Decision ID: 8d95aaf1-4454-4048-813f-1f70c1683b60
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1966 geborene
X._
, alleinerziehende Mutter zweier Kin
der,
arbeitet
e
ab
1995 bei der
Y._
im Bereich
Gepäcksortie
rung
(vgl.
Urk.
23/1-2, 11/5/6,
23/11)
.
Am 31. Januar 2011 meldete sie sich unter Hinweis auf chronische Nacken- und Wirbelsäulenschmerzen
und
eine seit
18. Oktober 2010
bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
23/5).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (im Folgenden:
IV-Stelle) klärte die beruflichen (
Urk.
23/7-8, 23/11) und medizinischen
Ver
-
hält
nisse
(
Urk.
23/15
, 23/18) ab und holte ein Gutachten von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, vom 9. September 2011 (
Urk.
23/21) ein. Am 13. Oktober 2011 teilte sie der Versicherten
die Notwen
d
igkeit
einer weiter
e
n medizinischen Abklärung in Form einer psychiatrischen
Untersuchung
durch med.
pract
.
A._
und
einer Abklärung durch
Dr.
med.
B._
, Fachärztin FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation, mit (
Urk.
23/23). Nach Eingang des
bidisziplinären
Gutachtens vom
20. Dezember 2011 (
Urk.
23/25) teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit Vorbescheid vom 13. Januar 2012 die voraussichtliche Abweisung des Leistungsbegehrens mit (
Urk.
23/28).
Mit dem Einwand vom 24. Januar 2012 bat die Versicherte um Zustellung des Berichts von
Dr.
A._
(
Urk.
23/30), worauf ihr behandelnder Psychiater
Dr.
med.
C._
am 8. März 2012 eine Stellungnahme einreichte (
Urk.
23/32). Mit Verfügung vom 11. Mai 2012
verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf Ei
ngliederungsmassnahmen und eine
Invalidenrente, da keine dauerhafte Einschränkung in der angestammten Tätigkeit und
in
einer ange
passten Tätigkeit ausgewiesen sei (
Urk.
2).
2.
Dag
egen erhob
X._
am 15. Mai 2012 Beschwerde (
Urk.
1). Nach Aufforderung zur Einreichung eines klaren Rechtsbegehrens (
Urk.
4) beantragte sie mit Eingabe vom 1. Juni 2012 die Gewährung von Massnahmen zur beruflichen Eingliederung beziehungsweise einer Invalidenrente und teilte mit, zurzeit in der
D._
hospitalisiert zu sein (
Urk.
6). Mit Eingabe vom 16. Juni 2012 wies sich Rechtsanwalt Karl
Kümin
als Vertreter der Be
schwerdeführerin aus und ersuchte um Gewährung einer Nachfrist zur Verbes
serung und Begründung der Beschwerde, andernfalls um Wiederherstellung der Beschwerdefrist (
Urk.
9). Mit Verfügung vom
2.
Juli 2012 wurde ersteres abge
wiesen und auf das Gesuch um Wiederherstellung
d
er Beschwerdefrist nicht eingetreten (
Urk.
13). Am 6. Juli 2012 li
ess die Beschwerdeführer
in
eine „vor
sorgliche“ Beschwerde einreichen (
Urk.
14). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Vernehmlassung vom 2
2.
August 2012 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
22)
. In der Replik vom
24. November 2012 liess die Beschwerdeführerin folgende Anträge stellen (
Urk.
29):
„
1.
Die Verfügung vom 11. Mai 2012 sei aufzuheben.
2.
Der Beschwerdeführerin sei – unter Eventualabfolge – eine ganze,
Dreiviertel-, halbe
oder Viertelinvalidenrente zuzusprechen.
3.
Der Beschwerd
eführerin sei der Anspruch auf
Eingliederungsmassnah
-
men
zuzusprechen.
4.
Vor weiteren Verfahrenshandlungen
sei das Gutachten von
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für
Psychiatrie
und Psychotherapie
,
abzuwarten, welches durch die
Beschwerdeführerin bis am 31. Dezember 2012 nachgereicht wird.
5.
Eventualiter sei ein gerichtliches Gutachten über die medizinisch
zumutbare
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin anzuordnen.
6.
Subeventualiter
sei das Verfahren an
die Beschwerdegegnerin
zurück
z
uweisen, damit
diese nac
h weiteren Abklärungen über den
R
entenanspruch
und die Eingliederungsmassnahmen verfüge.
7.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerde
-
gegnerin
.
“
Das Gutachten von
Dr.
E._
vom 28. Dezember 2012 (
Urk.
33) liess die Beschwerdeführerin am 31. Dezember 2012 einreichen (
Urk.
31). Mit der
Du
plik vom 5. Februar 2013 nahm die Beschwerdegegnerin dazu Stellung und hielt an ihrem Antrag auf Abweisung fest (
Urk.
35). Die
Stellungnahme der
Beschwer
deführerin dazu
datiert vom
4. März 2013 (
Urk.
38). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 25. März 2013 auf Weiterungen (
Urk.
41).
Auf die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Stellungnahmen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
)
. Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Z
ur Annahme der Invalidität nach Art. 8 ATSG
ist
- auch bei psychischen Erkran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat, das (fach-)ärztlicher
seits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt
, unabdingbar
. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden -
Fol
gen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil
des Bundesgerichts
9C_
537/2011
vom
28
. Juni 20
12
E. 3.2
mit Hinwei
sen
).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
-
zustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem
sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Materiell strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführer
in
auf eine Invalidenrente respektive berufliche Eingliederun
gsmassnahmen.
Die Beschwerdegeg
nerin
verneinte
einen Leistungsanspruch der Beschwerde
-
führe
rin
im Wesentlic
hen damit, dass die
Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht gestützt auf das Gutachten von
Dr.
B._
eine optimal angepasste, leichte
, wechselbelastende Tätigkeit zu 100
%
ausüben könne und entsprechend dem Gutachten von
Dr.
A._
aus psychiatrischer Sicht keine
Di
agnose mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit vorliege. Die diagnostizierte chronische Schmerzstörung sei überwindbar (
Urk.
22).
Die Beschwerde
führerin
lässt die Beweiskraft des Gutachtens von
Dr.
B._
und
Dr.
A._
sowohl in formeller
(rechtliches Gehör)
als auch materieller Hinsicht bestreiten und zusammengefasst ausführen, dass gestützt auf die Beurteilungen von
Dr.
C._
,
Dr.
E._
sowie
Dr.
Z._
und die
übrigen in den Akten liegenden ärztlichen Beurteilungen von einer Unüber
windbarkeit der Schmerzen und einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (
Urk.
29, 31).
3.
3.1
Den medizinischen Akten ist Folgendes zu entnehmen:
Gemäss Bericht des
Facharztes FMH für Rheumatologie,
Dr.
med.
F._
,
vom 26. November 2010 litt die Beschwerdeführerin seit drei Jahren an
Ellbogen
schmerzen
rechts und
Cervicalgien
. Die klinischen und bildgebenden Abklärun
gen führten zu folgender Diagnose
:
C
ervicospondylogenes
Syndrom rechtsbetont mit Verdacht auf eine leichte
radikuläre
Reizung ohne MR-tomographische Wurzelbeeinträchtigung bei leichter
Osteochron
drose
und zirkulärer
Diskusprotrusion
C5/6
Epicondylopathia
radialis
humeri
rechtsbetont.
Dr.
F._
empfahl eine dreiwöchige Arbeitsentlastung, das konsequente Vermei
den aller schmerzprovozierenden Tätigkeiten und die Weiterführung der im Oktober begonnenen Physiotherapie (
Urk.
23/10/6).
Der Hausarzt
Dr.
med.
G._
schloss sich in seinem Schreiben vom 27. Dezember 2010 obiger Diagnosestellung an. Die Beschwerdeführerin klage seit zwei Jah
ren über recht
s
betonte Ellbogenschmerzen und im Laufe des Tages zunehmende
Cervicalgien
sowie Muskelschmerzen des Schultergürtels,
nuchal
und
am
Arm rechtsbetont. Seit 18. Oktober 2010 sei sie zu 100
%
arbeitsunfähig in ihrer aktuellen Tätigkeit. In einer leichtesten körperlichen Tätigkeit ohne
Überkopfar
beiten
, repetitives Bücken, Knien oder Verharren in Zwangshaltungspositionen sowie
mit
maximalem Heben von 5 Kilogramm, ohne Tragen bestehe aktuell eine höchstens 50%ige Arbeitsfähigkeit (
Urk.
23/10/4
)
.
Am 1
2.
April 2011 bat
Dr.
G._
die
H._
,
die Beschwerdeführerin, welche aktuell wegen Exazerbation der Beschwerden seit 11. April 2011 voll
ständig arbeitsunfähig sei, zur Behandlungsübernahme aufzubieten (
Urk.
23/18/5).
3.2
Im Auftrag der Beschwerdegegnerin unterzog
Dr.
Z._
die Beschwerde
führerin am 1
2.
Juli 2011
einer orthopädischen Untersuchung
, zog neben den bereits vorhandenen medizinischen Akten einen Bericht des seit
26. Mai 2011 behandelnden Psychiaters
Dr.
med.
C._
vom 5. September 2011
(
Urk.
32/21/15-16) bei und erstellte Röntgenbilder beider Schultern und der Lendenwirbelsäule.
Gemäss seiner Beurteilung fanden sich weder radiologisch noch klinisch Befunde, welche die angegebenen Beschwerden, Schmerzen und
Bewegungs
einschränkungen
der rechten Schulter, des rechten Ellbogens und des rechten Armes zu erklären vermöchten. Die Situation werde erst unter Einbezug der
psychiatrischen Diagnose erklärt. Bei bis jetzt fehlendem Erfolg sämtlicher therapeutischer Massnahmen resultiere ein eindrückliches, ther
apieresistentes D
ead-arm-Syndrom rechts bei anamnestisch unklarer c
hronischer
Epicondylo
pathie
radialis
humeris
rechtsbetont
.
Aufgrund der fundierten Diagnose von
Dr.
C._
erachtete er eine zusätzliche psychiatrische Abklärung als sinnvoll und schl
oss
sich
auch
therapeutisch den Überlegungen von
Dr.
C._
an
.
Da die Beschwerdeführerin
nur für manuelle Tätigkeiten eingesetzt werden könne, bestehe auch aus orthopädischer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigke
it; nach seiner Ansicht sei vorläufig eine 100%ige Berentung angezeigt
(
Urk.
23/21/1-14).
Dr.
C._
stellte in seinem Bericht vom 5. September 2011 die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11) und einen Verdacht auf eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung gemäss ICD-10 F45.4
. Die Beschwerdeführerin wirke affektiv eingeschränkt
schwin
gungsfähig
, ängstlich, unsicher, zeige ein geringes Selbstwertgefühl und eine reduzierte Modulation in Gestik und Mimik, die Konzentrationsfähigkeit und der Antrieb seien vermindert. Die Auffassung sei intakt,
mnestisch
erkannte
Dr.
C._
keine Defizite, jedoch berichte die Beschwerdeführerin von
Interes
senverlust
und Schlafstörungen; ihr formales Denken sei auf Beschwerden und Beschwerliches eingeengt. Seines Erachtens sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
23/21/15-16).
3.3
3.3.1
Das
bidisziplinäre
Gutachten
B._
/
A._
vom 10. Dezember 2011 basiert
neben den bisherigen Akten
auf einer orthopädisch-rheumatologischen
, einer rheumatologisch-orientierten neurologischen
und einer psychiatrischen Un
ter
suchung vom 3. November 2011 sowie Röntgenbefunden der Halswirbelsäule und beider Ellbogen vom 4. November 2011.
Gemäss
Dr.
B._
imponiere bei der Beschwerdeführerin bezüglich der rech
ten oberen Extremität eine erhebliche Selbstlimitation und Inkonsistenz. So seien die demonstrierten Beschwerden sowie die teilweise massive
Bewegungs
ver
minderung
während der Begutachtung in diesem Bereich deutlich variabel und klinisch im demonstrierten Ausmass nicht plausibel.
Auffällig sei eine ausgeprägte Insuffizienz insbesondere der
wirbelsäu
l
enstabili
sierend
en
Muskulatur und der Schulterg
ürtel-/Schulter-Nackenmuskulatur, wel
che zusammen mit der Fehlhaltung sowie dem Schonverhalten im Bereich des rechten Armes zu einer ständigen Fehl- und Überlastung
insbesondere des Schultergürtels, aber auch der Wirbelsäule mit konsekutiv multiplen
Insertions
tendinopathien
und aktuell einer Funktionsstörung des rechten
Iliosakralgelen
kes
(
ISG
)
führe
, wobei letzteres nicht strukturell pathologisch sei, sondern eine therapierbare Blockierung. Durch die seit dem Jahr 2008 bestehende Schmerz
-
symptomatik sei es konsekutiv zu einem Schonverhalten mit Entwick
l
ung beziehungsweise Zunahme von
muskulären
Dysbalancen
gekommen. Eine derartige
Dekonditionierung
stelle jedoch keinen invalidisierenden
Gesund
heitsschaden
dar, könne er doch durch entsprechende Therapien behoben wer
den. Die primär durchgeführten passiven Anwendungen seien nicht geeignet gewesen, eine
Rekonditionierung
zu erzielen.
Die Diagnose einer
Epicondylopathia
radialis
ulnaris
sei zu bestätigen, jedoch angesichts der generalisierten
Druckdolenz
über der gesamten rechten oberen Extremität sowie mangels typischer
Triggerpunkte
als atypisch zu bezeichnen. Die bei der Tätigkeit als Postsortiererin anfallenden repetitiven
Arbeitsverrich
tungen
mit immer
wiederkehrenden Bewegungsabläufen und sich ständig wie
derholender Zugbeanspruchung der Sehnenansätze führe zu einer ständigen Fehl- und Überbelastung der entsprechenden anatomischen Strukturen mit konsekutiv entsprechender Beschwerdebelastung. Konform hierzu fänden sich in der aktuellen Bildgebung
zwar weiterhin keine richtungsweisenden Patholo
gien im eigentlichen Ellbogengelenk, jedoch in Projektion auf das radiale
Kol
lateralband
beziehungsweise den
Epicondylus
radialis
humeri
grobschollige Verkalkungen, welche überwiegend wahrscheinlich im Rahmen einer chroni
schen Entzündung entstanden seien. Die neurologische Untersuchung habe kei
nerlei Hinweise auf eine (
floride
)
neuroradikuläre
Symptomatik ergeben. Die von der Beschwerde
führerin
geklagten rezidivierenden Schmerzen im Bereich beider Kniegelenke ordnete
Dr.
B._
einem
femoropatella
ren
Schmerzsyn
drom
zu. Da die Beschwerdeführerin keine Tätigkeiten mit regelmässigem Knien oder Hocken ausführe und auch das Bewältigen von Treppen oder Leitern nicht notwendig sei, resultiere hieraus kein invalidisierender Gesundheitsschaden, zumal die muskuläre
Dysbalance
ebenso wie die geklagten Spannungskopf
schmerzen behandelbar
sei
en
. Für die ebenfalls geklagten Schmerzzustände im Bereich Achillessehne sowie 5. Mittelfussknochen hätten weder die Klinik noch die Laboruntersuchungen zu einem positiven Befund geführt.
Zusammenfassen
d
erklärten sich die geklagten Beschwerden nur teilweise aus den erhobenen Befunden. Insgesamt bestehe eine auffallende Diskrepanz zwi
schen den objektivierbaren klinischen und radiologischen Befunden und den von der Beschwerdeführerin demonstrierten Beschwerden und Schmerz
e
n
(
Urk.
23/25/13
ff.)
.
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mass
Dr.
B._
denn auch nur der diagnosti
zierten atypi
schen
Epicondylopathia
radialis
>
ulnaris
humeris
rechts mit/bei
muskulärer
Dysbalance
/
Dekonditionierung
und grobscholligen Verkal
kungen in Projektion auf das radiale Kollateralband beziehungsweise den
Epi
condylus
radialis
humeri
rechts, überwiegend wahrscheinlich im Rahmen einer chronischen Entzündung bei (
Urk.
23/25/17) und zwar im Rahmen einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit. Jedoch handle es sich nicht um
eine
dauerhafte Arbeitsunfähigkeit im Sinne einer Invali
dität, da die Prognose unter einer adä
quaten
Therapie grundsätzlich gut sei.
In einer optimal dem Leiden angepassten, leichten wechselbelastenden Tätigkeit ohne repetitive Arbeitsverrichtungen mit statischen und dynamischen Anteilen sei bezogen auf ein Vollpensum eine un
limitierte Arbeitsfähigkeit zu attestieren
(
Urk.
23/25/17)
.
3.3.2
M
ed.
pract
.
A._
untersuchte die Beschwerdeführerin am
4. November 2011
. Neben einer Affektlabilität mit Stimmungsschwankungen und einer leicht redu
zierten affektiven Schwingungsfähigkeit notierte sie als psychopathologische Befunde lediglich eine leichte psychomotorische Unruhe. Die Schlafstörungen ordnete
med.
pract
.
A._
den Schmerzen zu.
Die psychischen Faktoren seien erst nach dem
Entstehen der
Epicondylitis
aus
gebrochen, obwohl die
Eheprob
leme
bereits 2005 begonnen hätten und die Trennung im Jahr 2008 erfolgt sei. Die zunächst auf den Ellbogen bezogenen Schmerzen hätten sich ausgeweitet und würden durch einen innerpsychischen Konflikt im Sinne eines Autonomie-
Abhängigkeitskonflikts aufrecht
erhalten
. Da die Beschwerdeführerin nicht unter vielfältigen, fluktuierenden körperlichen Beschwerden leide, handle es sich nicht um eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung, zumal eine organische Er
krankung in Form der atypischen
Epicondylitis
vorliege.
Das Vorliegen einer depressiven Störung verneinte
med.
pract
.
A._
. Die Beschwerdeführerin beschreibe in erster Linie, unter starken Schmerzen zu lei
den, welche schlimmer s
eien als die Traurigkeit. Die Traurigkeit
sei in erster Linie reaktiv bedingt, da die Beschwerdeführerin gla
ub
e
, alles verloren zu haben. Zudem leide sie unter der aktuellen Abhängigkeit vor allem vom Ehe
mann. Psychopathologisch imponiere eine müde und erschöpft wirkende Ex
plorandin und es könne eine Affektlabilität mit Stimmungsschwankungen und häufigem Weinen sowie eine leicht reduzierte affektive Schwingungsfähigkeit festgestellt werden. Ein genereller Interesseverlust oder Freudlosigkeit verneinte
med.
pract
.
A._
ebenso wie eine generelle Verminderung des Antriebs oder eine verminderte Konzentration oder Aufmerksamkeit.
Zusammengefasst liege eine leichte depressive Begleitsymptomatik im Rahmen der chronischen Schmerzstörung gemäss ICD-10 F45.41 vor, nicht aber eine eigenständige depressive Störung. Eine krankheitswertige psychische Störung
bestehe nicht; die Beschwerdeführerin verfüge über genügend Ressourcen, um wieder in den Arbeitsprozess einzusteigen.
Die Diagnose einer rezidivierend depressiven Störung mit somatischem Syn
drom von
Dr.
C._
könne nicht nachvollzogen werden,
fehlten
doch Hin
weise auf depressive Episoden in der Anamnese; auch
habe
anlässlich der aktu
ellen Begutachtung eine solche Episode nicht bestätigt werden
können
. Nicht begründet habe
Dr.
C._
zudem den Zustand „mittelgradig“,
auch
habe der Hausarzt im April 2011 das verordnete Antidepressivum abgesetzt und den psy
chischen Zustand als gebessert bezeichnet. Ausserdem schloss
med.
pract
.
A._
auf eine mutmasslich mangelnde Compliance bei der
Medikamentenein
nahme
, habe doch die Blutspiegelkontrolle des
Citaloprams
, welches die Beschwerdeführerin gegenüber
Dr.
B._
als aktuelle Medikation erwähnt habe, einen deutlich erniedrigten Serumspiegel aufgewiesen
(
Urk.
23/25
/
23 ff.).
3.4
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
reichte
Dr.
C._
eine Stellungnahme vom 8. März 2012 zum Gutachten von
med.
pract
.
A._
ein. Hinsichtlich der von
med.
pract
.
A._
vermuteten
Malcompliance
erklärte
er
, dass die Beschwer
deführerin seit 7. Juni 2011 das Antidepressivum
Fluoxetin
einnehme, weshalb die Annahme einer mangelnden
Medikamentencompliance
aufgrund einer Serumspiegelmessung eines nicht eingenommenen Medikamentes konstruiert erscheine. Zu seiner Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung wies er auf die von
med.
pract
.
A._
ebenfalls erwähnten Suizidimpulse in der Ver
gangenheit als wichtiges Zweitrangsymptom bei Depression hin. Auch sei im Gutachten
A._
unbeachtet geblieben, dass die Beschwerdeführerin bereits 2004/2005 bei
Dr.
med.
I._
wegen eines depressiven Erlebens in
Behandlung gestanden sei.
Ihre Ausführungen zur
somatoformen
Schmerzstörung beurteilte er als fachlich falsch und unlogisch (
Urk.
23/32).
3.5
Auf Zuweisung von
Dr.
C._
war die Beschwerdeführerin vom 20. Mai bis
9. Juni 2012 zur psychosomatischen Rehabilitation in der
D._
hospitalisiert. Die Diagnosen im Austrittsbericht lauteten wie folgt (
Urk.
11/4 S. 1):
Chronische Schmerzen mit somatischen und psychischen Anteilen
(ICD-10 F.45.4)
Bei schwerer psychosozialer Belastung
Rezidivierende Schmerzen der Achillessehnen beidseits
Femuropatellares
Schmerzsyndrom linksbetont
Chronisch rezidivie
rende
Cervicocephalgien
: am ehe
sten Spannungs
kopfschmerz
Atypische
Epid
c
on
d
ylopath
ia
ra
di
alis
>
ulnaris
humeri
rech
t
s
mit
Muskulärer
Dysbal
a
nce
/
Dekonditionierung
Grobschollige Verkalkungen in Projektion auf das radiale
Kollateral
band
be
ziehungsweise den
Epicondylus
r
adialis
humeri
recht
s
; DD im Rahmen einer chronischen Entzündung
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
HADS bei Eintritt: A/D 12/15 von 21 Punkten
.
Mit der Beschwerdeführerin seien im Verlauf die vielfältigen psychosozialen
Triggerfaktoren
und deren negative Auswirkungen auf ihr Schmerzerleben be
sprochen worden. Sie habe eine leichte Aufhellung im geäusserten Affekt ge
zeigt, jedoch hätten die Niedergeschlagenheit, die Lustlosigkeit, Trauer und
Hilflosigkeit mit passiven Suiz
idgedanken sowie das Gefühl der Leere ansonsten kei
ne grosse Veränderung erfahren.
Die Beschwerdeführerin wurde bis zum Austritt zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben
(
Urk.
11/4)
3.5
Dr.
E._
unterzog die Beschwerdeführerin an drei Untersuchungsdaten im November 2012 einer psychiatrischen Exploration. Sie stützte ihre Beurteilung auf
ihre
klinischen Befunde
und ergänzende Fragebogendiagnostik in Form des SKID II, der Hamilton-Skala und
des Beck-Depressionsinventa
rs, die bisherige Aktenlage sowie
eine Rückfrage bei
Dr.
G._
.
Insgesamt lautete ihre Beurteilung dahingehend, dass die Lebensgeschichte der Beschwerdeführerin geprägt gewesen sei durch anhaltende emotionale
und
soziale Ent
behrungen sowie
durch chronische psychische und körperliche ext
reme Gewalterfahrungen. Diese Erlebnisse hätten sie nachhaltig geprägt
und zur Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung gemäss ICD-10 F43.1
(PTBS)
geführt. Folgen der unbewältigten und kumulativen Kindheitstraumen seien eine erhöhte psychische Vulnerabilität, andere psychische Erkrankungen zu entwickeln
,
und die deshalb verminderte intrapsychische Kapazität, diese zu bewältigen. Im Lichte dessen habe sich eine affektive Erkrankung
entwickelt
, welche sich klinisch als rezidivierende depressive Episoden und im
Untersu
chungszeitpunkt
als schwere depressive Episoden zeige. Die parallel und kumu
lativ nachfolgenden psychischen Traumatisierungen in Form persönlicher Ver
luste in ihrer Kindheit und als Erwachsene sowie die bisher fehlenden psychi
schen Bewältigungsmöglichkeiten hätten im Verlauf ihr
e
intrapsychischen und affektiven Bewältigungsmöglichkeiten erschöpft, weshalb sie weiteren existen
ziellen Bedrohungen nicht mehr gewachsen gewesen sei und diese nur noch mit der Entwicklung eines klinisch relevanten körperlichen Leidens in Form einer
somatoformen
Schmerzstörung gemäss ICD-10 F45.4 habe beantworten können.
Seit 2002 einhergehend mit einer durchgeführten
Thyreodektomie
und damit einhergegangenen Verlustgefühlen habe sich der psychische Zustand der Be
schwerdeführerin verschlechtert, was
über Jahre ver
kannt und unbehandelt ge
blieben sei und
den chronischen Verlauf begünstigt habe
.
Die Beschwerdefüh
rerin sei aufgrund der Schwere der psychischen Erkrankung und des bisherigen zehnjährigen Krankheitsverlaufes weder im geschützten noch
im
ungeschützten Rahmen arbeitsfähig (
Urk.
33)
.
4.
4.1
4.1.1
Vorweg zur Würdigung obiger Arztbericht
e
ist darauf hinzuweisen, dass für die richterliche Beurteilung eines Falles grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend sind. Tatsa
chen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berück
sichti
gen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sach
zusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflus
sen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
4.1.2
Die Beschwerdeführerin liess die Verwertbarkeit des Gutachtens
B._
/
A._
in formeller Hinsicht bestreiten, da
der
mit BGE 137 V 314 vor
geschriebene
Einigungsversuch über die Gutachterperson ausgeblieben sei und ihr keine Gelegenheit eingeräumt worden sei, sich vorgängig zu den Gutachter
fragen zu äussern und Ergänzungsfragen zu stellen (
Urk.
29 S. 3).
Die
Begutachtung durch
Dr.
B._
und
med.
pract
.
A._
wurde der Beschwerdeführerin
nach den Vorgaben von Art. 44 ATSG
mit Schreiben vom 14. Juni 2011 (
Urk.
23/20) angekündigt
. Sie hat dagegen keine Einwände erho
ben
, weshalb der Einwand der fehlenden Einigung
unbegründet ist
. Vor Erlass der Verfügung konnte sie zum Gutachten Stellung beziehen
, was in Form der Stellungnahme von
Dr.
C._
vom 8. März 2012 (
Urk.
23/32) stattfand
.
Zu
satzfragen
h
at sie indessen nicht gestellt.
Gestützt auf BGE 1
37 V 210 (E. 3.4.2.9
) hat die versicherte Person Anspruch, sich vorgängig zu den Gutachterfragen zu äussern. Ein nach altem
Verfahrens
stand
eingeholtes Gutachten verliert indessen seinen Beweiswert auch mit Rücksicht auf die in BGE 137 V 210 erläuterten Korrektive
, welche abgesehen von der Auftra
gsvergabe nach dem Zufallsprinzi
p auf mono- und
bidisziplinäre
Gutachten sinngemäss anwendbar sind (BGE 139 V 349)
,
nicht. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob das abschliessende Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen im angefochtenen Entscheid vor Bundesrecht s
tandhält (BGE 137 V 210 E. 6
).
Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen werden, kann im hier zu beurteilen
den Fall ein
präjudizierende
r Effekt
(BGE 137 V 210 E. 3.4.2.4
), weil sich die
Beschwerdeführerin
nicht vorgängig zum Gutachten äussern
und dabei keine Fragen zur Dauerhaftigkeit der zumutbaren Arbeitsfähigkeit, den
Försterschen
Kriterien und der als suggestiv bezeichneten Zusatzfrage zum Gutachten von
Dr.
Z._
(
Urk.
23/22/2) stellen konnte (vgl. diesbezügliche Vorbringen in
Urk.
29 S. 4), ausgeschlossen werden. Jedoch bleibt darauf hinzuweisen, dass d
er blosse Einwand der fehlenden Möglichke
it einer präventiven Mitwirkung
den Beweiswert des nach altem Verfahrensstand eingeholten Gutachtens nicht zu schmälern
vermag
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C
_
25/2013 vom 20. Au
gust 2013 E. 5.1).
4.2
In somatischer Hinsicht
deckt sich die Diagnosestellung von
Dr.
B._
im Wesentlichen mit derjenigen der
D._
und wird letztlich auch durch die Einschätzung von
Dr.
Z._
, der noch keine Kennt
-
nis
von den erstmals im Röntgenbefund vom 4. November 2011 (vgl.
Urk.
23/25/12) festgestellten grobscholligen Verkalkungen im Bereich des rech
ten Ellbogens hatte und entsprechend von einer unklaren chronischen
Epicon
dylopathie
ausging (
Urk.
23/21/11), bestätigt. Gestützt auf das diesbezüglich überzeugende und durch die übrige Aktenlage bestätigte Gutachten von
Dr.
B._
ist somit erstellt, dass die Beschwerdeführerin an einer atypischen
Epicondylopathia
radialis
>
ulnaris
humeri
rechts bei muskulärer
Dysba
lance
/
Dekonditionierung
und grobscholligen Verkalkungen in Projektion auf das radiale Kollateralband beziehungsweise den
Epicon
d
ylus
radialis
humeris
rechts leidet (vgl.
Urk.
23/25/35). Was die übrigen Schmerz
z
ustände im Bereich der rechten oberen Extremität, aber auch die rezidivierenden
Cervicocephalgien
, das
femoropatellare
Schmerzsyndrom und die rezidivierenden
Algien
der Achillessehne beidseits anbelangt
, erweist sich die medizinische Aktenlage letztlich ebenfalls als im Wesentlichen kongruent, fanden doch weder
Dr.
B._
(
Urk.
23/25/13 ff.), noch
Dr.
Z._
(
Urk.
23/21/11 f.) oder
Dr.
F._
(vgl.
Urk.
23/18/7-19) klinisch oder radiologisch objektivierbare Befunde, welche die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden in Art und Ausmass zu erklären vermöchten. Im Austrittsbericht der
D._
wurden dieselben allesamt der Diagnose ICD-10 F45.4 beigeordnet (
Urk.
11/4).
Einzig
limitierender Gesundheitsschaden
aus somatischer Sicht ist damit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die atypische
Epicondylopathia
, aufgrund welcher
auch
Dr.
B._
die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätig
keit in der Postsortierung im Begutachtungszeitpunkt als nicht arbeitsfähig er
achtete. Der Beginn dieser Arbeitsunfähigkeit ist jedoch entgegen der Einschät
zung von
Dr.
B._
nicht auf den 11. April 2011 zu datieren, sondern viel
mehr auf den hausärztlich attestierten Beginn der Arbeitsunfähigkeit per
18. Oktob
er 2010
(
Urk.
23/10/4),
findet
doch die Begründung von
Dr.
B._
,
wonach die vorab attestierte Arbeitsunfähigkeit behandlungsbedingt gewesen sei und einen therapeutischen Hintergrund aufgewiesen habe
(vgl.
Urk.
23/25/17),
keine Bestätigung in den Akten
.
Was die Ausführungen von
Dr.
B._
zur fehlenden Dauerhaftigkeit der Ar
beitsunfähigkeit aufgrund guter Prognose bei adäquater Therapie anbelangt (
Urk.
23/25/17),
folgte
die Beschwerdegegnerin
dieser Argumentation
noch im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2),
wich dann
aber in der Beschwerdeantwort
richtigerweise davon ab (
Urk.
22 S. 2). W
enn
nämlich
ein medizinisches Gut
achten die versi
cherte Person als arbeitsunfähig erklärt, aber gleichzeitig fest
hält, dass nach durchgeführter erfolgreicher (medizinischer) Eingliederung wie
der eine deutlich bessere Arbeitsfähigkeit erreichbar sein sollte,
ist
der Anspruch auf eine Rente für die zurückliegende Zeit s
o lange nicht ausgeschlossen
, als die bestehende Erwerbsunfähigkeit nicht (oder noch nicht) mit geeigneten Einglie
derungsmass
nahmen tatsächlich behoben oder in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise verringert werden konnte. Der gleiche Grundsatz hat auch hinsichtlich der Massnahmen der Selbsteingliederung zu gelten, so lange solche noch nicht durchgeführt sind und noch keine Aufforderung zur Mitwirkung im Sinne von Art. 21 Abs. 4 ATSG erfolgt ist (Urteil des Bundesgerichts I 968/06 vom 10. September 2007 E. 4.3 mit Hinweisen).
Keine grundsätzlichen Zweifel rechtfertigen sich
dagegen
an der Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit
durch
Dr.
B._
, wonach die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht in einer optimal dem Leiden angepassten, leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne repetitive Arbeitsverrichtungen mit stati
schen und dynamischen Anteilen, mithin ohne einseitige, von der Ruhestellung stark abweichende Haltung der rechten oberen Extremität und ohne
kurzzykli
sche
, immer wiederkehrende Bewegungsabläu
fe unter hohem Kraftaufwand,
insbesondere
ohne
häufige Rotationsbewegungen des rechten Armes bezie
hungsweise der rechten Hand zu 100
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
23/15/37).
4.3
4.3.1
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
begründet als solche
, wie auch die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F54.41), welche Diagnose unter die
somatoformen
Schmerzstörungen fällt (BGE 137 V 64 E. 4.1; Urteil 8C_381/2012 vom 20. Juni 2012 E. 4.2.1),
noch keine Invalidi
tät. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar ma
chen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vor
dergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer.
Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjäh
riger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psy
chisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn;
„
Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes Behandlungsergebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte
Rehabilitati
onsmassnahmen
bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung (koopera
tive Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - aus
nahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2,
BGE 139 V 547 E. 3 ff.
).
In BGE 139 V 547 hat das Bundesgericht an dieser Rechtsprechung unter Ausei
nandersetzung mit der daran geübten Kritik festgehalten und auf die besondere Bedeutung einer fachgerechten Abklärung hingewiesen
(E. 9.1.3, E. 9.2.1). Ins
besondere erkannte das Bundesgericht,
dass sich die unklaren Beschwerden hinsichtlich ihrer invalidisierenden Folgen von anderen (psychischen) Leiden durch die mangelnde Objektivierbarkeit unterscheiden. Dabei hand
elt
es sich um ein sachliches Kriterium, das überprüft werden kann. Die hinreichende Objekti
vierbarkeit der gesundheitlichen Beeinträchtigung
wird
für Ansprüche auf
Sozi
alversicherungsleistungen
seit jeher vorausgesetzt und ha
t
im Rahmen der 5.
IV-Re
vision auch Eingang in die Gesetzgebung gefunden (Art.
7 Abs.
2 ATSG). Von einer unbegründeten Schlechterstellung
beziehungsweise
einer Dis
kriminierung der betroffenen Versicherten in
verfassungsmässigem
Sinne
bezie
hungsweise
nach
Massgabe
der EMRK k
a
nn daher nicht gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts
8C_142/2013 vom 20.
November 2013 E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 139 V 547 E. 5.6 in
fine
und
E.
5.7).
4.3.2
Sämtliche beteiligten psychiatrischen Fachpersonen sprachen sich für das Vorlie
gen einer
somaformen
Schmerzstörung im Sinne von ICD-10
F
45.4 aus. Ob es sich um eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung im Sinne von ICD-
10 F45.40 (so
Dr.
C._
in
Urk.
23/21/15) oder
eine
chronischen
Schmerzstö
rung
mit somatischen und psychischen Faktoren gemäss ICD-10 F45.41 (so
med.
pract
.
A._
in
Urk.
23/25/29 und wohl auch die
D._
in
Urk.
11/4) handelt, kann angesichts oben zitierter Rechtsprechung
(E. 4.3.1), unter welche beide Varianten der
somatoformen
Schmerzstörung zu subsumieren sind, offen bleiben.
Ausgehend von dieser Diagnose stellt sich aufgrund der Aktenlage zunächst die Frage nach einer psychische
n
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer, welche – die nur in Ausnahmefällen – anzunehmende Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung rechtfertigt.
4.3.3
Was zunächst die Beurteilung des depressiven Geschehens
durch
med.
pract
.
A._
anbelangt, ist der Beschwerdeführerin darin zuzustimmen, dass
diese den höchstrichterlichen Anforderungen an den Bew
eiswert eines Gutachtens (E. 1.3
) nicht
genügt
.
Als u
nzulänglich erweisen sich aufgrund der Aktenlage unter anderem die Ausführungen zur angeblichen
Malcompliance
im Zusammenhang mit der Einnahme des Antidepressivums
Citalopr
am
(
Urk.
23/25/32), wurde doch die Beschwerdeführerin seit Beginn der Behandlung bei
Dr.
C._
mit
Fluoxetin
behandelt (vgl.
Urk.
23/32/1). Trotz entsprechender Aktenkenntnis (vgl.
Urk.
23/25/32) verzichtete
med.
pract
.
A._
auf eine diesbezügliche fremdanamnestische Auskunft bei
Dr.
C._
und schloss in letztlich
aktenwid
riger
Weise auf eine
Malcompliance
. Ebenso
wenig durch die Akten gestützt wird ihre Schlussfolgerung, wonach
Dr.
G._
per April 2011 eine „Verbesserung des psychischen Zustandes“ beschrieben habe und deshalb das Antidepressivum
Citalopram
wieder abgesetzt habe (vgl.
Urk.
23/25/32 f.).
Dr.
G._
schrieb die Beschwerdeführerin ab 11. April 2011 wegen
Exacerbation
der Schmerzen selbst in einer leichtesten körperlichen Tätigkeit vollständ
ig
arbeitsunfähig (
Urk.
23/18/5) und das
Antidepressiva
setzte
er gemäss von
Dr.
E._
einge
holter fremdanamnestischer Auskunft vom
18. Dezember 2012 ab
, weil sich der Zustand unter der Medikamenteneinnahme nicht deutlich verbessert habe (
Urk.
33
Ziff.
3.3).
Des Weiteren erscheinen mehrere Aspekte im Rahmen der Beurteilung einseitig zu Ungunsten der Beschwerdeführerin interpretiert respekti
ve ausser Acht ge
lassen. So bezog
med.
pract
.
A._
weder die
von der Beschwerdeführerin geschilderten (
Urk.
23/25/26)
Suizidgedanken
/-versuche
in nachvollziehbarer Weise in die
Beurteilung
der Depressivität und deren Verlauf
mit
ein, noch die Bedrohung seitens des Ehemannes und deren Folgen auf die psychische Gesundheit
. Die von der Beschwerdeführerin geschilderten Warmwasserduschen gegen die Schmerzen in Armen und Rücken (
Urk.
23/25/25) interpretierte
med.
pract
.
A._
als genussvolles Baden, den Fernsehkonsum und die
Zeitungslek
türe
als Interesse für das Weltgeschehen
und schloss daraus in unzulänglicher Weise auf das Fehlen eines generellen Interesse- und Freudverlustes
(
Urk.
23/25/31).
Auch ihre Interpretation
en
der Schlafstörungen als rein schmerzbedingt und der Zukunftssorgen als nicht sehr pessimistisch (
Urk.
23/25/31) sind angesichts der systemanamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin (
Urk.
23/25/25) schwer nachvollziehbar.
Damit drängen sich auch erhebliche Zweifel
an der
Beurteilung der depressiven Items als blosse Begleiterscheinung der Schmerzstörung auf; z
usammengefasst erweist sich das psychiatrische Teilgutachten von
med.
pract
.
A._
infolgedessen als nicht beweistauglich und unvollständig.
Dr.
C._
und die zuständigen ärztlichen Fachpersonen der
D._
beurteilten die depressive Erkrankung am 5. September 2011 respek
tive 1
2.
Juni 2012 als rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra
dige Episode (
Urk.
23/21/15 und 11/4). Mittelgradige depressive Episoden stel
len in der Regel keine von depressiven Verstimmungszuständen klar unter
scheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten
Gesund
heitsschadens
dar, die es der betroffenen Person verunmöglichten, die Folgen der Schmerzstörung zu überwinden (SVR 2011 IV Nr. 57 S. 171, Urteile des Bundesgerichts 8C_369/2011 vom 9. August 2011 E. 4.3.2 mit Hinweisen, 8C_581/2013 vom 10. Dezember 2013 E. 4.2). Leichte bis höchstens mittel
schwere psychische Störungen aus dem depressiven Formenkreis gelten zudem grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
(SVR 2012 IV Nr. 18 S. 81, Urteile 9C_696/2012 vom 19. Juni 2013 E. 4.3.2.1, 9C_250/2012 vom 29. November 2012 E. 5, 9C_736/2011 vom 7. Februar 2012 E. 4.2.2.1).
So gingen denn auch
Dr.
C._
und
die Ärzte der
D._
von noch nicht ausgeschöpf
ten Therapiemöglichkeiten aus (
Urk.
23/21 S. 2, 11/4 S. 3). Auch ist den Akten unverkennbar zu entnehmen,
dass mehrere psych
osoziale Belastungsfaktoren
als im Grundsatz
invaliditätsfremde, vom sozialversicherungsrechtlichen Stand
punkt aus unbeachtliche Gesichtspunkte (vgl.
obige E. 1.2)
für das
Beschwerde
bild
mitverantwortlich sind.
Dennoch drängen sich Zweifel an der Überwindbarkeit der Schmerzstörung auf, sind doch den Akten Hinweise auf eine mehr als leichte bis höchstens mittel
schwere depressive Erkrankung zu entnehmen. Abgesehen vom Umstand, dass
Dr.
C._
die Beschwerdeführer
in
seit 26. Mai 2011 als zu 100
%
arbeitsunfä
hig erachtet, was zwar nicht ausschlaggebend, aber doch mit zu berücksichtigen ist,
wies das in der
D._
bei Eintritt am 20. Mai 2012 durchge
führte Testverfahren in Form des Hospital
Anxiety
and
Depression
Scale
(HADS) einen Depressionswert von 15 auf, was bereits im Bereich der schweren Depres
sion
liegt (vgl. unter anderem unter:
www.abiebr.com/node/410
). Die in der
D._
verordnete
erhebliche
Austrittsmedikation von 60 mg
Fluo
xetin
und 100 mg
Trittico
sowie die besprochene teilstationäre Anschlusslösung (
Urk.
11/4/3) weis
en ebenfalls auf eine massgebliche
depressive Komponente und eine allenfalls relevante Einschränkung hin.
Hinzu kommt, dass
Dr.
E._
im November 2012 eine sch
were depressive Episode diagnostizierte
(
Urk.
33
Ziff.
5.1), auch wenn dies auf die Beurteilung des Gesundheitszustandes bis zum Erlass des hier angefochtenen Entscheides vom 11. Mai 2012 keine unmittelba
ren Rückschlüsse zulässt
(vgl. obige E. 4.1)
.
Art und
Schwer
e der depressiven Störung bleiben
daher auch unter Berücksichtigung der übrigen Aktenlage abklärungsbedürftig.
Was die von
Dr.
E._
diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung anbelangt,
drängen sich mit Blick auf die Rechtsprechung und die
klinisch-diagnostischen Leitlinien
gemäss
ICD-10
F43.1 Zweifel an
ihrer
Beurteilung auf,
folgt
doch
die Störung dem Trauma
mit einer Latenz von
selten mehr als sechs Monaten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_242/2007 vom 20. Februar 2008
E. 2.3.3 und I 750/2006 vom 2
2.
Aug
u
s
t 2007 E. 3.2.1). Zwar ist ohne
W
eiteres
nachvollziehbar
, dass
die
Beschwerdeführer
in
aufgrund
ihrer Kindheit in ärmli
chen Verhältnissen in der
J._
mit Heimerfahrung sowie als Angehörige der
alevitischen
Minderheit
Geschehni
ssen ausgesetzt war, die für sie
eine ausser
g
ewöhnliche Bedrohung darstellten.
Auch ist möglich, dass dadurch eine erhöhte psychische Vulnerabilität eingetreten ist.
Konstruiert erscheint aber die Argumentation,
wonach
die
Thyreo
i
dektomie
im Jahr 2002, welche als eigentli
che Kastration und neuerliches Verlustereignis erlebt worden sei, die Traumati
sierungen
J
ahrzehnte sp
äter w
iederaufleben habe lassen (vgl.
Urk.
33 insbeson
dere
Ziff.
5.3). Nichts desto
trotz
bleibt die Frage nach einer PTBS im Raum, thematisierte doch auch
Dr.
C._
in seinem Bericht vom 5. September 2011 die allfällige Relevanz traumatischer Erfahrungen
in der Ehe
(
Urk.
23/21/16)
, welche gemäss Aktenlage in den Jahren 2006/2007 gar in
der Bedrohung
mit einer Waffe gipfelten (
Urk.
23/25/23 f., 33
Ziff.
3.1)
Das eingeholte
psychiatrische Verwaltungsgutachten
erweist sich
auch diesbezüg
lich
als
unvollständig
,
beschränkte
sich doch med.
pract
.
A._
im Rahmen der Beurteilung auf eine Wiederholung der anamnestischen Schilde
rungen der Beschwerdeführerin, ohne sich in nachvollziehbarer Weise mit den Traumatisierungen auseinanderzusetzen
(
Urk.
23/25/37 ff.)
.
Zusammengefasst lässt sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestützt auf die Akten nicht abschliessend beurteilen. Die Sache ist im Sinne des
Sube
ventualantrags
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese die Beschwerdeführerin neuerlich p
sychiatrisch
begutachten lässt, um die
relevan
te
n offenen Fragen zu Art und Ausmass einer allfälligen depressiven Störung und einer PTBS
zu klären
. Dabei wird sie den rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutachtung
gemäss BGE 137 V 210
und BGE 139 V 349
Rechnung zu tragen haben.
Sollten die ergänzenden Abklärungen zum Schluss führen, dass die Beschwerde
führerin über eine relevante Restarbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit verfügt, wird die Beschwerdegegnerin
neben der
Durch
führung einer bis anhin unterbliebenen Invaliditätsbemessung mit
rechtskon
formem
Einkommensvergl
eich
berufliche Eingliederungsmassnahmen zu prüfen haben.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG in der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
Art.
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu be
messen. In Anwendung dieser Grundsätze rechtfertigt sich die Zusprechung ei
ner
Prozessentschädigung von
Fr.
3‘0
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer).