Decision ID: bfdc7bea-1849-5eae-972b-8d00c9c7aa5f
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer seinen Heimat-
staat im Jahr 2016 und suchte am 10. April 2020 in der Schweiz um Asyl
nach. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der "Eurodac"-Datenbank
durch das SEM ergab, dass er am 29. Januar 2018 in Griechenland ein
Asylgesuch eingereicht hatte und ihm dort am 22. Juni 2018 Schutz ge-
währt worden war.
Anlässlich des persönlichen Dublin-Gesprächs respektive des rechtlichen
Gehörs zur beabsichtigten Wegweisung nach Griechenland und zum me-
dizinischen Sachverhalt vom 20. April 2020 machte der Beschwerdeführer
– im Beisein seiner Rechtsvertretung – im Wesentlichen geltend, er sei in
Griechenland trotz dem positiven Entscheid auf sein Asylgesuch nicht ge-
mäss Asylgesetz behandelt worden. Eine ihm bekannte Schweizerin habe
ihm ein Flugticket für die Reise in die Schweiz beschafft. So sei er im Feb-
ruar 2020 von Griechenland in die Schweiz gereist. Da er gesundheitliche
Probleme mit seinem (...) gehabt habe, habe er in Griechenland zuvor ein
Asylgesuch eingereicht, weil die griechischen Behörden ihm gedroht hät-
ten, dass er nur nach einem gestellten Asylgesuch medizinische Hilfe er-
halten würde. Er sei dort zwar zum Arzt gegangen, habe aber keine medi-
zinische Unterstützung erhalten und man habe ihm gesagt, dass man ihn
nicht behandeln könne, weil eine Behandlung zu kostenintensiv wäre. Auch
sonst habe er keine Unterstützung erhalten. Nachdem ihm in Griechenland
Schutz gewährt worden sei, habe er eine griechische ID-Karte und einen
Pass erhalten und sei von der Regierung für zwei Monate in einem Hotel
untergebracht worden. Anschliessend sei er auf sich alleine gestellt gewe-
sen und habe versucht, selber eine Wohnung zu finden. Die Vermieter hät-
ten jedoch jeweils abgelehnt, da er mit seinen gesundheitlichen Beschwer-
den nicht arbeiten und somit auch die Miete nicht bezahlen könne. Auch
die "UN" (vermutlich: UN Hochkommissariat für Flüchtlinge/UNHCR) habe
ihm nicht mehr geholfen nachdem er nach der Schutzgewährung in Grie-
chenland das Camp verlassen habe. In der Folge sei er obdachlos gewe-
sen und habe lediglich von der Kirche in Form von Essensausgaben Hilfe
erhalten. Er habe sich um ein Leben in Griechenland bemüht, es sei jedoch
wegen seinem (...) nicht möglich gewesen. Der Zustand seines (...) habe
sich verschlechtert und er sei vielleicht bald invalid. Er bitte die Schweiz,
ihn nicht in diesem Gesundheitszustand nach Griechenland zurückzuschi-
cken. Die Probleme mit seinem (...) habe er seit er sechs Monate alt ge-
wesen sei und sein (...) wegen eines Sturzes gebrochen habe. Da seine
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Familie damals fern von medizinischer Versorgung gelebt habe, habe er
keinen Arzt aufsuchen können, weshalb er deswegen nie medizinisch be-
handelt worden sei. Später habe er in Afghanistan Schmerzmedikamente
eingenommen. Im Iran habe monatliche Spritzen für die Muskeln erhalten.
In der Schweiz erhalte er erneut Schmerzmedikamente. Er sei hier in ärzt-
licher Behandlung. Ferner leide er im Schlaf an Angst, weshalb er am Mor-
gen mit Kopfschmerzen aufwache und Schmerzmedikamente einnehme.
Psychisch gehe es ihm nicht gut. Er mache sich grosse Sorgen um seine
Gesundheit und um seine Familie.
In den vorinstanzlichen Akten liegen zwei medizinische Kurzberichte vom
17. und 24. April 2020 die (...) betreffend.
B.
B.a Am 21. April 2020 ersuchte das SEM die griechischen Behörden ge-
stützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Ver-
fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt-
staatsangehöriger (sog. Rückführungs-Richtlinie) und auf das Abkommen
zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Helleni-
schen Republik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem
Aufenthalt vom 28. August 2006 (SR 0.142.113.729) um Rückübernahme
des Beschwerdeführers.
B.b Am 27. April 2020 stimmten die griechischen Behörden der Rücküber-
nahme des Beschwerdeführers zu. Gleichzeitig informierten sie darüber,
dass diesem in Griechenland die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden
sei und er über eine bis am 2. Juli 2021 gültige Aufenthaltsbewilligung ver-
füge.
C.
C.a Am 18. Mai 2020 übermittelte das SEM den Entwurf des angekündig-
ten Nichteintretensentscheids der Rechtsvertretung des Beschwerdefüh-
rers zur Stellungnahme.
C.b In der Stellungnahme vom 19. Mai 2020 wurde im Wesentlichen gel-
tend gemacht, der Beschwerdeführer sei in Griechenland gefährdet und
habe von den griechischen Behörden und Hilfsorganisationen nicht die be-
nötigte Unterstützung zur Deckung der elementarsten Lebensbedürfnisse
erhalten. Der medizinische Sachverhalt sei nicht vollständig erstellt wor-
den, zumal noch Berichte des (...) und (...) ausstehen würden und seine
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psychischen Beschwerde noch nicht abgeklärt worden seien. Es sei daher
nicht nachvollziehbar, wie das SEM zum Schluss komme, eine medizini-
sche Notlage läge nicht vor und die notwendige Behandlung sei auch in
Griechenland zugänglich. Einer Vielzahl von Berichten sei zu entnehmen,
dass anerkannten Schutzberechtigten in Griechenland nicht einmal ele-
mentarste Unterstützungsleistungen zugänglich seien, die Personen zu-
stehen würden, über deren Antrag auf internationalen Schutz noch nicht
entschieden worden sei. Anerkannte Schutzberechtigte hätten – auch an-
gesichts der Wirtschaftskrise in Griechenland – keinen Zugang zu Arbeit
oder Sozialleistungen, erhielten keinerlei Unterstützung bei der Suche
nach einer Wohnung und müssten gleichwohl unmittelbar nach ihrer Aner-
kennung die Flüchtlingsunterkünfte verlassen. Ihnen drohe von diesem
Zeitpunkt an die Obdachlosigkeit und Integrationsmassnahmen würden
von staatlicher Seite nicht angeboten. Diese Umstände habe auch der Be-
schwerdeführer geschildert. Es sei davon auszugehen, dass Griechenland
vorhabe, die finanzielle Unterstützung für Flüchtlinge offiziell komplett ein-
zustellen, womit es sich in einen klaren Widerspruch zu seinen völkerrecht-
lichen Verpflichtungen begeben würde. Bereits aus einem Bericht des Ko-
mitees des Europarates zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder
erniedrigender Behandlung oder Strafe vom 19. Februar 2019 gehe hervor,
dass Griechenland nicht mehr im Stande sei, sich an seine völkerrechtli-
chen Verpflichtungen aus der Genfer Flüchtlings Konvention oder an die
Qualifikationsrichtlinie (2011/95/EU) zu halten. Der Anspruch auf die sozi-
alen Leistungen für international Schutzberechtige in Griechenland auf die
der Gesuchsteller gemäss dem Entscheidentwurf nach der Qualifikations-
richtlinie Anrecht habe, scheitere in der Praxis oft an der Nichterfüllung der
Voraussetzungen. Da es in Griechenland keine generelle Sozialhilfe oder
Mindestsicherung gebe, sei nicht nachvollziehbar, wie der Beschwerdefüh-
rer sich diese auf dem Rechtsweg erstreiten solle. Aufgrund der nicht ab-
schliessend vorhandenen Abklärungen zum Gesundheitszustand des Be-
schwerdeführers, fehlender Zusicherungen seitens des griechischen Staa-
tes zur medizinischen Behandlung und Unterstützung und den auch ge-
mäss neuester Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zu be-
rücksichtigenden jüngsten Entwicklungen in Griechenland (namentlich der
angekündigte Ausschluss von international Schutzberechtigen aus Unter-
künften, weitgehender Ausschluss oder zumindest erschwerter Zugang
zum Gesundheitssystem nach der neuen International Protection Bill),
werde das SEM ersucht, vom beabsichtigten Entscheid Abstand zu neh-
men.
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D.
Mit Verfügung vom 20. Mai 2020 (gleichentags eröffnet) trat das SEM in
Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn aus der Schweiz weg und
forderte ihn auf, die Schweiz bis zum 31. Juli 2020 zu verlassen, ansonsten
er in Haft genommen und unter Zwang nach Griechenland zurückgeführt
werden könne. Sollte diese Frist wegen der ausserordentlichen Lage auf-
grund des Corona-Virus nicht ausreichen, damit er seiner Ausreisepflicht
nachkommen könne, stehe es ihm frei, beim SEM vor Ablauf der Frist um
Fristerstreckung zu ersuchen. Ferner beauftragte das SEM den zuständi-
gen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und ordnete die Aushändi-
gung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Be-
schwerdeführer an.
E.
Mit Eingabe vom 28. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer gegen diese
Verfügung durch seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde ein und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung und die Feststellung der Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs nach Griechenland; eventualiter sei die
Vorinstanz anzuweisen, individuelle Garantien betreffend die adäquate Un-
terbringung und den benötigten Zugang zu fachärztlicher Behandlung von
den griechischen Behörden einzuholen. Es sei die unentgeltliche Prozess-
führung zu gewähren, insbesondere sei von der Erhebung eines Kosten-
vorschusses abzusehen.
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
29. Mai 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
G.
Mit Verfügung vom 4. Juni 2020 stellte die Instruktionsrichterin fest, der
Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-
warten. Ferner wurde ihm die unentgeltliche Prozessführung gewährt, auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet, und der Beschwerde-
führer aufgefordert, innert Frist aktuelle Arztberichte sowie eine ärztliche
Entbindungserklärung nachzureichen.
H.
Mit Schreiben vom 15. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer die ärztli-
che Entbindungserklärung sowie zwei ärztliche Kurzberichte vom 27. Mai
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und 3. Juni 2020 zu den Akten. Ferner ersuchte er um eine Fristerstreckung
zur Eingabe der noch ausstehenden Arztberichte. Diese wurde ihm bis zum
3. Juli 2020 gewährt.
I.
Mit Eingabe vom 25. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer einen weite-
ren Arztbericht der Universitätsklinik für (...), vom 18. Juni 2020 nach.
J.
Mit Verfügung vom 30. Juni 2020 lud die Instruktionsrichterin die Vorinstanz
zur Vernehmlassung innert Frist ein.
K.
Mit Vernehmlassung vom 8. Juli 2020 hielt das Staatssekretariat an seiner
Verfügung vollumfänglich fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde.
L.
Mit Replik vom 30. Juli 2020 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlas-
sung Stellung und reichte Auszüge aus einem griechischen Gesetz und der
Gesetzesbegründung inklusive Übersetzungen sowie Ausdrucke der in der
Replik zitierten Quellen ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Vorliegend wird nur der Wegweisungsvollzug angefochten, weshalb nur
dieser Verfahrensgegenstand bildet, mithin die Dispositiv-Ziffern 1 (Nicht-
eintreten auf Asylgesuch) und 2 (Wegweisung) in Rechtskraft erwachsen
sind,
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
4.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt
oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere we-
der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen
Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu
Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9,
je m.w.H.).
5.
5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslände-
rinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Bei der Geltend-
machung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss ständiger
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der
strikte Beweis möglich ist, andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen
(vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2).
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5.2 Unzulässig ist der Vollzug der Wegweisung, wenn völkerrechtliche Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Aus-
länders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen
(Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise
in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit
aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5
Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der
Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung
unterworfen werden. Auch weitere Verletzungen völkerrechtlicher Ver-
pflichtungen der Schweiz, die sich unter anderem aus der EMRK ergeben,
können einem Wegweisungsvollzug entgegenstehen.
Unzumutbar kann der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und
Ausländer gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG dann sein, wenn sie im Heimat- oder
Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemei-
ner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine
konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7
AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
5.3 Griechenland wurde durch den Bundesrat am 14. Dezember 2007 als
sicherer Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet. Der
Beschwerdeführer hat sich vor der Einreise in die Schweiz unbestrittener-
massen in Griechenland aufgehalten, wo ihm der Flüchtlingsstatus zuer-
kannt wurde und er auch entsprechende Aufenthaltsbewilligungen erhalten
hat. Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten die Ver-
mutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen, darunter im
Wesentlichen das Refoulement-Verbot und grundlegende menschenrecht-
liche Garantien, einhalten (vgl. FANNY MATTHEY, in: Cesla Amarelle/Minh
Son Nguyen, Code annoté de droit des migrations, 2015, Art. 6a AsylG
N 12 S. 68). Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung,
dass eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumut-
bar ist. Es obliegt der betroffenen Person, diese beiden Legalvermutungen
umzustossen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubringen,
dass die Behörden des in Frage stehenden Staates im konkreten Fall das
Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie
menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden respektive
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dass sie im in Frage stehenden Staat aufgrund von individuellen Umstän-
den sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle
Notlage geraten würde (vgl. statt vieler das Urteil des BVGer E-2617/2016
vom 28. März 2017 E. 4).
6.
6.1 In der Beschwerde wird betreffend Unzulässigkeit des Wegweisungs-
vollzugs im Wesentlichen geltend gemacht, dass die Regelvermutung, wo-
nach Griechenland seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkomme,
vorliegend nicht aufrechterhalten werden könne. Anerkannte Schutzbe-
rechtigte in Griechenland hätten gemäss Berichten internationaler Nichtre-
gierungsorganisationen – auch angesichts der anhaltenden Wirtschafts-
krise – keinen Zugang zu Arbeit oder zu Sozialleistungen, würden keinerlei
Unterstützung bei der Suche nach einer Wohnung erhalten und müssten
nach ihrer Anerkennung die Flüchtlingsunterkünfte verlassen. Verschie-
dene Quellen würden berichten, dass der tatsächliche Zugang zu Gesund-
heitsdienstleistungen durch einen erheblichen Ressourcen- und Kapazi-
tätsmangel eingeschränkt sei und es an geeigneten Übersetzern und
transkulturellem Personal fehle. Den eingereichten ärztlichen Kurzberich-
ten vom 17. und 24. April 2020 sei zu entnehmen, dass beim Beschwerde-
führer eine weitergehende (...) und (...) Behandlung notwendig sei, ohne
welche sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechtern könne. In
Griechenland sei ihm die medizinische Behandlung verweigert worden,
weil diese zu kostenintensiv sei. Die Vorinstanz habe sich nicht dazu ge-
äussert, ob und inwiefern die notwendigen Behandlungen in Griechenland
auch mittellosen Personen zugänglich seien. Auch dass sich die Schmer-
zen in seinem (...) in jüngster Vergangenheit verstärkt hätten habe sie aus-
ser Acht gelassen. Es sei davon auszugehen, dass er bei einer Überstel-
lung nach Griechenland keinen Zugang zu notwendiger medizinischer Be-
handlung habe und er menschenunwürdigen Zuständen ausgesetzt sein
würde, die seine Gesundheit nachhaltig schädigen würden.
Das Bundesverwaltungsgericht habe in seiner Rechtsprechung selbst fest-
gestellt, dass das griechische Fürsorgesystem nicht nur für Asylsuchende,
sondern auch für Personen mit Schutzstatus in der Kritik stehe. Die ent-
sprechenden Feststellungen würden belegen, dass Überstellungen von
Schutzberechtigten nach Griechenland sich bereits in der Vergangenheit
nah an der Grenze zur Unzulässigkeit bewegt hätten. Aufgrund der aktuel-
len Entwicklungen (schlechte wirtschaftliche Prognosen angesichts der
Corona-Pandemie, Zuspitzung an der griechisch-türkischen Grenze und
angekündigte Verschärfungen im griechischen Asylwesen, insbesondere
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betreffend die finanzielle Unterstützung von Flüchtlingen) sei absehbar,
dass sich die Situation für Schutzberechtigte noch weiter verschlechtere
beziehungsweise Griechenland sich nicht an seine völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen halten werde. In einem Staat, in welchem – in Übereinstim-
mung mit den Aussagen des Beschwerdeführers – gegenüber vulnerablen
Flüchtlingen selbst der Kerngehalt des Anspruchs auf Nothilfe nicht garan-
tiert werde, sei es naheliegend, dass auch der Zugang zum Recht für diese
Personengruppe vielmehr eine theoretische Möglichkeit als eine tatsäch-
lich praktikable Lösung darstelle. Beim Beschwerdeführer handle es sich
zudem um eine vulnerable Person. Trotz sichtbaren körperlichen Beein-
trächtigungen sei ihm in Griechenland der Zugang zu einer adäquaten me-
dizinischen Behandlung verwehrt worden. Die Praxis des Bundesverwal-
tungsgerichts könne daher nicht mehr aufrechterhalten werden und der
Wegweisungsvollzug sei als unzulässig zu qualifizieren.
6.2 In ihrer Vernehmlassung stellt die Vorinstanz fest, dass dem auf Be-
schwerdeebene neu eingereichten (...) Arztbericht zu entnehmen sei, der
Beschwerdeführer leide an (...) Schmerzen. Als Therapie werde, neben
den von ihm bereits eingenommenen Schmerzmedikamenten, eine Medi-
kamentenkur mit (...), einem Medikament das spezifisch gegen (...)
Schmerzen helfe, empfohlen. Das SEM stellt sich weiterhin auf den bereits
in der angefochtenen Verfügung vertretenen Standpunkt, dass die Ge-
sundheitsversorgung in Griechenland grundsätzlich gewährleistet sei und
der kostenlose Zugang zum Gesundheitssystem für Personen mit Schutz-
status gewährt werde, so dass der Beschwerdeführer als anerkannter
Flüchtling auch Zugang zu den empfohlenen Medikamenten hätte. Da ihm
seine Beschwerden sowie auch der Umgang damit seit frühster Kindheit
bekannt seien, könne nicht von einem Notfall gesprochen werden. Auf-
grund der vorhandenen medizinischen Unterlagen und in Berücksichtigung
der geschilderten gesundheitlichen Beeinträchtigungen sei nicht davon
auszugehen, dass die hohe Schwelle für eine drohende Verletzung von Art.
3 EMRK überschritten werde. Das SEM trage dem aktuellen Gesundheits-
zustand des Beschwerdeführers bei der Organisation der Überstellung zu-
dem Rechnung, indem es Griechenland vor der Überstellung über allfällige
notwendige medizinische Behandlungen informiere.
6.3 In seiner Replik bringt der Beschwerdeführer vor, die ausführliche Wür-
digung der nachgereichten Arztberichte durch die Vorinstanz im Rahmen
der Vernehmlassung verdeutliche, dass seine medizinischen Vorbringen
begründet seien und die entsprechenden Berichte hätten abgewartet wer-
den müssen. Aus den Arztberichten sei ersichtlich, dass er therapeutische
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Seite 11
Behandlung durch Schmerzmedikamente und Medikamente spezifisch ge-
gen (...) Schmerzen benötige. Eine Verlaufskontrolle sei in drei Monaten
vorgesehen, weshalb seitens der Vorinstanz eine Garantie vorgelegt wer-
den müsse, dass diese Kontrolle stattfinden könne. Der Vor-instanz gelinge
es nicht die in der Beschwerdeschrift dargelegte faktische Verweigerung
medizinischer Dienstleistungen und den nicht gewährten Zugang zu Spitä-
lern mit dem Verweis auf seine Erwägungen in einem vor Monaten ergan-
genen Urteil zu widerlegen. Ob und inwiefern im vorliegenden Fall dem
mittellosen Beschwerdeführer in Griechenland der Zugang zur benötigten
medikamentösen Behandlung und der noch ausstehenden Verlaufskon-
trolle gewährt würde, bleibe unbeantwortet. Es sei kein Beweis erbracht
worden, dass er etwa krankenversichert gewesen sei und tatsächlich –
trotz bestehender Bedürftigkeit – medizinische Dienstleistungen habe in
Anspruch nehmen können. Es genüge nicht, dass die Vorinstanz bei der
Organisation der Überstellung seinem aktuellen Gesundheitszustand
Rechnung trage. Vielmehr seien individuelle Garantien über das Vorhan-
densein der und den tatsächlichen Zugang zur benötigten Behandlung ein-
zuholen.
6.4 Das Vorliegen eines Vollzugshindernisses unter dem Aspekt der Zuläs-
sigkeit bei Personen, denen von den griechischen Behörden ein Schutz-
status verliehen wurde, wird vom Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss
nur unter sehr strengen Voraussetzungen bejaht. Grundsätzlich geht das
Gericht davon aus, dass in Griechenland Schutzberechtigte dort Schutz
vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finden. Ebenso geht
das Gericht davon aus, dass Griechenland als Signatarstaat der EMRK,
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe
(FoK, SR 0.105) und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Ja-
nuar 1967 (SR 0.142.301) seinen entsprechenden völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen grundsätzlich auch dann nachkommt, wenn vom Vollzug der
Wegweisung Familien mit Kindern betroffen sind (vgl. etwa Urteil des
BVGer E-3319/2019 vom 27. September 2019 E. 9.3 m.w.H.). Zwar aner-
kennt das Gericht – auch aufgrund der vom Beschwerdeführer zitierten Be-
richte –, dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig sind. Das
griechische Fürsorgesystem steht nicht nur für Asylsuchende, sondern
auch für Personen mit Schutzstatus seit einer gewissen Zeit in der Kritik
(vgl. dazu auch: Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte [EGMR],
Saidoun gegen Griechenland [Beschwerde 40083/07] und Fawsie gegen
Griechenland [Beschwerde 40080/07], beide vom 28. Oktober 2010; Urteil
des BVGer E-550/2020 vom 4. Februar 2020, E. 8.2.1 m.w.H.). So wurde
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Seite 12
davon berichtet, dass die Unterstützung von Personen, denen in Griechen-
land internationaler Schutz zuerkannt worden sei, häufig unzulänglich sei.
Da das Land nicht über ein Sozialwohnungssystem verfüge, sei es für Per-
sonen mit Schutzstatus aus wirtschaftlichen Gründen oft schwierig, eine
Unterkunft zu finden. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit, die neben der
Wirtschaftskrise unter anderem auf den Mangel einer nationalen Strategie
zurückgeführt wird, die Beschäftigung – insbesondere auch von Personen
mit anerkanntem Schutzstatus – zu fördern, seien die Betroffenen dabei im
Wesentlichen auf die beschränkten Fürsorgeleistungen des Staates ange-
wiesen. Mit Bezug auf die staatlichen Unterstützungsleistungen komme es
in der Praxis ferner immer wieder zu Diskriminierungen von Personen mit
Schutzstatus gegenüber griechischen Staatsangehörigen, wobei dies auch
damit zusammenhänge, dass die betroffenen Ausländerinnen und Auslän-
der nicht an die kompetenten Behörden verwiesen würden. Dennoch ist
gemäss aktueller Rechtsprechung diesbezüglich nicht von einer un-
menschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von
Art. 3 EMRK respektive einer existenziellen Notlage auszugehen (vgl. Ur-
teil des BVGer D-5016/2017 vom 12. März 2018 E. 6.4 m.w.H.; bestätigt in
den Urteilen des BVGer E-2360/2019 vom 22. Mai 2019 E. 8.3.1 f.; E-
4866/2019 vom 2. Oktober 2019 E. 10.1). Personen mit Schutzstatus sind
griechischen Bürgerinnen und Bürgern in Bezug auf Fürsorge, den Zugang
zu Gerichten, Erwerbstätigkeit oder die Gewährung einer Unterkunft sowie
den öffentlichen Schulunterricht gleichgestellt mit anderen Ausländern und
Ausländerinnen (vgl. Art. 16-24 FK). Unterstützungsleistungen und weitere
Rechte können direkt bei den zuständigen Behörden eingefordert werden,
falls notwendig auf dem Rechtsweg (vgl. statt anderer Urteil des BVGer E-
550/2020 vom 4. Februar 2020, E. 8.2.1). Nicht zuletzt können Schutzbe-
rechtigte sich auch auf die Garantien in der Qualifikationsrichtlinie berufen,
auf die sich Griechenland als EU-Mitgliedstaat behaften lassen muss. Von
Interesse dürften diesbezüglich insbesondere die Regeln betreffend den
Zugang von Personen mit Schutzstatus zu Beschäftigung (Art. 26), zu Bil-
dung (Art. 27), zu Sozialhilfeleistungen (Art. 29), zu Wohnraum (Art. 32)
und zu medizinischer Versorgung (Art. 30) sein. Es ist im jetzigen Zeitpunkt
– insbesondere auch trotz in der Beschwerde zitierten Aussagen des grie-
chischen Migrationsministers sowie der mit Replik eingereichten Doku-
mente betreffend komplette Einstellung der finanziellen Unterstützung für
Flüchtlinge – nicht darauf zu schliessen, dass Griechenland sich künftig in
einen Widerspruch zu seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen begeben
wird. Im Falle einer Verletzung der Garantien der EMRK steht sodann ge-
stützt auf Art. 34 EMRK letztlich der Rechtsweg an den EGMR offen (vgl.
E-2784/2020
Seite 13
statt vieler das Urteil des BVGer D-2160/2020 vom 6. Mai 2020 E. 7.2
m.H.).
6.5
6.5.1 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er befürchte in Grie-
chenland auf der Strasse leben zu müssen, weil er vor seiner Ausreise aus
Griechenland nach zwei Monaten das ihm von der griechischen Regierung
nach der Schutzgewährung zugewiesene Hotelzimmer habe verlassen
müssen, ohne dass ihm eine neue Unterkunft zugewiesen worden sei, ist
ergänzend zu den vorstehenden Ausführungen in E. 6.4 festzuhalten, dass
der Beschwerdeführer für diese Behauptung kein Beweismittel einreichte.
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass in Griechenland – wie bereits in
der angefochtenen Verfügung angeführt – neben staatlichen Strukturen,
die primär existenzielle Bedürfnisse abdecken, private und internationale
Organisationen bestehen, an die er sich wenden kann.
6.5.2
6.5.2.1 Der Beschwerdeführer macht ferner geltend, es sei davon auszu-
gehen sei, dass ihm in Griechenland der Zugang zur notwendigen medizi-
nischen Behandlung verwehrt werde, weshalb ein Wegweisungsvollzug
unzulässig sei. Den auf Beschwerdeebene eingereichten ärztlichen Kurz-
berichten aus dem Bundesasylzentrum (...), datierend vom 27. Mai 2020
und 3. Juni 2020, ist unter anderem zu entnehmen, dass der Beschwerde-
führer an (...) leidet und eine psychologische Behandlung wünscht, jedoch
bis heute noch nicht überwiesen worden sei. Dem ärztlichen Bericht der
Universitätsklinik für (...), vom 18. Juni 2020 kann entnommen werden,
dass der Beschwerdeführer unter einem (...) und einer (...) leidet. Als The-
rapie werde, neben den bereits von ihm eingenommenen Schmerzmedika-
menten, eine Kur mit (...), einem Medikament das spezifisch gegen (...)
Schmerzen hilft, empfohlen.
6.5.2.2 Der medizinische Sachverhalt des Beschwerdeführers kann nicht
unter die vom EGMR in seinem Urteil vom 13. Dezember 2016
(Nr. 41738/10 Paposhvili gg. Belgien), §183, genannten "other very excep-
tional cases" subsumiert werden. Es handelt sich bei ihm nicht um eine
schwerkranke Person, bei der die ernsthafte Gefahr besteht, dass sie bei
einer Rückschaffung nach Griechenland einer schwerwiegenden, rapiden
und irreversiblen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes, verbun-
den mit übermässigem Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung der Le-
benserwartung, ausgesetzt wäre, zumal die medizinische Versorgung in
Griechenland gewährleistet ist. Aufgrund der Umstände ist jedenfalls nicht
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darauf zu schliessen, dass beim Beschwerdeführer gesundheitliche Prob-
leme vorliegen, die derart gravierend wären, als dass eine adäquate Be-
handelbarkeit im EU-Staat Griechenland nicht gegeben wäre. Dem Be-
schwerdeführer sind die Beschwerden mit seinem (...) bereits seit frühster
Kindheit bekannt. Dem Arztbericht vom 18. Juni 2020 ist keine gravierende
Verschlechterung seines Gesundheitszustands in den letzten Monaten zu
entnehmen. Entgegen der Beschwerdevorbringen und unter Hinweis auf
die Ausführungen in E. 6.4 vorstehend, ist sodann nicht davon auszuge-
hen, dass dem Beschwerdeführer in Griechenland der Zugang zu notwen-
digen medizinischen Behandlungen verwehrt wird, zumal als einzige The-
rapie die Einnahme von Medikamenten empfohlen wird.
6.5.3 Der Beschwerdeführer war am 22. Juni 2020 in Griechenland als
Flüchtling anerkannt worden. Es besteht daher kein Anlass zur Annahme,
es drohe ihm eine Verletzung des in Art. 33 Abs. 1 FK verankerten Grund-
satzes der Nichtrückschiebung. Aufgrund der Akten liegen ferner keine An-
haltspunkte dafür vor, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Grie-
chenland dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre.
6.6 Bei dieser Sachlage besteht auch kein Anlass für die Einholung indivi-
dueller Garantien (vgl. hierzu BVGE 2017 VI/10), weshalb der entspre-
chende Eventualantrag abzuweisen ist.
6.7 Der Vollzug der Wegweisung ist folglich als zulässig zu erachten. Auf
die weiteren diesbezüglichen Beschwerdevorbringen wird – soweit erfor-
derlich – in den nachfolgenden Erwägungen zur Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs eingegangen.
7.
7.1 Wie bereits erwähnt kann gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG der Vollzug für
Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Herkunfts-
staat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt
und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Gestützt auf Art. 83
Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen
EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt der betroffenen
Person, diese Vermutungen umzustossen.
7.2 Diesbezüglich bringt der Beschwerdeführer in der Beschwerde zusam-
mengefasst vor, es sei anzunehmen, dass sich die wirtschaftliche Situation
in Griechenland, das bereits jetzt eine hohe Arbeitslosenquote habe und
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wo rücküberstellte Schutzberechtigte in der Regel auf der Strasse landen
würden, angesichts der Corona-Pandemie weiter verschlechtern werde,
wodurch das Einhalten der Qualifikationsrichtlinie in Frage gestellt sei.
Schutzberechtigte, welche über kein soziales Beziehungsnetz in Griechen-
land verfügten, würden als erste unter den Auswirkungen fehlender Arbeit
und eingestellter Sozialleistungen leiden. Auch müsse davon ausgegangen
werden, dass der Beschwerdeführer aufgrund fehlender Integrationsmass-
nahmen und seiner körperlichen Beeinträchtigungen nicht in der Lage sein
werde, seinen Lebensunterhalt selbständig zu bewerkstelligen. Da beson-
dere Herausforderungen und Schwierigkeiten bei der Befriedigung existen-
zieller Grundbedürfnisse bestehen und mithin nicht von einer genügenden
lebensnotwendigen Versorgung des Beschwerdeführers ausgegangen
werden könne, sei eine Überstellung als individuell unzumutbar zu erach-
ten.
7.3 Das SEM hält in seiner Vernehmlassung daran fest, dass sich Grie-
chenland zur Umsetzung der Richtlinie 2011/95/EU verpflichtet habe und
weder die EU-Kommission noch das Bundesverwaltungsgericht Griechen-
land bezüglich deren Umsetzung gerügt hätten. Als anerkannter Flüchtling
stünden dem Beschwerdeführer die gleichen Rechte wie einem griechi-
schen Bürger zu, dazu gehöre auch die Gleichbehandlung beim Zugang
zu Gerichten, Erwerbstätigkeit/Bildung, Fürsorge und soziale Sicherheit.
Es lägen keine erhärteten Hinweise vor, wonach sich Griechenland nicht
an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten würde, weswegen das
SEM auch von weiteren diesbezüglichen Abklärungen oder der Einholung
von Garantien absehe. Da Griechenland über ein funktionierendes Jus-
tizsystem verfüge, könne sich der Beschwerdeführer, sollte er sich durch
die griechischen Behörden ungerecht oder rechtswidrig behandelt fühlen,
mit einer Beschwerde an die zuständigen Stellen wenden. Ferner würden
ihm karitative Organisationen vor Ort bei Bedarf zur Seite stehen können.
Die unumstritten schwierigen ökonomischen Lebensbedingungen und die
Wohnungsnot würden indes die ganze Bevölkerung in Griechenland treffen
und damit eine Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht widerlegen
können.
7.4 In seiner Replik führt der Beschwerdeführer erneut aus, dass die Vor-
instanz es noch immer unterlassen habe, sich zur effektiven Anwendung
der Richtlinie 201/95/EU und zum Umfang der in Griechenland vorhande-
nen Grundversorgung zu äussern. Neue griechische Gesetzesbestimmun-
gen, die am 11. März 2020 in Kraft getreten seien, würden vorsehen, dass
anerkannte Flüchtlinge einen Geldbetrag erhielten und nach Erhalt dieses
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Betrages kein Anspruch auf weitere Sachleistungen mehr bestünde. Die
ihnen zugewiesenen Unterkünfte hätten sie dreissig Tage nach dem Ent-
scheid über ihre Anerkennung zu verlassen, um die Unterbringungsstruk-
turen für Asylsuchende zu entlasten. Lediglich besondere Kategorien von
Begünstigten könnten von dieser neuen Regelung ausgenommen werden.
Diese Gesetzesänderung werde bereits angewendet, was sich auch in den
Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich des Dublin-Gesprächs wider-
spiegelt habe sowie den zitierten Berichten zu entnehmen sei. Vor dem
Hintergrund der aktuellen Situation in Griechenland erscheine es realitäts-
fern, den Beschwerdeführer auf den Rechtsweg zur Geltendmachung sei-
ner Grundbedürfnisse zu verweisen, zumal er dort auf der Strasse gelebt
und weder finanzielle noch medizinische Hilfe erhalten habe. Die Situation
in Griechenland habe sich insbesondere für anerkannte Flüchtlinge in den
letzten Monaten erheblich verschlechtert. Dass die griechischen Behörden
sich nicht an ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen halten würden, könne
nicht mittels Pauschalverweise auf nicht aktuelle Rechtsprechung ignoriert
werden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass er bei einer Rück-
kehr nach Griechenland in eine Notlage gerate und unter menschenunwür-
digen Bedingungen leben müsste.
7.5 Der Beschwerdeführer vermag die Vermutung, dass eine Rückkehr
nach Griechenland als zumutbar zu erachten ist, nicht umzustossen. Grie-
chenland ist ein sicherer Drittstaat, in dem keine Situation von allgemeiner
Gewalt herrscht. Der Staat ist an die Qualifikationsrichtlinie gebunden. Im
Kapitel VII werden die den Flüchtlingen und Personen mit subsidiärem
Schutzstatus zu gewährenden Rechte geregelt (Art. 26 [Zugang zu Be-
schäftigung], Art. 29 Abs. 2 [Sozial- und Nothilfe] und Art. 30 Abs. 2 [medi-
zinische Versorgung]). Selbst wenn die Lebensbedingungen in Griechen-
land aufgrund der herrschenden Wirtschaftslage nicht einfach sind, beste-
hen zum jetzigen Zeitpunkt keine Hinweise darauf, Griechenland würde
dem Beschwerdeführer dauerhaft die gemäss der Richtlinie zustehenden
minimalen Lebensbedingungen vorenthalten und ihn einer existenziellen
Notlage aussetzen. Es darf zudem auch von einer erwachsenen Person
erwartet werden, sich bei Unterstützungsbedarf an die griechischen Behör-
den zu wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg
einzufordern. Es ist erneut darauf hinzuweisen, dass in Griechenland ne-
ben staatlichen Strukturen, die primär existenzielle Bedürfnisse abdecken,
private und internationale Organisationen bestehen, an die er sich wenden
kann. Das Bundesverwaltungsgericht hat denn auch in letzter Zeit in meh-
reren Urteilen die Wegweisung von gesundheitlich beeinträchtigten Perso-
nen mit flüchtlingsrechtlichem Schutzstatus in Griechenland als zulässig
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und zumutbar qualifiziert und entsprechende Nichteintretens- und Wegwei-
sungsverfügungen des SEM bestätigt (vgl. etwa Urteil des BVGer
E-1126/2020 vom 2. April 2020 E. 8.4.2 m.w.H.).
7.6 Auch wenn die Lebensbedingungen in Griechenland als nicht einfach
zu bezeichnen sind, ist zusammenfassend nicht von einer unmenschlichen
oder entwürdigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK respektive
von einer existenziellen Notlage auszugehen. Dem Beschwerdeführer ist
es nicht gelungen, die Vermutung umzustossen, wonach Griechenland sei-
nen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt und ein Wegweisungs-
vollzug in diesen EU-Mitgliedstaat auch zumutbar ist.
8.
Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG mög-
lich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Beschwer-
deführers ausdrücklich zugestimmt haben und dieser dort über eine Auf-
enthaltsbewilligung verfügt. In Übereinstimmung mit dem SEM vermögen
vorübergehende Einschränkungen des Flugverkehrs oder vorüberge-
hende Einreisebeschränkungen durch die griechischen Behörden im Zu-
sammenhang mit der aktuellen Situation rund um das Coronavirus keine
Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs zu begründen. Das SEM hat so-
dann der aktuellen Lage Rechnung getragen, indem es eine Ausreisefrist
bis zum 31. Juli 2020 ansetzte und darauf hinwies, dass die Möglichkeit
einer Verlängerung dieser Frist bestehe.
9.
Nach den vorstehenden Erwägungen ist der von der Vorinstanz verfügte
Vollzug der Wegweisung zu bestätigen.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem aber mit
Zwischenverfügung vom 4. Juni 2020 die unentgeltliche Prozessführung
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten
zu erheben.
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