Decision ID: 6a7965a6-97d2-5f25-99cc-d19fd9da979c
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war als Geschäftsführer in der von ihm beherrschten B._ GmbH angestellt
und dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als
ihm seine Lebenspartnerin am 26. Oktober 2017 bei einem Streit mit der Hand auf das
linke Ohr schlug. Seither leide er an einem Tinnitus (Bagatellunfall-Meldung UVG vom
24. Januar 2018, UV-act. 1-2; siehe auch die Angaben des Versicherten im am
21. Februar 2018 ausgefüllten Formular «Hörschädigung Unfallereignis», UV-act. 16).
Die Suva erbrachte in der Folge Versicherungsleistungen (Übernahme
Heilbehandlungskosten und Taggeld; siehe etwa UV-act. 3 und UV-act. 43). Gestützt
auf die von C._, Arbeitshygieniker/Akustiker, Suva, am 16. März 2018 erstellte
technische Beurteilung u.a. der Gehörbelastung durch das Ereignis vom 26. Oktober
2017 (UV-act. 19) ging Dr. med. D._, Fachärztin für Oto-Rhino-Laryngologie, Suva,
Arbeitsmedizin, davon aus, dass der Versicherte ein Knallereignis erlitten habe. Sie
empfahl, die Kosten der bisherigen Abklärungen und Heilbehandlung zu übernehmen
(ärztliche Beurteilung vom 20. März 2018, UV-act. 24). E._, Oberärztin Psychiatrische
Dienste F._, stellte im Rahmen einer ambulanten Erstkonsultation vom 23. April 2018
A.a.
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eine depressive Entwicklung beim Versicherten fest, die teilweise mit der
partnerschaftlichen Problematik sowie mit der verstärkten Belastung durch den
Tinnitus im Zusammenhang stehen könne. Sie diagnostizierte eine Anpassungsstörung
(ICD-10: F43.2; UV-act. 32).
Dr. med. G._, Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, stellte im Bericht
vom 12. Juni 2018 folgende Diagnosen: 1. Verdacht auf reaktive Depression bei
subakutem Tinnitus Grad 2 nach Knalltrauma durch Schlag auf das Ohr vom
26. Oktober 2017 mit beginnender Dekompensation durch Schlafstörungen und
psychisch belastender privater und beruflicher Situation und chronischen
Nackenverspannungen durch den Schlag mit Status nach Schwindelanfall vom Mai
2018 und 2. DD: Vestibularisparoxysmie. Sie bescheinigte dem Versicherten eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit (UV-act. 37). Dr. med. H._, Facharzt u.a. für Ohren-,
Nasen- und Halskrankheiten, Suva Arbeitsmedizin, führte in der Stellungnahme vom
3. August 2018 aus, das von Dr. G._ durchgeführte Reintonaudiogramm widerspiegle
abgesehen von einer leichten Schallleitungsschwerhörigkeit im Rahmen einer
Tubenventilationsstörung ein altersentsprechend normales Gehör beidseits. Dr. G._
führe in ihrem Bericht eine Erschöpfungsdepression auf, die aus ORL-ärztlicher Sicht
nicht mit der genügend erforderlichen Wahrscheinlichkeit in kausalem Zusammenhang
mit dem Unfallereignis stehe (UV-act. 47). Daraufhin teilte die Suva dem Versicherten
am 15. August 2018 mit, sie werde die Kosten der Tinnitusbehandlung weiterhin
übernehmen. Die von Dr. G._ bescheinigte 50%ige Arbeitsunfähigkeit werde aber mit
einer Erschöpfungsdepression begründet, die nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen sei. Daher würden die
Taggeldleistungen per 31. August 2018 eingestellt (UV-act. 51). Mit der Einstellung der
Taggeldleistungen zeigte sich der Versicherte nicht einverstanden (siehe die
Telefonnotiz vom 17. August 2018, UV-act. 52). Dr. D._ vertrat in der ärztlichen
Beurteilung vom 29. August 2018 die Auffassung, beim Versicherten bestehe ein
subjektiver Tinnitus, der gemäss durchgeführtem Tinnitus-Fragebogen mit 35 von
84 Punkten noch kompensiert sei. Aus ORL-ärztlicher Sicht sei der Versicherte bei
fehlendem objektivierbarem Systembefund (fehlende C5-Senke im
Reintonaudiogramm) weiterhin arbeitsfähig (UV-act. 56). Mit Schreiben vom 1. Oktober
A.b.
