Decision ID: b996e671-b07d-482c-934d-fff507e61820
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfacher Steuerbetrug
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht, vom 20. März 2019 (GG180042) sowie Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht, vom 20. März 2019 (GG180043)
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Anklageschrift betreffend den Beschuldigten A._:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 12. Dezember
2018 (Urk. 400365 ff.) betreffend den Beschuldigten A._ ist diesem Urteil
beigeheftet.
Anklageschrift betreffend den Beschuldigten B._:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 12. Dezember
2018 (Urk. 400354 ff.) betreffend den Beschuldigten B._ ist diesem Urteil
beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz betreffend den Beschuldigten A._: (Urk. 34 S. 48 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des mehrfachen Steuerbetrugs im Sinne von Art. 186 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die direkte Bundessteuer (DBG),
- des mehrfachen Steuerbetrugs im Sinne von § 261 Abs. 1 des Steuergesetzes des
Kantons Zürich (StG).
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu Fr. 110.–,
wovon bis und mit heute 3 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten sowie einer Busse von
Fr. 3'200.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfrei-
heitsstrafe von 32 Tagen.
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5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'800.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr Vorverfahren;
Fr. 1'095.– (1/2 Auslagen Polizei). Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger des
Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit Fr. 19'626.55 (inkl. Barauslagen und 8.0 % bzw.
7.7 % MwSt.) entschädigt.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-
ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
9. (Mitteilungen.)
10. (Rechtsmittel)"
Urteil der Vorinstanz betreffend den Beschuldigten B._: (SB190505/Urk. 31 S. 48 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des mehrfachen Steuerbetrugs im Sinne von Art. 186 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die direkte Bundessteuer (DBG),
- des mehrfachen Steuerbetrugs im Sinne von § 261 Abs. 1 des Steuergesetzes des
Kantons Zürich (StG).
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu Fr. 110.–,
wovon bis und mit heute 21 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten sowie einer Busse
von Fr. 3'200.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
Die Busse ist zu bezahlen.
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4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 32 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'800.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr Vorverfahren;
Fr. 1'095.– (1/2 Auslagen Polizei). Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt.
7. (Mitteilungen.)
8. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten B._ (Urk. 54 S. 2):
1. Unter Aufhebung des Urteils mit der Geschäfts-Nr.: GG180043-M vom
20. März 2019, Ziff. 1 - 4 und Ziff. 6- 7 und in Gutheissung der Berufung sei
der Beschuldigte von allen Vorwürfen der Anklage vom 12. Dezember 2018
und somit von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Dem Beschuldigten sei eine Haftentschädigung von CHF 200.00 pro Tag für
die Tage, die er sich in Untersuchungshaft befand, zu entrichten.
3. Der Verteidiger des Beschuldigten sei angemessen (zzgl. MwSt. von 7.7 %)
aus der Staatskasse zu entschädigen.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen
sowie seien dem Beschuldigten ausgangsgemäss keine Kosten für das erst-
instanzliche Verfahren aufzuerlegen.
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b) Der Verteidigung des Beschuldigten A._ (Urk. 56 S. 2):
1. In Gutheissung der Berufung sei das angefochtene Urteil vollumfänglich
aufzuheben und der Beschuldigte von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Ausgangsgemäss seien dem Beschuldigten/Berufungskläger keine Kosten
für das erstinstanzliche Verfahren aufzuerlegen.
3. Für die erstandene Untersuchungshaft sei der Beschuldigte/Berufungskläger
mit einer Genugtuung von Fr. 200.– pro Tag zu entschädigen.
4. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu neh-
men.
Der Staatsanwaltschaft (Urk. SB190505/Urk. 37 und Urk. 40):
Bestätigung der vorinstanzlichen Urteile

Erwägungen:
Hinweis: Sofern im Folgenden nicht ausdrücklich erwähnt, beziehen sich die
Aktenzitate auf die Akten im Verfahren gegen den Beschuldigten A._,
GG180042 bzw. SB190512; sofern sich ein Aktenstück sowohl in den Akten be-
treffend den Beschuldigten B._ als auch in jenen betreffend den Beschuldig-
ten A._ befindet, wird jenes aus den Verfahren betreffend den Beschuldigten
A._ zitiert. Ebenfalls werden die Textstellen aus dem vorinstanzlichen Urteil
betreffend den Beschuldigten A._ zitiert, wenn diese für beide Beschuldigten
Geltung haben.
I. Prozessuales
1.1 Zum Verfahrensgang bis zum Erlass des erstinstanzlichen Urteils kann
zwecks Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die Ausführungen in den an-
gefochtenen Entscheiden verwiesen werden (Urk. 34 S. 3 ff.; SB190505/Urk. 31
S. 3 f.).
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1.2 Mit Urteilen vom 20. März 2019 wurden der Beschuldigte A._ (im Ver-
fahren GG180042-M) und der Beschuldigte B._ (im Verfahren GG180043-M)
gemäss den eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositiven schuldig gesprochen.
Innert gesetzlicher Frist meldeten sowohl der Beschuldigte B._ (GG180043-
M/Urk. 27) als auch der Beschuldigte A._ (Urk. 27) Berufung gegen die erst-
instanzlichen Urteile an. Nach Zustellung des begründeten Urteils reichten die
Verteidiger der Beschuldigten je innert Frist ihre Berufungserklärung ein (Urk. 36
und SB190505/Urk. 33). Die Staatsanwaltschaft erklärte daraufhin in beiden Ver-
fahren, auf eine Anschlussberufung zu verzichten und je die Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils zu beantragen (Urk. 40 und SB190505/Urk. 37). Die Ver-
fahren gegen die beiden Beschuldigten wurden in der Folge vereinigt (vgl. Prot. II
S. 6). Zur Berufungsverhandlung vom 1. Februar 2020 erschienen die beiden
Beschuldigten in Begleitung ihrer Verteidiger (Prot. II S. 4).
1.3 Beide Beschuldigten fechten das sie betreffende erstinstanzliche Urteil voll-
umfänglich an. Diese sind daher unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbots
(Art. 391 Abs. 2 StPO) umfassend zu überprüfen.
2.1 Die Verteidigung des Beschuldigten A._ moniert in prozessualer Hin-
sicht, dass das Verfahren gegen C._ zu Unrecht separat geführt worden sei.
Dies habe schwerwiegende Konsequenzen mit sich gebracht, da der Beschuldig-
te A._ im Verfahren gegen C._ keine Parteistellung gehabt habe und
entsprechend nicht an den Beweisabnahmen und Einvernahmen habe teilnehmen
können. Aus diesen Gründen sei der Anspruch auf ein faires Verfahren gemäss
Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK verletzt worden (Urk. 36 S. 7 f.).
2.2 Gemäss Art. 29 Abs. 1 StPO werden Straftaten gemeinsam verfolgt und be-
urteilt, wenn (a) eine beschuldigte Person mehrere Straftaten verübt hat, oder (b)
Mittäterschaft oder Teilnahme vorliegt. Nach Art. 30 StPO können die Staats-
anwaltschaft und die Gerichte aus sachlichen Gründen Strafverfahren trennen.
Art. 29 StPO enthält gemäss der ausdrücklichen Marginalie der Bestimmung den
Grundsatz der Verfahrenseinheit. Er bezweckt die Verhinderung sich wider-
sprechender Urteile und dient der Prozessökonomie. Eine Verfahrenstrennung ist
gemäss Art. 30 StPO nur bei Vorliegen sachlicher Gründe zulässig und muss die
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Ausnahme bleiben. Die sachlichen Gründe müssen objektiv sein (BGer Urteil
1B_92/2020 vom 4. September 2020, E. 4.2; BGE 138 IV 214, E. 3.2 mit Hin-
weisen).
2.3 Im vorliegenden Fall wurden C._ neben den Machenschaften betref-
fend die D._ AG noch zahlreiche weitere Vorwürfe zur Last gelegt. Das Ver-
fahren gegen ihn betraf den hier interessierenden Sachverhaltskomplex daher nur
teilweise. Eine getrennte Führung des Verfahrens erscheint aus dieser Hinsicht
daher nicht unangebracht. Weiter kommt hinzu, dass C._ im vorliegenden
Verfahren am 24. Oktober 2017 mit beiden Beschuldigten konfrontiert und in de-
ren Anwesenheit befragt wurde (Urk. 300276). Es war den Beschuldigten bzw.
deren Verteidiger daher ohne Weiteres möglich, C._ Ergänzungsfragen zu
stellen und seine Schilderung des Sachverhalts in Zweifel zu ziehen. Weiter wur-
den auch die Akten des Verfahrens gegen C._ vom Bezirksgericht Meilen
(Geschäfts-Nr. GG180001-G) bzw. der Staatsanwaltschaft (Untersuchungs-
Nr. 2016/10035227) beigezogen. Die Verteidiger von B._ und Stjepan
A._ konnten diese Beizugsakten vollumfänglich studieren. Eine Verletzung
des Anspruchs auf ein faires Verfahren ist bei dieser Sachlage nicht zu erkennen.
II. Sachverhalt
1. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten stark zusammengefasst vor,
als Geschäftsführer der D._ AG zwecks Reduzierung der Steuerbelastung in
den Jahren 2012 und 2013 von C._ 17 fingierte Rechnungen über tatsächlich
gar nicht erbrachte Leistungen im Gesamtbetrag von CHF 235'576.–erhältlich
gemacht zu haben und diese in der Folge den Steuerbehörden eingereicht zu ha-
ben. Für diese Dienstleistung hätten sie C._ jeweils eine Provision von 5 - 10
% des Rechnungsbetrags ausgerichtet (Urk. 400354 ff. resp. Urk. 400365 ff.).
2.1 Die Beschuldigten haben das ihnen vorgeworfene Verhalten stets bestritten
und sich auf den Standpunkt gestellt, dass die von C._ ausgestellten Rech-
nungen auf tatsächlich von ihm bzw. seinen Mitarbeitern erbrachten
Leistungen beruht hätten (Beschuldigter A._: u.a. Urk. 300254 ff. Fra-
ge 70 ff.; 300276 Frage 141; 400207 ff. Frage 11 f.; Urk. 23; Prot. I S. 7 ff.; Be-
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schuldigter B._: u.a. Urk. 300233 ff. Frage 200 ff.; 300276 ff. Frage 140;
400207 ff. Frage 11 f.; Urk. 22; Prot. I S. 13 ff.; Urk. 52 S. 4 ff. und Urk. 53 S. 3
ff.).
2.2 Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Beweiswürdigung zutreffend dar-
gelegt (Urk. 34 S. 7 ff.). Darauf wird vorab verwiesen. Auch die Aussagen von
C._ sowie jene der Beschuldigten wurden von der Vorinstanz ausführlich und
zutreffend zitiert (Urk. 34 S. 10 ff.), worauf ebenfalls verwiesen wird. Die wichtigs-
ten Schilderungen von C._ sind an dieser Stelle nochmals in Erinnerung zu
rufen, zumal dessen Aussagen eine entscheidende Bedeutung zukommt.
3.1 C._ führte in mehreren Einvernahmen aus, dass die fraglichen Rech-
nungen an die D._ AG von ihm bzw. in seinem Auftrag ausgestellt worden
seien und sie auf keinen tatsächlich geleisteten Arbeiten beruht hätten. Er habe
für die D._ AG nie tatsächlich Arbeiten ausgeführt. Die D._ AG habe
ihm lediglich die Namen der Baustellen, die Objektadressen, das jeweilige Ausfer-
tigungsdatum, die Rechnungsadressen und den Namen des jeweiligen Kunden
der D._ AG genannt. Er habe das Geschäft mit dem Beschuldigten B._
gemacht. Beim Treffen im Restaurant E._ beim F._ sei indes auch der
Beschuldigte A._ anwesend gewesen. Bei diesem Treffen seien die
Beschuldigten sehr vorsichtig gewesen und hätten ihn gebeten, er müsse noch
etwas bei der MwSt-Nummer ändern, da ihr Buchhalter sehr genau sei. Weiter
hielt C._ bezüglich der gemäss den Rechnungen ausgeführten Arbeiten
ausdrücklich fest, seine Firmen hätten diese denn auch gar nicht ausführen
können, da sie nicht über die entsprechenden Mitarbeiter verfügt hätten. Die Idee
der Rechnungen für die D._ AG sei vom Beschuldigten B._ gekommen.
Der Beschuldigte B._ habe zuvor über einen Kollegen davon erfahren, dass
C._ dies machen würde. Der Kollege sei ein Grieche namens G._ ,
der bei der H._ SA in I._ arbeite (u.a. Urk. 100060 ff. Frage 41;
Urk. 100068 ff. Frage 5 ff.; Urk. 300276 ff. Frage 134; Urk. 300345 ff. Frage
52 ff.). Der Beschuldigte B._ sei dann jedes Quartal zu ihm (C._)
gekommen und er (C._) habe ihm die Rechnungen ausgestellt. Er habe pro
Rechnung 10 % des Rechnungsbetrages inkl. MwSt. verlangt. Später erklärte
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C._ leicht abweichend, es seien 5 – 10 % des Rechnungsbetrages gewesen.
Genau wisse er dies nicht mehr (Urk. 300276 ff. Fragen 27 ff., insbesondere Fra-
gen 32, 39, 45 und 63). Die Beträge seien, ohne in irgendeiner Weise verbucht zu
werden, "direkt in seine Tasche gegangen" (Urk. 100060 ff. Frage 48). Es sei ein
"angenehmer Nebenerwerb", "ein Taschengeld" gewesen (Urk. 300345 ff. Fra-
ge 59). Das Geschäftsmodell mit den überhöhten Rechnungen habe er zwischen
den Jahren 2002 und 2004 zu nutzen begonnen. Anfänglich habe er manchmal
auch auf seinen Anteil verzichtet, wenn er als Gegenleistung für die überhöhten,
respektive fiktiven Rechnungen anschliessend von der betroffenen Firma tatsäch-
liche Nachfolgeaufträge erhalten habe. Später sei er jedoch dazu übergegangen,
ausschliesslich fiktive Rechnungen auszustellen, so bei der D._ AG
(Urk. 100068 ff. Frage 31). Dies habe daraufhin über einen Zeitraum von drei bis
vier Jahren stattgefunden, ca. ab dem Jahre 2012 bis ca. "vor eineinhalb Jahren",
mithin im Winter 2015. Nebenbei habe er noch als Maler gearbeitet. Er sei zu je-
ner Zeit chronischer Kokser und Alkoholiker gewesen und habe täglich Fr. 300.–
für seine Sucht gebraucht (u.a. Urk. 300345 ff. Frage 65 ff.; 300437 ff.).
Zum Vorwurf der Beschuldigten, dass er sie fälschlicherweise belaste, führte
C._ aus, er sei freiwillig aus Serbien für die Gerichtsverhandlung in die
Schweiz eingereist und habe keinerlei Grund, im neuen Fall etwas falsch darzu-
stellen, was nicht der Wahrheit entspreche und wodurch er sich erheblich selber
belaste. Er sei der Ansicht, dass man zur Wahrheitsfindung auch ein paar Sachen
zugeben müsse. Es erspare den Mittätern auch etwas, wenn man ehrlich sei.
Zudem müsse er den beiden Beschuldigten eigentlich dankbar sein, da sie ihn ja
sogar entlasten würden (Urk. 300276 ff. Frage 142).
C._ bestätigte seine Aussagen schliesslich trotz der Bestreitungen durch die
Beschuldigten auch in deren Anwesenheit anlässlich der Konfrontations-
einvernahme vom 24. Oktober 2017 vollumfänglich und konstant (Urk. 300276 ff.).
Insbesondere warf er auf Vorhalt der Aussagen der beiden Beschuldigten die
Frage auf, weshalb er sich denn falsch belasten und dafür ins Gefängnis gehen
sollte, wenn er es gar nicht gemacht hätte. Insbesondere sei es viel weniger
schlimm, wenn er – im Falle der Version der Beschuldigten, wonach er (C._)
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nicht ordnungsgemäss angemeldete Arbeiter beschäftigt habe – Sozialbeiträge
nachbezahlen müsste (Urk. 300276 ff. Frage 138). Einen "S._ ", den die Be-
schuldigten als seinen Mitarbeiter bezeichnen, sei ihm nicht bekannt. Es handle
sich hierbei um ein "Phantom" (Urk. 300276 ff. Frage 140 und 148). Weiter erklär-
te er, er habe keine Ahnung, wo sich die angeblichen Häuser bzw. Baustellen be-
finden würden. Es sei zudem gar nicht möglich, dass er die Arbeiten ausgeführt
habe, da er nicht über entsprechende Mitarbeiter verfügt habe. Er empfehle den
Beschuldigten, dazu zu stehen, wie es war (Urk. 300276 ff.
Frage 133 f.). Der Beschuldigte B._ sei ihm als Kunde für das Erstellen fikti-
ver Rechnungen vermittelt worden und dieser habe die Dienstleistung in An-
spruch genommen (Urk. 300276 ff. Frage 135).
3.2 Hinsichtlich der allgemeinen Glaubwürdigkeit von C._ führt die Vo-
rinstanz zutreffend aus, dass dieser die Aussagen einerseits im gegen ihn
geführten Verfahren als beschuldigte Person gemacht hat und im vorliegenden
Verfahren als Auskunftsperson einvernommen wurde. Hierbei wurde er auf die
Straffolgen einer falschen Anschuldigung, der Irreführung der Rechtspflege und
Begünstigung hingewiesen. Der strengen Strafandrohung von Art. 307 StGB
unterstand er indessen nicht. Weiter erwägt die Vorinstanz zu Recht, dass
C._ durch seine Aussagen nicht nur die beiden Beschuldigten, sondern wie-
derholt und in schwerer Weise auch sich selbst belastet hat. Im Übrigen ist die
Glaubwürdigkeit eines verurteilten Straftäters mit der Vorinstanz nicht per se als
geringer anzusehen (Urk. 34 S. 12).
3.3.1 Die Verteidiger der Beschuldigten machen im Berufungsverfahren geltend,
die Vorinstanz habe zu Unrecht nicht berücksichtigt, dass C._ sehr wohl ein
eigenes Interesse an einer falschen Darstellung der Sachlage habe. Es müsse
davon ausgegangen werden, dass C._ die von ihm beschäftigten Arbeiter
nicht ordnungsgemäss registriert und entsprechend keine Sozialversicherungsbei-
träge und Quellensteuern bezahlt habe. Bei der Aufdeckung dieser Taten drohten
ihm neben einer weiteren strafrechtlichen Verurteilung wegen schwerwiegenderen
Delikten auch geldwerte (Zivil-)Forderungen. Vor diesem Hintergrund spreche die
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Selbstbelastung nicht für, sondern gegen die Glaubwürdigkeit von C._
(Urk. 56 S. 5 ff.; Urk. 54 S. 6 ff.).
3.3.2 Ob die Aufdeckung von nicht ordnungsgemäss angemeldeten Mitarbeitern
oder die Mitwirkung an den vorliegenden Delikten im genannten Sinn für C._
einschneidendere Konsequenzen mit sich gebracht hätte, ist bzw. war generell –
und insbesondere für C._, der keine juristische Ausbildung absolviert hat –
nur schwer abzuschätzen. Es erscheint daher höchst unwahrscheinlich, dass
C._ sich eines weiteren Delikts so ausführlich und detailliert geständig zeigen
sollte, nur um von einem anderen deliktischen Verhalten abzulenken. Weiter
kommt hinzu, dass für das nicht ordnungsgemässe Beschäftigen von Mitarbeitern
durch C._ derzeit keine Anhaltspunkte sprechen, sondern dies vielmehr
bloss eine von der Verteidigung in den Raum gestellte Behauptung ist. Gesamt-
haft gesehen ist mit der Vorinstanz daher festzustellen, dass die Selbstbelastun-
gen durch C._ grundsätzlich für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spre-
chen.
3.3.3 Weiter ist mit der Vorinstanz auch festzuhalten, dass die Aussagen von
C._ – entgegen der Ansicht der Verteidigung des Beschuldigten A._
(Urk. 56 S. 3) – durch besonderen Detailreichtum auffallen. So nannte er spontan
einige Personen namentlich, die in das Geschäft mit den fingierten bzw. über-
höhten Rechnungen involviert gewesen seien. Konkret nannte er die J._ AG
(Urk. 100060 ff. Frage 8), die K._ AG (Urk. 100060 ff. Frage 9), "G._ ",
welcher als Mitarbeiter der H._ SA dem Beschuldigten B._ empfohlen
habe, sich für die fraglichen Geschäft an C._ zu wenden (Urk. 100060 ff.
Frage 20 f.), L._ (Urk. 100060 ff. Frage 26), M._ und "N._ "
(Urk. 100068 ff. Frage 47) von sich aus. Weiter erklärte C._ in den Ein-
vernahmen vom 3. Mai 2017 und 5. Oktober 2017, auch für die Einzelfirma
O._ in Absprache mit deren Inhaber fiktive Rechnungen erstellt zu haben
(u.a. Urk. 100063 f. Frage 29 ff.; 300363 Frage 96 ff.).
Der Beschuldigte B._ anerkannte anlässlich der Berufungsverhandlung ex-
plizit, mit einem "G._ " von der H._ SA in I._ zusammengearbeitet
zu haben, was die Darstellung von C._ insoweit bestätigt (Urk. 52 S. 6).
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3.3.4 Weiter führte C._ detailliert aus, dass er ausschliesslich mit dem
Beschuldigten B._ Kontakt gehabt und den Beschuldigten A._ bloss
einmal im Restaurant E._ beim F._ gesehen habe. Das Geld habe er
jeweils im Restaurant P._ , im Q._ Restaurant am R._ und einmal
im Restaurant E._ erhalten (Urk. 100068 ff. Frage 10).
Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, ist nicht nachvollziehbar, dass
C._ einerseits diverse Namen nennt, welche in das strafrechtlich verpönte
Verhalten involviert gewesen seien und andererseits ausgerechnet hinsichtlich
des von den Beschuldigten erwähnten "S._", welcher die Projekte von
C._ vor Ort betreut habe, dessen Kenntnis verneinen sollte (Urk. 34 S. 13).
Auch die Nennung der einzelnen Orte der Geldübergaben sprechen eindeutig für
ein erlebtes Geschehen. Die Darstellung von C._, dass er den Beschuldigten
bloss einmal in einem Restaurant in Zürich getroffen habe, bestätigte der
Beschuldigte A._ anlässlich der Berufungsverhandlung sodann als zutreffend
(Urk. 53 S. 5).
3.3.5 Demgegenüber machen die Beschuldigten geltend, C._ habe noch
nicht einmal den Prozentsatz der Provision genau benennen können, welche er
von den Beschuldigten erhalten haben soll. So habe er zunächst von 5 % und in
späteren Einvernahmen wieder von 10 % gesprochen (Urk. 23 S. 7; Urk. 54 S. 7).
Diese Ungenauigkeit in den Aussagen von C._ lässt dessen Aussagen in-
dessen – wie die Vorinstanz zu Recht ausführte (Urk. 34 S. 14) – aber nicht des-
wegen unglaubhaft erscheinen. So erklärte C._ mehrfach, dass es sich bei
den fraglichen Geschäften mit der D._ AG nicht um die einzigen solcher Art
gehandelt habe, sondern er vielmehr seit ca. 2002 im Rahmen eines eigentlichen
Geschäftsmodells überhöhte bzw. – wie im vorliegenden Fall – komplett fingierte
Rechnungen erstellt und dafür eine Entschädigung bzw. Nachfolgeaufträge
erhalten habe (Urk. 300345 ff. Frage 63). Weiter führte er aus, er sei im fraglichen
Zeitraum in den Jahren 2012 und 2013 kokain- und alkoholabhängig gewesen
(Urk. 300345 ff. Frage 65 ff. und Urk. 300435 S. 7). Das Geld habe er zudem
jeweils vom Beschuldigten B._ Bar auf die Hand erhalten (Urk. 300276 ff.
Frage 27 ff.). Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass C._ sich nicht
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exakt an die jeweils ausbezahlte Entschädigung zu erinnern vermag. Jedenfalls
führt diese marginale Unstimmigkeit nicht dazu, dass seine ansonsten detaillierten
und stimmigen Ausführungen wesentlich weniger glaubhaft erscheinen.
Wenn die Verteidigung des Beschuldigten A._ im Übrigen zahlreiche
einschlägige Vorstrafen von C._ erwähnt und gestützt darauf dessen Aussa-
gen in Zweifel ziehen will (Urk. 23 S. 8), verfängt dies nicht. Der Umstand, dass
C._ Vorstrafen aufweist, führt nicht per se dazu, dass seine Ausführungen
weniger glaubhaft erschienen. C._ hat durch die vorliegend relevanten Aus-
sagen ja gerade Straftaten seinerseits eingestanden, weshalb es nicht nachvoll-
ziehbar ist, warum seine deliktische Vergangenheit Zweifel an der Richtigkeit die-
ser Aussagen wecken sollte.
4.1 Die Vorinstanz hat die Aussagen der Beschuldigten ausführlich und zutref-
fend dargelegt (Urk. 34 S. 16). Zusammengefasst stellen sich die Beschuldigten
auf den Standpunkt, die D._ AG habe in den Jahren 2012 bis 2016 aufgrund
der Arbeitslast oft Unterstützung durch externe Dienstleister benötigt. C._ sei
hierbei der am häufigsten beauftragte externe Dienstleister gewesen, da er am
preisgünstigsten gewesen sei. Zudem gaben beide Beschuldigten zu Protokoll,
C._ habe einen Vorarbeiter beschäftigt, welcher – gemäss Darstellung des
Beschuldigten A._ – "S._ " heisse. An diesen seien auch die Zahlungen
geleistet worden, wenn er ihnen eine Rechnung vorgelegt habe. Im Einzelnen
wird auf die ausführliche und zutreffende Wiedergabe der Aussagen im vor-
instanzlichen Urteil verwiesen (Urk. 34 S. 17). Auch anlässlich der Berufungsver-
handlung stellten die beiden Beschuldigten den ihnen vorgeworfenen Sachverhalt
vollumfänglich in Abrede und hielten an ihrem Standpunkt fest, dass die von
C._ ausgestellten Rechnungen auf tatsächlich erbrachten Leistungen basiert
hätten (Urk. 52 und 53). Auf die Frage, warum dieser sie denn zu Unrecht belas-
ten sollte, gab der Beschuldigte B._ zu Protokoll, C._ habe ihnen den
Erfolg ihres Unternehmens nicht gegönnt. Zudem sei zu beachten, dass C._
ein Serbe und die beiden Beschuldigten Kroaten seien, wobei aufgrund des Bal-
kankrieges weiterhin von einem Konflikt auszugehen sei (Urk. 52 S. 5). Der Be-
schuldigte A._ erklärte auf diese Frage seinerseits lediglich, er sei überrascht
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gewesen, dass C._, der sich als Inhaber eines grossen Unternehmens prä-
sentiert habe, mit ihnen habe zusammenarbeiten wollen. Zudem habe er gehört,
dass C._ oft die Mitarbeiter gewechselt und nicht immer ganz korrekt gear-
beitet habe (Urk. 53 S. 5 f.). Einen Konflikt zwischen ihm bzw. den Beschuldigten
B._ und C._ verneinte der Beschuldigte A._ hingegen explizit (Urk.
53 S. 5).
Diese Erklärung der Beschuldigten erscheint nicht nachvollziehbar, zumal sie mit
C._ eine längere Zeit lang anerkanntermassen erfolgreich zusammen
gearbeitet haben und es – wie auch der Beschuldigte A._ bestätigt hat
(Urk. 53 S. 5) – weder während noch nach der Zusammenarbeit zu einem Streit
gekommen ist. Vor diesem Hintergrund erscheinen die von den Beschuldigten
erwähnten Motive betreffend wirtschaftlichen Neid bzw. Nachwirkungen des
Balkankrieges nicht nachvollziehbar. Insbesondere ist nicht ersichtlich, weshalb
C._ ausgerechnet jene Personen belasten sollte, die ihn entlasten.
4.2 C._ erklärte zur Frage, ob er einen Vorarbeiter beschäftigt habe, der
"S._ " heisst, er kenne zwar Personen mit dem Namen "S._ ", doch kei-
ner seiner Vorarbeiter habe je so geheissen. Bei den Gesellschaften, für welche
er der D._ AG Rechnungen gestellt habe, habe er zudem sozusagen über
gar keine Mitarbeiter verfügt. Beim von den Beschuldigten erwähnten "S._ "
handle es sich um ein "Phantom" (Urk. 300276 ff. Frage 136, 139 und 148).
4.3 Den Verteidigern der Beschuldigten wurde bereits in der Untersuchung eine
Frist angesetzt, um nähere Angaben zum von ihnen genannten "S._ " bzw.
"S'._" zu machen (Urk. 300465). Die Verteidigung des Beschuldigten
A._ erklärte innert Frist aber bloss, die Nachforschungen des Beschuldigten
A._ hinsichtlich des besagten "S._ " liefen weiter (Urk. 300476). Die
Verteidigung des Beschuldigten B._ machte überhaupt keine Angaben zur
Person "S._ " (Urk. 300472). Auch im Hauptverfahren vor der Vorinstanz
wurde die Person des "S._ ", welche von C._ als "Phantom" bezeichnet
wird, nicht näher benannt. Obwohl die Verteidigung des Beschuldigten A._
schliesslich auch im Berufungsverfahren auf den vor Vorinstanz gestellten
Beweisantrag betreffend Einvernahme des "S'._" hinweist, benennt sie die-
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sen nicht konkret (Urk. 56 S. 10). Die Vorinstanz musste entsprechend mangels
konkreter Bezeichnung des Zeugen ohnehin auf dessen Einvernahme verzichten,
weshalb die diesbezügliche Rüge des Beschuldigten A._, der wegen der Ab-
lehnung dieses Beweisantrags durch die Vorinstanz eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs geltend macht (vgl. Urk. 56 S. 10), unbegründet erscheint. Anläss-
lich der Berufungsverhandlung wurde im Übrigen explizit auf das Stellen von Be-
weisanträgen verzichtet (Prot. II S. 6). Zusammenfassend blieb die Person
"S._ " auch im Berufungsverfahren unbekannt.
4.4 Zur weiteren Klärung des Sachverhalts wurden auf Antrag der Verteidiger
schliesslich eine Reihe von Personen als Zeugen befragt, die auf Baustellen der
D._ AG gearbeitet hatten. Es wird hierzu vorab auf die ausführliche und zu-
treffende Wiedergabe der Zeugenaussagen durch die Vorinstanz verwiesen
(Urk. 34 S. 22 ff.). Die Zeugen vermochten sich nach mindestens fünf Jahren
nicht mehr an jedes Detail zu erinnern. Dennoch sagten sie alle aus, weder einen
Vorarbeiter namens "S._ " noch den Namen "C._" bzw. dessen Firmen
zu kennen und konnten C._ sodann auch auf einem ihnen vorgelegten Foto-
bogen nicht erkennen (u.a. Urk. 400010 ff. Frage 21 ff.; 400056 ff. Frage 16 ff.;
400069 ff. Frage 15 ff.; 400082 ff. Frage 13 ff.; 400109 ff. Frage 13 ff.; 400140 ff.
Frage 14 ff.; 400170 ff. Frage 12 ff.). Demgegenüber wurde verschiedentlich aus-
geführt, die Mitarbeiter der D._ AG hätten sich gekannt, wobei sich die Zeu-
gen an gewisse Namen zu erinnern vermochten (Urk. 400010 Frage 113;
400056 ff. Frage 48; 400140 ff. Frage 37; 400170 ff. Frage 34 und 47 ff.). Weiter
wurde erwähnt, man sei bei der D._ AG "wie eine Familie" gewesen
(Urk. 400010 ff. Frage 113).
4.5 Die Zeugenaussagen stützen klarerweise die Darstellung von C._, zu-
mal sich die Zeugen an verschiedene Mitarbeiter der D._ AG erinnern
konnten und sich offenbar untereinander gut gekannt haben, wohingegen
C._ oder dessen Firmen niemandem bekannt waren. Nicht relevant ist, dass
gewisse Zeugen erklärt haben, sie hätten den Namen "S._ " schon einmal
gehört (Urk. 400082 ff. Frage 15) bzw. es habe Leute mit dem Namen "S._ "
auf der Baustelle gehabt (Urk. 400010 ff. Frage 24 f.), zumal unbestritten ist, dass
- 16 -
eine Vielzahl von Personen auf den Baustellen gearbeitet hat und "S._ "
auch nicht ein besonders seltener Name ist. Ob aber tatsächlich ein "S._ "
auf den Baustellen der D._ AG tätig war, kann letztlich offen bleiben. Jeden-
falls sprechen keine Anhaltspunkte dafür, dass – entgegen der Darstellung von
C._ – ein Vorarbeiter namens "S._ " im Auftrag von C._ für Projek-
te der D._ AG tätig war.
4.6 Aus dem Vorbringen der Beschuldigten betreffend den angeblichen
Vorarbeiter "S._ " ergibt sich angesichts dieses Beweisresultats somit nichts
Entlastendes.
5. Die Verteidigung des Beschuldigten B._ macht schliesslich geltend, es
habe den Beschuldigten an einem nachvollziehbaren Motiv gemangelt, zumal die
D._ AG im Jahr 2012 sogar einen Verlust erwirtschaftet habe, weshalb es
keinen Sinn gemacht hätte, die Kosten tiefer darzustellen, um einen Gewinn zu
verschleiern (Urk. 54 S. 9 f.). Die Verteidigung des Beschuldigten B._ über-
sieht hierbei, dass Verluste noch während 7 Jahren mit später erzielten Gewinnen
verrechnet werden können und daher auch in den Folgejahren Auswirkungen zei-
gen können (§ 70 Abs. 1 Steuergesetz des Kantons Zürich; Art. 67 Abs. 1 DBG).
Entgegen der Ansicht der Verteidigung des Beschuldigten B._ ist daher fest-
zuhalten, dass die finanziellen Interessen der Beschuldigten offenkundig waren
und es ihnen keineswegs an einem nachvollziehbaren Motiv mangelte.
6. Weiter hat die Vorinstanz auch zutreffend erwogen (Urk. 34 S. 26), dass bei
den bei den Akten liegenden Rechnungen bzw. den dazugehörigen Quittungen
jeweils gerundete Pauschalbeträge sowie das Ausführungsprojekt und ein stich-
wortartiger Leistungsbeschrieb aufgeführt wurden. Lediglich bei drei Rechnungen
(Urk. 300315; 300319; 300321) wurde hingegen angegeben, in welchem Zeitraum
die Leistungen erbracht worden seien. Darüber hinaus liegen keine weiteren
Unterlagen wie Auftragsbestätigungen, Arbeitsrapporte oder sonstige schriftliche
Unterlagen vor.
Weiter weist die Vorinstanz auch zutreffend darauf hin, dass bei gewissen
Rechnungen bzw. den dazugehörigen Quittungen gar ein Zahlungsdatum vor
- 17 -
dem Rechnungsdatum aufgeführt wurde (Urk. 34 S. 26 f.). Dies weckt ebenfalls
Zweifel an der inhaltlichen Richtigkeit dieser Dokumente.
7.1 Mit der Vorinstanz (Urk. 34 S. 27) ist schliesslich der Umstand als sehr auf-
fällig zu bezeichnen, dass sechs der 17 Rechnungen von einer T._ GmbH,
Abteilung Bausanierung, ausgestellt worden sind, obwohl es sich um angebliche
Rückbau- und Fassadenarbeiten gehandelt habe (Urk. 300331; 30033; 300335;
300337; 300339 und 300341). Auch aus dem Handelsregisterauszug der damali-
gen T._ GmbH geht hervor, dass der Gesellschaftszweck die Führung und
den Betrieb von Lebensmittelläden umfasst hat (Untersuchungsakten C._,
D2 Urk. 13 S. 8), weshalb es nicht nachvollziehbar und unwahrscheinlich er-
scheint, dass seine solche Gesellschaft auch noch Bauarbeiten ausgeführt haben
soll.
7.2 Vor Vorinstanz brachte die Verteidigung des Beschuldigten B._ hierzu
vor, es habe für den Beschuldigten B._ keinen Grund gegeben, angesichts
der unterschiedlichen Firmen von C._ Zweifel zu hegen, da die Arbeiten von
C._'s Leuten stets pünktlich und zur Zufriedenheit gleistet worden seien.
Aufgrund der hohen Arbeitslast habe er denn auch gar nicht geschaut, an
welches Vehikel von C._ er gleistet habe. Man habe keine HR-Auszüge kon-
trolliert (Urk. 22 S. 11 f.). Hierzu gilt es zweierlei zu bemerken: einerseits ist es le-
bensfremd, dass C._ solche Gesellschaften mit im Baugewerbe offensicht-
lich unpassenden Namen und Gesellschaftszwecken verwendet haben sollte,
wenn seine Gesellschaften doch schlicht im Baugewerbe tätig gewesen sein und
die fakturierten Leistungen ausgeführt haben sollten. Eine nachvollziehbare
Erklärung hierfür liefern im Übrigen auch die Beschuldigten nicht. Andererseits
erscheint angesichts der offensichtlich unpassenden Gesellschaftsnamen auch
die Behauptung des Beschuldigten B._, man habe aufgrund der Arbeitslast
die HR-Auszüge der Gesellschaften von C._ nie kontrolliert, als Schutz-
behauptung.
8. Auch aus der von der Verteidigung erwähnten Bestätigung von C._
vom 29. Mai 2015 (Urk. 24/1), welche erst anlässlich der Hauptverhandlung
eingereicht wurde, lassen sich keine relevanten Erkenntnisse gewinnen. Wenn
- 18 -
C._ systematisch fingierte Rechnungen erstellt hat, welche zu steuerlichen
Zwecken gebraucht werden sollten, verwundert keineswegs, dass er diese ge-
fälschten Rechnungen auch durch eine weitere "Bestätigung" bekräftigt hat. Dies
gilt umso mehr, als die Bestätigung noch vor der ersten Verdachtsmeldung gegen
C._ vom 16. August 2016 (Beizugsakten Bezirksgericht Meilen, Geschäfts-
Nr. GG180001-G, dort Urk. 5/1) erstellt wurde. Mit der Vorinstanz (Urk. 34
S. 28 f.) ist daher auch diesbezüglich davon auszugehen, dass C._ sein ei-
genes Verhalten und auch jenes seiner "Kunden" damals noch zu schützen
versucht hat. Entsprechend liegt der Schluss nahe, dass auch diese Bestätigung
nicht der Wahrheit entspricht. Angesichts dieser Konstellation, in welcher C._
vor Kenntnis der Strafuntersuchung seine Praktiken naturgemäss noch zu schüt-
zen versucht hat, kann entgegen den Ausführungen der Verteidigung des Be-
schuldigten A._ im Übrigen auch nicht gefolgert werden, C._s Geständ-
nis sei weniger glaubhaft, weil er damit seinen früheren Rechnungen und Bestäti-
gungen widerspreche (vgl. Urk. 56 S. 5).
9. Die Verteidigung des Beschuldigten B._ weist zudem auf das Konto
4'400 hin, woraus ersichtlich werde, dass der Grossteil der Fremdarbeitsaufwände
an Firmen von C._ geflossen seien (Urk. 22 S. 4 und Urk. 54 S. 14). Dem ist
aber nicht so. Den Beschuldigten wird ja gerade vorgeworfen, von C._ fin-
gierte Rechnungen erhältlich gemacht und diese zwecks Verwendung gegenüber
den Steuerbehörden in ihre Buchhaltung einbezogen zu haben. Dass nun gemäss
der Bilanz der D._ AG der Grossteil der ausgewiesenen Fremdarbeitskosten
an C._ geflossen sein sollen, ist hierbei nur folgerichtig und belegt hinsicht-
lich des Tatvorwurfs nichts. Jedenfalls wird daraus – entgegen der Ansicht der
Verteidigung des Beschuldigten B._ – nicht ersichtlich, dass die verbuchten
Leistungen der Firmen von C._ auf tatsächlich erbrachten Leistungen beruht
haben.
10. Weiter ist auf das Argument der Verteidigung einzugehen, wonach ange-
sichts der Betriebsertragssteigerung um 40.35 % vom Jahr 2012 auf das Jahr
2013 bei gleichzeitiger Zunahme der Personalkosten von nur 17.7 % klar sei,
dass Fremdarbeiten ausgeführt worden seien. Beide Verteidiger stellen sich auf
- 19 -
den Standpunkt, es sei nicht nachvollziehbar, wenn die Vorinstanz es zwar als
erstellt erachte, dass Fremdarbeiten ausgeführt worden seien, dazu aber erwägt,
es sei auch möglich, dass diese Fremdarbeiten nicht korrekt verbucht worden und
stattdessen die fingierten Rechnungen bei C._ eingeholt worden seien. Es
sei insbesondere nicht nachvollziehbar, warum ein ehrlicher Geschäftsmann einer
ihm unbekannten Person Geld bezahlen soll, um fingierte Rechnungen zu erhal-
ten, wenn er die tatsächlichen Fremdkosten auch einfach ordentlich verbuchen
könnte (Urk. 36 S. 5 f.; SB190505/Urk. 33 S. 5 f.; Urk. 54 S. 3 ff. und 11; Urk. 56
S. 7). Eine Entlastung, welche die zuvor genannten stark belastenden Anhalts-
punkte zu entkräften vermöchte, ist darin aber nicht zu sehen. So liegt es durch-
aus nahe, dass die Beschuldigten Fremdarbeiten günstig als "Schwarzarbeit" an
Drittanbieter vergeben haben könnten, welche sie in der Folge nicht korrekt ver-
bucht haben. Hierbei hätten die Beschuldigten gleichwohl Belege gebraucht, um
bei den Steuerbehörden die entsprechenden Auslagen geltend machen zu kön-
nen. Hierfür war wiederum notwendig, dass jemand sich dazu überhaupt bereit
erklärt und dazu in der Lage ist. C._, welcher erklärte, mit diesem Geschäft
bereits Erfahrung gehabt zu haben (Urk. 100068 ff. Frage 31 f.), war dabei der
richtige Ansprechpartner. Auch wenn diese Sachverhaltsvariante letztlich nicht
abschliessend bewiesen werden kann, zeigt sich daraus immerhin, dass die zuvor
aufgeführten stark belastenden Beweismittel bloss aufgrund des im Vergleich zum
Personalaufwand stärker gestiegenen Betriebsaufwands nicht erschüttert werden
können.
11.1 Zusammenfassend ist mit der Vorinstanz (Urk. 34 S. 31) festzuhalten, dass
die detaillierten und nachvollziehbaren Belastungen durch C._ deutlich
glaubhafter sind als die Bestreitungen durch die Beschuldigten. Zu diesem
Schluss kommt man insbesondere auch vor dem Hintergrund der sachlichen
Beweismittel, welche ebenfalls grosse Zweifel an der Sachverhaltsdarstellung der
beiden Beschuldigten wecken. Beide Beschuldigte haben schliesslich keinerlei
nachvollziehbare Erklärung, weshalb C._ sie zu Unrecht und wider besseren
Wissens belasten sollte (Urk. 300251 Fragen 196-199; Urk. 300261 f. Fragen 70-
72; Prot. I S. 9 und S. 13 f.; Urk. 52 und Urk. 53 ).
- 20 -
11.2 Präzisierend ist hinsichtlich des Anklagesachverhalts zu bemerken, dass es
– mit der Vorinstanz – als erstellt zu erachten ist, dass die D._ AG während
der anklagerelevanten Zeit tatsächlich Fremdarbeiten in Anspruch genommen
hat. Der Vollständigkeit halber gilt es zu erwähnen, dass die Anklage ohnehin
nicht davon ausgeht, dass im relevanten Zeitraum keine Fremdarbeiten durch die
D._ AG in Auftrag gegeben worden sind, sondern sie schlicht geltend macht,
dass die von C._ gestellten Rechnungen nicht auf tatsächlich erbrachten
Leistungen beruht hatten, was – wie erwähnt – erstellt ist. Die tatsächlich von
Fremdarbeitern erbrachten Leistungen verursachten hierbei aber ebenfalls Kos-
ten, welche die Beschuldigten wiederum als Aufwand vom Gewinn hätten abzie-
hen dürfen. Ohne Weiteres ist dabei klar, dass die für die tatsächlich erbrachten
Leistungen entstandenen Aufwände tiefer waren, als der aufgrund der fingierten
Rechnungen ausgewiesene Aufwand, andernfalls das Geschäft für die Beschul-
digten keinen Nutzen gehabt hätte.
Erstellt ist damit, dass die Beschuldigten fingierte Rechnungen von C._
erhältlich gemacht haben und dadurch den Steuerbehörden höhere Aufwände, als
in Wahrheit angefallen sind, vorgespiegelt haben. Sie erzielten dadurch eine
Steuerverkürzung welche jedenfalls höher war, als die an C._ zu bezahlende
Provision, zumal auch diesbezüglich andernfalls für die Beschuldigten ein Ver-
lustgeschäft resultiert hätte. Inwiefern diese Präzisierung Auswirkung auf die Tat-
bestandsmässigkeit zeigt, wird im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu prüfen
sein.
12. Der Beschuldigte A._ macht hinsichtlich seiner persönlichen Rolle
geltend, C._ belaste ihn mit keinem Wort und auch sonst fänden sich keine
Beweismittel, welche für seine Schuld sprächen (Urk. 36; Urk. 56 S. 6).
Was ein Täter wusste, wollte oder in Kauf nahm, betrifft sog. innere Tatsachen
und ist damit zwar eine Tatfrage. Da sich diese inneren Tatsachen bei ungestän-
digen Tätern regelmässig nur gestützt auf äusserlich feststellbare Indizien und Er-
fahrungsregeln ermitteln lassen, die Rückschlüsse von den äusseren Umständen
auf die innere Einstellung des Täters erlauben (BGer Urteil 6S.133/2007 vom
11. August 2008, E. 2.4), und die Beurteilung, ob im Lichte dieser äusseren Um-
- 21 -
stände der Schluss auf Vorsatz bzw. Eventualvorsatz begründet ist, eine Rechts-
frage darstellt, ist das Bestehen eines Vorsatzes bzw. Eventualvorsatzes nach-
folgend im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu beurteilen (vgl. BGE 133 IV 1,
E. 4.1; BGE 130 IV 58, E. 8.5; BGE 125 IV 242, E. 3c, je m.H.).
III. Rechtliche Würdigung
1.1 Die Vorinstanz würdigt das den Beschuldigten vorgeworfene Verhalten als
mehrfachen Steuerbetrug im Sinne von Art. 186 Abs. 1 DBG sowie mehrfachen
Steuerbetrug im Sinne von § 261 Abs. 1 StG Kt. ZH. Die Verteidiger der Beschul-
digten beanstandeten die rechtliche Würdigung – mit Ausnahme der folgenden
Punkte – weder im Haupt- noch im Berufungsverfahren (Urk. 22, 23, 54 und 56).
1.2 Die Verteidiger der beiden Beschuldigten machen geltend, es sei nicht klar,
wie hoch die den Beschuldigten vorgeworfene Differenz zwischen den anerkann-
ten tatsächlichen Fremdarbeiten und den gegenüber der Steuerbehörde deklarier-
ten Leistungen sei. Zu Gunsten der Beschuldigten sei von einer Differenz von Null
auszugehen (Urk. 54 S. 14; Urk. 56 S. 8 f.).
1.3 Der den Beschuldigten vorgeworfene Tatbestand des Steuerbetrugs stellt
ein Tätigkeitsdelikt dar, da der objektive Tatbestand erfüllt ist, wenn der Steuer-
pflichtige von unwahren oder unechten Urkunden Gebrauch macht. Ein Erfolg,
etwa die Täuschung der Steuerbehörden, die Hinterziehung von Steuern oder die
konkrete Gefährdung des staatlichen Steueranspruchs ist zur Vollendung nicht er-
forderlich (BSK-DONATSCH/ABO YOUSSEF, N 8 zu Art. 186 DBG, m.w.H.). Die Un-
klarheit betreffend die Differenz zwischen den tatsächlich bezahlten Beträgen für
die geleisteten Fremdarbeiten und den gegenüber der Steuerbehörde deklarierten
hat demnach keinen Einfluss auf die Tatbestandsmässigkeit. Entsprechend ist die
rechtliche Würdigung der Vorinstanz – unter Hinweis auf deren zutreffende
Ausführungen (Urk. 34 S. 31 ff.) – zu bestätigen.
2. Angesichts dieser Feststellungen ist entgegen der Ansicht der Verteidigung
des Beschuldigten B._ (Urk. 54 S. 14) auch keine Verletzung des Anklage-
prinzips zu erkennen, weil die Anklagebehörde die Differenz zwischen den
- 22 -
tatsächlichen Aufwänden für Fremdarbeiten und den von C._ fingierten
Rechnungsbeträgen nicht konkret beziffert hat.
3. Was die Beteiligung bzw. das Wissen des Beschuldigten A._ anbe-
langt, ist darauf hinzuweisen, dass die beiden Beschuldigten im relevanten Tat-
zeitraum die einzigen zwei Mitglieder des Verwaltungsrates der D._ AG wa-
ren (Urk. 100140 und 100141). Zudem führten die Beschuldigten aus, sie hätten
die Gesellschaft – insbesondere auch hinsichtlich der finanziellen Belange – ar-
beitsteilig geführt und die Rechnungen gewöhnlich beide visiert (Urk. 300233 ff.
Frage 28 ff.; Urk. 300254 ff. Frage 25). Weiter handelte es sich bei den fingierten
Rechnungen nicht mehr um Bagatellbeträge, sondern es wurde mit einem Ge-
samtbetrag von CHF 235'576.– ein doch erheblicher Betrag als zusätzliche Aus-
gaben vorgespiegelt. Auch wenn die Aufträge an C._ jeweils vom Beschul-
digten B._ kamen und auch die Provision vom ihm ausbezahlt wurde, entlas-
tet dies den Beschuldigten A._ nicht. Als verantwortlicher Verwaltungsrat war
es seine Pflicht, sich einen Überblick über die Geschäftsbücher zu machen und
sich auch zu vergewissern, dass diese ordnungsgemäss geführt werden
(Art. 716a Abs. 1 Ziff. 3 OR; vgl. BSK-OR II, WATTER/PELANDA, 5. Auflage 2016,
N 17 zu Art. 716a OR). Es gibt keine Anzeichen dafür und wurde seitens des Be-
schuldigten auch nicht vorgebracht, dass er seinen Pflichten als Verwaltungsrat
nicht nachgekommen wäre, zumal er anlässlich der Berufungsverhandlung gar
explizit bestätigte, dass er zur anklagerelevanten Zeit vollumfänglich über die Ge-
schäftsbeziehung zwischen der D._ AG und C._ informiert war (Urk. 53
S. 8). Somit musste er auch Kenntnis von den Praktiken des Beschuldigten
B._ gehabt haben und er hat diese zumindest gebilligt. Entsprechend musste
dem Beschuldigten A._ auch klar sein, dass die fingierten Rechnungen dazu
verwendet werden sollten, den Steuerbehörden nicht zutreffende Steuerfaktoren
vorzuspiegeln und dass die D._ AG gestützt darauf eine Steuererleichterung
erhalten würde. Angesichts dieser Umstände ist auch der innere Anklagesachver-
halt betreffend den Beschuldigten A._ erstellt, wobei zu seinen Gunsten von
einer eventualvorsätzlichen Begehung auszugehen ist.
- 23 -
4. Beide Beschuldigten sind demnach des mehrfachen Steuerbetrugs im Sinne
von Art. 186 Abs. 1 DBG sowie des mehrfachen Steuerbetrugs im Sinne von
§ 261 Abs. 1 StG Kt. ZH schuldig zu sprechen.
IV. Sanktion
1. Beide Beschuldigten wurden je mit einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen à
CHF 110.– sowie einer Busse in Höhe von CHF 3'200.– bestraft (Urk. 34 S. 49;
SB190505/Urk. 31 S. 48). Die Vorinstanz hat die Grundsätze und die theore-
tischen Grundlagen zur Strafzumessung ausführlich und zutreffend dargelegt
(Urk. 34 S. 38 ff.). Darauf wird vorab verwiesen.
2.1 Die Verteidiger machten weder im Haupt- (Urk. 22 und 23) noch im Beru-
fungsverfahren (Urk. 36 und SB190505/Urk. 33; Urk. 54 und 56) – materielle –
Ausführungen zur Strafzumessung.
2.2 Zur objektiven Tatkomponente des Steuerbetrugs im Sinne von § 261
Abs. 1 StG Kt. ZH ist zu bemerken, dass eine mehrfache Tatbegehung über einen
längeren Zeitraum vorliegt. Die erzielte Steuerersparnis ist zwar nicht konkret
bekannt, liegt aber jedenfalls nicht mehr im Bagatellbereich.
2.3 Hinsichtlich der subjektiven Tatkomponente betreffend den Beschuldigten
B._ ist zu berücksichtigen, dass dieser selbst an C._ herangetreten ist
und die fingierten Rechnungen in Auftrag gegeben hat. Er war es auch, der
jeweils die Provisionen an diesen ausbezahlt hat. Mit anderen Worten war er der
Haupttreiber dieser Praktiken. Er handelte ohne Weiteres direktvorsätzlich
Demgegenüber ist hinsichtlich des Beschuldigten A._ festzuhalten, dass die-
ser die Handlungen des Beschuldigten B._ mitgetragen hat, ohne aber sel-
ber nach aussen hin aktiv zu werden. Es ist zu seinen Gunsten von einem even-
tualvorsätzlichen Handeln auszugehen.
Dass die D._ AG bzw. deren Inhaber in finanzieller Not gewesen wären, ist
nicht ersichtlich und bei der Vermeidung von Steuern ohnehin nicht relevant, zu-
mal diese nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bemessen werden.
- 24 -
2.4 Insgesamt ist das Tatverschulden betreffend den Beschuldigten B._ als
gerade noch leicht zu bezeichnen, wobei die von der Vorinstanz festgesetzte
Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen angemessen erscheint.
In Bezug auf den Beschuldigten A._ erscheint das Tatverschulden aufgrund
der bloss eventualvorsätzlichen Begehung und dessen weniger aktiven Rolle im
Tatgeschehen noch leicht. Es rechtfertigt sich, eine Einsatzstrafe von
100 Tagessätzen festzusetzen.
2.5 Mit der Vorinstanz (SB190505/Urk. 31 S. 41) erscheint es angezeigt, in Be-
zug auf den Beschuldigten B._ die Einsatzstrafe für den ebenfalls mehrfa-
chen Steuerbetrug im Sinne von Art. 186 Abs. 1 DBG um 40 Tagessätze zu erhö-
hen. Die Einsatzstrafe erhöht sich damit auf 160 Tagessätze.
In Bezug auf den Beschuldigten A._ rechtfertigt sich wiederum aufgrund
dessen leicht untergeordneter Rolle bloss eine Asperation um 20 Tagessätze
vorzunehmen. Die Einsatzstrafe erhöht sich damit auf 120 Tagessätze.
3.1 Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten B._ ist auf
die entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen (SB190505/
Urk. 31 S. 41 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung aktualisierte er mittlerweile
in eine neue Eigentumswohnung umgezogen zu sein. Im Übrigen bestätigte er die
bekannten Informationen als zutreffend (Urk. 52 S. 2 f.). Es sind daraus keine
strafzumessungsrelevanten Faktoren zu erkennen. Vorstrafen hat der Beschuldig-
te B._ nicht (SB190505/Urk. 32), was indessen bloss
strafzumessungsneutral zu werten ist (BGE 136 IV 1). Mit der Vorinstanz ist auf-
grund der Täterkomponente keine Anpassung der Einsatzstrafe vorzunehmen
(SB190505/Urk. 31 S. 42).
Der Beschuldigte B._ ist demnach mit einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen
zu bestrafen.
3.2 Auch hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten A._
ist auf die entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 34
S. 41 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung aktualisierte er, seit März 2020
- 25 -
seine Arbeitszeit aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit reduziert zu haben, wobei
derzeit geplant sei, dass er im Februar 2021 operiert werde und er nach der Reha
baldmöglichst wieder Vollzeit zur Arbeit zurückkehren wolle. Im Übrigen bestätigte
er die bekannten Informationen als zutreffend (Urk. 53 S. 2). Es sind daraus keine
strafzumessungsrelevanten Faktoren zu erkennen. Vorstrafen hat der Beschuldig-
te B._ nicht (Urk. 35), was indessen bloss strafzumessungsneutral zu werten
ist (BGE 136 IV 1). Mit der Vorinstanz ist aufgrund der Täterkomponente keine
Anpassung der Einsatzstrafe vorzunehmen (Urk. 34 S. 42).
3.3.1 Die Verteidigung des Beschuldigten A._ rügt eine Rechtsverzögerung,
da das vorinstanzliche Urteil vom 20. März 2019 erst am 22. Oktober 2019 und
somit nach 7 Monaten begründet zugestellt worden sei (Urk. 36 S. 4 f.; Urk. 56
S. 12).
3.3.2 Muss das Gericht das Urteil begründen, so stellt es innert 60 Tagen, aus-
nahmsweise 90 Tagen, der beschuldigten Person und der Staatsanwaltschaft das
vollständige begründete Urteil zu (Art. 84 Abs. 4 StPO). Dabei handelt es sich um
Ordnungsfristen, welche das Beschleunigungsgebot konkretisieren. Ihre Nichtein-
haltung kann ein Indiz für eine Verletzung des Beschleunigungsgebots sein. Eine
Sanktion drängt sich dabei aber ohnehin nur auf, wenn eine von der Strafbehörde
zu verantwortende krasse Zeitlücke zu Tage tritt. Dazu genügt es nicht, dass
diese oder jene Handlung etwas rascher hätte vorgenommen werden können
(BGer Urteil 6B_176/2017 vom 24. April 2017, E. 2.1).
3.3.4 Eine solche Zeitlücke bringt die Verteidigung in keiner Weise substantiiert
vor. Es wird vielmehr pauschal auf BGE 143 IV 373, E.1.4.1 verwiesen, gemäss
welchem eine Verletzung des Beschleunigungsgebots zu einer Strafreduktion füh-
ren kann (Urk. 36 S. 4 f.). Inwiefern die Vorinstanz bei der Redaktion ihrer Urteils-
begründung nicht erklärbar und ungerechtfertigt untätig gewesen sei, vermag die
Verteidigung nicht darzutun und ist angesichts der Komplexität von immerhin zwei
parallelen Verfahren auch nicht ersichtlich.
3.4 Der Beschuldigte A._ ist demnach mit einer Geldstrafe von 120 Tages-
sätzen zu bestrafen.
- 26 -
4. Die Vorinstanz hat die Tagessatzhöhe bei beiden Beschuldigten auf
CHF 110.– festgelegt. Es wird hierzu auf die zutreffenden Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen (Urk. 34 S. 44; SB190505/Urk. 31 S. 44), welchen gefolgt
werden kann.
5. Ebenfalls ist die jeweils entstandene Haft den Beschuldigten an ihre Strafe
anzurechnen (Art. 51 StGB). Beim Beschuldigten B._ sind dies 21 Tage;
beim Beschuldigten A._ 3 Tage.
6. Weiter hat die Vorinstanz die Beschuldigten je mit einer zu bezahlenden
Verbindungsbusse in Höhe von Fr. 3'200.– bestraft. Hinsichtlich der Voraus-
setzungen einer Verbindungsbusse kann auch diesbezüglich auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 34 S. 46). Die beiden
Beschuldigten sind nicht vorbestraft. Das vorliegende Verfahren, die bedingte
Geldstrafe, die erstandene Untersuchungshaft und die von ihnen zu tragenden
Kosten (vgl. dazu E. VI) werden bei beiden Beschuldigten eine ausreichende
Warnwirkung entfalten, so dass es nicht notwendig erscheint, zusätzlich zur
auszusprechenden Geldstrafe noch eine Verbindungsbusse auszufällen. Davon
ist entsprechend abzusehen.
7. Zusammenfassend ist somit der Beschuldigte B._ mit einer Geldstrafe
von 160 Tagessätzen à Fr. 110.–, wovon 21 Tage durch Haft erstanden sind. Der
Beschuldigte A._ ist mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à Fr. 110.–,
wovon 3 Tage durch Haft erstanden sind.
V. Vollzug
Die Vorinstanz gewährte beiden Beschuldigten den bedingten Vollzug unter
Ansetzung der gesetzlich minimalen Probezeit von zwei Jahren (Art. 44 Abs. 1
StGB). Dies ist aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO)
ohne Weiteres bei beiden Beschuldigten zu bestätigen.
- 27 -
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist in beiden Verfahren die vorinstanzliche Kosten- und
Entschädigungsregelung zu bestätigen.
2.1 Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist für das vereinigte Verfah-
ren und somit für beide Beschuldigte auf gesamthaft CHF 5'000.– festzusetzen
(Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 GebV OG).
2.2 Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Kosten des
Berufungsverfahrens – ausgenommen jene der amtlichen Verteidigung des
Beschuldigten A._ – sind den Beschuldigten entsprechend je zur Hälfte
aufzuerlegen, zumal sie mit ihren Berufungsanträgen – abgesehen von einer
geringen Strafreduktion betreffend den Beschuldigten A._ sowie dem
Verzicht auf eine Verbindungsbusse, was keine Auswirkungen auf die Kosten-
verteilung hat – vollumfänglich unterliegen.
3.1 Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten A._ ist für seine Be-
mühungen pauschal mit CHF 6'000.– aus der Gerichtskasse zu entschädigen,
womit ihm eine Entschädigung im Bereich der von ihm beantragten Höhe aus-
gerichtet wird (vgl. Urk. 50 und 57). Die Kosten der amtlichen Verteidigung des
Beschuldigten A._ sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Vorbehalten bleibt eine Rückforderung beim Beschuldigten A._ im Sinne
von Art. 135 Abs. 4 StPO.
3.2 Im Übrigen haben die Beschuldigten bei diesem Ausgang des Verfahrens
keinen Anspruch auf eine Entschädigung.