Decision ID: 363bf7b9-2eb8-5481-93a9-e1c751278e3b
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A.I., geb. 1960, ist türkischer Staatsangehöriger. Er hatte 1994 in Brunnadern seine
Landsfrau E.B., geb. 1959, geheiratet. Das Ausländeramt erteilte ihm hierauf am 7.
Dezember 1994 eine Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs, welche
jährlich verlängert wurde. Am 30. Juli 1996 wurde die Tochter Dilek geboren. Mit
Entscheid des Kreisgerichts Gaster-See vom 24. August 2004 wurde die Ehe
geschieden. Die Tochter wurde unter die elterliche Sorge der Mutter gestellt. Dem
Vater wurde ein Besuchsrecht eingeräumt, und die Mutter verzichtete infolge
Leistungsunfähigkeit des Vaters auf die Geltendmachung von Unterhaltsbeiträgen für
das Kind.
Am 24. März 2006 heiratete A.I. in Uznach seine Landsfrau Y.U., geboren 1978. Die
Ehefrau war am 20. März 2006 in die Schweiz eingereist. Am 20. April 2006 stellte A.I.
ein Gesuch um Familiennachzug für seine Ehefrau. Dieses wurde vom Ausländeramt
mit Verfügung vom 17. Juli 2006 abgewiesen. Zur Begründung wurde im wesentlichen
angeführt, A.I. verfüge nicht über die für den Unterhalt der Familie notwendigen
Einkünfte.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob A.I. mit Eingabe vom 31. Juli 2006
Rekurs, der vom Justiz- und Polizeidepartement mit Entscheid vom 20. Dezember
2006 abgewiesen wurde.
Am 22. Dezember 2006 wurde die Tochter Elif geboren.
C./ Mit Eingabe vom 15. Januar 2007 erhob A.I. Beschwerde beim Verwaltungsgericht
mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 20. Dezember 2006 sei aufzuheben, es sei
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das Familiennachzugsgesuch für die Ehefrau gutzuheissen und es sei ihm die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Die zur Begründung gemachten Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Mit Verfügung vom 16. Januar 2007 wies der Präsident des Verwaltungsgerichts das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ab und forderte den Beschwerdeführer auf, bis
2. Februar 2007 einen Kostenvorschuss von Fr. 2'500.-- zu leisten. Diesen bezahlte der
Beschwerdeführer am 1. Februar 2007.
D./ Gegen die Verweigerung der unentgeltlichen Rechtspflege erhob A.I. mit Eingabe
vom 31. Januar 2007 Beschwerde beim Bundesgericht. Mit Urteil vom 2. April 2007 trat
das Bundesgericht auf die Beschwerde nicht ein und wies das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege für das bundesgerichtliche Verfahren ab. Es erwog, der
Beschwerdeführer habe den Vorschuss im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht
bezahlt, weshalb die Verweigerung der unentgeltlichen Rechtspflege keinen nicht
wiedergutzumachenden Nachteil herbeiführe. Im übrigen würde sich die subsidiäre
Verfassungsbeschwerde auch als unbegründet erweisen, weshalb der Beschwerde an
das Verwaltungsgericht zu Recht die Erfolgsaussicht habe abgesprochen werden
dürfen.
In ihrer Vernehmlassung vom 8. Mai 2007 beantragte die Vorinstanz unter Hinweis auf
die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Abweisung der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 15. Januar 2007
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
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2. Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die zuständige Behörde im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen
über die Bewilligung von Aufenthalt und Niederlassung.
2.1. Art. 17 Abs. 2 ANAG verschafft dem Inhaber einer Niederlassungsbewilligung ein
Recht auf Familiennachzug. Der Beschwerdeführer besitzt keine
Niederlassungsbewilligung und hat als Jahresaufenthalter keinen Rechtsanspruch auf
Familiennachzug (BGE 130 II 281 E. 2.2). Ein Ausnahmefall, der einen solchen
Anspruch gestützt auf Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101)
und Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101) begründen könnte (vgl. BGE 130 II
281 E. 3.3), liegt nicht vor und wird zu Recht nicht geltend gemacht.
2.2. Die Ehefrau und das Kind des Beschwerdeführers haben somit weder aufgrund
einer gesetzlichen Vorschrift noch gestützt auf einen Staatsvertrag einen
Rechtsanspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Die Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung an die Ehefrau stand somit im Ermessen der Verwaltung (Art. 4
ANAG). Dem Verwaltungsgericht ist es verwehrt, Entscheide der Verwaltungsbehörden
im Bereich der Ermessensausübung zu überprüfen. Es kann nur prüfen, ob die
Vorinstanz ihr Ermessen überschritten oder missbraucht hat, als sie die Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung für Y.I.-U verweigerte (vgl. statt vieler GVP 1996 Nr. 9 und 1998
Nr. 22, 23 und 71).
Ausländeramt und Vorinstanz stützten sich auf die Bestimmungen der Verordnung über
die Begrenzung der Zahl der Ausländer (SR 823.21, abgekürzt BVO). Nach Art. 39 Abs.
1 lit. c BVO kann einem Jahresaufenthalter der Familiennachzug bewilligt werden, wenn
er genügend finanzielle Mittel für den Unterhalt seiner Familie hat. Bei dieser Vorschrift
handelt es sich um eine typische Kann-Bestim-mung. Sie verschafft dem Gesuchsteller
keinen Rechtsanspruch auf Erteilung einer Bewilligung für den Familiennachzug der
Ehefrau, da die Verordnung keine Ansprüche statuieren kann, die nicht im Gesetz im
formellen Sinn verankert sind (BGE 130 II 281 E. 2.2). Ausserdem sieht Art. 37 BVO vor,
dass die Kantone die Zulassung von nicht erwerbstätigen Ausländern an strengere
Voraussetzungen knüpfen können, als sie in Art. 31 ff. BVO verankert sind.
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2.3. Das Ausländeramt verweigerte den Familiennachzug wegen mangelnder
finanzieller Mittel des Beschwerdeführers. Die Vorinstanz ging von einem für den
Unterhalt der Eheleute erforderlichen monatlichen Nettoeinkommen von Fr. 3'477.--
aus. Der Beschwerdeführer erzielte nach den unbestrittenen Feststellungen der
Vorinstanz zwischen Februar und August 2006 ein monatliches Nettoeinkommen von
Fr. 1'598.20. Daneben bezieht er eine monatliche IV-Rente von Fr. 293.-- sowie
monatliche Ergänzungsleistungen von Fr. 1'472.--. Der Einwand, der von der
Vorinstanz errechnete monatliche Bedarf von Fr. 3'477.-- sei unzutreffend ermittelt,
geht fehl. Das Ausländeramt hat den Lebensbedarf nachvollziehbar berechnet (Frepo
act. 229). Inwiefern diese Berechnung fehlerhaft ist, legt der Beschwerdeführer nicht
näher dar. Hinzu kommt, dass sich aufgrund der Geburt des Kindes am 22. Dezember
2006 der minimale Bedarf für den Lebensunterhalt erheblich erhöht. Fehl geht
namentlich die Berufung auf die konkreten Verhältnisse, die einem anderen Urteil des
Verwaltungsgerichts bzw. einem Urteil des Bundesgerichts zugrundelagen
(rechtskräftiges Urteil VerwGE B 2006/48 vom 14. September 2006, in:
www.gerichte.sg.ch bzw. BGE 2P.101/2006 vom 16. Mai 2006). Insbesondere werden
die Wohnkosten nach den individuellen Verhältnissen ermittelt, weshalb kein Verstoss
gegen die Rechtsgleichheit vorliegt, wenn unterschiedliche Lebenshaltungskosten
veranschlagt werden. Nicht entscheidend ist im weiteren, ob die Richtlinien der
Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) vorsehen, dass neben dem
Grundbedarf, den Wohnkosten und den Krankenkassen-Versicherungsprämien keine
weitere Kosten für die Bestimmung des Existenzminimums angerechnet werden
dürfen. Im Rahmen ihres Ermessens durften Ausländeramt und Vorinstanz durchaus
eine gewisse Erhöhung der in den SKOS-Richtlinien vorgesehenen Ansätze
vornehmen, damit nicht jede geringfügige Schwankung der Einkünfte bzw. jede
unvorhergesehene grössere Ausgabe zu einer finanziellen Ueberforderung des
Gesuchstellers führt.
Im übrigen steht fest, dass die erste Ehefrau des Beschwerdeführers auf
Unterhaltsbeiträge für ihr Kind wegen mangelnder Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers verzichtet hat. Seine Argumentation, er habe gegenüber seinem
Kind aus erster Ehe keine finanziellen Verpflichtungen, ist daher geradezu
rechtsmissbräuchlich. Inwiefern ein Verzicht auf Kinderunterhaltsbeiträge überhaupt
zulässig war, kann im übrigen offen bleiben.
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Fehl geht im Lichte der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts auch der Einwand,
Ergänzungsleistungen zählten nicht zu den Fürsorgeleistungen. Die Vorinstanz darf im
Rahmen der Ausübung ihres Ermessensspielraums Gesuche um Familiennachzug von
Inhabern einer Aufenthaltsbewilligung ohne Rechtsverletzung abweisen, wenn diese für
die Bestreitung ihres Lebensunterhalts auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind (vgl.
VerwGE B 2007/4 vom 15. März 2007 i.S. B.G., publ. in: www.gerichte.sg.ch). Der vom
Beschwerdeführer mehrfach zitierte - rechtskräftige - Entscheid VerwGE B 2006/46
vom 14. September 2006 betraf im übrigen einen Niedergelassenen und ist daher
gegenüber dem vorliegenden Fall in einem wesentlichen Punkt anders gelagert. Auf die
Frage, ob Ergänzungsleistungen den Fürsorgeleistungen gleichzustellen sind, ist daher
gar nicht weiter einzugehen.
Unerheblich ist sodann, ob die Ehefrau inskünftig ein Einkommen erzielen könnte. Wäre
dies der Fall, würden nach den Angaben der Sozialversicherungsanstalt die
Ergänzungsleistungen gekürzt. Weiter kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer seinen
finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommt, nachdem gegen ihn offene
Verlustscheine von Fr. 46'839.35 vorliegen. Schliesslich ist für den Beschwerdeführer
die Rückkehr in die Türkei zumutbar. Dieser lebt zwar seit 1994 in der Schweiz. Er
unterhält aber enge Kontakte zur Heimat, hat er doch seine Ehefrau dort
kennengelernt. Die Ehefrau lebte vor ihrer Einreise im Jahr 2006 nie in der Schweiz.
Auch ist das Kind in einem Alter, in dem eine Rückkehr in den Herkunftsstaat der Eltern
keine überdurchschnittlichen Probleme aufwirft. Unter diesen Umständen liegen keine
Gründe vor, die eine Rückkehr des Beschwerdeführers und seiner Familie in die Türkei
als unzumutbar erscheinen lassen. Jedenfalls konnte der Beschwerdeführer nicht damit
rechnen, dass er seine Ehe in der Schweiz leben kann.
2.4. Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die
Vorinstanz die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ohne Missbrauch bzw.
Ueberschreitung des Ermessens verweigern durfte. Folglich ist die Beschwerde als
unbegründet abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'500.-- ist angemessen (inkl. der Kosten der Verfügung vom
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16. Januar 2007, Ziff. 381 und 382 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).