Decision ID: 2c151404-528d-475b-a804-837e816380e9
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.B. ist Eigentümerin der Parzellen Nrn. 000 und 001, Grundbuch X. Nach dem
rechtskräftigen Zonenplan der Politischen Gemeinde X. liegen diese Grundstücke
ausserhalb der Bauzone (Landwirtschaftszone, Grünzone d), soweit sie nicht Wald
sind. Gegenüber dem Wohnhaus, Assek.-Nr. 02 f., auf Parzelle Nr. 001, einzig getrennt
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durch den Y.-weg (Gemeindeweg dritter Klasse), befindet sich auf der
gemeindeeigenen Parzelle Nr. 003 das Schützenhaus, Assek.-Nr. 004, der 300-m-
Schiessanlage Y. Die Anlage umfasst überdies einen Anbau, eine 4 m-Zwischenblende,
eine 10 m lange Lärmschutzwand und eine Tiefenblende auf Parzelle Nr. 001 sowie den
Scheibenstand auf Parzelle Nr. 005, welche ebenfalls im Eigentum der Politischen
Gemeinde X. steht. Im Schiessbetrieb durch den Militärschützenverein X. wurden die
Grundstücke Nrn. 000 und 001 gestützt auf eine bis 31. Dezember 2016 befristete
Dienstbarkeit auf einer Fläche im Halte von insgesamt rund 1‘400 m überschossen.
Auch bestand zugunsten der Grundstücke Nrn. 003 und 005 unter anderem ein
Mitbenutzungsrecht für den Parkplatz auf Parzelle Nr. 001 (act. 17/1/1.1, 1.3, 1.5,
www.geoportal.ch).
B. Ab 6. Juni 2014 bis 17. Juni 2016 führten Vertreter der Politischen Gemeinde X. und
des Militärschützenvereins X. mit A.B. erfolglos Gespräche über die Verlängerung der
am 31. Dezember 2016 auslaufenden Dienstbarkeit zu Gunsten der Parzellen Nrn. 003
und 005 und zulasten der Grundstücke Nrn. 000 und 001 (act. 17/1/10/1.1, 2-9,
10.12-10.14). Am 31. Dezember 2015 / 26. Februar 2016 verfasste die Q. AG im
Auftrag der Politischen Gemeinde X. ein Lärmgutachten zur Schiessanlage Y. Daraus
geht hervor (S. 2), dass der Immissionsgrenzwert von 65 dB(A) an der Westfassade des
Wohnhauses auf Parzelle Nr. 001 um 14 bis 16 dB(A) überschritten ist (act. 17/1/1.3).
C. Am 30. August 2016 beantragte die Politische Gemeinde X. bei der
Schätzungskommission für Enteignungen (SchäKo), zu Lasten der Grundstücke Nr. 000
und Nr. 001 und zu Gunsten der Parzellen Nr. 003 und Nr. 005 sei die bis 31.
Dezember 2016 befristete Dienstbarkeit „überschiessrecht, Bauverbot, Bepflanzungs-
und Bewirtschaftungsbeschränkung; Immissionsrecht betreffend Schiessbetrieb;
Parkplatz-Mitbenützungsrecht; überbaurecht für Anbau an Schützenhaus;
Durchleitungsrecht für elektrisches Kabel; überbaurecht für Schallschutzmassnahmen,
Baurecht für Tiefblenden“, Servitutenprotokoll Bd. E. Nr. 60, Bel. 27, Eintrag 02. April
1992, für unbestimmte Zeit zu enteignen und – unter Anpassung resp. Ergänzung der
jeweiligen Grunddienstbarkeitstexte – im Grundbuch der Gemeinde X. einzutragen.
Zudem sei sie vor dem 31. Dezember 2016 in den Besitz der erwähnten Dienstbarkeit
einzuweisen. Am 5. September 2016 zeigte die SchäKo A.B. das Enteignungsbegehren
persönlich an. Letztere erhob während der öffentlichen Auflage vom 19. September
2
http://www.geoportal.ch
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2016 bis 18. Oktober 2016 Einsprache. Am 18. Januar 2017 führte die SchäKo einen
Augenschein mit Einigungsverhandlung durch und wies das Gesuch der Politischen
Gemeinde X. um vorzeitige Besitzeinweisung ab (Entscheid versandt am
27. Januar 2017, act. 17/1/1, 2-10, 14, 20).
D. Am 27. Januar 2017 überwies die SchäKo die Sache an die Regierung zur Prüfung
der Zulässigkeit der Enteignung (act. 17/1). Mit Verfügung vom 9. März 2017 wies die
SchäKo ein Gesuch der Politischen Gemeinde X. vom 8. Februar 2017 um Erlass
vorsorglicher Massnahmen ab (act. 17/3). Eine gegen diese Verfügung erhobene
Beschwerde schrieb der Vizepräsident des Verwaltungsgerichts mit Entscheid
B 2017/60 vom 10. November 2017 zufolge Gegenstandslosigkeit ab (von Amtes
wegen beigezogen). Mit Entscheid vom 11. April 2017 (versandt am 12. April 2017)
wies die Regierung die Einsprache von A.B. ab und stellte fest, dass die Enteignung
betreffend die Dienstbarkeit zu Lasten der Grundstücke Nrn. 000 und 001 zulässig sei
(act. 2).
E. Gegen den Entscheid der Regierung (Vorinstanz) vom 11. April 2017 erhob A.B.
(Beschwerdeführerin) durch ihren Rechtsvertreter am 25. April 2017 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht (act. 1). Am 24. Mai 2017 ergänzte sie ihre Beschwerde mit einer
Begründung und dem Rechtsbegehren, es sei der angefochtene Entscheid unter
Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben. Eventualiter sei der angefochtene
Entscheid aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen (act. 11). Mit Vernehmlassung vom 26. Juni 2017 schloss die
Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde (act. 16). Mit Verfügung vom 11. Juli 2017
wies der Vizepräsident des Verwaltungsgerichts ein Gesuch der Politischen Gemeinde
X. (Beschwerdegegnerin) vom 4. Mai 2017 um Entzug der aufschiebenden Wirkung und
Erlass vorsorglicher Massnahmen ab (act. 6, 13, 18). Mit Stellungnahme vom
28. September 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin durch ihren Rechtsvertreter,
die Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolgen vollumfänglich abzuweisen
(act. 22).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeführerin ist als Adressatin des angefochtenen Entscheids und Eigentümerin
der Grundstücke Nrn. 000 und 001 zur Erhebung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64
in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde vom 25. April 2017 (act. 1)
wurde rechtzeitig eingereicht und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 24. Mai
2017 (act. 11) formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 sowie Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
Die Rechtsprechung erfolgt in Fünferbesetzung, weil die Regierung als Vorinstanz
entschieden hat und weil mit vorliegendem Entscheid von der bisherigen, ständigen
Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts abgewichen (Praxisänderung) wird (Art. 18
Abs. 3 Ingress und lit. b Ziff. 2 f. des Gerichtsgesetzes, GerG, sGS 941.1, vgl. E. 5
hiernach).
2. Streitig ist vorliegend die Errichtung einer Dienstbarkeit auf dem Enteignungsweg für
den Betrieb der Schiessanlage der Beschwerdegegnerin. Nach Art. 133 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Armee und die Militärverwaltung (Militärgesetz; SR 510.10,
MG) kann das VBS den Gemeinden für die Errichtung von Schiessanlagen das
Enteignungsrecht nach dem Bundesgesetz über die Enteignung (SR 711, EntG)
erteilen, sofern ihnen diese Möglichkeit nicht aufgrund des kantonalen Rechts zusteht
(vgl. hierzu auch Art. 7 Abs. 2 der Verordnung über die Schiessanlagen für das
Schiesswesen ausser Dienst, Schiessanlagen-Verordnung; SR 510.512, SchAV). Nicht
umstritten ist, dass die Beschwerdegegnerin bereits gestützt auf Art. 7 Abs. 1 des
kantonalen Enteignungsgesetzes (sGS 735.1, EntG SG) enteignungsberechtigt ist.
Damit durfte sie nach Art. 119 Abs. 1 EntG bestimmen, dass die Enteignung nach
kantonalem Recht durchzuführen ist (vgl. hierzu Hess/Weibel, Das Enteignungsrecht
des Bundes, Band I, Bern 1986, Art. 119 EntG Rz. 25 ff., und P. Hänni, Planungs-, Bau-
und besonderes Umweltrecht, 6. Aufl. 2016, S. 595). Somit gelangt vorliegend das
EntG SG zur Anwendung.
bis
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3. Von der Beschwerdeführerin wird zu Recht nicht in Zweifel gezogen, dass ein
Enteignungsgrund nach Art. 5 lit. a EntG SG vorliegt (vgl. zutreffende E. 2 Abs. 2 des
angefochtenen Entscheids, act. 2, S. 4): Die Beschwerdegegnerin ist von Bundesrechts
wegen verpflichtet, dafür zu sorgen, dass 300-m-Schiessanlagen, die für die
ausserdienstlichen militärischen Schiessübungen sowie die entsprechende Tätigkeit
der Schiessvereine benötigt werden, unentgeltlich zur Verfügung stehen (Art. 133 Abs.
1 Satz 1 MG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 SchAV). Das Schiesswesen ausser Dienst
ist eine öffentliche bzw. im öffentlichen Interesse stehende Aufgabe (vgl. BGE 109 Ib
130 E. 2d, BGE 114 Ia 114 E. 4b und J. Blanc, Das öffentliche Interesse als
Voraussetzung der Enteignung, Zürich 1967, S. 35 ff. sowie Hess/Weibel, a.a.O., Band
II, Militärorganisation Rz. 8 ff. und 19 ff.). überdies stellt die Beschwerdeführerin nicht
(mehr) in Abrede, dass die von der Beschwerdegegnerin beantragte Errichtung der
Dienstbarkeit „überschiessrecht, Bauverbot, Bepflanzungs- und
Bewirtschaftungsbeschränkung; Immissionsrecht betreffend Schiessbetrieb; Parkplatz-
Mitbenützungsrecht; überbaurecht für Anbau an Schützenhaus; Durchleitungsrecht für
elektrisches Kabel; überbaurecht für Schallschutzmassnahmen, Baurecht für
Tiefblenden“ zu Lasten der Grundstücke Nr. 000 und Nr. 001 und zu Gunsten der
Parzellen Nr. 003 und Nr. 005 Gegenstand des Enteignungsrechts sein kann (vgl. Art. 8
Abs. 1 lit. a f. EntG, Art. 7 Abs. 2 SchAV, Art. 679 in Verbindung mit Art. 684 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches; SR 210, ZGB, BGE 123 II 560 E. 3a f., BGE 107 Ib
387 E. 2a und BGE 106 Ib 241 E. 3 je mit Hinweisen, A. Gossweiler, Entschädigungen
für Lärm von öffentlichen Verkehrsanlagen, Zürich 2014, Rz. 364 und 368 ff., A.
Walpen, Bau und Betrieb von zivilen Flughäfen, Zürich 2005, S. 349 f., sowie VerwGE B
2017/17 vom 28. Juni 2018 E. 2.1, siehe hierzu auch BGer 1C_163/2017 Vom 18. Juli
2017 E. 2.1 mit Hinweisen).
4. Bei Vorliegen eines Enteignungsgrundes ist die Enteignung zulässig, wenn der
Zweck des Werks auf andere Weise nicht befriedigend oder nur mit
unverhältnismässigem Mehraufwand verwirklicht werden kann. Die Enteignung darf
nicht zu einem Nachteil führen, der in einem Missverhältnis zum verfolgten Zweck steht
(Art. 6 EntG). Durch diese Bestimmung wird der Grundsatz der Verhältnismässigkeit
eines Eingriffs in die Eigentumsgarantie (Art. 26 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft; SR 101, BV) konkretisiert. Die Prüfung der
Verhältnismässigkeit von Eingriffen in das Eigentumsrecht setzt eine umfassende
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Abwägung aller öffentlichen und privaten Interessen voraus (vgl. Art. 5 Abs. 2, Art. 36
Abs. 3 BV, VerwGE B 2009/48 vom 10. November 2009 E. 2 mit Hinweis auf GVP 1988
Nr. 15, www.gerichte.sg.ch, GVP 2008 Nr. 104, P. Hänni, a.a.O., S. 589 ff., und H.
Brunner, Voraussetzungen der Enteignung, in: Das neue st. gallische
Enteignungsgesetz, St. Gallen 1985, S. 9 ff., S. 19 ff., siehe hierzu auch Art. 1 Abs. 2
EntG und BGer 1C_385/2016 vom 17. November 2016 E. 5.1.2 mit Hinweisen sowie
BGE 124 II 219 E. 3b und BGE 115 Ib 311 E. 4b mit Hinweis). Insbesondere ist zu
prüfen, ob adäquate Alternativen zur vorgesehenen Enteignung bestehen (vgl. Art. 6
Abs. 1 EntG SG und Jäger/Bühler, Schweizerisches Umweltrecht, Bern 2016, Rz. 206,
siehe hierzu auch Art. 15 lit. a SchAV, welcher auch bei der Sanierung bestehender
Anlagen zu beachten ist, vgl. BGE 119 Ib 463 E. 6c mit Hinweisen).
4.1. Nicht umstritten ist, dass ein gewichtiges öffentliches Interesse an der
Sicherstellung des der Landesverteidigung dienenden Schiesswesens und
insbesondere an der Durchführung der Bundesschiessübungen besteht. Zudem
verlangt die Beschwerdeführerin nicht, die Enteignung zeitlich zu beschränken (vgl.
Art. 8 Abs. 3 EntG SG und Hess/Weibel, a.a.O., Band I, Art. 5 Rz. 32 ff.). Die
Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt (act. 11, S. 2-10 Ziff. III/1, 3-8), der
finanzielle Aufwand des Weiterbetriebs der bestehenden Schiessanlage sei einem
konkreten Einkauf in eine der vier umliegenden Anlagen (W. in K., S. in L. [M.], E. in O.
sowie Schützenhaus in P.) gegenüberzustellen. Die gebotene Prüfung habe die
Beschwerdegegnerin unterlassen bzw. nie ernsthaft in Betracht gezogen. Die „Offerte“
der Gemeinde K. vom 27. Juni 2016 habe sie erst eingeholt, als die für den
Weiterbetrieb der Schiessanlage notwendige Dienstbarkeit erloschen gewesen sei. Im
Jahr 2008 sei die Beschwerdegegnerin zusammen mit der Politischen Gemeinde K.
von Einkaufskosten von weniger als der Hälfte der Kostenzusammenstellung vom
27. Juni 2016 ausgegangen. Eine derartige Preisdifferenz innerhalb von nur acht Jahren
sei nicht nachvollziehbar. Die Zahlen im E-Mail vom 27. Juni 2016 könnten nicht den
tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Darüber hinaus sei die Annahme der
Vorinstanz, wonach sich ein Einkauf in die übrigen drei Anlagen in derselben
Grössenordnung wie in K. bewege, durch nichts belegt. Ferner könnten den Schützen
aus X. die vergleichsweise kurzen Wegstrecken nach K. oder M. zugemutet werden.
Durch eine Wiederaufnahme des Schiessbetriebs würde die Beschwerdeführerin
erheblichen Lärmimmissionen ausgesetzt und in ihrer Bewegungsfreiheit
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eingeschränkt. Während des Schiessbetriebs könne der Parkplatz vor ihrer
Liegenschaft nicht genutzt werden. Die Zufahrt zur Liegenschaft sei nur noch reduziert
gewährleistet. Im Übrigen müssten ihre Pferde mit viel Aufwand ruhig gestellt werden.
4.2. Was die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten erheblichen
Lärmimmissionen anbelangt, hat ihr die Beschwerdegegnerin zugesichert, die
bestehende 300-m-Schiessanlage Y. mit geringem Aufwand so zu sanieren, dass sie
die Lärmgrenzwerte gemäss LSV einhält (act. 22, S. 6 und 6 lit. C/zu 2./12 sowie zu
7./30 und 32). Aus dem Lärmgutachten der Q. AG vom 31. Dezember 2015 /
26. Februar 2016 geht hervor (act. 17/1.3, S. 3 ff.), dass der Schiessstand Y. mit dem
Einsatz von Schiesstunnels (Kosten: CHF 17‘000 bis CHF 20‘000) eventuell und mit
einer schallabsorbierenden Überdachung und einer Verlängerung der Zwischenblende
(Kosten: CHF 38‘000 bis 42‘000) definitiv saniert werden könnte, d.h. die
Lärmgrenzwerte einhalten könnte (vgl. hierzu BGE 141 II 483 E. 3.2 ff. mit Hinweisen
sowie VerwGE B 2012/279 vom 11. März 2014 E. 4.1, www.gerichte.sg.ch). Beide
Massnahmen setzen eine entsprechende Baubewilligung der Beschwerdegegnerin mit
Genehmigung des/der eidgenössischen Schiessanlagenexperten/-expertin oder des
zuständigen eidgenössischen Schiessoffiziers sowie die Zustimmung des Amtes für
Raumentwicklung und Geoinformation (AREG) voraus (vgl. Art. 14 SchAV und Art. 25
Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Raumplanung, Raumplanungsgesetz; SR 700,
RPG, Art. 112 des Planungs- und Baugesetzes, sGS 731.1, PBG, sowie Art. 9 der
Verordnung zum PBG, sGS 731.11, PBV). Eine solche Bewilligung ist nicht
aktenkundig. Von einer solchen Bewilligung ginge indes eine erhebliche präjudizielle
Wirkung für die vorliegend noch zu beurteilende Frage der Verhältnismässigkeit der
Enteignung aus. Falls die Anlage nicht saniert werden könnte, d.h. deren Weiterbetrieb
lärmrechtliche Erleichterungen (Art. 17 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz,
Umweltschutzgesetz; SR 814.01, USG, und Art. 14 der Lärmschutz-Verordnung; SR
814.41, LSV) voraussetzen würde, könnte dies das Ergebnis des vorliegenden
Enteignungsverfahrens in entscheidender Weise präjudizieren und vorwegnehmen.
