Decision ID: f32651a4-a603-5f93-8314-4b8059466802
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._
Beschwerdeführerin,
gegen
AXA Versicherungen AG, General Guisan-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherte) war seit dem 7. März 2012 als Angestellte beim
Alterspflegeheim B._ angestellt und dadurch bei der AXA Versicherungen AG
(nachfolgend AXA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am
8. März 2012 (erster Arbeitstag) blieb sie beim Gehen mit der Fussspitze am Boden
hängen, verlor das Gleichgewicht und stürzte auf die rechte Seite. Die Versicherte
wurde mit dem Rettungsdienst in das Kantonsspital C._ gefahren und dort durch Dr.
med. D._ ambulant untersucht. Durch den Sturz zog sie sich eine Schädelkontusion
mit Rissquetschwunde parietal rechts, eine Bodenplatten-Impressionsfraktur des
vierten Brustwirbels (Th4), eine Thoraxkontusion sowie eine Kontusion der distalen
Phalanx im rechten Daumen zu (act. G 5.1/A1, G 5.2/M6). Es folgte eine konservative
Behandlung unter Analgesie und eine weitere Kontrolle nach 14 Tagen wurde
empfohlen (act. G 5.2/M6). Anschliessend wurde die Versicherte durch ihren Hausarzt
Dr. med. E._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH und Beinleiden SGP, behandelt,
welcher seit dem Unfall eine vorwiegend volle Arbeitsunfähigkeit attestierte (act. G 5.2/
M5). Mit den Verordnungen zur Physiotherapie vom 2. und 29. Mai 2012 wurden der
Versicherten physiotherapeutische Behandlungen zugestanden (act. G 5.2/M8, M14).
Die AXA anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte Heilungskosten und Taggelder
(act. G 5).
A.b Inzwischen hatte die Versicherte am 8. Mai 2012 auf Zuweisung des Hausarztes
ein Erstgespräch bezüglich Anpassungsstörung mit Störung anderer Gefühle in der
psychiatrischen Klinik F._ (act. G 5.2/M7). Schon zuvor hatte der Hausarzt wegen
persistierender Schmerzen nach der Bodenplatten-Impressionsfraktur Th4 vom
8. März 2012 im April 2012 eine Überweisung der Versicherten an die Medizinische
Poliklinik G._ zur erneuten Beurteilung veranlasst. Diese fand vom 18. April bis 29.
Mai 2012 statt. Dr. med. H._ und Dr. med. I._ diagnostizierten gemäss Bericht vom
26. Juni 2012 eine schwere Hypothyreose mit Perikarderguss, eine depressive Episode
und subjektiv kognitive Defizite, eine normozytäre, normochrome Anämie, ein
eingeschränktes Vibrationsempfinden und einen Vitamin D3-Mangel neben dem Status
nach Stolpersturz vom 8. März 2012 (act. G 5.2/M15,2 [Beilagen zum Gutachten
L._]).
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A.c Die Versicherte begab sich auf Ersuchen des Hausarztes und anschliessender
Anweisung der AXA zum AXA-Vertrauensarzt Dr. med. J._, Spezialarzt FMH für
Innere Medizin, zur spezialärztlichen Untersuchung und Abklärung der
Arbeitsunfähigkeit. Er diagnostizierte laut Visiomed-Bericht vom 25. Juni 2012 ein
Schmerzsyndrom, welches eine Arbeit im Pflegebereich ausschliesse, das aber
insbesondere myotendinotisch bedingt sei. Es sei möglich, sogar wahrscheinlich, dass
der Unfall die Situation ausgelöst habe (act. G 5.2/M9). Gestützt auf die Beurteilung
durch Dr. J._ veranlasste die AXA ein interdisziplinäres Gutachten (rheumatologisch
und psychiatrisch) bei der Klinik K._ und reduzierte das Taggeld per 1. Juli 2012 auf
50% (act. G 5.1/A21ff., A22, A26, A30). Die Versicherte nahm mit Schreiben vom 25.
Oktober 2012 zu den Gutachten vom 15. und 24. September 2012 von Dr. med. und
Dr. sc. nat. ETH L._, Innere Medizin FMH spez. Rheumaerkrankungen und Dr. med.
M._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Stellung (act. G 5.1/A33;
G 5.2/M15f.).
A.d Aufgrund des bidisziplinären Gutachtens der Klinik K._ (act. G 5.2/M15, M16)
und der Beurteilung durch Dr. J._ (act. G 5.2/M9) stellte die AXA die
Versicherungsleistungen mit Verfügung vom 14. November 2012 rückwirkend per
8. August 2012 ein mit der Begründung, dass keine unfallbedingten gesundheitlichen
Beeinträchtigungen mehr bestehen würden (act. G 5.1/A35). Die gegen diese
Verfügung erhobene Einsprache der DAS Rechtsschutzversicherungs-AG (in
anfänglicher Vertretung der Versicherten, act. G 5.1/A37; G 5.1/A40 Begründung durch
Versicherte) wies die AXA mit Einspracheentscheid vom 5. April 2013 ab (act. G 5.1/
A41).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Versicherte mit Eingabe vom
26. April 2013 Beschwerde mit dem Antrag, die laufenden und künftigen
Therapiekosten seien bis zum Zeitpunkt der Genesung von den Unfallfolgen zu
übernehmen (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 28. Juni 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
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B.c Nachdem die Frist zur Einreichung einer Replik unbenutzt abgelaufen ist, ist der
Schriftenwechsel am 16. September 2013 abgeschlossen worden (act. G 7).
B.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Versicherungsleistungen,
welche sie im Anschluss an das Unfallereignis vom 8. März 2012 ausgerichtet hatte, zu
Recht per 8. August 2012 eingestellt hat.
1.2 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
(UVG; SR 832.20) werden die Versicherungsleistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt zunächst
voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinn des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht
zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich ist, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende
Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität
der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung
entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die
Verwaltung oder im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines
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Kausalzusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht
(BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt
im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen
Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Im Bereich klar ausgewiesener
organischer Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus
dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle; sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne Weiteres zu
bejahen (BGE 127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V 364 E. 5b/
bb mit Hinweisen).
1.3 Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht
mehr die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn
also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies
trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar
vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er
sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne
Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr.
U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich fehlender
Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (vgl. dazu Thomas Locher, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 451 f.). Da es sich hierbei um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage,
ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei
der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46
E. 2 mit Hinweisen). Im Rahmen der Prüfung des Dahinfallens der Leistungspflicht des
Unfallversicherers genügt es mithin für die Bejahung des fortbestehenden natürlichen
Kausalzusammenhangs, wenn der Unfall für die fragliche gesundheitliche Störung
immer noch eine Teilursache darstellt. Für die Verneinung muss nicht etwa der Beweis
für unfallfremde Ursachen erbracht werden. Welche Ursachen ein nach wie vor
geklagtes Leiden hat, ob es Krankheitsursachen, ein Geburtsgebrechen oder
degenerative Veränderungen sind, ist unerheblich. Denn es ist nicht so, dass der
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Unfallversicherer bei einmal bejahter Unfallkausalität so lange haftet, als er unfallfremde
Ursachen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen vermag.
Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre
kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (RKUV 1994 Nr. U 206 S.
329 E. 3b). Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis
zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte
Person nun bei voller Gesundheit sei (Urteile des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit dem 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 18. Dezember 2003, U 258/02, sowie vom 31. August 2001, U
285/00).
1.4 Die Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs erfolgt aufgrund der
Feststellungen bei den medizinischen Untersuchungen und ist Aufgabe des Arztes oder
der Ärztin. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet und
nachvollziehbar sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit
weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder
in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen
Inhalt (BGE 134 V 232 E. 5.1, BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Auch den Berichten
versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kann rechtsprechungsgemäss Beweiswert
beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet
sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen (BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen).
Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen
Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den
Prozess ohne Weiterungen - insbesondere ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens -
abschliessen (vgl. BGE 135 V 469 E. 4.3.2 mit Hinweisen). An die Beweiswürdigung von
Stellungnahmen versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte sind jedoch strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit
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und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.7).
1.5 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, N 33 ff. zu Art. 43).
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, dass die
Leistungseinstellung zu früh erfolgt sei, da die Behandlung noch nicht abgeschlossen
gewesen sei. Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei der Leistungseinstellung auf die
Beurteilung durch Dr. J._ sowie der Gutachter der Klinik K._, gemäss welchen der
Status quo sine bzw. ante nach fünf Monaten und damit am 8. August 2012 erreicht
worden sei.
2.2
2.2.1 Dr. E._ legte im Verlaufsbericht vom 12. Juni 2012 (act. G 5.2/M7) hinsichtlich
des Ereignisses vom 8. März 2012 dar, die Physiotherapie sowie die Analgetika zeigten
keine grosse Besserung der Schmerzen im Rückenbereich sowie der Rippen links und
des rechten Daumens. Die ärztliche Behandlung sei noch nicht abgeschlossen. Die
Beschwerdeführerin werde zurzeit vom Kantonsspital C._, Innere Medizin, sowie dem
externen psychiatrischen Dienst in Wil behandelt. Im Unfallschein (act. G 5.2/M5)
bescheinigte er ihr eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 8. bis 18. März 2012 und ab
3. April 2012 bis auf weiteres sowie dazwischen eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Da die
Patientin zur Zeit ohne Stelle sei (am alten Arbeitsplatz sei ihr gekündigt worden) und
wegen einer Anpassungsstörung Psychotherapie erhalte, bat Dr. E._ die AXA im
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genannten Verlaufsbericht vom 12. Juni 2012 die Arbeitsunfähigkeit durch deren
Vertrauensarzt beurteilen zu lassen.
2.2.2 Dr. med. Z._, Psychiatrische Klinik F._, diagnostizierte gemäss Auszug aus
der Krankengeschichte über das Erstgespräch vom 8. Mai 2012 (act. G 5.2/M15,2
[Beilagen zum Gutachten L._]) ein depressives Syndrom. Sie begründete die
Diagnose damit, dass die Beschwerdeführerin wahrscheinlich aufgrund ihrer
Persönlichkeitsstruktur und der seit Jahren bestehenden Überforderungssituation am
Arbeitsplatz eine Depression entwickelt habe. Aufgrund der Hypothyreose habe die
Beschwerdeführerin wahrscheinlich ihre Defizite nicht mehr kompensieren können, was
den Zusammenbruch verursacht habe. Im Verlaufsbericht an den Vertrauensarzt der
AXA vom 2. Juli 2012 stellte sie fest, dass aus psychiatrischer Sicht keine
Arbeitsunfähigkeit bestehe (act. G 5.2/M10).
2.2.3 Dr. H._ und Dr. I._ hielten im Zwischenbericht (Zeitraum vom 18. April bis
29. Mai 2012) an den Hausarzt vom 26. Juni 2012 (act. G 5.2/M15.2 [Beilagen zum
Gutachten L._]) über die Beurteilung der Beschwerdeführerin auf der Medizinischen
Poliklinik des Kantonsspitals C._ insbesondere krankheitsbedingte Diagnosen fest
(act. G 5.2/M15,2 [Beilagen zum Gutachten L._]; vgl. Sachverhalt A.b). Unfallbedingte
Ursachen des Gesundheitszustandes wiesen sie keine nach. Vielmehr erörterten sie die
Möglichkeit, dass die klinischen Zeichen einer peripheren Polyneuropathie der unteren
Extremitäten durch die Schilddrüsen-Unterfunktion beeinflusst und ihrerseits Ursache
für den Stolpersturz vom 8. März 2012, der laut Patientin kein Erstereignis gewesen sei,
sein könnten.
2.3 Die Begutachtung der Beschwerdeführerin durch den Vertrauensarzt der
Beschwerdegegnerin, Dr. J._, ergab gemäss Bericht vom 25. Juni 2012 als Diagose
ein sich ausdehnendes myotendinotisches Syndrom bei zunehmender zum Teil
ausgeprägter muskulärer Dysbalance nach einem eher leichten Stolpersturz mit
Rissquetschwunde an der Schädelkalotte (ohne Hirnerschütterung) und einer
Kompressionsfraktur auf Höhe thorakal 4, einen Verdacht auf Osteoporose und evtl.
pathologischer Fraktur thorakal 4 sowie eine posttraumatische Anpassungsstörung mit
Blockade der Selbstheilungsressourcen und dadurch mangelnde Copingstrategien. Es
bestehe ein Schmerzsyndrom, wobei das Ausmass schwer einzuschätzen sei,
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immerhin könne darauf hingewiesen werden, dass die Patientin keinerlei Schmerzmittel
einnehme. Das Syndrom schliesse eine Arbeit im Pflegebereich aus, dies sei aber
insbesondere myotendinotisch bedingt. Es sei möglich, sogar wahrscheinlich, dass der
Unfall die Situation ausgelöst habe. Die Patientin versteife sich aus Angst vor
Schmerzen und bilde eine muskuläre Dysbalance im gesamten Körper aus. Es sei
dringend notwendig, dass die Patientin auch eine medikamentöse Schmerzbehandlung
durchführe. Nach seinem Dafürhalten wäre ein rheumatologisches Konsilium indiziert.
Eine psychiatrische Mitbetreuung sei nach seinem Dafürhalten absolut richtig und habe
sich bereits als nützlich gezeigt. Er führte aus, für die mutmassliche Arbeitsunfähigkeit
infolge des Unfalls sei lediglich die Kompressionsfraktur thorakal 4 massgebend. In
aller Regel müsse nach 16 Wochen mit einer Situationsstabilisierung und
Rekompensation gerechnet werden (der Bruch an sich sollte innert 6 bis 8 Wochen
verheilt sein). Die Probleme der Patientin seien sicher nach dem Unfall aufgetreten,
wahrscheinlich anfänglich sogar durch den Unfall ausgelöst worden. Das Fehlverhalten
der Patientin mit der Anpassungsstörung und der übertriebenen Schonhaltung habe zu
ihren ausgeprägten myotendinotischen Beschwerden mit Ausbildung des leider schon
chronischen Schmerzsyndroms geführt. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit im
Pflegebereich dürfte noch lange anhalten, bis der Teufelskreis Schmerzen/
Verkrampfungen/Schonung durchbrochen werde. In einer dem Leiden angepassten
Tätigkeit mit Einhaltung von Wechselpositionen (ohne Heben von schweren Lasten)
dürfte die Patientin zu 50% einsatzfähig sein. Die Unfallfolgen dürften bis fünf Monate
nach dem Unfall als abgeklungen und konsolidiert betrachtet werden. Die jetzigen
Beschwerden seien insbesondere auf die Fehlentwicklung nach dem Unfall mit
Ausbildung von myotendinotischen Beschwerden im Becken- und Schultergürtel sowie
im Wirbelsäulenbereich zurückzuführen. Vonseiten des Unfalls im engeren Sinne,
müsse die Patientin heute als gesund betrachtet werden (act. G 5.2/M9).
2.4 Die interdisziplinäre Begutachtung an der Klinik K._ nahmen Dr. M._ und Dr.
L._ vor.
2.4.1 Dr. M._ erhob im psychiatrischen Gutachten vom 24. September 2012
(act. G 5.2/M16) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kognitive
Störung sowie eine organische affektive Störung (depressive Symptome) im Rahmen
einer Hypothyreose (ICD-10: F 06.7, F 06.3), gegenwärtig weitgehend remittiert.
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Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden keine. Die attestierte
Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen (angestammten) Tätigkeit zu 100% sowie in
adaptierter Tätigkeit zu 50% sei ausschliesslich auf psychisches Leiden mit
Krankheitswert zurückzuführen.
2.4.2 Im internistisch-rheumatologischen Gutachten vom 15. September 2012
(act. G 5.2/M15) stellte Dr. L._ als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ausgedehnte chronische Schmerzen bei multiplen aktivierten Arthrosen (Ganzkörper-
Skelett-Szintigraphie vom September 2012) fest. Ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit bestünde eine Hypothyreose nach Hashimoto-Thyreoiditis mit
Perikarderguss, eine Osteoporose der Lendenwirbelsäule (LWS) sowie ein Status nach
dem Sturz mit szintigraphisch noch aktiver gesinterter Bodenplattenfraktur von Th4 mit
Keilwirbelbildung und Sklerosierung in der Bodenplatte bei Osteoporose,
Schädelkontusion (szintigraphisch inaktiv), Thoraxkontusion (szintigraphisch inaktiv)
sowie Kontusion des Endglieds des rechten Daumens (szintigraphisch inaktiv). Die
SPECT-CT-Untersuchung der Brustwirbelsäule (BWS) vom 6. September 2012 zeige
erwartungsgemäss im Bereich der Th4-Fraktur noch eine erhöhte Aktivität. Derartige
Aktivitäten könnten noch Jahre nach einem Unfall beobachtet werden. Die Th4-Fraktur
zeige eine Keilwirbelbildung mit Sklerosierung der Bodenplatte. Dies entspreche einem
normalen Heilverlauf. Die bestehende Osteoporose der LWS habe die Th4-Fraktur
begünstigt. Die beim Unfall kontusionierten Regionen (Schädel, Thorax und Daumen)
seien dagegen szintigraphisch stumm. Es sei daher zu einer Heilung dieser Regionen
gekommen. Die bei der Ganzkörper-Skelettszintigraphie aktivierten Arthrosen seien
unfallfremd, hätten jedoch einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Auf die Frage, welche
subjektiven Beschwerden sind durch die objektiven Befunde erklärbar, führte Dr. L._
aus: "Schmerzen im Bereich der mittleren HWS und der mittleren LWS sowie der
Costovertebralgelenke Th6 und Th9, beider Knie und der Fusswurzeln können durch
die festgestellten aktivierten Arthrosen erklärt werden. Dagegen können die Schmerzen
in beiden Händen und Armen sowie die Kopfschmerzen durch die vorhandenen
Befunde nicht erklärt werden. Hier besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen der
gezeigten maximalen Handkraft und dem normalen Handeinsatz beidseits bei der
Untersuchung. Keinesfalls kann erklärt werden, weshalb sich die Beschwerden seit
dem Unfall verschlimmert haben. Die Fraktur im Th4-Bereich und die kontusionierten
Regionen sind abgeheilt. Ausserdem konnte die schwere Hypothyreose mit
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Perikarderguss erfolgreich behandelt werden". Auf die Frage, welche der erhobenen
Befunde stehen sicher, überwiegend wahrscheinlich oder nur möglicherweise in
natürlichem Kausalzusammenhang zum Unfall, führte Dr. L._ aus: "Der Unfall vom 8.
März 2012 ist die sichere Ursache der Th4-Fraktur mit Keilwirbelbildung und
Sklerosierung der Bodenplatte und der persistierenden szintigraphischen Aktivität von
Th4. Der Unfall ist ebenfalls die Ursache der Schädelkontusion mit parietaler
Rissqutschwunde (Länge vier Zentimenter), einer Thoraxkontusion sowie Kontusion
des Endglieds des Daumens rechts. Der Unfall vom 8. März 2012 ist nicht die Ursache
der multiplen aktivierten Arthrosen (Costovertebralgelenke Th6 und Th9 sowie der
Facettengelenksarthrosen in der mittleren HWS beidseits, der Femoropatellararthrosen
beidseits und der Fusswurzel-Arthrosen beidseits sowie der aktivierten
Osteochondrose L3/L4). Die schwere Hypothyreose mit Perikarderguss und die
Osteoporose sind nicht Folgen des Unfalls vom 8. März 2012."
2.4.3 Die interdisziplinäre Zusammenfassung und Beurteilung anlässlich der
Konsensbesprechung vom 21. September 2012 (act. G 5.2/M16) ergab als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit kognitive Störungen sowie eine organische
affektive Störung (depressive Symptome) im Rahmen einer Hypothyreose (ICD-10:
F 06.7, F 06.3), gegenwärtig weitgehend remittiert, sowie ausgedehnte chronische
Schmerzen bei multiplen aktivierten Arthrosen. Aus psychiatrischer und somatischer
Sicht bestehe für die bisherige angestammte Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von
100%. Die Arbeitsfähigkeit in anderen adaptierten Tätigkeiten werde auf 50% beurteilt.
Es bestünden ausschliesslich degenerative und unfallunabhängige Beeinträchtigungen
und die Befunde würden auf einen unfallunabhängigen und seit längerer Zeit
andauernden, vorbestehenden Prozess hinweisen. Der Status quo sine sei spätestens
nach fünf Monaten erreicht worden (act. G 5.2/M16).
3.
3.1 Verschiedene Gesundheitsbeeinträchtigungen der Beschwerdeführerin sind
grundsätzlich als Ursache der ganzkörperlich geklagten Schmerzen in Erwägung zu
ziehen. Weder der Bericht des Kantonsspitals C._ (act. G 5.2/15.2 [Beilagen zum
Gutachten L._]) noch derjenige der Psychiatrischen Klinik F._ (act. G 5.2/10, 15.2
[Beilagen zum Gutachten L._]) legen jedoch eine überwiegend wahrscheinliche
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Unfallkausalität dar. In den Berichten wird von Krankheiten bzw. krankheitsbedingten
Vorzuständen gesprochen und nicht von Folgen des Unfalls. Auch die von der
Beschwerdeführerin beigebrachten Berichte der Physiotherapeutin (act. G 1.3) und des
Osteopathen (act. G 1.2) können die Unfallkausalität nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit belegen.
3.2 Die Leistungseinstellung des Unfallversicherers bedingt keine Beschwerdefreiheit
bzw. volle Arbeitsfähigkeit. Entscheidend ist allein, ob die durch den Unfall ausgelösten
Beschwerden ihre kausale Bedeutung verloren haben (vgl. vorstehende Erwägung 1.3).
Wie zuvor ausgeführt, ist es die Aufgabe medizinischer Fachpersonen, den natürlichen
Kausalzusammenhang zu beurteilen. Gemäss allen vorliegenden ärztlichen Berichten,
besonders der Gutachten von Dr. L._ und Dr. M._, welchen voller Beweiswert
zukommt, ist ein solcher ab dem 8. August 2012 – also fünf Monate nach dem
Unfallereignis – für die von der Beschwerdeführerin noch beklagten Beschwerden zu
verneinen. Die Beschwerdeführerin legt in ihrer Beschwerde nicht dar und es geht auch
aus den Akten nicht hervor, inwieweit diese Beurteilungen nicht schlüssig und
nachvollziehbar seien bzw. den Arztberichten kein Beweiswert zukommen sollte. Ein
natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 8. März 2012 und den
von der Beschwerdeführerin am 8. August 2012 noch beklagten Beschwerden ist
deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu verneinen. Die Leistungen sind zu
Recht per 8. August 2012 eingestellt worden, da ab diesem Zeitpunkt keine natürlich
kausalen Unfallfolgen mehr nachgewiesen sind.
3.3 Vorliegend können die anhaltenden Beschwerden mit unfallfremden Befunden,
insbesondere degenerativer und krankheitsbedingter Art, erklärt werden. Keine der
medizinischen Abklärungen hat die These der Beschwerdeführerin gestützt, dass die
am ganzen Körper verspürten Schmerzen direkt vom Unfall stammten. Daher lässt sich
eine Leistungspflicht der Unfallversicherung für die Behandlung ab dem 9. August 2012
insbesondere für die osteopathische Therapie nicht ableiten, auch wenn letztere die
Beschwerdeführerin weitgehend von den Schmerzen befreite.
3.4 Der – von der Beschwerdegegnerin ebenfalls verneinte – adäquate
Kausalzusammenhang ist bei dieser Ausgangslage, mangels natürlichen
Kausalzusammenhangs, nicht zu prüfen. (BGE 129 V 181 E. 3.1).
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4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 18.11.2013 Art. 6 UVG. Natürlicher Kausalzusammenhang von gesundheitlichen Beschwerden im Nachgang zu einem Stolpersturz mit Bodenplatten-Impressionsfraktur Th4. Leistungseinstellung zu Recht erfolgt (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. November 2013, UV 2013/31).
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2021-09-19T12:00:52+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen