Decision ID: 585a66da-6668-4a98-937c-fd384d68730a
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war vom 5. Mai 2008 bis 31. März 2009 als Maschinenbedienerin bei der
C._ AG tätig (act. G7.6 ff.) und dadurch ab 1. August 2008 berufsvorsorgerechtlich
bei deren Personalvorsorgestiftung (inzwischen liquidiert, Nachfolgerin PK B._)
versichert (act. G7.7, 7.9, 7.16). Von Januar 2009 bis April 2010 bezog sie Taggelder
der Arbeitslosenversicherung und war dadurch bei der Stiftung D._ versichert (vgl.
act. G7.13). Die Swica Versicherungen AG (nachfolgend: Swica) als
Kollektivkrankentaggeldversicherung der C._ AG leistete vom 3. August bis 28.
September 2009 sowie vom 22. April bis 31. August 2010 Krankentaggelder für eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% (vgl. act. G7.19, Sachverhalt A.a des Entscheids des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. Februar 2018, BV 2017/4).
A.a.
Im Auftrag der Swica war die Versicherte am 9. Juni 2010 durch Dr. med. E._,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Klinik F._, abgeklärt worden. In seinem
Gutachten vom 15. Juni 2010 hatte dieser als Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine leichte bis mittelgradige depressive Episode mit somatischen
Symptomen einhergehend mit ausgeprägter psychophysischer Erschöpfung (ICD-10:
F32.01/11, Z73.0) genannt. Die Versicherte sei derzeit für jegliche Tätigkeiten zu 100%
arbeitsunfähig, bei korrekter Behandlung sei jedoch ab 1. September 2010 von einer
A.b.
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100%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen. Er führte aus, die
Versicherte leide seit 2003 unter massiven psychischen Belastungen im
Zusammenhang mit der Erkrankung ihrer Tochter. Die eigene Krebsdiagnose im
Oktober 2008 habe vordergründig die Ängste und Sorgen um die Tochter verstärkt. Die
zunehmenden psychischen Probleme hätten im Dezember 2008 zur ersten
psychiatrischen Behandlung geführt. Vor einem Jahr habe sie zu Dr. med. G._,
Psychiatrie/Psychotherapie, gewechselt (act. G7.15).
Dr. G._ wies die Versicherte mit Schreiben vom 6. September 2010 der Klinik
H._ zur stationären Rehabilitation zu. Sie führte als Diagnosen unter anderem eine
Anpassungsstörung, eine längere depressive Reaktion (ICD-10: F43.1) und ein invasiv
duktales Mammakarzinom rechts auf. Die Versicherte sei seit Dezember 2008
arbeitsunfähig. Aus rein psychiatrischer Sicht erachte sie die Versicherte als zu 50%
arbeitsunfähig (act. G27.2 in BV 2017/4). Die Versicherte verzichtete in der Folge auf
die stationäre Behandlung (vgl. Sachverhalt A.c des Entscheids des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. Februar 2018, BV 2017/4) und
Dr. G._ attestierte ihr bis zum 14. Oktober 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 100%
(vgl. act. G14.1.2).
A.c.
Vom 15. November 2010 bis 3. Februar 2011 war die Versicherte bei der I._
GmbH & Co KG als Maschinenbedienerin tätig und dadurch bei der J._
berufsvorsorgerechtlich versichert (vgl. act. G7.13).
A.d.
Mit Zeugnis vom 21. Februar 2011 und Bericht vom 24. März 2011 berichtete Dr.
G._ über eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(ICD-10: F33.1), sowie einen Status nach invasivem duktalem Mammakarzinom
(Erstdiagnose September 2008) rechts. Die aktuelle depressive Episode bestehe seit
Januar 2011 im Rahmen der Überforderung an der neuen Arbeitsstelle. Dr. G._
erachtete die Versicherte seit 17. Januar 2011 als zu 100% arbeitsunfähig (act. G1.4 in
BV 2017/4, vgl. act. G27.13 in BV 2017/4).
A.e.
Mit Bericht vom 27. März 2014 schilderte Dr. G._ den Verlauf der psychischen
Erkrankung gegenüber der IV-Stelle des Kantons St. Gallen und hielt unter anderem
fest, die Versicherte habe, nachdem sie sich von einer depressiven Episode, die von
A.f.
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April bis September 2010 gedauert habe (Arbeitsunfähigkeit 100%), langsam erholt
gehabt habe, eine äusserst anstrengende Stelle bei der I._angenommen. Sie habe
sich, nachdem ihr Dr. E._ eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert habe, erneut in die
Arbeit gestürzt. Leider habe sie diese schwere Arbeit wegen einer erneuten
depressiven Episode nicht ausüben können. Die Kränkung durch die Kündigung habe
sie in eine tiefe Depression geworfen. Sie sei vom 17. Januar bis 22. August 2011 zu
100%, danach zu 50% arbeitsunfähig gewesen. Seit 7. Februar 2014 bestehe wieder
eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (IV-act. 64).
Die behandelnden Ärzte des Brustzentrums des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG)
berichteten am 17. September 2014, es bestehe aktuell kein Hinweis für ein Rezidiv
des invasiv duktalen Mammakarzinoms oder ein kontralaterales Zweitkarzinom, die
additive endokrine Therapie werde gestoppt (IV-act. 80-14 f.). Am 6. Mai 2015
beurteilten sie, aus onkologischer Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Sie hätten
seit der Diagnose nie Stellung genommen zur Arbeitsfähigkeit bzw. hätten keine
Arbeitsunfähigkeit nach Abschluss der Erstbehandlung attestiert. Die körperliche
Belastbarkeit sei für schwere und mittelschwere Tätigkeiten eingeschränkt (IV-act. 84).
A.g.
Im Auftrag der IV-Stelle des Kantons St. Gallen wurde die Versicherte durch Dr.
med. K._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, abgeklärt. In ihrem Gutachten vom
13. Oktober 2015 hielt diese als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
rezidivierende depressive Episoden, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11), fest. In der angestammten sowie einer
adaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50 bis 60%. Bei
Behandlungsbeginn bei Dr. G._ im Jahr 2009 habe eine leichte depressive
Symptomatik im Sinne einer Anpassungsstörung bestanden. Dementsprechend sei
nachvollziehbar, dass keine psychopharmakologische Behandlung durchgeführt und
keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei. Eine gesicherte psychiatrische
Arbeitsunfähigkeit bestehe seit 24. Januar 2011 (act. G7.18).
A.h.
Die IV-Stelle sprach der Versicherten am 12. Juli 2016 mit Wirkung ab 1. Juli 2012
eine halbe Invalidenrente sowie eine Kinderrente zu (act. G7.3, vgl. act. G7.2, 7.4).
A.i.
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B.
Nachdem die Versicherte entsprechende Anträge auf Invalidenleistungen der
beruflichen Vorsorge gestellt hatte, verneinten die J._, die PK B._ und die D._
ihre Leistungspflicht mit Schreiben vom 11. August 2016, 12. September 2016 bzw. 7.
Februar 2017 (act. G1.2, G1.12 und G1.14 in BV 2017/4).
A.j.
Mit Entscheid vom 27. Februar 2018 (BV 2017/4) wies das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen die von der Versicherten gegen die J._ erhobene Klage ab. In

den Erwägungen hielt es fest, die massgebliche Arbeitsunfähigkeit sei erstmals
während des Vorsorgeverhältnisses mit der beigeladenen PK B._ eingetreten und der
zeitliche Zusammenhang sei bis zum Eintritt der Invalidität nicht unterbrochen worden
(act. G1.2).
A.k.
Die Versicherte ersuchte die PK B._ mit Schreiben vom 14. März 2018, ihr
mitzuteilen, ob sie den Gerichtsentscheid im Ergebnis akzeptiere, wonach sie für die
Ausrichtung der Pensionskassenleistungen zuständig sei (act. G1.3). Die B._ PK
führte am 16. März 2018 aus, sie werde nicht gegen das Urteil vom 27. Februar 2018
vorgehen. Sie erachte sich jedoch weiterhin nicht als leistungspflichtig (act. G1.4). Auf
erneute Nachfrage der Versicherten (act. G1.5) teilte ihr die PK B._ am 26. März 2018
mit, sie akzeptiere ihre Leistungspflicht nicht (act. G1.6).
A.l.
Am 20. April 2018 reichte die Versicherte (nachfolgend: Klägerin) die vorliegende
Klage gegen die PK B._ (nachfolgend: Beklagte) ein. Sie beantragte darin, die
Beklagte sei zu verpflichten, ihr die PK-Renten samt Prämienbefreiung im Umfang von
50% nach Ablauf der Krankentaggeldleistungen durch die Krankentaggeldversicherung
L._, spätestens ab Februar 2013 samt 5% Zins ab 1. April 2018, zu bezahlen. Die
Beklagte sei zu verpflichten, ihren Versicherungsausweis per Februar 2013
auszuhändigen, aus dem die damals versicherten PK-Leistungen ersichtlich seien; alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1).
B.a.
Die Beklagte beantragte am 14. August 2018 die vollumfängliche Abweisung der
Klage; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie brachte vor, während der
Versicherungszeit bei ihr sei keine psychische Gesundheitsschädigung von Relevanz
eingetreten. Seit Januar 2009 sei die Klägerin nicht mehr bei ihr versichert gewesen.
B.b.
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Erwägungen
1.
Gemäss Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) bezeichnet jeder Kanton ein Gericht, das als
letzte kantonale Instanz über Streitigkeiten u.a. zwischen Vorsorgeeinrichtungen und
Anspruchsberechtigten entscheidet. Im Kanton St. Gallen ist nach Art. 65 Abs. 1 lit. e
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) das
Versicherungsgericht zuständig für Streitigkeiten nach Art. 73 BVG. Gerichtsstand ist
nach Art. 73 Abs. 3 BVG der Sitz oder Wohnsitz des Beklagten oder der Ort des
Betriebes, bei dem der Versicherte angestellt wurde. Vorliegend ist die örtliche
Zuständigkeit des angerufenen Versicherungsgerichts zu bejahen, weil die Beklagte
ihren Sitz im Kanton St. Gallen hat. Da auch sämtliche übrigen prozessualen
Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Klage einzutreten.
Der sachliche und zeitliche Konnex seien zudem zu verneinen. Sie legte einen
Versicherungsausweis per Austritt am 1. Januar 2009 bei, ein solcher für Februar 2013
sei nicht ausstellbar (act. G7).
In ihrer Replik vom 5. November 2018 hielt die Klägerin grundsätzlich an ihren
Rechtsbegehren fest. Sie brachte vor, sie sei seit 2. April 2009, also noch in der
Nachversicherungszeit der Beklagten, aus psychischen Gründen arbeitsunfähig
gewesen. Das Vorsorgeverhältnis bei der Beklagten habe frühestens am 30. April 2009
aufgehört (act. G14). Sie reichte diverse medizinische Akten ein, unter anderem
Arbeitsunfähigkeitsatteste von Dr. G._ und einen Bericht der behandelnden Ärzte des
Brustzentrums des KSSG vom 11. Oktober 2018 (act. G14.1.2, G14.1.4).
B.c.
Mit Duplik vom 31. Januar 2019 hielt die Beklagte an ihrem Antrag fest (act. G20).B.d.
Die Verfahrensleitung zog die IV-Akten der Klägerin und die Akten des Verfahrens
BV 2017/4 bei und gewährten den Parteien das Einsichtsrecht (Schreiben vom
23. März 2020, act. G 23), welches diese nicht wahrnahmen.
B.e.
bis
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2.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist der Anspruch der
Klägerin auf eine Invalidenrente gegenüber der Beklagten.
Nach Art. 23 lit. a BVG hat (im Obligatoriumsbereich) Anspruch auf
Invalidenleistungen der beruflichen Vorsorge, wer im Sinne der Invalidenversicherung
(IV) zu mindestens 40 % invalid ist und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren
Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert war. Nach Art. 24 Abs. 1 BVG setzt der
Anspruch auf eine volle Invalidenrente eine mindestens 70%-ige Invalidität im Sinn der
IV voraus (lit. a). Eine Dreiviertelsrente kommt zur Ausrichtung bei mindestens 60%-iger
Invalidität (lit. b). Eine halbe Rente wird bei mindestens hälftiger Invalidität (lit. c) und
eine Viertelsrente bei mindestens 40%-iger Invalidität ausgerichtet (lit. d). Der
Invaliditätsgrad richtet sich laut Art. 4.1.1 des Reglements der Beklagten (gültig ab 1.
Januar 2008) nach der invaliditätsbedingten Einkommenseinbusse. Die Beklagte stützt
sich dabei auf die Entscheide der Eidgenössischen Invalidenversicherung und des
Unfallversicherers über Vorliegen und Grad der Invalidität. Im überobligatorischen
Bereich kann die Beklagte von diesem Entscheid abweichen, sofern der Entscheid
durch den Vertrauensarzt der Beklagten mit einem Gutachten gestützt wird (act.
G7.21).
2.1.
Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung
geschuldet, bei der die ansprechende Person bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren
Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert war. Der Anspruch setzt einen engen
zeitlichen und sachlichen Zusammenhang zwischen der Arbeitsunfähigkeit, die
während des Vorsorgeverhältnisses (einschliesslich Nachdeckungsfrist nach Art. 10
Abs. 3 BVG) bestanden hat, und der allenfalls erst später eingetretenen Invalidität
voraus (BGE 134 V 20 E. 3.2). Der sachliche Konnex ist gegeben, wenn der
Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat, im Wesentlichen derselbe
ist, wie er der Erwerbsunfähigkeit zugrunde liegt (BGE 138 V 409 E. 6.2). Er kann auch
gegeben sein, wenn die bei noch bestehender Versicherungsdeckung eingetretene
Arbeitsunfähigkeit somatisch, die Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
begründende, allenfalls auch berufsvorsorgerechtliche Leistungen auslösende
Invalidität jedoch psychisch bedingt ist. Notwendige, aber nicht hinreichende
Bedingung hierfür ist, dass das psychische Leiden sich schon während des
Vorsorgeverhältnisses manifestierte und das Krankheitsgeschehen erkennbar mitprägte
(vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts vom 12. November 2015, 9C_115/2015, E. 2.2;
vom 11. August 2015, 9C_58/2015, E. 2.2; vom 26. März 2013, 9C_484/2012, E. 4.4, je
2.2.
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&subcollection_mI33=on&insertion_date=&top_subcollection_aza=any&query_words=%22Art.+23+lit.+a+BVG%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-20%3Ade&number_of_ranks=0#page20 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&subcollection_mI33=on&insertion_date=&top_subcollection_aza=any&query_words=%22Art.+23+lit.+a+BVG%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-V-409%3Ade&number_of_ranks=0#page409
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3.
Die Klägerin war seit 1. August 2008 bei der Beklagten versichert (act. G7.7).
Umstritten und vorerst zu klären ist, bis wann diese Versicherungsunterstellung
dauerte. Die Beklagte macht geltend, der Versicherungsschutz sei Ende Dezember
2008 ausgelaufen, während die Klägerin davon ausgeht, bis Ende April 2009 versichert
gewesen zu sein (act. G7, G14).
mit Hinweisen). Die zeitliche Konnexität setzt voraus, dass zwischen der früheren
Arbeitsunfähigkeit und der späteren Invalidität bzw. deren Verschlimmerung keine
längere Periode der Arbeitsfähigkeit liegt. Dabei sind die gesamten Umstände des
Einzelfalls zu würdigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen
prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, welche die versicherte
Person zur Wiederaufnahme der Arbeit veranlassten (BGE 123 V 264 f. E. 1c, 120 V 117
ff. E. 2c/aa f. mit Hinweisen). Zu den für die Beurteilung des zeitlichen Konnexes
relevanten Umständen zählen auch die in der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung
tretenden Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass ein Versicherter über längere Zeit
hinweg als voll vermittlungsfähiger Stellensuchender Taggelder der
Arbeitslosenversicherung bezieht (Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 26.
Mai 2003, B 100/02, E. 4.1, und vom 18. Oktober 2006 B 18/06, E. 4.2.1 in fine mit
Hinweisen). Für Zeiträume ohne formal ausgewiesene Arbeitsunfähigkeit darf eine
solche nur angenommen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Hierbei ist
auch die Eigenart des gesundheitlichen Geschehens massgebend (Urteil des
Bundesgerichts vom 9. November 2016, 9C_142/2016, E. 7.1). Der zeitliche
Zusammenhang kann auch bei einer länger als drei Monate dauernden Tätigkeit
gewahrt sein, wenn eine dauerhafte berufliche Wiedereingliederung unwahrscheinlich
war, etwa weil die Tätigkeit (allenfalls auch erst im Rückblick) als
Eingliederungsversuch zu werten ist (BGE 134 V 20, E. 3.2.1; Urteil des Bundesgerichts
vom 9. November 2016, 9C_142/2016, E. 3.2).
Die C._ AG hatte mit der Klägerin einen befristeten "Stundenlohn Arbeitsvertrag"
abgeschlossen und diesen mehrfach verlängert (act. G7.6 ff.). Mit Schreiben vom 6.
Februar 2009 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 31. März 2009 (act.
G7.9). Die Risikovorsorge bleibt während eines Monats nach Auflösung des
Arbeitsverhältnisses bestehen, falls der Versicherte nicht vorher ein neues Arbeits-
bzw. Vorsorgeverhältnis antritt (Art. 2.4.1 des Vorsorgereglements der Beklagten, gültig
3.1.
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ab 1. Januar 2008; act. G7.21, Art. 10 Abs. 3 BVG). Bei einer Kündigung per 31. März
2009 entspricht dies grundsätzlich einer Versicherungsdeckung bis 30. April 2009.
Die C._ AG führte in ihrem Schreiben vom 21. Januar 2009 aus, durch die
Verlängerung des Arbeitsvertrages sei das "Stundenlohn-Arbeitsverhältnis" rechtlich in
eine Festanstellung umgewandelt worden. Die Klägerin habe damit Anspruch auf eine
Lohnfortzahlung bei Verhinderung an der Arbeitsleistung infolge Krankheit. Für die
krankheitsbedingte Abwesenheit in den Monaten Mai bis und mit Oktober 2008 ergebe
sich ein Anspruch von Fr. 2'091.--, welcher der Klägerin anfangs Februar 2009
nachgezahlt werde (act. G7.12). Wie die Beklagte zu Recht geltend macht (act. G7) und
sich aus dem IK-Auszug ergibt, erhielt die Klägerin neben dieser Zahlung im Jahr 2009
kein Einkommen der C._ AG (act. G7.13). Dies ändert jedoch nichts daran, dass die
Klägerin bis Ende April 2009 dort angestellt war. Auch der Kündigungsgrund - eine
interne Umstrukturierung im Januar 2009 (vgl. act. G7.10) - liess das
Versicherungsverhältnis entgegen der Ansicht der Beklagten (act. G7) nicht früher
enden. Dies, zumal es bei der Beendigung des Vorsorgeverhältnisses durch Auflösung
des Arbeitsverhältnisses nicht auf die effektive Arbeitsniederlegung, sondern
ausschliesslich auf die rechtliche Beendigung ankommt. Unerheblich ist, ob der
tatsächliche Dienstaustritt schon früher erfolgt ist (Jürg Brechbühl/Maya Geckeler
Hunziker, in: Jacques-André Schneider/Thomas Geiser/Thomas Gächter, Kommentar
zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, BVG und FZG, 2. Aufl. 2019, Art. 10 N
17).
3.2.
Gemäss Art. 2.4.1 des Vorsorgereglements der Beklagten (act. G7.21) erfolgt der
Austritt aus der Pensionskasse grundsätzlich mit der Beendigung des
Arbeitsverhältnisses, sofern kein Vorsorgefall eingetreten ist, oder wenn der
Mindestlohn gemäss BVG voraussichtlich dauernd unterschritten wird (vgl. auch Art. 10
Abs. 2 lit. c BVG). Dieser Mindestlohn betrug im relevanten Zeitraum der Anstellung bei
der Arbeitgeberin Fr. 18'990.-- pro Jahr (vgl. Art. 7 Abs. 1 BVG in der Fassung vom 1.
August 2008). Der Lohn entspricht dem massgebenden Lohn nach dem Bundesgesetz
über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10). Der Bundesrat
kann Abweichungen zulassen (Art. 7 Abs. 2 BVG). Laut Art. 3 Abs. 1 lit. b der
Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV2;
SR 831.441.1) kann die Vorsorgeeinrichtung in ihrem Reglement vom massgebenden
Lohn der AHV abweichen, indem sie den koordinierten Jahreslohn zum Voraus
aufgrund des letzten bekannten Jahreslohnes bestimmt; sie muss dabei die für das
laufende Jahr bereits vereinbarten Änderungen berücksichtigen. Die Beklagte machte
von dieser Möglichkeit Gebrauch und hielt in Art. 3.1.1 lit. b ihres Vorsorgereglements
3.3.
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4.
Weiter umstritten ist der Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit
und mithin die Frage, ob und gegebenenfalls bei welcher Vorsorgeeinrichtung die
Klägerin zu diesem Zeitpunkt im Rahmen der beruflichen Vorsorge versichert gewesen
ist.
fest, bei schwankendem Einkommen entspreche der massgebende Jahreslohn für die
Leistungen bei Invalidität und Tod dem letzten Jahreslohn bzw. dem branchenüblichen
durchschnittlichen Jahreslohn, falls keine Erfahrungswerte bekannt seien. Ist der
Versicherte weniger als ein Jahr lang beim Arbeitgeber beschäftigt, gilt laut Art. 3.1.1 lit.
c des Reglements der Beklagten als Jahreslohn der Lohn, den er bei ganzjähriger
Beschäftigung erzielen würde (act. G7.21). Vorliegend lag der Jahreslohn 2008 über
dem Mindestlohn gemäss Art. 7 Abs. 1 BVG (vgl. IK-Auszug, aufgerechnet auf das
ganze Jahr; act. G7.13). Es erfolgte somit kein Versicherungsaustritt vor Ende der
Kündigungsfrist.
Nach dem Gesagten war die Klägerin vom 1. August 2008 bis 30. April 2009 der
Beklagten unterstellt. Wie sich nachfolgend ergibt, wäre selbst bei einem
Versicherungsende per 31. Dezember 2008, bzw. einer Nachdeckungsfrist bis 31.
Januar 2009, von einer Leistungspflicht der Beklagten auszugehen.
3.4.
Die Beklagte war im Beschwerdeverfahren BV 2017/4 des Versicherungsgerichts
St. Gallen mit identischer Klägerin Beigeladene. Der rechtskräftige Entscheid vom 27.
Februar 2018 (vgl. act. G1.2) entfaltet gegenüber der Beigeladenen insofern
Bindungswirkung, als sie diesen im vorliegenden Verfahren gegen sich gelten zu lassen
hat (vgl. Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 28.
Februar 2013, BV.2012.00056, E. 1.1.2, abrufbar unter
www.sozialversicherungsgericht.zh.ch, Rechtsprechung). Dies gilt jedoch
ausschliesslich für den dispositivmässig festgehaltenen Entscheid, nicht die
Erwägungen, soweit sie zur Auslegung des Dispositivs nicht notwendig sind bzw.
keinen Dispositivcharakter haben (vgl. Katja Meili, Die rechtlichen Wirkungen der
Beiladung, in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.], Jahrbuch zum
Sozialversicherungsrecht 2019, S. 225 f.). Die Feststellungen im Entscheid BV 2017/4
sind somit für die Beigeladene nicht bindend, soweit sie über die Verneinung der
Leistungspflicht der damaligen Beklagten (die J._) hinausgehen. Da sich der
Sachverhalt und die rechtliche Situation seit dem damaligen Entscheid des
Versicherungsgerichts jedoch nicht erheblich verändert haben, kann dennoch im
Wesentlichen auf diesen verwiesen werden.
4.1.
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Wie im genannten Entscheid ausgeführt (E. 5.1), hatte die Klägerin anamnestisch
erstmals im Jahr 2003 infolge der Erkrankung ihrer Tochter an einer depressiven
Episode bzw. einer Anpassungsstörung gelitten, hatte sich aber nicht in psychiatrische
Behandlung begeben und war darauf wieder arbeitstätig (act. G7.13, G7.15). Im
September 2008, während die Klägerin bei der Beklagten vorsorgeversichert war,
wurde bei ihr ein invasiv duktales Mammakarzinom rechts festgestellt. Nach diversen
somatischen Behandlungen von November 2008 bis September 2009 erfolgte eine
adjuvante endokrine Therapie mit Tamoxifen (bis September 2014; IV-act. 80-14 f.).
Trotz kaum aktenkundiger echtzeitlicher Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit für
2008/2009 ist gesamthaft betrachtet davon auszugehen, dass die Klägerin aufgrund
der Therapien spätestens ab November 2008 (als eine Sentinel Lymphodektomie
rechts durchgeführt worden war) aus somatischer Sicht für ihre angestammte Tätigkeit
zu mindestens 20% (Erheblichkeitsgrenze; vgl. Bundesamt für Sozialversicherung,
Mitteilungen über die berufliche Vorsorge, Nr. 44, Rz 258 mit Hinweis auf das Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 7. Oktober 1998, B 48/97)
arbeitsunfähig war (vgl. dazu ausführlich den Entscheid des Versicherungsgerichts BV
2017/4, E. 5.1). Ab Dezember 2008, mithin nur wenige Monate nach der Diagnose des
Mammakarzinoms und während der Versicherung bei der Beklagten, wurde die
Klägerin von Dr. med. M._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
psychotherapeutisch betreut. Im April 2009 wechselte sie aus sprachlichen Gründen zu
Dr. G._ (act. G7.15, S. 3). Dr. G._ führte von Anfang an eine antidepressive
Medikation ein (IV-act. 64-2). Gemäss Dr. G._ hatten die behandelnden Onkologen
immer über die depressive Antriebs- und Stimmungslage berichtet und der Klägerin
nahegelegt, sich mit dem Sozialdienst des KSSG in Verbindung zu setzen (IV-act.
64-2). Sowohl Dr. K._ als auch Dr. G._ und Dr. E._ brachten die psychische
Erkrankung sodann in einen Zusammenhang mit der Diagnose und der Behandlung
des Mammakarzinoms, im Sinne einer damals aufgetretenen Exazerbation der
psychischen Beschwerden (IV-act. 64, act. G7.15, G7.18, vgl. auch den Bericht des
Brustzentrums des KSSG vom 11. Oktober 2018; act. G14.1.4). Zudem ergibt sich
auch aus dem von Dr. G._ erstellten Auszug aus der Krankengeschichte, dass die
Krebserkrankung nebst den Sorgen um die behinderte Tochter als Ursache für die
psychischen Beschwerden im Vordergrund stand (act. G7.17). Entgegen den
Ausführungen der Beklagten (act. G7) ist damit davon auszugehen, dass das
psychische Leiden sich schon während des Vorsorgeverhältnisses mit der Beklagten
manifestierte und das Krankheitsgeschehen erkennbar mitprägte, auch wenn in einer
ersten Phase lediglich eine somatisch bedingte Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde.
Obwohl bis zum März 2009 keine echtzeitlichen Berichte über eine psychiatrische
Beeinträchtigung aktenkundig sind, ergibt sich aus den genannten medizinischen
4.2.
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5.
Umstritten ist weiter der sachliche Zusammenhang.
Akten, dass die Klägerin seit Dezember 2008 in psychiatrischer (und seit September
2008 in somatischer) Behandlung war und ihre psychische Beeinträchtigung ein
wesentlicher Anteil am gesamten Gesundheitsschaden hatte. Mit Schreiben vom 6.
September 2010 hielt Dr. G._ zudem fest, die Klägerin sei seit Dezember 2008
arbeitsunfähig. Aus rein psychiatrischer Sicht erachte sie sie als zu 50% arbeitsunfähig
(act. G27.2 in BV 2017/4). Die Tatsache, dass die Klägerin erst ab 3. August 2009
Krankentaggelder erhielt (vgl. act. G7.19), spricht zudem nicht gegen eine zuvor bereits
bestehende (Teil-)Arbeitsunfähigkeit (vgl. die diesbezügliche Argumentation der
Beklagten; act. G7, Ziff. 21.3).
Dr. K._ führte in ihrem Gutachten vom 13. Oktober 2015 aus, es sei mit hoher
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass 2009 eine Anpassungsstörung mit längerer
depressiver Reaktion im Rahmen einer psychosozialen Belastungssituation (ICD-10:
F43.21) aufgetreten sei, welche nicht habe kompensiert werden können. Unter der
Berücksichtigung der Angaben der Klägerin, dass sie bereits seit dem Jahr 2003 unter
hoher psychischer Belastung gelitten habe, wäre eine Anpassungsstörung auch einige
Jahre früher einzuordnen. Im Zusammenhang mit der Krebserkrankung und deren
innerpsychischer Fehlverarbeitung schienen die psychosozialen
Kompensationsstrategien nicht mehr ausreichend gewesen zu sein, so dass eine
allmähliche Symptomverstärkung und -ausweitung eingesetzt habe, welche
schliesslich zu der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode habe führen
müssen. Dies, da die feststellbare Symptomatik im Ausprägungsgrad und im zeitlichen
Verlauf schliesslich über eine Anpassungsstörung hinausgegangen sei und eine andere
nosologische Kategorie mit eigenständiger Krankheitswertigkeit (depressive Störung)
erfüllt habe. Erst seit Anfang 2011 sei die Symptomatik so ausgeprägt und entspreche
einer depressiven Störung gemäss ICD-10: F33.11 (act. G7.18, S. 11 f.).
5.1.
Bei Anpassungsstörungen handelt es sich um Zustände von subjektiver
Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigung, die im Allgemeinen soziale Funktionen
und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer
entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen
auftreten. Die Anzeichen sind unterschiedlich und umfassen depressive Stimmung,
Angst, Sorge oder eine Mischung von diesen. Hervorstechendes Merkmal kann eine
kurze oder längere depressive Reaktion oder eine Störung anderer Gefühle und des
Sozialverhaltens sein. Beim vorherrschenden Erscheinungsbild "längere depressive
5.2.
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6.
Weiter zu prüfen ist der zeitliche Zusammenhang.
Reaktion" (ICD-10: F43.21) liegt ein leichter depressiver Zustand als Reaktion auf eine
länger anhaltende Belastungssituation vor, der zwei Jahre aber nicht überschreitet
(Horst Dilling/Harald J. Freyberger [Hrsg.], Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation
psychischer Störungen, 5. Aufl. 2010, S. 175 ff.). Vor diesem Hintergrund ist
nachvollziehbar, dass bei der Klägerin vorerst (seit Ende 2008 bzw. Anfang 2009) eine
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion vorlag. Dies unter dem Aspekt
der erkrankten Tochter und der eigenen Krebserkrankung der Klägerin. Nach einer
allmählichen Verschlechterung des psychischen Zustandsbilds ging die
Anpassungsstörung im Jahr 2010 in rezidivierende depressive Störungen über. Dr.
E._ hielt in seinem Gutachten vom 15. Juni 2010 eine leichte bis mittelgradige
depressive Episode mit somatischen Symptomen fest (act. G7.15). Am 21. Februar
2011 berichtete Dr. G._ sodann erstmals über eine rezidivierende depressive Störung
(act. G1.4 in BV 2017/4). In ihrem Gutachten vom 13. Oktober 2015 hielt Dr. K._ als
Diagnosen rezidivierende depressive Episoden, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11), fest (act. G7.18). Gestützt darauf sprach die
IV-Stelle der Klägerin am 12. Juli 2016 mit Wirkung ab 1. Juli 2012 eine halbe
Invalidenrente zu (vgl. act. G7.3 f., G7.18). Der sachliche Zusammenhang ist damit zu
bejahen.
Wie bereits im Entscheid vom 27. Februar 2018 (BV 2017/4, E. 6.1) ausgeführt,
lässt sich aufgrund der vorliegenden Akten nicht abschliessend beurteilen, wie lange
die Klägerin aus somatischen Gründen arbeitsunfähig war. Die gegenüber Dr. K._
angegebene einjährige Arbeitsunfähigkeit bis September 2009 (act. G7.18, S. 5) ist
jedoch anhand der vorhandenen Akten und mit Blick auf die von 3. August bis 28.
September 2009 ausbezahlten Taggelder nachvollziehbar (IV-act. 84, act. G7.19; vgl.
dazu ausführlich den genannten Entscheid). Von Januar 2009 bis April 2010 bezog die
Klägerin eine Arbeitslosenentschädigung (vgl. act. G7.13). Der Anspruch auf
Arbeitslosentaggelder setzt zwar eine Vermittlungs- und damit eine Arbeitsfähigkeit
voraus. Dennoch hat ein solcher Bezug nicht die gleiche Bedeutung wie eine
tatsächliche Arbeitstätigkeit. Die Klägerin war während des Bezugs von
Arbeitslosentaggeldern auch nicht im Zwischenverdienst tätig oder besuchte
Eingliederungsprogramme. Zudem war sie weiterhin bei Dr. G._ in Behandlung (act.
G7.17). Es kann damit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer
Arbeitsfähigkeit von mehr als 80% ausgegangen werden. Jedenfalls bis Ende
6.1.
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September 2009 war sie trotz Bezug von Arbeitslosentaggeldern nachweislich
mindestens teilweise arbeitsunfähig und bezog im August und September 2009
Krankentaggelder (act. G7.19). Auf eine trotz fehlender echtzeitlicher ärztlicher Atteste
weiterhin andauernde (teilweise) Arbeitsunfähigkeit von Oktober 2009 bis April 2010
deutet auch die Aussage von Dr. G._ gegenüber Dr. K._ hin, wonach die Phasen
der Remission der depressiven Erkrankung jeweils nur kurzdauernd gewesen seien
(vgl. act. G7.18, S. 11). Am 6. September 2010 führte Dr. G._ gar aus, die Klägerin sei
seit Dezember 2008 arbeitsunfähig (vgl. Sachverhalt A.c des Entscheids des
Versicherungsgerichts vom 27. Februar 2018, BV 2017/4). Die Klägerin selbst gab bei
ihrer IV-Anmeldung vom 11. Januar 2012 an, seit September 2008 bis auf weiteres
arbeitsunfähig zu sein (IV-act. 11). Dr. E._ attestierte der Klägerin zwar erst ab 22.
April 2010 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, hatte aber nicht Kenntnis aller Vorakten
und hielt selbst fest, er könne den Zustand der Klägerin und ihre Arbeitsfähigkeit in der
Vergangenheit nicht objektiv beurteilen (act. G7.15, S. 5).
Im Zeitraum vom 22. April 2010 bis 31. August 2010 war die Klägerin sodann
unbestritten sowie aktenmässig ausgewiesen zu 100% arbeitsunfähig und erhielt
Krankentaggelder der Swica (vgl. Sachverhalt A.a des Entscheids des
Versicherungsgerichts vom 27. Februar 2018, BV 2017/4, act. G14.1.2). Dr. E._
beurteilte in seinem Gutachten vom 15. Juni 2010, unter den von ihm empfohlenen
therapeutischen Massnahmen sei mit der Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit
in einer adaptierten Tätigkeit ab 1. September 2010 zu rechnen (act. G7.15, S. 5). Da
die Klägerin in der Folge trotz Zuweisung durch Dr. G._ keine stationäre Therapie
durchführte (act. G1.4 in BV 2017/4), kann nicht davon ausgegangen werden, die durch
Dr. E._ prognostizierte 100%ige Arbeitsfähigkeit per 1. September 2010 sei
eingetreten. Dr. G._ attestierte der Klägerin bis zum 14. Oktober 2010 weiterhin eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% (G27.2 in BV 2017/4, act. G14.1.2, vgl. E. 6.1 im
Entscheid BV 2017/4). Dr. K._ ging zwar erst ab Januar 2011 von einer gesicherten
Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht aus, merkte aber an, das damals
ausgeübte 100% Pensum bei der I._ wäre der Klägerin rein theoretisch nicht mehr
zumutbar gewesen (act. G7.18, S. 17). Zudem hatte sie sich entsprechend dem Auftrag
der IV-Stelle auf die Beurteilung des Zeitraumes nach der IV-Anmeldung konzentriert
und hatte keine umfassende Aktenkenntnis (insbesondere betreffend Arbeitsunfähigkeit
im Jahr 2010; vgl. act. G7.18, S. 2 f.). Dies ist insbesondere deshalb relevant, weil Dr.
K._ sich aufgrund nur spärlicher und ungenauer Information der Klägerin stark auf die
Aktenlage hat stützen müssen (vgl. IV-act. 95).
6.2.
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7.
Bei den drei je nur ein- bis zweimonatigen erwerblichen Tätigkeiten der Klägerin
zwischen Mai und Dezember 2010 ist sodann von Arbeitsversuchen auszugehen (vgl.
act. G7.13). Dasselbe gilt für die Tätigkeit bei der I._ vom 15. November 2010 bis 3.
Februar 2011, wobei der letzte Arbeitstag bereits am 21. Januar 2011 war (act. G1.3,
G1.5, G5 in BV 2017/4). Die Klägerin war befristet angestellt worden (act. G1.3 in BV
2017/4). Nachdem sie mangels Erbringens der geforderten Leistungen in eine andere
Abteilung versetzt worden war und auch dort die gestellten Anforderungen nicht hatte
erfüllen können, wurde ihr noch innerhalb der Probezeit gekündigt (act. G1.5 in BV
2017/4). Dr. G._ berichtete am 14. März 2011, die Klägerin habe sich nach der
depressiven Episode vom April bis September 2010 kaum erholt gehabt und eine über
das Zumutbare anstrengende Arbeit angenommen, was erneut zur psychischen und
physischen Erschöpfung geführt habe. Die Kündigung der Arbeitsstelle habe sie
gekränkt und noch mehr deprimiert (act. G1.4). Am 27. März 2014 hielt Dr. G._ fest,
die Klägerin habe nach der depressiven Episode im Jahr 2010 eine äusserst
anstrengende Stelle bei der I._ angenommen. Sie habe die von ihr empfohlene
psychosomatische Rehabilitation nicht annehmen wollen und habe sich, nachdem ihr
Dr. E._ eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert habe, erneut in die Arbeit gestürzt.
Leider habe sie diese schwere körperliche Arbeit trotz Einnahme von Antidepressiva
und ressourcenorientierten Gesprächen wegen einer erneuten depressiven Episode
nicht ausüben können. Die Kündigung der I._ habe sie wieder in eine tiefe
Depression geworfen (IV-act. 64). Auch Dr. K._ bezeichnete die Tätigkeit bei der I._
als Arbeitsversuch (act. G7.18, S. 3). Diese war somit nicht geeignet, den zeitlichen
Konnex zwischen der im September 2008 eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und der
späteren Invalidität zu unterbrechen. Ab 17. Januar 2011 war die Klägerin sodann
unbestritten durchgehend (teil)arbeitsunfähig (act. G1.4 in BV 2017/4, G7.18, IV-act. 64,
71, 77) und erhielt ab 1. Juli 2012 eine halbe Rente der Invalidenversicherung (act.
G7.3).
6.3.
Der zeitliche und sachliche Zusammenhang wurden damit zwischen der während
des Versicherungsverhältnisses mit der Beklagten eingetretenen Arbeitsunfähigkeit und
dem Eintritt der Invalidität nicht unterbrochen. Die Leistungspflicht der Beklagten ist zu
bejahen. Weitere medizinische Abklärungen erübrigen sich.
6.4.
Gemäss Art. 4.1.1 f. des Reglements der Beklagten entspricht der Grad der
Invalidität dem von der IV festgestellten Invaliditätsgrad (act. G7.21). Die Berechnung
des Invaliditätsgrads durch die IV-Stelle wurde von den Parteien nicht in Frage gestellt
und ist nach Lage der Akten nicht zu beanstanden. Der Anspruch entsteht laut Art.
7.1.
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8.
Praxisgemäss sind die kantonalen Berufsvorsorgegerichte nicht gehalten, die
Rentenberechnung detailliert vorzunehmen, sondern es reicht aus, wenn sie nur dem
Grundsatz nach über den Leistungsanspruch entscheiden und die Sache zur Ermittlung
4.1.2 lit. c Satz 1 des genannten Reglements mit dem Rentenbeginn der IV, frühestens
jedoch nach Beendigung der Lohnfortzahlung oder Erschöpfung allfälliger
Taggeldansprüche aus der Lohnausfallversicherung. Die Rechtsprechung hat
festgehalten, dass die Wartezeit von sechs Monaten des Art. 29 Abs. 1 IVG auch in der
(obligatorischen) beruflichen Vorsorge zu beachten sei und der Anspruch nicht bereits
mit einem allfälligen früheren Ablauf der Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG beginne
(BGE 140 V 470 E. 3.2 f.; vgl. auch die vom Bundesamt für Sozialversicherungen
herausgegebenen Mitteilungen über die Berufliche Vorsorge Nr. 107 vom 12. August
2008). Die IV-Stelle sprach der Klägerin nach Ablauf der Wartezeit von sechs Monaten
ab 1. Juli 2012 bei einem Invaliditätsgrad von 50% eine halbe Invalidenrente zu (act.
G7.3). Folglich hat die Klägerin gegenüber der Beklagten grundsätzlich ab 1. Juli 2012
einen Anspruch auf eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 50%.
Aus den Akten ergibt sich jedoch nicht eindeutig, ob die Klägerin in diesem Zeitpunkt
noch Krankentaggelder erhielt und deshalb keinen Anspruch auf eine Rente hatte
(gemäss Antrag der Klägerin Krankentaggeldzahlungen bis Januar 2013; vgl. act. G1).
Die Beklagte wird dies prüfen und den Rentenbeginn (Ende des Taggeldanspruchs
oder 1. Juli 2012) festlegen müssen.
Gemäss Art. 5.1.2 lit. b des Reglements der Beklagten tritt für einen teilweise
invaliden Versicherten eine teilweise Beitragsbefreiung ein. Der Grad der
Beitragsbefreiung entspricht dabei der Invalidenrentenberechtigung (in Bruchteilen der
Vollrente). Bezüger von Invalidenrenten haben ab Beendigung der Beitragspflicht
Anspruch auf eine beitragsfreie Weiterführung der Risiko- und Altersvorsorge im
bisherigen Umfang. Bei Teilinvalidität wird der Versicherte dem Beschäftigungsgrad
entsprechend als Aktiver und dem Invaliditätsgrad entsprechend als Invalider
betrachtet (Art. 4.1.2 lit. d und e des genannten Reglements; act. G7.21). Entsprechend
dem Invaliditätsgrad von 50% hat die Klägerin Anspruch auf Beitragsbefreiung. Den
Beginn und die Höhe wird die Beklagte noch zu ermitteln haben.
7.2.
Der Verzugszinssatz beträgt 5% (Art. 104 Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend
die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [OR; SR 220]) und die
Leistungspflicht besteht gestützt auf Art. 105 Abs. 1 OR ab dem Datum der
Klageerhebung vom 20. April 2018 (act. G1).
7.3.
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des Rentenbetrags an die zuständige Vorsorgeeinrichtung überweisen. Dies hat das
Bundesgericht insbesondere mit Hinweis auf die Gebote der Einfachheit und Raschheit
des Verfahrens nach Art. 73 Abs. 2 BVG begründet, wobei es auch die Nähe zum
Sozialversicherungsprozess betont hat (BGE 129 V 450 E. 3.4). Die Sache ist damit zur
Festsetzung der Rentenbeträge, des Rentenbeginns und des Beginns und der Höhe
der Prämienbefreiung an die Beklagte zu überweisen.
9.
10.
Da die Gerichtsschreiberin verhindert ist, wird der Entscheid für diese stellvertretend
von einem mitwirkenden Richter unterzeichnet (Art. 39 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).