Decision ID: a9edb2e1-276d-56af-9131-18f023e1726b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) meldete sich am 23. Februar 2017 erneut wegen
einer psychischen Erkrankung bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug
an (IV-act. 205).
A.a.
Eine erste Anmeldung war am 16. März 2009 bei der IV-Stelle des Kantons
Appenzell Ausserrhoden erfolgt (IV-act. 1). Diese hatte den Versicherten durch Dr. med.
B._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, begutachten lassen, der dem Versicherten
bei einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode mit
Besserungstendenz eine Arbeitsunfähigkeit von höchstens 20 % attestiert hatte. Die
gesundheitlichen Einschränkungen hätten den Weg zu einer ordentlichen
Berufsausbildung erschwert (Gutachten vom 31. Juli 2009, IV-act. 20-9, 12).
A.b.
Gestützt darauf war dem Versicherten zunächst Berufsberatung (Mitteilung vom
26. August 2009, IV-act. 24) und eine vom 1. März bis 31. Mai 2010 dauernde
berufliche Abklärung bei der X._ zugesprochen worden (Mitteilung vom 1. März 2010,
IV-act. 43). Nachdem der Versicherte im Dezember 2010 eine Stelle als "Personal
Assistant" beziehungsweise Privatchauffeur mit einem Pensum von 80 % hatte
antreten können (Arbeitsvertrag vom 8. Juni 2010, IV-act. 47; vgl. auch IV-act. 50-2),
A.c.
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hatte die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen abgeschlossen und festgestellt, mit
dem Arbeitsvertrag sei der Versicherte rentenausschliessend eingegliedert (Bericht
berufliche Massnahmen vom 14. Oktober 2010, IV-act. 48; Mitteilung vom 27. Oktober
2010, IV-act. 49). Das Arbeitsverhältnis war dem Versicherten wegen Nichterfüllung
quantitativer und qualitativer Ansprüche per 31. Mai 2011 gekündigt worden (IV-
act. 57).
Nachdem der behandelnde Dr. med. C._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
am 13. Oktober 2009 zum Gutachten (IV-act. 29) und Dr. B._ am 13. Januar 2010 (IV-
act. 40) seinerseits zur Kritik Stellung genommen hatten und ein Verlaufsbericht von
Dr. C._ vom 10. Mai 2011 (IV-act. 50) eingegangen war, hatte die IV-Stelle Dr. med.
D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, einen Auftrag zur
monodisziplinären Begutachtung erteilt (Gutachten vom 26. Oktober 2011, IV-act. 63).
Dieser war zum Schluss gekommen, eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit lasse sich
nicht (mehr) begründen (IV-act. 63-42, 53).
A.d.
Die IV-Stelle hatte dem Versicherten mit Mitteilung vom 14. November 2011
Arbeitsvermittlung (IV-act. 66) zugesprochen. Vom 16. April bis 31. Oktober 2012 hatte
er einen Arbeitsversuch beim E._ (IV-act. 78, 84; Mitteilung vom 30. März 2012, IV-
act. 86), vom 4. Februar bis 19. Juli 2013 ein Aufbautraining bei F._ (Zielvereinbarung
IV-act. 136; Kostengutsprache vom 14. Januar 2013, IV-act. 128) und vom 23. Juli bis
20. Oktober 2013 einen Arbeitsversuch bei der Firma G._ (Vereinbarung, IV-act. 157;
Mitteilung Zusprache vom 16. August 2013, IV-act. 156), absolviert. Das
Arbeitspensum hatte auf Wunsch des Versicherten jeweils 60 % betragen. Die
Eingliederung war daraufhin erneut abgeschlossen worden (Bericht Eingliederung und
Mitteilung vom 11. Februar 2014, IV-act. 169 f.). Am 26. Februar 2015 hatte der
Versicherte bei der IV-Stelle um Stellenvermittlung durch Profil handicap ersucht (IV-
act. 171), welche ihm in der Folge als Frühinterventionsmassnahme zugesprochen
worden war (Mitteilungen vom 20. März 2015, IV-act. 174, und vom 3. Februar 2016,
IV-act. 198). Die Eingliederung war wegen mangelnder Motivation und Initiative des
Versicherten am 22. April 2016 eingestellt worden (IV-act. 201). Dem Versicherten war
durch Mitteilung vom 28. April 2016 eröffnet worden, weitere berufliche Massnahmen
seien nicht angezeigt und würden somit abgeschlossen. Es bestehe auch kein
Rentenanspruch (IV-act. 202).
A.e.
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B.
Seit März 2016 arbeitete der Versicherte in einem 60 %-Pensum in der Zustellung
(IV-act. 223-2 ff.; IV-act. 227). Mit Wiederanmeldung vom 23. Februar 2017 ersuchte er
bei der IV-Stelle um eine Teilrente zur finanziellen Entlastung (IV-act. 205 f.). Im
Arztbericht vom 17. Mai 2017 führte Dr. C._ aus, das psychische Zustandsbild des
Versicherten habe sich in den letzten Jahren verschlechtert. Dieser leide an einem
chronifizierten mittelgradigen depressiven Zustandsbild (ICD-10: F33.11), einer
kombinierten Persönlichkeitsstörung mit schizoiden, narzisstischen und unreifen
Anteilen (ICD-10: F61) sowie unter einer dissoziativen Störung (ICD-10: F44). Ein
höheres Arbeitspensum als 60 % könne er nicht übernehmen (IV-act. 222). RAD-Ärztin
H._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 17. Juli 2017 Stellung,
medizintheoretisch müsse anhand der aktuellen Aktenlage angenommen werden, dass
die Arbeitsfähigkeit nicht über 60 % gesteigert werden könne und die aktuelle Stelle
adaptiert sei (IV-act. 232). Durch Mitteilung vom 21. Juli 2017 wies die IV-Stelle des
Kantons St. Gallen das Gesuch betreffend berufliche Massnahmen ab. Da die aktuelle
Arbeit als Zusteller im 60 %-Pensum der gesundheitlichen Situation entspreche, sei der
Versicherte angemessen eingegliedert (IV-act. 235).
B.a.
Am 1. Dezember 2017 eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten im Rahmen der
Rentenprüfung, er habe sich einer erneuten Begutachtung durch Dr. D._ zu
unterziehen (IV-act. 240). Der Versicherte und Dr. C._ wendeten dagegen am
20. Dezember 2017 im Wesentlichen ein, Dr. D._ fehle es an der erforderlichen
Qualität als Gutachter und dieser sei aufgrund von bereits mit Dr. C._ ausgetragenen
Meinungsverschiedenheiten massiv befangen (IV-act. 241). Hierzu nahm die IV-Stelle
am 3. Januar 2018 Stellung, es handle sich um eine Verlaufsbegutachtung, die immer
beim Erstgutachter durchgeführt werde. Des Weiteren sei der Einwand nach Ablauf der
Rechtsmittelfrist eingereicht worden (IV-act. 242). In einem Bericht an den Gutachter
vom 26. Januar 2018 hielt Dr. C._ fest, der Versicherte sei seit 5. September 2017
erneut zu 100 % arbeitsunfähig. Es könne höchstens eine Arbeitsfähigkeit von 30 %
bis 50 % im geschützten Rahmen erreicht werden (IV-act. 248-56 f.). Dr. D._ kam im
Verlaufsgutachten vom 22. März 2018 (IV-act. 248, Untersuchung 5. Februar 2018) zum
Schluss, weder mit den vorliegenden akzentuierten Persönlichkeitszügen noch mit der
bestehenden rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte depressive
B.b.
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Episode, lasse sich eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen (IV-
act. 248-50 ff.). Die IV-Stelle gewährte dem Versicherten nach Stellungnahme von
RAD-Ärztin H._ vom 28. März 2018 (IV-act. 249) das rechtliche Gehör zur
vorgesehenen Abweisung des Leistungsbegehrens (Vorbescheid vom 28. März 2018,
IV-act. 251). Dagegen liess der Versicherte am 26. April 2018 Einwand erheben (IV-
act. 256).
Vom 5. Juni bis 25. Juli 2018 wurde der Versicherte in der Klinik I._ als
ambulanter Rehabilitationspatient therapiert. Dabei wurde eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1) diagnostiziert.
Bei Austritt seien Vitalgefühle, Antrieb und Motivation leicht verbessert gewesen
(Austrittsbericht vom 21. August 2018, IV-act. 280).
B.c.
Dr. med. J._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, erstellte zuhanden des Case
Managements der Arbeitgeberin am 13. Juni 2018 ein Gutachten über den Versicherten
(Fremdakten, act. 2, Untersuchung vom 6. Juni 2018). Er diagnostizierte eine
generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1) sowie eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige depressive Episode ohne somatisches
Syndrom (ICD-10: F33.10; Fremdakten, act. 2-19). Bei einer Präsenzzeit von 80 % und
einer Leistungseinschränkung von aktuell etwa 30 % sei der Versicherte zu 45 %
arbeitsunfähig. Aufgrund der Akten und der Untersuchung gehe er davon aus, dass die
Arbeitsfähigkeit seit dem 5. September 2017, als der behandelnde Psychiater eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert habe, zwischen 40 % und 50 % gelegen habe
(Fremdakten, act. 2-27). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien unter anderem die
ebenfalls diagnostizierte Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst, ICD-10: F41.0)
sowie der Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen
(vermeidenden) und abhängigen (asthenischen) Anteilen (ICD-10: F61.0; Fremdakten,
act. 2-19). Dr. med. K._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, diagnostizierte
gemäss einem Konsiliarbericht zuhanden des behandelnden Dr. C._ vom 13. August
2018 eine chronisch-rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F33.1) auf der
Grundlage einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit depressiven, asthenischen,
schizoiden, narzisstischen und unreifen Anteilen (ICD-10: F61) und schätzte die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf 50 % bis 60 % (IV-act. 268). In Ergänzung seines
Einwands liess der Versicherte am 22. August 2018 darlegen, entgegen der Auffassung
B.d.
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C.
von Dr. D._ liege mindestens eine mittelgradige depressive Episode vor und er habe
Anspruch auf mindestens eine Viertelsrente (IV-act. 267). Dr. D._ nahm am
23. Oktober 2018 im Wesentlichen Stellung, die von Dr. J._ gestellten Diagnosen
würden sich teilweise ausschliessen, so dass er die Arbeitsunfähigkeit von 45 %
ausschliesslich mit der depressiven Episode begründe, welche jedoch gemäss seinen
Ausführungen für sich alleine einer raschen Wiederaufnahme der Arbeit nicht
entgegenstehen würde (IV-act. 271).
RAD-Ärztin H._ äusserte sich am 15. November 2018, es könne weiterhin auf
das Gutachten von Dr. D._ vom 22. März 2018 abgestellt werden (IV-act. 275). Im
Rahmen einer gewährten zweiten Anhörung (8. Januar 2019, IV-act. 276) liess sich der
Versicherte am 24. Januar 2019 vernehmen, entgegen der Auffassung von Dr. D._
könnten die Diagnosen Depression und Angststörung gleichzeitig gestellt werden.
Bezüglich der Persönlichkeitsstörung verweise Dr. D._ auf sein Gutachten aus dem
Jahr 2011, womit es an einer aktuellen Beurteilung fehle (IV-act. 277). Am 1. März 2019
ersuchte er die IV-Stelle um Auskunft über Anzahl Gutachten und attestierte
rentenbegründende Arbeitsunfähigkeiten von Dr. D._ (IV-act. 282). Dies beantwortete
die IV-Stelle am 14. März 2019, im Jahr 2018 seien an Dr. D._ 48 Gutachtensaufträge
erteilt worden. Es würden keine Auswertungen oder Statistiken geführt, aus denen
Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen der Begutachtungsstellen hervorgehen würden (IV-
act. 283). RAD-Ärztin H._ nahm am 26. März 2019 Stellung, die Diagnostik von
Dr. D._ sei korrekt. Er habe sich ausführlich mit der Persönlichkeitsstruktur des
Versicherten auseinandergesetzt. Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne
weiterhin auf sein Gutachten abgestellt werden (IV-act. 284).
B.e.
Die IV-Stelle wies mit Verfügung vom 3. April 2019 das Leistungsbegehren ab.
Betreffend Unterstützung bei der Stellensuche könne sich der Versicherte erneut
melden (IV-act. 285).
B.f.
Gegen die Verfügung vom 3. April 2019 lässt A._, vertreten durch
Rechtsanwältin K. Herzog, M.A. HSG in Law, am 24. Mai 2019 Beschwerde erheben.
Er beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Eventualiter
C.a.
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seien weitere Abklärungen durchzuführen. Weiter seien ihm die unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Zur Begründung lässt er im
Wesentlichen ausführen, das Gutachten von Dr. D._ sei nicht nachvollziehbar, da der
Schluss, dass es ihm viel besser und auch gut gehe, nicht mit der erhobenen
Anamnese übereinstimme. Gemäss Diagnosekriterien nach ICD-10 liege am ehesten
eine mittelgradige und nicht wie von Dr. D._ festgehalten eine leichte Depression vor.
Das Vorhandensein einer Persönlichkeitsstörung verneine Dr. D._ einzig mit Verweis
auf sein Gutachten von 2011, ohne Berücksichtigung einer Fremdanamnese und der
Schwierigkeiten an den Arbeitsstellen. Das Gutachten von Dr. J._ sei bezüglich
Anamnese und psychopathologischem Zustand bei mehr als doppelt so langer Dauer
der Untersuchung deutlich ausführlicher als dasjenige von Dr. D._. Werde nicht auf
die Einschätzung von Dr. J._, Dr. K._ und Dr. C._ abgestellt, sei zur Klärung der
Sach- und Rechtslage ein Obergutachten notwendig. Bei der Bemessung des
Valideneinkommens sei zu berücksichtigen, dass er aufgrund seiner gesundheitlichen
Einschränkungen seit seiner Jugend keine Ausbildung habe absolvieren können. Bei
einer Arbeitsfähigkeit adaptiert von höchstens 60 % resultiere unter Berücksichtigung
eines Tabellenlohnabzuges von 10 % ein Invaliditätsgrad von 55 %, womit er ab Juli
2017 Anspruch auf eine halbe Rente habe (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 22. Juli 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin, die
Beschwerde sei abzuweisen. Unter Verweis auf die Verfügung und die RAD-
Stellungnahmen führt sie aus, weder Dr. J._ noch die Rechtsvertreterin hätten
objektive Gesichtspunkte dargelegt, welche Dr. D._ in seinem Gutachten nicht
beachtet habe. Dr. J._ beurteile lediglich den gleichen medizinischen Sachverhalt
abweichend von Dr. D._. Dieser setze sich vertieft mit dem Gutachten von Dr. J._
auseinander und zeige auf, warum er zu einer anderen Einschätzung gekommen sei
(act. G 5).
C.b.
Die Präsidentin bewilligt dem Beschwerdeführer am 6. August 2019 die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung; act. G 6).
C.c.
Mit Replik vom 10. Oktober 2019 lässt der Beschwerdeführer vorbringen,
aufgrund der grossen Zahl von jährlich für die IV erstellten Gutachten habe das
C.d.
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Erwägungen
1.
Gutachten von Dr. D._ höchstens den Beweiswert einer versicherungsinternen
medizinischen Beurteilung. Angesichts der nachvollziehbaren Ausführungen von
Dr. J._ bestünden ausreichende Zweifel an diesem, weswegen darauf nicht
abgestellt werden könne (act. 10).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 12).C.e.
Die IV-Stelle des Kantons Appenzell Ausserrhoden erliess am 28. April 2016 die
Mitteilung, weitere berufliche Massnahmen seien nicht angezeigt und würden somit
abgeschlossen. Es bestehe auch kein Rentenanspruch (IV-act. 202). Sie hätte das
Rentengesuch gemäss Art. 49 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) und Art. 74 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Verfügungsform abweisen müssen. Die zu
Unrecht formlos ergangene Entscheidung erlangt bei unterbliebener Intervention
rechtsprechungsgemäss nach einem Jahr formelle Rechtskraft (Urteil des
Bundesgerichts vom 11. Februar 2019, 8C_485/2018, E. 4.2). Vorliegend wandte sich
der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 23. November 2016 nochmals an die IV-
Stelle des Kantons Appenzell Ausserrhoden, ohne jedoch eine anfechtbare Verfügung
oder die Wiederaufnahme des Verfahrens zu verlangen (vgl. IV-act. 203). Er meldete
sich sodann am 23. Februar 2017 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen neu zum
Leistungsbezug an (IV-act. 205 f.). Es ist mit den Parteien folglich von einer
Wiederanmeldung auszugehen.
1.1.
ter
Die Beschwerdegegnerin hat eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrad
gemäss Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV als glaubhaft gemacht erachtet, indem sie auf das
Gesuch vom 23. Februar 2017 (IV-act. 205 f.) eingetreten ist und schliesslich eine
Begutachtung angeordnet hat. Ein Rentenanspruch aufgrund der Wiederanmeldung
besteht vorliegend frühestens nach Ablauf der sechsmonatigen Frist gemäss Art. 29
Abs. 1 und 3 IVG am 1. August 2017.
1.2.
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2.
Bezüglich des Gutachtens von Dr. D._ wird vorab geltend gemacht, dass es aus
formellen Gründen - namentlich wegen Befangenheit - von eingeschränkter
Beweiskraft sei.
2.1.
Die Frage, ob Gutachten von Dr. D._ aufgrund wirtschaftlicher Abhängigkeit
dieses Gutachters von der IV einer mit verwaltungsinternen Berichten - etwa mit RAD-
Untersuchungen - vergleichbare reduzierte Beweiskraft zukäme, so dass nicht darauf
abgestellt werden könne, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit bestünden, wurde vom Bundesgericht verneint (Urteil des
Bundesgerichts vom 14. Januar 2020, 9C_824/2019, E. 2.3.4.1 f.).
2.1.1.
Die Beschwerdegegnerin sandte dem Versicherten am 1. Dezember 2017 eine
Mitteilung, wonach sie vorsehe, Dr. D._ mit einer (weiteren) Begutachtung zu beauf
tragen. Triftige Einwendungen gegen unter anderem die begutachtende Person
könnten bis 11. Dezember 2017 schriftlich eingereicht werden (IV-act. 240). Der
Beschwerdeführer und der ihn behandelnde Dr. C._ brachten in einem gemeinsamen
Schreiben vom 20. Dezember 2017 gegen die von der Beschwerdegegnerin
angekündigte Begutachtung durch Dr. D._ unter anderem vor, dieser habe den
Beschwerdeführer schon einmal begutachtet und aus seiner Sicht die
Grundproblematik nicht erkannt. Er - Dr. C._ - kenne ihn persönlich und habe ihn
schon mehrfach aufgefordert, sich fachlich zu verbessern. Dr. D._ habe in den letzten
Gutachten erst recht gegen ihn Stellung genommen (IV-act. 241). Die Sachbearbeiterin
der Beschwerdegnerin antwortete am 3. Januar 2018, es handle sich um eine
Verlaufsbegutachtung, die immer beim Erstgutachter durchgeführt werde. Zudem sei
der Einwand verspätet (IV-act. 242).
2.1.2.
Kritische Äusserungen zu behandelnden Ärzten durch einen Gutachter vermögen
dessen Befangenheit nicht zu begründen (Urteil des Bundesgerichts vom 19. August
2016, 9C_276/2016, E. 3.1.2 mit Verweis). Im "umgekehrten Verhältnis", wo der
behandelnde Arzt den Gutachter kritisiert, kann dies erst recht nicht zur Befangenheit
führen, denn damit würde es in der Hand der behandelnden Ärzte liegen, durch ihr
Verhalten den Anschein der Befangenheit zu begründen. Ebenso wenig bildet die
Tatsache, dass Dr. D._ den Versicherten schon einmal begutachtet hat und dabei zu
einem aus dessen Sicht ungünstigen Ergebnis gelangt ist, einen Ausschlussgrund (BGE
132 V 110, E. 7.2.2). Es bestehen somit keine formellen Gründe gegen die Beweiskraft
des Verlaufsgutachtens von Dr. D._.
2.1.3.
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3.
Materiell bemängelt der Beschwerdeführer im Wesentlichen die von Dr. D._
gestellten Diagnosen und die attestierte Arbeitsfähigkeit.
Den Krankheitsverlauf sowie die Erwerbsbiografie schildert der Beschwerdeführer
wie folgt: Im Alter von etwa 13 Jahren habe er erstmals an einer Panikattacke mit
verbliebenen Ängsten gelitten, so dass er im 9. Schuljahr die Sekundarschule habe
abbrechen müssen. Eine begonnene Automonteurlehre habe er im ersten Jahr
aufgegeben, weil es nicht der richtige Beruf gewesen, er schon damals gesundheitlich
nicht voll belastbar gewesen sei. 199_-199_ habe er erfolgreich den Vorkurs der
Kunstgewerbeschule absolviert. 199_ sei ihm in der psychiatrischen Klinik Y._ ein
Medikament verabreicht worden, welches ihn sehr nervös gemacht habe. Diese
Nebenwirkung habe nachgelassen, als ihm der Hausarzt Akineton gespritzt habe.
Daraufhin hätten sich die Symptome zurückgebildet. Von 1997 bis 2000 habe er in
einem 60 %-Pensum bei einer alternativen Werbefirma (L._) gearbeitet. Nach drei
Jahren sei er sich wegen geleisteten und nicht vergüteten Überstunden ausgenutzt
vorgekommen und an seine psychische Belastungsgrenze gekommen, so dass er
gekündigt habe. Anschliessend habe er zu 80 % bei einem Bäcker in der Backstube
und als Auslieferer gearbeitet. Dieser habe ihn nach einem Jahr aus finanziellen
Gründen entlassen. Für kurze Zeit habe er bei zwei ehemaligen Swisscom-Angestellten
und ab ca. 200_ zu 100 % bei einem Einmannbetrieb auf dem Bau gearbeitet (Firma
M._, Baurenovationen). Ab 200_ habe er als selbständig Erwerbender mit diesem
Mann zusammengearbeitet (vgl. Gutachten Dr. B._ vom 31. Juli 2009, IV-act. 20-4 f.,
und Gutachten Dr. D._ vom 26. Oktober 2011, IV-act. 63-26 ff.; Assessmentgespräch
vom 9. April 2009, IV-act. 5). Daneben leistete der Beschwerdeführer jeweils im Januar/
Februar der Jahre 2004 bis 2006 und 2008 Einsätze als Produktionsmitarbeiter im
Z._ AG auf Abruf (Angaben Arbeitgeberin vom 5. Mai 2009, IV-act. 8). Seit
24. November 2008 ist der Beschwerdeführer in psychiatrischer Behandlung bei
Dr. C._ (Arztbericht vom 4./8. Mai 2009, IV-act. 9 f.). Er arbeitete bis 2010 auf dem
Bau und trat im Dezember 2010 eine 80 %-Stelle als "Personal Assistant" bzw.
Chauffeur an (IV-act. 63-29; Arbeitsvertrag vom 8. Juni 2010, IV-act. 47 f.). Das
Arbeitsverhältnis wurde per Ende Mai 2011 aufgelöst, nach Angabe des
Beschwerdeführers wegen der effektiv grösseren als vereinbarten Präsenzzeit (IV-
act. 63-29) und gemäss nachträglichem Kündigungsschreiben des Arbeitgebers vom
30. Juni 2011 wegen quantitativ und qualitativ unzureichender Leistung (IV-act. 57-2).
Nach den Eingliederungsmassnahmen in den Jahren 2012 und 2013 (Arbeitsversuch
E._, Aufbautraining F._ und Arbeitsversuch bei der Firma G._ mit in Aussicht
3.1.
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gestellter Festanstellung) arbeitete der Beschwerdeführer ab März 2016 als Zusteller
(IV-act. 223-3 f.; IV-act.227). Gemäss Dr. C._ soll sich das depressive Zustandsbild
ab August 2017 verschlechtert haben, so dass der Beschwerdeführer seit
5. September 2017 zu 100 % arbeitsunfähig sei (Bericht vom 26. Januar 2018, IV-
act. 248-56 f.).
Sowohl anlässlich der Verlaufsgutachtung bei Dr. D._ als auch bei Dr. J._
beschrieb der Beschwerdeführer im Wesentlichen einen Rückgang der Panik, während
er stärker unter Zukunftsängsten, Hoffnungslosigkeit, Ungewissheit und dem Gefühl, es
an einem Arbeitsplatz nicht "schaffen zu können", "nicht mehr zu können" bzw. an
Müdigkeit und innerer Leere leide. Er sei häufig traurig, breche in Tränen aus. Bei
Dr. D._ beschrieb er zusätzlich eine innere Unruhe und "zittrige Beine" (IV-
act. 248-32; Fremdakten, act. 2-17). Im Befund erhoben beide Gutachter keine
wesentlichen Störungen der Aufmerksamkeit, Konzentration, Auffassung, Merkfähigkeit
bzw. des Gedächtnisses (IV-act. 248-35; Fremdakten, act. 2-18). Dr. D._ beschrieb
die Stimmung als leicht zum depressiven Pol hin verschoben (IV-act. 248-40), Dr. J._
als vorwiegend ängstlich, angespannt, bedrückt, traurig, resigniert bis depressiv, im
Hintergrund verzweifelt, reizbar, aggressiv, hoffnungslos (Fremdakten, act. 2-18). Der
Affekt wurde übereinstimmend als leicht eingeschränkt moduliert und Mimik und Gestik
als nicht besonders lebhaft bzw. leicht verarmt und verlangsamt beschrieben (IV-
act. 248-36; Fremdakten, act. 2-18).
3.2.
Während Dr. D._ von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgeht (IV-
act. 248-50 ff.), attestiert Dr. J._ bei einer zumutbaren Präsenzzeit von 80 % und
einer Leistungseinschränkung von etwa 30 % eine Arbeitsfähigkeit von 55 %
(Fremdakten, act. 2-27). Für die Aufteilung zwischen zumutbarer Präsenzzeit und
Leistungsfähigkeit lässt sich dem Gutachten keine direkte Begründung entnehmen.
Jedoch äusserte der Beschwerdeführer den Wunsch, drei Tage aneinander zu arbeiten,
um (an den freien Tagen) wieder ausreichend Energie für kreative Tätigkeiten zu haben
(Fremdakten, act. 2-17, Ziff. 3.2.10).
3.3.
Dem Beschwerdeführer wurde seit Beginn der Behandlung durch Dr. C._ ein
depressives Zustandsbild bzw. eine rezidivierende depressive Störung gegenwärtig
remittiert (Gutachten Dr. D._ vom 26. Oktober 2011, IV-act. 63-42) bzw. mit
(höchstens) leichter (Gutachten Dr. B._ vom 31. Juli 2009, IV-act. 20;
Verlaufsgutachten Dr. D._ vom 22. März 2018, IV-act. 248-46), leichter bis
mittelgradiger (Gutachten Dr. J._ vom 13. Juni 2018, Fremdakten, act. 2-19) bzw.
mittel- bis schwergradiger Episode (Berichte Dr. C._ vom 4./8. Mai 2009, IV-act. 9 f.,
3.3.1.
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vom 10. Mai 2011, IV-act. 50, vom 15./17. Mai 2017, IV-act. 222, 224, und vom
26. Januar 2018, IV-act. 248-56 f.; Austrittsbericht Klinik I._ vom 21. August 2018, IV-
act. 280; Konsiliarbericht Dr. K._ vom 13. August 2018, IV-act. 268) diagnostiziert. Im
Verlaufsgutachten vom 22. März 2018 stufte Dr. D._ die depressive Episode als
"höchstens leichtgradig" ein (IV-act. 248-46).
Den nach seiner Ansicht höchstens leichten Schweregrad der depressiven
Erkrankung begründet Dr. D._ zunächst mit der aktuellen Phänomenologie und einer
testpsychologischen Abklärung (IV-act. 248-41). Gegen eine relevante
Verschlechterung des Gesundheitszustands seit seiner Erstbegutachtung im Jahre
2011 führte er zum Einen an, in den nichtmedizinischen Akten werde beschrieben, dass
sich der Beschwerdeführer (nach anfänglichen Schwierigkeiten) sehr motiviert und
engagiert gezeigt habe mit durchwegs guter Leistungsfähigkeit (IV-act. 248-47). Die
Ausführungen in den Berichten F._ sprächen dagegen, dass sich ein chronifiziertes
depressives Zustandsbild (oder eine andere psychische Erkrankung) anhaltend auf die
Arbeitsfähigkeit ausgewirkt habe (IV-act. 248-45). Zum Anderen habe der
Beschwerdeführer nicht berichtet, dass es ihm (seit der Begutachtung im Jahr 2011)
über längere Zeit anhaltend schlecht ergangen sei, vielmehr sei es ihm eine Zeit lang
auch sehr viel besser und auch gut ergangen (IV-act. 248-42).
3.3.2.
Dr. J._ sieht in dieser Beurteilung von Dr. D._ eine Diskrepanz zur
Anamnese, wonach der Beschwerdeführer angegeben habe, es gehe ihm vielleicht
tageweise bis zu einer Woche lang gut, meistens aber - wenn auch unterschiedlich -
schlecht (vgl. IV-act. 248-21; Fremdakten, act. 2-27 f.). Dr. D._ hält dem
nachvollziehbar entgegen, dass sich seine beurteilende Aussage auf das Niveau der
Depression beziehe, die Aussage der Anamnese hingegen die Veränderung der
depressiven Symptome seit der Begutachtung 2011 betreffe (Stellungnahme vom
23. Oktober 2018, IV-act. 271-4).
3.3.3.
Was die Eingliederung anbelangt, bewertete das W._ in einer ersten
Beurteilung am 3. Juli 2012 Ausdauer, Einsatz, Leistung, Arbeitstempo, Qualität,
Belastbarkeit, Anpassungsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Kontaktfähigkeit, Lernfähigkeit
und Problemlösungsfähigkeit im mittleren Bereich (drei bzw. vier von sechs; IV-act.
101). Im Abschlussbericht vom 31. Oktober 2012 wurde festgehalten, es sei gelungen,
Tempo und Qualität der Arbeit zu steigern. Die zu Beginn fehlende Eigeninitiative habe
sich ebenfalls verbessert. Organisierte Transporte von Hilfsmitteln habe der
Beschwerdeführer mit grosser Freude ausgeführt. Neuem und Unbekanntem
gegenüber sei er eher zurückhaltend und unsicher gewesen. Ob bei höherem Pensum
3.3.4.
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die Konzentration aufrecht erhalten werden könne, sei nicht beurteilbar (IV-act. 122-2
f.). Im Schlussbericht F._ vom 16. Juli 2013 wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer
habe eine gute Arbeitsqualität erbracht und die Leistung habe bei 60 % Präsenzzeit auf
100 % gesteigert werden können. Er verfüge über eine gute Merk-, Lern- und
Umsetzungsfähigkeit, habe Interesse und Motivation gezeigt und sei psychisch stabil
und belastbar (IV-act. 149). Der Inhaber der Firma G._ äusserte im Standortgespräch
am 13. September 2013, der Beschwerdeführer arbeite gut und zuverlässig. Er sei
immer pünktlich und arbeite exakt. Er erbringe eine 100%ige Leistung und könne als
vollwertiger Mitarbeiter angesehen werden (IV-act. 164). Schliesslich war es dem
Beschwerdeführer möglich, während fast eineinhalb Jahren im von ihm selbst als
nachvollziehbar stressbelastend beschriebenen Zustellbetrieb zu bestehen. Bis zum
Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. D._ wurden dem Beschwerdeführer
mehrheitlich eine ausreichende Arbeitsqualität und -quantität attestiert, dies bei einem
Arbeitspensum von jeweils 60 %. Daraus kann nun aber weder gefolgert werden, dass
der Beschwerdeführer auch bei 100%iger Arbeitstätigkeit eine im ersten Arbeitsmarkt
ausreichende Leistung hätte erbringen können, noch dass er mit einem 60 %-Pensum
seine Belastungsgrenze erreicht hat.
Dr. J._ führte die von ihm bestätigte Arbeitsunfähigkeit nicht nur auf die
Depression, sondern auch auf eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1) zurück.
Er hielt dazu fest, die Angstsymptome bildeten einen Teil der Depression, seien aber so
ausgeprägt, dass eine eigene Diagnose gerechtfertigt sei (Fremdakten, act. 2-19).
Dr. D._ wandte dagegen ein, eine generelle Angststörung könne nicht gleichzeitig mit
einer depressiven Episode (sowie mit einer Panikstörung und einer phobischen
Störung, welche Dr. J._ als Erkrankungen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
aufführte, Fremdakten, act. 2-19) diagnostiziert werden. Als die Arbeitsfähigkeit
(möglicherweise) beeinträchtigend verbleibe somit einzig die rezidivierende depressive
Störung (Stellungnahme vom 23. Oktober 2018, IV-act. 271). RAD-Ärztin H._
bezeichnete diese Ausführungen als korrekt (Stellungnahmen vom 15. November 2018,
IV-act. 275, und vom 26. März 2019, IV-act. 284). Dies stimmt insofern mit der ICD-10-
Klassifikation überein, als bei ängstlichen und depressiven Symptomen einzelne
Diagnosen lediglich zu stellen sind, wenn sie in so starker Ausprägung auftreten, dass
sich dies rechtfertigt (vgl. Dilling/Freyberger Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation
psychischer Störungen, 9. Aufl., Bern 2019, S. 167). Zudem wurde weder in der
tagesklinischen Behandlung in der Klinik I._ (Austrittsbericht vom 21. August 2018,
IV-act. 280) noch durch Dr. K._ (Konsiliarbericht vom 13. August 2018, IV-act. 268)
eine eigenständige generalisierte Angststörung diagnostiziert. Mithin ist Dr. D._ darin
3.3.5.
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zu folgen, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht zusätzlich durch eine
generalisierte Angststörung eingeschränkt ist.
Verschiedentlich wurde dem Beschwerdeführer eine Persönlichkeitsstörung
diagnostiziert, so durch Dr. C._ eine schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
schizoiden, narzisstischen und unreifen Elementen (Arztbericht vom 4./8. Mai 2009, IV-
act. 9 f.) sowie durch Dr. K._ eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
depressiven, asthenischen, schizoiden, narzisstischen und unreifen Anteilen
(Konsiliarbericht vom 13. August 2018, IV-act. 268). Dr. J._ formulierte in Bezug auf
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen (vermeidenden) und
abhängigen (asthenischen) Anteilen aufgrund der Datenlage lediglich eine
Verdachtsdiagnose (Gutachten vom 13. Juni 2018, Fremdakten, act. 2-19, 22 f.).
Demgegenüber befanden Dr. B._ und Dr. D._, es lägen akzentuierte
Persönlichkeitszüge mit emotional instabilen, narzisstischen und passiv-aggressiven
(Gutachten Dr. B._ vom 31. Juli 2009, IV-act. 20-6 f.) bzw. mit eher etwas
abhängigen (Gutachten Dr. D._ vom 26. Oktober 2011, IV-act. 63-42, 52;
Verlaufsgutachten Dr. D._ vom 5. Februar 2018, IV-act. 248-46) Anteilen vor. Zur
Begründung lässt sich dem Gutachten von Dr. B._ entnehmen, dass keine schweren
psychischen Einschränkungen bestünden bzw. angegeben würden (IV-act. 20-11 f.).
Dr. D._ führte aus, ein auffälliges, andauerndes und gleichförmiges, tiefgreifendes, in
vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassendes Verhalten hätte
bei den psychiatrischen Untersuchungen auffallen müssen. Entgegen den
Ausführungen von Dr. C._ (Stellungnahme vom 13. Oktober 2009 zum Gutachten von
Dr. B._, IV-act. 29) sei nicht plausibel, dass eine Persönlichkeitsstörung verleugnet,
abgespalten oder verdrängt werden könne. Die allgemeinen diagnostischen Leitlinien
für eine Persönlichkeitsstörung seien nicht erfüllt (Gutachten vom 26. Oktober 2011, IV-
act. 63-50 ff.). Für dieses Gutachten hatte Dr. D._ beim behandelnden
Psychotherapeuten eine ausführliche Fremdanamnese erhoben (vgl. IV-act. 63-35 f.).
Im Verlaufsgutachten hielt er fest, wie im Vorgutachten begründet sei nach wie vor
nicht von einer Persönlichkeitsstörung auszugehen (IV-act. 248-42), was plausibel
erscheint, da es sich dabei um eine in der Kindheit oder Adoleszenz beginnende
Entwicklung handelt (vgl. H. Dilling/H. Freyberger, a.a.O., S. 231). Demgegenüber
führte Dr. K._ aus, unter Zugrundelegung des Längsschnitts liege offensichtlich eine
strukturelle Störung der Persönlichkeit vor mit unterschiedlich ausgeprägten Störungen
der komplexen Ich-Funktionen wie Realitätsprüfung, Urteilsbildung,
Beziehungsfähigkeit, Kontaktgestaltung, Affektsteuerung, Impulskontrolle,
Selbstwertregulation sowie Intentionalität und Antrieb. Diese Beeinträchtigungen
3.3.6.
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gingen über diejenigen einer Doppeldepression (Dysthymie als Grundlage, major
Depression phasenweise zusätzlich) hinaus (IV-act. 268-3). Zwar zeigt der schulische
und berufliche Werdegang des Beschwerdeführers Auffälligkeiten (vgl. E. 3.1), die auf
eine Persönlichkeitsstörung hindeuten könnten. Im Rahmen der
Eingliederungsmassnahmen zeigte sich jedoch kein auffälliges, eindeutig unpassendes
Verhalten des Beschwerdeführers (vgl. E. 3.3.4). Fachmedizinische Berichte aus der
Jugend und Adoleszenz liegen nicht vor. Eine Einschränkung der Erwerbsfähigkeit
durch eine Persönlichkeitsstörung ist folglich nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
Dr. C._ erhob zunächst den Verdacht auf eine schizotype Störung (Arztbericht
vom 4./8. Mai 2009, IV-act. 9 f.) und diagnostizierte gemäss Arztbericht vom
15./17. Mai 2017 eine dissoziative Störung (IV-act. 222, 224). Dr. D._ nahm dazu
Stellung, diese Diagnose sei weder begründet noch nach den Kriterien des ICD-10
hergeleitet worden. In der Anamnese fänden sich keine Hinweise für das Vorliegen
einer entsprechenden Symptomatik (IV-act. 248-41). Dr. J._ und Dr. K._ stellten
keine entsprechende Diagnose. Das Vorliegen dieser Diagnosen erscheint damit nicht
plausibel.
3.3.7.
Sämtliche Einschätzungen einer (höheren) Arbeitsunfähigkeit (als diejenige von
Dr. D._ und von Dr. B._) beruhen massgeblich darauf, dass zusätzlich zur
leichtgradigen Depression weitere psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit gestellt wurden. Dr. J._ begründet seine Arbeitsunfähigkeits
schätzung unter anderem mit Beeinträchtigungen der kognitiven Fähigkeiten
(Fremdakten, act. 2-27), für welche er aber gemäss Befund ausser Satzabbrüchen
keine klinisch relevanten Hinweise gefunden hat (Fremdakten, act. 2-18). Dr. D._
berücksichtigte sodann, dass die Persönlichkeitsakzentuierung dazu führen könne,
dass rascher oder häufiger depressive Episoden aufträten. Als Ressourcen nennen
sowohl Dr. D._ als auch Dr. J._ eine bis während der Tätigkeit als Zusteller
vorhandene hohe Motivation und Leistungsbereitschaft (IV-act. 248-47; Fremdakten,
act. 2-24). Einschränkend auf die Ressourcen dürfte sich die beim Beschwerdeführer
vorhandene Überzeugung, nicht mehr als zu 60 % arbeitsfähig zu sein, auswirken. Der
Beschwerdeführer gibt an, er gehe ein- bis zweimal täglich in die Stadt einen Kaffee
trinken. Im Übrigen halte er sich oft in der Wohnung auf und habe im Wesentlichen
Kontakt zu seiner Mitbewohnerin und deren Freund. Zum Ausüben der früheren
Hobbys (Zeichnen, Modellflugzeuge etc.) fehle ihm in letzter Zeit die Energie bzw. Lust.
Aktuell schlafe er oft (IV-act. 248-30 f.; Fremdakten, act. 2-15 f.). Die Behandlung
umfasst je 14-tägliche Termine bei Dr. C._ und beim Psychologen Herrn O._ (IV-
3.3.8.
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act. 248-33). Diese nichtberuflichen Aktivitäten lassen nicht auf einen höheren
Schweregrad der Depression oder auf eine andere schwer einschränkende psychische
Erkrankung schliessen.
3.4.
Nach dem Gesagten ist das Gutachten von Dr. D._ nachvollziehbar und
schlüssig und berücksichtigt die nach dem strukturierten Beweisverfahren
massgeblichen Indikatoren hinreichend. Es überzeugt insbesondere durch die
ausführlich wiedergegebenen umfassenden Angaben des Beschwerdeführers (vgl. IV-
act. 248-27 bis 34). Indes ist in Betracht zu ziehen, dass sich die depressive
Symptomatik nachfolgend zur Begutachtung allenfalls verschlechterte, zumal der
Beschwerdeführer am 5. Juni 2018 eine teilstationäre Behandlung in der Klinik I._
aufnahm, wo eine mittelgradige depressive Episode festgehalten wurde.
Demgegenüber beschrieb Dr. J._ aufgrund seiner Untersuchung vom
darauffolgenden Tag (6. Juni 2018) die depressive Episode als leicht bis mittelgradig.
Es fällt auf, dass vom Klinikeintritt im Gutachten von Dr. J._ vom 13. Juni 2018 keine
Rede ist (Fremdakten, act. 2-17, Ziff. 3.2.9).
3.4.1.
Dr. C._ hatte am 26. Januar 2018 von einer Verschlechterung des depressiven
Zustandsbildes im August 2017 berichtet, die zu einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit
seit dem 5. September 2017 geführt habe. Nach Medikamentenumstellung habe sich
eine leichte Besserung eingestellt, der Beschwerdeführer sei psychisch weiterhin sehr
labil. Falls dies in den nächsten Wochen so bleibe, werde er ihn zur stationären
Therapie in I._ anmelden (IV-act. 248-57). Dr. J._ ging von einer seit 5. September
2017 unveränderten, wenn auch höheren Arbeitsfähigkeit als Dr. C._ aus (vgl. fremd-
act. 2-27). Aufgrund des Umstands, dass der Beschwerdeführer sich in teilstationäre
Behandlung in die Klinik I._ begab, kann somit nicht auf eine seit der
Verlaufsbegutachtung von Dr. D._ eingetretene Verschlechterung der depressiven
Symptomatik geschlossen werden. Dr. D._ hat zu den weiteren Arztberichten von
Dr. C._, Dr. K._ und Dr. J._ ausführlich Stellung genommen (IV-act. 271). Wie er
zu Recht ausführt, wird insbesondere auch im Konsiliarbericht von Dr. K._ keine
Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes beschrieben, so dass davon
auszugehen ist, dass Dr. K._ denselben Zustand anders beurteilt (vgl. IV-act. 271-6
und 268). Die RAD-Ärztin H._ hat die Stellungnahme von Dr. D._ am 15. November
2018 als gut nachvollziehbar und plausibel eingeschätzt (IV-act. 275). Eine
Verschlechterung der depressiven Symptomatik nach der Begutachtung bei Dr. D._
erscheint folglich weder plausibel noch überwiegend wahrscheinlich. Gestützt auf das
3.4.2.
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4.
überzeugende Gutachten von Dr. D._ ist somit von einer vollständigen
Arbeitsfähigkeit auszugehen, womit der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Rente hat. Da bei einer vollständigen Arbeitsfähigkeit selbst unter Berücksichtigung
eines Valideneinkommens nach Art. 26 IVV sich kein rentenbegründender IV-Grad
ergibt, kann die Frage der Frühinvalidität offenbleiben. Aufgrund der vorliegenden
Gutachten wäre im Übrigen nicht ausgewiesen, dass der fehlende Berufsabschluss des
Beschwerdeführers auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen ist.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten vollumfänglich aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
4.2.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten des Kantons St. Gallen (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.--
bis Fr. 15'000.--. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers macht einen Aufwand
von 15,79 Stunden und ein Honorar von Fr. 4'421.50 (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) geltend. Der medizinische Sachverhalt umfasst unter anderem vier
eher umfangreiche und komplexe monodisziplinäre psychiatrische Gutachten. Damit
liegt der Aufwand über dem in invalidenversicherungsrechtlichen Fällen
Durchschnittlichen. In Anbetracht dessen, dass aber lediglich das psychiatrische
Fachgebiet betroffen ist, erscheint ein Honorar von Fr. 4'000.-- einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer angemessen. Dieses ist um einen Fünftel zu kürzen
(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 3'200.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
4.3.
Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
4.4.
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