Decision ID: cb1d77ac-3a53-56b2-b91d-2414a95bd14e
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Gemäss eigenen Angaben reiste der Beschwerdeführer – ein afghani-
scher Staatsangehöriger – am 26. November 2019 von Italien herkom-
mend illegal in die Schweiz ein, wo er am 28. November 2019 um Asyl
nachsuchte.
A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentral-
einheit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 24. März 2015 in
C._, am 8. Juni 2015 in D._, am 18. Dezember 2015 in
E._, am 1. April 2016 in F._ und am 19. Mai 2017 in Italien
Asylgesuche eingereicht hatte.
A.c Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 11. Dezember 2019 (Akten der
Vorinstanz [SEM-act.] 1057638-12/6) gab der Beschwerdeführer nament-
lich an, er sei im Jahr 2015 nach Europa gekommen. In Italien habe er
einen negativen Asylentscheid erhalten. Er sei von dort nach G._
gegangen, wo er nach drei Tagen in der Nähe von H._ festgenom-
men und für 41 Tage in H._ inhaftiert worden sei. Im August 2017
habe man ihn nach Afghanistan abgeschoben. Dies könne er jedoch nicht
nachweisen. Auch seinen Aufenthalt in Afghanistan könne er nicht mehr
belegen, da er Unterlagen von seiner Arbeit, seinem Vater und Bruder so-
wie seine Tazkera bei der erneuten Ausreise verloren habe. Im Mai 2019
habe er den Heimatstaat abermals verlassen und sei über I._,
J._ und K._ nach Italien gelangt. Er denke, am 24. Novem-
ber 2019 in Italien angekommen zu sein. Dort habe er keinen Behörden-
kontakt gehabt und auch nicht versucht, ein erneutes Asylgesuch zu stel-
len, weil er nach dem ersten Asylgesuch schlecht behandelt worden sei.
Anschliessend sei er mit dem Zug in die Schweiz gelangt.
Im Rahmen des ihm von der Vorinstanz gleichzeitig gewährten rechtlichen
Gehörs zur Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des Asyl- und Weg-
weisungsverfahrens beziehungsweise zur Wegweisung dorthin und zum
Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31)
machte der Beschwerdeführer geltend, er habe dort in einem Wald gelebt.
Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, erklärte der Beschwerde-
führer, er sei nicht ganz gesund. Er wisse nicht weshalb, habe aber Alb-
träume und könne danach nicht mehr schlafen. Manchmal leide er an Kopf-
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schmerzen und Schwindel. Die psychischen Beschwerden, worunter er be-
reits vor der Rückschaffung nach Afghanistan gelitten habe, bestünden im-
mer noch.
B.
Ein Informationsersuchen des SEM vom 16. Dezember 2019 mit anschlies-
sendem Gesuch um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers vom
10. März 2020 beantworteten die (...) Behörden am 16. März 2020 negativ.
C.
Aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich des Dublin-Ge-
sprächs ersuchte die Vorinstanz am 18. Februar 2020 die italienischen Be-
hörden um seine Übernahme gestützt auf Art. 13 Abs. 2 der Verordnung
(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (Neufassung), ABl. L 180/31 vom
29.6.2013 (nachfolgend: Dublin-III-VO).
Die italienischen Behörden nahmen innerhalb der festgelegten Frist zum
Übernahmeersuchen der Vorinstanz keine Stellung.
D.
Mit Verfügung vom 11. Mai 2020 – eröffnet am 12. Mai 2020 – trat das SEM
in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers vom 28. November 2019 nicht ein, verfügte die Weg-
weisung nach Italien, forderte den Beschwerdeführer – unter Androhung
von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach
Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, beauftragte den Kanton
L._ mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte dem Beschwerde-
führer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und
stellte fest, eine allfällige Beschwerde gegen die Verfügung habe keine auf-
schiebende Wirkung.
E.
Mit Eingabe vom 19. Mai 2020 liess der Beschwerdeführer gegen den vor-
instanzlichen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde er-
heben und beantragen, es sei die Verfügung des SEM vom 11. Mai 2020
vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asyl-
gesuch einzutreten. Eventualiter sei die Verfügung des SEM vom 11. Mai
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2020 an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei das SEM an-
zuweisen, bei den italienischen Behörden individuelle Garantien für eine
adäquate Unterbringung und medizinische Behandlung einzuholen. Es sei
die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und insbesondere von der
Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen.
Ausserdem wurde um Beizug der Verfahrensakten der Vorinstanz ersucht.
Auf die Begründung der Beschwerde wird – soweit entscheidrelevant – in
den Erwägungen eingegangen.
F.
Der zuständige Instruktionsrichter setzte am 20. Mai 2020 gestützt auf
Art. 56 VwVG den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus.
G.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
20. Mai 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
H.
Der Beschwerdeführer ist seit dem 20. Mai 2020 unbekannten Aufenthalts
(vgl. Kontrollblatt der Vorinstanz vom 27. Mai 2020 in ihren Akten).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein
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schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 3 und
Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
2.3 Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend han-
delt es sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche, weshalb das
Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt
auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel verzichtet.
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
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erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien;
vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation
im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-
men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-
genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel
III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän-
digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-
nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen,
die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung
im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union
(2012/C 326/02) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien
ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein
anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden, wird der die Zustän-
digkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2
Dublin-III-VO).
3.3 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-
recht).
4.
In der Beschwerde wird namentlich geltend gemacht, aus den Verfahrens-
akten gehe hervor, dass die Eurodac-Treffermeldung (Hit Eurodac) auf den
2. Dezember 2019 datiert sei. Der angefochtenen Verfügung und den Ver-
fahrensakten (vgl. Ersuchen TC Italien) sei zu entnehmen, dass die Vorin-
stanz die italienischen Behörden am 18. Februar 2020 um Wiederauf-
nahme des Beschwerdeführers ersucht habe. Das Gesuch um Wiederauf-
nahme sei somit nicht fristgerecht gestellt worden. Gemäss Art. 23 Abs. 3
Dublin-III-VO sei der Mitgliedstaat für die Prüfung des Antrags auf interna-
tionalen Schutz zuständig, in dem der neue Antrag gestellt worden sei,
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wenn das Wiederaufnahmegesuch nicht innerhalb der festgesetzten Frist
erfolge. Demnach sei die Zuständigkeit aufgrund der Verfristung im Sinne
von Art. 23 Abs. 3 Dublin-III-VO automatisch auf die Schweiz übergegan-
gen.
Die Prüfung einer möglichen Zuständigkeit Italiens erübrige sich somit. Die
angefochtene Verfügung sei deshalb aufzuheben und die Vorinstanz anzu-
weisen, auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers einzutreten.
5.
5.1 Vorab ist – auch wenn dies auf die vorliegend in Frage stehende
Rechtsfolge keinen Einfluss hat – der Klarheit halber darauf hinzuweisen,
dass die Vorinstanz sich entgegen der auf Beschwerdeebene vertretenen
Auffassung nicht mit einem Wiederaufnahmegesuch gestützt auf Art. 23
Dublin-III-VO an die italienischen Behörden gewendet hat, sondern im Auf-
nahmeverfahren (engl.: take charge) mit einem Aufnahmegesuch gestützt
auf Art. 21 Dublin-III-VO an diese gelangt ist (vgl. SEM-act. 1057638-31/7).
5.2 Hält der Mitgliedstaat, in dem ein Antrag auf internationalen Schutz ge-
stellt wurde, einen anderen Mitgliedstaat für die Prüfung des Antrags für
zuständig, so kann er so bald wie möglich, auf jeden Fall aber innerhalb
von drei Monaten nach Antragstellung im Sinne von Artikel 20 Absatz 2,
diesen anderen Mitgliedstaat ersuchen, den Antragsteller aufzunehmen
(Art. 21 Abs. 1 Unterabs. 1 Dublin-III-VO). Abweichend von Unterabsatz 1
wird im Fall einer Eurodac-Treffermeldung im Zusammenhang mit Daten
gemäss Artikel 14 der Verordnung (EU) Nr. 603/2013 dieses Gesuch inner-
halb von zwei Monaten nach Erhalt der Treffermeldung gemäss Artikel 15
Absatz 2 jener Verordnung gestellt (Art. 21 Abs. 1 Unterabs. 2 Dublin-III-
VO).
Wird das Gesuch um Aufnahme eines Antragstellers nicht innerhalb der in
Unterabsätzen 1 und 2 niedergelegten Frist unterbreitet, so ist der Mitglied-
staat, in dem der Antrag auf internationalen Schutz gestellt wurde, für die
Prüfung des Antrags zuständig (Art. 21 Abs. 1 Unterabs. 3 Dublin-III-VO).
In diesem Zusammenhang ist auf die Rechtsprechung des Europäischen
Gerichtshofs (EuGH) zu verweisen, wonach Aufnahme- und Wiederauf-
nahmeverfahren nach der Dublin-III-VO unter Beachtung einer Reihe zwin-
gender Fristen durchgeführt werden müssen, darunter namentlich der An-
fragefristen von Art. 21 Abs. 1 Unterabs. 1 und 2 Dublin-III-VO. Der Uni-
onsgesetzgeber habe für den Fall der Nichteinhaltung dieser Frist in Art. 21
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Abs. 1 Unterabs. 3 Dublin-III-VO die Rechtsfolge des Übergangs der Zu-
ständigkeit vorgesehen, was in Einklang stehe mit dem im fünften Erwä-
gungsgrund der Dublin-III-VO erwähnten Ziel einer zügigen Bearbeitung
der Asylanträge. Eine Überstellungsentscheidung könne daher nicht wirk-
sam ergehen, wenn die festgelegten Fristen nicht eingehalten würden (vgl.
Urteil des EuGH vom 26. Juli 2017 C-670/16 Mengesteab, veröffentlicht in
der digitalen Sammlung [Allgemeine Sammlung] unter <http:curia.eu-
ropa.eu>, Rn. 49–54; BVGE 2018 VI/2 E. 7 [S. 8], 2017 VI/9 E. 5.2.3
[S. 97], je mit Hinweis auf Urteil Mengesteab; vgl. auch ULRICH KOEHLER,
Praxiskommentar zum Europäischen Asylzuständigkeitssystem, Berlin
2018, S. 386–388, Rn. 6–11).
5.3 Vorliegend ist davon auszugehen, dass die Eurodac-Treffermeldung
beim SEM am 2. Dezember 2019 eingegangen ist (vgl. im Aktenverzeich-
nis des vorinstanzlichen Dossiers als "Hit Eurodac" bezeichnetes Akten-
stück 1057638-8/1). Demzufolge wäre das Aufnahmegesuch in Berück-
sichtigung der in Art. 21 Abs. 1 Unterabs. 2 Dublin-III-VO festgelegten zwei-
monatigen Frist spätestens bis am 2. Februar 2020 an die italienischen
Behörden zu richten gewesen. Da die Vorinstanz die italienischen Behör-
den erst am 18. Februar 2020 um Aufnahme des Beschwerdeführers er-
sucht hat, wurde die in der vorgenannten Bestimmung niedergelegte Frist
von zwei Monaten, welche im Sinne der erwähnten Rechtsprechung des
EuGH als zwingend zu erachten ist, verpasst.
5.4 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Vorinstanz gestützt auf
Art. 21 Abs. 1 Unterabs. 3 Dublin-II-VO für die Prüfung des Asylgesuchs
des Beschwerdeführers zuständig ist (vgl. diesbez. auch der dem Urteil
des BVGer F-1328/2020 vom 18. Mai 2020 zugrundeliegende, ähnlich ge-
lagerte Fall).
6.
Die Beschwerde ist infolgedessen gutzuheissen, die angefochtene Verfü-
gung aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers einzutreten und sein Asyl- und Wegweisungsverfahren
in der Schweiz durchzuführen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens kann die Frage, ob die weiteren, im
Zusammenhang mit der gesundheitlichen Situation des Beschwerdefüh-
rers, geltend gemachten Vorbringen Anlass zur Ausübung des Selbstein-
trittsrechts der Schweiz (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO, Art. 29a Abs. 3
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der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]) begrün-
den würden, offengelassen werden.
7.
7.1 Ausgangsgemäss sind dem Beschwerdeführer keine Kosten aufzuer-
legen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses sind damit gegenstandslos geworden.
7.2 Dem Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung auszurichten, da
es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsvertretung
im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund nach
Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. auch Art. 111ater
AsylG).
(Dispositiv nächste Seite)
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