Decision ID: 1de2b5c7-bda3-5dd7-a29c-2a75b04bd6c1
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Taggeld
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 9./13. Januar 2006 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an und beantragte namentlich eine Umschulung. Er habe die
Lehre als Bäcker/Konditor abgeschlossen und sei bis 11. August 2005 angestellt
gewesen. Etwa drei Monate vor dem Abschluss der Lehre habe er bemerkt gehabt,
dass er gegen Roggenmehl allergisch sei.
A.b Dr. med. B._, Allgemeinmedizin FMH, gab in seinem IV-Arztbericht vom
20. Januar 2006 als Diagnose eine Roggenmehlallergie an. Die bisherige Tätigkeit sei
dem Versicherten nicht mehr zumutbar, jede Arbeit ohne Roggenmehlkontakt aber voll.
A.c Der Arbeitgeber teilte in der Bescheinigung vom 5. September 2006 (act. 17) mit,
der Versicherte habe vom 12. August 2002 bis 11. August 2005 seine Lehre absolviert
und habe während dieser Zeit keinen Gesundheitsschaden gehabt. Beim Arbeiten mit
Roggenmehl habe er mit häufigem Niesen reagiert.
A.d Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung schlug am
29. Januar 2007 eine allergologische Begutachtung vor. - Dr. med. C._, Spezialarzt
FMH für ORL, Hals- und Gesichtschirurgie, Allergologie und klinische Immunologie,
teilte im Bericht vom 28. März 2007 (act. 24) mit, es sei die Diagnose einer
Mehlstauballergie mit dem klinischen Krankheitsbild einer Rhinokonjunktivitis und eines
Asthma bronchiale zu stellen. Die Symptome hätten sich wenige Monate vor Abschluss
der Ausbildung, im Frühjahr 2005, entwickelt. Der Versicherte sei im Hinblick auf eine
allfällige Nichteignungsverfügung bei der Suva anzumelden. Er sei von September bis
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November 2005 in einem D._-Betrieb angestellt gewesen und nun seit April 2006 in
einem E._-Betrieb tätig. Vor kurzem sei sein Gesundheitszustand im Spital wegen
intermittierend morgendlicher Übelkeit abgeklärt worden. Es hätten sich am
Arbeitsplatz auch schon urtikarielle Hautausschläge entwickelt.
A.e Der RAD schlug eine pneumologische RAD-Untersuchung vor. Im
entsprechenden Bericht vom 12. November 2007 (act. 30) wurden der Verdacht auf
eine arbeitsabhängige allergische Rhinokonjunktivitis und beginnendes Bäcker-Asthma
diagnostiziert. Tätigkeiten, die einen Kontakt zu höheren Konzentrationen von
atemwegsreizenden Stäuben, Dämpfen oder Rauch bedingten, seien eher ungünstig.
A.f Die IV-Berufsberatung berichtete am 5. Juni 2008 (act. 39; recte wohl eher am
6. Mai 2008), der Versicherte wolle eine Ausbildung als Lebensmitteltechnologe
beginnen und werde sich wieder melden, sobald er einen Ausbildungsplatz gefunden
habe. Gemäss dem Verlaufsbericht hatte der Versicherte mitgeteilt, er wünsche keine
weitere Berufsberatung mehr. Er wolle im Sommer 2009 eine Lehre als
Lebensmitteltechnologe beginnen. - Am 8. Mai 2008 (act. 41) wurde die
Berufsberatung in diesem Sinne abgeschlossen.
A.g Am 5. Februar 2009 stellte der Versicherte ein Gesuch um eine Weiterbildung als
Technischer Kaufmann (act. 42). - Am 17. März 2009 (act. 47) füllte er eine neue IV-
Anmeldung aus. Vom 26. August 2005 bis 17. November 2005 sei er in einem [D._-]
Betrieb angestellt gewesen, vom 24. November 2005 bis 8. April 2006 in einer anderen
[nämlich F._-] Unternehmung. Seit dem 1. August 2006 sei er bei der gegenwärtigen
Arbeitgeberin angestellt. Gemäss IK-Auszug (act. 51) hatte er im Jahr 2007
Fr. 48'375.-- verdient. Die IV-Eingliederungsverantwortliche berichtete am 15. Juli 2009
(act. 49), der Versicherte habe einen Ausbildungsplatz als Lastwagenführer gefunden.