Unabhängig davon, ob Art. 25a RPG auf die vorliegende Konstellation anwendbar
wäre, hätte deshalb das Baubewilligungsverfahren für die Lärmsanierung der Anlage
gleichzeitig mit dem vorliegenden Verfahren durchgeführt werden müssen (vgl. hierzu
E. Jeannerat, in: Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen [Hrsg.], Praxiskommentar RPG:
Nutzungsplanung, Zürich 2016, Art. 20 Rz. 57 f., allerdings in Bezug auf das
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Landumlegungsverfahren). Nur ein solches Vorgehen erlaubt eine umfassende
Abwägung aller öffentlichen und privaten Interessen. Insbesondere hat die
Beschwerdegegnerin in Bezug auf das beantragte Immissionsrecht betreffend
Schiessbetrieb alle zweckmässigen und ohne unverhältnismässige Kosten
realisierbaren technischen Vorkehren zur Lärmbekämpfung zu treffen, bevor sie als
ultima ratio zur Enteignung von Nachbarrechten schreitet (vgl. BGE 108 Ib 505 E. 3 mit
Hinweisen, siehe hierzu auch Art. 7 Abs. 3 EntG und zum Verhältnis von öffentlich-
rechtlichen und zivilrechtlichem Lärmimmissionsschutz BGer 5D_56/2017 vom
30. November 2017 E. 3.1.5, BGer 5A_47/2016 vom 26. September 2016 E. 5.2 und
BGE 138 II 49 E. 4.4.3 f., in: Pra 101/2012 Nr. 75, sowie T. Göksu, in: Breitschmid/
Jungo [Hrsg.], Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Sachenrecht, 3. Aufl. 2016,
Art. 679 Rz. 5a und Art. 684 Rz. 14). Demzufolge ist die Beschwerde bereits aus
diesem Grund (im Eventualantrag) gutzuheissen, der angefochtene Entscheid
aufzuheben und die Sache zur korrekten Verfahrensabwicklung und neuem Entscheid
an die Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP). Die
Vorinstanz hat die Beschwerdegegnerin anzuweisen, das Baubewilligungsverfahren für
die Lärmsanierung der Schiessanlage Y. in die Wege zu leiten. Bis zum Abschluss
dieses Verfahrens hat sie das enteignungsrechtliche Einspracheverfahren zu sistieren.
4.3. Lediglich der Vollständigkeit halber ist aus prozessökonomischen Gründen auf
weitere Einwände der Beschwerdeführerin einzugehen:
Nach Art. 125 Abs. 2 Satz 2 MG achten die Kantone auf umweltverträgliche
Schiessanlagen und fördern Gemeinschafts- oder Regionalanlagen. Damit rationeller
gebaut und das vorhandene Gelände besser ausgenützt werden kann, ist der
Zusammenschluss mehrerer Gemeinden zur Errichtung einer
Gemeinschaftsschiessanlage anzustreben. Bei bestehenden Schiessanlagen sind
Gemeinschaftsnutzungen anzustreben (Art. 3 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 SchAV). Eine
absolute Pflicht, sich einer Gemeinschaftsanlage anzuschliessen, besteht indes nicht.
Insbesondere darf das Anliegen, Gemeinschaftsanlagen zu fördern, nicht dazu führen,
dass eine unerwünschte Lärmbelastung einfach von einem zum andern Ort verschoben
wird (vgl. BGer 1A.187/2004 vom 21. April 2005 E. 3.4, in: URP 2005, S. 758, und BGer
1A.183/2001 vom 18. September 2002 E. 6.7.5 je mit Hinweisen, VerwGE B 2012/279
vom 11. März 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf VerwGE B 2003/195; 2003/196 vom
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23. April 2004 E. 3b mit Hinweisen, allerdings in Bezug auf Art. 17 USG und
Art. 14 LSV, a.a.O.).
Der Betreiber der Schiessanlage W. in K., der Zweckverband gemeinsame
Schiessanlage W., wäre offenbar bereit, die Schützen aus X. aufzunehmen (act.
17/1/18). Die Schiessanlage W. liegt rund 1‘200 m (Luftlinie) von der Schiessanlage Y.
entfernt (www.geoportal.ch). Bei einem Anfahrtsweg von X. zur Schiessanlage in K. von
rund 3‘500 m (act. 11, S. 9 Ziff. III/8, unbestritten) kann – entgegen der Darstellung der
Beschwerdegegnerin (act. 22, S. 4 f. lit. C/zu 2./7/2 und zu 2./11) – nicht von einem
„weiten Weg“ für die in der Gemeinde ansässigen Schiesspflichtigen gesprochen
werden. Überdies ist trotz der entsprechenden Einwände der Beschwerdegegnerin
(act. 22, S. 4-6 und 10 f. lit. C/zu 2./7/3, zu 2./9 und 12, zu 8./33 ff.) nicht ersichtlich,
dass ihr wegen der für die Verlegung des Schiessbetriebs nach K. anstehenden
Vertragsverhandlungen und organisatorischen Vorkehren ein erheblicher Aufwand
entstünde. Die Kosten eines Einkaufs in die Gemeinschaftsanlage W. würden sich nach
den Berechnungen der Vorinstanz (act. 2, S. 5 E. 3b) gestützt auf die Erfahrungswerte
des Gemeindepräsidenten von K. (act. 12/3) abzüglich der Lärmsanierungskosten der
Anlage in X. auf rund CHF 200‘000 belaufen. Soweit die Beschwerdeführerin diese
Kosten mit Hinweis auf die im Rahmen der gescheiterten Fusion von K. und X. im Jahr
2008 in Aussicht gestellten Kosten von bloss CHF 100‘000 (act. 12/2) in Frage stellt,
bleibt festzuhalten, dass die Politische Gemeinde K. bereits Mitglied des
Zweckverbands gemeinsame Schiessanlage W. ist (www. ... .ch) und bei der
Berechnung dieser Kosten darauf abgestellt wurde, dass die Anlage in X. während 20
Jahren, d.h. bis 2028, weiter betrieben wird. Wie es sich diesbezüglich letztlich verhält,
kann indessen offen bleiben, da es die Beschwerdegegnerin unterlassen hat, die
Kapazitäten für die Aufnahme auswärtiger Schützen bspw. in L. (vgl. hierzu act. 14/2),
O. und P. abzuklären. Dass es sich dabei von vornherein um keine echte Alternativen
handelt, wird von ihr nicht behauptet und auch nicht weiter dargetan. Somit wäre sie
verpflichtet gewesen, auch diese drei Standorte zumindest im Rahmen einer
summarischen Prüfung zu berücksichtigen, zumal entgegen der Einschätzung der
Vorinstanz in Erwägung 3b des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 5) nicht ohne
Weiteres davon ausgegangen werden kann, dass sich die Kosten für einen Einkauf in
diese Schiessanlagen in derselben Grössenordnung wie in K. bewegen würden. Die
Behauptung der Beschwerdeführerin, die Anlage in K. sei bedeutend grösser und der
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Einkauf deshalb teurer als in den übrigen Anlagen, wird jedenfalls weder von der
Beschwerdegegnerin noch der Vorinstanz widerlegt. Im Weiteren ist nicht erstellt, wie
es sich neben den Sanierungs-/Umbaukosten – inklusive einer allfälligen
Enteignungsentschädigung und den Betriebskosten – der Anlage in X. einerseits resp.
den Einkaufskosten mit den jeweiligen Betriebskosten der in Frage stehenden
Gemeinschaftsanlagen anderseits verhält. Sodann ist unklar, wie sich die
Mitgliederzahlen des Militärschützenvereins X. in den letzten Jahren entwickelt haben.
Weil die bis 31. Dezember 2016 befristete Dienstbarkeit „überschiessrecht, Bauverbot,
Bepflanzungs- und Bewirtschaftungsbeschränkung; Immissionsrecht betreffend
Schiessbetrieb; Parkplatz-Mitbenützungsrecht; überbaurecht für Anbau an
Schützenhaus; Durchleitungsrecht für elektrisches Kabel; überbaurecht für
Schallschutzmassnahmen, Baurecht für Tiefblenden“ ausgelaufen ist, ist im Übrigen im
Rahmen der von der Vorinstanz vorzunehmenden umfassenden Interessenabwägung
gemäss der Beschwerdeführerin (act. 11, S. 9 Ziff. III/7) auf den derzeitigen Zustand
(mangels Dienstbarkeit) ohne Schiessbetrieb im Vergleich zum künftigen
(lärmschutzrechtlich betrachtet) „neuen“ Schiessbetrieb abzustellen.
5. In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Im Fall einer Rückweisung an
die Vorinstanz zu erneutem Entscheid bei noch offenem Ausgang ist das
Verwaltungsgericht bei der Kostenverlegung gemäss bisheriger Praxis (vgl. VerwGE B
2017/84 vom 14. Dezember 2017 E. 4, VerwGE B 2016/221 vom 28. September 2017
E. 3, VerwGE B 2013/254 vom 28. Juli 2015 E. 6 und VerwGE B 2014/61 vom
16. September 2014 E. 5, www.gerichte.sg.ch, siehe hierzu auch Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 764, und R. Hirt,
Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/
St. Gallen 2004, S. 98 f.) von einem teilweisen Obsiegen ausgegangen. Diese Praxis
lässt sich mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. BGer 5A_845/2016
vom 2. März 2018 E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 141 V 281 E. 11.1,
sowie BGE 137 V 210 E. 7.1 mit Hinweisen) nicht mehr halten. Danach gilt die
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz (mit noch offenem Ausgang) für die Frage
der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als
vollständiges Obsiegen, unabhängig davon, ob sie beantragt oder ob das
entsprechende Begehren im Haupt- oder im Eventualantrag gestellt wird. Im
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kantonalen Verfahren ist es bei analoger Ausgangslage regelmässig willkürlich, nicht
vom gänzlichen Obsiegen auszugehen. Besondere Umstände (etwa nachträgliche
Rechtsänderungen oder die Einreichung von echten Noven) bleiben vorbehalten (vgl.
BGer 1C_621/2014 vom 31. März 2015 E. 3.3, BGer 2C_846/2013 vom 28. April 2014
E. 3.2, BGer 1C_697/2013 vom 13. Januar 2014 E. 3.4 und BGer 2C_60/2011 vom 12.
Mai 2011 E. 2 je mit Hinweisen).
In Abänderung der bisherigen Praxis des Verwaltungsgerichts gehen die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens somit vollumfänglich zulasten der
Beschwerdegegnerin (Art. 95 Abs. 1 VRP). Unter Berücksichtigung der Kosten der
Zwischenverfügung vom 11. Juli 2017 (act. 18) erscheint eine Entscheidgebühr von
CHF 2‘500 angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12,
GKV). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der Beschwerdeführerin
ist der geleistete Kostenvorschuss von CHF 2‘000 zurückzuerstatten. Die amtlichen
Kosten des Einspracheverfahrens von CHF 1‘000 verbleiben in Bestätigung von
Dispositiv-Ziffer 3 des angefochtenen Entscheids bei der Beschwerdegegnerin.
Entsprechend der Verlegung der amtlichen Kosten hat die Beschwerdegegnerin die
Beschwerdeführerin ausseramtlich zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 VRP in Verbindung
mit Art. 98 VRP und Art. 48 EntG SG). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
hat keine Kostennote eingereicht, weshalb die Entschädigung nach Ermessen
festzulegen ist (vgl. Art. 30 Ingress und lit. b Ziff. 1 sowie Art. 31 Abs. 1 und 2 des
Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG, Art. 6 und 19 der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75, HonO). Eine Entschädigung von
insgesamt CHF 4‘000 für das Einsprache- und Beschwerdeverfahren zuzüglich vier
Prozent Barauslagen (CHF 160) und Mehrwertsteuer ist angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit.
a und b, Art. 28 und Art. 29 HonO). Da der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
die anwaltlichen Leistungen im Wesentlichen vor dem 1. Januar 2018 erbracht hat, ist
die ausseramtliche Entschädigung mit dem Mehrwertsteuersatz von 8 % abzurechnen
(vgl. Ziff. 2.1 der MWST-Info 19 zur Steuersatzänderung per 1. Januar 2018,
www.estv.admin.ch). Nachdem die Beschwerdegegnerin mit ihren Anträge nicht
mehrheitlich durchgedrungen ist, hat sie weder im Beschwerde- noch im
Einspracheverfahren Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung. Ungeachtet dessen,
steht ihr grundsätzlich kein Kostenersatz zu (vgl. R. Hirt, a.a.O., S. 176 f.).
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© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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