert und durch die Ausrichtung
eines entsprechend unterdurchschnittlichen Lohns kompensiert werden. Da damit die
indirekt behinderungsbedingten Nachteile der Beschwerdeführerin gegenüber einer
gesunden Mitarbeiterin mit demselben Beschäftigungsgrad erheblich sind, erweist sich
ein Tabellenlohnabzug aufgrund der ökonomischen Einschränkungen, welche die
gesundheitliche Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin bei einer Anstellung in der
freien Wirtschaft mit sich bringen kann, als gerechtfertigt. Die bestehenden
lohnsenkenden Faktoren sind jedoch nicht besonders ausgeprägt, weshalb sich ein
Abzug von 10% rechtfertigt.
4.6 Unter Berücksichtigung des Tabellenlohnabzugs von 10% resultiert bei 60%-iger
Arbeitsfähigkeit ein Invaliditätsgrad von 46% (40% + [60% x 0.1]).
5.
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5.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die gesamtgutachterliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugt, weshalb für die Rentenberechnung von einer
Arbeitsfähigkeit von 60% in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen ist. Aus dem
Prozentvergleich ergibt sich bei einem Tabellenlohnabzug von 10% ein Invaliditätsgrad
von 46%, weshalb der Beschwerdeführerin eine Viertelsrente zuzusprechen ist. Das
Wartejahr nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG begann mit dem ersten
Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 4. März 2011 (IV-act 19), womit entgegen des
verfügten Anspruchs ab Mai 2012 bereits seit dem 1. März 2012 ein Rentenanspruch
besteht (Art. 29 Abs. 3 IVG). In diesem Sinne ist die Beschwerde dahingehend
gutzuheissen, als der Beschwerdeführerin bereits mit Wirkung ab 1. März 2012 eine
Viertelsrente zuzusprechen ist. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdeführerin unterliegt grossmehrheitlich, weshalb sie die
gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen hat (Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist daran anzurechnen (zur Anrechnung von im
Zeitpunkt der Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege bereits geleisteten
Vorschüssen vgl. Ziff. 5.2 Abs. 1 der vom st. gallischen Kantonsgericht erlassenen und
vom Versicherungsgericht praxisgemäss analog angewendeten Richtlinien zur
unentgeltlichen Rechtspflege im Zivilprozess und für die Privatklägerschaft im
Strafprozess vom Mai 2011).
5.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin (Art. 122 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP). Die Parteientschädigung
wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach
der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Praxisgemäss wird die Parteientschädigung bei einem durchschnittlich
aufwändigen IV-Rentenfall auf Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
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festgesetzt. Da es sich beim vorliegenden Fall um einen solchen handelt, ist von
diesem Ansatz auszugehen, die Pauschale jedoch zufolge unvollständigen Prozesses
(Vertretung ab Replik) nach Art. 27 Abs. 2 HonO angemessen um Fr. 1‘500.-- auf Fr.
2‘000.-- zu kürzen. Dieses Honorar ist zufolge unentgeltlicher Prozessführung um einen
Fünftel herabzusetzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70). Somit hat der
Staat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin pauschal mit Fr. 1‘600.-- (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Die Beschwerdeführerin ist zur
Nachzahlung an den Kanton verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 ZPO
i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP).