Decision ID: 8dfc0bcb-ded9-4c2d-84f8-dd5ef97c0d5e
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Widerhandlung gegen das Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetz
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes des Bezirkes Zürich (7. ) vom 21. Dezember 2011 (GC110165)
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Strafverfügung:
Die Strafverfügung des Stadtrichteramtes der Stadt Zürich vom 31. August 2010
ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 3/2).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Einsprecher ist der Übertretung des Ruhetags- und Ladenöffnungsge-
setzes im Sinne von § 8 RLG i.V.m. § 5 RLG und § 3 Abs. 1 lit. e und Abs. 2
VO RLG nicht schuldig und wird freigesprochen.
2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 500.–. Allfällige weitere Ausla-
gen bleiben vorbehalten.
3. Die Kosten gemäss vorstehender Ziffer werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen. Die Kosten des Stadtrichteramtes Zürich im Betrage von Fr. 488.–
(Fr. 318.– Verfügungskosten und Fr. 270.– Untersuchungskosten) werden
diesem zur Abschreibung belassen.
4. Dem Einsprecher wird aus der Gerichtskasse eine Prozessentschädigung
von Fr. 5'000.– zugesprochen.
5. Dem Einsprecher wird keine persönliche Umtriebsentschädigung zugespro-
chen.
Berufungsanträge:
A) Des Stadtrichteramtes der Stadt Zürich
(Urk. 30 S. 1)
1. Das Urteil der Vorinstanz sei vollumfänglich aufzuheben und der Verzeigte i.
S. der Strafverfügung vom 31.08.2010 schuldig zu sprechen.
2. Unter Auferlegung der Verfahrenskosten.
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B) Des Verteidigers des Beschuldigten
1. Auf die Berufung des Stadtrichteramtes Zürich sei zufolge Verjährung nicht
einzutreten.
2. Die Frist zur Stellungnahme in materieller Hinsicht sei abzunehmen.
3. Eventuell, für den Fall der Abweisung des Antrags auf Nichteintreten ge-
mäss Ziffer 1, sei die Frist zur Stellungnahme in materieller Hinsicht neu an-
zusetzen.
4. Die Verfahrenskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen und A._
sei eine angemessene Verteidigungs- und Umtriebsentschädigung auszu-
richten (Urk. 34 S. 1).
- Die Prozessentschädigung für das erstinstanzliche Verfahren sei auf Fr.
8'000.– zu bemessen (Urk. 24).

Erwägungen:
I.
1. Der Beschuldigte wurde mit Verfügung des Stadtrichters von Zürich vom
31. August 2010 wegen einer Widerhandlung gegen § 8 des kantonalen Ruhe-
tags- und Ladenöffnungsgesetzes (LS 822.4) mit Fr. 450.– gebüsst. Ihm wurde
vorgeworfen, er habe am Sonntag, den 10. Mai 2009 um ca. 13.30 Uhr als Betrei-
ber des Shops der B._ an der ...strasse ... in C._ ein Warensortiment
angeboten, welches nicht überwiegend auf die spezifischen Bedürfnisse von Rei-
senden ausgerichtet gewesen sei und deshalb nicht den einschlägigen gesetzli-
chen Bestimmungen entsprochen habe (vgl. dazu § 5 des Ruhetags- und Laden-
öffnungsgesetzes sowie § 3 Abs. 1 lit. e und Abs. 2 der Verordnung zum Ruhe-
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tags- und Ladenöffnungsgesetz [LS 822.41]). Dabei wurde dem Beschuldigten
angelastet, das Warensortiment habe sechs Sorten Tiefkühlpizzas, mindestens
acht Sorten Tomatensaucen im Glas, mehrere Spaghetti-Sorten, mindestens
zwölf Sorten Reis, mindestens 16 Sorten gekühlte oder ungekühlte Fertigmenüs,
mindestens sechs Biersorten, auch in Mehrfachgebinden zu zehn Büchsen, mehr
als 38 verschiedene Weinsorten, mindestens vier Whisky-Sorten, mindestens vier
Champagner-/Sektsorten und mindestens zwölf Sorten Wodka bzw. Wodka-
Mischgetränke umfasst (Urk. 2).
2. Mit Urteil des Einzelgerichtes des Bezirkes Zürich (10. Abteilung) vom 21.
Dezember 2011 wurde der Beschuldigte vom Vorwurf der Übertretung des Ruhe-
tags- und Ladenöffnungsgesetzes (LS 822.4) freigesprochen. Dieser Entscheid
wurde dem Stadtrichteramt am 20. Februar 2012 in vollständiger Ausfertigung
mitgeteilt (Urk. 17/2). Mit Eingabe an die Vorinstanz vom 21. Februar 2012 – der
Post übergeben am gleichen Tag – meldete das Stadtrichteramt in der Folge die
Berufung rechtzeitig an (Urk. 19; Art. 399 Abs. 1 StPO), und mit Zuschrift an das
Berufungsgericht vom 23. Februar 2012 – Poststempel: ebenfalls 23. Februar
2012 – reichte dieses rechtzeitig eine Berufungserklärung ein (Urk. 21/1; Art. 399
Abs. 3 StPO). Mit Präsidialverfügung vom 5. März 2012 wurde dem Beschuldigten
die Berufungserklärung zugestellt, und er wurde darauf aufmerksam gemacht,
dass ihm eine Frist von 20 Tagen läuft, um Anschlussberufung zu erheben oder
ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 22). Hierauf erklärte der
Beschuldigte mit Zuschrift vom 3. April 2012 Anschlussberufung (Urk. 24). Mit Be-
schluss vom 20. April 2012 wurde das schriftliche Verfahren angeordnet und dem
Stadtrichteramt eine 20-tägige Frist angesetzt, um die Berufung zu begründen.
Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist angesetzt, um die Begründung seiner
Anschlussberufung zu ergänzen (Urk. 28). In der Folge begründete das Stadtrich-
teramt die Berufung mit Eingabe vom 30. April 2012 (Urk. 30). Der Beschuldigte
liess sich nach zweimaliger Fristerstreckung (Urk. 32+33) mit Eingabe vom 2. Juli
2012 vernehmen, wobei er (ohne materiell Stellung zu nehmen) beantragte, es
sei auf die Berufung zufolge Verjährung nicht einzutreten (Urk. 34). In der Folge
wurde den Parteien mit Präsidialverfügung vom 3. August 2012 eine Frist von 10
Tagen angesetzt, um sich zur Frage der Verjährung zu äussern (Urk. 35). Das
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Stadtrichteramt äusserte sich hierauf mit Eingabe vom 9. August 2012 (Urk. 37).
Eine Stellungnahme des Beschuldigten zum materiellen Recht liegt zwar nicht
vor. Da die Berufung des Stadtrichteramtes – wie unten zu zeigen sein wird – ab-
zuweisen ist, rechtfertigt es sich jedoch, den Beschuldigten nicht zu einer weite-
ren Stellungnahme einzuladen.
II.
1. Wie eingangs bereits gezeigt wurde, wird dem Beschuldigten angelastet,
sich 10. Mai 2009 wegen einer Widerhandlung gegen § 8 des Ruhetags- und La-
denöffnungsgesetzes strafbar gemacht zu haben. Da dieser Tatbestand als Sank-
tion Busse bis Fr. 40'000.– bzw., im Falle von Gewinnsucht, Busse in unbe-
schränkter Höhe vorsieht, handelt es sich bei ihm um eine Übertretung (Art. 103
StGB). Bei einer solchen beträgt die Verfolgungsverjährungsfrist drei Jahre (Art.
109 StGB).
2. Die Verjährung kann dann nicht mehr eintreten, wenn vor dem Ablauf der
Verjährungsfrist ein erstinstanzliches Urteil ergangen ist (Art. 97 Abs. 3 StGB).
Dabei ist zu beachten, dass ausschliesslich verurteilende Erkenntnisse als "erst-
instanzliche Urteile" im Sinne dieser Bestimmung gelten. Freisprüche fallen mit
anderen Worten nicht unter diese Regelung (vgl. dazu BGE 134 IV 328 ff., 331
sowie Hug, in: Donatsch [Hrsg.]/Flachsmann/Hug/Weder, StGB – Schweizeri-
sches Strafgesetzbuch, 18. A., Zürich 2010, N 8 zu Art. 97 StGB). Der Beschul-
digte wurde wie gezeigt vom Vorderrichter freigesprochen; jenes erstinstanzliche
Erkenntnis hatte demnach nicht das Ende der Verjährung zur Folge.
3. Bei der Strafverfügung des Stadtrichters von Zürich vom 31. August 2010
handelt es sich um eine Bussenverfügung nach dem alten zürcherischen Straf-
prozessrecht, welches bis zum 31. Dezember 2010 in Kraft stand. Was die
Rechtsnatur derartiger Verfügungen anbelangt, hielt die herrschende Lehre dafür,
solche Entscheide nicht als erstinstanzliche Urteile im Sinne von Art. 97 Abs. 3
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StGB zu betrachten (vgl. dazu Schmid, Strafprozessrecht, 4. A., Zürich 2004, N
930).
4. Demgegenüber stufte das Bundesgericht eine Strafverfügung des Statt-
halteramtes des Bezirkes Zürich verjährungsrechtlich als erstinstanzliches Urteil
ein. Das Bundesgericht befand, eine kantonale Strafverfügung sei verjährungs-
rechtlich als erstinstanzliches Urteil anzusehen, "wenn sie auf einer umfassenden
Grundlage beruht und in einem kontradiktorischen Verfahren erlassen wird" (Urteil
6B_775/2009 E. 2.1). In einem früheren, einen Entscheid des Amtsstatthalteram-
tes Sursee betreffenden Urteil bejahte das Bundesgericht diese Voraussetzung,
da der Beschuldigte im betreffenden Verfahren untersuchungsrichterlich befragt
und ihm Akteneinsicht gewährt worden war (6B_927/2008 E. 1.). Beizufügen ist,
dass das Bundesgericht in der Vergangenheit auch eine Strafverfügung im Sinne
von Art. 70 VStrR – nicht jedoch einen Strafbescheid nach Art. 64 VStrR – verjäh-
rungsrechtlich als erstinstanzliches Urteil qualifizierte (BGE 133 IV 112 ff., 117).
Im vorliegenden Fall wurde der Beschuldigte am 12. November 2009 vor dem
Stadtrichteramt befragt (Urk. 1/16). Hinweise darauf, dass ihm die Akten nicht zur
Einsicht offen standen, sind sodann keine ersichtlich. Unter diesen Umständen ist
davon auszugehen, dass die Strafverfügung des Stadtrichteramtes Zürich vom
31. August 2010 verjährungsrechtlich als erstinstanzliches Urteil zu betrachten ist.
5. Am 1. Januar 2011 trat die neue eidgenössische Strafprozessordnung in
Kraft. Mit Bezug auf das Übertretungsstrafverfahren sieht diese zunächst (u.a.)
vor, dass sich das Verfahren sinngemäss nach den Vorschriften über das Strafbe-
fehlsverfahren richtet (Art. 357 Abs. 2 StPO). Diese wiederum halten in Art. 354
Abs. 3 StPO Folgendes fest: "Ohne gültige Einsprache wird der Strafbefehl zum
rechtskräftigen Urteil." E contrario bedeutet diese Bestimmung, dass der Strafbe-
fehl im Falle einer Einsprache nicht zum Urteil wird. Dementsprechend wird in der
Literatur zur neuen Strafprozessordnung einhellig die Auffassung vertreten, dass
die Verjährungsfrist nach Art. 97 Abs. 3 StGB nur dann mit dem Strafbefehl endet,
wenn dieser unangefochten bleibt (vgl. dazu z.B. Riklin, in: Niggli/Heer/
Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung –
Jugendstrafprozessordnung, Basel 2011, N 19 zu Art. 354 StPO sowie Schmid,
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Handbuch des schweizerisches Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 2009, N
1363). Zu beachten ist anderseits aber auch Art. 448 Abs. 2 StPO. Gemäss die-
ser (übergangsrechtlichen) Bestimmung behalten Verfahrenshandlungen, die vor
dem Inkrafttreten des neuen Rechts angeordnet oder durchgeführt worden sind,
ihre Gültigkeit. Daraus folgt, dass das Inkrafttreten der eidgenössischen Strafpro-
zessordnung an der Rechtsnatur der Strafverfügung des Stadtrichteramtes vom
31. August 2010 als "erstinstanzliches Urteil" nichts geändert hat.
6. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Vorwurf der Widerhandlung
gegen § 8 des Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetzes nicht verjährt ist.
III.
1. Wenn wie im vorliegenden Fall ausschliesslich eine Übertretung Gegen-
stand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens war, kann mit der Berufung nur gel-
tend gemacht werden, das Urteil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des
Sachverhalts sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung.
Dabei können keine neuen Behauptungen und Beweise vorgebracht werden (Art.
398 Abs. 4 StPO). Die Berufung des Stadtrichteramtes Zürich richtet sich nicht
gegen die vorinstanzliche Feststellung des Sachverhalts, geltend gemacht wird
vielmehr eine Rechtsverletzung durch die Vorinstanz. Dabei argumentiert die Un-
tersuchungsbehörde, die Vorinstanz habe hinsichtlich der Beurteilung der Sorti-
mentsbeschränkung die Bestimmungen des Ruhetags- und Ladenöffnungsgeset-
zes, Art. 1 StGB sowie Art. 8 Abs. 1 BV nicht richtig angewandt (Urk. 29 S. 2 ff.).
2. Gemäss § 5 Abs. 1 des Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetzes sind die
Läden der Detailhandelsbetriebe an öffentlichen Ruhetagen (grundsätzlich) ge-
schlossen zu halten. Vom Verbot der Ladenöffnung an öffentlichen Ruhetagen
ausgenommen sind u.a. Kleinläden, die zu Tankstellen gehören und auf Auto-
bahnraststätten oder an Hauptverkehrswegen mit starkem Reiseverkehr liegen (§
3 Abs. 1 lit. e der Verordnung zum Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetz), wobei
als "Kleinläden" Lokale gelten, welche eine Verkaufsfläche von höchstens 200 m2
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aufweisen und "ein Waren- und Dienstleistungsangebot führen, das überwiegend
auf die spezifischen Bedürfnisse der Reisenden ausgerichtet ist" (§ 3 Abs. 2 der
Verordnung zum Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetz).
3. a) Was unter einem Waren- und Dienstleistungsangebot zu verstehen ist,
welches überwiegend auf die spezifischen Bedürfnisse der Reisenden ausgerich-
tet ist, kann der Verordnung zum Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetz nicht ent-
nommen werden.
b) Da wegen des engen sachlichen Zusammenhanges zwischen dem öffent-
lichen Arbeitsrecht und den Ladenöffnungszeiten bei der Formulierung von § 3
Abs. 2 der Verordnung zum Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetz der Wortlaut
von Art. 26 Abs. 4 ArGV 2 (Verordnung 2 zum Arbeitsgesetz, SR 822.112) über-
nommen wurde (vgl. dazu die Weisung des Regierungsrates zur kantonalen
Volksinitiative "Der Kunde ist König!" [Amtsblatt 2011 449 ff., 452 f.]), müssen bei
der Auslegung von § 3 Abs. 2 der Verordnung zum Ruhetags- und Ladenöff-
nungsgesetz auch die einschlägige Wegleitung des Staatssekretariates für Wirt-
schaft (SECO) sowie die diesbezügliche bundesgerichtliche Rechtsprechung be-
rücksichtigt werden.
c) Der Wegleitung des SECO (zu finden unter www.seco.admin.ch) kann le-
diglich entnommen werden, dass das Warenangebot einem Grundbedarf der Rei-
senden entsprechen müsse, wobei "Verpflegung, Hygiene, Presseerzeugnisse,
Reisebedarf für unterwegs und ähnliches mehr" genannt werden. Ferner müsse
die Ware in handlichen Volumina oder Quanten verkauft werden, welche von ei-
ner Person getragen werden könnten, und der Kaufvorgang müsse einfach und
sofort abgewickelt werden können. Das Bundesgericht wurde konkreter, indem es
festhielt, wenn Art. 26 ArGV 2 ein auf die spezifischen Bedürfnisse der Reisenden
ausgerichtetes Angebot voraussetze, heisse dies nicht, dass es sich dabei bloss
um ein Warenangebot handeln dürfe, welches nur während der Reise entstehen-
de Bedürfnisse abzudecken vermöge. Vielmehr sei der Begriff "spezifisch" weit zu
verstehen. Er bezeichne nicht nur Bedürfnisse der entsprechenden Personen-
gruppe in Abgrenzung zur restlichen Bevölkerung, sondern umfasse etwa auch
einen gemeinsamen Grundbedarf an Produkten des täglichen Lebens. Beizufü-
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gen ist, dass das Bundesgericht teilweise auch dann vom Einkauf eines Reisen-
den spricht, wenn dieser auf dem Heimweg aus den Ferien oder von der Arbeit
Lebensmittel besorgt, welche er in der Folge bei sich zu Hause konsumiert (vgl.
zum Ganzen den Entscheid 2A.255/2001 betreffend Geschäft der ... AG in der
Bahnofshalle des ... [E 4.1 und 4.3] sowie den Entscheid 2A.256/2001 betreffend
Betriebe im ... und im Bahnhof ... [E 6.1]).
d) Aus der Rechtsprechung des Bundesgerichts ergibt sich mit anderen
Worten, dass die Ausnahmeregelung von § 3 Abs. 2 der Verordnung zum Ruhe-
tags- und Ladenöffnungsgesetz nicht nur ein auf die spezifischen Bedürfnisse der
Reisenden ausgerichtetes Warenangebot, sondern auch den Grundbedarf an
Produkten des täglichen Lebens der übrigen Bevölkerung umfasst. In die gleiche
Richtung deutet im Übrigen auch bereits der Wortlaut der besagten Bestimmung
hin, welcher lediglich davon spricht, das Warenangebot müsse "überwiegend" auf
die spezifischen Bedürfnisse der Reisenden ausgerichtet sein. Hält man sich das
inkriminierte Warenangebot (sechs Sorten Tiefkühlpizzas, mindestens acht Sorten
Tomatensaucen im Glas, mehrere Spaghetti-Sorten, mindestens zwölf Sorten
Reis, mindestens 16 Sorten gekühlte oder ungekühlte Fertigmenüs, mindestens
sechs Biersorten, auch in Mehrfachgebinden zu zehn Büchsen, mehr als 38 ver-
schiedene Weinsorten, mindestens vier Whisky-Sorten, mindestens vier Cham-
pagner-/Sektsorten und mindestens zwölf Sorten Wodka bzw. Wodka-Misch-
getränke) vor Augen, erscheint namentlich die Weinauswahl als recht umfang-
reich. Sie ist aber bei weitem nicht mit dem Angebot einer Weinhandlung oder
auch nur dem üblichen Sortiment in kleinen oder grossen Filialen von Grossvertei-
lern zu vergleichen. Ein Verstoss gegen die einschlägigen Bestimmungen des
Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetzes kann darin noch nicht erblickt werden.
Dies deshalb, weil auch ein Grundangebot eine gewisse Auswahl bieten darf
(bzw. bieten muss, ansonsten die Kundschaft ausbleibt und das Geschäft man-
gels genügenden Umsatzes nicht überleben kann). Bei den Weinen kommt hinzu,
dass die vermeintlich grosse Auswahl dadurch relativiert wird, dass Weine aus
zahlreichen verschiedenen Ländern stammen (Schweiz, Frankreich, Italien, Spa-
nien, Vereinigte Staaten, Chile, Australien usw.) und es ausserdem unzählige
verschiedene Wein- resp. Traubensorten (Cabernet Sauvignon, Merlot usw.) und
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entsprechende Unterschiede in Gehalt, Geschmack und Qualität gibt, weshalb
trotz der vermeintlich stattlichen Anzahl verschiedener Weine lediglich von einem
Grundangebot auszugehen ist. Eine gewisse Auswahl bei solchen Angeboten
entspricht durchaus einem Bedürfnis von Reisenden. Ähnlich verhält es sich in
Bezug auf die Bier- resp. Wodkaauswahl: Die Anzahl der angebotenen Getränke
wird dadurch relativiert, dass es zahlreiche Anbieter bzw. verschiedene Sorten
und Geschmacksrichtungen gibt. Für die weiteren inkriminierten Artikel gilt mutatis
mutandis das Gleiche. Von einer "Grundversorgung der ansässigen Wohnbevöl-
kerung mit Konsumgütern des täglichen Bedarfs" kann keine Rede sein. Die Le-
bensmittelauswahl beschränkt sich weitgehend auf einige Fertiggerichte oder
Produkte, die sich rasch und unkompliziert als bescheidene Mahlzeit zubereiten
lassen. Dies entspricht insbesondere einem spezifischen Bedürfnis von Reisen-
den, die spät, erst nach offiziellem Ladenschluss nach Hause zurückkehren. Auch
insgesamt vermag das Angebot überwiegend nur für eine kurzfristige Überbrü-
ckung von unangenehmen Situationen zu genügen, wie sie unvorhergesehen
nach der Rückkehr von Reisen in einem Haushalt auftreten können. Es bietet da-
für in weiten Teilen nur Verlegenheitslösungen und nicht mehr. Vom Angebot ei-
nes herkömmlichen "Dorfladens" hebt sich jenes des Beschuldigten jedenfalls klar
ab.
4. Zusammengefasst verletzt das Urteil der Vorinstanz die Bestimmungen
des Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetzes nicht, weshalb der Beschuldigte auch
in zweiter Instanz vom Vorwurf der Übertretung des Ruhetags- und Ladenöff-
nungsgesetzes freizusprechen ist.
IV.
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das vorinstanzliche Kostendispo-
sitiv (Dispositiv-Ziff. 2+3) zu bestätigen. Was die Ausrichtung einer Prozessent-
schädigung anbelangt, so sprach der Vorderrichter dem Beschuldigten aus der
Gerichtskasse Fr. 5'000.– zu. Der Beschuldigte beantragte demgegenüber mit
seiner Anschlussberufung die Zusprechung von Fr. 8'000.– (Urk. 24). Dieser Be-
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trag wird in § 17 Abs. 1 lit. a AnwGebV als maximale Grundgebühr vorgesehen.
Wird in Betracht gezogen, dass der vorliegende Fall einen unterdurchschnittlichen
Aktenumfang aufweist und seine Bearbeitung keine aussergewöhnlichen Schwie-
rigkeiten bietet, besteht allerdings kein Anlass, die zugesprochene Prozessent-
schädigung zu erhöhen. Der Entscheid, dem Beschuldigten keine persönliche
Umtriebsentschädigung zuzusprechen, blieb unangefochten, weshalb er ohne
weiteres zu bestätigen ist.
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind ausgangsgemäss zu 4/5 auf die
Gerichtskasse zu nehmen und zu 1/5 dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428
Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte, welcher sich anwaltlich verteidigen liess, hat An-
spruch auf eine reduzierte Prozessentschädigung (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO).
Diese ist in Anwendung der Ansätze der AnwGebV (§§ 17 und 18) auf Fr. 2'400.–
zu bemessen. Eine persönliche Umtriebsentschädigung ist dem Beschuldigten
mangels erkennbarer Umtriebe indessen nicht zuzusprechen.
Demnach wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist der Übertretung des Ruhetags- und Ladenöffnungsge-
setzes nicht schuldig und wird freigesprochen.
2. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Dispositiv-Ziff. 2+3) wird bestätigt.
3. Dem Beschuldigten wird für das erstinstanzliche Verfahren eine Prozessent-
schädigung von Fr. 5'000.– (zuzüglich 8 % MWST) zugesprochen.
4. Dem Beschuldigten wird für das erstinstanzliche Verfahren keine persönli-
che Umtriebsentschädigung zugesprochen.
5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 800.–.
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6. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden zu 4/5 auf die Gerichtskasse
genommen und zu 1/5 dem Beschuldigten auferlegt.
7. Für das Berufungsverfahren wird dem Beschuldigten aus der Staatskasse
eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 2'400.– (zuzüglich 8 %
MWST) bezahlt.
8. Dem Beschuldigten wird für das Berufungsverfahren keine persönliche Um-
triebsentschädigung zugesprochen.
9. Schriftliche Mitteilung an
− das Stadtrichteramt Zürich − den Beschuldigten bzw. seinen Verteidiger − die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich
sowie nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfäl-
liger Rechtsmittel an
− die Vorinstanz − die Kantonspolizei Zürich (...).
10. Rechtsmittel:
Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in  erhoben werden.
Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung
des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-
richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.
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Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen
richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-
gesetzes.
Obergericht des Kantons Zürich II. Strafkammer