Decision ID: 0d4c5cb9-d5a5-492b-8419-f60ddc2658fd
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1981 geborene
X._
leidet seit einer in der Kindheit erlittenen Läsion des
Nevus
peronäus
rechts
an einem Spitzfuss
, weswegen ihm
die
Sozi
alversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
2008 eine Unterschenkel-Orthese und berufliche Eingliederungsmassnahmen zugesprochen
hatte
(Urk. 6/21, Urk. 6/24, Urk. 6/26).
Im Jahre
2011 verneinte
sie
dagegen
den Anspruch auf eine Invalidenrente
(Urk. 6/65).
Am 27. November 2012 ersuchte der Hausarzt des Versicherten, Dr. med.
Y._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, um Kostengu
tsprache für eine Unterschenke
l
o
rthese in Silikontechnik (SAFO) un
d eine Unterschenkelausgleichso
rthese aus Silikon rechts (Urk. 6/66).
Daraufhin holte die IV-Stelle eine Stellungnahme des SAHB Hilfsmittel-Zentrums
ein
. Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(Urk. 6/73 ff.)
verneinte
s
ie mit Verfügung vom 2. September 2013 eine Kosten
gutsprache für die Ausgleichs
o
rthese (Urk. 2). Mit Verfügung vom darauffol
gen
den Tag
(
3.
September 2013)
gewährte
sie
dagegen
einen Kostenbeitrag von Fr. 2‘206.45 f
ür eine propriozeptive Knöchelo
rthese rechts (DAFO; Urk.
6/
98).
2.
Gegen die Verfügung vom 2. September 2013
betreffend Unterschenkelaus
gleic
h
s
o
rthese
erhob
X._
am 1. Oktober 2013 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Aufhebung und
Rückweisung der Sache an die Verwaltung, damit diese über die Einwände befinde
;
eventualiter um
Übernahme
eines
Kos
ten
beitrags von Fr. 4‘803.10 (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 13. November 2013 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Am 20. Dezember 2013 teilte der Beschwerdeführer seinen Verzicht auf eine Replik (Urk. 9)
mit
, worüber die Beschwerdegegnerin am 7. Januar 2014 orientiert wurde (Urk. 11).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Geset
zes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2
.1
Vorweg ist festzuhalten, dass Verfügungen der Versicherungsträger, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten müssen, d.h. eine Darstellung des vom Versicherungs
träger als relevant erach
teten Sachverhal
tes und der rechtlichen Erwä
gungen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die be
trof
fene Person ihn gegebenenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger lei
ten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwal
tung ausdrücklich mit jeder
tatbe
ständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand
auseinander setzen
muss; viel
mehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE
134 I 83 E. 4.1,
126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entschei
denden Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1 f.).
Von der Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtli
chen Gehörs an die Verwaltung ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnöti
gen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhö
rung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (BGE 120 V 357 E. 2b, 116 V 182 E. 3c und d).
2
.2
Mit Vorbescheid vom 25. März 2013
(Urk. 6/76)
wies die Beschwerdegegnerin das Gesuch des Beschwerdeführers um Kostengutsprache für
eine
Aus
gleichs
o
rthese
rechts mit der Begründung ab, dass
es sich
dabei
gemäss Kosten
vor
anschlag der Firma
Z._
vom 23. November 2012 um einen kosmetischen Wadenausgleich handle, der keine spezielle Funktionalität habe. Hilfsmittel ohne Funktionalität, welche
wie vorwiegend in den
Bereich der Kosmetik fielen, würden von der
Invalidenversicherung nicht übernommen.
Daraufhin machte der Beschwerdeführer im
Einwand vom 13. Mai 2013
(Urk. 6/85) geltend
,
aus medizinischer Sicht a
uf die Unterschenkelausgleichso
rthese angewiesen zu sein, weshalb es
sich
nicht einfach
um
ein
en
kosmetische
n
Ausgleich
handle
. Weiter seien
kosmetische Beino
rthesen im Kreisschreiben über die Abgabe von Hilfs
mitteln durch die Invalidenversicherung (KHMI) vom 1. Januar 2013
im Gegensatz zu
Armo
rthesen
nicht ausdrücklich als Hilfsmittel ausgeschlossen worden, weshalb sie finanziert werden müssten
. Dazu führte die
Beschwerde
gegnerin
in der
angefochtenen
Verfügung vom 2. September 2013 (Urk. 2) aus, den Einwand
geprüft zu haben. Gemäss den medizinischen Unterlagen gebe es keine neuen Tatsachen, die nicht bereits im Vorbescheid berücksichtigt worden seien
(Urk. 2 S. 1).
2
.3
Diese
Behandlung des erhobenen Einwands
durch
die Beschwerdegegnerin
ist zwar – auch gemessen an den
an
Verfügungen
im Rahmen der
Massenver
wal
tung gestellten Anforderungen
–
for
melhaft
bzw. dürftig ausgefallen.
Die Beschwer
degegnerin
setzte sich
allerdings
in der Beschwerdeantwort vom
13. November
2013 ausführlich mit den im
Vorbescheidverfah
ren
vorge
brach
ten und in der Beschwerde wiederholten Einwendungen auseinander (Urk.
5
).
Der Beschwerdeführer
seine
rseits sah sich zu einer Stellungnahme
im Rahmen des vom hiesigen Gericht angeordneten zweiten Schriftenwechsel
s
nicht
veran
lasst
. Unter diesen Umständen käme eine Rückweisung einem formalistischen Leerlauf gleich, weshalb sel
bst bei Bejahung einer
(
ge
ringfügigen
)
Gehörsverlet
zung davon abzusehen
ist
.
3
.
3
.1
Gemäss
Art.
21
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwe
cke der funktionellen Angewöhnung bedarf (Abs. 1). Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, haben im Rah
men einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbs
fähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel (Abs. 2).
3
.2
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste hat der Bundesrat in
Art.
14
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
an das Eidgenössische Departement des Innern übertragen, welches die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit anhangsweise auf
geführter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut
Art.
2 HVI besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fortbewegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge notwendig sind (
Abs.
1).
3
.3
In Anwendung von Ziff. 2.01 Anhang HVI werden Beinorthesen gemäss Tarif
vertrag mit dem Schweizerischen Verband der
Ortho
pädie-Techniker vergütet.
4
.
4.1
Zur Begründung der Leistungs
verweiger
ung verwies die Beschwerdegegnerin i
n der Beschwerdeantwort vom 13. November 2013 (Urk. 5) auf die Ausführungen
des SAHB vom 26. August 2013 (Urk. 6/96)
zu den im
Vorbescheidverfahren
erhobenen Einwänden. Zum Einwand des Beschwerdeführers,
wonach
anders als bei Armorthesen
bei Beinorthesen auch rein kosmetische Ausgleiche finan
ziert
würden
(Urk. 6/85 S. 3)
,
gab
der Orthopädietechniker und
Berater
des SAHB
an, dass
sich die
Rz
2001 bis 2005
KHMI sowohl
auf Arm- wie auch auf Beinprothesen bezögen. Auch die
Rz
2009 bis 2011
KHMI
bezögen sich auf Arm-
und
auf Beinorthesen.
Es wäre nicht
einleuchtend
,
wenn
kosmetische Behelfe für den Arm nicht durch den Kostenträger finanziert würden, obwohl Einschränkungen in diesem Bereich
für
Mitmenschen deutlicher erkennbar seien als im Beinbereich, wo meist eine zusätzliche Verdeckung durch Hosen statt
finde.
4.2
Demgegenüber wiederholte der Beschwerdeführer in der Beschwerde den oben
erwähnten Einwand. Daneben macht
e er
geltend, für ihn sei
es zwecks
Herstel
lung des Kontakts mit der Umwelt sehr wichtig, dass er eine
Ausgleichsorthese tragen könne; denn s
eine rechte Wade sei viel kleiner als die linke. Ohne die Ausgleichsorthese getraue er sich zum Beispiel nicht
,
in das Schwimmbad
zu gehen
oder kurze Hosen anzuziehen. Die ganze Angelegenheit habe für ihn daher eine starke psychische Belastung
zur Folge
, weshalb die persönliche Angemessenheit klar gegeben sei (Urk. 1 S. 5).
5
.
5
.1
Körperliche Asymmetrien
können
unbestrittenermassen ästhetische Beeinträch
tigungen dar
stellen
, die im Kontakt mit Mitmenschen unangenehm sein und allenfalls psychische Belastung
en
verursachen mögen
,
welche
ihrerseits
die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt
erschwer
en
.
I
nsbesondere wenn sie sich durch entspreche
nde Bekleidung verdecken lassen,
beeinflussen sie
die Kontakt- und Leistungsfähigkeit
in der Regel
aber
nicht derart, dass sie eine wesent
liche Einschränkung im Alltag zur Folge h
ätt
en.
Vorliegend
lässt sich weder
aufgrund der
beschwerdeweise gemachten
Ausführungen noch
der
übri
gen Akten eine
effektive und wesentliche
mittelbare Auswirkung durch schwerwie
gende psychische Belastungen ausmachen (vgl.
dazu etwa
Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgericht
s
I 457/03
vom 11. November 2003 E. 5.1)
.
D
er behandelnde Hausarzt, Dr. med.
Y._
, Facharzt für Allgemein
medizin,
führte
im Bericht vom 25. Oktober 2010
(Urk. 6/52)
aus, beim Be
schwerdeführer
falle die ausgesprochene Hypot
rophie des Unterschenkels und
des
Fusses rechts mit hinkendem Gangbild
auf
. H
inw
e
i
se auf einen Zusammen
hang zwi
schen dieser
ästhetischen
Beeinträchtigung
und den
von ihm im glei
chen Bericht
diag
nostizierten
eine fachärztliche Behandlung
jedoch
offenbar nicht erfordernden (vgl. Urk. 6/58)
rezidivierenden depressiven Episoden las
sen sich
allerdings
weder
dem
Bericht
noch dem Verordnungsschreiben vom 27. November 2012 (Urk. 6/66)
entnehmen.
5.2
Nach dem Gesagten
kann dem
nun über 30-jährigen
Beschwerdeführer
–
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
weiter
hin
zugemutet werden, ohne
eine
O
rthese
zum Ausgleich der Wadenumfangsdifferenz
mit der Umwelt in Kon
takt zu bleiben
(vgl. Bundesgerichtsurteil 9C_70/2013 vom 30. Dezember 2013 E. 3.2)
.
Ein Anspruch auf eine optimale Hilfsmittelv
ersorgung besteht nicht.
Mangels
behinderungsbedingt
e
r
N
otwendig
keit
der strittigen
Unterschenkelaus
gleichso
rthese
ist die Beschwerde abzuweisen.
Unter
den gegebenen
Umständen erübrigen sich Ausführungen zur Zulässigkeit der
Abgabe von Orthesen
ohne Funktionalität
, welche
rein kosmetischen
Zwe
cken dienen
.
6
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
600
.-- fes
tzulegen und ausgangsgemäss vo
m Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).