Decision ID: f82f68ce-dee3-46fd-92dc-e222c39ef7d0
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Entscheid Verwaltungsgericht, 28.09.2017 Ausländerrecht, Art. 49 AuG.Die aus der Dominikanischen Republik stammende Beschwerdeführerin legt nachvollziehbar dar, dass ihr Ehemann aus psychischen Gründen die gemeinsame Wohnung verlassen und in ein Wohnheim gezogen ist. Nicht geklärt ist, ob auch entsprechende frühere Unterbringungen indiziert waren. Die Angelegenheit wird deshalb zur weiteren Abklärung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückgewiesen (Verwaltungsgericht, B 2016/221).
Besetzung
Abteilungspräsident Eugster; Verwaltungsrichterin Reiter, Verwaltungsrichter Zogg;
Gerichtsschreiber Scherrer
Verfahrensbeteiligte
X.Y.,
Beschwerdeführerin,
gegen
Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen, Oberer Graben 32,
9001 St. Gallen,
Vorinstanz,
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Gegenstand
Widerruf der Aufenthaltsbewilligung
Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y., geboren 1976, Bürgerin der Dominikanischen Republik, heiratete in ihrem
Heimatland am 23. Juni 2006 den dort ansässigen Schweizer A.K., geboren 1946. Am
27. April 2012 kehrte A.K. ohne seine Ehefrau in die Schweiz zurück und wies sich in
die Integrierte Psychiatrie X. in C. ein. Am 8. August 2012 zog er ins Wohnheim Z. in Q.
und meldete sich beim Einwohneramt Q. an. Am 16. Januar 2015 reiste seine Ehefrau
X.Y. in die Schweiz ein, wo sie zunächst bei Bekannten in D. lebte. Am 26. März 2015
reichte A.K. ein Familiennachzugsgesuch für X.Y. ein. Am 1. April 2015 zogen die
Eheleute in eine gemeinsame Wohnung in D. Am 22. Mai 2015 erhielt X.Y. eine bis 21.
Mai 2016 gültige Aufenthaltsbewilligung. Am 18. Juni 2015 meldete sich A.K. in D. ab
und zog wieder ins Wohnheim Z. nach Q. X.Y. bezieht – mit Unterbrüchen – seit Juli
2016 Sozialhilfe.
B. Mit Verfügung vom 29. September 2015 widerrief das Migrationsamt die
Aufenthaltsbewilligung von X.Y. Gegen die Verfügung erhob X.Y. mit Eingabe vom 14.
Oktober 2015 Rekurs beim Sicherheits- und Justizdepartement und beantragte die
Erteilung der Aufenthaltsbewilligung. Die Aufenthaltsbewilligung von X.Y. lief am 21.
Mai 2016 ab (Vorakten, S. 37). Der Rekurs wurde mit Entscheid vom 20. Oktober 2016
abgewiesen.
C. A.K. erhob für X.Y. (Beschwerdeführerin) gegen den Entscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) vom 20. Oktober 2016 mit Eingabe vom 29. Oktober
2016 (Postaufgabe: 31.10.16) Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Die
Beschwerdeführerin reichte dem Gericht eine am 16. November 2016 auf ihren
Ehemann ausgestellte Vollmacht ein und ergänzte die Beschwerde mit Eingabe vom
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17. November 2016. Sie beantragt den Widerruf des angefochtenen Entscheides und
die Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung.

Die Vorinstanz beantragte am 5. Dezember 2016 unter Verweis auf die Erwägungen im
angefochtenen Entscheid die Abweisung der Beschwerde. Mit Zwischenverfügung vom
9. Dezember 2016 entsprach der Präsident des Verwaltungsgerichts dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege – Befreiung von
Vorschussleistungen und Gerichtskosten – im Beschwerdeverfahren. Die
Beschwerdeführerin ergänzte die Akten mit einem am 9. Dezember 2016 ausgestellten
Attest des Hausarztes ihres Ehemannes, in welchem der Arzt ein Zusammenleben des
Patienten mit ihr als medizinisch vertretbar und sinnvoll bezeichnet. Das Migrationsamt
reichte dem Gericht am 10. Januar 2017 einen zwischen der Beschwerdeführerin und
dem Restaurant S. in B. abgeschlossenen Arbeitsvertrag ein.
Auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Als Adressatin des
angefochtenen Entscheids ist die im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführerin
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs.
1 VRP). Die Beschwerdeeingabe des Ehemannes der Beschwerdeführerin vom 29.
Oktober 2016 (Postaufgabe: 31.10.16) erfolgte rechtzeitig und erfüllt zusammen mit der
von der Beschwerdeführerin am 16. November 2016 auf ihren Ehemann ausgestellten
Vollmacht und der Ergänzung vom 17. November 2016 in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. Gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, AuG) haben ausländische Ehegatten von Schweizerinnen und Schweizern
Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit
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diesem zusammenwohnen. Vorbehalten sind der Rechtsmissbrauch und das Vorliegen
von Widerrufsgründen gemäss Art. 63 AuG (Art. 51 Abs. 1 AuG). Ausnahmsweise
besteht das Erfordernis des Zusammenwohnens nicht, wenn für getrennte Wohnorte
wichtige Gründe geltend gemacht werden und die Familiengemeinschaft weiter besteht
(Art. 49 AuG). Wichtige Gründe für die Ausnahme vom Erfordernis des
Zusammenwohnens sind etwa berufliche Verpflichtungen oder die vorübergehende,
kurzzeitige Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme (vgl. Art. 76 der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit; SR 142.201, VZAE). Mit
Blick darauf ist aufgrund sämtlicher Umstände im Einzelfall zu bestimmen, ab welchem
Zeitpunkt die eheliche Gemeinschaft als definitiv aufgelöst zu betrachten ist (vgl. BGE
138 II 229 E. 2). Dabei ist zu berücksichtigen, dass Art. 49 AuG Ausnahmecharakter
zukommt und sich dessen Anwendbarkeit auf besondere Konstellationen beschränkt
(vgl. BGer 2C_314/2010 vom 26. Juli 2010 E. 2.2).
Der Bewilligungsanspruch besteht trotz Auflösung bzw. definitiven Scheiterns der
Ehegemeinschaft fort, wenn diese mindestens drei Jahre gedauert und die betroffene
ausländische Person sich in der Schweiz erfolgreich integriert hat (Art. 50 Abs. 1 lit. a
AuG; vgl. BGE 136 II 113 E. 3.3.3) oder, unabhängig von der bisherigen Dauer der
Ehegemeinschaft oder einer erfolgreichen Integration, wenn wichtige persönliche
Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 lit.
b AuG). Die beiden Kriterien nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG (Fristablauf und Integration)
sind für den Anspruch kumulativ erforderlich (VerwGE B 2012/181 vom 30. April 2013
E. 2). Die Dreijahresfrist gilt absolut, d.h. es spielt keine Rolle, ob allenfalls nur wenige
Wochen fehlen (vgl. BGer 2C_635/2009 vom 26. März 2010 E. 5.2). Wichtige
persönliche Gründe liegen namentlich vor, wenn der Ehegatte Opfer häuslicher Gewalt
wurde oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint
(Art. 50 Abs. 2 AuG).
Besteht kein Rechtsanspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, ist darüber
nach pflichtgemässem Ermessen zu entscheiden. Dabei haben die zuständigen
Behörden die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad
der Integration zu berücksichtigen (Art. 96 Abs. 1 AuG). Bei Ausländerinnen und
Ausländern, bei welchen nach kurzem Aufenthalt in der Schweiz die Bedingungen für
die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung wegfallen, besteht ein öffentliches Interesse,
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dass sie die Schweiz wieder verlassen (VerwGE B 2012/105 vom 13. November 2012
E. 7).
2.1. Die Vorinstanz führt im angefochtenen Rekursentscheid aus, dass die zwei
separaten Wohnungen mit je eigener Einrichtung, die schriftenpolizeiliche Abmeldung
des Ehemannes vom bisherigen Wohnsitz und die Beständigkeit dieser Situation
ausserhalb des vom Bundesgericht umrissenen Rahmens des „Zusammenwohnens“
liegen würden (act. 9). Der Rückzug des Eheschutzgesuchs sowie das Testament des
Ehemannes vom 27. Januar 2016 würden daran nichts ändern. Vorliegend bestehe
keine nach aussen wahrnehmbare eheliche Wohngemeinschaft. Eine solche erfordere
zwar keine permanente, aber eine gefestigte, häufige, regelmässige und jedenfalls nicht
bloss sporadische Anwesenheit des auswärts wohnenden Ehegatten in der ehelichen
Wohnung. Daran fehle es hier. Der regelmässige telefonische Kontakt der Ehegatten
genüge nicht; die behaupteten regelmässigen Telefonate seien zudem unbewiesen. Die
Beschwerdeführerin berufe sich ausserdem explizit nur auf Art. 50 AuG. Diese
Bestimmung finde jedoch nur Anwendung nach Auflösung der Ehe oder
Familiengemeinschaft. Die Beschwerdeführerin habe somit keinen Anspruch auf eine
Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 Abs. 1 AuG. Die
Beschwerdeführerin sei am 16. Januar 2015 in die Schweiz eingereist und ihr Ehemann
habe sich am 18. Juni 2015 nach Q. abgemeldet. Die erforderliche Dauer der ehelichen
Lebensgemeinschaft in der Schweiz von drei Jahren sei damit offensichtlich nicht
erreicht. Die Beschwerdeführerin habe damit auch keinen Anspruch gemäss Art. 50
Abs. 1 lit. a AuG auf Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung. Die Beschwerdeführerin
mache geltend, ihr Ehemann habe sich seit ihrer Einreise in die Schweiz immer wieder
gewalttätig ihr gegenüber gezeigt. Er sei aggressiv gewesen und habe sie wiederholt
bedroht, zum Teil mit einem Messer oder Schraubenzieher, und habe sie mit heissem
Wasser übergossen. Ausserdem habe er sie von der Umwelt richtiggehend isoliert. Für
diese von ihr vorgebrachten Vorkommnisse würden sich aber in den Akten keine
Hinweise finden lassen. Auch in ihrer Stellungnahme zuhanden des Migrationsamtes
vom 14. September 2015 habe die Beschwerdeführerin keine entsprechenden
Aussagen gemacht. Vielmehr habe sie angegeben, sie sei in die Schweiz eingereist, um
ihre Ehe zu retten. Sie habe mit ihrem Ehemann in der Schweiz neu anfangen wollen.
Leider habe sie ihr Ehemann aufgrund seines psychischen Problems ohne
Vorankündigung verlassen und sich in Q. in Behandlung begeben. Erst im Rahmen des
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Rekursverfahrens habe die mittlerweile anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin diese
Vorwürfe gegen ihren Ehemann erhoben. Sie belege ihre Aussagen weder mit
Arztberichten noch anderen schriftlichen Unterlagen. Sie beantrage aber die
Zeugenaussage von L.T. Dieser sei laut Angaben der Beschwerdeführerin bei den von
ihr geltend gemachten Vorkommnissen nie anwesend gewesen. Er könnte daher
lediglich Aussagen vom Hörensagen machen. Aus diesem Grund könne auf seine
Zeugenaussage verzichtet werden. Ein nachehelicher Härtefall aufgrund von häuslicher
Gewalt müsse verneint werden. Die Beschwerdeführerin lebe erst seit Januar 2015 in
der Schweiz, erziele kein Erwerbseinkommen und sei von der Sozialhilfe abhängig. In
der Schweiz habe sie keine Verwandten, nur ihren Ehemann. Es sei daher nicht
ersichtlich, inwiefern ihre Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet
erscheinen solle. Ihre Rückkehr dorthin sei zumutbar. Bis zu ihrer Einreise in die
Schweiz im Alter von 39 Jahren habe sie in ihrem Heimatland gelebt. Sie sei daher mit
den Sitten und Gebräuchen sowie der Landessprache dort vertraut. Es könne ihr
zugemutet werden, allenfalls im Heimatland auch ein neues Beziehungsnetz
aufzubauen. Eine schlechtere wirtschaftliche Lage in der Heimat begründe keinen
Härtefall. Ausserdem würde das öffentliche Interesse an der Ausreise der
Beschwerdeführerin deren private Interessen überwiegen.
2.2. Die Beschwerdeführerin bringt dazu vor, dass sich der gesundheitliche Zustand
ihres Ehemannes inzwischen so stabilisiert habe, dass er gemäss ärztlicher
Einschätzung wieder nach Hause zurückkehren könne (act. 8). Sie werde seine
Betreuung übernehmen. Momentan lebe sie in einer Wohnung, die für sie beide zu klein
sei, habe aber den Auftrag von ihrem Mann erhalten, wieder eine grössere Wohnung für
ihr gemeinsames Zusammenleben zu suchen. Sie habe im vergangenen Jahr einen
Intensivdeutschkurs besucht und könne sich nun bedeutend besser in Deutsch
verständigen. Ausserdem suche sie auch regelmässig nach Arbeit. Ohne gültige
Aufenthaltsbewilligung habe sie jedoch keine Chance auf eine Anstellung. Sobald sie
wieder zusammenleben würden, sei ihre finanzielle Existenz auch wieder gesichert, da
ihr Mann als Rentner Ergänzungsleistungen beziehe und sie mit ihren
Arbeitsbemühungen das Nötige beitrage, um den Unterhalt zu sichern. Eine
Sozialhilfeunterstützung werde dann nicht mehr notwendig sein. Sie habe bereits nach
Wohnungen gesucht und es gäbe gute Möglichkeiten, kurzfristig eine grössere
bezahlbare Wohnung zu beziehen. Ihnen beiden bedeute es viel, wieder zusammen
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wohnen zu dürfen. Für ihren Mann wäre es eine grosse Belastung, wenn sie das Land
verlassen müsste; dies stelle für ihn ein gesundheitliches Rückfallrisiko dar. A.K. hatte
im Namen der Beschwerdeführerin zudem geltend gemacht, dass sie beide beantragt
hätten, die Trennung sei aufzuheben (act. 2). Seitens des Kreisgerichts habe man ihnen
alles Gute für den weiteren gemeinsamen Lebensweg gewünscht. Für ihn komme eine
Scheidung nicht in Frage. Er liebe seine Frau und bedaure sein Verhalten ihr gegenüber
in den Anfangsmonaten ihres Zusammenlebens in D. Dieses Verhalten sei auf seinen
Gesundheitszustand zurückzuführen gewesen. Seine Frau verstehe in der Zwischenzeit
so gut Deutsch, dass sie einer Arbeit nachgehen könne und nicht mehr vom Sozialamt
abhängig sei.
2.3. Vorliegend stellt sich vorab die Frage, ob infolge der psychischen Erkrankung des
Ehemannes der Beschwerdeführerin ein wichtiger Grund für getrennte Wohnorte im
Sinne von Art. 49 AuG vorliegt bzw. vorlag (und die Ehegemeinschaft trotz getrennter
Wohnorte weiter besteht bzw. bestand) oder ob infolge der psychischen Erkrankung
des Ehemannes ein wichtiger persönlicher Gründe einen weiteren Aufenthalt in der
Schweiz gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG erforderlich macht. Denn dass die
Beschwerdeführerin angesichts ihrer äusserst kurzen Aufenthaltsdauer in der Schweiz
nicht erfolgreich integriert sein kann und die soziale Wiedereingliederung im
Herkunftsland nicht gefährdet erscheint, ist aufgrund der Aktenlage klar, zumal die
Ehegatten selbst recht lange zusammen in der Dominikanischen Republik gelebt
haben.
Bei Kindern ist der Weiterbestand der Familiengemeinschaft etwa dort anzunehmen,
wo Kinder in einem Internat oder Heim untergebracht sind (vgl. Spescha/Thür/Zünd/
Bolzli/ Hruschka, Kommentar Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, N 1 zu Art. 49 AuG). Das
Bundesgericht hat das Vorliegen eines wichtigen Grundes verneint im Falle von
Kuraufenthalten in wärmeren Klimazonen allein um des Wohlbefindens Willen und ohne
medizinische Begründetheit (vgl. Spescha et al., a.a.O., N 2 zu Art. 49 AuG, m.w.H.).
Daraus kann e contrario geschlossen werden, dass wenn ein solcher Kuraufenthalt
medizinisch begründet ist, ein wichtiger Grund für das Getrenntleben vorliegen kann.
Dies muss selbstverständlich ebenso gelten, wenn ein Klinikaufenthalt oder ähnliches
medizinisch indiziert ist (vgl. z.B. BGer 2C_280/2012 vom 30. August 2012 E. 3.2 und
3.4).
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Die Beschwerdeführerin hat vorliegend – und auch gegenüber dem Migrationsamt
sowie der Vorinstanz – nachvollziehbar dargelegt, dass A.K. aus psychischen Gründen
im Wohnheim Z. war. Nicht geklärt ist, ob die Unterbringung von A.K. in der Integrierten
Psychiatrie X. in C. und später erneut im Wohnheim Z. medizinisch indiziert war bzw.
warum der Beschwerdeführer nicht zu Hause wohnen konnte (d.h. ob z.B. eine
Fremdgefährdung zu bejahen war). Inwieweit dies der Fall war und ob dies nun auch
aus Sicht der Fachärzte der genannten Einrichtungen wirklich nicht mehr medizinisch
indiziert ist, ist nicht erstellt. Ebenfalls unklar ist sodann, und dies ist bei Vorliegen einer
medizinischen Indikation für das separate Wohnen zu prüfen, wie oft die
Beschwerdeführerin A.K. im Wohnheim Z. besuchte bzw. telefonierte sowie ob
Besuche bzw. Telefonate aus medizinischer Sicht kontraindiziert waren. Für die
behaupteten Telefonate sind entsprechende Belege einzufordern. Nach Abklärung
dieser Fakten liegt es am Migrationsamt zu entscheiden, ob die Ehegemeinschaft trotz
Aufenthalt von A.K. in der Integrierten Psychiatrie X. in C. und später im Wohnheim Z.
fortbestand. Im Übrigen ist nicht ausgeschlossen, dass die Ehegemeinschaft
mittlerweile wieder in einer gemeinsamen Wohnung gelebt wird.
Dass sich die Beschwerdeführerin explizit nur auf Art. 50 AuG berief, ändert an diesem
Klärungsbedarf nichts, denn das richtige Recht ist von Amtes wegen anzuwenden.
Aufgrund dieser Unklarheiten in Bezug auf den Sachverhalt erscheint es als angezeigt,
die Angelegenheit gestützt auf Art. 64 in Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP zur
Ergänzung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerde ist
dementsprechend teilweise gutzuheissen. Der angefochtene Rekursentscheid vom 20.
Oktober 2016 ist aufzuheben.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend tragen der Staat und die Beschwerdeführerin
die amtlichen Kosten des Rekurs- und des Beschwerdeverfahrens je zur Hälfte (Art. 95
Abs. 1 VRP). Die von der Vorinstanz festgesetzte Gebühr für den Rekursentscheid von
Fr. 1‘000.– (Art. 95 Abs. 1 VRP und Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung; sGS
941.12, GKV) und eine Gebühr für den Beschwerdeentscheid von Fr. 2‘000.– sind
angemessen (Art. 7 Ziff. 222 GKV). Auf die Erhebung der Kosten ist zu verzichten (Art.
95 Abs. 3 und Art. 97 VRP). Die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege sind damit
gegenstandslos.
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Die Beschwerdeführerin war im Rekursverfahren anwaltlich vertreten. Für die
ermessensweise Festlegung der Entschädigung des Staates an die Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin für das Rekursverfahren zufolge unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung – das Rekursverfahren erwies sich nicht als aussichtslos und die
Beschwerdeführerin erscheint prozedural bedürftig – ist die Angelegenheit
dementsprechend an die Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 98 Abs. 2 VRP; Art. 6 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 11 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten,
sGS 963.75).
Für das Beschwerdeverfahren ist mangels Vertretung und Antrags nicht über eine
ausseramtliche Entschädigung zu befinden.