Decision ID: 12505195-31ca-50ea-9550-6ee5b098ad54
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 02.03.2017 Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Prüfung eines Rentenanspruchs unter Berücksichtigung eines polydisziplinären Gutachtens und zweier Verlaufsgutachten durch dieselben Sachverständigen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 2. März 2017, IV 2014/1). Entscheid vom 2. März 2017 Besetzung Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichter Joachim Huber und Ralph Jöhl; Gerichtsschreiber Tobias Bolt Geschäftsnr. IV 2014/1 Parteien A._, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eugen Koller, LL.M., St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rente Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 22. August 2008 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 3). Sie gab an, sie arbeite seit November 2002 im
Hausdienst des B._. Zu ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung machte sie
keine Angaben. Am 15. September 2008 berichtete der Internist Dr. med. C._ (IV-act.
15–1 ff.), die Versicherte leide an einer Lumboischialgie bei einer linksbetonten
Discushernie L4/5 mit einer erheblichen reaktiven Spondylarthrose, an einer
Cervicobrachialgie mit sensorischen Ausfällen bei einer rechtsseitigen Discushernie
C4/5, an einem Carpaltunnelsyndrom links sowie an reaktiven depressiven
Verstimmungen bei einer psychosozialen Belastungssituation. Er legte einen
Austrittsbericht der Klinik D._ vom 26. März 2008 betreffend eine stationäre
Behandlung im Zeitraum vom 3. bis zum 20. März 2008 bei (IV-act. 15–5 ff.). Deren
Ärzte hatten ausgeführt, die Versicherte leide an einer Lumboischialgie bei einer
linksbetonten Discushernie L4/5 sowie an einer psychosozialen Belastungssituation bei
Problemen in der Familie (alkoholabhängiger, gewalttätiger Ehemann, Loyalitätskonflikt
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der Kinder). Die stationäre Rehabilitation habe wegen zunehmender Probleme mit der
ältesten Tochter frühzeitig abgebrochen werden müssen. Zur „seelischen
Unterstützung“ sei eine antidepressive Medikation eingeleitet worden. Ab dem 30.
März 2008 sollte die Versicherte ihre bisherige Tätigkeit als Raumpflegerin wieder im
Umfang von 50 Prozent ausüben können. Die Arbeitgeberin berichtete am 16.
September 2008 (IV-act. 17), sie beschäftige die Versicherte seit dem 4. November
2002 als Betriebsangestellte (Reinigung) im Hausdienst. Vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung habe sich das Arbeitspensum auf 70 Prozent belaufen.
Dafür sei ein Lohn von 34'824.80 Franken pro Jahr ausgerichtet worden. Am 5.
November 2008 werde die berufliche Vorsorgeeinrichtung eine Teilpensionierung zu 35
Prozent vornehmen. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische
Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz (heute: medexperts AG) ein polydisziplinäres
Gutachten (IV-act. 25). Der psychiatrische Sachverständige med. pract. E._ führte
aus, die Versicherte habe angegeben, eine Ausbildung zur Krankenschwester im
Herkunftsland wegen eines Bürgerkrieges abgebrochen und das Land dann verlassen
zu haben. Die Eltern wohnten noch dort; ihre Lebensumstände seien problematisch.
Auch die Beziehung zum Ehemann sei problematisch. Diese hätte zudem zu
Problemen mit der älteren Tochter geführt. Psychosoziale Probleme wie die schwierige
finanzielle Situation belasteten die Versicherte zusätzlich. Sie leide aber nicht an
psychischen Problemen, sondern nur an kurzdauernden „Tiefs“. Der Sachverständige
führte aus, aus fachärztlicher Sicht seien die Kriterien für die Diagnose einer
psychischen Erkrankung nicht erfüllt. Entsprechend sei die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten aus psychiatrischer Sicht nicht beeinträchtigt. Der rheumatologische
Sachverständige Dr. med. F._ hielt fest, die Versicherte leide an einem chronischen
cervico-cephalen, panvertebralen und lumbalen Schmerzsyndrom, an einer
Eisenmangelanämie sowie – ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit – an
einem leichtgradigen, rein sensiblen Carpaltunnelsyndrom links. Bei der Untersuchung
seien viele Faktoren für ein nichtorganisches Krankheitsverhalten, namentlich eine
diffus ausgebreitete Symptomatik, eine hohe Schmerzbewertung, eine weitgehende
Erfolglosigkeit der bisherigen Behandlungen und ein nicht plausibles Ausmass der
demonstrierten Behinderung im Vergleich zu den objektivierbaren Befunden,
aufgefallen. Angesichts der überdurchschnittlichen degenerativen Veränderungen im
untersten Bewegungssegment sowie der ausgedehnten funktionellen Störungen seien
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der Versicherten selbst körperlich eher leichtere bis vereinzelt mittelschwere
Tätigkeiten ohne häufiges Bücken oder Heben und Tragen von Lasten von mehr als
zehn Kilogramm nur noch zu 80 Prozent zumutbar. Bis die Eisenmangelanämie
behoben sei, belaufe sich der Arbeitsunfähigkeitsgrad auf 30–40 Prozent. Am 17.
Dezember 2008 notierte Dr. med. G._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst
(RAD), da die Eisenmangelanämie behoben werden könne, sei von einer Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit von 20 Prozent auszugehen (IV-act. 26). Am 12. Januar 2009 gab
der Vorgesetzte der Versicherten telefonisch an (IV-act. 30), das Pensum sei zuerst von
70 Prozent auf 35 Prozent reduziert worden. Die Versicherte habe aber in dieser Zeit
keine volle Leistung erbracht, weshalb das Pensum auf 50 Prozent erhöht worden sei,
womit die Versicherte nun eine Arbeitsleistung erbringen könne, die 35 Prozent eines
Vollpensums entspreche. Für die andern 35 Prozent erhalte sie eine Rente. Leichtere
Arbeiten könnten ihr nicht zugewiesen werden. Ihre Chancen, in einem anderen Betrieb
eine geeignete Tätigkeit zu finden, seien gering, da sie praktisch über keine
Ressourcen verfüge, wahrscheinlich nicht lesen und schreiben könne und teilweise für
Gespräche einen Dolmetscher benötige. Sie neige zur Selbstüberschätzung. Die
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 26. Februar 2009, dass
berufliche Massnahmen angesichts der Ausführungen des Vorgesetzten nicht
angezeigt seien (IV-act. 34). Am 2. März 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie keinen Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen habe (IV-act. 36).
Nach einer Haushaltsabklärung notierte die Abklärungsperson der IV-Stelle am 3.
September 2009 (IV-act. 48), die Versicherte habe vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht nur für B._, sondern auch für H._ gearbeitet.
Das Pensum habe sich insgesamt auf 100 Prozent belaufen. Die Versicherte habe
angegeben, dass sie ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin voll erwerbstätig
geblieben wäre. Der Invaliditätsgrad sei folglich mittels eines (reinen)
Einkommensvergleichs zu berechnen. H._ berichtete am 26. Januar 2010 (IV-act. 56),
sie habe die Versicherte im Zeitraum vom 1. September 1999 bis zum 31. März 2008
als Mitarbeiterin im Reinigungsdienst beschäftigt. Das Pensum habe sich auf etwa vier
bis acht Stunden pro Woche belaufen. Mit einem Vorbescheid vom 14. Oktober 2010
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens
vorsehe, weil der Invaliditätsgrad nur 20 Prozent betrage, aber erst ab einem
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Invaliditätsgrad von 40 Prozent ein Anspruch auf eine Rente entstehen könnte (IV-act.
68).
A.b Am 10. Dezember 2010 berichtete Dr. med. I._ vom Muskelzentrum des
Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 74), gemäss einem MRI vom 2. April 2009 leide die
Versicherte an einer beginnenden Kompression der Cauda equina. Zudem habe eine
ausgeprägte Kniegelenksarthrose rechts zu massiven Knieschmerzen rechts geführt.
Die Versicherte sei wegen der Spinalkanalstenose zu 50 Prozent arbeitsunfähig. Nach
der anberaumten Knieoperation werde sie vorübergehend vollständig arbeitsunfähig
sein. Der Hausarzt Dr. C._ hatte am 6. Dezember 2010 festgehalten, dass die
Eisenmangelanämie behoben worden sei, die Versicherte aber insgesamt nach wie vor
nur zu 30–40 Prozent arbeitsfähig sei (IV-act. 75–2 f.). Die Versicherte liess am 17.
Dezember 2010 beantragen, dass geprüft werde, ob seit der Begutachtung durch die
MEDAS Ostschweiz eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes eingetreten sei
(IV-act. 75–1). Am 7. Januar 2011 notierte der RAD-Arzt Dr. med. J._, dass eine
Verschlechterung jedenfalls nicht ausgeschlossen sei, und empfahl, in etwa drei
Monaten einen Verlaufsbericht bei Dr. C._ einzuholen (IV-act. 76). Im April 2011 teilte
der Nachfolger von Dr. C._, Dr. med. K._, der IV-Stelle mit, ihm sei nicht bekannt,
dass eine Operation geplant sei (IV-act. 86). Die Klinik für Neurochirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen hatte bereits im Juni 2009 berichtet, dass die von der
Versicherten beklagten Beschwerden im Hals- und Lendenbereich weiterhin
konservativ behandelt werden müssten (IV-act. 85). Das Muskelzentrum des
Kantonsspitals St. Gallen hatte am 6. Januar 2011 berichtet (IV-act. 88–3 f.), angesichts
einer ausgeprägten reaktiven Depression sei die neurologische Behandlung
vorübergehend sistiert worden. Am 3. Februar 2011 hatte es dann berichtet (IV-act. 88–
1 f.), aus neuromuskulärer Sicht bestehe im Moment keine Indikation zu weiteren
Untersuchungen. Aktuell stehe sicher die psychosoziale Belastungssituation im
Vordergrund. Ein neuer Konsultationstermin sei nicht vereinbart worden. Am 10. Juni
2011 berichtete Dr. med. L._, die Kniebehandlung sei schon am 28. Februar 2011
abgeschlossen worden, da keine operative Massnahme indiziert gewesen sei (IV-act.
92). Am 20. Juli 2011 berichtete Dr. med. M._ vom Psychiatrie-Zentrum N._ (IV-act.
98), die Versicherte leide an einer Somatisierungsstörung und an einer leichten
depressiven Episode. Sie sei zu 50 Prozent arbeitsunfähig. Am 27. Juli 2011 empfahl
der RAD-Arzt Dr. G._ eine Verlaufsbegutachtung durch die MEDAS Ostschweiz (IV-
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act. 99). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete diese am 1. März 2012 ein entsprechendes
Verlaufsgutachten (IV-act. 106). Der psychiatrische Sachverständige E._ führte aus,
die Versicherte lebe wieder mit dem Ehemann zusammen, der nun aber arbeitslos
geworden sei. Zurzeit sei er alkoholabstinent. In der Untersuchung habe die Versicherte
deutlich belastet gewirkt. Sie sei psychomotorisch unruhig gewesen, haben mit den
Händen „genestelt“ und erschöpft und müde gewirkt. Anders als noch bei der ersten
Begutachtung leide sie nun an einer depressiven Störung mit einer mittelgradigen
Episode, die als eine eigenständige depressive Erkrankung zu qualifizieren sei, aber
auch von den psychosozialen Problemen und der Schmerzproblematik überlagert
werde. Zudem seien die Diagnosekriterien einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung erfüllt. Die Arbeitsfähigkeit der Versicherten sei um etwa 20–30
Prozent eingeschränkt. Die depressive Störung sei bislang aber noch nicht regelrecht
behandelt worden. Der rheumatologische Sachverständige Dr. F._ hielt fest, aus
seiner fachärztlichen Sicht habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit der
ersten Begutachtung nicht wesentlich verändert. Der RAD-Arzt Dr. G._ qualifizierte
das Verlaufsgutachten als überzeugend (IV-act. 107). Mit einem Vorbescheid vom 28.
August 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie nach wie vor plane, das
Rentenbegehren mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades abzuweisen
(IV-act. 112).
A.c Dagegen liess die Versicherte am 26. Oktober 2012 einwenden (IV-act. 120), ihr
Gesundheitszustand habe sich massiv verschlechtert. Sie habe wegen der nicht mehr
auszuhaltenden Schmerzen und wegen psychischer Probleme vom 8. bis zum 14.
Februar 2012 stationär auf der Krisen-Station des Psychiatrie-Zentrums N._
behandelt werden müssen. Am 7. März 2012 sei sie an der Lendenwirbelsäule operiert
worden. Die Operation habe aber nicht den erhofften Erfolg gezeitigt. Auch nach einer
stationären Rehabilitation in der Klinik Valens (21. März 2012 bis 14. April 2012) sei es
ihr nicht besser gegangen. In der Folge habe sie erneut operiert werden müssen. Auch
diese Revisionsoperation habe nicht zu einer Schmerzreduktion geführt. Von einer
somatoformen Schmerzstörung könne keineswegs die Rede sein. Die behandelnden
Ärzte hätten eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert. Bei der Berechnung des
Invaliditätsgrades hätte ein „Leidensabzug“ von 25 Prozent berücksichtigt werden
müssen. Der RAD-Arzt Dr. G._ notierte am 30. Oktober 2012, dass sich der
Gesundheitszustand der Versicherten seit der Verlaufsbegutachtung verschlechtert
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habe, weshalb weitere medizinische Abklärungen notwendig seien (IV-act. 123). Am 9.
November 2012 berichtete Dr. med. O._ von der Klinik für Neurochirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 125), der postoperative Verlauf sei nach der
Revisionsoperation regelrecht gewesen. Er habe mit der Versicherten vereinbart, dass
sie ihre Arbeit im August 2012 wieder aufnehme. Am 16. Oktober 2012 habe er sie
nochmals untersucht; der Befund sei aber unauffällig gewesen. Eine leidensadaptierte
Tätigkeit sollte der Versicherten während drei bis maximal vier Stunden pro Tag
zumutbar sein. Am 8. Januar 2013 empfahl der RAD-Arzt Dr. G._ eine weitere
Verlaufsbegutachtung durch die MEDAS Ostschweiz (IV-act. 137). Nachdem die IV-
Stelle einen entsprechenden Auftrag erteilt hatte, erstattete die MEDAS Ostschweiz am
17. Juli 2013 ein entsprechendes Gutachten (IV-act. 140). Der psychiatrische
Sachverständige E._ hielt fest, die Versicherte habe sich in der Untersuchung rege
und flüssig mit der Dolmetscherin ausgetauscht, habe ausführlich auf die gestellten
Fragen geantwortet und immer wieder gelacht. Im Gespräch habe sie dramatisierend
gewirkt. Die Grundstimmung sei etwas nach unten geschoben und die
Schwingungsfähigkeit sei minim eingeschränkt gewesen. Die bereits bei der letzten
Begutachtung festgestellte depressive Störung sei weiterhin vorhanden, wirke aber
weniger ausgeprägt und sei von den psychosozialen Problemen überlagert. Die
Symptomatik habe sich insgesamt etwas gebessert. Aktuell liege eine leichte bis
mittelgradige depressive Episode vor. Der Arbeitsunfähigkeitsgrad belaufe sich
höchstens auf 20–30 Prozent. Der rheumatologische Sachverständige Dr. F._ führte
aus, anders als noch bei der letzten Begutachtung bestehe nun ein Status nach einer
operierten Discushernie. Angesichts der degenerativen Veränderungen und den Folgen
nach den beiden operativen Eingriffen sei die Wirbelsäulenbelastbarkeit etwas
reduziert. Das wirke sich aber auf eine leichtere Tätigkeit nicht aus. Die Versicherte
könnte ihre aktuelle Tätigkeit folglich vollschichtig und nicht nur zu 35 Prozent
ausüben. Der RAD-Arzt Dr. G._ erachtete das Gutachten als überzeugend (IV-act.
141). Mit einem dritten Vorbescheid vom 28. August 2013 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, dass sie immer noch die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe
(IV-act. 145). Dagegen liess die Versicherte am 4. Oktober 2013 (Eingang bei der IV-
Stelle) einwenden (IV-act. 146), das Gutachten der MEDAS Ostschweiz überzeuge
nicht. Die Sachverständigen seien voreingenommen gewesen, da sie die Versicherte
bereits vor der aktuellen Begutachtung schon zweimal begutachtet hätten.
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Unverständlicherweise sei wiederum kein „Leidensabzug“ berücksichtigt worden. Der
RAD-Arzt Dr. G._ notierte am 15. November 2013, dass aus medizinischer Sicht kein
Grund ersichtlich sei, weshalb nicht auf das Gutachten der MEDAS Ostschweiz
abgestellt werden sollte (IV-act. 147). Mit einer Verfügung vom 18. November 2013
wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 148).
B.
B.a Dagegen liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) am 3. Januar
2014 eine Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Zusprache mindestens einer
Dreiviertelsrente spätestens ab dem 1. Dezember 2008 und eventualiter die
Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin). Zur Begründung führte er aus, das Gutachten der MEDAS
Ostschweiz sei unvollständig, weil die Beschwerdeführerin auch orthopädisch hätte
untersucht werden müssen. Problematisch sei, dass die Beschwerdegegnerin die
Beschwerdeführerin dreimal von denselben Sachverständigen habe begutachten
lassen. Bei der Berechnung des Invaliditätsgrades müsse ein „Leidensabzug“ von 25
Prozent berücksichtigt werden.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 14. Februar 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, die Gutachten der MEDAS
Ostschweiz belegten mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerdeführerin nur zu 20–30 Prozent arbeitsunfähig
sei. Die angefochtene Verfügung erweise sich damit im Ergebnis als rechtmässig.
B.c Die verfahrensleitende Richterin bewilligte am 17. März 2014 die unentgeltliche
Rechtspflege (act. G 10).
B.d Die Beschwerdeführerin liess am 28. April 2014 an ihren Anträgen festhalten (act.
G 13). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 15).
B.e Am 30. Juni 2016 ersuchte das Versicherungsgericht die medexperts AG (ehemals
MEDAS Ostschweiz) um die Beantwortung von diversen Ergänzungsfragen (act. G 16)
respektive um eine Stellungnahme zu den Vorberichten von Dr. I._ vom 10.
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Dezember 2010 und vom 16. Juni 2011 sowie zum Bericht von Dr. O._ vom 9.
November 2012, namentlich zur Kniegelenksarthrose, zur Pseudoischialgie und zu den
abweichenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen, um eine Begründung für das Attest einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht im Gegensatz zum
Attest einer Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent im ersten Verlaufsgutachten sowie um
eine Auseinandersetzung mit der geänderten bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu
den somatoformen Schmerzstörungen. Die Sachverständigen antworteten am 22.
November 2016 (act. G 17), das Vorliegen einer Kniegelenksarthrose sei von Dr. I._
nie überzeugend begründet worden. Bei der letzten Verlaufsbegutachtung sei nur ein
femoro-patellares Reiben der Kniescheibe festzustellen gewesen, was die Vorstufe für
eine Kniescheibenarthrose sein könne, aber kein ungewöhnlicher Befund bei einer Frau
im Alter der Beschwerdeführerin sei. Der Begriff „Pseudoischialgie“ bedeute, dass
keine klinischen Zeichen einer Nervenwurzelkompression feststellbar gewesen seien,
sondern nur ein ähnliches Schmerzmuster vorgelegen habe. Der Gesundheitszustand
der Versicherten habe sich aus rheumatologischer Sicht zwischen den beiden
Verlaufsbegutachtungen nicht wesentlich verändert. Im zweiten Verlaufsgutachten
habe aber vor allem zur Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit Stellung
genommen werden müssen. Aus psychiatrischer Sicht sei eine Tendenz zur
Dramatisierung zu erkennen, womit Hinweise auf eine Aggravation oder dergleichen
vorlägen. Der objektivierbare klinische Befund habe einer leichten bis mittelgradigen
depressiven Störung entsprochen. Die Beschwerdeführerin sei durch verschiedene
Belastungen geprägt. Als Ressource sei die immer noch ausgeübte Erwerbstätigkeit
anzusehen. Auch unter Berücksichtigung der neuen Standardindikatoren sei von einer
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20–30 Prozent auszugehen.
B.f Die Beschwerdeführerin liess am 30. Januar 2017 einwenden (act. G 22), der
Sachverständige Dr. F._ habe offenbar verkannt, dass er sich nicht zum tatsächlich
ausgeübten Pensum, sondern zur Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein Vollpensum hätte
äussern müssen. Jedenfalls gehe aus seiner Antwort hervor, dass sich der somatische
Gesundheitszustand nicht gebessert habe. Die vom psychiatrischen Sachverständigen
E._ behauptete Tendenz zur Dramatisierung werde bestritten. Die Arbeitsunfähigkeit
betrage weit mehr als 20–30 Prozent. Nach wie vor fehle ein orthopädisches
Gutachten. Auch ein neuropsychologisches Gutachten sei nicht eingeholt worden,
obwohl sich ein solches aufgedrängt hätte. Der Sachverhalt sei nicht mit dem
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erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt, weshalb die
Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei.

Erwägungen
1.
Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen
ist und die nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat
einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 IVG). Für die
Bemessung der Invalidität wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in
Beziehung zu jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie
gesund geblieben wäre.
2.
Die Beschwerdeführerin hat keine anerkannte Berufsausbildung abgeschlossen und
dementsprechend zuletzt als Hilfsarbeiterin gearbeitet. Vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung ist sie in einem vollen Pensum erwerbstätig gewesen.
Ihren eigenen Angaben zufolge wäre sie weiterhin vollerwerbstätig geblieben, wenn sie
nicht krank geworden wäre. Angesichts der prekären finanziellen Situation der Familie
wäre ihr wohl auch nichts anderes übrig geblieben. Obwohl H._ darauf hingewiesen
hat, dass das (langjährige) Arbeitsverhältnis wegen einer – aus Sicht H._ –
ungenügenden Arbeitsleistung aufgelöst worden sei, ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Kündigung im Zusammenhang mit der
langen krankheitsbedingten Absenz vom Arbeitsplatz erfolgt ist. Zwar hat der
Vorgesetzte bei B._ darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin zur
Selbstüberschätzung neige, doch dürfte sich diese Aussage (welche die
Beschwerdegegnerin aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht unterschriftlich hat
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bestätigen lassen) primär auf das Verhalten der Beschwerdeführerin nach dem Eintritt
der Gesundheitsbeeinträchtigung bezogen haben. Folglich liegt kein Grund zur
Annahme vor, die Beschwerdeführerin wäre auch ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung nur unterdurchschnittlich leistungsfähig und
dementsprechend nicht in der Lage gewesen, ein durchschnittliches
Hilfsarbeiterinneneinkommen zu erzielen. Die Validenkarriere besteht folglich in der
Ausübung einer durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit in einem Vollpensum, womit das
Valideneinkommen dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne gemäss
der vom Bundesamt für Statistik regelmässig durchgeführten Lohnstrukturerhebung
entspricht. Dieser hat sich im Jahr 2008 (bei einer standardisierten Arbeitszeit von 40
Stunden) auf 49'392 Franken belaufen (LSE 2008, TA1), was ziemlich genau dem von
der Arbeitgeberin angegebenen und auf ein Vollpensum umgerechneten Lohn
(34'824.80 Franken ÷ 70 Prozent = 49'750 Franken) entspricht.
3.
3.1 Da die Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung mehrheitlich leichtere Arbeiten zuweisen konnte, erfüllt
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit die qualitativen Anforderungen an eine ideal
leidensadaptierte Tätigkeit aus medizinischer Sicht. Der Beschwerdeführerin ist mit
anderen Worten die weitere Ausübung dieser Tätigkeit zumutbar. Ihr wäre es aber auch
zumutbar, eine andere leidensadaptierte Hilfsarbeit zu verrichten. Ihre Invalidenkarriere,
die sich mittels medizinischer oder beruflicher Eingliederungsmassnahmen nicht mehr
relevant beeinflussen lässt, besteht somit in der Verrichtung einer leidensadaptierten
Hilfsarbeit, womit der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens dem Valideneinkommen entspricht. Der Betrag dieser beiden
identischen Vergleichsgrössen kann bei der Berechnung des Invaliditätsgrades
mathematisch keine Rolle spielen; der Invaliditätsgrad ist folglich mittels eines
sogenannten Prozentvergleichs zu ermitteln, das heisst er entspricht dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen Abzug vom Tabellenlohn von
maximal 25 Prozent.
3.2 Zur Beantwortung der Frage nach der zumutbaren Arbeitsfähigkeit hat die
Beschwerdegegnerin nicht nur Berichte der behandelnden Ärzte eingeholt, sondern
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auch eine erste Begutachtung und zwei weitere Verlaufsbegutachtungen in Auftrag
gegeben. Laut den vielfältigen medizinischen Akten leidet die Beschwerdeführerin vor
allem an Beschwerden an der Hals- und Lendenwirbelsäule, an Knieschmerzen, an
einer depressiven Störung und an einer Schmerzverarbeitungs- respektive
Somatisierungsstörung. Den Kniebeschwerden kommt für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung keine wesentliche Bedeutung zu, nachdem die
behandelnden Ärzte schon im Juni 2011 über einen Behandlungsabschluss im Februar
2011 berichtet haben und weil der rheumatologische Sachverständige Dr. F._ auch
bei der letzten Verlaufsbegutachtung diesbezüglich nur einen diskreten klinischen
Befund hat feststellen können. Ähnliches gilt in Bezug auf die Beschwerden an der
Halswirbelsäule, bezüglich derer schon der behandelnde Arzt Dr. C._ im September
2008 auf eine Diskrepanz zwischen den objektivierbaren Befunden und den
angegebenen Beschwerden hingewiesen hatte und die im Verlauf des Verfahrens
zudem rasch in den Hintergrund geraten sind respektive nach dem ersten Gutachten
der medexperts AG keine Erwähnung mehr in den medizinischen Berichten gefunden
haben. Was der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin gegen die vom
psychiatrischen Sachverständigen E._ diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung
vorgebracht hat, verfängt nicht, denn erstens hat dieser seine Diagnose überzeugend
begründet und zweitens haben auch die behandelnden Ärzte (Dr. I._, Dr. C._, Dr.
L._ und Dr. M._) über eine Somatisierungsstörung beziehungsweise über eine
chronifizierte Schmerzstörung, die mit einer Fibromyalgie vergleichbar sei, berichtet.
Auch Dr. O._ hat in seinem Bericht vom 9. November 2012 auf fortbestehende
Schmerzen trotz eines regelrechten postoperativen Verlaufs hingewiesen und darauf
aufmerksam gemacht, dass die begleitende Depression eine Therapie als wenig
erfolgsversprechend erscheinen lasse. Dieser Hinweis und die Diagnose einer
Pseudoischialgie lassen den Schluss zu, dass auch Dr. O._ von einer zumindest
mitwirkenden Schmerzfehlverarbeitung ausgegangen ist. Von massgebender
Bedeutung für den Arbeitsfähigkeitsgrad bezogen auf eine ideal leidensadaptierte
Tätigkeit sind folglich die Beschwerden in der Lendenwirbelsäule und die depressive
Störung. Die behandelnden Ärzte Dres. I._ und O._ haben eine erhebliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (mindestens 50 Prozent) attestiert. Diese
pessimistische Arbeitsfähigkeitsschätzung haben sie aber nicht überzeugend
begründet. Ihren Ausführungen lässt sich nicht entnehmen, ob sie sich wirklich an
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einem ideal leidensadaptierten Arbeitsplatz orientiert haben, ob sie sich nur auf die
objektiven klinischen Befunde oder allenfalls eben doch auch auf die subjektiven
Angaben der Beschwerdeführerin abgestützt haben und ob sie der
versicherungsmedizinischen Frage nach der Zumutbarkeit ausreichend Rechnung
getragen haben. Ihre Berichte erwecken insgesamt den Eindruck, dass sie sich – zu
sehr – von den tatsächlichen Verhältnissen, insbesondere von der damals ausgeübten
Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin in einem Pensum von 35 Prozent, haben leiten
lassen und dass sich ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht ausschliesslich an den
objektivierbaren klinischen Befunden orientiert hat. Die behandelnden Ärzte haben sich
auch nicht mit den Schlussfolgerungen des rheumatologischen Sachverständigen Dr.
F._ auseinandergesetzt und folglich ihre abweichenden Schlussfolgerungen nicht
überzeugend begründen können. Demgegenüber hat Dr. F._ in den beiden ersten
Gutachten die von ihm erhobenen objektiven klinischen Befunde detailliert geschildert,
sich eingehend mit den Berichten der behandelnden Fachärzte auseinandergesetzt und
gestützt darauf eine überzeugend begründete Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben.
Mit seinen Ausführungen hat er ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit der
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Fachärzte geweckt. Nicht
nachvollziehbar ist allerdings, weshalb er im dritten Gutachten bei einem unveränderten
klinischen Befund zum Attest einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit gelangt ist.
Auch in seiner nachträglichen Stellungnahme zuhanden des Versicherungsgerichtes
hat er dies nicht überzeugend erklären können, denn es ist nicht ersichtlich, weshalb
die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit in einem höheren Mass
arbeitsfähig sein sollte als in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. F._ im dritten Gutachten überzeugt folglich nicht.
Allerdings hat Dr. F._ nachvollziehbar dargelegt, dass sich der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin zwischen den beiden Verlaufsbegutachtungen nicht
wesentlich verändert hat, weshalb seine Arbeitsfähigkeitsschätzung im ersten
Verlaufsgutachten als nach wie vor aktuell qualifiziert werden kann. Diese vermag, wie
dargelegt, zu überzeugen, weshalb darauf abzustellen ist. Auch der psychiatrische
Sachverständige hat seine Diagnosen und seine Arbeitsfähigkeitsschätzung gestützt
auf den von ihm erhobenen klinischen Befund und die (wenigen) psychiatrischen
Berichte der behandelnden Fachärzte überzeugend begründet. Nur die Ausführungen
zu den sogenannten Foerster’schen Kriterien erscheinen als wenig einleuchtend und
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teilweise sogar etwas widersprüchlich, doch schadet dies nicht, weil jenen Kriterien
respektive der vom Bundesgericht während über zehn Jahren vertretenen
Überwindbarkeitsvermutung keine relevante Bedeutung zukommen kann, nachdem die
entsprechende Praxis zwischenzeitlich aufgegeben wurde (vgl. BGE 141 V 281). Die
nachträgliche Auseinandersetzung des psychiatrischen Sachverständigen E._ mit
den neuen Standardindikatoren zuhanden des Versicherungsgerichtes ist als sorgfältig,
umfassend und überzeugend zu qualifizieren, weshalb die von ihm in den beiden
Verlaufsgutachten attestierte Arbeitsunfähigkeit von 20–30 Prozent als überwiegend
wahrscheinlich richtig zu werten ist. Der Bericht von Dr. M._ ist nicht geeignet,
Zweifel daran zu wecken, denn obwohl dieser nur eine leichtgradige depressive
Störung diagnostiziert hat, hat er eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert, was
sich weder mit seiner Diagnose noch mit den von ihm geschilderten Befunden erklären
lässt. Auch seine Nachfolgerin med. pract. P._ hat mit ihrem Bericht vom 14. Februar
2012 betreffend die einwöchige stationäre Behandlung im Februar 2012 keine Zweifel
an der Zuverlässigkeit der Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen
Sachverständigen E._ wecken können, da sie nur eine kurze depressive Reaktion im
Rahmen einer Anpassungsstörung diagnostiziert und nur für die Zeit der stationären
Behandlung eine Arbeitsunfähigkeit attestiert hat. Auch auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Sachverständigen E._ ist folglich
abzustellen. Das bedeutet, dass für die Berechnung des Invaliditätsgrades die
interdisziplinäre Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen der medexperts AG
massgebend, das heisst von einer Arbeitsunfähigkeit von 20–30 Prozent in einer ideal
leidensadaptierten Tätigkeit auszugehen ist.
3.3 Entgegen der Ansicht des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin besteht kein
Anhaltspunkt für eine Voreingenommenheit der Sachverständigen der medexperts AG.
Diese haben nach der Erstellung des ersten Gutachtens zwei Verlaufsgutachten erstellt
und nicht etwa den Auftrag erhalten, sich zur Zuverlässigkeit ihres eigenen Gutachtens
zu äussern (was sie wohl tatsächlich kaum objektiv hätten tun können). Ihre
Ausführungen in den beiden Verlaufsgutachten, mit deren Erstellung die
Beschwerdegegnerin sinnvollerweise dieselben Sachverständigen beauftragt hatte (vgl.
statt vieler: BGE 132 V 93 E. 7.2.2 S. 110 mit Hinweisen), zeigen, dass sie keineswegs
ihre Ausführungen im ersten Gutachten gewissermassen „durch alle Böden hindurch“
verteidigt, sondern sich jeweils intensiv mit den zwischenzeitlichen Entwicklungen
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auseinandergesetzt haben. Der psychiatrische Sachverständige E._ hatte
beispielsweise im ersten Gutachten das Vorliegen einer psychischen Erkrankung noch
verneint und im zweiten Gutachten dann sogar eine schwerer ausgeprägte depressive
Störung diagnostiziert, als sie vom behandelnden Arzt Dr. M._ diagnostiziert worden
war. Im dritten Gutachten hat er dann anschaulich dargelegt, dass es zwischenzeitlich
zwar zu einer leichten Verbesserung des Gesundheitszustandes gekommen war, und
überzeugend begründet, dass diese Verbesserung aber zu keiner relevanten Erhöhung
der Arbeitsfähigkeit geführt hatte. Auch der Sachverständige Dr. F._ hat sich bei
jeder Begutachtung neu mit den geklagten Beschwerden, mit den klinischen und
bildgebenden Befunden und mit den massgebenden medizinischen Berichten
auseinandergesetzt. Auch wenn nicht nachvollzogen werden kann, weshalb er im
dritten Gutachten bei im Wesentlichen gleich gebliebenen Befunden eine höhere
Arbeitsfähigkeit attestiert hat, zeigt dies doch immerhin, dass er nicht etwa einfach nur
seine Ausführungen aus dem zweiten Gutachten übernommen hat, sondern bemüht
gewesen ist, eine neue, aktuelle Arbeitsfähigkeitsschätzung abzugeben. Auch im
Übrigen sind keine Anzeichen für eine Voreingenommenheit der beiden
Sachverständigen ersichtlich.
3.4 Anhaltspunkte für eine Notwendigkeit, die Beschwerdeführerin zusätzlich noch
orthopädisch begutachten zu lassen, sind nicht ersichtlich, denn der rheumatologische
Sachverständige ist ohne Weiteres in der Lage gewesen, die massgebenden klinischen
Befunde zu erheben und zu beurteilen. Das Bundesgericht hat schon verschiedentlich
zu Recht festgehalten, dass die beiden Fachgebiete Orthopädie und Rheumatologie so
nah miteinander verwandt sind, dass kaum je eine zwingende Notwendigkeit zu einer
„doppelten“ Begutachtung vorliege (vgl. z.B. die Urteile 9C_270/2012 vom 23. Mai
2012, E. 4.2, mit zahlreichen Hinweisen, und 9C_82/2009 vom 9. Oktober 2009, E. 5.2,
laut dem im Einzelfall sogar auf eine rheumatologische und auf eine orthopädische
Begutachtung verzichtet werden kann, wenn Berichte aus den beiden Fachdisziplinen
vorliegen und die Begutachtung vom einem Facharzt in physikalischer Medizin
durchgeführt wird). Auch von einer neuropsychologischen Begutachtung können in
antizipierender Beweiswürdigung keine wesentlichen neuen Erkenntnisse erwartet
werden, denn der psychiatrische Sachverständige hätte in sorgfältiger Erfüllung seines
Begutachtungsauftrages eine neuropsychologische Abklärung angeordnet
beziehungsweise empfohlen, wenn er Symptome festgestellt hätte, die auf ein
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neuropsychologisches Defizit hingedeutet hätten. Der medizinische Sachverhalt erweist
sich als hinreichend abgeklärt.
3.5 Die Sachverständigen der medexperts AG haben keine genaue
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben, sondern festgehalten, die Arbeitsunfähigkeit
belaufe sich auf 20–30 Prozent. Die Beschwerdegegnerin und das Bundesgericht
stellen in einem solchen Fall auf den Mittelwert ab, der „von den beiden Extremwerten
am wenigsten abweicht“ (Urteil I 822/04 vom 21. April 2005, E. 4.4), weshalb vorliegend
von einer Arbeitsunfähigkeit von 25 Prozent auszugehen ist.
3.6 Mit dem – missverständlich oft als „Leidensabzug“ bezeichneten –
Tabellenlohnabzug wird dem Umstand Rechnung getragen, dass eine in ihrer
Gesundheit beeinträchtigte Person ihre verbliebene Restarbeitsfähigkeit allenfalls nicht
mit einem durchschnittlichen wirtschaftlichen Erfolg verwerten kann. Die Frage nach
der Höhe des (sich auf maximal 25 Prozent belaufenden; BGE 126 V 75)
Tabellenlohnabzuges ist also aus rein betriebswirtschaftlich-ökonomischer Sicht zu
beantworten. Angesichts der gesamten Umstände hält das Versicherungsgericht einen
Tabellenlohnabzug von zehn Prozent für angemessen.
4.
4.1 Der Prozentvergleich ergibt bei einer Arbeitsunfähigkeit von 25 Prozent und bei
einem Tabellenlohnabzug von zehn Prozent einen Invaliditätsgrad von 32,5 Prozent. Da
erst ab einem Invaliditätsgrad von 40 Prozent ein Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung besteht (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG), erweist sich die Abweisung des
Rentenbegehrens durch die Beschwerdegegnerin als rechtmässig. Die Beschwerde ist
deshalb abzuweisen.
4.2 Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung wird die unterliegende
Beschwerdeführerin von der Bezahlung der Gerichtskosten von 600 Franken befreit. An
sich müssten ihr auch die Kosten für die ergänzende Stellungnahme der medexperts
AG von 2'481.30 Franken (act. G 17.1) auferlegt werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Von
diesem „Unterliegenprinzip“ kann allerdings abgewichen werden, wobei insbesondere
die Anwendung des „Verursacherprinzips“ als Alternative in Betracht fällt (Art. 95 Abs.
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2 VRP). Im Sozialversicherungsverfahren gelangt bezüglich der Kosten weiterer
Abklärungen im Beschwerdeverfahren in aller Regel das Verursacherprinzip zur
Anwendung, weil jene weiteren Abklärungen normalerweise nur deshalb notwendig
sind, weil der Sozialversicherungsträger seine Abklärungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
verletzt hat. Zwar kann die Sachverhaltsabklärung vorliegend nicht als objektiv verletzt
erachtet werden, weil die von der Beschwerdegegnerin beschafften Beweismittel
(abgesehen von der nur mit vernachlässigbaren Kosten verbundenen nachträglichen
Erläuterung des rheumatologischen Teilgutachtens) die Rechtsanwendung unter
Berücksichtigung der damals noch massgebenden „PÄUSBONOG-Rechtsprechung“
erlaubt haben. Nun gilt aber die neue Praxis, für deren Anwendung sich der
massgebende Sachverhalt als ungenügend abgeklärt erwiesen hat. Obwohl die
Sachverhaltsabklärung also erst nachträglich ungenügend „geworden“ ist, rechtfertigt
sie es, die Kosten für die ergänzende Stellungnahme der medexperts AG in Höhe von
2'481.30 Franken (act. G 17.1) der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.3 Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung hat der Staat
dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine Entschädigung auszurichten, die 80
Prozent des notwendigen Vertretungsaufwandes abdeckt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Da
der Rechtsvertreter vorliegend nach dem doppelten Schriftenwechsel noch die
ergänzenden Angaben der Sachverständigen der medexperts AG hat studieren und
Stellung dazu nehmen müssen, ist bei einem im Übrigen durchschnittlichen
Vertretungsaufwand von einem insgesamt leicht überdurchschnittlichen Aufwand
auszugehen. Die Entschädigung ist deshalb auf 80 Prozent von 4'000 Franken
festzusetzen. Sollten es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird die
Beschwerdeführerin zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der
Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können
(Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).