Decision ID: 2f22ebe7-8f60-4403-a3da-25b0156ac3f7
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1961 geborene
X._
war vom 24. Juli 2000 bis 30. November 2001 bei
Y._
als Hilfsarbeiter (Urk
.
6
/5), vom 20. Februar bis 30. September 2002 bei der
Z._
Gm
bH als temporärer Gipser (Urk. 6
/13) und vom 16. Juni 2003 bis Mitte November 2003 bei der Firma
A._
AG als
Betonsanierer angestellt (Urk. 6
/12). Dazwischen war er arbeitslos. Ende Juli 2003 zog er sich bei einem Sturz eine Verletzung an der linken Schulter zu. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) trat auf den Schaden ein und gewährte Heilbehandl
ung und leistete Taggeld (Urk. 6
/7). Am 14. Dezember 2004 (Eingangsdatum) meldete er sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stell
e, zum Leistungsbezug an (Urk. 6
/1). In der Folge tätigte die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen. Mit Verfügung vom 6. Dezember 2005 sprach die SUVA
X._
mit Wirkung ab 1. Dezember 2005 eine 25%ige Invalidenrente sowie eine Int
egritätsentschä
digung zu (Urk. 6
/27). Mit Verfügung vom 7. April 2006 sprach ihrerseits die
IV
Stelle dem Versicherten eine vom 1. August 2004 bis 30. April 2005 befristete
ganze Invalidenrente zu (Urk. 6/31 in Verbindung mit Urk. 6
/39-40), woran die IV-Stelle mit
Einspracheentscheid
vo
m 29. Mai 2006 festhielt (Urk. 6
/49). Die dagegen am 29. Juni
2006 erhobene Beschwerde (Urk. 6
/53/3-9) wurde mit Urteil IV.2006.00585 vom 30
. Januar 2008 abgewiesen (Urk. 6
/58).
1.2
Am 22. Dezember 2010 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
erneut bei der IV-Stelle an und machte unter Nachreichung diverser Arztberichte eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes
glaubhaft (Urk. 6/63 und Urk. 6
/68). In der Folge klärte die IV-Stelle wiederum die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und liess den Versicherten polydisziplinär begut
achten (
Medas
-Gu
tachten vom 2. März 2012, Urk. 6
/88). Nach erlassenem Vor
beschei
d vom 19. September 2012 (Urk. 6
/93) sprach die IV-Stelle mit Verfügun
gen vom 31. Jan
uar und 15. Februar 2013 (Urk. 6
/100-101) mit Wirkung ab 1. Juni 2011 eine ganze Invalidenrente zu.
1.3
Im Rahmen der amtlichen Re
vision im September 2013 (Urk. 6
/102) tätigte die IV-Stelle aktuelle erwerbliche und medizinische Abklärungen und liess
X._
erneut begutachten (Gutachten der
B._
vom 19. Januar 2015, Urk. 6
/128). Mit Vorbescheid vom 30. März 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Aufhebu
ng der Rente in
Aussicht (Urk. 6
/133) und
wies
ihn gleichentags
m
it Einschreiben vom
30. März 2015
unter dem Titel „
Voraussetzungen für allfällige zukünftige Leistungs
ansprü
che: Durchführung einer Behandlung zur Verbesserung des Gesund
heitszustan
des» dar
auf
hin
,
sein Gesundheitszustand
lasse sich
mit einer Alkohol-
und Sucht
mittelentwöhnung wesentlich verbessern, zusätzlich sei eine Gewichts
reduktion anzustreben. Wenn er sich nicht an diese Mitwirkungspflicht halte, könne dies dazu führen, dass auf ein zukünftiges Leistungsgesuch nicht eingetreten werde
(Urk. 6
/132). Gegen den Vorbescheid erhob
X._
a
m 21. April 2015 Einwand
und hielt fest, dass er nicht damit einverstanden sei, dass er seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen sei,
insbesondere
dass sich sein Gesundheitszustand mit einer Alkohol- oder Suchtmittelentwöhnung wesentlich verbessern könne
(Urk. 6
/136). Mit Verfügung vom 2. Juli 2015 stellte die IV-Stelle
–
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 16 %
–
die Rentenleistun
gen per Ende
August 2015 ein (Urk. 6/141
).
Die dagegen am
3. September 2015 erhobene Beschwerde (Urk. 6/145/3-14
) wurde mit Urteil I
V.2015.00887 vom 22. Septem
ber 20
1
6
abgewiesen (Urk. 6
/150
).
