Decision ID: 60764016-b843-4d79-b532-e1a06843d742
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht, vom 1. November 2016 (GG160020)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 8. September
2016 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 24).
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von
Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB
− des mehrfachen Vergehens gegen das Bundesgesetz über die Betäu-
bungsmittel im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG
− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33
Abs. 1 lit. a WG
− der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB
− der mehrfachen Übertretung des Bundesgesetz über die Betäubungs-
mittel im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG sowie
− des mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1
StGB i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 10 Monaten Freiheitsstrafe (wovon bis
und mit heute 178 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Massnahmenan-
tritt erstanden sind) und mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.–
sowie einer Busse von Fr. 500.–.
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3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe wird nicht aufgeschoben.
Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
5. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von
Art. 60 StGB angeordnet.
6. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zugunsten einer stationären Massnahme
im Sinne von Art. 60 StGB aufgeschoben.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 19. August
2016 beschlagnahmte Pistole der Marke "Glock", Modell 19, Nr. ..., Kaliber
9 mm Para (Asservat-Nr. A009'256'820) wird eingezogen und der zuständi-
gen Behörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 19. August
2016 beschlagnahmten 400 Gramm (Bruttowert) Marihuana (Asservat-
Nr. A009'256'693) und ca. 45 Gramm Haschisch (Asservat-
Nr. A009'256'706) werden eingezogen und vernichtet.
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom
1. September 2016 beschlagnahmten Gegenstände (Projektor und Air Revi-
talisor [Asservat-Nr. A009'285'885], Tupper-Ware-Box mit Deckel [Asservat-
Nr. A009'285'896] und bunte Plastiktragtasche "Qualipet" [Asservat-
Nr. A009'285'909]) werden der Beschuldigten auf erstes Verlangen hin her-
ausgegeben.
Verlangt die Beschuldigte diese Gegenstände nicht bis spätestens 30 Tagen
ab Rechtskraft dieses Urteils, werden sie eingezogen und von der Bezirks-
gerichtskasse vernichtet.
10. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 (Kanton Zürich) Scha-
denersatz in der Höhe von Fr. 4'474.– zu bezahlen.
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11. Der Privatkläger 2 (B._) wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf
den Zivilweg verwiesen.
12. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers 2 (B._) wird abgewiesen.
13. Der Privatkläger 3 (C._) wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf
den Zivilweg verwiesen.
14. Die Privatklägerin 4 (D._ AG) wird mit ihrem Schadenersatzbegehren
auf den Zivilweg verwiesen.
15. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 5 (E._ AG) Scha-
denersatz in der Höhe von Fr. 1'475.30 zu bezahlen.
16. Die amtliche Verteidigerin wird aus der Bezirksgerichtskasse mit
Fr. 23'383.80 (zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) entschädigt.
17. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'500.– die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'000.– Gebühr Vorverfahren; Fr. 11'775.30 Auslagen Gutachten Fr. 1'680.– Auslagen Polizei
Fr. 1'000.– Auslagen Gericht III. StrKr
Fr. 23'383.80 amtliche Verteidigung (zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) Fr. 263.80 Diverse Kosten (Arztbericht)
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
18. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten
auferlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
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Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung
(Urk. 101 S. 2 und Prot. S. 17 f.; sinngemäss)
1. Dispositivziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und die Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von maximal 6 Monaten, unter voller Anrechnung der durch Haft und Massnahme  Zeit, sowie mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen à Fr. 30.– zu bestrafen. Von der Ausfällung einer Busse sei . Eventualiter sei eine Busse von maximal Fr. 200.– .
2. Dispositivziffer 3 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und der Vollzug der Freiheits- und Geldstrafe aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren. Die Busse sei zu .
3. Dispositivziffer 4 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben. 4. Dispositivziffern 5 und 6 des vorinstanzlichen Urteils seien aufzu-
heben und von der Anordnung einer stationären therapeutischen Massnahme im Sinne von Art. 60 StGB sei abzusehen.  sei die Fortsetzung der bereits laufenden Psychotherapie als ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB vorzusehen.
Im Übrigen wird das vorinstanzliche Urteil nicht mehr angefochten.  unter entsprechenden Kosten- und Entschädigungsfolgen.
_

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete
Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht, vom 1. November 2016 (Prot. I
S. 24) liess die Beschuldigte mit Eingabe vom 10. November 2016 (Datum des
Poststempels) vor Vorinstanz Berufung anmelden (Urk. 84; Art. 399 Abs. 1 StPO).
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Das begründete Urteil wurde der vormaligen amtlichen Verteidigung am 14. Feb-
ruar 2017 zugestellt (Urk. 96/2). Am 22. Februar 2017 (Datum des Poststempels)
erfolgte ihre Berufungserklärung (Urk. 101; Art. 399 Abs. 3 StPO). Mit Präsidial-
verfügung vom 8. März 2017 wurde den Privatklägern und der Staatsanwaltschaft
Frist für Anschlussberufung angesetzt (Urk. 120). Mit Eingabe vom 16. März 2017
erhob die Staatsanwaltschaft eine auf die Frage der Massnahme beschränkte An-
schlussberufung (Urk. 125; Urk. 121/6). Die Privatkläger liessen sich nicht ver-
nehmen. Mit Präsidialverfügung vom 19. April 2017 wurde der Beschuldigten und
den Privatklägern eine Kopie der Anschlussberufung zugestellt (Urk. 129). Mit
Eingabe vom 14. Mai 2018 zog die Staatsanwaltschaft ihre Anschlussberufung
zurück (Urk. 178), weshalb diese als durch Rückzug erledigt abzuschreiben ist.
2. Die Berufung der Beschuldigten richtet sich gegen das vorinstanzliche Ur-
teil bezüglich der Dispositivziffern 2 bis 6 (Strafe und Massnahme) sowie
18 und 19 (Kostenauflage; Urk. 100 S. 2 und Prot. II S. 17).
3. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Dispositivziffern 1 (Schuldsprüche) 10 bis 15 (Zivilansprüche) sowie 16 und 17
(Kostenfestsetzung) unangefochten blieben, ist mittels Beschluss festzustellen,
dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist.
II. Verfahrensgang / Beweisanträge
1. Mit ihrer Berufungserklärung liess die Beschuldigte die Beweisanträge
stellen (Urk. 101 S. 3 f.), es sei ein Verlaufsbericht der Institution F._ über ih-
ren vorzeitigen Massnahmevollzug sowie ein solcher des Bewährungs- und Voll-
zugsdienstes Zürich einzuholen. Daneben sei das forensisch-psychiatrische Gut-
achten von Dr. G._ vom 26. Juli 2016 zu den Fragen der Indikation und Er-
folgsaussichten einer stationären Massnahme nach Art. 60 StGB und allfälliger Al-
ternativen dazu aufgrund der bisherigen Entwicklung zu ergänzen, nachdem sie
aufgrund ihres vehementen Widerstandes gegen die stationäre Massnahme am
17. Februar 2017 durch die sozialtherapeutische Einrichtung F._ von der
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Therapie ausgeschlossen und mit Verfügung des Bewährungs- und Vollzugs-
dienst in Sicherheitshaft versetzt wurde (Urk. 102/1–3). Zudem stellte sie den An-
trag, umgehend aus dem mit Verfügung der Vorinstanz vom 16. September 2016
bewilligten vorzeitigen Massnahmevollzug bzw. der Sicherheitshaft entlassen und
auf freien Fuss gesetzt zu werden (Urk. 101 S. 4 f.).
2. Mit Präsidialverfügung vom 24. Februar 2017 wurde das Haftentlassungs-
gesuch der Staatsanwaltschaft zur Stellungnahme zugestellt, welche auf eine
Vernehmlassung verzichtete (Urk. 105 ff.). Mit Eingabe vom 28. Februar 2017
stellten die Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kantons Zürich den Antrag,
den vorzeitigen Vollzug der Massnahme nach Art. 60 StGB infolge des fehlenden
Behandlungswillens der Beschuldigten und der daraus resultierenden Undurch-
führbarkeit aufzuheben und die mit Verfügung der Abteilung Massnahmen und
Bewährung 2 vom 17. Februar 2017 angeordnete Sicherheitshaft zu überprüfen
(Urk. 108). Mit Eingabe vom 2. März 2017 begrüsste die amtliche Verteidigung
diesen Antrag, da sich dieser dem Antrag der Beschuldigten vom 22. Februar
2017 anschliesse. Die Anordnung einer Ersatzmassnahme im Sinne einer ambu-
lanten Therapie erscheine angesichts der Weigerung und des fehlenden Behand-
lungswillens der Beschuldigten aber wenig sinnvoll, weshalb von einer solchen
abzusehen und die Beschuldigte umgehend auf freien Fuss zu setzen sei
(Urk. 112 S. 2).
3. Da die Beschuldigte die durch das angefochtene Urteil aufgeschobene
Freiheitsstrafe von 10 Monaten bereits erstanden haben würde (Urk. 1/10/1;
Urk. 11/3), wurde sie mit Präsidialverfügung vom 3. März 2017 gleichentags um
15.10 Uhr aus der Sicherheitshaft entlassen (Urk. 117). Um der gutachterlich di-
agnostizierten, insbesondere für Betäubungsmitteldelikte bestehenden Rückfall-
gefahr (Urk. 1/9/30 S. 59, 60, 76, 78) zu begegnen, wurde ihr im Sinne einer Er-
satzmassnahme nach Art. 237 Abs. 2 lit. f StPO die Auflage erteilt, sich einer ärzt-
lichen Kontrolle (Therapie der Suchtproblematik und der polymorphen psychoti-
schen Störung) zu unterziehen und zur Feststellung der Cannabisabstinenz wö-
chentlich Urinproben abzugeben, unter der Androhung erneuter Sicherheitshaft
oder von Busse nach Art. 292 StGB bei einem Verstoss gegen die Auflage, wobei
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sich das Amt für Justizvollzug dazu bereit erklärte, den Vollzug der Ersatzmass-
nahme zu kontrollieren (Urk. 113). In der Folge nahm die Beschuldigte vorüber-
gehend Wohnsitz bei ihrer Mutter in H._ (Urk. 118).
4. Mit Schreiben der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Be-
zirk Horgen vom 15. März 2017 teilte diese mit, dass für die Beschuldigte eine
Beistandschaft nach Art. 394 Abs. 1 ZGB in Verbindung mit Art. 395 Abs. 1 ZGB
bestehe und in diesem Zusammenhang gestützt auf Art. 448 ZGB um Aktenein-
sicht ersucht und geprüft werde, ob die Haft aufrechterhalten werden müsse. Dem
Gesuch entsprechend wurde der KESB Horgen das vorinstanzliche Urteil, das
psychiatrische Gutachten und der Haftentscheid vom 3. März 2017 zugestellt
(Urk. 122; Urk. 100; Urk. 1/9/30; Urk. 113). Am 11. März 2017 übermittelten die
Bewährungs- und Vollzugsdienste den Austrittsbericht der Beschuldigten aus der
I._ AG, Psychiatriezentrum J._ vom 24. Februar 2017 und am 16. März
2017 den Bericht der sozialtherapeutischen Einrichtung F._ zum Behand-
lungsabbruch der Beschuldigten vom 15. März 2017 (Urk. 132; Urk. 124/2). Mit
Schreiben vom 21. März 2017 teilten die Bewährungs- und Vollzugsdienste mit,
dass die Beschuldigte sich nicht gemeldet habe und nicht zu Urinprobeabgaben
erschienen sei, weshalb es nicht möglich sei, die gerichtlich angeordnete Ersatz-
massnahme zu kontrollieren (Urk. 126). Mit Eingabe vom 31. März 2017 teilte die
amtliche Verteidigung mit, dass – soweit bekannt – die Beschuldigte keine Ar-
beitsstelle gefunden habe und nach wie vor von der Sozialhilfe unterstützt werde
(Urk. 128).
5. Mit Beschluss vom 22. Mai 2017 wurden die Beweisanträge auf Einholung
von Verlaufsberichten (vorstehend, Erw. II.1.) angesichts der inzwischen einge-
gangenen Berichte (vorstehend, Erw. II.4.) und dem begründeten Antrag der Be-
währungs- und Vollzugsdienste des Kantons Zürich vom 28. Februar 2017 den
vorzeitigen Vollzug der Massnahme infolge des fehlenden Behandlungswillens
der Beschuldigten aufzuheben (Urk. 132; Urk. 124/2; Urk. 126; Urk. 108) einstwei-
len abgewiesen, dem Beweisantrag auf Aktualisierung des psychiatrischen Gut-
achtens von Dr. G._ aber entsprochen und diesem sieben Ergänzungsfragen
unterbreitet (Urk. 134; Urk. 133). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Ver-
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nehmlassung dazu (Urk. 136). Die amtliche Verteidigung teilte mit Eingabe vom 7.
Juni 2017 mit, dass die Beschuldigte sich inzwischen auf eigene Initiative bei Dr.
K._ in Behandlung befinde, weshalb der psychiatrische Gutachter darum zu
ersuchen sei, sich bei diesem darüber zu erkundigen. Die neue Wohnadresse der
Beschuldigte laute L._-strasse ..., M._ (Urk. 137). Der psychiatrische
Gutachter liess die Berufungsinstanz derweil wissen, dass er keine Zeit habe, die
Ergänzung des Gutachtens in den folgenden sechs Monaten zu erstellen
(Urk. 139 ff.). Laut Auskunft der Einwohnerkontrolle M._ vom 9. Februar
2018 sei die Beschuldigte per 31. Januar 2018 weggezogen. Ihre neue Adresse
laute N._-strasse ..., O._ SO (Urk. 170).
5.1. Mit Schreiben vom 6. Dezember 2017 (Urk. 148) teilte der psychiatri-
sche Gutachter mit, dass die Beschuldigte zum ersten Termin vom 24. November
2017 und auch zum zweiten, mit der Verteidigung abgesprochenen Termin vom
5. Dezember 2017 unentschuldigt nicht erschienen sei, weshalb absehbar sei,
dass sich die von der amtlichen Verteidigung beantragte Beweisergänzung nicht
durchführen lasse. Für die Zeit nach der Haftentlassung der Beschuldigten im
März 2017 lägen ihm keine aussagekräftigen Dokumentationen mehr vor. Die Be-
schuldigte wirke hochgradig unkooperativ, so dass aktuell der dringende Verdacht
bestehe, dass sie ihren problematischen Lebensstil mit Suchtmittelkonsum wieder
aufgenommen habe. Im Hauptgutachten habe er ein hohes Rückfallrisiko festge-
stellt und die Beeinflussbarkeit als gering eingestuft. Dies habe sich im Zwischen-
verlauf im F._ bestätigt. Mittlerweile müsse sowohl die stationäre Massnah-
me nach Art. 60 StGB, wie auch der ambulante Behandlungsversuch im Rahmen
der Ersatzmassnahme als gescheitert eingestuft werden. Parallel dazu sei bereits
von der Klinik Schlössli und dem F._ im Februar 2017 eine stationäre Mass-
nahme nach Art. 59 StGB angeregt worden, da die Persönlichkeitsproblematik der
Beschuldigten inzwischen als deutlich gravierender habe eingestuft werden müs-
sen, als noch im Rahmen der Untersuchungshaft angenommen worden sei. Falls
eine weitere Abklärung angesichts der Anlassdelikte angemessen erscheine, se-
he er lediglich eine Zwangsvorführung zur Begutachtung als zielführend. Daneben
sei die Entnahme einer Haarprobe durch das IRM zur Untersuchung des Sucht-
mittelkonsums der letzten neun Monate zu empfehlen. Falls das Gericht von einer
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weiteren Untersuchung abzusehen gedenke, ersuche er um Rückmeldung
zwecks Zustellung der Schlussrechnung (Urk. 148). Mit Präsidialverfügung vom 7.
Dezember 2017 wurde der Beschuldigten schliesslich die polizeiliche Zuführung
angedroht, falls sie dem nächsten Aufgebot des psychiatrischen Gutachters er-
neut unentschuldigt nicht nachkommen würde (Urk. 149).
5.2. Laut Schreiben des psychiatrischen Gutachters vom 9. Januar 2018 er-
schien die Beschuldigte nunmehr pünktlich zum Termin, und es ergaben sich kei-
ne Hinweise auf eine akute Intoxikation. Deren Befragung habe sich allerdings
derart schwierig gestaltet, dass diese nach einer Stunde vom Gutachter habe ab-
gebrochen werden müssen. So habe die Beschuldigte phasenweise den Text des
Ergänzungsgutachtens selbst diktieren wollen. Fragen zur Massnahme im
F._ und zu ihrer aktuellen Lebenssituation habe sie nicht beantworten wol-
len. Zudem habe sie behauptet, nie bei der KESB "anhängig" gewesen zu sein,
und bei den Akten der KESB müsse es sich um eine Verwechslung handeln. Für
den psychiatrischen Gutachter ergaben sich daher deutliche Hinweise auf eine
Persönlichkeitsstörung, welche bereits im Hauptgutachten differenzialdiagnostisch
diskutiert und im Abschlussbericht des F._s vom 15. März 2017 als Ver-
dachtsdiagnose gestellt worden sei. Es gebe deutliche Hinweise darauf, dass die
Beschuldigte sich gegen jede Art von Weisungen, ambulanter oder stationärer
Massnahme vehement wehren würde. Die Behandlungsaussichten seien wahr-
scheinlich gering. Auch hier würden die Angaben des F._s und die prognos-
tischen Angaben des Hauptgutachtens bestätigt. Der Gutachter riet daher zur
Einholung eines Therapieberichtes bei Dr. K._, die Anordnung der Entnahme
einer Haarprobe durch das IRM sowie die Einholung eines aktuellen Berichtes der
KESB und des Sozialamtes (Urk. 151).
5.3. Mit Präsidialverfügung vom 11. Januar 2018 wurde erneut eine fakulta-
tive Stellungnahme bei den Parteien eingeholt (Urk. 152); diesmal zum Zwischen-
bericht des psychiatrischen Gutachters vom 9. Januar 2018 (Urk. 151).
5.3.1. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Vernehmlassung
(Urk. 154).
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5.3.2. Mit Eingabe und Vollmacht der Beschuldigten vom 19. Januar 2018
meldete sich deren neuer Verteidiger und stellte den Antrag, als amtlicher Vertei-
diger bestellt zu werden. Gleichzeitig verlangte er eine Fristerstreckung für die
Stellungnahme zum Zwischenbericht des psychiatrischen Gutachters vom 9. Ja-
nuar 2018 (Urk. 155). Mit Präsidialverfügung vom 22. Januar 2018 wurde der Be-
schuldigten die mit Verfügung vom 11. Januar 2018 angesetzte Frist zur freige-
stellten Stellungnahme vorläufig abgenommen und der amtlichen Verteidigerin ei-
ne nicht erstreckbare Frist von 5 Tagen angesetzt, um zum beantragten Wechsel
der amtlichen Verteidigung Stellung zu nehmen (Urk. 158). Mit Eingabe vom
25. Januar 2018 widersetzte sich diese einem Wechsel nicht (Urk. 162). Mit Prä-
sidialverfügung vom 29. Januar 2018 wurde der Wechsel der amtlichen Verteidi-
gung vollzogen und der neuen amtlichen Verteidigung Frist angesetzt, um zum
Zwischenbericht des psychiatrischen Gutachters vom 9. Januar 2018 Stellung zu
nehmen (Urk. 163). Mit Stellungnahme der neuen amtlichen Verteidigung vom
1. Februar 2018 entband die Beschuldigte Dr. med. K._, H._, von der
ärztlichen Schweigepflicht gegenüber der Berufungsinstanz und liess ihr Einver-
ständnis zur Probenentnahme beim IRM und zur Einholung eines aktuellen Be-
richtes der zuständigen KESB abgeben (Urk. 166). Mit Beschluss vom 8. Februar
2018 wurde die vormalige amtliche Verteidigung entsprechend ihrer Honorarnote
vom 1. Februar 2018 entschädigt (Urk. 165/1+2; Urk. 167).
5.4. Mit Beschluss vom 14. Februar 2018 wurde bei der Beschuldigten eine
Haaranalyse, eine Blutentnahme und eine Urinasservation durch das Institut für
Rechtsmedizin der Universität Zürich, Forensische Pharmakologie & Toxikologie,
angeordnet (Urk. 171 ff.). Die Probenentnahme fand schliesslich am 2. Mai 2018
am IRM statt (vgl. Urk. 177). Das Gutachten und der Bericht zur Haaranalyse
gingen am 24. Mai 2018 ein, worin ein schwacher, vereinzelter Kokain-Konsum
der Beschuldigten innerhalb der Zeitperiode von Mitte November 2017 bis Anfang
Februar 2018 festgestellt wurde (Urk. 181).
6. Am 13. März 2018 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 25. Mai 2018
vorgeladen (Urk. 173). Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte die Beschul-
digte die eingangs aufgeführten Anträge (Urk. 101 S. 2; Prot. II S. 17). Nach
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Durchführung der Berufungsverhandlung erweist sich das Verfahren als spruch-
reif.
II. Sanktion
1. Im angefochtenen Urteil wurde die Beschuldigte bestraft mit 10 Monaten
Freiheitsstrafe, mit 20 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 30.– und mit Fr. 500.– Bus-
se, wobei der Vollzug der Freiheits- und der Geldstrafe zugunsten einer stationä-
ren therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 60 StGB aufgeschoben wurde.
Für den Fall schuldhafter Nichtbezahlung der Busse wurde eine Ersatzfreiheits-
strafe von 5 Tagen festgesetzt (Urk. 100 S. 45).
2. Da lediglich die Beschuldigte Berufung erhob, ist bei der Höhe der Strafe
das Verschlechterungsverbot zu beachten (Art. 391 Abs. 2 StPO), was eine
strengere Bestrafung der Beschuldigten von vornherein ausschliesst. Die Vertei-
digung hat in ihrer Berufungserklärung hinsichtlich der Strafe und Massnahme auf
ihre vorinstanzlichen Anträge verwiesen (Urk. 101 S. 2 letzter Absatz). Damals
liess die Beschuldigte die Bestrafung mit 160 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 10.–,
unter Anrechnung der Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie der Dauer des
vorzeitigen Massnahmevollzuges und die Anordnung einer geeigneten ambulan-
ten Behandlung im Sinne von Art. 63 Abs. 1 StGB, beantragen (Urk. 100 S. 4;
Urk. 1/74 S. 1 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung liess die Beschuldigte be-
antragen, es sei eine Freiheitsstrafe von maximal 6 Monaten auszusprechen, un-
ter Anrechnung der Dauer der Haft sowie des vorzeitigen Massnahmenvollzugs.
Die von der Vorinstanz festgelegte Geldstrafe von 20 Tagessätzen à Fr. 30.– sei
zu bestätigen. Dagegen sei keine Busse bzw. eventualiter eine solche von höchs-
tens Fr. 200.– auszusprechen (Prot. II S. 17). Die Verteidigung begründete diese
Anträge im Wesentlichen damit, dass die Beschuldigte im P._ vollkommen
ausgerastet sei und sich nicht mehr an ihre Handlungen erinnern könne. Die Art
und Weise, wie sie sich damals verhalten habe, spreche für einen starken psy-
chotischen Anfall, weshalb erhebliche Zweifel bestehen würden, ob die Beschul-
digte überhaupt schuldfähig gewesen sei. Mithin sei die Schuldfähigkeit der Be-
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schuldigten betreffend sämtlicher ihr vorgeworfenen Handlungen nochmals zu
überprüfen (Prot. II S. 28 f.).
3. Die theoretischen Grundlagen der Strafen und der Strafzumessung mit
den Kriterien der Gewichtung des Verschuldens wurden durch die Vorinstanz kor-
rekt wiedergegeben (Urk. 100 S. 20 ff.). Dies braucht nicht wiederholt zu werden.
4. Die von der Beschuldigten begangenen Vergehen sehen mit Ausnahme
der Beschimpfung der Polizeibeamtin Q._ vom 8. Mai 2016 (Urk. 24 S. 5;
Doss. 6) alle einen abstrakten Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
oder Geldstrafe vor. Beim Tatbestand der Beschimpfung reicht der abstrakte
Strafrahmen bis 90 Tagessätze Geldstrafe (Art. 177 Abs. 1 StGB).
4.1. Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur
bei gleichartigen Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu ver-
hängen, da das Asperationsprinzip nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen
ausgesprochen werden (BGE 137 IV 57 E. 4.3.1). Demgemäss sind im Sinne von
Art. 49 Abs. 1 StGB "die Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen er-
füllt", wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss
gleichartige Strafen ausfällen würde. Dass die anzuwendenden Strafbestimmun-
gen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt nicht (BGE 138 IV 120 E. 5.2;
BGE 137 IV 249 E.3.4.2).
4.2. Der Gesetzgeber hat mit der inzwischen altrechtlichen, für die Beschul-
digte aber milderen (Art. 2 Abs. 2 StGB) Regelung von aArt. 41 StGB (nachfol-
gend, Erw. V.4.5.) für Strafen von bis zu sechs Monaten zwar eine gesetzliche
Prioritätsordnung zugunsten nicht freiheitsentziehender Sanktionen eingeführt
(Urteil des Bundesgerichts 6B_204/2009 vom 31. Juli 2009, E. 3.2), wonach eine
unbedingte Freiheitsstrafe von unter sechs Monaten nach der altrechtlichen Re-
gelung nur ausnahmsweise in Frage kommt. Eine solche Freiheitsstrafe ist indes-
sen möglich, wenn die Voraussetzungen für eine bedingte Strafe im Sinne von
aArt. 42 StGB nicht gegeben sind und gleichzeitig zu erwarten ist, dass eine
Geldstrafe oder gemeinnützige Arbeit nicht vollzogen werden könnten (BGE 134
IV 97, E. 6.3.3.2; 134 IV 60, E. 3.1). Dabei ist bei der Wahl der Strafart als wichti-
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ges Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen
auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz, zu be-
rücksichtigen sind. Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ
zur Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten
Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die per-
sönliche Freiheit des Betroffenen eingreift (BGE 134 IV 97 E. 4.2.1 f.;
BGE 134 IV 82, E. 4.1).
4.2.1. Wie sich aus dem vorinstanzlichen Urteil sowie nachfolgend ergibt,
führt die Strafzumessung bei den diversen, von der Beschuldigten begangenen
Vergehen zu einer unbedingten Bestrafung von erheblich über sechs Monaten, so
dass die Ausfällung einer Gesamtgeldstrafe (von bis zu 360 Tagessätzen) nicht
zweckmässig erschiene und der Beschuldigten, ihrem sozialen Umfeld (nachfol-
gend, Erw. V.5.1. ff.) und der präventiven Effizienz, wie auch einem angemesse-
nen Schuldausgleich nicht genügend Rechnung tragen, weshalb sich die Ausfäl-
lung einer Gesamtfreiheitsstrafe als angemessen und verhältnismässig erweist.
4.2.2. Da für die Ahndung der Beschimpfung lediglich die nicht gleichartige
Geldstrafe zur Verfügung steht (vorstehend Erw. V.4.) und zur Ahndung der Ver-
urteilungen der Beschuldigten wegen Übertretungen (mehrfacher geringfügiger
Diebstahl; mehrfache Übertretung des BetmG; vgl. vorstehen, Erw. I.3.) zwingend
eine separate Busse auszufällen ist (aArt. 103 StGB), sind für diese Delikte zu-
sätzlich zur Gesamtfreiheitsstrafe eine Geldstrafe und eine Busse auszufällen.
4.3. Mit der Vorinstanz ist der Anklagevorwurf der Gewalt und Drohung ge-
gen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (tätlicher
Angriff auf die Polizeibeamtin Q._, Doss. 6; Urk. 24 S. 3 ff.) als schwerste Tat
einzustufen.
4.4. Der ordentliche Strafrahmen wird durch Strafschärfungs- oder Strafmil-
derungsgründe entgegen der unzutreffenden Auffassung der Vorinstanz nicht au-
tomatisch auf 4 1⁄2 Jahre Freiheitsstrafe erweitert, und es liegen durchaus Straf-
schärfungsgründe vor (Urk. 100 S. 24).
- 15 -
4.4.1. Der ordentliche Strafrahmen ist zur Bemessung der Strafe nach kon-
stanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur zu verlassen, wenn ausserge-
wöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe
im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (Urteile des Bundesgerichts
6B_857/2015 vom 21. März 2016 E. 2.3.3, 6B_853/2014 vom 9. Februar 2015
E. 4.2 und 6B_31/2011 vom 27. April 2011 E. 3.4.1; BGE 136 IV 55 E. 5.8 S. 63
mit Hinweisen).
4.4.2. Solche aussergewöhnlichen Umstände sind trotz des Vorliegens der
Strafschärfungsgründe der Deliktsmehrheit und der mehrfachen Tatbegehung
sowie des Strafmilderungsgrundes der mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit
der Beschuldigten im Zeitpunkt Taten vom 29. April 2016 (Beschädigung der 3
Personenwagen) sowie einer schwergradigen Verminderung am 8. Mai 2016
(Gewalt und Drohung gegen Beamte, Beschädigung der Damentoilette, etc.)
(Urk. 1/9/30 S. 68 f.) nicht gegeben, weshalb der Strafrahmen nicht zu verlassen
ist.
4.4.3. Der zu beachtende Strafrahmen reicht somit von Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren oder Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu maximal Fr. 3'000.–
(aArt. 34 Abs. 1 und 2 StGB, vgl. nachfolgend, Erw. V.4.3.). Der Strafmilderungs-
und die Strafschärfungsgründe sind innerhalb dieses Strafrahmen strafmindernd
resp. straferhöhend zu berücksichtigen. Zur Ahndung der Übertretungen ist zu-
sätzlich eine Busse auszufällen, deren Höchstbetrag bei maximal Fr. 10'000.– lie-
gen darf (aArt. 106 Abs. 1 StGB).
4.5. Nach der am 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Gesetzesrevision der
Bestimmungen des allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches (Änderung des
Sanktionenrechts; AS 2016 1249), ist zu ergänzen, dass die Beschuldigte die zu
beurteilenden Straftaten vor dem Inkrafttreten der geltenden neuen Bestimmun-
gen beging. Das geltende (neue) Recht ist daher auf diese nur anzuwenden, so-
fern es für die Beschuldigte im konkreten Fall zu einem günstigeren Ergebnis führt
(Art. 2 Abs. 2 StGB; Donatsch, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder, Kom-
mentar zum StGB, 20. Auflage, Zürich 2018, N 10 zu Art. 2 StGB). Das geltende
Sanktionenrecht sieht nur noch Geldstrafen von bis zu 180 Tagessätzen vor
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(Art. 34 Abs. 1 StGB), während nach bisherigem Recht Geldstrafen mit bis zu 360
Tagessätze möglich waren (Heimgartner, in: Donatsch/Heimgartner/Isen-
ring/Weder, a.a.O., N 1 zu aArt. 34 StGB). Ausserdem sah das bisherige Recht
bei Strafen von bis zu 180 Tagessätzen noch die Möglichkeit gemeinnütziger Ar-
beit vor (aArt. 79a StGB). Da das geltende Recht nicht zu einem für die Beschul-
digte günstigeren Ergebnis führt, ist das bisherige Sanktionenrecht anzuwenden.
4.6. Bei der Gewichtung der Tatkomponente der Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte ist die zum Nachteil der Polizeibeamtin Q._ begange-
ne einfache Körperverletzung durch den Biss in deren Finger miteinzubeziehen,
da sie zeitlich und sachlich derart eng mit dem schwersten Delikt verknüpft ist,
dass sie sich nicht sinnvoll separat gewichten lässt (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_1011/2014 vom 16. März 2015 E. 4.4; Heimgartner, in: Donatsch/Heimgart-
ner/Isenring/Weder, StGB Kommentar, 20. Auflage, Zürich 2018, N 4 ff. zu Art. 49
StGB).
4.6.1. Bei der objektiven Schwere dieser Tat anbelangt ist zu gewichten,
dass die Beschuldigte die Polizeibeamtin Q._ anlässlich der Anordnung der
fürsorgerischen Unterbringung durch den SOS-Arzt mit erheblicher Kraft und ge-
zielt in den kleinen Finger der linken Hand biss. Dies erfolgte plötzlich, im Zuge
der Abnahme der Fuss- und Handfesseln, nachdem die Beschuldigte gegenüber
der Polizeibeamtin einen Kopfstoss angedeutet hatte, weshalb diese zum Selbst-
schutz reflexartig die Hand gehoben und sich mit dem Oberkörper weggedreht
hatte. Trotz getragener Schnittschutzhandschuhen aus Neopren-Stoff erlitt die
Polizeibeamtin eine Quetschung mit Hautläsion, welche eine Fixierung des Fin-
gers und die Einnahme von Antibiotika während einer Woche notwendig machte.
Mit dieser Kurzschlussreaktion bewirkte die Beschuldigte eine empfindliche Be-
einträchtigung der körperlichen Integrität der Polizeibeamtin sowie eine erhebliche
Erschwerung und Verzögerung ihrer Verlegung in die Isolationszelle im Rahmen
der fürsorgerischen Unterbringung. Die objektive Tatschwere ist als keineswegs
mehr leicht einzustufen.
4.6.2. Bei der subjektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass die Beschuldig-
te aus dem Augenblick heraus das Überraschungsmoment nutzte und gezielt vor-
- 17 -
ging, somit direktvorsätzlich handelte. Erheblich verschuldensmindernd ist dem-
gegenüber zu berücksichtigen, dass sie laut den nachvollziehbaren und überzeu-
genden Erkenntnissen des psychiatrischen Gutachters Dr. med. G._, Foren-
sischer Psychiater SGFP/SIM, Zürich, gemäss Gutachten vom 26. Juli 2016 im
Tatzeitpunkt am 8. Mai 2016 eine schwergradige Verminderung der Steuerungs-
fähigkeit aufwies (Urk. 1/9/30 S. 69; Art. 19 Abs. 2 StGB). Für die Tatzeitpunkte
diagnostizierte der Gutachter bei der Beschuldigten ein Abhängigkeitssyndrom
von Cannabis (ICD-10: F12.2), eine akute Intoxikation mit Canna-
bis/Mischintoxikation mit Alkohol (ICD-10: F12.0 resp. F19.0) und eine chronische
Persönlichkeitsveränderung durch Cannabis (ICD-10: F12.71; Urk. 1/9/30 S. 56).
Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Prot. II S. 28 f.) besteht sodann kein An-
lass dazu, an der Begründetheit und Korrektheit der gutachterlichen Feststellun-
gen zu zweifeln.
Die objektive Tatschwere wird durch das subjektive Verschulden somit stark
relativiert.
Insgesamt ist das Verschulden als nicht mehr leicht einzustufen. Dies recht-
fertigt eine hypothetische Einsatzstrafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe.
4.7. Die Beschuldigte hat durch gleichartiges Vorgehen zu verschiedenen
Zeitpunkten und an verschiedenen Orten drei Fahrzeuge demoliert, indem sie u.a.
auf die Motorhaube und das Fahrzeugdach stieg und auf diesen herumtrampelte.
Es handelt sich somit um mehrere gleichartige Delikte, sodass es sich nicht recht-
fertigt, für jeden Normverstoss einzeln eine hypothetische Strafe zu ermitteln (Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_499/2013 vom 22. Oktober 2013 E. 1.8).
4.7.1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere dieser drei Sachbeschädigun-
gen ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte diese ausschliesslich mittels ei-
gener Körpergewalt verübte. Der an den Fahrzeugen jeweils verursachte Sach-
schaden ist erheblich und beträgt insgesamt rund Fr. 16'500.–. Die objektive Tat-
schwere ist als gerade noch leicht einzustufen.
- 18 -
4.7.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist das direktvorsätzliche Vorgehen zu
gewichten. Die Beschuldigte verübte die Beschädigungen ohne Anlass, d.h.
grundlos und völlig mutwillig. Bei zwei der beschädigten Fahrzeuge steht die Ab-
neigung der Beschuldigten gegenüber sogenannten Luxusautos als Beweggrund
im Vordergrund, beim Streifenwagen die Abneigung gegenüber der Polizei. Ge-
mäss der Einschätzung des psychiatrischen Gutachters wies die Beschuldigte im
Tatzeitpunkt keine verminderte Einsichtsfähigkeit auf. In Bezug auf ihre Steue-
rungsfähigkeit lag dagegen eine mittelgradige Verminderung vor. Sie sei aber
durchaus in der Lage gewesen, ihr Verhalten situativ zu steuern und habe nicht
so gewirkt, als wäre sie ihren Impulsen vollständig ausgeliefert (Urk. 1/9/30 S. 68).
Verschuldensmindernd ist bei diesen Sachbeschädigungen vom 29. April 2016
am Opel Zafira der Kantonspolizei Zürich, am Porsche Cayenne des Privatklä-
gers 2 und am Audi Q5 des Privatklägers 3 somit eine mittelgradige Verminde-
rung der Schuldfähigkeit zu berücksichtigen.
Insgesamt ist das Verschulden bei diesen drei Sachbeschädigungen auf-
grund der verminderten Schuldfähigkeit als leicht einzustufen.
4.7.3. Bei der vierten Sachbeschädigung, der Beschädigung der Damentoi-
lette im UG des Bahnhofs R._ vom 8. Mai 2016, fällt erneut das grundlos
mutwillig-zerstörerische Vorgehen der Beschuldigten auf. Wiederum ging sie aus-
schliesslich mit brachialer Körpergewalt gegen Sachen vor und verursachte dabei
einen Schaden von Fr. 1'475.30. Bei der subjektiven Schwere dieser sinnlosen
Tat lag erneut direktvorsätzliches Vorgehen vor. Erheblich verschuldensmindernd
ist indessen zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte zur Tatzeit stark verhal-
tensauffällig war, stark enthemmt und angetrieben wirkte, herumschrie und sich
entblösste, woraus der Gutachter auf eine schwergradig verminderte Steuerungs-
fähigkeit schloss (Urk. 1/9/30 S. 68).
Das Verschulden ist daher noch als leicht zu bezeichnen. Insgesamt recht-
fertigt sich aufgrund dieser Sachbeschädigungen im Rahmen der Asperation nach
Art. 49 StGB eine mässige Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe auf 8 Mo-
nate Freiheitsstrafe.
- 19 -
4.8. Beim Hausfriedensbruch vom 8. Mai 2016 ist bei der objektiven Tat-
schwere zu gewichten, dass die Beschuldigte den Kiosk der S._ AG im La-
denzentrum im Bahnhof R._ betrat, obschon ihr weniger als drei Stunden
vorher im selben Ladenlokal nach der Wegnahme von zwei Dosen Bier, ohne die-
se zu bezahlen, für die Dauer von zwei Jahren ein Hausverbot für sämtliche Ver-
kaufsstellen der S._ AG erteilt worden war. Bei der subjektiven Tatschwere
fällt das fraglos direktvorsätzliche Vorgehen ins Gewicht. Angesichts der kurzen
Zeitabfolge der Ereignisse liegt dem Verhalten der Beschuldigten einerseits eine
gewisse Renitenz zu Grunde, andererseits lag an diesem Nachmittag bei ihr, wie
bereits dargelegt, eine schwergradige Verminderung der Schuldfähigkeit vor. Das
Verschulden erweist sich daher als leicht. Dies rechtfertigt lediglich eine minimale
Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe auf 8 1⁄2 Monate Freiheitsstrafe.
4.9. Was die objektive Tatschwere des Vergehens gegen das Betäubungs-
mittelgesetz anbelangt, fällt die mehrfache Tatbegehung ins Gewicht. Die Tat-
handlungen betrafen einzig Marihuana/Haschisch. Dieses verkaufte die Beschul-
digte sporadisch gegen Kleinstbeträge. Oftmals gab sie es auch ohne Gegenlei-
stung an Dritte ab und konsumierte dieses in ganz erheblichem Masse selbst. Die
Vergehen waren Ausfluss ihrer unstrukturierten und planlosen Lebensweise, ins-
besondere des Verkehrs in entsprechenden Kreisen.
Bei der subjektiven Tatschwere ist zu beachten, dass sich laut den Erkennt-
nissen aus der psychiatrischen Begutachtung durch Dr. med. G._ vom 26.
Juli 2016 für den Handel mit Cannabis keine Einschränkungen der Einsichts- oder
Steuerungsfähigkeit ergaben, da die Beschuldigte Cannabisprodukte in grossen
Mengen geschenkt erhalten hat, so dass sie keine Entzugssymptome zeigte und
Beschaffungskriminalität bei ihr keine relevante Rolle spielte (Urk. 1/9/30 S. 69).
Eine Verschuldensminderung infolge verminderter Schuldfähigkeit fällt daher bei
diesen Tathandlungen ausser Betracht.
Das Verschulden erweist sich als nicht mehr ganz leicht. Die hypothetische
Einsatzstrafe ist auf 10 Monate zu erhöhen.
- 20 -
4.10. Beim Vergehen gegen das Waffengesetz ist hinsichtlich der objektiven
Tatschwere zu gewichten, dass die Beschuldigte die Pistole lediglich geschenkt
erhielt, den Erwerb somit nicht aktiv angestrebt hat. Dennoch war ihr gemäss ei-
gener Aussage bewusst, dass beim Erwerb von Gesetzes wegen ein Waffener-
werbsschein benötigt wird. Mit dem späteren Verleimen und (vorübergehenden)
Untauglichmachen der Waffe hat sie gezeigt, dass ihr Motiv für den Waffenerwerb
nicht krimineller Natur war. Dennoch nahm sie mit ihrem Vorgehen einen illegalen
Erwerb in Kauf. Ihr Verschulden ist insgesamt als leicht einzustufen. Eine Erhö-
hung der hypothetischen Einsatzstrafe hat daher lediglich in moderatem Umfang
zu erfolgen.
5. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu
tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten, wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-
strafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis,
Einsicht, Reue etc. (Heimgartner, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder, StGB
Kommentar, 20. Auflage, Zürich 2018, N 14 ff. zu Art. 47 StGB).
5.1. Über die Beschuldigte ist bekannt, dass sie als Kind italienischer Mig-
ranten zusammen mit ihrem Bruder in der Schweiz aufgewachsen ist. Sie hat ei-
nen Schulabschluss, jedoch keine Berufsausbildung. Beruflich war sie überwie-
gend im Sicherheitsbereich tätig, hat daneben aber auch immer wieder ver-
schiedenste Hilfsjobs ausgeführt. In der jüngeren Vergangenheit hatte sie keine
feste Anstellung mehr (Prot. I S. 11). Sie ist nicht verheiratet und hat keine Kinder.
Sie war in einer langjährigen schwer belasteten on-off-Beziehung, in welcher Dro-
genkonsum und Gewalt zum Alltag gehörten. Die Beschuldigte ist hoch verschul-
det und steht unter Beistandschaft. Vor der Verhaftung wurde sie durch die Sozi-
alhilfe unterstützt. Nach der Haftentlassung vom 3. März 2017 wohnte sie vor-
übergehend bei ihrer Mutter in H._. Seit Februar 2018 wohnt sie in O._
SO (Urk. 1/5/8 S. 42 ff.; Urk 1/9/30 S. 18 f.; Prot. I S. 11; Urk. 118; Urk. 128;
Urk. 170).
- 21 -
5.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung ergänzte die Beschuldigte zu ih-
ren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen, dass sie nach ihrer Haftent-
lassung zwischenzeitlich für eine Umzugsfirma gearbeitet habe. Nachdem sie bei
der Arbeit eine Hernie erlitten habe, habe sie diese Stelle im Oktober 2017 aufge-
geben. Zurzeit sei sie zwar noch beim Sozialamt angemeldet, habe inzwischen
aber eine Anstellung bei der T._ gefunden. Sie werde Selbstverteidigungs-
kurse für Mädchen und Frauen anbieten. Den entsprechenden Arbeitsvertrag ha-
be sie unterschrieben und abgeschickt. Im Übrigen habe sie noch bei der
U._ (U._) eine Ausbildung zur Kundenbetreuerin und Fitnessberaterin
abgeschlossen. Eine Weiterbildung zur Fitness- und Personaltrainerin habe sie
ebenfalls begonnen. Zu ihren persönlichen Verhältnissen führte sie aus, dass sie
sich in einer neuen Partnerschaft befinde und deswegen Anfang Februar 2018
nach O._ SO gezogen sei. Ihr Partner arbeite als Koch und unterstütze sie
auch finanziell. Zudem würden sie ein gemeinsames Kind erwarten. Ihre finanziel-
le Situation stelle sich so dar, dass sie ihren Lebensunterhalt mit etwa Fr. 300.–
bis Fr. 400.– pro Monat sowie der finanziellen Unterstützung durch ihren Partner
bestreite. Das Sozialamt bezahle ihr zudem ihren Mietanteil von Fr. 770.– im Mo-
nat. Vermögen habe sie keines, dafür aber Schulden in der Höhe von etwa
Fr. 90'000.–. Diese stammten noch aus ihrer alten Beziehung, da dort alles auf ih-
ren Namen gelaufen sei. Zur Leistung von Abzahlungen sei sie im Moment nicht
in der Lage. An Silvester 2017 habe sie das letzte Mal Drogen konsumiert, na-
mentlich Cannabis und Kokain. Heute konsumiere sie weder Drogen noch Alko-
hol. Medikamente nehme sie auch keine. Obwohl sie nun in O._ wohne, ste-
he sie nach wie vor bei Dr. K._ in psychiatrischer Behandlung und sehe die-
sen etwa einmal pro Woche (Prot. II S. 19 ff.).
5.3. Aus dem Werdegang und den aktuellen persönlichen Verhältnissen der
Beschuldigten ergeben sich weder straferhöhende noch strafmindernde Faktoren.
5.4. Dagegen weist die Beschuldigte gemäss aktuellem Strafregisterauszug
vom 24. Mai 2018 noch 2 Vorstrafen auf (Urk. 179). Sie wurde mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 29. November 2011 wegen versuchter
Begünstigung mit 45 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 30.– bedingt, bei einer leicht
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erhöhten Probezeit von 3 Jahren, bestraft. Mit Urteil des Einzelrichters des Be-
zirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 6. November 2014 wurde die Beschul-
digte wegen Hinderung einer Amtshandlung und Übertretung des Betäubungsmit-
telgesetzes mit einer unbedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 10.– und
Fr. 200.– Busse, wobei 2 Tage Untersuchungshaft angerechnet wurden, bestraft.
Auf einen Widerruf des im November 2011 für die damalige Geldstrafe gewährten
bedingte Vollzuges wurde abgesehen, ohne dass die Probezeit verlängert worden
wäre. Die Beschuldigte ist demnach schon früher wegen teils gleicher oder zu-
mindest ähnlicher Delikte verurteilt worden, was eine leichte Straferhöhung zur
Folge hat.
5.5. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse können eine
Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202 E.2d/cc). Das
Geständnis, das kooperative Verhalten bei der Aufklärung von Straftaten sowie
die Einsicht und Reue wirken strafmindernd. Der Grad der Strafminderung hängt
aber insbesondere davon ab, in welchem Stadium des Verfahrens das Geständ-
nis erfolgte (Wiprächtiger/Keller, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 3. Auflage,
Basel 2013, N 169 ff. zu Art. 47 StGB). Die Beschuldigte verhielt sich teilweise
sehr unkooperativ und zeigte sich bis vor Vorinstanz nur teilweise geständig. Die
teilweisen Eingeständnisse beschränkten sich auf Elemente des objektiven Sach-
verhaltes, welche aufgrund der sich aus den vorhandenen Beweismitteln erge-
benden erdrückenden Beweislast offenkundig waren und ein Bestreiten keinen
Sinn ergeben hätte. Anlässlich der Berufungsverhandlung gestand die Beschul-
digte schliesslich noch die Begehung der bis anhin bestrittenen Tathandlungen
betreffend die Dossiers 5 und 8. Einsicht in das von ihr verübte Unrecht oder
Reue zeigte die Beschuldigte nicht. Das Nachtatverhalten schliesst somit eine
Strafminderung aus, wirkt sich aber auch nicht zu ihren Ungunsten aus.
6. Aus der Gewichtung der Täterkomponente ergibt sich aufgrund der vor-
handenen, teilweise einschlägigen Vorstrafen eine moderate Straferhöhung, was
zu einer 10 Monate übersteigenden Freiheitsstrafe führen würde. Dem steht je-
doch das Verbot der reformatio in peius entgegen, weshalb es mit einer Freiheits-
strafe von 10 Monaten sein Bewenden hat. Nachdem die Beschuldigte sich vom
- 23 -
29. bis 30. April 2016 (Urk. 1/10/1-4; Urk. 1/24) und vom 9. Mai 2016 bis 27. Sep-
tember 2016 (Urk 1/11/3; Urk. 1/11/10; Urk. 1/11/33; Urk. 1/11/45; Urk. 1/30) in
Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie anschliessend bis zur mit zweitinstanz-
licher Präsidialverfügung vom 3. März 2017 angeordneten Entlassung im vorzeiti-
gen Massnahmevollzug befand (Urk. 1/52; Urk. 1/64; Urk. 113; Urk. 117, vorste-
hend, Erw. II.3.), erweist sich diese Freiheitsstrafe ohnehin bereits als verbüsst,
da einer Anrechnung der durch Haft und vorzeitigen Massnahmevollzug erstan-
denen 300 Tage nichts entgegensteht (Art. 51 StGB).
8. Für die Ahndung der Beschimpfung ist kumulativ nun noch eine Geldstra-
fe und für die Übertretungen eine Busse auszufällen.
8.1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere der Beschimpfung zum Nachteil
der Polizeibeamtin Q._ ist zu berücksichtigen, dass diese Beschimpfung im
Zusammenhang mit den weiteren von der Beschuldigten am 8. Mai 2016 verübten
Delikte steht. Mit diesen herben und unflätigen Beschimpfungen von Frau
Q._ als "Nutte" und "Arschloch" verletzte die Beschuldigte das Rechtsgut der
persönlichen Ehre der Adressatin. Der Vorinstanz ist beizupflichten (Urk. 100
S. 30), dass dieses nicht tolerierbare Verhalten der Beschuldigten mit ihrer offen-
kundigen Abneigung gegen System und Obrigkeit einhergeht. Bei der subjektiven
Schwere dieser Tat ist abermals der ihr für diesen Zeitpunkt gutachterlich attes-
tierten schwergradig verminderten Schuldfähigkeit verschuldensmindernd Rech-
nung zu tragen (vgl. vorstehend, Erw. V.4.6.2.). Im Gesamtzusammenhang er-
weist sich das Verschulden daher noch als leicht, was eine Geldstrafe von 14 Ta-
gessätzen zu Fr. 30.– als ihrem Verschulden und den begrenzten wirtschaftlichen
Möglichkeiten (vorstehend, Erw. V. 5.1.f.) angemessen erscheinen lässt.
8.2. Bei der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes ist zu
gewichten, dass die Beschuldigte ununterbrochen über einen längeren Zeitraum
(seit ca. Oktober 2015) täglich mehrmals und damit ganz massiv Cannabis rauch-
te. Vom psychiatrischen Gutachter wurde ihr denn auch u.a. ein Abhängigkeits-
syndrom von Cannabis (ICD-10: F12.71) attestiert (Urk 1/9/30 S. 54 f.; S. 76; vor-
stehend, Erw. V.4.6.2.).
- 24 -
Die mehrfachen geringfügigen Diebstähle betrafen Kleinstbeträge, der Ge-
genwert der gestohlenen Güter (2 Dosen Bier; einen Automatenkaffee) lag jeweils
unter Fr. 10.–. Es lag ein spontanes, aus den augenblicklichen Bedürfnissen her-
aus gewähltes Tatvorgehen vor. Allerdings hätte die Beschuldigte die wegge-
nommenen Getränke auch geradeso gut pflichtgemäss bezahlen können. Zwar
sind die Delikte nicht zu bagatellisieren, insgesamt begründet sich darin jedoch
nur ein leichtes Verschulden.
Aufgrund ihrer persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse erweisen sich
die von der Anklagebehörde für die Ahndung der Übertretungen beantragten und
bereits durch den Vorderrichter verhängten Fr. 500.– Busse als angemessen.
Der im angefochtenen Urteil gestützt auf Art. 106 Abs. 2 StGB) festgesetz-
ten Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen für den Fall schuldhafter Nichtbezahlung der
Busse wurde ein Tagessatz von Fr. 100.– zu Grunde gelegt (Urk. 100 S. 30). An-
gesichts des zu beachtenden Verschlechterungsverbotes erübrigt es sich, ge-
stützt auf BGE 134 IV 60 E. 7.3.3 den bei der Geldstrafe festgelegten erheblich
tieferen Tagessatz als Umwandlungssatz anzuwenden.
9. Somit ist die Beschuldigte mit 10 Monaten Freiheitsstrafe, mit 14 Tages-
sätzen Geldstrafe zu Fr. 30.– je Tagessatz und mit Fr. 500.– Busse zu bestrafen.
III. Vollzug und Massnahme
1. Im angefochtenen Urteil wurden die rechtlichen Voraussetzungen für ei-
nen bedingten Aufschub der Freiheits- und der Geldstrafe korrekt aufgeführt
(Urk. 100 S. 31). Dies braucht nicht wiederholt zu werden.
2. Zurecht hat der Vorderrichter auch erwogen, dass die Beschuldigte inner-
halb der letzten fünf Jahre bereits teilweise einschlägig straffällig geworden ist, je-
doch zu keiner bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindestens 6 Mo-
naten oder zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt wurde
(Art. 42 Abs. 2 StGB). Da es sich gezeigt hat, dass die Delinquenz wiederkehrend
war und nicht bloss eine einmalige Entgleisung darstellte und der Beschuldigten
- 25 -
vom psychiatrischen Gutachter überdies eine hohe Rückfallgefahr für die bekann-
ten Deliktkategorien attestiert wurde (Urk. 1/9/30 S. 73), entfällt die Möglichkeit
einer günstigen Prognose im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB. Eine unbedingte
Strafe erscheint notwendig, um die Beschuldigte von der Begehung weiterer De-
likte abzuhalten. Daran vermögen auch die Vorbringen der Verteidigung nichts zu
ändern (Prot. II S. 30 f.), wonach die Beschuldigte sowohl in beruflicher, als auch
in persönlicher Hinsicht klare Zukunftsperspektiven habe. Ihre neue Partnerschaft,
ihre Schwangerschaft sowie die in Aussicht stehende Arbeitsstelle bei der
T._ weisen zwar auf einen Umbruch im Lebenslauf der Beschuldigten hin,
jedoch erweisen sich diese veränderten Verhältnisse noch als sehr frisch und kei-
neswegs gefestigt. Die Freiheits- und die Geldstrafe sind daher grundsätzlich zu
vollziehen.
3. Der Vorderrichter hat den Vollzug der Freiheitsstrafe zugunsten einer sta-
tionären Massnahme nach Art. 60 StGB aufgeschoben (Urk. 100 S. 37, 45). Die
Staatsanwaltschaft hat ihre Anschlussberufung mit dem Antrag auf Anordnung ei-
ner stationären Massnahme gemäss Art. 59 StGB zurückgezogen (Urk. 178; vor-
stehend, Erw. I.1.).
3.1. Inzwischen haben sich die Verhältnisse und die tatsächlichen Grundla-
gen bei der Beschuldigten grundlegend geändert. Sie hat den vorzeitigen (statio-
nären) Massnahmevollzug bereits Mitte Februar 2017 abgebrochen. Mit Eingabe
vom 28. Februar 2017 stellten die Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kantons
Zürich den Antrag, den vorzeitigen Vollzug der Massnahme nach Art. 60 StGB in-
folge des fehlenden Behandlungswillens der Beschuldigten und der daraus resul-
tierenden Undurchführbarkeit aufzuheben und die mit Verfügung der Abteilung
Massnahmen und Bewährung 2 vom 17. Februar 2017 angeordnete Sicherheits-
haft zu überprüfen (Urk. 108). Nachdem die im angefochtenen Urteil ausgefällte
Freiheitsstrafe von 10 Monaten bereits durch Untersuchungs-, Sicherheitshaft
sowie vorzeitigen Massnahmevollzug erstanden war, wurde die Beschuldigte am
3. März 2017 auf freien Fuss gesetzt (Urk. 113; Urk. 117, vorstehend, Erw. V.6.).
3.2. Auch im Rahmen der von ihrer amtlichen Verteidigung im Rahmen der
Beweisanträge beantragten Ergänzung der psychiatrischen Begutachtung zeigte
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sich die Beschuldigte gemäss Schreiben des psychiatrischen Gutachters vom
6. Dezember 2017 unkooperativ. Mittlerweile müsse sowohl die stationäre Mass-
nahme nach Art. 60 StGB als auch der ambulante Behandlungsversuch im Rah-
men der Ersatzmassnahme als gescheitert eingestuft werden (Urk. 148). Laut ei-
nem weiteren Schreiben des psychiatrischen Gutachters vom 9. Januar 2018 er-
schien die Beschuldigte nach der gerichtlichen Androhung einer polizeilichen Zu-
führung nunmehr pünktlich zum Termin. Die Befragung habe sich allerdings derart
schwierig gestaltet, dass sie nach einer Stunde habe abgebrochen werden müs-
sen (Urk. 151). Ende Januar 2018 ist die Beschuldigte nunmehr aus dem Kanton
Zürich weggezogen und wohnt seither in O._ SO (Urk. 170).
3.3. Aktuell stellen sich die die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnis-
se der Beschuldigten so dar, dass sie Anfang Februar 2018 zu ihrem neuen Part-
ner, von welchem sie ein Kind erwartet, nach O._ SO gezogen ist. In berufli-
cher Hinsicht ist sie zurzeit noch von der Sozialhilfe abhängig, jedoch im Begriff,
eine Stelle bei der T._ als Leiterin von Selbstverteidigungskursen für Mäd-
chen und Frauen anzutreten. Zudem absolviert sie aktuell eine Weiterbildung zur
Fitness- und Personaltrainerin. Seit Silvester 2017, an welchem sie noch Canna-
bis und Kokain konsumiert habe, konsumiere sie heute weder Drogen noch Alko-
hol. Im Übrigen stehe sie weiterhin bei Dr. K._ in psychologischer Behand-
lung. Sie besuche diesen etwa einmal pro Woche (Prot. II S. 19 ff.).
3.4. Die Anordnung einer therapeutischen Massnahme setzt grundsätzlich
voraus, dass eine Strafe alleine nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten
des Täters zu begegnen. Ausserdem muss ein Behandlungsbedürfnis des Täters
bestehen oder die öffentliche Sicherheit die Anordnung einer Massnahme erfor-
dern (Art. 56 Abs. 1 StGB). Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit ist zu beach-
ten (Art. 56 Abs. 2 StGB).
3.4.1. Für die Anordnung einer stationären Massnahme nach Art. 60 StGB
gelten weitgehend die rechtlichen Voraussetzungen der Anordnung einer solchen
nach Art. 59 StGB. Art. 60 StGB ist lex specialis zu Art. 59 StGB. Die Massnahme
unterliegt grundsätzlich den gleichen Regeln. Gemäss Art. 60 Abs. 1 lit. a StGB
muss als Anlasstat wie bei Massnahmen gegenüber geistig Abnormen ein Ver-
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brechen oder Vergehen vorliegen, welches mit der Abhängigkeit in Zusammen-
hang steht (Heer, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 3. Auflage 2013, N 17 f. zu
Art. 60 StGB).
3.4.2. Wie bereits erwogen, befindet sich die Beschuldigte seit über einem
Jahr auf freiem Fuss und lebt inzwischen bei ihrem neuen Partner in O._ SO.
Die aufgrund der zu beurteilenden Delikte auszufällende Freiheitsstrafe hat die
Beschuldigte bereits verbüsst. Es stellt sich daher akzentuiert die Frage nach der
Verhältnismässigkeit einer Massnahmeanordnung. Dabei ist dem Umstand Rech-
nung zu tragen, dass sich die von der Beschuldigten begangenen Delikte, mit der
einen Ausnahme des Bisses in den Finger der Polizeibeamtin, gegen Sachen und
gegen das Eigentum richteten und sich auf den Weiterverkauf von Cannabis be-
schränkten. Diese Delikte sind zwar auch nicht zu verharmlosen, richten sich aber
nicht gegen Leib und Leben, so dass insofern von der Beschuldigten keine Gefahr
für die Öffentlichkeit ausgeht. Nicht ausser Acht zu lassen ist indessen, dass das
bestehende Rückfallrisiko für die bislang bekannten Deliktskategorien laut den
Erkenntnissen des psychiatrischen Gutachters mittelfristig als hoch zu taxieren sei
(Urk. 1/9/30 S. 73).
3.4.3. Angesichts der vom psychiatrischen Gutachter bei der Beschuldigten
erstellten Diagnose eines Abhängigkeitssyndrom von Cannabis (ICD-10: F12.2),
begleitet von einer chronischen Persönlichkeitsveränderung durch Cannabis
(ICD-10: F12.71; Urk. 1/9/30 S. 56), liegt zweifellos eine Behandlungsbedürftigkeit
der Beschuldigten vor.
3.4.4. Mit dem Abbruch der im September 2016 vorzeitig angetretenen stati-
onären Massnahme im Februar 2017, begleitet von vehementem Widerstand ge-
gen dieselbe, und der fehlenden Kooperation der Beschuldigten im Rahmen der
Ergänzung und Aktualisierung der psychiatrischen Begutachtung durch Dr. med.
G._ (vorstehend, Erw. II.5. ff.) und der anlässlich der Haftentlassung vom 3.
März 2017 als Ersatzmassnahme angeordneten ambulanten Behandlung (vorste-
hend, Erw. II.3. f.), etc., hat die Beschuldigte indessen mit aller Deutlichkeit signa-
lisiert, dass sie nicht willig ist, sich einer behördlich angeordneten Behandlung zu
unterziehen. Sie war einzig bereit, sich auf freiwilliger Basis und eigener Initiative
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bei Dr. med. K._, H._, in eine ambulante Behandlung zu begeben, wo-
bei sie trotz ihres Wohnsitzwechsels nach wie vor regelmässig Behandlungster-
mine bei diesem wahrnimmt (Prot. II S. 25).
3.4.5. Schliesslich kommt hinzu, dass die Beschuldigte sich seit ihrer Entlas-
sung auf freien Fuss anfangs März 2017 offenbar keine strafbaren Handlungen
mehr hat zu Schulden kommen lassen.
3.4.6. Unter all diesen Umständen, insbesondere aber angesichts der be-
reits verbüssten Anlassfreiheitsstrafe, erscheint es unverhältnismässig, die Be-
schuldigte gegen ihren Willen behördlich zu einer stationären oder ambulanten
Behandlung zu verpflichten, zumal ein Behandlungserfolg angesichts der Ge-
schehnisse in den vergangenen ca. eineinhalb Jahren höchst fraglich wäre. Auf-
grund der seit der psychiatrischen Begutachtung durch Dr. G._ in der ersten
Hälfte 2016 eingetretenen grundlegenden Veränderung der Verhältnisse der Be-
schuldigten ist daher von der Anordnung einer therapeutischen Behandlung stati-
onärer oder ambulanter Art abzusehen. Dabei bleibt es der Beschuldigten unbe-
nommen auf freiwilliger Basis weiterhin eine ambulante Therapie zu besuchen
und damit dem bestehenden Behandlungsbedürfnis Genüge zu tun.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet
sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO). Da es auch im Berufungsverfahren bei einem Schuldspruch bleibt,
ist die von der Vorinstanz angeordnete Kostenauflage (Dispositivziffern 18 und
19) zu bestätigen, zumal sich die Grundlagen für den Entscheid über die Mass-
nahme erst nach dem vorinstanzlichen Urteil und ausschliesslich durch das Ver-
halten der Beschuldigten geändert haben.
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massga-
be ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem der vor-
instanzliche Schuldpunkt im Berufungsverfahren vollumfänglich bestätigt wird, die
Beschuldigte aber beim Entscheid über die Massnahme durchdringt, sind ihr die
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Kosten des Berufungsverfahrens zu einem Drittel aufzuerlegen und im Übrigen
auf die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind unter Vorbehalt des Rückfor-
derungsrechts des Staates im Umfang von einem Drittel auf die Gerichtskasse zu
nehmen (Art. 135 Abs. 4 StPO).