Decision ID: 2be3891b-e81c-460b-a06c-50edf05120f2
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
Sachbeschädigung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht, vom 16. September 2011 (GG110013)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 14. März 2011
(Urk. 25) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 48)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Sachbeschädigung mit grossem Schaden im Sinne von
Art. 144 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 StGB sowie des Hausfriedensbruchs im Sinne von
Art. 186 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 8 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 9 Tage durch Haft
erstanden sind).
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre festgelegt.
4. Die Probezeit der mit Entscheid des Justizvollzuges Kanton Zürich vom 19. Juni 2009
gewährten bedingten Entlassung wird um 6 Monate ab heutigem Datum verlängert und der
Beschuldigte verwarnt mit der Androhung der Rückversetzung in den Strafvollzug bei
erneuter Delinquenz während der verlängerten Probezeit.
5. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 1 dem Grundsatze
nach in solidarischer Haftung mit B._, C._ und D._ schadenersatzpflichtig ist.
Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklä-
gerin 1 auf den Zivilweg verwiesen.
6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'400.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'680.25 Auslagen Untersuchung
zuzüglich Kosten amtliche Verteidigung
sowie Dolmetscherkosten.
7. Die Kosten werden dem Beschuldigten auferlegt. Über die Höhe der Kosten der amtlichen
Verteidigung wird separat entschieden.
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Verlangt keine der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils, ermässigt sich die
Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
8. (Mitteilungen)
9. (Rechtsmittelbelehrung)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 73)
1. In Änderung von Dispositiv Ziff. 1, 2, 3 und 4 des Urteils vom 16. September
2011 sei der Beschuldigte von den Vorwürfen gemäss Anklage freizu-
sprechen.
2. In Änderung von Dispositiv Ziff. 5 seien die Zivilansprüche abzuweisen.
3. In Änderung von Dispositiv Ziff. 7 seien die Kosten auf die Staatskasse zu
nehmen.
4. Es sei dem Beschuldigten aus der Staatskasse zuzusprechen
- Schadenersatz von Fr. 5'151.–
- Genugtuung von mindestens Fr. 6'000.– zuzüglich Zins von 5% seit dem 10.12.2009.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 79)
1. Die Urteile des Bezirksgerichts Horgen vom jeweils 16. September 2011
gegen die vier Beschuldigten seien gegenüber allen Beschuldigten in sämtli-
chen Punkten vollumfänglich zu bestätigen.
2. Die Kosten dieses Verfahrens seien den Beschuldigten aufzuerlegen.
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Erwägungen:
1. Ausgangslage/Prozessgeschichte
1.1. D._ (im Folgenden "D._") überschritt als Lenker seines Ford Focus
am 7. November 2009 um ca. 22.50 Uhr auf der Autobahn A... Richtung E._
in F._ die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h um netto 68 km/h.
Diese Geschwindigkeitsüberschreitung wurde durch ein knapp 500 m vor der
Ausfahrt F._ installiertes Radargerät festgehalten. D._ ist geständig,
sich dadurch einer groben Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gemacht zu
haben. Als Beifahrer sass bei jener Fahrt B._ (im Folgenden "B._") im
Auto.
1.2. Die Staatsanwaltschaft wirft den Vorgenannten weiter vor, sie hätten
anschliessend zusammen mit den in ihrem BMW von E._ herkommenden
C._ (im Folgenden "C._", Lenker des BMW) und A._ (dem vorlie-
gend Beschuldigten; im Folgenden "Beschuldigter" oder "A._", Beifahrer im
BMW) das auf einem eingezäunten Platz installierte Radargerät in Brand gesetzt
und so beschädigt (der Brand konnte schon bald durch alarmierte Polizeibeamte
gelöscht werden und die bis zum Brand erhobenen Messdaten blieben intakt). Al-
le vier Beschuldigten geben zwar zu, die Autobahn nach dem Radargerät abge-
sucht und dabei gar davon gesprochen zu haben, den Radar funktionsunfähig zu
machen. Sie wollen aber alle lediglich von ihrem Treffpunkt bei der Autobahnaus-
fahrt G._ nach F._ und zurück gefahren sein und das Gerät nicht gefun-
den haben. Danach hätten sie sich wieder getrennt, und die Richtung H._
heimfahrenden D._ und B._ hätten auf der Gegenfahrbahn das bren-
nende Radargerät erblickt. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen alle vier - zum
Teil neben weiteren Delikten - Anklage wegen mittäterschaftlich begangenen
Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung.
1.1. Die Vorinstanz befand mit Urteilen vom 16. September 2011 alle vier
Beschuldigten anklagegemäss für schuldig. Der vorliegend beschuldigte A._
wurde wegen Sachbeschädigung mit grossem Schaden im Sinne von Art. 144
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Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 StGB sowie wegen Hausfriedensbruchs im Sinne
von Art. 186 StGB mit einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten bestraft, wovon 9 Tage
durch Haft erstanden waren. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde bei einer
Probezeit von 4 Jahren bedingt aufgeschoben, und die dem Beschuldigten durch
einen Entscheid des Justizvollzugs des Kantons Zürich vom 19. Juni 2009
gewährte bedingte Entlassung wurde um 6 Monate verlängert, verbunden mit der
Androhung der Rückversetzung in den Strafvollzug bei erneuter Delinquenz
während der verlängerten Probezeit. Weiter wurde festgestellt, dass der Beschul-
digte zusammen mit den drei weiteren Verurteilten der Privatklägerin 1 gegenüber
im Grundsatz in solidarischer Haftung schadenersatzpflichtig ist. Die Verfahrens-
kosten wurden schliesslich dem Beschuldigten auferlegt (Urk. 48 S. 31 ff.).
1.3. Gegen diese Urteile erhoben alle vier Verurteilten Berufung. A._ liess
seinen amtlichen Verteidiger die Berufung am 19. September 2011 fristgerecht
anmelden (Urk. 42) und nach Zustellung des begründeten Urteils - ebenfalls frist-
gerecht - am 10. Februar 2012 die Berufungserklärung einreichen (Urk. 49).
Dabei stellte der Verteidiger den Beweisantrag, es sei ein Augenschein beim
Radar sowie eine Rekonstruktionsfahrt durchzuführen (Urk. 49 S. 2).
1.4. Mit Präsidialverfügung vom 13. März 2012 wurde die Berufungserklärung in
Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO den Gegenparteien übermittelt, um
gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die Beru-
fung zu beantragen sowie zum Beweisantrag Stellung zu nehmen (Urk. 52). Am
19. März 2012 teilte die Staatsanwaltschaft mit, sie beantrage die Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils und stelle keine Beweisanträge (Urk. 54). Die Privatkläger
liessen sich nicht vernehmen.
1.2. Mit Verfügung vom 3. Mai 2012 wies der Kammerpräsident den Beweis-
antrag ab und teilte dem Verteidiger mit, dass die in Parallelverfahren gestellten
Anträge zum Zulassung der Erkenntnisse aus der rückwirkenden Teilnehmeriden-
tifikation sowie um Beizug des aus dem Radargerät sichergestellten Datensatzes
gutgeheissen worden seien (Urk. 58). Die beigezogenen Beweismittel befinden
sich in den Verfahren SB120102 (i.S. C._, dortige Urk. 60/1-3) bzw.
SB120100 (i.S. B._, dortige Urk. 59/3).
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1.5. Am 12. Oktober 2012 stellte der Verteidiger des vorliegend Beschuldigten
den weiteren Beweisantrag, es seien I._ und J._ als Zeugen zu ver-
nehmen. Zur Begründung führte der Verteidiger aus, D._ habe sich gegen-
über den beiden Genannten dergestalt geäussert, als er - D._ - und sein
Freund - mutmasslich B._ - die Radarmessanlage in Brand gesetzt hätten
(Urk. 62). Dazu reichte der Verteidiger eine deutsche Übersetzung der aufge-
zeichneten Aussagen von I._ und J._ ein (Urk. 64; Urk. 67). Mit Verfü-
gung vom 19. Oktober 2012 wurde die Einvernahme dieser beiden Zeugen ange-
ordnet und diese zur Berufungsverhandlung vom 29. November 2012 vorgeladen
(Urk. 68).
1.6. Das vorliegende Verfahren wurde zusammen mit den im Zusammenhang
stehenden Verfahren SB120100, SB120101 und SB120102 verhandelt. Zur
heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte A._ in Beglei-
tung seines (amtlichen) Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur. X._ (vorliegendes
Verfahren), der Beschuldigte B._ in Begleitung seines (amtlichen) Verteidi-
gers Rechtsanwalt lic. iur. Y._ (SB120000), der Beschuldigte D._ in Be-
gleitung seines (erbetenen) Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur. Z._
(SB120001) und der Beschuldigte C._ in Begleitung seiner (erbetenen) Ver-
teidigerin Rechtsanwältin lic. iur. W._ (SB120002) sowie der stellvertretende
Leitende Staatsanwalt lic. iur. Rafael Michel (Prot. II S. 5). Zu Beginn der Beru-
fungsverhandlung waren keine Vorfragen zu entscheiden (Prot. II S. 9). Rechts-
anwalt X._ stellte die Beweisanträge, es seien ein Augenschein beim Radar
sowie eine Rekonstruktionsfahrt durchzuführen. Zudem beantragte Rechtsanwalt
Z._, es sei der Cousin des Beschuldigten D._ als Zeuge zur Frage, ob
er am 25. März 2011 den Beschuldigten beim Flughafen ... abgeholt habe und
wer dabei anwesend gewesen sei, zu befragen (Prot. II S. 12).
2. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte lässt beantragen, er sei in Aufhebung des angefochtenen Urteils
vollumfänglich freizusprechen (Urk. 49 S. 1; Urk. 73). Das erstinstanzliche Urteil
ist deshalb in keinem Punkt in Rechtskraft erwachsen und bildet gesamthaft
Gegenstand des Berufungsverfahrens (vgl. Prot. II S. 10).
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3. Sachverhalt
3.1. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze von Beweiserhebung und
-würdigung richtig dargestellt, sodass vorab darauf verwiesen werden kann
(Urk. 48 S. 5/6).
3.2. Mit Verfügungen vom 13. Januar 2010 und 17. Februar 2010 genehmigte
die Präsidentin der Anklagekammer des Obergerichts des Kantons Zürich die von
der Staatsanwaltschaft in Bezug auf D._, B._ und C._ angeordnete
rückwirkende Randdatenerhebung der von diesen benutzten Mobiltelefonen
(Urk. 17/5 und Urk. 17/8). Diese Genehmigungen wurden unter anderem deshalb
erteilt, weil die Staatsanwaltschaft ihre Untersuchung damals wegen Brandstiftung
(Art. 221 StGB) geführt hatte und der entsprechende Tatbestand im Katalog von
Art. 3 Abs. 2 lit. a des damals anwendbaren BÜPF enthalten war. Wie gesehen,
erfolgte die Anklageerhebung in Bezug auf die Brandlegung beim Radargerät
dann aber nicht wegen Brandstiftung, sondern wegen Sachbeschädigung im
Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB. Diese Bestimmung war indessen nicht in
Art. 3 BÜPF enthalten. Die Verteidigung eines der Beschuldigten vertrat deshalb
vor Vorinstanz die Auffassung, es dürften die aus der Telefonauswertung
gewonnenen Erkenntnisse nicht berücksichtigt werden bzw. es sei jedenfalls von
deren Unverwertbarkeit zu Lasten des Beschuldigten auszugehen (SB120101
Urk. 43 S. 6). Der Vorderrichter folgte dieser Sichtweise (vgl. dazu Schmid, Straf-
prozessrecht, 4. Aufl., Zürich 2004, Rz. 769; Urk. 46 S. 7, vgl. aber auch S. 12
E. 2.17.6).
3.3. Im Berufungsverfahren beantragten nun - wie gesehen - die Verteidigun-
gen von B._ und C._, es seien die aus der rückwirkenden Randdaten-
erhebung gewonnenen Beweismittel beizuziehen und zu verwerten, weil sich
daraus für die Beschuldigten entlastende Momente ergäben (SB120100 Urk. 47
S. 3; SB120102 Urk. 48 S. 2). Wie schon erwähnt, wurden diese Daten sodann
angefordert und zu den Akten genommen. Deren Berücksichtigung steht - soweit
sie sich zugunsten der Beschuldigten auswirken - nichts im Wege.
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3.4. Die Vorinstanz hat anhand der aus den Befragungen der Beteiligten sowie
aus objektiven Beweismitteln (ohne die rückwirkende Randdatenerhebung)
gewonnenen zeitlichen Eckpunkte einen möglichen Tatablauf skizziert und befun-
den, es sei von diesem zeitlichen Aspekt her sowohl die Darstellung der Staats-
anwaltschaft als auch jene der Beschuldigten möglich. Relativ summarisch
ergänzte der Vorderrichter dann, auch die durch die rückwirkende Randdatener-
hebung der verwendeten Mobiltelefone ermittelten Antennenstandorte vermöch-
ten weder die Variante der Beschuldigten zu bestätigen noch jene der Staats-
anwaltschaft auszuschliessen (Urk. 48 S. 12). Nachdem die erhobenen Rand-
daten nun vollständig zu den Akten erhoben worden sind (dem Vorderrichter lag
nur die durch den polizeilichen Sachbearbeiter erstellte Auswertung vor,
Urk. 10/1-4), ist dieser Schluss zu überprüfen:
1.6.1. Unter Verweis auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 48
S. 11; Art. 82 Abs. 4 StPO) ist hinsichtlich des Endzeitpunktes des Geschehens
Folgendes festzuhalten: Um 23.40 Uhr des 7. November 2009 ging bei der Ein-
satzzentrale des Kantonspolizei Zürich der automatische Sabotage-/Brandalarm
der vor der Ausfahrt F._ installierten Radaranlage ein. Um 23.41.23 und
23.41.43 Uhr meldeten unabhängig voneinander zwei am Gerät vorbeifahrende
Automobilisten den Brand telefonisch. Beide sagten überdies aus, sie hätten beim
brennenden Gerät weder Fahrzeuge noch Personen gesehen.
Vorgängig hatte die Radaranlage um 23.26.11 Uhr die letzte Geschwindigkeits-
messung mit Bild vorgenommen, und um 23.35.53, 23.36.17, 23.38.15 sowie
23.38.23 Uhr erfolgten noch vier Messungen ohne Bild, bevor das Gerät infolge
des Brandes nicht mehr funktionstüchtig war. Im Sinne der Erhebungen
des Brandermittlers ist davon auszugehen, dass als Folge der Positionen der
Temperatursensoren im Gerät und der zum fraglichen Zeitpunkt herrschenden
misslichen Wetterbedingungen der Brand mehrere Minuten vor der Auslösung
des Alarms gelegt worden sein muss. Das deckt sich mit den letzten Messungen
des Geräts. Es ist deshalb mit der Vorinstanz festzuhalten, dass der Brand jeden-
falls vor 23.35.53 Uhr und nicht oder nicht viel vor 23.26.11 Uhr gelegt worden ist
(Urk. 48 S. 11).
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1.6.2. D._ und B._ hatten mit ihren jeweiligen Mobiltelefonen zum mas-
sgeblichen Zeitpunkt recht intensiven Telefon- und SMS-Verkehr (SB120102
Urk. 60/1 und 60/2; vgl. auch vorliegende Urk. 10/1 und 10/2). Anhand der Stand-
orte der von ihren Geräten benutzten Mobilfunkantennen (vgl. Urk. 10/3) lässt sich
so ein recht gutes Bild ihres Fahrtwegs gewinnen. Das Fahrzeug von D._/
B._ bewegte sich zur massgeblichen Zeit folgendermassen:
Zeit: Antennenstandort:
22.59.00 ...strasse K._
23.17.35 do.
23.25.57 Unterführung ... F._
23.30.29 NOK Mast ... L._
23.33.03 ...strasse K._
23.34.05 ...strasse K._
23.35.30 Sportanlage..., G._
23.36.10 M._ (Antenne strahlt über ...)
23.37.20 ...strasse, N._
23.38.37 Unterführung ... F._
23.40.27 O._ AG F._
23.41.09 O._ AG F._
23.41.35 O._ AG F._
23.44.14 O._ AG F._
danach weiter in Richtung P._
Der Parkplatz bei der Autobahnausfahrt G._, wo man sich gemäss über-
einstimmenden Aussagen aller Beschuldigten und im Sinne der Anklage getroffen
hat, liegt im Einzugsbereich der Antenne ...strasse K._; die Antenne O._
AG F._ steht unweit des Ortes, an welchem an jenem 7. November 2009 das
Radargerät installiert gewesen war. Vom Parkplatz bei der Autobahnausfahrt
G._ (ca. 400 m von der Ausfahrt entfernt; so D._ in SB120101 Urk. 14/3
S. 2, 6 und Urk. 43 S. 9; vgl. SB120001 Urk. 81; SB120002 Urk. 68; SB120003
Urk. 77) bis zur Autobahnausfahrt Q._ sind es knapp 11 Kilometer und von
dort weiter wieder in Richtung E._ bis zum Radargerät knappe 13 Kilometer
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(was mit den "rund 12 Kilometer" gemäss Vorinstanz übereinstimmt, da diese of-
fensichtlich genau ab der Autobahneinfahrt G._ gemessen hat,
Urk. 48 S. 11). Bis zur Unterführung ... F._ sind es sodann weitere gute 2 Ki-
lometer; vom Parkplatz in G._ via Q._ bis zur Unterführung ... F._
demnach total 15 Kilometer (vgl. www.gis.zh.ch).
1.6.3. Aus den obstehenden Daten ergibt sich zunächst, dass das Fahrzeug
D._/B._ um ca. 23.34.05 Uhr den Parkplatz bei der Autobahnausfahrt
G._ ein zweites Mal (ein erstes Mal hielt man sich bis ca. 23.17.35 Uhr dort
auf; vgl. dazu später) verlassen und den Heimweg Richtung H._ angetreten
hat. Um ca. 23.40.27 Uhr fuhren D._/B._ am in der Gegenrichtung in-
stallierten Radargerät vorbei, das zu diesem Zeitpunkt bereits in Brand gestanden
hat. Auf dieser Fahrt konnten also D._/B._ den Radar nicht angezündet
haben. Zwanglos mit diesen Daten in Einklang gebracht werden können sodann
auch die Aussagen von D._ und B._, sie seien, nachdem sie den
brennenden Radar gesehen hätten, aus Neugierde in Q._ aus- und wieder
eingefahren, um nochmals in Richtung E._ am brennenden Gerät vorbeizu-
fahren (Urk. 13/1 S. 9, 13/14; Urk. 13/2 S. 5/6; Urk. 13/3 S. 4; Urk. 14/2 S. 2, 3,
9-11). Das stimmt mit dem Umstand überein, dass um 23.44.14 Uhr ein weiterer
Kontakt mit der Antenne O._ AG F._ erfolgte: die ca. 3 Kilometer von
der Höhe des Radars auf der Autobahn Richtung H._ über die Ausfahrt
Q._ bis wieder zum Radar in Fahrtrichtung E._ in knapp 3 Minuten zu-
rückzulegen ist absolut möglich.
1.6.4. Die Vorinstanz kam - gestützt auf die Darstellung der Staatsanwaltschaft
und die Überlegungen des ermittelnden Polizeibeamten - indessen auch gar nicht
zum Schluss, die Beschuldigten hätten das Radargerät auf der vorstehend darge-
stellten Heimfahrt in Brand gesetzt. Vielmehr erwägt sie, die vier Beschuldigten
hätten ihre zugestandene "Runde" von G._ aus nicht bloss über F._
gedreht, sondern sie seien via Q._ zum Radar gefahren, hätten diesen in
Brand gesetzt und seien danach wieder nach G._ zurückgekehrt. Wenn auf-
grund der Aussagen der Beteiligten - so die Vorinstanz - davon auszugehen sei,
dass die beiden Autos gegen 23.15 Uhr, spätestens aber um 23.20 Uhr von
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G._ aus wieder in Richtung H._ unterwegs gewesen seien, sei es mög-
lich, dass sie - die rund 12 Kilometer in ca. 8 bis 10 Minuten zurücklegend - zwi-
schen 23.20 und 23.30 Uhr beim Radargerät eingetroffen seien und dieses ankla-
gegemäss in Brand gesetzt hätten (Urk. 48 S. 10-12). Dieses Szenario entspricht
auch der vom polizeilichen Ermittler erstellten "Variante Sachbearbeiter", welche
davon ausgeht, dass die Beschuldigten um 23.17 Uhr in G._ losgefahren
seien und um ca. 23.24 Uhr den Radar angezündet hätten (Urk. 10/4).
1.6.5. Unter Berücksichtigung der erhobenen Telefonranddaten erscheint ein
solcher Tatablauf jedoch als höchst unwahrscheinlich: Zugunsten der Beschuldig-
ten ist davon auszugehen, dass sie (erst) um 23.17.35 Uhr den 400 Meter von der
Autobahnausfahrt G._ entfernten Parkplatz verlassen haben. Aus der vor-
stehenden Aufstellung ergibt sich sodann, dass das Telefon D._' um
23.25.57 Uhr einen Kontakt mit der Antenne Unterführung ... F._ hatte (ein-
gehendes SMS der Freundin von D._, Urk. 10/1). Im Sinne einer Durch-
schnittsannahme ist davon auszugehen, dass sich D._/B._ - und damit
auch die hinter ihnen fahrenden C._/A._ - in diesem Zeitpunkt genau bei
der Unterführung ... in F._ befanden. Dementsprechend hätten sie 8 Minuten
und 22 Sekunden zur Verfügung gehabt, um die 15 Kilometer vom Parkplatz in
G._ über die Ausfahrt Q._ bis zur Unterführung ... F._ (in Fahrtrich-
tung E._) zurückzulegen, in dieser Zeit beim Radargerät anzuhalten und es
in Brand zu setzen. Das ist kaum möglich: Um 15 Kilometer in 8 Minuten und 22
Sekunden zurückzulegen, ist schon einmal eine Durchschnittsgeschwindigkeit
von 107.5 km/h erforderlich. Eine solche Durchschnittsgeschwindigkeit in Fahrt
auf einer Autobahn zu erreichen, mag freilich problemlos möglich sein. Es ist aber
zu berücksichtigen, dass die Beschuldigten nach der ihnen anklageseitig vorge-
worfenen Variante zusätzlich
- zunächst einmal 400 Meter vom Parkplatz bis zur Autobahneinfahrt G._
hätten zurücklegen müssen, bevor sie "richtig" beschleunigen konnten,
- in Q._ - je über enge Kurven - die Autobahn hätten verlassen und wie-
der darauf einfahren müssen
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- und - vor allem - beim Radargerät bis zum Stillstand hätten abbremsen, das
Gerät in Brand setzen und wieder losfahren müssen.
Auch ohne dies mathematisch weiter zu vertiefen, ist unschwer zu erkennen, dass
dies völlig unplausibel ist. Sollte denn aus einer solchen Berechnung überhaupt
eine realisierbare erforderliche Höchstgeschwindigkeit resultieren, spräche
zusätzlich Folgendes dagegen, dass die Beschuldigten effektiv mit einer solchen
Geschwindigkeit gefahren wären: Einerseits wäre D._ - bereits mit netto
188 km/h "geblitzt" - sicher nicht das Risiko eingegangen, nochmals bei einer
ähnlich massiven Geschwindigkeitsüberschreitung ertappt zu werden, und
andererseits hätten die Beschuldigten das Radargerät ja - bei Nacht, Regen und
unbeleuchteten Verhältnissen (Urk. 2 S. 3) - zunächst überhaupt einmal finden
müssen, was zu tun bei moderaten Geschwindigkeiten offensichtlich einfacher ist,
als wenn man mit übersetzter Geschwindigkeit "vorbeirast".
Hinzu kommt schliesslich, dass bei der von der Anklage vertretenen Sachver-
haltsvariante nicht einleuchtet, warum denn die Beschuldigten nach der Inbrand-
setzung des Radargeräts nochmals bis G._ hätten fahren sollen: Hier wäre
offensichtlich viel naheliegender gewesen, dass zumindest D._/B._ die
Autobahn bereits bei der Ausfahrt F._ verlassen hätten und wieder in
Richtung H._ eingefahren wären.
1.6.6. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz erscheint demnach - unter
Berücksichtigung der vollständigen rückwirkenden Randdatenerhebungen der
Mobiltelefone von D._ und B._ - der den Beschuldigten in der Anklage-
schrift vorgeworfene Sachverhalt als ein von den zeitlichen Eckdaten her kaum
mögliches Szenario.
3.5. Die hinsichtlich des von C._ benutzten Mobiltelefons erhobenen
Daten geben nichts Substanzielles her: Er erhielt um 22.53.36 (bzw. .34) Uhr den
von den Beteiligten eingestandenen Anruf von D._, wonach es diesen
"geblitzt" habe, und kurz darauf fand nochmals ein kurzes Gespräch zwischen
diesen Beiden statt. Beide Male befand sich C._ noch im Sendebereich der
Antenne ...strasse ... in E._, wo er sich in einer ... Bar aufgehalten hatte.
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C._ machte sich dann, begleitet vom Beschuldigten, auf den Weg D._
entgegen und passierte um 23.10.45 Uhr die Antenne
... in R._, wo er den nächsten Anruf von D._ erhielt, der inzwischen bei
der Ausfahrt G._ angelangt war. Danach benutzte C._ sein Telefon
nicht mehr, bis er um 23.41.35 (bzw. .33) Uhr im Funkbereich der Antenne
...strasse ... E._ einen weiteren Anruf von D._ erhielt, der zu diesem
Zeitpunkt seinerseits auf dem Heimweg beim brennenden Radargerät im Sende-
bereich der Antenne O._ AG F._ war. C._ fuhr dann weiter in die
Stadt und die beiden telefonierten nicht mehr (vgl. Urk. 10/1 und SB120102 Urk.
60/3). Diese Daten sprechen weder für noch gegen einen der Beschuldigten:
Geht man - was sowohl gemäss der Anklageschrift der Fall war und auch die
Beschuldigten behaupten - davon aus, dass sich um 23.25.57 Uhr beide Fahr-
zeuge hintereinander bei der Unterführung ... in F._ befunden
haben, so ist absolut realistisch, dass sich C._/A._ bei ihrer Rückkehr in
die Stadt - allenfalls nach einem kurzen Stopp in G._ - um 23.41.35 Uhr im
Bereich der Antenne ...strasse ... (bei der Sportanlage ...) befunden haben.
3.6. Bekanntlich geben alle Beschuldigten an, sie hätten nach ihrem Zusam-
mentreffen in G._ mit beiden Autos eine Suchfahrt über die Autobahnaus-
fahrt F._ und wieder zurück nach G._ unternommen. Allerdings hätten
sie dabei das gesuchte Radargerät nicht gefunden (naheliegenderweise, nach-
dem es zwischen F._ und Q._ gestanden hat), weshalb sie unverrichte-
ter Dinge wieder von dannen gezogen seien; C._/A._ nach E._ und
D._/B._ Richtung H._. Diese Version passt nun viel eher auf die
erhobenen Telefon-Randdaten:
1.6.7. Wie oben gesehen, ist davon auszugehen, dass D._/B._ - und mit
ihnen auch C._/A._ - den 400 Meter von der Autobahnausfahrt G._
entfernten Parkplatz um 23.17.35 Uhr verlassen haben. Danach ist der nächste
Kontakt eines ihrer Telefone mit einer Mobilfunkantenne um 23.25.57 Uhr bei der
Unterführung ... F._ verzeichnet und der darauffolgende Kontakt um
23.30.29 Uhr beim NOK Mast ... L._., bevor die Autos um ca. 23.33.03 Uhr
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wieder beim Parkplatz bei der Ausfahrt G._ (Antenne ...strasse K._)
eingetroffen sind.
1.6.8. Vom Parkplatz in G._ bis zur Unterführung ... F._ sind es gut 7
Kilometer (in Fahrtrichtung H._) bzw. knapp 10 km, wenn man die Autobahn
in F._ verlässt, wieder einfährt und die ...strasse in Fahrtrichtung
E._ kreuzt (www.gis.zh.ch). Dass die vier Beschuldigten von 23.17.35 Uhr
bis 23.25.57 Uhr lediglich von G._ bis zur Unterführung ...strasse gefahren
wären, ist vernünftigerweise auszuschliessen, ergäbe dies doch lediglich eine
Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h. Geht man indessen davon aus, dass
sie in dieser Zeit - entsprechend ihren Behauptungen - nach F._ gefahren,
dort die Autobahn verlassen und wieder in Richtung E._ eingefahren sind,
ergibt sich ein realistisches Bild: Vom Parkplatz in G._ bis zur Unterführung
...strasse (Fahrtrichtung E._) errechnete sich so eine Durchschnitts-
geschwindigkeit von gut 70 km/h und von dort bis wieder zum Parkplatz bei der
Autobahnausfahrt G._ (23.33.03 Uhr) eine solche von 60 km/h. Das ist
plausibel, wenn man berücksichtigt, dass mit den Strecken vom und zum Park-
platz in G._ sowie der Aus- und Einfahrtsituation in F._ Passagen zu
befahren sind, wo keine Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 bis 70 km/h erzielt
werden kann. Zudem wäre eine im Verhältnis zur zulässigen Höchstgeschwindig-
keit von 120 km/h eher tiefere Geschwindigkeit auch zwanglos damit zu erklären,
dass die beiden Fahrzeuge auf ihrer Suchfahrt bei Nacht und Regen eben das
Radargerät finden wollten.
1.6.9. Im Gegensatz zur Variante gemäss Anklageschrift, welche sich in zeitlicher
Hinsicht als kaum realistisch erweist, lässt sich damit die Variante der Beschuldig-
ten ohne Weiteres mit den rückwirkend erhobenen Telefonranddaten in Einklang
bringen.
1.6.10. Im Sinne eines Zwischenresultates ist damit festzuhalten, dass aufgrund
der Erkenntnisse aus der rückwirkenden Randdatenerhebung an der anklage-
gemässen Verwirklichung des Sachverhalts starke Zweifel anzubringen sind.
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3.7. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung wurden I._ und
J._ als Zeugen befragt.
1.6.11. Der Zeuge I._ gab zu Protokoll, er habe D._ am 26. März 2010
beim Flughafen in ... getroffen, als er (der Zeuge) von S._ her in die Schweiz
gekommen sei. D._ habe ihm dann erzählt, dass er beschuldigt werde, einen
Apparat in Brand gesetzt zu haben. Bei diesem Treffen seien seine Freundin, die
aber im Auto gewesen sei, I._ (der Zeuge I._), D._ und B._
dabei gewesen. Wie es dazu gekommen sei, dass D._ ihm von diesem Vor-
fall erzählt habe, wisse er auch nicht. Er kenne D._ nur vom Sehen her. Er
habe D._ gefragt, ob alles in Ordnung sei. Dann habe D._ alles über
dieses Ereignis erzählt. Er habe gesagt, er sei in dieses Problem hineingeraten.
Weiter habe D._ ausgeführt, es gäbe auch eine Videoaufnahme von einer
Tankstelle, wo man sehen könne, wie er Benzin holen gegangen sei, um eine
Maschine anzuzünden (Urk. 74 S. 2 ff.).
1.6.12. Der Zeuge J._ führte aus, D._ habe ihm am 26. März 2010 am
Flughafen in ... von einem Radarkasten erzählt. Er habe D._ zufällig getrof-
fen, als er seinen Freund abholen gegangen sei. Bei diesem Treffen seien er,
I._ (der Zeuge I._), dessen Freundin, wobei diese während des Ge-
sprächs im Auto gesessen habe, ein Freund, der das Auto gelenkt habe und
D._, der von mindestens zwei Freunden begleitet worden sei, dabei gewe-
sen. Sie hätten darüber gesprochen, wie es sei, wenn man die Schweiz wieder
verlasse und nach S._ zurückwandere. D._ habe dann gesagt, er sei in
eine Radarfalle getappt. Von Anzünden eines Radarkasten sei nicht gesprochen
worden. D._ habe gesagt, er könne nicht auswandern, weil er in eine Radar-
falle geraten sei (Urk. 75 S. 2 ff.). Darauf angesprochen, dass er auf der Ton-
bandaufnahme ausgesagt habe, sie hätten gesagt, dass sie die Maschine in
Brand gesteckt hätten, meinte der Zeuge, dies stimme. D._ sei zum Radar-
apparat gelangt und habe Feuer gesetzt. Sonst habe D._ niemanden er-
wähnt. Der Apparat sei aber nur von einem, nicht von beiden in Brand gesetzt
worden. Bei diesem Gespräch sei aber, soweit er sich erinnern könne, nicht die
Rede gewesen von einer Videoaufnahme. Ob auch B._ bei diesem Treffen
- 16 -
dabei gewesen sei, wisse er nicht. Er könne sich nicht mehr an sein Gesicht erin-
nern (Urk. 75 S. 8 ff.).
1.6.13. Die Aussagen des Zeugen I._ sind unklar und stehen zur Tonband-
aufnahme in Widerspruch. So führte er damals aus, dass ihm D._ und des-
sen Kollege über die Maschine erzählt hätten und was geschehen sei. Sie hätten
ihm gesagt, dass sie es gewesen seien (Urk. 64 und 67). Demgegenüber erklärte
er anlässlich der heutigen Befragung, D._ habe ihm erzählt, er werde be-
schuldigt, einen Apparat in Brand gesetzt zu haben, er sei auch dort gewesen
(Urk. 74 S. 3), bzw. er werde beschuldigt wegen dem Apparat, der dort in F._
in Brand gesetzt worden sei (Urk. 74 S. 8). Auf diesen Widerspruch angespro-
chen, meinte der Zeuge lediglich, D._ habe ihm gesagt, er habe es getan
(Urk. 74 S. 8). Damit bleibt der konkrete Inhalt des behaupteten Gesprächs weit-
gehend unklar. Insbesondere ist nicht ersichtlich, ob D._ gegenüber dem
Zeugen I._ tatsächlich zugegeben haben soll, das Radargerät in Brand ge-
setzt zu haben, oder ob er nur erzählt habe, dass er diesbezüglich beschuldigt
werde. Weiter ist zu berücksichtigen, dass die Sachverhaltsdarstellung des Zeu-
gen I._ wenig glaubhaft erscheint. So ist nicht nachvollziehbar, dass D._
anlässlich dieses zufälligen Treffens dem Zeugen I._ ein vollumfängliches
Geständnis über das in Brand setzen des Radargeräts gemacht haben soll, da sie
sich lediglich vom Sehen her und damit nicht persönlich bzw. näher kannten.
Auch die Aussagen des Zeugen J._ sind in sich widersprüchlich und er-
scheinen unklar. So erklärte er zunächst, es sei anlässlich des zufälligen Treffens
mit D._ nicht darüber gesprochen worden, dass ein Radarkasten angezündet
worden sei. D._ habe nur gesagt, er könne nicht auswandern, weil er in eine
Radarfalle geraten sei (Urk. 75 S. 8). Erst darauf angesprochen, dass er bei der
Tonbandaufnahme anders ausgesagt habe (vgl. Urk. 64 und 67), erklärte er, er
habe doch gesagt, der Apparat sei in Brand geraten (Urk. 75 S. 8). Sodann mach-
te der Zeuge J._ geltend, D._ habe ihm nur gesagt, dass er zu einem
Radarapparat gelangt sei. Mehr nicht (Urk. 75 S. 8). Auf die Frage, ob er gehört
habe, dass D._ gesagt habe, er hätte den Apparat in Brand gesetzt, erklärte
der Zeuge J._, er (D._) habe Feuer gesetzt am Kasten (Urk. 75 S. 8).
- 17 -
Damit bleibt auch hier der konkrete Inhalt des behaupteten Gesprächs weitge-
hend unklar. Insbesondere ist nicht ersichtlich, ob D._ tatsächlich zugegeben
haben soll, das Radargerät in Brand gesetzt zu haben.
Sodann fällt auf, dass die Aussagen der beiden Zeugen in Wesentlichen Punkten
nicht übereinstimmen. Während der Zeuge I._ davon spricht, dass D._
anlässlich des zufälligen Treffens am Flughafen in ... von B._ begleitet wor-
den sei (Urk. 74 S. 7), führte der Zeuge J._ aus, dass D._ von mindes-
tens zwei Kollegen begleitet worden sei (Urk. 75
S. 7). Weiter führte der Zeuge I._ aus, er habe D._ gefragt, ob alles in
Ordnung sei. Daraufhin habe D._ alles über dieses Ereignis erzählt (Urk. 74
S. 7). Demgegenüber gab der Zeuge J._ zu Protokoll, sie hätten darüber ge-
sprochen, wie es sei, die Schweiz wieder zu verlassen und nach S._ zurück-
zuwandern. D._ habe dann gesagt, er sei in eine Radarfalle getappt, mehr
nicht (Urk. 75 S. 7). Schliesslich führte der Zeuge I._ aus, D._ habe
ihnen gesagt, es gäbe Videoaufnahmen einer Tankstelle, wo man sehen könne,
dass er Benzin geholt habe (Urk. 74 S. 8). Demgegenüber machte der Zeuge
J._ geltend, soweit er sich erinnere, sei bei diesem Gespräch nicht die Rede
gewesen von irgend welchen Videoaufnahmen (Urk. 75 S. 9).
1.6.14. Zusammenfassend erscheinen die Zeugenaussagen widersprüchlich,
unklar und nicht schlüssig. Für die Sachverhaltserstellung kann damit - entgegen
der Staatsanwaltschaft (Prot. II S. 20) - nicht auf diese Aussagen abgestellt
werden.
3.8. Die Vorinstanz hat sodann in erheblichem Masse auf die Aussagen des
Zeugen T._ abgestellt (vgl. dazu Urk. 48 S. 12-14; Urk. 16/1 und 16/2). Es ist
einzuräumen, dass recht viel in dessen Aussagen darauf hindeutet, dass er zur
fraglichen Zeit die beiden Fahrzeuge von D._ und C._ beim Radargerät
auf dem Pannenstreifen hat stehen sehen. So war namentlich C._ mit einem
BMW der 3er-Reihe unterwegs, welcher der Beschreibung durch den Zeugen
weitgehend entspricht, und konnte dieser zwar das Auto von D._ nicht defini-
tiv bestimmen, so aber doch durchaus treffend beschreiben. Umgekehrt gibt es
aber doch auch Punkte, die dagegen sprechen, dass der Zeuge die Autos der
- 18 -
Beschuldigten gesehen hat: So sagte er etwa aus, es sei beim vorderen Fahrzeug
(welches denn dasjenige von D._ hätte sein müssen) das linke hintere Rück-
licht defekt gewesen bzw. habe nicht gebrannt (Urk. 16/1 S. 2; Urk. 16/2 S. 3),
was sich durch die polizeilichen Abklärungen beim von D._ benutzten Fahr-
zeug nicht erhärten liess (Urk. 5 S. 36). Sodann war der Zeuge der Meinung, dass
beide Fahrzeuge ein ZH-Nummernschild gehabt hätten (Urk. 16/1 S. 3), was
bezüglich des von D._ gefahrenen Ford Focus nicht zutrifft (...-Nummern-
schild). Und schliesslich "passt" eher schlecht zur Sachverhaltsvariante gemäss
Anklageschrift, dass der Zeuge im vorderen Fahrzeug zwei Personen habe sitzen
sehen und ihm ausserhalb der Fahrzeuge keine Personen aufgefallen seien
(Urk. 16/1 S. 3; Urk. 16/2 S. 3): Wenn denn die Beschuldigten in der ihnen von
der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen Art und Weise vorgegangen wären, hätten
sie ja nur Sekunden für die Verübung der eigentlichen Tat zur Verfügung gehabt
und wäre deshalb während ihres Aufenthaltes mit einiger Sicherheit mindestens
jemand ausserhalb der Fahrzeuge sichtbar gewesen, sei es am Überklettern der
Einzäunung oder gar am Anzünden des Apparates. Von der Interessenlage her
erschiene weiter auch wenig wahrscheinlich, dass im vorderen Fahrzeug zwei
Personen hätten sitzen sollen (was D._/B._ entsprochen hätte), denn
letztlich war D._ derjenige, der das offensichtliche Interesse daran hatte, das
Radargerät zu zerstören, währenddem den anderen drei ein Eigeninteresse
fehlte.
Dass T._ falsch aussagt oder die Beschuldigten gar falsch anschuldigen
würde - wie er dies gegenüber einem Bruder anscheinend bereits einmal
getan hat (Urk. 16/2 S. 2) - ist angesichts des Detailreichtums seiner Schilderun-
gen nun allerdings auszuschliessen. Für eine bewusste Falschanschuldigung - für
welche auch jegliches Motiv fehlte - hätte er sodann ja wissen müssen, dass und
mit welchen Fahrzeugen die Beschuldigten zur fraglichen Zeit auf der Autobahn
A... unterwegs gewesen sind. Dieses Wissen hatte T._ jedoch nicht. Ange-
sichts der vorstehend unter Erw. 3.4 dargestellten Umstände, wonach der zeitli-
che Ablauf gemäss Anklageschrift als sehr unwahrscheinlich erscheint, ist aber
denkbar, dass T._ zwar die von ihm beschriebenen Autos an der fraglichen
Stelle hat stehen sehen, dies indessen nicht diejenigen der Beschuldigten waren.
- 19 -
Zu widerlegen vermögen seine Aussagen die bis dahin gezogenen Schlüsse
nicht.
3.9. Dasselbe gilt bezüglich der Aussagen der Beschuldigten. Auch hier ist der
Vorinstanz zunächst zuzustimmen, dass diese tatsächlich teilweise widersprüch-
lich ausgesagt haben (Urk. 48 S. 15 ff.). Ausgehend von der - bis anhin wahr-
scheinlicheren - Hypothese, dass die Sachverhaltsdarstellung der Beschuldigten
zutrifft, erscheint deren Aussageverhalten nun aber als durchaus nachvollziehbar:
So musste auch ihnen offensichtlich klar sein, dass angesichts der ganzen
Umstände ein erheblicher Tatverdacht auf sie fällt: Erwiesenermassen wurde
D._ mit grob übersetzter Geschwindigkeit "geblitzt", traf man sich in der Fol-
ge in G._, sprach anerkanntermassen - wenn auch angeblich nur scherzhaft
- davon, das Radargerät "zu klauen", zu beschädigen, anzuzünden bzw. jeden-
falls zu suchen, fuhr danach eine "Suchrunde" über F._ wieder nach
G._ - und sah dann auf dem Heimweg in Richtung H._ nach der Aus-
fahrt F._ das Radargerät brennen. Da ist es verständlich, dass die Beschul-
digten zum Grossteil anfänglich die von ihnen später eingestandene "Suchrunde"
von G._ über F._ noch verschwiegen und erst später einräumten, man
sei mit dem - zumindest einmal in den Raum gestellten - Ziel, das Radargerät zu
suchen und zu beschädigen, von G._ über F._ wieder nach G._
gefahren. Es war ihnen auch bewusst, dass angesichts der Umstände erheblicher
Verdacht auf sie fällt. Einzig der vorliegend Beschuldigte sagte von Anfang an
auch bezüglich der "Suchrunde" gleich aus (s. dazu später).
Diese Aussagen würdigend, kam dann die Vorinstanz zum Schluss, die Beschul-
digten hätten immer nur dasjenige eingestanden, was ihrer Einschätzung nach
erstellt und nicht abstreitbar gewesen sei (vgl. ebenso die Staatsanwaltschaft,
Urk. 79 S. 4). Eine solche Tendenz ist insbesondere in den jeweils ersten Einver-
nahmen von D._, B._ und C._ effektiv zu erblicken. Wenn dann
aber die Vorinstanz daraus folgert, es sei der von allen aufrechterhaltenen
Behauptung, man sei auf der Runde über die Autobahn nur bis nach F._
gefahren und nie bis zum Radarstandort gelangt, im Rahmen der Beweiswürdi-
gung nur ein kleines Gewicht zuzumessen (Urk. 48 S. 16), so urteilt sie zu hart:
- 20 -
Dass die Beschuldigten grösstenteils zunächst abgestritten haben, auf der Suche
nach dem Radar eine Runde gefahren zu sein, ist angesichts des Umstands,
dass sie sich offensichtlich einem grossen - in ihren Augen unberechtigten -
Anfangsverdacht ausgesetzt gesehen hatten, verständlich. Offenkundig wollten
sie so vermeiden, zu den bereits bestehenden Verdachtsmomenten noch weitere
hinzuzufügen.
Gegenteils spricht die Tatsache, dass die Beschuldigten die "Suchfahrt" teilweise
sofort zugaben und teilweise nicht, eher für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen
und jedenfalls dagegen, dass diese abgesprochen gewesen wären: Wenn denn
eine Absprache erfolgt wäre, hätten sich die Beschuldigten über einen derart
zentralen Punkt wie die "Suchfahrt" ganz sicher geeinigt und diesbezüglich gleich
ausgesagt.
3.10. Bei C._/A._ kommt sodann hinzu, dass kaum ein Motiv ersicht-
lich ist, weshalb sie sich zu der ihnen (mit-) vorgeworfenen, doch reichlich dreis-
ten Straftat hätten bereit erklären sollen, nur um D._ einer Bestrafung wegen
seines Geschwindigkeitsexzesses zu entziehen. Zwar bezeichnete C._
D._ als einen Kollegen, den er noch nicht lange kenne, zu welchem er aber
ein gutes Verhältnis habe (Urk. 12/1 S. 2; Urk. 12/2 S. 2; Urk. 11/4 S. 3), der
Beschuldigte habe D._ dagegen bis zur Konfrontationseinvernahme vom
22. Dezember 2009 erst ca. viermal gesehen und ein-, zweimal mit ihm
gesprochen (Urk. 11/4 S. 2; Urk. 11/1 S. 3; Urk. 11/2 S. 2). C._ und A._
betonten diese fehlende Interessenlage auch selbst wiederholt (Urk. 11/3 S. 3, 6;
Urk. 37 S. 5; Urk. 12/3 S. 4/5; SB120102 Urk. 38 S. 5), was angesichts des Um-
stands, dass sie beide vorbestraft sind (Urk. 51 und SB120102 Urk. 50) und sich
von daher kaum leichtfertig einer neuen Strafuntersuchung aussetzen dürften,
durchaus nachvollziehbar erscheint. Insbesondere der vorliegend Beschuldigte,
der bereits über anderthalb Jahre Freiheitsentzug zu erdulden hatte (Urk. 51),
wirkt glaubhaft, wenn er sagte: "Ich war bereits selber im Gefängnis. Die anderen
wissen nicht, was das heisst. Wenn sie so etwas Blödes gemacht haben, müssen
sie dafür büssen. (...). Er [D._] sprach davon, das Gerät anzuzünden oder
davon etwas zu machen, um das Foto herauszubekommen, weil er keine Busse
- 21 -
bekommen wollte. Ich sagte, er solle das bleiben lassen und gescheiter die Busse
bezahlen. Es würde nur noch schlimmer" (Urk. 11/4 S. 3; vgl. ähnlich auch
Urk. 11/1 S. 9 und Urk. 11/3 S. 7; vgl. auch Urk. 76 S. 5 f.).
Die Aussagen des Beschuldigten wirken sodann auch sonst glaubhaft; er war -
wie gesehen - denn auch der einzige, der von Beginn weg die Suchfahrt von
G._ über F._ und zurück eingestand (Urk. 11/1 S. 2). In seinen Schilde-
rungen kommt überdies eine gewisse Distanz zum "Hauptprotagonisten" D._
zum Ausdruck, den er nur flüchtig kannte. Jedenfalls vermittelte der Beschuldigte
mehrere Male, dass er das Verhalten D._', nachdem dieser "geblitzt" worden
war, sowie das vorliegende Verfahren als "Theater" empfand (so ausdrücklich in
Urk.11/1 S. 9; D._ habe sich "wie ein Kind" verhalten und versucht, "seinen
Arsch zu retten", Urk. 11/3 S. 4, 7). So erscheinen die Aussagen des Beschuldigte
als authentisch und erlebt, und sie sind auch durchsetzt mit Einzelheiten, die auf
ein realistisches Wiedergeben des tatsächlichen Geschehens hindeuten: Beim
ersten Treffen in G._ habe D._ gesagt, der Radar stehe "etwa bei der
Geraden in F._", und man sei deshalb dann in F._ ausgefahren, um den
Kreisel herum, unter der Brücke durch und wieder nach G._ zurück (Urk.
11/1 S. 5; Urk. 11/3 S. 6 - was der tatsächlichen Situation in F._ entspricht).
Nach der Suchfahrt habe D._ gesagt, er habe "diese Scheissmaschine" nicht
gesehen (Urk. 11/1 S. 2); diese sei vermutlich weiter zurück (Urk. 11/1 S. 5). Und
auf der Suchfahrt sei man mit ca. 80 bis 100 km/h gefahren (Urk. 11/3 S. 12) -
was der unter Erw. 3.6.2 vorstehend ermittelten gesamten Durchschnitts-
geschwindigkeit ziemlich genau entspricht.
3.11. Was die Vorinstanz schliesslich hinsichtlich des Verhaltens der Beschuldig-
ten nach der Tat ausführt (Urk. 48 S. 16/17), ist sodann als solches zwar schon
nachvollziehbar, indessen nicht geeignet, die Täterschaft der Beschuldigten zu
beweisen. Insbesondere die Erwägung, dass B._ und U._ länger hätten
telefonieren müssen, wenn B._ seinem - ebenfalls "geblitzten", nach ... wei-
tergefahrenen - Kollegen mit dem Radarbrand etwas Unvorhergesehenes mitge-
teilt hätte (Urk. 48 S. 16/17), bleibt reine Spekulation. Dass es sich beim Anruf
von B._ an U._ gleichsam zwingend um eine "Vollzugsmeldung" ge-
- 22 -
handelt haben müsse, ergibt sich aus der beidseitigen Beschreibung des Ge-
sprächs jedenfalls nicht (Urk. 13/1 S. 11/12; Urk. 13/2 S. 3; Urk. 13/3 S. 5; Urk.
15/1 S. 5; Urk. 15/2 S. 5). Ähnliches gilt bezüglich der Aussage der Mutter von
D._, wonach dieser am Folgetag gesagt habe, die Sache sei noch schlim-
mer, weil der Radarkasten in Brand geraten sei (Urk. 48 S. 17; Urk. 16/5 S. 2).
Wenn denn D._ so ausgesagt haben sollte, könnte dies durchaus auch im
Zusammenhang mit seiner - berechtigten - Vorahnung gestanden haben, dass
nun er und seine Kollegen verdächtigt werden, das Gerät angezündet zu haben.
Eine eigentliche Zugabe der Täterschaft ist dies jedoch nicht. Sodann kommt hin-
zu, dass die Aussagen der Mutter von D._ ohnehin nicht gegen die Beschul-
digten verwendet werden dürfen, da lediglich eine polizeiliche Befragung und kei-
ne Einvernahme als Zeugin stattgefunden hat (Urk. 16/5).
3.12. Als letzter Punkt bleibt darauf hinzuweisen, dass sowohl D._ als auch
B._ aussagten, sie hätten im Vorbeifahren beim auf der gegenüberliegenden
Seite brennenden Radar zumindest eine Person gesehen. Insbesondere B._
sagte diesbezüglich konstant und detailreich aus (Urk. 13/1 S. 9/10; Urk. 13/2
S. 4, 5; Urk. 13/3 S. 4). Zwar ist diese Behauptung nicht überprüfbar und könnte
eine - überdies nicht sehr schwierig zu erfindende - Schutzbehauptung sein.
Immerhin hat aber die Polizei einige Meter vom Tatort entfernt auf dem Wiesland
oberhalb des Radargeräts eine Schuhspur festgestellt (Urk. 9/6), welche nicht von
den Beschuldigten stammen kann und so grundsätzlich die diesbezüglichen
Aussagen von D._ und B._ stützen könnte.
Sodann sind die - übereinstimmenden - Aussagen von D._ und B._ zu
berücksichtigen, wonach sie, nachdem sie den brennenden Radar gesehen
hätten, aus Neugierde in Q._ aus- und wieder eingefahren seien, um noch-
mals in Richtung E._ am brennenden Gerät vorbeizufahren (Urk. 11/1 S. 9,
13/14; Urk. 11/2 S. 5/6; Urk. S. 11/3 S. 4; Urk. 14/2 S. 2, 9-11). Diese Sachdar-
stellung spricht für die Sachverhaltsvariante der Beschuldigten. Hätten die vier
Beschuldigten - gemäss Anklagesachverhalt - das Radargerät in Brand gesetzt,
erschiene es nicht nachvollziehbar, weshalb D._ und B._ - nachdem
das Feuer gelegt worden wäre und sie anschliessend in Richtung H._ fah-
- 23 -
rend auf der Gegenseite das brennende Radargerät gesehen hätten - erneut in
Q._ die Autobahn hätten verlassen sollen, um sodann in Richtung E._
wieder am brennenden Radargerät vorbeizufahren.
3.13. Damit bleiben unüberwindbare Zweifel daran, dass sich der Sachverhalt so
abgespielt hat, wie er in der Anklageschrift dem Beschuldigten vorgeworfen wird.
Die Indizien, welche sich für den Beschuldigten belastend auswirken, vermögen
die insbesondere aufgrund der zeitlichen Umstände bestehenden erheblichen
Zweifel nicht zu beseitigen. Es kann dem Beschuldigten nicht rechtsgenügend
nachgewiesen werden, die Radaranlage in Brand gesetzt zu haben. Damit zu-
sammenhängend ist nicht erstellt, dass er bei der Anlage über die Umzäunung
geklettert wäre. Ausgangsgemäss erübrigt es sich, die zusätzlich beantragten
Beweise abzunehmen.
4. Rechtliche Würdigung
Entsprechend hat ein vollumfänglicher Freispruch zu erfolgen.
5. Zivilansprüche
5.1. Die Privatklägerin 1 fordert von den Beschuldigten adhäsionsweise
Schadenersatz für die Beschädigung des Radargeräts. Die Vorinstanz hat die
vier Beschuldigten in solidarischer Haftung gegenüber der Privatklägerin 1 dem
Grundsatz nach schadenersatzpflichtig erklärt und die Privatklägerin 1 zur genau-
en Feststellung des Umfangs des Schadenersatzanspruchs auf den Zivilweg ver-
wiesen.
5.2. Wie gesehen, wird der Beschuldigte vom Vorwurf freigesprochen, das
Radargerät beschädigt zu haben. Wird eine beschuldigte Person freigesprochen
und ist hinsichtlich der adhäsionsweise anhängig gemachten Zivilklage der Sach-
verhalt nicht spruchreif, ist diese auf den Zivilweg zu verweisen (Art. 126 Abs. 2
lit. d StPO). Das ist insbesondere etwa dann der Fall, wenn ein Freispruch
mangels Beweisen erfolgt (ZHK StPO-Lieber, Art. 126 N. 7). Eine solche Sach-
lage ist vorliegend gegeben. Die Schadenersatzforderung der Privatklägerin 1 ist
deshalb auf den Zivilweg zu verweisen.
- 24 -
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen
6.1. Ausgangsgemäss - der Beschuldigte wird freigesprochen und obsiegt im
Berufungsverfahren - sind die Kosten der Untersuchung und der gerichtlichen
Verfahren, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, auf die
Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 und 2 StPO; Art. 428 Abs. 1 StPO).
6.2. Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so hat sie Anspruch auf
Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Ver-
fahrensrechte, Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die aus ihrer not-
wendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind und Genugtuung für
besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere
bei Freiheitsentzug (Art. 429 Abs. 1 lit. a-c StPO). Es geht damit einerseits um
den (vollen) Ausgleich des Schadens im haftpflichtrechtlichen Sinn sowie ande-
rerseits um Genugtuung für immaterielle Nachteile (Schmid, a.a.O., N. 1803 f.).
6.3. Zu den Entschädigungen für Aufwendungen zur Wahrung der Verfahrens-
rechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO) gehören primär die Kosten der frei gewählten
Verteidigung, wenn die Verbeiständung angesichts der tatsächlichen oder rechtli-
chen Komplexität des Falls geboten war (Schmid, a.a.O., N. 1810). Nachdem
dem Beschuldigten vorliegend ein amtlicher Verteidiger bestellt worden ist,
dessen Kosten ohnehin vom Staat getragen werden (Art. 135 StPO, Art. 422
Abs. 2 lit. a StPO), fällt eine (Partei-) Entschädigung unter diesem Titel nicht in
Betracht.
6.4. Als Entschädigung für wirtschaftliche Einbussen (Art. 429 Abs. 1 lit. b
StPO; s. dazu Schmid, a.a.O., N. 1813 ff.) lässt der Beschuldigte Lohnausfälle
geltend machen: Zum Zeitpunkt der Inhaftierung sei er im Stundenlohn angestellt
gewesen und habe infolge der Haft seine Arbeitsstelle verloren. Von der Arbeits-
losenversicherung habe er hernach lediglich 80 % des Bruttolohnes von
Fr. 5'000.– erhalten (also Fr. 4'000.–). Da er während 4 Monaten arbeitslos
gewesen sei, habe er demnach einen Lohnausfall von Fr. 4'000.– gehabt. An der
neuen Stelle verdiene er sodann pro Monat mindestens Fr. 250.– weniger als am
vorherigen Ort. Auch diese Lohneinbusse sei ihm für eine Dauer von mindestens
- 25 -
3 Monaten (ordentliche Kündigungsfrist) zu entschädigen. Im weiteren habe er
wegen den Einvernahmen vom 10. Dezember 2009 und 25. Februar 2011 sowie
der beiden Gerichtsverhandlungen einen Ausfall für 1,5 Arbeitstage gehabt, was
ausgehend von einem Monatslohn von Fr. 4'750.– und 20 Arbeitstagen pro
Monate einen Anspruch von Fr. 356.– ergebe. Und schliesslich fordert der
Beschuldigte den Ersatz der Fahrtkosten von Fr. 45.60 für die SBB-Tickets
E._-AB._ retour und zweimal E._-F._ retour (Urk. 39 S. 11/12;
vgl. Urk. 73 S. 12).
1.6.15. Der Beschuldigte arbeitete zum Zeitpunkt seiner Verhaftung für die
V._ AG bei der AA._ AG als Geleisebauer. Grundlage dafür bildete ein
ab 14. September 2009 befristet für eine Dauer von 3 Monaten abgeschlossener
Temporäreinsatzvertrag. Es wurde eine Normalarbeitszeit von ca. 40,5 Stunden
pro Woche sowie ein Brutto-Stundenlohn von Fr. 30.80 (inkl. Feiertags- und Feri-
enentschädigung sowie Anteil 13. Monatslohn) vereinbart. Die Kündigungsfrist be-
trug 2 Tage (Urk. 40/1).
Der Beschuldigte wurde am Donnerstag, 10. Dezember 2009, im Anschluss an
die erste polizeiliche Einvernahme um 11.45 Uhr verhaftet (Urk. 19/1; vgl.
Urk. 11/1 S. 1 und 9) und am 18. Dezember 2009, 15.30 Uhr, wieder entlassen
(Urk. 19/7). Gemäss der von ihm eingereichten Lohnabrechnung für Dezember
2009 erhielt er den Lohn bis am 9. Dezember 2009 ausbezahlt (Urk. 40/2 S. 2).
Entsprechend der vereinbarten Dauer des Einsatzvertrags hätte der Beschuldigte
wohl noch bis am Freitag, 11. Dezember 2009, gearbeitet (Vertragsende am
Sonntag, 13. Dezember 2009).
1.6.16. Soweit der Beschuldigte die Differenz zur in der Folge erhaltenen Arbeits-
losenentschädigung bzw. zum aktuell von ihm erzielten Lohn geltend machen
lässt, steht dem also die Befristung des seinerzeitigen Vertrages entgegen: Dafür,
dass der Beschuldigte ab Mitte Dezember Arbeitslosenentschädigung zu
beziehen hatte und an der aktuellen Arbeitsstelle nunmehr einen leicht tieferen
Lohn bezieht als damals (Urk. 10/3), ist nicht die damalige Inhaftierung kausal,
sondern der Umstand, dass der Vertrag eben befristet war. Auch ohne Verhaftung
- 26 -
hätte das Arbeitsverhältnis am 13. Dezember 2009 geendet. Hier besteht dem-
nach kein Anspruch.
1.6.17. Der Beschuldigte hatte am Morgen des 10. Dezember 2009 zur ersten
Einvernahme bei der Dienststelle F._ der Kantonspolizei Zürich zu erschei-
nen (Urk. 11/1). Soweit er dafür eine Entschädigung für Lohnausfall geltend
macht, erscheint dies demnach angesichts des vorerwähnten Temporärarbeits-
vertrags berechtigt. Allerdings erscheinen "rund 4 Stunden" (wie vom Verteidiger
angeführt; Urk. 39 S. 12) in Anbetracht der Einvernahmedauer von gut eineinhalb
Stunden (Urk. 11/1) als sehr grosszügig berechnet.
1.6.18. Für die Einvernahme vom 25. Februar 2011 (Urk. 11/5) kann nur schon
darum keine Entschädigung für Lohnausfall zur Diskussion stehen, weil der vom
Beschuldigten eingereichte, offenbar aktuelle Arbeitsvertrag erst am 3. Mai 2011
zu laufen begonnen hat (Urk. 10/3).
1.6.19. Vor Vorinstanz fand am 8. September 2011 die Hauptverhandlung (Prot. I
S. 3) und am 16. September 2011 die Urteilseröffnung und -erläuterung statt
(Prot. I S. 7). Beide Veranstaltungen zusammen dauerten ziemlich genau
2 Stunden. Hinzu kommt die Zeit, welche die An- und Rückreise in Anspruch
nahm. Inwieweit der Beschuldigte allerdings deshalb einen Lohnausfall erlitten
hätte, tut er nicht dar: Er ist im Monatslohn angestellt, und ein Arbeitgeber hat
dem Arbeitnehmer den Lohn grundsätzlich auch für Zeiten zu bezahlen, in
welchen der Arbeitnehmer z.B. infolge Wahrnehmung von Gerichtsterminen an
der Arbeitsleitung verhindert ist (Art. 324a OR).
1.6.20. Ausgewiesen sind schliesslich die vom Beschuldigten geforderten Fahrt-
kosten von total Fr. 45.60 (Urk. 39 S. 12).
1.6.21. Gesamthaft erscheint damit eine Entschädigung für wirtschaftliche Ein-
bussen von Fr. 150.– zuzüglich 5 % Zins ab 10. Dezember 2009 als angemessen.
6.5. Bei besonders schweren Verletzungen in den persönlichen Verhältnissen
im Sinne von Art. 28 ZGB und Art. 49 OR sichert Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO der
beschuldigten Person bei Einstellung oder Freispruch eine Genugtuung zu, wobei
- 27 -
das Gesetz als Anwendungsfall ausdrücklich den Freiheitsentzug nennt. Mit
Bezug auf Untersuchungs- oder Sicherheitshaft ist denn auch regelmässig eine
Genugtuung geschuldet (Schmid, a.a.O., N. 1816 ff., mit vielen Verweisen).
1.6.22. Der Beschuldigte befand sich vom 10. bis 18. Dezember 2009 während
9 Tagen in Haft. Der Verteidiger fordert dafür eine Genugtuung von mindestens
Fr. 6'000.– und beruft sich dafür auf die - angebliche - bundesgerichtliche Recht-
sprechung. Bei einem Freiheitsentzug von 9 Tagen sei von einem Tagessatz von
Fr. 300.– auszugehen, und der sich so ergebende Betrag von Fr. 2'700.– sei auf-
grund "des gesamten Strafverfahrens und seiner Begleitumstände" sowie der Ver-
letzung des Beschleunigungsgebots auf mindestens Fr. 6'000.– zu erhöhen
(Urk. 39 S. 12 ff.; Urk. 73 S. 12).
1.6.23. Die Festlegung der Genugtuungssumme beruht auf richterlichem Ermes-
sen. Das Bundesrecht setzt keinen bestimmten Mindestbetrag fest (vgl. Art. 429
Abs. 1 lit. c StPO). Bei der Ausübung des Ermessens kommt den Besonderheiten
des Einzelfalles entscheidendes Gewicht zu. Nach der bisherigen Recht-
sprechung ist zunächst die Grössenordnung der in Frage kommenden Genug-
tuung zu ermitteln, wobei Art und der Schwere der Verletzung massgebend sind.
In einem zweiten Schritt sind die Besonderheiten des Einzelfalles zu würdigen,
die eine Verminderung oder Erhöhung der zuzusprechenden Summe nahelegen.
Das Bundesgericht erachtet bei kürzeren Freiheitsentzügen Fr. 200.– pro Tag als
angemessene Genugtuung, sofern nicht aussergewöhnliche Umstände vorliegen,
die eine höhere oder eine geringere Entschädigung zu rechtfertigen vermögen.
Bei längerer Untersuchungshaft (von mehreren Monaten Dauer) ist der Tagessatz
in der Regel zu senken, da die erste Haftzeit besonders erschwerend ins Gewicht
fällt (vgl. BGE 113 IB 155 E. 3b S. 156 mit Hinweisen). Diese Rechtsprechung
bleibt auch für Anwendungsfälle der eidgenössischen Strafprozessordnung aktuell
(Urteil des Bundesgerichts 6B_111/2012 vom 15. Mai 2012 E. 4.2).
1.6.24. Entgegen dem Verteidiger ist deshalb grundsätzlich von einem Ansatz von
Fr. 200.– pro erlittenem Hafttag auszugehen. Das ergibt bei 9 Hafttagen einen
Betrag von Fr. 1'800.–. Aussergewöhnliche Umstände, die eine Erhöhung oder
Verminderung rechtfertigen würden, sind nicht ersichtlich. Soweit der Verteidiger
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darauf verweist, dass der Beschuldigte infolge der Inhaftierung seine Arbeitsstelle
verloren habe (Urk. 39 S. 14), ist auf den bereits erwähnten Umstand hinzu-
weisen, dass jenes Arbeitsverhältnis befristet war und der Beschuldigte ohnehin
am 11. Dezember 2009 - dem Tage nach der Verhaftung - seinen letzten Arbeits-
tag gehabt hätte. Dass im Umfeld des Beschuldigten "niemand mehr Verständnis"
für die Situation gehabt habe (Urk. 39 S. 14), mag sein, ist indessen kein ausser-
gewöhnlicher Umstand, der eine Erhöhung der Genugtuung rechtfertigte.
Und wenn der Verteidiger schliesslich die "sehr lange Verfahrensdauer von
zwei Jahren" moniert (Urk. 39 S. 14), bzw. nun geltend macht, die Verletzung des
Beschleunigungsgebots falle erhöhend ins Gewicht und der Beschuldigte sei seit
drei Jahren mit vorliegendem Verfahren belastet, was wirksam zu kompensieren
sei (Urk. 73 S. 12), so vermag auch dies keinen besonderen Genugtuungs-
anspruch zu begründen: Gesamthaft erscheint das Verfahren denn auch nicht als
übermässig lang; immerhin war es gegen vier - anfänglich, mit U._, gar fünf -
Beschuldigte zu führen und waren durchaus umfangreiche Ermittlungshandlungen
vorzunehmen. Dem Beschuldigten ist deshalb eine Genugtuung von Fr. 1'800.–
zuzüglich 5 % Zins ab 13. Dezember 2009 (mittlerer Zinsverfall) aus der Gerichts-
kasse zuzusprechen.