Decision ID: 72e92ac2-be8f-4e90-994e-f402f7c14c28
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1982 geborene
X._
, Mutter von drei Kindern (
2012, 2013
, 2016,
Urk.
7/
9/3
) und gelernte Schuhverkäuferin (
Urk.
7/8/7),
war
zuletzt bis November 2013 als
Assistant
Store Managerin bei
Y._
in
Z._
angestellt
(
Urk.
7/8/1, 7/8/3). Mit Formular vom 2
3.
Oktober 2018 meldete sie sich unter Angabe eines
systemischen Lupus
erythematode
s
zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
7/9). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die
beruflichen
und medizinischen
Verhältnisse ab
. Am
3
0.
Januar 2019 teilte sie der Versicherten mit, dass aufgrund ihres Gesundheitszustandes zur
z
eit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
7/20
). Ein von der
IV-Stelle bei der
A._
AG
in Auftrag gegebenes
bidisziplinäres
Gutachten (Rheumatologie/Psychiatrie
)
wurde am
5.
Mai 2020 erstattet (
Urk.
7/42
). Am 1
1.
August 2020 fand eine Haushaltsabklärung statt (Abklärungsbericht vom 2
1.
August 2020,
Urk.
7/49). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/52, 7/59) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
7.
Dezember 2020 eine
n
Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
9.
Januar 2021 Beschwerde mit dem Antrag auf rückwirkende
Z
usprache
einer Rente zumindest zu einem
Zweit
el
(gemeint wohl: halbe Rente) und Rückweisung der Sache an die Beschwerde
gegnerin zwecks Berechnung der Rentenhöhe sowie des Beginns des Anspruchs; eventualiter sei die Angelegenheit zwecks weiterer Abklärungen an diese zurück
zuweisen (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Vernehmlassung vom 2
2.
Februar 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), worüber die Beschwerdef
ührerin mit Verfügung vom
9.
März
2021 i
n Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
8
).
Auf
die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf
eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG in der seit 1. Januar 2004 geltenden Fassung).
1.2
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invalidi
tätsbemessung (Art. 28a
IVG)
zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren (vgl. Art. 27
der Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV
) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie all
fällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätig
keit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten
Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11.
Mai
2021 E. 3.2 mit Hin
weisen).
1.3
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstä
tigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads,
den
die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäfti
gungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin legte dem angefochtenen Entscheid die Annahme zugrunde, die Beschwerdeführerin wäre im Gesundheitsfall zu 50
%
im Erwerb und zu 50
%
im Haushaltsbereich tätig.
Gemäss dem beweiskräft
igen Gutachten der
A._ AG
bestehe seit Juli 2017 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen oder einer angepassten Tätigkeit und damit ein Teilinvaliditätsgrad
im Erwerb von 25
%
. Unter zusätzlicher Berücksi
chtigung
der
festgestellten Einschränkung im Haushalt von 17.6
%
(Teilinvaliditätsgrad von 9 %) resultiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von insgesamt 34
%
(
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber
im Wesentlichen
auf den Standpunkt, sie sei als Nichterwerbstätige zu qualifizieren, habe doch die Stellen
suche vor der Verschlechterung des Gesundheitszustandes gezeigt, dass der Arbeitsmarkt eine Teilzeiterwerbstätigkeit im erlernten Beruf, welche mit den familiären Pflichten der Beschwerdeführerin vereinbar sei, nicht
biete
. Entspre
chend
könne
aus ihrer im
Rahmen der Haushaltsabklärung
erwähnten Wunsch
vorstellung zum A
rbeitspensum im Gesundheitsfall
kein hypothetisches A
rbeits
pensum abgeleitet werden
. Sodann ergebe sich aus den medizinischen Akten, dass sie in ihrer jetzigen familiären Situation keiner
regelmässigen
T
eilzeiterwerbs
tätigkeit von 50
% nachgehen könne
, was unter anderem durch den schubartigen Charakter der Krankheit verhindert werde. Sodann bestehe im Haushaltsbereich eine Einschränkung von mindestens 50
%
. Ihr Ehemann sei seit
1.
Dezember 2020 wieder in einem 100%-Pensum tätig und aufgrund seiner psychischen Erkran
kung nicht in vollem Umfang belastbar, weshalb keine Mithilfe von seiner Seite berücksichtigt werden könne. Zudem
sprächen sich die Gutachter
der
A._ AG
aufgrund der
schubweise
n
und ungeplante
n
Erscheinung und Verschlimme
rung der Beschwerden
für eine
Einschränkung im Haushalt von 50
%
aus. Die massiv abweichende Einschätzung im Haushaltsabklärungsbericht sei nicht zu verstehen. Insgesamt sei von einem Invaliditätsgrad von mindestens 50
%
auszugehen (
Urk.
1 S. 5 ff.).
2.3
St
rittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin, wobei angesichts der Parteivorbringen zunächst die Statusfrage zu klären ist.
3.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der dem angefochtenen Entscheid zugrunde gelegten Qualifikation von
je 50
%
auf den Abklärungsbericht Haushal
t vom 2
1.
August 2020 (
Urk.
2 S. 2), wonach die Beschwerdeführerin die Frage nach einer Erwerbstätigkeit ohne Behinderung dahingehend beantwortet
e,
dass sie bei guter Gesundheit weiterhin zu 50
%
arbeiten würde, dies vorwiegend
deshalb, weil sie mit ihren Einnahmen das Familienbudget entlasten würde, aber auch, weil sie immer gerne gearbeitet habe.
So habe sie
bis zur Aussteuerung im Jahr 2016 Taggelder der Arbeitslosenversicherung im Rahmen von 50
%
bezogen, klar mit dem Ziel, nach der Geburt des dritten Kindes wieder zu arbeiten (
Urk.
2 S. 2, 7/49/3).
Angesichts dieser unmissverständlichen Angaben der Beschwerde
führerin anlässlich der Haushaltsabklärung sowie ihrer
Erwerbsbiosgraphie mit
50%iger
Arbeitstätigkeit auch
noch
in der Fa
milienphase und
dem Umstand, dass
sie
sich nach der Geburt des zweiten Kindes im August 2013 und dem Verlust der letzten Arbeitsstelle per Ende November 2013
der Arbeitsvermittlung
wieder
ab August 2014 zu 50
%
zur Verfügung stellte
(
Urk.
7/8,
7/12, 7/
49/2), drängen sich keine Zweifel an der Qualifikation
durch die
Beschwerdegegnerin auf.
Sodann
wurde die Beschwerdeführerin
von der Arbeitslosenversicherung
offen
sichtlich als vermittlungsfähig im Sinne von
Art.
15
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
beurteilt
und
wurden
ihr entsprechend
Arbeitslosentaggelder
ausgerichtet
(vgl. IK-Auszug, in:
Urk.
7/12),
was den nunmehrigen Einwand der Beschwerde
führerin, eine Teilzeitstelle sei angesichts der
Kinderbetreuungsaufgaben
blosse Wunschvorstellung (E. 2.2),
widerlegt
.
Im Folgenden gilt es daher aus
gehend von der Qualifikation 50
%
Erwerb
/
50
% Haushalt
die gesundheitlich bedingten Einschränkungen in
beiden Bereichen
fest
zustellen.
4.
4.
1
Im Rahmen der
bidisziplinären
Begutachtung bei der
A._ AG
wurde die Beschwerdeführerin am
2.
März 2020 sowohl psychiatrisch als auch rheumato
logisch exploriert.
Die beteiligten Fachgutachter schlossen im Rahmen der Konsensbeurteilung auf folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit (
Urk.
7/42/4):
-
Systemischer Lupus
erythematodes
, ED 07/2017 (ICD-10: M32.9)
-
Rezidivierende Myalgien und Arthritiden, chronisch rezidivierende
Supraspinatustendinose
linke Schulter bei
sonografisch
nachgewiesener Bursitis
subacromialis
und diskreten Verkalkungen 12/2018
-
Migräne mit Aura (EM 2016, diagnostiziert durch Neurologische Poli
klinik
Universitätsspital B._
) (ICD
-
10: G43.1)
-
Rezidivierendes Gesichtsödem
-
Anamnestisch
Rauynaud
-Phänomen an Fingern und Zehen
-
Leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0).
4
.2
Anlässlich der rheumatologischen Untersuchung klagte die Beschwerdeführerin über Schulterschmerzen links bei Arbeiten über Schulterhöhe, immer wieder starke Schmerzen am linken inneren
Fussrand
, teilweise auch beim Gehen. Die Finger und Zehen seien bei Kälte rasch taub und grau wirkend. Seit Ende 2017 leide sie etwa zweimal pro Woche an Migräneepisoden mit Augenflimmern und Erbrechen während mehrerer Stunden und etwa seit demselben Zeitpunkt prak
tisch an dauernden Schmerzen zusammen mit Schwächesymptomen. Vor einem Jahr sei es über längere Zeit zu einem starken Haarausfall gekommen. Seit 2017/2018 sei sie derart mitgenommen, depressiv und verängstigt gewesen, dass
sie während
einige
r
Zeit Ant
idepressiva erhalten habe; diese
wolle
sie
aber wieder absetzen.
Gemäss
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheu
matologie
,
ergeben sich die Diagnosen aus der aktuellen Anamnese sowie den verschiedenen Berichten der Polikliniken für Immunologie, Rheumatologie und Neurologie des Universitätsspitals
B._
(
Universitätsspital B._
, vgl.
Urk.
7/14, 7/16, 7/29-31, 7/43
). Typisch für eine Kollagenose bei systemischem Lupus
erythemat
odes
(SLE) seien im Vordergrund
stehende Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Abge
schlagenheit und Leistungsschwäche sowie Begleitsymptome in Form von Myal
gien und Arth
r
algien. Nebst einem Haarausfall vor einigen Monaten seien wahr
scheinlich auch ein rezidivierendes
Angioödem
und die Migräne mit Aura in Zusammenhang mit dem SLE zu setzen. Anamnestisch bestehe auch ein
Raynaudphänomen
.
Die Beschwerdeangaben seien konsistent und plausibel (
Urk.
7/42/25)
.
Was die Arbeitsfähigkeit anbelange, sei aufgrund der krankheitstypischen ch
ronischen Müdigkeitssymptomatik und
der chronisch rezidivierenden Myalgien und Arthralgien von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Schuhver
käuferin von 50
%
auszugehen
(
Urk.
7/42/26)
.
Dieselbe Einschätzung gelte auch für körperlich leichte bis regelmässig mittel
schwer einzustufende Haushaltstätigkeiten in einem Fünfpersonenhaushalt mit drei kleinen Kindern. Die Frage nach der zumutbaren Stundenzahl der Tätigkeiten im Haushalt sei – so
Dr.
C._
– kaum zu beantworten. Es bestehe eine entzündungsbedingte chronische Verlangsamung und rasche Erschöpfbarkeit bei allen Haushaltstätigkeiten. Einzuberechnen seien auch immer wieder auftretende Entzündungsschübe mit hoher Arbeitsunfähigkeit über Tage anhaltend
. Die Beschwerdeführerin habe bis anhin unter Mithilfe des Ehemannes und oft auch einer Nachbarin sowie einer Reinigungshilfe das Nötigste geschafft, komme aber durch unregelmässig auftretende Entzündungsschübe mit periodischer Verschlechterung der verschiedenen Symptome immer wieder an ihre Grenzen. Es sei anzunehmen, dass sie lange Zeit über ein zumutbares Mass tätig gewesen sei (
Urk.
7/42/26
f.)
.
4
.3
Der psychiatrische
Experte schloss gestützt auf seine klinischen Befunde
sowie
unter Auseinandersetzung
mit der Aktenlage auf
eine
le
ichte depressive
Episode bei gleichzeitiger Symptomüberschneidung mit einer
Fatigue
-Symptomatik im Rahmen der Lupus-Diagnose. Die von der Beschwerdeführerin beschriebenen Paniksymptome imponierten nicht als eigenständige Diagnose und stünden mit der aktuellen Häufigkeit von zirka alle drei Monate nicht im Vordergrund. Die von ihr beschriebe
ne Müdigkeit sei auch durch die
Fatigue
-Symptomatik im Rahmen der
Lupuserkrankung
bedingt. Die Schlafstörung werde diagnostisch überwiegend wahrscheinlich als der depressiven Störung zugehörig angesehen. Bezüglich der Persönlichkeit fänden sich keine Anhaltspunkte für eine Persön
lichkeitsstörung und kein Anhalt für akzentuierte Persönlichkeitszüge.
Gemäss Mini-ICF-APP zeige die Beschwerdeführerin eine leichte bis mässige Beein
trächtigung der Selbstpflege und Selbstversorgung sowie subjektiv eine mässige bis erhebliche Beeinträchtigung der Widerstands- und Durchhaltefähigkeit sowie der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht sei
die Beschwerdeführerin sowohl in der bisherigen Tätigkeit im Schuhverkauf als auch
in
einer angepassten Tätigkeit durch einen noch vermehrten Pausenbedarf zu 30
%
eingeschränkt, dies seit mindestens August 201
9.
Dies gelte auch für ihre Tätigkeit im Haushalt (
Urk.
7/42/16-20).
4
.
4
Gesamtgutachtlich erachteten die Experten die rheumatologische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
angestammt und angepasst
nach Diskussion der relevanten Persönlichkeitsaspekte sowie von
Belastungsfaktoren und Ressourc
en
und
einer kurzen Konsistenzprüfung als führen
d
und die psychiatrisch attestierte Limitation (30
%
Arbeitsunfähigkeit) infolge
der Symptomüberschneidung
mit der
Fatigue
aufgrund der SLE
als
bereits
damit
berücksichtigt. Zeitlich
gelte
diese Einschätzung mit gesicherter Diagnoses
tellung
des SLE
ab Juli 201
7.
Was die Einschränkungen im Haushalt
anbelangt,
wurde
n
die Beurteilungen der beiden Fachgutachten wiederholt
(
Urk.
7/42/5
-7
).
5.
5.1
Das
bidisziplinäre
Gutachten der
A._ AG
beruht auf den notwendigen Untersuchungen, berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden
und erging
in
u
m
fassender
Kenntnis der
Vorakten
. Die
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und
die
Beurteilung der medizinischen Situation
leuchten ein
und
die
Schlussfol
gerungen der Experten erweisen sich gerade in der Herleitung der Diagnosen unter einlässlicher Auseinandersetzung und in Berücksichtigung der medizinischen
Vorakten
wie auch der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit als überzeugend. Konkrete Indizien, welche gegen die Zuver
lässigkeit der Expertise sprechen, sind den Akten keine zu entnehmen und werden von der Beschwerdeführerin nicht
substanziiert
geltend gemacht.
E
ntsprechend ist gest
ützt auf die beweiswertige
bi
disziplinäre
B
eurteilung im Gutachten der
A._ AG
vom
5.
Mai 2020 erstellt, dass
sich insbesondere die
mit
dem
SLE
einhergehende chronische
Müdigkeitssymptomatik und
die
chro
nisch rezidivierenden Myalgien und Arthralgien
funktionell einschränkend auswirken und zwar
seit Juli 2017
zu 50
%
sowohl in der angestammten Tätigkeit im Verkauf als auch
in
einer anderweitig angepassten Tätigkeit. Nachdem die
psychiatrisch
bestätigten Einschränkungen infolge der Symptomüberschneidung mit der durch den Lupus verursachten
Fatigue
als konsumiert
und die rheumato
logische Einschätzung
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit überzeugend
als führend erachtet wurde (E.
4.4), erübrigt sich sodann eine Überprüfung der
medizinisch-theoretisch attestierten Arbeitsunfähigkeit
anhand der Standardin
dikatoren im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens gemäss
BGE 141 V 281
.
5.2
5.2.1
Im Zusammenhang mit den Einschränkungen im Haushalt ist nicht die medizi
nisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit ausschlaggebend, sondern wie sich der Gesundheitsschaden in der nichterwerblichen Betätigung konkret auswirkt, was
grundsätzlich
durch die Abklärung an Ort und Stelle (vgl.
Art.
69
Abs.
2 Satz 2 IVV
) zu erheben ist (Urteile des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 1
8.
Januar 2017 E. 4.7.1,
9C_121/2011 vom 3
1.
März 2011 E. 3.1.1 mit Hinweisen).
5.2.2
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Massgabe des Art. 69 Abs. 2 IVV) stellt für gewöhnlich die geeignete und genü
gende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar.
Hinsichtlich des Beweiswerts der entsprechenden Berichterstattung ist wesentlich, dass sie durch eine qualifizierte Person erfolgt, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen.
Einer ärztlichen Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushalt
führung unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, bedarf es nur in Ausnahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der versicher
ten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden stehen. Zwar ist der Abklärungsbericht seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfahren kann, wenn die versicherte Person an psychischen Beschwerden leidet. Prinzipiell jedoch stellt er auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht,
das heisst
wenn die Beur
teilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht. Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (zum Ganzen: Urteil des Bundes
gerich
ts 8C_
8
1
7/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1).
5.2.3
Das Gespräch zur Haushaltsa
bklärung fand am 1
1.
August 2020 bei der Beschwerdeführerin zu Hause statt
.
Die örtlichen und räumlichen
sowie famili
ären
Verhältnisse waren der Abklärungsperson somit ebenso bekannt wie die medizinischen Diagnosen
(Urk. 7/49 S. 1).
Auch erstreckt sich die Abklärung in Nachachtung der höchstrichterlichen Rechtsprechung richtigerweise auf den zumutbaren Umfang der Mithilfe von Familienangehörigen – hier
des
Ehemann
es
-, welche im Rahmen der Schadenminderungspflicht zu berücksichtigen ist
und
weitergeht als die ohne Gesundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende Unterstützung (BGE 133 V 504 E. 4.2).
Angesichts der Divergenz der Einschätzung der Abklärungsperson, welche auf eine Einschränkung im Haushaltsbereich von
insgesamt
17.60
%
schloss (
Urk.
7/49/7), zur gutachterlichen Schätzung einer 50%igen Einschränkung im Haushalt (E.
4.2 und
4.4) stellt sich die Frage, ob die Abklärungsperson den sich aus den medizinischen Diagnosen ergebenden Einschränkungen genügend Rech
nung trug, indem sie
(nur)
von einer im Vordergrund stehenden Erschöpfungs
sym
p
tomatik mit psychosozialen Belastungsfaktoren ausging (
Urk.
7/49/7). Neben der
mit dem SLE einhergehenden raschen Erschöpfbarkeit bei allen Haus
haltstätigkeiten
mass
der rheumatologische Gutachter
nämlich auch
der entzün
dungsbedingten chronischen Verlangsamung Bedeutung bei und sprach sich insbesondere für eine Berücksichtigung der immer wieder ungeplant auftretenden Entzündungsschübe, welche mit einer hohen Arbeitsunfähigkeit über Tage einhergingen, aus (E. 4.2).
Dass es sich beim
S
L
E
um eine unberechenbare und s
chubweise verlaufende Krankheit handelt, deren funktionelle Auswirkungen gerade im Haushaltsbereich schwierig zu erfassen sind
und sich nicht linear auswirken, findet im Abklärungs
bericht vom 2
1.
August 2020 jedoch keinen nachvollziehbaren Niederschlag. Zwar ist davon auszugehen, dass
eine
rasche Erschöpfbarkeit im Haushaltsbereich aufgrund der grundsätzlich freien Einteilbarkeit der Arbeiten und der Möglichkeit zur Einlegung von Pausen
im Falle eines kleinen bis durchschnittlichen Haus
haltes
im Regelfall
keine übermässigen Einschränkungen nach sich zieht
(Urteil des Bundesgerichts 9C_55/2021 vom
1.
Juli 2021 E. 4.2)
. Die
Familienkonstel
lation
der Beschwerdeführerin
mit drei Kleinkindern
lässt eine freie Einteilbarkeit der A
ufgaben jedoch nur
in beschränktem Umfang zu, können doch
zum Beispiel das Kochen wie auch die Kleinkinderbetreuung
gerade nicht aufgeschoben werden. Auch die Besorgung der Wäsche lässt sich angesichts deren schierer Menge (
vgl.
Urk.
7/49/6) nur bedingt aufschieben.
Diesen Umständen wird im Abklärungsbericht zumindest nicht nachvollziehbar Rechnung getragen
, was
vermuten lässt, dass es der Abklärungsperson nur beschränkt möglich war
, das Ausmass des Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen
.
Auch wurde
im Abklärungsbericht
eine doch erhebliche Mitwirkung des gemäss Angaben der Beschwerdeführerin (E. 2.2) zwischenzeitlich wieder zu 100
%
arbeitstätigen
und gesundheitlich ebenfalls beeinträchtigten
E
hemannes mitbe
rücksichtigt (Frühstück, morgendliche Betreuung der Kinder, Grosseinkauf, Wäsche- und Kleiderpflege,
Urk.
7/49/4-6) und es ist dem Bericht nicht abschlies
send zu entnehmen, ob die Einstellung der Reinigungskraft invaliditätsbedingt oder bereits vor Eintritt des Gesundheitsschadens erfolgte.
Angesichts dieser Schwächen des Abklärungsberichts
sowie angesichts
der schwierigen Erfassbarkeit des Ausmasses des Leidens
SLE
und der damit verbun
denen Einschränkungen
im Bereich Haushalt
rechtfertigt es sich vorliegend
,
den
nachvollziehbaren, der schwierigen Erfassbarkeit Rechnung tragenden
ärztlichen Feststellungen wie im Falle einer psychisch bedingten Behinderung
(E. 5.2.2
)
mehr Gewicht beizumessen. Entsprechend ist gestützt auf das Gutachten der
A._ AG
von einer 50%igen Einschränkung auch im Aufgabenbereich auszugehen.
6.
6.1
Nachdem die Beschwerdeführerin ihre letzte Arbeitsstelle nicht aufgrund des nunmehr invalidisierenden G
esundheitsschadens verloren
und
bis Ende
Novem
ber
2013
im erlernten Beruf
als Verkäuferin
(inklusive Vertretung Filialleitung)
gearbeitet hat
(vgl.
Urk.
7/8/3)
, in welchem sie
weiterhin zu 50 % arbeitsfähig ist
,
sind
mit der Beschwerdegegnerin
das Validen- und das Invalideneinkommen gestützt auf denselben Tabellenlohn gemäss der
vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebene
n Lohnstrukturerhebung
(LSE)
zu bestimmen
(
Urk.
2 S. 2, 7/50/1). Dabei
ist gestützt auf
die im Verfügungszeitpunkt aktuellst
e
veröffent
lichte LSE 2018 und konkret auf
das
monatliche Einkommen für Frauen im Kompeten
z
niveau 2 im Wirtschaf
tszweig Detailhandel 47, Sektor 3, Dienst
leistungen, von
Fr.
4'511.-- abzustellen. D
er, wenn auch nur
rechnerische
,
Prozentvergleich (Urteil des Bundesgerichts 9C_368/2019 vom
8.
Oktober 2019 E. 4.2 mit Hinweisen) führt bei
einem zumutbaren Pensum von 50 % zu einem Invaliditätsgrad im Erwerb von 50
%
. Gründe
für einen leidensbedingten Abzug (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2) w
urden nicht geltend gemacht und sind nicht ersichtlich.
6.2
Der Teilinvaliditätsgrad im Bereich Erwerb beläuft sich demnach ebenso wie derjenige im Bereich Haushalt auf 25
%
(
jeweils
50
%
von 50
%
) und der Gesamtinvaliditätsgrad
auf
50
%
(vgl. E. 1.3), was zu einem Anspruch auf eine halbe Invalidenrente
ab
1.
April 2019
führt (E. 1.1;
Art.
28
Abs.
1
lit
. b in Verbindung mit
Art.
29
Abs.
1 und 3 IVG).
Die Beschwerde ist entsprechend gutzuheissen und die angefochtene Verfügung unter
Feststellung des Renten
anspruchs
aufzuheben
.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Entsprechend hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschädi
gung. Diese ist nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen. In Anwendung dieser Grundsätze rechtfertigt sich die Zusprechung einer Prozess
entschädigung von
Fr.
2‘000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).