Decision ID: 6dc7ac5c-2a9a-5b83-ab2b-acb90b9ede0f
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der aus dem Kosovo stammende Beschwerdeführer (geb. 1965) reiste als
28-jähriger in die Schweiz ein und erhielt 2007 eine Niederlassungsbewil-
ligung. Mit seiner kosovarischen Ehefrau hat er zwei Söhne (geb. 1991 und
1993), die alle ebenfalls über eine Niederlassungsbewilligung in der
Schweiz verfügen.
B.
Der Beschwerdeführer wurde mit rechtskräftigem Urteil vom 28 August
2015 wegen mehrfacher sexueller Handlung mit einem Kind, mehrfacher
sexueller Nötigung sowie mehrfacher Vergewaltigung, begangen in der
Zeit zwischen 1999 und 2008, zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren ver-
urteilt (für Genaueres, s. E. 4). Daraufhin wurde seine Niederlassungsbe-
willigung im September 2018 rechtskräftig widerrufen und seine Wegwei-
sung auf den Termin seiner (bedingten) Haftentlassung angeordnet. Er ver-
liess die Schweiz am 15. Februar 2020.
C.
Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs – mit Stellungnahme des Be-
schwerdeführers vom 15 Januar 2020 – verhängte das Staatssekretariat
für Migration (nachfolgend: SEM) gegen ihn mit Verfügung vom 31. Januar
2020 ein 14-jähriges Einreiseverbot, gültig vom 15. Februar 2020 bis zum
14. Februar 2034, und ordnete seine Ausschreibung zur Einreiseverweige-
rung im Schengener Informationssystem (SIS II) an. Einer allfälligen Be-
schwerde entzog es vorsorglich die aufschiebende Wirkung.
D.
Mit Rechtsmitteleingabe beim Bundesverwaltungsgericht vom 5. März
2020 beantragte der Beschwerdeführer die Befristung des Verbots auf ma-
ximal fünf Jahre. In seiner Eingabe warf er der Vorinstanz hauptsächlich
willkürliche Beurteilung vor. Sie habe die Beurteilung der konkordatlichen
Fachkommission zur Beurteilung der Gemeingefährlichkeit (nachfolgend:
KoFako) vom 17. Oktober 2016 und 15. Oktober 2018 sowie den Vollzugs-
bericht der Justizvollzugsanstalt X._ vom 27. November
2018 (nachfolgend: JVA) bei der Risikoeinschätzung unberücksichtigt ge-
lassen. Ausserdem habe sie die acht deliktsfreien Jahre, die er nach der
Tatbegehung in Freiheit gelebt habe, nicht miteinbezogen.
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E.
Die Vorinstanz schloss in der innert erstreckter Frist eingereichten Ver-
nehmlassung vom 19. Juni 2020 auf Abweisung der Beschwerde. Sie be-
tonte unter anderem, dass insgesamt eine Rückfallgefahr bestehe, die auf-
grund der befürchteten Rechtsgutverletzungen während langer Zeit nicht
hinzunehmen sei. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf den in der
angefochtenen Verfügung erwähnten Entscheid des Vollzugs- und Bewäh-
rungsdienstes des Kantons (...) vom 29. April 2019 (nachfolgend: VBD).
Die vom Beschwerdeführer erwähnten älteren Einschätzungen der KoFako
vom 17. Oktober 2016 und 15. Oktober 2018 liessen keinen anderen
Schluss zu.
F.
In seiner Replik vom 7. September 2020 machte der Beschwerdeführer
namentlich geltend, dass die Vollzugsbehörde keine eigene Beurteilung
betreffend Rückfallgefahr vorgenommen habe, sondern sich auf die Be-
richte der KoFako stütze, die von der Vorinstanz jedoch nicht erwähnt wor-
den seien.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM, die ein Einreiseverbot im Sinne von Art. 67 AIG
(SR 142.20) zum Gegenstand haben, unterliegen der Beschwerde an das
Bundesverwaltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt
(Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
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von Bundesrecht, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht
von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-
dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus
anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen.
Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-
scheides (vgl. BGE 139 II 534 E. 5.4.1; BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
3.1 Das SEM kann ein Einreiseverbot gegenüber Ausländerinnen und Aus-
ländern verfügen, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der
Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden (Art. 67
Abs. 2 Bst. a AIG). Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von höchstens
fünf Jahren verhängt (Art. 67 Abs. 3 erster Satz AIG). Die Anordnung eines
Einreiseverbots von mehr als fünf Jahren Dauer ist zulässig, wenn von der
ausländischen Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Si-
cherheit und Ordnung ausgeht (Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG). Das Bun-
desverwaltungsgericht hat in einem Grundsatzurteil vom 26. August 2014
(BVGE 2014/20) entschieden, dass Einreiseverbote, die auf der Grundlage
von Art. 67 Abs. 1 oder 2 AIG ergehen, zwingend auf eine bestimmte Dauer
zu befristen sind. Die Verbotsdauer kann dabei bis maximal 15 Jahre, im
Wiederholungsfall 20 Jahre betragen. Aus humanitären oder anderen wich-
tigen Gründen kann die zuständige Behörde von der Verhängung eines
Einreiseverbots absehen oder ein Einreiseverbot vollständig oder vorüber-
gehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AIG).
3.2 Das Einreiseverbot dient der Abwendung künftiger Störungen der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung (BBl 2002 3709, 3813). Soweit Art. 67
Abs. 2 Bst. a AIG mit dem Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und
Ordnung an vergangenes Verhalten eines Betroffenen anknüpft, steht die
Gefahrenabwehr durch Generalprävention im Sinne der Einwirkung auf
das Verhalten anderer ausländischer Personen im Vordergrund (vgl. BVGE
2014/20 E. 8.2 m.H und Urteil des BGer 2C_282/2012 vom 31. Juli 2012
E. 2.5 m.H.). Die Spezialprävention im Sinne der Einwirkung auf das Ver-
halten eines Betroffenen selbst kommt zum Tragen, soweit Art. 67 Abs. 2
Bst. a AIG als alternativen Fernhaltegrund die Gefährdung der öffentlichen
http://links.weblaw.ch/BVGE-2014/1 http://links.weblaw.ch/BVGE-2014/20 http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3709 http://links.weblaw.ch/BVGE-2014/20 http://links.weblaw.ch/BVGE-2014/20 http://links.weblaw.ch/2C_282/2012
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Sicherheit und Ordnung durch einen Betroffenen selbst nennt. Ob eine sol-
che Gefährdung vorliegt, ist gestützt auf die gesamten Umstände eines
Einzelfalles im Sinne einer Prognose zu beurteilen, die sich in erster Linie
auf das vergangene Verhalten eines Betroffenen abstützen muss. Dabei
liegt der Entscheid, ob bei Vorliegen der in Art. 67 Abs. 2 AIG genannten
Tatbestände ein Einreiseverbot zu erlassen ist, im pflichtgemässen Ermes-
sen des SEM (Urteil des BVGer F-458/2019 vom 28. November 2019
E. 5.2).
3.3 Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2
Bst. a AIG bildet den Oberbegriff für die Gesamtheit der polizeilichen
Schutzgüter. Sie umfasst unter anderem die Unverletzlichkeit der objekti-
ven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzelner (vgl. BBl 2002 3709,
3813). Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung liegt un-
ter anderem vor, wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügun-
gen missachtet werden (vgl. Art. 77a Abs. 1 Bst. a VZAE). Der Schluss auf
eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung setzt dagegen
konkrete Anhaltspunkte dafür voraus, dass der Aufenthalt der betroffenen
Person in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu einem
Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung führen wird (Art.
77a Abs. 2 VZAE).
3.4 Eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG setzt mehr voraus als
eine einfache Gefährdung nach Art. 67 Abs. 2 Bst. a zweiter Halbsatz AIG.
Verlangt wird eine qualifizierte Gefahr, über die nach Massgabe aller Um-
stände des Einzelfalles zu befinden ist. Eine solche Gefahr darf nicht leicht-
hin angenommen werden. Sie kann sich beispielsweise aus der Hochwer-
tigkeit des deliktisch bedrohten Rechtsguts ergeben (z.B. Leib und Leben,
körperliche und sexuelle Integrität, Gesundheit), aus der Zugehörigkeit des
drohenden Delikts zur besonders schweren Kriminalität mit grenzüber-
schreitender Dimension (z.B. Terrorismus, Menschen- und Drogenhandel,
organisierte Kriminalität), aus der wiederholten Delinquenz und ihrer zu-
nehmenden Schwere oder aus der Abwesenheit einer günstigen Prognose.
Die zu befürchtenden Delikte müssen einzeln oder in ihrer Summe das Po-
tenzial haben, eine aktuelle und schwerwiegende Gefahr zu begründen
(BGE 139 II 121 E. 6.3; BVGE 2014/20 E. 5.2).
4.
Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz vor, die Berichte der KoFako
vom 17. Oktober 2016 und 18. Oktober 2018, sowie den Vollzugsbericht
http://links.weblaw.ch/BBl-2002-3709 http://links.weblaw.ch/BVGE-2014/20
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der JVA vom 27. November 2018 ausser Acht gelassen zu haben, sodass
sie in Willkür verfallen sei (BVGer-act. 1 S. 6). In der Tat beinhalten die
vorinstanzlichen Akten nicht die potentiell rechtserheblichen Berichte der
KoFako oder der JVA. Auch lässt sich aus den vorinstanzlichen Akten we-
der der Beizug der strafrechtlichen noch der kantonalen Akten nachweisen.
Die Vorinstanz stützt sich jedoch in der angefochtenen Verfügung explizit
auf den Entscheid der Vollzugs- und Bewährungsdienstes des Kantons
(...) (VBD) vom 29. April 2019, «bzw. die darin wiedergegebenen Gutach-
ten und Vollzugsberichte» (S. 2). In der Tat fasst dieser Entscheid die Be-
richte der KoFako und des JVA zusammen. Kenntnis vom Inhalt des Ent-
scheids des VBD (der erst in den BVGer-Akten zu finden ist, s. BVGer-
act. 10 Anhang 1) erhielt das SEM indirekt über die migrationsrechtlichen
kantonalen Urteile (s. SEM-act. 1,2 und 3). Auch wenn die Vorgehensweise
der Vorinstanz zu Bedenken Anlass gibt, hat sie dennoch (zumindest indi-
rekt) Kenntnis aller potentiell rechtserheblichen Akten erhalten. Der Be-
schwerdeführer macht denn auch nicht geltend, die erwähnten Akten wie-
dergäben nicht den wesentlichen Inhalt der Berichte der KoFako und der
JVA. Somit kann nicht festgestellt werden, das SEM hätte erhebliche Be-
weise übersehen oder solche grundlos unberücksichtigt gelassen, womit
der Vorwurf der Willkür unbegründet ist (vgl. BGE 144 V 50 E. 4.2; 46 IV
88 E. 1.3.1).
5.
Der Beschwerdeführer wurde im Juli 2007 wegen des Führens eines Wa-
gens in nichtvorschriftsgemässem Zustand sowie des Nichttragens des Si-
cherheitsgurtes mit einer Busse von 250 Franken betraft. In seinem Urteil
vom 28. August 2015 verurteilte ihn das Kantonsgericht Luzern zu einer
unbedingten Freiheitsstrafe von fünf Jahren wegen mehrfacher sexuellen
Nötigung, mehrfacher sexueller Handlung mit einem Kind und mehrfacher
Vergewaltigung. Es hielt fest, dass er einzig um seine sexuellen Bedürf-
nisse zu befriedigen handelte sowie egoistisch und rücksichtslos seine
Macht- und Vertrauensposition gegenüber den Mädchen in seinem famili-
ären Umfeld missbrauchte ([kant-]act 69 S. 334 und 335). Es sei erwiesen,
dass er im September 2000, Anfang 2001 und im Sommer 2008 insgesamt
drei Mal die Tochter seines Cousins (geb. 1983) ohne Kondom vergewal-
tigte. So habe er zwei Mal bei ihr geklingelt und sogleich sein Ritual innert
weniger Minuten durchgezogen, bevor er wieder weggegangen sei. Das
dritte Mal war das Opfer in der Wohnung des Beschwerdeführers, als er
dies am Arm packte und sich auf dem Sofa an ihm verging ([kant-]act 69
S. 320). Die Persönlichkeit der jungen Erwachsenen nahm dabei grossen
Schaden; sie dachte sogar an Selbstmord ([kant-]act 69 S. 334). Zudem
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vergriff sich der Beschwerdeführer an einem anderen Mädchen (geb. 1989)
aus seinem familiären Umfeld. So setze er sich im Winter 1999/2000 in der
elterlichen Wohnung des circa zehnjährigen Mädchens zu diesem auf das
Sofa und zog die Hose aus. Als sie in ihr Zimmer flüchtete, öffnete er die
Türe, zog sie weinend unter dem Bett hervor, schlug sie, zog sie aus und
drang anal in sie ein ([kant-]act 69 S. 292). Die Strafrichter hielten in diesem
Zusammenhang fest, dass das Verhalten des Beschwerdeführers sadis-
tisch wirke ([kant-]act 69 S. 293). Im selben Zeitraum lockte er das Kind in
den Keller, hielt seine Handgelenke fest und fasste minutenlang an seine
Vagina; er habe ihm gesagt, er dürfe das tun, es jedoch nicht davon erzäh-
len dürfe ([kant-]act 69 S: 303). Zu einem späteren Zeitpunkt fing er es auf
dem Heimweg mit dem Auto ab, fuhr zu einem Wald und zwang es, ihn oral
zu befriedigen ([kant-]act 69 S. 308). Die KoFako zog in ihrem Bericht vom
15. Oktober 2018 den Schluss, dass der Beschwerdeführer die Tatsachen
immer noch leugne, sich mit ihnen somit nicht auseinandersetze und keine
Fortschritte hinsichtlich Einsicht in sein Fehlverhalten erfolgte (BVGer-
act. 10 Anhang 1 S. 4).
6.
Es steht ausser Frage, dass der Beschwerdeführer durch sein Verhalten
erheblich gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen und da-
mit unter dem Gesichtspunkt von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG hinreichenden
Anlass für die Verhängung eines Einreiseverbots gegeben hat. Er aner-
kennt dies grundsätzlich und beantragt deshalb lediglich dessen Reduzie-
rung. Auch steht ausser Frage, dass er mehrfach das hochwertige Rechts-
gut der sexuellen Integrität von Kindern, das es besonders zu schützen gilt,
verletzt hat. Daraus kann sich eine schwerwiegende Gefahr für die Öffent-
lichkeit ergeben (s. E. 3.4). Vorliegend wurde das Risikopotential des Be-
schwerdeführers von der KoFako zumindest im Bericht vom 17. Oktober
2016 als hoch eingestuft und noch im Bericht vom 15. Oktober 2018 fest-
gestellt, dass die Versuche, ihn zu einer freiwilligen Therapie zu motivieren,
chancenlos geblieben seien (BVGer-act. 10 Anhang 1 S. 3 und 5). Er habe
die Taten sodann mit Hilfe von massiven Drohungen und unter erheblicher
Gewaltanwendung begangen. Es sei erkennbar, dass eine sexuelle An-
sprechbarkeit auf Minderjährige gegeben sei. Sein Tatverhalten weise da-
neben dominante, manipulative und dissoziale Züge auf. Auch habe er bis
heute sein Fehlverhalten nicht anerkannt, beteuere weiterhin seine Un-
schuld und verschliesse sich jeglicher Einsicht (vgl. BVGer-act. 10 Anhang
1 S. 4ff.). Ohne eine gewisse Selbstreflexion könne eine Person ihr Verhal-
ten jedoch nicht ändern. Folgerichtig könne die Gefahr, die von einer sol-
chen Person ausgehe sich auch nicht verringern. Zudem ist Pädosexualität
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grundsätzlich schwer heilbar; sie gilt als lediglich kontrollierbar (vgl. BGE
137 II 233 E. 5.2.4). Da vorliegend der Beschwerdeführer sein Fehlverhal-
ten gar nicht erst eingesehen, geschweige denn bereut hat, und folglich
auch nicht zu ändern vermag, besteht die von ihm ausgehende Gefahr wei-
terhin im selben Ausmass fort. Somit muss konsequenterweise festgehal-
ten werden, dass auch zum Zeitpunkt des Erlasses des Einreiseverbots
noch eine schwerwiegende Gefahr für die Öffentlichkeit von ihm ausging.
