Decision ID: ef4ff1a7-f9ad-5a88-92ea-3e2bf31eb77a
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 19
65
,
war a
b
Juni 2007
als Physiotherapeutin
in der
Z._
angestellt
(Urk.
12/2/5
, Urk. 12/
11
, Urk. 12/35/4
).
N
ach einer Operation an der Halswirbelsäule
(HWS
) Ende Oktober 200
8
(
Urk.
12/7/7) meldete sie sich
am 3. Dezember
2008
bei der Eidgenössischen Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
12/2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab.
Im
Februar
2009 wurde
bei der Versicherten
nach epileptischen Anfällen
ein
transitionales
Meningeom
(WHO Grad I) entdeckt und entfernt (
Urk.
12/14/1-5). Ende April 2009 wurde
die Versicherte
wegen chro
nischer Osteomyelitis
und einer Wundinfektion erneut am
Kopf
operiert (Urk. 12/15/3,
Urk.
12/18/3).
Mit Verfügung vom
1
3.
Januar
2011 sprach
die IV-Stelle
der Versicherten eine vom
1.
Oktober 2009 bis Ende März 2010 befristete
Viertelsrente
bei einem Invaliditätsgrad von 44
%
zu
(Urk.
12/34
).
1.2
Im November
2012 erlitt die Versicherte einen
Auffahrunfall. Sie litt in der
Folge
vermehrt
an Beschwerden an der rechten Schulter
(
Urk.
12/49/8)
.
Ab Januar 2013 arbeitete die Versicherte in der Funktion als Leiterin Physiotherapeutin in der
Y._
in einem 80%igen Pensum
(
Urk.
12/35/2-3).
Dies
e
Anstellung wurde per Ende Juli 2014
aus gesundheitlichen Gründen
gekündigt
. Der letzte Arbeitstag war Mitte Januar 2014
(Urk.
12/35/1
,
Urk.
12/62/1
).
Anfang Februar
2014
war
die rechte Schulter mittels
arthroskopischer
zi
r
kulärer
Capsulo
tomie
operiert
w
orden
(
Urk.
12/49/11).
Am 2
9.
Oktober 2014 wurde die Ver
sicherte
wegen zunehmender Nacken-
,
Schulter-
und
Armbeschwerden rechts seit Mitte 2012 mittels
Verlängerungsspondylodese
an der
HWS
C3/4
operiert (Urk. 12/51/6-8).
Am 25. März 2015 wurde eine weitere
Arthroskopie an der rech
ten Schulter mit
Capsulotomie
,
Acromioplastik
und AC-Resektion durch
geführt (
Urk.
12/58/1).
Am
2.
September
2014 hatte sich die Versicherte erneut bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug angemeldet
(
Eingang:
9.
September 2014;
Urk.
12/36-38). Die IV-Stelle nahm neue
erwerbliche und medizinische
Abklärungen vor
.
Vom 15.
September bis 14
.
Oktober 2015 liess die IV-Stelle
bei der
A._
eine Potentialabklärung durchführen
, welche vorzeitig wegen
zunehmender Schmerzen und geringer Belastbarkeit
am 2
5.
September
2015 abgebrochen wurde
(Urk.
12/70
, Urk. 12/7
7,
Urk.
12/81
)
. Im Verlauf traten wei
tere Beschwerden an den Füssen und
den Händen auf. Die neurologischen Abklärungen in der
B._
im
November 2015
ergaben eine gemischt
axonal-demyelinisierende
Polyneuropathie
und ein
beidseitiges
Karpaltunnelsyndrom mehr links als rechts (
Urk.
12/99/6, Urk. 12/99/12).
Die IV-Stelle holte
schliesslich
das polydisziplinäre Gutachten
der
C._
vom 1
2
. Juli 201
6
ein
(Urk.
12/119
). Gestützt darauf kündigte sie mit Vorbescheid vom
9.
Februar 2017
die
Zusprache
einer ganzen Rente
ab dem
1.
März 2015 bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
und einer
Dreiviertelsrente
ab dem
1.
August 2016 bei einem Invaliditätsgrad von 69
%
an (
Urk.
12/136).
Die
Versicherte erhob mit Schreiben vom
1
6.
März
2017 Einwände (Urk. 12/139).
Mit Verfügung
en
vom
2
2.
Mai 2017 (
Urk.
2) und vom
3
0.
Juni 2017
(Urk. 10/2) sprach die IV-Stelle der Versicherten wie angekündigt eine
ganze
Rente ab dem
1.
März 2015 und eine
Dreiviertelsrente
ab dem
1.
August 2016
zu
.
2.
Mit
Eingabe vom 22. Juni 2017
erhob die Versicherte
Beschwerde gegen die Ver
fügung vom 22. Mai 2017
und
beantragte,
diese
insoweit au
fzuheben, als sie ihr ab dem 1.
August 2016 eine ganze Invalidenrente verweigere, und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine durchgehend ganze Invalidenrente ab dem
1.
März 2015 zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin, es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und Recht
s
anwältin Melina
Tzikas
als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren zu bestellen (Urk. 1 S. 2).
Mit Eingabe vom 2. August 2017
erhob die
Beschwerdeführerin
auch
gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 30. Juni 2017 Beschwerde
(Verfahr
en
Nr.
IV.2017.00813
)
und
beantragte sinngemäss,
diese sei
insoweit aufzuheben, als ihr damit vom 1. August 2016 bis 3
0.
Juni 2017 eine
Dreiviertelsrente
zuge
sprochen
worden sei und es sei festzustellen, dass sie ab dem
1.
August 2016 weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente habe (
Urk.
1
0
/1). Im Übrigen verwies sie auf die Beschwerde vom 2
2.
Juni 2017
(
Urk.
1)
gegen die Verfügung vom 22. Mai 2017
(
Urk.
2)
.
Mit Verfügung
en
vom 10. August 2017 wurde das vorlieg
ende Verfahren Nr. IV.2017.00716
mit dem Verfahren Nr. IV.2017.00
813
vereinigt und unter der ersten Prozessnummer
weitergeführt (Urk. 9 S. 3) sowie das Verfahren Nr. IV.2017.00813 als dadurch erledigt abgeschrieben (Urk. 10/3 S. 2).
Ausserdem wurde der
Beschwerdeführerin
die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwältin Melina
Tzikas
, Zürich, als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren bestellt
(Urk. 9 S. 3)
.
Mit Beschwerdeantwort vom 23. August 2017 schloss die
Beschwerdegegnerin
auf Abweisung (
Urk.
11). Mit Verfügung vom 2
8.
August 2017 wurde die Pensionskasse
Y._
Basel zum Verfahren beigeladen (
Urk.
13 S. 2), welche mit Eingabe vom 12.
Okto
ber
2017 auf eine Stellungnahme verzichtete (
Urk.
16). Die
Beschwerdegegnerin
verzichtete mit Eingabe vom 3
0.
Oktober 2017 auf eine weitere Stellungnahme (
Urk.
20), was den anderen Verfahrensbeteiligten mit Verfügung vom 3
1.
Oktober
2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
23).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
m
ei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
ge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Er
werbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausge
gliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durch
führung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.
4
1.4.1
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades
erfolgt
ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebe
nen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Ren
tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung
einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.4.2
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen
(Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a IVV) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich
durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit dem
jenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV fest
zusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung
(vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
2
.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich in den angefochtenen Verfügungen vom 22. Mai und 30. Juni 2017 auf den Standpunkt
,
es sei seit März 2013 eine Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin
eingetreten,
aus
welcher eine 100%ige Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit resultiert
habe
, so dass
ein
Anspruch auf eine ganze Rente mit Beginn sechs Monate nach der Anmel
dung vom
9.
September 2014, mithin ab dem
1.
März 2015
gegeben sei
. Ab dem Zeitpunkt der Begutachtung (durch die
C._
,
Urk.
12/119) im Mai 2016 sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer leichten, wechselbelastenden
Tätig
keit ohne Zwangshaltung von HWS und Rumpf sowie im Schulterbereich, ohne repetitiven Armeinsatz rechts und mit vermehrten Pausen auszugehen. Damit resultiere nach Ablauf von drei Monaten seit Eintritt der Besserung, mithin ab dem
1.
August 2016 ein Anspruch auf ein
e
Dreiviertelsrente
(Urk. 2
S. 3 f., Urk. 10/2
).
2
.2
Die
Beschwerdeführer
in
wendet dagegen ein,
seit der Potentialabklärung im Sep
tember 2015, bei der sich gezeigt habe, dass sie selbst einfachste Täti
gkeiten trotz grosser Motivation und bes
tem Arbeitsverhalten überforderten
, sei
weder mit dem
C._
-Gutachten noch mit anderen medizinischen Akten e
ine B
esserung ihres Gesundheitszustandes
ausgewiesen worden
.
Die
C._
-Gutachter hät
ten selbst festgehalten, dass die beruflichen Massnahmen wegen den somatischen Beschwerden am 1
2.
Oktober 2015 hätten abgebrochen werden müssen, so dass bis zum Gutachtenszeitpunkt von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Jedoch
hätten die
Gutachter
weder eine Besserung beschrieben noch aufge
zeigt
,
inwiefern trotz Vorliegen derselben körperlichen Beeinträchtigungen ab dem Zeitpunkt der
Begutachtung in Abweichung zu den Ergebnissen der Poten
zialabklärung nunmehr
eine 50%ige Erwe
rbstätigkeit zumutbar sein soll
.
Aber se
lbst unter der Annahme einer 50%igen Arbeitsfähigkeit sei weiterhin ein Anspruch auf eine ganze Rente begründet. Denn aufgrund der erheblichen kör
perlichen Einschränkungen vor allem im Bereich der HWS wäre eine Restarbeits
fähigkeit jedenfalls nicht verwertbar.
Insbesondere
kenne das Arbeitssegment des Kompetenzniveaus 2 der Tabelle der Lohnstrukturerhebung (LSE), auf welche die
Beschwerdegegnerin
zur Bestimmung des Invalideneinkommens abgestellt habe,
realistischerweise
keine zumutbaren Tätigkeiten.
Die meisten Tätigkeiten
dieses Niveaus
würden praktische Arbeiten
und Kopfrotationen
beinhalten
, welche
von ihr
nicht ausgeführt werden
könnten. Bereits
einfachste Tätigkeiten wie Serviettenfalten
könne sie
nur sehr kurze Zeit ausführen.
Falls das Gericht von einer verwertbaren Restarbeitsfähigkeit von 50
%
in einer leidensangepassten Tätigkeit ausgehe, wäre jedenfalls ein leidensbedingter Abzug von
mindestens 10
%
vom Tabellenlohn zu gewähren.
Denn zum reduzierten Arbeitspensum von 50
%
komme nebst dem medizinisch festgelegten Anforderungs- und Belastbar
keitsprofil das
Erfordernis der vermehrten
Pausen hinzu. Ausserdem seien gemäss dem Schlussbericht der Potentialabklärung alle Tätigkeiten mit Rotation oder Neigung des Kopfes nicht oder nur für sehr kurze Zeit möglich und der rechte Arm könne nur noch eingeschränkt eingesetzt werden, wodurch
der
Verwertbar
keit ihrer Arbeitsfähigkeit zusätzlich Grenzen gesetzt seien. Verglichen mit einem Gesunden müsse daher mit einer tieferen
Entlöhnung
gerechnet werden. Auch das Erfordernis der Wechselbelastung sei
gemäss
dem Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_548/201
0
vom 23.
Oktober
2010 als
lohnsenkender Einfluss
faktor zu berück
sichtigen. Damit resultiere ein Invalideneinkommen von
Fr.
27'201.60, was eine
n
Invaliditätsgrad von 72
%
und damit
weiterhin
einen Anspruch auf eine ganze Rente begründe
(Urk. 1 S. 4 ff.).
2.3
2.3.1
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung de
r Beschwerdeführerin vom
2
.
September
201
4
(Urk.
12/38
) eingetreten.
Das Gericht hat daher
den Renten
anspruch
in materiell-rechtlicher Hinsicht bis zum Erlass der ange
fochtenen Ver
fügung
en
vom
2
2.
Mai
und 3
0.
Juni 2017
(Urk. 2
, Urk. 10/2
)
zu prüfen, welche
rechtsprechungsgemäss
die zeitliche Grenze
der richterlichen Überprüfungsbe
fugnis
bilden
(BGE 132 V 220 E. 3.1.1, 122 V 77 E. 2b, Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 19. Mai 2009 E. 2, je mit Hinweis).
Die
Beschwerdegegnerin
hat zutreffend erkannt, dass d
er frühestmögliche Beginn einer Rente aufgrund von Art. 29 Abs. 1 und Abs. 3 IVG der
1.
März 2015 ist
.
Es
ist
ausserdem
unstrittig, dass spätestens seit Anfang 2014
insbesondere aufgrund der Zunahme der HWS-Symptomatik und der Armbeschwerden rechts (Urk. 12/49/11, Urk. 12/51/6-8, Urk. 12/58/1)
eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin
im Vergleich zu jenem einge
treten ist, welcher der Rentenaufhebung per Ende März 2010
(
Verfügung vom 1
3.
Januar 2011;
Urk.
12/34) zugru
nde gelegen hatte. Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit ab Anfang 2014 (Urk. 12/119/51-52) ist mit den Parteien für die Zeit
vom
1.
März 2015 bis
(min
destens)
Ende Juli 2016
auf einen
Anspruch auf eine ganze Rente bei einem Invaliditäts
grad von 100
%
(
Urk.
2 S. 3) zu schliessen
.
2.3.2
Strittig und zu prüfen
bleibt im Folgenden
,
ob
die Beschwerdegegnerin
die ganze Rente zu Recht ab August 2016 auf eine
Dreiviertelsrente
herabgesetzt hat.
Es ist hierzu zu klären, ob und inwiefern s
ich
der
Sachverhalt im Zeitpunkt des Rentenbeginns
, mithin
Anfang
März
2015
, bis
im
Zeitpunkt der
verfügten
Anspruchsänderung
am
1.
August 2016 mit Auswirkung auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
(Art. 6 und 7 ATSG)
anspruchsrelevant
verändert hat
(vgl.
E.
1.4.2 hiervor;
BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen;
Urteil
des Bundesge
richts 8C_375/
2017 vom 25. August 2017 E. 2.2).
3.
3.1
3.1.1
Gemäss dem Bericht der Wirbelsäulenchirurgie und Neurochirurgie der
D._
vom 2
0.
Januar 2015
habe
rund 2,5
Monate nach der
Operation der
HWS
mit
Verlängerungsspondylodese
C4/5
vom 29. Oktober 2014 (Urk.
12/51/6-8)
eine Schmerzsymptomatik im rechten Arm und der Schulter sowie eine deutlich reduzierte Belastbarkeit persistiert. Bezüglich der persistieren
den
bitonalen
Stimme werde eine spezialärztliche Untersuchung
und
wegen den neu angegebenen
Hypästhesien
der Füsse bei bestehenden lumbalen Kreuz
schmerzen eine Magnetresonanz
tomographie (MRT) der Lenden
wirbelsäule (LWS)
empfohlen.
Es sei eine weitere Arbeitsunfähigkeit von 100 % bis Mitte März 2015 ausgestellt worden
(
Urk.
12/51/6-7).
Dem Operationsbericht der Orthopädie der
D._
vom 2
5.
März 2015 ist zu entnehmen, dass nach der HWS-Operation vom 2
9.
Oktober
2014 eine therapieresistente Bewegungseinschränkung, insbesondere die Rotation betref
fend, und ein
druckdolentes
AC-Gelenk bei
(
diagnostisch
)
einer
Frozen
shoulder
und eine
r AC-Arthrose rechts verblieben
. Ausserdem habe die
Arthro
-
MRT
-Untersuchung vom
2.
März 2015 eine erneute
retraktile
Capsulitis
und eine akti
vierte AC-Arthrose gezeigt. Es sei daher die Indikation zur erneuten Arthroskopie mit
Arthrolyse
und AC-Resektion gegeben (
Urk.
12/58/1).
Im Anschluss an diese Operation attestierten die Ärzte der
D._
eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit
bezüglich der Tätigkeit als Physiotherapeutin (Urk.
12/58/6
,
Urk. 12/84/1-2
), zuletzt - soweit aktenkundig - anlässlich der Konsultation vom
7.
Dezember 2015
(
Urk.
12/93/1-2
).
Gemäss dem Bericht gleichen Datums
bestand acht
Monate nach der Schulteroperation
ein insgesamt korrekter Reha
bilitationsverlauf. Die
Beschwerdeführerin
habe immer noch deutliche Rest
beschwerden, vor allem bei Aussenrotation im ventralen Schulterbereich. Ungünstig wirke sich sicherlich
die HWS-Problematik aus (Urk. 12/93/1
).
Laut dem
Bericht der Logopädin E._
vom 1
3.
Juni 2015 fiel es der
Beschwerdeführerin
seit der letzten HWS-Operation schwer, über einen längeren Zeitraum zu sprechen, die Stimme sei tiefer, mon
o
ton, rauer und wenig belastbar geworden. Sobald sie in der HWS nicht genügend muskuläre Haltekraft aufbauen könne, werde ihre Stimme schwächer und gehe zuweilen auch ganz weg. Sie brauche bei den Übungen immer wieder Pausen, sie ermüde körperlich und stimmlich sehr schnell. Es sei nicht absehbar, ob ihre Stimmkraft überhaupt wie
der regenerieren könne (
Urk.
12/65). Sie werde sicher keinen Beruf ausüben kön
nen, bei dem sie auf ihre Stimme angewiesen sei (
Urk.
12/65).
Dem Bericht vom
7.
Oktober 2015 der
A._
zur Potentialabklärung vom 1
5.
bis 2
5.
Septem
ber 2015 ist zu entnehmen, es habe sich bereits nach kurzer Zeit gezeigt, dass die
Beschwerdeführerin
schnell an ihre körperlichen Grenzen gekommen sei. Nach zwei bis drei Stunden Präsenzzeit sei sie jeweils erschöpft nach Hause gegangen. Einfach
e
Arbeiten wie das Servietten
f
alten, habe sie trotz angepasster Tischhöhe und höhenverstellbarem Stuhl nur für eine sehr kurze Zeit ausführen können. Danach habe sie starke Verspannun
gen und Schmerzen bekommen, so dass ihre Stimme versagt habe.
Dasselbe sei beim Mailing-Versand
in stehender
Position zu beobachten gewesen.
Die aktive Teilnahme i
n der Entspannungsgruppe sei für sie ebenfalls nicht möglich gewe
sen, da sie bereits nach 10 Minuten starke Schmerz
e
n bekommen habe
und die Übungen weder stehend noch liegend habe durchführen können. Alle Tätigkeiten, die eine Rotation oder Neigung des Kopfes voraus
setzen würden, könne sie nicht oder nur für sehr kurze Zeit ausführen. Die Schmerzmittel habe sie während der Abklärung verdoppeln müssen und es sei ihr
schwer gefalle
n
, die Erkenntnis zu erlangen, dass selbst die einfachsten Tätigkeiten wie das Servietten
falten
, sie kör
perlich überfordert habe.
Die Aussicht, dass keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr bestehe, sei für sie sehr belastend.
Aufgrund der geringen Belastbarkeit und der Zunahme der Schmerzen sei die Potentialabklärung vorzeitig abgebrochen worden. Die Arbeitsleistung im geschützten Rahmen sei als gering einzustufen, mit maximal dreistündiger Präsenzzeit und stark eingeschränkter Leistungsfähig
keit
(
Urk.
12/77).
Die Abklärungen in der
B._
bezüglich der Schmerzen und Taubheitsgefühle in den Vorfüssen und in den Fingern ergaben gemäss dem Bericht vom 24. November 2015
eine gemischt
axonal-demyelinisierende
senso
motorische Neuropathie de
r Beinnerven am ehesten im Rahmen
einer diabe
tischen Polyneuropathie mit Schmerzen in den Vorfüssen
(VAS 5-6/10)
und
mit
beidseits strumpfförmigem Taubheitsgefühl
sowie
Missempfindungen bei
Pall
hypästhesie
, leicht unsicherem Romberg und erloschenen Beinreflexen. Zudem zeige sich ein Karpaltunnelsyndrom links mehr als rechts. Des Weiteren bestehe ein chronisches
cervikospondylogenes
Schmerzs
yndrom mit
Cervikobrachialgie
links C
7.
Die Schmerzen im Bereich der HWS (VAS 8/10) würden bei Belastung in die Arme ausstrahlen. Zusätzlich
bestünden
Schmerzen im Bereich der LWS (VAS 5-8/10), die vor allem bei langem Stehen in die Oberschenkelrückseite aus
strahlen würden (
Urk.
12/99/12-15).
Der Hausarzt
Dr.
med. F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt im (undatierten) Verlaufsbericht (Eingang am 1
1.
Februar 2016) fest, der Gesund
heitszustand habe sich verschlechtert. Und zwar seien wegen der Multimorbidität und der verzögerten Beurteilung durch die Invalidenversiche
rung Depressionen aufgetreten. Zudem sei sie allein schon wegen der Schulterbeschwerden vom behandelnden Chirurgen bis März 2016 als nicht arbeitsfähig bezeichnet worden. Die Wiederaufnahme der Tätigkeit als Physiotherapeutin sei nicht möglich und auch in einer leidensangepassten Tätigkeit sei keine Arbeitsfähigkeit gegeben (
Urk.
12/102/1-2).
3.1.2
G
emäss dem
C._
-Gu
tachten vom 12.
Juli 2016
, auf das die
Beschwerde
gegnerin
im angefochtenen Entscheid abstellte (Urk.
2 S. 3 f., Urk. 12/134/5-6),
wurde die
Beschwerdeführerin
am 2
4.
Mai und
1.
Juni 2016 polydisziplinär
begutachtet
(Urk. 12/119/1
).
Die
Beschwerdeführerin
habe aktuell
anhaltende
Schmerzen im
Nackenbereich mit Ausstrahlungen in den linken Arm und ein Taubheitsgefühl des Mittel- und Ringfingers sowie der Hand
fläche
beschrieben
.
Wegen der dreimaligen HWS-Operationen könne sie nicht mehr
nach oben oder nach unten
schauen.
Auch habe sie an der rechten Schulter trotz den zwei Ope
rationen
noch
Schmerzen.
Der rechte Daumen schwelle an, er sei erst kürzlich operiert worden
. Im Alltag habe sie Probleme mit der rechten Hand, es bereite ihr Mühe
,
auch nur eine Flasche zu öffnen.
Ihre Gehfähigkeit sei durch Unsicherheit
beim Gehen und erhebliche Erschöpfung geprägt.
Durch die körperlichen Symp
tome könne sie nicht lange liegen, sitzen oder stehen.
Aktuell sei bezüglich ihres Diabetes zudem der Blutzucker schlecht eingestellt.
Psychisch
fühle sie sich hilflos den körperlichen Erkrankungen ausgeliefert.
Durch die Schmerzen sei sie auch müde geworden.
Ihr Selbstwertgefühl sei stark vermindert, sie sei handlungs
unfähig in Bezug
auf ihre berufliche Perspektive,
nicht mehr leistungsfähig
und
im Gegensatz zu früher nicht mehr
sportlich aktiv. Dies habe seit einem halben Jahr zu einer tiefen Traurigkeit mit Erschöpfung geführt
. Mit der aktuellen Medikation mit
Cipralex
sei es wieder etwas besser geworden
(Urk.
12/119/31
, Urk. 12/119/36
, Urk. 12/119/49
).
Die Gutachter
schlossen auf
die folgenden Diagnosen mit
Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit:
Chronische
cervikospondylogene
Schmerzen, stark einge
schränkte Funktion und Belastbarkeit bei
Cervikobrachialgie
re
chtsbetont bei/mit degenerativen
HWS
-V
eränderungen mit
Osteochondrosen
,
Bandscheibenprotru
sion
in Höhe
HWK 5/6,
MRT
überwiegend
osteogener
Einengung des
Foramen
intervertebrale mit mässiger Wurzelkompression C6 links, klinisch und neuro
physiol
ogisch keine Läsion nachweisbar, Status nach
anterior
Diskektomie C6/7 mit
Pseudarthrose
(2
0.
April 2008), Status nach
anteriorer
Mikrodiskektomie und Entfernung der
Pseudarthrose
C6/7, Mikrodiskektomie C5/6, Einsetzen von zwei autologen Knochenspänen C5/6 und C6/7 und
anteriorer
Titanplatte C5-C7 (2014); leichtgradige
Coxarthrose
links mit
Pincer
Impingement
links bei/mi
t Status nach Umstellungsosteot
omie proximaler Femur rechts
(1999); Restbe
schwerden an der rechten Schulter mit leichtgradiger Funktionsstörung, Kraft
minderung,
subacromialem
Impingement
und AC-Gelenksarthrose bei/mit Status nach
arthroskopischer
Operation,
ACG
-Resektion, Nark
osemobilisation (20.
März 2015) und Status nach Arthroskopie Schulter rechts mit zirkulärer
Capsuloto
mie
/
Arthrolyse
(2
2.
Januar 2014) wegen
Frozen
Shoulder
rechts; rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode mit somatischem Syndrom
(ICD-10 F33.01)
.
Als
Nebend
iagnosen ohne we
s
entliche
Einschränkung der
Arbeits
fähigkeit führten
die Gutachter
die folgenden auf:
Tumorexzision eines
Kon
vexmen
ingeoms
links frontal (WHO Grad
I, Erstdiagnose Januar 2009; Operation vom 2
0.
Februar 2009) mit/bei Status nach chronischer Osteomyelitis mit langer Antibiose und Schädeldeckelentfernung, Status nach drei sekundären generali
sierten Krampfanfällen postoperativ, aktuell seit Jahren ohne Medikamente anfallsfrei; Diabetes mellitus Typ I seit mehr als 20 Jahren; diskrete sensible dia
betische Polyneuropathie; Status nach Hysterektomie wegen
Zervixkarzinom
(Februar 2012; Urk. 12/119/46-47).
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit kamen die Gutachter zum
folgenden Schluss:
A
us internistischer Sicht würden sich keine Einschränkungen ergeben. Auch aus neu
rologischer Sicht
seien
keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
fest
gestellt worden
. Bei der klinisch-neurologischen Untersuchung hätten sich zwar Befunde ergeben, die mit der diabetischen Polyneur
opathie korrespondieren wür
den; so lasse sich d
ie beklagte Gangunsicherheit mit einer sensiblen Ataxie
bei
diabetische
r
Polyneuropathie
erklären. Jedoch seien die Befunde sehr diskret gewesen und vor allem die Kraft sowie die Feinmotorik seien nicht beeinträchtigt worden.
Das links
betonte Carpaltunnelsyndrom könne zudem operativ saniert werden.
Aus psychiatrischer Sicht sei die
Beschwerdeführerin
aufgrund der depressiven Symptomatik seit sechs Monaten (vor der aktuellen Exploration vom
1.
Juni 2016 [Urk. 12/119/35], mithin ab Anfang Dezember 2015) in der bishe
rigen und auch in der adaptierten Tätigkeit zu 20
%
in der Arbeitsfähigkeit ein
geschränkt.
A
us polydisziplinärer Sicht sei
die orthopädische Einschätzung mas
sgeblich
. Damit sei
von einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit in der
zuletzt ausge
übten
Tätigkeit als Physiotherapeutin mit überwiegendem ständigem körper
lichem
Einsatz ab März 2013 auszugehen
, wobei nach der Aktenlage ab Januar 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei
; dies in
sbesondere wegen den erheblichen
Funktionsbeeinträchtigungen und persistierenden Schmerzen der HWS sowie der rechten Schulter.
Tätigkeiten mit ständigem Armeinsatz seien sowohl im administrativen Bereich, als auch in der Arbeit mit den Patienten nicht zumutbar. Es sei
en
ein vermehrter Pausenbedarf und die Möglichkeit zu einem selbständig durchzuführenden Positionswechsel erforder
lich.
In einer überwiegend leitenden Funktion respektive einer entsprechend lei
densangepassten Tätigkeit unter Berücksichtigung des Leistungsprofils und einem vermehrten Pausenbedarf sei ihr aus orthopädischer Sicht ein Pensum bis zu 50
%
zumutbar. Es seien
in diesem Umfang
noch leichte wechselbelastende Tätigkeiten ohne repetitiven
Armeinsatz rechts, ohne einseitige Zwangshaltung
der Wirbel
säule, ohne ständige vorgeneigte und gebeugte
Position, ohne häufige
Laterali
sations
-,
Rotation
s
-
oder
, Flexion
s
bewegungen der HWS zumutbar.
Nach den vielen aufeinanderfolgenden Operationen sei eine längere Regen
e
rationszeit erforderlich. Es bestehe nach den erfolgten Operationen eine eingeschränkte Belastbarkeit primär von Seiten der HWS, der rechten Schulter und sekundär von Seiten der linken Hüfte. Der Beginn der leidensangepassten Tätigkeit werde auf
grund der psychiatrischen Einschätzung ab Gutachtenszeitpunkt (vom 1
2.
Juli 2016) festgelegt
(Urk.
12/119/49
-52).
3.2
3.2.1
Mit dieser
insofern einheitlichen medizinischen Aktenlage
ist unstrittig ausge
wiesen
, dass
in Bezug auf die
Tätigkeit als
Physiotherapeutin und
in Bezug
auf
sämtliche anderen körperlich schweren und mittelschweren
, nacken- und armbe
lastenden
Tätigkeiten anhaltend, mithin
bis zum
Begutachtungszeitraum Ende Mai/Anfang Juni 2016
und darüber
hinaus
,
eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit gegeben war respektive ist.
Insofern ist
ab Mitte 2016
keine
rentenrelevante
Ver
änderung eingetreten.
Dagegen haben die
C._
-Gutachter h
insichtlich der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit
festgestellt, dass
-
im Unterschied zum bishe
rigen Verlauf
-
die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit mit einem Pensum von 50
%
ab dem Begutachtungszeitpunkt nunmehr zumutbar sei. Auch wenn die Gutach
ter den Gesundheitszustand nicht explizit
im Vergleich zum Rentenbeginn per Anfang März 2015 als
verändert bezeichneten, ist
entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin
eine erhebliche Veränderung des Gesundheitszustandes aus
gewiesen
, welche eine Neubeurteilung per Mitte 2016
analog zu
Art.
17 ATSG (
vgl. BGE 133 V 263 E. 61 mit Hinweisen
)
rechtfertigt
.
Denn im Monat des Ren
tenbeginns musste die
Beschwerdeführerin
ein weiteres Mal an der rechten Schul
ter operiert werden
(
Urk. 12/58/1
)
.
Da
die
Leistungs
fähigkeit
kurz vor, während und in der Rehabilitationszeit nach einer solchen Operation
in der Regel erheblich eingeschränkt ist
und sich bei grundsätzlich komplikationslosem Rehabilitations
verlauf hernach zusehends verbessert
, sind insofern
massgeblich
veränderte Ver
hältnisse gegeben
.
Der Rehabilitationsverlauf nach der Operation vom 25. März 2015 wurde von den behandelnden Ärzten denn auch als insgesamt korrekt bezeichnet (Bericht der
D._
vom
7.
Dezember 2015, Urk. 12/93/1). Im Bericht der
D._
vom 1
2.
Oktober 2015 war zudem festgehalten worden, dass die Schmerzen im Bereich der rechten Schulter bei allerdings noch eingeschränkter Schulterbeweglichkeit und zusätzlicher Sehnenscheidenproble
matik links nachgelassen hätten (
Urk.
12/84/1).
Da die
Beschwerdeführerin
nur
rund 14
Monate zuvor an derselben Schulter
(Urk.
12/49/11)
und nur 5 Monate zuvor ein weiteres Mal an der Halswirbelsäule operiert worden war (
Urk.
12/51/6-8
), ist nachvollziehbar, dass die
C._
-
Gutachter
erklärten
, dass
nach den vielen aufeinanderfolgenden Operationen eine längere Regenera
tionszeit erfor
derlich sei
, und
dass sie
den Eintritt der
Arbeitsfähigkeit in einer leidensange
passten Tätigkeit erst
auf den
Begutachtung
szeitpunkt
Mitte 2016
- und nicht vorher -
festlegten
(Urk.
12/119/52
)
.
Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin
ist nicht zu beanstanden, dass
die Gutachter in der rückwirkenden Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
sodann
zusätzlich berücksichtigten, dass die beruflichen Massnahmen wegen den soma
tischen Beschwerden am 1
2.
Oktober 2015
(
Urk.
12/81
) abgebrochen
wurden
,
und
darauf
schlossen, dass daher bis zum Gutachtenszeitpunkt eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit gegeben sei (Urk. 12/19/52). Denn sie führten dies unter dem Titel "Beginn der Arbeitsunfähigkeit angestammt" aus und bezogen sich somit auf die
bisherige
Tätigkeit als Physiotherapeutin. Z
ur Frage der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit, welche die Gutachter unter einem anderen Titel beantworteten
, ist damit nichts gesagt
.
Zudem war die Potentialabklärung nur rund ein halbes Jahr nach der letzten Oper
ation durchgeführt worden (Urk.
12/
77
), w
ogegen die Begutachtung rund 14
Monate nach der Operation vor
genommen wurde
(
Urk.
12/119/1), womit der längeren Regenerationszeit nach mehreren Operationen bei teilweise sich beeinflussenden Beschwerdebildern (HWS-Schulter) Rechnung getragen wurde
.
Ferner trat sechs Monate vor der Begutachtung mit der depressiven Symptomatik (
Urk.
12/119/39
) eine weitere
Ä
nderung im Vergleich zum Rentenbeginn hinzu. Auch wenn damit nicht eine Verbesserung des Gesundheitszustandes
beschrieben wird, ist auch hiermit eine erhebliche
Ä
nderung des Gesundheitszustandes im Vergleich zu jenem Anfang März 2015 ausgewiesen
, die nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung einer Neubeurteilung des Rentenanspruchs und insbesondere einer Rentenherabsetzung per Mitte 2016 jedenfalls nicht entgegensteht
(vgl. BGE 141 V 9 E. 5 und 6).
3.2.2
Es ist somit festzuhalten, dass die
Beschwerdegegnerin
zu Recht per
1.
August 2016 analog zu
Art.
17 ATSG in Verbindung mit
Art.
88a
Abs.
1 IVV (vgl. E. 1.4.2 hiervor) den Rentenanspruch neu
beurteilt hat.
Ebenfalls nicht zu beanstanden ist, dass sie dazu auf die Einschätzung der
C._
-Gutachter gemäss ihrem Gutachten vom 1
2.
Juli 2016 (Urk. 12/119) abstellte, zumal
sie
alle rechtsprechungsgemäss erfo
rderlichen Kriterien für beweis
k
räftige ärztliche Entscheidungs
grundlagen (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c) erfüllt.
Sämtliche Vorbringen der
Beschwerde
führerin
(
Urk.
1)
vermögen
an der
Schlüssigkeit der Beurteilung
nichts zu ändern.
3.2.3
Nachfolgend ist somit der Invaliditätsgrad per Mitte 2016 ausgehend von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit mit dem folgen
den
Anforderungsprofil zu bestimmen: leichte,
frei
wechselbelastende Tätigkeit
mit vermehrten Pausenmöglichkeiten, ohne repetitiven Armeinsatz rechts, ohne einseitige Zwangshaltung der Wirbelsäule, ohne ständige vorgeneigte und gebeugte Position, ohne häufige
La
teralisations
-, Rotations- oder
Flexionsbewe
gungen der HWS (
Urk.
12/119/51-52).
4.
4.1
Der Invaliditätsgrad ist mittels eines Einkommensvergleichs von
Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage - hier im Jahr 201
6
- zu erheben (vgl. BGE 129 V 223 f. E. 4.2 in
fine
, 128 V 174).
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Vali
deneinkommens
entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeit
punkt des Rentenbeginns (respektive der Rentenrevision) nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde, und nicht was sie bestenfalls verdienen könnte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen von diesem Erfahrungssatz müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 135 V 58 E. 3.1
; 134 V 322 E. 4.1
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_327/2018 vom 3
1.
August 2018 E. 4.2).
Die
Beschwerdegegnerin
bestimmte
ein
Valideneinkommen
von Fr. 97'030.--
per 2015 respektive Fr. 98'394.-- per 2016 (
Urk.
2 S. 3)
ausgehend vom Einkommen, welche
s
die
Beschwerdeführerin
vor ihrer Neuanmeldung
(
Urk.
12/38)
in ihrer Tätigkeit für die
Y._
als Leiterin Physiotherapie in einem 80%igen Pensum erzielt hat
te
(
Urk.
12/62/2)
, und rechnete dies
es
unter Berück
sichtigung der Nominallohnentwicklung
auf ein 100%iges Pensum hoch
(
Urk.
2 S. 3, Urk. 12/133)
. Dies ist
grunds
ätzlich nicht zu beanstanden
und
wurde
von der
Beschwerdeführerin
denn auch nicht bestritten.
Jedoch
hat die
Beschwerde
gegnerin
die Nominallohnentwicklung bei dem bis 2014 erzielten Lohn von
Fr.
77'084.80 (Fr. 5'929.60 x 13; Urk.
12/62/2
, Urk. 12/62/8
) respektive bei dem auf 100
%
hochgerechneten Betrag von
Fr.
96'356.--
(Fr. 77'084.
80
:
80 x
100)
bereits ab 2014 berücksichtigt, obschon dem Arbeitgeberbericht vom 15. Juni 2015 zu entnehmen ist, dass das Einkommen sich im Jahr 2015 nicht erhöht hätte
(
Urk.
12/62/3)
. Eine Lohnerhöhung respektive Teuerungsanpassung per Anfang 2015 ist unter diesen Umständen nicht
ausgewiesen
. Die
(branchenspezifische)
Nominallohnentwicklung ist deshalb hier lediglich von 2
0
15 bis 2016 zu berück
sichtigen
(
vgl
. Bundesamt für Statistik [BFS], Schweizerischer Lohnindex nach Branche [2010 = 100; im Internet abrufbar], Nominallohnindex Frauen [T1.2.10], Wirtschaftszweig Q, Gesundheits
wesen, Heime und
Sozialwesen
, 86-88
; 201
5: 101.8; 2016
:
102.5
).
Dies ergibt den Betrag von Fr. 97'0
18
.55
(Fr. 96'356.
--
:
101.8 x 102.5
).
4.2
4.2.1
Das Invalideneinkommen ist ausgehend vom Tabellenlohn gemäss der LSE 2014,
Tabelle TA1_tirage_skill_level, zu ermitteln. Die
Beschwerdegegnerin
stellte auf den statistischen Durchschnittslohn
des
Kompetenz
niveaus
2
von
Fr. 4'808.--
(Total, Frauen)
ab.
Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin
rechtfertigt das gutachterlich bestimmte Belastbarkeitsprofil und die noch einsetzbaren Fähigkeiten der Beschwerdeführerin
jedoch
nicht,
von diesem
Kompetenzniveau
(Praktische Tätigkeiten wie Verkauf/Pflege/Datenverarbeitung und Administration/Bedienen von Maschinen und elektronischen Geräten/Sicherheitsdienst/Fahrdienst
)
auszu
gehen. Denn die
Beschwerdeführerin
kann die in ihrer Berufslaufbahn erlernten Fähigkeiten und Kenntnisse nicht ohne Weiteres in anderen Berufen
mit prak
tischen Tätigkeiten
einsetzen
,
insbesondere nicht in solchen,
welche
dem
verblei
benden Anforderungsprofil entsprechen
; die
Beschwerdegegnerin
vermag denn auch keine Tätigkeiten zu nennen, welche di
esbezüglich denkbar wären (Urk.
2 S. 4, Urk. 12/133, Urk. 12/143-2-3). So ist die Tätigkeit als Physiotherapeutin
, welche sie in den letzten 18 Jahren ausübte (Urk. 12/83/1-2
;
Urk.
12/119/28),
auf die vorwiegend manuelle Arbeit mit Kunden mit Sonderkenntnissen der Anato
mie, der körperlichen Bewegungsabläufe und
Funktionsfähigkeit des Menschen
ausgerichtet, welche
vorwiegend, wenn nicht ausschliesslich
im Gesundheits
wesen eingesetzt werden könnten.
Die Berufserfahrung und die Weiterbildungen bezogen sich seit 1994 auf diesen Bereich.
Solche praktischen Tätigkeiten etwa in der Pflege
kommen aufgrund
der körperlichen Einschränkungen jedoch gerade nicht mehr in Frage.
Die letzte Tätigkeit
in einer leitenden Stellung
übte die
Beschwerdeführerin
gesundheitsbedingt sodann nur rund ein Jahr aus (Januar 2013 bis am 1
5.
Januar 2014; Urk. 12/35/2,
Urk.
12/62/1) und
ausserdem nur im Beruf mit spezifischen Fachkenntnisse als Physiotherapeutin, den sie behinde
rungsbedingt nicht mehr ausüben kann.
Andererseits fehlt es der
Beschwerdefüh
rerin
- soweit diese nicht ohnehin behinderungsbedingt ausser Betracht fallen -
für Tätigkeiten etwa im wissenschaftlichen
Bereich
oder
im
Lehrb
ereich
an der nötigen Berufserfahrung
. Auch bezüglich der
in den Jahren 1985 bis 1987 absol
vierten
Ausbildung zur Polsterin
sind der
Beschwerdeführerin
keine
Fähigkeiten oder Kenntnisse
anzurechnen
, die auch
in anderen
noch zumutbaren
Berufen ein
setzbar wä
ren
, zumal seit dieser Ausbildung r
und 30
Jahre vergangen sind und die
Beschwerdeführerin
nur rund ein Jahr auf
diesem
Beruf gearbeitet hat
te (
Urk.
12/83/1-2, Urk. 12/119/28). Es ist deshalb auf den Tabellenlohn des tiefste
n
Kompetenzniveau
s
1
(einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art)
abzustellen, welches
nach den LSE früherer Jahre dem Anforderungsniveau 4
(einfache und repetitive Tätigkeiten)
entspricht
und auf das in der Regel abgestellt wird, wenn die versicherte Person
- wie hier -
im angestammten Beruf nicht mehr tätig sein kann
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_325/2018 vom 11.
September 2018 E.
4.2
und
8C_457/2017 vom 11.
November 2017 E. 6.3 mit Hinweis
)
.
4.2.2
A
usgehend vom Durchschnittslohn der Tabelle TA1_tirage_skill_level der LSE 2014, Kompetenzniveau 1, Frauen, Total, von Fr. 4'300.--
pro Monat respektive Fr.
51'600
.-- pro Jahr
und u
nte
r Berücksichtigung einer durchschnitt
lic
hen (vom BFS erhobenen) wöchentlichen Ar
beitszeit von 41,7 Stunden im Jahr 2014 (
Betrie
bsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stun
den pro Woche, Tabelle T 03.02.03.01.04.01, Abschnitt A-S, Total)
be
trug das massgebliche Durchschnittseinkommen im Jahr 2014 Fr.
53'793.--
(
Fr. 51'600.--
: 40 x 41,7)
. Damit resultiert für das Jahr
2016
unter Berücksichtigung der
Nominallohnent
wicklung bei Frauen von 2014 bis 2016 (
BFS, Schweizerischer Lohnindex nach Branche [2010 = 100; im Internet abrufbar], Nominallohnindex Frauen [T1.2.10], Wirtschaftszweig
e 05-96,
Total
; 201
4: 103.6; 2016
:
105.0
) und
bei einem
krank
heitsbedingt ver
bleibenden Pensum von
5
0
%
der
Betrag von Fr.
27'259.95
([Fr. 53'793.
-- :
103.6 x 105.0] : 2).
Mit diesem
Betrag
des Kompetenzniveaus 1 von Fr. 27'259.95 resultiert bereits ohne leidensbedingte
r
Abzug (vgl. dazu
E. 4.
3
nachfolgend) bei einer Erwerbs
einbusse von
Fr. 69'758.60 (
Fr.
97'018.55 - Fr. 27'259.95) ein Invaliditätsgrad von 72
%
und damit ein Anspruch auf eine ganze Rente
(
Art.
28
Abs.
2 IVG)
.
4.
3
4.3.1
Jedoch selbst wenn
mit der
Beschwerdegegnerin
vom Tabellenlohn des Kompe
tenzniveaus 2 von Fr. 4'808.-- pro Monat respektive Fr. 57'696.-- pro Jahr aus
gegangen würde, würde dies zu keinem anderen Ergebnis führen
. Denn bereits mit einem leidensbedingten
Abzug von
5
%
, der entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin
jedenfalls gerechtfertigt ist, würde
ein Invaliditätsgrad von 70
%
resultieren, wie sich aus dem Folgenden ergibt.
Unter Berücksichtigung der
- wie bereits hiervor ausgeführt -
durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden im Jahr 2014 und der Nominalloh
nentwicklung bei Frauen von 2014 (103.6) bis 2016 (105.0)
sowie
bei einem krankheitsbedingt verbleibenden Pensum von 50 %
würde sich ein
Betrag von Fr.
30'480.45
([
Fr. 57'696.
-- :
40 x 41,7;
: 103.6 x 105.0] :
2)
ergeben.
4.
3.2
Dieser Betrag ist rechtsprechungsgemäss zu kürzen, wenn persönliche und beruf
liche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Der Abzug ist unter Würdi
gung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen ge
samthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (BGE 134 V 322 E. 5.2; Urteil des Bun
desgerichts 8C_361/2011 vom 20. Juli 2011 E. 6.1 mit weiteren Hinweisen).
Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalidenein
kommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
).
Die
Beschwerdegegnerin
hat einen
solchen Abzug vom Invalideneinkommen mit der Begründung verneint, dass Aspekte der gesundheitlichen Beeinträchtigungen bereits bei der Schätzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit berücksichtigt worden seien und nicht nochmals mit einem Abzug angerechnet werden könnten.
Es stünden der
Beschwerdeführerin
trotz der gesundheitsbedingten Einschrän
kun
gen noch viele Tätigkeiten offen und es seien keine Umstände ersichtlich, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen wären und direkt mit der Art der gesundheitlichen Bee
inträchtigung in Zusam
menhang
stehend lohnwirksam seien (
Urk.
2 S. 4).
Auch wenn es zutrifft, dass rechtsprechungsgemäss allfällige bereits in der Beur
teilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschrän
kungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einflies
sen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dür
fen (Urteile des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen und 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1), ist hier entgegen der Ansicht der
Beschwerde
gegn
erin
ein Abzug gerechtfertigt. Denn
der von den
C._
-Gutachter attestierte
vermehrte
Pausenbedarf wurde auf das verblei
bende 50%ige Pensum bezogen
(
Urk.
12/119/51-52)
und ist somit in der 50%igen Arbeitsunfähigkeit
nicht bereits enthalten.
Beim zusätzlichen Pausenbedarf im Rahmen einer 50%igen Anstellung
, der
- wie hier -
nicht mit
längerer respektive ganztägiger Anwesenheit
kompensiert werden kann,
handelt
es
sich um einen Umstand,
der
auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich (
vgl.
Urteile des Bundesgerichts 9C_826/2015 vom 1
3.
April 2016 E. 3.2.1 und 8C_146/2017 vom
7.
Juli 2017
E. 5.2.2) zu bezeichnen ist und sich überwiegend wahrscheinlich lohnsenkend
auswirken würde
.
Denn
unter diesen Umständen würde
n
mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausge
glichener Arbeitsmarktlage verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohneinbusse reale Chancen für eine Anstellung
bestehen
.
Hat die
Beschwerdegegnerin
bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn aber
somit
ein Merkmal oder ein
en bestimmten
Aspekt eines Merk
mals zu Unrecht nicht berücksichtigt, hat das Gericht den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2 und
8C_808/2013 vom 14. Februar 2014 E. 7.1.1 mit Hinweisen).
A
nge
sichts der multiplen Beschwerden und des zusätzlichen Pausenbedarfs
ist ein Abzug von mindestens 5 %
gerechtfertigt.
Ausserdem ist fraglich, ob bei gegebe
nem Anforderungsprofil (körperlich leichte, frei wechselbelastende Tätigkeit mit vermehrten Pausenmöglichkeiten, ohne repetitiven Armeinsatz rechts, ohne ein
seitige Zwangshaltung der Wirbelsäule, ohne ständige vorgeneigte und gebeugte Position, ohne häufige
La
teralisations
-, Rotations- oder
Flexionsbewegungen der HW;
Urk.
12/119/51-52) von einem
genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen
wäre
.
Dies kann ausgangsgemäss indes offengelassen werden.
4.3.3
Mit einem Abzug von 5 % wäre ein Invalideneinkommen von
Fr.
28'956.40 anzunehmen, womit eine Erwerbseinbusse von Fr. 68'062.10 respektive ein Inva
liditätsgrad von
gerundet 70
% resultieren würde, was ebenfalls
einen
Anspruch auf eine ganze Rente
begründen würde
.
4.4
Nach dem Gesagten
sind die angefochtenen Verfügung
en
vom 2
2.
Mai und vom
30.
Juni 2017 (
Urk.
2, Urk. 10/2) in Gutheissung der Beschwerde
insoweit abzu
ändern
, als
festzustellen ist,
dass
die
Beschwerdeführer
in
ab
dem
1.
August 2016
weiterhin
Anspruch auf eine ganze In
validenrente hat.
5.
5.1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung
von Versicherungsleistungen. Das Verfahren ist daher kostenpflichtig. Die Ge
richtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG in der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und ermessensweise auf Fr. 900.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss
sind die Gerichtskosten
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin de
r Beschwerdeführerin
,
Rechtsanwältin Melina
Tzikas
, Zürich,
steht eine Prozessentschädigung zu, welche nach Art. 61
lit
. g
ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungs
ge
richt ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen sowie unter
Berücksichtigung der Honorarnote vom
2
6.
Oktober 2017
(Urk.
22 fest
zu
setzen ist.
In der Honorarnote ist ein Aufwand vom
7. Juni bis 2
6.
Oktober 2017
von
total
16
Stunden und
50
Minuten zu Fr.
300
.-- pro Stunde sowie von
3
%
Spesen im Betrag von
Fr.
151.50 m
it einem Gesamtbetrag von Fr.
5'617.60
(inklusive Mehr
wertsteuer
von 8
%
)
aufgeführt (Urk.
22
).
Dieser Betrag ist unter Berücksichti
gung der massgeblichen, hiervor genannten Kriterien
zu hoch und im Folgenden wie folgt zu kürzen:
Der Stundenansatz von
Fr.
300.-- ist auf den gerichtsüblichen Ansatz von Fr. 220.-- pro Stunde zu kürzen.
Für das Abfassen der 1
0
-seitigen Beschwerdeschrift (
Urk.
1) wurde inklusive Akten
studium, Abklärungen und Besprechung mit der Mandantin ein Zeit
auf
wand von insgesamt
11 Stunden
und 25 Minuten
eingesetzt (Aufwand vom
7. bis 2
2.
Juni
2017
), was der Sache nicht angemessen ist. Der Aktenumfang ist zwar nicht gering, jedoch auch nicht besonders gross. Auch ist keine ausserordentlich
e Besonderheit in der Schwierig
keit des Prozesses und der Bedeutung der Streit
sache auszumachen. Für den Aufwand bis zum
2
2.
Juni
2017 wird daher ein Zeitaufwand von
8
Stunden à
Fr.
220.-- berücksichtigt.
Für die Zeit vom
3
0.
Juni bis 1
9.
Juli
2017
(
Urk.
4-8)
wurde ein Aufwand von insgesamt
12
5 Minuten im Zusammenhang mit dem Nachweis der prozessualen Bedürftigkeit geltend gemacht, was
auf angemessene
7
0 Minuten zu kürzen ist, zumal der Nachweis hauptsächlich mit einem Beleg (Unterstützung des Sozial
amtes) erbracht wurde und die Unterlagen im Wesentlichen von der
Beschwerde
führerin
selbst zur Verfügung gestellt wurden.
Der Aufwand für die
Zeit vom
2.
bis
4.
August 2017
betrifft die zweite Beschwer
deerhebung (im vereinigten Verfahren Nr. IV.2017.00813, Urk. 10) und
ist mit 7
0 Minuten angemessen.
Im weiteren Verlauf des Verfahrens erfolgte hernach die Zustellung der dreizeili
gen Beschwerdeantwort (Urk. 11) und von vier Verfügungen betreffend Prozess
vereinigung (
Urk.
9), Beiladung (
Urk.
13), Aufforderung zur Replik (Urk. 18) sowie Abschluss des Schriftenwechsels (
Urk.
23).
Für diese Zeit vom 15. August bis 2
6.
Oktober 2017 wurde hierzu inklusive dem vierzeiligen Schreiben zum Ver
zicht auf eine Replik (
Urk.
20) ein Aufwand von 2 Stunden
1
0 Minuten geltend gemacht, was
knapp
angemessen ist.
Insgesamt ist damit ein Zeitaufwand von
gerundet 12,5
Stunden
à
Fr.
220.--
, mithin
Fr.
2'750.-- zu vergüten
,
was unter Berücksichtigung der Barauslagen von
Fr.
82.50 (3 % von
Fr.
2'750.--) und der Mehrwertsteuer von Fr. 226.60 (8 % von [Fr. 2'750.-- +
Fr.
82.50]) eine Prozessentschädigung von
Fr.
3'059.10
ergibt.