Decision ID: e73cae5c-f62f-528f-a72d-eda6766c7632
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1985,
von Beruf
Pflegehelferin, ist
stunden
weise
als
Haushaltshilfe
in einem Privathaushalt
tätig
(Urk. 9/8, Urk. 9/15)
. Unter Hinweis auf Schmerzen in verschiedenen Körperregionen meldete sie sich am 9.
November 2016 zur Früherfassung (Urk. 9/1) und am 6. Dezember 2016 zum Leistungsbezug (Urk. 9/8) bei der Invalidenversicherung an.
Die Sozial
versi
che
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte in der Folge erwerbliche (Urk.
9/14 ff.) und medizinische (Urk. 9/20 ff.) Abklärungen durch und teilte der Versicherten am 16. Juni 2017 mit, es seien keine beruflichen
Eingliederungs
massnahmen
möglich (Urk. 9/25).
Nachdem die IV-Stelle
ergänzende medizini
sche Unterlagen eingeholt hatte (Urk. 9/29 ff., Urk. 9/43 ff.)
,
veranlasste sie ein
bisdisziplinäres
medizinisches Gutachten in den Fachrichtungen Orthopädie und Psychiatrie bei der
Y._
(Urk. 9/52), das am 10. April 2019 erstattet wurde (Urk. 9/58).
Mit Vorbescheid vom 5. August 2019 stellte die IV-Stelle der Versi
cherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 9/62). Nachdem
die Versicherte am 5. September 2019 dagegen Einwand erhoben hatte (Urk. 9/68
), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 28. Oktober 2019
den Rentenanspruch wie
angekündigt (Urk. 9/72 = Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Dina
Raewel
, am 28. November 2019 Beschwerde mit den Anträgen, es sei die Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 28. Oktober 2019 aufzuheben und ihr eine volle
(richtig:
ganze)
Invalidenrente - eventualiter eine
Dreiviertelsrente
- auszurichten.
Sub
even
tualiter
sei die Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In formeller Hinsicht stellte sie sodann Antrag auf unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (Urk. 1). Mit Beschwer
deantwort vom 16. Januar 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Dies wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 21. Januar 2020 zur Kenntnis gebracht
, gleichzeitig
wurde
ihr die unentgeltliche Prozessführung gewährt und ihr Rechtsanwältin Dina
Raewel
als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach
einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Abweisung des Rentenbegehrens damit, dass die medizinischen
Abklärungen
ergeben hätten, dass die Beschwerdeführerin seit September 2016 in ihrer bisherigen Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin und in allen anderen angepassten Tätigkeiten zu 30 % eingeschränkt sei. Dies ent
spreche auch dem maximalen Invaliditätsgrad. D
emnach
habe sie keinen
An
spruch auf eine Invalidenrent
e (Urk. 2 S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor, die Ausführungen des psychia
trischen Gutachters würden bestritten
. Vielmehr
sei
mit
den behandelnden Ärzten der p
sychiatrischen
K
linik
Z._
davon auszugehen, dass
sie
aufgrund ihrer psychischen Beschwerden zu 80
% bis
100 % arbeitsunfähig sei (Urk. 1 S.
7). Ebenfalls bestritten werde die Feststellung
der orthopädischen Gut
achteri
n
,
wonach die Beschwerden aus orthopädisch-
traumatologischer
Sicht nicht
objektivierbar seien.
Auch wenn für die Schmerzsymptomatik keine patholo
g
i
schen Korrelate bestehen sollten
, würde sich diese dennoch im Sinne einer an
haltenden somatoformen Schmerzstörung invalidisierend auswirken und zu einer Arbeits
un
fähigkeit von mindestens 50 % führen (Urk. 1 S. 10 f.). In Bezug auf den diagnostizierten
Schwankschwindel
würden
ferner noch Abklärungen
laufen
, so dass noch nicht klar sei, inwiefern dieser invalidisierend sei (Urk. 1 S. 11).
2.3
Zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der
Beschwer
de
führerin zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Dr. med.
A._
, Oberarzt Orthopädie a
n der Universitätsklinik
B._
, stellte in seinem Bericht vom 7. April 2017 die folgenden Diagnosen
(Urk. 9/20/6)
:
-
f
emoroacetabuläres
PINCER-
Impingement
beidseitig
-
m
ulti
l
okuläre
Gelenk-/Knochenschmerzen seit 2012
-
l
umbovertebrales
Schmerzsyndrom bei Status nach Sturz 2012 auf die linke Hüfte / den Gesässbereich
-
Schwellung Unterschenkel beidseits links mehr als rechts unklarer Genese
-
Differentialdiagnose Lipomatose, im Rahmen Adipositas
-
p
ersistierend in der Nacht
-
k
eine
Hypalbuminäe
,
proBNP
im Normbereich, keine Niereninsuffizienz
-
p
ersistierende schmerzhafte Resistenz im Mittelbauch unklarer Ätiologie
-
Sonographie Abdomen Spital
C._
am 20. Februar 2014: subkutanes Fettgewebe linker Oberbauc
h und linke Flanke, keine Hinwei
se auf Lipome
-
Status nach Globusgefühl unklarer Ätiologie
,
sonographisch
kein Korrelat (
Sono
Schilddrüse und
cervical
Spital
C._
20. Februar 2014)
-
Adiposita
s, gewollte Reduktion von 101 k
g auf 95 kg in vier Monaten, aktuell erneute Gewichtszunahme auf 100 kg
Dr.
A._
legte dar, die Beschwerden der Beschwerdeführerin könnten nicht kom
plett auf die im MRI und den Röntgenbildern ersichtlichen Veränderungen zu
rückgeführt werden. Da das
Impingement
-Zeiche
n
negativ sei, sei trotz der
Impin
gement-Konfiguration
aus chirurgisch-orthopädischer Sicht kein sinnvolles
Prozedere möglich. Die Beschwerdeführerin sei vom 25. November bis am 9.
Dezember 2016 zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 9/20/7)
.
3.2
In seinem Bericht vom 8. Juni 2017 attestierte Dr. med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, der Beschwerdeführerin
gestützt auf die Diag
nosen
multiokulärer
Gelenk- und Knochenschmerzen, eines
PINCER-Impin
ge
ments
beidseits sowie eines
lumbovertebralen
Schmerzsyndroms
eine
Arbeitsun
fähigkeit von 100 % vom 1. September bis am 6. November 2016 und eine Arbeitsfähigkeit von 50 % ab dem 7. November 2016. Er führte aus, es bestünden Einschränkungen beim längeren Gehen, Stehen und Sitzen sowie beim Heben von schwereren Lasten (Urk. 9/23/2).
3.3
Die Beschwerdeführerin begab sich
a
b dem 5. Dezember 2016 im Ambulatorium
E._
der
Z._
in psychiatrische Behandlung.
Dr. med
.
F._
, Oberärztin
,
und Dr. med.
G._
, Assistenzärztin, diagnostizierten am 23.
Oktober 2017 eine
posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10 F43.1, Diffe
ren
tialdiagnose anhaltende Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung, ICD-10
F62.0
; PTBS
) sowie eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0; Urk. 9/29/2).
Die Beschwerdeführerin sei bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 9/29/4).
In
Verlaufsbericht
en
vom 4.
April
2018
sowie vom 11.
Oktober
2018
ging Dr.
G._
jeweils
von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes
seit dem letzten Bericht
und einer um 80 % verminderten Leistungsfähigkeit der Beschwer
deführerin aus (Urk. 9/36/2 f.
, Urk. 9/44/2 f.
).
3.4
Ebenfalls eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes stellte med.
pract
.
H._
, Praktischer Arzt, in seinem Bericht vom 18. Mai 2018 fest. Er führte aus, die Arbeitsfähigkeit als Pflegehilfe habe in den letzten zehn Monaten je nach
Schmerzexazerbation
zwischen 10 und 40 % geschwankt, wobei mehr als drei Stunden an einem Tag unrealistisch zu sein schienen. In einer wechsel
be
l
astenden, leichten Tätigkeit betrage
die Arbeitsfähigkeit
allenfalls
50
% (Urk.
9/38/1).
3.5
Am 31.
August
2018 stellten Dr. med.
I._
, Oberärztin
,
und Dr.
med.
J._
, Assistenzärztin
, von
der Klinik für Rheumatologie des Universitäts
spitals
K._
die folgenden zusätzlichen Diagnosen (Urk. 9/45/1 f.):
-
Haltungsinsuffizienz bei Fehlstatik
-
Vitamin D-Mangel
-
Subjektiv stark störende
Halitosis
-
Verdacht auf
gastroösophageale
Refluxerkrankung
-
Intermittierende Dysphagie
Die behandelnden Ärzte führten aus, es bestehe eine Haltungsinsuffizienz mit Fehlstatik, die zu den generalisierten Schmerzen beitrage. Die erneute ausführ
liche Diagnostik habe keine Hinweise für das Vorliegen einer systemisch-ent
zündlichen rheumatologischen Erkrankung ergeben. Konventionell-radiologisch zeige sich eine beginnende
Koxarthrose
beidseits bei vorbestehendem
femoro
ace
tabulärem
PINCER-
Impingement
. Bei aktuell im Vordergrund stehender Schmerz
symptomatik an den Füssen h
ä
tten sie eine Sonogra
phie durchgeführt, wobei
eine
Ent
hesiopathie
der Achillessehnen beidseits mit Verkalkungen ansatznah am
Calcaneus
beidseits linksbetont habe objektiviert werden können bei zugrundelie
genden ausgeprägten Knicksenkfüssen (Urk. 9/45/2 f.).
3.6
3.6.1
Im
bidisziplinären
Gutachten vom 10. April 2019 stellten die Gutachter der
Y._
die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/58/7):
-
l
eicht- bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0/F32.1)
-
s
omatoforme Störung, nicht näher bezeichnet (ICD-
10 F45.9
)
Den
folgenden Diagnosen massen die Experten keinen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit zu (Urk. 9/58/7):
-
p
osttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
u
nspezifisches
Vertebralsyndrom
ohne
radikuläre
Reizung
-
Senk-Spreiz-Platt-Knickfuss mit beginnendem
Hallux
rigidus
beidseits
-
m
assive Adipositas (BMI 40.3 kg/m
2
)
3.6.2
Gemäss Dr. med. L._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
stehe
n für die Beschwerdeführerin
Schmerzen von Seiten des Bewegungsapparates
im Vor
der
grund des Beschwerdeerlebens
, für die sich laut der orthopädischen Einschät
zung keine pathologischen Korrelate hätten finden lassen. Die Orthopädin weise darauf hin, dass sich im Rahmen der Untersuchung Hinweise auf eine Verdeut
lichung gezeigt hätten. Er schätze die Situation jedoch dennoch so ein, dass nach Abzug der Beschwerdebetonung ein Schmerzerleben plausibel sei, dies im Sinne einer psychosomatischen beziehungsweise somatoformen Symptomatik bei deut
lich erkennbaren psychosozialen Belastungsfaktoren wie dem frühen Verlust der Eltern, dem Migrationshintergrund und dem Verlust der Arbeitsstelle. Die zu dis
kutierende Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) liege nicht vor, da diese Diagnose einen sehr erheblichen Mindestschweregrad im Sinne
eines andauernden, schweren und quälenden Schmerzes voraussetze,
die Schm
e
rz
symptomatik in diesem Ausmass
liege nicht vor. Da auch kein
wesentlicher
organmedizinischer Hintergrund vorliege, ergebe sich am ehesten die Diagnose
einer somatoformen Störung, nicht näher bezeichnet (ICD-10 F45.9). Die Be
schw
erdeführerin habe im Jahr 2005 eine schwere Gewalttat erlebt, sie sei in ihrem Heimatland Äthiopien wiederholt von einem Polizisten vergewaltigt worden, deswegen sei sie in die Schweiz geflohen. Seitdem habe sie eine post
traumatische Störung mit Flashbacks, Albträumen und Vermeidungsverhalten entwickelt, diese dürfte auch zur genannten psychosomatischen Schmerzstörung beitragen. Nach Beschreibung der Beschwerdeführerin bestehe die posttrau
ma
tische Belastungsstörung durchgehend seit 2005, wobei sich aufdrängende Erin
nerungen an die genannten Ereignisse durch Ablenkung gut zurückdrängen liessen. Dies sei der Grund, weshalb die Symptomatik in der Vergangenheit, als die
Beschwerdeführerin
noch beruflich tätig gewesen sei, geri
nger ausgeprägt gewesen sei
, da die berufliche Tätigkeit mit
häufiger
Ablenkung verbunden gewesen sei. In affektiver Hinsicht liege eine depressive Symptomatik vor, die sich nach Beschreibung der Beschwerdeführerin entwickelt habe, nachdem sie ihren Arbeitsplatz verloren habe. Es liege sicherlich eine durchaus deutliche de
pressive Symptomatik vor, auf der anderen
Seite
gehe die Beschwerdeführerin auch
positiv besetzten Aktivitäten nach, nehme unter anderem regelmässig soziale Kontakte wahr und bewältige ihren
üblichen
Alltag inklusive Hausarbeit problemlos, so dass hinsichtlich des Schweregrades von einer leicht- bis mittel
gradigen depressiven Episode
(ICD-10 F32.0/32.1)
aus
zu
gehe
n sei
.
Die Beschwer
deführerin berichte des Weiteren über Pseudohalluzinationen (Geräusche, Ge
mur
mel), wobei der diesbezügliche Leidensdruck gering
sei
, begleitende psycho
tische Angst habe sich nicht gezeigt. Auffällig sei, das
s
der
Ap
riprazolspiegel
sehr niedrig sei
, dies weise auf eine unregelmässige Einnahme des im Zusammenhang mit den Halluzinationen verordneten Medikamentes hin. Die ätiologische Zuord
nung der Halluzinationen sei schwierig und habe auch von der
Z._
, wo die Beschwerdeführerin
seit
längerem in Behandlung stehe, nicht
eindeutig
vorge
nommen werden können. Es könnte ein Zusammenhang mit der Depression
,
aber auch mit der
posttraumatischen
Belastungsstörung bestehen (Urk. 9/58/5 f.).
3.6.3
Anlässlich der orthopädische
n Untersuchung durch Dr. med. M._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, habe die Beschwerdeführerin Schmerzen der gesamten Wirbelsäule
und sämtlicher Gelenke beider Arme und Beine angegeben. Im Rahmen der
Untersuchung habe sich eine
geringgr
adig
eingeschränkt demonstrierte Seitneigung nach links und Rückneigung des Kopfes gezeigt. Die Brust- und Lendenwirbelsäule seien frei beweglich gewesen. Hinweise auf ei
n
e Reizung zervikaler, thorakaler oder lum
baler Nervenwurzeln hätten sich nicht feststellen lassen. Auch im MRI der Hals
wirbelsäule vom 1. September 2019 habe sich lediglich eine minimale
foraminale
Enge auf Höhe HWK 5/6 links bei mässiger
Unkovertebral
- und
Fazetten
gelenks
arthrose
ohne Neurokompression gezeigt. Bereits im MRI der Lendenwirbelsäule vom 20. Juni 2016 habe sich kein klares morphologisches Korrelat für die unspe
zifische Lumbago der Beschwerdeführerin darstellen lassen. Das schmerzbedingte Ablehnen des Vorführens des Zehenspitzen- und Fersenganges sei diskrepant zum flüssigen Gangbild der Beschwerdeführerin. Sämtliche Gelenke beider oberer und unterer Extremitäten seien frei beweglich gewesen. Die Handfunktionen seien vollständig gewesen, wobei
Schmerzen
im Bereich des Daumengrund- und
-
endgelenkes
b
eidseits angegeben worden seien.
Die Röntgenaufnahmen beider Hände im November 2016 seien unauffällig gewesen. Die Röntgenaufnahmen beider Hüftgelenke vom 4. November 2016 hätten eine
Coxa
profunda
beidseits und eine Taillierungsstörung am
Femurkopf
/Halsübergang links
anterior
gezeigt. Im
Arthro
-MRI beider
Hüftgelenke
vom 25. November 2016 habe sich ein
femoroacetabuläres
Impingement
beidseits darstellen lassen. Das
Impingement
-Zeichen sei jedoch beidseits negativ gewesen. An den Füssen
hätten
sich ein verbreiterter Mittelfuss, eine Absenkung des Quer- u
nd Längs
gewölbes und eine
Valgus
-Fehlstellung der Fersen beidseits gezeigt. Beide Grosszehengrundgelenke seien gering eingeschr
änkt beweglich gewesen. In der
Röntgenaufnahme beider Füsse vom 11. März 2019 hätten sich geringe degenerative Veränderungen beider Grosszehengrundgelenke sowie Verkalkungen dorsal des
Kalkaneus
im Ansatz
bereich der Achillessehnen beidseits dargestellt. Für die von der Versicherten
angegebene
n
Schmerzen, Funktionseinsc
hränkungen und Taubheitsgefühle
fänden
sich weder von orthopädisch-
traumatologischer
Seite noch neuroanatomisch ent
sprechende pathologische Korrelate (Urk. 9/58/6 f.)
.
3.6.4
Die Experten kamen zum Schluss, die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen sowie einer angepas
sten Tätigkeit seit September 2016
zu 70 % arbeitsfähig, dies
bei etwa sechs
s
tündiger täglicher Arbeit ohne Leistungsminderung (Urk. 9/58/8 f.).
3.7
Dr. med. N._
, Oberärztin
,
und Dr. med. O._
, Assistenzarzt
, vom
I
nterdisziplinären Zentrum für Schwindel und neurologische Sehstörungen des Universitätsspitals
K._
stellten in ihrem Bericht vom 29. Juli 2019 neu die Diagn
ose rezidivierender Episoden von
Schwankschwindel
mit Erstdiagnose im Jahr 2016 (Differentialdiagnosen
vestibuläre
Migräne oder funktionell). Die Be
schwerdeführerin habe von seit dem Jahr 2016 bestehenden, täglich auftretenden und jeweils einige Minuten anhaltenden Episoden von Schwank- und Dreh
schwindel berichtet. Diese
träten beim Gehen auf
, in Ruhe bestünden keine Be
schwerden. Zusätzlich beschreibe sie ein intermittierende
s Ohrgeräusch rechts und
teilweise rechtsseitige Kopfschmerzen. Die neuro-
otologische
Untersuchung sei unauffällig gewesen, es bestehe kein fokal neurologisches Defizit (Urk. 9/67/1).
Zur weiteren diagnostischen Einordnung w
ü
rde
n
eine ergänzende apparative
Vestibularisdiagnostik
sowie ein
cMRI
und
ein
MRI der Felsenbeine durchgeführt (Urk. 9/67/2).
3.8
Das am 17. September 2019 durchgeführte MRI des Felsenbeins
zeigte
keine Hinweise auf eine akute oder abgelaufene Ischämie oder Blutung, keine Raum
forderung oder pathologische KM-Aufnahme im KHBW
(
Kleinhirnbrückenwinkel
)
sowie kein
en
Hinweis auf
einen
Gefässnerven-Konflikt des
Nervus
vestibulo
coch
learis
(Urk. 9/74/1).
3.9
Im mit der Beschwerde eingereichten Bericht vom 25. November 2019 hielten Dr.
P._
und Dr.
Q._
von der
Z._
fest, es best
ünden
eine all
gemein verminderte
Leistungsfähigkeit
mit eingeschränkter
Belastbarkeit
, erhöh
ter Erschöpfbarkeit, Konzentrationsstörungen und einer verminderten Auf
fas
sungs
fähigkeit sowie ein ausgeprägtes Gedankenkreisen.
Hinzu
kämen inter
ak
tionelle Schwierigkeiten bei vermehrtem Misstrauen (
Urk.
3/3 S. 1
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin auf das
psychiatrisch
-orthopädische Gutachten vom 10. April 2019. Es ist daher vorab auf dessen Beweiswert einzugehen.
Die Expertise basiert auf umfassenden
psychiatrischen und
orthopädisch-trau
matologischen
Untersuchungen
(Urk. 9/58/20 ff., Urk. 9/58/40 ff.
) und wurde in detaillierter Kenntnis der
Vorakten
erstellt (Urk. 9/58/13
ff.). Die Beschwerde
führerin konnte gegenüber den einzelnen Sachverständigen ihre aktuellen Be
schwerden schildern und wurde von diesen jeweils — soweit fachspezifisch erfor
derlich — eingehend befragt. Sie konnte sich insbesondere zu verschiedenen The
menbereichen wie
dem beruflichen Werdegang
sowie dem gewöhnlichen Ta
ges
ablauf äussern (Urk. 9/58/22 f., Urk. 9/58/38
). Die geklagten Leiden fanden sodann im Rahmen der Diagnostik Berücksichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dargelegt und nachvollziehbar erläutert wurden (
Urk. 9/58/5 ff., Urk. 9/58/26 ff.,
Urk. 9/58/43
ff.
). Die Gutachter nahmen ausserdem Stellung zu vorangegangenen ärztlic
hen Beurteilungen (
Urk. 9/58/28 f.,
Urk. 9/58/45 f
.
). Gesamthaft erfüllt das
Y._
-Gutachten somit die vom Bundesgericht festgelegten formellen Kriterien für eine beweiswerte medizinische Expertise (vgl. E. 1.
4
vorstehend).
4.2
4.2.1
In somatischer Hinsicht diag
nostizierte
die orthopädische Gutachterin Dr.
M._
ein unspezifisches
Vertebralsyndrom
ohne
radikuläre
Reizung, beidseitige Senk-Spreiz-Platt-Knickfüsse mit beginnendem
Hallux
rigidus
beidseits sowie eine massive Adipositas,
wobei
sie keine
m dieser Leiden einen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zumass (Urk. 9/58/7).
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor,
sie leide seit 2012 an wechselnden Gelenk- und Muskelschmerzen, wobei sich der Schmerz seit 2014 verstärkt habe und aktuell konstant vorhanden sei. Mit Verweis auf zah
l
reiche Arztberichte bestreite sie die Ausführungen von Dr.
M._
, wonach die Beschwerden aus orthopädisch-
traumatologischer
Sicht nicht objektivierbar seien. Insbesondere sei mehrfach eine
Koxarthrose
beidseitig
bei
femoroacetabulärem
PINCER-
Impingement
radiologisch nachgewiesen worden
und aktuelle Fotoaufnahmen der Füsse zeigten, dass die beklagten Fussschmerzen objektivierbar seien (Urk. 1 S. 9 f.).
Dr.
M._
bestätigte, dass sich
im
Ant
hr
o
-MRI beider Hüftgelenke vom 25.
Novem
ber
2016 ein
femoroacetabuläres
Impingement
beidseits
zeigte (Urk.
9/58/6), mithin durchaus ein bildgebend objektivierbarer Befund vorliegt.
Entscheidend sind jedoch nicht so sehr die bildgebenden Befunde, sondern die funktionellen Einschränkungen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_484/2013 vom 12. August 2013).
Diesbezüglich hielt Dr.
M._
- übereinstimmend mit dem behandelnden Orthopäden Dr
.
A._
(Urk. 9/20/7) - fest, das
Impingementzeichen
sei
negativ gewesen (Urk. 9/58/6). Sodann seien
beide Hüftgelenke seitengleich frei beweglich (Urk. 9/58/42). Insgesamt sind somit funktionelle Auswirkungen der bildgebend festgestellten
Impingementkonfiguration
nicht nachgewiesen und es ist nicht zu beanstanden, dass Dr.
M._
diesbezüglich keine e
igenständige Diagnose stellte.
Hinsichtlich der Fuss- und Fersenschmerzen stellte Dr.
M._
in Überein
stim
mung mit den behandelnden Ärzten der Klinik für Rheumatologie (Urk. 9/45/2)
durchaus
objektive Befunde wie
einen verbreiterten Mittelfuss mit Absenkung des Quer- und Längsgewölbes mit
Valgus
-Fehlstellung der Fersen beidseits fest sowie auf den Röntgenbildern ersichtliche geringe degenerative Veränderungen bei
der Grosszehengrundgelenke und
Verkalkungen dorsal des
Kalkaneus
im Ansatzbe
reich der Achillessehne beidseits
(Urk. 9/58/43), mass diesen Befunden jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu (Urk. 9/58/6).
Ärztliche Berichte, die diesen Beschwerden eine Einschränku
ng der Arbeitsfähigkeit zuschrei
ben
,
liegen keine vor
. Auch
die
von der Beschwerdeführerin eingereichte Fotografie der Füsse
(Urk. 3/4)
vermag eine
diesbezügliche Einschränkung
nicht
zu belegen
. Es ist daher auf die Einschätzung von Dr.
M._
abzustellen.
Was die
von
der Beschwerdeführerin
beklagten Schmerzen
an der Wirbelsäule und den weiteren Gelenken betrifft, hielt Dr.
M._
w
eder klinisch noch bild
ge
bend
objektive Befunde fest, die diese erklären könnten
(Urk. 9/58/43).
Dies
stimmt grundsätzlich
auch
mit
der Beurteilung durch die behandelnden Ärzte
überein
. So hielt
D
r.
A._
in seinem Bericht vom 7.
April
2017 fest, die Be
schwerden könnten nicht komplett auf die Veränderungen, die im MRI und im Röntgenbild ersichtlich
gewesen seien
, zurückgeführt werden. An obje
ktiven Befunden führte er
led
ig
lich die
Impingement
-Konfiguration der Hüft
e
auf
(Urk.
9/20/6 f.)
. Die von Dr.
D._
festgestellte Arbeitsfähigkeit von 50 % mit Einschränkungen beim längeren Gehen, Stehen, Sitzen und Heben von schweren Lasten beruht sodann nicht auf objektiven Befunden, sondern auf den Schmerz
angaben der Beschwerdeführerin (Urk. 9/23/2).
Hinweise für das Vorliegen einer systemisch-entzündlichen Erkrankung hätten sich gemäss den behandelnden Ärzten der Klinik für Rheumatologie
ebenfalls
keine ergeben (Urk. 9/45/2).
Die Beurteilung der somatischen Beschwerden der Beschwerdeführerin ist somit nicht zu beanstanden.
4.2
.2
Die Beschwerdeführeri
n brachte weiter vor, es würden noch
Abklärungen bezüg
lich des diagnost
izierten
Schwankschwindels
durchgeführt
, so dass noch nicht klar sei, inwiefern
sich dieser invalidisierend auswirke
(Urk. 1 S. 11). Dazu ist
zu bemerken
, dass diese Schwindelbeschwerden
- laut Bericht des
K._
vom 29. Juli 2019 (Urk. 9/67/1)
-
bereits seit dem Jahr 2016 vorliegen
,
mithin bereits
im Zeit
punkt der Begutachtung bestanden, die
Beschwerdeführerin
sie
gegenüber den Gutachtern
jedoch
nicht erwähnte. Gestützt darauf ist davon auszugehen, dass
sie
damals
durch
die geltend gemachten Schwindelbeschwerden nicht
, oder jeden
falls nicht
erheblich eingeschränkt war. Dafür, dass sich die Beschwerden seit diesem Zeitpunkt verschlechtert hätten, liegen keine Anhaltspunkte vor. Es ist somit nicht überw
iegend wahrscheinlich, dass die Schwindelbeschwerden einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben
,
auch wenn die
noch durchzuführenden
- bisher
ergebnislos gebliebenen
(vgl. Urk. 9/67/1, Urk. 9/74/1) -
Abklärungen eine allfällige organische Ursache der Beschwerden
zu
eruieren
vermöchten
. Entgegen dem Eventualantrag der Beschwerdeführerin ist daher
von weiteren medizini
schen Abklärungen abzusehen, da von diesen keine
neu
en
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E.
4b, 122 V 157 E. 1d, 136 I 229 E. 5.3).
4
.3
4.3.1
In psychiatrischer Hinsicht stellte Dr.
L._
die Diagnosen einer leicht- bis mittel
gradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.0/F32.1) und einer nicht näher be
zeichneten somatoformen Störung (ICD-10 F45.9) mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit
sowie
einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F45.9), welche die Arbeitsfähigkeit nicht einschränke
n
(Urk. 9/58/7). Die Beschwerde
führerin brachte dagegen vor, bei ihr lägen entgegen der Ansicht von Dr.
L._
andauernde Schmerzen in verschiedenen anatomischen Regionen in einem Aus
mass vor, das die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung rechtfertige (Urk. 1 S. 10 f.).
I
n diesem Zusammenhang ist zunächst
darauf hinzuweisen, dass nicht die diagnostische Einordnung eines Gesundheitsschadens entscheidend ist, sondern die zugrundeliegenden psychiatrischen Befunde (vgl. BGE 130 V 352 E.
2.2.3 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_782/2012 vom 22. Oktober 2013 E. 4.3.3).
Die psychiatrische Exploration kann
sodann
von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen und dem begutachtenden Psychiater bleibt praktisch immer ein gewisser Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizi
nisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_629/2017 vom 28. November 2017 E. 4.3 mit Hinweis auf
das Urteil des Bun
desgerichts
8C_839/2013 vom 13. März 2014 E. 4.2.2.1)
. Angesichts der von Dr.
M._
anlässlich der orthopädischen Begutachtung festgestellten Beschwerdever
deutlichung sowie des von Dr.
L._
selbst beobachteten nicht auffallend schmerzgeplagten Eindruck
s
, erscheint es nachvollziehbar, dass Dr.
L._
die für eine somatoforme Schmerzstörung erforderliche Ausprägung der Beschwerden verneinte und die Diagnose einer nicht näher bezeichneten somatoformen Stö
rung stellte
(Urk. 9/58/26)
, zumal auch die behandelnden Psychiater lediglich eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0
; Urk. 9/29/2
) diagnostizierten. Was die von
der Beschwerdeführerin ferner vorgebrachten Anzeichen für eine andauernde Pe
r
sönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0) betrifft
(Urk. 1 S. 8)
, ist festzuhalten, dass diese Diagnose und die dafür erforderlichen psychiatrischen Befunde von Dr.
L._
ausdrücklich verworfen wurden. So konnte er insbesondere das für die Diagnose erforderliche generelle Misstrauen gegenüber der Welt nicht feststellen, sondern erlebte die Beschwerdeführerin als der Welt zugewandt.
Auch
zeige die Beschwerdeführerin
zwar
eine depressive Symptomatik, jedoch nicht im Sinne von Leere oder Hoffnungslosigkeit (Urk. 9/58/28). Ferner stellten auch die behandelnden Psychiater die genannte Diagnose jeweils nur im
Sinne
einer
Differential- und
Verdachtsdiagnose (Urk. 9/29/2, Urk. 3/3 S. 1).
4.3.2
Die Beschwerdeführerin machte weiter geltend, es sei nicht nachvollziehbar, dass Dr.
L._
der posttraumatischen Belastungsstörung keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zumesse
(Urk. 1 S. 7
). Dazu ist einerseits festzuhalten, dass Dr.
L._
bezüglich der von den behandelnden Psychiatern festgestellten depressiven Symptomatik, die diese wohl als Teil der posttraumatischen Belastungsstörung ansahen, die zusätzliche Diagnose einer depressiven Episode stellte, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe (Urk. 9/58/28). Andererseits hielt er fest, dass sich die aufdrängenden Erinnerungen an die Vergewaltigungen durch den Polizisten durch Ablenkung gut zurückdrängen liessen, so dass die Symptomatik
geringer ausgeprägt gewesen sei,
als die Beschwerdeführerin noch beruflich tätig
und dadurch abgelenkt
war.
Unter diesen Umständen
und angesichts der Tat
sache, dass die Beschwerdeführerin trotz der seit dem Jahr 2005 bestehenden PTBS während mehr als 10 Jahren arbeitstätig war, ist
von einer
- abgesehen von der durch Dr.
L._
im Rahmen einer separaten Diagnose ausgeklammerten depressiven Symptomatik -
fehlenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch die PTBS auszugehen,
zumal für die Darstellung der Beschwerdeführerin, die fort
gesetzte Arbeitstätigkeit habe ihre psychische Gesundheit schwer beeinträchtigt (Urk. 1 S. 7), keine Anh
altspunkte bestehen. D
ie behandelnden Ärzte erwähnten
diesbezüglich
lediglich den Versuch einer Kompensation durch Arbeiten (Urk.
9/36/4) und leiteten daraus keine Folgen ab.
4.4
4.4.1
Im Folgenden ist die Frage na
ch den Auswirkungen der
psychischen
Erkran
kungen
auf das funktionelle Leistungsvermögen rechtsprechungsgemäss unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu beant
worten (BGE 143 V
418 E. 6
).
4.4.2
Z
um Komplex «Gesundheitsschädigung»
ist
festzuhalten, dass Dr.
L._
gestützt auf die Befunde des
leicht auf die Schmerzen eingeengten
formalen Gedan
kengangs, des reduzierten Antriebs und der bedrückten Grundstimmung mit reduzierter affektiver Schwingungsfähigkeit
(Urk. 9/58/25)
nachvollziehbar
auf
eine leicht- bis mittelgradige depressive
Episode (ICD-10 F32.0/F32.1)
schloss
, der
ein leichter bis mittlerer Schweregrad inhärent ist.
Ferner diagnostizierte er eine nicht näher bezeichnete somatoforme Störung (ICD-10 F45.9)
, wobei er die anlässlich der orthopädischen Begutachtung festgestellte Verdeutlichung aus
klam
merte und daher die schwerwiegendere Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung ausschloss
(Urk. 9/58/5)
.
Insgesamt ist daher von einer höchs
tens mittelgradigen Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde auszugehen.
Zum Indikator «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz» ist anzu
merken,
dass die Beschwerdeführerin seit dem 5. Dezember 2016 eine ambulante psychiatrische Behandlung mit Gesprächsterminen alle zwei bis drei Wochen wahrnimmt (Urk. 9/29/3).
Eine
traumaspezifische
Behandlung konnte
laut
den behandelnden Psychiatern bisher nicht durchgeführt werden, da der Zustand der Beschwerdeführerin bisher zu instabil gewesen sei (Urk. 9/44/4).
Dr.
L._
empfahl, zunächst die medi
k
amentöse Therapie zu optimieren
. Sollte dies zu keiner Besserung führen sei eine Therapieintensivierung im Sinne einer teil- oder vollstationären Behandlung in Betracht zu ziehen (Urk. 9/58/9). Es liegen mithin noch Möglichkeiten zur Therapieoptimierung vor,
eine Therapieresistenz ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen
.
Die Angaben zur derzeitigen beruflichen Eingliederung der Beschwerdeführerin sind widersprüchlich
. Einerseits wurde im ort
hopädisch-
traumatologischen
Teil
gut
achten festgehalten, «seit 2014 bis heute» arbeite sie in der Reinigung, ande
r
seits wurde ein paar Zeilen weiter ausgeführt, seit Juni 2018 sei sie anhaltend krankgeschrieben (Urk. 9/58/38). Der psychiatrische Teilgutachter wiederum vermerkte, dass die Beschwerdeführerin seit Ende 2016 nicht mehr beruflich tätig sei
(Urk. 9/58/27).
Im Fragebogen für Versicherte vom 22.
Januar
2019 (Urk.
9/58/
57) gab die Beschwerdeführerin den Juni 2018 als letzten Arbeits
monat an.
Bemühungen, die - zumutbare -
angestammte
oder eine andere an
ge
passte
Tätigkeit
(
wieder
)
aufzunehmen
,
sind aus den Akten ebenso
wenig ersicht
lich wie andere Eingliederungsversuche.
Zu den Komorbiditäten ist festzuhalten, dass Dr.
L._
sowohl der depressiven Episode als auch der somatoformen Störung Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu
schrieb (Urk. 9/58/27). Es sind somit ressourcenhemmend
e Komorbiditäten vor
handen. Der
PTB
S sowie den
somatischen Diagno
sen kommt
als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit keine
zusätzliche
ressourcenhemmende Wirkung zu.
4.4.3
In Bezug auf die Pers
önlichkeit der Beschwerdeführerin
ist festzuhalten, dass weder eine Persönlichkeitsstörung noch akzentuierte Persönlichkeitszüge vorlie
gen
. Von der Persönlichkeit
her
ist sie verträglich, kontaktfreudig und offen (
Urk.
9/58/25
). Der Persönlichkeitsstruktur ist in Anbetracht dieser Umstände keine ressourcenhemmende Wirkung beizumessen.
4.4.4
Zum sozialen Lebenskontext gab die Beschwerdeführerin an, sie habe einen sehr guten Kontakt zu ihrer Schwester. Sie sehe sie etwa dreimal in der Woche, entweder besuche sie diese mit der Bahn oder dem Bus oder sie werde von der Schwester besucht. Mit einer unmittelbar neben ihr wohnenden Kollegin
,
die
ebenfalls aus Äthiopien stamme, habe sie einen guten Kontakt und
sie
sehe sie täglich. Eine weitere Kollegin sehe sie etwa einmal im Monat (Urk.
9/58/23). Von den behandelnden P
s
ychiatern wird
abweichend von den Ausführungen der Beschwerdeführerin gegenüber dem Gutachter sowohl vor als auch nach der Begutachtung
ein sozia
ler Rückzug mit lediglich Kontakt zur Schwester erwähnt
(Urk.
9/29/3, Urk. 3/3 S. 1), so dass daraus kein zwi
schen
zeitlich verstärkter Rückzug abgeleitet werden kann
.
4.4.5
I
n Bezug auf die beweisrechtlich entscheidende Kategorie «Konsistenz» ist fest
zuhalten
, dass die Beschwerdeführerin einerseits den Haushalt selbständig erle
digt und andererseits mit dem Training im Fitnessstudio alle drei Tage, den erwähnten
sozialen Aktivitäten sowie
der Lektüre
von Zeitungen oder Büchern und dem Malen durch
aus Freizeitaktivitäten vorhanden sind
.
Einzig ihre eigent
lichen Hobbies, das Stricken und Nähen,
übe
sie seit längerem nicht mehr
aus
(Urk. 9/58/23).
Mithin konnte sie auch mit der Erkrankung eine strukturierte Alltagsgestaltung aufrechterhalten. Dr.
L._
merkte dann auch an, dass die
Ein
schätzung der Beschwerdeführerin, sie sei zwei Stunden pro Tag zu einer beruf
lichen Tätigkeit in der Lage
,
diskrepant zu den Aktivitäten in den Bere
ichen Freizeit und Haushalt sei
(Urk. 9/58/28).
Die Beschwerdeführerin ist regelmässig in psychiatrischer Behandlung, es werden jedoch nur alle zwei bis drei Wochen Termine
wahrgenommen
. Der Spiegel des vers
chriebenen Neuroleptikums lag im Gutachtenszeitpunkt
sodann unter
halb des
Referenzbereich
s.
Die Beschwerdeführerin berichtete anlässlich der psychia
tri
schen Begutachtung
,
sie habe feststellen müssen, dass sich ihr Zustand mit der aktuellen Behandlung wohl
nicht verbessern werde
und sie sich jetzt auf die von den behandelnden Psychiatern empfohlene stationäre Behandlung einlassen könne (Urk. 9/58/28).
Gemäss den behandelnden Psychiatern ist jedoch eine
trau
maspe
zifische
Behandlung
zur Zeit
nicht möglich (Urk.
9/44/4
). Eine medika
mentöse Anpassung oder eine andere Intensivierung der Therapie
(wie zum Beispiel eine Erhöhung der Therapiefrequenz)
ist
nach der Begutachtung soweit ersichtlich nicht erfolgt (Urk. 3/3 S. 2
). Insgesamt ist daher von einem mässigen Leidensdruck auszugehen.
4.4.6
Zusammenfassend ergibt sich aus der Gesamtwürdigung der Stand
ardindi
ka
toren, dass insbesondere weder eine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitä
ten
niveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen noch eine ressourcen
hem
mende Persönlichkeitsstruktur vorliegen. Im sozialen Lebenskontext ist ein krankheitsbedingter Rückzug allenfalls eingeschränkt erkennbar. Sodann ist eine Therapieresistenz nicht ausgewiesen, es ist jedoch von einer gewissen krankheits
bedingten Unfähigkeit zur Therapieintensivierung auszugehen. Den a
uf
die
depressive Episode zurückzuführenden Befunden eines eingeschränkten Antrieb
s
, einer leichten Einengung des
formalen Gedankengang
es
und einer
bedrückten Grundstimmung
sowie der zusätzlich vorliegenden somatoformen Störung ist durch
die von Dr.
L._
statuierte 70%ige Arbeitsfähigkeit im angestammten Tätigkeitsbereich als Reinigungskraft
hinreichend Rechnung getragen, so dass kein triftiger Grund besteht, von seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abzu
weichen
.
Umgekehrt kann
d
er Einschätzung der behandelnden Fachärzte,
wonach die Beschwerdeführerin in ihrer Leistungsfähigkeit zu 80 % eingeschränkt sei, aufgrund der
Prüfung der
Standardindikatoren nicht gefolgt werden
. Retrospektiv kann im Übrigen
mangels Hinweisen auf eine zwischenzeitliche Verschlechterung
ebenfalls auf die gutachterliche Beurteilung abgestellt werden, wonach seit
September 2016
von der
genannten
Arbeitsfähig
keit auszugehen ist (Urk. 9/58/8
).
5.
Auf der Grundlage einer 70%igen Arbeitsfähigkeit im ang
estammten Tätig
keits
bereich ab
September
2016
erübrigt sich ein ordentlicher Einkommensvergleich. Sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen sind gestützt auf dieselbe Bemessungsgrundlage und der Invaliditätsgrad anhand eines Prozentvergleichs zu bestimmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_463/2012 vom 3. August 2012 E. 4.2).
Jener
liegt demnach bei nicht rentenbegründend
en 30 % (vgl. E.
1.2 vorstehend)
.
Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
6.
6
.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge der ihr gewährten unentgeltlichen Prozessführung (vgl. Urk. 10) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6
.2
Mit Verfügung vom 21. Januar 2020 (Urk. 10) wurde der Beschwerdeführerin Rechtsanwältin Dina
Raewel
als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt. Da diese von der Möglichkeit, eine Honorarnote einzureichen (vgl. Urk. 10 Dispositiv-Ziffer 3), keinen Gebrauch gemacht hat, ist die Entschädigung ermessensweise ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses festzulegen (§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Unter Berücksichtigung der genannten
Kriterien ist die Entschädigung von Amtes wegen auf
Fr. 2’100.--
(inkl. Bar
aus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
6
.3
Die Beschwerdeführerin ist abschliessend auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Entschädigung an die unentgeltliche Rechtsvertreterin verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.