Decision ID: 94ec8a3e-6ece-4ab5-9ae7-9f2f6bd5e189
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1973 geborene
X._
, Mutter zweier in den Jah
ren 1999 und 2002 geborener Kinder,
war
vom 17. Ju
li 2000 bis 31. Juli
2014 bei
Y._
als Grafikerin
in einem 80
%-Pensum
angestellt, zuletzt als Artdirektorin.
Für den Monat August 2014 wurde sie noch in einem befristeten Stundenlohnarbeitsverhältnis angestellt, um die Übergabe
nach ihrer Kündigung
gewährleisten zu können
(Urk. 9/A54-55
und Urk. 9/A37
S. 2
, vgl. auch Urk. 10/M26 S. 11 f.
)
. Für eine berufliche Neuorientierung nahm die Versi
cherte vom 1. September bis am 31. Dezember 2014 eine befristete Praktikums
stelle als Grafikerin
bei der
Z._
an
(Urk. 9/A1)
. Über beide Arbeitgeber war sie
bei der
AXA
Versicherungen AG (kurz: AXA
)
obliga
torisch gegen die Folgen von Unfällen versichert.
Am 10. November 2014 mel
dete die
Z._
, die Versicherte sei am 7. September 2014 bei der Pilzsuche im Wald von einer Zecke gebissen worden
und habe eine
FSME
(eine
Frühsommer-
Meningoenzephalitis
) erlitten (Urk. 9/A1
; vgl. auch
die Unfallmeldung von
Y._
vom 18. Juni 2015
mit einem Unfalldatum im August 2014
[
Urk. 9/A54
]
).
Nach Auftreten der typischen Symptome wurde
die Diagnose
FSME
am 29. September 2014
nach
einer
Lum
balpunktion am
Institut für Medizinische Vir
ologie des A._
erstmals gestellt
(Urk. 10/M23
; vgl. darüber hinaus
Urk. 10/M12-M15
).
Vom 29. September bis 8. Oktober 2014 befand sich die Versicherte im
B._
in stationärer Behandlung
(vgl. den Austrittsbe
richt vom 10. Oktober 2014
, Urk. 10
/M1)
, vom 17. Oktober bis 3. Dezember 2014 in der
C._
zur station
ären Neurorehabilitation (Urk. 10
/M2). Es wurde ihr eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Die AXA
kam für die Heilkosten auf und erbrac
hte Taggeldleistungen (Urk. 9/A21
).
Es erfolgten wei
tere Behandlungen, unter anderem ein neur
o
psychologisches Coaching bei
der Psychologin
lic
.
p
hil.
D._
. Ab dem 2
9. Januar 2015 wurde der Versicherten
noch
eine 40%ig
e Arbeitsunfähigkeit attestiert
(
Urk. 9/A37 S. 2,
vgl.
auch
Urk. 10
/M8
und
Urk. 10/M9
).
Im März 2015
absolvierte sie
, unter
stützt durch das RAV
, einen Kurs für höher gestellte Berufsleute
(Urk. 9/A37 S. 3; vgl. auch Urk. 10/M26 S. 9
und S. 12
).
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Innere Medizin,
welcher die Versicherte ab dem 24. Juni 2015 behan
delte,
attestierte
ihr
in seinem Bericht vom 13. Juli 2015 ab Januar 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 10/M17).
In der Folge
liess die
AXA
die Ver
sicherte bei der
F._
interdisziplinär
begutac
hten (Urk. 9/A81; vgl. auch Urk. 9A/84 und Urk. 9A/86-87);
das Gutachten wurde am 19. Januar 2016 erstattet (Urk. 10/M26).
Am 16. März 2016 verfügte die AXA
, ab dem 3. Februar 2016 werde
bis zum 3. August 2016
einzig die psychotherapeutische
Beglei
tung einmal wöchentlich bei
lic
.
p
hil
.
D._
vergütet. Mangels Zweckmässigkeit würden die Leistungen für anderweitige Behandlungskosten per 3. Februar 2016
eingestellt. Sodann würden die Taggeldleistungen ab dem 3. Februar 2016 bis zum 3. März 2016 basierend auf einer Arbeitsfähigkeit im Teilpensum von 25 % und vom 4. März 2016 bis zum 3. April 2016 basierend auf einer Arbeitsfähig
keit im Teilpensum von 50 % ausgerichtet. Per 4. April 2016 würden die Tag
geldleistungen eingestellt. Einer allfälligen Einsprache werde die aufschiebende Wirkung entzogen (Urk. 9/A112).
Dagegen erhob die Versicherte am 6. April 2016 Einsprache (Urk. 9/A120). Ihr Gesuch um Wiederherstellung der aufschie
benden Wirkung
der Einsprache
wurde mit Entscheid vom 19. April 20
16 abgewiesen (Urk. 9/A122). Im Übrigen wurde die
Einsprache mit Entscheid vom 14. November 2016 abgewiesen (Urk. 2 [= Urk. 9/A136]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 15. Dezember 2016 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und das Gutachten sei durch einen unabhängi
gen Facharzt für
Infekti
olog
ie
mit Erfahrungen im Umgang mit FSME-Patienten im Hinblick auf die Beurteilung der Frage der Arbeitsfähigkeit zu ergänzen. Bis zu einer Neubeurteilung der Arbeitsfähigkeit seien die vertraglich vorgesehenen Leistungen (
Heilkosten
und Taggeldleistun
gen) basierend auf der durch den behandelnden Arzt festgestellten Arbeitsunfä
higkeit zu entrichten. Die Beschwerdeführerin beantragte sodann, die bereits geleisteten Taggelder seien rückwirkend per erstmaliger Entrichtung auf Basis des Lohnes zu zahlen, den sie im Vormonat
des
Unfall
s
, im Juli 2015
(richtig: 2014)
, erzielt habe. Eventualiter seien die Taggelder rückwirkend
auszurichten
per erstmaliger Entrichtung
basierend auf einem angemessenen Durchschnitts
lohn, wobei auf den
Lohn des Unfallmonats und der vorangehenden elf Monate abzustellen
sei
(Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss nach erstreckter Frist (Urk. 7)
mit Beschwerdeantwort vom 28. Februar 2017
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1. März 2017 angezeigt wurde (Urk. 11).
3.
Die Beschwerdeführerin meldete sich am
18. Dezember 2014
(Eingangsdatum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (vgl. das parallel laufende Beschwerdeverfahren IV.2017.
01125
). Diese
zog die Akten der AXA
bei und ging gestützt auf die Begutachtung bei der
F._
von einer 80%igen Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin seit der Begutachtung aus (
IV.2017.
01125, Urk. 7/41/10 und Urk. 7/53).
Mit Verfügung vom
14. September 2017
verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invali
denversicherung. Die dagegen von der Beschwerdeführerin am
13
. Oktober 2017
b
eim hiesigen Gericht eingereichte Beschwerde wurde mit heutigem Urteil
abgewiesen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallver
sicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich
im
Sommer/Herbst
2014
ereignet, wes
halb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
1.2.1
Zunächst
ist auf den Antrag der Beschwerdeführerin, die Taggeldleistungen sei
en rückwirkend anzupassen,
einzugehen.
1.2
.2
Gemäss Telefongesprächsnotiz der Beschwerdegegnerin vom 30. Dezember 2014
wurde
dem Ehemann der Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass nicht der Lohn beim
Y._
, sondern der Praktikumslohn (bei
der
Z._
) massgebend sei und die Taggelder an den gesetzlichen Praktikumslohn von mindestens Fr. 25'258.-- angepasst würden (Urk. 9/A14 B1; vgl. auch die Telefongesprächsnotiz vom 5. März 2015 [Urk. 9/A30]).
Mit Schreiben vom 22. Mai 2015 und Vollmacht vom 19.
Mai 2015 wies sich Rechtsanwalt Franco Achille
Faoro
als Rechts
vertreter der Beschwerdeführerin
im
V
erwaltungsver
fahren aus (
Urk.
9/A46-47).
Die Beschwerdegegnerin erliess am 2. Juli 2015 eine Taggeldabrechnung und
zeigte der Beschwerdeführerin
damit
an, dass für die Berechnung der Taggeldleistungen
neu
e
in Jahreslohn von Fr.
67'896.-- massgebend sei
(Taggeld von Fr. 148.82 bei 80 %)
, was auch zu einer rückwir
kenden Anpassung der Taggeldleistungen führ
e (Urk.
9/A58 B1).
In der Verfü
gung vom 16. März 2016 ging die Beschwerdegegnerin nicht erneut auf die Höhe der Taggeldansätze ein, sondern
darauf, ob – abhängig von einer
Arbeits
unfähigkeit
in Prozentzahlen ausgedrückt – ein Anspruch auf
Taggeldleistungen
bestehe
(Urk. 9/A112). Am
31. März 2016 erkundigte sich
der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
telefonisch
bei der Beschwerdegegnerin, welcher Lohn bei der Berechnung der Taggeldleistungen berücksichtigt worden sei. Daraufhin wurde ihm erläutert, dass der Lohn des Monats August 2014 beziehungsweise ein hochgerechneter Jahreslohn von Fr. 67'986.-- als Berechnungsbasis diene
beziehungsweise gedient habe
. Der Rechtsvertreter erklärte sich damit nicht ein
verstanden und stellte in Aussicht,
in seiner
Einsprache
darauf
zurück
zu
kom
men (Urk.
9/A118), was er schliesslich auch tat (Einsprache vom 6. April 2016 [Urk. 9/A120]). Im
Einspracheentscheid
vom 14. November 2016 ging die Beschwerdegegnerin auf den Taggeldansatz ein und gelangte zum Schluss, dass keine Anpassung vorgenommen werde (Urk. 2).
1.
2
.3
Taggelder der Unfallversicherung können in einem formlosen Verf
ahren zuge
sprochen werden (Art.
124
UVV
e
c
ontrario
in Verbindung mit Art. 51 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Der i
m formlosen Verfahren nach Art. 51 Abs.
1 ATSG erlassene Ent
scheid zeichnet sich dadurch a
us, dass er –
allenfal
ls nach einer bestimmten Frist –
in Rechtskraft erwächst. Er kann
dann
nicht mehr angefochten werden
(
Urteil des Bundesgericht
8C_99/2008
vom 26.
November 2008
E. 3.2
mit weite
ren Hinweisen
)
.
Wenn die rechtsuchende Person eine
Taggeldabrechnung der Unfallversicherung
beanstanden will, kann
sie
innert einer
90-tägigen
Prü
fun
gs
- und Überlegungsfrist
eine anfechtbare Verfügung
verlangen, gerechnet ab Eröffnung des formlosen Verwaltungsaktes (Urteil des Bundesgerichts 8C_14/2011 vom 13. April 2011 E. 5 mit weiteren Hinweisen).
1.2.4
Sinngemäss verlangte d
ie Beschwerdeführerin
erst
mit der Einsprache vom 6. April 2016 (Urk. 9/A120) eine anfechtbare Verfügung
betreffend die
Höhe des Taggeldansatzes
;
i
m Telefongespräch vom 31. März 2016 kündigte ihr Rechts
vertreter bloss an, in der Einsprache auf diese Thematik zurückzukommen
,
eine anfechtbare Verfügung wurde
zu diesem Zeitpunkt
also
noch nicht verlangt.
Die Beschwerdegegnerin äusserte sich erstmals im angefochte
nen
Einspracheent
scheid
vom 14.
November 2016 zur Höhe des Taggeldansatzes, ohne diesbezüg
lich zuvor eine anfechtbare Verfügung erlassen zu haben. Der
Einspracheent
scheid
ist daher in diesem Punkte aufzuheben und die Sache an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen, damit diese vorgängig über die Höhe des Taggeld
ansatzes ein
e anfechtbare Verfügung erlässt, wobei darauf hinzuweisen ist, dass die Beschwerdegegnerin auf den Antrag auf Neuberechnung der Taggelder bloss
insoweit einzutreten hat, als die Geltendmachung nicht verspätet erfolgt
ist
(Beachtung der 90-tägigen Prüfungs- und Überlegungsfrist, E. 1.2.3).
1.3
1.3.1
Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin eine durch einen Zeckenbiss übertragene Infektionskrankheit (FSME) erlitten hat. Den nachfolgenden Erwä
gungen ist deshalb voraus
zuschicken, dass der Zeckenbiss
nach der Rechtspre
chung sämtliche Merkmale des Unfallbegriffs erfüllt, weshalb der obligatorische Unfallversicherer für die damit verbundenen Infektionskrankheiten (
Lyme
-Krankheit, Enzephalitis) und deren Folgen aufzukommen hat (Urteil des Bun
desgerichts 8C_208/2015 vom 17. Juni 2015 E.
3 mit Hinweis auf
BGE
122
V
230 und seitherige En
tscheide). Fraglich bleibt einzig
, ob die weiterhin geklag
ten Beschwerden als Folgen der FSME-Erkrankung anzuerkennen sind.
1.3.2
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1
UVG
).
1.3.3
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüberge
henden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschl
ossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2
UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2.
Oktober 2013 E. 7.2 mit Hin
weis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist
. Die Verwendung des Begriffes „
namhaft" in Art.
19 Abs.
1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art.
10 Abs.
1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen
–
wie etwa einer Badekur
–
zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicher
ten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beur
teilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE
134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_6
39/2014 vom 2. Dezember 2014 E.
3).
Für die Einstellung der vorübergehenden Leistungen braucht der Entscheid der Invalidenversicherung über Eingliederungsmassnahmen nicht abgewartet zu werden, wenn von weiterer ärztlicher Behandlung keine namhafte gesundheitli
che Besserung mehr erwartet werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2013 Urteil vom 16. Januar 2014 E. 3.3) und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass durch allfällige Eingliederungsmassnahmen das de
r Invaliditäts
bemessung der Unfallversicherung
gestützt auf die medizinischen Abklärungen zugrunde gelegte Invalideneinkommen verbessert und so der die Invalidenrente der Unfallversicherung bestimmende Invaliditätsgrad beeinflusst werden kann (vgl. Urteil des Bundesgericht 8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.5).
1.3.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134
V
231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid,
die Gutachter sei
en zusammenfassend zum Schluss gekommen, zum Untersuchungszeitpunkt habe lediglich noch eine leichte somatische Problematik mit Restzustand nach FSME bestanden, einhergehend mit leichten neuropsychologischen
Einschrän
kungen
bei weiterhin auffälligem EEG (
Elektroenzephalogramm
). Eine volle Arbeitsunfähigkeit vermöge diese Symptomatik jedoch nicht zu begründen. Eine schrittweise Erhöhung der Arbeitsfähigkeit auf 80 % innerhalb von zwei Mona
ten sei zumutbar. Das neuropsychologische Coaching sei für weitere sechs Monate indiziert (Urk. 2 S. 2).
Die aktuell erhobenen objektiven Befunde seien nicht geeignet, die weiterhin von der Beschwerdeführerin und von Dr.
E._
pos
tulierte vollständig aufgehobene Leistungsminderung mit erheblicher Erschöp
fung und weitergehender Leistungsintoleranz zu erklären (Urk. 2 S. 8). Die Gut
achter würden die bestehende volle Arbeitsunfähigkeit auf eine psychische Fehlverarbeitung der Beschwerdeführerin zurückführ
en; sie habe
Angst davor, zu scheitern und überfordert zu werden. Dabei werde zunehmend die Angst vor Überforderung zum Problem und nicht die Überforderung selbst (Urk. 2 S. 9).
Die Beschwerdegegnerin gelangte zum Schluss, die Gutachter hätten sich in dif
ferenzierter Weise mit den möglichen gesundheitsverbessernden Massnahmen auseinandergesetzt und nachvollziehbar begründet, weshalb eine schrittweise Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit zur Vermeidung einer Zementierung eines nun vorliegenden Vermeidungsverhaltens zumutbar und notwendig sei. Demgegenüber liessen sämtliche Bericht
e
des behandelnden Arztes eine solche Auseinandersetzung komplett vermissen.
Dem Gutachten komme volle Beweis
kraft zu, da keine hinreichenden Gründe gegen dessen Zuverlässigkeit
sprächen
. Damit sei eine zusätzliche Untersuchung durch einen
Facharzt für
Infektiolog
ie
grundsätzlich obsolet (Urk. 2 S. 10). Ausserdem sei davon auszugehen, dass die Gutachter eine solche Untersuchung veranlasst hätten, wenn sie der Auffassung gewesen wären, es bestehe eine Notwendigkeit (Urk. 2 S. 11).
2.2
Demgegenüber brachte die
Beschwerdeführer
in
im Wesentlichen vor,
es sei notorisch, dass Gutachter dazu neigten, den Blickwinkel ihres Auftraggebers zu übernehmen.
Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb einem wohlbegründeten Beweisantrag auf Ergänzung des Gutachtens partout nicht entsprochen werde. Der behandelnde Dr.
E._
, im konkreten Fall die Kapazität im Zusammenhang mit Zeckeninfekten, habe überdies nicht die Aufgabe, die festgestellten Beschwerden anzuzweifeln, solange sie mit dem objektiv feststellbaren Krank
heitsbild vereinbar seien. Es werde aber ohnehin nicht eine weitere Untersu
chung durch ihn verlangt, sondern durch eine unabhängige Drittperson mit Erfahrung auf dem Gebiet von Hirnschäden, wie sie sich nach FSME-Infektionen entwickeln könn
t
en (Urk. 1 S. 5).
Gemäss Dr.
E._
seien für die Beurteilung der Krankheit Erfahrungen im Umgang mit FSME-Infekten funda
mental. Die beigezogenen Gutachter würden aber nicht über die notwendige Erfahrung verfügen (Urk. 1 S. 6). Eine
psychogene Fehlverarbeitung liege sodann nicht vor, dies sei eine reine Hypothese mit der Absicht, die anlässlich der Begutachtung festgestellten Symptome vom eigentlichen Unfallereignis zu trennen (Urk. 1 S. 7).
3.
3.1
Im Antrag um Kostengutsprache vom 12. Dezember 2014 für eine neuropsycho
logische Therapie im ambulanten Setting der
C._
wurde festgehalten,
bei Austritt aus der Klinik habe noch eine reduzierte kognitive Belastbarkeit vorgelegen, die sich bei erhöhter Anstrengung mit visueller Ermüdbarkeit
bemerkbar gemacht habe. Zudem habe sich eine deutlich schwankende und noch verminderte
konzentrative
Belastbarkeit mit Defiziten im Aufmerksam
keitsbereich (geteilte Aufmerksamkeit) gezeigt. Der Fortbestand dieser Beein
trächtigungen sei im Rahmen des Ersttermins vom 12. Dezember 2014 durch die Beschwerdeführerin bestätigt worden
(Urk. 10/M3).
3.2
Lic
. phil.
D._
hielt in ihrem Zwischenbericht vom 9. April 2015 fest, bei subjektiv und objektiv günstigem Verlauf bestehe eine 60%ige Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/M8).
3.3
Im Bericht des
B._
vom 10. Juli 2015 wurde fest
gehalten, es bestehe seit dem 27. Februar bis voraussichtlich am 30. August 2015 eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Beschwerdeführerin fühle sich sub
jektiv immer wieder erschöpft, emotional instabil, psychisch und körperlich schnell an der
Limite
.
Objektiv bestehe der Verdacht auf ein neurasthenisches Syndrom. Die Beschwerdeführerin versuche intensiv, sich zu stabilisieren; sie weine viel in der Praxis, sei aber nicht depressiv. Es werde eine Behandlung durch Dr.
E._
empfohlen (Urk. 10/M16).
3.4
Dr.
E._
attestierte der Beschwerdeführerin in seinem Bericht vom 13. Juli 2015 ab Januar 2015 bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bei Status nach FSME (Urk. 10/M17). Nach Rückfrage der Beschwerdegegnerin gab er am 15. Juli 2015 zur Auskunft, er habe den folgenden Befund erhoben: Hartspann der zervikalen
Paravertebralmuskulatur
. Die Beschwerdeführerin leide unter starken chronischen Kopfschmerzen und neurofunktionellen Defiziten mit Kon
zentrationsstörungen (Urk. 10/M18).
3.5
Lic
. phil.
D._
führte in ihrem Bericht vom 21. Juli 2015 aus, es gehe in den Gesprächen insbesondere um die umfassende Verarbeitung und Integration der für die Beschwerdeführerin seit letztem Sommer bestehenden multiplen gesundheitlichen Einschränkungen, welche im Verlauf der letzten Monate wie
der deutlicher zum Ausdruck gekommen seien. So zeige sich nebst dem körper
lich und kräftemässig instabilen Zustand auch eine deutlich reduzierte kognitive Belastbarkeit in den neuropsychologischen Aufnahme-, Verarbeitungs- und Umsetzungsprozessen (Urk. 10/M20).
3.6
Lic
. phil.
D._
hielt in ihrem Bericht vom 20. November 2015 fest, seit der letzten Berichterstattung habe sich die Beschwerdeführerin gesundheitlich sowohl körperlich als auch kognitiv bereits deutlich stabilisiert, und sie sei einerseits mit Hilfe konsequenten Bewegungs- und Muskeltrainings kräftemäs
sig belastbarer und bezüglich körperlicher
Anfälligkeiten
deutlich resistenter geworden.
Ebenso habe sie zwischenzeitlich in ihren Aufgaben als Hausfrau und Mutter einen gangbaren Rhythmus etablieren und aufrechterhalten können.
Allerdings sei sie nach wie vor auf ein bewusstes Energie- und Pausenmanage
ment angewiesen. Es komme noch immer zu gelegentlichen, jedoch deutlich weniger häufigen Rückfällen mit kürzeren Erkrankungen. Was andererseits die kognitiven Einschränkungen betreffe, könne die Beschwerdeführerin insbeson
dere im Bereich von Belastbarkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration erfreuli
che Fortschritte verzeichnen. So lägen
die heutigen Inhalte und Schwerpunkte des neuropsychologischen C
oachings bei der weiteren allge
meinen kognitiven Stabilisierung sowie bei der Erarbeitung erfolgreicher Kompensationsstrategien im Umgang mit den noch bestehenden neuropsychologischen Defiziten. Diese zeig
ten sich hauptsächlich –
jedoch in zwisc
henzeitlich geringerem Ausmass –
beim schnellen
und flexiblen Aufnehmen und Ver
arbeiten von komplexeren Informationen sowie in allen anspruchsvolleren Umsetzungsprozessen. Auch wenn die
Beschwerdeführerin
gegenwärtig qualitativ und quantitativ noch nicht über ihr vollumfängliches, ursprüngl
iches Leistungspotential verfüge
,
sei
es inzwischen möglich geworden, die lang
fristige beruflic
he Eingliederung im angestammten B
eruf ins Auge zu fassen, und es sei eine entsprechende Lauf
bahn
beratung im Gange
(Urk. 10/M24)
.
3.7
Dr.
E._
hielt in seinem Schreiben vom 21. Dezember 2015 an die Beschwerde
gegnerin fest, auch wenn gemäss
der Beurteilung von
l
ic
. phil.
D._
Fort
schritte bestünden, sei die Beschwerdeführerin von einer Wiederaufnahme der Arbeit weit entfernt, da die bestehenden Defizite noch allzu gross seien. Sie sei
zur Zeit
nicht in der Lage, eine Arbeit, sei sie noch so einfach, konstant über eine längere Tageszeit mit Regelmässigkeit und zuverlässig zu erbringen (Urk. 10/M25).
3.8
Das interdisziplinäre Gutachten der
F._
vom 19. Januar 2016 basiert
auf neurologischen, neuropsychologischen und psychiatrischen Untersuchungen (Urk. 10/M26).
Es wurde die folgende Diagnose gestellt (Urk. 10/M26 S. 25):
-
ICD-10:
A84.1 Frühsommer-
Meningoenzephal
itis
FSME
, Erstdiagnose am 29.9.2014 (
B._
), mit Akutbehandlung im
B._
vom 29.
9.
bis 8.10.2014 und anschliessender
Reha
in
der
C._
vom 17.1
0.
bis 3.12.2014
aktuell
mit/
bei
-
ohne neurologische Herdbefunde, ohne eigenständiges
psychiatrisches Krankheitsbild
-
mit pseudo-neurasthenischer Residualsymptomatik als wahrscheinli
che Folge der FSME, mit leichten neuropsychologischen Defiziten, weiterhin nachweisbarem pathologischem EEG (26.11.2015) bei nor
malem Grundrhythmus mit mittelschweren Verlangsamungsherden links temporal bis vor
ne und rechts temporal hinten, z.T. bis zur Mitte
-
mit Ausbildung e
iner psychogenen Fehlverarbeitu
ng der
initialen FSME-Symptome mit dys
funktionalem Schon- und
Meideverhalten
Im Gutachten wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin beklage weiterhin Müdigkeit und Erschöpfung, diese Symptome seien immer vorhanden, aber nicht immer gleich stark ausgeprägt. Besonders im Sommer bei Hitze träten
sodann
gehäuft Krankheitsphasen auf, dann sei sie zirka zwei Wochen pro Monat mit grippeähnlichen Symptomen krank und müsse liegen. Bei kühlerem Wetter gehe es ihr diesbezüglich besser, doch sei sie anfälliger für Erkältungen. Sie sei sodann reduziert belastbar gegenüber Belastungen, Drucksituationen und Terminen. Sie sei auch licht- und lärmempfindlich.
Sie müsse immer noch ler
nen, mit ihren Ressourcen umzugehen und ihre Kräfte einzuteilen. Über die Konzentration könne sie aktuell nicht richtig Auskunft erteilen, denn sie sei im Moment nicht gefordert.
Seit Herbst dieses Jahres gehe es aber aufwärts. Nun müsse sie noch belastbarer und stabiler werden, um wieder ins Berufsleben zurückkehren zu können und dem Druck der Arbeitswelt gewachsen zu sein. Sie denke, dass dies bald der Fall sein werde. Sie wolle wieder auf ihrem Beruf als Grafikerin arbeiten, dies sei ihr auch anlässlich der Laufbahnberatung im August 2015
klar geworden
(Urk. 10/M26 S. 10 f.).
Beim RAV-unterstützen Kurs für höher gestellte Berufsleute im März 2015 über einen Zeitraum von 4 Wochen und 2 Tagen sei sie noch völlig überfordert gewesen, habe starke gesundheitliche Beschwerden gehabt, sich nicht konzentrieren können. Es sei sehr anstrengend gewesen in der Gruppe und sie sei manchmal weinend zusammengebrochen. Dennoch habe sie es durchgezogen, aber diese Erfahrung habe ihr gezeigt, dass sie noch nicht soweit gewesen sei, um den Anforderungen der Berufswelt zu genügen (Urk. 10/M26 S. 12).
Der begutachtende Neurologe gelangte zu folgender Beurteilung:
Die eingehen
de neurologische Untersuchung der gut kooperierenden und bemühten, gegen Ende der neurologischen Untersuchung aber erschöpft wirkenden
Beschwerde
führerin ergebe keine wegweisenden Befu
nde.
Im Kopf-Hirnn
ervenbereich
wür
den s
ich keine Auffälligkeiten
zeigen, es fänden sich auch keine
me
ningealen
Reizsymptome und auch die weitere n
eurologische Untersuchung ergebe keiner
lei neurologi
s
c
he Herd- oder Seitenzeichen. Bei f
ehlenden neurologischen Herd
befu
nd
en müsse
aus neurologischer Optik festgehalten werden, dass die
Beschwerdeführerin
eine schwere virale
Meningoenzephalitis
durchgemacht habe
, ein
FSME
-Nachweis
sei
auch
liquordiagnost
isch
dokumentiert. Jetzt bestehe
ein pseudoneurasthenisches
postenzephalitisches
Erschöpfungs- und Müdigkeitssyndrom (
ICD-10:
F07.1, G93.3)
,
einhergehend mit gelegentlichen Myalgien, welches
offenbar langsam weiter abklinge. Im EEG habe
sich anläss
lich der Behandlung in der
C._
ein pathologisches EEG mit Ver
lang
samungsherden, passend zu
der viralen
M
eningoenzephalitis
bei
FSME
-Infektion
, gezeigt
. Die
aktuell
veranlasste EEG-Kontr
olle vom 26.
November
2015 zeige bei norm
alem Gr
undrhythmus weiterhin
Pathologi
ka
mit mittel
schweren Verlangsamungsherden links temporal bis vorne und rechts temporal hinten,
z
.T. bis zur Mitte. Weiterh
in bestünd
en keine epilepsietypischen
Verän
derungen. Dieser Befund sei
also durchaus noch vergleichbar mit dem Vor-EEG u
nd weiterhin als pathologisch ein
zustufen, passend zu
einer durchgemachten
Meni
ngoenzephalitis
, allerdings nicht als solcher spezifisch für eine FSME
. Aus neurologischer Sicht lasse sich daher durchaus noch ein
e gewis
se Residual
symptomatik mit pseu
doneurasthenischem Bild als wahrscheinliche Folge der
FSME er
klären. Aus neurologischer O
ptik sei
die Arbeitsfähigkeit der
Beschwer
deführerin in der Tätigkeit als Grafikeri
n aktuell um etwa 20
% eingeschränkt, wobei die fu
nktionellen
(auch neuropsychologischen) Fol
gen der
pseudoneuras
thenen
Symptomatik eingeschlossen seien
. Die A
rbeitsfähig
keit von 80
%
sei
wegen
d
er längeren Krankheitsphase schrittweise über einen Zei
traum von circa 2
Monaten
zu realisieren
. Das Ausmass der von der
Beschwerdeführerin beklag
ten Beschwerden und Einschränkungen sei
allerdings nicht mehr durch klinisch
neurologische Befunde –
auch nicht unter Berücksichtigung des pathologischen EEG und de
r neuropsychologischen Befunde –
zu erklären. Mit eine
r wesentli
chen Verbesserung werde
innert Jahresf
rist aber noch gerechnet, es sei nicht unwahrschein
lich, dass die
Beschwerdeführerin
bis Ende 2016 wieder eine Arbeitsfähigkeit von 100
% erlange (Urk. 10/M26 S. 23)
.
Der begutachtende Neuropsychologe hielt fest, es hätten
insgesamt leichtgradig zu wertende neuropsychologische Defizite festgestellt werden
können
, die vor allen Dingen die Aufmerksamkeit
und Konzentration betroffen hätten
. Konkret f
ä
nden sich Zeichen einer psychomotorischen Verlangsamung im Aufmerksam
keitsbereich und einer leicht erhöhten
Fehleranfälligkeit bei
konzentr
ativ
anspruchsvolleren Aufgaben. Die übrigen Testresultate, insbesondere im Bereich des Gedächtnisses und d
er exekutiven Funktionen, seien
normal aus
gefallen. Die Beschwerdevalidierung sei
ebenfalls unauffällig aus
gefallen
, ohne Zeichen von Selbstlimitierungen oder von Inkonsistenzen im
Antwortverhalten. Insofern könne von neuropsy
chologisch plausiblen Testresultaten au
sgegangen werden. Klinisch hätten
bei der
Beschwerdeführerin
im Rahmen der insgesamt mehr
stündigen Untersuchungen (Erstgespräc
h und neuropsychologische Testu
ntersu
chung) Zeichen einer zunehmenden
Ermüdung und Erschöpfbarkeit festgestellt werden können
, die s
ich als zuneh
mendes Nachlassen der intellektuellen Prä
senz der
Beschwerdeführerin geäussert hätten
. Aus neuropsychologischer
Sicht seien
die klinischen und testpsychologischen Ergebnisse vereinbar mit einer immer noch bestehenden
Fati
gue
-Symptomatik. Allerdings seien
die neuropsy
chologischen Untersuchungsergebnisse
nicht geeignet, um die von Dr.
E._
attestierte Arbeitsunfähigkeit
von 100
%
zu begründen. Im Gegenteil zeige
die
neuropsychologische Untersuchung, dass bei der
Beschwerdeführerin
durchaus auch kognitive Ressourcen best
ünd
en, die b
eruflich nutzbar seien
. Aufgrund der neuropsychologisch
en Untersuchungsergebnisse lasse
sich schon jetzt eine Teil-Arbeitsfähigkeit postulieren. Zusammenfassend best
ünden
aus neuropsychologi
scher Sicht aktuell le
ichtgradige kognitive Einschrän
kungen im
Aufmerksam
keits
- und Konzentrationsbereich, die gut v
ereinbar mit einer
Fatigue
-Symp
tomatik
seien und zu einer gewissen Min
derung der zeitlichen Belastbar
keit führ
ten, bei jedoch gut erhalten
en übrigen kognitiven Funktionen
(Urk. 10/M26 S. 24)
.
Die begutachtende Psychiaterin gelangte zum Schluss, der psychiatrische Befund sei weitestgehend unauffällig.
Die subjektiven Beschwerden der
Beschwerdeführerin
m
it im Vordergrund stehender Ermü
dung/Erschö
pf
barkeit, Belastungsintoleranz
und Angst vor Belastungen und Überforderu
ng
würden
diagnostisch gut zu dem auch von neurologischer Seite postulierten Residualzu
stand
mit pseudo-neurasthenischem Zu
standsbild als wahrscheinliche Folge einer FSME
passen, p
seudo
-
neurasthenisch
deshalb
, weil es sich nicht um eine eigenständige psychogene
neurasthenische Störung handle
, sonde
rn
um die psychische/kognitive Folge einer somatischen Erkrankung.
Dieses
pseudo-neurasthenische Zustandsbild
sei
nicht geeignet, die vo
n Dr.
E._
a
uch retro
spektiv attestierte Arbeitsunfähigkeit
von 100
% zu erklären. Derarti
ge Symp
tome und Beschwerden würden
im Spektrum aller psychiatrischen Störungsbil
der eine eher leichte Störung dar
stellen
, mit nur vorübergehend und für kurze Zeit aufgehobener Leistungsfähigkeit und anschliessend nur leichter Leistungs
minderung, die z
udem auch zeitlich befristet sei. Im vorliegenden Fall falle es schwer, die Arbeitsunfähigkeits-
Atteste von
Dr.
E._
mit 100
%
Arbeitsunfähig
keit n
achzuvollziehen, zumal er auch
keine objektiven Befunde darlege
, mit denen sich die
Arbeitsunfähigkeit begründen lasse
. Die
Arbeitsunfähigkeit
von 100
% steh
e zudem in gewissem Widerspru
ch zu den Aktivitäten im Alltag der
Beschwerdeführerin, welche zeigten, d
ass sie in recht grossem Umfang wieder Aufgaben und Verantwortlichkeiten i
m Haushalt und bei der Kinderbetreuung aufgenommen habe
, weshalb
die
Angabe
von Dr.
E._
,
die Beschwerdeführerin sei derzeit nicht in der Lage
, eine auch noch so einfache Arbeit konstant und über eine längere Tageszeit mit Regelmässigkeit und zuverlässig auszuüben, schon allein durch die Aktivitäten der
Beschwerdeführerin im Alltag widerlegt würden. Es sei von einer psychischen Fehlverarbeitung der Beschwerdeführerin auszugehen, die iatrogen gefördert und aufrechterhalten werde (Urk. 10/M26 S. 24 f.).
4.
4.1
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Gutachter die jeweiligen Abklärungen in den Fachgebieten der Neurologie, Neuropsychologie und Psychiatrie umfas
send vornahmen und ein sorgfältiges Gutachten verfassten. Sie legten die medi
zinischen Zusammenhänge einleuchtend dar und begründeten ihre Beurteilung nachvollziehbar. Das Gutachten erfüllt somit die Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise (E. 1.3.4). Überzeugend ist insbesondere auch, dass die Gutachter die von Dr.
E._
seit dem 1. Januar 2015 attestierte 100%ige Arbeits
unfähigkeit für nicht nachvollziehbar hielten, denn die zumindest zwischenzeit
lich eingetretene Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführe
rin blieb in dessen Beurteilung gänzlich unberücksichtigt.
Demgegenüber erscheint das Vorbringen der Beschwerdeführerin, die Gutachter seien aufgrund fehlenden Fachwissens nicht in der Lage gewesen, die Arbeitsfä
higkeit zu beurteilen, nicht nachvollziehbar. Dr.
E._
wies im ausgefüllten Fra
gekatalog zuhanden der Beschwerdeführerin vom 9. Dezember 2016 (Urk. 3/6 und Urk. 3/5) selbst darauf hin, eine FSME, wenn sie im Alter der Beschwerde
führerin auftrete, gehe in 10 bis 20 % der Fälle mit einer definitiven Schädi
gung einher, entweder mit motorischen Lähmungen oder mit neurofunktionel
len Defiziten. Was zwei Jahre nach Auftreten der FSME an Beschwerden noch bestehe, bessere in der Regel nicht mehr (Frage und Antwort Nr. 7). Er hielt sodann
fest, die Beschwerdeführerin leide weiterhin unter den ausgeprägten neurofunktionellen Beschwerden, die sehr rasch zu einem Erschöpfungszustand führen würden. Fehler und Fehlleistungen ergäben sich erst nach einer längeren Zeit, vielleicht nach einer Stunde als Folge der Erschöpfung. Diese Situation, welche die Arbeitsfähigkeit am besten erfassen würde, sei nicht untersucht wor
den. Erstaunlich sei, dass dennoch Defizite zutage getreten seie
n
. Bei der Begut
achtung wurde die Beschwerdeführerin umfassend neuro- und neuropsycholo
gisch abgeklärt und die Gutachter konnten lediglich eine Einschränkun
g der Leistungsfähigkeit von 20 % feststellen (E. 3.8
), wobei sowohl die neurologische als auch die neuropsychologi
sche Testuntersuchung jeweils 1
1⁄2 Stunden dauer
te (
Urk. 10/M26 S. 15 und S. 17
). Damit besteht kein Anlass, die Beschwerde
führerin zusätzlich durch einen Facharzt für
Infektiologie
abklären zu lassen, handelt es sich bei den Beschwerden der Beschwerdeführerin d
och selbst nach Angaben von Dr.
E._
um neurofunktionelle Beschwerden. Des Weiteren trifft dessen Aussage, es sei nicht genügend untersucht worden, ob sich Fehler und Fehlleistungen nach einer längeren Zeit (nach etwa einer Stunde) ergäben, nicht zu.
Wie gesagt dauerte sowohl
die neurologische als auch die neuropsychologi
sche Testuntersuchung jeweils 1
1⁄2 Stunden
.
Dr.
E._
, welcher den Gutachtern – entgegen den Tatsachen – eine ungenügende Untersuchung unterstellte,
konnte seinerseits keine Ergebnisse entsprechender Untersuchungen vorweisen, obwohl er solche für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als unerlässlich erachtete.
Nach dem Gesagten ist von einer 20%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
im Begutachtungszeitpunkt
auszugehen. Dies vermag auch deshalb zu überzeu
gen, weil
lic
. phil.
D._
bereits in ihrem Zwischenbericht vom 9. April 2015 von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen war (E. 3.2) – was im Bericht des
B._
vom 10. Juli 2015 bestätigt wurde (E. 3.3).
Weiter erscheint nicht nachvollziehbar, weshalb die von der begutachtenden Psychiaterin festgestellte psychogene Fehlverarbeitung eine reine Hypothese sein sollte, konnte neurologisch und neuropsychologisch doch keine Einschrän
kung im von der Beschwerdeführerin geklagten Ausmass objektiviert werden.
Da
ss die Beschwerdegegnerin das F._
-Gutachten als beweiskräftig qualifizierte, ist nach dem Gesagten nicht zu beanstanden. Es kann diesbezüglich auf die zutreffenden Erwägungen der Beschwerdegegnerin verwiesen werden.
4.2
4.2.1
Aufgrund der gutachterlichen Einschätzung
vom 19. Januar 2016
, wonach per sofort ei
ne Wiederaufnahme der Arbeit zu
20 % mit anschliessender schrittwei
ser Steigerung innerhalb von zwei Monaten auf 80 % möglich sei, richtete die Beschwerdegegnerin die Taggeldleistungen vom 3. Februar 2016 bis zum 3. März 2016 basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 25 % und vom 4. März 2016 bis zum 3. April 2016 basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 50 % aus. Per 4. April 2016 wurden die Taggeldleistungen
eingestellt (Urk. 9/A112). Die
schrittweise Herabsetzung der Taggeldleistungen ist nicht zu beanstanden. Auch die Einstellung der Taggeld
leistungen per 4. April 2016
erweist sich als rech
tens
.
Per
diesem Zeitpunkt
ist gestützt auf das Gutachten (E. 3.8) vom Erreichen einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in der bisherigen Tätigkeit auszugehen.
Da die Beschwerdeführerin bereits vor dem Unfall zu 80 % (teilzeitlich) erwerbstätig war, besteht kein Anspruch mehr auf Taggeldleistungen.
Durch die Taggelder soll der konkrete Erwerbsausfall, welchen die versicherte Person durch den Unfall in der Heilungsphase erleidet, ausgeglichen werden.
Als
Referenzpensum zur Ermittlung des Grades der Arbeitsunfähigkeit
dient
das Arbeitspensum unmittelbar vor dem Unfall
, es erfolgt keine Umrechnung auf ein 100%-Pensum
(BGE 135 V 287 E. 4
zu Art. 16 UVG
, insbesondere E. 4.3)
–
dies in Abweichung zur Ermittlung des Invaliditätsgrades
bei der Prüfung eines allfälligen Renten
anspruchs
.
4.2.2
Die Beschwerdegegnerin vergütete der Beschwerdeführerin aufgrund der gut
achterlichen Einschätzung ab dem 3. Februar 2016 im Sinne von Pflegeleistun
gen und Kostenvergütungen einzig die psychotherapeutische Begleitung einmal wöchentlich bei
lic
. phil.
D._
bis zum 3. August 201
6.
Dies sollte der Unterstützung während der Wiedereingliederung dienen. Mangels Zweckmäs
sigkeit wurden die Leistungen für anderweitige Behandlungskosten hingegen bereits per 3. Februar 2016 eingestellt. Dass die Leistungen für Behandlungskos
ten nach dem 3. August 2016 definitiv eingestellt wurden, ist nicht zu bean
standen, zumal auch Dr.
E._
gegenüber der Beschwerdeführerin zum Ausdruck brachte,
es gebe kei
ne spezifische Behandlung mehr (Urk. 10/M26 S.
11)
. Damit war von einer
Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin
mehr
zu erwarten.
Der Fallabschluss erweist
sich somit als rechtens.
Obwohl die Kosten für die psychotherapeutische Begleitung bei
lic
.
phil.
D._
noch bis zum 3.
August 2016 übernommen wurden, erscheint es gerechtfertigt, den eigentli
chen Fallabschluss auf den Zeitpunkt der Einstell
ung der Taggeldzahlungen per 4.
April 2016 zu terminieren, da die Übernahme der Heilbehandlungskosten dem
Grundsatze nach bereits per 3.
Februar 2016 eingestellt wurde.
4.3
Beim Fallabschluss
ist
zu prüfen, ob ein Anspruch
auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung
besteht.
Die
Beschwerdegegnerin
stellte
keinen weiter
en Entscheid in Aussicht
,
womit sie ihrer Pflicht, im Rahmen des Fallab
schlusses nicht nur die vorübergehenden Leistungen einzustellen, sondern gleichzeitig den Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschä
digung zu prüfen (E. 1.3.3), offenkundig nicht nachgekommen ist. Die Annah
me, die Beschwerdegegnerin habe – implizit – über diese Dauerleistungen ent
schieden, verbietet sich, ist doch bei nach wie vor bestehender Arbeitsunfähig
keit von 20 % im Zeitpunkt des Fallabschlusses von einem Rentenanspruch aus
zugehen (vgl. BGE 135 V 287, wonach zur Festsetzung des
Valideneinkommens
von teilzeitlich arbeitenden Personen der Lohn auf ein 100%-Pensum umzu
rechnen ist) und die Erlangung der vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit von den Gutachtern frühestens per Ende 2016 in Aussicht gestellt.
Die vage Einschätzung des Neurologen betreffend die Gesundheitsentwicklung der Beschwerdeführerin in der Zukunft vermag dem im Sozialversicherungs
recht geltenden Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
aber
nicht zu genügen.
Der Neurologe hielt fest, es könne
innert Jahresf
rist m
it eine
r wesentlichen Verbesserung gerechnet werden und es sei nicht unwahrschein
lich, dass die
Beschwerdeführerin
bis Ende 2016 wieder eine Arbeitsfähigkeit von 100
% erlange (E. 3.8). Erscheint etwas
„
nicht unwahrscheinlich
“
wird damit das Kriterium der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
allerdings
nicht
erfüllt.
Eine
Verneinung eines Rentenanspruchs
ab Ende 2016
und einer Integri
tätsentschädigung
würde
somit auf einem unvollstän
dig abgeklärten me
dizini
schen Sachverhalt
basieren
. Aus diesem Grund ist die Sache an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit diese prüft, ob beziehungsweise wann eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit wiederer
langt wurde oder ob es bei der gutachterlich festgestellten
20%igen Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit blieb. Gestützt auf das Ergebnis
der ergänzenden medizinischen Abklä
rungen
hat sie über einen Rentenanspruch sowie eine allfällige Integritätsent
schädigung zu befinden.
4
.4
Nach dem Gesagten
ist
die Beschwerde in dem Sinne
gutzuheissen, als
die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese
im Sinne der Erwägungen (E. 1.2.4)
über die Höhe des Taggeldansatzes ein
e anfechtbare Ver
fügung erlässt
und damit sie
nach weiteren Abklärungen im Sinne der Erwä
gungen (E. 4.3) über den Anspruch auf Dauerleistungen (Invalidenrente und I
ntegritätsentschädigung) verfügt
. Im Übrigen (
Einstellung
Taggeldleistungen und Heilkostenleistungen) wird die Beschwerde
abgewiesen
.
5.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegne
rin zu verpflichten, der
Beschwerde
führer
in
eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welc
he in Anwendung von Art. 61
lit
.
g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schw
ierigkeit des Prozesses
,
auf Fr.
2'600.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.