Decision ID: 21c5c535-ee58-5cc8-b0ff-02e10daa06ab
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (vormals B._) (nachfolgend: Versicherter), meldete sich am 17. Januar
2008 wegen Hüft-, Knie- und Rückenschmerzen bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 1). Dem Versicherten waren aufgrund einer
fortgeschrittenen Femurkopfnekrose links und einer beginnenden Femurkopfnekrose
rechts am 9. März 2005 beidseitig Hüft-Totalprothesen implantiert worden. Sodann war
ein Status nach Fixateur interne L1-L4 bei LWK3-Kompressionsfraktur im August 1999
festgehalten worden (Operationsberichte Klinik für Orthopädische Chirurgie KSSG, IV-
act. 17-27 f.; Austrittsbericht Klinik für Orthopädische Chirurgie KSSG vom 29. März
2005, IV-act. 17-25). Vom 30. Juni bis 18. Juli 2006 war er in stationärer Behandlung in
der psychiatrischen Klinik C._ gewesen, wo ihm nach Austritt gesamthaft eine
Arbeitsfähigkeit von 25 % attestiert worden war (IV-act. 28).
A.a.
Die IV-Stelle stellte am 29. August 2008 fest, dass zurzeit keine
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Mitteilung, IV-act. 41).
A.b.
Es folgte eine stationäre Behandlung im Psychiatriezentrum D._,
Krisenintervention, vom 17. bis 27. November 2008 (Arztbericht Psychiatriezentrum
D._ vom 27. April 2009, IV-act. 50-2 f.). Eine polydisziplinäre Begutachtung durch die
MEDAS Ostschweiz (Gutachten vom 4. Februar 2009, IV-act. 46-1 bis 20; Dr. med.
E._, Innere Medizin, Dr. med. F._, Orthopädie; med. pract. G._, Psychiatrie) kam
aus orthopädischer Sicht zum Schluss, aufgrund notwendiger vermehrter Pausen sei
der Einsatz in angepassten Tätigkeiten zeitlich um 30 % reduziert. Der psychiatrische
A.c.
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Gutachter hielt zusammenfassend fest, für ein abschliessendes Urteil sei eine längere
Beobachtungszeit notwendig (IV-act. 46-14).
Die nachfolgende ambulante Psychotherapie erfolgte bis zum 24. Juni 2009 am
Psychiatriezentrum D._ (Arztbericht vom 27. April 2009, IV-act. 50; Verlaufsbericht
vom 14. September 2009, IV-act. 53) und ab 22. September 2009 bei Dr. med. H._,
Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH (Arztbericht vom 2. Dezember
2009).
A.d.
RAD-Arzt Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, untersuchte
den Versicherten am 11. November 2009 und am 7. Januar 2010. Er attestierte aus
psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % in allen Tätigkeitsbereichen und
unter Mitberücksichtigung der orthopädischen Einschränkungen eine zumutbare
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 50 % (Bericht vom 20. April 2010, IV-
act. 59).
A.e.
Gestützt auf Stellungnahmen von RAD-Arzt Dr. med. J._, Facharzt für
Arbeitsmedizin, vom 4. Mai 2010 (IV-act. 60) und vom 22. August 2011 (IV-act. 80) und
nach Vorbescheidverfahren (IV-act. 65, 68) verfügte die IV-Stelle am 3. November 2011
die Abweisung des Rentenbegehrens, da mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im
Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz im Jahr 2002 bereits seit über einem Jahr eine
durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % bestanden habe (IV-act. 84).
Das hiesige Versicherungsgericht hob diese Verfügung mit Entscheid vom
23. September 2013 auf und wies die Angelegenheit zur ergänzenden Abklärung und
neuer Verfügung im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle zurück (Verfahren IV
2011/393, IV-act. 106). Diesen Entscheid hob das Bundesgericht auf Beschwerde der
IV-Stelle mit Urteil vom 30. Januar 2014 (Verfahren 8C_775/2013, IV-act. 111) auf und
wies die Sache zu neuem Entscheid an das Versicherungsgericht zurück, weil gestützt
auf den angefochtenen Entscheid nicht über das Vorliegen eines nicht wieder
gutzumachenden Nachteils für die IV-Stelle befunden werden könne (E. 3.5). Mit
Entscheid vom 8. April 2014 stellte das Versicherungsgericht fest, dass beim
Versicherten im September 2002 noch kein Versicherungsfall eingetreten sei und wies
in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die Angelegenheit erneut an die IV-Stelle
zurück, damit diese abkläre, ob und wann beim Versicherten nach seiner Einreise in die
A.f.
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- ein cervico-lumbales Schmerzsyndrom bei Status nach LWK3-Kompressionsfraktur
1999, Fixateur interne L1-4, radiologisch mässige degenerative Veränderungen,
- belastungsabhängige Schmerzen der rechten Hüfte bei Status nach Implantation von
Hüfttotalprothesen beidseits bei idiopathischer Femurkopfnekrose beidseits im März
2005, radiologisch beidseits unauffällig,
- einen Status nach zweimaliger Exostosenabtragung rechtes Hüftgelenk im März 2006
und März 2007
Schweiz eine relevante Arbeitsunfähigkeit eingetreten sei, gestützt auf welche die
versicherungsmässigen Voraussetzungen bzw. der Anspruch auf eine IV-Rente zu
prüfen wäre (Verfahren IV 2014/92, IV-act. 113). Eine hiergegen erhobene Beschwerde
der IV-Stelle wies das Bundesgericht mit Urteil vom 19. Dezember 2014 ab
(8C_315/2014, IV-act. 123).
Der Versicherte wurde wegen intermittierend sehr starker tief lumbaler
Rückenschmerzen abgeklärt und an den Facettengelenken L4/5 und L5/S1 infiltriert
(Berichte Klinik für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates des KSSG vom 4. März 2015, IV-act. 143-54 f., vom
9. Dezember 2015, IV-act. 143-61 f., und Operationsbericht vom 14. Dezember 2015,
IV-act. 143-63).
A.g.
Dr. med. K._, Facharzt für Innere Medizin FMH, führte im Arztbericht vom
10. Januar 2016 aus, beim Versicherten seien die Belastbarkeit des Rückens und der
Hüfte und die psychische Leistungsfähigkeit/Belastbarkeit eingeschränkt. Für schwere
und mittelschwere körperliche Tätigkeiten sei der Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig.
Aktuell arbeite der Versicherte während 2 x 1,5 Stunden pro Tag im Hilfsdienst in einem
Behindertenheim (IV-act. 143-1 ff.).
A.h.
Auf Vorschlag von RAD-Arzt Dr. J._ (Stellungnahme vom 8. April 2016, IV-act.
151), wurde der Versicherte erneut polydisziplinär begutachtet (Gutachten medexperts
AG vom 10. September 2016, Dr. med. L._, Allgemeine Innere Medizin; Dr. med.
M._, Orthopädie; Dr. med. N._, Psychiatrie; Untersuchungen 12.-14. Juli 2016; IV-
act. 160-1 bis 62). Die Gutachter diagnostizierten folgende
Gesundheitsbeeinträchtigungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
A.i.
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Ohne wesentliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden unter anderem
- eine Persönlichkeitsakzentuierung mit narzisstischen und passiv-aggressiven Anteilen
sowie
- anamnestisch Schmerzen am linken Ellbogen- und Kniegelenk, klinisch und
radiologisch unauffällig.
Die Gutachter kamen zum Schluss, in im Wesentlichen körperlich belastenden
(schweren oder mittelschweren) Tätigkeiten bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
In adaptierten Tätigkeiten bestehe aus polydisziplinärer (richtig wohl: psychiatrischer)
Sicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit wahrscheinlich seit 2012. Orthopädischerseits sei
ab dem MEDAS-Gutachten vom 4. Februar 2009 eine 70%ige Arbeitsfähigkeit
anzunehmen. Polydisziplinär bestehe in körperlich leichten, möglichst im Sitzen zu
verrichtenden Tätigkeiten mit möglichen selbstgewählten Positionswechseln, seltenen
Überkopfarbeiten und möglichst freier Einteilbarkeit der Arbeit eine Arbeitsfähigkeit von
70 % (IV-act. 160-59 f.).
A.j. Der RAD nahm am 30. August 2016 Stellung zum Gutachten (IV-act. 163), und die
IV-Stelle tätigte am 26. Juli 2017 eine Rückfrage an die psychiatrische Gutachterin (IV-
act. 166), wozu diese am 15. August 2017 Stellung nahm (IV-act. 167).
A.k. Mit Vorbescheid vom 15. September 2017 gewährte die IV-Stelle dem
Versicherten das rechtliche Gehör zur vorgesehenen Zusprache einer halben Rente mit
Wirkung vom 1. November 2008 bis 31. März 2012 (IV-act. 172). Hiergegen erhob der
Versicherte am 22. Januar 2018 bzw. am 6. Februar 2018 unter Bezugnahme auf
Berichte der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates des KSSG vom 14. (IV-act. 181-4 ff.) und 15. November 2017
(IV-act. 176-17 f.) sowie von Prof. Dr. med. O._, Spezialarzt FMH für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie, vom 29. Januar 2018 (IV-act. 181-7 f.) Einwand (IV-
act. 176-1 ff., IV-act. 181-1 ff.). Die IV-Stelle holte weiter einen Bericht des P._ vom
15. März 2018 (IV-act. 186) ein und gewährte dem Versicherten hierzu und zu
Stellungnahmen von RAD-Arzt Dr. J._ vom 1. März 2018 (IV-act. 182), vom 17. April
2018 (IV-act. 187) und vom 29. Mai 2018 (IV-act. 191) am 30. Mai 2018 die zweite
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Anhörung (IV-act. 192). Der Versicherte erhob unter Beilage eines Berichts von
Dr. med. Q._, Neurochirurgie FMH, vom 10. September 2018 am 28. September
2018 erneut Einwand (IV-act. 207). Gestützt auf eine abschliessende Stellungnahme
von RAD-Arzt Dr. J._ vom 29. Oktober 2018 (IV-act. 208) erliess die IV-Stelle am
12. Dezember 2018 entsprechend dem Vorbescheid Verfügungen betreffend den
Rentenanspruch des Versicherten und seiner Kinder. Von November 2008 bis
Dezember 2011 habe eine adaptierte Arbeitsfähigkeit von 50 % vorgelegen. Ab Januar
2012 bestehe für adaptierte Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 70 %. Aufgrund des
IV-Grades von 50 % bestehe für die Periode vom 1. November 2008 bis 31. März 2012
Anspruch auf eine halbe Rente. Gemäss abschliessender RAD-Stellungnahme vom
29. Oktober 2018 sei weiterhin von der bisherigen medizinischen Beurteilung
auszugehen. Ein Teilzeitabzug sei nicht geschuldet, da die adaptierte Tätigkeit
ganztags umgesetzt werden könne. Auch ein Leidensabzug sei nicht vorzunehmen, da
die Einschränkungen hinreichend bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
berücksichtigt würden. Für den Versicherten geeignet seien etwa leichtere
Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten, leichtere
Arbeiten bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung sowie Kurier- und leichtere
Lieferdienste (IV-act. 209, 212 ff.).
B.
B.a. Mit Beschwerde vom 25. Januar 2019 beantragt A._ (im Folgenden:
Beschwerdeführer), die Verfügungen vom 12. Dezember 2018 seien aufzuheben. Es sei
ihm rückwirkend ab 1. November 2008 bis 31. März 2012 eine ganze und ab 1. April
2012 mindestens eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Die Sache sei zur
entsprechenden Neuberechnung an die SVA des Kantons St. Gallen zurückzuweisen.
Weiter sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Die Beschwerdegegnerin stütze sich bei ihren
Verfügungen vom 12. Dezember 2018 im Wesentlichen auf das polydisziplinäre
Gutachten der medexperts AG vom 10. September 2016 und auf die RAD-
Stellungnahme vom 29. Oktober 2018, welche sich ebenfalls auf das genannte
Gutachten stütze. Dies sei in mehrerer Hinsicht mangelhaft. Mit Verweis auf Berichte
der behandelnden Ärzte macht er im Wesentlichen geltend, eine vertiefte
rechtsgenügliche Auseinandersetzung mit den orthopädischen Beschwerden und
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Einschränkungen fehle, zumal ihn gerade diese aktuell in seiner Arbeitsfähigkeit
erheblich einschränkten. Das psychiatrische Gutachten weiche von den früheren
Einschätzungen des Psychiatrischen Zentrums D._ (Berichte vom 27. April 2009 und
vom 14. September 2009) und von Dr. H._ (Bericht vom 2. Dezember 2009) ab, was
nicht nachvollziehbar sei. Aus psychiatrischer Sicht sei vom 1. November 2008 bis
mindestens 30. März 2012 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Orthopädischerseits liege unter gesamthafter Betrachtung aller Beschwerden
mindestens eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Aufgrund des erhöhten Pausenbedarfs
hätte ein potentieller Arbeitgeber organisatorische Vorkehren zu treffen und zudem
aufgrund der Beschwerden mit vermehrten Absenzen zu rechnen. Insgesamt
rechtfertige sich ein Abzug vom Tabellenlohn von mindestens 15 % (act. G 1).
B.b. Nachdem die Beschwerdegegnerin die zwei Verfügungen vom 12. Dezember 2018
betreffend Kinderrenten ersetzt hat (vgl. IV-act. 213, 215 und act. G. 4.1 und 2,
Änderung Zahlungsempfänger), ficht der Beschwerdeführer die neu erlassenen
Verfügungen vom 4. Februar 2019 am 7. März 2019 an (act. G 4).
B.c. Mit Beschwerdeantwort vom 18. März 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin,
die Beschwerde sei abzuweisen. Die erwähnten Berichte der behandelnden Ärzte
enthielten keine objektiv feststellbaren Gesichtspunkte, die im Rahmen der
Begutachtung unerkannt geblieben und geeignet seien, zu einer abweichenden
Beurteilung zu führen. Der Beschwerdeführer könne nur noch leichte Hilfsarbeiten
ausführen; demnach sei ein so genannter Leidensabzug von 10 % vorzunehmen. Das
Spektrum des Beschwerdeführers an möglichen Tätigkeiten auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt sei nicht wesentlich eingeschränkt. Aus dem Einkommensvergleich
ergäben sich Invaliditätsgrade von 10 % bei voller Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter
Tätigkeit bzw. 55 % bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % (act. G 6).
B.d. Mit Replik vom 29. August 2019 macht der Beschwerdeführer geltend, die
Beschwerdegegnerin habe die Diagnosen und Aussagen der Gutachter insbesondere
hinsichtlich des Zumutbarkeitsprofils nicht vollständig aufgeführt. Die orthopädische
Begutachtung sei nicht ausführlich, schlüssig und kompetent. Die (psychiatrische)
Gutachterin habe selbst explizit angegeben, dass es schwierig sei, die
Arbeitsunfähigkeit rückwirkend zu beurteilen. In Anbetracht auch der bei psychischen
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Erkrankungen grösseren Schwankung der Ausprägung sei auf die echtzeitlichen
Berichte der behandelnden Ärzte abzustellen. Gesamtheitlich betrachtet bestehe in
angestammter Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und in leidensangepasster
Tätigkeit vom 1. November 2008 bis 31. März 2012 von ebenfalls 100 % sowie ab
1. April 2012 von mindestens 50 %. Das Vorliegen einer psychosozialen und
soziokulturellen Problematik werde bestritten. Die von der Beschwerdegegnerin
angenommenen Einsatzmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt seien
realitätsfremd. Er sei höchstens noch an einem geschützten oder Nischenarbeitslatz
einsetzbar. Er sei seit vielen Jahren erwerbslos und bereits _ Jahre alt. Diese Faktoren
müssten bei der Ermittlung des Invalideneinkommens berücksichtigt werden (act. G
15).
B.e. Am 31. Oktober 2019 bewilligt die vorsitzende Richterin dem Beschwerdeführer
die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, unentgeltliche
Rechtsverbeiständung) und hält fest, die Beschwerdegegnerin habe auf die
Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 17).

Erwägungen
1.
Die Beschwerde gegen die zwei ursprünglichen Verfügungen betreffend die
Kinderrenten vom 12. Dezember 2018 wurde gegenstandslos mit deren Ersetzung
durch die zwei neuen Verfügungen vom 4. Februar 2019, welche der Beschwerdeführer
ebenfalls angefochten hat (IV-act. 64). Nachfolgend ist über die Rechtmässigkeit der
zwei den Beschwerdeführer betreffenden Verfügungen vom 12. Dezember 2018 sowie
die zwei die Kinderrenten betreffenden Verfügungen vom 4. Februar 2019 zu befinden.
Zu beurteilen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
2.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
2.1.
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Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% besteht Anspruch
auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% auf eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine Dreiviertelsrente und
ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze Invalidenrente (Art. 28
Abs. 2 IVG).
2.2.
Gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG haben Versicherte, die bei Eintritt der Invalidität
während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet haben, Anspruch auf eine
ordentliche Rente. Vorliegend anwendbar sind das Abkommen zwischen der Schweiz
und der Republik Türkei über soziale Sicherheit (SR 0.831.109.763.1) sowie der
Bundesbeschluss über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und Staatenlosen in der
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (FlüB; SR 831.131.11). Beide
Abkommen gewährleisten bezüglich des Anspruchs auf eine Invalidenrente
grundsätzlich eine Gleichstellung mit Schweizer Bürgern (vgl. Art. 10 Abkommen und
Art. 1 FlüB; Entscheid des Versicherungsgerichts vom 8. April 2014, IV 2014/92, E. 3ö.
1; IV-act. 113-4).
2.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
2.4.
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3.
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.5.
Mit rechtskräftig gewordenem Entscheid vom 8. April 2014 (IV 2014/292; IV-act.
113) hat das Versicherungsgericht festgestellt, dass beim Beschwerdeführer im
September 2002 (Zeitpunkt der Einreise in der Schweiz) noch kein Invaliditätsfall
eingetreten sei. Noch nicht geklärt ist, ab welchem Zeitpunkt nach der Einreise in die
Schweiz die Invalidität bzw. der Versicherungsfall gegebenenfalls eingetreten ist und ob
der Beschwerdeführer die vorausgesetzten Beitragsjahre erfüllt.
3.1.
Das Gutachten der medexperts AG vom 10. September 2016 hielt hierzu fest, dass
in der angestammten (sc. körperlich belastenden, mittelschweren und schweren)
Tätigkeit wahrscheinlich seit der Übersiedlung in die Schweiz im Jahr 2002 aus
orthopädischer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe (IV-act. 160-60). Die
psychiatrische Gutachterin attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit
von 50 % während der ambulanten Behandlungen im Psychiatriezentrum D._ von
November 2008 bis Juni 2009 und bei Dr. H._ ab September 2009 bis zur Besserung
des psychischen Zustands ab ca. 2012 (IV-act. 160-47, IV-act. 167). Die IV-Stelle
3.2.
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4.
leitete daraus ab, dass das Wartejahr somit bereits vor dem Inkrafttreten der 5. IVG-
Revision am 1. Januar 2008 abgelaufen sei und datierte den Eintritt der Invalidität in
Anwendung von Art. 29 Abs. 1 lit. a aIVG auf den 1. November 2008
(Feststellungsblatt, IV-act. 171; Verfügung vom 12. Dezember 2008, IV-act. 209), also
auf die aktenmässig nachweisbare Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustandes, die mit dem Eintritt in das Psychiatriezentrum D._ zur
stationären Behandlung begonnen hat. Dem ist zu folgen, zumal für die Zeit davor
keine echtzeitlichen medizinischen Berichte existieren, die in angepassten Tätigkeiten
eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit von über 40 % attestieren oder aus denen eine
solche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit abzuleiten wäre. So hatte sich der
Gesundheitszustand in psychischer Hinsicht nach der stationären Behandlung in der
Klinik C._ vom 30. Juni bis 18. Juli 2006 gebessert (vgl. Arztbericht
Psychiatriezentrum D._ vom 27. April 2009, IV-act. 50-3) und in orthopädischer
Hinsicht war in Bezug auf die Hüftgelenke nach der zweiten Revisionsoperation rechts
am 1. März 2007 ebenfalls eine deutliche Besserung eingetreten (vgl. Bericht Klinik für
Orthopädische Chirurgie KSSG vom 2. Mai 2007, IV-act. 17-1 f.). Von weiteren
Abklärungen sind diesbezüglich über zehn Jahre später keine aussagekräftigen
Ergebnisse mehr zu erwarten (sog. antizipierte Beweiswürdigung, BGE 134 I 140 E. 5.3
S. 148), so dass ein früherer Eintritt der Invalidität beweislos bleibt.
Zu prüfen ist weiter, ob der Beschwerdeführer bis zum Eintritt der Invalidität am
1. November 2008 die erforderliche Beitragsdauer von drei Jahren (Art. 36 Abs. 1 IVG,
gültig sei 1. Januar 2008) erbracht hat. Dies ist unter anderem auch durch Anrechnung
von Erziehungsgutschriften möglich (BGE 125 V 253; vgl. auch U. Meyer/
M. Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl., Zürich
2014, Art. 36 N 3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) hat
dem Beschwerdeführer Beiträge für 6 Jahre und 3 Monate angerechnet (Verfügung
vom 12. Dezember 2018, IV-act. 212). Dies entspricht der Dauer, während der sich der
am 13. September 2002 zusammen mit seinen 19_ und 19_ geborenen Kindern in die
Schweiz eingereiste Beschwerdeführer sich im Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität
(1. November 2008) in der Schweiz aufgehalten hat. Somit ist festzuhalten, dass die
versicherungsmässigen Voraussetzungen beim Beschwerdeführer erfüllt sind und ein
Rentenanspruch grundsätzlich entstehen konnte.
3.3.
Nachfolgend zu prüfen sind die Höhe des Invaliditätsgrades sowie dessen
Entwicklung bzw. die Höhe sowie Stufung der Rente. Während die
Beschwerdegegnerin eine halbe Rente vom 1. November 2008 bis 31. März 2012
4.1.
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zusprach, beantragt der Beschwerdeführer für diesen Zeitraum eine ganze Rente sowie
ab 1. April 2012 laufend mindestens eine halbe Rente. Bezüglich des medexperts-
Gutachtens vom 10. September 2016 macht der Beschwerdeführer hauptsächlich
geltend, es fehle eine ausreichende orthopädische Begutachtung.
Der Beschwerdeführer schilderte, im Vordergrund stünden Schmerzen der
Lendenwirbelsäule und der rechten Hüfte. Erstere bestünden seit seinem
Wirbelkörperbruch und dessen operativer Versorgung 1999 und 2000 und seien
ständig vorhanden. Er könne nicht lange stehen oder sitzen, maximal einen bis zwei
Kilometer gehen. Nach zwei Stunden stehen oder sitzen habe er stärkste
Beschwerden. Körperlich schwere Tätigkeiten wie Haushalttätigkeiten könne er nicht
verrichten (IV-act. 160-36 f.). Die orthopädische Gutachterin liess Röntgenbilder
anfertigen. Diese zeigten im Wesentlichen an der HWS eine Osteochondrose HWK 4-7
und eine deutliche ventrale und dorsale Spondylose und Unkarthrose, an der LWS eine
fortgeschrittene Degeneration/Osteochondrose des Bandscheibenfachs LWK 2/3 und
geringer auch LWK 3/4, geringfügige knöcherne Ausziehungen und ein angedeuteter
Randosteophyt am rechten Kniegelenk sowie degenerative Veränderungen der
Symphyse in beiden Hüftgelenken (IV-act. 160-39 f.; IV-act. 161). Die anlässlich der
Begutachtung am 12. Juli 2016 durchgeführten klinischen orthopädischen
Untersuchungen sind aufgeführt (IV-act. 160-38 f.) und entsprechen einer üblichen
Darstellung des orthopädischen Status. Im Befund beschrieb die Gutachterin unter
anderem ein sicheres und flottes Entkleiden, ein hinkfreies Gangbild und eine
vornübergebeugte Haltung. Die HWS sei endgradig in der Beweglichkeit eingeschränkt.
Die LWS sei ausgeprägt druck- und klopfschmerzhaft sowie schmerzhaft in der
Beweglichkeit eingeschränkt. An den Hüftgelenken bestehe beidseitig ein
Leistendruckschmerz. Auf eine über 90° hinausgehende Beugung werde wegen
befürchteter Schmerzen verzichtet. Das Sitzen mit 90° Hüftbeugung sei ohne Probleme
möglich (IV-act. 160-58). Sie diagnostizierte einerseits ein lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei radiologisch mässigen degenerativen Veränderungen und
andererseits belastungsabhängige Schmerzen der rechten Hüfte bei Status nach
Implantation von Hüftgelenkprothesen im März 2005 sowie nach zweimaliger
Exostosenabtragung am rechten Hüftgelenk im März 2006 und im März 2007. Sie kam
zum Schluss, es bestehe eine Minderbelastbarkeit der Wirbelsäule und der
Hüftgelenke. Mittelschwere oder schwere Tätigkeiten seien dem Beschwerdeführer
nicht zumutbar. Länger dauernde im Stehen oder Sitzen sowie vornübergebeugt zu
verrichtende und mit Erschütterungen oder Vibrationen verbundene Tätigkeiten sollten
nicht durchgeführt werden. Für adaptierte Tätigkeiten bestehe ein vermehrter
4.1.1.
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Pausenbedarf, der eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % ausmachen dürfte. Gegenüber
dem MEDAS-Gutachten vom 4. Februar 2009 habe sich keine wesentliche Änderung
ergeben (IV-act. 160-58).
Der orthopädische Vorgutachter hielt im Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom
4. Februar 2009 diagnostisch das Vorhandensein eines Fixateur interne L1-4 mit
Sensibilitätsstörung rechts lumbal, Hüfttotalprothesen beidseits und eine
Osteochondrose C5/6 fest (IV-act. 46-24). Er berücksichtigte einen vorhandenen Bruch
einer Schraube beim Lendenfixateur (IV-act. 46-24; vgl. hierzu Bericht Klinik für
Neurochirurgie des KSSG vom 12. November 2002, IV-act. 17-42 f.). Er befand,
anamnestisch und klinisch liege ein gutes Resultat an beiden Hüftgelenken vor. Der
Zustand der Wirbelsäule führe zu einer verminderten Belastbarkeit, da die ossäre
Konsolidierung nicht sicher nachgewiesen werden könne. In adaptierten Tätigkeiten sei
der Einsatz aufgrund des Bedarfs vermehrter Pausen um 30 % reduziert (IV-
act. 46-25). Die Klinik für Orthopädische Chirurgie KSSG führte in ihrem Bericht vom
15. März 2010 aus, seitens der rechten Hüfte bestünden Restbeschwerden aufgrund
von Vernarbungen nach Abtragung eines Osteophyten. Die tief lumbalen Schmerzen
mit Ausstrahlung ins Gesäss und in den Oberschenkel schienen nicht coxogener Natur
zu sein. Es zeige sich eine hypertrophe Callusbildung distal des Versorgungsgebietes
nach Spondylodese (IV-act. 143-52 f.). Daraus lässt sich kein Hinweis für eine
Verschlimmerung der Rückenschmerzen oder eine dauerhafte Verschlechterung des
Zustands der Hüfte herleiten. Auch aus dem Bericht des Schmerzzentrums des KSSG
vom 26. November 2014, in welchem plötzliche intermittierende, messerstichartige
Schmerzattacken beschrieben werden und die Schmerzen als nozizeptiv charakterisiert
werden (IV-act. 143-59 f.), ergeben sich keine solchen. Der Röntgenbefund vom
8. Dezember 2015 zeigte eine Anschlussdegeneration im Sinne einer Spondylarthrose
L4/5 und L5/S1 (IV-act. 143-61 f.). Infiltrationen in diesem Bereich blieben erfolglos
(Bericht Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates vom 15. November 2017, IV-act. 176-17 f.). Die orthopädische
Gutachterin der medexperts AG hatte Kenntnis von diesem Befund und der
nachfolgenden Facettengelenksinfiltration am 14. Dezember 2015 (IV-act. 60-31 f.), und
RAD-Arzt Dr. J._ nahm am 1. März 2018 dazu Stellung, die aufgrund der
Beschwerden in der Wirbelsäule attestierte Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % sei
mit der gutachterlich geschätzten Arbeitsfähigkeit von 70 % vereinbar (IV-act. 182). Er
sah demnach in den bildgebenden Befunden vom 8. Dezember 2015 keinen Grund,
das orthopädische Teilgutachten der medexperts AG in Frage zu stellen. Auch wenn
die Gutachterin darauf in ihrer Beurteilung nicht näher einging, ist davon auszugehen,
4.1.2.
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dass aufgrund der Facettengelenksarthrose keine wesentliche zusätzliche
Beeinträchtigung vorliegt beziehungsweise diese von den diagnostizierten
"radiologisch mässigen degenerativen Veränderungen" (IV-act. 160-54) miterfasst ist.
Den Berichten der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates des KSSG vom 14. und 15. November 2017 ist zu entnehmen,
dass die Wirbelsäulenpathologie im Vordergrund stehe und der Beschwerdeführer aus
wirbeltechnischer Sicht unter anderem an den Folgen einer sagittalen Imbalance und
einer fettigen Degeneration der Rückenmuskulatur leide. Aufgrund der Hüftprothesen
sei eine Tätigkeit mit Wechsel von Sitzen und Stehen ideal. In einer körperlich
schweren Tätigkeit könne mit der Bewegungseinschränkung im Hüftbereich keine
100%ige Leistung erreicht werden (IV-act. 181-4 ff.; IV-act. 176-17 f.). Auch dies
entkräftet die orthopädisch-gutachterliche Beurteilung nicht.
Aus der Diagnostik der orthopädischen Gutachterin geht hervor, dass sie die
vom Beschwerdeführer beklagten lumbalen Schmerzen auf die bildgebend
dargestellten degenerativen Veränderungen im Bereich der Spondylodese zurückführt.
Mit dem MRI-Befund vom 4. September 2018, der keine Anhaltspunkte für eine
Kompression der Nervenstrukturen ergab (Bericht Dr. med. Ch. Q._, Neurochirurgie
FMH, Klinik R._, IV-act. 207-8 ff.), hat sich nachträglich gezeigt, dass keine
radikulären Beschwerdekomponenten bestehen, welche nicht in die gutachterliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eingeflossen sind. Dass sich die Intensität der
somatisch bedingten Beschwerden seit der Begutachtung durch die MEDAS
Ostschweiz (Gutachten vom 4. Februar 2009; IV-act. 46) bis zur aktuellen medexperts-
Begutachtung vom Juli 2016 und danach bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung
vom 12. Dezember 2018 nicht dauerhaft und wesentlich verändert hat, ergibt sich auch
aus den RAD-Stellungnahmen von Dr. J._ vom 30. August 2016 (IV-act. 163) und
vom 29. Oktober 2018 (IV-act. 208). Es ist demnach gestützt auf beide Gutachten von
einer orthopädisch bedingten 30%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seit sicher
4. Februar 2009 (erstes Gutachten) und wohl schon früher bis zum Verfügungszeitpunkt
auszugehen.
4.1.3.
4.2.
Die psychiatrische Gutachterin fand im Juli 2016 keine Anhaltspunkte (mehr) für
Sinnestäuschungen, Wahrnehmungsstörungen, psychotische Störungen oder
Merkmale einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die hiesige Exploration habe
deutliche Hinweise auf narzisstische und passiv-aggressive Persönlichkeitsanteile
ergeben. Aktuell könnten keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
4.2.1.
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gestellt werden (IV-act. 160-45). Weil der Versicherte noch nie in der Schweiz
gearbeitet habe, spielten invaliditätsfremde Faktoren wie schwierige wirtschaftliche
Lage sowie mangelnde Sprachkompetenz eine grosse Rolle (IV-act. 160-42, 44).
Andere soziale Belastungen wie langdauernde Erwerbslosigkeit hätten nicht eruiert
werden können. Das Haupthindernis, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, seien
die Unwilligkeit und die Überzeugung, dass er von jemandem (Staat, Partnerin) versorgt
werden sollte. Der Beschwerdeführer verfüge über einige Ressourcen. Er besitze
ausreichendes Durchsetzungsvermögen, könne sich den Umständen entsprechend
unterschiedlich verhalten und sei in der Lage, seinen kleinen Sohn zu versorgen,
Menschen kennenzulernen und Kontakte zu pflegen (IV-act. 160-45 ff.). Die Beurteilung
der rückwirkenden Arbeitsunfähigkeit sei schwierig (IV-act. 160-47). Die Gutachterin
hielt die in der Psychiatrischen Klinik C._ erhobenen Diagnostik einer wahnhaften
Störung und des Verdachts auf eine paranoide Schizophrenie für kohärent und das
Vorhandensein einer posttraumatischen Belastungsstörung auch anhand der damals
erhobenen Anamnese und Befunde für fragwürdig (IV-act. 160-43 f.).
Zur Arbeitsfähigkeit äusserte die Gutachterin, der Beschwerdeführer sei bis 2011
(Angabe Beschwerdeführer, IV-act. 160-43) bzw. bis Ende März 2012 (Angabe
Dr. H._, IV-act. 167) bei Dr. H._ in Behandlung gewesen (IV-act. 167). Seitdem
seien keine weiteren ambulanten oder stationäre Psychotherapien mehr durchgeführt
worden (IV-act. 160-43). Es sei davon auszugehen, dass die Behandlung infolge
Besserung des psychischen Zustandes beendet worden sei, d.h. ab ca. 2012 bestehe
eine vollständige Arbeitsfähigkeit psychiatrischerseits (IV-act. 160-47). Während der
ambulanten Behandlung im Psychiatrischen Zentrum D._ und bei Dr. H._ habe eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf bestanden (IV-act. 160-47). Die
Gutachterin teilt zwar die von Dr. H._ gestellte Diagnose einer chronifizierten
paranoiden Schizophrenie nicht, da keine ausführliche Befunderhebung nach ADMP
erfolgt sei und der späte Beginn der Erkrankung sowie das Fehlen kognitiver Einbussen
und einer negativen Symptomatik (Antriebs- und Interessenminderung, affektive
Verflachung, soziale Isolierung), die nach langer Erkrankung auftreten müssten,
dagegen sprächen (IV-act. 160-44). In seinem Bericht seien zudem keine
symptomatischen bzw. funktionalen Einschränkungen aufgeführt (IV-act. 160-48). Dass
sie für den betreffenden Zeitraum dennoch eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit annimmt,
begründet die Gutachterin in der Stellungnahme vom 15. August 2017, sie habe mit
Dr. H._ Rücksprache genommen. Dieser habe ihr mitgeteilt, dass damals eine
deutliche psychotische Symptomatik bestanden habe. Seine Angaben deuteten
4.2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/20
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unmissverständlich darauf hin, dass damals eine wahnhafte Störung bestanden habe
(IV-act. 167).
Gemäss Arztbericht des Psychiatriezentrums D._ vom 27. April 2009 traten die
psychotischen Symptome nach Austritt aus der Psychiatrischen Klinik C._ deutlich in
den Hintergrund und konnten auch in der erneuten Therapiephase ab 12. November
2008 nicht mehr festgestellt werden. Nebst eines Verdachtes auf eine
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F 61.0) und eines Ehekonflikts (ICD-10: Z63.0) wurde
ein leichtes bis mittelgradiges depressives Syndrom (ICD-10: F32.1) erhoben und dem
Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (IV-act. 50-3), was die
Gutachterin nachvollziehbarerweise für ungerechtfertigt hielt (IV-act. 160-48). Auch der
nachbehandelnde Dr. H._ attestierte dem Beschwerdeführer eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit und vermerkte, dass dieser unbedingt regelmässig ein
Neuroleptikum einnehmen sollte. Der Beschwerdeführer sei aktuell nicht vermittelbar
(Arztbericht vom 2. Dezember 2009, IV-act. 57). Auf den Bericht von RAD-Arzt Dr. I._,
der den Beschwerdeführer zweimal untersuchte (11. November 2009 und 7. Januar
2010) und dabei eine chronifizierte Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) diagnostizierte,
deren Schweregrad als mittelschwer einstufte, die psychotische Symptomatik damit in
Zusammenhang stellte und echtzeitlich eine Arbeitsunfähigkeit von lediglich 30 %
attestierte (IV-act. 59), ging die Gutachterin gar nicht näher ein. Sie nahm ihn aber
offenbar zur Kenntnis (vgl. IV-act. 160-44) und fand ausreichende Gründe, von dieser
Einschätzung abzuweichen. Da die RAD-Beurteilung von Dr. I._ das nachträgliche
Gutachten nicht zu entkräften vermag, hat es für die retrospektive Einschätzung damit
sein Bewenden. Für die Zeit nach Beendigung der psychotherapeutischen Behandlung
im März 2012 stellt die gutachterliche Beurteilung die Einschätzung von Dr. I._ schon
deshalb in Frage, weil sie auf der effektiven Weiterentwicklung des psychischen
Gesundheitszustands basiert. Mangels vom Gutachten abweichender Einschätzungen
findet sich für die Annahme einer (höheren) Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
ab diesem Zeitpunkt keine Grundlage in den medizinischen Akten.
4.2.3.
Zusammenfassend ist somit auf das Gutachten der medexperts abzustellen und
für den Zeitraum vom 1. November 2008 bis Ende 2011 aus psychiatrischer Sicht von
einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % auszugehen. Aus orthopädischer Sicht wird die
70%ige Arbeitsfähigkeit bereits im Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 4. Februar
2009 attestiert, welches sich jedoch seinerseits zur rückwirkenden orthopädisch
begründeten Arbeitsfähigkeit nicht äussert. Der Bericht der Klinik für Orthopädische
Chirurgie des KSSG vom 2. Mai 2007 vermerkte eine deutliche Verbesserung der
Hüftgelenksbeweglichkeit mit regredienter Impingement-Symptomatik (IV-act. 17-1 f.),
4.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/20
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5.
so dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aus orthopädischer Sicht bereits ab
1. November 2008 von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % ausgegangen werden kann.
Das medexperts-Gutachten äussert sich nicht zur Frage, ob bzw. inwieweit sich
die nunmehr bestätigten, vom 1. November 2008 bis Ende 2011 nebeneinander
bestehenden Arbeitsunfähigkeiten von 50 % aus psychiatrischer und von 30 % aus
orthopädischer Sicht ergänzten. Die RAD-Ärzte Dr. I._ und Dr. J._ nahmen lediglich
eine teilweise Überschneidung der Einschränkungen aufgrund der psychiatrischen
Symptome und der orthopädischen objektiven Befunde an und attestierten zuvor eine
psychiatrisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 30 %, welche durch die orthopädischen
Einschränkungen um 20 % zu erhöhen sei, also gesamthaft eine Arbeitsunfähigkeit von
50 % (Bericht Dr. I._ vom 20. April 2010, IV-act. 59; Stellungnahme Dr. J._ vom
4. Mai 2010, IV-act. 60). Da nun aber die psychiatrische Gutachterin mit 50 % die
Arbeitsunfähigkeit höher einschätzt als es damals Dr. I._ mit 30 % tat, wäre dem
Beschwerdeführer entsprechend mehr Zeit für die orthopädisch notwendigen
zusätzlichen Pausen geblieben bzw. wäre es ihm zumutbar gewesen, das tägliche
50%-Pensum so einzuteilen, dass der orthopädisch notwendige Erholungsrhythmus
gewahrt geblieben wäre. Dies wäre bei einer nur 30%igen psychiatrischen
Arbeitsunfähigkeit schwieriger gewesen. Zudem erklärte die Gutachterin in ihrer
ergänzenden Stellungnahme vom 15. August 2017 nach Rücksprache mit Dr. H._,
weswegen sie eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiere und blieb bei ihrer
Einschätzung, dass diese von November 2008 bis Ende 2011 bestand (vgl. IV-
act. 167). Somit ist die psychiatrisch bedingte befristete Arbeitsunfähigkeit von 50 %
nicht zu erhöhen, weil gleichzeitig eine orthopädisch begründete Einschränkung von
30 % vorlag, und es ist ab dem 1. Januar 2012 von einer orthopädisch
eingeschränkten Arbeitsfähigkeit von 70 % auszugehen.
4.4.
Da der Beschwerdeführer in der Schweiz nie gearbeitet hat, sind die
Vergleichseinkommen nach dem Tabellenlohn gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) des
Bundesamtes für Statistik (BFS), Kompetenzniveau 1 Männer, zu bemessen. Der
Beschwerdeführer hat somit mit Wirkung ab 1. November 2008 bis zum 31. März 2012
Anspruch auf eine halbe Rente. Anschliessend besteht bei einer lediglich aus
orthopädischer Sicht um 30 % eingeschränkten adaptierten Arbeitsfähigkeit unter
Vornahme eines Prozentvergleichs ohne Abzug vom Invalideneinkommen kein
Rentenanspruch mehr bei einem Invaliditätsgrad von 30 %.
5.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/20
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Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25 % gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden
Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI
2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Gesundheitliche
Einschränkungen, die bereits in der Beurteilung des medizinischen
Zumutbarkeitsprofils enthalten sind, dürfen nicht zusätzlich in die Bemessung des
leidensbedingten Abzuges einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung
desselben Gesichtspunktes führen (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2018,
8C_552/2017, E. 5.3.1, mit weiteren Verweisen). Die Rechtsprechung gewährt
insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte
Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/bb S. 78). Sind hingegen
leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar, ist allein deswegen auch bei
eingeschränkter Leistungsfähigkeit noch kein Abzug gerechtfertigt, weil der
Tabellenlohn Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren
Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 2017. 8C_805/2016,
E. 3.4.2).
5.2.
Zum selben Ergebnis würde auch die Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzuges
von 10 % führen. Die Berücksichtigung des vom Beschwerdeführer beantragten
Abzuges von 15 % steht ausser Frage. Die orthopädische Gutachterin begründet die
Arbeitsunfähigkeit von 30 % mit einem vermehrten Pausenbedarf. Dem
Beschwerdeführer sind keine mittelschweren oder schweren Tätigkeiten zumutbar.
Zudem darf eine adaptierte Tätigkeit kein längeres Stehen oder Sitzen, Arbeiten in
vornübergebeugter Haltung oder unter Erschütterungen oder Vibrationen umfassen (IV-
act. 160-58). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ergibt sich aus dem
Gutachten nicht, dass die Arbeitsfähigkeit nicht ganztags verwertbar wäre. Somit fällt
ein Teilzeitabzug nicht in Betracht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 19. Juni 2017,
5.3.
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6.