Er könne die dreijährige Lehre (erstmalige berufliche Ausbildung) als Zusatzlehre in zwei
Jahren (vom 1. August 2009 bis 31. Juli 2011) absolvieren. Die Kosten seien als
invaliditätsbedingte Mehrkosten zu werten, da der Versicherte ohne gesundheitliche
Einschränkung auf seinem angestammten Beruf einen vollen Verdienst erzielen könnte.
A.h Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen sprach dem Ver
sicherten am 27. Juli 2009 (act. 53) als berufliche Massnahmen die Mehrkosten der
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erstmaligen beruflichen Ausbildung zum Lastwagenführer zu. - Mit Verfügung vom
4. August 2009 (act. 55) - ohne Vorbescheid - setzte sie das Taggeld vom 1. August
2009 bis 31. Juli 2010 auf Fr. 73.10 (Fr. 103.80 abzüglich Fr. 30.70) und vom 1. August
2010 bis 21. Juli 2011 auf Fr. 65.90 (Fr. 103.80 abzüglich Fr. 37.90) fest.
A.i Am 3. September 2009 (act. 59) liess der Versicherte beantragen, die Verfügung
sei zu widerrufen und es sei ihm ein grosses Taggeld zuzusprechen. Er habe eine
Berufslehre abgeschlossen. Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle teilte am
8. September 2009 (act. 60) mit, da die Invalidität während des Lehrverhältnisses
eingetreten sei, bestehe nur Anspruch auf ein kleines Taggeld.
B.
Gegen die Verfügung vom 4. August 2009 richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur.
Werner Bodenmann für den Betroffenen am 14. September 2009 erhobene
Beschwerde. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene
Verfügung aufzuheben und dem Beschwerdeführer ein grosses Invalidentaggeld
auszurichten. In der ergänzenden Begründung vom 15. Oktober 2009 legt er nochmals
dar, dieser habe seine erste Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Danach sei er
längere Zeit einer Arbeitstätigkeit nachgegangen. Bei der nunmehr gewählten
Ausbildung handle es sich nicht um eine erstmalige berufliche Ausbildung, sondern um
eine Umschulung.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 22./23. Dezember 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Der erstmaligen beruflichen
Ausbildung sei die berufliche Neuausbildung invalider Versicherter gleichgestellt, die
nach dem Eintritt der Invalidität eine ungeeignete und auf Dauer unzumutbare
Erwerbstätigkeit aufgenommen hätten. Darunter fielen auch Sachverhalte wie der
vorliegende, da die Ausbildung nach Eintritt des Versicherungsfalles noch
abgeschlossen werde. Die ab August 2006 ausgeübte Tätigkeit des
Beschwerdeführers sei nicht auf Dauer angelegt gewesen, habe er doch bereits im Juni
2008 erklärt, er strebe eine weitere berufliche Ausbildung an.
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D.
Mit Replik vom 25. Januar 2010 hält der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers fest,
auch wenn er bereits bei Antritt der Anstellung ab August 2006 mittelfristig eine weitere
Ausbildung geplant habe, habe der Beschwerdeführer doch nach abgeschlossener
Ausbildung während längerer Zeit an einem "gewöhnlichen" Arbeitsplatz gearbeitet.
Die Argumentation der Beschwerdegegnerin vermöge nicht zu überzeugen.
E.
Die Beschwerdegegnerin hat am 11. Februar 2010 an ihrem Antrag festgehalten.

Erwägungen:
1.
Im Streit liegt die Taggeldverfügung der Beschwerdegegnerin vom 4. August 2009.
Diese ist ohne Vorbescheid ergangen. Art. 57a Abs. 1 IVG sieht aber vor, dass die IV-
Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid unter anderem über ein
Leistungsbegehren mittels eines Vorbescheids mitteilt. Diese Vorbescheidspflicht hat
(nach Massgabe von Art. 57a und 58 IVG und Art. 74 f. IVV) für alle (und die ge
samten) IV-Verfügungen zu gelten, auch für die von der Ausgleichskasse vorbereiteten
(AHV-spezifischen) Teile (vgl. Franz Schlauri, Über das Verhältnis von Vorbescheid und
rechtlichem Gehör im Sozialversicherungsverfahren, Bemerkungen zu BGE 134 V 97,
in: Riemer-Kafka/Rumo-Jungo [Hrsg.], Soziale Sicherheit – Soziale Unsicherheit,
Festschrift für Erwin Murer zum 65. Geburtstag, Bern 2010, S. 729 ff.; Entscheide des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S K. vom 4. Oktober 2007, IV 2007/90,
und i/S W. vom 12. Februar 2008, IV 2006/205). Selbst wenn kein förmlicher
Vorbescheid nötig gewesen wäre, so hätte das rechtliche Gehör auf andere Weise
gewährt werden müssen (vgl. BGE 134 V 97). Die Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör kann vorliegend allerdings als geheilt gelten, da sich der
Beschwerdeführer vor dieser Beschwerdeinstanz äussern konnte, die sowohl den
Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (vgl. Bundesgerichtsentscheid i/S
S. vom 26. Juni 2007, I 496/06). Eine Rückweisung der Sache aus dem - hier nicht
gerügten - formellen Grund der Gehörsverletzung würde zu einem formalistischen
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Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen, die mit dem (der Anhörung
gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung
nicht zu vereinbaren wären (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
i/S Z. vom 14. Juli 2006, I 193/04; BGE 116 V 187 E. 3d), was eine Heilung rechtfertigt
(vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S M. vom 16. Juni
2008, IV 2008/8).
2.
2.1 Gemäss Art. 22 Abs. 1 IVG haben Versicherte während der Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen nach Art. 8 Abs. 3 Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie an
wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen der Massnahmen verhindert sind,
einer Arbeit nachzugehen, oder in ihrer gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50 %
arbeitsunfähig sind. Versicherte in der erstmaligen beruflichen Ausbildung und
Versicherte, die das 20. Altersjahr noch nicht vollendet haben und noch nicht
erwerbstätig gewesen sind, haben Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie ihre
Erwerbsfähigkeit ganz oder teilweise einbüssen (Art. 22 Abs. 1 IVG).
2.2 Das Taggeld besteht aus einer Grundentschädigung, auf die alle Versicherten An
spruch haben, und aus einem Kindergeld für Versicherte mit Kindern (Art. 22 Abs. 2
IVG). Die Grundentschädigung beträgt gemäss Art. 23 Abs. 1 IVG 80 % des letzten
ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten Erwerbseinkommens, jedoch nicht mehr
als 80 % des Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG (dieser
Höchstbetrag macht gemäss Art. 22 Abs. 1 UVV seit 1. Januar 2008 pro Tag Fr. 346.--
aus; 80 % somit Fr. 276.80). Sie beträgt nach Art. 23 Abs. 2 IVG 30 % des
Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG für Versicherte, die das
20. Altersjahr vollendet haben und ohne Invalidität nach abgeschlossener Ausbildung
eine Erwerbstätigkeit aufgenommen hätten. Die Grundentschädigung beträgt
höchstens 30 % des Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG für
Versicherte in der erstmaligen beruflichen Ausbildung und für Versicherte, die das 20.
Altersjahr noch nicht vollendet haben und noch nicht erwerbstätig gewesen sind. Der
Bundesrat setzt die Höhe der Grundentschädigung fest (Art. 23 Abs. 2 IVG). In
Art. 22 Abs. 1 IVV ist festgelegt, dass das Taggeld von Versicherten in der erstmaligen
beruflichen Ausbildung sowie von Versicherten vor dem vollendeten 20. Altersjahr, die
bis
bis
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noch nicht erwerbstätig gewesen sind und sich medizinischen
Eingliederungsmassnahmen unterziehen, 10 % des Höchstbetrages des Taggeldes
nach Art. 24 Abs. 1 IVG entspricht. Nach Art. 22 Abs. 2 IVV erhöht sich das Taggeld bei
Versicherten, die wegen ihrer Invalidität eine erstmalige berufliche Ausbildung
abbrechen und eine neue beginnen mussten, gegebenenfalls auf einen Dreissigstel des
während der abgebrochenen Ausbildung zuletzt erzielten Monatseinkommens. Art. 6
Abs. 2 IVV (dazu unten E. 3.4) bleibt vorbehalten.
3.
3.1 Im Hinblick auf den Taggeldanspruch ist von Bedeutung, ob die zugesprochene
Ausbildung als erstmalige berufliche Ausbildung im Sinne einer beruflichen
Neuausbildung oder als Umschulung zu qualifizieren ist.
3.2 Nach Art. 16 Abs. 1 IVG einerseits haben Versicherte, die noch nicht erwerbstätig
waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in
wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser
Kosten, sofern die Ausbildung den Fähigkeiten des Versicherten entspricht. Der
erstmaligen beruflichen Ausbildung gleichgestellt ist laut Art. 16 Abs. 2 lit. b IVG die
berufliche Neuausbildung invalider Versicherter, die nach dem Eintritt der Invalidität
eine ungeeignete und auf die Dauer unzumutbare Erwerbstätigkeit aufgenommen
haben. Unter diesen Tatbestand der beruflichen Neuausbildung fallen - vorbehältlich
der Regelung gemäss Art. 6 Abs. 2 IVV und Art. 17 IVG - auch Sachverhalte, wo eine
erstmalige berufliche Ausbildung nach Eintritt des Versicherungsfalles zwar noch
abgeschlossen wird, eine Betätigung auf diesem Beruf jedoch invaliditätsbedingt als
ungeeignet und auf die Dauer nicht zumutbar erscheint (vgl. Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S 1. Februar 2000, I 618/99; Rz 3006 des
vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen, ab 1. Januar 2009 gültigen
Kreisschreibens über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art = KSBE). -
Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit anderseits hat der
Versicherte nach Art. 17 Abs. 1 IVG, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig
ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder wesentlich
verbessert werden kann. Als Umschulung gelten gemäss Art. 6 Abs. 1 IVV
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen
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beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige
berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder wesentlichen
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
3.3 Für die Abgrenzung der beiden Leistungsarten kommt es zunächst darauf an, ob
der Versicherte vor Beginn der Eingliederungsmassnahme bereits effektiv erwerbstätig
war oder nicht. Ein ökonomisch massgebliches Erwerbseinkommen als Voraussetzung
für eine relevante Erwerbstätigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person bereits
während sechs Monaten drei Viertel der minimalen vollen einfachen ordentlichen
Invalidenrente (im Jahr 2009 monatlich Fr. 855.--, entsprechend 0.75 mal Fr. 1'140.--
pro Monat) erzielte (BGE 118 V 13 E. 1c/aa). Nur diejenige berufliche Ausbildung gilt
ferner als Umschulung, welche die IV einem schon vor Eintritt der Invalidität - im Sinne
des für die Eingliederungsmassnahme spezifischen Versicherungsfalles - (in
ökonomisch bedeutsamem Ausmass) erwerbstätig gewesenen Versicherten nach dem
Eintritt der Invalidität und wegen dieser Invalidität schuldet; ein im Sinne der
Rechtsprechung ökonomisch relevantes Einkommen muss daher nicht nur vor Beginn
der Eingliederungsmassnahme, sondern vor Eintritt der Invalidität im Sinne des
spezifischen Versicherungsfalles erzielt worden sein (AHI 2000 S. 189; BGE 118 V 14 E.
1c/cc). Nur auf diese Weise wird - vorbehältlich Art. 6 Abs. 2 IVV - eine Abgrenzung
erreicht zwischen der Umschulung gemäss Art. 17 IVG und der gemäss Art. 16 Abs. 2
lit. b IVG einer erstmaligen beruflichen Ausbildung gleichgestellten beruflichen
Neuausbildung invalider Versicherter, die nach dem Eintritt der Invalidität eine
ungeeignete und auf die Dauer unzumutbare Erwerbstätigkeit aufgenommen haben
(vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom 16. März 2006,
I 159/05; vgl. BGE 118 V 14 E. 1c/cc, Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S M. vom 19. August 2004, I 147/04). Nicht entscheidend ist
dabei, ob eine versicherte Person im Zeitpunkt des Eintritts des Versicherungsfalles
noch erwerbstätig ist oder nicht, sondern entscheidend ist nur, ob sie nach Abschluss
ihrer erstmaligen beruflichen Ausbildung jemals ein im Sinne der Rechtsprechung
relevantes Einkommen erzielte (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
i/S M. vom 19. August 2004, I 147/04; AHI 2000 S. 189).
3.4 Nach dem - wie oben erwähnt andernorts vorbehaltenen - Art. 6 Abs. 2 IVV ist
eine neue berufliche Ausbildung nach dem invaliditätsbedingten Abbruch einer ersten
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beruflichen Ausbildung dann einer Umschulung gleichgestellt, wenn das während der
abgebrochenen Ausbildung zuletzt erzielte Erwerbseinkommen höher war als das
Taggeld nach Art. 23 Abs. 2 IVG (d.h. höher als 30 % des Höchstbetrages des
Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG, d.h. als Fr. 103.80, entsprechend 30 % von
Fr. 346.--). Eine erstmalige berufliche Ausbildung gilt auch dann als im Sinne von Art. 6
Abs. 2 IVV abgebrochen, wenn der Versicherte sie nach Eintritt des Versicherungsfalles
zwar noch abschliesst, eine Betätigung auf dem erlernten Beruf jedoch
invaliditätsbedingt als ungeeignet und auf die Dauer nicht zumutbar erscheint
(Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S D. vom 3. Juni 2003,
I 785/01).
4.
4.1 Vorliegend ist davon auszugehen, dass die Mehlstauballergie des Beschwerde
führers kurz vor Abschluss der Lehre als Bäcker/Konditor aufgetreten ist. Vor der Lehre
hat der Beschwerdeführer keine Erwerbstätigkeit ausgeübt. Der Versicherungsfall für
die Eingliederungsmassnahmen ist damit vor Abschluss der Lehre eingetreten. Das
Leiden liess die künftige Ausübung des erlernten Berufs als ungeeignet und auf die
Dauer unzumutbar erscheinen. Obwohl der Beschwerdeführer den Lehrabschluss
dennoch erreichte, handelt es sich deshalb nach dem oben Dargelegten um einen
Anwendungsfall von Art. 6 Abs. 2 IVV. Eine neue berufliche Ausbildung ist demnach
dann einer Umschulung gleichgestellt, wenn das während der abgebrochenen
Ausbildung zuletzt erzielte Erwerbseinkommen höher war als das Taggeld nach Art. 23
Abs. 2 IVG, also höher als Fr. 103.80 pro Tag (bei 30 Tagen pro Monat Fr. 3'114.--).
Gemäss der Arbeitgeberbescheinigung hat der Beschwerdeführer im dritten Lehrjahr
ein Einkommen von rund Fr. 1'050.-- monatlich (mal 13) erzielt, womit diese Grenze
klar nicht erreicht wurde. Art. 6 Abs. 2 IVV bietet daher - allein aufgrund des Wortlauts -
keine Grundlage, die zugesprochene Ausbildung als Umschulung zu qualifizieren.
4.2 Dass der Beschwerdeführer vor Eintritt der Invalidität ein im Sinne der
Rechtsprechung ökonomisch relevantes Erwerbseinkommen (von im Jahr 2009 mehr
als Fr. 855.--) erreicht hat, wie es ausserhalb von Art. 6 Abs. 2 IVV
rechtsprechungsgemäss für die Anerkennung einer vor dem Versicherungsfall
ausgeübten und Anspruch auf eine Umschulung verschaffenden Erwerbstätigkeit
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genügt, vermag hieran nichts zu ändern. Art. 6 Abs. 2 IVV stellt für solche
Konstellationen höhere Anforderungen (vgl. BGE 121 V 186 = AHI 1997 S. 164 f. E. 3a
= SVR 1995 IV Nr. 61 und AHI 2002 S. 99 E. 4b).
4.3 Der Beschwerdeführer macht indessen des Weiteren geltend, er habe nach abge
schlossener Ausbildung während längerer Zeit an einem gewöhnlichen Arbeitsplatz
gearbeitet. Wie sich dem IK-Auszug entnehmen lässt, war er vom Lehrabschluss an
gerechnet zunächst während eines Jahres bei Personalvermittlungsunternehmungen
tätig, dabei ab April 2006 offenbar bereits für die Arbeitgeberin, bei welcher er in der
Folge ab August 2006 eine feste Anstellung bekam. Dieses unbefristet eingegangene
Arbeitsverhältnis behielt er inne, während unterdessen das IV-Abklärungsverfahren -
zunächst bis November 2007 zur medizinischen Sachlage - stattfand. Am 29. Januar
2008 gab er der IV-Berufsberaterin bekannt, er möchte auf die Länge nicht (an der
betreffenden Stelle) bleiben, sondern eine Ausbildung machen. Nachdem er im April
2008 mitgeteilt hatte, er wünsche keine weitere Berufsberatung und wolle auf Sommer
2009 (sc. wohl: selber) eine Lehrstelle als Lebensmitteltechnologe suchen, wurde die
Berufsberatung abgeschlossen. Im Februar 2009 stellte der Beschwerdeführer wieder
ein Eingliederungsgesuch, namentlich um Weiterbildung als Technischer Kaufmann.
Wie die IV-Eingliederungsverantwortliche am 15. Juli 2009 berichtete, fand er damals
schliesslich einen Ausbildungsplatz als Lastwagenführer. Gemäss der neuen An
meldung hatte er jedenfalls im März 2009 immer noch in seiner Festanstellung ge
standen.
4.4 Dass der Beschwerdeführer während des Eingliederungsverfahrens (Anmeldung
vom Januar 2006) ab April 2006 (einstweilen ohne Ausbildung) zur Finanzierung seines
Lebensunterhalts eine Anstellung angenommen hat, ist als sinnvolle eigene
Anstrengung zur Schadenminderung zu würdigen. Die Suche nach einem
Ausbildungsplatz und das Festlegen eines geeigneten Ausbildungsziels hat in der Folge
einige Zeit in Anspruch genommen, ohne dass der Beschwerdeführer dies zu vertreten
gehabt hätte. Erst im Februar 2009 stellte er wie erwähnt wieder ein
Eingliederungsgesuch. Im Juli 2009 fand er eine Ausbildungsstelle. In der Zwischenzeit
hat der Beschwerdeführer die volle Erwerbstätigkeit während knapp dreier Jahre inne
behalten. Die gewählte Erwerbstätigkeit war für ihn nicht krankheitsbedingt ungeeignet,
sie war aber insofern unzumutbar, als der Beschwerdeführer Anspruch auf
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Eingliederungsmassnahmen hatte, um als Ausgebildeter im Erwerbsleben stehen zu
können. Unter diesen Umständen wäre es stossend, den Massstab für die
Gleichstellung mit der Umschulung noch immer beim weit zurückliegenden
Lehrlingslohn anzusetzen. Vielmehr rechtfertigt es sich, ein nach "Abbruch" der Lehre
langezeit erzieltes, Fr. 103.80 übersteigendes Erwerbseinkommen einem diese Grenze
überschreitenden Lehrlingslohn gleichzustellen. Denn wer nach Abbruch der Lehre
(aber vor Beginn der Eingliederungsmassnahme) in entsprechendem Umfang längere
Zeit erwerbstätig war, hat denselben Taggeld-Leistungsbedarf wie derjenige, der einen
die Grenze übersteigenden Ausbildungslohn erreichte. Es drängt sich eine
Gleichbehandlung auf. In beiden Fällen ist der Bedarf nach einer Gleichstellung mit der
Umschulung, wie ihn Art. 6 Abs. 2 IVV vorsieht, unabdingbar (in diesem Sinne schon
der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S R. vom
26. Februar 2002, IV 2000/34, aufgehoben durch den Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 10. Oktober 2002, I 252/02). Eine versicherte Person mit
Eingliederungsanspruch nach längerer Dauer voller Erwerbstätigkeit bezüglich der
Taggeldgrundlagen immer noch auf das ehemalige Lehrlingseinkommen
zurückzubinden, kann denn auch sachlich durch nichts begründet werden. Das
Bundesgericht hat in seinem Entscheid I 252/02 als Grund bezeichnet, dass die
versicherte Person es ansonsten in der Hand hätte, die Eingliederung zu Gunsten einer
besser bezahlten, ungeeigneten Arbeit aufzuschieben und auf diese Weise durch ihr
eigenes Verhalten nach Eintritt des Versicherungsfalls die Höhe des Taggeldes zu
bestimmen. Abgesehen davon, dass hier konkret keine (erst recht keine missbräuch
liche) Verschiebung der Eingliederung vorliegt, stellt die genannte Missbrauchsgefahr
keinen Unterscheidungsgrund dar. Wenn ein Versicherter mit unter dem Grenzwert
liegendem Lehrlingseinkommen eine Erwerbstätigkeit aufnimmt und jahrelang ausübt
und erst dann die berufliche Eingliederung beginnt, so unterscheidet sich im Gegenteil
seine (finanzielle Bedarfs-) Situation wesentlich von derjenigen bei Eingliederung
unmittelbar nach Lehrabbruch. Dass mehrere Jahre eines Erwerbslebens in eine
Erwerbstätigkeit investiert würden, einzig um später einmal ein höheres Taggeld zu
erwirken, das man sonst nicht hätte beanspruchen können, erscheint nicht realistisch.
Verläuft ein Lebenslauf in dieser Weise, so liegt darin ein wesentlicher Grund zur
Gleichbehandlung der Eingliederung mit einer Umschulung. Eine Unterscheidung
zwischen einem hohen Einkommen während der invaliditätsbedingt abgebrochenen
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Ausbildung einerseits und einem den Grenzbetrag übersteigenden Lohn aus einer nach
Eintritt der anspruchsspezifischen Invalidität ausgeübten Tätigkeit andererseits zu
treffen, erscheint dann nicht gerechtfertigt.
4.5 Der Beschwerdeführer hat demnach Anspruch auf ein Taggeld wie bei einer Um
schulung, das durch die Beschwerdegegnerin noch zu bestimmen sein wird.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 4. August 2009 gutzuheissen und dem
Beschwerdeführer ist ein Taggeld nach Art. 23 Abs. 1 IVG zuzusprechen, das die
Beschwerdegegnerin noch zu ermitteln haben wird.
5.2 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die
Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
gelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/
SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen. Dem
Beschwerdeführer ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
5.3 Der Beschwerdeführer hat bei vollem Obsiegen Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61 lit. g
ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand
angemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht