Decision ID: 398c3e47-fd91-4931-81be-f8082110a1c2
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Strafbehörden des Fürstentums Liechtenstein führen eine gerichtliche
Voruntersuchung unter anderem gegen die Bank B., die Bank C., die D. AG
(heute: A. AG), E., F. (alias G.) sowie H. wegen des Verdachts der Geld-
wäscherei nach liechtensteinischem Recht. In diesem Zusammenhang ge-
langte das Fürstliche Landgericht mit Rechtshilfeersuchen vom 21. März
2019 an die Schweiz und ersuchte nebst anderem um Übermittlung von
Bankunterlagen der Bank I. zum Konto 1, lautend auf die D. AG, sowie um
Durchsuchung der Räumlichkeiten der D. AG zwecks Beschlagnahme von
Unterlagen (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Rechtshilfeersuchen vom
21. März 2019, S. 15 f.).
B. Am 26. März 2019 übertrug das Bundesamt für Justiz (nachfolgend «BJ»)
das Ersuchen an die Bundesanwaltschaft (nachfolgend «BA») zum Vollzug.
Mit Eintretensverfügung vom 3. April 2019 entsprach die BA dem Ersuchen
(Verfahrensakten BA, unpaginiert, Eintretensverfügung vom 3. April 2019)
und forderte die Bank I. gleichentags mit separater Verfügung auf, ihr die
Unterlagen zur Kundenbeziehung 1, lautend auf die D. AG, einzureichen
und das Konto zu sperren (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Editionsverfü-
gung vom 3. April 2019). Die Bank I. kam der Aufforderung der BA am
10. April 2019 nach (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Schreiben der
Bank I. vom 10. April 2019).
C. Die BA gab der D. AG, vertreten durch Rechtsanwalt Till Gontersweiler
(nachfolgend «RA Gontersweiler»), am 4. Juni 2019 die Gelegenheit, sich
zur vereinfachten Ausführung gemäss Art. 80c IRSG und zum Ersuchen zu
äussern (Verfahrensakten BA, unpaginiert, Schreiben BA vom 4. Juni
2019). Mit Schlussverfügung vom 30. Oktober 2019 verfügte die BA die
Herausgabe der darin bezeichneten Unterlagen zu den Konten bei der
Bank I. mit den Nrn. 2 und 3, für den Zeitraum vom 1. April 2019 bis zum
30. April 2019, an die liechtensteinischen Behörden und hielt zugleich die
angeordnete Vermögenssperre aufrecht (Verfahrensakten BA, unpaginiert,
Schlussverfügung vom 30. Oktober 2019). Diese Schlussverfügung blieb
unangefochten.
D. Mit ergänzender Schlussverfügung vom 9. März 2020 verfügte die BA die
Herausgabe der Kontoauszüge und Detailbelege der Konten bei der
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Bank I. mit den Nrn. 2 und 3, für den Zeitraum vom 1. Juli 2018 bis zum
21. März 2018 bzw. 4. April 2019, an die ersuchende Behörde (act. 1.2).
E. Gegen die ergänzende Schlussverfügung vom 9. März 2020 liess die
A. AG am 8. April 2020 bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafge-
richts Beschwerde erheben. Sie beantragt kostenfällige Aufhebung der
Schlussverfügung und Abweisen des Rechtshilfeersuchens betreffend die
in der Schlussverfügung genannten Kontoauszüge und Detailbelege. Des
Weiteren sei die BA anzuweisen, keine Unterlagen zu den Konten Nr. 2
und 3 bei der Bank I., lautend auf die D. AG, an die ersuchende Behörde
herauszugeben. In prozessualer Hinsicht ersucht sie um die Sistierung des
Beschwerdeverfahrens bis die BA das Ersuchen vom 21. März 2019 ab-
schliessend behandelt und eine sämtliche Daten betreffende Schlussverfü-
gung erlassen hat (act. 1).
F. Mit Schreiben vom 24. April 2020 verzichtete das BJ auf die Einreichung
einer begründeten Stellungnahme und beantragt die kostenfällige Abwei-
sung der Beschwerde (act. 6). Die BA liess sich mit Eingabe vom 11. Mai
2020 zur Beschwerde vernehmen und beantragt ebenfalls deren kostenfäl-
lige Abweisung (act. 8). Das Schreiben vom 4. Juni 2020, mit welchem die
A. AG zu den Beschwerdeantworten Stellung nahm und an den in der Be-
schwerde gestellten Begehren festhielt, wurde dem BJ und der BA am da-
rauffolgenden Tag zur Kenntnis gebracht (act. 12, 13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug ge-
nommen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für die Rechtshilfe zwischen dem Fürstentum Liechtenstein und der
Schweiz sind in erster Linie das Europäische Übereinkommen über die
Rechtshilfe in Strafsachen vom 20. April 1959 (EUeR; SR 0.351.1) sowie
das Zweite Zusatzprotokoll vom 8. November 2001 zum Europäischen
Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen (SR 0.351.12; Zweites
Zusatzprotokoll) anwendbar. Zur Anwendung kommt vorliegend auch das
Übereinkommen vom 8. November 1990 über Geldwäscherei sowie Ermitt-
lung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten (Geld-
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wäschereiübereinkommen, GwUe; SR 0.311.53). Überdies gelangen die
Bestimmungen der Art. 48 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 zur
Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985
(Schengener Durchführungsübereinkommen, SDÜ; ABl. L 239 vom
22. September 2000, S. 19-62) zur Anwendung, wobei die zwischen den
Vertragsparteien geltenden weitergehenden Bestimmungen aufgrund bila-
teraler Abkommen unberührt bleiben (Art. 48 Abs. 2 SDÜ; Art. 26 Absätze
2 und 3 EUER; ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en
matière pénale, 5. Aufl. 2019, N. 18-21, 28-40, 77, 109).
Soweit die staatsvertraglichen Bestimmungen gewisse Fragen weder aus-
drücklich noch stillschweigend regeln, bzw. das schweizerische Landes-
recht geringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (sog. Günstigkeits-
prinzip; BGE 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 136 IV 82 E. 3.1; 135 IV 212
E. 2.3; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 229), sind das Bundesgesetz vom 20. März
1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und
die dazugehörige Verordnung vom 24. Februar 1982 (IRSV; SR 351.11)
anwendbar (Art. 1 Abs. 1 IRSG; BGE 143 IV 91 E. 1.3; 136 IV 82
E. 3.2; 130 II 337 E. 1; vgl. auch Art. 54 StPO). Vorbehalten bleibt die Wah-
rung der Menschenrechte (BGE 139 II 65 E. 5.4 letzter Absatz; 135 IV 212
E. 2.3; 123 II 595 E. 7c; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 211 ff., 223 ff., 681 ff.).
1.2 Auf das vorliegende Beschwerdeverfahren sind zudem anwendbar die Be-
stimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021;
Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes vom
19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bundes [Straf-
behördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71]; BGE 139 II 404
E. 6/8.2; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 273).
2.
2.1 Die Verfügung der ausführenden kantonalen Behörde oder der ausführen-
den Bundesbehörde, mit der das Rechtshilfeverfahren abgeschlossen wird,
unterliegt zusammen mit den vorangehenden Zwischenverfügungen der