7.
7.1 Es bleibt folglich zu prüfen, ob das auf 14 Jahre befristete Einreisever-
bot in rechtskonformer Anwendung des Ermessens ergangen ist. Dabei
steht der Grundsatz der Verhältnismässigkeit im Vordergrund. Unter die-
sem Gesichtspunkt ist eine wertende Abwägung zwischen dem öffentli-
chen Interesse an der Massnahme einerseits und den von der Massnahme
beeinträchtigten privaten Interessen des Betroffenen andererseits vorzu-
nehmen. Die Stellung der verletzten oder gefährdeten Rechtsgüter, die Be-
sonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die persönlichen Ver-
hältnisse des Verfügungsbelasteten bilden dabei den Ausgangspunkt der
Überlegungen (vgl. statt vieler BVGE 2014/20 E. 8.1 m.H.).
7.2 Vorliegend wurde die Mehrheit der relevanten Straftaten fast 20 Jahre
vor Erlass des Einreiseverbots verübt. Dem Ablauf der Zeit ist als zentraler
Umstand bei der Gefahrenprognose Rechnung zu tragen. In der Tat verrin-
gert sich grundsätzlich mit dem Zeitablauf die Schwere der Gefahr. Je län-
ger eine strafbare Handlung zurückliegt, umso weniger aktuell oder
schwerwiegend wiegt grundsätzlich die Gefahr, die von der bestraften Per-
son ausgeht (vgl. Urteil des BVGer F-3860/2016 vom 24. April 2018 E. 7.3
m.H.). So argumentiert auch der Beschwerdeführer; er habe zwischen dem
letzten Vorfall 2008 und seiner Verhaftung 2015 unbescholten in Freiheit
gelebt. Diese Zeitspanne kann aber vorliegend nicht ausschlaggebend sei.
Wie schon erwähnt, zeigte der Beschwerdeführer über die Jahre hinweg
keine Einsicht in seine Taten, womit sich die Gefahr nicht verringern konnte
(vgl. E. 5). Zudem stuften die Behörden seine sexuelle Neigung, zusam-
men mit seiner fehlenden Bereitschaft, sich an geltende Regeln bezüglich
des Schutzalters zu halten, sein Dominanzverhalten und seine Manipulati-
onsfähigkeit sowie die fehlende Einsicht in seine Taten und die mangelnde
Auseinandersetzung damit als Risikofaktoren ein (SEM-act. 3 S. 25 und
BVGer-act. 10 Anhang 1 S. 4). Eine bedingte Haftentlassung wurde im Ok-
tober 2019 denn auch nicht aufgrund von Fortschritten gewährt, sondern
nur, weil die Haft auf das Verhalten des Beschwerdeführers wirkungslos
http://links.weblaw.ch/BVGE-2014/20
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war. So hat der VBD denn auch in seinem Entscheid vom 8. Oktober 2019
festgehalten, dass der Rückfallgefahr mit flankierenden Massnahmen be-
gegnet werden müsse (BVGer-act. 10 Anhang 1 S. 7ff.).
Zudem sei darauf hingewiesen, dass ein korrektes Verhalten während des
Strafvollzuges grundsätzlich erwartet werden kann (BGE 139 II
121 E. 5.5.2), sodass der Beschwerdeführer aus seinem klaglosen Verhal-
ten nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag. Zudem lebt er erst seit
gut einem Jahr ausserhalb der Schweiz – eine allfällige gute Integration im
Ausland macht er nicht geltend – und die Probezeit seiner bedingten Haft-
entlassung lief noch bis Ende Juli 2021 (BVGer-act. 10 Anhang. 1 S. 8).
Zusammenfassen ist festzustellen, dass ein erhebliches öffentliches Inte-
resse besteht, den Beschwerdeführer für eine lange Zeit von der Schweiz
fernzuhalten. Daran vermag der Umstand, dass er nie ausserhalb des fa-
miliären Rahmens und nie ohne lange vorgängige Kontaktaufnahme über-
griffig geworden ist (kein Groomingverhalten; BVGer-act. 10 Anhang 1
S. 4), nichts zu ändern. Dasselbe gilt auch im Hinblick auf das tragfähige
soziale Umfeld, auf welches er sich beruft (BVGer-act. 1 S. 7). Dazu ist zu
bemerken, dass das Fernhalteinteresse umso gewichtiger ist, als er sich
auch bei kurzen Besuchen in der Schweiz in ebendiesem familiären Um-
feld aufhalten würde.
7.3 Dieses erhebliche öffentliche Interesse an der Fernhaltung des Be-
schwerdeführers ist gegen sein privates Interesse – insbesondere unter
dem Blickwinkel von Art. 8 EMRK – abzuwägen. Die vorübergehende Ein-
schränkung in der Pflege von Kontakten zu in der Schweiz ansässigen Fa-
milienangehörigen – insbesondere seiner Ehefrau uns seiner Söhne – hat
der Beschwerdeführer selbst durch sein eigenes Verhalten zu verantwor-
ten und in Kauf zu nehmen. Dessen ungeachtet bleibt seiner Familie, die
auch die kosovarische Staatsangehörigkeit besitzt, die Möglichkeit, ihn
ausserhalb der Schweiz und des Schengen Raumes zu besuchen. Zudem
kann der Kontakt durch die heute zur Verfügung stehenden Kommunikati-
onsmittel aufrechterhalten werden.
Der Beschwerdeführer selber beruft sich überdies zu Recht nicht auf die
Garantie des Privatlebens von Art. 8 EMRK. In der Tat vermag er wegen
seiner mangelnden Integration in der Schweiz nichts aus seiner langen
Aufenthaltsdauer von 27 Jahren zu seinen Gunsten abzuleiten (s. SEM-
act. 5 S. 38 und act. 3 S. 26; dazu auch Urteil des BVGer F-3107/2019 vom
22. Januar 2021 E. 10).
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7.4 In Würdigung aller Umstände liegt die Dauer des Einreiseverbots von
14 Jahren im Rahmen des Ermessenspielraums, der dem SEM diesbezüg-
lich zusteht.
8.
Die Ausschreibung des Beschwerdeführers im SIS ist ebenfalls nicht zu
beanstanden (vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung [EG] Nr. 1987/2006 vom
20. Dezember 2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des
Schengener Informationssystems der zweiten Generation [SIS-II],
Abl. L 381/4 vom 28.12.2006; Art. 21 der N-SIS-Verordnung vom 8. März
2013 [SR 362.0]), was vom Beschwerdeführer vor Bundesverwaltungsge-
richt auch nicht mehr geltend gemacht wird (BVGer-act. 1 S. 4).
9.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung zu Recht ergangen ist und Bundesrecht nicht verletzt
(Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.
10.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer
die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1 ff. des
Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-
waltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Eine Par-
teientschädigung steht ihm nicht zu (Art. 64 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv auf der nächsten Seite)
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