Decision ID: 7015675d-4141-55e9-a536-db706e052999
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ I. V., geboren 1983, ist mazedonischer Staatsangehöriger. Er reiste am 25. Februar
2002 illegal in die Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Das Bundesamt für
Flüchtlinge wies dieses am 11. Oktober 2002 ab und verfügte die Wegweisung des
Gesuchstellers aus der Schweiz. Mit Entscheid vom 28. Januar 2003 wies die
Schweizerische Asylrekurskommission die vom Gesuchsteller gegen die Verweigerung
des Asyls erhobene Beschwerde ab. Auf zwei Revisionsgesuche vom 31. März und 2.
Juni 2003 trat die Asylrekurskommission nicht ein. Nachdem I. V. am 21. Juli 2003
eröffnet worden war, dass er die Schweiz zu verlassen habe, tauchte er unter.
Im September 2003 reiste I. V. mit einem auf einen anderen Namen lautenden
Reisepass in die Schweiz ein. Am 2. Oktober 2003 wurde er bei einer Polizeikontrolle in
Zürich verhaftet. Er führte rund 100 Gramm Heroin (Reinheitsgrad 10 Prozent) sowie
150 Gramm Streckmittel und den nicht auf ihn lautenden Reisepass mit sich. Das
Bezirksgericht Zürich verurteilte I. V. am 3. Dezember 2003 wegen Vergehens gegen
das Betäubungsmittelgesetz und gegen das Bundesgesetz über Aufenthalt und
Niederlassung der Ausländer zu fünf Monaten Gefängnis bedingt mit einer Probezeit
von vier Jahren. Gleichzeitig wurde der bedingte Aufschub einer im Jahr 2002
ausgesprochenen Gefängnisstrafe von zehn Tagen widerrufen. Am 4. Dezember 2003
wurde gegen I. V. eine Einreisesperre für die Dauer von fünf Jahren verfügt, und am 6.
Dezember 2003 wurde er nach Mazedonien ausgeschafft.
Am 14. Januar 2004 heiratete I. V. in Mazedonien H. A., geboren 1983,
Staatsangehörige von Serbien und Montenegro (Kosovo). Die Ehefrau war 1991 im
Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz eingereist und besitzt seit Februar 1993
eine Niederlassungsbewilligung. Sie ist in Widnau wohnhaft. Nach der Heirat stellte sie
ein Familiennachzugsgesuch für I. V.. Mit Verfügung vom 29. April 2004 wies das
Ausländeramt dieses Gesuch ab mit der Begründung, der Ehemann habe gegen die
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öffentliche Ordnung verstossen, weshalb der Anspruch auf Erteilung und Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung erloschen sei.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob H. V.-A. Rekurs, der vom Justiz-
und Polizeidepartement mit Entscheid vom 16. Dezember 2004 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 13. Januar 2005 erhob H. V. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 16. Dezember
2004 sei aufzuheben und das Ausländeramt sei anzuweisen, ihr den Nachzug ihres
Ehegatten zu bewilligen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des
Staates. Zur Begründung der Beschwerde wird im wesentlichen geltend gemacht,
aufgrund der beiden Vorstrafen sei die Verweigerung des Familiennachzugs
unrechtmässig und unverhältnismässig. Auf die einzelnen Vorbringen in der
Beschwerde wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 3. Februar 2005 auf Abweisung
der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 13. Januar 2005
wurde rechtzeitig eingereicht und entspricht formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2./ Nach Art. 17 Abs. 2 ANAG hat der Ehegatte einer Ausländerin, die im Besitz der
Niederlassungsbewilligung ist, Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung. Dieser Anspruch auf Aufenthaltsbewilligung erlischt, wenn der
Anspruchsberechtigte gegen die öffentliche Ordnung verstossen hat (Art. 17 Abs. 2
letzter Satz ANAG).
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a) Die Beschwerdeführerin verfügt über die Niederlassungsbewilligung in der Schweiz.
Sie kann daher sowohl aus Art. 17 Abs. 2 ANAG als auch aus Art. 8 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK) im Grundsatz die Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung für ihren Ehemann beanspruchen.
Wie erwähnt, erlischt der Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn der Ehegatte gegen die öffentliche Ordnung verstossen
hat. Die Voraussetzung für ein Erlöschen des Anspruchs ist damit weniger streng als im
Fall des ausländischen Ehegatten einer Schweizerin, bei dem ein Ausweisungsgrund
vorliegen muss (Art. 7 Abs. 1 letzter Satz ANAG) und eine Verhältnismässigkeitsprüfung
nach Art. 11 Abs. 3 ANAG stattzufinden hat, wobei die Kriterien von Art. 16 Abs. 3 der
Vollziehungsverordnung zum Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.201) – Schwere des Verschuldens, Dauer der Anwesenheit,
persönliche und familiäre Nachteile – zu beachten sind (BGE 120 Ib 130 f.; ZBl 1992, S.
569). Nach Art. 17 Abs. 2 ANAG genügt bereits ein Verstoss gegen die öffentliche
Ordnung, damit der Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung bzw. auf
Familiennachzug erlischt. Zwar muss auch in diesem Fall die Verweigerung der
Bewilligung nach den allgemeinen Regeln des Verwaltungsrechts verhältnismässig
sein; da aber bereits geringere öffentliche Interessen für ein Erlöschen des Anspruchs
genügen, sind auch die entgegenstehenden privaten Interessen weniger stark zu
gewichten als bei einer Ausweisung oder der Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung
des ausländischen Ehegatten eines Schweizer Bürgers (vgl. statt vieler BGE 120 Ib 130
f.).
b) Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ist der Eingriff einer Behörde in das Recht auf
Familienleben statthaft, wenn er gesetzlich vorgeschrieben ist und eine Massnahme
darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft für die nationale Sicherheit, die
öffentliche Ruhe und Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes, die Verteidigung
der Ordnung und zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutz der
Gesundheit und der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer
notwendig ist.
Art. 8 EMRK verlangt eine Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten Interessen
an der Erteilung der Bewilligung und der öffentlichen Interessen an deren
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Verweigerung, wobei die öffentlichen in dem Sinne überwiegen müssen, dass sich der
Eingriff als notwendig erweist (BGE 122 II 5 f. mit Hinweisen). Dabei ist unter anderem
wesentlich, ob gegen den Ausländer fremdenpolizeiliche Entfernungs- oder
Fernhaltegründe sprechen, insbesondere ob und in welchem Masse er sich
massgebliches, straf- oder fremdenpolizeirechtlich verpöntes Fehlverhalten hat
zuschulden kommen lassen. Nebst den übrigen persönlichen und familiären
Verhältnissen ist der Schwere solcher Vorwürfe Rechnung zu tragen. Sodann ist bei der
Interessenabwägung zu fragen, ob den hier anwesenheitsberechtigten
Familienangehörigen zugemutet werden kann, dem Ausländer, der keine Bewilligung
erhält, ins Ausland zu folgen. Die Zumutbarkeit der Ausreise für nahe
Familienangehörige richtet sich nicht nach den persönlichen Wünschen der
Betroffenen, sondern ist unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Verhältnisse und
aller Umstände objektiv zu beurteilen. Eine allfällige Unzumutbarkeit der Ausreise für
die hier lebenden Angehörigen ist mitabzuwägen, führt aber nicht zwingend für sich
allein zur Unzulässigkeit einer Bewilligungsverweigerung (BGE 122 II 5 f. mit
Hinweisen).
c) Der Ehemann der Beschwerdeführerin reiste am 25. Februar 2002 illegal in die
Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Nach der rechtskräftigen Abweisung des
Asylgesuchs tauchte er unter und reiste im September 2003 mit einem nicht auf ihn
ausgestellten Reisepass wieder in die Schweiz ein. Bei der Festnahme trug er rund 100
Gramm gestrecktes Heroin sowie rund 150 Gramm Streckmittel auf sich. Er hielt sich
mit zwei anderen Personen im Auto eines Mannes auf, in dessen Wohnung rund ein
Kilogramm Heroin und 24 Kilogramm Streckmittel aufgefunden wurden.
Die Verwendung eines falschen bzw. nicht auf ihn ausgestellten Passes sowie der
Transport von rund 100 Gramm gestreckten Heroins bzw. die entsprechenden Strafen
zeigen, dass sich der Ehemann der Beschwerdeführerin mehrere Verstösse gegen
gesetzliche Normen zuschulden kommen liess. Sein Verhalten ist als schwerwiegender
Verstoss gegen strafrechtliche und fremdenpolizeiliche Bestimmungen und mithin als
gravierender Verstoss gegen die öffentliche Ordnung zu qualifizieren. Wie die
Vorinstanz unter Berufung auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (BGE 125 II 526
f.) zutreffend festhält, ist bei Betäubungsmitteldelikten ein strenger Massstab
anzusetzen. Zwar trifft es zu, dass dem Ehemann der Beschwerdeführerin in
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strafrechtlicher Hinsicht ausschliesslich der Besitz einer Menge reinen Heroins von 10
Gramm angelastet wurde. Immerhin handelte es sich beim Heroingemisch um ein
Quantum von rund 100 Gramm, was darauf hinweist, dass sich der Ehemann im
Betäubungsmittelhandel betätigte. Die Vorinstanz hat daher zu Recht angenommen,
dass der Anspruch des Ehemanns auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung wegen
Verstosses gegen die öffentliche Ordnung nach Art. 17 Abs. 2 ANAG erloschen ist und
die Voraussetzungen für einen Eingriff in das Grundrecht auf Familienleben nach Art. 8
Ziff. 2 EMRK erfüllt sind. Der Einwand des Beschwerdeführers, die beim Halter des
Autos gefundene Menge von 24 Kilogramm Streckmittel und rund einem Kilogramm
Heroin, könne ihm strafrechtlich nicht angelastet werden, ist zwar grundsätzlich
zutreffend. Der Umstand zeigt allerdings, dass sich der Ehemann mit einer relativ
geringen Menge Heroin im Umfeld von Betäubungsmitteldelinquenten grösseren
Kalibers aufhielt, was zwar nicht strafrechtlich, aber doch fremdenpolizeilich ins
Gewicht fällt. Nicht stichhaltig ist im übrigen der Einwand, der Ehemann sei wegen des
Konsums sogenannter weicher Drogen strafrechtlich nicht belangt worden, weshalb
diesbezüglich die Unschuldsvermutung gelte. Wenn eine strafrechtliche Ahndung eines
Delikts aus irgendwelchen Gründen unterblieben ist, so ist es der
Fremdenpolizeibehörde nicht untersagt, rechtswidriges Verhalten zu berücksichtigen.
Hinzu kommt, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin nach der Abweisung des
Asylgesuchs untertauchte. Die Mehrzahl der Betäubungsmitteldelikte einerseits und der
Verstösse gegen fremdenpolizeiliche Vorschriften anderseits zeigen, dass im Verhalten
des Ehemannes der Beschwerdeführerin ein gravierender Verstoss gegen die
öffentliche Ordnung liegt.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin zweimal
illegal in die Schweiz einreiste und wegen Betäubungsmittelbesitzes und ANAG-
Widerhandlung zu zwei Gefängnisstrafen von fünf Monaten und zehn Tagen verurteilt
wurde. Unter diesen Umständen ist es nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz
annahm, der Anspruch auf Erteilung und Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung sei
erloschen. Bei Ehegatten von Niedergelassenen können auch erheblich geringere
Freiheitsstrafen als solche von zwei Jahren Dauer zu einem Erlöschen des Anspruchs
auf eine Aufenthaltsbewilligung führen (vgl. GVP 1998 Nr. 71).
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d) Die Vorinstanz bejahte die Verhältnismässigkeit der Verweigerung der
Aufenthaltsbewilligung. Sie erwog, die Ehefrau habe die ersten acht Lebensjahre im
Herkunftsland gelebt. Sie spreche die heimatliche Sprache und habe die üblichen
Beziehungen zur Heimat, weshalb ihr auch die aktuellen Lebensumstände bekannt
seien. Ein Umzug dürfte nicht leicht sein; dennoch sei ihr eine Wohnsitznahme in
Kosovo oder in der Heimat des Ehegatten zumutbar. Sie habe den Ehemann zwei
Monate nach dessen Ausschaffung, welche direkt aus der Haft erfolgte und mit der
Verhängung einer Einreisesperre für die Dauer von fünf Jahren einhergegangen sei, in
Mazedonien geheiratet. Dies falle bei der Interessenabwägung ins Gewicht. Die
Beschwerdeführerin habe um die Verurteilung und die Einreisesperre gewusst und
daher von vornherein nicht damit rechnen können, die Ehe in der Schweiz leben zu
können, sondern habe davon ausgehen müssen, dass ihm die Aufenthaltsbewilligung
verweigert werde. Diese Feststellungen der Vorinstanz sind richtig und werden in der
Beschwerde grundsätzlich anerkannt. Wenn es auch zutrifft, dass eine Einreisesperre
aufgehoben werden kann, wenn ein Rechtsanspruch auf Familiennachzug besteht, so
musste die Beschwerdeführerin aufgrund der Verurteilungen bzw. des Vorlebens ihres
Ehemannes doch erhebliche Zweifel haben, ob der Familiennachzug bewilligt werde.
Dies ist bei der Beurteilung der Verhältnismässigkeit der Bewilligungsverweigerung in
Betracht zu ziehen.
Nicht weiter einzugehen ist auf die Frage des Vorliegens einer Scheinehe, und
ausserdem erübrigen sich weitere Erörterungen zu den finanziellen Mitteln der
Beschwerdeführerin.
e) Zusammenfassend ergibt sich, dass eine Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung
rechtmässig und verhältnismässig ist. Der gravierende Verstoss gegen das
Betäubungsmittelgesetz bzw. das schwerwiegende fremdenpolizeiliche Fehlverhalten
lassen das öffentliche Interesse an der Fernhaltung des Ehemannes gewichtiger
erscheinen als das private Interesse der Beschwerdeführerin, mit dem nach der
Ausschaffung und Verhängung einer Einreisesperre geheirateten Ehemann in der
Schweiz zu leben. Folglich ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
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Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98bis VRP).