Decision ID: 110fce8f-ea50-4ea1-9c3f-13ca3f992be2
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre
1978
geborene
X._
war a
b 2000 als Hilfsköchin im Restau
rant
Y._
angestellt (
Urk.
8/1 S.
1-4). Am 1
1.
Juni 2003 stü
r
zte sie in der Badewanne und zog sich eine Com
motio cerebri sowie eine HWS-Dis
torsion zu; am 2
3.
September 2003 zog sie sich zudem einen Stromschlag an der rechten Hand zu (
Urk.
8/47 S. 15). Die obligatorische Unfallversicherung (
Swica
) erbrachte zunächst die gesetzlichen Leistungen und schloss den
Leis
tungs
fall
per 3
1.
Dezember 2005 mangels adä
quater Kausalität ab (
Urk.
8/10/9).
Nachdem die Versicherte i
m März 2005 ihre Tätigkeit als Hilfsköchin
hatte
aufgeben
mü
sse
n
(Schliessung des Restaurant
s
,
Urk.
8/10/18), wurde sie i
m Juni 2005 zum ersten Mal Mutter (
Urk.
8/1 S. 2).
Im Zusammenhang mit persistierenden
unfallbedingten
Beschwerden meldete sich die Versicherte am 1
0.
Januar 2006 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/1 S. 5 ff.).
Ab März 2006 half
die Versicherte im Restaurant des Bruders in der Küche aus (ca. 20
%
,
Urk.
8/20).
Nach erfolgten Ab
klärungen sprach die IV-Stelle
der Versicherten mit Verfügung vom 2
6.
Oktober 2006
und Wirkung ab
1.
März 2005
bei einem Invaliditätsgrad von 50 %
eine halbe Rente zu
(
Urk. 8/27,
Urk.
8/29). Die Zu
sprache der Kinderrente erfolgte mit Verfügung gleichen Datums für die Zeit ab
1.
Juni 2005 (
Urk.
8/30).
Im Oktober 2007 wurde die Versicherte zum zweiten Mal Mutter
, was zur Zusprache einer zwei
ten Kinderrente für die Zeit ab
1.
Okto
ber 2007 führte (
Urk.
8/31).
Im Oktober 2012 wurde eine revisionsweise Überprüfung des Rentenanspruchs in die Wege geleitet (
Urk.
8/34); in diesem Zusammenhang wurde die Versi
cher
te
im
Begutachtungszentrum Z._
polydisziplinär abgeklärt (
Z._
-Gutachten vom 1
7.
Dezember 2013,
Urk.
8/47). Infolge Verbesserung des
gesundheitlichen Zustandes stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 1
7.
Janu
ar
2014 die Einstellung der Rente in Aus
sicht (
Urk.
8/52) und hielt an diesem Ent
scheid mit Verfügung vom 2
6.
Februar 2014 fest (
Urk.
8/56 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter der Versicherten am 2
6.
März 2014 Beschwerde und beantragte, es sei der Beschwerdeführerin die halbe Rente weiterhin auszu
richten; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde
gegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Mai 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung des Leistungsbegehrens, eventualiter mit substituierter Begrün
dung gestützt auf die Schlussbestimmungen der Änderung
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG)
vom 1
8.
März 2011 (
Urk.
7), was der Be
schwerdeführerin mit Schreiben vom 2
1.
Mai 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Mit Schreiben vom
6.
Juni 2014 sowie 1
6.
Januar 2015 reichte der Vertreter der Beschwerdeführerin ergänzende ärztliche Berichte ein (
Urk.
10 ff.), welche der
Be
schwerdegegnerin zur Kenntnisnahme übermittelt wurden (
Urk.
14).
Mit Verfü
gung vom
4.
September 2015 wurde der
beschwerdeführenden
Partei Frist an
ge
setzt, um zur Frage der offensichtlichen
Unrichtigkeit der ursprünglich
leis
tungs
zusprechenden
Verfügung sowie zur Anwendbarkeit der
Schlussbe
stimmungen
zur
6.
IV-Revision Stellung zu nehmen (
Urk.
15); die entspre
chende Stellung
nahme ging innert erstreckter Frist am 1
1.
November 2015 ein (
Urk.
17,
Urk.
18),
unter Beilage eines ergänzenden ärztlichen Berichts (
Urk.
19).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsun
fähig
keit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver
werten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objek
tiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
sche
n Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinwei
sen).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheent
scheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
be
messung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
Der Revisionsordnung gemäss
Art.
17 ATSG geht jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell
rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beur
teilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E.
2a;
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwal
tung eine
Renten
verfügung
auch dann abändern, wenn die Revisionsvorausset
zungen des
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrich
tigkeit der ursprüng
lichen Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf
Art.
17
Abs.
1 ATSG gestützte Revisionsverfügung der Verwal
tung mit dieser Begrün
dung schützen (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung lässt sich eine allgemein gültige
betragliche
Grenze für die Voraussetzung der Erheblichkeit der Berichtigung nicht festlegen. Mass
gebend sind vielmehr die gesamten Umstände des Einzelfalles. Bei periodischen Leistungen ist die Erheb
lichkeit der Berichtigung zu bejahen (BGE 119 V 475 E.
1c; Urteil des Bundes
gerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hin
weisen
)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
auf
grund einer Verbesserung des Gesundheitszustandes in einer angepassten Tätigkeit von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne. Unter Berücksichtigung eines leidens
bedingten Abzuges von 20
%
führ
e dies zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 19
%
(
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass
der gesundheitliche Zustand seiner Mandantin seit 2005 im besten Fall stabil und unverändert sei, so dass keine Einstellung der Rente verfügt wer
den könne. Die
Z._
-Gutachter würden lediglich eine andere Beurteilung der
gesundheitlichen Situation vornehmen (
Urk.
1 S. 4
).
2.3
Mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Mai 2014 hielt die Beschwerdegegnerin fest,
dass – sofern von keiner Verbesserung der Beschwerden auszugehen sei – ihr Ent
scheid mit der substituierten Begründung gestützt auf die
Schlussbe
stim
mungen
zur
6.
IV-Revision zu schützen sei. So sei die ursprüngli
che
Leistungs
zusprache
aufgrund eines
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Be
schwerdebildes
ohne organische Grundlage erfolgt; ein solches
liege auch heute vor
. Bezüglich der
aktuell vorliegenden Beschwerden
sei rechtsprechungsgemäss davon auszugehen, dass diese überwunden werden könnten, womit indessen auch keine Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes vorliege (
Urk.
7).
2.4
In seiner Stellungnahme vom 1
1.
November 2015 machte der Vertreter der Be
schwerdeführerin
im Wesentlichen geltend, dass es seit 2005 zu keiner Verbes
se
rung des Krankheitsbildes gekommen sei. Das Leiden, welches seinerzeit zur Leistungsverfügung geführt habe, liege nach wie vor in erheblicher Schwere vor und müsse als unüberwindbar bezeichnet werden; auch die intensiven thera
peu
tischen Bemühungen in den letzten zehn Jahren hätten keine Veränderung gebracht. Zudem sei es nicht zulässig
,
im Rahmen des Beschwerdeverfahrens die Rentenaufhebung neu
mit Hilfe der
Schlussbestimmungen
zu begründen. In ei
nem solchen Fall wäre ein persönliches Gespräch und ein Angebot von
Wieder
eingliederungsmassnahmen
nötig. Zudem sei ein strukturiertes Beweisverfahren im Sinne der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichts n
otwend
ig (
Urk.
18 S.
2 ff.).
2.5
Vergleichsbasis im vorliegenden Neuanmeldeverfahren bildet
die Verfügung
vom
2
6.
Oktober 2006 (
Urk.
8/27, Urk. 8/29
)
, welche sich in
medizinischer Hinsicht im Wesent
lichen auf
das
vom Unfallversicherer in Auftrag gegebene
polydis
zi
plinäre
MEDAS-Gutachten vom 1
5.
Dezember 2005
(Urk. 8/10/17-63)
stützt
e
. Die dafür verantwortlichen Fachärzte diagnostizierten dannzumal eine
poly
symp
tomatische
vegetative Dysfunktion, gemäss ICD-10
Somatisierungsstörung
in
klusive gemischter dissoziativer Symptomatik sowie eine generalisierte
Angst
störung
mit zusätzlichen Panikattacken; psychodynamisch: weitgehend abge
wehrte Angstsymptomatik bei
histrionischem
Verarbeitungsmodus (gemäss
Ei
genangaben
aufgetreten im Gefolge eines Sturzes in der Badewanne am
1
0.
Juni 2003 und nach Besserung erneut verschlimmert im Gefolge eines Strom
schlags am 2
3.
September 2003); einen Status nach Sturz in der Bade
wanne am
1
0.
Juni 2003 mit HWS-Trauma und leichter Commotio sowie ein diffuses chro
nisches Schmerzsyndrom der linken Kopf- und Nackenseite sowie des linken Arms mit vielen vegetativen Begleit
beschwerd
en (
Urk.
8/10/27).
Die Gutachter führten dazu aus, dass
somatischerseits
die Beschwerden nicht objektiviert wer
den könnten beziehungsweise dass keine Gesundheitsschädigung mehr bestehe.
Psychiatrischerseits
sei die grosse psychosoziale Belastungssituation zu betonen
(Urk. 8/10/29-30).
In einer angepassten Tätigkeit bestehe
psychiatrischerseits
auf
grund
unfallfremder Faktoren eine ca. 50%ige Arbeitsfähigkeit (
Urk.
8/10/32), welche die Beschwerdegegnerin ihrer Invaliditätsbemessung zu Grunde legte (Urk. 8/27).
3.
3.1
Hausarzt Dr. med.
A._
, Allgemeine Medizin FMH, diagnostizierte am 11. Febru
ar 2013 (Urk. 8/36) unter Hinweis auf das MEDAS-Gutachten vom
15. Dezember 2005 eine Angststörung mit Panikattacken und
Ag
oraphobie (S. 5),
ein
zervikovertebrales
Syndrom links sowie Migräne (S.
1). Er erachtete eine Erwerbstätigkeit mit fixen Einsatzzeiten nicht für möglich (S.
3) und beschei
nigte eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % in der bisherigen Tätigkeit (S. 2).
3.2
Die für das
Z._
-Gutachten vom 17. Dezember 2013 verantwortlichen Fach
ärzte vermochten die vom Hausarzt gestellte Diagnose nicht zu bestätigen, da sich die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben eine Stunde lang in einem Einkaufszentrum aufhalten könne (Urk.
8/47 S.
43). Sie
diagnostizierten mit
Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine dissoziative Störung, gemischt (
Kon
ver
sionsstörung
). Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit
blieben der
Status nach Unfall mit Sturz in der Badewanne am 1
0.
Juni 2003
, der
Status
n
ach Elektrotrauma am 2
3.
September 2003 mit Stromschlag durch die recht
e Hand, ein
chronische
s
cer
vikocephales
und
cervikobrachiale
s
Schmerzsyndrom
links
be
tont
ohne
radikuläre
Irritations-
oder Ausfallssymptomatik, ein chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit fraglicher
radikulärer
Symptomatik in S1
li
nks sowie unklare
Be
wussts
einsverluste
von bis
zu 10
Minuten Dauer
(
Urk.
8/47
S. 40).
Die Gutachter fügten an, a
us somatischer Sicht seien keine Gründe für eine Ein
schränkung der Arbeitsfä
higkeit gegeben. Das Ausmass und die Intensität der Beschwerden sowie die an
gegebenen Einschränkungen im Alltag liessen sich somatisch nicht nachvollzie
hen. Aufgrund der reduzierten psychischen Belast
barkeit, des Leidensdruckes sowie der persistierenden körperlichen Symptoma
to
logie sei die Beschwerde
führerin vermindert stressbelastungsfähig und einge
schränkt in ihren psychi
schen Verarbeitungsmöglichkeiten. Das Ausmass der
Einschränkungen
respektive die Beschwerden hätten
aber gegenüber jenen vor 2005, als sie noch gearbeitet habe, abgenommen. In der angestammten Tätigkeit als Hilfsköchin sei von einer 30%igen Arbeitsunfä
higkeit auszugehen, in einer adaptierten stressarmen Tätigkeit mit flexiblen Ar
beitszeiten sei theoretisch eine
volle Arbeitsfähigkeit möglich (
Urk.
8/47 S. 41
-45
).
3.3
Die für den Austrittsbericht der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin des
Spitals B._
vom 2
3.
Januar 2
014 verantwortlichen Fach
ärzte d
iagnostizierten
cervikale
Schmerzen mit Verdacht auf dissoziativen An
fall. Die Zuweisung sei
zwei Tage nach Streichung der IV-Rente infolge frag
lichen
Bewusstseinsverlust
s und starker linksseitiger
Nackenschmerzen erfolgt.
Die Beschwerdeführerin habe berichtet, dass es seit 2003 in mehrmonatigen Abständen zu solchen Anfällen gekommen sei. Unter analgetischer Therapie sei es zu einer Beschwerdebesserung gekom
men und sie hätten die Beschwer
de
füh
rerin in deutlich gebessertem Zustand nach Hause entlassen können (
Urk.
8/53).
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Neurologie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 1
2.
Februar 2014 rezidivierende Episoden mit akuten Schmerzen im Nacken-Hals-Kopfbereich links, gefolgt von Schwindel, Nausea und teilweise Be
wusstseinstrübung bis zu einer Stunde Dauer unklarer Ätiologie; keine sicheren Hinweise für ein epileptisches Geschehen. Es komme durchschnittlich alle zwei bis drei Monate zu einer Episode mit Bewusstseinstrübung bis Be
wusstlosigkeit, zuletzt am 2
3.
Januar 201
4.
Eine neurologische Ursache lasse sich nicht eruieren, insbesondere hätten sich keine Anhaltspunkte für ein epi
leptisches Geschehen e
rgeben. Es müsse sich um ein
vag
o
-vasales Geschehen handeln, jeweils ausgelöst durch die Schmerzen
, auch eine gewisse funktionelle Ausgestaltung könne er nicht ausschliessen (
Urk.
3/2).
4.
4.1
Im Rahmen des vorliegenden Revisionsverfahrens ist zunächst zu prüfen, ob es
zu einer wesentlichen Verbesserung der gesundheitlichen Beschwerden gekom
men
ist, wie dies den Ausführungen der Beschwerdegegnerin zu entnehmen ist.
Die
Z._
-Gutachter begründen die Verbesserung des Gesundheitszustandes mit
einer Abnahme der Schmerzen, insbesondere der Kopfschmerzen. Im Rahmen der
psychiatrischen Untersuchung gab die Beschwerdeführerin diesbezüglich an, dass
insgesamt die Schmerzen und die damit verbundenen Ohnmachtsanfälle seit der Arbeitsaufgabe im Jahr 2005 (Stressbelastung) deutlich abgenommen hätten (
Urk.
8/47 S.
35).
Zu berücksichtigen gilt es dabei, dass die Aufgabe der belas
tenden Tätigkeit als Hilfsköchin im März 2005 erfolgte, nachdem das Res
taurant
geschlossen w
o
rde
n war
(
Urk.
8/10/18). Die Referenzverfügung datiert dem
gegenüber vom 2
6.
Oktober 2006 und stützt sich im Wesentlichen auf das
MEDAS-Gutachten vom 1
5.
Dezember 200
5.
Das geringere Schmerzniveau wurde
demnach schon im Rahmen der ursprünglichen
Rentenzusprache
be
rücksichtigt, was auch aus dem genannten Gutachten hervorgeht. So standen schon dann
zu
mal die
somatoformen
Beschwerden im Vordergrund, während auch im Rahmen des diffusen chronischen Schmerzsyndroms auf die vielen ve
getativen
Begleit
beschwerden
hi
ngewiesen wurde (
Urk.
8/10/27).
An anderer Stelle
des Gutach
tens
gab
die Beschwerdeführerin an, dass die Schmerzen, die Ohnmachtsanfälle sowie die
Kopfschmerzen
in den letzten drei Jahren
abge
nommen
hätten (
Urk.
8/47 S.
32
und S.
44
). Diese Angaben werden nicht näher begründet und es erscheint
aufgrund des zeitlichen Ablaufs auch schlüssiger
, dass es durch den Stresswegfall im Rahmen der Arbeitsaufgabe zu einer Verbesserung ge
kommen
ist. Zudem werden
im Rahmen der neurologischen Untersuchung dau
ernde Nacken-
und
Hinterkopfschmerzen
als Hauptbeschwerden
genannt
, was wiede
rum gegen eine wesentliche Verbesserung der Beschwerden spricht
(
Urk.
8/10/24)
.
D
ass es mit der Aufgabe der belastenden Tätigkeit als Hilfsköchin
im März 2005 zu e
iner Verbesserung
der Beschwerden
gekommen ist,
ergibt sich
auch
aus
dem Haushaltsabklärungsbericht vom 1
0.
August 2006
(
Urk.
8/20).
Insgesamt
lässt sich
hinsichtlich der Schmerzen, insbesondere der Kopf- und Nackenschmerzen,
seit der ursprünglichen
Rentenzusprache
keine wesentliche Veränderung begründen. Schon dannzumal schienen die
somatoformen
Be
schwerden im Vordergrund zu stehen, wie die
s auch heute der Fall ist. Zu b
e
rücksichtigen gilt es dabei weiter, dass die Beschwerdeführerin heute
neu
auch an einem chronischen
lumbovertebralen
Schmerzsyndrom leidet, welches sich allerdings nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt, so dass kaum von einer we
sentlichen Ver
besse
rung des gesundheitlichen Gesamtzus
tandes auszugehen ist.
Ebenfalls keine wesentliche Ver
änderung des gesundheitlichen Zustandes ergibt sich aus der Tatsache, dass die
Z._
-Gutachter
–
anders als die
MEDAS-Gut
achter
-
keine Angststörung mit Panikattacken diag
nostizieren (
Urk.
8/47 S. 43). So führten die
Z._
-Gutachter aus, dass
sich die Beschwerdeführerin im Ein
kaufszentrum aufhalten könne (Urk.
8/47 S.
43) und dass
a
lle angegebenen Beschwerden wie Ohnmachtsanfälle, Erbrechen, Schwindel, Angst aber auch die Schmerzen der dissoziativen Störung zugeordnet werden
könnten (
Urk.
8/47 S. 42 oben)
. Vor diesem Hintergrund erscheint im Bereich „Angst“ lediglich eine andere diag
nostische Ein
ordnung stattgefunden zu haben.
Abschliessend
kann demnach mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem im Wesentlichen unveränderten Zustand der Beschwerdeführerin ausgegangen werden, so dass eine Revision im Sinne von
Art.
17 ATSG ausser Betracht fällt.
Dass die
Z._
-Gutachter die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin anders einschätzen, muss dabei als unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten Sachverhalts aus revisionsrechtlicher Sicht ausser Acht gelassen werden.
4.2
Hat der Versicherungsträger die Rente mit einer unzutreffenden Begründung
auf
gehoben, führt aber die richtige Begründung zum nämlichen Ergebnis, so ist die
Verfügung zu bestätigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_31/2014 vom 5. Septem
ber 2014 E.
5 mit Hinweisen). Es bleibt daher zu prüfen,
ob es im Rah
men der ursprünglichen
Rentenzusprache
zu einer zweifellos unrichtigen Beur
teilung
des Leistungsanspruches
gekommen ist.
Schon
damals
standen die
somatofor
men
Beschwerden der Be
schwerdeführerin
, denen eine Verletzung der HWS ohne organisch nachweisbare
Funktions
aus
fälle
gleichgestellt wird (BGE 136 V 279 E. 3.2.3),
im Vordergrund, insbeson
dere wurde als Hauptdiagnose eine
Somatisierungsstörung
genann
t (
Urk.
8/10/27).
In Anbetracht der sich mit Bezug auf Schmerzen naturgemäss ergebenden
Be
weisschwierigkeiten
hielt das Eidgenössische Versicherungsgericht bereits in seinem Urteil vom 1
2.
März 2004 fest, dass
die subjektiven
Schmerzan
gaben
der versicherten Person für die Begründung einer (teilweisen) Invalidität allein nicht
genügen
; vielmehr müs
s
e
im Rahmen der
sozialversiche
rungsrechtlichen
Leis
tungsprüfung verlangt werden, dass die Schmerzangaben durch damit korrelie
rende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde hinrei
chend erklärbar sind,
andernfalls sich eine rechtsgleiche Beurteilung der Ren
tenansprüche
nicht ge
währ
leisten liesse. Dabei bestehe
eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerz
störung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren
Wil
lensanstrengung
überwindbar s
e
i. Bestimmte Umstände, welche die
Schmerz
bewältigung
intensiv und konstant behindern, könn
t
en den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerze
n notwendigen Ressourcen verfüge
. Ob e
in solcher Ausnahmefall vorliege
, entscheide
sich im Einzelfall anhand verschiedener
Kriterien. Im Vordergrund stehe
die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung u
nd Dauer. Massgebend sein könnten
auch weitere mit gewisser Intensität und Kon
stanz erfüllte Faktoren,
so: chronische körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifi
zier
ter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progre
dienter Symptomatik ohne län
ger
dauernde Rückbildung; ein ausgewiesener so
zialer Rückzug in allen Belang
en
des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer
inner
seelischer
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Kon
flikt
bewältigung
(primärer Krankheitsgewinn; „Flucht in die Krankheit"); ein
unbe
friedigendes Behandlungsergebnis trotz konsequent durchgeführter ambu
lan
ter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeu
tischem Ansatz) und gescheiterte
Rehabilitati
onsmassnahmen
bei vorhandener
Moti
vation und Eigenanstrengung (koopera
tive Haltung) der versicherten Person.
Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen
würden
, desto eher
seien
– ausnahmsweise – die Voraus
setz
ungen für eine zumutbare
Willensan
strengung
zu
verneinen (BGE 130 V 352).
Nachdem die ursprüngliche
Leistungszusprache
mit Verfügung vom 2
6.
Oktober 2006 erfolgt ist, hätte
in diesem Zeitpunkt die
bei fehlenden objektiven Be
funden (Urk. 8/10/29) attestierte
Arbeitsfähigkeit unter Berück
sichtigung der seit
mehr als zwei Jahren etablierten Schmerzrechtsprechung überprüft werden müssen. Demgegenüber stützte die Beschwerdegegnerin ihren Entscheid auf das vom Unfallversicherer in Auftrag gegebene MEDAS-Gutach
ten vom 1
5.
Dezem
ber 2005, welches sich schwerpunktmässig zu
unfallspezifi
schen
Fragen äusser
te
und nur am Rande zur Arbeitsfähigkeit in einer
behin
derungsangepassten
Tätigkeit Stellung nahm.
Da die damals geltende Überwindbarkeitsprüfung unter
blieben ist,
ist von einer zweifellosen Unrichtigkeit der ursprünglichen
Leis
tungs
zusprache
auszugehen
(vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 8C_68/2013
vom 1
4.
Mai
2013 E.
3.4)
,
und es bleibt zu prüfen, ob die Leistungsaufhebung gestützt auf das
Z._
-Gut
achten gerechtfertigt erscheint
(Urteil des Bundesgerichts 9C_252/2014 vom 17. Juni 20
1
4 E. 3.2)
.
4.3
Das
Z._
-Gutachten vom
1
7.
Dezember 2013 legt den medizinischen Sachver
halt in einer schlüssigen und nachvollziehbaren Weise dar, so dass grundsätz
lich darauf abgestellt werden kann. Insbesondere werden die Anforderungen an einen leidensangepassten Arbeitsplatz unter Berücksichtigung der Einschrän
kungen der Beschwerdeführerin ausreichend begründet (
Urk.
8/47 S. 41 f.).
Dass die dissoziativen Anfälle dabei lediglich in mehrmonatigen Abständen auftre
ten, ergibt sich auch aus den weiteren medizinischen Akten
(Urk. 3/2, Urk. 11; E. 3.3-4
hievor
)
. Dem Bericht des
Spitals B._
vom 2
3.
Januar 2014 ist zudem zu ent
nehmen, dass die Folgen des Anfalles unter Gabe von Analgetika schnell gemildert werden konnten (
Urk.
8/53). Was den Bericht von
lic
. phil.
D._
vom
4.
November 2015 (
Urk.
19/1) betrifft, welcher auch über eine depressive Ver
stimmung der Be
schwerdeführerin berichtet, ist anzumerken, dass grund
sätzlich der Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung (2
6.
Februar 2014) die Grenze der
Überprüfungs
befugnis
bildet. Eine allfällige weitere Verschlech
te
rung der psychischen Situa
tion ist demnach im vorliegenden Verfahren nicht zu berücksichtigen.
Da abschliessend mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit allein von einer disso
ziativen Störung auszugehen ist, bleibt zu prüfen, ob die Einschätzung der Gutachter unter Berücksichtigung der vom Bundesgericht geänderten
Schmerz
rechtsprechung
Stand hält.
5
.
5
.1
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd an
schliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Ver
sicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung.
Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturier
tes
Beweis
ver
fahren
er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – aus
schliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchti
gung und objek
tivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der
rentenanspre
chen
den
Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des
bisherigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somatoformer
Schmerzstörung und
vergleichbaren psychosomatischen Leiden) treten im Re
gelfall beachtliche
Stand
ardindikatoren
. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären
Krank
heitsgewinnes
und die
Präponderanz
der psychiatri
schen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Standardindikato
ren
wie auch bei deren – recht
lich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zu
sammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Aner
kennung eines
rentenbegrün
denden
Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswir
kun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit
(zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen sind. Fehlt es daran,
hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Die im Regelfall beachtlichen
Stan
dardindikatoren
, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert wer
den können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betreffend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid ve
rlieren gemäss altem
Verfahrens
standard
eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
). In sinngemässer Anwendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beigezogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren er
lauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (
BGE 141 V 281
E. 8).
5
.2
5
.2.1
Aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten ist von einer
wenig
ausgepräg
ten dissoziativen Störung auszugehen.
Die Beschwerdeführerin ist Mutter
zweier
Kinder (2005, 2007). Dem
Z._
-Gutachten kann bezüglich der
Tagesstruktur
ent
nommen werden
, dass
die Beschwerdeführerin
mit d
en Kindern um 07.45 Uhr aufsteht
, mit ihn
en frühstückt und sie dann zur Schule bringt
. Am Mittag h
ole sie sei jeweils wieder ab, t
agsüber erledige sie den Haushalt und koche, am Nachmittag gehe sie oft mit den Kindern spazieren. An Tagen, an welchen sie starke Schmerzen habe, komme ihre Mutter zur Hilfe, sie lege sich dann hin. Ab und zu schaue sie fern, lese wenig oder höre ein wenig Musik. Sie pflege regel
mässig Kontakt
mit der ganzen Familie, ab und zu Kontakt mit zwei Freundin
nen. Seit den Unfällen 2003 gehe sie praktisch nicht mehr aus, lediglich auf Besuch zu Bekannten und Verwandten (
Urk.
8/47 S. 15 f.). Auch wenn die Be
schwerdeführerin somit punktuell auf die Hilfe der Mutter angewiesen ist, kann sie die Kinderbetreuung, Haushaltführung und Pflege gesellschaftlicher Kon
takte so wahrnehmen, wie dies mit Kindern in diesem Alter zu erwarten ist.
Hinsichtlich der dissoziativen Anfälle ist zudem von mehrmonatigen Ab
ständen auszugehen.
Dies bestätigt auch der Bericht von
Dr.
A._
vom 2
1.
Mai 2014
, welcher nach der Episode vom 2
3.
Januar 2014 wieder über eine solche am
6.
Mai 2014 berichtet (
Urk.
11).
Hinsichtlich der Behandlung ist schon dem MEDAS-Gutachten vom 1
5.
Dezem
ber 2005 zu entnehmen, dass eigentlich eine psychiatrisch-psycho
therapeu
tische Behandlung indiziert wäre, idealerweise im Gewande einer scheinbaren Körpertherapie (
Urk.
8/10/48 f.). Dem
Z._
-Gutachten ist in dieser Hinsicht zu entnehmen, dass eine psychiatrische Behandlung durch einen Fach
arzt für Ps
y
chiatrie nie stattgefunden hat
. Hingegen gehe die Beschwerdeführe
rin zu Kon
sul
tationen zu
Dr.
A._
, welcher über eine psy
chosomatische Ausbildung ver
fügt
(
Urk.
8/47 S. 32). Unter dem Titel „aktuelle Behandlungen“ ist dem Gut
ach
ten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin einmal pro Wo
che
zur Massage geht,
Dr.
A._
sowie den
Chiropraktor
konsultiere sie bei Bedarf
(
Urk.
8/47
S. 16
).
Dem Bericht von
lic
. phil.
D._
(Psychotherapie,
Traumatherapie
) vom 1
0.
Januar 2015 ist ebenfalls zu entnehmen, dass dissozi
ative Störungen mit den entsprechenden
traumatherapeutischen
Methoden be
handelbar
sind
, wobei bei der Beschwerdeführerin von einer längeren Behand
lung auszugehen sei. Be
züglich einer entsprechend intensiven Therapie kann dem Bericht aber nichts
ent
nommen werden (
Urk.
13).
Von gezielten medizini
schen Behandlungen, welche
das Leiden als resistent ausweisen könnten, kann
demnach
nicht
ge
spro
chen
werden. Auch hinsichtlich beruflicher
Eingliede
rungsbemühungen
kann
den Akten nichts entnommen werden, ein entspre
chendes Informationsangebot der Beschwerdegegnerin datiert vom April 2010 (
Urk.
8/33).
Bei der Beurteilung der Komorbidität ist neu eine
Gesamtbetrachtung der Wech
selwirkungen und sonstigen Bezüge der Schmerzstörung zu sämtlichen beglei
tenden krankheitswertigen Störungen
vorzunehmen. Neben der
dissoziativen
Störung
leidet die Beschwerdeführerin an
keinen weiteren Erkrankungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Von einer Komorbidität
ist
bei dieser Sachlage nicht
auszugehen
.
Was den Komplex „Persönlichkeit“ betrifft, scheint die Beschwerdeführerin über
beschränkte
persönliche Ressourcen zu verfügen, welche ein Angehen der
Krank
h
eitsfolgen
begünstigen könnten. So wiesen schon die für das MEDAS-Gut
ach
ten verantwortlichen Fachärzte darauf hin, dass die grundsätzlich indi
zierte psy
chiatrische Behandlung aus kulturellen Gründen erschwert sei (
Urk.
8/10/48). Weiter halten die
Z._
-Gutachter fest, dass die Beschwerdefüh
rerin auf die Beschäftigung mit den körperlichen Beschwerden eingeengt
ist
und sich
in ihrem Lebensvollzug limitiert
. Sie sei aufgrund der reduzierten psychi
schen Belastbarkeit, ihres Leidensdrucks und der persistierenden körperlichen Sympto
matologie vermindert stressbelastungsfähig und eingeschränkt in ihren psychi
schen Verarbeitungsmöglichkeiten (
Urk.
8/47 S. 42).
Bezüglich des sozialen Kontexts
ist anzumerken, dass die Beschwerdeführerin über ein funktionieren
des Familienleben verfügt und in
ü
blichem
Masse ge
sell
schaftliche Kontakte pflegt (
Urk.
8/47 S. 1
6). Bei dieser Ausgangslage schei
nen psychosoziale Belastungsfaktoren weitestgehend im Hintergrund zu stehen.
5
.2.2
Hinsichtlich der
gleichmässige
n Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen
vergleichbaren Lebensbereichen ist anzumerken, dass die Tätigkeiten wie sie dem
geschilderten Tagesablauf ent
nommen werden können (
Urk.
8/47 S. 1
5
f.
),
auf ein weitgehend
uneingeschränktes
Aktivitätsniveau
hinweisen
.
Nach Anga
ben der Beschwerdeführerin sei sie in diesem Jahr infolge starker Schmerzen zwei Mal bewusstlos geworden (
Urk.
8/47 S.
16). Auch dies zeigt, dass die
stressbe
dingten
Überlastungsmomente nicht gehäuft auftreten, was für die gut
achterlich
festgestellte Arbeitsfähigkeit
spricht.
Anzumerken ist dabei auch, dass die Be
schwerdeführerin mittlerweile Mutter zweier Kinder ist, was ebenfalls
auf
ein gewisses Selbstvertrauen in die eigene Belastbarkeit
hindeutet
.
Bezüglich des Leidensdrucks ist anzumerken, dass
die
Z._
-Gutachter der Be
schwerdeführerin einen
solchen
attestieren (
Urk.
8/47 S. 42)
.
Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang aber auch die
Inanpruchnahme
von therapeu
ti
schen Optionen, was ein massgebender Indikator für den tatsäch
lichen
Leidens
druck
darstellt (BGE 141 V 281 E. 4.4.2).
Dabei fällt auf
, dass die thera
peu
tischen Bemühungen
als gering bezeichnet werden müssen, obschon ein ent
spre
chender Bedarf schon seit dem MEDAS-Gutachten vom 1
5.
Dezember 2005 ausgewiesen ist
(vgl. oben 4.2.1).
5
.3
In einer abschliessenden Würdigung der Standardindikatoren ist ents
prechend den Ausführungen der
Z._
-Gutachter
in einer leidensangepassten Tätigkeit von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
6
.
Da die Beschwerdeführerin ihre angestammte Tätigkeit als Hilfsköchin im März 2005 aus wirtschaftlichen Gründen verloren hat (Schliessung des Restaurants), ist e
ntsprechend dem Vorgehen im Rahmen der erstmaligen
Rentenzusprache
so
wohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen
ausgehend von näm
lichen Tabellenlohn
anhand der statistischen Durchschnittswerte der Schweize
rischen Lohnstrukturerhebung (LSE) zu ermit
teln.
Dabei
kann auf die
betrag
liche
Festsetzung der Einkommen verzichtet werden und es bleibt die Frage nach einem leidensbedingten Abzug zu prüfen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_450/2014 vom 24. Juli 2014 E.
7.3)
. Gemäss
Z._
-Gutachten ist die Be
schwer
deführerin dabei auf eine stressarme Tätigkeit mit flexiblen Arbeitszeiten angewiesen.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass
d
ie gesundheitlich be
dingte Unmöglichkeit, weiterhin körperlich schwere Arbeit zu verrichten,
nicht automatisch zu einer
Verminderung des hypothetischen Invalidenlohnes
f
ührt
, weil der Tabellenlohn im Anforderungsniveau 4 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_455/20
13 vom
4.
Oktober 2013 E. 4.4). Selbst d
as
Angewiesensein
auf das Entgegenkommen eines verständnisvollen Arbeitgebers stellt praxisgemäss kein anerkanntes eigenständiges Abzugskriterium dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_176/
2012 vom 3. September 2012 E. 8
und
8C_91/2013 vom 2
2.
August 2013 E. 3.3.4).
Vor diesem Hintergrund drängt sich im vorliegenden Fall kein leidensbedingter Abzug auf. Selbst wenn man
gross
zügigerweise
einen solchen von 2
0
%
ge
währen würde,
wie dies die Beschwerdegegnerin im Rahmen der angefochtenen Verfügung tut,
hätte dies
noch immer
einen rentenausschliessenden Invalidi
tätsgrad in der Höhe
von 20
%
zur Folge. Die von der Beschwerdegegnerin verfügte revisionsweise Aufhebung der Rente ist damit mit substituierter Be
gründung zu schützen
.
7.
Insoweit die Beschwerdeführerin vor der Rentenaufhebung ein persönliches Gespräch und ein Angebot von Wiedereingliederungsmassnahmen
anbegehrt
(Urk. 18 S. 4), kann sie nicht gehört werden. Die Rentenaufhebung erfolgt nicht in Anwendung der Schlussbestimmungen zur 6. IV-Revision. Weiter ist sie noch nicht 55-jährig und hat während weit weniger als fünfzehn Jahren eine halbe Rente bezogen, weshalb sie zur Gruppe der Versicherten zählt, denen im Regelfall zumutbar ist, die medizinisch attestierte Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten (Urteil des Bundesgerichts 9C_363/2011 vom 31. Oktober 2011 E. 3.1). Anhaltspunkte dafür, warum ihr dies objektiv nicht möglich sein sollte, sind nicht ersichtlich.
Dies führt nach dem Gesagten zur Abweisung der Beschwerde.
8
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.