1.4
Am 22
.
März 2019
(Eingangsdatum) meldete sich
X._
erneut zum Leistungsbezug (berufliche Massnahmen und Rente) an (Urk.
6/155
).
Auf entspre
chende Aufforder
ung der IV-Stelle hin (Urk. 6/157
) reichte
er
die verlangten Beweismittel
nach (Arztberichte zur Glaubhaftmachung eines verschlechterten Gesundheitszustandes sowie Nachweise zur Abstinenz von Alkohol und Sucht
mitteln, Urk. 6/158-162).
Die IV-Stelle tätigte daraufhin medizinisc
he und erwerbliche Abklärungen.
Mit Vorbescheid vom
1. Dezember 2020 kündigte sie dem
Versicherten an, das Leist
ungsgesuch abzuweisen (Urk. 6/177
). Nach
dem
X._
hiergegen am
26. Januar 2021
(Urk. 6/180-181
) Einwände erhoben hatte, bestätigte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 4. Mai 202
1
, dass kein Anspruch auf IV-Leistungen bestehe (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am
4.
Juni 2020
Beschwerde und beantragte,
die IV-Stelle sei
unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom
4
. Mai 2020
zu verpflichten, den medizinischen Sachverhalt vertieft abzuklären und hernach erneut über den Rentenanspruch zu entscheiden
(Urk. 1). Die Beschwerde
gegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
2. September 2021
auf Abweisung der Beschwerde
(Urk. 5
, unter Beilage ihrer Akten, Urk.
6/1-185
). Dies wurde dem Beschwerdeführer am
22. September 2021 mitgeteilt (Urk. 7
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird
–
soweit erforderlich
–
im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Vorausset
zungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisions
gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblich
en Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (
Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid (Urk. 2),
dass der Beschwerdeführer die ihm am 30. März 2015 auferlegte medizinische Mass
nahme, sich einer Alkohol- und Suchtmittelentwöhnung zu unterziehen und zusätzliche eine Gewichtsreduktion anzustreben, nicht erfüllt habe. In den aktu
ellen Unterlagen werde darauf hingewiesen, dass keine Hinweise auf einen Medikamenten-,
Alkohol- oder
Drogenabusus
bestä
nden. Eine konsequente und kontrollierte Opiat- und Benzodiazepin-Entgiftung und Entwöhnung sei bis anhin jedoch nicht durchgeführt worden. A
u
s den vorliegenden Berichten gehe hervor, dass der Beschwerdeführer im Verlauf der vergangenen Jahre und auch weiterhin verordnete Opioid-Analgetika sowie Benzodiazepine regelmässig ein
nehme. Auch eine wesentliche Gewichtsreduktion sei bis anhin nicht eingetreten.
Die Auflage habe den Hintergrund gehabt, dass von den damaligen Gutachtern ein leitlinienwidriger (nicht dokumentierter, zudem auch als unwirksam und potentiell suchtindizierender) Pharmaka-Fehlgebrauch beschrieben worden sei. Dieser sei auch dazu geeignet, zu depressiven Störungen und Beeinträchtigungen der Kognition zu führen. Bis zu einer vollständigen und kontrollierten Entgiftung und Entwöhnung sei zumindest anteilig, wenn nicht wesentlich, die gesamte Symptomatik des Beschwerdeführers verstehbar. Gerade die aktuell vom Beschwerdeführer beklagten
Symptome zeigten die weiterhin bestehende Not
wendigkeit dieser Massnahme auf.
Im Weiteren gingen aus den vorliegenden Unterlagen keine neuen oder bisher unberücksichtigten medizinischen Fakten oder Tatsachen hervor. Die Diagnose der rezidivierenden
depressiven Störung stelle keine dauerhafte Verschlechterung des Gesundheitszustandes dar. Bisher sei im Verlauf der Behandlung eine Besse
rung erzielt worden. Der Beschwerdeführer habe die therapeutischen Einrichtun
gen jeweils in einem deutlich
besseren
Zustand verlassen. Es sei davon auszuge
hen, dass sich auch die im Juli 2020 festgestellte schwere depressive Episode wieder bessern werde. Damit könne keine wesentliche, dauerhafte Veränderung des Gesundheitszustandes seit der Begutachtung von 2015 festgestellt werden. Eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren, wie im Bericht der
Psychiatrie B._
vom 30. Juni 2020 geltend gemacht, sei bereits im psychiatrischen Gutachten vom 19. Januar 2015 explizit ausgeschlossen worden. Dort sei festgehalten worden, dass obwohl der Schmerz mit einer psychosozialen Belastungssituation (Verlust des Arbeitsplatzes Ende 2013, recte: 2003) einhergehe, die im Vorgutachten von 2011 festgestellte Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht nachvollzieh
bar sei. Es ergebe sich der Verdacht auf eine bewusstseinsnahe Verdeutlichung.
Im Bericht der
Psychiatrie B._
vom 30. Juni 2020 werde weiter ausgeführt, dass der Beginn der Schmerzproblematik nach einem Arbeitsunfall 2003 mit Schulterverletzung und Operation 2004 bestehe. In der Folge habe sich eine
Chronifizierung
der Schmerzen und Ausweitung auf weitere Körperteile (linkes Knie und rechter Ellenbogen) ergeben. Spätestens ab 2010 sei eine depressive Entwicklung mit sozialem Rückzug, Antriebslosigkeit, Freud- und Interesselosigkeit entstanden. Zudem werde festgehalten, dass sich die Symptomatik nicht seit 2018 entwickle, sondern sich so unverändert seit über 10 Jahren darstelle. Die Schmerzproblema
tik mit depressiver Entwicklung sei ausführlich im Gutachten 2015 in allen Fach
disziplinen diskutiert worden. Die gleiche Symptomatik habe bereits im Gutach
ten 2011 bestanden. Dies sei zu erwähnen, da dort im Wortlaut das generalisierte
fibromyalgieforme
Schmerzsyndrom mit 18/18 positiven Tenderpoints im
Ein
wandschreiben
aufgeführt worden sei.
2.2
Demgegenüber brachte der Beschwerdeführer
im
Wesentlichen vor (Urk. 1), dass
dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 30. März 2015 die Schadenminde
rungspflicht, sich einer Alkohol- und Suchtmittelentwöhnung zu unterziehen und zusätzlich sei eine Gewichtsreduktion anzustreben, auferlegt worden sei, wogegen er protestiert habe. Aus den gesamten IV-Akten, insbesondere dem
C._
-Gutachten gehe aber mit aller
Deutlichkeit
hervor
, dass er zu keinem Zeitpunkt weder an einer Alkohol- noch einer Drogensucht (Suchtmittel) gelitten habe. Weshalb die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung nun erwähne, es sei nie eine konsequente und kontrollierte Opiat- und Benzodiazepin-Entgif
tung und Entwöhnung durchgeführt worden, sei nicht nachvollziehbar, da eine solche aufgrund des Wortlautes der Auflage nie verfügt worden sei.
Dieses widersprüchliche Verhalten verdiene keinen Rechtsschutz, wobei auch unklar sei, ob die Beschwerdegegnerin aus der angeblich unterlassenen Befolgung der Schadenminderungspflicht Konsequenzen ziehe und wenn ja, welche
.
Jedenfalls stehe aufgrund der medizinischen Berichte fest, dass
seit 2016/2018 kein Pharmaka-Fehlgebrauch
–
wie 2015 gutachterlich beschrieben
–
mehr bestehe. Entsprechend könnten die Gründe für die von ihm beklagten Symptome nicht im Wesentlichen mit einem solchen Fehlgebrauch begründet werden.
Zudem sei eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes im Vergleich zur Situation 2014/2015 ausgewiesen, sowohl in psychischer wie in somatischer Hin
sicht.
So befinde er sich seit Februar 2018 in regelmässiger psychiatrischer Behandlung und sei seither drei Mal stationär hospitalisiert gewesen. Das psy
chische Leiden habe sich
–
bei einem Verzicht auf die Einnahme hochpotenter Opiate und Benzodiazepine (entsprechend kein Pharmaka-Fehlgebrauch)
–
akzen
tuiert, so sei bei ihm neu unter anderem eine rezidivierende depressive Störung, mittelgradige Episode
–
im Juni 2020 gar eine schwere Episode
–
, mit selbstver
letzendem Verhalten diagnostiziert worden. Durch das im 2018 erstmals diagnos
tizierte chronische
lumbospondylogene
Syndrom habe sich auch die somatische Situation verschlechtert.
3.
Vorweg ist festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer
anbegehrte
invaliden
versicherungsrechtliche Leistung nach stattgehabter materieller Abklärung mit der vorliegend angefochtenen Ve
rfügung vom 4. Mai 2021 (Urk. 2)
mit der Begründung abgewiesen wurde, dass keine dauerhafte Veränderung des Gesund
heitszustandes seit der Begutachtung von 2015 zu konstatieren sei.
Soweit in der angefochtenen Verfügung auf die mit Schreiben vom 3
0.
März 2015 (Urk. 6/132) auferlegte Schadenminderungspflicht Bezug genommen wird, ist festzuhalten, dass im damaligen Schreiben der Beschwerdeführer zu einer «Alko
hol- und Suchtmittelentwöhnung» angehalten wurde. Wenn dem Beschwerde
führer in der angefochtenen Verfügung nunmehr vorgeworfen wird, keine «kontrollierte Opiat- und Benzodiazepin-Entgiftung und -Entwöhnung» durch
geführt zu haben, ist dieser Vorwurf nicht geeignet, dem Beschwerdeführer die Missachtung der damals auferlegten Schadenminderungspflicht vorzuhalten. Medikamente und Suchtmittel sind grundsätzlich ganz unterschiedliche Dinge, entsprechend kann nicht erwartet werden, dass der Beschwerdeführer unter Suchtmittelmissbrauch auch Medikamentenmissbrauch verstanden haben muss. Hinzu kommt, dass einerseits im damaligen Schreiben nicht davon die Rede war, dass die Entwöhnung kontrolliert durchzuführen sei, und andererseits dem Beschwerdeführer in der angefochtenen Verfügung kein Alkohol- oder sonstiger Suchtmittelgebrauch vorgeworfen wird. Damit lässt sich die angefochtene Verfü
gung nicht mit dem Argument schützen, der Beschwerdeführer habe die ihm auf
erlegte Schadenminderungspflicht verletzt.
4.
4
.1
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung
oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhalts
abklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E.
2.1 mit Hinweisen),
vorliegend
die mit Gerichtsurteil IV.2015.00887 vom 22. September 2016 (Urk. 6/150
) bes
tätigte Verfügung der IV-Stelle vom 2. Juli 2015 (Urk. 6/141
).
4
.2
Das hies
ige Gericht hielt mit Urteil IV.2015.00887 vom 15. Oktober 2016 vom 22. September 2016 fest, d
ass
gestützt auf das überzeugende
C._
-Gutachten vom 19. Januar 2015 (Urk. 6/128) von einer seit den Rentenverfügungen vom 31. Januar und 15. Februar 2013 (Urk. 6/100-101) eingetretenen anspruchserheb
lichen Verbesserung des Gesundheitszustandes sowie damit einhergehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer aus orthopädischer Sicht behinderungs
angepassten Tätigkeit (körperlich leicht, wechselbelastend oder überwiegend sitzend, ohne Nachtarbeit und ohne häufigen Überkopfeinsatz des [nicht domi
nanten] linken Armes
)
auszugehen sei
(E. 4.6)
.
Aus psychiatrischer Sicht sei es aufgrund der nur noch leicht ausgeprägten Befundlage zu einer weitgehenden Remission der ursprünglichen mittelgradigen (allenfalls sogar
schwergradigen
) depressiven Episode
gekommen.
Auch das Vorliegen einer somatoformen Schmerz
störung sei verneint und überzeugend damit begründet worden, dass die geklagten Beschwerden nur unzureichend erklärbar seien und nur vage und unpräzise vorgetragen würden. Der diesbezüglich dargelegte Zusammenhang zwischen dem Opiat- und Benzodiazepin-Fehlgebrauch und der fortwährenden reklamierten Schmerz-Symptomatik im Sinne einer
Alibilisierung
des Suchtmit
telkonsums erschien dem Gericht damals durchaus nachvollziehba
r (vgl. Urteil E. 4.4.1)
. Hinsichtlich der im Vorgutachten von 2012 gestellten neurologischen Verdachtsdiagnose einer primären Lateralsklerose mit linksseitiger Hemiparese
hielt das Gericht
gestützt auf die
schlüssigen Darlegungen des begutachtenden Neurologen fest, dass sich diese mangels (letaler) Progredienz sogar falsifiziert habe und die vom Beschwerdeführer (
aggravatorisch
) beklagte neurologische Symptomatik zumindest anteilig wesentlich auch im Kontext des leitlinien
widrigen Schmerzmittelgebrauchs
stehe (vgl. Urteil E. 4.4.2).
5
.
5
.1
Die
angefochtene
Verfügung vom 4. Mai 2021
(Urk. 2), mit welcher das Leis
tungsbegehren erneut abgewiesen wurde, basierte auf folgenden medizinischen Beurteilungen:
5
.2
Im Bericht der
Psychiatrie B._
vom 2. Mai 2019 (Urk. 6/161 S. 1-2), wo der Beschwerde
führer vom 25. April bis 2. Mai 2019
–
und zuvor schon vom 16. Februar bis 8. März 2018 sowie vom 1. bis 22. November 2018
–
stationär hospitalisiert war, wurden folgende Austrittsdiagnosen aufgeführt:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(ICD-10: F33.1)
-
Chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10: F45.41)
-
Generalisiertes
fibromyalgieformes
Schmerzsyndrom (beziehungsweise
generalisiertes Schmerzsyndrom mit 18/18 Tenderpoints positiv,
diffe
ren
tial
-
diagnostisch
: Schmerzverarbeitungsstörung
)
-
Schulter-Arm-Syndrom links
-
Chronifizierte
invalidisierende
Periarthropathia
Schulter links
-
Status nach offener dorsaler Labrumreposition 20. Januar 2004
-
Unklares neurologisches Zustandsbild mit erhöhtem Muskeltonus, vor
allem der unteren Extremitäten (Erstdiagnose Februar 2012: Diagnose
einer zentralen progredienten Erkrankung mit positiven Pyramiden-
Zeichen und dem Verdacht auf ALS)
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom
(Erstdiagnose 2018)
,
anam
nestisch
segmentale
Dysfunktionen der LWS, klinisch
myofasziales
Schmerz
syndrom
-
Status nach
Dissektion
des
Tr
uncus
Coeliacus
,
persistierender
Verschluss
der
Ar
teria
hepatica
communis
und
St
enose der proximalen
Arteria
lienalis
(März 2010)
-
Makrozytäre
Anämie (November 2018)
5
.3
Der behandelnde Hausarzt
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, hielt in seinem Schreiben vom 17. Mai 2019 (Urk. 6/160) zuhanden der Beschwerdegegnerin fest, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers verschlechtert habe und er seit Februar 2018 dreimal in der
Psychiatrie B._
in stati
onärer
Hospitalisation
gewesen sei (vom 16. Februar bis 8. März 2019, vom 1. bis 21. November 2018 und vom 25. April bis 2. Mai 2019).
5
.4
Die
Psychiatrie B._
bestätigte in
ihrem Schreiben vom 2
2.
Mai 2019
(Urk. 6/162) zuhanden der Beschwerdegegnerin, dass sich der Beschwerdeführer seit Februar 2018 wie
derholt in ihrer stationären und ambulanten Behandlung befinde. Während des Behandlungszeitraumes habe der Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt Opioide oder opiathaltige Medikamente verschrieben bekommen. Auch beständen keine Hinweise auf sonstigen Medikamenten-, Alkohol- oder
Drogenabusus
. Anamnes
tisch sei die Therapie mit Opiaten bereits 2016 sistiert worden, was durch den Hausarzt bestätigt worden sei.
5
.5
Im Bericht der
Psychiatrie B._
vom 14. August 2019 (Urk. 6/164) zuhanden der Beschwer
degegnerin wurde aufgeführt, dass sich der arbeitslose und von der SUVA berentete Beschwerdeführer vom 16. Februar bis 8. März 2018, vom 1. bis 22. November 2018 und vom 25. April bis 2. Mai 2019 dort in stationärer Behandlung befunden habe. Darin wurden folgende psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt:
-
Rezi
divierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
-
mit selbstverletzendem Verhalten (Schnittwunde, Brandwunde
durch Zigaretten, ICD-10: F33.1, Erstdiagnose März 2010)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen
Faktoren
(
ICD-10: F45.41, Erstdiagnose:
März 2010)
Zudem wurden dieselben somatischen Diagnosen genannt wie im Kurzaustritts
bericht der
Psychiatrie B._
vom 2. Mai 2019 (vgl. E. 4.2). Der Beschwerdeführer komme ursprünglich aus
Italien
, er lebe seit circa 24 Jahren in der Schweiz. Er lebe zusammen mit seiner Frau gemeinsam in
E._
. Er sei gelernter Gipser für Fassaden und Maler. Seit der Schulteroperation im Jahr 2004 arbeite er nicht mehr. 2010 habe er einen Herzinfarkt erlitten. Er erhalte eine 25%-Rente der SUVA. Die Ehefrau arbeite noch, sie hätten aber Geldprobleme. Der jüngere Sohn sei in der Lehre und die Tochter habe bereits ein Kind und lebe seit deren Schei
dung wieder bei den Eltern. Der Beschwerdeführer sei am 25. April 2019 zur stationären
akut
psychiatrischen
Behandlung für eine Krisenintervention einge
treten. Er habe starke Schmerzen, Schlafstörungen und Ängste angegeben. Er sei auch ambulant in Behandlung. Nach einer einwöchigen Krisenintervention sei der Beschwerdeführer in leicht gebessertem Zustandsbild in die gegebenen Umstände eingetreten. Die vorbestehende
Medikation
sei unverändert fortgeführt worden. Aufgrund der kurzen Beobachtungszeit sei eine Prognose sowie die Arbeits
fähigkeit erschwert einzuschätzen.
5
.6
Im Bericht der
Psychiatrie B._
vom 30. Juni 2020 (Urk. 6/17
3
) zuhanden der B
eschwerde
gegnerin wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10:
F33.2)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10: 45.41)
Z
ur Entwicklung und Vorgeschichte des Beschwerdeführers
wurde
festgehalten, dass die Schmerzsymptomatik nach einem Arbeitsunfall 2003 mit Schulterverlet
zung und Operation 2004 begonnen habe.
Es
sei zu keiner Besserung der Schmer
zen gekommen. In der Folge hätten sich die Schmerzen
chronifiziert
und auf weitere Körperteile (unter anderem linkes Knie [Arthrose] und rechter Ellenbogen) ausgeweitet. Spätestens ab 2010 sei eine depressive Entwicklung mit sozialem Rückzug, Antriebslosigkeit, Freud- und Interessenverlust dokumentiert. Aufgrund des langjährigen Krankheitsproze
sses zeige sich eine deutliche
Ch
ronifizierung
, aktuell
fibromylagieähnliche
, nahezu ubiquitäre Schmer
z
en des Bewegungsappa
rates. Der
Beschwerdeführer
verfüge über
wenig
vorhandene R
e
ssourcen
. Es komme rezidivierend zu einer
Verstärkung
in der depressiven Symptomatik, teils mit Selbstverletzung und suizidalen Gedanken.
Der Beschwerdeführer sei in seiner Alltagsbewältigung, Mobilität und seinen interaktionellen Fähigkeiten stark eingeschränkt.
Es
bestehe ein hoher Leidensdruck.
Im Psychostatus vom 22. Juni 2022 habe sich ein wacher und bewusstseinsklarer, zu allen Qualitäten orientiert, vorgealtert wirkend und am Stock gehend
er
Beschwerdeführer
gezeigt. Im Gespräch sei er auskunftsbereit und zugewandt gewesen. Die Konzentration und das Gedächtnis se
ien subjektiv reduziert ge
wesen. Im f
ormalen Denken habe er sich stark
eingeengt
auf Schmerzen,
«
auch
Nervosität
», verschiedene Behand
lungen und Ve
rsicherungsfragen präsentiert. E
s habe ein starkes Grübeln
über kör
perliches Befinden
vorgelegen. Er habe häufig vorb
eigeredet.
Es
hätten sich keine Hinwe
i
se
auf
Wahn, Wahrnehmungsstörungen oder Ich-Erlebnisstörungen gezeigt. Er habe Zukunftsängste angegeben. Es hätten sich keine Phobien oder Zwänge gezeigt. Im Affekt habe der Beschwerdeführer stark bedrückt gewirkt mit Affektverarmung und -verflachung.
Er
habe
Freud- und Interesselosigkeit
gezeigt
und deutlich
sozial zurückgezogen gelebt. Es hätten Ein- und Durchschlafstörun
gen
–
teils schmerzbedingt
–
bestanden. Der Appetit
sei als normal
angegeben worden. Es komme gelegentlich zu selbstverletzendem Verhalten mit Ritzen beider Arme zum Spannungsabbau und zum Ablenken von Schmerzen. Intermit
tierend seien
suizidale
Gedanken vorhanden, wobei er sich aktuell von konkreten Absichten klar distanziere. Zudem sei der Antrieb stark vermindert gewesen. Der
Beschwerdeführer sei aktuell zu 100 %
arbeitsunfähig sowohl in seiner angestammten Tätigkeit als auch in einer angepassten Tätigkeit. Die deutliche
Chro
nifizierung
der Symptomatik, die starken Schmerzen sowie wechselnden depres
siven Beschwerden machten jegliche Arbeit unmöglich. Aufgrund der
Chronifi
zierung
der Symptomatik sei eine Besserung unwahrscheinlich. Die aktuelle Therapie diene dem Vorbeugen weiterer Verschlechterung, insbesondere dem Verhindern von Selbstgefährdung und suizidalem Verhalten sowie dem Verhin
dern von erneuten stationären Aufenthalten. Der Beschwerdeführer zeige als F
un
ktionseinschränkungen
eine erhebliche Beeinträchtigung bei der Konzent
ra
tion, dem Durchhaltevermögen, der Wissensanwendung, der Selbstbe
haup
tungs
fähigkeit, der Planung und Strukturierung von Aufgaben sowie der Selbst
ver
sorgung. Dies ergebe sich aus dem beiliegenden Mini-ICF (S. 6 ff.). Der Beschwerdeführer spreche Italienisch, aber
nur
gebrochenes Deutsch. Der Kontakt zur Familie sei gut. Weitere Ressourcen lägen nicht vor. Auto fahre er nicht. Der Beschwerdeführer sei nicht eingliederungsfähig.
Er
sei für alle Tätigkeit
en auf dem ersten Arbeitsmarkt als arbeitsunfähig anzusehen. Eine Besserung durch Ein
gliederungsmassnahmen
sei nicht zu erwarten, dies wegen der
Chronifizierung
und Multimorbidität. Der Beschwerdeführer bedürfe zudem bei nahezu allen Tätigkeiten im Haushalt Unterstützung. Er zeige sich im Haushalt sehr passiv, dieser werde fast ausschliesslich durch die Ehefrau ausgeführt. Er könne basale Körperhygiene aufrechterhalten, benötige aber selbst beim Ankleiden teils Unter
stützung durch die Ehefrau. Einkaufen, Wäsche machen, Haushaltsführung oder Kochen sei ihm nicht möglich. Wie bereits im Schreiben vom 22. Mai 2019 erwähnt, sei der Beschwerdeführer seit 2016 abstinent von Opioiden oder opiat
haltigen Medikamenten. Es ergäben sich keine Hinweise auf Medikamenten-, Alkohol- oder
Drogenabusus
.
6
.
6.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformatorisch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurückzu
weisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gut
achterlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 139 V 99 E. 1.1, 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2020 vom 8. Septem
ber 2020 E. 2.1)
.
6.2
Gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage ist ausgewiesen, dass im Vergleichszeitpunkt (
die mit Urteil IV.2015.00887 vom 22. September 2016 bestätigte
Verfügung
vom 2. Juli 2015, Urk. 6/141
)
als gesundheitliche Prob
lematik in psychischer Hinsicht eine weitgehend remittierte mögliche mittelgra
dige Episode
–
vor dem Hintergrund einer psychosozialen Belastungssituation
–
vorlag. Gemäss dem psychiatrischen
C._
-Teil-Gutachten habe sich beim Beschwer
deführer ein nur leicht gestörter psychischer Befund gezeigt, wobei diese diag
nostische Einschätzung
mit der funktionierenden Alltagsgestaltung, der aktuellen Verhaltensbeobachtung sowie der geringen Beanspruchung von psychi
atrischen Behandlungsmassnahmen (mangels Leidensdruck) gestützt worden sei. Das Vor
liegen einer rezidivierenden depressiven Störung wurde explizit als unwahr
scheinlich gewertet.
Zudem wurde eine somatoforme Schmerzstörung explizit verneint.
Aufgrund dieser damals festgestellten Besserung des Gesund
heits
zus
tandes (remittierte Depression)
entfiel auch die zuvor attestierte psychiat
risch begründete Arbeitsunfähigkeit und es verblieb eine 100%ige Arbeitsfähig
keit in leidensangepasster Tätigkeit aus rheumatologischer/orthopädischer Sicht
auf
grund der Schulterproblematik
(vgl. vorgenanntes Urteil E. 3.2.3 und E. 4).
6.3
Im Bericht der
Psychiatrie B._
vom 30. Juni 2020 (vgl. E. 5.6) wurde nun beim Beschwerde
führer
nebst
eine
r
rezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig sch
were Episode nach ICD-10: F33.2,
auch eine chronische Schmerzstörung mit somati
schen und psychischen Faktoren nach ICD-10: F45.41
diagnostiziert.
Dabei
k
omme
es rezidivierend zu einer Verstärkung der depressiven Symptomatik, teils mit Selbstverletzung und suizidalen Gedanken. Gestützt auf das durchgeführte Mini-ICF zeige sich, dass der Beschwerdeführer als Funktionseinschränkungen eine erhebliche Beeinträchtigung bei der Konzentration, dem Durchhaltevermö
gen, der Wissensanwendung, der Selbstbehauptungsfähigkeit, der Planung von Aufgaben sowie der Selbstversorgung aufweise
.
Aufgrund der deutlichen
Chro
nifizierung
der Symptomatik
,
der wechselnden Beschwerden
sowie der Multimor
bidi
t
ät sei der Beschwerdeführer in jeglicher Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig und auch nicht eingliederungsfähig.
Die Beschwerdegegnerin verneint
zwar
eine dauerhafte Verschlechterung des
psychischen
Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers
, anerkennt aber ver
fügungsweise das Vorliegen einer schweren depressiven Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung, indem sie darauf hinweist, dass davon auszugehen sei, dass sich diese im Juli 2020 festgestellte schwere depressive Episode
–
wie auch schon im früheren Behandlungsverlauf
–
wieder bessern werde (vgl. Urk. 2 S. 2).
Dem ist zu entgegen, dass sich der Beschwerdeführer
seit Februar 2018
in regelmässig stattfindender
psychiatrischer
Behandlung
befindet
und zudem
dreimal
stationär
in der
Psychiatrie B._
hospitalisiert war
(
vom 16. Februar bis 8. März 2019, vom 1. bis 21. November 2018 und vom 25. April bis 2. Mai 2019
)
. Zwar konnte er die therapeutischen Einrichtungen jeweils wieder in einem deut
lich besseren Zustand verlassen, musste aber in kurzen Abständen erneut hospi
talisiert werde, was gegen eine
n
nachhaltige
n
Therapie
erfolg
spricht. Zudem kann aufgrund der vorliegenden medizinischen A
ktenla
ge keineswegs von einem seit
2010 unveränderten psychischen Zustandsbild gesprochen werden (so die Beschwerdegegnerin in Urk. 2 S. 3), da die 2012 diagnostizierte Depression mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im Rahmen der Rentenaufhebung 2015/16
zunächst
als remittiert betrachtet wurde
. Im weiteren Verlauf zeigt sich nun aber
a
ufgrund der detailliert dargelegten depressiven Befundlage im vorgenannten Bericht der
Psychiatrie B._
, wonach der Beschwerdeführer in seiner Alltagsbewältigung, Mobilität und seinen interaktionellen Fähigkeiten stark eingeschränkt
sei, dass sich die depressive Symptomatik
seit dem 2015 gutachterlich festgestellten
nur leicht gestörten B
efund
relevant akzentuiert hat.
Ein ausgeprägter Leidensdruck beim Beschwerdeführer ergibt sich sodann aus der seit anfangs Februar 2018 regelmässigen
Beanspruchung einer psychiatrischen Behandlung
sowie den drei
notwendigen
stationären Aufenthalten in der
Psychiatrie B._
.
6.4
Gestützt auf die vo
rliegenden Berichte
kann der Gesundheit
szustand der Beschwerdeführerin
nicht abschliessend beurteilt werden. Vielmehr besteht weit
erer Abklärungsbedarf bezüglich
der
psychischen
und gegebenenfalls
auch der somatischen
Leistungseinschränkungen und deren Auswi
rkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Da in erster Linie die Beschwerdegegnerin für die richtige und vollständige Sachverhaltsabklärung zu sorgen hat, besteht vorliegend we
der Raum noch Anlass, ein Gerichtsgutachten einzuholen.
Demnach ist die Sache zur Durchführung einer
umfassenden Abklärung
zurückzuweisen.
7.
Zusammenfassend ist der medizinische Sachverhalt ungenügend erstellt. Es ist von der Beschwerdegegnerin
eine umfassende (psychische und
gegebenenfalls auch
somatische) Abklärung
zu veranlassen.
Die angefochtene Verfügung vom 4. Mai 2021 (Urk. 2)
ist aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung in medizinischer und erwerblicher Hinsicht an die Bes
chwerdegegnerin zurückzuweisen.
Demzufolge ist die Beschwerde
antrags
gemäss
gutzuheissen.
8.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung sowohl für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständi
ges Obsiegen (BGE 137 V 57; vgl. auch BGE 141 V 281 E. 11.1 mit Hinweis), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädi
gung hat.
In Anwendung dieser Kriterien ist die Par
teientschädigung vorliegend auf
Fr. 1‘900.--
(inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und aus
gangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Entsprechend sind die gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG bei Streitigkeiten über IV
Leistungen nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- und vorliegend in Anwendung dieser Grundsätze auf
Fr.
800.-- festzulegenden Gerichtskosten ebenfalls der Beschwer
degegnerin aufzuerlegen.