Decision ID: 5bc59bb8-a5d9-40f3-912a-8d709871fb8a
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 19.09.2012 Art. 23 BVG. Frage des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache später zur Invalidität führte (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. September 2012, BV 2010/20).Präsident Martin Rutishauser, Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider, Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiber Walter SchmidEntscheid vom 19. September 2012in SachenA._,Klägerin,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christian Beringer, Werkstrasse 30, 8645 Jona,gegenAXA Stiftung Berufliche Vorsorge, c/o AXA Leben AG, Postfach 300, 8401 Winterthur,Beklagte,undSwissLife AG, General-Guisan-Quai 40, Postfach, 8022 Zürich,Beigeladene,betreffendInvalidenrenteSachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) war vom 1. März bis 31. Dezember 2001 bei der
B._ AG, tätig und dadurch bei der Stiftung C._ vorsorgeversichert. Ihr Jahresgehalt
war mit Fr. 67'600.-- vereinbart worden. Die Arbeitgeberin hatte das Arbeitsverhältnis
mit Hinweis auf die schwierige Wirtschaftslage mit Personalbestandsreduktion
aufgelöst (IV-act. 13). Danach bezog die Versicherte von Januar 2002 bis Dezember
2003 Taggelder der Arbeitslosenversicherung (vgl. Auszug aus den individuellen Konto
[IK]; IV-act. 4) und war dadurch bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG
vorsorgeversichert. Während der Arbeitslosigkeit übte sie in der Zeit von Januar bis
Juni 2003 eine Tätigkeit im Rahmen eines befristeten Praktikumsvertrages (vgl. IV-act.
4 und act. G 9.1/3; ALV-act. 87, 88, 91) im Kreisspital E._ aus.
A.b Seit Januar 2004 wurde die Versicherte vom Sozialamt ihrer Wohngemeinde
unterstützt. Im Jahr 2004 erfolgten drei kurzzeitige Einsätze von zwei bis fünf Wochen
Dauer für eine Temporärfirma (act. G 9.1/2). Am 18. Oktober 2004 unterzeichnete die
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Versicherte einen auf den Zeitraum vom 1. September bis 31. Dezember 2004
befristeten Arbeitsvertrag für einen vollzeitlichen Einsatz als Mitarbeiterin beim D._
mit einem monatlichen Bruttolohn von Fr. 3'013.70 (act. G 1.1/2, 9.1/4, 1.1/12). Für
diese Tätigkeit bestand eine Vorsorgeversicherung bei der Winterthur Columna (act. G
1.1/13 Ziff. 20; nunmehr: AXA Stiftung Berufliche Vorsorge; nachfolgend: AXA).
A.c Im März 2005 meldete sich die Versicherte mit Hinweis auf ein seit 1999
bestehendes psychisches Leiden bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 1). Mit Verfügungen vom 3. und 9. März 2006 sprach ihr die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (IV-Stelle) mit Wirkung ab 1.
Dezember 2005 eine halbe Rente auf der Basis eines IV-Grads von 50%
(Valideneinkommen von Fr. 67'600.-- und Invalideneinkommen von Fr. 33'800.--) zu.
Die IV ging von einem Beginn der einjährigen Wartezeit am 28. Dezember 2004 aus
(act. G 1.1/3; IV-act. 36f). Am 16. August 2007 sprach die IV-Stelle mit Wirkung ab 1.
Januar 2007 eine ganze Rente auf der Basis eines IV-Grads von 100%. Der
Gesundheitszustand habe sich seit der Zusprechung der Teilrente verschlechtert. Seit
Oktober 2006 bestehe bis auf Weiteres eine 100%ige Erwerbsunfähigkeit (act. G 1.1/6;
IV-act. 61).
A.d Die AXA gab mit Schreiben vom 22. Januar 2008 bekannt, dass sie der
Versicherten keine Leistungen aus beruflicher Vorsorge erbringen könne. Sie legte
sinngemäss dar, dass die Versicherte bei Aufnahme in die Versorgeversicherung (am 1.
September 2004) nicht voll arbeitsfähig gewesen sei. Die befristete Anstellung beim
D._ werde als Arbeitsversuch gewertet (act. G 1.1/7). Zwei weitere Schreiben des
Rechtsvertreters der Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur. Ch. Beringer, Jona, vom 7.
September 2009 und vom 8. Juli 2010 beantwortete die AXA am 9. September 2009
und 21. Juli 2010 ebenfalls abschlägig (act. G 1.1/8-11).
B.
B.a Mit gegen die AXA gerichteter Klage vom 17. November 2010 stellte
Rechtsanwalt Beringer für die Klägerin die Rechtsbegehren, die Beklagte sei zu
verpflichten, eine Invalidenrente entsprechend einem Invaliditätsgrad von 50%
(indikativ Fr. 843.50 vorbehältlich allfälliger reglementarischer Erhöhungen) gemäss Ziff.
