Decision ID: e25fa7ed-525a-4c15-b0b7-e3848d309158
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X. und Y. erwarben am 11. Februar 2011 das Grundstück Nr. 0000, Grundbuch B.,
das sie mit zwei Zweifamilienhäusern (R-Strasse 2 und 2a) samt Tiefgarage
überbauten. Am 9. Dezember 2011 veranlagte die Dorfkorporation R. X. als Bauherrn
mit einem Erschliessungsbeitrag für den Anschluss der Überbauung an die
Elektrizitätsversorgung von Fr. 10'515.-- (1'402 m à Fr. 7.50). Die Rechnung trat an die
Stelle der bereits am 30. Juni 2011 ausgestellten, soweit letztere den
Erschliessungsbeitrag betraf, und gegen die sich X. mit Eingabe vom 13. Juli 2011
ebenfalls an die Dorfkorporation gewandt hatte. Das von den Grundeigentümern gegen
die Veranlagung vom 9. Dezember 2011 mit der Begründung, das Grundstück sei
bereits vor rund 35 Jahren mit Elektrizität grob erschlossen worden, erhobene
Rechtsmittel wies der Verwaltungsrat der Dorfkorporation R. am 31. Januar 2012 ab
und auferlegte X. und Y. die Entscheidgebühr von Fr. 500.--.
B.- Gegen den am 6. Februar 2012 versandten Entscheid des Verwaltungsrates der
Dorfkorporation R. erhoben X. und Y. mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom
20. Februar 2012 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem
Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sowohl für das
Rekursverfahren als auch für das Verfahren vor der Vorinstanz seien der angefochtene
Entscheid und die ihm zugrunde liegenden Rechnungen vom 30. Juni und 9. Dezember
2011 aufzuheben und von der Erhebung eines Erschliessungsbeitrags sei abzusehen.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 30. April 2012 die Abweisung des
Rekurses. Die Rekurrenten äusserten sich dazu am 21. Mai 2012.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Gemäss Art. 41
lit. h Ziff. 5 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt:
VRP) können bei der Verwaltungsrekurskommission selbständige Verfügungen und
Entscheide der obersten Verwaltungsbehörde einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft
oder einer selbständigen öffentlich-rechtlichen Anstalt über Gebühren, Taxen, Beiträge
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und andere öffentlich-rechtliche Geldleistungen Privater mit Rekurs angefochten
werden. Den angefochtenen Entscheid fällte der Verwaltungsrat der Dorfkorporation R.,
bei dem es sich um das oberste Leitungs- und Verwaltungsorgan einer örtlichen
Korporation im Sinn des Gemeinderechts und damit einer öffentlich-rechtlichen
Körperschaft handelt (vgl. Art. 2, 3 und 28 Abs. 1 der Korporationsordnung der
Dorfkorporation R.). Die Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid
zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 20. Februar
2012 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht
die gesetzlichen Anforderungen (Art. 45, 47 und 48 VRP). Auf den Rekurs ist
dementsprechend einzutreten.
2.- Die Vorinstanz erhob den umstrittenen Erschliessungsbeitrag gestützt auf eine in
formeller Hinsicht ausreichende Rechtsgrundlage. Das vom Verwaltungsrat am 3. März
2010 beschlossene Elektrareglement der Dorfkorporation R. (nachfolgend:
Elektrareglement 2010) setzt unter anderem Art. 51 Abs. 1 des Gesetzes über die
Raumplanung und das öffentliche Baurecht (Baugesetz; sGS 731.1, abgekürzt: BauG)
um, unterstand vom 12. Januar 2010 bis 11. Februar 2010 dem fakultativen
Referendum und trat am 1. April 2010 in Kraft. Es sieht in Art. 21 Abs. 1 die Erhebung
eines Erschliessungskostenanteils an die Aufwendungen für die neuen
Energieversorgungsanlagen im Erschliessungsgebiet vor. Beitragspflichtig ist der
Grundeigentümer im Zeitpunkt der elektrischen Erschliessung der Liegenschaft, wobei
gemäss Art. 22 Abs. 2 die Voraussetzung der elektrischen Erschliessung mit dem
Abschluss der Feinerschliessung für die betreffende Liegenschaft erfüllt ist. Die
Beitragshöhe richtet sich gemäss Art. 21 Abs. 2 nach der Grundstücksfläche und
beträgt Fr. 7.50 je m (inkl. Mehrwertsteuer). Der Erschliessungskostenbeitrag wird in
Rechnung gestellt, sobald das Grundstück elektrisch erschlossen ist (Art. 22 Abs. 1).
Wird eine elektrisch erschlossene Liegenschaft, für welche der
Erschliessungskostenbeitrag noch nicht bezahlt ist, überbaut, wird der Beitrag gemäss
Art. 23 Abs. 1 mit dem Baubeginn in Rechnung gestellt. Der Beitrag wird 30 Tage nach
Rechnungsstellung zur Zahlung fällig (Art. 23).
3.- Im Rekurs wird geltend gemacht, die neue Wohnsiedlung sei an die bereits ca. 1979
erstellte Elektroleitung angeschlossen worden. Damals sei ab der
Feinerschliessungsleitung bis auf das Grundstück gar ein Leerrohr für den
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Hausanschluss verlegt worden. Das am 1. April 2010 in Kraft gesetzte Reglement
könne nicht als Grundlage für die Erhebung einer Gebühr aufgrund von Ereignissen
dienen, die sich lange vor dessen Erlass abspielten. Der Anspruch auf Erhebung eines
Erschliessungsbeitrags entstehe mit dem Abschluss der Erschliessung. Bei der
Erschliessung werde zwischen Basis-, Grob- und Feinerschliessung unterschieden. Die
Feinerschliessung umfasse die Anlagen zwischen der Groberschliessung und den
einzelnen Grundstückanschlüssen. Die Zahlungspflicht für den
Erschliessungskostenbeitrag sei mit der Fertigstellung der Feinerschliessung
entstanden. Bei subsidiärer Anwendung der allgemeinen Zehnjahresregel der
obligationenrechtlichen Verjährung sei ein allfälliger Beitrag längst verjährt.
Die Vorinstanz führt in der Vernehmlassung vom 30. April 2012 dazu aus, die R-Strasse
sei 1971/1972 mit Elektrizität erschlossen worden, weil in der Umgebung des
Grundstücks der Rekurrenten gebaut worden sei. Die Hauptleitung sei deshalb bis über
dieses Grundstück hinaus weitergezogen worden. Das sei als Zufall zu betrachten. Der
Bau der Hauptleitung habe keine Erschliessung eines Grundstückes bezweckt, das erst
Jahrzehnte später zu Bauland geworden sei. Eine Erschliessung im Sinn des
Elektrareglements sei aber nie erfolgt und wäre – über 30 Jahre vor einer Überbauung –
auch unsinnig gewesen. Die sich im Bau befindenden Gebäude der Rekurrenten seien
in den letzten Tagen angeschlossen worden. Selbst wenn das Grundstück der
Rekurrenten seit längerer Zeit elektrisch erschlossen wäre, werde der Beitrag für solche
Liegenschaften mit dem Baubeginn in Rechnung gestellt. Weder behaupteten noch
belegten die Rekurrenten, dass je ein Erschliessungskostenbeitrag bezahlt worden sei.
Mit dem Bau sei unbestrittenermassen nach der Eigentumsübertragung begonnen
worden.
Die Rekurrenten halten fest, die Vorinstanz bestreite nicht, dass mit der Verlegung der
Elektroleitung in der R-Strasse bereits ein Leerrohr für den Hausanschluss auf dem
rekurrentischen Grundstück verlegt worden sei. Mit dem Bau der Hauptleitung in der R-
Strasse im Zeitraum von 1971/1972 sei die Erschliessung sämtlicher Grundstücke an
der R-Strasse mit Elektrisch abgeschlossen gewesen.
4.- Im Zeitpunkt der Veranlagung des Erschliessungskostenbeitrags durch die
Dorfkorporation R. am 9. Dezember 2011 war das Elektrareglement vom 3. März 2010,
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welches das Reglement vom 23. September 2002 samt Nachträgen und Änderungen
ersetzte, anwendbar. Die Pflicht zur Leistung des umstrittenen
Erschliessungskostenbeitrags entsteht gemäss Art. 21 Abs. 1 Satz 2 Elektrareglement
im Zeitpunkt der elektrischen Erschliessung der Liegenschaft. Diese Voraussetzung ist
mit dem Abschluss der Feinerschliessung erfüllt (Art. 22 Abs. 2 Elektrareglement). Das
Reglement umschreibt den Begriff der Feinerschliessung nicht. Einen Hinweis zur
Abgrenzung zwischen der Feinerschliessung und dem Hausanschluss gibt Art. 25
Elektrareglement. Der Hausanschlussbeitrag, der neben dem
Erschliessungskostenbeitrag und dem Netzkostenbeitrag erhoben wird, soll die Kosten
für die Erstellung der Hausanschlussleitung ab dem nächsten leistungsfähigen
Verteilpunkt innerhalb der Bauzone decken.
Gemäss Art. 19 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Raumplanung
(Raumplanungsgesetz; SR 700, abgekürzt: RPG) gilt Land als erschlossen, wenn
Wasser-, Energie und Abwasserleitungen so nahe an das Grundstück heranführen,
dass ein Anschluss ohne erheblichen Aufwand möglich ist. Im baurechtlichen
Zusammenhang ist der Anschluss also nicht in absolutem Sinn gefordert; es ist dem
Grundsatz der Verhältnismässigkeit Rechnung zu tragen (vgl. A. Jomini, in: Kommentar
zum Bundesgesetz über die Raumplanung, Loseblattsammlung, Zürich/Basel/Genf
2000, N 29 zu Art. 19 RPG). Das Wohnbau- und Eigentumsförderungsgesetz (SR 843,
abgekürzt: WEG) unterscheidet zwischen Grob- und Feinerschliessung. Nach Lehre
und Rechtsprechung ist die Unterscheidung im Interesse der Einheitlichkeit der
Rechtsordnung auf das gesamte Bundesrecht und damit auch auf das
Raumplanungsrecht anzuwenden (vgl. Waldmann/ Hänni, Handkommentar zum
Raumplanungsgesetz, Bern 2006, N 5 zu Art. 19). Es ist angebracht, auch bei der
Auslegung und Anwendung des kantonalen und kommunalen Erschliessungs- und
Abgaberechts, soweit es diese Begriffe verwendet, die bundesrechtlichen
Umschreibungen heranzuziehen. Als Groberschliessung (auch Basiserschliessung;
vgl. EJPD/BRP, Erläuterungen zum Bundesgesetz über die Raumplanung, Bern 1981,
N 5 zu Art. 19 RPG) gilt gemäss Art. 4 Abs. 1 WEG die Versorgung eines zu
überbauenden Gebiets mit den Hauptsträngen der Erschliessungsanlagen, namentlich,
Wasser-, Energieversorgungs- und Abwasserleitungen sowie Strassen und Wege, die
unmittelbar dem zu erschliessenden Gebiet dienen. Die Feinerschliessung (auch
Detailerschliessung; vgl. EJPD/BRP, a.a.O., N 5 zu Art. 19 RPG) umfasst gemäss Art. 4
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Abs. 2 WEG den Anschluss der einzelnen Grundstücke an die Hauptstränge der
Erschliessungsanlagen mit Einschluss von öffentlich zugänglichen Quartierstrassen und
öffentlichen Leitungen. Erst die Feinerschliessung schafft den Zustand erschlossenen
Baulandes. Von der Feinerschliessung abzugrenzen sind die Hausanschlüsse, also die
Zu- und Wegfahrten sowie Zu- und Wegleitungen. Diese bilden nicht mehr Bestandteil
der Erschliessung (vgl. Waldmann/Hänni, a.a.O., N 5 zu Art. 19 RPG).
Im Werkplan der Gemeinde B. (vgl. geoportal, http://betrachter.rgdi.ch) ist auf der R-
Strasse eine Elektrizitätsleitung mit Mittelspannung eingezeichnet, welche auch entlang
des nicht als überbaut erfassten Grundstückes Nr. 0000 verläuft. Von dieser Leitung
zweigen zwei weitere Leitungen mit Mittelspannung ab, welche die R-Strasse
unterqueren und bis an die Grenze des Grundstücks Nr. 0000 verlaufen. Diese
Darstellung weist daraufhin, dass das Grundstück bereits vor seiner Überbauung über
eine Versorgungsleitung mit der Hauptleitung verbunden war. Dafür, dass diese im
Werkplan verzeichneten Leitungen nicht bereits anlässlich des Baus des
Hauptstranges in den Jahren 1971/1972 erstellt worden war, bestehen keine
Anhaltspunkte. Im Sinn des Elektrareglements gilt das Grundstück deshalb bereits seit
1971/1972 als erschlossen.
5.- Eine Übergangsregelung, die auch den Erschliessungskostenbeitrag gemäss Art. 21
ff. betrifft, enthält das Elektrareglement in Art. 53. Danach werden die Art. 21-26 erst
angewendet, wenn die erforderliche rechtskräftige Baubewilligung vorliegt; bereits
abgeschlossene Vereinbarungen werden bis Bauvollendung gemäss altem Reglement
durchgeführt. Die Vorinstanz hat die Erhebung des Beitrages nicht auf diese
Bestimmung gestützt. Der Wortlaut sieht vor, dass Art. 21 Elektrareglement, welcher
die Beitragspflicht des Grundeigentümers im Zeitpunkt der elektrischen Erschliessung
der Liegenschaft statuiert, erst "angewendet" wird, wenn die erforderliche
rechtskräftige Baubewilligung vorliegt. Die Bestimmung betrifft offenkundig im
Zeitpunkt des Inkrafttretens des Elektrareglements am 1. April 2010 im Sinn von Art. 22
Abs. 2 des Elektrareglements erschlossene, jedoch noch nicht überbaute Grundstücke,
für welche der Grundeigentümer auch noch keinen Erschliessungskostenbeitrag
geleistet hatte. Mit dem Aufschub der Anwendung kann nicht bloss ein Aufschub der
Rechnungstellung bis zur Erteilung der Baubewilligung, wie er in Art. 23 Abs. 1 des
Elektrareglements vorgesehen ist, gemeint sein, sondern muss – um die Verjährung
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des Anspruchs zu vermeiden – die Entstehung des Abgabeanspruchs als solchen
betreffen. Andernfalls müsste bei einer Handänderung noch der frühere
Grundeigentümer mit dem Erschliessungskostenbeitrag veranlagt werden. Dies wäre
zwar weder rechtlich unzulässig noch technisch unmöglich, würde aber einer einfachen
und klaren Handhabung der Übergangsbestimmungen entgegenstehen und deren
Anwendung insbesondere bei Grundstücken, die bereits seit langem mit Elektrizität im
Sinn von Art. 22 Abs. 2 des Elektrareglements erschlossen sind, verunmöglichen.
Das Grundstück Nr. 0000 wurde spätestens im Jahr 1992 der Bauzone zugeteilt (act.
15). Es war dementsprechend im Zeitpunkt des Inkrafttretens des Elektrareglements
am 1. April 2010 bereits in der Bauzone, jedoch noch nicht überbaut. Die Rekurrenten
machen auch nicht geltend, dass für das Grundstück bereits früher ein
Erschliessungskostenbeitrag geleistet wurde. Dementsprechend hat die Vorinstanz von
den Rekurrenten gestützt auf Art. 21 und 53 des Elektrareglements zu Recht einen
Erschliessungskostenbeitrag in der Höhe von Fr. 10'515.-- (1'402 m à Fr. 7.50)
erhoben. Der Rekurs ist deshalb abzuweisen.
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten den Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist
angemessen (vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von
Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.