Decision ID: bb05bdf3-9d16-5d8c-b0f0-a75e81f391ec
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
I._,
Beschwerdeführer,
gegen
KPT Krankenkasse AG, Postfach 8624, 3001 Bern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Forderung (Prämienausstände)
Sachverhalt:
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A.
A.a Mit Betreibungsbegehren vom 31. Mai 2007 leitete die KPT Krankenkasse AG,
Bern, gegen I._ beim Betreibungsamt A._ Betreibung wegen ausstehender
Krankenkassenprämien im Umfang von Fr. 3'295.95 (Prämien Jan. – Dez. 2006 à
Fr. 278.50, abzüglich Zahlung vom 13.09.2006 Fr. 46.05) plus Fr. 20.00 Mahnspesen
und 5 % Zins ab 30. Juni 2006 ein (act. G 3.1/12). Gegen den am 11. Juli 2007
zugestellten Zahlungsbefehl erhob der Versicherte am 3. August 2007 Rechtsvorschlag
(act. G 3.1/11). Mit Verfügung vom 2. Oktober 2007 stellte die KPT die betriebene
Forderung im Betrag von Fr. 3'609.20 (Fr. 3'295.95 ausstehende Prämien + Fr. 20.00
Mahnspesen + Fr. 91.00 Betreibungskosten + Fr. 202.25 Zinsen) fest und erklärte den
Rechtsvorschlag des Versicherten für aufgehoben (act. G 3.1/10).
A.b Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 2. November 2007 Einsprache
(act. G 3.1/9). Darin machte er geltend, der Krankenversicherer sei verpflichtet, den
säumigen Zahler per Mahnung in Verzug zu setzen, bevor er Verzugszinsen geltend
machen könne. Er verlangte deshalb die Aufhebung der Verfügung vom 2. Oktober
2007 und die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung im Sinne der rechtlich
korrekten Berechnungen des Zinses und der Prämien an die KPT. Weiter machte er
geltend, der Krankenkassenverband santésuisse habe Prämiengelder im Umfang von
3,7 Mio. Fr. für den Abstimmungskampf gegen die Einheitskassen-Initiative
missbraucht. Der Versicherte verlangte deshalb, es sei festzustellen, dass die KPT
wiederholt gegen Bundesrecht verstossen habe, indem sie Prämiengelder der
Grundversicherung zu Ungunsten des Versicherten zweckentfremdet und für politische
bzw. unverhältnismässig für Marketing u.a. Ziele verwendet habe. Deshalb seien die
Prämien für das Jahr 2006 neu festzusetzen. Zudem forderte der Versicherte die KPT
auf, im Sinne eines Editionsbegehrens alle Fakten der Berechnungen zu Handen des
Verfahrens offenzulegen und zu beweisen, dass keine finanziellen Anteile der
Grundprämien aus der Krankenversicherung für politische, eigene
Interessenvertretungen (Beiträge an santésuisse) oder andere Zweckentfremdungen
abgezweigt worden seien. Solange nicht endgültig rechtskräftig feststehe, ob und
wieviele Prämien aus der obligatorischen Grundversicherung zweckentfremdet worden
seien, habe die gesamte Prämienforderung aus dem Jahre 2006 mangels
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Berechnungsmöglichkeit als bestritten zu gelten. Mit Einspracheentscheid vom 29.
August 2008 wies die KPT die Einsprache ab (act. G 3.1/6).
B.
B.a Mit Betreibungsbegehren vom 29. Februar 2008 leitete die KPT gegen den
Versicherten Betreibung für ausstehende Prämien im Umfang von Fr. 926.15 (Prämien
KVG Saldo Aug. 2007 Fr. 167.35 und Sept. – Dez. 2007 à Fr. 189.70) zuzüglich
Mahnspesen von Fr. 100.00 und 5 % Zins ab 2. Oktober 2007 ein (act. G 3.1/5). Gegen
den am 18. März 2008 zugestellten Zahlungsbefehl erhob der Versicherte am 8. April
2008 Rechtsvorschlag (act. G 3.1/4). Mit Verfügung vom 22. April 2008 (von der
Versicherung offensichtlich irrtümlich mit 22. April 2007 datiert) stellte die KPT die
betriebene Forderung im Betrag von Fr. 1'130.95 (Fr. 926.15 ausstehende Prämien +
Fr. 100.00 Mahnspesen + Fr. 79.00 Betreibungskosten + Fr. 25.80 Zinsen) fest und
erklärte den Rechtsvorschlag des Versicherten für aufgehoben (act. G 3.1/3).
B.b Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 25. Mai 2008 Einsprache (act.
G 3.1/2). Zur Begründung führte er im Wesentlichen dieselben Argumente an wie in
seiner Beschwerde gegen die Prämienverfügung vom 2. Oktober 2007. Mit
Einspracheentscheid vom 29. August 2008 wies die KPT die Einsprache ab (act.
G 3.1/1).
C.
C.a Am 3. Oktober 2008 erhob der Versicherte gegen die beiden
Einspracheentscheide der KPT vom 29. August 2008 Beschwerde an das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (act. G 1). Da beide Verfügungen die
gleichen Parteien und die gleiche Streitsache betreffen würden, seien die Verfahren vor
Versicherungsgericht zu vereinigen. Materiell beantragte er, es seien die
Einspracheentscheide aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung, im Sinne der
rechtlich korrekten Berechnung des Zinses und der Prämien sowie zur Gewährung des
rechtlichen Gehörs an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Weiter sei
festzustellen, dass diese wiederholt gegen Bundesrecht verstossen habe, indem sie
ggf. anteilsmässig Prämiengelder der Grundversicherung zu Ungunsten des
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Versicherten zweckentfremdet und für politische bzw. unverhältnismässig für Marketing
u.a. Ziele verwendet habe. Demgemäss seien die Prämien für das Jahr 2006 und für die
Monate August bis Dezember 2007 neu festzusetzen. Der Beschwerdeführer hat weiter
ein Editionsbegehren gestellt, wonach von der Beschwerdegegnerin alle Fakten der
Berechnungen zu Handen des Verfahrens offen zu legen seien und zu beweisen sei,
dass keine finanziellen Anteile der Grundprämien aus der Krankenversicherung für
politische, eigene Interessenvertretungen (gemeint sind Beiträge an santésuisse) und
oder andere Zweckentfremdungen abgezweigt worden seien. Er verlangt dabei die
Offenlegung einzeln genannter Akten.
C.b In Ihrer Beschwerdeantwort vom 5. November 2008 beantragte die
Beschwerdegegnerin die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde vom 3. Oktober
2008 (act. G 3). Mit Replik vom 5. Januar 2009 hielt der Beschwerdeführer an den
Anträgen gemäss seiner Beschwerde vom 3. Oktober 2008 fest (act. G 9). Die
Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 11).

Erwägungen:
1.
1.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Vereinigung der Verfahren betreffend die
beiden Einspracheentscheide der Beschwerdegegnerin vom 29. August 2008. Da
beiden Verfahren im Wesentlichen derselbe Sachverhalt zu Grunde liegt, sich die
gleichen Rechtsfragen stellen und sich in beiden Verfahren die gleichen Parteien
gegenüberstehen, rechtfertigt es sich, sie zu vereinigen und in einem einzigen Urteil zu
erledigen (vgl. BGE 128 V 124 E. 1 und 128 V 192 E. 1 je mit Hinweisen).
1.2 Der Beschwerdeführer bestreitet die Rechtmässigkeit der von der
Beschwerdegegnerin verrechneten Verzugszinsen. Er macht geltend, ein Verzugszins
sei erst geschuldet, wenn die Krankenversicherung den säumigen Schuldner per
Mahnung in Verzug gesetzt habe. Der Beschwerdeführer beantragt weiter, es sei
festzustellen, dass die Beschwerdeführerin durch die Zweckentfremdung von
Prämiengeldern aus der Grundversicherung wiederholt gegen Bundesrecht verstossen
habe. Demgemäss seien die Prämien für das Jahr 2006 und für die Monate August bis
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Dezember 2007 neu festzusetzen (act. G 3 Ziff. 3 der Rechtsanträge). Der
Beschwerdeführer stellt in diesem Zusammenhang ein Editionsbegehren. Danach seien
"alle Fakten der Berechnungen zu Handen des Verfahrens offen zu legen und zu
beweisen, dass keine finanziellen Anteile der Grundprämien aus der
Krankenversicherung für politische, eigene Interessenvertretungen (gemeint sind
Beiträge an Santésuisse) und oder andere Zweckentfremdungen, abgezweigt
wurden." (act. G 1 S. 5).
1.3 Beim Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht handelt es sich nicht
um ein aufsichtsrechtliches Verfahren. Die Überwachung der Durchführung der
Krankenversicherung obliegt gemäss Art. 21 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) dem Bundesrat, der sich hierfür gemäss
Gesetz und Verordnung des Bundesamts für Gesundheit bedient (vgl. Gebhard
Eugster, Krankenversicherung, in: Ulrich Meyer (Hrsg.), Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2. Auflage, 2007, S. 471
Rz. 231 ff.). Die korrekte Verwendung von Prämiengeldern kann deshalb nicht
Gegenstand des Verfahrens vor kantonalem Versicherungsgericht sein. Auf die
entsprechenden Anträge, insbesondere das Editionsbegehren, kann daher nicht
eingetreten werden. Soweit die Rechtmässigkeit der von der Beschwerdegegnerin
verrechneten Verzugszinsen bestritten wird, kann demgegenüber auf die Beschwerde
eingetreten werden.
2.
2.1 Gemäss Art. 26 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sind für fällige Beitragsforderungen
Verzugszinsen zu leisten. Gemäss Art. 105a (früher Art. 90 Abs. 2) der Verordnung über
die Krankenversicherung (KVV; SR 832.102) beträgt der Verzugszins 5 % im Jahr (vgl.
auch Art. 7 Abs. 1 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSV; SR 830.11]). Von seiner Befugnis, für geringe
Beträge und kurzfristige Ausstände Ausnahmen vorsehen zu können (Art. 26 Abs. 1
Satz 2 ATSG), hat der Bundesrat auf dem Gebiete der Krankenversicherung keinen
Gebrauch gemacht. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist ein
Verzugszins nicht erst nach der Mahnung gemäss Art. 64a Abs. 1 KVG, sondern bereits
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ab dem vom Versicherer gesetzten letzten Zahlungstermin und somit ab dem Zeitpunkt
der Fälligkeit geschuldet (Gebhard Eugster, a.a.O., S. 752 Rz. 1041). Ganz allgemein
gilt auf dem Gebiete des Sozialversicherungsrechts, dass Verzugszinsen bereits ab
dem Fälligkeitstermin geschuldet sind und keine Inverzugsetzung durch Mahnung
erforderlich ist (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, 2009, Art. 26 Rz. 12). Der
Einwand des Beschwerdeführers, er sei von der Beschwerdegegnerin nicht gemahnt
worden, ist deshalb unbeachtlich.
2.2 Gemäss Art. 90 KVV (früher Art. 90 Abs. 1 KVV) sind die Krankenkassenprämien
im Voraus und in der Regel monatlich zu bezahlen. Es steht den Versicherten jedoch
auch offen, die Prämien jährlich, halbjährlich, quartalsweise oder in einem anderen
Intervall zu bezahlen. Art. 90 KVV lässt Raum für abweichende Regelungen in den
Versicherungsbedingungen. Insbesondere kann auch der Fälligkeitstermin abweichend
von Art. 90 KVV geregelt werden (vgl. Gebhard Eugster, a.a.O., S. 746 Rz. 1024).
2.2.1 Dem Beschwerdeführer wurde gemäss Ausführungen der
Beschwerdegegnerin für das Jahr 2006 eine Jahresrechnung zugestellt, welche am 30.
Juni 2006 fällig wurde (act. G 3). Der Beschwerdeführer führt in seiner Beschwerde
selber aus, für das Jahr 2006 sei die Jahreszahlung mit mittlerem Verfall vereinbart
worden (act. G. 1 Ziff. 3 der Ausführungen). Weder im KVG noch in der KVV findet sich
eine Bestimmung, welche die Krankenversicherer bei jährlicher Zahlung zur
Einräumung eines Skontos zwingen würde. Die Berechnung von Verzugszinsen ab dem
Fälligkeitstermin am 30. Juni 2006 (vgl. Zahlungsbefehl vom 6. Juni 2007; act. G 3.1/11)
ist somit nicht zu beanstanden.
2.2.2 Weiter hat die Beschwerdegegnerin am 29. Februar 2008 für den noch
ausstehenden Saldo für den August 2007 (Fr. 167.35) und für ausstehende Prämien für
die Monate September bis Dezember 2007 à Fr. 189.70 nebst Zins zu 5 % ab 2.
Oktober 2007 Betreibung eingeleitet (vgl. act. G 3.1/5). Aus den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin ergibt sich nicht, wann die entsprechenden Prämien fällig waren.
Jedoch enthalten weder die Akten Hinweise auf ein anderes Fälligkeitsdatum noch wird
ein solches vom Beschwerdeführer geltend gemacht. Der Beschwerdeführer bringt
lediglich vor, es wäre eine Inverzugsetzung durch Mahnung erforderlich gewesen (act.
G 1 Ziff. 2 der Ausführungen). Dass dies nicht zutrifft, wurde bereits ausgeführt. Die
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Berechnung von Verzugszinsen ab dem 2. Oktober 2007 ist somit nicht zu
beanstanden.
3.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG