Decision ID: 016fa436-70bc-599b-9872-cd2f1ffcc77b
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
wurde am 10. Januar 2012 nach 31 4/7 Schwanger
schaftswochen
mit einer partiellen Trisomie 12
geboren.
Bei dem verschie
dene
Dysmorphie
-Zeichen aufweisenden Kind musste am 4. Februar 2012 eine
I
nguinalhernie
rechts
operativ reponiert
werden.
Am 18. Februar 2012
wurde
die Versicherte
von ihrer
damals noch ledigen
Mutter
Z._
unter Hinweis auf die
Frühgeburt bei der Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 6/3).
Infolge einer
Rezidivhernie
wurde am 1. April 2012 eine er
neute
Herniotomie durchgeführt. D
ie IV-Stelle
übernahm
die
Kosten für die Be
hand
lung der
Ge
burtsgebrechen
Ziffer
183 (angeborene Hüftdysplasi
e)
und
303 (
I
nguinalhernie
) sowie in Zusammenhang mit der Frühgeburt der Ge
burts
gebrechen Ziffer 494 (Geburtsgewicht unter 2000 g) und 497/498 (schwere respiratorische Adaptationsstörungen sowie schwere
neonatale
me
tabolische
Störungen;
Mitteilungen vom 5. Juli 2012,
Urk. 6/16-19).
Insbe
sondere erteilte
sie Kostengutsprache für ambulante Physiotherapie
zur Be
handlung der
Hüftdysplasie (
Mitteilung
en
vom 15. Oktober 2012
und 24. Februar 2014,
Urk. 6/28
und 6/41
)
.
Im Verlauf manifestierte
sich bei der Versicherten ein
allgemeine
r
Entwick
lungsrückstand, weshalb ihr die IV-Stelle m
it Verfügung vom 17. Juli 2014 eine Entschädigung für Hilflosigkeit leichten Grades ab 1. März 2014 und mittler
en Grades ab 1. Oktober 2015 zusprach
(Urk. 6/51).
1.2
Im Oktober 2013 brachen die Eltern von
X._
die seit 1 1⁄2 Jahren laufende Physiotherapie ab
und
wechselten zu
einer Behandlung
nach der F
eldenkrais-Methode. Diese wurde
teilweise in der Schweiz durch Thera
peuten
aus dem
Institute A._
in Tel Aviv
und teil
weise i
n Tel Aviv durchgeführt. Ab Juni 2015 fanden
sodann
weitere T
hera
pien
in Klagenfurt
(Feldenkrais Physiotherapie)
und Kalifornien
(
Anat
Baniel
-
Methode)
statt
(Urk. 6/64/2)
.
Am
15. Mai 2015 ersuchte der Vater von
X._
,
Y._
, um Beteiligung an den Kosten für eine im
Institut B._
in Jerusalem durchgeführte
sechswöchige
Therapie
zur motorischen und kognitiven För
derung des Kindes
(Urk. 6/53/2)
und legte eine Rechnung
des
In
stitutes B._
vom 6. Mai 2015
für den Betrag von 3‘309.60 $ für die im Monat April 2015 durchgeführte Behandlung bei
(Urk. 6/53/4
). Am 22. Juli 2015 reichte er eine weitere Rechnung des
Institutes B._
vom 31. Mai 2015 für den Betrag von 3‘200.40 $ für die im Mai 2015 durchgeführten Behand
lungen
nach (
Urk. 6/56/
1-
2).
Nach einem Telefonat mit der zuständigen Sach
bearbeiterin liess
Y._
am
1. Oktober 2015
der IV-Stelle eine Aufstellung der verschiedenen seit Oktober 2013 durchgeführten Thera
pien sowie
verschiedene
Abrechnungen für diese Therapien
zukommen
(Urk. 6/58
, Urk. 6/59/1-26). Auf Aufforderung der Sachbearbeiterin hin er
gänzte er die Aufstellung mit Namen und Adressen der Therapeuten und legte ein Schreiben der Kinderärztin Dr. med.
C._
vom 19. November 2015 bei (Urk. 6/64/1-2).
Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (Urk. 6/65 ff.)
wies
die IV-Stelle mit Verfügung vom 22. Februar 2016
das Leistungsbegehren ab
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
Y._
am 21. März 2016 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren
um
Übernahme der Kosten für die Therapie im
Institut B._
in Jerusalem (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 28. April 2016 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
5), worüber
Y._
am 2. Mai 2016 orientiert wurde (Urk. 8).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Die Beschwerdegegnerin begründet die Leistungsablehnung damit, dass die Versicherte zu einer gesamtheitlichen Förderung in das
Institut
B._
in Jerusalem gebracht worden sei, das h
ei
sse für Heilpädagogik und Physiothe
rapie. Der therapeutische Wert von Physiotherapie bei einer Hüftdysplasie sei sehr beschränkt, weshalb die Invalidenversicherung unter dem Geburtsgebre
chen Ziff. 183 nicht die gesamte Physiotherapie übernehmen könne, die we
gen der allgemeinen Retardierung im Rahmen des genetischen Syndroms er
folge. Physiotherapie wie auch eine
Therapieintensivierung seien auch in der Schweiz möglich (Urk. 2 S. 1). Die eingereichten Rechnungen liessen über
wiegend keine Zuordnung zu Physiotherapie zu. Einige Therapiestunden seien mit der Feldenkrais-Methode durchgeführt worden. Diese sei keine rein medizinische Therapie und von der IV nicht als Physiotherapie anerkannt. Aus diesen Gründen sei auch ein Kostenbeitrag nicht möglich
(Urk. 2 S. 2).
In der Beschwerdeantwort ergänzte
die Beschwerdegegnerin
, die Trisomie 12 stelle kein von der Invalidenversicherung anerkanntes Geburtsgebrechen dar, weshalb speziell dafür ausgerichtete Therapien nicht durch die Invalidenver
sicherung finanziert werden könnten. Gestützt auf die Aktenlage habe die Therapie in Jerusalem vorwiegend der Retardierung im Rahmen des geneti
schen Syndroms gedient (Urk. 5 S. 1).
1
.2
Demgegenüber macht der Vater der Versicherten geltend, im Herbst 2013 mit der keinerlei Wirkung zeigenden Physiotherapie aufgehört und im Ausland mit der
Methode
des A._
, die auf der Feldenkrais-Therapie für Kinder ba
siere, angefangen zu haben. Diese Therapie werde auch weiterhin fortgeführt. Zusätzlich und um auch das kognitive Potential besser zu fördern, hätten sie im Frühjahr 2015 sechs Wochen im
Institute
B._
in Jerusalem ver
bracht. Danach habe er die SVA um eine teilweise Kostenübernahme dieser letzten Behandlung
an
gefragt
.
N
ach ersten Abklärungen habe
d
ie Sachbear
beiterin eine solche telefonisch zugesprochen und ihm die Einreichung der Belege für die weiteren Behandlungen zwecks Prüfung [einer Leistungs
pflicht] empfohlen.
Alle diese Therapien sollten helfen, das Entwicklungspo
tential der Versicherten auszuschöpfen und damit ihre Unabhängigkeit zu verbessern. Letztlich würden sich ihre Anstrengungen auch auf das Ausmass der Unterstützung durch die Invalidenversicherung in der Zukunft positiv auswirken.
2
.
Obwohl sowohl in der angefochtenen Verfügung vom 22. Februar 2016 (Urk. 2) als auch in der Beschwerde vom 21. März 2016 die weiteren
nach der Feldenkrais-Methode durchgeführten
Behandlungen erwähnt werden, beziehen sich die verfügte Leistungsablehnung und das Rechtsbegehren im Beschwerdeverfahren lediglich auf den
Anspruch der Versicherten auf Über
nahme der Kosten für die
sechswöchige
Behandlung
im
Institute
B._
in Jerusalem
. Nach den Regeln
über den Anfechtungs- und Streitgegenstand (BGE 131 V 164 E. 2.1)
ist eine Kostenbeteiligung der Beschwerdegegnerin für die weiteren Behandlungen nicht Gegenstand des vorliegenden Verfah
rens.
Streitig und zu prüfen
ist
demzufolge
lediglich, der Anspruch der Versi
cherten auf Übernahme der Kosten für die im
Institute
B._
in Jeru
salem in den Monaten April und Mai 2015 durchgeführte
n
Behandlung
en
.
3
.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt (vgl. Urk. 6/53/4 und Urk. 6/56
/2), fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zu
ständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
4
.
4
.1
Nicht erwerbstätige Personen vor dem vollendeten 20. Altersjahr
haben ge
mäss
Art. 12 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich,
sondern unmittelbar auf die Ein
gliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und ge
eig
net sind, die Erwerbsfähig
keit oder die Fähigkeit, sich im Aufga
benbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewah
ren
.
Als medizinische Massnahmen im Sinne von Artikel 12 IVG gelten nament
lich chirurgische, physiotherapeutische und psychotherapeutische Vorkehren, die eine als Folgezustand eines Geburtsgebrechens, einer Krankheit oder eines Unfalls eingetretene Beeinträchtigung der Körperbewegung, der Sinnes
wahrnehmung oder der Kontaktfähigkeit zu beheben oder zu mildern trach
ten, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. Die Massnahmen
müssen nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sein und den Einglie
de
rungserfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV)
4
.2
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr
auch
Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
) notwendi
gen medi
zinischen Massnahmen (
Art.
13
Abs.
1
IVG
).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Ge
burt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
der Verordnung über Geburtsgebrechen; GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufgeführt (
Art.
1
Abs.
2 GgV). Als medizinische Mass
nahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizi
ni
schen Wis
senschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in ein
facher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
4
.3
Die medizinischen Massnahmen umfassen gemäss Art. 14 Abs. 1 IVG die Behandlung, die vom Arzt oder von der Ärztin selbst oder auf ihre Anord
nung durch medizinische Hilfspersonen in Anstalts- oder Hauspflege vorge
nommen wird (
lit
. a), mit Ausnahme von logopädischen und psychomotori
schen Therapien sowie die Abgabe der vom Arzt oder der Ärztin verordneten Arzneien (
lit
. b).
Nach der Rechtsprechung sind als medizinische Hilfspersonen im Sinne von
Art.
14
Abs.
1
lit
. a IVG nur jene Personen zu verstehen, welche, wie Physio
therapeuten, Logopäden, anerkannte
Chiropraktoren
usw. eine angemessene berufliche Spezialausbildung erhalten haben und ihren Beruf nach den im betreffenden Fall gültigen kantonalen Vorschriften ausüben (BGE 136 V 209 E. 7 mit Hinweisen).
4
.4
Die Eingliederungsmassnahmen werden in der Schweiz, ausnahmsweise auch im Ausland, gewährt (
Art.
9
Abs.
1 IVG). Erweist sich die Durchführung einer Eingliederungsmassnahme in der Schweiz als unmöglich, insbesondere weil die erforderlichen Institutionen oder Fachpersonen fehlen, so übernimmt ge
mäss
Art.
23
bis
IVV
die Versicherung die Kosten einer einfachen und zweck
mässigen Durchführung im Ausland (
Abs.
1).
Die Versicherung übernimmt die Kosten für eine einfache und zweckmässige Durchführung medizinischer Massnahmen, die notfallmässig im Ausland durchgeführt werden (
Abs.
2).
Wird eine Eingliederungsmassnahme aus anderen beachtlichen Gründen im Ausland durchgeführt, so vergütet die Versicherung die Kosten bis zu dem Umfang, in welchem solche Leistungen in der Schweiz zu erbringen gewesen wären (Abs. 3).
5
.
5
.1
Die Kinderärztin Dr.
C._
berichtete am
7. Februar 2014 (Urk. 6/40)
, dass die Versicherte Frühforderung, Physiotherapie und eventuell später Logo
pädie benötige. Es beständen m
ultiple
Dysmorphiezeichen
, ein muskulärer
Hyper
tonus der Beine, eine
Hyperreflexie
der Beine und ein ataktisches Be
wegungsmuster im Sitzen. Im Spielverhalten und in der Motorik bestehe ein generalisierter Entwicklungsrückstand. Der Zustand sei besserungsfähig. Die Versicherte mache Fortschritte.
5
.2
Dem Schreiben vom Universitätsspital
D._
, Institut für Medizinische Gene
tik, vom 25. September 2014 (Urk. 3/1) lässt sich entnehmen, dass die angeborene Chromosomenstörung der Versicherten mit einer Entwicklungs
störung verbunden sei. Die wichtigste therapeutische Massnahme sei eine intensive psychomotorische Förderung, da das Kind sonst
sein
Entwicklungs
potential nicht ausschöpfen könne.
5
.3
Dr.
C._
gab im Schreiben vom 9. April 2015 (Urk. 6/53/3) an, die Versi
cherte erhalte eine heilpädagogische Frühförderung und die Eltern planten einen sechswöchigen Therapieaufenthalt in Jerusalem am
Insti
tute B._
, um die Entwicklung des Kindes optimal zu fördern. Unter der Therapie seien deutliche Entwicklungsfortschritte erzielt worden.
5
.4
Prof. Dr. med. Dr. h.c.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Tra
u
ma
tologie, führte im Bericht vom 3. Juni 2015 (Urk. 6/55) aus, die Versi
cherte beginne jetzt sich
fest
haltend zu laufen. Seit zirka Anfang 2015 laufe es auch an der Hand. Aufgrund der Entwicklungsverzögerung und dem In
teresse der Eltern sei die Fami
lie auf die Institution
A._
in Tel Aviv aufmerksam gemacht worden. Dort habe die Versicherte
schon nach we
nigen Tagen während eines nur einwöchigen
Aufenthaltes
enorme Fortschritte gemacht. Zusätzlich habe weiterführend ein sechswöchiger Aufenthalt im
Institute
B._
in Jerusalem in April 2015 stattgefunden. Jetzt komme auch eine Spezialistin von
A._
zu der Familie.
Radiologisch bestehe eine Hüftdysplasie geringen Ausmasses im Grenzbe
reich. Diese Hüftentwicklung dürfte mit dem motorischen Entwicklungsrück
stand zusammenhängen. Aktuell käme
n
eine Schienen- oder operative Behandlung nicht in Frage, um die momentane sensible Entwicklungsphase nicht zu beeinträchtigen. Bei der Fussentwicklung links [Knickplattfuss] könnte es sich um eine physiologische Durchgangsstation bis zum freien Gehen handeln. Die Förderungsmassnahmen seien äusserst wichtig.
5
.5
Laut Bericht von Prof. Dr.
E._
vom 16. September 2015 (Urk. 6/57) geht die Versicherte sicher. Aktuell bestehe keine Indikation für Einlagen, Schie
nen oder spezielle Fussversorgungen. Funktionell sei die Aufrichtung der Füsse sicher gegeben. Abgesehen von einer allgemeinen Hypotonie bestün
den keine echten muskulären motorischen Störungen. Aktuell sei die Förde
rung kognitiv und aktiv
motorisch
sicher wichtig
.
5
.6
Dr.
C._
bestätigte im Schreiben vom 19. November 2015 (Urk. 6/64/1), dass sich die Versicherte dank einem intensiven Therapieprogramm mit Feldenkrais-Physiotherapie sowie dem
A._
Programm in Tel Aviv ihren Möglichkeiten entsprechend sehr gut entwickle. Die Therapie umfasse eine intensive Behandlung der Patientin aber auch eine umfassende Instruktion und Schulung der Eltern und optimiere dadurch die Entwicklung des Kindes nachhaltig.
6
.
6
.1
Diesen medizinischen Stellungnahmen kann entnommen werden, dass
bei
der
Versicherte
n
wegen der Entwicklungsverzögerung
eine
heilpädagogi
sch
e
/
psychomotorische
und infolge der Hüftdysplasie eine physiotherapeuti
sche
Be
handlung indiziert sind
(Urk. 6/40
, E.
5.1; Urk. 3/1, E. 5
.2
; Urk. 6/57, E. 5
.5
).
Dementsprechend erhielt sie bereits vor der strittigen Behandlung im
Institute
B._
neben der Physiotherapie
eine heilpädagogische Förde
rung, unter welcher deutliche Entwicklungsfortschritte e
rzielt wurden (Urk. 6/53/3, E. 5
.3).
Demgegenüber scheint die bis Oktober 2013 durchge
führte Physio
therapie zu keinen befriedigenden Resultaten geführt zu haben, weshalb sie auf Wunsch der Eltern eingestellt wurde (vgl. u.a. Urk. 1 S. 1).
6
.2
Zunächst stellt sich die Frage, worin die in den Monaten April und Mai 2015 im
Institute
B._
in Jerusalem durchgeführte Behandlung besteht. Die beiden
Rechnungen vom
6.
und 31. Mai 2015 (Urk. 6/53/4, Urk. 6/56/2)
ge
ben
dazu
keine
rlei
Auskunft
.
Gemäss dem Auftritt des
Institutes
B._
auf Facebook besteht
B._
s
Method
e darin
,
Fähigkeiten zum systematischen Denken und Lernen zu vermitteln (
k
onsultiert am 6. April 2017).
Angestrebt wird somit eine För
derung der
all
gemeinen Lernfähigkeit, was
einer pädagogisch-therapeuti
schen Massnahme entspricht.
Bis zum 31.
Dezember 2007 wurden die pädagogisch-therapeutischen
(
so
wie
auch
die sonderschulischen
)
Massnahmen von der
Invalidenversicherung
übernommen. Seit der
Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufga
benteilung
zwischen Bund und Kantonen (NFA)
per 1.
Januar 2008, liegt die Zuständigkeit für
Logopädie, Psychomotorik sowie
andere heilpädagogische
und früherzieherische
Massnahmen (
wie auch
für die
Massnahmen der Son
derschulung
)
in
der
Beurteilungskompetenz und
allfällige
n
Zahlungspflicht der Kantone.
Pädagogisch-therapeutische
Massnahmen gehen
somit
nicht (mehr) zul
asten der Invalidenversicherung
.
6
.3
Sollte die Versicherte im
Institute
B._
über d
i
e pädagogisch-thera
peu
ti
sche
Förderung
hinaus
auch
physiotherapeutisch behandelt worden sein
wofür allerdings keinerlei Anhaltspunkte bestehen
, wäre
eine
Kos
ten
beteiligung der Beschwerdegegnerin
für diesen Teil der im Ausland durch
ge
führten Behandlung nach den Kriterien von Art. 23
bis
IVV
(E. 4
.4) zu prüfen.
Unbestrittenermassen handelte es sich nicht um
eine Notfallbehandlung nach
Art. 23
bis
Abs
. 2 IVV.
Weiter
könnte eine
auf Kinder
mit Hüftdysplasie
zugeschnittene Physiothera
pie
auch
in der Schweiz
durchgeführt werden.
Bis Oktober 2013
kam
die Ver
sicherte
denn auch
in den Genuss
einer solchen Behandlung
.
E
ine Kos
ten
übernahme nach
Art. 23
bis
Abs.
1
IVV
würde daher
ausser Betracht
fallen
.
Ob schliesslich gemäss
Art. 23
bis
Abs
.
3
IVV
beachtliche Gründe der Durch
füh
rung der Massnahme im Ausland zugrunde lagen, kann offen ge
lassen werden. Denn
die Invalidenversicherung
würde
lediglich
Behandlun
gen
über
nehmen
, die von einem Arzt oder auf seine Anordnung durch medi
zinische
Hilfs
personen
mit entsprechender beruflicher Ausbildung
vorge
nommen wer
den
(Art. 14
lit
. a
IVG; E.
4
.3).
Weder in den Stellungnahmen der Kinder
ärzt
in
Dr.
C._
, noch in denjenigen des chirurgischen Orthopä
den Prof.
Dr.
E._
finden sich Hinweise auf eine Verschreibung von physi
otherapeutischen Be
handlungen während des Aufenthaltes in Jerusalem
. So
mit wäre eine Leis
tungspflicht der
Beschwerdegegnerin auch im Rahmen der
in
Art. 23
bis
Abs. 3 IVV
statuierten
Au
stauschbefugnis
zu verneinen
.
6.4
Zusammenfassend besteht keine Rechtsgrundlage für eine Übernahme be
zieh
ungsweise Beteiligung
der In
validenversicherung
an den Kosten der Beha
ndlung im
Insti
tute
B._
in Jerusalem.
Unter diesen Umständen ist
auch
nicht weiter zu prüfen, ob die Voraus
setzungen von Art. 13 IVG, beziehungsweise allenfalls Art. 12 IVG erfüllt wären. Dies
bezüglich würde sich insbesondere die Frage stellen, ob die Be
hand
lung im
Institute
B._
nach bewährter Erkenntnis der medizi
ni
schen Wissen
schaft angezeigt war und den therapeutischen Erfolg bezieh
ungsweise den Eingliederungserfolg in einfacher und zweckmässiger W
ei
se anstrebte (Art. 2 Abs. 3 GgV, Art. 2 Abs. 1 letzter Satz IVV
; E. 4.1-2
).
7
.
7
.1
Wiederholt beruft sich der Vater der Versicherten auf eine von der Sachbear
beiterin der IV-Stelle
gemachte
Zusage für die Kostenübernahme (
zuletzt im Beschwer
deverfahren:
Urk. 1 S. 2).
7
.2
Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben (
Art.
9 BV), welcher
den Bürger in seinem berechtigten Vertrauen auf behördliches Verhalten schützt
, können falsche Auskünfte von Verwaltungs
be
hörden unter be
stimmten Voraussetzungen eine vom mate
riel
len Recht abweichende Be
hand
l
ung der Rechtsuchenden gebieten. Gemäss Rechtsprechung und Doktrin ist dies der Fall, wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte Personen gehandelt hat (1.), wenn sie für die Erteilung der be
treffenden Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende Person die
Behörde aus zurei
chenden Gründen als zuständig betrachten durfte (2.), wenn
die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres erken
nen konnte (3.), wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dis
po
sitionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgän
gig gemacht wer
den können (4.) und wenn die gesetzliche Ordnung seit der Auskunft
s
ertei
lung keine Änderung erfahren hat (5.; BGE 131 II 627 E. 6.1, 129 I 161 E. 4.1, 126 II 377 E. 3a, 122 II 113 E. 3b/cc, 121 V 65 E. 2a; RKUV 2000 Nr. KV 126 S.
223).
7
.3
Selbst wenn die zuständige
Sachbearbeiterin der IV-Stelle
eine
in den Akten nicht dokumentierte
Zusage für die Kostenübernahme ge
mach
t hätte, könnte daraus nichts zugunsten der Versicherten abgeleitet werden. Denn die Eltern der Versicherten stellten ihr Gesuch um Übernahme der Kosten für die Behandlung im
Institute
B._
erst nach
deren
Abschluss (Urk. 6/53/2). Somit konnte die geltend gemachte
offenbar erst nach Gesuchstellung er
folgte
Zusage keineswegs Auslöser für die Einleitung der kostenintensiven Behandlung in Jerusalem gewesen sein.
Dass die Eltern der Versicherten
im Vertrauen auf die Richtigkeit
dieser
Auskunft
weitere
Dispositionen getroffen
hätten, machen sie nicht geltend und ergibt sich auch nicht aus den Akten.
8
.
Aus diesen Gründen ist die angefochtene Verfügung vom 22. Februar 2016 (Urk. 2) nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
9
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
6
00
.-- fe
stzulegen und ausgangsge
mäss vo
n der
Beschwerdeführer
in
zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).