Decision ID: 3d4c2f78-0979-513d-97b1-e7080f999cb8
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Mit Schreiben vom 4. August 2015 baten die Beschwerdeführenden die Gemeinde
Diemerswil um Abklärungen im Zusammenhang mit Geruchsimmissionen, die bei ihnen
durch die Schweinezucht des Beschwerdegegners verursacht würden. In der Folge wurde
insbesondere ein Bericht "Geruchsemissionen ausgehend vom Schweinezuchtbetrieb
RA Nr. 120/2019/54 Seite 2 von 12
D._" vom 30. August 2018 der Firma F._ eingeholt. Am 23. April 2019
reichten die Beschwerdeführenden eine Rechtsverzögerungsbeschwerde ein. Mit
Verfügung vom 13. Juni 2019 verpflichtete die Gemeinde Diemerswil den
Beschwerdegegner zur Umsetzung verschiedener Massnahmen bei seinem
Landwirtschaftsbetrieb mit Schweinezucht und Schweinemast. In Ziffer 3 der Verfügung
behält sich die Baupolizeibehörde Diemerswil "weitere Verfügungen (auf Basis eines
primär durch die Beschwerdeführer beizubringenden Nachweises über das Vorhandensein
von, durch die Tierhaltungsanlage des Beschwerdegegners verursachten, übermässigen
Immissionen bei der Liegenschaft G._) vor". Gemäss Ziffer 7 der Verfügung
werden keine Parteikosten gesprochen. Als Folge dieser Verfügung vom 13. Juni 2019
schrieb das Rechtsamt der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE)
das Beschwerdeverfahren RA Nr. 120/2019/34 betreffend Rechtsverzögerungsbeschwerde
mit Verfügung vom 19. Juli 2019 als erledigt vom Geschäftsverzeichnis ab.
2. Gegen die Verfügung vom 13. Juni 2019 reichten die Beschwerdeführenden am
12. Juli 2019 Beschwerde bei der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern (VOL) ein.
Sie beantragen, Ziffer 3 der Verfügung vom 13. Juni 2019 sei wie folgt anzupassen: "Die
Baupolizeibehörde Diemerswil behält sich weitere Verfügungen vor." Weiter beantragen
sie, Ziffer 7 der Verfügung vom 13. Juni 2019 sei aufzuheben und es sei ihnen für das vor-
instanzliche Verfahren eine Parteientschädigung zulasten des Beschwerdegegners von
Fr. 5'428.20 samt Auslagen und Mehrwertsteuer zuzusprechen. Eventualiter beantragen
sie, die Ziffern 3 und 7 seine aufzuheben und zu neuer Beurteilung an die
Einwohnergemeinde Diemerswil zurückzuweisen.
3. Nach einem Meinungsaustausch mit der BVE leitete die VOL die Beschwerde
zuständigkeitshalber an die BVE weiter, wo sie am 12. August 2019 eingegangen ist. Das
Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte anschliessend den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Gemeinde Diemerswil teilte mit
Schreiben vom 5. September 2019 mit, sie verzichte auf eine Stellungnahme und die
weitere Teilnahme am Verfahren. Der Beschwerdegegner beantragt in seiner Beschwerde-
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 120/2019/54 Seite 3 von 12
antwort vom 6. September 2019, die Beschwerde sei abzuweisen und die angefochtene
Verfügung sei zu bestätigen.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist eine Verfügung der Baupolizeibehörde der Gemeinde Diemerswil
(vgl. Erwägung 01 der angefochtenen Verfügung). Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können
baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Dementsprechend lautete auch die
Rechtsmittelbelehrung der angefochtenen Verfügung.
b) Die Beschwerdeführenden machen geltend, die vorliegende Angelegenheit sei eher
dem Vollzug der Luftreinhaltungsgesetzgebung als jenem der Baugesetzgebung respektive
der Baupolizei zuzuordnen. Dementsprechend haben sie ihre Beschwerde bei der VOL
eingereicht.
Die Baupolizei kann bei ihrer Tätigkeit mit anderen Organen der Verwaltungspolizei, die
spezifische Aufgaben zu erfüllen haben, in Konkurrenz treten.3 In gewissen Situationen
stehen somit verschiedene Rechtsgrundlagen für ein behördliches Vorgehen zur
Verfügung. Im vorliegenden Fall hat sich die Gemeinde Diemerswil für ein baupolizeiliches
Vorgehen entschieden. Zu prüfen ist somit grundsätzlich nur, ob das baupolizeiliche
Vorgehen zulässig war. Ob auch ein anderes Vorgehen möglich gewesen wäre, ist
grundsätzlich unerheblich.
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 3 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Vorbemerkungen zu den Art. 45–52 N. 4
RA Nr. 120/2019/54 Seite 4 von 12
Gemäss Art. 45 Abs. 2 BauG treffen die Organe der Baupolizei im Rahmen ihrer
Zuständigkeit alle Massnahmen, die zur Durchführung dieses Gesetzes und der gestützt
darauf erlassenen Vorschriften und Verfügungen erforderlich sind. Insbesondere obliegt
ihnen die Aufsicht über die Einhaltung der Bauvorschriften und der Bedingungen und
Auflagen der Baubewilligung sowie der Bestimmungen über die Arbeitssicherheit und -
hygiene bei der Ausführung von Bauvorhaben (Bst. a), die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes bei widerrechtlicher Bauausführung oder bei nachträglicher
Missachtung von Bauvorschriften, Bedingungen und Auflagen (Bst. b) sowie die
Beseitigung von Störungen der öffentlichen Ordnung, die von unvollendeten, mangelhaft
unterhaltenen oder sonst wie ordnungswidrigen Bauten und Anlagen ausgehen (Bst. c).
Im vorliegenden Fall ist die Anwendbarkeit von Art. 45 Abs. 2 Bst. c BauG näher zu prüfen.
Die öffentliche Ordnung ist dann gestört, wenn eine Vorschrift von allgemeiner
raumplanerischer oder baupolizeilicher Bedeutung und Tragweite verletzt wird, wie bei
Vorschriften über den Ortsbild-, Landschafts- und Umweltschutz, die Sicherheit und
Gesundheit oder ein Bauverbot.4 Vorliegend sind Geruchsimmissionen und damit
Vorschriften der Umweltschutzgesetzgebung betroffen. Somit ist ein baupolizeiliches
Vorgehen grundsätzlich zulässig, zumal Art. 45 Abs. 2 BauG keine abschliessende
Aufzählung beinhaltet. Dass die Gemeinde Diemerswil den Streitgegenstand in einem
Baupolizeiverfahren behandelt hat, ist somit nicht zu beanstanden. Demzufolge ist die BVE
zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
c) Zur Beschwerde ist befugt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat,
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse
an der Aufhebung oder Änderung der Verfügung hat (Art. 65 Abs. 1 VRPG5). Die
Beschwerdeführenden sind als Anzeigende, die sich im vorinstanzlichen Verfahren als
Partei beteiligt haben, durch die angefochtene Verfügung zumindest teilweise formell
beschwert.
Der Beschwerdeführer 1 ist Alleineigentümer des Baurechts Diemerswil Grundbuchblatt
Nr. H._ mit dem Wohnahus G._. Dieses befindet sich in unmittelbarer
Nachbarschaft zum Schweinezuchtbetrieb des Beschwerdegegners auf den Parzellen
Diemerswil Grundbuchblatt Nrn. I._ und J._. Damit ist der
4 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1b N. 3 5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
RA Nr. 120/2019/54 Seite 5 von 12
Beschwerdeführer 1 durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und damit auch
materiell beschert. Folglich ist er zur Beschwerde legitimiert.
Fraglich ist die Legitimation der Beschwerdeführerin 2. Diese ist nicht Eigentümerin des
Baurechts Diemerswil Grundbuchblatt Nr. H._ und hat lediglich bis 31. Januar
2016 im Wohnhaus G._ gewohnt.6 Insofern fehlt es ihr an der materiellen
Beschwer. Allerdings wird in der umstrittenen Ziffer 3 der angefochtenen Verfügung auch
die Beschwerdeführerin 2 angesprochen ("... durch die Beschwerdeführer..."). Zudem war
auch sie im vorinstanzlichen Verfahren anwaltlich vertreten und wurde auch ihr in Ziffer 7
der angefochtenen Verfügung keine Parteikostenentschädigung zugesprochen. Insofern
erscheint auch sie durch die angefochtene Verfügung besonders berührt. Letztlich kann
diese Frage offen bleiben. Auf die Beschwerde ist aufgrund der unstrittigen Legitimation
des Beschwerdeführers 1 ohnehin einzutreten. Auf die form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde wird daher eingetreten.
d) Am Beschwerdeverfahren ist die Vorinstanz wie eine Partei beteiligt (Art. 12 Abs. 3
VRPG). Die Gemeinde Diemerswil konnte daher nicht auf eine Beteiligung am
Beschwerdeverfahren verzichten, wie sie dies in ihrem Schreiben vom 5. September 2019
mitgeteilt hat. Entsprechend ist die Gemeinde im Rubrum dieses Entscheids aufgeführt.
2. Weitere Verfügungen
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, der Vollzug der Luftreinhalteverordnung
sei eine Gemeindeaufgabe. Somit sei es nicht Aufgabe der Beschwerdeführenden, lästige
Luftverunreinigungen zu verhindern. Ebenso wenig sei es ihre Aufgabe, die von der
Gemeinde bereits angeordneten Massnahmen auf deren Wirksamkeit zu überprüfen und
dazu auf ihre Kosten ein Immissionsgutachten einzuholen. Dafür sei die Gemeinde
zuständig. Die Ziffer 3 der angefochtenen Verfügung sei daher insofern anzupassen, als
die Klammerbemerkung "auf Basis eines primär durch die Beschwerdeführer
beizubringenden Nachweises über das Vorhandensein von, durch die Tierhaltungsanlage
des Beschwerdegegners verursachten, übermässigen Immissionen bei der Liegenschaft
G._" zu streichen sei.
6 Ziff. B.7 der Beschwerde und Ziff. A.2 der angefochtenen Verfügung
RA Nr. 120/2019/54 Seite 6 von 12
b) Die Gemeinde Diemerswil hat in der angefochtenen Verfügung festgehalten, die
einverlangten Unterlagen und Stellungnahmen würden auf die zentrale Frage, ob die
Emissionen aus der Tierhaltungsanlage des Beschwerdegegners bei der Liegenschaft der
Beschwerdeführenden zu übermässigen Immissionen führen, nur beschränkt eine
schlüssige Antwort liefern. Es müsse jedoch davon ausgegangen werden, dass es bei der
Liegenschaft der Beschwerdeführenden zu erheblichen Geruchsstörungen komme.
Aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerdeführenden eine
Rechtsverzögerungsbeschwerde eingereicht hätten, müsse die Baupolizeibehörde aktuell
auf die Einforderung eines Immissionsgutachtens verzichten. Vor dieser Ausgangslage
verfüge die Baupolizeibehörde vorerst lediglich die kurzfristigen Massnahmen aus dem
Bericht F._ vom 30. August 2018. Weitere Massnahmen würden in Betracht
gezogen, wenn primär die Beschwerdeführenden mittels eines Immissionsgutachtens
nachwiesen, dass die kurzfristigen Massnahmen keine wesentliche Entlastung gebracht
hätten bzw. dass die übermässigen Immissionen allein aus dem Schweinehaltungsbetrieb
des Beschwerdegegners stammten. Der Beschwerdegegner macht dazu in seiner
Beschwerdeantwort geltend, die Gemeinde habe ihre Aufgabe korrekt erfüllt. Weitere
Massnahmen seien nicht angebracht.
c) Zwar hat die Gemeinde das laufende Baupolizeiverfahren mit der angefochtenen
Verfügung abgeschlossen, weshalb aktuell bei ihr kein Verfahren hängig ist. Die
umstrittene Ziffer 3 der angefochtenen Verfügung nimmt jedoch Bezug auf ein allfälliges
zukünftiges Baupolizeiverfahren, weshalb insofern dennoch auf die entsprechenden
Verfahrensvorschriften abzustellen ist.
Bei einem Baupolizeiverfahren handelt es sich um ein Verwaltungsverfahren im Sinne von
Art. 1 Abs. 1 VRPG. Gemäss Art. 18 Abs. 1 VRPG stellen die Behörden den Sachverhalt
von Amtes wegen fest. Sie bestimmen Art und Umfang der Ermittlung (Art. 18 Abs. 2
VRPG). Für die Sachverhaltsermittlung gilt somit der Untersuchungsgrundsatz. Er
bedeutet, dass der rechtserhebliche Sachverhalt von Amtes wegen richtig und vollständig
abzuklären ist. Fehlendes ist einzuverlangen. Die Behörde hat nach der materiellen
Wahrheit (wirklichen Sachlage) zu suchen und darf sich nicht mit der formellen (d.h. sich
aus den eingebrachten Informationen ergebenden) Wahrheit zufrieden geben.7
7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 18 N. 1
RA Nr. 120/2019/54 Seite 7 von 12
Wie der Sachverhalt abzuklären ist und wer welche Abklärungen vorzunehmen hat, dazu
äussert sich der Untersuchungsgrundsatz nicht. Im Zusammenhang mit der Notwendigkeit
eines Lärmgutachtens hat das Verwaltungsgericht explizit klargestellt, die Behörde sei
nicht verpflichtet, die erforderlichen Untersuchungen selber durchzuführen oder in Auftrag
zu geben. Sie kann vielmehr von der verantwortlichen Partei ein Lärmgutachten
verlangen.8 Dies lässt sich aus dem Störerprinzip ableiten: Der Störer ist nicht nur
verpflichtet, die Störung letztlich zu beseitigen, sondern auch vorgängig die dazu nötigen
Abklärungen vorzunehmen. Störer ist grundsätzlich derjenige, der die Rechtswidrigkeit
selbst oder durch Personen, für deren Verhalten er verantwortlich ist, verursacht hat, also
im vorliegenden Fall der Beschwerdegegner als Betreiber des Schweinezuchtbetriebs (sog.
Verhaltensstörer). Als Störer gilt aber auch derjenige, der über die Sache, welche den
ordnungswidrigen Zustand bewirkt, rechtliche oder tatsächliche Gewalt hat (sog.
Zustandsstörer). Das ist in der Regel der Grundeigentümer, im vorliegenden Fall also
ebenfalls der Beschwerdegegner.
Seine vernünftige Grenze findet der Untersuchungsgrundsatz an der Mitwirkungspflicht:
Wer aus einem Begehren eigene Rechte ableitet, ist verpflichtet, an der Feststellung des
Sachverhalts mitzuwirken; verweigert er die Mitwirkung, so wird auf das Begehren nicht
eingetreten, es sei denn, an dessen Behandlung bestehe ein öffentliches Interesse; im
Übrigen gelten die in der Gesetzgebung vorgesehenen besonderen Mitwirkungspflichten
(Art. 20 VRPG). Durch die Mitwirkungspflicht wird der Amtsbetrieb eingeschränkt, indem
die instruierende Behörde nicht gehalten ist, weitere Abklärungen zu treffen, wenn ein
Sachumstand von einer Partei zu ihrem Vorteil aufgehellt werden könnte, sie aber die ihr
mögliche und zumutbare Mitarbeit unterlässt.9
d) Im vorliegenden Fall macht die Gemeinde weitere baupolizeiliche Massnahmen von
einem primär durch die Beschwerdeführenden beizubringenden Immissionsgutachten
abhängig. Damit gibt die Gemeinde zu verstehen, dass sie grundsätzlich nicht gewillt ist,
weitere Abklärungen selber zu treffen. Vielmehr verlangt sie weitere Abklärungen primär
von den Beschwerdeführenden. Dazu ist die Gemeinde nur berechtigt, wenn für die
Beschwerdeführenden eine entsprechende Mitwirkungspflicht besteht. Zur Diskussion
stehen dabei keine für die Beschwerdeführenden ohne Weiteres verfügbaren
Informationen, sondern ein Immissionsgutachten, das die Beschwerdeführenden nur mit
8 VGE Nr. 22986 vom 13. Februar 2008 E. 4.2 9 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 20 N. 1
RA Nr. 120/2019/54 Seite 8 von 12
erheblichem Aufwand beibringen können. Im Rahmen der allgemeinen Mitwirkungspflicht
von Art. 20 Abs. 1 VRPG ist dies für die Beschwerdeführenden unzumutbar. Von ihnen
kann ein solches Immissionsgutachten daher nur verlangt werden, wenn die einschlägige
Gesetzgebung eine entsprechende Mitwirkungspflicht vorsieht.
e) Vorliegend stehen Geruchsimmissionen aus einer Schweinzucht zur Diskussion.
Dabei handelt es sich um eine Luftverunreinigung im Sinne von Art. 7 Abs. 3 USG10 und
damit um eine Einwirkung im Sinne von Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 7 Abs. 1 USG. Gemäss
Art. 46 Abs. 1 USG ist jedermann verpflichtet, den Behörden die für den Vollzug
erforderlichen Auskünfte zu erteilen, nötigenfalls Abklärungen durchzuführen oder zu
dulden. Dass "jedermann" Auskunft zu erteilen hat, heisst jedoch nicht, dass jede Person
verpflichtet werden kann, beliebige Informationen zu liefern. Vielmehr ist der Kreis der
Auskunftspflichtigen im konkreten Fall jeweils eingeschränkt. In erster Linie sind dies
Personen, die aufgrund von Gesetz und Verordnungen Träger materieller Pflichten sind, so
z.B. Inhaber emittierender Anlagen.11
Daraus ist ersichtlich, dass für die Beschwerdeführenden gestützt auf das USG keine
Mitwirkungspflicht besteht, mit einem Immissionsgutachten den Nachweis für übermässige
Immissionen zu erbringen. Vielmehr ist die Gemeinde aufgrund des
Untersuchungsgrundsatzes verpflichtet, den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen
und die nötigen Abklärungen vorzunehmen. Dies gilt auch in Bezug auf die Überprüfung
der Situation nach Umsetzung der mit der angefochtenen Verfügung angeordneten
kurzfristigen Massnahmen. Der Pflicht zur Sachverhaltsabklärung kann sich die Gemeinde
auch nicht mit einem Hinweis auf die von den Beschwerdeführenden eingereichte
Rechtsverzögerungsbeschwerde entziehen. Zwar ist die Gemeinde nicht verpflichtet, die
erforderlichen Untersuchungen selber durchzuführen oder in Auftrag zu geben. Sie kann
dies auch vom Störer verlangen. Bei den Beschwerdeführenden handelt es sich jedoch
nicht um Störer, weder Verhaltens- noch Zustandsstörer. Ihnen die Erstellung eines
Immissionsgutachtens und die damit verbundenen Kosten zu überlassen, stünde im
Übrigen auch in Widerspruch zum Verursacherprinzip in Art. 2 USG.
10 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 11 Brunner, Kommentar USG, 2. Auflage, N 10 zu Art. 46
RA Nr. 120/2019/54 Seite 9 von 12
f) Zu keinem anderen Ergebnis führt die Berücksichtigung der LRV12. Hinsichtlich
Luftverunreinigungen werden die Vorschriften des USG durch die LRV konkretisiert. Für
die Ermittlung und Beurteilung von Immissionen sehen Art. 28 und 29 LRV vor, dass die
Behörde vom Inhaber einer Anlage eine Immissionsprognose und die messtechnische
Überwachung der Immissionen verlangen kann. Auch daraus lässt sich keine
Mitwirkungspflicht der Beschwerdeführenden ableiten.
g) Demzufolge ist die Beschwerde in diesem Punkt gutzuheissen. Die Ziffer 3 der
angefochtenen Verfügung wird antragsgemäss angepasst.
3. Vorinstanzliche Parteikosten
a) Die Beschwerdeführenden rügen, spezialgesetzliche Vorschriften würden der
allgemeinen Kostenregelung vorgehen. Im Bereich der Umweltschutz- und
Lufthygienegesetzgebung gelte, dass wer Massnahmen verursache, auch die Kosten dafür
trage. Voraussetzung für eine Kostenüberwälzung sei, dass die Kosten der die
Kostenpflicht auslösenden Massnahme zugerechnet werden könnten. Die Parteikosten der
Beschwerdeführenden für das vorinstanzliche Verfahren könnten ohne Weiteres den in
diesem Verfahren angeordneten Massnahmen zugerechnet werden. Diese Kosten wären
nicht angefallen, hätte die Schweinehaltung des Beschwerdegegners nicht zu den
beanstandeten Geruchsimmissionen geführt. Den Beschwerdeführenden sei daher in
Abänderung von Ziffer 7 der angefochtenen Verfügung für das vorinstanzliche Verfahren
eine Parteientschädigung zulasten des Beschwerdegegners in der Höhe von Fr. 5'428.20
(inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
b) Die Gemeinde Diemerswil hat in der angefochtenen Verfügung ausgeführt, in einem
erstinstanzlichen Verwaltungsverfahren seien keine Parteientschädigungen zu sprechen.
Als Rechtsgrundlage hat sie dazu auf Art. 107 Abs. 3 VRPG und Art. 52 Abs. 1 BewD13
verwiesen. Der Beschwerdegegner führt in seiner Beschwerdeantwort aus, die Gemeinde
habe im Baupolizeiverfahren zu Recht keine Parteikosten gesprochen.
12 Luftreinhalte-Verordnung des Bundesrats vom 16. Dezember 1985 (LRV; SR 814.318.142.1) 13 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
RA Nr. 120/2019/54 Seite 10 von 12
c) Im Verwaltungsverfahren besteht kein Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 107
Abs. 3 VRPG). Der Gesetzgeber geht davon aus, dass es den Beteiligten im Verwaltungs-
und im Einspracheverfahren möglich und zumutbar ist, ihre Rechte selber zu wahren. Ein
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten steht ihnen daher nicht zu.14 Daran vermag auch der
Verweis der Beschwerdeführenden auf das im Umweltrecht geltende Verursacherprinzip
nichts zu ändern. Gemäss dem Verursacherprinzip trägt, wer Massnahmen nach diesem
Gesetz verursacht, die Kosten (Art. 2 USG und Art. 13 LHG15). Einerseits handelt es sich
bei den Kosten der Beschwerdeführenden, die ihnen aus dem Beizug eines Anwalts
entstanden sind, nicht um eine Massnahme nach dem USG oder LHG. Zudem hat diese
Kosten nicht der Beschwerdegegner durch seinen Schweinezuchtbetrieb verursacht,
sondern die Beschwerdeführenden durch ihre Entscheidung, sich anwaltlich vertreten zu
lassen. Dies entgegen der Annahme des Gesetzgebers, dass es den Beteiligten im
Verwaltungs- und im Einspracheverfahren möglich und zumutbar ist, ihre Rechte selber zu
wahren. Wer sich dennoch anwaltlich vertreten lassen will, kann dies zwar tun, hat aber die
entsprechenden Kosten auch im Falle eines Obsiegens selber zu tragen. Dies gilt im
vorliegenden Fall auch soweit es den Beschwerdeführenden aufgrund ihrer
Auslandsabwesenheit nicht möglich war, ihre Rechte selber zu wahren. Auch dieser
Umstand liegt im Verantwortungsbereich der Beschwerdeführenden und kann nicht dem
Beschwerdegegner angelastet werden. Für den Antrag der Beschwerdeführenden um
Parteikostenersatz im vorinstanzlichen Baupolizeiverfahren besteht somit keine Grundlage.
In diesem Punkt ist die Beschwerde abzuweisen.
4. Kosten
a) Die Beschwerde wird demzufolge in einem Punkt (Ziffer 3 der angefochtenen
Verfügung) gutgeheissen und in einem Punkt (Ziffer 7 der angefochtenen Verfügung)
abgewiesen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gelten die Beschwerdeführenden als zur
Hälfte unterliegende Partei. Dies gilt auch für den Beschwerdegegner, der die Abweisung
der Beschwerde beantragt hat. Die Beschwerdeführenden und der Beschwerdegegner
haben somit je die Hälfte der oberinstanzlichen Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108
Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 800.-- (Art. 103
14 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 107 N. 11 15 Gesetz vom 16. November 1989 zur Reinhaltung der Luft (Lufthygienegesetz, LHG; BSG 823.1)
RA Nr. 120/2019/54 Seite 11 von 12
Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV16). Die Beschwerdeführenden haften für die ihnen
auferlegten Verfahrenskosten von Fr. 400.-- solidarisch für den gesamten Betrag.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei im oberinstanzlichen
Beschwerdeverfahren die Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales
Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung oder die Wettschlagung
gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als gerechtfertigt
erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Da die Beschwerdeführenden und der
Beschwerdegegner je zur Hälfte unterliegen und obsiegen, werden die Parteikosten
wettgeschlagen, d.h. jede Partei trägt ihre eigenen Parteikosten.