Decision ID: a4dc0d3a-9c7e-43ac-86a1-d845199df4b5
Year: 2010
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

unverändert gebliebenen Sachverhaltes erfolge. Die letzte im Jahr 2000
vorgenommene materielle Prüfung sei gestützt auf den damaligen Bericht des
MZR unter Berücksichtung aller Leiden sowohl physischer als auch
psychischer Natur zu einer Arbeitsunfähigkeit bzw. zu einem IV-Grad von 52%
gelangt. Für die neue Beurteilung wurde das Gutachten des MZR aus dem
Jahr 2008 herangezogen, in welchem offensichtlich bei einem gleich
gebliebenen Gesundheitszustand lediglich eine höhere Arbeitsfähigkeit
angenommen worden sei. Sein Gesundheitszustand und seine
Arbeitsfähigkeit hätten sich seit 2000 wegen zunehmender Beschwerden eher
noch verschlechtert. Der Gesundheitszustand könne mit der Situation im
Jahre 1994 verglichen werden, als die SUVA ihm einen IV-Grad von 40%
zuerkannte. Geändert hätten sich seit damals nur die Zahlen, welche zur
Berechnung der Einkommen herangezogen worden seien. Diese
Veränderungen lägen jedoch ausserhalb seines Einflussbereiches und
dürften gemäss Bundesgericht nicht zu einer Rentenrevision führen.
Gegebenenfalls sei zur Beurteilung ein Obergutachten mit Abklärung der
funktionellen Leistungsfähigkeit einzuholen.
7. In ihrer Vernehmlassung beantragte die IV-Stelle die Abweisung der
Beschwerde unter Verweis auf die angefochtene Verfügung und auf ihre
Akten. Bezüglich der Berechnung des Valideneinkommens führte sie aus, das
mit Verfügung vom 26. September 1997 rechtskräftig festgelegte
Valideneinkommen von Fr. 61'880.-- sei anlässlich des Revisionsverfahrens
im Jahr 2001 auf Fr. 65'353.-- und anlässlich des neuerlichen
Revisionsverfahrens auf das Jahr 2008 auf Fr. 70'924.50 aufindexiert worden.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der IV-Stelle vom 22. Oktober 2009.
Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht eine
Rentenrevision durchgeführt und infolgedessen die zugunsten des
Beschwerdeführers seit dem 1. Dezember 1997 ausgerichtete IV-Rente ab
Ende November 2009 eingestellt hat. Eventualiter ist zu entscheiden, ob zur
Beurteilung der Revisionsvoraussetzungen weitere medizinische
Abklärungen durchzuführen sind.
2. a) Die Beschwerdegegnerin hat anlässlich der 2004 eingeleiteten
Rentenrevision festgehalten, der Gesundheitszustand und die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hätten sich seit der letzten Revision
im Jahr 2000 verbessert. Sie verfügte mithin die Aufhebung der seit 1. April
1997 ausgerichteten halben IV-Rente mit der Begründung, dass kein
rentenrelevanter Invaliditätsgrad mehr vorliege. Nach Art. 17 ATSG wird eine
Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad eines
Rentenbezügers erheblich ändert. Eine solche Revision ist nur möglich, wenn
neue Elemente tatsächlicher Natur vorliegen, welche nach der ursprünglichen
Rentenverfügung eingetreten und zu dem damals gegebenen Sachverhalt
hinzugekommen sind oder diesen verändert haben (SVR 2004 IV Nr. 17, I
526/02, E. 2.4). Zu den anspruchsbegründenden Tatsachen in der Art
gehören der Gesundheitszustand, die medizinische-theoretische
Arbeitsfähigkeit, die massgebenden Vergleichseinkommen (Validen- und
Invalideneinkommen) und die erwerblichen Auswirkungen des
Gesundheitszustandes. Eine bloss unterschiedliche Beurteilung eines im
Wesentlichen unverändert gebliebenen Sachverhaltes erfüllt diese
Voraussetzung hingegen nicht (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl.,
Zürich 2009, Art. 17 N 16; BGE 112 V 372 E. 2b). Um die Frage nach einer
Änderung beantworten zu können, ist der Sachverhalt im Zeitpunkt, in
welchem die Rente rechtskräftig gewährt bzw. materiell bestätigt worden ist,
mit dem Sachverhalt im Zeitpunkt der Neubeurteilung zu vergleichen (BGE
130 V 343 E. 3.5.2, 133 V 108 E. 5.4; Kieser, a.a.O., Art. 17 N 22).
b) Vorliegend wurde dem Beschwerdeführer mit in Rechtskraft erwachsener
Rentenverfügung vom 26. September 1999 eine halbe IV-Rente ab dem 1.
April 1997 zugesprochen. Bis zur angefochtenen Verfügung vom 22. Oktober
2009 bestätigte die Beschwerdegegnerin die halbe IV-Rente anlässlich einer
im Jahr 1999 von Amtes wegen eingeleiteten Revision mit Mitteilung vom 28.
Juni 2001. Angesichts der umfangreichen Sachverhaltsabklärungen in Form
der Begutachtung beim MZR, den eingereichten Arztberichten und der
Überprüfung der möglichen Invalideneinkommen entspricht die erfolgte
Mitteilung, welche auch in Form einer beschwerdefähigen Verfügung verlangt
werden konnte, den Anforderungen des Bundesgerichts als Ausgangspunkt
für die Beurteilung einer Änderung des Invaliditätsgrades. Demzufolge ist
vorliegend zu prüfen, ob seit der Verfügung vom 26. September 1999 bzw.
der sie bestätigenden Revision im Jahre 2001 bis zur Revision im Jahre 2009
eine erhebliche Änderung anspruchsbegründender Tatsachen erfolgt ist.
c) Die Beschwerdegegnerin stützte sich sowohl bei der ersten als auch bei der
vorliegenden Revision auf die ärztliche Beurteilung durch das MZR. Gemäss
Gutachten vom 18. Februar 2009 habe seit der Begutachtung vom 17.
November 2000 eine gewisse Angewöhnung stattgefunden. Einerseits sei die
Überempfindlichkeit der linken Hand abgeklungen und andererseits werde
diese in der Folge vermehrt als Zudienhand eingesetzt. Die
Beschwerdegegnerin kann sich vorliegend jedoch nicht auf diese
Veränderung berufen. Aus der Begutachtung geht nämlich nicht hervor, dass
diese Angewöhnung einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers hätte. Bereits zu Beginn der Rentenzahlung im Jahr 1997
war eine behinderungsangepasste, leichte, primär rechtshändige Tätigkeit als
möglich erachtet worden. Die neu festgestellte Angewöhnung ändert somit
nichts an seinem Gesundheitsschaden, er bleibt weiterhin faktisch nur
rechtshändig arbeitsfähig. Sodann zeigt sich im Vergleich der Gutachten,
dass im zweiten Gutachten vom 18. Februar 2009 praktisch dieselben
Diagnosen erfolgten wie im vorangegangenen Gutachten vom 17. November
2000, diese aber neu unterteilt wurden in solche mit und solche ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Diese Problematik stellt sich sowohl in
Bezug auf die Beurteilung des rheumatologischen als auch des
psychiatrischen Zustandes. Die Konversionsstörung oder der Status nach
Konversionssymptomatik habe neu ebenfalls keine Auswirkungen mehr auf
die Arbeitsfähigkeit. Gemäss Urteil des Bundesgerichts vom 21. März 2001 (I
484/2000) genügt es zur Glaubhaftmachung einer erheblichen
Sachverhaltsänderung nicht, dass in einem neuen Arztbericht der bereits
bekannte, im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung gegebene
Sachverhalt anders bewertet wird und daraus andere Schlussfolgerungen
gezogen werden als in einem früheren Verfahren. Das Gutachten vom 18.
Februar 2009 beinhaltet eine unterschiedliche Bewertung der gleichen
Diagnosen und kein neues, nach der vorgängigen Begutachtung vom 17.
November 2000 eingetretenes, tatsächliches Element, welches eine
erhebliche, nachträgliche Sachverhaltsänderung begründen könnte. Gestützt
auf diese Ausführungen kann nicht von einer tatsächlichen Änderung des
Gesundheitszustandes, welche eine Revision rechtfertigen würde,
ausgegangen werden. Dies entspricht auch der früheren und noch heutigen
Beurteilung der SUVA, die trotz Kenntnisnahme über die Revision der IV und
den Wegfall der IV-Rente keine dementsprechenden Anpassungen der Rente
vornahm und weiterhin eine UVG-Rente von 50% ausbezahlt. Somit ist
festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin keine gesundheitliche Änderung
tatsächlicher Natur mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen
konnte, welche gemäss Art. 17 ATSG eine Revision und demzufolge eine
Anpassung der IV-Rente rechtfertigen würde.
3. a) Die angefochtene Verfügung vom 22. Oktober 2009 ist folglich als nicht
rechtmässig aufzuheben und die Beschwerde gutzuheissen. Die Vorinstanz
wird demnach verpflichtet, dem Beschwerdeführer auch nach Ende
November 2009 eine halbe IV-Rente (IV-Grad 52%) auszurichten.
b) Das Beschwerdeverfahren ist – in Abweichung zu Art. 61 lit. a ATSG –
gemäss Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig.
Daher hat die unterlegene Beschwerdegegnerin die Kosten von Fr. 700.-- zu
tragen.
c) Dem Beschwerdeführer steht nach Art. 61 lit. g ATSG eine aussergerichtliche
Entschädigung zu, wobei die am 12. Februar 2010 dazu eingereichte
Honorarnote von Fr. 1'870.20 (inkl. MWST) übernommen werden kann.