Decision ID: f5eb92fd-e8bd-54ba-a2da-fa339e048ba6
Year: 2016
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Im Jahr 2012 reichten die Beschwerdegegner ein Baugesuch ein für den Abbruch
des bestehenden Gebäudes und für den Neubau eines Einfamilienhauses auf Parzelle
Spiez Grundbuchblatt Nr. G._ am H._weg 12. Die Parzelle liegt in der
Nutzungszone Wohnzone 2 Strukturerhaltung (W2S). Mit Gesamtbauentscheid vom 21.
Juni 2012 erteilte die Gemeinde Spiez die Baubewilligung. Dagegen erhoben die
Beschwerdeführenden Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des
Kantons Bern (BVE).1 Sie rügten die fehlende Strukturerhaltung, die Gesamtwirkung, die
Geschosszahl, die Ausnützungsziffer, die Gebäudelänge sowie die Nichteinhaltung des
grossen Grenzabstandes. Nach negativen Berichten des Amts für Gemeinden und
Raumordnung (AGR) und der Kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und
Landschaftsbilder (OLK) erklärten die Beschwerdegegner den Abstand von ihrem
Baugesuch. Das Verfahren wurde daraufhin am 29. Januar 2013 als erledigt vom
Geschäftsverzeichnis abgeschrieben.
2. Die Beschwerdegegner liessen ein neues Bauprojekt ausarbeiten. Die
Beschwerdeführenden stimmten diesem grundsätzlich zu. Am 5. Dezember 2013 reichten
die Beschwerdegegner das neue Baugesuch ein. Dieses wurde vom 19. Dezember 2013
bis 20. Januar 2014 öffentlich aufgelegt. Einsprachen aus der Nachbarschaft gingen keine
ein. Am 20. Februar 2014 erteilte die Gemeinde Spiez die Gesamtbewilligung für den
Abbruch des bestehenden Gebäudes Nr. 12 und den Neubau eines Einfamilienhauses mit
Einliegerwohnung und Doppelgarage.
Mit Schreiben vom 21. November 2014 stellte die Gemeinde Spiez fest, dass in
Abweichung von der Baubewilligung Änderungen an der Fassade vorgenommen worden
waren. Sie gab den Beschwerdegegnern Gelegenheit, ein nachträgliches Baugesuch für
eine Projektänderung einzureichen. Daraufhin reichten die Beschwerdegegner am 5. Juni
2015 ein Projektänderungsgesuch ein. Die direktangrenzenden Nachbarn stimmten
entweder ausdrücklich zu oder verzichteten ausdrücklich auf eine Stellungnahme. Am 10.
Juni 2015 gab die Gemeinde den Beschwerdeführenden Kenntnis von folgendem
Abänderungsgesuch: Weglassen von Holzlamellen an der Fassade Nord und Süd,
Umnutzung Estrich im Dachgeschoss in Zimmer, Abtrennung mit Zwischenwand
1 Beschwerdeverfahren RA Nr. 110/2012/100
RA Nr. 110/2015/143 3
Autounterstand sowie Holzlamellen bis Unterkante Dach, Blumentröge auf Terrasse
anstelle Mattglasgeländer, Garagentor in Metall anstelle Holz. Die Beschwerdeführenden
erhoben daraufhin Einsprache. Mit Entscheid vom 17. September 2015 erteilte die
Gemeinde Spiez die Bewilligung für die nachträgliche Projektänderung.
3. Gegen diesen Entscheid reichten die Beschwerdeführenden am 16. Oktober 2015
Beschwerde bei der BVE ein. Sie beantragen die Aufhebung des Entscheids und die
Erteilung des Bauabschlags. Sie machen insbesondere geltend, die Projektänderung
verletze die Vorschriften betreffend Strukturerhaltung und gute Gesamtwirkung mit der
bestehenden Umgebung. Ausserdem rügen sie, dass die Änderung des Bauprojekts keine
Projektänderung darstelle, da das ursprüngliche Bauvorhaben in seinen Grundzügen nicht
mehr gleich sei.
4. Die Beschwerdegegner beantragen mit Beschwerdeantwort vom 19. November 2015
die Abweisung der Beschwerde. Sie machen insbesondere gelten, dass das Projekt in
seinen Grundzügen gleich geblieben und kein Hauptmerkmal wesentlich verändert worden
sei. In ihrer Einsprache hätten die Beschwerdeführenden einzig die Punkte "Weglassen
von Holzlamellen" und "Materialisierung Garagentor" gerügt. Nur diese beiden Punkte
seien strittig und Bestandteil des Verfahrens. Sämtliche Änderungen würden sich nur
marginal auf das Gesamtbild des Gebäudes auswirken. Die Beschwerdegegner würden
von der Revision der Ortsplanung und somit von der Erhöhung der Ausnützungsziffer
Gebrauch mache. Der Estrichausbau sei nicht Bestandteil der Einsprache gewesen.
Die Gemeinde beantragt mit Stellungnahme vom 20. November 2015 ebenfalls die
Abweisung der Beschwerde soweit darauf einzutreten sei.
5. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, zog die
Archivakten RA Nr. 110/2012/100 betreffend das erste Baugesuch bei. Die
Beschwerdeführenden machten von ihrem Replikrecht Gebrauch. Auf die Rechtsschriften
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2015/143 4
und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
b) Die Beschwerdeführenden haben sich zulässigerweise als Einsprechende am
Baubewilligungsverfahren beteiligt (Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG). Sie sind zur Beschwerde
im Rahmen ihrer Einsprachegründe befugt (Art. 40 Abs. 2 BauG). Im Übrigen prüft die BVE
das Bauvorhaben frei und kann den angefochtenen Entscheid nach Anhörung der Parteien
von Amtes wegen abändern, wenn er erhebliche Mängel aufweist (Art. 40 Abs. 3 BauG).
c) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1
BauG). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG4). Die BVE tritt
daher grundsätzlich auf die Beschwerde ein.
2. Projektänderung
a) Umstritten ist, ob die in Abweichung von der Baubewilligung vom 20. Februar 2014
vorgenommenen Änderungen eine Projektänderung darstellen. Eine Projektänderung liegt
vor, wenn das Bauvorhaben in seinen Grundzügen gleich bleibt (Art. 43 Abs. 1 BewD5). Ein
Bauvorhaben ist in seinen Grundzügen verändert, wenn ein Hauptmerkmal (Erschliessung,
Standort, äussere Masse, Geschosszahl, Geschosseinteilung, Zweckbestimmung und
dergleichen) wesentlich verändert wird oder wenn eine Mehrzahl geringer Änderungen
dem Bau oder der Anlage eine gegenüber dem ursprünglichen Projekt veränderte Identität
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 5 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
RA Nr. 110/2015/143 5
verleiht.6 Geändert wurde vorliegend Folgendes: An der Westfassade sowie der
Südfassade wurde das Mattglasgeländer der Terrasse durch einen Blumentrog aus Holz
ersetzt. Die Seiten des Carports wurden mit Holzlamellen bis zur Unterkante des Daches
verkleidet. Das Garagentor besteht neu aus Metall in der Farbe anthrazit anstatt aus Holz.
Die Fenster unter dem Dach an der Nord- sowie der Südfassade weisen keine
Lamellenverkleidung auf. Schliesslich hat eine Umnutzung des Estrichs zu Wohnraum
stattgefunden. Die Ausnützungsziffer beträgt daher neu 0.45 statt der bewilligten 0.4. Es
handelt sich um untergeordnete Änderungen der Fassadengestaltung und um eine
geringfügige Nutzungsänderung im Dachgeschoss. Der Rahmen einer Projektänderung
wird nicht überschritten.
b) Die Bauherrschaft kann eine Projektänderung nicht nur während des
Baubewilligungsverfahrens oder in einem Beschwerdeverfahren bei der BVE einreichen.
Zulässig ist auch die Änderung eines bereits bewilligten Projekts vor oder während der
Bauausführung (Art. 43 Abs. 5 BewD). Die Änderung eines rechtskräftig bewilligten
Bauvorhabens erfordert eine Zusatzbewilligung zur Baubewilligung. Diese kann nach
Anhörung der am bisherigen Verfahren Beteiligten und allenfalls neu von der
Projektänderung berührten Dritten ohne neues Baugesuchsverfahren erteilt werden, wenn
weder öffentliche noch wesentliche nachbarliche Interessen zusätzlich betroffen sind.7
Auch wenn die Gemeinde die am 5. Juni 2014 eingereichten Unterlagen als
«(nachträgliche) Projektänderung» bezeichnet hat, handelt es sich beim Gesuch für die
bereits ausgeführten Änderungen in der Sache um ein nachträgliches Baugesuch (vgl. Art.
46 Abs. 2 Bst. b BauG).8 Insofern ist die Rüge, es liege keine Projektänderung vor,
berechtigt. Das führt jedoch nicht zur Gutheissung der Beschwerde, sondern hat lediglich
zur Folge, dass das nachträgliche Baugesuch grundsätzlich nach dem zur Zeit der
(unbewilligten) Ausführung des Bauvorhabens anwendbaren Recht zu beurteilen ist.9 Im
Übrigen genügt für die vorgenommenen Änderungen das kleine Baubewilligungsverfahren,
da davon nur die Nachbarinnen und Nachbarn betroffen sind (vgl. Art. 27 Abs. 1 Bst. b
BewD). Eine Veröffentlichung des nachträglichen Baugesuchs war daher nicht erforderlich.
Es genügte viel mehr die Mitteilung an die Nachbarn, soweit diese dem Baugesuch nicht
6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 12a 7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 32– 32d N. 14 8 BVR 1996 S. 243 E. 2, 1994 S. 241 E. 2b; Zaugg/Ludwig, Kommentar zum bernischen BauG, Band I, 4. Aufl. 2013, Art. 32-32d N. 14a sowie Art. 46 N. 14 und 17 9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 14a
RA Nr. 110/2015/143 6
zugestimmt hatten (vgl. Art. 27 Abs. 1, 3 und 4 BewD). Die massgeblichen
Verfahrensvorschriften sind deshalb nicht verletzt worden.
c) Für die Baubewilligung vom 20. Februar 2014 galt noch das aGBR.10 In der
Zwischenzeit ist das neue GBR11 in Kraft getreten. Massgebend ist deshalb das neue
Recht, da dieses im Zeitpunkt der Ausführung der Änderungen bereits öffentlich
aufgelegen hatte (Art. 36 Abs. 2 BauG). Zudem ist es für die Bauherrschaft günstiger, weil
gemäss Art. 212 GBR in der W2S neu eine Ausnützungsziffer von 0.45 zulässig ist.
Demgegenüber galt laut Art. 69 aGBR eine Ausnützungsziffer von 0.4. Im Übrigen sind die
Bestimmungen zur W2S unverändert geblieben.
3. Strukturerhaltung und gute Gesamtwirkung
a) Umstritten ist, ob das vorliegend zu beurteilende Bauvorhaben den
reglementarischen Bestimmungen bezüglich der Strukturerhaltung, den
Gestaltungsgrundsätzen (Art. 411 GBR) und der Fassadengestaltung (Art. 413 GBR)
entspricht. Bei der Beurteilung dieser Frage ist zu berücksichtigen, dass Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens nicht das mit Gesamtentscheid vom 20. Februar 2014 bewilligte
Einfamilienhaus als solches ist, sondern lediglich die bei der Bauausführung
vorgenommenen geringfügigen Änderungen gegenüber den bewilligten Plänen. Die
ursprüngliche Bewilligung ist in Rechtskraft erwachsen. Bewilligt wurden damit nicht nur
Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen des Gebäudes, sondern auch
das Material der Fassaden (Verputz, Sichtbeton, Eternit und Holzlamellen), die
Fassadenfarben (weiss, beige) sowie die konkrete Fassadengestaltung. Ob die damit
bewilligte Baute so gestaltet ist, dass zusammen mit ihrer Umgebung eine gute
Gesamtwirkung entsteht, ist im vorliegenden Verfahren eben so wenig zu prüfen wie die
Frage, ob sich die bewilligte Fassadengestaltung nach den vorherrschenden Merkmalen
richtet, die das Strassen-, Quartier- oder Ortsbild prägen. Es ist daher weder ein
Augenschein noch ein Bericht der OLK erforderlich. Die entscheidrelevanten Umstände
ergeben sich mit hinreichender Klarheit aus den in den Akten vorhandenen Plänen und
Fotos.
10 Baureglement der Einwohnergemeinde Spiez vom 5. Dezember 1996 (aGBR) 11 Baureglement der Gemeinde Spiez vom 24. November 2013 (GBR), genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung am 25. April 2014
RA Nr. 110/2015/143 7
b) In der W2S ist die Gestaltungsfreiheit nach Art. 75 BauG ausgeschlossen (Art. 212
Abs. 2 Bst. a GBR bzw. Art. 57 Abs. 1 aGBR) und auf Hauptbauten sind nur gleichgeneigte
Sattel-, Krüppelwalm- oder Walmdächer mit einer Neigung zwischen 20° und 40° gestattet
(Art. 414 Abs. 2 GBR bzw. Art. 40 Abs. 2 aGBR). Weitere Einschränkungen gibt es für
diese Zone nicht. Wie die Gemeinde im Verfahren RA Nr. 110/2012/100 ausgeführt hat,
bedeutet Strukturerhaltung weder, dass bestehende Bauten in der W2S zwingend erhalten
werden müssen, noch ergeben sich daraus besondere Anforderungen an die
Fassadengestaltung. Die Strukturerhaltung bezieht sich auf die Stellung der Baukörper. Sie
steht für freistehende Einzelbauten mit umlaufenden Grünflächen. Damit soll in den
bestehenden Einfamilienhausquartieren die lockere Bebauung mit Einzelbauten
weitergeführt werden. Die gemäss Einsprache umstrittenen Änderungen (Weglassen der
Holzlamellen an der Nord- und Südfassade, Garagentor aus Metall statt Holz) tangieren die
Strukturerhaltung somit eben so wenig wie die in der Beschwerde zusätzlich bemängelte
Umnutzung des Estrichs in Wohnraum. Die Bauparzelle befindet sich somit in einer
gewöhnlichen Wohnzone. Es sind weder Schutzgebiete betroffen noch hat es in der
näheren Umgebung geschützte Einzelobjekte. Somit sind lediglich die Vorschriften des
allgemeinen Ortsbild- und Landschaftsschutzes zu beachten.
c) Die Bestimmungen der Gemeinde über die Gestaltungsgrundsätze (Art. 411 GBR)
und die Fassadengestaltung (Art. 413 GBR) gehen weiter als das allgemeine
Beeinträchtigungsverbot von Art. 9 Abs. 1 BauG. Ihnen kommt daher selbständige
Bedeutung zu. Bei ihrer Anwendung steht der Gemeinde ein gewisser
Beurteilungsspielraum zu. Im Beschwerdeverfahren ist deshalb zu prüfen, ob die von der
Gemeinde geltend gemachte Auslegung rechtlich haltbar ist.12 An das Erfordernis der
guten Gesamtwirkung dürfen zudem nicht unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt
werden. Bei durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten bedeutet es, dass das Mittelmass
der Umgebung nicht gestört werden darf und sich eine neue Baute oder Anlage an den
qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren hat.13
Die Gemeinde führt im angefochtenen Entscheid aus, mit der Umnutzung eines
Estrichraums in ein Zimmer könne die Fenstereinteilung im Dachgeschoss harmonisiert
werden und die ursprünglich vorgesehenen Holzlamellen könnten ohne Beeinträchtigung
12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band II, Bern 2010, Art. 65 N. 2 ff. 13 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1
RA Nr. 110/2015/143 8
der Fassade weggelassen werden. Die Anpassung der Holzlamellen beim Autounterstand
und der Ersatz des Mattglasgeländers durch Blumentröge hätten keinen wesentlichen
Einfluss auf das Erscheinungsbild des Gebäudes. Im Rahmen der gesetzlichen Schranken
sei es der Bauherrschaft freigestellt, wie sie ihr Bauvorhaben ausgestalte. Die Verwendung
von Metall anstelle von Holz für das Garagentor vermöge die Optik des Gebäudes nicht
negativ zu beeinflussen. In der W2S gälten keine Einschränkungen bezüglich Farbgebung
und Materialisierung.
Wie die Gemeinde zutreffend ausführt, verändern die gegenüber dem bewilligten Projekt
vorgenommenen Fassadenänderungen das Gesamtbild nur marginal. Sie tangieren die
Gesamtwirkung des Vorhabens nicht wesentlich. Vorliegend erweist sich die Würdigung
des Vorhabens durch die Gemeinde deshalb gestützt auf die Planunterlagen und Fotos in
den Akten als nachvollziehbar und überzeugend. Die nachträgliche Baubewilligung wurde
zu Recht erteilt.
4. Rechtsmissbrauch
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Projektänderung sei
rechtsmissbräuchlich. Die Beschwerdegegner hätten von Anfang an gewusst, dass sie
nach Inkrafttreten des neuen GBR unter dem Dach Wohnraum erstellen würden. Hätten sie
ein Gesuch für das heute realisierte Projekt eingereicht, hätte die OLK das ganze
Bauprojekt verworfen und die Baubewilligung wäre verweigert worden.
b) Es trifft zu, dass das Bauvorhaben in seiner heutigen Form unter Geltung des aGBR
nicht hätte bewilligt werden können, weil es die damals geltende Ausnützungsziffer von 0.4
überschreitet. Es ist jedoch nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegner nach
Inkrafttreten des GBR, das neu eine Ausnützungsziffer von 0.45 erlaubt, Estrich in
Wohnraum umwandeln. Das Vorgehen ist bloss insofern nicht korrekt, als vor der
Ausführung eine Bewilligung für die Änderungen hätte eingeholt werden müssen. Darin ist
jedoch kein Rechtsmissbrauch zu erblicken. Im Übrigen haben die Beschwerdeführenden
darauf verzichtet, gegen das ursprüngliche Bauvorhaben Einsprache zu erheben. Sie
können dies im vorliegenden Verfahren nicht mehr nachholen.
RA Nr. 110/2015/143 9
5. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben deshalb die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden
bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 600.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung
mit Art. 19 Abs. 1 GebV14). Die Beschwerdeführenden haften solidarisch für den ganzen
Betrag.
b) Die Beschwerdeführenden haben zudem den Beschwerdegegnern die Parteikosten
zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11
Abs. 1 PKV15 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren
Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der
Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung
der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG16). Im
vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand als unterdurchschnittlich zu werten, da nur
ein Schriftenwechsel stattfand und kein Beweisverfahren durchgeführt wurde. Angesichts
des Umfangs des nachträglichen Baugesuchs und den umstrittenen Rechtsfragen sind
auch die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses insgesamt als
eher unterdurchschnittlich einzustufen. Daher erscheint ein Honorar von Fr. 3'000.00 als
angemessen. Unter Berücksichtigung der Auslagen von Fr. 112.00 und der Mehrwertsteuer
von Fr. 249.00 werden die Parteikosten deshalb auf Fr. 3'361.00 festgesetzt. Die
Beschwerdeführenden haften solidarisch für den ganzen Betrag.