Decision ID: 4269ab8b-8a2b-53ea-a77c-db501725fe5e
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt die Fahrberechtigungen der Kategorien A (Motorrad) und B
(Personenwagen). Er ist selbständiger Fahrlehrer und führt unter anderem auch die
praktische Grundschulung für Motorradfahrschüler durch. In dieser Funktion untersteht
er der Aufsicht des Strassenverkehrsamts, das im Zusammenhang mit der gesetzlich
vorgeschriebenen Aufsichtspflicht am 1. Mai 2016 das System SARI (System für
Administration, Registrierung und Information) VKU/PGS (Verkehrskundeunterricht/
praktische Motorradgrundschulung) einführte. Dabei handelt es sich um eine Online-
Plattform, auf der die Fahrschulen Angaben über die von ihnen angebotenen
Verkehrskunde- und Motorradgrundkurse und deren Teilnehmer erfassen müssen.
Gestützt auf diese Einträge führt das Strassenverkehrsamt Audits (Inspektionen) durch
und prüft, ob die praktische Motorrad-Grundschulung gemäss den vom Bundesamt für
Strassen (ASTRA) erlassenen Weisungen durchgeführt wird.
B.- Am Samstag, 6. Mai 2017, beabsichtigte das Strassenverkehrsamt (Prüfstelle
Winkeln) bei X ein Audit im Bereich der praktischen Motorrad-Grundschulung (Teil 2)
durchzuführen, traf am angegebenen Kursort jedoch niemanden an. Mit Schreiben vom
8. Mai 2017 teilte es X mit, gemäss VKU/PGS-Eintrag hätte der Kurs um 19.22 Uhr
beginnen sollen. Da weder er noch die im System eingetragenen Kunden anzutreffen
gewesen seien, habe das Audit nicht durchgeführt werden können. Man behalte sich
vor, die entstandenen Kosten in Rechnung zu stellen. Nachdem X am 1. Juni 2017
dazu Stellung genommen und einen offensichtlichen Datenerfassungsfehler geltend
gemacht hatte – er führe die Kurse seit 25 Jahren um 7.45 Uhr durch und nicht um
19.22 Uhr –, wurde ihm mit Schreiben vom 1. Juni 2017 eine Gebühr von Fr. 200.– in
Rechnung gestellt.
C.- Mit Eingabe vom 14. Juni 2017 erhob X bei der Verwaltungsrekurskommission
Rekurs. Er beantragte, die Gebührenrechnung vom 1. Juni 2017 sei unter Kostenfolge
aufzuheben. Die Vorinstanz trug mit Vernehmlassung vom 5. Juli 2017 auf Abweisung
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des Rekurses an. X nahm dazu mit Schreiben vom 27. Juli 2017 nochmals Stellung und
hielt am Antrag fest. Die Vorinstanz verzichtete am 10. August 2017 auf eine weitere
Stellungnahme.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- a) Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Der Rekurs
richtet sich gegen eine Gebührenrechnung nach Ziffer 230.01 des
Verkehrsgebührentarifs (sGS 718.1, abgekürzt: VGT). Möchte der Adressat eine
Verfügung über Strassenverkehrsgebühren nach VGT anfechten, hat er zunächst
Einsprache beim Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt zu erheben, wenn er die
Hauptsache nicht anficht (Art. 27 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die
Strassenverkehrsabgaben [sGS 711.70, abgekürzt: SVAG]). Diese Norm wurde mit dem
IV. Nachtrag zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege vom 1. April 1999 erlassen.
Der Gesetzgeber führte in der Botschaft aus, gegen die vom Strassenverkehrsamt in
grosser Zahl versendeten Verfügungen über Strassenverkehrssteuern und -gebühren
würde oft Rekurs erhoben. Solche Fälle liessen sich in der Regel einfach im direkten
Kontakt zwischen Strassenverkehrsamt und Abgabepflichtigem erledigen; häufig
komme es gar zu Rückzügen. Art. 27 SVAG ermögliche es, solche Streitfälle im
Rahmen des Einspracheverfahrens direkt zwischen dem Strassenverkehrsamt und den
Abgabepflichtigen zu bereinigen (vgl. Botschaft zum IV. Nachtrag zum Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege vom 9. Juni 1998, in: ABl Nr. 29/1998, S. 1315). Dem
Gesetzgeber ging es demnach einzig darum, die Verfahren, bei denen nur die Gebühr
oder eine Steuer angefochten wird, zu vereinfachen. Nicht betroffen von dieser
Neuerung sind Verfügungen, die in der Hauptsache angefochten werden; zuständig für
deren Prüfung ist in erster Instanz nach wie vor die Verwaltungsrekurskommission, und
zwar auch hinsichtlich der Kostenfolge (Art. 41 lit. g des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1, abgekürzt: VRP] und Art. 27 Abs. 1 lit. b SVAG).
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Nachfolgend ist zu prüfen, ob der Rekurs einer Anfechtung in der Hauptsache
entspricht.
b) Bei der von der Vorinstanz durchgeführten Kontrolle handelte es sich um einen
sogenannten Realakt. Das ist eine behördliche Handlung, die nicht in einer der
Rechtsformen wie Verfügung, Vertrag, Plan oder Erlass erging (vgl. Kölz/Häner/
Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl.
2013, Rz. 362; B. Weber-Dürler, in: VwVG, Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Zürich/St.
Gallen 2008, Art. 25a N 6; I. Häner, in: Praxiskommentar VwVG, Waldmann/
Weissenberger [Hrsg], 2. Aufl. 2016, Art. 25a N 6). Da Realakte nicht in einem rechtlich
geregelten Verfahren zustande kommen und deshalb formlos ergehen (vgl. Kiener/
Rütsche/Kuhn, Öffentliches Verfahrensrecht, 2. Aufl. 2015, Rz. 328), fehlt es in der
Regel an einer Verfügung als Anknüpfungspunkt des Verwaltungsrechtsschutzes. Liegt
keine Verfügung vor oder ist eine solche nicht erzwingbar, so fehlt es an einer
Prozessvoraussetzung im Anfechtungsverfahren, weshalb auf das ergriffene
Rechtsmittel der Verwaltungsrechtspflege grundsätzlich nicht eingetreten werden kann
(vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003,
Rz. 534). Das auf Verfügungen von Bundesverwaltungsbehörden anwendbare
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (SR 172.021, abgekürzt: VwVG) trägt
diesem Umstand in Art. 25a Abs. 1 VwVG Rechnung: Wer ein schutzwürdiges Interesse
hat, kann von der Behörde, die für Handlungen zuständig ist, welche sich auf
öffentliches Recht des Bundes stützen und Rechte und Pflichten berühren, verlangen,
dass sie widerrechtliche Handlungen beseitigt (lit. a), die Folgen widerrechtlicher
Handlungen beseitigt (lit. b) oder die Widerrechtlichkeit von Handlungen feststellt (lit. c).
Die Behörde entscheidet durch Verfügung (Abs. 2). Obwohl das VRP den Erlass von
Feststellungsverfügungen nicht ausdrücklich regelt, anerkennt die Rechtsprechung
deren Zulässigkeit unter bestimmten Voraussetzungen. Nach der Praxis des
Bundesgerichts ist für den Erlass einer solchen Verfügung ein Feststellungsinteresse
erforderlich. Ein solches ist insbesondere gegeben, wenn eine Unklarheit über den
Bestand oder Umfang öffentlich-rechtlicher Befugnisse oder Pflichten besteht. Dabei
gebieten es die verfahrensrechtlichen Postulate der Rechtssicherheit und des
Vertrauensschutzes, schon bei geringfügigen Zweifeln über die konkrete Rechtslage
den Feststellungsanspruch zu bejahen (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 2C_737/2010
vom 18. Juni 2011 E. 4.6; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 559 f.).
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Realakte können jedoch auch selber zum Anfechtungsobjekt des
Rechtsmittelverfahrens werden, wenn sie in Rechte und Pflichten von Personen
eingreifen. So bezeichnete das Bundesgericht die polizeiliche Verweigerung der
Weiterreise eines Journalisten nach Davos nicht als eigentliche Verfügung, aber als
Ausgangspunkt für eine "wirksame Beschwerde eigener Natur". Der Entscheid dürfte
auch in den Fällen von Art. 29a BV (Rechtsweggarantie) den prozessualen Weg
vorzeichnen, wenn ein Kanton die Anfechtung von Realakten nicht ausdrücklich
geregelt hat, wie dies im Kanton St. Gallen der Fall ist (B. Schindler, Rechtsschutz im
Polizeirecht: Eine Standortbestimmung, in: Sicherheit & Recht, 3/2012, S. 220 und FN
39; BGE 130 I 369 E. 6.1). So beschränkt Art. 29a Satz 1 BV den Anspruch jeder
Person auf Beurteilung durch eine richterliche Behörde nicht auf den Erlass einer
verwaltungsbehördlichen Verfügung, sondern gewährt diesen Anspruch allgemein bei
Rechtsstreitigkeiten (Bergier/Glaser, Rechtsschutz gegen Realakte: Bundesgericht
schafft Klarheit, in: SJZ 111 [2015] Nr. 7, S. 170); denselben Schutz gewährt auch
Art. 77 Abs. 1 der Kantonsverfassung (sGS 111.1, abgekürzt: KV). Zuständig für die
Beurteilung von Streitigkeiten über Realakte ist diejenige Instanz, die entscheiden
müsste, wenn der Realakt eine Verfügung wäre (Y. Hangartner, Recht auf
Rechtsschutz, in: AJP 2/2002, S. 147).
