Decision ID: 38b60118-30b9-406d-adb1-920fc845c714
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin Karin Herzog, M.A. HSG in Law, GN Rechtsanwälte,
St. Leonhard-Strasse 20, Postfach, 9001 St. Gallen
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente (Beginn)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 22. Oktober 2009 bei der IV-Stelle St. Gallen zum Bezug
von IV-Leistungen bzw. Massnahmen für die berufliche Eingliederung an (IV-act. 1).
Nachdem sich die Versicherte zwischen 1990 und 2008 diversen Operationen zu
unterziehen hatte, häuften sich ihre Rückenbeschwerden, so dass sie ab April 2009
wiederholt der Arbeit fern bleiben musste. Den Auszügen der Taggeldversicherung
lässt sich entnehmen, dass die Versicherte bereits am 29. April 2009 zu 100%
arbeitsunfähig geschrieben wurde (IV-act. 3-2). Es folgten Unterbrechungen durch
einige Tage, an denen sie offenbar erneut arbeitete. Nach Angaben ihres damaligen
Arbeitgebers, hat die Versicherte am 8. Juni 2009 letztmals gearbeitet, danach war sie
nicht mehr arbeitsfähig (IV-act. 15-2).
A.b Am 8. September 2009 besuchte die Versicherte die viszeralchirurgische Sprech
stunde des Kantonsspitals St. Gallen. Die dortigen Ärzte hielten fest, im Juni 2009 sei
eine Narbenrevision der Pfannenstielnarbe mit Resektion, eine Neurektomie und eine
Leistenhernienoperation (beidseitig) durchgeführt worden. Weiter stellten sie folgende
Diagnose:
"- Unklare Leistenschmerzen rechts
- St. n. Hysterektomie 1990
- St. n. Blasenoperation 2007
- St. n. Adhäsiolyse 2008"
Sie rieten der Versicherten, eine Untersuchung der Lendenwirbelsäule (LWS) in der
Orthopädie vornehmen zu lassen (IV-act. 16-5). Die Ärzte der orthopädischen Abteilung
stellten, zusätzlich zur bereits gestellten Diagnose, Lumboischialgien unklarer Ätiologie
fest. Da sich deutliche Abnützungserscheinungen in den Segmenten L4/5 und L5/S1
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zeigten, empfahlen sie zur weiteren Abklärung des Schmerzursprungs, Infiltrationen der
Facettengelenke L4/5 und L5/S1 (IV-act. 16-3).
A.c Am 1. Dezember 2009 nahm der Regionale Ärztliche Dienst Ostschweiz (RAD)
Kontakt zum Hausarzt der Versicherten, Dr. med. B._, Facharzt für Innere Medizin
FMH, auf. Dieser bestätigte, dass die Versicherte seit April 2009 100%ig arbeitsunfähig
sei und aktuell keine Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme bestehe. Die Versicherte leide an
einem Schmerzsyndrom, das in Chronifizierung begriffen sei. Weiter bestehe ein Status
nach komplexer gynäkologischer operativer Vorgeschichte mit Verwachsungsbauch
und bei der LWS sei allenfalls ein neurochirurgischer Eingriff indiziert. Bei instabilem
Verlauf sei die Prognose noch offen (IV-act. 14).
A.d In seinem Verlaufsbericht vom 31. März 2010 hielt ihr Hausarzt fest, die
Versicherte befände sich aktuell zu einer Fusionsoperation im LWS-Bereich im Spital
(IV-act. 21). Dr. med. C._ hielt in seinem Bericht vom 18. August 2010 zum Aufenthalt
der Versicherten in der Klinik vom 24. März bis 6. April 2010 fest, nach der Operation
hätte in der klinisch/radiologischen 6-Wochen-Kontrolle eine korrekte Stellung der
Implantate dokumentiert werden können. Die Versicherte habe über Lumbalgien und
Hypästhesie im gesamten Unterschenkelbereich links berichtet. Da bereits
postoperativ eine Computertomographie durchgeführt worden sei, die keine
Restkompression gezeigt habe, sei die durch die Versicherte beschriebene
neurologische Situation klinisch nicht eindeutig zuordenbar. Der Versicherten sei eine
neurologische Untersuchung empfohlen worden und zusätzlich hätten sie aufgrund der
Gefahr einer Schmerzchronifizierung die Kollegen der Schmerzsprechstunde
beigezogen. Weiter sei der Verdacht einer tiefen Venenthrombose aufgekommen,
welcher sich in der Folge bestätigt habe. Diese Thrombose sei mit einer
Antikoagulationstherapie behandelt worden. Er könne keine klare Prognose abgeben.
Seiner Ansicht nach sollte es aber sechs Monate postoperativ möglich sein, für 50%,
d.h. zwei Stunden morgens und zwei Stunden nachmittags, einen Arbeitsversuch zu
beginnen. Er attestierte der Versicherten ab dem 24. März 2010 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 25).
A.e Am 14. Oktober 2010 wurde die Versicherte im Auftrag der Krankentaggeldver
sicherung durch Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
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psychiatrisch begutachtet. Er diagnostizierte bei der Versicherten eine mittelgradig
depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) im Rahmen einer
depressiven Entwicklung sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41). Aus psychiatrischer Sicht sei im Unter
suchungszeitpunkt von einer 20%igen Arbeitsfähigkeit in einer den Fähigkeiten und
körperlichen Möglichkeiten der Versicherten entsprechenden Arbeitstätigkeit auszu
gehen (IV-act. 36).
A.f Daraufhin entschied der RAD am 25. Januar 2011, im Rahmen ihrer Schaden
minderungspflicht sei der Versicherten eine psychiatrische Therapie zumutbar (IV-
act. 40, 41). Die Versicherte teilte am 2. März 2011 mit, sie befände sich aktuell zu einer
stationären Behandlung in der Kantonalen Psychiatrischen Klinik E._ (IV-act. 42).
Nachdem die Versicherte vom 14. Februar bis am 2. Juni 2011 in der Psychiatrischen
Klinik hospitalisiert gewesen war, besuchte sie in der Folge jeweils montags und
dienstags die Tagesklinik (IV-act. 51). Anschliessend war die Versicherte vom 11. Juli
bis zum 29. Juli 2011 in teilstationärer Behandlung in der Psychiatrischen Tagesklinik
F._. Danach wurde sie in die Ambulanz des psychiatrischen Zentrums überwiesen
(IV-act. 54).
A.g Am 12. August 2011 empfahl der RAD eine polydisziplinäre Begutachtung der
Versicherten (IV-act. 55). Die rheumatologische und psychiatrische Untersuchung fand
am 19. Dezember 2011 statt. Die Gutachter kamen zum Schluss, bei der Versicherten
habe aus rheumatologischer Sicht ab März 2010 bis September 2010 eine volle
Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Ab Oktober 2010 bis Januar 2011 dürfte mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit
vorgelegen haben. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 100% Arbeitsunfähigkeit
begründet durch folgende Diagnosen:
"1. Histrionische Persönlichkeitsstörung bei begrenzten intellektuellen Ressourcen
(ICD-10: F60.4)
2. Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0)
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3. Posttraumatische Belastungsstörung, nach jahrelanger Kompensation jetzt
depressiv
dekompensiert (ICD-10: F43.1)
4. Mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10: F33.2)"
Es sei davon auszugehen, dass der ungünstige Befund bereits bei Eintritt der Ver
sicherten in die Klinik E._ am 14. Februar 2011 vorgelegen habe, so dass dieses
Datum als massgeblicher Zeitpunkt für den Beginn der 100%igen Arbeitsunfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht anzusehen sei (IV-act. 67-15).
A.h Mit Vorbescheid vom 21. März 2012 gab die IV-Stelle bekannt, die Versicherte
habe ab dem 1. März 2011 Anspruch auf eine ganze Rente (IV-act. 72). Dagegen erhob
die Beiständin der Versicherten am 2. Mai 2011 Einwand und verlangte, den
Rentenbeginn auf Juni 2010 festzulegen (IV-act. 75). Die IV-Stelle hielt in der Folge an
ihrem Entscheid fest und erliess am 29. Oktober 2012 die definitive Rentenverfügung
(IV-act. 81).
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte durch ihre Beiständin am
19. November 2012 Beschwerde erheben, mit dem Antrag auf Festlegung des
Rentenbeginns per 1. Juni 2010. Zur Begründung führte sie an, sie sei im April 2009
aus psychischen Gründen aus der Arbeit ausgestiegen, bis Juni 2009 hätten sich ihre
körperlichen Beschwerden massiv verschlimmert, woraufhin sie im Juli 2009 zu einer
Operation angemeldet worden sei. Es sei ihr daher ab Juni 2009 angesichts ihrer
körperlichen Beschwerden nicht mehr möglich gewesen, eine Arbeit aufzunehmen
(act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 5. Februar 2013 hielt die Beschwerdegegnerin an
ihrem Entscheid fest und beantragte, die Beschwerde abzuweisen. Gemäss Gutachten
sei die Versicherte aus somatischer Sicht ab Datum der Rückenoperation vom 24. März
2010 100%ig arbeitsunfähig gewesen. Massgebend für den Beginn der langdauernden
Arbeitsunfähigkeit sei somit der März 2010 (act. G 6).
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B.c Die in der Zwischenzeit anwaltlich vertretene Versicherte, liess am 9. April 2013
eine Replik einreichen. Ihr Rechtsvertreter, Rechtsanwalt lic. iur. R. Hochreutener,
führte zur Begründung an, es sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin ab Juni 2009 auszugehen. Dies habe auch die
Taggeldversicherung anerkannt und dementsprechend Leistungen erbracht. Es sei
durch die Arbeitsunfähigkeitsatteste ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin seit
dem 9. Juni 2009 durchgehend zu 100% arbeitsunfähig gewesen sei. In der Verfügung
der Beschwerdegegnerin fehle eine Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass ihr
Hausarzt der Beschwerdeführerin ab April 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert habe. Indem die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung nicht auf die am
2. Mai 2011 vorgebrachte Einwände eingegangen sei, habe sie den Gehörsanspruch
der Beschwerdeführerin in schwerwiegender Weise verletzt. Gleichzeitig ersucht der
Rechtsvertreter um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung (act. G 12).
B.d Mit Duplik vom 15. April 2013 liess die Beschwerdegegnerin verlauten, sie halte an
ihrem Antrag fest und fügt hinzu, sie habe der Beschwerdeführerin die Gründe für ihr
Festhalten am Entscheid bereits mit Stellungnahme vom 24. Mai 2012 mitgeteilt
(act. G 14).
B.e Nachdem der Beschwerdeführerin am 24. April 2013 die unentgeltliche Rechts
pflege und Rechtsverbeiständung gewährt wurde, konnte der Schriftenwechsel abge
schlossen werden (act. G 15, 16).
B.f Mit Datum vom 18. Dezember 2013 wurde dem Gericht mitgeteilt, die Versicherte
werde neu durch Rechtsanwältin K. Herzog, M.A. HSG in Law, vertreten (zufolge
kanzleiinternen Wechsels, act. G 17).

Erwägungen:
1.
Angefochten ist die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 29. Oktober 2012, mit
welcher der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine ganze Rente ab 1. März 2011
festgelegt wurde. Während sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt stellt,
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eine massgebliche dauernde Arbeitsunfähigkeit sei erst ab März 2010 gegeben, macht
die Beschwerdeführerin geltend, sie sei bereits seit April, spätestens ab Juni 2009,
arbeitsunfähig. Strittig und nachfolgend zu prüfen ist daher der Beginn des
Rentenanspruchs.
2.
2.1 Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Anspruch auf eine Invalidenrente frühes
tens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches.
Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausgerichtet, in dem der Anspruch entsteht
(Art. 29 Abs. 3 IVG).
2.2 Nachdem sich die Versicherte am 22. Oktober 2009 zum Leistungsbezug an
meldete, kann ihr Rentenanspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG nach einer Wartefrist von
sechs Monaten, frühestens am 1. April 2010 entstanden sein.
3.
3.1 Gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG,
SR 831.20) haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, Anspruch auf eine Rente (lit. a),
wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% auf eine
Dreiviertelsrente und ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% auf eine ganze
Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
3.2 Vorliegend ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine ganze Rente ab
März 2011 unbestritten. Bestritten ist demgegenüber, ob der Beginn des Wartejahres
und damit der Rentenanspruch allenfalls bereits auf einen früheren Zeitpunkt festzu
setzen ist. Zu prüfen ist mithin, ab welchem Zeitpunkt die dauernde Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin als erstellt gelten kann.
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3.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Aufgabe des Gerichtes ist es zu würdigen, ob die ärztlichen Aussagen und
Einschätzungen eine zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs erlauben.
Vorliegend ist zu klären, ob der Sachverhalt aufgrund der verfügbaren medizinischen
Grundlagen rechtsgenüglich erstellt ist. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist
hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, in Kenntnis der
Vorakten abgegeben worden ist, ob die Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und die medizinische Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352, E. 3a). Der Richter
sollte nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Experten
abweichen, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zu
Verfügung zu stellen (BGE 125 V 352, E. 3b/aa).
3.4 Die einjährige Wartezeit gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG gilt als eröffnet, sobald
eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% vorliegt (AHI 1998, S. 124, E.3c; Meyer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl. 2010, S. 279). Dabei sind auch
vor der Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit zu beachten. Ein
wesentlicher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit liegt gemäss Art. 29 IVV vor, wenn
die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig
war.
3.5 Die Beschwerdegegnerin setzte den Beginn des Wartejahres auf März 2010
fest und stützte sich dabei auf das polydisziplinäre Gutachten des Ärztlichen Begut
achtungsinstitutes Basel (ABI) vom 1. Februar 2012 (IV-act. 67).
3.5.1 Die Gutachter fixierten den Beginn der körperlichen Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin, unter Bezugnahme auf das Datum der Rückenoperation, auf
März 2010. Aus rheumatologischer Sicht könne in Bezug auf das Wirbelsäulenleiden
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von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab Datum der Operation (25. März 2010) bis
Ende September 2010 ausgegangen werden. Ab Oktober 2010 dürfte, ihrer Ansicht
nach, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Arbeitsfähigkeit von min
destens 50% vorgelegen haben. Auch hätte nach ihrer Einschätzung, theoretisch eine
Steigerung auf ein 100%iges Arbeitspensum im Rahmen einer adaptierten beruflichen
Tätigkeit ab Januar 2011 möglich sein sollen (IV-act. 67-21).
3.5.2 Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 100% Arbeitsunfähigkeit, begründet
durch folgende Diagnosen:
"1. Histrionische Persönlichkeitsstörung bei begrenzten intellektuellen Ressourcen
(ICD-10: F60.4)
2. Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0)
3. Posttraumatische Belastungsstörung, nach jahrelanger Kompensation jetzt
depressiv dekompensiert (ICD-10: F43.1)
4. Mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10: F33.2)"
Es sei davon auszugehen, dass bei Eintritt in die Klinik E._ am 14. Februar 2011
bereits von diesem ungünstigen psychopathologischen Befund auszugehen sei (IV-
act. 67-14f.).
3.5.3 Die ABI-Gutachter hielten weiter fest, ihre Einschätzung stimme mit der
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin – sie sei aktuell nicht einsatz- und
arbeitsfähig – überein. Obwohl differentialdiagnostisch anders betrachtet, bestehe auch
keine wesentliche Diskrepanz zur Einschätzung im Gutachten von Dr. D._ vom
26. Oktober 2010 (IV-act. 67-15).
3.6 Das ABI-Gutachten ist hinsichtlich der medizinischen Beurteilung zum Zeitraum
der Untersuchung nachvollziehbar und schlüssig und es bestehen grundsätzlich keine
Zweifel an seinem Beweiswert. Auch der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
erhebt keinerlei Einwände dagegen. Auf das Gutachten ist daher abzustellen.
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3.7 Was den Beginn der Arbeitsunfähigkeit betrifft, haben sich die ABI-Gutachter nicht
genau festgelegt. Sie äussern sich insbesondere nicht zur Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin vor März 2010, sondern halten schlicht fest, ab Datum der
Operation (25. März 2010) sei in Bezug auf das Wirbelsäulenleiden von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Bereits im Dezember 2009 hatte allerdings der
Hausarzt der Versicherten dem RAD-Arzt mitgeteilt, dass die Beschwerdeführerin seit
April 2009 100%ig arbeitsunfähig sei (IV-act. 14 und 16). Diese Arbeitsunfähigkeit
bescheinigte er auch zu Handen der Taggeldversicherung (IV-act. 3-2). Damit liegen
über die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin ab April 2009 echtzeitliche
Bescheinigungen vor, was nicht einfach unberücksichtigt bleiben darf. Es bestehen
keinerlei Hinweise darauf, dass diese Bescheinigungen vorliegend nicht massgebend
sein sollten und nicht darauf abgestützt werden dürfte. Überdies war die
Beschwerdeführerin ab Juni 2009 wiederholt – wenn auch kurzfristig – hospitalisiert. So
wurde im Juli 2009 eine Narbenrevision der Pfannenstielnarbe mit Resektomie,
Neurektomie und Leistenhernienoperation durchgeführt (IV-act. 16-5). Für die
Wirbelsäule folgten Facetteninfiltrationen (IV-act. 16-4 und 21) und am 24. März 2010
schliesslich eine Fusionsoperation (Spondylodese) im LWS-Bereich (IV-act. 25).
3.8 Es zeigte sich schrittweise eine zunehmende Verschlechterung des Gesundheits
zustandes der Beschwerdeführerin, weshalb rückblickend eine bereits im April 2009
beginnende Arbeitsunfähigkeit von mehr als 20% überwiegend wahrscheinlich ist. Auf
die echtzeitlichen Arbeitsunfähigkeitsatteste zu Handen der Taggeldversicherung ist
dementsprechend abzustellen. Nach den ersten Krankentagen war die
Beschwerdeführerin im Mai und Juni erneut an mehreren Tagen arbeitstätig. Aus den
Attesten zu Handen der Taggeldversicherung ergibt sich aber, dass die
Beschwerdeführerin insgesamt nicht mehr an 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll
arbeitsfähig war. Der Beginn des Wartejahres ist folglich auf April 2009 festzulegen,
womit die Versicherte ab 1. April 2010 Anspruch auf eine Rente hat.
4.
4.1 Nachdem der Rentenbeginn auf April 2010 festgelegt wird, bleibt die Höhe der
Rente nach Ablauf des Wartejahres zu prüfen. Im Zeitpunkt des Rentenbeginns war die
Beschwerdeführerin infolge ihrer Rückenoperation 100%ig arbeitsunfähig. Bis Ende
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September 2010 ist daher durchgehend von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen. Damit begründet die Beschwerdeführerin in dieser Zeit einen Anspruch
auf eine ganze Rente.
4.2 Nach Einschätzung des behandelnden Arztes der Orthopädischen Klinik des
Kantonsspitals St. Gallen hätte die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht sechs
Monate postoperativ ihre Arbeitstätigkeit erneut in einem 50%-Pensum aufnehmen
können (IV-act. 25-3). Diese Einschätzung wurde von den ABI-Gutachtern über
nommen. Es ist daher zu prüfen, ob aus diesen Gründen ab Oktober 2010 die Leis
tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zugenommen hat und daher ihre Rente herab
zusetzen ist.
4.2.1 Dr. D._ bescheinigte der Beschwerdeführerin ab dem Untersuchungszeit
punkt (14. Oktober 2010, IV-act. 36) eine 80% Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer
Sicht. – Die ABI-Gutachter gelangten zur Einschätzung, mit Eintritt in die psychiatrische
Klinik E._ am 14. Februar 2011 sei aus psychiatrischer Sicht bei der
Beschwerdeführerin von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für jegliche berufliche
Tätigkeit in der freien Wirtschaft auszugehen (IV-act. 67-24).
4.2.2 Zusätzlich hielten die ABI-Gutachter fest, ihre Einschätzung einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit ab Februar 2011 weiche nicht massgeblich von der Einschätzung
von Dr. D._ ab. Gestützt auf das Gutachten von Dr. D._ ist davon auszugehen,
dass zur bestehenden 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus somatischen Gründen spätes
tens ab Oktober 2010 die psychische Beeinträchtigung hinzukam. Die 80%ige
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen, ab Oktober 2010, anerkannte schliesslich
auch die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort (act. G 6).
4.3 Abschliessend ist daher festzuhalten, dass nach Oktober 2010 keine länger
dauernde Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr zu verzeichnen ist. Die Be
schwerdeführerin hat daher ab April 2010 durchgehend einen Anspruch auf eine ganze
Rente.
5.
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5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- er
scheint in der vorliegend beurteilten Angelegenheit als angemessen und ist von der
unterliegenden Beschwerdegegnerin zu bezahlen.
5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungs
gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und
nach der Schwierigkeit des Prozesses festgesetzt. Die Honorarpauschale beträgt in der
Verwaltungsrechtspflege vor Versicherungsgericht Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75).
Im vorliegenden Fall erscheint eine Pauschalentschädigung von Fr. 2'500.-- (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen, welche die Beschwerdegegnerin zu
bezahlen hat.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP