Decision ID: 75292cfa-8997-41b8-97f1-73734736b32c
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 22.10.2012 Art. 31 Abs. 1 lit b AVIG, Art. 32 Abs. 1 AVIG, Art. 33 Abs. 1 AVIG; 033- 2011/34: Kurzarbeitsentschädigung. Der Arbeitsausfall ist gemäss der seit Oktober 2011 gültigen Weisung des seco anrechenbar, wenn er auf die Stärke des Frankens gegenüber dem Euro bzw. Dollar zurückzuführen ist. Denn die Frankenstärke stellt aufgrund ihrer Tragweite und Dauer eine derart ausserordentliche Situation dar, dass die Schwankungen der Devisenkurse nicht mehr zum normalen Betriebsrisiko gehören. Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung bejaht, da der Arbeitsausfall hauptsächlich auf die Frankenstärke zurückzuführen ist (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. Oktober 2012, AVI 2012/9)Aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 8C_986/2012.Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterin Marie Löhrer, a.o. Versicherungsrichter Christian Zingg; a.o. Gerichtsschreiberin Karin KastEntscheid vom 22. Oktober 2012in SachenA._ AG,Beschwerdeführerin,vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Linda Keller, Waisenhausstrasse 17, Postfach, 9001 St. Gallen,gegenAmt für Wirtschaft und Arbeit, Rechtsdienst, Davidstrasse 35, 9001 St. Gallen,Beschwerdegegner,betreffendKurzarbeitsentschädigung (betriebsüblicher Arbeitsausfall)Sachverhalt:
A.
A.a Die A._ AG bezweckt gemäss Handelsregistereintrag die Herstellung von und
den Handel auf eigene oder fremde Rechnung mit Textilien und verwandten Artikeln
(act. G 3.1/A35).
A.b Die A._ AG hatte zwischen dem 18. Januar 2008 und Mitte 2010 praktisch
ununterbrochen die Voranmeldung für die Durchführung von Kurzarbeit beim Amt für
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Arbeit des Kantons St. Gallen (nachfolgend: Amt für Arbeit; nunmehr Amt für Wirtschaft
und Arbeit) eingereicht (act. G 3.1/A1, A5, A8 - A11, A13, A15, A19, A22, A26) und bis
im Juni 2010 praktisch ununterbrochen Kurzarbeitsentschädigung bezogen (vgl.
act. G 3.1/ B1 Beilage 16 zu Revisionsverfügung, B2, B6, B8, B10, B12, B18 - B20).
Bezüglich der Voranmeldung von Kurzarbeit vom 15. Juni 2010 für die voraussichtliche
Dauer vom 1. Juli 2010 bis 30. September 2010 (act. G 3.1/A26) verfügte das Amt für
Arbeit am 5. August 2010 nach Gewährung des rechtlichen Gehörs, dass gegen die
Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung Einspruch erhoben werde. Zur Begründung
wird festgehalten, dass nicht mehr von einem vorübergehenden Arbeitsausfall
ausgegangen werden könne. Die durchschnittlichen, monatlichen Kurzarbeitsbezüge
hätten im Jahr 2008 Fr. 38'953.--, im Jahr 2009 Fr. 34'347.-- und im Jahr 2010 (Januar
bis Juni) Fr. 31'140.-- betragen. Aufgrund dieser Tatsache sei davon auszugehen, dass
der Arbeitsausfall regelmässig zu Tage trete. Arbeitsausfälle könnten jeden Arbeitgeber
– egal welchem Branchenzweig er angehöre – treffen und dieser sei dann verpflichtet,
mit geeigneten Massnahmen alles daran zu setzen, einen drohenden Arbeitsausfall zu
vermeiden und der Schadenminderungspflicht nachzukommen. Offensichtlich würden
monatliche, regelmässige und zeitlich gesehen lang andauernde Arbeitsausfälle
eintreten, sodass – selbst beim grössten Verständnis auch für länger dauernde,
wirtschaftlich schlechte Situationen – anzunehmen sei, dass es sich um betriebsübliche
Arbeitsunterbrechungen handle, die von der Arbeitslosenversicherung nicht
übernommen werden dürften (act. G 3.1/A29). Die dagegen erhobene Einsprache vom
31. August 2010 (act. G 3.1/A30) wurde zurückgezogen, weshalb das Amt für Arbeit
das Verfahren wegen Gegenstandslosigkeit abschrieb (act. G 3.1/ A32).
A.c Am 15. September 2011 reichte die A._ AG beim Amt für Arbeit die
Voranmeldung für die Durchführung von Kurzarbeit von Oktober 2011 bis Dezember
2011 für die im Gesamtbetrieb von Kurzarbeit betroffenen acht Personen im Umfang
von 50% ein. Zur Begründung gab die A._ AG an, sie verzeichne seit Mitte August
2011 einen plötzlichen Auftragsrückgang, der auch auf den starken Franken
zurückzuführen sei. Nicht nur ihre Schweizer Exporteure, sondern auch die
ausländische Kundschaft klagten über Auftragsrückgänge. Nach Rücksprache mit ihrer
Kundschaft könne sie zwischen Ende Dezember 2011 und Anfang 2012 auf grössere
Aufträge hoffen (act. G 3.1/A35).
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A.d Das Amt für Arbeit verfügte am 19. September 2011, dass gegen die Auszahlung
von Kurzarbeitsentschädigung Einspruch erhoben werde, da es sich um
betriebsübliche und wiederkehrende Betriebsunterbrechungen handle, für deren
Folgen die Arbeitslosenversicherung nicht einzustehen habe (act. G 3.1/ A36).
B.
B.a Dagegen erhob Rechtsanwältin lic. iur. Linda Keller, St. Gallen, am 18. Oktober
2011 für die A._ AG Einsprache, die sie mit Schreiben vom 14. November 2011
begründete. Sie beantragte die Verfügung des Amtes für Arbeit sei aufzuheben und
dem Gesuch auf Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung sei stattzugeben, alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Beschwerdeführerin sei auf die derzeitige
Anzahl Mitarbeiter angewiesen, da sie für die Weiterführung des Betriebes
unumgänglich seien. Zudem sei der Begriff des wirtschaftlichen Grundes im Einklang
mit der Rechtsprechung weit auszulegen und umfasse sowohl konjunkturelle als auch
strukturelle Gründe, welche einen Nachfrage- bzw. Umsatzrückgang zur Folge hätten.
Anderen Unternehmen in der Textilbranche seien bei gleicher Ausgangslage wie bei der
Beschwerdeführerin Kurzarbeitsleistungen zugesprochen worden. Das seco habe eine
neue Weisung erlassen, welches die Frankenstärke als Begründung für eine
Kurzarbeitsentschädigung ausdrücklich akzeptiere. Bereits am 15. September 2011
habe die Einsprecherin den starken Schweizer Franken als Hauptursache für den
plötzlichen Umsatzeinbruch moniert. An dieser Situation habe sich im Wesentlichen bis
heute nichts geändert. In der Verfügung werde zwar richtig ausgeführt, dass mit den
laufenden Personalbestandsanpassungen ein Mehrumsatz bei gleichzeitiger
Gewinnmargenreduktion habe erzielt werden können, doch sei übersehen worden,
dass seit August 2011 ein plötzlicher Umsatzrückgang eingetreten sei, der sich im
September und Oktober 2011 weiter fortgesetzt habe. Ursache dafür dürfte in erster
Linie der Schweizer Franken sein. Vorliegend handle es sich klarerweise nicht um
Arbeitsausfälle, die jeden Arbeitgeber treffen könnten und die zum normalen
Betriebsrisiko gehörten, sondern um Arbeitsausfälle besonderer Art. Die Kurzarbeit
müsse denn auch einzig und alleine aus konjunkturellen Gründen eingeführt werden
(act. G 3.1/A42, A47).
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B.b Das Amt für Arbeit wies die Einsprache mit Entscheid vom 8. Dezember 2011 ab
(act. G 1.1). Schwankungen in der Auftragslage im Jahresverlauf seien im Bereich der
Textilverarbeitung durchaus üblich und der entsprechende Arbeitsausfall im Sinne von
Art. 33 Abs. 1 lit. b AVIG sei nicht anrechenbar. In der Textilbranche würden
kantonsübergreifend Schwierigkeiten bestehen und die Kurzarbeitssituation bei der
Beschwerdeführerin sei während den vergangenen Jahren zu einem immer
wiederkehrenden Faktor und Teil des normalen Geschäftsgangs bei der
Beschwerdeführerin geworden. Die geltend gemachte, von Währungsverlusten
geprägte, tendenziell rezessive Wirtschaftslage und die damit verbundene
Unmöglichkeit, Auftragsschwankungen ganz oder auch nur teilweise auszugleichen,
genüge nicht, um die Anrechenbarkeit des Arbeitsausfalls zu bejahen. Vielmehr
müssten unter dem Gesichtspunkt der fehlenden Betriebsüblichkeit und des fehlenden
normalen Betriebsrisikos besondere Umstände hinzutreten, die vorliegend nicht
ersichtlich seien. Ein Umsatzeinbruch zum Vorjahr sei nicht erkennbar. Im Gegenteil sei
bereits zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung im Herbst 2011 der Vorjahresumsatz
nahezu erreicht gewesen. Trotz zunehmendem Druck der Konkurrenz hege die
Beschwerdeführerin berechtigte Hoffnung auf eine bessere Auslastung Ende Dezember
2011 und Januar 2012. Mit anderen Worten sei zu erwarten, dass der Umsatz im Jahr
2011 denjenigen von 2010 nicht nur erreiche, sondern übersteige. Neben dem
fehlenden Umsatzrückgang – als Voraussetzung für den Bezug von
Kurzarbeitsleistungen – würden auch die ausserordentlichen Umstände fehlen, die
einen Bezug von Kurzarbeitsleistungen rechtfertigen könnten. Auch das Argument des
starken Schweizerfrankens, der zu einer Gewinnmargenreduktion geführt haben solle,
vermöge nicht zu überzeugen. Schwankungen der Devisenkurse würden grundsätzlich
zu den normalen Risiken der Unternehmen gehören. Führe nun der starke Franken trotz
angepasster Massnahmen zu Auftragseinbrüchen, könne ein Anspruch auf Kurzarbeit
geltend gemacht werden. Aus den Angaben der Embrex embroideries, der Exporteurin
der Beschwerdeführerin, könne in diesem Zusammenhang nichts zu ihren Gunsten
abgeleitet werden. Insoweit der Gleichbehandlungsgrundsatz geltend gemacht werde,
fehle es an einer Substantiierung des Vorbringens (act. G 1.1).
B.c Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 30. Januar
2012 mit den Anträgen, der Einspracheentscheid vom 8. Dezember 2011 sei aufzu
heben, es sei festzustellen, dass die Voraussetzungen auf Auszahlung einer
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Kurzarbeitsentschädigung erfüllt seien, die Angelegenheit sei zur Ausrichtung einer
Kurzarbeitsentschädigung bzw. zur Berechnung der betreffenden Leistungen an den
Beschwerdegegner zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung stützt sich die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin auf die
Ausführungen in der Einsprache und verweist zusätzlich auf das Schreiben von Dr. iur.
B._ vom 20. Januar 2012 (act. G 1.2), im dem sich dieser einlässlich zur
wirtschaftlichen Situation in der Textilbranche äussere. Im Weiteren bringt sie vor, die
Vorinstanz habe willkürlich nicht beachtet, dass ab August 2011 ein plötzlicher
Umsatzrückgang eingetreten sei, also just ab dem Zeitpunkt, in dem sich die
Frankenstärke in der gesamten Textilbranche auszuwirken begonnen habe. Damit
stütze sich der Beschwerdegegner in einem wesentlichen Punkt auf einen falschen
Sachverhalt, womit das rechtliche Gehör verletzt sei. Zudem würden ausserordentliche
Umstände, die einen Bezug von Kurzarbeitsleistungen rechtfertigten, zweifelsohne
vorliegen. Werfe man einen Blick auf die Umsatzzahlen, liege ein nachgewiesener
Umsatzeinbruch vor, der nur mit dem starken Franken erklärbar sei (act. G 1).
B.d Der Beschwerdegegner beantragt unter Verzicht auf eine Beschwerdeantwort die
Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.e Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin verzichtet auf eine Stellungnahme
(act. G 6).

Erwägungen:
1.
1.1 Arbeitnehmende, deren normale Arbeitszeit verkürzt oder deren Arbeit ganz
eingestellt ist, haben Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung, wenn u.a. der
Arbeitsausfall anrechenbar und vorübergehend ist und erwartet werden darf, dass
durch Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten werden können (Art. 31 Abs. 1 lit. b und d
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und
Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Ein Arbeitsausfall ist anrechenbar, wenn er
auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen und unvermeidbar ist (Art. 32 Abs. 1 lit. a
AVIG) und wenn er zudem je Abrechnungsperiode mindestens 10% der Arbeitsstunden
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ausmacht, die von den Arbeitnehmenden des Betriebes normalerweise insgesamt
geleistet werden (Art. 32 Abs. 1 lit. b AVIG). Ein auf wirtschaftliche Gründe
zurückzuführender und an sich grundsätzlich anrechenbarer Arbeitsausfall gilt jedoch
dann nicht als anrechenbar, wenn er durch betriebsorganisatorische Massnahmen wie
Reinigungs-, Reparatur- oder Unterhaltsarbeiten sowie andere übliche und
wiederkehrende Betriebsunterbrechungen oder durch Umstände verursacht wird, die
zum normalen Betriebsrisiko des Arbeitgebers gehören (Art. 33 Abs. 1 lit. a AVIG).
Ebenfalls nicht anrechenbar ist ein Arbeitsausfall, wenn er branchen-, berufs- oder
betriebsüblich ist oder durch saisonale Beschäftigungsschwankungen verursacht wird
(Art. 33 Abs. 1 lit. b AVIG). Damit will das Gesetz vor allem regelmässig wiederkehrende
Arbeitsausfälle von der Kurzarbeitsentschädigung ausschliessen (BGE 121 V 374 E. 2a
mit Hinweisen; ARV 1999 Nr. 10 S. 50 E. 2).
1.2 Vorübergehend ist ein Arbeitsausfall dann, wenn mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit voraussehbar ist, dass der Betrieb innert nützlicher Frist wieder zur
vollen Beschäftigung zurückkehren kann. Davon ist auszugehen, wenn nicht konkrete
Anhaltspunkte die gegenteilige Schlussfolgerung zulassen. Die Verhältnisse sind im
Zeitpunkt der angefochtenen Einspruchsverfügung prospektiv zu beurteilen. Weil zu
diesem Zeitpunkt oft nur Mutmassungen über die weitere Entwicklung angestellt
werden können und sich entsprechende Beurteilungskriterien kaum finden lassen, ist
die Prognose zurückhaltend zu stellen und im Zweifel davon auszugehen, dass der
Arbeitsausfall vorübergehender Natur ist und mit der Kurzarbeitsentschädigung die
Arbeitsplätze erhalten werden können (Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Bd.
XIV, Soziale Sicherheit, 2. Aufl. Basel 2007, N 470; BGE 121 V 373 E. 2a). Der
Umstand, dass ein Arbeitgeber bzw. eine Arbeitgeberin in der Vergangenheit
wiederholt Kurzarbeit eingeführt hat, lässt für sich allein nicht den Schluss zu, dass ein
neuerlicher Arbeitsausfall wahrscheinlich nicht vorübergehend sein werde und dass mit
der Kurzarbeit die Arbeitsplätze nicht erhalten werden könnten (BGE 111 V 384 E. 2b).
1.3 Der Begriff der wirtschaftlichen Gründe im Sinne von Art. 32 Abs. 1 lit. a AVIG ist
nach Lehre und Rechtsprechung weit auszulegen. Wirtschaftliche Gründe liegen
einerseits vor, wenn die Nachfrage nach den normalerweise von einem Betrieb
angebotenen Gütern und Dienstleistungen zurückgeht, und andererseits, wenn
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Faktoren angesprochen sind, die entweder direkt durch den Markt beeinflusst werden
oder sich auf die Stellung eines Produktes auf dem Markt auswirken. Darunter können
auch behördliche Massnahmen, wie bei Preiserhöhungen eines Produkts zufolge
Wegfalls von Subventionen, verstanden werden (BGE 128 V 307 E. 3a; Nussbaumer,
a.a.O., N 477).
1.4 Mit dem normalen Betriebsrisiko im Sinn von Art. 33 Abs. 1 lit. a AVIG sind die
"gewöhnlichen" Arbeitsausfälle gemeint, mithin jene Ausfälle, die erfahrungsgemäss
regelmässig und wiederholt auftreten, demzufolge vorhersehbar und in verschiedener
Weise kalkulatorisch erfassbar sind. Was in diesem Sinn als normal gelten soll, darf
nach der Rechtsprechung nicht nach einem für alle Unternehmensarten allgemein
gültigen Massstab bemessen werden, sondern ist in jedem Einzelfall auf Grund der mit
der spezifischen Unternehmertätigkeit verbundenen besonderen Verhältnisse zu
bestimmen (BGE 119 V 500 E. 1 mit Hinweisen; ARV 2000 Nr. 10 S. 57 f. E. 4b). Dabei
kommt dem Gesichtspunkt der Vorhersehbarkeit massgebende Bedeutung zu. So
gehören Arbeitsausfälle, die jeden Arbeitgeber treffen können, zum normalen
Betriebsrisiko. Lediglich wenn sie ausserordentlicher oder aussergewöhnlicher Natur
sind, sind sie anrechenbar und damit entschädigungsberechtigt (Nussbaumer, a.a.O.,
N 483).
1.5
1.5.1 Die Schwankungen der Devisenkurse gehören grundsätzlich zu den
normalen Risiken eines Betriebes. Angesichts der aussergewöhnlichen und
anhaltenden Stärke des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro (Kurs sank von über
Fr. 1.60 im Jahr 2007 auf Fr. 1.03 im August 2011; Schweizerische Nationalbank,
Statistisches Monatsheft Oktober 2012, Devisenmarkt, G1 Devisenkurse, abrufbar
unter <http://www.snb.ch/de/iabout/stat/statpub/statmon/stats/statmon/statmon_G1>,
abgerufen am 22. Oktober 2012) und dem Dollar hat das seco jedoch am 6. September
2011 die Weisung 033-AVIG-Praxis 2011/34 publiziert. Darin wird festgelegt, dass für
auf die Frankenstärke zurückzuführende Arbeitsausfälle ein Anspruch auf
Kurzarbeitsentschädigung geltend gemacht werden kann. Ein solcher bestehe
hingegen dann nicht, wenn zwar der Umsatz zurückgehe, es aber zu keinen
Arbeitsausfällen komme. Sollte sich der Schweizer Franken langfristig auf hohem
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Niveau stabilisieren, könnte dieser Umstand nicht mehr als vorübergehend betrachtet
werden. Damit wären die Voraussetzungen für die Gewährung von
Kurzarbeitsentschädigung nicht mehr gegeben. In diesem Fall würde das seco
rechtzeitig eine neue Weisung publizieren. Das seco geht jedoch davon aus, dass der
Franken zurzeit (Oktober 2011) massiv überbewertet ist und die Nationalbank das
Nötige unternehmen wird, um den Franken wieder abzuschwächen.
1.5.2 Bei der Weisung des seco handelt es sich um eine Verwaltungsweisung,
die sich an die Durchführungsstellen richtet und für das Versicherungsgericht nicht
verbindlich ist. Dieses soll sie jedoch bei seiner Entscheidung berücksichtigen, sofern
sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren
gesetzlichen Bestimmungen zulässt. Das Versicherungsgericht weicht also nicht ohne
triftigen Grund von der Verwaltungsweisung ab, wenn diese eine überzeugende
Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellt. Es wird dadurch dem Bestreben
der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu
gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 455 f. E. 2.2.4; 133 V 352 E. 5.4.2, je
mit Hinweisen).
1.5.3 Der Bundesrat hält sodann in seiner Botschaft zum Bundesgesetz über
Massnahmen zur Abfederung der Frankenstärke und zur Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit sowie zum Bundesbeschluss über den Nachtrag IIa zum
Voranschlag 2011 vom 31. August 2011 (BBl 2011 6749, 6761) fest, dass die massive
Überbewertung des Schweizer Frankens zahlreiche Unternehmen in der Schweiz in
erhebliche Schwierigkeiten bringe und die Unternehmen durch die Entwicklung der
Weltkonjunktur zusätzlich belastet seien. Er rechne deshalb mit Arbeitsausfällen,
Entlassungen oder Auslagerungen von Unternehmen und mit höheren Kosten in der
Arbeitslosenversicherung, unter anderem im Bereich der Kurzarbeitsentschädigung.
Aufgrund dieser aussergewöhnlichen Situation stellte er dem Fonds der
Arbeitslosenversicherung im Jahr 2011 zusätzlich 500 Millionen Schweizer Franken als
Bundesbeitrag zur Verfügung (vgl. auch das vom seco herausgegebene Magazin für
Wirtschaftspolitik "Die Volkswirtschaft", 1/2-2012, S. 4 ff.).
2.
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Streitig und zu prüfen ist, ob der geltend gemachte Arbeitsausfall vom 1. Oktober 2011
bis 31. Dezember 2011 vorübergehender Natur ist und zum nicht mehr normalen
Betriebsrisiko der Beschwerdeführerin gehört und somit im Rahmen der Kurzarbeit
nicht entschädigungsberechtigt ist.
3.
3.1 Der Beschwerdegegner verneint einen vorübergehenden Arbeitsausfall, da seit
2008 immer wieder Kurzarbeitsentschädigung beantragt und ausgerichtet worden sei.
Er ist der Meinung, dass die Kurzarbeitssituation bei der Beschwerdeführerin während
den vergangenen Jahren zu einem immer wiederkehrenden Faktor geworden sei. Dass
kurze Perioden anfielen, die im genannten Bereich keine volle Auslastung garantierten,
sei wohl ein Teil des Strukturwandels der Branche. Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin hält dem entgegen, die vorübergehende Natur eines
Arbeitsausfalls dürfe nicht mit einem pauschalen Hinweis auf die Marktsituation
verneint werden.
3.2 Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit bereits
mehrfach Kurzarbeit eingeführt hat, schliesst einen vorübergehenden Arbeitsausfall
nicht per se aus (vgl. E. 1.2). Vorliegend ist der vorübergehende Arbeitsausfall aus den
nachfolgenden Gründen zu bejahen. Die Beschwerdeführerin führte in der Begründung
zur Voranmeldung von Kurzarbeit aus, dass sie nach Rücksprache mit ihrer Kundschaft
zwischen Ende Dezember 2011 und Anfang Januar 2012 auf grössere Aufträge hoffen
dürfe. Sowohl ihre Schweizer Exporteure als auch die ausländische Kundschaft seien
guter Dinge, dass die Talsohle spätestens Ende Jahr 2011 überwunden sein werde. So
führt die embrex embroideries, eine Exporteurin der Beschwerdeführerin, in ihrem
Schreiben vom 16. August 2011 aus, mit einem Kurs von Fr. 1.20 dürfte wieder eine
gewisse "Normalität" erreicht werden, die die nötige Stabilität auf dem Markt
zurückbringe (act. G 3.1/A47). Zudem ist die Prognose zurückhaltend zu stellen und im
Zweifel von einem vorübergehenden Arbeitsausfall auszugehen (vgl. E. 1.2).
4.
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4.1 Zu prüfen bleibt, ob der Arbeitsausfall auch anrechenbar ist, d.h. auf
wirtschaftliche Gründe zurückzuführen ist, also nicht zum normalen Betriebsrisiko der
Beschwerdeführerin gehört und unvermeidbar ist.
4.2 Die Beschwerdeführerin hat seit dem Jahre 2008 die Anzahl ihrer Mitarbeiter von
18 auf 8 reduziert. Gemäss ihrer Angabe in der Einsprachebegründung (act. G 3.1/A47
S. 3) ist es ihr nicht möglich, weitere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zu entlassen
bzw. die Produktion weiter herunterzufahren. Würde der Betrieb nicht in der
bestehenden Grössenordnung weitergeführt, wäre seine Weiterführung gefährdet, da
die Kosten-Nutzen-Rechnung diesfalls nicht mehr aufgehen würde. Der Arbeitsausfall
lässt sich offenbar nicht mittels zusätzlichem Personalabbau vermeiden. Da auch nicht
ersichtlich ist, wie der Arbeitsausfall auf andere Weise hätte vermieden werden können,
ist die Voraussetzung des unvermeidbaren Arbeitsausfalls als erfüllt zu betrachten.
4.3 Der Beschwerdegegner verneint die Anrechenbarkeit des Arbeitsausfalls mit der
Begründung, Schwankungen in der Auftragslage im Jahresverlauf seien im Bereich der
Textilverarbeitung durchaus üblich. Zudem sei die Kurzarbeitssituation bei der
Beschwerdeführerin während den vergangenen Jahren zu einem immer
wiederkehrenden Faktor und somit Teil des normalen Geschäftsganges geworden.
Zudem fehle auch der Umsatzrückgang, denn die Beschwerdeführerin habe im
Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs den Vorjahresumsatz nahezu erreicht gehabt.
Gemäss dem Bericht von B._ seien Konjunkturschwankungen tatsächlich eng mit
den Betriebsrisiken der Stickereibranche verknüpft, seien also in der Stickereibranche
üblich (act. G 1.2). Deshalb seien die Voraussetzungen für Kurzarbeitsentschädigung in
der Stickereibranche nur erfüllt, wenn ausserordentliche, nicht mit den Betriebsrisiken
zusammenhängende Umstände vorliegen würden (vgl. dazu ARV 2003 Nr. 20 S. 197
E. 6). Als solchen ausserordentlichen Umstand macht die Beschwerdeführerin den
plötzlichen Umsatzrückgang ab Mitte August 2011 geltend. Den Akten ist zu
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im Oktober 2011 und November 2011
tatsächlich eine massive Umsatzeinbusse im Vergleich zu den vorangehenden
Kalendermonaten wie auch im Vergleich zum letzten Quartal in den Vorjahresperioden
erlitten hatte (act. G 3.1/A10, A11, A37, A45). Zu diesem Umsatzeinbruch kam es nach
Ansicht der Beschwerdeführerin durch den Bestellrückgang, welchen sie wiederum auf
die Stärke des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro zurückführt (vgl. act. G 3.1/
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A35). Auch die embrex embroideries sowie B._ machen den starken Schweizer
Franken für die schlechte wirtschaftliche Lage verantwortlich.
4.4 Im Sommer 2011 gewann der Schweizer Franken extrem schnell an Stärke, was
die Schweizerische Nationalbank (SNB) dazu veranlasste, Massnahmen dagegen zu
treffen. Da die zunächst ergriffenen Massnahmen nicht die gewünschte Wirkung
zeigten und der massiv überbewertete Schweizer Franken eine akute Bedrohung für
die Schweizer Wirtschaft darstellte, legte die SNB im September 2011 den Mindestkurs
von Fr. 1.20 pro Euro fest und behielt weitere Massnahmen vor, falls die
Wirtschaftsaussichten und die deflationären Risiken es erfordern würden (s.
Medienmitteilungen der SNB zu den Massnahmen gegen die Frankenstärke, abrufbar
unter: <http://www.snb.ch/de/iabout/monpol/earlier/id/monpol_earlier_2011>, zuletzt
besucht am 25. September 2012). Auch das seco erachtete in diesem Zeitpunkt die
Stärke des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro und dem Dollar aufgrund deren
Tragweite und Dauer als eine ausserordentliche Situation. Diese ausserordentliche
Situation veranlasste das seco, eine Weisung herauszugeben, wonach für
Arbeitsausfälle, die auf die Frankenstärke zurückzuführen sind, ein Anspruch auf
Kurzarbeitsentschädigung besteht (033-AVIG-Praxis 2011/34; Stand Oktober 2011).
Selbst der Bundesrat beschloss Ende August 2011, dem Fonds der
Arbeitslosenversicherung aufgrund dieser aussergewöhnlichen Situation 500 Millionen
Schweizer Franken zur Verfügung zu stellen. Die Beschwerdeführerin erlitt genau in
jener Zeit einen massgeblich auf die Frankenstärke zurückzuführenden
Umsatzeinbruch, als sowohl die SNB und das seco als auch der Bundesrat die
Frankenstärke als akute Bedrohung für die Wirtschaft wahrnahmen und Massnahmen
dagegen ergriffen. Die Arbeitsausfälle bei der Beschwerdeführerin waren demnach
ausserordentlich, nicht voraussehbar und gehörten somit nicht zum üblichen
Betriebsrisiko. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Beschwerdeführerin im
Herbst 2011 den Vorjahresumsatz nahezu erreicht hatte.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Arbeitsausfall bei der Beschwerdeführerin
auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen ist, die in der gegebenen Situation nicht zum
normalen Betriebsrisiko der Beschwerdeführerin gehören und dass der Arbeitsausfall
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trotz Reorganisationsmassnahmen nicht verhindert werden konnte. Der
Beschwerdegegner hat somit den Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung zu Unrecht
verneint.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene
Einspracheentscheid vom 8. Dezember 2011 ist aufzuheben.
6.1 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
6.2 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO;
sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im vorliegenden Fall erscheint eine
pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht