Decision ID: 946f583d-ea76-4de6-ab2a-dd61d152ed4a
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._, Jahrgang 1964, wohnhaft in C._, war als Inhaber des
Restaurants D._ in C._ bei der B._ AG gegen die Folgen
von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Mit Schadenmeldung UVG
vom 12. April 2018 teilte A._ der B._ AG mit, dass er am
20. März 2018 auf einer Eisscholle ausgerutscht und hingefallen sei und
sich dabei einen Beckenpfannenbruch rechts zugezogen habe. Es
bestehe bereits ein Arbeitsunfähigkeits-Zeugnis infolge
Bandscheibenvorfall und Hüftprothesenproblemen. Die Szintigraphie des
Kantonsspitals Graubünden (KSGR) hatte am 10. April 2018 den Befund
einer periprothetischen Fraktur des superioren Acetabulum rechts
ergeben. Die B._ AG erbrachte Taggeldleistungen und übernahm die
Heilbehandlungskosten.
2. Mit Verfügung vom 29. Juli 2020 entschied die B._ AG, es bestehe
kein Anspruch auf Leistungen aus der freiwilligen Unfallversicherung, da
weder ein Unfall noch ein Kausalzusammenhang rechtsgenüglich
nachgewiesen sei. Sie verzichtete auf die Rückforderung der bisher
erbrachten Leistungen.
3. Die dagegen von A._ erhobene Einsprache vom 19. August 2020, mit
der er Leistungen ab dem 20. März 2018 beantragte, wies die B._ AG
mit Einspracheentscheid vom 11. Dezember 2020 ab.
4. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A._ (nachfolgend
Beschwerdeführer) am 21. Januar 2021 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid vom 11. Dezember 2020 sei aufzuheben und die
Sache an die B._ AG zurückzuweisen, um dem Beschwerdeführer
die versicherten Leistungen gemäss UVG aus dem Unfallereignis vom
20. März 2018 zu gewähren; unter Kosten- und Entschädigungsfolge
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zuzüglich der gesetzlich geschuldeten Mehrwertsteuer zulasten der
B._ AG. Begründend führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen
aus, die periprothetische Fraktur des Acetabulum, die aufgrund einer
Szintigraphie vom 10. April 2018 festgestellt worden sei, gehe auf einen
Unfall bzw. Sturz am 20. März 2018 zurück, so dass die B._ AG
infolge Unfalls nach Art. 6 Abs. 1 UVG bzw. aufgrund einer
Körperschädigung nach Art. 6 Abs. 2 lit. a UVG leistungspflichtig sei. Die
B._ AG habe Leistungen erbracht (Taggeld und
Heilbehandlungskosten), so dass sie für einen Wegfall der Leistungspflicht
den Wegfall des natürlichen Kausalzusammenhangs (Status quo sine vel
ante) zu beweisen habe.
5. In der Beschwerdeantwort vom 24. März 2021 schloss die B._ AG
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) unter Verweis auf die Begründung im
angefochtenen Einspracheentscheid auf Abweisung der Beschwerde.
Ergänzend führte sie im Wesentlichen an, dass das Vorliegen eines
Unfalles bzw. einer Körperschädigung nach Art. 6 Abs. 2 lit. a UVG
verneint werde. Dem Beschwerdeführer gelinge es nicht, ein
Unfallereignis zumindest glaubhaft zu machen. Die unbelegte Aussage
des Beschwerdeführers über einen Sturz am 20. März 2018 zusammen
mit fehlenden echtzeitlichen ärztlichen Akten gebe in der Gesamtschau
nicht das stimmige und nachvollziehbare Bild eines stattgehabten
Unfallereignisses wieder. Auch mit Blick auf die medizinischen
Beurteilungen lasse sich ein Unfallereignis nicht plausibilisieren und selbst
für den Fall, dass ein solches Ereignis entgegen den echtzeitlichen
Indizien bejaht würde, fehle es am natürlichen Kausalzusammenhang
zwischen dem geltend gemachten Ereignis und der Acetabulumfraktur.
6. Mit Replik vom 4. Mai 2021 ergänzte der Beschwerdeführer seine
Rechtsbegehren mit dem Eventualbegehren, es sei ein Gerichtsgutachten
zur Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom 20. März 2018 und den
gesundheitlichen Folgen zu erstellen. Unter Benennung und Einreichung
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weiterer Beweismittel vertiefte der Beschwerdeführer im Wesentlichen die
bisherigen Standpunkte.
7. Mit Duplik vom 16. Juni 2021 hielt die Beschwerdegegnerin unverändert
an ihren Rechtsbegehren fest. Unter Bezugnahme auf die Replik und
Einreichung eines weiteren Beweismittels vertiefte sie im Wesentlichen
ihre bisherigen Standpunkte.
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen
Einspracheentscheid sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 11. Dezember 2020 (vgl. Akten der
Beschwerdegegnerin [Bg-act.] A53). Gemäss Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m.
Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann
gegen einen Einspracheentscheid innert 30 Tagen seit seiner Eröffnung
Beschwerde an das Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben
werden, in welchem die versicherte Person im Zeitpunkt der
Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Der Beschwerdeführer wohnt
im Kanton Graubünden, womit die örtliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden gegeben ist. Dessen
sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2
lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100). Als im Einspracheverfahren unterlegener, formeller und
materieller Adressat des angefochtenen Einspracheentscheids ist der
Beschwerdeführer davon überdies berührt und weist ein schutzwürdiges
Interesse an dessen Überprüfung auf (vgl. Art. 59 ATSG). Auf die frist- und
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formgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten (vgl. Art. 60
i.V.m. Art. 38 Abs. 4 lit. c ATSG, Art. 61 ATSG).
2. Vorliegend geht es um die unfallversicherungsrechtliche Beurteilung einer
unbestrittenen Acetabulumfraktur (Anm. des Gerichts: Knochenbruch im
Bereich der Hüftgelenkspfanne; vgl. https://flexikon.doccheck.com/de
/Acetabulumfraktur; letztmals besucht am 13. September 2022). Strittig
und zu prüfen ist, ob sich am 20. März 2018 ein Unfall im Sinne von Art. 4
ATSG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 UVG zugetragen hat oder ob die
Unfallversicherung aufgrund einer Körperschädigung i.S.v. Art. 6 Abs. 2
lit. a UVG haftet.
3.1. Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt zunächst voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des
natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren
Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als
in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht
werden kann. Entsprechend ist für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige
oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt,
dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die
körperliche oder geistige Integrität des Versicherten beeinträchtigt hat, der
Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass
auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen
einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber im
Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der freien Beweiswürdigung nach
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse
Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
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Leistungsanspruchs nicht (vgl. BGE 147 V 161 E.3.2, 142 V 435 E.1, 129
V 177 E.3.1, mit weiteren Hinweisen).
3.2. Ebenfalls mit überwiegender Wahrscheinlichkeit muss der vom
Unfallversicherer zu beweisende Wegfall des Kausalzusammenhanges
erstellt sein. Der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs bzw.
dessen Wegfallens ist in erster Linie mit den Angaben medizinischer
Fachpersonen zu führen. Während bei der Frage, ob ein
Kausalzusammenhang überhaupt jemals gegeben ist, die versicherte
Person beweisbelastet ist, trägt die Unfallversicherung die Beweislast für
einen behaupteten Wegfall der Kausalität aufgrund des Erreichens des
Zustands, wie er vor dem Unfall bestand oder sich ohne diesen ergeben
hätte (Status quo sine vel ante; Urteile des Bundesgerichts 8C_523/2018
vom 5. November 2018 E.3.2, 8C_198/2017 vom 6. September 2017
E.3.2, 8C_331/2015 vom 21. August 2015 E.2.1.1, in: SVR 2016 UV Nr. 18
S. 55, je mit Hinweisen). Dabei hat der Unfallversicherer nicht den Beweis
für unfallfremde Ursachen zu erbringen; entscheidend ist allein, ob die
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale
Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil U 180/93 vom
18. Juli 1994 E.3b in: RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329). Ebenso wenig geht
es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen,
dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte
Person nun bei voller Gesundheit sei (Urteile des Bundesgerichts
8C_80/2021 vom 7. Juli 2021 E.2.2, 8C_68/2020 vom 11. März 2020
E.3.2, 8C_523/2018 vom 5. November 2018 E.3.2, je mit Hinweisen).
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4. Gemäss Aktenlage präsentiert sich der Beschwerde-, Behandlungs- und
Beurteilungsverlauf des Beschwerdeführers im Wesentlichen wie folgt:
4.1. Die gesundheitlichen Leiden des Beschwerdeführers an der rechten Hüfte
gehen bis ins Jahr 2006 zurück, als ihm in der Klinik E._ in F._
aufgrund einer Coxarthrose eine Hüft-Totalprothese rechts eingesetzt
wurde (vgl. statt vieler Bg-act. M25 S. 1 und 5 [Dr. med. N._], Bg-act.
M27 S. 27 und 32 [Orthopädisches Teilgutachten MEDAS Bern]). Seit
2010 litt der Beschwerdeführer insbesondere auch an einer
Spondylarthrose L4/L5/S1 mit Diskopathie bei beginnender Coxarthrose
links, zunehmenden Rückenschmerzen und multisegmentärer
Diskusdegeneration mit Hernien (vgl. Bg-act. M27 S. 3 f.).
4.2. Am 24. August 2011 erfolgte die Anmeldung für die Berufliche
Integration/Rente bei der IV-Stelle Graubünden (vgl. Bg-act. M27 S. 5). Mit
Verfügung vom 6. Februar 2013 verneinte die Invalidenversicherung den
Anspruch auf eine Invalidenrente. Die dagegen erhobene Beschwerde
wies das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit Urteil (VGU)
S 13 33 vom 26. September 2013 ab (vgl. Bg-act. M27 S. 7).
4.3. Im Juli 2015 erlitt der Beschwerdeführer einen Sturz auf die linke Schulter
(vgl. Bg-act. M27 S. 7).
4.4. Die zunehmenden Schmerzen in der rechten Hüfte gingen – so ist
überwiegend wahrscheinlich – auf den Spätherbst 2015 zurück (vgl. Bg-
act. M27 S. 9). Der Beschwerdeführer ist nach seinen eigenen Angaben
seit 2015 krankheitsbedingt 100 % arbeitsunfähig aufgrund dauerhafter
Schmerzen an der rechten Hüfte ab Herbst 2015 infolge Entzündung
und/oder Ereignis vom 31. Juli 2015 mit Schulterverletzung links (vgl.
Akten des Beschwerdeführers [Bf-act.] 6 S. 2, Bg-act. M27 S. 8). Am
5. Januar 2016 berichtete Dr. med. G._, Chefarzt Orthopädische
Chirurgie FMH Klinik E._, über eine Einblutung in den M. iliacus,
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vermutlich nach Zerrung rechts, Verdacht auf zunehmende Hüftnekrose
links (vgl. Bg-act. M27 S. 9). Im Februar / März 2016 wurden
invalidisierende Schmerzen rechts inguinal, teils peritrochantär
beschrieben bzw. Schmerzen am Oberschenkel bis unter das Knie
ausstrahlend (vgl. Bericht Dr. med. T._ vom 29. Februar 2016 und
Bericht Dr. med. U._ vom 2. März 2016, Bg-act. M6).
4.5. Am 25. April 2016 erfolgte der Ausbau der bisherigen Hüft-Prothese rechts
bei Verdacht auf Infekt unter Sichtbarkeit grosser Defekte (vgl. Bg-act.
M27 S. 11 f.). Im Frühjahr 2016 erfolgte die zweite IV-Anmeldung (vgl. Bg-
act. M27 S. 12 und 19). Am 4. Juli 2016 erfolgte der Wiedereinbau der
Hüft-Prothese rechts mittels Osteosynthese proximales Femur. Beim
Einstellen des Acetabulum zeigte dieses sehr grosse Defekte (vgl. Bg-act.
M27 S. 13 und Operations-Bericht Dr. med. H._, Bg-act. M6).
4.6. Am 23. Februar 2017 hielt Dr. med. G._ fest, dass sehr starke
Schmerzen im Oberschenkelbereich dorsal, die vom Becken bis in den
Unterschenkel führen, bestehen (vgl. Bg-act. M7).
4.7. Am 6. Juli 2017 hielt Dr. med. G._ einen grundsätzlich prolongierten
Verlauf bei St.n. Hüft-Prothese Wechsel rechtsseitig vom 4. Juli 2016 fest
(vgl. Bf-act. 12: "Grundsätzlich prolongierter Verlauf bei St.n. Hüft-TP
Wechsel rechtsseitig vom 04.07.2016. St.n. Re-Implantation einer Hüft-TP
rechts 07.2016 nach Protheseninfektion und Ausbau im April 2016.
Zunächst regelhafte Rehabilitation bei dann zunehmender
Belastungssteigerung. Seit September 2016 berichtet der Patient bei den
Folgekonsultationen über deutliche Spannungsschmerzen im
Oberschenkel und Gesässbereich, daher ist eine Vollbelastung zunächst
nicht möglich. Da diese Schmerzen bis ins Frühjahr 2017 persistieren, wird
die Indikation zur MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule gestellt. Hier
zeigen sich deutliche, degenerative Veränderungen sowie Discopathien
L3/4 sowie L5/S1, die ebenfalls für die persistierende [wohl
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persistierenden Beschwerden im] Oberschenkelbereich verantwortlich
sein können."). Am 20. Juli 2017 klagte der Beschwerdeführer noch immer
über erhebliche Schmerzen, Belastungsschmerzen, weiterhin dorsal im
Oberschenkel und vom Gesäss her (vgl. Bg-act. M27 S. 16).
4.8. Da der Beschwerdeführer wegen eines stechenden Schmerzes beim
Gesässansatz die rechte Hüfte nie mehr voll hatte belasten können, liess
die Invalidenversicherung Ende des Jahres 2017 in St. Gallen ein
bidisziplinäres Gutachten (IME-Gutachten) erstellen (vgl. Bf-act. 6 S. 6,
13, 14 und 16, jeweils auszugsweise). Der neurologische Teilgutachter Dr.
med. J._ hielt am 8. Dezember 2017 fest (vgl. Bf-act. 13): "Einerseits
ist von neurologischen Symptomen infolge von degenerativen
Veränderungen des Stütz- und Bewegungsapparates (Wurzelirritationen)
auszugehen. Andererseits liegt bei Hr. R. eine sensible, distal
symmetrische, vorwiegend axonale Polyneuropathie der UEX vor.
Bezüglich der Gangstörung interagieren beide Krankheitsbilder in
negativer Weise miteinander." Der orthopädische Teilgutachter (IV) Dr.
med. K._ hielt am 5. Dezember 2017 weiter fest (vgl. Bf-act. 14):
"Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Bewegungseinschränkung des rechten Hüftgelenks bei regelrecht
einliegender Hüftprothese mit [...] Status nach intraoperativer
Schaftfraktur im Rahmen der 2016 erfolgten Wechseloperation mit zwei
reizlos einliegenden Drahtcerclagen sowie Beckenschiefstand mit
Verdacht einer postoperativen Verlängerung des rechten Beines nach
Wechseloperation im Jahre 2016." Gleichentags beurteilte der
beigezogene Radiologe Dr. med. L._ am 5. Dezember 2017 das
Folgende (vgl. Bf-act. 15): "Die Prothesenpfanne ist am Acetabulum
kranial mit zwei Schrauben fixiert. Verwerfung am Pfannengrund,
möglicherweise einer stattgehabten Fraktur." In der bidisziplinären
Zusammenfassung (IV) vom 5. Dezember 2017 wurde festgehalten (vgl.
Bf-act. 16): "Aus orthopädisch-versicherungsmedizinischer Sicht bestehen
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bei Herrn A._ sowohl klinisch als auch radiologisch objektivierbare
Funktionseinschränkungen im Bereich mehrerer biomechanischer
Funktionseinheiten (LWS, rechtes Hüftgelenk, linkes Schultergelenk),
sodass der Versicherte sowohl in der Funktion des linken Armes, des
rechten Beines als auch in der stabilisierenden Funktion des
Achsenorgans erheblich eingeschränkt ist." Die Gutachter kamen zum
Schluss, der Beschwerdeführer sei spätestens ab März 2017 in
angestammter und adaptierter Tätigkeit zunächst 50 % arbeitsfähig, mit
sukzessiver Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 70 % zum 1. Juni 2017
(vgl. Bf-act. 16 a.E.). Sie begründeten diese Einschätzung mit dem
Hinweis auf die am 4. Juli 2016 erfolgte Reimplantation der rechtsseitigen
Hüftprothese und unter Verweis auf die Referenzliteratur, welche von einer
maximalen postoperativen Rekonvaleszenz von acht Monaten ausgeht.
Demgegenüber attestierte Dr. med. G._ am 25. April 2016 (Ausbau
Hüftprothese) eine 100 % Arbeitsunfähigkeit bis 31. Juli 2017 (vgl. Bf-act.
12), danach bis mindestens 28. Dezember 2018 (vgl. Bf-act. 10) und
anschliessend eine maximale Arbeitsfähigkeit von 50 % (vgl. Bf-act. 10).
4.9. Der Beschwerdeführer hat – wie aufgezeigt – unbestrittenermassen einen
jahrelangen Krankheits- und Behandlungsverlauf hinter sich im Zeitpunkt
des angegebenen Sturzereignisses am 20. März 2018 und ist
unbestrittenermassen einem erhöhten behandlungsbedürftigen
Frakturrisiko ausgesetzt. Dies ergeht unter anderem aus dem Bericht von
Dr. med. M._, Rheumatologe, vom 6. Juli 2018 ("erhöhtes
behandlungsbedürftiges Frakturrisiko", vgl. Bf-act. 4), dem Care
Management Bericht der Beschwerdegegnerin vom 27. August 2018
("wegen der vorbestehenden Hüft- und LWS-Schmerzen seit Frühling
2016 durchgehend voll AUF war und unter Schmerzmittel stand.", vgl. Bf-
act. 6 S. 1 und dem dort beschriebenen Verlauf, vgl. Bf-act. 6 S. 2 f.), dem
Verlaufsbericht von Dr. med. G._ vom 16. Januar 2019 ("Der Patient
ist schon seit langem zu 100 % arbeitsunfähig. Insbesondere nach der
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Acetabulumfraktur haben sich die Beschwerden an der rechten Hüfte,
rechten Oberschenkel sehr akzentuiert. [...] Die Schmerzen sind vor allem
in beiden Gesässen und im rechten Oberschenkel dorsal. Herr A._
hat auch starke lumbale Schmerzen. Der Zustand ist nun seit langem
gleich.", vgl. Bf-act. 10) sowie aus der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung der MEDAS Bern vom 14. April 2020 ("Im Vergleich
zur Beurteilung im Rahmen der letzten Begutachtung Ende 2017 bestehen
in gesundheitlicher Hinsicht eine weitere Verschlechterung im Bereich der
rechten Hüfte nach Sturzereignis im März 2018. Bei Status nach
dislozierter Acetabulumfraktur nach Sturz vom 28.03.2018 [recte wohl:
20.03.2018] besteht gemäss SPECT-CT vom 23.01.2020 noch immer eine
delayed union. Dieses erklärt zusammen mit dem Status nach
wiederholten Hüft-TPs rechts [erste TEP bei Coxarthrose rechts am
02.10.2006, bei St.n. Infekt [[hämatogen]] mit Revisions-OP und
Girdlestone 25.04.2016 und Komplikationen bei St.n. Re-Implantation
Hüft-TP rechts mit intraoperativer Femurfraktur mit Schaftspaltung und
Cerclagen-Versorgung und Verankerungsschrauben am Acetabulum
04.07.2016, mit den entsprechend anzunehmenden Traumatisierungen
der Weichteile], trotz fehlender Lockerungszeichen der Hüft-prothese,
aber aufgrund der funktionellen Einschränkungen, eine strukturell
begründete deutliche Minderbelastbarkeit der Hüftfunktion, welche
gegenüber Gutachten 12/2017 infolge der Sturzfolgen 03/2018 zusätzlich
verschlechtert ist."; Bf-act. 21) hervor.
5.1. Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die
zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Gemäss
Art. 6 Abs. 1 UVG ist der Unfallversicherer, soweit das Gesetz nichts
anderes bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten leistungspflichtig. Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
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Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Der äussere Faktor ist zentrales
Begriffscharakteristikum eines jeden Unfallereignisses; er ist das
Gegenstück zur – den Krankheitsbegriff konstituierenden – inneren
Ursache (BGE 134 V 72 E.4.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_242/2021
vom 2. November 2021 E.4). Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn
er – nach einem objektiven Massstab – nicht mehr im Rahmen dessen
liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist (BGE
134 V 72 E.4.1 mit weiteren Hinweisen; vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_688/2021 vom 8. Juni 2022 E.3.2, 8C_589/2021 vom 17. Dezember
2021 E.5.2). Definitionsgemäss bezieht sich das Begriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern
nur auf diesen selbst (Urteil des Bundesgerichts 8C_268/2019 vom 2. Juli
2019 E.3). Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist insoweit,
dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen
nach sich gezogen hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_368/2020 vom
17. September 2020 E.4.2, 8C_545/2019 vom 14. November 2019 E.9.1,
8C_842/2018 vom 6. Mai 2019 E.3.3.1). Ausschlaggebend ist also, dass
sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den
menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein
begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 142 V 219 E.4.3.1, 134 V 72
E.4.3.1 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts
8C_347/2021 vom 10. November 2021 E.4.2, 8C_395/2020 vom
28. September 2020 E.2.2, 8C_671/2019 vom 11. März 2020 E.2.3,
8C_282/2017 vom 22. August 2017 E.3.1.1).
5.2. Nach Art. 6 Abs. 2 UVG ist der Unfallversicherer auch bei bestimmten
Körperschädigungen (Listenverletzung gemäss lit. a-h) leistungspflichtig,
sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen sind. Der Zweck des Instituts der unfallähnlichen
Körperverletzung besteht darin, die oft schwierige Abgrenzung zwischen
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Unfall und Krankheit zugunsten des Versicherten zu vermeiden (vgl. BGE
139 V 327 E.3.1, 123 V 43 E.2b), spielen doch bei Eintritt eines solchen
Gesundheitsschadens praktisch immer krankheits- und/oder degenerative
(Teil-)Ursachen mit (vgl. BGE 146 V 51 E.8.4, 129 V 466 E.2.1 mit
Hinweisen). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur
Neuregelung der unfallähnlichen Körperschädigung in der am 1. Januar
2017 in Kraft getretenen – und damit auf das vorliegend geltend gemachte
Ereignis vom 20. März 2018 anzuwendenden (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des UVG vom 25. September
2015) – Bestimmung von Art. 6 Abs. 2 UVG gilt es dabei Folgendes zu
beachten: Für die Anwendung von Art. 6 Abs. 2 UVG ist kein äusserer
Faktor und damit kein unfallähnliches sinnfälliges Ereignis oder eine
allgemein gesteigerte Gefahrenlage im Sinne der Rechtsprechung zu
aArt. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV;
SR 832.202) mehr vorausgesetzt. Insoweit führt grundsätzlich bereits die
Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 lit. a-h UVG genannte
Körperschädigung vorliegt, nunmehr zur Vermutung, es handle sich
hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung, die vom
Unfallversicherer übernommen werden muss. Indessen ergibt sich aus der
in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises
weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu
übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs-
und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit
letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die
Frage nach einem initialen erinnerlichen und benennbaren Ereignis auch
nach der UVG-Revision relevant. Zu betonen ist aber, dass der
Unfallversicherer bei Vorliegen einer Listenverletzung grundsätzlich in der
Pflicht steht, Leistungen zu erbringen, solange er nicht den Nachweis für
eine vorwiegende Bedingtheit durch Abnützung oder Erkrankung erbringt.
Dies setzt voraus, dass er im Rahmen seiner Abklärungspflicht (vgl.
Art. 43 Abs. 1 ATSG) nach Eingang der Meldung einer Listenverletzung
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die Begleitumstände der Verletzung genau abklärt. Lässt sich dabei kein
initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter
resp. harmloser Art, so vereinfacht dies zwangsläufig in aller Regel den
Entlastungsbeweis des Unfallversicherers. Denn bei der in erster Linie von
medizinischen Fachpersonen zu beurteilenden Abgrenzungsfrage ist das
gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu
berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände
des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die
verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung
sprechen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der
Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf
beweiskräftige ärztliche Einschätzungen – mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit – nachzuweisen, dass die fragliche
Listenverletzung vorwiegend, d.h. im gesamten Ursachenspektrum zu
mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Der
Begriff "vorwiegend" wird nicht näher definiert. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Nachweis von
Berufskrankheiten gemäss Art. 9 Abs. 1 UVG, die auch im
Anwendungsbereich von Art. 6 Abs. 2 UVG Geltung hat, ist eine
"vorwiegende" Verursachung von Krankheiten durch schädigende Stoffe
oder bestimmte Arbeiten nur dann gegeben, wenn diese mehr wiegen als
alle andern mitbeteiligten Ursachen, mithin im gesamten
Ursachenspektrum mehr als 50 % ausmachen (vgl. BGE 146 V 51
E.8.2.2.1, 119 V 200 E.2a mit Hinweis; HOFER, in: FRÉSARD-
FELLAY/LEUZINGER/PÄRLI [Hrsg.], Basler Kommentar zum UVG, Basel
2019, Art. 6 Rz. 58). Demnach ist der Gegenbeweis des Unfall-
versicherers erbracht, wenn die Listendiagnose zu mehr als 50 % auf
Abnützung oder Erkrankung beruht (vgl. BGE 146 V 51 E.8.2.2.1;
GEHRING, in: KIESER/GEHRING/BOLLINGER [Hrsg.], Kommentar KVG UVG,
Zürich 2018, Art. 6 UVG Rz. 8 und 11; NABOLD, in: HÜRZELER/KIESER
[Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, UVG
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– Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Bern 2018, Art. 6 Rz. 44;
HÜSLER, Erste UVG-Revision, in: SZS 2017 S. 34). Besteht das
Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnützung oder
Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der
Entlastungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere
Abklärungen erübrigen (zum Ganzen BGE 146 V 51 E.8.6; vgl. auch
Urteile des Bundesgerichts 8C_593/2021 vom 6. Januar 2022 E.2.3,
8C_630/2020 vom 28. Januar 2021 E.3.2, 8C_267/2019 vom 30. Oktober
2019 E.6 mit weiteren Hinweisen).
5.3.1. Unfall (Art. 6 Abs. 1 UVG) und Listenverletzung (Art. 6 Abs. 2 UVG) sind
unabhängig voneinander und grundsätzlich ist jeder Tatbestand einzeln
zu prüfen (BGE 146 V 51 E.8.5). Ein Sturz, d.h. ein Unfallereignis, am
20. März 2018 ist aufgrund der vorliegenden Indizien möglich, aber nicht
überwiegend wahrscheinlich erstellt. Der Beschwerdeführer erwähnte
gegenüber Dr. med. G._ in der Konsultation am 27. März 2018, d.h.
eine Woche nach dem Ereignis, keinen Sturz (siehe Stellungnahme von
Dr. med. G._ vom 24. August 2020 an den beschwerdeführerischen
Rechtsvertreter; Bf-act. 17). Zudem klagte der Beschwerdeführer
kontinuierlich über die gleichen Schmerzen (Belastungsschmerzen
inguinal, auch gluteal und im Oberschenkel dorsal, kein Ruheschmerz) an
der rechten operierten Hüfte (siehe Bericht von Dr. med. G._ vom
28. März 2018, Bg-act. M8). Es ist nicht einleuchtend, dass der
Beschwerdeführer einen angeblich erlittenen Sturz bei seinem
behandelnden Facharzt nicht erwähnt, obschon er aufgrund dessen
starke/grosse Schmerzen gehabt haben (persönliche Annahme einer
Zerrung) und dabei angeblich auch sein Mobiltelefon zu Bruch gegangen
sein soll. Auch in der Szintigraphie am 10. April 2018 erwähnte der
Beschwerdeführer keinen Sturz. Dr. med. G._ weist in seiner
Stellungnahme vom 24. August 2020 darauf hin, dass ein Sturz, hätte er
diese Information erhalten, im Bericht erwähnt worden wäre, da dies
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relevante Informationen seien, und es wäre ein Unfall in die Fragestellung
für die Szintigraphie-Untersuchung eingeflossen. Dr. med. G._
kommt aufgrund eines Vergleichs der Unterlagen und aufgrund der am
10. April 2018 festgestellten Acetabulumfraktur zum Schluss, es müsse
ein Unfallereignis stattgefunden haben, welches zur Acetabulumfraktur
geführt habe, weil diese frisch sei; seit der Besprechung der Szintigraphie-
Resultate vom 24. April 2018 werde in ihren Unterlagen/Berichten ein
Unfall-/Sturzereignis erwähnt.
5.3.2. Die Beurteilung von Dr. med. G._, es müsse ein Unfallereignis
stattgefunden haben (siehe Stellungnahme von Dr. med. G._ am
24. August 2020; Bf-act. 17), ist damit – davon muss ausgegangen werden
– nur eine Mutmassung von ihm, gestützt auf die Anamnese des
Beschwerdeführers ab Vorliegen des Resultats der Szintigraphie vom
10. April 2018. Abstellend auf den Beweiswert von "Aussagen der ersten
Stunde", ist die Unterlassung des Beschwerdeführers stark zu gewichten
und wirkt die nachträgliche, erstmals mit Schadenmeldung UVG am
12. April 2018, d.h. zwei Tage nach der Objektivierung der
periprothetischen Acetabulumfraktur mittels Szintigraphie, vorgebrachte
erstmalige Erwähnung eines Sturzereignisses (vgl. Bf-act. 5)
nachgeschoben. Die vom Beschwerdeführer eingereichten Arztberichte
von Dr. med. G._ vom Februar 2017 (vgl. Bf-act. 11) bzw. Juli 2017
(vgl. Bf-act. 12) vermögen nicht echtzeitlich ein behauptetes Sturzereignis
im März 2018 zu belegen. Die vom Beschwerdeführer eingebrachte
Stellungnahme von Dr. med. G._ vom 16. Januar 2019 (vgl. Bf-act.
10) ist ebenso wenig von echtzeitlicher Aussagekraft zur Kausalität. Auch
befremdet, dass sich Dr. med. G._ als behandelnder Facharzt
wiederholt äussert, der Beschwerdeführer habe Anspruch auf eine 50 %-
ige IV-Rente, da er damit nicht zu medizinischen, sachverhaltlichen
Aspekten (natürliche Kausalität) Stellung bezieht, sondern eine rechtliche
Würdigung vornimmt, die ihm als Mediziner nicht zusteht.
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5.3.3. Der von der Beschwerdegegnerin beigezogene Dr. med. N._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie, kommt in seiner Aktenbeurteilung
vom 25. Oktober 2019 zu folgenden Schlüssen (vgl. Bg-act. M25): Es habe
sich bereits am 1. November 2016 ein grösserer Konturunterbruch der
Tabula interna gezeigt (vgl. Bg-act. M25 S. 6). Am 18. Juli 2017 sei dann
eine deutliche Kallusbildung im Bereich des Acetabulum objektiviert
worden. Im Bereich der vormals als unterbrochen vermuteten Tabula
interna habe eine deutlich vermehrte Knochentransparenz mit Ausbildung
eines deutlichen Kallussaums bestanden. Am 10. April 2018 sei dann ein
deutlicher Unterbruch des Acetabulum zur Darstellung gelangt und am
31. Juli 2018 habe sich eine Kontur-Unregelmässigkeit an der Tabula
interna mit Verdickung derselben und Transparenzvermehrung zentral
dargestellt. Aufgrund der bekannten Alkoholerkrankung und der am 6. Juli
2018 erfolgten Knochendichtemessung mit Bestätigung einer
ausgeprägten Osteoporose bestünden Risikofaktoren für Spontan-
frakturen (vgl. Bg-act. M25 S. 7). Der erwähnte Sturz vom 20. März 2018
könne nicht für die Knochenveränderung verantwortlich gemacht werden.
Es sei davon auszugehen, dass dieses Sturzereignis gegenüber Dr. med.
G._, welcher den Versicherten sieben Tage nach dem Sturzdatum
untersucht habe, nicht erwähnt worden sei. Es gehe nicht hervor, dass es
seit dem 20. März 2018 zu einer Verschlechterung des Gesundheits-
zustandes gekommen sei, welche auf ein stattgehabtes Sturzereignis
zurückgeführt werden könnte. Und anlässlich der Untersuchung am
27. März 2018 seien keine frischen Traumaveränderungen (Schwellung,
Hämatom, Hautbeschädigung) durch Dr. med. G._ festgestellt
worden (vgl. Bg-act. M25 S. 6 ff.). Bereits Ende 2016 und 2017 lägen
pathologische, radiologische Veränderungen im Bereich des Acetabulum
vor und nach Lage der Akten seien keine sicheren Folgen des
angegebenen Ereignisses vom 20. März 2018 gefunden worden (vgl. Bg-
act. M25 S. 7). Angesichts fehlender nachgewiesener frischer struktureller
Veränderungen am Acetabulum unmittelbar nach dem Vorfall vom
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20. März 2018 sowie aufgrund des dokumentierten Beschwerdeverlaufs
mit einer seit Ende November 2016 gleichbleibenden Symptomatik
(kontinuierlicher Schmerz an der rechten operierten Hüfte) sei deshalb
davon auszugehen, dass die geltend gemachten Beschwerden des
Einsprechers viel wahrscheinlicher auf die im Langzeitverlauf
nachweisbaren Veränderungen im Acetabulumbereich zurückzuführen
seien (vgl. Bg-act. M25 S. 8 samt Bildgebung Juli 2016/bis Juli 2018 im
Anhang zu M25).
5.3.4. Die Ausführungen von Dr. med. N._ bleiben vom Beschwerdeführer
unkommentiert und damit unbestritten. Gemäss Rechtsprechung ist auch
eine reine medizinische Aktenbeurteilung beweiskräftig, wenn die Akten
ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status
ergeben und diese Daten unbestritten sind, sodass ein lückenloser Befund
vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines
an sich feststehenden medizinischen Sachverhaltes geht (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_476/2021 vom 2. März 2022 E.5.1 mit weiteren
Hinweisen), mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten
Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_281/2021 vom 19. Januar 2022 E.3.2, 8C_787/2020 vom 26. Mai 2021
E.4.2, 8C_527/2020 vom 2. November 2020 E.3.2, 8C_322/2020 vom
9. Juli 2020 E.3, 8C_788/2019 vom 30. Juni 2020 E.3 mit Hinweisen).
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen
kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass
der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger
steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit
schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das
Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet
erscheinen lassen (BGE 135 V 465 E.4.4, 125 V 351 E.3b/ee). Soll ein
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Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden
werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E.5.2, 135 V 465
E.4.4, 122 V 157 E.1d; Urteile des Bundesgerichts 8C_549/2021 vom
7. Januar 2022 E.7.1, 8C_143/2021 vom 7. Juni 2021 E.2.4, 8C_672/2020
vom 15. April 2021 E.2.3). Es bestehen vorliegend keine auch nur
geringen Zweifel an der versicherungsmedizinischen Einschätzung des
beratenden Dr. med. N._ vom 25. Oktober 2019, die sämtliche
Beweiskriterien an eine Aktenbeurteilung erfüllt, so dass darauf abgestellt
werden kann (vgl. Bg-act. M25).
5.3.5. Am 17. März 2021 erstellte der die Beschwerdegegnerin ebenfalls
beratende Dr. med. O._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie FMH, angesichts der inzwischen erhobenen Beschwerde
seine Aktenbeurteilung (vgl. Bg-act. M28). Insbesondere unter Hinweis auf
die vorgenannte radiologische Stellungnahme von Dr. med. L._ vom
5. Dezember 2017 (vgl. Bf-act. 15 = Bf-act. 24) und den Konsultations-
bericht von Dr. med. G._ vom 28. März 2018 (vgl. Bg-act. M8)
gelangte er aufgrund der Vorschädigung, des Schadensmechanismus,
des morphologischen Schadensbilds, des funktionellen Schadensbilds
und der radiologischen Bildgebung zur Einschätzung, dass es sich mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht um eine periprothetische
Acetabulumfraktur nach dem Sturz vom 20. März 2018 handelte, sondern
um eine verzögerte Heilung einer 2016 peroperativ entstandenen
zentralen Schädigung der Beckeninnenwand bei der Pfannenimplantation,
die nicht symptomatisch sein muss. Dies bei anamnestisch und
bildgebend einleuchtend verminderter Knochenqualität (vgl. Bg-act. M28
S. 14). Dr. med. O._ verwies auf den Wiedereinbau der Hüftprothese
am 6. Juli 2016 (recte: 4. Juli 2016), bei dem es beim Auffräsen oder
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Einschlagen der etwas grösser gewählten Pfanne zu einer
Kranialverschiebung des Pfannenimplantates um mindestens einen
Zentimeter und zu einer kleinen zentralen Beckenperforation gekommen
sei, wie das postoperative Röntgenbild unmissverständlich zum Ausdruck
bringe. Die verminderte Knochenresistenz im Becken mit den zu
erwartenden Schwierigkeiten (gestörter Knochenmetabolismus;
Grundkrankheit der Hüfte war eine Femurkopfnekrose, nicht eine
Hüftarthrose, so dass der Beckenknochen eher weich und wenig resistent
bleibe; Schwächung des Knochens durch eine bakterielle Besiedelung;
durch Prothesenausbau [im April 2016] für mehr als zwei Monate
zusätzliche Inaktivitätsosteopenie) sei gut verständlich. Klinisch habe sich
keine richtungsweisende Verschlechterung manifestiert. Die Diagnose
einer nicht dislozierten periprothetischen Acetabulumfraktur als Ausdruck
eines gesteigerten Knochenumbaus sei angesichts der postoperativen
Veränderungen an der Beckeninnenwand, die dem untersuchenden
Radiologen nicht bekannt gewesen sein dürften, eine Fehldiagnose. Der
Schadensmechanismus sei nicht geeignet gewesen, an der Grenzschicht
zwischen Knochen und stabilem Implantat eine frische Fraktur
auszulösen. Der weichere Knochen sei durch das starre Implantat
geschützt gewesen.
5.3.6. Auch Dr. med. O._ argumentiert in seiner im Beweiswert nicht zu
beanstandenden Aktenbeurteilung nachvollziehbar und schlüssig und es
bestehen keine Zweifel an seiner Einschätzung einer vorbestehenden,
älteren Schädigung im Rahmen des operativen Wiedereinbaus der
Prothese im Juli 2016 wie auch des ungeeigneten biomechanischen
Schadensmechanismus, die festgestellte Schädigung an dieser Stelle zu
verursachen, sollte denn überhaupt ein Sturz stattgefunden haben, was –
Letzteres – aus Sicht des Gerichts nicht überwiegend wahrscheinlich
erstellt ist.
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5.3.7. Zwar bezweifelte Dr. med. G._ am 20. April 2021 (vgl. Bf-act. 23) die
Einschätzung von Dr. med. O._ bezüglich Korrelation zwischen
Schadensmechanismus und Fraktur und dies, obschon er die Fraktur
anamnestisch übernahm, ohne sie echtzeitlich anlässlich der Konsultation
vom 27. März 2018 festgestellt zu haben. Gleichzeitig aber stimmte er mit
Dr. med. O._ überein, dass bereits vorher eine deutliche Schwäche
des Pfannengrundes vorhanden war, wie auch eine Schwäche des
Knochens durch Osteoporose (vgl. Bf-act. 23 S. 1). Er betonte, dass die
lineare Struktur der Knochenstoffwechselaktivität für eine frische Fraktur
nach axialem Stauchungstrauma spreche. Dr. med. G._ ging mit
Dr. med. O._ einig, wonach eine Unterbrechung der Tabula interna
(Beckeninnenwand) in den Röntgenbildern bereits vorher sichtbar
gewesen und der Knochenmetabolismus gestört und eine Schwächung
des Knochens rund um die Totalprothese möglich sei, weshalb aber
gerade eine Fraktur durch das axiale Stauchungstrauma "möglich und
wahrscheinlich" sei. Dr. med. G._ führte aus, ein Sturzereignis bei
Osteoporose könne zu einer Spreizung der Pfanne führen, bei der der
Pfannengrund nachgäbe, weil der Knochen dort am schwächsten sei (vgl.
Bf-act. 23 S. 2). Seine Beurteilung vermag nach Ansicht des
streitberufenen Gerichts keine auch nur geringen Zweifel an den
Beurteilungen der beiden versicherungsberatenden Mediziner Dr. med.
N._ (zu welchem er formell gar nicht Stellung nahm) und Dr. med.
O._ zu wecken. Dr. med. G._ formuliert vorsichtig und meldet
punktuell Zweifel an der Darstellung von Dr. med. O._ an (vgl. Bg-
act. M29 Ziff. 2), wobei er "kann"-, "sollte"-, "würde"-, "möglich"- und "(eher
un-)wahrscheinlich"-Formulierungen verwendet, womit sich nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ein natürlicher Kausalzusammenhang
erstellen lässt. Da seitens des Beschwerdeführers nur von Ausrutschen
und Hinfallen (vgl. Bg-act. A1) die Rede ist, ist nicht schlüssig, was
Dr. med. G._ einen "heftigen axialen Stoss in Richtung Pfanne"
feststellen lässt, welcher zu einer "plastischen Verformung des eh schon
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schwachen Knochens" und schliesslich zu einer Fraktur führen könne (vgl.
Bf-act. 23 S. 1). Zudem nimmt er an, ohne dies weiter zu begründen oder
zu belegen, dass dem beurteilenden Radiologen der Szintigraphie vom
10. April 2018 die früheren Röntgenbilder bzw. die Berichte vorgelegen
haben. Nach dem Gesagten vermag seine Einschätzung keine Zweifel an
Dr. med. O._' Beurteilung vom 17. März 2021 (vgl. Bg-act. M28) zu
wecken. Zudem ist Dr. med. G._ behandelnder Facharzt, so dass der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen ist, dass er im Zweifel zugunsten
seines Patienten aussagt (vgl. BGE 135 V 465 E.4.5, 125 V 351 E.3a/cc
mit weiteren Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 8C_809/2021 vom
24. Mai 2022 E.5.5.2, 8C_337/2021 vom 8. September 2021 E.5.1,
8C_630/2020 vom 28. Januar 2021 E.4.2.1, 8C_68/2020 vom 11. März
2020 E.5.1, 8C_756/2019 vom 11. Februar 2020 E.4.4). Die wiederholte
Fürsprache von Dr. med. G._, der Beschwerdeführer habe einen
Anspruch auf eine IV-Rente von 50 % (vgl. Bf-act. 10; vgl. auch Schreiben
von Dr. med. G._ vom 21. Dezember 2018, mit dem er bei der
Beschwerdegegnerin um Wiedererwägung des Standpunkts ersuchte, Bg-
act. A26, oder Bg-act. M14 am 31. Oktober 2018) mutet in diesem
Zusammenhang eigentümlich an, missachtet sie doch den Grundsatz,
dass sich die ärztlichen Fachpersonen auf die Beurteilung von
medizinischen Sachverhalten zu beschränken haben und die rechtlichen
Folgerungen daraus den Rechtsanwendern überlassen.
5.3.8. Dr. med. O._ replizierte mit Stellungnahme vom 11. Mai 2021 (vgl.
Bg-act. M29) überzeugend und schlüssig, wenn er – zusammengefasst –
feststellte, dass
– eine frische Fraktur szintigraphisch nicht bewiesen werden könne,
18 Monate ab Reimplantation der Hüftpfanne der Heilungsprozess der
zentralen Knochenläsion noch nicht abgeschlossen gewesen sei und
wenn bildgebend tatsächlich eine frische periprothetische Fraktur
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aufgetreten wäre, dieser lineare Spalt am 27. März 2018 radiologisch
neu in Erscheinung hätte treten müssen (vgl. Bg-act. M29 Ziff. 3.1);
– dass eine "plastische Deformierung" innerhalb eines stabilen
Verbundes von Knochen und Kunstgelenk, wie er in casu vorlag,
physikalisch undenkbar sei, zumal kein heftiger axialer Stoss auf die
Pfanne aufgetreten sei (Handy beschädigt, adipöser
Beschwerdeführer, kein Knall, Weitergehen an Stöcken, abgedämpfte
Energieeinwirkung; vgl. Bg-act. M29 Ziff. 3.2);
– dass sich radiologisch eine mediale Saumbildung zwischen Pfanne
und Pfannenlager bereits vor dem Sturz gezeigt habe (Ziff. 3.3); und
– dass die vermutete frische periprothetische Fraktur am Pfannengrund
nicht mit der klinischen Manifestation seit September 2016 korreliere
und keine richtungsweisende Verschlechterung der Funktionen und
der klinischen Befunde vorgelegen habe (vgl. Bg-act. M29 Ziff. 3.4;
siehe auch Bg-act. M6, M7 und M8 [Konsultationsbericht Dr. med.
G._ vom 28. März 2018]).
Somit seien die Indizien deutlich, dass höchstens möglicherweise, und
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit am 20. März 2018 eine
frische periprothetische Fraktur an der neugebildeten inneren
Beckenkortikalis entstanden sei. Es würde sich dann um eine
pathologische Fraktur im Zusammenhang mit einer reimplantierten
Hüftpfanne bei offensichtlicher Schwäche der Knochenresistenz
handeln. Das Röntgenbild vom 5. Dezember 2017 (vgl. Bf-act. 15 =
Bf-act. 24), der Schadensmechanismus und das klinische
Verlaufsprofil sprächen überwiegend wahrscheinlich und kongruent
gegen eine frisch entstandene Fraktur (vgl. Bg-act. M29 a.E.).
5.3.9. Der Vollständigkeit halber sei angefügt, dass das Vorbringen des
Beschwerdeführers wie auch die nach dem 20. März 2018 erstellten
medizinischen Beurteilungen, welche von einem Sturzereignis ausgehen,
nach der unzulässigen Beweisregel "post hoc ergo propter hoc"
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argumentieren, womit aber der natürliche Kausalzusammenhang nicht
bewiesen werden kann.
5.4. Nach Auffassung des Gerichts ist auch eine Körperschädigung nach Art. 6
Abs. 2 lit. a UVG, für die die Beschwerdegegnerin einstehen müsste, nicht
überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen. Es lässt sich kein initiales
Ereignis erheben oder lediglich ein solches – wenn überhaupt – ganz
untergeordneter resp. harmloser Art: Der Beschwerdeführer erwähnte den
behaupteten Sturz nicht gegenüber seinem behandelnden Orthopäden
Dr. med. G._ am 27. März 2018 und auch nicht in der Szintigraphie
am 10. April 2018, vielmehr erstmals in der Schadenmeldung UVG am
12. April 2018; es waren keine Schwellung, kein Hämatom, keine
Hautabschürfung feststellbar; röntgenologisch war die Unterbrechung der
Tabula interna (Beckeninnenwand) in den Röntgenbildern bereits vor dem
20. März 2018 sichtbar gewesen und der Knochenmetabolismus war
gestört (u.a. durch Osteoporose). Im Lichte des gesamten
Ursachenspektrums der in Frage stehenden Körperschädigung
(Vorzustand, Umstände der erstmaligen Geltendmachung des
stattgehabten Ereignisses) überwiegen die Indizien, die für vorwiegend
abnützungs- und krankheitsbedingte Beschwerden sprechen. Auch kann
eine periprothetische (Acetabulum-)Fraktur – wie der Beschwerdeführer
selber ausführt – auf eine Revision eingesetzter Prothesen zurückgehen
(vgl. Bf-act. 2), wie sie im Frühjahr/Sommer 2016 beim Beschwerdeführer
vorgenommen wurde. Vorgenommen wurde der Wechsel der Hüft-
Prothese aufgrund einer Entzündung bzw. eines Verletzungsereignisses
an der linken Schulter im Juli 2015 und der damit einhergehenden starken
Schmerzzunahme ab Herbst 2015. Auch eine Verschlimmerung der
Beschwerden lässt – angesichts des langjährigen Krankheits- und
Behandlungsverlaufs des Beschwerdeführers insbesondere bezüglich
Hüft- / Oberschenkelproblematik – nicht überwiegend wahrscheinlich auf
einen natürlichen Kausalzusammenhang mit einem Unfallereignis oder
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einem geeigneten initialen Ereignis für eine Körperschädigung nach Art. 6
Abs. 2 UVG am 20. März 2018 schliessen. Der natürliche Kausal-
zusammenhang zur periprothetischen Acetabulumfraktur ist damit zu
verneinen und die Beschwerdegegnerin ist nicht leistungspflichtig.
5.5. Da der natürliche Kausalzusammenhang überhaupt verneint wird, geht es
nicht – wie der Beschwerdeführer vorbringt – um den erforderlichen, von
der Beschwerdegegnerin zu erbringenden Nachweis des Wegfalls der
natürlichen Kausalität (Status quo sine vel ante) und es ist die
Leistungsablehnung ohne Rückforderung der geleisteten Taggelder und
Heilbehandlungskosten "ex nunc et pro futuro" ohne Rückforderung der
ausgerichteten Leistungen nicht zu beanstanden (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_605/2021 vom 30. März 2022 E.3.2, 8C_786/2021
vom 11. Februar 2022 E.2 mit weiteren Hinweisen auch auf BGE 146 V
51, 8C_552/2020 vom 16. Dezember 2020 E.4.2.4).
5.6. Der Beschwerdeführer beantragt im Zusammenhang mit dem geltend
gemachten Unfallereignis vom 20. März 2018 die Anhörung diverser
Zeuginnen. Angerufene Zeuginnen sind die Ehefrau (P._; vgl. Bf-act.
7), die Schwester (Q._; vgl. Bf-act. 8), eine Freundin der Schwester
(R._; vgl. Bf-act. 8) und eine ehemalige Serviertochter im Restaurant
des Beschwerdeführers und seiner Frau (S._; vgl. Bf-act. 9), welche
alle bereits schriftlich bestätigten, dass ihnen der Beschwerdeführer von
einem Sturz und u.a. von (starken bzw. grossen) Schmerzen in der rechten
Hüfte berichtet habe. Zugegen beim angeblichen Sturz war keine der
angerufenen Zeuginnen. Die Darstellung des Beschwerdeführers ist
widersprüchlich, da er im Beschwerdeverfahren Zeuginnen benennt,
gegenüber dem Care Manager am 27. August 2018 jedoch ausgesagt
hatte, es gebe keine Zeugen (vgl. Bf-act. 6 S. 1). Es liegen schriftliche
Bestätigungen aller angerufenen Zeuginnen im Recht (vgl. Bf-act. 7, 8 und
9), welche Anfang August 2020 und somit knappe 2.5 Jahre nach dem
vorgebrachten Ereignis abgegeben wurden. Da mutmasslich alle
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Zeuginnen in der Zwischenzeit Kontakt zum Beschwerdeführer hatten, ist
nicht von der Hand zu weisen, dass sie ihm aus versicherungsrechtlichen
Überlegungen und im Hinblick auf die Einsprache vom 17. August 2020
eine Gefälligkeit erweisen wollten. Als Beweismittel geeignet sind neutrale
Zeugen und es bedarf rechtsprechungsgemäss der Unabhängigkeit der
Zeugen, die namentlich bei (enger) Verwandtschaft oder enger
Beziehungsnähe ernsthaft in Zweifel gezogen wird (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_256/2020 vom 4. September 2020 E.2.2). Somit muss
festgestellt werden, dass die mündlichen Zeugenaussagen der vier
Zeuginnen nach dem Gesagten keine entscheidrelevanten Erkenntnisse
hervorbringen würden. Der Sachverhalt ist damit ausreichend abgeklärt
(Art. 43 ATSG, Art. 61 lit. c ATSG), so dass es auch keines im Rahmen
der Replik beantragten Gerichtsgutachtens bedarf. In antizipierter
Beweiswürdigung erweist sich die Angelegenheit als spruchreif (BGE 144
V 361 E.6.5, 136 I 229 E.5.3; Urteile des Bundesgerichts 8C_55/2022 vom
19. Mai 2022 E.7; 8C_521/2021 vom 22. März 2022 E.3.2, 8C_270/2021
vom 1. Dezember 2021 E.6.1, 8C_68/2020 vom 11. März 2020 E.5.2,
8C_754/2019 vom 6. Februar 2020 E.5.3).
5.7. Zusammenfassend erweist sich der Einspracheentscheid vom
11. Dezember 2020 damit als rechtens, womit die Beschwerde
abzuweisen ist.
6. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG sind Verfahren vor dem kantonalen
Versicherungsgericht bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig,
wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Art. 105 ff. UVG
sehen keine generelle Kostenpflicht vor. Damit sind
unfallversicherungsrechtliche Beschwerdeverfahren über Leistungen in
der Regel weiterhin kostenlos. Vorbehalten bleibt die Kostenauflage
infolge mutwilligen oder leichtsinnigen Verhaltens (Art. 1 Abs. 1 UVG
i.V.m. Art. 61 lit. fbis in fine ATSG). Für das vorliegende Verfahren sind
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daher keine Kosten zu erheben. Ein Parteikostenersatz steht der
obsiegenden Beschwerdegegnerin gemäss Art. 61 lit. g ATSG nicht zu.