Decision ID: c4fe1d9a-68ab-5796-bfa9-3ef116b8a190
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ist nigerianischer Staatsangehöriger von der Ethnie
der Igbo und stammt aus B._ (Bundesstaat Anambra). Gemäss ei-
genen Angaben verliess er seinen Heimatstaat am 20. März 2020 in Rich-
tung Spanien. Am 3. Oktober 2020 reiste er von Deutschland her kommend
unkontrolliert und im Besitz eines gefälschten französischen Reisepasses
in die Schweiz ein und stellte am 6. Oktober 2020 ein Asylgesuch. Das
Staatssekretariat für Migration (SEM) nahm am 13. Oktober 2020 die Per-
sonalien des Beschwerdeführers auf, führte am 16. Oktober 2020 ein
rechtliches Gehör zur allfälligen Anwendung der Rechtsbestimmungen des
Dublin-Regimes durch und hörte ihn am 9. Dezember 2020 eingehend zu
seinen Asylgründen an. Am 22. Dezember 2020 verfügte das SEM die Zu-
teilung des Beschwerdeführers in das erweiterte Verfahren gemäss
Art. 26d des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31) und wies ihn für die Dauer
des Verfahrens dem Kanton Aargau zu. Am 19. Mai 2021 wurde der Be-
schwerdeführer im Rahmen des erweiterten Verfahrens ein zweites Mal zu
seinen Asylgründen angehört.
B.
Am 27. und 29. Oktober 2020, am 1., 16. und 21. Dezember 2020 und
sowie am 23. April 2021 wurden wegen verschiedener gesundheitlicher
Probleme ärztliche Untersuchungen des Beschwerdeführers durchgeführt.
C.
Mit Verfügung vom 27. Mai 2021 (Datum der Eröffnung: 1. Juni 2021)
lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete
dessen Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 30. Juni 2021 focht der Beschwerdeführer den Asylent-
scheid des SEM beim Bundesverwaltungsgericht an. Dabei beantragte er
die Aufhebung der genannten Verfügung verbunden mit seiner Anerken-
nung als Flüchtling und der Gewährung des Asyls, eventualiter die Rück-
weisung der Sache zur erneuten Beurteilung durch die Vorinstanz, sub-
eventualiter seine vorläufige Aufnahme in der Schweiz wegen Unzumut-
barkeit beziehungsweise Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. In pro-
zessualer Hinsicht ersuchte er sinngemäss um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG.
D-3025/2021
Seite 3
E.
Mit Zwischenverfügung der Instruktionsrichterin vom 6. Juli 2021 wurde
das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung abgewiesen, und der Be-
schwerdeführer wurde zur Leistung eines Kostenvorschusses von
Fr. 750.‒ mit Frist bis zum 21. Juli 2021 aufgefordert.
F.
Mit Einzahlung vom 12. Juli 2021 wurde der verlangte Kostenvorschuss
fristgereicht geleistet.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-
gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das SEM erlassen wor-
den sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich (mit
Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Ausliefe-
rungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) end-
gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-
dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländerrechts richtet sich
die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5).
2.
Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG;
Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zwei-
ten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend handelt es
sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche, weshalb der Be-
schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
D-3025/2021
Seite 4
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wird auf einen Schriftenwechsel
verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem
Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re-
ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus-
gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu
werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von
Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen
psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-
eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM begründete die Ablehnung des Asylgesuchs in der angefoch-
tenen Verfügung im Wesentlichen damit, die vom Beschwerdeführer vor-
gebrachten Asylgründe seien als unglaubhaft zu erachten. Diese Beurtei-
lung ist als zutreffend zu erachten.
5.2 Der Beschwerdeführer machte im Rahmen seiner Anhörungen zur Be-
gründung des Asylgesuchs im Wesentlichen Folgendes geltend: Er habe
seinen Heimatstaat Nigeria verlassen, weil er durch die islamistische Ter-
rororganisation "Boko Haram" und die nigerianische Armee gesucht wor-
den sei. Sein Vater sei ein Offizier der nigerianischen Armee im Rang eines
Leutnants gewesen. Dieser sei in die Stadt C._ (Bundesstaat
Borno) verlegt worden, als er, der Beschwerdeführer, neunzehn Jahre alt
gewesen sei. Am 8. Juni 2019 sei er, der Beschwerdeführer, in C._
durch Angehörige der Gruppierung "Boko Haram" entführt und in den Wald
von Sambisa verschleppt worden. Der Grund dafür sei gewesen, dass
"Boko Haram" seinen Vater zur Zusammenarbeit habe zwingen wollen,
welche dieser als Christ jedoch verweigert habe. Im dortigen Lager der
Gruppierung habe er zwei Soldaten erkannt. Er habe auch beobachtet, wie
D-3025/2021
Seite 5
andere Gefangene getötet und diesen die Organe entnommen worden
seien. Nach einigen Tagen sei es ihm mit Hilfe eines Freundes, der ein
Mitglied von "Boko Haram" gewesen sei, gelungen, aus dem Lager der
Gruppierung zu fliehen und nach C._ zurückzukehren. Am folgen-
den Tag seien Soldaten zum Haus seiner Familie gekommen und hätten
nach ihm gesucht. Er vermute, dies habe damit zu tun gehabt, dass er im
Lager von "Boko Haram" jene Soldaten erkannt habe, die er zuvor einige
Male in der Armeekaserne von C._ gesehen habe. Am Abend des
16. Juni 2019 sei es auf dem Marktplatz von C._ während der Über-
tragung eines Fussballspiels zu einem Bombenanschlag gekommen, bei
dem sein Vater ums Leben gekommen sei. Seine Mutter habe ihm deshalb
geraten, nach D._ (Bundesstaat Enugu) zu gehen, wo die Familie
vor dem Umzug nach C._ bereits während sechs Jahren gelebt
habe. Dort sei er von einem Priester aufgenommen worden. Jedoch seien
am 1. August 2019 Angehörige einer mit "Boko Haram" verbündeten Grup-
pierung namens "Fulani Herd's Men" gekommen und hätten diesen Pries-
ter getötet. Er, der Beschwerdeführer, sei davon ausgegangen, dass ei-
gentlich er selbst der Gesuchte gewesen sei, und habe deshalb erneut flie-
hen müssen. Mit Hilfe einer weiteren Person sei er in die Stadt Lagos ge-
langt und habe dort während acht Monaten in deren Haus gelebt. Am
15. März 2020 sei aber auch das Haus dieser Person durch eine Bombe
zerstört worden, möglicherweise durch "Boko Haram". In der Folge sei er
aus Nigeria ausgereist.
5.3 Wie in der angefochtenen Verfügung ausgeführt wurde, vermochte der
Beschwerdeführer im Rahmen seiner Anhörungen im vorinstanzlichen Ver-
fahren keinerlei konkrete Angaben zu machen, welche den Schluss zulas-
sen würden, er habe an jenem Ort in seinem Heimatstaat Nigeria
(C._, Bundesstaat Borno), an welchem er gemäss seinen Angaben
in asylrechtlich relevanter Weise verfolgt worden sei, tatsächlich jemals ge-
lebt. In der Beschwerdeschrift wird durch den Beschwerdeführer auch aus-
drücklich anerkannt, dass er, wie durch die Vorinstanz festgestellt, die Ort-
schaft C._ nicht sehr ausführlich habe beschreiben können. Diesen
Umstand versucht er in der Beschwerdeschrift damit zu erklären, er sei im
Alter von neunzehn Jahren nur sehr widerwillig mit seinen Eltern nach
C._ gezogen und habe sich für die Gegend deshalb nicht interes-
siert. Dieses Vorbringen ist offensichtlich nicht geeignet, das Ausmass sei-
ner mangelnden Ortskenntnis nachvollziehbar erscheinen zu lassen. An-
lässlich seiner zweiten Anhörung durch die Vorinstanz vom 19. Mai 2021
(entsprechendes Protokoll, S. 5) vermochte er nicht einmal ansatzweise
D-3025/2021
Seite 6
konkrete Angaben zur Frage zu machen, wie man vom Zentrum bezie-
hungsweise vom Marktplatz von C._ zum Wohnhaus seiner Familie
gelange, das sich in der Nähe der Militärkaserne am Ortsrand befinde.
Auch ist seine Angabe, wie bereits durch die Vorinstanz festgestellt, man
benötige mit dem Auto eine Stunde, um vom Haus seiner Familie am Orts-
rand zum Markt von C._ zu gelangen, realitätsfremd. Bei
C._ handelt es sich um eine Ortschaft im Umfang eines grösseren
Dorfs oder einer Kleinstadt entlang einer Hauptstrasse, die von Ortsrand
zu Ortsrand höchstens wenige Kilometer misst. In offensichtlicher Un-
kenntnis der tatsächlichen Gegebenheiten behauptete der Beschwerde-
führer jedoch anlässlich der ersten Anhörung durch die Vorinstanz vom
9. Dezember 2020 (entsprechendes Protokoll, S. 7) ausserdem,
C._ sei eine Grossstadt im Sinne einer Metropole. Angesichts des
Gesagten erübrigt es sich, auf weitere Unstimmigkeiten und inhaltliche Wi-
dersprüche in den Aussagen des Beschwerdeführers einzugehen. Ange-
sichts der offensichtlichen Unglaubhaftigkeit des in C._ angeblich
Erlebten entbehren auch die sonstigen Behauptungen zu weiteren, daraus
sich angeblich ergebenen Schwierigkeiten mit der Gruppierung "Boko Ha-
ram", einer weiteren Terrorgruppe sowie Angehörigen der nigerianischen
Armee jeglicher Grundlage. Im Übrigen ist auf die weiteren zutreffenden
Ausführungen in der angefochtenen Verfügung zu verweisen. Den Ausfüh-
rungen in der Beschwerdeschrift ist – über das bereits Gesagte hinaus –
nichts zu entnehmen, was die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbrin-
gen beeinflussen könnte.
5.4 Somit ergibt sich, dass das SEM zu Recht zur Einschätzung gelangt
ist, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft, und folg-
lich das Asylgesuch abgelehnt hat.
6.
Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylge-
such hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die verfügte
Wegweisung steht daher im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen
und wurde von der Vorinstanz zu Recht angeordnet.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
D-3025/2021
Seite 7
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-
länderinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesge-
setzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration
AIG, SR 142.20]).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
7.2.2 Der Vollzug der Wegweisung durch Rückschaffung nach Nigeria ist
unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig, weil der Beschwerdefüh-
rer – wie zuvor dargelegt – dort keinen Nachteilen im Sinne von Art. 3
AsylG ausgesetzt wäre. Aus den Vorbringen des Beschwerdeführers erge-
ben sich ausserdem auch keine konkreten und gewichtigen Anhaltspunkte
für die Annahme, dass er im Falle einer Ausschaffung nach Nigeria mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre (vgl. aus der Praxis des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte etwa die Urteile i.S. Bensaid, Rep. 2001-
I, S. 303, sowie i.S. Saadi vom 28. Februar 2008 [Grosse Kammer], Be-
schwerde Nr. 37201/06, Ziff. 124 ff., jeweils m.w.N.). Zwar ist Nigeria ins-
besondere in den nordöstlichen Bundesstaaten seit einiger Zeit von Ge-
waltakten vorwiegend radikal-islamistischer Gruppierungen betroffen. Ab-
gesehen davon bietet die allgemeine Menschenrechtssituation in Nigeria
zum heutigen Zeitpunkt jedoch keinen konkreten Anlass zur Annahme,
dem Beschwerdeführer, der aus dem südlichen Bundesstaat Anambra
stammt, drohe eine entsprechende Gefährdung. Der Vollzug der Wegwei-
sung ist somit sowohl im Sinne der asylgesetzlichen als auch der völker-
rechtlichen Bestimmungen zulässig.
D-3025/2021
Seite 8
7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.2 Der Beschwerdeführer selbst macht mit der Beschwerdeschrift keine
Vollzugshindernisse geltend.
Im Rahmen seiner Anhörungen durch das SEM gab der Beschwerdeführer
an, seit seiner Kindheit unter Herzproblemen zu leiden. Diesbezüglich und
wegen geringfügiger weiterer gesundheitlicher Probleme (Magenbrennen
sowie Zahnschmerzen) wurde der Beschwerdeführer im Verlauf des vor-
instanzlichen Verfahrens mehrfach ärztlich untersucht und behandelt. Da-
bei ergab sich aufgrund der betreffenden ärztlichen Zeugnisse im Wesent-
lichen, dass er von Refluxproblemen (Rückfluss von Magensäure in die
Speiseröhre) betroffen ist, während im Übrigen keine ernsthaften gesund-
heitlichen Leiden festgestellt wurden. Es liegt somit kein Anlass vor, die
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus gesundheitlichen Gründen in
Frage zu stellen.
Es bestehen auch sonst keine Anhaltspunkte, die darauf schliessen lies-
sen, der Beschwerdeführer sei bei einer Rückkehr nach Nigeria einer kon-
kreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG ausgesetzt. Wie bereits
erwähnt, ist die Sicherheitslage in bestimmten Regionen im Nordosten von
Nigeria als schwierig zu bezeichnen. Abgesehen davon ist die allgemeine
Lage in Nigeria aber weder von Bürgerkrieg noch von allgemeiner Gewalt
gekennzeichnet, so dass der Vollzug der Wegweisung dorthin unter diesem
Aspekt grundsätzlich zumutbar erscheint. Insbesondere ist nicht davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer, der nach eigenen Angaben vor
seiner Ausreise ein Universitätsstudium zu beginnen beabsichtigte, bei sei-
ner Rückkehr in den Heimatstaat in wirtschaftlicher Hinsicht in eine exis-
tenzbedrohende Situation gelangen wird. Wie festgestellt wurde, sind die
Angaben des Beschwerdeführers, er habe während einiger Zeit in
C._ im nordöstlichen Bundesstaat Borno – einer der Konfliktregio-
nen des Landes – gelebt und dort sei sein Vater ums Leben gekommen,
als unglaubhaft zu bezeichnen. Gemäss eigenen Aussagen stammt er aus
B._ im Bundesstaat Anambra, wo er bis zum dreizehnten Altersjahr
mit seinen Eltern und zwei Geschwistern gelebt habe. Anschliessend habe
er mit seiner Familie in D._ im Bundesstaat Enugu gewohnt, und
D-3025/2021
Seite 9
vor seiner Ausreise aus Nigeria habe er sich in Lagos im gleichnamigen
Bundesstaat aufgehalten. Angesichts dieser letztgenannten Angaben und
der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen betreffend den Aufenthalt im Bundes-
staat Borno ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in den süd-
lichen nigerianischen Bundesstaaten Anambra und Enugu, allenfalls auch
in der Metropole Lagos über ein familiäres Netz verfügt.
7.4 Des Weiteren ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung
mangels aktenkundiger objektiver Hindernisse auch möglich im Sinne von
Art. 83 Abs. 2 AIG ist.
7.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass die aktuelle Lage im Zusammenhang
mit der Coronavirus-Pandemie (COVID-19) grundsätzlich nicht geeignet
ist, die Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Bei
der Coronavirus-Pandemie handelt es sich, soweit derzeit feststellbar, al-
lenfalls um ein temporäres Vollzugshindernis. Es obliegt somit den kanto-
nalen Behörden, der Entwicklung der Situation bei der Wahl des Zeitpunkts
des Vollzugs in angemessener Weise Rechnung zu tragen.
7.6 Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung und deren Vollzug ste-
hen somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmungen und
sind zu bestätigen. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufi-
gen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus den angestellten Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Ver-
fügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt rich-
tig sowie vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – an-
gemessen ist (Art. 106 AsylG; Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist folglich
abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Die Kosten sind auf
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2] i.V.m. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG). Dabei ist zur Be-
gleichung der Verfahrenskosten der in selber Höhe geleistete Kostenvor-
schuss zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
D-3025/2021
Seite 10