Decision ID: 81d540d6-8c76-4f60-9d1e-9fa1b2c5a583
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 26.08.2009 Art. 6 UVG: Unfallkausalität im Nachgang zu einer bei einem Verkehrsunfall (Frontalkollision) erlittenen HWS-Distorsion. Ungenügende Abklärung des medizinischen Sachverhalts. Rückweisung zu weiteren medizinischen Abklärungen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. August 2009, UV 2008/133).
Vizepräsident Joachim Huber, Versicherungsrichterinnen Christiane Gallati Schneider
und Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Marcel Kuhn
Entscheid vom 26. August 2009
in Sachen
V._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Kupferschmid, Weinbergstrasse 20,
8023 Zürich,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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vertreten durch Fürsprecherin Dr. iur. Marianne Sonder, Rossimattstrasse 17,
3074 Muri b. Bern,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1964 geborene V._ war bei der A._ als Mitarbeiterin im Service Center und
bei der B._ in je einem 50% Arbeitspensum tätig und dadurch bei der Suva gegen
die Folgen von Unfällen versichert (Suva-act. 1 und 4). Am 12. November 2006 wurde
sie als Lenkerin eines Personenwagens in eine Frontalkollision verwickelt. Die
Versicherte fuhr auf der Autobahnausfahrt Uster Ost von Zürich herkommend und
bremste ihren Wagen infolge des auf Rot stehenden Lichtsignals ab, als eine weitere
Verkehrsteilnehmerin auf die Autobahn auffahren wollte, bei der Einmündung aber die
Beherrschung über ihr Fahrzeug verlor, zwei Schutzinseln überfuhr und anschliessend
frontal mit der Versicherten kollidierte (Suva-act. 1, 27 und 36). Bei der
Erstuntersuchung am Unfalltag im Kreisspital Wetzikon wurden eine HWS-Distorsion
und eine Sternumkontusion diagnostiziert. Als Befunde wurden u.a.
Muskelverspannungen im gesamten Hals- und Schulterbereich erhoben. Der
Röntgenbefund ergab eine regelrechte ossäre Struktur (Suva-act. 7). Vom 19. Februar
bis 17. März 2007 erfolgte ein stationärer Aufenthalt im Rehabilitationszentrum der
Klinik Valens. Im Austrittsbericht vom 22. März 2007 (Suva-act. 34) wurde u.a. die
Diagnose einer HWS-Distorsion mit/bei zervikozephalem myofaszialem Syndrom mit
okzipito-frontalen Zephalgien, zerviko-brachio-thorakalem myofaszialem Syndrom,
subjektiv Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen und schneller Ermüdbarkeit sowie
Sorge, Anspannung und persistierenden Schlafstörungen erhoben. Eine psychiatrische
Austrittsdiagnose wurde nicht gestellt (Suva-act. 44). Am 13. September 2007 erfolgte
eine kreisärztliche Untersuchung. Dr. med. C._, Facharzt FMH für Physikalische
Medizin und Rehabilitation, stellte persistierende Schmerzen dorsal sowie eine
gegenwärtig rückläufige Zervikalgie und Zephalgie nach HWS-Distorsion und
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vermutlicher Thoraxkontusion fest. Die Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
seien vollständig zurückgegangen. Hauptlokalisation der fortbestehenden
Beschwerden bilde die obere BWS (Suva-act. 57). Das in der Folge veranlasste MRI
vom 19. September 2007 ergab keinen pathologischen Befund der BWS (Suva-act.
61).
A.b Mit Verfügung vom 10. September 2008 (Suva-act. 108) eröffnete die Suva der
Versicherten, dass die Versicherungsleistungen per 31. Oktober 2008 eingestellt
würden. Aufgrund fehlender adäquater Unfallfolgen bestehe auch kein Anspruch auf
weitere Geldleistungen in Form einer Invalidenrente und/oder einer
Integritätsentschädigung. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (Suva-act.
113) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 31. Oktober 2008 (Suva-act. 117) ab.
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Werner
Kupferschmid, Zürich, im Namen der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 30.
November 2008 (act. G 1) mit den Anträgen, die Verfügung vom 10. September 2008
und der Einspracheentscheid vom 31. Oktober 2008 seien aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin die gesetzlich
geschuldeten Leistungen (Heilungskosten, Taggeld, Rente, IE) zu bezahlen; unter
Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wird im
Wesentlichen ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin ein Schleudertrauma der
Halswirbelsäule oder eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung erlitten habe
und die zum typischen Beschwerdebild gehörenden Beeinträchtigungen vorhanden
seien. Dr. D._, Fachärztin Neurologie FMH und Psychiatrie/Psychotherapie FMH,
beschreibe im Bericht vom 27. Oktober 2008 als objektiven Befund eine
Reizsymptomatik im Sulcus ulnaris. Die Beschwerdegegnerin bestreite zwar den
natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Unfallereignis
nicht, entledige sich aber unter Zuhilfenahme des Adäquanzfilters gleichwohl ihrer
Leistungspflicht. Der Unfall sei in der oberen Hälfte des mittleren Bereichs anzusiedeln,
weshalb für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs die Erfüllung eines
einzigen Kriteriums genügen könne. Es seien sicher drei, wenn nicht gar vier, der
Kriterien - teilweise sogar in ausgeprägter Form (fortgesetzte belastende medizinische
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Behandlung und erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen) -
erfüllt, weshalb die Adäquanz der Beschwerden zu dem Unfall bejaht werden müsse.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 19. Februar 2009 (act. G 5) beantragt
Rechtsanwältin Dr. Marianne Sonder, Muri, im Namen der Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Die Ulnarisreizung stelle kein organisches Substrat im
Sinn einer beim Unfall gesetzten, nachweisbaren strukturellen Veränderung dar. Somit
stehe lediglich die Frage des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen den
geklagten Beschwerden und dem Unfall zur Diskussion. Es sei zu prüfen, ob die
Adäquanzbeurteilung nicht gemäss BGE 115 V 133 ff. zu erfolgen habe. Allerdings
führe selbst eine Beurteilung nach BGE 117 V 359 nicht zu einer Bejahung der
Adäquanz. Das Unfallereignis sei bei den mittelschweren Unfällen einzuordnen,
allerdings nicht im Grenzbereich zu den schweren Unfällen. Die Kriterien zur Bejahung
des adäquaten Kausalzusammenhangs seien nicht in gehäufter Zahl und
massgebender Intensität vorhanden.
B.c Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Replik
verzichtet (act. G 7).
B.d Mit Begleitschreiben vom 22. Juli 2009 legte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin den Bericht einer interdisziplinären RAD-Untersuchung vom 27.
April 2009 ins Recht (act. G 9.1). Der rheumatologische Gutachter halte im Bericht vom
26. Juni 2009 klar objektivierbare Befunde fest.

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin die
Versicherungsleistungen für das Unfallereignis vom 12. November 2006 zu Recht per
31. Oktober 2008 eingestellt hat.
2.
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2.1 Gemäss ständiger Praxis des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; seit
1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) kann ein nach einem
versicherten Unfall aufgetretenes Leiden nur dann als dessen Folge betrachtet werden,
wenn und soweit es sicher oder doch zumindest überwiegend wahrscheinlich von
jenem Unfall herrührt (natürliche Kausalität; BGE 115 V 133 und 399 sowie 117 V 359
und 369). Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung
eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 119 V 338 und 118 V 289). Der Unfallversicherer
haftet sodann nur für jene Folgen, die mit dem Unfall adäquat-kausal
zusammenhängen, wobei für die Adäquanz nicht die subjektive, sondern die objektive
Voraussehbarkeit des eingetretenen Erfolgs entscheidend ist (SVR 2000 UV Nr. 14
S. 45). Adäquat ist der Kausalzusammenhang dann, wenn ein Ereignis geeignet ist, den
eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass an andere Ursachen vernünftigerweise nicht
zu denken ist (BGE 117 V 359 und 112 V 30). Während es Aufgabe des Arztes oder der
Ärztin ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht,
die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (BGE 123 III
110 E. 3a). Nicht jeder natürliche Kausalzusammenhang ist zugleich in rechtlicher
Hinsicht adäquat. Der adäquate Kausalzusammenhang ist ein Korrektiv zum
naturwissenschaftlichen Ursachenbegriff, der vom Recht als natürliche Kausalität
übernommen wurde, aber der Einschränkung bedarf, um für die rechtliche
Verantwortlichkeit tragbar zu sein und eine vernünftige Begrenzung der Haftung zu
ermöglichen (BGE 122 V 415 E. 2c und 123 III 110 E. 3a).
2.2 Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von
nachweisbaren strukturellen Veränderungen (organisches Substrat konnte mit Bild
gebenden Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG]
nachgewiesen werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus
dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu
bejahen (BGE 127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/
bb mit Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar,
bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung
der adäquaten Kausalität, können doch gerade klinische Befunde erfahrungsgemäss
auch psychisch ausgelöst werden. In diesen Fällen ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist: Es ist
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zunächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma
erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140
E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen, dass eine versicherte
Person eine Schleudertraumaverletzung erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum
typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen
zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE
115 V 140 E. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze
massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a), andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz
gemäss den in BGE 117 V 366 E. 6a und 382 E. 4b festgelegten und in BGE 134 V 109
präzisierten Kriterien (vgl. BGE 127 V 103 E. 5b/bb).
3.
Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass die von der Beschwerdeführerin über
den 31. Oktober 2008 hinaus geklagten Beschwerden nicht mit klar ausgewiesenen
organischen Befunden im Sinn nachweisbarer struktureller Veränderungen erklärbar
sind. Eine am Unfalltag durchgeführte röntgenologische Untersuchung ergab eine
regelrechte ossäre Struktur. Die ursprünglich festgestellte Sternumkontusion wird in
späteren Diagnoseerhebungen nicht mehr erwähnt. Diesbezüglich wäre ohnehin der
Argumentationsweise der Beschwerdegegnerin zu folgen, wonach eine einfache
Kontusion mehrere Monate nach dem Unfallereignis im Normalfall als geheilt zu
betrachten sei. Bei einem MRI der HWS vom 4. Januar 2007 wurde eine geringgradige
- unfallfremde - Diskusprotrusion HWK 4 bis 7 ohne Wurzelkompression festgestellt.
Ansonsten sei von einer altersentsprechend unauffälligen Darstellung der HWS
auszugehen (Suva-act. 50). Bei einer MR-Untersuchung am 19. September 2007 war
im Bereich der BWS kein pathologischer Befund fassbar. Die sensible Nervus
Ulnarisreizung stellt keinen organischen Befund im Sinn einer nachweisbaren
strukturellen Veränderung dar. Wie aus der Beurteilung durch Dr. D._ vom 27.
Oktober 2008 hervorgeht, ergab die elektroneurografische Untersuchung nämlich einen
Normalbefund. Die im RAD-Bericht vom 26. Juni 2009 festgehaltenen muskulären
Veränderungen (Verkürzungen und Triggerpunkte) im Schulterbereich stellen ebenfalls
keine objektivierbaren Befunde im Sinn einer nachweisbaren strukturellen Veränderung
dar. Klinisch erhobene Druckdolenzen, Muskelhartspann sowie
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Bewegungseinschränkungen im Bereich der HWS stellen praxisgemäss kein klar
fassbares organisches Substrat dar (vgl. Urteil des EVG vom 3. August 2005 [U 9/05] i/
S M., E. 4 und vom 23. November 2004 [U 109/04] i/S B., E. 2.2).
4.
4.1 Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass bei
Schleuderverletzungen sowie bei äquivalenten Distorsionen der HWS (vgl. dazu RKUV
1999 Nr. 341 S. 408 E. 3b), d.h. bei sogenannten Beschleunigungsverletzungen der
HWS, auch ohne nachweisbare pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre
nach dem Unfall funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten können. Der
Umstand, dass die für ein Schleudertrauma oder eine Distorsion der HWS typischen
Beschwerden nicht mit entsprechenden Untersuchungsmethoden (Röntgen,
Computertomogramm, EEG) objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die
diesbezüglichen Beschwerden in Abrede zu stellen (BGE 117 V 359 E. 5d/aa). Aufgrund
der Aktenlage und mit Blick auf den Unfallmechanismus vom 12. November 2006 hat
die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen eine HWS-Distorsion erlitten.
4.2 Ist ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung der HWS diagnostiziert
und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von
Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und
Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen, Reizbarkeit,
Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits-
und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 359 E. 4b; vgl. auch
BGE 117 B 369 E. 3e). Nach der aktuellen Rechtsprechung der
Sozialversicherungsrechtlichen Abteilungen des Bundesgerichts (Urteile vom 30.
Januar 2007 [U 215/05] i/S T. und vom 15. März 2007 [U 258/06] i/S G.) muss bei einer
HWS-Verletzung das typische Beschwerdebild (mit einer Häufung von Beschwerden)
nicht in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden
nach dem Unfall auftreten. Vielmehr genügt es, wenn sich in diesem Zeitraum
Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS manifestieren (RKUV 2000 Nr. 359 S.
29 E. 5e). Die andern im Rahmen eines Schleudertraumas oder einer HWS-Distorsion
typischerweise auftretenden Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in einem
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Zeitraum manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen
Kausalzusammenhangs auszugehen.
4.3 Zwischen den Parteien ist unbestritten geblieben, dass die zum typischen
Beschwerdebild nach einem erlittenen Schleudertrauma gehörenden
Beeinträchtigungen innerhalb der erforderlichen Latenzzeit vorlagen. Den
medizinischen Akten ist denn auch ein typisches buntes Beschwerdebild zu
entnehmen, das als natürlich-kausale Unfallfolge eines Schleudertraumas zu
betrachten ist (vgl. Suva-act. 5, 6, 7, 18, 26, 34 und 57). Entsprechend hat die
Beschwerdegegnerin den diesbezüglichen Anspruch auf die gesetzlichen
Versicherungsleistungen bis zum 31. Oktober 2008 auch anerkannt.
5.
5.1 Zu prüfen gilt es somit, ob die von der Beschwerdeführerin nach dem
Einstellungsdatum vom 31. Oktober 2008 weiterhin geklagten Beschwerden in einem
natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 12. November 2006 stehen
oder ob die Beschwerdegegnerin die Leistungen zu Recht eingestellt hat.
Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass die Leistungspflicht des Unfallversicherers
erst entfällt, wenn das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten
Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein
üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Da es
sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als
bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang
gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV
2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen).
5.2 Dr. C._ stellte bei einer kreisärztlichen Untersuchung vom 13. September 2007
fest, dass die Palpation der HWS allenfalls eine sehr diskrete Druckempfindlichkeit
paravertebral ergebe und die occipitalen Muskelansätze unauffällig seien. Es bestehe
kein axialer Stauchschmerz der HWS. Im Bereich der BWS bestehe von Th1-Th4 eine
deutliche Druckdolenz über den Dornfortsätzen sowie rechts paravertebral
Muskelverspannungen zirka Th3-Th7, mit Schmerzmaximum Th6 rechts. Seitneigungen
der Rumpfwirbelsäule würden diesen paravertebralen Schmerz verstärken,
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Rotationsbewegungen würden die Beschwerden allenfalls leicht auslösen. Es würden
kein Thoraxkompressionsschmerz, keine Aufrichteinsuffizienz und keine
neurologischen Defizite im Bereich der oberen Extremitäten bestehen. Die obere BWS
bilde somit die Hauptlokalisation der fortbestehenden Beschwerden. Die Zephalgien
und die Zervikalgie würden sich unter der Akupunktur- und Osteopathiebehandlung
deutlich rückläufig zeigen. Die anfänglich bestehenden Gedächtnis- und
Konzentrationsstörungen seien bereits vollständig zurückgegangen. Eine von Dr. C._
veranlasste MRI-Untersuchung ergab keinen pathologischen Befund im Bereich der
BWS (Suva-act. 61). In einer Stellungnahme vom 18. Januar 2008 führte Dr. C._ aus,
dass die diskreten Diskusprotrusionen im Bereich der HWS nicht unfallbedingt seien.
Die MRI-Untersuchung der HWS und BWS vom 19. September 2007 zeige eine
harmonische Krümmung und Lordose der HWS, eine Kyphose der BWS, eine normale
Abbildung der Wirbelbogen und keinen engen Wirbelkanal. Lediglich die Bodenplatte
Th11 zeige im Sinn eines ablaufenden Morbus Scheuermann eine wellige Konturierung.
Im Bereich der BWS sei kein einziger auffälliger pathologischer Befund erhoben
worden, der als nachweisbare strukturelle Veränderung gewertet werden könnte. Als
eher gering ausgeprägte Zeichen einer klinischen Fassbarkeit sei die Druckdolenz über
den Dornfortsätzen Th1 bis Th4 und die leicht verspannte paravertebrale Muskulatur im
Bereich der oberen BWS zu werten (Suva-act. 80). Dr. med. E._, Spezialarzt FMH für
Orthopädische Chirurgie, teilte im Bericht vom 10. März 2008 mit, dass die
Beschwerdeführerin durch die heftigen Schmerzen in der BWS sowie in der HWS und
die daraus resultierenden Kopfschmerzen bzw. Migräne gestört sei (Suva-act. 89). Dr.
med. F._, Facharzt für Innere Medizin FMH, Akupunktur-TCM ASA, behandelte die
Beschwerdeführerin seit 3. Juli 2007. Im Bericht vom 21. November 2007 hielt er fest,
dass durch die Akupunktur und Phytotherapie eine deutliche Besserung der
chronischen Kopfschmerzen erreicht worden sei. Bezüglich der persistierenden,
punktuell von der mittleren BWS ausstrahlenden Schmerzen mit
Bewegungseinschränkung habe nur eine mässige Besserung erreicht werden können
(Suva-act. 90). Im ärztlichen Zwischenbericht vom 11. Juni 2008 bestätigte Dr. F._
chronische BWS-Schmerzen und rezidivierende Zephalgien (Suva-act. 98). Im Bericht
vom 11. August 2008 stellte er unter Therapie einen relativ stabilen Zustand fest. Die
Beschwerdeführerin sei 50% arbeitsfähig, im Alltag allerdings durch die
belastungsabhängigen Schmerzen deutlich eingeschränkt (Suva-act. 104).
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5.3 Aufgrund der medizinischen Aktenlage ist ersichtlich, dass die
Beschwerdeführerin auch im Zeitpunkt der Leistungseinstellung weiterhin über
Schmerzen klagte. Im Vordergrund stehen hauptsächlich die Schmerzen im Bereich
der BWS und Zephalgien. In der Verfügung vom 10. September 2008 führte die
Beschwerdegegnerin aus, dass aufgrund der Abklärungen die heute noch geklagten
Beschwerden organisch nicht hinreichend nachweisbar seien. Es sei daher die
Adäquanz zu prüfen. Nach Prüfung der massgebenden Kriterien sei die Adäquanz zu
verneinen, weshalb die Versicherungsleistungen per 31. Oktober 2008 eingestellt
würden. Im Einspracheentscheid vom 31. Oktober 2008 hat die Beschwerdegegnerin
die Frage nach dem natürlichen Kausalzusammenhang offen gelassen, respektive sich
nicht mit der Problematik auseinander gesetzt. Nach der kreisärztlichen Untersuchung
vom 13. September 2007, bei welcher die obere BWS als das Hauptproblem lokalisiert
wurde, veranlasste die Beschwerdegegnerin keine weiteren Abklärungen. In der
Stellungnahme vom 18. Januar 2008 hielt der Kreisarzt lediglich fest, dass im Bereich
der BWS die bildgebenden Verfahren keinen pathologischen Befund ergeben hätten. In
der Folge wurden nur noch ärztliche Zwischenberichte beim behandelnden Arzt Dr.
F._ eingeholt. Die vom Kreisarzt Dr. C._ festgestellten Beschwerden im Bereich der
oberen BWS stellen grundsätzlich keine typischen Beschwerden im Nachgang zu
einem erlittenen Schleudertrauma fest. Solche typischen Beschwerden sind den Akten
ab dem Zeitpunkt der kreisärztlichen Untersuchung kaum mehr zu entnehmen.
Trotzdem hat die Beschwerdegegnerin noch über ein Jahr nach der Untersuchung
Leistungen erbracht. Wenn sie nun geltend machen will, die jetzigen Beschwerden
seien nicht mehr auf das Unfallereignis zurückzuführen, so kann sie die
Leistungseinstellung nicht auf die gleichen medizinischen Berichte abstützen, aufgrund
derer sie zuvor noch Leistungen ausgerichtet hat. Insgesamt ist der gesamten
medizinischen Aktenlage kein Bericht zu entnehmen, welcher sich zur Unfallkausalität
der noch geklagten Beschwerden äussert. Bloss aus dem Umstand, dass keine
organischen Unfallfolgen vorliegen würden, kann bei einer HWS-Distorsion nicht auf
eine Leistungseinstellung geschlossen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
16. März 2007 U 457/06 E. 5). Entscheidend ist, dass die BWS-Beschwerden bereits
im Zeitpunkt der kreisärztlichen Untersuchung vom 13. September 2007 festgestellt,
daraufhin weiter Versicherungsleistungen erbracht wurden und diese Beschwerden
auch über den Einstellungszeitpunkt hinaus persistieren. Dies bestätigt das von der IV-
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Stelle eingeholte interdisziplinäre Gutachten vom 26. Juni 2009, welchem weiterhin ein
myofasziales Schmerzsyndrom im Bereich des Schultergürtels rechts sowie
Kopfschmerzen zu entnehmen sind. Im Weiteren wurde im Gutachten festgehalten,
dass durch muskuläre Veränderungen im Bereich der Schulter eine gewisse
Einschränkung der statischen und dynamischen Belastbarkeit ausgewiesen sei. Für
eine adaptierte Bürotätigkeit wurde eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Das
Gutachten vom 26. Juni 2009 belegt, dass die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt
im Zeitpunkt der Leistungseinstellung nicht hinreichend abgeklärt hat. Die Einholung
eines polydisziplinären Gutachtens mit Einschätzung der Unfallkausalität wäre
notwendig gewesen. Ohne ein solches Gutachten lässt sich auch die
Adäquanzbeurteilung nicht abschliessend vornehmen. Damit erweist sich der
Sachverhalt als ungenügend abgeklärt, um eine Einstellung der
Versicherungsleistungen zu verfügen.
6.
6.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 31. Oktober 2008 teilweise gutzuheissen
und die Streitsache zu ergänzender medizinischer Abklärung im Sinn der Erwägungen
und anschliessend neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei
hingegen Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Als volles Obsiegen gilt auch die
Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen (BGE 127
V 234 E. 2b/bb). Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache, der
Schwierigkeit des Prozesses und der eingereichten Rechtsschriften rechtfertigt es sich,
die Parteientschädigung auf pauschal Fr. 3'000.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG