Decision ID: 718490ce-f430-5065-9ec7-3ddac4708a8c
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Niedermann, GN Rechtsanwälte,
St. Leonhard-Strasse 20, Postfach 728, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 26. September 2005 zum Bezug von IV-Leistungen an (act.
G 7.2). Der behandelnde Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, diagnostizierte im
Bericht vom 10. Oktober 2005 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Epilepsie
mit komplex-fokalen, sekundär generalisierten Anfällen (aktuell immer noch fehlende
Anfallsfreiheit), eine valvuläre Herzkrankheit nach rheumatischem Fieber sowie einen
Verdacht auf Angststörung und Depression gemischt (act. G 7.11-3 ff.). Ausgehend von
einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten verfügte die IV-
Stelle am 21. April 2006 die Abweisung des Rentengesuchs (act. G 7.27). Dagegen
erhob der Versicherte am 23. Mai 2006 Einsprache (act. G 7.31; zur ergänzenden
Begründung vom 10. Juli 2006 siehe act. G 7.43), in deren Folge die IV-Stelle am
21. September 2006 die angefochtene Verfügung widerrief und weitere Abklärungen in
Aussicht stellte (act. G 7.51).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte im ZMB Zentrum für Medizinische
Begutachtung vom 29. Oktober bis 2. November 2007 polydisziplinär (allgemein-
internistisch, neurologisch und psychiatrisch) untersucht. Die Experten diagnostizierten
im Gutachten vom 8. Januar 2008 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine valvuläre
Herzkrankheit nach rheumatischem Fieber (mit Status nach Aortamitralklappenersatz
1996, Status nach Mitralklappenersatz Reoperation 1998 und Status nach
Mitralklappenstenose mit Lungenödem 2003), eine Epilepsie mit tonisch-klonischen
Anfällen, fraglich partiellen Anfällen mit sekundärer Generalisation, Erstmanifestation
2001, polymorphe paroxysmale Störungen (DD partielle epileptische Anfälle und/oder
psychogene Anfälle) und eine leichte kognitive Störung bei Verdacht auf ischämische
cerebrale Parenchymläsion rechts subcortical. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
bestünden eine Angststörung, ein Nikotinabusus und Cannabiskonsum. In der zuletzt
ausgeführten Tätigkeit als Hilfsarbeiter in einer Sägerei sei der Versicherte nicht mehr
einsetzbar. Für eine leidensangepasste Tätigkeit verfüge er über eine vollständige
Arbeitsfähigkeit (act. G 7.70).
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A.c Mit Vorbescheid vom 22. Februar 2008 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
gestützt auf die im ZMB-Gutachten bescheinigte 100%ige Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten in Aussicht, das Rentengesuch abzuweisen (act.
G 7.74). Dagegen erhob der Versicherte am 8. April 2008 Einwand und reichte einen
Bericht des behandelnden Dr. med. C._, Eidg. Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 15. März 2008 ein, worin ihm für leidensangepasste Tätigkeiten
eine 70 bis 80%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt wurde (act. G 7.77). Am 30. Juli 2008
erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für eine berufliche Abklärung im Werk- und
Technologiezentrum D._ vom 4. August bis "31. November" 2008 (act. G 7.96). Da
sich der Versicherte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage gefühlt
habe, am Abklärungsprogramm teilzunehmen, wurde dieses am 18. September 2008
abgebrochen (act. G 7.106). Im Verlaufsbericht vom 5. Januar 2009 gab Dr. C._ an,
der Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit 4. Februar 2008
verschlechtert. Der Versicherte leide an einer generalisierten Angststörung (ICD-10:
F41.1) sowie an einer Panikstörung (ICD-10: F41.0). Es bestehe für sämtliche
Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 7.110).
A.d Am 2. und 3. November 2009 fand in der MEDAS Ostschweiz eine polydisziplinäre
Begutachtung des Versicherten statt. Die Experten diagnostizierten mit Einschränkung
der zumutbaren Arbeitsfähigkeit eine Epilepsie mit sekundär generalisierten Anfällen
und komplexfokalen Anfällen sowie Verdacht auf psychogene Anfälle, eine valvuläre
Herzkrankheit nach rheumatischem Fieber, eine Angstneurose mit Panikattacken, ein
ständiger schädlicher Cannabisgebrauch, eine Persönlichkeitsstörung mit abhängigen
und zyklothymen Zügen sowie eine Krankheitsverarbeitungsstörung bei Herzkrankheit
und epiletoformer Störung. Aufgrund der Epilepsie bestehe für die bisherige Tätigkeit in
der Sägerei eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die MEDAS-Gutachter empfahlen eine
stationäre psychiatrische Hospitalisation zum THC-Entzug, um den Einfluss des THC-
Konsums besser objektivieren zu können. Ausserdem werde dadurch eine bessere
Beurteilung und Einordnung der Angststörung möglich. Ohne diese Massnahme sei
eine klare Aussage zur langfristigen Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen
nicht möglich. Vorderhand sei aus psychiatrischer Sicht ab September 2008 von einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (act. G 7.138). RAD-Arzt Dr. med. E._,
Facharzt für Arbeitsmedizin und Physikalische Medizin, empfahl in der Stellungnahme
vom 16. Februar 2010, der Versicherte solle über ein halbes Jahr seine
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Suchtmittelfreiheit belegen. Dann sei er einer erneuten gutachterlichen Evaluation
zuzuführen bzw. ihm sei anschliessend eine berufliche Eingliederungshilfe zu gewähren
(act. G 7.139). Am 14. Juli 2010 hielt RAD-Arzt Dr. E._ fest, der Versicherte habe für
die Monate März bis Juni 2010 nachweisen können, dass er zu einer Abstinenz fähig
sei. Er empfehle eine erneute Begutachtung in der MEDAS Ostschweiz, falls der
Versicherte nach wie vor von seiner vollständigen Invalidität überzeugt sei (act
G 7.152).
A.e Am 22. und 23. November 2010 fand in der MEDAS Ostschweiz eine Verlaufs
begutachtung statt. Im Verlaufsgutachten vom 23. Dezember 2010 führte der
psychiatrische Experte aus, der noch relativ junge Versicherte sei zwar offensichtlich,
belegt für 4 Monate, von seiner massiven Cannabisgewöhnung heruntergekommen,
konsumiere aber immer noch, zumindest sporadisch. Nun seien entgegen den
Erwartungen sowohl die Angstsymptomatik wie auch die paranoiden Wahrnehmungen
zurück gegangen. Irrtümlich sei im Vorgutachten in den Vordergrund gerückt worden,
dass der Cannabiskonsum einem Selbstheilungsversuch entsprochen habe,
ausgehend von der gesuchten auflockernden Wirkung des Cannabiskonsums. Es sei
aber auch bekannt, dass eine partielle Unvorhersehbarkeit bestehe bei der THC-
Wirkung. Statt Euphorie könnten durchaus auch Angst und Panik entstehen sowie
psychotische Symptome mit Verfolgungsideen. Dies scheine retrospektiv hier der Fall
gewesen zu sein, denn dem Versicherten gehe es heute eindeutig besser. Eine
depressive Symptomatik habe aufgrund des psychosomatischen Zustandsbilds nicht
bestätigt werden können, so dass eine Arbeitsunfähigkeit in leidensangepasster
Tätigkeit "von höchstens 40%" infolge eines verminderten Rendements bestehen
dürfte. Ein grosser Anteil der darüber hinaus gehenden emotionalen Beeinträchtigung
dürfte wegen Schwierigkeiten mit der kulturellen Eingewöhnung, mit den Finanzen und
mit den familiären Beziehungen bestehen. Eine Eingliederung in eine adaptierte
Tätigkeit sei nicht nur zumutbar, sondern entwicklungsfördernd. Aus narzisstischen
Gründen dürfte die Motivation des Versicherten schlecht sein (act. G 7.166). RAD-Arzt
Dr. E._ schloss sich dieser gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung an
(Stellungnahme vom 20. Januar 2011, act. G 7.167). Da sich der Versicherte nicht
arbeitsfähig fühle, wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche Massnahmen in der
Verfügung vom 3. Oktober 2011 ab (act. G 7.184).
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A.f Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (act. G 7.190) sprach die IV-Stelle
dem Versicherten mit Verfügungen vom 20. September 2012 ab 1. April 2008 eine
Viertelsrente zu (act. G 1.2).
B.
B.a Gegen die Verfügungen vom 20. September 2012 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 25. Oktober 2012. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge insofern deren Aufhebung, als ein über eine
Viertelsrente hinausgehender Rentenanspruch verneint werde. Es sei ihm eine ganze
Rente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung und
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung bringt er vor, das
MEDAS-Verlaufsgutachten sei inzwischen veraltet. Zudem sei die darin erfolgte
Beurteilung nicht nachvollziehbar. Gestützt auf die Einschätzung des behandelnden
Dr. C._ sei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (act. G 1; vgl. auch
die Beschwerdeergänzung vom 25. Januar 2013, act. G 3). Mit der Beschwerde reicht
er u.a. einen Bericht von Dr. C._ vom 9. Oktober 2012 ein (act. G 1.4).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 18. März 2013
die Abweisung der Beschwerde. Sie vertritt den Standpunkt, dass die gutachterlich
bescheinigte 40%ige Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
beweiskräftig sei (act. G 7).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 19. März 2013 wird dem Gesuch des Beschwerde
führers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den
Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen (act. G 8).
B.d In der Replik vom 3. Mai 2013 hält der Beschwerdeführer unverändert an seiner
Beschwerde fest (act. G 10) und reicht einen Bericht von Dr. C._ vom 24. April 2013
(act. G 10.1) ein.
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 12).
B.f Am 21. Oktober 2013 reicht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine
Honorarnote ein (act. G 14).
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B.g Mit Schreiben vom 12. Juni 2014 stellte die Verfahrensleitung dem
Beschwerdeführer in Aussicht, die angefochtenen Verfügungen aufzuheben und die
Sache zur weiteren medizinischen Abklärung und anschliessender Neuverfügung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (act. G 15). Der Rechtsvertreter teilt am
30. Juni 2014 mit, der Beschwerdeführer wolle an der Beschwerde festhalten, und
reicht eine aktualisierte Honorarnote ein (act. G 18).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Höhe des
Rentenanspruchs.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1 und 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtenen Verfügungen sind
am 20. September 2012 ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist (Anmeldung
vom 26. September 2005, act. G 7.2), der vor dem Inkrafttreten der revidierten
Bestimmungen der 5. IV-Revision begonnen hat. Daher ist entsprechend den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
damals geltenden Bestimmungen und ab 1. Januar 2008 auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.). Nachfolgend
werden die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG
wiedergegeben, soweit nicht ausdrücklich auf die altrechtlichen Bestimmungen
verwiesen wird.
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1.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
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Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
1.5 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
Zunächst ist zu prüfen, ob die medizinische Situation eine verlässliche Grundlage für
die Beurteilung des Rentenanspruchs bildet. Die Beschwerdegegnerin stützte sich in
den angefochtenen Verfügungen auf das Verlaufsgutachten der MEDAS Ostschweiz
vom 23. Dezember 2010 (act. G 7.195). Der Beschwerdeführer hält die gutachterliche
Beurteilung für nicht beweiskräftig (act. G 1).
2.1 Gemäss Verlaufsgutachten der MEDAS ist die Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten einzig aus psychiatrischer Sicht eingeschränkt (act.
G 7.166-16). Es sei von einer "bis zu" 40%igen Leistungsminderung (act. G 7.166-16
und -26) bzw. von einer Arbeitsunfähigkeit von "höchstens" 40% (act. G 7.166-25)
auszugehen. Der psychiatrische Gutachter hat damit lediglich eine Höchstgrenze der
Arbeitsunfähigkeit bzw. implizit eine Spanne zwischen 60 bis 100%iger Arbeitsfähigkeit
beschrieben, und es bleibt unklar, welche Restleistungsfähigkeit er innerhalb dieser
Spanne für überwiegend wahrscheinlich hält. Gegen die Einschätzung des MEDAS-
Psychiaters fällt weiter ins Gewicht, dass er die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung primär
gestützt auf die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers ("aufgrund der
anamnestischen Angaben", act. G 7.166-26; "den Angaben des Exploranden zufolge
muss von einer bis zu 40%igen Leistungsminderung bei zumutbarer voller zeitlicher
Präsenz ausgegangen werden", act. G 7.166-16) und nicht auf objektiver Grundlage
vornahm. Angesichts dessen, dass der psychiatrische Experte festhielt, "klinisch kann
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keine Verminderung der Arbeitsunfähigkeit in einer somatisch adaptierten Tätigkeit
objektiviert werden" und "das psychopathologische Zustandsbild mit erhaltenen
kognitiven und sozialen Funktionen ist nicht grob auffällig" (act. G 7.166-26), ist die
Bescheinigung einer Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten nicht
nachvollziehbar begründet. Hinzu kommt, dass die Angaben des Beschwerdeführers
vom psychiatrischen Experten "mit Skepsis" aufgenommen wurden (act. G 7.166-26;
vgl. zur damit einhergehenden Bemerkung, dass ein grosser Teil "seiner Klagen
übertrieben" sein dürften act. G 7.166-25) und eine narzisstische sowie motivationale
Problematik besteht (act. G 7.166-26). Das MEDAS-Verlaufsgutachten stellt damit
keine taugliche Grundlage für die Beurteilung des Rentenanspruchs dar, zumal es die
in den Vorakten enthaltenen abweichenden psychiatrischen Beurteilungen von
Dr. C._ und des ZMB nicht diskutiert.
2.2 Was das Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 2. Februar 2010 anbelangt, so
ist festzustellen, dass es keine überzeugende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung enthält.
Darin wurde "vorderhand" eine volle Arbeitsunfähigkeit ab September 2008 bescheinigt
(act. G 7.138-26), mithin lediglich eine vorläufige Einschätzung abgegeben. Die
MEDAS-Gutachter haben indessen in ihrem Verlaufsgutachten selbst dargelegt, dass
die ursprüngliche Beurteilung unzutreffend gewesen sei (act. G 7.166-15).
Entscheidend ist ferner, dass es nicht nachvollziehbar erscheint, wenn das Gutachten
einerseits festhält, es "kann momentan keine klare Aussage getroffen werden, da der
Versicherte durch THC-Konsum intoxikiert ist" bzw. dass ohne THC-Entzug "eine klare
Aussage zur langfristigen Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen nicht
möglich" sei, andererseits vorbehaltlos für die Zeit ab September 2008 "bis dahin" von
einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen Gründen ausgeht (act.
G 7.138-25). Angesichts der beschriebenen, erheblich unsicheren Faktenlage leuchtet
es nicht ein, dass die Gutachter die Frage nach der Restarbeitsfähigkeit für die Zeit ab
September 2008 bis zum durchgeführten THC-Entzug beantworteten (100%ige
Arbeitsunfähigkeit, act. G 7.138-26), anstatt sie - entsprechend der festgestellten
erheblichen Unsicherheit - offen zu lassen.
2.3 Der Beschwerdeführer verweist zur geltend gemachten vollständigen Arbeitsun
fähigkeit auf die Einschätzungen des behandelnden Dr. C._ (act. G 1).
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2.3.1 Den Beurteilungen von Dr. C._ (Berichte vom 13. Januar 2012, act. G 1.5,
vom 9. Oktober 2012, act. G 1.4, und vom 24. April 2013, act. G 10.1) kann nicht
entnommen werden, ob sie hinsichtlich der Fragen nach der Leistungsfähigkeit auf
einer objektiven Grundlage oder primär auf den Angaben des Beschwerdeführers
beruhen. Ferner nimmt er weder eine Einordnung des Cannabiskonsums und dessen
Einflüsse auf die Leistungsfähigkeit vor, noch setzt er sich mit allenfalls
krankheitsfremden Aspekten - wie sie im MEDAS-Gutachten beschrieben wurden
(Motivationsproblematik, act. G 7.166-26) - auseinander.
2.3.2 Gegen die Einschätzung von Dr. C._ spricht weiter, dass er darin auch
(fachfremd) auf "gravierende somatische Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit" (act. G 1.4, S. 2) verweist, die indessen sowohl nach der Einschätzung
der MEDAS (act. G 7.166-16) wie auch des ZMB (act. G 7.70-27) gerade zu keiner
(quantitativen) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
führen.
2.4 Demgegenüber besteht kein Anlass, an der Beweiskraft des ZMB-Gutachtens
vom 8. Januar 2008 (act. G 7.70) zu zweifeln, da es sämtliche
rechtsprechungsgemässen Anforderungen (vgl. vorstehende E. 1.4) erfüllt. Darin wurde
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigt. Diese
Sichtweise wird dadurch bestätigt, dass der Beschwerdeführer im Schreiben vom
8. April 2008 keine objektiven Gesichtspunkte gegen das ZMB-Gutachten ins Feld
führte, sondern einzig auf die davon abweichende Einschätzung von Dr. C._ vom
15. März 2008 hinwies, der (damals noch) von einer 70 bis 80%igen Arbeitsfähigkeit
ausging (act. G 7.77). Bei der Beurteilung des behandelnden Dr. C._ handelt es sich
lediglich um eine andere Einschätzung des gleichen Sachverhalts. Kritik am ZMB-
Gutachten wird darin nicht erhoben, vielmehr verweist er hinsichtlich der Diagnosen auf
die Feststellungen der ZMB-Experten (act. G 7.77-6). Schliesslich ist zu bemerken,
dass Dr. C._ den Beschwerdeführer erst nach dem ZMB-Gutachten seit 4. Februar
2008 behandelt (act. G 7.77-3) und der RAD das Gutachten für beweiskräftig hielt (act.
G 7.71). Allerdings kann aufgrund der allfälligen, von Dr. C._ im Bericht vom
5. Januar 2009 geltend gemachten Verschlechterung des Gesundheitszustands (act.
G 7.110) und der im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügungen rund 5 Jahre
zurückliegenden ZMB-Einschätzung der Rentenanspruch ohne weitere medizinische
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Abklärungen nicht abschliessend beurteilt werden. Die Sache ist daher an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie beim bereits mit dem Fall vertrauten
ZMB eine Begutachtung betreffend den seit der letzten ZMB-Begutachtung
eingetretenen Gesundheits- und Arbeitsfähigkeitsverlauf einhole.
2.5 Der Beauftragung des ZMB mit einer Verlaufsbegutachtung - wie sie bereits vor
der Mandatierung der MEDAS Ostschweiz vorgesehen war (act. G 7.115 und G 7.119),
indessen aufgrund der Intervention des behandelnden Psychiaters sowie einer
unfallbedingten BWK-Fraktur (Sturz beim Joggen im Juni 2009) storniert wurde (vgl.
RAD-Stellungnahme vom 2. September 2009, act. G 7.128) - steht nicht entgegen,
dass Dr. C._ im Schreiben vom 24. August 2009 die nicht näher begründete
Auffassung vertrat, der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage, nach Basel zu einer
Abklärung zu fahren (act. G 7.127). Zum einen ergeben sich aus dem Schreiben von
Dr. C._ keine Gründe, weshalb der Beschwerdeführer - allenfalls mit Unterstützung
einer Begleitperson - aus psychischen Gründen nicht in der Lage sein könnte, (erneut)
den mit einer ZMB-Begutachtung verbundenen Reiseweg zu bestehen. Gleiches gilt
bezüglich der übrigen Aktenlage. Entscheidend ist weiter, dass der Beschwerdeführer
im Verlaufsgutachten der MEDAS angab, seit dem Cannabisentzug keine Angst mehr
bekommen zu haben. Er gehe nun auch eher hinaus (act. G 7.166-22). Schliesslich
besteht auch kein Anlass zur Annahme, der Beschwerdeführer leide noch an
Unfallfolgen, die der Reise nach Basel entgegenstehen. Da der behandelnde Psychiater
selbst regelmässig als Gutachter für die MEDAS Ostschweiz tätig ist (vgl. act.
G 7.133-4), erscheint ein Verlaufsgutachten durch das ZMB auch aus Gründen der
Unabhängigkeit und Neutralität sinnvoll.
3.
3.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde sind die angefochtenen Verfügungen
vom 20. September 2012 aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung im Sinn
der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- bis
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erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
3.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers macht in der Honorarnote vom 30. Juni 2014 einen Aufwand
im Gesamtbetrag von Fr. 3'538.10 (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
geltend (act. G 18). Dieses Honorar enthält indessen auch vor Verfügungserlass
angefallene Aufwendungen (vgl. Aufwände betreffend den Zeitraum vom 9. Mai bis
21. August 2012) sowie einen Aufwand für das an die Beschwerdegegnerin gerichtete
Wiedererwägungsgesuch (vgl. Honorarposition vom 25. Oktober 2012:
"Wiedererwägungsgesuch an SVA"), die nicht im Beschwerdeverfahren zu
entschädigen sind. Deshalb kann dem geltend gemachten Honorar nicht entsprochen
werden. Dem Aufwand und der Schwierigkeit angemessen erscheint eine
Entschädigung von pauschal Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Die Festsetzung einer Entschädigung aus unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung erübrigt sich.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP