Decision ID: 47dbefb9-f42e-4d9f-b7a9-35e61760170a
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
kam
2008
als Frühgeburt
auf die Welt
.
Die Sozialversiche
rungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, übernahm die Kosten
für die Behandlung der Geburtsgebrechen Nrn. 494, 497, 390 und 395 gemäss Anhang zur Verordnung über Geburtsgebrechen (vgl. unter anderem
Urk.
12/5, 12/6, 12/13 und 12/31),
für medizinische Massnahmen
und
für Hilfsmittel und rich
tete ab
1.
Oktober 2010 eine
Hilflosenentschädigung
für eine Hilflosigkeit leichten Grades und ab
1.
Mai 2011 eine solche für eine Hilflosigkeit mittleren Grades aus (
Urk.
12/62).
Anfang April 2011 wurden dem Versicherten erstmals Unterschenkelorthesen verordnet (
Urk.
12/44)
.
Gestützt auf einen Kostenvor
an
schlag der
Z._
vom
6.
April 2011 (
Urk.
12/45) und die befür
wortende Stellungnahme der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft Hilfs
mittel
beratung für Behinderte und Betagte (SAHB) vom 1
4.
Juli 2011 (Urk.
12/66) erteilte die IV-Stelle mit Verfügungen vom 1
8.
Juli 2011 Kosten
gutsprache für zwei Paar Unterschenkel-Orthesen (
Urk.
12/67 und 12/68).
Am 3
1.
Juli 201
2 reichte die
A._
der IV-Stelle
zwei
Rechnungen
Nr
n
.
«...»
und
«...»
vom 2
9.
Juni 2012
für Unterschenkel
orthesen in der Höhe von
Fr.
2‘826.60 und
Fr.
5‘956.40
ein (
Urk.
12/76)
. Mit Schreiben vom 2
3.
Oktober 2012 teilte die IV
Stelle der Mutter des Versicherten mit, die Firma
A._
habe die Kostenübernahme für Unterschenkelorthesen beantragt. Sollte sie mit diesem Gesuch nicht einverstanden sein, werde sie um Benach
richtigung innerhalb der nächsten 14
Tage gebeten. Andernfalls werde von ihrem stillschweigenden Ein
verständnis ausgegangen (
Urk.
12/79).
Die Mutter des Versicherten reagierte nicht auf dieses Schreiben.
Am 1
7.
Januar 2013
stellte
die
Z._
der IV-Stelle
einen
Kosten
voran
schlag
«...»
für Unterschenkelorthesen in der Höhe von
Fr.
4‘817.25
und die entsprechende ärztliche Verordnung zu
(
Urk.
12/85).
Mit Schreiben vom 2
3.
Januar 2013
ersuchte
die IV-Stelle
die
SAHB um Stel
lungnahme
zum
Kostenvoranschlag
(
Urk.
12/86).
Die SAHB teilte der IV
Stelle am 1
5.
Mai 2013 mit, dass sie die Kostenübernahme gemäss dem Kostenvoran
schlag der
Z._
im Betrag von
Fr.
4‘817.25 empfehle (
Urk.
12/105). Mit einem zweiten Schreiben gleichen Datums nahm sie auf die Rechnungen Nrn.
«...»
und
«...»
der Firma
A._
vom 2
9.
Juni 2012 Bezug und führte aus, gemäss Stellungnahme der Firma habe
diese im Februar 2012 nach Rücksprache mit
Dr.
med.
B._
vom
C._
zwei Paar Orthesen hergestellt
. Die Familie
des Versicherten
sei daraufhin ohne
Mitteilung für ein Dreivierteljahr nach Brasilien verreist. Die Orthesen seien daher nicht
benutzt worden. Die Mutter behaupte, sie habe beide
Orthesenpaare
nicht erhalten, weshalb diese nicht hätten getragen werden können.
Sie die, SAHB könne nicht beurteilen,
ob die IV-Stelle für eine Leistung aufkommen müsse, welche zwar erbracht, nicht
aber in Anspruch genommen w
orden sei (
Urk.
12/106).
Auf Anfrage der IV-Stelle zum Versorgungsverlauf des Versicherten bei der
A._
teilte der Orthopädietechniker
D._
mit E
-M
ail vom 2
9.
Juli 2013 mit, die
damalige Orthese
sei zu klein gewesen und es sei eine bessere Korrektur angestrebt worden. Sie hätten daraufhin anhand der beste
henden Verfügung
nach Rücksprache mit
Dr.
B._
die neuen Orthesen angefertigt. Der Versicherte habe den Gipstermin am 1
3.
und den
Anprobe
ter
min
vom 2
8.
Februar 2012 wahrgenommen. Die Orthesen seien am
5.
März 2012 an die letzte bekannte Adresse,
E._
, gesendet worden. Aus der Sammelabrechnung der Paketsendungen lasse sich heute kein Rückschluss mehr auf den Verbleib des Paketes ziehen. Weder vom Patienten noch von der Post habe es eine Fehlermeldung gegeben. Ein darauf geplanter Kontrolltermin sei nicht wahrgenommen worden und auch die Termine im
C._
seien ungenutzt verstrichen. Nach Rücksprache mit der Therapeutin habe er erfahren, dass die Familie sich wieder bei ihr gemeldet habe für einen neuen Termin und weitere Therapien (
Urk.
12/108).
Mit Vorbescheid vom 1
5.
Oktober 2013 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, sie werde die Kosten der Rechnungen Nr
n
.
«...»
und
«...»
der
A._
in der Höhe von
Fr.
5‘956.40 und
Fr.
2‘
826.60
nicht übernehmen.
D
ie Familie
habe
um die Herstellung der Orthesen gewusst, diese aber nicht genutzt. Für Kosten, aus welchen kein therapeutischer Nutzen hervorgegangen sei, komme sie nicht auf (
Urk.
12/112).
Am
2
6.
November 2013
verfügte
die IV
Stelle
in diesem Sinne
(
Urk.
12/129).
3.
Dagegen erhob
X._
, gesetzlich vertreten durch
Y._
, mit Eingabe vom 1
6.
Januar 2014 Beschwerde und beantragte
,
es sei Kostengutsprache für die Unterschenkelorthesen in der Höhe von
Fr.
5‘956.40 und
Fr.
2‘826.60 zu leisten (
Urk.
1).
Die IV-Stelle schloss mit Vernehmlassung vom 3
1.
März 2014 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11).
Die Vertreterin des Versicherten reichte innert angesetzter Frist keine Replik ein, was der Beschwerdegegnerin am
3.
Juni 2014 mitgeteilt wurde (
Urk.
15).
Auf die Begründung der Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwä
gungen Bezug genommen.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
21 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwe
cke der funktionellen Angewöhnung bedarf (Abs. 1). Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, haben im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel (Abs. 2). Die Versicherung gibt die Hilfsmittel zu Eigentum oder leihweise in einfacher und zweckmässiger Ausführung ab (
Abs.
3 Satz 1).
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vorschriften im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 IVG hat der Bundesrat in
Art.
14 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) an das Eidgenössische Departement des Innern übertragen, welches die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit anhangsweise auf
geführter Hilfsmittelliste erlassen hat. Beinorthesen werden gemäss
Ziff.
2.01 HVI Anhang gemäss Tarifvertrag mit dem Schweizer Verband der Orthopädie-Techniker (SVOT) vergütet.
1.2
Hat eine versicherte Person Anspruch auf ein Hilfsmittel, das auf der Liste des Bundesrates steht, so kann sie ein anderes Mittel wählen, das dieselben Funk
tionen erfüllt. Die Versicherung übernimmt die Kosten für das gewählte Hilfs
mittel, jedoch höchstens bis zu dem Betrag, den sie für das Hilfsmittel aus der Liste aufgewendet hätte (
Art.
21
bis
Abs.
1 und 2 IVG).
Schafft die versicherte Person ein Hilfsmittel, auf das sie Anspruch hat, auf eigene Kosten an, so kann ihr die Versicherung Amortisationsbeiträge gewähren (
Art.
21
ter
Abs.
1 IVG).
2.
Voraussetzung für die Vergütung eines Hilfsmittels ist in jedem Fall der tat
sächli
che Bezug eines solchen. Weder ein theoretischer Hilfsmittelanspruch, noch ein
abgelehntes oder - wie hier - nie bezogenes Hilfsmittel vermag einen Leistungs
anspruch gegenüber der Invalidenversicherung auszulösen.
Die Mutter des Versicherten bringt in der Beschwerde wie bereits im Verwal
tungsverfahren (vgl.
Urk.
12/108) vor, sie habe von der Firma
A._
nie Orthesen erhalten. Im Zeitpunkt der behaupteten Lieferung am
5.
März 2012 sei sie noch in der Schweiz gewesen; weder habe sie von der Post Bescheid bekommen noch habe sie eine Empfangsbestätigung unterschrieben (
Urk.
1).
Hat der Versicherte somit keine Leistungen der Firma
A._
bezogen, kann er auch keine Vergütung durch die Invalidenversicherung beanspruchen. Da die IV-Stelle die später im Januar 2013 von der Firma
Z._
dem Versicherten abgegebenen Orthesen übernommen hat (
Urk.
12/107), entfällt auch eine allfäl
lige Leistungspflicht unter dem Titel der Austauschbefugnis. Die IV-Stelle hat ihre Leistungspflicht zu Recht verneint, die Beschwerde ist abzuweisen.
3.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
200.-- festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem unterliegenden Beschwerde
führer aufzuerlegen.