Decision ID: 999364ef-158d-482a-8c3b-14158654ac1d
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1973, arbeitete ab August 1996 vollzeitlich bei der Bäckerei Y._ AG. Im September 2011 begab er sich wegen Rückenbeschwerden in ärztliche Behandlung, und im weiteren Verlauf persistierten Muskelschmerzen am ganzen Körper. Im Mai 2012 nahm X._ seine angestammte Tätigkeit bei attestierter 50%iger Arbeitsunfähigkeit (vgl. das Zeu
g
nis von Dr. med. Z._ vom 29. Juni 2014, Urk. 6/52) im U
m
fang eines 50%-Pensums wieder auf und meldete sich gleichzeitig bei der Invalidenversicherung an. Die Sozia
l
versicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle, ermittelte einen Invaliditätsgrad von 14 % und verneinte mit Verfügung vom 28. Mai 2014 einen Rentenanspruch von X._. Dieser liess dagegen beim Sozialversicherungsgericht Beschwerde erheben (Prozess Nr. IV.2014.00715; vgl. den Sachverhalt im Urteil vom 26. Februar 2016).
1.2
Mit Vertragsänderung vom 23. Mai 2014 wurde der Beschäft
i
gungsgrad von X._ im Arbeitsverhältnis mit der Bäckerei Y._ AG per 1. Juni 2014 auf 50 % reduziert (Urk. 6/49). X._ gelangte daraufhin an die Arbeitslosenversicherung und stellte Antrag auf Ausrichtung von Arbeitslosenentsch
ä
digung (Anmeldebestätigung des Regionalen Arbeitsvermit
t
lungszentrums [RAV] vom 13. Mai 2014, Urk. 6/53; Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 11. Juni 2014, Urk. 6/55).
Nachdem die Arbeitslosenkasse IAW den Anspruch von X._ auf Arbeitslosenentschädigung zunächst verneint hatte, kam sie im Einspracheverfahren auf den negativen Entscheid z
u
rück (Einspracheentscheid vom 7. April 2015; vgl. die Sac
h
verhaltsdarstellung in der Verfügung des Amtes für Wirtschaft und Arbeit [AWA] vom 21. Dezember 2015, Urk. 6/30 S. 3) und richtete X._ ab dem 2. Juni 2014 A
r
beitslosenentschädigung aus, wobei sie ihm den Lohn aus der 50%-Tätigkeit bei der Bäckerei Y._ AG als Zwischenve
r
dienst anrech
nete (vgl. die Zwischenverdienstbescheinigungen und die Lohnabrechnungen der
Bäckerei Y._ AG im Dossier der Kasse, Urk. 6/32
48). Im Oktober 2015 erhielt die Kasse davon Kenntnis, dass X._ in psychiatrischer Behandlung war und ihm der behandelnde Psychiater aus psychiatrischer Sicht ebenfalls eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (vgl. die
Korrespondenz mit Dr. med. A._ in Urk. 6/29). Sie überwies die Sache deshalb am 28. Oktober 2015 dem AWA zum Entscheid über die Vermittlungsfähigkeit des Versiche
r
ten und über ihre Vorleistungspflicht (Urk. 6/28). Mit Ve
r
fügung vom 21. Dezember 2015 hielt das AWA fest, die Vermittlungsfähigkeit werde ab dem 8. April 2015 weiterhin bejaht und der anrechenbare Arbeitsausfall im Rahmen der Vorleistungspflicht betrage 86 % einer Vollzeitbeschäft
i
gung (Urk. 6/30). Gestützt darauf setzte die Arbeitslose
n
kasse IAW die Taggeldzahlungen fort (vgl. die Zwischenverdienstbescheinigungen und die Lohnabrechnungen der Bäckerei Y._ AG in Urk. 6/17-27).
Mit Urteil des Prozesses Nr. IV.2014.00715 vom 26. Februar 2016 hob das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich die rentenverneinende Verfügung vom 28. Mai 2014 auf und wies die Sache an die IV-Stelle zurück, damit diese weitere Abklärungen treffe. Das Urteil blieb unangefochten.
1.3
Nach Ablauf der Rahmenfrist für den Bezug von Arbeitslose
n
entschädigung am 1. Juni 2016 teilte die Arbeitslosenkasse IAW dem Versicherten mit Verfügung vom 11. Juli 2016 mit, dass er ab dem 2. Juni 2016 keinen Anspruch auf Arbeitsl
o
senentschädigung habe, da er ab dann keinen massgebenden Verdienstausfall und keinen anrechenbaren Arbeitsausfall habe (Urk. 6/14). X._, vertreten durch Rechtsanwalt Ph
i
lip Stolkin, liess mit Eingabe vom 12. Septem
ber 2016 Ei
n
sprache erheben und beantragen, ihm seien in Aufhebung der Verfügung die gesetzlichen Leistungen auszurichten (Urk. 6/6). Die Kasse beschaffte die Auskunft der IV-Stelle, wonach die Abklärungen zum Rentenanspruch des Ve
r
sicherten immer noch im Gange seien (E-Mail-Korrespondenz vom 14./15. Septem
ber 2016, Urk. 6/7), und wies die Ei
n
sprache mit Entscheid vom 15. September 2016 ab (Urk. 2 = Urk. 6/5).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 15. September 2016 liess X._ durch Rechtsanwalt Philip Stolkin mit Eingabe vom 13. Oktober 2016 Beschwerde erheben (Urk. 1) und den Antrag stellen, der Entscheid sei aufzuheben und die Kasse sei a
n
zuweisen, ihm den Verdienstausfall zu ersetzen (Urk. 1 S. 2). Die Kasse schloss in der Beschwerdeantwort vom 24. Oktober 2016 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Mit Eingabe vom 10. Januar 2017 liess X._ von der Gelegenheit zur Stellungnahme zu den Akten der Arbeitslosenkasse Gebrauch machen (Urk. 12), wovon die Kasse am 11. Januar 2017 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 13).
Mit Verfügung vom 4. September 2017 wies das Gericht darauf hin, dass die Anspruchsvoraussetzung der Beitragszeit oder der Befreiung von der Beitragszeit, zu der sich die Parte
i
en noch nicht geäussert hatten, näher zu prüfen sei, und gab den Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme dazu (Urk. 14). Die Kasse äusserte sich mit Eingabe vom 12. September 2017 (Urk. 16), der Versicherte liess dem G
e
richt innert mehrmals erstreckter Frist die als Replik b
e
zeichnete Stellungnahme vom 29. November 2017 zukommen (Urk. 21).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten U
n
terlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen ei
n
gegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Für den Bezug von Arbeitslosenentschädigung und für die Beitragszeit gelten nach Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver
si
cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) zwei
jährige Rahmenfristen. Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt
nach Art. 9 Abs. 2 AVIG
mit de
m ersten Tag, für den sämtliche A
n
spruchsvoraussetzungen erfüllt sind, und die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt nach Art. 9 Abs. 3 AVIG zwei Jahre vor diesem Tag. Ist die Rahmenfrist für den Lei
s
tungsbezug abgelaufen und beansprucht die versicherte Pe
r
son wieder Arbeitslosenentschädigung, so gelten nach Art. 9 Abs. 4 AIVG erneut zweijährige Rahmenfristen für den Lei
s
tungsbezug und die Beitragszeit.
1.2
1.2.1
In Art. 8 Abs. 1 AVIG werden die einzelnen Anspruch
s
voraussetzungen aufgezählt.
1.2.2
Nach Art. 8 Abs. 1 lit. a AVIG muss die versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslos sein. Als ganz a
r
beitslos gilt nach Art. 10 Abs. 1 AVIG, wer in keinem A
r
beitsverhältnis steht und eine Vollzeitbeschäftigung sucht. Als teilweise arbeitslos gilt nach Art. 10 Abs. 2 AVIG, wer entweder in keinem Arbeitsverhältnis steht und lediglich eine Teilzeitbeschäftigung sucht (lit. a) oder wer eine Teilzeitbeschäftigung hat und eine Vollzeit- oder eine we
i
tere Teilzeitbeschäftigung sucht (lit. b).
Des Weiteren muss die versicherte Person nach Art. 8 Abs. 1 lit. b AVIG einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten h
a
ben. Der Arbeitsausfall ist gemäss Art. 11 Abs. 1 AVIG dann anrechenbar, wenn er einen Verdienstausfall zur Folge hat und mindestens zwei aufeinanderfolgende volle Arbeitstage dauert.
1.2.3
Sodann verlangt Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist.
Nach Art. 13 Abs. 1 AVIG hat die Beitragszeit erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflic
h
tige Beschäftigung ausgeübt hat. Als Beitragszeit angerec
h
net werden nach Art. 13 Abs. 2 lit. c AVIG auch die Zeiten, in denen die versicherte Person zwar in einem Arbeitsve
r
hältnis steht, aber wegen Krankheit oder Unfalls keinen Lohn erhält und daher keine Beiträge bezahlt.
Art. 14 AVIG zählt die Tatbestände auf, die zu einer B
e
freiung von der Erfüllung der Beitragszeit führen. Nach Art. 14 Abs. 1 AVIG sind Personen befreit, die innerhalb der Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während insgesamt mehr als zwölf Monaten aus bestimmten Gründen nicht in einem A
r
beitsverhältnis standen und deshalb die Beitragszeit nicht erfüllen konnten. Zu diesen Gründen gehören Krankheit, U
n
fall oder Mutterschaft (Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG). Eine Befreiung nach Art. 14 Abs. 1 AVIG ist rechtsprechungsg
e
mäss nur möglich, wenn es der
versicherten Person aus einem der genannten
Befreiungsgründe nicht ein
mal zumutbar war,
ein Teilz
eitarbeitsverhältnis einzugehen
(BGE 126 V 384 E.
2b
mit Hinweisen
).
Ebenfalls von der Erfüllung der Be
i
tragszeit befreit sind
nach Art. 14 Abs. 2 AVIG
Personen, die wegen Trennung oder Scheidung ihrer Ehe, wegen Inval
i
dität oder Todes des Ehegatten oder aus ähnlichen Gründen oder wegen Wegfalls einer Invalidenrente gezwungen sind, eine unselbständige Erwerbstätigkei
t aufzunehmen oder zu erweitern, sofern das
betref
fende Ereignis
nicht
mehr als ein Jahr z
urückliegt
.
1.2.4
Eine weitere Voraussetzung für den Anspruch auf A
r
beitslosenentschädigung ist nach Art. 8 Abs. 1 lit. f AVIG die Vermittlungsfähigkeit. Gemäss Art. 15 Abs. 1 AVIG ist die arbeitslose Person vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumut
bare Arbeit anz
u
nehmen. Die körperlich oder geistig behinderte Person gilt gemäss Art. 15 Abs. 2 Satz 1 AVIG als vermittlungsfähig, wenn ihr bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage, un
ter Berüc
k
sichtigung ihrer Behinderung, auf dem Arbeitsmarkt eine z
u
mutbare Arbeit vermittelt werden könnte. Art. 15 Abs. 2 Satz 2 AVIG überträgt die Kompetenz zur Regelung der Koo
r
dination mit der Invalidenversicherung dem Bundesrat. G
e
stützt auf diese Delegation hat der Bundesrat unter anderem die Bestimmung in Art. 15 Abs. 3 der Verordnung
über die obligatorische Arbeits
losenversicherung und die Insolven
z
entschädigung
(AVIV) erlassen, wonach eine behinderte Pe
r
son, die - unter der Annahme einer ausgeglichenen Arbeits
marktlage - nicht offensichtlich vermittlungsunfähig ist und sich bei der Invali
denversicherung oder bei einer and
e
ren Versicherung (obligatorische Unfallver
sicherung, Kra
n
kenversicherung, Militärversicherung oder berufliche Vorsorge) angemeldet hat, bis zum Entscheid der anderen Versicherung als vermittlungs
fähig gilt.
1.3
1.3.1
Die Arbeitslosenentschädigung wird gestützt auf Art. 21 und Art. 22 AVIG als Taggeld ausgerichtet, das en
t
weder 70 % oder 80 % des versicherten Verdienstes beträgt.
Als versicherter Verdienst gilt gemäss Art. 23 Abs. 1 er
s
ter Halbsatz AVIG der im Sinne der AHV
Gesetzgebung massg
e
bende Lohn, der während eines Be
messungszeitraumes aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normaler
weise e
r
zielt wurde. Der versicherte Verdienst wird nach den Vo
r
schriften in Art. 37 AVIV bemes
sen. Bemessungsgrundlage ist in der Regel der Lohn der letzten sechs, aus
nahmsweise der letzten zwölf Beitragsmonate vor Beginn der Rah
menfrist für den Leistungsbezug (Abs. 1, 2 und 3
bis
).
Bei der Festsetzung des versicherten Verdienstes von Pers
o
nen, die unmittelbar vor oder während der Arbeitslosigkeit eine gesundheitsbedingte Beeinträchti
gung ihrer Erwerbsf
ä
higkeit erleiden, ist gemäss Art. 40b AVIV derjenige Ver
dienst massgebend, welcher der verbleibenden Erwerbsfähigkeit entspricht.
1.3.2
Erzielt die versicherte Person innerhalb einer Ko
n
trollperiode, also eines Kalen
dermonates (vgl. Art. 18a AVIG in Verbindung mit Art. 27a AVIV), ein Ein
kommen aus unselbständiger oder selbständiger Erwerbs
tätigkeit, einen soge
nannten Zwischenverdienst, so hat sie nach Art. 24 Abs. 1 AVIG Anspruch auf Ersatz des Verdienstausfalls (Ko
m
pensationszahlungen), wobei sich der anzu
wendende Entsch
ä
digungssatz nach Art. 22 AVIG bestimmt. Als Verdienstausfall gilt nach Art. 24 Abs. 3 Satz 1 AVIG die Differenz zwischen dem in der Kontrollperiode erzielten Zwischenverdienst und dem versicherten Verdienst. Vorau
s
setzung für den Anspruch auf Ersatz des Verdienstausfalls ist
nach Art. 41a Abs. 1 AVIV zudem, dass der Zwischenve
r
dienst geringer ist als die Arbeitslosenentschädigung, die der versicherten Person zusteht. Kein Anspruch auf Kompe
n
sationszahlungen besteht also umgekehrt dort, wo das Ei
n
kommen höher ist, als es die Arbeitslosenentschädigung wäre.
1.4
1.4.1
Mit der Regelung in Art. 15 Abs. 2 AVIG und Art. 15 Abs. 3 AVIV wird die Vor
leistungspflicht der Arbeitslose
n
versicherung konkretisiert, wie sie in Art. 70 Abs. 2 lit. b des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozia
l
versiche
rungsrechts (ATSG) statuiert ist. Rechtsprechung
s
gemäss sollen damit
für die Zeit, in welcher der Anspruch auf Leistungen einer anderen Versicherung abg
e
klärt wird und
dieser Anspruch sich
somit noch
in der Schwebe befi
n
det
, L
üc
ken im Erwerbsersatz
vermieden werden. Während di
e
ser Zeit hat eine ar
beitslose Person, die bei guter Gesundheit eine Vollzeitstelle suchen würde, aber
aus g
e
sundheitlichen Gründen lediglich no
ch teilzeitlich arbeiten kann, An
spruch auf die
ungekürzte Arbeitslosenentschäd
i
gung
, also auf die Arbeitslo
sen
entschädigung, die sie auch erhielte, wenn sie nicht behindert wäre. Voraus
gesetzt wird nur, dass eine solche Person im
Umfang der ärztlich atte
s
tierten Arbeitsfähigkeit
tatsächlich
eine Beschäftigung sucht und bereit ist, eine neue
Stelle
mit en
tsprechendem Pensum anzutreten (BGE 142 V 380 E. 3.2 mit Hinweisen).
Der Schwebezustand und die damit verbundene Vorleistung
s
pflicht der Arbeitslosenversicherung endet dann, wenn das Ausmass der Erwerbsunfähigkeit feststeht, und dies beu
r
teilt sich nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nach den konkreten Umständen. Wird mit dem Vorbscheid eine ganze Rente der Invalidenversicherung auf der Basis eines Inval
i
ditätsgrades von mindestens 70 % angekündigt, so endet der Schwebezustand nach dem Bundesgericht bereits mit dem Erg
e
hen des Vorbescheids (BGE 142 V 380 E. 5.2.1). Hingegen hat das Bundesgericht darauf hingewiesen, dass der Schwebez
u
stand nicht ende, wenn der verfügungsweise von der IV-Stelle festgesetzte Erwerbsunfähigkeitsgrad angefochten werde, sondern diesfalls erst mit dem rechtskräftigen En
t
scheid über den Erwerbsunfähigkeitsgrad beendet sei (Urteil des Bundesgerichts 8C_401/2014 vom 25. November 2014 E. 4.1).
1.4.2
Spätestens mit dem Ende des Schwebezustandes ist eine Anpassung des Arbeitslosenentschädigungsanspruchs vorzune
h
men, was durch eine neue Festlegung des versicherten Ve
r
dienstes anhand der Regelung in Art. 40b AVIV geschieht. Diese Regelung ist dort anwendbar, wo sich die gesundhei
t
lich
bedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit (noch) nicht im Lo
hn niedergeschlagen hat, welcher
gemäss
Art.
23
Abs.
1 AVIG in Verbindung mit
Art.
37 AVIV
die Bemessung
s
grundlage
für den
versicherten Verdienst bildet. In diesen Fällen entspricht die Leistungsfähigkeit, wie sie nach
der Beendi
gung des Schwebezu
standes feststeht, nicht
mehr de
r
j
enigen zur Zeit der Erzielung des Lohnes, der für den ve
r
sicherten Verdienst massgebend war, und es erfolgt deshalb eine A
npassung nach
Art.
40b AVIV
(vgl. BGE 133 V 530 E. 4.1.2).
Eine (Teil-)Anpassung des versicherten Verdienstes bereits vor der Beendigung des Schwebezustandes sieht die Rech
t
sprechung in denjenigen Fällen vor, wo die IV-Stelle die Verfügung über den Rentenanspruch erlassen hat, diese Ve
r
fügung aber angefochten worden und somit noch nicht in Rechtskraft erwachsen ist. Hier besteht der Schwebezustand nach dem Dargelegten zwar weiter, das Bundesgericht lässt aber eine Kürzung des versicherten Verdienstes um den von der IV-Stelle ermittelten Invaliditätsgrad dennoch bereits zu, dies als Korrektiv zur länger andauernden Vorleistung
s
pflicht. Entscheidend ist in diesen Fällen, dass der Inv
a
liditätsgrad der IV-Stelle im Sinne eines Mindestmasses von allen Parteien (IV-Stelle, versicherte Person und Arbeit
s
losenkasse) akzeptiert wird und sich daher in diesem Umfang die Frage nach der Vorleistungspflicht nicht stellt (vgl. BGE 142 V 380 E. 5.2.2, Urteil des Bundesgerichts 8C_401/2014 vom 25. No
vember 2014 E. 4.3).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer ab dem 2. Juni 2016 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat.
Vorab ist festzuhalten, dass es sich hierbei um den A
n
spruch in einer zweiten Bezugsrahmenfrist im Sinne von Art. 9 Abs. 4 AVIG handelt, nachdem die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer in einer ersten Rahmenfrist, die vom 2. Juni 2014 bis zum 1. Juni 2016 lief, Arbeitslosenen
t
schädigung ausgerichtet hat. Für den Anspruch in dieser zweiten Rahmenfrist müssen wiederum sämtliche Anspruchsvo
r
aussetzungen erfüllt sein, die in Art. 8 Abs. 1 AVIG aufg
e
zählt sind.
2.2
Während der ersten Bezugsrahmenfrist vom 2. Juni 2014 bis zum 1. Juni 2016 war der Beschwerdeführer als Teilarbeit
s
loser im Sinne von Art. 10 Abs. 2 lit. b AVIG zu qualif
i
zieren. Er hatte bei der angestammten Arbeitgeberin, der Bäckerei Y._ AG, eine 50%-Stelle anstatt der bisherigen 100%-Stelle inne, mit der er somit noch die Hälfte des bi
s
herigen Einkommens erzielte, und war aus der Sicht der noch nicht rechtskräftigen Verfügung der IV-Stelle vom 28. Mai 2014 dazu gehalten, eine Stelle zu suchen, die ihm ein Ei
n
kommen von 86 % des bisherigen Einkommens einbrachte. Aus dieser Konstellation ergab sich auch die weitere Anspruch
s
voraussetzung eines anrechenbaren Arbeitsausfalls im Sinne von Art. 11 Abs. 1 AVIG. Sodann war die Beitragszeit nach Art. 13 AVIG infolge der bis anhin innegehabten Vollzeitb
e
schäftigung erfüllt. Schliesslich galt der Beschwerdeführer aufgrund der arbeitslosenversicherungsrechtlichen Vorlei
s
tungspflicht nach Art. 15 Abs. 2 AVIG und Art. 15 Abs. 3 AVIV als vermittlungsfähig; für die Zeit ab dem 8. April 2015 sind die Überlegungen hierzu der Verfügung des AWA vom 21. Dezember 2015 zu entnehmen (Urk. 6/30 S. 3 f.).
Die Verfügung des AWA vom 21. Dezember 2015 thematisiert weiter die Kürzung der Arbeitslosenentschädigung um den I
n
validitätsgrad von 14 % (Urk. 6/30 S. 4). Das skizzierte Vorgehen entspricht der Regelung in Art. 40b AVIV und der vorstehend dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach der versicherte Verdienst an das unumstrittene Mi
n
destmass des Invaliditätsgrades anzupassen ist, sobald die Rentenverfügung ergangen ist, auch wenn sie angefochten worden und somit noch nicht in Rechtskraft erwachsen ist. An der Kürzung der Vorleistungen um 14 % war auch festz
u
halten, nach
dem das Sozialversicherungsgericht die rente
n
verneinende Verfügung vom 28. Mai 2014 mit dem Urteil vom 26. Februar 2016 aufgehoben und die IV
Stelle zu weiteren Abklärungen verpflichtet hatte. Denn das Rückweisungsurteil schloss das invalidenversicherungsrechtliche Verfahren nicht ab, sondern dieses blieb nach der Rückweisung weite
r
hin in der Schwebe. Es wäre daher nicht einleuchtend, wenn in einem solchen Fall ein Anspruch auf ungekürzte Vorlei
s
tungen bestünde, wogegen die Vorleistungen im Falle eines abweisenden Urteils, das beim Bundesgericht angefochten würde, zu kürzen wären.
2.3
2.3.1
Für die zweite Bezugsrahmenfrist ab dem 2. Juni 2016 ermittelte die Beschwerdegegnerin die Beitragszeit im Sinne von Art. 13 AVIG gemäss ihrer Berechnungsübersicht (Urk. 6/12/2) anhand des Arbeitsverhältnisses mit der ang
e
stammten Arbeitgeberin, in welchem der Beschwerdeführer während der Dauer der ersten Bezugsrahmenfrist, der massg
e
benden Rahmenfrist für die Beitragzeit nach Art. 9 Abs. 3 AVIG, ein Pensum von 50 % versehen hatte. Den versicherten Verdienst setzte sie sodann auf der Grundlage der Einkünfte fest, die der Beschwerdeführer in diesem Pensum erzielt hatte und die ihm in der ersten Bezugsrahmenfrist gestützt auf Art. 24 Abs. 1 AVIG als Zwischenverdienst anzurechnen gewesen waren, und gelangte auf diese Weise zu einem Betrag von Fr. 3‘093.-- (Urk. 6/12/1+3). Alsdann verglich sie, wie der Begründung im angefochtenen Einspracheentscheid und in der ihm zugrunde liegenden Verfügung vom 11. Juli 2016 zu entnehmen ist, das darauf bemessene Taggeld (Fr. 3‘093.-- x 80 % : 21,7) mit dem nach wie vor erzielten Einkommen aus der 50%-Tätigkeit bei der Bäckerei Y._ AG, das im Monat Juni 2016 und in den nachfolgenden Monaten den Taggelda
n
spruch überstieg. In Anwendung von Art. 24 Abs. 1 und Abs. 3 AVIG sowie Art. 41a Abs. 1 AVIV verneinte die B
e
schwerdegegnerin deshalb den Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung mangels zu entschädigenden Verdienstausfalls. Gleichzeitig berief sie sich darauf, dass es am Verdienstausfall im Sinne von Art. 11 Abs. 1 AVIG und damit am anrechenbaren Arbeitsausfall im Sinne dieser Bestimmung fehle (Urk. 2 S. 3 f., Urk. 6/14 S. 1 f., Urk. 16).
2.3.2
Der Verdienstausfall, der zum anrechenbaren A
r
beitsausfall nach Art. 11 Abs. 1 AVIG führt, und der Ve
r
dienstausfall nach Art. 24 Abs. 1 und Abs. 3 AVIG mit der Konkretisierung in Art. 41a Abs. 1 AVIV sind zwei voneina
n
der zu unterscheidende Grössen. Die Frage nach dem Ve
r
dienstausfall nach Art. 24 Abs. 1 und Abs. 3 AVIG stellt sich im Rahmen der Bemessung der Arbeitslosentschädigung innert einer laufenden Bezugsrahmenfrist; der Verdienstau
s
fall ergibt sich hier aus dem Verhältnis zwischen der Höhe des Taggeldes und der Höhe des erzielten (Zwischen-)Verdienstes. Demgegenüber handelt es sich beim Ve
r
dienstausfall nach Art. 11 Abs. 1 AVIG um eine der Vorau
s
setzungen, die nach Art. 8 Abs. 1 AVIG erfüllt sein müssen, damit eine Bezugsrahmenfrist überhaupt zu laufen beginnen kann.
Die Voraussetzung des Arbeits- und Verdienstausfalls nach Art. 11 Abs. 1 AVIG ist im Falle des Beschwerdeführers als erfüllt zu beurteilen. Zur Zeit des Erlasses des angefoc
h
tenen Einspracheentscheids vom 15. September 2016 waren die Abklärungen der IV-Stelle zum Rentenanspruch noch nicht a
b
geschlossen (vgl. Urk. 6/7), und der Schwebezustand nach Art. 15 Abs. 2 AVIG und Art. 15 Abs. 3 AVIV dauerte fol
g
lich noch an. Unter diesen Umständen ist für die Frage, ob im Hinblick auf die zweite Bezugsrahmenfrist ein Arbeits- und Verdienstausfall nach Art. 11 Abs. 1 AVIG vorliegt, weiterhin das Arbeitsverhältnis massgebend, in dem der B
e
schwerdeführer vor der Eröffnung der ersten Bezugsrahme
n
frist gestanden hatte. Die entsprechende Auffassung in der Beschwerdeschrift (Urk. 1 S. 5) ist zutreffend und wird durch die bundesgerichtliche Recht
sprechung gestützt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_403/2015 vom 21. Septem
ber 2015 E. 5.2).
2.3.3
Hingegen fehlt es für die Eröffnung einer zweiten B
e
zugsrahmenfrist entgegen dem Vorgehen der Beschwerdegegn
e
rin an der weiteren Anspruchsvoraussetzung der Erfüllung der Beitragszeit nach Art. 13 AVIG oder der Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit nach Art. 14 AVIG.
Bei Personen, die in der Rahmenfrist für die Beitragszeit eine Teilzeitbeschäftigung hatten, die sie in der sich da
r
an anschliessenden Bezugsrahmenfrist weiterführen, muss die Beitragszeit beziehungsweise der Befreiungsgrund nach der Rechtsprechung nämlich für denjenigen Teil der Zeit erfüllt sein, für den ein Arbeitsausfall besteht (BGE 121 V 336 E. 4). Der Beschwerdeführer kann somit die Beitragszeit (Art. 13 AVIG) für die zweite Bezugsrahmenfrist nicht mit dem Arbeitsverhältnis bei der Bäckerei Y._ AG erfüllen, das mit dem Pensum von 50 % bereits während der ersten B
e
zugsrahmenfrist bestanden hatte und nach deren Ablauf im gleichen Umfang fortgesetzt wurde. Er kann sich aber auch nicht auf einen Befreiungsgrund nach Art. 14 AVIG berufen. Ein Befreiungsgrund nach Art. 14 Abs. 2 AVIG liegt deshalb nicht vor, weil der Beschwerdeführer keine Person ist, d
e
ren Invalidenrente weggefallen oder reduziert worden ist, sondern er vielmehr eine Invalidenrente erst beansprucht und auf den entsprechenden Entscheid wartet. In Betracht fällt demgegenüber eine Befreiung gestützt auf Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG, also wegen Verhinderung an der Erfü
l
lung der Beitragszeit aus gesundheitlichen Gründen. Diesem Befreiungsgrund steht die Teilzeitstelle bei der Bäckerei Y._ AG nicht entgegen, da es auch beim Befreiungstatb
e
stand allein auf denjenigen Teil der Zeit ankommt, der vom Arbeitsausfall betroffen ist (vgl. Urteil des Bundesg
e
richts 8C_318/2011 vom 5. März 2012 E. 5.2).
Dennoch kann sich der Beschwerdeführer nicht mit Erfolg auf Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG berufen. Das Bundesgericht hat es in einem publizierten Entscheid nämlich abgelehnt, einer Person, die über den Beginn der zweiten zu eröffnenden B
e
zugsrahmenfrist hinaus eine ganze Invalidenrente bezogen hatte, den Befreiungsgrund nach Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG zuzugestehen. Zur Begründung wies das Bundesgericht insb
e
sondere auf die Vermittlungsfähigkeit hin, die bei Rente
n
bezügern in Frage stehe, und mutete dem Rentenbezüger daher zu, sich im Rahmen seiner verwertbaren Restarbeitsfähigkeit über eine rechtsgenügliche beitragspflichtige Beschäftigung in der Beitragsrahmenfrist auszuweisen (vgl. BGE 126 V 384 E. 2c/bb und cc). Diese Überlegungen müssen auch dort ge
l
ten, wo der Beansprucher einer zweiten Bezugsrahmenfrist kein Rentenbezüger ist, sondern wo erst ein Schwebezustand nach Art. 15 Abs. 2 AVIG und Art. 15 Abs. 3 AVIV herrscht. Denn im Schwebezustand wird hinsichtlich der Vermittlung
s
fähigkeit zugunsten der versicherten Person eine höhere verwertbare Restarbeitsfähigkeit angenommen, als dies g
e
genüber der Invalidenversicherung geltend gemacht wird. Der Befreiungsgrund nach Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG gründet hingegen im Fehlen einer verwertbaren Restarbeitsfähigkeit. Mit Blick auf die Befreiung von der Beitragszeit muss sich der Schwebezustand somit zuungunsten der versicherten Pe
r
son auswirken. Denn es entstünde ein unauflösbarer Wide
r
spruch, wenn sich die versicherte Person für die Eröffnung einer zweiten Bezugsrahmenfrist bei der Beitragszeit im Sinne der Argumentation des Beschwerdeführers in der Eing
a
be vom 29. November 2017 (Urk. 21 S. 6) auf das Fehlen e
i
ner verwertbaren Restarbeitsfähigkeit berufen könnte, bei der Vermittlungsfähigkeit hingegen - unter unveränderten Verhältnissen - die Vermutung des Vorhandenseins einer so
l
chen Restarbeitsfähigkeit in Anspruch nehmen könnte.
2.4
Damit hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf Arbeit
s
losentschädigung in einer zweiten Bezugsrahmenfrist ab dem 2. Juni 2016. Der angefochtene Einspracheentscheid ist de
m
nach zu bestätigen, und die Beschwerde ist abzuweisen.