Decision ID: 816247fd-744d-53cf-9594-47633019f0c1
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Poststrasse 6, Postfach 239,
9443 Widnau,
gegen
AXA Versicherungen AG, General Guisan Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1953 geborene A._ war bei der AXA Versicherungen AG (AXA) obligatorisch
gegen Unfälle versichert, als sie am 28. Januar 2009 im Rahmen einer Reposition der
Schulter unter Narkose im Landeskrankenhaus G._ einen Bruch beider Knochen des
rechten Unterarms erlitt (UV-act. M1 S. 3 – Ambulanzprotokoll des
Landeskrankenhauses G._, UV-act. M 12 – Bericht Prim. Dr. B._ vom 3. März
2010). Nach Lage der Akten trug sich folgendes zu: Nachdem sich die Versicherte am
30. Dezember 2008 wegen absoluter Schultersteife rechts (Tendinitis calcarea omi
permagna dext.) im Landeskrankenhaus hatte operieren lassen, wurde bei ihr am
28. Januar 2009 eine vordere Schulterluxation festgestellt, welche unter Kurznarkose
reponiert werden sollte (UV-act. M 6; M 1 - Ambulanzprotokoll vom 28. Januar 2009).
Gegen Ende des Repositionsversuchs kam es im Liegen mit Hypomochleon in der
Achsel und unter Zug und Abduktion sowie Aussenrotation zum Bruch des Unterarms
(vgl. UV-act. M 12, M 3 – Kurzarztbrief vom 6. Februar 2009). Daraufhin erfolgte am
29. Januar 2009 eine offene Reposition der Schulter sowie eine radiale und ulnare
Verplattung des Unterarms (UV-act. M3 und M5). Anlässlich der Untersuchung vom
2. Juni 2009 wurde bei der Versicherten eine hochgradige Osteopenie im
Übergangsbereich zur Osteoporose festgestellt (UV-act. M 3 – Bericht von Dr. C._
vom 2. Juni 2009).
A.b Mit Schreiben vom 9. November 2009 ersuchte die Versicherte, vertreten durch
MLaw A. Thomann, um Auszahlung des Unfalltaggeldes aufgrund des Ereignisses vom
28. Januar 2009 (UV-act. A 1). Mit Verfügung vom 31. März 2010 lehnte die AXA das
Gesuch ab (UV-act. A 17). Auch nach einem Wiedererwägungsgesuch der Versicherten
vom 8. April 2010 hielt die AXA mit Schreiben vom 26. April 2010 an ihrer Verfügung
vom 31. März 2010 fest (UV-act. A 19 und A 26).
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B.
Am 3. Mai 2010 erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. A.
Fiechter, Einsprache gegen die Verfügung vom 31. März 2010 (UV-act. A 29). In der
Folge holte die AXA ein Gutachten bei Dr. med. D._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie, Beratender Traumatologe, ein und konsultierte ihren Vertrauensarzt Dr. med.
E._, Spezialarzt FMH Chirurgie (UV-act. M 16 und M 18). Mit Entscheid vom
9. August 2010 wies die AXA die Einsprache ab. Das Kriterium der Ungewöhnlichkeit
des äusseren Faktors sei nicht erfüllt. Es liege daher kein Unfall vor (UV-act. A 34).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 9. August 2010 erhob die Versicherte am
14. September 2010 Beschwerde. Sie beantragt, der Einspracheentscheid sei
aufzuheben. Aufgrund des Unfalls vom 28. Januar 2009 seien gegenüber der
Beschwerdeführerin sämtliche Leistungen gemäss UVG (Bundesgesetz über die
Unfallversicherung; SR 832.20) zu erbringen wie Heilungskosten, Taggelder,
Therapiekosten, usw. Zudem seien eine UVG-Rente von mindestens 50% sowie eine
Integritätsentschädigung von mindestens 30% zu gewähren. Der Beschwerdeführerin
sei die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu bewilligen und es sei vom Erheben
einer Einschreibgebühr abzusehen. Es sei für eine Nachbegründung eine Nachfrist bis
zum 15. Oktober 2010 zu gewähren. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten der Beschwerdegegnerin, resp. infolge zu bewilligender, unentgeltlicher Rechts
verbeiständung zu Lasten des Staates. Sie macht im Wesentlichen geltend, beim
Bruch beider Unterarmknochen handle es sich um einen Unfall (vgl. UV-act. G 1).
C.b Mit Schreiben vom 21. September 2010 wurde der Beschwerdeführerin
antragsgemäss eine Nachfrist bis zum 11. Oktober 2010 gewährt (act. G 2).
C.c In ihrer Nachbegründung vom 11. Oktober 2010 führt die Beschwerdeführerin
aus, die Schulter sei nach der Operation vom 30. Dezember 2008 ausgekugelt
gewesen, was einen Unfall darstelle. Der Repositionsversuch der rechten Schulter sei
als Folge dieses Unfalls anzusehen. Leistungen für Schädigungen, die ihr während der
Heilbehandlung zugefügt worden seien, habe die Beschwerdegegnerin zu erbringen.
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Hätte tatsächlich ein erhöhtes Risiko von Knochenbrüchen bestanden, wäre von
Beginn weg ein operativer Eingriff angezeigt gewesen. Zudem sei sie weder über die
Risiken aufgeklärt noch sei ihre Einwilligung zum Eingriff eingeholt worden (vgl. act. G
3).
C.d In ihrer Beschwerdeantwort vom 13. Dezember 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Tatsachenbehauptungen
der Beschwerdeführerin würden bestritten, sofern und soweit sie nicht ausdrücklich als
richtig anerkannt würden. Die Beschwerdeführerin habe erstmals in der Eingabe vom
11. Oktober 2010 bereits das Ereignis vom 30. Dezember 2008 als Unfall qualifiziert. Es
sei fraglich, ob dies als rechtzeitig und zulässig betrachtet werden könne. Dass das
rechte Schultergelenk während der Operation vom 30. Dezember 2008 ausgekugelt
sei, sei unzutreffend bzw. nicht ausgewiesen. Auf die Beschwerde sei, soweit damit ein
Unfallereignis im Zusammenhang mit der Operation vom 30. Dezember 2008 geltend
gemacht werde, nicht einzutreten bzw. sofern darauf eingetreten werde, sei diese
abzuweisen. Bei der Beurteilung der Frage, ob ein Unfall im Rechtssinn vorliege, sei die
Operation vom 30. Dezember 2008 getrennt von den Folgebehandlungen zu prüfen
bzw. zu würdigen. Die versuchte Reposition vom 28. Januar 2009 sei medizinisch
indiziert gewesen und nach den Regeln der Kunst erfolgt. Kostenträger der Operation
vom 30. Dezember 2008 sei die Krankenkasse. Für die Folgen dieser Behandlung
komme Art. 6 Abs. 3 UVG nicht zum Zug (vgl. act. G 8).
C.e Mit Schreiben vom 17. Dezember 2010 wurde dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwalt lic.
iur. A. Fiechter entsprochen (act. G 10).
C.f Mit Replik vom 18. Januar 2011 hält die Beschwerdeführerin an ihren
Rechtsbegehren unverändert fest. Die rechte Schulter sei aufgrund einer ärztlichen
Sorgfaltspflichtverletzung während des operativen Eingriffs vom 30. Dezember 2008
ausgekugelt worden. Dabei handle es sich um einen Unfall. Der Repositionsversuch
vom 28. Januar 2009 sei nicht im Rahmen des Üblichen erfolgt. Zu jenem Zeitpunkt
habe keine eindeutige Osteoporose bestanden und die Osteopenie sei erst während
der Rehabilitation festgestellt worden. Da keine Aufklärung über die Risiken
stattgefunden habe, sei mit den Schädigungen nicht zu rechnen gewesen. Das Ereignis
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vom 28. Januar 2009 sei daher auch für sich allein betrachtet, als Unfall zu qualifizieren
(act. G 12).
C.g In der Duplik vom 8. Februar 2011 führt die Beschwerdegegnerin aus, dass die
Aktenlage keine klare zeitliche Zuordnung der Verrenkung erlaube, was sich aufgrund
der Beweislast zu Ungunsten der Beschwerdeführerin auswirke. Selbst wenn sämtliche
Mutmassungen der Beschwerdeführerin zutreffen würden, würde die Auskugelung
keinen Unfall im Rechtssinn darstellen. Die späteren Behandlungen wären daher nicht
Heilbehandlungen im Sinn von Art. 6 Abs. 3 UVG. Zwischen dem Unfallereignis selbst
und den darauf zurückzuführenden Behandlungen sei rechtlich zwingend zu
differenzieren. Das Ereignis vom 28. Januar 2009 sei kein Unfall (act. G 14).
C.h Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt
der übrigen Akten wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Zunächst ist zu klären, ob und inwiefern auf die Vorbringen der Beschwerdeführerin
bezüglich des Ereignisses vom 30. Dezember 2008 einzutreten ist.
1.1 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen bzw. zu beurteilen, zu denen die zuständige
Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung – Stellung
genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. (...) Streitgegenstand im System der
nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, welches – im
Rahmen des durch die Verfügung bestimmten Anfechtungsgegenstands – den
aufgrund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungsgegenstand
bildet. Nach dieser Begriffsumschreibung sind Anfechtungsgegenstand und
Streitgegenstand identisch, wenn die Verwaltungsverfügung insgesamt angefochten
wird. Bezieht sich demgegenüber die Beschwerde nur auf einen Teil des durch die
Verfügung bestimmten Rechtsverhältnisses, gehören die nicht beanstandeten
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Teilaspekte des verfügungsweise festgelegten Rechtsverhältnisses zwar wohl zum
Anfechtungs-, nicht aber zum Streitgegenstand. In der Verwaltungsverfügung
festgelegte – somit Teil des Anfechtungsgegenstands bildende –, aber aufgrund der
Beschwerdebegehren nicht mehr streitige – somit nicht zum Streitgegenstand zählende
– Fragen prüft der Richter nur, wenn die nicht beanstandeten Punkte in engem
Sachzusammenhang mit dem Streitgegenstand stehen (BGE 125 V 413 E. 1).
1.2 Die Beschwerdeführerin macht in der Nachbegründung zur Beschwerde vom
11. Oktober 2010 geltend, der Repositionsversuch der Schulter vom 28. Januar 2009,
welcher zum Unterarmbruch führte, sei nur nötig gewesen, weil die Schulter nach der
Operation vom 30. Dezember 2008 ausgekugelt gewesen sei. Dass das Schultergelenk
während der Operation ausgekugelt sowie nicht wieder korrekt eingesetzt worden sei
und dies von den Ärzten unerkannt geblieben sei, stelle einen ungewohnten,
programmwidrigen Vorgang, respektive einen krassen Verstoss gegen die ärztliche
Sorgfaltspflicht bei einem relativ risikoarmen Eingriff dar. Somit habe aufgrund der
Ungewöhnlichkeit bereits hier ein Unfall vorgelegen (act. G 3 Ziffer 1). Die
Beschwerdegegnerin dagegen bringt vor, es erscheine fraglich, ob die erstmals mit
Eingabe vom 11. Oktober 2010 – und somit nach Ablauf der Rechtsmittelfrist – geltend
gemachte neue Argumentation betreffend die Qualifikation des Ereignisses vom
30. Dezember 2008 als Unfall überhaupt als rechtzeitig und zulässig betrachtet werden
könne. Jedenfalls wäre auf dieses neue Begehren mangels Anfechtungsgegenstand
nicht einzutreten, da die AXA den "Unfallcharakter" dieses Ereignisses nie geprüft und
darüber nie verfügt habe (act. G 8 Ziffer 3.1).
1.3 Es stellt sich die Frage, ob in casu der Streitgegenstand über den
Anfechtungsgegenstand hinausgeht. Am 31. März 2010 verfügte die
Beschwerdegegnerin, aus der obligatorischen Unfallversicherung nach Bundesgesetz
würden für das Ereignis vom 28. Januar 2009 keine Leistungen erbracht (UV-act. A 17).
Mit Wiedererwägung vom 8. April 2010 beantragte die Beschwerdeführerin, die
Verfügung sei aufzuheben und der Vorfall sei als Unfall zu werten (UV-act. A 19), was
die Beschwerdegegnerin ablehnte – an der Verfügung vom 31. März 2010 werde
festgehalten (UV-act. A 26). Daraufhin erhob die Versicherte Einsprache und stellte den
Antrag, das Ereignis vom 28. Januar 2009 sei als Unfall zu werten und die Verfügung
vom 31. März 2010 entsprechend abzuändern (UV-act. A 29). Mit Entscheid vom 9.
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August 2010 wies die Beschwerdegegnerin die Einsprache ab (UV-act. A 34).
Demzufolge hat die Beschwerdegegnerin, wie sie zutreffend bemerkte, den operativen
Eingriff vom 30. Dezember 2008 weder eingehend geprüft noch ausdrücklich darüber
verfügt. Mit der Verfügung vom 31. März 2010 hat sie jedoch allgemein eine
Leistungspflicht bezüglich des Ereignisses vom 28. Januar 2009 verneint. Darunter fällt
auch die Leistungspflicht für allfällige Schädigungen, die der Beschwerdegegnerin
während einer Heilbehandlung (in casu während der Behandlung der Schulterluxation)
zugefügt wurden (vgl. Art. 6 Abs. 3 UVG). Zudem hat die Beschwerdegegnerin die
Operation vom 30. Dezember 2008 sowohl in der Verfügung wie auch im
Einspracheentscheid im Sachverhalt bzw. in den Erwägungen erwähnt. Dies lässt
darauf schliessen, dass sie den medizinischen Eingriff vom 30. Dezember 2008 als
relevant erachtete. Somit steht fest, dass auch die Operation vom 30. Dezember 2008
Teil des Anfechtungsgegenstands bildet. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
kann das Gericht auch Fragen prüfen, die aufgrund der Beschwerdebegehren nicht
mehr streitig sind, aber mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang
stehen (vgl. BGE 125 V 413 E. 1b in fine). Dasselbe hat zu gelten, wenn eine Frage zu
prüfen ist, die zwar vom Anfechtungsgegenstand erfasst wird, jedoch erst mit der
Beschwerde explizit zum Streitgegenstand wurde. Dies umso mehr, als die
Beschwerdegegnerin im Rahmen ihrer Untersuchungspflicht gemäss Art. 43 Abs. 1
ATSG den Sachverhalt ohnehin von Amtes wegen abzuklären hatte, wobei sie nicht an
die Anträge der Beschwerdeführerin gebunden war (vgl. U. Kieser, ATSG-Kommentar,
2. Aufl., 2009, N 9 zu Art. 43). Mit anderen Worten hätte die Beschwerdegegnerin
bereits bei der Abklärung des Sachverhalts erkennen müssen, dass zwischen dem
Ereignis vom 30. Dezember 2008 und demjenigen vom 28. Januar 2009 (also nur kurze
Zeit später), die beide den gleichen Körperteil betrafen, ein Zusammenhang bestehen
könnte, und sie hätte daher auch das Ereignis vom 30. Dezember 2008 vor
Verfügungserlass eingehender prüfen müssen. Demzufolge bildet auch der operative
Eingriff vom 30. Dezember 2008 Streitgegenstand und es ist auf diesbezügliche
Vorbringen der Beschwerdeführerin einzutreten.
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin als Unfallversicherer für die
Folgen des Vorfalls vom 28. Januar 2009 leistungspflichtig ist.
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2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Zudem erbringt die Versicherung Leistungen für Schädigungen, die dem
Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (vgl. Art. 6 Abs. 3 UVG). Als Unfall
gilt die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen
äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der
körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG).
2.2 Nach der Definition des Unfalls bezieht sich das Begriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen
selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere
Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere
Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich
Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall,
wobei grundsätzlich nur die objektiven Verumständungen in Betracht fallen (RKUV
2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 118 V 61 E. 2b, 283 E.
2a, je mit Hinweisen). Die Grundsätze zum Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit
gelten auch, wenn zu beurteilen ist, ob ein ärztlicher Eingriff den gesetzlichen
Unfallbegriff erfüllt. Die Frage, ob eine ärztliche Vorkehr als ungewöhnlicher äusserer
Faktor zu betrachten sei, ist auf Grund objektiver medizinischer Kriterien zu beant
worten. Sie ist nur dann zu bejahen, wenn die ärztliche Vorkehr als solche den
Charakter des ungewöhnlichen äusseren Faktors aufweist (...). Nach der Praxis ist es
mit dem Erfordernis der Aussergewöhnlichkeit streng zu nehmen, wenn eine
medizinische Massnahme in Frage steht. Damit eine solche Vorkehr als
ungewöhnlicher äusserer Faktor qualifiziert werden kann, muss ihre Vornahme unter
den jeweils gegebenen Umständen vom medizinisch Üblichen ganz erheblich
abweichen und zudem, objektiv betrachtet, entsprechend grosse Risiken in sich
schliessen. Im Rahmen einer Krankheitsbehandlung, für welche die Unfallversicherung
nicht leistungspflichtig ist, kann ein Behandlungsfehler ausnahmsweise den
Unfallbegriff erfüllen, nämlich wenn es sich um grobe und ausserordentliche
Verwechslungen und Ungeschicklichkeiten oder sogar um absichtliche Schädigungen
handelt, mit denen niemand rechnet noch zu rechnen braucht. Ob ein Unfall im Sinn
des obligatorischen Unfallversicherungsrechts vorliegt, beurteilt sich unabhängig
davon, ob der Arzt oder die Ärztin einen Kunstfehler begangen hat, der eine (zivil- oder
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öffentlichrechtliche) Haftung begründet. Ebenso wenig besteht eine Bindung an eine
allfällige strafrechtliche Beurteilung des ärztlichen Verhaltens (vgl. Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] U 56/01 vom 18. Juli 2003 E. 2.3; BGE
121 V 35 E. 1b; A. Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl.,
2003, S. 24).
2.3 Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht,
der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben
den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln. Indessen ist die
leistungsansprechende Person gesetzlich verpflichtet, dabei mitzuwirken. Sie muss die
Umstände des Unfalls glaubhaft machen. Kommt sie dieser Aufforderung nicht nach,
indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das
Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lässt, besteht
keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht, zu
beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der
Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen
Beweise zu erheben und kann zu diesem Zweck auch die Parteien heranziehen (RKUV
1990 Nr. U 86 S. 50). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn
einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine
Beweislast insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener
Partei ausfällt, die aus dem unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese
Beweisregel kommt zur Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
kein wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 305 E. 5b). Wird
also auf dem Weg der Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht
wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt nicht (T.
Locher, Grundriss des Sozialver-sicherungsrechts, 2003, 3. Aufl., S. 451 f.), so hat
dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden
Person auswirkt (BGE 116 V 140 E. 4b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, bereits während der Operation vom
30. Dezember 2008 sei ihr das Schultergelenk ausgekugelt und nicht wieder korrekt
eingerenkt worden. Dies stelle einen Unfall dar. Der misslungene Repositionsversuch
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vom 28. Januar 2009 sei Folge dieses Unfalls. Die Beschwerdegegnerin habe daher
Leistungen gemäss Art. 6 Abs. 3 UVG zu erbringen (act. G 3 Ziffer 1). Die
Beschwerdeführerin habe kurz nach der Operation bemerkt, dass die Schulter nicht der
Normalposition entsprochen habe. Die Angelegenheit sei jedoch trotz Meldung an den
Arzt und den Physiotherapeuten nicht näher abgeklärt worden. Dass das
Schultergelenk anlässlich der Kontrolle vom 8. Januar 2009 aktiv ein massives Defizit
aufgewiesen habe, indiziere eine anormale Schulterposition. Aufgrund der mit einer
Verrenkung einhergehenden Schmerzen hätte sie eine solche, falls sie nicht während
oder kurz nach der Operation geschah, mit Sicherheit gespürt (act. G 12 Ziffer 1). Die
Beschwerdegegnerin dagegen führt aus, es treffe nicht zu bzw. sei jedenfalls nicht
ausgewiesen, dass das Schultergelenk während der Operation vom 30. Dezember
2008 ausgekugelt sei. Die Entstehung der Luxation könne zeitlich nicht eindeutig
bestimmt werden (act. G 8 Ziffer 3.2). Dies wirke sich aufgrund der Beweislast zu
Ungunsten der Beschwerdeführerin aus (act. G 14 Ziffer 1.1). Vorliegend ist folglich zu
klären, ob die Schulter während der Operation vom 30. Dezember 2008 auskugelte und
daher eine fehlerhafte Behandlung einer Krankheit vorliegt, die einen Unfall darstellt.
3.2 Dem Operationsbericht vom 31. Dezember 2008 lassen sich keine Hinweise
entnehmen, dass es während der Operation vom 30. Dezember 2008 zu
aussergewöhnlichen Vorfällen gekommen sei. Postoperativ waren die Abduktion und
die Aussenrotation frei. Die Innenrotation war endlagigst eingeschränkt (vgl. UV-act. M
6). Auch anlässlich der Kontrolle vom 8. Januar 2009 war die Bewegung hinsichtlich
Abduktion und Aussenrotation frei. Aktiv bestand jedoch ein massives Defizit, das
vermutlich auch zentral mitgeprägt war. Eine intensive Physio-Therapie wurde
angeordnet (UV-act. M 1 – Eintrag vom 8. Januar 2009). Gemäss dem
unfallchirurgischen Fachgutachten vom 11. November 2009 von Univ.-Prof. Dr. F._,
Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, H._, ist die kurz darauf (d.h.
nach dem Spitalaufenthalt vom 30. Dezember 2008 bis 4. Januar 2009) diagnostizierte
vordere untere Schulterverrenkung bei einer passiven freien Beweglichkeit in Abduktion
und Aussenrotation, jedoch massiven Bewegungseinschränkung vom 8. Januar 2009 in
zeitlichem Zusammenhang mit dem operativen Eingriff vom 30. Dezember 2008 zu
sehen. Es könne nicht näher präzisiert werden, ob sich diese Verrenkung präoperativ
oder postoperativ, etwa im Rahmen der Lagerung, der ersten Bewegungen oder der
pflegerischen und Bewegungsmassnahmen ergeben habe; dies unter primär laufender
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Schmerzmedikation und naturgemäss postoperativ eingeschränkter aktiver
Bewegungsmöglichkeit. Der Eingriff vom 30. Dezember 2008 sei letztlich mit Dauer voll
kunstgerecht durchgeführt worden. Die erste vordere untere Schulterverrenkung rechts
sei nun im Rahmen bzw. kurz nach diesem Eingriff entstanden, sei es im Rahmen von
Mobilisationsmanövern, sei es bei nachfolgender Lagerung, ersten Bemühungen in der
Folge, wobei nähere Details, etwa aus einem Pflegeprotokoll heraus zur exakten
Evaluierung des Verlaufs in den ersten Tagen nach dem Vorfall nicht hätten abgelesen
werden können. Die Evaluierung aus der Klinik, aber auch aus der Radiologie heraus
etwas später möge auch mit dem post-operativen Zustand einer Ruhigstellung, einer
Schmerzmedikation etc. sehr gut im Einvernehmen stehen (vgl. UV-act. M 15 S.10 ff.).
Gemäss der Beratung vom 14. Januar 2010 von Dr. E._ muss die Luxation zwischen
der Operation bzw. dem 8. Januar 2009 anlässlich der Kontrolle, wo offensichtlich noch
keine Luxation bestanden habe, und dem 28. Januar 2009 passiert sein. Die Ursache
sei ihm nicht klar. Falls eine Defiléeerweiterung durchgeführt worden sei, könne dies
auch einmal schleichend im Rahmen der postoperativen Rehabilitation auftreten. Es
erscheine ihm allerdings relativ selten und seltsam. Rein aus den Akten könne er nicht
von einem Fehlverhalten der Ärzte ausgehen (vgl. UV-act. M 8). Im Gutachten vom 17.
Mai 2010 von Dr. E._ wird festgehalten, ursächlich für den Vorfall vom 28. Januar
2009 spiele die Tendinosis calcarea bzw. Frozen Shoulder Komponente, welche
anfangs Dezember festgestellt wurde, eben eine Rolle, indem dies überhaupt zur
primären Operation am 30. Dezember 2008 geführt habe, was dann bekanntlich zu
einer verhakten Luxation glenohumeral rechts geführt habe (vgl. UV-act. M 16 S. 7). Der
die AXA beratende Dr. E._ stellte fest, gemäss dem Operationsbericht sei der Eingriff
vom 30. Dezember 2008 korrekt durchgeführt worden, ebenso die Nachbehandlung
und die operativen Eingriffe am 29. Januar 2009. Das Vorliegen eines
Behandlungsfehlers könne er nicht erkennen (vgl. UV-act. M 18).
3.3 Demzufolge lässt sich aufgrund der vorliegenden Akten nicht beurteilen, wann
genau die rechte Schulter auskugelte. Die Beschwerdeführerin wurde am
30. Dezember 2008 an der rechten Schulter operiert. Wäre die Schulter während dieser
Operation ausgekugelt, hätten die Ärzte dies mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
bemerkt, haben sie doch an besagter Schulter den Eingriff durchgeführt. Unter
Berücksichtigung der Tatsache, dass nach einer Kalkentfernung an der Schulter die
aktive Bewegungsmöglichkeit naturgemäss eingeschränkt ist, stellt das am 8. Januar
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2009 festgestellte massive aktive Defizit keinen eindeutigen Hinweis auf eine bereits
damals ausgekugelte Schulter dar. Aus dem Operationsbericht wie den Gutachten
lässt sich nicht entnehmen, dass die Schulter aufgrund einer groben und
ausserordentlichen Verwechslung oder Ungeschicklichkeit auskugelte bzw. absichtlich
ausgekugelt wurde. Die Ungewöhnlichkeit eines äusseren Faktors ist somit nicht
dargetan und ein Unfall im Rahmen der Krankheitsbehandlung daher nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen (vgl. Art. 4 ATSG i.V.m. BGE 121 V
35 E. 1b). Demzufolge ist der am 28. Januar 2009 durchgeführte Repositionsversuch
keine Heilbehandlung im Sinn einer zweckmässigen Behandlung der Unfallfolgen (vgl.
Art. 10 UVG). Eine Anwendung von Art. 6 Abs. 3 UVG ist somit in casu ausgeschlossen.
4.
4.1 Weiter rügt die Beschwerdeführerin, der im Rahmen des Repositionsversuchs
vom 28. Januar 2009 erfolgte Unterarmbruch stelle einen Unfall dar. Insbesondere sei
es ungewöhnlich und sprenge den normalen Rahmen, wenn beide Unterarmknochen
gebrochen würden (act. G 1 Ziffer III/1). Die Knochenbrüche seien durch eine grobe
und ausserordentliche Ungeschicklichkeit der beteiligten Personen verursacht worden.
Kein Patient müsse damit rechnen, dass ihm bei einem solchen Eingriff zwei Knochen
gebrochen würden. Hätte ein tatsächliches Risiko von Knochenbrüchen bestanden,
hätte der Eingriff von Beginn weg operativ vorgenommen werden müssen (act. G 3
Ziffer 2). Es habe im Zeitpunkt des Ereignisses vom 28. Januar 2009 keine eindeutige
Osteoporose bestanden. Eine Osteopenie sei erst am 2. Juni 2009 festgestellt worden
(act. G 12 Ziffer 2). Die Beschwerdegegnerin hingegen bringt vor, der Eingriff sei "lege
artis" erfolgt. Aus dem Unterarmbruch allein lasse sich keine grobe und
ausserordentliche Ungeschicklichkeit der beteiligten Personen ableiten. Die bereits
vorbestehende Osteopenie habe womöglich die Entstehung der Fraktur begünstigt
(act. G 8 Ziffer 3.3 und act. G 14 Ziffer 1.2).
4.2 Im Gutachten vom 11. November 2009 bemerkt Univ.-Prof. F._ zur Luxations-
und Fraktursituation, dass Komplikationen dieser Art (namentlich Bruch der
Unterarmknochen) eintreten könnten. Es lägen erschwerende Faktoren, wie die
deutliche Knochenentkalkung vor. Eine verhakte Schulterverrenkung, die gedeckt in
typischer Weise zu reponieren sei, erfordere ein entsprechend kraftvolles
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Repositionsmanöver. Die anzumerkende deutliche Osteoporose – entsprechende
pathologische Vorbefunde hätten nicht vorgelegen – sei zur Frakturentstehung im
Unterarmbereich ein wesentlicher Begleitbefund (act. M 15 S. 14 f.). Dr. E._ hingegen
erwähnt, dass im Zeitpunkt des Vorderarmbruchs keine eindeutige Osteoporose
bestanden habe. Erst am 2. Juni 2009 sei eine Osteopenie (also noch keine eigentliche
Osteoporose) festgestellt worden. Rein aus den Akten könne nicht von einem
Fehlverhalten der Ärzte ausgegangen werden. Es handle sich jedoch klar um eine
Komplikation bzw. einen Schaden, der anlässlich des Repositionsmanövers am
28. Januar 2009 aufgetreten sei (UV-act. M 8). Gemäss Dr. E._ ist es eine bekannte
Tatsache, allerdings mit geringem Risiko, dass bei einer Schultermobilisation oder einer
Schulterreposition Frakturen insbesondere am Oberarm, seltener am Vorderarm als
normale Komplikation auftreten können. Im vorliegenden Fall habe es sich um eine
sogenannte verhakte vordere untere Schulterluxation gehandelt, bei der selbst unter
Narkose starke Hebelkrafteinwirkungen auf Oberarm und Unterarm aufgewendet
werden müssten. Der Repositionsversuch sei gemäss Krankengeschichte lege artis
durchgeführt worden. Es sei völlig unbeabsichtigt aber aufgrund der Gesamtsituation
nachvollziehbar zur Fraktur des Vorderarmes gekommen. Es handle sich hier ganz klar
um eine unbeabsichtigte Verletzung anlässlich eines therapeutischen Vorgangs. Wie
weit eine vorbestehende Osteoporose/Osteopenie der Vorderarmknochen sich
begünstigend auf die Entstehung der Fraktur ausgewirkt habe, könne aufgrund der
vorliegenden Akten nicht abschliessend beurteilt werden. Das Vorliegen eines
Behandlungsfehlers könne er nicht erkennen. Die auf dem Röntgenbild vom 1.
Dezember 2008 erkennbare Osteopenie weise ein Ausmass auf, das ein massives
Risiko einer akzidentellen Frakturierung des Vorderarmes kaum erkennen lasse (vgl.
UV-act. M 18).
4.3 Zwar sind in casu die Folgen des Eingriffs vom 28. Januar 2008 als ungewöhnlich
zu werten, sind doch Brüche des Unterarms anlässlich eines Repositionsmanövers der
Schulter eher selten (vgl. UV-act. M 15 S. 14 f., M 18). Dennoch lässt sich aufgrund der
aussergewöhnlichen Folgen nicht auf eine Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren
Faktors bzw. einen Unfall schliessen. Das Merkmal der Ungewöhnlichkeit muss im
äusseren Faktor selbst vorliegen, nicht in dessen Wirkungen. Dies ist bei einem
medizinischen Eingriff nur dann der Fall, wenn dessen Vornahme unter den gegebenen
Umständen vom medizinisch Üblichen ganz erheblich abweicht und zudem, objektiv
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
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betrachtet, entsprechend grosse Risiken in sich schliesst (vgl. BGE 118 V 283 E. 2b).
Den Gutachtern zufolge ist der Eingriff vom 28. Januar 2009 lege artis erfolgt. Es ist
kein Behandlungsfehler zu erkennen. Der Repositionsversuch vom 28. Januar 2009 ist
somit nicht als "ganz erheblich vom medizinisch Üblichen abweichend" zu qualifizieren.
Das Merkmal der Ungewöhnlichkeit ist nicht erfüllt. Das Vorliegen eines Unfalls im Sinn
von Art. 4 ATSG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 UVG bezüglich des Ereignisses vom 28. Januar
2009 ist demzufolge zu verneinen.
5.
Zusammenfassend steht fest, dass weder der operative Eingriff vom 30. Dezember
2008 noch der Repositionsversuch vom 28. Januar 2009 einen Unfall darstellen. Die
Beschwerdeführerin hat daher keinen Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung.
Die Voraussetzungen für die einzelnen Leistungsarten (Heilungskosten, Taggelder,
Integritätsentschädigung, Invalidenrente) sind daher nicht im Einzelnen zu prüfen.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Der Beschwerdeführerin wurde die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung am 13. Dezember 2010 bewilligt (act. G 10). Sie
kann indessen, wenn es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse gestatten, zur Nachzahlung
der vom Staat entschädigten Parteikosten verpflichtet werden (Art. 117 ff. der
Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, [VRP; sGS 951.1]). Zufolge unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung ist der Staat zu verpflichten, für die Kosten der Rechtsvertretung
der Beschwerdeführerin aufzukommen, wobei dem unentgeltlichen Rechtsbeistand
lediglich ein um 20% reduziertes Honorar zusteht (vgl. Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70; Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten
[HonO; sGS 963.75]). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen spricht in
unfallversicherungsrechtlichen Verfahren gestützt auf Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO
regelmässig eine (ungekürzte) pauschale Entschädigung zwischen Fr. 3'500.-- und
Fr. 4'500.-- zu. Es ist kein Anlass ersichtlich, weshalb im vorliegenden Fall anders zu
verfahren wäre. In Würdigung aller Umstände ist die Parteientschädigung vorliegend
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auf Fr. 3'200.-- (80% von Fr. 4'000.-- inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzulegen
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP