Decision ID: 78b20f87-7c53-5f5a-8205-f36c9fcad089
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Der Beschwerdeführer, ein aus der Nordprovinz stammender  Staatsangehöriger mit Wohnsitz in B._, Distrikt C._, suchte mit in englischer Sprache verfasstem Schreiben vom 18. Januar 2008 an die Schweizerische Vertretung in Colombo um Asyl in der Schweiz nach.
Seinem Asylgesuch legte der Beschwerdeführer eine Bestätigung der (Nennung Beweismittel) bei.
B. Mit Schreiben vom 18. Februar 2008 forderte die Schweizerische  in Colombo den Beschwerdeführer auf, sein Gesuch in den von der Botschaft aufgelisteten Punkten zu konkretisieren und allfällige  Dokumente sowie Kopien von Identitätspapieren bis zum 3. April 2008 einzureichen, sofern er am Gesuch festhalten wolle.
C. Mit Eingabe vom 5. März 2008 (Eingang Botschaft: 11. März 2008) reichte der Beschwerdeführer bei der Botschaft eine Ergänzung seines Asylgesuchs ein, in welchem er sein Asyl- und Einreisegesuch  und welchem er Kopien (Auflistung Beweismittel) 2008 beilegte.
Zur Begründung seines Asylgesuchs führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen an, er sei am Y._ auf dem Schulweg von acht Soldaten festgehalten und sexuell missbraucht worden. In der Folge hätten ihn seine Eltern ins D._ in C._ gebracht, wo er behandelt worden sei. Nach seiner Spitalentlassung hätten ihn Soldaten verschiedentlich telefonisch mit dem Tod bedroht, falls er den Zwischenfall melde, und hätten ihn überdies zu weiteren sexuellen Handlungen aufgefordert. Aus Angst habe er bei der Polizei keine Anzeige erstattet, habe sich jedoch an die HRO und das Rote Kreuz gewendet. Eine Untersuchung des Vorfalls sei danach vom  des Armeecamps von E._ eingeleitet worden, in deren Verlauf einer der verantwortlichen Soldaten Suizid begangen habe. Aufgrund der sexuellen Übergriffe habe er ein Trauma erlitten und gerate jeweils in Panik, wenn er Soldaten in Uniform erblicke. Ferner sei er am Z._ in der Lodge in Colombo von Polizisten befragt worden. Da er um seine psychische Gesundheit fürchte, wenn er
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länger in Sri Lanka bleiben müsse, wo uniformierte Soldaten und Polizisten allgegenwärtig seien, sei ihm die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, um in einer friedlichen Atmosphäre seine psychische Gesundheit zurückzuerlangen.
D. Mit Schreiben vom 25. März 2008 überwies die Schweizerische  in Colombo - ohne den Beschwerdeführer angehört zu haben - das Asylgesuch an das BFM.
E. Mit Schreiben vom 26. Mai 2008 überwies die Schweizerische  in Colombo dem BFM ein Ergänzungsschreiben des  vom 8. Mai 2008.
F. Mit Verfügung vom 3. Juli 2008 wies das BFM das Einreise- und  des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 20 Abs. 2 des  vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 3 AsylG ab. Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, aus der vom  geschilderten Bedrohung könne keine gegen ihn gerichtete  im Sinne von Art. 3 AsylG abgeleitet werden. Die von ihm im Y._ erlittenen sexuellen Übergriffe durch Angehörige der  Armee stellten zwar tragische Ereignisse dar, hätten aber im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung rund (...) Jahre zurückgelegen, weshalb sie nicht mehr als Anlass für diese angesehen werden . Zudem habe der Beschwerdeführer seit dem Jahre W._ keine weiteren Verfolgungsmassnahmen mehr erlitten und es ergäben sich aus einer objektiven Betrachtungsweise auch keine Anhaltspunkte dafür, dass er in absehbarer Zukunft solche Benachteiligungen zu gewärtigen hätte. Ausserdem habe die srilankische Armee nach den Übergriffen eine Untersuchung eingeleitet, weshalb die Armee solche Übergriffe weder geduldet noch tatenlos hingenommen habe. Im Verlaufe der Untersuchung habe einer der Täter Selbstmord begangen. Daher vermöge die geltend gemachte Angst vor  Übergriffen seitens der Sicherheitskräfte die Wahrscheinlichkeit einer einreiserelevanten Verfolgung im heutigen Zeitpunkt nicht zu . Bezüglich der angeführten Polizeibefragung vom Z._ in Colombo sei anzuführen, dass es sich dabei um legitime staatliche Sicherheitsmassnahmen zur Verhinderung von Anschlägen im Grossraum Colombo handle und überdies keine Hinweise ersichtlich
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seien, der Beschwerdeführer sei bei der Befragung durch die Polizei nicht korrekt behandelt worden. Auch hätten offenbar keine  gegen den Beschwerdeführer vorgelegen, andernfalls er mit Sicherheit festgenommen worden wäre. Da konkrete  für künftige staatliche Verfolgungsmassnahmen fehlten, sei die geltend gemachte Befragung durch die Polizei und die damit  Furcht vor staatlichen Verfolgungsmassnahmen nicht asylrelevant und somit auch nicht einreisebeachtlich. An diesen  vermöchten auch die eingereichten Dokumente nichts zu , würden diese doch lediglich die Vorbringen des  stützen, deren Glaubhaftigkeit jedoch nicht in Frage gestellt  sei. Der Beschwerdeführer sei daher nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen.
Die Verfügung wurde am 31. Juli 2008 durch Vermittlung der  Vertretung in Colombo an den Beschwerdeführer geschickt.
G. Mit in englischer Sprache verfasster und an das  gerichteter Eingabe vom 8. August 2008 (Eingang Botschaft: 12. August 2008; Eingang beim Bundesverwaltungsgericht: 19. August 2008) beantragte der Beschwerdeführer sinngemäss die Bewilligung der Einreise in die Schweiz sowie die Gewährung von Asyl. Zur  wiederholte der Beschwerdeführer im Wesentlichen seine bereits im Asylgesuch vorgebrachte Gefährdung und führte aus, er  nach dem traumatischen Vorfall im Jahre W._ unter grossem psychischem Druck und müsse sich wegen im V._ erhaltener telefonischer Drohungen respektive Nachforschungen von unbekannter Seite nach seinem Wohnort versteckt halten. Ausserdem hätten sich Paramilitärs bei seinen in C._ lebenden Verwandten (Vater und Schwester) nach seinem Aufenthaltsort erkundigt und diese auch bedroht. Ferner würden sich die Kameraden des Soldaten, der im Laufe der Untersuchungen Suizid begangen habe, deswegen an ihm rächen wollen. Die Gefahr, dass er von den Aggressoren gefunden werden könnte, sei als real zu erachten.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17.  2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das  betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem Bereich  (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des  vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen  und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes . Aus prozessökonomischen Gründen wurde auf eine  der englischsprachigen Beschwerde zur Übersetzung in eine Amtssprache verzichtet, da die (sinngemäss) gestellten  verständlich sowie begründet sind. Der vorliegende Entscheid  hingegen in deutscher Sprache (vgl. Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG).
Die Beschwerde ist, abgesehen vom sprachlichen Mangel, frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer ist durch die  Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges  an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Der  ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Gemäss Art. 19 AsylG kann ein Asylgesuch im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem  an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schwei-
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zerische Vertretung führt mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende Person von der  aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bundesverwaltungsgericht hat in Auslegung dieser Bestimmungen in einem Entscheid vom 27. November 2007 i.S. E-6148/2006 (publiziert unter BVGE 2007/30) erkannt, dass sich die Unmöglichkeit einer Befragung aus organisatorischen oder  Gründen bei der jeweiligen Vertretung, aus faktischen  im betreffenden Land oder aus bei der asylsuchenden  liegenden persönlichen Gründen ergeben kann (vgl. BVGE, a.a.O., E. 5.2 und 5.3). Da die Anhörung der Sachverhaltserstellung sowie der Gewährung des rechtlichen Gehörs dient (vgl. BVGE, a.a.O., E. 5.5), ist die asylsuchende Person bei gegebener Unmöglichkeit einer  unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht in einem  Schreiben mittels konkreter Fragen aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten; ein standardisiertes Schreiben vermag diesen Anforderungen damit in aller Regel nicht zu genügen (BVGE, a.a.O., E. 5.4). Allerdings kann sich eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif  erscheint; der asylsuchenden Person ist aber diesfalls immerhin im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich zu  abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu äussern (BVGE, a.a.O., E. 5.7). Schliesslich ist das Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen von einer Befragung in der Verfügung über das Asylgesuch zu begründen (BVGE, a.a.O., E. 5.6 sowie 5.7).
2.2 In casu wurde durch die schweizerische Vertretung in Colombo keine Befragung des Beschwerdeführers zu seinem Asylgesuch vom 18. Januar 2008 durchgeführt. Die Botschaft begründete den Verzicht auf eine Befragung des Beschwerdeführers damit, dass nach  der vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen dieser die Voraussetzungen an die Asylgewährung nicht erfüllen dürfte. Offenbar wurde der Sachverhalt von der Botschaft bereits aufgrund des  Asylgesuchs als entscheidreif erstellt erachtet. In der  Verfügung wird nun festgehalten, dass gestützt auf die  die Gefährdungssituation des Beschwerdeführers  beurteilt werden könne. Selbst wenn diese Auffassung zutreffend
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wäre - dies kann erst nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs zuverlässig beurteilt werden -, hätte das BFM dem Beschwerdeführer unter den gegebenen Umständen gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts das rechtliche Gehör zu dem sich  negativen Entscheid gewähren müssen (vgl. vorstehend E. 2.1), was indessen unterlassen wurde.
2.3 Aufgrund des oben Gesagten ergibt sich, dass die Vorinstanz dem Beschwerdeführer zu Unrecht das gemäss Rechtsprechung zwingend zu gewährende rechtliche Gehör nicht gewährte. Dieser Mangel ist auf Beschwerdeebene nicht zu heilen, zumal es nicht Sinn und Zweck des Beschwerdeverfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht ist,  dieses Verfahrens von der Vorinstanz unterlassene Handlungen nachzuholen.
3. Die Feststellung, dass das BFM dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör nicht gewährte, führt indessen nicht dazu, dass ihm die  in die Schweiz bereits aus diesem Grund zu bewilligen wäre. Aus dem Umstand, dass er bisher nicht befragt - respektive ihm das  Gehör nicht gewährt - wurde, kann nicht geschlossen werden, dass ihm zur persönlichen Anhörung oder der Gewährung des  Gehörs die Einreise in die Schweiz bewilligt werden müsste.  der Aktenlage bestehen nicht genügend konkrete  für die Annahme, dem Beschwerdeführer wäre ein Verbleib in Sri Lanka für die Dauer der weiteren, noch erforderlichen  nicht zumutbar im Sinne von Art. 20 Abs. 2 AsylG.
4. 4.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den  des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt hat. Da eine Heilung dieses Verfahrensmangels im Rahmen des  nicht möglich erscheint und jedenfalls nicht angebracht , ist der angefochtene Entscheid aufzuheben und zur Gewährung des rechtlichen Gehörs sowie zur Neubeurteilung im Sinne der  an die Vorinstanz zurückzuweisen. Nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs wird das BFM zudem zu beurteilen haben, ob sich gestützt auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts eine Befragung des Beschwerdeführers als notwendig erweist oder nicht.
4.2 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die  Verfügung vom 3. Juli 2008 aufzuheben und die Vorinstanz
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anzuweisen, dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu , den rechtserheblichen Sachverhalt gegebenenfalls ergänzend vollständig festzustellen und in der Sache neu zu entscheiden.
5.
5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten  (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
5.2 Da der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren nicht  vertreten wurde, ist nicht davon auszugehen, ihm seien durch die selbstständige Beschwerdeführung verhältnismässig hohe Kosten . Daher ist ihm keine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem  [VGKE, SR 173.320.2]).
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