Decision ID: d306726d-eb3e-5670-bffc-f4bf86bfae26
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 26. September 2019 ersuchten B._ (geb. 1957) und deren
Tochter C._ (geb. 1981), beide syrische Staatsangehörige, bei der
Schweizerischen Botschaft in Beirut um Ausstellung von Schengen-Visa
für einen zweimonatigen Besuchsaufenthalt bei ihrem in der Schweiz im
Kanton St. Gallen lebenden Sohn beziehungsweise Bruder A._ (Ak-
ten der Vorinstanz, C._ betreffend [SEM-act.] 2, S. 26 ff. und 30 ff.).
Der Gastgeber bestätigte in einem Einladungsschreiben vom 26. Septem-
ber 2019 zuhanden der Schweizerischen Botschaft in Beirut, Mutter und
Schwester zu einem Besuch empfangen zu wollen, da er Vater eines Kin-
des geworden sei. Er verpflichte sich, alle anfallenden Kosten zu überneh-
men, einschliesslich derjenigen einer Versorgung im Krankheitsfall sowie
diejenigen einer allfälligen Rückführung (SEM-act. 2, S. 25).
B.
Die Schweizerische Botschaft lehnte die Visumsanträge in zwei separaten
Formular-Verfügungen vom 4. Oktober 2019 mit der Begründung ab, die
fristgerechte Ausreise der Gesuchstellerinnen aus dem Schengen-Raum
könne nicht als hinreichend gesichert betrachtet werden. Zudem sei der
Nachweis über ausreichende Mittel zur Bestreitung des Lebensunterhalts
für die Dauer des beabsichtigten Aufenthalts oder für die Rückkehr in den
Herkunftsstaat nicht erbracht worden (SEM-act. 2, S. 16 ff. und 35 ff.).
C.
Gegen diese Verfügungen erhob der Gastgeber mit Eingabe vom 4. No-
vember 2019 Einsprache bei der Vorinstanz (SEM-act. 1, S. 1 ff.). Die
Vorinstanz liess durch die Migrationsbehörde des Kantons St. Gallen wei-
tere Abklärungen zum Sachverhalt vornehmen. Am 30. Dezember 2019
unterzeichnete der Beschwerdeführer eine Erklärung, mit der er sich ver-
pflichtete, gegenüber Behörden und privaten medizinischen Dienstleis-
tungserbringern bis zu einem Betrag von Fr. 30'000.– für sämtliche aus
dem Aufenthalt der Gesuchstellerinnen entstehenden, ungedeckten Le-
bensunterhaltskosten aufzukommen (SEM-act. 6, S. 45 ff. und act. 5,
S. 38 ff.).
D.
Mit Entscheid vom 24. Januar 2020 wies die Vorinstanz die Einsprache in
Bezug auf beide Gesuchstellerinnen ab. Zur Begründung führte sie im We-
sentlichen an, die Gesuchstellerinnen stammten aus Syrien und somit ei-
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ner Region, aus welcher als Folge der dort herrschenden schwierigen Ver-
hältnisse ein stark anhaltender Auswanderungsdruck festzustellen sei.
Viele versuchten, das Land zu verlassen und sich im Ausland eine bessere
Zukunft aufzubauen. Bestehe dort zudem bereits ein gewisses familiäres
Beziehungsnetz, müsse das Risiko einer nicht fristgerechten und an-
standslosen Rückkehr als grundsätzlich hoch eingestuft werden. In den
persönlichen Verhältnissen der Gesuchstellerinnen seien keine besonde-
ren beruflichen, familiären oder gesellschaftlichen Verpflichtungen zu er-
kennen, welche das generell anzunehmende Risiko einer nicht anstands-
losen Wiederausreise nach Ablauf des Visums aufzuwiegen vermöchten.
Die Voraussetzungen für die Erteilung eines einheitlichen Visums für den
Schengen-Raum seien nicht erfüllt (SEM-act. 6, S. 91 ff. und act. 7, S. 114
ff.).
E.
Gegen den ablehnenden Einspracheentscheid gelangte der Gastgeber mit
einer Rechtsmitteleingabe vom 24. Februar 2020 an das Bundesverwal-
tungsgericht. Er ersuchte um Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids
und um Ausstellung von Schengen-Visa für die Gesuchstellerinnen. Even-
tualiter beantragte er, die Rechtssache sei zwecks weiterer Sachverhalts-
abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Gleichzeitig ersuchte er
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses. In der Sache selbst rügte der Be-
schwerdeführer, die Vorinstanz habe den Willen zur Wiederausreise spe-
kulativ in Frage gestellt und die Einsprache mit einer allgemeinen und nicht
fallspezifischen Begründung abgewiesen. Die Gesuchstellerinnen hegten
keine Auswanderungspläne. Sie wollten lediglich in die Schweiz kommen,
um ihre beiden hier ansässigen Söhne beziehungsweise Brüder sehen zu
können. Letzteren sei ein Besuch in Syrien nicht möglich. Es gehe den
Gesuchstellerinnen wirtschaftlich gut und sie hielten sich an einem siche-
ren Ort im kurdischen Teil Syriens auf. Ein Verbleib in der Schweiz käme
für sie schon deshalb nicht in Betracht, weil sie sich ausserhalb Syriens
entwurzelt fühlten (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-act.] 1).
F.
Mit Zwischenverfügung vom 1. April 2020 wies der Instruktionsrichter das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab (BVGer-
act. 3).
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G.
In ihrer Vernehmlassung vom 3. Juni 2020 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde (BVGer-act. 6).
H.
Von dem ihm am 10. Juni 2020 eingeräumten Replikrecht machte der Be-
schwerdeführer keinen Gebrauch (BVGer-act. 7 und 8).
I.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Von der Vorinstanz erlassene Einspracheentscheide bezüglich Schen-
gen-Visa sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar
(vgl. Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am vorangegangenen Einspracheverfahren
teilgenommen und ist als Gastgeber und enger Familienangehöriger der
Gesuchstellerinnen durch den angefochtenen Entscheid besonders be-
rührt. Er ist zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (Art. 50 und Art. 52 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht ent-
scheidet in der vorliegenden Angelegenheit endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c
Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht
von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-
dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus
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anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen.
Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-
scheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
3.1 Dem angefochtenen Entscheid liegen Gesuche syrischer Staatsange-
höriger um Erteilung von Visa zu Besuchszwecken für die Schweiz zu-
grunde. Da sich die Gesuchstellerinnen nicht auf die EU/EFTA-Personen-
freizügigkeitsabkommen berufen können und die beabsichtigte Aufent-
haltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in
den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen-As-
soziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand
und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernom-
men hat. Das Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG, SR 142.20) und
seine Ausführungsbestimmungen gelangen nur soweit zur Anwendung, als
die Schengen-Assoziierungsabkommen keine abweichenden Bestimmun-
gen enthalten (Art. 2 Abs. 4 AIG).
3.2 Das schweizerische Ausländerrecht kennt weder ein allgemeines
Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf Ertei-
lung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch –
grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern die Einreise
zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen handelt es
sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum Bundesge-
setz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002
3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 m.H.). Das Schengen-Recht schränkt die natio-
nalstaatlichen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzun-
gen für Einreise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die
Einreise beziehungsweise das Visum zu verweigern, wenn die Vorausset-
zungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise beziehungsweise Vi-
sum vermittelt aber auch das Schengen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1
E. 4.1.5).
3.3 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-
Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit-
raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku-
mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein
Visum, sofern dieses gemäss der Verordnung (EU) 2018/1806 des Euro-
päischen Parlaments und des Rates vom 14. November 2018 zur Aufstel-
lung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten
der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste
http://links.weblaw.ch/BVGE-2014/1
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der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind
(ABl. L 303/39 vom 28.11.2018) erforderlich ist. Im Weiteren müssen Dritt-
staatsangehörige den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Auf-
enthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen.
Namentlich haben sie in diesem Zusammenhang zu belegen, dass sie den
Schengen-Raum vor Ablauf des bewilligungsfreien Aufenthaltes verlassen,
beziehungsweise ausreichende Gewähr für eine fristgerechte Wiederaus-
reise zu bieten. Des Weiteren dürfen Drittstaatsangehörige nicht im Schen-
gener Informationssystem (SIS) zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben
sein und keine Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit,
die öffentliche Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mit-
gliedstaats darstellen (vgl. zum Ganzen: Art. 5 Abs. 1 und 2 AIG; Art. 3
Abs. 1 der Verordnung vom 15. August 2018 über die Einreise und die Vi-
sumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 6 Abs. 1 und 2 der Verordnung
[EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
9. März 2016 [kodifizierter Text] über einen Gemeinschaftskodex für das
Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfolgend: Schengener
Grenzkodex, SGK, ABl. L 77/1 vom 23.03.2016]; Art. 14 Abs. 1 und Art. 21
Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft
[nachfolgend: Visakodex, Abl. L 243 vom 15.9.2009]).
3.4 Eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1
Bst. e SGK ist auch dann anzunehmen, wenn die drittstaatsangehörige
Person nicht bereit ist, das Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristge-
recht wieder zu verlassen (BVGE 2014/1 E. 4.3 m.H.). Die Behörden haben
daher zu prüfen und die drittstaatsangehörige Person hat zu belegen, dass
keine Gefahr einer rechtswidrigen Einwanderung oder einer nicht fristge-
rechten Ausreise besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visako-
dex). Bestehen Zweifel daran, dass die gesuchstellende Person das Ho-
heitsgebiet der Mitgliedstaaten fristgerecht wieder verlässt, so ist das Vi-
sum zu verweigern (Art. 32 Abs. 1 Bst. b Visakodex). Den Behörden kommt
bei der Beurteilung, ob die Voraussetzungen für die Visumerteilung erfüllt
sind, ein weiter Beurteilungsspielraum zu (BVGE 2014/1 E. 4.1.5).
3.5 Sind – abgesehen vom Visum selbst – die vorerwähnten Einreisevo-
raussetzungen nicht erfüllt, kann in Ausnahmefällen ein Visum mit räumlich
beschränkter Gültigkeit erteilt werden, das nur für das Hoheitsgebiet des
betreffenden Mitgliedstaats gilt. Von dieser Möglichkeit kann der betref-
fende Mitgliedstaat unter anderem Gebrauch machen, wenn er es aus hu-
manitären Gründen, aus solchen des nationalen Interesses oder aufgrund
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internationaler Verpflichtungen für erforderlich hält (vgl. Art. 5 Abs. 3 AIG;
Art. 3 Abs. 4 und 5 VEV; Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; ebenso Art. 6
Abs. 5 Bst. c SGK).
3.6 Aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit zu Syrien unterliegen die Gesuch-
stellerinnen der Visumpflicht (vgl. Art. 8 Abs. 1 VEV i.V.m. Anhang I der in
E. 3.3 erwähnten Verordnung [EU] 2018/1806; Art. 6 Abs. 1 Bst. b SGK).
4.
4.1 Die Vorinstanz begründet die Abweisung der Einsprache im Wesentli-
chen damit, dass eine fristgerechte Wiederausreise der Gesuchstellerin-
nen nicht gewährleistet sei. Bei der Beurteilung des Kriteriums der gesi-
cherten Wiederausreise muss ein zukünftiges Verhalten beurteilt werden.
Hierzu sind lediglich Prognosen möglich, wobei sämtliche Umstände des
konkreten Einzelfalles zu würdigen sind. Dabei sind einerseits die allge-
meine Lage im Herkunftsland und andererseits die individuelle Situation
der gesuchstellenden Person in die Beurteilung miteinzubeziehen. Bei Ein-
reisegesuchen von Personen aus Regionen mit politisch und/oder wirt-
schaftlich ungünstigen Verhältnissen rechtfertigt sich eine strenge Praxis,
da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen häufig nicht mit dem
Ziel und Zweck einer zeitlich befristeten Einreisebewilligung im Einklang
steht (BVGE 2014/1 E. 6.1 m.H.).
4.2 In weiten Teilen Syriens besteht aufgrund der seit langem anhaltenden
kriegerischen Auseinandersetzungen ein hoher Abwanderungsdruck unter
der zivilen Bevölkerung. Viele sind in benachbarte Staaten geflüchtet und
versuchen von dort aus, weiter – insbesondere nach Europa – zu gelangen
(vgl. Asylstatistik 2020 des SEM vom 1. Februar 2021, S. 14,
< https://sem.admin.ch > Das SEM > Medien > Medienmitteilungen > Asyl-
statistik 2020 >, abgerufen am 22.02.2021). Völlig zu Recht wies die Vo-
rinstanz auch darauf hin, dass dort, wo bereits verwandtschaftliche Ver-
knüpfungen zu einer Zieldestination bestehen, auch ein entsprechender
Zuwanderungsdruck festzustellen ist. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu
beanstanden, wenn die Vorinstanz das Risiko als hoch einschätzt, dass
syrische Staatsangehörige – einmal in der Schweiz – nicht mehr in ihren
Heimatstaat zurückkehren wollen. Einreisegesuchen aus Syrien mit dem
erklärten Ziel von Besuchsaufenthalten ist deshalb ganz allgemein mit
grösster Zurückhaltung zu begegnen (vgl. BVGE 2014/1 E. 6.1).
https://sem.admin.ch/
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Seite 8
4.3
4.3.1 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgemeine Um-
stände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des kon-
kreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden Per-
son im Heimatland eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder fami-
liäre Verantwortung, kann dieser Umstand durchaus die Prognose für eine
anstandslose Wiederausreise begünstigen. Demgegenüber muss bei Per-
sonen, die in ihrer Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das
Risiko für ein ausländerrechtlich nicht regelkonformes Verhalten nach einer
bewilligten Einreise als hoch eingeschätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1;
2009/27 E. 7).
4.3.2 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers hat sich das SEM
in der angefochtenen Verfügung vom 24. Januar 2020 eingehend mit der
individuellen Situation der Gesuchstellerinnen in Syrien auseinanderge-
setzt. Von einer nicht fallspezifischen Begründung kann keine Rede sein
(zur Begründungspflicht im Allgemeinen vgl. Urteil des BVGer F-1858/2017
vom 7. August 2019 E. 3.5 m.w.H.). Nachfolgend gilt es somit auf die Frage
einzugehen, ob sich die diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz als
zutreffend erweisen.
4.3.3 Zu den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen der Gesuch-
stellerinnen gab der Beschwerdeführer an, seine Mutter sei verwitwet und
lebe mit seiner Schwester zusammen. Letztere betreibe einen Coiffeursa-
lon und sei finanziell sehr gut aufgestellt. Sein Vater sei (...) 2017 gestor-
ben und habe einige Liegenschaften hinterlassen. Diese Liegenschaften
seien vermietet und dienten als sehr gute Einnahmequelle. Die Gesuch-
stellerinnen würden nach dem Besuch wieder nach Syrien zurückkehren
und sich weiter um die Familiengeschäfte kümmern. Ihnen gehe es wirt-
schaftlich gut und sie hielten sich an einem sicheren Ort im Kurdengebiet
auf. Die Tatsache, dass die Gesuchstellerinnen immer noch in Syrien leb-
ten, spreche für eine stabile Sicherheitslage und ein gutes Leben.
4.3.4 Die Vorbringen des Beschwerdeführers zu den Verhältnissen der Ge-
suchstellerinnen sind pauschal gehalten und nicht belegt. Insbesondere
finden sich in den Unterlagen keine Belege für eine Erwerbstätigkeit seiner
Schwester. Aus ihrem Visumsantrag vom 27. September 2019 geht hervor,
dass sie zumindest im Antragszeitpunkt keiner Arbeitstätigkeit nachgegan-
gen ist (SEM act. 2, S. 32). Es finden sich in den Akten auch keine Unter-
lagen betreffend einen Coiffeursalon. Doch selbst wenn sie in Syrien als
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Coiffeuse arbeiten würde, wäre nicht anzunehmen, dass eine solche Tä-
tigkeit – unter besonderer Berücksichtigung der im ganzen Land nach jah-
relangem Bürgerkrieg herrschenden schwierigen Lebensverhältnisse –
von einer Emigration abzuhalten vermöchte. Im Übrigen ist der Beschwer-
deführer selbst Inhaber eines Coiffeursalons in der Schweiz, was seiner
Schwester entsprechende Perspektiven eröffnen könnte (SEM-act. 6,
S. 87).
Ebenso bleiben die vom Beschwerdeführer behaupteten Verwaltungstätig-
keiten in Zusammenhang mit vom verstorbenen Vater hinterlassenen Lie-
genschaften unbelegt. Doch selbst wenn solches Grundeigentum und an-
dere Vermögenswerte vorhanden sein sollten, gingen sie bei einer allfälli-
gen Emigration nicht zwingend verloren (BVGE 2014/1 E. 6.3.6 m.H.).
Im Rahmen der von der Vorinstanz im Einspracheverfahren veranlassten
sogenannten Inlandabklärung hielt der Beschwerdeführer in Beantwortung
eines ihm unterbreiteten Fragekatalogs am 19. Dezember 2019 unter an-
derem fest, er und ein Bruder hielten sich in der Schweiz auf, vier weitere
Geschwister lebten in Deutschland; seine Schwester und die Mutter seien
«alleine» in Syrien geblieben. Zur ausdrücklich gestellten Frage nach all-
fällig noch bestehenden familiären Bindungen der Gesuchstellerinnen zum
Heimatland äusserte sich der Beschwerdeführer an dieser Stelle nicht. Un-
ter den gegebenen Umständen kann nicht überzeugen, wenn er geltend
macht, dass nur schon die Tatsache ihres bisherigen Verbleibs in Syrien
gegen eine Absicht der Gesuchstellerinnen zur Emigration spreche.
Ebenso wenig kann überzeugen, dass sich die Gesuchstellerinnen im Falle
eines Verbleibs in der Schweiz völlig entwurzelt fühlen würden; hier leben
zwei Söhne beziehungsweise Brüder und die vier weiteren Söhne und
Töchter respektive Geschwister halten sich im benachbarten Deutschland
auf.
Alles in allem ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass sowohl die
verwitwete Mutter, als auch die kinderlose Schwester des Beschwerdefüh-
rers aufgrund ihrer persönlichen Situation keine Verpflichtungen oder gar
Abhängigkeiten in ihrem Herkunftsgebiet haben, die besondere Gewähr für
eine Rückkehr dorthin bieten könnten. Das Risiko, dass sie – einmal in die
Schweiz eingereist – vom zuvor deklarierten Aufenthaltszweck abweichen
und diesen auf eine neue Basis zu stellen versuchen könnten, ist deshalb
ganz grundsätzlich als hoch einzuschätzen (BVGE 2014/1 E. 6.2.2).
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4.4 An der Richtigkeit der Einschätzung der Vorinstanz ändert auch die Tat-
sache nichts, dass der Beschwerdeführer die fristgerechte Ausreise der
Gesuchstellerinnen zusichert. Bei der Risikobeurteilung ist in erster Linie
das mögliche Verhalten der Gäste selbst von Bedeutung. Gastgeber und
Garanten können mit rechtlich verbindlicher Wirkung zwar für gewisse fi-
nanzielle Risiken im Zusammenhang mit dem Besuchsaufenthalt, nicht
aber für ein bestimmtes Tun oder Unterlassen ihrer Gäste einstehen (vgl.
in diesem Zusammenhang auch BVGE 2009/27 E. 9).
4.5 Nichts für sich ableiten kann der Beschwerdeführer ferner auch mit
dem Einwand, wonach in mehreren vergleichbaren Fällen aus seinem Be-
kanntenkreis den Angehörigen Visa erteilt worden seien. Zum einen unter-
liess er es, diese Fälle so zu personifizieren, dass eine Überprüfung mög-
lich gewesen wäre. Zum andern und ganz allgemein gilt es bei der Prüfung
der gesicherten Wiederausreise jeweils eine Vielzahl von Faktoren zu be-
rücksichtigen, sodass jeder Fall eine ihm in örtlicher, zeitlicher und persön-
licher Hinsicht eigene und spezifische Konstellation aufweist.
4.6 Nach dem Gesagten ist die Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach
die Wiederausreise der Gesuchstellerinnen angesichts ihrer individuellen
Situation sowie der allgemeinen Lage in Syrien nicht als gesichert angese-
hen werden könne, nicht zu beanstanden. Mithin fehlt es an einer unab-
dingbaren Voraussetzung für die Erteilung einheitlicher Visa für den ge-
samten Schengen-Raum. Gründe für die Ausstellung von Visa mit räumlich
beschränkter Gültigkeit wurden von den Beteiligten zu Recht nicht geltend
gemacht und solche sind auch nicht ersichtlich (vgl. oben E. 3.5).
5.
Gestützt auf die bisherigen Erwägungen steht fest, dass sich die Verwei-
gerung der beantragten Visa durch die Vorinstanz als rechtmässig erweist.
Die angefochtene Verfügung ist somit im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu
beanstanden. Die Beschwerde ist abzuweisen.
6.
Das Gesuch um Gewährung unentgeltlicher Prozessführung wurde mit
Zwischenverfügung vom 1. April 2020 abgewiesen. Entsprechend dem
Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuer-
legen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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