Decision ID: 23f50ffe-8952-5902-a5f2-ad033bc0be27
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965, meldete sich am 8. April 2010 unter Hinweis auf Depressionen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Ver
fügung vom
1
.
Februar 2013
bei einem Invaliditätsgrad von 50
%
eine halbe Rente ab 1. August 2012 zu (Urk. 6/
48+44
).
1.2
Nach Eingang eines am 14. Februar 2018 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 6/51) holte die IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten ein, das am 15. Au
gust 2018 erstattet wurde (Urk. 6/57). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfah
ren
(Urk. 6/59
-63
) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom
20. Dezember 2018
die bisher
ausgerichtete
halbe
Rente
per Ende Januar 2019
auf (Urk. 6/64
= Urk.
2
).
2.
Die Versicherte erhob am
31. Januar 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
20. Dezember 2018
(Urk. 2) und beantragte
sinngemäss
, diese sei aufzuheben und es sei
festzustellen, dass sie ab Februar 2019
weiterhin
Anspruch auf
eine halbe Invalidenrente
habe
(Urk. 1
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
13. März 2019
(Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
12. April 2019 wurde das Gesuch der Beschwerde
führerin um unentgeltliche Prozessführung
(vgl. Urk. 1)
abgewiesen
und
es wurde ihr
die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
ga
benbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
li
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7,
Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rerseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Aus
wir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berü
cksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.7
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Ab
schätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträch
tigun
gen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen las
sen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch an
hand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und so
mit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich im
mer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rah
men des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwor
tet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang an
dauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeits
unfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu er
bringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass sich die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin verbessert habe. Dafür spreche, dass sie seit 2011 keine Medikation mehr einnehme und seit 2012 nicht mehr in psychiatrischer Behandlung stehe. Die medizinisch ausgewie
sene Arbeitsunfähigkeit könne sich durch eine psychiatrische Behandlung mit medikamentöser Unterstützung verbessern (S. 1 unten). Solange noch Therapie
möglichkeiten vorhanden seien, liege keine invalidisierende gesundheitliche Ein
schränkung vor (S. 2 oben).
Dem zugehörigen Feststellungsblatt (Urk. 6/58) ist zu entnehmen, dass ein gere
gelter Tagesablauf als vorhanden erachtet w
erde
. Sozial sei die Beschwerdefüh
rerin eingebunden, so bestehe Kontakt zur Nachbarin, einer Freundin, dem Sohn und ihrer Mutter. Im März 2018 sei sie zudem 3 Wochen in Japan im Urlaub gewesen (S. 4 unten).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), ihr bis dahin 7 Jahre lang ausgeführter Temporär-Job sei am 15. Dezember 2015 durch einen Nervenzusammenbruch jäh beendet worden. Sie sei in eine tieftrau
rige Stimmung verfallen mit der Folge, dass sie sich schlussendlich nichts mehr zugetraut habe und vor jeder nicht kontrollierbaren Aufgabe Angst gehabt habe. Auch sozial habe sie sich immer mehr zurückgezogen. Nur ein Minimum an Funktionalität
(Essen/Trinken/Hygiene) sei gegeben gewesen. An eine Wiederauf
nahme des Arbeitsverhältnisses sei nicht zu denken gewesen und so seien dann irgendwann auch noch Ängste finanzieller Art dazu gekommen, so dass sie sich noch mehr zurückgezogen habe.
2.3
Zu untersuchen ist zunächst, ob ein Revisionsgrund im Sinne einer relevanten Änderung in den tatsächlichen Verhältnisse
n
seit Zusprechung der Rente am
1
.
Februar 2013
vorliegt. Im Anschluss ist gegebenenfalls der strittige Leistungs
anspruch der Beschwerdeführerin anhand der einschlägigen Standardindikatoren (vgl. vorstehend E. 1.
4-7
) zu prüfen.
3.
3.1
Die rentenzusprechende Verfügung vom 1. Februar 2013 stützte sich auf die nachstehenden ärztlichen Berichte und Stellungnahmen.
3.2
Die Ärzte der
Y._
führten im Bericht vom 10. Juni 2010 (Urk. 6/12) aus, die ambulante Behandlung erfolge seit dem 15. Februar 2010 (S. 2 Ziff. 1.2). Sie nannten folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), bestehend seit 2 Jahren
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen,
anankasti
schen
und selbstunsicheren Zügen (F61.0), bestehend seit mindestens 10 Jahren
Fast durchgehend gedrückte Stimmung, Freud- und Interesselosigkeit und
eine
Antriebsstörung seien die Hauptmerkmale des depressiven Syndroms. Zudem gebe es eine ausgeprägte Einschlafstörung und diskret vorhandene Appetitlosig
keit (S. 3 oben). Die Persönlichkeitsstörung gehe mit hohem Leidensdruck einher. Es seien tiefgreifende Änderungen der Verhaltensmuster in vielen sozialen und persönlichen Situationen zu eruieren. Daher rührten die massiven Einschränkun
gen in der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit. Konkret zeige sich eine
Persönlichkeit, die durch Zweifel, übermässige Vorsicht und Perfektionismus ge
kennzeichnet sei. Es gebe eine völlige Vernachlässigung des eigenen Vergnügens und keinerlei Fähigkeit zum Ausdruck positiver Gefühle. Die Beziehungsgestal
tung erfolge hauptsächlich im «Schwarz-Weiss Muster», sprich durch Idealisie
rung und/oder Entwertung (S. 3 oben Ziff. 1.4).
Die Prognose
sei bei der depres
siven Störung eher gut, bei der Persönlichkeitsstörung eher schlecht (S. 3 Mitte Ziff. 1.4).
Neben den Schwierigkeiten aufgrund der häufig deprimierten Stimmungslage, der manchmal fehlenden Konzentration
und dem fehlenden Antrieb bestü
nden Schwierigkeiten in der Interaktion bei massiv fehlendem Selbstbewusstsein mit deutlicher Unausgeglichenheit in den Einstellungen und im Verhalten. Ebenfalls leide die Patientin an häufigen Gedankenblockaden und einer ausgeprägten Un
entschlossenheit (S. 3 Ziff. 1.7). Der Patientin falle es schwer, sich in Gruppen zu integrieren oder Vertrauen zu fassen. Sie fühle sich häufig hintergangen und nicht ernst genommen (S. 4 oben Ziff. 1.7). Die bisherige Tätigkeit sei aus medi
zinischer Sicht in einem zeit
lichen Rahmen von 50
%
zumutbar. Es bestehe auch eine verminderte Leistungsfähigkeit von 50
%
. Eine behinderungsangepasste Tä
tigkeit sei
ab jetzt für 6 Stunden pro Tag (75
%
) zumutbar. Das Belastungsprofil beinhalte einen Arbeitsplatz mit wenig Stress, mit einer klaren und nicht kom
plexen Aufgabenstellung, ausreichend Pausenmöglichkeiten, möglichst geringem Zeitdruck sowie ohne Entscheidungsdruck (S. 4 Mitte Ziff. 1.7).
Es werde eine rehabilitative berufliche Massnahme empfohlen, da aufgrund der langen Arbeitslosigkeit eine starke
Dekonditionierung
stattgefunden habe. Bei ei
ner Fortführung der psychotherapeutischen Behandlung in Kombination mit dem Aussuchen eines geeigneten Arbeitsplatzes könne mit einer Erhöhung der Ar
beitsfähigkeit jenseits der Grenze von 50
%
gerechnet werden (S.
4 f. Ziff. 1.11).
3.3
Im Bericht vom 30. November 2011 (Urk. 6/27) präzisierten die Ärzte der
Y._
, bei der Persönlichkeitsstörung handle es sich um eine tiefgreifende Erkrankung, die nur durch eine langjährige Psychotherapie in ihrer Symptomatik abgemildert werden könne (S. 3 Mitte Ziff. 1.4). Das therapeutische Setting bestehe im Mo
ment aus regelmässigen, in der Regel dreiwöchentlich stattfindenden psychothe
rapeutischen Gesprächen sowie einer antidepressiven Medikation (S. 3 Ziff. 1.5). Im Moment arbeite die Patientin zu 20 bis 40
%
als Pressesortiererin. Eine Erhö
hung auf 50
%
sei durchaus vorstellbar. Zur Frage, ob sie ihre vorherige Arbeit als kaufmännische Angestellte wiederaufnehmen könne, sei im Moment keine abschliessende Aussage möglich. Eine
Rekonditionierung
der Patientin im Ar
beitsumfeld könne eventuell dazu führen. Dazu müsse allerdings das Belastungs
profil der Stelle optimal sein (S. 5 Ziff. 1.9). Die langfristige Prognose betreffend Arbeitsunfähigkeit liege aufgrund des aktuellen Zustandes
bei 50
%
(S. 5 Ziff. 1.11).
3.4
Dr. med.
Z._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Regio
naler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in ihrer Stellungnahme vom 28. Dezember 2011 (Urk. 6/38 S. 4 f.) aus, nach Vorlage des aktuellen Arztberichts der
Y._
(vorstehend E. 3
.3)
könne bei gleichbleibenden Diagnosen weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in der zuletzt ausgeübten sowie in einer angepassten Tätigkeit sei 2006 ausgegangen werden. Aufgrund der geschilderten depressiven Symptomatik sowie in Komorbidität mit den Einschränkungen, die sich durch die kombinierte Persönlichkeitsstörung ergäben, sei dies aus psychiatrischer Perspek
tive nachvollziehbar. Ob eine weitere Verbesserung erzielt werden könne, werde der Verlauf zeigen (S. 5 Mitte).
4.
4.1
Am 15. August
2018 erstattete Dr. med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sein psychiatrisches Gutachten (Urk.
6/57). Er nannte als Diagnose (S. 23) eine rezidivierende depressive Störung, aktuell
leicht
gradige Episode (F33.0).
Die Beschwerdeführerin stehe nicht in medizinischer Behandlung (S. 3 oben Ziff. 1.2). Von 2008 bis 2015 habe sie bei
B._
Zeitarbeit am Fliessband ge
leistet, einen Tag pro Woche, aufs Jahr gerechnet im Schnitt zirka 50
%
.
Es sei sehr anstrengend gewesen. Im Dezember 2015 habe sie dann einen Zusammen
bruch gehabt. Sie habe nicht mehr gekonnt. Seit Anfang 2016 sei sie zu Hause, seit Juli 2017 habe sie versucht, sich nach Stellen umzuschauen. Sie finde aber nichts. In ihrem Alter sei das auch schwierig. Sie habe bisher von Ersparnissen gelebt (S. 12).
An sozialen Kontakten habe sie vor allen Dingen eine Nachbarin, mit der sie sich regelmässig treffe, sonst habe sie gute Kontakte mit ihrem Sohn und der Mutter, wobei der Kontakt mit der Mutter in letzter Zeit etwas weniger gut sei, weil sich die Mutter nicht für ihre Probleme interessiere. Sie habe auch noch Kontakt mit einer Freundin von früher aus dem Reisebüro (S. 15 oben). Befragt zu einem ty
pischen Tagesablauf am Beispiel des vorhergehenden Tages habe die Beschwer
deführerin angegeben, sie sei um 8 Uhr aufgestanden. Oft mache sie dann lange Zeit Computerspiele am Tablet. Gestern habe sie sich von 10 bis 12 Uhr zum auswärtigen Frühstück mit ihrer Mutter in der
C._
getroffen. Sie sei dann einkaufen gegangen, sei zu Fuss nach Hause, wo sie etwas aufgeräumt sowie Dinge sortiert und diese dann in Ordnern abgelegt habe, zum Beispiel Zeitungs
artikel, die sie sammle. Sie habe aber das Gefühl, dies sei sinnlos. Gegen 16 Uhr habe sie etwas gegessen, mit dem Sohn telefoniert und sich dann noch etwas mit dem Internet befasst, das nicht funktioniert habe. Dann sei sie ins Bett gegangen (S. 15 unten). Es gebe auch Tage, wo sie den ganzen Tag fernsehe. Zur Medien
nutzung habe sie angegeben, sie habe einen Laptop, ein Tablet und ein Smart
phone. Sie nehme im Internet an Umfragen teil.
Offline mache sie auch Spiele. Sie habe weder Facebook noch
Snapchat
, Instagram oder Twitter (S. 16 oben).
Befragt zu ihrem letzten Urlaub habe die Beschwerdeführerin angegeben, sie sei im März 2018 drei Wochen in Japan gewesen. Der Sohn habe dort zu tun gehabt und ihr gesagt, es sei doch eine gute Gelegenheit. Sie habe eine Rundreise durch Japan gemacht und sei jeden Tag woanders gewesen, das sei schon anstrengend gewesen. Richtigen Sport mache sie nicht, wandere jedoch manchmal etwas oder fahre etwas Velo (S. 16 Mitte).
Seit 2011 habe sie keine Medikation mehr (S. 16 unten). Sie habe aktuell auch keine psychiatrische Behandlung. Zuletzt sei sie 2012 beim Psychiater gewesen. Sie habe keinen persönlichen Hausarzt, sie sei in einer Gruppenpraxis, wo sie aber lange nicht mehr gewesen sei (S. 17 oben).
Zum psychiatrischen Befund nach AMDP wurde ausgeführt, die Beschwerdefüh
rerin sei im formalen Denken leicht eingeengt auf ihre finanziellen Sorgen, dies
bezüglich noch auslenkbar. Eigenanamnestisch gebe es ein leichtes Grübeln zum Thema Finanzen
.
Im Affekt sei sie
euthym
, die Schwingungsfähigkeit zum posi
tiven Pol sei erhalten, einmal habe sie während der Untersuchung kurz geweint, habe sich aber wieder fangen können. Eigenanamnestisch b
estünden diffuse Zu
kunftsängste,
eine leichte Störung der circadianen Rhythmik mit leichten Durch
schlafstörungen
und ein teilweiser sozialer
Rückzug (S. 18 f. Ziff. 4.3).
In der Zusammenschau sei somit die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung plausibel. Der aktuelle Schweregrad sei als leichtgradig einzustufen. Die vordiagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen
anankastischen
und selbstunsicheren Anteilen sei nicht plausibel, wohingegen eine deutliche Persönlichkeitsakzentuierung im Sinne neurotischer Muster plau
sibel sei (S. 21 Mitte Ziff. 6). Die Beschwerdeführerin habe keine gravierend ge
störte soziale Leistungsfähigkeit, insbesondere keine, die bereits in der Adoleszenz begonnen habe. Sie habe die Schule absolviert, erfolgreich eine Ausbildung ge
macht und lange Zeit erfolgreich an verschiedenen Arbeitsstellen gearbeitet. Überdurchschnittlich häufige Stellenwechsel, die auf eine Störung der sozialen Interaktionsfähigkeit oder eine Persönlichkeitsstörung hinweisen könnten, habe es keine gegeben. Sie habe geheiratet, einen Sohn geboren. Die äussere Entwick
lung sei lange Zeit unauffällig gewesen.
Die Versicherte habe einen, wenn auch kleinen, Freundeskreis, e
s gebe keine Kontaktabbrüche zur
Primärfamilie, die Versicherte pflege Hobbys und Interessen, mache Urlaube. Im Arbeitgeberbericht werde sie als sehr umgängliche, geschätzte Mitarbeiterin beschrieben (S. 21 f.). All diese Punkte sprächen gegen das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung. Plausibel sei wie gesagt eine Persönlichkeitsakzentuierung, wobei die
anankasti
schen
, das heiss
e
die
zwanghaften und selbstunsicheren Persönlichkeitsanteile nachvollziehbar seien und sich im klinischen Befund widerspiegelten. So habe die Beschwerdeführerin unsicher gewirkt, mit wenig Selbstvertrauen und ausge
prägten Selbstzweifeln. So traue sie sich nicht, Bewerbungen zu verschicken, da sie der Meinung sei, es habe keinen Zweck, man würde sie nicht nehmen. Sie habe wenig Vertrauen in ihre eigenen Ressourcen und
ihre Leistungsfähigkeit oder in ihre Kenntnisse, Fähigkeiten und Ausbi
ldung, trotz ihrer erfolgreichen
Berufstätigkeit in der Vergangenheit (S. 22 Mitte).
Die Schwierigkeiten bei der Aufnahme und Weiterführung einer Arbeit seien neu
rotischer Natur. Einerseits sei die Beschwerdeführerin sehr zwanghaft und wolle immer Bestleistung erbringen, wodurch sie sich unter Druck setze. Andererseits sei sie selbstunsicher und unterschätze ihre eigene Leistungsfähigkeit. Dies führe zu zusätzlicher Druckerhöhung und Verschlechterung des seelischen Befindens. Diese neurotische Grundstruktur sei medikamentös nicht beeinflussbar, sondern nur durch eine gezielte, tiefenpsychologische, störungsfreie Psychotherapie über einen längeren Zeitraum (1 bis 2 Jahre), in der daran gearbeitet werde, diese Mus
ter zumindest abzuschwächen beziehungsweise Kompensations- und Ausweich
strategien zu entwickeln (S. 25 f.).
Es gebe Diskrepanzen zwischen der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin
auf der einen Seite
und dem wenig auffälligen klinisc
hen psychopathologischen Befund,
der fehlenden Therapie sowie der nicht unerheblichen Freizeitaktivitäten
auf der anderen Seite
. Diese Diskrepanz resultiere zum einen aus der selbstunsi
cher-neurotischen Persönlichkeitsakzentuierung, da sich die Beschwerdeführerin bei gering ausgeprägtem Selbstwertgefühl beruflich stark unterschätze. Des Wei
teren bestehe eine ambivalente Haltung gegenüber der Akzeptanz
von Hilfe von aussen. So seien die berichteten Symptome und Funktionseinschränkungen nicht vollständig konsistent und plausibel. Es gebe jedoch keinen Anhalt für Aggrava
tion oder Simulation. Die Beschwerdeführerin habe sich mit der Situation arran
giert. Sie erhalte eine IV-Rente, werde wohl auch von der Mutter unterstützt und könne noch von Ersparnissen leben, so dass der Leidensdruck und der finanzielle Druck nicht ausgeprägt genug seien, um eine durchgreifende Verhaltensänderung zu erzeugen. Dies fördere ihr Vermeidungsverhalten in Bezug darauf, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen (S. 27 f. Ziff. 7.3).
Die neurotische Grundhaltung sei prinzipiell überwindbar beziehungsweise durch psychotherapeutische Behandlungen zumindest in Teilen
modifizierbar. Unter ei
ner leitliniengerechten tiefenpsychologischen Behandlung sei im Zeitraum von einem Jahr angesichts der guten intellektuellen Ressourcen der Beschwerdefüh
rerin eine deutliche Besserung zu erwarten. Medizintheoretisch sei innerhalb ei
nes Jahres eine Steigerung des Restleistungsvermögens in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit von 50
%
auf mindestens 75
%
möglich (S. 29 f. Ziff. 7.4
)
.
In der bisherigen Tätigkeit bestehe zum Begutachtungszeitpunkt eine Arbeitsfä
higkeit von 60
%
. Obwohl sich die Depression gebessert habe, bestehe weiterhin die beschriebene neurotische Hemmung, welche die Beschwerdeführerin nicht aus eigener Kraft überwinden könne. Aus diese
m
Grund werde die Arbeits
un
fähigkeit
(richtig wohl: Arbeitsfähigkeit)
mit 60
%
niedriger
eingeschätzt, als es alleine aufgrund des Befundes einer leichtgradigen Depression der Fall wäre (S. 30 Ziff. 8).
Diese Einschätzung gelte unabhängig davon, ob die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Helferin in der Produktion oder eine Tätigkeit als kaufmännische Angestellte als bisherige Tätigkeit bezeichnet werde (S. 31 f.
).
Gegenüber dem
Gesundheitszustand vo
n
2011 sei eine Verbesserung der depres
siven Symptomatik zu befunden. Unverändert sei jedoch die neurotische Grund
haltung, welche die Aufnahme einer Berufstätigkeit beziehungsweise das Durch
haltevermögen deutlich einschränke (S. 33 unten Ziff. 8 lit. a).
4.2
Dr. med. univ.
D._
, Facharzt für Neurologie, RAD, führte in seiner Stel
lungnahme vom 4. September 2018 (Urk. 6/58 S. 3 f.) aus, das psychiatrische Gutachten (vorstehend E. 4.
1
) gehe
detailliert auf die Aktenlage ein und erhebe umfassend selbsttätig Befunde. Es könne darauf abgest
ellt
werden
.
5.
5.1
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
A._
vom 15. August 2018 ist
für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, be
rück
sichtigt auch die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis und kritischer Wür
digung der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion ein und seine Schlussfolgerungen werden begründet. Auf das Gutachten, welches entsprechend vollen Beweiswert geniesst (vgl. vorstehend E. 1.6), ist in Übereinstimmung mit der Stellungnahme des RAD (vorstehend E. 4.2)
grundsätz
lich
abzustel
len.
Einer näheren Prüfung bedarf
jedoch
die
getroffene Einschät
zung der
Arbeitsunfähigkeit.
Gutachterlich ausgewiesene Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ist eine rezidivierende depressive Störung, im Gutach
tenszeitpunkt leichtgradig aus
geprägt (ICD-10 F 33.0
).
Damit liegt gegenüber dem Vergleichszeitpunkt vom 1. Februar 2013 eine
massgebliche
Verbesserung des Gesundheitszustandes und somit ein Revisionsgrund vor, weshalb der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend neu zu prüfen ist (vgl. vorstehend E. 1.3
).
Angesichts der psychischen Erkrankung ist
ein strukturiertes Beweisverfahren
ge
mäss
BGE 141 V 281 durchzuführen. Da das Gutachten eine schlüssige Beurtei
lung des Leistungsvermögens der Beschwerdeführerin im Lichte
der nunmehr
massgeblichen
Indikatoren
(E. 1.5) erlaubt, kann es vorlie
gend als Grundlage für die Rentenprüfung dienen.
5.2
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist in Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten, dass
die Beschwerdeführerin im formalen Denken leicht eingeengt ist auf ihre finanziellen Sorgen, verbunden mit einem leichten diesbezüglichen Grübeln. Zudem bestehen diffuse Zukunftsängste und eine leichte Störung der circadianen Rhythmi
k mit leichten
Durchschlafstö
rungen.
Demnach bestehen bei der Beschwerdeführerin
mässige
psychische Be
einträchtigungen.
In Bezug auf den Indikator Behandlungs- und Eingliede
rungserfolg
o
der –
resistenz
ist festzuhalten,
dass sich die Beschwerdeführerin nicht in psychiatri
scher Behandlung befindet. Seit 2011 nimmt sie keine Medikamente mehr ein und war zuletzt im Jahr 2012 bei einem Psychiater. Dennoch ist die Depression weitgehend remittiert und nur noch leichtgradig ausgeprägt, während gemäss der überzeugenden Einschätzung des Gutachters betreffend die Persönlichkeitsakzen
tuierung bei regelmässiger Psychotherapie angesichts der guten intellektuellen Ressourcen eine deutliche Besserung innert 1 bis 2 Jahren zu erwarten wäre. Es bestünden somit
erfolgsversprechende Therapiemöglichkeiten
, die jedoch von der Beschwerdeführerin nicht in Anspruch genommen werden.
Betreffend berufliche
Eingliederung
stellte der von der Beschwerdeführerin
genannte
Zusammenbruch
im Dezember
2015
offenbar eine Zäsur
dar
(vorstehend E. 4.1 sowie Urk. 6/51 S. 3 unten
). Dieser ist
jedoch
weder durch Arztberichte dokumentiert noch
wurde er
durch genauere
Angaben
ihrerseits
plausibilisiert
. Bis zu diesem Zeitpunkt
ar
beitete sie in einem Pensum von zirka 50
%
, anschliessend
war sie nicht mehr erwerbstätig und bemühte sich auch nicht konsequent um
eine neue Arbeitsstelle
. Sie habe sich nicht getraut, Bewerbungen zu verschicken, in der Meinung, man werde sie sowieso nicht nehmen. Dies mag mit dem Gutachter Ausfluss
ihrer
neu
rotischen Grundhaltung sein, angesichts
der
Fähigkeiten
und
der
Berufserfahrung
der Beschwerdeführerin
wäre
n
hier aber
grössere Bemühungen
möglich und zu
mutbar gewesen.
A
us der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin den
beruflichen
Wiedereinstieg nicht schaffte,
können daher
kaum
Rückschlüsse auf den funkti
onellen Schweregrad der Gesundheitsschädigung gezogen werden. Es liegt
dem
nach
weder eine Behandlungs- noch eine Eingliederungsresistenz vor.
Eine psychiatrisc
he Komorbidität liegt nicht vor.
Zum Komplex Persönlichkeit ist festzuhalten, dass eine Akzentuierung derselben vorliegt, welche sich
in Unsicherheit,
geringem
Selbstvertrauen und ausgeprägten Selbstzweifeln
äussert
.
Die Beschwerdeführerin
ist sehr zwanghaft und möchte immer Bestleistung erbringen.
Auch wenn sie wenig Vertrauen in ihre Leistungs
fähigkeit hat, so verfügt sie doch über diverse positive Ressourcen wie eine
kauf
männische
Ausbildung, langjährige Berufserfahrung
, Fremdsprachenkenntnisse
sowie eine gute Intelligenz und Kommunikationsfähigkeit. Zudem wird sie als sehr umgängliche und geschätzte Mitarbeiterin beschrieben. Ihre neurotische Grundhaltung wirkt sich also hemmend aus, insgesamt sind jedoch
ausreichend
persönliche Ressourcen vorhanden.
Zum Komplex sozialer Kontext ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin ei
nen guten Kontakt zu ihrem Sohn und ihrer Mutter pflegt und daneben Kontakt mit einer Nachbarin und einer alten Freundin unterhält. Anlässlich der gutachter
lichen Untersuchung
erwähnte sie einen
teilweisen sozialen Rückzug, ohne dass diese Angabe
aber
in ersichtlicher Weise
näher spezifiziert worden wäre. Eine Tagesstruktur ist zudem vorhanden
, wobei die Tage mit diversen Aktivitäten
wie
Sozialkontakte,
Einkaufen,
Computerspielen, Umfrageteilnahmen, Internetlek
türe, Fernsehen und Archivierungsarbeiten
, Wandern und Velofahren
gefüllt wer
den.
Es werden keine Schwierigkeiten in der Haushaltsführung geschildert.
Im März 2018 verbrachte die Beschwerdeführ
erin 3 Wochen Ferien in Japan, wo sich damals ihr Sohn aufhielt.
Damit verfügt sie durchaus über soziale Ressourcen.
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz. Hinsichtlich de
s Gesichtspunkts des
Aktivität
en
niveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist auf die zutreffende Fest
stellung des Gutachters zu verweisen, wonach Diskrepanzen zwischen
der Selbst
einschätzung der Beschwerdeführerin und
dem wenig auffälligen klinischen psy
chopathologischen Befund
sowie den nicht unerheblichen Freizeitaktivitäten be
stehen. Das
Aktivität
en
niveau
ist relativ hoch
(vgl. vorstehend sozialer Kontext)
, die psychischen Einschränkungen relativ gering, Therapiebemühungen wurden trotz guten Erfolgsaussichten nicht vorgenommen.
Es ist angesichts dieser akti
ven Lebensführung nicht konsistent, dass die Beschwerdeführerin nicht vollzeitig arbeiten kann.
Die Einschätzung des Gutachters, wonach sich die Beschwerde
führerin mit der Situation
arrangiert habe, ist plausibel. Seine Ausführungen überzeugen, wonach de
r Leidensdruck und der finanzielle Druck nicht genug aus
geprägt
seien
, um eine durchgreifende Verhalt
ensänderung zu erzeugen und die Beschwerdeführerin zu
motivieren, ihr
Vermeidungsverhalten betreffend Auf
nahme einer Erwerbstätigkeit aufzugeben.
Damit ist
der
Gesichtspunkt des behandlungs- und eingliederungsa
na
mnestisch aus
gewiesenen Leidensdruck
s
teilweise
schon vorweggenommen: Es mag sein, dass die Beschwerdeführerin eine ambivalente Haltung gegenüber der Akzeptanz der Hilfe von aussen einnimmt. Es mag sein, dass diese zum Teil auch durch die selbstunsicher-neurotische Persönlichkeitsakzentuierung verursacht wird.
Dass es der Beschwerdeführerin jedoch unmöglich gewesen wäre, eine Therapie aufzusu
chen, sagt der Gutachter nicht und solches wäre auch gar abwegig, nachdem sich die Beschwerdeführerin
in den Jahren 2010 und 2011
bereits einer
regelmässig stattfindenden
Psychotherapie unterzogen hatte
(vorstehend E. 3.2)
.
Auch an der Krankheitseinsicht
fehlt es nicht, begründet
e
doch die Beschwerdeführerin ihren Leistungsanspruch einzig mit
ihrem psychischen Gesundheitszustand (vgl. Urk. 1).
Sie hat sich
aber
offenbar
mit der Situation arrangiert und nimmt seit langer Zeit, nämlich bereits seit 2012, keine Psychotherapie mehr in An
spruch.
Psychopharmaka nimmt sie sogar seit 2011 nicht mehr ein.
Behandlungs
anamnestisch ist somit
kein
Leidensdruck ausgewiesen.
Selbiges kann in einglie
derungsanamnestischer Hinsicht gesagt werden, nachdem die Beschwerdeführe
rin wenig unternahm, um nach ihrem
unbelegten
«Zusammenbruch» im
Dezem
ber
2015 eine neue Stelle zu finden.
5.3
Gemäss Gutachter bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
in angestammter wie auch in angepasster Tätigkeit. Dies leitete er aus der kombinierten Auswirkung der leichten Depression und der neurotischen Hemmung aufgrund der Persön
lichkeitsakzentuierung her (Urk. 6/57 S. 30). Obwohl er die bestehenden Inkon
sistenzen
betreffend
Aktivität
en
niveau
und Leidensdruck
zuvor diskutiert hatte (vgl. Urk. 6/57 Ziff. 7.3), ist nicht ersichtlich, dass sie in seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eingeflossen wären.
Generell wu
rd
e
nicht
näher ausgeführt, wie
er zur
entsprechende
n
Prozentzahl
von 60
gelangte
.
Widersprüchlich
ist
sodann
,
dass
der Gutachter
an anderer Stelle
davon
sprach, es eine Steigerung des Rest
leistungsvermögens in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit von
50
%
auf mindestens 75
%
möglich (Urk. 6/
57
S. 30 oben).
Es
geht zudem nicht
aus dem Gutachten
hervor, wie eine angepasste Tätigk
eit ausgestaltet zu sein hätte. Dieser Mangel verliert indes
dadurch etwas an Bedeutung, dass
die attestierte
Arbei
tsfähigkeit von 60
%
gemäss Gutachten ohnehin
die angestammte wie auch eine angepasste Tätigkeit
betreffen soll
.
Jedenfalls ist
die
Beurteilung nicht so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfä
higkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belas
tungen und Ressour
cen» (BGE 141
V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde.
Vielmehr hat der Gutachter dem beweisrechtlich entscheidenden Aspekt der Konsistenz nicht so viel Gewicht beigemessen, wie dies rechtsprechungsgemäss angezeigt wäre (vgl. vorstehend E. 1.5).
Vorliegend zeigt sich die
mässige psychische Einschränkung einer leich
ten Depression in Kombination mit einer Persönlichkeitsakzentuierung mit guten Therapieaussichten, insgesamt ausreichenden persö
nlichen und sozialen Ressour
cen sowie
einem relativ hohen
Aktivität
en
niveau
bei fehlendem
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch
em
Leidensdruck.
Wollte
man mit dem Gutachter von einer Arbeitsfähigkeit von 60
%
ausgehen, so ergäbe dies ein inkonsistentes Gesamtbild.
Es ist nicht
nachvollziehbar
, weshalb die Beschwerdeführerin nicht
in der Lage sein sollte,
einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nach
zu
gehen.
Bei der vorliegenden Ausprägung der Indikatoren
ergibt sich ein
stimmiges Gesamtbild
somit
nur bei Annahme einer Arbeitsfähigkeit
von 100
%
in jeglicher Tätigkeit.
5.4
Es wurde somit erstellt, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen wie auch in einer angepassten Tätigkeit
zu 100
%
arbeitsfähig ist.
Dies führt zu einem In
validitäts
grad von 0 %.
5.5
Bei diesem Ergebnis steht der Beschwerdeführerin somit
ab Februar 2019
keine Rente der Inva
liden
versicherung mehr zu.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden
Beschwerdeführerin aufzuerle
gen.