Decision ID: 18e78dc3-b0bd-443d-a89e-b0139c9a44ff
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
"Es sei die Beklagte unter Kosten- und Entschädigungspflicht ( Mehrwertsteuer) zu ihren Lasten zu verpflichten, dem Kläger CHF 145'776.– zuzüglich 5 % Zins ab 15. Dezember 2010 zu ."
Inhaltsverzeichnis
Sachverhalt und Verfahren ............................................................................................... 3
A. Sachverhaltsübersicht ............................................................................................... 3 B. Prozessverlauf ............................................................................................................ 5 Erwägungen ........................................................................................................................ 6
1. Zuständigkeit............................................................................................................... 6 2. Strittige Punkte ........................................................................................................... 7
3. Verjährungseinrede ................................................................................................... 7 3.1. Parteivorbringen ................................................................................................. 7 3.2. Verjährungsfrist und Unterbrechung ............................................................... 8 3.3. Fazit....................................................................................................................10
4. Erlöschen der Leistungspflicht ...............................................................................10 4.1. Unbestrittener Sachverhalt .............................................................................10 4.2. Übersicht strittige Parteivorbringen ...............................................................11 4.3. Vereinbarung der EVB ....................................................................................12 4.4. Globalübernahme.............................................................................................20 4.5. Auslegung von Ziffer 3.2 der EVB .................................................................22 4.6. Ungewöhnlichkeitsregel ..................................................................................29 4.7. Inhaltskontrolle .................................................................................................36 4.8. Abweichende Vereinbarung ...........................................................................37 4.9. Verlegung des Wohnsitzes des Klägers.......................................................40 4.10. Zusammenfassung ..........................................................................................45
5. Fazit............................................................................................................................46
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen ......................................................................46 6.1. Gerichtskosten..................................................................................................46 6.2. Parteientschädigungen ...................................................................................46
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Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Der Kläger schloss mit der Beklagten die beiden Versicherungspolicen Nr. 1
(act. 3/3) und Nr. 2 (act. 3/4) der gebundenen Vorsorge mit Beginn 1. Dezember
1998 resp. 1. Oktober 1999 ab. Bei der Beklagten handelt es sich um eine Akti-
engesellschaft mit Sitz in ..., die den Betrieb der Lebensversicherung in allen ih-
ren Arten, der Invaliditäts- und der Krankenversicherung sowie der Unfallzusatz-
versicherung bezweckt (act. 3/1).
b. In der Versicherungspolice Nr. 1 vereinbarten die Parteien für den Kläger als
versicherte Person eine Versicherungssumme von CHF 100'000.–, zahlbar im
Todesfall, versichert ab 1. Dezember 1998 bis 30. November 2030, die Prämien-
befreiung bei Erwerbsunfähigkeit vom 91. Tag an, versichert ab 1. Dezember
1998 bis 30. November 2030, sowie eine monatliche Rente von CHF 4'074.– bei
Erwerbsunfähigkeit vom 721. Tage an, versichert ab 1. Dezember 1998 bis 30.
November 2030. In der Versicherungspolice Nr. 2 vereinbarten die Parteien für
den Kläger als versicherte Person eine Erlebensfallsumme, fällig am 30. Septem-
ber 2030 in der Höhe des angesparten Altersguthabens, mindestens CHF
110'000.–, eine Versicherungssumme zahlbar im Todesfall von CHF 110'000.–
sowie die aus den Anlagefonds resultierenden Überschüsse, versichert ab 1. Ok-
tober 1999 bis 30. September 2030, die Prämienbefreiung bei Erwerbsunfähigkeit
vom 361. Tage an, versichert ab 1. Oktober 1999 bis 30. September 2030 sowie
eine monatliche Rente von CHF 2'000.– bei Erwerbsunfähigkeit vom 721. Tage
an versichert ab 1. Oktober 1999 bis 30. September 2030. Der Kläger erlitt im
Sommer 2002 eine Hirnblutung und einen Schlaganfall und war in der Folge zu
100 % arbeits- und erwerbsunfähig. Bis zum 30. April 2007 erbrachte die Beklagte
die Rentenzahlungen aus den beiden genannten Policen an den Kläger. Ab dem
30. April 2007 stellte sie ihre Leistungen indessen ein. Insoweit ist der Sachver-
halt unbestritten (act. 1 S. 3, act. 15 S. 2).
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c. Mit der vorliegenden Klage verlangt der Kläger die Verpflichtung der Beklag-
ten zur Zahlung der je per Monatsende fällig gewordenen Renten aus den beiden
Versicherungspolicen von monatlich CHF 4'074.– (Police Nr. 1) und CHF 2'000.–
(Police Nr. 2) für die Zeit von Dezember 2009 bis November 2011, mithin insge-
samt CHF 145'766.– (24 x [CHF 4'074.– + CHF 2'000.-]), nebst Zins zu 5 % ab
dem mittleren Verfall 15. Dezember 2010 (act. 15 S. 7 f.). Zur Begründung dieser
Forderung macht er zusammengefasst geltend, dass seine vollständige Erwerbs-
unfähigkeit seit Sommer 2002 durchgehend bestehe und fortdauere. Die Beklagte
sei daher auch nach dem 30. April 2007 verpflichtet gewesen, die Versicherungs-
leistungen zu erbringen. Weder für eine vorübergehende Einstellung der Leistun-
gen noch für deren endgültiges Entfallen würden Gründe bestehen. Insbesondere
sei das von der Beklagten behauptete endgültige Entfallen der Leistungen aus
den beiden Versicherungsverträgen wegen Wohnsitzes des Klägers in Ungarn für
eine Dauer von mehr als zwei Jahren nicht vereinbart worden, resp. falls doch,
seien die entsprechenden Bedingungen nachträglich abgeändert worden oder
handle es sich nur um eine vorübergehende Einstellung der Leistungen für die
weitere Dauer des Wohnsitzes im Ausland mit Wiederaufleben bei erneuter
Wohnsitznahme in der Schweiz und nicht um ein endgültiges Entfallen. Darüber
hinaus sei beim Kläger die Voraussetzung eines Wohnsitzes im Ausland von
mehr als zwei Jahren nicht erfüllt. Schliesslich seien weder das Stammrecht der
Renten aus den beiden Versicherungsverträgen noch die vorliegend eingeklagten
Leistungen für die Zeit von Dezember 2009 bis November 2011 verjährt (act. 1 S.
4 ff.).
d. Die Beklagte beantragt die Abweisung der Klage. Sie bestätigt aber, dass
der Kläger die für die Zeit von Dezember 2009 bis November 2011 eingeklagten
Rentensummen der beiden Policen korrekt ermittelt habe. Indessen bestreitet sie,
dass eine nach dem 30. April 2007 andauernde Erwerbsunfähigkeit von mindes-
tens 25 % vorgelegen habe. Weiter macht sie im Wesentlichen geltend, der Klä-
ger habe sich am 30. April 2005 in C._ [Schweiz] abgemeldet und seinen
Wohnsitz per 1. Mai 2005 nach K._ [Ungarn] verlegt. Der Kläger habe sich
erst am 22. Februar 2008 nach Zuzug aus Ungarn in D._ [Schweiz] wieder
angemeldet. Gemäss den von den Parteien bei Abschluss der beiden Versiche-
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rungsverträge vereinbarten ergänzenden Vertragsbedingungen Ziffer 3.2 erlösche
sowohl die Prämienbefreiung als auch die Rente bei Erwerbsunfähigkeit zwei Jah-
re nach einer Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland. Etwas Abweichendes sei
von den Parteien nicht vereinbart worden. Demnach sei die Rente (und die Prä-
mienbefreiung) des Klägers per 1. Mai 2007 endgültig erloschen. Die Beklagte
habe, da sie nicht vorher vom Wohnsitz des Klägers im Ausland erfahren habe,
ab August 2007 ihre Leistungen eingestellt und die Prämienbefreiung storniert.
Die Zusatzversicherungen seien per 1. Mai 2007 ausgeschlossen worden. Die
vom 1. Mai bis 31. Juli 2007 zu Unrecht erbrachten Rentenleistungen habe die
Beklagte zurückgefordert und die Prämien nachgefordert. Die Grundversicherun-
gen (Kapitalzahlungen im Todesfall bzw. bei Vollendung des 65. Altersjahres)
seien fortgeführt und nur noch die dafür berechnete Prämie nachgefordert wor-
den. Des Weiteren erhebt die Beklagte die Verjährungseinrede. Sie hält fest, die
Verjährungsfrist von 2 Jahren sei Ende Juli 2009 oder spätestens am 21. Januar
2010 abgelaufen und seither seien die Forderungen des Klägers verjährt. Eine
Wiederinkraftsetzung der Zusatzversicherungen für Prämienbefreiung und Rente
bei Erwerbsunfähigkeit habe die Beklagte nach unbenütztem Ablauf der am 21.
Juli 2009 eingeräumten gesetzlichen Nachfrist und damit nach Aufhebung der
Versicherungen ausdrücklich abgelehnt. Schliesslich erhebt die Beklagte im Um-
fang der von ihr ihrer Ansicht nach zu Unrecht erbrachten Leistungen von CHF
19'262.40 die Einrede der Verrechnung (act. 15 S. 2 ff.).
B. Prozessverlauf
a. Mit Einreichung der Klageschrift vom 24. September 2012 (act. 1) machte
der Kläger die Klage hierorts rechtshängig. Mit derselben Sendung übermittelte er
zudem sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gleichen Datums (act. 4). Mit
Beschluss vom 16. Oktober 2012 wurde dem Kläger die unentgeltliche Rechts-
pflege gewährt und ihm in der Person von Rechtsanwalt lic. iur. X._ ein un-
entgeltlicher Rechtsbeistand bestellt sowie beiden Parteien Frist angesetzt, um
sich zur Zuständigkeit des angerufenen Gerichts zu äussern (act. 8). Da die Par-
teien mit Eingaben vom 26. Oktober 2012 (act. 10) und 23. November 2012 (act.
12) die Zuständigkeit des Handelsgerichts ausdrücklich anerkannten und diese
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zwischenzeitlich auch durch die Rechtsprechung des Bundesgerichts bestätigt
worden war (BGE 138 III 694), wurde der Beklagten mit Verfügung vom 26. No-
vember 2012 Frist zur schriftlichen Klageantwort angesetzt (act. 13). Nach Ein-
gang der Klageantwortschrift vom 13. Dezember 2012 (act. 15) wurden die Par-
teien auf den 29. Mai 2013 zu einer Vergleichsverhandlung vorgeladen, anlässlich
welcher sie unter Mitwirkung des Gerichts einen Vergleich mit Widerrufsvorbehalt
schlossen und zu Protokoll unterzeichneten (Prot. S. 6 f.).
b. Der Kläger widerrief diesen Vergleich mit Eingabe vom 29. Mai 2013 (act.
23) fristgerecht, weshalb mit Verfügung vom 25. Juni 2013 ein zweiter Schriften-
wechsel angeordnet wurde (act. 24). Der Kläger erstattete seine zweite Rechts-
schrift mit Eingabe vom 27. September 2013 (act. 26), die Beklagte mit Eingabe
vom 2. Dezember 2013 (act. 30). Nach Zustellung der zweiten Rechtsschrift der
Beklagten (vgl. Verfügung vom 4. Dezember 2013, act. 33) reichte der Kläger am
13. Dezember 2013 eine Noveneingabe ein (act. 35), zu welcher die Beklagte mit
Eingabe vom 13. Januar 2014 ihre Bemerkungen einreichte (act. 39). Diese Ein-
gabe wurde dem Kläger mit Verfügung vom 14. Januar 2014 (act. 40) zugestellt.
Zudem reichte die Beklagte am 29. Juli 2014 eine Eingabe (act. 43) ein, welche
der Beklagten am 30. Juli 2014 zugestellt wurde (Prot. S. 13).
c. Beide Parteien verzichteten auf Anfrage auf die Durchführung einer mündli-
chen Hauptverhandlung (Prot. S. 14, act. 47 und 48).
d. Das Verfahren erweist sich als spruchreif.

Erwägungen
1. Zuständigkeit
Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ist unbestritten
(act. 10 und 12) und nach Art. 10 Abs. 1 ZPO und Art. 6 Abs. 3 in Verbindung mit
Art. 6 Abs. 2 ZPO und § 44 lit. b GOG gegeben.
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2. Strittige Punkte
Zwischen den Parteien ist zum einen strittig, ob nach dem 30. April 2007 und so-
mit auch in der massgeblichen Zeit vom 1. Dezember 2009 bis zum 30. Novem-
ber 2011 noch eine Erwerbsunfähigkeit des Klägers als das in der Zusatzversi-
cherung versicherte Risiko vorgelegen hat und damit die Voraussetzungen für ei-
nen Anspruch auf Rente bei Erwerbsunfähigkeit aus den beiden Lebensversiche-
rungen noch gegeben war. Zum andern erhebt die Beklagte für den Fall, dass
noch eine Erwerbsunfähigkeit vorgelegen hat, die Verjährungseinrede und macht
darüber hinaus primär geltend, der Anspruch des Klägers auf Rentenleistungen
sei gestützt auf Ziffer 3.2 der vereinbarten Ergänzenden Vertragsbedingungen er-
loschen.
Im Folgenden werden zunächst die Verjährungseinrede und anschliessend das
Erlöschen des Anspruchs auf Rentenleistungen geprüft. Ist ein allfälliger An-
spruch des Klägers auf Rentenleistungen weder verjährt noch erloschen, ist als-
dann auf die Erwerbsunfähigkeit des Klägers nach dem 30. April 2007 einzuge-
hen.
3. Verjährungseinrede
3.1. Parteivorbringen
3.1.1. Die Beklagte führt aus, der Kläger sei gemäss den von ihm eingereichten
Arztzeugnissen seit September 2002 erwerbsunfähig gewesen, womit die Verjäh-
rung der Leistungspflicht der Beklagten zu laufen begonnen habe. Durch die je-
weiligen Rentenzahlungen sei die Verjährung unterbrochen worden. Ab dem 1.
August 2007 habe die Beklagte dem Kläger keine Leistungen mehr erbracht. Die
Verjährungsfrist von 2 Jahren sei somit Ende Juli 2009 abgelaufen und seither
seien die Forderungen des Klägers verjährt. Jedenfalls habe die Verjährungsfrist
nach Art. 46 Abs. 1 VVG spätestens mit ihrer Leistungsablehnung vom 21. Januar
2008 zu laufen begonnen und sämtliche Ansprüche seien am 21. Januar 2010
gesamthaft verjährt. Auch das Stammrecht verjähre innert zwei Jahren ab dem
Zeitpunkt, in welchem die Invalidität feststehe (act. 15 S. 5, 11 f.). Rentenbetreff-
nisse, die vor dem 16. Dezember 2009 fällig gewesen wären, seien auf jeden Fall
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verjährt (act. 30 S. 19, act. 39 S. 2). Ferner hält die Beklagte zum Entscheid des
Bundesgerichts vom 18. März 2013 zur Verjährung des Stammrechts (BGE 139
III 263) fest, es werde so eine sachlich nicht begründbare Privilegierung der Rente
bei Erwerbsunfähigkeit gegenüber dem Invaliditätskapital geschaffen. Art. 46 VVG
beziehe sich auf Forderungen aus dem Versicherungsvertrag schlechthin. Damit
bestehe keine Lücke im VVG und kein Raum für die Anwendung von Art. 131 OR
in Verbindung mit Art. 100 VVG (act. 30 S. 20).
3.1.2. Demgegenüber ist der Kläger der Auffassung, seine Forderungsklage be-
schlage nur die 2 Jahre vor dem die Verjährung unterbrechenden, am 16. Dezem-
ber 2011 beim Friedensrichteramt ... eingegangenen Schlichtungsbegehren vom
15. Dezember 2011 und betreffe somit nur Rentenbetreffnisse, welche innerhalb
der zweijährigen Verjährungsfrist gemäss Art. 46 Abs. 1 VVG fällig geworden sei-
en. Ausserdem habe das Bundesgericht entschieden, dass das Stammrecht auf
eine Erwerbsunfähigkeitsrente in der Lebensversicherung entsprechend der all-
gemeinen Regel von Art. 127 OR erst nach 10 Jahren verjähre und nicht bereits
nach 2 Jahren wie das einzelne Betreffnis einer Rente gemäss Art. 46 Abs. 1
VVG (act. 26 S. 10).
3.2. Verjährungsfrist und Unterbrechung
3.2.1. Gemäss dem von den Parteien ebenfalls genannten, neuen Urteil des Bun-
desgerichts beträgt die Verjährungsfrist des Stammrechts einer Invalidenrente
aus Versicherungsvertrag 10 Jahre (BGE 139 III 263 E. 2.2, falsch übersetzt in
Pra 102 (2012) Nr. 77). Dieser neuen, höchstrichterlichen Rechtsprechung, die
sich auch mit den zuvor ergangenen Bundesgerichtsentscheidungen zu diesem
Thema (BGE 127 III 268 und 111 II 501) auseinandersetzt, ist zu folgen. Das
Stammrecht der Invalidenrente des Klägers unterliegt somit einer zehnjährigen
Verjährungsfrist nach Art. 131 OR in Verbindung mit Art. 100 VVG. Die zehn-
jährige Frist seit Fälligkeit der jeweils ersten rückständigen Leistung (Art. 131 Abs.
1 OR) aus den beiden Versicherungsverträgen, die nach unbestrittener Darstel-
lung per 31. August 2007 fällig waren, ist nicht abgelaufen. Die Stammrechte der
Renten des Klägers aus den beiden Versicherungsverträgen sind somit noch
nicht verjährt.
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3.2.2. Die einzelnen Rentenbetreffnisse unterliegen demgegenüber, wie auch die
Parteien übereinstimmend ausführen, der zweijährigen Verjährungsfrist gemäss
Art. 46 VVG. Die eingeklagten Rentenbetreffnisse der Monate Dezember 2009 bis
November 2011, zahlbar jeweils am Monatsende (act. 1 S. 8, act. 15 S. 13), ver-
jähren somit 2 Jahre nach deren Fälligkeit, die erste - falls die Verjährung nicht
unterbrochen wurde - am 31. Dezember 2011.
3.2.3. Der Kläger macht eine Unterbrechung der Verjährung der eingeklagten
Rentenbetreffnisse durch die Einreichung eines Schlichtungsgesuchs beim Frie-
densrichteramt ... am 15. Dezember 2011 geltend. Dies wird von der Beklagten
nicht bestritten, zumal sie zu den einzelnen Rentenbetreffnissen bestätigt, dass
nur vor dem 16. Dezember 2009 fällig gewordene Rentenbetreffnisse auf jeden
Fall verjährt sind. Nach Art. 135 Ziff. 2 OR in Verbindung mit Art. 49 Abs. 3 SchlT
ZGB und Art. 100 VVG wird die Verjährung durch Schlichtungsgesuch an die zu-
ständige Schlichtungsbehörde unterbrochen. Mit Unterbrechung der Verjährung
durch Schlichtungsgesuch beginnt die Verjährung von Neuem zu laufen, wenn
der Rechtsstreit vor der befassten Instanz abgeschlossen ist (Art. 137 Abs. 1 und
Art. 138 Abs. 1 OR in Verbindung mit Art. 49 Abs. 3 SchlT ZGB und Art. 100
VVG). Das weitere Schicksal des Schlichtungsgesuchs hat auf die Unterbre-
chungswirkung keinen Einfluss (BGE 132 V 404 E. 4.1, 118 II 479 E. 3, 114 II 261
E. a), 101 II 77 E. 2.c); DÄPPEN, in: HONSELL/VOGT/WIEGAND, Basler Kommentar
Obligationenrecht, 5. Aufl. 2011, N 6 zu Art. 135 OR). Durch Einreichung des
Schlichtungsgesuchs vom 15. Dezember 2011 (act. 27/11) beim zuständigen
Friedensrichteramt (Art. 6 Abs. 3 ZPO und e contratrio Art. 198 lit. f ZPO; dem
Kläger stand ein Wahlrecht offen und eine spätere Klageeinleitung bei einem Be-
zirksgericht wäre möglich gewesen, weshalb keine zwingende sachliche Zustän-
digkeit des Handelsgerichts bestand) am 16. Dezember 2011, mit welchem auch
die im vorliegenden Verfahren strittigen Rentenbetreffnisse eingeklagt wurden
(act. 27/11 S. 6), wurde somit die Verjährungsfrist der streitigen Rentenbetreffnis-
se unterbrochen, auch wenn weder eine Einigung zustande kam noch anschlies-
send eine Klagebewilligung beim Gericht eingereicht wurde. Die zweijährige Ver-
jährungsfrist begann nach Abschluss des Schlichtungsverfahrens durch die Kla-
gebewilligung vom 28. März 2012 (act. 27/12) neu zu laufen. Die Verjährung war
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daher bei deren erneuter Unterbrechung durch Einleitung des vorliegenden Ver-
fahrens am 24. September 2012 (act. 1) noch nicht eingetreten. Die eingeklagten
Rentenbetreffnisse sind somit nicht verjährt.
3.3. Fazit
Weder das Stammrecht der Renten aus den beiden Versicherungspolicen Nr. 1
und Nr. 2 noch die eingeklagten Rentenbetreffnisse für die Zeit von Dezember
2009 bis November 2011 sind verjährt. Die Beklagte dringt mit ihrer Verjährungs-
einrede nicht durch.
4. Erlöschen der Leistungspflicht
4.1. Unbestrittener Sachverhalt
Folgenden Sachverhalt legen die Parteien übereinstimmend dar: Die Beklagte er-
brachte an den Kläger nach dessen Hirnblutung und Schlaganfall im Jahr 2002
die in den beiden Versicherungspolicen vereinbarten Rentenleistungen im Um-
fang von CHF 4'074.– und CHF 2'000.– pro Monat. Ausserdem wurde der Kläger
von der Leistung der Prämien befreit. Am 25. November 2004 fand ein Besuch
des zuständigen Vertreters der Beklagten, E._, beim Kläger und dessen
Ehefrau statt. Anlässlich dieses Besuchs wurde auch darüber gesprochen, ob der
Kläger nach Ungarn reisen und sich dort behandeln lassen könne, da er die dorti-
gen Ärzte lobte. Von einer Verlegung des Wohnsitzes nach Ungarn war bei die-
sem Gespräch nicht die Rede, und auch nicht davon, dass der Kläger für längere
Zeit nach Ungarn gehen würde. Am 29. April 2005 meldete sich der Kläger an
seinem damaligen Wohnort C._/... [Abk. CH Kanton] nach K._ ab. Mit
Schreiben vom 21. Januar 2008 teilte die Beklagte dem Kläger mit, dass sie ihre
Leistungen für Prämienbefreiung und Rente gestützt auf Ziff. 3.2 der Ergänzen-
den Versicherungsbedingungen per 30. April 2007 einstelle resp. eingestellt habe
und die Zusatzversicherung per 1. Mai 2007 ausschliesse. Am 22. Februar 2008
zog der Kläger von Ungarn nach D._ und meldete sich dort an (act. 1 S. 4, 8,
act. 26 S. 3; act. 15 S. 3 f.)
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4.2. Übersicht strittige Parteivorbringen
4.2.1. Die Beklagte macht geltend, nach Ziff. 3.2 der vereinbarten Ergänzenden
Vertragsbedingungen (EVB) beider Verträge erlösche der Anspruch auf Versiche-
rungsleistungen bei Erwerbsunfähigkeit (Renten bzw. Prämienbefreiung), wenn
der Versicherte seinen Wohnsitz ins Ausland (ohne Fürstentum Liechtenstein)
verlege, zwei Jahre nach der Wohnsitzverlegung. Wegen der Wohnsitznahme des
Klägers in Ungarn am 30. April 2005 für eine Dauer von mehr als zwei Jahren sei
die Leistungspflicht der Beklagten gemäss Ziff. 3.2 EVB per 30. April 2007 oder,
falls von der Anmeldung in Ungarn ausgegangen werde, spätestens per 16. Feb-
ruar 2008 erloschen. Eine abweichende Vereinbarung hätten die Parteien nicht
getroffen (act. 15 S. 4, 6, act. 30 S. 20).
4.2.2. Der Kläger bestreitet die gültige Vereinbarung der Ergänzenden Versiche-
rungsbedingungen der Beklagten. Sollten diese doch Vertragsbestandteil gewor-
den sein, macht er geltend, die angerufene Bestimmung Ziff. 3.2 EVB sei wegen
Ungewöhnlichkeit nicht anwendbar oder so auszulegen, dass damit nicht ein end-
gültiges Erlöschen der Leistungspflicht der Beklagten, sondern nur eine Sistierung
der Leistungen für die über zwei Jahre hinausgehende Dauer der Wohnsitznahme
im Ausland vereinbart sei. Und schliesslich habe er in Ungarn keinen Wohnsitz
begründet, sondern sein Lebensmittelpunkt sei immer in der Schweiz gewesen
(act. 1 S. 6 ff., act. 26 S. 3 ff.). Überdies macht der Kläger geltend, E._ als
Vertreter der Beklagten habe sich im Gespräch am 25. November 2004 sinnge-
mäss bereit erklärt, nach Rücksprache mit anderen Personen bei der Beklagten
dem Kläger zu melden, falls der Aufenthalt in Ungarn problematisch sei. Der Klä-
ger hält aber ausdrücklich fest, er behaupte nicht, E._ habe eine Zusage
gemacht, dass der Kläger auch für mehr als zwei Jahre seinen Wohnsitz nach
Ungarn verlegen dürfe, ohne dass dies auf die Leistungserbringung durch die Be-
klagte einen Einfluss hätte (act. 26 S. 5).
4.2.3. Auf diese strittigen Punkte ist nunmehr im Einzelnen einzugehen.
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4.3. Vereinbarung der EVB
4.3.1. Zunächst ist zwischen den Parteien strittig, ob vereinbart wurde, dass die
Ergänzenden Versicherungsbedingungen der Tarife i (für die Prämienbefreiung
bei Erwerbsunfähigkeit Ausgabe 1995) und r (für Renten bei Erwerbsunfähigkeit
Ausgabe 1995) der Beklagten im Rahmen der zwei Lebensversicherungsverträge
auf die Zusatzversicherungen Prämienbefreiung und Rente bei Erwerbsunfähig-
keit anwendbar sind.
4.3.2. Die Beklagte hält dazu fest, in beiden vom Kläger unterzeichneten und vom
Agenten der Beklagten visierten Antragsformularen stehe ganz am Schluss unmit-
telbar vor der Unterschrift "Die Unterzeichner bescheinigen den Empfang und die
Annahme der Versicherungsbedingungen.". In den Antragsformularen und in der
Police seien zwar diese Versicherungsbedingungen nicht näher bezeichnet, son-
dern es würden einfach "die Versicherungsbedingungen" genannt. Gemeint seien
damit für jedermann erkennbar diejenigen Versicherungsbedingungen, die damals
in Kraft und vom Bundesamt für Privatversicherungen (BPV) genehmigt gewesen
seien. Der damalige Agent habe dem Kunden die damals aktuellen AVB und EVB
übergeben, wie er das immer getan habe. Der Kläger habe denn auch diese als
Beilagen zur Klageschrift eingereicht. Eine Präzisierung, welche Versicherungs-
bedingungen übergeben worden seien, sei deshalb nicht nötig gewesen, weil da-
mals die Allgemeinen Versicherungsbedingungen in einem weiteren Sinne, d.h.
alle vorformulierten und für die Verwendung in einer Vielzahl von Fällen bestimm-
ten Bedingungen, ob Allgemeine, Besondere oder Ergänzende Versicherungsbe-
dingungen, vor ihrer Verwendung dem BPV zur Prüfung und Genehmigung hätten
eingereicht werden müssen und erst hätten verwendet werden dürfen, wenn diese
erfolgt sei. Anhand dieser Genehmigung durch das BPV lasse sich auch rekon-
struieren, dass damals tatsächlich die heute zur Diskussion stehenden EVB
(Prämienbefreiung: Tarife i, ii/1995, Rente: Tarife r, IRE/1995) verwendet und
damit übergeben worden seien. Die Beklagte habe 1990 eine Totalrevision der
Allgemeinen und Ergänzenden Versicherungsbedingungen (AVB und EVB) für die
Lebensversicherungen durchgeführt. Das BPV habe die damals neuen AVB und
EVB am 25. September 1990 genehmigt und diese seien dann als Ausgabe 1991
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verwendet worden. Die Ergänzenden Bedingungen für gewisse Leistungen bei
Erwerbsunfähigkeit, darunter jene für die Prämienbefreiung und für die Rente bei
Erwerbsunfähigkeit (Tarife i, ii / r, IRE), habe die Beklagte am 29. September
1995 in einigen Punkten modifiziert. Das BPV habe dies am 29. September 1995
genehmigt. Diese Revisionen hätten dann die Version 1995 der EVB für die Rente
bei Erwerbsunfähigkeit (Tarife r, IRE/1995) und für die Prämienbefreiung bei Er-
werbunfähigkeit (Tarife i, ii/1995) ergeben. Die revidierten EVB seien dem Kläger
bei Vertragsabschluss zusammen mit den AVB (Fassung 1991) übergeben wor-
den. Es seien die einzigen damals vom BPV genehmigten und damit zur Verwen-
dung bei Neuabschlüssen zugelassenen AVB und EVB der Beklagten für die ent-
sprechenden Sparten gewesen. Der Kläger habe diese EVB eingereicht und be-
haupte nicht, er habe sie nicht aus seinen eigenen Unterlagen. Die Versionen
1995 der EVB für die Prämienbefreiung bei Erwerbsunfähigkeit (Tarife i, ii/1995)
und für die Rente bei Erwerbsunfähigkeit (Tarife r, IRE/1995) gehörten zu den
beiden Policen und seien in diesem Prozess wesentlich. Die eigentlichen Tarife
und AVB seien hier nicht betroffen, doch seien in beiden Policen die massgebli-
chen Tarife "i" und "r" erwähnt (act. 15 S. 6 f.). Der Kläger behaupte zu Recht
nicht, die Beklagte hätte zur Zeit des Vertragsabschlusses auch noch andere EVB
für Prämienbefreiung und für Rente bei Erwerbsunfähigkeit angewendet, die keine
Regelung entsprechend Ziff. 3.2 der von ihm eingereichten EVB enthalten hätten.
Dies sei nicht der Fall gewesen. Die Erklärung ganz am Schluss der vom Kläger
unterzeichneten Antragsformulare könne sich damit einzig auf diese Bedingungen
beziehen. Dass nur die vom BPV genehmigten Versicherungsbedingungen hätten
verwendet werden dürfen und die hier aktuellen gleichzeitig die einzigen vom BPV
genehmigten EVB der Beklagten für die entsprechenden Deckungen gewesen
seien, dränge den Schluss auf, dass der Kläger mit seiner Unterschrift tatsächlich
den Erhalt der hier aktuellen EVB bestätigt habe, ihm also genau diese überge-
ben worden seien (act. 30 S. 9 f.). Weiter macht die Beklagte geltend, der Kläger
habe nie behauptet, er habe den Vertrag aufgrund anderer als der von ihm selbst
eingereichten Bedingungen abgeschlossen oder diese bei Vertragsabschluss
nicht erhalten (act. 30 S. 5). Wenn der Kläger am 25. November 2004, weil er um
die Vertragsklausel Ziff. 3.2 EVB gewusst habe, dazu weitere Informationen ver-
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langt haben wolle, räume er gleichzeitig ein, dass er diese Bestimmung zu diesem
Zeitpunkt schon gekannt und nicht erst im Gespräch mit E._ davon erfahren
habe. Er müsse also auch die EVB der Beklagten gekannt haben. Da er nicht be-
haupte, diese EVB zwar vor dem Gespräch mit E._ am 25. November 2004,
aber erst nach Vertragsabschluss erhalten zu haben, könne er sie nur bei Ver-
tragsabschluss erhalten haben, womit erstellt sei, dass sich seine Bestätigung in
den Anträgen auf diese Bedingungen beziehe. Hätte der Kläger diese EVB erst
später und/oder auf anderem Weg erhalten, hätte er dies geltend gemacht. Der
Agent habe dem Kläger die damals aktuellen AVB und EVB übergeben. Indem
der Kläger am 25. November 2004 in Kenntnis von Ziff. 3.2 der anwendbaren
EVB E._ gefragt habe, ob die Beklagte die Rente weiter zahle, wenn er nach
Ungarn gehe, und als sich dieser nicht sicher gewesen sei, erklärt habe, dass er
auf jeden Fall nach Ungarn reise, um sich behandeln zu lassen, und dass er,
wenn die Beklagte diesfalls die Rente nicht weiter zahle, keine Leistungen wolle,
die Beklagte ihr Geld behalten könne, habe er die erwähnte EVB als Vertragsbe-
standteil zumindest konkludent akzeptiert (act. 30 S. 9).
4.3.3. Im Gegensatz dazu macht der Kläger geltend, die EVB seien nicht Ver-
tragsbestandteil geworden, denn in keiner der beiden Versicherungspolicen Nr. 1
und 2 werde festgehalten, dass und welche Versicherungsbedingungen zur An-
wendung gelangten. Somit habe die Beklagte auch kein Recht, aus Ziff. 3.2 der
EVB etwas zu ihren Gunsten abzuleiten, insbesondere nicht die Einstellung der
Leistungen per 30. April 2007 und den Ausschluss der Zusatzversicherungen per
1. Mai 2007 (act. 1 S. 6). Der von der Beklagten zitierte Satz sei in den Antrags-
formularen zwar zu finden. Aber auch in diesen gebe es keinen Hinweis darauf,
um welche Versicherungsbedingungen es sich dabei genau handle. Der Kläger
habe trotz der Empfangs- und Annahmebestätigung die Versicherungsbedingun-
gen nicht erhalten. Die Unterschrift des Klägers unter diese beiden Antragsformu-
lare reiche nicht aus, um der Beklagten die Beweislast für den Erhalt und die An-
nahme der EVB, insbesondere deren Ziff. 3.2, abzunehmen. Es bleibe dabei,
dass Ziff. 3.2 EVB nicht Vertragsbestandteil geworden sei. Der Umstand, dass die
Beklagte es unterlassen habe, die anwendbaren Bedingungen zu nennen und nur
pauschal auf "die Versicherungsbedingungen" verwiesen habe, führe dazu, dass
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die erst später dem Kläger zugekommenen Versicherungsbedingungen der Be-
klagten nicht anwendbar seien. Anwendbar seien nur der eigentliche Policeninhalt
und die gesetzlichen Bestimmungen. Die damalige Genehmigungspflicht für Ver-
sicherungsbedingungen sei dem Kläger nicht bekannt gewesen. Die in den Ver-
tragsdokumenten fehlende Bezeichnung der Versicherungsbedingungen könne
nicht durch die Genehmigung von Versicherungsbedingungen durch das Bundes-
amt für Privatversicherung ersetzt werden. Es werde bestritten, dass der Agent
F._ dem Kläger vor bzw. bei der Unterzeichnung der Antragsformulare die
hier zur Diskussion stehenden EVB sowie die AVB übergeben habe. Der Kläger
habe die zur Diskussion stehenden Versicherungsbedingungen nicht bei Ver-
tragsschluss erhalten, sondern erst später, vermutlich erst nach Eintritt seiner Er-
werbsunfähigkeit im Zusammenhang mit der Anspruchserhebung. Der Kläger be-
streite, dass diese Versicherungsbedingungen in der Zeit der Vertragsabschlüsse
die einzigen zur Verwendung zugelassenen und verwendeten Versicherungsbe-
dingungen gewesen seien (act. 26 S. 5 ff.). Da die erwähnten EVB nicht Ver-
tragsbestandteil geworden seien, hätten sie am 25. November 2004 auch nicht
als Vertragsbestandteil anerkannt werden können. Dies gelte umso mehr, als der
Kläger als juristischer Laie um die diesbezügliche Problematik nicht gewusst habe
(act. 35 S. 7).
4.3.4. Einleitend ist festzuhalten, dass beide Parteien davon ausgehen, dass die
beiden Lebensversicherungsverträge zwischen ihnen gültig zustande gekommen
sind und dass keine Partei das Zustandekommen der Verträge an die (Nicht-)
Vereinbarung der Ergänzenden Versicherungsbedingungen knüpft. Weil das un-
strittige Zustandekommen der Verträge den Austausch übereinstimmender Wil-
lenserklärungen der Parteien über die wesentlichen Vertragspunkte voraussetzt
(Art. 1 OR i.V.m. Art. 100 VVG), gehen somit auch beide Parteien davon aus,
dass die Vereinbarung der Ergänzenden Versicherungsbedingungen zu den Tari-
fen i und r keinen (objektiv oder subjektiv) wesentlichen Vertragspunkt (vgl. dazu
GAUCH/SCHLUEP, Schweizerisches Obligationenrecht Allgemeiner Teil, 9. Aufl.
2008, N 309 ff.) der Lebensversicherungsverträge darstellen. Es liegt kein Kon-
sensstreit vor. Zudem sind vorliegend nur Rentenleistungen aus den beiden Ver-
sicherungsverträgen eingeklagt, weshalb nur für die Ergänzenden Versicherungs-
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bedingungen für Renten bei Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfalls als
Zusatzversicherung (Tarife r und IRE, Ausgabe 1995) geprüft werden muss, ob
sie gültig vereinbart wurden.
4.3.5. Aus rechtlicher Sicht sind die Ergänzenden Versicherungsbedingungen für
Renten bei Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfalls als Zusatzversiche-
rung (Tarife r und IRE, Ausgabe 1995) als Allgemeine Geschäftsbedingungen
(AGB) resp. Allgemeine Versicherungsbedingungen zu qualifizieren (AVB; vgl.
dazu STEPHAN FUHRER, in: HONSELL/VOGT/SCHNYDER, Basler Kommentar zum
Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag, Basel 2001, N 28 ff. zu Art. 33
VVG). Diese EVB sind daher auf die beiden Lebensversicherungsverträge der
Parteien nur anwendbar, sofern sie gültig einbezogen wurden (sog. Einbezie-
hungsvereinbarung). Ist die Einbeziehung strittig, ist eine Geltungskontrolle
durchzuführen, also mithin zu prüfen, ob die EVB rechtswirksam in die Einzel-
verträge übernommen wurden (STEPHAN FUHRER, in: HONSELL/VOGT/ SCHNYDER,
a.a.O., N 39 f. zu Art. 33 VVG m.w.H.). Diese Frage ist durch Auslegung der Ver-
träge zu entscheiden (GAUCH/SCHLUEP, a.a.O., N 1134). Da das VVG keine all-
gemein gültigen Regeln über die Auslegung von Versicherungsverträgen enthält,
gelten die allgemeinen Regeln über die Auslegung von Verträgen, namentlich Art.
2 Abs. 1 ZGB und Art. 18 OR i.V.m. Art. 100 VVG. Es ist primär der übereinstim-
mende wirkliche Wille der Parteien zu ermitteln. Ist dies nicht möglich, muss auf
den mutmasslichen Willen abgestellt werden. Er ist nach dem Vertrauensgrund-
satz aufgrund aller Umstände des Vertragsschlusses zu ermitteln (normative Aus-
legung). Dabei hat das Gericht zu berücksichtigen, was sachgerecht ist, weil nicht
anzunehmen ist, dass die Parteien eine unangemessene Lösung gewollt haben
(BGE 119 II 368 E. 4.b m.w.H.). Grundlage der Auslegung und primäres Willen-
sindiz ist der Wortlaut entweder der von den Parteien abgegebenen Erklärungen
oder des aufgrund solcher Erklärungen zustande gekommenen Vertragstextes,
wobei bei der Interpretation einzelner Worte oder Sätze immer die Gesamtheit der
vertraglichen Regelungen berücksichtigt werden muss. Als weiteres oder ergän-
zendes Mittel zur Auslegung von Verträgen gilt alles, was geeignet ist, zur Fest-
stellung des wirklichen Willens der Parteien im Zeitpunkt des Vertragsabschlus-
ses beizutragen, wie etwa die Begleitumstände des Vertragsschlusses, das Ver-
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halten der Parteien vor und nach Vertragsabschluss, der Vertragszweck oder
auch Verkehrssitte und Usanzen. Dabei kommt dem Wortlaut gegenüber den
sonstigen Auslegungsmitteln nur dann ein Vorrang zu, wenn diese keinen siche-
ren Schluss auf einen anderen Sinn nahelegen (WOLFANG WIEGAND, in:
HONSELL/VOGT/WIEGAND, a.a.O., N 19 ff. zu Art. 18 OR, m.w.H.). Massgebend für
den Vertragsinhalt ist nach Rechtsprechung des Bundesgerichts die Police (Urteil
des Bundesgerichts 4A_291/2009 vom 28. Juli 2009). Doch ist auch der Ver-
sicherungsantrag in die Betrachtungen einzubeziehen, denn einerseits enthält er
die Willenserklärung des Versicherungsnehmers auf Abschluss des Vertrages
und andererseits kommt der Versicherungsvertrag spätestens mit der Zustellung
der Police durch konkludente Annahme zustande mit der Folge, dass der Antrag
jedenfalls dann Vertragsbestandteil wird, wenn er alle wesentlichen Vertrags-
punkte enthielt und diese auch in die Police aufgenommen wurden, die infolge
dessen keiner Berichtigung bedurfte (BGE 122 III 188 E. 2.b).
4.3.6. Ein übereinstimmender wirklicher Wille der Parteien wurde von keiner Par-
tei dargelegt. Beide Parteien machen nur Ausführungen dazu, wie die Nicht-
nennung der EVB in der Police resp. der Satz "Die Unterzeichner bescheinigen
den Empfang und die Annahme der Versicherungsbedingungen." in den vom Klä-
ger unterzeichneten Versicherungsanträgen verstanden werden müssen. Ausser-
dem diskutieren sie die Frage, ob dem Kläger die EVB tatsächlich übergeben
wurden oder nicht und was die Folgen daraus für den Vertragsinhalt sind. Der
Vertragsinhalt ist daher einzig durch normative Auslegung zu ermitteln.
4.3.7. Es wurde von keiner Partei geltend gemacht, dass die beiden Policen einer
Berichtigung bedurft hätten oder dass die wesentlichen Vertragspunkte der durch
die Versicherungsanträge des Klägers und konkludente Annahme der Beklagten
geschlossenen Lebensversicherungsverträge durch die Policen abgeändert wor-
den seien. Entsprechend sind die beiden Versicherungsanträge Vertrags-
bestandteile des jeweiligen Lebensversicherungsvertrages geworden und in die
normative Auslegung einzubeziehen. Zum Wortlaut der Versicherungspolicen ist
zunächst mit dem Kläger festzuhalten, dass in den Policen (act. 3/3 und 3/4) kei-
ne AVB oder EVB erwähnt werden. Es darf jedoch nicht unbesehen des Wortlau-
- 18 -
tes der Versicherungsanträge als Erklärung des Versicherungsnehmers sowie der
weiteren Umstände allein daraus geschlossen werden, dass die Ergänzenden
Versicherungsbedingungen nach dem mutmasslichen Willen der Parteien nicht
Vertragsbestandteil geworden sind. Im Gegensatz zu den Policen ist nämlich in
den durch den Kläger gestellten und unterzeichneten Versicherungsanträgen un-
ter "7. Unterschriften" der erwähnte, von der Beklagten zitierte Satz bezüglich Be-
scheinigung von Empfang und Annahme der Versicherungsbedingungen durch
den Unterzeichner zu lesen (act. 16/5 und 16/6 S. 3). Diese vom Versicherer vor-
gedruckte und vom Kläger als Unterzeichner bescheinigte "Annahme der Versi-
cherungsbedingungen" bedeutet nach ihrem Wortlaut, dass nach dem mutmassli-
chen Willen der Parteien "Versicherungsbedingungen" in die Versicherungsver-
träge einbezogen wurden. Darüber hinaus erwähnen sowohl die Versicherungs-
anträge als auch die Policen die auf die versicherten Risiken der Lebensversiche-
rungsverträge anwendbaren Tarife. Es ist dies - soweit hier relevant - der Tarif r
für die Rente bei Erwerbsunfähigkeit (vgl. act. 3/3 und 3/4 je S. 1, act. 16/5 und
16/6 je S. 2 Ziff. 4). Aus Ziffer 7 der Versicherungsanträge ergibt sich daher unter
Berücksichtigung der Gesamtheit der vertraglichen Regelungen der Lebensversi-
cherungsverträge, dass die Parteien mit dem Begriff "Versicherungsbedingungen"
die von der Beklagten für die versicherten Risiken unter den vereinbarten Tarifen
formulierten Versicherungsbedingungen vereinbaren wollten. Nur diese Ausle-
gung der Verträge ist sachgerecht. Vereinbart waren somit für die Zusatzversiche-
rung "Monatliche Rente bei Erwerbsunfähigkeit vom 721. Tag an [...] (Tarif r)" die
Ergänzenden Versicherungsbedingungen für Renten bei Erwerbsunfähigkeit in-
folge Krankheit oder Unfalls (Zusatzversicherung) nach Tarif r. Bezüglich der
Ausgabe dieser EVB ist der Beklagten zuzustimmen, dass es nur dem mutmassli-
chen Willen der Parteien entsprochen haben kann, in ihrem Versicherungsvertrag
Regelungen zu treffen, die die damals geltenden gesetzlichen Bestimmungen zur
Genehmigungspflicht Allgemeiner Versicherungsbedingungen durch das Bundes-
amt für Privatversicherungen gemäss dem Art. 26 Abs. 2 lit. a SchVV einhalten.
Demzufolge sind unter den "Versicherungsbedingungen" gemäss ihrem Vertrag
die im Zeitpunkt des Vertragsschlusses aktuellsten, für die Verwendung bei Neu-
versicherungen durch das BPV genehmigten Versicherungsbedingungen zu den
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vereinbarten Risiken und Tarifen zu verstehen. Dies war nach Darstellung der
Beklagten bezüglich der Ergänzenden Versicherungsbedingungen für Renten bei
Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfalls (Zusatzversicherung) Tarife r
und IRE deren Ausgabe 1995. Der Kläger bestreitet zwar, dass dies in der Zeit
der Vertragsabschlüsse die einzigen zur Verwendung zugelassenen und verwen-
deten Versicherungsbedingungen der Beklagten waren. Da jedoch wie dargelegt
die Auslegung des Vertrages ergibt, dass die Parteien nur die AGB der Beklagten
zu den vereinbarten Risiken und Tarifen, insbesondere für die Rente bei Er-
werbsunfähigkeit nach Tarif r die Ergänzenden Versicherungsbedingungen für
Renten bei Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfalls (Zusatzversiche-
rung) Tarif r und IRE, vereinbart haben, ist nicht von Bedeutung, ob die Beklagte
im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses für andere Risiken und Tarife auch noch
andere vom Bundesamt für Privatversicherungen zugelassene Versicherungsbe-
dingungen verwendete. Entscheidend ist einzig - und diese Darstellung der Be-
klagten blieb unbestritten -, dass die Ergänzenden Versicherungsbedingungen für
Renten bei Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfalls (Zusatzversiche-
rung) Tarif r und IRE Ausgabe 1995 die einzigen zugelassenen und bei Neuab-
schlüssen verwendeten Versicherungsbedingungen der Beklagten für das Risiko
Erwerbsunfähigkeit mit einer Rente als Versicherungsleistung gemäss Tarif r wa-
ren. Diese Auslegung der Lebensversicherungsverträge stimmt mit der Recht-
sprechung des Bundesgerichts im Urteil vom 26. Juni 2014 überein, in dem es
festhielt: "[...] il faut bien plutôt comprendre, à la lumière du principe de la con-
fiance, que référence est faite aux conditions d'assurance en vigueur à l'époque
de la conclusion du contrat. [...]" (Urteils des Bundesgerichts 4A_213/2014 vom
26. Juni 2014 E. 2.3.2.). Zudem wird diese Auslegung auch dadurch bestätigt,
dass es den allgemein bekannten Usanzen der Versicherungen entspricht, solche
Massenverträge wie die vorliegenden Lebensversicherungsverträge nur unter
Einbezug der aktuellen Fassung ihrer allgemeinen Versicherungsbedingungen
zum entsprechenden Versicherungszweig abzuschliessen, während Individualab-
reden in diesem Bereich die Ausnahme bilden. Die vom Kläger gar behauptete
vertragliche Regelung einzig im Umfang des Policeninhalts unter Anwendbarkeit
der gesetzlichen Bestimmungen und ohne Einbeziehung von AGB oder Aushand-
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lung von Individualabreden steht demgegenüber in völligem Widerspruch zu den
Usanzen der Versicherer und kann nach Treu und Glauben nicht angenommen
werden. Schliesslich legt auch die Behauptung des Klägers, ihm seien die EVB
nicht bereits vor Antragstellung, sondern tatsächlich erst nach Eintritt des in den
Zusatzversicherungen versicherten Risikos übergeben worden, keinen davon ab-
weichenden Sinn nahe. Im Gegenteil legen die Parteien übereinstimmend dar,
dass bei einer Besprechung des Klägers mit E._, einem Vertreter der Be-
klagten, am 25. November 2004 die Vertragsklausel, wonach bei einer Wohnsitz-
verlegung ins Ausland nach zwei Jahren der Anspruch auf Versicherungsleistun-
gen entfalle, vom Kläger angesprochen und dann von den Parteien erörtert wurde
(act. 26 S. 3, act. 30 S. 5). Da sich diese Vertragsklausel aber einzig in den EVB
findet, jedoch keine Partei geltend macht, man habe zunächst diskutiert, ob die
EVB überhaupt in den Vertrag einbezogen worden seien, bestätigt auch dieses
Verhalten insbesondere des Klägers den Willen der Parteien bei Vertragsab-
schluss, die EVB einzubeziehen. Weitere Umstände, die auf eine davon abwei-
chende Auslegung des Vertrages hinweisen würden, wurden nicht geltend ge-
macht und sind nicht ersichtlich.
4.3.8. Zusammengefasst ergibt die Auslegung der Lebensversicherungsverträge,
dass entgegen der Ansicht des Klägers die Ergänzenden Versicherungsbedin-
gungen für Renten bei Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfalls (Zusatz-
versicherung) Tarife r, IRE Ausgabe 1995 (act. 3/15) vom Konsens der Parteien
erfasst waren.
4.4. Globalübernahme
4.4.1. Aufgrund der Vermutung bei Versicherungsverträgen (STEPHAN FUHRER, in:
HONSELL/VOGT/SCHNYDER, a.a.O., N 45 zu Art. 33 VVG) und da nichts anderes
geltend gemacht wurde, ist aber auf Seiten des Klägers von einer Globalüber-
nahme der EVB auszugehen. Eine solche liegt vor, wenn der Versicherungs-
nehmer die AGB zwar in deren Gesamtheit übernehmen will, aber deren Inhalt
nicht zur Kenntnis genommen oder nicht verstanden hat (STEPHAN FUHRER, in:
HONSELL/VOGT/SCHNYDER, a.a.O., N 44 zu Art. 33 VVG). Einer Globalübernahme
durch den Kläger entspricht auch dessen unbestrittene Darstellung, wonach er die
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Vertragsklausel von Ziffer 3.2. bei Vertragsschluss nicht kannte, sondern erst
nach Eintritt der Erwerbsunfähigkeit darum wusste (act. 26 S. 3). Die Globalüber-
nahme ist indes nach dem Vertrauensprinzip nur gültig, wenn der Versicherer den
Versicherungsnehmer vor Vertragsabschluss auf die AGB hingewiesen und ihm
die Möglichkeit verschafft hat, in zumutbarer Weise von deren Inhalt Kenntnis zu
nehmen (STEPHAN FUHRER, in: HONSELL/VOGT/SCHNYDER, a.a.O., N 46 zu Art. 33
VVG).
4.4.2. Bezüglich des Hinweises auf die EVB und die Möglichkeit zur Kenntnis-
nahme derselben beruft sich die Beklagte auf den bereits zitierten Satz in Ziffer 7
der Antragsformulare direkt über den Unterschriften des Klägers, wonach der Un-
terzeichner den Empfang und die Annahme der Versicherungsbedingungen be-
scheinigt (act. 16/5 und 16/6 je S. 3). Einen anderen Hinweis auf die Versiche-
rungsbedingungen macht die Beklagte nicht geltend. Sie legt auch nicht dar, dass
der Kläger abgesehen von der von ihr behaupteten, tatsächlichen Übergabe der
EVB und deren Bescheinigung in den Versicherungsanträgen eine andere Mög-
lichkeit zur Kenntnisnahme derselben gehabt hätte. Der Kläger bestätigt zunächst
die Unterzeichnung der Anträge mit diesem Satz in Ziffer 7. oberhalb des Unter-
schriftenblocks (act. 26 S. 5), womit feststeht, dass er vor Vertragsabschluss auf
die Versicherungsbedingungen hingewiesen wurde.
4.4.3. Dessen ungeachtet bestreitet der Kläger aber, die EVB tatsächlich erhalten
zu haben; trotz seiner Bestätigung sei keine Übergabe erfolgt. Doch ist vorliegend
die unterschriftliche Bescheinigung des Empfangs der Versicherungsbedingungen
durch den Kläger im Rahmen der Versicherungsanträge als Möglichkeit, in zu-
mutbarer Weise von den EVB Kenntnis zu nehmen, wie sie für deren Globalüber-
nahme vorausgesetzt wird, als genügend zu erachten. Indem der Kläger diese
Bescheinigung in Anwesenheit des Versicherungsvermittlers F._ (vgl. act.
16/5 und 16/6 je S. 4) unterzeichnet hat, machte er deutlich, dass er die EVB ent-
weder tatsächlich erhalten hat, oder aber, sollte dies in Wahrheit nicht der Fall
gewesen sein, dass er auf deren Übergabe verzichtet und die Bescheinigung
dennoch abgegeben hat. Ein solcher Verzicht ist zulässig, da die tatsächliche
Übergabe der EVB für eine Globalübernahme nicht notwendig ist. Sie wäre nur
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vorausgesetzt, falls sich der Kläger auf die einseitige Unverbindlichkeit der Versi-
cherungsverträge nach Art. 3 Abs. 2 aVVG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 und 2
SchlT ZGB berufen hätte. Dies ist jedoch gerade nicht der Fall, stützt der Kläger
doch die eingeklagten Ansprüche auf diese Verträge. Die Bescheinigung des
Empfangs der Versicherungsbedingungen durch den Kläger genügt damit als
Möglichkeit zur Kenntnisnahme derselben in zumutbarer Weise. Die Vorausset-
zungen für eine gültige Globalübernahme der Ergänzenden Versicherungsbedin-
gungen für Renten bei Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfalls (Zusatz-
versicherung) Tarife r und IRE Ausgabe 1995 (act. 3/15) durch den Kläger sind
damit erfüllt.
4.4.4. Die Ergänzenden Versicherungsbedingungen für Renten bei Erwerbsunfä-
higkeit infolge Krankheit oder Unfalls (Zusatzversicherung) Tarife r und IRE Aus-
gabe 1995 (act. 3/15) wurden somit gültig in die beiden Lebensversicherungsver-
träge der Parteien einbezogen, wobei es sich auf Seiten des Klägers um eine
Globalübernahme handelt.
4.5. Auslegung von Ziffer 3.2 der EVB
4.5.1. Die Beklagte stützt das Erlöschen ihrer Leistungspflicht auf Ziffer 3.2 der in
den Vertrag einbezogenen Ergänzenden Versicherungsbedingungen für Renten
bei Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfalls (Zusatzversicherung) Tarife
r und IRE Ausgabe 1995. Diese Versicherungsbedingung lautet wie folgt (act. 3/5
S. 1):
"3. Wann können wir keine Leistungen erbringen
3.1. [...]
3.2 Verlegt die versicherte Person ihren Wohnsitz ins Ausland (ohne Fürstentum Liechten-
stein), so erlischt der Anspruch auf Versicherungsleistungen bei Erwerbsunfähigkeit 2 Jahre nach der Wohnsitzverlegung, sofern nicht etwas anderes vereinbart worden ist."
Die Auslegung der Klausel ist zwischen den Parteien strittig, wobei insbesondere
die Begriffe des Wohnsitzes im Ausland und des Erlöschens diskutiert werden.
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4.5.2. Die Beklagte führt aus, die Ergänzenden Versicherungsbedingungen für
Rente bei Erwerbsunfähigkeit hielten in Ziff. 3.2 ausdrücklich fest, dass der An-
spruch auf Rente zwei Jahre nach einer Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland
erlösche, sofern nichts anderes vereinbart worden sei (act. 15 S. 12). Als Wohn-
sitz werde schon im allgemeinen Sprachgebrauch das verstanden, was auch das
ZGB festhalte: wo sich jemand mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhalte.
Dies sei zwar nicht zwingend dort, wo die amtliche Anmeldung erfolgt sei und die
Schriften deponiert seien. Dies sei aber ein gewichtiges Indiz dafür (act. 15 S. 9).
Das Wort "erlöschen" sei schon vom Wortlaut her klar. Es meine die definitive
Beendigung eines Rechts (act. 15 S. 10). Die Schweizer Privatrechtsordnung
verwende das Wort "erlöschen" durchwegs für die definitive Beendigung eines
Rechtes oder Rechtsverhältnisses. Die einzige Ausnahme in Art. 79 Abs. 1 VVG
betreffe den Wegfall der Begünstigung aus der Lebensversicherung mit der Pfän-
dung des Versicherungsanspruchs und mit der Konkurseröffnung über den Versi-
cherungsnehmer, obwohl sie nach Dahinfallen der Pfändung oder Widerruf des
Konkurses wieder auflebe. Dieser Tatbestand unterscheide sich aber auch mate-
riell wesentlich von dem hier zu beurteilenden, denn hier habe der Kläger den
Tatbestand, der zum Erlöschen der Leistungspflicht führe, selbst verwirklicht, in-
dem er seinen Wohnsitz nach Ungarn verlegt habe. Weiter hält die Beklagte fest,
aus dem Hinweis auf "dauernden" Wohnsitz im Ausland in ihrem Schreiben vom
21. Januar 2008 könne der Kläger nichts ableiten. Sie beziehe sich dort direkt auf
EVB Ziff. 3.2. In diesem Zusammenhang bedeute dieser Hinweis nur, dass der
Tatbestand von EVB Ziff. 3.2 erfüllt sei, d.h. dass der Kläger während mehr als
zwei Jahren und damit während der Dauer gemäss EVB Ziff. 3.2 im Ausland ge-
wohnt und damit den dort genannten Tatbestand erfüllt habe. Die Beklagte habe
denn auch im gleichen Schreiben den Anspruch auf Leistungen bis 30. April 2007
berechnet und die ab 1. Mai 2007 erbrachten Leistungen zurückverlangt (act. 30
S. 17 f.). Der Kläger könne nichts daraus ableiten, dass die Beklagte erst eine
Wohnsitzbestätigung eingeholt habe, als ihr Schreiben vom 26. Oktober 2007 an
seiner angegebenen Adresse in G._ nicht habe zugestellt werden können
(act. 30 S. 18).
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4.5.3. Im Vergleich dazu macht der Kläger geltend, Ziff. 3.2 EVB sei restriktiv aus-
zulegen. Dies gelte insbesondere für den zentralen Begriff "Wohnsitzverlegung"
und auch für "erlischt" (act. 1 S. 6 f.). Die restriktive Auslegung des Wortes "er-
lischt" führe dazu, dass damit keine definitive Einstellung der Leistungen verbun-
den sein dürfe, sondern höchstens eine vorübergehende Sistierung der Leistun-
gen bis zur Rückkehr in die Schweiz. Dies auch deshalb, weil Sinn und Zweck ei-
ner solchen Bestimmung nur sein könne zu verhindern, dass durch die bei einem
Wegzug ins Ausland entstehenden Schwierigkeiten bei der Kontrolle des Fortbe-
stehens der Voraussetzungen für den Leistungsanspruch ungerechtfertigte Leis-
tungen ausbezahlt würden. Eine andere Interpretation des Wortes erlöschen wür-
de in krassem Widerspruch zu verfassungsmässigen Rechten stehen, insbeson-
dere zur persönlichen Freiheit (act. 1 S. 7). Ziff. 3.2 EVB könne nur dann als ver-
tragstypisch bzw. nicht ungewöhnlich beurteilt werden, wenn das Wort "erlischt"
nicht wie von der Beklagten geltend gemacht als definitive Beendigung des
Rechts angesehen werde, sondern nur als vorübergehende Sistierung bis zur er-
neuten Wohnsitznahme in der Schweiz und somit dem Wegfall allfälliger Schwie-
rigkeiten, die Erwerbsunfähigkeit oder andere Leistungsvoraussetzungen zu
überprüfen. Das Schreiben der Beklagten vom 21. Januar 2008 an den Kläger
zeige, dass die Beklagte dies auch so sehe. Darin werde festgehalten: "Da die
Zusatzversicherung bei dauerndem Wohnsitz im Ausland wegfallen...". Das Wort
dauernd sei bekanntlich der Gegensatz zu vorübergehend. Demzufolge halte
auch die Beklagte in diesem Schreiben indirekt fest, dass die Zusatzversicherun-
gen bei vorübergehendem Wohnsitz im Ausland nicht wegfielen, mit anderen
Worten wieder aufgenommen würden, sobald der Wohnsitz wieder in die Schweiz
verlegt werde. Und auch die mit Schreiben vom 8. November 2007 ergangene
Aufforderung der Beklagten an den Kläger, ihr eine Wohnsitzbestätigung zukom-
men zu lassen, zeige in die gleiche Richtung. Würde nach zwei Jahren Wohnsitz
im Ausland der Anspruch auf Leistungen tatsächlich definitiv erlöschen, hätte die-
se Aufforderung nach bereits erfolgter Leistungseinstellung keinen Sinn gemacht,
da es dafür dann infolge Ablaufs der massgebenden zwei Jahre längstens viel zu
spät gewesen wäre. Zu ergänzen sei, dass bezüglich Ungarn als europäisches
und seit 2004 als EU-Land die Schwierigkeiten bezüglich Überprüfbarkeit einer
- 25 -
andauernden Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität nicht bestünden bzw. nicht oder
zumindest nicht erheblich grösser seien als in der Schweiz (act. 26 S. 9). In seiner
Stellungnahme zu den Noven in der Duplik fügt der Kläger an, die Formulierung in
Art. 79 Abs. 1 VVG zeige sehr gut, dass das Wort "erlischt" nicht bedeute, dass
ein Anspruch nach dessen Erlöschen nicht wieder aufleben könne. Dasselbe gel-
te auch bezüglich einer der vorliegend zu beurteilenden Versicherung ähnlichen
Versicherung hinsichtlich der Frage der Auswirkung einer Verlegung des Wohn-
sitzes ins Ausland und der Rückverlegung des Wohnsitzes in die Schweiz auf den
Rentenanspruch: Gemäss den Randziffern 3011 und 2009 der Wegleitung über
die Renten erlösche die Altersrente der AHV mit Ablauf des Monats der Abreise
bzw. Wohnsitzverlegung ins Ausland und könne vom nächstfolgenden Monat
nach erfolgter Rückverlegung des Wohnsitzes in die Schweiz an wieder bean-
sprucht werden. Und noch deutlicher halte Randziffer 3113 der Wegleitung über
die Renten (RWL) bezüglich der Invalidenrenten der IV deren erneutes Aufleben
nach erfolgtem Erlöschen fest "Verlegt eine Person, deren Rente nur bei Wohn-
sitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz ausgerichtet werden kann, ihren
Wohnsitz vom Ausland in die Schweiz, so kann die Invalidenrente vom Monat der
Einreise an (erneut) beansprucht werden.". Dass die Invalidenrente bei Verlegung
des Wohnsitzes ins Ausland erlösche, werde in Randziffer 3120 festgehalten (act.
35 S. 10).
4.5.4. Die AGB müssen als Bestandteil eines konkreten Einzelvertrags individuell,
d.h. anhand der Umstände des Einzelfalls, ausgelegt werden (GAUCH/SCHLUEP,
a.a.O., N 1158 und 1241 m.w.H.). Das Vorgehen zur Auslegung der EVB ent-
spricht somit dem oben unter Erwägung 4.3.5. beschriebenen. Anzufügen ist,
dass mangels anderer Anhaltspunkte zu vermuten ist, dass die Parteien ein von
ihnen verwendetes Wort gemäss dem allgemeinen Sprachgebrauch zur Zeit des
Vertragsschlusses, somit im Sinne der damaligen Alltags- oder Umgangssprache
verwendet haben (Urteils des Bundesgerichts 5C.87/2002 vom 24. Oktober 2002
E. 2.2 ff.). Wurde ein Wort verwendet, dem ein juristisch-technischer Sinn zu-
kommt, so ist zu vermuten, dass die Parteien dieses Wort entsprechend seinem
juristischen Sinn verstanden haben. Dies gilt allerdings nur, wenn der juristische
Sinn des Wortes eindeutig und allgemein - zumindest in Kreisen der beteiligten
- 26 -
Parteien - bekannt ist (GAUCH/SCHLUEP, a.a.O., N 1209 m.H.a. BGE 131 III 606 E.
4.1). Erst wenn die primären und ergänzenden Auslegungsmittel zu keinem ein-
deutigen Ergebnis führen, ist unter anderem die sog. Unklarheitenregel anwend-
bar. Diese besagt, dass diejenige Vertragspartei die für sie ungünstigere Aus-
legung als Konsequenz hinnehmen muss, die eine unklare Vertragsbestimmung,
die mindestens zwei vertretbare Deutungen zulässt, verfasst hat (WOLFANG WIE-
GAND, in: HONSELL/VOGT/WIEGAND, a.a.O., N 40 zu Art. 18 OR). Die vom Kläger
postulierte restriktive Auslegung von AGB ist dagegen nicht vorgesehen.
4.5.5. Auch hier behauptet keine Partei einen übereinstimmenden wirklichen Wil-
len, sondern beide Parteien stützen den von ihnen behaupteten Inhalt von Ziffer
3.2. der EVB für Renten bei Erwerbsunfähigkeit auf eine normative Auslegung.
Bei der normativen Auslegung ist die Bedeutung der beiden Ausdrücke "Wohn-
sitz" und "erlischt" in dieser Vertragsklausel zentral. Gemäss Bedeutungs-
wörterbuch (Duden, Band 10, 4. Aufl. 2010) ist der Wohnsitz eine Wohnung an
einem bestimmten Ort, die jemandem zum ständigen Aufenthalt dient. Diese Be-
deutung entspricht dem allgemeinen Sprachgebrauch. Dem Wort Wohnsitz
kommt darüber hinaus jedoch ein eindeutiger, juristisch-technischer Sinn zu.
Nach dem im Zeitpunkt der Vertragsschlüsse geltenden aArt. 23 Abs. 1 ZGB be-
findet sich der Wohnsitz einer Partei an dem Orte, wo sie sich mit der Absicht
dauernden Verbleibens aufhält. Der Aufenthalt an einem Orte zum Zweck des
Besuchs einer Lehranstalt oder die Unterbringung einer Person in einer Erzie-
hungs-, Versorgungs-, Heil- oder Strafanstalt begründen keinen Wohnsitz (aArt.
26 ZGB). Da diese juristische Definition des Begriffs mit dessen Bedeutung im
allgemeinen Sprachgebrauch im Wesentlichen übereinstimmt und daher allge-
mein bekannt ist, ist zu vermuten, dass die Parteien das Wort im juristischen Sinn
verstanden haben. Eine andere Bedeutung des Wortes "Wohnsitz" legen auch die
weiteren Umstände nicht nahe. Es ist somit auf dessen juristischen Sinn gemäss
aArt. 23 Abs. 1 und aArt. 26 ZGB abzustellen, wie es überdies auch die Parteien
in ihren Ausführungen machen. aArt. 23 Abs. 1 ZGB stellt auf zwei Kriterien ab,
damit eine Person an einem bestimmten Ort Wohnsitz hat: objektiv physischer
Aufenthalt und subjektiv Absicht dauernden Verbleibens. Dabei ist die innere Ab-
sicht dauernden Verbleibs nur insoweit von Bedeutung, als sie nach aussen er-
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kennbar geworden ist. Massgebend ist daher der Ort, wo sich der Mittelpunkt der
Lebensbeziehungen befindet. Normalerweise ist dies am Wohnort, wo man
schläft, die Freizeit verbringt, sich die persönlichen Effekten befinden und wo man
üblicherweise einen Telefonanschluss und eine Postadresse hat. Der Mittelpunkt
der Lebensbeziehungen befindet sich dagegen nicht an einem Ort, an dem man
sich bloss zu einem Sonderzweck, wie dem Besuch einer Lehranstalt oder der
Unterbringung in ein Spital, befindet. Die nach aussen erkennbare Absicht muss
auf einen dauernden Aufenthalt gerichtet sein. Auch ein von vornherein bloss vo-
rübergehender Aufenthalt kann einen Wohnsitz begründen, wenn er auf eine be-
stimmte Dauer angelegt ist und der Lebensmittelpunkt dorthin verlegt wird. Die
Absicht, einen Ort später wieder zu verlassen, schliesst eine Wohnsitzbegrün-
dung nicht aus. Bei verheirateten Personen bestimmt sich der Wohnsitz geson-
dert für jeden Ehegatten. Üblicherweise befindet sich der Wohnsitz beider Ehegat-
ten am Ort der ehelichen Wohnung. Möglich sind getrennte Wohnsitze bei Ehe-
gatten, die das Zusammenleben nicht aufgegeben haben, wenn sie sich ab-
wechslungsweise in beiden Wohnungen treffen. Weiter ist der tatsächliche Auf-
enthalt im Sinne eines Wohnens erforderlich zur Begründung eines Lebensmittel-
punktes, der blosse Wille zur Wohnsitznahme genügt nicht. Ist die objektiv er-
kennbare Absicht des dauernden Verbleibens und der Begründung eines neuen
Lebensmittelpunktes gegeben, so genügt ein Aufenthalt kürzester Dauer zur Be-
gründung eines Wohnsitzes. Für den Wohnsitz dagegen nicht massgebend ist,
wo eine Person angemeldet ist und ihre Schriften hinterlegt hat. Dies sind jedoch
Indizien für die Absicht dauernden Verbleibens. Unerheblich sind die Gründe,
welche dazu führen, dass jemand seinen Lebensmittelpunkt an einen bestimmten
Ort verlegt (DANIEL STAEHLIN, in: HONSELL/VOGT/GEISER, Basler Kommentar zum
Zivilgesetzbuch, 4. Auflage 2010, N 5 ff. zur Art. 23 ZGB). Alsdann bedeutet die
Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland gemäss Ziff. 3.2. der EVB für Renten bei
Erwerbsunfähigkeit, dass anstelle eines bisherigen Wohnsitzes im Sinne von aArt.
23 Abs. 1 ZGB in der Schweiz neu ein solcher im Ausland begründet wird.
4.5.6. Das Wort "erlöschen" ist sodann ein Synonym für "aufhören", "auslaufen"
oder auch "enden" (vgl. Duden, Band 8, Das Synonymwörterbuch, 4. Aufl. 2008).
Eine von diesem allgemeinen Sprachgebrauch abweichende Bedeutung in Ziffer
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3.2 EVB ist auch aus der Gesamtheit der vertraglichen Regelungen und den wei-
teren Umständen nicht ersichtlich. Im Besonderen steht diese Auslegung auch im
Einklang mit der von den Parteien zur Auslegung beigezogenen Wegleitung über
die Renten (RWL) in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen und Invaliden-
versicherung, Rz 3110 bis 3113, 3120 und 7111 (act. 32/8 und 36/14;
www.bsv.admin.ch/vollzug/storage/documents/75/75_7_de.pdf besucht am 11.
Juli 2014), zumal dort nicht das Wort "erlöschen" in den Rz 3110, 3120 und 7111
abweichend verwendet wird, sondern Rz 3113 positiv festhält, dass eine Person,
deren Rente nur bei Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz aus-
gerichtet werden kann, die Invalidenrente bei einer Verlegung des Wohnsitzes
vom Ausland in die Schweiz vom Monate der Einreise an erneut beanspruchen
kann. In Übereinstimmung mit der Umschreibung in der Wegleitung würde auch in
den EVB das Wort "erlöschen" der zusätzlich positiv umschriebenen Verein-
barung eines erneuten Anspruchs auf die Rente für den Fall, dass der Wohnsitz
vom Ausland in die Schweiz verlegt wird, nicht entgegenstehen. Eine solche posi-
tiv umschriebene Regelung wurde aber nicht geltend gemacht und ist auch act.
3/15 nicht zu entnehmen. Nebenbei ist anzumerken, dass das Wort "erlöschen" in
Art. 29 Abs. 4 IVG, welcher an den angerufenen Stellen der Wegleitung erläutert
wird, gar nicht verwendet wird, dieser Begriff mithin nicht dem Gesetz sondern al-
lein der Wegleitung entspringt. Schliesslich lässt sich auch aus den beiden vom
Kläger angeführten Schreiben der Beklagten vom 8. November 2007 und 21. Ja-
nuar 2008 keine abweichende Bedeutung entnehmen. Denn sowohl die Aufforde-
rung, eine Wohnsitzbescheinigung einzureichen, als auch der Hinweis auf einen
dauernden Wohnsitz im Ausland stehen dieser Auslegung nicht entgegen, son-
dern entsprechen gerade der in Ziffer 3.2 EVB vorgesehenen Regelung, wonach
bei Wohnsitzverlegung der Anspruch auf Rente noch zwei Jahre weiterbesteht
und erst dann definitiv endet.
4.5.7. Die normative Auslegung von Ziffer 3.2 der Ergänzenden Versicherungsbe-
dingungen für Renten bei Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfalls (Zu-
satzversicherung) der Tarife r und IRE Ausgabe 1995 anhand des Wortlauts und
der weiteren Umstände führt somit zum eindeutigen Ergebnis, dass für den Fall,
dass die versicherte Person ihren Wohnsitz im Sinne von aArt. 23 Abs. 1 und
- 29 -
aArt. 26 ZGB ins Ausland verlegt, vereinbart ist, dass 2 Jahre nach der Wohnsitz-
verlegung der Anspruch auf Rentenleistungen aufhört/endet. Ein erneuter An-
spruch bei späterer (Rück-)Verlegung des Wohnsitzes vom Ausland in die
Schweiz ist nicht vorgesehen, sondern der Anspruch auf Rentenleistungen endet
definitiv. Aufgrund dieses eindeutigen Ergebnisses der Auslegung erübrigt sich
die Anwendung der Unklarheitenregel. Auch liegen nicht mehrere vertretbare
Deutungen vor, aus denen die für die Beklagte ungünstigere Auslegung gewählt
werden müsste. Im Folgenden ist aber aufgrund der Globalübernahme der EVB
durch den Kläger zu prüfen, ob deren Ziffer 3.2 die Anwendung gestützt auf die
sog. Ungewöhnlichkeitsregel versagt werden muss. Dies wendet der Kläger näm-
lich ein für den Fall, dass die Auslegung zu diesem Ergebnis kommen sollte.
4.6. Ungewöhnlichkeitsregel
4.6.1. Der Kläger macht hierzu geltend, Ziff. 3.2 EVB betreffe nicht den räumli-
chen Geltungsbereich im eigentlichen Sinn der hier zu Diskussion stehenden Ver-
sicherung, sondern stelle einen ungewöhnlichen und überraschenden Grund für
die Einstellung der Versicherungsleistungen dar. Der räumliche Geltungsbereich
der Versicherung sei in der Police nicht eingeschränkt worden, die Versicherung
gewähre daher Schutz auf der ganzen Welt. Die hier zur Diskussion stehende
Versicherungsbedingung habe keinen Einfluss auf die Prämienhöhe, sondern mit
ihr werde eine sonst übliche Versicherungsleistung ausgeschlossen resp. gänz-
lich verweigert, der Versicherungsnehmer um einen vertragstypischen Anspruch
gebracht. Im vorliegenden Fall gehe es um die definitive Einstellung der Renten-
zahlung zwei Jahre nach einer Wohnsitzverlegung ins Ausland. Es gehe nicht nur
um eine allenfalls zulässige vorübergehende Leistungseinstellung, sondern um
die wegen Ungewöhnlichkeit unzulässige definitive Verweigerung der vereinbar-
ten Erwerbsunfähigkeitsrente und somit des vertragstypischen Anspruchs. Es sei
keines der vom Obergericht genannten Kriterien für die Zulässigkeit einer solchen
Ausschlussklausel - Beeinflussung der Prämienhöhe in erheblichem Ausmass
oder Unzumutbarkeit der Überprüfung der Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit im
Ausland - erfüllt. Die Änderung der Versicherungsbedingungen der Beklagten zei-
ge, dass auch sie sich bewusst geworden sei, dass weder die Voraussetzung der
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Beeinflussung der Prämienhöhe in erheblichem Ausmass noch der Unzumutbar-
keit der Überprüfung der Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit im Ausland erfüllt seien
(act. 1 S. 6, act. 26 S. 7 f.). Weiter fügt der Kläger an, nur weil einige andere Ver-
sicherungsbedingungen das Erlöschen eines Anspruchs nach Verlegung des
Wohnsitzes oder Aufenthaltes ins Ausland bzw. einige Zeit danach vorsehen wür-
den, sei Art. 3.2 der EVB noch lange nicht eine nicht ungewöhnliche Klausel. Dies
auch deshalb nicht, weil der von der Beklagten ins Feld geführte Wegfall der IV-
und AHV-Renten bei Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland für Schweizer Bür-
ger wie den Kläger gerade nicht gelte, und weil der Anspruch auf eine AHV-Rente
bei der Rückverlegung des Wohnsitzes in die Schweiz wieder auflebe (act. 35 S.
8).
4.6.2. Die Beklagte führt demgegenüber aus, Ziff. 3.2 der EVB sei weder unge-
wöhnlich noch überraschend. Allgemeine Versicherungsbedingungen würden
primär den Deckungsumfang und die Einschränkung der umschriebenen Gefahr
durch Ausschlussklauseln regeln. Bei einer Versicherung gegen Erwerbsunfähig-
keit seien die Leistungen nur solange geschuldet, als eine Erwerbsunfähigkeit an-
dauere. Das versicherte Ereignis sei damit nicht nur der Eintritt, sondern auch das
Fortbestehen einer versicherten Erwerbsunfähigkeit. Eine Einschränkung der
Leistungspflicht bei Wohnsitz im Ausland betreffe damit ebenfalls den räumlichen
Geltungsbereich der Versicherungsdeckung. Eine Erwerbsunfähigkeit sei nur bei
Wohnsitz in der Schweiz uneingeschränkt und bei Verlegung des Wohnsitzes ins
Ausland nur noch während 2 Jahren gedeckt. Es könne daher bei einer Klausel,
die den räumlichen Geltungsbereich der Versicherung einschränke, nicht von ei-
nem versteckten Deckungsausschluss gesprochen werden. Gleichzeitig handle
es sich um eine zeitliche Risikobegrenzung bei Erwerbsunfähigkeit im Ausland
analog der vor allem bei Heilungskosten seit langem üblichen zeitlichen Risikobe-
grenzungen, etwa auf 5 Jahre nach einem Unfall. Ferner sei es verbreitet, dass
Ansprüche auf Renten oder Prämienbefreiung bei Arbeitsunfähigkeit bei Verle-
gung des Wohnsitzes ins Ausland nach einer gewissen Zeit erlöschen würden,
und schon deshalb nicht ungewöhnlich. Bei anderen, von der Beklagten im Ein-
zelnen aufgeführten Versicherungsgesellschaften gebe es entsprechende Rege-
lungen, wobei teilweise der Versicherungsschutz schon nach 6 oder 12 Monaten
- 31 -
erlösche, und auch das Bundesrecht verlange in gewissen Fällen Wohnsitz in der
Schweiz als Voraussetzung für die Zahlung von Renten. So hätten ausländische
Staatsangehörige teilweise nur Anspruch auf Rente der IV, solange sie Wohnsitz
und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben; verlege ein Ausländer seinen
Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt ins Ausland, erlösche der Anspruch auf
Altersrente der AHV. Jeder Anspruch auf ausserordentliche Hinterlassenen- oder
Invalidenrente erlösche sofort, wenn die berechtige Person ihren zivilrechtlichen
Wohnsitz ins Ausland verlege. In einer Zeit, in der mehr auf den gewöhnlichen
Aufenthalt abgestellt werde als auf die Staatsangehörigkeit, sei damit die Bestim-
mung in den EVB der Beklagten, die die Leistungen bei Wohnsitz im Ausland so-
gar während zwei Jahren gewähre, jedenfalls nicht ungewöhnlich. Diese Klausel
bedeute auch keine unzulässige Beschränkung der freien Wahl des Wohnsitzes
(act. 15 S. 8, act. 30 S. 11 f.). Zudem macht die Beklagte geltend, der Wegfall der
Leistung bei Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland sei statistisch nicht zu ver-
nachlässigen, vor allem in einem Land wie der Schweiz mit einem sehr hohen An-
teil an Immigranten, die erfahrungsgemäss häufig nach dem Ende der Berufstä-
tigkeit wieder in ihre Heimat zurückkehrten. Eine unbefristete Weiterzahlung der
Rente auch bei Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland würde den gesamten
Aufwand beeinflussen und eine höhere Prämie erfordern. Die Bezahlung von
Renten an Personen im Ausland beeinflusse vor allem die Kosten der Abklärung
überdurchschnittlich, namentlich über Fortbestand und Höhe einer rentenbegrün-
denden Invalidität und auch, ob der Berechtigte überhaupt noch lebe. Bei Ren-
tenbezügern im Ausland seien diese Abklärungen für den Versicherer ganz all-
gemein schwieriger und mit wesentlich grösserem Aufwand verbunden, und auch
das Missbrauchspotential sei wesentlich grösser. Gerade in den letzten Jahren
sei auch in der Öffentlichkeit bekannt geworden, dass in gewissen ausländischen
Staaten viele Angehörige von Verstorbenen deren Invaliden- und Altersrenten
auch noch nach dem Ableben von Versicherten weiter bezögen, weil der Versi-
cherer vom Tod nichts wisse. Diese zusätzlichen Kosten und das entsprechende
Missbrauchspotenzial würden den Aufwand des Versicherers und damit die Prä-
mienhöhe beeinflussen. Bei Personenversicherungen sei bei Heilbehandlungen
der Ort der Leistungserbringung bzw. der Wohnsitz des Bezügers von Leistungen
- 32 -
bei Renten wegen Erwerbsunfähigkeit sowie bei Hinterlassenen- und Leibrenten
wesentlich, um mit vertretbarem Aufwand überprüfen zu können, ob die Voraus-
setzungen zur Leistungserbringung noch bestünden, namentlich ob eine Er-
werbsunfähigkeit andauere und in welchem Umfang und allgemein, ob der Bezü-
ger der Rente noch lebe. Damit werde der Aufwand des Versicherers erheblich
höher und sei im Ergebnis eine verlässliche Kontrolle oft überhaupt nicht mit ver-
tretbarem Aufwand möglich, was diese praktisch unzumutbar mache. Dass ein
Land Mitglied der EU sei, ändere nichts daran, dass es Ausland sei und deshalb
gewisse Schwierigkeiten bei der Überprüfung von Aktivitäten eines Leistungsbe-
zügers und allenfalls auch ein Missbrauchspotential bestünden. Dies rechtfertige
es, die Leistungspflicht bei Wohnsitz im Ausland auf 2 Jahre zu befristen (act. 30
S. 13 f., 18). Schliesslich könne der Kläger nichts daraus ableiten, dass spätere
Ausgaben der entsprechenden Versicherungsbedingungen keine entsprechende
Regelung mehr enthielten. Eine spätere Anpassung könne verschiedene Gründe
haben (act. 15 S. 9, act. 30 S. 14).
4.6.3. Die Geltung vorformulierter allgemeiner Geschäftsbedingungen wird ge-
mäss der Rechtsprechung durch die Ungewöhnlichkeitsregel eingeschränkt. Da-
nach sind von einer global erklärten Zustimmung zu allgemeinen Vertragsbedin-
gungen alle ungewöhnlichen Klauseln ausgenommen, auf deren Vorhandensein
die schwächere oder weniger geschäftserfahrene Partei nicht gesondert aufmerk-
sam gemacht worden ist. Der Verfasser von allgemeinen Geschäftsbedingungen
muss nach dem Vertrauensgrundsatz davon ausgehen, dass ein unerfahrener
Vertragspartner ungewöhnlichen Klauseln nicht zustimmt. Die Ungewöhnlichkeit
beurteilt sich aus Sicht des Zustimmenden im Zeitpunkt des Vertragsschlusses.
Die Beurteilung erfolgt einzelfallbezogen. Für einen Branchenfremden können
deshalb auch branchenübliche Klauseln ungewöhnlich sein. Nach Massgabe des
Vertrauensgrundsatzes sind die persönlichen Vorstellungen des Versicherungs-
nehmers soweit massgebend, als sie für den Versicherer erkennbar sind; es ge-
nügt nicht, dass der Versicherungsnehmer in der Branche unerfahren ist. Die Un-
gewöhnlichkeitsregel kommt jedoch nur dann zur Anwendung, wenn neben dieser
subjektiven Voraussetzung die betreffende Klausel objektiv beurteilt einen ge-
schäftsfremden Inhalt aufweist. Dies ist dann zu bejahen, wenn sie zu einer we-
- 33 -
sentlichen Änderung des Vertragscharakters führt oder in erheblichem Masse aus
dem gesetzlichen Rahmen des Vertragstypus fällt. Je stärker eine Klausel die
Rechtsstellung des Vertragspartners beeinträchtigt, desto eher ist sie als unge-
wöhnlich zu qualifizieren. Bei Versicherungsverträgen sind die berechtigten De-
ckungserwartungen zu berücksichtigen (BGE 138 III 411 E. 3.1 m.w.H., BGE 119
II 443 E. 1.a, Urteil des Bundesgerichts 5C.220/2000 vom 11. Dezember 2000 E.
2.a).
4.6.4. Bei Abschluss der beiden Lebensversicherungsverträge führte der Kläger
eine Tankstelle als Einzelunternehmen (vgl. act. 15 S. 3), und es wurde nicht vor-
gebracht, dass er Branchenkenntnisse im Bereich der (Lebens-)Versicherungs-
verträge gehabt hätte. Der Kläger war demnach branchenfremd. Ausserdem kann
er vorliegend ohne Weiteres als schwächere Partei bezeichnet werden. Die Be-
klagte behauptet sodann nicht, den Kläger bei Vertragsschluss auf Ziffer 3.2 EVB
aufmerksam gemacht zu haben. Demnach ist diese Klausel von der global erklär-
ten Zustimmung des Klägers ausgenommen, falls es sich dabei um eine unge-
wöhnliche Klausel handelt.
4.6.5. Kein Indiz für die Gewöhnlichkeit der Ziffer 3.2 EVB ist die Genehmigung
der EVB durch das BPV, zumal der Zivilrichter nicht an den verwaltungsrechtli-
chen Genehmigungsentscheid gebunden ist und dessen präventive Kontrolle die
Anwendung der Ungewöhnlichkeitsregel nicht ausschliesst (STEPHAN FUHRER, in:
HONSELL/VOGT/SCHNYDER, a.a.O., N 245 zu Art. 33 VVG). Die strittige Klausel Zif-
fer 3.2 der EVB betrifft einen Deckungsausschluss bezüglich der Versicherungs-
leistung bei Erwerbsunfähigkeit, welcher den räumlichen Geltungsbereich der Zu-
satzversicherung regelt. Der Deckungsausschluss enthält zudem ein zeitliches
Element, da er erst 2 Jahre nach der Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland ein-
tritt. Die Festlegung der Voraussetzungen, unter denen der Versicherer seine
Leistungen zu erbringen hat, der Deckungsumfang und die Einschränkung der
umschriebenen Gefahr durch Ausschlussklauseln sind der eigentliche Gegen-
stand von Allgemeinen Versicherungsbedingungen. Die Frage nach dem räumli-
chen Geltungsbereich stellt sich bei jedem Versicherungsvertrag. Da die territoria-
le Ausdehnung des Versicherungsschutzes in erheblichem Ausmass die Prä-
- 34 -
mienhöhe beeinflusst, sind auf den räumlichen Geltungsbereich bezogene Bedin-
gungen wie die vorliegende Ziffer 3.2 EVB zulässiger und gängiger Gegenstand
von Deckungsausschlüssen (Urteil des Bundesgerichts 5C.220/2000 vom 11. De-
zember 2000, E. 2.b) f. m.w.H.). Ferner ist gestützt auf die unbestrittenen Ausfüh-
rungen der Beklagten, wonach auch andere Personenversicherer in der Schweiz
wie auch in Deutschland und Österreich eine Ziffer 3.2 EVB entsprechende resp.
das Erlöschen des Rentenanspruchs bei Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland
gar zeitlich früher vorsehende Klausel verwenden, davon auszugehen, dass da-
mals ein derartiger territorialer Deckungsausschluss in der Lebensversicherungs-
branche üblich war. Dies sagt zwar nichts darüber aus, ob der streitige De-
ckungsausschluss vertragstypisch erscheint. Die Branchenüblichkeit kann aber
als Indiz dafür angesehen werden, dass die Klausel nicht geschäftsfremd ist (Ur-
teil des Obergerichts Zürich LB100030 vom 19. November 2011, E. 3.4.3.6., act.
16/17; dazu: EVA POUGET-HÄNSELER, in: HAVE 2012 S. 171 ff.). Auch aufgrund
der im IVG und AHVG enthaltenen Regelungen zum räumlichen Geltungsbereich
bezüglich des Anspruchs auf Rentenleistungen (vgl. etwa Art. 6 Abs. 2 IVG und
Art. 29 Abs. 4 IVG resp. Art. 28 Abs. 1ter aIVG oder auch Art. 18 Abs. 2 und Art.
42 AHVG) ist festzuhalten, dass eine Klausel wie Ziffer 3.2 EVB als vertragsty-
pisch zu qualifizieren ist. Zwar ist dem Kläger (act. 35 S. 8) zuzustimmen, dass
Art. 6 Abs. 2 IVG den Anspruch auf Rentenleistungen nur für Ausländer an den
Wohnsitz in der Schweiz knüpft und das Erlöschen des Anspruchs auf die Dauer
eines ausländischen Wohnsitzes beschränkt ist. Dennoch zeigen die Bestimmun-
gen der obligatorischen Sozialversicherung eindeutig, dass die strittige Klausel
nicht aus dem gesetzlichen Rahmen des Vertragstypus fällt, sondern solche Re-
gelungen über den räumlichen Geltungsbereich für Personenversicherungsver-
träge über Rentenleistungen gerade typisch sind. Ziffer 3.2 EVB erscheint somit
vorliegend als vertragstypisch.
4.6.6. Die Ungewöhnlichkeitsregel kann im Bereich von AVB zur Anwendung ge-
langen, wenn der durch Bezeichnung und Werbung beschriebene Deckungsum-
fang erheblich reduziert wird, so dass gerade die häufigsten Risiken nicht mehr
gedeckt sind, wenn Sinn und Tragweite einer Bestimmung infolge komplizierter
Formulierung verklausuliert sind oder wenn sie aufgrund ihres Standorts innerhalb
- 35 -
der AVB für den Versicherungsnehmer überraschend und unerwartet erscheint
(Urteil des Bundesgerichts 5C.134/2004 vom 1. Oktober 2004 E. 4.2). Vorliegend
ist die Tragweite des Deckungsausschlusses nicht verklausuliert (vgl. dazu oben
Erwägung 4.5) und dieser ist aufgrund seines Standortes innerhalb der EVB unter
Ziffer 3. "Wann können wir keine Leistungen erbringen" für den Versicherungs-
nehmer nicht überraschend und unerwartet. Auch wird der Deckungsumfang nicht
in erheblichem Umfang reduziert. Die Parteien schlossen zwei Lebensversiche-
rungen ab, worin Leistungen im Erlebens- resp. Todesfall sowie als Zusatzversi-
cherungen Erwerbsunfähigkeitsrenten sowie Prämienbefreiungen bei Erwerbsun-
fähigkeit versichert waren (act. 3/3 und 3/4, act. 16/5 und 16/6). Hiervon beschlägt
der Deckungsausschluss gemäss Ziffer 3.2 EVB nur einen Teilbereich, nämlich
den Wegfall der Erwerbsunfähigkeitsrente nach 2 Jahren bei Verlegung des
Wohnsitzes ins Ausland. Damit wird nur ein Teil der Leistungen aus der Zusatz-
versicherung ausgeschlossen und dies auch nur nach einer Verlegung des Wohn-
sitzes ins Ausland für mehr als 2 Jahre. Der Versicherte hat es demnach selbst in
der Hand, auf diese Leistungen zu verzichten oder nicht. Auch dass die Klausel
das definitive Erlöschen des Anspruchs auf Rentenleistungen und keinen erneu-
ten Anspruch bei Rückverlegung des Wohnsitzes in die Schweiz vorsieht, redu-
ziert den Deckungsumfang der Versicherung nicht erheblich. Dies gerade des-
halb, weil der Rentenanspruch während zweier Jahre weiterbesteht und erst dann
bei noch länger dauerndem Wohnsitz im Ausland erlischt. Demgegenüber kann
der Kläger allein daraus, dass die EVB Ausgabe 2007 der Beklagten die Rege-
lung von Ziffer 3.2 EVB nicht mehr enthalten, keine Ungewöhnlichkeit der Klausel
ableiten. Ziffer 3.2 EVB kann somit insgesamt nicht als erhebliche Reduzierung
des Deckungsumfangs der abgeschlossenen Lebensversicherungen bezeichnet
werden.
4.6.7. Zusammenfassend ist die Regelung in Ziffer 3.2 EVB nach den objektiven
Voraussetzungen nicht als ungewöhnlich zu qualifizieren. Sie führt weder zu einer
wesentlichen Änderung des Vertragscharakters noch fällt sie in erheblichem Mas-
se aus dem gesetzlichen Rahmen des Vertragstypus. Die Prüfung der subjektiven
Voraussetzungen der Ungewöhnlichkeit erübrigt sich bei diesem Ergebnis. Ziffer
3.2 der Ergänzenden Vertragsbedingungen für Renten bei Erwerbsunfähigkeit in-
- 36 -
folge Krankheit oder Unfalls (Zusatzversicherung) Tarife r, IRE Ausgabe 1995 ist
somit von der Globalübernahme des Klägers nicht ausgenommen, sondern wurde
Vertragsbestandteil der Lebensversicherungsverträge der Parteien.
4.7. Inhaltskontrolle
4.7.1. Der Kläger macht überdies geltend, ein definitives Erlöschen des Renten-
anspruchs des Versicherungsnehmers bei Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland
nach zwei Jahren stehe in krassem Widerspruch zu den verfassungsmässigen
Rechten, insbesondere zur persönlichen Freiheit (act. 26 S. 7).
4.7.2. Nach Art. 19 OR kann der Inhalt des Vertrages innerhalb der Schranken
des Gesetzes beliebig festgestellt werden. Von den gesetzlichen Vorschriften ab-
weichende Vereinbarungen sind nur zulässig, wo das Gesetz nicht eine unabän-
derliche Vorschrift aufstellt oder die Abweichung nicht einen Verstoss gegen die
öffentliche Ordnung, gegen die guten Sitten oder gegen das Recht der Persön-
lichkeit in sich schliesst. Ein Vertrag, der einen unmöglichen oder widerrechtlichen
Inhalt hat oder gegen die guten Sitten verstösst, ist nichtig. In Ergänzung zu Art.
19 Abs. 2 OR bestimmt Art. 27 Abs. 2 ZGB, dass sich niemand seiner Freiheit
entäussern oder sich in ihrem Gebrauch in einem das Recht oder die Sittlichkeit
verletzenden Grade beschränken kann.
4.7.3. Die Freiheit zur Wahl des Wohnsitzes wird durch Ziffer 3.2 EVB nicht
grundsätzlich beschränkt. Der Versicherungsnehmer bleibt frei, seinen Wohnsitz
zu bestimmen. Die Freiheit zur Wahl des Wohnsitzes wird auch nicht in einem das
Recht oder die Sittlichkeit verletzenden Grad beschränkt. Der Deckungsaus-
schluss durch diese Klausel hat sodann sachliche Gründe. Mit der Beklagten (act.
30 S. 13 f.) ist nämlich festzuhalten, dass die Abklärung einer andauernden Er-
werbsunfähigkeit des Versicherungsnehmers, welche als versichertes Ereignis
Voraussetzung für das Fortbestehen des Anspruchs auf Rentenleistungen ist, ge-
rade bei einem mehrjährigen Wohnsitz im Ausland ohne intensive und damit
kaum zumutbare Nachforschungen des Versicherers nur schwer zu bewerkstelli-
gen ist. Aber auch das vom Kläger als einzig zulässig erachtete Wiederaufleben
des Rentenanspruchs nach Rückverlegung des Wohnsitzes in die Schweiz würde
- 37 -
auf Seiten des Versicherers dieselben nicht zumutbaren Nachforschungen verur-
sachen. Auch dann müsste der Versicherer, um in der Lage zu sein, seine ver-
traglichen Rechte geltend zu machen und die Möglichkeit eines Wiederauflebens
des Rentenanspruch einschätzen zu können, fortwährend über den Gesundheits-
zustand des Versicherten und die Fortdauer der Erwerbsunfähigkeit im gleichen
Umfang Bescheid wissen. Die strittige Klausel ist daher nicht nichtig.
4.8. Abweichende Vereinbarung
4.8.1. Ziffer 3.2 der Ergänzenden Vertragsbedingungen für Renten bei Erwerbs-
unfähigkeit infolge Krankheit oder Unfalls (Zusatzversicherung) Tarife r, IRE Aus-
gabe 1995 enthält einen Vorbehalt zugunsten einer abweichenden Vereinbarung
der Vertragsparteien.
4.8.2. Im Hinblick darauf macht der Kläger zwar geltend, weil er im November
2004, nach Eintritt seiner Erwerbsunfähigkeit und im Gegensatz zur Situation bei
Vertragsschluss, um die Vertragsklausel gewusst habe, wonach bei einer Wohn-
sitzverlegung ins Ausland nach zwei Jahren der Anspruch auf Versicherungsleis-
tungen entfalle, sofern nichts anderes vereinbart worden sei, habe er verbindlich
wissen wollen, ob dies aufgrund seines Aufenthalts in Ungarn der Fall sein werde
oder nicht, um so keine Probleme mit dieser Vertragsklausel zu bekommen (act.
26 S. 3 f.). Bei der Besprechung vom 25. November 2004 habe ihm E._ ge-
sagt, wenn er nichts von ihm höre, sei bezüglich seines Aufenthaltes in Ungarn
und der Erbringung der Leistungen durch die Beklagte alles gut. E._ habe
sich sinngemäss bereit erklärt, nach Rücksprache mit anderen Personen bei der
Beklagten dem Kläger Mitteilung zu machen, falls der Aufenthalt in Ungarn prob-
lematisch sei. Er habe darauf vertrauen dürfen, dass E._ sich wieder gemel-
det hätte, falls sein Aufenthalt in Ungarn bezüglich der Versicherungsleistungen
der Beklagten problematisch sein könnte. Da er sich nicht mehr gemeldet habe,
habe der Kläger davon ausgehen dürfen, dass sein Aufenthalt in Ungarn zu kei-
ner Einstellung von Leistungen führen würde resp. dass die Beklagte seinen Auf-
enthalt in Ungarn nicht zum Anlass nehmen würde, ihre Leistungen zu verweigern
(act. 1 S. 6, act. 26 S. 5, 7, 10). Die Berufung der Beklagten auf das Erlöschen
- 38 -
des Anspruchs auf Versicherungsleistungen nach 2 Jahren ab Wohnsitzverlegung
gemäss Ziff. 3.2 der EVB sei treuwidrig (act. 1 S. 6).
4.8.3. Gleichzeitig stellt der Kläger indessen klar, dass am 25. November 2004 ei-
ne Verlegung des Wohnsitzes im Sinne des Lebensmittelpunktes nach Ungarn
nicht erwähnt worden sei und dass dies damals auch kein Thema gewesen sei,
insbesondere auch nicht wegen der Übergabe der Tankstellenführung durch den
Kläger an seine Ehefrau, weil eine Trennung des Klägers von seiner Ehefrau nicht
beabsichtigt gewesen sei. Es treffe auch zu, dass der Kläger damals nicht er-
wähnt habe, dass er für längere Zeit, z.B. für zwei Jahre oder mehr, nach Ungarn
gehen würde, sondern nur, dass er nach Ungarn reisen werde, um sich dort be-
handeln zu lassen. Wie lange dies dauern würde, habe er damals nicht gewusst,
ein Aufenthalt von zwei oder mehr Jahren sei nicht geplant, aber auch nicht aus-
zuschliessen gewesen (act. 26 S. 3). Er behaupte nicht, E._ habe ihm am
25. November 2004 die Zusage gemacht, dass der Kläger auch für mehr als zwei
Jahre seinen Wohnsitz nach Ungarn verlegen dürfe, ohne dass dies auf die Leis-
tungserbringung durch die Beklagte einen Einfluss hätte (act. 26 S. 5).
4.8.4. Entsprechend hält die Beklagte fest, hier bestehe keine solche andere Ver-
einbarung (act. 15 S. 12). Der Kläger behaupte zu Recht keine Zusage von
E._ betreffend die Folgen einer Wohnsitzverlegung für mehr als zwei Jahre
nach Ungarn (act. 30 S. 8). E._ habe dem Kläger keine Zusicherungen be-
züglich künftiger Leistungen gemacht. Anlässlich des Treffens beim Kläger am 25.
November 2004 sei eine Verlegung des Wohnsitzes nach Ungarn nicht erwähnt
worden. Dass der Kläger für längere Zeit oder gar für zwei Jahre oder mehr nach
Ungarn gehen würde, habe dieser nie erwähnt. Auch von längeren Behandlungen
oder Therapien in Ungarn sei nicht die Rede gewesen. Der Kläger räume denn
auch richtig ein, dass am 25. November 2004 eine Verlegung des Wohnsitzes
nach Ungarn weder erwähnt worden noch überhaupt Thema gewesen sei. Eine
Reise nach Ungarn sei nur im Zusammenhang mit einem Arztbesuch und allen-
falls einem vorübergehenden Aufenthalt zu Heilungszwecken ein Thema gewe-
sen, nachdem der Kläger die ungarischen Ärzte besonders gelobt habe. Auch
wenn der Kläger für Behandlungen in anspruchsvolleren Fachgebieten nach Un-
- 39 -
garn gereist sei, habe er nicht davon ausgehen können, dass die Beklagte aus ei-
ner bevorstehenden Reise nach Ungarn für ärztliche Behandlung auf einen auch
nur längeren Aufenthalt schliessen würde. Aufgrund der Umstände habe die Be-
klagte auch nicht davon ausgehen müssen. Auch aus der Übernahme des Pacht-
vertrages der Tankstelle durch die Ehefrau des Klägers habe die Beklagte nicht
schliessen können, dass der Kläger längere Zeit ins Ausland gehe (act. 15 S. 3,
act. 30 S. 4). E._ habe ohne den geringsten Hinweis des Klägers auf einen
möglicherweise länger dauernden Aufenthalt in Ungarn oder gar auf eine Verle-
gung des Wohnsitzes keinen Anlass dazu gehabt, genauer zu prüfen, ob die Be-
klagte die Rente weiter zahle, wenn der Kläger nach Ungarn gehe, und sich allen-
falls wieder zu melden (act. 30 S. 10). Der Kläger könne daraus, dass er von
E._ einige Zeit nichts mehr gehört habe, nichts zu seinen Gunsten ableiten.
E._ habe keinerlei berechtigtes Vertrauen beim Kläger geweckt (act. 15 S.
8). Der Kläger habe in Kenntnis der vertraglichen Situation zumindest in Kauf ge-
nommen, dass die Rentenzahlungen allenfalls eingestellt werden könnten und sei
durch die Einstellung der Zahlungen nicht überrascht geworden (act. 30 S. 5).
4.8.5. Da auch nach Darstellung des Klägers eine Verlegung des Wohnsitzes ins
Ausland oder gar eine solche für mehr als zwei Jahre an der Besprechung vom
25. November 2004 gerade kein Thema war, kann anlässlich dieser Besprechung
keine Vereinbarung für diesen Fall zwischen den Parteien getroffen worden oder
auch nur berechtigtes Vertrauen des Klägers, dass die Beklagte sich bei einer
Verlegung des Wohnsitzes für mehr als zwei Jahre nicht auf Ziffer 3.2 EVB beru-
fen werde, geweckt worden sein. Ein Gespräch über eine Reise nach Ungarn zum
Zwecke der Heilbehandlung vermag kein Vertrauen des Klägers für den Fall einer
Wohnsitzverlegung von über zwei Jahren zu begründen. Der Kläger kann damit
auch nach seiner eigenen Darstellung des Inhalts der Besprechung vom 25. No-
vember 2004 weder eine Vereinbarung noch die Erweckung berechtigten Ver-
trauens im Hinblick auf eine Verlegung des Wohnsitzes aus dieser Besprechung
ableiten. Mangels abweichender Vereinbarung für den Fall einer Wohnsitzverle-
gung ins Ausland für mehr als zwei Jahre gilt somit für die beiden Lebensversi-
cherungsverträge der Parteien der Deckungsausschluss von Ziffer 3.2 der Ergän-
- 40 -
zenden Vertragsbedingungen für Renten bei Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit
oder Unfalls (Zusatzversicherung) Tarife r, IRE Ausgabe 1995.
4.9. Verlegung des Wohnsitzes des Klägers
4.9.1. Damit bleibt zu prüfen, ob die Voraussetzungen von Ziffer 3.2 EVB - die
Verlegung des Wohnsitzes im Sinne von Art. 23 Abs. 1 aZGB ins Ausland sowie
die Dauer derselben von mehr als zwei Jahren - gegeben sind. Trotz seiner ur-
sprünglich ungarischen Abstammung stimmen die Parteien darin überein, dass
der Kläger seit seiner Geburt, zumindest bis zum 30. April 2005, Wohnsitz in der
Schweiz hatte. Ein ausländischer Wohnsitz des Klägers wurde bis zu diesem Da-
tum nicht behauptet (act. 35 S. 6, act. 39 S. 1). Ausserdem ist unbestritten, dass
der Kläger sich per 30. April 2005 in C._, wo er zu diesem Zeitpunkt ange-
meldet war, nach K._ [Stadt in Ungarn] abmeldete und sich in der Folge erst
wieder am 22. Februar 2008 in der Schweiz, in D._, anmeldete. Am 15. Feb-
ruar 2006 meldete sich der Kläger in K._ unter der Wohnadresse ... an, wel-
che er bereits bei seiner Abmeldung in C._ als neue Adresse bekannt gege-
ben hatte (act. 1 S. 4, 6; act. 15 S. 4, act. 20 S. 8).
4.9.2. Zu den Voraussetzungen von Ziffer 3.2 EVB bringt die Beklagte weiter vor,
zwischen der Abmeldung des Klägers in C._ nach K._ am 29. April
2005 und der Rückkehr in die Schweiz mit Anmeldung am 22. Februar 2008 in
D._ sei der Kläger nach seinen eigenen Angaben tatsächlich mehr als zwei
Jahre zumindest hauptsächlich in Ungarn gewesen. Der Kläger habe deutlich
mehr als zwei Jahre in Ungarn gelebt und dort auch seinen Lebensmittelpunkt
gehabt. Dies sei auch im Sinne der anwendbaren Ziff. 3.2 EVB als Verlegung des
Wohnsitzes nach Ungarn zu verstehen. Damit habe er seinen Wohnsitz mehr als
2 Jahre im Ausland gehabt, weshalb die Versicherungsansprüche nach Ziff. 3.2
EVB erloschen seien. Der Kläger habe keine weiteren Ansprüche aus einer allen-
falls über den 30. April 2007 hinaus andauernden Erwerbsunfähigkeit. Da der
Kläger sich in C._ ausdrücklich nach Ungarn abgemeldet habe, sei auch
nicht zu prüfen, wie es sich verhalten würde, wenn nur entweder der längere tat-
sächliche Aufenthalt oder die polizeiliche Abmeldung ins Ausland verlegt worden
wäre. Die Abmeldung nach Ungarn schliesse es auch aus, den Aufenthalt in Un-
- 41 -
garn als rein zum Sonderzweck der medizinischen Behandlung zu betrachten und
damit trotz längerer Anwesenheit in Ungarn den Wohnsitz im Sinne des ZGB zu
verneinen (act. 15 S. 10, 12). Selbst wenn man einen Wohnsitz des Klägers in
K._ erst ab seiner amtlichen Anmeldung bei der dortigen Einwohnerkontrolle
am 15. Februar 2006 annehmen würde, habe dieser bis zur Rückkehr in die
Schweiz und Anmeldung in D._ am 22. Februar 2008 mehr als zwei Jahre
gedauert. Auch in diesem Fall wären die Ansprüche des Klägers auf Rente und
Prämienbefreiung seit dem 16. Februar 2008 erloschen (act. 30 S. 20).
4.9.3. Sodann fügt die Beklagte an, der Kläger sei nicht nur für ärztliche Behand-
lungen, sondern gemäss eigener Zugabe auch noch wegen in der Schweiz be-
stehender Probleme mit der Mutter seiner Tochter und vermutlich damit in Zu-
sammenhang stehender Überfälle mit Verletzungsfolgen auf den klägerischen
Tankstellenshop nach Ungarn gezogen. Der Wegzug aus diesem Grund sei nicht
nur vorübergehender Natur gewesen, denn der Kläger behaupte selbst nicht, die-
se Probleme seien vor einer Lösung gestanden oder seit seinem Wegzug gelöst
worden. Dass er am 15. Januar 2005 seine Einzelfirma im Handelsregister habe
löschen lassen, spreche ebenfalls dafür, dass er schon damals einen längeren
Aufenthalt ausserhalb der Schweiz geplant habe (act. 30 S. 15). Wenn der Kläger
die Schweiz aus Angst vor disziplinarischen Massnahmen aus dem Umfeld der
Mutter seiner Tochter verlassen habe und nach Ungarn gezogen sei, sei das zu-
mindest für gewisse Zeit gewesen, also für dauernd im Sinne der Rechtsprechung
zu Art. 23 ZGB. Dies erkläre gleichzeitig, weshalb er trotz Abmeldung in C._
seine neue Adresse nicht überall angegeben habe. Immerhin habe offenbar die IV
seine Adresse in K._ gehabt, die er auch der Gemeinde C._ gemeldet
habe. Es sei wohl klar, dass ein Mann, der ins Ausland ziehe, um unter anderem
pendenten Problemen auszuweichen, nicht auch noch die Möbel aus der vo-
rübergehend mit seiner Frau bewohnten Wohnung mitnehme, da seine Frau auch
weiter Möbel brauche. Zudem sei es auch günstiger, die Möbel für eine dortige
Wohnung in Ungarn zu beschaffen (act. 30 S. 16 f.).
4.9.4. Ferner hält die Beklagte fest, der Kläger habe sich nicht nur am 29. April
2005 abgemeldet, sondern er habe noch gar keinen Wohnsitz im Sinne des ZGB
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in C._ begründet. Der Aufenthalt des Klägers in C._ sei gar nie auf
Dauer ausgelegt gewesen, wenn er am 25. November 2004 anlässlich der dama-
ligen Besprechung noch nicht einmal dort angemeldet gewesen sei und bereits
die Abreise geplant habe. Er könne auch daraus, dass seine Frau vorerst noch in
C._ geblieben sei, nichts ableiten. Sie habe dort keinen eigentlichen Le-
bensmittelpunkt begründet, habe sie sich doch bei Gründung ihrer Einzelfirma am
22. Dezember 2004 mit Wohnsitz in G._ eintragen lassen, obwohl sie bereits
in C._ gewesen sei und sich dort per 1. Januar 2005 angemeldet habe, wäh-
rend der Kläger im Handelsregister weiter H._ als Wohnsitz eingetragen ge-
lassen habe, wo er sich schon am 31. März 1999 nur gut 4 Monate nach seiner
Eintragung abgemeldet habe. Wenn die beiden Ehegatten verschiedenen Behör-
den sehr zeitnah und kurz vor der Abmeldung des Klägers ins Ausland verschie-
dene Wohnorte angegeben hätten, spreche dies ebenfalls gegen einen Mittel-
punkt der Lebensbeziehungen des Klägers in C._. Er behaupte nicht, seine
Frau sei nach seiner Abreise nach K._ noch länger in der nur vorübergehend
benutzten Wohnung in C._ geblieben. Beides bleibe bestritten. Auch sie ha-
be sich ein gutes Jahr später in C._ wieder abgemeldet und sei nach I._
gezogen. Der Kläger sei aber bei seiner Rückkehr nicht zu ihr nach I._ gezo-
gen, sondern nach D._, wo er offenbar noch immer lebe, während seine Frau
weiter in I._ lebe. Auch das spreche gegen die These von einem aufrechter-
haltenen Wohnsitz bei nur vorübergehendem Auslandsaufenthalt des Klägers und
bestätige vielmehr, dass der Aufenthalt in C._ von Anfang an nur vorüberge-
hend gewesen sei. Damit habe der Kläger schon vor seiner Abmeldung nach Un-
garn gar keinen Wohnsitz gemäss ZGB in C._ gehabt, der habe fortdauern
können (act. 30 S. 6, 16).
4.9.5. Der Kläger macht demgegenüber geltend, er habe sich zwar am 29. April
2005 in C._ abgemeldet, jedoch nicht in der Absicht, in der für ihn trotz unga-
rischer Wurzeln fremden ungarischen Hauptstadt einen dauernden Wohnsitz zu
begründen, sondern um bei seinem Ziel, wieder gesund zu werden, dank vielfälti-
gerer Therapiemöglichkeiten in Ungarn und Abstand zu all seinen gesundheitli-
chen, beruflichen und familiären Problemen bessere Chancen als in der Schweiz
zu haben. Bis zur Abmeldung in C._ Richtung K._ habe der Kläger be-
- 43 -
reits seit seiner Geburt, d.h. beinahe 40 Jahre, in der Schweiz gelebt. Sein Auf-
enthalt in Ungarn sei zum Einen zum Zweck der besseren Heilbehandlung, zum
Anderen um Abstand zu gewinnen von den hier in der Schweiz bestehenden
Problemen mit der Mutter seiner Tochter und den vermutlich damit in Zusammen-
hang stehenden Überfällen mit Verletzungsfolgen auf den klägerischen Tankstel-
lenshop bzw. dessen Angestellten erfolgt. Ungarn sei für den Kläger damals der
sicherere Ort als die Schweiz gewesen. Er sei mit anderen Worten nicht deshalb
für eine Zeit lang in K._ gewesen, um dort eine neue Existenz aufzubauen,
sondern um gesund zu werden und nach Möglichkeit als arbeitsfähiger Mann
wieder in die Schweiz zurückzukehren. Er habe zu keiner Zeit die Absicht gehabt,
dauernd in Ungarn zu verbleiben. Der Kläger, der in der Schweiz aufgewachsen
sei, sich mit Ausnahme der zu beurteilenden Zeit in K._ immer in der
Schweiz aufgehalten habe und keine familiäre Beziehung zu Ungarn habe, habe
seinen Lebensmittelpunkt auch während seines Aufenthalts in K._ in der
Schweiz gehabt, wo seine damals wie heute mit ihm verheiratete Ehefrau damals
gelebt habe und heute noch lebe. Gegen eine Wohnsitzverlegung spreche so-
dann, dass der Kläger weder der Beklagten noch der IV eine Adresse in Ungarn
mitgeteilt habe, dass er seine Krankenkasse in der Schweiz die ganze Zeit über
beibehalten und sich auch während seines Aufenthalts in K._ regelmässig,
d.h. jedes Quartal einmal, von Dr. med. J._, der die ganze Zeit sein Hausarzt
gewesen sei, habe untersuchen lassen und dass er keine Möbel nach K._
mitgenommen habe, sondern diese in der ehelichen Wohnung in C._ zu-
rückgelassen habe, in welche er regelmässig zurückgekehrt sei. Weil der Aufent-
halt aber ohnehin nur ein vorübergehender habe sein sollen und der Kläger immer
wieder in die Schweiz habe zurückkehren wollen und dies auch getan habe, habe
es auch keinen Grund gegeben, der Beklagten eine Adresse in K._ zu mel-
den. Eine Wohnsitzverlegung habe somit nicht vorgelegen (act. 1 S. 6 f., act. 26
S. 3, 8 f., act. 35 S. 6).
4.9.6. Der Kläger wohnte in der Zeit vom 1. Mai 2005 (nach Abmeldung in
C._) bis zum 21. Februar 2008 (vor Anmeldung in D._) tatsächlich
überwiegend in K._. Demgegenüber kehrte er zwar regelmässig, aber nach
seiner Darstellung nur einmal pro Quartal in die Schweiz und die eheliche Woh-
- 44 -
nung zurück, um sich von seinem Hausarzt untersuchen zu lassen. Andere Auf-
enthalte in der Schweiz wurden vom Kläger nicht vorgebracht. Demnach war der
tatsächliche Aufenthalt des Klägers während dieser Zeit weitüberwiegend in
K._. Das erste Kriterium für einen Wohnsitz des Klägers in K._ für die
Zeit vom 1. Mai 2005 bis 21. Februar 2008 - der tatsächliche Aufenthalt - ist damit
erfüllt.
4.9.7. Weiter meldete sich der Kläger bei seinem Umzug nach K._ in
C._ ab und nannte als neuen Wohnort eine private Adresse in K._. Die
Ehefrau des Klägers blieb zwar weiterhin in C._ (und anschliessend in
I._) gemeldet, doch bestimmt sich der Wohnsitz von Ehegatten gesondert.
Unter der von ihm bereits in C._ angegebenen Adresse meldete sich der
Kläger sodann, wenn auch erst rund neuneinhalb Monate später, in Ungarn an.
Der Kläger zog zwar unter anderem nach K._, um sich dort therapieren zu
lassen, doch handelte es sich bei seinem Aufenthalt nicht um einen solchen in ei-
nem Spital oder einer Heilanstalt zu diesem Sonderzweck. Der Kläger siedelte
aber insbesondere auch nach K._ um, weil er Abstand zu seinen beruflichen
und familiären Problemen in der Schweiz gewinnen wollte. Er hielt es aufgrund
von Vorfällen in der Tankstelle für ihn sicherer, in K._ zu sein. Ferner wohnte
der Kläger nicht in K._, um dort einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, und
kehrte auch nicht, sooft es Beruf und Entfernung zuliessen, zu seiner Familie
resp. Ehefrau in der Schweiz zurück. Der Kläger ging in K._ nämlich weder
einer beruflichen Tätigkeit nach noch hat er dargelegt, dass er seine Freizeit so-
weit möglich in der Schweiz mit seiner Frau verbracht hätte. Bei seinem Wegzug
wusste der Kläger sodann nicht, wie lange er in K._ bleiben würde. Der Zeit-
punkt der Rückkehr war nicht geplant. Schliesslich äusserte der Kläger spätes-
tens durch seine Anmeldung in K._, nachdem er dort bereits über 9 Monate
gewohnt hatte, klar seine innere Absicht des dauernden Verbleibens in K._.
All diese Umstände zeigen, dass sich der Lebensmittelpunkt des Klägers in
K._ befand und er somit während der Zeit, in der er dort wohnte, die Absicht
dauernden Verbleibens in K._ im Sinne von aArt. 23 Abs. 1 ZPO hatte. Es
lag kein Sonderzweck im Sinne von aArt. 26 ZGB vor. Daran ändert nichts, dass
der Kläger bereits bei seiner Umsiedlung beabsichtigte, K._ zu einem unbe-
- 45 -
kannten Zeitpunkt wieder zugunsten eines Wohnortes in der Schweiz zu verlas-
sen, dass er dort keine neue Existenz aufbauen wollte oder dass die Stadt für ihn
zuvor fremd war. Auch die quartalsweise stattfindenden ärztlichen Untersuchun-
gen durch den schweizerischen Hausarzt begründen keinen Mittelpunkt der Le-
bensbeziehungen in der Schweiz. Ausführungen zu einem Familienleben in der
Schweiz machte der Kläger dagegen nicht. Zudem zog er bei seiner Rückkehr in
die Schweiz am 22. Februar 2008 nach seiner Darstellung auch nicht zu seiner
Frau nach I._, sondern meldete sich in D._ wieder an. Aufgrund all die-
ser Umstände ist auch das zweite Kriterium - die Absicht dauernden Verbleibens -
für einen Wohnsitz des Klägers in Ungarn für die Zeit vom 1. Mai 2005 bis zum
21. Februar 2008 erfüllt.
4.9.8. Der Kläger verlegte somit seinen Wohnsitz per 1. Mai 2005 nach K._.
Der Wohnsitz in K._ blieb bis zum 21. Februar 2008, mithin für mehr als zwei
Jahre, bestehen. Nach Ablauf von zwei Jahren nach Verlegung des Wohnsitzes
nach Ungarn waren die Voraussetzungen erfüllt, unter denen nach Ziffer 3.2 EVB
der Anspruch des Klägers auf Rentenleistungen bei Erwerbsunfähigkeit aus den
beiden Lebensversicherungsverträgen der Parteien erlischt. Dies war hier somit
am 1. Mai 2007 der Fall.
4.10. Zusammenfassung
Ein allfälliger Rentenanspruch des Klägers hat gestützt auf die in den Lebensver-
sicherungsverträgen der Parteien gültig vereinbarte Ziffer 3.2 der Ergänzenden
Versicherungsbedingungen für Renten bei Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit
und Unfalls (Zusatzversicherung) Tarife r, IRE Ausgabe 1995 per 1. Mai 2007 de-
finitiv geendet, nachdem der Kläger seinen Wohnsitz im Sinne von aArt. 23 ZGB
für mehr als zwei Jahre nach Ungarn verlegt hatte. Ab diesem Datum bestand
kein Anspruch des Klägers mehr auf Rentenleistungen der Beklagten aus den
beiden Lebensversicherungsverträgen.
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5. Fazit
Aufgrund der obigen Erwägungen ist nicht weiter zu prüfen, ob auch nach dem
30. April 2007 und insbesondere in der massgeblichen Zeit vom 1. Dezember
2009 bis 20. November 2011 eine Erwerbsunfähigkeit des Klägers vorgelegen
hat. Ein allfälliger Anspruch auf Rentenleistungen aus den beiden Lebensversi-
cherungsverträgen der Parteien wäre zwar nicht verjährt. Doch waren am 1. Mai
2007 die Voraussetzungen gegeben, unter denen gestützt auf Ziffer 3.2 der auf
die Lebensversicherungsverträge der Parteien anwendbaren Ergänzenden Versi-
cherungsbedingungen für Renten bei Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit und
Unfalls (Zusatzversicherung) Tarife r, IRE Ausgabe 1995 ein allfälliger Anspruch
des Klägers auf Rentenleistungen der Beklagten bei Erwerbsunfähigkeit erlo-
schen ist. Es besteht somit kein Anspruch des Klägers auf Rentenleistungen für
die Zeit von Dezember 2009 bis und mit November 2011.
Die Klage ist demzufolge abzuweisen.
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen
6.1. Gerichtskosten
Die Höhe der Gerichtsgebühr bestimmt sich nach der Gebührenverordnung des
Obergerichts (Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1 GOG) und richtet sich in erster Li-
nie nach dem Streitwert bzw. nach dem tatsächlichen Streitinteresse (§ 2 Abs. 1
lit. a GebV OG). Vorliegend beträgt der Streitwert CHF 145'776.–. In Anwendung
von § 4 Abs. 1 und 2 und § 10 Abs. 1 GebV OG ist die Gerichtsgebühr auf vier
Drittel der Grundgebühr festzusetzen und ausgangsgemäss (Art. 106 Abs. 1 ZPO)
dem Kläger aufzuerlegen, infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(vgl. Beschluss vom 16. Oktober 2012, act. 8) jedoch auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Der Kläger ist auf die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO hinzu-
weisen.
6.2. Parteientschädigungen
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der Kläger zudem nach Art. 106 Abs. 1
und Art. 122 Abs. 1 lit. d ZPO zu verpflichten, der Beklagten eine Parteientschädi-
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gung in Höhe von CHF 16'000.– zu bezahlen (§ 4 Abs. 1 und § 11 Abs. 1 und 2
AnwGebV).
Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 14'000.–.
3. Die Kosten werden dem Kläger auferlegt und infolge Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Der Kläger ist nach Art. 123 ZPO zur Nachzahlung verpflichtet, sobald er
dazu in der Lage ist.
4. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung von
CHF 16'000.– zu bezahlen.
5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien sowie in elektronischer Form an die
FINMA, 3003 Bern.
6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art.
113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 und
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streitwert
beträgt CHF 145'776.–.
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