Decision ID: 1fd924ce-0a9e-5543-b7cf-2cd085034a5a
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 1./15. Juni 2007 wegen eines seit ca. drei bis vier Jahren
bestehenden Rückenleidens zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung,
namentlich einer Rente, an. Sie sei 1998 in die Schweiz gekommen und 2001 und 2002
als Näherin angestellt gewesen. Im Juli 2002 sei sie Mutter von Zwillingen geworden
(vgl. IV-act. 1). Eine Arbeitgeberbescheinigung wurde nicht eingereicht, da die
Versicherte bereits im Jahr 2002 ausgetreten sei (vgl. IV-act. 8; Arbeitspensum war 100
%, Kündigung durch die Versicherte wegen der Kinderbetreuung, vgl. IV-act. 30). Dr.
med. B._, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, gab im IV-Arztbericht vom 26. Juni 2007
(IV-act. 11) an, sie leide seit 2003 rezidivierend, seit 2005 anhaltend an einer
Lumboischialgie links. Auf der Klinik für Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital St.
Gallen sei (sc. am 21. September 2006) die Diagnose einer zweitgradigen Diskopathie
mit Diskushernie L5/S1 und Nervenwurzelkompression S1 links erhoben worden. Die
Versicherte sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit seit dem 21. Dezember 2005 voll
arbeitsunfähig, in einer nicht rückenbelastenden, leidensadaptierten Tätigkeit
(ganztags) zu 50 %. Am 6. Mai 2008 (IV-act. 50) berichteten die Ärzte der Klinik für
Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen, bei zunehmender
Beschwerdesymptomatik sei die Indikation zur Facettengelenksinfiltration L5/S1 und je
nach Befund auch L4/5 zu sehen (Röntgenbild vom 6. Mai 2008 LWS ap/lat.: an diesen
Gelenken verschlichene Konturen). In einem Gutachten vom 20. Mai 2009 (IV-act. 49)
gab das Ärztliche Begutachtungsinstitut (ABI) bekannt, es liege ein chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom, derzeit ohne radikuläre Symptomatik bei
mässiggradiger Osteochondrose L5/S1 und Diskushernie L5/S1 paramedian links, MR-
tomographisch mit möglicher Kompression der Nervenwurzel S1, derzeit ohne
diesbezügliche klinische Symptomatik, vor. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei
eine Schmerzverarbeitungsstörung bzw. eine Symptomausweitung. In der
angestammten Tätigkeit als Näherin sei die Versicherte seit dem 21. Dezember 2005
nicht mehr arbeitsfähig, für eine körperlich leichte adaptierte Tätigkeit sei sie hingegen
voll arbeitsfähig. Eine langdauernde Einschränkung könne auch retrospektiv nicht
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nachvollzogen werden. Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen
wies die gestellten Ansprüche, (nebst beruflichen Massnahmen und
Hilflosenentschädigung) namentlich einen Rentenanspruch (Validen- und
Invalideneinkommen gleichermassen Fr. 29'499.--), mit Verfügungen vom 4. September
2009 (IV-act. 66 ff.) ab. Eine hiergegen gerichtete Beschwerde wies das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen am 21. Januar 2011 (IV-act. 81) ab (vgl.
auch IV-act. 85).
B.
B.a Am 30. Oktober/2. November 2012 (IV-act. 87) liess sich die Versicherte unter
Hinweis auf ein ärztliches Zeugnis von Dr. B._ vom 17. September 2012 (IV-act. 88)
neu anmelden. Der Arzt hatte bescheinigt (IV-act. 88), dass sich ihr
Gesundheitszustand weiter verschlechtert habe. Sie leide am chronischen
Lumbovertebralsyndrom (mit diversen Schädigungen) und im Bereich der
Halswirbelsäule fänden sich eine Diskushernie C5-6 ohne Neurokompression und
segmentale Dysfunktionen. Lumbal sei im Kantonsspital schon mehrfach infiltriert
worden. Aufgrund der Gesamtsituation bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr. Dem
Bericht der Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen vom 5. September 2012 (IV-act.
89) war zu entnehmen, dass die Versicherte (vom 2. bis 6. September 2012)
hospitalisiert (gewesen) sei und eine akut exazerbierte Lumbalgie mit pseudoradikulärer
Ausstrahlung links (verkürzt wiedergegeben) bestehe. Ein MRI der Wirbelsäule BWK11-
SWK2 nativ vom 3. September 2012 habe im Vergleich zur Voruntersuchung vom 28.
Februar 2011 eine neu aufgetretene, ca. 1.3 cm axial messende und leicht
aszendierende Diskusextrusion LWK5/SWK1 links mediolateral und rezessal mit
Kompression der Nervenwurzel S1 links ergeben. Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD)
der Invalidenversicherung hielt am 4. Juli 2013 (IV-act. 95) dafür, eine anhaltende
Verschlechterung sei nicht ausgewiesen, es komme lediglich bei chronifiziertem Verlauf
immer wieder zu Schmerzexazerbationen. Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle trat
mit Verfügung vom 4. Oktober 2013 (IV-act. 102) auf die Neuanmeldung nicht ein, denn
es sei nicht glaubhaft gemacht worden, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit
der letzten Verfügung wesentlich verändert hätten. Auf Beschwerde hin hob das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen, das im Instruktionsverfahren den Bericht
des Instituts für Radiologie am Kantonsspital St. Gallen vom 28. Februar 2011 (IV-act.
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115), auf welchen sich Dr. B._ gestützt hatte, eingeholt hatte (vgl. IV-act. 110 ff.),
diese Verfügung mit Entscheid vom 11. November 2014 (IV-act. 118) auf und wies die
Sache zur Durchführung des Verwaltungsverfahrens an die Beschwerdegegnerin
zurück. Im Vergleich zu den 2009 bekannten Befunden sei erstmals im Februar 2011
eine Diskushernie an der Halswirbelsäule erwähnt worden und es sei nicht
auszuschliessen, dass die Versicherte dadurch zusätzlich in der Leistungsfähigkeit
beeinträchtigt sei.
B.b Dr. med. C._, Facharzt Innere Medizin (Praxisnachfolger von Dr. B._), gab in
einem IV-Arztbericht vom 22. April 2015 (IV-act. 126) unter Beilage eines Berichts der
Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen vom 10. Oktober 2012 (IV-act. 126-7 f.) an,
neu seien eine chronische Urtikaria mit Angioödem, diverse Medikamentenallergien
und Schulterschmerzen beidseits unklarer Ätiologie dazugekommen. Die Versicherte
sei nicht mehr arbeitsfähig, denn sie bekomme nach einer halben Stunde Tätigkeit im
Sitzen oder im Stehen Rückenschmerzen. Die Hautveränderungen (Hautekzem an
beiden Händen) seien möglicherweise im Rahmen einer rheumatologischen
Grunderkrankung zu sehen. Es sei eine dermatologische Beurteilung abzuwarten. - Im
Verlaufsbericht vom 20. Oktober 2015 (IV-act. 129) teilte Dr. C._ unter Beilage
diverser fachärztlicher Berichte mit, neben den Rückenschmerzen seien in letzter Zeit
vor allem die Schulterschmerzen progredient gewesen. Im September 2015 habe noch
eine gastrointestinale Problematik im Vordergrund gestanden. - Gemäss einem Bericht
von Dr. med. D._, Facharzt FMH Gastroenterologie und Innere Medizin, vom 17.
September 2015 wurden u.a. ein Eisenmangel, eine leichte HP-positive Gastritis, eine
chronische Dyspepsie und eine Magenschleimhautmetaplasie-Insel im proximalen
Oesophagus (IV-act. 129-11 ff.) erhoben.
B.c Dr. med. E._, FMH Dermatologie und Venerologie, gab in ihrem IV-Arztbericht
vom 3. Dezember 2015 (IV-act. 131) an, es liege ein dyshidrosiformes Handekzem bei
atopischer Diathese vor, anamnestisch seit fünfzehn Jahren. Von dermatologischer
Seite her sei keine Arbeitsunfähigkeit als Näherin gegeben (vgl. auch Bericht vom 11.
Juni 2015, IV-act. 129-6 f.). Am 28. April 2016 (IV-act. 145) berichtete die Ärztin, im
Vergleich zur Lage bei der Konsultation vom 3. Dezember 2015 sei der Hautbefund
zunächst (am 22. Dezember 2015) deutlich gebessert (nur noch Resterythem an einem
Finger), am 16. Februar 2016 aber wieder deutlich verschlechtert und am 15. März
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2016 schliesslich abgeheilt gewesen. Tätigkeiten ohne Arbeit in feuchter Umgebung,
ohne hautirritierende Substanzen, ohne Okklusion und ohne starke Verschmutzungen
sollten problemlos möglich sein. Sollten bei einer geplanten Epicutantestung Typ IV
jedoch Sensibilisierungen diagnostiziert werden, müsste diese Einschätzung revidiert
werden. Am 9. Juni 2016 (IV-act. 149) gab die Ärztin bekannt, es sei eine Typ-IV-
Sensibilisierung gegen zwei Stoffe festgestellt worden. Eine Tätigkeit ohne Kontakt zu
diesen Allergenen (Octylgallat, Triclosan) sollte möglich sein.
B.d Dr. med. F._, Facharzt für Rheumatologie FMH, hatte inzwischen mit IV-Bericht
vom 9. März 2016 (IV-act. 141) erklärt, es lägen bei der Versicherten (als
Hauptdiagnosen, erstens) eine chronische Periarthropathia humeroscapularis beidseits
(myofasziale Befunde, leichte Bursaverbreiterung), (zweitens) ein chronisches lumbo-
spondylogenes Syndrom links (linkskonvexe Skoliose thorakolumbal, Osteochondrose
LWK5/SWK1 mit geringer ventraler Spondylose, Spondylarthrose LWK4 bis SWK1,
Röntgen LWS vom 25. Februar 2016) und (drittens) ein chronisches cervicovertebrales
Syndrom vor (leichter Shift nach rechts, Abflachung der Lordose, Osteochondrose
LWK5/6 mit leichter ventraler Spondylose, Röntgen HWS vom 25. Februar 2016; je
verkürzt wiedergegeben). Die Versicherte sehe sich aufgrund ihrer Rückenbeschwerden
nicht mehr imstande, in ihrem Beruf zu arbeiten. Die letzte Arbeitstätigkeit liege mehr
als zehn Jahre zurück. Eine Reintegration scheine deshalb utopisch. Theoretisch sei
eine leichte Arbeitstätigkeit mit der Möglichkeit zur Wechselbelastung in einem Pensum
von mindestens 50 % zumutbar. Das gelte bei idealen ergonomischen
Arbeitsverhältnissen mit der Möglichkeit zum Sitzen und Stehen auch für die Arbeit als
Schneiderin. In einem Bericht vom 5. August 2015 hatte der Arzt schon nebst dem
chronischen lumbospondylogenen Syndrom links eine chronische Urtikaria mit
Angioödem und eine chronische Periarthropathia humeroscapularis bds. erhoben (IV-
act. 129-8 ff.).
B.e Am 5. Dezember 2016 (IV-act. 160) erstattete das Swiss Medical Assessment- and
Business-Center (SMAB) das in der Folge in Auftrag gegebene polydisziplinäre
Gutachten. Von Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (in der zuletzt innegehabten
Tätigkeit) sei die Lumboischialgie links. Ohne Auswirkung blieben ein chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit leicht- bis mittelgradiger
Funktionseinschränkung, ein zervikovertebrales Schmerzsyndrom mit leichtgradiger
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Funktionseinschränkung, eine Gonalgie links bei freier Funktion ohne aktivierten
Reizzustand, Übergewicht, Eisenmangel bei normalem Serumeisen, Allergie auf
verschiedene Medikamente, Urtikaria, Heuschnupfen, ein Status nach Operation
kongenitales Megacolon 1978 und ein Zervikalsyndrom. In der bisherigen Tätigkeit als
Schneiderin/Näherin sei die Versicherte retrospektiv orthopädisch gesehen im
gesamten Verlauf möglicherweise temporär, aber nicht dauerhaft in der Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt gewesen, internistisch und psychiatrisch betrachtet sei sie nie
längerfristig, aber neurologisch gesehen vermutlich seit 2005 zu 30 % eingeschränkt
gewesen, wie sie es zum Zeitpunkt der Begutachtung insgesamt sei. Bezüglich der
Arbeitsfähigkeit für eine leidensadaptierte Tätigkeit gelte unter orthopädischem
Gesichtspunkt das Gleiche wie für die bisherige Tätigkeit, aus neurologischer,
internistischer und psychiatrischer Sicht sei sie im Verlauf nicht eingeschränkt
gewesen. Für eine solche Tätigkeit sei die Versicherte voll arbeitsfähig (IV-act. 160-15
f.).
B.f Mit Vorbescheid vom 24. Januar 2017 (IV-act. 165) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem Rechtsvertreter der Versicherten eine
Abweisung ihres Gesuchs in Aussicht. Dieser wandte am 1. März 2017 (IV-act. 165) ein,
es sei eine halbe Rente auszurichten, eventualiter seien weitere Abklärungen zu tätigen.
Nach Einholen eines RAD-Berichts vom 23. März 2017 (IV-act. 166) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen das Gesuch der
Versicherten mit Verfügung vom 23. März 2017 (IV-act. 167) ab. Es sei ihr bei der
Arbeitsfähigkeit von 100 % für körperlich leichte Tätigkeit zumutbar, mindestens ihr
früheres Einkommen zu erzielen (beide Vergleichseinkommen: Fr. 31'321.--).
C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Bernhard Zollinger für
die Betroffene am 19. April 2017 (Poststempel: 21. April 2017) erhobene Beschwerde.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und es sei der Beschwerdeführerin eine halbe Invalidenrente auszurichten,
eventualiter seien weitere Abklärungen durch das Gericht zu tätigen, subeventualiter
sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Ausserdem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu
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bewilligen. Aus dem Bericht von Dr. F._ (IV-act. 141) gehe hervor, dass der
Beschwerdeführerin eine Arbeitstätigkeit realistischerweise (nach zehn Jahren
Arbeitslosigkeit) nicht mehr zumutbar sei. Medizinisch theoretisch jedoch sei danach
eine Tätigkeit zu 50 % als Schneiderin und in Verweistätigkeiten noch zumutbar. Nach
dem SMAB-Gutachten dagegen sei die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit zu
30 % eingeschränkt, während in einer Verweistätigkeit volle Arbeitsfähigkeit bestehen
solle. Die beiden Zumutbarkeitsprofile würden sich jedoch entsprechen, handle es sich
doch bei der bisherigen Arbeit um leichte, körperlich nicht belastende Tätigkeit. Sei die
bisherige Tätigkeit nur zu 70 % zumutbar, so gelte das auch für Verweistätigkeiten. Das
Gutachten sei demnach nicht schlüssig. Abzustellen sei daher auf die Beurteilung von
Dr. F._. Es sei ein Anspruch auf eine halbe Rente begründet; andernfalls müssten
weitere Abklärungen getätigt werden.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 12./15. Juni 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Ob aufgrund einer Neuanmeldung ein
Rentenanspruch bestehe, beurteile sich praxisgemäss in analoger Anwendung der für
die Rentenrevision geltenden Regeln. Massgeblich sei, ob eine wesentliche Änderung
in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten sei, die geeignet sei, den Invaliditätsgrad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Ausgangspunkt bilde dabei die
Verfügung vom 4. Septem¬ber 2009 und Endpunkt diejenige vom 23. März 2017. Das
SMAB-Verlaufsgutachten sei lege artis abgefasst und beweiskräftig. Nach Auffassung
des RAD zeige es plausibel auf, dass sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin gegenüber der medizinischen Referenzsituation nicht relevant
verändert habe. Die Gutachter hätten selbst darauf hingewiesen, dass eine Diskrepanz
(zum ABI) in der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für die
bisherige Tätigkeit bestehe. Eine Zunahme der Gesundheitsstörungen habe sich nicht
objektivieren lassen. Die SMAB-Einschätzung stelle versicherungsmedizinisch daher
eine andere Beurteilung des gleichen medizinischen Sachverhalts dar. Der RAD habe
deshalb zu Recht empfohlen, für die Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit
weiterhin auf die Einschätzung des ABI-Gutachtens abzustellen. Es bestehe nach wie
vor kein Rentenanspruch.
E.
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Am 20. Juni 2017 ist dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen worden. - Mit Eingabe vom 21. August 2017 hält
der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin an seinem Antrag und den Ausführungen
fest. - Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Stellungnahme verzichtet.

Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 23. März 2017, mit welcher die Beschwerdegegnerin
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin, geltend gemacht mit Leistungsgesuch
vom 30. Oktober/2. November 2012, abgewiesen hat. Es handelte sich um eine
Neuanmeldung, nachdem die Beschwerdegegnerin ein erstes Gesuch vom 1./15. Juni
2007 mit Verfügungen vom 4. September 2009 (einschliesslich beruflicher
Massnahmen) abgewiesen hatte (gerichtlich beurteilt). Das Eintreten auf die
Neuanmeldung war auf gerichtliche Anordnung hin wegen glaubhaft gemachter
möglicher relevanter Veränderung des Sachverhalts erfolgt. Die Beschwerdeführerin
lässt (leistungsmässig) einzig Rentenleistungen beantragen. Streitgegenstand bildet
daher der allfällige Rentenanspruch.
2.
2.1 Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Der Arzt sagt, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen
bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist (vgl. BGE 107 V 17 =
ZAK 1982 S. 34). Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte
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sind im Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE
132 V 99 f. E. 4, BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
3.
3.1 Im Rahmen der Neuanmeldung vom 30. Oktober/2. November 2012 wurde der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin (wie bereits beim ersten
Leistungsgesuch) polydisziplinär begutachtet. Die SMAB-Begutachtung beruht auf
einer Kenntnisnahme von den Vorakten, Untersuchungen vom 28. und 30. September
2016 in den Disziplinen Orthopädie/Traumatologie, Innere Medizin, Neurologie und
Psychiatrie und entsprechenden (Teil-) Gutachten sowie einer Konsensfindung vom 21.
November 2016. Die Abklärungen fanden jeweils in Anwesenheit eines Übersetzers
oder einer Übersetzerin statt.
3.2 Bei der orthopädischen/traumatologischen Begutachtung konnte ein
mitgebrachtes Röntgenbild des linken Knies vom 2. Juni 2016 beurteilt werden. Der
Gutachter erhob die entsprechenden klinischen Befunde und beschrieb sie eingehend.
Es wurden die angezeigten Schmerzen und/oder die gefundenen
Bewegungseinschränkungen (HWS endphasig, zwei Finger-Mittelgelenke [Ekzem],
linkes ISG, ischiocrurale Muskulatur, Beweglichkeit der BWS/LWS, äusseres
Kniegelenkskompartiment links, vgl. im Einzelnen IV-act. 160-29) berücksichtigt. Der
Gutachter legte dar, bei der Prüfung der Inklination habe sich eine erhebliche
Inkonsistenz gezeigt. Ein Schmerz im Sinn einer Impingement-Symptomatik habe nicht
provoziert werden können. Die Funktionseinschränkung der Halswirbelsäule sei nur
leicht. Eine objektive motorische Defizitsymptomatik (der vier Gliedmassen) könne
klinisch ausgeschlossen werden, ebenso eine aktuelle Wurzelreizsymptomatik (der
unteren Wirbelsäule). Am linken Knie habe sich eine strukturelle Ursache für den
geklagten Schmerz klinisch nicht feststellen lassen. Der Gutachter schloss insofern
nachvollziehbar, leichte und mittelschwere Tätigkeiten mit Heben und Tragen von
Lasten bis zu 15 kg, überwiegend bis ständig im Sitzen und zeitweilig im Stehen und
Gehen durchgeführt, könne die Beschwerdeführerin ohne wesentliche
Einschränkungen durchführen. Tätigkeiten in Zwangs- und in vorgebeugter Haltung
sollten vermieden werden. Der Gutachter setzte sich ausserdem mit den abweichenden
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ärztlichen Beurteilungen des ABI (die zuletzt ausgeübte Tätigkeit einer Schneiderin
übersteige das zumutbare Belastungsprofil der Beschwerdeführerin nicht), von Dr.
C._ (die Schultergelenksfunktionen seien frei) und von Dr. F._ (eine Begründung für
die attestierte Einschränkung sei nicht ersichtlich) auseinander. Es fällt zwar auf, dass
die bildgebenden Erkenntnisquellen ausserhalb der Wiedergabe der Vorberichte (z.B.
IV-act. 160-10) kaum erwähnt werden. Die Begründung der Arbeitsfähigkeitsschätzung
erscheint jedoch aufgrund der klinischen orthopädischen/traumatologischen
Befunderhebung und Beurteilung nachvollziehbar (vgl. auch unten zur neurologischen
Begutachtung).
3.3 Der Gutachter der Neurologie erhob ebenfalls den Befund und erklärte, es hätten
keine neurologischen Ausfälle bestanden, insbesondere seien die Hirnnerven frei
gewesen und keine Paresen, keine Reflexauffälligkeiten, keine Koordinationsstörungen
oder vegetativen Symptome gefunden worden. Die geklagten Nackenschmerzen
würden nicht mit neurologischen Ausfällen einhergehen und seien in ihrer Intensität und
Ausprägung aus neurologischer Sicht nicht arbeitsfähigkeitsrelevant. Die aktuellen
Kniebeschwerden seien nicht neurogen. Die Schmerzausstrahlung und Angabe der
sensiblen Störungen im gesamten linken Bein entsprächen keiner radikulären oder
peripher neurogenen Verteilung. Sie würden unter Berücksichtigung der in den
Bildgebungen dokumentierten lumbovertebralen Veränderungen (unter anderem
Berichte vom 6. Mai [2008], 20. Mai 2009, 28. Februar 2011, 10. Oktober 2012) partiell
als Schmerzprojektion bzw. Symptomausweitung gewertet. Mit nachvollziehbarer
Begründung wird festgehalten, die Beschwerdeführerin sei jedoch wegen der LWS-
Problematik in der Belastbarkeit eingeschränkt. Körperliche Arbeit mit Heben oder
Tragen von Gewichten über 10 kg und Arbeiten in unphysiologischen Zwangshaltungen
ohne die Möglichkeit eines häufigeren Positionswechsels könne sie nur reduziert
ausüben, ansonsten bestehe das Risiko des Auftretens neurologischer Ausfälle. In der
bisherigen Tätigkeit als Näherin betrage die Arbeitsfähigkeit deshalb 70 %, in
adaptierter Tätigkeit jedoch 100 %. Der Gutachter würdigte die neurologischen
Untersuchungsbefunde und erwähnte namentlich jene vom 20. Mai 2009, vom 5.
September 2012, vom 10. Oktober 2012, vom 5. August 2016 und vom 9. März 2016
(vgl. IV-act. 160-49). Bezüglich der lumbovertebralen Veränderungen befasste er sich
wie erwähnt unter anderem auch mit dem Bericht vom 28. Februar 2011 (IV-act.
160-49). Eine ausdrückliche Auseinandersetzung mit der röntgenologisch an jenem Tag
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ebenfalls gefundenen Diskushernie C5/6 fehlt zwar, doch war die nicht
komprimierende, minimale flachbogige Diskushernie (HWK5/6) gemäss dem Bericht
vom 28. Februar 2011 (IV-act. 115) offenbar auch vom Institut für Radiologie am
Kantonsspital als für die Beurteilung nicht nennenswert betrachtet worden. Der
Beurteilung kann gefolgt werden.
3.4 Auch im psychiatrischen (Teil-) Gutachten wurden die Befunde erhoben. Der
Gutachter berichtet, es habe sich bei der Exploration kein Hinweis auf eine
psychiatrische Störung gefunden, weder für eine affektive Störung noch für eine
ausgewiesene somatoforme Schmerzstörung nach ICD-10-Kriterien.
Psychopathologische Befunde von Krankheitswert seien nicht zu erheben gewesen.
Die Verhaltensbeobachtung habe auch keine Hinweise auf eine wesentliche
Aggravations- oder Simulationsneigung ergeben. Die Arbeitsfähigkeit sei unter
psychiatrischem Aspekt nicht vermindert. Die Beurteilung ist plausibel begründet; es ist
demnach insbesondere auch davon auszugehen, dass die subjektive
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der Beschwerdeführerin nicht krankheitsbedingt ist.
3.5 In internistischer Hinsicht waren keine für die Arbeitsfähigkeit relevanten Befunde
zu erheben gewesen.
3.6 Was die Differenz zwischen den Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in ihrer Tätigkeit als Näherin durch die beiden Gutachten betrifft,
so handelt es sich zum einen nicht um einen Grund für einen relevanten Zweifel an den
Ergebnissen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Tätigkeit für die
Beschwerdeführerin insofern ungeeignet ist, als es sich dabei um eine vornübergeneigt
zu verrichtende Arbeit handelt, was je unterschiedlich gewertet wurde (vgl. IV-act.
160-49, Neurologe des SMAB; ABI-Gutachten, IV-act. 49-15; vgl. auch Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. Januar 2011 E. 3.1).
Ausschlaggebend ist zum andern die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit.
Dass die Beschwerdeführerin aber in einer adaptierten, also ohne solche
Zwangshaltung möglichen Arbeitstätigkeit eine höhere Arbeitsfähigkeit aufweist als
unter entsprechender Erschwernis, ist plausibel begründet.
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3.7 Zu erwähnen ist schliesslich, dass die Beschwerdeführerin dermatologisch nicht
begutachtet worden ist, entsprechende Leiden aber gemäss Dr. E._ bei
entsprechend adaptierten Arbeitsbedingungen (beispielsweise ohne Kontakt zu den
Allergenen) nicht von Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sind.
3.8 Insgesamt zeigt sich damit, dass auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung des SMAB-
Gutachtens abgestellt werden kann. Die abweichenden medizinischen Einschätzungen
vermögen dagegen im Beweiswert nicht anzukommen.
4.
Angesichts der vollen Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte Tätigkeit, womit sich in
erwerblicher Hinsicht (ohne die Tabellenlöhne übersteigendes Valideneinkommen)
keinesfalls ein Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ergibt, hat die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht
abgelehnt.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von 200 bis 1'000 Franken festgelegt werden (vgl. Art. 69 Abs.
1bis IVG), sind der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1
VRP/SG). Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von Fr. 600.--. Zufolge der
Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) am 20. Juni 2017 ist die
Beschwerdeführerin jedoch von deren Bezahlung zu befreien.
5.3 Der Staat ist aufgrund der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu verpflichten,
für die Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Der
Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Diese ist in Anwendung von Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes (sGS
963.70) um einen Fünftel auf Fr. 2'800.-- zu reduzieren.
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5.4 Wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es ihr gestatten, kann die
Beschwerdeführerin zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Auslagen für die
Vertretung verpflichtet werden (vgl. Art. 123 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).