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2018 teilte die Suva dem Versicherten mit, sie nehme die Einstellung der
Taggeldleistungen zurück (UV-act. 70).
Dr. G._ berichtete am 1. Oktober 2018, der Versicherte leide an einem
kompensierten Tinnitus auris links Grad 2 bei Schlafstörungen nach Knalltrauma durch
Schlag auf das Ohr vom 26. Oktober 2017 mit reaktiver Erschöpfung. Wegen der
Erschöpfung bescheinige sie ihm für 4 Wochen nochmals eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit. Sie habe mit dem Versicherten besprochen, dass man auf Dauer
eine Lösung finden müsse, damit er wieder zu seinem normalen beruflichen Alltag
zurückkehren könne. Es sei geplant, nach 4 Wochen die Arbeitsfähigkeit auf 60 oder
70% zu erhöhen (UV-act. 71). Am 19. Dezember 2018 bescheinigte Dr. G._ weiterhin
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit, da der Tinnitus insgesamt noch nicht rückläufig sei
(UV-act. 82; vgl. auch den Bericht vom 8. Januar 2019, UV-act. 98). Eine am
20. Dezember 2018 durchgeführte MRT-Untersuchung des Neurokraniums ergab
keinen Nachweis einer substanziellen Pathologie (UV-act. 101).
A.c.
Der Versicherte orientierte die Suva am 16. Januar 2019, dass eine Druckkammer-
Therapie nichts gebracht habe. In der Druckkammer sei der Tinnitus zwar
verschwunden. Er sei aber danach wieder zurückgekommen. Der Versicherte äusserte
die Vermutung, dass der Tinnitus im Zusammenhang mit der Höhe des Blutdrucks
stehe. Insgesamt habe er das Leiden besser im Griff. Er könne nachts auch besser
einschlafen. Andere Beschwerden ausser dem Tinnitus habe er nicht mehr. Mit seinem
Einverständnis sei ihm eine 70%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt worden (UV-act. 93).
A.d.
Dr. D._ vertrat in der Stellungnahme vom 12. Februar 2019 die Auffassung, es
könne inzwischen von einem kompensierten Tinnitus ausgegangen werden. Ein
unfallbedingter, entschädigungspflichtiger Integritätsschaden bestehe nicht. Aus ORL-
ärztlicher Sicht ergäben sich keine weiteren Konsequenzen (UV-act. 108; siehe auch
die Beurteilung vom 26. März 2019, UV-act. 133). Am 27. Februar 2019 verfügte die
Suva die Einstellung der Versicherungsleistungen per 15. März 2019. Mangels
Vorliegens adäquater Unfallfolgen bestehe auch kein Anspruch auf weitere Leistungen
der Suva in Form einer Invalidenrente und/oder einer Integritätsentschädigung (UV-
act. 111).
A.e.
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B.
Dagegen erhob der Versicherte am 28. Februar 2019 Einsprache (UV-act. 116).B.a.
Dr. G._ berichtete am 20. März 2019, Blutdruckmessungen hätten ergeben,
dass die Höhe des Blutdrucks nicht mit der Tinnitusintensität korreliere (UV-act. 130).
B.b.
Am 25. März 2019 erhob die Krankenkasse des Versicherten Einsprache gegen
die Verfügung vom 27. Februar 2019 (UV-act. 131).
B.c.
Der Versicherte brachte in der Einsprachebegründung vom 30. April 2019 vor,
dass der medizinische Endzustand noch nicht erreicht worden sei. Die von der Suva
vorgenommene Adäquanzprüfung sei zu früh erfolgt (UV-act. 140).
B.d.
Am 21. Mai 2019 wurde der Versicherte durch Kreisarzt Dr. med. I._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, untersucht. Dieser diagnostizierte eine atypische
Anpassungsstörung (ICD-10: F43) bei mehrtägigen Phasen mit starken
Schlafstörungen, Antriebsverminderung, Konzentrationsstörungen, Bedrücktheit und
Reizbarkeit und bei chronischem Tinnitus links nach Knalltrauma durch Ohrfeige am
26. Oktober 2017. Insgesamt sei die Verminderung der Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit auf rund 20 bis 30% zu schätzen (Beurteilung vom 5. Juni
2019, UV-act. 148). Kreisarzt Dr. I._ ergänzte am 20. August 2019, aus
versicherungspsychiatrischer Sicht sei es überwiegend wahrscheinlich, dass ein
natürlicher teilkausaler Zusammenhang zwischen dem Ereignis vom 26. Oktober 2017
und den persistierenden psychischen Beschwerden bestehe. Mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit sei der medizinische Endzustand aus psychiatrischer Sicht am
15. März 2019 erreicht worden (UV-act. 152). Zu den kreisärztlichen Ausführungen
nahm der Versicherte am 30. September 2019 Stellung. Er hielt an der Auffassung fest,
dass der medizinische Endzustand noch nicht erreicht worden sei. Zudem sei die
Adäquanz zu bejahen (UV-act. 159).
B.e.
Mit Einspracheentscheid vom 7. Oktober 2019 wies die Suva die Einsprachen ab
(UV-act. 160).
B.f.
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C.
Der Beschwerdeführer erhob am 8. November 2019 Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 7. Oktober 2019. Er beantragte dessen Aufhebung. Es sei
festzustellen, dass die unfallkausale Arbeitsunfähigkeit nach wie vor 30% betrage und
die Taggelder auch ab 16. März 2019 zu zahlen sowie die weiteren gesetzlichen
Versicherungsleistungen zu erbringen seien; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung brachte er
im Wesentlichen vor, dass der medizinische Endzustand noch nicht erreicht worden
und die adäquate Unfallkausalität entgegen der Sichtweise der Beschwerdegegnerin zu
bejahen sei (act. G 1). Er reichte u.a. einen Bericht von Dr. med. Dr. h. c. J._,
Facharzt u.a. für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, vom 27. März 2019 ein, worin beim
Beschwerdeführer eine leichtgradige Schallempfindungsschwerhörigkeit beidseits, ein
schwergradiger Tinnitus auris links, eine Hypertonie, eine leichtgradige Depression und
eine Angststörung gemischt diagnostiziert wurde (act. G 1.5).
C.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom
16. Dezember 2019 die Abweisung der Beschwerde. Sie machte geltend, insgesamt
seien die vom Beschwerdeführer geklagten Gesundheitsprobleme aus physischer Sicht
nicht erklärbar. Aus den Akten ergebe sich denn auch, dass diese vielmehr psychisch
bedingt seien. Die Prüfung der Adäquanz habe daher nach der «Psycho-Praxis» (BGE
115 V 133) zu erfolgen. Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem
Unfallereignis und den geklagten Leiden des Beschwerdeführers sei zu verneinen. Da
keine organisch ausgewiesenen Gesundheitsschäden vorlägen, sei die
Adäquanzprüfung nicht zu früh erfolgt. Ohnehin sei der medizinische Endzustand der
anhaltenden organisch nicht ausgewiesenen bzw. psychischen Beschwerden im
Leistungseinstellungszeitpunkt erreicht gewesen (act. G 3).
C.b.
Innert mehrmalig erstreckter Frist (siehe etwa die Eingabe des Beschwerdeführers
vom 28. August 2020, mit der ein Bericht von Prof. Dr. med. K._, Leitender Arzt an
der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie am Universitätsspital Zürich,
vom 19. Mai 2020 eingereicht wurde, act. G 9 und act. G 9.1) reichte der
Beschwerdeführer am 2. November 2020 eine Replik ein. Die darin enthaltenen Anträge
lauten im Wesentlichen gleich wie diejenigen der Beschwerde. In Abweichung hierzu
C.c.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist sowohl die Einstellung
der vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) als auch die
Abweisung des Gesuchs um Leistungen für Dauerschäden (insbesondere auf eine
Integritätsentschädigung; siehe hierzu act. G 1, Rz 15, UV-act. 160-11 und UV-
act. 111-2).
beantragte der Beschwerdeführer eine bis 31. Mai 2020 befristete Auszahlung der
Taggelder (act. G 11; zu den eingereichten Berichten von Dr. L._ vom 1. April 2019
und von Prof. K._ vom 29. September 2020 siehe act. G 11.1 f.). Am 8. Dezember
2020 (act. G 13) reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr. G._ vom
7. Dezember 2020 ein, worin diese einen chronisch kompensierten Tinnitus links
Grad 1 mit kompletter Rückbildung der Schlafstörungen diagnostiziert hatte. Der
Beschwerdeführer habe auch wieder ausreichend Energie, um zu 100% arbeitsfähig zu
sein (act. G 13.1).
Die Beschwerdegegnerin hielt in der Duplik vom 9. Dezember 2020 unverändert
an der beantragten Beschwerdeabweisung fest (act. G 15; zur Stellungnahme vom
10. Dezember 2020 zum Bericht von Dr. G._ vom 7. Dezember 2020 siehe act. G 16).
C.d.
Die Unfallkausalität bildet Anspruchsvoraussetzung für sämtliche
Versicherungsleistungen der Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (vgl. dazu BGE
129 V 181 f. E. 3.1 f.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen
natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel
auf Angaben medizinischer Sachverständiger angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (vgl. Alexandra
Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Bundesgesetz über die Unfallversicherung [UVG], 4. Aufl. 2012, S. 55 und 58).
1.1.
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2.
Zunächst ist zu prüfen, ob im Zeitpunkt der von der Beschwerdegegnerin
angeordneten Leistungseinstellung auf den 15. März 2019 noch organisch objektiv
ausgewiesene Unfallfolgen vorlagen.
Der Anspruch auf Heilbehandlung (Art. 10 UVG) und Taggeld (Art. 16 UVG) endet
spätestens im Zeitpunkt, in dem von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine
namhafte Besserung des unfallbedingt beeinträchtigten Gesundheitszustands der
versicherten Person mehr erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG; vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 8. Dezember 2017, 8C_254/2017, E. 4.3, und vom 18. September
2012, 8C_425/2012, E. 4.2). Bei nicht objektivierbaren Beschwerdebildern, deren
adäquate Unfallkausalität sich nach der sogenannten «Psychopraxis» bestimmt (BGE
115 V 133), stellen die nach Abschluss der Behandlung von somatischen Unfallfolgen
noch behandlungsbedürftigen psychischen Leiden nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts keinen Grund für einen Aufschub der Einstellung der Heilbehandlungs-
und Taggeldleistungen dar, da die psychischen Beeinträchtigungen für die Beurteilung
der Adäquanz bei der Psychopraxis unberücksichtigt zu bleiben haben (Urteil des
Bundesgerichts vom 29. April 2016, 8C_892/2015, E. 4.1 mit Hinweisen). Sollte die
Prüfung der Kriterien nach BGE 115 V 133 im Zeitpunkt des medizinischen
Endzustands der unfallbedingten somatischen Gesundheitsschäden jedoch zu einer
Bejahung der Adäquanz natürlicher unfallkausaler psychischer Leiden führen, hat der
Unfallversicherer in Nachachtung des in Art. 19 Abs. 1 UVG enthaltenen Grundsatzes
«medizinische Eingliederung vor Rente» bis zum Erreichen des Endzustands des
unfallbedingten psychischen Schadens Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen zu
erbringen. Ist dieser Endzustand erreicht, so ist bezüglich der adäquaten Kausalität
eines allfälligen psychischen Dauerschadens (Erwerbsunfähigkeit und
Integritätsschaden) eine neuerliche Adäquanzprüfung vorzunehmen (Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 2. März 2020, UV 2018/10, E. 2.1 mit Hinweisen), wobei
diesfalls die psychischen Beeinträchtigungen bei der Beurteilung der Adäquanz
miteinzubeziehen wären.
1.2.
Der vom Beschwerdeführer im Vordergrund beklagte Tinnitus gilt nicht als
körperliches bzw. organisch objektiv ausgewiesenes Leiden, sofern er nicht einer
organischen Ursache zuzuordnen ist (BGE 138 V 257 f. E. 5.10, bestätigt etwa im Urteil
des Bundesgerichts vom 5. Februar 2020, 8C_620/2019, E. 6.2 am Schluss).
2.1.
Wie die Beschwerdegegnerin im Einklang mit den Akten zutreffend und
ausführlich, insbesondere auch bezüglich der von Dr. G._ beim linken Ohr
2.2.
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3.
Vorliegend kann offenbleiben, ob die vom Beschwerdeführer über den 15. März 2019
beschriebenen Senke von 25 dB bei 4000 Hz (vgl. act. G 1.7), darlegte (siehe etwa act.
G 3, Rz 4.1), konnte der Tinnitus keiner organischen Ursache zugeordnet werden und
die in den medizinischen Berichten festgehaltenen Beeinträchtigungen gingen allesamt
in der (rein subjektiven) Tinnituswahrnehmung des Beschwerdeführers auf (siehe etwa
den Bericht von Dr. J._ vom 27. März 2019 mit ausdrücklicher Erwähnung eines
unauffälligen HNO-Status, act. G 1.5, oder die Berichte von Prof. K._ vom 19. Mai
2020, act. G 9.1, und vom 29. September 2020, act. G 11.2). Darauf ist zu verweisen,
zumal der Beschwerdeführer nichts Substanziiertes dagegen vorbringt. Er hält dieser
Auffassung denn auch im Wesentlichen bloss entgegen, dass ärztlicherseits ein
«Knalltrauma» bestätigt worden sei (act. G 11, Rz 7). Diese Einschätzung bezieht sich
allerdings ausschliesslich auf das Unfallereignis selbst und beschreibt damit lediglich
die Einwirkung des ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den Körper des
Beschwerdeführers im Sinn von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1). Sie lässt aber offensichtlich keine
Rückschlüsse auf die dadurch konkret verursachten Schädigungen der Gesundheit zu.
Die im Zusammenhang mit dem Unfall bzw. dem Tinnitus ärztlicherseits
festgestellte (eine deutliche Rolle spielende) psychische Überlagerung (Bericht von
Dr. G._ vom 20. März 2019, UV-act. 130) bzw. die vom Kreisarzt Dr. I._
bescheinigte atypische Anpassungsstörung (UV-act. 148) stellt eine psychische
Fehlentwicklung dar und ist folglich keinem organischen Substrat zuzuordnen. Der
Verdacht auf eine Neuritis vestibularis (UV-act. 130) bestätigte sich nicht und die MRT-
Untersuchung des Neurokraniums am 20. Dezember 2018 ergab keine substanzielle
Pathologie (UV-act. 101) bzw. keine organische Ursache für das vom
Beschwerdeführer geklagte Leidensbild.
2.3.
Nach den soeben dargelegten Umständen ist es nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt vom 15. März 2019 davon ausging, dass die vom
Beschwerdeführer geklagten Unfallfolgen nicht mehr einem objektiv nachgewiesenen
organischen Substrat zugeordnet werden können, welches im Sinn von Art. 19 Abs. 1
Satz 1 UVG noch behandlungsbedürftig gewesen wäre. Nachdem Dr. H._ bereits am
3. August 2018 zutreffend von einem primär psychogenen Geschehen ausging (UV-
act. 47) und Dr. D._ am 29. August 2018 schlüssig einen objektivierbaren
Systembefund verneinte (UV-act. 56), erweist sich der Zeitpunkt der Einstellung der
vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld) vielmehr als grosszügig.
2.4.
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hinaus beklagten nicht objektivierten Leiden in einem natürlichen
Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 26. Oktober 2017 stehen. Denn die
im Einstellungszeitpunkt vorzunehmende Adäquanzprüfung fällt zu seinen Ungunsten
aus, wie sich aus nachfolgenden Überlegungen ergibt.
Zwischen den Parteien ist zu Recht unbestritten, dass vorliegend die
Adäquanzformel nach BGE 115 V 133 Anwendung findet. Deren Ausgangspunkt bildet
das objektiv erfassbare Unfallereignis. Abhängig von der Unfallschwere sind je
nachdem weitere Kriterien in die Beurteilung einzubeziehen. Massgebend für die
Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich
dabei entwickelnden, auf die versicherte Person wirkenden Kräften (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Mai 2014, 8C_899/2013, E. 5.1). Während der adäquate
Kausalzusammenhang bei schweren Unfällen in der Regel ohne Weiteres bejaht und
bei banalen sowie leichten Unfällen verneint werden kann, lässt sich die Frage der
Adäquanz bei Unfällen im mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein
schlüssig beantworten. Es sind weitere objektiv erfassbare Umstände, die unmittelbar
mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folge davon
erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Bei mittelschweren Unfällen sind
im Anwendungsbereich von BGE 115 V 133 die folgenden sieben Adäquanzkriterien zu
beachten: Besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit
des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere
ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger
Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der physisch (nicht
jedoch der psychisch) bedingten Arbeitsunfähigkeit. Die Adäquanzkriterien nach BGE
115 V 133 werden nur aufgrund der organischen Unfallfolgen, unter Ausschluss
psychischer Aspekte oder als körperlich imponierender, organisch jedoch nicht
hinreichend erklärbarer Beschwerden geprüft. Je nachdem, wo im mittleren Bereich
der Unfall einzuordnen ist und unabhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in
besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten
Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden. In
welcher Anzahl und welcher Ausprägung die Kriterien erfüllt sein müssen, um die
Adäquanz zu bejahen, hängt vom Schweregrad des (mittelschweren) Unfallereignisses
ab. Im ganzen mittelschweren Bereich kann schon eines der zusätzlich zu beachtenden
Kriterien genügen, um den Kausalzusammenhang als adäquat zu beurteilen, wenn es
besonders ausgeprägt erfüllt ist. Wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den
schweren Fällen im mittleren Bereich zu zählen ist oder sogar als Grenzfall zu einem
3.1.
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schweren Unfall zu qualifizieren ist, reicht je nach den konkreten Umständen das
Vorliegen eines einzigen Kriteriums, um den adäquaten Kausalzusammenhang zu
bejahen. Bei mittelschweren Unfällen im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen
müssen ansonsten mindestens vier der massgeblichen Kriterien und bei
mittelschweren Unfällen im engeren Sinn drei Kriterien erfüllt sein (siehe zum Ganzen
den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 2. März 2020, UV 2018/10, E. 2.2 mit
Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin zeigte sowohl im angefochtenen Einspracheentscheid
vom 7. Oktober 2019 (UV-act. 160-11) als auch im Beschwerdeverfahren begründet
auf, dass die im Rahmen eines zwischen dem Beschwerdeführer und seiner
Lebenspartnerin heftigen Streits erhaltene Ohrfeige - wenn überhaupt - höchstens als
mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen anerkannt werden kann
und keine genügende Anzahl der Adäquanzkriterien vorliegen und ausserdem keines
davon in ausgeprägter Weise erfüllt ist (act. G 3, Rz 4.2). Darauf sowie auf das Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts) vom 22. Februar 2001, U 265/1998, worin bei einem
vergleichbaren Sachverhalt («heftige Ohrfeige») die Adäquanz ebenfalls verneint
worden war (siehe insbesondere lit. A und E. 3a des Urteils), ist zu verweisen.
3.2.
Der Beschwerdeführer bringt denn auch gegen die von der Beschwerdegegnerin
durchgeführte gesonderte Adäquanzprüfung einzig vor, die Begleitumstände des
Unfalles könnten nicht einfach bagatellisiert werden. So habe er den Schlag auf das
linke Ohr doch völlig unvermittelt während eines Streits mit seiner Lebenspartnerin
erhalten. Dies könne sehr wohl prägend sein (act. G 1, Rz 14, und act. G 11, Rz 8, S. 6
Mitte). Entgegen der nicht näher begründeten Ansicht des Beschwerdeführers stellt der
Umstand, dass ihn die Ohrfeige unvermittelt getroffen habe, kein im Sinn der
gesonderten Adäquanzprüfung für sich allein prägendes Merkmal dar. Denn der
Unfallbegriff nach Art. 4 ATSG beinhaltet bereits den Aspekt des unvermittelten
Charakters bzw. der Plötzlichkeit der schädigenden Einwirkung, sodass er keine
doppelte Berücksichtigung im Rahmen der Adäquanzprüfung finden kann. Andernfalls
müsste beim Bejahen eines Unfallereignisses zwangsläufig immer von einem in
ausgeprägter Weise erfüllten Kriterium der dramatischen Begleitumstände bzw. der
besonderen Eindrücklichkeit ausgegangen werden. Im Übrigen gab der
Beschwerdeführer selbst an, dass partnerschaftliche Probleme bestanden und sich
diesbezüglich «sehr viele Konflikte in letzter Zeit» ergeben hätten. «Im Rahmen so eines
Konfliktes habe es auch Tätlichkeiten innerhalb der Partnerschaft gegeben, wo er von
der Partnerin einen Schlag abbekommen habe» (UV-act. 32-1 Mitte; zur seit Jahren
3.3.
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4.
Vor diesem Hintergrund ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember 2020 gültigen, für das
vorliegende Verfahren gemäss Art. 83 ATSG noch anwendbaren Fassung).
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.