Decision ID: 6e113b80-a9af-5f94-bc3b-8e3994540c62
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Q._ verstarb am 12. Oktober 2019. Am 6. Januar 2020 ersuchte sein Sohn K._ das
Spital Y._ um Zustellung der Krankenakten betreffend den Aufenthalt des
Verstorbenen in der Palliativabteilung des Spitals für die Zeit vom 19. und
20. September 2019 an seinen Rechtsvertreter Dr. Silvio Hänsenberger. Zur
Begründung hielt er fest, der Verstorbene habe am 20. September 2019 ein Testament
A.a.
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B.
verfasst; zu dieser Zeit sei er auf der Palliativabteilung mit starken
Schmerzmedikamenten behandelt worden. Mit Schreiben vom 22. Januar 2020
ersuchten Dr. med. A._, Dr. med. B._, Dr. med. C._, Dr. med. D._, Dr. med. E._,
Dr. med. F._ sowie Dr. med. G._ (nachstehend: Gesuchstellende) das
Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen (GD), sie und ihre Hilfspersonen in
Bezug auf die Behandlungsakten von Q._ in der Spitalregion X._ betreffend den
Zeitraum vom 15. September bis 6. Oktober 2019 gegenüber K._ und dessen
Rechtsvertreter Dr. Hänsenberger sowie dem Fachbereich Finanzen, Abteilung
Patientenadministration Spitalregion X._, vom ärztlichen Berufsgeheimnis zu
entbinden (act. G 9/1). Am 9. April 2020 gab das GD R._, S._ und P._, als
gesetzliche Erben bzw. eingesetzte Vorerben des Verstorbenen Q._, Gelegenheit, zum
Antrag der Gesuchstellenden sich zu äussern (act. G 9/7).
In der Stellungnahme vom 24. April 2020 beantragte Rechtsanwalt Dr. Werner Ritter,
Widnau, für R._ und S._ die Abweisung des Gesuchs mit der Begründung, die
Anfrage von K._ an das Spital Y._ sei ungenügend substantiiert und vermöge
gegenüber dem ärztlichen Berufsgeheimnis kein überwiegendes Interesse zu
begründen (act. G 9/8). Rechtsanwalt Thomas Eisenring teilte als Rechtsvertreter von
P._ dem GD am 24. April 2020 mit, seine Mandantin habe keine Einwendungen gegen
eine Befreiung der Gesuchstellenden vom ärztlichen Berufsgeheimnis (act. G 9/9). Mit
Verfügung vom 27. Mai 2020 ermächtigte das GD die Gesuchstellenden und ihre
Hilfspersonen, K._ und seinem Rechtsvertreter Dr. Hänsenberger sowie dem
Fachbereich Finanzen, Abteilung Patientenadministration, Spitalregion X._, betreffend
den 20. September 2019 und - falls erforderlich - den 19. September 2019 Auskunft
über Art der Medikation von Q._, über mögliche Auswirkungen von solchen
Medikamenten auf die Urteilsfähigkeit sowie Anhaltspunkte zur Urteilsfähigkeit im
Allgemeinen zu erteilen (act. G 2).
A.b.
Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Ritter für R._ und S._ mit Eingabe vom
11. Juni 2020 (act. G 1) Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den
Rechtsbegehren, die Verfügung sei aufzuheben (Ziffer 1) und das Gesuch um
Entbindung vom ärztlichen Berufsgeheimnis abzuweisen (Ziffer 2); alles unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Gesuchstellers K._, eventualiter des
Kantons St. Gallen oder der Spitalregion X._ (Ziffer 3). In der Beschwerdeergänzung
vom 17. August 2020 bestätigte und begründete Rechtsanwalt Ritter die gestellten
B.a.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführer
sind als Empfänger der angefochtenen Verfügung und - soweit ersichtlich - aufgrund
ihrer erbrechtlichen Stellung im Nachlass Q._ sel. zur Beschwerdeerhebung legitimiert
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom
11. Juni 2020 (act. G 1) rechtzeitig erhoben und am 17. August 2020 (act. G 8)
begründet. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht können Rechtsverletzungen geltend
gemacht werden. Die Beschwerdeführer können sich auch darauf berufen, die
angefochtene Verfügung beruhe auf einem unrichtig oder unvollständig festgestellten
Sachverhalt (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Soweit die Vorinstanz des Verwaltungsgerichts
keine richterliche Behörde ist, garantiert Art. 6 Ziff. 1 EMRK in ihrem
Anwendungsbereich eine richterliche Überprüfung mit voller Kognition. Das
Verwaltungsgericht verfügt daher vorliegend - als erste gerichtliche Instanz - über volle
Kognition in dem Sinn, dass es über alle erheblichen Tatsachen- und Rechtsfragen
entscheiden und Ermessensentscheidungen auf Rechtsfehler überprüfen kann
Anträge; Antrag Ziffer 3 ergänzte er insoweit, als er die Zusprechung von Barauslagen
und Mehrwertsteuer beantragte (act. G 8).
In der Vernehmlassung vom 10. September 2020 beantragte die Vorinstanz Abweisung
der Beschwerde unter Kostenfolge. Zur Begründung verwies sie auf die Ausführungen
in der angefochtenen Verfügung und äusserte sich zu den Vorbringen in der
Beschwerde (act. G 11). Die Beschwerdegegner 1-10 verzichteten stillschweigend auf
eine Stellungnahme zur Beschwerde und zur Vernehmlassung der Vorinstanz (act. G
14). In der Stellungnahme vom 30. Oktober 2020 bestätigte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführer ihren Standpunkt (act. G 15). Die Vorinstanz gab am 13. November
2020 ihren Verzicht auf eine weitere Eingabe bekannt (act. G 17). Die
Beschwerdegegner 1-10 verzichteten auf eine Eingabe.
B.b.
Auf die Vorbringen in den Eingaben des vorliegenden Verfahrens wird, soweit für den
Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.c.
bis
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(VerwGE B 2019/41 vom 16. Dezember 2019 E. 1 m.H. auf Meyer-Ladewig/Harrendorf/
König, in: Meyer-Ladewig/Nettesheim/von Raumer [Hrsg.], EMRK Handkommentar,
4. Aufl. 2017, Rz. 16 und 35 zu Art. 6 EMRK).
2.
Nach Art. 40 Ingress und lit. f des Bundesgesetzes über die universitären
Medizinalberufe (Medizinalberufegesetz; SR 811.11, MedBG) wahren Personen, die
einen universitären Medizinalberuf selbständig ausüben, das Berufsgeheimnis nach
Massgabe der einschlägigen Vorschriften. Die unselbständige Berufsausübung richtet
sich gemäss Art. 44 Abs. 2 Satz 3 des Gesundheitsgesetzes (sGS 311.1, GesG) nach
der Bundesgesetzgebung über die Medizinalberufe für die selbständige
Berufsausübung. Art. 40 Ingress und lit. f MedBG umschreibt den Begriff des
Berufsgeheimnisses mittels eines dynamischen Verweises auf die geltende Schweizer
Rechtsordnung (vgl. B. Etter, Medizinalberufegesetz, Stämpflis Handkommentar, Bern
2006, Rz. 38 zu Art. 40 MedBG; Sprumont/Guinchard/Schorno, in: Ayer/Kieser/
Poledna/Sprumont [Hrsg.], Medizinalberufegesetz, Kommentar, Basel 2009, Rz. 77 zu
Art. 40 MedBG). Der Verweis bezieht sich in erster Linie auf das strafrechtlich
geschützte Berufsgeheimnis gemäss Art. 321 des Schweizerischen Strafgesetzbuches
(SR 311.0, StGB; vgl. Botschaft zum MedBG, in: BBl 2005 S. 173 ff., S. 229). Zu
beachten sind aber auch das Datenschutzrecht sowie der privatrechtliche Schutz der
Persönlichkeit des Patienten (Art. 28 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210)
und die Verschwiegenheits- und Geheimhaltungspflicht des Beauftragten (Art. 398 Abs.
2 des Schweizerischen Obligationenrechts, SR 220). Gemäss Lehre und
Rechtsprechung endet die Verschwiegenheitspflicht des Arztes grundsätzlich nicht mit
dem Tod des Patienten. Das Arztgeheimnis ist somit auch gegenüber den Erben und
den Angehörigen zu wahren (vgl. Trechsel/Vest, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.],
Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N. 28 zu Art. 321
StGB). Dadurch soll gewährleistet werden, dass der Patient zu Lebzeiten vorbehaltlos
mit seinem Arzt über Themen kommunizieren kann, von denen er nicht will, dass seine
Angehörigen nach seinem Tod davon erfahren (BGer 2C_37/2018 vom 15. August 2018
E. 6.2.3).
Die Vorinstanz beaufsichtigt die Tätigkeit von Ärzten und Ärztinnen (Art. 41 Abs. 1
MedBG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 lit. b GesG). Gemäss Art. 321 Ziff. 2 StGB ist eine Befreiung
eines Geheimnisträgers von der Geheimnispflicht mit Bewilligung der zuständigen
Behörde (i.c. GD) zulässig. Diese Bestimmung nennt selber keine Kriterien, nach denen
2.1.
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die Bewilligung erteilt oder verweigert werden soll. Es ist dafür eine Rechtsgüter- und
Interessenabwägung vorzunehmen, wobei die Entbindung nur dann zu bewilligen ist,
wenn dies zur Wahrung überwiegender privater oder öffentlicher Interessen notwendig
ist. Dabei vermag nur ein klar überwiegendes öffentliches oder privates Interesse die
Befreiung vom Berufsgeheimnis zu rechtfertigen (vgl. BGer 2C_270/2018 vom 15. März
2019 m.H. auf BGer 2C_37/2018 a.a.O. E. 6.4.2; 2C_1035/2016 vom 20. Juli 2017 E.
4.2.2; 2C_215/2015 vom 16. Juni 2016 E. 5.1). Vorbehalten bleiben die
eidgenössischen und kantonalen Bestimmungen über die Zeugnispflicht und über die
Auskunftspflicht gegenüber einer Behörde (Art. 321 Ziff. 3 StGB).
Die Beschwerdegegner 1-7 erfüllen die persönlichen Voraussetzungen, um das
Sonderdelikt von Art. 321 StGB zu begehen. An der Unterstellung unter Art. 321 StGB
ändert nichts, dass sie ihren Beruf als Angestellte einer öffentlichen Einrichtung
ausüben (vgl. Trechsel/Vest, a.a.O., N. 9 zu Art. 321 StGB; BGer 2C_361/2012 vom
19. September 2012 E. 2.3). Dieser Umstand wirkt sich einzig dahingehend aus, dass
für eine Entbindung vom Arztgeheimnis (im Sinn von Art. 321 Ziff. 2 StGB) nicht wie in
Art. 6 GesG vorgesehen der Gesundheitsrat, sondern gestützt auf Art. 3 GesG das GD
bzw. der Leiter Rechtsdienst (Anhang 8 der Ermächtigungsverordnung, sGS 141.41)
zuständig ist.
Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, über das Interesse des
verstorbenen Q._ könne nur gemutmasst werden. Zum einen könnte ein Interesse am
Erhalt der Verfügung und der Durchsetzung seines Willens bestehen, zum anderen sei
aber auch denkbar, dass die Verfügung bei Urteilsunfähigkeit gar nicht seinem
tatsächlichen Willen entsprochen habe. Da die mutmassliche Interessenlage des
Verstorbenen von seiner Urteilsfähigkeit zum Zeitpunkt der Erstellung der letztwilligen
Verfügung abhänge, müsse sie an dieser Stelle offenbleiben und könne nicht für oder
gegen eine Entbindung gewertet werden. Das Interesse der durch die letztwillige
Verfügung begünstigen Beschwerdeführer am Erhalt der Vermutung der Urteilsfähigkeit
des Verstorbenen sei offensichtlich. Auch sei zu bedenken, dass das Berufsgeheimnis
an sich schon ein gewichtiges Rechtsgut darstelle. Demgegenüber stehe das Interesse
des Beschwerdegegners 8, die Umstände, unter denen die letztwillige Verfügung vom
Verstorbenen erstellt worden sei, zu untersuchen und allenfalls Rechte geltend zu
machen. Das Interesse an der Ermittlung der materiellen Wahrheit überwiege dasjenige
an der Wahrung des Berufsgeheimnisses dann nicht, wenn die durch das
Berufsgeheimnis geschützten Informationen keinen offensichtlichen Zusammenhang
zur Geltendmachung von Rechten aufweise. Anders verhalte es sich im vorliegenden
2.2.
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3.
Sachverhalt. Aus den wenigen Ausführungen des Beschwerdegegners 8 sei ersichtlich,
dass er Gewissheit über die Urteilsfähigkeit des Verstorbenen im Zeitpunkt der
Erstellung der letztwilligen Verfügung erhalten möchte, um allenfalls deren Gültigkeit
anfechten zu können. Durch die Medikation des Verstorbenen am 19. und
20. September 2019 seien zumindest Anhaltspunkte für Zweifel an seiner
Urteilsfähigkeit gegeben. Die Auskünfte der Gesuchsteller seien zentral, um das
(damalige) Bestehen der Urteilsfähigkeit feststellen zu können. Insgesamt überwiege
das Interesse an einer Entbindung daher dasjenige am Erhalt des Berufsgeheimnisses.
Inwieweit Auskunft gegeben werden solle, bestimme die zuständige Behörde. Eine
Befreiung von der Geheimnispflicht solle nur soweit gehen, als es im konkreten Fall
notwendig sei (act. G 2 S. 3 f.).
Die Beschwerdeführer bringen hiergegen unter Verweis auf BGer 2C_1035/2016 vom
20. Juli 2017, E. 4.2.3, im Wesentlichen vor, ein überwiegendes Interesse des
Beschwerdegegners 8 (Gesuchsteller) an den Auskünften der Ärzte der Spitalregion
X._, welche den Vater des Beschwerdegegners 8 vor seinem Tod behandelt hätten,
und an einer Einsichtnahme in dessen Krankenakten sei nicht dargetan. Die von der
Vorinstanz angeführten Argumente würden nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung keine Entbindung vom Berufsgeheimnis rechtfertigen. Vielmehr hätte
der Gesuchsteller (Beschwerdegegner 8) im Rahmen eines zivilrechtlichen Erbstreits
eine Einvernahme der Ärzte als Zeugen zu beantragen. Erstaunlich sei, dass sich die
Vorinstanz nicht mit der einschlägigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung
auseinandersetze. Die Voraussetzungen für eine Entbindung vom Berufsgeheimnis
seien vorliegend nicht erfüllt (act. G 8). Eine Beweiserhebung in einem Zivilverfahren sei
gemäss der erwähnten Rechtsprechung vom zuständigen Zivilgericht und nicht von
den Verfahrensbeteiligten durchzuführen. Weiter sei zu berücksichtigen, dass allein die
Kenntnis der verabreichten Medikamente und ihre Wirkung nicht genüge, um die
Urteilsfähigkeit im Zeitpunkt der Testamentserstellung zu beurteilen. Vielmehr komme
es auf die gesamte gesundheitliche Verfassung der Person an und darauf, wie die
Medikamente bei ihr konkret gewirkt hätten (act. 15).
2.3.
Wie vorstehend in E. 2.1 dargelegt, unterliegen die von den Ärzten der Spitalregion X._
über den verstorbenen Vater des Beschwerdegegners 8 anlässlich seines Aufenthalts
im Spital Y._ angelegten Krankenakten weiterhin dem Schutz des Arztgeheimnisses.
In seinem Gesuch vom 6. Januar 2020 (vgl. act. G 2 S. 1 unten) verwies der
3.1.
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Beschwerdegegner 8 auf die Behandlung seines Vaters mit starken Schmerzmitteln im
Rahmen des Spitalaufenthalts und hielt fest, dieser habe am 20. September 2019 ein
Testament verfasst. Wegen Unklarheiten im Testament sei sein Rechtsanwalt darauf
angewiesen, Einsicht in die Krankendaten (Zeitpunkte der eingenommenen
Medikamente, geistige Verfassung, usw.) seines Vaters während des Aufenthalts in der
Palliativabteilung, insbesondere in diejenigen vom 19. und 20. September 2019, zu
erhalten (act. G 9/4). Im Verwaltungsverfahren äusserte sich der Beschwerdegegner 8
nicht weiter zu den Hintergründen seines Gesuchs. Auch im vorliegenden
Beschwerdeverfahren verzichtete sein Rechtsvertreter gänzlich auf eine Stellungnahme
(vgl. act. G 14). Es ist somit davon auszugehen, dass das Interesse des
Beschwerdegegners 8 an der Bekanntgabe von Informationen aus der
Krankengeschichte seines Vaters im Wesentlichen erbrechtlicher Natur ist. Die
Hintergründe bzw. die Antwort auf die Frage, ob - und wenn ja inwiefern - die von den
Ärzten zu liefernden Informationen für die Klärung erbrechtlicher Fragen von
wesentlicher Bedeutung sind, blieben indes offen. Nach der oben angeführten
Rechtsprechung wäre es bei der geschilderten Ausgangslage naheliegend, dass der
Beschwerdegegner 8 bzw. dessen Rechtsvertreter eine Zeugeneinvernahme der Ärzte
des verstorbenen Vaters im Rahmen des zivilrechtlichen Erbstreits beantragt hätte.
Diese wiederum wären dann als Zeugen grundsätzlich zur Mitwirkung verpflichtet
(vgl. Art. 160 Abs. 1 lit. a ZPO) und müssten in diesem Rahmen ein Gesuch um
Entbindung von der Geheimhaltungspflicht einreichen (vgl. BGer 2C_1035/2016 a.a.O.,
E. 4.2.3 m.H. auf Art. 166 Abs. 1 lit. b ZPO; BGer 2C_215/2015 vom 16. Juni 2016 E. 3
[in BGE 142 II 256 nicht publizierte Erwägung]). Hierbei wäre es Sache des zuständigen
Zivilgerichts, die Rechtserheblichkeit der ärztlichen Aussagen bzw. deren Relevanz für
das Verfahren (vgl. Art. 150 Abs. 1 ZPO) zu klären.
Zum Einwand der Vorinstanz, dass konkret die vorstehend angeführte Rechtsprechung
nicht einschlägig sei, da die betreffenden Ärzte selber (und nicht andere Personen)
Gesuchsteller für die Entbindung von der Schweigepflicht seien und eine
Zeugenaussage vor einem Gericht nicht Verfahrensgegenstand sei (act. G 11), ist
folgendes festzuhalten: Der Umstand, dass die Ärzte beim GD ein Entbindungsgesuch
stellten, war insofern Folge des vorangehenden Verfahrens, als dem ärztlichen
Entbindungsgesuch das Gesuch des Beschwerdegegners 8 um ärztliche Auskunft und
Akteneinsicht zeitlich vorausgegangen war und entsprechend sachlicher Anlass für das
spätere ärztliche Entbindungsgesuch gebildet hatte. Aus diesem Ablauf lässt sich für
die Beantwortung der Frage, ob die Entbindung vom Berufsgeheimnis zu erteilen ist
oder nicht, kein qualitativer Unterschied zum Sachverhalt gemäss BGer 2C_1035/2016
3.2.
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ableiten, wo die Gesuchsteller (Privatpersonen) direkt beim zuständigen Amt ein
Gesuch um Entbindung von Ärzten von der diese treffenden Schweigepflicht
eingereicht hatten. Ohne Begründung blieb der von der Vorinstanz vertretene
Standpunkt, dass sich BGer 2C_1035/2016 a.a.O. E. 4.2.3 lediglich auf den Fall
beziehe, in welchem sich der Geheimnisträger weigere, ein Entbindungsgesuch
einzureichen. Ein nachvollziehbarer Grund, aus welchem das Urteil BGer
2C_1035/2016 für den vorliegenden Sachverhalt nicht zu beachten wäre, wird weder
geltend gemacht noch ist ein solcher erkennbar. Zu dem weiteren Einwand der
Vorinstanz, dass eine Zeugenaussage vor einem Gericht konkret nicht
Verfahrensgegenstand sei (act. G 11), ist festzuhalten, dass ohne einen
Zusammenhang zu einem hängigen zivilrechtlichen Verfahren sich die erbrechtliche
Relevanz von Informationen über den Gesundheitszustand von Erblassern nur abstrakt
beurteilen lässt (so explizit BGer 2C_1035/2016 a.a.O. E. 4.2.3 Mitte). Ob die
Informationen, über welche die von ihrer Schweigepflicht zu entbindenden Ärzte
Auskunft geben sollen, für den Ausgang eines erbrechtlichen Verfahrens tatsächlich
von zentraler Bedeutung sind, vermag der Beschwerdegegner 8 in seinem Gesuch wie
ausgeführt nicht überzeugend darzutun. Die blosse Möglichkeit einer Ungültigkeit des
Testaments wegen vermuteter Urteilsunfähigkeit des Testierenden im Zeitpunkt der
Testamentserstellung bzw. die pauschal-allgemeingültige Feststellung, dass
Medikamente die Urteilsfähigkeit einer Person beeinflussen können (vgl. act. G 11 S. 2),
genügt als Grund nicht, um behandelnde Ärzte von ihrer Schweigepflicht zu entbinden.
Hinzu kommt, dass der Beweiswert von Aussagen, welche die Ärzte gegenüber dem
Beschwerdegegner 8 bzw. dessen Rechtsvertreter machen und in der Folge von
diesem gegebenenfalls in einen Zivilprozess eingeführt werden müssten, im Vergleich
zu einer direkten Zeugeneinvernahme der Ärzte vor dem urteilenden Zivilgericht als
eher gering eingeschätzt wird (BGer 2C_1035/2016 a.a.O., E. 4.2.3).
Unter den dargelegten Umständen ist das Interesse des Beschwerdegegners 8 an
einer Einsichtnahme und Bekanntgabe von Informationen aus den Krankenakten seines
verstorbenen Vaters nicht zureichend dargetan. Hieran vermag der Umstand, dass es
sich um Informationen betreffend einen beschränkten Zeitraum (von einem oder zwei
Tagen) handelt, nichts zu ändern. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz (act. G 11 S.
2) ist im Anwendungsbereich der vorerwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung
für eine Entbindung vom Berufsgeheimnis nicht in jedem Fall ein hängiges
Zivilverfahren verlangt, sondern vorab dann, wenn der Gesuchsteller sein Interesse -
wie vorliegend und auch gemäss Sachverhalt in BGer 1C_1035/2016 - nicht zureichend
darlegt bzw. nicht überzeugend zu begründen vermag. Das Interesse an der Ermittlung
3.3.
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4.