c) Der Rekurrent hatte Gelegenheit, sich vor der Vorinstanz zur Gebührenrechnung zu
äussern. Er machte bereits damals geltend, die Kontrolle sei nicht verhältnismässig
gewesen. Die Vorinstanz stimmte dem nicht zu und stellte den Aufwand für das nicht
durchgeführte Audit in der Höhe von Fr. 200.– in Rechnung. Es kann offen bleiben, ob
das Schreiben vom 1. Juni 2017, mit dem die Vorinstanz kurz auf die Einwände des
Rekurrenten einging, eine anfechtbare Feststellungsverfügung war, denn aus den
gesamten Umständen geht klar hervor, dass der Rekurrent nicht in erster Linie die von
der Vorinstanz in Rechnung gestellte Gebühr anfocht, sondern die ihr zugrunde
liegende Kontrollhandlung. Er machte geltend, die Vorinstanz sei unter den damals
gegebenen Umständen gar nicht berechtigt gewesen, eine nicht angekündigte
Kontrolle durchzuführen; die Massnahme sei unverhältnismässig gewesen und habe
gegen Art. 8 KV verstossen. Der Rekurrent verlangte damit ausdrücklich eine
gerichtliche Beurteilung der Rechtmässigkeit der Kontrolle vom 6. Mai 2017, was einer
Anfechtung in der Hauptsache gleichkommt. Die Verwaltungsrekurskommission ist
deshalb für die Beurteilung des Rekurses zuständig (Art. 41 lit. g VRP und Art. 27bis bis
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SVAG). Der Rekurs vom 14. Juni 2017 wurde rechtzeitig eingereicht und erfüllt in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 45, 47 und 48
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Umstritten ist, ob die von der Vorinstanz am 6. Mai 2017 durchgeführte Kontrolle
rechtmässig war.
a) Die Vorinstanz führte aus, sie habe in den letzten Jahren vermehrt Hinweise erhalten,
dass sich der Rekurrent bei der Durchführung von Motorradgrundkursen nicht an die
Weisungen des ASTRA halte. Das habe zu intensiven Kurskontrollen von Juni 2011 bis
Mai 2014 geführt. In diesem Zeitraum sei es zu einer Drohung gegenüber dem Leiter
Führerprüfungen gekommen, was zu einer Strafanzeige geführt habe. Am 29. April
2017 sei ein mit Fotos dokumentierter Hinweis eingegangen, wonach der Rekurrent
einen Grundkurs mit sechs anstatt der erlaubten fünf Teilnehmer durchgeführt habe.
Aufgrund dieser Meldung habe sie die Kurse des Rekurrenten überprüft und
festgestellt, dass am 6. Mai 2017, 19.22 Uhr, ein Kurs geplant sei. Auf eine telefonische
Rückfrage wegen des Zeitpunkts des Kurses habe sie verzichtet, weil eine
Voranmeldung die stichprobenartige Kontrolle sinnlos werden lasse. In die
Datumsfelder der Kursteile werde entweder der Wert aus der vom Fahrlehrer
definierten Konstanten oder die Zeit aus der von ihm definierten Kursart übernommen.
Deshalb bestehe der begründete Verdacht, dass der Rekurrent die Startzeit des ersten
Kursteils absichtlich auf 19.21 Uhr gesetzt habe, um die vorgeschriebene Vorlaufzeit
von 24 Stunden nicht zu unterschreiten. Zudem habe sich der Rekurrent in der
Vergangenheit in ähnlichen Situationen schon öfter auf Flüchtigkeitsfehler oder
Versehen berufen. Auch deshalb sei in diesem Fall auf eine telefonische Nachfrage
verzichtet worden. Im Übrigen vertraue man darauf, dass die Fahrlehrer die Kurse
korrekt im VKU/PGS-System erfassen.
Der Rekurrent führte zusammengefasst aus, im Strafverfahren liege eine
Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft vor. Es sei damit erwiesen, dass
die von der Vorinstanz gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen jeglicher Grundlage
entbehrten. Bei der von der
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Vorinstanz zur Verfügung gestellten Software bestehe das Problem, dass bei einer
Eintragung die aktuelle Zeit im vorgesehenen Platzhalter automatisch eingefügt werde,
was leicht zu übersehen sei. Deshalb sei es zu zwei falschen Einträgen gekommen. Die
Grundschulung I vom 29. April 2017 und die Motorrad-Grundschulung II vom 6. Mai
2017 seien mit den Zeiten 19.21 Uhr und 19.22 Uhr erfasst worden, obwohl die Kurse,
wie üblich, bereits um 7.45 Uhr begonnen hätten. Dabei habe es sich um
offensichtliche Fehler gehandelt, die von der
Vorinstanz leicht hätten erkannt werden können. Dass Letztere trotz der fragwürdigen
Uhrzeit versucht habe, ein Audit durchzuführen, sei unverhältnismässig gewesen.
Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz verwende er keine vordefinierten
Kursarten. Bei einer solch vollständig manuellen Erfassung werde die Uhrzeit jeweils
automatisch generiert. Er habe die Kurse um 19.22 Uhr eingetragen und vergessen, die
Startzeit auf den tatsächlichen Kursbeginn anzupassen. Dabei habe es sich um einen
Flüchtigkeitsfehler gehandelt und nicht um eine Täuschung. Im Weiteren hätte die
Vorinstanz bereits aufgrund des Hinweises vom 29. April 2017 bemerken müssen, dass
der am selben Tag durchgeführte Kurs nicht wie im System eingetragen erst um
19.21 Uhr begonnen habe. Aus den Fotos sei ersichtlich gewesen, dass der Kurs nicht
abends durchgeführt worden sei.
b) aa) Die Kantone überwachen die Tätigkeit der bei ihnen gemeldeten Fahrlehrer im
praktischen und theoretischen Unterricht sowie ihre Einrichtungen durch regelmässige
Inspektionen (Art. 24 Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Fahrlehrern und
Fahrlehrerinnen und ihre Berufsausübung [SR 741.522, abgekürzt: FV]). Zu diesem
Zweck haben die Fahrlehrer die von ihnen angebotenen Verkehrskunde- und
Motorradgrundkurse und die Kursteilnehmer selbständig im Kursverwaltungssystem
des Strassenverkehrsamts (VKU/PGS-System) zu erfassen. Alle Kurse müssen bis
spätestens einen Tag vor Kursbeginn eingetragen werden, die Kursteilnehmerinnen
und Kursteilnehmer bis Kursbeginn. Die absolvierten Kursteile sind bis spätestens 24
Stunden nach dem Kursteil im VKU/PGS-System zu bestätigen. Falls diese Fristen
nicht eingehalten werden, muss die Erfassung von der Vorinstanz gegen eine Gebühr
von Fr. 30.– vorgenommen werden (act. 7/6). VKU- und PGS-Kurse werden anhand der
Supervisions-Checkliste VKU und PGS gemäss Qualitätssicherungssystem überwacht
(act. 14). Für durchgeführte Audits wird gestützt auf Ziffer 230.01 VGT eine Gebühr von
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Fr. 200.– erhoben, wenn es zu Beanstandungen oder Auflagen kam oder wenn das
Audit nicht durchgeführt werden konnte; andernfalls werden keine Kosten erhoben
(act. 7/11). Gemäss Ziffer 230.01 VGT beträgt die Gebühr für periodische Kontrollen
der Fahrschulen nach Art. 24 FV Fr. 80.– bis Fr. 500.–.
bb) Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit erfordert, dass die
Verwaltungsmassnahmen zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden
Ziels geeignet und notwendig sind; er hat im ganzen Bereich des öffentlichen Rechts
Geltung und ist nicht nur auf die Überprüfung von Grundrechten beschränkt.
Ausserdem muss der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu den
Belastungen stehen, die Privaten auferlegt werden. Das Element der Geeignetheit dient
der Prüfung der Präzision staatlichen Handelns. Ungeeignet ist eine Massnahme dann,
wenn sie am Ziel vorbeischiesst, das heisst keinerlei Wirkung im Hinblick auf den
angestrebten Zweck entfaltet oder die Erreichung dieses Zweckes sogar erschwert
oder verhindert. Die Verwaltungsmassnahme muss im Hinblick auf das im öffentlichen
Interesse angestrebte Ziel erforderlich sein; sie hat zu unterbleiben, wenn eine gleich
geeignete, aber mildere Massnahme für den angestrebten Erfolg ausreichen würde
(vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 514 ff;
B. Schindler, Verwaltungsermessen, Zürich/St. Gallen 2010, S. 302).
c) Der gesetzliche Auftrag zur Kontrolle der Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer bezieht sich
auf die Überwachung der Tätigkeit im praktischen und theoretischen Unterricht; geprüft
werden zudem die dazu genutzten Einrichtungen (vgl. Art. 24 Abs. 1 FV). Dabei geht es
im Wesentlichen darum, die Qualität des obligatorischen Unterrichts zu sichern (vgl.
ASTRA, Weisung betreffend die praktische Motorrad-Grundschulung, 13. Dezember
2017, Ziffer 6, publiziert in: www.astra.admin.ch). Die Vorinstanz nutzt dazu seit dem
1. Mai 2016 das VKU/PGS-System und plant die Qualitätsaudits aufgrund der von den
Fahrschulen eingetragenen Kursdaten und -zeiten. Dabei verlässt sie sich auf die
Richtigkeit der eingetragenen Kurstermine, wie sie vorbrachte. Dies ist grundsätzlich
nicht zu beanstanden, denn die vorgängige Überprüfung der Termine würde einen
unzumutbaren Zeitaufwand verursachen. Zudem würde der Überraschungseffekt der
nicht angemeldeten Audits verpuffen. Im vorliegenden Fall ist jedoch davon
auszugehen, dass der Vorinstanz die ungewöhnlichen Kurszeiten der ersten zwei
Kursteile (Kursteil 1 vom Samstag, 29. April 2017: 19.21 Uhr, Kursteil 2 vom Samstag,
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6. Mai 2017: 19.22 Uhr, Kursteil 3 vom 12. Mai 2017: 16.00 Uhr) auffallen mussten. So
führte sie aus, da sich der Rekurrent in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen
schon öfter auf Flüchtigkeitsfehler oder Versehen berufen habe, sei auf eine
telefonische Nachfrage verzichtet worden (act. 6 S. 3). Zudem legte die Vorinstanz
selbst dar, dass der Rekurrent die Standardzeiten für den Beginn der Samstagskurse
im VKU/PGS-System auf 7.45 Uhr (Teil 1) und 8 Uhr (Teil 2 und 3) festgelegt habe (act.
7/4). Im Weiteren lagen der Vorinstanz Fotos vom ersten Kursteil vor, der gemäss
Eintrag im VKU/PGS-System um 19.21 Uhr hätte stattfinden sollen. Auch diese Bilder
mussten zu Zweifeln Anlass geben, denn der darauf erkennbare Schattenwurf lässt
nicht auf einen Durchführungszeitpunkt am späteren Abend zu jener Jahreszeit
schliessen (act. 7/3). Demnach lagen konkrete Hinweise vor, welche die Vorinstanz zu
weiteren Abklärungen hätten veranlassen müssen. Sie durfte vor diesem Hintergrund
nicht ohne Weiteres davon ausgehen, dass zur angegebenen Zeit ein Kurs
durchgeführt würde.
Aufgrund der dargelegten Umstände ist davon auszugehen, dass die Kontrolle eher
dazu diente, die Zuverlässigkeit des Rekurrenten zu überprüfen. Die Vorinstanz führte
aus, es bestehe der begründete Verdacht, dass der Rekurrent die Startzeit des ersten
Kursteils absichtlich auf 19.21 Uhr gesetzt habe, um die Vorlaufzeit von 24 Stunden
nicht zu unterschreiten und die Gebühr von Fr. 30.– zu sparen. Zudem habe sich der
Rekurrent in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen schon mehrfach auf
Flüchtigkeitsfehler oder Versehen berufen (act. 6). Dies betrifft jedoch nicht die Qualität
des praktischen und theoretischen Unterrichts, sondern das Verhalten des Rekurrenten
im Zusammenhang mit der vorinstanzlichen Kontrolltätigkeit. Soweit aus den Akten
ersichtlich, handelte es sich bei den Einträgen vom 29. April und 6. Mai 2017 um die
ersten Falscheintragungen seit der Einführung des VKU/PGS-Systems am 1. Mai 2016.
Nach Art. 16 Abs. 1 lit. a FV müssen Inhaber und Inhaberinnen von Fahrschulen der
Aufsichtsbehörde alle Auskünfte erteilen, die für die Anwendung der FV erforderlich
sind, und ihr den Zutritt zum Betrieb und die nötigen Abklärungen gestatten.
Missachtet ein Fahrlehrer oder eine Fahrlehrerin die Vorschriften über die
Berufsausübung (Art. 8-16 FV), so verfügt die kantonale Behörde eine Verwarnung und
im Wiederholungsfall einen befristeten Entzug der Fahrlehrerbewilligung (vgl. Art. 26
Abs. 2 FV). Im vorliegenden Fall wäre demnach nicht eine Gebühr wegen eines nicht
durchgeführten Audits (act. 7/11) zu erheben gewesen; vielmehr hätte die Vorinstanz
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eine Verwarnung nach Art. 26 Abs. 2 lit. a FV prüfen müssen. Allerdings müsste auch in
einem solchen Fall bei einer offensichtlich falschen Zeitangabe zunächst (telefonisch)
abgeklärt werden, ob der Kurs tatsächlich zur angegebenen Zeit stattfindet. Nur dann
könnten im Wiederholungsfall, das heisst, wenn ein zu einer ungewöhnlichen Zeit
ausgeschriebener Kurs tatsächlich nicht stattfindet, allfällige Massnahmen in Betracht
gezogen werden.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die von der Vorinstanz angeordnete Kontrolle
nicht der Qualitätssicherung dienen konnte. Aufgrund der gesamten Umstände musste
sie davon ausgehen, am Prüfungsort niemanden anzutreffen und somit kein Audit
durchführen zu können. Nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit wäre in diesem
Fall vorgängig abzuklären gewesen, ob die erfassten Kurszeiten fehlerhaft waren;
zumal auch keine zwingende Notwendigkeit eines unangemeldeten Audits ersichtlich
ist. Bei einem wiederholten Fehlverhalten seitens des Rekurrenten wäre eine Sanktion
nach Art. 26 Abs. 2 FV zu prüfen. Der Rekurs ist deshalb gutzuheissen und die
Gebührenrechnung vom 1. Juni 2017 über Fr. 200.– aufzuheben.
3.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Staat
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 500.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung [sGS 941.12]). Der
Kostenvorschuss von Fr. 500.– ist dem Rekurrenten zurückzuerstatten.
b) Der Rekurrent beantragte die Zusprechung einer ausseramtlichen Entschädigung.
Gemäss Art. 98 VRP finden die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (SR 272, abgekürzt: ZPO) über die
Parteientschädigung sachgemässe Anwendung. Gestützt auf das frühere kantonale
Zivilprozessgesetz hat die Verwaltungsrekurskommission entschieden, dass einer nicht
vertretenen Partei der Zeitaufwand für das Erstellen von Rechtsschriften nicht
entschädigt wird und Barauslagen nur ersetzt werden, wenn sie erheblich und
nachgewiesen sind (GVP 1993 Nr. 52). Als nicht vertreten im Sinn dieser
Rechtsprechung hat zu gelten, wer sich nicht berufsmässig vertreten lässt. Diese
Rechtsprechung lässt sich beim Rekurrenten ohne Weiteres auch mit der
sachgemässen Anwendung von Art. 95 Abs. 3 ZPO vereinbaren, wonach – neben den
Kosten einer berufsmässigen Vertretung (lit. b) – als Parteientschädigung der Ersatz
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notwendiger Auslagen (lit. a) und in begründeten Fällen eine angemessene
Umtriebsentschädigung, wenn eine Partei nicht berufsmässig vertreten ist, gelten (lit. c;
vgl. dazu Suter/von Holzen, in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung,
Zürich/Basel/Genf 2010, N 31 zu Art. 95 ZPO). Angesichts dieser Rechtsprechung und
der Tatsache, dass erhebliche Barauslagen oder ein verfahrensbedingter
Verdienstausfall weder ersichtlich sind noch geltend gemacht oder gar nachgewiesen
werden, hat der nicht vertretene Rekurrent weder Anspruch auf eine ausseramtliche
Entschädigung noch auf eine Umtriebsentschädigung.