Decision ID: dca13725-9c31-5b3e-ba0b-638adaba3e3a
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde im Mai 1994 erstmals unter Hinweis auf ein Geburtsgebrechen zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 2). Der
Neuropädiater Dr. med. B._ vom Ostschweizer Kinderspital berichtete im März 1998
(IV-act. 12), der Versicherte leide an einem Bardet-Biedl-Syndrom, an einer Adipositas
per magna, an einem gemischten Entwicklungsrückstand sowie an einem Status nach
einer chirurgischen Entfernung einer Hexadactylie. Beim Bardet-Biedl-Syndrom handle
es sich um eine selten auftretende genetisch autosomale rezessive Erkrankung mit
einer klinischen Heterogenität. Kardinalsymptome seien eine Adipositas und schwere
Sehprobleme mit einer schweren retinalen Dystrophie, die meist ab einem Alter von vier
Jahren zur Nachtblindheit und im weiteren Verlauf dann zu schweren Sehstörungen
führe. Kein Patient mit diesem Syndrom habe im Alter von 16 Jahren einen Visus von
mehr als 0,1. Bei gut 40 Prozent der Patienten trete eine mentale Retardierung auf. In
fast allen Fällen zeigten sich Nierenfehlfunktionen. Beim Versicherten sei die
psychomotorische Entwicklung nicht ganz altersentsprechend. Insbesondere liege eine
Sprachentwicklungsstörung vor. Diagnostisch seien die Kriterien der Ziff. 417 und 422
Anh. GgV erfüllt. Die IV-Stelle, die bereits mit zwei Verfügungen vom 12. Juli 1994 und
von 19. Dezember 1996 das Vorliegen der Geburtsgebrechen Ziff. 177 und 425 Anh.
GgV anerkannt hatte (IV-act. 5 und 10), stellte mit einer Verfügung vom 20. April 1998
fest, dass der Versicherte am Geburtsgebrechen Ziff. 422 Anh. GgV litt (IV-act. 15). Im
Oktober 1999 fand eine Abklärung betreffend einen allfälligen Anspruch auf
Pflegebeiträge in der Wohnung der Eltern des Versicherten statt. Die
Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle berichtete (IV-act. 36), im Vordergrund stehe die
eingeschränkte Sehfähigkeit des Versicherten. An unbekannten Orten müsse sich
dieser gemäss den Angaben der Mutter jeweils zuerst orientieren; man müsse ihm alles
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zeigen. In der Wohnung und in der Schule sei er hingegen weitgehend selbständig. Im
Freien habe er vor allem nachts, bei starker Sonne oder bei Schnee Mühe, weil er dann
die Unebenheiten auf der Strasse nicht sehe. Ansonsten habe er keine grösseren
gesundheitlichen Probleme. Er sei lediglich aufgrund seines Gewichts etwas
ungeschickt und schwerfällig. Die Abklärungsbeauftragte habe die Mutter im Rahmen
der Abklärung auf die Möglichkeit zum Bezug von Hauspflegebeiträgen aufmerksam
gemacht, aber diese habe erklärt, sie habe zuhause noch nie Hilfe benötigt. Die
Abklärungsbeauftragte hielt in ihrem Bericht weiter fest, momentan sei ohnehin nicht
anzunehmen, dass ein Mehraufwand von mehr als zwei Stunden anfallen würde.
Gesamthaft liege eine Hilflosigkeit leichten Grades „im Sonderfall“ vor. Angesichts der
verspäteten Anmeldung bestehe ab dem 1. September 1997 ein Anspruch auf
entsprechende Pflegebeiträge. Mit einer Verfügung vom 15. Dezember 1999 sprach die
IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1. September 1997 einen Pflegebeitrag
für eine Hilflosigkeit leichten Grades zu (IV-act. 42). Im August 2001 führte die IV-Stelle
eine weitere Abklärung in der Wohnung der Eltern des Versicherten durch. Die
Abklärungsbeauftragte berichtete (IV-act. 48), der Gesundheitszustand des
Versicherten habe sich seit der letzten Abklärung eigentlich nicht gross verändert. Die
Sehfähigkeit habe sich allerdings eher etwas verschlechtert. Mit einer Verfügung vom
31. August 2001 sprach die IV-Stelle dem Versicherten für die Zeit ab dem 1. April 2001
weiterhin einen Pflegebeitrag für eine Hilflosigkeit leichten Grades zu (IV-act. 50). Nach
dem Inkrafttreten der vierten IVG-Revision ersetzte die IV-Stelle den Pflegebeitrag mit
einer Verfügung vom 31. März 2004 rückwirkend per 1. Januar 2004 durch eine
Hilflosenentschädigung bei einer Hilflosigkeit leichten Grades (IV-act. 59). Nachdem Dr.
med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) im September 2011
gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärzte notiert hatte, dass die medizinischen
Zusprachekriterien für eine Hilflosenentschädigung im Sonderfall (weiterhin)
ausgewiesen seien (IV-act. 151), sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit einer
Verfügung vom 8. Dezember 2011 für die Zeit ab dem 1. März 2011 weiterhin eine
Entschädigung bei einer Hilflosigkeit leichten Grades zu (IV-act. 157). Mit einer
Mitteilung vom 24. März 2016 sprach die IV-Stelle dem Versicherten ohne eine
vorgängige Sachverhaltsabklärung auch für die Zeit ab dem 1. April 2016 eine
Entschädigung bei einer Hilflosigkeit leichten Grades zu (IV-act. 272).
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A.b Am 7. Juni 2017 beantragte der Versicherte die Zusprache eines
Assistenzbeitrages (IV-act. 303). Die Blindenschule D._, in deren Wohnheim der
Versicherte bis Ende Juli 2017 gewohnt hatte, berichtete im August 2017 (IV-act. 322),
der Versicherte sei bei der selbständigen Haushaltführung weiterhin auf eine punktuelle
Unterstützung angewiesen. In der Wohngruppe habe er alle zwei Wochen ein
Abendessen für vier bis acht Personen zubereitet. Beim Beziehen der Bettwäsche sei
er unterstützt worden; die Wäsche habe er selbständig erledigt. Er lege grossen Wert
auf einen gepflegten Kleidungsstil und benutze regelmässig Kosmetikprodukte. Die
Medikamente nehme er selbständig ein. Bei der individuellen Tages- und
Wochenplanung sei er auf keine Unterstützung angewiesen. Am 5. September 2017
fand eine Abklärung betreffend die Hilflosigkeit des Versicherten in dessen Wohnung
statt. Die Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle berichtete (IV-act. 325), der Versicherte
wohne zusammen mit seinem Bruder und mit einer weiteren Person, die über die
Aussenwohngruppe der Blindenschule vermittelt worden sei, zusammen. Die
Haushaltsarbeiten würden vom Versicherten und dessen Bruder verrichtet. Aktuell sei
die Anstellung einer Assistenzperson geplant. Der Versicherte benötige weder eine
dauernde Pflege noch eine ständige persönliche Überwachung. Beim An- und
Auskleiden, beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen, beim Essen, beim Verrichten der
Notdurft sowie bei der Körperpflege (mit Ausnahme der Pflege der Finger- und
Fussnägel) sei der Versicherte selbständig. Ein relevanter Hilfebedarf bestehe nur
bezüglich der Fortbewegung respektive der Pflege der gesellschaftlichen Kontakte,
wobei angesichts der weitgehenden Blindheit des Versicherten die Voraussetzungen
für die Weiterausrichtung einer Hilflosenentschädigung im Sonderfall erfüllt seien. Zur
Prüfung des Begehrens des Versicherten um einen Assistenzbeitrag erfasste die IV-
Stelle dessen Angaben bei der Abklärung der Hilflosigkeit mittels des
Abklärungssystems „FAKT2“ (IV-act. 358 ff.). Sie berücksichtigte einen Assistenzbedarf
von einer Minute pro Tag für das An- und Auskleiden, keinen Assistenzbedarf für das
Aufstehen, Absitzen und Abliegen, einen Assistenzbedarf von vier Minuten pro Tag für
das Essen und Trinken, einen Assistenzbedarf von fünf Minuten pro Tag für die
Körperpflege, einen Assistenzbedarf von vier Minuten pro Tag für das Verrichten der
Notdurft, keinen Zusatzaufwand für die alltäglichen Lebensverrichtungen, einen
Assistenzbedarf von drei Minuten pro Tag für die Administration des Haushaltes, einen
Assistenzbedarf von 16 Minuten pro Tag im Zusammenhang mit der Ernährung, einen
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Assistenzbedarf von fünf Minuten pro Tag für die Wohnungspflege, einen
Assistenzbedarf von fünf Minuten pro Tag für Besorgungen, einen Assistenzbedarf von
zwei Minuten pro Tag für die Wäsche und die Kleiderpflege, einen Assistenzbedarf von
zwei Minuten pro Tag für Freizeitaktivitäten, einen Assistenzbedarf von einer Minute pro
Tag für gesellschaftliche Kontakte, einen Assistenzbedarf von fünf Minuten pro Tag für
die Mobilität „draussen“ sowie einen Assistenzbedarf von fünf Minuten pro Tag für
Ferien und Reisen. Das ergab einen Hilfebedarf von 29,82 Stunden pro Monat. Davon
zog die IV-Stelle den durch den Stundenansatz für eine Assistenzperson dividierten
Gegenwert der Hilflosenentschädigung von 470 Franken pro Monat – 14,29 Stunden
pro Monat – ab.
A.c Mit einem Vorbescheid vom 25. September 2017 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit (IV-act. 336), dass sie die Zusprache eines Assistenzbeitrages von
monatlich durchschnittlich 510.95 Franken respektive von jährlich maximal 6’131.40
Franken frühestens ab dem 12. Juni 2017 vorsehe. Das entspreche einem monatlichen
Assistenzbedarf von 15,53 Stunden bei einem Stundenansatz von 32.90 Franken. Am
10. Oktober 2017 liess der Versicherte gegen den Vorbescheid vom 25. September
2017 einwenden (IV-act. 344), er sei bei Konzert- und Sportveranstaltungen auf eine
umfassende Assistenz angewiesen. Diesbezüglich müsse ein Assistenzbedarf der Stufe
3 anstelle eines solchen der Stufe 1 berücksichtigt werden. Auch für die Mobilität
ausser Hause benötige er eine Assistenz entsprechend der Stufe 3 (statt Stufe 2). Auf
Reisen und in den Ferien sei er völlig unselbständig; diesbezüglich müsse die Stufe 4
berücksichtigt werden. Mit einer Verfügung vom 27. Oktober 2017 sprach die IV-Stelle
dem Versicherten mit Wirkung ab dem 12. Juni 2017 einen Assistenzbeitrag von 510.95
Franken pro Monat beziehungsweise von 6’131.40 Franken pro Jahr zu (IV-act. 351).
Bezugnehmend auf die Einwände des Versicherten führte sie aus, bei der Pflege
gesellschaftlicher Kontakte werde für blinde Personen stets die Stufe 1 berücksichtigt.
Auch die Berücksichtigung der Stufe 2 betreffend die Mobilität draussen entspreche
den Vorgaben. Bezüglich Reisen und Ferien sei die Berücksichtigung einer höheren als
der Stufe 2 nicht gerechtfertigt.
B.
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B.a Am 30. November 2017 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 27. Oktober 2017 erheben (act. G 1). Seine
Vertreterin beantragte die Berücksichtigung eines (höheren) Assistenzbedarfs der Stufe
3 im Bereich der gesellschaftlichen Teilhabe und Freizeitgestaltung. Zur Begründung
führte sie an, bei gesellschaftlichen Anlässen sei der blinde Beschwerdeführer nicht nur
auf eine Assistenz bei der Anreise angewiesen. Er benötige auch eine Orientierungshilfe
während eines Anlasses sowie eine Hilfe beispielsweise bei der Wahl einer Speise aus
einer Speisekarte. Auf Reisen respektive in den Ferien könne er sich nicht orientieren.
Er benötige diesbezüglich sehr viel Dritthilfe.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 26. Januar
2018 die Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus,
gemäss den Vorgaben des „FAKT2“ könne für Personen mit einer hochgradigen
Sehschwäche, die ansonsten gesund seien, im Bereich der gesellschaftlichen Kontakte
nur ein Assistenzbedarf der Stufe 1 berücksichtigt werden. Die Stufe 2 sei für
hochgradig sehschwache Personen reserviert, die sich nur sehr schwer verständlich
ausdrücken könnten; die Stufe vier für solche, die nur mittels der Gebärdensprache
kommunizieren könnten. Hinsichtlich der Mobilität im Freien entspreche der vom
Beschwerdeführer geltend gemachte Assistenzbedarf an ihm fremden Orten den
Vorgaben des „FAKT2“ für die Stufe 2. Ein Assistenzbedarf der Stufe 3 könnte nur
berücksichtigt werden, wenn der Beschwerdeführer nur ganz wenige kurze, gut
vertraute Wegstrecken selbständig bewältigen könnte, was aber hier nicht der Fall sei.
Im Bereich Ferien und Reisen könne für eine hochgradig sehschwache, aber ansonsten
gesunde Person kein höherer Assistenzbedarf als jener der Stufe 2 berücksichtigt
werden. Zusammenfassend erweise sich die Berechnung des Assistenzbedarfs
respektive die angefochtene Verfügung als rechtmässig.
B.c Am 1. Februar 2018 bewilligte die verfahrensleitende Richterin dem
Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege (act. G 7).
B.d Mit einer Replik vom 1. März 2018 liess der Beschwerdeführer an seinem Antrag
festhalten (act. G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).

Erwägungen
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1.
1.1 Laut dem Art. 42quater IVG haben Versicherte einen Anspruch auf einen
Assistenzbeitrag, wenn sie eine Hilflosenentschädigung beziehen, wenn sie zuhause
leben und wenn sie volljährig sind. Der Assistenzbeitrag wird gemäss dem Art.
42quinquies IVG für Hilfeleistungen gewährt, die von der versicherten Person benötigt
und regelmässig von einer Assistenzperson erbracht werden. Die Grundlage für die
Berechnung des Assistenzbeitrages bildet gemäss dem Art. 42sexies Abs. 1 IVG die für
die Hilfeleistungen benötigte Zeit. Der Assistenzbeitrag soll also jene Zeit entschädigen,
die eine Assistenzperson im konkreten Einzelfall aufwenden muss. In der Praxis wird
der Assistenzbedarf minutengenau ermittelt und entsprechend auf fünf Rappen genau
festgesetzt. Darin unterscheidet sich der Assistenzbeitrag wesentlich von der
Hilflosenentschädigung, bei der nur zwischen drei Stufen einer Hilflosigkeit
unterschieden wird. Weil bei der Festsetzung der Hilflosenentschädigung nur danach
gefragt wird, ob eine Hilflosigkeit leichten, mittleren oder schweren Grades vorliegt,
kann der Hilfebedarf weitgehend pauschaliert ermittelt werden. Für das schematische,
pauschalierte Ergebnis spielt es mit anderen Worten keine Rolle, wie hoch der für die
notwendigen Hilfeleistungen erforderliche zeitliche Aufwand genau ist. Das ist beim
Assistenzbeitrag anders, denn entscheidend für dessen Höhe ist, wie viel Zeit genau
eine Assistenzperson aufwenden muss, um die notwendige Hilfeleistung zu erbringen.
Die Frage nach dem konkreten, individuellen Zeitaufwand lässt sich aber nur
beantworten, wenn ganz genau feststeht, wie hoch der einzelfallspezifische
Assistenzbedarf ist. Mit jeder Pauschalierung oder Schematisierung wird die
Beantwortung der Frage nach dem massgebenden Zeitaufwand erschwert, denn bei
einer Pauschalierung oder Schematisierung wird auf einen – nicht massgebenden –
gewöhnlichen Durchschnittsfall statt auf den – allein massgebenden – konkreten
Einzelfall abgestellt. Für die Festsetzung eines Assistenzbedarfs darf deshalb gemäss
der Rechtsprechung des St. Galler Versicherungsgerichtes (vgl. die Entscheide IV
2012/133 vom 8. Mai 2013, IV 2014/101 vom 19. Januar 2016 und IV 2017/311 vom
17. September 2018) und des Bundesgerichtes (Urteil 8C_161/2016 vom 26. August
2016, E. 3.1.2) nicht auf standardisierte beziehungsweise pauschalierte Vorgaben
abgestellt werden. Vielmehr müssen sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalls
ermittelt werden.
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1.2 Ob die Ergebnisse der Sachverhaltsabklärung, die in aller Regel einen
Augenschein beinhalten dürfte, in einem „gewöhnlichen“ Abklärungsbericht oder im
„FAKT2“ erfasst werden, ist dabei nicht entscheidend. Die Beschwerdegegnerin hat zur
Ermittlung des Assistenzbedarfs des Beschwerdeführers vorliegend eine Abklärung in
dessen Wohnung durchgeführt. Dabei hat es sich offensichtlich nicht um einen
Augenschein, sondern nur um eine Befragung des Beschwerdeführers gehandelt,
wobei diese angesichts der knappen Ausführungen im Abklärungsbericht relativ
oberflächlich durchgeführt worden sein dürfte. Die Eintragungen im „FAKT2“ sind
weitgehend anhand eines standardisierten Rasters durchgeführt worden, wie die
Stellungnahme der Beschwerdegegnerin zum Einwand des Beschwerdeführers und
ihre Ausführungen in der Beschwerdeantwort zeigen. Da der Beschwerdeführer jedoch
– abgesehen von seiner starken Sehbehinderung – an keiner relevanten
Gesundheitsbeeinträchtigung leidet und weil der Hilfebedarf von fast ganz oder
vollständig blinden Personen in den allermeisten Fällen weitgehend identisch ist, hat
der genaue Hilfebedarf vorliegend ganz ausnahmsweise ohne einen Augenschein, nur
anhand der Selbstangaben des Beschwerdeführers ermittelt werden können. Der
Beschwerdeführer hat sich denn auch nicht grundsätzlich gegen die Berechnung des
Assistenzbedarfs gewendet, sondern nur bezüglich einzelner Positionen die
Berücksichtigung eines höheren Assistenzbedarfs beantragt. Vorliegend ist folglich nur
anhand der Einwände des Beschwerdeführers zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin
dessen Assistenzbedarf in Minuten betreffend die fraglichen Positionen korrekt
ermittelt hat.
2.
2.1 Bezüglich der Festsetzung des Betrages für den Assistenzbeitrag besteht eine
gewisse Parallele zur Vergütung der Kosten für Kinderspitexleistungen: Sowohl die
Kosten einer Kinderspitex als auch die Kosten für eine bestimmte Assistenzleistung
können erst ermittelt werden, wenn die Leistungen effektiv erbracht worden sind; die
versicherte Person muss aber schon im Voraus wissen, in welchem Rahmen sich die
vergütungsfähigen Kosten bewegen. Bei den Kinderspitexleistungen wird in aller Regel
mit einem sogenannten „Kostendach“ operiert: Die IV-Stelle ermittelt im Voraus den
maximalen Umfang der vergütungsfähigen Kosten und erlässt dann eine
Feststellungsverfügung über das entsprechende „Kostendach“. Nachdem die
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Kinderspitexleistungen später effektiv erbracht worden sind, vergütet sie deren Kosten,
wobei dafür nicht das prospektiv festgesetzte „Kostendach“, sondern vielmehr der
tatsächliche Umfang der Kosten massgebend ist. Wenn das „Kostendach“ nicht
vollständig ausgeschöpft wird, muss die IV-Stelle also auch keine Zahlung im Umfang
des „Kostendachs“ leisten (vgl. zum Ganzen etwa den Entscheid IV 2015/352 des St.
Galler Versicherungsgerichtes vom 29. November 2016, E. 3.1; bestätigt durch das
Urteil des Bundesgerichtes 9C_46/2017 vom 6. Juni 2017). Auch beim Assistenzbeitrag
gehen die IV-Stellen so vor: Sie sprechen den Versicherten ausgehend von dem bei der
Abklärung an Ort und Stelle ermittelten Zeitaufwand einen „maximalen“
Assistenzbeitrag zu, der als ein „Kostendach“ zu verstehen ist, das den
höchstmöglichen erforderlichen Assistenzbedarf abdecken soll. In der Folge müssen
die Versicherten Nachweise über die tatsächlich bezogenen Assistenzleistungen
einreichen. Daraufhin vergüten die IV-Stellen nicht etwa den prospektiv festgesetzten
„maximalen“ Assistenzbeitrag, sondern vielmehr nur jene Kosten, die den Versicherten
tatsächlich angefallen sind; übersteigen diese allerdings das „Kostendach“, können sie
nur bis zur Höhe des „Kostendachs“ von der IV-Stelle vergütet werden.
2.2 Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, dass er für die gesellschaftliche
Teilhabe, für die Mobilität „draussen“ sowie für Ferien und Reisen auf eine erhebliche
Dritthilfe angewiesen sei. Dagegen hat die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen
eingewendet, sie könne nicht mehr als den „typischen“ Durchschnittsassistenzbedarf
eines Blinden für diese Verrichtungen berücksichtigen. Sie hat also offensichtlich
verkannt, dass für den vorliegenden Fall nicht ein „typischer“ Durchschnittsbedarf,
sondern der tatsächliche Bedarf an Assistenzleistungen massgebend ist. Nicht jeder
Blinde besucht beispielsweise gleich viele gesellschaftliche Anlässe wie alle anderen
Blinden. Der noch sehr junge Beschwerdeführer geht offenbar häufiger an Konzerte
oder in die Ferien als andere Blinde. Der von ihm für die gesellschaftliche Teilhabe, für
die Mobilität „draussen“ sowie für Ferien und Reisen geltend gemachte
Assistenzbedarf mag deshalb höher als jener eines „durchschnittlichen“ Blinden sein,
aber das ändert nichts an der Tatsache, dass beim Beschwerdeführer ein
entsprechend höherer und nicht nur ein „Durchschnittsbedarf“ besteht und dass für die
Ermittlung des „Kostendachs“ des Assistenzbeitrages nicht der „Durchschnittsbedarf“,
sondern der konkrete Bedarf im Einzelfall massgebend ist. Angesichts der
überzeugenden Ausführungen des Beschwerdeführers zu seinem Bedarf im Bereich
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der gesellschaftlichen Teilhabe und Freizeitgestaltung kann sein diesbezüglicher
Assistenzbedarf ohne weitere Abklärungen (anders als etwa im Entscheid IV 2017/311
des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 17. September 2018) direkt festgesetzt
werden. Der von ihm geltend gemachte Assistenzbedarf in der Höhe der Stufe 3
gemäss dem „FAKT2“ ist folglich als ausgewiesen zu erachten.
3.
Die angefochtene Verfügung ist folglich in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben
und die Sache ist zur Festsetzung eines Assistenzbeitrages an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, der im Bereich der gesellschaftlichen Teilhabe
und Freizeitgestaltung einen Assistenzbedarf der Stufe 3 gemäss dem „FAKT2“
berücksichtigt. Die Gerichtskosten von 600 Franken sind der unterliegenden
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der nicht durch anwaltlich vertretene
Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.