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20ff des Vorsorgereglements für die BVG-Basisvorsorge der Beklagten betreffend des
Anschlusses des D._ seit 1. Dezember 2005 bis 30. Juni 2007 zu erbringen. Im
Weiteren sei die Beklagte zu verpflichten, eine Invalidenrente entsprechend einem
Invaliditätsgrad von 100% (indikativ Fr. 1'687.-- vorbehältlich allfälliger
reglementarischer Erhöhungen) seit 1. Januar 2007 bis auf weiteres zu erbringen. Die
Beklagte sei zu verpflichten, sämtliche nachzuzahlenden Leistungen seit den einzelnen
Rentenfälligkeiten mit 5% zu verzinsen. Eventuell sei die Beklagte zu verpflichten, im
Sinn von Art. 26 Abs. 4 BVG Vorleistungen zu erbringen. Zur Begründung führte der
Rechtsvertreter unter anderem aus, die Tätigkeit der Klägerin beim D._ sei kein
Arbeitsversuch gewesen. Sie sei ohne Vorbehalt in die berufliche Vorsorge dieser
Arbeitgeberin integriert worden. Zudem habe sie vor der Anstellung beim D._ jede ihr
bietende Arbeitsbeschäftigung angenommen. Sie sei jederzeit bis zum Vorsorgefall zu
100% arbeitsfähig gewesen. Die nur kurzfristigen Beschäftigungen vor der Anstellung
beim D._ seien nicht krankheitsbedingt gewesen, sondern hätten ihre Ursache in
wirtschaftlichen Gründen bzw. der Arbeitslosigkeit der Klägerin. Bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache später zur Invalidität geführt habe, sei die Klägerin
bei der Beklagten vorsorgeversichert gewesen. Beim D._ habe die Klägerin eine volle
Arbeitsleistung gegen vollen Lohn geleistet, was konsequenterweise eine
Arbeitsunfähigkeit bei Eintritt ausschliesse. Nach Abklärungen beim Hausarzt habe
keine relevante Arbeitsunfähigkeit im Zeitraum seit Mai 2003 bis zu der
invalidisierenden Krankheit Ende 2004 bestanden. Damit sei auch eine allfällige
zeitliche Konnexität unterbrochen worden. Es sei offensichtlich, dass der tiefere Lohn
aus wirtschaftlichen und nicht aus gesundheitlichen Gründen von der ansonsten
arbeitslosen Klägerin habe akzeptiert werden müssen (act. G 1). Am 17. November
2010 reichte der Rechtsvertreter das Gesuch betreffend unentgeltliche
Rechtsverbeiständung der Klägerin ein (act. G 2).
B.b Am 22. November 2010 bewilligte der Gerichtspräsident die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung der Klägerin für das vorliegende Verfahren.
B.c In der Klageantwort vom 28. Februar 2011 beantragte die Beklagte Abweisung
der Klage. Der Eventualantrag auf Ausrichtung von Vorleistungen sei abzuweisen. Es
sei die Swiss Life, Zürich, zum Verfahren beizuladen. Zur Begründung legte die
Beklagte unter anderem dar, im Vergleich zu dem bei der B._ AG erzielten
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Einkommen von jährlich Fr. 67'600.-- habe die Klägerin bei Antritt des
Arbeitsprogramms beim D._ eine Lohneinbusse von fast 48% hinnehmen müssen.
Es handle sich somit um kein rentenausschliessendes Einkommen. Die Tätigkeit könne
nicht als der gesundheitlichen Beeinträchtigung angepasst beurteilt werden. Die
Klägerin habe noch während ihres auf vier Monate befristeten Einsatzes einen
Zusammenbruch erlitten. Schliesslich könne auch nicht behauptet werden, die
Tätigkeit sei ihr bezogen auf den Beruf als Sekretärin/Rezeptionistin zumutbar
gewesen. Durch verschiedene Arztzeugnisse sei belegt, dass die Klägerin seit 1989
bzw. 1995 an einer bipolaren affektiven Störung leide, welche in der Vergangenheit
wiederholt zu Zusammenbrüchen und rezidivierenden depressiven Episoden geführt
habe. Beim manischen Zusammenbruch vom Dezember 2004 habe es sich somit um
einen Rückfall gehandelt. Die Arbeitsunfähigkeit, welche zur Invalidität geführt habe, sei
nicht bei der Beklagten, sondern vor dem Arbeitsantritt beim D._ eingetreten. Wann
genau die Arbeitsunfähigkeit eingetreten sei, sei nicht nachgewiesen. Einen
Verlaufsbericht des Hausarztes habe sie (die Beklagte) trotz mehrmaliger Nachfrage
nicht erhalten. Aufgrund seiner wiederholten Parteinahme für die Klägerin im Rahmen
des IV-Verfahrens müsse angenommen werden, dass der Hausarzt parteiisch sei. Nach
eigenen Angaben habe die Klägerin im Jahr 2003 an einer besonders schweren
Depression gelitten, als am Arbeitsplatz eine belastende Situation bestanden habe. Da
sie im Jahr 2003 nur im Spital E._ gearbeitet habe, sei die Vorsorgeeinrichtung des
Spitals E._ zum Verfahren beizuladen. Es sei beim Hausarzt die Krankenakte zu
edieren und zu erfragen, zu welchem Zeitpunkt die relevante Arbeitsunfähigkeit
eingetreten sei. Die Beklagte lehne die Ausrichtung von Vorleistungen ab, weil Art. 26
Abs. 4 BVG während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten noch gar
nicht in Kraft gewesen sei.
B.d Mit Replik vom 11. April 2011 (act. G 14) und Duplik vom 20. Mai 2011 (act. G 18)
bestätigten die Parteien ihre Standpunkte.
B.e Das Versicherungsgericht forderte die vollständigen IV-Akten der Klägerin an (act.
G 20). Hierzu reichte der Rechtsvertreter der Klägerin am 20. Juni 2011 eine
Stellungnahme ein (act. G 23).
B.f Die am 22. Juni 2011 zum Verfahren beigeladene Swiss Life AG, Zürich (act. G 25)
äusserte sich mit Schreiben vom 12. Juli 2011 (act. G 27).
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B.g Eine Anfrage des Versicherungsgerichts vom 24. Januar 2012 (act. G 29)
beantwortete Dr. med. F._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, nach Mahnung (act.
31) und Intervention des Rechtsvertreters der Klägerin (act. G 32, 33), am 27. April
2012 (act. G 35). Die Parteien nahmen zu den vom Versicherungsgericht beigezogenen
Akten der Arbeitslosenversicherung (act. G 30, 41) mit Eingaben vom 27. Juli 2012 (act.
G 48 mit dem zusätzlichen Antrag der Beklagten, die Stiftung Auffangeinrichtung BVG
zum Verfahren beizuladen) und 10. August 2012 (act. G 49) Stellung.

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2005 trat die 1. BVG-Revision, welche auch eine Änderung der
Leistungsvoraussetzungen bei Invalidität (Art. 23 BVG) und der Leistungshöhe (Art. 24
BVG) mit sich brachte, in Kraft. Nach Art. 23 lit. a BVG (neue Fassung) haben (im
Obligatoriumsbereich) Anspruch auf Invalidenleistungen Personen, die im Sinn der IV
zu mindestens 40 Prozent invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren
Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Anspruch auf eine volle
Invalidenrente hat die versicherte Person, wenn sie im Sinn der IV zu mindestens 70
Prozent invalid ist. Bei mindestens 60 prozentiger Invalidität besteht Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente. Der Anspruch auf eine halbe Rente setzt einen Invaliditätsgrad von
mindestens 50 Prozent voraus und derjenige auf eine Viertelsrente einen solchen von
mindestens 40 Prozent (Art. 24 Abs. 1 BVG). - In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich
diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen
führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 467). Vorliegend sprach die
Invalidenversicherung der Klägerin mit Wirkung ab Dezember 2005 eine halbe Rente zu
(IV-act. 35). Mit Blick auf den IV-Rentenentscheid und den Antrag der Klägerin ist
davon auszugehen, dass das Klageverfahren Leistungsansprüche ab Dezember 2005
betrifft. Dementsprechend ist das ab 1. Januar 2005 gültige Recht der obligatorischen
beruflichen Vorsorge anzuwenden, soweit ihm neben den reglementarischen
Regelungen der Beklagten eine eigenständige Bedeutung zukommt. Die Frage, ob die
Beklagte leistungspflichtig ist und wenn ja, ab welchem Zeitpunkt, ist nachstehend zu
prüfen.
2.
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2.1 Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der
Invalidenversicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich,
dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in
der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist. Aufgrund von Art. 6 BVG steht
es den Vorsorgeeinrichtungen frei, den Invaliditätsbegriff bereits in der obligatorischen
Versicherung zugunsten des Versicherten zu erweitern oder Invalidenrenten schon bei
einem Invaliditätsgrad von weniger als 40% auszurichten. Gehen sie ausdrücklich oder
unter Hinweis auf das Gesetz vom gleichen Invaliditätsbegriff aus wie die
Invalidenversicherung, sind sie hinsichtlich des versicherten Ereignisses an die
Invaliditätsbemessung der IV-Stellen gebunden, es sei denn, dass diese sich als
offensichtlich unhaltbar erweist (vgl. BGE 126 V 308; BGE 115 V 208 und 215; BGE 118
V 35 E. 2b/aa; BGE 120 V 106 E. 3c). In BGE 129 V 73 wurde eine Bindungswirkung
der invalidenversicherungsrechtlichen Feststellungen für die Vorsorgeeinrichtung
verneint, wenn sie nicht spätestens im Vorbescheidsverfahren (Art. 73 IVV), bzw.
nach dessen (vorübergehender) Ersetzung durch das Einspracheverfahren in der Zeit
von 1. Januar 2003 bis 31. Dezember 2006, angelegentlich der Verfügungseröffnung in
das invalidenversicherungsrechtliche Verfahren einbezogen wird. Hält sich die
Vorsorgeeinrichtung demgegenüber an das invalidenversicherungsrechtlich Verfügte,
ist das Problem des Nichteinbezugs des Vorsorgeversicherers ins IV-Verfahren
gegenstandslos. Stellt somit die Vorsorgeeinrichtung auf die
invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise ab, muss sich die versicherte
Person diese grundsätzlich entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des
Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend war (vgl. Urteil des Bundesgerichts
[bis 31. Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht, EVG] vom 14. August
2000, B 50/99, E. 2b), und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im IV-
Verfahren beteiligt war oder nicht (vgl. dazu Urteil des EVG vom 9. Februar 2004, B
39/03, E. 3.1).
2.2 Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung
geschuldet, welcher die ansprechende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses
angeschlossen war. Dieser Zeitpunkt fällt mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat. Die Versicherteneigenschaft muss
nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise
auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der Invalidität. Für eine
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einmal - aus während der Versicherungsdauer aufgetretenen Arbeitsunfähigkeit -
geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig, selbst
wenn sich nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert.
Entsprechend bildet der Wegfall der Versicherteneigenschaft keinen Erlöschungsgrund
(Art. 26 Abs. 3 BVG e contrario; BGE 118 V 35 E. 5; 123 V 262 E. 1a). Damit die frühere
Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig bleibt, ist allerdings nicht nur erforderlich, dass
die Arbeitsunfähigkeit zu einer Zeit einsetzte, als die versicherte Person ihr
angeschlossen war, sondern auch, dass zwischen dieser Arbeitsunfähigkeit und der
Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht. Der sachliche
Zusammenhang ist gegeben, wenn der invalidisierende Gesundheitsschaden der
gleiche ist, wie er sich bereits während der Zugehörigkeit zur Vorsorgeeinrichtung
manifestierte. Die zeitliche Konnexität setzt voraus, dass zwischen der früheren
Arbeitsunfähigkeit und der späteren Invalidität bzw. deren Verschlimmerung keine
längere Periode der Arbeitsfähigkeit liegt. Dabei sind die gesamten Umstände des
konkreten Einzelfalls zu würdigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens,
dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, welche die
versicherte Person zur Wiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
1c S. 264, 120 V 112, E. 2c/aa-bb mit Hinweisen).
2.3 Gemäss dem Vorsorgereglement für die BVG-Basisvorsorge der Beklagten (act.
G 1.1/14; nachfolgend Reglement) ist eine versicherte Person invalid, wenn sie
voraussichtlich bleibend oder für längere Zeit ganz oder teilweise erwerbsunfähig ist.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Ziff. 20 Abs. 1
Reglement). Der Anspruch auf Invaliditätsleistungen setzt voraus, dass die versicherte
Person im Sinn der Eidgenössischen IV zu mindestens 40% invalid ist und bei Eintritt
der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, aufgrund des
Vorsorgereglements versichert war (Ziff. 20 Abs. 2 Reglement). Der Grad der Invalidität
wird auf Grund eines Einkommensvergleichs ermittelt, wie er auch in Art. 16 ATSG (SR
830.1) vorgesehen ist (Ziff. 20 Abs. 4 Reglement). Bei Eintritt einer Arbeitsunfähigkeit in
den Jahren 2005 und 2006 gilt für die ganze Dauer der Invalidität Folgendes: Anspruch
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auf Invaliditätsleistungen besteht bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 25% (Ziff.
20 Abs. 6 Reglement). Der Anspruch auf Invalidenrente entsteht nach Ablauf der
vereinbarten Wartezeit. Ein Rentenanspruch besteht nicht, solange die versicherte
Person Taggelder der IV bezieht (Ziff. 21 Abs. 1 Reglement). Als Wartefrist gilt die
Dauer der Invalidität, die ab Beginn der Invalidität bis zur Entstehung des
Leistungsanspruchs verstreichen muss. Sie ist im Vorsorgeplan festgelegt (Ziff. 20 Abs.
3 Reglement) und beträgt konkret 12 Monate (act. G 1.1/15).
3.
3.1 Am 27. Dezember 2004 wurde von Seiten des Spitals G._ ein an diesem Tag
durchgeführter Krankentransport der Klägerin bestätigt (act. G 1.1/4). Im ärztlichen
Zeugnis vom 27. April 2005 bescheinigte die ärztliche Leitung der Klinik St.
Pirminsberg, Pfäfers, eine volle Arbeitsunfähigkeit der Klägerin vom 28. Dezember 2004
bis 15. Mai 2005 (act. G 1.1/5). Im Bericht vom 11. Mai 2005 legten die Klinikärzte unter
anderem dar, bei der Klägerin bestehe seit 1995 eine bipolar affektive Störung mit
rezidivierend depressiven Episoden, gegenwärtig remittiert. Es habe auch mehrere
manische bis submanische Phasen gegeben, welche jedoch nie stationär psychiatrisch
behandelt worden seien. Diese erste depressive Episode liege ca. 10 Jahre zurück. Die
Patientin sei am 28. Dezember 2004 in manischem Zustandsbild per FFE zugewiesen
worden. Die bisherige Tätigkeit sei in einem zeitlichen Rahmen von vier Stunden pro
Tag bzw. zu 50% zumutbar (act. G 9.1/5). Dr. F._, bescheinigte im Bericht vom 26.
Juni 2005 eine volle Arbeitsunfähigkeit ab 4. Oktober 2004, mit anschliessender
versuchsweiser Arbeitsfähigkeit wieder gegeben gewesen. Ab 23. November 2004
habe volle und vom 29. November bis 5. Dezember 2004 50%ige Arbeitsunfähigkeit
bestanden. Die Klägerin habe erstmals ca. 1989 im Zusammenhang mit der Scheidung
einen Nervenzusammenbruch erlitten (act. G 9.1/7). Am 4. Dezember 2005 gab der Arzt
bekannt, dass die Klägerin nicht mehr arbeitsfähig sei (IV-act. 40). Der Psychiater
Dr. med. H._ berichtete am 9. Februar 2007 über einen verschlechterten
Gesundheitszustand. Die Klägerin sei in der freien Wirtschaft nicht einsetzbar (IV-act.
44). Im psychiatrischen Gutachten der Klinik I._ zuhanden der IV vom 26. April 2007
wurde unter anderem ausgeführt, die Klägerin habe trotz jahrelanger schubweise
auftretender psychischer Erkrankung immer wieder Initiative gezeigt, um in
verschiedenen Berufen tätig zu sein. Dies sei nach Abklingen der ersten schweren
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manischen Phase, die eine stationäre Behandlung (ab Ende 2004) notwendig gemacht
habe, nicht mehr gelungen. Sie habe ein Residualsyndrom entwickelt, das die kurz
nach Klinikaustritt noch angenommene Restleistungsfähigkeit mittlerweile aufgehoben
habe. Aus psychiatrischer Sicht bestehe kein zu den Bedingungen des allgemeinen
Arbeitsmarktes verwertbares Leistungsbild mehr. Prognostisch sei dabei von keiner
leistungsrelevanten Veränderbarkeit des Störungsbilds mehr auszugehen. Da die
Entwicklung des Residualsyndroms schleichend verlaufen sei, sei eine genaue
Terminierung schwierig. Es sei von einer Verschlechterung des Gesundheitszustands
seit dem IV-Entscheid vom März 2006 auszugehen (act. G 9.1/6). Auf Anfrage der
Beklagten bestätigte Dr. F._ am 3. Januar 2011, dass bei der Klägerin vom 23. bis
28. November 2004 eine volle Arbeitsunfähigkeit und vom 29. November bis 5.
Dezember 2004 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe (act. G 9.1/9).
3.2 Zu prüfen ist konkret zum einen die Frage, ob bei der Klägerin während des
Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten (von 1. September bis 31. Dezember 2004;
act. G 1.1/7) bzw. der einmonatigen Nachdeckungsfrist bis 31. Januar 2005 (Art. 10
Abs. 3 BVG) eine Arbeitsunfähigkeit aufgetreten ist, welche in sachlichem und zeit
lichem Zusammenhang mit der von der IV ab Dezember 2005 anerkannten Invalidität
steht. Unter Arbeitsunfähigkeit ist die gesundheitlich bedingte Einbusse an
funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf zu verstehen. Die
Arbeitsunfähigkeit muss erheblich, offensichtlich und dauerhaft sein. Die Erheblichkeit
wird in der Regel dann bejaht, wenn die Einschränkung mindestens 20% beträgt (vgl.
Bundesamt für Sozialversicherung, Mitteilungen über die berufliche Vorsorge, Nr. 44 Rz
258 mit Hinweis auf EVG-Urteil vom 7. Oktober 1998, B 48/97). Die Ermittlung der
Arbeitsunfähigkeit geht von ärztlichen Bewertungen aus. Wenngleich diese für das
Gericht nicht verbindlich sind, so sollen sie dennoch nicht ohne hinreichenden Grund
umgestossen oder abgeändert werden. Der Beurteilungsspielraum, der dem Arzt oder
der Ärztin zukommt, ist auch vom Gericht zu respektieren. Für die Festlegung des
Beginns und des Grads der Arbeitsunfähigkeit ist somit grundsätzlich die nach
ärztlicher Beurteilung medizinisch zumutbare Arbeitsfähigkeit massgebend. Der von
einer versicherten Person effektiv erbrachten Arbeitsleistung kann jedoch soweit
Bedeutung zukommen, als durch sie eine widersprechende ärztliche Beurteilung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit an Beweiskraft verlieren kann (Entscheid des st. gallischen
Versicherungsgerichts vom 25. Februar 2003, BV 2002/2, E. 3b). Während für den
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Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im Sinn von Art. 23 BVG die Einbusse an funktionellem
Leistungsvermögen im bisherigen Beruf massgeblich ist, beurteilt sich der zeitliche
Zusammenhang zwischen der Arbeitsunfähigkeit im Sinn von Art. 23 BVG und der
später eingetretenen Invalidität nach der Arbeitsfähigkeit in einer der gesundheitlichen
Beeinträchtigung angepassten zumutbaren Tätigkeit. Darunter fallen auch
leistungsmässig und vom Anforderungsprofil her vergleichbare Tätigkeiten. Diese
Tätigkeiten müssen jedoch bezogen auf die angestammte Tätigkeit die Erzielung eines
rentenausschliessenden Einkommens erlauben (BGE 134 V 20 E. 5.3).
3.3 Mit Blick auf die in E. 2.3 dargelegten Reglementsbestimmungen ist festzuhalten,
dass die Beklagte einen Invaliditätsbegriff verwendet, der grundsätzlich von
demjenigen der IV abweicht, wobei allerdings alternativ auf die Invaliditätsbemessung
durch die IV verwiesen wird. Die Verfügungen vom 3. und 9. März 2006 und 16. August
2007 wurden ihr nicht zugestellt (act. G 1.1/3 und 6). Eine Bindung an die Festlegung
der rentenbegründenden Arbeitsunfähigkeit und den Invaliditätsgrad durch die IV ist
somit zu verneinen. Die IV-Verfügung vom 9. März 2006 geht von einer
krankheitsbedingten Reduktion der Arbeitstätigkeit seit 28. Dezember 2004 aus (act. G
1.1/3). Nachdem die Verbindlichkeit der Festsetzung des Beginns des Wartejahrs
(Dezember 2004) durch die IV-Stelle zu verneinen ist, sind der Eintritt der
massgeblichen Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit sowie ein allfälliger Anspruch
gegenüber der Beklagten auf Invalidenleistungen von dieser bzw. vom angerufenen
Versicherungsgericht selbständig abzuklären und festzulegen. Dabei sind auch die im
IV-Verfahren produzierten Akten mit zu berücksichtigen. Hinsichtlich des von der IV
vorgenommenen Einkommensvergleichs bzw. der festgelegten Invaliditätsgrade (50%
ab Dezember 2005 und 100% ab Januar 2007) besteht dagegen kein Anlass für eine
selbständige Festlegung in diesem Verfahren, zumal Anhaltspunkte für eine
offensichtliche Unrichtigkeit weder aus den Akten ersichtlich sind noch geltend
gemacht werden.
3.4 In den Anträgen auf Arbeitslosenentschädigung vom 15. April 2000 und 2. Januar
2002 erklärte sich die Klägerin jeweils bereit und in der Lage, vollzeitlich zu arbeiten.
Vom 27. Mai bis 30. Juni 2000 bescheinigten Dr. F._ und das Kantonale Spital J._
eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit (ALV-act. 197, 199) In den
Kontrollausweisen für April bis Dezember 2000 sowie Januar bis März 2001
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bescheinigte die Klägerin eine uneingeschränkte Vermittlungsfähigkeit (ALV-act. 135,
143, 164, 166, 169, 172, 184, 186, 188, 190, 193, 196, 200, 201). Während des von
1. März bis 31. Dezember 2001 dauernden, von der Arbeitgeberin mit Hinweis auf
wirtschaftliche Gründe beendeten vollzeitlichen Arbeitsverhältnisses bei der B._ AG
traten bei der Klägerin nach Lage der Akten keine Arbeitsunfähigkeiten auf (IV-act. 13),
und im Zeitpunkt der Beendigung dieses Arbeitsverhältnisses war sie in der
Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (ALV-act. 4 Ziff. 13). Anlässlich der Antragstellung
bei der Arbeitslosenversicherung vom April 2002, aufgrund welcher eine Rahmenfrist
für den Leistungsbezug vom 24. April 2002 bis 23. April 2004 eröffnet wurde (ALV-act.
1), erklärte sich die Klägerin wiederum für voll vermittlungsfähig, und die ALE-
Taggelder ab April 2002 wurden dementsprechend auf der Basis eines ungekürzten
versicherten Verdienstes von Fr. 5'633.-- berechnet (ALV-act. 2). Selbst wenn -
entgegen dieser Aktenlage - die (arbeitslose) Klägerin sich ab Januar 2002 allein
deshalb zu 100% arbeitsfähig erklärt hätte, um auf dem Arbeitsmarkt als
vermittlungsfähig zu gelten, vermöchte dies für sich allein keine längerdauernde
Arbeitsunfähigkeit zu belegen. Für Oktober 2002 bescheinigte die Klägerin gegenüber
dem RAV lediglich eine Arbeitsunfähigkeit von einem Tag und für Januar bis September
2002 sowie November und Dezember 2002 eine uneingeschränkte Arbeits- und
Vermittlungsfähigkeit (ALV-act. 95, 102, 105, 108, 111-122, 157, 159, 161).
Aufgrund des von Januar bis Juni 2003 befristeten Arbeitsvertrags als
Pflegepraktikantin im Kreisspital E._ war die Klägerin - entgegen der diesbezüglichen
Annahme der Beklagten (act. G 9 S. 6) - soweit ersichtlich nicht bei der zum Verfahren
beigeladenen Swisslife AG (act. G 27) vorsorgeversichert, denn sie erreichte mit dieser
Tätigkeit den damals gültigen BVG-Minimallohn von Fr. 25'320.-- im Sinn von Art. 7
Abs. 1 BVG nicht (vgl. ALV-act. 37: Fr. 844.80 x 12). Ausgehend von der Annahme,
dass die Arbeitslosenversicherung diese Tätigkeit als Zwischenverdienst abrechnete
(vgl. act. G 48 S. 2), lag eine Zuständigkeit der Stiftung Auffangeinrichtung betreffend
berufliche Vorsorge vor. Mit dem Praktikum erhoffte man sich die Verbesserung der
Chancen der Klägerin, in einer anderen Pflegeinstitution eine Stelle zu finden. Im
Protokoll des RAV-Beratungsgesprächs vom 24. Februar 2003 wurde festgehalten, die
Personalverantwortliche sei mit den Leistungen der Klägerin sehr zufrieden. Sie werde
so oder so ein gutes Arbeitszeugnis und eine gute Referenz erhalten (ALV-act. 92). Im
Rahmen dieses Arbeitsvertrags ergaben sich bei vollzeitlichem Einsatz der Klägerin vier
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kürzere krankheitsbedingte Abwesenheiten (act. G 9.1/3 Ziff. 21; IV-act. 12 Ziff. 21).
Aus dem Schreiben der Beklagten vom 3. Januar 2011 und der entsprechenden
Antwort von Dr. F._ vom 13. Februar 2011 (act. 9.1/8f) lässt sich entgegen der
Auffassung der Beklagten (act. G 9 S. 6) keine Parteilichkeit des Arztes ableiten, auch
wenn dessen Angaben unter Umständen nicht vollständig waren. Ihre Behauptung,
dass Dr. F._ im IV-Verfahren wiederholt für die Klägerin Partei genommen habe,
begründete die Beklagte nicht näher; dies kann nach Sichtung der IV-Akten auch nicht
als belegt gelten. Dr. F._ begründete in dem vom Versicherungsgericht angeforderten
Bericht vom 27. April 2012 die Arbeitsunfähigkeit vom 12. bis 14. April 2003 mit einem
Harnwegsinfekt, Nierenlogenschmerzen und einer möglichen
Nierenbeckenentzündung. Als Ursachen für die Arbeitsunfähigkeit vom 28. April bis 14.
Mai 2003 nannte er Nervosität, Hyperaktivität und Schlafstörung (act. G 35). Die
Beklagte erachtet es im Sinn einer Vermutung als wahrscheinlich, dass die Klägerin hier
eine manische Phase ihrer langjährigen psychiatrischen Erkrankung durchlebt habe
(act. G 48 S. 4). Ob dies so war, lässt sich im Nachhinein nicht mehr eruieren. Hingegen
lässt sich den Akten entnehmen, dass es im letzten Arbeitsmonat zu einem Konflikt am
Arbeitsplatz gekommen war (ALV-act. 41). Die Klägerin selbst umschrieb die
Krankheitsursache als "besonders schwere Depression" und begründete diese mit
belastenden Umständen am Arbeitsplatz (vgl. IV-act. 50 S. 3 Mitte). All dies belegt
jedoch nicht den Eintritt einer andauernden Arbeitsunfähigkeit. Eine solche lässt sich
insbesondere auch aus der schwierigen Vermittelbarkeit der Klägerin nicht ableiten.
Ausschlaggebend erscheint, dass sie im Zeitpunkt der Beendigung des
Praktikumsvertrags - Ende Juni 2003 - nach Lage der Akten wieder uneingeschränkt
arbeitsfähig war (vgl. IV-act. 12-2/4 Ziff. 21). Für Juli bis Dezember 2003 bestätigte sie
gegenüber dem RAV eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit (ALV-act. 44-46, 48, 55,
59). Obschon die psychische Erkrankung seit Jahren immer wieder in Erscheinung trat,
war die Klägerin in der Lage, ihre beruflichen Tätigkeiten ohne grössere
krankheitsbedingte Unterbrüche und zur Zufriedenheit ihrer Arbeitgeber (vgl. IV-act.
17-9/19f, 17-6/19f, 17-4/19f; ALV-act. 33-35) auszuüben (vgl. dazu Darlegungen im
Gutachten der Klinik I._, S. 6f; IV-act. 50 und act. G 9.1/6). In den Jahren 2002 und
2003 kam sie bei uneingeschränkter Vermittlungsfähigkeit ihren ALV-Kontrollpflichten
nach.
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Selbst wenn aufgrund der Erkrankung im April/Mai 2003 der Eintritt einer
rentenbegründenden dauernden Arbeitsunfähigkeit anzunehmen wäre, müsste der
zeitliche Zusammenhang zwischen dieser Arbeitsunfähigkeit und der späteren
Invalidität durch die nachfolgende Entwicklung als unterbrochen eingestuft werden.
Seit Januar 2004 wurde die Klägerin vom Sozialamt ihrer Wohngemeinde unterstützt.
Im Jahr 2004 erfolgten drei kurzzeitige Einsätze von zwei bis fünf Wochen Dauer für
eine Temporärfirma (act. G 9.1/2). Auch hier sind keine längerdauernden
Arbeitsunfähigkeiten aus den Akten ersichtlich. Das Bestehen von langjährigen
gesundheitlichen (psychischen) Problemen und die Vornahme von entsprechenden
Behandlungen belegen für sich allein - ohne ärztliche Bescheinigung einer
andauernden Arbeitsfähigkeitseinschränkung - noch keinen Eintritt einer
rentenbegründenden Arbeitsunfähigkeit während und unmittelbar nach Beendigung der
erwähnten Arbeitsverhältnisse (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 15. Juli 2008,
9C_178/2008, E. 3.2). Ein solcher kann jedenfalls nicht mit überwiegender
Wahrscheinlich angenommen werden und hat damit als beweislos zu gelten.
3.5 Es liegen im Weiteren keine Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei dem
viermonatigen Arbeitsverhältnis der Klägerin beim D._ ab September 2004 um einen
blossen Arbeitsversuch gehandelt hatte, zumal wie dargelegt während rund
zweieinhalb Jahren (Januar 2002 bis August 2004) vor Antritt dieses
Arbeitsverhältnisses - abgesehen von der erwähnten Krankheitsepisode im April/Mai
2003 - nach Lage der Akten keine längerdauernden (psychisch begründeten)
Arbeitsunfähigkeiten belegt sind. Zu berücksichtigen sind in diesem Zusammenhang
die in der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tretenden Verhältnisse (SZS 2003 S.
509 [B 23/01]; Urteil des EVG, B 73/00, vom 28. Mai 2002, E. 3a/bb). Einen Unterbruch
des zeitlichen Zusammenhangs zwischen einer früher eingetretenen Arbeitsunfähigkeit
und der späteren Invalidität hat die Rechtsprechung etwa bei einer über 17 Monate
(SZS 2003 S. 510 [B 4/02]) oder mehr als zwei Jahre (EVG-Urteil vom 7. September
2006, B 51/05, E. 4.1 und 5.3) hinweg bestehenden Erwerbstätigkeit ohne
nennenswerte Arbeitsunterbrüche und ohne reduzierte Arbeitsleistung angenommen. In
einem Fall erachtete das EVG den zeitlichen Zusammenhang - unter Berücksichtigung
der Umstände des Einzelfalls - durch eine viermonatige Zeitspanne mit voller Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit als unterbrochen (EVG-Urteil vom 8. Februar 2006, B 100/05, E.
3.2). Die vertraglich festgesetzte Pflicht zur Erbringung von Arbeit und die dafür
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vorgesehene Entlöhnung sowie weitere im Rahmen des Arbeitsverhältnisses getroffene
Vereinbarungen sind in der Regel als den realen Gegebenheiten entsprechend zu
werten. Nur bei Vorliegen besonderer Umstände darf die Möglichkeit einer von der
arbeitsrechtlich zu Tage tretenden Situation in Wirklichkeit abweichenden Lage - etwa
in dem Sinn, dass ein Arbeitnehmer zwar zur Erbringung einer vollen Arbeitsleistung
verpflichtet war und auch entsprechend entlöhnt wurde, tatsächlich aber eben doch
keine volle Arbeitsleistung hat erbringen können - in Betracht gezogen werden, wobei
aber äusserste Zurückhaltung geboten ist. Andernfalls bestünde die Gefahr, in
Spekulationen zu verfallen, mit der Folge, dass sich der Versicherungsschutz des
Arbeitnehmers verflüchtigen würde, indem dieser jeweils an die Vorsorgeeinrichtung
des früheren Arbeitgebers verwiesen werden könnte (Urteil des EVG vom 28. Mai 2002,
B 73/00, E. 3a/bb). Findet beispielsweise jemand nach langer £Arbeitslosigkeit eine
neue Stelle, bei welcher die Entlöhnung geringer als das hochgerechnete Einkommen
bei einem früheren Arbeitgeber ausfällt, lässt allein diese tiefere Besoldung noch nicht
auf eine gesundheitsbedingte Einschränkung des Leistungsvermögens schliessen
(Urteil des EVG vom 21. November 2002, B 23/01, E. 3.4; vgl. auch Entscheid des st.
gallischen Versicherungsgerichts vom 28. November 2005, BV 2004/26, bestätigt
durch Urteil des EVG vom 9. März 2007, B 7/06; Entscheid des st. gallischen
Versicherungsgerichts vom 14. März 2005, BV 2003/25, bestätigt durch Urteil des EVG
vom 7. September 2006, B 51/05).
Für die Zeit des vom 1. September bis 31. Dezember 2004 befristeten Arbeitsvertrages
für einen vollzeitlichen Einsatz der Klägerin als Mitarbeiterin beim D._ mit einem
monatlichen Bruttolohn von Fr. 3'013.70 (act. G 1.1/2, 9.1/4, 1.1/12) bescheinigte Dr.
F._ Arbeitsunfähigkeiten am 16. September 2004, vom 23. bis 28. November 2004
und vom 29. November bis 5. Dezember 2004 (act. G 9.1/9; act. G 35). Im Bericht vom
27. April 2012 bestätigte der Arzt, dass die Erstdiagnose einer bipolaren Störung mit
manischer Phase im Februar 2005 gestellt worden sei (act. G 35). Aus dem Umstand,
dass die Klägerin bei ihrer Tätigkeit beim D._ einen erheblich tieferen Monatslohn
erzielte als bei früheren Tätigkeiten (zuletzt bei der B._ AG; IV-act. 13), kann
entgegen der Auffassung der Beklagten (act. G 1.1/10; G 9 S. 7) nicht auf eine bereits
bei Eintritt bei der Beklagten bestehende gesundheitsbedingte Arbeitsfähigkeits-
Einschränkung geschlossen werden. Denn die Arbeitslosigkeit ab Anfang 2002, die
Absolvierung eines Spitalpraktikums im Jahr 2003 und die kurze Dauer der
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(Temporär-)Arbeitsverhältnisse im Jahr 2004 hatten nach Lage der Akten vorab
wirtschaftliche bzw. arbeitsmarktliche Gründe (vgl. IV-act. 13), und es ist davon
auszugehen, dass die Klägerin die Tätigkeit beim D._ offensichtlich aus einer
wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus (vier Monate vor der ALV-Aussteuerung)
angenommen hatte. Gemäss dem Zeugnis der Klinik St. Pirminsberg vom 27. April
2005 bestand erst seit dem 28. Dezember 2004 eine andauernde (psychiatrisch
bedingte) Arbeitsunfähigkeit (act. G 1.1/5). Im Bericht vom 11. Mai 2005 bescheinigten
die Klinikärzte eine danach weiterhin bestehende 50%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G
9.1/5). Damit ergab sich während des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten eine
Arbeitsfähigkeitseinschränkung der Klägerin mit Dauercharakter sowohl in den
bisherigen Tätigkeiten als auch in einer adaptierten Arbeit. Von diesen Einschätzungen
ging auch die IV für die Invaliditätsbemessung aus (vgl. IV-act. 31, 34).
3.6 Bei der geschilderten Aktenlage erscheint der Eintritt einer Arbeitsunfähigkeit,
deren Ursache ab Dezember 2005 zur hälftigen Invalidität bei der Klägerin führte,
während der Dauer des Versicherungsverhältnisses bei der Beklagten überwiegend
wahrscheinlich belegt. Neben dem sachlichen Zusammenhang zwischen der auf Ende
2004 eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der späteren Invalidität ist auch ein zeitlicher
Zusammenhang als gegeben zu erachten, weil die Klägerin seit Ende 2004 nie mehr
arbeitsfähig wurde und auch keine Erwerbstätigkeit mehr aufnahm. Auch die von der IV
gestützt auf das Gutachten der Klinik I._ angenommene Verschlechterung des
Gesundheitszustands (IV-act. 50-8/8 und 51) mit Zusprechung einer ganzen Rente ab
1. Januar 2007 (IV-Grad von 100%; IV-act. 60, 61) steht in einem sachlichen und
zeitlichen Zusammenhang mit der seit Ende 2004 bestehenden Arbeitsunfähigkeit. Eine
weitere gutachterliche Klärung der Frage des Eintritts der rentenbegründenden
Arbeitsunfähigkeit (vgl. act. G 9 S. 7 unten) würde beim geschilderten Sachverhalt
überwiegend wahrscheinlich keine weiteren bzw. "besseren" Erkenntnisse zeitigen.
Damit wird die Beklagte leistungspflichtig, wobei die Fälligkeit der Leistungen zeitlich
mit dem Beginn der IV-Rente (50% ab Dezember 2005) bzw. der Erhöhung derselben
(100% ab Januar 2007) zusammenfällt (vgl. Ziff. 20 Abs. 3 Reglement; act. G 1.1/15).
Nachdem die Leistungspflicht feststeht, braucht die Frage der Vorleistungspflicht im
Sinn von Art. 26 Abs. 4 BVG (act. G 1 S. 2) nicht mehr geklärt zu werden.
4.
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4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Klage gutzuheissen und die
Beklagte zu verpflichten, der Klägerin mit Wirkung ab Dezember 2005 Leistungen auf
der Basis eines Invaliditätsgrads von 50% und ab Januar 2007 auf der Basis eines
Invaliditätsgrads von 100% auszurichten. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73
Abs. 2 BVG).
4.2 Im Bereich der beruflichen Vorsorge anerkennt die Rechtsprechung die Pflicht zur
Entrichtung von Verzugszinsen bei einer verspäteten Überweisung von
Freizügigkeitsleistungen sowie bei verspäteter Auszahlung eines Alterskapitals oder bei
Invalidenrenten (Hans-Ulrich Stauffer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zur
beruflichen Vorsorge, 1996, S. 27). Enthalten die Statuten keine Bestimmung über die
Höhe des Verzugszinses, beträgt dieser 5% (Art. 104 Abs. 1 OR). Der Beginn der
Zinspflicht richtet sich nach Art. 105 Abs. 1 OR (BGE 119 V 133 E. 4 = Pra 83 (1994) Nr.
67, wonach ein Schuldner, der mit der Entrichtung von Renten im Verzug ist, erst vom
Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an Verzugszinsen zu
bezahlen hat). Im vorliegenden Fall hat die Klägerin am 17. November 2010 die Klage
eingeleitet; somit schuldet ihr die Beklagte ab diesem Zeitpunkt Verzugszins zu 5% auf
den ausstehenden Leistungen.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang wird die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
gegenstandslos. Die Klägerin hat Anspruch auf Parteientschädigung gegenüber der
Beklagten. Die vom Rechtsvertreter der Klägerin eingereichte Kostennote vom 30. Juni
2011 (act. G 26) betrifft auch vorprozessualen Aufwand. Der Aufwand ab Erstellung der
Klageschrift beläuft sich nach seiner Aufstellung auf 22 Stunden. Zum Stundensatz von
Fr. 250.-- ergibt sich ein Betrag von Fr. 5'500.--. Es erscheint vorliegend gerechtfertigt,
von der Pauschale von Fr. 4'000.-- für durchschnittlich aufwändige Fälle abzuweichen
und die Entschädigung auf pauschal Fr. 6'000.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzulegen. Die Honorarkürzung um einen Fünftel (vgl. Art. 31 Abs. 3
AnwG [sGS 963.75]) fällt wegen Gegenstandslosigkeit der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung dahin.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
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