Decision ID: ff710bc0-301b-4be6-ad8d-84e0b2c4f5c0
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch procap St. Gallen-Appenzell, Marktplatz 24, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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St.Galler Gerichte
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
G._ meldete sich am 18. Mai 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an. Im
Anmeldeformular gab er u.a. an, er habe in der Schweiz den Beruf des Kochs (mit
Fähigkeitsausweis) erlernt. Gemäss den Unterlagen des Unfallversicherers (A._) war
der Versicherte am 9. April 2005 auf der Strasse beim Gehen ausgerutscht. Dabei hatte
er sich laut einem Bericht von Dr. med. B._ vom 27. Mai 2005 eine Kniedistorsion
rechts (DD: Fissur/Fraktur) zugezogen. Dr. med. C._ hatte dem Unfallversicherer am
8. Februar 2006 folgende Diagnose angegeben: traumatisierte, posttraumatische
Gonarthrose rechts und persistierende Knieschmerzen mit Schwellung rechts. Er hatte
den Versicherten ab 22. April 2005 bis auf weiteres krankgeschrieben. Dr. med. C._
berichtete der IV-Stelle am 14. August 2006, der Versicherte habe als Kind das rechte
Kniegelenk verletzt. Das habe zu diversen Operationen geführt. Im Mai 2005 habe der
Versicherte ein Distorsionstrauma des rechten Kniegelenks erlitten. Seither
persistierten therapieresistente ruhe- und vor allem belastungsabhängige Schmerzen
ventral im rechten Kniegelenk. Im MRI habe sich eine deformierende Pangonarthrose
bestätigt. Seit sechs Jahren bestünden auch lumbale Schmerzen. Vor ca. fünf Jahren
habe sich der Versicherte wegen psychischen Problemen ventral in den linken Oberarm
geschnitten. Seither bestünden eine Schwäche des linken Arms und eine Dysaesthesie
dorsal am Vorderarm. Der Versicherte nehme regelmässig Analgetika ein. Das Heben
und Tragen von Lasten sei nicht mehr möglich. Nach dem Scheitern sämtlicher
konservativer Behandlungsmassnahmen bleibe nur noch ein operatives Vorgehen. Der
Versicherte sei aber noch relativ jung, weshalb mit der Implantation einer Knie-TP so
lange wie möglich zugewartet werden sollte. Die lumbalen Schmerzen sollten primär
durch eine Gewichtsreduktion und ein Training der paravertebralen Muskulatur
therapiert werden. Das Ausmass der Arbeitsfähigkeit müsse in einem orthopädisch-
psychiatrischen Gutachten geklärt werden. Gemäss den Angaben des Pflegeheims
D._ vom 1. Mai 2007 war der Versicherte ab dem 15. Februar 2005 als Küchenhilfe
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beschäftigt gewesen. Das Arbeitsverhältnis war vom Arbeitgeber wegen
Schwierigkeiten im Team und wegen des Unfalls aufgelöst worden.
B.
Der Berufsberater der IV-Stelle hatte bereits am 21. März 2007 eine BEFAS-Abklärung
als erste Stufe einer Umschulung in die Wege geleitet. Ziel dieser Abklärung war die
Ermittlung der konkreten Umschulungsmöglichkeiten und des Eingliederungswillens
des Versicherten. Die BEFAS Appisberg berichtete am 20. Juni 2007, eine überwiegend
gehende und stehende Tätigkeit wie die zuletzt ausgeübte (Küchenmitarbeiter) könne
wegen der Funktions- und Belastungseinschränkung des rechten Knies nicht mehr
zugemutet werden. Gestützt auf die aktuelle medizinische Situation und die konkreten
Abklärungsresultate könne für eine adaptierte Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
attestiert werden. Ganztags ohne behinderungsbedingte Leistungseinschränkung
zumutbar seien weitgehend ebenerdig und überwiegend sitzend sowie auf Tischhöhe
ausübbare körperlich leichtere bis gelegentlich mittelschwere Arbeiten (Hebe- und
Tragebelastung maximal 10 kg) in temperierten Räumen. Zusätzlich sollten
Wechselpositionen (stehend, ein paar Schritte gehend) eingenommen werden können
und der Versicherte würde von einem ergonomischen, individuell einstellbaren
Arbeitsstuhl profitieren. Der Versicherte könnte Ausbildungsmodule auf einem Anlehr-
bzw. auf einem schulisch nicht zu anspruchsvollen Lehrniveau absolvieren. Verbal habe
der Versicherte zwar den Willen zu arbeiten formuliert. Im konkreten Handeln habe er
aber keine nachhaltigen Aktivitäten gezeigt. Es gebe keine Fakten, die für den
geäusserten Willen sprächen. Den Äusserungen des Versicherten sei zu entnehmen,
dass er sich für krank und deshalb für nicht arbeitsfähig halte. Die IV-Stelle ordnete am
8. November 2007 eine berufliche Abklärung in der Institution "E._" an. Diese
berichtete am 23. Januar 2008, wenn der Versicherte zur Arbeit erschienen sei, dann
seien stets auch die Schmerzen ein Thema gewesen. Der Versicherte habe sich nicht in
der Lage gesehen, eine Tätigkeit im Stehen auszuführen, weil er kein Gefühl im linken
Fuss gehabt habe. Bei sitzenden Arbeiten sei er spätestens nach einer Stunde
aufgestanden und umhergegangen oder er habe das Bein hochgelagert. Der
Versicherte sei sehr oft krank und deshalb nicht am Arbeitsplatz gewesen. Er sei oft
erst mit Verspätung erschienen und er habe seine Präsenzzeit sogar auf 50% gesenkt.
Das Arbeitstempo sei während der gesamten Massnahme sehr gering gewesen (bei
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einer Präsenzzeit von 100% ca. 40%). Der Versicherte habe über eine gute
Auffassungsgabe verfügt. Nach einer kurzen Einführung in eine neue Tätigkeit habe er
selbständig und zuverlässig gearbeitet. Er habe kaum eine Wiederholung der Anleitung
oder der Kontrollen benötigt. Erlerntes habe er nach längerer Zeit noch problemlos und
selbständig umsetzen können. Er habe aber keine Motivation gezeigt, die berufliche
Massnahme positiv umzusetzen. Vor den Testsituationen habe der Versicherte jeweils
über seine Schmerzen erzählt und Details seiner Erkrankung mitgeteilt. Dabei habe er
auch mimisch und durch Gesten Schmerzen gezeigt. Während den sitzenden
Testsequenzen habe er dann aber keine Schmerzanzeichen gezeigt. Er habe sich auf
dem Stuhl kaum bewegt und sich auf die Arbeit fokussiert. Anschliessend an die Tests
seien die Schmerzanzeichen zurückgekehrt und es habe so gewirkt, als ob der
Versicherte seine Krankheit offensichtlich demonstriert habe. Wenn der Versicherte
einen positiven Zugang zu seinen gesunden Ressourcen finden und sich auf seine
Kompetenzen konzentrieren würde, könnte eine Reintegration gelingen. Geeignet wäre
eine einfache und klar strukturierte, körperlich anspruchslose und sitzend auszuübende
Tätigkeit. Ein Arbeitspensum von 50% wäre zumutbar. In einem internen Bericht der IV-
Stelle wurde als Ergebnis dieser Abklärungsmassnahmen festgehalten, dass keine
Umschulung in Frage komme, weil sich der Versicherte nur zu 40-50% arbeitsfähig
fühle.
C.
Die IV-Stelle beauftragte am 8. Mai 2008 das AEH Zentrum für Arbeitsmedizin,
Ergonomie und Hygiene AG mit einer orthopädischen und psychiatrischen
Begutachtung.
C.a Med. pract. F._ und Dr. med. H._ berichteten in ihrem psychiatrischen
Teilgutachten vom 8. September 2008, der Versicherte habe sich verschiedenen Tests
unterzogen. Die Symptom-Checkliste von L.R. Derogatis (SCL-90-R) habe eine
allgemeine psychische Belastung ergeben, die sehr stark über dem Durchschnitt
gelegen habe. Der Versicherte habe die Belastungen als sehr stark
überdurchschnittlich betrachtet. Sämtliche Skalenwerte hätten stark bis sehr stark über
dem Durchschnitt gelegen. Die ausgesprochen starke Angabe von Belastungen über
sämtliche Skalen hinweg könne auch im Sinne eines Verdachts auf Aggravation
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interpretiert werden. Das Beck Depressions Inventar (BDI) habe auf eine stark erhöhte
depressive Symptomatik hingewiesen. Die im Aufmerksamkeits-Belastungs-Test
erhobene Konzentrationsleistung habe leicht unter dem Durchschnittsbereich gelegen.
Die Sorgfaltsleistung sei durchschnittlich gewesen, das Bearbeitungszentrum sei leicht
unterdurchschnittlich gewesen. Die Testausführung sei qualitativ durchschnittlich und
quantitativ leicht unterdurchschnittlich gewesen. Im Konzentrationsverlaufstest (KVT)
sei die Tempoleistung durchschnittlich, die Konzentrationsleistung leicht
unterdurchschnittlich und die Sorgfaltsleistung durchschnittlich gewesen. In ihrer
Beurteilung führten die beiden Sachverständigen aus, der Versicherte leide unter einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, die sich im Verlauf des letzten Jahrzehnts
tendenziell verschlimmert habe. Diese Störung habe ihre Ursache zum einen darin,
dass sich der Versicherte ständig mit körperlichen Symptomen befasst habe, und zum
anderen im Umstand, dass der Versicherte von Gefühlen des persönlichen
Ungenügens und von Selbstvorwürfen wegen der Unfähigkeit, sich finanziell
abzusichern, gequält werde. Aufgrund seiner eher kindlichen und unreifen
Persönlichkeit sei der Versicherte nicht in der Lage, sich mit seiner aktuellen Situation
auseinanderzusetzen und taugliche Strategien für die Zukunft zu entwickeln. Er trachte
deshalb danach, Belastungen und Stress im weitesten Sinn zu meiden. Die einzige ihm
zur Verfügung stehende Strategie bestehe darin, sich bei Stress auf die körperlichen
Symptome zurückzuziehen bzw. einen theatralischen Ausbruch zu haben. Als Koch sei
der Versicherte nicht mehr arbeitsfähig. Die Ursache liege in einer Aktivierung des
Schmerzgedächtnisses und in einer über Jahre hinweg erlernten Fixierung auf das
Beobachten eigener Körperschmerzen und Missempfindungen. Eine adaptierte
Tätigkeit sollte klar umschriebene Aufgaben beinhalten. Dabei bestehe theoretisch eine
Arbeitsfähigkeit von 50% (zwei Stunden vormittags und zwei Stunden nachmittags).
Das dürfte ausserhalb eines geschützten Rahmens kaum zu realisieren sein.
Realistischerweise könne nicht erwartet werden, dass die Beschwerden vermindert
oder zum Verschwinden gebracht werden könnten. Die Selbsteinschätzung des
Versicherten sei nachvollziehbar pessimistisch.
C.b Dr. med. I._ und Dr. med. K._ MSc berichteten im Hauptgutachten vom 21.
November 2008, der Versicherte sei seit mehreren Jahren in psychiatrischer
Behandlung, seit 2007 bei Dr. med. H._. Den erlernten Beruf des Kochs habe der
Versicherte nur sechs Monate lang ausgeübt. Dann habe er bis Februar 1999 in einer
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Metallfirma gearbeitet. Anschliessend sei er arbeitslos gewesen. Er habe dann
verschiedene Tätigkeiten ausgeübt (Küche, Fahrer, selbständiges Führen eines
Restaurants). Von Februar bis April 2005 sei er als Küchenmitarbeiter in einem
Pflegeheim tätig gewesen. In ihrer Beurteilung führten die beiden Sachverständigen
aus, die seit der Kindheit bestehenden rechtsseitigen Kniebeschwerden hätten nach
dem Sturzereignis vom 9. April 2005 exazerbiert, wobei schon damals eine
fortgeschrittene deformierende Femoropatellararthrose festzustellen gewesen sei.
Aktuell bestünden bei Dauerschmerzen mit einer belastungsabhängigen Verstärkung
eine Einschränkung der aktiven und der passiven Flexion/Extension sowie eine
fehlende Patellaverschieblichkeit und eine Hypotrophie der Ober- und
Unterschenkelmuskulatur. Die lumbalen Schmerzen mit Ausstrahlung in das rechte
Bein seien auf eine mechanisch-statische Ursache zurückzuführen. Hinweise auf ein
entzündliches Geschehen fehlten. Die die Belastungstoleranz der Wirbelsäule
herabsetzenden Faktoren seien die Fehlhaltung des Rumpfes (Entlastung des rechten
Beins) und eher leichtgradige degenerative Veränderungen (Diskusprotrusion L4/5).
Zeichen einer radikulären Reiz- oder einer sensomotorischen Ausfallsymptomatik
fehlten. Die linksseitigen Oberarmschmerzen strahlten intermittierend bis zum
Handgelenk aus. Sie gingen von der Schnittverletzung mit Narbenbildung aus. Der
angegebene Kraftverlust dürfte schmerzbedingt sein. Die linksseitigen
Unterschenkelschmerzen gingen vor einer Narbe bei St. n. operativer Intervention einer
Bandläsion am Sprunggelenk mit lateraler Dysaesthesie/Paraesthesie aus (Zunahme
der Beschwerden beim Gehen). Trotz der wesentlichen strukturellen Veränderungen
und der sichtlich allgemeinen Dekonditionierung dominiere ein maladaptives Schmerz-
und Krankheitsverhalten (Schmerzbeschreibung im höheren Intensitätsbereich,
häufiges Reiben/Halten des Schmerzbereichs, häufige Schmerzmimik, verbale
Schmerzäusserungen, übertrieben erscheinende Abwehrreaktionen bei der klinischen
Untersuchung, Inkonsistenzen und rasche Selbstlimitierungen bei den Belastungstests,
tiefe Selbsteinschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit). Die Sachverständigen gaben
folgende Diagnosen an: rechtsseitige Pangonarthrose, chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit Ausstrahlungen rechtsseitig, linksseitige Oberarmbeschwerden,
Dysaesthesien mit begleitenden Kribbelparaesthesien im Bereich des linken distalen
Unterschenkels und Zeichen des maladaptiven Schmerz- und Krankheitsverhaltens bei
anhaltender somatoformer Schmerzstörung und Persönlichkeitsstörung. Sie führten
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weiter aus, wegen der erheblichen Symptomausweitung, der Selbstlimitierung und der
Inkonsistenz seien die Resultate der Belastungstests nicht verwertbar. Der Versicherte
hätte bei gutem Effort mehr leisten können, als er gezeigt habe. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung müsse deshalb medizinisch-theoretisch erfolgen. Die
Tätigkeit als Koch oder als Küchenmitarbeiter müsse weitgehend im Stehen und Gehen
ausgeübt werden. Hier bestehe schon aus rheumatologischer Sicht eine dauernde
vollständige Arbeitsunfähigkeit. Für eine körperlich leichte Tätigkeit bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 75%, wenn folgenden Einschränkungen Rechnung getragen
werde: Heben zu Taillenhöhe max./selten 10 kg, Heben zu Kopfhöhe max./selten 7,5
kg, keine wiederholten Kniebeugen, keine Hockestellung, kein Knien, vorgeneigtes
Stehen bis 30 Min. pro Arbeitstag, Sitzen, Stehen an Ort, Stehen und Gehen bis 3,5
Std. pro Arbeitstag, Treppensteigen selten. Die Arbeitsunfähigkeit resultiere aus den
verminderten Konzentrationsmöglichkeiten bei verschieden lokalisierten Beschwerden,
im wesentlichen durch die Funktionsstörungen des rechten Knies und des rechten
Rückens.
D.
Dr. med. M._ vom RAD hielt dazu am 3. Dezember 2008 fest, das rheumatologische
Teilgutachten sei versicherungsmedizinisch plausibel. Aus somatischer Sicht sei
nachvollziehbar, dass körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten, sofern sie
repetitiv oder langdauernd ausgeübt werden müssten, nicht mehr möglich seien. In
einer adaptierten Tätigkeit könne eine Arbeitsunfähigkeit von 25% nachvollzogen
werden, da mit den Einschränkungen am Bewegungsapparat Situationen im Raum
stünde, die sich auch bei einer körperlich leichten Tätigkeit bemerkbar machen dürften.
Das psychiatrische Gutachten beschreibe den Versicherten emphatisch und nicht
objektiv losgelöst von einer höheren gutachterlichen Warte aus. Die
Auseinandersetzung mit den Foerster'schen Kriterien sei recht dünn ausgefallen und
sie sei versicherungsmedizinisch nicht nachvollziehbar. Das psychiatrische Gutachten
sei zudem gar nicht verwertbar, da Dr. med. H._ behandelnder Arzt sei und die
eigentliche Begutachtung durch einen Arzt ohne Facharzttitel vorgenommen worden
sei. Aus psychiatrischer Sicht könnten keine gravierenden funktionellen
Einschränkungen anerkannt werden. Es könne aber auf eine nochmalige psychiatrische
Abklärung verzichtet werden, da er (gemeint: der RAD-Arzt) in der Lage sei, anhand
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des Beschriebs des Versicherten die aufgezeigte Psychopathologie
versicherungsmedizinisch selbst zu würdigen. Der Versicherte sei zu 25%
arbeitsunfähig.
E.
Mit einem Vorbescheid vom 5. Januar 2009 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass sie beabsichtige, sein Leistungsbegehren abzuweisen, da der Invaliditätsgrad nur
25% betrage. Der Versicherte liess am 5. Februar 2009 einwenden, dass er auf einer
psychiatrischen Begutachtung bestehe. Die IV-Stelle beauftragte am 27. Februar 2009
Dr. med. L._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, mit einer
psychiatrischen Begutachtung. Dr. med. L._ berichtete in seinem Gutachten vom
24. Juli 2009, der Versicherte habe angegeben, er rege sich schnell auf. Bei jeder
Kleinigkeit müsse er aufpassen, dass er nicht total ausflippe. In solchen Situationen
innerer Anpassung könne er gar nicht mehr klar denken. Früher habe er sich in
ähnlichen Situationen einige Male mit der Zigarette die Haut auf der Hand verbrannt.
2001 sei er im Konflikt mit einem Kollegen total ausgeflippt. Zuerst habe er sich mit
einem Messer in die Brust geritzt und dann habe er sich in den Oberarm geschnitten.
Die Wunde habe genäht werden müssen. Er könne sich auch nicht gut abgrenzen.
Wenn er höre, was andere redeten, müsse er sich einmischen, auch wenn ihn die
Sache gar nichts angehe. Er werde einfach nicht müde und könne deshalb nicht vor
vier oder fünf Uhr morgens einschlafen. Er schlafe nur vier bis fünf Stunden. Er könne
sich nicht aufraffen, Sport zu treiben. Abends treffe er sich regelmässig mit Kollegen im
Restaurant, v.a. wenn es zuhause zu hektisch werde. Die Behandlung durch Dr. med.
H._ habe er beendet, nachdem er erfahren habe, dass dieser Arzt das Gutachten gar
nicht hätte machen dürfen. Das habe ihn wütend gemacht. Er habe seit mindestens
vier bis fünf Monaten keine Medikamente mehr eingenommen. Der Hausarzt habe ihm
nun wieder Medikamente gegeben. Dr. med. L._ führte dazu aus, der Versicherte sei
bei der Untersuchung zunächst misstrauisch gewesen, habe dann aber schrittweise
etwas Vertrauen gefasst. Der Versicherte habe umständlich, klagsam und
ausschweifend über seine Beschwerden berichtet, wobei er mehrfach andere
Menschen für seine Misere verantwortlich gemacht habe. Auf unangenehme Fragen
habe der Versicherte mit einer vorübergehend deutlichen psychomotorischen
Anspannung reagiert. Er habe gerne das Angebot einer Tablette Temesta
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angenommen. Anschliessend habe er sich rasch beruhigt. Ab diesem Zeitpunkt habe
sich der Versicherte deutlich positiver gestimmt, besser konzentriert und
aufnahmefähig gezeigt. Damit sei der direkte Nachweis einer möglichen hilfreichen
Medikamenteneinwirkung erbracht worden. Dr. med. L._ stellte folgenden
Diagnosen: rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis zeitweise
mittelgradige depressive Episode, kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen,
histrionischen und auch teilweise emotional-instabilen Anteilen sowie – ohne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit – somatoforme Schmerzstörung und Verdacht auf
Panikstörung. In seiner Beurteilung führte Dr. med. L._ aus, der Versicherte sei in
einen Teufelskreis von wechselnd depressiven Störungen und impulshaft aggressiven
Durchbrüchen geraten. U.a. aufgrund der eingeschränkten Krankheitseinsicht und
aufgrund einer ambivalenten Motivation habe bisher noch keine ausreichend
konsequente und zielführende psychotherapeutische Behandlung stattgefunden. Es
bestehe ein therapeutischer Handlungsbedarf bzw. die Möglichkeit einer Besserung
durch medizinische Massnahmen. Eine Chronifizierung liege noch nicht vor, wohl aber
eine Verdeutlichungstendenz und ein sekundärer Krankheitsgewinn. Die psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung sei bei einer möglichen Besserungstendenz
eindeutig empfehlenswert. Es gebe noch unausgeschöpfte Therapieoptionen. Der
Versicherte verfüge über ausbaufähige Ressourcen. Deshalb wäre es bei einer
zumutbaren Willensanstrengung möglich, die Schmerzen zu überwinden und eine
höhere Arbeitsleistung zu erbringen. Die aktuell leichten Einschränkungen der
Aufmerksamkeit, der Ausdauer und der Konzentrationsfähigkeit, die leicht verminderte
emotionale Belastbarkeit, die leichte verminderte Stress- und Frustrationstoleranz und
die Defizite in den sozialen Kompetenzen (eingeschränkte Konflikt-, Abgrenzungs- und
Teamfähigkeit) hätten eine leichte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge. Aus
rein psychiatrischer Sicht sei der Versicherte als Koch zu 50% arbeitsfähig. In einer
adaptierten Tätigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von ca.
30%. Adaptiert seien Tätigkeiten, die keine erhöhten Anforderungen an die emotionale
Flexibilität, die sozialen Kompetenzen und die Stress- und Frustrationstoleranz stellten.
Es sei schwierig, den Beginn der Arbeitsunfähigkeit zu bestimmen. Erstmals sei im
Bericht der Institution E._ vom 23. Januar 2008 über Verhaltensweisen berichtet
worden, die auf psychische Einschränkungen hingedeutet hätten. Als therapeutische
Option sei die Fortführung einer ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen
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Behandlung inklusive einer Optimierung der Psychopharmakatherapie zu empfehlen.
Dadurch sei eine weitere Reduktion der Arbeitsunfähigkeit möglich. Abschliessend gab
Dr. med. L._ an, mit der Argumentationslinie von Dr. med. H._ könne er sich nicht
einverstanden erklären. Er sehe den Schwerpunkt der Defizite durch die
Persönlichkeitsstörung nicht in den Faktoren der Unreife, sondern in histrionischen,
abhängigen und teilweise auch emotional-instabilen Anteilen, welche die sozialen
Kompetenzen, die emotionale Belastbarkeit und die Stress- und Frustrationstoleranz
einschränkten. Auch sei nicht nachvollziehbar, dass der Versicherte nur noch in einer
geschützten Umgebung arbeitsfähig sein solle. Die Resultate der aktuellen
psychiatrischen Abklärung seien telephonisch mit Dr. med. I._ vom AEH besprochen
worden. Aus interdisziplinärer Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 30% mit
einer Besserungstendenz. Der Versicherte teilte der IV-Stelle am 14. September 2009
mit, er werde bald in eine Tagesklinik gehen. Die IV-Stelle ersuchte ihn mehrmals, ihr
mitzuteilen, ob er inzwischen in eine Tagesklinik eingetreten sei. Erst am 12. Januar
2010 teilte der Versicherte mit, dass er von der Klinik noch keinen Termin erhalten
habe. Mit einer Verfügung vom 22. Februar 2010 wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren ab. Sie begründete dies insbesondere damit, dass eine
leidensangepasste Tätigkeit gemäss den ergänzenden medizinischen Abklärungen
weiterhin zu 70% zumutbar sei.
F.
Der Versicherte liess am 18. Januar 2010 (richtig wohl: 18. März 2010, Postaufgabe
24. März 2010) Beschwerde erheben und die Aufhebung der Verfügung vom 22.
Februar 2010 und die Neuüberprüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente
beantragen. Zur Begründung führte die Rechtsvertretung des Versicherten aus, es
müsse eine psychiatrische Begutachtung erfolgen. Der Versicherte komme immer
wieder in Zustände, in denen er regelrecht ausflippe, grosse Atemprobleme bekomme
und dann oft ohnmächtig werde oder sich selbst verletze. Das ganze psychische Bild
deute auf eine starke Persönlichkeitsstörung hin, die das Leben des Versicherten
bestimme und ihn völlig in Beschlag nehme. Damit sei eine Suizidgefahr vorhanden.
Die psychische Seite habe einen wesentlich grösseren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit,
als von der IV-Stelle zugestanden worden sei. Am 31. Mai 2010 reichte die
Rechtsvertretung des Versicherten einen Bericht des behandelnden Psychiaters Dr.
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med. N._ MSc vom 16. April 2010 ein. Laut diesem Bericht waren die folgenden
Diagnosen erhoben worden: Verdacht auf emotional-instabile Persönlichkeitsstörung
impulsiver Typ und Anpassungsstörung mit vorwiegend Beeinträchtigung von anderen
Gefühlen wie Wut, Ärger und Ängsten. Bei den beiden bisherigen
Behandlungsterminen hätten aggressive Verhaltensweisen, panikartige Zustände, eine
Schlafstörung und Eheprobleme im Vordergrund gestanden. Der Versicherte sei zur
teilstationären Therapie in der Tagesklinik St. Gallen angemeldet. Die Rechtsvertretung
des Versicherten machte geltend, die Hinweise auf eine schwere
Persönlichkeitsstörung seien ernst zu nehmen, weshalb eine psychiatrische
Begutachtung notwendig sei.
G.
Die IV-Stelle beantragte am 9. August 2010 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, Dr. med. L._ habe in seinem Gutachten überzeugend über den
psychischen Zustand des Versicherten berichtet, weshalb keine erneute Begutachtung
notwendig sei. Der Aggressionsproblematik komme keine invalidisierende Wirkung zu,
denn die Invalidenversicherung sei keine Institution für aggressive Personen, sondern
für Menschen mit ernsthaften gesundheitlichen Problemen. Dr. med. O._ vom RAD
habe in seiner Stellungnahme vom 27. Juli 2010 zu Recht darauf hingewiesen, dass der
Versicherte anstelle einer Invalidenrente besser mit dem Besuch eines Antigewalt-
Trainings beraten wäre. Die Panikattacken und die Selbstverletzung seien zu
vernachlässigen, denn es habe bisher erst zwei Panikattacken gegeben und die
Selbstverletzung sei auf eine konflikthafte Auseinandersetzung mit einem Kollegen
zurückzuführen. Die von Dr. med. N._ MSc gestellte Diagnose einer
Anpassungsstörung sei nicht nachvollziehbar. Dr. med. O._ hatte am 27. Juli 2010
zusätzlich festgehalten, selbst wenn eine vorübergehende Behandlung in der
Tagesklinik erforderlich wäre (die Gründe dafür seien nicht dargelegt worden), belege
dies keine anhaltend die Arbeitsfähigkeit tangierende Verschlechterung des
psychischen Gesundheitszustandes. Es sei auf die zunehmende Ausweitung des
psychiatrischen Beschwerdebildes seit dem Leistungsbegehren hinzuweisen.
H.
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Mit der Replik vom 12. November 2010 reichte die Rechtsvertretung des Versicherten
einen Bericht der psychiatrischen Tagesklinik St. Gallen vom 10. September 2010 ein.
Laut diesem Bericht war der Versicherte vom 5. Juli bis 3. Oktober 2010 behandelt
worden. Die Diagnose hatte gelautet: mittelgradige depressive Episode bei Verdacht
auf gemischte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, narzisstischen und
histrionischen Anteilen, Verdacht auf nicht näher bezeichnete Konversionsstörung und
Verdacht auf anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Während der Dauer der
Behandlung habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
I.
Die IV-Stelle verzichtete am 19. November 2010 auf eine Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 57a Abs. 1 IVG hat die IV-Stelle der versicherten Person den
vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren mittels eines Vorbescheides
mitzuteilen. Die versicherte Person hat einen Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinn
von Art. 42 ATSG, was wohl so zu verstehen ist, dass sie einen Anspruch darauf hat,
sich zum Vorbescheid bzw. zum vorgesehenen Endentscheid vernehmen zu lassen.
Die Beschwerdegegnerin hat am 5. Januar 2009 einen Vorbescheid erlassen und darin
die Abweisung des Leistungsbegehrens angekündigt. Zu jenem Zeitpunkt ist die
Beschwerdeführerin noch davon ausgegangen, dass die Abklärung des Sachverhalts
abgeschlossen sei, der massgebende Sachverhalt also mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehe, obwohl die von den
beiden psychiatrischen Sachverständigen des AEH (Dr. med. H._ und med. pract.
F._) abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht überzeuge. Sie hat sich auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. M._ vom RAD gestützt, der sich selbst
wieder auf die medizinischen Abklärungsergebnisse des AEH berufen hatte. Erst
aufgrund des Einwandes des Beschwerdeführers vom 5. Februar 2009, dass die
psychiatrische Begutachtung des AEH nicht zu überzeugen vermöge, ist die
Beschwerdegegnerin zur Auffassung gelangt, dass der massgebende Sachverhalt
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doch noch nicht mit dem erforderlichen Beweismass erstellt sei. Sie hat deshalb eine
erneute psychiatrische Begutachtung, diesmal durch Dr. med. L._, durchführen
lassen. Im Anschluss an diese Begutachtung hat die Beschwerdegegnerin am 22.
Februar 2010 verfügt, ohne dem Beschwerdeführer von der zusätzlichen
Sachverhaltsabklärung bzw. den neu produzierten Akten in irgendeiner Form Kenntnis
zu geben. Die Beschwerde zeigt, dass die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers
bei der Beschwerdeerhebung noch nichts von der Begutachtung durch Dr. med. L._
gewusst hat, denn sie hat auf der Durchführung einer psychiatrischen Begutachtung
bestanden. Zwar hätte der Beschwerdeführer seine Rechtsvertretung auf den Umstand
hinweisen müssen, dass er durch Dr. med. L._ begutachtet worden sei, worauf die
Rechtsvertretung dann in der Lage gewesen wäre, um Einsicht in die neu produzierten
Akten zu ersuchen und sich dazu zu äussern. Nimmt eine IV-Stelle nach der Zustellung
des Vorbescheides noch weitere Abklärungen vor, so räumt sie damit ein, dass die
Sachverhaltsgrundlage des im Vorbescheid mitgeteilten vorgesehenen Endentscheids
nicht korrekt gewesen sei. Da die ergänzenden Sachverhaltsabklärungen die
Sachverhaltsgrundlage verändern können, können sie auch den vorgesehenen
Endentscheid verändern. Das bedeutet, dass der Vorbescheid seine "Wirkung" verliert,
sobald nachträglich weitere Sachverhaltsabklärungen vorgenommen werden, denn
damit muss der vorgesehene Endentscheid notwendigerweise neu überdacht werden.
Dem Sinn und Zweck des Art. 57a Abs. 1 IVG kann in dieser Situation nur dadurch
Rechnung getragen werden, dass der "wirkungslos" gewordene Vorbescheid durch
einen neuen Vorbescheid ersetzt wird. Es genügt also nicht, wenn die IV-Stelle der
versicherten Person Einsicht in die nachträglich produzierten Akten gewährt, selbst
wenn sich der vorgesehene Endentscheid – wie im vorliegenden Fall – inhaltlich nicht
ändert. Es muss ein neuer Vorbescheid zugestellt werden. Bezogen auf den
vorliegenden Fall bedeutet das, dass die angefochtene Verfügung in Verletzung des
Art. 57a Abs. 1 IVG ergangen ist.
1.2 Da die Verfügung vom 22. Februar 2010 in Verletzung einer Verfahrensnorm
(Art. 42 ATSG) erlassen worden ist, ist sie rechtswidrig. Sie müsste deshalb an sich
ohne weiteres, d.h. ohne eine Prüfung ihrer materiellen Richtigkeit aufgehoben werden.
Nun stellt sich aber bei jeder möglichen Missachtung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör praxisgemäss die Frage nach der sogenannten Heilung. Eine Heilung bedeutet
nichts anderes, als dass die verfahrensrechtliche Rechtswidrigkeit einer Verfügung
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nicht zum Anlass genommen wird, um diese Verfügung aufzuheben, d.h. die
verfahrensrechtliche Rechtswidrigkeit der Verfügung wird sozusagen "ignoriert".
Begründet wird die Heilung praxisgemäss damit, dass die Aufhebung der Verfügung
als Folge einer verfahrensrechtlichen Rechtswidrigkeit eine Rückweisung an die
verfügende Behörde zur Durchführung eines korrekten Verfahrens und damit einen
sogenannten Verfahrensleerlauf zur Folge hätte. Bei der Heilung beruft man sich also
auf den Grundsatz der Verfahrensbeschleunigung. Das Anwendungsgebiet dieser
"Heilungspraxis" ist nicht auf die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
beschränkt sein. Jede Verletzung einer Verfahrensbestimmung ist heilbar, denn eine
versicherte Person kann ein so grosses Interesse an einer beförderlichen gerichtlichen
Beurteilung der Verfügung haben, dass das Interesse dieser Person an einer
Rückweisung an die Verwaltung zur Durchführung eines formell korrekten
Verwaltungsverfahrens als völlig untergeordnet erscheint oder gar nicht mehr
vorhanden ist. Die Rechtswidrigkeit einer Verfügung oder eines Einspracheentscheides
als Folge der Verletzung einer verfahrensrechtlichen Norm hat also eine deutlich
geringere Bedeutung als die Rechtswidrigkeit aufgrund einer Verletzung einer
materiellrechtlichen Norm.
1.3 Ihre Begründung findet die Heilungsmöglichkeit von Verfahrensrechtswidrigkeiten
im Zweck des Verfahrensrechts. Dieses dient dazu, die korrekte Anwendung des
materiellen Rechts auf den konkreten Einzelfall sicherzustellen. Kann dieses Ziel
erreicht werden, obwohl eine Verfahrensrechtsverletzung vorliegt (z.B. weil die
versicherte Person die ihr im Verwaltungsverfahren verweigerte Akteneinsicht
inzwischen im Beschwerdeverfahren erhalten hat), so muss es nach dem oben
Ausgeführten möglich sein, zur Verfahrensbeschleunigung die
Verfahrensrechtsverletzung zu ignorieren bzw. zu heilen, um dann materiell zu urteilen.
Dabei ist aber zu beachten, dass der Grundsatz der Verfahrensbeschleunigung nicht
den Interessen des Gerichts oder der Verwaltung, sondern ausschliesslich den
Interessen der versicherten Person dient. Dasselbe gilt für den Anspruch auf
rechtliches Gehör. Die beiden widerstrebenden Interessen, zwischen denen
abzuwägen ist, wenn es um die Heilung einer Gehörsverletzung geht, können also vom
Gericht nicht gegeneinander ins Feld geführt werden. Das Gericht kann eine versicherte
Person nicht zur Wahrnehmung des Anspruchs auf rechtliches Gehör zwingen, indem
es die Verfügung entgegen dem Willen der versicherten Person nicht materiell beurteilt,
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sondern aufhebt und die Sache zur – gar nicht gewollten - korrekten Gehörsgewährung
an die Verwaltung zurückweist. Umgekehrt ist es dem Gericht aber auch verwehrt,
entgegen dem Willen der versicherten Person die Gehörsverletzung zu heilen und die
Verfügung materiell zu beurteilen, denn es gibt keinen Beschleunigungsanspruch
zugunsten des Gerichts, der gegen den Willen der versicherten Person, nach einer
gerichtlichen Rückweisung an einem formell korrekten Verwaltungsverfahren
teilnehmen zu können, ins Feld geführt werden könnte. Allein die versicherte Person
hat zu entscheiden, welchem ihrer beiden schutzwürdigen Interessen sie den Vorzug
geben will (vgl. zum Ganzen Hansjörg Seiler, Abschied von der formellen Natur des
rechtlichen Gehörs, SJZ 2004 S. 377 ff., sowie insbesondere die Urteile des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. Januar 2011, IV 2008/511, und
vom 21. Januar 2011, IV 2009/130).
1.4 Der Beschwerdeführer hat nur die materielle Beurteilung seines Rentenbegehrens
beantragt. Weder in der Beschwerdeschrift noch in der Beschwerdeergänzung oder
der Replik hat er die Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör in der Form
eines korrekten Vorbescheides gerügt. Unter diesen Umständen muss davon
ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer zugunsten einer beförderlichen
Beurteilung seines Rentenbegehrens auf eine Rückweisung an die
Beschwerdegegnerin zur Durchführung eines dem Anspruch auf rechtliches Gehör
gerecht werdenden Verwaltungsverfahrens verzichtet hat. Das vom Beschwerdeführer
bevorzugte Interesse an einer Beschleunigung der Entscheidfindung erlaubt es
deshalb, die Verletzung der Verfahrensnorm zu "heilen" und direkt die
Rentenberechtigung des Beschwerdeführers zu prüfen.
2.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Die Ermittlung des Validen- und des zumutbaren
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Invalideneinkommens setzt die vorgängige Definition der Validen- und der
Invalidenkarriere voraus.
2.1 Gemäss dem Zeugnis des P._ vom 16. August 2005 hat der Beschwerdeführer
in den Jahren 1992 bis 1995 eine dreijährige Berufslehre als Koch absolviert. Die
BEFAS Appisberg hat in ihrem Schlussbericht vom 20. Juni 2007 die berufliche Karriere
des Beschwerdeführers aufgelistet. Laut dieser Liste hat der Beschwerdeführer
(gemäss eigenen Angaben nach einer sechsmonatigen Tätigkeit als gelernter Koch)
noch im Jahr 1995 eine Stelle als (ungelernter) Mitarbeiter in einem
metallverarbeitenden Betrieb angetreten. 1999 bis 2001 ist der Beschwerdeführer
arbeitslos gewesen, wobei er mehrere kurze Arbeitseinsätze geleistet hat.
Anschliessend ist er zehn Monate lang als Wirt selbständig erwerbstätig gewesen.
Nach einem kurzen Einsatz als Mitarbeiter in einer Druckerei ist er von Oktober 2002
bis Februar 2005 wieder arbeitslos gewesen. Am 15. Februar 2005 hat er eine Stelle als
Küchenmitarbeiter in einem Pflegeheim angenommen, die er aufgrund der Unfallfolgen
im Juni 2005 wieder verloren hat. Seither ist er keiner Erwerbstätigkeit mehr
nachgegangen. Normalerweise wäre in einer solchen Situation die Frage zu
beantworten, ob die versicherte Person ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung, d.h. im
hypothetischen "Gesundheitsfall", längerfristig betrachtet wieder ihrem erlernten Beruf
nachgegangen wäre oder ob sie sich – ebenfalls längerfristig betrachtet – nur noch als
Hilfsarbeiter betätigt hätte. Im vorliegenden Fall kann diese Frage ausnahmsweise offen
bleiben, denn als Folge des tiefen Lohnniveaus in der Gastronomie würde der
Beschwerdeführer als gesunder Koch tendenziell weniger, auf jeden Fall nicht mehr als
ein durchschnittlicher Hilfsarbeiter in einer Branche mit einem höheren Lohnniveau
verdienen. Es deutet nämlich nichts darauf hin, dass der Beschwerdeführer im
hypothetischen "Gesundheitsfall" ein Spitzenkoch oder ein Chefkoch in einer grossen
Küche geworden wäre und so einen deutlich überdurchschnittlichen Lohn hätte
erzielen können. In dieser besonderen Situation ist von derjenigen Validenkarriere
auszugehen, welche die höheren Verdienstchancen bietet bzw. bieten würde. Das ist
angesichts des Umstands, dass die Durchschnittslöhne qualifizierter Arbeitnehmer in
der Gastronomie tiefer sind als der Durchschnittslohn der Hilfsarbeiter aller Branchen,
die Tätigkeit als Hilfsarbeiter (natürlich nicht in der Gastronomie, sondern in einer
Branche mit höherem Lohnniveau). Zur Bemessung des Valideneinkommens wird
deshalb auf den Durchschnittslohn der Hilfsarbeiter aller Branchen abzustellen sein.
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2.2 Bei der Ermittlung der zumutbaren Invalidenkarriere fällt eine Tätigkeit als Koch
zum vornherein ausser Betracht, weil der Beschwerdeführer in diesem Beruf allein
schon aus rheumatologischer Sicht nicht mehr arbeitsfähig ist. Die
Beschwerdegegnerin hat als "definitive" zumutbare Invalidenkarriere eine adaptierte
Hilfsarbeit angenommen. Das ist insofern problematisch, als damit möglicherweise eine
berufliche Eingliederungspflicht ignoriert worden ist. Die zumutbare Invalidenkarriere
besteht nur dann definitiv in einer Hilfsarbeit, wenn die so ermittelte
behinderungsbedingte Erwerbseinbusse unter 40% liegt, d.h. wenn zum vornherein
kein Rentenanspruch entstehen kann. Im Bereich unter 40% besteht nämlich keine
Eingliederungspflicht, sondern nur ein Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen. Wenn bei einem Vergleich zwischen dem
Valideneinkommen des Beschwerdeführers und einem zumutbaren
Invalideneinkommen aus einer behinderungsadaptierten Hilfsarbeit (mit einem parallel
zur Arbeitsfähigkeit reduzierten Beschäftigungsgrad) also eine Erwerbseinbusse von
40% oder mehr resultieren würde, bestünde eine berufliche Eingliederungspflicht.
Diese hätte zum Ziel, das zumutbare Invalideneinkommen des Beschwerdeführers so
weit anzuheben, dass die Erwerbseinbusse im besten Fall unter 40% sinken, auf jeden
Fall aber so gering wie möglich gehalten würde. Die "definitive" zumutbare
Invalidenkarriere bestünde dann in der Ausübung des Berufs, in den der
Beschwerdeführer umgeschult werden müsste. Die Umschulung müsste also darauf
abzielen, das Wertschöpfungspotential der noch möglichen und zumutbaren
Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers so zu erhöhen, dass bei unverändertem
Arbeitsfähigkeits- bzw. Beschäftigungsgrad ein deutlich höheres zumutbares
Invalideneinkommen erzielt werden könnte. Dazu wäre es nötig, den Beschwerdeführer
in einen qualifizierten, behinderungsadaptierten Beruf umzuschulen. Die
abschliessende Definition der Invalidenkarriere und damit des zumutbaren
Invalideneinkommens setzt also einen "vorläufigen" Einkommensvergleich und
gegebenenfalls eine Umschulung des Beschwerdeführers sowie einen anschliessenden
"definitiven" Einkommensvergleich voraus.
2.3
2.3.1 Der Beschwerdeführer ist zuletzt als Küchengehilfe tätig gewesen. Der
dabei erzielte Lohn kann nicht die valide erwerbliche Leistungsfähigkeit des
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Beschwerdeführers als Koch wiedergeben, weil das Lohnniveau für Hilfsarbeiter in der
Gastronomie deutlich unter dem Durchschnitt aller Branchen liegt. Das
Valideneinkommen ist deshalb anhand des Durchschnittseinkommens der Hilfsarbeiter
aller Branchen zu ermitteln. Gemäss der vom Bundesamt für Statistik
herausgegebenen Lohnstrukturerhebung 2006, Anhang Tabelle TA1, belief sich der
Durchschnittslohn eines Hilfsarbeiters umgerechnet von vierzig auf den
schweizerischen Durchschnitt von 41,7 Wochenarbeitsstunden auf Fr. 59'197.-. Es ist
von einem Valideneinkommen in dieser Höhe auszugehen.
2.3.2 Die Höhe des zumutbaren Invalideneinkommens hängt wesentlich vom
Arbeitsfähigkeitsgrad einer versicherten Person ab. In Bezug auf die körperlichen
Einschränkungen des Beschwerdeführers hat die Beschwerdegegnerin auf das
Ergebnis der Begutachtung durch das AEH abgestellt. Diese Abklärung hat aufgrund
der mangelhaften Mitwirkung des Beschwerdeführers bei der Evaluation der
arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) nicht jene Qualität
aufgewiesen, die eigentlich angestrebt war. In Bezug auf die Diagnosen liegt trotzdem
ein überzeugendes Ergebnis vor. Das gilt allerdings nicht für die auf die Folgen der
somatischen Beeinträchtigung beschränkte Arbeitsfähigkeitsschätzung des
Sachverständigen des AEH (die an sich auch ohne eine brauchbare EFL überzeugend
hätte ausfallen können), denn die Begründung für die angegebene Arbeitsunfähigkeit
von 25% überzeugt nicht. Es ist nämlich nicht angegeben worden, worin die
verminderten Kompensationsmöglichkeiten bei verschiedenen lokalisierten
Beschwerden, im wesentlichen aufgrund von Funktionsstörungen des rechten Knies
und des Rückens, bestehen sollen. In einer adaptierten Erwerbstätigkeit, in der weder
Gewichte gehoben und getragen noch ungünstige Körperhaltungen eingenommen
werden müssen, gibt es eigentlich nichts zu kompensieren. Von einer reduzierten
Leistungsfähigkeit, die beispielsweise vermehrte Pausen oder eine Verkürzung der
Tagesarbeitszeit erforderlich machen würde, ist im rheumatologischen Teilgutachten
des AEH nicht die Rede. Dieses Gutachten vermag deshalb die angegebene
Arbeitsunfähigkeit von 25% nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Zur Beeinträchtigung der psychischen
Gesundheit des Beschwerdeführers liegen teilweise abweichende ärztliche Angaben
vor. Dr. med. L._ hat eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis
zeitweilig mittelgradige depressive Episode, eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
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mit abhängigen, histrionischen und auch teilweise emotional-instabilen Anteilen, eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung und einen Verdacht auf eine Panikstörung
diagnostiziert. Der behandelnde Psychiater Dr. med. N._ MSc hat einen Verdacht auf
eine emotional instabile Persönlichkeit, impulsiver Typ, und eine Anpassungsstörung
mit vorwiegender Beeinträchtigung anderer Gefühle wie Wut, Ärger und Ängste
angegeben. Er hat diese Diagnosen aber als vorläufig bezeichnet. Die Diagnose einer
depressiven Störung fehlt in dieser Liste. Demgegenüber hat die Tagesklinik St. Gallen
wieder eine leichte bis mittelgradige depressive Störung, dazu einen Verdacht auf eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung und einen Verdacht auf eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung angegeben. Weder der behandelnde Psychiater noch
die Tagesklinik haben eine längerfristige Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Die
von Dr. med. H._ und med. pract. F._ angegebene Diagnose einer unreifen
Persönlichkeitsstörung (zusätzlich zu einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung) ist von Dr. med. L._ überzeugend widerlegt worden. Die von Dr.
med. N._ MSc und von der Tagesklinik gestellten Diagnosen weichen nicht so weit
von denjenigen im Gutachten von Dr. med. L._ ab, dass sie geeignet wären, Zweifel
an der Richtigkeit des Gutachtens zu wecken, zumal auch der zuständige Arzt des RAD
diese Diagnosen als überzeugend qualifiziert hat. Es steht deshalb mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer
aufgrund seiner psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung zu 30% arbeitsunfähig ist.
Damit ist auch einer allfälligen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit als Folge der körperlichen Beeinträchtigung Rechnung getragen.
2.3.3 Der Beschwerdeführer kann als Hilfsarbeiter – trotz der Beschränkung auf
behinderungsadaptierte Tätigkeiten – in praktisch allen Branchen eingesetzt werden. Er
ist also nicht auf das Gastgewerbe beschränkt, in dem die Löhne deutlich unter dem
Durchschnitt liegen. Da somit sowohl das Validen- als auch das zumutbare
Invalideneinkommen auf der Grundlage des Durchschnittseinkommens der Hilfsarbeiter
aller Branchen zu ermitteln ist, kann sich die "vorläufige" Invaliditätsbemessung zur
Prüfung einer allfälligen beruflichen Eingliederungspflicht auf einen sogenannten
Prozentvergleich beschränken. Der Beschwerdeführer muss aufgrund der durch den
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 30% erzwungenen Teilzeitbeschäftigung (vgl. das Urteil
des Bundesgerichts vom 21. September 2010, 9C_728/2009, Erw. 4.3.2 am Ende)
einen überproportionalen Lohnnachteil von annähernd 10% in Kauf nehmen muss (vgl.
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die Lohnstrukturerhebung 2006, S. 16 Tabelle T2*). Zudem ginge ein potentieller
Arbeitgeber mit einer Beschäftigung des Beschwerdeführers ein überdurchschnittliches
Lohnkostenrisiko ein, da der Beschwerdeführer sowohl in Bezug auf die körperliche
Leistungsfähigkeit (keine Überstunden möglich, kein vorübergehender Einsatz an
einem nicht adaptierten Arbeitsplatz möglich, grundsätzliche Gefahr
überdurchschnittlich hoher Krankheitsabsenzen u.ä.) als auch in Bezug auf die
psychischen Besonderheiten (Notwendigkeit besonderer Rücksichtnahme seitens der
unmittelbaren Vorgesetzten und der Mitarbeiter, allenfalls Leistungsschwankungen)
Nachteile aufweisen würde, die bei einer rein ökonomischen Betrachtung (d.h. bei einer
Ausschaltung auch einer versteckten Soziallohnkomponente) durch einen Minderlohn
kompensiert werden müssten. Dies rechtfertigt einen Abzug (in der Verwaltungspraxis
missverständlich als "Leidensabzug" bezeichnet, obwohl er mit dem Leiden nur sehr
indirekt zu tun hat) von bis zu 15%. Von der nach dem Abzug der Arbeitsunfähigkeit
verbleibenden Restarbeitsfähigkeit von 70% sind also maximal 15% abzuziehen. Das
entspricht einem zusätzlichen Nachteil von maximal 10,5% (15% von 70%), d.h. es
"droht" ein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Viertelsrente, wenn nicht mittels
beruflicher Eingliederungsmassnahmen versucht wird, das Wertschöpfungspotential
der Arbeitskraft des Beschwerdeführers so zu steigern, dass das zumutbare
Invalideneinkommen (weiterhin bei einer Arbeitsfähigkeit von 70% und einem
zusätzlichen Abzug von maximal 15%) nicht mehr anhand des
Durchschnittseinkommens der Hilfsarbeiter aller Branchen, sondern anhand des –
höheren – Durchschnittseinkommens in dem vom Beschwerdeführer neu zu
erlernenden qualifizierten Beruf wird bemessen werden können. Mit diesem nach einer
erfolgreichen Umschulung erzielbaren neuen zumutbaren Invalideneinkommen sollte
der Einkommensvergleich dann eine Einbusse von deutlich weniger als 40% ergeben
oder allenfalls die Arbeitsunfähigkeit von 30% sogar ganz kompensieren. Die Akten
lassen darauf schliessen, dass der Beschwerdeführer durchaus über die intellektuellen
Fähigkeiten und über die Willenskraft verfügt, die nötig sind, um einen qualifizierten
Beruf zu erlernen, der die Erzielung eines deutlich über dem durchschnittlichen
Hilfsarbeitereinkommen liegenden Lohns zulässt. Deshalb wird die
Beschwerdegegnerin eine berufliche Eingliederung des Beschwerdeführers zu prüfen
und gegebenenfalls mittels eines Mahn- und Bedenkzeitverfahrens durchzusetzen
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haben, um dem Grundsatz der Eingliederung vor Rente (vgl. etwa U. Kieser, ATSG-
Kommentar, 2.A., Vorbemerkungen N. 27) Rechnung zu tragen.
3.
Dementsprechend ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die Sache ist zur
Prüfung und Durchführung einer beruflichen Eingliederung des Beschwerdeführers an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69
Abs. 1 IVG). Da sich der konkrete Verfahrensaufwand im Rahmen des Üblichen hält,
ist praxisgemäss eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- zu erheben. Diese Gerichtsgebühr
ist von der in Bezug auf die Kostenverlegung als vollumfänglich unterliegend zu
betrachtenden Beschwerdegegnerin zu bezahlen. Die dem Beschwerdeführer für den
Fall des Unterliegens bewilligte unentgeltliche Rechtspflege kommt bei diesem
Verfahrensausgang nicht zum Tragen. Das Begehren des Beschwerdeführers um eine
Parteientschädigung ist abzuweisen, da die Rechtsvertretung nicht durch einen Anwalt
erfolgt ist.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht