Decision ID: 3c177973-24c5-4bd7-9d95-46f4edca988f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1969 geborene und als Bauarbeiter (ohne Ausbildung) tätig gewesene
X._
meldete sich
am
3. Juni 2016 unter Hinweis auf eine komplexe Knieverletzung links nach Knieluxation
vom 1
1.
Dezember 2015
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/11, Urk. 6/22). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und teilte dem Versicherten am 22. Februar 2017 (Urk. 6/35) mit, dass
infolge der fehlenden Deutschkenntnisse
keine berufliche
n
Eingliederungsmassnahmen möglich seien
und stellte ihm betreffend Rente eine spätere, separate Verfügung in Aussicht (S. 1). In der Folge wies die Verwaltung das Leistungsbegehren nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/65, Urk. 6/77, Urk. 6/97) mit Verfügung vom 12. Juni 2018 (Urk. 2) ab.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 12. Ju
n
i 2018 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 12. Juni 2018 sei aufzuheben und ihm eine volle IV-Rente zuzusprechen (1.
1
), eventualiter sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 12.
Juni 2018 auf
zuheben und zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ein neues polydisziplinäres Gutachten (Psychiatrie, Neurologie, Orthopädie) zu veranlassen und durchzuführen (1.2); unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (2.; S. 2).
Die IV-Stelle schloss am 12. September 2018 auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 13. September 2018 (Urk. 7) zu Kenntnis gebracht wurde. Auf eine Stellungnahme zu den vom Beschwerdeführer mit den Schreiben vom 18. September 2018 (Urk. 8) und 16. Januar 2020 (Urk. 19) neu aufgelegten Arztberichten verzichtete die Beschwerdegegnerin (Urk. 12) beziehungsweise liess sich nicht vernehmen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Nach Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erfor
der
lichen Auskünfte ein. Auch unter der Herrschaft des ATSG fällt es der IV-Stell
e zu, nach Eingang der Anmeldung zum Leistungsbezug die Verhältnisse abzuklä
ren (
Art.
57
IVG
,
in Verbindung mit
Art.
69 ff.
der Verordnung über die Inva
li
denversicherung
[
IVV
]
)
.
In Ergänzung und Präzisierung zu
Art.
43
Abs.
1 ATSG hält
Art.
69
Abs.
2 IVV (in Verbindung mit
Art.
1 und
Art.
57
Abs.
2 IVG) fest, dass die IV-Stelle, wenn
die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt sind, die erforderlichen Unter
lagen, insbesondere über den Gesundheitszustand, die Tätigkeit, die Arbeits- und Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person sowie die Zweckmässigkeit be
stim
mter Eingliederungsmassnahmen, beschafft und zu diesem Zwecke Berichte und Auskünfte verlangen, Gutachten einholen, Abklä
rungen an Ort und Stelle vornehmen sowie Spezialisten der öffentlichen oder privaten Invalidenhilfe bei
ziehen kann. Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Ver
fü
gung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesund
heitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
tei
lung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden kön
nen
(
BGE 132 V 93 E. 4
).
Der IV-Stelle (Art. 54-56 in Verbindung mit Art. 57 Abs. 1
lit
. c-g IVG) obliegt die Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem Untersuchungsgrundsatz richtig und vollständig abzuklären. Bezüglich des für die Invaliditätsbemessung erforderlichen medizinischen Sachverstandes kann sich die IV-Stelle auf den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; Art. 59 Abs. 2 und 2
bis
IVG), die Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte (Art. 28 Abs. 3 ATSG), externe medizinische Sachverständige (Art. 59 Abs. 3 IVG) und auf die medizinischen Abklärungs
stel
len (Art. 59 Abs. 3 IVG) stützen (BGE 136 V 376 E. 4.1.1).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 12. Juni 2018 zur Hauptsache, ab März 2017 sei es dem Beschwerdeführer mög
lich gewesen, eine
rein sitzende und ab Mai 2017 eine
körperlich leicht
e
bis mittelschwere Tätigkeit zu 100 % auszuüben. Basierend auf einem Einkommens
ver
gleich und unter Parallelisierung des Invalideneinkommens sei eine Erwerbs
ein
busse nicht ausgewiesen, weshalb kein Rentenanspruch bestehe
(S. 2)
.
Ergänzend kam sie zum Schluss, e
s liege kein eigenständiger psychischer Gesundheits
scha
den vor, der dauerhaft eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit besitze
(S. 2) und da eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leichten bis mittel
schweren Tätig
keit vorliege
,
könne kein (Leidens-)Abzug gewährt werden (S. 3).
2.2
Dagegen wendet der Beschwerdeführer (Urk. 1)
im
Wesentlichen ein,
insgesamt
könne aufgrund der fachärztlichen Diagnosen klar festgehalten werden, dass die Kriterien für eine schwere depressive Episode sowie für eine posttraumatische Belastungsstörung erfüllt seien. Damit sei auch erstellt, dass er vollständig erwerbsunfähig sei und ihm demnach eine volle IV-Rente zuzusprechen sei (S. 15). Auch könne er keinem Arztbericht entnehmen, weshalb es ihm zumutbar sein solle, ganztags leicht
e
bis mittelschwere wechseltätige Arbeiten vornehmen zu können. Aus
den diversen Arztberichten gehe jedoch bereits klar hervor, dass ihm die von der IV-Stelle genannten Arbeiten nicht möglich seien. Er leide unter sehr starken Schmerzen, welche es ihm verunmöglichten, länger irgendeiner Arbeit nachzugehen (S. 17).
Stelle man schliesslich das
Valideneinkommen
dem Invalideneinkommen gegenüber, betrage der Verlust der Erwerbsfähigkeit auf
grund des Unfalles 86
.
40 %. Demnach wäre ihm selbst in diesem Fall eine volle Invalidenrente auszurichten (S. 21).
2.3
Neben den vorgenannten Rügen monierte der Beschwerdeführer in formeller Hin
sicht eine Ver
letzung des rechtlichen Gehörs (Urk. 1 S. 11).
3.
3.1
Ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der expliziten gesetzlichen Regelung in Art. 42 ATSG auch in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfas
sung (BV) garantiert wird, ist das Recht der versicherten Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erhebli
chen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äus
sern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E.
3.1).
3.2
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, dass ihm die RAD-Stellungnahme vom 26. April 2018
nicht zugestellt worden sei (Urk. 1 S. 11),
hat er nun die Möglich
keit erhalten, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sach
verhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann, wogegen eine Rückweisung einzig zur Gewährung des rechtliche
n
Gehörs lediglich zu einem formalistischen Leerlauf führen würde und daher davon abgesehen werden kann (BGE 132 V 387 E. 5.1, 124 V 180 E. 4a).
Hinzu kommt, dass der rechtsvertretene Beschwerdefüh
rer
auch nach Zustellung der Beschwerdeantwort (Verfügung vom 13. Septem
ber 2018; Urk. 7) keine Einsicht in die Akten
nahm und – wie die ausführliche Darlegung seines Standpunktes verdeutlicht – zur sachgerechten Anfechtung der Verfügung vom 12. Juni 2018 in der Lage war.
Demnach
ist
eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt
zu betrachten
(vgl.
BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
) und die angefochtene Verfügung in materieller Hinsicht zu prüfen.
4.
4.1
Infolge
des
Unfalls
vom
1
1.
Dezember 2015 war der Beschwerdeführer vom 11. Dezember bis 26. Dezember 2015
in der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsspitals
Y._
hospitalisiert. Dem Austrittsbericht vom 28. Dezem
ber 2015 (Urk. 6
/
17/31-33
) k
ann
die Diagnose einer
komplexen Knieverletzung links nach Knieluxation links vom 1
1.
Dezember 2015 mit
Verletzung des
posterolateralen
Komplexes mit
intraligamentärer
Läsion des lateralen Seitenban
de
s und
ossärem
Ausriss der
Popliteussehne
am lateralen
Femurkondylus
,
mit
einer
undislozierten
Aussenmeniskushinterhornläsion
,
mit einer
Bone
bruise
des
posterolateralen
Tibi
a
plate
a
us
und
des
laterale
n
Femurkondylus
(MRI),
mit
einer Ruptur des Seitenbandes, einer Läsion des medialen
Retinakulum
/MPFL (MRI) sowie einer vorderen und hinteren K
reuzbandruptur entnommen werden (S. 1). Eine Arbeitsunfähigkeit
als Bauarbeiter
von 100 % wurde dem Beschwerdeführer vom 11. Dezember 2015 bis 15. Februar 2016 attestiert (S. 3) un
d mit Berichten vom 18. Februar
(Urk. 6/17/
71 f.), 29. März (Urk. 6/17/77 f.) und 2. Mai 2016 (Urk. 6/17/91 f.) bis 22. Juli 2016 verlängert.
4.2
Vom 3. Mai bis 7. Juni 2016 be
fand
sich der Beschwerdeführer zur Rehabilitation in die Rehaklinik
Z._
. Im Austrittsbericht vom 6. Juni 2016 (Urk. 6/15
/1-8
) diagnostizierten die verantwortlich zeichnenden Ärzte
zusätzlich
in psychosoma
tischer Hinsicht eine Anpassungsstörung mit psychotraumatischen Symptomen (ICD-10 F43.2
)
und spezifische (Höhenangst, Klaustrophobie) Phobien (ICD-10 F40.2; S.1).
Die Tätigkeit als Hilfsbauarbeiter sei nicht zumutbar. Die Zumutbar
keit für andere berufliche Tätigkeiten werde aktuell noch nicht festgelegt. Begründung sei die medizinische Abklärungs- und Behandlungsphase, eventuell sei eine Operation geplant (S. 2).
4.3
Gemäss dem ambulanten Bericht Unfallchirurgie vom 20. Januar 2017 (Urk. 6/27) des Universitätsspitales
Y._
hatte der
Beschwerdeführer
sich
am 31. Oktober 2016 erneut einer Operation zur Revision des linken Kniegelenks
unterzogen
.
Im Bericht
zuhanden der Beschwerdegegnerin
vom
9.
März 2017
attestierten die Ärzte der Unfallchirurgie des Universitätsspitals
Y._
für die bisherige Tätigkeit eine vollständige Invalidität und
hielten fest, für eine rein sitzende Tätigkeit ohne Transfer bestehe grundsätzlich eine vollständige Arbeits
fähigkeit (
Urk.
6/39/5-6).
4.
4
Vom 24. April bis 30. Mai 2017 befand sich der Beschwerdeführer abermals zur Rehabilitation in der Rehaklinik
Z._
. Im Austrittsbericht vom 2. Juni 2017
(Urk. 6/41)
diagnostizierten
die verantwortlichen Ärzte
zusätzlich zur somati
schen Problematik eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion und psychotraumatischer Symptomatik (ICD-10 F43.21) und beschrieben
als Probleme bei Austritt belastungsabhängige Schmerzen
am
Knie links, Gang mehrheitlich mit
zwei
Stöcken, selten mit einem für kurze Strecken (100m) und innere Unruhe. Die berufliche Tätigkeit als Bauarbeiter sei nicht zumutbar. Als zumutbar beurteilten sie andere, leichte bis mittelschwere Arbeiten sofern
diese
wechselbelastend
seien und dabei
keine Einnahme von Zwangshaltungen wie Knien, Kauern, Hocken, kein Gehen auf unebenem Gelände
sowie
kein Leitern
S
teigen
erforderlich sei
(S. 3).
In psychischer Hinsicht führten sie aus, seit dem Arbeitsunfall vom 11. Dezem
ber 2015, welchen der Beschwerdeführer als Bedrohung und Kontrollverlust (sei lange eingeklemmt gewesen und habe grosse Ängste verspürt) erlebt habe, leide er nicht nur unter Knie-
Schmerzen,
sondern auch unter Beschwerden wie Tinni
tus
und Nervosität. Hinzu kämen psychotraumatische Symptome wie eine gewisse
Vermeidung über den Unfall und dessen
Konsequenzen zu berichten sowie
F
lash
backs (plötzlich auftauche
nde Bilder vom Unfall oder wie
er versuche den Unfall zu vermeiden) vor dem Einschlafen. Letzteres sei nach dem ersten Aufenthalt und vor dem zweiten Aufenthalt in der Rehaklinik
Z._
mit
Lor
a
zepam
behandelt worden. Die beschriebene Symptomatik erfülle jedoch nicht die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung. Es gäbe Hinweise auf prämorbide ängstli
che und vermeidende Persönlichkeitsfaktoren. So habe der Beschwerdeführe
r von agoraphobischen Ängsten berichtet, welche bereits seit
L
ängerem bestünden, jedoch seit dem Unfall akzentuiert seien. Der Beschwerdeführer habe während dem
Rehaklinik
a
ufenthalt
stark auf seine Schmerzen fixiert erschienen und habe eine dysfunktionale Bewältigungsform aufgewiesen (Angst vor Verschlimmerung und Schonhaltung). Für eine somatoforme Komponente am Schmerzgeschehen sprächen verschiedene psychosoziale Belastungsfaktoren (Arbeitslosigkeit, mangelnde Deutschkenntnisse, familiäre Belastung)
. Es hätten jedoch weder Ein
sicht in mögliche aktuelle psychische Anteile der Symptomatik noch
Coping
strategien
bestanden. Der Beschwerdeführer habe hinsichtlich der beruflichen Zukunft eine
n
ratlosen und hinsichtlich seines psychischen Leidens
einen baga
tellisierenden Eindruck hinterlassen. Die komplexe psychische Störung sei in der Aufenthaltsdauer mit zweimaligen Explorationsterminen nicht abschliessend zu beurteilen gewesen. Es bedürfe einer weiteren ausführlichen Diagnostik, um danach auch notwendige Behandlungskonzepte aufgleisen zu können (S. 3 f.).
In somatischer Hinsicht könnten die radiologischen und klinischen Befunde die ausgeprägten Funktionseinschränkungen mit Gang an mehrheitlich zwei Stöcken nicht erklären. Die gemachten Fortschritte währen
d
der stationären Rehabilitation seien deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Mitbeteiligt sei sicher die psychosomatische Diagnose einer Anpassungsstörung, psychosoziale Faktoren aber auch die auf Verhaltensebene beobachtete Symptomausweitung (S. 4).
4.5
Suva-Kreisarzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Chirurgie, kam nach der kreis
ärztlichen Untersuchung
vom
5.
Juli 2017 zum Schluss, dass dem Beschwerde
führer unter Berücksichtigung der Unfallfolgen die bisherige Tätigkeit als Bauarbeiter mit den Anforderungen einer schweren Arbeit nicht mehr zumutbar sei. Zumutbar seien leichte bis mittelschwere, wechseltätige Arbeiten ganztags, bei welchen Tätigkeiten keine Zwangshaltungen wie Knien, Kauern, Hocken, kein Gehen auf unebenem Gelände, kein Besteigen von Leitern und kein Arbeiten auf Gerüsten erforderlich seien (Bericht vom
6.
Juli 2017,
Urk.
6/42/7).
4.
6
Im
Bericht vom 29. Januar 2018 (Urk. 3/5
, Urk. 6/86
) zum Erstgespräch vom 20. November 2017 diagnostizierte
n die verantwortlichen
Ärzte
der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
des Universitätsspitals
Y._
eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD10 F32.2) und eine post
traumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) nach Arbeitsunfall im Dezem
ber 201
5.
In Zusammenschau der
Befunde hielten sie subjektive Konzentrations
schwierigkeiten, schwer gedrückte Stimmung, Trauer, Verzweiflung, Ängste, Ärger, erhöhte Ermüdbarkeit, Schlafschwierigkeiten, Appetitlosigkeit sowie Intrusionen in Form von Gedanken und Albträumen
fest und schlossen, formal seien
die Kriterien für eine schwere depressive Episode sowie eine posttraumati
sche Belastungsstörung erfüllt. Der schwere Arbeitsunfall mit bleibenden körper
lichen Defiziten qualifiziere sich als Trauma und die aktuelle schwere depressive Symptomatik könne als
Traumafolgestörung
interpretiert werden. Obwohl der Beschwerdeführer ein häufiges gedankliches
Beschäftigtsein
mit den Folgen des Unfalls zeige, scheine dies eher im Rahmen einer
Rumination
zu sein und weniger intrusiven Charakter zu haben. In der spezifischen Psychometrie hätten sich deut
lich erhöhte Werte gezeigt, was für das Vorliegen einer PTBS spreche. Klinisch seien PTBS-Symptome ebenfalls feststellbar, wobei Intrusionen, Ängste in Zusammenhang mit dem Trauma und Vermeidung für den Beschwerdeführer nicht die Hauptbeschwerden darstellten. Vielmehr leide er unter der depressiven Stimmung und Zukunftsängsten (S. 1).
Zusätzlich beschrieben sie i
m Bericht vom 16. April 2018 (Urk. 3/11
, Urk. 6/93
) zuhanden der Beschwerdegegnerin
,
als Funktionseinschränkungen
aus psychiatrischer Sicht bestünden schwere depressive Symptome mit Freudlosigkeit Interessensverlust, Motivationsmangel, erhöhter Ermüdbarkeit und Erschöpfung sowie subjektiver Konzentrationsschwierigkeiten, welche neben den körperlichen Beschwerden aktuell die Arbeitsfähigkeit zusätzlich einschränken könnten (S. 5).
4.
7
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie, und
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
Regionalen
Är
ztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin gelangten am 26. April 2018 (Urk. 6/99) in Würdigung der medizinischen Aktenlage zum Schluss, das Kriterium für eine posttraumatische Belastungsstörung laut ICD-Schlüssel als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein
belastendes Ereigni
s oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde, sei nicht gegeben. Aus dem vorliegenden psychiatrischen Befund könne ebenfalls die Diagnose einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome ICD-10 F32.2 nicht nachvollzogen werden. So seien die laut ICD-10 Schlüssel geforderten Kriterien nicht erfüllt. Enttäuschung, Ärger, Wut, Trauer, Verzweiflung seien keine Symp
tome für eine depressive Symptomatik, sondern durchaus verständliche Reaktio
nen auf die vorliegende belastende Situation (Arbeitsplatzverlust, Einkommens
verlust). Ein Interessenverlust oder Freudeverlust an Aktivitäten werde ebenfalls nicht beschrieben. Insgesamt wiesen die Symptome eher auf eine Anpassungs
störung hin
;
die
se
Diagnose
sei
bereits von der Rehaklinik
Z._
gestellt wor
den. Zusammenfassend liege kein eigenständiger psychischer Gesundheitsscha
den vor, der dauerhaft eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit besitze (S. 4 f.).
4.
8
In Bestätigung der Diagnosestellung des Universitätsspitals
Y._
führte der behandelnde Psychiater Dr. med.
D._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, am 12. September 2018 (Urk. 9/15) aus, der Verlauf sei leider invalidisierend. Eine kurative Behandlung sei nicht möglich. Die Prognose quo ad
restitutionem
müsse als infaust bezeichnet werden.
Der Beschwerdeführer
sei im Prinzip auf die Hilfe Dritter angewiesen. Dadurch, dass die jüngere Tochter sich ein bisschen um ihn kümmere, müsse er nicht Spitex-Hilfe in Anspruch nehmen. Die
s
könne sich aber ändern. Es bestehe beim Beschwerdeführer, nunmehr seit längerer Zeit, eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit. Schon aus psychiatrischer Sicht sei er vollständig arbeitsunfähig, geschweige denn, wenn man die somatischen Komponenten
hinzu
nehme
. Die
Zielsetzung der aktuellen Betreuung sei es, eine Suizidalität zu ver
hinder
n
und eine psychiatrische Langzeithospitalisierung zu
ver
meiden (S. 2 f.).
5.
5.1
Der Beschwerdeführer
beanstandet
primär die auf der Stellungnahme des RAD vom 26. April 2018 (E. 4.5
hievor
; Urk. 6/99 S. 4 f.
) beruhende Einschätzung der Beschwerdegegnerin zum psychischen Status (vgl. Urk. 1 S. 11 ff., Urk. 2 S. 2).
In dieser
gelangte
der RAD zum Schluss, dass weder
die Kriterien
für eine post
traumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) noch die Kriterien für eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) nach ICD-10 Schlüssel erfüllt sind. Unter Hinweis auf den Bericht der Rehaklinik
Z._
(E. 4.
4
hievor
) und die dokumentierte Symptomausweitung erkannten sie keinen eigenständigen psychischen Gesundheitsschaden, der dauerhaft eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit besitzt.
5.2
Die fachärztlich-psychiatrische Einschätzung des RAD der Beschwerdegegnerin vom 26. April 2018 basiert ausschliesslich auf der Würdigung der bekannten medizinischen Aktenlage und stellt praxisgemäss grundsätzlich eine hinreichende Beurteilungsgrundlage dar.
Namentlich leuchtet mit Blick auf die klinisch-diagnostischen Leitlinien nach ICD-10 ein, dass in Anbetracht des Unfall
ereignisses
sowie
den erhobenen Befunden
mit überwiegender Wahrscheinlich
keit ebenso wenig auf eine posttraumatische Belastungsstörung (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10, Kapitel V [F]
,
10. Aufl., Bern 2015, S.
207
f.
F.43.1)
geschlos
sen
werden kann, wie auf eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
a.a.O., S. 174 F32.2).
Indes
kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundes
gerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V
225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7)
. So
lässt sich allein durch den Ausschluss
von Diagnosen keine Beschwerdefreiheit herleiten
und es
bestehen ungeachtet dessen Anhaltspunkte für eine relevante psychische Beeintr
ächtigung des Beschwerdeführers. Während im Austrittsbericht zum zweiten Aufenthalt in der Rehaklinik
Z._
Anzeichen für eine komplexe psychische Störung registriert und ausdrücklich auf die Notwendigkeit weiterer Diagnostik hingewiesen wurde (vgl.
E. 4.
4
hievor
), erhoben auch die Ärzte des Universitätsspitals
Y._
Befunde, welche eine
psychische Störung
nicht ohne weitere
Abklärung
aus
schliessen
lassen
(E. 4.
6
hievor
).
In diesem Sinne überzeugt die nicht weiter begründete Schlussfolgerung des RAD, ein
psychischer Gesundheitsschaden mit einer dauerhaften Auswirkung auf die Arbeitsf
ähigkeit liege nicht vor, nicht und es kann nicht darauf abgestellt werden.
5.3
Allerdings kann auch auf keinen der übrigen vorhandenen Berichte für die Beur
teilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit in psychiatrischer Hinsicht abgestellt werden.
Faktisch
attestiert lediglich
Dr.
D._
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht (E. 4.
7
hievor
)
,
ohne jedoch konkrete Befunde oder daraus abzuleitende Funktionseinschränkungen
zu nennen sowie medizinische Zusam
menhänge nachvollziehbar zu erläutern. Dahingegen nahmen weder die Reha
klinik
Z._
– zufolge Verneinung der adäquaten Unfallkausalität – noch das Universitätsspital
Y._
Stellung zur verbleibenden Leistungsfähigkeit. Letztere wiesen sogar ausdrücklich darauf hin, dass diese Frage nicht
abschliessend
beantwortet werden
könne
(vgl.
Urk.
3/11 beziehungsweise Urk. 6/93 S. 5 ff.).
Auch der Einfluss der dokumentierten Symptomausweitung bleibt
unklar
.
5.4
Im Sinne des Ausgeführten liegen
in psychischer Hinsicht
keine aussagekräftigen medizinischen Berichte vor, gestützt auf welche die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin schlüssig beurteilt werden kann. Insbesondere lassen sich die Auswirkungen der psychischen Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit bestim
men. Allerdings ergeben sich daraus Hinweise, die einen weiteren Abklärungsbe
darf des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin begründen. Insgesamt erweist sich der medizinische Sach
verhalt als zu wenig abgeklärt.
5.5
Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass aufgrund der vorliegenden Akten keine schlüssige Beurteilung des Gesundheitszustandes und dessen Auswirkung
en auf die Arbeitsfähigkeit de
s Beschwerdeführers
möglich ist, wohl aber Hin
weise bestehen, dass
psychische Beeinträchtigungen bestehen.
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie weitere medizinische Abklärungen tätige und gestützt auf letztere in Berücksichtigung des gesundheit
li
chen Verlaufs erneut über die Sache entscheide.
5.6
Aufgrund der medizinischen Akten
bereits
ausgewiesen und auch seitens der Beschwerdegegnerin anerkannt ist
die somatisch bedingte
vollständige Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit des Beschwerdeführers von Dezember 2015 bis Anfang März 2017 (vgl.
Urk.
2 S. 2).
In Anbetracht der IV-Anmeldung vom
3.
Juni 2016 (
Urk.
6/11)
und dem Beginn des Wartejahres im
Dezember 2015
stellt der 1.
Dezember 2016
den Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns dar (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b,
Art.
29
Abs.
1 IVG).
Ab
1.
Dezember 2016 besteht bei
der ausgewiesenen vollständigen
Erwerbsunfähigkeit Anspruch auf eine
– gegebe
nenfalls nur befristete -
ganze Invalidenrente.
Die nach der Untersuchung vom
3.
März 2017 durch die Ärzte der Klinik für Unfallchirurgie
des Universitätsspitals
Y._
aus somatischer Sicht
attestierte Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten (sitzende Tätigkeiten ohne Transfer
;
Urk.
6/38 S. 6
)
, auf welche sich die Beschwerdegegnerin bezieht (vgl.
Urk.
2 S. 2),
wurde während des zweiten Aufenthalts in der Rehaklinik
Z._
vom 2
4.
April bis 3
0.
Mai 2017 unterbrochen
(vgl.
Art.
88a
Abs.
1 IVV). Eine Rentenaufhebung fällt damit frühestens drei Monate
nach Ende
des Aufenthalts
per
1.
September 2017
überhaupt
in Betracht.
Damit besteht zumindest vom 1.
Dezember 2016 bis 3
1.
August 2017 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
5.7
Die angefochtene
Verfügung vom 1
2.
Juni 2018 (
Urk.
2)
ist damit aufzuheben und die Sache ist mit der Feststellung, dass der Beschwerdeführer vom 1. Dezem
ber 2016 bis 3
1.
August 2017 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat, an die
B
eschwerdegegnerin zurückzuweisen
, damit sie
nach Vornahme ergänzender
medizinischer
Abklärungen
(vgl. E. 5.4 und E. 5.5)
ü
ber den Rentenanspruch ab 1.
September 2017 neu entscheide.
Die Beschwerde ist
in diesem Sinne teilweise
gutzuheissen.
6.
6.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr.
8
00.-- fest
zusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen
.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). De
m
Beschwerdeführer steht
dementsprechend
eine
volle
Pro
zessent
schädigung zu.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers machte einen Aufwand
von
insgesamt gut elf Stunden
geltend
, welcher der Sache
noch als angemessen
scheint
. Die
Prozessentschädigung ist dementsprechend und
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.-- auf
Fr.
2‘631.80
festzulegen (11 Stunden 5 Minuten
à Fr. 220.-- =
Fr.
2‘438.35 zuzüglich Baraus
lagen von
Fr.
5.30 zuzüglich Mehrwertsteuer).