Decision ID: a9303141-e8bc-433c-853f-5f006682a4f6
Year: 2011
Language: de
Court: BL_ZMG
Chamber: BL_ZMG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: penal_law

Sachverhalt
Gegen den Beschuldigten mit Wohnsitz im Ausland wird seit dem 29. Mai 2011 ein
Verfahren wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz geführt
(u.a. Einfuhr von Kokain in die Schweiz). Seit dem 1. Juli 2011 befindet sich der Beschuldigte
in Untersuchungshaft. In casu hat die Staatsanwaltschaft am 29. Mai 2011 ein
Rechtshilfeersuchen an die Staatsanwaltschaft X._/D gestellt hat, mit dem Auftrag, eine
Hausdurchsuchung am Wohnort des Beschuldigten durchzuführen. Dieses
Rechtshilfeersuchen ist am 21. Juli 2011 abgeschlossen worden. Am 23. Juni 2011 hat die
Staatsanwaltschaft ein Rechtshilfeersuchen an die Staatsanwaltschaft X._/D betreffend
Auskunft über alle auf den Beschuldigten lautenden Bankkonti, der Edition von
diesbezüglichen Unterlagen und deren Sperrung gestellt. Am 20. Juli 2011 hat die
Staatsanwaltschaft um Auskünfte in Zusammenhang mit 2 Clubsmartkarten, 3 SIM-Karten
und um die rückwirkenden Randdaten 3 Deutscher Rufnummern ersucht.

Erwägungen:
2.4
2.4.1 Die Untersuchungshaft kann nicht nur aus inhaltlichen Gründen, sondern auch aus
zeitlichen Gründen unverhältnismässig werden. Einerseits muss das Verfahren so rasch wie
möglich vorangetrieben werden, sodass die beschuldigte Person, welche sich auf die
Unschuldsvermutung berufen kann, nicht unnötig lange in Haft bleibt. Es ist also das
Beschleunigungsgebot zu beachten (vgl. dazu Art. 5 Abs. 2 StPO; Art. 5 Ziff. 3 EMRK; Art.
31 Abs. 3 BV). Daneben muss der Dauer der zu erwartenden Sanktion Rechnung getragen
werden, damit keine Überhaft entsteht. Untersuchungs- und Sicherheitshaft dürfen gemäss
Art. 212 Abs. 2 StPO nicht länger dauern als die zu erwartende Freiheitsstrafe.
Die Verletzung des Beschleunigungsgebots kann (sofern keine Überhaft droht)
ausnahmsweise zur Haftentlassung führen, wenn sie besonders schwer wiegt und zudem
die Strafbehörden erkennen lassen, dass sie nicht gewillt oder nicht in der Lage sind, das
Verfahren nunmehr mit der für Haftfälle verfassungs- und konventionsrechtlich gebotenen
Beschleunigung voranzutreiben. Welche Verfahrensdauer angemessen ist, hängt von den
Umständen des Einzelfalls ab, die in ihrer Gesamtheit zu würdigen sind. Dabei sind
insbesondere die Komplexität des Falls, das Verhalten des Beschuldigten, die Behandlung
des Falls durch die Behörden und dessen Bedeutung für den Beschuldigten zu
berücksichtigen (vgl. Entscheid des Bundesgerichts vom 05.August 2011 1B_381/2011 Erw.
4.4 mit weiteren Verweisen).
2.4.2 Der Beschuldigte wird in mehreren Fällen des qualifizierten Verstosses gegen das
Betäubungsmittelgesetz – mit mutmasslich zahlreichen beteiligten Personen – verdächtigt,
wobei mindestens bezüglich des Delikts vom 29. Mai 2011 ein dringender Tatverdacht
vorliegt (vgl. Ziff. 2.1.2). Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe im Wesentlichen. Der
vorliegende Fall ist insgesamt komplex und verlangt eine umfassende Untersuchung, welche
zum heutigen Zeitpunkt weitgehend noch nicht abgeschlossen ist. Die Staatsanwaltschaft
führt in ihrem Haftverlängerungsgesuch vom 26. August 2011 aus, welche Aspekte im
Besonderen noch abzuklären sind (vgl. Ziff. B, 3. Abschnitt).
Die Staatsanwaltschaft hat erstmals am 29. Mai 2011 ein Rechtshilfeersuchen an
Deutschland betreffend eine Hausdurchsuchung gestellt. Gemäss den Angaben der
Staatsanwaltschaft seien die anlässlich dieser Hausdurchsuchung beschlagnahmten
Gegenstände ihr erst am 17. August 2011 vollständig zugestellt worden. Die
Staatsanwaltschaft stellte am 23. Juni 2011, 5. Juli 2011 und 20. Juli 2011 weitere
Rechtshilfeersuchen gestützt auf die jeweils aktuellen Erkenntnisse. Demnach ist
festzustellen, dass die Staatsanwaltschaft nicht untätig war und nebst Befragungen weitere
Untersuchungshandlungen vorgenommen oder zumindest – im Rahmen ihrer Möglichkeiten
– veranlasst hat. Bezüglich der Tätigkeit der Deutschen Behörden ist festzuhalten, dass zwar
bis zur Zustellung der beschlagnahmten Gegenstände an die Staatsanwaltschaft Basel-
Landschaft einige Zeit verging, eine ungerechtfertigte Verschleppung der Untersuchung
jedoch nicht erkennbar ist.
Im Ergebnis liegt somit keine Verletzung des Beschleunigungsgebots vor, welche
ausnahmsweise aufgrund ihrer Schwere zu einer Haftentlassung führen könnte
Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 6. September 2011 (350 11 396)
Das Kantonsgericht, Abteilung Strafrecht, hat mit Beschluss vom 11. Oktober 2011 in diesem
Verfahren ein Ausstandsbegehren der Staatsanwaltschaft gegen den Präsidenten des
Zwangsmassnahmengerichts abgewiesen (490 11 146)