Decision ID: b3415aae-5fdd-4caa-8576-9b8b2b758f35
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961,
ist Bezüger einer
Rente der Invalidenversicherung und
erfüllt seit etlichen Jahren
auch
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf
Zusatzleistungen (vgl.
Urk.
12/V16 ff.).
Mit Verfügung vom 10.
Dezember 2015
setzte die Stadt
Z._
, Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV, den Zusatzleis
tungsanspruch von
X._
ab Januar 201
6
auf
Fr.
852
.-- monatlich fest (Urk. 12/V/21
). Gegen diese Ver
fügung erhob
X._
am 8.
Januar 2016 Einsprache
. Er wandte ein, das der Berechnung zu Grunde gelegte Vermögen sei zu hoch
(Urk. 12/102; vgl. auch
Urk.
12/102
und 12/102B
).
Die Durchführungs
stelle berechnete
den Anspruch in der Folge neu, kam zum Schluss,
X._
stehe ein
monat
licher Anspruch auf
Zusatzleistungen
von
Fr.
879.--
zu
(
Urk.
12/V/22) und hiess die Einsprache teilweise gut (
Einspracheentscheid
vom
1
5.
März 2016; Urk. 2 =
Urk.
12/V/23).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
5.
März
2016 erhob
X._
am 22.
April 2016 Beschwerde
mit dem Rechtsbegehren, in Aufhebung d
es ange
fochtenen Entscheids seien ihm die Zusatzleistungen in Beachtung der aktuellen Ver
mögensverhältnisse zuzusprechen, insbesondere sei
von der Anrechnung eines
Vermögensverzicht
s
abzusehen (Urk. 1). Die Durchführungsstelle bean
tragte in der Beschwerdeantwort vom 1
2.
Juli 2016 die Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
11)
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht gemäss
Art.
9
Abs.
1 des Bundesgeset
zes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen. Zu den anrechenbaren Einnahmen zäh
len namentlich Renten, Pensionen und andere wiederkehrende Leistungen, ein
schliesslich der Renten der AHV und IV (
Art.
11
Abs.
1 lit. d ELG), Einkünfte aus beweglichem und unbeweglichem Vermögen (
Art.
11
Abs.
1 lit. b ELG)
,
das Reinvermögen (
Art.
11
Abs.
1 lit. c ELG)
sowie Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (
Art.
11
Abs.
1 lit. g ELG). Die jährliche Ergän
zungsleistung ist bei der periodischen Überprüfung
zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben
, wenn eine Änderung der vom ELG anerkannten Ausgaben
und anrechenbaren Einnahmen sowie d
es Vermögens festgestellt wird
(
Art.
25
Abs.
1 lit. d
der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenversicherung; ELV)
.
1.2
Ein Verzichtsvermögen liegt vor
, wenn der Anspruchsberechtigte
diese
s
ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung
ausgegeben
hat (BGE 134 I 65 E. 3.2 S. 70; 131 V 329 E. 4.2 S. 332 mit weiteren Hinweisen zum inhaltlic
h gleich lautenden, bis zum 31.
Dezember 2007 in Kraft gestandenen
Art.
3c
Abs.
1 lit. g ELG). Die beiden Voraussetzungen sind alternativ zu verste
hen (BGE 131 V 329 E. 4.3 f. S. 334 ff.).
Wer Zusatzleistungen beantragt, ist für alle leistungsbegründenden Umstände beweispflichtig; dies bezieht sich
mithin
auch auf den Umstand, dass auf ehemals vorhanden gewesenes Vermögen nicht verzichtet worden ist (Urs Müller, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ELG,
3.
Auflage,
Zürich
2015,
Rz
484). Ist ein einmal bestehendes Vermögen nicht mehr vorhanden, so trägt die leistungsbeanspruchende Person die Beweislast dafür, dass es in Erfüllung einer rechtlichen Verpflichtung oder gegen adäquate Gegenleistung (vorstehend E. 1.2) hingegeben wurde (Urteile des Bu
ndesgerichts 9C_124/2014 vom 4.
August 2014 E. 5, 8C_10
39/2008 vom 2
5.
Februar 2009 E.
2). In der Gerichtspraxis wird nicht Rechenschaft über jede einzelne Ausgabe verlangt, sondern es werden durchschnittliche Werte für den Lebensunterhalt aufgrund der konkreten Verhältnisse angenommen (Erich Gräub, Zusatzleistun
gen zur AHV und
IV, in: Sabine Steiger-Sackmann/
Hans-Jakob Mosimann, Hrsg., Handbücher für die Anwaltspraxis Band XI, Recht der Sozialen Sicher
heit, Basel 2014,
Rz
26.96).
Für d
arüber hinaus gehende Auslagen
ist der Beweis (mit überwiegender Wahrscheinlichkeit) zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 9C_934/2009 vom 2
8.
April 2010 E. 4.2.2.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt zur Beg
ründung ihres Entscheides fest,
m
it der Einsprache vom 2
1.
Januar 2016 habe der Beschwerdeführer das in der Zusatz
leistungsberechnung berücksichtig
te Vermögen in der Höhe von Fr.
74‘946.-- beanstandet und geltend gemacht, dieses entspreche nicht den Tatsachen und sei daher zu korrigieren.
Aus den zur Verfügung stehenden Unterlagen ergebe sich eine Vermögensreduktion in der Höhe von
Fr.
26‘827.30
,
entfallend auf den Zeitraum ab dem
1.
Mai bis zum 29. Dezember 201
5.
In Bezug auf diesen Betrag stelle sich die Frage, ob ein Vermögensverzicht vorliege. Der Beschwer
deführer sei um Auskunft über die Verwendung dieses Betrages ersucht worden. Am
5.
Februar 2016 habe der Beschwerdeführer
angegeben,
das Geld
habe er für R
eisen und für Besuche bei Prostituierten
ausgegeben. Belegt worden seien
die Angaben nicht.
M
it Wirkung ab dem
1.
Januar 201
6 sei daher von einem Vermögensverzicht in der Höhe von
Fr.
26‘000.-- auszugehen und dieser in Anwendung von
Art.
17a ELV ab dem zweiten Jahr nach dem Verzichtsvorfall um jährlich
Fr.
10‘000.-- zu amortisieren.
Bei korrekter Berechnung ergebe sich
im Ergebnis
eine teilweise
Gutheissung der Beschwerde (Urk. 2 S. 1 f.,
Urk.
11
S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer macht geltend,
mit Verfügung vom 1
0.
Dezember 2015 sei sein Anspruch auf Ergänzungsleistungen für die Periode ab dem
1.
Januar 2016 berechnet und basierend auf einem Vermögen von
Fr.
74‘946.-- ein Zusatzleistungsanspruch von monatliche
Fr.
852.-- ermittelt worden.
Am 5.
Februar 2016 sei die Beschwerdegegnerin über die Gründe der festgestellten Vermögensveränderung informiert worden.
Nach etlichen Jahren habe er (der Beschwerdeführer) sich einen Ferie
naufenthalt in der Schweiz (Fr.
1‘500.-- inkl. Taschengeld) und eine Reise mit Familienmitgliedern nach Italien (
Fr.
2‘000.-- inkl. Taschengeld) gegönnt.
Der
Restbetrag, entsprechend 88 % der strittigen Vermögensverminderung
,
sei
für
Dienstleistungen von
Prostituierten in der Schweiz ausgegeben worden. Für diese Ausgaben seien keine Belege vorhanden. Die pauschale Argumentation der Beschwerdegegnerin sei nicht ansatzweise nachvollziehbar. Sie stelle sich formalistisch auf den Standpunkt, dass beim Fehlen von Belegen stets ein Vermögensverzicht anzunehmen sei.
Von einem Vermögensverzicht sei
jedoch
auszugehen, wenn solches ohne rechtliche Ver
pflichtung oder ohne adäquate Gegenleistung ausgegeben worden sei. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Sowohl bei den
Ausgaben für die
Ferienreisen als auch
bei
den
jenigen für
Dienstleistungen von Prostituierten sei eine adäquate Gegenleistung erbracht worden. Zu berücksichtigen seien sodann die persön
lichen Verhältnisse und insbesondere die chronische Erkrankung.
Für
die
Beweislosigkeit
verantwortlich
sei
letztlich der beeinträchtigte Gesundheitszu
stand (Urk.
1 S. 3 f
.).
3.
3.1
Die Vermögensverminderung in der Höhe von
Fr.
26‘000.-- im Jahr 2015 ist unbestritten, wobei der Beschwerdeführer geltend macht, den Ausgaben in die
sem Umfang stünden adäquate Gegenleistungen in Form von genossenen Ferienreisen und von Dienstleistungen Prostituierter gegenü
ber. Belege hierfür sind jedoch, was der Beschwerdeführer in seinen Ausführungen selber einge
räumt hat,
für keine der Ausgaben
vorhanden
.
Die Kosten
für Ferienreisen und für entgeltliche sexuelle Dienstleistungen
sind nicht Auslagen im Rahmen
des Lebensunterhaltes. Vielmehr handelt es sich um
solche
, die rechtsprechungs
gemäss zu belegen sind
.
Da der Beschwerdeführer hierzu anerkanntermassen nicht in der Lage ist, hat er die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen.
Allein d
ie Behauptung, er habe die in Frage stehenden
Fr.
26‘000.-- für Ferien und für Dienstleistungen Prostituierter ausgegeben
,
genügt als Nachweis der adäquaten Gegenleistung nicht.
3.2
Der
Beschwerdeführer argumentierte
auch
, zu einer gelebten Sexualität sei ihm mit Blick auf seine Gesundheit geraten worden (Urk.
12/104 S. 2
)
.
Auch wenn ihm aus therapeutischer Sicht die Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen angeraten worden ist, entbindet dies den Beschwerdeführer
aus zusatzleis
tungsrechtlicher Sicht nicht
von der Pflicht,
entsprechende Auslagen
im Ein
zelfall
belegen
zu können
.
Der Beschwerdeführer machte ferner geltend,
der gesundheitliche Zustand
habe letztlich die Beweislosigkeit
begründet
(Urk. 1
S. 4)
. Was er damit im Detail meint
,
bleibt offen. Anhaltspunkte für eine Urteils
unfähigkeit des Beschwerdeführers liegen jedenfalls keine vor und dies wird auch nicht behauptet.
3.3
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer nicht zu belegen ver
mag, wofür
er
die in Frage stehenden
Fr.
26‘000.-- ausgegeben hat. Weder ist da
rgetan, dass die
Vermögensentäusserung in Erfüllung einer rechtlichen Ver
pflichtung erfolgte
,
noch dass er hierfür eine adäquate Gegenleistung erhalten hat. Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Vermögensverminderung
somit
zu Recht als Vermögensverzicht im Sinne von
Art.
11
Abs.
1 lit. g ELG. Die übri
gen Aspekte der Berechnung des Zusatzleistungsanspruchs in der Verfügung vom
10. Dezember 2015 (
Urk.
12/V/21) respektive die im Einspracheverfahren erfolgte Korrektur der Ber
echnung (vgl. Verfügung vom 14.
März 2016;
Urk.
12/V/22) blieben unbeanstandet und es besteht kein Anlass, darauf zurück
zukommen.
Da sich die gegen den Entscheid der Beschwerdegegnerin erhobene Beschwerde nach dem Gesagten als unbegründet erweist, ist
sie
abzuweisen.