Decision ID: 5d70cb93-b882-43e8-b4f5-eb57fd03f7e8
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die Eidgenössische Zollverwaltung (nachfolgend «EZV») gegen B. eine Stra-
funtersuchung führt wegen des Verdachts der Widerhandlungen gegen das
Bundesgesetz vom 12. Juni 2009 über die Mehrwertsteuer (Mehrwertsteuer-
gesetz, MWSTG; SR 641.20), das Zollgesetz vom 18. März 2005 (ZG; SR
631.0) sowie gegen das Bundesgesetz vom 22. März 1974 über das Verwal-
tungsstrafrecht (VStrR; SR 313.0);
- sie mit Verfügung vom 21. Oktober 2015 das auf die A. Trust Reg. lautende
Konto Nr. 1 bei der Bank C. AG, an welchem B. wirtschaftlich berechtigt ist,
sperrte (act. 1.3);
- die A. Trust Reg. hiergegen am 26. Oktober 2015 Beschwerde erhob und in
erster Linie die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie im Rahmen
der Verfahrensanträge die Erteilung der aufschiebenden Wirkung beantragte
(act. 1, 8.1);
- die EZV am 29. Oktober 2015 die am 21. Oktober 2015 verfügte Sperrung
des eingangs erwähnten Kontos aufhob (act. 2.4);
- der Direktor der EZV am 30. Oktober 2015 der Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts die Beschwerde übermittelte und beantragt, das Beschwer-
deverfahren sei als gegenstandslos abzuschreiben, unter ordentlicher Ent-
schädigungs- und Kostenfolge (act. 2);
- die Parteien am 2. November 2015 u. a. dazu eingeladen wurden, zu den
Kosten- und Entschädigungsfolgen Stellung zu nehmen (act. 4);
- die A. Trust Reg. mit Stellungnahme vom 13. November 2015 beantragt, das
Verfahren sei als gegenstandslos abzuschreiben, unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse (act. 11);
- die EZV sich derweil nicht mehr vernehmen liess, weshalb ihr zum Abschluss
des Beschwerdeverfahrens die vorerwähnte Stellungnahme der A. Trust
Reg. am 24. November 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (act. 12).
- 3 -

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- Widerhandlungen gegen das Zollgesetz nach diesem und nach dem VStrR
verfolgt und beurteilt werden, wobei die Beschwerdegegnerin verfolgende
und urteilende Behörde ist (Art. 128 ZG);
- sich die Anwendbarkeit des VStrR hinsichtlich der Widerhandlungen gegen
das Mehrwertsteuergesetz aus Art. 103 Abs. 1 MWSTG ergibt, wobei bei der
Einfuhrsteuer die Strafverfolgung ebenfalls der Beschwerdegegnerin obliegt
(Art. 103 Abs. 2 MWSTG);
- gegen Zwangsmassnahmen im Sinne der Art. 45 ff. VStrR und damit zusam-
menhängende Amtshandlungen bei der Beschwerdekammer des Bun-
desstrafgerichts Beschwerde geführt werden kann (Art. 26 Abs. 1 VStrR
i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. b StBOG);
- zur Beschwerde berechtigt ist, wer durch die angefochtene Amtshandlung
berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Än-
derung hat (Art. 28 Abs. 1 VStrR);
- das Beschwerdeverfahren als erledigt erklärt wird, wenn das aktuelle Inte-
resse des Beschwerdeführers im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens da-
hinfällt (vgl. hierzu die Urteile des Bundesgerichts 2C_1049/2011 vom
18. Juli 2012, E. 1.2; 2C_77/2007 vom 2. April 2009, E. 3; jeweils m.w.H.);
- vorliegend der Rechtsstreit durch die Aufhebung der angefochtenen Be-
schlagnahme gegenstandslos geworden ist;
- das Gesuchsverfahren betreffend aufschiebende Wirkung ebenfalls zufolge
Gegenstandslosigkeit als erledigt abzuschreiben ist;
- gemäss Art. 62 ff. und Art. 71 BGG analog (siehe hierzu TPF 2011 25 E. 3)
i.V.m. Art. 72 BZP bei Gegenstandslosigkeit des Verfahrens mit summari-
scher Begründung auf Grund der Sachlage vor Eintritt des Erledigungsgrun-
des über die Prozesskosten zu entscheiden ist;
- die EZV im Rahmen der ursprünglich angefochtenen Verfügung lediglich
festhielt, die gesperrten Vermögenswerte unterlägen der Einziehung
(act. 1.3, S. 1), sie die Sperrung dann aber «aufgrund zwischenzeitlich neu
aufscheinender Erkenntnisse in der laufenden Untersuchung» aufhob
(act. 2.4);
- 4 -
- die Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren mangels aktenkundiger
Gründe zur Rechtfertigung der Beschlagnahme voraussichtlich obsiegt
hätte;
- bei dieser Sachlage keine Gerichtskosten zu erheben sind (Art. 66 Abs. 4
BGG analog);
- die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin für ihre Aufwendungen im
Beschwerdeverfahren eine Parteientschädigung zu entrichten hat (Art. 68
Abs. 1 BGG analog);
- sich diese grundsätzlich nach dem vom Vertreter der Beschwerdeführerin in
act. 11 geltend gemachten Stundenaufwand bemisst (Art. 10 und 12 Abs. 1
des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kos-
ten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR;
SR 173.713.162]);
- dieser vorliegend aber nicht angemessen erscheint und um die Hälfte zu re-
duzieren ist, nachdem die Beschwerdeschrift in verschiedenen Punkten eine
ausufernde Argumentation ohne Bezug zum konkreten Fall beinhaltet;
- namentlich die auf die Erhebung von Beweisen gerichtete Argumentation be-
treffend «fishing expedition» bei einer Beschlagnahme von Vermögenswer-
ten keinen Sinn ergibt;
- sich auch die Argumente betreffend unerlaubten Durchgriff und mangelnden
Deliktskonnex als weitschweifig und angesichts der angefochtenen Verfü-
gung ohne Relevanz erweisen;
- sich der in Beschwerdeverfahren vor der Beschwerdekammer normaler-
weise anzuwendende Stundenansatz für Leistungen des Rechtsanwalts auf
Fr. 230.– und nicht auf Fr. 400.– beläuft (vgl. hierzu den Beschluss des Bun-
desstrafgerichts BB.2012.8 vom 2. März 2012, E. 4.2);
- der geltend gemachte Stundenansatz für die Bemühungen des Substituten
derweil praxisgemäss von Fr. 200.– auf Fr. 100.– zu reduzieren sind (Be-
schluss des Bundesstrafgerichts BB.2013.11 vom 18. Juni 2013, E. 4.2
m.w.H.);
- sich die Parteientschädigung für das vorliegende Beschwerdeverfahren da-
her auf Fr. 3'976.25 beläuft (ohne MwSt.; vgl. Art. 1 Abs. 2 lit. a und Art. 8
Abs. 1 MWSTG);
- 5 -