Decision ID: 080b43a2-34cb-5270-8b41-3c2009369f6b
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1979, ist seit Mai 2006 bei der
Firma Z._
als
Receptionistin
tätig und
in dieser Funktion bei der Allianz Suisse
Versiche
rungs
-Gesellschaft
(nachfolgend: Allianz)
gegen die Folgen von Unfällen versi
chert.
Am 7. April 2008 verletzte sie sich während der Arbeit, als sie beim Gehen umknickte und hinfiel
. I
n der Folge
klagte sie
über persistierende Schme
rzen in der rechten Hand
(Unfallmeldung vom 9. Mai 2008, Urk. 8/1
, Arztzeugni
s vom 13. Mai 2008, Urk. 8/2).
Die Allianz erbrachte die gesetzlic
h geschuldeten Leistungen (
Schreiben vom 15. Mai 2008,
Urk. 8/3).
1.2
Am
„zirka“
7. März 2010 stürzte die Versicherte beim Skifahren und klagte
da
nach
wiederum über Schmerzen im rechten Handgelenk (Unfallm
eldung vom 18. Juni 2010,
Urk. 8/101
S. 2
).
A
m 14. Juni 2010
wurde die Versicherte am Handgelenk
operiert (Urk. 8/100).
Mit Schreiben vom 22. Oktober 2010 lehnte die Allianz
ihre Leistungspflicht für den operativen Eingriff, die ärztliche Nach
behandlung sowie die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit ab (Urk. 8/108).
Nach weiteren Abklärungen kam die Allianz zum Schluss, dass
der
geplante Eingriff am rechten Handgelenk zur Stabilisierung mittels Sehnentransplantat auf das Ereignis vom 7. März 2010 zurückzuführen sei, weshalb sie die versi
cherten Leistungen übernehme (Schreiben vom 7. Januar 2011, Urk. 8/118).
1.3
Zwischenzeitlich war die
Versicherte
in einen weiteren Unfall verwickelt: Am 19. November 2010 wurde sie auf dem Fahrrad fahrend von einem Transporter erfasst und zog sich beim Sturz Prellungen und Schürfungen zu (Unfallmeldung vom 23. November 2010, Urk. 8/200). Die Allianz erbrachte
wiederum
die gesetzlichen Leistungen (
Schreiben vom 16. Dezember 2010,
Urk. 8/204).
1.4
Mit Schreiben vom 15. Juni 2011 führte die Allianz aus, aufgrund der Beurtei
lung ihres beratenden Arztes sei die Kausalität zwischen der bevorstehenden Operation vom 16. Juni 2011 und den Unfällen vom
7.
März 2010 und 19. November 2010 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben. Die Leistungen würden daher eingestellt (Urk. 8/127).
A
m 27. Juni 2011
meldete die Arbeitgeberin der Versicherten einen
Rückfall zum Unfall vom 7. März 2010:
Die Versicherte
habe sich am 16.
Juni 2011 am rechten Handgelenk
operieren lassen müssen. Der Grund für die Operation sei der Unfall vom März 2010 gewesen (Urk. 8/130 S. 3).
Die Allianz hielt
nach weiteren medizinischen Abklärungen
mit Verfügung vom 30. Januar 2013
an der Leistungseinstellung
per 1
5.
Juni 2011
fest (
Urk. 8/8 = Urk. 8/151 = Urk. 8/245; vgl. auch
Schreiben vom 11. Juli 2011, Urk. 8/138).
Die dagegen am
19. Februar 2013 erhobene Einsprache (Urk. 8/9 = Urk. 8/152 S. 2 ff. = Urk. 8/247) wies sie mit Einspracheentscheid vom 25. März 2014 ab (Urk. 8/256 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
7. April 2014
Beschwerde
gegen den Einspracheent
scheid vom 25. März 2014 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zuzuspre
chen.
S
odann sei
der Allianz
das Honorar von total Fr. 2‘700.-- für die ärztliche Stellungnahme des
die Rechts
schutzversicherung
beratenden Vertrauensarztes aufzuerlegen (
Urk.
1 S. 2).
Die Allianz beantragte mit Beschwerdeantwort vom 14. Mai 2014 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1. Juli 2014 zur Kenntnis gebracht (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im angefochtenen Einspracheentscheid sind die rechtlichen Erwägungen zur Leistungspflicht des Unfallversicherers (
Art.
6
Abs.
1 des Gesetzes über die Un
fallversicherung, UVG) sowie über die Erfordernisse der natürlichen
und der
adäquaten
Kausalität, zum Fallabschluss und
zum Beweiswert eines
Arztberich
tes
zutreffend wiedergegeben (
Urk.
2 S. 4 ff. Ziff. 1 ff., S. 12
lit
. f.
, S. 13 ff.
Ziff. 7a ff.
).
Darauf kann, mit den nachfolgenden Ergänzungen, verwiesen wer
den.
1.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.3
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 172/94 vom 2
6.
April 1995). Das
Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Be
weis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000
Nr. U 363 S. 45; BGE 119 V 7 E. 3c/
aa
).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänz
lich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht.
Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die ent
spre
chen
de Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natür
licher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Per
son, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 76).
Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten
massge
bend
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 1
1.
März 2014 E.
2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des
status
quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der
status
quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf
Art.
36
Abs.
1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach
Art.
10 UVG fallen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_637/20
13 vom 1
1.
März 2014 E. 2.3.2).
1.4
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begrün
det sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt oder die befragte Ärztin in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar
teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversiche
rungs
recht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters oder der Gut
ach
te
rin allerdings ein strenger Massstab anzulegen (RKUV 1999 Nr. U 356 S.
572; BGE 122 V 157 E. 1c; vgl. auch 123 V 331 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Einspracheentscheid davon aus,
gestützt auf die Beurteilung
durch
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Chirurgie, sei die Kausalität zwischen der Operation vom 1
6.
Juni 2011 am rechten Handgelenk und den Unfällen der Jahre 2008 und 2010 zu verneinen. Die Notwendigkeit der Operation sei vielmehr auf den massiven Vorzustand,
verursacht durch die in Fehlstellung verheilte Vorderarmfraktur als Kind und den Reitunfall vom Jahr 2006, zurückzuführen
. Die Ereignisse vom 7. April 2008 und 7. März 2010 hätten lediglich möglicherweise zu einer Verletzung im rechten Handgelenk geführt, wobei in beiden Fällen mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit nach zwölf Wochen der Status quo sine erreicht worden sei. Der Verkehrsunfall vom 19. November 2010 habe mit überwiegender Wahrschein
lichkeit zu keiner relevanten Läsion im rechten Handgelenk geführt. Betreffend die übrigen Sturzfolgen aus dem Unfall vom 19. November 2010 könne der natürliche Kausalzusammenhang offen bleiben. Selbst wenn von natürlich kausalen Unfallfolgen auszugehen sei, fehle es nach der vollständigen Wieder
erlangung der Arbeitsfähigkeit ab dem 8. Dezember 2010 am kumulativen Leistungserfordernis der Adäquanz
(
Urk. 2
S.
13 Ziff. 6, vgl. auch S. 15 Ziff. 7c sowie S. 16 ff. Ziff. 7f).
Daran hielt sie in ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 7) fest.
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1), es sei auf die Einschätzungen
durch
Dr. med.
B._
, Facharzt für Chirur
gie, abzustellen.
Dr.
B._
gehe davon aus, dass es mit dem Unfallereignis vom 19. November 2010 zu einer richtunggebenden Verschlimmerung der
vorbeste
henden
Pathologie gekommen sei. Die Folgen des Sturzes vom November 2010 hätten zur Operation geführt (S. 3). Die Schlussfolgerung von
Dr.
A._
, wonach der Unfall vom 19. November 2010 zu keinen bleibenden Verletzungen geführt habe, entspreche nicht der Echtzeitdokumentation (S. 4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die über den 15. Juni 2011 hinaus anhaltenden Handgelenksbeschwerden und insbesondere die am 16. Juni 2011 durchgeführte Operation noch in einem Kausalzusammenhang mit den Unfällen vom 7. April 2008, vom 7. März 2010 und vom 19. November 2010 stehen.
3.
3.1
Am 14. Juni 2010 unterzog sich die Beschwerdeführerin einer
Handgelenksarth
roskopie
(
Synovektomie
und TFCC-
Débridement
rechts, Operationsbericht vom 14. Juni 2010, Urk. 8/100).
Der postoperative Verlauf habe sich
gemäss
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Handchirurgie,
regelrecht und unkompliziert ge
stal
tet
(Bericht vom 29. Juni 2010,
Urk. 8/105 S. 2 f.). Bis Mitte August 2010 sei die Beschwerdeführerin praktisch beschwerdefrei gewesen. Nach Wiederaufnah
me der Tätigkeit als
Receptionistin
hätten die Beschwerden im
ulnocarpalen
Übergang rechts wieder deutlich zugenommen. Daher führte
Dr.
C._
eine Depot-Steroid-Infiltration im TCFF-Bereich rechts durch (Bericht vom
3. November 2010, Urk. 8/110). Dies habe zu einer deutlichen Reduktion der Schmerzen geführt.
Dr.
C._
hielt im Bericht vom 24. November 2010 jedoch eine zunehmende Instabilität des distalen
Radioul
nar-Gelenks
fest
. Es müsse eine operative Rekonstruktion des TFCC angedacht werden (Urk. 8/111).
3.2
Am 7. Februar 2011 stellte sich die Beschwerdeführerin bei
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Handchirurgie, vor. Seines Erachtens sei die
Beschwe
rde
symp
tomatik
nicht auf die bildgebend (MRI vom 27. Mai 2010, vgl. S. 1 unten) dokumentierte Ruptur des Ligamentum
radioulnare
palmare
zurückzuführen, sondern eher auf eine komplexe dreidimensionale Fehlstellung im Sinne einer
Malunion
nach
Ulnaschaftfraktur
. Dies zeige sich vor allem auf den aktuell durch
geführten Röntgenbildern
. Darüber hinaus hätten die Beschwerden bereits vor den Unfallereignissen im Winter 2009/2010 bestanden
, weshalb von einem posttraumatisch aktivierten Zustand ausgegangen werden müsse
(Urk. 8/122
S. 2
).
3.3
Die Beschwerdeführerin stellte sich am 21. März 2011 erstmals zur Einholung einer Zweitmeinung bei Prof.
Dr.
med.
E._
, Facharzt für
Handchirur
gie
, vor
. Prof.
E._
führte aus, die Handgelenksschmerzen rechts hätten poten
ziell verschiedene
/
mehrere
Ursachen: Einerseits bestehe eine statische/
ma
lu
nion
bedingte
Subluxationsstellung des distalen
Radioulnargelenkes
, wobei unsicher sei, ob die Fraktur anlässlich des Unfalles von 2006 erfolgt sei. Die langbogige Deformität scheine eher zum kindlichen Unfall zu passen. Dennoch könne die TFC Ruptur
ulnarseits
einem frischeren Datum entsprechen, da eine Vorderarmfraktur im Kindsalter eher einen in Kontinuität stehenden, aber stark
distendierten
TFC hinterlassen
würde.
Zudem würde eine vollständige Luxation des ECU/
ulnarseitige
Ruptur des 6.
Strecksehnenfaches bestehen, welche beim heutigen klinischen Augenschein am ehesten im Vordergrund stehe. Um den Beitrag der verschiedenen potentiellen Probleme zur Schmerzhaftigkeit abklären zu können, seien der Beschwerdeführerin mehrere Testinfiltrationen vorgeschla
gen worden (Bericht vom 7. Juli 2011, Urk. 8/136
S. 2 Mitte
).
3.4
Gemäss
Beurteilung des Vertrauensarztes der Beschwerdegegnerin,
Dr.
med.
F._
, seien die Beschwerden - wie dies
Dr.
D._
bereits dar
gelegt habe - nicht auf die Bandruptur zurückzuführen, da klinisch keine Insta
bilität vorliege, sondern durch die Fehlstellung als Folge einer Fraktur in der Kindheit verursacht worden. Die anstehende Operation sei daher wegen der im Kindsalter erlittene
n
Fraktur notwendig (Beurteilung vom 19. Mai 2011, Urk. 8/125 S. 2 Ziff. 9).
3.
5
Am 16. Juni 2011 fand eine weitere
Operation
am rechten Handgelenk
statt
(
multiplanare
Korrekturosteotomie Radius und
Ulna
, TFCC-
Re
insertion
,
Teno
dese
ECU rechts
)
.
Hinsichtlich Indikation gab Prof.
E._
an, dass mittels
Test
infiltrationen
die ECU-Subluxation nicht als Ursache der Beschwerden habe verifiziert werden können. Eine alleinige TFC-
Reinsertion
/-Rekonstruktion ohne
ossäre
Korrektur scheine wenig aussichtsreich (Operationsbericht vom 17. Juni 2011 von Prof.
E._
, Urk. 8/129 S. 1 oben).
3.
6
Nach Vorliegen des Operationsberichtes (vorstehend E. 3.
5
) hielt
Dr.
F._
an seiner bisherigen Einschätzung
fest,
insbesondere
da die dortigen Befunde die Beurteilung
durch
Dr.
D._
bestätigen würden (Beurteilung vom 30. Juni 2011, Urk. 8/134 S. 2 Ziff. 9).
3.
7
Zuhanden der Beschwerdegegnerin nannte Prof.
E._
mit Bericht vom 7. Juli 2011 (Urk. 8/135)
als
relevantes
und kausales
Unfallereignis den Unfall, der zirka im Jahr 2006 stattfand (S. 1 Mitte
sowie Ziff. 6
). Der Zustand sei Folge eines Status nach Vorderarm
fraktur im Kindsalter (
genaues Datum sei nicht bekannt; Ziff. 3b). Als Diagnose nannte er eine periphere TFC-Ruptur, eine
Mal
union
Vorderarm bei Status nach Vorderarmfraktur sowie eine Ruptur des
6.
Strecksehnenfaches/ECU-Instabilität (Ziff. 5).
3.
8
Im Auftrag der Beschwerdeführerin nahm
Dr.
B._
am 1. November 2011 Stel
lung zu den bisher ergangenen ärztlichen Berichten (Urk. 8/147 S.
7):
Es müsse davon ausgegangen werden, dass es mit dem letzten Unfall vom 19. November 2010 zu einer Verschlimmerung der unfallvorbestehenden Pathologien gekom
men sei. Laut
Arthrosk
opiebericht
vom Juni 2010 von Prof
.
E._
habe noch ein intakter und stabiler TFC-Komplex bestanden. Es habe auch keine Ruptur des
6.
Strecksehnenfaches mit Luxation der ECU-Sehne vorgelegen.
Diese
Verlet
zungsfolgen
seien auf das frische Ereignis vom November 2010 zurückzuführen. Prof.
E._
habe einen nicht mehr stabilen TFC-Komplex festgestellt und das
Tetinaculum
der Sehne habe rekonstruiert werden müssen. Diese Problematik habe klinisch im Vordergrund gestanden und zur Operation geführt.
Im Zusammenhang mit der Operation sei aber gleichzeitig die
triplanare
Rekon
struktion durchgeführt worden, die sich wiederum auf den früheren Unfall in der Kindheit beziehe.
Die Situation habe sich gegenüber der letzten Operation vom Juni 2010 mit dem Ereignis vom 19. November 2010 derart verschlimmert, dass die
Sturzfol
gen
zur Operation geführt hätt
en. Die Befunde seien eindeutig.
An dieser Einschätzung hielt
Dr.
B._
sowohl mit Stellungnahme vom 30. April 2015 (Urk. 8/231) als auch mit jener vom 15. Oktober 2015 (Urk. 8/236 S. 3 ff.) fest.
3.
9
Mit Aktenbeurteilung vom 30. Januar 2012 nahm
Dr.
A._
Stellung zur vorliegenden Problematik
(Urk. 8/
149
)
.
Er führte aus, die Beschwerdeführerin habe als Kind eine Vorderarmfraktur erlitten, welche in nicht idealer Stellung verheilt sei. Frakturen im Kindsalter würden im Allgemeinen ohne nachteilige Folgen verheilen, solange keine Rotationsfehlstellung bestehe. Je jünger ein Kind sei, umso grösser sei die Potenz, Achsenfehlstellungen im Verlaufe des Wachstums auszugleichen. Jedoch könne ein Rotationsfehler durch das Wachs
tum nicht ausgeglichen werden. Somit sei zu erklären, weshalb Prof.
E._
bei seiner Korrekturosteotomie an der
Ulna
eine
Derotation
von 30° vor
genommen habe. Mit der Rotationsfehlstellung sei auch die
Subluxationsstel
lung
der Sehne des
Musculus
extensor
carpi
ulnaris
(ECU)
sowie das
Ausleiern des
Bandappa
rates
inklusive des TFCC zu erklären. Wie Prof.
E._
schon präoperativ mittels Testinfiltration habe nachweisen können, sei die
Subluxa
tion
des ECU nicht für die Beschwerden verantwortlich zu machen. Und auch die Versorgung des TFCC für sich alleine hätte ihm zufolge keine Aussicht auf Erfolg gehabt. Wie dann auch intraoperativ habe nachgewiesen werden können, sei zwar der TFCC locker und nach dorsal luxiert, aber zentral nicht eingerissen gewesen. Auch der
Knor
pelzustand
des DRUG sei intakt gewesen. Dies spreche gegen ein neueres erheb
liches Trauma.
Sowohl Prof.
E._
als auch
Dr.
D._
seien der Ansicht, dass neben der kindli
chen Fraktur und der darauf entstandenen
Malunion
der frühere Reitunfall im Jahr 2004 oder 2006
(widersprüchliche Angaben in den Akten)
mitverantwort
lich sei
.
Der Unfall vom 7. April 2008 habe möglicherweise zu einer Verletzung im rech
ten Handgelenk geführt. Es fänden sich jedoch keine Anhaltspunkte für ein re
levantes Trauma. Erfahrungsgemäss sei nach einer Handgelen
ksdistorsion ohne nachgewiesene
bleibende Verletzung
mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit der Status quo sine nach zehn bis zwölf Wochen erreicht (S. 7).
Dass das oder die Ereignisse um den 7. März 2010 zu einer relevanten Verlet
zung geführt h
ätten
, sei ebenfalls höchst unwahrscheinlich. Offensichtlich möge sich die Beschwerdeführerin nicht mehr genau an das Datum erinnern.
Für den Fall, dass sie sich damals eine relevante
ligamentäre
Verletzung am Handgelenk zugezogen hätte, hätte sich das mit unmittelbaren, erheblichen Beschwerden bemerkbar gemacht. Immerhin habe sich die Beschwerdeführerin mehr als zwei Monate Zeit gelassen, bis sie am 1. Juni 2010 einen Arzt aufgesucht ha
b
e. Auch hier könne davon ausgegangen werden, dass mit überwiegender Wahrschein
lichkeit der Status quo sine nach zwölf Wochen erreicht worden sei.
Beim Verkehrsunfall vom 19. November 2010 habe sich die Beschwerdeführerin diverse Schürfungen am Kopf und an den Händen zugezogen. Später habe sie auch über Schwindel und Schulterbeschwerden geklagt. Diese seien verschwun
den und es seien lediglich die Beschwerden in der linken Hand übrig geblieben. Die Beschwerden dieses Unfalles seien von der Handchirurgie nie thematisiert worden. Am 23. Oktober 2010, vier Tage nach dem Unfall, sei die Beschwerde
führerin vom Handchirurgen
Dr.
C._
im Spital
G._
untersucht worden. Das Unfallereignis und ein Zusammenhang mit den aktuellen Handbeschwerden sei nicht erwähnt worden. Auch habe dieses Ereignis in den Stellungnahmen von Prof.
E._
keine Erwähnung gefunden. Somit könne angenommen werden, dass dieses Ereignis mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zumindest im rech
ten Handgelenk zu keiner relevanten Läsion geführt habe (S. 8 oben).
Zusammenfassend
stehe
die Deformation der Elle für die gekla
gten Beschwer
den im Vordergrund
. Diesen Schluss würden die Abklärungen von Prof.
E._
mit MRI und Testinfiltrationen sowie schlussendlich die intraoperativen Befunde zulassen. Somit sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die auf den kindli
chen Unfall zurückgehende Fehlstellung im rechten Vorderarm für die Opera
tion vom 16. Juni 2011 verantwortlich. Eine durch den Reitunfall vom Jahr 2004 oder 2006 bedingte richtunggebende Verletzung sei mit grosser Wahr
scheinlichkeit nicht auszuschliessen (S. 9).
An dieser Beurteilung hielt
Dr.
A._
auch mit Stellungnahmen vom 28. August 2012 (Urk. 8/235) sowie vom 10. Dezember 2012 (Urk. 8/241) fest.
4.
4.
1
Dr.
A._
leitete
seine Schlussfolgerung, dass die Kausalität der über den 1
5
. Juni 2011 hinausgehenden Beschwerden sowie die an diesem Tag erfolgte Operation am rechten Handgelenk nicht
mehr
auf die Unfälle vom 7. April 2008, vom 7. März 2010 und vom 19. November 2010 zurückzuführen seien, aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten ausführlich und in nachvoll
ziehbarer Weise her
(vorstehend E. 3.9)
.
Durch seine
medizinisch fu
ndierte Argumentation mittels der Berichte
von
Dr.
C._
,
Dr.
D._
und Prof.
E._
zeigte er auf, dass die über den 1
5
. Juni 2011 anhaltende
Handgelenksp
roble
matik
der Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Vorzustand als Folge einerseits eines Unfalles im Kindsalter
mit posttraumati
scher Fehlstellung der Elle
und andererseits auf eine unfallbedingte Fraktur im Jahr 2006 zurückzuführen ist
:
Dr.
A._
führte aus, Prof.
E._
beschreibe klar,
dass
als Folge der Verlet
zung im Kindsalter eine sogenannte
Malunion
mit einer
Rotationsfehl
stellung
der Elle von 30° und einer Achsenabweichung der Speiche von 9° besta
nden
habe
. Dadurch
sei ohne weiteres erklärbar, dass durch ein um
schaft
breite
subluxiertes
Ulnaköpfchen
die Gelenkkapsel und Bänder und damit die Aufhän
gung des TFCC im Verlaufe der Zeit ausgeweitet worden sei
en
. Zudem sei es wegen der Rotationsfehlstellung zu einer Luxation der Sehne des ECU gekom
men. Dies alles als Folge der seit Jahren bestehenden Fehlstellung. Dazu beige
tragen habe auch der Sturz vom Pferd im Jahr 2006, wobei es sehr wahr
schein
lich zur Desinsertion und damit zur Dekompensation der
Handgelenks
problematik
gekommen sei. Damit sei auch der zu diesem Zeitpunkt erfolgte Rücktritt aus dem professionellen Reitsport zu erklären (Urk. 8/241 S. 3
; vgl. auch
das
vorstehend
in
E. 3.9
Dargelegte
).
4.2
Es sind k
eine Indizien ersichtlich, die g
egen die Zuverlässigkeit der Beurteilung
durch
Dr.
A._
sprechen.
Aus den
Akten geht hervor, dass
nebst
Dr.
A._
auch
Dr.
F._
sowie die Fachärzte Prof.
E._
und
Dr.
D._
k
ein
en
Kausalzusammenhang zwischen
der Operation vom 16. Juni 2011
beziehungsweise der darüber hinausgehenden Beschwerden der Beschwer
deführerin und den
Unfällen vom 7. April 2008, vom 7. März 2010 und vom 19. November 2010
als ausgewiesen erachteten. Die genannten Ärzte erachte
te
n die
Malunion
nach Ellenfraktur im Kindsalter und/oder ein Sturz im Jahr 2006 dafür verantwortlich (vorstehend E. 3.2-3.4 und E. 3.6-3.7).
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin die Kausalitä
t aufgrund der Berichte von
Dr.
B._
als ausgewiesen erachtete (voranstehend E. 2.2), ist ihr nicht zu fol
gen.
Dr.
B._
vermag keine
konkrete
n
Indizien
vorzubringen
, die gegen die
Zuverlässigkeit der Beurteilung
durch
Dr.
A._
sprechen würden
. Im Gegenteil,
widerlegte doch
Dr.
A._
diverse Aussagen von
Dr.
B._
und nicht umgekehrt
(vgl. Urk. 8/241 S. 3).
Sodann konnte
Dr.
A._
–
ent
ge
gen der
Sichtweise der Beschwerdeführerin (vorstehend E. 2.2) - gerade anhand der Echtzeitdokumente schlüssig aufzeigen, dass die Kausalität zu verneinen ist (vgl. vorstehend E. 3.9 und E. 4.1).
4.4
Im Übrigen
fällt auf
, dass der Unfall vom 19. November 2010 in der wenige Tage danach durchgeführten Verlaufskontrolle vom 24. November 2010 bei
Dr.
C._
keine Erwähnung fand (vgl. Urk. 8/111).
Auch
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
,
erwähnte in seinen Berichten zum Unfall vom 19. N
ovember 2010 keine Beschwerden a
n der rechten Hand (vgl. Berichte vom 1. Februar 2011, Urk. 8/211, vom 21. März 2011, Urk. 8/215, und vom 16. September 2013, Urk. 8/251).
4.
5
Zusammenfassend ist auf die Berichte von
Dr.
A._
abzustellen
, welche den erforderlichen Kriterien entsprechen (vgl.
E.
1.4
)
.
Seine Beurteilung
wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben (Urk. 8/149 S. 2 ff.). Die Dar
legungen der medizinischen Zusammenhänge und die Beurteilung der medizi
nischen Situation sind einleuchtend und die Schlussfolgerungen in der Exper
tise sind begründet (Urk. 8/149 S. 8 ff.; Urk. 8/235; Urk. 8/241).
Dies führt zum Schluss, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht vom Erreichen de
s
status
quo sine
vel
ante per 15
.
Juni 2011
ausgegangen und ihre diesbezüg
lichen Leistungen zu Recht auf diesen Zeitpunkt hin eingestellt hat.
Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
5.
Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Gutachtenskosten (Urk. 1 S.
2 Ziff. I.2) fallen unter den Begriff der Parteikosten im Sinne von Art. 61
lit
. g
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
(ATSG)
. Da die Beschwerdeführerin in diesem Verfahren unterliegt, hat sie keinen Anspruch auf Ersatz dieser Kosten (vgl. BGE 115 V 62 E. 5c; SVR 2011 IV Nr. 13 S. 35 E. 2 [Urteil des Bundesgerichts 9C_178/2010 vom 14. April 2010]). Gründe für ein ausnahmsweises Abweichen davon (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Art. 61
lit
. g
Rz
118) liegen nicht vor.